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Full text of "Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg.."





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COMPARATIVE ZOÖLOGY, 



AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS. 



jFounTieTr bv prfbate »uftscrfptfon, fn 1861. 



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The 



Tue gift ofUvL U^AiUyn cUa -yyuiAAjtxrdiL, 



,/kuf.^'^. /rr/9. 



/ k./n/. 



des Vereins 

der Freunde der Naturgeschichte 



mMMmmsg^ 



33. Jahr. 

(1879.) 
Mit 3 Tafelu. 



Herausgegeben 



C. Arndt - Bützow. 



l^eul>randeiiburg". 

In Commission bei C. B r ü n s 1 o w. 

- 1880. 



I n li a 1 1 s - V e r z e i c h n i s s. 



Uebersioht der in Mecklenburg beobachteten Makro- Seite. 

lei)idopteren. Von Franz Schmidt -Wismar . . . 1 — 198. 
Das von Maltzan'sche naturhistorisehe Museum für 

Mecklenburg zu Waren. Von C. Struck - Wareii 199—208. 
Beitrag zur Geologie Mecklenburg's. Mit 3 Tafeiu. Von 

Prof. E. Geinitz - Eostock 209—306. 

Eine in Mecklenburg gefundene Blitzröhre. Von Dr. 

H. Planeth - Schwerin 307—311. 

lieber Martörv in Mecklenburg. Von C. Brath-Zarrentin 312—314. 
Ornithologische Mittheilungen. Von Franz Schmidt- 

Wismar • . . . . 315—317. 

Eine botanische Excursion in die Rostocker Heide vor 

300 Jahren. Von Ernst H. L. Krause 318—329. 

Botanische Mittheilung. Von A. Kliefoth - Conow . . 330. 

Vereinsnachrichten 331—353. 

Aufforderung zum Sammeln plattdeutscher Thier- und 

Pflanzennamen 354 — 355. 



üebersicht 

der 

in Mecklenburg beobachteten Makrolepidopteren 

von 
Franz Sdimicit in Wismar. 



Im 4. Hefte dieses Archivs (J. 1850 S. 12 f. f.) 
findet sich eine von Boll zusammengestellte üebersicht 
der Mecklb. Schmetterlinge, welche jedoch im speziellen 
Theile wenig mehr enthält als ein einfaches Namens- 
verzeichniss der bis dahin in Mecklenburg gefundenen 
Arten. Alle in den inzwischen verflossenen 29 Jahren 
aufgefundenen andern Arten sind in den verschiedenen 
Nachträgen so zerstreut und vereinzelt, dass eine üeber- 
sicht der Mecklb. Lepidopteren nur schwierig zu ge- 
winnen ist. Dazu ist das bei der früheren Boll' sehen 
Arbeit benutzte Heydenreich'sche System, welches 
überhaupt wohl nie recht im Gebrauch gewesen ist, 
bereits veraltet, und in Folge der bedeutenden Fort- 
schritte der entomologischen Wissenschaften in den letzten 
Decennien sind auch von hervorragenden Autoritäten 
andere und dem gegenwärtigen Standpunkte derselben 
entsprechende Systeme erschienen. In diesen sind nicht 
nur viele neue Genera enthalten, sondern es haben auch 
bei Staudinger und Wocke alle die Arten, welche 
nach einem älteren Autor einen anderen Namen führten 
als den früher gebräuchlichen, meistens den des Wiener 

Archiv XXXUI. 1 



Verzeichnisses oder des Ochsenheimer-Treitschke'- 
schen Systems diesen wieder erhalten, so dass zum Theil 
eine neue Nomenclatur entstand, welche die Uebersicht 
des Boir sehen Verzeichnisses noch besonders erschwert 
und deren Kenntniss für den Lepidopterologen zur Ver- 
ständigung gegenwärtig nothwendig ist. Daher scheint 
es mir für die gegenwärtige und auch spätere Zeit von 
Nutzen zu sein, nochmals eine Uebersicht, wenigstens 
der Meckl. Grossschmetterlinge zu veröffentlichen, in 
welchem auch den Arten, und besonders den wichtigeren, 
zweckmässig erscheinende Bemerkungen und eigene Be- 
obachtungen beigefügt sind. Für die Kleinschmetter- 
linge aber steht mir wenig mehr zu Gebote als das, was 
schon in der B oll' sehen Uebersicht enthalten ist; ich 
stehe daher von einer neuen Bearbeitung derselben ab. 

Meine Arbeit soll auch dem Entomologen Material 
geben, die Meckl. Fauna der Grossschmetterlinge leicht 
überblicken zu können, andererseits dem Sammler einen 
Nachweis bringen, auf welche Arten er hier rechnen 
darf, ihm oft auch Andeutungen geben, wo und wie die 
einzelnen zu erlangen sind, und überhaupt eine zweite 
Grundlage bilden, auf welcher weiter gebaut werden 
kann. 

Da nun gegenwärtig das von Staudinger publi- 
cirte, zumeist Leder er entnommene System der Makro- 
lepidopteren in dem „Catalog der Lepidopteren des 
europäischen Faunengebiets von Dr. Staudin g er und 
Dr. Wocke, Dresden 1871" jetzt ziemlich allgemein 
angenommen ist, so habe ich es auch für zweckmässig 
gehalten, dasselbe dieser Uebersicht zu Grunde zu legen. 
Ebenso habe ich auch die von Staudinger in dem- 
selben nach Prioritätsgrundsätzen umgeänderten Spezies- 
namen hier konsequent aufgenommen, jedesmal aber den 
früher gangbaren Namen und besonders den, welchen 
die Art in dem Boll' sehen Verzeichniss führt, in Klam- 
mern dahinter gesetzt. Wegen der Innehaltung der An- 
ordnung und der Nomenclatur dieses Catalogs habe ich 
es auch für überflüssig gehalten, den Gattungen und 



Arten die Autornamen beizufügen. Auch habe ich alles, 
was Staudinger dort als Spezies oder V^arietät auf- 
führt, als solche verzeichnet. Dem gegen mich aus- 
gesprochenen Wunsch, den Arten auch die deutschen 
Namen beizufügen, bin ich thunlichst nachgekommen. Ich 
habe dieselben, soweit sie mir nicht bekannt waren, aus 
verschiedenen Werken und Zeitschriften entnommen und 
sie nur da weggelassen, wo ich keine solche für sie fand, 
oder mir doch der Name zu lang oder zu unpassend 
erschien, wie häufig in den älteren Werken von Rösel, 
dem Wiener Verzeichniss, bei Esper, Bockhausen 
u. a. Zwar kann man auch von den von mir ange- 
wandten nicht sagen, dass sie immer treffend und zweck- 
mässig gewählt sind. 

Bei seltenen, nur von Einzelnen beobachteten, oder 
zweifelhaften Arten, habe ich ihr Vorkommen oder Fehlen 
in den benachbarten Faunen mit angeführt, um danach 
den Werth dieser Angaben in etwas bemessen zu können. 
Solche Specialfaunen stehen mir aber nur einzelne zu 
Gebote, und so habe ich bei der Verbreitung der Arten 
besonders das vorzügliche Werk der Gebrüder Speyer 
„Die geographische Verbreitung der Schmetterlinge 
Deutschlands und der Schweiz, Leipzig 1858 und 1862" 
benutzt. 

Den von Boll angeführten historischen Mitthei- 
lungen über Meckl. Lepidopterensammler habe ich keine 
besondere hinzuzufügen, da in neuerer Zeit andere 
Sammler von Bedeutung mir nicht bekannt geworden 
sind, auch gegenwärtig schwerlich in Meckl. existiren. 
Es stützt sich daher diese üebersicht auf das von Boll 
benutzte Material, welches ihm durch die Lokalfa'unen 
der Herrn Messing und Gentzen aus der Umgegend 
von Neustrelitz, des Herrn Sponholz, der in der Ge- 
gend zwischen Friedland, Neubrandenburg, Stargard und 
Woldegk, des Hrn. Koch, der um Sülz, des Hrn. Huth, 
der um Krakow und Ludwigslust sammelte und der 
meinigen zu Gebote stand. Ausserdem habe ich nur 
noch ein Verzeichniss der um Gadebusch beobachteten 

1* 



Grossschmetterlin^e vom Herrn J. C. Weid daselbst, 
der eine lange Zeit in dortiger Gegend mit Eifer und 
Erfolg sammelte, die wenigen Notizen, welche sich in 
den Nachträgen von Boll, Unger in Priedland u. a. 
in diesem Archive finden, meine eigenen Beobachtungen, 
und was ich sonst gelegentlich ermittelt habe, benutzen 
können. Es sind also besonders Meckl. - Strelitz durch 
mehrere Faunen, Meckl. -Schwerin aber nur durch die 
von Sülz, Gadebusch, Wismar und zum geringeren Theil 
durch die von Krakow und Ludwigslust vertreten, da 
aus anderen Gegenden mir nur vereinzelte Nachrichten 
über vorgekommene Lepidopterenarten bekannt gewor- 
den sind. In Meckl.-Schwerin sind leider gar manche 
sehr einladende und viel versprechende Gegenden in 
lepidopterologischer Hinsicht noch gänzlich unerforscht. 
Daher steht auch nicht nur noch ein wesentlicher Zu- 
wachs an Material für die Verbreitung der bekannten 
Arten und den Einfluss, den die Bodenbeschaffenheit 
auf das Gedeihen gewisser Species hat, sondern anch 
noch eine Vermehrung derselben überhaupt in Aussicht. 
Leider hat das Interesse für die entomologische Wissen- 
schaft und insbesondere für die Lepidopterologie bei 
uns sehr abgenommen. Es mag dies einen Theils seinen 
Grund darin haben, dass die gegenwärtigen Zeitverhält- 
nisse sehr Wenigen den nöthigen Zeitaufwand zu solchen 
Dingen erlauben und das nöthige besondere Interesse 
für solche keinen direkten Nutzen gewährenden, müh- 
samen Beschäftigungen eher ableiten als fördern, an- 
deren Theils, dass die Anzahl der Schmetterlinge, auch 
vieler anderer Thierarten, hauptsächlich durch die stets 
fortschreitende Bodenkultur in Wirklichkeit bedeutend 
abgenommen hat und fortwährend vermindert wird. 
Durch möglichste Ausnutzung und Urbarmachung jedes 
Fussbreit Bodens werden die Lepidopteren in entlegene 
Zufluchtsorte zurückgedrängt, so dass man auf den ge- 
wöhnlichen Wegen nur noch sehr wenigen und nur den 
gemeinsten Arten begegnet, und daher wenig von ihrer 
lieblichen Erscheinung in der freien Natur zum Studium 



derselben angeregt wird. In der nächsten Umgebung 
Wismars z. B. sieht man ausser den gemeinen Weiss- 
lingen selten noch einen anderen Tagfalter. Wiesen, 
Ackerränder, Grabenufer werden zwei- und mehrere Male 
im Jahre gemäht und dann noch mit Vieh behütet, Wäl- 
der im dichtesten Schluss gehalten; freie Plätze, Lich- 
tungen, Wiesen — die Tummelplätze der Falter, Zygänen 
u. a., die sich in meiner Jugendzeit noch fanden, giebt 
es in ihnen fast nicht mehr, und wenn noch hier oder 
dort vorhanden, so werden auch sie noch besonders 
ausgenutzt. Ja, hätte die Natur nicht durch mannig- 
faltige Mittel sehr weise für die Erhaltung ihrer Ge- 
schöpfe gesorgt, so würden sicher viel mehr Arten der- 
selben aus manchen Gegenden längst ganz verschwunden 
sein, als es dennoch in Wirklichkeit der Fall zu sein 
scheint. Nur wenigen Arten werden dagegen durch die 
Agrikultur oder die Forstwirthschaft die Bedingungen 
zu ihrer Existenz neu geschaffen, und mag ihnen somit 
ein Vorrücken und eine weitere Verbreitung ermöglicht 
worden sein. In meiner Knabenzeit, also vor etwa 50 
Jahren, sammelten hier in Wismar die längst verstorbenen 
Maler Vogt und Pastor Hager Schmetterlinge. Der 
grösste Theil der Knaben, welche bei ersterem Privat- 
unterricht im Zeichnen hatten, wurde von ihm gleichfalls 
zum Jagen dieser Thiere angeregt, darunter auch ich; 
wir bewogen wieder andere dazu, Theil an dieser Unter- 
haltung zn nehmen, und so kam es, dass damals eine 
grosse Anzahl Knaben hier Schmetterlinge sammelten, 
darunter manche recht eifrig, wenn auch nur in knaben- 
hafter Weise. Jetzt verfällt nur selten ein solcher und 
noch weniger ein Erwachsener auf diese Liebhaberei, 
und wenn es auch geschieht, so ist ihr Eifer nicht von 
Dauer, und sie kommen selten über die ersten Anfänge 
hinaus. Aus jener Zeit erinnere ich mich noch, wie be- 
lebt es namentlich in den Hundstagsferien, wo wir täglich 
Schmetterlinge zu jagen umher streiften, an gar manchen 
Stellen von allerlei Faltern war, an den freien Plätzen 
in den Rohlsdorfer Tannen und an ähnlichen anderen 



6 



Orten wimmelte es oft von den gewöhnlichen Tagfaltern 
und Widderchen. In solcher Zahl treffe ich diese Thiere 
in hiesiger Gegend jetzt nirgends mehr an. Auch in 
den letzten 33 Jahren, in welchen ich unausgesetzt eifrig 
sammelte, haben hier viele Schmetterlingsarten an Zahl 
der Individuen beträchtlich abgenommen, was namentlich 
bei den Tagfaltern am meisten in die Augen fällt. 

Die Gegend von Wismar hat, wie der ganze Küsten- 
strich des nördlichen Mecklenburgs — das Geestland 
— vorzüglichen Fruchtboden und der Getreidebau ist 
hier vorherrschend; eigentlicher Sand- und Heideboden 
fehlen ganz, oder sind doch nur in sich diesen Boden- 
arten nähernder Beschaffenheit und gewissermassen oasen- 
artig an wenigen Stellen vorhanden. So die eine Stunde 
von hier entfernten Rohlsdorfer Tannen, das nächste 
und von mir am häufigsten besuchte, zwar zumeist aus 
Föhren bestehende, doch auch mit Laubholz und vielem 
üntergebüsch gemischte kleine Gehölz, welches zwar 
zumeist sandigen, doch keineswegs humusarmen Boden 
hat, wie dieses der kräftige Wuchs der Gräser und 
mancherlei Kräuter und Sträucher beweisen. Früher war 
dieses ein im Verhältniss zu der geringen Grösse recht 
ergiebiges Revier, jetzt aber, da in letzter Zeit viel darin 
gewirthschaftet ist, das Gehölz auch zeitweise behütet 
wird, auch Fasanen darin gehalten werden, hat der 
Insektenreichthum sehr abgenommen, ja manche Arten: 
Argynnis Niobe^ Sehne, Leucoph. Sinapis, Zygaena Filipen- 
dulae u. a. scheinen schon lange dort ganz verschwunden 
zu sein. Etwas entfernter von hier finden sich noch 
einzelne ähnliche Oertlichkeiten, doch auch fast reine 
Föhrenwälder, hier gewöhnlich Tannenwälder genannt, 
mit im übrigen ziemlich sterilen Boden. Heide ist jedoch 
nur in den beiden etwa 2 Meilen entfernten Heidemooren 
vorhanden, von denen das eine nach dem Dorfe Drispeth, 
das andere an das Gut Tarzow gehört. Ersteres ist 
vom Bahnhof Kleinen in einer Stunde, letzteres vom 
Anhalt Ventschow in einer starken halben Stunde zu 
erreichen. Das Drispether Moor ist jetzt zum grossen 



Theil eben, einförmig mit Heide bestanden, nach der 
Ostseite zu wird die Vegetation allmälig mannigfaltiger 
und kräftiger; hier treten Vaccinium uligmosum, Empetrum 
nigrum u. a. Moorpflanzen häufig auf, dann folgen ver- 
schiedene Sträucher, ßirkengebüsch, und den Saum be- 
schliesst ein kleiner Bruchwald — Siedenmoor — in 
welchem ich mehrere Male ein ziemlich lebhaftes Insekten- 
leben antraf. Hier allein fand ich bisher Glwph. Crenata. 
Das Tarzow'er Moor, im ganzen mit einer mannigfal- 
tigeren und üppigeren Vegetation, zeigt auch noch deut- 
lich Spuren, dass dasselbe, wie diese Moore überhaupt, 
in einer früheren Zeit ein Gewässer war, welches all- 
mälig versumpfte und zuwuchs. Denn an seiner östlichen 
Seite ist noch ein kleiner Theil tiefen Wassers vorhan- 
den, welches zunächst mit Rohr- und Schilfarten, dann 
mit einem versumpften, unbetretbaren Gebiet umgeben 
ist, dieses geht allmälig in nasse, dann trockene Wiese 
und endlich in das eigentliche Moor über. Letzteres 
ist zumeist mit Heide, Gräsern, mancherlei Kräutern, 
Sträuchern, darunter besonders die Sumpfheidelbeere — 
aber auch zum Theil mit Birken, Weiden, einzelnen 
Tannen u. a. bestanden. Es ist dieses Moor in botanischer 
und zoologischer Hinsicht ein recht interessantes, hat 
auch die Eigenthümlichkeit, dass es im Sommer warmen, 
im Winter kälteren Boden als die benachbarten Felder 
hat, denn Eis und Schnee halten sich darin im Frühlinge 
länger, und die Vegetation erscheint später. Diese Moore 
mit ihrer eigenthümlichen Flora beherbergen auch einige 
hier vorkommende Schmetterlingsarten ausschliesslich. 
— In einer Entfernung von IV2 bis 2 Meilen finden sich 
nach allen Richtungen hin schon manche, meist aus 
Buchen bestehende, zum Theil auch grosse und schöne 
Wälder , mit meistens sehr kräftigem ünterwuchs, 
schwerem und reichlich feuchtem Boden. In ihnen sind 
auch alle hiesigen gewöhnlichen Waldbäume und Sträucher 
vorhanden, doch sind Hagebuchen, Ahorn, Zitterpappeln 
u. a. im ganzen in ihnen nur schwach vertreten, auch 
die Birke findet sich nur spärlich hier und dort. Dieser 



8 



Baum ist überhaupt, abgesehen von den in neuerer Zeit 
in der Nähe der Stadt angepflanzten, erst an der Grenze 
meines gewöhnlichen Sammelbezirks in grösseren Be- 
ständen und naturwüchsiger Beschaffenheit, und nament- 
lich in den beiden Heidemooren vorhanden. Daher, und 
weil ich auch diese Gegenden nicht oft und zu allen 
Jahreszeiten besuchen konnte, fand ich auch die spezi- 
fischen Birkenschmetterlinge meistens nicht häufig. Ein- 
zelne, die wahrscheinlich auch hier vorhanden, habe ich 
noch gar nicht gefunden. Auch ist die manche Raupen- 
art ernährende Heidelbeere nur in einzelnen Wäldern, 
und auch in diesen nur an wenigen Stellen spärlich zu 
finden. Brüche, namentlich Erlenbrüche, fehlen nicht. 
— Ueber die nächste Umgebung der Stadt, über die 
recht hübschen Promenaden, Lustanlagen, Gärten und 
Kirchhöfe hinaus, sieht man zunächst nur bebautes Land, 
Gewässer, Wiesen, Viehweiden; Bäume nur an den 
Chausseen, Wegen und um die einzelnen Gehöfte, Ge- 
sträuch nur noch sehr wenig und an einzelnen Stellen 
als Rudera der früher an den meisten Wegen, Acker- 
rändern und Grabenufern befindlichen, zumeist aus Schleh- 
dorn bestehenden Hecken. Die hier vorherrschenden 
Bäume sind Linde, Ulme, Ahorn, Rosskastanie, Esche, 
Weide u. a. Pappeln sind nur noch wenige vorhanden, 
da sie in neuester Zeit sehr verfolgt wurden. Hier und 
auch selbst innerhalb der Stadt findet sich schon manche 
Nachtschmetterlings- insbesondere Eulenart und unter 
diesen einzelne, die ich sonst noch nirgends antraf Aus- 
gezeichnet aber ist die Gegend von Wismar durch die 
vielen süssen Gewässer, Sümpfe und Torfmoore mit einer 
üppigen und mannigfaltigen Flora, und wenigstens in 
lepidopteristischer Hinsicht auch sehr interessanten und 
reichen Fauna, wie sie so sich wohl an wenig anderen 
Orten wieder beisammen finden mag. Daher sind denn 
auch nicht nur alle europäischen Nonagrien, sondern 
auch die meisten anderen von Sumpfpflanzen lebenden 
deutschen Schraetterlingsarten hier von mir gefunden 
worden, wobei allerdings in Betracht kommt, dass ich 



auch viel Zeit und Mühe darauf verwandt habe, ihrer 
habhaft zu werden und dadurch üebung in dem meist 
sehr schwierigen Auffinden dieser Thiere erlangt habe. 
Denn die meisten Arten derselben hatten für mich ausser 
der Erforschung ihrer bis dahin noch wenig oder gar 
nicht bekannten Naturgeschichte, auch noch das Inter- 
esse, dass sie sehr begehrte Tauschartikel waren, von 
denen ich früher etliche Arten überhaupt allein in den 
Verkehr brachte. Erst nach meiner Bekanntmachung 
ihrer Naturgeschichte in der Stettiner entomol. Zeitung 
1858 S. 344 f f. „Zur Naturgeschichte einiger Lepidop- 
teren" sind die meisten von ihnen auch in anderen Ge- 
genden gefunden worden. Wiesen und Weiden sind 
zwar auch reichlich vertreten, liefern jedoch im ganzen 
wenig, weil ihre Vegetation meistens einförmig, der 
grösste Theil derselben auch zu nass ist und sie ökono- 
misch möglichst ausgebeutet werden. Nur einige moorige, 
meistens entlegene Wiesen produciren einzelne besondere 
Arten. — Das Ostseeufer ist gleichfalls arm an Schmetter- 
lingen , beherbergt aber doch ein paar eigenthüm- 
liche Spezies: Bomh. Franconica, Agrotis Ripae v. Ohotri- 
tica, Tajp, Elymi. Dagegen sind die eigentlichen Sand- 
und Heideschmetterlinge wegen des Fehlens der erfor- 
derlichen Bodenbeschaffenheit hier seltener oder gar 
nicht vertreten, während das meist sandige südliche und 
namentlich südöstliche Mecklenburg viele Arten derselben 
aufzuweisen hat, und ausserdem durch seine südlichere 
und östlichere Lage in gewisser Hinsicht bevorzugt ist. 
Die Gegend von Gadebusch hat eben so schweren 
und fruchtbaren Boden und ganz denselben Charakter 
wie die Wismars, nur dass dort die Gewässer fehlen, 
und somit auch deren Pflanzen und Thierarten. Dafür 
aber hat Gadebusch einen schönen Laubwald unmittelbar 
vor der Stadt, in dessen Mitte das Schützenhaus gelegen 
ist, hinter dessen vielen Fensterladen Herr Weid eine 
sehr ergiebige und bequem auszubeutende Fundgrube 
für viele zum Theil seltene Eulen hatte. Im übrigen 
ist wohl die Lepidopterenfauna beider Gegenden die- 



10 



selbe, und die einzelnen Arten, welche nur in der einen 
beobachtet wurden, fehlen in der anderen nur deswegen, 
weil es hier an einer Oertlichkeit mangelt, welche die 
Bedingungen zu ihrer Existenz enthält, oder weil sie 
nur zufällig noch nicht aufgefunden sind. 

Mein gewöhnliches Sammelgebiet erstreckt sich 
nur in wenigen Fällen etwas über 2 Meilen von der 
Stadt, nach einzelnen Richtungen hin nicht einmal so 
weit. Von den Wäldern sind es insbesondere die Rohls- 
dorfer Tannen, dann der Laubwald bei Kleinen, und die 
in der Nähe desselben vorhandenen anderen Wälder 
(weil durch die Eisenbahn am leichtesten erreichbar) 
welche ich am häufigsten besuciite; doch ist kein Wald, 
kein Bruch oder ein etwas verheissender sonstiger Ort 
in hiesiger Gegend, der nicht auch im Laufe der Zeit, 
wenn auch nur gelegentlich bei Geschäftsreisen, von mir 
betreten und durchsucht wäre. 

Dem Beispiele Boll's folgend, habe ich hinter 
den Arten, welche nur von einem oder wenigen Samm- 
lern aufgeführt sind, den Anfangsbuchstaben des Autors, 
der sie beobachtete, sowie etwaige Bemerkungen des- 
selben, gesetzt. Natürlich kann ich jedoch nur die von 
mir selbst gemachten Angaben vertreten. Demnach be- 
deuten G. Gentzen — K. Koch — M. xMessing — 
Sp. Sponholz — ü. ünger — H. Huth. Doch habe 
ich oft der leichteren üebersicht wegen die Gegend des 
Sammlers noch besonders angeführt. 

Einige weitere Abkürzungen sind: Gad. Gadebusch 
— W. Wismar — Meckl. Mecklenburg — Seh. Schmetter- 
ling-ge — P. Puppe-pen — R. Raupe-pen — v. varietas. 

Alle mit einem * bezeichneten Arten sind bei Wis- 
mar beobachtet. 



11 



ßhopalocera. 

Papilioiiidae. 

Papilio L. 

Sinon (Podalirius). Segelfalter. 

Nach K. bei Sülz einmal. Diese in Mittel- und 
Süddeutschland, namentlich in bergigen Gegenden 
meistens ziemlich häufige Art überschreitet wohl 
selten nach Norden die Meckl. Grenze. Im südöst- 
lichen Theile des Landes möchte er sich noch am 
ersten hin und wieder zeigen und wird dann mehr 
als ein verirrter oder verschlagener Gast als ein 
eingebürgerter Mecklenburger anzusehen sein. 

In Pommern noch nicht beobachtet; wohl aber 
bei Lüneburg und in Holstein bei Oldesloe. 
*Machaon. Schwalbenschwanz. 

Dieser allbekannte und überhaupt am weitesten 
verbreitete europäische Ritter ist auch bei uns in 
Feldern, Gärten und Wiesen allenthalben mehr oder 
weniger häufig, doch bei W. nur in trockenen, warmen 
Sommern öfter anzutreffen. In 2 Generationen, Mai 
selten, Juli und Aug. häufiger und dann auch nicht 
selten in der rothgelben Färbung. R. auf Möhren, 
Wasserfenchel, Haarstrang u. a. Doldengewächsen. 

Pieridae. 

A p r i a. 
"^Crataegi. Baum weissling. 

Durch ganz Meckl. stellen- und zeitweise in Menge. 
So auch einmal in meiner Knabenzeit bei W., wo 
der Seh. sogar in den Strassen der Stadt zahlreich 
flog. Dagegen traf ich diesen Falter in der nächsten 
Umgebung der Stadt in den letzten 33 Jahren gar 
nicht und fing den Bedarf für meine Sammlung nur 
bei einem entfernten Dorfe. Bei Schwerin aber sah 
ich ihn vor Jahren einmal recht häufig und auch 
noch kürzlich in der Gegend von Güstrow. Das 
plötzliche, massenhafte Auftreten dieses Falters und 



12 



dann sein gänzliches Verschwinden auf lange Zeit 
ist übrigens auch in anderen Gegenden beobachtet 
worden. Seh. im Juni, R. im Mai gesellschaftlich, 
wird durch ihre Menge oft den Obstbäumen schädlich. 
P i e r i s. 

*Brassicae. Kohl weissling. 

Allenthalben sehr gemein in 2 und 3 Generationen, 
einzeln fast den ganzen Sommer hindurch, doch im 
Juli und Aug. gewöhnlich in grösster, oft ungeheurer 
Anzahl. Der Falter wandert auch unter Umständen 
in grossen Massen in andere Gegenden. Ich sah zwei- 
mal einen solchen Zug, einmal bei dem Gute Goldebee 
einen ungeheuer ausgedehnten und andauernden nach 
Süden gehen, ein andermal einen kleineren, der wahr- 
scheinlich von der Insel Pol kam, über Wismar ziehen, 
wie ich dies in Dr. Katter's entomol. Nachrichten, 
Putbus 1877. No. 8. S. 124 f. cfr. näher beschrieben 
habe. R. oft sehr schädlich am Kohle. 

*Bapae. Rübenweissling. 

In Meckl. allenthalben sehr gemein und fast den 
ganzen Sommer hindurch. R. an Kohlarten. 

* Napi. Rapsweiösling. 

Wie die vorhergehende Art, doch bei W. nicht so 
häufig als diese und mehr in der Nähe von Wäldern. 
Die Exemplare der Frühlingsgeneration weichen 
von denen des Sommers regelmässig in der Fär- 
bung ab. 

^Da^lidice. Wauweissling. 

In Feldern und an Wegen in Meckl. ziemlich häufig 
Juli, Aug. R. fand ich nur auf der Rauke. Auch: 

*v. Bellidice. Die dunklere Frühlingsgeneration, im April 
und Mai meistens im schnellen Fluge an denselben 
Orten, wo später die Stamm-Form. 

Anthocharis. 

* Cardammes. Kress weissling. Auroravogel. 

An lichten Waldstellen, auf Waldwiesen, in Gärten 
und an anderen Orten in Meckl. allenthalben, manch- 



13 



mal stellenweise recht häufig. Im Mai. Ich fing 
auch einmal von dieser Art einen Zwitter, der auf 
der einen Seite die Färbung des Weibchens, auf 
der anderen die des Männchens zeigte. 

Leucophasia. 

*Smapis. S e nf w ei s slin g. 

In Meckl. von allen Sammlern beobachtet. Bei W. 
in den meisten Wäldern zweimal im Jahre, doch im 
ganzen nur ziemlich selten anzutreffen. Mai und 
Juli, Aug. 

Die Exempl. der Frühlingsgeneration haben auf 
der Unterseite der Hinterflügel die grau- oder gelb- 
lich grüne Farbe mit den weissen Längsflecken, 
ähnlich denen, die ich als v. Lathyri und v, Dujpon- 
clielü, aus der Provence in 4 Exempl. in meiner 
Sammlung habe, und einige Stücke von jenen kom- 
men diesen südländischen wirklich recht nahe. Solche 
Exemplare wird M. als v. Lathyri (A. 1850, S. 24) 
bezeichnet haben, welche jedoch ausgebildet, wie 
sie H. S. Bilder 407 und 408 darstellen, nur im 
südlichen Europa angetroffen werden sollen. Die 
Falter der zweiten Generation dagegen sind bei 
uns auch unten auf den Hinterflügeln meist ganz 
weiss. 

1 i a s. 
Der im System zunächst hierher gehörige Falter 
Palaeno X., welcher von Boll in seinem Nachtrage 
(A. J. 1855. S. 159) nach von Türcks Angabe 
als von ihm in Meckl.-Strelitz beobachtet aufgeführt 
ist, darf unbedenklich nicht mehr als Mecklenburger 
gelten, da ein Missverständniss vorliegt. Denn 
nachdem ich die von Türck' sehen Beiträge selbst 
durchgesehen, komme ich zu der sicheren üeber- 
zeugung, dass alles, was derselbe von Palaeno sagt, 
nur auf unsere Hyale L. und Ochs, passt. Seine 
Diagnose des Seh., seine Bemerkung, dass derselbe 
im Aug. auf Sandhügeln und Wiesen erscheine, die 



14 



Beschreibung der R., welche auf Coronilla varia 
lebe, dann der Umstand, dass er Hyale gar nicht 
aufführt, endlich seine Citate beweisen dieses zur 
Genüge. Esper, den von Türck auch citirt, 
nennt Hyale L. u. Ochs. Palaeno, dagegen Palaeno 
L. u. Ochs Europomene. Dies hat von T. wahr- 
scheinlich veranlasst, den jetzt als Hyale geltenden 
Falter Palaeno zu bezeichnen. 

Palaeno L. u. Ochs, fliegt in Mooren, wo die 
Futterpflanze der R. — Vaecinmm uliginosum — 
häufig wächst und könnte übrigens immerhin auch 
in Meckl. vorhanden sein, da derselbe in mehreren 
Gegenden von Pommern und Preussen an geeig- 
neten Orten oft nicht selten vorkommt, sonst auch 
auf den Alpen, in Schweden und Lappland heimisch 
ist. Ich vermuthe diesen Falter noch am ersten 
bei uns in der Ribnitzer-, Rostocker- oder Mark- 
grafenheide. 

*Hyale. Kronwickenfalter. Goldene Acht. 

Allenthalben in Meckl. In der zweiten Generation 
— Juli bis Sept. — ziemlich häufig, namentlich auf 
Kleefeldern. 

^Edusa. Pomeranzenfalter. 

In Meckl. nur bei Gad. (einmal) und W. beobachtet; 
auch in Pommern und Holstein getroffen, nördlicher 
noch nirgends. Ich selbst fing den flüchtigen Seh. 
nur einmal im Aug.; sah ihn aber hier noch einzelne 
Male. Von Knaben wurde er indessen noch ein 
paar Male gefangen. 

Chrysotheme als bei Neustrelitz von G. mit ? 
(A. 1850. S. 24.) aufgeführt, ist sicher dort nicht 
heimisch und wahrscheinlich mit Edusa verwechselt, 
da Chrysotheme nur im südöstlichen Europa, nördlich 
bis Prag, westlich bis Salzburg beobachtet ist. 
Rhodocera. 

*Bhamm. Citronenfalter. 

Allenthalben bei uns nicht selten, zwei und mehrere 
Male im Jahre. Seh. überwintert, R. auf dem Faul- 



15 



bäume und Kreuzdorne, im Mai und Juni leicht 
durch Klopfen zu erhalten. 

liycaeiiidae. 

T h e cl a. 

"^Betulae. Weissbirkenfalter. Leberfleck. 

Durch ganz Meckl. besonders an Waldrändern hier 
und dort wo Schlehdorn wächst, auf welchem ich 
die R. ausschliesslich fand. Nicht häufig. 

*Ilicis. Steineichenfalter. 

Auffallenderweise nur bei Gad. und W. beobachtet, 
sehr wahrscheinlich aber auch in den meisten Laub- 
wäldern Meckl. und nur übersehen. Ich fing den 
Falter im Walde bei Zickhusen und Kleinen in ein- 
zelnen Exempl., häufiger traf ich ihn einmal bei 
Mestlin, klopfte auch die R. von Eichen. 

Auch bei Hamburg, Lüneburg und in Pommern. 

*PrMm. Pflaumenfalter. Kleiner Schwalben- 
schwanz. 
In den meisten Gegenden, wo gesammelt ist, beob- 
achtet. Fliegt im Holze bei Kleinen an Stellen, 
wo Schlehengebüsch steht, meistens nur in einzelnen 
Individuen. Ich fing ihn auch einmal am Holze bei 
Schimm. Im ganzen bei uns wohl nur spärlich. 

*Quercus. Eichenfalter, 

Mit der Eiche verbreitet und wohl überall bei uns. 
Bei W. die häufigste Art dieses Genus, wenn auch 
nicht in grosser Zahl vorhanden. Seh. im Juli, R. 
im Mai von Eichen zu klopfen. 

^Buhi. Brombeerfalter. Grünling. 

Eine überhaupt sehr verbreitete Art, die auch bei 
uns von allen Autoren gefunden wurde. Ich habe 
jedoch für dieselbe nur zwei Fundorte — neben 
dem Siedenmoor und in dem Rugensee'er Holz bei 
Zickhusen — und auch hier ist der Falter nicht 
häufig. 



16 



Polyommatus. 
Virgaureae. Goldruthen f alter. 
Nur von K. bei Sülz gefangen. 
Auch in Pommern und Holstein. 
Dispar (Hippotlioe). Dukatenvogel. 

Bisher in Meckl. nur im südöstlichsten Theile des- 
selben — M. u. Sp. — beobachtet. 

Auch bei Demmin, Stettin, Lüneburg. 

^Hvppotlioe (Chryseis). Feuervogel. 

In allen unseren Spezialfaunen aufgeführt und im 
allgemeinen eine verbreitete und ziemlich häufige 
Art, die jedoch bei W. zu denen gehört, die auf 
dem Aussterbeetat zu stehen scheinen. Denn früher 
traf ich den Falter auf Waldwiesen, manchen Mooren 
und Wiesen recht häufig an, jetzt erscheint er nur 
noch als Seltenheit. 

"^ Alciphron (Hipponoe). Yeilblau schillernder F alter. 
Gleichfalls eine über Meckl. verbreitete Art. Ich 
fing sie nur auf Wiesen, Lichtungen und an den 
Rändern solcher Wälder, die mehr oder weniger 
leichten, trockenen Boden haben, auch in der Heide 
zwischen Schwerin und Ludwigslust, aber immer 
nur in einzelnen oder wenigen Exemplaren. 

'^Dorilis. (Circe.) 

Durch ganz Meckl. und an ähnlichen Orten wie die 
vorhergehende Art, aber viel häufiger und zweimal 
im Jahre. 

*P7ilaeas.*) Feuerflämmchen. 

Sehr verbreitet und häufig bei uns, an gar manchen 
Orten und fast den ganzen Sommer hindurch, wenn 
auch nicht zahlreich, anzutreffen. 
AmpMdamas (Helle). V eilr othgoldner Falter. 
Bei Neustrelitz (G.) und bei Sülz (einmal K.) ge- 
fangen. 

•) Bei Boll Heft IV., p. 24, unter VII. 24 durch Druck- 
fehler: Phaelas. 



17 

L y c a e n a. 

*Argiades (Ämyntas). 

Von den meisten Sammlern aufgeführt. Ich fing 
diesen Bläuling nur im Holze bei Kleinen und Zick- 
husen in einzelnen Stücken, er ist aber wahrschein- 
lich auch hier noch an anderen Orten vorhanden. 

^v. Polysperchon ist in neuerer Zeit als die Frühlings- 
generation von Ärgiades erkannt und auch von mir 
bei Kleinen gefangen worden, wird also auch sicher 
an allen anderen Orten, wo die Stammform, vorhan- 
den sein. 

*Argyrotoxus (Äegon). Geisskleefalter. Espar- 
settebläuling. 

Von den meisten Sammlern beobachtet. Bei W. 
nur im Tarzow'er Moore nicht selten gefangen. 
Viel häufiger traf ich den Falter in der Heide- und 
Sandgegend zwischen Schwerin und Ludwigslust, 
sowie an einem ähnlichen Orte in der Mestliner Forst. 

*Argus. Stechginsterfalter. 

In Meckl.-Strel. (G. M ), bei W. ebenfalls nur im 
Moore bei Tarzow und am Rande des nahen Wal- 
des, aber seltener als die vorhergehende Art. Ist 
auch bei Doberan, Schwerin und Mestlin gefangen 
und wird überall in Meckl. zu finden sein, wo ge- 
eignete Lokalitäten für sie vorhanden. 

*Optüete. Tiefblauer Himmelsfalter. 

Fliegt im Tarzow'er Moore im Juni und Juli nicht 
selten besonders in der Gegend desselben, wo dieses 
in Wiesengrund übergeht. Ist auch bei Schwerin 
im Moore des dortigen Werders einzeln gefangen. 
Im Boll'schen Verz nur noch von G. als bei Neu- 
strelitz aufgeführt, doch wahrscheinlich in ähnlichen 
Mooren bei uns auch in noch anderen Gegenden. 

* Ast räche (Agestis). 

üeber Meckl. verbreitet, doch besonders auf san- 
digem Boden. An blumenreichen trocknen Stellen 
bei W. hier und dort. In den Rohlsdorfer Tannen 

Archiv XXXUI. 2 



18 



früher häufig, jetzt dort kaum noch vorhanden. Auch 
auf den Dünen am Meeresstrande, auf dem Langen- 
Werder, der Halbinsel Wustrow traf ich den Falter 
ziemlich häufig und in recht grossen Exemplaren an. 

^ Icarus. (Alexis). Hauhechelfalter. 

Allenthalben sehr häufig. Der gemeinste Bläuling, 
in verschiedenen Varietäten, zwei und mehrere Male 
im Jahre. 

Bellargus. (Adonts). Adonis. Schöner Argus. 

Der Falter wird im früheren Yerz. als bei Sülz und 
Neustrelitz von M. u. Sp. (selten) aufgeführt. Was 
ich in K. Sammlung als Adonis sah, waren aber 
recht lebhaft gefärbte Alexis, und daher ist diese 
Art für Sülz zu streichen. Ob dieser sonst in süd- 
licheren und südöstlicheren Gegenden vorkommende 
Falter wirklich bei Neustrelitz vorhanden, kann ich 
nicht entscheiden. In den Faunen von Neuvorpom- 
mern und Hamburg fehlt Adonis. Der uns zunächst 
gelegene Fundort desselben, welchen Speyer sonst 
aufführt, ist Frankfurt a. d. 0. 

Corydon. 

Nur von G. als bei Neustrelitz aufgeführt. Wie die 
vorhergehende eine sonst südlichere und südöstlichere 
und besonders Kalkboden liebende Art, welche aber 
doch auch in Pommern gefangen wurde. 

*Argiolus. Faulbaumfalter. Streupunkt. 

Durch ganz Meckl. Bei W. allenthalben, aber immer 
nur einzeln. 

Minima. (Alsus). 

Von G. als bei Neustrelitz mit ? aufgeführt. Eine 
sonst südlichere Spezies, die aber doch auch in 
Pommern und Holstein vorkommen soll. 
* Semiargus. (Acis) . 

In Meckl. verbreitet. Auf moorigen Wiesen und 
feuchten , freien Rasenplätzen , an Wäldern und 
Brüchen mitunter stellenweise ziemlich häufig. 



19 



Cyllarus. 

Nur im südöstlichsten Theile Meckl. gefunden (G. 
M. Sp.) Auch einer von den Faltern, die bei ihrer 
Verbreitung nur eben unsere Grenze überschreiten. 
"^ Alcon. Weissgesäumter Bläuling. 

Diesen Bläuling fing ich einmal im Aug. im Moore 
bei Tarzow in etwa 12 Exempl. Später kam ich 
niemals wieder rechtzeitig an diesen Ort. Ich fing 
ihn aber auch einmal in der Heide zwischen Schwerin 
und Ludwigslust, auch auf dem Werder bei Schwerin. 
Flugplätze scheinen Moore zu sein, wo zwischen 
Heidekraut schon üppige Gräser wachsen, also der 
Heideboden in Wiesengrund übergeht. Wenn auch 
bisher nur von mir allein beobachtet, so wird die 
Art sicher auch noch in anderen Gegenden Meckl. 
vorhanden sein, da sie auch bei Hamburg, Lüneburg 
und in Pommern ? vorkommt. 
Arion. Randpunkt. 

Noch nicht bei Gad. und W. angetrofi*en, aber wohl 
nur weil hier Lokalitäten für die Art fehlen, sonst 
in Meckl. verbreitet. Zwischen Schwerin und Lud- 
wigslust fing ich einmal den Falter in der Heide 
ziemlich häufig, öfter aber noch im Walde bei Mestlin 
an einer lichten mit Heidekraut bewachsenen Stelle. 

CIryeiiiidiae« 

Nemeobius. 

Lucina 

Nach Sp. in Meckl.-Strelitz, aber auch schon zu Ende 
des vorigen Jahrhunderts von vonTürck beobachtet, 
der dazu bemerkt, dass der Seh. auf einer Wiese an 
der Tollensee b. Neubrandenburg gefangen worden sei, 

Apaturidae. 

Apatura, 
*/m. Blau-Schillerfalter. 

Von den meisten Sammlern aufgeführt. In unseren 
Wäldern wohl allenthalben mehr oder weniger selten. 

2* 



20 



Ich traf den schönen Falter in den Rohlsdorfer 
Tannen, dem Walde bei Kleinen, Zickhusen und 
Schimra, doch immer nur einzeln an. Häufiger schon 
klopfte ich die R. in diesen Wäldern zu Ende Mai 
von Saalweiden. 
lUa. Bandweidenfalter. Roth-Schillerfalter. 
In Meckl.-Strelitz von G. M. Sp., aber auch schon 
von von Türck beobachtet. Auch die 
V. Clytie. Gelber Schillerfalter von M. und 
V. Iris rubescens von Sp. als dort heimisch aufgeführt. 

IVymplialidae. 

L i m e n i t i s. 
^ PopuU. Espenfalter. Grosser Eisvogel. 

Bei Sülz früher in einzelnen Jahren ziemlich häufig, 
seit aber die alten Zitterpappeln aus dem dortigen 
Walde entfernt sind, fehlt der Falter ganz. K. In 
Meckl.-Strelitz G. Sp. — Auch von Türck führt 
ihn schon als selten dort auf. Bei W. früher einzeln 
gefangen, aber seit vielen Jahren von mir nicht mehr 
gesehen, wahrscheinlich weil auch hier die Nährbäume 
der R. — Espen — und namentlich grössere Bäume 
dieser Art in den Wäldern nicht geduldet werden. 
Knaben brachten vor etlichen Jahren einmal von 
einer Exkursion nach der Hohen Burg bei Bützow 2 
dort an alten Espen gefangene Exemplare mit. 
Wahrscheinlich findet sich dieser stattliche Falter in 
Meckl. an allen den Orten, wo er seit langer Zeit 
die Bedingung zu seinem Fortkommen — Zitter- 
pappeln, namentlich grosse — häufig vorfand. 

Camüla. 

Von K. und M. als Mecklenburgerin im Boll'schen 
Verz. aufgeführt. Ersterer besass die Art nicht, er 
hatte Varietäten der Sibylla für Camüla genommen, 
auf welchen Irrthum ich ihn aufmerksam machte. 
Auch M. Angabe, dass der Falter bei Neustrelitz 
vorkomme, möchte fraglich erscheinen, da derselbe 



21 



nach Gebr. Speyer sonst nirgends so nördlich, nicht 
über den 51° n. B. hinaus beobachtet wurde. 
*Sibi/lla. Heckenkirschenfalter. Kleiner Eisvogel. 
In ganz Meckl. Bei W. fast in allen Wäldern, ein- 
zeln auch in der Nähe der Stadt und selbst innerhalb 
derselben wohl nur als Verschlagene oder Verirrte, 
beobachtet. Im Walde bei Kleinen und dem Rugen- 
see'er Holz habe ich den Falter in einzelnen Jahren 
sehr häufig angetroffen und daselbst auch die R. im 
Mai vom Geisblatt in Mehrzahl geklopft. 

Vanessa. 
*Levana. Waldnesselfalter. Gelbe Landkarte, 
lieber ganz Meckl. verbreitet. In den Wäldern bei 
W. im April und Mai stellenweise oft nicht selten. 
Häufiger jedoch und an denselben Orten sah ich im 
Juli und Aug.: 

V. Prorsa. Schwarze Landkarte. 

welche früher als eigene Species angesehen wurde. 
Es hat sich aber herausgestellt, dass sie nur die 
Sommergeneration von Levana repräsentirt. 

Die R. dieser interessanten Art lebt in Wäldern 
auf Nesseln gesellschaftlich. Findet man sie im Juni, 
so erhält man bald v. Prorsa daraus, die im Aug. 
oder Sept. angetroffenen, liefern erst im nächsten 
Frühlinge den Seh. und dann Levana. Bringt man 
Puppen der 2. Generation im Herbste in ein ge- 
heiztes Zimmer, so kriechen die Seh. häufig schon 
im Winter aus und man kann so die Zwischenform — 

V. Porima 

erzeugen. Ebenso wenn man bei Puppen der ersten 
Generation den Entwicklungs-Prozess dadurch ver- 
langsamt, dass man Bie z. B. im Keller längere Zeit 
aufbewahrt, und sie erst dann in warme Temperatur 
bringt — Saison - Dimorphismus der Schmetterlinge. 
*C. album. C-Vogel. 

Dieser in Meckl. allenthalben heimische und auch 
sonst weit verbreitete Seh. ist in den letzten Decen- 
nien hier ,bei W. immer ganz selten gewesen, so 



22 



dass ich ihn überhaupt in dieser Zeit nur etwa 
6 — 8 Mal antraf oder zog. 

* Polychloros. Kirschfuchs. Grosser Fuchs. 

Nach der Ueberwinterung sieht man den Seh. im 
ersten Frühlinge allenthalben einzeln, in der zweiten 
Generation im Juli, Aug. ist derselbe dagegen oft 
sehr gemein. R. gesellig auf Kirschbäumen, Weiden, 
Ulmen u. A. Auch die 
V. Testudo JSsp. 

wurde früher bei W. einmal gefangen. 
Xanthomelas. Dotterweidenfalter. 

Nach von Türck ist dieser Seh. früher bei Neu- 
brandenburg zugleich mit Pajj. Irin im Juni gefangen 
worden. Aus seiner Beschreibung dieses Falters und 
aus seinen sonstigen Bemerkungen über denselben 
geht ziemlich sicher hervor, dass er diese Art wirk- 
lich vor sich hatte und namentlich, dass er die Unter- 
scheidungsmerkmale des Xanthomelas vom sehr ähn- 
lichen Polychloros sehr wohl kannte. 

Sonst ist Xanthomelas nur in südlicheren und 
östlicheren Gegenden beobachtet worden und über- 
haupt ziemlich selten Doch aber ist er auch in dem 
„Verzeichniss der Schmetterlinge, welche in Neu- 
Vorpommern und auf Rügen beobachtet wurden", als 
einmal bei Greifs wald gefangen aufgeführt. 

*ürticae. Kleiner Fuchs. 

Allenthalben häufig und einzeln fast den ganzen 
Sommer hindurch. R. auf Nessel. 

* Jo. Tagpfauenauge. 

Wie überhaupt so auch in Meckl. einer der verbrei- 
tetsten und häufigsten Seh., der in den ersten schönen 
Frühlingstagen aus seinem Winterquartiere hervor- 
kommt und im Juli und Aug häufig erscheint. R. 
gesellig auf Nessel. 

^Atalanta. Admiral. 

Sehr verbreitet, doch bei W. nur mitunter an ein- 
zelnen Stellen ziemlich häufig, sonst einzeln. 2 bis 3 
Mal im Sommer. R. auf beiden Nesselarten, einzeln. 



23 



*Antioj)a. Trauermantel. 

Der über die ganze Erde verbreitete und in anderen 
Gegenden Meckl. in Wäldern, die mit Weiden und 
Birken gemischt sind, stellenweise auch ziemlich 
häufige, schöne Falter, ist in der Gegend von W. 
immer nur selten und einzeln von mir angetroffen 
worden. Nur einmal wurde hier auch eine Gesell- 
schaft dieser R. gefunden. 

"^Cardui. Distelfalter. 

Auch dieser allbekannte Seh , der nach einzelnen 
Autoren gleichfalls über die ganze Erde verbreitet 
sein soll, ist in Meckl. allenthalben anzutreffen, bei 
W. jedoch seit langer Zeit niemals eigentlich häufig 
gewesen; in einzelnen Jahren sah ich von ihm kaum 
ein Exemplar. In diesem Jahre aber erschien der 
Falter hier in der zweiten Hälfte des Juni mit einem 
Male in auffallender Menge, üeberall und namentlich 
an Wegen und Ackerrändern begegneten mir einzelne 
Distelfalter. Sie waren meistens nur klein, ihre Far- 
ben waren ganz verblichen und die Flügel meistens 
auch zerfetzt. — Hätten sie hier überwintert, so 
wären sie früher im Jahre erschienen, konnten auch 
nicht schon einer zweiten Generation angehören. Ich 
nehme daher als bestimmt an, dass die Thiere hier 
eingewandert sind, und da ich aus Katter's entomol. 
Nachrichten und Zeitungen ersehen habe, dass gegen 
die Mitte des Juni ein nach Norden gehender unge- 
heurer Zug Distelfalter in der Schweiz, Würtemberg, 
Hessen und vielen anderen Orten beobachtet worden 
ist, dass sie sich allmälig auf der Reise zerstreut, ein 
Theil derselben unsere Gegenden erreicht und erst 
hier die gesuchte Aussicht auf Erhaltung ihrer Nach- 
kommenschaft — das Ziel ihrer Wanderung — ge- 
funden habe. Ende Aug. und Anfangs Septbr. zeigte 
sich der Distelfalter wiederum sehr häufig, aber in 
grossen, schönen und frischen Exemplaren. Ohne 
Zweifel waren dies zumeist Nachkommen jener Ein- 
wanderer. 



24 



Noch sei bemerkt, dass es in diesem Jahre in 
hiesiger Gegend ausserordentlich viele Disteln giebt. 

M e 1 i t a e a. 
Matuma. 

