THE J. PAUL GETTY MUSEUM LIBRARY
ANZEIGER
FÜR KÜNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
Neue Folge.
ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEITNS.
Tiernndzwanzigster Band.
Jahrgang 1877.
Nürnberg, im Verlag der literarisch - artistischen Anstalt des germanischen Museums.
Redaction des Anzeigers.
August Essenwein, Dr. phiL, I. Direktor des germanischen Museums.
Georg Karl Frommann, Dr. phil., 11. Direktor und Vorstand der Bibliothek.
Beiträge
zu vorliegendem Bande haben geliefert:
Änemüller, B., Dr., Geh. Archivar und Professor; in Rudolstadt.
Baader, J., k. Archivrath, in München, (nun in Mittenwald).
Bergau, R., in Nürnberg.
Bummler, Ernst, Dr., Professor an d. Universität zu Halle.
Ermisch, H., Dr. , .Archivar am kgl. sächs. Hauptstaatsarchiv zu
Dresden.
Eye, .\ugust von, Dr., in Dresden.
Chnelin, M., Dr., grofsh. bad. Archivrath, in Karlsruhe.
Hack; Th., Dr. jur., in München.
Häutle, Christian, Dr., k. Reichsarchivrath, in Bamberg.
Heigel, K. Th., Dr., in München.
Herquet, K., Dr., k. Archivsekretär, in Breslau.
Hoheiilohe- Waidenburg, Fürst Friedrich Karl, Durchl., in Kupfer-
zeil.
Holder, Mh., Dr., grofsh. bad. Hofbibliothekar, in Karlsruhe.
Uwof, Franz, Dr., k. k. Gymnasialprofessor, in Graz.
Käbdeho, Heinr., Dr., in Wien.
Keim, F., Bibliothekar an der kgl. Hof- und Staatsbibliothek in
München.
Kernstock, Otakar, Chorherr des Stifts Vorau (Steiermark).
Kress, Freih. Georg von, k. Rechtsanwalt, in Nürnberg.
Latendorf, Fr., Dr., Gymnasiallehrer, in Schwerin i. M.
Lochner, G. W. K., Dr., Stadtarchivar, in Nürnberg.
Loose, W., Dr., Gymnasiallehrer, in Döbeln.
Lütselhurg, Wilhelm Freiherr von, kgl. LandgerichtsassesBor, in
Worth a. D.
Mehlis, C., Dr., Studienlehrer, in Dürkheim (Rheinpfalz).
Messmer, Dr., Professor an der Universiät in München.
Mummenhoff', Ernst, Sekretär am k. Kreisarchive in Nürnberg.
Oelhafen, Karl von, k. Assessor, in Dinkelsbühl.
Pyl, Theodor, Dr., Professor a. d. Universität zu Greifswald.
Reumont, A. von, k. Kammerherr, in Bonn.
Schmid, Gustav, Dr., in Halberstadt.
Both von Schreckenstein, Freih. K. H., Dr., grofsh. bad. General-
Landesarchivs -Direktor, in Karlsruhe.
Schneider, Friedrich, Dompräbendat, in Mainz.
Schultz, Alwin, Dr., Professor an der Universität zu Breslau.
Simonsfeld, Henry, Dr., in München.
Steche, Richard, Architekt, in Dresden.
Stillfried- Battonits, Rudolf Graf v. , kgl. pr. wirkl. Geheimrath,
Obercereraonienmeister etc., Exe, in Berlin.
Thomas, Georg, Dr., Prof. u. Oberbibliothekar, in München.
Uibeleisen, Karl, Dr., Militärarzt, in Metz.
Vogt, Wilh., Dr., Studienlehrer, in Regensbi rg^.
Wattenbach, W., Dr., Professor a. d. Universität zu Berlin.
Weinkauff, F., Dr., in Köln.
Wernicke, E., Dr., Gymnasiallehrer, in Brieg.
Zahn, J., Dr., Archivar am landschaftl. Joanneum zu Graz.
Alphabetisches Register
zum
yiernndzwanzigsten Bande des Anzeigers für Ennde der deutschen Vorzeit.
I. Aufsätze und Motizen.
82 f.
Ad Moulinum de Dagulfo scriptore.
Äntilus et baculus. 14 f.
Augenärzte, mittelalterliche. 262 f.
Bamberg, s. Bücherkatalog.
Behaim, Friedrich u. Paul, s. Brief.
Beitrüge zur Geschichte Jamitzers. 232 ff. 249 ff. (Nr. 9).
Beiträge, urkundliche, zur Künstlergeschichte Schlesiens, H. Gör-
litz, HI. Liegnitz. 97 ff. 132 fl'. 173 ff. 206 ff. 293 ff. 325 ff.
Bestrafung des Kanzelmissbrauches in Nürnberg. 248.
Bildivirkerei zu Heidelberg im 15. Jahrh. 13 ff.
Blasonnierung: Beitrag zu ders. (mit Abbild.) 201 f.
Brandenburg: Markgräfin Susanna, s. Gebetbuch.
BresUm: Stadtbibliothek, s. Sammlung.
Brief des zehnjährigen Friedrich Behaim an seinen in Leipzig
studierenden Bruder Paul. 339 f.
Briefe des Dr. Sixt Tucher, Propsts bei St. Lorenz in Nürnberg,
an seinen Nachfolger Anton Kreis, 1502-1504. 45 ff. 73 ff.
Buchbeutel in der k. Hof- und Staatsbibliothek zu München. 115 f.
Bücherkatalog, Baraberger. 185 f.
Centraldirection der Monumenta Germaniae: Plenarversamml. 165 ff.
Commission, historische, bei der k. bayr. Akademie der Wissen-
schatten: 18. Plenarversammlung. 32 ff.
Bagulf, Schreiber, s. Ad Moulinum.
De qiiüdam Luggone meribibulo. 225 f.
Dichter des deutschen Mittelalters, ein wiederaufgefundener, (Hans
Rosenstock). 357 ff.
Dichtkunst, dramatische, im Mittelalter, s. Reliquie.
Dintenrecept aus dem 15. Jahrhundert. 84.
Ebernburg, Schlols. 264.
Engländer, geschwänzte. 247 f. 340.
Ettal, s. Ritterakademie.
Exultet: Beschreibung (mit Abbild.) 226. f.
Feuerwaffen, einige mittelalterliche, im germanischen Museum (mit
Abbild.). 9 ff.
Findling. 340.
Florenz, s. Schreiben.
Gebetbuch der Markgräfin Susanna von Brandenburg vom Jahre
1520. 39 ff.
Gebete, drei, der Reformationszeit. 192.
Genin bei Lübeck, s. Glocke.
Geschäftsgang in der Kanzlei K. Karl's V.: zur Charakteristik
dess. 332 f.
Geschichte der Orgel : Beitrag zu derselben. 365 f.
Geschützrohr, grol'ses. 338 f.
Gläser, V'enetianer, im germ. Museum (mit Abbild.). 289 ff. 335 ff.
368 ff.
Alphabetisches Register zum Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
Glocke zu Genin bei Lübeck. 215 f.
Glockengiesser, ein nürnbergischer. ,56.
Görlitz, s. Beiträge.
Grabstein, mittelalterlicher, (m. Abbild.). 177 f.
Gründung einer Stadt zwischen München und Nymphenburg : Pro-
ject zu ders. 15 f.
Uandwerkszeichen, s. Verkauf.
Handzeichnungen, s. Sammlung.
Hedwigsbecher im german. Museum, (m. .\bbild.). 228 ff,
Heidelberg, s. Bildwirkerei.
Helff'enstein, .Adelheid Gräfin v., s. Grabstein.
Hieraple, Herappel, Berg fin Lothringen), s. Ortsnamen.
Hochzeit zu Nürnberg zu Anfang des 16. Jahrhunderts. 242 ff.
Instrumente, astronomische, von Wenzel Jamitzer. 55 f.
Itinerar Kaiser Karl's IV. : Beitrag zu dems. 192.
Jamitzer, Wenzel, s. Beiträge, s. Instrumente, s. Reliquiar.
Kanzelmissbrauch, s. Bestrafung.
Karl IV., Kaiser, s. Itinerar.
Karl V., Kaiser, s. Geschäftsgang.
Kress, Anton, s. Briefe.
Kriegs- und Siegesberichte von der Schlacht zu Pavia am 24. Fe-
bruar 1525. 328 ff.
Kunstkam7ner des Pfalzgrafen Ott Heinrich darf nicht benützt
werden. 82.
Künstlergeschichte Schlesiens, s. Beiträge.
Leibeigenschaft, freiwillige. 56.
Liedercompositionen, mittelalterliche. 68 ff.
Liegnitz, s. Beiträge.
Lothringen, Wälsch - , s. Ortsnamen.
Medicinabcesen : zur ältesten Geschichte dess. in Nürnberg. 178 ff.
Moguntia. 304.
Monumenta Germania' , 3. Centraldirektion.
Muffel, Nikolaus: df n Beschreibung der Stadt Rom. 302 f.
München: Hof- unt' : üaatsbibliothek, s. Buchbeutel.
Museum, germanisL.ies, s. Chronik, s. Feuerwaffen, s. Gläser, s.
Hedwigsbecher, s. Oblateneisen, s. Ofen, s. Thonwaaren.
Normalgeivichte des Kurfürstenthums Sachsen von 1585. 140 f
Nürnberg, s. Briefe, s. Glockengiefser, s. Hochzeit, s. Kanzelmifs-
brauch, s.Medicinalwesen, s. Rath, s. Schempartlauf.
Oblateneisen des 16. Jahrh. im german. Museum (mit Abbild.).
256 ff. (Nr. 9.)
Ofen des 18. Jahrhunderts im german. Museum (mit Abbild.). 300 f.
Orgel, s. Geschichte.
Ortsnamen, altdeutsche, in Wälsch-Lothringen. 78 ff. 109 ff. 259 ff.
Ortsnamen in Lothringen, zwei pseudogriechische. 361 ff.
Pavia: Schlacht, s. Kriegs- und Siegesberichte.
Pfalz: Ott Heinrich, s. Kunstkammer.
Pistolen vom 15.— 17. Jahrhundert (mit Abbild.). 129 ff.
Privatschtden : zur Geschichte ders. 263.
Raspuhel, Rafspüchler. 191 f.
Reliquiar von Wenzel Jamitzer (mit Abbild.) 53 ff.
Meliquie dramatischer Dichtkunst aus dem Mittelalter. 169 ff.
mtterakademie in Ettal: zur Geschichte ders. 180 ff.
Rom, Stadt: Beschreibung ders., s. Muffel.
Rosenstock, Hans, s. Dichter.
Sachsen, Kurfürstenthum, s. Normalgewichte.
Sammlung von Handzeichnungen in der Breslauer Stadtbiblio-
thek. 142 ff.
Schempartlauf, Nürnberger: Beitrag zu dems. 106 ff.
Schlesien: Künstlergeschichte, s. Beiträge.
Schreiben des Raths von Nürnberg an Florenz aus dem 16. Jahr-
hundert. 103 ff.
Siegelstempel, mittelalterliche, von Schiefer (mit Abbild.). 337 f.
Sprichivörter, lateinisch-deutsche, des Mittelalters. 183 ff.
Streit der Bauern mit dem Klerus. 369 ft".
Sühne für Todtschlag. 83 f.
Tarquimpol, Dorf (in Lothringen), s. Ortsnamen.
Theilungszeichen der römischen Ziffern im Mittelalter (mit Ab-
bild.) 1 ff.
Theilziffem in Datierungen. 262.
Thonicaaren, buntglasierte, des 15. — 18. Jahrhunderts im german.
Museum (mit Abbild.). 33 ff., 65 ff., 237 ff.
Toiletten-Anweisungen des 14. Jahrhunderts. 186 ff.
Tucher, Sixt, s. Briefe.
Vereinsprogramm und Vereinsbeitrag im elften Jahrhundert. 7 ff.
Verkauf von Handwerkszeichen. 333 f.
Zählspiel. 248.
„Zeitungen, erste deutsche", von E. Weller. 304.
II. liitoratur-zlnzoig^eii.
Ephrussi, Charles, etude sur le triptique d'Albert Durer, dit le
tableau d'autel de Heller etc. 93 f.
Grote, H. , Stammtafeln. Mit Anhang: Calendarium medii aevi.
280 f.
Mestorf, J., die Vaterland. Alterthümer Schleswig-Holsteins. 351 f.
Monatsschrift für rheinisch - westfälische Geschichtsforschung und
Alterthumskunde, herausgegeben von Richard Pick. 62 f.
Presset, Friedr., Ulm und sein Münster. 253 f (Nr. 8).
Sattler, Magnus, 0. S. B., Chronik von Andechs. 349 ff.
Stillfried, Dr. R. G., Kloster Heilsbronn. 156 ff.
Mürnberi^. Das Abonnement des Blat-
tes, welches alle Monate erscheint, wird
ganzjährig angenommen und beträgt nach
der neuesten Poatconvention bei allenPost-
ümtem und Buchhandlungen De^Uschlands
inel, Oesterreichs 3 0. 36 kr. im 24 fl.-Fui's
oder 6 M.-
Für Frankreich abonniert man in
Paris bei der deutschen Buchhandlung von
F. Klincksieck, Nr. 11 tue de Lille; für
ANZEIGER
Füll (IDE mi
Nene Folge.
Erigland bei Williams Ä Norgate, 14 Hen-
rietta-Street Covent- Garden in London;
für Nord-Amerika bei den Poßtämtem Bre-
men und Hamburg.
A lle für das german. Museum be-
stimmten Sendungen auf dem Wege des
Buchhandels werden durch den Commis-
Bionär der literar. -artist, Anstalt des Mu-
seums, F. A. Brockhaus in Leipzig, be-
fördert.
Yierimdzwanzigster .Jahrgang.
ORGAN DES GERMANISCHEN MCSEIIMS.
1877.
JVf 1.
Jannar.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Die Theilungszeichen der römischen Ziifern im
Mittelalter.
Es ist eine bekannte Erfahrung, dals in Uebereinstim-
mung mit der Sprechweise „Drittehalb, Viertelialb, Fünftehalb,
Zehntehalb" die betreifende Zahl in den Urkunden des Mit-
telalters beim Gebrauche der römischen Ziffern durch Anwen-
dung folgender Theilungszeichen Hf = 2V'2, IIH' = 3'/?, V
= 4'/'2, X = 9V'i ausgedrückt wird ; auch ist bei grüfseren
Summen, sofern sie nicht in der alteren Form durch Wieder-
holung des C und M (CC — Mff.), sondern in der späteren Weise
II« — 11™ aufgeführt werden, die Angabe derselben durch die
Zeichen '^'^■^■'*^> 4^7^^^/] ^'^f^'^ ^ = 150,
250, 350, 450, 650, 750, 850, 1050, sowie von ^**^'»'»^'^
=: 3500, mit zahlreichen Beispielen belegt. Bisher war jedoch
noch nicht beobachtet worden, dafs jene Summen von Dritte-
halbhundert, Viertehalbhundert auch bei der älteren Bezeichnung
der Hunderter (CC — CCCC) durch ein Theilungszeichen aus-
gedrückt worden seien.
Beispiele dieser Art finden sich jedoch häufig, namentlich
in den Stadtbüchern und anderen Urkunden norddeutscher
Städte, und begegneten mir zuerst in einer Berechnung der
Kriegskosteu der rügischen Erbfehde*), welche nach deren
') Diese Zeichen sind aus einem Steuerregister der Stadt Greifs-
wald V. J. 1406 im lib. mem. Gryph. XXXIII fol. 162 entnommen.
') Diese Beschreibung der rügischen Erbfehde befindet sich
glücklicher Beendigung im J. 1328 auf Anordnung des Greifs-
walder Rathes der vom Notar amtlich angefertigten Beschrei-
bung hinzugefügt ist. In dieser Aufzeichnung befremdet näm-
lich Einerseits der Umstand, dafs unter einer Reihe von 260
Beiträgen keine einzige der gröfseren Sum ^ men über einhun-
dert Mark eine Zahl Fünfzig in der Form %■ enthält, während
im Uebrigen die mannigfaltigsten Zahlen, allein und in Verbin-
dung mit den Hunderten, u.A. '•^^^^) ^C'^^^^hiH^
(l^'^P^ sowie auch <^ ^mitP <\\\<^} = 95 neben
^Cf^CJtf vorkommen. Andererseits fallen unter den Sum-
men der Hunderter von 100 — 400 die Theilungszeichen
vclche sieh bei den Zahlen (t*(Tp/vf zwolf-
leben eilf (^CCC) bei ^^'^ I den
Zahlen (^(^^P ^^(f^ viermal (neben sieben (tCCCCC")
beider r I Za
<' I mal (ne
Zahl
^^^^) wiederholen.
CrCTCCp ^^-
eimal (neben einem
im Original im Greifswalder Rathsarohiv Lib. mem. III, und ist
nach demselben die Beschreibung des Krieges im Meklenburger
Urkundenbuch, Th. VII, Nr. 4942, veröfTentlicht, jedoch ohne das
oben erwähnte Verzeichnil's der Kriegskosten, welches, abgesehen
von älteren Abschriften (vgl. Pyl, Pommersche Geschichtsdenkmäler
IV, p. 31 ff.) bisher nur in Dähnerfs Pom. Bibliothek V, 146—150
in einem fehlerhaften Abdrucke bekannt gemacht worden ist, je-
doch in einem Urkundenbuch der Familie Schoepplenberg (Scup-
pelenberg) einer kritischen Ausgabe entgegensieht.
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
Bei der aufserordentlich sorgfältigen, ia grofsen, einfach
gehaltenen Minuskeln ausgeführten Weise der Schrift, welche
der im fünfzehnten Jahrhunderte häufiger vorkommenden
Schnörkel entbehrt, liefs sich nicht annehmen, dafs dieses Zei-
chen, welches bald die Form des Majuskels (^ , bald die der
Minuskeln A (P wiederholt, auf einem will- kürlichen Fe-
derzuge des Notars beruhe , vielmehr ergab eine weitere
Yergleichung der Greifswalder Stadtbücher, dafs dieses Zei-
chen schon in dem ältesten Liber civitatis (Lib. mem. XIV)
d. a. 1291 — 1332 durch zahlreiche Beispiele belegt werden
könne.
Beispiele aus lib. civil. Gryph. XIV d. a. 1291-1332.
Fol. 7 V. d. a. 1301 „Dithraarus de Trebetov tenetur suis
filiis primis, vid. Gothscalco et suo fratri tCÖ!^ marc.
denariorum". Dieser Aufzeichnung ist später die Ergän-
zung „suo filio primo Detmaro ceco G mr et XXV mr"
hinzugefügt und dadurch die Summe „C et XXV — 125"
als Hälfte von <tC^ = 250 bezeichnet.
Fol. 8 V. d. a. 1301 „ tfc-^ ;*; ;U)f marc. = 269 Mark,
während Fol. 18 v. und Fol. 19 (1306) die Formen „C
et quinquaginta" und „centum et quinquaginta" neben XC
vorkommen.
Fol. 20, d. a. 1306 ,,^^ et duas marcas" = 152 Mark.
Fol. 23, d. a. 1307 „^X^ marc." = 150 Mark, welche Ver-
pfändungssumme / bei Wiederholung derselben Auf-
zeichnung Fol. 29 (1309) durch ein ähnliches Zeichen
ausgedrückt wird.
marcis den. slavioslium"
1. 29, d./a. i;
Fol. 29, d./a. 1309 „pro c-C
= 150 Mark.
Fol. 31, d. a. 1309
/
„CGCC mr. cum quin
/ marc."
- /quaginta :
= 250 Mark, neben
marc." = 450 Mark.
Fol. 63, d. a. 1323 „t-t-fS^ marc." = 250 Mark, neben
(Fol. 60v. 62, / d. a. 1323) „centum rar. et
1 mr. und CG mr."
Fol. 78 V. d. a. 1328 :,(^CT~ ™^'''^- et VI mr. minus II sol.
= 155 Mark 14 Schill. | neben (Fol. 80 v. 1329) „cen-
tum et 1 mr." (wobei 1 mr. = 16 Schilling berechnet ist).
Ebenso zahlreiche Beispiele der Theilungszeichen /-»J> A- J5
lassen sich aus den späteren Greifswalder Stadtbü- | ' I ' I
ehern ^) anführen, u. A. aus dem liber obligationum (Lib. mem.
XV) d. a. 1349 — 1442, Fol. 76 (p-(H' = 150, d. a. 1363;
Fol. 78 V. c^ = 150, d. a. ' 1364; und Fol. 144
d.a. 1383, ' wo die betreffende Summe dreimal durch das
Zeichen (r^P ausgedrückt wird, während an einer Stelle im
liber de hereditatum resignatione (Lib. mem. XVI, Fol.
76, d.a. 1375), auf welche lib. obl. XV, Fol. 144 verweist,
derselbe Betrag mit den Worten „centum et quinquaginta" an-
gegeben ist. Dagegen enthält der letztgenannte lib. de her.
res. (d.a. 1351 — 1451) an Zahlen mit dem Theilungszeichen
u. A. Yo\. 166 V. d. a. 1415 (^ = 150, Fol. 168, d. a.
1416 CCp =150, Fol. 169 d. a. ' 1417 crffC/' = 350, und
Fol. 174 d. a. 1420 (CCCf = 350. '
Auch in den Greifs- ' walder Kämmereirechnungen (Lib.
mem. XXXIII, d. a. 1375 — 1409) findet sich bei Summierung
der Ausgaben u. A. Fol. 278 v., 292 v. 293, das Zeichen
i(^ , und ergibt die Zusammenzählung der betreffenden einzel-
nen Beträge, dafs dort ^(P =150 gerechnet ist.
Seit dem Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts tritt
jedoch in diesen Stadtbüchern an die Stelle der älteren Bezeich-
nung der Hunderter durch Wiederholung des G die schon oben
erwähnte Form Iic — XIX^ , und sind demgemäfs die mit
Fünfzig zusammengesetzten Zahlen der Hunderter seit 1419
(in welchem Jahre im lib. obl. XV, Fol. 209, das Zeichen
^fp =150 noch dreimal vorkommt) u. A. im lib. obl. XV,
^ Fol.222, d.a. 1423 durch das Zeichen yi^r = 150, im lib.
de her. res. XVI, Fol. 194 v. d. a. 1434 ^-^ durch das Zeichen
X\it^(i.C/o1o^ = 380 ausgedrückt, bis endlich in den jüng-
sten Stadtbüchern lib. mem. XVII und XVIII die arabischen
Ziffern Anfangs in der Form 2C — 19 c, 2Mff., endlich in der
jetzt üblichen Weise 200 ff., 2000 ff. zur Geltung gelangen.
In dieser Wandlung wird auch der Grund zu finden sein,
dafs schon bald nach der Keformation das Verstünduifs für
die Theilungszeichen ^(^ — CtClCf mangelte, und dafs sie
seit dem sechzehnten Jahrhundert als gleichbedeutend mit
CC— CCf"^ angesehen wurden. Den Nachweis für dies Mifs-
verständnifs können wir aus den Ergänzungen und alten Ab-
schriften") der Beschreibung des rügischen Erbfolgekrieges
entnehmen, welche theils dem Original von späterer Hand hin-
zugefügt sind , theils im Rathsarchiv und auf der Universitäts-
bibliothek in Diploraatarien vorliegen. Obwohl dieselben flüch-
tig und unrichtig ausgeführt sind, so stimmt doch meistens die
gröfsere Differenz der Summen mit der Zahl überein, in wel-
cher das Zeichen W- in den nach Strafsen geordneten Bei-
trägen der Bürger ' und Gewerke mehr oder minder häufig
vorkommt.
Auszug in Buschii Congesta c. 157 7.
(Vgl. Mohnike und Zober, Strals. Chronik I, 3 14 ff.)
Summe unter Voraussetzung, Angabe, wie oft das Zeichen
dafs W- = 100. rtr i™ Original vorkoranit.
Bruggestrate — 1836 mr. 3 mal = 150
Knopstrate — — 4666 mr. 7 mal = 350
Vischstrate — — 2008 mr. 1 mal = 50
Stenebekerstrate — 2858 mr. ' 3 mal = 150
Garwers — — 416 mr. 1 mal = 50
Boddeker — — 300 mr. 1 mal = 50
Sum. der ampte — 2194 mr. 2 mal = 100
^) Vgl. Pyl, Pommer'sche Geschichtsdenkraäler III, p.XI- XXV.
*) Vgl. Pyl, Pommer'sche Goschichtsdenkmäler IV, p. 31 ff.
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
Summe unter Voraussetzung, dal's ^ = 50.
Platea Pontis —
PI. Nodi - —
PI. Piscium —
PI. Lapicidarum
Cerdones — —
Dolifices — —
Sum. officiorum —
1689 mr.
5143 mr.
1946 mr.
2726 mr.
366 mr.
250 mr.
2094 mr.
Randbemerkungen im Original c. 1530.
Summa civium
;?J*y<'%' ^y *^vvv^ = 19550 mr. 18 mal = 900
Summa civium = 18633 mr.
Summa officiorum
\.\w\r
2194 mr. 2 mal = 100
ehauptung, dafs ypP und rf' = 50 sei, geht jedoch
mden Aufzeich- I nun- I gen des cältesten Stadt-
Summa officiorum = 2094 mr.
Auch für die Folge blieb der Mehrzahl der Geschichts-
forscher die Bedeutung des Zeichens C}' = 50 unbekannt, wie
daraus zu entnehmen ist, dafs, abgesehen von dem Abdruck
bei Dähnert, Pom. Bibl. V, 146—150, auch die oben als
crtrcf- = 250 angeführte Summa (Lib. civ. XIV, f. 31, d. a.
1309) in den Pommer'schen Geschichtsdenkmälern I, p. 84,
Zeile 4 V. oben als „CCC marcas" angegeben ist, und dafs meh-
rere namhafte Historiker, denen ich meine Vermuthung mit-
theilte, dieselbe als unhaltbar zurückwiesen, indem sie den
Strich, resp. Hakenzug desjj4^ und ^ für einen willkürlichen,
bedeutungslosen Schnörkel ' erklär- ' ten. Die Gewifsheit
meiner Bell
aus folgende
buches hervor :
Lib. civ. XIV, fol. 86 v. d. a. 1330.
Not. quod Thidericus Scupplenberg veniens coram nobis
suam hereditatem lapideam, sitam in cono iuxta forum, cum Om-
nibus bodis annexis, obligauit pignori Domine Margarete, re-
licte Nicolai de Meluinghe, pro centum et quinquaginta
marcis currentis monete, in quibus idem Thidericus recogno-
uit, se dicte Domine Margarete et eis pueris esse obligatum.
De hys predictis centum et quinquaginta marcis prefatus
Thidericus medio tempore, quod hereditatem prescriptam, cum
bodis annexis, non redemerit pro CCp.mrfclö nic'iilc'tÄfiÄ »
debet dare et soluere dicte Domine ' Margarete et suis pueris
singulis annis in Carnispriuio XV marcarum redditus dicte
monete indilate.
Actum in crastino Gregorii pape.
Lib. civ. XIV, fol. 91 v. d. a. 1331.
Not. quod Thidericus Scupplenberg coram nobis recogno-
nit, se esse obligatum in ^^±J') marcis currentis monete pu-
eris Nicolai de Meluinghe, ( «-^«» ) scilicet Hennekino, Nicoiao et
*J Die eingeklammerten Zahlen sind im Texte durchstrichen,
und dureh die über ihnen geschriebenen Zahlen berichtigt ; bei
der 1. und 4. Zahl sind Rasuren und Veränderungen gemacht, und
Cristine in minoribus annis constitutis, pro quibus e-<n^tÄ^ ^ J(^
marcis predictis idem Thidericus suam heredita- (*'''***^'^S^
tem lapideam, sitara in cono iuxta forum, cum omnibus bodis
annexis, pueris dicti Nicolai titulo pignoris obligauit. Et pre-
fatus Thidericus de (h^^^h marcis den. prescriptarum C'Cr
marcarum debet pueris prenotati Nicolai et ipso- \CC^^)
rum tutoribus dare et soluere singulis annis in Carnispriuio
/o, X^^ marcarum redditus expedite, de residuis centum
f^ tyCCvvyv )
marcis predictis debet prefatus Thidericus unum prenotatorum
puerorum in suis teuere expensis.
In diesen Aufzeichnungen, welche den urkundlichen Be-
weis liefern, dafs >4^ mit quinquaginta gleichbedeutend ist, er-
scheint in der er-H sten Eintragung vom J. 1330 dieselbe
Summe, für welche das Haus verpfändet ist, in dreifacher An-
gabe, und zwar ist sie bei der Verpfändung und Rentenzahlung
zweimal durch die Worte „centum et quinquaginta", beim Rück-
kauf dagegen durch das Zeichen CCP ausgedrückt, bei welchem
der Zusatz „memoratis'' zweifei- los auf „centum et quin-
quaginta" zurückweist und dasselbe mit der genannten Zahl
(150) als gleichbedeutend erscheinen läfst. In der zweiten Auf-
zeichnung V. 1331 hat der Notar Anfangs irrthümlich C^^^
und ducefftis geschrieben, dann jedoch, um sein Versehen zu
berichtigen, mit schwärzerer Tinte einen Strich durch das
zweite^ gezogen, ferner ducentis durchstrichen und ,.centum
et 1 marcis" darüber geschrieben, dem entsprechend auch bei
dem später erwähnten kleineren Theil der Summe 150 über
dem unrichtigen „centum" die richtige Zahl 1 verbessert und
die Rente ,.decera" in ..quinque" berichtigt, ein Verfahren, wel-
ches gleichfalls die Bedeutung von rf; = 50 bestätigt.
Eine Anfrage bei anderen Archiven ergab u. A. das Re-
sultat, dafs Herr Staatsarchivar Dr. von Bülow das Zeichen cf"
bei einer Kostenrechnung der pomniorschen Herzoge v. J. 1321
im Stettiner Archiv häufig angewendet fand, ferner die Mit-
theilungen des Herrn Archivraths Dr. Wigger in Schwerin, so-
wie des Herrn Bürgermeisters Francke und Dr. Fabricius, dafs
auch die Rostocker und Stralsunder Stadtbücher häufig
das Zeichen ^ enthalten. Würde das Zeichen auch bei Jah-
reszahlen, oder ein ähnliches bei der Zahl Tausend *) etwa ^^f^
oder ojn angetroffen werden, so würde diese Entdeckung noch
von "^ wichtigeren Folgen sein.
Ich habe diesen Aufsatz aber sobald als möglich veröffent-
licht, um noch eine weitere Prüfung der Stadtbüeher und Ur-
kunden an anderen Orten zu veranlassen, und empfehle, auch
die Ausgaben der bereits gedruckten Urkundenbücher und an-
erscheinen sie daher im Original anders; ich habe zur Uebersicht
die corrigierte Form über der ursprünglichen Form angegeben.
''J Interessante Zahlzeichen von Tausenden finden sich in der
Schrift von Ritschi, de titulo columnae rostratae com. altera. In-
dex scholarum, Bonn 1861, mit Abbildung.
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
8
derer historischen Werke in dieser Kichtung zu untersuchen
eventuell zu berichtigen.
Greifswald. Theodor Pyl.
Vereiusprograiiiin und Yereiusbeitrag im elften
Jahrhundert.
In civitate Salzburgensi quaedam fraternitas habetui-,
quae vulgari vocabulo zebga (i. c. zccha) dicitur, a fidelibus
Christi et piis constituta hominibus orationes et eleemosynas
suas in unum conferentibus. Haec autera societas communis
est clericis, monachis, "sanctimouialibus fcmiuis, laicis, diviti-
bus et pauperibus, et omnibus eam rite acquirere volcntibus.
Sunt in cadcm fraternitate quadraginta VII congregationes
rcligiosorum hominum et in praedicta civitate et in omni
eius provincia deo famulantium. (2) Celebrantur quoque per
annum pro animabus omniuni in ea defunctorum octo milia
missaruni, quam plurima psalmorum; fiunt annuae ante nati-
vitatem domini el^emosinae ad centura fere raarcas estimatae;
Sed et per singulas secundas ferias et dominicis diebus ira-
penduntur pauperibus misericordiae. (3) Qulcumque ergo huius
fraternitatis consortium habere voluerit et postulans humiliter
acceperit, dicet cottidie bis pater noster, semel pro vivis se-
mel pro defunctis, et si quid per totam hebdomadam neglexe-
rit dominica die supplebit. Dabit etiam singulis annis in ex-
pensas communis eleemosynae qui potest quindecim denarios
sive pro ipsis medium frumenti. (4) Si hoc fecerit usque in finem
vitae suae mortuo ipsi datur loculus ligneus in modum sarco-
fagi in quo recondatur et locus cimiterii ubi reponatur. Quod
si absens est idem defunctus, dantur haec alicui peregrino
pro anima illius. Porro tales aguntur pro eo eleemosinae:
VI modii panis, LX casei, XII urnae de cerevisia, LV no-
cturnalia lumina. (5) Haec singulariter actitantur pro unoquo-
que posito in praefatae fraternitatis socielate, communiter au-
tem pro omnibus aguntur ea quae in primis dixi.
Der aus dem Kloster Tegernsee stammende Cod. lat. 19107
der k. Staatsbibliothek zu München, bestehend aus 165 Blät-
tern in 4. enthält auf f. 4'' — 163" , geschrieben von einer
Hand des 12. Jahrb. : „Walafridi Strabonis omeliae domi-
nicales et festorum praecip. Sanctorum pars I." Auf drei
Vorsetzblättern und einer weitern Seite aber finden sich andere
Einträge und zwar aufser solchen liturgischen Inhalts die fol-
genden: fol. 2^ obiges Document von einer Hand des 11. Jahrb.,
fol. 2'» eine Urkunde für die tegeruseeische Stiftung cella s.
Martini (Dietramszell), welche in Mon. Boica AI, p. 165 nach
einer andern und, wie es scheint, jüngeren Handschrift') ge-
druckt ist; hier ist ihr auch noch von derselben Hand eine
Notiz über die Erbauung und Einweihung der Kirche daselbst
ao. 1160 beigefügt, zu welcher Zeitangabe auch die Schrift
'j Nach unserer Handschrift ist daselbst Seghenbunt in Gek-
kenbiunt und Muzenharde in Antzenharde zu verbessern.
stimmt; ferner fol. 4* und d^ das Verzeichnis der von Herzog
Arnulf säcularisierten Güter des Klosters Tegernsee in der
älteren Fassung, wie es sich in Freiberg's Geschichte von
Tegernsee, p. 25, gedruckt findet und nach den vorkommenden
Personen von Oefele in seiner Geschichte der Grafen von
Andechs (Innsbruck, 1877), p. 109, in die Jahre 1018 — 35 ge-
setzt wird; seiner bezüglichen Angabe ist also obige Hand-
schrift noch beizufügen: die Schrift dieses Stückes dürfte ge-
nannter Zeitangabe ungefähr entsprechen.
Das oben abgedruckte Document füllt die erste Seite
von fol. 2 gerade aus und ist von einer Hand des 15. Jahrb.
mit der Ueberschrift versehen: ,, fraternitas quae vulgari voca-
bulo zecha dicitur quae olim in Salczburga habita fuit et pra-
cticata." Die wenigen und unzweifelhaften Abkürzungen habe
ich aufgelöst. Die oben angewendeten grofsen Buchstaben
sind auch in der Handschrift Majuskeln, aber noch durch
Mennigtupfen hervorgehoben. Die theilweise vorkommende In-
terpunction habe ich durch die heutige ersetzt und zur bes-
sern Abtheilung des Inhalts die arabischen Ziffern beigefügt.
Die Ueberschrift, welche ich dem Stücke gegeben habe,
wird sich durch den Inhalt desselben wol rechtfertigen lassen,
der das Wesen des Vereins mit einer Bündigkeit darlegt, wie
man sie nur je von einem „Programm" verlangen kann, und
zwar in Absatz 1 : Sitz, Xame, Mitgliedschaft und Verbreitung
des Vereins, in 2. Leistungen des Vereins im Allgemeinen, in
S.Pflichten der einzelnen Mitglieder, in 4. Vortheile derselben,
in 5. conclusio.
Für die genaue Bestimmung der beiden vorkommenden
Geldwerthe fehlen für diese Zeit die festen Anhaltspunkte.
Der Sachwerth des Jahresbeitrags von 15 Denaren oder (Sil-
ber-)Pfennigen ist selbst schon durch den freilich auch wieder
wandelbaren Begriff von „oder ein Muth Getreidt" erläutert;
dazu müge man noch folgende Angaben vergleichen, die sich
in einem gleichzeitigen oder nicht viel früheren Salzburger Sal-
buche (gedruckt in v. Kleimaj'rn's Juvavia, Anhang p. 308 ff.)
finden : „tres minores porci quorum quilibet valeat 12 dena-
rios; ovis vel 12 denarii Co mal); 4 modii frumenti et porcus
vel (zusammen) 60 denarii".
Schwieriger ist die Bestimmung der zu Weihnachten —
also für eine Ghristbescherung im grol'sen Mafsstabe — zur
Vertheilung an die Armen aufgewendeten Summe von unge-
fähr hundert Mark; doch dürfte man nicht zu weit fehlgehen,
wenn man die Mark etwa einem Jahresbeiträge von zwanzig
Mitgliedern gleich setzt. —
Fügt man zur Worterklärung noch bei, dafs „zecha,
Zeche" im Mittelalter die gewöhnliche, Benennung für „Genos-
senschaft, Bruderschaft" (Schmeller IV- , 1077. Ducange. ed.
Henschel, t. VI, 932) ist (noch erhalten in unserm Worte
Bergwerkszoche) , und dafs loculus im Latein jener Zeit einen
Sarg bezeichnet, und zwar, wie auch hier der Gegensatz zu
sarcophagus andeuten dürfte, einen hölzernen, kunstlosen; (vgl.
Ducange IV, 141: „ferctrum, in quo cadaver mortui deponi-
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
10
tur"), so dürfte der Wortlaut des nach verschiedenen Seiten
interessanten StücIvS keine weitere Schwierigkeit bieten.
München. F. Keinz.
Eiuige inittelalterliflie Feuerwaffen im geriiianischeu
Museum.
Wiederholt schon haben wir in diesen Blättern auf ein-
zelne Feuerwaffen hingewiesen, die dem 14. und 15. Jahrb.
Wir beginnen die Reihenfolge mit einem kleinen eisernen
Geschützrohre (Fig. 1). Der Kern des Rohres ist schmied-
eisern. Wie er angefertigt ist, ob nur aus einer oder aus meh-
reren, mantelartig um einen Kern gerollten Lagen, läfst sich
nicht erkennen, da das Stück vollkommen gesund ist und nir-
gends durch eine schadhafte Stelle in sein Fleisch schauen
läfst. Um diese Röhre sind zur Verstärkung Ringe aufge-
schmiedet, die ebenfalls der Mehrzahl nach so fest sitzen , dafs
sie wie aus der Masse gegossen erscheinen, während einzelne,
I.Sii-viet.
angehören. Die eifrigen Bemühungen , diese Sammlung zu er- wenn auch nur wenig, so doch so viel gelockert sind, um er-
gänzen, sind nicht ohne Erfolg geblieben, so dafs wir heute kennen zu lassen, dafs es selbständige Körper sind. Der ehe-
abermals eine Reihe interessanter Stücke vorführen können. mals offene Hintertheil der Röhre ist durch einen eingescho-
Fig. 2.
11
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
12
benen konischen, aus einer gerollten Eisenplatte bestehenden
Körper ausgefüllt, dessen Zweck nicht vollständig klar ist, da
das Geschütz ohne Zündloch ist, so dafs es nicht mehr dienen
könnte. Ehemals wurde hier rückwärts die geladene Kam-
mer eingeschoben. Die L<änge der Röhre beträgt 1,84 Met.,
Fig. 3.
ist, wie ja die älteste erhaltene Handfeuerwafi'e, unsere Tannen-
berger Haudbüchse, ähnlich construiert ist. Das vorliegende
Stück ist deshalb besonders interessant, weil es für Hinterla-
dung eingerichtet ist, indem in die offene Mulde am Ende
des Rohres besonders geladene Kammern eingelegt wurden,
"t nat. Gröfse.
die lichte innere Weite 4,5 Cm.; das Gewicht 76,1 Kilogr. Das die an der Unterseite mit einem Haken versehen waren, der
Stück wurde vor einiger Zeit aus der frhrl. v. Minutoli'schen durch einen Schlitz der Mulde hindurchgriff, so dafs das Stück
Sammlung in Liegnitz erworben. Die Zeit der Entstehung aufgelegt als Hakenbüchse diente. Die Zeit der Entstehung
Fig. 4.
i leir nat.(>tt
mag in die Mitte des 15. Jahrhdts. fallen. Dafs noch in der
zweiten Hälfte desselben solche Stücke gebrauchlich waren,
zeigt ein Stich Israels von Meckenen (B. 8), welcher Judith
darstellt, die den Holofernes gemordet hat, wobei das Lager
'/7nar>(^ .
mag um 1470 — 80 fallen. Die Kaliberstärke beträgt 1,8 Cm.
die Länge des Ganzen 1,36 Mtr., die der Röhre 62,5 Gm. ; das
Gewicht 3,55 Kilogr. Wir haben das Stück als Doublette aus
dem Berliner Zeughause erhalten.
ein treues Bild der Zeit des Künstlers gibt, so dafs das Blatt
für die Geschichte des mittelalterlichen Kriegswesens von grofser
Bedeutung ist. Wir geben in Fig. 2 ein genaues Facsimile
jenes Theiles, welcher die Geschütze enthält.
Fig. 3 stellt eine interessante Handbüchse dar, die an
jene erinnert, welche in der Breslauer Handschrift des Frois-
sart vorkommen, ') bei denen ein Stiel rückwärts eingeschoben
') Anzeiger 1870, Xr. 11, Sp. 357 u. 358 und Fig. 3 und 6
der Tafeln.
Fig. 4 zeigt eine Handbüchse, wie sie ganz ähnlich in dem
Zeugbuche Kaiser Maximilians um das Jahr 1500 vorkommen.
Die Röhre ist von Bronze, hat am Ende ein Visier, an der
Mündung eine Mücke ; die Pfanne hat einen beweglichen Deckel.
Das Schlofs ist derart construiert, dafs man auf den Knopf a
drückt, worauf der herausstehende, über dem Hebelarm des
Hahnes befindliche Dorn b in den Schaft zurücktritt, so dafs
der Hebel frei und der Hahn durch die Kraft einer innen be-
findlichen Feder auf die Pfanne gedrückt wird. Das Gewicht
13
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
14
beträgt in Folge der Schwere der Bronze 5,1 Kilogr., die Ge-
sammtlänge 1,69 Met., die Rohrlänge 0,8 Met. Das Stück ist,
wie das Zeichen auf dem Laufe zeigt, Baseler Ursprungs. Wir
haben dasselbe aus dem dortigen Zeughause erhalten.
Ein interessantes, aus Bronze gegossenes Stück ist das in
Fig. 5 dargestellte fünfläufige. Die 5 Läufe liegen in einer
Ebene, sind jedoch nicht vollständig parallel, sondern gehen
gegen die Mündung leicht auseinander. Ein Steg enthält die
fünf Zündlöcher; ein Visier und eine Mücke befinden sich über
der mittleren Kohre. Unten hat der brettartige Körper einen
Haken, rückwärts eine Hülse für den Stiel. Dieser Bronzekör-
per wiegt 19,7 Kilogr. Aehnliche Apparate befinden sich auch
im Maximilianischen Zeugbuche'); nur sind dort die Rohre
einzeln auf Brettstücke befestigt, so dafs der Ausdruck „Laden"-
büchse von diesen Brettern hergeleitet ersclieint und es zwei-
felhaft bleiben mufs, ob die Alten auch für unser Stück den-
selben Ausdruck gebraucht haben. Wir haben das Stück aus
dem kgl. Zeughause zu München erhalten.
Nürnberg. A. Essenwein.
') Siehe die Tafel zu Nr. 7 des Anzeigers f. E. d. d. V., 1868.
Bildwirkerei zu Heidelberg im 15. Jahrhundert.
Bei der Frage nach den Orten, wo die Erzeugnisse mit-
telalterlicher Kunstindustrie angefertigt worden, hält es oft aus
Mangel an genügenden Angaben schwer, den Nachweis im Ein-
zelnen mit Bestimmtheit zu führen. Man ist daher gar leicht
geneigt, immer wieder auf einzelne, grofse Mittelpunkte zurück-
zugreifen , deren Thätigkeit auf gewissen Gebieten aufser Zwei-
fel steht, und ihnen die Ehre der Erzeugung von unzähligen
Arbeiten beizumessen, die indessen an kleinen, fast gänzlich
unbekannten Arbeitsstätten entstanden sind. So mit den Bild-
wirkereien des späteren Mittelalters. Den Ursprung derselben
einfach an die vielbekannten Hauptorte dieses Kunstzweiges,
wie Arras u. a. ni., zu verlegen, ist zwar sehr bequem, aber
aus inneren und äufseren Gründen ein Unding. Auch für
diese Teppichgebilde müssen eine Reihe, freilich bis jetzt wenig
oder gar nicht bekannter, Fabrikstätten angenommen werden.
Ein Beispiel hierzu bietet die zu Heidelberg im 15. Jahrhun-
dert betriebene Bildwirkerei.
Die Zunft der Wollenweber war daselbst schon in der
Frühzeit des 15. Jahrhunderts für die Verhältnisse des Platzes
sehr bedeutend; 1430 gab es dort bereits 21 Meister, worun-
ter 2 Zunftmeister. Sie hatten eine eigene Walkmühle bei
Neuenheim, und noch im Anfang des 17. Jahrhunderts blühte
zu Heidelberg die Wollenindustrie, bis der 30jährige Krieg
auch in dortiger Gegend die Schafzucht und die damit ver-
bundene Industrie gänzlich zerstörte. (Mone, Zeitschr. f. d.
Gesch. d. Oberrheins IX, 130). Dafs ein so ausgedehntes Ge-
werke sich nicht blos mit der Herstellung der allergewöhn-
lichsten Erzeugnisse begnügt habe, liegt der Vermuthung nahe ;
sie wird aber auch durch unmittelbare Hinweise bestätigt. So
verschreibt sich Ulrich, des Bürgers Lenhart Bornhüsers zu Hei-
delberg Sohn, der Pfalzgräfin Mechthilt auf lebenslänglich als
Hofhandwerker, nachdem sie ihn „zu iren würkmeistern getan
hat,'- die ihn ,,auch dasselbe hantwercke und künste flij-
fsiclich und getrüweclich leren und gütlich unterwysen sollen
und wollen." (Mone, a. a. 0., IX, 170.) Ferner liefs Bischof
Johann III. von Dalberg für seine Domkirche zu Worms Tep-
piche anfertigen, zu welchen Adam Werner von Themar bei
seinem Aufenthalte an dem Hofe zu Heidelberg zwischen 1491
— 1492 metrische Inschriften verfafste. Sie lauten:
Quod tibi Dalburgi Joannes praesul tuus offert
hoc opus intextum, suscipe sancte Petre.
Hanc vitae seriem tibi quae monimenta Joannes
Dalburgi praesul dat, cape grata Petre.
Hanc seriem vitae textam tibi dono Joanne?
Dalburgi praesul, suscipe Sancte Petre.
Clavigeri vitam contexuit ecee Joannes
Dalburgi, sperans quodque patronus erit.
(Bei Mone, Quellensammlung d. bad. Landesgesch. III, 158.J
Die Inschriften deuten auf bildliche Darstellungen, vielleicht
des Stammbaumes (vitae seriem) mit dem Donator, jedenfalls
aber auf Begebnisse aus dem Leben des Apostels Petrus, des
Patrons der Wormser Domkirche. Dafs diese Inschriften in
Heidelberg verfafst wurden , legt die Vermuthung nahe, dafs zu
deren Verwendung am dortigen Platze Veranlassung geboten
war. Es darf darum wol unter den oben angezogenen Voraus-
setzungen angenommen werden, dafs die von Johann III. von
Dalberg bestellten Bildwirkereien auch zu Heidelberg selbst
ausgeführt wurden.
Mainz. Friedrich Schneider.
Anulus et baculus.
In Nr. 11 des Anz. v. 1876, Sp. 335, ist ein Gedicht aus
einem Münchener Fragment mitgetheilt und bedauert, dafs der
Schlafs fehle. Durch die Güte des H. Prof. Dümmler habe
ich nun eine vollständige Abschrift erhalten, welche einst Beth-
mann der reichen Gedichtsammlung in St. Omer entnommen
hat, die von ihm im Archiv d. Ges. f. alt. D. Gesch. VIII,
408 — 411 beschrieben ist. Hier geht Hildeberts Gedicht „Jam
tot — cavere", also in derselben unvollständigen Gestalt, wie
im Münchener Fragment, unmittelbar voraus. In den a. a.
0. abgedruckten Versen heifst es v. 2 regisque, v. 3 Conve-
uiuntque tamen propria, v. 18 vocatur. Wir lassen jetzt das
fehlende Stück folgen:
25 In baculo tria sunt, decorat quae mistica forma,
Sicut ab antiquo docet ecciesiastica norma.
Attrahit uncinus, cuspis stimnlat remorantes,
15
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
16
Directus fustis rectum sustentat amantes.
Sufficit interea, quod dicimus ut teneatur,
30 Ilec melius donec qui disserat inveniatur.
Ad gladium regis diademaque nunc redeamus,
Ad quid et hec valeant, pro viribus expediamus.
Sacra duos memorat gladios scriptura fuisse,
Discipulos Domini quos ijisa refert iiabuisse.
35 Symonis est unus, quem papa videtur habere,
Commjssae plebis Vitium resecando severe.
Qui superest, gladium rex debet jure teuere,
Ut feriat quos ecclesiae videt ipse*nocere.
Extra vaginam semper sit regia spata,
40 Semper ut ecclesiam defendat ab hoste parata.
Viribus imniensis expugnet regius ensis
Hostes ecclesiae caput obterat et pateriae.
Papa tenet gladium vel presul spiritualem,
Rex etiam gladium portal, sed materialem.
•J5 Papa tenet gladium, conservet ut interiora,
Rexque tenet gladium, tueatur ut exteriora.
Ecclesiae pacem pro certo nescit amare,
A papa regem qui querit dissotiare.
Postremura mihi dicere de diademate restat,
50 Quod deportando majestas regis honestat.
More Corona velut regis caput aurea cingit.
Quam manus artificis lapidum variamine pingit,
Sic regis debent virtutes cingere mentem,
Ut reddant ipsara vario fulgore nitentem.
55 Ut regis caput est cinctum diademate fulto,
Sic circumcingi debet rex milite multo,
Qui sit ad arnia Valens, qui consilio sit honestus,
Hoste triumphato qui sit pietate modestus.
Convenit ut tales sint regis collaterales,
60 Convenit ut tales equites sint imperiales.
Tau rex et papa modo non dissotiantur,
Una sed potius vero sub amore ligantur.
Das Gedicht mit gleichem Anfang in einer Brüsseler Hand-
schrift (Archiv VIH, 535) ist von diesem ganz verschieden.
Berlin. W. Wattenbach.
v. 32 quod Es.
Ueber das Projekt der Gründung eiuer Stadt zwischen
München und Njmphenburg.
Unter den Archivalien, die aus dem alten Preysing'schen
Archiv im Schlofs Hohenaschau vor einigen Jahren für das
ilünchner Reichsarchiv erworben wurden, befindet sich ein für
die neuere Geschichte der Stadtrechte interessanter Entwurf
eines Dekrets Karl Alberts, das jedoch, wie es scheint, nicht
wirklich ausgefertigt wurde, wie denn auch die darin bespro-
chene Gründung unterblieb.
In zwölf Artikeln werden alle zur Anlage einer Stadt
zwischen München und Nymphenburg nöthigeu Vorkehrungen
und die der neuen Gemeinde verliehenen Weichbildrechte fest-
gesetzt.
Die Stadt soll den Namen Ivarlstadt tragen. Im Wappen
darf sie die blauweifsen Wecken führen, darin eine von vier
Thoren umschlossene, mit dem Kurhut bedeckte Burg. In
geistlichen und weltlichen Dingen sind ihr alle und jede Frei-
heiten, wie jedem andren Municipalwesen in Bayern einge-
räumt. Der Zutritt steht jeder Person von cliristkatholischer
Nation frei, wessen Landes, Standes, Dignität und Wesens sie
sonst sein möge; jedermann hat auch das Recht, dort Handel
und Wandel zu treiben. Wer Lust hat, sich ansässig zu
machen, erhält 3 — 4 Jauchert zur Hofstatt unentgeltlich, doch
mufs er sich verpflichten, binnen 3 Jahren nach der vom kur-
fürstlichen Bauauit vorgeschriebenen Höhe, Weise und Manier
sein Gebäu aufzurichten, oder wenigstens den Bau ernstlich
anzufangen. Dagegen sollen diese Bürger in den ersten Jahren
von ordentlichen und aufserordentlichen Steuern, Anlagen,
Einquartierungs- und anderen Lasten völlig befreit sein. Auch
die Ertheilung des Bürgerrechts ist nicht mit Kosten ver-
bunden. Ueberdies sollen alle aus anderen Städten dahin
ziehenden Künstler und Handwerker keinerlei Nachsteuer oder
Abzugsgeld zu entrichten haben. Ebenso soll der freie Ab-
zug aus Karlstadt jederzeit gestattet sein und weder Ab-, noch
Zuzuggeld abverlangt werden. Jedermann darf dort Handel
und Gewerbe frei ausüben, alle schädlichen Monopole und an-
dere der gemeinen Nahrung, Gewerbschaft und Handelsfreiheit
nachtheiligen Zwangsbedrückungen sollen durchaus nicht ein-
geführt und geduldet werden, das Zunftwesen nur in so weit ge-
stattet sein, als die Zünfte „nit zu Unterdrückung und Ruinie-
rung des gemeinen Wesens aufzurichten sein", übrigens jeder-
mann freistehen, ob er in eine Zunft eintreten wolle oder
nicht. Justiz- und Polizeiwesen werden ..auf einen solchen
guten Fufs gesetzt werden, dafs einem jeden schleunig und
unparteiisches Recht und Hilfe ohn Ansehen der Personen
widerfahren und ertheilet werden möge". Ueber das Stadt-
regiment bleiben nähere Bestimmungen vorbehalten ; bis die
Stadt zu ihrer völligen Gröfse und Frequenz gewachsen sei,
soll die obrigkeitliche Aufsicht und Gewalt zwischen dem kur-
fürstlichen Hofkammerrath und dem Landrichter und Pflegs-
administrator zu Dachau aufgetragen werden, damit sie „in
guter Ordnung regieren und darüber wachen, dafs die Be-
wohner in ihren vorgenannten Privilegien nicht gehindert oder
verkürzt werden."
Der Entwurf schliefst : ,,Zu Urkund und mehrerer Ver-
sicherung haben wir diese gegenwärtigen Patent eigenhändig
unterschrieben und mit unsreni Insiegel befestigt, auch damit
es zu Jedermanns Wissenschaft komme, zum Druck befördern,
publicirn und überall affigiren lafsen"; doch läfst sich, wie er-
wähnt, weder eine amtlich ausgefertigte Originalurkunde, noch
ein Abdruck finden ; auch über die Umstände, die das Projekt
scheitern machten, ist Näheres nicht bekannt.
München.
K. Th. Heigel.
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction : Dr. A. Essen wein. Dr. G. K. Frommann.
Verlag der literarisch - artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. Sobald in Nürnberg.
BEILAGE ZUM MZEIGER FÜR KÜOTE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1877.
JWI.
Jannar.
Chronik des germanischen Museums.
Nürnberg, den 15. Januar 1877.
Die in der Sohlufsnummer des Vorjahres mitgetheilte Stiftung
einer Halle der kgl. preufsischen Prinzen hat sich auch gnädig-
ster Zustimmung Sr. kgl. Hoheit des Prinzen Albrecht von Preu-
fsen zu erfreuen gehabt, welcher einen Beitrag von 1500 m. zu
Errichtung derselben zu spenden geruhte.
Für unsere Waffensammlung hat Se. Durchlaucht Fürst Karl
zu Hohenlohe- Bartenstein 50 m. gespendet. Die Freiherr!, von
Dungern'sche Familie hat 867 m. zur Stiftung eines Fensters be-
stimmt. Zu einer mit dem Familienwappen zu schmückenden
Stiftung in unserem Baue hat das Gesammtgeschlecht der Herren
von Schönberg 500 m. gespendet.
Der Verein Herold zu Berlin hat die Stiftung eines Fensters
zugesagt. Da die Zeichnungen nicht fertig sind, so lälst sich eine
genaue Kostensumme nicht nennen. Vorläufig sind 2000 m. in
Aussicht genommen.
Mit allerhöchster Genehmigung Sr. Majestät des Königs Lud-
wig II. von Bayern sind dem Museum 130 verschiedene Gemälde
aus dem Depot von Schleil'sheim übergeben worden. Herr Reg.-
Rath Freih. v. Holzschuher in Augsburg hatte abermals die Güte,
ein sehr interessantes altdeutsches Gemälde zu kaufen und dem
Museum zum Geschenke zu machen.
Der Eingang des Jahres ist also nicht minder erfreulich ge-
worden, als es der Schlufs des vergangenen gewesen. Wir hoffen,
dafs dies Jahr, das fünfundzwanzigste des Bestehens der Anstalt,
ihr zu besonderem Segen gereichen werde. So möge im folgenden
Sommer der Jubeltag alle Freunde und Gönner der Anstalt freu-
digen Muthes hier versammelt finden !
Neue Jahresbeiträge wurden seit Veröffentlichung des letz-
ten Verzeichnisses folgende angemeldet :
Von politischen Korporationen : Durlach. Magistrat
10 m.
Von Privaten: Ansbach. Adolf Gombart, Bankbuchhalter,
4 m.; Feigel, Rechtsanwalt, 5 m.; Karl Jüdt. Rektor der Gewerb-
schule, 2m.; Niemann, röm. kath. Stadtpfarrer, 2m.; Karl Pürk-
hauer, Notar, 2 m.; Marie Sartorius, Pfarrerswittwe, 3 m. Berlin.
Heise, Kaufmann, (st. fr. 3m.) 5m. Cannstatt. v. Derschau, 5m.
Cilli. Adolf Lutz, Kunstmüller, 2 m.; Julius Rakusch , Kaufmann,
2 m. ; Franz Rauscher, Apotheker, 2 m. ; Gustav Stieger, Kaufmann,
2m. Deben. Kühn, Pfarrer, Im. Dresden. G. Ph. Bischoff, Dr.
med., 3m.; G. M.' S. Blochmann, Comraissionsrath, 5m.; H.
Funcke, Dr. phil., 3 m. ; Hauptmann, Bildhauer, 5 m. ; L. Küttner,
Dr. med., 3m; von Unruh, Hauptmann, 5m. Ederhelm. Haffner,
Pfarrer, (st. fr. 30 kr.) Im. 72 pf. Feuchtwangen. Dr. Aub, prakt.
Arzt, 3m.; Me3'er, Rentbeamter, 2m.; Dr. Scheidemandel, prakt.
Arzt, 2 m. FIschbach. Albrecht, Pfarrer, 1 m. ; Fürstenfeld. Johann
Lange, Bürgerschullehrer, (st. fr. Im.) 2m. Grimma. Grofsmann,
Superintendent, 6 m. Grossbothen. Hallbauer, Pfarrer, 1 m. Grossel-
flngen. Kalb, Pfarrer, (st. fr. 30 kr.) 1 m. 72 pf. Hannover. Berend,
Dr. med., 3 m. ; Berend, Dr. jur., 3 m. ; Brauns, Senator, 5 m. ; Ess-
berg, Dr. med., 3m.; Hahne, Kunsthändler, 3m.; Alfred Houget
10 m. ; Georg Houget 3 m. ; Caspar, Banquier, 3 m. ; Cohen, Medi-
zinalrath, 4m.; Cohen, Buchhändler, 3m.; Frau Amalie Cohen
3m.; Laporte, Obergerichtsrath, 5m.; Lefsing, Dr. med., 3 m.;
Georg Lewing, Kaufmann, 3 m.; Miehe, Kunsthändler, 3 m.; Opp-
1er, Baurath, 3 m.; Oppler, Baurathsgattin, 3 m.; Römann, Fabri-
kant, 3m., Schorbach, Architekt, 4 m. ; Simon, Obergerichtsanwalt,
3 m.; Stolberg, Tapetenfabikant, 3 m. Heidelberg. Frau Kayser, Pro-
fessorsgattin, 4 m. Heilbronn. Gustav Hauck, Fabrikant, 3 ra. ; Höf-
gen. Gärtner, Pfarrer, 75 pf. Kaufbeuern. Gust. Schmidt, Grofshänd-
1er, 2 m. Köln a. Rh. August Camphausen, Geh. Commerzienrath,
15 m.; Ad. Carstanjen 20 m.; Hippolyt Meurer 6 m.; Gustav Mi-
chels, Kaufmann, 9 m.; Chr. v. Mumm 6 m.; Nagelschmidt, Stadt-
verordneter, 3 m.; C. Raderschatt, Fsbrikbesitzer, 3 ra. ; A. Solf
20 m.; Voigtel, Regierungs- u. Baurath, 6 m. KUbelholz. Job. Hof-
raann, Oekonom , Im. Madrid. Jacobo Zobel de Zangronitz 10 m.
Neumarict. Th. v. Scheurl , Assessor, 2 m. Neutitschein. C.Buch-
berger, k. k. Landesgerichtsrath , 2 m. Norkau. Ludewig , Pfarrer,
75 pf. Nürnberg. A. Cohen, Kaufmann, 4 m. Regensburg. Bren-
ner, kgl. Regierungsdirektor, (st. fr. 1 fl.) 3 m.; Rümmelein, Grofs-
händler, (st. fr. 5 fl.) 20 ra. Ribnitz i. M. Algenstädt, Lehrer,
Im.; Bauermeister, Schuldirektor, 2m.; Berlin, Dr. jur. , Im.;
D. von Bülow, Conventualin , 2 m. ; Friederichs, Amtshaupt-
mann, 1 ra. ; Grol'se, Amts Verwalter, Im.; Herzfeld, Kaufmann,
Im.; Jacobson, Kaufmann, Im.; Keil, Lehrer, Im.; Kleininger,
Reotor, Ifii. ; Klevesahl, Cantor, Im.; Ph. Krüger, Registratur,
Im.; Crüwell, Dr. med., Im.; Ladendorff, Postdirektor, Im.;
Lettow, Postsekretär, 1 m. ; Lichenheim u. Pincus, Kaufleute, 1 m. ;
Mayer, Kaufmann, 1 m. ; Meincke, Präpositus, Im.; H. Muhl sen.,
Zimmermeister, 1 ra. ; Em. Müller, Kaufraann, Im.; Nizze, Bürger-
meister, Im.; Oppermann, Kaufraann, Im.; Päpke, Rentier, Im.;
Peters, Rentier, Im.; L. Range, Kaufmann, Im.; Reich, Lehrer,
Im.; Rühe, Dr. phil.. Im.; Schmidt, Pastor, 2m.; Sohultetus,
Stadtrichter, Im.; Veuzraer, Comraissionsrath, 1 ra. ; Venzmer, Ad-
vocat. Im.; Wagner, Dr. med.. Im.; Walter, Kaufraann, 2m.;
Wünsch, Amtmann, Im. Saalfeld. Koch, Reallehrer, 2 ra. ; Sach.
sendorf. Recke, Pfarrer, Im. Selbelsdorf. Dr. Hechtfischer, De-
kan, 1 m. Strassburg. Barthold, Realschuldirektor a. D. u. Ober-
lehrer, 3 m. Trebsen. Conradi, Pfarrer, 1 m. Unterrodach. Poland,
Pfarrer und Senior, 1 m. Wermsdorf. Stelzner, Pfarrer, 1 m.
Einmalige Beiträge wurden gegeben:
Von Privaten : Barmen. Eduard Rorbach, 10 m. Hannover.
Brauns, Senator, 20m. Leipheim. Julius Hennle, Kaufmann, Im.
Plauen. Bruno Falco, Kaufmann, Im. San Jose (Costa Rica).
Ungenannter, 63 ra. 64 pf. Ulm. Julius Hirsch, Kaufraann, 1 m.
Von deutschen Standesherren zum Anlcauf von Waffen :
Karl, Fürst zu Hohenlohe Bartenstein, Durchlaucht, 50 m.
Für den Augustinerklosterbaa : Die Freiharren von
Dungern 857 m.; Gesammtgeschlecht derer von Schönberg 500 m.
Unsern Sammlungen gierigen ferner folgende Geschenke zu :
I. Für die kunst- und kulturgeschiclitliclieii Samm-
lungen.
(Nr. 7734—7746.)
Blankenburg. Kiesewetter, Rentamtmann a. D. : Karte über
die Zinsberechtigungen des Klosters Ebrach, Handzeichnung;
3 Blatt Kupferstiche, 18. Jhdt. — Forchheim. Prot. Kirchen-
verwaltung: Silberbeschlagenes Eisenkreuzehen zur Erinnerung
an den 18. October 1813. — Hüttenbach. Morgenthau. Kauf-
mann : Ausgegrabener mittelalterlicher Schlüssel. — Nürnberg.
Dell, Sattiermeister: Verzierter Reitzaum, 18. Jhdt. Müller,
Appellationsgerichtsrath : 1 Flugblatt v. 1805. Schröder, Kauf-
19
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
20
mann : Frankfurter Thaler v. 1860. — Oberbürg bei N'iirnbero;:
Freiherr v. Andrian: 2 bayrische Kürassierhehne. — Oschatz.
Ungenannter: Eine Pastorniütze, 18. Jhilt. ; ein Kreuz, Alizei-
ehen des sächsischen Freieorps der ,,Banner" im J. 1813. — Pest.
Georg Klöfs, Photograph: 143 Bliitter Photographieen der her-
vorragendsten Gegenstände der im Mai 1876 im Palais des Grafen
A. Kärolyi veranstalteten Ausstellung kunstgewerblicher und hi-
storischer Denkmäler. — Solingen. Curdts, Messerfabrikant: Ein
vom Geschenkgeber in altem Stile ausgeführtes Efsbesteck. —
Stuttgart. F. Auberle, Rechtsanwalt: Zinnmedaille auf die Ein-
•»veihunsr der Johanniskircbe in Stuttgart. — Wien. Dr. K. Lind,
k. k. Ministerialsekretär : 5 Flugblätter. — Wismar. Dr. Crull:
29 Silber- und Kupfermünzen, 15.— 19. Jhdt.
IL Für die Bibliothek.
(Nr. 36,253—36,481.)
Altona. Verlags-Bureau: Becker, Weltgeschichte, hrsg.
V. Liegl ; 30. Lief. 8. — Augsburg. B. Schmid'sche VerlagshdI.
(A. Manz) : Steichele, das Bisthum Augsburg ; 25. Heft. 1876. 8. —
Berlin. Bazar-Actiengesellschaft: Der Bazar ; 22. Jhg.
1876. 2. Gesellschaft für Erdkunde: Dies., Veihandlun-
gen etc.; Bd. IIL Nr. 7 u. 8. 1876. 8. Dr. Friedr. Ötker,
Mitglied des deutschen Reichstags : Ders., belgische Studien. 1876.8.
Gebr. Pätel, VerlagshdI.: Deutsche Rundschau, hrsg. v. Roden-
berg; IL Jahrg. 8. Heft u. HL Jahrg. 1.-3. Heft. 1876. 8.
Eugen S ch öpplenberg : Ders., Die Familie Schöpplenberg.
1870. 8. Ad. Trendelen bürg, Üniv.-Prof. : Ders., der Musen-
chor. Relief einer Marmorbasis aus Halikarnals. — Bonn. Ver-
ein von Altert humsfreunden im Rheinlande: Ders., Jahr-
bücher etc. ; Heft LVII. LVllI. 1876. 8. Aldenkirchen , d. mit-
telalterliche Kunst in Soest. 1875. 4. — Brunn. Mähr. Lan-
des- Ausschufs : Ders., Rechenschafts -Bericht etc. 1875. 8.
Dr. J. Parthe, k. k. Director : Grolig, Kant's Erkeuntnilslehre
im Lichte der neuesten Kritik. 1872. 8. Pr. Ders., die wichtiseren
Lehren von Raum und Zeit in der neueren Philosophie. 1873. 8.
Pr. Ders., über das Schwinden des naiven Antheils aus der Bil-
dung der Gegenwart. 1874. 8. Pr. Walientin, Theorie der elektra-
magnetischen Wirkung spiralförmiger Stromleiter. 1875. 4. Pr.
Kummerer, zum Gebrauche des griech. Conjunctiv. 1876. 8. Pr.
— Chur. Antiquariats-Buchhandlung: Mohr, bündnerische
Geschichtschreiber ; Publ. IV. V. VIIL IX, 1. 1857—73. 8. — Det-
mold. Dr. Heinrich, Consistorialrath : 32. Jahresbericht des
Lippischen Hauptvereins der Gustav- Adolph- Stiftung über d. J.
1876. 8. — Donaueschingen. Karl Egon Fürst zu Fürsten-
berg: Fürstenbergisches Urkundenbuch ; I. Bd. 1877. 4. — Dor-
pat. Universität: 7 akademische Gelegenheitsschriften. 1876. 8.
— Dresden. Generaldirektion der k. Sammlungen: Be-
richt über die Verwaltung der k. Sammlungen für Kunst u. Wis-
senschaft in Dresden in d. J. 1874 u. 1875. 1876. 4. — Dürkheim.
Dr. Mehlis, Studienlehrer: Prätorius, Chronica etc., verdeutscht
durch J. Eysenberg. 1561. 8. — Giessen. Oberhessische Ge-
sellschaft für Natur- U.Heilkunde: Dies., 15. Bericht etc.;
1876. 8. — Glarus. Historischer Verein des Kantons Gla-
rus: Ders.. Jahrbuch etc.; 13. Heft. 1877. 8. — Görlitz. C. A.
Starcke, Verlagshandlung: Des Conrad Grünenberg Wappen-
buch, in Farbendruck neu herausg. v. R. Graf Stillfried-Alcantara
u. Hildebrandt; Lief. 1—6. 1875. Imp. 2. Warnecke, heraldische
Kunstblätter etc. 1876. 4. — Gotha. Justus Perthes' geograph.
Anstalt : Spruner's Hand-Atlas f. d. Geschichte des Mittelalters u.
d. neueren Zeit; 3. Aufl.. bearb. v. Menke. Liefer. 13—16. 1875
— 76. qu. Imp. 2. — Göttingen. Dieterich'sche Buchhndlg:
Forschungen zur deutschen Geschichte; Bd. XVI, 3. 1876. 8. —
Graz. Akadem. Leseverein: Ders., 9. Jahresbericht etc. 1876. 8.
Historischer Verein für Steiermark: Ders., Mittheilungeu
etc. ; XXIV. Heft. 1876. 8. Ders., Beiträge etc. 13. Jahrg. 1876. 8.
— Halle. G. Scbwetschke'scher Verlag: Die Natur, hg. von
Müller: n. F., 1876, 3. Qu. 4. — Hannover. Hahn 'sehe Hofbueh-
handlung: Neues Archiv der Gesellschaft f. ältere deutsche Ge-
schichtskunde; Bd. II, 1. H. 1876. 8. — Helsingfors. Finska
Vetenskaps-So cietet en: Dies., Acta societatis scientiarum
Fennicae. Tom. X. 1875. 4. üfversigt af F. Vet. Soc. förhandlin-
gar ; XVII. 1874 — 75. 8. Bidrag tili kännedom of J'inlands na-
tur och folk ; 24. H. 1875. 8. Observations meteorologiques.
Annee 1873. 8. - Jena. Universität: 60 akademische Gelegen-
heitsschriften. 1875. 1876. 8. 4. — Innsbruck. Ferdinandeum
für Tirol u. Vorarlberg: Dass., Zeitschrift etc. 3. Folge,
20. Heft. 1876. 8. — Karlsruhe. D r. Moriz Gmelin, Archivrath ;
Ders., Stammbaum der Familie Gmelin. 1877. 8. — Königsberg.
Physikalisch -ökonomische Gesellschaft: Dies,, Schrif-
ten etc.; Jhg. XVI, 1. 2. 1875. 4. — Kopenhagen. Nordisk Old-
skrift-Selskap: Dies., Aarböger etc.; 1875, 1.— 4. H. u. 1876,
1. 2. 8. — Krakau. Akademie der Wissenschaften: Dies.,
bibliographische Berichte etc.; I. Heft. 1876. 8. — Leipzig. C. G.
Born er, Kunsthändler: Ders., die Kupferstichsammlung des
Herrn K. Ed. Liphart in Florenz. 1876. 8. Lausitzer Predi-
ger-Gesellschaft: Dies., Jahresbericht etc.; 1. Mittheilung.
1875. 4. Jentsch, Geschichte der Lausitzer Prediger- Gesellschaft.
1867. 4. F. A. Brockhaus, Verlagsh. : Histor. Taschenbuch,
hg. V. Riehl ; 5. Folge, 6. Jhg. 1876. 8. Der neue Plutarch ; 4. Th.
1876. 8. Deutsche Dichter des 16. Jahrb.; Bd. VIIL IX, 1876. 8.
Felsler, Geschichte von Ungarn; 18. Lief. 1876. 8. — Lemberg.
Towarzystwo aroh eologiezne Krajowe: Przeglad archeo-
logiczny; Rok I, zeszyt 3. 1876. 8. — Lucern. Historischer
Verein der fünf Orte etc.: Ders., d. Geschichtsfreund; Band
XXXI. 1876. 8. — Mainz. Franz Falk: Ders., die Kataloge der
vorbonifacianischen Bischöfe von Mainz. 1870. 8. — Marburg. Uni-
versität: Kolde, Luther's Stellung zu Concil u. Kirche bis zum
Wormser Reichstag 1521. L Theil. 1876. 8. Lenz, Zusammen-
hang u. Urheberschaft einiger Schriften aus der Zeit vor dem
Constanzer Concil; I. Th. 1876. 8. Vomberg, drei Bruchstücke
einer poetischen deutschen Bearbeitung des Lebens Johannes des
Täufers aus dem XII. Jahrh. 1876. 8. u. 4 weitere akademische
Schriften. — Meiningen. G. Brückner, geh. Hofrath etc.: Cul-
turhistnriscbe Bilder aus dem Meininger Oberlande. II. 1876. 8.
— Meschede. Histor. Verein f. d. Herzogth. Westfalen:
Ders., Blätter zur näheren Kunde Westfalens; XIV. Jahrg. 1876,
1.— 4. Heft. 8. — München. Histor. Commission bei d. k.
Akad. d. W. : Allgemeine deutsche Biographie; Lief. 16—20.
(4. Bd.) 1876. 8. Friedr. Hektor Graf Hundt: Ders., das
Hofgesinde der Fürstbischöfe v. Freising in Mitte des XIII. und
im XIV. Jahrh. 1876. 8. Sonderbdr. Kunst-Gewerbe-Ver-
ein: Ders., Zeitschrift etc.; Jahrg. XXVI. H. 5 u. 6, 7 u. 8.
1876. 2. Festschrift zur Feier des 25jähr. Bestehens des Mün-
chener Kunstgewerbevereines. 1876. 4. Bericht über die Verhand-
lungen in den aus Anlal's der Jubel -Feier des Münchencr Kunst-
Gewerbe-Vereines veranstalteten Versammlungen. 1876. 8. Herrn.
Manz'sche Buchhndlng : Mayer, Statist. Beschreibung des Erz-
bisthums München-Freising; 15. Lief. 1876. 8. J. Würdinger,
k. b. Major a. D. : Ders., Pfalzgraf Philipp des Streitbaren Ver-
theidigung Wiens 1529. 1876. 8. Sonderabdr. — Nürnberg. Bay-
risches Gevverbemuseum: Verzeichnil's der Bücher in der
Bibliothek des bayr. Gewerbemusoums. 1877. 8. Andreas Endt-
ner: Das newe Testament. 1661. 16. H. v. Weifsenbach, Se-
kretär des german. Museums: Ders., d. Wappen der Grafen von
Schaueiiburg u. Holstein. 1877. 8. — Pest. Dr. Romer: Bulle-
tins de la huitieme session du congres international d'anthropolo-
gie et d'archeologie prehistoriques ä Budapest; no. 1 — 6. 1876. 8.
Discours du secretaire general au congres international etc. 1876.
8. Szechenyi , Funde aus der Steinzeit im Neusiedler Seebecken.
1876. 8. — Prag. Verein für Geschichte der Deutschen
in Böhmen: Ders., Mittheilungen etc. XV. Jahrg. Nr. 2. 1876.
— Reval. C. Rufswurm, Schulinspector a.D. u. Archivar: v. Un-
gern- Sternberg, Nachrichten über das Geschlecht der Ungern-
Sternberg, hsg. v. Rufswurm; Th. L "B. 1876. 8. — Rostock. Uni-
versität: 62 akademische Schriften. 1873 — 76. 8. u. 4. Sig-
maringen. Verein für Geschichte und AI t er thumsk un de
in Hohenzollei'n: Ders., Mittheilungen etc. IX. Jahrg. 1875 —
— 76. 8. — Sonneberg. A Fleischmann, Commerzienrath : Cul-
turhistorischi- liiUler aus dem Meininger Oberlande; I — III. 1876. 8.
— Stammbach. L. Reinstädtler, Pfarrer: Ders., Geschichte der
Pfarrei Stanmibach in Oberfranken. 8. — Strassburg. Universi-
21
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
22
tat: Baumgarten, Jacob Sturm. 1876. 8. Rödiger, die Litanei
und ihr Verhältnis zu den Dichtungen Heinriolis von Melk. 1876.
8. Strauch, iiber Marners Leben und Dichtungen. 1876. 8. Wiss-
mann, Studien zu King Hörn. 1876. 8. Wagner, über den Mönch
von Hoilsbronn. 1876. 8. Zimmer, Ostgermanisch und Westger-
manisch. 1876. 8. — Stuttgart. K. württemb. topographi-
sches Bureau: Beschreibung des Oberamtes Spaichingen. 1876.