Nach von Türck in Meckl.-Strelitz. — Seine Diag- 
nose lautet ,,P. Matuma al. posticae suhtus fasciis 
flavis, strigis undatis mgris, hast impimctatis^'' dann 
citirt er Fabr., Linn(5 und das Wiener Verz. und 
sagt nur noch: „Dieser Falter erscheint im Julius 
auf sumpfigen Wiesen, seine Flügel sind an der 
Oberseite bald heller bald dunkler. Die Raupe ist 
mir unbekannt/' 

Aus diesen mangelhaften Angaben kann ich nicht 
ersehen, ob er wirklich Matuma vor sich hatte, oder 
etwa eine andere nahe Spezies oder Varietät dafür 
hielt. Seine Citate sind zwar richtig, doch beweisen 
diese eigentlich nichts; denn hatte er einmal den 
Falter als Matuma bestimmt, so entnahm er bei 
seiner Beschreibung der Art auch ohne weiteres die 
zu ihr gehörenden Pagina und Nummern den Autoren. 
Die Angabe der Flugplätze des Seh. stimmt mit 
denen Speyer's nicht überein, wonach derselbe auf 
lichten Waldplätzen und blumigen Abhängen am 
Saume der Gehölze fliegt. Keiner der späteren 
Sammler derselben Gegend hat Matuma dort ge- 
funden; dass dieselbe, wenn noch vorhanden, allen 
entgangen sei, ist bei einem solchen Tagfalter nicht 
anzunehmen. Auch ist die Art in keiner der nächsten 
Nachbarfaunen verzeichnet. Aber von Türck führt 
die nächsten Arten: Cinxia, Artemis, Athalia, Dictynna 
auf und könnte im vollen Rechte sein. Denn öfter 
verschwindet eine Insektenart aus einer Gegend ent- 
weder dadurch, dass alle Individuen derselben durch 
irgend einen Umstand vernichtet wurden, und dann 
gewöhnlich nur auf kürzere oder längere Zeit; oder 
dadurch, dass die Bedingungen ihrer Existenz auf- 
hörten und dann für immer. Ein solcher Fall könnte 
auch hier um so mehr vorliegen, als seit jener Zeit 



25 



wenigstens 80 Jahre vergangen sind. Noch kommt 
in Betracht, dass die Verbreitung der Maturna über- 
haupt etwas absonderh'cher Art ist. Denn nach dem 
Ergebniss der Speyer'schen Forschungen tritt die- 
selbe in ihrem grossen Wohngebiet iuimer nur spo- 
radisch auf, so dass sie oft grosse Landesstrecken, 
selbst ganze Provinzen überspringt. Da nun aber 
dieser Falter doch, wenn auch in einiger Entfernung, 
rund um uns herum vorkommt — Hannover, Braun- 
schweig, Berlin, Preussen, Süd-Schweden — , so ist 
wenigstens kein geographisches Hinderniss vorhan- 
den, dass derselbe nicht auch in Meckl. heimisch 
gewesen sein könne, oder noch irgendwo in dem- 
selben vorhanden sei. Es scheint demnach sein 
Gedeihen an gewisse Lokalitäten gebunden zu sein, 
die sich nicht häufig finden. 

* Aurinia. (Artemis) . Abbissfalter. 

In Meckl. allenthalben beobachtet. Von mir im Mai 
auf moorigen Waldwiesen an mehreren Orten und 
in verschiedenen Varietäten, doch niemals häufig 
angetroffen. 

* Cinxia. Spitzwegerich falter. 

An ähnlichen Orten wie die vorhergehende Art, 
stellen- und zeitweise häufig. In Meckl. und auch 
sonst verbreitet. 
Didyma. Breitwegerichfalter. Rothgelber 
Scheckenfalter. 
Im Meckl. Verzeichniss nur von K. als bei Sülz mit 
? und von M. als bei Neustrelitz aufgeführt. Im 
südlichen und östlichen Deutschlande oft häufig, 
nach Nordwesten zu an Zahl abnehmend und über 
die angegebenen Fundorte hinaus nordwestlich nir- 
gends mehr beobachtet Flugplätze sind lichte Wald- 
stellen mit trockenem Boden. 
^Bictynna. Dunkelbrauner Scheckenfalter. 

Von den meisten Sammlern aufgeführt. Bei W. auf 
feuchten, moorigen Wiesen hier und dort nicht selten, 



26 



in dem Moore bei Tarzow im Juni meistens in 
grosser Menge. 
^Athalta. Mittelwegerichfalter. 

Nach dem B oll' sehen Verz. in MeckL überall häufig. 
Von mir jedoch bei W. nur an einer Stelle am Rande 
des Tarzow'er Holzes und auch hier nur einzeln an- 
getroffen. In den übrigen hiesigen Wäldern ist der 
Boden für die Art wohl zu schwer und zu feucht. 
Zwischen Sternberg und Goldberg in der Mestliner 
Forst dagegen flog der Falter einmal in Menge. 
Parthenie Bhh. 

Nur bei Sülz und in Meckl.-Strelitz (G. Sp.) beobachtet. 
Die Schwierigkeit diese von den anderen sehr 
nahe stehenden Arten sicher zu unterscheiden, die 
Unsicherheit der Autoren über das, was in dieser 
Faltelgruppe Spezies oder Varietät ist, sowie der 
Mangel an sicheren unterscheideuden Merkmalen 
zwischen ihnen, gebieten bei der Bestimmung dieser 
Arten besondere Vorsicht. 

Argyiinis. 

* Selene. 

Eine überhaupt und so auch über ganz Meckl. ver- 
breitete Art, die ich auf manchen Waldwiesen, be- 
sonders moorigen, oft recht häufig, im Tarzow'er 
Moore meistens in grosser Menge antraf. Bei W. 
insbesondere die häufigste Art dieser Gattung und 
zweimal im Jahre — Mai, Juni und Juli, Aug — 
in der Sommergeneration aber in viel geringerer 
Zahl und die Exempl. meistens kleiner. Variirt sehr, 
besonders das 2. Weid in Gad. besass früher eine 
ganze Anzahl verschiedener und interessanter Varie- 
täten von dieser Art. 

'^' Eu^plirosyne. Waldveilchenfalter. Prinz. 

In Meckl. im ganzen wesentlich seltener als die vor- 
hergehende Art und nur bei Neustrelitz, Gad. u. W. 
beobachtet. In dem Rugensee'er Holz traf ich den 
Falter einmal zu Ende iVlai ziemlich häufig, sonst 
nur noch im Schimm- Tarzow'er Walde einzeln an. 



27 



Auf lichten Waldstellen mit mehr trockenem als 
feuchtem Boden und an Waldwegen. Variirt eben- 
falls, doch nicht in dem Grade und der Häufigkeit 
wie Sehne. 

*Fales in der var. Arsilache. 

In der Stammform bewohnt diese Art nur die Alpen 
und den hohen Norden, in der v. Arsilache, die früher 
als gute Spezies galt, unsere Tiefebene, und ist hier 
an gewisse Moore gebunden. Wo sich bei uns diese 
finden, wird auch wohl der Falter nicht fehlen. 
Beobachtet wurde er bei Neustrelitz, Gad. (selten) 
und W. Ich fing denselben im Juni im Moore bei 
Tarzow manchmal ziemlich häufig; nur einmal sonst 
noch in 2 Exempl. in einem kleinen Torfmoore bei 
Gr.-Walmsdorf. An erstem Fundorte fliegt der Falter 
besonders in dem Theile des Moores, der schon 
mehr Wiesengrund hat und besaugt hier gerne die 
Blumen von Comarum palustre und Lychnis flos 
cuculi, auf welchen er auch häufig seine Nachtruhe hält. 
Dia, Hainveilchenfalter. 

Nach von Türck's Angaben von ihm in Meckl.- 
Strelitz gefangen, später aber von keinem Sammler 
dieser am besten lepidopterologisch durchforschten 
Gegend wieder gefunden. Es drängen sich mir bei 
dieser Art fast dieselben Zweifel auf, wie bei Maturna, 
ob nämlich von T. wirklich diese Spezies hatte, oder 
etwa eine andere nahe dafür hielt. Aus dem wenigen, 
was er über den Falter sagt, lässt sich kein sicheres 
Resultat entnehmen. Er führt alle anderen auch 
von seinen Nachfolgern in dortiger Gegend beob- 
achteten Arten dieser Gattung bis auf Arsilache und 
Ino besonders auf, und es wäre daher zunächst nur 
an eine Verwechslung mit einer dieser beiden Arten 
zu denken, wogegen aber seine Bemerkung „im 
Junius auf Sandfeldern und freien sonnigen Plätzen" 
für Dia spricht. Hiernach ist es am wahrschein- 
lichsten, dass Dia damals in Meckl. vorhanden ge- 
wesen, im Laufe der Zeit aber ausgestorben sei. 



* 



28 



Im südlichen und östlichen Deutschlande ist Dia 
an manchen Orten eine häufige Erscheinung. Die 
uns zunächst gelegenen Fundorte derselben sind: 
Stettin, Berlin, Braunschweig, Hamburg. Für letztere 
Fauna ist die Art, nach mir mündlich gemachten 
Mittheilungen dortiger Sammler, höchst zweifelhaft. 
Möglich, dass sie auch dort gewesen und verschwun- 
den ist. 

Ino. Veilrothgefleckter Falter. 

Bei Sülz (einzeln), Neustrelitz (M.), Gad. (ziemlich 
häufig) und W. beobachtet, also wohl überall in 
Meckl., wo sich die für die Art nöthigen Lokalitäten 
finden. Ich fing den Falter nur einzeln am Rande einer 
grossen aber einförmigen Wiese im Schimmer Holze. 

"^Lathonia. Ackerveilchenfalter. Perlmutter vogel. 

Eine überhaupt sehr verbreitete und häufige Art, 
die auch in Meckl allenthalben beobachtet ist. 
Während alle anderen hiesigen Spezies dieses Genus 
mehr oder weniger des Schutzes des Waldes zu be- 
dürfen scheinen, bewohnt dieser allbekannte Falter 
vorzugsweise das freie Feld. In meiner Knabenzeit 
war derselbe bei W. allenthalben an Wiesen- und 
Ackerrändern, an Wegen und auf Stoppelfeldern 
sehr häufig, vor 25 bis 30 Jahren auch noch ziem- 
lich oft zu sehen, allmälig wurde er aber immer 
spärlicher und scheint jetzt in hiesiger Gegend ganz 
selten zu sein, wenigstens sah ich in den letzten 10 
bis 12 Jahren kaum 2 bis 3 Exemplare. Ein Bei- 
spiel wie Seh. sehr selten werden und aus einer 
Gegend gar aussterben können. Freilich können 
sie auch unter günstigen Umständen sich rasch 
wieder vermehren und auch wieder einwandern. 

*Aglaja. Hunds veilchenfalt er. Grosser Perl- 
mutterfalter. 

Von allen Sammlern aufgeführt. Von mir bei W. 
doch nur immer in wenigen Exempl. am südlichen 



29 



Waldrande bei Schimm und etwas häufiger, an der 
Ostseite des Drispether Moors gefangen. 

*Niobe. Freisamkrautfalter. Silberfleck. 

Ueber ganz Meckl. verbreitet. Bei W. mehr auf 
leichterem Boden an freien oder lichten Stellen, 
namentlich der Tannenwälder, und sehr wahrschein- 
lich zweimal im Jahr. In der Frühlingsgeneration 
habe ich diesen Falter immer nur in sehr verein- 
zelten Exempl. und so lebhaft — ohne Zweifel 
Gatten suchend — in den Wäldern fliegen sehen, 
dass es mir niemals gelungen ist, ihn zu fangen, 
glaube aber dennoch sicher in ihm diese Art erkannt 
zu haben. In der Sommergeneration ist dagegen die- 
selbe stellenweise recht häufig, Juli, und in mannig- 
fachen Varietäten, auch in der 

V. Er IS. 

Adippe. Märzveilchenfalter. 

Nur bei Sülz und Neustrelitz gefangen. Anscheinend 
nur Grenzfalter bei uns, dessen südlicher und öst- 
licher gelegenes Wohngebiet nur diesen Theil von 
Meckl. erreicht. 
*Paphm. Silberstrich. Kaiser. 

Der sehr verbreitete, schöne und bei uns grösste 
Falter dieser Gattung fliegt auch in Meckl. an ge- 
eigneten Stellen allenthalben. Bei W. besonders 
auf den Lichtungen und an den Rändern der Laub- 
wälder mit schwerem und schwerstem Boden und 
an den Wegen derselben, stellenweise oft recht 
häufig, Juli, Aug. Die R. fand ich öfter auf Hunds- 
veilchen im Mai und Juni. 

V. Valesina. 

Diese nur in weiblichen Individuen vorkommende, 
dunkle Varietät findet sich wahrscheinlich, wenn 
auch nur einzeln, allenthalben auch bei uns unter 
der Stammform. M. fing sie bei Neustrelitz, ich am 
Walde bei Kleinen, doch in vollständig ausgebil- 
deter Färbung nur einmal. 



30 



§atyridae. 

S a t y r u s. 

"^Alcyone. Honiggrasfalter. 

Dieser den warmen und trockenen Sand- und Heide- 
boden, besonders der lichten Tannenwälder, liebende 
Seh. findet sich in unserem Geestlande nur an solchen 
vereinzelten Orten, dagegen im südlichen und süd- 
östlichen Meckl. an vielen Stellen, oft ganz häufig. 
Ich traf denselben einmal auf einer grösseren Ex- 
kursion zwischen Schwerin und Ludwigslust in der 
Heide einzeln, öfter schon um letztern Ort und bei 
Grabow, häufig aber in der Gegend von Mallis und 
Findenwirunshier, namentlich auf Lichtungen eines 
dortigen grossen Tannenwaldes und in dessen Nähe. 
Bei W. früher in den Tannen bei Krassow und 
Zurow, aber seit langer Zeit schon sah ich den 
Falter dort nicht mehr, wahrscheinlich ist derselbe 
durch die vielen stattgehabten Abräumungen und 
Bodenveränderungen dort ausgestorben. 
Briseis. Die Angabe Gentzen's, dass dieser Falter 
bei Neustrelitz vorkomme, beruht vermuthlich auf 
einem Irrthum, da derselbe sonst nur das kahle, 
dürre Hügel- und Bergland von Mittel- und Süd- 
deutschland und Buropa überhaupt bewohnt und 
sich auch in keiner der Nachbarfaunen findet. 

* Semele. Schmelenf alter. 

Die häufigste und verbreitetste Art dieser Gattung, 
welche gleichfalls nur auf dürrem Sand- und Heide- 
boden gedeiht. Daher besonders auch in Tannen- 
wäldern bei uns überall. 

Statilinus. 

In Meckl.-Strelitz (M.), auch früher schon von von 
Türck daselbst beobachtet. Auch ein Thier, wel- 
ches trocknen, warmen Boden zu seiner Existenz 
bedarf. Ich fing den Falter einmal Anfangs Aug. 
in der Marnitzer Heide, unweit der Ruhner Berge, 
in einigen Exemplaren. 



\ 



31 



Dryas. (Phaedra.) Hafergrasfalter. Glotzer. 
Bei Sülz und in Meckl.-Strelitz von M. und von 
Türck beobachtet. Fliegt im Aug. auf üppig mit 
Gräsern bewachsenen Moorwiesen. Ich fing den 
Falter selbst bei Sülz in dem dortigen Moore. Dryas 
erreicht bei ihrer Verbreitung nach Nordwest nur 
die Meckl. Grenze. 

Pararge. 

Maera. Rispengrasfalter. 

Bei Neustrelitz (M.) und Mirow (Sp.) beobachtet. 
Auch dieser südlichere und östlichere Gegenden 
liebende Falter findet die nordwestliche Begrenzung 
seines Verbreitungsgebiets in Meckl. 

^ Megaera. Schwingelgrasfalter. Mauerfuchs. 

Sehr gemein in ganz Meckl. zwei- und dreimal im Jahre. 
Die sonst nur im südlichsten Europa heimische 
V, Tigelius will M. bei Neustrel. (A. 1850. S. 24.) 
beobachtet haben (??). 

Egeria, Quäkengrasfalter. Waldargns. 

Nicht bei Gad. und W., sonst an mehreren Orten 
des östlichen und südlichen Meckl. beobachtet. Hr. 
Postofficiant Giese fing den Falter bei Kröpelin 
und Doberan ziemlich häufig. Ich fing denselben 
einmal auch bei Ludwigslust im Schlossgarten im 
Juli in einigen Exempl. Auch schon von von Türck 
in Meckl.-Strel. gefangen. Hiernach fehlt die Art 
nur dem westlichen Meckl. 

AcJime. (Dejamra). Taumelgras falter. 

Bei Sülz im J. 1828 sehr häufig (K.), und bei Neu- 
strelitz (G. M. Sp.) Nach von Türck zu seiner 
Zeit bei Neubrandenburg bei der Papiermühle in 
einem Buchwalde zu Anfange des Juli sehr häufig. 

Epinephele. 

Lycaon. (Eudora). 

Bei Neustrelitz (M. G.), Gad. u. W, beobachtet. ' 
Hier in Tannenwäldern an freien trockenen Stellen 



32 



oft häufig. Der Falter sitzt und ruhet fast immer 
auf dem kahlen Erdboden. Nach Speyer geht 
die Verbreitung der Art nordwestlich nicht über 
eine Linie von W. nach Luxemburg hinaus. 

* Janira, Riedgrasfalter. 

Sehr gemein in ganz Meckl. 
TttJionus. Wasengrasfalter. 

Nach vonTürck früher in Meckl.-St., aber selten; 
die späteren Sammler dortiger Gegend führen ihn 
nicht auf, er ist also in dieser Gegend wahrschein- 
lich nicht mehr vorhanden. Dass von T. wirklich 
diesen Falter vor sich hatte, ist nach seinen Worten 
wohl nicht zu bezweifeln. — Knaben brachten von 
einer Ferienreise einmal mehrere Exempl. Tithonus 
mit, die sie theils zwischen Ludwigslust und Dömitz, 
zumeist aber in der Gegend von Boizenburg gefan- 
gen hatten. Es ist ihm also auch für die Jetztzeit 
das Meckl. Bürgerrecht gesichert. Er ist auch einer 
von den wenigen Faltern, die häutiger im westlichen 
Deutschland und hier mehr verbreitet sind, als im 
östlichen, und welcher anscheinend in Meckl. die 
Nordostgrenze seines Wohnbezirks hat. 

* Hyperantkus. H i r s e n g r a s f a 1 1 e r. 

An den Rändern der Gehölze und an lichten gras- 
reichen Stellen derselben fast allenthalben häufig 
und über ganz Meckl. verbreitet. 

Ooenonympha, 

Mit der von Boll (A. 1855. S. 159) als von von 
Türck bei Neustrelitz gefangenen Hero hat letzterer 
nicht Hero L. sondern Hero Fabr., Tipho7i Esjp., unsere 
jetzige Iphis Schiff, gemeint. Es geht dies nicht 
nur aus von Türck's Angaben über diesen Falter 
und daraus, dass er die jetzige IpMs nicht auiführt, 
sondern besonders daraus mit Sicherheit hervor, 
dass vonTürck seine Nomenklatur von Fabricius 
entnommen hat. Es zählt also Hero L. nicht zu 
den Meckl. Lepidopteren. 



33 



*Iph{s. Zittefrgrasfalter. 

lieber einen grossen Theil, namentlich den östlichen 
von Meckl. verbreitet. Bei W. auf trocknen, gras- 
reichen Lichtungen, besonders der Tannenwälder, 
auch auftrocknen Mooren stellenweise häufig. Doch 
findet der Falter nach Speyer bei W. seine Nord- 
westgrenze, da derselbe jenseits einer von W. nach 
Göttingen und von da nach Aachen gezogenen Linie 
nirgends beobachtet wurde. 
Arcania. Perlgras falter. 

Im südöstlichen Meckl. von mehreren, auch schon 
von von Türck beobachtet. Nach positiver Aus- 
sage eines hiesigen Gymnasiasten soll der Falter 
auch in seiner Heimath — zwischen Flau und Röbel 
— in einem Walde häufig vorkommen. An ähnlichen 
Oertlichkeiten, wie die vorhergehende Art, doch an- 
scheinend mehr in Laubwäldern mit leichterem Boden. 

* Famjpliüus. Kleiner Heuvogel. 

Durch ganz Meckl. gemein, zwei- und dreimal im Jahre. 

"^Ti^plion. (Davus). Grosser Heuvogel. 

In Meckl. allenthalben, wo sich passende Lokalitäten 
für den Falter finden. Bei W. auf feuchten Wiesen 
hier und dort nicht selten, im Moore bei Tarzow 
meistens in grosser Zahl. 

Hesperidae. 

Spilothyrus. 
Alceae. (Malvarum). Malvenfalter. 

Von U. bei Friedland (A. 1856. S. 63) gefangen 
und in Mehrzahl gezogen. 

Auch bei Greifswald, Stettin und Hamburg. 

Sy rieht US. 

CartJiami. 

Nur in Meckl.-Strel. von G. und M. gefangen. 

Wie die vorhergehende und andere Arten ist auch 
diese eine von denen, deren südlicheres und öst- 
licheres Wohngebiet nur eben die südöstliche Grenze 
Meckl. zu überschreiten scheint. 
Archiv xxxm. 3 



34 



Alveus. (Fritillum). 

In Meckl.-Strel. (M. Sp.), und bei Gad. beobachtet. 
Knaben brachten auch einmal mehrere Exempl. 
dieser Art, unter anderen Seh. von einer Fusstour 
in die Gegend von Ludwigslust mit. 

* Malvae, (Alveolus). 

lieber ganz Meckl. verbreitet und an manchen lichten 
Waldstellen oft ganz häufig. 

Nisoniades. 
^Tages. Mannestr eufalter. 

Es hat etwas Auffälliges, dass dieser Seh. nur bei 
Gad. und W., sonst nirgends in Meckl. beobachtet 
wurde, da er doch bei W. an mehreren Orten, bei 
Gad. häufig vorkommt und überhaupt über Meckl. 
nach allen Seiten weit hinaus verbreitet ist. Ich 
fing den Falter im Mai, wenn auch nicht eben häufig 
in dem Walde bei Kleinen, Wendisch Rambow und 
dem Rugensee'er Holz an deren Rändern, freien 
Stellen und Wegen, wo derselbe im Sonnenschein 
munter fliegt und häufig auf niederen Pflanzen und 
Gesträuch ruht und sich sonnt. Er kommt vielleicht 
nur in den Wäldern des Geestlandes von Meckl. vor, 
liebt, wie Sylvius, den mehr schweren Boden. 

H e s p e r i a. 
*Thaumas. (Linea). Schmelendickkopf. 

Die häutigste und verbreitetste Art dieser Gattung 
bei uns, welche allenthalben in Wald und Feld, oft 
in Menge, angetroffen wird. 

* Lineola. 

Zwar nicht von allen Sammlern aufgeführt, doch 
sehr wahrscheinlich in Meckl. allenthalben an solchen 
Orten vorhanden, wo sich die zu seinem Fortkommen 
geeigneten Lokalitäten finden. Ich fing ihn jedoch 
nur in den Jesendorfer Tannen an einer mit Gräsern 
und Kräutern bedeckten Lichtung, wo derselbe früher 
wenigstens in den meisten Jahren häufig flog. Durch 
seine grosse Aehnlichkeit mit dem vorhergehenden 



35 



Falter ist derselbe, wahrscheinlich und auch von mir 
schon öfter übersehen worden. 
Actaeon. 

Nach Huth's Angabe bei Ludwigslust. Da diese 
Art aber sonst nirgends so nördlich beobachtet ist, 
keine Nachbarfauna sie aufführt, Huth's kleine 
Sammlung auch andere Irrthümer zu enthalten scheint, 
so bedarf diese Angabe wohl noch der Bestätigung. 

* Sylvanus, 

üeber Meckl. verbreitet und im ganzen ziemlich 
häufig, zweimal im Jahre — im Mai einzeln, im Juli 
häufiger. — Bei W. in den meisten Wäldern auf 
freien oder lichten Plätzen derselben. 
*Comma. Strichfalter, Commafalter. 

Durch ganz Meckl Bei W. an ähnlichen Orten, wo 
die vorhergehende Art, doch im ganzen viel häufiger, 
und mehr auf leichtem Boden. 

Oyclopides. 

Morjpheus. (Aracmthus) . Sterojpes S. F. 

In Meckl.-Strel. von Sp. und ü. beobachtet. Ich 
sah auch ein Exerapl., das ein Knabe bei Jasnitz 
gefangen hatte, auch bei Schwerin ist der Falter 
gefangen und ein Lehrer versicherte mir, dass der- 
selbe auch bei Parchim vorkomme. Demnach also wohl 
im ganzen südlichen und südöstlichen Theile Meckl., 
wenn auch an gewisse ertlichkeiten gebunden. 

Oarterocephalus. 

* Sylavius. 

Nur von mir beobachtet. Fliegt an einer gelichteten, 
gras- und kräuterreichen Stelle der Südseite des 
Waldes bei Kleinen, im Bachenhochwald, nahe der 
Lübecker Eisenbahn und auf mehreren freien Plätzen 
uud am Wege des Rugenseo'er Holzes bei Zickhusen 
Ende Mai und Anfang Juni, gleichzeitig mit Pont, 
Sinaj)is, Arg. Hkiphrosy^iey Nis. Tages, Hesper. Sylvanus 
u. a. und ist in dieser Zeit am Flugplatze gewöhnlich 
der häufigste Falter, wenn auch niemals in grosser 

3* 



36 



Zahl vorhanden. Ich erhielt ihn auch aus Nienhagen 
bei Teterow zugesandt mit der Bemerkung, dass 
diese Art im dortigen Forste gar nicht selten sei. 
Hr. Giese berichtet mir, dass er diesen Seh. bei 
Kröpelin im Stadtholze und Hundehagener Holze 
ziemlich oft, bei Doberan auch einmal im dortigen 
Walde gefangen habe. Ein mir übersandtes Exempl. 
liefert den Beweis, dass keine Verwechslung mit 
einer anderen Art statt hatte. Dass ich auch diese 
Spezies früher bei Sülz gefangen, ist A. 1851, S. 125 
schon bemerkt worden. Der Falter fliegt am Auf- 
enthaltsorte wie andere Hesperien im schnellen und 
ruckweisen Fluge umher und setzt sich öfter auf 
Kräuter und Gebüsch. Das 9 zeigt sich viel seltener 
als das 5. 

Der Falter scheint nur an gewissen Stellen in 
Laubwäldern mit schwerem und schwerstem Boden 
sein Fortkommen zu finden und wird daher im mitt- 
lerem und nördlichem Theile von Meckl. sicher auch 
noch an anderen Orten heimisch sein, schwerlich 
aber in den Sandgegenden des südlichen und süd- 
östlichen Theiles desselben gefunden werden. 

In dem Rugensee'er Holz war mir das Vorhan- 
densein des Sylvius schon früher bekannt, in dem 
Walde bei Kleinen ist derselbe aber erst vor einigen 
Jahren aufgefunden worden und zwar hier an einer 
Stelle, die ich seit längerer Zeit alljährlich mehrere 
Male, auch zur Flugzeit des Falters durchsucht hatte, 
ohne eine Spur von ihm wahrgenommen zu haben. 
Da es mir höchst unwahrscheinlich ist, dass ein 
Tagfalter mir hier so lange entgehen konnte, so 
drängt sich mir die Vermuthung auf, dass er erst 
in neuerer Zeit, vielleicht von dem ca. V2 Meile 
entfernten Rugensee'er Wald, hier eingewandert sein 
dürfte, und dieses um so mehr, als ich noch einen 
ganz ähnlichen Fall mit Ven. Macularia habe, welchen 
Spanner ich nie zuvor bei W. irgendwo gesehen hatte 
und welchen ich, merkwürdiger Weise, an demselben 



37 



Orte, in demselben Jahre und am selben Tage mit 
Sylvius zuerst und zwar beide gleich in Mehrzahl fing 
und auch in den folgenden Jahren hier wieder antraf. 

Diese im östlichen und nördlichen Deutschlande 
besonders heimische Spezies wird durch ihre zer- 
streuten Fundorte, durch die geographische Lage 
ihres Yerbreitungsbezirks überhaupt, für uns aber 
auch noch dadurch besonders interessant, dass sie 
in Meckl. ihre Nordwestgrenze hat, denn nordwestlich 
über W. und südwestlich über Braunschweig hinaus 
ist dieselbe noch nirgends mit Sicherheit beobachtet 
worden. Der Falter gehört im ganzen auch noch 
zu den seitnern. 

Dass der von K. im füheren Verz. aufgeführte 
Palaemon (Pamscus) nur durch einen Irrthum in der 
Diagnose in dasselbe gerathen ist, habe ich bereits 
A. 1851, S. 125 angeführt. 

Heterocera. 

A. Sphinges. L. 

fipliiiigidae. 

Acherontia. 
Atropos. Kartoffelschwärmer. Todtenkopf. 
Dieser grösste, allbekannte, schöne Seh., der durch 
sein Erscheinen, die todtenkopfähnliche Zeichnung 
auf dem Rücken und dadurch, dass er einen zirpen- 
den Ton von sich geben kann, in früherer Zeit bei 
abergläubigen Leuten manchmal Angst und Schrecken 
verbreitet hat, über welchen viel geschrieben ist 
und der gewissermassen eine Geschichte hat, ist 
über ganz Süd- und Mitteleuropa und weiter ver- 
breitet und auch in Meckl. allenthalben mehr oder 
weniger oft beobachtet worden. Bei W. wurde der 
Schwärmer zwar nur einige Male, dagegen aber die 
R. vom Juli bis Sept., und später die P., manchmal 
ganz häufig, gefunden. Einmal brachte ich im Spät- 
sommer über 40 Stück zusammen, die zumeist auf 



38 



der Insel Pol gefunden waren. In einem anderen 
günstigen Jahre besass ich ca. 30 Stück; einzelne 
oder einige erhalte ich fast jährlich. Sie werden 
mir von Leuten gebracht, die sie als R. auf den 
Kartofifeln oder beim Aufnehmen derselben als P. 
finden. Einmal wurde auch eine Anzahl R. auf Ly- 
cium, das eine kleine G-artenlaube umkleidete, ge- 
funden, welche aber alle beträchtlich kleiner blieben, 
als die von dem Kartoffelkraute gewöhnlich sind. 
Es war dies in einem Jahre, als schon sehr früh 
im Sommer alles Kartoffelkraut durch die Kartoffel- 
krankheit abgestorben war. Aus den meisten P. 
entwickeln sich die Seh. noch im Herbste desselben 
Jahres; sie bedürfen aber dann eine möglichst gleich- 
massige Wärme von mindentsens 16 — 18^ R., weil der 
Schwärmer sonst in der Puppenschale stirbt, oder 
doch zu schwach zum Aufkriechen ist und verkrüp- 
pelt. Einzelne P. lieferten den Seh. erst im nächsten 
Juni, ihre üeberwinterung gelang mir am Besten, 
wenn ich sie in einem massig geheizten Zimmer auf- 
bewahrte und ruhig in der selbtgefertigten Erdhöhle 
liess. Diejenigen R., welche sich erst im anderen 
Jahre zum Seh. entwickeln, gehen gewöhnlich zur 
Verwandlung wesentlich tiefer in die Erde als die, 
welche ihn noch im selben Jahre liefern. Der 
Schwärmer ist mir auch mehrere Male von Seeleuten 
gebracht worden, welche denselben in der Ostsee, 
der Nordsee und auch im Mittelländischen Meere 
auf ihrem Schiffe, oft weit vom Lande gefunden 
hatten. Er muss also zu Zeiten weite Reisen, wenn 
auch wohl meistens unfreiwillig, über See machen. 
Der Todtenkopf erscheint dann besonders bei uns 
häufiger, wenn zwei oder drei warme Sommer auf- 
einander folgen. Nach dem Auftreten der Kartoffel- 
krankheit (1845) seit welcher Zeit hier nur noch 
die Frtihkartoffelsorten kultivirt werden, scheint 
auch dieser Schwärmer besonders zu gedeihen, denn 
vorher war derselbe bei W. immer eine Seltenheit. 



39 



Sphinx. 

* Convolvuli. W i n d e n s c h w ä r m e r . 

Ebenfalls allenthalben bei uns und in den verschie- 
denen Jahren mehr oder weniger zahlreich, doch 
bei W. im ganzen nicht so häufig als in manchen 
anderen Gegenden. Als Seh., R. und P. zu erlangen. 
Den Schwärmer erhält man am leichtesten Abends 
durch den Fang an gewissen Blumen, besonders im 
Sept. in einem langen und warmen Sommer, doch 
findet sich derselbe auch am Tage an Baumstämmen 
u. d. gl. Gegenständen. R. auf der Ackerwinde 
zwischen Kartoffeln und Getreide, Juli bis Sept., 
verräth ihre Anwesenheit am ersten durch ihren 
Koth. Die P. wird hier auch nicht selten, doch 
meistens seltener als die des Todtenkopfes, beim 
Aufgraben der Kartoffeln gefunden. Aus den meisten 
P. kommt der Seh. noch im selben Jahre zum Vor- 
schein, aus einzelnen aber auch erst im nächsten 
Frühlinge. Sie müssen ebenfalls viel gleichmässige 
Wärme zum guten Gedeihen haben und sind fast noch 
schwieriger durchzubringen als die des Todtenkopfes. 

*Ligustri. Ligusterschwärmer. 

Sehr verbreitet und häufig, auch bei uns. Die schöne 
R., Juli — Sept. auf Ligustrum, Syringen, Eschen, 
Schneebeere u. a. 

*Fmastri. Föhrenschwärmer. 

In allen unseren Tannenwäldern und in manchen 
Jahren recht häufig. Ich fand den Seh. an den 
Stämmen der Tannen, die P. unter dem Moose am 
Fusse derselben und die R. auf deren Zweigen vom 
Juli bis Sept. 

D e i 1 e p h i 1 a. 

*Galn. Waldstrohschwärmer. Labkraut- 
schwärmer. 
Allenthalben bei uns. R. auf dem hier sehr gemeinen 
Galium Mollugo. Ich fand dieselbe früher manchmal 
ziemlich häufig, seit aber die Drainage der Aecker 



40 



hier allgemein geworden und dadurcli die Gräben, 
an deren Ufern das Galium besonders wucherte, 
zwischen ihnen eingingen, ist die Art viel seltener 
geworden und in den letzten kalten und nassen 
Sommern gar nicht von mir gefunden worden. Sie 
hat wahrscheinlich auch mitunter zwei Generationen 
im Jahre, denn ich fand in warmen Sommern im 
Juli die R. schon erwacüsen, aus welchen die Seh. 
im Aug. erschienen und dann zu Ende Sept. fand 
ich die R. wieder. 

"^ Euphorhiae. Wolfsmilchschwärmer. 

Die Verbreitung und Häufigkeit dieses Seh. wird in 
unseren Gegenden nur von dem Vorhandensein oder 
Fehlen der liebsten Nährpflanzen der R. — der 
cypressenartigen und der Esels - Wolfsmilch — ab- 
hängen, so dass man wohl allenthalben, wo diese 
Pflanzen häufig wachsen, auch diese schöne R. von 
Juli bis Sept. häufig treffen wird. In meinem Sammel- 
bezirk wächst die Euphorbia Cyparissias nur auf 
dem Boiensdorfer Werder in Menge, und hier traf 
ich auch jedesmal, wenn ich rechtzeitig dorthin kam, 
die R. häufig an. Nur einzelne R. fand ich mitunter 
in der Nähe der Stadt auf Euphorbia Peplus. Auch 
diese Art scheint, wie Galii, in günstigen Jahren 
zwei Generationen zu haben 

* Livornica. (Lineata) . Frauenstrohschwärmer. 

Dieser sonst in südlicheren Gegenden heimische 
Schwärmer wurde schon einuial vor ca. 50 Jahren 
in W. gefunden, und im Jahre 1876 am 2. Aug. traf 
ich selbst denselben wiederum hier mitten in der 
Stadt zwischen einem Haufen aufgebrochener Pflaster- 
steine sitzend an, nachdem ich von einem vorüber- 
gehenden Bekannten auf den hübschen Seh. aufmerk, 
sam gemacht worden war. Ich war nicht wenig 
überrascht in ihm diese Art hier zu erblicken. Der 
Fund hat dadurch noch ein besonderes Interesse, 
dass W. wohl der nördlichste Ort ist, wo dieser 
Schwärmer überhaupt beobachtet wurde. Man nimmt 



41 



gewöhnlich an, dass die südländischen Schwärmer- 
arten: Lwornica, Celerio und Nerü, wenn sie sich 
einmal bei uns zeigen, als die gewandtesten Flieger 
überhaupt sich nur vom Süden her zu uns verirrt 
hätten, oder hierher verschlagen wurden. Ich glaube, 
dass auch diese Thiere nicht so selten bei uns sich 
fortpflanzen, wenn auch dieses nur in einzelnen gün- 
stigen Jahren geschehen mag und öfter neue Ein- 
wanderungen der Schwärmer nöthig werden mögen. 
Von Nern ist die R. an verschiedenen Orten Nord- 
deutschlands ja öfter und in grösserer Anzahl, auch 
mehrfach schon in Meckl. gefunden worden. Mein 
hier gefundenes Exempl. der Deü. Lwormca ist ein 
ganz frisches und schönes $, kann nicht schon sehr 
weit und lange geflogen sein, sondern ist viel wahr- 
scheinlicher hier in der Nähe irgendwo der Puppe 
entschlüpft. Die Nährpflanzen der R. aller 3 Arten 
sind bei uns überall und reichlich vorhanden. Nur 
das nördliche Clima wird ihrem guten und alljähr- 
lichen Gedeihen in unseren Gegenden hinderlich sein. 

^Celerio. Grösster Weinschwärmer. Phönix. 

Auch dieser schöne Schwärmer ist vor vielen Jahren 
hier einmal in der Stadt und zwar von dem Sohne 
des damaligen Portraitmalers Yogt an einer Fenster- 
lade sitzend gefunden worden. Dieser Fund machte 
schon damals unter uns Knaben Aufsehen, da er 
von Vogt, dem Vater, uns als die grösste Selten- 
heit geschildert und hoch gehalten wurde. Später 
habe ich das zwar ganz verblichene und werthlose 
Exempl. des Fundortes wegen an mich gebracht und 
besitze es auch noch. 

Wurde übrigens auch schon bei Lübeck, Lüne- 
burg, Stralsund und Greifswald beobachtet. 

^Elpenor. Grosser Weinschwärmer. Weiderich- 
schwärmer. 
Allenthalben bei uns und in manchen Jahren ziemlich 
häufig vorhanden. R. an Galium, Epilobium, Fuchsien 
u. a. Pflanzen gefunden. 



42 



'^Porcellus. Kleiner Wein Schwärmer. 

Ebenfalls sehr verbreitet bei uns, doch im ganzen 
seltener als die vorhergehende Art. R. nur auf der 
hier fast allein vorkommenden Galium-Art — Gal. 
Mollugo. — Doch wohl zumeist aus derselben Ur- 
sache, aus welcher Galii, in den letzten Jahren 
recht selten. 
Nerü. Oleanderschwärmer. 

Dieser früher in Deutschland als grosse Seltenheit 
geltende prächtige und geschätzte Schwärmer ist in 
den letzten Decennien überhaupt viel häufiger und 
auch in Meckl. beobachtet worden. Derselbe scheint 
in neuerer Zeit nach Norden vorgerückt zu sein 
und durch die jetzt in unseren Gegenden häufig und 
im Sommer im Freien gehaltenen Oleander hier auch 
seine Existenz gefunden und sich bereits bei uns 
acclimatisirt zu haben. In Meckl. erhielten K. in 
Sülz einmal den dort gefundenen Schwärmer lebend, 
bei Schwerin wurde ein solcher einmal Abends an 
Petunien gefangen (A. 1860. S. 459). Die R. ist 
mehrfach bei Ludwigslust, Schwerin und Bützow, ein- 
mal auch bei Hagenow gefunden worden und kann 
bei uns überall vorkommen, wo Oleander im Freien 
stehen. Warme Sommer werden dem Gedeihen dieses 
Südländers bei uns besonders günstig sein. 
Smerinthus. 

"^Tiliae. Lindenschwärmer. 

üeber Mittel- und Südeuropa verbreitet und an den 
meisten Orten häufig, so auch in Meckl. jetzt wohl 
allenthalben; früher aber war der Schwärmer weder 
bei W. noch bei Gad. vorhanden, wenigstens hatten 
Jahre lange Forschung nach der Art keine Spur 
derselben ergeben. Seit ich aber die meisten der 
aus einer Anzahl von auswärts bezogener Puppen 
entwickelten Seh. hier aussetzte, nachdem sie sich 
in der Gefangenschaft schon begattet hatten, ist 
auch die Art hier allenthalben, wo die Linde, nicht 
selten anzutreffen. Auch bei Gad. hat sich der Seh. 



43 



in neuerer Zeit eingefunden und wie Weid meint, 
ist derselbe bald nach der Herstellung der Schwerin- 
Gadebuscher Chaussee und der Bepflanzung der- 
selben zumeist mit Lindenbäumen von Schwerin aus 
dort eingewandert. Früher hat es auch bei Gad. kaum 
Linden und Rüstern, die Hauptnährbäume der R. — 
gegeben, die dort jetzt hinreichend vorhanden sind. 
Das Fehlen dieses Schwärmers bei W. bis dahin 
erklärt sich dadurch, dass zur früheren Festungszeit 
um die Stadt keine Bäume geduldet wurden, die 
Nährbäume der R. auch kaum in den entfernteren 
Wäldern, an Wegen oder sonst wo vorhanden, inner- 
halb der Stadt Linden gewiss auch selten waren, 
die Art also ihre Existenz hier nicht fand und als 
nach Schleifung der Festung, später nach dem Frei- 
heitskriege und in neuerer Zeit durch Lustanlagen, 
Bepflanzung dieser, der Promenaden, Wege und 
Chausseen mit Bäumen und besonders Linden die 
Bedingungen zum Fortkommen der Art in hiesiger 
Gegend geschaffen waren, wanderte diese auch noch 
nicht sobald hier ein, da der Lindenschwärmer im 
Vergleich zu Acher ontia, den Sphinx- und DeüepMla- 
Arten ein schlechter Flieger ist. 

"^'Ocellata. Weidenschwärmer. Abendpfauenauge. 
Durch ganz Meckl. häufig. R. auf Weiden, Pappeln 
und Apfelbäumen gefunden. 

^Populi. Pappel schwärm er. 

Wie die vorhergehende Art. R. auf den verschie- 
denen Pappelarten, seltner auf Weiden. Seh. in 
gar manchen Varietäten. 

Macroglossa, 
"^ Stellatarum. Sternkrautschwärmer, Tauben- 
schwanz. 
Allenthalben bei uns. Bei W. in einzelnen Jahren 
sehr häufig, in anderen selten. Zweimal, vielleicht, 
wenn auch nur in günstigen Sommern dreimal im 
Jahre. Denn ich fand den Seh. im Mai und sah ihn 



44 



auch einmal in dieser Zeit am Tage von einer Stelle 
zur anderen auf Galium Mollugo fliegen, ohne Zweifel 
Eier absetzend. Die R. finde ich im Juli auf dem 
Labkraute, aus ihnen kommen die Seh. im Aug. und 
Sept. zur Entwicklung. Im Sept. aber finde ich 
nun fast eben so oft die R., die mir stets den 
Schwärmer noch im selben Jahre, wenn auch meistens 
sehr spät im Herbste, lieferten, fand auch um diese 
Zeit den Seh. noch im Freien. Es müssen aber doch 
in der freien Natur einzelne Puppen überwintern, 
da der Schwärmer sich schon im Frühlinge zeigt. 
Auch ist bei uns eine üeberwinterung als Imago 
nicht unwahrscheinlich, wie dies in südlicheren Ge- 
genden beobachtet ist. 

' Bombyliformis. Geisblatt- Hummelschwärmer. 

In allen unseren Lokalfaunen aufgeführt. Von mir 
nur als R. und im ganzen nicht häufig auf Lonicera- 
Arten und dem Schneebeerstrauch auch innerhalb 
der Stadt gefunden. 

'' Fuciformis. Sc ablösen -Hummelschwärm er. 

üeber Meckl. verbreitet. Von mir überhaupt nicht 
oft und nur an einigen Waldrändern als Seh. ge- 
fangen, doch wahrscheinlich auch bei W. zu Zeiten, 
wie in anderen Gegenden, häufiger. Die R. im Juli 
an der Ackerscabiose. 

Trochilium. 
Ainformis. Grosser Pappelglasflügler. Bienen- 
schwärmer. 
Diese fast über ganz Europa verbreite Sesie ist auch 
in Meckl. allenthalben beobachtet und, wo Pappeln, 
auch wohl nirgends selten. Ich fand sie am häufig- 
sten im Juni und Juli an den Stämmen der Cana- 
dischen Pappeln sitzend, besonders an solchen, die 
gekröpft werden und deren Stämme durch Stockung 
der Säfte kränkeln. Die R. und P. ist im Apr. und 
Mai am Fusse der Stämme auf oder in der Erde 
auch nicht schwer zu finden. 



45 



Sciapteron. 

"^'Tahaniformis. (Asiliformis). Kleiner Pappelglas- 
flügler. Raubfliegenähnliche Sesie. 
In Meckl.-Strel. (Sp.) selten. Ich traf die Art hier 
in und an jungen Pappeln als R. und Seh., viel 
häufiger aber die leeren Puppenhüllen aus den Plug- 
löchern an ihnen hervorsteckend an mehreren Stelleo, 
fand den Seh. auch einmal zwischen dem Pappel- 
gesträuch bei Boltenhagen und habe Nachricht, dass 
die R. bei Rostock junge Pappelanpflanzungen zer- 
stört habe. Sie wird also auch in Meckl., wie in 
anderen Gegenden, so ziemlich allenthalben dort 
vorkommen, wo junge Pappeln ihr die Existenz er- 
möglichen, wenn sie auch erst an wenigen Orten 
beobachtet ist. 

S e s i a, 

"^Spheciformis. Erlenglasflügler. Wespenähnliche 
Sesie. 
Nur bei Gad. und W. beobachtet. Weid fand den 
Seh. in einem dortigen Erlenbruch ziemlich oft. 
Von mir wurde die Art in einigen Erlenbrüchen, 
namentlich in dem der Rohlsdorfer Tannen als R. 
und P., doch auch als Seh. gefunden. Recht häufig 
aber sah ich die Bohrlöcher der R. in den abge- 
hauenen Stumpfen der Erlen daselbst. Dieselbe 
scheint nur in der gemeinen Erle (Alnus glutinosa) 
zu leben und ist im ganzen nicht häufig. Die Sesie 
ist sicher auch noch an manchen anderen Orten 
Meckl. vorhanden und wohl nur an so wenigen ge- 
funden, weil Sesien als Seh. leichter als die aus 
anderen Gattungen übersehen werden, und das 
Auffinden ihrer R. und P. bei den meisten Arten 
viel Zeit, Mühe und specielle Erfahrung erfordert. 

^Tipuliformis. Johannisbeerglasflügler. Erd- 

schnakenähnliche Sesie. 

An mehreren Orten beider Meckl. gefunden. Ich 

fing die Sesie früher nur einzelne Male in der Nähe 

der Stadt in Gärten, wo damals noch alte Johannis- 



46 



beerbüsche, in deren Zweigen die R. leben soll, 
standen. Weid fing sie bei Gad. öfter. 

*■ Asiliformis, (Cynipiformis) . Roth fleckiger Eichen- 
glasflügler. Gallenwespenähnliche Sesie. 
Wie A. 1859, S. 153 angeführt, vom Hrn. Direktor 
Raddatz in der Rostocker Heide gefunden. Ein 
Knabe brachte einmal ein Exempl. aus der Gegend 
von Schwerin mit. Ich selbst fand einmal ein solches 
im Walde bei Zickhusen am Stamme einer Eiche 
sitzend. Weitere Nachrichten liegen mir über die 
Art, deren R. in den Stumpfen abgehauener Eichen 
oder in kranken Stellen derselben leben soll, nicht vor. 

* Myo^iformis. (Mutillaeformis) . Apfelbaum gl asflügler. 
Rossfliegenähnliche Sesie. 
Von Sp. in Meckl.-Strel. und von mir bei W. beob- 
achtet. Ich traf die Art früher hier in einem Garten 
der Stadt mehrere Jahre hintereinander am Stamme 
eines alten Birnbaumes, morgens zwischen 9 und 
10 Uhr, wenn die Sonne auf eine grosse kranke 
Stelle desselben zu scheinen begann, so eben aus- 
gekrochen an, erbeutete aber doch nicht viele Exempl. 
von ihnen, da sie alsbald nach dem Hervorkriechen 
aus der Puppe davon fliegen, und ich nicht lange 
dort stehen und auf ihr Erscheinen warten konnte. 
Aus den vielen dort hervorsteckenden leeren Puppen- 
schalen ersah ich aber später, dass eine ganze An- 
zahl R., namentlich in den ersten Jahren, hier ge- 
lebt hatte. 

^ CuUciformis. Kleiner Birkenglasflügler. Stech- 
mückenähnliche Sesie. 
Bei Gad. ziemlich häufig, und bei W. Ich fing die- 
selbe in einzelnen Exemplaren und verschiedenen 
Jahren in dem zum Theil mit Birken bestandenen 
* Moore bei Tarzow. Hier traf ich einmal auf einer 
grossen Fläche, wo im vorletzten Winter die Birken 
abgehauen waren, um fast jeden Stumpf derselben 
einen dichten Kranz von Puppenhüllen dieser Sesie 
zwischen Holz und Rinde hervorsteckend an, so dass 



47 



hier vorher eine Unzahl derselben ausgekrochen 
waren, — ein Beweis, dass diese Sesie in unseren 
Gegenden vorzüglich gedeiht, wenn nur die sonstigen 
Bedingungen zu ihrem Portkommen vorhanden sind. 
Es ist daher befremdend, dass dieselbe von keinem 
der übrigen Sammler in Meckl. beobachtet ist, da 
doch die meisten von ihnen in einer birkenreicheren 
Gegend, als die hiesige ist, sammelten. 

Stomoxiformis. Stechfliegenähnliche Sesie. 

Nur von M. bei Neustrelitz beobachtet. Eine noch an 
wenigen Orten gefundene und überhaupt seltene Art. 

^ Formiciformis. Weidenglasflügler. Ameisenähn- 
liche Sesie. 
Auch diese Art erhielt ich einmal in einem Exempl. 
von Raddatz zugesandt, der sie bei Rostock fing. 
Kommt auch bei Gad. vor. Ich fand die R. einzeln 
in den Stumpfen abgeschnittener Korbweiden an 
der Eisenbahn; ein Knabe fing dort einmal die Sesie. 
Eine, wahrscheinlich wo Weidengesträuch, überall 
bei uns vorhandene Art, die aber auffallender Weise 
doch von so wenigen gefunden ist. 

Ichneumoniformis. Buchenglasflügler. Raupen- 
tödterähnliche Sesie. 
Von Huth im früheren Verzeichnisse als bei Krakow 
aufgeführt. Ob wirklich diese Art? 

Doch wurde sie auch bei Eutin, Braunschweig 
und Berlin beobachtet. 

Emjjiformis. (Tenthredmiformis) . Gelbgezeichneter 
Wolfsmilchglasflügler. Blattwespen ähn- 
liche Sesie. 
Eine Tenthredmiformis wird von M. allein im früheren 
Verzeichnisse aufgeführt. Die Nomenklatur der 
Sesien besonders ist aber öfter recht verwickelt. 
So führen den Namen Tentlvrediniformis nach ver- 
schiedenen Autoren drei verschiedene Arten: Ten- 
thrediniformis Lasp. und Ochs, ist identisch mit Em- 
piformis Esp. — Tenthredinif, Esp. und Bork, mit 
Formiciformis Lasp.^ Borhh. und Ochs. — und Braconi- 



48 



formis H. S. (Triannuliformis Frr.^ Philanthiformis 
Led.) wird zum Theil auch von Ochs, zu Tenthre- 
diniformis gezogen. Es ist daher zweifelhaft, welche 
dieser Spezies Messing bei Neustrelitz fand. Ich 
vermuthe aber, dass derselbe nach Ochs. = Tr. 
bestimmte und dass er die erste in den Wurzeln 
der Eupliorhia cyparissias lebende Art (Empiformis 
Esp.) meint; da für diese der Name Tenthrediniformis 
früher am gebräuchlichsten war, und dieselbe auch 
bei Berlin und in Pommern vorkommt. Wäre Ten- 
thrediniformis Esp. und Borckli. gemeint, so würde 
sie unter den Meckl. Lepidopteren wegfallen, da 
die Art schon unter dem synonymen Namen Formici- 
formis aufgeführt ist. Die dritte Art Braconiformis 
H. S., Philanthiformis Led. — welche Ochs, zum 
Theil auch zu seiner Tenthrediniformis zieht, kommt 
hier weniger in Betracht, da sie eine mehr im Süden 
lebende Art und nördlich nur bis Schlesien und 
Sachsen beobachtet ist. 
Muscaeformis. (Philanthiformis) . Grasnelkenglas- 
flügler. Ranbwespenähnliche Sesie. 
M. fand die Art bei Neustrelitz. Weid fing sie 
öfter bei Gad. R. in den Wurzeln von Armeria 
vulgaris. 

Auch bei Lüneburg, Berlin und in Pommern. 

B e m b e c i a. 

■ Hylaei formis. Himbeerglasflügler. Gürtelbienen- 
ähnliche Sesie. 
Bei Gad., Ludwigslust (A. 1851. S. 126) und W. 
beobachtet. 

Ich fand sie als R. und P. im Juni und Juli in 
den vorigjährigen Stumpfen der abgeschnittenen 
Gartenhimbeersträucher in der nächsten Umgebung 
der Stadt fast allenthalben, wo solche Gelegenheit 
vorhanden, meistens nicht selten und nach einiger 
Uebung ohne besondere Mühe. Sicher in Meckl. 
überall, wo sich die erwähnten Pflanzen häufig finden. 



49 



Zygaenidae. 

I n 0. 

*Prun{. Schlehenzygäne. 

Bei Sülz, Gad. und W. beobachtet. Ich fing sie nur 
in dem Tarzow'er Moore und stets nur einzeln. Die 
R. lebt hier auch sehr wahrscheinlich auf der Heide; 
ich fand die Puppen zwischen dieser, jedenfalls nicht 
auf Prunus oder Quercus, die Wilde als Nährpflanzen 
derselben angiebt, da diese am Fundorte des Seh. 
gar nicht vorkommen. 

"^Statices. Seenelkenzygäne. Grüner Schwärmer. 
Durch ganz Meckl. An lichten Stellen und dem 
Saume der Wälder, besonders solchen mit leichterem 
Boden, fast allenthalben, früher stellenweise recht 
häufig. Erscheint zweimal im Jahre — Mai und 
Juli, Aug. — Die Art variirt beträchtlich in Grösse 
— kommt auch sehr klein vor — in der Farbe von 
blaugrüner bis hellgrasgrüner mit ebenso gefärbtem 
oder goldigem Hinterleib. Auch in der Flügelform 
und den Fühlern finden erhebliche Abweichungen 
statt, so dass ich sie von anderen Ino-Arten, die 
als besondere Spezies gelten, oft nicht zu unter- 
scheiden vermag. 

Z y g a e n a. 
Pihsellae. (Minos) . Quendelzygäne. 

In Meckl.-Strel. von mehreren beobachtet, auch bei 
Ludwigslust gefangen. Wahrscheinlich im südlichen 
Meckl. auch noch an manchen anderen Orten. 

Die von G. als bei Neustrel. mit ? aufgeführte 
Ächilleae — Maasliebzygäne — ist nach Speyer 
nur südlich und östlich einer von Danzig über Dessau 
nach Giessen gezogenen Linie beobachtet worden 
und daher schwerlich in Meckl. 
Meliloti. Kleezygäne. 

Bisher in Meckl. nur von Weid bei Gad. gefangen, 
wo sich dieselbe nach seiner Angabe nur an einem 
Orte und ziemlich selten findet. 

Auch bei Hamburg, Lüneburg und in Pommern. 

Archiv XXXUI. 4 



50 



^Trifolii. Wiesenkleezygäne. 

Bei W. die häufigste und in der nächsten Umgebung 
gegenwärtig fast die einzige Zygäne. Ich finde sie 
auf den meisten moorigen Wiesen im Juli oft häufig 
und in verschiedenen Varietäten auch als R. und P. 
Es ist mir daher aufgefallen, dass sie in den Meckl. 
Lokalfaunen sonst nur noch in der von Neustrelitz 
aufgeführt wird, obwohl sie überhaupt sehr verbreitet 
ist. Weid in Gad. giebt Lonicerae als dort geraein 
an und erwähnt der Trifolü gar nicht. Nun erinnere 
ich mich aber, früher in seiner Sammlung schöne 
und verschiedene Varietäten der Trifolii gesehen 
und auch eine solche von ihm erhalten zu haben. 
Dazu kommt, dass Trifolü sehr häufig und beträcht- 
lich variirt, Lonicerae nur sehr wenig Neigung zu 
Abänderungen hat. Daher nehme ich mit Bestimmt- 
heit an, dass Weid Trifolü für Lonicerae oder beide 
für eine Art, und zwar für letztere angesehen hat, 
was bei der grossen Aehnlichkeit und den 5 rothen 
Flecken beider leicht möglich ist. Sehr wahrschein- 
lich kommen auch noch bei den anderen Sammlern 
Verwechslungen unter diesen beiden nahen Arten vor. 

*v. Gonfluens. (Glycirrliizae). 

Diese Varietät besitze ich mehrfach vollständig aus- 
gebildet und auch in verschiedenen Uebergängen dazu. 
Auch habe ich ein recht grosses Exempl. von 
Trifolü^ bei dem alles Rothe schön goldgelb ist. Die 
beiden mittleren und die Basalflecke der Vorderflügel 
sind zusammen geflossen und grösser als gewöhnlich. 

'^'^ Lonicerae. Schotenkleezygäne. 

In allen Faunen von Meckl. aufgeführt. Dass das 
Vorkommen dieser Art bei Gad. zweifelhaft sei, habe 
ich bei der vorhergehenden Trifolü erwähnt. Ob 
Lonicerae bei W. vorhanden sei, darüber bin ich 
nicht ganz sicher. Ich habe zwar vor vielen Jahren 
einmal einige Exempl. einer Zygäne, die ich für 
diese Art hielt, im Tarzow'er Walde gefangen, diese 
aber verworfen, als ich später bessere Stücke aus 



51 



der Mestliner Forst mitbrachte, und kann jene jetzt, 
da ich mehr Kenntnisse darüber und bessere Eülfs- 
mittel habe, nicht mehr einer Kritik unterziehen. 
Der Fundort spricht allerdings auch für Lonicerae, 
nicht für Trifoln. Später bin ich wohl kaum wieder 
rechtzeitig an diesem Ort gewesen. Dagegen traf 
ich die sichere Lonicerae einmal an einer lichten 
Stelle im Laubwalde bei Mestlin in Menge an. Sie 
ist mehr eine südliche Spezies, deren Verbreitungs- 
bezirk anscheinend in unserer Gegend seine Nord- 
westgrenze hat, denn sie fehlt bei Hamburg, in 
Holstein, bei Lüneburg, ist dagegen in Pommern 
und bei Berlin. 

"^ Filijpendulae. Lö wenzahnzygäne. Blutstropfen. 
Auch diese überhaupt verbreitetste und häufigste 
Zygäne ist in allen Meckl. Faunen als häufig auf- 
geführt und fand sich auch früher an mehreren Orten 
bei W., namentlich in den Rohlsdorfer Tannen in 
grosser Zahl, ist aber hier immer seltener geworden 
und schon seit vielen Jahren ganz verschwunden. 
Im vorigen Jahre fand ich einmal wieder 2 Exempl. 
in dem Thale bei Wisch, sonst sah ich überhaupt 
in hiesiger Gegend in sehr langer Zeit kein Exempl. 
dieser Art. 

Ephialtes. (v. Peucedani). Haarstrangzygäne. 
Von Esper, Hübner, Ochsenheimer u. a. ist 
Peucedani als gute Spezies aufgeführt, von Speyer 
und Staudinger aber in neuerer Zeit als Varietät 
zu EpMaltes gezogen. Von den verschiedenen Varie- 
täten der EjpMaltes geht die v. Peucedani am 
weitesten nach Norden und Westen, und findet sich 
auch in Meckl, G. fand sie bei Neustrelitz, ich sah 
eine solche aus der Gegend von Ludwigslust. 

Carniolica. (OnohrycMs) . Süsskleezygäne. 

Wie schon A. 1859. S. 154 von mir bemerkt, findet 
sich diese Zygäne auch bei Ludwigslust, wo sie nach 
Angabe desüeberbringers, eines jungen Seminaristen, 

4* 



52 



nebst V, Peucedani und Pilosellae (Minos) nicht 
selten sein soll. Eine leichten Boden liebende Art. 
Auch bei Stettin und Berlin. 

Syntomidae. 

Syntomis. 
Fhegea. Löwenzahnschwärmer. Ringelzygäne. 
Nach Boll (A. 1856, S. 64) bei Probstwoos von 
Brückner nicht selten gefunden. Wahrscheinlich 
auch noch an anderen Orten Meckl. Der Seh. hat 
gewöhnlich sehr beschränkte Flugplätze, ist aber 
an diesen meist häufig. 

Auch bei Hamburg, Stettin, Berlin. 

B. B o m b y c e s. 

I¥ycteolidae« 

Sarrothripa. 
Die Arten dieses Geschlechts und der 3 zunächst 
folgenden Genera wurden früher zu den Mikrolepi- 
dopteren gerechnet, zählen aber jetzt zu den Spinnern. 

* Undulana. (Revayana). 

In Meckl.-Strel. (M. und Sp.) und bei W. beobachtet. 
Ich traf sie hier einmal an einem Aecker begren- 
zenden Abhänge, der mit einigen Sträuchern und 
verschiedenen hohen Kräutern bedeckt war, ziemlich 
häufig an, fing mir nur die für die Sammlung nöthigen 
Exempl. und sah sie später nicht wieder. 

£ a r i a s. 

* Chlorana. Weiden wickler. 

Allenthalben bei uns. Bei W. überall wo die Weide 
vorkommt im Mai und Juni als Seh. nicht selten. Die 
R. im Juli zwischen zusammengesponnenen Blättern. 
H y 1 p h i 1 a. 
*Prasmana. Schäferhütchen. 

Eine sehr verbreitete und bei uns überall, als R. bis 
Ende Sept. meistens sehr häufige Art, die besonders 
auf Buchen lebt. 



53 



* Bicolorana. (Querca7ia). Grüne Eicheneule. 

Auch dies schöne Thier ist bei uns wohl allenthalben 
vorhanden, wo sich die Nährpflanze der R. — die 
Eiche — findet und auch von den meisten Autoren 
beobachtet worden. Ich klopfte die R. an recht ver- 
schiedenen Orten im Mai von Eichen, aber nirgends 
eigentlich häufig. 

liitliosidae. 

N 1 a. 

* Cucullatella. (Palliolalis) . 

* Gicatricalis. 
*Strigula. (Strigulalis). 

Centonalis. 

Diese 4 Arten der Gattung Nola sind bisher in 
Meckl. beobachtet worden und zwar in Meckl.-Strel. 
alle, bei W. die 3 ersteren. Ich fand sie hier und 
dort meistens nicht selten. 

Sicher sind die meisten von ihnen auch noch an 
vielen anderen Orten bei uns vorhanden, von den 
anderen Sammlern nur wegen ihrer Kleinheit nicht 
gefunden, oder weil sie Mikrolepidopteren nicht sam- 
melten, unberücksichtigt gelassen. 

N u d a r i a. 

*Senex. Sumpfseggenspinner. 

Nur bei W. beobachtet. Das Thierchen ist von mir 
an Sümpfen und auf moorigen, üppigen Wiesen an 
mehreren Orten im Juli stellenweise nicht eben selten 
gefangen worden. Es erscheint hier Abends im lang- 
samen, schwebenden Fluge und ist schon daran von 
anderen ähnlichen Arten zu unterscheiden. Das Q 
verhält sich mehr passiv und wurde daher viel 
weniger von mir erbeutet, als das 5. 

*Mundana. Staubmoosspinner. 

Allenthalben bei uns häufig. Ich fand ihn nur in 
der Stadt und deren nächster Umgebung, oft aber 
recht zahlreich, ja einmal in einem alten zerfallenen 



54 



Stallgebäude in der Stadt den Seh., die R. und P. 
in Unzahl. 

a 11 i g 6 n i a. 
*Mimafa. (Rosea.) Blassrother Spinner. 

In dem B oll' sehen Verzeichnisse als „überall häufig" 
bezeichnet. Für hiesige Gegend aber trifft diese 
Angabe nicht zu, denn ich fand ihn ausschliesslich 
im Tarzow'er Moore und ziemlich selten. Auch bei 
Gad. und Hamburg ist das Thier nicht häufig. Wahr- 
scheinlich mehr in unseren Sand- und Heidegegenden. 

S e t i n a, 

^Irrorella. (Irrorea). Baumflechtenspinner. 

Allenthalben beobachtet. Auch diese Art ist bei W. 
nicht so häufig, wie sie es in anderen Gegenden zu 
sein scheint. Ich traf sie früher hier nur in einem 
Walde und immer in wenigen Exemplaren an. In 
diesem Jahre aber fing ich den Spinner auch neben 
der Eisenbahn an einem Abhänge in Mehrzahl und 
fand daselbst auch mehrere R. auf den Flechten 
dort stehender Pappeln. In der Mestliner Forst an 
einer lichten Hochwaldstelle fing ich denselben früher 
auch einmal sehr häufig. 

'^Mesomella. (Ehorina). Beinweisser Spinner. 

Eine bei uns allenthalben beobachtete, sehr verbreitete 
und in allen Wäldern ziemlich häufige Art. 

Lithosia. 
* Muscerda. 

Von mehreren beobachtet. Ich fing die Art früher 
in dem kleinen sumpfigen Erlenbruche auf der Feld- 
mark Greese, in welchem auch Rohr und andere 
Sumpfpflanzen stehen, welches mir überhaupt einzelne 
Arten allein und mehrere andere gute lieferte, Abends 
im Juli meistens sehr häufig, immer aber nur die 6. 
Seit aber die Erlen hier zumeist ausgerodet, alles 
geebnet und zur Wiese gemacht, ist die Art von mir 
dort nur noch in wenigen Stücken angetroffen worden. 
Die R. derselben ist noch gar nicht bekannt, auch 



55 



ich habe vergeblich darnach gesucht, doch einmal 
zufällig in der Höhlung einer oben zugesponnenen 
Rohrstoppel eine kleine Puppe gefunden, aus welcher 
bald nachher ein in Farbe und Form beträchtlich 
abweichendes $ der Muscerda sich entwickelte. 

* Griseola. 

Gleichfalls in mehreren Gegenden beobachtet. Bei 
W. verbreitet, doch nur in dem Bruchwalde bei 
Zierow häufig. Juli, Aug. 
*Deplana. (Helveola = Depressa). 

Zunächst ist zu bemerken, dass in neuerer Zeit sich 
die frühere Helveola als das Männchen, und Depressa 
als das Weibchen einer und derselben Art ausge- 
wiesen haben, die gegenwärtig den Namen Bej^lana 
führt. 

Die Art ist bei uns allenthalben heimisch, von mir 
besonders in gemischten Wäldern, doch eben nicht 
häufig, gefunden worden. R. im Mai, Seh. im Juli. 

* Lurideola. 

Auffallender Weise nur von M. und mir im früheren 
Verzeichnisse aufgeführt, da sie doch sonst verbreitet 
und bei W. eine der häufigeren Lithosien ist. Ich 
fand sie im Juli nicht nur in Wäldern, sondern auch 
an Hecken, Wegen und anderen Orten nicht selten. 
Wahrscheinlich ist sie von manchen mit der sehr 
ähnlichen nachfolgenden Üomplana für eine und die- 
selbe Art gehalten und als diese aufgeführt worden. 

Complana. Pappelflechten Spinner. 

Von allen ausser von mir vertreten. Bei W. fand 
ich diese sonst verbreitete Art noch nicht, so sehr 
ich auf sie auch achtete, dagegen traf ich dieselbe 
einmal zwischen Schwerin und Ludwigslust auf den 
Waldlichtungen des dortigen Heidebodens ziemlich 
häufig an. Sie scheint leichten, Lurideola schweren 
Boden zu lieben. 

Unita. Tannenflechtenspinner. 

Nach H. bei Ludwigslust und nach U. bei Friedland. 
Wenn hier nicht etwa ein L-rthum in der Deter- 



56 



mination überhaupt vorliegt, so haben wir es wahr- 
scheinlich mit der v. Arideola dieser Art zu thun, 
da Unita als solche auch bei Stettin und Berlin vor- 
kommt, in der Stammform aber nur in südlichen 
Gegenden beobachtet ist. 

^Lutarella. (Luteola). Steinflechtenspinner. 

Allenthalben beobachtet. Bei W. in den meisten 
Wäldern im Juli, stellenweise oft ziemlich häufig. 

*Sororcula. (Aureola). Föhrenflechten Spinner. 

In Meckl.-Strel., bei Gad. und W. beobachtet. Ich 
fand sie hier und dort in Wäldern im Mai oft recht 
häufig. 

"^Quadra. Pflaumenflechtenspinner. Viereck. 
Stahlfleck. 
Allenthalben in Meckl. Bei W. in einzelnen Jahren 
in der Stadt, in Gärten und Wald hier und dort als 
R., P. und Seh. in Menge anzutreffen, in anderen 
selten, wie dies auch in anderen Gegenden beob- 
achtet ist. 

"^ RuhricolUs. Aftermoospinner. Rothhals. 

üeberall bei uns. Bei W. besonders als R. im Sept. 
und Octob. häufig an den Flechten der Eichen und 
anderer Bäume; durch Klopfen zu erlangen. Mehr 
auf leichtem Boden. 

Aretliclae. 

Emydia. 

Striata. (Grammica). Schwingelspinner. Streif- 
flügel. 
Ein besonders Heideboden liebendes Thier, welches, 
weil dieser bei W. und Gad. fehlt, wohl deswegen 
nur hier noch nicht gefunden ist. Dagegen im süd- 
lichen und südöstlichen Meckl. stellenweise häufig. 
Ich erhielt den Seh. auch einmal aus Schwaan zuge- 
sandt und fand die R. häufig zwischen Schwerin und 
Ludwigslust, ebenso zwischen Crivitz und Mestlin. 

Crihrum. Siebspinner. 

Bei Neustrelitz von M. beobachtet und auch einmal 
von mir als Seh. in 1 Exempl. zwischen Eldena und 



57 



Dömitz in jungen Tannen, die auf sehr sandigem, 
dürrem Boden standen, gefunden. 

Die V. Bifasciata von M. aufgeführt, wird im 
Staudinger'schen Catalog als Spezies und nur als 
auf Corsika heimisch verzeichnet, daher schwerlich 
bei Neustrelitz zu finden sein. Wahrscheinlich hat 
M. eine dieser ähnlichen Abweichung von Crihrum 
so bestimmt. 

Deiopeia. 

Pulchella. (Pulchra.) Sonnenwendespinner. 

Vom Herrn Postofficiant Giese einmal in der Ernte- 
zeit auf einem Stoppelfelde bei Kröpelin gefangen. 
Das leidlich gut erhaltene Exempl. ist in meinem 
Besitze und ist unzweifelhaft diese Art. 

Wenn auch ihre eigentliche Heimath im Mittel- 
meergebiet und östlicher gelegen ist, so ist doch 
dieser Seh. auch allenthalben in Deutschland, wenn 
auch immer nur einzeln, beobachtet worden. 
Auch bei Hamburg und Danzig. 

Eu che IIa, 
"^Jacohaeae, Jacobskrautspinner. 

Nicht bei Gad. , sonst in allen anderen Gegenden, 
wo gesammelt wurde, bei uns beobachtet. Wahr- 
scheinlich überall da, wo die Nährpflanze der R. — 
das Jacobskraut — häufig wächst. Aus diesem Grunde 
bei W. auch nur an einer Stelle — in dem kleinen 
Thale hinter Wisch — dort aber als R. im Juli oft 
sehr häufig. 

Nemeophila. 
*Eussula. Apostemkrautspinner. Rothgerandeter 
Bär. 
lieber Meckl. verbreitet, doch nur auf gewisse 
Lokalitäten angewiesen. Bei W. nur im Heidemoor 
bei Tarzow ziemlich häufig, an einer lichten, feuchten 
grasreichen Stelle im Holze bei Schimm und in einem 
kleinen Torfmoore im Walde bei Kleinen einzeln 
gefunden. R. im Mai, Seh. im Juli. 



58 



Oallimorpha. 
^Dominula. Taubnesselspinner. Jungfrau. 

Allenthalben beobacbtet, bei W. jedoch eine Selten- 
heit. Ich fand nur einmal vor vielen Jahren 2 
Exempl. in den Rohlsdorfer Tannen. Eine sonst 
überhaupt verbreitete Art. 

P 1 e r e t e s. 

Matronula. Augsburg er Bär. 

Diese schöne und grösste Bärenart ist auch bei uns 
in verschiedenen Gegenden — bei Sülz, Neustrelitz 
und Ludwigslust — gefunden worden und ohne 
Zweifel auch noch an anderen Orten vorhanden. 
Die Lebensweise der R., welche sich am Tage sorg- 
fältig verbirgt, der Aufenthalt derselben an dunklen, 
feuchten Stellen der Wälder mit vielem Unterbusch, 
welche dazu von den Sammlern am wenigsten be- 
treten werden, erschweren ihr Auffinden sehr und 
lassen sie wahrscheinlich noch seltener erscheinen, 
als es in Wirklichkeit der Fall ist. Sie ist überhaupt 
sehr verbreitet. Das Raupenstadium dauert 2 Jahre. 
Ist auch im Sachsenwalde bei Hamburg und bei 
Greifswald gefunden. 

A r c t i a. 
^Caja, Brauner Bär. 

Allenthalben häufig und allbekannt. R. bis Juli auf 
sehr verschiedenen Gewächsen. 
VüUca. Schwarzer Bär. 

Im östlichen und südlichen Theile Meckl. überall; 
soll auch noch bei Doberan vorkommen, bei W. und 
Gad. aber noch nicht beobachtet. Ich habe von 
dieser Art sogar früher einmal mehrere Paare frisch 
ausgekrochener Seh., die ich als R. aus Schlesien 
erhalten hatte, an mir zu ihrem Fortkommen geeignet 
erscheinenden Orten hier ausgesetzt, aber bisher 
keine Spur einer Nachkommenschaft von ihnen ge- 
funden. Sie ist überhaupt im östlichen und südlichen 
Theile Deutschlands und Europas sehr verbreitet 
und häufig, nach Nordwesten zu seltner werdend. 



59 



Hieraus lässt sich vermuthen , dass die nord- 
westliche Grenzlinie ihres Verbreitungsgebiets vom 
Nordost nach Südwest durch Meckl. und weiter geht 
und dass der nordwestliche Theil desselben schon 
ausserhalb ihres Wohngebiets liegt, wobei der 
schwere, feuchte Boden dieser Gegenden vielleicht 
einen ihrem Gedeihen hinderlichen Faktor abgiebt und 
eine ziemlich scharfe Begrenzung desselben bildet. 
Purjjurata. (Purjpurea) . Purpurbär. 

Nach H. bei Krakow und Ludwigslust. Es gehören 
diese Gegenden allerdings in Meckl. zu den geeig- 
netsten für dieses Sandboden liebende Thier. Doch 
da wir solche Bodenbeschaffenheiten noch gar manche 
und namentlich im südöstlichen Meckl. haben, so 
hat es immerhin etwas Befremdendes, dass keiner der 
anderen Sammler dieses ansehnliche Thier auch fand. 

Auch bei Stettin, Lüneburg, Hamburg. 
*Eehe, Wittwe. 

In den sandigen Gegenden Meckl. wohl überall 
und oft nicht selten. Ihre Verbreitung gleicht sehr 
der von Vülicaj d. h. sie ist im Osten am häufigsten, 
nach Westen zu seltener werdend, und im nordwest- 
lichsten Deutschlande ist sie gar nicht mehr vor- 
handen. Ich fand die R. nur auf dem sandigen 
Kiesboden der Güter Ventschow, Kleekamp und 
Jesendorf auf der Brache (Dresch) und zwar zumeist 
an den dürrsten Stellen mit dürftiger Vegetation. 
Ende Apr. schon erwachsen, öfter nicht selten. Die 
Zucht gelingt nur, wenn die R. viel Sonne und Licht 
haben und Futter von magerem Boden erhalten. 

Spilosoma. 
*Fuligmosa. Ampferspinner. Rostbär. 

Durch ganz Meckl. Bei W. in zwei Generationen, 
welche ich bei keiner anderen Arctiide beobachtet 
habe. Die Seh. der Sommergeneration sind gewöhn- 
lich grösser als die im Frühlinge aus den erwachsen 
überwinterten R. Diese im Spätherbst oft recht häufig. 



60 



Mendica, Tiger motte. 

Von ü. in Friedland gezogen (A. 1856, S. 63.) An 
anderen Orten Meckl noch nicht beobachtet. 

Auch bei Greifswald, Stettin, Berlin, Hamburg. 
* Luhricipeda. Läufer. Glitschfuss. Hermelinmotte. 
Allenthalben, so auch in Meckl. sehr gemein. 

* Menthastri. Rossmünzspinner. 

Verbreitet und häufig bei uns. R. an Grabenufern, 
Wegerändern und ähnlichen Orten im Juli und Aug. 
zwischen mancherlei Kräutern. 

* Urticae. Zaunnesselspinner. 

Verbreitet über Meckl. und ebenso häufig wie die 
vorhergehende Art und an ähnlichen Orten. 

Hepialidae. 

H e p i a 1 u s. 

^HumuU. Hopfenspinner. 

Allenthalben bei uns. Bei W. in Sümpfen und auf 
moorigen Wiesen an nicht zu nassen Plätzen mit 
hohen Kräutern, Abends im Juni auch noch Juli, 
stellenweise häufig und leicht zu fangen. R. im 
Frühlinge in den Wurzeln verschiedener dort wach- 
sender Pflanzen. Sie soll mitunter dem Hopfenbau 
Schaden zufügen, der aber in unseren Gegenden 
nicht betrieben wird. Auch fand ich d. R. niemals 
an Culturpflanzen. 

*Sylvmus. 

Bei Neustrelitz, Gad. (häufig) und W. beobachtet. 
Hier an Wegerändern, Grabenufern, auf Rasen- 
plätzen der Promenaden, trockenen Wiesen im Aug. 
allenthalben, besonders Abends, sehr häufig und 
in verschiedenen Varietäten. Wahrscheinlich mehr 
auf schwerem und feuchtem als auf leichtem und 
trocknem Boden; daher wohl von den Sammlern in 
den Sandgegenden nicht angetroffen. R. an den 
Wurzeln verschiedener Pflanzen. 
Velleda. 

Nach K. bei Sülz einmal. 

Bei Danzig (einmal) und in Pommern? 



61 



"^Lapulinus. Gras wurzelspinn er. 

Nach Sp. bei Neustrelitz sehr selten. Bei W. in 
der Nähe der Stadt auf Rasenplätzen der Prome- 
naden, an Grabenufern und ähnlichen Orten, Abends 
im Mai, im schnellen Fluge oft in Menge. Die Flug- 
zeit dauert aber meistens nur etliche Tage. Auch 
diese Art scheint wie Sylvmus schweren Boden zu 
lieben und wurde von mir, wie diese, nie in Wäldern 
getroffen. In andern Gegenden Meckl. noch nicht 
beobachtet, auffallender Weise auch nicht bei Gad. 
Die P. habe ich einige Male im Frühlinge in grösserer 
Zahl durch Aufziehen von Gras und Kräutern er- 
halten, nie aber kam mir aus einer derselben der 
Seh.; sie starben vielmehr immer in kurzer Zeit alle. 
Ich hatte sie beim Finden in eine Schachtel zwischen 
Baumwolle und zn Hause auf feuchte Erde gelegt, 
welche Behandlung und namentlich die Versetzung 
in freie Luft ihnen wahrscheinlich den Tod gebracht 
hat. Auch sah ich öfter die leeren Puppenhüllen 
aus der Erde hervorstechen und einmal den Seh. 
aus einer solchen hervorkriechen, wodurch meine 
Diagnose der P. sicher wurde. 

^Hecta. (Eectus). 

Nach K. bei Sülz selten, bei Neustrelitz (Sp.), und 
bei Gad. (häufig). Den vorhergehenden Arten ent- 
entgegen ist diese vorzugsweise eine Bewohnerin 
der Wälder. Ich traf sie, namentlich in dem Walde 
bei Kleinen, an gras- und kräuterreichen, feuchten 
dunklen Stellen oft sehr häufig, doch auch im Freien 
hier in der Nähe auf einer moorigen Wiese einzeln an. 

Cosisidae. 

G s s u s. 

* Cossus. (Ligniperda) . Weidenbohrer. 

Allenthalben in Meckl. nicht selten. R. den Weiden, 
Ulmen, Eichen u. a. schädlich. Lebt 2 Jahre in 
den Stämmen dieser Baumarten. 



62 



Zeuzera. 

* Pyrina. (Aesculi) . Kastanienbohrer. 

Ebenfalls allenthalben bei uns, aber selten. Ich 
fand den Seh. überhaupt nur zweimal, einzeln die 
Puppenhülle aus dem Flugloche hervorstehend an 
Stämmen der Esche uud Linde und zog denselben 
einmal. Diese R. wurde in einem Apfelbaumzweige 
gefunden. 

Phragmatoecia. 

* Castaneae. (Arundinis) . Rohrbohrer. 

In Meckl. bisher nur von mir allein beobachtet, 
sicher aber auch noch an manchen anderen Orten, 
wo sich Gewässer mit vielem und kräftigem Rohre 
finden. Bei W. in den grösseren Rohrwerbungen 
so ziemlich allenthalben und die erwachsene R. und 
die P., welche sich tief unten in den Rohrstoppeln 
aufhalten, oft stellenweise ganz häufig. Das Suchen 
derselben im Apr. und Mai ist allerdings umständlich 
und mühsam und wird für den Ungeübten oft ohne 
Erfolg sein. Leichter erhält man den Seh. Abends 
durch den Fang am Rohre, findet ihn auch wohl 
am Tage zufällig hier und dort. Die R. lebt in der 
Gegend des Wurzelstockes des gemeinen Rohres 
(Phragmites communis), wie die des Chüo Phragmi- 
tellusj und ist gleichfalls erst nach 2 Jahren ausge- 
wachsen. 

üeberhaupt ist dieser Seh. weit verbreitet, doch 
an bestimmte Lokalitäten und an Rohr gebunden, 
das sich nicht überall findet; daher sein sporadisches 
Vorkommen. 

Cocliliopoflae. 

Heterogenea, 
^ Limacodes. (Testudinana) . (Testudo). Schildkröten- 
spinner. 
Als Seh. u. R. in Wäldern überall häufig bei uns 
und am leichtesten durch Klopfen von Eichen zu 
erlangen. 



63 



* Asella, (Äsellana). 

Bei Sülz, Neustrelitz und W. beobachtet. Ich fand 
Seh. und R., aber sehr selten. Wahrscheinlich in 
allen unseren Wäldern und nur wegen ihrer Selten- 
heit und Kleinheit noch nicht von allen Sammlern 
gefanden. 

Pssyclildae. 
Psyche. 

* Umcolor. (Graminella) . Grassackträger. 

Bei Sülz, Neustrelitz und W. beobachtet. Ich fand 
sie nur im Moore bei Tarzow im Mai, die Säcke 
der Weibchen ziemlich häufig, die der Männchen- 
viel seltener. Sie scheint nur beschränkte Aufent- 
haltsorte zu haben. 
Viciella. Wickensack träger. 

An der Schwerin-Ludwigsluster Chausse, etwa IV2 
Meile von ersterem Orte, wo dieselbe durch eine 
theilweise mit Tannen bestandene Heidestrecke 
führt, fand ich einmal im Juli neben der Chaussee 
an verschiedenen Gegenständen: Steinen u. dgl. an- 
geheftet mehrere, leider aber leere Säcke, sowohl 
solche des Männchens als auch die des Weibchens 
einer Sackträgerart. Ich nahm sie zum Vergleiche 
und zur Bestimmung mit und besitze sie auch noch. 
Sie stimmen genau mit den Beschreibungen und den 
aus anderen Gegenden bezogenen Säcken der Viciella 
meiner Sammlung, und bin ich überzeugt, es hier 
mit dieser Art zu thun zu haben, obgleich ich den 
Seh. daraus nicht zu Gesichte bekam. Es fragt sich 
nur, ob die hier vorkommende Art Viciella in der 
typischen Form oder in der v. Stetinensis Hering 
ist. Später bin ich nie wieder nach diesem Fund- 
orte gekommen. 

Viciella kommt auch bei Lüneburg und als var. 
Stetinensis bei Stettin vor. 
*Hirsutella. (Calvella). 

Früher habe ich am Greeser Bruch einige Säcke 
gefunden und daraus den Seh. gezogen, seit der 



64 



Ausrodung des Bruches sie nicht mehr angetroffen. 
Auch bei Schwerin auf dem Werder (A. 1859. S. 154). 

Epichnopteryx. 
Bomhycella. 

Bei Neustrelitz (Sp.) und Gad. (selten) beobachtet. 

Pulla. 

Bei Sülz (einmal) und Neustrelitz (M. Sp.) Auch 

wohl eine von den mehr südlichen Arten, die nur 

eben die Meckl. Grenze überschreitet. 

F u m e a. 

Nudella. (Plumella). 

Nur bei Neustrelitz (G. M.) beobachtet. 
* Intermediella. (Nitidella). Glänzender Sackträger. 
Bei Sülz, Neustrelitz und W. Ich fand die Säcke 
bisher nur in dem früheren Erlenbruche bei Greese 
an verschiedenen Pflanzen, auch am Rohre eben 
nicht selten. 

liiparidae. 

Orgyia. 

"" Gonostigma, Zwetschenspinner. 

Von allen beobachtet. Bei W. hier und dort, jedoch 
nicht oft und nur einmal in grösserer Anzahl als 
R. von mir gefunden. Diese auf verschiedenen 
Sträuchern und Bäumen. 

"^Antiqua. Aprikosenspinner. Lastträger. 

Ueberall in Meckl. Bei W. allenthalben, wo Bäume 
und Gesträuch, als R. häufig. 

"^Ericae. 

Bei Sülz, bei Gad. im Roggendorfer Moore und bei 
W. beobachtet. Ich fand die R. und P. in ihrem 
Gespinnste im Heidemoore bei Tarzow im Juni und 
Juli mitunter stellenweise nicht selten und zog die 
Seh. daraus. In Ermangelung ihrer gewöhnlichen 
Futterpflanzen (Stettiner entomol. Zeitung. 1858. 
S. 349.) ernährte ich die R. in letzter Zeit stets mit 
den jungen Schösslingen der Korbweide, wobei sie 



65 



sehr gut gediehen. Das 5 verlässt nie das Gespinnst, 
setzt die Eier in demselben ab, aus denen die jungen 
Räupchen ziemlich bald darnach in sehr grosser 
Zahl durch den lockeren Theil am hinteren Ende 
desselben hervorkommen. Die Begattung wird gleich- 
falls durch diesen dünneren Theil des Gespinnstes 
von dem herbeigeflogenen 5 mit dem darin befind- 
lichen 2 und in kurzer Zeit auch am Tage vollzogen, 
wie ich dieses bei der Zimmerzucht in letzter Zeit 
einige Male zu sehen Gelegenheit hatte. Eine be- 
sonders in Norddeutschland heimische Art. 

Dasychira. 

* Fascelma. Büschel raupenspinn er. 

Von Sp. (selten) und ü. in Meckl.-Strel. gefunden, 
wahrscheinlich allenthalben bei uns, wenn auch nur 
stellenweise ziemlich häufig. Bei W. selten. R. bis 
Juni hier und dort auf Stellen mit leichterem Boden 
an Besenginster und im Tarzow'er Moore auf Heide 
gefunden. 

*Fudibunda. Wallnuss Spinner. 

Allenthalben in Meckl. häufig, doch nie von mir in 
schädlicher Anzahl beobachtet, in welcher die R. in 
anderen Gegenden Deutschlands mitunter auftreten 
soll. Die schöne R. im Herbste auf vielerlei Bäumen 
und Sträuchern. Auch die 

*v. Concolor Stgr. habe ich zweimal in weiblichen 
Exempl. gezogen. 

L a r i a. 
* L nigrum. (V nigrum) . Schwarzes V. 

Bei Neustrelitz (M), Gad. (selten) und W. beob- 
achtet. Ich klopfte die jungen R. im Herbste mehrere 
Male nicht eben selten in den Rohlsdorfer Tannen 
von den früher dort vorhandenen kränkelnden 
Buchen, überwinterte sie und zog aus einzelnen den 
Seh., der sehr wahrscheinlich in unseren Buchen- 
waldungen überall, aber selten ist. 

AreMv XXXUI. 5 



66 



L e u c m a. 
"^Salicis. Weideusp inner. Atlas vo gel. 

Allenthalben, wo Weiden und Pappeln, besonders 
in Alleen, bei uns oft in übergrosser Zahl, so dass 
diese Bäume von der R. ganz kahl gefressen werden. 

Porthesia. 

"^ Chrysorrlioea. Brauner Goldafter. 

Weit verbreitet, bald selten, bald überaus häufig 
und dann sehr schädlich auch in unseren Gegenden. 
Ich hatte wenigstens schon 4—5 Jahre eifrig ge- 
sammelt und noch keine dieser berüchtigten Raupen- 
art gefunden, dann war sie in ein paar aufeinander- 
folgenden Jahren bei W. einmal recht häufig, ver- 
schwand wieder und es zeigte sich dann viele Jahre 
hindurch nur hier und dort eine Gesellschaft von 
ihnen. Im Jahre 1874 aber erschien sie wieder 
häufig, im Prühliuge darauf in so ungeheurer Menge, 
dass sie die meisten Obstbäume, den Weissdorn, 
Eichen u. a. ganz entblätterte, und da in dem Früh- 
jahre wiederum die Witterung dem Gedeihen der 
R. und dem Seh. in der Flugzeit (Juli) günstig war, 
so zeigten sich im Herbste 1875 diese Raupennester 
hier und auch in anderen Gegenden in wirklich Er- 
schrecken erregender Menge und unseren Obst- 
bäumen namenthch, die in dem Jahre schon sehr 
gelitten, drohte für das nächste eine noch grössere 
Gefahr. Hierauf machte ich denn aufmerksam und 
so wurde obrigkeitlich die Entfernung und Vernich- 
tung dieser Raupennester angeordnet und dadurch, 
und weil dazu im darauf folgenden Frühlinge die 
Witterung diesen Thieren ungünstig war, wurde ihre 
übergrosse Zahl auf das gewöhnliche Maass reduzirt. 
Jetzt findet sich die Art wieder nur sehr sparsam. 

^Similts. (Auriflua.) Gelber Goldafter. 

Ueberall. R. auf sehr verschiedenen Sträuchern und 
Bäumen allenthalben, wenn auch einzeln, doch häufig, 
nie aber in schädlicher Menge beobachtet. 



67 

P s i 1 u r a. 
^Monaclia. Nonne. 

Allenthalben, wo es Bäume giebt bei uns, besonders 
in den Tannenwäldern oft recht häufig, doch ist 
die R. meines Wissens in hiesiger Gegend noch 
nicht in schädlicher Menge aufgetreten. In Deutsch- 
land nach Westen zu seltener , nach Osten hin 
häufiger werdend. Eine von den Forstwirthen sehr 
gefürchtete R., die in den östlichen Gegenden schon 
öfter, und vor etlichen Jahren noch in Preussen, 
ausserordentliche Verheerungen in den Tannenwäl- 
dern angerichtet hat. 
*t?. Eremita. 

Bei W. vollkommen ausgebildet ziemlich selten, in 
den üebergängen dazu ganz oft. Wahrscheinlich 
finden sich diese dunklen Varietäten allenthalben 
unter der Stammart. 

c n e r i a. 
^Disjpar, üngleichs pinner. Grosskopf. 

Diese gleichfalls im Osten und Süden Deutschlands 
häufigere und oft schädliche Art, ist auch in Meckl. 
überall beobachtet, doch je nach den Jahren und 
den Gegenden in verschiedener Häutigkeit. Ich 
fand sie hier nur auf Pol an den dortigen Krüppel- 
eichen des „schwarzen Busches" häufig, sonst die 
R. nur noch einzelne Male an den alten Eichen des 
Stadtgrabens und hier ziemlich selten, niemals in 
den benachbarten Wäldern oder sonst wo. Dagegen 
traf ich einmal im südlichen Meckl. bei Findenwir- 
unshier die R. in grosser Menge an den dort einzeln 
stehenden Eichen und anderen Bäumen und die 
Leute versicherten mir, dass diese R. ihnen dort 
gar oft alles kahl fresse, wobei dieselbe wahrschein- 
lich die Schuld anderer Arten mittragen muss. Bei 
Gad. muss sie nicht gefunden sein, Weid führt sie 
gar nicht auf. Dies, die Fundorte und ihre Seltenheit 
bei W. spricht dafür, dass dieselbe nur an Bäumen, 
die auf magerem Boden wachsen, gut gedeiht. 

5* 



68 



Betrita. Heisters pinner. 

Bisher nur von G. bei Neustrelitz gefunden. Gehört 
auch zu den Sand- und Heideboden liebenden Arten. 
Auch bei Lüneburg und Hamburg. 

Souibyeidae« 

B m b y X, 

^Crataegi. Weissdornspinner. 

Zwar nicht in allen Lokalfaunen aufgeführt, doch 
sehr wahrscheinlich überall in Meckl., wenn auch 
im ganzen ziemlich selten. Ich klopfte die R. im 
Mai mehr oder weniger erwachsen an recht ver- 
schiedenen Orten, doch meistens nur einzeln und nicht 
oft, von Schlehen, Birken, Saalweiden u. a. zumeist an 
den Rändern der Wälder. Ich fand sie auch einmal auf 
dem Werder bei Schwerin in dem Moore desselben, 

*Poj9Ä Pappelspinner. 

Allenthalben bei unsund in den verschiedenen Gegen- 
den mehr oder weniger häufig. Bei W. die R. überall, 
doch immer nur einzeln. Ich klopfte sie von recht ver- 
schiedenen Bäumen: Pappeln, Espen, Eichen, Weiden, 
Erlen u. a., oder fand sie an den Stämmen derselben 
im Mai mehr oder weniger erwachsen. Der Seh. kriecht 
nicht selten erst im zweiten Herbste aus der Puppe. 

^Franconica. 

Auf dem langen Werder bei Pol, häufiger aber, 
und ein paarmal in Menge, traf ich die R. dieser 
interessanten Art auf der Südspitze der Halbinsel 
Wustrow — Kielort — an, wo sie bis zur letzten 
Häutung nesterweise, später einzeln, zu Ende Mai 
bis Mitte Juni ausgewachsen, von verschiedenen 
mageren Kräutern lebt. Ich zog sie in Menge und 
auch zweimal einen Zwitter unter ihnen, von denen 
der eine rechts 5, links 2, bei dem anderen das 
rechte Vorderviertheil 5, die drei anderen Viertheile 
weiblich gebildet waren. Auch ist mir die R. von 
Warnemünde zugeschickt, kürzlich auch bei Stralsund 
gefunden worden und wahrscheinlich an der ganzen 
Ostseeküste an geeigneten Stellen vorhanden. 



69 



Die geographische Verbreitung dieser Art ist 
besonders interessant und eigenthümlich. Ihr Wohn- 
gebiet erstreckt sich von Sardinien bis an die Ost- 
see und von der Vendde bis an den Ural. Im Süden 
bewohnt sie die Alpen, überspringt mehrere Breiten- 
grade und lebt bei uns in der Tiefebene, kaum 
einige Fuss über dem Meere. Die einzige bekannte 
Zwischenstation war früher Frankfurt a. M., wo sie 
aber, wie wahrscheinlich auch noch an anderen 
Orten, längst ausgestorben ist. Ihr Verschwinden 
aus einer Gegend erklärt sich leicht, wenn man 
ihre Lebensweise am Fundorte genau beobachtet. 
Die Bier werden nämlich im Juli ringförmig, wie 
beim Ringelspinner, um die eine oder andere Pflanze 
nahe über der Erde gelegt, aus welchen sich im 
nächsten Frühlinge die Räupchen entwickeln. Wird 
nun der Boden zu Culturzwecken oder aus sonstiger 
Ursache umgebrochen, so müssen wohl alle zu 
Grunde gehen. Daher findet Franconica sich nur 
an solchen Orten, wo der Boden noch in seinem 
Urzustände geblieben, oder doch nicht in grosser 
Ausdehnung gleichzeitig, oder wiederholt umge- 
arbeitet wurde, wie es hier bei W. 'am Fundorte 
und auch im Oberengadin, wo ich die R. gleichfalls 
antraf, der Fall ist. Steiniger, warmer Sandboden, 
viel Sonnenlicht sind ausserdem Bedürfniss zu ihrem 
guten Gedeihen. Näheres hierüber habe ich in 
meinem „Zur Naturgeschichte einiger Lepidopteren'' 
in der Stettiner entomol. Zeit. 1858. S 345 mitgetheilt. 
Die Eier müssen auch gegen Seewasser sehr wider- 
standsfähig sein; denn bei Hochwasser überschwemmt 
fast in jedem Winter ein Theil ihres Aufenthaltsortes 
und bei der grossen Sturmfluth 1872 stand derselbe 
ganz unter Wasser, ohne dass eine Verminderung der 
R. im darauf folgenden Frühlinge zu bemerken war. 
Die Seh. entwickeln sich zumeist gegen Mittag, und die 
5 werden sogleich, nachdem sie ausgewachsen, auch 
am Tage sehr unruhig, fliegen wie toll im Behälter und 



70 



begatten sich sogleich mit den ^vorhandenen $. Diese 
setzen auch in der Gefangenschaft bald nachher 300 — 
500 gelbliche oder weissliche Eier ab, und wenn ihnen 
aufrecht stehende Stücke von kleinen Baumzweigen 
oder andere rundliche Gegenstände zu Gebote stehen, 
auch im Kreise um diese, ganz nach Art des Ringelspin- 
ners. Ein Zwitter zeigte sich flüchtiger als die trägen 
5, aber ruhiger als die sehr lebendigen 5. Letztere 
machten sich an die zugleich ausgekrochenen q und 
Messen den Zwitter unberücksichtigt, dieser ver- 
hielt sich, wenn nicht beunruhigt, passiv. 
Castrensts. Wolfsmilchspinner. Goldringel. 

Als Heide- und Sandflächen liebende Art fehlt sie 
bei W. und Gad., ist aber bei Sülz und Neustrelitz 
und vor 2 Jahren auch von mir bei Waren gelegent- 
lich auf der Exkursion am Tage nach unserer Ver- 
sammlung daselbst gefunden worden. Ich nahm 
von dem dort auf einem dürren Brachacker gefun- 
denen Neste mit zahlreichen jungen Räupchen, die 
sich hier von Artemisia campestris nährten, ungefähr 
die Hälfte mit und setzte diese bei W. an einem 
Orte, wo diese Pflanze häufig wächst, in Freiheit. 
Sie gediehen auch hier ganz gut, doch fand ich als 
sie erwachsen waren und sich zerstreut hatten, nur 
einzelne wieder, aus denen ich die Seh. zog. Ob 
von den übrigen R. so viel nachgeblieben, dass sich 
die Art hier fortpflanzen, und ob sie sich hier er- 
halten kann, muss die Zeit lehren. 

* Neustria. R i n g e 1 s p i n n e r. 

Die R. dieses allbekannten, verbreiteten und auch 
gehassten Spinners entblättert im Frühlinge nicht 
selten manchen Obst- und anderen Baum. 

* Lan estris. W o 1 1 a f t e r . 

Bei Neustrelitz, Gad. und W. beobachtet, sicher 
aber über Meckl. verbreitet. Man findet nur ziemlich 
selten eine Gesellschaft dieser Raupenart, dann 
aber gewöhnlich eine recht zahlreiche. Ich traf 
dieselbe nur ein paarmal im Rendentiner Torfmoore 



71 



am Rande der Rohlsdorfer Tannen auf Saalweiden 
im Juli an. Bin Theil dieser R. ging gewölinlich 
schon bei der Verwandlung, ein anderer Theil als 
P. zu Grunde. Oft erschien der Seh. auch erst im 
zweiten oder dritten Herbste. 
Catax. (Everia). Schlehenspinner. 

Nach G. bei Neustrelitz. Wohl der nördlichste 
Punkt, wo dieser Spinner beobachtet ist; doch auch 
in der Uckermark und bei Berlin. Auch von dieser 
Art habe ich früher einmal einige Paare Seh., die 
ich als R. aus Schlesien erhalten hatte, in den 
Rohlsdorfer Tannen an Schlehdorn ausgesetzt, aber 
keine Nachkommenschaft davon wahrgenommen. 
Wahrscheinlich sind diese Thiere gleich an Ort und 
Stelle ohne sich begattet und die Eier abgesetzt 
zu haben, zu Grunde gegangen, da alsbald, nachdem 
ich sie verlassen, ein heftiges Gewitter mit mäch- 
tigem Regen und Sturm losbrach. 

*Trifoln. Wiesen kleespinuer. Kleiner Quitten- 
V g e 1. 
Bei Sülz, Neustrelitz und W. beobachtet. Die Art 
ist auf gewisse Lokalitäten angewiesen , und nur 
deswegen, weil sich diese nicht überall finden, ist 
dieselbe wohl nicht von allen angetroffen worden. 
Ich fand die R nur auf den Dünensandinseln der 
Ostsee, dem langen Werder und dem Kielort mit 
Frariconica und zwar an den dürresten und vege- 
tationsärmsten Stellen einige Male ziemlich häufig. 
Auffälligerweise, und fast im Gegensatz zu diesem 
Fundorte, fand K. bei Sülz die R. in dem Moore 
derRecknitzr.iederungmit verhältnissmässig feuchtem 
Boden und kräftiger Vegetation. Auch diese Art 
findet allem Anscheine nach ihr Portkommen nur an 
Stellen, wo der Boden nicht umgearbeitet wurde. 

*v. Medicaginis. 

Bei Neustrelitz (M.) Ich erhielt dieselbe ebenso 
häufig wie die Stammform durch die Zucht und auch 
noch verschiedene Zwischenformen. 



72 



*Quercus. Eichenspinner. Grosser Quittenvogel. 
Eine überall bei uns beobachtete und überhaupt 
sehr verbreitete und gewöhnliche Art, deren R. im 
Frühlinge an mancherlei Sträuchern: Schlehen, Korb- 
weiden u. a. oft häufig zu finden ist. 

^Rubt. Brombeerspinner. 

Gleichfalls allenthalben bei uns beobachtet und die 
polyphage R. oft stellenweise sehr häufig bis in den 
Herbst, doch fand ich sie nur an freien Wald- und 
anderen Stellen mit mehr oder weniger leichtem und 
trockenem Boden. Sie überwintert bekanntlich ausge- 
wachsen und findet sich im Frühlinge nur selten ; ist da- 
her besser im Spätherbst einzusammeln. Bei richtiger 
Behandlung bringt man sie leicht durch den Winter. 

Crateronyx. 
G. führt als bei Neustrelitz Taraxaci mit ? auf. Da 
aber diese Art sonst noch nicht nördlicher als bei 
Herrenhut und in Schlesien in der Grafschaft Glatz und 
an beiden Orten nur in einzelnen Exempl. angetroffen 
wurde, so kommt sie schwerlich in Meckl. vor und beruht 
diese Angabe höchst wahrscheinlich auf einen Irrthum. 
* Dumi. (Dumeti.) Löwenzahnspinner. 

Bei Sülz einzeln, in Meckl.-Strel. (Sp., ü.) und bei 
W. beobachtet. Ich fand dreimal eine junge R., 
die sonst versteckt lebt, zur Zeit der Häutung frei 
sitzend, in verschiedenen Jahren auf dem freien 
Dresch mit Kiesboden unweit des Anhalts Vent- 
schow beim Suchen nach R. der Hebe und zog 
jedesmal den Seh. daraus. Im ganzen bei uns wohl eine 
seltene und an bestimmte Lokalitäten gebundene Art. 

Lasiocampa, 
'^ Potatoria. Trespenspinner. Grasglucke. 

Durch ganz Meckl. und stellenweise als R. sehr 
häufig. Ich finde dieselbe auch ganz oft zwischen 
Rohr an Stellen, wo dieses mehr oder weniger auf 
wasserfreiem Boden steht und die R. frisst die 
jungen Rohrblätter dann ganz besonders gerne. 



73 



Prüm. Feuerglucke. 

Zwar nur von ü. bei Friedland gefunden (A. 1855. 
S. 63 und 1866. S. 96) doch sicher auch in anderen 
Gegenden Meckl. vorhanden. Der Umstand, dass 
die R. ganz besonders schwierig zu entdecken ist, 
indem sie sich noch mehr als andere ähnlich lebende 
Arten platt zu machen und in die Ecken und Winkel 
der Baumrinde zu schmiegen weiss und dieser so 
ähnlich sieht, dass auch der sonst Geübte sie leicht 
übersehen kann, dazu ihre Seltenheit, sind wohl die 
Ursache, dass sie noch nicht an mehren Orten ge- 
funden wurde. Raupen derselben, die ich aus Ham- 
burg erhalten hatte, konnte ich im Behälter oft nicht 
gleich wieder finden. Auch sagte man mir in Ham- 
burg, dass unter den zahlreichen Sammlern dort 
nur einer sei, der diese R. zu finden wisse, obgleich 
allen der Fundort — Sachsenwald — und die Nähr- 
bäume bekannt waren. In der kleinen Sammlung 
des früheren Malers Vogt hieselbst fand sich ein 
Exempl. dieser Art, welches von ihm sehr geschätzt 
wurde und auch sicher hier gefunden war. Ich aber 
suchte die Art bisher vergebens. 

'Quercifolia. Kupferglucke. Eichblatt. 

Eine überhaupt, so auch bei uns, verbreitete und 
allbekannte Art, Ich fand die R. zwar an verschie- 
denen Sträuchern, doch immer nur einzeln: an Schleh- 
dorn, Kreuzdorn, Pfla-umenbäumen, öfter aber an Saal- 
weiden, die in den Mooren und trockneren Sümpfen 
zwischen spärlichem, ausgehendem Rohre stehen. 

V. Alnifolia. 

Von K. als bei Sülz aufgeführt. Wenn die Exem- 
plare mit etwas dunklerer Färbung, welche ich bei 
K. sah, diese Varietät nach Treitschke wirklich 
repräsentiren, wie derselbe meinte, so ist sie wahr- 
scheinlich allenthalben bei uns, wenigstens habe ich 
eben so dunkle Stücke, fast eben so häufig wie die 
gewöhnlichen gezogen, namentlich aus R., die ich 
in den Mooren fand. 



74 



Pojjulifolia. Pappelglucke. 

Bei Neustrelitz, Friedland und Ludwigslust beobachtet. 
Eine überhaupt seltene und daher geschätzte Spezies. 
TremuUfolia. (Retulifolia) . Steineichblatt. 