8. A. Krön er, Verlagsh. : Stiler, Wachenhusen u. Hackländer,
Rheinfährt; Lief. 24—27. (Schluls). 1876. 8. Terlan (Siid-Tirol).
K. Atz, Beneficiat: Ders., d. christl. Kunst in Wort u. Bild. IV.
Lief. — Tübingen. Adelb. t. Keller, Univ.-Professor: Ders., ein
Gedicht Ubland's. 1876. 8. H. Laupp'scbe Buchhandlung : Fried-
berg, Aktenstücke, d. altkathol. Bewegung betr. 1876. 8. — Twor-
kau. Augustin Weltzel, geistlicher Rath, Pfarrer: Ders., Ge-
schichte des edlen u. freiherrl. Geschlechtes von Eichendorff. 1876.
8. — Venedig. Reale Istituto Veneto di scienze, lettere
ed arti: Dass., Memorie etc.; vol. XIX, parte 1 — 3. 1876. 4. —
Wien. Altertbumsverein : Suttinger, Plan der Stadt Wien, re-
produciert v. A. Caraesina. 1876. Lind, kurze Erläuter. d. Wiener
Planes a. d. J. 1684. 4. A. Freih. v. Dumreicher: Auszug a.
einem Expose über die Organisation des gewerbl. Unterrichts in
Oesterreich. 1876. 8. Sonderabdr. Zur Frage der Erziehung der
industriellen Classen in Oesterreich. 1876. 8. Sonderabdr. Lese-
verein der deutschen Studenten: Ders., Jahresbericht 1875
—76. 8. — Wiesbaden. Heinr. Killingeru. Comp.: Arnim u.
Brentano, des Knaben W^underhorn ; 17. Lief. 8. — Würzburg. A.
Stuber's Buchhandlung: Friedrich's d. Gr. ausgewählte Werke,
übers, von Merkens ; Bd. III, 1. 1876. 8. — Zeitz. Eugen Strien,
Verlagsh. : Rothe, aus der, Geschichte der Stadt Zeitz. 1876. 8.
— Zittau. Kämmel, Professor: Köhler, Pflanzen u. Götter. 1876. 8.
geschenkweise, theils im Austauschwege gegen unseren Anzeiger
zugegangen, ohne dafs wir die Nummern sämmtlich einzeln hätten
bestätigen können. Indem wir hiemit den Empfang dankend an-
zeigen und um gütige fernere Zusendung ersuchen, werden wir
uns erlauben, auch künftighin von der Aufnahme einzelner Num-
mern in unser Geschenkverzeichnifs abzusehen.
Anzeiger der k. Akademie der Wissenschaften (philos.-histor. Cl.)
in Wien.
,, für schweizer. Alterthumskunde.
„ für schweizer. Geschichte und Alterthumskunde.
„ für Bibliographie und Bibliothek- Wissenschaft (von
Petzholdt).
„ Nürnberger.
Archiv für kirchl. Baukunst und Kirchenschmuck (r. Prüfer).
Bär, der, Berlin. Blätter f. Vaterland. Gesch. u. Alterthumsk.
Bericht des Vereins für das Museum schles. Alterthümer.
Biene, die, illustr. Familienblatt (v. Enders).
Blätter für Kunstgewerbe (v. Teiricb).
„ für Münzfreunde und : nuraismat. Verkehr.
„ für literar. Unterhaltung.
Bulletin de la societe pour la conserv. d. monum. hist. d'Alsace.
Ceutralblatt, literarisches (v. Zarncke).
Correspondenzblatt d. Gesammtvereins d. deutsch. Geschichts-
und Alterthumsvereine.
Daheim. Familienblatt mit Illustr.
Gartenlaube. Illustr. Familienblatt.
Gemeindezeitung, deutsche (v. Stolp).
Gewerbehalle (v. Schnorr).
Handweiser, literar. (v. Hülskamp).
Heimath, die. Wochenblatt für Kunde der niederrhein. Gesch.
Herold, der deutsche. Zeitschrift für Heraldik etc.
Jagdzeitung.
Kirchenschmuck, der. Blätter des christlichen Kunstvereins
der Diöcese Seckau.
Kirchenzeitung, neue evangelische (v. Mefsner).
Korrespondent von und für Deutschland.
Korrespondenzblatt des Vereines für Kunst und Alterthum
in Ulm und Oberschwaben.
Kunst und Gewerbe. Wochenschrift des bayrischen Gewerbe-
museums in Nürnberg.
Kunsthandwerk, das (v. Bucher u. Gnauth).
Kurier, fränkischer.
Land und' Meer, über.
Literaturzeitung, theologische (v. Schürer).
Magazin für die Literatur des Auslandes.
Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft in Wien.
„ u. Nachrichten f. d. evang. Kirche in Rufsland.
Monatshefte für Musikgeschichte.
Monatschrift, altpreufsische (v. Reicke u. Wiehert).
„ baltische.
„ für rheinisch -westfälische Geschichtsforschung u.
Alterthumskunde (v. Pick).
Postzeitung, Augsburger.
Presse, Nürnberger.
Reichs- Anzeiger, deutscher, u. k. preufs. Staats-Anzeiger.
Revue bibliographique universelle.
„ crüique.
Rundschau, deutsche (v. Rodenberg).
„ literarische (v. Köhler).
Saxonia (v. Moschkau).
Schriftwart, der. Zeitschrift für d. d. Stenographie.
Sprech-Saal. Organ der Porzellan-, Glas- und Thonwaaren-
Industrie.
Stadtzeitung, Nürnberger.
Streffleur's Österreich, militär. Zeitschrift.
Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin.
Volksblatt für Stadt und Land.
Wartburg, die. Organ des Münchener Alterthurasvereins.
Welt, die illustrirte.
Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg.
Wochenschrift, gemeinnützige (Würzburger).
Zeit, unsere.
Zeitschrift des Anwaltvereins für Bayern.
„ für praktische Baukunst (v. Mothes).
„ für preufsische Geschichte.
„ des deutschen Graveur- Vereins zu Berlin.
„ f. bildende Kunst. Mit dem Beiblatt Kunst-Chronik.
„ des Kunst- und Gewerbe-Vereins zu München.
„ neue, für Musik.
Zeitung, aHgeraeine deutsche, für Brasilien.
„ fränkische.
„ neue illustrirte (Wiener).
Schriften der Akaderaieen, Museen und historischen Vereine.
Memorie del R. Istituto Veneto di Scienze, Let-
tere ed Arti. Vol. XIX, Parte L IL HL Venezia, 1876. 4.
Le abitazioni lacustri di Fimon. Memoria del s. c. Paolo
Lioy. (M. Abbild.). — Della vita e delle opere di Simone Stratico.
Memoria del M. E. Prof. Franc. Rossetti..
Bibliographische Berichte über die Publication
der Akademie der Wissenschaften in Krakau. Herausg.
von den Sekretairen der drei Abtheilungen (Classen). Erstes Heft.
1876. Krakau, Selbstverlag der Akademie. 1876. 8.
Vorwort des Generalsekretairs über die seit 1872 bestehende
23
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
24
— aus der K. K. Krakauer Gelehrtengfesellschaft hervorgpgaugene
Akademie. Von den in dem vorliegenden Bericht aufgenommenen
Publicationen glauben wir folgende hervorheben zu sollen. Fono-
logie der niederlausitzischen Sprache. Von Alex. Petrow. — Po-
len zur Zeit Nie. Kopernik. Von J. Szujski. — Ein Blatt aus
der Geschichte der Krakauer Universität. Von Anton Matecki. —
Der Maler mit dem Monogramme K H. und seine Gemälde
In den Kirchen Krakaus. Von V. Luszczkiewicz. — Ueber die
polnische Bevölkerung West-Preufsens zur Zeit des deutschen
Ordens. Von Albert Ketrzynski. — Plan einer Theilung Polens im
XV. Jahrh. Von Dr. A. Sokotowski. — Archive des Grofsherzog-
thums Posen, Ost- und Westpreul'sens. Von Dr. Stanislaus Smol-
ka. — Der Pilsner Codex enthaltend Magdeburger Entscheidun-
gen. Von Vlad. Wistocki. — Ueber die Entstehung des deut-
schen Oberhofes auf der königlichen Pfalz zu Krakau. Von M.
Bobrezynski. Publicationen etc.
Mittheilungen des Vereins für Geschichte der
Deutschen in Böhmen. Redigirt von Dr. Ludw. Schlesinger.
XV. Jahrgang. Nr. II. Nebst der literarischen Beilage, re-
digirt von Dr. Mathias Pangerl. Prag, 1876. 8.
Künstler der Neuzeit Böhmens. Die Max -Familie. Biogra-
phische Studien von Prof. Rudolf Müller. — Aus der Zeit der ge-
setzlichen Zigeunerverfolgung. Von Theod. Wagner. — Materia-
lien zu einer Geschichte von Plafs und seiner Umgebung. Von
Bernh. Scheinpflug. (2. Abth. Schlufs.) — Die Heimat Heinrichs
von Freiberg. Von AVend. Toischer. — Misoellen. Vereinsange-
legenheiten.
Kurze Erläuterung des Wiener Planes von Daniel
Suttinger aus dem Jahre 1684. Von Karl Lind. Mit Abbild, u. e.
facsimilierten Plan (Publication des Alt erthums- Vereins zu
Wien.) Wien, 1876. 4. u. gr. 2.
Mittheilungen des historischen Vereines für Stei-
ermark. Herausg. von dessen Ausschusse. XXIV. Heft. Graz.
1876. 8. Mit 2 Tafeln.
Vereinsangelegenheiten. — Georg Matthäus Vischer und seine
Wirksamkeit in Steiermark. Von J. v. Zahn. — Bücher-Anzeigen.
Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichts-
quellen. Herausg. von dems. Vereine. 13. Jahrg. Graz, 1876. 8.
Materialien und kritische Bemerkungen zur Geschichte der
ersten Bauernunruhen in Steiermark und den angrenzenden Län-
dern. Von Dr. F. Mayer. — Ueber einige Urbare aus dem XIV.
und XV. Jahrhundert im Admonter Archive. Von P. Jacob Wich-
ner. — Urkunden - Regesten. Von Dr. F. Bischoff. — Anhang.
Untersteirische Bannbestimmungen. Von Dr. A. Schönbach. —
Zur Vervollständigung der Lavanter Bischofsreihe. Von P. 0.
Kernstock.
Zeitschrift des F erdinandeums für Tirol und Vor-
arlberg. Herausg. von dem Verwaltungs- Ausschusse desselben.
Dritte Folge. Zwanzigstes Heft. Innsbruck. 1876. 8.
Vereinsangelegenheiten. — Grabsteine der St. Nikolaus-Pfarr-
kirche zu Hall. Von Ant. Eberle. — Die Rhätisch-Etruskischen
Alterthümer, entdeckt bei Matrei im Mai 1845. Von Giovannelli
Graf Benedict. Aus dem Italienischen übersetzt v. Fr. v. A. —
Die Tiroler Wappenbücher im Adelsarchive des k. k. Ministeriums
des Innern zu Wien. II. Theil. Von H. v. Goldegg.
Allgemeine Deutsche Biographie. Herausgeg. durch
die historische Commission der k. bair. Akademie der Wis-
senschaften zu München. Elfte bis zwanzigste Lieferung. (IV. Bd.
Bode, Joh. Ehlert. — Deck, Rudolf.) Leipzig, Verlag von Dun-
cker u. Humblot. 1876. 8. 796 Stn.
Forschungen zur Deutschen Geschichte. Herausge-
geben von der historischen Commission bei der k. b. Aka-
demie der Wissenschaften. Sechszehnten Bandes drittes
Heft. G4ttingen, Dieterich, 1876. 8.
Ueber die Entstehungszeit der Lex Baiuwariorum. Von Ar-
chivrath S. Riezler in Donaueschingen. — Beiträge zur Kritik der
Vita Meinwerci. Von Dr. K. Rieger in Wien. — Die Belagerung
von Akkä (1189-1191). Dargestellt von Lio. Dr. R. Röhricht in
Berlin. — Beiträge zur Frage nach der Bedeutung der Landgraf-
sohaft. Von Hauptmann z. D. Gustav Frhr. Schenk zu Schweins-
berg in Darmstadt. Kleinere Mittheilungen.
Zeitschrift des Kunst-Gewerbe-Vereins zu Mün-
chen. Jahrgang XXVI, Heft 5 — 8. München, 1876. Theodor
Ackermann. 2.
Renaissance-Interieurs der Schweiz. Von H. E. v. Berlepsch.
(Schi.) — Vereinsangelegenheiten.
Festschrift zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens
desselben Vereines.
Kunst u. Gewerbe. Wochenschrift zur Förderung
deutscher Kunst-Industrie. Herausgegeben vom Bayrischen
Gewerbemuseum zu Nürnberg. Redigirt von Dr. 0. von Schorn.
Elfter Jahrgang. Nr. 1—4. Nürnberg. 1877. 8.
Benvenuto Cellini. Von 0. v. Schorn. — Silbernes Uhrge-
häus aus dem siebenzehnten Jahrhundert. Von 0. v. S. (Mit
Abbild.) — Aus der deutschen Kunst- und Kunst-Industrie-Aus-
stellung in München. IV. Von Kuhn. (Mit Abbild.) — Die Orna-
mentik der Gewebe. Aus einem von Friedr. Fischbach gehalte-
nen Vortrage. (Mit Abbild.) —
Mittheilungen des Bayrischen Gewerbemuseums
zu Nürnberg. Beiblatt zur Wochenschrift: Kunst u. Gewerbe
Redigirt von Dr. Otto von Schorn.
Bekanntmachungen. — Museumsangelegenheiten. — Feuille-
ton. — Notizen. — Anzeigen. —
Korrespondenzblatt des Vereins für Kunst und
Alterthum in Ulm und Oberschwaben. Erster Jahrgang,
1876, Nr. 12. Ulm. 8.
Ulmische Häuser: I. Von Kornbeck. — Nachträge zu Klemm,
Beschreibung der Geifslinger Stadtkirche. Von Caspart und Hier-
lemann. — Brief- und Packetpost zwischen Basel — Schaffhausen
— Lindau — Ulm und Zürich — Schaffhausen — Lindau — Ulm,
vom Jahre 1652. Von Gmeling. — Der Münzfund von Sigraz-
hofen. Von Wintterlin. (Schlufs.) — Volksetymologisches aus dem
Vereinsgebiet. — Vereins-Chronik.
Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Al-
terthumskunde in Hohenzollern. IX. Jahrg. 1875/76.
Sigmaringen. 8.
Vereinsangelegenheiten. — Die früheren Dynasten-Gesohlechter
in Hohenzollern , insbesondere die Herren von Weitingen. Von
fürstl. hohenzoll. Archivar Schnell. (Schlufs). — Eine Hohenzol-
lern-Sulz'sche Familienverbindung im 17. Jahrh. Von Adolf Ber-
ger, (Fürstl. Schwarzenb. Archivar in Wieri). — Die symboli-
schen Darstellungen auf den Siegeln der Grafen von Veringen.
Von Lehrer Locher in Sigmaringen. (Mit Abbild.) — Zur Ge-
schichte der Familie von Neuneck. Von A. Lichtschlag, Gymna-
25
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
26
sialoberlehrer in Hanau. — Vermischte Urkunden des 13 , 14. und
15. Jahrhunderts. Von dems.
Blätter zur näheren Kunde Westfalens. Organ des
historischen Vereins für das Herzogthum Westfalen. Heraus-
gegeben durch Dr. K. Tücking. XIV. Jahrgang. 1876. S.u. 4. Heft.
Meschede. 8.
Die Rittersitze des Herzogth. Westfalen. Von Prof. F. J. Pieler.
Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche
Geschichtskunde zur B eförderun g einer G esammtaus-
cabe der Quellenschriften deutscher Geschichten des
Mittelalters. Zweiter Band. Erstes Heft. Hannover. Hahn'-
sche Hofbuchhandlung. 1876. 8. Mit einer Schrifttafel.
Vereinsangelegenheiten. — Ueber eine Sammlung der deut-
schen Stadtrechte als Bestandtheil der Monumenta Germaniae.
Von F. Frensdorff. — Untersuchungen über einige annalistische
Quellen zur Geschichte des fünften und sechsten Jahrhunderts.
HI. Von Oswald Holder- Egger. — Die Evangelienhandschrift zu
Cividale. Von weil. C. L. Bethmann. (Mit Abbild.). — Wipos
Vita Chuonradi imperatoris, Von Dr. W. Pflüger. — Die Quellen
der Reichenauer Chronik des Gallus Oehem und der historische
Werth dieses Werkes. Von Oscar Breitenbach. — Miscellen.
Acht päpstliche Privilegien. Von P. Ewald. — Gedichte aus
Frankreich. Von E. Dümmler. — Aufforderung in Betreff der
neuen Ausgabe der Briefe Gregors I.
Jahrbücher des Vereins von Alt ert h um sf renn den
imRheinlande. Heft LVH u. LVHI *). Bonn, Marcus. 1876. 8.
Heft LVH. Der Grenzstein des Pagus Carucum. (Mit Abbild.)
Von Th. Bergk. — Der vicus Ambitarvius. Von dems. — Der
*) Heft LV n. I.VI ist uns nicht zugekommen.
Junotempel bei Nattenheim. Von E. aus'm Weerth. (Mit Abb.). —
Römische Alterthümer aus dem Oldenburgischen. (Mit Abb.) Von
Prof. Hübner in Berlin. — Römische Inschrift eines Armorum cu-
stos in Bonn. Von J. Freudenberg. — Römische Inschrift aus
Köln. Von Prof. Dr. Düntzer in Cöln. — Römischer Matronen-
stein zu Enzen. Von Rector Dr. Pohl zu Linz. — Kleine Beiträge
zur Numismatik. Von F. van Vleuten. — Der Kamphof zu Köln.
Von J. J. Merlo in Köln. — Necrologiura von St. Maximin. Von
Prof. Kraus in Stralsburg. — Ueber Intaglien des Mittelalters
und der Renaissance. (Mit Abbild.) Von Kaplan Dr. Dornbusch
in Köln. — Datirte Grabmäler des Mittelalters in den Rheinlan-
den. (Mit Abbild.) Von E. aus'm Weerth. — Litteratur. Mis-
cellen. Vereinsangelegenheiten.
Heft LVHI. Drei Metallmedaillons rheinischen Fundorts. (Mit
Abbild.) Von B. Stark. — Die ehemalige Renesse'sche Sammlung,
a. Geschichte derselben. Von L. von Eltester, b. Der rheinische
Theil derselben. (Mit Abbild.) Von II. Schuermans. — Mainz
und Vindonissa. Von Th. Bergk. — Denkmäler des Aeon in York
und Bonn. Von E. Hübner. — Münzfund bei Bonn. Von F. van
Vleuten. — Münzfund in Bertrich. Von demselben. — Das alt-
deutsche Todtenfeld im Roisdorfer Walde. Von Dr. Kessel. —
Romanischer Weihwasserkessel aus Cranenburg. (Mit Abbild.)
Von E. aus'm Werth. — Trierer Inschriften. Von Franz Büche-
ier. — Litteratur. Miscellen. Vereinsangelegenheiten.
Die mittelalterliche Kunst in Soest. Ein Beitrag zur
Rheinisch -Westfälischen Kunstgeschichte. Mit IX. Tafeln u. meh-
reren Holzschnitten von Joseph Aldenkirchen, Rector in Viersen.
Festprogramm, herausgegeben von dems. Vereine. Bonn. 1875. 4.
33 Seiten.
Nachrichten.
Yermischte Nachrichten.
1) Im Laufe der letzten Monate sind in dem Königreiche Würt-
temberg sehr bedeutende Funde von Gegenständen aus der frühesten
Zeit gemacht worden. Namentlich waren sie in Oberschwaben und
Angrenzungen ganz besonders erheblich und für die Erforschung
der Vorgeschichte von grofser Bedeutung. Zunächst wurden um-
fangreichste Ausgrabungen auf den Gipfeln zweier isoliert liegenden
Berge, des „Lahnsteines" unweit Balingen, dann des Goldberges
in der Riesgegend, veranstaltet. Die Ergebnisse derselben waren
geradezu überraschender Art. An beiden Orten wurden nämlich
Knochen von Hausthieren zentnerweise zu Tage gefördert, fast noch
mehr aber dergleichen von allerhand Wildgethier des Urwaldes, zu-
gleich mit verschiedenen Instrumenten aus der vorgeschichtlichen
Zeitperiode von Stein und Bein, auf dem Lahnstein aber auch
aufserdem noch von Bronze und Eisen. Die ersteren erinnern auf
das auflallendste an frühere Funde in den umfangreichen Pfahlbau-
ten im Federsee bei Saulgau-Bachen und im Bodensee.
(Die Wartburg, Nr. 6.)
2) Am ersten November wurden auf der Feldmark von Sel-
nowo (bei Graudenz, Prov. Preufsen) heim Pflügen drei ganz voll-
ständig erhaltene Streitäxte aus der frühesten Steinzeit, sowie ein
Menschenschädel gefimden. (Dieselbe.)
3) Unter Leitung des Herrn Direktor Pinder wurden, wie der
„Hessisch« Beobachter" berichtet, bei Unterbimbach 3 Grabhügel
und zwar die nördlichere Reihe der sogen. Heidenküppel geöffnet.
Der westlichste von diesen lieferte im Grunde unter Steinplatten acht
Armringe von gleicher Form, eine Fibula und eine kurze Lanzen-
spitze, alles von Bronze. Von Urnen konnten nur Scherben gewon-
nen werden , da augenscheinlich durch einen bei der trigonometri-
schen Landesvermessung gesetzten Stein die beigesetzten Urnen
zertrümmert worden waren. Eigenthümlich ist die Gestalt der Ge-
wandnadel (Fibula), welche, ähnlich den Brochen unserer Damen,
mit einer Versicherung versehen war. Referent erinnert sich nicht,
in den germanischen, resp. nordischen Museen zu Berlin, Dres-
den, Posen, Nürnberg und München eine ähnliche Form gesehen zu
haben.
Der mittlere Hügel von elliptischer Gestalt hatte eine sehr- be-
deutende Länge und stellte vielleicht zwei vereinigte Hügel dar.
Trotz seiner Gröfse fand man in demselben nichts, was auf Bedeu-
tung Anspruch machen kann.
Der di'itte, östlichste Hügel lieferte in der Nilhe der Oberfläche
sechs Urnen, wovon zwei die Gestalt von breiten Schüsseln hatten.
Tiefer lagerten die Reste eines Gerippes ; bei letzterem fand man
eine eiserne Lanzenspitze und eine gröfsere eiserne Partisane.
(Dieselbe.)
27
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
28
4) Florian Romer hat im October v. Js. eine Forschungsreise
in das Szolnoker Comitat angetreten, welche von den besten Re-
sultaten begleitet war. Am 14. October wurden in Tisza-Nagy-
Ref Ausgrabungen vorgenommen und Stein- und Beinwerkzeuge,
Küchenabfälle und Gefälse in grol'sen Quantitäten gefunden. Eben-
so reich waren die Funde nächst Kun-Szt-Marton ; hier wurden
ganz grolse Kisten, mit Gegenständen aus der Steinzeit gefüllt,
aufgefunden. Besonders merkwürdig sind einige Werkzeuge,
welche neben einem in sitzender Stellung entdeckten Skelette ge-
funden wurden. Die Ausgrabungen auf der Istvanhazer Puszta
ergaben ebenfalls die werthvollsten Resultate. Drei Tage und
drei Nächte hindurch wurde unermüdlich gegraben ; endlich war
das Geheimnils des Hügels enthüllt. Man fand eine vielleicht
Jahrtausende alte ungehobelte Holzkamraer, in welcher 3 mensch-
liche Skelette, vollständig zerstäubt, ruhten. Die seltenen Um-
stände, unter weichen der Fund gemacht wurde, werden jedenfalls
einen werthvollen Beitrag zur Bereicherung der Kulturgeschichte
liefern. (Mittheilungen der anthropol. Gesellsch. in Wien, VI. Bd.,
Nr. 10, nach der „Deutschen Zeitung" vom 26. Oct. 187G.)
5) Die k. k. Central - Comm. f. K. u. bist. Denkmale hat an
ihre Conservatoren den Auftrag gerichtet, auf Grund eines vor-
gelegten Fragebogens genaue Mitheilungen über alle öffentlichen
und Privatsammlungen vorhistorischer Denkmäler ihres Bezirkes
einzusenden.
6) Bei Gelegenheit des Eisenbahnbaues w-urde auf der Gemar-
kung der Gemeinde Erlauf in einem Materialgraben Reste römi-
scher Baudenkmale, insbesondere gehauener Architektur- und Sculp-
tur-Fragmente entdeckt, welche theihveise an einer Brücke sicht-
bar eingemauert, theilweise ohne Verwendung aufbewahrt wurd^.
Der Fund ist deshalb interessant, weil dadurch ein weiterer siche-
rer .\nhaltspunkt für den Zug der römischen Stral'se von Pöchlarn
Arelape) nach Blindenmarkt, Amstetten und Mauer an der Url
führenden römischen Hauptstral'se gegeben ist.
(Mitth. d. k. k. Centr.-Com. f. K. u. bist. Denkm. 1876.
Seite CXXXIX.)
7) Bei den Ausgrabungen auf dem der Köln-Mindener
Eisenhahn- Gesellschaft gehörenden Haidegrunde bei Rau-
schenberg ist noch eine Menge von Alterthümern ans Licht ge-
treten, welche aul'ser allen Zweifel stellen, dafs wir es hier mit
einer der vielen alten Begräbnifsstätten zu thun haben, deren bis
jetzt eine nicht unansehnliche Reihe auf der rechten Rheinseite
aufgedeckt worden ist. Wenn auch verschiedene Urnen dieses
Begräbnifsplatzes, sowie mehrere in den Urnen gefundene Ge,-
genstände von Bronze und Elfenbein unverkennbar römischen
Ursprungs sind, so dürfte doch die römische Nationalität der dort
beigesetzten Leichen sehr in Frage gezogen werden. Wahrschein-
lich waren es Germanen des dritten und vierten Jahrhunderts,
welche mit den benachbarten Römern in freundschaftlichem Ver-
kehr standen und von denselben Urnen, Hausgeräthe und Schmuck-
sachen bezogen hatten. Mit einem bestimmten Urtheile wird man
zurückhalten müssen, bis der ganze Grund umgeworfen und der
Gesammtfund einer wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen
worden ist. Von den neuerdings ausgegrabenen Gegenständen
nimmt die erste Stelle eine sehr gut erhaltene Urne von terra
eigillata ein. Auf dem Boden derselben sieht man noch einen
kleinen Rest der Leinwand, in welche die Knochenreste gewickelt
waren. Die Urne, 20 Cm. breit und 12 Cm. hoch, zeigt ein Or-
nament, welches unzweifelhaft römischen Ursprunges ist. Unter
den Knochenresten fanden sich im Innern zwei Nägel von Bronze,
verschiedene geschmolzene Bronzestücke und Reste eines schön
ornamentierten, elfenbeinernen Kammes, eine andere, ganz mit
Knochenresten angefüllte Urne von grobem Thon und roher Be-
arbeitung besteht aus zwei ungefähr gleichen Theilen, von denen
der untere 25 Cm. breit und 16 Cm. hoch, der obere 27 Cm.
breit und 18 Cm. hoch ist. Unter den Knochenresten fanden
sich verschiedene geschmolzene Bronzestücke, Reste eines ver-
brannten elfenbeinernen Kammes und ein Stück eines schön orna-
mentierten Schrauckgegenstandes von Knochen. Um diese Urnen
standen verschiedene kleinere Gefäfse von gewöhnlichem grauen
und zwei von etwas feinerem schwarzen Thon. Eins dieser Ge-
fäfse war leer, ein anderes enthielt aufser einem Blättchen Bronze
zehn auf verschiedene Weise gestaltete, 3 Cm. dicke, durchlöcherte
Klotzchen von gebackenem Thon, welche wahrscheinlich in eine
Schnur eingereiht und als Halsschmuck getragen worden waren.
Das eine der schwarzen Gefälse scheint als Räucherschale , das
andere, wie eine dreiarmige römische Lampe gestaltet, als Gestell
für drei Lampen , oder auch als Räuchergefäfs gedient zu haben.
Von den verschiedenen Scherben, welche noch ausgegraben wor-
den, zeigt eine in Relief einen laufenden Hund, die andere einen
Hasen. Auch dieses Gefäl's ist unzweifelhaft römischen Ursprungs.
(K. Z.)
8) Wie allenthalben die Dome und Kirchen des Mittelalters
durch Restauration sich verjüngen, so soll auch an der ehrwürdi-
gen Pfarrkirche zu Gelnhausen, deren Chor zu den hervorragend-
sten Baudenkmalen des Uebergangsstiles zählt, eine durchgreifende
Restauration vorgenommen werden, über welche uns Mittheilungen
von verschiedenen Seiten vorliegen, die alle darin übereinstimmen,
dafs bester Wille und sorgsamster Eifer im Vereine thätig sind,
das Innere, wie das Aeulsere solid, dauerhaft und stilgetreu wie-
derherzustellen, so dals, wenn auch im Einzelnen die Anschau-
ungen unserer Herren Berichterstatter nicht vollstäudig überein-
zustimmen scheinen, doch eine sorgfältige und gründliche Prüfung
aller einschlägigen Fragen gesichert scheint, wie sie ein Baudenk-
mal von solch hervorragender Wichtigkeit verdient, auf welches
die Augen aller Kunstkenner Europas gerichtet sind, und dessen
Restauration dem Auslande zu zeigen hat, wie weit wir wiederum
in den Geist der Vorzeit eingedrungen, welche Stufe unsere Künst-
ler denen des Auslandes gegenüber im Bezug auf das Verständ-
nifs der Denkmäler unserer grol'sen Vorzeit einnehmen. Die
Aufgabe, welche die betheiligten Künstler, wie jene Männer zu
lösen haben, denen die Ueberwachung der Arbeiten obliegt, ist
eine ebenso ehrenvolle, als sie zugleich eine schwierige ist, weil
sie nicht blos der Kritik' eines engen Kreises treu an dem ihnen
vererbten Bauwerke hängender Bewohner der Stadt, sondern auch
jener der Kenner aller Länder verantwortlich sind, von denen
nicht jeder Ausländer unzufrieden wäre, wenn er Gelegenheit
fände, nachzuweisen, dals die Deutschen noch immer hervorragen-
den Baudenkmalen gegenüber nicht , das Richtige zu treffen wis-
sen. Aus diesem Grunde ist es besonders freudig zu begrüfsen,
dafs an der Spitze der treibenden Kräfte ein Mann steht, welcher
ebenso durch Patriotismus, wie durch Einsicht hervorragt, der
Abgeordnete, Consul Schöffer sen., der also aufmerksam die Ar-
beiten verfolgen und dafür sorgen wird, dals jede etwa contro-
verse Frage gründlich erörtert wird. Nach den Mittheilungen,
29
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
30
die uns geworden sind, soll auch dem Schmucke durch Glasma-
lereien, von denen die Kirche eben so schöne als werthvoUe alte
keste birgt, besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden.
Die alten Reste sollen sorgfältig restauriert und ergänzt werden
und neue Werke in altem Stile hinzukommen. Sicher werden
auch die interessanten Wandgemälde Beachtung finden. Unsere
Berichte sprechen ferner von einem beabsichtigten Orgelneubaue.
Als Controverse begegnet uns die Frage einer Versetzung des
Lettners. Sie wird wol gründlich erwogen werden, damit nicht
auch hier eine solch einstimmige Verurtheilung erfolge, wie sie
vor wenigen Jahren dem Bischof und Domkapitel von Münster zu
Theil wurde, die in aller Eile den Lettner des dortigen Domes
hatten beseitigen lassen, um nicht durch das Gewicht entgegen-
stehender Anschauungen der Kenner im vermeintlichen Restaura-
tionswerke behindert zu werden. Von Interesse war es, aus den
uns vorliegenden Mittheilungen zu entnehmen, dals eine genaue
Untersuchung des merkwürdigen gekrümraten Thurmhelmes statt-
gefunden hat, welcher seit Jahrhunderten gewissermafsen zum
Wahrzeichen der Stadt Gelnhausen geworden und der, wenn auch
nicht schön, so doch im höchsten Grade originell ist. Die gründ-
liche Untersuchung hat auch hier leider wieder eine poetische
Illusion zerstört, indem sich klar herausstellte, dafs es sich nicht
um einen originellep Handwerkerwitz bandelt, sondern dafs mangel-
hafte Construction, die Macht äufserer Einwirkungen, ungeschickte
und ungenügende Reparaturen den ursprünglich geraden Thurra-
helm nach und nach in jenen Zustand absoluter Baufälligkeit ge-
bracht haben, deren Folge die scheinbar originelle Gestalt ist.
9) Der Dom zu Frankfurt a/M. wurde nach dem grofsen
Brande, welcher ihn vor einigen Jahren betroffen, einer eben so
gründlichen als sorgfältigen Restauration unterzogen, die nun-
mehr als beendet anzusehen ist. Bei dieser Gelegenheit ist der
alte Kreuzgang zu einem Stein des Anstofses geworden , und
die Frage, ob er auch ferner zu erhalten, oder nach dem Vorschlage
des Dombaumeisters zu verkleinern sei, ist Gegenstand der Erör-
terung in Sitzungen, wie in Zeitungen und Brochüren geworden,
so dals die Frage z. Z. der Ministerialentscheidung in Berlin unter-
breitet ist. Für das Innere des Domes ist reicher Schmuck in
Glasmalerei beabsichtigt und Prof. Steinle mit Anfertigung der
Entwürfe betraut.
10) Der Münster zu Ulm wird im kommenden Sommer das
Erinnerungsfest an die vor 500 Jahren erfolgte Grundsteinlegung
in seinen mächtigen Mauern sehen. Er wird sein Jubelfest in
einem würdigen Zustande feiern, nachdem die gesammte Restau-
ration des Aeufseren, sowie der Ausbau der vom Mittelalter un-
vollendet gelassenen Theile mit Ausnahme der Thurmbauten be-
endet ist, Bekanntlich sollte ihn nach der ursprünglichen An-
lage nicht blos der mächtige Westthurm, sondern auch ein Thurm-
paar zu beiden Seiten des Chores schmücken. Wenn nun auch
für den Ausbau des Westthurmes bis jetzt Einleitungen nicht ge-
troffen sind, so hat man doch den Bau jenes Thurmpaares in
Angriff genommen und hofft, den südlichen noch zum Münster-
jubiläum fertig zu stellen.
Nachdem nun das Aeufsere sich solcher Sorgfalt erfreut, mufste
auch das Innere und dessen stilgerechte Ausschmückung in's Auge
gefafst werden. Im Auftrage des Münsterbaucomitea wurde da-
her durch Prälat v. Merz und Oberbaurath v. Egle in Stuttgart,
sowie Direktor Essenwein in Nürnberg ein erschöpfendes detai-
liertes Programm für die gesammte innere Ausstattung entworfen,
bei welchem insbesondere neben der Ergänzung und Wieder-
herstellung der beschädigten Kunstwerke, welche jetzt schon den
Münster schmücken, die Wiederaufdeckung der alten Wandgemälde,
die polychrome Ausstattung , die Füllung der noch leeren Chor-
fenster mit Glasgemälden , die Ausstattung sämmtlicher Fenster
der Seitenschiffe mit solchen, sowie der statuarische Schmuck der
Pfeiler die Hauptsache bilden.
11) Die dem 14. u. 15. Jahrhundert entstammende Decanats-
kirche zu Arnau soll nach einem umfassenden, gediegenen vom k. k.
Conservator Schmoranz ausgearbeiteten, von der k. k. Central-Com.
f. K. u. bist. Dankm. in einigen nebensächlichen Punkten verbes-
serten Projekte einer durchgreifenden Restauration unterzogen
werden.
(Mittb. d. k. k. Centr.-Comm. f. K. u. bist. Denkm. 187S.
Seite CXXXIX.)
12) Die schon seit mehreren Jahren an der gothischen Pfarr-,
ehemaligen Stiftskirche zu Neuberg (Steiermark) hervortretenden
Baugebrechen haben bereits im Jahre 1870 dazu geführt, Einlei-
tungen zu einer Restauration zu treffen, die aber in Folge der
streitigen Frage über Patronat und Baupflicht nicht verwirklicht
werden konnte. Die bedenkliche Zunahme der Gebrechen hat
nunmehr die k. k. Statthalterei zu Graz veranlalst, sofort, soweit
es die Dringlicheit der Sachlage fordert und die Jahreszeit gestat-
tet, Reparaturen in Angriff zu nehmen. (Dies., Seite CXVIII.)
13) W^nn so häufig gerade die Unwissenheit und falscher
Schönheitssinn der Bevölkerung an unglücklicher Restauration
alter Baudenkmale Schuld trägt, so erscheint es besonders rühmlich
dafs, als unlängst an der schon viel mitgenommenen Kirche zu
Radkersdorf in Steiermark ohne Zuziehung eines Sachverständigen
in der Absicht der Verschönerung neue Schädigungsversuche vor-
genommen wurden, die Bevölkerung sich dagegen sträubte, die
geistlichen Behörden und den k. k. Conservator anrief, so dafs
nunmehr für die allerdings der Hülfe dringend bedürftige Kirche
eine bessere Stunde geschlagen haben dürfte.
(Dies., Seite CXIX.)
14) Für die Restaurierung der spätgothischen St. Annakapelle
in Pöggstall hat sich ein Comite zur Sammlung der Geldmittel
gebildet, welches hofft, dafs schon im Frühjahre die Arbeiten be-
gonnen werden können. (Dies., Seite CX.XXIX.)
15) Die von Oberbaurath Fr. Schmidt angefertigten Restaura-
tionsprojekte für das Fürstenhaus zu Meran sind, von der k. k.
Central- Comm. f. K. u. histr. Denkm. einstimmig gutgeheisen,
nunmehr in Meran ausgestellt und soll die Restauration, zu wel-
cher in Folge der Bemühungen der genannten Commission eine
namhafte Summe verfügbar ist, sobald die Bauzeit es gestattet,
in Angriff genommen werden. (Dies., Seite CXLX.)
16) Die Mittheiluögen der k. k. Central-Comm. f. K. u. bist.
Denkm. heben besonders rühmend die Fürsorge der Stadtgemeinde
Hall im Innthale um Restauration des historisch und kunstgeschicht-
lich merkwürdigen Rathhauses hervor, welche die Unterstützung
dieser Commission durch Rath und That in Anspruch genommen
und trotz der sehr beschränkten Mittel der Gemeinde schon Ein-
zelnes „ganz gut" habe herstellen lassen. (Dies., Seite CXXV.)
17) Der Königstrakt das Schlosses Pürglitz bei Rakonitz eines
in der Landesgeschichte schon im Beginne des 12. Jahrhunderts
vorkommenden Baues , ein Werk des Meisters Benesch , 1493 für
31
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
32
König Ladislaus erbaut, jetzt Eigenthum des Fürsten Emil zu
P'ürstenberg , ist so baufällig geworden, dafs seine Abtragung
nöthio- erscheint. Der Fürst beabsichtigt, ihn in strengster Cople
des Originals unter Wiederverwendung aller noch brauchbaren
gehauenen Steine wieder aufrichten zu lassen.
(Dies., Seite CXXIV.)
18) Die kgl. Staatsregierung hat genehmigt, dafs die Nürn-
berger Stadtmauer vom Maxthor bis zum Lauferthor zerstört und
der Stadtgraben an dieser Strecke ausgefüllt werde.
19) In dem bischöflichen Palast zu Chur (Kanton Graubünden,
Schweiz) sind, wie als bekannt vorausgesetzt werden darf, sehr
alterthümliche Wandmalereien mit Darstellungen aus Hans IIol-
bein's berühmten Todtentanzgemälden , welche man bisher ganz
allgemein als eine von anderer Hand nach den Holzschnitten des
Meisters ansgeführte und zwar vergröfserte Copie hielt. Professor
Vögelin dagegen, welcher die Malereien einer eingehenden Unter-
suchung unterzogen hat, ist auf Grund dieses Studiums zu einem
wesentlich verschiedenen Ergebnils gelangt. Es hat sich wirklich
dadurch bis zur vollkommenen Gewifsheit herausgestellt, dafs kein
einziges der sämratlichen Bilder mit den Holzschnitten dergestalt
übereinstimme, um als eine einfache Wiedergabe derselben betrach-
tet werden zu können. — Er führt deshalb in einer Reihe von Be-
hauptungssätzen, welche er jüngsthin über diesen Gegenstand ver-
öffentlicht hat, eines eingehenderen aus, dal's die Wandbilder im
im Bischofshof zu Chur unter Hans Holbein's eigener Leitung und
sogar theihveise eigener Mitwirkung entstanden sein müssen, dafs
sie die Ursprungsentwürfe des Werkes und somit das Verständnils
einer ganzen Reihe von Einzelnheiten bewahren und endlich, dafs
die bisher für die Originalarbeit gehaltene Holzschnitt-Ausgabe des
Holbein'schen „Todtentanzes- nur in einem sehr beschränkten
Sinne als eine solche bezeichnet werden könne. Gegenüber dieser
kunstgeschichtlich unzweifelhaft überaus wichtigen Entdeckung
wird die „antiquarische Gesellschaft" in Zürich für das
kommende Neujahr eine umfassende Publikation vorbereiten, welche
die bedeutendsten und für die Entscheidung der Frage bezüglich
der Originalität mafsgebenden Bilder in einer mit dem tiefsten,
künstlerischen Verständnisse hergestellten Reproduktion zur allge-
nen Kenntnifs bringen wird. (Wartburg, Nr. 5.)
20) Sieg bürg. In der Aulgasse, die seitwärts dem Seehof
zuführt, liegt der sogen. Scherbenberg, der jetzt zum Theil mit
Gartenanlagen versehen wird. Beim Umgraben fand man die
schönsten und merkwürdigsten Erzeugnisse der früheren
Töpferkunst. Einer der aufgedeckten (bereits der 13.) Back-
ofen enthielt Töpfe, auf denen die ganze biblische Geschichte,
Zeichnungen, Jahreszahlen, römische Siegesgöttinnen, Kaiser Kon-
stantin, Wappen von Jülich, Cleve und Berg, alles in den schön-
sten Farben und Glasuren, abgebildet sind. Alles ist in feinstem
Thon hergestellt. Auch viele Formen, welche damals zur Zeit
der Töpferkünst gebraucht wurden, fanden sich vor.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 300.)
21) In Nr. 57 der Blätter f. Münzfreunde vom 1. Januar d.
J. berichtet Stenzel über den, auch von uns (Nr. 158, Sp. 351 v.
J.) erwähnten Münzfund zu Bergwitz, der demnach durchaus je-
nen hohen Werth nicht hatte, vielmehr nur aus 200 Silbermünzen
einzelnen Thalern, sowie Groschen, halben Groschen und Dreiern
vom Schlüsse des 15. u. der ersten Hälfte des IG. Jhdts. bestand.
Der Fund ist, da die älteste Jahrzahl 1475, die jüngste 1545 ist,
da die sonst häufigen Spitzgroschen und Dreier von Kurfürst
Moritz nicht dabei sind, wol zur Zeit der Schlacht bei Mühlberg
1547 vergraben worden. Numismatische Seltenheiten enthielt der
Fund nicht.
22) Am 1. Sept. v. J. fanden Arbeiter beim Umpflügen eines
Ackers der Grofs-Sehrener Feldmark bei Deutsch -Eilau in Preu-
Isen einen Kupferkessel mit alten Silbermünzen, die '/i Scheffel
füllten, dem Typus nach — hüben Adler, drüben 2 Kreuze, die
Umschrift „unleserlich" — Danziger Schillinge.
(Bl. f. Münzfreunde Nr. 57.)
23) Dr. A. Bufson zu Innsbruck berichet (Bote f. Tirol und
Vorarlberg Nr. 265, Beilage) über einen im Vintschgau gemachten
Fund von Münzen des 15. Jhdts., meist des Erzherzoges Sigismund,
einigen Goldgulden, wenigen Grossi oder Halbpfündnern, übrigens
Etschkreuzern oder Zweinzigern desselben. Etwa 600 Stück der
letzteren und 17 Kreuzer Kaiser Friedrich's HI. aus Wiener Neu-
stadt und 2 Stücke von Steiermark sind für das Ferdiuandeum
erworben worden. (Bl. f. Münzfreunde Nr. 57.)
24) Zur Abfassung einer Statistik über alles in öffentlichen
und Privatsammlungen vorhandene archivalische Material hat die
k. k. Central - Comm. f. K. u. bist. Denkra. ihren Conservatoren
den Auftrag der Berichterstattung auf Grund eines ausgetheilten
Fragebogens gegeben.
25) Am 5. Febr. kommt bei T. 0. Weigel in Leipzig die histo-
rische Bibliothek des Geh. Rathes Pertz, ungefähr 3500 Werke,
unter den Hammer. Die specifisch historischen Werke, Urkunden-
bücher, Regestensaramlungen , .Cartularien, Diplomatorien, Memoi-
rensammlungen u. s. w. bilden tausend Nummern.
26) Die Turiner Akademie macht soeben bekannt, dafs der
im Jahre 1835 zu Turin verstorbene Dr. Bressa ihr sein Vermögen
mit der Bestimmung vermacht hat, dafs, sobald die daran gebun-
dene Nutzniefsung aufhören werde , alle 2 Jahre Preise vertheilt
werden, die einmal für Gelehrte aller Nationen bestimmt sind,
das folgende Mal für Italiener, die innerhalb 4 Jahren auf irgend
einem Gebiete des Wissens das wichtigste Werk veröft'entlicht,
oder die bedeutendste Entdeckung gemacht haben. Zum ersten
Mal wird nun der Reinertrag des Vermögens aus den Jahren 1877
und 1878 an einen Gelehrten irgend welcher Nation und Wissen-
schaft für die wichtigste in den Jahren 1875 — 1878 geschaftene
Arbeit nach bestem Wissen der Turiner Akademie vergeben wer-
den. Möge es die deutsche Geschichtswissenschaft sein, welche
solches Preises würdig erkannt wird!
Verantwortliche Redaction : Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei ü. E. Sebald in Nürnberg.
Sfürnberg'. Das Abonnement des Blat-
tes, welches alle Monate erscheint, wird
ganzjährig angenommen und beträgt nach
der neuesten Postconvention bei allen Post-
ämtern und Buchhandlungen Deutschlands
incl. Oesterreichs Sfl. 36kr. im 24 fl.-Fufs
oder 6 M.
Für Frankreich abonniert man in
Paris bei der deutschen Buchhandlung von
F. Klincksieck, Nr. IX rue de Lille; für
ANZEIGER
FÜR KIHE DER
Neue Folge.
England bei Williams & Norgate, 14 Hen-
rietta-Street Covent - Garden in London ;
für Nord-Amerika bei den Postämtern Bre-
men und Hamburg.
Alle für das german. Museum be-
stimmten Sendungen auf dem Wege des
Buchhandels werden durch den Commie-
Bionär der literar.-artist. Anstalt des Mu-
seums, F. A. BrockhauB in Leipzig, be-
fördert.
]
Yierundzwanzigster Jahrgang.
1871
ORGAN DES fiERilUMSCHEN MUSEUMS.
Februar.
Wissenschaftliche Mitthtiiunsen.
Buntglasierte Tlionwaaren des 15.— 18. Jahrhunderts
im germanischen Museum.
XVIII.
Wir haben in der V. Abtheilung dieser Aufsätze auf eine
Platte hingewiesen, die, dem Beginn des 16. Jahrh. angehörig,
mit glänzend weifser Glasur und blauen Zeichnungen versehen
und als „Porcellana" zu bezeichnen ist. Der Verfasser dieser
Aufsätze ist nun allerdings nicht in der Lage, mit jener Be-
stimmtheit, wie sie nur auf authentische Dokumente gegründet
werden kann , nachzuweisen , dafs das chinesische Porzellan
schon im Beginn des 16. Jahrh. bei den Italienern gerade un-
ter dieser Bezeichnung bekannt war und dafs jene italienischen
Porcellanas unter dem Einflufs des chinesischen Porzellans ent-
standen sind; -vielleicht stammt jene Bezeichnung auch nur
aus Persien, wo allerdings Fayencegeschirre hergestellt wur-
den, die in ihrer Glasur das chinesische Porzellan imitieren
wollten. • Die persische Keramik in den Kreis unserer Studien
direkt hereinzuziehen, liegt kein Grund vor; ohnehin würden
dem Verfasser dieser Aufsätze die nüthigen Vorbereitungen
dazu — das Studium der orientalischen Sprachen und Schrift-
quellen — fehlen. Allein berühren müssen wir dieses Gebiet
doch, da jene orientalischen Erzeugnisse schon sehr früh, wahr-
scheinlich vermittelt durch Venedig, gleich den italienischen,
ihren Weg nach Deutschland, besonders nach Nürnberg, gefun-
den hatten, wo sich in den Häusern der Patrizierfamilieu Bei-
spiele bis auf unsere Tage gerettet haben, von denen mehrere
in unser Museum gekommen sind.
Da allgemein menschliche Eigenschaften bei allen Völkern
sich wiederfinden, so dürfen wir uns über die Thatsache nicht
wundern, dafs die eigenthümliche, in manchen Dingen der christ-
lichen, wie muhamedanischen des Mittelalters überlegene da-
malige chinesische Kultur den Völkern, welche sie kennen lern-
ten, imponierte, und dafs diese sich Manches daraus anzueignen
suchten. So soll wiederholt in Persien die Hinneigung zur
chinesischen Produktion — wir würden heute sagen, die chine-
siche Mode — so stark gewesen sein, dafs man chinesische
Erzeugnisse in grofsera Umfange nachahmte und nicht blos
deren Technik sich anzueignen strebte, sondern auch den Stil
der Verzierungsweise. Das Museum besitzt mehrere grofse
Fayenceplatten, die in mattblauer Zeichnung auf miichweifsem
Grunde chinesische Motive in der Gruppierung muhamedani-
scher Kunstweise zeigen. Wir bilden in Fig. 1 eine derselben
ab. Wir sind nicht in der Lage, zu entscheiden, welcher Pe-
riode der persischen Kunstweisen sie angehören. Wir möchten
nicht glauben, dafs sie zu früh datiert werden dürften, vielmehr,
dafs sie ungefähr jener Zeit angehören müssen, in welcher die
Beziehungen Nürnbergs zu Venedig die engsten und in welcher
auch die italienischen Fayencen dorther eingeführt wurden,
also dem 16. Jahrh. Da Sicheres über die Zeit, wann unsere
Stücke nach Nürnberg gekommen, nicht feststeht und später
die persische Keramik andere Motive zeigt, so mag diese Zeit-
bestimmung angenommen werden. Wünschenswerth würde es
sein, sie festzustellen ; denn man glaubte längere Zeit, annehmen
zu dürfen, dafs eine andere Art buntglasierter Thonwaaren
35
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
36
persisch sei, die wir heute als solche nicht mehr gelten lassen
dürfen.
Es finden sich unter den alten Gefäfsen, welche in Deutsch-
land sich erhalten haben, auch solche, die den Charakter der
muselmänischen Kunst in entschiedener Weise zur Geltung
bringen ; dem Stile der Zeichnung nach sind zwei verschiedene
Fis
Richtungen zu
unterscheiden.
Bezüglich der
Ausführung
zeigen beide
sehr glänzen-
de Emailglasur
und solche
Feinheit der
Farbenstim-
mung, dafs sie
mit dem Por-
zellan wettei-
fern können.
Mau hält beide
Richtungen
indessen als
Ausflufs einer
und derselben
Fabrikation.
Man bezeich-
net , wol mit
Recht, die In-
sel Rhodus als
Entstehungs-
ort und glaubt,
persische Ge-
fangene als die
Anfertiger be-
zeichnen zu
sollen. Es ist
uns keine si-
chere histori-
sche Aufschrei-
bung darüber
bekannt geworden. Wir können also die Nachricht nur als
H3-pothese betrachten. Zur Unterstützung derselben mag die
Thatsache angeführt werden, dafs wir selbst auf Rhodus eine
grofse Anzahl solcher Schüsseln und Teller, theilweise von ganz
hervorragender Schönheit, gesehen haben, und dafs die Mehrzahl
jener Stücke, welche europäische Museen zieren, in jüngsten
Jahrzehnten aus Rhodus kam, da doch die Zahl derer, welche
sich von alter Zeit her in Deutschland erhalten haben, nicht
grofs ist. Bemerkenswerth ist dagegen, dafs jene, welche, um
die persische Keramik zu studieren, ganz Persien bereist*),
*) Herr Mechin, welcher im Jahre 1866 in Paris eine grofse
'::;-s.
'*Illll""""H|,
dort keine ähnlichen Stücke gefunden haben. Es kann deshalb
aber auch die zufällig nachzuweisende Unterbringung persischer
Gefangener auf Rhodus aufser jedem Zusammenhang mit die-
sen Arbeiten stehen. Wohl aber mag eine gewisse Verwandt-
schaft mit jenen Fayenceplättchen , welche in Brussa, Constan-
tinopel und anderen Städten der Türkei in eben so schöner als
, reicher Weise
zum Schmuck
der Gebäude
als Wandbe-
kleidung ver-
wendet sind,
es rechtferti-
gen, türkische
Arbeiten darin
zu sehen, wenn
auch vielleicht
nur irgend ein
besonderer
Stamm der un-
ter türkischer
Herrschaft ste-
henden Muha-
medaner jene
Plättchen , so-
wie diese
Schüsseln und
Teller gefer-
tigt hat. Wir
müssen es al-
lerdingsgründ-
lichen Kennern
des Orients
überlassen, zu
entscheiden,
ob diese Tö-
pfer, allenthal-
ben im türki-
schen Reiche
--"'" angesessen,
ihre Waaren
an den Orten l'eitigten, wo unsere Zeit solche gefunden, oder
ob sie, an einem oder einigen wenigen Orten gefertigt, als
Waare überall hin versendet worden sind.
Aus Mangel an sicheren historischen Nachweisen können
wir auch nur auf dem Wege der Vergleichung mit dem allge-
meinen Gang der Ivunstgeschichte die Frage zu lösen versu-
chen, ob die beiden Stilrichtuugen in der Dekoration der Tel-
ler einander gefolgt, oder ob sie neben einander hergegangen-
sind. Wir hallen jene für älter, welche entschieden die Mo-
Sammlung persischer Fayencen unter den Hammer brachte. (Dem-
min, Guide de Famateur de Faiences, T. I, p. 127.)
.37
tive der maurischen Dekoratious-
weise angewandt zeigen, wie z. B.
der in Fig. 2 dargestellte Teller.
Bemerkenswerth ist bei dieser
ganzen Reihe von Fabrikaten der
eben so hell leuchtende Glanz der
einzelnen Farben, als die harmoni-
sche Stimmung derselben. Der
Grund ist, wie bei unserer Schüs-
sel, ein herrliches Blau, das weder
in den italienischen noch deutschen
Erzeugnissen erreicht ist; als zweite
Farbe tritt ein reines, fast zin-
noberartiges Roth auf, das im
Abendlande gar nie in der Kera-
mik vorkommt, aber auch den wirk-
lichpersischen Arbeiten völlig fehlt.
Ein schönes Grün findet sich aller-
dings ganz ähnlich in den persi-
schen Arbeiten. Gerade das er-
wähnte Roth ist es aber, welches
diesen türkischen ihre leuchtende
Farbe gibt. Ist das
matte Blau, das mil-
chige Weifs der wirk-
lich persischen Arbei-
ten, theilweise in Ver-
bindung mit bräunli-
chem Gelb und Grün
und bräunlichem Vio-
lett, bei den persischen
Arbeiten zu zarter
Harmonie gestimmt,
so ist jene türkische
Harmonie, gegenüber
der persischen, als ener-
gisch zu bezeichnen,
wobei aber doch eini-
germafsen das Durch-
sichtige, Porzellanarti-
ge hinter den persi-
schen an Zartheit zu-
rücksteht. Mit der En-
ergie derFarbe der tür-
kischen geht aber auch
eine grofse Genauig-
keit und Gewissenhaf-
tigkeit der Zeichnung
Hand in Hand, durch
welche allein eine sym-
metrisch oder sonst
streng geometrische
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
Fig. 2.
Fig. 3.
38
Anordnung des Ornaments möglich
ist, da genau in derselben Form
sich die einzelnen Blätter und Rau-
ken stets an bestimmter Stelle wie-
der einfinden müssen. Da wir sol-
che Fayenceplättchen an bestimmt
datierten Gebäuden des 14. und
15. Jahrb. sowohl, als an solchen
des 16. Jahrb. finden, so mögen
auch die undatierbaren Teller aus
dem 16. Jahrh. stammen und von
den Türken in Rhodus bald nach
der Eroberung gefertigt sein. Die
Strenge der Anordnung steht im
Gegensatze zu der Freiheit in den
erwähnten, von uns für gleichzei-
tig gehaltenen persischen Arbeiten.
Dieses gröfsere Sichgehenlas-
sen, aber auch geringere Sorgfalt
der Arbeit in jeder Beziehung, er-
scheint allerdings in der zweiten
Art der Dekoration jener tür-
kischen Wandbeklei-
dungsplättchen sowohl,
als der Rhodiser Tel-
ler. Es sind der na-
türlichen Pflanzenwelt
entnommene Motive,
die auf weifsen, sel-
tener blauen Grund
mit grofser Freiheit
des Entwurfs in grü-
ner, blauer (resp. wei-
fser) und rother Farbe
gezeichnet sind, theil-
weise mit schwarzen
Conturen und ähnli-
chen Andeutungen von
Blaftrippen u. dergl.
Dafs in dieser zwei-
ten Art eine gröfsere
Hinneigung an persi-
sche Arbeiten erkennt-
lich, läfst sich nicht
läugnen. Immerhin
aber bleibt Vieles, was
sie davon unterschei-
det, insbesondere die
frische Energie der
Farbenstimmung, die
Verwendung des vor-
hin erwähnten Roths,
39
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
40
welches bei persischen Werken nie vorkommt. Vielleicht ist
es auch nicht der Ursrpung aus Persien, auf welchem die Ver-
wandtschaft beruht, sondern die Abstammung daher, woher
auch Persien diese Elemente bezog — aus Indien, denn man-
ches Motiv" deutet auf direkte Abstammung aus jenen Ländern
hin. Wir haben auch hier keine andern positiven Beweise,
als sie die Formensprache uns bietet, und so soll es auch nur
angedeutet sein, dafs wir in dieser zweiten Richtung, von wel-
cher Fig. 3 eine Probe gibt, eine jüngere Zeit erkennen und
in diesen Tellern Werke des 17. und 18. Jahrb. sehen, wobei
wol wiederum jene mit blauem Grunde die älteren sind, die in
der Farbe noch jenen des 16. Jahrh. nahestehen. Wir wollen
nicht unterlassen, zu bemerken, dafs unsere beiden, in Fig. 2
und 3 abgebildeten Teller nicht zu den neu importierten ge-
hören, sondern sich von alter Zeit her hier befinden. Erst in
letzter Periode scheint diese Richtung in ihrer Gesammtheit
auf Persien gewirkt zu haben ; denn in Persien finden sich nur
solche verwandte Werke, die sich nicht nur als junge Erzeug-
nisse selbst charakterisieren, sondern auch roh, fast unbeholfen
gezeichnet, hart in der Farbe, von schlechter, rissiger Glasur
sind, welche auf rauhen Thon aufgetragen ist, während die
besseren Arbeiten alle einen älteren, eigenthümlichen , hieven
sehr verschiedenen Charakter zeigen.
Mehr Verwandtschaft aber tragen noch die bis fast auf
die Gegenwart fortgesetzten Arbeilen einer Reihe von Völker-
schaften der europäischen und asiatischen Türkei, von Marokko,
und anderen Orten Afrikas.
Nürnberg. A. Essenwein.
Das Gebetbuch der Markgräfiu Susanna von Branden-
burg vom Jahre 1520.
Auf 185 Pergameutblättern in klein Quartformat, von
denen 46 mit kostbaren Miniaturbildchen und aufserdem 167
mit entsprechenden verschiedenartigsten Randverzicruugen ge-
schmückt sind, ist ein selten schönes Familienstück, welches
einem längst ausgestorbenen Zweige der Markgrafen zu Bran-
denburg angehört», im Markgräflichen, jetzt Grofsherzoglichen
Hause von Baden bis auf den heutigen Tag fortgeerbt. Es
ist ein Gebetbuch, wesches, wie auf dem 3. Blatte zu lesen
steht, am Sonntag Laetare des Jahres 1520 angefangen und,
wie die Wappentafel auf dem 4. Blatte nachweist, der Gemah-
lin Itlarkgraf Casimirs von Brandenburg, Susanna geb. Pfalz-
gräfin bei Rhein, Herzogin in Ober- und Nieder- Bayern, ge-
widmet wurde. Es befinden sich auf dieser Tafel, aufser den
von einer Engelsgestalt gehaltenen Hauptwappen Brandenburg
und Bayern, am Rande (heraldisch) rechts die entsprechenden
4 Brandenburgischen, links die entsprechenden 4 Bayerischen
grofselterlichen Wappenschilde. Auf der 2. Seite des 27 Blat-
tes, auf welchem ein Festzug spielender Kinder dargestellt ist,
erscheinen abermals die Wappen von Brandenburg und Bay-
ern als Fahnenbilder. Auf Blatt 42 ist eine Hirschjagd abge-
bildet, wobei 5 fürstliche Personen, 3 Herren und 2 Damen,
offenbar Porträtfiguren, dargestellt sind. Noch erscheint auf
Blatt 91, vor dem Bilde der heiligen Gottesgebärerin mit dem
Christuskinde kniend, die Porträtfigur einer fürstlichen Dame
im hermelinverbrämten Mantel. Auf Blatt 182, welches ehe-
dem mit Seidenband eiugefafst war, werden wir durch ein
grofses Miniaturbild überrascht, welches in halber Figur die
Porträte der ersten Besitzerin des Gebetbüchleins, der Mark-
gräfin Susanne, ihres Gemahls, des Markgrafen Casimir, und
der erstgebornen Töchter dieses Paares, Katharina und Maria,
darstellt. Auch auf diesem Blatte steht die Jahreszahl 1520.
Wir dürfen aber dabei nicht übersehen, dafs im Vergleich mit
einem im Kloster Heilsbronn befindlichen Gemälde auf Holz
vom Jahre 1527 und einem gleichzeitigen Glasgemälde in der
Ansbacher St. Gumpertus-Kirche, die Markgräfin Susanna, geb.
1502 am 2. April, verm. 1518, hier nicht in jugendlichem
Alter gemalt erscheint, sowie es auffallend ist, dafs die Töchter,
Maria (geb. 1519) und Katharina (geb. 1520), als Jungfrauen
dargestellt sind, und zwar Katharina, welche schon 1521 verstarb,
mit einer Krone geschmückt ist, während Maria, welche erst
1567 starb, einen grünen Kranz, vielleicht den Brautkranz,
trägt. Letztere vermählte sich 1537 mit dem Plalzgrafen,
späteren Kurfürsten Friedrich HI. von der Pfalz. Vielleicht
ist zu dieser Zeit eine Uebermalung des Bildes der Markgrä-
fin vorgenommen worden; daher würde sich auch erklären,
dafs dieselbe nicht, wie Markgraf Casimir, die Kette des
Schwanenordens trägt, mit welchem sie auf dem Heilsbronner
Bilde decoriert ist.
Von den aus Susannas Ehe mit dem Markgrafen entspros-
senen fünf Kindern sind die nach 1520 geborenen auf dem in
Rede stehenden Bilde des Gebetbuchs nicht nachgetragen, wäh-
rend auf den letzten Blättern desselben mit sorgfältiger Treue
von verschiedenen Händen bis zum Jahre 1557 die wichtig-
sten Ereignisse vermerkt sind,*) welche Susanna und ihre
Brandenburgischen Nachkommen betreffen, insbesondere ihre
S.Tochter Kunigunde, geb. 1524, vermählt 1551 Dienstag am
10. März mit dem Markgrafen Carl (II) zu Baden und Hoch-
berg, durch welche unseres Dafürhaltens das hochinteressante
Gebetbüchlein in den Besitz des Badischen Hauses gelangt ist.
Eine genaue Stammtafel, welche wir beifügen, dürfte dazu ge-
*) Der letzte Eintrag lautet : „Im jar als man zahlet nach
Christi vnsers Hern vnd Selig machers geburth xyc vnd Lvij Frei-
tags den acht Januarii vmb aj'lff vhr vormittag zu Pfortz9(heim)
im Schlofs starb der Durchleuchtig. Hochgeborn Fürst vnd Her,
Her albrecht der jünger Marggraf zu Brandenburg etc. ayn löbli-
cher vnd streitbarer Fürst vnd beschützer des vatterlands, seynes
alters gar nahendt bey xxxv Jaren, Der allraechtig geruhe seyner
vnd aller gläubigen sehlen, gnedig vnd barmhertzig zu seyn, vnd
ayn fröliohe Vrstend zu verleyhen, Ligt auch alhie zu pforczbj in
der grofsen kirch begraben."
41
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
42
eignet sein, diese unsere Ansicht, wenn nicht zu erweisen, so
doch wesentlich zu unterstützen. Was nun insbesondere 1. den
Inhalt und 2. die äufsere Beschafi'enheit des Gebetbüchleins
anlangt, so scheint zunächst beachtenswerth, dafs auf Blatt 1
eine Marienandacht, allerdings viel später geschrieben, ange-
ordnet wird, welche vielleicht mit der in den Statuten des
Schwanenordens vorherrschenden Marienverehrung in irgend
welcher Beziehung steht. Die erwähnte Aufforderung lautet:
„Die vier ermanung Vnser lieben Frauen: Beth syben ave
maria stend (stehend) darnach knie n3'der vnnd Beth
difs geheth."
Zunächst folgt auf Blatt 5 das Bild des Erzengels Michael
und nachstehend ein Gebet an denselben ; auf Blatt 6 ein Ge-
bet „zu Deinem eigenen Engel," d. h. Schutzgeiste. Es folgt
auf der 2. Seite des 7. Blattes ein Gebet zu St. Johann, dem
Evangelisten; auf der 2. Seite des 8. Blattes ein Gebet zu
St. Andreas. Auf der 2. Seite des 9. Blattes befindet sich
das schöne Bild der Verkiindigung, dazu auf Blatt 10 ein Ge-
bet, „unserer lieben Frauen Verkündigung anbetreffend." Auf
der 2. Seite des 11. Blattes folgt das Bild der hl. Brigitta.
Blatt 12 bis 27 stehen die l.ö Ermahnungen und einige Ge-
bete dieser Heiligen. Der Text schliefst auf dem 27. Blatte
mit den Worten:
„Bitt für vns heilige Brigitta das wir empfenglich werden
der verheifsung Christi."
Auf der 2. Seite des 28. Blattes beginnt Christi Lebens-
und Leidensgeschichte. Der Text lehrt, wie man diese Be-
trachtungen in 2 mal 12 Stunden eintheilen solle. Zu jeder
Stunde ist ein Bild mit Text geliefert, eine Eeihe sauber aus-
geführter Malereien, begleitet von heiteren, oft scherzhaften
Randzeichnungen. Auf Blatt 40, dem Bilde, wo Petrus den
Herrn verläugnet, ist wieder einmal die Jahreszahl 1520 an-
gebracht.
Von Blatt 65 anfangend, enthält das Gebetbuch eine Reihe
von Abbildungen und Anrufungen der in Franken und Ba3ern
mit besonderer Vorliebe verehrten Heiligen; zuerst St. Seba-
stian und St, Valentin; dann auf Blatt 67, 2. Seite: St. Sebal-
dus und St. Erasmus; auf Blatt 69, 2 Seite: St. Onoffrius
und St. Georg; auf Blatt 72, 2. Seite: St. Christophorus und
die 10,000 heiligen Märtyrer; auf Blatt 75, 2. Seite: die 14
Nothhelfer. Auf Blatt 76 befindet sich das Porträt eines Hof-
zwerges, welcher einen Raben füttert. Auf Blatt 59 kommt
auch in der Randverziefung ein Rabe, vielleicht derselbe, vor,
und zwar zusammengestellt mit einem Jagdhunde, welcher, so-
wie das Windspiel auf der 2. Seite des 44. Blattes, nach dem
Leben abgebildet zu sein scheint. Auf Blatt 78 folgt ein Gebet
an St. Alexius, welcher auf Blatt 79 mit St. Hieronymus dar-
gestellt ist. — Auf Blatt 82 ist St. Franciscus und St. Nico-
iaus abgebildet, worauf uns bei Blatt 83, dem schönsten im
ganzen Buche, welches lebhaft an die plastische Darstellung
von Veit Stofs in der Lorenz-Kirche zu Nürnberg erinnert, der
Rosenkranz Maria goldglänzend entgegenstrahlt, welchem die
fünf Psalmen der Mutter Gottes aus dem Bonaventuren-Psa'.ter
folgen. Es wird ausdrücklich gemeldet, dafs diese Psalmen
andächtig zu sprechen seien ,.für," d. h. „zum Schutz gegen"
die Pestilenz. Die Bitte um Abhülfe gegen Pest und jähen
Tod kommt in dem Gebetbüchlein vielfach vor, ja eigentlich auf-
fallend oft, um so wundersamer, als Markgraf Casimir, der Ge-
mahl der ersten Besitzerin des Gebetbüchleins, nachdem er
1527 als kaiserlicher Feldhauptmann siegreich wider die Tür-
ken gekämpft, zu Ofen an einer pestartigen Krankheit verstorben
ist. Auf der 2. Seite des Blattes 96 erscheint die selige Jung-
frau Apollonia und St. Margaretha; dazu gehören die nach-
stehenden Gebete. Auf der 2. Seite des 99. Blattes sind die
heiligen Jungfrauen Maria Magdalena und Ursula abgebildet.
Auf Blatt 102 befinden sich die Bilder der heiligen Elisabeth
und Katharina nebst entsprechenden Gebeten. Auf der 2. Seite
des Blattes 105 werden St. Barbara und St. Ottilia dargestellt;
Gebete folgen. Auf der 2. Seite des 108. Blattes sehen wir
die heilige Anna mit dem Jesuskinde und die heilige Maria
es wird dabei eines Ablasses gedacht, der im Jahre 1494 den-
jenigen ertheilt wurde, welche dreimal vor dem St. Anna-Bilde
ein nachfolgendes Gebetlein sprechen würden. Ein anderes
Gebet reicht bis Blatt 114. Auf der 2. Seite des Blattes 114
erscheint Christus mit den blutenden Wundenmalen, im Hin-
tergrunde die weinende Mutter des Herrn. Entsprechende Ge-
bete und Betrachtungen zu den verschiedenen Tageszeiten
reichen bis 141. Hierauf folgt ein Bild der schmerzhaften
Mutter, deren Brust sieben Schwerter durchbohren. Gebete
„zu den 15 Herzleid, die unsere liebe Frau gehabt hat," schlie-
fsen sich an; ebenso verschiedene Bitten zur betrübten- Gottes-
mutter, auf dafs sie Erbarmen habe und ihre Fürbitte schenke
uns armen Sündern in der Todesstunde.
Mit dem 161. Blatte endigen die Randverzierungen des
Büchleins. Kein Monogramm des Malers ist zu entdecken, we-
der auf den Bildern , noch auf den Randverzierungen. Es
folgt vom 162. bis zum 181. Blatte von anderer Hand die Pas-
sion nach dem Evangelium Matthäi, Kapitel 26 und 27.
Das Aeufsere des Gebetbuches hat im Laufe der Zeit
und im Vergleich mit dem wohlerhaltenen Innern sehr erheb-
lich gelitten. Wenn der gegenwärtige Einband wirklich noch
l'eberreste des ursprünglichen Einbandes zeigt, so waren die
Holzdeckel desselben aufserhalb mit schwarzem Sammet über-
zogen und innerhalb mit grüner Seite ausgeschlagen. Die Me-
tallbeschläge der Deckel, Silber vergoldet, sind nur theilweise
noch erhalten ; auf der obern, wie auf der unteren Seite ist in
der Mitte ein rundes Medaillon angebracht, auf welchem sich,
mit bunter Emailfarbe ausgelegt, das Herzoglich Bayerische
Wappen zeigt. Unverkennbar stammt aber das Wappen des
oberen Deckels aus späterer Zeit, als das des unteren, und
werden wir deshalb nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, dafs
auf dem obern Deckel sich ursprünglich der Markgräflich
Brandeuburgische Wappenschild befunden hat, und der Baye-
43
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
44
rische erst eingefügt wurde, als sich Susanna zum 2. Male,
und zwar am 17. October 1528 mit Pfalzgraf Otto Heinrich
bei Rhein, Herzog von Bayern, vermählte. Zwei vergoldete
Schliefsen, welche, wie noch ersichtlich, das Buch zusammen-
gehalten haben, sind leider nicht mehr vorhanden.
Berlin. Dr. R. G. Stillfried.
Ahneiitalel.
Albreoht Achilles,
Markjrraf t Br-lii-
deiiburg, Kurfürst ;
geb. 24. Nov. HU,
t 11. März liaii.
Anna,
Tochl. Friedrichs n.
Herzogs v. Sachseu;
geb. 7. .März 1437,
verm. 12. Nov. 1458.
t 31. Oct. 1512.
Casimir IV.,
König von Polen ;
geb. 29. Nov. 1427,
t 7. Juni 1492.
Elisabeth,
Tocbt.AlbrecblsII.
Komischen Kaisers ;
geb. . . .
verm. 10. Febr. 1454,
t SO. Aug. 1505.
Albert II.,
der Fromme , Her-
zog von Bayern ;
geb. 27. März 1401,
t 29. Febr. 1460.
Anna,
Tocht. Herzogs Eh-
rich V. Braunschw.-
Grubenhagen ;
geb. . . .
verm. 6. Nov. 1436,
t 14. Octobr. 1474.
Friedrich IV.
von Oesterreich.
Rüinischer Kaiser ;
geb. 21, Sept. 1415,
t 19. Aug. 1493.
Eleonore,
Tochter Konig
Eduards vonPortu-
gal ;
geb. 18. Sept. 1434,
verm. 16. März 1452,
t 3. Sept. 1467.
Triedrich der Aeltere,
Markgraf von Brandenburg
zu Ansbach und Bayreuth ;
geb. 2. Mai 1460,
t 4. April 1536.
Sophia
von Polen ;
geb. C. Mai 1464,
verm* 14. Februar 1479,
t 4. October 1512.
Albrecht III. der Weise,
Herzog von Bayern ;
geb. 15, December 1447,
t 18. März 1508.
Cunigunda
von Oesterreich,
geb. 16. März 1465,
verm. 1. Januar 1487,
t 6. August 1520.
Casimir,
Markgraf von Brandenburg ;
geb. 27. September 1481,
t 21. September 1527.
Susanna, Ile^-zogiu von Bayern,
geb. 2, April 1502, vorm. 24. August 1518,
t 12, März 1613 als Gemalüin des Ptalz-
grafen Otto Heinrich,
Davon fünf Kinder;
(vergl, Stammtafel,)
iStauiiutal'el.
Susanna, Tochter Albreclits III,, Herzogs von Bayern, geb. 2, April 1502, vermählte sich
1) am 24. August 1518 mit Casimir, Markgr;ifen zu Brandenburg, geb, 27, September 1481, starb 21, September 1527 ;
2) am 7, October 1528 mit Otto Heinrich, Pf.il/grafeii bei Khein. Herzog in Bayern, geb. 10. April 1502 f 12. Februar 1559.
Erste Ehe.
Maria,
geb. 11. Oct. 1519,
t 31. Oct. 1567,
Catharina,
geb, 16. Decbr, 1520,
t 15. März 1521,
Albrecht AIcibiades,
geb, 1522,
t 1557,
Cunigunde,
geb, 17. Juni 1523, f 27. Februar 1558,
verm. 10, März 1551 mit Carl 11., Mark-
grafen von Baden , geb, 24, Juli 1529,
t 23, März 1577.
Derselbe verm. sich zum zweiten Male
am 1, August 1558 mit Anna, Tochter
RupreCht'S von der Pfalz ; geb, 12, Ap-
ril 1510, t 30, März 1586.
Friedrich,
geb und t 1525.
Zweite Ehe.
zwei starben bei der Geburt.
Maria,
geb. 3. Jan. 1553,
t 11. Nov. 1501,
Albrecht,
geb, 12, Juni 1555
t 5. Mai 1574,
Dorothea Ursula. Ernst Friedrich Jacob III, Anna Maria, Elisabeth. Georg Friedrich
zu Pforzheim, zu Hocliberg, zu Sausenberg.
Friedrich, Markgraf,
I
Friedrich VI.
I
Friedrich VII.
I
Carl III. Wilhelm.
I
Friedrich.
I
Carl Friedrich,
Grolsherzog.
I
Leopold,
Grolsherzog,
I
Friedrich,
Grofslierzug 1S56
Gem. Luise, Tochter des
Kaisera u. Kouiga Wilhelm I.
45
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
46
Briefe des Dr. Sixt Tucher, Propsts bei St. Lorenz
in Nürnberg, an seinen Nachfolger Anton Kress,
1502-1504.