Bei Sülz und in Meckl.-Strelitz beobachtet. Auch 
eine überhaupt ziemlich seltene Art, die entweder 
im östlichen Meckl. ihre Nordwestgrenze hat, oder 
auch wegen ihrer Seltenheit nur in dem übrigen 
Theile von Meckl. noch nicht gefunden ist. 
*Pini. Kiefernspinner. Fichtenglucke. 

Diese berüchtigte und von den Forstwirthen am 
meisten gefürchtete Art ist bei uns in allen Nadel- 
wäldern je nach den Jahren mehr oder weniger 
häufig anzutreffen. In der Gegend von W. war die 
R. in den 33 Jahren, in welchen ich sammelte, doch 
niemals in schädlicher Menge vorhanden, ja oft in 
einer Reihe von Jahren recht selten. Dagegen ist 
dieselbe in den grossen Tannenforsten auf den 
ausgedehnten Sandflächen des südlichen Theiles von 
Meckl. inzwischen schon einige Male in Gefahr dro- 
hender Anzahl aufgetreten, so dass von den Forst- 
Behörden mit grossen Opfern dagegen eingeschritten 
wurde. Freilich erwiesen sich, das letzte Mal wenig- 
stens, alle diese Massregeln hinterher als überflüssig, 
denn im nächsten Frühlinge gingen alle diese R. 
durch die ungünstige Witterung zu Grunde, und 
diese erst vollendete das vöraufgegangene schwache 
Werk menschlicher Hände. Das fast gänzliche Ver- 
schwinden der R. im nächsten Frühlinge rechneten 
zwar Forstbehörden sich als Erfolg ihrer Anord- 
nungen zu Gute, wie ich später aus den Zeitungen 
ersah, während nach meiner Ansicht und meinen 
Beobachtungen diese nur einen geringen oder über- 
haupt fraglichen Nutzen hatten und haben konnten. 
Denn hier bei W. war im Herbste desselben Jahres 
und im Winter unter Moos diese Raupenart eben- 
falls ungewöhnlich häufig, im Frühlinge aber war 
ich nicht im Stande auch nur eine einzige zu finden; 



75 



sie war wie verschwunden, ohne dass hier in irgend- 
einer Weise gegen sie eingeschritten war. Da nun 
diese Spinnerart, wie die Nonne, in Norddeutschland 
im Osten am häufigsten vorkommt, nach Westen zu sel- 
tener und ganz selten wird, so ist Meckl. schon durch 
seine geographische Lage so ziemlich gegen ihre 
grossen Zerstörungen geschützt. 
Eiidroiiiidae« 
Endromis. 

"^ Versicolora. Birkenspinner. Scheckflügel. 

Allenthalben in Meckl., aber im ganzen selten. Bei 
W. wurde der Seh. nur einmal und von mir selbst 
noch gar nicht gefunden, ohne Zweifel aber nur 
deswegen nicht, weil hier in der Nähe wenig Birken 
und erst in beträchtlicher Entfernung Oertlichkeiten 
für diese Art vorhanden sind, wohin ich zur Zeit des 
Seh. nie und zur Zeit der R. nur selten kam. 
^atumidae. 
Saturnia. 

*Favoma. (Carpini.) Kleines Nachtpfauenauge. 
Allenthalben bei uns und gewöhnlich als R. in Mehr- 
zahl nahe bei einander. Ich fand Seh., P. und R. 
und an recht verschiedenen Orten, letztere auch 
auf verschiedenen Pflanzen: Korbweiden, Schlehen, 
Heide u. a., auch öfter zwischen Rohr an allerlei 
Sträuchern und Kräutern, pflanzte die Art auch in 
der Gefangenschaft mit gutem Erfolg fort. Dieselbe, 
sowie auch der Eichen-, Brombeer- u. a. Spinuer, 
von denen die 6 auch am Tage fliegen, eignen sich 
besonders dazu, sich davon zu überzeugen, dass es 
nur der Geruchssinn ist, der die Männchen beim 
Auffinden der Weibchen leitet Denn ein zu Hause 
ausgekrochenes $ der Pavonia^ das ich in einer 
Schachtel mitgenommen hatte, um es auszusetzen, 
wurde alsbald, nachdem ich die geschlossene 
Schachtel an Ort und Stelle auf den Boden nieder- 
gesetzt, von einem 5 umschwärmt und bald darauf 
sah ich ein zweites 5 aus ziemlicher Ferne direkt 



76 



auf die Schachtel zufliegen, welche beide dieselbe 
nun umflatterten. Als ich sie öffnete, vollzog das 
eine 5 sogleich die Begattung mit dem 5. Solche 
Versuche erklären auch zugleich, durch welche Hülfs- 
mittel und auf welche Weise die verschied. Geschlech- 
ter der Insekten sich überhaupt unter den oft schwie- 
rigen Verhältnissen zur Begattung zusammenfinden. 
S^ini. Mittleres Nachtpfauenauge. 

Von G. mit ? aufgeführt, ist sicher nicht in Meckl., 
da es nur im südöstlichen Europa heimisch ist. 
Aglia. 

^Tau. Rothbuchenspinner. Nagelfleck. T-vogel. 
In unseren Buchenwäldern überall als Seh. im Mai 
und als R. im Juli auf Buchen nicht eben selten. 
Drepaiiiilidae. 
Drepana, (Platypteryx.) 

^Falcataria. (Falcula). Weis sbirkensichelflügel. 
Mit der Birke auch über Meckl. verbreitet und ziem- 
lich überall, wo diese häufig und besonders auf leich- 
tem Boden steht, mehr oder weniger häufig vorhanden- 

"^Curvatula. Bandirter Sichelflügel. 

Wie die vorhergehende Art verbreitet und überall 
bei uns beobachtet. Die R. lebt hier nur auf der 
Erle, wenigstens fand ich sie nie auf anderen Pflanzen. 
Dieselbe ist der vorhergehenden Art zum Verwech- 
seln ähnlich und beide wurden im Sept. öfter von 
mir in Mehrzahl geklopft, die von Erlen erwiesen 
sich stets als Curvatula, die von Birken als Falcataria. 

Harpagula. (Sicula) . Maiensichel flügel. 

Nur bei Neustrelitz (M.) beobachtet. Eine mehr 
mittel- und süddeutsche Art, die nordwestlich nur 
das südöstliche Meckl. zu erreichen scheint, und 
überhaupt nur in wenig Gegenden häufig vorkommt. 

^ Lacertinaria. (Lacertula.) Hängebirkensichel flügel. 
Eidechsen schwänz. 
In den meisten Gegenden Meckl. beobachtet, bei 
Sülz häufig. Bei W. nur in den entfernten Birken- 
beständen, in dem Tarzow'er Moore ziemlich oft. 



77 



V. Scintula. 

Nach M. bei Neustrelitz. 

^ Binaria. (Hamula.) Eichensichelflügel. 

Bei Neustrelitz (Sp. einmal), bei Gad. einmal. Ich 
fing und zog diese Art mehrere Male, klopfte die R. 
von Eichen, immer aber nur sehr einzeln, doch in 
verschiedenen Wäldern. 

^Cultraria. (ünguicula). Buchensichelflügel. 

Bei Sülz selten, bei Neustrelitz, Gad. (häufig) und 
W., hier in allen Buchenwäldern als Seh. und R 
nicht selten. 

Cilex. 

^Glaucata. (Sjjinula.) Schlehdornspinner. 

Bei Neustrelitz, Gad. und W. Ich klopfte die R. im 
Sept. so ziemlich allenthalben, wo Schlehdorn nament- 
lich an Waldrändern steht, von diesem oft ziemlich 
häufig und fing auch den Seh. an solchen Orten. 

]¥otocloiitid[ae. 

Harpyia. 
Bicuspts. Birken gab eis chwanz. 

Von K. (nicht selten) und M. im früheren Verz. 
aufgeführt. Was K. in seiner Sammlung, die ich 
gesehen, als Bicuspis hatte, war alles Furcula, 
nur die dunkleren Exempl. hielt er für fragliche 
Furcula. Ob M. sichere Bicuspis bei Neustrelitz 
fand, oder ob bei ihm auch ein ähnlicher Irrthum 
statt hatte, wie es bei der grossen Aehnlichkeit der 
kleinen Gabelschwänze unter sich und namentlich, 
wenn man nicht alle 3 Arten rein und in mehreren 
Exempl. vor sich hat, leicht möglich ist, muss ich 
dahin gestellt sein lassen. Bei W. habe ich Bicuspisy 
trotz vielen Suchens darnach, noch nicht gefunden. 
Was ich in meinen ersten Sammeljahren für diese 
Art angesehen, stellte sich später, als ich die wahre 
Bicusjpis aus Sachsen erhielt, als weissere Exemplare 
der Bifida mit stärkerer Einbuchtung der Mittelbinde 
heraus. Unger, der in einer birkenreichen Gegend 
und im südöstlichsten Theile Meckl. sammelte, wo 



78 



Bicusjpis noch am ersten zu vermuthen ist, traf sie 
nicht und bezweifelt (A. 1866. S. 92), dass sie über- 
haupt bei uns vorkomme. Wenn nicht auch diag- 
nostische Irrthümer vorlagen, so ist Bicuspis auch 
bei Hamburg, Lüneburg und in Pommern gefunden 
worden. In Hamburg aber, wo ich einige der 
grössten dortigen Sammlungen sah, fand sich nur 
in der einen ein Exempl. der wirklichen Bicuspis 
vor, und dieses war aus Süddeutschland. Die An- 
gabe T essin' s, dass die R. dort am Eibstrande 
und im Sachsenwalde auf Buchen und Pappeln ge- 
funden sei, berechtigt noch vollends, die Richtigkeit 
der Artbestimmung zu bezweifeln, da Bicuspis allen 
Beobachtungen zufolge nur auf Birken lebt. Die 
Seltenheit der Art überhaupt mag indessen mit Ur- 
sache sein , dass dieselbe nur an wenigen Orten 
aufgefunden ist. Nach Speyer 's Angaben über 
die Verbreitung dieser Art könnte sie übrigens 
auch sehr wohl in Meckl. vorkommen. 

'■Furcula. Weidengabelschwanz. 

Von den meisten gefunden und wohl allenthalben 
in Meckl., wenn auch im Ganzen nicht gerade häufig. 
Ich fand die R. nur auf Birken und sparsam, in 
anderen Gegenden soll sie häufiger auf Weiden leben. 

'•Bifida. Pappelweidenspinner. Kleiner Gabel- 
schwanz. 
Verbreitet und häufiger als die beiden vorhergehen- 
den Arten und bei uns allenthalben , wo Pappeln, 
anzutreffen. Ich fand sie als R., P. und Seh. wenn 
auch niemals eigentlich häufig. Am öftesten findet 
man die durch das Loch in die Augen fallenden 
Gespinnste an den Stämmen der Pappeln, aus denen 
bereits der Seh. ausgekrochen, oder die P. von 
Vögeln ausgefressen ist. 

Erminea. Weisser Hermelin. 

Nur in Meckl.-StreL und von Ü. beobachtet. Die 
Art findet wahrscheinlich hier die Nordwestgrenze 
ihres Verbreitungsbezirks. 



79 



*Vmula. Gabelschwanz. Grosser Hermelin. 

Die grösste, häufigste und verbreitetste Art dieser 
Gattung, welche man an Pappeln und Weiden aller 
Orten und im Stadium der R., P. und des Seh. leicht 
finden kann. 

Stauropus. 
^Fagi. Buchenspinner 

Zwar nur bei Sülz, Neustrelitz (M.), Gad. und W. 
beobachtet, sicher aber allenthalben bei uns, wenn 
auch, wie überhaupt, ziemlich selten. Die R. fand 
ich im Aug. und Sept. auf Buchen, Eichen, Linden 
und dem Birnbäume, einzeln und auch nur in wenigen 
Exemplaren. 

Hybocampa. 
*MüJiauseri. Truffeichen Spinner. 

Dieser wenn auch weit verbreitete, doch überall 
sehr seltene Spinner ist zwar in Meckl. nur bei 
Friedland, Gad. (einmal) und W. beobachtet worden, 
aber dennoch sicher allenthalben bei uns heimisch. 
Ich fand den Seh. zweimal, klopfte die R. einmal 
im Rugensee'er Holz von der Eiche, fand aber das 
dem der kleinen Gabelschwänze ähnliche Gespinnst, 
leider aber leer, an Eichenstämmen, einmal auch 
an der Buche, in sehr verschiedenen Gegenden und 
nicht so selten, ja einmal an einer der bei Fliens- 
dorf stehenden einzelnen alten Eichen 7 Stück der- 
selben Die Seltenheit der Art wird wohl zumeist 
dadurch bedingt, dass sie im Puppenstadium so sehr 
und so lange den Nachstellungen der Spechte und 
Meisen ausgesetzt ist. 

Notodonta. 
^Tremula. (Dictaea). Porzellanspinner. 

Allenthalben bei uns ziemlich häufig. Zwei Gene- 
rationen auch in unseren Gegenden? Besass ich 
eine grössere Anzahl P. dieser Art, so entwickelten 
sich nur aus einem Theile derselben die Seh. im 
nächsten Mai, aus den übrigen Puppen kamen die- 



80 



selben erst im Juli hervor. Nun können aber die 
Nachkommen der ersten Periode in der freien Natur 
bis dahin schon wieder bis zum Seh. entwickelt sein, 
und diese erscheinen alsdann sehr wahrscheinlich 
mit denen der zweiten Entwickelungs- Periode (im 
Juli) aus vorigjährigen R. ziemlich gleichzeitig, von 
welchen zusammen man dann die R. auf Pappeln 
im Sept. und deswegen zu dieser Zeit viel häufiger 
als im Juni und Juli findet. Also werden wir wahr- 
scheinlich nur von der kleineren Hälfte der Indi- 
viduen zwei Generationen, in südlichen Gegenden 
von beiden zwei Generationen haben. 

Dasselbe habe ich bei Bromedarms, Ziczac, Ca- 
melmae, Palpinay Smer. Ocellata^ Populi u, a. Arten 
beobachtet. 

^Dictaeoides. 

Ueberall in Meckl , wo es viele Birken giebt, wird 
man auch diese Art, wenn auch nicht sehr häufig, 
antreffen. R. bis Ende Sept. 

^Ziczac. Zikzakspinner. 

Ebenfalls eine über Meckl. und überhaupt verbreitete 
und gewöhnliche Art. R. im Juni, häufiger im Sept. 
auf Weiden und Pappelarten. 

'^Trito'phus. Zitt er pappe Ispinner. 

Auch dieser Spinner findet sich in ganz Meckl., doch 
ist er auch hier, wie überhaupt, viel seltener als 
der vorhergehende. Ich fand die R. nur an Pappeln 
und sehr einzeln, aber in recht verschiedenen Ge- 
genden. 

*Trep{da, (Tremula). Rotheichenspinner. 

Von K. und Sp. als sehr selten, und von U. aufge- 
führt, auch nicht in dem Gad. Verzeichnisse. Es 
ist mir dieses aufgefallen, da ich die R. nicht nur 
bei W. fast überall, wo es Eichen giebt, sondern 
auch in anderen Gegenden von Meckl., wohin ich 
rechtzeitig kam, die noch kleinen wenigstens oft 
recht häufig, die erwachsenen (im Juli) allerdings 
schon selten er klopfte. Die Zucht aus den jüngeren 



81 



R. ist allerdings schwierig und misslang mir meistens, 
die erwachsen eingesammelten dagegen brachte ich 
gewöhnlich leicht zur Entwickelung. Den Seh. fand 
ich nur ein einziges Mal; versteht man nicht die R. 
zu finden, so wird die Art sehr selten erscheinen, 
wie es übrigens mit manchen anderen Species auch 
der Fall ist. 

*Torva. Espenspinner. 

Bei Sülz (sehr selten), Neustrelitz, Gad. (nicht selten) 
und W. beobachtet, wahrscheinlich aber in allen 
unseren Wäldern, in denen es viele Espen giebt. 
Ich fand früher einmal im Walde bei Schimm auf 
jungen Espen im Juli R., die ich für die der Ziczac 
hielt und von denen ich einige erwachsene mitnahm, 
ohne sie viel zu beachten. Aus ihnen kamen im 
nächsten Jahre Torva zum Vorscheine. Später bin 
ich rechtzeitig für diese Art nicht wieder nach diesem 
Fundorte hingekommen und nach dem einmaligen 
Auffinden zu urtheilen, schien die Art hier gar nicht 
selten zu sein. In den von mir häufiger besuchten 
anderen Wäldern fand ich dieselbe noch nicht, ver- 
muthlich aber nur deswegen nicht, weil es in ihnen 
wenig oder gar keine Espen giebt. 

*Dromedarius. Erlenspinner. Dromedar. 

Allenthalben in Meckl. ziemlich häufig. R. beson- 
ders auf Erlen: Juni, Juli, häufiger im Sept. und zu 
Anfange Octob. 

*Chaoma. Steineichenspinner. 

Nur von K. (nicht häufig), Sp. (selten) und von mir 
beobachtet. Ich klopfte die R. in einzelnen grösseren 
Laubwäldern, namentlich im Walde bei Kleinen im 
Juli manchmal nicht selten von Eichen. 

* Trimacula. (Dodonaea) . Kahneichenspinner. 

Von M. bei Neustrelitz, bei Gad. (einmal) und W. 
gefunden. Ich klopfte die R. mit der der vorher- 
gehenden Art und fast an allen denselben Orten, 
meistens aber schon etwas früher erwachsen (Juni, 
Juli) , von Eichen. Sie scheint mehr gemischte 

Archiv XXXUI. 6 



82 



Wälder mit leichterem Boden zu lieben, denn ich 
traf sie z. B. in den Rohlsdorfer Tannen immer 
häufiger als in den Buchenwäldern mit schwerem, 
feuchtem Boden , während hier wieder CJiaoma 
häufiger als Trimacula ist. Im ganzen ist sie doch 
ziemlich selten bei uns. 

*?;. Dodonaea S. V. 

Kam mir fast ebenso häufig wie die Stammform vor. 
Bicoloria. (Bicolora). Kanonenvogel. 

Nur in Meckl.-Strelitz (G. M. Sp.) und zwar sehr 
selten angetroffen. 

Auch bei Hamburg und in Pommern. 
Argefitma. Buscheichen spinn er. 

In Meckl. - Strel. von Sp. und ü. (A. 1866, S. 87) 
gefunden. Nach Speyer sonst nur in südlichen 
Gegenden, nördlich bis Rossla, Leipzig, Schlesien 
beobachtet. Daher für uns eine besonders inter- 
essante Art. 

Lophopteryx. 
Carmelita. Reifbirkens pinner. 
Bei Neustrelitz von M. gefunden. 
Auch bei Hamburg und Lüneburg. 

"^Camelina. Kameeisp inner. 

Die häufigste und verbreitetste Notodontide bei uns. 
In Wäldern, Alleen, Promenaden allenthalben. R. 
auf verschiedenen Bäumen, besonders aber auf Eichen 
und Linden. 

*Cuculla. (CuculUna). Masholderspinner. 

Nur allein von mir in Meckl. und zwar erst in 
neuester Zeit aufgefunden. Mein bisher einziger 
Fundort dieser Spezies ist ein kleines, unmittelbar 
am Gute Wietow gelegenes Gehölz, in welchem sich 
verhältnissmässig viel Peldahorn findet. Daselbst 
klopfte ich am 14. Sept. 1876 zum ersten Male in 
dieser Jahreszeit auch das Ahorngebüsch mit ab 
und war nicht wenig erfreut, alsbald eine mir neue 
erwachsene Notodontiden-Raupe im Schirme zu er- 
blicken, die sich als die in Rede stehende Art aus- 



83 



wies. Es wurde aller Ahorn, soweit erreichbar weiter 
beklopft und erhielt ich dadurch 9 Stück halb oder 
ganz erwachsene R dieser Art, aus welchen ich im 
nächsten Juni 7 Seh. bekam. 

Ausser der Bereicherung der hiesigen Gegend 
um eine Art, hat dieser Fund auch noch für die Ver- 
breitung derselben insofern ein besonderes Interesse, 
als bisher Hannover und Berlin für die nördlichsten 
Punkte ihres Verbreitungsgebiets galten, und nun 
dessen Grenze dadurch um ca. IV2 Breitengrade 
nördlicher gerückt ist. 

Pterostoma 
^ Palpina. Rüsselspinner. Schnauzphaläne. 

Allenthalben bei uns, wo es Weiden und Pappeln 
giebt, nicht selten. Seh. im Mai und Juli — R. im 
Juni, Juli und wieder im Sept. 

Drynobia. 
Velitaris. S m m e r e i c h e n s p i n n e r. 
Allein von ü. bei Friedland gezogen. 

Auch bei Hamburg, Lüneburg und Stettin. Die 
R. soll sich nur auf den unteren Zweigen krüpplicher 
Eichen finden, die auf magerem Boden stehen (Juni 
und Juli). 

Gluphisia. 
^Crenata. Kerbenstreifiger Spinner. 

In Meckl.-Strel und bei W. beobachtet, ohne Zweifel 
aber auch noch in anderen Gegenden bei uns hei- 
misch. Ich fand diese Art erst vor etwa 10 Jahren 
hier auf, und zwar in dem schmalen Streifen Bruch- 
wald, der das Drispether Moor östlich begrenzt 
(Siedenmoor) , in welchem noch verhältnissmässig 
viele junge Zitterpappeln stehen. Von diesen klopfte 
ich einmal im Juli innerhalb ein paar Stunden ca. 
40 junge R. dieser Art, die mir aber alle zu Grunde 
gingen; nur aus den später, Anfangs Aug , erwachsen 
eingesammelten wenigen zog ich die Seh., die sich 
im nächsten Mai entwickelten. 

6* 



84 



Phalera. 
"^Bucephala. Linden Spinner. Mondvogel. 

Ein in unseren Gegenden sehr gewöhnlicher Seh., 
dessen R. man im Aug. und Sept. allenthalben ge- 
sellig auf Linden, Weiden, Eichen u. a. findet. 

Pygaera. 
Anastomosts. Lorbeerweidenspinner. Wirrband. 
Nur im östlichen und südöstlichen Meckl., aber von 
mehreren, mehr oder weniger selten beobachtet. 
Auch dieser Spinner scheint in Meckl. seine Nord- 
westgrenze zu haben, denn bei Gad. und W. wurde 
er nicht gefunden. Von ihm habe ich auch vor ein 
paar Jahren mehre Paare Seh., die ich aus von aus- 
wärts bezogenen Puppen erhielt, und ein andermal 
eine Anzahl eben dem Ei entschlüpfter Räupchen 
theils auf Pappeln, theils auf Korbweiden in Freiheit 
ausgesetzt, aber bisher nichts davon wiedergefunden. 
Die jungen R. werden sogleich durch das sehr kalte, 
regnige und stürmische Wetter, welches gerade zu 
der Zeit herrschte, zu Grunde gegangen sein, denn 
ich fand bei öfterem Besuch der Orte nicht die Spur 
von ihnen wieder. 

*Curtula. Rosenweidenspinner. Erpelschwanz. 
Sehr verbreitet und überall, wo Pappeln, meistens 
als R. im Sept. nicht selten anzutreffen. 

* AnacJioreta. Korb weidenspinn er. 

Ebenfalls allenthalben bei uns und bei W. noch 
häufiger als Curtula. Die R. auf Korbweiden 2mal 
im Jahre — Juni und Aug., Sept. — Die eben dem 
Ei entschlüpften Räupchen spinnen bald um sich 
gemeinschaftlich ein paar Blätter zusammen, später 
verfertigt jedes Lidividuum sich einen solchen Schutz 
und Versteck, welchen die R. gewöhnlich nur ver- 
lässt, wenn sie fressen will 

"^Fiqra. (Reclusa). Rosmarinweidenspinner. 

Auch eine von den allenthalben in Meckl. beobachteten 
Spezies. Doch fand ich sie im ganzen weniger oft 



85 



als die beiden vorhergehenden Arten. Die R. bis 
Ende Sept. auf Pappelarten. 

Cyitiatoplioridae. 

Gonophora. 
"^Berasa. Himbeereule. 

Bei Neustrelitz, Gad. und W. gefunden, aller Wahr- 
scheinlichkeit nach aber auch an solchen Orten überall 
bei uns, wo sich die Bedingungen zur Existenz der 
Art, d. h. wo sich viele Himbeersträucher und Brom- 
beeren, die im Schutze des Waldes auf leichterem 
Boden stehen, finden. Daher traf ich diese Art hier 
auch fast nur in den Rohlsdorfer Tannen, weil es in 
den anderen nahen Wäldern weniger Himbeeren giebt 
und besonders wohl, weil hier der Boden meistens 
zu nass und zu schwer ist. Ich klopfte die R. im 
Aug. und Sept. in einzelnen Jahren ziemlich häufig 
von Himbeeren und brachte es in einem günstigen 
Jahre wohl auf 50—60 Stück, freilich nicht ohne 
Aufwand von viel Zeit und Mühe. 

Thyatira. 
*Batis, Brombeereule. Rosenvogel. 

Von den meisten Sammlern und in den verschiedenen 
Gegenden beobachtet. Auch die R. dieser Art fand 
ich nur auf Himbeeren und bei weitem am häufigsten 
in den Rohlsdorfer Tannen, wo ich sie meistens etwas 
früher als die vorhergehende, doch auch beide gleich- 
zeitig klopfte. Im ganzen ist sie häufiger als Derasa 
und wurde auch von mir in andern als der hiesigen 
Gegend in Meckl. gefunden. 

Von dieser und der vorhergehenden eigenthüm- 
lichen, schönen Art habe ich in der langen Zeit 
meines Sammeins nie den Seh. gefunden und würde 
ihr Vorkommen in hiesiger Gegend für höchst un- 
wahrscheinlich halten, hätte ich nicht das Raupen- 
klopfen auch von Gesträuch und hohen Kräutern be- 
trieben und so auch diese Arten angetroffen. 



86 



Oymatophora. 
Octogesima. Weisse Achtzigenle. 

Nach M. bei Neustrelitz und nach Weid bei Gad. 
häufig. Soviel ich mich erinnere, sah ich aber diese 
Art bei letzterem nicht, und hier könnte möglicher 
Weise ein diagnostischer Irrthum, eine Verwechslung 
oder Yermengung mit der nachfolgenden Or vorliegen. 
Doch kommt sie auch bei Greifswald und Hamburg 
vor und ist eine von den wenigen Arten, die mehr 
im westlichen als östlichen Deutschland beobachtet 
ist, daher auch sehr wohl bei Gad. vorkommen kann. 
*(9r. Alberneule. 

Aujffallender Weise ausser von mir nur noch von M. 
und Weid beobachtet. Diese überhaupt sehr ver- 
breitete und häufige Eule ist bei W. als R. auf den 
verschiedenen Pappelarten im Sept. in Wäldern und 
wo diese sonst vorkommen, oft recht häufig anzu- 
treJQfen und auch als Seh. nicht selten von mir ge- 
funden worden. Ich möchte daher glauben, dass 
diese Spezies überall in Meckl. vorhanden und nur 
durch Zufall von den anderen Sammlern nicht auf- 
gefunden, oder auch von einzelnen verkannt, oder 
im Yerzeichniss aufzuführen vergessen sei. 

* Duplaris. (Bijjun cta) Z w e i p u n k t e u 1 e . 

In Meckl.-Strel. nach Sp. selten, nach ü. häufig, bei 
Gad. häufig Ich klopfte die R. im Sept. in ver. 
schiedenen Gegenden oft ziemlich häufig von Erlen- 
Auch ü. fand sie nur auf Erlen. Sie hat wahr- 
scheinlich bei uns 2 Generationen. 

* Fluctuosa. 

Bei Neustrelitz, Friedland, Gad. und W. beobachtet; 
sehr wahrscheinlich aber mit der Birke über Meckl. 
verbreitet, wenn auch, wie überhaupt, selten. Ich 
fand nur einmal den ziemlich abgeflogenen Seh. 

Dass Düuta nur durch einen Irrthum in der 
Determination in das frühere Verz. gerathen und 
bei uns nicht heimisch ist, habe ich schon A. 1859, 
S. 157 berichtigt. 



87 



* Flavicornis. Pfingstmaieneule. Gelb hörn. 

Von den meisten beobachtet und wahrscheinlich 
allenthalben bei uns, wo es grössere Birkenbestände 
giebt, mehr oder weniger oft. Von mir wurde die 
R. nur in dem Rugensee'er Holz im Mai von Birken 
und nicht häufig geklopft. 

* Ridens. (Xantlioceros) . Hageeicheneule. 

Bei Sülz nach K. in manchen Jahren nicht selten. 
Auch ich fand die R. namentlich im Walde bei 
Kleinen oft ziemlich häufig. In anderen Gegenden 
Meckl. zwar noch nicht beobachtet, sicher aber in 
noch manchen anderen vorhanden. Die R. von mir 
nur von Eichen geklopft, besonders von den jungen 
Trieben der Seitenzweige im Mai und Juni. 

C. N c t u a e. 

D i 1 b i a. 
^'Coeruleocephala. Mandelspinner. Blaukopf. 

Allenthalben als R. gemein, und zählt zu den den 
Obstbäumen schädlichen Arten. Doch steht dieselbe 
in einem schlechteren Rufe als sie ihn, wenigstens 
in unseren Gegenden, in Wirklichkeit verdient. Denn 
zu meiner Zeit ist sie für sich allein hier niemals 
eigentlich schädlich aufgetreten, wohl aber hat sie 
zu Zeiten an der Entblätterung mancher Obstbäume 
durch verschiedene Raupenarten einen nicht un- 
wesentlichen Antheil gehabt. Aufgefallen ist mir, 
dass ich diese als R. gemeine Art nur so selten als 
Seh. und P. fand. Ersterer muss sich versteckt, 
vielleicht hoch auf den Bäumen halten, lebt aber 
auch wohl nur kurze Zeit. 

S i m y r a. 
Nervosa. Grau striemige Eule. 

Eine Sandboden liebende, mehr im Süden und Osten 
Deutschlands und Europas heimische, im ganzen 
seltene Art, die bei uns nur im südöstlichen Theile 
Meckl. von M., Sp. (einmal), ü. und von Mussehl 
(Treitschke X., 2. 6.) gefunden ist. Die R. soll 



88 



sonst auf Euphorbien leben, U. fand sie aber auch 
am kleinen Sauerampfer. 

Arsilonche. 

*Albovenosa. (Venosa). Weissstriemige Eule. 

In Meckl.-Strel. von M. und U. und bei W. beob- 
achtet. Ich fand nur zufällig beim Suchen nach R. 
der Nexa zwischen Rohr, unter welchem auch noch 
mancherlei andere Sumpfpflanzen standen, hinter 
dem Greeserhals, einzelne R. dieser Art im Juli. 
Dieselbe ist hier entweder sehr selten, oder ich habe 
noch nicht ihren rechten Aufenthaltsort entdeckt, und 
hat bei uns wahrscheinlich auch nur eine Generation. 
Demas. (Orgyia.) 

^Goryli, Haseleule. 

Allenthalben in Meckl. Die R. in manchen Jahren 
im Herbste sehr häufig. 

Acronyota, 

^Leporwa. Weissbirkeneule. Wolleule. 

Allenthalben nicht selten. Diese sowie auch die 
anderen Eulen dieser Gattung findet man am häu- 
figsten an Baumstämmen. Die R. von der Birke 
lieferte mir fast immer die Stammform, die von 
Erlen, Pappeln und Weiden dagegen meistens die 
mehr oder weniger ausgefärbte: 

"^'v. Bradyporinaj 

welche ich im ganzen häufiger als die weisse Stamm- 
form erhielt, wahrscheinlich aber nur, weil hier die 
Birke seltener ist, als die anderen Näbrbäume, und 
durch die verschiedene Nahrung der R. ohne Zweifel 
diese Varietät erzeugt wird. Sonst nur noch von 
K. aufgeführt. 

"^Aceris. Kastanieneule. 

Allenthalben bei uns und sehr gemein als R. und 
als Seh. 

"^^ Megacephala. Pappelneule. Grossköpfige Eule. 
Wo es Pappeln giebt, findet man auch diese Art 
in allen Stadien häufig. 



89 



*Alni. Erleneule. 

Nur von M. und mir gefunden, aber sicher in den 
meisten Laubwäldern Meckl. und nur wegen ihrer 
Seltenheit überhaupt an so wenigen Orten aufge- 
funden. Ich klopfte im Juli zweimal eine R. von 
Eichen im Walde bei Kleinen und zog aus der einen 
den Seh. Sie soll aber auch noch auf vielen anderen 
Bäumen und Sträuchern und insbesondere auf Linden- 
gebüsch, wo dies in Wäldern steht, angetroffen werden. 
Auch bei Hamburg, Lüneburg, Stralsund, Greifs- 
wald. 

*Strigosa. Eberescheneule. 

Ueberall, aber selten. Ich fand die R. vom Juli 
bis Sept. auf Schlehen, besonders wo diese an Wald- 
rändern stehen, U. auf den Spalierobstbäumen, bei 
Hamburg wurde sie auch auf dem Vogelbeerbaume 
getroffen. 

^Tri'dens. Aprikoseneule. 

Zwar nicht von allen Sammlern aufgeführt, sicher 
aber überall bei uns. Wahrscheinlich ist sie von 
einigen nicht gezogen und als Seh. von der äusserst 
nahen nachfolgenden Art nicht als verschieden er- 
kannt, ü. fand die R. besonders auf Birkenbüschen, 
ich auf Korbweiden, aber nicht eben häufig, bis 
Ende Sept. 

*Psi;. Pfeileule. 

Wie überhaupt, so auch bei uns gemein. R. von Juli 
bis Sept. auf vielen Baumarten, besonders in Alleen. 

"^Cuspis. Ellerneule. 

Nur von M., ü. und mir beobachtet, aber aller Wahr- 
scheinlichkeit nach auch an den meisten Orten bei 
uns, wo es grössere Erlenbrüche, besonders in oder 
an Wäldern giebt. Ich fand die R. nur auf Erlen 
im Holze bei Kleinen und selten. Die Eule kommt 
beträchtlich dunkler oder heller vor. Auch bei Ham- 
burg und Greifswald selten. 

Ein in der Gefangenschaft begattetes 9 dieser 
Art setzte ca. 60 Eier ab, aus welchen nach ein 



90 



paar Wochen etwa 40 Räupchen hervorkamen. Die 
Eier waren verhältnissmässig klein und die jungen 
ßäupchen sehr zart und hülflos, und es ging auch 
bei sorgfältiger Pflege alsbald noch ein Theil von 
ihnen zu Grunde. Die gut gedeihenden erschienen 
erst, als sie ziemlich herangewachsen waren, so 
kräftig wie andere ihres Gleichen. Aus der relativ 
geringen Anzahl Eier, die gelegt werden und aus 
der Schwächlichkeit der ßäupchen erklärt sich wohl 
hier am besten das im ganzen seltene Vorkommen 
dieser Art, und dass sie auch wohl noch des Schutzes 
des Waldes bedarf. Aehnliche Verhältnisse werden 
auch gewiss bei anderen Arten, die auch allenthalben 
selten beobachtet werden, obwalten. Die verhältniss- 
mässig dünnen Leiber des Weibchens von Acron. 
Alm, Strigosa u. a. deuten an, dass auch sie nur 
eine geringe Anzahl und kleine Eier legen. 

* Menyanthidis. Bitte rkleeeule. 

Allenthalben bei uns beobachtet; ziemlich häufig 
und als R. und Seh. zu finden Zwei Generationen. 

^Auricoma. Mondeule. 

Eine sonst verbreitete und häufige Art, in Meckl. 
aber doch nur von U. und mir beobachtet. Früher 
hatte ich den Seh. nur sehr einzeln gefanden und 
erst vor etlichen Jahren traf ich die R. in den 
Rohlsdorfer Tannen an. Sie lebt hier auf den jungen 
Schösslingen der im Winter vorher abgehauenen 
Zitterpappeln, Haseln u. a. Sträuchern, ist Ende Sept. 
erwachsen und im ganzen nicht häufig vorhanden. 

'^'^ Abscondita. 

Nach Treitschke (X. 2. 6), früher von Mussehl 
in Meckl.-Strel. gefunden; auch M. führt sie als dort 
beobachtet auf. 

Die Schwierigkeit der sicheren Unterscheidung 
dieser und der beiden nachfolgenden sehr ähnlichen 
Arten, sowie die Unklarheit, welche hier auch noch 
bei den Schriftstellern herrscht, lassen mich im 
Zweifel, ob ich diese Spezies wirklich bei W. ge- 



91 



troffen habe. Denn 2 Eulen, die ich früher hier 
gefunden und als Ähscondita bestimmt hatte, sind 
später von mir, da sie fehlerhaft und durch reine, 
von auswärts getauschte Exemplare ersetzt waren, 
verworfen worden, und bin ich jetzt zweifelhaft, ob 
sie nicht etwa der nachfolgenden Euphorhiae zuzu- 
rechnen seien. Dagegen besitze ich einen Seh. in 
meiner Sammlung, den ich früher aus einer sehr 
hübschen R. zog, welche ich zwischen Schwerin und 
Ludwigslust im Juli auf Heide fand, den ich sicher 
hierher rechne, da er nicht nur vollständig zu den 
Beschreibungen und Abbildungen der Autoren auch 
als R. stimmt, sondern auch mit aus Berlin und Stettin 
erhaltenen Stücken der Ähscondita überein kommt. 
^ Ewphorhiae. Wolfsmilcheule. 

Wird von G. und Sp. im früheren Verzeichnisse auf- 
geführt, scheint bei uns recht selten zu sein. Von 
den einzelnen Exemplaren dieser sich sehr gleichen- 
den Eulen, welche ich bei W. fand, rechne ich nur 
ein an einem Baumstamme gefundenes reines 6 mit 
Sicherheit hierher. 
Eujjhrasiae. Augentrosteule. 

Zunächst sei bemerkt, dass jetzt die Rechte einer 
Art, als welche Eu^jhrasiae von Brahm (Ins.-Kal. II, 
143.), Borkhausen (IV. 232.), Treitschke (V. 1, 
45), Herrich-Schaeffer (II, 183) u. a. beschrieben 
ist, von Speyer (Geogr. Verb. 11. 51) und Stau- 
dinger (Catal. 78) durch beigefügtes ? in Zweifel 
gezogen worden sind. Nach letzterem möchte sie 
nur durch hellere Färbung von Euphorbiae zu unter- 
scheiden sein und zu dieser als Varietät gehören. 
Ich besitze diese 3 Eulenarten aus verschiedenen 
Gegenden, zum Theil von den genannten Autoren 
selbst und ersehe daraus, wie abweichend von ein- 
ander diese selbst bestimmt haben, und wie ähnlich 
die Eulen in einer Hinsicht, wie verschieden aber 
wieder in anderer sie unter sich sind und wie 
schwierig es ist, hier das Rechte zn finden, wenn 



92 



man nicht auch die R. und deren Lebensweise zu 
Hülfe nehmen kann. 

*Bumicis. Ampfereule. 

Allenthalben beobachtet und ziemlich häutig; doch 
bei W. viel seltener geworden, als sie es früher war. 

*Ligustn. Ligustereule. 

Auch eine von den allenthalben bei uns beobachteten 
Arten, die man auch nicht eben selten antrifft. Ich 
fand die R. häufiger auf Eschen als auf Liguster 
im Juli und wieder im Sept., die P. unten an den 
Stämmen der Esche nahe über der Erde, oder auch 
zum Theil unter derselben. 

Bryophila. 

Ravula. (Ereptricula). 

Nur in Meckl.-Strel. von G., M. und ü. beobachtet. 
Nach letzterem bei Friedland als R. häufiger als Perla. 
"^Perla. Perlenfarbige Eule. 

An denselben Orten, wo die vorhergehende Art, und 
ausserdem in Wismar. Hier ziemlich häufig und nur 
in der Stadt und deren nächster Umgebung beob- 
achtet. Seh. allenthalben an Wänden, Geländern, 
Baumstämmen u. a. Gegenständen. Die R. fand ich 
einige Male zufällig erwachsen auf der Erde, an 
Wänden u. a. Gegenständen kriechend. 

M oma, 
*Onon. Eichbaumeule. Orion. 

Ueber Meckl. verbreitet; bei W. als R. im Aug. auf 
Eichen und Buchen ziemlich häufig und überall. 

Panthea. 
*Coenohüa. Fichteneule. 

Bis jetzt allein bei W. beobachtet (A. 1859. S. 154), 
doch ohne Zweifel auch in Tannenwäldern anderer 
Gegenden Meckl., wenn auch, wie überhaupt, selten. 
In den Rohlsdorfer Tannen habe ich zweimal ein 
Exemplar in verschiedenen Jahren an den Stämmen 
grosser Tannen sitzend (im Juni) gefunden. Eine 
mehr in südlicheren und östlichen Gegenden hei- 



93 



mische Art, die bei uns wahrscheinlich ihrer Nord- 
westgrenze nahe ist. 

Auch bei Lüneburg und Greifswald. 

Agrotis. 

"^Strigula. (Porphyrea). Purpurbraune Eule. 

Bei Neustrelitz (M. Sp.), Grad, und W. Als echtes 
Heidethier hier nur in den beiden Heidemooren, 
besonders in dem Drispether, nicht eben selten. 
Ebenso bei Gad. nur im Roggendorfer Moore. Auch 
einzeln von mir gezogen. R. bis Juni, Seh. im Juli. 

^Janthina. Aroneule. 

Zog ich einzeln aus der R., die ich durch Harken 
im Walde erlangt hatte. Von mir allein beobachtet 
und wohl nur deswegen, weil die Art hier an ihrer 
Nordgrenze überhaupt schon selten ist. 

Auch in Holstein und bei Hamburg selten. Bei 
Lüneburg. 
Lmogrisea. Kleine Saumeule. 

Nur allein von M. bei Neustrelitz beobachtet. 
Auch in Pommern und bei Berlin. 

* Firn hria. Schlüsselblumeneule. 

Allenthalben bei uns; die R. besonders in und an 
Wäldern im März und Apr. durch Harken nicht eben 
selten zu erlangen. 
Punicea. 

Nach U. bei Friedland und mehrere Jahre hinter- 
einander von ihm gefangen und auch die R. auf 
Himbeeren gefunden. 

Nach Speyer ist diese Art innerhalb Deutsch- 
lands und der Schweiz nur auf den Schwäbischen 
und Bairischen Hochebenen und in der Schweiz an- 
getroffen. Keine der mir zugängigen, nachbarlichen 
Lokalfaunen führt Punicea auf. Dieser isolirte Fund- 
ort hat daher etwas Befremdendes. Man möchte 
glauben, dass hier ein Irrthum in der Determination, 
oder ein Schreibfehler vorliege, und dieses um so 
mehr als ü. (A. 1866 S. 88) sagt: „Kommt auch 
bei W. vor", was sicher auf irgend einem Versehen 



94 



beruht. Dass aber ü. auch die R. und zwar auf 
Himbeeren — ihrer wirklichen Nährpflanze — fand, 
spricht dagegen wieder für richtige Diagnose. Wäre 
Punicea wirklich bei Friedland heimisch, so hätte 
diese Entdeckung ein hohes Interesse für ihre geo- 
graphische Verbreitung. Nach Staudinger ist die 
Art in Belgien, Frankreich, Baiern, Schweiz, Oest- 
reich, am Ural und Altai beobachtet worden. 

^ Augur. Marszeicheneule. 

Eine sehr verbreitete und auch bei uns wahrscheinlich 
allenthalben heimische Art, obgleich nicht von allen 
Sammlern gefunden. Bei W. fast überall, wo Bäume 
und Gebüsch, doch besonders als R. von mir in 
Erlenbrüchen in der Nähe der Erlenstämme, welche 
sie Nachts, um deren Blätter zu fressen , besteigt, 
durch Harken im Apr. häufig gefunden. 

* Ohscura. (Ravida) . M e i e r e u 1 e . 

Ebenfalls in Meckl. verbreitet, doch bei W. wenig- 
stens viel seltener als die vorhergehende Art. Seh. 
im Juli. 

^Pronuha. Sauer ampfereule. Hausmutter. 

Allenthalben bei uns sehr gemein als Seh. und als 
R. Ebenso 

*v. Inuha, die früher als Art galt. 

^Orhona. (Suhsequa). Vogelkrauteule. Trauerbinde. 
Wenn auch nicht eben häufig, so doch überall in 
Meckl. Juli, Aug. Auch 

^v. Consequa. 

'^Comes. Beiläufer. 

Zwar nur in Meckl.-Strel. von M. und Sp. und bei 
W. beobachtet, sicher aber auch noch in manchen 
anderen Gegenden Meckl. Es scheint mir diese Art 
von manchen von der vorhergehenden nur nicht 
unterschieden zu sein. Ich fand sie an recht ver- 
schiedenen Orten als Seh. und als R. durch Harken 
nicht selten. 

Die von G. als bei Neustrelitz aufgeführte Qua- 
drangula ist sicher versehentlich in das frühere Ver- 



95 



zeichniss gerathen, da die Art nur im südlichen 
Russland gefunden wurde. 

"^ Triangulum. Doppeltes Dreieck. 

Allenthalben bei uns und bei W. Hier ist die R. die- 
jenige, welche ich im Apr. beim Harken am häufigsten 
und fast aller Orten finde. 

^Bqja. Tollkrauteule. 

In Meckl.-Strel. von G. u. ü., bei Gad. und W. beob- 
achtet. Ich zog die A 't nur zweimal aus der R., die ich 
jung im Walde mit anderen zusammen geharkt hatte, 
ohne sie erkannt und besonders beachtet zu haben. 

*C nigrum. Schwarzes C. 

In denselben Gegenden, wo die vorhergehende Avt 
beobachtet. Bei W. und Gad. nur selten. 

* Stigmatica. (Rliomhoidea) . 

In Meckl.-Strel. (G. M. U.) und bei W. beobachtet. 
Yon mir nur als R. im Apr. durch Harken an ein- 
zelnen Waldrändern und Erlenbrüchen ziemlich selten 
gefunden. Ohne Zweifel über Meckl. verbreitet, doch 
wahrscheinlich nur an besonderen Oertlichkeiten. 

'^- Xantliografplia. Kastanienbraune Eule. 

Nur von Ü. und mir beobachtet. Die R. hier auf 
leichtem Boden, namentlich in denRohlsdorfer Tannen, 
an freien mit Gräsern und anderen Kräutern bewach- 
senen Stellen meistens sehr häufig von mir durch 
Harken im Apr. gefunden. Sie ist der R. von 
Umhrosa an sich so ähnlich, dass ich diese beiden 
guten, als Seh. so verschiedenen, Arten nur nach 
dem Fundorte zu unterscheiden vermochte: Xantlio- 
graplia auf trockenem Sandboden, Umbrosa als R. 
auf feuchtem Rasen- oder Wiesengrund mit üppigen 
Wüchse saftiger Pflanzen. Als Seh. erbeutete ich 
Xantliographa nie, derselbe hält sich wohl sehr ver- 
steckt. Daher erklärt es sich, dass nur so wenig: 
Sammler sie fanden, wahrscheinlich weil sie das 
R. -Harken im Frühlinge nicht betrieben. 

Auch bei Hamburg, Lüneburg, in Pommern und 
bei Berlin (sehr häufig), also rund um uns herum, 



96 



und wird auch an geeigneten Lokalitäten bei uns 
schwerlich fehlen, 

* Umhrosa. 

Allein von mir vertreten, doch sicher auch in anderen 
Gegenden von Meckl., besondes des Geestlandes. 

Ich harkte die R. im Apr. hier und dort an 
feuchten Stellen, mitunter recht häufig. Die Fund- 
orte sind aber meistens sehr beschränkt. Sie frisst 
Spitzwegerich und andere niedere Kräuter und ist 
im ganzen, wie die vorhergehende Art, nicht leicht 
zu ziehen, weil die R. sehr lange, bevor sie sich 
verpuppt, in der Erde liegt und dann stets eine 
von unten kommende geringe Feuchtigkeit haben 
will. Die Eule fing ich im Aug. auch Abends auf 
Distel- und Klettenblüthen. 

Auch bei Hamburg, in Holstein, bei Lüneburg 
und Stralsund. 

""Buhl. (Bella). Meiericheule. 

Im früheren Verz. nur durch Sp. vertreten; U. traf 
die Eule später bei Friedland; ich fing dieselbe, 
zog sie aber viel öfter aus der R. Zweimal im 
Jahre. R. auf feuchten Rasenplätzen und Wiesen, 
besonders moorigen allenthalben, aber nicht eben 
häufig, von verschiedenen niedern Pflanzen lebend. 
In der ersten Generation schon Mitte März, höch- 
stens Anfangs Apr. erwachsen. Seh. im Mai und 
wieder im Juli und Aug. Die Eulen der ersten 
Generation sind gewöhnlich grösser als die der 
zweiten. 

^Florida. 

Von mir als neue Art in der Stett. entomol. Zeitung 
(J. 1859, S. 46.) unter diesem Namen beschrieben. 
Seit dieser Zeit habe ich die R. alljährlich eifrig 
gesucht, immer aber nur in wenigen Exempl. erharkt, 
habe auch der vorhergehenden Art thätig nachge- 
stellt, um beide als R. genau ansehen und etwa 
vergleichen zu können. Es ist mir aber niemals 
gelungen, beide gleichzeitig zu erhalten, da die der 



97 



Florida erst später — von Mitte Apr. — noch klein 
oder in halber Grösse erscheint und um die Mitte 
des Mai meistens ausgewachsen ist, wo die der Ruht 
sich schon immer längst verwandelt hat. Soviel ich 
aber ermitteln konnte und im Gedächtniss erhalten 
habe, waren Zeichnung und Färbung doch nicht in dem 
Grade bei beiden verschieden, wie ich es früher bei 
ihnen bemerkt zu haben glaubte und bei einzelnen 
Exemplaren gar keine Unterscheidung nachweisbar, 
da diese R. variiren. Dadurch bin ich in neuerer Zeit 
selbst zweifelhaft geworden, ob ich es hier mit zwei 
wirklich verschiedenen Spezies zu thun habe, oder ob 
meine Florida nicht nur eine spätere, dadurch kräf- 
tigere und etwas anders erscheinende, Frühlingsform 
der Ruhi sei, ob hier nicht bloss ein Saison-Dimor- 
phismus statt habe. Als wesentliche Unterschiede 
beider bleiben nur, dass Florida als E-. und als Seh. 
beträchtlich grösser, letzterer robuster gebaut und 
lebhafter rothbraun gefärbt ist, als RiMj dass diese 
als R, weit verbreitet ist, während ich Florida bisher 
nur an einem Orte fand, dass letztere sich um reichlich 
4 Wochen später verwandelt und ebenso viel später 
als Seh. als Rubi in erster Generation erscheint, sowie 
dass Florida nur einmal im Jahre vorhanden ist. 

Die R. der Florida fand ich nur in der kleinen 
moorigen Wiese, auf welcher früher ein kleines 
Erlenbruch stand, auf dem Greeser Felde, dem Hofe 
„Flöte** gegenüber. Sie hält sich hier meistens 
zwischen den Rohrstoppeln auf, mit welchen noch 
ein Theil der Wiese im Früblinge bestanden ist, 
oft an sehr nassen Stellen, wo sie sich besonders 
von den Blüthen der Kuhblume (Caltha palustris) 
nährt, während ich die der Ruhi zwar auch hier, 
öfter aber an anderen, viel weniger nassen Orten 
traf, wo diese Pflanze nicht vorhanden war. 
* Dahin. 

In Meckl.-Strel. (G. M. Sp.) Bei W. nur einmal ge- 
fangen. Ein Knabe brachte unter anderen Arten 

Archiv XXXUI. 7 



98 



einmal auch ein Exempl. dieser Eule mit, welche 
er in einem kleinen Eichwalde in der Gegend von 
Lübz gefangen hatte und glaubte ihrer dort viele 
beim Gehen aufgescheucht zu haben. Ein Lehrer 
hatte einmal ein Exempl. bei Ankershagen gefangen. 
Staudinger beobachtete sie bei Lübsee (bei Güstrow). 
Es wird also wohl diese Art in sandigen Gegenden 
Meckl. verbreitet sein, in dem übrigen Theile des- 
selben nur sporadisch vorkommen. 

Auch bei Hamburg, Stralsund, Stettin. 

"^Brunnea. Stock erb seneule. 

Von den meisten beobachtet, bei Gad. häufig, bei 
W. von mir besonders als R. ziemlich häufig und 
fast in allen Wäldern gefunden. R. bis anfangs 
Mai auf niederen Kräutern. 

*Festwa. Lederfarbne Primeleule. 

Bei Friedland, Gad. und W. beobachtet. Hier eine 
von den Arten, die ich als R. so ziemlich in allen 
Wäldern als eine der gewöhnlichsten beim Harken 
finde. Als Eule schwer zu erlangen. Nur daher 
wohl ist diese Art nicht von allen gefunden. 

Auch in Holstein, bei Hamburg, Lüneburg, 
Greifswald. 

'-^Plecta, Cichorieneule. 

Allenthalben. Bei W. ziemlich häufig, weniger in 
Wäldern als in Gärten, an Feldrändern, Grabenufern 
u. dgl. Orten. Die R. auf verschiedenen niederen 
Kräutern. 

* Simulans. (Pyroplüla.) Heuchler. 

Verbreitet und allenthalben. Bei W. ziemlich häufig 
und wahrscheinlich noch viel häufiger, als es den 
Anschein hat, da die Eule sich sehr gut zu ver- 
stecken weiss, und die R. unter der Erde an Gras- 
und anderen Wurzeln lebt, daher selten gefunden 
wird. Noch vor 2 Jahren traf ich auf unserem 
Kirchhofe einmal 6 dieser Eulen hinter einer kleinen 
Fensterlade. Die Arten dieser Gattung halten sich 
überhaupt als Seh. am Tage meistens sehr versteckt, 



99 



und es wird ihnen besonders auch von den Vögeln 
nachgestellt. 
*Futns. Faulholz. 

Durch ganz Meckl, ziemlich häufig. Ebenso auch 
bei W. als Seh. Die P. dieser Art habe ich zwar 
einige Male aus der Erde gegraben, mit Sicherheit 
aber nie die R. gefunden. 
Cinerea. Aschgraue Eule. 

Bei Neustrelitz und allein von G. gefunden, daher 
wohl selten. Besonders auf trockenen Bergwiesen. 
Auch in Holstein, bei Lüneburg und Stettin. 

* Exclamationis. Verwunderungszeichen. 

Aller Orten sehr gemein. Die R. war bei W. schon 
manchmal mit der der Segetum den jungen Saaten 
und namentlich dem jungen Rapps im Herbste 
schädlich. 
^Rtj)ae V. Ohotritica. Ufereule. 

Nur bei W. gefunden, doch sicher an der Ostsee- 
küste in Meckl. überall da, wo das Ufer sandig ist. 
Ich fand die R. bei Zierow, in der Wohlenberger 
Bucht, bei Boltenhagen, auf Pol und der Halbinsel 
Wustrow, manchmal sehr häufig. Am Tage versteckt 
im Sande in der Nähe der Futterpflanzen, welche 
in fast allen dort wachsenden salzhaltigen Kräutern 
bestehen, besonders Salsola Kali, Cakile maritima, 
Rumex und Atriplex maritimum u. a., wo diese im 
reinen Ufersand stehen. Im Sept. bis Anfangs Octob. 
erwachsen. Schwer zu ziehen, weil sie bis zum Mai 
ohne sich zu verwandeln tief im Sande liegt. Seh. 
im Juli, sehr variirend, lässt sich am Strande auch 
wohl aus seinem Verstecke am Tage aufscheuchen. 
Kommt auch an der Holsteinischen, Pommer- 
schen und Preussischen Küste, als Stammform in 
der Vended u. a. Orten vor. 

* Cursoria. Läufer. 

Von Mussehl in Meckl. - Strelitz beobachtet 
(Treitschke X. 2. 26). Spuren dieser Art glaube 
ich auch bei W. gefunden zu haben. Ein echtes 

7* 



100 



Saudbodenthier, für welches ich hier nur wenig ge- 
eignete und noch dazu entlegene Lokalitäten habe, 
zu denen ich selten, kaum jemals rechtzeitig kam, 
um die R. zu suchen und daher noch kein bestimmtes 
Resultat habe. 

Auch bei Kiel, Hamburg, Lüneburg, Berlin und 
in Pommern und daher auch sicher in Meckl. noch 
in anderen Gegenden, in denen sich Oertlichkeiten 
finden, welche die Bedingungen ihrer Existenz ent- 
halten. 

^Nigricans. (Fumosa.) Russfarbige Eule. 

Bei Sülz, Neustrel. (M. Sp.) und W. beobachtet. 
Ich fand die Eule nicht eben selten hier und dort, 
auch einige Male die R. an Wegen, Grrabenufern 
u. dgl. Orten auf der Erde zwischen Gräsern und 
Kräutern. Seh. variirt öfter. 

* TriticL Weizeneule. 

Eine sehr verbreitete und auch bei uns oft recht 
häufige Art, die in zahlreichen Abänderungen er- 
scheint, darunter auch die v. Aquilina S. F., welche 
früher als Art galt. R. an Graswurzeln. 
Obelisca, 

Nach ü. bei Friedland einmal (A. 1866, S. 87). Eine 
sonst mehr dem Süden angehörende und häufig mit 
anderen ähnlichen Arten, namentlich mit einzelnen 
Varietäten der Tritici verwechselte Spezies, welche 
daher für Meckl. noch etwas verdächtig erscheint. 

^Ypsilon. (Suffusa.) Gänse disteleule. 

Allenthalben in Meckl. Bei W. im Sept. nicht selten. 
R. an Graswurzeln. 

*Segetum. Winter saateule. 

Eine unserer gemeinsten Eulen, die bei den Land- 
wirthen in sehr schlechtem Rufe steht. Die R. trat 
auch bei W. in einzelnen Jahren in schädlicher 
Menge auf, indem sie namentlich die jungen Rapps- 
felder im Herbste kahl gefressen hatte. Einzelne 
Besitzer Hessen die R. (Wurm) auch von Menschen 
aufsuchen, leider aber zu spät, nachdem die R. fast 



101 



alle erwachsen waren und ihr Zerstörungswerk zumeist 
vollendet hatten. Sie wurden fass- und scheffelweise 
vernichtet und zum Theil Enten als Futter vorge- 
worfen, denen aber diese überreichliche, ungewohnte 
Nahrung nicht immer gut bekam. Doch muss ich 
bemerken, dass ihr wohl nicht alle Schuld beizu- 
messen ist, welche ihr aufgebürdet wird, wenigstens 
erhielt ich einmal aus einer Anzahl R., die auf einem 
solchen Rappsfelde gesammelt waren und anscheinend 
einer Art angehörten, unter den verhältnissmässig 
wenigen Seh., welche sich im nächsten Jahre daraus 
entwickelten, mehr Exclamationis als Segetum. Auch 
als Eulen traf ich Abends erstere Art im ganzen 
reichlich so häufig als Segetum. 
Corticea. Rindenfarbige Eule. 

Bei Sülz und in Meckl.-Strel. beobachtet. Eine mehr 
leichten Boden liebende Art, fehlt wohl nur aus 
diesem Grunde bei Gad. und W. 

Auch bei Hamburg und Greifswald, in Schweden. 

* Crassa. 

Nur bei Friedland und von mir beobachtet, sehr 
wahrscheinlich aber allenthalben in Meckl., wenn 
auch nur sparsam. Bei W. fand ich die Eule über- 
haupt nur zweimal und sehr versteckt, auf einer 
grösseren Exkursion aber traf ich einmal zwischen 
Schwerin und Ludwigslust hinter den Fensterladen 
des Ortkrugs (im Juli) 3 Exempl. an. ü. fand die 
junge R. sehr häufig (A. 1866. S. 99), erhielt aber, 
weil es Mordraupen, immer nur 1 Seh. von vielen 
R. Es findet hier wohl ein ähnliches Verhältniss, 
wie bei Micacea statt. 

* Vestigialis. ( Valiiger a.) Erdläufer. 

Verbreitet und von allen bei uns beobachtet, findet 
sich jedo^ch nur an Stellen, wo der Boden mehr 
oder weniger sandig ist, besonders auf Lichtungen 
und Besamungen in unseren Tannenwäldern manch- 
mal ziemlich häufig. 



102 



Praecox. Mo osdisteleule. 

In Meckl-Strel. (G. M.) beobachtet. Da die R. ein 
achtes Sandthier ist, so wird diese Art zwar nur 
in Sandgegenden, und daher im südlichen MeckL- 
Schwerin auch noch sehr wahrscheinlich an manchen 
Orten vorkommen. 

Auch in Holstein, bei Hamburg, Lüneburg und 
in Pommern. 

*Prasina. (Herhida.) Kuhweizeneule. 

Allenthalben in Meckl., doch als R. nur stellenweise 
an bruchigen, feuchten Orten mancher Wälder, hier 
aber, wenigstens bei W., manchmal ziemlich häufig. 

* Occulta. 

Nur nicht bei Sülz, sonst in allen Gegenden, wo 
gesammelt, beobachtet. Bei W. verbreitet, aber 
doch ziemlich selten und von mir weniger in Wäl- 
dern, als in Lustanlagen, Alleen, Kirchhöfen u. dgl. 
Orten, zumeist als Seh, an Baumstämmen gefunden. 
Die R. erhielt ich nur sehr einzeln durch Harken. 
Oharaeas. 

'^Granwiis. Futtergraseule. 

Allenthalben in Meckl. auf Wiesen und feuchten 
Rasenplätzen. Bei W. an solchen Orten überall 
und in manchen Jahren sehr häufig, doch niemals 
in wirklich schädlicher Menge, in welcher die R. in 
anderen, nördlicheren und östlichen, Gegenden bis- 
weilen auftrat, beobachtet. Diese lebt nahe über 
der Erde zwischen den Halmen verschiedener Gräser. 
Seh. Abends zu fangen, verschiedentlich variirend. 
Auch in der 

*v. Tricuspis wohl überall unter der Stammform. 
Neuronia. 

* Popularis. Lolcheule. 

Bei Neustrelitz (M.), Gad. und W. beobachtet. Eben- 
falls auf Wiesen und Rasen. Von mir vor vielen 
Jahren nur einmal in unbrauchbarem Zustande ge- 
funden; bei Gad. früher nicht selten, später aber 
vonWeid dort nicht mehr gesehen. Eine von den 



103 



Arten, die zu Zeiten in einer Gegend auf einmal 
in Menge erscheint, und deren R. alsdann sogar den 
Wiesen schädlich wird, dann aber wieder auf viele 
Jahre ganz verschwindet. 
"^Cesintis. Was engras eule. 

Bei Neustrelitz (M.), Gad. (selten) und W. beobachtet; 
doch sah ich die Eule auch bei K. in Sülz als eine 
ihm noch unbekannte Art. Ich fing früher nur ein- 
mal den Seh. Abends auf einer blumenreichen Wiese 
im Spätsommer. Scheint bei uns sehr selten zu sein. 

Mamestra. 

'*' Leucophaea. Tausendblatteule. 

Ueberall bei uns beobachtet und ziemlich häufig. 
Die R. vom Herbst bis März, an niederen Pflanzen, 
leichtern Boden liebend, daher besonders in Tannen- 
wäldern. Seh. im Mai und Juni an Baumstämmen 
u. d. gl. 
Ädvena. Maien eule. 

Nur bei Neustrelitz von M. beobachtet. 
Tincta. Silbergraue E ule. 

Bei Sülz und in Meckl -Strel. (G. M. U.) beobachtet. 
Wurde wohl im westlichen Meckl. nur deswegen 
noch nicht gefunden, weil hier in den beiden Ge- 
genden, wo gesammelt ist, der Boden in den Laub- 
wäldern ihr zu schwer, und die Heidelbeere — die 
liebste Nährpflanze der R. — in denselben nur 
spärlich vorkommt. 

* Nehulosa. Nebeleule. 

Eine verbreitete und auch bei uns nicht seltene Art, 
welche ich sowohl in Wäldern als in Gärten, An- 
lagen und Brüchen fand. R. bis Mai, Seh. im Juni 
und Juli. 

"^Contigua. Gutheinricheule. 

Gleichfalls allenthalben in Meckl., doch von mir nur 
in Wäldern und ziemlich selten gefunden. 

^ Thalassma. Roth glänz. 

Verbreitet und an ähnlichen Orten, wo die vorher- 
gehende Art, aber bei Sülz und W. wenigstens hau- 



104 



figer. Die R. klopfte ich einzeln im Sept. von 
Himbeeren. Auch die 
*r. Achates bei Neustrelitz und W. einzeln. 

* Dissimilis. (Suasa.) Steinkleeeule. 

In den meisten Gegenden bei uns, wo gesammelt, 
mehr oder weniger häufig beobachtet; sehr wahr- 
scheinlich allenthalben in Meckl Ich fand die Art 
mehr in Gärten, Lustanlagen und an ähnlichen Orten 
als in Wäldern, auch einzelne R. und P. derselben. 
Einmal flog Abends in einem Fusssteige, der durch 
ziemlich trocken stehendes Rohr ging, diese Eule 
in grosser Zahl. 

*r. Permixta einzeln. 

"^Pisi. Erbseneule. 

Eine überhaupt so auch in Meckl. allenthalben häufige 
Art, von welcher man die schöne R, im Aug. und 
Sept. oft zahlreich antrifft, doch sah ich sie nie auf 
schwerem und feuchtem Boden. 

* Brassicae. K o h 1 e u 1 e. 

Allenthalben und sehr gemein. Die R. dem Kopf- 
kohle, durch welchen sie Gänge frisst, oft schädlich. 

* Persicariae. Flöhkrauteule. 

Gleichfalls sehr verbreitet und häufig, besonders als 
R. im Herbste an vielerlei Kräutern und Sträuchern 
und auf allen Bodenarten. R. variirt in Farbe sehr. 

*t?. Accijoitrtna. Bei Sülz und W. \^on mir nur ein- 
mal beobachtet. 

"^^ Älhicolon. Weisspunkt. 

Eine zwar ebenfalls über Meckl. verbreitete, aber 
wenigstens bei W. ziemlich seltene Art. U. fand 
die R. im Sept. auf Artemisia campestris, ich traf 
sie nie. 
Aliena. 

Nur von M. bei Neustrelitz beobachtet. Eine sonst 
mehr in südlichen und östlichen Gegenden gefun- 
dene Art, die vielleicht ihre Nordwestgrenze im 
südöstlichen Meckl. hat. 



105 



*Splendens. RöthelrotheEule. 

Zwar nur von Ü. und mir beobachtet, aber eben 
wegen dieser extremen Fundorte sehr wahrscheinlich 
über Meckl. verbreitet, wenn auch, wie überhaupt, 
selten und nur deswegen nicht allenthalben aufge- 
funden. Ich erbeutete die Eule nur Abends, doch 
an recht verschiedenen und von einander entfernten 
Stellen: an Wiesenrändern, in Gärten, auf den Pro- 
menaden, immer aber nur sehr einzeln. 
Auch bei Stralsund, Stettin, Berlin. 

*Oleracea. Krauteule. 

Eine sehr verbreitete und gemeine Art, besonders 
die polyphage und auf allen Bodenarten gedeihende 
R. derselben. 

*Genistae. Ginster eule. 

Durch ganz Meckl. und in manchen Gegenden, na- 
mentlich in sandigen gewiss auch häufig; bei W. 
und Gad. aber immer nur selten angetroffen. 
Glauca. 

Allein von ü. bei Friedland gefangen (A. 1856. S. 64). 
Auch in Pommern, bei Berlin und Hannover. 

^Dentina. Löwenzahn-Wurzeleule. 

In ganz Meckl. häufig. Eule meistens an Baum- 
stämmen, R. an den Wurzeln verschiedener Kräuter. 

* TrifoUi. (Ghenojjodii.) Gänse fusseule. 

Allenthalben in Meckl. auf Sandboden häufig, in 
anderen Gegenden selten. Ich fand die R. nur an 
sandigen Stellen des Meeresufers auf Chenopodium 
maritimum mitunter ziemlich häufig. 

* Betwulata. (Saponariae.) Seifenkrauteule. 

Von allen beobachtet, also in unseren Gegenden 
verbreitet und wenn auch nur einzeln, doch nicht 
eben selten. Von mir hier und dort, meistens aber im 
Freien, selten in Wäldern gefunden. 
Chrysozona . (Dysodea.) Latticheule. 

1qi östlichen Meckl. in verschiedenen Gegenden, bei 
Gad. und W. noch nicht mit Sicherheit beobachtet. 



106 



Anscheinend ist aber nur der schwere Boden hier 
der hindernde Faktor ihres Gedeihens. 

* Serena. Schirmhabichtskrauteule. 

Allenthalben, besonders auf leichterem Boden. Bei 
Gad. und W. im allgemeinen nicht häufig, doch fand 
ich einmal im Juli in den Rohlsdorfer Tannen die 
R. in grosser Menge auf Hieracium. 

Dianthoecia. 

Luteago. ? 

Nach Sp. in Meckl.-Strelitz. Diese Art kommt sonst nur 
im südlichen und östlichen Europa, nördlich etwa bis 
Wien und Wiesbaden vor. Daher schwerlich bei uns. 

*Nana. (Conspersa.) Kukuksblumeneule. 

In Meckl.-Strelitz, bei Gad. und W. beobachtet, aber 
in allen diesen Gegenden nicht häufig. Ich fand die 
Eule einzeln an Baumstämmen, Wegesteinen u. dgl. 
und suchte die R. bisher vergebens. 
Compta. Lichtnelkeneule. 

Nur bei Sülz und in Meckl.-Strelitz, nach U. als R. 
häufig. Da diese überhaupt in südlicheren und öst- 
licheren Gegenden heimische Eule auch bei Demmin, 
Stettin und Potsdam, nicht aber bei Gad. und W., 
auch nicht bei Hamburg und in Holstein beobachtet 
wurde, so ist anzunehmen, dass dieselbe in Meckl , 
wahrscheinlich an dem Uebergange des leichten 
Bodens zu dem schweren, ihre Nordwestgrenze findet. 

* Capsincola. Kapseleule. 

Uebcrall. Bei W. als R. mit den Nährpflanzen 
(Lychnis vespertina und L. diurna), in deren Kap- 
seln sie vom Juli bis Sept. lebt, sehr häufig. 

^'Gucuhali. Glie dweicheule. 

Allenthalben. Bei W., doch lange nicht so häufig, 
als die vorhergehende Art. Mehr auf moorigen 
Wiesen Abends an nicht zu nassen Stellen, wo ich 
auch die R. am häufigsten fand. 

"^^ Carpophaga. (Ferplexa.) Licht r ose heneule. 

Zwar nur bei Neustrelitz (G. M.) und W. beobachtet, 
sehr wahrscheinlich aber überall in Meckl., wo der 



107 



ßoden sandig ist, und die Futterpflanze (Silene in- 
flata) wächst. Wenigstens habe ich an den einzelnen 
Stellen, an welchen diese bei W. vorkommt im Juli 
stets auch die R. und meistens in Mehrzahl gefunden. 
Auch bei Bützow und Güstrow, wo ich einmal diese 
Pflanze sah , fand ich auch alsbald diese R. in 
grösserer Zahl. 

Aporophyla, 

Lutulenta. 

Nur in Meckl.-Strelitz beobachtet (M. U.). Bei Fried- 
land nicht selten. Besonders in Sand- und Heide- 
gegenden. 

Auch bei Lüneburg, Stettin, Berlin. 

P 1 i a. 

*Polymita, 

In Meckl.-Strel. (G. Sp.) bei Gad. und W. beobachtet, 
also wahrscheinlich über ganz Meckl. verbreitet, 
wenn auch nur selten. Bei W. wurde der Seh. nur 
einzeln an Baumstämmen und an Häusern in der 
Stadt und deren Umgebung, nie in Wäldern gefunden. 
Die R. erhielt ich nur einmal durch Harken. 

* Flavicmcta. Kirscheneule. 

Nur bei Sülz und W. beobachtet. Ich fand die Eule 
im Sept. einzeln an Baumstämmen, die R. im Juli 
erwachsen, einmal am Stamme einer Linde abwärts 
kriechend, ein andermal unter einer Ulme auf der 
Erde. Beide verwandelten sich bald und lieferten 
die Seh. 
CM. Agleieule. 

In Meckl.-Strel. (G. M. Sp.) Die Scheide des san- 
digen Theiles und des Geestlandes scheint auch in 
Meckl. die ungefähre Grenze dieser Art zu bezeichnen, 
über welche hinaus sie nordwestlich nicht mehr vor- 
kommt. 

Dryobota. 

*Protea. Zerreicheneule. 

Von allen beobachtet. Bei W. nur auf den einzelnen 
alten Eichen des Stadtgrabens als R. im Mai, mit- 



108 



unter häufig, in den Rohlsdorfer Tannen selten und 
sonst nirgends gefunden. Bei einer so verbreiteten 
und überhaupt häufigen Art eine eigenthümliche Er- 
scheinung, die mir nicht recht erklärlich ist. 

Dass Distans aus dem früheren Verzeichnisse 
zu tilgen ist, habe ich schon (A. 1859. S. 157) be- 
merkt, da K. Varietäten der Protea fälschlich als 
Distans bestimmt hatte. 

Dichonia. 

* Aprüina. Aprileule. 

Allenthalben wo Eichen, bei uns mehr oder weniger 
häufig. Die R. bis Anfangs Juni an den Stämmen 
derselben, besonders an einzeln oder in Lichtungen 
stehenden Bäumen. 

M i s e 1 i a. 

* Oxyacanthae, Weissdorneule. 

Verbreitet über ganz Meckl. Die R. fand ich nicht 
eben selten an Weissdorn, Schlehen und Apfelbäumen 
im Mai und fast allenthalben, _die Eule dagegen nur 
ein einziges Mal im Sept. 

Apamea, 

"^Testacea. Sandfarbi ge Eule. 

In Meckl.-Strel. (G. M. ü.) und bei W. beobachtet. 
Ich fand die Eule ziemlich oft, auch frisch ausge- 
krochen an verschiedenen Gegenständen sitzend, an 
Wegen, Grabenufern, auf Kirchhöfen u. dgl. Orten, 
nie aber in Wäldern; die von Gras wurzeln lebende 
R. und die P. traf ich unter Steinen auf Banquetten 
und Rasenplätzen. Sie scheint besonders auf fettem 
Boden zu gedeihen und fällt es daher auf, dass die- 
selbe nicht auch bei Gad. gefunden wurde. 
Dumerüii. ? 

Wird von U. als bei Kotelow in einem Exempl. ge- 
funden und von H. S. bestimmt als für Meckl. neue 
Art (A. 1866. S. 88) aufgeführt. Aber dennoch 
möchte icli glauben, dass hier ein Irrthum und dieser 
wahrscheinlich in der Diagnose vorliegt. Denn 
Dumerüii kommt sonst nur in Frankreich, Dalmatien, 



109 



dem Pontus, nicht einmal in Deutschland vor. Ein- 
zelne helle Varietäten der Testacea^ zumal wenn sie 
verblichen und abgeflogen sind, kommen der Dume- 
rilii nahe, und ein solches Exempl. mag dafür ge- 
halten sein. Ueberhaupt ist DumerilU vielleicht nur 
klimatische Varietät der Testacea. 

Luperina. 

* Hawortlin. 

Bei Gad. im Roggendorfer Moore und bei W. im 
Tarzow'er Heidemoore. In früheren Jahren hier nur 
in einzelnen Stücken von mir gefangen, später nicht 
wieder. Ebenso bemerkt Weid, dass er dies Thier 
auch seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Eine 
mehr dem Norden angehörende Art. 

Auch bei Greifswald, Berlin und in Holstein. 

'^Matura. (Texta). Weissge wölkte Bande ule. 

In Meckl.-Strel. und bei W. beobachtet. Ich fand 
die Eule nur einmal in den Rohlsdorter Tannen an 
einer freien Stelle und später am selben Orte zwei- 
mal die R. sehr zeitig im Prühlinge. Scheint hier 
selten zu sein und nur auf Sandboden vorzukommen. 
Auch bei Stargard, Stettin, Lüneburg, Berlin. 

*Virens. Hellgrüne Eule. 

Allenthalben bei uns beobachtet, aber selten. Ich 
fand nur die Eule einzelne Male auf trocknem, 
leichtem Boden am Tage an Wollkraut oder anderen 
Pflanzen sitzend, oder sah sie aus diesen hervorfliegen. 
Hadena. 

Porpliyrea. (Satura.) 

Wie ü. (A. 1866. S. 88) mittheilt von v. Oertzen 
früher einmal (1827) bei Brunn gefunden. 
Auch bei Hamburg, Lüneburg, Berlin. 
*Adusta. Brandeule. 

Bei Neustrelitz, Gad. und W. beobachtet. Ich fand 
nur einmal die frisch ausgekrochene Eule an einem 
Pfahle sitzend, auf dem Kirchhofe und zog dieselbe 
einmal aus einer in einem Gemüsegarten an Sauer- 
ampfer gefundenen R. 



110 



* Ocliroleuca. 

In Meckl.-Strel. von G. M. und ü. beobachtet, nach 
letzterem dort häufig, bei W. selten und nur an 
Stellen, wo der Boden nicht schwer, bei Gad. noch 
nicht gefunden. Dagegen traf ich den Seh. einmal 
im Juli bei Ludwigslust ganz häufig und vor 3 Jahren 
auch eben so oft bei Lübtheen an. Auf Sandboden 
aller Wahrscheinlichkeit nach überall bei uns. 
Ruhrirena. ? 

Von K. als bei Sülz in der B oll' sehen Uebersicht 
aufgeführt; kommt sonst aber nur auf den Alpen 
vor. Ich erinnere mich nicht, bei der früheren Durch- 
sicht der Koch' sehen Sammlung diese Art bei ihm 
gesehen und mit ihm besprochen zu haben, und ver- 
muthe, dass hier ein Irrthum in der Determination 
vorliegt. 

^Furva. Kletteneule. 

Bei Sülz, Neustrel. (M.) und W. beobachtet. Ich 
fand die Eule überhaupt nur zwei- oder dreimal bei 
W., aber auch einmal 1 Exempl. zu Wöbbelin und 
zwar an dem Gitter von Theodor Körner's Grabe. 
Demnach ist die Art in Meckl. verbreitet, aber, wie 
überhaupt, so auch hier selten und wohl nur des- 
wegen nicht von allen gefunden. 

*Abjecta. (Nigricans.) Erdbraune Eule. 

Nur bei Sülz und W. beobachtet. K. fand die Eule 
nicht selten hinter seinen Fensterladen, ich an ähn- 
lichen Orten, überhaupt immer sehr versteckt. Sie 
scheint daher seltener zu sein, als sie es wohl in 
Wirklichkeit ist. Auch scheint sie an besondere, 
meist beschränkte Lokalitäten gebunden zu sein. 
Ich traf sie am häutigsten in der nächsten Umgebung 
der Stadt, niemals in Wäldern. Die R. entdeckte 
ich an Graswurzeln, fand sie jedoch einmal auch 
zufällig am Meeresstrande auf dürrem Sande. 

*Lateritia. Ziegelfarbige Eule. 

Allenthalben in Meckl. Bei W. und Gad. ziemlich 
häufig. R. an Gras würz ein. 



111 



* Monocjlyplia. (Polyodon.) W u r z e 1 e u 1 e. 

Wie die vorhergehende Art verbreitet, aber viel 
häufiger; R. ebenfalls an Graswurzeln und unter 
Steinen bis Juni. 

'^ Lithoxylea, 

Bei Sülz, Neustrelitz (M.), Gad. und W. beobachtet, 
aber wohl allenthalben nur selten. Ich fand diese 
Eule überhaupt nur einige Male an Baumstämmen, 
Pfählen, oder versteckt. 
V, Musicalis. 

Nach M. bei Neustrelitz. 

*8ord{da (Infesta.) Erdfarbige Eule. 

Bei Neustrelitz (G. M.), Gad. selten, und W. beob- 
achtet. Ich fand die Eule nicht eben selten in Gärten, 
den Promenaden der Stadt und an anderen Orten, 
meistens auch im Versteck, fing sie aber auch Abends 
am Jasmin u. a. Blumen. 

* Basümea. Quekeneule. 

Allenthalben beobachtet. Bei W. eine ziemlich häufige 
Eule, die ich auch niemals in Wäldern, sondern in 
Gärten, Lustanlagen, auf Rasenplätzen u. a. ähnlichen 
Orten fand. Die R. erhielt ich einzeln durch Auf- 
ziehen von Gras im Mai und Juni. Sie soll auch 
mitunter dem jungen Getreide schädlich werden. 

*Rurea. Englischer Dickrand. 

Sehr verbreitet und häufig bei uns. R. an niederen 
Pflanzen und im Apr. durch Harken leicht zu er- 
langen. Auch die: 

*v. Comhusta allenthalben und fast ebenso häufig wie 
die Stammform. 

* Scolopacina. Binsengraseule. 

Von den meisten beobachtet. Ich klopfte die^Eule 
nur an einer Stelle am Südrande des Waldes bei 
Kleinen im Juli von Buchen und anderem Gesträuch, 
aber hier in verschiedenen Jahren und manchmal 
in einigen Exemplaren. Es ist dort in der Nähe eine 
sumpfige mit Gräsern und Binsen bedeckte Stelle und 
ich vermuthe, dass hier im Frühlinge die R. lebt. 



112 



* Gemma. 

Nur bei Neustrelitz von G. und M. und bei W. be- 
obachtet. Hier eine überhaupt verbreitete und nicht 
seltene Art, die ich allenthalben in Wäldern, Gärten 
u. a. Orten als Seh. und als R. finde. Es fällt mir 
daher auf, dass dieselbe nicht von allen unseren 
Sammlern verzeichnet ist, und ich möchte daher 
glauben, dass sie mit ihren Varietäten von einzelnen 
nicht erkannt, und besonders Veranlassungen zu 
falschen Bestimmungen gegeben hat. Die R. an 
Gräsern bis Anfangs Juni. 

*?;. Remissa \ von M. und mir allein beobachtet. Bei 

*«;. Submissa ) W. beide fast ebenso häufig wie die 
Stammform. 

^ünammis. Rohrgraseule. 

Bei Sülz, Friedland und W. Hier in der Nähe von 
Gewässern allenthalben, wenn auch als Seh. nicht 
häufig. Die R. auf Phalaris arundinacea im Spät- 
herbste fast überall, wo dieses wächst, manchmal 
zahlreich, verwandelt sich aber erst, ohne weiter zu 
fressen, im nächsten März oder Apr. in hohlen Sten- 
geln, unter Moos oder Blättern und liefert im Mai 
oder Juni die Eule. Die üeberwinterung der R. 
gelang mir immer nur bei einem kleinen Theile der- 
selben; im Frühlinge findet man sie schwer und 
selten, öfter schon die P. 

*Didyma. Roggenhalmeule. 

Ueberall in Meckl. und in zahlreichen Varietäten. 
Am Tage sehr versteckt, Abends bei W. oft sehr 
häufig am Gesträuch in Lustgärten und an ähnlichen 
Orten. 

^v. Nictitans. 

*v. Leucostigma. 

*v. Secalina und andere Abweichungen bei W., meistens 
nicht selten. 

* OpMogramma. Schilfgras-Markeule. 

Zwar nur bei Priedland und W. beobachtet, sehr 
wahrscheinlich aber tiberall in Meckl., wo sich die 



113 



zu ihrem Fortkommen nöthigen Bedingungen finden. 
Diese sind Gewässer, Sümpfe, Moore, in denen 
Phalaris arundinacea, Glyceria spectabilis, Rohr und 
andere Sumpfpflanzen wachsen, in welchen beson- 
ders an Stellen, wo diese nicht im Wasser stehen, 
die R. im Mai dicht über der Erde lebt, wie ich bei 
meiner Beschreibung derselben es näher in der Stet- 
tiner entomol. Zeit. J. 1858, S. 379 mitgetheilt habe. 
Ich fand die R. manchmal stellenweise häufig, zog 
und versandte viele Seh. dieser Art. Letztere sind 
auch Abends, besonders in Gegenden, wo die R. lebt, 
im Juli zu fangen und wurden von mir auch hier und 
dort am Tage gefunden. 
Liter osa. (Suffuruncula.) 

Nach ü. bei Friedland (A. 1856, S. 64.) 

*Strigüis. Rispengraseule. 

Allenthalben in Meckl. Bei W. und Gad. nicht 
selten. R. unten in Gräsern im Mai. 

*v. Latrunculüy welche früher als eigene Art galt, 
gleichfalls allenthalben beobachtet. Bei W. ver- 
breitet und häufiger als die Stammform. Ebenso 

*v. Äerata. 

^ Bicoloria. (Fiiruncida). 

In Meckl.-Strel. von M. und ü. und bei W. beob- 
achtet. Hier eine fast überall, stellenweise sehr 
häufige und ausserordentlich variirende Art. Ihr 
Fehlen in den übrigen Lokalfaunen hat daher für 
mich etwas Befremdendes; vielleicht ist sie nur 
wegen ihrer Kleinheit und weil sie sich am Tage 
gut zu verbergen weiss, nur Abends zahlreich und 
selbst in Menge erscheint, von manchen übersehen 
worden. Sie findet sich besonders zwischen dünne- 
stehendem Gebüsch, auf Rasenplätzen der Prome- 
naden und Wälder, wo der Boden nicht allzu schwer 
oder leicht ist, im Juli. Die R fand ich niemals. 
Die von ü. (A. 1866, S. 88) als Apamea nov. 
s^ecies aufgeführte Eule scheint mir nichts anderes als 
eine der zahlreichen Varietäten der Furuncula zu sein. 

Archiv XXXUI. 8 



114 

Dypterygia. 

* Scahriuscula. (Pinastri). Buckeleule. 

Allenthalben in Meckl. Bei W. nicht selten; die R. 
fand ich im Aug. und Sept. nur auf Sauerampfer, 
sowohl auf dem kultivirten der Gärten, als auf wild- 
wachsenden. 

Hyppa, 
Bectilinea. Graue Eule. 

Von U. in Friedland gezogen (A. 1856, S. 64). 
Auch bei Hamburg, Berlin und in Pommern. 

Ohloantha. 

* Polyodon. (Perspicillaris) . Johanniskrauteule. 

In Meckl. -Strel (Sp. IT.), bei Gad. und W. Auf 
freien Plätzen und an den Rändern der Wälder, wo 
Hypericum perforatum häufig steht, finde ich auch 
fast überall im Aug. die R. am Boden in der Nähe 
dieser Pflanze mehr oder weniger versteckt, aber 
nicht eben häufig. Auch fand ich im Prühlin^e an 
solchen Orten einzeln die Eule. 
Trachea. 

"^ Atriplicis. Meldeneule. 

Von allen aufgeführt. Bei W. verbreitet und nicht 
selten. Die R. fand ich von Juli bis Sept. überall, 
aber nur auf Sauerampfer in Gärten und Feldern. 
Euplexia. 

*Lucipara. Purpurglanz. 

Allenthalben bei uns. Bei W. mehr in Gärten und 
Lustanlagen als in Wäldern. Im ganzen ziemlich 
häufig und verbreitet. Die R. im Spätsommer auf 
verschiedenen Kräutern. 

Brotolomia. 

"" Meiiculosa. Mangoldeule. Achatflügel. 

Eine gleichfalls sehr verbreitete, wenn auch in 
Meckl. nicht so häufige Art als die vorhergehende, 
die aber in zwei Generationen erscheint. Die R. 
auf verschiedenen niederen Pflanzen sehr zeitig im 
Frühlinge und im Sommer. 



115 



M a n i a. 

"^Maura. Nachtgeist. Gespennst. Schwarzes 
Ordensband. 
Nur von K. einmal bei Sülz gefangen. In meiner 
Jugendzeit hatte auch hier ein Knabe ein Exempl. 
dieser Art gefangen. Derselbe hielt aber den Fund- 
ort geheim, damit wir anderen nicht etwa auch diese 
unter uns Knaben Aufsehen erregende Seltenheit 
erbeuteten. Ich suchte indessen das Thier hier ver- 
gebens, und ist es überhaupt fraglich, da es mehr 
dem Westen und Süden angehört, in unseren Ge- 
genden ihre Nordostgrenze hat und hier nur sehr 
vereinzelt beobachtet wurde, ob es noch in Meckl. 
vorkommt. Ich hatte in diesem Frühlinge eine An- 
zahl Raupen dieses interessanten Thieres aus Aachen 
bezogen, hauptsächlich um die Eulen hier in Frei- 
heit zu setzen und einen Versuch zu machen, sie 
hier fortzupflanzen, war aber behindert, dieselben 
an einen zu ihrem Fortkommen geeigneten Ort — 
in das kleine Erlenbruch an den Rohlsdorfer Tannen 
— zu bringen, gedenke aber doch dieses im näch- 
sten Jahre auszuführen. 

Die uns nächsten sonstigen Fundorte sind Lüne- 
burg und Hannover. 

Naenia. 

"^Typica. Splitter strich. Netz. 

Allenthalben. Bei Gad. und W., und wahrscheinlich 
auch in den anderen Gegenden Meckl., ziemlich 
häufig. R. bis Mai an niederen Kräutern. 

Helotropha. 
* Leucostigma. Schwer tli li eneule. 

In allen Faunen aufgeführt, bei Gad. nicht selten. 
Ich fand die Eule besonders in der Nähe von Ge- 
wässern, doch auch manchmal an von diesen ent- 
fernten Orten, die R. aber nur an diesen, in Mooren 
und auf Wiesen , wo Glyceria spectabilis , Iris 
pseudacorus, Sparganium und ähnliche Sumpfpflanzen 
wachsen, in welchen dieselbe immer unten nahe 

8* 



116 



über dem Boden von Mai— Juli lebt. Sie ist eine 
schlimme Mordraupe und muss daher bei der Zimmer- 
zucht separirt werden, wächst rasch. Der Seh. hält 
sich am Tage immer sehr versteckt, ist auch Abends 
zu fangen und variirt erheblich. Spezielleres über 
die Art habe ich A. 1851, S. 147 mitgetheilt. 
*v. Fibrös a. 

Bei W. nicht selten unter der Stammform. 

Hydroecia. 

"^Nictitans. Weissniere. 

Von allen beobachtet. Ich klopfte die Eule nur 
einige Male im Walde bei Kleinen am Rande eines 
kleinen Moores in verschiedenen Varietäten vom 
Gebüsch. 

* Micacea. Sumpfeule. 

In Meckl.-Strel. (Sp.), bei Sülz, Gad. und W. beob- 
achtet. Den Seh. fand ich nur sehr einzeln, die ganz 
junge R. aber manchmal stellenweise recht häufig. 
Sie leben alsdann besonders in Phalaris arundinacea, 
doch auch einzeln in anderen Pflanzen, die grössere 
oder erwachsene R. ernährt sich aber sehr wahr- 
scheinlich auch noch von manchen anderen Dingen 
und wurde auch unter anderen Verhältnissen und 
nur selten von mir gefunden. Sie muss aber auch 
an anderen Orten, als in Sümpfen leben, da die 
Puppe einzeln in Gärten und Aeckern ausgegraben 
und mir gebracht wurde. Laman in Bremen fand 
sie Erdbeeren fressend. Die Zucht aus der kleinen 
R. misslang mir fast immer ganz, ich erzielte meistens 
nur einen, zwei oder drei Seh., besonders weil auch 
diese R. sich fortwährend morden und einander ver- 
zehren, auch wohl später noch andere Nahrung be- 
dürfen. Näheres über diese Art habe ich in Katter's 
entomolog. Nachrichten, J. 1879, S. 30 mitgetheilt. 
Gortyna. 
* Ochracea . (Flavago) . M a r k e u 1 e. 

Von ünger bei Friedland als P. überall in Arctium 
Lappa gefunden. Auch ich fand R. und P. öfter und 



117 



stellenweise sehr häufig, mitunter 4-6 Stück in einer 
und derselben Klettenpflanze bis Juli, doch nur 
äusserst selten die Eule. Weil nun diese R. in den 
Stengeln dieser und anderer Pflanzen lebt, denen 
man äusserlich nichts davon ansieht, so ist dieselbe 
wohl von den anderen Sammlern nicht besonders 
gesucht und daher überhaupt nicht gefunden worden, 
obgleich anzunehmen ist, dass auch diese Art in Meckl. 
allenthalben, wo zweijährige Kletten kräftig und 
häufig stehen, vorkommt. 

Nonagria. 
Nexa. Seggengras- Bohreule. 

Von mir allein vertreten. An den Seitengewässern 
unseres Mühlenteiches, besonders an dem östlichen 
Seitenarme desselben, der sich eine halbe Meile lang 
nach Greese hin erstreckt und bereits von Rohr und 
anderen Sumpfpflanzen zugewachsen ist, findet sich 
bei W. die spezielle Heimath dieser Art. An Stellen, 
wo das Rohr hier bereits im Weichen begriffen und 
von den dazwischen kräftig auftretenden Riedgräsern 
und anderen Wasserpflanzen verdrängt wird, findet 
sich tief unten in den Halmen der gröberen Carex- 
Arten und in der Glyceria spectabilis die R. der 
Nexa im Juni und Juli stellenweise ziemlich häufig. 
Sie ist jedoch nicht leicht zu ziehen, wächst auch 
ziemlich langsam und die erwachsene R. fand ich 
viel seltener. Noch mühsamer ist es die P. zu ent- 
decken, die am Boden zwischen trockenen Blättern, 
oder zwischen den Herz- oder Seitenblättern der 
stehenden Riedgräser zu suchen ist. Leichter erlangt 
man den Seh. durch Fang, wenn auch selten rein, 
Abends auf dem Anstände an solchen Orten im Aug. 
und Sept. lieber die bis dahin wenig bekannte 
Naturgeschichte dieser Art findet man Weiteres von 
mir in der Stett. entomol. Zeitung J. 1858, S. 365. 
Nexa ist überhaupt nur in wenigen mitteleuro- 
päischen Küstenländern gefunden und sonst nur noch 
bei Stettin, Friesak , an einzelnen anderen Orten 



118 



Norddeutschlands, in neuester Zeit in Nordfrankreich 
und Schweden beobachtet worden. Ihre Existenz 
setzt zwar besondere Lokalitäten voraus, doch werden 
sich diese auch wohl in anderen Gegenden, auch 
sonst noch in Meckl., finden und besonders auf diese 
Art zu erforschen sein. 

*Cannae. Schilfgraseule. 

Nur bei Friedland und W. beobachtet. Hier findet 
sie sich besonders in den ausgebeuteten Torfmooren, 
wenn diese sich beim Zuwachsen in dem Stadium 
der Schilfkolben befinden, welche dann diese Wasser- 
löcher zuerst meistens mit dem breitblättrigen, später 
mit dem schmalblättrigen Schilfe durch den kräftigen 
Wuchs und ihre Massenhaftigkeit zumeist ausfüllen 
und so den Boden immer fester machen und für das 
nachfolgende Rohr vorbereiten. Hier ist alsdann 
die R. und P. vom Juni bis Aug. stellenweise so 
häufig, dass oft mehr als die Hälfte aller Kolben 
von einer R. dieser Art oder von einer der 
beiden nachfolgenden bewohnt wird; nur ist es oft 
schwierig, ja unmöglich, an diesen sumpfigen Plätzen 
selbst mit grossen Wasserstiefeln, an die Hauptstellen 
zu gelangen. Die junge R. findet sich auch oft in 
Glyceria spectabilis, Iris pseudacorus u. a. Sumpf- 
pflanzen, hat aber später zum guten Gedeihen eine 
Tyjjha- Art nöthig. Der Seh. ist, wie auch die nach- 
folgenden beiden Arten, Abends am Schilfe zu fangen. 

* ßparganii. Igelkolbeneule. 

In Meckl. - Strel. (Sp. ü.) und bei W^. beobachtet. 
Nachdem ich schon eine Reihe von Jahren gesam- 
melt, hunderte von R. oder P. der Cannae und Tyjjhae 
gefunden, die Seh. daraus gezogen und immer auch 
speziell nach Spargamij aber vergeblich gesucht 
hatte, erschien mir unerwartet unter vielen vermeint- 
lichen Puppen der Gannae auch eine Sj_)arganii, ebenso 
nach ein paar Jahren wieder eine solche Eule, dann 
kamen jähi'lich einzelne und in den letzten Jahren 
schon mehrere Exempl. derselben unter jenen zum 



119 



Vorschein. Es scheint demnach, als ob diese Art 
sich in neuerer Zeit hier eingefunden, nachdem sich 
Lokalitäten für ihre Ansprüche gebildet hatten, und 
sich alsdann mehr angesiedelt und ausgebreitet habe. 
Bis jetzt ist sie hier von den Schilfnonagrien bei 
weitem die seltenste Species, während in anderen 
Gegenden, z. B. bei Hamburg und Stettin Sjjarganii 
ebenso häufig als Typhae, Gannae dagegen selten vor- 
kommt. Auch ü. fand bei Friedland Sjjargami 
häufiger als Gannae (A. 1866, S. 108.) Vielleicht, 
dass auch noch bei W. Spargami die Gannae nach 
und nach mehr verdrängt und an ihrer Stelle häufig 
auftritt. R. und P. in beiden Schilfkolbenarten. 

* Arundims. (Typhae.) Schilfkolbeneule. 

Nur von U. bei Friedland und mir gefunden, sicher 
aber in Mckl. allenthalben, wo Typha latlfolia und 
angustifolia kräftig und häufig wachsen; denn sie ist 
überhaupt die verbreitetste und gewöhnlichste der 
drei Schilfeulen, die sich auch bei W. allenthalben, 
wo die Nährpflanze, findet, während die anderen 
beiden Arten nur an besonderen Stellen vorhanden 
sind. Ich fand auch einmal bei Sülz die P. dieser 
Art sogleich, wo in der Reknitzniederung nur Typha 
latifolia wenig und einzeln stand. R. und P. bis 
Aug. in beiden Schilf kolben (vulgo hier Käddik, die 
Blüthenkolben Bullenpäsel.) 
*i;. F rat er 71 a. 

Findet sich nicht eben selten unter der Stammform 
mehr oder weniger ausgebildet bis ganz dunkelbraun 
oder schwarz. 

* Geminiyuncta, (Paludicola.) R o h r e u 1 e. 

Nur bei W. beobachtet und von mir in grosser 
Menge und alljährlich gezogen. Die überhaupt ver- 
breitetste und häufigste Rohr-Nonagrie, so auch bei 
W. Die R. und P. findet sich hier im Juni und Juli 
fast überall im Rohre und war besonders in den 
letzten Jahren stellenweise ausserordentlich häufig. 
Sie hat sich hier immer mehr verbreitet und ihre Zahl 



120 



sich im Laufe meiner Zeit so vermehrt, dass sie die 
anderen beiden Arten mehr und mehr zu verdrängen 
scheint. Vor etwa 30 Jahren, als ich sie hier zuerst 
fand, war die R. lange nicht so häufig, als die der 
Arundinetij jetzt aber hat jene auch an den Stellen der 
letzteren fast alle kräftigen Rohrhalme in Besitz genom- 
men und Arundineti ist ganz selten geworden. Sicher 
kommt Geminiimncta auch in den grossen Rohr. 
Werbungen unserer Landseen hier und dort vor. 
So fand ich sie schon (an dem kleinen See des Tar- 
zower Moores. Seh. im Aug. Puppenruhe etwa 6 
Wochen. 

*v. Guttans häufig. 

*!'. Nigricans selten. 

* Neurica. Rohrtriebeule. 

Nur von mir beobachtet. Bei W. in mehreren 
grösseren Rohrwerbungen und, wenn auch meistens 
nur einzeln, doch an manchen Stellen nicht eben 
selten. Die R. ist schon Ende Mai bis Mitte Juni, 
um etwa 3 Wochen früher als die der Arundineti 
ausgewachsen, und von dieser leicht zu unterscheiden. 
Sie hat eben eine schmutzig weissliche Farbe und 
hellere Gelenkeinschnitte, während die der Armi- 
dineti einen schön blassrothen Rücken hat und 
auch grösser wird. Sie findet sich besonders in 
solchen Rohrhalmen, die nicht in tiefem Wasser, 
oder beinahe oder ganz auf wasserfreiem Boden 
stehen, wie dies auch bei den anderen beiden Arten 
der Fall ist. Die Verwandlung geschieht unten im 
Rohrhalm oder einer vorjährigen Rohrstoppel, aber 
weil zu einzeln, ist die P. schwer zu finden und 
mühsam zu suchen. Die Zucht aus der R. ist sehr 
schwierig, häufig ist dieselbe auch angestochen, der 
Seh. zwar Abends vom Rohre ziemlich leicht zu 
fangen, aber fast nur in männlichen Individuen und 
selten rein. 

Neurica ist überhaupt nur an wenig Orten be- 
obachtet und wird, wie auch die nachfolgende Arun- 



121 



dimdi, immer nur noch von mir allein in den Tausch- 
verkehr gebracht, da sie gegenwärtig sonst über- 
haupt nirgends gefunden wird. 
* A ■nmdineti. Rohrdickichteule. 

Gleichfalls von mir allein beobachtet. Diese Art wurde 
früher mit der vorhergehenden für eine und dieselbe 
angesehen und gingen beide unter dem Namen Neu^ 
rica als grosse Seltenheiten. Ich habe die in Rede 
stehende Art in den 30 Jahren, seit welcher Zeit 
ich sie hier kenne, in mehreren Hunderten von 
Exempl., die ich zumeist als P. einsammelte, gezogen 
und versandt, die der jetzigen Neurica allerdings 
viel weniger. Bei dieser vielfältigen Zucht, der 
genauen Beobachtung dieser Thiere und deren Natur- 
geschichte, kam ich zu der üeberzeugung, dass hier 
zwei gute Species als eine galten. Ich habe auch 
die Gründe dafür in meinem „Zur Naturgeschichte 
einiger Lepidopteren'^ in der Stettiner entomol. 
Zeit., J. 1858, S. 367, bekannt gemacht, die Ver- 
schiedenheit beider nachgewiesen und dieser Art 
obigen Namen gegeben. Auch habe ich schon über 
dieselbe und deren Lebensweise in diesem Archive 
1851, S. 137, Mittheilungen gemacht, freilich damals 
unter dem Namen Neurica, die sich aber alle auf 
die jetzige Arundineti beziehen. Sie ist, wie die 
beiden vorhergehenden Species an Rohr gebunden. 
Die R, lebt in dem gemeinen Rohr bis etwa Anfangs 
Juli, verpuppt sich wie Neurica mit dem Kopfe nach 
unten, tief unten im Halme oder in einer nahen 
Stoppel und entwickelt sich gleichfalls nach etwa 
3 Wochen stets am Abende. Sie findet sich aber 
nur an unserem Mühlenteiche an seiner Nord- und 
Südseite, und auch hier nur an einzelnen, meistens 
beschränkten Stellen, und zwar ziemlich noch an 
denselben Orten, wo ich sie vor etwa 30 Jahren zu- 
erst und, seit dieser Zeit, ausschliesslich fand. Dieselbe 
ist aber im Laufe der Zeit immer seltener geworden, 
an der Nordseite kaum noch vorhanden, während sie 



122 



auch hier an ihren Stellen früher in Menge vorkam. 
Wo an diesen Orten das Rohr noch die nöthige 
Stärke hat, ist dasselbe jetzt fast alle von der Gemini- 
pimcta in Beschlag genommen und diese mag die 
Arundincti hier verdrängt haben, doch ist es mir 
wahrscheinlicher, dass sie durch den in der Sommer- 
zeit jetzt höher gehaltenen Wasserstand des Teiches 
in Folge einer neuen Mühlenanlage in ihrem guten 
Gedeihen beeinträchtigt worden ist. Der Grund 
aber, warum diese Raupenart sich nur auf diese 
kleinen Oertlichkeiten beschränkt, ist mir unbekannt, 
mag aber wohl besonders in einem hier günstigeren 
Verhältniss der abgesetzten Eier zu den Wasser- 
und Eisständen des Winters und Frühlings zu suchen 
sein. Denn es gibt hier noch sehr viele Oertlich- 
keiten von anscheinend ganz derselben Beschaffenheit 
wie am Fundorte der R., aber man findet sie dort 
nicht oder höchst selten ein einzelnes Exemplar, 
während die anderen beiden Rohr-Nonagrien sich 
längst auch weiter verbreitet haben. Arundinetl ist 
ein gewandter Flieger und daher vollständig befähigt, 
sich durch den Flug zu verbreiten. Es müssen 
also doch ganz besondere für ihre Existenz erfor- 
derliche Verhältnisse an diesen Oertlichkeiten vor- 
handen sein, die schwer zu ermitteln sind und sich 
nur selten vereinigt finden. Daher erklärt es sieb 
auch, dass diese Art überhaupt sich nur an so wenig 
Orten findet. Denn sie wurde sonst nur noch bei 
Darmstadt (früher), in Holland, England und Russ- 
land an einzelnen Orten beobachtet, wenn nicht 
etwa Verwechslungen m\t Neurica hier mit unterliefen. 
Coenobia. 
^Rufa. (Des;pecta.) Simseneule. 

Nur bei W. beobachtet. Mein einziger Fundort 
dieser kleinen und seltenen Eule ist die nach dem 
nahen Gute Greese gehörende kleine Moorwiese, 
dem Flöter Hof gegenüber, wo ich auch Lith. mus- 
cerdaj Noct. Florida ausschliesslich und andere gute 



123 



Arten finde. Nachdem ich hier in den Jahren vor- 
her Abends im Juli den Seil, mehrfach gefangen, 
entdeckte ich im Jahre 1860 zuerst, nach mühsamem 
Suchen hier auch die R. und P., und zog in diesem 
und dem nächsten Jahre eine Anzaiil Seh. dieser 
Art. Die R. fand sich nur in einem kleinen Wasser- 
loche, das durch Ausgraben von Torf entstanden, 
halb mit Wasser gefüllt und zumeist mit allerlei 
Wasserpflanzen, besonders aber mit der gemeinen 
Gliedersimse bestanden war. In dieser entdeckte 
ich die R. Als aber im zweiten Jahre darauf das 
kleine Erlenbruch daneben ausgerodet, der Boden 
geebnet, dieses Wasserloch zumeist zugeworfen 
worden war, verschwand auch hier die Simse und 
mit ihr diese Schmetterlingsart. 