Mit dem Wachsthum Nürnbergs und seines Einflusses
nach aufsen liatten auch die hohen Kirchenämter der Stadt
an Wichtigkeit und Bedeutung gewonnen. Nürnberg gehörte
zur Bamberger Diöcese und die Bischöfe von Bamberg waren
bemüht, bei Besetzung der einträglichen Pfründen die Ange-
hörigen ihres Domcapitels und den Adel des Frankenlandes
zu berücksichtigen') und sich den Einflufs auf die kirchlichen
Angelegenheiten der Stadt zu wahren. Dies war dem Rath
unbequem, und er brachte es endlich durch seine geschäftsge-
wandten Vertreter am päpstlichen Hofe dahin, dafs Papst Six-
tus IV. im Jabre 1477 die Pfarreien zu St. Lorenz und St. So-
bald in Nürnberg zu Propsteien erhob und zugleich dem Rath
das Privilegium verlieb, während der päpstlichen Monate beide
Pfarreien zu besetzen. -) Vergebens suchten Bischof und Dom-
capitel zu Bamberg, als der erste Propst zu St. Lorenz, Dr. Pe-
ter Kuorr, am 24. Februar 1478 verstarb und der Rath sofort
die erledigte Würde dem in Rom weilenden Dr. Jörg Pfintzing
verlieh, die Bestätigung des Neugewählten in Rom zu hinter-
treiben ; vergebens erhoben sie Protest, als nach dem im Juni
1478 erfolgten Tod des Dr. Jörg Pfintzing der Chorherr des
Stifts zu Zürich, Dr. Lorenz Tucher, vom Rath zu seinem Nach-
folger gewählt wurde. Der Papst schützte die Nürnberger in
ihren neuerworbenen Rechten, auch der Kaiser nahm sich
ihrer an, und sie selbst wachten mit Eifersucht über die Auf-
rechthaltung ihres Privilegiums.
Dr. Lorenz Tucher, der dritte Propst bei St. Lorenz und
Custos des Domcapitels zu Regensburg, cedierte ums Jahr 1490
mit Zustimmung des Raths die Propstei gegen eine jährliche
Pension von 150 fl. und unter der Verpflichtung, an den Car-
dinal Franz Piccolomini von Siena, eine jährliche Abgabe von
100 fl. zu entrichten, an seinen gelehrten Vetter Dr. Sixt Tucher 3).
Geboren im Jahre 1459 als jüngster Sohn des nachmaligen
Losungers Anton Tucher 1. und der Barbara Stromer, hatte
Sixt Tucher von früher Jugend an zuerst in Heidelberg und
dann in Padua und Bologna die Rechte studiert, und sich,
nachdem er 1485 den Doktorgrad erlangt hatte, im Mai 1487
als Rechtslehrer an der Universität Ingolstadt niedergelassen.
Dort las er öffentlich neben seinem Landsmann Dr. Gabriel
Paumgärtner, führte längere Zeit das Rektorat und erwarb
sich hohes Ansehen. Nun folgte er dem Rufe des Raths seiner
') So mulste bei Erledigung der Pfarrei zu St. Lorenz durch
den Tod des Heinrich Tandorflfer im März 1438 der vom Rath in
Aussicht genommene Dr. Künhoffer dem Bamberger Vikar Johann
von Ehenheim weichen und erhielt erst nach dessen Tod die Pfar-
rei. Städtechroniken, Bd. I, S. 457 ff.
') vgl. Städtechron. Bd. XI, S. 472^ Note 1, S. 471", Note 1.
') vgl. das im Frhrl. v. Tucherischen Familienarchiv befind-
liche Tucherbuch fol. 56, dem auch die folgenden Notizen ent-
nommen sind.
Vaterstadt, liels sich zum Priester weihen und übernahm die
Propstei zu St. Lorenz, freilich, wie er selbst schreibt, nur
ungern. Bald entstand auch die Sehnsucht in ihm, des müh-
seligen , aufreibenden Amts wieder ledig zu werden, und lange
trug er sich mit dem Gedanken, es freiwillig niederzulegen.
Als im März 1503 sein Vorfahr Lorenz starb und die von
diesem innegehabte Pfründe eines Custos am Domcapitel zu
Regensburg auf ihn übertragen wurde, scheint die längst ge-
hegte Absicht zum festen Entschlufs gereift zu sein. Am 1. Sep-
tember 1503 schreibt er an Anton Krefs, dafs er entschlossen
sei, sein Amt niederzulegen und dem Rath die Wahl eines
Nachfolgers anheimzugeben ; zugleich räth er ihm wegen seiner
Jugend dringend davon ab, nach dem zwar einträglichen, aber
eine ungeheuere Last für Geist und Körper mit sich bringen-
den Amt zu streben.
Anton Krefs war als der Zweitälteste Sohn des xVnton
Krefs des Aclteren und der Katharina Löffelholz am 3. Fe-
bruar 1478 geboren, somit damals erst 25 Jahre alt 4). Nach
Christoph Scheurls Bericht hatte er schon als Kind durch ein
eminentes Gedächtnifs und grofse Lernbegierde sich hervorge-
than ; seine Schulgesellen, zu welchen auch der nachmalige, um
seine Vaterstadt so hochverdiente Losunger Hieronymus Ebner
gehörte, pannten ihn nur das Pfäfflein. Später hatte er mit
Ebner die Universität Ingolstadt bezogen und dort den Sixt Tu-
cher gehört, war dann 1498 nach Italien übergesiedelt, wo er
in Pavia sich den zahlreichen Zuhörern des berühmten Juri-
sten Jaso Maynus zugesellte, bis ihn der Ausbruch der Pest
und die Kämpfe des Herzogs Ludwig Moro von Mailand mit
Ludwig XII. von Frankreich zwangen, sich nach Padua zu
flüchten, um später wieder nach Pavia zurückzukehren. An
beiden Hochschulen lag er mit unverdrossenem Eifer seinen
Studien ob, stand in eifrigem Verkehr mit verschiedenen, auf
italienischen Universitäten studierenden Deutschen, wie Chri-
stoph Scheurl, Sebastian von Rotenhan und Anderen, und unter-
hielt mit Freunden und Verwandten in der Heimat eine leb-
hafte Correspondenz ; zumal wechselte er mit Wilibald Pirk-
heimer, der dem strebsamen Verwandten besonders zugethan
war, eifrig 'Briefe, von welchen ein Theil der Pirkheimerischen
erhalten ist. Im Jahre 1503 beabsichtigte er, seine Studien
abzuschliefson, und wandte sich an seinen Lehrer und väter-
lichen Freund Sixt Tucher um Rath und Hilfe zur Ausfindig-
machung einer entsprechenden Lebensstellung. War es auch
sein Wunsch, mit der Zeit eine kirchliche Pfründe zu erlangen, '•>)
so konnte er doch nicht darauf rechnen, in so früher Jugend
zu einem der wichtigsten Kirchenämter seiner Vaterstadt beru-
*) vgl. über ihn Dr. Chr. Scheurl, Commentarius de vita et
obitu reverendi Patris Domini Antonii Kressen, j. u. d. et prae-
positi Norimb. in collegio S. Laurentii etc. 1515, abgedruckt in
Goldast's Pirkheimeri opera.
*) j.Exoptasti tibi in ecclesiastico statu providteri'', schreibt der
Propst Dr. Topler von St. Sebald am 5. October 1503 an Anton
Krefs. (Kressisches Archiv.)
47
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
48
feil zu werden. Die beiden Pröjjste vvaicn neben dem Abt zu
St. Egidien die höchsten geistlichen Würdenträger der Reichs-
stadt und genossen fast bischöfliche Ehren. Er aber war Ju-
rist, hatte die Idrchlichen Weihen noch ni_cht erhalten, zählte
erst fünfundzwanzig Jahre und lebte seit geraumer Zeit fern
von seiner Vaterstadt. Darum ist es erklärlich , dals ihn die
Nachricht von seiner Wahl zum Propst, wie Scheurl erzählt,
aufs höchste überraschte und auf den Gedanken brachte, dals
unlautere Mittel angewendet worden seien, die Wahl durchzu-
setzen. Erst als er erfahren hatte, dafs es dem Eiuflafs seines
vor kurzem in den Ilath getretenen Freundes Hieronymus
Ebner, der seinen Charakter und seine Gelehrsamkeit zu schä-
tzen wufste, gelungen war, die Majorität im Piathe für ihn zu
gewinnen, entschlofs er sich zur Annahme der Wahl,
Es galt nun für Anton Krefs, so rasch als möglich den
Voraussetzungen gerecht zu werden, welche vor Antritt des
Amts erfüllt sein mufsten, und sein Vater wandte sich deshalb
mit der Bitte um Rath und Aufschlufs an Sixt Tucher und
den Propst bei St. Sebald, Dr. Erasraus Topler, welche beide
der an sie gerichteten Bitte entsprachen. Ihre Briefe sind,
gleichwie eine grofse Anzahl anderer, von verschiedenen Per-
sönlichkeiten an Anton Krefs gerichteter Briefe aus früherer
und späterer Zeit, im Krelsischeu Familienarchive erhalten und
geben interessante Aufschlüsse über die zwischen der Wahl und
dem Amtsantritt liegenden Vorgänge, über die Schwierigkeiten,
welche der jugendliche Propst in Rom zu überwinden hatte,
und die Opfer, welche er der erlangten Würde halben brin-
gen mufste. Anton Krefs befolgte gewissenhaft die Rath-
schläge der beiden Prälaten, erwarb zu Siena, nach dem unter
dem Siegel des Erzbischofs Johann Piccolomini von Siena aus-
gestellten Doktordiplom, am 20. November 1503 den Doktor-
grad und eilte von da nach Rom, um persönlich die Bestäti-
gung des Verzichts seines Vorgängers und seiner eigenen W'ahl
zu betreiben und sich die kirchlichen Weihen zu verschaffen.
Dort fand er unerwartete Schwierigkeiten ; zwar scheint der
neagewählte Bischof von Bamberg , Georg Marschalk von Eb-
net, die bei früheren Erledigungen durch seinen Vorgänger
mit allen Mitteln bekämpfte Besetzung der Propstei durch den
Rath unbeanstandet gelassen zu haben ; allein Papst Julius II.
selbst versagte seine Zustimmung zu einer Bedingung, von
welcher der Rath den Rücktritt des Sixt Tucher abhängig ge-
macht hatte, der Bedingung nämlich, dafs dem Zurücktreten-
den für den Fall einer weiteren Erledigung der Propstei der
Wiedereintritt in sein Amt *) vorbehalten bleibe. Allem Anschein
nach gelang es auch den Bemühungen des gewandten Nürnber-
ger Syndikus Caspar Wirth nicht, die Curie zur Nachgiebigkeit
zu bestimmen, und der Rath mufste sich bequemen, in den
unbedingten Rücktritt des Sixt Tucher zu willigen und sich
die Wiederaufnahme der Verhandlungen wegen des Wiederein-
trittsrechts für spätere Zeit vorzubehalten. Inzwischen erlangte
Anton Krefs, wie der im Namen des päpstlichen Kämmerers
Cardinal Raphael ausgestellte Weihebrief entnehmen läfst, am
7. December 1503 die kleinen Weihen, am IS. Februar 1504
das Subdiakonat, am 22. Februar in der Peterskirche das Dia-
konat und am 25. Februar in der Kirche St. Pantaleon die
grofsen Weihen. Am 6. April 1504, Samstag vor Ostern, traf
er in Nürnberg ein ; wenigstens liefs ihm der Rath an diesem
Tage den herkömmlichen Wein schenken. Seine Einsetzung
aber fand, nach Heinrich Deichslers Bericht, am Donnerstag
nach Ostern, den 11. April 1504, statt').
Bald stand der jugendliche Propst bei Rath und Bürger-
schaft in hohem Ansehen ; gleich seinen Vorgängern erwarb
er sich durch Frömmigkeit, Sittenstrenge und Gelehrsamkeit
das Vertrauen und die Achtung seiner Mitbürger. Allein sein
zarter, schmächtiger Körper vermochte die gewaltigen Anstren-
gungen des Amtes, das nach Scheurl 12000 Coramunikanten
umfafste, nicht lange zu ertragen ; er starb am 7. September
1513, erst 3 5 Vi Jahr alt, sechs Jahre nach seinem Vorgänger
im Amte, der am 24. October 1507 verschieden war.
Wir bringen nachstehend die obenerwähnten, nach Form
und Inhalt gleich interessanten Briefe des Dr. Sixt Tucher zum
Abdruck: sie sind mit kräftiger, leserlicher Handschrift auf
starkes Papier geschrieben und lassen zum Theil noch aufsen
auf dem durch grünes Wachs mit dem Hauptblatt verbunde-
nen, zum Verschlufs dienenden Papierstückchen das Tucherische
W'appen mit den zwei darüberstehenden Buchstaben S T er-
kennen.
1.
Spectabili ac ingenuo adolescenti doraino Anthonio
Krefs aguato amantissimo.
Salutem p. d. Accepi tuas literas Anthoni amantissime
quibus quamquam hucusque non respondi non tarnen id tui
oblivione aut uUa alienata mente factum existimes (quippe quem
mihi et patria et sangwis et longa conschwetudo coniunctissi-
mum reddit) sed quod nonnihil negöcii mihi ut plurimum ob-
stitit et eciam quia nil occurrebat quod te scire vel mea vel
tua interesset. Itaque ne id moleste feras velim, de loci muta-
cione®) non possum non probare Judicium tuum eciam si in-
fectio aeris ad id te non inpulisset ego enim aliquando pari
mutacione sum usus quam mihi plerisque respectibus non ob-
fuisse sensi, ,quamvis utrumque gimnasium tunc celebribus pre-
ceptoribus habundaret patavinum tamen quod prius ingressus
fueram magis placebat, tum quod illic scholasticorum maior
gravitas nee tam fluxa et mutans ut papie respublica sed sum-
ptuum et potissimum in vestibus luxus plurime et super quam
par esset inter scholares adeo creverat ut nisi quis singulis
anni partibus singulas et aptas tempori haberet, abiectior et
*) Regressus. Vgl. den vierten Brief.
') vgl. Städtechroniken, Bd. XI, S. 671" und Note 1 u. 2.
°) Anton Kreis war von Pavia, wo die Pest ausgebrochen war,
nach Padua übergesiedelt.
49
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
50
rainoris existimacionis haberetur practice preterea rectoratus
et rotuli non parum inpedimenti in discendo scholaribus pre-
stabant itaque me papiam conferebam ubi quamquam facilior
victus minor vestium porapa nee tanta vel tarn diuturna am-
bieio rectoratus foret tarnen tarn laxam lasciviendi et palara
delinquendi illic licenciam deprehendi ut potissimura nocturno
tempore nulli pene de domo ad domura pateret transitus adeo
latrociniis et cedibus ea urbs plena erat quibus scholares et
etiam germani inmixti putabantur alii tarnen ab huiusmodi
abstinentes studio et literis vacabant, inter quos et esse et haberi
cupiebam, uescio si fuerim habes itaque meam de utroque gim-
nasio censuram tu autem recte agis reliquis pretermissis pre-
ceptorum celebritatem contemplari inde enim flumen doctrine
et literarum nascitur gracia quarum tamquam ad bonarum ar-
cium mercaturam liinc profectus es fac itaque cum plurimo
lucro et pingwi usura ad nos revertaris ne ut inquit Cicero
cum omnia tibi supeditata sint tuipse tibi defuisse videaris de
quo tarnen apud me qui te et virtutes tuas jamdudura novi
dubium nullum relinquitur. Si quid erit in quo tibi mea opera
prodesse possit ea pro tuo arbitrio utaris babeo tibi gracias
de oracione oratoris feneti ad regem habita quam tarnen prius
ex Italia acceperam et videram scribis de rebus Italie quam
sint calamitose quod omne mihi verum perschwadeo sed nescio
an nostre meliores sint sed utinam non peiores adeo enim omnia
sunt apud nos latrociniis incendiis et deprecacionibus plena
nee uUus locus paci et juri relictus ut non possim non timere
illud paiilulum inperii quod superest vel ruiturum vel in aliene
gentis dicionem venturum nescio cui tribüam Las nostras cala-
mitates expedit forte eas nos pati ne nimis fiducie et spei
in hec transitoria colloceraus et rebus secundis elati mutabili-
tatis nostre cui subjacemus obliviscamur dabis bis incultis et
festino calamo scriptis literis veniam. Cupio te valere datum
nurmberge kalendis Januarii anno 1502.
Sixtus tucher J. U. doctor.
Cognato mihi amantissimo domino anthonio Kres
in gimnasio patavino utrique juri operam danti.
S. p. d. Accepi tuas literas anthoni amantissime non
unas sed repctitas binas vel ternas quibus quamquam non re-
sponderim non tamen uUa mea in te alienata mente id accidisse
arbitreris quippe qui te ob nostrara animi et sangwinis neces-
situdinem semper amavi et amo sed quia nonnulle mee occupa-
ciones interdum obstiterint vel dura ocii aliquid liaberem ta-
bellarii ad te profecturi se non obtulcrint nil preterea vide-
batur in prioribus contineri quod magnopere response indigeret
nunc autem et ocium nactus et sumpta ex proximis tuis literis
scribendi occasione has ad te dandas existimavi, scribis te
eciam hoc futuro anno juri canonico operam daturum et inde
sumptis doctoreis infulis in patriam rediturum petens ut in
consecucione alicuius Status honesti et tibi convenientis adiu-
niento tibi sim , non possum non probare propositum tuura
quod relicta Italia et crebris eius bellorum et pestis periculis
patriam repetere decreveris arbitror enim et tempus et dili-
genciara literis a te inpensam id postulare de condicone eciam
vivendi qua post doctoratum usurus sis prudenter cogitas ea
enim maxima mea quondam fuit cura dum doctoratns mei
tempus adventabat ne in patria absque negociis non tamen
absque dedecore ocio tempus tererem hincque fiebat ut anno
et ultra reditum differrem donec condicio apud praesulem frisin-
gensem mihi allata et obtenta fuerat. Et quia nonnihil tua
interesse poterit cuins sim propositi nolo id te pretereat, pre-
fui eclesie S. Laurencii ut nosti jam pluribus annis non vo-
lens sed pro maiore parte pene invitus statui enim jam multo
tempore reliquo etatis mee spacio non mare negociorum mundi
huius et in alto sed in tranquillo et bumili navigare viribus
corporis et animi pusillis id exigentibus itaque decrevi cedere
eclesie et in arbitrium senatus huius urbis quem velint ad il-
lam jure suo presentare conferre cum ego qui habeat et literas
et etatem coniunctas et ad eum statum oportunas inter gentiles
huius civitatis nesciam, Nam quamvis tibi litere non desint eta-
tem tamen maturam que illi sarcine sufficiat tibi deesse exi-
stimavi quamvis postea te maiorem quam ratus fui esse au-
dierim cuius preterea in ea re animi fores me latuit Utcunque
sit accipio genitorem tuum tui honoris et comodi ut par est
cupidum mihi ut successor constituaris desiderare quod si pro
dei laude et tua salute futurum est rogo deum ut voto potia-*
tur. Sed crede mihi si multo coniunctior et carior quam sis
mihi esses multo mihi gracius foret ea dignitate post sex vel
decem annos te potiri quam nunc quamquam enim honestissi-
mus ille sit Status et emolumenti plurimi pingwis tamen sar-
cina ingens anime et corporis ei non deest que ab bis facile
fertur qui jam dicta duo magnipendunt, foret preterea eius qui
ille eclesie preerit maior auctoritas si post doctoratum in alio
statu existimacionem et nbticie aliquid apud exteros fuisset
nactus hoc tamen tibi de me pollicearis quod si ad eam curam
presentaberis me tibi in ea ferenda et bene agenda adiutorera
et consultorem fore si minus dabo tamen operam si forte ad
aliquam aliam honestam vivendi condicionem tibi auxilii et con-
silii esse possim et si quidem legendi raunere in gimnasio no-
stro ingolstatensi potiri valeres ut tuipse censes putarera et
incremento doctrine et existimacioni tue plurimum conferre nee
preterea experimentum negociorum curie alicuius tibi obfutu-
rum esset quamquam ibi multo tempore figere pedes grave ar-
biträrer anime et corpori durum, quidquid itaque tibi libuerit
et quecunque vita se tibi obtulerit in ea operam raeam quan-
tulacunque est paratam habiturus es Cupio te valere meque ut
soles a te amari que tibi de proposito meo cessionis detexi
sepulta retineas interest enim senatus huius urbis ne palam
tiat donec proficiatur quamvis jam in multos dispersa sit et
minus caute. Iterum vale datum nurmberge die ipso S. Egidii
anno 1503.
Sixtus tucher
J. V. doctor.
51
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
52
3.
Spectabili et juris utriusque doctissimo domiiio
Anthonio Kres sibi araaiitissinio cognato et fautori.
Salutem p. d. Anthoni amantissime dedi superioribus die-
bus meas ad te literas quibus tuis respondi petebas enim eo
quod doctoratui vieiniis e^ses ut in adipiscenda aliqua vivendi
condicione tibi auxilio et coiisilio forem hinc sunipta occasione
tibi meum propositum detcxi quomodo non nunc piinium sed
jam multis annis statuissem deposita liac eure mee sarcina re-
liquura vite mee tempus submissius et quieoius terere quodque
hujus rei causa in arbitriura senatus hujus urbis disposicionem
successoris deligendi contulissem quoniani ego qui literas et
etatem coniunctas et ad eam provinciam aptas baberet ne-
scirem nani quanfivis tibi litere non desint tarnen etas nondum
matura putabatur. pollicebar tibi nihilominus omnem meam
operam si senatus te mihi successorera constitueret ut patrem
tuum cupere senseram eas meas literas si acceperis nescio uol-
leni enim eas in manus venisse alienas, quomodo subsequenter
res acta sit arbitror te literis paternis accepisse scilicet sena-
tum te mibi surrogasse de quo tibi ut debeo congratulor orans
et obsecrans deum summum maxiniuni ut ea dignitas sit tibi
et plebi tue eterna corporis et anime salus et ut tibi prius
poUicitus sum ita et nunc auxilium et consilium meum omne
tibi offero in subeunda et administranda ea provinoia quam
consequeris maiore comodo et quiete quam aliquis in ceutum
annis eam est consecutus nullam enim mihi es daturus pensio-
nem sed solos centum anuos aureos cardinali") qui etate et
laboribus confectus diu superstes esse nequit, fuimus alias simul
dominus meus S. Sebaldi ■") magister Jo. Polraus ") et ego ex
commissione senatus consultantes quomodo et quo ordine res
tua agenda sit et placuit nobis ut tuipse Romam proficiscaris
et in itinere in studio Senarum accepto doctoratu quem ibi
levi impensa babiturus es ") et illico cum Rome fueris mino-
') Joannes Antonius episcopus Tusculanus S- R. E. Cardina-
lis Alexandrinus , an welchen die Pension von 75 Ducaten nach
Ausweis der im Krefsischen Archiv vorhandenen fünf Quittungen
bis zum Jahre 1509 bezahlt wurde. Die erste derselben lautet:
Xos Jo. Antonius Epus Tusculaü S. R. e. CarliJ Alexandrifi. Con-
fitemur habuisse et recepisse a ven^^ uiro dfio Antonio Krefs Pre-
posito eccji s*± Laurentii Nuremburgeü ducatos Septuagintaquin-
que auri de camera occasione pensionis nobis debite in festo Na-
tivitatis düi prox pti super fructibus dicte Prepositure S" Lau-
rentii. Ideo de dictis ducatis Septuagintaquinque auri eundem
dnm Antonium tenore pntium quietamus. In cuius rei fidem pn-
tem quietationem manu nostra propria subscriptam fieri mandavi-
mus Datum Rome in pal2_ ap52 x Januarii 1505.
Jo. Ant. epus Tusculaü Car'Jf Alexafi.
'") Der Propst Dr. Erasraus Topler bei St. SebalJ in Nürnberg.
") Joannes Polraus, clericus Bamberg, dioces., apostolioa et
imperiali auctoritate notarius, wie er sich im Testamente des An-
ton Krefs von 1513 nennt.
'^) Erasmus Topler schreibt am gleichen Tage unter Anderem
an A. Krefs: . . . consuUura duco . . . ut Senis insignia capias
ribus ordinibus iuiciatus et beneficii capax effectus rem tuam
consilio et auxilio d. Casparis Wirt") et d. Eberhardi Cad-
mers agas et facta inde expeditione comodum tibi et utile a
nobis Visum est ut et maiores ordines et sacerdocium sumas
quod ibi forte triduo consequeris ubi apud nos longo spacio
opus forct, de ritibus autem missarum discendis et prima missa
celebranda vel Rome vel dum in patriara redieris apud nos
tuo arbitrio putavi relinqendum '*) velis tarnen omnino memi-
nisse si Rome id agere decreveris ne quem sacerdotem alienos
a patria nostra ritus in celebrando habentem ut te doceat
eligas eos enim dediscere non minus quam discere foret difficile,
dixi senatui et parenti tuo festum purificacionis terminum dis-
cessui meo et ingressui tuo fore convenientem velis itaque ne-
gocia tua maturare et ita disponere ut ad eum terminum ad-
ventes et possessionem ingrediaris interea ego possessurus non
minore diligencia rem eclesie et domus agam quam si multis
annis retenturus essem quod quia tua interest libenter faciam
curabo eciam ut familia qua opus est pro te conducatur pre-
ter eum qui tui custodiam babiturus et tecum horas dicturus
est studentem aliqucm cuius conductionem tuo arbitrio et tuo
adventui reservabimus huiusmodi enim quem ego habui mecum
et in domum meam translaturus sum forte solus vel forte cum
aliquo tali horas dicturus es itaque expedit eins electionem
tibi reservari de modo et ordine et impensa inpetracionis
agende meum non est ad te scribere sum enim ut nosti ea-
rum rerum imperitus credo dominum S. Sebaldi eius rei cau-
sa 1^) ad te literas dedisse quibus si quid pretermissum est in-
dum ad urbem Romam perges, in biduo te illic expedire poteris,
habebis illic scolasticos et dootores excellentissiraos obsequentes
nee ullum a doctoribus jurati vinculura (sicut in aliis gimnasiis)
proraoveri volentibus extorquent, nosti magnam libertatem rome
esse, sunt preterea minores inpense, poteris enim te summo ho-
nore in utraque censura inpeusa 35 ducatorum auri ad malus ex-
pedire ....
") Herr Caspar Wirt, der Nürnberger Syndicus oder Sollici-
tator am päpstlichen Hofe (Städtechroniken, Bd. XT, S. 671 Anm. 2),
den Erasmus Topler als integerrimus rühmt und ein anderes Mal
den semper fidissimum aohatem nennt.
'*) Topler war anderer Meinung und legte dem neuen Propst
dringend an's Herz, seine erste Messe in Rom zu celebrieren. Re-
liquum est, schreibt er, ut te moneam, quod omnino ac cicius
omnes saoros ordines illic assumas qui tibi expedite conferentur
ao primicias tuas illinc in urbe oelebres meique in oracionibus tuis
memor sis, hoc defuuoti parentes tui in alio forte orbe expectant,
hoc desiderium genitoris ac matris tue exoptat, hoc eciam persua-
dent mores huius nostre patrie ubi si primicias tuas celebrares
nuUi satisfacturus fores, tu satis intelligis, tu ipse tibi consulito,
necesse est ut te jam ad nostros mores conformes ....
'') Dies geschah auch. Topler schrieb: .... cum ad urbem
veneris Romam, primam tonsuram consilio Casparis Wirdt quan-
tocius capito ut beneficii capax efficiaris ac deinde caute cum consilio
prefati Casparis signaturam ex summo pontifice obtineas ac buUas
in cancellaria expediri eures cum buUa regressus pro antecessore
tuo Sixto (ita enim pater tuus senatui promisit) credo si diligenciam
53
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
54
formacio d. Casparis et d. Eberbardi suplebit, Voluit parens
tuus ut de bis omnibus meas darem literas quod ut ei et tibi
obsequerer feci quamvis festino et inculto calamo cui veniam
dabis cura ut valeas et eundo et redeundo a nocentibus ab-
stinens valitudini consulas si quid est quod ex rae velis jubeas
vale datum nurmberge die Jovis post festum S. Francisci
(5. Oäobcr) auno salutis 1503 etc.
Sixtus tucher J. U. doctor.
feceris habebis regressum gratis pro quo alias ducatos auri 100
exponere oportuit pro anata credo solves 165 ducatos pro bullis
Credo 59 ducatos si quid nimis exposueris lucro cedet tayani
haue summam ad maius. Tu quoque rebus peraotis cura dictum
Casparem Wirdt aliquo munere afficere ita eciam genitor tuus con-
stituit ducatos auri decem
Nürnberg. Freih. Georg von Krefs.
(Schluls folgt.)
Eiu Keliquiar von >V. Jamitzer.
(Mit einer Tafel.)
Es ist eine alte Ueberlieferung, dafs Wenzel Jamitzer der
bedeutendste Goldschmied Nürnbergs im sechzehnten Jahrhun-
dert gewesen sei. Er hat bei seinen Zeitgenossen sowohl, als
bei der Nachwelt grofsen Ruhm erlangt. Sein Name wird
stets in erster Reihe genannt, wenn man die Männer aufzählt,
denen Nürnberg seine weltgeschichtliche Bedeutung auf dem
Gebiete der Kunst und der Kunstgewerbe verdankt. Wenn
man aber fragt, was Jamitzer denn eigentlich geschaffen, und
worin seine Bedeutung bestehe, so wird man stets nur auf den
Merkel'schen Tafelaufsatz (jetzt im germanischen Museum) ver-
wiesen, allerdinu'S ein Werk von hervorragender Bedeutung,
welches allein aber doch lange noch nicht genügt, um den ho-
hen Ruf des Meisters zu erklären. Ab und zu wird wol auch
noch ein oder das andere kleine Stück, welches irgend ein
Kunstliebhaber besitzt, und das ihm besonders wohlgefällt,
wenn es sauber gearbeitet ist, oder wenn gar in Silber gegos-
sene kleine Thiere daran sich finden, dem Jamitzer zugeschrie-
ben. Es geschieht eben in dem Glauben, dafs dieser Meister
das Beste gefertigt habe, was auf diesem Gebiete im sech-
zehnten Jahrhundert überbaupt geleistet worden ist. Worin
aber das Charakteristische der Kunstweise Jamitzers besteht,
wodurch seine Arbeiten von denen seiner Zunftgenossen sich un-
terscheiden, wufste bis vor kurzem niemand anzugeben.
Es ist nun Aufgabe der Kunstforschung, den Charakter
der Kunstweise Jamitzers zu erforschen und seine Werke,
welche über die ganze gebildete Welt zerstreut sind, heraus-
zufinden. Dafür gibt es aber, da ein Verzeichnifs seiner Werke
uns nicht überliefert ist, keinen anderen Weg, als das Studium
der Kunstformen an den beglaubigten Werken des Meisters
— und das war bis vor kurzem einzig und allein der Mer-
kel'sche Tafelaufsatz — und der kritische Vergleich derselben
mit andern in Frage kommenden Werken. Auf diese Weise
gelangt man allmählich, sehr langsam, aber ziemlich sicher, zur
Kenntnifs der von dem Meister mit Vorliebe angewendeten
Kunstformen und des Geistes, in welchem er zu arbeiten pflegte,
und kann dann, mit dieser Kenntnifs ausgerüstet, im allgemei-
nen leicht bestimmen, ob ein vorliegendes Werk von ihm sein
könne, oder nicht.
Zu denjenigen Werken nun, welche dem Merkel'schen
Tafelaufsatze am nächsten stehen, welche daher am leichtesten
als Werke Wenzel Jamitzer's erkannt werden, gehört ein sil-
bernes, reichvergoldetes und emailliertes Reliquiar (später zu
einem Schreibzeug umgearbeitet), früher im Besitz des Hof-
antiquars Pickert in Nürnberg und von diesem vor etwa drei
Jahrzehnten an Herz in Manchester *) verkauft. Meine Kennt-
nifs desselben beruht auf einer, freilich nicht ganz befriedigen-
den Zeichnung von Rau, nach welcher IL Petersen den beilie-
genden Kupferstich gefertigt hat.
Dieses Reliquiar ist, wie der Merkel'sche Tafelaufsatz, mit
silbernen Pflanzen und Thieren geschmückt, Arbeiten, durch
welche, nach Neudörfer's Bericht, Jamitzer bei seinen Zeit-
genossen grofses Aufsehen erregte. Auch finden sich an dem-
selben viele Einzelformen, welche auch an anderen Werken begeg-
nen, die ich nach sorgfältigem Vergleiche, als von ihm herstam-
mend erkannt habe und die für ihn charakteristisch sind. Es be-
steht aus einem runden Behälter mit Deckel auf einem sechsecki-
gen Unterbau. Der Unterbau ist streng architektonisch gehalten
und ruht auf sechs kleinen Schildkröten. Seine Flächen sind
in etwas kleinlicher Weise getheilt. Die glatten Felder sind
grün emailliert. Wie es scheint, hat er sechs Schiebladen, de-
ren Vorderseiten mit Löwenköpfen, welche kleine Ringe halten,
geziert sind. Auf diesem Unterbau ruht der runde, mit sechs
bildlichen Darstellungen (biblischen Scenen auf landschaftlichem
Hintergrunde) in Emailfarben geschmückter, niedriger Behälter.
Zur Vermittelung des Uebergangs von dem eckigen Unterbau
zu dem runden Mittelbau stehen auf den postameutartig vor-
stehenden Ecken drei kleine, mit emaillierten Ornamenten ge-
schmückte Vasen mit Blumensträufsen und drei kleinen Genien.
Der Deckel ist an seinem breiten Rande mit farbig emaillier-
ten, orientalischen Ornamenten versehen, zwischen welchen sich
aber auch Löwenköpfe — das Wappen Jamitzers — und Che-
rubimköpfe finden, und trägt als Bekrönung des Ganzen eine
Figurengruppe. In der Mitte steht das Kreuz Christi; am
Fufs desselben Maria und Johannes, ein römischer Haupt-
mann und ein Landsknecht in reicher, orientalisierender Tracht,
alles in Farben emailliert. Diese Gruppe ist von hohen, sil-
bernen Blumen und Blättern umgeben. Der Fufsboden ist
felsig, aber doch mit Pflanzen bewachsen u,nd ebenfalls email-
liert. Alle Pflanzen sind ohne Zweifel in derselben Technik
*) Herr Herz ist unterdefs gestorben ; den weitern Verbleib
des Kunstwerks konnte ich nicht ermitteln. Für betreffende Nach-
richten würde ich sehr dankbar sein.
55
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
56
ausgeführt, wie die ähnlichen Bildungen am Merkel'schen Tafel-
aufsätze, d. h. zum Theil aus dünnem Blech geprefst, zum
Theil üher der Natur geformt und gegossen.
Das Ganze, etwa 0,12 M. im Durchmesser und doppelt
so hoch, ist von sehr glücklichem Aufhau, von gefälliger Ge-
sammtforra und von reicher, harmonischer Farbenwirkung.
Nürnberg. R. Bergau.
genaue Abbildung an geeignetem Orte geben zu können.
Einstweilen diese kurze Notiz.
Dresden.
Richard Steche, Architekt.
Astrouoniisclie Instrumente von W. Janiitzer.
Gelegentlich anderweitiger kunsthistorischer Forschungen
fand Unterzeichneter im kgl. sächsischen Hauptstaatsarchive
folgendes abschriftliche Schreiben des Churfürsten Augustus
von Sachsen, betreffend Wenzel Jamitzer, welches bei dem
wenigen Urkundlichen, v?as wir über diesen grofsen Künstler
besitzen, wohl werth ist, in weiteren Kreisen bekannt zu wer-
den. Das Schreiben lautet:
An Cammermeister.
Lieber getreuer Was Wentzell Jhanitzer Goldschmidt
zu Nürnbergk eines Restes holben, so jm von wegen etzlich
Geometrisch Instrument die Uns Balthasar Hacker zubracht
noch unbezahlet und sich zu 350 fl. erstrecken, solch unterthe-
nigst Supplicat befindest du in liegend, zu vernehmen. Dar-
autf begeren wir du wollest dich in des vorigen Cammermei-
ster Rechnungen ersehen auch bei Hackern erkundigen wie
es umb solchen Rest geschaifen und so sich befinden wirde
das man jm solchen Rest noch schuldig und die taxa der In-
strument nicht zu hoch angeschlagen, Ihme bemelte 350 fl.
wol uft' seine Quittung volgen lafsen, davor sollest du von uns
entnehmen werden und beschiht daran etc.
Dresden den 14. Febr. A«. 81. (1581.)
Aufmerksam gemacht, besuchte ich den hiesigen k. physi-
kalisch-mathematischen Salon und fand dort ein astronomisches
Astrolabium, bezeichnet: „Durch Wentzel jamnitzer Goldschmidt
zu Nürmberg verfertigt: MDLXXVIII." Dies ganz ausgezeichnet
gearbeitete Werk, eine Kreisscheibe, ist aus schwer vergolde-
tem Messing gefertigt und hat 516 mm. Durchmesser. Es
ist mit drehbaren Einsatzscheiben, gradierten Kreisen, Trans-
versalen und verschiedenen Zeigern und Inschriften versehen.
Alle übrigen, nicht wissenschaftlichen Zwecken dienenden Flä-
chen sind mit vollendet schönen Gravierungen geschmückt;
sie zeigen den Sonnengott, die Mondgöttin, verschiedene Ge-
nien, Kindergruppen, mit astronomischen Messungen beschäftigt,
die Wappenschilde der angesehensten deutschen Fürsten und
andere Ornamente. Der Unterzeichnete hofft gelegentlich eine
Ein nürbergischer Glockengiefser.
In den „Beiträgen zur Kunstgeschichte Nürnbergs" sind
zahlreiche Fälle verzeichnet, wo der Rath dieser Stadt von
fremden Herrschaften und Städten gebeten wurde, ihnen ir-
gend einen nürnbergischen Künstler oder Baumeister zuschicken,
der ihnen zur Herstellung von Gebäuden behülflich sei, oder
sein Gutachten über einen Bauplan abgebe.
Im Jahre 1615 baten Joachim Fugger, Hauptmann, und
die Räthe zu Burghausen, den Rath zu Nürnberg um einen
erfahrenen Glockengiefser, damit derselbe ein Gutachten ab-
gebe in der Streitsache, die von den Gebrüdern Gundakar
von Tannberg zu Aurolzmünster und Achaz von Tannberg ge-
gen den Glockengiefser Dionis Schulthes von Passau wegen
4 Glocken anhängig gemacht worden. Nürnberg schickte ih-
nen unterm 16 Aug. 1615 seinen Bürger und Glockengiefser
Christof Rosenhardt „um der angeordneten Commission zu Au-
rolzmünster abzuwarten und seine Meinung seinem besten Ver-
stand nach abzugeben."
München. J. Baader.
Freiwillige Leibeigenschaft.
Ein neuer Beweis, dafs das Loos der Leibeigenen im
Mittelalter denn doch nicht so bedauernswerth gewesen, wie es
von manchen Seiten geschildert wird, findet sich unter Anderra
auch in einer Originalurkunde d.d. Mickten (Mitttvoch) vor dem
sontag Oculi 1481. Durch dieselbe ergaben sich Hanns Hartman
zu Eppifshusen, seine Hausfrau und ihre Tochter sammt allen
ihren Kindern, „ob wir kinder gewannen vnd vberkumen", als
leibeigen an den Junker Ulrich Rugg von Tannegk zu Eppifs-
husen und an seine Erben und Nachkommen, und zwar „vmbe
des willen, das wir die zeitt vnsers lebens dester in besserm
schirm, frid vnd sone beleiben mögen." Sie sind, wie sie hin-
zusetzen, „vormals frey, ledig vnd dehainer herschaft leibaigen
gewesen."
Aus denselben Gründen des bessern Schirms und Friedens
nahmen auch noch im 16. Jahrhundert verschiedene Personen,
wie ihre Urkunden ausweisen, freiwillig die Leibeigenschaft
auf sich.
München. J. Baader.
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction : Dr. A. Essen wein. Dr. G. K. Frommann.
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei ü. E. Sebald in Nürnberg.
Z.A.f.k.i.iv. 1877N?2
Reliquiar von Wenzel Jamitzer.
Nach einer altern Zeichnung.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1877. JW 2. Februar.
Chronik des germanischen Museums.
Nürnberg, den 15. Februar 1877.
Den verschiedenen Häusern des fränkischen Adels, welche
für unsere Bauten Stiftungen gemacht, haben sich jüngst die Frei-
herren von Crailsheim angeschlossen, und hat die Rügländer , wie
die Fröhstockheim-Rödelseer Linie je 300 m. zu einer solchen zur
Verfügung gestellt.
Die deutschen Künstler hatten seiner Zeit durch Kunstwerke,
welche verloost werden sollten, die Mittel für den Augustinerbau
der Hauptsache nach gespendet. Wir haben vor drei Jahren je-
doch nur eine Hälfte dieser Werke der Verloosung unterstellt,
da wir annehmen zu können glaubten, dafs vielleicht auf anderem
Wege sich eine zweckmäfsigere Verwerthung erzielen lasse. Es war
deshalb bisher ein grofser Theil der Baukosten ungedeckt geblie-
ben. Nachdem jedoch die Zeitverhältnisse den Augenblick immer
mehr hinausschieben , wo auf einem andern Wege ein besseres
Resultat zu erzielen sein wird, so haben wir uns zur Verloosung
auch dieser zweiten Hälfte entschlossen. Die kgl. bayr. Regierung
hat dazu die Genehmigung gegeben und die Loose von der Stem-
pelpflicht befreit, so dafs hoffentlich die definitive Erledigung der
ganzen Angelegenheit des Augustinerbaues bald wird erfolgen
können. Möge deshalb der Loosabsatz sich günstig gestalten !
Leider haben wir wiederum den Tod zweier Mitglieder des
Gelehrtenaussohusses zu melden, des Herrn Carl Frhrn. v. Mayen-
fisch zu Sigmaringen und des Herrn Oberappellationsgerichtsraths
a. D., Frhrn. v. Tucher in München.
Neue Jahresbeiträge wurden seit Veröffentlichung des letz-
ten Verzeichnisses folgende angemeldet :
Von politischen Korporationen : Anklam. Magistrat
(auf 3 J.) 15 m. Goslar. Magistrat (auf 5 J.) 15 m. Löbau. Magi-
strat (auf 5 J.) 9 m. Rudolstadt. Magistrat (auf 5 J.) 18 m. Wein-
helm. Gemeinderath 6 m.
Von Privaten : Dresden. E. Baumbach, Oberlehrer, 3ra.;
K. Böttger, Baumeister, 3 m.; B. Lifsel, Rentier, 5 m.; H. Port,
Rentier, 5m.; A. Türpe, Möbelfabrikant, 10 m.; E. Weifsbach,
Zimmermeister, 3 m. Hannover. Dr. Windthorst, Staatsminister
a. D., 3m. Koblenz. Schmidt, Kreisgerichtsdirektor a. D., 3m.
Königsberg. Dr. Habruckler, Bibliothekskustos, 3 ra. ; Heinrich
Matz, Buchhändler, 3m.; Dr. Molitor, Bibliothekskustos, 3m.;
Dr. Sattler, Archivsekretär, 3 m. Nassanger. Georg v. Milkau,
Gutsbesitzer, 2 m. Nürnberg. Freiherr!, v. Tucher'sches Gesammt-
geschlecht (statt früher 20 m.) 25 m.
Einmalige Beiträge wurden gegeben:
Hildburghausen. Dr. Radefeld, Diaconus u. Seminarlehrer, 2 m.
58 pf. Lampershelm. Frohnhäuser, Pfarrer, 2 m. Wien. Ferdin.
Kwisda, Apotheker, 2 m. 30 pf.
Für den Angnstinerklosterban : Freiherren v. Crails-
heim, Rügländer Linie 300 m; Freiherren von Crailsheim, Fröh-
stockheim-Rödelseer Linie 300 m.
Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu :
I. Für die kunst- und kulturgeschichtlichen Samm-
lungen.
(Nr. 7747—7753.)
Hildesheim. Römer, Senator: Frühmittelalterl. Topf aus ge-
branntem Thon ; 5 Gipsabgüsse und 3 Lackabdrücke Hildesheimi-
scher Siegel. — Mainz. Dr. L. Linden schmit, Direktor des
röm.-german. Centralmuseums : GipsabguCs des Löwenkopfes von
der Willigisthiire am Dom zu Mainz ; 2 Säulen zur Aufstellung
antiker Helme. — Nürnberg. Frhr. v. Andrian auf Oberbürg":
Feuerspritze, 17. Jhdt. Grau, Antiquar: Altgermanisches Grab-
gefäfs. 0. Frhr. v. Stromer, I.Bürgermeister: Münchener Zei-
tung vom 23. Jan. 1783. Ungenannter: Terzerol nebst Kugel-
beutel, 18. Jhdt.; gestickte Hausmütze, 19. Jhdt. — Wiesbaden.
Müller, Reg.-Assessor a. D. : Streithammer, 16. Jhdt.
IL Für die Bibliothek.
(Nr. 36,482—36,620.)
Baden-Baden. Seutter von Lötzen, gr. bad. Generallieut.
a. D: de la Roche, Geschichte der Kriegs-Kunst seit dem 19. Jahrh.
1844. 8. Raudot, de la grandeur possible de la France. 8. v. Göler,
die Kämpfe bei Dyrrhachium u. Pharsalus im J. 48 v. Chr. 1854. 8.
Kögl, Burg Hohenbregenz. 1855. 8. Vandevelde, precis historique
et critique ^e la guerre en Italie en 1859. 1860. 8. d'Orleans,
lettre sur l'histoire de France. 1861. 8. Scholz, Schulze und Mül-
ler auf dem Kriegs -Schauplatze ; 1. H. 1866. 8. ülmann, fünf
Jahre würtemberg. Geschichte unter Herzog Ulrich, 1515 — 19.
1867. 8. Baumstark, Gedanken eines Protestanten über d. päpstl.
Einladung zur Wiedervereinigung mit d. röm.-kathol. Kirche. 1868. 8.
Rauter, commentaire de la loi sur le recrutement de l'armee.
1868. 8. Rüffer, die Strategen und die Strategie der neuesten
Zeit. 1869. 8. Schenck-Rinck, die Polen in Offenbach am Main.
1869. 8. Schmidt, die Aufhebung des Edicts von 1808, die Ge-
schlossenheit der Hofgüter im Schwarzwalde betr. 1869. 8. Steub,
die oberdeutschen Familiennamen. 1870. 8. Schupp, das Hofgüter-
wesen im Amtsbezirk Wolfach. 1870. 8. Die Insurrection in Dalniatien.
1870. 8. deFailly, campagne de 1870. 8. Frantz, das neue Deutsch-
land. 1871. 8. Poolmann, artilleristische Briefe zu der Broschüre
von Rob. Becker : Die Erfolge der preufs. Feldartillerie in der
Campagne 1870—71. 1872. 8. Stöfser, latein. Declination des Subst.
u. Adj. auf Grund der Ergebnisse der vergleichenden Sj^rachfor-
schung. 1872. 8. Pr. Zwei^Königreiche 1873. 8. v. Helfert, Maria
Louise, Erzherzogin von Oesterreich, Kaiserin der Franzosen
1873. 8. Fischhof zur Reduction der continentalen Heere. 1875.
8. Hansen, Geschichte der neuerstandenen evang. Gemeinde i. d.
Stadt Baden v. 1832—1875. 1875. 8. ; und 19 andere Schriften
verschiedenen Inhaltes. — Bamberg. Histor. Verein für Ober-
franken: Ders., 38. Bericht etc. für das Jahr 1875. 1876. 8. —
Berlin, kais. statist. Amt: Dass., Vierteljahrshefte etc. f. d. J.
1876; IV. Jahrg. H. 4,1. 1877. 4. K. preuls. statist. Bureau:
Preufsische Statistik; .XXXVH. XXXVIII. XLII. 1876. 4. Dr. v.
Cuny, Universit. - Professor : Revue d'Alsace ; VI. annee, 1877.
Janv. — Mars. 1877. 8. Gesellschaft für Anthropologie,
Ethnologie und Urgeschichte: Dies., Zeitschrift etc., VlII.
Jahrg. 1876, H. 2—6. 8. C. Heymann's Verlag: Deutsche Mo-
natshefte; Bd. VIH. H. 6. 1876. 8. Dr. Scheins, Lehrer beim
k. Cadettenkorps : Ders., aus den Archivalien des Klosters Heils-
bronn. 1877. 4. — Bern. Allgem. geschichtsforschende Ge-
sellschaft der Schweiz: Dies., Archiv etc. Bnd. XIV. XIX. 1864
u. 74. 8. — Bonn. Rhein. Friedrioh-Wilhelms-Universi-
tät : Usener, ad historiam astronomiae symbola. 1876. 4. Ilarttung
Studien zur Geschichte Konrad's II. 1876. 8. Hunger, zur Ge-
schichte Papst Johann's XXIII. 1876. 8. Philippi, de tabula Peu-
tingeriana. 1876. 8. 45 weitere Schriften verschiedenen Inhalts. —
Brunn. Buschak & Irrgang, Verlagshandl. Brachelli, d. Staaten
59
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
60
Europas; 3. Aufl. 1876. 8. — Budapest. J. M. Kertbeny: Ders.,
Bibliografie ungarischer nationaler und internationaler Literatur ;
1. Heft 1876. 8. — Chur. Grubenmann'sche Buchhnding. (Fr.
Gsell): Jecklin, Volksthümliches aus Graubündten. II. 1876. 8. —
Donauwörth. Bu chhandlung des kat hol. Erzieh ungs Vereins
(L. Auer): Sattler, Chronik von Andechs. 1877. 8. — Dresden.
Ur. Otto Meltzer: Ders., ein Rückblick auf Pirnas Vergangen-
heit; (Sonntagsbeil, des Pirnaer Anzeigers, 1876, Nr. 43—48) 4.
— Düsseldorf. Dr. J. Schneider, Prof.: Ders., Localuntersuch-
ungen über die alten Denkmäler im Kreise Mettmann. 1877. 8.
Sonderabdr. — Erlangen. Dr. C. Hey der, Univers. - Professor,
Gedächtnifsrede für Herrn Dr. Rud. v. Raumer. 1877. 4. — Fürsten-
walde (Preulsen.) Dr. Paul Mitzschke, Gymnasiallehrer: Ders.,
Kaumburger Inschriften; 2. Lfg. 1877. 12. — Görlitz. Oberlau-
sitzische Gesellschaft der Wissenschaften: Neues lau-
sitz. Magazin; Bd. LH, 2. 1876. 8. — Graz. Naturwissen-
schaftlicher Verein: Ders., Mittheilungen; Jahrg. 1876. 8. —
Halle. Waisenhaus-Buchhandlung: Zeitschrift f. deutsche
Philologie; 8. Bnd. 1. H. 1877. 8. — Hanau. Friedr. Fisch bach:
Ders., Ornamente der Gewebe; III. bfg. Irap. 2. — Heidelberg.
Dr. Jacob Wille: Ders., Stadt und Festung Frankenthal wah-
rend des 30jährigen Krieges. 1877. 8. —Königsberg. Dr. Reicke:
Herquet, zur preufs. Bisthumsgeschichte des 13. Jahrh. 8. Sonder-
abdr. Hoppe, Ortsnamen der Provinz Preulsen ; III. 8. Sonderabdr.
Müller, eine Denkschrift Schön's aus d. J. 1811-12. 8. Sonderabdr.
Ders., Friedrich d. Grofse u. Ostpreulsen 8. Sonderabdr. Toppen,
über einige Alterthümer aus der Zeit des Heideuthums i. d. Nach-
barschaft von Marienwerder. 8. Sonderabdr. — Konstanz. Eber-
hard Graf Zeppelin : Fromm, Geschichte der Familie von
Zeppelin. 1876. 8. — Leipzig. F. A. Brockhaus, Verlagshand-
lung: Wander, Sprichworter-Lexicon ; 60. Lief. 1876. 8. — Mag-
deburg. Verein für Geschichte u. A 1 terthumskund e des
llerzogth. u. Erzstifts Magdeburg: Ders., Geschichtsblätter
etc., 11. Jahrgang. 1876, 4. H. 8. - Nürnberg. Herrn. Ball-
horn, Verlagsbuchhandlung: Priem, Nürnberger Sagen und Ge-
schichten; 2. Aufl. 1877. 8. — Prag. Dr. A. Woltmann, Uni-
versit.-Professor: Ders., deutsche Kunst in Prag. 1877. 8. — Reval.
Ehstländisch-literärische Gesellschaft: Dies., Beiträge
etc.: Bd. IL, H. 2. 1876. 8. — Salzburg. Gesellschaft für
Salzburger Landeskunde: Dies., Mittheilungeu etc. XVI.
Vereinsj., 1876, IL H. 8. —Sonneberg. Fleischmann, Commer-
zienrath : Bilder aus dem Meininger Oberlande. I. III. 1876 u. 77.
8. — Stuttgart. K. statist.-topogr. Bureau: Memminger, Be-
schreibung des Oberamts Reutlingen, 1824. 8. Ders., Beschreibung
des Oberamts Münsingen. 1825. 8. Ders., Beschreibung des Ober-
amts Ehingen. 1826. 8. Ders., Beschreibung des Oberamts Ravens-
burg. 1836. 8. Beschreibung des Oberamts Besigheim. 1853. 8.
Beschreibung des Oberarats Sulz. 1863. 8. — Tübingen. Dr. Adelb.
V.Keller, Univers.- Professor : Ders., ühland als Dramatiker
1877. 8. Ders., Bericht über die Tätigkeit der deutsch-roman.
Abteilung der XXXI. Philologenversammlung zu Tübingen. 8.
Sonderabdr. — Washington. United-States Bureau of Edu-
cation: Public libraries in the United States of America; part
L II. 1876. 8. — Wien. Dr. Oscar Berggruen, Hof- und Ge-
richts-Advokat: Ders., das Bühnenfestspiel in Bayreuth im Hin-
blick auf die bildende Kunst. 1877. 8. K. k. Gen t ral-Co mmis -
sion zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- u. hi-
storischen Denkmale: Dies., Mittheilungen etc. Bd. II. 4.
(Schlurs)-Heft 1876. 4. Ferdinand Kwisda, Apotheker: Ders.,
Bericht üder die 15. General-Versammlung des allgem. österr. Apo-
theker-Vereines. 1876. 8. Dr. Th. Sickel, Univers. -Professor :
Ders., über Kaiserurkunden in der Schweiz. 1877. 8. — Wismar.
Dr. Crull: Roehezang von Jesoern , histor. u. geogr. Beschrei-
bung d. Königreichs Böheim ; Th. I. II. 1746. 4.
III. Für das Archiv.
(Nr. 4496-4513.)
Forchheim. Protestantische Kirchenverwaltung: Wap-
penbrief des Pfalzgrafen Franz Rasso Gotthardt , Syndikus des
adeligen Stifts Choraberg bei Schwäbisoh-Hall für Mart. Jüh. und
Christof Hohenberger, den jüngeren, von Weilsmain. 1601. Per-
gam. Abschr. — Nürnberg. Gottfr. Ammon, Kaufmann: Aus-
gaben der Peunt zu Nürnberg im Jahre 1741. Akten. — v. Grund-
herr, Grolshändler : Verhaftsbefehl der k. Regierung von Schwa-
ben und Neuburg an das Landgericht Monheim gegen den Prin-
zen Louis Napoleon, der unter dem Titel eines Grafen von Star-
berg oder Starburg in Deutschland reisen soll. 1847. Pap. Orig. —
Keerl, Vikar: Schiedspruch vor dem Landrichter in Sulzbach in
der Streitsache zwischen der Stadt Hersbrnck und dem Dorfe
Niedersittenbaoh einerseits und Jörgen dem Stralwelser mit „Rei-
choltswant" andererseits, Besitz und Theilung des Gehölzes Hoch-
aiohaeh betr. 1363. Perg. — Kaufbrief des Hans Erelbeckh zu
Kirchensittenbach an Heinrich den „Sraierer", Bürger zu Hers-
brnck, über zwei „ Aigengüter". 1404. Perg. — Urkunde des Notars
Heinr. Zollner von Bamberg über die eidliche Versicherung Heinr.
Fleischmanns von Hersbruck, Clerikers der Diöcese Bamberg,
hinsichtlich seiner streitig gewordenen Rechtsansprüche an den
Altar in dem Hospital von Hersbruck. 1454. Perg. — Spruch
Ditmar Molners , Freigrafen der Grafen zu Waldeck, auf der k.
Dingstatt vor Sachsenhausen, in der Klagsaohe Hans Weddingers
gegen Hans Wylsenheyder, den Holtraann und Hans Danner, IJür-
germeister, Rath und Gemeinde zu Hersbruck. 1468. Perg. —
Schreiben von Bürgermeister und Rath au den Pfleger Georg
Hittenbeok zu Hersbruck, mit dem Gesuch, ihrem zugewandten
Georg Drelsch wider Herraan Lederer zu Hersbruck zu seinem
Rechte zu verhelfen. 1501. Perg. — Schreiben von Bürgermeister
und Rath zu Nürnberg an den Rath zu Hersbruck, bei dem Bau
der Basteien auf dem Set. Michelsberg die Angehörigen der Pflege
Reicheneck nicht mit Frohnden beschweren zu wollen. 1501. Perg.
— Schreiben vom Bürgermeister und Rath zu Nürnberg an Georg
Hittenbeck, Pfleger zu Hersbruck, rechtliche Erkenntnils in Sache
der Vormünder des Geschäfts der Anna Messerer zu Hersbruck.
wider den Anwalt der Anna Zöllner in Nürnberg betr. 1507. Perg.
— Anweisung des Rathes von Nürnberg für den Pfleger von
Hersbruck, wie derselbe hinsichtlich einer am Aschermittwoch
stattgefundenen Verwundung zu verfahren habe. 1519. Perg. —
Verlals der Landpfleger zu Nürnberg an Sigm. Grol's, Pfleger zu
Hersbruck, verschiedene Gegenstände des Gerichtswesens und
der Verwaltung betr. 1525. Pap. Orig. — Bescheid der geschwor-
nen Schöfl'en des Bauerngerichts zu Hersbruck in Sache Hansen
Durn's von Schnaitach wider Herm. Adam Singer von Asperts-
hofen in Betrefl' einer Gehischuld. 1537 Perg. — Erbbrief des
Raths von Hersbruck an Jobst Seitz, sonst Vischer genannt, über
das gemeine Wasser, die Genfswaid geheil'sen. 1558. Perg. — Auf-
forderung des Raths von Nürnberg an den Rath von Hersbruck,
in Anbetracht der schweren Zeitumstände auf nächsten Dreikö-
nigstag eine Steuersumme von dreihundert Gulden sammt dem
Verzeichniis der den einzelnen Bürgern auferlegten Schätzungen
einzusenden. 1561. Perg. ^ Zeugnils des Raths von Kitzingen
für Wilhelm Ennglert, über dessen eheliche Herkunft und bürger-
liche Zugehörigkeit. 1564. Pap. Orig. — Verordnung des Rathes
zu Nürnberg für die Stadt Her.sbruck, dals die Bierbrauer für je
ein Simmer Malz jährlich 2'/7 A. Ungeld zu entrichten haben.
1577. Perg. — Lohnbrief des Kurfürsten Karl Theodor für Peter
Haberl, Wäscher ob der Au, über einen Theil des zu Beutellehen
gehenden Gutes Wagegg ob der Au. 1790. Perg.
Sclirifteu der Akailciiücen, Museen und historischen Vereine.
Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Heraldik, in Berlin.
Sphragistik un d Genealogie. Organ des Vereins „H erold" beilage.
VII. Jahrgang. Nr. 10—12. 1876. 4. Mit 1 Kunst-
61
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
62
Vereinsangelegenheiten. — Blicke in die germanische Vorzeit.
Der Bär in {}er Heraldik. Der Löwe in der Heraldik. Von Dr.
C. F. Riecke. — Eine gefälschte Urkunde. Von v. G. — Zur
Familiengeschichte des deutschen Adels. Von W. Crecelius. —
Die „Gruppe für Heraldik" auf der Münchener Ausstellung. Von
Ad. M. H. — Die Anwendung der Sphragistik im Kunstgewerbe.
Von Dr. v. Weifsenbach. — Zur Heroldskunst. Von Ad. M. Hil-
debrandt. — Die Familie von Gülich (mit der Taube.) Von Gustav
A. Seyler. — Erklärung der der vorigen Nummer beigegebenen
Tafel mit „zum Theil unbekannten Wappen auf einem Teppich
aus dem Kloster Wienhausen bei Celle". Von Ad. M. H. — Re-
gister der in der ehemaligen Universitäts-Bibliothek zu Wittenberg
befindlichen Leichenpredigten, zusammengestellt von Rantzau.
(Schlufs.) — Zur Züricher Wappenrolle. Von Kindler von Knob-
loch. — Kaj'serliches Diploma über das Praedicat Wohlgeboren
und Edel. Mitgeth. v. Frhr. v. Müllenheim-Rechberg. — Kleine
Mittheilungen ; v. E. P. — Notizen. Berichtignngen. Anfragen.
Monatshefte für Musik-Geschichte, herausgegeben v.
der Gesellschaft für Musikforschung. VIH. Jahrg., 1876,
Nr. 11 u. 12. IX. Jahrg., 1877, Nr. 1 u. 2. Berlin, 1876 u. 77. 8.
Thomas Stoltzer's Psalm : Noli aemulari, 6 vocum. Ein kunst-
geschichtlicher Beitrag v. 0. Kade. (Schlufs.) Mit Musiknoten.
— Aus meiner Bibliothek. Von Georg Becker. — Zwei Briefe
von Georg Wytzel. Von Eitner. — Marienklage. Handschr. der
trierischeu Stadtbibliotbek aus dem 15. Jhdt. Von Bohn. Mit
Notenbeilage. — Theopbilus. Niederdeutsches Schauspiel aus einer
Handschrift des 15. Jahrh. der trierischen Stadtbibliothek. Von
dems. — August Wilhelm Ambros. — Ein handschriftlicher Codex
in d. Bibliothek Magliabecchiana zu Florenz. Von 0. Kade. — Aus
den Oeuvres de Frederic le Grand. Von A. Quantz. Recension.
Nachträge zum Verzeichniis neuer Ausgaben alter Musikwerke.
Von Eitner. — Vereinsangelcgenheit. — Mittheilungen.
Der Geschichts freund. Mittheilungen des histori-
schen Vereins der fünf Orte Lucern, Uri, Schwyz, Un-
terwaiden und Zug. XXXL Band. (Mit zwei artistischen Ta-
feln). Einsiedeln, New-York u. Cincinnati, 1876. 8.
Vorbericht. Vereinsangelegenheiten. Die Geschichte der Kirch-
gemeinde Lachen , nach urkundlichen Quellen. Von P. Justus
Landolt, 0. S. B. — Römische Alterthümer zu Ferren bei Klein-
wangen. Von J. Bühlmann, Architekt. (Mit Abbild.) — Urkund-
liche Geschichte der Pfarrei Schüpfheim. Von Sextar J. Bölsterli
in Sempach. — Die Aufschriften auf den Grabdenkmälern in der
ehemaligen Hofkirche zu Lucern. Mitgeth. v. Archivar J. Schnel-
ler. — Der Klosterbrand zu Engelberg. Von P. Adalbert, Ar-
chivar. — Ehebrief des Schultheifsen Jacob von Hertenstein
mit seiner vierten Gattin Anna von Hallwile l.'JH. Mitgetheilt
von Archivar J. Schneller — Ehebrief des Ritters und Schult-
heifsen Ludwig Pfyffer mit seiner dritten Gattin Salome Bod-
mer 1.592. Mitgetheilt von J. Schneller, Archivar. — König
Karl IV. in Einsiedeln. 1354. Von P. Anselm Schubiger. — Die
Wartthürme zu Stansstad und zu Seeburg. 1293 — 1315. (Mit
Abbild.). Von Jos. Schneller, Archivar. — Eine Zugerische Ver-
mögens-Steuer aus dem XIV^. und XV. Jahrhundert. Mitgeth. von
Prof. B. Staub. — Aktenmälsige Notizen über die „Herbergen
im Urnerlande" . . . Von Landammann Franz Lusser. — Ein
Beuterodel aus Granson. (Mit Abbild.) Mitgeth. von Archivar
Schneller. — Regesten der ältesten Urkunden in der Kirchenlade
zu Lauwerz. Von Archivar J. Schneller. — Die älteste Zeituno-
Lucerns, eine kulturhistorischer Versuch. Von Frz. Jos. Schiff-
mann. — Chorherr Ludwig Helmlin und seine Jerusalemer Fahrt.
Mitgeth. von Cho:henn Ig. V. Herzog. — Anhang. Die Dati-
rung des Bündnisses zwischen Uri und Schwyz mit Zürich zum
Jahre 1251. Von Karl Leonh. Müller. — Chronolog. Inhaltsver-
zeichiiifs säramtlicher abgedruckten Urkunden des XXXI. Bandes.
Aarböger for Nordisk Oldkyndighed og Historie,
udgivne af det Kongelige Nordiske Oldskrift-S elskab.
1875. 1—4. Hefte. Kjöbenhavn. 8.
Klassik Industri og Kulturs Betydning for Norden i Oldtiden.
Af C. Engelhardt. — HIjöctstafr, hljöctfyllandi (— hljoatyllendr),
hljöctfylling. Af Konr. Gislason. — Rimhenda eller runhenda?
Af Konr. Gislason. — Ty'r hseb us, ye Ty'r ye Odin! Af Prof.
George Stephens. — Roskildes widste Mönter. Af Kr. Erslev. —
Store Rygbjairg - Stonen. Af Ludw. F. A. Wimmer. — Biskop
Bjarne Kolbeinssön og Snorres Edda. Af Sophus Bugge. — Om
den danske Adels Udspring fra Thinglid. — Af J. Kinch. — Den
danskeHövding Astrad. Af Prof. George Stephens. — Fjenneslev-
lille Kirke. Af J. Kornerup. — Om Helleristninger i Danmark.
Af Henry Petersen. —
1876. 1. 2. Hefte. Vestervig Kloster og „Liden Kirstins" Grav.
Af J. B. Loffler. — Bidrag til Oplysning af Middelalderens Love
og Samfundsforhold. Af A. D. Jörgensen. — Kong Gorm.s og
Dronning Tjjyras Mindestene i Jellinge. Archseologiske Bemasrk-
ninger om Runestene og deres Oprindelse. Af C. Engelhardt.
Tillaeg til Aarböger etc. Aargang 1874. Kjöbenhavn. 1875. 8.
Ufversicht af Finska Vetenskaps-Societetens För-
handlingar. XVIL Helsingfors. 1875. 8.
Acta societatis scientiarum Fennicae. Tomus X.
Helsingforsiae. MDCCCLXXV. 8.
Der Mythus von Sampo. Von 0. Dorner.
Literatur.
Neu erschienene Werke.
1) Monatsschrift für rheinisch - w estfälis che Ge-
schichtsforschung und A 1 terthumskunde ; heraus-
gegeben von Richard Pick. Trier, Lintz'sche Buch-
handlung. I. Jahrgang, H. 7—12, II. Jahrgang, H. 1 — 12. 8.
Hatte Referent in der ersten Besprechung vorliegender Zeit-
schrift (Anzeiger f. K. d. d. V. 1876, Nr. 1, Sp. 28), die rühmlichst
ihr Probejahr im Kampf um die Existenz bestanden, hervorzu-
heben, die Redaktion möge der Harmonie wegen der römischen
Periode mehr Raum gönnen, so finden wir zu unserer Freude
diesem Wunsch im zweiten Jahrgange hinreichend Rechnung ge-
tragen. Wir treffen aufser kleineren Mittheilungen mehrere Auf-
sätze von der Hand des kundigen Rheinforschers J. Schneider,
worunter „Der Tuff als römisches Baumaterial am Niederrhein",
dessen römischen Ursprung er bedeutend limitiert. Werthvolle
Beiträge über die Wege des Handels im Rheinthal bringt H. Genthe
in „Ueber den Antheil der Rheinlande an vorrömischem Bernstein-
handel." Auch Essellen, Bone, Ladner, Cohausen und den Heraus-
geber selbst sehen wir mit einzelnen Beiträgen auf diesem Gebiete
thätig. Von Cohausen heben wir den technisch werthvollen Auf-
satz : „über die Erhaltung von altem Mauerwerk" hervor. Aus
63
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
64
der Karolingerzeit führen wir „die Karolinger Grabkapelle zu
Lorsch" von Schäfer, und die Arbeiten von F. Falk und Franz
Görres an. Von gröfseren Aufsätzen aus dem Gebiete des Mittel-
alters sei hier erwähnt : ,,die Hochzeit Friedrich's V. von der
Pfalz" von Heigel, „Boemund U. von Saarbrücken" von Domini-
cus, „die Burgen Reichenstein und Rheinstein" von Hennes. Bei-
träge zur neueren Geschichte der Rheinlande geben Venedey,
Lindner, Bochenheimer und Düntzer. Auf dem Felde kultur-
historischer Mittheilungen über das Fehdewesen, Volkslieder, Haus-
inschriften, Feste und Gebräuche bieten verdienstliche Leistungen :
A. Reifferscheid, Weinkauff, Wormstall, Aldenkirchen und Nie-
hues. Urkundliche Beiträge lieferten Wilmans, Falk u. A. Die
Idee des Briefkastens mit Antworten hat bis jetzt treffliche Er-
folge aufzuweisen. Das Programm für die nächsten Hefte ver-
spricht neue Leistungen, der alten würdig, anzureihen. — Die
Redaction der Zeitschrift, die ihr Gebiet von Mainz und dem
Rheingau bis hinab nach Moers und dem Niederrhein ausdehnt,
besitzt in Richard Pick einen unermüdlichen, sorgfältigen und
geschickten Leiter. Im Interesse der historischen Forschung
wünschen wir dem neuen und schon eingebürgerten Unte'rnehmen
bei allen historischen Vereinen und Historikern Anerkennung und
ähnlichen periodischen Zeitschriften gleich tüchtige Mitarbeiter. —
Die Zeichnungen möchten nach Möglichkeit, besonders bei archi-
tektonischen Objekten, vermehrt werden, — für diesmal unser
einziges Desideratum.
D. C. M.
Vermischte Nachrichten.
27) Die Nürnberger Presse theilt mit, dafs ein Bauer in Pü-
chenberg, durch einen Traum veranlafst, anf dem „Spielanger"
nach Schätzen gegraben und dabei ein menschliches Skelett ge-
funden habe, das auf jedem Arme je 10 Ringe von Bronze, auf
dem Kopfe vier solche getragen ; die Armringe seien innen glatt,
aufsen verziert, die Kopfringe haben die Gestalt einer Otter. Die
Fundgegenstände wurden an die kgl. Regierung in Baireuth ein-
gesandt. Es ist klar, dafs man es hier mit einem prähistorischen
Grabe zu thun hat, deren es auf dem Spielanger viele gibt.
28) An dem südöstlich von der Stadt Mengen sich erheben-
den rechten Donauthalabhang, der sich in künstlichen Terrassen
emporstuft, stiefs man auf halber Höhe beim Hopfenpflanzen auf
Schutt und Gemäuer, das, als Rest eines römischen Gebäudes er-
kannt, näher untersucht wurde, wobei die Grundreste einiger
Zimmer eines nicht besonders grofsen, aber vornehmen römischen
Hauses mit den zum Theil noch erhaltenen Heizungsvorrichtungen
(Hypokausten) zum Vorscheine kamen.
Sämmtliche Böden waren ehemals mit Mosaik belegt, in den
Seitenzimmern solche von derber Ausführung, in dem Hauptraurae
aber von grol'ser Feinheit. Von letzterem ist zum Glücke ein
grofses Stück erhalten. Es sind von reichem Bandgeschlinge
umfafste Medaillons, sowie ein kleines Medaillon mit einem voll-
ständig erhaltenem Medusenhaupte von besonderer Schönheit. Die
Hebung der Mosaikreste gelang vollkommen und dieselben wurden
der Stuttgarter Sammlung vaterländischer Alterthümer einverleibt,
ebenso die Reste einiger Wandmalereien, verschiedenfarbige Strei-
fen mit zierlicher Blätterornamentik.
Andere I\inde ergaben sich schon früher nordwestlich von
Mengen, bei Ennetaoh, wo ohne Zweifel die römische Hauptnieder-
lassung sich befunden hatte , so ein dem Apollo geweihter Altar,
jetzt in Ulm, und der unter Verm. Nachr. Nr. 111, 1876 er-
wähnte Mercur. Diese Funde weisen auf eine römische Colonie
von ziemlicher Bedeutung hin, deren Bewohner den heimischen
Luxus nicht ganz missen wollten, wie eine solche bei der wichtigen
Lage des Platzes, am Ende der grofsen Weitung des Donauthales
und am Beginn der Gabelung desselben mit jenem der einfliefsen-
den Ablach, laicht erklärlich ist.
(Correspbl. d. Gesaramt-Ver. d. d. Gesch. -
u. Alterthums-Vereine 1877, Nr. 1.)
29) Aus der Pfalz. In Eisenberg, einem industriellen Orte
am südlichen Ful'se des Donnersberges, entdeckte man jüngst einen
Friedhof aus der Römerzeit. Funde von schönen zierlichen Ge-
fäfsen aus saraischer Erde, die in dieser Gegend gegraben wird,
sowie Gläser und Münzen lassen die Zeit dieser Ansiedlung in das
2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. versetzen. Die meisten rothen Ge-
fäfse am Rhein aus der Römerzeit mögen aus dieser Gegend
stammen. (Korresp. v. u. f. D., Nr. 74.)
30) Köln. Wiederholt wurde darauf hingewiesen, wie sehr
die günstige Witterung des diesmaligen Winters dem Fortbau
der beiden Hauptthürme des Domes zu Statten gekommen
ist. Die Helmgalerie am südlichen Thurme konnte dadurch fertig-
gestellt werden, und am 3. Februar hat man mit der Anlage des
Helmes selbst begonnen. Es wird deshalb dieser Tag des Jahres
1877 bleibend in der Baugeschichte des herrlichen Gotteshauses
verzeichnet werden. Bevor nun die Arbeiten an dem begonnenen
Helme fortgeführt werden können, mufs zunächst noch das Stern-
gewölbe des Achteckes eingewölbt werden. Eine zweite Aufgabe,
die noch zu erledigen bleibt, ist die .Aufbringung der nöthigen
Gerüste. Damit nach Vollendung dieser Arbeiten der Helmbau
rüstig voranschreiten könne, wurde schon jetzt mit der Herstellung
der nöthigen Mefswei'ke in den Werkhütten begonnen. Als Re-
sultat der Bauthätigkeit während dieses Winters bleibt noch an-
zuführen die mit theilweiser Beseitigung des alten Glockenstuhles
verbundene Aufführung des grofsen Centralpfeilers im zweiten Ge-
schosse des südlichen Thurmes. Auf diesem Pfeiler wird im Laufe
dieses Jahres der neue Glockenstuhl errichtet werden.
(D. Reichsanz., Nr. 30.)
31) Die Rubenowstiftung zu Greifswald hat eine Preisbewerbung
für Schriften über folgende Fragen eröffnet : 1) Die Schuldenre-
duktion in den deutschen Territorien nach dem 30jährigeu Kriege.
2) Die Geschichte der Landstände in einem gegenwärtig der preufs.
Monarchie angehörigeu Territorium. 3) Kurfürst Albrecht Achilles
von Brandenburg, 1470 — 86. Quellenmäfsig kritische Darstellung
seines Lebens und Wirkens mit besonderer Rücksicht auf seine
reichsfürstliche Thätigkeit. Einsendungstermin 1. März 1881. Die
Zuerkennung der Preise erfolgt am 17. Oct. 1881.
Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei ü. E. Sebald in Nürnberg.
Nürnberg-. Da3 Abonnement des Blat-
tes, welches alle Monate erscheint, wird
ganzjährig angenommen und beträgt nach
der neuesten Postconvention bei allen Post-
ämtern und Buchhandlungen Deutschlands
incl. Oesterreichs 3fl. 36kT. im 24 fl.-Ful'a
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Für Frankreich abonniert man in
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AWZEICiER
FÜR KIDE DER
Neue Folge.
England bei WüliamB & Norgate, 14 Hen-
rietta-Street Covent- Garden in London;
für Nord-Amerika bei den Postämtern Bre-
men und Hamburg.
Alle für das german. Museum be-
stimmten Sendungen auf dem Wege des
Buchhandels werden durch den Commis-
eionär der literar.-artist. Anstalt des Mu-
seuma, F. A. Brockhaus in Leipzig, bo-
f ordert.
Yierundzwanzigster Jahrgang.
ORGM DES GERMNISCHEN MUSEUMS.
1877.
JVf 3.
März.
Wissenschaftliche Mtthellungen.
Buntglasierte Thonwaaren des 15.— 18. Jahrhunderts
im germanischen Museum.
XIX.
Das chinesische Porzellan war in EuroiDa lange bekannt.
Erweiterten Gebrauch und deshalb allgemeinere Einführung
scheint es erst am Schlüsse des 17. und im 18. Jahrh. gefun-
denzu haben. Mit umfassenderem Gebrauch entstand auch
sofort die Nachahmung desselben. In diesen Nachahmungen
lassen sich zweierlei Richtungen erkennen. Die eine gieng nur
auf die äufsere Erscheinung aus: sie wollte Arbeiten liefern,
die, jenen chinesischen ähnlich, sie ersetzen konnten; die
zweite Richtung lief auf Nachahmung der Masse selbst, auf
Entdeckung des Geheimnisses der Porzellanfabrikation hinaus,
die, sobald sie technisch ihre Aufgabe gelöst hatte, sofort ihre
eigenen Bahnen einschlug, ihren eigenen Stil ausbildete und
nicht wenig dazu beitrug, das eigentliche Rococo zur Herr-
schaft zu bringen. Von dieser haben wir hier abzusehen.
Die Bemühungen, Fa3-encen herzustellen, die jenem chinesischen
Porzellangeschirr ähnlich sind, scheinen zunächst in Holland,
dessen Schiffe auch das Porzellan einführten, dann in Frank-
reich thätig gewesen zu sein. Genaue Jahreszahlen für jede
einzelne Stadt fehlen bis jetzt noch ; es ist eine Aufgab^ der
Archivare, gerade der Handwerksgeschichte des 17. und 18.