Die R. der Despecta war bis dahin noch ganz 
unbekannt, und obgleich ich schon damals einigen 
meiner entomologischen Correspondenteu meine 
neue Entdeckung und das Wesentlichste über diese 
R. und deren Wohnpflanze mitgetheilt habe^ so ist 
doch meines Wissens bis heute keine Beschreibung 
derselben erschienen, auch nichts weiter über diese 
Art bekannt gemacht, als dass der Seh auch hier 
und dort beobachtet sei und die R. in Jimcus Lam- 
^rocarjjos lebe. Daher hier eine solche in Kürze 

Die dünne, schlanke, ziemlich bewegliche R. 
wird ungefähr % Zoll lang, ist oben zart röthlich, 
unten beinahe weiss gefärbt, der Kopf und die 
Schilder erscheinen ein wenig bräunlich glänzend. 
Durch die Loupe sieht man noch das Rückcngefäss 
als mattgrüne Längslinie, auf jedem Gliede im Dor- 
sale 4 dunkle Pünktchen in der gewöhnlichen Ord- 
nung, solche einzelne um die Luftlöcher und über 
diesen eine feine schwärzliche Längslinie verlaufen. 
Der Kopf ist halbkuglich, das Gebiss schwärzlich, 
auf den Schildern sieht man einige dunkle Pünktchen, 
welche, sowie die des Körpers, alle ein feines Här- 
chen tragen. Sie hat ganz das Aussehen einer 



124 



Nonagrien-R. und grosse Aehnlichkeit mit der R. 
einer Ärundineti, aber nur die halbe Grösse der- 
selben. Sie lebt bis Ende Juni in Juncus Lampro- 
carpos an Stellen, wo diese ziemlich tief im Wasser 
steht, und zwar in dem Theile der Simse, der sich 
unter Wasser befindet, frisst deren Mark, macht 
einen langen Gang in dem Halme und verwandelt 
sich in diesem ganz wie eine Nonagrie. 

Die Puppe ist fast einen halben Zoll lang, ver- 
bältnissmässig dünn und schlank, glänzend ledergelb, 
hat vorne einen kurzen rüsselartigen Portsatz wie 
die der Neuricaf der sie überhaupt sehr ähnelt, nur 
dass sie bedeutend kleiner ist. Sie liegt in einer 
ausgehöhlten Stelle im Halme nahe unter der Ober- 
fläche des Wassers mit dem Kopfe nach oben, und 
das Flugloch befindet sich nahe über ihr und nahe 
über dem Wasser. 

Die Verwandlung der R. geschieht recht un- 
gleichzeitig, ebenso die Entwickelung der Seh. 
Letztere fand bei mir zwischen dem 8. Juli und der 
Mitte Aug. statt Die R. scheint sehr monophager 
Natur zu sein, denn obgleich andere Simsenarten, 
zum Theil in Menge und in unmittelbarer Nähe des 
Fundortes standen, so fand ich doch nie eine Spur 
dieser R. in ihnen. Die Anwesenheit der R. oder 
P. in der Simse verräth auch hier die trockne 
Spitze derselben. 

Rufa ist überhaupt in wenig Gegenden ge- 
funden worden. 

Nur das Festhalten an den einmal seinem 
Systeme zu Grunde gelegten bestimmten Merkmalen 
bei Bildung der Genera, sowie die bisher noch un- 
bekannte Naturgeschichte dieser Art, können L e d e r e r 
veranlasst haben, Desjpecta von den Nonagrien zu 
trennen und sie in eine eigene Gattung unterzu- 
bringen, da doch dieser Habitus des Seh. die Art in 
jenes Genus verweist, und die Lebensweise der R. 
und deren Verwandlungsart ganz die einer echten 



125 



Nonagrie ist. — Dagegen erscheint Nexa im Genus 
Nonagria sowohl als Eule, als durch ihre Natur- 
geschichte fremdartig. 

S enta 
^Maritima. (Ulvae.) Silbergraue Rohreule. 

Nur bei W, beobachtet. Hier in den meisten Rohr- 
werbungen an geeigneten Stellen mitunter ziemlich 
häufig. Sicher in Meckl. auch noch in anderen 
Gegenden. 

Auch ein echtes Rohrthier und eine biologisch 
ganz besonders interessante Spezies. Die R. bis 
Mai, Nachts thätig, am Tage in den Höhlungen der 
Rohrstoppeln verborgen, in welchen sie sich auch 
verwandelt. Seh. im Juni, auch noch Juli Abends 
am Rohre zu fangen. Früher nur in sehr wenig 
Gegenden als Seltenheit beobachtet, schien sie dann 
eine Zeitlang ganz verschollen zu sein, bis ich 
dieselbe hier bei W. wieder aufgefunden (A. 1851, 
S. 128) und ihre bis dahin fast unbekannte Natur- 
geschichte ermittelt und in der Stett. entomol. Zeit. 
J. 1858, S. 353 ff. veröffentlicht hatte. Ein Haupt- 
resultat dieser Beobachtungen war die Entdeckung, 
dass diese Raupenart sehr abweichend von allen 
anderen bekannten im Frühlinge raubthierartig sich 
von allerlei Rohrthieren ernährt, die sich noch im 
Winterschlaf oder in einem sonstigen mehr oder 
weniger hülflosen Zustande befinden, als: Puppen, 
Raupen, Larven, Käfer, Fliegen, Spinnen u. a. m., 
oder deren Rudera. Seit dieser Zeit ist nun diese 
Art auch in einigen anderen Gegenden gefunden 
worden und in der Stett. entomol. Zeit. 1866, S. 353 
erschien vom Herrn Professor Zeller die Ueber- 
setzung eines Aufsatzes aus der niederländischen 
„Tydschrift for Entomologie'' vom Herrn P. C. T. 
Sn eilen, in welchem derselbe sagt, dass ihm meine 
Angaben, die R. dieses Seh. nähre sich nicht von 
vegetabilischen, sondern allein von animalischen 
Stoffen, etwas brächten, wovon er bisher nicht nur 



126 



nichts ahnte, sondern sogar des Gegentheils sicher 
zu sein glaubte und in welchem er diesen Resultaten 
meiner Beobachtungen nach ein paar Versuchen 
in so fern entgegen tritt, als diese ergeben hatten, 
,,dass TJlvae ein Thier von derselben Beschaffenheit 
ist, wie Noct. Trapezma, dass nämlich ihr gewöhn- 
liches Futter in Vegetabilien, den Blättern des ge- 
meinen Rohrs besteht, dass sie aber eben so begierig 
wie die R, des genannten Seh. andere R. und P. 
anfällt^'. Herr Sn eilen theilt nun auch die beiden 
Versuche mit, welche er mit dieser R. anstellte. 
Er fand Mitte März eine solche Raupe, sperrte sie 
in eine Schachtel und brachte zu ihr eine Käferlarve. 
Am anderen Morgen war diese grosse Larve zu 
seiner Verwunderung bis auf ein Stück Haut von 
der Ulvae aufgezehrt. Dann liess er die R. ein paar 
Tage hungern, legte junge Triebe des Rohrs zu ihr 
und sie hatte am anderen Morgen hiervon gut ge- 
fressen. Nun fand er noch 2 oder 3 Ulvae-R., setzte 
diese, aber auch eine R. des CJiüo Phragmitellusy zu 
der ersten. Nach ein paar Tagen bemerkte er, 
nachdem auch diese R. in den Magen einer Ulvae 
verschwunden war, „dass das Rohr an mehreren 
Stellen angefressen war, was die Fhragmüellus-R., 
die sich nicht von Blättern, sondern vom Innern der 
Rohrwurzeln nährt, nicht gethan haben konnte." 

Zu diesen beiden Versuchen bemerke ich, dass 
nur der erste mit der einen R. Werth hat und, 
Falls kein Irrthum dabei vorgekommen, beweist, 
dass die Ulvae-K. doch unter Umständen auch Rohr 
fresse. Der zweite Versuch aber spricht mehr für 
meine Ansicht als für die des Herrn Snellen. Denn 
bei diesem bin ich der festen üeberzeugung, dass 
nicht die Llvae das Rohr abgenagt hatten, sondern 
dass dies die Phragmitellus R. gethan hat. Dieses 
mir sehr bekannte Thier lebt im unteren holzigen 
Theile des Rohrhalmes, im zweiten Jahre in der 
Gegend des Wurzelstockes desselben und ist, wenn 



127 



unfreiwillig hieraus entfernt, stets eifrig bemüht, 
sich wieder in das Innere eines Rohrhalmes hinein- 
zunagen. Diese Versuche macht sie fortwährend, 
und hat es auch sicher beim Herrn Snellen nicht 
unterlassen, würde auch in einen Halm bald hinein, 
gekommen sein, falls sie das junge Rohr nicht etwa 
zu weich und unpassend befunden und sie nicht 
durch die steten Angriffe der Ulvae immer bei dieser 
Arbeit gestört worden wäre. Der grüne Koth 
übrigens, welchen derselbe im Freien in den Rohr- 
stoppeln fand und ohne weiteres als von der 
Ulvae-R. abgesetzt ansieht, stammte höchst wahr- 
scheinlich auch in seiner Gegend von anderen am 
s'ilben Orte lebenden R. : Obsoleta, Strammea, Im- 
puna u. a. her, wie dies hier stets der Fall ist. Der 
Koth, den ich von Llvae sicher abgesetzt viel sah, 
bestand aus kleinen bräunlichen Kügelchen. Sehr 
aufgefallen ist mir hierbei noch ganz besonders der 
umstand, dass Herr Snellen seinen R. schon Mitte 
März junges Rohr vorlegen konnte, da dasselbe, 
wenigstens in hiesiger Gegend, erst Ende Apr. oder 
Anfangs Mai zu treiben beginnt und vor Mitte des 
letzteren Monats selten bis zur Blattentwickelung 
vorgeschritten ist. Um diese Zeit ist aber der 
grösste Theil dieser R. schon ausgewachsen und 
zur Verwandlung geschritten. Nun ist aber diese 
Raupenart schon im Febr. und März, bei Thauwetter 
immer, thätig, und wird alsdann schon meistens 
wohlgenährt angetroffen — auch Herrn Snellen's 
erste R. war schon um diese Zeit kräftig — ; sie 
müssen also dann schon Nahrung finden, welche 
unmöglich in jungen Rohrblättern bestehen kann, 
da von solchen noch keine Spur an ihrem Aufent- 
haltsorte vorhanden ist. Mir war es daher nur bei 
Spätlingen überhaupt möglich, ihnen grünes Rohr 
vorzulegen, und ich habe dies nicht nur einmal, 
sondern sehr viele Male und bis heute noch gethan, 
ihnen auch nach und nach alle anderen Sumpf- 



128 



pflanzen, welche an den Fundorten dieser R.-Art 
wachsen, geboten, aber nie erreichen können, dass 
sie von irgend einer frassen, vielmehr immer ge- 
funden, dass, wenn ich ihnen thierische Nahrung 
beharrlich verweigerte, die eine bald die andere in 
den engen Rohrstoppeln erfasst und verzehrt hatte 
und so sich alle bald aufrieben Dagegen gedieh 
die Zucht sehr gut, wenn ich ihnen reichlich ani- 
malische Nahrung vorlegte. Auch Hrn. Snellens 
R. gingen zu Grunde, nach meinem Dafürhalten, 
weil er ihnen nicht das nöthige Quantum thierischer 
Nahrung bot. Ich habe hunderte von diesen R. 
gehabt und' fast immer, auch noch in neuester Zeit, 
Versuche damit gemacht, aber stets mit demselben 
Resultate. Dass sie in dieser Zeit auch im Freien 
von thierischen und nicht von PflanzenstofPen lebt, 
ersieht man auch bei ihrem durchscheinbaren Körper 
an der oft dunklen Farbe der genossenen Nahrung, 
wie sie viele todte R und andere Thierreste am 
Fundorte haben, von denen sie offenbar herrührt. 
Niemals sah ich den Nahrungsschlauch grün gefärbt 
durchscheinen. Wie dieses Thier in seiner frühesten 
Jugend und namentlich vor dem Winter lebt, habe 
ich nicht so recht ermittelt. Aber wenn nun auch 
diese R. durch Hunger einmal dahin zu bringen ist 
oder ein besonderes Gelüste sie etwa dazu veran- 
lasst, dass sie auch einmal Pflanzenkost geniesst, 
doch aber thierische dieser begierig vorzieht und 
nur dabei gedeiht, so meine ich, ist doch immer 
letztere als ihre natürliche anzusehen. Auch ist es 
von den Mordraupen meines Wissens nicht bekannt, 
dass sie ausser R. auch verschiedene Thiere ganz 
anderer Klassen anfallen und fressen; jedenfalls 
steht die R. der Ulvae in dieser Beziehung einzig 
da. Von noch anderer Seite ist mir nur noch eine 
Publikation über die Ernährungsart der in Rede 
stehenden R. zu Gesichte gekommen, und zwar von 
Herrn Alexander Bau in der Berliner Zeitschrift 



129 



„Isis*' vom Dr. C. Rass und B. Düringen, J. 1878 
(No. 9), S. 72, wo derselbe unter anderem sagt: 
,,Es ist durch sorgfältige Beobachtungen festgestellt, 
dass sich diese R. hauptsächlich von thierischen 
Stoffen ernährt, und wer ein günstiges Zuchtergebniss 
erzielen will, rauss ihr solche Stoffe bieten/' Derselbe 
räth sie mit Kohlweisslings-Puppen, die man an der 
unteren Spitze geöffnet hat, oder mit dicken Mehlwür- 
mern zu füttern, dann würde man 80 Procent durch- 
bringen. Ich bemerke hierzu noch, dass diese Thiere 
solche Kost im Behälter bald auffinden, wohin sie auch 
gelegt werde, dass es bei dünnschaligen Puppen 
nicht nöthig ist, diese vorher zu öffnen, da sie selbst 
bald ein Loch hinein nagen und den Inhalt aus- 
fressen, und dass sie auch trockene Reste von ver- 
schiedenen Rohrthieren verzehren, wenn man diese 
vorher durch Anfeuchten erweicht hat, wie sie solche 
im Freien meistens vorfinden. 

Daher halte ich noch immer meinen früher in 
der Stett. ent. Zeit. (loc. cit.) gethanen Ausspruch 
fest, dass die normale Nahrung der R. der Ulvae, 
wenigstens nach der Ueberwinterung, eine anima- 
lische sei. 

Der Seh. kommt in verschiedenen Varietäten 

vor. Unter diesen auch die sehr konstanten 

V. Bipunctata. (Nigromaculata) . A. 1859, S. 155. und 

V. Wismariensis, welche sich beide an denselben 

Orten, wo die Stammform, aber selten, besonders 

die letztere, finden. 

Tapinostola. 
* Fulva. (Fluxa.) 

Nur bei W. beobachtet. Abends von mir auf ver- 
schiedenen Wiesen mit gröberen Carex- Arten vom 
Juli bis Sept. gefangen, aber immer nur sehr einzeln, 
Die wenigen 5, welche ich traf, sassen alsdann ge- 
wöhnlich still, oder mit den Flügeln schlagend an 
einer Pflanze. Den Seh. zu ziehen ist mir nicht 
gelungen. S. Stett. ent. Zeit. 1858, S. 366. 

Archiv XXXm. 9 



130 



*^J. Fluxa. An denselben Orten, wo die Stammform, 

aber überhaupt nur zweimal von mir gefangen. 
Hellmanni. 

Nur von U. bei Friedland gefangen (A. 1866, S. 88.) 
Sein Zweifel, ob er diese Art und nicht etwa Fulva 
vor sich hatte, ist schon mit ziemlicher Sicherheit 
dadurch beseitigt, dass ü. den Seh, an der Scabiose 
fing, auf welcher Blume Hellmanni auch bei Berlin 
getroffen wurde und wohin sich Fulva schwerlich 
verirren möchte, da diese auf mehr oder weniger 
nassen Wiesen ihre Heimath hat und nie auf Blumen 
fliegend getroffen wurde. 

^Elymi. Sandhafereule. 

Bisher nur bei W. und zwar auf Pol, dem langen 
Werder, der Halbinsel Wustrow, bei Tarnewitz, 
Boltenhagen und an der Wohlenberger Bucht an 
Stellen, wo das Ufer sandig ist und Elymus arena- 
rius wächst, in welchem unten, nahe über oder unter 
dem Sande die R. und P. im Mai und Juni zu finden, 
von mir beobachtet. Seh. im Juni und Juli nicht 
eben selten. A. 1859, S. 155. — Stett. ent. Zeit. 
1858. S. 362. 

Sicher bei uns an der ganzen Ostseeküste, wo 
Elymus häufig und üppig wächst. 
Oalamia. 

"^Lutosa. (Batliyerga.) Rohrwurzeleule. 

Auch diese Rohreule ist in Meckl. nur von mir allein 
gefunden, wenn auch ohne Zweifel noch in manchen 
anderen Gegenden desselben, wo sich die Bedin- 
gungen zu ihrer Existenz finden, vorhanden. Bei 
W. in einzelnen Jahren unter günstigen Umständen 
stellenweise ziemlich häufig. Erscheinungszeit des 
Seh. Ende Sept., Anfangs Octob. Derselbe ist 
Abends am Rohre zu fangen, auch am Tage zwischen 
dem Rohre an den Aufenthaltsorten der R. von mir 
mitunter in ziemlicher Anzahl, auch frisch ausge- 
krochen, gefunden worden. Die R. bis Juli tief 
unten in den Wurzeln des gemeinen Rohres, an 



131 



Stellen wo dieses auf wasserfreiem, fettem Boden 
kräftig steht. P. oberflächlich in der Erde oder 
zwischen und in liegenden Rohrtheilen. Ihre Natur- 
geschichte habe ich Stett. ent. Zeit. 1858, S. 363 
mitgetheilt. 

Auch bei Kiel, Hamburg, Berlin. 
* Pliragmitidis. 

Bei W. an verschiedenen Orten von mir Abends am 
Rohre gefangen, immer aber als Seltenheit, so dass 
ich überhaupt nur 4 Stück dieser Eule hier erbeu- 
tete. Ich fand den Seh. aber auch einmal bei Sülz 
an der Recknitz zwischen Sumpfpflanzen sitzend am 
Tage. Sonst ist in Meckl. kein Fundort bekannt. 
Trotz mancher darauf verwandter Mühe ist es mir 
nicht gelungen, die R. zu finden Boie fand dieselbe bei 
Kiel einmal ziemlich häufig im Juni im jungen Rohre. 

Meliana, 
^Flammea. (Duhiosa). Rohrplageneule. 

Auch ein echtes Rohrthier und an diese Pflanze ge- 
bunden. Von mir seit langer Zeit fast alljährlich 
in grösserer oder geringerer Anzahl gezogen, aber 
dennoch niemals häufig gefunden. In grösserer Zahl 
ist die Art hier nur durch viel Zeitaufwand und Mühe 
und dadurch zu erlangen, dass man die P. eine 
lange Zeit — vom Herbste bis Mai — in den Rohr- 
stoppeln suchen kann, und dass sie in den meisten 
Rohrwerbungen vorhanden ist. Der Seh. ist im Mai 
auch Abends am Rohre zu fangen. Sonst in Meckl. 
nur noch von U. bei Friedland beobachtet. Näheres 
über ihre Naturgeschichte in der Stett. ent. Zeit. 
1858. S. 350. 

Leucania. 
* Impudens. (Pudorina), Hautfarbige Eule. 

Ebenfalls nur bei Friedland und W. beobachtet. 
Ich fing die Eule einzeln auf moorigen Wiesen 
Abends auf dem Anstände, zog dieselbe aber viel 
häufiger und seit langer Zeit aus der R., die ich 
zumeist im Apr. auf der kleinen Greeser Moorwiese, 



132 



doch auch an anderen Orten durch Harken erhielt, 
mitunter an sehr nassen Stellen. 

'^Im'pura. Wiesengras eule. 

Allenthalben in Meckl. beobachtet. Bei W. auf 
Mooren, Wiesen und feuchten Rasenplätzen als R. 
und Seh. an diesen Orten eine der häufigsten Arten. 

*PaUens. Butterblumeneule. Bleicher. 

Wohl die überhaupt häufigste und verbreitetste 
Leucante. Bei uns allenthalben und zweimal im 
Jahre — Juni, Juli und Sept. R. an verschiedenen 
Kräutern. Seh. Abends auf Wiesen und in Feldern 
gemein; doch in der zweiten Generation nicht so 
häufig als in der ersten, und die Exempl. gewöhnlich 
kleiner. Dann findet sich auch öfter als in der 
Sommergeneration die Form mit röthlichen Vorder- 
flügeln, welche man auch als v. Ectypa Hb. be- 
zeichnet. 

*Ohsoleta. ßlassgelbe Rohreule. 

In Meckl.-Strel. (M.), bei Gad. und W. beobachtet. 
Eine sehr verbreitete Art und hier die häufigste 
Rohreule, welche sich in Meckl. überall finden wird, 
wo Rohr vorhanden, und dieses die für sie nöthige 
Beschaffenheit hat. Die R. frisst Abends Rohrblätter 
und hält sich am Tage in den Rohrstoppeln ver- 
borgen, im Octob. ausgewachsen, macht sie über 
und unter sich in einer solchen dichten Stoppel ein 
Gespinnst, überwintert in diesem Lager und wird 
im Mai in demselben zur P., aus welcher nach ein 
paar Wochen der Seh erscheint, der alsdann zwischen 
und am Rohre Abends im schnellen Fluge häufig, 
auch einzeln an anderen Orten, angetroffen wird. 

*Strammea. Strohfarbige Rohr eule. 

Nur von mir vertreten und an Rohr wie die vorher- 
gehende Art gebunden, der sie auch in der Lebens- 
weise gleicht, nur dass die R. jung in einer Rohr- 
stoppel überwintert, Ende Mai oder Anfangs Juni 
ausgewachsen ist und den Seh. Juni und Juli liefert. 
Sie findet sich an ähnlichen Stellen, an welchen 



133 



Ohsoleta sich aufhält, ist aber doch im' ganzen viel 
seltener als diese, und ist auch mit Rohrblättern am 
besten zu ernähren. 

"^Comma. Commaeule. Blutkrauteule. 

In Meckl-Strel. (Sp.), bei Gad. und W. Ich fing die 
Eule überhaupt nur dreimal Abends auf der kleinen 
moorigen Wiese beim Greeser Hals. Vielleicht ist 
diese Seltenheit aber nur scheinbar, da es mir nicht 
gelungen ist, die R. zu finden, wodurch sich bekannt- 
lich oft ein ganz anderes Verhältniss herausstellt. 

*Comgera. Roth gelbe Eule. 

Von allen Sammlern vertreten. Bei W. ziemlich 
häufig und allenthalben anzutreffen. Die R. an 
Grabenufern, Wiesen- und Ackerrändern, besonders 
vro diese mit Gräsern und anderen niederen Pflanzen 
üppig bewachsen sind und an ähnlichen Orten nicht 
selten von mir erharkt. R. im Apr. und Mai, Seh. 
im Juni und Juli. 
L album. Das weisse L. 

Bei Neustrelitz (M.) und Gad. Bei letzterem Orte 
ziemlich selten. Nach Speyer auf trockenen, steinigen 
Rasenplätzen. Sonst mehr in südlichen und öst- 
lichen Gegenden. 
ATbi'pimcta. Wegericheule. 

Nur bei Neustrelitz beobachtet und allein von M. 
vertreten. Auch eine Art des Südens, die wohl hier 
ihrer Nordwestgrenze nahe ist. 

Auch bei Lüneburg, Berlin, Stettin. 

* Lithargyrea. Mittelwegericheule. 

Bei Neustrelitz (M.), Gad. (ziemlich selten) und W. 
beobachtet. Ich fing die Eule Abends hier und dort, 
zog sie aber häufiger aus der R., welche ich im Apr. 
und zu Anfange des Mai zumeist an moorigen Wiesen- 
rändern harkte. 

*Turca. Binsengraseule. Türke. 

Allenthalben bei uns beobachtet. Ich fand die R. 
zumeist an feuchten Stellen der Wald- und Bruch- 
ränder im Apr. und Mai, aber ziemlich selten. 



134 



Grammesia. 

Trigrammica. (Trüinea.) Dreistricheule. 

In Meckl.-Strel. von M. G. und Sp. beobachtet. 
Knaben brachten mir einmal ein Exempl., welches 
sie südlich von Schwerin gefunden hatten. Scheint 
bei uns doch nicht allenthalben, namentlich nicht 
auf dem Geestlande vorzukommen. 
Oaradria. 

^Morpheus. Kleine Windeneule. Schläfereule. 
Allenthalben bei uns, bei W. nicht eben selten. 

"^ Quadripuncta. (Cuhicularis) . Vier punktige Eule. 
Auffallender Weise in Meckl. - Strel. nur von M., 
sonst noch bei Gad. und W. beobachtet. An letz- 
teren beiden Orten häufig, Eine überhaupt sehr 
verbreitete und allenthalben häufige Art. 

^'Resj)eTsa, Silberfarb ene Eule. 

Von allen aufgeführt. Bei W. hier und dort, be- 
sonders in der nächsten Umgebung der Stadt im 
Juli, aber nicht oft. 

*Alsines. Hühnerdarmeule. 

Bei Friedland, Gad. und W. sehr hänfig, sonst nur 
noch von G. als bei Neustrelitz aufgeführt. Hier 
bei W. als R. und als Seh. die gemeinste Art dieser 
Gattung. 
Super stes Tr, (Blanda Hb.). 

Von K. (nicht selten) und Sp im Verzeichnisse auf- 
geführt. Doch da über diese und die beiden sehr 
nahen Amhigua S. V. und Tr. (Plantaginis Hb.) und 
Taraxaci Hb, (Blanda S. V.) selbst noch unter den 
Autoren Zweifel und Unsicherheit über die Unter- 
scheidung und Feststellung der einzelnen Arten 
herrscht, und nach Staudinger die sichere Superstes 
nur in Oestreich, Ungarn und anderen südöstlichen 
Gegenden von Europa vorkommt, so ist es unwahr- 
scheinlich, dass die obigen Herrn diese Spezies bei 
uns fanden, und viel eher anzunehmen, dass sie irr- 
ihümlich eine der beiden anderen Arten für diese 
hielten. Da K. Älsines als bei Sülz nicht aufführt. 



135 



so vermuthe ich dass er diese als Superstes be- 
stimmte. Ich zog und fand bei W. von diesen nur: 
""Taraxaci Hb. (Blanda S. V. u. Tr.) 

Auf Rasenplätzen, an Wiesen und Waldrändern und 
ziemlich selten. 

Hydrilla. 

* Palustris, 

Nur einmal von mir im Mai Abends auf einem 
feuchten, kräuterreichen Rasenplatz zwischen Rohr 
und Wiesen vor dem Liibschen Thore gefangen. 
Sonst von Niemanden in Meckl. beobachtet. Aber 
U. führt (A. 1866. S. 88, No. 10) eine bei Pried- 
land gefangene, ihm unbekannte Eule unter dem 
Namen Nonagnae nov. spec. auf, und fügt eine kurze 
Beschreibung und einzelne sonstige Bemerkungen 
hinzu, aus denen ich mit ziemlicher Sicherheit 
schliessen möchte, dass er diese Art hatte. Eine 
in unseren Gegenden überall nur selten, auf den 
Alpen und in Lappland am häufigsten beobachtete 
Spezies. 

*Arcuosa. (Airae). Schmieleneule. 

Der vorigen gegenüber ist diese Art überhaupt in 
unseren Breitengraden am häufigsten beobachtet 
worden, und doch in Meckl. nur von mir und U. 
vertreten. Ich habe ihrer schon A. 1851, S. 157 
sowie 1859, S. 155 u. 156 erwähnt. Später, nach- 
dem ich die R. aufgefunden, habe ich sie mehrere 
Jahre nacheinander oft in beträchtlicher Anzahl ge- 
zogen und versandt; in neuerer Zeit aber, da meine 
besten Fundorte zumeist durch Umarbeitung des 
Bodens zerstört sind, konnte ich dieselbe nur noch 
in einzelnen Exempl. erlangen. 

Die R. lebt tief unten, nahe übcx* dem Boden, 
zwischen — nicht in, wie Boie sagt — den Halmen 
der Aira ces^itosaj an welche Pflanze die Art ge- 
bunden zu sein scheint. Sie findet sich besonders 
an solchen Stellen, wo diese kräftig und in grossen 
Bülzen auf nicht zu nassem Boden steht, im Mai und 



136 



Juni, manchmal in ziemlicher Anzahl bei einander. 
Die Verwandlung geschieht meistens um die Mitte 
des letzteren Monats und ebenfalls zwischen den 
Halmen der Nährpflanze nahe über der Erde in 
einem leichten Gespinnste. Der Seh. erscheint im 
Juli und die die 5 suchenden 5 sind alsdann Abends 
am Fundorte leicht zu fangen. Hier findet er sich 
am grossen Torfmoore, dem Mühlenteiche, der 
kleinen Moorwiese auf der Greeser Feldmark und 
an anderen Orten. Ich fing die geschätzte Eule 
auch einmal an einer dunklen, feuchten Stelle im 
Walde bei Kleinen, wo auch die Nährpflanze der 
R. häufig stand. 

Eusina, 
'^Tenehrosa. Düstereule. 

In den meisten Gegenden Meckl., wo gesammelt, 
auch beobachtet. Bei W. zwar verbreitet, doch 
ziemlich selten. Die R. an Waldrändern, auf Kirch- 
höfen u. a. Orten im Herbste und sehr zeitig im 
Frühlinge an niederen Pflanzen. 

Amphipyra. 

^Tragopogoms. Bocksbarteule. 

Eine überhaupt so auch über Meckl. verbreitete und 
bei uns überall eine der gemeinsten Eulen, deren 
R. auf vielen Kräuterarten lebt. 

* Pyramidea. Fyramideneule. 

Gleichfalls sehr verbreitet, doch lange nicht so 
häufig als die vorhergehende Art. Die R. fand ich 
bis Juni meist auf Linden. Seh. im Juli am Tage 
gewöhnlich auch sehr versteckt. 

*Perßua, Rainweideneule. 

In Meckl.-Strel. von Sp. (einmal) und von ü., bei 
Gad. von Weid hinter Fensterladen des Schützen- 
hauses fast alljährlich, doch immer nur selten ge- 
funden. Ich traf die Eule nur einmal im Walde bei 
Kleinen zwischen einem Holzstapel versteckt. Wahr- 
scheinlich in allen unseren Laubwäldern, wenn auch 
selten. 



137 



Ciimamomea. Kam eelfarbige Eule. 

Nach ü. bei Friedland (A. 1866, S. 87.) Diese Art 
findet sich nach Speyer aber, innerhalb Deutsch- 
lands , nur in den mittleren und oberen Rhein- 
gegenden und in einem Theile des südwestlichen 
Europas, nach Staudinger auch noch in Ungarn. 
Sie wird auch in keiner der Nachbarsfaunen auf- 
geführt, und so ist wohl hier ein Irrthum, wahr- 
scheinlich in der Determination, anzunehmen. 

Taeniocampa. 

* Gothica. Klebkrauteule. 

Von allen beobachtet und wohl in den meisten 
Gegenden nicht selten. R. im Frühlinge an ver- 
schiedenen Pflanzen. 
*Mmwsa. Galleicheneule. 

In der B oll' sehen üebersicht zwar nur als in Meckl.- 
Strel. aufgeführt, doch auch bei Gad. und W. be- 
obachtet, also in den meisten unserer Wälder zu 
vermuthen. Ich fand nie den Seh., dagegen die R. 
einige Male stellenweise in grosser Menge, doch 
nur auf den jungen Maitrieben der Eiche, aber auch 
einmal eine Anzahl auf den jungen Schösslingen 
der Korbweide, welche die R. in der Gefangenschaft 
auch immer gerne frassen, dagegen die Eichblätter 
von alten Zweigen gar nicht anrührten. Bei grossem 
Hunger morden und fressen sie sich unter einander. 

* Pulverulenta. (Cruda) . Eichbuscheule. 

In unseren Eichen- und gemischten Laubwäldern 
überall Die R. bei W. mitunter fast bis zur 
Schädlichkeit häufig , dann wieder längere Zeit 
recht selten. 

Poimleti. 
Bei Neustrelitz, aber nnr von M. beobachtet. Wird 
vielleicht wegen ihrer grossen Aehnlichkeit mit 
Instahilis oft nicht von dieser unterschieden. 

Auch in Holstein, bei Lüneburg und Stralsund 
gefunden. 



138 



"^Stabilis. Lindeneule. 

Allenthalben bei uns in Wäldern, Lustanlagen, Alleen 
als R. besonders auf Eichen und Linden häufig, bis 
Juli. Die Grundfarbe der Vorderflügel ist bei einem 
Theil der Eulen grau, beim anderen röthlich. 
*Gracilis. Weid ericheule. 

Bei Friedland und W. beobachtet. Ich fand den 
Scü. hier und dort, die R. aber besonders in dem 
früheren kleinen Bruche hinter dem Greeser Hals 
manchmal ziemlich häufig und an verschiedenen 
Sträuchern. Wahrscheinlich auch bei uns verbreitet. 
Dass sie nur von so wenigen gefunden wurde, hat 
wahrscheinlich seinen Grund zumeist darin, dass 
die Eule so früh im Jahre erscheint, und dass die 
R. zwischen zusammengesponnenen Blättern lebt, 
die wenig in die Augen fallen und daher nur von 
einem auf sie speziell Geübten leicht entdeckt wird. 
^Incerta. (Instahüis) . Mandeleule. Chamäleon. 

Ueberall wo Pappeln, findet man auch im ersten Früh- 
linge diese Eule und später — Mai und Juni — die R., 
oft häufig, welche auch noch auf Eichen u. A. lebt. 
Opima. 

Nur bei Neustrelitz und von M. beobachtet. 
Auch in Pommern und bei Berlin. 
*Munda. Doppelpunkt. 

Bei Neustrelitz, Gad. und W , bei letzteren beiden 
Orten nicht selten. Ich fand die R. nur an Ulmen 
im Mai zumeist in den Ritzen der Borke an den 
Stämmen derselben, einzelne Male ganz häufig, die 
P. später in der Erde am Fusse dieser Bäume. 

Panolis. 
* Fmiperda. Föhreneule. 

Diese von den Forstwirthen sehr gefürchtete und 
in manchen Gegenden als R. mitunter den Föhren- 
wäldern sehr schädliche Art, ist auch in Meckl. in 
unseren Tannenwäldern überall vorhanden, doch 
meines Wissens hier noch niemals schädlich aufge- 
treten. In der Nähe von W. war sie in den letzten 



139 



30 Jahren wenigstens immer eine Seltenheit. Sie 
findet sich besonders im Osten Europas und wird 
schwerlich in unserer Gegend jemals in übermässiger 
Zahl erscheinen. 

Pachnobia. 
* Leticograjpha. 

Nur bei W. beobachtet und anscheinend auch hier 
selten, denn ich fand nur einmal die Eule zwischen 
dürrem Laube im März beim Raupenharken und 
zog dieselbe einmal aus einer unbeachteten R. 
*Ruhricosa. Grund wurzeule. 

In Meckl.-Strel., von Weid bei Gad. mitunter ziemlich 
häufig Abends an den ßlüthen der Saalweide ge- 
fangen. Auch ich fing früher einmal bei W. auf 
gleiche Weise 2 Exerapl , war aber später nie wieder 
rechtzeitig an solchen Orten. 
Dicycla. 
Oo. Viereicheneule. 

Bei Sülz nach K. selten, bei Friedland nach ü. 
(A. 1866, S. 106) sehr verbreitet und bei Gad. selten. 
Calymnia, 

Pyralina. 

Nach Weid's Angabe bei Gad. und selten beobachtet. 

Dif Jinis. Feldulmeneule. 

In Meckl.-Strel. von ü. und von von Oertzen ge- 
funden (A. 1856, S. 64). 
*Affinis, 

Bis jetzt nur bei W. und in einem Exerapl. beob- 
achtet. Am 21. Juni dieses Jahres fand ich zufällig 
eine mir unbekannte grüne Eulenraupe an unserer 
Stadtmauer, über welche von der Aussenseite Zweige 
von Ulmen und Ahorn hervorragten. Dieselbe spann 
sich am folgenden Tage auf der Erde ein und 
lieferte aus einer blau bereiften P. am 26. Juli ein 
grosses und schönes 5 der Affinis. Da diese Eulen- 
art erst so spät von mir hier aufgefunden wurde, 
so ist anzunehmen, dass dieselbe in hiesiger Gegend 
nur selten vorkommt. 

Auch bei Hamburg, Lüneburg, Berlin selten. 



140 



* Trapezina. Tischfleck. 

Fast überall, wo es Bäume giebt, findet man auch 
bei uns diese allbekannte Mordraupe, welche, wie 
auch die Eule, sehr variirt. 

Oosmia. 
Paleacea. (Fulvago) . Weissbirkeneule. 

Nur in Meckl.-Strelitz, aber von mehreren beobachtet. 
Auch bei Stralsund und Greifswald. 

Dyschorista. 

* Suspecta. (Congefier.) 

Bei Friedland, Gad. und W. beobachtet, in letzteren 
beiden Gegenden selten. Da diese Art hiernach an 
den Endpunkten Meckl. gefunden wurde, wird sie 
auch wohl in dem dazwischen liegenden Theile des- 
selben vorkommen. Die R. findet sich, den Angaben 
anderer, wonach sie auf niederen Kräutern leben soll, 
entgegen, nach U. (A. 1866, S. 104) bis Juni auf 
Eichen und Silberpappeln. Eine überhaupt mehr in 
östlichen Gegenden lebende Eule. 

* JF^tss ipu7icta . ( Ypsilon .) 

Ueberall bei uns gemein. R. im Mai besonders an 
Pappelstämmen, am Tage iu den Ritzen der Rinde 
versteckt. 

Plastenis. 

*Betusa. Bandweideneule. 

Bei Neustrelitz, Gad. und W. beobachtet. Von mir 
nur als Eule in der Nähe von Pappeln hier und dort 
einzeln gefunden. 

"^Suhtusa. Zitterpappeleule. 

Bei Neustrelitz (M.) und W. gefunden. Ich traf die 
Eule in der nächsten Umgebung von W. nur einmal, 
klopfte sie aber noch einmal in 3 Exemplaren von 
Zitterpappeln und anderem Gesträuch in dem kleinen 
Bruchwalde (Siedenmoor) bei Zickhusen, im Juli, 
wo verhält nissmässig junge Zitterpappeln noch ziem- 
lich viel vorkommen. 



141 

Oirrhoidea. 

Amhusta. 

Bei Neustrelitz und nur von M. gefunden. Eine in 
Norddeutöchland überhaupt nur in wenig Gegenden 
und selten gefundene Art, deren R. auf wilden Birn- 
bäumen leben soll. 

Oleoceris 

Vim inalis . (Saliceti.) Weidenbuscheule. 
Nur bei Sülz von Koch gefunden. 
Auch bei Greifs wald, Berlin, Lüneburg, in Holstein. 
Orthosia. 
"^ Lota. Wasserweideneule. 

In Meckl.-Strel (Sp.) bei Gad. und W. Nur einmal 
fand ich die R. in ziemlicher Anzahl im Mai auf 
Weiden, sonst dieselbe, sowie auch im Herbste die 
Eule, hier und dort nur einzeln. 

* Macilenta. 

In denselben Gegenden, wo die vorhergehende Art 
beobachtet. Ich fand die Eule nur in der Stadt oder 
in deren nächster Umgebung, im ganzen selten, aber 
doch an verschiedenen Orten. Sept. 

*Circellaris. (Ferruginea.) Traubennessel- Eule. 

Durch ganz Meckl. Bei Gad. und W. häufig. Ich 
zog sie auch in Menge aus der R., welche ich im 
Mai an der Erde versteckt, zumeist um die Stämme 
der Ulmen und Linden fand. Die Eule klopfte ich 
im Sept. auch in Wäldern von allerlei Gebüsch, oft 
recht häufig. 

*Helvola. (Rufina.) Loheicheneule. 

Ebenso verbreitet in Meckl., wie die vorhergehende 
Art, auch eben so häufig als jene und an ähnlichen 
Orten. 

*Pistaci7ia. Flockenkrauteule. 

Zwar nur bei Friedland, Gad. und W. beobachtet, 
doch auch wohl in anderen Gegenden Meckl., wenn 
auch wie hier, nur selten. Ich fand die Eule in ver- 
schiedenen Varietäten und zog sie auch einzeln aus 



142 



der R. Eine von den wenigen Arten, die nach 
Westen zu häufiger, nach Osten zu seltener wird 
und bald gar nicht mehr vorkommt. 
Nitida. Ehrenpreiseule. 

In Meckl.-Strel. von Sp. und ü. beobachtet. Letzterer 
zog sie in Mehrzahl In ihrer Verbreitung scheint 
sie in Meckl. ihre Nordwestgrenze zu haben. 

* Laevis. 

Bei Neustrelitz (M.) Aus verschiedenen R., die ich 
im Frühling durch das bekannte Harken hier und 
dort erlangt hatte, erschien auch einmal bei mir 
diese Eule. 

Auch bei Berlin und Lüneburg. 
"^Litura. Korbweideneule. 

Bei Neustrelitz (M.) Gad. und W. Hier ziemlich 
selten, doch an verschiedenen Orten, auch selbst in 
der Stadt gefunden. Gezogen habe ich die Eule nur 
einmal, die R. fand ich auf Galium MoUugo. 

Xanthia. 

*Citrago. Steinlindeneule. 

Nur in Meckl.-Strel. (A. 1866, S. 91) und bei W. be- 
obachtet, Ich fand die R. Ende Mai's in einzelnen 
Jahren zwar in Mehrzahl, aber doch nicht eben 
häufig an den Stämmen der Linden, zumeist nahe 
über der Erde versteckt, auf unserem Kirchhofe und 
erhielt aus den meisten die Seh. 

* Aurago. Goldgelbe Bucheneule. 

In Meckl.-Strel (M. ü.), bei Gad. (ziemlieh häufig) 
und W. Von mir nur einmal in 2 Exempl. gefunden, 
ohne Zweifel aber nur deswegen nicht wieder, weil 
ich in der späten Erscheinungszeit der Eule so selten 
in die entfernten Buchenwälder kam und nie speziell 
nach ihr suchte. 

* Flavago (Silago.) 

Bei Neustrelitz (G. M.) und W. Hier die Eule im 
Sept., namentlich in Erlenbrüchen, meistens recht 
häutig. 



143 



"^Fulvago. (Cerago) Palmweideneule. 

Allenthalben in Meckl. beobachtet. Bei W. ist sie 
zwar verbreitet aber keineswegs häufig Die R. fand 
ich nur einmal in 2 Exempl. auf Gartensalat. 

*v Flavescens. 

Einzeln unter der Stammform. 

* Güvago. 

Als Stammart nur von mir allein vertreten, aber in der 

*t;. Palleago 

auch bei Neustrelitz von G. und M. beobachtet. 
Früher fand ich diese Eule im Herbste nur als Selten- 
heit, seit ich aber die R. zu finden weiss, zog ich die- 
selbe mehrere Male in ziemlicher Anzahl und darunter 
auch einzeln v. Palleogo, die früher als Spezies galt, 
von den meisten Schriftstellern jetzt aber zu Güvago 
als Varietät gezogen wird Zwischen den R. und 
in ihrer Lebensweise fand ich auch keinen Unter- 
schied, aber ich konnte auch nicht einmal die R. der 
Ferrugineay welche ich häufig mit dieser in Rede 
stehenden zusammen fand, sicher von ihr unter- 
scheiden. Ich fand dieselben in der Nähe von Ulmen- 
stämmen auf der Erde versteckt und hielt sie An- 
fangs alle für die mir schon länger bekannte Ferru- 
ginea, bis ich durch bas Erscheinen der Eulen eines 
andern belehrt wurde. Güvago und Palleago machen 
als Seh. entschieden den Eindruck auf mich als 
verschiedene Arten und eigentliche Uebergänge sah 
ich auch nicht zwischen ihnen. 

Orrhodia. 

Ver^omcae. (Dolosa ) 

Nach G. bei Neustrelitz. Ohne Zweifel liegt hier 
aber ein Irrthum in der Diagnose und vielleicht eine 
Verwechslung mit der nahen Erythro cephala oder 
deren v. Glahra vor, welche in Pommern, bei Berlin 
und Hannover gefunden wurde, während Dolosa in 
Ungarn, Siebenbürgen zu Hause ist und nicht nörd- 
licher als bei Wien beobachtet wurde. 



144 



^Vaccinü. Preisselbeereule. 

Allenthalben bei uns beobachtet und in manchen 
Gegenden auch recht häufig. Doch habe ich bei W. 
die Eule nur einmal im Walde bei Maslow in Mehr- 
zahl, sonst immer nur hier und dort einzeln gefunden, 
wahrscheinlich aber nur, weil die Hauptnährpflanze 
der R. — Vaccinium Myrtyllus — in den hiesigen 
Wäldern ganz fehlt, oder nur in einzelnen spärlich 
vorkommt. 
*v. Spadicea. Einzeln. 

V. Polita. Bei Sülz und Neustrelitz (M.) 

Buhigmea. Holzap feie nie. 

Nur in Meckl.-Strel, und von M. und ü. beobachtet. 
Auch in Pommern, bei Lüneburg und Hamburg. 
Scopelosoma. 

* SaielUtia. Trabant. 

üeberall. Von mir als R. allenthalben und sehr 
häufig gefunden. 

Scoliopteryx. 

* Libatrix. N ä s c h e r. 

Allenthalben in Meckl., naeh der üeberwinterung im 
Frühlinge einzeln, im Herbste aber sehr häufig. Die 
R. im Spätsommer auf Korbweiden gemein. 
Xylina. 

* Semihrunnea (Oculata.) 

Nur bei Gad. und W. und sehr selten beobachtet. 
Eine mehr westlich von uns lebende Art. 

* Socia (Petrificata.) Steineicheneule. 

Von M. als bei Neustrelitz im früheren Verzeichnisse, 
und von mir als bei W. vertreten. Doch da ich die 
früher hier gefundenen und für diese Art angesehenen, 
einzelnen Exemplare, nachdem ich bessere durch 
Tausch von auswärts erhalten, verworfen habe und 
später nur die vorhergehende Semibrunnea fand, bin 
ich jetzt nicht ganz sicher, ob ich die wirkliche Socia 
auch vor mir hatte und nicht etwa die dafür ge- 
haltenen geflogenen Exempl. auch Semihrunnea ge- 
wesen sind, wie ich dies gegenwärtig fast glauben 



145 



möchte. Auch bei Weid in Gad. sah ich Semihrunnea, 
nicht aber Socia^ deren Vorkommen somit, wenigstens 
im westlichen Meckl., noch der Bestätigung bedarf. 

^ Furcifera. (Conformis.) Ellerbaumeule. 

Allenthalben bei uns nicht selten. Ich fand den Seh. 
im Sept. an Baumstämmen, aber auch einzeln im 
Frühlinge und dann mit allen Zeichen der [Jeber- 
winterung. Die R. traf ich nicht bloss an Erlen, 
sondern auch an verschiedenen anderen Baumarten. 

^Ornithopus. (RMzolüha). Weisseicheneule. 

Ebenfalls eine in Meckl, allenthalben beobachtete 
Art, welche aber, wenigstens bei Gad. und W., doch 
immer nur ziemlich selten gefunden wurde, vielleicht 
weil diese Gegenden schon nahe an der Nordwest- 
grenze ihres Verbreitungsbezirks liegen. 
Calocampa, 

*Vetusta. Holzfarbne Eule. 

Wenn auch nicht von allen Sammlern beobachtet, 
doch sicher überall in Meckl., obwohl mehr oder 
weniger selten. Ich fand die schöne R. bis Juli be- 
sonders an den Rändern unserer süssen Gewässer, 
wo sie sich, wie auch überhaupt, von recht verschie- 
denen Pflanzen, auch gerne von den Blättern der 
Iris Pseudacorus nährt, doch traf ich sie auch an 
trockenen Ackerrändern. 

*Exoleta. Mo der holz. 

Ebenso verbreitet wie die vorhergehende Art, doch 
häufiger, und die R. gleichfalls poiyphag, — bis Juli, 
— aber mehr auf trockenem Boden: an Grabenufern, 
Wald- und Ackerrändern, an Hecken, Gebüsch u. 
dgl. Orten. Seh. im Herbste, wird selten gefunden. 

Xylomiges. 
Conspicillaris. Wirbelkrauteule. 

Weil nur bei Neustrelitz und dort, wo doch mehrere 
Sammler thätig waren, von M. allein gefunden, wahr- 
scheinlich eine Seltenheit bei uns und als südlichere und 
östlichere Art vielleicht nur unsere Grenze erreichend. 
Auch in Pommern und bei Berlin. 

Archiv XXXUI. 10 



146 

Asteroscopus. 
Nuheculosa. 

Ebenfalls nur in Meckl.-Strel. und von Einem — ü. 
— (A. 1856, S. 63.) gefunden und wahrscheinlich 
selten, weil die eigentliche Heimath der Art südlicher 
ist. Sie wird besonders in birkenreichen Gegenden 
anzutreffen sein, weil die R. bis Juli auf diesen lebt. 
Der Seh. erscheint sehr zeitig im Frühlinge und wird 
alsdann an Baumstämmen gefunden. 
* Sphinx. (Gassinia ) Sterngucker. 

Ueber ganz Meckl. verbreitet und bei W. allenthalben 
nicht selten. R. bis Juni auf verschiedenen Bäumen 
und Sträuchern, Seh. im Oct. an Baumstämmen. Die 
Zucht aus der R. gelang mir nicht immer. 
Xylocampa. 

*' Areola. (Lithorhiza.) 

Nur bei Gad. und W. beobachtet und an beiden 
Orten selten. Eine von den wenigen Arten, die mehr 
im südwestlichen und westlichen Europa verbreitet 
ist und in hiesiger Gegend ihre Ostgrenze zu haben 
scheint. Die R. an Lonicera im Mai und Juni am 
' Tage auf der Erde versteckt, die Eule im März an 
Baumstämmen, Geländern u. dgl. 
Calopliagia. 
Lunula. (Lin ariae) . Leinkrauteule. 

In Meckl.-Strel. von M. und U. beobachtet. Ich er- 
hielt die Eule aber auch aus der Gegend von An- 
kershagen mit der Bemerkung, dass die Art dort 
häufig sei und sah sie bei einem Schüler, der sie 
bei Krakow gefunden hatte. Wahrscheinlich ist die 
Art im südlichen und südöstlichen Meckl. dort allent- 
halben, wo die Futterpflanze der R. (Linaria vulgaris) 
häufig wächst, fehlt in der Gegend von Gad. und 
W. vielleicht nur deswegen, weil hier diese Pflanze 
auf dem schweren Boden nur sehr vereinzelt und 
verkümmert vorkommt. Doch mag sie hier in Meckl. 
mit dem üebergange des sandigen Bodens zum 
Geestlande auch das Nordwestende ihres Wohn- 



147 



gebiets erreichen, da sie nordwestlich über Krakow 
hinaus noch nirgends gefunden ist und nach Osten 
und Süden zu überhaupt an Häufigkeit zunimmt. 
Oucullia. 

*Verhascl Wollkrauteule. Brauner Mönch. 

Allenthalben, doch bei W. die seltenste Kukullie, 
deren R. ich immer nur in geringer Zahl habhaft 
werden konnte. Ebenso bei Gad. und Friedland 
(A. 1866, S. 108). Wie es sich in den anderen Ge- 
genden Meckl. hiermit verhält, kann ich nicht nach- 
weisen, zweifle aber, dass die dieser Art im Boll'- 
schen Verzeichniss beigefügte Bemerkung „in den 
meisten Jahren häufig" für Meckl. überhaupt richtig 
ist, sondern glaube viel eher, dass sie öfter mit 
einer der beiden nachfolgenden sehr nahen, am 
wahrscheinlichsten mit Lychnitidis, verwechselt und 
die Bemerkung auf diese zu beziehen ist. Die R. 
der Verhasci erscheint früher als die anderen Arten, 
ist schon Ende Juni und Anfangs Juli erwachsen. 
Ich fand sie nur auf Verbascum thapsiforme, das 
auf dem Felde des Gutes Greese fast alljährlich 
häufig wächst. 

* Scro^hulariae. Braunwurzeule. 

Gleichfalls allenthalben in Meckl. beobachtet und, 
wo die Nährpflanze der R. — Scrophularia nodosa 
— öfter vorkommt, ist auch die R. zumeist ziemlich 
häufig anzutreffen. Bei W. ist die Braunwurz eine 
ziemlich seltene Pflanze, wo ich aber diese einmal 
kräftig antraf, fehlte auch im Juni und Juli diese 
Raupenart gewöhnlich nicht. Sie ist meistens etwas 
später als die der Verhasci, aber früher als die der 
Lychnitidis und Thapsiphaga ausgewachsen. Auf 
Scrophularia aquatica fand ich die R. nie, obgleich 
diese Pflanze im Stadtgraben bei der Hornsdorfer 
Burg häufig wächst. 

* Lychnitidis. Königskerzeneule. 