Jahrh. nunmehr auch ihr Augenmerk zuzuwenden. Dann müs-
sen auch über diese Frage alle Zweifel schwinden. Die Fa-
brikation von porzellanähnlichen Fayencen konnte theilweise
an die Arbeiten der früheren Periode anknüpfen. Nürnberg
hatte seit Hirschvogel seine geraalten Fayencen gehabt. Wir
haben in der XV. Abtheilung auf einige der älteren unter den-
selben hingewiesen. Im 17. Jahrh. fanden sich schwarz ge-
malte, ähnlich, wie derartige Malereien auf Gläsern ausge-
führt wurden. Sie wurden in der Regel alle dem Schaper
zugeschrieben, der eine Anzahl der trefflichsten sowohl Gläser
als Fayencen gemalt und mit seinem Blonogramm bezeichnet
hat. Es haben aber auch andere Maler sich dieser Arbeit ge-
widmet, und von Schaper's bis zu den ordinärsten, sehr un-
künstlerischen Arbeiten ungenannter Meister ist ein weiter
Weg, der aber durch Arbeiten allerlei Art von Meistern mit
verschiedenen Monogrammen ausgefüllt ist.
Im Beginne des 18. Jahrh. nun that sich in Nürnberg
eine Fabrik auf, welche, unter dem Einflüsse der Holländer
stehend, jenes auf weifsem Grunde blau geraalte Thongeschirr
in grofsen Mengen herstellte, das auch im nördlichen Frank-
reich (Rouen etc.), vor Allem aber in Holland, in Delft, und
anderwärts gefertigt wurde. Jede dieser Fabriken hat ihre
eigene Art der Dekoration, unterscheidet sich von den andern
einigermafsen durch die blaue Farbe , wie durch den weifsen
Grund und endlich durch den Thon selbst. Wir müfsten
fürchten, die Leser dieses Blattes zu ermüden, wenn wir das
Einzelne verfolgen würden. Wir beschränken uns also auf
Notizen über die hiesigen Fabrikate. Dafs man die Arbeiten
als Porzellan angesehen wissen wollte, geht daraus hervor,
dafs man sie mit diesem Namen selbst bezeichnete, obwohl
sie nur Fayencen sind.
67
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
68
So besitzt das deutsche Gewerbemuscum in "Berlin zwei
grofse Platten, die, als Gegenstücke gemalt, zwei grofse Brust-
bilder zeigen, welche sich möglichst an die Porträtnialereien
der Zeit anlehnen, mit blauer Farbe und dem Pinsel etwa in
der Art ausgeführt sind, wie die Rothstiftzeiehnnngen jener
Zeit, wobei nur der mit dem Pinsel sihrafficrtc Grund hinter
den Köpfen sehr unruhig und ungleich ausgefallen ist. Der eine
K opf zeigt das Por-
trät eines ältlichen
Mannes mit grofser
Lockenperrücke
und trägt auf der
Rückseite die In-
schrift: Herr Chri-
stoph Marx Anfän-
ger I dieser alhiesi-
gen Porce- | laine
Faberique Anno
1712 Aetatis suae
60. I Georg Michael
Tauber pinxit ae-
tatis suae 20 | d.
22. November afio
1720.
Die zweite Platte
zeigt einen jungen
Mann mit natürli-
chem Haare. Auf
der Rückseite die
Inschrift :
Herr \ Johann
Conradt Romedi [
Anfenger dieser al-
hiesigen Porcelaine
Faberique, A. 1717 I
In Gott verschieden
A. 1720. Aetatis
suae 16'/i | Nürn-
berg I Georg Mi-
chael Tauber gemahlt | Anno 1720 | g d. 22. November.
Wir haben also zwei Anfänger, von denen der ältere,
Mar.x, 1712 die Fabrik begann, während der erst 13 Jahr
alte Romedi 1717 dazu trat, aber schon 1720 starb, in wel-
chem Jahre der 20 Jahr alte Georg Michael Tauber Maler
in jener Fabrik war. Herr August Demmin in Wiesbaden be-
sitzt eine Platte mit dem Wappen des Marx und der Inschrift
Herr Christoph Marx, Anfänger der allhiesigen Porcelaine
Fabrique, natus 1660, den 25. Decemb., denatus anno 1731
den 18. März.
Demmin in seinem Guide de l'amateur, weicher, auf Loch-
ners Angaben sich stützend, der Geschichte dieser Fabrik, die
in nächster Nachbarschaft unserer Karthause bis 1850 bestand,
grofse Aufmerksamkeit schenkte, nennt eine Anzahl Besitzer
bis zum letzten, sowie Maler, deren tüchtigster wol Andr. Kor-
denbuseh war, so Ströbel (1730) G. F. Grebner (1720) (auch
Greber ; 1720, 1726, 1730), Glüer (1723), Johann SeebaltFrantz
(1724), Possinger (1727), G. Kordenbusch (1741). Ferner fin-
den sich Marken I. G. K., K., B. K. angeführt, die wol alle
auf die Familie Kordenbusch deuten.
Wir können hier
noch hinzufügen,
dafs auf Arbeiten
im deutschen Ge-
werbcmuseum zu
Berlin als Maler
vorkommen : Adam
Schuster A. «'/^
1719, N. P. 1726,
sowie die Initialen
S. und B. u. a.
Wir fugen hier
noch einen Teller
in Abbildung bei,
der sich im ger-
manischen Museum
befindet and ei-
nen anderen Maler
zeigt, einen jünge-
ren Mann, der sich
selbst als Bemaler
eines Tellers im
Porträt dargestellt
hat.
Die Fabrik dau-
erte, wie oben er-
wähnt, bis in die
Mittendes 19. Jahrb.
Die Fabrikate je-
doch, welche künst-
lerischen Wertli
beanspruchen kön-
nen, dürften nicht viel über die Mitte des vorigen Jahrhun-
derts herüber gehen ; soweit solche wenigstens datiert sind,
zeigen sie nur ältere Jahreszahlen.
Nürnberg. A. Essenwein.
Mittelalterliche Liedercompositioiieu.
Dem Studium der musikalischen Archäologie bietet die
Manuscriptensammlung des Chorherrnstiftes Voran in Steier-
mark eine reiche und noch wenig ausgebeutete Fundgrube
dar. Vom Ende des 11. Jahrb. an ist es da dem Forscher
vergönnt, der Entwickelung der Notenschrift und vor Allem
69
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
ro
dem Wesen jener räthselhaften Tonzeichen, die wir unter der
Benennung Neumen begreifen, nachzuspüren, und zwar stehen
ihm zu diesem Behufe nicht blos dürftige Fragmente, mühsam
gerettete Ueberbleibsel zu Gebote, nein: compendiüse, voll-
ständig ausgestattete und erhaltene Antiphonare, altersehrwür-
dige Gradualien und Sequentiare u. s. w. gewähren ihm. eine
unerschöpfliche Fülle von Material. ') — Doch nicht allein der
Pflege streng liturgischer Musik war die Sorgfalt der sauges-
kundigen Kegelherren des Mittelalters zugewendet, auch der
leichter beflügelte Rhythmus des Liedes — des geistlichen, wie
des weltlichen — scheint in ihrer Mitte eine freundliche
Kultusstätte gefunden zu haben. Davon gibt uns neben An-
derem vorzugsweise der Pergamentcodex Nr. 172, kl. 8. (302
Ell.) ein erfreuliches Zeugnifs. Derselbe, sonst mit Predigten
und geistlichen Tractaten — Schriftstücken des 13. und 14.
Jahrb. — angefüllt, birgt aufser 18, durchaus mit ueumatiscben
Tonzeichen versebenen Kirchenliedern, meist Frauen -Leichen,
noch eine Anzahl sanggerecht gemachter Profandiebtungen,
unter denen die Compositionen deutscher Minnelieder auf
Fol. 243 b und 244 a unsere Aufmerksamkeit in erster Linie
in Anspruch nehmen. Sie rühren von einer äufserst zierlichen
Hand des 14. Jahrb. her. Der Beginn der beiden Stollen, wie
des Abgesanges jeder Strophe ist mit grofsen Anfangsbuch-
staben, der Schlufs der ersteren mit einem Punkte, das Stro-
phenende mit dem Zeichen •.• markiert,*) die filigrane Noten-
schrift, Neumen, noch ohne das Guidonische Liniensystem, ganz
nach ^Yeise der alten Handschriften, den Worten unmittelbar
aufgesetzt.
Auf Fol. 243 b begegnet uns zuerst ein „Fraunlob" betitel-
tes Fragment jenes Gedichtes, welches Hagen s) Tb. HI, S. 395,
unter der Aufschrift „Hinricns" aus den Möser'schen Bruch-
stücken und der Weimarer Handschrift mittheilt. Von den
dort abgedruckten fünf Strophen hat unser Ms. nur die ersten
drei. Die Varianten, die sich darin dem Hagen'schen Texte
gegenüber ergeben, sind weniger stilistischer als dialektischer
Natur, da der Schreiber bei Wiedergabe der vorliegenden
deutschen Lieder offenbar die Formen seiner örtlichen Mund-
art walten liefs. Eine Zusammenstellung der ersten Strophe
aus Hageu's Sammlung und nach unserer Handschrift dürfte
zur Probe genügen.
L
(Mos. Bruchst. I»; Weimar. Hds. El. 8\^}
Got grueze mines herzen wirt
und miner hohen saelden minneklichen gast,
') Vgl. den vom Verfasser dieses im ,.Kirchenschmuck", Blät-
ter d. Christi. Kunstvereins der Diöc. Seokau, 1876, VIL Jahrg.,
Nr. 1 u. ff. veröffentlichten Aufsatz : „Die älteren Chorbüoher des
Stiftes Vorau".
') Mit Ausnahme des an zweiter Stelle zu besprechenden Ge-
dichtes, in dem sich nur das Sohlufszeichen findet.
') Minnesinger, deutsche Liederdichter des 12., 13. und 14.
Jahrh. von Friedr. Heinrich von der Hagen : 4. Tb. Leipzig, 1838. 4.
der alle stunde mit niuwen suezen aventiuren mir ze
wernden vröuden kümet.
Daz ist ein wip, diu hat gevrümet
den sinnen min so uberkreftiklichen last
mit minniklicher lust grünt suochender lieben liebe;
da von ofte mich verbirt
Min selbes kraft;
sus sigehaft
ist si gegen mir: wol mich der reinen sanften suezen
meisterschaft !
L
(Vorauer Hds.)
Got grueze meines herzen wierd
vnd meiner hohen seiden minechleichen gast,
der ze aller stunde mit neuer suezen auenteuer niier zu
wernden freuden chumt.
Daz ist ein weib, die bot gefrumt
den sinnen mein so vberchreftichleichen last,
so innercbleichen lust grünt suecbvnder lieb ee (!) liebe,
do von ofte mich verpiert
Mein selber cbraft,
so sigehaft
iz siygen miei-, wol mich der rainen suezen wernden
maisterscbaft • . •
Sämmtliche drei Strophen sind vollständig durchcomponiert.
Unter der wiederholten Ueberschrift „Fraunlob" bringt
uns Fol. 244 a ein zweites, fünfstrophiges Gedicht des unsterb-
lichen Sängers der Frauen. Die erste Strophe, die in unserer
Handschrift mit den Versen: ,.Ir hohen werden rainen -weib
ich hon dez recht, daz ich eu sag" anhebt, ferner die 2. und 4.
dieser im kurzen Tone Meister Heinrich's verfafsten Dichtung
veröffentlicht Hagen im HL Tb., S. 379 als selbständiges ge-
drittes Lied; die zwei ergänzenden Strophen, Nr. 3 und 5
unseres Ms., welche das Lied in eine gefünfte Bar verwandeln,
kennt dieser Sammler nicht. Sie lauten:
HI.
Wol mich daz ich sei hon gesechen,
von der ich boüben troest emjihie,
der ganzen worhait muez ich iehen
ein schoener weip gesach ich nie,
ach herre got gefueg sei mier,
daz si mier wert ze rechter ee
auf tier weld vnd niemant raer,
nach meinem end so bab sei dier •."
V.
Siech vnde merch ein selich weibp
wer dier ze frauden wol pehag
vnd der mit züchten seinen leip
hot vnpeweruet alle tag,
sun sich der minnet mannes muet,
ob dein ein reicher arger gert.
71
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
72
der ist nicht eiues loenes wert,
hab dier dein er, lozz im sein guet ■.•
Diesmal ist nur Strophe Nr. 1 mit mit den betreffenden
Tonzeichen versehen und somit als Träger der auch für die
übrigen mafsgebenden Arie zu betrachten.
Ohne Aufschrift, doch durch eine hervorhebende Initiale
markiert, folgt nun ein herziges Liedchen mit starkem Anklänge
an die schelmische Ursprünglichkeit des Volkstones. Das ein-
strophige Gedicht entbehrt des Abgesanges; denn seine Wir-
kung beruht eben nur auf der naiven Antithese in den beiden
Stollen, — eine Wirkung, deren Drastik der musikalische In-
terpret noch dadurch zu steigern gesucht, dafs er die inhalt-
lichen Gegensätze in dieselbe musikalische Form gekleidet,
nämlich die Wiederkehr der Stollenarie im Gegenstollen an-
gedeutet hat. Die Verse lauten:
Jlier ist misse lungen,
ich hon mein liebez lieb verlareu
mit seinem roetem (!) munde,
vnd wold ierz one zoeren Ion,
ich wol iz furpaz suechen gan.
Mier ist wol gelungen,
ich hon mein liebez lieb funden
mit seinem roeten munde,
vnd wold ierz one zoeren loen (!),
ich wol iz mit mier fueren dan • . •
Die letzte deutsche Dichtung auf fol. 244 a kennzeichnet
die Uebcrschrift : „Ecgenpogen-' als ein Poem des bekannten
sangeskundigen Schmiedes Barthel Regenbogen. Es ist ein
im Brieftone des Meisters (vgl. die bei Hagen III., S. 344
u. f. und S. 468 i mitgctheilten diesbezüglichen Dichtungen)
angefertigtes, leider nur mehr fragmentarisch vorliegendes
Minnegedicht, das sich in Hagen's Sammlung sowenig wie sein
Vorgänger, das oben besprochene Liebesliedchen, findet. Die
erste Strophe ist vollständig ; an der zweiten fehlen die letzten
Worte des Gegenstollens und sämmtliche Verse des Abge-
sanges. Mit neumatischen Tonzeichen sind nur Theile der
Strophe Nr. 1, und zwar deren Aufgesang und die beiden
ersten Verszeilen der Epode, überschrieben. Für den Werth
der sinnigen Dichtung wird die Wiedergabe besser als eine
eingehende Würdigung sprechen :
I.
Wer edel hoech geteurt stain sechen wil,
der froge mich, dem zaig ich deu im chuerzem zil,
drei edel staine, die ich lieb in herzen hil,
daz ist der rubein feurfar vnd zwen safenir teur.
Von Orient se wrden pesser nie gesechen,
ein chaiser mecht se vergelten nicht, dez muez ich iehen,
deu trait ein weib, iz ist ier liechter äugen prechen
vnd ir rubein feurfar ier sueser munt geheur.
Groez frauden gebcnt die hoech geteurten staine,
got selber bot se in also hochez golt gelait,
ich main daz selbe zartte weib, daz seu do trait.
wer seu ansiecht, der wiert froe stolz vnd auch gemalt,
gehoet sei ir lob, ir nam der zarten, deu ich do maine*.*
IL
Ach min vnd ach wi lange froradet mich dein munt,
den ich so roeten lachen sach zu einer stunt,
an einem morgen, do von mier ward freud enzunt,
ich sprach sich, sich iz wil mier tagen, ich siech der morgen
roete.
Ich wond der meinen seiden tag, der wol auf gan
do ich in sach den munt so zertleich vor mier stan
recht als er sprechen wold zu mier du frau dich man,
mein suezichait. .......
Nächst den ebenbesprochenen Liedern in deutscher Sprache
müssen wir endlich noch dreier lateinischer, ebenfalls zum
Gesänge eingerichteter Profandichtungen gedenken, die uns
derselbe Cod. auf fol. 264 a und b und fol. 301 b überliefert.
Sie sind, von verschiedenen Händen des 14. Jahrh. angefertigt,
mit den schon oben erwähnten alterthüralichen Notenzeichen
überschrieben und vollständig durchcomponiert; grofse Anfangs-
buchstaben kennzeichnen den Beginn der einzelnen Absätze.
Die erstere aus ihnen, in der metrischen Gliederung der rhyth-
mischen Freiheit der Leiche und Heien folgend, ironisiert, in
einer sarkastischen Schlufspointe gipfelnd, die Uebermacht der
materiellen Besitzthümer über die Güter des Geistes; die bei-
den anderen, von denen die letztere eine häufig beliebte Reim-
spielerei zum Besten gibt, sind offenbar Gratulationscantaten,
bestimmt, einem gefeierten Klostervorstande gelegentlich einer
musikalischen Festproduction die Huldigungen des Conventes
darzubringen.
I. (ful. 264 a.)
Esto quod expertus si manes alchimista,
sis in triuio in meroris (!).
et indagaria certus vomere abilior
in quadruuio, et doctor legista.
si bene recoles Si fueris causidicus
theologiam (!). perorans in canonico iure
Si naturalis iustus et uendicus,
fueris ut phisicus pontes in ordine nature
et manualis in omnibus scienciis,
curator ut medicus, si sis magister summus
si bene redoles sentencus, (sententiosus?)
nigromanciam. illud juro certissimus
In metallorum hoc totum nauci proderit,
genere subtilior si tibi de est numraus.
IL (fol. 264 a und b.)
clericorum optime sis credens ut Nathanael,
tu es decus ecciesie, sis judicans ut Daniel.
has meas laudes suscipe, gjg sapiens ut Salomon,
vt longo viuas tempore. pulcherrimus ut Absolou,
Sis deo dignus ut Abel fortissimus vt Sampson,
sis fidelis ut Samuel, castissimus vt Gedeon.
73
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
74
Vt Dauid rex altissimus
et Alexander maximus,
mouarcha sis ut Julius,
sis deo placens melius.
Sis generosus vt Adam,
sis obediens ut Abraham,
vaticinans vt Balaam,
longeuus ut Metusalam.
Viuendo uiuas vt Enocli,
sis pacificus vt Sadoch,
III. (fol.
Legis atque laudis fax
sermo tuus eficax
cuncta mutat inefax,
que deformat contumax,
tibi sit laus et pax.
Tu virtutum opifex,
te duce non errat grex,
tu cleri flos, tu plebis lex,
viuere bis lutrix sex
faciat te summus rex.
Digna proles et felix,
laude micans velud nix,
quam non coinquiiiat pix
Vor au.
sis pacieiis vt fuit Job,
sis benedictus ut Jacob.
Te crux divina muniat,
te sacrum pneuma repleat
te virtus alma protegat
et ad superna dirigat.
Et vt omnes aichangeli
in conspectu altissimi
Stent orantes, vt valeas
et cum salute permaneas.
301 b.)
aula daustra te matrix
non recuperat vel vix.
Lapsis dulcis tua vox,
miserendi cor velox,
bumilis siue ferox
quidquid petit audis mox
siue dies sit vel nox.
Sis benignis plus dux,
sis malignis leo trux,
te consignat alma crux,
dum lucet extrema lux.
Eia et eia
iubilando resonet ecclesia.
Otakar Kernstock.
Briefe des Dr. Sixt Tucher, Propsts bei St. Lorenz
in Nürnberg, an seinen Nachfolger Anton Kress,
1502-1504.
(Schlafs.)
4.
Spectabili et clarissimo J. U. doctori domino Anto-
nio eres cognato et domino observando.
Salutem p. dicit accepi tuas literas clarissime d. doctor
quibus mihi significasti nffgocium tuum nonnihil impedimenti
accepisse ex regressus inpetrandi "■) diflficultate rogans ut ego
et senatus cuius in ea re propositi simus si forte obtineri ne-
qniret tibi et absque mora aperiamus que novitas quam mihi
grata sit vel molesta tuipse convicias quippe qui jam accinctus
ut tibi ad tempus purificacionis cedam et traducta pene su-
pellectili mea diucius hercre cogor non absque mea jactura
cum huius temporis accessiones cottidiane inpense domestice
minime corespondeant. Sed quid tibi inputem non babeo cui
non minus imo amplius hec mora molesta est, nee opus est
'^) Dr. Topler hatte am 15. October wiederholt an A. Kreis
geschrieben : . . . Regressus tibi obtinendus ae expedienJus est
pro Sixto Tucher, oportuit alias pontifici ducatos 100 pro compo-
sicione solvere credo jam mores urbis mcliores effectos tu eum
gratis consequeris ....
ullara de mea voluntate fieri indaginem nulla enim nie regres-
sus obtinendi tenuit vel tenet cupido nam cur eum expectarem
casum quem dum presentem habui recusavi itaque res in solo
senatu pependit ad quem relata et obtenta fuit scilicet ut si
negocium regressus nunc conüci nequeat nihillominus resignacio
perficiatur et postea negocium regressus ex intervallo agitetur
ut ex paternis literis et d. prepositi S. Sebaldi ") intelliges
et lacius. Interea bene vale et adventum tuum re jicrfecta
matura, expectatus enim advenies et meam operam ad arbitri-
um tuum paratam invenies rogo tamen ut tuas illico ad me
des literas quibus de tempore tut adventus quantum coniun-
ctnris assequi vales me cerciorem facias ut sciam et bibliothe-
cam et reliquum suppellectilis mee in aliam meam habitacio-
nem traducere ut minus tu et ego dum veneris ocupemur Ite-
rum vale et dominum Casparem meo nomine salvum jubeas
") Die Briefe des Vaters Anton Kreis sind nicht erhalten,
wohl aber zwei Briefe des Propsts Dr. Topler von S. Sebald, beide
wol irrthümlich datiert die ultimo Decembris 1504 (das neue
Jahr von Weihnachten an gerechnet). Da der zweite mit den
Worten beginnt Scripsi hesterno vesperi, wird er wol am 1. Ja-
nuar 1504 geschrieben sein. Accepi literas tuas, schreibt Topler
im ersten Brief, unioas ex urbe quarto idus decembris datas et
ex eis quod suplicacio tua pape porrecta super resignacione eccle-
sie Sti. Läurentii fuerit signata cassato tamen regressu quem pon-
tifex iste nemini concessurus est uti ex Reverendissimo d. Cardi-
nale Alexandrino accepisti utque quid tibi agendum sit respondeam
et quia hoc vespere literas tuas accepi certi nil tibi respondere
possum agam tamen crastina luce cum senatoribus ut ocius re-
sponsum accipias tu tamen interea non cessa sollicitare nee pecunie
parcens ut omnino regressum obtineas De dno Sti. Lau-
rentii nulla est cura ille enim regressum non querit, sed solus
senatus et credo quod pontifex si bene informaretur non deberet
facere difficultatem .... Am andern Tag schrieb Topler : . . .
Accepi rursum et a domino Sti. Laurencii eos contentari quod
si utique regressum obtinere nequiveris : quem summa diligencia
obtineri laborare debes, (quod) nichilominus te quanto cicius cum
provisionibus utcunque caucius poteris expedias et ad patriam
conferas: Cura igitur ut omnino regressum expedias si pce (prece?)
vel alio ingenio obtineri potest, eciam si cui vel mediatori vel
sollicitatori pro regressu expedito ducatos ducentum elargiri de-
beas, et si pure regressus obtineri nequit cura si tibi
nocivum non est et si obtineri ibidem (?) ut committatur reccepcio
resignacionis et provisionis vel michi vel alteri prelato tibi con-
venienti ad pts {partes?) que expediri poterunt tanquam esses absens
hoc michi videretur et tuis eciam ac senatui caucius ut minus in-
sidie vite tue parentur, nee eciam si quod absit vel naturalis mors
vel violenta te interciperet domini mei Rorae presentacionis in
periculum laberentur et ecclesia illa in manus alicuis contra Vo-
tum dominorum meorum veniret si enim in urbe fieret resignacio
et tibi provideretur et tibi quid humanius contra votum nostrum
accideret, ecclesia illa forte vacans in alienas manus veniret, cura
igitur ipse ei morbo mederi quod si autem utique nee regressum
nee quo scripsi modo te expedire poteris, age cum consilio dni
Casparis Wirdt et te caucius ut poteris expedito ad patria limina
cito confer
75
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
76
misi peiisiüiipin domiuo cardiiiali Alexandrino et scripsi domiuo
Caspari ut si tunc Rorae fores eain tibi pro concilianda ali-
(|ua bcnevolencia presentandara coinmittcret quod et factum
aibitror datum nurmberge pridie kalcndas Januarias anno 1504.
Sixtus tucher, J. U. doctor.
(Auf einem eingelegten Zettel) Ilogo velis mcdiante opera
d. Casparis pro me staciones urbis in quadragesima cum indul-
genciis suis inpetrare ut bic possim vel eclesias vel altaria
eligere et me earum participcm facere vidi eas ita sepe iupe-
tratas quidquid in eam rem inpenderis dum veneris tibi red-
dam nee credo eam inpensam jiar ducatorura ascendere vel
saltem transcendere iterum vale.
5.
Clarissimo J. U. doctori domiuo Anthonio Kres pre-
posilo S. Laurencii nurmberge domiuo et cognato
ob scr vando.
Salutem p. d. Accepi tuas literas de data sabathi ante
Invocavit et causas tue tardioris expedicionis et tempus quod
tuo prefixisti aduentui item et meutern tuam quod malles post
festa pascalia quam antea possessionem eclesie hujus tibi tradi
propter ceremonias que in ebdomada sancta varie et ignote
tibi sint que omnia illico genitori tuo aperui. Et quamvis
aduentus tuus multo amplius quam existimavi dilatatus sit ta-
rnen quandoquidem nihil est quod tibi inputare valeäm cquo
tuli et feram animo, quod eciam nonnihil ofticia septimane
sancte pertimescas non temere facis sunt enim difficilia et Om-
nibus toto anno graviora propter varias benedictiones et inso-
litas ac truncatas missas et alia pleraque illius temporis pro-
pria tarnen quod ego te hie presente in possessione maneam et
hujusraodi munera plebano incurabencia subeam non conveniens
arbitror nee tibi detractiones et censores deforent, mihi pre-
terea inputari posset quod de spectantibus ad alium me impe-
direm. Itaque si adventus tuus in tempus a te prefixum vel
alium diem ante pasca casurus esset putarem tibi sacius quod
in itinere Auguste vel in Ingolstat per reliquos illos dies te
contineres et in septimana pascali adventares "*) que sententia
cum patri tuo placuisset rogavit ut eam tibi detegerera datu-
rus operam ut he litere Auguste tibi presentareutur cui et
annui. Itaque voto tuo satisöet meque tibi obsecuturum et
vices tuas hoc sacro tempore gesturum intelligis. Ut preterea
quo ordine dum veneris res tua agenda sit meam sententiam
paucis accipe habes arbitrium hanc urbem ingressus vel in cu-
riara eclesie vel in domum patris diverteudi tamen ne prius
curio quam eclesie possessionem videreris nactus forte conve-
niencius foret paternam petere domum et si hora adventus
id ferret tibi espediret ut omnino ad me mecum cenaturus
venires non propter cibum quem tenuem et solitum invenies
") Diesen Rath konnte Anton Kreis nicht befolgen, da er
den nach Augsburg geschickten Brief nicht mehr rechtzeitig er-
hielt, wie aus dem nächsten Briefe hervorgeht. Er kam am Sams-
tag vor Ostern nach Nürnberg.
sed ut inter cenandum sew prandendum a me servari et fieri
conschweta videas quod si libuerit in domum paternam ea
nocte reverti valebis, sequcnti autem mane vocato notario et
testibus sacerdos aliquis '") cum processibus tuis requisitus in
eclesia tibi possessionem tradet et inde in curia quibus per-
aclis et comoda et onera in te translata censebuntur et si
voles eodem die me tibi hospitem spondeo ea sola causa ut
quo modo qui domui preest se habere debeat videas si autem
comodius putaveris curiam illico ingredi ut ego primum feci
nil est quod obsistat nee mea quitquam interest et idem ser-
vabitur postca ordo, hoc solum dixisse volui quod scias pos-
sessionis adepcionem non nisi in sequentem diem differendam
secus enim facere nee mihi nee tibi congrueret, credo ctiam
familiärem te litteratum ut ego habiturum et quia choralis
quidam mecum jam biennio fuit qui conschweta et solita do-
mus et eclesie nota habet de quo dixi patri cuius mores et
vitam ad aliquod tempus cxperiri poteris et inde vel retinere
vel repudiare habet aliquantulum notas horas canouicas quas,
tecum si volles dicere posset, reliqua que multa sunt reseruo
aduentui tuo ut enim pollicitus sum tibi ubi possum non deero
vale datum nurmberge die martis post letare anno 1504.
Sixtus tucher doctor.
6.
Venerabili divi Laureutii preposito domiuo Antho-
nio eres J. U. doctori.
Venerabilis domine preposite fuisset officii mei tibi cedere
et illico ut decreveram sed ut accepi tua voluntas et patris
est ut per hos dies et per futura festa tuas vices gerara quod
eo libencius facio quanto cercior sum hujus temporis oificia
tibi nonnihil extranea et molesta fore nee mirum nara et ego
et alius quanturalibet te et me pericior qui ea non egisset
horreret itaque nihil est quod vel ego vel alius quilibet non
inprudeus tibi vicio dare queara tamen quid me urgeat ego
scio utcunque sit tibi nunc ut alias sempcr libenter obseqnar
si tibi non incomodum foret videretur mihi tua non nihil In-
teresse ut quandoque prandiis sew cenis antequam hinc disce-
derem Interesses non gracia refectionis sed moris quem is qui
domui preest (? habet) videndi gratia itaque si voles crastine
cene finito officio Interesse tui arbitrii erit et si ante officium
finitum venire volueris habitacio mea immo tua tibi patebit
si minus et niagis alio die ex futuris festis id tibi comodius
fuerit eque feram fac tamen me aliquando cerciorem facias
que dies recipiende possessionis tibi placita fuerit cui facile
et libenter acquiescam, officia trium festorum futurorura ple-
bano incumbunt si tamen tercio tibi possessionem nancisci li-
beret nil obstaret nam procurator id tuo loco celebrare posset,
significavi tibi in literis quas tibi Augustam misi si ut credo
familiärem doctum habere volles quemadmodum ego semper
babui qui horas tecum diceret et tibi ceteris peculiarior foret
'') Dies geschah in der Regel durch den Abt von St. Egidien.
Städtechroniken XI, S. 471, Anm. 1 u. S. 481, Anm. 2.
77
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
78
unus ex choralibus mihi videretur tibi non ineptus qui jam
biennio eclesie et domus mores notos habere cepit et aliquan-
tulum modum dicendarum horarum novit quem mense uno vel
duobus probare posses et inde vel retinere vel diraittere sed
ille litere ad te delate ut accipio non fuerc quid tibi sedeat
dum mecum fueris mihi aperies nam res dilacionis capax est,
Omnino de nicnte mea est ut si tibi mecum cenare vel pran-
dere non fuerit comodum me minime accedas frustra enim id
fieret tua enira benevolencia mihi obscura non est nee deerunt
ut spero conventus nostri multa tempora si preterea libro ali-
quo missale sew horarum tibi opus est sevv veste aut re aliqua
alia non pretermittas mittere pro ea et postulare amici enim
officia tibi in me non deerunt, nee parui sis animi quaraquam
enim principium tibi forte grave aparuerit tarnen res et gloria
in hac vivendi condicione tibi copiosa erit Vale cum paren-
tibus et tota tua domo.
in quo et ego paternitati vestre obsequi valeam opera mea.
ei parata erit quam bene valere cupio.
Sixtus Tucher, J. U. doctor.
9.
Reverende pater et domiue observande sum hoc tempore
solito debilior et minus quam tanti negocii gravitas postulat
ad consulendum aut studendum idonous itaque ro^o dominatio
vestra me excusatum habeat et apud eos qui ut mihi hanc
provinciam imponeretis vobis imposuerunt me excusatum facia-
tis amodo enim vires nee animi nee corporis hujusmodi labo-
res me ferre paciuntur nisi valetudo et robur qui aliquando
fuere reverterentur quod et anni et acti labores difficulter ad-
mittent cupio valere dominatioiiem vestram cui me commendo.
Sixtus Tu eher.
Nürnberg. Frhr. Georg von Krefs.
Domino meo preposito S. Laurencii.
Nescio preposite spectabilis qua mea vel tua obliuione ac-
ciderit ut id quod principale erat pretermiserimus scilicet de-
liberare et decernere qua die sis possessionem ingressurus in
qua re quid ego censeam accipe sencio tibi tumultum non pla-
cere quemadraodum nee mihi placuit itaque dies festus ut ar-
bitror tibi non comodus videbitur tuuc enim ante meridiem
cantus continuus est et tradicio in eclesia absque plebe fieri
nequiret cum igitur duo sequentes dies festi sint eligenda vi-
deretur sequens scilicet Jovis'") que eciam tibi si comoda vi-
debitur notarius magister Jo. Polraus de hoc cercior fieri po-
terit si minus tue acquiescam sentencie quam mihi vel cras
vel sequenti die aperire polaris Vale cum parentibus et liberis
aut rectius cum germanis'^').
8.
Reverendo patri et domino meo observando prepo-
sito S. Laurencii.
Reverende pater exigit forte eclesie preceptum ut ego
quemadmodum alia Vestra plebs in eclesia vestra vel celebrando
vel de manu alicujus his futuris pascalibus diebus communicem
sed quia id ad kartusienses sew ad S. Ciaram coraodius et
quiecius mihi foret rogo paternitas vestra suo consensu quo
alterum facerc mihi liceat annuere velit et pariter communi-
candi licenciam in altera ex dictis eclesiis famulo meo Johanni
prebere ne suo ministerio carere me oporteat si quid occurret
'") Die Einsetzung erfolgte auch an diesem Tag, Donners-
tag den 11. April. Siehe die Einleitung.
") Die Geschwister des Anton Krefs waren: ein älterer Bru-
der Georg, geb. 1476, dann zwei Schwestern, Magdalena geb. 1479,
zu jener Zeit schon Klosterfrau in Pillenreuth, und Katharina,
später an Andreas Schuler vermählt, und der nachmals zu
hohen Würden und Ansehen gelangte, 1484 geborene Christoph
Krefs.
Altdeutsche Ortsnamen in Willsch-Lothiingen.
Im französisch sprechenden Theil des Eeichslandes Loth-
ringen finden sich, wie in Franlireich und Belgien, zahlreiche
Ortsnamen, welche trotz ihres romanischen Gewandes unzweifel-
haft der fränkischen Einwanderung (seit dem 5. Jahrb. n. Chr.)
ihre Entstehung verdanken. Es sind namentlich die mit court,
ville, mont, viller, vaux oder val, fey, champ, fon-
taine etc. und einem alten deutschen Personnaraen zusammen-
gesetzten. ') Ich habe dieselben für die einzelnen Kreise
(= bayrischen Bezirksämtern) zusammengestellt und zugleich die
darin steckenden Personnamen herauszuschälen versucht. Der
Vollständigkeit und Vergleichung halben wurden auch die we-
nigen auf jene Endungen ausgehenden Ortsnamen, welche nicht
fränkischen '^) Ursprungs sind, mit in die Liste aufgenommen ^).
A. Kreis Metz.
Dieser Kreis, mit der Hauptstadt Metz, hat nur einige
Gemeinden, an seiner nördlichen und östlichen Grenze, welche
im 17. u. 18. Jahrb. noch deutsch sprachen. Im Uebrigen
ist er „französisch von altersher" (Kiepert •*), d. h. die ein-
gewanderten Franken waren der romanisierten Urbevölkerung
') In Lothringen steht der Personname nach deutscher Weise
in der Regel vorne, in Frankreich nicht selten hinten; z. B.
Ville-Evrart, Chateauroux (Castrum Radulfi), Courtaulain, (our-
tis Dotleni), Gourgaudre (curtis Waldradanae) , Molithard (Mons
Lithardi) etc.
^) Ich spreche hier kurzweg nur von fränkischer Einwande-
rung, obwohl im Südosten des Bezirks vielleicht Alemannen sitzen.
Dialekt- und Sittenforschungen müssen hierüber erst noch Auf-
schlufs geben.
■') Die Namen der Gemeinden sind mit gesperrter Schrift ge-
druckt. Die neben den Namen stehenden Zahlen bedeuten das
Jahrhundert, in welchem die betreffende Form vorkommt.
') Kiepert: „die Sprachgrenze in Elsafs- Lothringen", in der
Zeitschr. d. Ges. f. Erdkunde, Bd. IX, (Berlin, Reimer. 1874.)
7'J
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
80
gegenüber in der Minderzahl und hatten nach etwa 400 Jahren
den Gebrauch der deutschen Sprache verlernt.
Folgende Orte lassen sich mit Sicherheit auf die fränkische
Landnahme zurückführen :
Auf — court:
Bazoncourt: 10. Basonis curtis. T. N. Baso (Forst. I,
216 ä).
Burtoncourt: en patois „Beurtonco', dtsch.: Brittendorf.
13. Bertoncourt, Britendorp, Burtoncort. P. N. Berto (Fürst.
239). Aubnrtin aus Albertin ist ein in Metz häufiger Fa-
milienname; daneben kommt auch Aubertin mehrfach vor.
— Burtignj^ frz. Schweiz, beifst urkundlich Britinie. —
Chelaincourt (Gem. Flevy): 13. Otlencourt; 14. Oschelain-
court; 15. Ostelaincourt, Osteillancourt ; 17. Oschlaincourt ;
Ochlacourt; en patois: „Chlinco""). Der Personname ist
nicht ganz klar; jedenfalls ist es ein deutscher auf — lin,
wahrscheinlich Ottelin, Ozelin (Forst. 165 u. 984). Die
Formen des 15. Jahrh. würden sich durch umgestelltes ts
der Schreibart Otseliu erklären lassen; denn man schrieb
auch Gautselin,^untso für Gauzelin, Gunzo (Forst. 497 u.
555).
Flocourt: en patois „Fioco". P. N. des Stammes Flod oder
Folc? (Forst. 697 u. 438). Der französ. Ort Floville heifst
8. Flogilvilla.
Frecourt (Gem. Servigny bei Eollingen): 13. Firicicurtis.
P. N. wahrsch. Friderich. Der französ. Ort Freville heifst
nach Guerard (Polypt. Irmin.) 8. Frotmiri curtis; Freme-
nil urkdl. fratrura curtis.
Fremecourt (Gem. Marange) : 9. Frimaricurt, P. N. Fri-
raar, der in deutschen Ortsnamen: Freimersheim, Friemers-
heim (8. Frimarsheim), sämmtl. linksrheinisch, wiederkehrt;
(= Fridumar?).
Haueoncourt: 15. Haweconcourt. Vielleicht ist das im
10. Jahrh. erwähnte Hauechingas, in der Gegend von Trier,
derselbe Ort. Liegt an der Sprachgrenze. P. N. Habucho,
Hawecho (Fürst. II, 686).
Hicourt (Gem. Luppy): 15. Hycourt. P. N. etwa Hiddi
(Forst. 660).
Malancourt (Gem. Montois-la-Montagne): 12. Malandicurtis.
P. X. Madoland, Madeland (Fürst. 919).
Mancourt (Gem. Ennery). P. N. Manno (Fürst. 903, wo
auch ein Ortsname „Mannonis curtis'' ohne nähere Bestim-
mung). Vgl. den deutschen Ortsn. Mannheim (8. BLannin-
heim).
Plappecourt (Gem. Vaudoncourt) : en patois „Piaippeco".
16. Peplingen. P. N. Papüo, mit Versetzung des 1, wie
in Plappeville (s. unten) aus Pappoli villa. Latinisiert heifst
der Name Pappolus (Bischof von Metz zu Anfang des
7. Jahrb.).
Ressaincourt (Gem. Jury) : en patois „Resinco". P. N. viel-
leicht Rising (? Fürst. 1059). Vgl. Rezonville.
Roncourt. P. N. wahrseh. Rado (Fürst. 991).
Secourt: 13. Solcors. P. N. Segoald (Sigold; Fürst. 1098).
Semecourt: 9. Semaricurt; 10. Seimaricurtis. P. N. Sigis-
mar, Sigmar (Fürst. 1096 u. 1101). Interessant ist, dafs
derselbe Ort im Cartulaire v. Gorze 857 Sesmeringas, 960
Seraeirici curtis heifst. Um das Jahr 900 wäre also die
gänzliche Verwälschung eingetreten.
Stoncourt (Gem. Villcrs-Stoncourt) : 9. Stadonis curtis. Ein
P. N. Stado scheint auch im dtschn. Ortsn. Stotonhusen
9. zu stecken.
Vaudoncourt: 10. WualJonis curtis^). P. N. Wal do (Forst.
1288).
Zweifelhaft ist :
Auhecourt (Gem. Remilly) ; en patois „Aubco". 14. Ilabel-
court. 16. Aulbecourt. Scheint den kirchlichen P. N. Abel
zu enthalten, unter dem eben so gut ein Romane, wie ein
Franke verborgen sein kann.
Auf — ville:
Ancerville (spr. Ansreville, en patois „Ansrevelle"). P. N.
wahrsch. Anselm (Anshalm). Vgl. Ancerville bei Bar-Ie-Duc,
urk. Anselmi villa; Ancemont bei Verdun, urk. Anselrai
mons. Dagegen Ansanville bei Toul, urk. Ansaldi villa.
Auconville (Gem. Gorze). Auf diesen Ort bezieht sich wahr-
scheinlich das „in fine Aconiaca" der Stiftungsurkunde des
Klosters Gorze (a. 745). P. N. Acco, Akko (Fürst. I, 10).
Ein Acco wird schon bei Caesar (VI, 4) als Fürst der Se-
nonen" genannt. Dieser Name ist also den Kelten und Ger-
manen gemeinsam. Au für A im Anlaut ist dem Lothringer
Patois geläufig: Aboncourt : „Aubonco'' ; Adaincourt : „Au-
dinco" ; Alemont : ,.Auleumont" ; Amneville : „Aumnevelle".
Labauville oder La Bauville (Gem. Gorze) : 13. Labuville.
Patois „Laibeuvelle". Man hält das „Bodulfi villa" (10.)
des Cartulaire v. Gorze für denselben Ort. Ich weifs sonst
kein Beispiel , wo dem Personnamen der zu ville gehörige
Artikel La vorgesetzt wäre. In unserem Falle scheint die
Volksetymologie diese Abweichung von der Regel veranlafst
zu haben. . In der Umgebung von Gorze finden sich näm-
lich mehrere Oertlichkciten des Namens la Baue*) (la Bawe,
les Baws, les Bawes, ausgesprochen wie das deutsche Bau,
Baue). Der sumpfige Grund unterhalb des alten Klosters
') Förstemann, Aldeutsches Namenbuch; I. Bd. Personenna-
men; 1856. II. Bd. Ortsnamen, 2. Aufl., 1872.
*) Das anlautende fiel vom 17. Jahrh. an weg, weil man es
für das dativische präpositionale au hielt, wie in Schlingen bei
Kaufbeuren (9. Zuzcilinga) das Zu.
') Wu ist eigentlich ein Pleonasmus, der aber nur die Aus-
sprache (wie deutsch u, frz. ou) andeuten soll. Woippy, Dorf bei
Metz, urkdl. Guapeium, Guapei , lautet im Patois ,.Ouaippy."
") Bedeutung : Kothgrube, Drecklache, Pfütze ; nfrz. boue, aus
dem kelt. baw, Schlamm. (Diez, etym. Wbch. d. rem. Spr. 3. Auf-
gabe. 11, 233.)
81
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
82
hiefs so, und darnach ein Thor „porte de la Baue." Als
man die Bedeutung der ersten Silbe in Boouville nicht mehr
verstand, knüpfte man an das bekannte „la Baue" an und
setzte daher den Artikel vor.
Beville (Gem. Glatigny) : 15. u. 16. Baieuville, Baieville.
P. N. eher Badulf (Forst. 200) als Baio, welches in Bayon-
ville (Meurthe-et-Moselle), 10. Baionis villa steckt. Doch
vgl. Yerncville (s. unten) aus Warno ; frz. P. N. Burthe
(14.) aus Berto.
Flanville (Gem. Montoy) : en patois „Fiauvelle", da der Loth-
ringer Dialekt bald den Nasallaut unterdrückt, bald will-
kürlich hinzufügt. Enthält wahrscheinlich denselben P. N.,
wie Flonheim (Rheinhessen), 8. Flanenheim, Flanheira.
Foville: 15. Folville. P. N. des Stammes Fulc, Folc (Forst. 438)
Gondreville (Gem. Vry). P. N. des Stammes Gund : Gün-
ther (?), Gunderich, Gundulf sind möglich. Gondreville bei
Toul keifst urkdl. Gundulfi villa 8.
Libaville (Gem. Ste. Barbe). P. N. Liubhart, Libhart (Fürst.
853).
Loyville (Gem. Sillegny) : 15. Loiville. P. N. Lodwich (Lud-
wig, Louis). In Deutsch -Lothringen entspricht der Ort
Lutzweiler.
Moreville (Gem. Servigny bei Reilingen) : 16. Moriville. P. N.
Moricbo (Forst. 926), wovon in Deutsch -Lothringen Mor-
chingen (Morhange).
Plappeville: 7. Papoli villa ; 12. Plaplivilla (sie). Nach dem
Bischof Pappolus (Papilo) benannt, der diesen Ort zu An-
fang des 7. Jahrb. dem von ihm neugegründeten Kloster
des heil. Symphorianus schenkte. S. oben Plappecourt.
Ramonville (Gem. Rombas): 14. Romanville»), Ramonville,
Raimouville. En patois : „Raimonvelle". P. N. Raimund
V. Ratmund, Eatman (Forst. 1024, 1003 und 1002).
Raville, dtsch. Rollingen (IL— 14. Roldinga, Roidinges, Ral-
dinga. Romanisch : 11. — 14. Radonis villa, Rahavilla, Ran-
wille, Ruaville). P. N. Radolt oder Rodalt. Raville bei Lu-
neville urkdl. Rodaldi villa.
Rezonville: 10. Rezonis villa. 11. Eisouville. 13. Reson-
villa, Resonville. P. N. Rezo, Riso, Rizo (Forst. 1036,
1058 u. 1060).
Rongueville (Gem. Ancy). 13. Ronguevile. P. N. Ragangar,
Ragngar, Rangar (Forst. 1017 u. 1033).
Tantelainville (Gem. Yionville), Hof und Kirchenruine. 8. Tan-
talino»") Villa. 15. Nostre Dame (Je Tantelinville. P. N.
Tautalin. (Forst. I, 333 bringt zu Tanto die abgeleiteten
Formen Tantulo und Dantlin)
') Vertauscbung der Vocale a und o, oder a und u in auf-
einander folgenden Silben findet sich häufig ; daher ist Hudamar,
das Förstern, zu Hud stellt (I, 749), ofi'enbar nur umgestellt aus
Hadumar. Vergl. das folgende Raville-Rollingen (Radolt u. Rodalt.)
'") Dativische Form, wie man im Deutschen mundartlich sagt :
„Dem Dentlein sein Haus." Ueber Dativ für Genitiv vergl. Diez,
Grammat. III, 141 f.
Thimonville (15. Thiemonville) : P. N. Thietman oder Thiet-
munt (Forst. 1183 u. 1185).
Urville (Gem. Courcelles - Chaussy). 15. Eurville. P. N. des
Stammes Ur (Forst. 1217), oder Ulrich? Vgl. Urcourt bei
Conflans, 11. Urionis curtis. 16. Eurecourt. 18. Urecourt ;
und Urimenil bei Remiremont, urk. Ulrici mansile.
Vaudreville (Gem. Retonfey) : 17. Vuadreville, Wadreville.
P. N. eher Waldrich als Walther (frz. Gauthier). Von
Waldrich: in Deutsch-Lothringen Wallerchen bei Busendorf,
frz. Vaudreching.
Verneville: 13. Vernumville, Vernenville, Warnanville. P.
N. des Stammes Varin. (Warno, Warnuin, Warnald?).
Vionville: 12. Vidonis villa, Vydonis villa. P. N. Wido
(Forst. 1279).
Metz. Dr. K. Uibeleisen.
(Schluls folgt.)
Pfalzgraf Ott Heiiu'idis Kunstkaiiimer darf nicht be-
nützt werden.
Ich habe schon wiederholt Gelegenheit gefunden , in die-
sen Blättern Notizen über Pfalzgraf Ott Heinrich von Pfalz-
Neuburg, nachherigen Ghurfürsten, — den Erbauer des Hei-
delberger Schlosses — mitzutheilen. Er war, wie bekannt,
ein sehr kunstsinniger Fürst und ein nobler Gönner der Künst-
ler, deren er eine grofse Anzahl an seinen Hof zog. Unter
andern nahm er im Jahre 1549 auch den Alexander von Such-
ten zu einem Diener oder Conservator seiner Kunstkammer
auf Dieser mufste sich in seinem Bestallungsreverse ver-
pflichten, zu allen Arbeiten gewärtig zu sein, die ihm der
Pfalzgraf auftrage, auch „soll er weder aus unsern Kunst-Bü-
chern noch Anderm, damit er umgehen und unter Hand haben
wird, für ihn oder Andere ohne unser Vorwissen nichts aus-
schreiben oder verzeichnen, vielweuiger dasselb Andern weder
sehen noch auszeichnen lassen."
Für seinen Dienst erhielt Alexander von Suchten jährlich
30 fl., 2 Hofkleider und die Naturallieferung wie andere Ilof-
bedienstete.
München. J. Baader.
AD MOULINUM DE DAGULFO SCRIPTORE
Aspicis eximia rutilans en luce, Mouline,
Scripsit et ornauit hoc Deodatus ouans,
Discipulus sacrum equiperans de more magistrum
Dagulfum, studii quem tulit altus amor ;
5 Qui seit bibliales mire proscindere campos,
Ut domini digno uerba decore micent.
Et sie multiraodis ornare coloribus illa,
Floribus ut uariis prata micare putes.
Inter cuncta quidem ueterum monimenta librorum
83
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
84
10 Precipae psalmis aurea uerba fluunt :
lUic cantatur Christi uencrabilis ortus,
lUie quae gesslt poenaque dura erucis,
Iliic ut surgens penetrauit astra polorum,
lllic per cuucta climata missa salus,
15 lUic iustorum referuntur preinia digna,
lllic quae cruciat debita poena reos,
lllic terribilis memoratur rector Olimpi,
Molliat ut hominum pectora dura pauor.
Sic suauis mitis dulcisque dicitur illic,
20 Contrita ut foneat corda salutis ope.
Illic inuenies animas sine fine beatas
Psallere laetanter iam sine fine deo.
Ergo cupis quisquis sociari cantibus illis,
Corpore dum constas, carmina sancta cane.
25 Vas satage cordis sanctis sarcire loquelis,
Spernere bis planus sibila dira mali.
Non ualet ut certat hostis superare malignus
Illum, qui hoc Carmen ludit in ore frequens.
Ast tu qui frueris ualeas sine fine libello
30 Felix et domini semper amore potens.
Aus dem vormals Peutinger gehörigen Codex Harleianus 3685
im britischen Museum f. Iv.— 2 abgeschrieben durch Hr. Dr.
Hermann Knust. Ueber den sehr fehlerhaft geschriebenen Inhalt
dieser Handschrift des 15. Jahrb. habe ich ausführlich berich-
tet in Steinmeyer's Zeitschr. für deutsches Altertbum XX, 84.
Der hier gefeierte Schreiber Dagulf dürfte derselbe sein, des-
sen für Karl den Grofsen bestimmter, kunstvoll geschmückter
Psalter sich in dem Wiener Codex 1861 (Theol. 652) erhalten
hat; vgl. KoUar, Analecta Vindobonensia I, 358; Denis, Codices
manuscripti I, DCCCCVI.
scriptat hs. v. 1. rutilantem luce moulume hs. 3 more in agrum
hs. 5 inire hs. 11 Uli hs. 12 que gaessit Jis. 14 climmata hs. 17
memoratus hs. 22 pasallere laetantur hs. 23 coetibus ? 25 loquael-
lis hs. 26 His plenu3 spernere hs. 27 ualaet hs.
Halle. E. Dümmler.
Sühne für Todtschlag.
Zu der Mainzer Urkunde vom Jahre 1406, betrefl'end die
Sühne für einen Todtschlag, welche in diesem Anzeiger 1875,
Sp. 178 abgedruckt ist, lassen sich drei Urkunden ähnlichen
Inhaltes auch aus dem 15. Jahrhundert, aus Steiermark stam-
mend, gut vergleichen. Die eine aus dem Jahre 1449, 2. Juni
(abgedruckt in den Mittheilungen des historischen Vereins für
Steiermark 1869, 18. Heft, S. 48—53) befindet sich im Origi-
nal im Archiv des Benedictinerstiftes St. Lambrecht in Ober-
steiermark und handelt von der Sühne für einen in der Nähe
dieses Klosters vorgefallenen Todtschlag ; der Thäter mufs
aufser zahlreichen anderen frommen Werken Wallfahrten nach
Maria Zell (grofser Wallfahrtsort in Obersteiermark), Rom
und Aachen unternehmen, während in jener Mainzer Urkunde
Fahrten nach Rom, nach Aachen und nach Trier festgesetzt
werden. Die zwei anderen hieher bezüglichen steirischen Ur-
kunden befinden sich in dem Formelbuche des Bürgers und
Notars Ulrich Klennecker zu Rottenmann (in Obersteier), wel-
ches gegenwärtig in der kgl. Bibliothek zu Dresden aufbe-
wahrt ist. Sie sind besprochen in der Grazer „Tagespost''
vom 1. April 1867, Beil. zu Nr. 74, und handeln von im
Jahre 1463 stattgefundenon Todtschlägen ; die Sühnungen
haben hier in ähnlicher Weise zu erfolgen, wie dort, und in
allen vier Fällen sind es Schiedsrichter, denen sich die Thäter
freiwillig unterwerfen, und die die Urtheile sprechen. — Die
Vergleichung dieser Rechtsfällo mit einander ist nicht uninte-
ressant, weil sie, obwohl aus weit entfernten Gegegenden stam-
mend, selbst his in Einzelheiten übereinstimmen, was allerdings
wieder seine Erklärung in dem stabilen und conservativen
Geiste der mittelalterlichen Rechtsanschauungen und Rechts-
formen findet.
Graz. Franz Ilwof.
Dinteurecept aus dem 15. Jahrhiiiidert.
„lucaustum non valet nee penna mihi placet. Ad facien-
dum Nigrum Incaustum Rg) *) vi vncias gallarum. ii vncias
gummi. iii vncias vitriolis Et R9 ') ad quamlibet vnciam galli.
viii vncias viui puri et optimi Postea ollam nouam et permitte
in ea stare aquam per octo dies et deinde peruerte et mitte
siccare postea recipe illa superius dicta Et contunde non
tamen in simul Sed diuisim dejnde Recipe gallas Et permitte
eas Stare in vino vsque ad diem tercium uel quartum in mor-
tarihalo'^) Deinde Recipe ollam predictam et extorque vinum
ex gallis per pannum spissum ut feces intus remaneaut Deinde
recipe illud vinum et mitte in ollam et appone alia duo et
vide diligenter quod prius bene sint contussa et tunc pone
sie ollam cum illis et vino ad ignem vt solum calefiat Et cum
velit incipere bullire tunc depone Et tempta et habebis bonum
et Optimum incaustum etc. etc. buntschuch hodern Das sint
fiifs tüch etc. 3)
Papierhs. (Mitte des 15. Jahrhs.; ohne Nummer) aus
St. Blasien, jetzt in der grofsh. Hof- u. Landesbibliothek in
Karlsruhe, Blatt 321 v.
Karlsruhe. Dr. Alfred Holder.
') Recipe. ') mortariolo. ^) Ueber das „et cetera buntschuch"
vergleiche man Schmeller IP, 391. . Dr. Fr.
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction : Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.
Verlag der literarisch -artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei ü. E. Sebalä in Nürnberg.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEÜTSCHEX VORZEIT.
1877.
JVf 3.
März.
Chronik des germanischen Museums.
Nürnberg, den 15. März 1877.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Verwaltung unseres Mu-
seums gehört die fortwährende Sorge für den Ausbau der Kar-
thause, um nach und nach die Versprechungen einzulösen, welche
bei der Uebernahme der Ruinen dem höchstseligen Könige Lud-
wig I. von Bayern gegeben worden sind, um dem Interesse zu
entsprechen, welches in weiten Kreisen diesem Theile unserer Auf-
gabe entgegengebracht wird, endlich um die für die Entwicklung
der Anstalt nöthigen Räume zu schaffen. Die Mittel zu diesen
Bauten bringt das Interesse an denselben. Wir hatten in unserm
jüngsten Jahresberichte zu erwähnen, dafs der berechnete Ge-
saramtaufwand sich noch auf 800,000 m. beläuft, die natürlich,
wenn nicht für die p>rojektierten Bauten noch ausgiebigere Hülfe
als bisher sich ergeben würde, erst in langer Frist beigebracht
werden könnten. Wir haben ja noch die Restrechnung des Augu-
stinerbaues auszugleichen, für welchen die in voriger Nummer er-
wähnte Verloosung die Mittel bringen solL Durch zu lange Ver-
zögerung des AVeiterbaues aber würde die fortschreitende Ent-
wicklung der Anstalt gehemmt.
Da wird uns nun Hülfe. Die Regierung des deutschen Rei-
ches hat der Frage ihre Aufmerksamkeit zugewandt und hat, nach-
dem sie sowohl die Nothwendigkeit rascheren Fortschreitens der
Arbeiten, als die Pläne des gesammten Ausbaues geprüft hatte,
dem Reichstag eine Vorlage zugehen lassen, wonach dem Museum
neben der jährlichen Unterstützung 120,000 m. als Baubeitrag ge-
geben werden sollen, die nach Mafsgabe des Bedarfs auf mehrere
Jahre vertheilt werden. Für das Etatjahr 1877/78 sind 24,000 m.
bestimmt, welcher Betrag nöthig ist, um die Fundamente und den
Sockel des gröfsten Theiles des Ostflügels herzustellen.
Durch diese Unterstützung, welche das deutsche Reich nach
sorgfältiger Prüfung unserm Bau zuwendet, mag für Jedermann
einerseits die wirkliche Nothwendigkeit dargelegt sein, anderseits
aber auch die Freude an Stiftungen neu belebt werden, weil jetzt
dafür Gewähr gegeben ist, dafs in würdiger Weise gebaut wird, dals
die Stiftungen einem grofsartigen Ganzen sich anschliefsen und dafs
die einzelnen gestifteten Theile nunmehr auch zu baldiger Aus-
führung gelangen werden, weil für den Kern des Bauwerkes ge-
sorgt ist. Möge deshalb, wie bei den bisherigen Bauten, jedes
Fenster, jede Thüre, jede Säule, jedes Gewölbe, kurz jeder Theil,
der sich zu besonderer Stiftung eignet, seinen Stifter finden ! Mö-
gen die an denselben angebrachten Wappen ihnen den schönsten
und stilgemäfsesten Schmuck verleihen und so das monumentale
Stammbuch, als welches jetzt schon unsere Karthause betrachtet
werden kann, der Mit- und Nachwelt zeigen, was gemeinsames
Arbeiten vermag !
Dafs das Interesse für unsere Bauthätigkeit und die Neigung
zu Stiftungen, um dieselbe zu fördern , insbesondere in den aller-
höchsten und höchsten Kreisen fortdauert, dafür ist uns aus den
Reihen der Souveraine Deutschlands ein neuer Beweis geworden.
indem Se. Durchlaucht der regierende Fürst Heinrich XIV. von
Reufs j. L. 500 m. zu solchen Zwecken bestimmt hat.
Neue Jahresbeiträge wurden seit Veröffentlichung des letz-
ten Verzeichnisses folgende angemeldet :
Von Privaten: Dresden: Abeken, Staatsminister, 10m; A.
Collenbusch, Kaufmann, 10 m.; Dr. Th. Distel, Archivar, 3 m.;
E. Giese, Professor, 5m.; H. Klofs, Kaufmann, 3m.; E. Lohse,
Rentier, 10m. Forchheim. A. Streit, Buchhändler, 2m. Fürth.
Eugen Ehrlich, Staatsanwalt, 2m.; Dr. Fronraüller, jun., prakt.
Arzt, 2m.; Jacob Meyer, Baumeister, 2m. Leipzig. Dr. v. Hahn,
Reichsoberhandelsgerichtsrath, (statt früher 3 ra.) 4 m4 Ludwig,
Advokat, (statt früher 3m.) 4m.; Adolf Mackroth, Buchhändler,
(statt früher 3 m.) 4 m.; Otto Weickert, Kaufmann, (statt früher
3ni.) 4 m.; Johann Wernz , Reichsoberhandelsgerichtsrath, 4m;
Windscheid, Geh. Rath, (statt früher 3 m. 50 pf.) 4 m. Mergent-
heim. Weber, Kameralverwalter, 2m. lUlilheim a. d. Ruhr. Lob,
Kreisrichter, 3m. Münchberg. Richard Fleilsner, Fabrikant, 2 m.
Nürnberg. Friedrich Heibig, Theatermaler, 2 m.; Dr. A. Kreitmair,
Augenarzt, 10 m.; Vocke, Bezirksgerichtsrath (statt früher 2 m.) 3m.
ünsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu:
I. Für die kunst- und kulturgeschichtlichen Samm-
lungen,
(Nr. 7754—7764.)
Leipzig. H. Altendorf, Baumeister: Aufnahme der Kirche
zu Dippoldiswalda. Frau Anna Krug, geb. Schippan : Plan von
Freiberg in Sachsen, 2 Blätter in Kupferstich von A. Schip-
pan. — Mainz. Friedr. Schneider, Dompräbendat u. Gustos:
3 Blatt Photographieen eines buntglasierten Thongefäfses nebst
einer Aquarellabbildung desselben ; 2 Blätter Photographieen eines
Schwertes. — IHondschUtz. v. Köokritz, Rittmeister a. D. : v. Kö-
kericz'sche Siegel 1308 — 1876, Lichtdrucktafel. — München. H. J.
v. Hefner-Alteneck, Direktor des bayr. Nationalmuseums: 25
verschiedene Blätter Kupferstiche und Handzeichnungen, 17. — 18.
Jahrh. — Nürnberg. Bingold, Vergoldermeister: 2 Bruchstücke
von Schnitzwerken, 17. Jahrh. Karl Daumer, Privatier: Karte der
Bergwerke zu Schlaggenwald, Handzeichnuug auf Pergament, 17.
Jahrh. Gösch el, Sohreinermeister : Geschliffenes Schnupftabak-
glas, 18. — 19. Jahrh. Ungenannter: 2 Silbermünzen, 17. Jahrh.
— Regensburg. W. Neuraann, Hauptmann a. D. : Ehrengeschenk
zum 25jährigen Juliiläum des Museums: Silberner Siegelstock des
Andreas Pergauer, 17. Jahrh. ; siebenbürgisches Messingbüchschen
mit Email, 16. Jahrh.; 222 Silbermünzen, 16.— 18. Jahrh. — Waller-
stein. Frhr. v. Löffelholz, Frstl. Domanial-Kanzleirath u. Ar-
chivar : Geschnitztes Handmangholz v. 1734.
IL Für die Bibliothek.
(Nr. 36,621—36,662.)
Augsburg. Historisch er Verein f. Schwabenu. Neuburg:
Ders., Zeitschrift: IH. Jahrg. 1.— 3. Heft. 1876. 8. — Berlin, kais.
Statist. Amt: Monatshefte etc. f. d. J. 1877, Januarheft. 4;
Dass., Statistik des deutschen Reichs; Bd. XXIII. 1877. und Bnd.
XXIV, 4. ; Vierteljahrshefte etc. f. d. Jahr 1876. IV. Jahrg. 4. H.
1877. 4. Curatorium d. d. Reichs- u. k. pr. Staats-. An-
zeigers: Deutsche Monatshefte etc. IV. Jhg. 1876, Bnd. VIII,
Heft 4. u. 6. 1876. 8. — Bern. Allgemeine geschichtfor-
schende Gesellschaft der Schweiz: Dies. Jahrbuch etc.
L Bd. 1877. 8. Dr. A. Jahn: Der Antikritiker, 1877, Nr. 4. 8.
87
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
88
- Dorpat. F. Sintenis: Ders. H. Heine. 1877. 8. — Dresden.
Statistisches Bureau der Stadt: Dass., Mittheilungen etc.
Heft IV. A. 1877. 8. Dr. Emil W. Peschel, Direktor des Kör-
ner-Museums : Das Körner-Museum in Dresden. 1876. 8. — Frank-
furt a. M. Dr. JohannesJanssen, Professor: Ders., Geschichte
des deutschen Volkes ; Bnd. I, 4. Lief. 1877. 8. — Göttingen. Die-
te rieh 'sehe Buchhandlung: Forschungen zur deutschen Geschichte
Bd. XVII, 1. 1877. 8. K. Gesellschaft der Wissenschaften:
Dies. Nachrichten etc. aus d. J. 187(5. 187ü. 8. Göttingische ge-
lehrte Anzeigen; 1876. 2 Bde. 8. — Greifswald. Dr. A. Hacker -
mann, Oberlehrer: Ders.. e. Kaiserjahr; Königin Luise. 1877. 8.
K.Universität: Dies, index scholarura etc. 1877. 4; Verzeich-
niss der Vorlesungen etc. 1877. 4. — Halle. G. Schwetschke's
Verlag: Die Natur, herausgegeben v. Müller; 1876, 4. Viertelj. 4.
Hermannstadt. Verein f. siebenbürg. Landeskunde : Ders.,
Archiv; n. F. XIII. Bnd., 3. Heft 1877. 8. — Königsberg. UnWer-
sität: Fried'tender, dissertatio de Judaeorum coloniis. 1876. 4;
Lorenz, Beiträge zur Kritik der Geschichtsschreibung über den
schmalkald. Krieg. 1876. 8. Schulz, die englische Grcgorlegende
nach dem Auchinleck-Ms. 1876. 8. Zippel, quaestionum Illyricarum
specimen. 1876. 8. u. 2 weitere akad. Schriften. — Mainz. Heck-
maiin u.^ehender: Dies. Heizung u. Ventilation. 1876. 4. —
Meiningen. G.Brückner, geh. Hofrath : Ders., hennebergisches
Urkundenbuch; VII. Teil. 1877. 4. — St. Nikolaas. Oudheids-
kundige Kring van het Land van Waas: Ders., Annalen
etc.; VL Deel, 3. Aflev. 1877. 8. — Nürnberg. R. Bergau: Pro-
fessor: Lohmayer, de Richardo I. Angliae rege, cum in Sicilia
commorante, tum in Germania detento. 1857. 8. Göschel,
Schreinermeister: Bamberger Hochstiftskalender auf d. J. 1789.
16. Ungenannter: Anzeige der zur Abhilfe der nöthigsten
Bedürfnisse unserer im Felde stehenden Soldaten eingesendeten
Beiträge. 1795 u. 96. Nebst Nachtrag 1799. 4. — Prag. Verein
f. Geschichte d. Deutschen in Böhmen: Ders., Slittheilun-
gen etc. XV. Jahrg. Nr. IH. 1877. 8. — Schwabach. Adler, Be-
zirksgeometer : Purbachii theoricae novae planetarum ab Erasmo
Reinholdo auctae. 1542. 8. Stengel, gnomonica universalis. 1679.
8. — Schwarzenberg. A. Mörath, frstl. Archivsassessor: Kutschera,
Joh. Anton Leisewitz. 1876. 8. — Strassburg. C. F. Sohmidt'a
Univers.-Buchhandl. : Reifseisen, Strafsburger Chronik v. 1667 — 1710,
hgg. V. Rud. Reuls. 1877. 8. — Terlan. (Tirol) K. Atz, Benefiziat:
Ders., d. christliche Kunst in Wort u. Bild ; 5. Lief. 8. — Tü-
bingen. II. Lau pp' sehe Buchhandlung: Theol. Quartalschrift.
58. Jhg. 4. H. u. 59. Jhg. 1. H. 1876 u. 1877. 8. — Utrecht.
Historische Genootschap: Dies. Kroniek, 31. Jaarg. 1875,
VI. Ser., 6. D. 1876. 8.; Werken etc.; nieuwo Ser. Nr. 23. 24.
1876. 8. — Würzburg. A. Stuber's Buchhandlung: Friedrich d.
Gr., ausgewählte Werke, ins Deutsche übertragen v. Merkens ;
Bnd. II., 2. Hälfte, 2. Abth. u. Bd. III, 1. Hälfte. 1875. u. 76. 8.
Schriften (kr Akadeniieen, Museen und historischen Vereine.
Archiv des Vereines für siebenbürgische Landes-
kunde. N. F. XIII. Band, 3 Heft. Herausgegeben vom Ver-
eins-Ausschufs. Hermannstadt. 8.
Skizzen zur vorrömischen Culturgeschichte der mittleren Do-
naugegenden. Mit Abbildungen. Von Carl Gools. — Die For-
schungen über die Herkunft des siebenbürgischen Sachsenvolkes in
ihrefl wesentlichsten Erscheinungen. Von Dr. K. Reii'senberger. —
Michael Conrad von Heidendorf. Eine Selbstbiographie. Mitgeth.
von Dr. Rudolf Theil. Forts. — Notizen. Berichtigung.
Mittheilungen des Vereins für Geschichte der
Deutschen in Böhmen. Redigirt von Dr. Ludw. Schlesinger.
XV. Jahrgang. Nr. III. Nebst der literarischen Beilage,
redig. v. Dr. Mathiaa Pangerl. Prag, 1877. 8.
Deutschböhmische Dorfvveisthümer. Von Dr. L. Schlesinger.
— Die Wahl Ferdinand's I. zum König von Böhmen 1526. Ur-
kundlich dargestellt von Oscar Gluth. — Uffo Hörn , Lebens-
und Literaturbild. Von K. V. Ritter von Hansgirg. (Schlul's.)
— Miscellen. — Sagen aus dem südlichen Böhmen. 8 — 11. Von
Fr. Hübler. — Vereinsangelegenheiten.
Mittheilungen der k. k. Centr al-Commission zur
Erforschung und Erhaltung der Kunst- und histori-
schen Denkmale. Neue Folge. II. Band. 4. (Schlufs-)Heft.
(Mit 2 Tafeln u. 39 in den Text gedruckten Holzschnitten.) Wien,
1876. 4.
Die Sitzung des schwäbischen Kreises, gemalt anno 1540.
Ein Gemälde der k. k. Ambraser Sammlung, beschrieben von Dr.
Ernst Edlen von Hartmann -Franzenshuld. (Mit Abbild.) — Die
Pfarrkirche Waldhausen im untern Mühlviertel (Oberösterreich).
Von Johann Gradt. (Mit Abbild.) — Grabdenkmale in Oberöster-
reich. Von Adolf W^inkler. (Mit Abbildung.) — Mittelalterliche
Städte-Befestigungsbauten in Niederösterreioh. Von Dr. Karl Lind.
(II.) (Mit Abbild.) — Notizen.
Mittheilungen der anthropologisch en Gesell Schaft
in Wien. VI. Band, Nr. 3—10. 1876. 8.
Mittheilungen über einige noch nicht beschriebene prähistori-
sche Erdwerke in Niederösterreich. Von Heinrich Grafen Wurm-
brand. — Ueber den natürlichen und künstlichen Ursprung von
Feuersteinmessern und andern Objecten aus Stein. (Mit Abbild.)
Von Dr. M. Much. — Entdeckung neuer Steinkisten in der Krym.
Von Johann Havelka in Moskau. — Dritter Bericht über die Pfahl-
bau-Forschungen im Mondsee. (1875 — 76.) (Mit Abbild.) Von
Dr. M. Much. — Tumuli in Nord- und Süd-Bulgarien. Von F. Ka-
nitz. — Zur prähistorischen Ethnologie der Balkanhalbinsel. Von
Dr. Fligier. — Eine vorgeschichtliche Ansiedelung (AVall mit Trich-
tergruben) bei Unter -Siebenbrunn im Marchfelde. (Mit Abbild.)
Von Dr. M. Much. — Urgeschichtliche Controversen. Von Dr.
Hermann Rollett. — Kleinere Nachrichten. — Literatur.
Mittheilungen des naturwissenschaftlichen Ver-
eines für Steiermark. Jahrgang 1876. (Mit 3 lithographier-
ten Tafeln.) ' Graz, 1876. 8.
Vereinsangelegenheiten. Abhandlungen.
Der Kirchenschmuck. Blätter des christlichen
Kunstvereines der Diöcese Seckau. VII. Jahrg. 1876,
Nr. 12 u. VIII. Jhg. 1877, Nr. 1—3. Graz. 8.
Der Altaraufsatz im sechzehnten Jahrhunderte. (Mit Abbild.)
— Maria Rehkogel am Fraunberge im Mürzthale. (Mit Abbild.)
— Der König der Instrumente. (Zur Geschichte der Orgel.) Von
P. Pius Strasser. — Ein Besuch in Klosterneuburg. Von B. M.
— Die Kapelle am Sekkauberge bei Leibnitz. — ,,Tabulae merao-
riales ," gewidmet dem Gedächtnisse der IV. Conseoration der
Kirche des Erzstiftes Martinsberg in Ungarn. — Alte Wegkreuze.
Die Renaissance und der Altaraufbau. — Symbolik in der christ-
lichen Kunst. — Miscellen. — Notizen. Vereinsangelegenheiten.
Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger
89
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
90
Landeskunde. XVI. Vereinsjahr, 1876. II. Heft. Redigirt
von E. Richter, k. k. Professor. Salzburg. 8.
Auszüge aus den Original- Urkunden der fürsterzbischöflichen
Consistorial-Archive zu Salzburg. (1481—1500.) Von Adam Dopp-
ler. — Launige Geschlechtsnamen aus salzburgischen ürbarien und
Steuerbüchern des 14. Jahrhunderts. Gesammalt von Dr. Zillner.
— Gesellschaftsangelegenheiten.
Forschungen zur deutschen Geschichte. Herausge-
geben von der historischen Commission bei der König-
lich Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Sieb-
zehnten Bandes erstes lieft. Göttingen, Dieterich, 1877. 8.
Urkundliche Beiträge zur Geschichte des siebenjährigen Krie-
ges. Mitgeth. von Prof. Arnold Schäfer in Bonn. — Graf Ber-
thold von llenneberg als Verweser der Mark Brandenburg. Von
Dr. J. Ileidemann. — Ueber die Entstehung des Metropolitan-
Ranges der Trierischen Kirche. Von Dr. Fr. Görres. — Vereins-
angelegenheit.
Die Wartburg. Organ des Münchener-Alterthums-
vereins. IV. Jahrgang. Zeitschrift für Kunst und Kunstgewerbe
mit Berücksichtigung der Neuzeit. IV. Jahrg. Nr. 5 — 7. 1876
— 77. 8.
Das deutsche Kunstgewerbe auf der Münchener Ausstellung
1876. IV. (Schluls.) Von K. F. — Vereinsangelegenheiten. —
Kleinere Mittheilungen etc. (Mit Abbild. : Kolbenturnierhelm aus
dem 15. Jahrb.)
Zeitschrift des Kun st-G e werbe -Verein s zu Mün-
chen. Jahrg. XXVI, Heft 9—12. München, 1876. Theodor Acker-
mann. 2.
Die deutshe Kunst- und Kunstindustrie-Ausstellung. II u. III.
Von Dr. Lichtenstein. — Vereinsangelegenheiten. Abbildungen
von Schildchen aus alten Constanzer Büchern von 1540 — 1598.
Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben
und Neuburg. Dritter Jahrgang, erstes bis drittes Heft. Augs-
burg. 1876. 8.
Beiträge zur Verfassungsgeschichte der Reichsstadt Memmin-
gen. Von Stadtbibliothekar Friedr. Dobel. — Augsburg unter
den Römern, nachgewiesen an der Hand der vorhandenen Denk-
male. Von Direktor und Prof. Dr. Rud. Schreiber. — Die Mei-
stersinger und ein Volksfest zu Donauwörth. Von Dr. Franz Lud-
wig Baumann. . — Hans Lutz und Clemens Sender. Von Biblio-
thekar Kränzler. Kleinere Mittheilungen. Von Domcapitular Grofs-
hauser in Augsburg. — Beiträge zur Verfassung und Geschichte der
Reichsstadt Donauwörth. Von Felix Stieve. — Schicksale des
Klosters Elchingen und seiner Umgebung. Von Prof. P. L. Bru-
ner. — Die Seelhäuser und die Seelgeräthe in Augsburg. Aus
dem Nachlasse von Archivar Herberger. — Die Augsburger Boten-
anstalt. Von Bibliothekar Kränzler. — Sprachliches von Prof. Dr.
A. Birlinger. — Die Urkunden des historischen Vereins für Schwa-
ben und Neuburg. Vereinsangelegenheiten.
Kunst U.Gewerbe. Wochenschrift zur Förderung
deutscher Kunst-Industrie. Herausgegeben vom Bayrischen
Gewerbemuseum zu Nürnberg. Redigirt von Dr. 0. von Schorn.
Elfter Jahrgang. Nr. 5—11. Nürnberg. 1877. 8.
Aus der deutsehen Kunst- und Kunst-Industrie-Ausstellung in
München V. (Schlufs). Mit Abbild. — Silberne Buchschliefse
aus dem 17. Jhdt. — Buchschnitt 16. Jhdt. — Reliquien -Kästchen
— Ornamentfüllung von J. Sibmacher (1590) — In Leder ge-
prefste Buchdeckelverzierungen 16. u. 17. Jahrh.) — Steigbügel.
— Die Fächer - Ausstellung im Mährischen Gewerbemuseum in
Brunn. Von Heinr. Frauberger.
Mittheilungen des Bayrischen G ev/erbemus cum s
zu Nürnberg. Beiblatt zur Wochenschrift: Kunst u. Gewerbe.
Redigirt von Dr. Otto von Schorn. IV. Jahrg. Nr. 2—6. 1877. 8.
Bekanntmachung. — Museumsangelegenheiten. — Feuilleton.
— Notizen.
Achtunddreifsigster Bericht über Bestand und
Wirken des historischen Vereins für Oberfranken zu
Bamberg im Jahre 1875. Bamberg, 1876. 8.
Vereinsangelegenheiten. — Das Verfahren vor dem Zentge-
richte zu Bamberg im XV. Jahrh. Von G. Freih. von Hörn. —
Der Zweidlerische Plan der Stadt Bamberg und deren Beschrei-
bung von Bonius. Von denis. — Wo stand der Reulsenthurm,
und woher hatte derselbe seinen Namen? Von dems. — Die
Familie Esel zu Bamberg. Von dems. — Zur Geschichte des
Gasthofs zum deutschen Haus zu Bamberg. Von dems. — Ge-
schichtliche Ergänzungen zu: Brevis notitia monasterii Ebracensis,
vom letzten Conventualen der Abtei, P. Gregor Gundermann.
Mitgeth. von Prof. B. Kilian. — Schenkungsbrief von Conrad Zol-
ner an das Kloster von St. Clara dahier. Mitgeth. von Dr. Valen-
tin Loch. — Die Grabstätte des Bamberger Bischofs Heinrich von
Schmiedefeld. Von Prof J. Metzner. — Die Bamberger Dom-Hei-
ligthümer und das hl. Kaiser-Grab. Von Reichsarchivrath Dr. Chr.
Häutle. ^
Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart.
Tübingen, 1876. 8.
CXXVII. Des dodes danz nach den Lübecker drucken von
1489 und 1496, herausgegeben von Herm. Bäthcke. — CXXVIII.
Nikolaus Muffel's beschreibung der stadt Rom, herausg. von Wilh.
Vogt. — CXXIX. Quellen zur geschichte des bauernkriegs in Ober-
schwaben, herausg. von dr. Franz Ludwig Baumann. — CXXX.
Simon Dach, herausg. von Herm. Osterley.
Korrespondenz blatt des Vereins iür Kunst und
Alterthum in Ulm und Oberschwaben. Zweiter Jahrgang,
1877. Nr. 1 und 2. Ulm, 1877. 8.
Zum Münsterjubiläum. Von G. v. Bezold. — Ausgrabung
römischer Alterthümer bei Mengen. Von Prof. Paulus. — Wie-
sensteig. Helfenstein. Pflummern. Von Bück. — Bilolveshusa
in pago Vihvesgewi. Von Baumann. — Ulmische Häuser. II. Von
Kornbeck. — Ausgehobene Sätze aus alten Aulendorfer Strafpro-
tokollen. II. Von Bück. — Riss, Rauns, Roth, Rottum. Von
Baumann. — Literatur. — Briefkasten. — Vereinsangelegenheiten.
Correspondenzblatt des G esammtvereines der
deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine. Her-
ausgegeben vom Verwaltungsausschusse des Gesammtvereines in
Darmstadt. Vierundzwanzigster Jahrgang, 1876. Nr. 10 — 12. Oc-
tober, November u. December. 4.
Angelegenheiten des Gesammtvereins. — Drei in Holstein
gefundene Gürtel. Von J. Mestorf. (M. Abbild.). — Die aretini-
schen Töpferwaarenarten und deren falsche Benennungen. Von
August Demmin. — Fränkische Skulpturen in der Mainzer Ge-
gend. Von Friedr. Schneider. (Mit Abbild.) — Der Gangbau auf
dem Brutkamp beim Kirchdorfe Albersdorf (Kreis Süder-Dithmar-
schen). Von Heinr. Handelmann. — Notizen über alterthümlicbe
Funde etc.
91
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
92
Fünfuudzwanzigster Jahrgang. 1877. Nr. 1. Januar. Bronze-
grab bei Emmerloff. Von Heinr. Handelmann. — Die ehemalige
Liebfrauenkirche zu Mainz. Geweiht 1311, zerstört 1810. Nebst
Grundril's. Ton Friedr. Schneider. — Irmindrud von Bolanden,
die Mutter des ersten Keichsschenken von Limburg. Von Dr. G.
Frhr. Schenk zu Schweinsberg. — Wirksamkeit der einzelnen
Vereine, literarische Anzeigen, Notizen etc.
Neues Lausitzisches Magazin. Im Auftrage der Ober-
lausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften heraus-
gegeben von Prof. Dr. Schönwälder , Sekretär der Gesellschaft.
52. Bd. 2. Heft. Görlitz, 1876. 8.
Wandelungen und Schicksale deutscher und wendischer Fami-
liennamen. Von C. B. Bronisch , Pastor, em. — Eine Conjectur
über den Volksnamen Wende. Von ebendems. — Die Abfassungs-
zeit der geistlichen Lieder Johann Franck's von Guben. Von
Dr. Jentsch. — Zu Saufse's Geschichte des Jungfrauenklosters und
der Klosterkirche von Guben. Von ebendems. — Die Küchenmei-
ster des Meifsnerlandes am Hofe der Wettiner und an dem der
Meifsner Bischöfe im 13. bis Anfang des 15. Jahrb. Von Medi-
cinalrath Dr. Friedr. Küchenmeister in Dresden. Mit Abbild. —
Literarisches zur Landesgeschiehte. — Miscellen. — Gesellschafts-
angelegenheiten.
Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift. 33. u. 34. Be-
richt des Vereines für dasMuseum seh I esischer Alter-
thümer. Breslau, im Januar u. Februar 1877. 8.
Vereinsangelegenheiten. — Ueber Alterthümer in Jägerndorf.
Von Spazier. — Metallgürtel aus dem 17. Jahrh. — Zur Geschichte
der Wachsbildnerei mit Belegen aus 3 Jahrhunderten (insbes. über
20 französische Medaillons um das Jahr 1570. Von Luchs. —
Ueber Polnische Wappen und Familiennamen in Schlesien. Von
Schefler. — Schlesische Steinmetzzeichen (insbes. in Schweidnitz
u. a. 0.) Von Wernicke. Mit Abbild. — Nachtrag über die Zu-
gehörigkeit der schlesischen Steinmetzen.
Schriften der physikalisch-ökonomischen Gesell-
scliaft zu Königs berg. Sechzehnter Jahrgang. 1875. Erste
und zweite Abtheilung. Königsberg. In Commission bei W. Koch.
1875. 4.
Altpreul'sische Küchenabfälle am frischen Haff. Von Prof.
Dr. G. Berendt.
Zeitschrift für Ethnologie. Organ der Berliner Ge-
sellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte,
unter Mitwirkung des Vertreters derselben, R. Virchow, herausge-
geben von A. Bastian und R. Hartmann. 8. Jahrgang, II. — V. Heft,
mit Tafel III— XX. Berlin, 1876. 8.
Prähistorische Funde in der Niederlausitz. Von Dr. Jentsch
^ Miscellen und Bücherschau. — Vereinsangelegenheiten.
Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu
Berlin. Band II, Nr. 9 u. 10; Band ÜI , Nr. 1—8. Band IV,
Nr. 1. Berlin, 1876 u. 77. 8.
Vereinsangelegenheiten.
Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg.
Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alter-
thuraskunde des Herzogthums und Erzstifts Magde-
burg. 11. Jahrg. 1876. 4. Heft. Mit 1 lithogr. Tafel. Magde-
burg, 1876. 8.
Die wallonische Gemeinde vor ihrer Einwanderung nach Mag-
deburg. Vom Prediger Tollin. — Wanderungen durch das Sülze-
thal. Von F. Winter. — Miscellen. (Heinrich, Dom-Custos, und
Th. Stengel). — Literatur. — Vereins-Chronik, etc.
Göttingische gelehrte Anzeigen. Unter der Auf-
sicht der königl. Gesellschaft der Wissenschaften.
Erster und zweiter Band auf das Jahr 1876. Göttingen. Verlag
der Dieterich'schen Buchhandlung. 8.
Nachrichten von der K. Gesellschaft der Wissen-
schaften und der Georg-Augusts-Universität aus dem
Jahre 1876. Göttingen. In Commission der Dietericli'scheu Buch-
handlung. 1876. 8.
Mittheilungen aus dem Göttinger anthropologi-
schen Vereine. Im Auftrag des Vereines herausgegeben von
Dr. Herrn. V. Ihering. Erstes Heft. Leipzig u. Heidelberg. 1874. 8.
Ueber den Ursprung der Kenntnifs und Bearbeitung des Er-
zes oder der Bronze in Europa. Von Prof. Dr. Friedr. Wilh.
Unger.
Jahrbuch für Schweizerische Geschichte herausg.
auf Veranstaltung der allgemeinen geschichtforschen-
den Gesellschaft der Schweiz. Erster Band. Neue Folge
des Archivs für schweizerische Geschichte. Zürich. S. Höhr.
1877. 8.
Der Gottesfreund im Oberland. Von Prof. Dr. A. Lütolf —
Etterlin's Chronik der Eidgenossenschaft, nach ihren Quellen un-
tersucht. Von Dr. A. Bernoulli in Basel. Nachträge dazu. —
Die französischen und lombardischen Geldwucherer des Mittel-
alters, namentlich in der Schweiz. Von J. J. Amiet, Staatsschrei-
ber in Solothurn. I. — Vereinsangelegenheiten.
Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons.
Glarus. Dreizehntes Heft. Zürich und Glarus. Meyer u. Zeller.
1877. 8.
Vereinsangelegenheiten. — Das Leben und Wirken Glareans.
(Schlufs.) Von Decan Freuler. -- Urkundensamnilung zur Ge-
schichte des Kantons Glarus (Foi'ts.).
Annales du cercle archeologique duPays de Waes.
Tome sixieme. Troisierae Livraison. Fevrier 1877. Sint-Nico-
laas. 8.
Vereinsangelegenheiten. — De Waassche Primussen der Hoo-
geschool van Leuven, dor L. Billiet. — Notice sur le Landhuis
ou maison dite du Pays de Waes, par J. Geerts. (Mit Abbild.)
— Geschiedkundige Mengelingen door A. de Maere-Limnander
Oud vlaamsche leenen, gelegen binnen den van Waas. Vervolg.
Kroniek van het historisch Genootschap, gevestigd
te Utrecht. Een en dertigste Jaargang, 1875. Zesde Serie. Zesde
Deel. Utrecht, Kemink eu Zoon. 1876. 8.
Rapport der Geheime Staatscommissie, nopens de toekomstige
inrigting en huishouding van den Staat. Medeg. door Mr. G.
W. Vreede. — Bydragen tot het Charterboek van Drenthe. Medeg.
door Mr. L. Oldenhuis Gratama. — Bewys van betaling van zoen-
geld voor en Doodslag, van 1541. Medeg. door Mr. L. Oldenhuis
Gratama. — Brieven van den Heer J. C. Martens, Gcdeputerde
van wege Utrecht ter Vergad. der Stat. Gen. Jan. cn Febr. 1746.
Medeg. door Jhr. Mr. J. L. A. Martens. — Advies van het Ka-
pittel van St. Marie te Utrecht, op. een rekwest van de Regee-
ring van IJsselstein, om zekere belasting te mögen helfen. — Re-
glement voor de predicanten in het leger. (Msta Acta der Prov.
Synode van Utrecht, 1692; Art. 38). — Contract tusschen Elias
Trip en Diderik van Valkenburgh, over de levering van wapenen
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
94
aan Gustav Adolf, 17. Mei 1629. Journaal van Splinter Helmich,
soldaat en later Hopman in dienst van den Land, van 1572 tot
1589. Medeg. door R. Fruin. Project eener Hollandische Kolo-
nie tusschen Moezel en Kyn. (Mit Abbild.) De Magistraatsbe-
stelling Utrecht onder de Republiek. — Bijlagen bij eene Neder-
duitsehe Kroniek van Gelderland. Uit het Archief van Hilten. —
Johannes Arnoldus Corvinus. I. J. D.' Nepweu. — Reinoud III.
van Brederode. Mr. B. J. L. de Geer van lutfaas. — Brieven
van Prins Maurits. Medeg. door H. De Jager. — Tolrecht te
Utrecht, uit den tijd van Fred, van Weselinckhoven. Naar een
HS. op het Rijks- archief, medeg. door den Heer J. G. Frederiks.
— Brieven, van Prins Willem V. 18. Jan. 1786—1. Jan. 1793. —
Historische aanteekeningen 1672, — Prinselijke opvoeding.
Werken van het Histor. Genootschap, gevestigd te
Utrecht. Nieuwe Serie Nr. 23. Journal van Constantijn Huygens
den zoon, van 21 October 1688 tot 2 Sept. 1696 (Handschrift van
den Koninklijke Akademie van Wetenschappen te Amsterdam).
Eerste Deel. Nr. 24. De Rekeningen der Grafelijkheid van Hol-
land onder het Henegouwsche Huis , uitgegeven door Dr. H. G.
Hamaker. Tweede Deel. Utrecht, Kemink en Zoon. 1876. 8.
Bidrag tili kännedom af Finlands natur och folk,
utgifna afFinska Vetenskaps-Societeten. Tjugondefjerde
Haftet. Mit Profilkarten. Helsingfors. 1875. 8.
Handlingar rörande politisca sinnesstämningen i Finland. Aren
1748—50.
Literatur.
Neu erschienene Werke.
2) Etüde sur le triptique d'Albert Durer, dit le tab-
leau d'autel de Heller par Charles Ephrussi. Avec 25
gravures tirees hors texte. Nürnberg, S. Soldan. 1877.
4. 49 Stn.
Dem Interesse, welches die Franzosen seit einer Reihe von
Jahrzehnten der älteren deutschen Kunst zuwenden, verdanken
wir die Veröfl'entliohung so manches schönen Denkmales, das viel-
leicht noch lange nicht zum Gemeingut geworden wäre, wenn auch,
angeregt durch die Franzosen, die deutsche Literatur — oder viel-
mehr das deutsche Verlagsgeschäft, denn Veröffentlichungen dieser
Art hängen fast ausschliefslich von finanziellen Fragen ab — in
jüngster Zeit uns manches nahe gebracht. Die jüngsten Ereig-
nisse haben an diesem Interesse nichts geändert. So hat uns
wiederum die französische Literatur in dem oben angezeigten
Büchlein, von welchem der deutsche Verleger eine Partie zum
Verkaufe für Deutschland übernommen, in mustergiltiger Weise
eines der hervorragendsten Werke deutscher Kunst erschlossen
und dessen Verständnifs vermittelt.
Das fragliche Gemälde wurde von dem Frankfurter Bürger
Jacob Heller bei A. Dürer im Jahre 1507 bestellt und es ist die
weitgehende, keineswegs in idealen Sphären sich bewegende Cor-
respondenz des Meisters über dasselbe erhalten. Der Künstler
hat eine Reihe von Studien zu dem Bilde gemacht, von denen die
Mehrzahl glücklicher Weise auch noch erhalten , wenn auch in
verschiedenen Sammlungen zerstreut ist. Wir erfahren aus Dürer's
Briefen, dafs er das Gemälde ohne Zulassung irgend einer frem-
den Hand in 15 Monaten, vom April 1508 bis August 1509 fer-
tigte, dass die Flügel dazu aber von seinen Schülern gemalt sind.
Um so bedauerlicher ist es, dafs nur letztere im Original erhalten
sind, während des Meisters eigenes Werk, durch eine Copie von
Juvenel ersetzt, in den Besitz des kunstliebenden bayerischen
Fürstenhauses übergegangen, im Jahre 1674 in München verbrannte.
Die Copie und die Studien lassen uns jedoch das Werk noch er-
kennen und beurtheilen. Das Bild hatte natürlich längst die
Kunstforscher lebhaft beschäftigt; die Studien waren bekannt, der
Briefwechsel war veröffentlicht; aber alles war zerstreut. Unter
Nachweis dreier seither übersehener Studien hat nun der Verfasser
das gesaramte Material zu einem handlichen Buche vereinigt, wel-
ches in künstlerisch nach Art des 16. Jahrh. hergestelltem Drucke,
die Studien alle in Lichtdruck, also den Originalen unbedingt
treu nachgebildet, es für das Studium überflüssig macht, irgend
andere Werke nachzuschlagen, und das in seiner angenehmen
äufseren Erscheinung geeignet ist, auch jenen, welche nicht, durch
den Ernst des Studiums gestählt, sich durch eine ganze Literatur
durcharbeiten wollen, den Genufs des Kunstwerkes zu vermitteln,
das Verständnifs des Meisters zu erleichtern und einen Blick in
die Art seines Schaffens , ja seines ganzen Wesens zu geben.
Möchte die deutsche Literatur recht viele ähnliche Werke her-
vorbringen ! A. E.
Vermischte Naclirichten.
32) Die Wiener neue freie Presse theilt unter dem 12 A. M.
mit, dai's der Kaiser dem aulserordentlichen Professor der Grazer
Universität, Dr. Fr. Piehler, zur Vornahme von Ausgrabungen im
Gebiete der Römerstädte Flavium Solvense, Celeia, Poetovia, Viru-
num und Teurnia eine Subvention von 500 fl. bewilligt hat.
33) Man schreibt der Augsburger Postzeitung aus Regensburg
vom 16. Februar : „Unsere alte ehi-würdige Donaubrücke, welche als
deutsches Wahrzeichen nun schon 732 Jahre steht, soll in diesem
Jahre auch modernisiert werden. Nach einem Ausschreiben des
k. Stralsen- und Flufsbauamtes wird bereits Submission angenom-
men auf Lieferung der Granithausteine zur Ausführung von Trot-
toirs und Brüstungen. Möge dadurch der ungemein rege Verkehr
auf dieser Brücke einige Erleichterung finden ! Unsere Stadt ist
durch die Donau und den Bahnhof so eingezwängt, dafs sie nur
nach Osten und Westen sich ausdehnen kann." Möge — fügen wir
hinzu — am alterthümlichen Charakter der Brücke nicht mehr ge-
rüttelt werden, als unbedingt nöthig ist!
34) Zu den Berichten über Restaurationsarbeiten wichtiger
Baudenkmale im vergangenen Jahre haben wir nach dem Archiv
für kirchliche Kunst und Kirchenschmuck nachzuholen, dafs am
Reformationsfeste (5. November) die St. Maria -Magdalenenkirche
zu Neustadt-Eberswalde, welche auf das würdige Alter von circa
630 Jahren zurückblicken kann , dem Gottesdienste wieder über-
geben wurde, nachdem sie der Bauten wegen 2 Jahre geschlossen
war. Die Kosten waren durch ein Geschenk von 18,000 m. des
Kaisers, einen Beitrag von 45,000 ni. von Seiten der Gemeinde
und circa 33,000 m. gesammelte Liebesgaben gedeckt worden.
35) Der bereits unter Friedrich Wilhelm IV. geplante Um-
und Ausbau der Schlofskirche zu Wittenberg, damals auf SüO.OOO
Mark veranschlagt, scheint jetzt, da der Zahn der Zeit an dem
Gebäude arg genagt und eine durchgreifende Reparatur noth-
wendig geworden ist , wieder aufgenommen werden zu sollen.
95
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
96
Dabei ist der Ausbau des nördlichen der beiden runden Thürme
der jetzigen Citadelle für die Kirche in's Auge gefal'st. Vollendet
war die Kirche im 1499 worden, wurde aber bei einem Bombarde-
ment am 13. Oct. 1760 fast gänzlieh zerstört, 1770 wieder aufge-
baut. In den Jahren 1813 und 1814 litt sie wieder bedeutenden
Schaden und wurde darauf nur flüchtig repariert. Im Jahr 1858
stiftete Friedrich Wilhelm IV. die mit den 95 Thesen Luthers ge-
schmückte Erzthüre, nachdem die alte 1760 verbrannt war.
(.\rchiv f. kirchl. Baukunst und Kirchenschmuck.)
36) In der Comitesitzung der Gesellschaft für Erhaltung der
historischen Denkmale des Elsafs vom 18. Dec. v. J. wurde bekannt
gegeben, dal's die Summe, welche die Landesverwaltung für nö-
thige Herstellungen des Schlosses Hohen -Königsburg angewiesen,
auf 3827 m. 76 pf erhöht worden, sowie dafs die Restauration der
80 hochinteressanten Margarethenkapelle zu Epfing beendet sei.
Der gräfl. Familie v. Türkheim wurde Dank für die Sorgfalt und
für die Opfer ausgesj^rochen, welche sie der Erhaltung des Schlos-
ses Hohenlandsberg widmet. Die Restauration der zwei interes-
santen „Custodes" (Sakramentshäuschen V Wandschrank "?) zu Cer-
nay und Thann wird nur geringen Aufwand erfordern und ist ge-
sichert, ebenso jene der Banwarthütte zu Thann.
In der Sitzung vom 15. Januar wurde über die Restauration
der Kirchen St. Georg und St. Fides zu Schlettstadt und der
Schlofskirche zu Zabern Bericht erstattet und ganz besonders die
intelligente Leitung der Arbeiten belobt.
Unter dem Boden der Krypte von St. Fides zu Schlettstadt
wurde ein interessanter älterer Fufsboden aufgefunden.
In der Sitzung vom 5. Februar wurde ein Einschreiten zu
Gunsten des romanischen Glockenthurms der durch Einreil'sung
bedrohten Friedhofkirche zu Bolsenheim beschlossen.
37J Die Wiener Zeitung meldet, dafs seit dem 14. Januar 1. J.
im k. k. österr. Museum f. Kunst und Industrie die grol'se Samm-
lung von Aquarellcopicen ausgestellt ist, welche die k. k. Centr.-
Com. f Kunst- und bist. Denkmäler durch die Herren Ad. Becker
und C. Nordio nach den Wandgemälden des Schlosses Runkelstein
hat fertigen lassen. Eine Würdigung der interessanten Gemälde,
die aus der trefflichen Copie weit besser beurtheilt werden können,
als aus der darüber vor einigen Jahrzehnten erfolgten Publikation,
ist hier nicht am Platze. Das Interesse für dieselben ist durch die
Copieen aufs Neue in weiten Kreisen angeregt worden. Es ist
bekannt, dafs das Schlofs seit Jahrhunderten vernachlässigt ist;
es ist Thatsache, dafs die Gefahr für den reichen Schatz, der in
den Wandgemälden der Burg niedergelegt ist, sich stets vergrö-
l'serte. Man war jedoch über deren Schicksal durch die in letzter
Zeit bethätigte P'ürsorge der österr. Staatsregierung beruhigt
worden. Leider erfahren wir aber bei dieser Gelegenheit, dafs
alle Fürsorge vergebens ist, dafs das Schlofs und mit ihm die
Gemälde sicherem Untergang entgegengehen müssen, weil der
Fels, auf welchem das Schlofs steht, zerbröckelt und verwittert,
dafs vielleicht sogar in kurzer Zeit das ganze Schlofs zusammen-
stürzen mufs. An eine gründliche Rettung könnte nur gedacht
werden, wenn die enormen Summen aufgebracht werden könnten,
welche eine gänzliche Untermauerung des Felsens erfordert. Wenn
nun auch durch die trefflichen Copieen das Andenken an diese
Schätze der Nachwelt gesichert ist, so glauben wir doch, dafs man
es nicht wieder darauf ankommen lassen sollte, dafs ganze Stücke
der Mauer mit ihren Wandgemälden sammt den Felsen , worauf
sie stehen in den Abgrund stürzen, sondern, dafs man versuchen
sollte, wenn das Schlofs nicht zu retten ist, die Wandgemälde ab-
zunehmen und auf diese Weise im Original zu erhalten.
38) Die Nr. 11 der Saxonia meldet, dafs der Hausbesitzer
Zimmermann in Klein -Bobritsch bei Freiberg beim Ausgraben
eines sog. „Steinrückens" ein Gefäfs mit ca. 50 Bracteaten gefun-
den habe. Das alterthümliche Gefäfs sei in Folge von Aberglau-
ben zerstört worden. Nähere Angaben über die Bracteaten sind
in der Mittheilung nicht enthalten.
39) Das Programm der Preisausschreibungen der Gesellschaft
für Ermunterung der Wissenschaften, Literatur und Kunst zu
Dünkirchen enthielt unter andern folgende historische Aufgaben :
Die Geschichte der Entsumpfung des Arrondissements Dünkirchen,
dann eine Studie über das Leben und die Arbeiten des zu Dün-
kirchen 1803 geborenen Charles Coquelin, endlich Literatur und
Kunst von Seeflandern seit der Vereinigung mit Flandern. Preise:
Goldene Medaille von 300 frcs. Werth. Einsendungstermin : 3. Oc-
tober 1877.
40) In den jüngsten Sitzungen der philos.-bistor. Classe der
k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien legte Herr F. Kalten-
brunncr, z. Z. in Berlin, eine Abhandlung vor über „ein Fragment
eines Formelbuches König Rudolfs I. ," Prof Dr. Bischoff in Graz
eine solche übef „das älteste Olmützer Stadtbuch", Herr Dr. Gu-
stav Winter über „Urkundliche Beiträge zur Rechtsgeschichte
ober- und niederösterreichischer Städte, Märkte und Dörfer vom
12. bis 15. Jahrb.," Prof. Dr. Gindely in Prag „Berichte über die
Schlacht auf dem weifsen Berge," Ferd. Tadra daselbst über
den „Feldzug Bethlem Gabors gegen Kaiser Ferdinand II. im
Jahre 1623," Privatdocent Dr. Cech in Berlin eine Abhandlung
„zur Würdigung des Atomistikers Ruggiero Boscowich," Dr. E. Müh-
lenbacher, Chorherr von St. Florian, „über die Datierung der Ur-
kunden Lothar's I.," Prof. Werner, über die „Sprachlogik des Jo-
hannes Duns Scotus."
41) Die Kunsthandlung von H. G. Gutekunst zu Stuttgart
versteigert, am 9. April d. J. beginnend, eine reichhaltige Samm-
lung von Ornamentstichen des 15. — 18. Jahrh. Der Katalog um-
fafst 2729 Nummern, meist grol'se Folgen, so dafs etwa 18—20,000
Einzelblätter, darunter die seltensten Stücke, unter den Hammer
kommen.
42) Von dem in reichem Farbendrucke ausgeführten schwedi-
schen Wappenbuche, herausgegeben von A. W. Stjernstedt und
C. A. Klinspor, Verlag von Fr. G. Beyer in Stockholm, stehen
die bis jetzt erschienenen Theile (Grafen 112, Freiherren 403,
Adelige 1044, zusammen 1559 Wappen) für 150 Mark zum Ver-
kaufe. Auskunft durch die Redaktion d. Bl.
Verantwortliche Redaction : Dr. A. Essen wein. Dr. G. K. Frommann.
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei ü. E. Sebald in Nürnberg.
Nürnberg;. Daa Abonnement dea Blat-
tes, welches alle Monate erBcheint, wird
ganzjährig angenommen xuxd beträgt nach
derneueaten Poatconvention bei allen Post-
ämtern und Buchhandlungen Deutschlands
incl. Oesterreicha 3fi. 36kr. im 24 fl.-FuIs
oder 6 M.
Für Frankreich abonniert man m
Paria bei der deutschen Buchhandlung von
F. Klinckaieck, Nr. 11 nie de Lille; für
MZEIdER
FllR mu DER
Nene Folge.
England bei WilliamB & Norgate, 14 Heu -
rietta-Street Covent - Garden in London ;
für Nord-Amerika bei den PoBtämtem Bre-
men und Hamburg.
Alle für das german. Museum be-
stimmten Sendungen auf dem Wege dea
Buchhandels werden durch den Commis-
alonär der literar.-artist. Anstalt dea Mu*
seums, F.A. Brockhaus in Leipzig, be-
fördert.
Yierundzwanzigster Jalirgang.
1877.
ORGAN DES GERMAMSCHEX MüSErMS.
JVf 4.
April.
Wissenschaftliche Mitth«iluDgen.
Urkundliche Beiträge zur Künstlergeschichte
Schlesiens.
II. Görlitz. 3. Maurer, Steinmetzen, Baumeister.
(Zweiter Theil. *)
Veit Lempeck. 1487 — 1494. In der oben angeführten
Urliunde von 1487 heifst er Vitus Lentpegk. 1493. dornstag
n. Reminisc. (7. März) Recognicio Veit Lempeck steynmeczen
gegeben. Wir Bürgermeister und Rathmanne von Görlitz be-
kennen, dafs die vorsichtigen Conrad Pfluger unser Werkmei-
ster und Matthias Bottener unser Mitbürger ,,\-fi" heute vor
uns an rathes stat vorczalt haben : Veith Lehmpeg czeiger disz
brives, mit derbalben die gesellen der steynmeczen bey vnd
neben im nicht stehen noch arbeten wulden, sulde angeczogen
und besagt sein vnd haben doruff bekant . . , das sie von ge-
meltem V. Leympig nicht anders denn das er erlich vnd from-
lich ist wissen wolden, im auch gerne als einen andern fromen
gesellen ires hantwerks in(en) zu arbeten vergönnen" etc.
(Lib. missiv. 1491—96).
1494 folgte der Künstler einem Rufe als Baumeister nach
Weifsenkirch in Oesterreich. Der Görlitzer Magistrat stellte
ihm bei seinem Abschiede folgendes Attest aus. „Kundschaft
V. Lempeck dem Steinmetzen gegeben, der Nie. Hofmanns
Tochter zur Ehe hat. Den ehrsamen, weisen Richter, Rath
und Gemeinde des Markts Weifsenkirchen im Lande zu Oester-
reich etc. entbieten wir — unsern freundlichen dienst zuvor.
*) Vgl. Anzeiger, 1876, Nr. 12, Sp. 360 ff.
Da uns V. Lempeck angezeigt, dafs Ihr ihn zu Euerm Bau-
meister erwählt habt, und begehrt seinen Abschied zu erhal-
ten, bekennen wir hiermit, dafs er sich einige Zeit und bisher
als Steinmetz aufgehalten und mit seiner Frau Margarethe,
die bei uns von redlichen und frommen Eltern in der Ehe er-
zeugt ist, ehrlich und fromm aufgeführt hat, wofür wir ihm
danken, und nur Gutes von ihm wissen ; und wenn es ihm ge-
nehm gewesen, hätten wir ihn wohl noch länger bei uns be-
halten. Da er es aber vorzieht, bei Euch seinen Aufenthalt
zu nehmen, ersuchen wir Euch, ihm Gunst und Förderung zu
erzeigen, und sind beflissen es um Euch zu verdienen. Sonn-
abend n. Jakobi Ap." (26. Juli). (Ebendas.)
Conrad Pfluger. 1488—1504. Auf diesen Meister
habe ich bereits bei Olmützer hinzuweisen Gelegenheit gehabt.
Aus dem Folgenden und den schon angeführten urkundlichen
Erwähnungen wird hervorgehen, dafs er ein ebenso geschickter
und gesuchter Künstler wie ein händelsüchtiger Störenfried ge-
wesen, den schliefslich ein Excefs gröbster Art in Görlitz un-
möglich machte. Sein Hauptwerk daselbst ist die Vollendung
des Neubaues der Petrikirche, woran aufser ihm noch die Ar-
chitekten Blasius Börer und Urban Lubanisch thätig
waren ; über den ganzen Bau ist das Nähere in den Script,
rer. Lusat. IL angegeben. Die Kirche wurde nach der bei
Büsching, Alterthümer v. G., S. 75 abgedruckten Inschrift 1497
fertig, nachdem 1423 der Grund gelegt war. Sein Name er-
scheint zunächst in den Rr. 1488 dom. p. omn. sctorum (2.
Nov.) „meister Conrad dem wergmeister gegeben 3 Schk. X^
99
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
100
Gr." Ebendaselbst wird noch Erwähnung gethan eines ,,Un-
terbaumeisters'' Forster: item Forstern dem vndern bawbe-
meister geg. mittw. n. Lucie (17. Dec.) 9 mrc. ad racionem;
im sint auch vormols wurden 6 m. 12 gr. — Freit, n. Innoc.
(2. Jan. 1489) 9 M. ; ist domit ganz vorgnuget bysz Ostern
nehstkunftig, so hebt sich sein dinst wider an ; item am obind
assumpc. Mar. (14. Aug.) vff sein lohn 3 Mr. — 1489. dem
wergmeister sein lohn: item sofi. vor omn. sct. (31. Oct.) m.
Conrad dem wergmeister gegeben eyn gancz iargelt, vnd ist
domit vorgenuget bisz vff diszen heutigen tag ; sofi. n. cruc.
exalt. (19. Sept.) m. Conrad dem w. gegeben 7 Seh.
In den Rathsrechnungen dieses Jahres finden sich noch
folgende Eintragungen: 26. Juli, meister Herten Prawn
(mir weiter nicht bekannt) 10 Flor. ungr. — 2. Aug. des ko-
niges bawmeister vorczert 1 Seh. 21 Gr. (ist dies etwa der
bei Olmützer erwähnte Benesch v. Laun gewesen ?) — Der
Unterbaumeister von vorhin erhielt 14. Nov. 6 M., 21. Febr.
4 M., 11. April 4 Seh., 15. Aug. ebensoviel.
Um 1496 bat sich Konrad Pflugern der Kurfürst Fried-
rich der Weise vom Görlitzer Magistrate zu einem nicht näher
bezeichneten Baue aus. Der Rath antwortete auf dieses Er-
suchen am 24. Sept. an den Kurfürsten und seineu Bruder
Johann bejahend. Die bezüglichen Worte dieses Schreibens
lauten wie folgt : „Wiewohl wir in unserer Pfarrkirche zu St. Pe-
ter einen trefflichen, grofsen Bau haben, der uns etwas Merk-
liches und viel gekostet und noch bis zur Yollführung kosten
wird, wie Meister Konrad wohl hewufst ist, und solcher Bau,
soweit wir davon unterrichtet sind, seine Abwesenheit kaum
zuläfst, wollen wir dem Meister doch erlauben, dafs er, wie
Ew. fürstliche Gnaden begehren, von einem Bau zu dem
andern ab- und zuziehe, und durch seine Angaben, falls
er nicht gegenwertig sein sollte, auch unsern Bau nothdürftig
versorge." Es folgt noch die Bitte, den Meister anzuhalten,
zur Vermeidung von Nachtheilen seinen Verpflichtungen in
Görlitz nachzukommen. (Lib. missiv.)
Ueber den bereits berührten Excefs des Meisters und ein
Gesuch um Rehabilitation werden wir durch 2 Urkunden der-
selben Quelle unterrichtet.
1498. 5. Oct. An hern Johanszen bisschoven zu Me3-ssen.
Erwürdiger in got vater etc. So vns ew. gnaden vff an-
suchen meister Conrad Pflugers geschriben hat vnd im vnser
freyword (?) gelöst zugehn vnd zuzeschicken begeret mit weiter
ew. gnaden meynung, haben wir von e. gn. demutiglichen vff-
genomen vnd vorstanden ; vnd wiewol wir allezeit willen
sein e. gn. beheglich dinst zuerczeigen, dennoch dieweil ge-
melter m. Cunrad einen frevel, desgleichen wir nicht erfaren,
— nicht leserliches Wort, wol „begangen", — deszhalben men-
uiglich bey vns grosz myssefallen tregt, wil vns not sein etc.
vnser antwort vnd meynung dorvff zu erkennen zu geben etc.
Datum quinta aü. Michaelis.
1498. 20. Oct. Dieselbe Ueberschrift und Anrede.
„Ew. gnaden schreiben in Sachen, so sich zwischen dem
ersamen Niclas Geringe vnserm ratesfrunde vnd meister Cun-
rad Pflugern halden, haben wir vnsern nesten Schriften noch
an vnsere eldsten vnd radesfrunde, so sie nu wider herzu-
kommen, gelangen lassen — Nachdem gemelter meister C.
etzliche bew bey vns vffgericht vnd vorsorget hat, wolden wir
vns auch ye gerne also gen in erzeigen, das er vns vndang-
samkeit nicht zumessen dorfte. Dieweil er aber vber gen.
N. G. — , vnangesehen das er im mit fruntschaft verwandt
vnd mit seinem pferde bey im zur herbrige gestanden, in sei-
nen vier pfelen vnd hawse ein mörtlich gewere gezogen vnd
in in seinen armen vnd ins heupt vnd angesicht vorwundt
hat, also das er in, wo er im nicht seinen armen vor seiner
brvst getroffen, durchstochen gehabt hette etc., wil vns nicht
fügen in wider hirein zugeleiten, dat. vig. XI. M. V."
Man befürchtete eine Wiederholung des Streites und
wünschte einen Bevollmächtigten des Meisters, der seine Ange-
legenheiten regeln sollte. Am Rande dieses Briefes ist übri-
gens vermerkt, dieser Brief sei nicht abgegangen, da keine
Antwort gefordert.
Den Künstler treffen wir noch 1504 in Meifsen. Wo er
dort gebaut haben mag , vermochte ich bislang nicht in Er-
fahrung zu bringen.*) In diesem Jahre richteten die Görlitzer
folgendes Schreiben an ihn.
„An meister Cunrad Pflugern wergmeistern zu Meissen.
Vnsern etc. zuvor. Vorsichtiger guter frund. Nie. Ge-
ring lewft vns teglich an vnd beclaget sich seiner armuth vnd
anliggender noth vnd begeret, das er von den 200 marcken
so vff dem hawse verschrieben sein, möchte versorget werden.
So denn ir von wegen ewrcr tochter vnd irer kynder euch
sulchs geldes anmost, müget ir euch vffs förderlichste, als
füglich gescheen mag, zu vns hirein verfugen, domit derhalben
ein entliche richtung gemacht vnd wir sulchs anlauffens von
gen. N. G. Vortrag haben möchten. Dat. 2 a p. Letare (18.
März) 1504."
Blasius Tewfel. Dieser Steinmetz verfertigt 1488
selbander den steinernen Röhrkasten an der Neifsegasse vor
Paul Eylenbergs Hause und erhält zuletzt 3 Schll. Trinkgeld.
(Script, r. L. II, 360.)
Blasius Börer. 1489 — 1503. Die Ueberlieferung nennt
ihn übereinstimmend den Erbauer der h. Grabeskapelle in Gör-
litz, einer getreuen Nachahmung des gleichnamigen Gebäudes
in Jerusalem, welche der reiche Georg Emerich auf Grund
von Zeichnungen und Messungen daselbst hatte errichten las-
sen. Mir ist eine auf die Thätigkeit des obigen Werkmeisters
bezügliche Urkunde nicht begegnet. Nach Büsching a. a. 0.,
S. 56 ff. stammte Börer aus Leipzig und vollendete den Bau
1489. Der Künstler war verheiratet mit Agnes, Tochter des
t Daniel Thyme aus Freistadt, 1499. f. 6. p. 3 reg. (12. Jan.)
*) War er etwa der Nachfolger des Baumeisters Arnold von
Westfalen am Baue des Schlosses zu Meifsen geworden V Vgl. E.
Förster, Gesch. der deutsch. Kunst II, 12.
101
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
102
(Lib. iniss.) — 1501 wird er erwähnt als Vormund der Ursula
Döring, Frau des Paul D., wahrscheinlich des Steinmetzen die-
ses Namens, der bei Olmützer vorkam. (Lib. iud. fol. 241 b.)
— 1502. die Mauric. (22. Sept.) bekennt der Görlitzer Magi-
strat in einem Briefe an die Stadt Zittau, dafs der ehrsame
Blasius Börer, städtischer Werkmeister, den Steinmetzen
Lorenz zu Zittau ermächtigt habe, seine Ansprüche gegen-
über Georg Canitz, wo er ihm immer beikommen möge, gel-
tend zu machen. (Lib. miss. 1502 — 1505.) In demselben
Jahre am Abend Aller Gottesbeiligen (31. Oct.) schreibt Bö-
rer selbst an G. Canitz folgeudermafsen ; „Meinen fruntlichen
dinst zuvor. Lieber George Canicz, gutter frund. Ewer schrei-
ben iczund hey kegenwertigem boten der burgenschaft halben,
so ich neben den andern gutten frunden gen dem rate vor
euch getan vnd das noch euch zu vorstehn geben wolde, ap
vns der rat auch dorvmb angeczogen habe, euch wuszet dor-
nach zu richten, habe ich gutlich verstanden vnd gebe euch
doruff zu erkennen — , dieweile ir nichtes vngeborlichs der
burgenschaft entkegen anphoen wurdet, das sich der rat alles
Schadens an vns erholen wolde. Dorvmb ist mein vnd der
andern bürgen aller fruntliche bethe, wollet betrachten vnd zu
herczen nehmen, was wir gen euch getan haben vnd wes wir
dem rat vnd gemeiner stadt domit vorhafft sein , vff das wir
mit euch, dermasze wo ir etwas vngeborlichs furnemet, zu fei--
nerem schaden nicht komen dorfften, wollen wir fruntlich vor-
dinen." (Ebendas.)
1503. f. 3. p. Let. (28. März). Nachdem seine Frau Ag-
nes ihm ihr Eigenthum vermacht, hat er ihr wieder vermacht
200 Mark zuvor und gleichen Kindestheil, falls sie Nachkommen
haben würden, wo nicht, das Haus in der Neifsegasse und dazu
300 Mark in allen seinen Gütern. (Lib. iud. 292 a.)
Matis. 1501 ist Anna, die Frau des Maurers, bevormun-
det von Hans Eschenloer. (Ebendas. f. 243 a.)
Albrecht, Steinmetz und Werkmeister *). 1510 beginnt
er mit dem Stadtzimmermeister Job st den Bau des Raths-
thurmes. (Script. III, 138.) Letzterer ist gewifs identisch mit
dem Röhrmeister Jost Möller, dem der Rath 1505 einen Macht-
hrief, hetreffend eine Forderung an einen Laubaner Bürger,
ausstellt. (Lib. miss.)
Jörg Garbe meurer von der deutschen Byle (Bielau b.
G.) wird 1517 Bürger. 3 soll. (C. C)
Peter von Pirna, Werkmeister des Herzogs Johann von
Dresden, gibt 1512 Anordnungen über den Fortbau des Raths-
Ihurraes, der gefährliche Risse bekommen hatte. (Script. III,
268.) 1513 wird die Spitze aufgesetzt. (Ebend. 410.)
*) Es ist gewils dieselbe Person wie Ulbricht .Stiglitzer, des-
sen Grabmal von 1514 sich auf dem Nicolaikirchhofe vor dem
Beinhause befinden soll ; er gilt für den Erbauer der Annenkirclie
und die daselbst der Frauenkirche zugewandte Figur mit dem Zir-
kel für sein Bildnifs. Sein Monogramm ist abgebildet bei Bü-
sching, S. 168, sein Brustbild selbst unter einem h. Joseph auf
der vorletzten Bildtafel.
Wendel Rofskopf. 1519 — 1536. Er ist Schüler
des obersten Werkmeisters Benedix vom Baue des
Prager Schlosses, leitet 1519 den Erweiterungsbau der
Görlitzer Nicolaikirche (Script. III, 574 ff.), und 1536 erhält
er den Auftrag, Leute, die des Wasserbaues kundig wären,
aufzutreiben, um die projectierte steinerne Brücke über die
Neifse zu bauen. (Script. N. 299.) 1520 war er Bürger ge-
worden (C. G. mit dem Zusätze „ist ihm geschenkt") und wird
1528 nach dem Steuerregister dieses Jahres als im Neifsevier-
tel wohnhaft genannt. Es würde sehr lohnend sein, noch wei-
tere und genauere archivalische Untersuchungen über diesen
Meister anzustellen ; er soll auch am Rathhause zu Görlitz ge-
baut haben.
Mathis Cunrad von Ludwigsdorf wird 1526 Bürger.
III soll. (C. C.)
Matis Zachris, der Baumeister, erwähnt als Schwieger-
vater des Sattlers Just Rauscher. (Ebendas.)
Abraham Werner von Hansdorf (1577—1591), der
Steinmetz, wird 1577 Bürger. 1591 als gestorben bezeichnet
in den „Gericht-Hendel-' des G. Rösler der Milich. Bibl. f. 35 a.
Dieselbe Quelle macht uns mit einem italienischen Bau-
meister bekannt (f. 14 b. iF.) :
Thomas Martinotus Italus, des Markgrafen von
Brandenburg Maurermeister. „14. November 1591 Cristoff
Meuern lassen furfurdern vnd sich mit ihme berechnet vnd
folgende posten angegeben, nerablich :
erstlich 300 r. , darfür Melchior Straupitz vnd Lorentz
Thomas vom Lauben (Lauban) bürgen; 400 r. , so auf sein
gut zu Bisznitz (b. Görlitz) vorsichert vnd sein Weib mit hafft
welche seinen wegen haben (?) ; vber disz 34 r. 11 arg. an
den 300 r. Frangkfortischer schuld vnd von denselben 300 r.
ein iahr zins, 18 r. ; mehr 39 r., so ihme zurecht zuerkannt
vnd er für ihn zu Frauckfurtt ausgezalt ; mehr 14 r. 15 arg.
zuerkanter gerichtlich vnkosten wegen Mats Hassen (des Stadt-
schreibers V) ; mehr 2'/2 r., seinem söhne für einen geburts (?)
ausgezalt. —
Drauft' hette er von Cristoff Meuern in abschlag entpfan-
gen erstlich 30 r. an drey Denischen gutschenpferdlein, 38Vi r.
au barem gelde ; thun etc. 68Vi r. Da solches von der ob-
gedachten summa der 5 (letzten) posten abgekürzt, bleibet
pro resto 40 r. 2 arg., vud weil C. Meuer solches nicht ge-
nugsam widerlegen konnte, ist ihme innerhalb 14 tage dy za-
lung auferlegt. — Martinotus gebeten vrab ein schriftliche
kundschaft solcher rechnung vnder der gerichte insiegel, ist
ihm gefolgt den 9. Jan. 1592. — M. Straupitz vnd L. Tho-
mas begeren, das C. Meuer aussagen solde, wy er den aus-
stand an den 300 r., darfür sie gegen dem Welschen für ihn
bürge sein vnd mit ihme strittig bekommen haben, vnd solcher
seiner aussag begeren sy mit schriftlich bekentnisz etc., wy
sy dan auch bekommen. — Cristoff Meuer hat ausgesagt, dafs
ihme nicht eigentlich bewust vnd in gedechtnusz, ob er sol-
chen ausstand, darumb seine bürgen etc. mit dem Welschen
103
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
104
strittig, von ihme dem Welschen T. M. zu seinen banden em-
pfangen habe oder ob er es ihme sonst abgerechnet oder nicht."
Christoph Zimmer von Striegau, der Bildhauer,
wird 1604 Bürger.
Im Anschlufs hieran will ich einen Contract anführen, be-
treffend die Anlage einer Wasserleitung, welcher auf dem er-
sten Pergamentblatte des Lib. res. von 1470 steht.
1477. 27. Sept. „Gescheen ist eine vertraclit mit meister
Mathis Ilaüwriz von Brunn, so das er zeugesagt vnd ge-
lobt had das wasser ausz der Xeiszen in roren zcu füren vff
den kyrchbergk (wo die Petrikirche steht) vnd vngefehrlich
zcwcher mannen hüer, dann der kyrchbergk ist, uff das man
dasselbie wasser fortleyten vnd füren möge eyn dy Stadt, eyn
die gassen vnd höfe ; vnd wil das fertigen mit köpperen roren,
dy giessen, fertigen vnd zcwuh kunste anrichten uff sine kost
vnd zcerung vnd dasselbie den rath geweren vnd eczliche an-
weiszin, wy das von tage zcu tage vnd hynfur zcu halden. Do-
vor em der rath, so dis folbrocht vnd er den rath geweret
had, vjTdehalb hundert hungarisch guldin gebin sal ; darczu
sal em der rath schicken vnd bestellen alles kopper, zcehnn,
bley, eyszin, holcz, kolen vnd allen gezcewg, nichts auszgelos-
sen, der dorzcu geboret; vnd ap er odir sine knechte, smyde,
zcymmerlewthe adder irkeyner handreichung bedorffte, sal em
allis vorgehalden vnd verriebt werden von dem rathe vnd vom
rathhause vergnügt. Disse vertracht ist gescheen vor dem
rathe in geinwertigkeit meister Maths" obengenant am sunn-
obend Coszme vnd Damiani nach Christi geburt tawsent vyr-
hundert in dem sebenvndsebenczigsten iar vnd nach siner
vorwilligung vnd des ratis entpbelung in das stadtbuch gezeich-
ent." —
Im Rechnungsbuche dieses Jahres ist vermerkt: ..meister
Matis von Brunn, so em dy roren vor IV C. hung. gldn. vor-
dingt sein, doruff gegeben 4 hung. gldn.'
Brieg. Dr. E. Wernicke.
Ein Schreiben des Rathes von Nürnberg an Florenz
ans dem 16. Jahrhundert.
Es ist vor mehreren Jahren in diesen Blättern (1867,
Xr. 10, 11, 12) der Beziehungen Nürnbergs zu Venedig, und
zwar speziell der Handelsbeziehungen, gedacht worden. Diese
waren jedoch keineswegs die einzigen, welche zwischen den
beiden mächtigen Städterepubliken obwalteten. Den Forschern
auf dem Gebiete der nürnbergischen Geschichte ist gewifs
nicht unbekannt, dafs die deutsche Reichsstadt im Jahre 1506
sich von der befreundeten Lagunenstadt deren Vorraundschafts-
recht erbat und nach dessen Vorbild im folgenden Jahre das
.,Amt der obersten Vormundschaft" errichtete. Davon berich-
tet schon Christoph Scheurl in seiner — 1516 verfafsten —
Epistel über die nürnbergisfche Stadtverfassung (im 20. Kapitel
„von obersten Vormunden der wittiben und waisen," heraus-
gegeben von Prof. C. Hegel in Erlangen, dem ich auch die
Kenntnifs dieser Stelle verdanke, in Band 11 der „Chroniken
der deutschen Städte" etc., S. 781 ff'.) Die Briefe, welche über
diese Angelegenheit zwischen Nürnberg und Venedig gewechselt
wurden, und das von Venedig übersandte compendium legnm
ac ordinum reipublicae Venetae de tutelis pupillorum ist aufser
bei Wagenseil, de civitate Noriberg., auch in der „Tractatio
Historico- Juridica de iudicio tulelari Reip. Norib." (Altorf
1745) von Adam Birkner veröffentlicht.
Ein interessantes Seitenstück nun bietet das meines Wis-
sens noch unbekannte Schreiben, welches ich nachstehend mit-
theile. Es ist ein Brief des Nürnberger Rathes an den Flo-
rentiner aus dem Jahre 1531, aufweichen ich beim Durch-
blättern der Indicesbände der „Atti publici del Commune di
Firenze" im Florentiner Archiv (gelegentlich eines Aufent-
haltes daselbst im Sommer 1875) aufmerksam wurde. Senat
and Konsule der Stadt Nürnberg bitten darin um Zusendung
der für die Armen- und Krankenhospitäler geltenden Satzun-
gen, betonend, dafs es für sie nichts Neues sei, aus Italien
Gesetze zu entlehnen, wie sie dies früher mit dem venetiani-
schen Vormundschaftsrecht gethan.
Es sei mir erlaubt, hier einzuschalten, dafs auch anderer,
nicht blos italienischer Städte Einrichtungen und Verfassungen
die Nürnberger sich zum Muster genommen zu haben scheinen.
Wenigstens führt Wagenseil (a. a. 0., p. 202 ff.) dafür die Zeug-
nisse zweier Männer an, des Lodov. Guicciardiui und des Job.
Limnäus, von denen der erste in seiner Beschreibung Belgiens
(cf. französ. Ausgabe, Amsterdam 1625, p. 406) sagt: „Norin-
bergenses, cum ad singulas paene urbes certos homines
mitterent, ut exemplo veterum Romanorum viris prudentibus
omni in re imitandum, bonas ac laudabiles aliorum leges in
usum suum transferrent, eas hie (d. h. in Valenciennes) in-
venerunt consuetudines, ut cupide statim nonnullas arripuerint,
quae hucusque in excellenti illa optimeque instituta Republica
Norinbergensi observarentur;" Limnäus aber schreibt in Tom.
I. Addition. Juris publ. inter 1. 7, c. 35, n. 9 (Ausg. von 1650
p. 266): „Credibile est, a variis Norimbergenses Republicae
suae formam petiisse. Hinc factum ut alii Venetam, alii Va-
lentinianensem in Hannonia, alii Bruxellanam matricem Norim-
bergensis nominaverint."
Die Richtigkeit dieser Angaben zu prüfen, liegt mir ferne;
nur daran möchte ich hier noch erinnern, dafs das Heilige-
Geist-Spital, welches Konrad Grofs bekanntlich schon im Jahre
1331 gestiftet hatte (cf. Städtechroniken, Nürnberg Bd. 1
S. 348, Anm. 1), eben damals, im Jahre 1527, fertig ausge-
baut war (Lochner, Nürnberg und seine Merkwürdigkeiten,
1873, S. 99). Vielleicht gab das durch die Vergröfserung des
Spitals hervorgerufene Bedürfnifs einer neuen Einrichtung des-
selben den Anlafs zu der oben gedachten Bitte. Dafs man
aber mit derselben sich gerade an Florenz wandte, hatte seinen
guten Grund ; denn Florenz zeichnete sich auf dem Gebiete
der Wohlthätigkeitsstiftungen vor anderen Städten in der That
105
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
106
weit aus. Es ist dies zufällig erst kürzlich von einem gründ-
lichen Kenner der florentinischen Geschichte rühmend hervor-
gehoben worden in einem Nekrolog auf den jüngst verstorbe-
nen Florentiner Historiker und Direktor der Biblioteca Maglia-
becchiana, Luigi Passcrini, (Beilage der „Augsb. Allg. Ztg."
vom 8. Febr. ds. J.), dessen erste, 1853 erschienene, gröfsere
selbständige Arbeit eben die Geschichte der Wohlthätigkeits-
und Elementarunterrichts -Anstalten von Florenz zum Gegen-
stand hatte. Wie aus Passerini's Vorrede, p. XXVI erhellt,
soll die Arnostadt gegen Ende des 15. Jahrhunderts nicht
weniger als fünfunddrei fsig Spitäler gezählt haben — gewifs
ein sprechendes Zeugnifs des daselbst herrschenden Wohlthä-
tigkeitssinnes. —
Ob auf unser Schreiben eine Antwort erfolgt ist, vermag
ich nicht anzugeben. Die äufsere Aufschrift desselben nun
lautet: „Magnificis et prudentissmis viris, Dominis Prioribus
libertatis et Vexillifero iusticiae inclytae Florentinorum Rei-
publicae." Der Brief selbst beginnt also: „Magnificis ac prü-
den tissimis viris, Senatoribus et Magistratui Reipublicae Flo-
rentinorum, Senatus et Consules Reipublicae Norinbergensis
Salutem.
Cum non solum eos, qui Christiano noraine censentur, sed
et quoscunque alios, praesertim qui Rebuspublicis praesunt,
summa diligencia curare deceat, ut eorum qui aetate, morbo,
vel angustia rei familiaris aliena ope indigent, publice racio
habeatur, id quod prudentissimis olira principibus, Romanis
imperatoribus , magnopere curae fuisse tot praeclarae de hac
re editae sanctiones testantur, non indignum nostra functione
arbitrati sumus, si nostrae quoque urbis Xenodochiorum ac
Nosocoraiorum legibus restauraudis et ad meliorem frugem re-
ducendis animum adiecerimus. Porro cum hac parte Floren-
tina Civitas non modo Italiae sed ue aliarum quidem Provin-
ciarnm uUi Reipublicae cedat, magna fiducia a vobis petere
non sumus veriti, ut Xenodochiorum ac Nosocomiorum vestrae
urbis leges et racionem fovendi ac curandi valetudinarios egen-
tes ad nos transmitti curetis. Neque enim novum hoc exem-
plum nobis est petendarum ex Italia legum. Quipjie qui et
pupillares leges ab incljto Veuetorum Senatu ante annos ali-
quot magno nostrae urbis commodo mutuati sumus. Impetra-
bit hoc a vobis vel communis in egenos et valetudinarios affe-
ctus, ad quos imprimis maxima huius commodi pars est redi-
tura, cuius tamen nihil Interim vobis decedet. Quod ad nos
attinet, nullum est officii genus, quod pro hoc beneficio in no-
bis sitis unquara desideraturi. Valete.
Norinbergae quarto Calendas Julias
Anno MDxxxi.
Consules et Senatus Reipublicae
Norinbergensis.
München. Dr. H. Simonsfeld.
Zum Nürnberger Schempartlauf.
Da in jüngster Zeit gewisser Fastnachtsspiele oder Volks-
belustigungen mehrfach gedacht worden ist, mag eine Bemer-
kung zum früheren Nürnberger „Scbempartlauf" nicht am un-
rechten Orte sein, zumal der Ursprung dieses Mummenschanzes
irrthümlicher Weise neulich aus der Zeit Karl's IV. vnd vom
J. 1349 auf Karl V und ins Jahr 1549 versetzt worden ist,
in eine Periode, in welcher er durch den Einflufs der Refor-
mation wohl ziemlich aufser Gebrauch gekommen sein mag.
Der „Schempart", {später „Schünbart" geschrieben, (weil
man die Bedeutung und Ableitung des Wortes nicht mehr
verstand : schem = Larve, Maske, Holzmaske ; vergl. Schmel-
1er II, 418 f. Weigand II, 629 und Sanders III, 907) ist 1349,
nach Dämpfung eines plebejischen Aufruhrs gegen das patri-
zische Regiment durch gewaltsames Einschreiten Karl's IV,
eingeführt worden, und zwar zunächst als eine Bewilligung für
die rathsgetreue Metzgerzunft.
Die Hof- und Staatsbibliothek besitzt drei sogenannte
„Schempart-Bücher" oder Beschreibungen des Schempartlaufes
in Nürnberg, und zwar von anno 1449—1539, in den codd
bav. (germ.) 2063 , 2082 , 2083. Das beste der Bücher ist
die Handschrift 2083, deren Einsicht mir in der Reihe der
lateinischen' Handschriften, welche ich gegenwärtig für den
Druckcatalog beschreibe, dieser Tage geboten war: sie ent-
spricht nämlich, wie ich nachweisen kann, dem cod. lat. 21297.
Dieselbe gibt neben dem Text noch 66 Figurenbilder der
Schempartläufer mit ihren Wappen, zwei gröfsere Tafeln mit
dem Lauf oder Tanz und 20 Abbildungen der „Hell," welche
das erste Mal i. J. 1475 zur Aufführung kam, und deren ab-
sonderliche Art und Ausstattung mit eine Hauptsache des
„Spektakels" geworden ist. Das Buch ist in dieser Hinsicht
wirklich belehrend; auch sind noch andere chronologische
Einzeichnungeu für die nürnbergische, brandenburgische und
deutsche Geschichte bemerkenswerth. Als Anhang des „Schem-
partbuches" folgt noch eine Aufzählung der Ritterspiele, Tur-
niere, Rennen und Stechen, welche in Nürnberg vom Jahre
1430 — 1561 gehalten worden sind.
Das „Schempartbuch" im cod. 2082 ist dem ersten gleich,
aber spätere Abschrift; die Abbildungen ebendesselben sind
viel roher und ungefälliger. Voran geht eine kurze nürnber-
gische Chronik und ein Geschlechterbuch mit den Wappen-
schilden, ziemlich gut ausgeführt.
Im cod. 2062, welchen „Hanns Schedtncr, der Zeit Under-
vogt zu Onoltzbach, seinem freundt und vertrauten Bruedern
Johann Michael Beulten verehrt hat" (14. Sept. anno 87 =
1687?) steht der „Schünbart" nur als „kurtze Anzeugung"
f. 1—11 vor einer nürnbergischen Chronik, welche bis zum
Jahre 1573 reicht.
Es möge nun die gereimte Vorrede des erstgenannten
Codex (2083) Platz finden — man lernt daraus hinreichend,
was im allgemeinen zu wissen frommt.
107
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
108
Vorrede in das Schempart Buch.*)
Cod. bav. Monac. 2033, f. 3.
Als man zält drcitzchundert jar
Und neun und viertzig Jar fürwar
Als Keyser Karolus der Vierdt
Das he3iig Römisch Reich regierdt
5 Da machten in Nürnberg der Stadt
Die Zünflt ein Bündtnu|5 widern Radth
Und die Gayspert**) in der Schmidt Zunfft
Fiengcnn das an wider Yernunfft
Am dritten Pfingstag vberfallen
10 Wolltens den Rath erschlagen allen
Nun an dem heiligen Pfingstag
Do liürt ein Münich den Anschlag
Von zwey Zunfftmeistern angefer
Als hinter einer Thür stunde er
15 Von stundan er gewarnet halt
Vor der Auffrur einen Erbarn Rath
Der yder wich aufs seinem Hawfs
(Mie er möcht) bringen liefs hinaufs
In Truhenn, fessern vnnd in Secken
20 Wie sich ir ider möcht verdecken
Kamen all zu Heydeck zusamen
Nach dem die Zünfft die Stat einnamen
Unnd setzten einen Newen Rath
Von den Gemeynen au(J der Stadt
25 Vill Handwercksleut au(i der Schmidt Zunfft
Die herschten mit kleiner Vernunift
Mitt vill ungepürlichen Sachen
W'olten die Stadt auch weitter machen
Anfiengen etlich Thürcn***) unnd Mauren
30 Also plieb der alt Rath in Trauren
Zu Haydeck, aulf anderhalb Jar
Pils auff Michaelis zwar.
Von Prag Kayser Karolus kam
Gebn Nürnberg, vnnd gefenklich nam
35 Alle Ursacher der Auffrur
Auß inn mancher enthaubtet wur
Auff dem Weinmarck vor dem Rathhau(5
So reutet er die Auffrur auß
Brach ab des newen Raths gepew
40 Unnd thet ab all ir Ordnung new
Unnd alle Zünfft in der Gemein
Setzt den alten Rath wider ein
In ir Herschung unnd Regiment
*) Diese gereimte Vorrede ist zwar in M. M. Mayer's nürn-
berg. Schembartbuch (Nürnb. 1831) bereits gedruckt, jedoch in ge-
neuerter Sprache und mit einigen Abweichungen von dem vor-
liegenden, handschriftlich getreuen Texte. D. Red.
**) Vgl. Anzeiger 1857, Sp. 33 ff.
***) so, d. i. Thürm.
Dammit nam die Auffrur ein endt.
45 Die Metzger aber mit Yerlanngen
Dem alten Rath warn angehangen
Trewlich in dieser Affrur hie
Deshalb ein Rath begäbet Sie
Mit einem freyen Faßnacht Tantz
50 Mitt den Stadtpfeiffern zierlich ganntz
Unnd mit eim Faßnacht Spill bekannt
Welches der Schömpart ist genannt
Des Spill hettens bey iren Händen
lerlich habens von inn bestanden
55 Die Bürger unnd von Erbern Geschlechten
Umb ein Sum Gelts, das sie mit rechten
Den Schenpart selb mochten verwalten
Also kams auff vnns von den Altenn
Ir Kleydung erstlich leynen war
60 Darauft" schlcchtlich gemalet gar
Unnd vber lanng trugens Parchandt
Hosen von gutt wullen Gewandt
Entlich loff er auch in Atlas
Unnd ye lannger köstlicher was
65 Das darunter lufl'en all Jar
Viel Holtzleut vnnd der Rawhen Par
Manchcrley Art mit Abeutewr
Auch wurffens viel fliegender Fewr
Verpranten auch almall ein Hell
70 Mit grosser Kurtzweil vnnd Geschell.
Sölchs als in diesem Schempart Buch
Nachfolgent ordenlichen such
Sambt aller Form vnnd Gestalt
Geschribenn vnnd darzu gemalt
75 Sambt den Hauptleuten alle Jar
Was Färb ein yder Schempart war
So viel ir alhie sind gelofi'enn
Macht dir dis Büchlein dar und offenn.
Die „Hell" hatte ihrem Namen nach viel mit dem Teufel
und seinem Gefolge zu thun ; Lindwürmer, Basilisken, Alt-
Weiber-, Narreu-Fresser u. dgl. kommen zum Vorschein, aber
auch Gelage, ein „Dendelmarkt", ein Yogelherd, „darauf
man Narren fieng," Festungen u. a. ra. Das letzte Spiel, wel-
ches der Cod. 2083 beschreibt, wird also erzählt: „1539
Jar laff ein grosser Schempart, dergleichen noch nie geloffen,
waren haubleut Jacob Muffel Joachim Tezel und Merten von
Plabenn, waren ir bey 200 luffen auff der Herrn Trinckstuben
auff der Wag auß. War gleich ein selzams spectacl, dan sie
waren in 15 Jaren nie geloffen, luffen auch in rauhen Klay-
dern, vnnd schöne vnd wolgezterte Holtzraenlein vnd Holtz-
freulein mit, heften ein grosse hell wie ein schiff doriu stund
ein feister Pfaff in der Mit vnd zwen Teuffei neben im, hiel-
ten im ein pretspill für, vnd oben auff der Hell war ein Stern-
seher, brachten sie biß für das Rathauß do sturmeteu sie die
Hell."
109
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
110
Dieser Auszug mag zugleich die V^'erse 65 und 66 erläutern.
Ob nicht in dem Auftreten der „Holzleute" und der „Rau-
chen", d. i. Pelzleute, ein Stück altgermanischen Aberglaubens
herüberspielt ?
Wenn ich Schmeller, namentlich in den Nachträgen der
2. Auflage (I, 1104 f.), unter ..Ilolzweiblein," „Holzmann",
„Holzleut" in Betracht ziehe, so möchte ich ohne Bedenken
antworten : Ja ! Unsere Stelle gibt der Muthmafsung des
einzigen Sammlers und Forschers neuen Hintergrund, wenn er
in der ,,Klagred der wilden Holzleut über die ungetreue Welt"
im cod. lat. Monac. 5208 (= Monac. Augustin. 202), fol. 305 v.
— so ist das lückenhafte Citat zu ergänzen — einen gewissen
Anklang der Sage findet.
Auch die „Rauchen", d. h. gleichsam die „Pelzleut", wei-
sen auf alte Bräuche und Vorstellungen zurück. Der „Pelzä-
Mertel" (Schmeller I, 1656) machte noch in meiner Kindheit
am Martinsabend seine Besuche im ansbachischen und nürn-
bergischen Stadt- und Landbezirk, um dem Kinderschrecken
reichliche Spende von Nüssen u. dgl. folgen zu lassen. In
Bayern ist dieser bekanntlich der „Klaubauf" (Schm. 1, 1321)
gewesen am St. Niclastag.
Weil ich bei Ergänzungen des heimischen Wörterschatzes
bin, mag aus unserer Handschrift noch ein guter Beleg zum
„gailen Montag", d. h. zum lustigen Montag vor Fastnacht
(Schm. I, 890), gehoten werden. Auf fol. 43 v. steht nämlich
folgende Bemerkung: „1495 Jar ^Yas Wolff Haller, Hanns
Krefs, Stefl'an Baumgartner, Jörg Ketzell Hauptmenner im
Schempart, vnd waren ir 64 Mendlein in schwarz vnd gelb,
vnd luffen 3 Tag, den geylen Montag, die Faßnacht vnd den
Aschermittwoch vnd verpranten 2 Hell, vnnd luffen auß am
Obßmarckt zum Mylla in des Stören Hawß , bestunden von
Flaischhackenn vmb 18 gülden. Umb dise Faßnacht was Marg-
graf Fridrich hie zu Nürnberg mit all seim Hoffgesindt, vnnd
heften ein Gesellenstechen 10 Markgreflich vnnd 10 Nürnber-
gerisch."
München. Dr. Georg M. Thomas.
Altdeutsche Oitsnaiueu in Wälstli-Lotliriugeii.
(Sohluls.)
Zweifelhaft sind :
Chanville: enthält wahrscheinlich den kirchlichen Namen
Johannes, der im lothringischen Patois zu Chan wurde.
(Vgl. das Gedicht „Chan Heurlin", Patois Messin). In
Deutsch-Lothringen gibt es ein Johannsweiler; in Frankreich:
Jauville, Jeancourt, Jeanmenil; und
Preville (Gem. Moulins). P. N? oder = pres de ville, wie
Preville bei Nancy, welches 1725 so hiefs.
Romanisch sind:
Domangeville (Gem. Sanry) = Dominici villa, und
Noisseville: 13. Noassiville, Nowasseville (mit Einschiebung
eines euphonischen v, um den Hiatus zu vermeiden; vergl.
Diez, Grammat. d. rom. Spr. 4. Aufl. I, 189); entstanden
aus Nucetum, Nocetum (Nufshain), frz. Noisy, dem ville als
erklärender und erweiternder Beisatz angefügt wurde, wie
in Gravelotte (12. Graveium, Gravei; 15. Gravilette, 16. Gra-
velette, Gravelatte) das vilette, lothringisch velatte, velotte.
Am besten erklärt sich die Anhäiigung des ville, wenn man
annimmt, dafs Noisseville nur die romanische Uebersetzung
eines altdeutschen Nusdorf ist. (Förstem. II, 1172.)
Eine neuere Bildung ist:
Charleville, 1618 gegründet und nach Karl von Lothringen
(Charles de Lorraine) benannt, der damals Abt des nahege-
legenen Klosters Villers -Bettnach war (Bouteiller, Diction.
topograph. de l'ancien Dep. de la Moselle, Paris 1874, S. 50).
Auf — mon t:
Allemont oder Aleraont (Gem. St. Jure): 12. Alamont, Alen-
munt, 13. Aleumont. P. N. des Stammes AlaV (Forst. 39)
oder der Volksname der Alanen? Allamont bei Conflans
heifst 12. Alani mons.
Grimont (Gem. St. Julien): 15. Grymont. P. N. des Stammes
Grim? (Forst. 547).
Landremont (Gem. Silly) : 15. Landrimont; deutsch: Lemmers-
berg. Die französ.Form klingt, wievonLandrich, die deutsche
wie von tandmar abgeleitet.
Landremont (Gem. Maizery): P. N. Landrich.
Tignomont (Gem. Plappeville) : 12. Tignomons. 14. Thignemont,
Tignommont. Wahrscheinlich aus Titino mons, vom P. N.
Titin, Tidin, der auch in Deidesheim, dem weinberühmten,
steckt (7. Didincsbaim, 11. Titinesheim). Vgl. die Ortsna-
men Tittono mons, Dodino mons (Polyptych. Irminon.) und
Thidinisberg 9. (bei Schlettstadt).
Vaucremont (Gem. Bazoncourt) : 15. Walcremont. P. N. Wal-
cher oder Waltcar (Forst. 1232 und 1242).
Vnlmont: 16. Wulmont. Auch Valraont (Kr. Forbach) heifst
16. Wulmont. Das wie U ausgesprochene W trübte das
folgende a zu u. P. N. Wal, Wala, Walo (Forst. 1230).
Ein Wala war im 9. Jahrh. Bischof zu Metz.
Romanisch ist:
Jaumont (Gem. Roncourt), dessen Steinbrüche im J. 1870 so
berühmt geworden sind. 14. Jalmont. P. N. Gallus. (Wie
Jailly aus Galliacum, Jaulny aus Galliniacum.)
Auf — villers:")
Amanvillers: 12. Almanviller. P. N. Alman (Forst. I, 153
und II, 66).
Landonvillers, deutsch Landdorf: 13. Landonis villare. P.
N. Lando (Forst. 830).
LeoviUers (Gem. Vaudoncourt), dtsch. Lauweiler: 17. Leaweiller.
P. N. Leodoald, Litald, Ledalt. Die jetzige deutsche Form
ist der romanischen nachgebildet. Thiaucourt (Meurthe-et-
Moselle) heifst urkdi. Theodalci (= Theodalti) curtis.
") Der Franzose hängt an Ortsnamen gern ein s an , wie der
französische Schweizer ein x.
111
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
112
Zweifelhaft, weil einen kirchlichen Namen enthal-
tend, ist;
Pierre villers: 10. Pierswiler, Petrae und Petri villare.
16. Petrovillare.
Auf — vaux:
Bronvaux: 12. Brenval. 14. Brenvault. P.N. Bero (Forst. 224).
Convaux (Gem. Bazoncourt), Hof in einer Thalmulde: P. X.
Conrad, Cunz?
Marivaux (Gem. Hayes), Hof mit Kapelle: 15. ,.Mariae vallis
in sylva." Vgl. dagegen Marimont, Kr. Chateau-Salins.
Auf — fey:
Bonfey (Gem. Les £tangs): 11. Bonfagit. Kicht Bonum fa-
getum, sondern Bodonis fagetum, Bodo's Buchenwald, wie
Bonmoutier, urkdl. Bodonis monasterium.
Ketonfey: 12. Ritunfait, Retonfait. Scheint zu den zahl-
reichen oberdeutschen ,,Raitenbuch" zu gehören (althochd.
Raitinbuoch, Reitinbuoch), welche einen P. N. Raito voraus-
setzen (Forst. Raido, und fem. Raitun, 1, 1029). Es ist
bemerkenswerth, dafs der letzte Theil der Zusammensetzun-
gen mit Raito in der Regel ein Waldnarae ist : Raiten-Buch,
Raiten-Hart, Raiten-Haslach (8. Raitinhaselach.) Vgl. Schmel-
ler, bayer. Wbch., 2. Ausg., II, 174.
Romanisch ist:
Befey (Gem. Villers-Bettnach) : 18. Belfey. Entspricht dem
deutschen Waldnamen „Schönbuch."
Auf — champ:
Franclonchamp (Gem. La Maxe) : 1336 Frankillon champ.
Frankillon j. Fransquillon ist ein Spottname der belgischen,
lothringischen und luxemburgischen Nachbarn für die Fran-
zosen. Den Lothringern galten namentlich die Bewohner
der Grafschaft Bar als „Frankillons" (Französlein), weil sie
nur romanisch sprachen. Es könnte daher sein, dafs Franc-
lonchamp einem Lager der Barer im sogenannten „Vierher-
renkriege" (1223 — 26; s. Westphal, Gesch. von Metz I,
S. 164 fi".) seinen Namen verdankt. Dann stünde aber wahr-
scheinlich camp für champ. Frankillon ist hier daher ver-
muthlich ein P. N., und die Uebersetzung wäre Fränkleins-
oder Französleins-Feld. Forst. (413) hat einen P. N.
Francolin.
Ladonchamps (Gem. Woippy) : 14. u. 15. Laidonchampt, Lai-
donchamp, Landonchamp. P. N. Lando. Das u fiel aus,
weil der dreifache Nasallaut zu unschön war.
Auf — pre:
Cainonpre (Gem. Moulins) : P. N. Cagano (Forst. 456).
Zweifelhaft ist :
Senorroy (Gem. Norroy-le-Veneur), en patois : „Snoreu", wel-
ches sowohl einen P. N. des Stammes Sig enthalten, als
aus j.Sous Norroy" entstanden sein kann. (Norroy, urkdl.
Nugaretum, bedeutet „Nnfshain"). Sechamps (französ. Lo-
thringen) heifst urkdl. Siccus campus; es könnte demnach
Senorroy =: Siccum Nugaretum sein und wäre romanisch.
Da es schon ein Norroy-Ie-Sec (bei Gonflans) gab, so sagte
man hier vielleicht absichtlichtlich Sec-Norroy mit Voran-
stellung des Adjektivs.
Aufserdem scheinen mir noch folgende Orte im altroraa-
nischen Sprachgebiet hieher zu gehören, obwohl sie theilweise
erst nach der fränkischen Zeit entstanden sein mögen :
La Wade (Gem. Valliferes), vom dtschn. Warte, ahd. Warta.
Vgl. das lothring. banwade , Feldhüter , vom dtschn. Ban-
wart. La Wade hatte den Zweck, die nach Osten führende
Hauptstrafse zu bewachen (1429 Wade, 1308 La Warde.)
Villers ? Es gibt in unserem Gebiete fünf Orte dieses Namens,
welche natürlich unterscheidende Beisätze erhalten haben :
Villers-Laquenexy, Villers-lez-Plesnois, ") Villers-lez-Rombas,
Villers-l'Orme und Villers-Stoncourt (Villers-Bettnach; s.
unten im ursprüngl. deutschen Gebiet.) In den lateinischen
Urkunden heifsen sie Villare; ob vom ahd. wilari oder
mittellatein. villare, ist um so weniger zu entscheiden, als
ja Forscher wie Weigand (dtschs. Wörterb., 2. Aufl., II,
1075) das deutsche Wort als dem Mittellatein entlehnt be-
betrachteu.
Ban-Saint-Martin, Dorf bei Metz, zeigt im ersten Theil
noch das deutsche Wort Bann (ahd. ban), das in die französ.
Sprache aufgenommen wurde. Als lothringische Enklave
im Metzer Gebiet hatte das Dorf sein eigenes , abgeschlos-
senes Gerichts- und Zoll -Territorium. 10. „Ad sanctum
Martinum" ; Villa Sancti Martini. 1404 Ban Saint Martin.
Wasnanque oder Wassenanque (Gem. Plesnois) und
Halsidrac (Gem. Sablon) ") sehen entschieden deutsch aus und
repräsentieren wol den Namen des ursprünglichen Besitzers,
wie das bei einzelnen Gehöften häufig der Fall ist.
Es sind nun noch diejenigen Orte anzuführen, welche im
Mittelalter noch deutsch sprachen und erst seit dem 16. u.
17. Jahrh. durch die französische Eroberung von Lothringen
verwälscht sind. Im Kreise Metz sind es folgende :
Auf — ange, aus dtsch. — ingen:
Amelange (Gem. Haueoncourt): 12. Amelenges.
Epange (Gem. Charleville) : 12. Epingen.
Hagondange: 13. Augondanges, Angoldanges. 14. Agondange
En patois: ,,Augondauge" dtsch. Hagelingen (Hageldingen?)
Bouteiller, Diction. S. 109.
Hessange (Gem. Vigy), dtsch. Hessingen.
Marange, dtsch. Märingen: 8. Maringen; 11. Marengis ;
12. Marenges.
Nidange (Gem. Charleville), dtsch. Nidingen : 11. Nydenges.
12. Nidingis.
Rinange (Gem. Charleville.)
Silvange (Gem. Marange): 14. Snlvange, SuIIevange, Suilvange
P. N. Sigulf.
") lez oder les = bei, neben, vom latein. latus, Seite (Diez,
etym. Wbch., 3. Ausg., II, 358).
'^) 1610 Sidrac; en patois: „Halsigrec" (Volksetymologie mit
Bezug auf y oder i grec).