Diese erst in neuerer Zeit von der vorhergehenden, 
mit welcher sie bis dahin für eine und dieselbe 

10* 



148 



Spezies angesehen wurde, getrennte und namentlich 
im Staudinger'schen Catalog als Art aufgeführte 
Kukullie, ist sicher in Meckl. allenthalben, wo die 
Nährpflanzen der R. — Wollkrautarten — häufig 
wachsen, auch vorhanden und überhaupt eine der 
über Europa am weitesten verbreiteten und häufig- 
sten Arten dieser Gattung, die sehr wahrscheinlich 
öfter, auch bei uns, für Verhasci genommen ist. Bei 
W. lebt die R. auf den beiden hier nur vorkom- 
menden Wollkrautarten — Verbascum nigrum und 
Yerb. thapsiforme — , auf ersterer Art oft sehr 
häufig, auf letzterer meistens nur einzeln. In anderen 
Gegenden wird sie auf Yerb. Lychnitis gefunden. 
Sie ist hier gewöhnlich von Ende Juli bis Sept. er- 
wachsen anzutreffen. Die physischen Unterschei- 
dungsmerkmale dieser Art von der ScropJmlariae 
sind sowohl bei der R. als bei dem Seh. nur sehr 
gering und lassen ihre specifische Verschiedenheit 
überhaupt noch problematisch erscheinen. Sie be- 
stehen nur in einer geringen Abweichung der Grund- 
farbe sowohl des Seh. als auch der R., einer meist 
etwas dickeren schwarzen Zeichnung der Lyclmitidis- 
R. und besonders auch darin, dass die R. auf ver- 
schiedenen Pflanzen gefunden werden. Nun haben 
aber meine Versuche mit diesen R. ergeben, dass 
die ganz jung auf Verbascum nigrum gefundenen 
den Samen der Scrophularia nodosa bald und gerne 
frassen, dass sie auch die gelbliche oder grünliche 
Grundfarbe, welche die R. bis dahin besassen und 
bei der Fütterung mit der Königskerze immer haben, 
bei der neuen Nahrung allmälig verloren und die 
weissliche, wie sie die auf der Braunwurz gefundenen 
R. überhaupt haben, annahmen. Auch die aus diesen 
R. sich entwickelnden Seh. zeigten die ein wenig 
lebhaftere Farbe der Scro^hulanae. Den Gegen- 
versuch, R. von der Braunwurz mit der Königskerze 
zu füttern, habe ich erst in diesem Jahre gemacht, 
leider aber nur mit 2 fast erwachsen gefundenen 



149 



anstellen können. Diese frassen ohne weiteres die 
Samen der schwarzen Königskerze, schritten aber 
schon nach wenig Tagen zur Verwandlung, so dass 
in dieser kurzen Zeit eine etwaige Veränderung der 
Grundfarbe nicht eintreten konnte. Diese ange- 
stellten Versuche aber sprechen für die Vereinigung 
beider. Speyer führt Cucullia Lychnüidis als Va- 
rietät der Scropliulariae auf. 

Noch sei bemerkt, dass das von mir in der 

Stettiner ent. Zeitung (J. 1858, S. 370) über Verhasct, 

Scro;phulariae und Thapsiphaga speziell von der Scro- 

phulariae Gesagte alles auf die jetzige Lychnitidis 

zu beziehen ist. 

* Thapsiphaga. 

In Meckl.-Strel. von M. und U. und bei W. beob- 
achtet, gewiss aber mit der Nährpflanze der R. über 
Meckl. verbreitet. Ich fand die R. ausschliesslich 
auf Verbascum thapsiforme, aber fast allenthalben, 
wo dieses häufig wächst und der Boden sandig ist. 
In den Jahren, in welchen dieses Wollkraut reichlich 
vorhanden ist und gut gedeiht, fand ich auch diese 
R. meistens ganz häufig, in anderen weniger oft. 
Dieselbe ist aber von den vorhergehenden 3 Arten, 
die unter sich einander sehr ähnlich sind, recht ver- 
schieden und auf den ersten Blick von ihnen zu 
unterscheiden. Von den P. dieser und der anderen 
braunen Mönchsarten kommt fast immer nur ein 
Theil im nächsten Jahre zur Entwicklung, ein an- 
derer erst nach 2, etliche auch erst nach 3 Jahren, 
ja aus einer P. der Lychnitidis kam bei mir einmal 
nach voller vierjähriger Puppenruhe noch ein ge- 
sunder Seh. zum Vorscheine. Auch habe ich ähn- 
liche Beobachtungen, wie sie schon Treitschke 
machte, dass nämlich, als im Jahre 1822 alles Woll- 
kraut durch die ungewöhnliche Hitze verdorrt war, 
zu Hause von seinen P. der Thapsiphaga auch keine 
einzige zur Entwicklung gelangte, bei dieser und 
der vorhergehenden Lychnitidis mehrere Male und 



150 



noch in diesem Jahre gemacht. Heuer sind auf 
dem Brachacker zu Greese, obgleich sich der Dresch 
auf dem für das Wollkraut günstigsten Ackerstücke 
befindet, nur ganz vereinzelte und schwächliche 
Exemplare desselben vorhanden , und zu Hause 
kamen bei mir von 58 einjährigen Puppen der 
Thapsipliaga nur 3, von 15 zwei Jahre alten 4 aus ; 
aus 34 vorigjährigen P. der Lychnitidis entwickelten 
sich 2, aus 18 zweijährigen 5 Schmetterlinge. Die 
Seh. aus überjährigen P. sind gewöhnlich etwas 
blasser von Farbe. 

Die im früheren Verzeichnisse (J. 1850, S. 32) nach 
der Angabe von Sp. aufgeführte Blatteriae ist sicher 
nicht in Meckl. gefunden, da sie nur in Krain, Süd- 
Tirol und anderen Gegenden des südlichen Europas 
vorkommt. Wahrscheinlich hat derselbe Tha^psiphaga 
oder eine der nahen Arten für Blattariae gehalten. 

'^Asteris. Asterneule. Asternmönch. 

Allenthalben bei uns und als R. auf verschiedenen 
Asternarten, auch der Meerstrandsaster und der 
Goldrute nicht selten. Juli, Aug. 

^Umhratica. Has enkohleule. Grauer Mönch. 

Wie übeihaupt so auch über Meckl. verbreitet und 
nicht selten. Eigenthümlich ist bei dieser Art, dass 
man von ihr den Seh. viel häufiger als die R. findet, 
während ich sonst von allen anderen Kukullien sehr 
viel mehr R. als Seh. erlangen konnte; ja von 
Verhasci, Scro'phulariae und Ahrotani fand ich über- 
haupt letzteren niemals. Seh. im Mai und Juni an 
Pfählen, Baumstämmen u. dgl. R. vom Juli bis 
Sept. auf verschiedenen Sonchus- Arten. 

Auch die im früheren Verzeichnisse aufgeführte 
Lactucae glaube ich ohne Bedenken hier weglassen 
zu dürfen, da deren Heimath südlicher ist; was man 
früher bei uns dafür ansah, war Umbratica $. 

^Cliamomülae. C hamilleneule. Chamillenm önch. 
Ausser bei Gad . und W. ist diese Art nur noch 
einmal in der v. Chrysanthemi von Sp. in Meckl- 



151 



Strel. beobachtet worden. Es hat dies etwas Auf- 
fallendes für mich, da diese Kukullie bei W. sehr 
verbreitet und oft ziemlich häufig ist. Dass sie 
nicht überall in Meckl. gefunden wurde, erklärt sich 
vielleicht daraus, dass die Nährpflanze der R. — 
Chrysanthemum inodorum — wohl nicht überall 
vorkommt. Denn hier finde ich sie ausschliesslich 
auf dieser Pflanze und wo dieselbe häufig steht, 
fehlt auch diese R. selten. Nach den Angaben an- 
derer soll sie aber auch auf Matricaria Chamomilla, 
Anthemis Cotula und Anthemis arvensis leben; doch 
fand ich hier niemals eine R. auf diesen Blumen, 
obgleich sie alle auch sehr häufig bei W. vorkommen. 
In der Gefangenschaft aber frassen sie doch auch 
die Chamillenblumen, und ist sie demnach doch wohl 
nicht so monophager Natur, als es den Anschein 
hat. Ob dieselbe auch die andern genannten Pflanzen 
frisst, habe ich noch nicht ermittelt, möglicher Weise 
sind aber auch Irrthümer bei deren Determination 
vorgekommen. Die schöne R. ist hier im Juni und 
Juli ausgewachsen, fehlt jedoch in einzelnen Jahren, 
wie z. B. in diesem, auch ganz; das Puppenstadium 
dauerte bei den hunderten der Art, die ich bereits 
gezogen, niemals länger als bis zum nächsten Früh- 
linge. Der Seh. erscheint Ende Apr. oder Anfangs 
Mai und findet sich alsdann auch draussen an Pfählen, 
Geländern u. dgl. Gegenständen, die eine ihm ähn- 
liche — ihn schützende — graue Farbe haben. Am 
meisten kommt die Eule hier in der dunklen Färbung 
V. Chrysanthemi vor, doch finden sich auch einzelne 
helle Exempl., die von der südlichen v. Calendulae 
wenig verschieden sind. 

Tanaceti. Ra infarreneule. 

Ueberall beobachtet. Die R. bei W. am häufigsten 
auf dem Meerstrandsbeifusse und dem Wermuth, 
doch auch auf dem gemeinen Beifuss, der Schaf- 
garbe, dem Rainfarren und noch anderen Blumen. 
Sie ist vom Ende Juli bis Sept. allenthalben, wo 



152 



die Nährpflanzen, anzutreffen, und in manchen Jahren 
ganz häufi«:. Nur einmal lagen bei mir 2 P. dieser 
Art über, sonst erschienen die Eulen stets zwischen 
Mai und Juli des nächsten Jahres aus allen gesunden 
P. Dagegen ist es mir bei dieser Kukullie einmal 
vorgekommen, dass aus einer Anfangs Aug. gefun- 
denen R. sich noch im selben Jahre — im Sept. — die 
Eule entwickelte. Das Thier hatte die bläulich-graue 
Grundfarbe etwas lebhafter, als sie gewöhnlich ist. 

*Artemisiae. (Abrotani) Eberrauteneule. Bunter 
Mönch. 
Von allen beobachtet. R. bei W. auf dem Feldbei- 
fusse häufig, auf dem gemeinen Beifusse, dem Meer- 
strandsbeifusse und der Eberraute immer nur einzeln, 
bis Sept. Seh. im Juni und Juli. 

*Absmthn. Wermutheule. Punktirter Mönch. 
Zwar nicht von allen beobachtet, doch sehr wahr- 
scheinlich überall in Meckl, wo die Nährpflanzen der 
R. — Wermuth und gemeiner Beifuss — häufig vor- 
kommen: wenigstens fand ich nie eine Raupe dieser 
Art auf anderen Pflanzen, Sie ist hier in manchen 
Jahren von Aug. bis Ende Sept. ziemlich häufig. 
Die Eule erscheint im nächsten Juni und Juli. Auch 
diese R. wird häufig von Schmarotzern heimgesucht. 

* Argentea. (A rtemisiae) . Silbe rmönch. 

Diese schöne, besonders in Norddeutschland hei- 
mische Kukullie ist auch in Meckl. allenthalben 
beobachtet worden. Bei W. überall, wo der Feld- 
beifuss häufig wächst, und in manchen Jahren als 
R. zahlreich vorhanden. Sie ist sehr regelmässig 
Ende Sept. ausgewachsen und von mir sehr viel, 
aber nur auf Artemisa campestris gefunden Unger 
will sie freilich (A. 1866, S. 108.) auch auf Wermuth 
beobachtet haben. Ich bin aber fest überzeugt, 
dass er dann nicht diese R., sondern die der Absin- 
tliii vor sich hatte, welcher Irrthum sehr leicht 
möglich, wenn man nicht die Entwickelung der Seh. 
abwartet, da beide Arten als R. einander so ähnlich 



153 



sind, dass man sie an ihren physischen Merk- 
malen allein kaum sicher unterscheiden kann. Bei 
mir entschied zwischen ihnen stets die Nährpflanze 
mit Sicherheit die Art, R. der Arqentea, denen in 
nicht zu luftigem Behälter Wermuth vorgelegt war, 
gingen mir sogar rasch, wohl in Folge des strengen 
Geruchs desselben, zu Grunde. Die P. liegen häufig 
über. Der Seh. entwickelt sich im Juli und ist als- 
dann auch am Fundorte der R. anzutreffen. 

Plusia. 

*Triplas{a. Nesseleule. Dreihöcker. 

Eine in Meckl. allenthalben beobachtete und über- 
haupt verbreitete Art, welche sich bei W, zwar nicht 
sehr häufig, aber doch zweimal im Jahre und überall 
findet. R. auf Nesseln, 

Asclepiadis. Schwalbenwurzeule. 

Allein von M. als bei Neustrelitz aufgeführt. Da 
aber diese Eule sonst mehr südlichen Gegenden an- 
gehört, sich auch in keiner der Nachbarfaunen findet 
und mit dunklen Exemplaren der Triplasia eine so 
grosse Aehnlichkeit hat, dass auch, zumal bei nicht 
ganz reinen Stücken, der Geübte bei ihrer Deter- 
mination sich irren kann, und man überhaupt nur 
bei der Zucht aus den bei beiden sehr verschiedenen 
R. ganz sicher geht, so wäre eine Bestätigung dieser 
Angabe doch zu wünschen. Die einzige Nährpflauze 
der R. — Cynanchum Vincetoxicum — kommt nach 
Langmann's Flora Meckl. allerdings in der Ge- 
gend von Neubrandenburg vor, und so ist anderer- 
seits die Möglichkeit vorhanden, dass auch diese 
Eulenart in dortiger Gegend ihre Existenz finde. 

* Tripartita. (Urticae.) 

Allenthalben beobachtet. Als R. bei W. an Wald- 
rändern, Gebüschen, Grabenufern, auf Nesseln im 
Aug. und Sept. nicht selten. 

*Moneta. Eisenhuteule. 

Erst in neuerer Zeit und zwar in Gärten der Stadt, 
in welche ich viele Jahre hindurch zum Theil täglich 



154 



p:ekommen war, hier von mir beobachtet, wo die R. 
im Frühlinge auf Aconitum lebt. Wo diese Pflanze 
vorhanden, scheint die R. gar nicht selten zu sein. 
Ein Knabe, der einige Seh. bei Rostock gesammelt, 
hatte auch ein Exempl. dieser Art unter ihnen ; Hr. 
Giese beobachtete sie bei Kröpelin. Auf einem 
nahen Gute sah ich auch ein Stück in der sehr 
kleinen Sammlung eines Knaben. Demnach scheint 
Moneta wenigstens über das nördliche Meckl. ziemlich 
verbreitet zu sein. Es hat daher etwas auffälliges, 
dass dieselbe von keinem der anderen und früheren 
Sammler gefunden wurde. Auch bei Stralsund ist 
sie erst in letzter Zeit beobachtet worden. Sollte 
sie erst vor kurzem von Süden oder Osten her bei 
uns eingewandert sein? 

* Chrysitis. Messingeule. 

Allenthalben gemein als Seh. und als R. Letztere 
im Frühlinge auf Nessel. 
Bractea, 

Nach Sp. in Meckl.-Strel. selten. Sonst nur in süd- 
lichen Gegenden und auf Gebirgen heimisch. Doch 
sind auch Fragmente dieser Art vom Maler Paul 
in Stralsund nach seiner Angabe bei Stubbenkammer 
auf Rügen gefunden worden. 
Aemula, 

Auch diese Plusia ist von Sp. als in Meckl.-Strel. 
aufgeführt. Sonst nur auf südlicheren Gebirgen und 
namentlich denen Steiermarks an einzelnen Stellen 
und selten gefunden. Nach Plötz aber auch bei 
Greifswald (Neuenkirchen) selten beobachtet. 

"^Festucae. Schwingeleule. 

Allenthalben beobachtet. Bei W. in zwei Gene- 
rationen und in der zweiten die Eule Abends 
in der Nähe von Wiesen und Gewässern auf Klee- 
blumen oft ziemlich häufig. Die R. fand ich im 
Verhältniss zum Seh. selten, nur im Frühlinge und 
auf Riedgras. 



155 



"^ Jota. Taubnesseleule. 

üeberall in Meckl. Von mir als R. im Apr. öfter 
in Wäldern geharkt, doch immer nur einzeln, den 
Seh. habe ich auch hier in der Stadt gefunden. 

*v. Percontationis. 

Von M. bei Neustrelitz und von mir, selten, beob- 
achtet. Findet sich aber wohl überall einzeln unter 
der Stammform. 

"^ Gamma, Pistoleneule. 

Allenthalben bei uns gemein, und manchmal den 
grössten Theil des Sommers hindurch. So auch in 
diesem und in überaus grosser Zahl. 

* Interrogationis. 

Bis jetzt nur bei W. Ich fand nur einmal ein noch 
gut erhaltenes Exempl. der Eule am 1. Aug. 1858 
an einem Grabkreuze auf unserm Kirchhofe. Diese 
Art ist sonst auf höheren Gebirgen und im Norden 
Europas: Lappland, Island besonders zu Hause und 
nur dort häufig. 

Sie wurde auch bei Stettin und einmal bei Stral- 
sund gefunden. 

Anarta. 
"^Myrtilli. Sumpfheideueule. 

In den meisten Gegenden gefunden. Bei W. nur 
in den Heidemooren, und als R. im Juli und Aug. 
auf Heide nicht selten. Ebenso bei Gad. 

Heliaca. 

*Tenehrata. (Heliaca). 

Bei Neustrelitz (M.), Gad. (nicht selten) und W. be- 
obachtet, Ich traf diese kleine Eule nur einmal 
auf einem trockenen Brachfelde bei schönem Wetter, 
Ende Apr., ziemlich häufig an. Nach diesem am 
Walde bei Kleinen gelegenen Orte bin ich später 
rechtzeitig kaum wieder gekommen, und ist auch 
das Feld hier alsbald umgearbeitet. Daher konnte 
sie später hier nicht mehr existiren und an anderen 
Orten fand ich sie noch nicht. 



156 



Heliothis. 
Cardui. Disteleule. 

Von M. als bei Neustrelitz aufgeführt. Sehr wahr- 
scheinlich abei- liegt hier ein Irrthum vor, da diese 
Art nach Speyer nur in südlichen Gegenden hei- 
misch ist, nördlich nur bis Prag und München, und 
auch dort höchst selten, beobachtet wurde. 

*Ono7its. Hauhecheleule. 

Bei Gad. und W., je einmal gefangen. Ich suchte 
vergeblich nach der Raupe. Auch bei Berlin. 

^Dipsaceus. (Dipsacea). Karde ndisteleule. 

Allenthalben in Meckl. Bei W. verbreitet, aber nicht 
häufig. Auch mehrere Male von mir gezogen; die 
R. zumeist auf Feldbeifuss gefunden. 

* Scutosus. (Scutosa) . Schildeule. 

In den meisten Gegenden bei uns beobachtet, doch 
bei W. und Gad. selten und von mir überhaupt nur 
einmal als Seh. und zweimal als R in den Rohls- 
dorfer Tannen vor etwa 30 Jahren angetroffen. Ob- 
gleich der Feldbeifuss dort noch fast so häufig wie 
früher wächst, so suchte ich doch später immer diese 
Art vergebens. Sie scheint auch eine von den hier 
verdrängten zu sein, da die Nährpflanze zumeist 
jährlich einmal abgeschnitten wird. 

Ohariclea. 
DelpMnn. Ritte rsporneule. 

In Meckl. -Strel. von M. und ü. beobachtet. In 
Deutschland ist dies die nordwestlichste Gegend, 
wo die Art bisher gefunden wurde. 
Auch in Pommern und bei Berlin. 

* TJmbra. (Marginata), 

Zwar nur bei Neustrelitz (M.), Gad. (selten) und W. 
beobachtet, sicher aber auch sonst noch in Meckl. Ich 
fand die Eule auch nur selten, die R. schon häufiger im 
Aug. und Sept. auf Ononis spinosa, zahlreich aber 
manchmal auf Haseln, jedoch stets nur auf den ein- 
jährigen geilen Schösslingen derselben, die aus den im 
Winter vorher abgehauenen Stumpfen des Strauches 



157 



hervorschiessen. Blätter älterer Zweige rühren diese 
R. nicht an. 

A c n t i a. 

Lucida. (Solaris,) 

In Meckl.-Strel. (M. Sp.) 

Luctuosa. Trauereule. 

Bei Neustrelitz (M.) Ich traf die Eule auch am 
24. Mai 1877 bei Waren auf einenj sandigen sonnigen 
Brachacker südlich der Müritz bei Gelegenheit der 
Exkursion, die von einem Theile der Mitglieder 
unseres Vereins bei der dortigen Versammlung ge- 
macht wurde. Ich sah dort wohl 6—8 Exempl. vor 
mir auffliegen und bald wieder niederfallen, erbeutete 
aber wegen Mangels an Fanginstrumenten nur eins. 
Beide sonst südlichere und östlichere Arten, die 
in Meckl. ihre Nordwestgrenze zu haben scheinen. 

Thalpochares. 

* Paula. 

Bei Neustrelitz (M.), Friedland und W. gefunden. 
Von mir nur einzelne Male auf einem leichteren, 
trockenen Brachacker (Dresch) gefangen. 
E r a s t r i a. 

*üncula. (ünca.) Eiedgraseule. 

In den meisten Gegenden beobachtet. Bei W, auf 
den Wiesen um die süssen Gewässer, besonders aber 
auf den Torfmooren, im Frühling und Sommer 
allenthalben ziemlich häufig. 

* Pusilla . (Candidula .) 

Bei Neustrelitz (M.), Gad. und W. Ich traf die Eule 

zwar hier und dort, doch immer nur in einzelnen 

Exempl. und selten, 
Venustula. 

Nur von M. bei Neustrel. gefunden. Auch bei Berlin 

und in Preussen. 
Deceptoria. (Ätratula ) 

Gleichfalls nur von M. bei Neustrel. beobachtet. 

Die nächsten der sonst bekannten Fundorte dieser 

mehr in südlichen Gegenden heimischen Art sind 



158 



Berlin und Frankfurt a. d. 0. und auch dort ist sie 
selten. 
^Fasciana. (Fuscula.) 

Eine überall bei uns beobachtete Art, die bei W. 
in Wäldern allenthalben häufig ist. 

Prothymia. 
* Viridaria. (Äenea.) 

Bei Neustrelitz (M.), Friedland und W. Ich fing die se 
kleine Eule jedoch nur einzelne Male am Rande 
einer Tannenschonung. 

Agrophila. 
^ Trabealis. (Sulphurea.) Schwefel flügel. 

Allenthalben beobachtet und in den meisten Gegen- 
den mehr oder weniger häufig. Bei W. an trockenen 
Orten verbreitet. 

E u c 1 i d i a, 

*M'. Sichelklee eule. Lateinisches M. 

Allenthalben beobachtet. Bei W. auf trockenen 
freien Stellen der Wälder, besonders der Tannen- 
wälder, meistens einzeln, doch nicht selten. Auch 
einzeln von mir gezogen. 

*GlypMca. Wiesenkleeeule. Bilderflügel. 

Gleichfalls überall in Meckl. beobachtet und eine 
überhaupt verbreitete Art. Auf feuchten Rasen- 
plätzen, trockenen Wiesen und an ähnlichen Orten 
bei W. stellenweise nicht selten. 

Psendophia. 
Lunaris. Fruchteicheneule. Braunes Ordens- 
band. 
In Meckl. - Strel. und nur allein von Sp. gefunden. 
Da die R. auch im Sachsenwalde bei Hamburg nicht 
eben selten im Juli von Eichen geklopft wurde — 
besonders von den jungen Trieben derselben mit 
rothen Spitzen — so wird sie sehr wahrscheinlich 
auch an dazwischen liegenden Orten in Meckl. vor- 
handen sein, wenn sie auch im allgemeinen mehr 
dem Süden angehört. 



159 



a t e p li i a. 

AlcJiymista. Der Alchymist. 

In Meckl-Strel. von M. und Sp. (einmal) beobachtet. 
Auch in Pommern, bei Lüneburg, Hamburg, 
daher auch wahrscheinlich noch in anderen Gegenden 
Mecklbgs., wenn auch, wie überhaupt in unsern 
Breiten, stets selten. Ich suchte diese Art bisher 
vergeblich. 

a 1 c a 1 a, 
^Fraxini. Escheneule. Blaues Ordensband. 

Diese stattliche Eule findet sich überall in Meckl., 
doch wohl immer nur, wie bei W., ziemlich selten. 
Die R. fand ich nur an der Canadischen Papp^il, 
und seit diese hier fast ausgerottet ist, traf ich sie 
nicht mehr. 

*Nupta. Weidenkarrain. Gemeines rothes 
Ordensband. 
Allenthalben bei uns, wo Weiden und Pappeln, 
häufig. Auch die geringe Abweichung (v. Concuhina) 
findet sich wahrscheinlich tiberall in Meckl. 

*Sponsa. Eichenkarmin. Braut. 

Von allen beobachtet. Besonders in Wäldern, doch 
auch an einzeln stehenden Eichen. Die R. bis Juni 
an den Stämmen derselben, öfter aber von deren 
Zweigen zu klopfen. Bei W. jedoch nicht häufig. 

"* Promissa. Die Verlobte. 

Wie die vorhergehende mit der Eiche über Meckl. 
verbreitet. Von mir etwas öfter als Sj)onsa gefunden. 
Es scheint, als ob Promissa mehr in lichteren Wäl- 
dern mit leichtem, Sponsa mehr in dichteren Wäldern 
mit schwerem Boden vorhanden ist. Lebensweise 
der R. ist der der vorhergehenden Art gleich. 

* FaranympJia. Gelbes Ordensband. 

Ueber diese Art liegt mir für Meckl. kein weiterer 
literarischer Nachweis vor, als die allgemeine Be- 
merkung im Boll'schen Verzeichniss von K. in Sülz 
„mitunter nicht selten, aber in manchen Jahren ganz 
fehlend''. U. in Friedland zog sie. (A. 1866, S. 109.) 



160 



Aber mir wurden doch noch einige Fundorte dieser 
Art bekannt: So besass der verstorbene Präpositus 
Schenck in Pinnow in seiner kleinen Sammlung 
zwei Exempl. In meiner Studienzeit fand einmal 
bei Rostock in meiner Gegenwart ein Student in 
einem Kegelhäuschen diese Eule. Herr Giese fand 
sie bei Kröpelin zweimal. Bei W. ist dieselbe in 
meiner Knabenzeit einzeln gefangen, und ein Exempl. 
aus der Zeit befindet sich noch im Besitze des hie- 
sigen Advokaten Lembke, der es als Knabe im 
Stadtgraben fing. Ich selbst traf diese Art nicht, 
auch ist sie nicht im Gad. Verzeichnisse aufgeführt. 
Demnach scheint es, als ob dieselbe früher in Meckl. 
häufiger gewesen ist, in neuerer Zeit zwar noch 
über den grössten Theil desselben verbreitet, aus 
manchen Gegenden aber ganz verschwunden und 
überhaupt selten geworden ist, was ohne Zweifel 
in der grossen Verminderung der Hauptnährpflanze 
der R. — des Schlehdorns — in vielen Gegenden 
begründet ist. 

Toxocampa, 
* Pastmum. Vogelwicke neule. 

In Meckl. -Strel. (M. und Sp.) bei Gad. und W. be- 
obachtet. Früher traf ich an einzelnen, meist nur 
kleinen Stellen verschiedener "Wälder die Vogelwicke 
häufig und dann auch meistens dort im Juli diese 
Eule nicht selten, zog sie auch einzeln aus der R. 
In neuerer Zeit aber fand ich diese Nährpflanze der 
R. nur sehr spärlich und den in Rede stehenden 
Seh. gar nicht. 
Craccae. 

Nur bei Neustrelitz und von M. beobachtet. Eine 
mehr südlich von uns besonders heimische Art, 
deren nächste Fundorte sonst Braunschweig und 
Frankfurt a. d. 0. sind. Vielleicht liegt hier eine 
Verwechselung mit Viciaey die nördlicher geht, 
vor, und auch in Holstein, Pommern und bei Danzig 
gefunden wurde. 



161 
Aventia. 

* Flexula. (Flexularia.) 

Zwar überall bei uns, aber wahrscheinlich, wie bei 
W., nur selten. In Wäldern. 

Diese und die nachfolgende Art zählten früher zu 
den Spannern, sowie auch die Spezies der Genera 
Zanclognatha bis Rivula zu den Mikrolepidopteren 
gerechnet wurden. Daher fehlen letztere in dem Gad. 
Verzeichnisse, 

Boletobia. 

^ Fuliginaria. (Carhonana) . 

Ebenfalls in Meckl. verbreitet, aber im ganzen ziem- 
lich selten. Ich fand die Eule nur in der Stadt und 
deren nächster Umgebung. 

Zanclognatha. 

Tarsiplumalis. 

Nach Sp. in Meckl.-Strelitz. Auch bei Danzig und 

Lüneburg. 
Gi'isealis. 

Ebenfalls nur in Meckl.-Strel. (G. M. Sp.) beobachtet. 

Auch bei Greifswald, Berlin, Danzig. 

* Tarsipennalis. 

Allein bei W. beobachtet. Ich zog aber auch bisher 
nur ein Exempl. aus der R., die ich, wenn ich nicht 
irre, im Walde bei Kleinen gefunden hatte. Scheint 
sehr selten zu sein. 

* Tarsicrinalis. 

Allenthalben in Meckl. beobachtet. Bei W. verbreitet 
und ziemlich häufig. 

* Emortualis. 

Zwar nur in Meckl.-Strel. (M. Sp.) und bei W. ge- 
funden, doch wahrscheinlich auch in den dazwischen 
liegenden Gegenden, wenn auch, wie bei W. hier 
und dort in Wäldern, nur einzeln. 

Madopa, 

Salicalis. 

Bei Neustrelitz (G. Sp.) Auch bei Stralsund, Berlin, 
Lüneburg. 

Archiv XXXUI. 11 



162 



Herminia. 

* Crihrumalis (Cribralis.) S i e b e u 1 e. 

In Meckl.-Strel. (M. Sp.) Auf den Mooren und an 
Sümpfen bei W. fast allenthalben, stellenweise Abends 
im Juni und Juli häufig. Auch mehrere Male von 
mir gezogen. Die R. erhielt ich durch Harken Ende 
Apr., erwachsen, an feuchten moorigen Stellen, er- 
mittelte aber noch nicht, wovon sie sich ernährt. 

Tentacularia. (Tentacularis) . 

In Meckl.-Strel. (G. Sp.) und bei Sülz. Auch bei 
Stralsund und Berlin. 

Derivalis. 

In Meckl.-Strel. (M. Sp.) Auch bei Danzig u. Lüneburg. 
Pechipogon. 

* Barhalis. 

In Wäldern überall bei uns. Bei W. sehr verbreitet 
und häufig. Ich klopfte die R. im Spätherbste be- 
sonders von Eichen, die mit vielen Flechten über- 
wachsen sind, harkte sie im Frühlinge aus dürrem 
Laube und traf auch den Seh. öfter im Mai und Juni. 
Bomolocha. 

* Fontis. (Crassalis.) 

Bei Neustrelitz (G. M.), Gad. und W. An letzteren 
beiden Orten ist dieser sonst verbreitete und häufige 
Seh. nur selten, aber wohl nur deswegen, weil die 
Hauptnährpflanze der R. — die Heidelbeere -~ hier 
nur spärlich vorkommt. Ich fing sie nur zweimal 
im Moore bei Tarzow zwischen Sumpfheidelbeeren. 
Hypena. 

*Rostralis. Kleine Schnauzeneule. 

Bei W. verbreitet aber nur einzeln, wahrscheinlich 
aber ist sie auch in anderen Gegenden Meckl. mehr 
oder weniger häufig. 

Es liegen mir über diese Art weiter keine beson- 
dere Nachrichten vor. 

*Prohoscidalis. Grosse Schnauzeneule. 

Allenthalben bei uns. Bei W. in Wäldern und Brüchen 
an feuchten Stellen, wo Nesseln stehen, meistens sehr 
häufig. 



163 
Kivula. 

^Sericealis. 

Allenthalben in Meckl. Bei W. zwischen Schilf und 
Rohr und in Gebüschen häufig. 

Brepliifles. 

Brephos. 

* ? Parthenias, Hängelbirkeneule. 

Aus allen Gegenden aufgeführt. Doch sei bemerkt, 
dass ich früher gefangene und für diese Art ange- 
sehene Exemplare, als ich später reine durch die 
Zucht erhielt, verworfen habe, und erst dann ge- 
wahrte, dass ich nicht Parthenias, sondern Notlia vor 
mir hatte. Später, als ich auf diese Thiere beson- 
ders achtete, habe ich nur Notlia gefangen und ge- 
zogen. Auch bei Gad. ist nur eine dieser nahen 
Arten beobachtet, die zwar als Parthenias im Ver- 
zeichnisse aufgeführt, aber wahrscheinlich ebenfalls 
Notha ist, da meine Fundorte und die Gadebuscher 
sich ziemlich nahe liegen und beide wenig Birken- 
aber mehr Zitterpappeln, aufzuweisen haben. 
'^Nothum. (Notha.) 

Bei Neustrelitz (M.) und W. Sichere Fundorte für 
diese Art sind mir nur der Moidentiner Wald, nahe 
der Eisenbahn und das Rugenseer Holz, wo ich im 
Juli die R. nicht selten von Zitterpappeln klopfte. 
Puella. Das Mädchen. 

Von K. als bei Sülz im Verzeichniss aufgeführt. 
Diese Angabe aber beruht wahrscheinlich auf einen 
Irrthura, da ihr eigentliches Wohngebiet beträchtlich 
südlicher von uns gelegen ist und sie nördlich nur 
bis Böhmen sicher beobachtet wurde. 

D. Geometrae. 

Pseudoterpna, 

* Pruinata . (Cythisaria) . Geiskleespanner. 

Allenthalben in Meckl. beobachtet. Bei W. beson- 
ders an Waldrändern mit leichterem Boden. Wo 

11« 



164 



an solchen Stellen die Besenpfrime häufig wächst, 
ist auch dieser Spanner fast überall anzutreffen. 

Geometra. 

^ Papilionaria. Grüner Birkenspanner. 

Gleichfalls in Meckl. verbreitet, doch wohl nur, wo 
Birkenwälder, häufiger. Bei W. nur einzeln gefangen 
und selten gezogen. R. auch von Erlen geklopft. 

"^ Pustulata. (Bajularia). 

In den meisten Gegenden beobachtet. Bei W. hier 
und dort in Wäldern an Eichen einzeln gefangen. 

Nemoria. 

^ Porrinata. (Viridata Tr.). 

Allenthalben bei uns. Bei W. in Wäldern an ein- 
zelnen Stellen; nicht häufig. 

Von dieser Art ist in neuerer Zeit die sehr nahe 
Viridata L. getrennt worden, welche, da sie über- 
haupt verbreitet ist, auch wohl in Meckl. vorhanden 
sein wird, nur hier gleichfalls nicht als verschieden 
von Porrinata Z. erkannt wurde, und es fragt sich 
ja überhaupt, welche von beiden Arten die Autoren 
vor sich hatten. 

* Strigata. (A estivaria) . 

Gleichfalls von allen beobachtet. Bei W. in Wäl- 
dern nicht selten und auch an anderen Orten ; auch 
mehrfach von mir gezogen. R. im Frühlinge von 
Eichen geklopft. 

Thalera. 

* Fimbrialis. (Bwpleuraria. ) 

Bei Sülz, Neustrelitz (M.), Gad. und W. gefunden. 
Da diese Art an den Endpunkten Meckl. beobachtet 
ist, so wird sie auch in dem dazwischen gelegenen 
Theile vorhanden sein. Von mir hier und dort ein- 
zeln, wenn auch nicht selten gefangen. 

Jodis. 
^Putata. (Putataria). Kleiner Perlflügel. 

Durch ganz Meckl. Bei W. in Wäldern stellenweise 
häufig. 



165 



* Lactearia. (Aerugmana). 

Bei Neustrelitz (M. Sp.), Gad. und W. Hier in 
Wäldern, besonders wo Birken; aber ziemlich selten. 

Acidalia. 

* Perochrai'ia. 

Bei Neustrelitz (M.) und W. Hier nur einzeln. Auch 
bei Greifswald und Demmin. 
Ochrata. (Ochreata). 

Bei Sülz, Neustrelitz (M. Sp.) und Gad. (nicht selten) 
beobachtet. Diese und die vorhergehende Art werden 
häufig mit einander verwechselt, und es fragt sich 
daher, ob die Autoren immer richtig bestimmt haben. 
llufaria. 

Von M. allein als bei Neustrelitz aufgeführt. 

^Muricata. (Auroraria). 

Bei Sülz (selten), Gad. (nicht selten) und W. Ich 
fing den kleinen Spanner am häufigsten im Heide- 
moore bei Tarzow, einzeln auch in Wäldern. 

"^ Dimidiata. (Scutidata), 

Allenthalben in Meckl. beobachtet. Bei W. verbreitet 
und besonders Abends am Rohre nicht selten. 

* Vircjularia. (Incanata). 

üeberall bei uns und, wenigstens bei W., nicht selten. 
^ Straminata. 

Bei W. einzeln und selten. Im Boll'schen Yerz. 
steht Stramentata (M.) ohne Zweifel fälschlich für 
Stranimata. Demnach lebt der Spanner auch bei 
Neustrelitz. 
Auch bei Demmin beobachtet. 

PalUdata. (Byssin ata) . 

Nach M bei Neustrelitz. Auch bei Greifswald. 

Herhariata. (Pusülaria), 

Nach M. bei Neustrelitz. Sonst nur südlicher heimisch; 
doch auch in dem Verz. der Seh. in Neuvorpommern 
und Rügen, als bei Stralsund (einmal) aufgeführt. 
Was mir als Pusülaria aus hiesiger Gegend früher 
bestimmt war, hat sich als falsch diagnosirt heraus- 
gestellt. 



166 



^Bisetata. 

Allenthalben. Bei W. in und bei der Stadt ziemlich 

häufig. 
Biisticata. 

Nach M. bei Neustrelitz. 
Humüeata . (Osseata) . 

Bei Sülz und Neustrelitz (M.) 

* Dilutaria^ (Interjectaria.) 

Von mir allein beobachtet; bei W. in der Stadt und 
in der Nähe derselben an Geländern, Mauern u. dgl. 
nicht selten. Sehr wahrscheinlich auch in anderen 
Gegenden Meckl und nur wegen der Kleinheit von 
anderen übersehen oder falsch bestimmt. 

* Inornata. (Suffusato) . W a 1 d p u n k t s p a n n e r. 

Nur bei Neustrelitz (M. Sp.) und W. beobachtet. 
Hier in Wäldern im ganzen nicht eben selten. 

"^Äversata. Grosser Punktspanner. 

Eine bei uns überall beobachtete und bei W. in 
Wäldern und Gebüschen häufige Art. Auch die 

*v. Lividata Gn. (Latifasciaria Hdnrch.). 

Bei W. nicht selten und an denselben Orten, wo die 
Stammform. 

^Emargmata. Geeckter Punktspanner. 

Von allen beobachtet. Bei W. an Waldrändern und 
Gebüschen nicht häufig. 

*2mmorata. (Immoraria) 

Allenthalben in Meckl. beobachtet. Ich fing den 
Spanner hier jedoch nur auf der grossen Waldwiese 
im Schimmer Holze, wo derselbe ziemlich häufig fliegt. 

^Ruhiginata (Biihricaria) . 

In Meckl.-Strel (M. Sp.) und bei W. Auf trockenen 
Feldern stellenweise nicht selten. Ich traf den kleinen 
Spanner auch einmal zwischen Ludwigslust und 
Schwerin auf einem Dresch ziemlich oft an. 
Incanata. (Mutata). 

Bei Neustrelitz (M.) 
Fumata. (Commutata). 

In Meckl.-Strel. (M. Sp.) 



167 



Remutata. 

In Meckl.-Strel. (G. M. Sp.) 

Letztere 3 Arten sind auch in der Fauna von Neu- 
vorpommern aufgeführt. 

* Immutata. (Sylvestraria). 

In Meckl.-Strel. und bei W. Hier häufig. Sehr wahr- 
scheinlich in Meckl. Wäldern überall, wohl nur öfter 
übersehen oder nicht richtig erkannt. 

Strigüaria, (Prataria.) 

Nach M. und Sp. in Meckl.-Strel. 

* Ornata. 

Allenthalben in Meckl. beobachtet. Bei W. an Wegen 
und Gebüschen überall nicht selten. 
Decorata. 

In Meckl.-St. nach M. und Sp. 

Zonosoma. 

* Pendularia. Hängebirkensp anner. 

In den meisten Gegenden, wo gesammelt, gefunden. 
In Wäldern. Bei Gad. und W. nicht häufig. 

* Amulata. (Omicronaria) . 

Bei Gad. und W. selten. Ich fing den Spanner nur 
im Walde bei Moidentin in der Nähe von einzelnen 
Feldahornbäumchen. 

Pu^ülaria v. Gyraria Hh. 

M. führt eine Gyraria als bei Neustrelitz auf. Ich 
kann nur annehmen, dass diese Art und nicht Gyraria 
Tr. gemeint ist, da letztere nur in der Schweiz, Italien 
u. a. südlichen Gegenden beobachtet wurde. 

Porata. (Poraria). 

Nach M. bei Neustrelitz. 

* Punctaria. Eichenbusch Spanner. 

Ueberall bei uns beobachtet. Bei W. in allen Wäl- 
dern häufig, und öfter von mir aus von Eichen ge- 
klopften R. gezogen. In verschiedenen Varietäten. 

* Linear ia. {TriUnearia) . 

Wie die vorhergehende Art verbreitet und an den- 
selben Orten. Nicht selten. 



168 



Timanda. 
*Amata. (Amatoria). Ampferspanner. 

Durch ganz Meckl. geraein. Doch ist dieser hübsche 
Spanner bei W. lange nicht mehr so häufig, als in 
früheren Zeiten. 

Pellonia. 
Vihicaria. Purpurstrich. 

Bei Neustrelitz (G. M.) Ich fing den Spanner auch 
einmal in einigen Exempl. zwischen Schwerin und 
Ludwigslust. Sicher wird derselbe auch noch in da- 
zwischen gelegenen Gegenden zu finden sein. Er 
liebt vielleicht Sandboden. 
Calabraria. 

Von M. als bei Neustrelitz aufgeführt. Da aber die 
Art sonst nur im südlichen Europa beobachtet wurde, 
sich auch in keiner der Nachbarsfaunen findet, so 
möchte ich sie als Mecklenburgische nur mit ? ? auf- 
führen. 

Rhyparia. 

*Melanaria. Sumpfheidelbeerspanner. Fleckflügel. 
In mehreren Gegenden Meckl. beobachtet und sehr 
wahrscheinlich in allen unseren Mooren, wo das 
Vaccinium uliginosum häufig wächst, auch vorhanden. 
Ich traf den Seh. an solchen Orten Ende Juni und 
Anfangs Juli oft in grosser Menge, zog ihn auch 
öfters aus der R., die Ende Mai bis Mitte Juni aus- 
gewachsen ist und sich alsdann auf dem Sumpfheidel- 
beerstrauch meistens häufig findet. 

Abraxas. 

* Grofisulariata. Stach elbeer Spanner. Harlekin. 
Allenthalben sehr gemein. 

*Sylvata. (Uhnaria). ülmenspanner. 

Nur bei Neustrelitz von M. und bei W. beobachtet. 
Ich fand diesen ansehnlichen Spanner überall wo 
Ulmen häufig, besonders in Wäldern oft recht zahl- 
reich und möchte glauben, dass er auch mit diesem 
Baume über Meckl., wie überhaupt, verbreitet sei. 
Seh. im Juni, R. im Sept. nur auf Ulmen, oft häufig. 



169 



*Adustata. Spindelbaumspanner. 

Allenthalben beobachtet. Weil die Nährpflanze der 
R. — der Spindelbaum — bei W. nur vereinzelt 
vorkommt, so fand ich auch diesen Spanner im ganzen 
nicht häufig und nur in der Nähe desselben. Auch 
die R klopfte ich nur von diesem Baume und nicht oft. 

*Marginata. Kalbfell. Flicker. 

Allenthalben bei uns, wo Gebüsch, sehr häufig. 

*u. Pollutata. 

Bei Neustrelitz (M.) Auch bei W. 

*v. Naevata. 

Beide Varietäten wohl überall unter der Stammform. 

Eapta, 

* Bimaculata. (Taminata). Z w e i f 1 e ck. 

Von allen beobachtet. Bei W. in den meisten Wäl- 
dern von mir angetroffen, aber nicht häufig. 
"^ Temer ata. Bandfleck. 

In Meckl.-Strel. (M. Sp ), bei Gad und W. Hier 
ebenfalls in Wäldern und nicht häufig. Auch mehr- 
fach von mir gezogen. R. zumeist von Weiden geklopft. 
Oabera. 

* Pusaria. Weissbirkenspanner. 

Allenthalben häufig. R. fand ich zumeist auf Weiden. 
* Exanthemata. (Excmth emaria.) Grauer Weissbirken- 
spanner. 
Gleichfalls allenthalben^ wo Gebüsch, und fast eben 
so häufig, wie Pusaria. 

Numeria. 

* Pulveraria. S t ä u b 1 i n g. 

Allenthalben in Meckl. Bei W. in Wäldern nicht 
selten. R. im Herbste auf Weiden. 
Ellopia, 

* Prosapiaria . (Fasciaria) . Kienbaumspanner. 

üeber Meckl. verbreitet. Bei W. in den Föhren- 
wäldern nicht selten und in zwei Generationen. In 
der zweiten gewöhnlich viel häufiger als in der Früh- 
lingsgeneration; die Exemplare dann aber meistens 
kleiner. 



170 



V. Prasinaria. 

Zwar nur von mir beobachtet, doch wahrscheinlich mit 
der Stammform auch bei uns verbreitet, wenn auch voll- 
ständig ausgebildet, selten. Exempl. mit etwas grüner 
Beimischung — Zwischenformen — fand ich ganz oft. 

Metrocampa. 
'^ Margaritariü . Hainbuchenspanner. 

Von den meisten beobachtet. Hier in allen Laub- 
wäldern im Juni mitunter ziemlich häufig. 
Eugonia. 

* Quercinaria. (Ängidaria.) 

Allenthalben in Meckl. Bei W. entschieden die 
häufigste und verbreitetste Art dieser Gattung, die 
sehr mannigfaltig variirt und daher oft Veranlassung 
zu falschen Determinationen gegeben haben mag. 
R. bis Sommer am häufigsten auf Eichen. 
"^ Äutumnaria. (Jilniaria.) E rlens p anner. 

Von allen beobachtet. Ich fand den Seh. nur in 
einem Lustgarten nahe bei der Stadt und sehr einzeln, 
die E. nur einmal auf dem Sauerkirschbaume und 
vermuthe, dass, weil die nachfolgende Art nach an- 
deren Autoren denselben Namen führt, und weil sie 
mit anderen nahestehenden Spezies grosse Aehnlich- 
keit hat, Autumnaria öfter mit diesen verwechselt, 
in Wirklichkeit bei uns nicht häufig ist. 

* Aln iaria. (Tüiaria ) Lindenspanner. 

In Meokl.-Strel (M. Sp.), bei Gad. selten, und W. Hier 
verbreitet aber nicht häufig. Die R. fand ich auf Eichen. 

* Er Ovaria. H a g e e i c h e n s p a n n e r . 

Allenthalben bei uns beobachtet. Bei W. in Wäldern 
ziemlich häufig, in verschiedenen Varietäten, dar- 
unter auch 
V. Quercinaria Bhli., Hh.j Tr. nicht selten. 

Selenia. 

"^^ Bilunaria . (Ilhmaria). 

Allenthalben. Bei W. verbreitet und nicht selten; die R. 
klopfte ich im Herbste von verschiedenen Bäumen und 
Sträuchern, besonders von Erlen. Zweimal im Jahre. 



171 



^'' Lunaria. Halbm ond spann er. 

In allen unseren Lokalfaunen aufgeführt. Bei W. 
die seltenste Art dieser Gattung, die ich überhaupt 
nur in wenigen Exempl. fand. Die R. klopfte ich 
nur einmal im Herbste von Eschen. Da ich auch von 
dieser Art den Seh. Ende Apr. oder Anfangs Mai, die 
R. aber erst Ende Sept. fand, so vermuthe ich auch von 
ihr bei uns ein zweimaliges Erscheinen im Jahre. 

* Tetralunaria. (Illustraria.) 

In den meisten Gegenden, wo gesammelt ist, bei uns 
auch beobachtet. Bei W. verbreitet, doch nicht häufig. 
In Wäldern, Gebüschen und Gärten. Sehr wahr- 
scheinlich auch zwei Generationen. Die gleichfalls 
polyphage R. klopfte ich am häufigsten von Schlehdorn. 

Pericallia. 

* Syringana. Fliederspanner. 

Allenthalben. Bei W. in Gärten, wo die Nährpflanzen 
der R. — Syringen — sich finden, verbreitet, aber 
im ganzen nicht häufig. 

Odontopera. 

"^^ Bidentata. (DeiHaria). 

Bei Neustrelitz (M), Gad. und W. Hier zwar nur 
einzeln, doch sehr verbreitet und nicht selten. Die 
R. fand ich auf sehr verschiedenen Gewächsen. 
Kimera. 

* Pennaria. H a ge b u c h e n s p a n n e r. 

In Meckl.-Strel (M. Sp.) bei Gad. und W. Ich fand 
diese Art im ganzen, besonders als R., recht häufig. 
Diese lebt auf verschiedenen Bäumen und Sträuchern 
und wird mitunter durch ihre übergrosse Zahl sogar 
schädlich. Einmal wenigstens hatte vorzugsweise 
diese R. bei Kleinen und Zickhusen in den Wäldern 
alle Eichen kahl gefressen und sie krochen Ende Mai 
halb und zweidrittel erwachsen, Futter suchend an 
den Baumstämmen und auf der Erde in grosser Menge 
umher, so dass sie bis auf einzelne umgekommen 
sein werden, da alles Futter aufgezehrt war. Auch 
war hier ein Raubkäfer — Calosoma inqidsitor — un- 



172 



gewöhnlich zahbeich vorhanden, der sie fortwährend 
mordete und sehr viele von ihnen vernichtete. Seh. in 
verschiedenen Abweichungen und sicher eine über 
Meckl. verbreitete Art. 

Orocallis. 
^Elinguaria, Geisblattspanner. 

Bei Sülz, Meckl.- Strel. und W. Ich fand den Spanner 
zwar hier und dort, aber immer selten. 
Eurymene. 

* Dolahraria. Wintereichenspanner. 

Allenthalben in Meckl. Bei W. verbreitet und nicht 
selten. R. am häufigsten von Eichen geklopft. 
Angerona. 

* P^nin aria. Pflaumenspanner. 

Von allen beobachtet. Bei Gad. nicht häufig, bei 
W. eine Seltenheit und nur in der ersten Zeit meines 
Sammeins im Holze bei Kleinen überhaupt zweimal 
von mir gefangen. 
V. Corylaria. 

BeiNeustrel.(M.) Auch bei Schwerin einmal gefangen. 
Urapteryx. 
"^ Samhucaria. H ollunderspann er. Nachtschwalben- 
schwanz. 
Von allen beobachtet. Nach K. mitunter häufig. 
Von dieser ansehnlichen Spannerart fing ich nur 
Abends an verschiedenen Gebüschen die 5, welche 
alsdann, im Juli, an manchen Stellen nicht selten, 
im schnellen, schiessenden Fluge erscheinen. Es ist 
mir nicht gelungen, die R. zu finden. 

Rumina, 

* Luteata, (Crataegata) . Weissdornspanner. 

Eine überhaupt, so auch über Meckl. verbreitete Art, 
die ich allenthalben, wo Gebüsch, antraf, und deren 
R. ich am häufigsten von Schlehdoru klopfte. 
Epione. 

* Äpiciaria. Goldweiden spann er. 

In Meckl.-Strel. (M. Sp.), bei Gad. und W. Hier 
an den mit Korbweiden bepflanzten Chausseen und 



173 



der Eisenbahn früher bisweilen nicht selten, in den 
letzten allerdings kalten und insektenarmen Jahren 
sah ich die Art gar nicht. 

^' Paralellaria. 

Bei Sülz, Neustrelitz (M.), Gad. und W. Nur wo 
grössere Birkenbestände, daher besonders im Tar- 
zow'er Moore, habe ich diesen Spanner, aber immer 
ziemlich selten, angetroffen. Ist ohne Zweifel in 
unseren Gegenden in Birkenwäldern überall vorhanden. 

^Advenaria. Heidelbeerspanner. 

Allenthalben beobachtet. Bei W. in den meisten 
Wäldern und in einzelnen im Mai und Juni sehr häufig. 

Venilia. 
*Maculata. Tigerchen. 

Bei Friedland und W. beobachtet. Es ist mir sehr 
aufgefallen, dass ich diesen hübschen Spanner erst 
vor etlichen Jahren hier auffand, und zwar zuerst 
im Walde bei Kleinen gleichzeitig mit Gart. Sylvius 
an einem Orte, wo ich vorher alljährlich rechtzeitig 
und öfter mehrere Male im Jahre gewesen bin, so 
dass es mir kaum möglich erscheint, dass dieses 
ziemlich grosse, flüchtige und in die Augen fallende 
Thier von mir wäre übersehen worden. Seit dieser 
Zeit fand ich nun nicht nur dasselbe jährlich an 
diesem Orte, und manchmal ziemlich häufig, sondern 
ich traf den Spanner in neuerer Zeit auch in fast 
allen anderen Wäldern, die ich in seiner Flugzeit 
— Ende Mai und Anfangs Juni — besuchte. Fast 
möchte man hier an eine kürzlich erst stattgehabte 
Einwanderung desselben — ein Vorrücken nach 
Norden — denken, und dieses um so mehr, als auch 
keiner der früheren Sammler diesen Spanner beob- 
achtet hat, und auch Unger ihn erst in neuerer Zeit 
bei Friedland fing. 