113
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
114
Talange: 10. Tatolinga, Tatelinga, Tatilinga. P. N. Tatilo.
Auf — bas, dtsch. — bach:
Rabas (Gem. Villers -Bettnach), en patois : „Raibay^- ; dtscb.
Rebach. Förstern. II, 1235 hat zwei deutsche RehbachfO).
Rombas, urkdl. Rerabacum, Ramesbacum, Ruraesbaz, Rumes-
back, Romebar, Rombar; en patois: Rombair. Förstem.
hat ein Rammespach u. Rumbach (9.)
Auf — ach :
Villers-Bettnach: 12. Beddenacker, Betnairach (sie) ; 13.
Vilers, Viliers, Villiers, Vilarium. — 14. Bethenak, 16. Bet-
tenach. Liegt an einem Bach.
Auf — chure, dtsch. — scheuern:
Godechure (Gem. Villers-Bettnach): 16. Gadersch euren. 17.
Gaudechure. 18. Gadtschures, Gadtscheuren. P. N. des
Stammes Gad (Forst. 455).
Vorstehende Orte bezeichnen genau die Sprachgrenze,
wie sie sich nördlich und nordöstlich von Metz im Mittelalter
festgestellt hat. Sie hat sich in den letzten Jahrhunderten
auf Kosten des deutschen Elements um 1—2 ") Stunden ver-
schoben, wird aber unter der deutschen Herrschaft hoffentlich
bald wieder die frühere Linie einnehmen und mit der Zeit
selbst im entgegengesetzten Sinne — zum Nachtheil der fran-
zösischen Sprache — vorrücken.
Der Metz am nächsten gelegene vormals deutsche Ort
ist Ämelange, in genau nördlicher Richtung S'/^ Kilom. (etwas
über eine Meile) entfernt. Es ist ein am linken Moselufer
gelegener Hof, der im 12. Jahrh. dem Erzbischof von Trier
gehörte. Setzt man auf den Punkt Ämelange der Karte einen
Zirkel ein und beschreibt von Westen nach Norden ein Kreis-
segment, dessen Entfernung von Ämelange ungefähr 4 Kilom.
beträgt, so trifft man die Orte Marange, Silvange und Talange.
Letzterer liegt nördlich von Ämelange, auch am linken Mosel-
ufer. Dazwischen und am rechten (^östlichen) Moselufer liegen
noch lauter romanische Orte, so dafs Ämelange als vereinzelter
Posten des Deutschthums dasteht. Ueber der Mosel drüben,
im Nordosten, ist der nächste ehemals deutsche Ort Ilessange
13 Kilom. von Metz entfernt.
In rein östlicher Richtung liegen die ersten deutschen
Orte (die schon dem Kreise Bolchen angehören) über 20 Kilom.
von Metz entfernt.
Daraus geht bervor, dafs das Einströmen der Franken
hauptsächlich längs der Mosel erfolgte, und dafs der Damm,
den das romanische Metz dem Deutschthum entgegensetzte,
sich gegen Osten wirksamer erwies als gegen Norden und
Nordosten, der vom Flusse begünstigten Hauptverkehrsrichtun g
nach Deutschland. Die kirchliche Verbindung mit dem rasch
germanisierten Trier mag für die längs der Mosel liegenden
Orte ebenfalls von Einflufs gewesen sein.
Die Sprachgrenze in Lothringen zeigt uns an, wie weit
diese Gegenden im 5. Jahrh. von der Mehrzahl ihrer romani-
schen Bewohner verlassen worden waren. Dieselben hatten sich
vor den unaufhörlichen Raubzügen der germanischen Stämme
bis unter die Mauern von Metz, Marsal, Vic zurückgezogen.
Viele mochten auch als Gefangene fortgeschleppt worden sein.
Nur ein kleiner Theil überdauerte die Stürme der Völker-
wanderung auf der heimischen Scholle, sei es, dafs diese ver-
steckt und abseits der Heerstrafse gelegen, oder nach verzo-
genem Ungewitter von den zurückgekehrten Bewohnern wieder
besetzt worden war. Daher rühren die zerstreuten keltischen
und romanischen Ortsnamen in Deutsch -Lothringen, wie z. B.
in waldiger Gegend bei St. Avold'^) Longeville, dtsch.
Lubeln, Lungenfeld, Langendorf, Langweiler; L'Höpital, dtsch.
Spittel, früher offenbar eine Herberge; Porcelette, dtsch.
Porselt, von porcile (Schweinstall)? Bei Diedenhofen: Yutz
oder Yeutz, dtsch. Geits, latinisiert 9. Judicium, aber wahr-
scheinlich keltisch; Terville, dtsch. Terwen, urkdl. 13. Ter-
ven. Ist dasselbe wie Therouanne (Dep. Pas de Calais), urkdl.
Tervanna; kymr. derwen, armor, deruenn die Eiche, der Eich-
baum (Bacmeister, kelt. Briefe, S. 47). Wie im heutigen
Deutsch -Lothringen die zurückgebliebenen Romanen von den
in überlegener Zahl eingewanderten Deutschen germanisiert
wurden, so mufsten die letzteren da, wo sie mit dichtgesäter
romanischer Bevölkerung zusammen wohnten und vom deutschen
Hinterland schon weiter entfernt waren, allmählich romanisiert
werden.
Was die Verth eilung der fränkischen Ansiedelungen
im Kreise Metz betrifft, so finden sie sich fast ausschliefs-
lich links (westlich) der Mosel, auf der steinigen Hochebene
der sogenannten Wolvre'") (dem alten pagus Wabrensis) und
deren waldigen Abhängen und Seitenschluchten. Die milde-
ren, fruchtbareren Striche im Thale und rechts der Mosel wa-
ren eben schon von romanischen Orten besetzt und boten zu
neuen Ansiedelungen wenig Raum. Auch mag die Vorliebe
der alten Deutschen für den Wald als Faktor mitgespielt
haben.
Metz. Dr. K. Uibeleisen.
'*) Am stärksten im Moselthale, weil hier die deutsche Spra-
che am weitesten vorgedrungen war. Erst von Ückingen, der
letzten Eisenbahnstation vor Diedenhofen, an überwiegt jetzt die
deutsche Sprache. Die Entfernung von Uckingen nach Talange
beträgt 8 Kilom.
'*) deutsch „Santerfor" aus Sanct Naher.
'^) Die Schreibart und Aussprache zeigt, dafs der Name nicht
unmittelbar vom latein. vepres, Dorngestrüpp, sondern aus dem
Deutschen stammt. Vgl. mittellat. wavra, wevra Buschwald, und
deutsch Waberwald, Waberlohe.
115
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
116
Ein Buchbeutel in der kgl. Hof- und Staats-Bibliothek
München.
Unsere Kenntnifs mittelalterlicher Utensilien ist bis jetzt
vielfach auf Darstellungen derselben in Miniatur- und ande-
ren Gemälden, sowie in Stein- und Holzsculpturen beschränkt,
so dafs es immer ein Gewinn heifsen kann, wenn man eines
Originals habhaft wird. Im Anzeiger 1862, Sp. 324 f. ist der
im Besitze des germanischen Museums befindliche kostbare
Buchbeutel abgebildet, dem kein zweites Exemplar in diesen
wie andern Publikationen folgte. Als solches läfst sich der
schaflederne Buchbeutel bezeichnen, auf welchen Hr. Hofbiblio-
thek-Sekretär Fr. Keinz mich aufmerksam zu machen die Güte
hatte. Er umhüllt ein kleines lateinisches Pergament-Gebet-
buch der Serie von Tegernsee mit der Nr. 1309. Auf pag.
535 ist die mit Schrift und Einband harmonierende Jahres-
zahl 1503 nebst der Bitte um das Gebet für den Schreiber
angebracht. Das Büchlein im 32. Format trägt auf den grün-
lichen Deckeln je ein Messingknöpfchen runder Form in der
Mitte und an den Ecken einfache Messingbeschläge des 16.
Jahrhunderts. Der Beutel bildet die Verlängerung des Eiu-
bandes und zeigt das ziemlich abgegriffene Leder in unbear-
beitetem Zustande. Er endet nach oben, wie das schöne
Nürnberger Exemplar, in einem Knopf von ineinander gefloch-
tenen Riemen, worin noch der Messingring eingefügt ist, mit-
tels dessen das Buch im Gürtel getragen wurde. Die den
Buchbeutel des germanischen Museums nach unten auszeich-
nende kurze Verlängerung des Einbandes fehlt zu München,
so dafs jenes Exemplar dem prachtvollen Buche in der Hand
der hl. Jungfrau auf dem berühmten Genter Altarbild von 1432
gleichkommt, indefs das Tegernseer den an mehreren Statuen
des kgl. National-Museums, an den Blutenburger Aposteln und
mehreren Gemälden der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts
vorfindlichen , theils im Gürtel, theils in der Hand geführten
gewöhnlichen Gebetbüchern entspricht.
München. Dr. Mefsmer.
Das so oft bewahrheitete Dichterwort: „Des Volkes Sprache
ist des Volks Geschichte" wird uns auch durch den Buchbeu-
tel bestätigt, der mit seinem niederdeutschen Namen Books-
büdej (= Buchbeutel), den die spätere Zeit aus Mifsver-
ständnifs an das hochdeutsche Wort „Bock" anlehnte und in
Bocksbeutel umdeutete, heute noch in den sprichwörtlichen
Ausdrücken: „ein alter Bocksbeutel," „eine Bocksbeutelei" für
ein althergebrachte Sitte und Gewohnheit, einen alten Schlen-
drian in unserer Sprache fortlebt*), sei es nun, dafs darunter
jene mit der Zeit veraltete und lächerlich gewordene Tracht
im allgemeinen gemeint ist, oder auch insbesondere das von
den Hamburger Rathsherren, wenn sie in der Amtstracht in
den Sitzungen erschienen, in solchem Beutel an der Seite ge-
tragene Statuten- oder Satzungsbuch, so dafs jene Redensart
mehr das pedantische Festhalten an althergebrachten, überleb-
ten Rechtsgewohnbeiten bedeutet. In diesem Sinne scheint das
"Wort auch von dem niederdeutschen Satiriker Job. Laurem-
berg (f 1623) gebraucht zu sein, wenn er in einem auf die
Stadt Hamburg bezüglichen Gedichte sagt:
„Dat golden Klenod disser Stad, de Booksbü'el is to nicht:
Dabier is nu keen Minsch nich mehr, de sik na sülkem rieht."
Scherzgedichte von Job. Lauremberg, herausgegeben von
J. M. Lappenberg (1861), S. 149, 3. 4. Vgl. auch dessen Sa-
tire „Köst-Booksbüdel (a.a.O., S. 107 ff.), zu welcher Lappen-
berg (S. 251 f.) die Erläuterung gibt: „Kös tbook sbüdel,
der Buchbeutel, d. h. die Lehre, das Gesetz vom alten Her-
kommen bei Kosten, Hochzeiten," und auf den „Patriot" vom
J. 1725, Nr. 79 verweist, wo gesagt wird, dafs vor kaum 50
Jahren von den Frauen beutelförmige Ueberzüge für Andachts-
bücher noch getragen seien. Männer, wie Rathsherren, Rich-
ter, Vorspraken, scheinen in ähnlicher Weise das Stadtbuch in
einem Beutel bei sich getragen zu haben. Hernach erhält je-
ner Beutel die Bedeutung einer Sammlung alten Herkommens
und Schlendrians. Vgl. ferner Schmeller, bayer. Wbch. P, 198,
wo es heifst : Das alte Wahrzeichen Hamburgs, der weltbekannte
Bocksbeutel, eine weibliche Figur an der Petrikirche mit
einem Gesangbuch im Beutel. Es ist in dem grofsen Brande
von 1842 in Flammen aufgegangen. AUgem. Zeitung 1842,
S. 1286." Grimm, Wbch. IL, 206 und die Berichtigung dazu
in Pfeiffer's Germania IL, 301. Richey, idioticon Hambur-
gense 21. Schütze, holstein. Idiot. L, 126.
Dr. Frommann.
*) „Jeder Studirende fordere auf seiner Akademie vom Pro-
fessor der Physik einen Vortrag sämmtlicher Phänomene nach be-
liebiger Ordnung; fängt dieser aber den bisherigen Bocksbeu-
tel damit an: „Man lasse durch ein kleines Loch einen Licht-
strahl" u. s. w., so lache man ihn aus." Goethe 60, 33. „Betrach-
ten wir aber die beiden, sowohl die freien als die strengen Künste,
in ihren vollkommensten Zuständen, so hat sich diese vor Pedan-
terei und Bocksbeutelei, jene vor Gedankenlosigkeit und Pfu-
scherei zu hüten." Goethe 23, 161.
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction : Dr. A. Essen wein. Dr. G. K. Froramann.
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. Sebald in Nürnberg.
BEILAGE ZÜ3I ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1877. JW 4. April.
Chronik des germanischen Museums.
Nürnberg, den 15. April 1877.
Den erfreulichen Mittheilungen über den Fortbau unserer
Karthause in der letzten Numnaer dieses Blattes können wir die
fernere angenehme Nachricht folgen lassen, dal's die städtischen
Behörden von Nürnberg sich bereit erklärt haben, dem Museum
jenen durch das Bauprojekt erforderten, über unsere Besitzlinien
hinausgreifenden Strafsengrund unentgeltlich zu überlassen , wo-
gegen wir einen frei werdenden Theil unseres Eigenthums gleich-
falls unentgeltlich an die Stadt abzutreten hätten. Ebenso haben
die genannten Behörden im Interesse der Feuersicherheit geneh-
migt, dafs die nöthigen Röhrenstränge, anknüpfend an die städti-
sche Wasserleitung, durch unsere Gebäude geführt werden. End-
lich haben sie den Jahresbeitrag der Stadt von 800 auf 3000 m.
mit der Bestimmung erhöht, dafs jener Ueberschufs von 2200 m.
Bauzwecken gewidmet werde.
Gleichzeitig mit obigen Beschlüssen der städtischen Behörden
wurde uns die erfolgte Genehmigung der Uebertragung der städti-
schen Gemäldesammlung in das Museum mitgetheilt, so dal's wir
für alle diese Förderungen nicht warm genug danken können.
Auch von andern Seiten sind uns abermals hocherfreuliche
Unterstützungen zu Theil geworden. Se. Durchl. der souveräne
Fürst von Liechtenstein hat unter schmeichelhaftester Anerken-
nung der stets steigenden Bedeutung des Museums diesem ein Ge-
schenk von 3000 m. zukommen lassen. Die Gesammtfamilie der
Grafen und Freiherren von Egloffstein, sowie Herr Keichsrath
Freiherr von Würtzburg zu Würzburg haben im Anschlüsse an
die früher gemeldeten Stiftungen fränkischer Adelsgeschlechter
je 500 m. für den Augustinerbau gewidmet.
Als ein Zeichen besonderer Pietät haben wir eine Stiftung der
Frau Louise Wagner in München hervorzuheben, welche, anschlie-
fsend an die im Anzeiger Nr. 5 des vergangenen Jahres gemeldete
Zuwendung des Handexemplars aller Stiche ihres Gatten, des
rühmlichst bekannten f Kupferstechers Fr. Wagner, das dieser
noch wenige Tage vor seinem Hinscheiden uns überlassen hatte,
jene köstlichen Zeichnungen, die der Meister mit äufserster Sorg-
falt nach den Originalgemälden angefertigt und seinen Stichen zu
Grunde gelegt hatte, als werthvolles Geschenk übergeben hat,
damit der gesammte künstlerische Nachlafs ihres Gatten als Ehren-
denkmal seines Wirkens bei uns vereinigt sei.
Leider haben wir neben so vielen freudigen Mittheilungen
auch einen Verlust zu beklagen, indem unserem Gelehrtenaus-
schusse durch den Tod des Geh. Oberregierungs - und Baurathes
V. Quast, Generalconservators der Kunstdenkmale von Preufsen,
ein thätiges Mitglied entrissen wurde.
Neue Jahresbeiträge wurden seit Veröffentlichung des letz-
ten Verzeichnisses folgende angemeldet :
Von politischen Coritoratioueu : Eisfeld. Magistrat (st.
fr. 6 m.) 12 m. Görlitz. Magistrat (auf 5 Jahre) 30 m. Helmbrechts.
Magistrat 6 m. Nürnberg. Magistrat (st. fr. 800 m.) 3000 m. Distrikts-
gemeinde (st. fr. 18 m.) 20 m. Schweinfurt. Distriktsgemeinde
(St. fr. 18 m.) 20 m.
Von deutschen Standesherren : Friedrich Graf zu Solms-
Laubach, Erlaucht (st. fr. 51m. 50 pf.) 55 m.
Von Privaten: Altenburg. Theodor Wolf, Advokat, 3 m
Bozen. Aloys Ueberbaoher, Antiquar, 6 m. Breslau. Dr. Häser
Geh. Med.-Rath u. Prof. (st. fr. 3 m.) 5 m. Coburg. Lotz, Staats
rath, 3 m. Dresden. G. Beuchelt, Kaufmann, 5 m.; G. A. Bösen
berg, Kaufmann, 5 m.; Eltzner, Architekt 5 m. Friedberg. Pistor.
Landrichter, 1 m. ; Schüfer, Seminardirektor, 2 m. Fürth. W. WoU
ner, Dr. med., 3 m. Kelpin. Wüstenberg, Kreisgerichtsrath a. D.
3 m. München. Max v. Loe, Ministerialrath (st. fr. 2 fl.) 5 m.
Frau von Prätorius, geb. Gräfin Pappenheim (st. fr. 1 fl.) 3 m
Nürnberg. M. BuUnheimer, Braumeister, (st. fr. 3 m.) 5 m.; G. L
Herforth, Kaufmann, 5 m.; G. Knösel, Direktor der Aktienbrauerei
(st. fr. 3 m.) 5 m.; Karl Maier, Postofficial, 2 m.; Fr. Maser, Kauf
mann, (st. fr. 3 m.) 5 m. ; Heinrich Meerwald, Kaufmann, 3 m.
Christ. Müller, Kaufmann, 5m.; Christoph Rath jun., Flaschner-
meister, 3 m. ; Heinr. Wirthmann, kgl. Generalmajor, 5 m.; Clara
Zippelius, Kaufmannsgattin, 3 m. Prust. v. Natzmer, Gutsbesitzer,
3m. Schweinfurt. Bayer, quiesc. kgl. Gymnasialprofessor, 2m.;
August Fischer, Kaufmann, (st. fr. 2 m.) 3 m.; v. Segnitz, Kauf-
mann, 2 m. Schwerin. Dr. Hensa, Gymnasialdirektor, 3 m. Tu-
chel. Jonas, Kreisrichter, 3 m.; 0. Martens, Kaufmann, 3 m. ; Maske,
Kreisgerichtsrath, 3 m. ; J. C. Schmidt, Stadtverordnetenvorsteher
und Kaufmann, 3 m. ; Wentzke, Seminardirektor, 3 m.
Einmalige Beiträge wurden gegeben:
Von regierenden Häusern : Johann Fürst zu Liechten-
stein, Durchlaucht, 3000 m.
Von Privaten : Friedberg. Jäger, Oberstlieutnant, 2 m.
Für den Augnstinerklosterbau : Grafen und Freiherren
V. Eglofl'stein 500 m. ; Carl Frhr. v. Würtzburg , k. bayr. Kämme-
rer und erbl. Reichsrath der Krone Bayern, 500 m.
Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu :
I, Für die kunst- und kulturgeschicMichen Samm-
lungen.
(Nr. 7765—7771.)
Breslau. Dr. Stickel, Garnisonsauditor: Nürnberger Thaler
von 1765. — Friedberg. Dr. Matthias, Direktor der Taubstum-
menanstalt : Aufruf von M. E. Arndt, Flugblatt von 1814. — Nürn-
berg. Heerdegen, Grofshändler : Holzstock vom 16. Jhdt. M. Pi-
ck er t, Antiquar: Modell eines Friedhofes des 16. Jhdt. Spiefs,
Professor an der Industrieschule : 2 Blätter Kupferstiche von J.
E. Ridinger, 4 Blätter Kupferstiche von J. L. Rugendas nach G.
Ph. Rugendas. — Wien. Dr. Karabacek, Professor: 43 Kurs-
zettel aus den Jahren 1811 — 1813. — Wiesbaden. Julius Mül-
ler, Gerichtsassessor a. D. : 2 galvanoplastische Medaillenkopien.
IL Für die Bibliothek.
(Nr. 36,663—36,776.)
Altkirch. Realprogymnasium: Moormeister, Beiträge zur
Geschichte der Stadt u. Herrschaft Altkirch. 1876. 4. Pr. — Am-
berg. Freiherr Lochner v. Hüttenbach: Biedermann, Ge-
dächtnil's -Predigt als Georg Adam von Varell zu Untersteinach
beygesetzt worden. 1766. 2. — Arnstadt. Fürstl. Gymnasium:
Kroschel, Gedächtnifsfeier der Gräfin Catharina v. Schwarzburg.
1877. 4. — Augsburg. Dr. Fikentscher: Ders., zur älteren Ge-
schichte Creulsens. 8. Sonderabdr. — Barr i. E. Realschule:
Cramer, Jahresbericht etc. 1876. 4. — Berlin. K. preufs. sta-
119
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
120
tist. Bureau: Dass., Zeitschrift etc., 16. Jhg., 1876. Heft III,
IV. 1876. 2. F. A. Herbig, Verlagsh. : Vierteljahrsschrift für
Volkswirthschaft, Politik u. Kulturgesch. , hgg. v. Faucher; XIII.
Jhg. 4. Bd. 1876. 8. Mitscheru.Röstell, Bnchhandl. : v. Borcb,
rechtsgeschichtliche Untersuchungen über d. Familien v. Brandis,
Dohna, Grumbach, Hohenlohe, Makesherve , Surberg. 1876. 8. Dr.
K. Graf Still fr ied-Alcantara: Ders., Kloster Heilsbronn.
1877. 8. — Bern. Frhr. Karl von Estorff: Ders., Brief an
Professor E. Desor. 1876. 8. — Bischweiler. Realprogym-
nasium: Froitzheim, d. westfälische Frieden und Deutschlands
.Abtretungen an Frankreich. 1876. 4. Pr. — Braunsberg. Gym-
nasium: Kawczynski, Polnisch-Preufsen zur Zeit des ersten schwe-
disch-polnischen" Krieges. 1876. 4. Fr. — Bremen. Archiv der
freien Hansestadt: Ehmck ii. v. Bippen, bremisches Urkun-
denbuch ; Bd. III. 1. L. 1877. 4. — Breslau. K. katholisches
St. Matthias-Gymnasium: Merkelt, Untersuchungen über den
Frejja- Mythus. 1876. 8. Pr. Xebst Jahresbericht. — Brieg. Dr.
Ewald Wernicke: Ders., schlesische Steinmetzeichen, b. Son-
derabdr. — Brunn. Buschak u. Irrgang, Verlagsh.: Genealog.
Taschenbuch der Ritter- und Adelsgeschlechter; II. Jhg. 1877. 16.
— Brüssel. Socitite Beige de Geographie: Dies., bulletin ;
I. annee, 1877. No. 1. 8. — Chemnitz. St at ist. Bureau d. Stadt:
Dass., Mittheilungen etc.; 3. Heft. 1877. 2. — Deutz. Progym-
nasium: Schwörbel, Mittheilungen zur Geschichte d. Stadt Deutz.
1876. 4. Pr. — Dresden. K. sächs. statist. Bureau : Dass., Zeit-
schrift etc.; 22. Jahrg. 1876, H. 3. u. 4. 1877. 4. Comite der
Tiedge-Stiftung: Dass., Mittheilungen etc. 1876. 4. Dr. C. F.
V. Gerber, k. sächs. Kultusminister, Exe. : Archiv f. d. sächs. Ge-
schichte, hg. V. K. V. Weber; n. F. HI. Bd. 1876. 8. Vitzthum'-
sches Gymnasium: Arnold, Aristophanis poetae de vera et
falsa misericordia sententia. 1877. 4. Pr. — Elbing. Gymnasium.
Volckmann, die Originalurkunden des Elbinger Stadtarchivs ; I. II.
1875 u. 76. 4. Pr. Reusch, Wilh. Gnapheus, d. erste Rector des
Elbinger Gymnasiums. 1877. 4. Progr. — Emden. Gesellschaft
für b ildeude Kunst : Dies., Jahrbuch, etc.; II. Bd., 2. Heft.
1877. 8. — Frankfurt a. M. Real- u. Volksschule d. israel.
Gemeinde: Bärwald, zur Orientirung über einige Schulfragen;
1877. 4. Progr. Selecten-Schule: Becker, Jahres -Bericht etc.
1877. 4. Verein für Geschichte u. Alterthumskunde :
Ders., Mittheilungen etc.; Bd. V. Nr. 2. Neujahrs -Blatt etc. für
1875. 1876. 4. Batton, örtliche Beschreibung der Stadt Frankfurt
a. M. 7. Heft. 1875. 8. Königstein, Tagebuch ; hgg. v. Steitz. 1876.
8. — Freiburg i. Br. Grofsh. Gymnasium: Häufsner, de Hora-
tianorum carminum libri quarti octavo. 1876. 4. Pr. Herder'-
sche Verlagsh.: Janssen, Geschichte d. deutschen Volkes; Bd. I.
5. 1877. 8. — Friedberg. Dr. L. Matthias: Knorr, Gratulation
zur Vermählung des Grafen Josias zu Waldeck. 1725. 2. Mieg,
Rede am 4. akadem. Jubelfeier (zu Heidelberg). 1786. 4. Volrat
dem Geliebten von seinen Solmsern. 1814. 4. Des Berggeistes
Wanderung vom Schnellert nach dem Rodenstein. 1834. 8. Hs. —
Gera. Fürst). Gymnasium: Augustiny, d. Substantivum in den
gernian. Sprachen. I. 1876. 4. Pr. — Gernsbach. Höhere Bür-
gerschule: Ruppert, Ufgoviana ; I. 1876. 4. Pr. — Görlitz. C. A.
Starke, Verlagsh.: Grünenberg, Wappenbuch, herausg. v. von
Stillfried u. Hildebrandt; 7. Lief. Imp. 2. — Göttingen. Vanden-
hoeck u. Ruprecht's Verlag: Müldener, bibliotheca historica.
24. Jhg. l.Hft. 1876. 8. — Graz. Franz Ferk, Professor: Ders.,
über Druidismus in Noricum. 1877. 8. Sonderabdr. — Gr. Stre-
litz. K. Gymnasium: Gombert, Bemerkungen und Ergänzungen
zu Weigands deutschem Wörterbuche. 1876. 4. Pr. — Halle. Buch-
handlung des Waisenhauses: Zeitschrift f. deutsche Philo-
logie. Bd. VIII. 2. 1877. 8. Latein. Hauptschule: Schmidt,
Schum u. Müller, d. Manuscripte der Waisenhaus-Bibliothek. 1876.
4. Pr. — Hamburg. Realschule der evang. reform. Ge-
meinde: Dahlmann, the Indo-European Systems apara and para
in their development in the Teutonio languages. 1876. 4. Pr. —
Hanau. K. Gymnasium: Dunker, kurze Geschichte d. Bibliothek
des Gymnasiums u. Verzeichniis der alten Drucke derselben. 1877. 4.
— Hannover. Architecten- u. Ingenieurverein: Ders.. Zeit-
schrift, Bd. XXIII ; 1. Heft. 1877. 4. Die Kunst im Gewerbe ; Bd. V.
Hft. ö. 6. 1876. 4. Hahn'sche Ilofbuchhandlung : Monumenta
Germaniae historica : Deutsche Chroniken u. andere Geschichts-
bücher d. Mittelalters ; II. Bd. 2. Abth. 1877. 4. Scriptores rerura
Germanicarum : Liudprandi opera. ed. II. 1877. 8. Neues Archiv
d. Gesellschaft f. alt. d. Geschichtskunde Bd. II. 2, 1877. 8.;
Bodemann, G. W. Leibniz. 1876. 8. — Hildesheim. Bischöfl.
Gymnasium Josephinum; Müller, Nachriclit über d. Biblio-
thek des Gymnasii Josephini. 1876. 4. — Jena. Herrn. Dufft's
Verlagshdig. : Häser, Lehrbuch der Geschichte der Medicin ; Bd.
II, 3 u. III, 3. 3. Autl. 1877. 8. -- Insterburg. Gymnasium:
Wiederhold, Geschichte der Lateinschule zu Insterburg: I. Teil.
1876. 4. Pr. — Köln. K. kathol. Gymnasium an der A postel-
kirche: Dass.; Programm etc.; 17. Schulj. 1876 — 77. 4. Histor.
Verein f. d. Niederrhein: Ders. Annalen etc.; 30. Heft; 1876.
8. — Königsberg. Dr. Reicke: Beheim-Schwarzbach, Colonisato-
risches aus Ostpreulsen. 8. Sonderabdr. K. Wilhelms-Gymna-
sium: Merguet, über den Einflufs der Analogie u. Diflerenzi-
rung auf die Gestaltung der Sprachformen. 1876. 4. — Konstanz.
Gymnasium: Keller, zur Geschichte u. Kritik d. unendlichen
Urtheils. 1876. 4. Pr. — Laibach. Historischer Verein für
Krain: Dimitz , Geschichte Krains bis auf d. J. 1813; 2 Bde ;
1875. u. 76. 8. — Leipzig. K. Expedition der Leipziger Zei-
tung: Wissenschaltliche Beilage der Leipziger Zeitung. Jahrg.
1876. 4. Museum f. Völkerkunde: Dass.; 4. Bericht 1876.
8. E. A. Seemann, Verlagshdig.: Deutsche Renaissauce etc.;
Lief. 70—78. 2. Wilh. Violet, BuchhdI. : Bilderbeck, teutscher
Reichs-Staat. 1715. 4. — Lübeck. Verein für lübeckische
Geschichte: Ders. Zeitschrift etc.; Bd. HL 3, 1876. 8. Bericht
etc. üb. d. J. 1875. 4. — Luxemburg. Comite d' Organisation
du congres international des Americanistes: Dass.,
Conipte-rendu de la seance publique du 29. janvier 1877. 1877. 8.
— Magdeburg. Verein f. Gesch. u. Alterthumskunde d.
Herzogt h. u. Erzstifts Magdeburg: Ders., Geschichts-ßlät-
ter etc.: 12. Jhg. 1877. 1. Hft. 1877. 8. — Mainz. Dr. V. A.
Franz Falk : Das Gnadenkreuz i. d. St. Christophskirche zu Mainz.
1868. 8. — Montabaur. Kaiser Wilhelms- Gymnasium: Wer-
necke, Schulnachrichten. 1876. 4. Pr. — München. T h. Acker-
mann, Buchhdig. . V. Bezold, König Sigmund u. die Reiohskriege
gegen die Husiten ; 3. Abth. 1877. 8. J. Würdinger, Major
a. D. : Ders., Platten - u. Reihengräber in Bayern. 8. Sonderabdr.
— Nürnberg. II. Barbeck, Antiquar: Köhler, Entwiokelung der
Tracht in Deutschland. 1877. 8. A erztli ch er Lokal verein :
V. Dietz u. Cnopf, zur Geschichte d. ärztl. Standes u. des ärztl. Ver-
einswesens in der Stadt Nürnberg. 1877. 4. Hanns v. Weifsen-
bach, Sekr. d. gernian. Museums: Ders., die Stilgesetze der Glas-
malerei 1877. 8. Wolf, Fabrikbesitzer: Francus, relationis hi-
storicae semestralis continuatio; 1668 — 71. 4. — Osnabrück. Gym-
nasium Carolinum. Thyen, d. Bibliothek des Gynmasii Carolini;
2. Abth. 1876. 4. Pr. — Paderborn. Verein i'. Geschichte
und Alterthumskunde Westfalens : Ders., Zeitschrift etc. ;
4. Folge, IV. Bd. 1876. 8. — Posen. K. Marien-Gymnasium:
Hassencamp, Abhandlung über das anlautende F im Griechischen.
Nebst Schulnachrichten 1876. 4. Pr. — Prag. Verein für Ge-
schichte der Deutschen in Böhmen: Ders., Beiträge zur
Geschichte Böhmens ; Abth. IV : Städte-Bücher, 1. Bd. : Stadtbuch
von Brüx, 1876. 4. Ulrich v. Eschenbach, Wilhelm von Wenden,
hgg. von Toischer. 1876. 8. — Riga. N. Kymrael, Buchhdig.:
Pawlowskj', russ.-deutsches Wörterbuch : 2. Aufl. 1876. 8. — Ro-
stock, Gymnasium u. Realschule: Labes, comparantur inter
se Ph. Melanchthonis loci theologici et Jo. Calvini institutio re-
ligionis christianae. 1877. 4. Pr. — Schwerin. Verein f. meklen-
burgische Geschichte u. Alterthumskunde: Ders., Jahr-
bücher u. Jahresbericht; 41. Jhg. 1876. 8. — Stralsund. Gymna-
sium: Mojean, städt. Kriegseinrichtungen im 14. u. 15. Jahrh.
1876.4. Pr. — Thann. Real-Prögy mna sium: Riechelmann,
Beitrag zur Gieschichte des früheren College communal de Thann.
1876. 4. Pr. — Tübingen. Universität: Uuiversitätsschriften aus
dem J. 1875. 1875. 4. XXII. Zuwachsverzeichnifs der k. Univer-
sitätsbibliothek 1874—75. 4. Systemat. -aiphabet. Haupt-Katalog
etc. C. Philologie, Bgn. 15,2—26. 1876. 4. u. 9 weitere akadem.
Gelegenheitsschriften. — Ulm. k. Gymnasium: Germann, das
irreguläre Siebeneck des Ulmer Mathematikers Job. Faulhaber.
121
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
122
1876. 4. Pr. — Weimar. Herrn. Böhlau, Verlagshdlg-. : Zeit-
schrift für Rechtsgesohichte ; Bd. XIII ]. 1876. 8. — Wertheim
a. M. Grofsh. Gymnasium: Platz, Beiträge zur Geschichte des
Wertheimer Gymnasiums. 1876. 4. Pr. — Wien. Kais. Akademie
d. Wissenschaften: Dies., Sitzungsberichte etc. philosoph.-hi-
stor. Cl. Bd. 80. 4. Ilft. — 82., 2. Hft. 1875 u. 76. 8. Denkschrif-
ten etc. philos.-histor. Cl., 24. u. 25. Bd. 1870. 4. Almanach etc.,
26. Jhg. 1876. 8. Archiv etc., Bd. 54, 1. 1876. 8. Fontes etc.,
Abth. II. 38. Bd. 1876. 8. Karabacek, Univers. Professor:
Speculum exemplorum. Argent. 1495. 2. — Wiesbaden. Heinr.
Killinger, Verlagshdl. : Arnim u. Brentano, des Knaben Wunder-
horn, neu bearb. v. Birlinger u. Crecelius ; 18. — 22. Lfg. 1876. 8.
— Zabern. Gymnasium: Peltzer, Programm etc. 1876. 4. —
Zella S. Bl. G. Späth, Bürgermeister: Ders., ein durch das
Reichsoberhandelsgericht endgültig entschiedener Procefs. 1877. 8.
III. Für das Archiv.
(Nr. 4514—4515.)
Friedberg i.d.W. Dr. Matthias, Direktor d. Taubstummen-
anstalt : Brief der Frau Sophia Magd. Hilchen an ihren Gemahl
Herrn Hilchen, kurmainzischen Hofrath und ersten Syndikus der
unmittelbaren Reichsritterschaft in Friedberg. 1752. Pap. Orig. —
Brief Kaiser Joseph's II. an den Feldmarschall Lasky. 1790. Pap.
Abschr.
Schriften der Akadeinieen, Museen und liistorisclicn Vereine.
Beiträge zur Geschichte Böhmens. Herausgegeben
vom Vereine für Geschichte der Deutschen in Böhmen.
Abth. IV. Städte- Bücher. Bd. I. Stadtbuch von Brüx. Bear-
beitet von Dr. L. Schlesinger. Prag. Im Selbstverlag des Ver-
eins. Leipzig und Wien. In Comm. bei F. A. Brockhaus. 1876.
4. Vni u. 236 Seiten. — (Mit Abbild.)
Bibliothek der mittelhochdeutschen Litteratur in
Böhmen. Herausgegeben von Ernst Martin mit Unterstützung
d. Vereins f. Geschichte der Deutschen in Böhmen.
Bd. I. Wilhelm von Wenden, ein Gedicht Ulrichs von Eschenbach,
herausgegeben von Wendelin Toischer. Prag. Verl. des Verems,
in Comm. bei F. A. Brockhaus in Leipzig. 1876. 8. XXXIV
u. 223 Seiten.
Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften. Philosophisch-historische Classe. LXXX. Bd.
Hft. IV. LXXXI. Bd. Hft I. 11. III und LXXXII. Bd. Hft. I u. II.
AVien. 1875 und 76. 8.
Wortschatz und Sprachformen der Wiener Notker-Handschrift.
I. und II. Von Heinzel. —
Almanach derselben Akademie. Sechsundzwanzigster Jahr-
gang. 1876. Wien 1876. 8.
Archiv für österreichische Geschichte. Herausge-
geben von der zur Pflege vaterländischer Geschichte
aufgestellten Commission ders. Akademie. Vierundfünfzig-
ster Band. Erste Hälfte. Wien 1876. 8.
Des Abtes Heinrich zu Bretenau Passio (inedita) S. Thimmo-
nis Archiepiscopi Juuauiensis. Von Dr. Nolte. — Die Krönungs-
ordnung der Könige von Böhmen. Von Dr. Johann Loserth. —
Ein Jahr böhmischer Geschichte. Georgs von Podiebrad Wahl,
Krönung und Anerkennung. Von Adolf Bachmann. — Archiva-
lische Reisen im vorigen Jahrhundert. Mitgeth. von Dr. Häutle.
Denkschriften ders. Akademie. Philosoph.- histor. Classe.
Vierundzwanzigster Band. Wien. 1876. 4.
Römische Bildwerke einheimischen Fundortes in Oesterreich.
Von Conze. (Mit Abbild.) — Fünfundzwang'igster Band. Ueber
die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europa's
V. V. Miklosich. Die catalanische metrische Version der sieben
weisen Meister. Von Mussafia. — Zur Kritik und Quellenkunde
der ersten Regierungsjahre K. Karls V.
Fontes rerumAustriacarum. (österrreicbische Geschichts-
quellen). Herausgeg. von d. histor. Commission ders. Akademie.
II. Abtheilung. Diplomataria et acta. XXXVIll. Bd. Wien. 1876.
8. XXVIII und 437 Seiten.
Der Congrefs von Soissons. Nach den Instructionen des kai-
serlichen Cabinetes und den Berichten des kaiserlichen Botschaf-
ters Stefan Grafen Kinsky herausg. von C. v. Höfler. II. Bd.
Die Instructionen und Berichte der kaiserlichen Botschafter in
Paris vom 2. Januar 1730 bis zum 6. März 1782.
Kunst u. Gewerbe. Wochenschrift zur Förderung
deutscher Kunst-Industrie. Herausgegeben vom Bayrischen
Gewerbemiiseum zu Nürnberg. Redigirt von Dr. 0. von Schorn.
Elfter Jahrgang. Nr. 12—17. Nürnberg. 1877. 8.
Ueber dekorative Wandmalerei. Vortrag von Dr. J. Stock-
bauer. — Aus der deutschen Kunst- und Kunstindustrie- Ausstel-
lung in München. VI. — Kleine Nachrichten. Mit Abbildungen:
Steinzeugkrug, 16. Jahrhdt. ; alte Venetianer Gläser u. Glocke;
Initialen aus dem 11. — 12. Jahrhdt.; Leinenstickerei und Buch-
deckel aus d. 16. Jahrhdt.
Mittheilungen des bayrischen Gewerbemuseums
zu Nürnberg. Beiblatt zur Wochenschrift : Kunst und Gewerbe.
Redigirt von Dr. C. von Schorn. IV. Jahrg. Nr. 7—9. 1877. 8.
Bekanntmachungen. — Museums- Angelegenheiten. — Feuilleton.
Notizen. — Anzeigen.
Jahresbericht des Bayrischen Gewerbe museums
für 1876.
Neujahrs-Blatt des Vereins für Geschichte und
Alterthumskunde zu Frankfurt a. M. f. d. J. 1875 u. 1876.
Frankfurt a. M. 1875 u. 76. 4. Enthalten :
Das A ufruhrbuch der ehemaligen Reichsstadt Frankfurt a. M.
vom Jahre 1525. Zum ersten Male herausgegeben von G. E.
Steitz. . . . Frankfurt a. M. Selbstverlag des Vereins. 1875. 4.
XII. u. 52 Seiten.
Frankfurter Concert- Chronik von 1713 — 1780. Zusammengest.
von Carl Israel. Frankfurt a. M. Selbstverlag des Vereins. 1876.
4. 74 Seiten.
Oertliche Beschreibnng der Stadt Frankfurt am
Main von Job. G. Battonn. Aus dessen Nachlasse herausge-
geben von dems. Vereine durch den Director Dr. L. H. Euler.
Siebentes Heft, die Beschreibung von Sachsenhausen enthaltend.
Frankfurt a. M. Veriag des Vereins. 1875. 8. (M. Abbild.) VI.
u. 244 Seiten.
Tagebuch des Canonicus Wolfgang Königstein am
123
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
124
Liebfrauenstifte über die Vorgänge seines Capitels und die Ereignisse
der Reichsstadt Frankfurt am Main in den Jahren 1520 bis 1548.
Im Namen desselben Vereines .... herausgegeben . . . von
Dr. Georg Eduard Steitz . . . Frankfurt a. M ., Selbstverlag d.
V. 1876. 8. XIX u. 224 Seiten.
Mittheilungen an die Mitglieder desselb. Vereins
V. Bd. Nr. 2. Juli 1875. Frankfurt a. M. 8.
Vereinsangelegenheiten. — Miscellen. — Studienkosten Peter's
zum Jungen 1451. Mitg. von Dr. Baur. — Alte Wallfahrtsorte
in Oberhessen. Von Dr. Falk. — Die historischen Beziehungen
von Frankfurt zu Nordamerika. Von Dr. W. Stricker. — Eine
Weltausstellung des sechszehnten Jahrhunderts. — Zur Geschichte
der Senkenbergischen Stiftshäuser. Von Dr. W. Stricker. — Nach-
trag zu dem Neujahrsblatt des Vereins für 1874 : zur Rechtsge-
schichte der Reichsstadt Gelnhausen. Von Dr. I'^uler. — Beschrei-
bung eines alten Schuhhorns. Von 0. Cornill. — Mittheilungen
aus meiner Bibliothek. Von Dr. Euler.
Jahrbücher des Vereins für m eklen burgische Ge-
schichte u n d Alt erthumskunde, aus den Arbeiten des Ver-
eins herausgeg. von Dr. G. C. Friedrich Lisch. Einundvierzigster
Jahrgang. Mit angehängten Quartal- und Schlufsberichten. Schwe-
rin. 1S76. 8*)
A. Jahrbücher für Geschichte. Aus dem Leben der
Königin Sophie Louise von Preul'sen, von Archivrath Dr. Wigger.
— Ueber Herzogin Anna, Tochter des Herzogs Magnus IL von
Meklenburg. Von dem Geh. Archivrath Dr. G. C. F. Lisch. —
Ueber den Bildhauer Rudolph Kaplunger und sein Bild, von dems.
— Ueber Heinrich Alkopf zu Wismar. Von dems. — Ueber
die Johanniter-Comthureien Mirow und Nemerow, von dems. (Mit
Abbild.) — Ueber die Drenow auf Poel, von dems. — Ueber
die Bisthuras- und Kirchspiels - Grenzen bei und in Wismar, von
Dr. Crull. (Mit Abbild). — Ueber die Verwandtschaft des Meklen-
burgischen Fürstenhauses mit den Königen von Schottland, von
Archivrath Dr. Wigger. — Ueber ein Bild der Prinzessin Katha-
rina, Enkelin des Herzogs Carl Leopold, von Amtmann Schlett-
wein. — Zur Geschichte d. alten Schlofsbaues zu Schwerin, v. Geh.
Archivrath Dr. Lisch. B. Jahrbücher für Alterthumskun de.
I. Zur Alterthumskunde im engern Sinne. 1. Vorchristliche Zeit
a — d. 2. Christliches Mittelalter und neuere Zeit. II. Zur Bau-
kunde. Christliches Mittelalter. Kirchliche Bauwerke. Kirche
und Pfarre Vellahn, von Archivrath Dr. Lisch. Kirche zu Rus-
sow. Von dems. Kirche zu Kirchdorf auf Poel, v. Dr. Crull.
III. Zur Münzkunde. Münzfund von Granzin. Vom Archivrath
Dr. Lisch. Münzfund von Züsow. Von dems.
Zeitschrift desVereins für Lübeckische Geschichte
und Alterthumskunde. Band 3. Heft 3. Lübeck, Ferdinand
Grautoff. 1876. 8.
Gesandtschaftsbericht über die Theilnahme der Hansestädte
an den Friedensverhandlungen zu Brörasebro im J. 1645. Mitge-
theilt von Staatsarchivar Wehemann. — Bericht über die Gesandt-
schaft der Hansestädte nach Stockholm zur Beglückwünschung
der Königin Christine im J. 1645. Mitgetheilt von dems. — Hein-
rich Brehmer, b. R. Dr., Senator der freien Hansestadt Lübeck
Von dems. — Beköstigung aus dem Jahre 1542. Mitgetheilt v.
Professor Mantels. — Niedersächsische geistliche Gedichte. Mit-
getheilt von dems. — Ein verschollener Lübecker Festtag. Von
Dir. Krause. — Beiträge zur Lübeckischen Glockenkunde. Von
Dr. jur. Theodor Hach. — Kleine Mittheilungen. Von Staats-
archivar Wehrmann. — Beitrag zur Zeitbestimmung der Lübischen
auf Leinen gestickten Altardecke aus dem 14. Jahrhundert. Mit-
getheilt v. Prof. Mantels. — Vereinsangelegenheiten.
Bericht dess. Vereins über das Jahr 1875. 4.*)
Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche
Geschichtskunde zur Beförderung einer Gesammtaus -
gäbe der Quellenschriften deutscher Geschichten des
Mittelalters. Zweiter Band. Zweites Heft. Hannover. Hahn'-
sche Hofbuchhandlung. 1877. 8.
Reisebericht. Von Wilh. Arndt. — Reise nach Lothringen,
Nordfraukreich u. Belgien v. Octob. 1875 bis März 1876. Von
Joh. Heller. — Reise nach Italien im Frühjahr 1876. Von
G. Waitz. — Bericht über eine Reise nach Steyermark im August
1876. Von W. Wattenbach. — Miscellen : Einige Bemerkungen
über die Bibliothek des verstorbenen Sir Thomas Philipps. Von
R. Pauli. — Aus Oxforder Handschriften. Von dems. — Aus
Handschriften. Von W. Wattenbach. — Todesanzeige des Bi-
schofs Otto von Gurk (1214). Von G. Waitz. — Nachrichten.
Vermischte Nachrichten.
43) Auf einem völlig unbebauten und mit Steinen dicht über-
säeten Feld der Gutsherrschaft Brzezie (Kreis Pleschen , Provinz
Posen) wurden von dem Eigenthümer, Herrn v. Sieminski, als er bei
einem grofsen Stein ausgraben liefs, um ihn dann zu zersprengen,
in grofser Anzahl Spangen und Ringe von reinem Golde aus der
vorgeschichtlichen Zeit aufgefunden. Ihr Werth wird auf minde-
stens 30,000 m. geschätzt. Ein Posener Goldarbeiter hat eine der
kleineren Spangen, auf 36 Ducaten gewerthet. Aehnliche Ringe
und Spangen besitzt auch das Kunst- und Alterthums- Museum
des polnischen Vereines der „Freunde der Wissenschaft" zu Posen.
Doch sind dessen Stücke an Spangen und Ringen nur aus Bronze.
(Wartburg Nr. 8.)
44) Bei Rauschenberg am Rhein wurden sehr ausgedehnte
alte Gräberstätten ausgegraben, welche unzweifelhaft germanischen
Ursprunges sind und, wie man mit der Sicherheit höchster Wahr-
scheinlichkeit annehmen zu dürfen glaubt, der Periode des 4. Jahr-
hunderts angehören mögen. (Dieselbe.)
Soll diese Mittheilung wol denselben Fund kundgeben wie
die folgende ?
45) Römische Funde bei Reuschenberg. Bei den vom
Kölner Alterthumsverein unter Leitung des Betriebsinspektors
der Köln -Mindener Eisenbahn vorgenommenen weiteren Aus-
grabungen bei Reuschenberg ist wieder eine grofse Reihe von
Gräbern aufgedeckt worden. Mehrere derselben zeigten weiter
nichts als Asche und Reste verbrannter Gebeine. Verschiedene
andere enthielten einfache Graburnen von rohem Thon, der bei
der leisesten Berührung an der Lufl zerfiel. In zwei Grabstätten
fanden sich römische Urnen von terra sigillata oder richtiger are-
tinischem Thon. An der Beschaffenheit dieser rothen Erde läfst
sich annähernd die Zeit bestimmen , in welcher die Knochenreste
*) Der 40. Jahrg. ist uns nicht zugekommen.
*) Berieht über d. J. 1874 ist uns nicht zugekommen.
125
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
126
beigesetzt worden sind. Die Gefäfse aus der Zeit der Kaiser
des Augusteischen Hauses zeichneD sich von den späteren durch
Schönheit der Form, durch Feinheit der Masse und Güte der Ar-
beit aus. Auffallend verschieden von ihnen sind die Urnen, Krüge
und Schalen aus den Gräbern des zweiten Jahrhunderts. Die
Form bleibt zwar noch dieselbe, aber die Masse, ihre Bearbeitung
und Färbung verschlechtert sich und zeigen den Verfall der
Töpferkunst. Die gebrannten Gefäfse von terra sigillata aus der
Zeit der ersten Kaiser haben die schönste, glänzendste Röthe,
eine steinartige Härte, einen metallhellen Klang, reiche, mannig-
faltige Ornamente. In der Zeit der Flavier ist die Erde zwar
noch echt, wie man an dem rothen Bruche sehen kann, aber schon
nicht mehr so rein und fein ; sie scheint mit gewöhnlichem Thon
vermischt zu sein. In den Gräbern aus der Zeit der Antonine
findet man keine rothen Thongefäfse von echter arentinischer Erde.
Die Formen sind zwar noch gefällig, aber das Material ist eine
eigens präparierte, mit einer künstlichen Glasur versehene gemeine
Thonerde; sie kann weder in Bezug auf den Glanz , noch auf die
Haltbarkeit den Vergleich mit dem echten Thon aushalten. Die
beiden bei Reuschenberg ausgegrabenen Urnen stammen unzwei-
felhaft aus der Zeit der Antonine ; sie zeigen nicht den feinen,
reinen Thon der ersten Kaiserzeit, sondern den gemischten und
imitierten aus dem Ende des zweiten und Anfang des dritten Jahr-
hunderts nach Christi Geburt. Die eine ist 7 Centim. breit und
3 Cent, hoch, ohne jedes Ornament und scheint vor ihrer Ein-
setzung in das Grab schon zu anderen Zwecken in Gebrauch
gestanden zu haben ; die andere, 8 Centim. breit und 4 Centim.
hoch, zeigt ein aus Blumen, Sternen und gewundenen Stäben be-
stehendes zierliches Ornament. Die Scherben der anderen Urnen
aus einheimischem , grauem oder schwärzlichem Thon sind theil-
weise ganz glatt , theilweise mit Rippen und Punkten versehen.
Unter den Knochenresten fand sich neben geschmolzenen Bronze-
stücken eine römische Fibula, dann ein kleines, dünnes, noch
sehr scharfes Schabinstrument, Reste von schön geschnittenen el-
fenbeinernen Messergriffen und ein ziemlich grolses Stück eines
zierlich gearbeiteten Kammes von Elfenbein. Beim Eintritt günsti-
gerer Witterung werden die Ausgrabungen fortgesetzt, bis das
ganze Todtenfeld blofsgelegt ist. (Köln. Zeitg.)
46) Auf dem Terrain zwischen Dürkheim und Worms, das
jeden Tag Reste der Vorzeit an den Tag bringt, entdeckte un-
längst ein Landmann beim Roden eines Weinberges ein Grab, das,
ohne Zweifel der fränkisch-alemanischen Periode angehörig, merk-
würdig ist durch die Art der Bestattung und die Beigaben. West-
lich von Freinsheim, auf das Hardtgebirge zu, fand er auf der
„Zollstak" 1 Meter im Boden einen wohlerhaltenen Leichnam,
dessen Gesicht genau nach Osten schaute. Der Schädel, gut er-
halten, trägt stark dolichocephalen Charakter; eine Messung er-
gab als Längenbreitenindex 70. Zur Seite lagen dem Skelet: ein
eisernes Messer, einschneidig, Länge 40 Centimeter, ein eiserner
Speer von 75 Centimeter Länge, dessen Spitze allein eine Länge
von 22 Cent, besitzt, eine eiserne Scheibe von 8 Cent. Durchmes-
ser, 1 Cent. Dicke, 2 eiserne Pfeilspitzen von 12 Cent. Länge,
Fragmente eines Halsschmuckes, die aus grünen Thonperlen, durch-
bohrten Stückchen von Achat und Feldspath, sowie einem Bronze-
ringlein (1 Cent. Durchmesser) bestehen , Bruchstücke einer Urne,
deren Reste aus nicht verzierten , regelmäfsig gestalteten , dicken,
nicht mit Graphit geschwärzten Scherben bestehen. Das Gefäfs
hatte eine ziemliche Ausbeugung im untern Theile. Von Stein-
setzung fand sich nichts; dicht daneben grub man vorher einen
steinernen Sarg aus, den der Ackersmann wieder eingrub, ohne
ihn zu öffnen. Die Gegenstände befinden sich im Dürkheimer
Alterthumsverein. Der ganze Habitus des Schädels, der Thonper-
len, des Bronzeringleins u. s. w. erinnert an die Reste der Wei-
fsenheimer Gräber. (Korresp. v. u. f. D., Nr. 156.)
47) Beim Anlegen von Weinbergen entdeckte, am westlichen
Rande der Rheinberge nördlich von Worms, in Aisheim Gutsbe-
sitzer Braun eine Todtenstätte mit trefflich erhaltenen Skeletten
mit dolichocephalen Schädelformen. Als Beigaben treffen wir von
Eisen : Spatha, Scramasax und Angon, von Bronze : Bulla, Finger-
ringe, Halsketten ; von Glas u. Thon : hübsche Perlen. Aufserdem
grub man Elfenbeinstüoke, Kammfragmente, Steinamulette,
Römermünzen in durchlöcherten Exemplaren aus. Die Leichen
lagen mit dem Gesichte nach Osten, wahrscheinlich zwischen zwei
Brettern, am Haupte lag je ein Stein. Das Todtenfeld trägt früh-
fränkischen Charakter; nach den Beigaben möchte es aus dem
Anfange des 5. Jahrhunderts herrühren. C. M.
48) Die Darmstädter Zeitung vom 7. d. M. bringt einen sehr
eingehenden Bericht über Ausgrabungen und Untersuchungen auf
dem Petersberge bei Gau-Odernheim, wo die Reste einer romanischen
Kirche zum Vorschein kamen, die seit der Reformation, wo sie
aufhörte, dem Cultus zu dienen, verfiel und als Steinbruch benützt
wurde, so >lafs zuletzt über der Erde keine Reste mehr sichtbar
waren. Durch Grabung wurde der allgemeine Grundrifs, sowie eine
ausgedehnte Cryptenanlage festgestellt, und aus den Details, ins-
besondere den Säulenfüfsen, nachgewiesen", dafs das Bauwerk etwa
der Mitte des 12. Jhdts. angehört hatte. Auch Gräber fanden
sich unberührt vor, von denen das eine eröffnet wurde und eine
scheinbar viel ältere Bestattungsweise zeigte, ohne dals besondere
Funde gemacht worden wären. Die Lage der Gräber, unmittel-
bar an der Fundamentmauer der Kirche, gestattet es jedoch nicht,
dieselben für älter zu halten, als den Bau selbst, und es zeigt sich
also auch hier wieder, wie lange sich einzelne Gebräuche erhielten.
49) Der ungarische Primatialarchitekt, Ritter v. Lippert, hat
bei genauer Untersuchung des Domes zu Fünfkirchen, die zum
Zwecke der Aufstellung eines Restaurationsprojektes erfolgte, eine
interessante Anlage entdeckt, zu der Parallelen bisher nicht be-
kannt geworden sind. In dem von der Crypta zugänglichen Un-
terbau des nordöstlichen Thurmes, welcher eine Kapelle enthält,
findet sich in einer Nische ein Steinbau, der einem Altartische
gleicht, dessen obere Fläche jedoch innerhalb des Randes eine
Vertiefung der ganzen Fläche von etwa 10 Centim. zeigt und mit
einem Loche zum Ablaufe von Flüssigkeit versehen ist, darüber
ein Aufsatz, ein rother Marmorblock , zu zwei Becken ausgehöhlt,
die an den Vorderseiten Oeffnungen haben, aus denen Reste von
Röhren (Hähne V) hervorragen, deren auslaufende Flüssigkeiten
in der Mulde der Mensa sich sammeln und von dort abfliefsen
sollten. Eingehauene gothische Buchstaben A und V (aqua und
vinum), wie solche auch auf den Mefskännchen sich finden, beleh-
ren uns, dafs das eine Becken Wein, das andere Wasser enthalten
sollte. Während diese Anlage, die den gothischen Stil zeigt und
schon von Henselmann in seiner Beschreibung des Domes zu Fünf-
kirchen als Piscina bezeichnet wurde, etwa dem 15. Jahrh. an-
geliören mag, fand Lippert aufserhalb des Domes einen Stein,
welchen er sofort als Vorgänger jenes doppelten Beckens mit den
127
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
128
gothischeii Minuskeln erkannte. Er enthält gleichfalls zwei Be-
cken, deren Mündungsöfinungen durch verstümmelte Thierküpfe,
einen Löwen- und einen Greifenkopf (V), gehen. Neben denselben
sind an der Vorderfläche kleine schildartige Vertiefungen ange-
bracht, in denen ehemals Einlagen von Metall oder anderem Stein
an<»ebracht waren, auf denen wohl auch die Buchstaben standen.
Dieses Becken, von weifsem Marmor, zeigt in allen Formen den
Stil des 13. Jahrhunderts und mag also im 15. beseitigt und durch
das jetzige ersetzt worden seien.
Eine ähnliche Anlage ist bis jetzt nicht bekannt. Wozu
diente sie? Lippert stellt die Vermuthung auf: weil es im Mit-
telalter Sitte war, in der Osterwoche in der Crypta zu communi-
cieren, so sei anzunehmen, dafs der Priester hier in einem gro-
fsen Kelche Wasser und Wein gemischt uud die Mischung den
Gläubigen nach der Communion gereicht habe.
Vielleicht aber, und das ist unsere Vermuthung, war der Zweck
einfach der, für den grofsen Clerus, der täglich die Messe feierte,
den uöthigen Wein und das Wasser an einem kühlen Orte aufzu-
bewahren und bequem die vielen Melskännchen der Reihe nach
füllen zu können.
50) In Ulm beabsichtigt man, den 16. Juni, den fünfhundertsten
Jahrestag der Grundsteinlegung des Münsters, festlich zu begehen.
Bei grofsen Vorbereitungen hofl't man auf zahlreiche Theilnahme
von aufsen.
51) Im Schlosse Monbijou zu Berlin, das längst eine grotse
Zahl von Erinnerungen an die verstorbenen preufsischen Herrscher
enthielt, wurde nunmehr ein Hohenzollern-Museum eingerichtet und
vom Verein für die Geschichte Berlins am Geburtstag des Kaisers,
22. März, eröffnet. Es sind gemüthvolle historische Erinnerungen,
welche die Fürsten zeigen, wie sie in ihrem Privatleben, im Kreise
ihrer Familie sich bewegten. Es sind Möbel, Hausgeräthe, Tep-
piche, die sie umgaben, Kleidungsstücke, die ihnen gedient haben.
Jede Abtheilung gibt auf diese Weise aber auch ein Gesammtkultur-
bild der Zeit eines Regenten, so dafs das Museum zugleich ein
kulturgeschichtliches im vollsten Sinne des Wortes ist. In der Er-
öffnungsrede gab Dr. Dohme auch einen Abrifs bis aufwärts zum
Jahr 1603 über die Geschichte der preufsischen Kunst-, Raritäten-,
Silber- und Schatzkammer, aus denen die jetzt so bedeutenden
Berliner Museen herangewachsen sind.
52) Die Uebersiedelung der k. k. Akademie der bildenden Künste
zu Wien in ihr neues Prachtgebäude gab Veranlassung zu einer
historischen Kunstausstellung, durch welche eine Uebersicht über
den gesammten Gang des Kunstlebens in Wien, resp. Oesterr«ch,
seit Gründung der Akademie zur Anschauung gebracht wird.
Sie wurde, in Verbindung mit der feierlichen Wiedereröffnung,
am 3. April dem Besuche übergeben. Es sind architektonische
Risse und Modelle, Skulpturen, Medaillen, Gemälde, Kupferstiche,
und sonstige Werke der vervielfältigenden Kunst u. s. w. ver-
treten. Die Betheiligung an der Ausstellung durch Darleihung
entsprechender Werke war eine erfreuliche, das Interesse, welches
ihr entgegengebracht wird, ist schon jetzt ein Allgemeines. Die
Auswahl und Leitung ist eine verständige, die Zahl der Werke
eine namhafte, die Anordnung eine vortreffliche. Sind auch Zeiten
zu vertreten, in denen trostlose Leere auf dem Kunstgebiete über-
haupt herrschte, so stand doch, seit die Akademie herrschte, zu
anderer Zeit Wien wiederholt an der Spitze der deutschen Kunst-
bewegung. Das Bild einer fast 200jährigen Kulturentwicke-
lung aber bietet das höchste Interesse.
53) Im bayrischen Gewerbemuseum zu Nürnberg findet im
Monate September eine Ausstellung statt, welche die PJntwickeluno-
der graphischen Künste vom Beginne des 16. Jahrh. bis auf un-
sere Tage, in Rücksicht auf die technische wie künstlerische Seite,
darstellen wird. Von besonderem Interesse wird natürlich der
Theil werden, welcher die ältere Periode vor Augen führt.
54) Ueber die in Berlin abgehaltenen Konferenzen der
Mitarbeiter an der europäischen Staatengeschichte er-
fährt die „Magd. Ztg.", dafs sich die Berathung hauptsächlich auf
die Wahl der Verfasser der deutschen Geschichte bezogen hat und
beschlossen wurde, den ersten Band, der die germanische Urzeit
auf Karl bis den Grofsen umfassen wird, von Felix Dahn (Königs-
berg) verfassen zu lassen. Den zweiten Band, der von der Auflö-
sung des karolingischen Reiches bis zu Rudolf von Habsburg reicht,
übernimmt W. von Giesebrecht (München). Der dritte Band, der
die Geschichte des deutschen Reiches bis zum Anfange der Refor-
mation umfafst, hat Fr. H. Wegele (Würzburg) zum Verfasser. Für
den vierten Band, die Periode der Reformation und der Religions-
kriege, ist August Kluckhohn (München) gewonnen. Karl Heigel
(München) schreibt den fünften Band, der das Jahrhundert nach
dem westfälischen Frieden behandelt. Das Zeitalter Friedrichs
des Grofsen und Maria Theresia's, das- den sechsten Band bildet,
übernimmt Alfred Dove (Breslau). Alfred Dove wird auch im
siebenten Bande die Auflösung des Reiches und die Begründung
des Deutschen Bundes behandeln, und Richard Röpell (Breslau)
umfafst im achten Bande die Zeiten des Deutschen Bundes und
die Begründung des neuen Reiches. Sämmtliche acht Bände wer-
den 1880 fertig sein. Hierdurch erfährt die bekannte Heeren-
Uckertsche Sammlung, die in der deutschen Literatur seit vielen
Jahrzehnten einen hervorragenden Platz einnimmt, eine werthvolle
Erweiterung. (D. Reichsanz., Nr. 84.)
55) In Paris hat am 7. April die Auktion der Kunstschätze
des Herzogs von Berwick und Alba begonnen. Für die Bedeutung
der Sammlung, aber auch für die Sorgfalt, welche die Franzosen
solchen Arbeiten zuwenden, mag angeführt sein , dafs der von den
Autoritäten Frankreichs auf den betreffenden Gebieten verfafste
und von den trefflichsten Stechern illustrierte Katalog die Summa
von 20,000 Frcs. gekostet hat und so zu einem bleibenden Denk-
mal der nun zersplitterten Sammlung geworden ist. Leider haben
wir ihn nicht zu Gesicht bekommen. Zeitungsberichte nennen als
das wichtigste 75 Stück gewirkte flanderische Tapeten des 16. — 18.
Jahrh. Unter den Gemälden wird u. a. Rubens genannt, ebenso
die bedeutende Kupferstichsammlung hervorgehoben.
Verantwortliche Redaction : Dr. A. Essen wein. Dr. G. K. Frommann.
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. Seb.ild in Nürnberg.
Pirürnberg'. Das Abonnemeat des Blat-
tes, welches alle Monate erscheint, wird
ganzjährig angenommen und beträgt nach
der neuesten Postconvention bei allen Post-
ämtern und Buchhandlungen Detttschlands
incl. Oesterreichs 3 ti. 36 kr. im 24 fl.-Fuis
oder 6 M.
Für Frankreich abonniert man in
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P. Küncksieck, Nr. 11 rue de Lille; für
AniZEidiER
FÜR KM DEII
Nene Folge.
England bei Williams & Norgate, 14 Hen-
rietta-Street Covent - Garden in London ;
für Nord-Amerika bei den Postämtern Bre-
men und Hamburg.
Alle für das german. Museum be-
stimmten Sendungen auf dem Wege dea
Buchhandels werden durch den Commis-
sionär der literar. -artiat. Anstalt des Mu-
seums, F. A. Brockhaua in Leipzig, be-
fördert.
Yierundzwanzigster Jahrgang.
ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1877.
JW5.
Mai.
Wissenscliaftliche Mttheijungen.
Die Pistolen vom 15. — 17. J.ahrhuuderte.
Die älteren mitteralterlichen Handbüchsen haben verbält-
hältnifsmäfsig kurze Läufe. Was dem Laufe an Länge abgeht,
wird durch Zusatz eines Stieles, der rückwärts eingeschoben
ist, ersetzt, so dafs die Handhabung erleichtert wird. Es sind
uns jedoch keine Stücke Fig. i.
in Original noch Abbildung
bekannt geworden, die in
der Weise unserer Pistolen
ohne langen Stiel für die
Benützung blos einer Hand
bestimmt gewesen wären.
Es konnte natürlich daran,
so lange nicht Schlösser im
Gebrauche waren, nicht gedacht werden.
Solche linden wir zuerst etwa zwischen 1460 und 1470,
als bereits auch die Läufe etwas an Länge gewonnen hatten.
Der Codex German. 734 der Münchener kgl. Hof- und Staats-
bibliothek, von Johannes Formschneider, Büchsenmeister in Nürn-
berg, (der 1440 als Bürger aufgenommen wurde) geschrieben
und gezeichnet, w^elcher sagt, dafs er die Künste darin nie-
derlege die er in Nürnberg erst 30 Jahre geheim gehalten
habe, dessen Entstehung also wol in jenes Jahrzehnt gesetzt
werden mufs, zeigt geschäftete Handbüchsen mit sehr deutlich
gezeichnetem Hahn. Ebensolchen finden wir auf den Handbüchsen
in fler Breslauer Handschrift des Froissart von 1468. In deut-
lichster Weise zeigt uns nun der Cod. Germ. 599, der wenigstens
V4naKÖP.
zum Theil von der Hand des Amberger Büchsenmeisters Martin
Merz (t 1501) herrührt und etwa ein Jahrzehnt jünger ist als
der Formschneider'sche, eine Handbüchse mit Schlofs in nahezu
natürlicher Gröfse, deren Lauf so kurz ist, dafs wir darin eine
Pistole sehen müssen. Die Schäftung stimmt, soweit nicht die
Länge einen Unterschied macht, so ziemlich mit jener des
Baseler Gewehres überein,
das wir in Nr. 1 dieses
Jahrganges unserer Zeit-
schrift (Sp. 12) besprochen
und (in Fig. 4) abgebildet
haben.
Bereits mit Radschlofs
versehen ist die älteste Pi-
stole, die uns im Original begegnet ist, und die wir seiner Zeit
ans der Sammlung des Herrn Hofantiquars Pickert für die unse-
rige erwerben konnten. Das Radschlofs soll ja 1517 zu Nürn-
berg erfunden sein, eine Thatsache, an der zu zweifeln wir kei-
nen Grund finden, wenn es auch uns bis jetzt nicht gelang, die
Original quelle zu finden, aus der jene Nachricht geflossen.
Wir bilden die Pistole in V4 der Naturgröfse hier in Fig. 1 ab.
Sie ist ganz von Eisen; das Gliederungsprofil, durch wel-
ches sich der Kolben an den Lauf anfügt, stimmt vollständig
mit jener Merz'schen Zeichnung überein, ebenso der Drücker.
Auch alle sonst vorkommenden Profile klingen noch an den gothi-
schen Stil an. Am Radschlosse selbst, das überdies, als wir das
Stück erhielten, defekt war, ist irgend einmal eine Aeuderung
vorgenommen worden, indem der auf der Zeichnung sichtbare
131
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
132
Hebel angebracht wurde, um das Ende der Feder zu fassen,
der aber das wirkliche Aufziehen des Schlosses unmöglich macht.
An seiner Stelle befand sich wol ehemals eine aus mindestens
drei Gliedern bestehende Kette, welche sich um den mittleren
Dorn legte. Mit Rücksicht
auf die Form glauben wir
das Stück in die ersten Jahr-
zehnte des 16. Jahrhunderts,
spätestens in die Zeit von
1530 setzen zu müssen.
Eine ganz ähnliche Pi-
stole findet sich auf einem
datierten Stiche von C. B.
Hopfer vom Jahre 1531 (Pas-
savant, peintre graveur Nr. 6).
Wir geben hier in Fig. 2 ein
Facsimile. Deutlich ist auch
hier die ähnliche Kolbenform,
das Rad des Schlosses, so-
wie der Drücker erkennbar.
So oft nun auch im
Laufe des 16. Jahrhunderts
Handbüchsen abgebildet sind,
so kommen doch Darstellun-
gen von Pistolen erst gegen
den Schlufs häufiger vor. Es
ist besonders Jost Amman,
der um etwa 1580 eine An-
zahl Reiter mit Pistolen vor-
führt, und im Beginn des 17.
Jahrhunderts gehören solche
bereits zur regelmäfsigen
Ausstattung der Cavallerie.
Die in jener Zeit übliche Bezeichnung ist Faustrohr,
Fäustling. Wallhausen hat 1616 bereits die Bezeichnung „die
Pistol." Die Schaffung der Stücke ist meist reich mit Bein
eingelegt oder sonst verziert. Unsere Sammlung bietet ver-
schiedene Muster, von denen wir in Fig. 3 — 6 vier Stück ab-
bilden, welche in die Zeit von 1580 — 1600 fallen; besonders
charakteristisch sind die grofsen Kugelknöpfe am Ende der
Schäftung. Theilweise zeigen sie einen starken Winkel beim
Ansätze des Griffes an den Lauf (Fig. 3), theilweise sind sie fast
gerade. Dafs ein wesentlicher Zeitunterschied zwischen diesen
beiden Arten nicht obwaltet , zeigen Jost Amman's Reiter , wo
sie nebeneinander gebraucht vorkommen ; doch sind die stärker
gebogenen etwas älter.
Die in Fig. 7 dargestellte Pistole trägt das sächsische
Fig. 3.
Fig. i.
Wappen und die Jahreszahl 1610. Sie ist vollkommen gerade
und bereits ziemlich lang geworden. Noch länger ist das in
Fig. 8 abgebildete Stück, das jenem entspricht, mit welchem
Wallhausen seine Kavallerie ausstattet. Im Verhältnisse eben
so lang, aber äufserst zierlich,
zugleich reich verbeint ist
Fig. 9, als dessen Besitzer
wir wol einen wohlhabenden
Mann zu denken haben, der
sich auf der Reise damit be-
waffnete.
Im Laufe des 17. Jahr-
hunderts wurden die Pistolen
wieder kürzer, wie Fig. 10
und 11 zeigen. Letztere hat
bereits jene Gestalt auch in
Bezug auf Griff und Knopf,
die ins 18. Jahrhundert hin-
übergieng und sich noch fast
die erste Hälfte des unseri-
gen hindurch erhielt.
Bekanntlich waren es
nicht nur der Schaft und
Griff, die reich verziert wur-
den, wenn die Stücke für
vornehme Herren bestimmt
waren, sondern auch die
Schlösser, bei denen theils
Gravierungen, theils in Ei-
sen plastisch geschnittene Ver-
zierungen oft zu grofsem
Reichthum sich entwickelten.
Wann das Batterioschlofs zu-
erst bei Pistolen auftrat,
können wir bis jetzt nicht
feststellen. Es ist uns kein
Stück bekannt, das noch in
Doch konnten wir nicht in
Jj Fig. 5.
Fig. 6.
nat-(9p-
das 17. Jahrhundert hinauf gienge.
allen Sammlungen alle Jahreszahlen prüfen.
Nürnberg.
A. Essenwein.
Urkundliche Beiträge zur Künstlergescliichte
Schlesiens.
4. Zimmer- und Röhrenmeister.
1342. (A. Sb. S. 81. 82.)
II. Görlitz.
1) Petzold.
2) Nickel. 1353—1407? 1353. Nikil roremeister,
(das. S. 117.) — 1380 erhält er für Reparaturen am Nico-
laithurm 7 Gr. (Rr.) — 1395. „dy leinwant an dem graben
by dem nuwen huse waz abir eyn stucke nyder gefallen, mei-
ster Nykel czimmerman myt synen gesellen, daz sis wyder
133
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
134
machten, 6 Gr." (das.) In demselben Jahre erhält er mit
seinen Gesellen für „berichten" des Zimmers, welches auf dem
neuen Markte lag, für 4 Tage 3 Seh. — 1403 erwähnt im
A. Stb. S. 264. — 1404 arbeitet er mit dem Zimmermeister
Frauenstein (s. d.) im Marstall für 1 Seh. — 1405 legt er
Fig.
Fig. 8.
Fig. 9.
Fig. 10.
Fig. 11.
mit seinen Gesellen die eichenen Einnen auß dem Neißthurme,
nimmt auf dem Reichenbacher Thurme den „Keffer" ') ab und
deckt das Dach wieder für 3 Seh. und arbeitet an der Brücke
nach Ebersbach für 18 Gr. — 1406 macht er mit seinen Ge-
sellen eine Zugbrücke und legt einen Boden auf den Nicolai-
thurm, arbeitet auch weiter im Marstall, 1407 heim Büttel
') Käffer, Kaffer, m., (v. kaffen = gaffen, schauen) eine Oeff-
nung im Dache, Luke, gewöhnlich mit einem hölzernen Laden
verschliefsbar. Weinhold, schles. Wboh. 39. Grimm, d. Wbch.
V, 24. Dr. Fr.
und an dem Häuschen am Rathhause (Rr.) Der Meister er-
langte 1393 das Bürgerrecht (das.).
Kaum identisch mit ihm dürfte ein 1443 erwähnter Zim-
mermann sein :
3) Niclas, mit dem man sich auf ein Jahr um 30 M. Gr.
einigte. Das Jahr trat ein mit
dem Sonntag Lätare (31. März).
4) Hannus Arnold. 1376
—1396? Sein vollständiger
Name erscheint 1376 (Rr.), wo
er „roremeyster" heilst; mög-
licherweise ist er eine Per-
son mit dem Zimmermanne
Hannus, von dem die Rr. 1396
aussagen: „daz her uns dy
schyrmen machte und daz her
alhy lag noch dez ratis ge-
heyse".
5) Tile cy mm er man
1380. (A. Stb. S. 182.)
6) Gunczil cym. 1384.
(das. S. 198.)
7) Jekel. 1398—1408.
1398. Jekil dem Zimmermanne
selbander an der RöLrbütte
"Wochenlohn 3 Seh. ; an dem
Thorhause zu Kleppelswalde,
als es fallen wollte, und an der
Wand beim Frauenthore 12
Gr. — 1399. „selbander an
dem stabichin off dem torhuse
by vnser liben vrowen vir
tage 24 Gr." — 1399? selb-
ander, als er einen neuen
Schwengel am Neifsthore ge-
macht hat, und für eiserne
Bleche und einen grofsen Schlofsnagel und für Thornägel (tor-
nail) und Haspen und Ketten dazu und für Eichenholz 18 Gr.
1400 macht er das Thor an dem neuen Hanse gegen den
Rademarkt und repariert den Reichenbacher Thurm. 1408
arbeitet er wieder an Thorhäusern (Rr.).
8) Lachmund. 1399—1427. 1399. mit seinen Gesellen
am Hirtenhause, machten eine Kammer und ein „slagevenster"
für 18 Gr. und 3 Gr. Trinkgeld ; machten eine neue Bühne
auf dem Nikolaithurm 28 Gr., den Knechten 31 Gr., Trink-
geld 4 Gr. Für Brettbalken zu der neuen Bühne 41 Gr. und
zu einer Treppe, ebenso für Nägel 13 Gr. — 1408 arbeitet
er au dem Hause des Henkers die Woche 3 Tage „als die
Behmen das hus gancz vorterbit hattin" selbander 18 Gr. —
In demselben Jahre liefert er Baumaterialien für das Rath-
haus, restauriert den Steinthurm und setzt 1409 den Bau des
Thores am Rathhause fort. 1413. 1415. 1427 arbeitet er
135
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
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am Thorhause hinter dem Pfarrhofe, auf dem Rathhause und
Thorhause nach Lauban und au deu Wehren. (Rr.).
9) Frauenstein, (Vrowensteyn). 1404 — 1411. 1404.
s. oben: Nickel. 1408 arbeitet er für deu Büchsennieister.
1411 macht er für seine Frau und Kinder ein Testament.
L. II, 282. f. 6. an. Oculi (13. März).
10) Gebel. 1405 — 1419 an den städtischen Bauten be-
schäftigt. (Rr.).
11) Hyller. 1408 schneidet er mit seinen Gesellen Eichen
für die Rührbütte auf dem Markte, 15 Gr.
12) Franz Drus. 1408—1448. Ueber diesen Stadt-
zimmermeister war schon bei den Maurern genügend die Rede.
13) Hannus Moller. 1416 est proscriptus pro vulnere
camp, commisso in quodam alio carpentario (Aechtsb. f. 30 a.).
14) Hannos von Lichtenberg; arbeitet 1419 als Röhr-
meister mit seinen Knechten für 6 Gr. (Rr.).
15) Matthis von Halle. Seine Frau wird 1422 ge-
ächtet und in die Stirne gebrannt, weil sie Beutel abgeschnit-
ten. (Aechtsb.)
16) Nie. Reiche schwört 1428 Urfehde wegen des Ge-
fängnisses, in das er aufgenommen, als der Zimmermann Lo-
del im sitzenden Rathe ausgesagt, jener hätte geäufsert, wenn
die Ketzer in die Stadt kämen, so wollte er das hohe „Kul-
ner-' abtrennen und zu ihnen gehen, er könnte wohl Böhmisch
und wollte ihnen sagen, dafs die Stadt nirgends weniger be-
festigt wäre als hinter dem Vogtshofe. Darum ist er aus der
Stadt verwiesen worden, darein nicht zu kommen, man sende
denn nach ihm, und sonderlich auch wegen vieler unnöthiger
Rede, die er treibt, (das. f. 8b; abgedr. Zeitschr. d. Ver. f.
Gesch. Schles. XII, S. 220.)
17) Stephan. 1415. Lohn für 15 Tage für „Unter-
steifen" der Mauer an dem Wege unter G. Ermilrich's Vorwerk
und Arbeit an den Büchsen, darauf gegeben 2 Seh. Gr. (Rr.)
18) Georg Meyer. 1436. 1437. 1436 hat er auf dem
Rathhause „geschefert" und im Pärchen hat er alte Wehren
abgebrochen 3 Seh. 1 Gr. — 1437 arbeitet er an der Brücke
6 Tage für 18 Gr. (das.)
19) Andris. Meister A. Zimmermann bekommt 1474
83 Gr. von der Stadt Arbeit, (das.)
20) Jost Möller. 1505. Der Görlitzer Magistrat stellt
dem Röhrmeister J. M. einen Machtbrief aus wegen einer
Forderung an einen Laubaner Bürger, (lib. miss. 1502 — 1505.)
21) Jacob Hörn. 1515 wird er als Stadtzimmermann
Bürger, ohne etwas zu zahlen zu brauchen (B. L.).
5. Goldschmiede und Münzmeister.
l)Apezko; Apecz von Radeberg. 1305 — 1314.
1305. Münzmeister. (Aelt. Stb. f. 1.. b.) Unter dem zweiten
Namen wird er erwähnt bei Kühler, cod. dipl. Lusatiae sup.
(Görlitz 1851) S. 131: anno 1308. S. 133: a. 1309. S. 144. 145.
146. 147: 1312. S. 148. 149: 1314.
2) Conrad. 1327. (A. Stb. S. 41.)
3) Peter. 1330—1387? 1330. „Herman genant Ton-
menger hat vorsaczet sinen hof vnd die goldsmidekaraer Pe-
tere goltsmit vor zehen marg." (das. S. 48.)
1335. Petrus goltsmit resignavit vxori sue Mechthildi
quindecim marcas suum post obitum. (das. S. 64.) In dem-
selben Buche findet man ihn noch 134-5 (S. 91) und 1347
(S. 98.). Fraglich mufs es bleiben, ob er identisch mit einem
Meister gleichen Namens, der von 1381 an in den Urkunden
vorkommt. Derselbe erhielt in diesem Jahre dominica an.
Mich. (22. Sept.) 1 Mark für ein Siegel des Bischofs von
Meifsen (Rr.) und erscheint 1385 (A. Stb. S. 212.) und
1387 (Liber voc. proscr. etc. f. 63 b.) noch weiter. Es sind
wol zwei gleichnamige Goldschmiede 1330 — 47 und 1381 — 87
zu trennen. Auch möge hierbei erwähnt werden, dafs 1343 ein
4) „Petrus Shriber vs der muncze" (A. Stb. S. 84)
vorkommt. Ebendaselbst wird auch eines
5) „Vlman vs der muncze"' Erwähnung gethan, der
ein Enkel des obigen Apezko war cf. Köhler, a. a. 0., S.
151: a. 1315 und S. 228: a. 1332.
6) Hannus; 7) Cunzel Pessyn.
1349. „Hannus goltsmit ist dy stat vorsagt, das her besagte
Cunczil Pessyn den goltsmit vmme ein falz, daz by ym bleybe."
(Lib. voc. etc. f. 9. b.)
8) Niclas. 1351—1383. 1351. „Niczil goltsmit." (A.
Stb. S. 113.) — 1381. „Magister Stephanus hot ofgegebin sin
hus Nicoiao goltsmeit sinem omen noch sime tode vnd wil
des gewaldig sin zu vorrucken, ap her wil, di wile her lebt."
(das. S. 187.) 1383 vermacht er seiner Frau Käthe 10 Mark,
(das. S. 195.)
9) Heinrich. 1355 — 1387. 1355 Heyne goltsmit.
(das. S. 124.) 1376. Henricus goltsmet. (Lib. voc. etc. f.
32 b.) 1387. Heynlyn goltsmit. (f. 61 a.)
10) Stephan. 1375. Steffan goltsmet. (das. f. 31a.)
11) Rüdiger. 1387. „Rudeger goltsmet est proscri-
ptus ex parte Nicze Schultis de Windisch Bela, quod furavit
ex vna cista xlij inr. et xii gr." (das. f. 79 b.)
12) Andris. 1390—1404. 1390. (A. Stb. S. 232.) —
1395. (das. S. 250). Seine Knechte erhalten 1404 6 Gr. „von
den czeychen (Emhlemen ?), dy sy machtyn den bruwern." (Rr.)
13) Georg von Glogau. 1395—1416. 1395. Jorge
gultsmet (A. Stb. S. 250.) 1403 (das. S. 264.). 1414. „Ent-
scheiden ist meister Jorge der goltsmed von Glogaw mit dem
gardian vnd den brüdcrn des closter der monche (Franziskaner)
czu Gorlicz, also das dy scheppen, czu den sie is an beiden
geteilen gesaczt hatten, awsgesprochen haben, das en Jorge
beczalen sal xviii m. gr. von Petir Donats sones wegiu, der
in dem closter ist vorscheiden . . . (folgen die Termine) bey
dem seibin huse, doruffe das gelt stet, adir sal sie an das erbe-
gelt wisen, ab her das haws verkewfte, so han en dy monche
gelobet aws dem banne czu brengen an allen schaden off Ire
czerunge vnd sust gancz vnd gar ledig gelassen." (Lib. act.
1413—22. f. 11 b.)
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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
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1415 (das. f. 33 a.). 1416 (das. f. 69 a.), wo auch seines
Sohnes Vincenz gedacht wird.
14) Michel. 1410—1416. 1410 veräufsert er eine Schuh-
bank. (L. II. 282 u. A. Stb. S. 285.) 1413 (Lib. act. f. 2 a.).
1415 (das. f. 30 b). 1416 (das. f._ 69 a).
15) Thomas. 1415—1418. 1415. Erwähnt als Vor-
mund der Kinder seines Bruders des Goldschmieds
16) Niclas von Löbau (A. Stb. S. 307.). — 1418 (Lib.
act. f. 115 a.).
17) Hans Pletzel. 1422—1437. 1422. „Hans Pleczil
vor eynen lewen czu grabin und zu giessen und vor LIII stücke
buchstaben zu den buchsen XLII gr." (Rr.) — 1426. Am
Sonntage vor Hedwigis (13. Oct.) haben meine Herren, die
Kämmerer, empfangen von H. PI. dem Goldschmiede von des
Barbiers Hause 8 Schk. (Er.) 1434. Für eine Mark Silber
und 4 Loth zu dem Messer dem Kaiser zum Geschenke,
welches auch der hiesige Goldschmied gearbeitet, (das.) —
Für rothen Sammt dazu 3 Seh. 2 Gr. — Hans PI. für einen
golduen Ring mit einem Saphir zum Geschenke für un-
sern Herrn den Kaiser 6 Seh. Gr. — Dem Goldschmiede
für das Messer 3 Seh. 15 Gr. — f. 3. p. Palm. (26. März.)
Zur Vergoldung des Messers 10 ungr. Floren; zur Zehrung
3 Seh. Gr.; für 1 Mrk. Silber 5 Loth. XIII Schk. 11 Gr.
(das.) — 1437. Sonntag n. Purific. (3. Febr.) Hans Pletzel
und seinem Sohne Zehrung, als sie nach Prag ritten, 14 Seh.
12 Gr. (das.) Sein Sohn erhält 1450 zur Hochzeit „eine löge
welsch wein 3 Seh. Gr." (das.)
15) Matthis. 1423—1447. 1423. „Mathis goltsmede
vor phenningin vnde besen groschin czu hörnen vnde den
kannengisser vorreichen ysen iij seh. (Rr.) — 1424. ,,M. dem
goltsmede vor erbeit vnde silber(ne) horner 2 seh. 20 Gr.
(das.) — 1447 verkauft er sein Haus in der Brüdergasse.
(Lib. resign. 1432—50. f. 126 b.)
16) Johannes von der Löban wird 1424 Bürger.
1 seh. (Rr.)
17) Jocuff. 1443—1483. 1443. „meister J. dem golt-
smede, als her die wappen an der grossen buchsen hat ge-
graben, 22 Gr." (Rr.) — 1466. Meister J.'s und seiner Frau
Barbara Testament. (Lib. resign. 1450 — 70. f. 118 b.). —
1470 ist er Hauptmann bei der Stadtvertheidigung an der
Pforte hinter dem Hofe (jetzt Zuchthaus) (cf. Neumann, Gör-
litz S. 201.) 1483 will er sein Haus zwischen f. 6. p. visit.
Mar. (4. .Juli) und Kirmefs verkaufen. (Lib. res. v. 1470.)
18) Vecenz, (Sohn des Georg von Glogau?). 1447.
„Veczencz goultsmeid contra Jencken Pheil vmmb eynen fre-
vel an seinem weihe begangen, daz her ir gerethe hat geno-
men." (Lib. act. 1445—51.)
19) Michel. 1470 — 1491. Zwei Besitzveränderungen
werden erwähnt 1470. (Lib. res. v. 1450 — 70 f. 150 b. u.
1470 f. 4 b.) 1475 verkauft er sein Haus und macht ein
Testament zu Gunsten seiner Frau Dorothea (das. f. 61 a u.
75 b.) — 1483. Verkauf und Kauf von Häusern (das. f. 3. p.
üdalr. (8. Jul.) und f. 3. p. Valent. (18. Febr.) — 1491 Ge-
genseitiges Testament zwischen ihm und seiner Frau Marga-
retha. (Lib. iud. f. 65 b.)
20) Lorenz. 1470—1481. 1470. Hausverkauf. (Lib.
res. f. 6 a.) — 1474. Testament für seine Frau Agnes, (das.
f. 37 a.) 1481 ist er in Schweidnitz ansässig. (S. diese Stadt.)
21) Andris. 1476—1485. 1476 vermacht Meister A.,
der Goldschmied, seiner Frau Elisabeth durch ihren Vormund
Meister Heinrich, den Maler, 10 Mrk. Gr., dazu alles Werk-
zeug. (Lib. res. v. 1470. f. 75 b.) 1485. Seine Frau rt.
der Pradelln von Reichenbach 23 Gr. und ein Loth Silber,
(lib. Act. 1484—90. f. 20 b.)
22) Bernhardt. 1477 erwähnt. (Lib. res. v. 1470.
f. 105 a.)
23) Gregor Pyrner. 1479, f. 3. p. Reminisc. (9. März.)
Testament für seine Frau Anna durch den Maler Heinrich,
ihren Vormund.
24) Wolfgang Richter. 1481—1516. 1481. Kauf
eines Hauses hinter dem Kloster, (das. f. vac.) — 1485.
„meister WuliFgang gouldtsmidt had lossin vffbittin eyn willig
phand, eyn vorsilbertin gortel, anlangend Otten von der Zit-
taw vor 8 gld." (lib. act. v. 1484 — 90. f. 61a.); — f. 3.
p. Leonh. wird dem Meister von den Schoppen erlaubt jenes
Pfand zu veräufsern, so dafs 0. v. d. Z. den Erlös in 13 —
14 Tagen bekommen kann, (das.) — 1488 ist er Vormund
der Barbara, Frau des Malers Wendel Smogerer (Lib. iud.
f. 14 b.), 1489 der Dorothea Smedich (f. 19 b.) — 1489
verkauft er einen Garten auf der Neuen Gasse (f. 29 b.),
1490 einen andern in der Salomongasse (das. f. 45 a.), 1493
eine Scheune auf der Viehweide (das. f. 107 a.) — 1493 ist
er Vormund der Barbara Libing (f. 108 a) , die er nachher
heiratete, da es 1495 (f. 134a.) heifst: W. g. Richter genant
vnd Barbara seine eliche hawsfraw.
1498. am Freitage des Abends trium reg. (5. .Jan.) er-
theilt ihm der Rath einen Geleitbrief: „Wolgang g. Richter
genant, der die Libingen hat ; sie ist von der stat geweist vnd
im bepholen hynnoch czu czyhn". Dem Inhaber des Briefes
wird bezeugt, dafs er von rechtlichen Eltern ehelich gezeugt
sei. (Lib. miss. 1496 — 99.) — Nach Script, rer. Lus. II.
341 ff. haben wir übrigens diesen Goldschmied als eine Art
von mittelalterlichem ,. Gründer" zu betrachten, der 1491 mit
dem Ziegelstreicher Joeoff einen betrügerischen Bergbau en-
triert hatte. Von 1503 an erscheint Richter allerdings wieder
in den Urkundenbüchern und zwar zunächst als Vormund der
ApoUonia Weyner (lib. iud. f. 297 b.) 1515 arbeitet er aus
einem alten vergoldeten Kreuze das grofse silberne in der
Peterskirche (Script. III, 410) und erhält 1516 24 ungr.
Floren zum Vergolden des Thurmkopfes auf dem Rathhause
(das.)
25) Hans Steynbeer. 1502. 30. Sept. ertheilt ihm
der Rath das Attest, dafs er längere Zeit Mitbürger gewesen
und sich gut aufgeführt habe. (Lib. missiv. 1502 — 1505.)
139
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
140
26) Georg Burchart. 1510—1516. Zieht 1516 nach
Kamenz in Sachsen. (B. Kat.) ; er ist wol der Sohn des
gleichnamigen Görlitzer Malers (s. d.) Verrauthlich fällt er
zusammen mit dem in den Script II, 20 erwähnten Goldschmied
Georg, der von Matthias Axt zur Rede gestellt wird wegen
eines silbernen Bechers, den dieser in des Meisters Arbeits-
laden bemerkt hat und für den seinigen zu halten versucht ist,
welchen man ihm auf der Reise nach Frankfurt gestohlen
hatte. Dieser Verdacht erwies sich jedoch durch die Aussa-
gen des oben erwähnten Goldschmieds Wolfgang, der an des
Klägers Becher gebessert, als unbegründet, sowie durch die
Angaben des Burggrafen Nie. v. Dohna, Besitzers des frag-
lichen Geräthes. 1510.
27) Oswald Folkalt von Fridberg. 1522 — 1528.
1522. Bürger. 3 Schk. (B. K.) : wohnt im Reichenbacher
Viertel nach dem Steuerregister von 1528.
28) Hans Lange von Bamberg. 1522—1567. „hat
seinen abscheyd gebeten vnd vffs rats anfordern 6 seh. vffge-
legt ; von im genomen angesehn sein armut 1 seh. 3 a p. Math,
apli. (23. Sept.) 1522. rediit 1523." (B. K.) 1567 war
nach Neumann's Gesch. v. Görlitz S. 72 die Apotheke in sei-
nem Laden unterm Rathhause.
29) Antonius Towsener. 1528—1549. Wohnt nach
dem erw. Steuerregister 1528 im Frauenviertel; „von raeister
Anthony goltschmides laden vflf Joannis (24. Juni) 1549." —
3 Seh. 12 Gr. (Reg. percept. et distr. v. 1548.)
30) Hans Bai du ff, Münzmeister, im Frauenviertel
1528 wohnhaft. Die Scriptores rer. Lus. thuen seiner häufig
Erwähnung.
31) Florian Stosz, wohnt im Eeichenbacher Viertel
1528. — Es ist mir bei der verhältnifsmäfsig nur kurzen
Dauer meiner, archivalischen Forschungen nicht möglich ge-
jvesen, das Verwandschaftsverhältnifs mit dem allbekannten
Bildschnitzer dieses Namens festzustellen. Doch hat meines
Wissens Herr Stadtsekretär Heinrich in Görlitz vor drei Jahren
im städtischen Anzeiger über diesen Gegenstand einige Mit-
theilungen veröffentlicht und die Zusammengehörigkeit beider
überhaupt zu constatieren vermocht.
32) Peter Waddein von Hamburg, Goldschmiedge-
selle, wird 1557 Bürger. (B. K.)
33) Hans Stoller von Zürich. 1560 Bürger (das.).
34) Christoph Scholtz. 1564. Bei Neumann, a. a. 0.
S. 364.
35) Marcus Piritz von Grossen. 1578 Bürger.
Bürger werden weiter:
36) Joachim Leucke von Hameln 1599 („sein bür-
gerrecht erlanget im sitzenden rathe, beschehen 21. Aug. die
Sat. dedit 4 seh.");
37) Merten Schubart von Brieg, 1606;
38) Balthasar Elersch von Lübeck, 1612;
39) Joachim Heroldt, 1624.
Brieg. Dr. E. Wernicke.
Die Normalgewichte des Kurtürsteutliums Sacliseu
von 1585.
Auf einer jüngst im alten Zeughause zu Dresden abge-
haltenen Versteigerung kamen die oben genannten Gewichte in
drei Exemplaren von verschiedenem Umfange zu Tage und
wurden, bereits dem Einschmelzen nahe gebracht, vom neuge-
gründeten kgl. Kunstgewerbe-Museum gerettet und, wenigstens
in den beiden grüfseren Stücken, als vorzügliche Zierden in
dessen Sammlungen aufgestellt. Abgesehen von der wissen-
schaftlichen Bedeutung dieser Denkmäler für die Gewichtsver-
hältnisse der früheren Zeit, sind sie von solchem künstlerischen
Werthe, dafs es sicher gerechtfertigt erscheint, in weiterem
Kreise darauf hinzuweisen. Sie bestehen aus Bronze, die dem
Weifsgufs des 16. Jahrhunderts sich nähert, doch nicht mit
demselben völlig übereinstimmt. Ihre Gestalt ist die auch
heute noch übliche eines gestürzten, abgestumpften Kegels.
Doch an Gröfse gehen sie weit über das Mafs hinaus, welches
wir zu sehen gewohnt sind. Das erste mifst ohne die reich-
lich angebrachten Verzierungen 20 cm. in der Höhe und 25 cm.
im Durchmesser, das zweite 7 cm. in der Höhe und 20 cm.
im Durchmesser. Das dritte, welches den anderen an Kunst-
werth bedeutend nachsteht und nicht erworben ist, hat viel
kleinere Verhältnisse. Nr. 1 besteht aus 13, Nr. 2 aus 7 Ein-
sätzen. Was die Gewichtsverhältnisse betrifft, so haben wir
auch hier den oft gelieferten Beweis, dafs man im Alterthume
es keineswegs sehr genau mit der Bestimmung solcher Ver-
hältnisse nahm, selbst wo die Tendenz ausdrücklich auf ihre
endgültige Festsetzung ausgieng. Denn die einzelnen Abthei-
lungen entsprechen einander in ihrer Folge nicht der Art, dafs
stets die Bezeichnung und wirkliches Gewicht zusammenfielen.
Im gröfseren ist das Pfund 480 Gramm schwer, im kleine-
ren, das als „Leipziger" bezeichnet ist, 475 Gr. Nach den In-
schriften enthält jenes 128 Pfund, gleich 256 Mark; dieses
64 Pfund. Als Angabe, die sich ebenfalls auf das Gewicht zu
beziehen scheint, ist im ersten Stücke mehrmals eingeschlagen :
D 2048, V 17280, K 17744, R 18496. Dieselben Buchstaben
mit Ziffern in absteigenden Proportionen kehren auf den ein-
zelnen Einsätzen wieder.
Was diesen alten Gewichten aber den Hauptreiz verleiht,
ist die fast überreiche ornamentale Ausstattung, welche vor-
zugsweise auf dem Deckel angebracht ist und aus geschnitte-
nem Gufs vom selben Metall besteht. Auf dem gröfseren er-
heben sich als Gehre für den Henkel zwei Halbfiguren gehar-
nischter Männer mit dem kursächsischen Wappen in den Hän-
den in der Höhe von 12 cm. ; der Henkel selbst ist zusammen-
gesetzt aus zwei aufsteigenden Löwen, welche das nämliche
Wappen mit hoher Krone emporhalten, im Mafse von 24 cm.
über dem Deckel. Das Charnier reicht hinten mit Schnörkel-
werk im mittleren Renaissancestil und drei Löweuköpfen weit
hinab und legt sich mit zwei Delphinen und zwei Löwen,
welche Kugeln unter je einer Tatze halten, nach vorn.' Zwi-
141
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
142
sehen diesen ist ein Seepferd eingefügt, welches nach vorn
über den Rand wegspringt und das Charnier für den Riegel
hält, der seinerseits, aus Wappenschild, Löwenkopf und be-
weglichem Handgriff in passender Einfassung, breit und wuch-
tig die ganze Höbe des Gefäfses deckt. In ähnlicher Con-
struction ist das zweite Gewicht verziert. Doch bestehen die
Oehre aus zwei Seemännern, der Henkel aus zwei Delphinen.
Drachen lagern sich, den Eidechsen der romanischen Periode
nicht unähnlich, über den Deckel und senken sich vorn als
Riegel hinab. Die Zeichnung ist markig, die Ausführung nicht
übertrieben sorgfältig, wie es sich für den Gegenstand ziemt,
doch meisterhaft, der Schnitt vorherrschend. Die Aufsenseite
der Gewichte ist mit aufliegenden, gedrehten Reifen und ein-
geschlagenen Ornamenten, darunter stilisiertes Blattwerk, kleine
Rosetten, Sterne, Thierfiguren u. a., verziert. Als Verfertiger
nennt sich auf beiden Albertus Wein mann unter einer
Zusammenstellung von drei Lämmern mit der Siegesfahne als
Handwerksmarke. Im kleineren Gewichte sind einige Einsätze
erneuert und mit L. E. Weifse bezeichnet.
Unter diesen Namen dürften aber nur die Gelbgiefser zu
verstehen sein, welche den Gufs, wie zu vermuthen, nach Mo-
dellen ausgeführt, die von einer vielleicht mehr berufeneu Hand
vorgebildet worden. Fragen wir nach einer solchen, so schei-
nen einige Urkunden im Dresdner Staatsarchive Auskunft zu
geben, deren gütige Mittheilung wir Herrn Architect R. Steche
verdanken. In einem Fascikel: „Artolorey vnd Bausachen",
1553—1581 (Loc. 9126 S. 158—162) findet sich ein Bitt-
schreiben des kurfürstl. Zeugmeisters und Schraubenmachers
Paulus Buchner, worin er um ein Darlehen von 600 Gul-
den nachsucht. Er führt darin die vornehmsten Stücke auf,
welche er neben seinem „Dienst und Aufwarten" für den Kur-
fürsten in's Werk gerichtet, und nennt neben dem, was er alle
Jahre zum heil. Christ verfertigt u. a. auch „die grofse Wag
in's. Zeughaus." In einem Gopialbuche, Fol. 90 Loc. 492 fin-
det sich sodann ein Schreiben des Kurfürsten August, ohne
Nennung des Adressaten, doch ohne Zweifel au P. Buchner
gerichtet, worin es heilst :
„Lieber getreuer, Wir haben Dein schreiben und bericht
sammt beiliegenden Anschlag was ungefehrlich eine grofse
Schnell wage, die man in ein Zeughaus oder auch zu felde ge-
brauchen, und bis 150 Centner darauf wegen kan, kosten und
sich uff 350 fl. erstrecken wirdt, entpfangen und verlesen. Be-
geren darauff uud bevehlen dir hiermit gnedigst du wollest
eine solche Schneiwage alsbald andingen und mit vleis uffs be-
stendigste, künstlichste und über eheste als es möglich machen
auch auff einer selten mit dem Sächsischen Churwappen und
auf der anderen selten mit den landgreffischen Hessischen
Wappen ziehren und die wage sambt dem gewichte nach dem
Nürrenberger Centner und gewicht richten lafsen, was darauff
gehen wirdt das soll dir aus unser Cammer entrichtet werden.
Daran u. s. w. Dato Siegenwerda den 15. Augusti Ann. 84.
Dresden. Dr. v. Eye.
Die Sammlung von Handzeichnungen in der Bi'es-
lauer Stadtbibliotheli.
Vor mehr als hundertfünfzig Jahren lebte in Breslau ein
Mann, der zwar wenig Geschmack und Kunstverständnifs besafs,
dagegen vom Sammeleifer beseelt war, und der in seine Albums
Gutes und Schlechtes , meistentheils aber von der letzteren
Sorte, zusammenklebte. Drei solche Bände in grofs Folio sind
noch erhalten und im Besitz der Breslauer Stadtbibliothek.
In dem einen, betitelt „Handzeichnungen", fand ich sieben Blät-
ter Studien zur Schule von Athen und zur Disputa, einen Fund,
über den ich an andrem Orte noch berichten werde; hier will
ich mich allein mit dem Inhalt der beiden andren Bände, die
„dessins originaux" bezeichnet sind, beschäftigen.
In der Bibliothek sind diese beiden Sammelbände als
Willmann'sche Handzeichnungen bekannt. Dafs die Skizzen
nicht von dem schlesischen Raphael herrühren, ergibt sich sofort
daraus, dafs ein grofser Theil derselben mit dem Künstler-
namen versehen ist. Ich glaubte daher zuerst die Sammlung
sei von Willmann wenigstens angelegt, habe ihm gehört; aber
auch diese Annahme ist unhaltbar , da mitten in dem Album
ein Blatt, datiert 1718, eingeklebt ist. Willmann aber schon
1706 gestorben war.
Die M«hrzahl der Handzeichnungen ist unter jeder Kritik
schlecht; einige sollten aber doch näher von Kennern unter-
sucht werden. So sind einige schöne Rothstiftzeichnungen zu
oder nach den Psychegemälden des R a f a e 1 vorhanden, eine
mit Bister getuschte Federzeichnung, bezeichnet Guido Reni,
darstellend eine Studie zu einem nackten Weibe, eine mit Reifs-
blei gezeichnete Gewandstudie , einen sitzenden Jüngling dar-
stellend, bezeichnet Baccio Baudinelli, (auf der Rückseite
des Blattes einige Köpfe, mit der Feder trefflich gezeichnet).
Von Giacomo del Po (f 1726) eine mit Bister getuschte
Federzeichnung, ein nackter Mann in Landschaft.
In der Rembrandt'schen Art sind im ersten Bande drei,
im zweiten zwei Skizzen. Bezeichnet mit dem Namen P. Ru-
bens eine Skizze, Feder und Bister, darstellend eine Frauen-
gestalt. Von Martin de Vos eine schöne getuschte Feder-
zeichnung nach einer Tiziau'schen Idylle. Zwei Landschaften
von Egidius S ade 1er. Ein Nymphenreigen, sehr schön mit
Rothstift und der Feder gezeichnet von Job. Waltz, eine
Rothstiftzeichnung von Cordon, darstellend eine Opferscene etc.
Es wäre immerhin der Mühe werth, diese Blätter eingehender
zu prüfen.
Ich will hier die datierten und mit den Namen der Künstler
bezeichneten Skizzen aufzählen , bemerke jedoch , dafs viele
Namen unleserlich waren und deshalb von mir nicht aufge-
führt sind.
1574. Crispino IV. Ausgiefsung des hl. Geistes, blau getuscht.
1593. „Philip Zieglcr in Ciagenfurt" Auferstehung Christi
nach Tintoretto auf grüngrauem Papier weifs gehöht.
1602. Georg Schablandt('?) Satyr und Nymphe, getuschte
Federzeichnung.
143
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
144
1G04. „K. fecit. Zu S. Benno gemacht'- ; der todte Heiland,
von Engeln umgeben, und Maria."
1604. „Ich. Fetter Schleich Maller Von Nürnberg macht
di(J mein Vetter Jan Dreckt er meiner in bestem zu ge-
denken, gesehen den 20 October Anno 1604." Schlecht ge-
zeichnete Seegottheiten, Stammbuchblatt.
1616. Venus u. Amor „Henrich Eberhart zu gedechtnus ge-
schehn inPrespurck 1616. Federzeichnung, Stammbuchblatt.
1620. George Genner in Elwing. Jünger zu Emmaus, ge-
tuscht. Schauderhaft schlecht.
1620, den 2 Juny. Poseidon, Federzeichnung. „Das mäht Vnd
schreibt zu freundlicher gedechtnus Johann baumgartner
Maller in Ybbs-'. Stammbuchblatt.
1621. „Adam Wolsky Elbingk 21 January 1621." Ein Mann
geifselt einen andren, den er über einen Kasten gebeugt hat:
„So sindt im streytt
Kunst vnd der neydt."
Getuschte schlechte Federzeichnung, Stammbuchblatt.
1623. „Kiliann Fabritius, Churfürstl. Hofmaler in Dresten
den 10 Sbr. Anno 1623 . . . inspector mp." Frauengestalt,
Rothstiftzeichnung des bekannten Dresdener Hofmalers.
1624. M. Miller. Madonna zwischen zwei Engeln; sie trägt
das Kreuz, der eine Engel die Dornenkrone, der andre eine
Lilie. Grün getuscht und mit Weifs gehöht.
1642. J. d. H. (Herdt) Studie zu einem Mönche ; blaues Papier,
weifs gehöht. Von demselben:
der ewige Jude, Rothstiftzeichnung, J. d. H. undatiert.
Thomas und der Heiland, getuschte Federzeichnung, desgl.
desgl. von demselben, mit dem vollen Namen J. D. Herdt
bezeichnet, Christus am Kreuz, Federzeichnung, mit Bister
getuscht.
Geifselung desgl.
Maria, Anna und das Jesuskind, desgl.
Alle diese Skizzen sind liederlich, aber effectvoU hingeworfen.
1648. Johannes Spizmacher in Augspurg. Landschaft mit
zwei Figuren Bleistiftzeichnung.
1650. Friedrich Schenck (oder Schanck) d. 27 April. Land-
schaft, Staffage zwei schlafende Männer.
1651. Jacob Lindnitz. Israel ringt mit dem Engel, sorg-
fältig gearbeitete, aber durchaus unbedeutende getuschte Fe-
derzeichnung. „Zu Immer wehrendem Andenken. Gesehen
in Bre|Maw dea 3 Febr. 1651. — Von Jacob Lindnitz der-
zeit Mahler Alda." Stammbuchblatt.
1653. „Wilhelm Frommer Maler und Ivupferstecher in augs-
purg 1653 d. 29 Martij." Vater und Sohn, Federzeichnung,
Stammbuchblatt.
1654. „Franz Schoffhueber lUuminist Wien den 3 Apprilli
1654. "Apollo und Phaeton. Tuschzeichnung, Stammbuchblatt.
1656. CM. Haberkorn Mahler in Camenz. Frauenkopf,
Studie mit Rotlistift.
1657. „Bartolomeus Schröder Maller gesel gesehen im Anno
1657''. Landschaftsstudien.
1657. Jo. Melch. Otto in Graz. Ein schlafender Jäger mit
zwei Hunden.
1667. „(Si)byllaSandrart in, November". Frauenkopf. Rothstift.
1681. Wilhelm von Bemmel. Getuschte Landschaft.
1696. Bothschildt. Kopf. Rothstiftzeichnung.
„ desgl. desgl. undatiert.
1696. Felsting(?) Junor. Kinderstudie, Rothstift.
1698. Fehling (Heinr. Christoph, geb. 1653 f 1725 als
sächsischer Hofmaler). Studienkopf, getuscht.
0. J. „Fehling Ober H(of)Maler.'' Männlicher Act, getuscht.
1703. „H.C.Fehlingk del. Ober Hofl'mahler". Baumstudie. Erle.
Undatierte Blätter finden sich vor von
A. . . . Vogl, Meleager und Atalante.
Sebastian Geötz, Bildhauer; knieender Edelmann und
knieende Dame, gute Studien zu einem Epitaph.
A. C. Moxin, zwei Köpfe. Rothstift.
Stella, drei italienische Landschaften. Getuschte Blei-
stiftzeichnungen.
Moog, Studie nach einer E'ichte.
F. P. Roos, Vordergrundstudie. Tusche.
„Hans Melcher WidennV" Zwei Engel, die das Sacra-
ment tragen. In rothbrauner Tusche ausgeführt.
„Zinck, Dresten." Männerkopf. Rothstiftzeichnung.
Ders., ein getuschter Studienkopf, sehr sauber ausgeführt.
„J. JochmujJ Maller." Männerkopf. Rothstiftzeichnung.
„Sandrart fec." zwei Römer, Brustbild. Rothstift.
Viel Bedeutendes ist unter den vorgenannten Zeichnungen
nicht zu linden, indessen erfahren wir von einigen bisher wenig
oder gar nicht bekannten Malern, die allerdings ihren hier vor-
liegenden Leistungen nach kaum verdienen, dafs man sich wei-
ter mit ihnen beschäftigt. Besonders schlecht sind die Zeich-
nungen in dem Stamm buche, von dem sechs datierte Blätter
(1614—54) schon erwähnt sind. Es gehörte einem Jan Dreck-
ter, der wol auch Maler war. Auf einer undatierten Zeich-
nung, darstellend den Erzengel Michael, lesen wir „mein Bru-
der Hansen Debr gemacht Abraham mache (od. muche)." In
dasselbe Stammbuch gehört auch eine Tuschzeichnung von Hans
Wilhelm Kurmann in Stuttgart, darstellend allegorische Fi-
guren, und eine aquarellierte Federzeichnung, die Hoffnung vor-
stellend, von Johannes Gorbl, „Maller Jung". Für den Ar-
chäologen interessant sind zwei mit der Feder gezeichnete An-
sichten des Farnesischen Hercules mit der Unterschrift „Cava-
te av palais de Fer'', sowie eine Ansicht des Mausoleums des
Theodorich in Ravenna, wo dies Gebäude noch durch Anbauten
aller Art verunziert ist.
Breslau. Alwin Schultz.
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction : Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.
Verlag der literarisch - artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. Sebald in Nürnberg.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KÜNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1877. JW 5. Mai.
Chronik des germanischen Museums.
Nürnberg, den 15. Mai 1877.
Im Anschlüsse an frühere Mittheilungen über Stiftungen frän-
kischer Adelsgeschlechter können wir jetzt melden, dafs Herr
Obristlieutenant Freiherr Ulrich von Hütten in München sich be-
reit erklärt hat , zur entsprechenden Ausstattung des von fränki-
schen Adelsgeschlechtern gestifteten Bautheiles zehn Jahre lang
jährlich 360 m. beizutragen. Mehr und mehr schliefst sich somit
der Kreis der heute noch blühenden Familien, welche diesen Stif-
tungen beitraten, und das Gesammtresultat wird eine glänzende Be-
reicherung unserer Lokale ergeben.
Die kgl. bayer. Regierung hat den früheren Ueberlassungen
von Gemälden zur Bildung einer würdigen Galerie einen neuen
Akt des Wohlwollens folgen lassen, indem sie ein Gemälde Al-
brecht Dürers, Hercules die Harpyen bekämpfend, dem Museum
überlassen hat.
Für unsere zweite Verloosung ist nunmehr von der Mehrzahl
der deutschen Regierungen die Genehmigung zum Loosverkaufe
in den betreffenden Staaten erfolgt, und es soll demnächst mit der
Ausgabe der Loose begonnen werden. Wir haben Herrn Groi's-
händler und Generalagenten Alb. Rösl in München den Gesammtver-
kauf ausschlielslich übertragen, bitten also, in allen diesbezüglichen
Geschäften sich an denselben zu wenden.
Neue Jahresbeiträge wurden seit Veröffentlichung des letz-
ten Verzeichnisses folgende angemeldet :
Von deutschen Standesherren : Carl Egon Fürst von
Fürstenberg, Durchlaucht, (auf 5 Jahre) 50 m.
Von politischen Corporationen : Stralsund. Bürgermei-
ster und Rath (auf 5 Jahre) 30 m.
Von Privaten : Kronstadt. Joseph Fabritius, Dr. med., 1 m. ;
Heinrich Fink, Gymnasialkonrektor, ] m. ; Dr. Franz Linz, Notar,
1 m. Meissen. A. Steiger, Oekonomierath, 3 m. Nürnberg. Hart-
mann, kgl. Advokat, 12 m. ; Friedrich Keiner, Kaufmann, 2 m.;
Wilhelm Richter, Opernsänger, 5m.; Ernst Spitzner, Buchhalter,
2 m. ; Christ. Stadler, Chromograph. 2 m. Oppeln. Sigbert Schmu-
ler, Kreisgerichtsrath ,2m.; Dr. Carl Uschner, Kreisgerichtsratb,
(st. fr. 2 m.) 3 m. St. Petersburg. Ed. Fremann, Kaufmann, 9 m.
72 pf.; H. Knatz, Kaufmann, 9 m. 72 pf.; C. Kolbe, Zahnarzt, 9 m.
72 pf.
Einmalige Beiträge wurden gegeben:
Von Privaten : St. Petersburg. Ad. Fabricius , kais. Staats-
rath, 9 m. 72pf
Für den Angustinerklosterban : Freiherren von Hausen
in Sachsen 300 m.
Ünsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu :
I. Für die kunst-
und kulturgeschichtlichen Samm-
lungen,
(Nr. 7772—7782.)
Altdorf. J. Zahn, Seminarinspektor: „Eine schöne Dancksa-
gung zu Gott dem AUmechtigen." Druck von Paul Donat zu Mag-
deburg. 1599. — Berlin. Lüderitz' scher Kunstverlag: ,,La dis-
cesa della croce" nach Daniello Ricciarelli da Volterra. „Lq spa-
simo di Sicilia" nach Raphael. 2 grofse Kupferstiche von P. To-
schi. — Dresden. Frhr. von Eberstein: Porträt des Generals
von Tottieben. Lichtdruck. — Fürth. Röder, k. Pfarrer : 3 neuere
Silbermünzen. — Germershelm. Wündisch, Decan : Eine Anzahl
französ. Assignaten. Eine Anzahl Kupfermünzen. — Malland. Ca-
valiere Reich mann: Etruskische Grabkiste aus gebranntem Thon,
mit Skulpturen geschmückt. — Münchaurach. Georg Helm reich:
Dachziegel von 1587. Silberpfennig, 15. Jhdt. — Nürnberg. Ernst
Frhr. von Bibra, Dr. phil. & med.: Auszug zum Nürnberger
Stückschiefsen. 1614. Anton Glötzner, Magistratsofficiant :
Römische Bronzemünze. Sigm. Pickert, Hofantiquar: 2 byzan-
tin. Bronzemünzen, 2 antike Thränenfläschchen, einige Mosaikreste,
2 Schleudersteine aus den Ruinen von Karthago. 1 Tisch zu einem
Puppenhause. Weck werth, Medailleur : Medaille auf den 80. Ge-
burtstag des Kaisers Wilhelm ; Kupfer. — Rudolstadt. Se. Durchl.
Georg, Fürst zu Schwarzburg-Rudolstadt: 2 marmor-
artig glasierte Thonfliese aus Schlofs Leutenberg, 17. — 18. Jbdt.
IL Für die Bibliothek.
(Nr. 36,777-36,893.)
Aachen. Frhr. v. Scheibler, k. Landrath a. D. : Geneal.
Notizen über das Geschlecht der Edlen und Freiherren von Scheib-
ler. 8. — ftrtlSterdam. Academie royale des seien ces: Dies.,
Verhandelingen etc.; Afd. Letterkunde, X. Deel. 1876. 4. Ver-
slagen en Mededeelingen etc. ; Afd. Letterk., H. R., 5. Deel. 1876.
8. Pavesi, Hollandia. 1876. 8. — Basel. Ludw. Sieber, Biblio-
thekar : Zwei Reliquien aus Isaac Iselins Studienzeit. 1877. 8. —
Bayreuth. Histor. Verein für Oberfranken: Ders., Archiv
etc.; Bd. XIH, 2. H. 1876. 8. — Berlin. Kais, s tatist. Amt:
Dass., Monatshefte etc. f. d. J. 1877, Februar - Heft ; März-Heft. 4.
Besser'sche Buchh. (W.Hertz): Lorenz, Deutschlands Geschichts-
quellen im Mittelalter; 2. Bd. 1877. 8. Dr. v. Cuny, Univers.-
Prof: Kraus, Kunst und Alterthum in Elsafs - Lothringen ; L Bd.
2. Abth. 1877. 8. Gesellschaft für Anthropologie, Eth-
nologie U.Urgeschichte: Zeitschrift für Ethnologie ; 8. Jahrg.,
1876, Heft VL 8. Verein „Herold": Ders., Vierteljahrsschrift
etc.; Jahrg. 1876. IV. Heft. 8. Dr. Fr. Oetker, Univ.-Professor :
Halck, Prognosticon astrologicum etc. auf d. J. 1720. 12. Christ-
u. Türeken Allmanach auf d. 1718. Jahr. 12. Dr. Stephan, Ge-
neral-Postmeister: Poststammbuch; 3. Ausg. 1877.8. Universi-
tät; Bruuner, die Rechtseinheit. 1877. 4. Hosch, Untersuchungen
über die Quellen und das Verhältnifs der provencjal. u. der latein.
Lebensbeschreibung des h. Honoratus. 1877. 8. u. 12 weitere aka-
dem. Gelegenheitsschriftea. — Bonn. F. Sonnecken: Ders., die
Rundschrift; X. Aufl. 1877. qu. 4. — Brunn. K. k. mähr.-schles.
Gesellschaft z. Beförderung des Ackerbaues, der Na-
tur- u. Landeskunde: Dies., Mittheilungen etc. 56.Jhg., 1876.
4. Mähr. Landes- Ausschuf s : Ders., Rechenschaftsbericht f.
d. J. 1876. 1877. 8. — Brüssel. Louis Albin, Ober-Conservator
d. k. Bibliothek : Ders. , la plus ancienne gravure en taille-douce
executee aux Pays-Bas. 1876. 8. Sonderabdr. Ders., les grandes
armoiries du duc Charles de Bourgogne gravees vers 1467. 1859.
8. — Dorpat. Gelehrte estnische Gesellschaft: Dies., Si-
tzungsberichte etc., 1876. 1877. 8. — Dresden. Kunstgewerbe-
verein: Ders., Statuten. 1877. 8. Richard Steche, Architekt :
Ders., Führer durch die Ausstellung kunstgewerbl. Arbeiten vom
Mittelalter bis zur Mitte des 18. Jahrh. in Dresden. 1875. 8. —
Frankfurt a. M. F. Kreylsig, Direktor u. Prof d. Realschule:
Röhrich, Kaiser u. Reich. 1871. 8. Pr. Veith, Biographie Wöh-
ler's. 1871. 8. Pr. E. F. A. M ünzenberger , Stadtpfarrer ; Ders.,
zur Restauration des Frankfurter Domes. 1877. 8. — Freiberg.
Dr. M. Rachel, Gymnasialoberlehrer: Rachel, Reimbrechung und
147
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
148
Dreireim im Drama des H. Sachs. 1870. 4. Pr. — Glarus. Histor.
Verein d. Cantons Glarus: Ders., Jahrbuch etc. 14. H. 1877.
8. — Göttingen. Die terich'sche Buchh. : Forschungen zur deut-
schen Geschichte; Bd. XVII, 2. 1877. 8. — Halle. G. Schwetsch-
ke'scher Verlag: Die Natur etc.; 26. Jahrg., 1877. 1. Viertelj. 4.
— Hanau. Realschule II. 0.: Ehlers, geschieht!. Entwickelung
d. franzüs. Sprache; II. Thl. 1877. 4. Pr. - Hannover. Hahn'-
sche Buchh. : Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche
Geschichtskunde; Bnd. II, '6. 1877. 8. His to r. V erein für N ie-
dersachsen: Ders., Zeitschrift etc.; Jahrg. 1876. 8. — — Hei-
delberg. Universität: Erdmannsdörfl'er, Friedr. Chr. Schlosser.
1876. 4. Becker, zur Geschichte der medizin. Facultät iu Heidel-
berg. 1876. 4. Behaghel, die modi im Heliand. 1876. 8. Cohn,
d. Justizverweigerung im altdeutschen Recht. 1876. 8. Elkan. die
Gesta Innocentii III. im Verhältnifs zu den Regesten desselben Pap-
stes. 1876. 8. Meyer, d. Leben d. Trobadors Gauselm Faidit.
1876. 8- Neumann , d. german. elemente i. d. provenzal. u. fran-
zös. spräche; I. 1876. 8. u. 11 weitere akadem. Gelegenheitsschrif-
ten. — Karlsruhe. Braun'sche Hofbuchh. : Zeitschrift f. d. Ge-
schichte d. Oberrheins; Bd. 29, 2. 1877. 8. — Klagenfurt. Kärnt-
nerischer Geschichts- Verein: Ders., Archiv etc. ; XIII. Jahrg.
1876. 8. Carinthia etc.; Jahrg. 57 — 62 u. 65. 1867—72 u. 75. 8.
— Koburg. A. Freih. v. Üxküll: Ders., Bericht an den Cobur-
ger Localverein d. deutschen anthropolog. Gesellschaft pro 1875.
1876. 8. — Krakau. K. k. Akademie: Dies., Rozprawy etc., filo-
log. tom II — IV. 1875 — 76. 8. Rozprawy etc.; histor. -filozof.,
tom. IV. V. 1875—76. 8. ~ Kupferzell. F. K. Fürst zu Hohen-
lohe- Waidenburg, Durchl. : Cronica de Tutti li Dosi Venetiani.
Pap.-Hs. 16. Jahrh. kl. 4. — Leeuwarden. Friesch Genoot-
scliap van Geschied-, Oudheid- enTaalkunde: Dies., 48.
Verslag etc. 1875—76. 8. De vrije Fries etc. XIII. Deel, 2. 1876. 8.
— Leiden. Maatschappij der nederlandsche Letterkun-
de: Dies., Haudelingen etc.; 1876. 8. Levensberichten etc. 1876.
8. Alphabetische Lijst der Leden. 1876. 8. — Leipzig. F. A.
Brockhaus, Verlagsh. : Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts ;
10. u. 11. Bd. 1877. 8. Wander, deutsches Sprichwörter-Lexicon ;
61. Lief. 1877. 8. Statistisches Bureau der Stadt Leip-
zig: Dass., Mittheilungen etc.; XI. Heft. 1877. 4. Museum für
Völkerkunde: Dass., vierter Bericht etc. 1876. 8. 0. Sparaer,
Verlagsh. : Müller u. Mothes, illustr. archäolog. Wörterbuch. Lief.
16 — 22. 8. — Lübeck. Verein f. Lübeckische Geschichte u.
AI t erthumsk. : Ders., Bericht etc. über das Jahr 1874. 4. —
Luxemburg. Section historique de l'institut roy al grand-
ducal : Dies., Publications etc.; annee 1876, vol. XXXI. 1877. 8.
Dies., chartes de la famille de Reinach, deposces aux archives du
grand-duche de Luxembourg; I. fasc. 1877. 8. — IVIainz. Friedr.
Schneider: Ders., die Katharinenkirche zu Oppenheim u. ihre
Denkmäler. 1877. 4. — Montauban. Societe ar cheologique
de Tarn et Garonne: Dies.. Bulletin archeologique et histo-
rique; tome IV, 1 — 4. 1876. 8. — München. K. Akademie der
Wissenschaften: Dies., Sitzungsberichte der philos. -philol. u.
histor. Cl. 1876; H. 5. 1876. 8. Monumeiita Boica; vol. XLIII.
(XVI.) 1876. 4. Abhandlungen der mathem.-physikal. Cl. ; Bd. XII,
2. 3. 1876. 4. Sitzungsberichte der mathem.-physikal. Cl., 1876,
H. III. 8. V. Liliencron, über den Inhalt d. allgem. Bildung in der
Zeit der Scholastik. 1876. 4. Trumpp, Nanak, der Stifter der Sikh-
Religion. 1876. 4. Dr. v. Löher, k. b. geh. Rath, Reichsarchiv-
dir. u. Univ.-Prof. : Archivalische Zeitschrift; hgg. von v. Löher;
I. Bd. 1876. 8. - Neuburg. Histor. Fi lial-Verein : Ders., Col-
lectaneen-Blatt ; 40. Jhg. 1876. 8. — Nürnberg. Bayr. Gewerbe-
museum: Dass., Jahresbericht etc. 1876. 4. Hilfs-Comitii f.
Einrichtung und Ausschmückung d. ev. Friedenskir-
che zu Frosch Weiler : Schönniger, d. evangel. Friedenskirche
zu Fröschweiler im Elsafs. 1877. 8. Mit 2 bildl. Beil. Maximi-
lians-H eil ungs- Anstalt: Dies., 63. Jahres - Bericht etc. auf
das Jahr 1876. 1877. 4. Ungenannter: Wappen der löbl. Bür-
gerschaft der Stadt Set. Gallen; 1. — 3. Lief. 1855. 8. Wappen-
buch der löbl. Bürgerschaft v. Rappersweil. 1855. 8. Wappen d.
löbl. Bürgersch. Baden. 1855. 8. Wappen d. löbl. Bürgersch. von
Winterthur. 1855. 8. Jenni, Wappen der Anno 1857 lebenden Ge-
schlechter der Stadt Solothurn. 8. Sprecher, Wappen der Anno
1854 lebenden Geschlechter der Stadt Chur. 1855. 8. Wappen-
Tafel der löbl. Bürgerschaft der Stadt Zürich. 1854. 8. Wappen-
buch der Stadt Schaffhausen. 1819. 2. v. Nordenskjöld, Genealo-
gie des deutschen Kaiserpaares Wilhelm I. u. Augusta, zurückge-
führt auf den Kaiser Sigismund. 1871. 8. — Prag. Verein f. Ge-
schichte der Deutschen in Böhmen: Ders., Mittheilungen
etc.; Jahrg. XV, 4. Heft. 1877. 8. — Salzwedel. K. Gymnasium:
Walter, die Politik der Hohenzollern bei den deutschen Kaiser-
wahlen. 1877. 4. Pr. — St. Gallen. Histor. Verein des Kan-
tons St. Gallen: Wartmann, Urkundenbuch etc. T. III, Lief. 2.
3. 1876. 4. St. Gallens Antheil an den Burgunderkriegen. 1876.
4. Der Kanton St. Gallen in der Mediationszeit. 1877. 4. Mit-
theilungen etc.; neue Folge, 5u. 6. Heft: St. Gallische Geschichts-
quellen, hsg. durch Meyer von Knonau , III: Ekkehardi (IV.) ca-
sus scti. Galli. 1877. 8. — Schwerin. Verein f. meklenburg.
Geschichte und Alterthumskunde: Ders., Quartalbericht
etc.; XLII, 2. 3. 1877. 8. Ders., meklenburgisches Urkundenbuch;
X. Bd. 1877. 4. — Sigmaringen. Eug. Schnell, f. hohenzoll. Ar-
chivar: Ders., Dr. Marcus Roy. 1877. 8. — Stuttgart. K. Mini-
sterium des Innern: Staats- Anzeiger f. Württemberg; Jahrg.
1875. 2. — Terlan. K. Atz, Benefiziat : Ders., die christl. Kunst;
6. Lief. 8. — Upsala. Albert Wallis: Ders., Evangelium der
Gotteskindschaft. 1873. 8. — Utrecht. Pro vinciaal-Utrechtsch
Genootschap van Künsten en Wetenschappen: Dies.,
Verslag etc.; 1875. 1876. 8. Aanteekeningen etc.; 1875. 1876. 8.
Pleyte, la construction de Teglise jiar. St. Jacques ä Utrecht. 1876.
Imp. 2. — Wien. K. k. Central-Commission zur Erforsch,
u. Erhaltung der Kunst- u. histor. Denkmale: Dies.,
Mittheilungen etc. ; n. F. III. Bd., 1. Heft. 1877. 4.
Schriften der Akadeniieen, 3Iuseeii und historischen Vereine.
Mittheilungen der k. k. Mährisch-Schlesischen Ge-
sellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, derNatur-
und Landeskunde. 1876. 56. Jahrg. 1876. Brunn. 4.
Notizenhlatt der histor. statist. Section der genann-
ten Gesellschaft. Jahrgang 1876. Brunn 1876. 4.
Zur mahrisch - schles. Biographie. Von d'Elvert. (Forts.) —
Zur mährisch - schles. Adelsgeschichte. Von dems. (Forts.) — Die
Einführung der Erdäpfel in Mähren und Oesterr.-Schlesien. Von
dems. — Die Sparkassen in Mähren und Oesterr.-Schlesien. Von
dems. — Zur mährisch-schles. Balneographie , der Besuch der vor-
züglicheren Kurorte Mährens und Oesterr.-Schlesiens. Von dems.
— Aufzeichnungen aus dem vorigen Jahrhunderte. Von Koller.
— Der Verkauf der Studien- und Religionsfonds-Güter, der Studien-,
Religions - und Schulfond in Mähren und Oesterr.-Schlesien. Von
d'Elvert. — Hebung und Vorziehung des Soldaten-Standes, Recru-
tirung, Desertion, Aufhebung des -lebenslänglichen Militärdienstes.
Von dems. — Zur CTeschichte der Industrie und des Handels in
Mähren und Oesterr.-Schlesien. Von dems. - Die Burgen in Mäh-
ren. Von Koller. — Das Mafs und Gewicht in Mähren, insbeson-
dere in Olmütz. Von Peyscha. — Mähr. Zwolfkreuzer - Stücke
1619—21. Von Czikann. — Die Buch- und Steindruckereien in
Mähren und Oesterr.-Schlesien. Von d'Elvert. — Der Streit zwi-
149
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
150
sehen dem Collegiat-Capitel St. Peter und der Pfarrkirche St. Ja-
cob in Brunn. Von Koller. — Zur Geschichte des Gemeindewesens,
insbesondere der Gemeinde-Gebahrung in Mähreu und Oesterr.-
Schlesien. Von d'Elvert. — Ueber die alten Künstler in Olmütz
oder die Olmützer. Von dems. — Die Volkserhebung in Mähren
und Schlesien zur Zeit des Preufsen-Einfalls 1741 — 1742. Von
dems. — Zur Geschichte des Gauner- und Räuber- Wesens in Mäh-
ren und Oesterr.-Schlesien. Von dems. — Mährisch-schles. Brand-
Chronik. Von dems.
Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deut-
schen in Böhmen. XV. Jhg. Kr. IV. Kedigirt von Dr. Lud-
wig Schlesinger. Nebst der literarischen Beilage, redigirt
von Dr. Mathias Pangerl. Prag. 1877. 8.
Künstler der Neuzeit Böhmens. VI. Josejjh von Fürich. Bio-
graphische Studien von Prof. Rud. Müller. — Die Wahl Ferdi-
nand's I. zum König von Böhmen 1526. Urkundlich dargestellt von
Oscar Gluth. (Schlufs.) — Der Bergbau auf dem Dominium Ossegg
und in seiner nächsten Umgebung. Quellenmälsig bearbeitet von
Prof. B. Scheinpflug. — Sagen aus dem südlichen Böhmen. 12—17.
Von Fr. Hüller. — Vereinsangelegenheiten. Literarische Beilage.
Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur
Erforschung u. Erhaltung der Kunst- und historischen
Denkmale. Neue Folge. IIL Band, Erstes Heft. Mit 4 Tafeln
und 68 in den Text gedruckten Holzschnitten. Wien. 1877. 4.
Ein Wiener Sculpturwerk des XVI. Jahrhunderts und eine
Wiederholung in Nürnberg. Von Alb. Ilg. (m. Abb.) — Die Kirche
zu Pyhra in Niederösterreich. Von Ed. Freih. v. Sacken, (m. Abb.)
— Ein mittelalterliches Vortragekreuz im Dome zu Triest. Be-
sprochen von Dr. K. Lind. (m. Abb.) — Grabdenkmale in Ober-
Osterreicb. Von A. Winkler. (m. Abb.) — Kirche und Schlofs-
ruine zu Gars. (m. Abb.) — Commissionsbericht. Notizen.
Archiv für vaterländische Geschichte und Topo-
graphie. Herausg. von dem Geschichtsverein für Kärnten.
Dreizehnter Jahrgang. Klagenfurt. 1876. 8.
Die Baugeschichte des Domes zu Gurk. Von G. Frhr. v. Ankers-
hofen. — Regesten aus Lehen- Urkunden des Benedictiner - Stiftes
St. Paul vom XVL bis XVIII. Jahrh. Mitgetheilt v. Beda SchroU.
— Der Helenaberg bei Ottmanach als Fundstätte römischer Alter-
thümer. Von A. R. v. Gallenstein. — Die Hügelgräber bei Tscher-
berg im Jaunthale. Besprochen von A. R. v. Gallenstein.
Carinthia. Zeitschrift für Vaterlandskunde, Be-
lehrung und Unterhaltung. Herausgegeben vom Geschichts-
verein u. naturhistor. Landesmuseum in Kärnten. Re-
digirt von Marcus Freiherr von Jabornegg. Fünfundsechzigster
Jahrgang. 1875. Klagenfurt. 8.
Das Herzogthum Kärnten in der Zeit von 1269 - 1335. Ein
Auszug aus Dr. C. Tangl's theils gedruckter, theils ungndruckter
Periode des Handbuches der Geschichte von Kärnten. Forts. Be-
arbeitet V. Beda Schroll. — Cultur- Zustände. — Zur Geschichte
des oberen Drauthales. Von P. Kohlmayer. (VI.) — Museumsvor-
trag über das römische Bad. Von Prof. Bäumer. — Kleine Chronik.
— Die Farben der kärntnerischen Landesfahne. Von G. Frhr.
von Ankershofen. — Zum Leiflinger Münzfunde. Von G. — Aus-
zug aus dem Zeitbuche des kärtnerischen Geschichtsvereines (begon-
nen mit dem Jahre 1800.) — Die höchste Menschenwohnung in Eu-
ropa. (Goldzeche.) Aus dem Nachlasse Joh. Prettners. — Die
Funde in Maria Rast und Folgerungen daraus. Von J. C. Hofrich-
ter. — Eingesendet. (Ein Nachtag zum Artikel über die Maria
Raster Funde.) Von J. C. H. — Nachträge zu dem Werke : „Kärn-
tens Adel bis zum Jahre 1300." Von Alois Weifs. — Neu ent-
deckter antiker Inschriftstein. — Verzeichnis der Jahresdurchschnitts-
preise der Hauptgetreidegattungen von 1834 bis 1874 in Klagenfurt.
— Bilder aus dem kärtnerischen Volksleben. Von Rud. Walzer.
— Die Alpenwirthschaft in Kärnten. Von G. A. Zwanziger. —
Mittheilungen aus dem Geschichtsvereme. — Kärntnerische Volks-
sagen. Nekrologe.
Monumenta Boica. Volumen quadragesimum tertium. Edi-
dit Academia scientiarum Boica. (Collectio nova. Volumen
XVI.) Monumenta episcopatus Wirciburgensis 1372—1385. Mona-
chii. MDCCCLXXVI. 4. 4. Bl. 554 Stn.
Forschungen zur deutschen Geschichte. Herausg.
von der historischen Commission bei der königlich bayerischen
Akademie der Wissenschaften. Siebzehnten Bandes zweites Heft.
Göttingen. Dieterich. 1877. 8.
Vicelin und seine Biographen. Von Dr. K. Höhlbaum. —
Ueber den Primat des Erzstifts Magdeburg. Von Arohivseoretär
Dr. K. Palm. — Die ersten Versuche zu einer römischen Königs-
wahl unter Friedrich III. Von Dr. Ad. Bachmann. — Kleinere
Mittheilungen.
Sitzungsberichte der philosophisch - philologi-
schen und historischen Classe der k. b. Akademie der
Wissenschaften zu München. Jahrg. 1876. 8.
Gesellschaftsangelegenheiten. Ueber die Originale von Me-
lanchthon's Briefen an Camerarius und Melanchthon's Brief über
Luther's Heirath. Von Wilh. Meyer. Vorgelegt von v. Halm.
Ueber eine angebliche Rede des Kaisers Otto IV. Von Winkel-
mann.
Abhandlungen der mathematisch-physikalischen
Classe ders. Akademie. Zwölften Bandes zweite und dritte
Abtheilung. In der Reihe der Denkschriften der XLIV. Band.
München, 1876. 4.
Sitzungsberichte der mathematisch-physikalischen
Classe ders. Akademie. Jahrg. 1876. Heft III. München,
1876. 8.
Zeitschrift des Kunst-Gewerbe-Vereins in Mün-
chen. Jahrgang 1877. 1. u. 2. Heft. München. 1877. 2.
Die Kunst im Zusammenhange mit dem Volkswohlstand. Von
Dr. Max Haushofer. — Unsere kunstgewerblichen Muster -Blätter.
(m. Abbild.) — Vereinsangelegenheiten. — Abbildungen: Stühle
aus dem Bayerischen Nationalmuseum, deutsche Spätrenaissance.
Thürklopfer, nach einer Originalzeichnung von Peter Candid, 16.
Jahrh.
Colleotaneen-Blatt für die Geschichte Bayerns, ins-
besondere für die Geschichte der Stadt Neuburg a. d. D. und des
ehemaligen Herzogthums Neuburg, bearbeitet von Mitgliedern des
historischen Filial- Vereins zu Neuburg. Vierzigster Jahr-
gang, 1876. Neuburg, 1876. 8.
Pfalzgraf Philipp des Streitbaren Vertheidigung Wiens gegen
die Türken unter dem Sultan Suleiman I. 1529. Von J. Wür-
dinger. — Ueber Römerbauten. Eingesandt von H. Vocke. —
Bayern in den ersten Jahrhunderten seines historischen Daseins.
Von Grandauer. — Flucht der Klosterfrauen zu St. Agnes in
Lauingen und deren Aufnahme in das Kloster Mariahof bei Nei-
151
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
152
dingen durch den Grafen Heinrich VIII. zu Fürstenberg i. J.
1562 — 1578. Von Köberle. — Nekrologe. Vereinsangelegenheiten.
Kunst und Gewerbe. Wochenschrift zur Förde-
rung deutscher Kunst-Industrie. Herausgegeben vom
Bayerischen Gewerbemuseum zu Nürnberg. Redigirt von Dr. 0.
von Schorn. Elfter Jahrg. Nr. 18 u. 19. Nürnberg, 1877. 8.
Der Reformator der dänischen Kunstindustrie. Von Dr. J.
Stockbauer. — Ueber Elfenbeinschnitzerei. Von Prof. Dr. Kuhn.
— Kleine Nachrichten. Abbildungen: Vase mit Deckel aus altem
Meilsener Porzellan. Ofenkacheln (16. Jahrb.) Thürbeschlag (15.
Jahrh.) Laibung eines Pokals v. J. Sibmacher (1590).
Mittheilungen des Bayrischen Gewerbemuseums
zu Nürnberg. Beiblatt zur Wochenschrift: Kunst und Gewerbe.
Redigirt von Dr. 0. von Schorn. IV. Jahrg. Nr. 10. 8.
Bekanntmachung. Feuilleton. Museums- Angelegenheiten. An-
zeigen.
Archiv für Geschichte und Alterthumskunde von
Oberfranken. Dreizehnter Band. Zweites Heft. (Als Fort-
setzung des Archivs für Bayreuthische Geschichte und Alterthums-
kunde XVII. Bd.) Hsg. vom historischen Verein von Ober-
franken zu Bayreuth. Bayreuth. 1876. 8.
Zur älteren Geschichte Creufsens. Von Dr. Fikenscher. (m.
Abb.) — Der Name Creufsen. Von Dekan Stobaeus. — Die eth-
nographische Dreitheilung des bayerischen Voigtlandes. Von Lud-
wig Zapf. — Berichtigungen und Zusätze zu der Abhandlung in
Bd. XII. Heft 2 des Archivs: Das Reichs -Erzkämmereramt der
Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg von E.
Schnell . . ." nebst einigen Bemerkungen über die burggräflichen
Erbämter. Von H. Frhrn. von Reitzenstein. — Regösten bisher
ungedruckter Urkunden zur bayreuthischen Landes-, Orts- und
Familiengeschichte. Gesammelt u. hrsg. von H. Frhrn. von Rei-
tzenstein. — Jahresbericht.
Corresp ondenzblatt des Gesammt Vereins der deut-
schen Geschichts- u. Alterthumsvereine. Herausg. von
dem Verwaltungsausschusse des Gesammtvereins in Darmstadt. Fünf-
undzwanzigster Jahrgang. 1877. Nr. 2 u. 3. Februar u. März.
4. Nebst Beilage, zusammengestellt von Arohitect R. Redten -
bacher.
Marken an Baumaterialen. Von Friedr. Schneider. — Beiträge
zur Würdigung der unter den Namen Hinkelstein, Spindelstein,
Golenstein, Lange Stein u. s. w. vorkommenden monolithischen
Denkmale. Die Hinkelsteine am Mittelrhein auf hessischem Ge-
biet. Von Ernst Wörner. (m. Abbild.) — Alanen in China. Von
L. Diefenbaoh. — Wirksamkeit der einzelnen Vereine. Literarische
Anzeigen. Notizen etc.
Vierter Bericht des Museums für Völkerkunde
in Leipzig 1876. 1877. 8.
Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Heraldik,
Sphragistik und Genealogie. Organ des Vereins „Herold"
in Berlin. VHL Jahrgang. Nr. 1—3. 1877. 4. Mit 3 Kunst-
beilagen.
Vereinsangelegenheiten. — Hartheim. Von v. Oidtmann. —
Urkunde Karl's V. an die Reichs-Freiohnmittelbare Ritterschaft
im Unter-Elsafs d. d. Augsburg 8. Oktober 1550; erneuert von
Ferdinand II. d. d. Wien 28. August 1637. Mitgeth. von Frhrn.
H. V. Müllenheim. — Die zwölf Tugenden des Edelmanns. Von
Eufemia von Kudriaffsky. — Die Wappen der serbischen Lande
und Dynastien. Zusammengestellt und gezeichnet von Milan A. Si-
mitsch. Eingesandt und übersetzt von Dr. Reiter, blas, von L. C.
— Die Schongauer'schen Wappen, von K. v. Kn. — Recensionen.
— Die Herren Barone. Von v. Prittwitz und Gaffron. — Die
Familie von Wenzky. Von L. Clericus. — Nachrichten über gröfsere
Sammlungen. 2. Die Wappensammlung des Barons von Linstow.
Von dems. — Une fleur de lis. — Die Rodenberge. — Ueber den
Ursprung der Familie Langwerth von Simmern. Von J. Gf. 0. —
Une fleur de lis. (Frts.) — Ein maurisches Wappen. Von L.
Clericus. — Sphragistisches Curiosum. Von v. Oppen. — Kleine
Mittheilungen. Sphragist. Anfrage. Vermischtes. Literatur, etc.
Vierteljahrsschrift für Heraldik Sphragistik und
Genealogie. Herausg. vom Verein „Herold" zu Berlin. Redi-
girt von Ludw. A. Clericus. 1876. IV. Heft. Berlin. 1876. 8.
Adelsbuch des Königreichs Bayern (1820 — 1875.) Bearbeitet
von Gustav Adalb. Seyler, Redacteur. (Schlufs.) — Genealogie
der Familie von Sydow. Von Hans von Sydow. (Schlufs.)
Zeitschrift für Ethnologie. Organ der Berliner Ge-
sellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urge-
schichte. Unter Mitwirkung des Vertreters derselben herausg.
von A. Bastian und R. Hartmann. Achter Jahrgang 1876. VIII.
Heft. Mit Tafel XXI-XXVI. Berlin. 1876. 8.
Die Mikorzyner Runensteine. Von Albin Kohn.
M eklenburgischea Urkundenbuch, herausg. von dem
Vereine für Meklenburgische Geschichte und Alter-
thumskunde. X. Band. 1346—1350. Nachträge Bd. I— X.
Schwerin 1877. 4. 2 Bl. u. 662. Seiten. (M. Abb.)
Quartalbericht desselben Vereines. XLII. 2. u. 3. 8.
Geschichts-BIätter für Stadt und Land Magde-
burg. Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Al-
terthumskunde des Herzogthums und Erzstifts Mag-
deburg. 12. Jahrgang. 1877. I. Heft. Mit drei lithogr. Ta-
feln. Magdeburg, 1877. 8.
Ein Formelbuch des dreizehnten Jahrhunderts aus der Mag-
deburger Kirchenprovinz. Mitgeth. von Pastor Winter. — Bei-
träge zur Baugesohiohte des Domkreuzganges. Vom Oberlehrer
0. Müller. — Zur Fehde des Fürsten Bernhard VI. zu Anhalt
mit der Stadt Magdeburg 1426. Vom Archivrath Prof. F. Kind,
scher. — Der Streit um die Abtei Ammensieben im J. 1579. Vom
Archivsecretair Dr. Palm. — Miscellen von F. Kindscher und
Oberprediger Meyer. Literatur. Vereins-Chronik.
Neues Archiv der Gesellschaft'für ältere deutsche
Geschichtskunde zur Beförderung einer Gesammtaus-
gabe der Quellenschriften deutscher Geschichten des
Mittelalters. Zweiter Band. Drittes Heft. Hannover. Hahn'-
sche Hofbuchhandlung. 1877. 8.
Georg Heinrich Pertz und die Monumenta Germaniae histori-
ca. Von G. Waitz. — Beiträge zur Kritik der Karolingischen
Annalen. Von E. Dünzelmanu. — Beiträge zur Kritik deutscher
Geschichtsquellen des 11. Jahrh. Von Harry Bresslau. (m. Taf.)
— Miscellen. - Nachrichten. — Nachträge etc.
Zeitschrift des historischen Vereins für Nieder-
sachsen. Herausgegeb. unter Leitung des Vereins -Ausschusses.
Jahrg. 1876 und 38. Nachricht über dens. Verein. Hannover.
Hahn'sche Hofbuchhaudlung. 1876. 8.
Mittheilungen aus dem alten Bürgerbuche und dem alten
Stadtbuche der Stadt Hannover. Vom Ober- Amtsrichter G. F.
153
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
154
Fiedeler. — Zur ältesten Geschichte des Klosters Loccum. (Frts.)
Von H. L. Ahrens. — Die Homburg. Vom Dir. H. Dürre. — Bei-
träge zur Geschichte der Cistercienserabtei Amelungsborn. Von
dems. — Der bremensche Zweig der Familie Königsmark. Von
W. H. Jobelmann. — Nachrichten über die früheren Münzstätten
im Fürstenthume Lüneburg. — Miscellen. 1. Eine Fehde Braun-
schweigischer Edelleute. Von Joh. Graf v. Oeynhausen. — 2. Job.
Jeep, aus Dransfeld, ein niedersächsischer Musiker des 17. Jahrh.
Vom Postsecr. A. Quantz. — 3. Kosten einer Lüneburger Ge-
sandtschaft zum Hansetage nach Lübeck im Jahre 1540. Mitgeth.
von Ed. Bodemann. — 4. Bestallung eines Hofpredigers im 16.
Jahrh. Migeth. von dems. — 5. Die Salzburger in Rethmar.
Vom Pastor Nolte. — Nachträge.
Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und
vaterländische Alterthümer zu Emden. Zweiter Band.
Zweites Heft. Emden. Verlag von W. Haynel. 1877. 8.
Ostfriesland in der Römerzeit. Von General -Superintendent
Bartels. — Güterverzeichnifs des Klosters Langen in Ostfriesland.
Mitgeth. von Dr. Ernst Friedländer. — Das Leben des Arnold
Creveld , Priors zu Marienkamp bei Esens. Nach der Original-
handschrift herausgegeben von Dr. Sauer. — Zur Geschichte
des dreifsigjährigen Krieges in Ostfriesland. Von Dr. A. Pannen-
borg. — Einiges üher die Authentie und Entstehungszeit von
Ernst Friedrich von Wichts Chronik. Vom General-Superinten-
dent Bartels. — Miscallenea. Von dems. — Vereinsangelegen-
heiten.
Zeitschrift für vaterländische Geschichte und
Alterthumskunde. Herausgeg. von dem Verein für Ge-
schichte und Alterthumskunde Westfalens durch dessen
Directoren. Vierte Folge, vierter Band. Mit 1 photolithogr.
Tafel. Münster, 1876. 8.
Heft I. Die Urkundenfälschungen des Klosters Abdinghof
und die Vita Meinwerci, von Dr. R. Wilmans, Geh. Archiv -Rath.
— Beziehungen Westfalens zu den Ostseeländern, besonders Liv-
land , von Caspar Geisberg, Archivar und Kanzleirath. Nach dem
Tode des Verfassers revidirt von Dr. Carl Tücking, Gymnasial-
Direkter. — Aus der Correspondenz des Münsterischen Stadtsyn-
dikus Joh. von der Wieck mit dem Herzoge Ernst von Braun-
schweig -Lüneburg. — Altmünsterische Drucke, von J. B. Nord-
hoff. — Vereinsangelegenheiten etc. Heft II. Beschreibung des
Bisthums Minden, von L. A. Th. Holscher. — lieber den Ursprung
des Ortsnamens „Paderborn" von Prof. Dr. Jul. Evelt.
Annalen des historischen Vereins für den Nieder-
rhein, insbesondere die alte Erzdiöcese Köln. 30. Heft. Köln,
1876. 8.
Die Buchhandlungen und Buohdruckereien zum Einhorn in
der Strafse Unter-Fettenhennen zu Köln, vom sechzehnten Jahrb.
bis zur Gegenwart. Von J. J. Merlo. — Alphabetisches Namens-
Verzeichnil's der Buchhändler und Drucker. — Das Kloster Frau-
weiler bei Bedburg. Von Pfr. Müller. — Aebte, Pröpste und
Mönche der Abtei Siegburg (1156—1771). Mitgetheilt von Dr.
J. B. Dornbusch. — Aus dem Leben und Treiben einer alten
Siegstadt im 15., 16. und 17. Jahrh. Von dems. — Kölnische
Chronik. Mitgeth. v. Prof Dr. G. Eckertz. — Legende von
St. Reinold. Von Prof. Flols. — Miscellen. — Vereinsangelegen-
heiten.
Zwei Reliquien aus Isaac Iselins Studienzeit. Fest-
grufs zur Säcularfeier der gemeinnützigen Gesellschaft in Basel,
Ostern 1877. Basel. 1877. 8.
Anzeiger für schweizerische Geschichte. Herausgeg.
von der allgemeinen geschichtsforschenden Gesell-
schaft der Schweiz. Achter Jahrgang. (Neue Folge). Nr. 1.
1877. 8.
Das Meieramt Glarus. Von Dr. G. v. Wyfs. — Der letzte
Zähringer. Von Dr. J. Bächtold. — Lienhard Kenmetter und
Pfalzgraf Friedrich bei Rheine. Von Th. von Liebenau. — Zur
Entstehungsgeschichte von S. Münster's Cosmographey. Von
Dr. S. Vögelin j.
Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen. Teil IH.
Lieferung II und III. 1241 — 1296. Herausg. vom historischen
Verein des Kantons St. Gallen. Bearbeitet von Hermann
Wartmann. Set. Gallen. 1876. 4.
St. Gallens Antheil an den Burgunderkriegen.
Herausgegeben von dems. Vereine. Set. Gallen. 1876. 4.
(M. Abb.) 2 Bl. u. 24. Stn.
Der Kanton Set. Gallen in der Mediationszeit. Neu-
jahrsblatt für die Set. Gallische Jugend; hrsg. von dems. Vereine.
Set. Gallen 1877. 4. (M. Abb.) 2 Bl. u. 23 Stn.
Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte.
Hrsg. von dems. Verine. Neue Folge. 5. u. 6. Heft. (Der
ganzen Folge XV. u. XVI.) Set. Gallische Geschichtsquel-
len. Neu hgrausg. durch G. Meyer von Knonau. III. Ekkeharti
(IV.) Casus sancti Galli. Set. Gallen. 1877. 8. (m. 1 Plänchen).
XC. u. 487 Stn.
Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons
Glarus. Vierzehntes Heft. Zürich und Glarus. Meyer und
Zeller. 1877. 8.
Vereinsangelegenheiten. — Dr. J. J. Blumer. Sein Leben und
Wirken, dargestellt nach seinen eigenen Aufzeichnungen. Von
Dr. J. Heer. — General von Bachmann, sein Biograph Emanuel
Friedrich von Fischer und das „Cordonsystem" in seinen Bezieh-
ungen zum Gebirgskrieg. — Mit besonderer Berücksichtigung des
Feldzuges von 1815. Von Dr. jur. F. Dinner.
Bulletin archeologique et historique publie sous
la direction de la Societe Archeologique de Tarn-et-Ga-
ronne. Tome IV. Premier — quatrieme trimestre 1876. Mon-
tauban. 1876. 8.
Gesellschaftsangelegenheiten. — Les Statuts des corporations
professionelles de Montauban. Par M. G. Bourbon. — Les armes
des corporations de Montauban. Par M. l'abbe Pottier, president
de la Societe. — Le poingon des orfevres de Montauban. Par
le meme. — Tapisserie commandee ä Aubusson par les consuls
de Montauban, 1688. Par le meme. — Extrait d'un inventaire
municipal de Montauban. Par M. Ed. Forestie, secretaire de la
Societe. — David Alexandre Alles, Ingenieur en chef pour Louis XIV.
ä Strasbourg. Par M. Guirondet. — Les debuts de l'imprimerie
ä Montauban. Par M. E. Forestie Neveu. — Testament de Pierre
de Bertier. Par M. l'abbe Pottier. — Pierre Textoris, Le Tessier,
Cardinal. Par M. L. Guirondet. — Monuments historiques du
Tarn-et-Garonne. Par M. l'abbe Pottier (M. Abb.) — L'Ostal de
l'Avescat. Par M. Henri De France. — Ancien hotel-de- ville de
Saint Antonin. Par M. Trutat. (M. Abb.) — Notices et docu-
ments extraits des archivea departementales. Par M. Bourbon. —
Notice historique sur le College de Montauban, depuis sa fonda-
155
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
156
tion jusqu'en 1792. Par M. G. Bourbon. — La faiencerie d'Ardus
(Manufactur royale) , Notes et additions. Par M. E. Forestie. —
Inventaire du mobilier de Pierre de Bertier, evcque de Montauban.
Par M. l'abbe Pottier. — Le colombier du Toureil ä Beaumont-de
Lomagne. Par M. Jules Frayssinet. Bibliographie. — Procös-ver-
baux des seances. — Chronique.
Societe Beige de geographie. Bulletin. Premiere
annee. — 1877 — Nr. 1. (Mit Karten.) Bruxelles. 1877. 8.
Publication de la Section historique de l'Institut
Roy al-Grand-Ducal de Luxembourg. Annee 1876. — XXXI
(IX). Luxemburg. 1877. 8.
Chartes de la famille de Reinach. Deposees aux ar-
chives du grand-duche de Luxembourg. Annees 1221 ä 1455. —
No8 1 ä 1673. Premiere fascicule. Luxembourg. 1877. 8.
Gesellschaftsangelegenheiten. — Table chronologique des
Chartes et Diplomes relatifs ä l'histoire de l'ancien pays de Lu-
xembourg .... Du 23 novembre 1457 ä la fin de l'annee 1462.
Par M. F. H. Wurth-Paquet. — Supplement ä ma derniere Notice
sur les travaux de transformation de la forteresse de Luxembourg,
inseree dans le Yolume XXX des Publications de la Section histo-
rique p. 166. Par M. J. Ulveling. — Invasions dans le
Luxembourg de la part de Valeran, com.te de St. -Pol, de la mai-
son de Luxembourg-Ligny, en 1392 et respectivement en 1395.
Par le meme. — Histoire des seigneurs et du bourg d'Esch sur
Lüre dans le canton de Wiltz, Grand-Duohc de Luxembourg. Par
M. le docteur Aug. Neyen. — Blason des comtes et ducs de Lu-
xembourg. Par M. Ch. München. (M. Abb.) — Etat du Duche
de Luxembourg et du Comte de Chiny depuis le Traite des Pyre-
nees jusqu'au Traite de paix d'Aix-la-Cbapelle (7 novembre
1659 — 2 mai 1668). Par M. J. Schoetter. — Trois pains antiques
conserves au Musee historique de Luxembourg. Par M. J. Eng-
ling. — Nachtrag zu dem in der Nr. XII der „Luxemb. histor.
Public, u. s. w.", S. 16 — 23 erschienenen Aufsatze : Das Römer-
begräbnifs bei Heffingen. Von J. Engling. — 1762, 13 decembre
Bruxelles. Avis du Conseil de finances de S. M. au sujet des
droits dus au domaine du duche de Luxembourg par la ville de
Treves, ä titre de droit de protection .... Par M. F.-X. Wurth-
Paquet.
Verslagen en Meededelingen der Koninklijke Aka-
demie van Wetenschappen. Afdeeling Letterkunde. Tweede
Reeks. Vijfde Deel. Amsterdam, C. G. van der Post. 1876. 8.
Numismatische mededeeling. Von J. Dirks. — Bijdrage tot
de geschiedenis der Zigeuners. Von M. J. de Goeje. — Eeue
gissing omtrent de oudste verhuizing der volken. Mededeeling
van W. G. Brill. Over den Zwaardcultus. Von M. J. de Goeje.
— AEI4>AP. Bijdrage van M. de Vries.
Verhandelingen der Koninklijke Akademie van
Wetenschappen. Afdeeling Letterkunde. Tiende Deel. Am-
sterdam, C. G. van der Post. 1876. 4.
Het dijks- en molenbestuur in Holland's Norderkwartier ouder
de grafelijke regeering en gedurende de Republick. Door Mr.
G. de Vries. Az. IV. u. 638 Stn.
Verslag van het Verhandeide in deAlgemeene Ver-
gadering van het Provinciaal Utrechtsch Genootschap
van Künsten en Wetenschappen, gehouden den 29. Juni 1875
und den 20. Juni 1876. Utrecht, Gebr. van der Post. 1875 und
1876. 8.
Aanteekeningen van het Verhandeide in de Sectie-
Vergaderingen van het Provinciaal Utrechtsch Genootschap
etc., ter gelegenheid van de algemeene vorgadering, gehouden in
het jaar 1875 und 1876. Utrecht, Gebr. van der Post. 1875 und
1876. 8.
La construction de l'eglise paroissiale de St. Jacques ä Utrecht.
Plan et coupes architectoniques avec indication des agrandisse-
ments successifs, precedes d'une note explicative par W. Pleytte.
Sous les auspices de la societe „Het Provinciaal Utrechtsch
genootschap van Künsten" etc. Leide, E. J. Brill. 1876.
Imp. 2.
Ilandelingen en Mededeelingen van de Maatschap-
pij der Ned erlandsche Letterkunde te Leiden, over het
Jaar. 1876. Leiden E. J. Brill 1876. 8.
Levensberichten der afgestorvene Medeleden van
de Maatschapij etc. Bijlage tot de Ilandelingen van 1876.
Leiden, E. J. Brill. 1876. 8.
Alphabetische Lijst derLeden van de Maatschapij etc.
Opgemaakt 15. Juni 1876.
Acht-en-veertigste Verslag der Handelingen van
het Friesch Genootschap van Gesohied-, Oudheid- en
Taalkunde te Leeuwarden, over het Jaar 1875—1876. 8.
De Vrije Fries. Mengelingen, uitgegeven door het Friesch
Genootschap etc. Dertiende Deel. Derde Reeks. Eerste deel.
Twede stuck. Leeuwarden, H. Kuipers. 1876. 8.
Johannes Hesener en Balthasar Cohlerus. Een episode uit
den tijd dor Labadisten in Friesland. Door Dr. J. Reitsma. —
Een en ander over Friesche Eigennamen. Door Joh. Winkler. —
Inscription van verscheidene edelen in het album van Ilessel van
Ostheim. • Medegeeld van J. Holtmans. — De Muntenvond van
Beets in Friesland, Afgebeeld en opgehelderd door Mr. J. Dirks
en Ihr. J. E. Hooft van Iddekinge. — De Geldersche en Friesche
stad Staveren, Stavoren , Steveren. Door W. E. — Nog iets tot
lof van Caspar van Robles. Door W. E.
Sitzungsberichte der gelehrten estnischen Gesell-
schaft zu Dorpat. 1876. Dorpat. 1877.
Beiträge zur Kunde Ehst-, Liv- und Kurlands,
herausgegeben von der Estländischen Literarischen Ge-
sellschaft.. Band IL Heft 2. Reval, 1876. Verlag von Lind-
fors' Erben. 8.
Zeitungen über Livland im 16. Jahrhundert. Von Dr. Konst.
Höhlbaum. — Anhang (Regesten und eine Urkunde). Ueber den
letzten Urkundenfund im Revalschen Reichsarchiv. Von Gotthard
von Hansen. — Regesten der im Jahre 1875 im Rathhause zu
Reval wieder aufgefundenen Documeute. Angefertigt von Eduard
Pabst und Gotthard von Hansen. — Etwas über Renner's Littauer-
schlacht beim Dorfe Kauren in Kurland. Von Eduard Pabst. —
Jahresbericht.
Literatur.
N&U, erschienene Werke.
3) Kloster Heils bronn. Ein Beitrag zu den hohenzolleri-
schen Forschungen, von Dr. R. G. Stillfried. Berlin.
1877. Carl Heymann's Verlag. 8. XX u. 398 Stn. u. 92
Tafeln.
Das Kloster Heilsbronn hat von jeher durch seine Beziehun-
157
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
158
gen zum hohenzollerischen Herrscherhause das Interesse der Ge-
schichtsforscher eben so sehr in Anspruch genommen, als durch
seine Architektur und die Alterthümer, die es noch in sich scliliefst,
jenes der Kunstforscher. Seit 40 Jahren hat sich darum der Ver-
fasser des vorliegenden Buches eingehend mit der Geschichte wie
mit den Alterthümern Heilsbronns beschäftigt, insbesondere zur
Zeit der Restauration des Bauwerkes, auf deren Vornahme er so
wesentlich emgewirkt hatte. Zwar läfst sich der Besitz der vog-
teilichen Rechte über Heilsbronn sammt dem Besitze der Herr-
schaft Abenberg, ebenso die Stiftungen und Gräber der Hohen-
zollern in Heilsbronn nicht über 1246 hinauf verfolgen ; aber da
beim Verkaufe der Burg und Stadt Abenberg im Jahre 1296 die
vogteilichen Rechte als ein von den Vorfahren ererbter Besitz be-
zeichnet werden, so wendet der Verfasser den Abenbergischen
Stiftungen und Gräbern als solchen der Vorfahren des Hauses Ho-
henzollern dieselbe eingehende Aufmerksamkeit zu, wie den der letz-
teren. Er betrachtet zunächst den Namen, der urkundlich zuerst
Haholdesbrunnen gelautet, später in Halesprunnen zusammenge-
zogen ist, woraus nach Vergessen der Abstammung Hailsprun-
nen, Heilsbrunneu und lateinisch schon im 15. Jahrb. fons salu-
tis geworden. Das Kloster ist 1132 vom heiligen Otto gestiftet,
1141 vom Papst bestätigt und dem Cisterzienserorden einverleibt.
Die Grafen von Abenberg statteten die Stiftung reichlich mit Gü-
tern aus, deren die Insassen immer mehr dazu erwarben, so dafs
die ausgedehnte Bewirthschaftung und die Seelsorge der umlie-
genden Orte die Hauptthätigkeit der Mönche bildete und die Be-
schäftigung mit der Wissenschaft ihr gegenüber fast zurücktrat,
obwohl auch diese gepflegt wurde und befähigte Mitglieder auf
den berühmtesten Universitäten studierten. Nachdem der Verfasser
die äui'sere Geschichte bis zur vollständigen Auflösung des Klosters
im 30jährigen Kriege verfolgt, gibt er im zweiten Abschnitte die
Beschreibung und Baugeschichte der Kirche und der übrigen Klo-
stergebäude. Bekanntlich ist die Kirche, eine romanische Säulen-
basilika, noch der ursprüngliche Bau, nur später vielfach erwei-
tert; doch läfst sie noch jetzt den gesammten alten Kern erken-
nen. Das wichtigste Gebäude nächst der Kirche, welches heute
noch erhalten, wenn auch jetzt zu einer Bierbrauerei umgestaltet,
ist das Refektorium, unter dem Namen „Primizkapelle" bekannt,
dem Beginn des 13. Jahrhunderts entstammend. Auch eine ziem-
liche Anzahl anderer Gebäude ist mehr oder weniger gut erhalten
auf unsere Zeit gekommen.
Der dritte Abschnitt ist den Grab- und sonstigen Denkmälern
der Burggrafen von Nürnberg, sowie der Kurfürsten und Mark-
grafen von Brandenburg gewidmet. Es werden nicht nur die in-
teressanten Denkmale beschrieben, sondern auch genealogische
Probleme erörtert, zu denen die älteste Geschichte der Burggra-
fen von Nürnberg Anlafs gibt. Auch die Siegel der Burggrafen
und ihrer Gemahlinnen finden entsprechende Behandlung. Die Re-
sultate der im Jahre 1853 vorgenommenen Untersuchungen der
Grabstätten und Erhebung der Gebeine werden in diesem Ab-
schnitte dargelegt und mannigfaltige Nachrichten über das Leben
und Ableben, sowie die Begräbnisse und sonstige Denkmäler der
Hohenzollern gegeben. Der vierte Abschnitt behandelt die Denk-
mäler anderer dynastischer und adelioher Personen. Der fünfte
Abschnitt gibt die historischen Aufzeichnungen des Abtes Sebald
Bamberger, der sechste die ehemaligen Kunst- und Reliquienschätze,
der siebente die Nekrologien des Klosters.
Das Buch ist mit zahlreichen Holzschnitten im Texte, nament-
lich Siegelabbildungen, ausgestattet, zu denen nahe an 100 Tafeln
kommen, die, meist photolithographisch hergestellt, die Architektur,
die Altäre und sonstige Kunstdenkmale , vor allem aber die vielen
Grabmäler darstellen und so für die Kunstgeschichte, für die Ko-
stümgesohichte, wie für Heraldik von besonderer Wichtigkeit sind.
Wer es weifs, dafs derartig ausgestattete Werke nur mit
Opfern in's Leben treten können, wird dem Verfasser sehr dank-
bar sein, dafs er solche in dem umfassenden Mafse gebracht hat,
wie dies hier nöthig war, um ein wichtiges Baudenkmal und die
vielen in demselben enthaltenen Kunst- und Geschichtsdenkmale
so erschöpfend vorführen zu können. A. E.
Vermischte Nachrichten.
56) Lüben 6. Mai. Seit voriger Woche sind bei Anlegung
eines Grenzgrabens , sowie beim Riolen eines Grundstückes meh-
rere heidnische Begräbnifsstätten in Tiefe von 1 — 2 Fufs aufge-
deckt worden. Die hiebei vorgefundenen Urnen sollen auf dem
hiesigen Rathhause aufbewahrt werden.
(D. R. Anzeiger, Nr. 109, a. d. Schles. Ztg.)
57) In Nr. 1 des Korrespondenzbl. d. d. Gesch. - u. Alterth.-
Vereine berichtete der württemb. Landesconservator Prof. Paulus
über merkwürdige Funde in zwei Grabhügeln bei Hundersingen.
Im Laufe des Januar d. J. nun liefs er diese Hügel durchgraben,
der eine hatte bei 210 Fufs Durchmesser eine Höhe von 24, der
andere bei 175 Fufs Durchmesser eine solche von 14 Fufs. Unter
den Hunderten von Grabhügeln, die schon in Württemberg eröffnet
wurden, zeigte noch keiner die Bestattungsart dieser beiden : dafs
nämlich eine wohlverwahrte Grabkammer, die mehrere Skelette
enthielt, unter der Sohle des Hügels in den gewachsenen Boden
eingetieft ist, während der Hügel selbst in seiner Masse allent-
halben interessante Gegenstände aller Art in Verbindung mit
Asche zeigte. Schon der gröfsere gehört zu den reichsten bis-
her aufgedeckten, aber der kleinere steht bis jetzt hinsichtlich
der Menge, Kostbarkeit und Schönheit der Magen ganz einzig da.
Das Vorkommen von Goldschmuck , eines golddurchwirkten Ge-
wandes, die Menge des kostbaren Bernsteins lassen auf eine fürst-
liche Begräbnifsstätte schliefsen. Leider ist der Raum unseres Blat-
tes zu enge bemessen, um den Bericht über diese interessanteste
Ausgrabung, die seit vielen Jahren gemacht ist, vollständig zum
Abdrucke zu bringen.
58) Regensburg, 9. Mai. In den letzten Wochen wurde
dahier ein Stück Boden von neuem aufgegraben, welcher eine Ge-
schichte von ungefähr anderthalbtausend Jahren hat. Auf dem-
selben stand nämlich, wol seit dem dritten Jahrhundert n. Chr.,
ein mächtiges Thor des mit kolossalen Quadern ummauerten rö-
mischen Palatiums, von welchem schon wiederholt erhebliche Reste
aufgefunden wurden. Neuerdings kamen von demselben wohler-
haltene Wärmeleitungsröhren und viele gebrannte Steine mit dem
Stempel der dritten Legion zum Vorschein. Ferner fand sich in
einer Tiefe von ungefähr 5 Meter eine römische Handmühle von
röthlichem Granit in gutem Stande. Eine kleine Büste von Bronze
und mehrere stark mit der bläulich- grünen aerugo nobilis ver-
sehene Messingplättchen , welche in der tiefsten Schuttschichte
lagen, schienen zur Zierde eines Schmuckkästchens gedient zu
159
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
160
haben. Auch römische Hufeisen und ein Zügel , sowie zahlreiche
Knochen von Thieren, namentlich auch Eberzähne und Hirschge-
weihe, wurden ausgegraben. Besonderes Interesse verdient eine
im römischen Bauschutt gefundene mittelalterliche Münze, welche
höchst wahrscheinlich mit den Fundamenten des auf ehemals rö-
mischen Grund gebauten „Bamberger Hofs" in die Tiefe kam, aus
welcher sie eben hervorgehoben wurde. Auf den Trümmern des
Bamberger, später Guttensteiner Hofs erbauten die Karmeliten in
der Mitte des 17. Jahrhunderts einen Theil ihrer poch heute be-
stehenden Niederlassung, so dafs bei den Kellerausgrabungen des
jetzigen Neubaus die gewaltigen Grundmauern von drei früheren
Gebäuden zu gleicher Zeit zum Vorschein kamen und zum Theil
so lange freigestellt wurden, bis das Steinmaterial derselben zur
Aufführung der neuen Fundamente in Verwendung kam.
(Korresp. v. u. f. D. Nr. 243.)
59) Aus der Pfalz, 11. Mai. Auf der Höhe zwischen Worms
und Kaiserslautern, südlich vom Eisbach und südwestlich vom alten
Römerorte Eisenberg, entdeckte man jüngst eine Reihe mächtiger
Tumuli, die theilweise mit Steinen bedeckt sind, theilweise aus
blofser Erde bestehen. Dieselben werden demnächst auf Kosten
des historischen Vereines der Pfalz und der PoUichia aufgedeckt
werden. Das Merkwürdige ist hiebei, dafs in der nächsten Nähe
der Tumuli sich, unter dichtem Moos versteckt, riesige Haufen von
Eisenschlacken vorfinden, die bis 400 Wagenladungen Material er-
geben. Es läfst dieser Umstand auf eine ausgedehnte Eisenfab-
rikation in prähistorischer Zeit in dieser Gegend schliefsen. —
Bei Aufräumungen innerhalb des Regierungsgebäudes zu Speyer,
das sich auf den Grundmauern des Römerkastelles zu Noviomagus-
Nemetes erhebt, entdeckte man eine etwa V2 M. hohe Bronze-
statue von vollendeten Formen und reinem Gusse. Dieselbe stellt
einen Knaben dar, der in der Linken einen Fisch hält, in der Rech-
ten vielleicht eine Angel hatte. Die ganze Situation macht es wahr-
scheinlich, dafs er die Zierde eines Brunnens bildete. Die Augen
sind von Silber und dieser Umstand , sowie andere deuten darauf
hin, dafs die Statue aus der besten Kaiserzeit herrührt, etwa dem
2. Jahrhundert n. Chr. Das Kunstobjekt wird, auf einem Piedestal
erhöht, einen hervorragenden Schmuck des Speyrer Museums bilden,
das an Kunstwerken aus der Römerzeit wol das reichste und
werthvollste am Rheine ist und durch seine sachgemäfse Anord-
nung vielen ähnlichen Museen als Muster dienen kann.
(Korresp. v. u. f. D., Nr. 247.)
60) In Heidelberg, auf dem Terrain des akadem. Krankenhauses
hat man beim Umgraben einen wohlerhaltenen, runden, römischen
Brenn ofen für Töpfergeschirr gefunden. Für seine Echtheit
sprechen die vielen Scherben antiken Geschirres, welche man da-
selbst nebst Thierknochen und alten Münzen gefunden hat.
(D. Reichsanzeiger, Nr. 87.)
61) In den Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K. u. bist.
Denkmale theilt Dr. E. Frhr. v. Sacken einen römischen Gold-
schmuck durch Beschreibung und Abbildung mit, welcher bei
Gelegenheit des Salzkammergut-Bahnbaues gefunden und vom k. k.
Münz - und Antikenkabinete zu Wien erworben wurde.
62) Die archäologischen Ausgrabungen im Gebiete
der Römerstädte Flavium, Salvense, Celeia, Poetovia, Virunum
und Teurnia, zu deren Vornahme der Kaiser von Oesterreich dem
Universitätsprofessor Dr. Fritz Pichler in Graz eine Dotation be-
willigte, sind erfolgreich eröffnet worden. Man hat auf den Feldern
von Pumpersdorf die Trümmer eines römischen Landhauses blol's-
gelegt. Unweit der Bahnstation Leibnitz zu Wagna sind ferner
auf einer Fläche von ca. 600 Quadratmetern die weitläufigen Rui-
nen eines besseren römischen Landhauses ausgegraben worden.
Beide Funde bieten wissenschaftliches Interesse, und bei dem letz-
teren wurde auch ein fast vollständig erhaltener Mosaikboden auf-
gedeckt. Derselbe ist 7,20 Meter lang, 6 Meter breit, enthält also
über 42 Quadratmeter. Dieser Mosaikfufsboden, mit Thierdarstel-
lungen und Arabesken reich und farbenbunt geschmückt, ist von
grofsem Werth und jedenfalls der schönste, der bis jetzt in Steier-
mark aufgefunden wurde. (D. Reichsanzeiger, Nr. 113.)
63) Mainz, 20. April. Gestern wurde eine gröfsere Anzahl
Skulpturfragmente in das Museum verbracht, welche auf dem Boden
des karolingischen Kaiserpalastes zu Nieder-Ingelheim bei Gelegen-
heit des Umbaues der auf den Trümmern des alten Kaiserhauses
stehenden Gebäude vor einiger Zeit erhoben worden. Der Antrag
auf Ueberlassung dieser merkwürdigen Reste war von dem Vor-
stande des Alterthumsvereins an den Besitzer Herrn de Bary ge-
stellt und von Herrn Architekt Ph. Strigler in freundlichster
Weise unterstützt worden. Die Stücke begreifen zwei interessante
römische Skulpturen, dabei das Bruchstück eines Frieses mit einer
Frauengestalt, die ein Pferd am Zügel hält, konische Kämpfer
und Kapitale, zum Theil aus weil'sem Marmor, die nebst einem
grofsen Blätterkapitäl der nachklassischen Kunstrichtung angehö-
ren. Die Reste bestätigen in ihrer ganz verschiedenartigen Be-
schafi'enheit und Herkunft, dafs man in Ingelheim, wie an den
Karolingerbauten zumeist, aus Mangel an kunstgeübten Kräften
Materialien allerorts zusammenraffte und sie in willkürlicher Weise
zusammenstellte. Die erhaltenen Bautheile des Palatiums zeigen
ganz dasselbe Verfahren, indem auch hier sonst bereits verwendete
Werkstücke von mächtigen Mafsverhältnissen mit ganz geringen
Materialien z. B. zu Pfeilern einer grofsartigen Bogenstellung ver-
wendet waren. Die letzten Bauarbeiten haben werthvolle Ergeb-
nisse in dieser Beziehung geliefert, so dafs in Verbindung mit den
nun hier befindlichen Resten die Kenntnifs von dem Kaiserhause
zu Ingelheim nicht unwichtige Erweiterungen erfährt. Bei dem
Umbau fand sich auch noch ein auf Pergament geschriebenes Bre-
vier in Oktav aus dem 15. Jahrhundert; es wurde von dem Besitzer
dem Frankfurter Geschichtsverein überwiesen, während ein hüb-
scher gothischer Siegelstempel mit der Inschrift S. JOHANNIS.
CANONICI. REGULARIS. der hiesigen Sammlung erworben ward.
Beide Gegenstände stammen aus der Zeit des durch Karl IV. er-
neuerten Stiftes zu Nieder-Ingelheim.
(Mainzer Journal, Nr. 92.)
64) Wenn auch als Entdeckung im eigentlichen Sinne nur die
erste Erkenntnifs von Thatsachen betrachtet werden darf, die frü-
her niemand beobachtet hat, so ist doch vielleicht ijianche als
neu geltende Entdeckung schon vorher von Andern gemacht
worden , die nur eben dieselbe nicht veröffentlichten, so dafs die
Thatsache auch ferner unbekannt blieb. Deshalb hat für die
Wissenschaft das Verdienst einer Entdeckung nur der in Anspruch
zu nehmen, der seine gewonnenen Resultate auch bekannt gibt.
Dies thut in Nr. 98 der Darmstädter Zeitg. F. Schneider bezüg-
lich einer von ihm entdeckten unterirdischen, frühromanischen Ka-
pelle im Landpfeiler der alten Nahebrücke zu Bingen, die 1011
von E^rzbischof Willigis zu Mainz erbaut ist. Mitunter finden
sich auch in Deutschland auf der Höhe mittelalterlicher Brücken
Kapellen. Eine solche unterhalb des Hochwasserspiegels im Land-
pfeiler befindliche Kapelle ist aber bis jetzt kaum irgendwo be-
161
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
162
kannt geworden. Sie besteht aus einem mit einem Kreuzgewölbe
bedeckten quadratischen Raum von 3,75 m. mit einem schmalen
Fensterschlitze an der Nordseite und einer halbrunden Abside gegen
Osten. Die ganze Technik zeigt, dafs sie dem Beginn des 11. Jahrb.,
also der ersten Bauzeit der Brücke angehört. Jetzt vom Keller
eines benachbarten Hauses aus zugänglich, wurde sie wol ehe-
mals vom Unterraum eines Vertheidigungsthurmes aus betreten.
Es mögen wol bei andern Brücken aus jener Zeit ähnliche,
bis jetzt nicht untersuchte Anlagen sich befinden, weil ja die grolsen
Widerlager, die der Landpfeiler einer Brücke bieten muls, keines-
wegs an allen Stellen gleichmäfsig in Anspruch genommen sind,
so dafs ein Durchbruch an richtiger Stelle schon des Material-
ersparnisses wegen angelegt werden kann. Da bekanntlich der
Bau einer Brücke als frommes Werk galt, lag es ja doppelt nahe,
an jener Stelle durch einen Ort zur Aufbewahrung von Reliquien
ihr noch eine Weihestätte zu geben. Jedenfalls ist die Schneider'-
sche Entdeckung hochinteressant.
65) Der Nationalzeitung wird aus Rudolstadt geschrieben, dafs
der Zustand der Ruine der Klosterkirche zu Paulinzelle ein höchst
gefahrdrohender sei. Baurath Brecht hat daher im Auftrage Sr.
Durchl. des Fürsten von Schwarzburg - Rudolstadt ein Sicherungs-
projekt ausgearbeitet, das allerdings bei dem Zustande des Mauer-
werks auf theilweises Abtragen und Erneuerung des Schadhaften
hinauslaufen mufste. Auf seine Anregung hat der Berliner Ar-
chitekten-Verein sich mit der Frage beschäftigt und gleichfalls
sorgfältige Abtragung und Wiederaufbau mit dem alten Materiale
vorgeschlagen. Die dazu nöthigen Gerüstarbeiten sind bereits be-
gonnen. Wesentlichen Antheil an der Zerstörung hat auch hier
der Pflanzenwuchs genommen , der theilweise mächtige Wurzeln
in die Fugen und Ritzen getrieben und so das Mauerwerk ge-
sprengt hatte. Dafs doch leider der so unendlich malerisch wir-
kende Anblick des Pflanzenwuchses auf Ruinen stets deren weitere
Zerstörung bedingt !
66) Vor einiger Zeit hatte der Architekt R. Redtenbacher
auf den gefahrdrohenden Bauzustand des Helmes auf dem Frei-
burger Münsterthurm aufmerksam gemacht. Eine durch mehrere
Karlsruher Baumeister in Verbindung mit dem Kirchenbauinspektor
und dem Münstermaurer vorgenommene Untersuchung bestätigt
glücklicherweise, wie ein mit Zeichnungen ausgestatteter Bericht
in der Zeitschr. f b. Kunst darthut, die Befürchtungen nicht.
67) Durch alle Zeitungen geht die Nachricht, dafs am 7. Mai
Morgens 4 Uhr Feuer aus der Dachung des Doms zu Metz
schlug, welches das Dach verzehrte und das Innere des Baues
■wesentlich beschädigte. Die Thurmuhr blieb unversehrt, ebenso
die auf der Thurmspitze wehende deutsche Fahne. Einzelne Zei-
tungen gaben einer Illumination und einem Feuerwerk Schuld, die
Abends vorher zu Ehren der Anwesenheit des deutschen Kaisers
stattgefunden. Nach Mittheilung des Reichsanzeigers ist jedoch
die Ursache bis jetzt nicht zu ermitteln gewesen. Die Wieder-
herstellungskosten sind derselben Quelle nach auf 180,000 m. be-
rechnet, die sich, wenn ein eiserner Dachstuhl ausgeführt wird,
auf 320,000 m. erhöhen.
68) Nach einer Mittheilung des Correspondenzblattes d. d.
Gesch.- u. Alterth.- Vereine hatte die Stadtgemeinde Bensheim be-
absichtigt, das alte Rinnenthor, einen interessanten Theil der ehe-
maligen Stadtbefestigung, den befestigten Ausflufs des Winkel-
baches , als den Verkehr hemmend zu beseitigen. Der Kreisrath
des Kreises Bensheim hat jedoch von seinem Widerspruchsrecht»
Gebrauch gemacht, und der Kreisausschufs sowohl, als der Pro-
vinzialausschuls, nicht bureaukratische Behörden, sondern aus freier
Wahl hervorgegangene Bürgercorporationen, haben den Wider-
spruch des Kreisrathes bestätigt und so das Bauwerk gerettet.
69) Die Kirche zu Mühlfrauen in Mähren wurde anläfslich
gröfserer Baugebrechen einer eingehenden Restauration unterzogen.
Es mufste eine gründliche Dachreparatur vorgenommen werden,
um die Gurten und Kuppeln zu entlasten und den Seitenschub
auf die Mauern zu beseitigen; auch war sorgfältiges Verzwicken
und Vergielsen der in Folge der fehlerhaften Dachconstruktion
und durch muthmafsliche Setzungen entstandenen Sprünge der mit
werthvollen Fresken geschmückten Gewölbe nöthig. Durch diese
Arbeiten wurde den Intentionen der Centralcommission nach Mög-
lichkeit entsprochen, indem nicht nur die Gefahr einer weiteren
Bewegung des Mauerwerkes beseitigt, sondern auch die Erhaltung
der Fresken sicher gestellt ist.
(Mittheilungen des k. k. Centr.-Comm. f. K. - u. hist.
Denkmale, Seite XLIII.)
70) Die k. k. n. ö. Statthalterei hat, wie die Mittheilungen
des k. k. Centr.-Comm. i. K. u. hist. Denkmale melden, dem An-
drängen der Gemeinde Korneuburg nachgegeben und trotz der
Schritte des k. k. Conservators und der k. k. Centralcommission
die Niederreifsung des Schifli'thores in jener Stadt genehmigt.
71) Mit-« den demnächst stattfindenden Abbruch des verstei-
gerten Stufenportales am k. Staatsschuldentilgungsgebäude in
München, welches der Strafsenerweiterung in jeuer Stadtgegend
weichen mufs, verschwindet ein Baudenkmal aus der Regierungs-
zeit Herzog Wilhelra's (1576 — 97). Er baute das, ursprünglich
„AVilhelm'sche Feste'', später Herzog-Max-Burg benannte Schlofs,
das später noch verschiedene Umgestaltungen erfahren.
(Versch. Ztgn.)
72) Nach Mittheilung des deutschen Reichsanzeigers soll in
den neurestaurierten Lutherhause zu Wittenberg eine Reformati-
onshalle begründet werden, um historisch denkwürdige Gegenstände
aus der Reformationszeit in geordneter Aufstellung aufzunehmen.
Das mit dem Unternehmen beschäftigte Comite fordert alle Be-
sitzer von Gegenständen gedachter Art auf, dieselben als Geschenk
oder kaufsweise zu überlassen, oder auch unter Eigenthumsvor-
behalt zur Aufstellung zu übergeben.
73) Das märkische Provinzialmuseum in Berlin wendet sich
an das Publikum mit der Bitte, die Autographensammlung zu
unterstützen, welche die Schriftzüge solcher berühmter oder be-
kannter Persönlichkeiten sammeln soll, die in Berlin und der
Mark als Staatsmänner, Diplomaten, Abgeordnete, Beamte, Ge-
lehrte, Schulmänner, Dichter, Schriftsteller, Künstler, Industrielle,
Kaufleute u. s. w. gewirkt haben, oder noch thätig sind.
74) Einen interessanten literarischen Fund hat Prof. Daae bei
der Ordnung einer Sammlung von alten Bibeln der Universitäts-
bibliothek zu Christiania dadurch gemacht, dafs er dabei auf ein
Originalexemplar von Luther's Bibelübersetzung gestolsen ist,
welches mit einer Menge Marginalbemerkungen, die von Johannes
Agricola niedergeschrieben sind, versehen" ist. Diese Aufzeich-
nungen sind theils exegetischen Inhalts, theils geben sie Auskunft
über Personen und Verhältnisse der Reformationszeit. Agricola
soll hier sehr rückhaltslos seine Gedanken niedergeschrieben ha-
163
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
164
Len. Daae beabsichtigt, die erwähnten Marginalbemerkungen zu
veröfi'entlichen. (Korresp. v. u. f. D., Nr. 228.)
75) Ein Theil des Manuscripts der Bibelübersetzung Luther's
■wurde in dem Archiv zu Zerbst kürzlich wieder aufgefunden. Es
ist genau der andere Theil seiner handschriftlichen Uebersetzung
des alten Testaments aus dem Jahr 1523. Der erste Theil von
Luther's Uebersetzung des A. T. erschien 1523 und umfafst die
Bücher Moses. Der zweite Theil war schon am 4. December 1523
übersetzt, erschien in Hochquart wie der erste zu Wittenberg 1524
mit vielen Bildern und umfalst Josua bis Esther auf 216 Blättern.
Fast zu dieser ganzen Abtheilung ist nun durch Archivrath Prof.
Kindscher in Zerbst, wie dieser im Anh. Staats -Anz. mittheilt, in
dem herzoglichen Haus- und Staats - Archiv zu Zerbst Luther's
eigenhändige Uebersetzung, die eben dem Druck von 1524 zu
Grunde gelegen hat, wieder aufgefunden worden. Das Ganze liegt
in Quartformat vor. Gewöhnlich sind 3 Bogen zu einer Lage zu-
sammengeknickt, oft noch geheftet. Die 26 Lagen bestehen aus
halben Bogen und Quartblättern. Die Handschrift ist in den man-
nigfachsten Beziehungen werthvoll und vorzüglich für die Erforsch-
ung des Standes von Luther's damaliger Kenntnifs der hebräischen
Sprache, sowie für die Beurtheilung seiner Auswahl des treffenden
deutschen Ausdrucks von hoher Wichtigkeit. Ueberall schmiegt
sich die Uebersetzung unmittelbar der hebräischen Urschrift an.
Wo eine Vokabel nicht gleich bekannt ist, oder schwer übersetzbar
scheint, wird das hebräische Wort mit hebräischen oder .lateini-
schen Buchstaben vorläufig eingesetzt und erst nachher übertragen,
oder es wird auch statt der Vokabel nur ein Strich gemacht und
diese auf den Band oder Bundsteg geschrieben. Wie eine von
Kindscher für viele Stellen durchgeführte Vergleichung mit dem
Druck ergibt, ist hier und da auch im Satz korrigiert worden.
Eine Verszählung kennt das Manuscrij^t von 1523 nicht. Die Kor-
rektur ward nicht überall ganz streng gelesen oder ausgeführt.
76) Der König von Ungarn Matthias Corvinus hatte eine be-
trächtliche Bibliothek angelegt, deren Verzeichnifs zwar erhalten
ist, die selbst aber, von den Türken 1526 von Ofen weggeführt,
in der Folge zersplittert wurde, zu grofsem Theile aber noch in
Konstantinopel sich befand. Wiederholte Versuche, diese Corvina
zurückzuerhalten, blieben erfolglos; da entschlols sich jüngst der
Sultan, dieselben der ungarischen Nation zurückzugeben, und in
einer mit rothem Sammte ausgeschlagener Kiste gelangten am
28. April 35 Codices nach Pesth zurück. Die Titel derselben
sind von Kertbeny in Nr. 17 des Magazins f. d. Lit. des Auslandes
verzeichnet. Nach einer Mittheilung der Augsburger Postzeitung
ist die Kiste, worin der Sultan das Geschenk hatte verpacken
lassen, sehr kostbar ausgestattet. Leider hatte dessen Sorgfalt sich
auch den einzelnen Bänden zugewendet, die freilich wohl während
ihrer Gefangenschaft nicht stets sehr sorgfältig mögen gehalten
worden sein. Aber nun sind die interessanten Einbände, denen
bekanntlich König Mathias grol'se Aufmerksamkeit geschenkt hatte,
durch kostbare neue ersetzt, die einerseits das corvinische, ander-
seits das türkische Wappen tragen. Aber noch eine andere Ent-
täuschung soll bei der Durchsicht sich ergeben haben, indem nach
Pulszki noch circa 30 meist werthvollere Codices in Konstantinopel
zurückgeblieben seien. Die übrigen Bände, soweit sie erhalten, be-
finden sich in Wien (k. k. Hofbibliothek), Rom (Vatican) und
Wolfenbüttel. Doch sollen unter den jetzt zurückgegebenen Bän-
den sich einige bisher gänzlich unbekannte Bücher befinden.
77) Der Allgemeinen Zeitung wird aus Paris, 14. Mai ge-
schrieben : Seit drei Wochen wird im Hotel Drouot die berühmte
Kupferstich- und Handz ei chnungen - Samm lung des
unlängst verstorbenen Buchhändlers Arnbroise Firmin Didot ver-
steigert. Die letzten vierzehn Tage allein erzielten ein Erträgnifs
von 261,738 Fr. .50 Cent. Im Folgenden seien einige der bedeu-
tendsten Stücke mit ihren Preisen erwähnt : Kupferstiche von
Albrecht Dürer: der heilige Hieronymus, 4500 Fr.; der heilige
Eustachius, 1700; der heilige Antonius, 1140; die Versammlung
der Kriegsleute, 500 ; die Wirthin und der Koch, 600 ; die Melan-
cholie, 1000; die heilige Familie, 600; das grol'se Vermögen, 515;
Erasmus von Rotterdam, 810; Joachim Patenier, Maler von Di-
nant, 800 ; die Wappenbilder mit dem Todtenkopf, 920 ; das Rofa
des Todes, 560 ; das Leben der heiligen Jungfrau (in zwanzig Holz-
schnitten), 2020; die Offenbarung Johannis, 900; Triumph -Bogen
des Kaisers Maximilian I. (vollständiges Exemplar der zweiten Auf-
lage von Bartsch), 3000 ; Triumph-Wagen des Kaisers Maximilian I.
(Serie von acht Tafeln), 4050 Fr. Von Martin Schongauer: die
Geburt Christi, 18,000 Fr. ; die Verkündigung, 820 ; die Anbetung
der Weisen aus dem Morgenland, 1700 ; der Engel der Verkün-
digung, 950; der Heiland, 1055; der Tod der Jungfrau Maria,
2000 Fr. Von Marc Anton Raimond : Adam und Eva (nach Ra-
phael), 1900 Fr. ; Lucretia (nach demselben), 1250 ; das Urtheil des
Paris (nach demselben), 800 ; Venus, Amor und Pallas (nach dem-
selben), 920 ; das Martyrium des heil. Lorenz (nach Baccio Bandi-
nelli), 1000 Fr. Jesus empfiehlt seine Mutter dem Apostel Johan-
nes, von Bolswert (nach Van Dyck) 2050 ; Jesus am Kreuze , von
Wenzel von Olmütz, 1200; Descartes (nach Hals) von Gerhard
Edelinck, 1020 ; Gallius de Bouma, von Vischer, 305 ; Winius, be-
kannt unter dem Namen : der Mann mit der Pistole, von demsel-
ben, 1510; Henriette de Balzac d'Eutragues, von Wierix, 1160;
die Marquise von Pompadour als Gärtnerin gekleidet, von Anse-
lin (nach Vanloo), 510; J.-B. Rousseau, von Daulle (nach Aved),
590; Jakob III. von England (nach Largilliere) , von P. Drevet,
695; Christine Caroline von Württemberg, Gemahlin des Landgra-
fen von Brandenburg-Onoltzbach, von demselben, 880 ; der Cardi-
nal Dubois (nach H. Rigaud), von P. Imbert-Drevet, 1000; Adrienne
Lecouvreur (nach Coypel), von demselben, 1010; ein Todtenkopf,
von Wechtlin, genannt Pilgrim, 1480; Ludwig XIV, von Robert
Nanteuil, 1810; der Philosoph La Mothe Le Vaycr, von demsel-
ben, 1100 : Maria Magdalena in weltlicher Lust , von Lucas von
Leyden, 2400; die Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande,
von demselben, 690 ; die Heimkehr des verlornen Sohnes, von dem-
selben, 700 ; Virgil in einem Korbe, von demselben, 600 Fr.
Nach einer andern Zeitungsnachricht wurden für einzelne
Blätter von Rerabrandt bis zu 18,000 Francs bezahlt. Das Ge-
sammtcrgebnifs war 626,575 Fr.
78) Nachdem im vergangenen Herbste einer der eifrigsten,
vielleicht der glücklichste der deutschen Kunstsammler, Hugo Garthe
in Cöln, mit Tod abgegangen', kommt jetzt seine grofsartige
Kunstsammlung, wol die umfassendste aller Privatsammlungen
unseres Vaterlandes, zum Verkaufe. Zwar soll dem Wunsch des
Verstorbenen zu Folge der Versuch gemacht werden , die ein-
zelnen Abtheilungen im Ganzen zu verkaufen, doch ohne Aus-
sicht auf Erfolg, und so wird die Sammlung unter den Hammer
kommen.
Die erste Abtheilung, welche am 28. Mai und den folgenden
165
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
166
Tager. versteigert wird, enthält die kunstgewerblichen Denkmäler
des Mittelalters und der Renaissance, ferner Manuscripte, theil-
weise mit Miniaturen, und Urkunden. Der Catalog enthält nahe an
5000 Nummern. Es würde schwer halten, das Wichtigste daraus zu
bezeichnen. Es sei auf die Kirchengeräthe der romanischen Pe-
riode, auf die mittelalterlichen Elfenbeinsohnitzwerke , auf die
Sammlung von ungefähr 600 Siegelstempeln, auf prachtvolle Ma-
nuscripte des 10. (vielleicht 9.?) Jahrh. bis zum 15. hingewiesen.
Die zweite Abtheilung, die Gemälde umfassend, wird im Juli
zur Versteigerung kommen; die dritte, welche die römischen und
griechischen Alterthümer umfaist , die vierte, den wichtigsten und
hervorragendsten Theil, die Münzsammlung enthaltend, sollen im
Herbste folgen. Mit der Leitung der Versteigerung ist die be-
kannte Handlung S. M. Heberle (H. Lempertz Söhne) in Cöln be-
traut.
79) Die Centraldirection der Monumenta Germaniae hat
ihre jährliche Plenarversammlung in den Tagen vom 9. — 11. April
abgehalten. Mit Ausnahme des Prof. Wattenbach, der sich auf
einer Reise in Italien befindet, waren sämmtliche Mitglieder an-
wesend: Prof. Dümniler aus Halle, Justizrath Euler aus Frank-
furt a. M., Geb. Rath. Prof. v. Gieseb recht aus München, Prof.
Hegel aus Erlangen, Proff.- Mommsen und Nitzsch von Ber-
lin, Hofrath Prof. Sickel aus Wien, Prof. Stumpf-Brentano
aus Innsbruck und der Vorsitzende, Geh. Reg.-Rath Waitz.
Die Centraldirection hat im Laufe des verflossenen Jahres den
Geh. Reg.-Rath Pertz durch den Tod verloren, der eine lange
Reihe von Jahren hindurch die Leitung der Monumenta mit grofser
Einsicht und Energie geführt und sich um das vom Minister v. S tei n
begründete Unternehmen einer neuen Ausgabe der Quellenschriften
deutscher Geschichte des Mittelalters die grölsten Verdienste er-
worben hat. Ein Aufsatz von Waitz im letzten Heft des neuen
Archivs der Gesellschaft für ältere Deutsche Geschichtskunde hat
diese in gebührender Weise zu würdigen gesucht. Besser aber,
als ein solcher Nachruf es kann, werden die 25 Foliobände Mo-
numenta, welche er herausgegeben und zum Theil bearbeitet hat,
sein Andenken bewahren.
In dem verflossenen Jahre sind neu erschienen:
1) Die zweite Hälfte des Bandes deutscher Chroniken und an-
derer Geschichtsbücher des Mittelalters, enthaltend die Reimchro-
nik des Eberhard von Gandersheim, die Braunschweiger Reimchro-
nik, eine Goslarer Chronik und die erhaltenen Fragmente einer
holsteinschen Reimchronik, alle bearbeitet von Prof. Weiland,
jetzt in Giefseu. Ein ausführliches Wö)'terbuch, das namentlich
auch den Sprachschatz der sächsischen Weltchronik zuerst voll-
ständig darlegt, ist von Dr. Strauch angefertigt, das Register
von Dr. H o 1 1 d e r - E g g e r.
2) Neue Octavausgaben der Vita Heinrici IV. und der Werke
Liudprands, jene von Wattenbach, diese von Dümniler be-
sorgt unter Benutzung der Handschriften in München.
.3) Von dem neuen Archiv Heft 3 des ersten Bandes, und der
zweite ebenfalls in 3 Heften, mit Reiseberichten von Arndt, Hel-
ler, Waitz, Wattenbach und aus den Briefen des früh ver-
storbenen Pabst, gröfseren Abhandlungen von Breitenbach,
Breislau, Dünzelmann, Frensdorff, Holder-Egger, Kal-
tenbrunner, P flüger. Rieger, Sickel, Waitz und einer
Reihe von kleineren Mittheilungen aus dem Nachlafs L. Beth-
manns und J. Merkels , sowie von Dumm I er, Ewald, Pauli,
Wattenbach, Zarncke u. a.
Weitere Veröffentlichungen stehen in nächster Zeit bevor.
In der Abtheilung der Auetores antiquissimi, unter der
Leitung von Prof. Mommsen, hat der Druck des Eutrop mit
den Zusätzen und der Fortsetzung des Paulus Diaconus und der
griechischen Uebersetzung des Paianios, bearbeitet von H. Droy-
sen, begonnen. Daran werden sich zunächst die Ausgaben der
Vita Severini des Eugippius von Sauppe und die des Salvian
von Halm schliefsen. Auch die übrigen Arbeiten sind wesentlich
gefördert, von den DDr. Leo, Meyer, Partsch, Seeck, Col-
lationen in Rom, Florenz, Mailand, Paris für die von ihnen über-
nommenen Autoren Venantius, Cassiodor, Corippus und Symmachus
ausgeführt, von DDr. Lütjohann, Peiper die ihnen zugänglich
gemachten Handschriften an Ort und Stelle benutzt; für den Me-
robaudes hat Prof. Bücheier in Sangallen gearbeitet; den Au-
sonius Prof. Schenkl in Wien übernommen. Die Bearbeitung
des Jordanis ist durch Vergleichungen in Rom, Florenz und Chel-
tenham so gefördert, dals Prof. Mommsen dieselbe im Lauf des
Jahres druckfertig herstellen zu können hofft. — Den Verlag die-
ser Abtheilung hat die Weidmannsche Buchhandlung in Berlin
übernommen.
Für die Abtheilung der Scriptores wurde von dem Leiter
derselben. Geh. Reg.-Rath Waitz, und dem Dr. Heller eine Reise
nach Italien unternommen, über die im Archiv nähere Nachricht
gegeben ist. Galt es besonders, eine Anzahl gröfserer Arbeiten
in der vaticanischen Bibliothek zu Rom auszuführen, so wurden
aufserdem Mailand, Venedig, Modena, Monte Cassino und Neapel
besucht, ohne dals es freilich gelungen wäre, das reiche Material,
namentlich in Rom, auch nur für die nächsten Bände vollstän-
dig auszubeuten. Einiges, was zurückbleiben mufste, hat später
Dr. Ewald besorgt. Geh. Reg.-Rath Waitz hat selber auch in
Wien, München, Gotha, Sangallen und Zürich eine Anzahl Hand-
schriften untersucht und entweder gleich benutzt oder die Ueber-
sendung derselben nach Berlin veranlal'st. Einzelne Vergleichungen
übernahmen Prof. Pauli in der reichen Bibliothek des verstor-
benen Sir Thomas Phillipps in Cheltenham, Dr. Baist in Madrid,
Dr. Rosenstein in Petersburg, A. Molinier unb Dr. Schwei-
zer in Paris, Dr. Meyer in Florenz, Dr. Partsch in Mailand.
Die auf verschiedenen Gebieten sich bewegenden Arbeiten wurden
wesentlich unterstützt durch die Mittheilung von Handschriften,
deren sich die Abtheilung, wo es nöthig war, unter geneigter
Vermittelung des auswärtigen Amts oder des Reichskanzleramts,
zu erfreuen hatte, aus Bamberg, Brieg, Darmstadt, Gotha, Ham-
burg, Hannover, Heidelberg, Leipzig, Metz, München, der fürst-
lich Thurn- und Taxisschen Bibliothek in Regensburg; Prag, Wien
und dem Stift Vorau ; Bern und Sängallen ; Kojaenhagen ; Paris und
als besondere Ausnahme Troyes. An der Benutzung dieser Hand-
schriften betheiligte sich, neben den regelmäfsigen Mitarbeitern
Dr. Heller und Dr. Holder-Egger oder den Herausgebern
einzelner Autoren, Dr. Kohl aus Chemnitz.
Die Arbeiten bezogen sich einmal auf den Band der Scri-
ptores rerumLangobardicarum et Italicarum s. VI — IX,
von dem 26 Bogen gesetzt sind, das weitere Manuscript druck-
fertig vorliegt und dessen Erscheinen im Lauf des .lahres erwar-
tet werden kann. Daneben ward für die Supplemente in Band
167
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
168
XIII — XV gesorgt, die hier zu gebende neue Ausgabe von Flo-
doards Historia Remensis vorbereitet, der Codex der Annales ne-
crologici Fuldenses in Rom neu verglichen, einiges für die Samm-
lung der Streitschriften des 11. und 12. Jahrhunderts gethau. —
Eine neue Octavausgabe des Richer ist im Druck begonnen, welche
die ursprüngliche Fassung des Autors vollständiger mittheilt, als
das früher nöthig erachtet war, auch die inzwischen über den Au-
tor und die Geschichte der Zeit erschienenen Untersuchungen zu
verwerthen bemüht ist. — Für die Staufische Zeit sind ungedruckte
Annalen und Chroniken von Köln und Metz gefunden ; beabsich-
tigt wird sodann eine Sammlung kleiner Chroniken aus dem 13.
Jahrhundert, die zum Theil bisher auch nicht veröffentlicht waren ;
worauf mit der Sammlung localer Chroniken : Lambertus Ghisnen-
sis , Fortsetzung der Gesta Trevirorum, den älteren Kölner Bi-
schofschroniken , Aegidius von Lüttich , einer ungedruckten Fort-
setzung der Carabrayer Bisthumsgschichte u. s. w. fortgefahren
werden soll. Was aus französischen Geschichtswerken aufzuneh-
men ist, aus Suger, den Gesta und der Historia Ludovici VII., dem
Rigord, Guillelmus Armoricus und Guillelmus de Nangiaco, ist von
A. Mo linier mit den Pariser Handschriften verglichen und zur
Herausgabe vorbereitet. Für die noch ungleich wichtigeren eng-
lischen Autoren hat Prof. Pauli in Göttingen, in Verbindung mit
Prof. Stubbs in Oxford und unter Zuziehung von Dr. Lieber-
mann, die Bearbeitung in Angriff genommen. — In der Serie der
deutschen Chroniken ist für die Ausgabe der Kaiserchronik und
des Enenkel von Dr. Rödiger und Dr. Strauch rüstig gearbeitet.
Eine neue Ausgabe der Limburger Chronik auf Grund einer voll-
ständigeren Handschrift, als bisher bekannt war, ist vom Staats-
archivar Götze in Idstein übernommen.
In der Abtheilung der Leges sind unter Aufsicht des Prof.
Krüger vom Referendar London in Königsberg für die Ausgabe
der Lex Wisigothorum Vorarbeiten gemacht ; mehrere Handschrif-
ten in Madrid und im Escorial hat Dr. Baist näher untersucht,
eine neu gefundene der historischen Akademie in Madrid, soweit
sie erhalten, vollständig verglichen. Für die Capitularien haben
sich in Rom eine Anzahl wichtiger, Pertz unbekannt gebliebener
Handschriften gefunden, die Geh. Reg. -Rath Waitz bei seinem
dortigen Aufenthalt zu benutzen anfieng, deren vollständige Ausbeu-
tung aber durch den Herausgeber Prof. Boretius selbst dringend
wünschenswerth war ; dieselbe hat in letzter Zeit stattgefunden,
und die neue Bearbeitung wird nun rüstig fortgeführt werden.
Auch Prof. Lorsch ist mit der neuen Sammlung der Reichsge-
setze eifrig beschäftigt. Prof. Frensdorff hat die Vorarbeiten
für einen ersten Band deutscher Stadtrechte gemacht, der Belgien,
die Niederlande und das Rheingebiet umfassen wird. Für die
Sammlung der Formeln ist die von Merkel zuerst benutzte Hand-
schrift der vaticanischen Bibliothek neu verglichen.
Hüfrath Prof. Sickel hat für die von ihm geleitete Abthei-
lung der Diplomata selbst Reisen nach Mittel- und Unter-Italien,
nach der Schweiz, Frankreich und Belgien gemacht, auch in Deutsch-
land mehrere Archive besucht, über die Ausbeute in der Schweiz
auch in einer eigenen Schrift : Ueber Kaiserurkunden in der Schweiz,
Zürich 1877, Nachricht gegeben, während anderswo seine Mitarbei-
ter Dr. Foltz und Laschitzer, aulserdem für einzelne Orte
oder Stücke die DDr. Bayer, Kaltenbrunner, Mühlbacher
und Rieger thätig waren, und durch Uebersendung von Chartu-
larien, in einzelnen Fällen auch von Originalen, nach Wien den
Arbeiten wesentliche Erleichterung zu Theil ward. So sind Ab-
schriften von 850 Diplomen angefertigt, und zwar von 670 aus den
Jahren 911 — 1002 und von 180 aus der vorhergegangenen oder der
nachfolgenden Zeit, welche in die Sammlung imd Bearbeitung der
sächsischen Zeit mit hineingezogen werden müssen, um die Ent-
wickelung des Urkundenwesens im 10. Jahrhundert genau feststellen
zu können. — Ein mannigfach interessantes, auf das Königreich Si-
cilien bezügliches Registrum Friderici II., das Prof. Arndt aufge-
funden, soll möglichst bald im Neuen Archiv zum Druck gelangen.
Die Arbeiten in der Abtheilung Epistolae unter Prof. Wat-
tenbachs Leitung haben sich zunächst hauptsächlich auf die
Briefe Gregor's d. Gr. bezogen, für welche Dr. Ewald, der als re-
gelmäfsiger Mitarbeiter eingetreten, Handschriften von Trier, Wol-
fenbüttel, Sangallen und Paris hier benutzen konnte, während zur
Vergleichung der in Monte Cassino und Rom befindlichen derselbe
sich später nach Italien begab und über einige andere sonst die
nöthige Auskunft erlangt wurde, freilich auch die wenig erfreuliche,
dafs eine früher in Paris befindliche, die als Autograph des Paulus
Diaconus galt, dort im J. 1791 gestohlen und bisher nicht aufzu-
finden sei In Rom ward auch eine vt-ichtige Handschrift merovin-
gischer Briefe nachverglichen. — Aufserdem hat Prof. Watten-
bach eine Ausgabe der von Pertz gefertigten Abschriften von
päpstlichen Briefen aus den Regesten des vaticanischen Archivs
in nächste Aussicht genommen. — Auch dieser Abtheilung kam,
wie früher anderen, ein Geschenk des Buchhändlers Hans Reimer
von Sammlungen in dem Nachlafs Jaffe's zu Gute-
Für die Sammlung der karolingischen Gedichte in der Ab-
theUung Antiquitates wurden von dem Leiter derselben, Prof.
Dümmler, Handschriften aus Bremen, Gent, Leiden, Einsiedeln,
Sangallen benutzt, andere Arbeiten in München und Rom ausgeführt ;
Abschriften oder Vergleichungen lieferten Dr. Ewald aus Rom,
M 1 i n i e r in Paris, Bibliothekar B r a d sh a w in Cambridge. Manche
einzelne Stücke sind vorläufig im Neuen Archiv oder anderswo zur
Veröffentlichung gebracht. — Wegen einer Sammlung von Necro-
logien sind Verhandlungen mit Archivar Grotefend in Frank-
furt a. M. angeknüpft.
Die Sammlungen der Monumenta sind im verflossenen Jahre
von Stiftspropst Dr. Döllinger in München, Hofrath Prof.
Ficker in Innsbruck, Archivar Dr. Posse in Dresden, Dr. Scheins
in Beriin, Hofrath Prof. Winkelmann in Heidelberg benutzt.
Verantwortliche Redaction : Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei U. £. Sebal d iD Nürnberg.
Xärnberg^. Bas AbonnemeDt des Blat-
tes, welches alle Monate erscheint, wird
ganzjährig angenommen und beträgt nach
der neuesten Postconvention bei allen Post-
ämtern und Buchhandlungen Deutschlands
inel. Oesterreicha 3 fl- 36 kr. im 24 fl.-Fufs
oder 6 M.
Für Frankreich abonniert man in
Paris bei der deutschen Buchhandlung von
P. Klinckaieck, Nr. 11 rue de LiUe; für
A^ZEICiER
m KIDI DER
Neue Folge.
Erigland bei Williams & Norgate, 14 Hen-
rietta-Street Covent- Garden in London;
für Nord-Amerika bei den Postämtern Bre-
men und Hamburg.
Alle für das germau. Museum be-
stimmten Sendungen auf dem Wege des
Buchhandels werden durch den Commia-
sionär der literar. - artist. Anstalt des Mu-
seums, P.A. Brockhaus in Leipzig, be-
fördert.
Tierundzwanzigster Jahrgang.
1877.
ORGM DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
Juni.
Wissenschaftliche Mttheilungeo.
Eine Reliquie dramatiscLer Dichtliunst aus dem
Mittelalter.
Je seltener die Erzeugnisse der geistlichen dramatischen
Poesie sind, welche über das 14. Jahrh. zurückreichen, um so
freudiger müssen derartige Fundstücke selbst dann noch be-
grüfst werden, wenn sie sich uns nur mehr in fragmentarer
Gestalt präsentieren. Eine solche Reliquie barg der Vorauer
Codex Nr. 223, Fol. Pap. (mit Predigten des M. Johannes
Geuss de Teining a. d. 15. Jahrb.). Das Pergamentblatt, welches
dieselbe überliefert, war auf der Innenseite des Yorderdeckels
angeklebt und gehörte, wie der Falz in der Mitte zeigt, ur-
sprünglich einem Grofsoctav- Bande an. Nach sorgsamer Ab-
lösung ergaben sich demgemäfs 4 Blattseiten, von denen die
letzte unbeschrieben ist. Die ersten beiden sind mit dem zu
besprechenden Bruchstücke bedeckt, die dritte enthält den
Schlufs einer lateinischen Homilie. Der Schriftcbarakter des
ersteren gehört dem Ausgange des 12. Jahrh. an, die letztere,
mit blasserer Tinte angefertigt, weist eine etwas jüngere Hand.
Die dramatische Handlung, deren Eingang uns das vor-
liegende Fragment bietet, spielt in der alttestamentlichen Zeit
und bringt die im Buche Genesis, Cap. XXVII erzählte Be-
gebenheit zur Anschauung mit stetem Hinweis auf ihre typi-
schen Beziehungen zu der in der Erlösungsgeschichte an den
Tag getretenen göttlichen Heilsökonomie. Ein Knabenchor
vermittelt die Erklärung der einzelnen vorbildlichen Stellen.
Der Text war offenbar gröfstentheils zum gesanglichen Vor-
trage bestimmt, doch nur das erste Drittel desselben ungefähr
ist mit neumatischen Tonzeichen überschrieben. Stellt man
unsere Handschrift der ältesten in Deutschland bisher aufge-
fundenen, welche ein geistliches Drama im engeren Sinne ent-
hält, dem bekannten Tegernseeer Osterspiele: De adventu et
interitu Antichristi') aus dem 12. Jahrh. gegenüber, so läfst sich
unschwer eine innige geistige Verwandtschaft der beiden poe-
tischen Schöpfungen nachweisen — eine Verwandtschaft, welche
in den technischen Dispositionen der Scenerie ebenso, wie in
der dramatischen Anlage, in der Unterbrechung der Dialoge
durch das Auftreten verschiedener Chöre und in der Versifi-
cierung des Textes oft recht frappante Parallelen bietet.
Zum Glücke wurde unserem Fragmente bei seiner Ver-
wendung zum Einbände weder durch das Beschneiden, noch
durch die Beklebung erheblicher Schaden zugefügt. Die Eein-
tegrierung des Abgängigen — derlei Ergänzungen sind im Ab-
'drucke zwischen Klammern eingeschlossen — liefsen sich in
den meisten Fällen mühelos zu Stande bringen; nur wenige
Stellen mufsten durch Punkte angezeigt werden, weil sie ent-
weder gänzlich oder in dem Grade unleserlich sind, dafs sie
nur durch vage Conjecturen ausgefüllt werden könnten.
Ordo de Isaac et Rebecca et filiis eorum
recitandus.^)
Tria tabernacula disparatim disponenda sunt cum lectis
et aliis hornatibus prout facultas erit, vnum Ysaac, secundum
') Abgedr. bei B. Pez: Thesaur. anecdot. Tom. II. Pars III.
Col. 187 u. ff.
^) Eine grobe Hand des 15. Jahrh. sehrieb am uutern Perga-
raentrande : Ordo seu ludus.
171
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
172
Jacob et Rebecce, terciura Esau. Coquine Esau et Jacob, vbi
delicate dapes cum pane et nino promte sint. Capreolus, si
esse potest. Duo hedi. Tece manuura pilose. Peius, qua
tegat Collum, pilosa. Pilea^) iudaica Ysaac et filiis coloribus
uariata, cetera simplicia aptentur. Vestes prout decentiores
prouideantur. Arcus cum pharetris. Cuique predictorum
plurirai clare uestiti assistant cum cantoribus suis, qui in sin-
gulis locis historie allegorias dulciter canant.
Hoc cantu producendus est Ysaac*) usque ad lectum hono-
rifice dispositum:
Ecce rugis exaratus Ecce quanta clientela
Ysaac uisu priuatus» tibi defert obsequela, s)
sedulo reticiendus, fessos artus placet quies,
cibis lectoque fouendu(s). senem grauat nox et dies.
Ysaac in lecto rccepto, pueri abientes lectum clare uestiti
allegoriam cantent :
Ysaac uite senectns preostendunt conuertendum
mundi designat defectus, uobis, quod est precauendum.
sed oculi«) caligantes Ysaac fert formam patris,
fidem Christi exsufflantes ') Rebecca gracie matris,
lumeuque religionis gentis Esav tiraentis
in noua superstitiouis legem, Jacob diligentis.
Tunc eleuatus Ysaac manibus astautium*) repetensque excrea-
tiones et suspiria ut senes ad quosdam de astantibus sibi cantet:
Pro Esau properate, nulla restet occasio,
ut ueniat indicate, que uos tardet cum filio.
Abeuntibus missis pueri allegoriam cantent:
Quod iiatus maior uocatvr Ysaac Seyr amaui(t),
synagoga designatur se uenatu cuius pauit,
prior pressa sub onere sie devs primo Judevm,
non Spiritus sed littere. hostiis dum colit eum.
Maior lege praecedentem, Rebecce Jac(ob) placebat,
minor fide subsequentem nam gralia preuidebat
populum notat uocatum de gentibus adoptandos
et in Christo adunatum. et Judeos confutandos.
Missi intrantes ad Esau cantent :
Ysaac euuigilauit uult uerter(e) colloquia
et ut uenias rogauit, rerum, nescimus qualia.
Procedens Esau multis comitatus») et ueste clara in itinere
cantet :
Letvs ad patrcm (arabulo) et rautua colloquia,
(eins) me fouet uisio sie res pelletur anxia.
Esau ueniente ad patrem Rebecca interesse(t) uerbis illorum
relatura omnia Jacob, et ipse stans cantet :
En tuus presto sum natus que iubes, licet grauia,
ad parendum paratus, feram pro patris gratia.
Ad hoc Ysaac :
Esav (mi fi)li parentis cui primogeniture
preces ne spernas petentis, decus dedit ius (na)ture.
raritas quos mo(lenti)um
compellit ad sorbicium.
Vt prius te benedicat
mori quem Status indicat
(fo)ras egredere,
comple, quescis me petere '").
Lustra saltus et nemora
cinctvs arcu cum pharetra,
et quod uenatu capies,
(hoc) in cibos facies.
Pastus senum sunt mollia
mixta dulci cibaria,
Allegoriam pueri cantent:
Venatores misit (dens), Promis(sa) benedictio
per quos captus homo reus est sacri uerbi fusio
armis uerbi iaculatus, soliique spes futuri,
cibus factus deo gratus. quo sunt sabbatizaturi.
Mox (abe)at Esau et more uenantium arcu et pharetra cum
comitibus accinctus, buccina perstre(pente), hinc inde dum ad
horam discurreriut edum uel aliud animal sagittis occis(um)
(fe)rat et inde quod placet faciat, sed ante prcfatos cibos ad
manus habean(tur), quos post exitum Jacob a patre in uasis
argenteis ad Ysaac cum pane et uino deferat. At Rebecca
egressa post Esau ab eo loco, vbi uerba Ysaac de uenatu cum
filio audierat, Jacob sie narrans cantet :
Tuo clam astabam patri, prius quam cedat (hora grata)
cum mandasset (tuo fratri), matris ergo fac mandata.
ut quot feret uenatio Duos hedos fer electos,
sibi foret refectio quos instaurem ut porrectos.
") Ysaac te benedicat,
felicem semper uiuere, mors quem sibi uendicat.
Allegoriam pueri cantent ;
'Quod Jacob aduexit hedos duple(x) : gratiarum sumptio
homines designat fedos, et earum correctio.
quorum Christus incarnatus Teneri quod assumuntur
(amans) soluerat reatus. docibilcs delectabuntur
At in binis designatur et innocentes anime
esus, devs quo letatur, se toUentes in sublime.
Ad hoc quasi ualde stupefactus Jacob respondeat :
Muliebri consilio Nosti lenis quod sim mater
torquerl uis supplicio et pilosus natus frater?
mater quem amas filiura tiraens pater (v)i me tractet,
ut illusorem maximura. maledictum in me iactet.
Ad hoc Rebecca :
Quos gessere mei artvs in me sint hec maledicta,
numquidprodam talespartus? tantum afl'er, que sunt dicta.
Jacob respondeat :
Inter spem et timorem exitus sit anxius,
licet sie et sie laborem, matri parebo filius.
Tunc abeunte Jacob et reportante hedos cantet :
Ecce tuli, que iussisti, , grata si fit refectio,
adaptentur ut dixisti, cessabit indignatio.
Interim, dum mater protegit manus et coUum Jacob pellibus
') Hs. Pillea. ") Hs. Ysac. ^) Hs. obsequia. ') Hs. occuli.
') Hs. exsuflantes. ^) Hs. assantium. ') Hs. commitatus.
">) Bis hieher reicht die Notenschrift. ") Dieser erste Theil
der Reden Rebekkas ist nur mühsam entzifferbar, die oben mit
Punkten bezeichnete Zeile gänzlich verlöscht.
173
Anzeigei- für Kunde der deutschen Vorzeit.
174
pilosis (et ves)tibus optimis domi Esau relictis aromatizantibus
uestit eum, pueri allegoriam cantent:
Seyr (v)estes preciose offert deo cum panibus
relicte domi ociose uerbum (de)signantibus.
decalogus est (!) tabularum Bene cibat ille deum,
a Judeis relictarum. qui per dicta, facta reura
. . . ata plebs gentium, mactat, ut . . . . (pe)reat
pii actus edulium et esus Christo placeat.
Tunc assumptis Jacob ferculis cum pauibus et uino cum se-
quentibus (miui)stris intrans ad Ysaac sie eum cantans salutat:
Pater mi, pater mi, pater Pietas hoc uult (tilior)um,
tu, frater et (sor)or et mater, parentum iussa suorum
tot gradus in te nescio, explicari uiriliter,
quo colam beneficio. nee inmorari segniter.
Post hoc explorans quis sit Ysaac respondeat :
Quis es, fili, quem audio, ut raentem turbes senis
quo urgeris negotio, carne, neruis lassura, uenisV
Jabob quasi matre in(structus) respondeat:
Tuus sum primogenitus cibos tuli, quos (iussi)sti,
pater uenatu concitus, .... me, ut uouisti.
Ammirans de uelocitate uenationis Ysaac respondeat :
(0 mir)anda prosperitas, tam festine se ingessit
quod siluestris captiuitas (et in part)es has digessit.
Jacob respondeat;
Dei fuit uoluntate, . . . occurreret placitum
quod tanta celeritate et propter tuum meritum.
Allegoriam pueri cantent :
. . . quod tam concitum expeditam . . . ium
miratur nati reditum fidem demoustrat gentium.
Ad hec Ysaac :
Vorau.
takar Kernstock.
Urkundliche Beiträge zur Küustlergescliichte
Schlesiens.
II. Görlitz. 5. Goldschmiede undMünzmeister. (Schiufs.)
Schliefslich noch ein Auszug aus einer Gerichtsverhand-
lung, betreffend einen Excefs zwischen Goldschmieden, der
uns mit einer Anzahl solcher bekannt macht und wegen seiner
mitunter originellen Darstellung Platz finden möge. Er findet
sich in den „Confessaten" oder Bekenntnifsbuch des G. Rös-
1er. (MiJich. Bibl. L. III. 432.)
1593, den 26. Aug. Martin Gropf, einem Goldschmied-
gesellen ausHainau in Schlesien, welcher bei Caspar Eckartt
gearbeitet und hat wandern wollen, ist von Conrad Lamb,
seinem Werkgesellen, welcher ihn ausgefordert haben soll, mit
einer Wehre auf die rechte Hand auswendig über den Daumen
die Hauptader und Pulsadern entzwei, dafs man ihm drei Ver-
bände hat anlegen müssen, zum andern auf der rechten Seite
an der Stirne eine Wunde Vi Fingers lang bis auf die Hirn-
schale, welche doch auch versehret, zum dritten hat er einen
Schlag bekommen hinter den Ellbogen, die „Röhren" erschellt
und aufgelaufen. Geschehn ^ Abends hora 6.
F. 79. 26. Aug. Conrad Lamb von Hildesheim, ein
Goldschmiedgeselle, so bei Caspar Eckartt in Arbeit steht, ist
„nachten" hora 6 vor dem blauen Löwen auf dem Platze von
Martin Gropf von Hain aus Schlesien etc. in obigem Balgen etc.
verwundet worden. Sagt, er hätte die Wunden bekommen,
ehe er zei seiner Wehr hätte kommen können; hätte auch
mit der Wehre in der Scheide sich vor etlichen Streichen
schützen müssen.
F. 81. 31. Aug. M. Gropf etc. neben seinem Vater,
Apotheker zu Ilainau, klagt und berichtet, dafs er mit Matz
Scheft'ern, „dem Hocken", zum blauen Löwen wäre kommen, da
ihm Marx Fieritzes *) Geselle Mates Ganselt von
Augsburg ein Spitzgröschel auf ein Ringlein geliehen, damit er
die „Orten" -) zahlen könnte. Der hätte hernach solches Ringel
einem andern Goldschmiedgesellen Joachim Meistern ge-
schenkt , und als er ihn darum zur Rede gestellt , hätte ihm
Georg von Reichenbach ein Spitzgröschel geliehen, dagegen
er ihm zwei Ringlein zum Pfände gegeben. Als er das erste
Ringlein wieder auslösen wollte, hätte ihm C. Lamb das Geld
unter den Tisch geworfen, worüber sie miteinander zur Sprache
kommen, so weit, dafs ihn der Conrad herausgefordert hätte.
Darauf wäre er erstlich hinausgesprungen, ihn geschlagen, ehe
er „vom Leder kommen", hernach wäre er von einem andern
mit einer „Cordelasse"^) in der Scheide auf den rechten Arm
hinter den Ellbogen geschlagen worden , dafs er weiter des
Arms nicht mächtig sein konnte. — Erbeut sich auch, solches
mit Matz Scheffern und andern zu beweisen. Und nachdem
sein Vater dem Bürgermeister vorgestellt, wie sein Sohn sehr
schwach und gefährlich (krank), hat dieser auf eigne Hand den
Conrad den 29. Aug. gefänglich einziehen lassen , und haben
am folgenden Tage Caspar Eckartt und Wolf Jost mit „des
Alten" Willen für ihn Bürgschaft geleistet.
Conrad L. stellt Zeugen : Caspar Eckartt hat in dessen Na-
men 3 Goldschmiedgesellen summarisch zu verhören gebeten,
was ihnen um den Hader und die Verwundung erinnerlich.
1. Joachim Meister von Görlitz, der Geselle des
Onuphrius Rosenhain, gibt an, dafs er beim blauen
Löwen zum Biere gewesen, wo denn der Verwundete mit Matz
Scheft'er auch hingekommen, in ihre Zeche eingedrungen und
den Conrad herausgefordert, und wie er zu ihm hinausge-
gangen, wäre der Martin „schon blank" gewesen und hätte den
Conrad verwundet, ehe er seine Wehr herausgezogen. Da hätte
Georg V. Reicheubach seine Wehre dazwischen geworfen, bis
') wol der Goldschmied M. P. von Crossen, der 1578 Bürger
wird. ^) Orte, Erte, l'rte, Jrte, Zeche, Auflage der Handwerksge-
sellen in der Herberge. Schmeller P, 152 f. Dr. Fr. ^) eine Art
Degen. Sohm. P, 1671. Grimm, Wbch. V, 244. 1807. 2800 f. Dr.Fr.
175
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit.
176
Conrad aneh vom Leder gezogen: hernach wären sie zusammen
gegangen, und hätte der Martin seine Beschädigungen empfangen;
wnfste aber nicht, ob in einem oder zwei Streichen geschehen
wäre : hätten auch den Martin ernstlich ermahnt, er sollte nicht
stechen.
2. Georg Fick, Mars Fieritz' Geselle, sagt, er wäre
wohl in der Zeche mitgewesen, wüfste aber nicht, weshalb sie
zusammengekommen wären : das Schlagen hätte er gesehen und
dafs Martin etc. den Conrad auf den Kopf gehauen, ehe er etc.,
worauf Georg v. R. den Martin mit der Wehre in der Scheide
auf den Arm geschlagen und ermahnt, er sollte innehalten, bis
dieser auch vom Leder gezogen haben würde u. s. w. Her-
nach hätten sie einander um die Wagen gejagt, wobei der
Martin seine Schäden bekommen.
3. Matz Ganselt von Augsbtu-g, der auch bei M. Fieritz
arbeitet, sagt ans, dafs er bei ihnen über Tisch gesessen, als
Martin hereingekommen und über Tisch viel ünfläterei getrieben
und den Conrad herausgefordert ( — es geht imgefahr weiter
wie vorhin — ), da hätte ihn G. v. R. ermahnt, er sollte inne-
halten (wiewohl die andern sagten, er hätte ihn mit der Scheide
auf den Arm geschlagen); indefs wäre der Conrad auch ver-
theidigungsföhig geworden und der Martin beschädigt, was er
jedoch auch nicht gesehen. Es wäre ihnen der Conrad über-
allhin nachgelaufen.
Am 4. Oct. 1593 sind in der Handelsstube die Streitenden
verglichen worden, und zwar soll der Conrad dem Martin
2r. für den Barbier zu Hülfe geben: auch Caspar Eckartt hat
sich erboten Ir. seinem Gesellen zu geben, weil er sein Un-
vermögen so sehr vorschützt, so dafs also der Barbier von
C. E. wegen seines Gesellen 3r. und M. Gropf 4r. empfangen
soll: (denn man hat auf 7r. heruntergehandelt, obwohl er 12
forderte). Und sind darauf mit Handschlag ausgesöhnt _vnd
ein ider behalden, wasz er ehe bekommen. -
6. Glockengiefser und Büchsenmeister.
1377, f. 2. p. P. et P. (30. Juni). Für Speise zu der
Glocke xxsviij Centner Irvij sest. mit der Fuhre von Prag
und Breslau. Es werden weiter die übrigen Ausgaben, welche
zum Glockengufs, Erbauung der hierzu nöthigen Schmelzhütte
gebraucht, an Materialien, Gräber, welche die Grube um die
Glocke machten, nach dem Gusse ausgruben, Handlanger nam-
haft gemacht. Der Meister hiefs Lucas, erhielt 8 M. Lohn
und seine Gesellen 16 Gr. Trinkgeld. Der Klöppel wurde mit
1 M. bezahlt. (Er.i
1390. Meister Polster renoviert mit seinen Gesellen
die Glocke auf dem Rathhause. (das.)
1453. Der Kannengiefser Andres erhält für ein Seiger-
glöckchen 50 Gr