In dem Tessien'schen Verzeichnisse der Seh. um 
Hamburg und Altona ist diese Art auch aufgeführt, 
nicht aber in dem von Neuvorpommern und Rügen 
von Paul und Plötz. 



174 



M a c a r i a. 
*Notata. (Notataria.) Weidenspann er. Sichelspanner. 
Allenthalben beobachtet. Bei W. verbreitet, doch 
meistens nur einzeln. 

* Alternaria. 

Bei Neustrelitz (M.) und W. beobachtet. Seltener 
als die vorhergehende Art, und nur in Tannenwäl- 
dern von mir gefunden. Sehr wahrscheinlich in 
ganz Meckl., wo sich die von der Art beanspruchten 
Lokalitäten finden und von manchen mit der sehr 
nahe stehenden Notataria für eine und dieselbe 
Spezies gehalten. 

* Signaria. 

In keiner der anderen Lokalfaunen aufgeführt. Bei 
W. ebenfalls in Tannenwäldern und nicht häufig. 
Scheint wie die vorhergehende Art in Meckl. ver- 
breitet und gleichfalls nur nicht von dieser und 
Notataria unterschieden zu sein. Weid in Gad. hatte 
diese Spezies als Varietät der Notataria in der 
Sammlung. 

* Lituraria. F ö h r e n s p a n n e r. 

Von allen beobachtet. Bei W. in Tannenwäldern 
nicht selten. Ich fand auch ziemlich häufig im Winter 
die P. unter Moos in der Nähe der Föhrenstämme. 

Hybernia. 

* Rupicapraria 

Bei Neustrelitz (G. Sp.) Gad. und W. gefunden. 
Eine überhaupt sehr verbreitete, so auch wahrschein- 
lich in Meckl. allenthalben vorhandene Ait, die bei 
W. im Febr. und März stellenweise häufig ist. Die 
R. fand ich am öftersten auf Schlehdorn. 

"^ Leucophaearia. Grauer Eichen Spanner. 

Allenthalben. Bei Sülz (K.) selten. Bei W. mit der 
Eiche verbreitet und häufig Im März. R. im Mai 
und Juni auf Eichen. 

"^ Aurantiaria. Pomeranz enf arbiger Spanner. 

Von allen beobachtet. Seh. im Herbste nur einzeln 
von mir gefunden, die R. aber klopfte ich manchmal 



175 



im Mai und Juni recht häufig von Eichen, Buchen 
u. a. Laubholz. 

* Marginaria . (Progemmaria) . 

Gleichfalls allenthalben beobachtet. Auch von dieser 
Art klopfte ich die R. am häufigsten von Eichen, 
doch auch von anderen Laubbäumen im Mai und 
Juni Der Seh. erscheint im März und ist hier recht 
verbreitet. 

* Defoh'aria. W aldiin den spann er. 

Allenthalben. Die R. dieser Art zählt bei den Forst- 
wirthen zu den schädlichen und ist auch bei W. sehr 
verbreitet und oft sehr häufig; doch fügte sie in 
hiesiger Gegend nur mit anderen Arten zusammen 
mitunter den Laubwäldern Schaden zu. Der im 
Spätherbst erscheinende Spanner variirt sehr. 

Anisopteryx. 
Aceraria. Ahornspanner. 

unter verschiedenen, früher einmal von mir bei Sülz 
zu Ende des Mai geklopften R. kamen, bei deren 
Entwickelung im Herbste, auch einzelne Exempl. 
dieser Spannerart zum Vorschein, die sonst noch 
nicht in Meckl. beobachtet wurde. 
* Aescularta. Rosskastanie nspan ner. 

Von allen beobachtet. Bei W. als Seh. im März 
allenthalben, als R. im Mai und Juni auf verschie- 
denen Laubhölzern häufig. 

Phigalia, 

* Pedaria. (Püosaria.) B i r n s p a n n e r. 

Durch ganz Meckl. Diesen ansehnlichen Spanner 
finde ich fast alljährlich zuerst im Freien als Ver- 
ktinder des herannahenden Frühlings und als Er- 
öffner der beginnenden Schuietterlings- Saison, ge- 
wöhnlich im Febr. und nur wenn Schnee und Eis 
sein Erscheinen verzögert, im März, ja einmal traf 
ich ihn schon im Jan. an. Bald folgen dann: 
Aescularia, Bupicapraria, Progemmaria u. a. Er ist 
kier sehr verbreitet, in den Lustanlagen der Stadt 
und selbst innerhalb derselben; jedoch als Seh. nur 



176 



einzeln, in Wäldern häufiger. Die R. im Mai fast 
überall häufig auf mancherlei Bäumen und Sträuchern. 

B i s 1 n. 

* Hisjpidarms. (Hispidaria.) 

Diese schon in meinem 4. Nachträge Meckl. Lepid. 
(J. 1859, S. 157) als bei Schwerin aufgeführte Art, 
habe ich später auch hier einzeln aus der R. ge- 
zogen, welche ich in dem Rugenseeer Laubholze im 
Juni von Eichen klopfte. Bei der Entwickelung 
der Seh. aus verschiedenen, zum Theil mir unbe- 
kannten R., die ich früher einmal aus der Gegend 
von Sülz mitbrachte, kam auch ein Exempl. dieser 
Art zum Vorschein. Wenn also auch dieselbe von 
keinem anderen Sammler Meckl, beobachtet worden 
ist, so geht doch schon aus diesen verschiedenen 
und entfernten Fundorten so viel hervor, dass sie 
sehr wahrscheinlich über Meckl. verbreitet, wenn 
auch selten ist. — Auch bei Greifswald. 

* Zonartus. (Zonaria.) G a r b e n s p a n n e r . 

Gleichfalls nur von mir beobachtet und schon in 
meinem oben citirten Nachtrage erwähnt. Ich fand 
den Seh, nur zweimal, aber in sehr verschiedenen 
Gegenden, die R. zwar nur einmal aber in Mehrzahl 
— 11 Stück — bei einander auf der Flockenblume 
au einem Chausseegraben im Juli, aus welchen 
grossentheils sich die Seh. im nächsten Frühlinge 
entwickelten. 

Kommt auch bei Hamburg und Lübeck vor. Am 
letzteren Orte sah ich einmal eine ganze Anzahl 
Männchen dieser Art beim Herrn Böckmann, der die 
Raupen in Menge auf einem Pappelbusch gefunden 
hatte, die ungeflügelten q aber waren aus Unkenntniss 
von ihm verworfen worden. Es geht hieraus her- 
vor, dass auch dieser Spanner in unseren Gegenden 
verbreitet, wenn auch im ganzen selten ist. 
*Hirtarius. (Hirtaria.) Kirschenspanner. 

Ueber Meckl. verbreitet. Den Seh. fand ich im 
März und April nur ziemlich selten, die R. im Juni 



177 



und Juli häufiger und an verschiedenen Laubbäumen 
und Sträuchern. Bei der Zucht aus dem Ei, die ich 
mehrere Jahre nacheinander fortsetzte, gediehen 
mir immer die R. sehr gut, aber im Puppen-Stadium 
starb mir stets der grössere Theil, ich mochte sie 
behandehi, wie ich wollte: feucht, trocken, kalt, 
warm, sie in der Erde belassen, oder sie aus der- 
selben herausnehmen, immer erhielt ich nur verhält- 
nissmässig wenig Seh. Es mag dies in unseren 
Gegenden auch in der freien Natur ziemlich so zu- 
gehen. Dafür spricht auch K's. Bemerkung, dass 
die Art bei Sülz als Seh. selten, als R. aber häufig 
sei. Ich zog diese Raupenart auf einer auf meinem 
Hofe eingepflanzten Korbweide und hatte die Stamm- 
eltern als R. von Birken geklopft. Die Puppenruhe 
dauerte übrigens häufig 2, bei einzelnen auch 3 Jahre. 

* Stratarius. (Prodromaria.) Lindenspanner. 

Auch eine überall in Meckl. beobachtete und allbe- 
kannte Art, die aber doch wahrscheinlich, wie bei 
W. nicht gerade häufig ist. Der Seh. erscheint im 
März und findet sich dann an Baumstämmen u. dgl. 
Die R. klopfte ich zwar nur von Eichen; sie ist 
aber auch auf anderem Laubholz gefunden worden. 
Sie lebt nicht im Herbste, wie von Heinemann irr- 
thümlich angibt, sondern im Frühlinge bis Juli. 

Amphidasis. 

* Betularius. (Betularia .) Birkenspanner. 

Allenthalben eine gewöhnliche Art. Seh. Mai und 
Juni, R. im Herbste polyphag, besonders an 
Sträuchern. 

S y n p s i a. 

Sociaria. 

Von Sp. als in Meckl. - Strel. aufgeführt. Doch da 
die Art von keinem der anderen Sammler gefunden 
wurde, auch in keiner der benachbarten Faunen 
aufgeführt ist und überhaupt nur in südlichen 
Gegenden vorkommt, so erscheint sie für Meckl. 
fraglich. 

Arcbiv XXXUI. 12 



178 



Boarmia, 
'^' Ginctaria. Graunebliger Spanner. 

Von allen beobachtet. Bei W. verbreitet, doch nicht 
eben häufig. Mai. 

* Gemmaria. (Rhomboidaria.) 

Wenn immer richtig bestimmt, so ist auch diese Art 
über ganz Meckl, verbreitet, bei W. aber recht selten. 

Secundaria. Weiss ta nnenspanner. 

Nach Weid bei Gad. selten und von mir schon A. 
1851, S. 131 aufgeführt. Er findet sich aber in keiner 
der Nachbarfaunen und da die Spezies dieser Gat- 
tung oft recht schwierig von einander zu unter- 
scheiden sind, zumal wenn man nicht alle Arten 
und reine Exempl. vor sich hat, oder man die R. 
nicht mit in Betracht ziehen kann, so ist ein Irrthum 
in der Determination hier um so leichter möglich. 

Äbietaria. Bdeltannenspanner. 

Gleichfalls nach Weid's Angabe bei Gad einmal. 
Doch ist diese Art auch bei Greifswald (Subzow) 
und bei Hamburg (selten) beobachtet. 

* Repandaria. Weissbuchenspanner. 

Allenthalben bei uns beobachtet. Bei W. namentlich 
in gemischten Wäldern mit leichterem Boden nicht 
selten. Juni. 

*Boboraria. Steineichen Spanner. 

In den meisten Gegenden beobachtet. Bei W. in 
einzelnen Laubwäldern und nicht häufig. 

* Consortaria. Grauer Zaun Spanner. 

Ueber ganz Meckl. verbreitet. Mai, Juni häufig 
bei W. , besonders als R. , die ich am meisten im 
Spätsommer von Eichen geklopft zu haben glaube. 

* Angularia. (Viduaria.) Wittween-Spanner. 

In den meisten Gegenden beobachtet. Ich fing den 
Spanner nur einmal in dem zu Tarzow gehörenden 
Laubwalde in 2 Exempl. Auch bei Gad. ist er selten. 

* LicJienaria. Flechten Spanner. 

Auch eine über Meckl. verbreitete und häufige Art, 
wenigstens finde ich dieselbe bei W. allenthalben, 



179 



und besonders die R. häufig, ja einmal traf ich diese 
in einem kleinen Eichwalde — älterer Bestand — in 
Menge an. R. im Mai, Seh. Juni, Juli. 
Glahraria. 

Nach M. bei Neustrelitz. 

Auch bei Stralsund, Berlin und Hamburg. 

* Crepuscidaria. A k e 1 e i s p a n n e r. 

Von allen beobachtet Ich fand den Seh. nur in 
dem Bruchwalde bei Zierow ziemlich häufig, in den 
anderen Wäldern, sowie auch die R. , im ganzen 
nicht oft. 
*Luridata. (Extersaria.) 

Gleichfalls allenthalben beobachtet. Bei W. namentlich 
im Walde bei Kleinen oft ziemlich häufig. Mai, Juni. 

* Punctularia . (Punctulata.) 

Auch eine über Meckl. verbreitete Art. Bei W. in 
Erlenbrüchen meistens häufig, als Seh. im Mai an 
den Stämmen der Erlen, R. im Herbste auf diesem 
Baume. 

Tephonia, 

* Sepiaria. (Cineraria.) S t a u b m o o s s p a n n e r. 

Nur von M. bei Neustrelitz und von mir beobachtet. 
Ich fand den Spanner hier in der Stadt, aber nur 
wenige Male, einmal jedoch in einigen Exempl. nahe 
bei einander an einem alten Gartengeländer. 

Gnoplios. 

Furvata^ 

Unger führt (A. 1866, S. 89.) eine Gnopli. Furcata 
als neue Art für Meckl. an. Eine solche giebt es 
aber gar nicht. Sollte Furvata gemeint sein , so 
wäre dabei zu bemerken, dass dieselbe sonst nur in 
Südeuropa und auf den Alp'in gefunden wurde, und 
daher ihr Vorkommen in Meckl höchst unwahr- 
scheinlich ist; steht Furcata für Furcaria Fahr., Sp., 
so ist dies ein synonymer Name der schon aufge- 
führten Consortaria Tr, und Hb. 

Ohscuraria. (Ohscurata.) 
Nach M. bei Neustrelitz. 

12* 



180 



Auch bei Greifswald, Berliü, Hamburg, aber auch 
in diesen Gegenden selten. 
Ohfuscaria. (Obfuscata.) 

Gleichfalls von M. als bei Neustrelitz aufgeführt, 
doch sonst nur in den Alpen, England, Schweden, 
Rüssland beobachtet. 

Fidonia. 
Fascicolaria. (Cehraria.) 

Bei Neustrelitz (M ). Bei Berlin ziemlich häufig. 

Ematurga. 
^Atomaria. Heidespanner. 

Von allen beobachtet. Bei W. und Gad. nur in 
den Heidemooren, dort aber sehr häufig und fast 
den ganzen Sommer hindurch. 
Bupalus. 

* Piniarms. (Piniaria.) Kiefernspanner. 

In allen unseren Föhrenwäldern und oft sehr häufig, 
doch trat in hiesiger Gegend die R zu meiner Zeit nie- 
mals in solcher Menge auf, dass sie den Föhren wirklich 
schädlich wurde. Als R., P. und Seh. zu erlangen. 
Halia. 
"^Wauaria. (Wavaria.) Johannisbeerspanner. 
Allenthalben bei uns in Gärten im Juli häufig. 

* Brunneata. (Pinetaria.) 

Bei Neustrelitz (M.), Gad. und W. In letzteren Ge- 
genden nur in den Heidemooren und ziemlich selten. 

Phasiane. 
"^ Petraria. Fernspanner. 

In den meisten Gegenden Meckl. beobachtet. Bei 
W. in sumpfigen Erlenbrüchen und zwischen trocken 
und dünne stehendem Rohre Ende Apr. und im Mai 
stellenweise ziemlich häufig. 
Glarearia. ? 

Von K. mit ? als bei Sülz aufgeführt. Da die Art 
auch bei Stralsund und Berlin gefunden wurde, so 
kann sie auch sehr wohl im östlichen Meckl. vor- 
kommen, wenn auch ihre eigentliche Heimath süd- 
lichere Gegenden sind. 



181 



*Clathrata. Gitterspan ner. 

In Meckl.-Strel. (G. M. Sp.) und von mir beobachtet. 
Ich fing von dieser Art nur zweimal ein ExempL, 
eins am Waldrande bei Kleinen und das andere an 
der Böschung der Eisenbahn daselbst, traf aber auch 
früher einmal ein Exempl. zwischen Ludwigslust und 
Eldena. Sie scheint demnach in Meckl. verbreitet 
zu sein, aber nur stellenweise und vereinzelt vorzu- 
kommen. In südlicheren Gegenden eine häufig er- 
scheinende Spezies, die, wie auch die vorhergehende 
Art, wahrscheinlich bei uns ihre Polargrenze hat. 

S c r i a. 
Lineata. (Dealhata.) 

Bei Sülz, Neustrelitz (M.) und Rostock. Bei letzterem 
Orte fing ich den Spanner früher einmal an den 
Wallgräben in Mehrzahl, wo derselbe zwischen dem 
Gebüsch an freien Stellen über den üppigen Kräu- 
tern häufig flog. 

Aspilates. 

Güvaria. 

Nach H. im Mai bei Ludwigslust. Die Angabe beruht 
sehr wahrscheinlich auf einem Irrthum in der Determi- 
nation. Der Spanner ist nirgends in unserer Nachbar- 
schaft beobachtet und geht schwerlich so weit nördlich. 
Lythria. 

*Purpuraria. Purpur streifiger Spanner. 

In ganz Meckl, und eine sehr gewöhnliche Art. Bei 
W. auf Sandboden, besonders in Tannenwäldern, 
an freien Stellen, wo viel Ampfer steht, sehr häufig 
und zweimal im Jahre. 

Ortholitha. 

* Plumharia. (Falumharia.) Taubenfarbener Spanner. 
Gleichfalls allenthalben in Meckl. beobachtet. Bei 
W. auch nur auf mehr oder weniger leichtem Boden, 
stellenweise oft nicht selten. 

* Cervinata. (C ervinaria.) Malvenspanner 

In den meisten Gegenden. Nach K. bei Sülz in ein- 
zelnen Jahren häufig; bei Gad. u. W. fast immer selten. 



182 



* Limitata. (Mensur aria .) Trespenspanner. 

Sehr verbreitet in Meckl, und besonders auf Wiesen 
im Aug. bei uns sehr häufig. 
Moem'ata. [Moeinaria.) 
In xMeckl.-Strel. (M. Sp.) 

Mesotype. 

* Virgata. (Lineolata) 

Nur von mir allein vertreten. Ich fing den Spanner 
nur einmal, aber in Mehrzahl im Aug. bei Bolten- 
hagen, wo derselbe auf den Dünen an solchen Stellen, 
wo viel Galium verum stand, ziemlich häufig flog. 
In der Nähe von W. ist dies Galium selten oder gar 
nicht vorhanden und deswegen wohl fehlt auch hier 
dies Thierchen. 

Minoa. 
Murinata. (Euphorhiata .) W o 1 f s m i 1 c h s p a n n e r. 

Bei Neustrelitz (G. M.) Wahrscheinlich auch in 
anderen Sand - Gegenden Meckl. , wo Wolfsmilch 
häufig wächst. 

Odezia. 
^Atrata. (ChaerophyUata ) Kälberkropfspanner. 

Von den meisten beobachtet, auch bei Kröpelin. 
Bei W. früher nur an dem Scheidegraben der Güter 
Schimm und Fahren, in den beiden letzten Jahren 
aber auch in der Nähe von W., besonders an Wiesen- 
rändern, einzeln gesehen und gefangen; in diesem 
Jahre aber fliegt das zarte Thierchen hier fast 
überall, stellenweise häutig. Ist dasselbe vielleicht 
erst kürzlich hier eingewandert? 

Lithostege. 
^•Farinata. (Niveata.) S chne efar biger Spanner. 
Bei Gad. und W. Hier sehr verbreitet, doch immer 
einzeln, wenn auch nicht selten, an Wegen, Aeckern, 
Viehweiderändern u. d. gl. Orten. Mai bis Juli- 
Scheint schweren Boden zu lieben. 

Auch bei Hamburg und in Neuvorpommern. 



183 



Anaitis. 
^Plagiata. Johanniskrautspanner. 

In Meckl.-Strel. (M. Sp.), bei Gad. u. W. An letz- 
teren beiden Orten selten und von mir nur an einer 
Stelle gefunden. 

* Paludata . (Sororiata . ) 

Bisher allein von mir und nur in dem Heidemoore 
bei Tarzow beobachtet. Dort fliegt dieser Spanner 
im Juni und Juli meistens ziemlich häufig. Sonst 
im hohen Norden und auf den Alpen. 

Ohesias. 
*S^artmta. Pfriemenkrautspanner. 

Bei Sülz, Neustrelitz und W. Ich fing den Spanner 
im Sept. fast allenthalben, wo Spartium scoparium 
häufig wächst, namentlich auf freien Stellen in und 
an Wäldern, viel häufiger aber fand ich im Mai die 
R. auf dieser Pflanze. Sehr wahrscheinlich mit der 
Nährpflanze über Meckl. verbreitet. 
Huf ata. (Obliquata.) 

In Meckl.-Strel. (M. Sp. einmal). Ich fing auch den 
Spanner einmal Anfangs Aug. in der Heide bei 
Marnitz. 

Lobophora. 

* Carpinata, (Lohulata.) 

Bei Neustrelitz (M.). Gad. (ziemlich selten) iind W. 
Hier der Seh. im Apr. an Baumstämmen der Wälder, 
Brüche und der Promenaden der Stadt nicht eben 
selten. Auch einzeln von mir gezogen. 

"^Halterata. (Hexa'pterata.) Berg buchenspanne r. 

Bei Sülz, Neustrelitz (M. Sp.) und W. Ich fand 
diesen Spanner hier und dort, aber immer nur einzeln. 

'^' Sexalisata. (Sexalata) Werft weidenspanne r. 

Bei Neustrelitz (M.), Gad. und W. Wie die vorher- 
gehende Art immer nur einzeln, aber an recht ver- 
schiedenen Orten, im ganzen aber doch öfter als 
jene von mir gefunden. 



184 



*Virefata. Ligusterspanner 

Bei Neustrelitz (M.) und W. beobachtet. Ich fand 
diesen kleinen Spanner überhaupt nur zweimal, und 
ist derselbe wohl nur wegen seiner Seltenheit bei 
uns von so wenigen gefunden. 

Oheimatobia. 

*Brumata. Birnbaumspanner. Frostspanner. 

Dieser wegen des Schadens, den seine R. öfter 
unseren Obstbäumen zufügt, sehr bekannte und ver- 
hasste Schmetterling, ist auch in Meckl. allenthalben 
sehr gemein. Die R. an allerlei Laubholz, besonders 
an Obstbäumen, Ende des Mai gewöhnlich erwachsen. 
Sie zieht an ihnen die jungen Knospen und Blätter 
durch G-espinnstfäden zusammen, behindert diese da- 
durch nicht nur an ihrer Entwickelung, sondern zehrt 
sie auch auf. 

Der Seh. erscheint im Nov.; das q hat nur Stummel- 
flügel, kriecht nach der Begattung an dem Stamme 
der Bäume Abends und Nachts auf die Zweige der- 
selben und setzt hier die Eier ab, aus welchen im 
Frühlinge die Räupcheu erscheinen. 
Boreata. 

Bei Neustrelitz und allein von M. beobachtet. Viel- 
leicht ist diese Art, welche der vorigen als R. und 
als Seh. sehr ähnlich ist, von manchen übersehen 
worden, vielleicht aber auch erreicht ihr Verbreitungs- 
bezirk im südöstlichen Meckl. seine Nordgrenze. R. 
auf Birken. 

Triphosa. 

*Duhitata. W eged orn s pan n er. 

In den meisten Gegenden beobachtet, bei Sülz nicht 
selten ; auch bei W. ist dieser Spanner stellenweise 
ziemlich oft anzutreffen. 

Eucosmia 

"^Certata. Sauerdorn Spanner. 

Bei Neustrelitz (M ), Gad, (ziemlich selten) und W. 
Von mir zwar hier und dort, aber immer nur einzeln 
gefunden. 



185 



*^TJndulata. Wellenspanner. 

Von allen beobachtet. Bei W. nicht eben häufig. 
In Wäldern. 

Scotosia. 

* Vetulata. 

In den meisten Gegenden beobachtet. Bei W. be- 
sonders an Brüchen, aber nicht häufig. 

*Bhamnata. Kreuzdornsp anner. 

Bei Sülz (nicht selten), Neustrelitz, Gad. (ziemlich 
selten) und bei W. beobachtet. Ich fand jedoch 
nur einzelne Exempl. dieser Art. 

*Badiata. Heckenrosenspanner. 

Von allen beobachtet, von mir aber nur zweimal 
gefunden , scheint in anderen Gegenden Meckl. 
häufiger zu sein. 

Lugris. 

*Beticulata. Netzspanner. Balsarainenspanner. 
Bei Neustrelitz (M.), Gad. und W. gefunden, aber 
wohl mit der Nährpflanze der R. — Impatiens Noli 
tangere — über Meckl. verbreitet, wenn auch bei 
uns, wie überhaupt, selten. Ich fing den Seh. nur 
einmal im Walde bei Lewetzow. 

* Prunata. (Rihesiaria.) Zwetschenspanncr. 

Durch ganz Meckl. Bei W. verbreitet und häufig. 

* Testata. (Achatinata.) Achatspanner. 

Eine ebenfalls in Meckl. allenthalben beobachtete 
Art, die jedoch bei W. nicht eben häufig ist. Ich 
fing den Spanner besonders in der Nähe von Korb- 
weiden, auf welchen die R. leben soll. 

Pojpulata. Espenspanner. 

Bei Neustrelitz (M.) und Gad. einmal. 

Associata. (Marmorata.) 

Nach M, bei Neustrelitz. — Auch bei Stralsund und 
Greifswald. 

Oidaria. 

*Dotata. (Pyraliata.) 

Allenthalben bei uns. Bei W. besonders in Feldern 
und an Wegen, wenn auch immer nur einzeln, doch 
nicht selten. 



186 



*Fulvata. Rosenspanner. 

In Meckl -Strel. (M. Sp.) und bei W. Von mir nur 
einige Male in Gärten der Stadt gefangen. Juni. 

* Ocellata. L a b k r a u t s p a n n e r. 

Eine allenthalben in Meckl. heimische und bei W. 
verbreitete und häufige Art. 

*Bicolorata. (Ruhiginata.) 

In den meisten Gegenden beobachtet, bei Gad. 
selten, bei W. zwar nicht häufig, doch verbreitet 
und namentlich in den meisten Erlenbrüchen von 
mir angetroffen. 

*Variata. Pechtannenspanner. 

Bei Sülz?, Neustrelitz (M.), Gad. selten und W. 
Ich fand sie nur einzelne Male hier und dort. 
V. Oheliscata. 

In Meckl.-Strel. (G. M. Sp), bei Gad. und W. Galt 
früher als verschieden von Variata, ist aber im 
Staudinger'schen Catalog als Varietät derselben auf- 
geführt, ob mit Recht? Oheliscata ist in allen hiesigen 
Tannenwäldern zweimal im Jahre ein sehr häufig 
erscheinendes Thier, während ich Variata nur selten 
und nie mit Obehscata zusammen fand. Gezogen 
habe ich dieselben nie, wodurch vielleicht Sicherheit 
zu erlangen wäre. Oheliscata variirt zwar sehr, doch 
fand ich unter ihnen nie die Form der typischen 
Variata. 

* Juniperata. Wachholder Spanner. 

In Meckl.-Strelitz (M. Sp.) und bei W. Ich fing den 
Spanner einzeln in unmittelbarer Nähe der Stadt, 
im Octob., wo Wachholder nur in Gärten vorkommt. 
Ueberhaupt eine mit dem Wachholder verbreitete 
und häufige Art. 

^Siterata. (Psittacata.) Moosgrüner Spanner. 

Eine sehr verbreitete und allenthalben bei uns beob- 
achtete Art, die bei W. zweimal im Jahre erscheint, 
ebenfalls verbreitet, doch aber nicht eben häufig ist. 

"^'Truncata. (Russata.) 

Uebcr ganz Meckl. verbreitet. Bei W. häufig. Juli. 



187 



Firmata. (Firmaria.) 

Nur von M. bei Neustrelitz beobachtet; ist aber 
vielleicht wegen ihrer grossen Aehnlichkeit mit v. 
Obeliscata von anderen öfter nicht als von dieser 
verschieden erkannt worden. 

* Viridaria. (Miaria.) Maienspanner. 

Allenthalben in Meckl. beobachtet. Bei W. an Wald- 
rändern, Brüchen u. d. gl. Orten, meistens nicht selten. 
Salicata. (Salicaria.) 

Nach M. und Sp. in Meckl.-Strelitz selten. Da dieser 
Spanner sich in keiner der Nachbarfaunen findet 
und sonst nur auf den Alpen, in England und Bel- 
gien zu Hause ist, so ist eine Bestätigung dieser 
Angabe zu wünschen. 
*Didymata. (Scahraria.) Heidelbeer-Wellenspanner. 
Bei Neustrelitz (M.), Gad. (häufig) und W. Hier 
sehr verbreitet, doch nur in dem Bi'uchwalde bei 
Zierow öfter recht häufig. 

* Vespertaria. 

In den meisten Gegenden beobachtet und wahr- 
scheinlich allenthalben in Meckl. Bei Gad. und W. 
verbreitet und nicht selten. Seh. im Sept. an Baum- 
stämmen, besonders in trocknen Wäldern, an Ge- 
ländern u. dgl. 

* Fluctiiata. G a r t e n v o g e 1. 

Wie überhaupt so auch über Meckl. verbreitet und 
sehr häufig. In verschiedenen Varietäten und in 
zwei, vielleicht drei Generationen. 

* Montanaria. Gemeiner Wellenspanner. 

Gleichfalls eine überall bei uns vorhandene und 
wahrscheinlich auch, wie bei W., sehr verbreitete 
und besonders in Wäldern sehr häufige Art, deren 
E. ich im Apr. auch oft durch Harken erhielt. 
* Quadrifasciaria. (Liyustraria.) Bandirter Wellen- 
spanner. 
Ebenfalls überall in Meckl, doch bei W. lange nicht 
so häufig als die vorhergehende Art. Die R. fand 
ich einzeln an Bruch- und Waldrändern im Apr. 



188 



* Ferrugata. (Ferrugaria.) Vogelkrautspanner. 

Auch diese Art ist über ganz Meckl. verbreitet und 
wahrscheinlich an den meisten Orten auch eben so 
häufig als bei W. Hier in zwei Generationen und 
verschiedenen Abänderungen. 

*t7. Spadicea. 

Zwar nur von M. und als Species aufgeführt, aber 
sein- wahrscheinlich allenthalben unter der Stamm- 
form zu finden. 

"^ Siiffumata. Rauchbrauner Wellen Spanner. 

In Meckl. Strel. (M. Sp.), bei Gad. (nicht häufig) 
und W. Ich fing nur einmal Ende Apr. bei sehr 
schönem Wetter in den Rohlsdorfer Tannen drei 
Exempl. dieses Spanners, der demnach bei uns ver- 
breitet, aber überall selten zu sein scheint. 

* Pomoeriaria. (Quadrifasciaria ) 

Von den meisten beobachtet. Bei Gad. ziemlich 
selten, ebenso bei W. Von mir auch nicht in allen 
Wäldern angetroff'en. 

* Designata. (Propugnaria.) 

In Meckl -Strelitz (M. Sp.) bei Gad. (nicht selten) 
und W. Ich fand auch diesen Spanner nur in zwei 
Laubwäldern und ziemlich selten. 
*Vittata. (Lignafa) Holzf arbi ger Sp anner. 

Allein von mir vertreten. Fliegt bei W. besonders 
am grossen Torfmoore auf den sumpfigen Wiesen 
und zwischen demx Rohre und den Schilfarten zweimal 
im Jahre — Mai -Juni und Aug. -Sept. — mitunter 
ziemlich häufig. 

Auch bei Greifswald. 

* Dihitata. Heckeichen Spanner. 

Allenthalben in Meckl. und auch wohl überall, wie 
bei W. sehr häufig. Die R. im Frühlinge auf allerlei 
Laubholz, Seh. im Octob., sehr variirend. 
*Picata. Pechschwarzer Wellenspanner. 

Nur bei Gad. (nicht selten) und W. beobachtet 
Diesen hübschen Spanner habe ich früher in den 
Rohlsdorfer Tannen und dem Walde bei Kleinen 



189 



im Juli, meistens an den Stämmen der Eichen sitzend, 
nicht selten angetroffen, aber in den letzten über- 
haupt Schmetterlingsarmen Jahren nicht wieder ge- 
sehen. Er zeichnet sich meistens durch besondere 
Scheuheit und Flüchtigkeit aus, so dass ich oft 
meine Noth hatte, ihn zu fangen, zumal man meistens 
ihn erst beim Abfliegen sieht, weil er an ihm 
sehr ähnlichen Stellen der Eichstämme sitzt und hier 
schwer zu entdecken ist. 

Auch bei Demmin, Greifswald, Hamburg. 

^Cucullata. (Sinuata.) 

Bei Neustrelitz (M.) und W. Ich habe sie nur einmal 
gezogen, ohne die R. und deren Fundort beachtet zu 
haben. 
Galiata. Meierkrautspanner. 

Nur in Meckl.-Strelitz (M. Sp.) beobachtet. Da diese 
Spannerart bei Stralsund, Greifswald, Berlin, nicht 
aber im westlichen Meckl., auch nicht bei Ilamburg 
und in Holstein gefunden wurde, so scheint sie ihre 
Nordwestgrenze in Meckl. zu haben. 
Rivata. 

In Meckl.-Strel. (M. Sp.) und bei W. beobachtet. 
Hier eine recht häufige und verbreitete Species, die 
wahrscheinlich allenthalben bei uns vorhanden ist, 
nur nicht von allen Sammlern als verschieden von 
der nachfolgenden, sehr ähnlichen Art erkannt 
worden ist. 

*Sociata. (Alchemillata.) Sinauspanner. 

Allenthalben in Meckl. sehr häufig, wenn sich die 
Angaben aller auf diese Art und nicht zum Theil 
auf Rivata mitbeziehen. 

^' Alhicülata . Himbeerspanner. 

Von allen aufgeführt In Wäldern, wo Himbeeren 
wachsen, meistens als R. und als Seh. häufig bei uns. 

"^ Hastata. Birkenbuschspanner. Grosse Festung. 
In Meckl.-Strelitz (M. Sp.), bei Gad. (selten) und W. 
Auch ich fing den Spanner, wenn auch an verschie- 
denen Orten, doch immer nur einzeln. Wahr- 



190 



sclieinlich ist derselbe aber in Meckl. zwischen 
Birken überall anzutreffen. 
Tristata. Trauerspanner. 

Im östlichen Meckl. von allen, bei W. und Gad. nicht 
beobachtet. 
^ Affinitata. (Affinitaria H. 8.) 

Diese von mir als bei Gad. in meinem Nachtrage 
zur üebers. Meckl. Lepidopteren (A. 1851, S. 131) 
aufgeführte Art habe ich später auch bei W. in 
einem Erlenbruche im Mai gefangen. Meine Exempl. 
aber mit denen aus Gad, und die 4, welche ich aus 
Sachsen erhalten, sowie zwei Exempl. von Staudinger 
aus Norwegen stimmen alle unter sich überein, nur 
dass die Sächsischen eine ein klein wenig dunklere 
Grundfarbe als die andern haben; alle stimmen auch 
zu H. S. Bilder 271 und 272. Nun aber kann ich 
ausser der beträchtlicheren Grösse dieser keinen 
Unterschied zwischen ihnen und llivulata H S. finden 
und da Affinitaria im Mai an demselben Orte fliegt, 
wo ich später, im Juli Rivulata fing, so bin ich 
zweifelhaft geworden, ob ich überhaupt die wahre 
Affiiütaria 77. S. besitze und ob hier auch wirklich 
zwei verschiedene Species vorliegen, oder ob nicht etwa 
letztere bloss eine Frühlingsgeneration mit grösseren, 
erstere die Sommergeneration mit kleineren Individuen 
sei — also auch hier ein Saison-Dimorphismus statt 
habe — . Dazu kommt noch, dass ich Rivulata fast 
von der Grösse der Affinitaria auch im Sommer fing. 

* Alchemillata. (Riimlata.) T a u b u e s s c l s p a n ii c r. 

Von allen beobachtet. Bei W. besonders in Brüchen 
stellenweise oft nicht selten. 
Adaequata (Blandiuta.) 

In Meckl'-Strel. (M. Sp.) 

* Alhidata. 

Allenthalben in Meckl. Bei VV. auf Wiesen häufig. 

* Candidata. 

Eine gleichfalls von allen aufgeführte Art, die sich aber 
bei W. nur in Wäldern und an einzelnen Stellen findet. 



191 



* Testaceata. (Sylvata.) 

In Meckl. - 8trel. (M. Sp.), bei Gad. und W. In 
letzteren beiden Gegenden, wie wohl überall, ziemlich 
selten. In Erlenbrüchen. 
"^Decolorata. 

Bei Neustrelitz (M.), Gad. und W. Hier selten. 

* Luteata. 

Von allen beobachtet. Bei W in Wäldern hier und 
dort, jedoch nur einzeln. 

* Ohllterata. (Hepararia.) 

Von allen aufgeführt. Bei W. in Erlenbrüchen als 
Seh. im Frühlinge, als R. im Herbste auf Erlen 
überall sehr häufig. 

* BiUneata. Wiederstosssp anner. 

Einer der häufigsten und bei uns verbreitetsten 
Spanner, den man im Juli überall zahlreich antrifft. 
"^ Sordidata, (Elutata.) Lauchgrüner Wellenspanner. 
Von den meisten beobachtet. Bei W. zeit- und 
stellenweise an Kroppfweiden, aufweichen auch die 
R. lebt, ziemlich häufig. 

* Trifasciata. (Tmpluviata.) 

Durch ganz Meckl. Bei W. in Erlenbrüchen als Seh. 
im Mai und als R. im Herbste meistens sehr häufig. 
Silaceata. 

Nur bei Neustrelitz (M ) und Gad. (nicht selten) 
beobachtet. 
*Corylata. (Ruptata.) Hasel- Wellenspanner. 

üeber Meckl. verbreitet und wohl überall, wie bei 
W., häufig 
Berherata. Berberi tzenspanner. 

Bei Neustrelitz von M. allein gefunden. Bei W. ist der 
Berberitzenstrauch selten; vielleicht ist nur dies der 
Grund, dass dieser Seh. hier nicht beobachtet wurde 

* Ntgrofa sciar ia. (Derivata.) 

Bei Gad. (selten) und bei W. beobachtet. Von mir 
früher nur einmal in einem Garten der Stadt gefunden. 



192 



*Ruhidata. Roth er Wellenspanner. 

Von den meisten beobachtet. Bei W. besonders an 
lichten Waldstellen wenn auch nur einzeln, doch 
nicht eben selten. 

* Comitata. (Chenopodiata.) Gänse fussspanner. 

In allen Gegenden, wo gesammelt, auch beobachtet. 

Bei W. zwar verbreitet, doch nicht häufig. 
Polygrammata, 

Nur in Meckl.-Strel. (M. Sp.) beobachtet. 
Aquata. 

Nach Sp. in Meckl.-Strel. selten. 

Auch bei Stralsund und Berlin. 
Tersata. 

Ebenfalls nur von Sp. in Meckl.-St. beobachtet. 

Nach Plötz und Paul auch bei Demmin einmal. 
^Sjjarsata. Oollix. 

Von allen beobachtet. Bei Gad. ziemlich selten. 

Ich fing diesen Spanner früher nur einmal in drei 

Exempl. auf der kleinen mit Bäumen und Gebüsch 

bewachsenen Insel im Tarzow'er Moore Anfangs Mai, 

und in diesem Jahre 1 Exempl. in Walde bei Kleinen. 
Eupithecia, 

* Ohlongata. (Centaureata.) Flockenblumenspanner, 

Allenthal en beobachtet. Bei W hier und dort einzeln. 

Irriguata. 

Nach M. bei Neustrelitz. 
*Insigmata. (Consignata.) 

In Meckl.-Strel. (M. Sp. einmal) und W. Von mir 
auch nur einmal Ende Apr. bei schönem Wetter 
zwischen Gärten am Stamme einer Linde gefunden 
und später immer vergeblich gesucht. Eine über- 
haupt seltene Art. 

Bubnotata^ Gänsefussspanner. 

Im Boll'schen Verz. ist eine Suhustata nach M. An- 
gabe aufgeführt Da es einen Spanner dieses Namens 
nicht giebt, so vermuthe ich, dass hier ein Schreib- 
oder Druckfehler vorliegt, und dass Subnotata Hb. 
und Tr, gemeint ist. 



193 



Pusülata. 

Nach M. bei Neustrelitz. 

*Ahietaria. (Strohüata.) Fichtengallen-Spanner. 
Bei Neustrelitz und W. beobachtet. Hier in Tannen. 
Wäldern nicht selten. Wahrscheinlich in diesen allent- 
halben bei uns und nur wegen seiner Kleinheit und 
ünansehnlichkeit von den anderen Sammlern unbe- 
achtet geblieben. 
DehiUata. Heidelbeer Spanner. 
Bei Sülz und Neustrelitz (M.) 
Auch bei Greifswald. 

* Bectangulata. Apfel-Z wergsp anner. 

Von allen beobachtet. Bei Gad. und W. häufig. 
In Obstgärten. 

*v. Nigrosericeata. 

Einmal von mir gezogen. 
Denticulata. ? 

Steht im früheren Verzeichniss nach M. Angabe als 
bei Neustrelitz mit ? 

"^ Succenturiata. W eissb estäubter Zwergspanner. 
In den meisten Gegenden beobr.chtet. Bei W. ver- 
breitet aber nur einzeln angetroffen. 
Suhfulvata v. Oxydata. 

Bei Neustrelitz (M.) Derselbe führt v^ Oxydata 
nach Treitschke als zu Succenturiata gehörend auf, 
sie wird aber zu Suhfulvata gezogen, welche jetzt 
von der Succenturiata getrennt ist. 

* Nanata. 

Nur von mir vertreten und nur in einem hiesigen 
Exempl. in meiner Sammlung vorhanden, dessen 
Fundstelle ich mich nicht mehr errinnere. 
Auch bei Greifswald und Berlin. 

*Innotata. Beifuss Spanner. 

Bei Neustrelitz (M.), Gad. und W. Hier bei weitem 
die häufigste und verbreitetste Eupithezie, die man 
überall antrifft. Die R. im Herbste auf dem Feld- 
beifusse meistens in grosser Menge, doch auch auf 
dem gemeinen Beifusse. 

Archiv XXXIII. 13 



194 



Pygmaeata. 

Nur von M. bei Neustrelitz beobachtet. 

Auch in dem Stralsund-Greifswalder Verzeichnisse 
aufgeführt. 
Tenuiata. (Inturhata.) 

Gleichfalls nur von M. beobachtet. 
Valerianata. 

In Meckl-Strel. (M. Sp.) 

* Satyr ata. 

In Meckl.-Strel. (M. Sp.) und bei W. Von mir nicht 
oft gefunden. 
^^Castigata. Grauer Zwergspanner. 

Bei Neustrelitz (M.) und W. Von mir hier und dort 
einzeln gefunden. 

* Vulgata. (Austerata.) 

Von M. bei Neustrelitz und von mir bei W. beob- 
achtet, aber nicht häufig gefunden. 
^ Älbtpunctata. (Tripuncta^^ia H. S.) 

Nur von mk vertreten und uicht so selten gefunden. 
Wahrscheinlich aber auch in anderen Gegenden 
Meekl. Die hiesigen Exemplare weichen sehr uner- 
heblich von denen ab, die ich aus Wiesbaden und 
Schlesien habe, die aus letzteren beiden Gegenden 
aber variiren wieder um eine Kleinigkeit unter sich. 

* Ahsynthiata. Wermuth Spanner. 

In Meckl.-Strel. und bei W. Von mir nie gefangen, 
aber öfter, wenn auch meistens nur einzeln, gezogen. 
R. im Herbste nur auf Wermuth gefunden. 
Pimpmellata. 

In Meckl.-Strel. (M. Sp.) 

* Indigata, 

Nur von mir beobachtet und nicht eben selten. 
Sicher aber auch in den Tannenwäldern anderer 
Gegenden von Meckl. 
Auch bei Greifswald und Berlin. 

* Äbhreviata. 

Ich zog diese kleine Eupithezie einmal in 3 Exempl. 
aus R., die ich mit anderen in Wäldern geklopft und 



195 



nicht besonders beachtet hatte. Sonst noch nicht 
in Meckl. beobachtet. 
Auch bei Stralsund. 
^Lanceata. (Hospitata.) 

In Meckl.-Strel (M. Sp.) und bei W. Ich fing ein- 
zelne Exempl. in den Rohlsdorfer Tannen. 
Sohrinata. 

Nach M. und Sp. in Meckl.-Strel. 

Sicher sind von letzterer Spannergattung noch mehr 
Arten als die aufgeführten in Meckl. vorhanden. Ihre 
Kleinheit, ünansehnlichkeit und die besondere Schwierig- 
keit, gewisse Arten zu unterscheiden und richtig zu be- 
stimmen, hat wohl manchen abgehalten, sie besonders 
zu beachten, und sich eingehend mit ihnen zu beschäftigen, 
was nöthig ist, wenn man bei der Determination einiger- 
massen sicher gehen will. Dazu lassen die besten Be- 
schreibungen und Abbildungen im Stich, die Autoren 
selbst stimmen hier oft nicht überein, und es herrscht 
unter ihnen auch noch manche Unsicherheit. Ich selbst 
besitze noch einzelne Eupithezien, über welche ich noch 
nicht im klaren bin, und die ich deswegen lieber weglasse. 

Wir haben hiernach in Meckl ohne die Varietäten 
aber mit den zweifelhaft erscheinenden Spezies 795 Ma- 
krolepidopteren-Arten. Sicher aber birgt Meckl., wenn 
auch eben nicht unter den Tagschmetterlingen, so doch 
unter den Heteroceren, noch Arten, die noch nicht auf- 
gefunden, oder doch nicht bekannt geworden sind 

Nach Gebr. Speyer finden sich in Deutschland 
und der Schweiz ungefähr 14:^6 Grossschmetterlinge, da- 
von haben wir also über die Hälfte in Meckl. uad zwar: 
Mecklen- Deutschland 
bürg. und die Schweiz. 



HeteroGera 



Papiliones 99 . 


. . 194. 


Sphinges 40 . 


. .. 82. 


Bombycides 132 . 


. . 174. 


Noctuides 299 . 


. . 556. 


Geometrae 225 . 


. auf 430 veranschlagt. 



795 



1436. 



13* 



196 



Bei einem Vergleiche der Meckl. Lepidopteren- 
Fauna mit denen unserer nächsten Nachbaren im Westen 
und Osten, von welchen mir eine in dem H. Tessien'- 
schen Yerzeichniss der um Altona und Hamburg gefun- 
denen Schmetterlinge, Hamburg bei Niemeyer 1855, 
und eine in dem Verzeichniss der Schmetterlinge, welche 
in Neuvorpommern und auf Rügen beobachtet wurden 
von H. Paul in Stralsund und C. Plötz in Greifswald 
in den Mittheilungen aus dem naturwissenschaftlichen 
Vereine von Neuvorpommern und Rügen, Berlin bei 
Rud. Gärtner 1872 vorliegen, stellt sich heraus, dass 
an Rhopaloceren die Gegend von Altona-Hamburg keine 
Art vor Meckl. voraus hat, wohl aber Meckl. über 20 
Spezies mehr besitzt als jene, dass Neuvorpommern- 
Rügen zwar einzelne hat, die in Meckl. noch nicht ge- 
funden wurden, aber doch in der Gesammtzahl der Arten 
um 19 Stück gegen Meckl. zurückbleibt. Die Tagfalter 
sind hier besonders massgebend, weil sie viel leichter 
alle in einer Gegend aufgefunden werden können als 
die Heteroceren. Bei den Abend- und Nachtschmetter- 
lingen findet zwar ein etwas anderes Verhältniss statt, 
indem jede dieser Faunen gewisse Arten allein aufge- 
führt hat, Meckl. aber doch eine beträchtlich grössere 
Zahl derselben aufweist. Das Altona-Hamburger Ver- 
zeichniss hat 591, zu denen allerdings noch etwa ein 
Dutzend Arten zu rechnen sind, die früher zu den Mikro- 
lepidopteren zählten, also 603, die aber noch durch 
später aufgefundene Arten um etliche ebenfalls vermehrt 
sein möchten, Meckl. 795, Neuvorpommern und Rügen 
617 Grossschmetterlinge. An verdächtigen dürften die 
beiden Nachbarfaunen der Mecklenburgischen wohl nicht 
viel nachstehen. 

Zur Erklärung dieses üebergewichts Meckl. an 
Schmetterlingsarten über das der beiden benachbarten 
Landestheile kommt zunächst die geographische Lage 
derselben in Betracht. Durch die höchst anerkennens- 
werthe Arbeit der Gebrüder Speyer über die geogra- 
phische Verbreitung der Schmett. Deutschlands und der 



197 



Schweiz, — Deutsch - Oestreich mit eingerechnet, — 
wissen wir, dass die Zahl der Arten von Süden nach 
Norden abnimmt, ebenso in Norddeutschland von Osten 
nach Westen, und am auffallendsten vom Südosten nach 
Nordwesten. Die Gründe dieser Abnahme sind bei Speyer 
in dem Kapitel „Ursachen der Verbreitungsgränzen'^ sehr 
schön und treffend auseinandergesetzt. Demnach wäre 
unter diesen 3 Faunen die von Altona - Hamburg durch 
die westlichste Lage in der ungünstigsten Gegend; da- 
durch dass sie südlicher als der grösste Theil von 
Meckl., gegen dieses wieder vortheilhafter gelegen ; die 
Fauna von Neuvorpommern und Rügen durch östlichere 
Lage bevorzugt, ist durch ihre nördliche wieder im Nach- 
theil; das dazwischen liegende Meckl. müsste sich im 
mittleren Verhältniss beider befinden, wenn nicht durch 
seinen südöstlichsten Theil — Meckl.-Strelitz ~ beide 
Vortheile der südlichsten und östlichsten Lage zusammen 
fielen. Dann aber treten dabei auch noch andere Fak- 
toren auf, die wesentliche Berücksichtigung verdienen, 
als: die Beschaffenheit und Grösse des durchsuchten 
Terrains, die durch die Bodenbeschaffenheit bedingte 
Flora, der Kulturzustand, die Feuchtigkeits- und andere 
örtliche Verhältnisse desselben. Zieht man auch in dieser 
Hinsicht eine Parallele zwischen diesen 3 Faunen, so 
kommt in Betracht, dass die von Altona - Hamburg 
scheinbar ein viel kleineres Gebiet umfasst, als die beiden 
anderen, ein Unterschied, der indessen nicht so gross 
sein wird, da die Exkursionen der Hamburger Sammler 
sich auf mehrere Meilen weit erstrecken, und daher die 
Produkte eines beträchtlichen Landestheils zu ihrer Fauna 
zählen. Ferner haben dieselben in dem grossen Sachsen- 
walde mit seinen verschiedenen Bodenarten , seinen 
mannigfaltigen prächtigen Bäumen, dem Unterwuchs, 
den Brüchen, Wiesen, Bergen, Thälern, Bächen ein Wald- 
gebiet wie für entomologisch'e Zwecke geschaffen, und 
wie ich es so vorzüglich irgendwo anders nicht gesehen 
habe. Dazu ist die Gegend um Hamburg und Altona 
überhaupt recht mannigfaltig und günstig, auch schon 



198 



lange Zeit von vielen und eifrigen Sammlern durch- 
sucht worden. Mit der Beschaffenheit des Territoriums 
von Neu-Vorpommern und Rügen nicht speziell beiiannt, 
scheint mir dasselbe doch grösserer Strecken des warmen 
Sand- und Heidebodens zu entbehren, auf welchen gar 
manche Insektenarten allein gedeihen; auch vermuthe ich, 
dass Rügen aus diesem Grunde, und weil es gewisser- 
massen Insel-Klima hat, arm an Schmetterlingsarten ist, 
wenn es auch einzelne besondere Spezies besitzen mag. 
An Grösse wird das dort durchsuchte Terrain dem in 
Meckl. lepidopterologisch bekannten wohl nicht viel 
nachstehen, aber jenes ist allem Anscheine nach nicht 
so lange Zeit und von nicht so vielen Sammlern durch- 
forscht worden, ein Umstand, welcher allerdings bei Be- 
urtheilung, ob ein Land arm oder reich an einer gewissen 
Insektenklasse erscheint, sehr in Betracht kommt. Die 
Meckl. Schmetterlingsfauna ist mir auch nur aus der 
Gegend von Gadebusch und Wismar im westlichen Theile, 
aus der von Sülz und Meckl.-Strelitz im östlichen Theile 
spezieller bekannt; von anderen Theilen Meckl. haben 
wir keine genaue Kenntniss über dort vorkommende 
Lepidopteren. Aber es sind hierdurch doch alle Boden- 
arten vom schwersten Geestlande bis zum leichtesten 
Sandboden vertreten, und ist der grössere Reichthum 
Mecklenburgs an Arten theils wohl diesem Umstände 
zuzuschreiben, theils dem, dass es vielleicht von einer 
grösseren Zahl Forscher, als wenigstens Neuvorpommern 
und Rügen, durchsucht ist, dann auch wegen einer An- 
zahl Arten, die von und in Sumpfpflanzen leben und bei 
W. von mir gefunden sind, besonders aber wegen der 
südöstlicheren Lage und der verschiedenen Bodenbe- 
schaffenheit von Meckl. - Strelitz, in welchem zugleich 
eine Anzahl Sammler, und auch lange Zeit sehr thätig 
war. In der That hat Meckl. -Strel sich als der an 
Schmetterlingen reichste Theil unseres Gebietes erwiesen. 



Das von Mal tzan 'sehe 

natiirhistorisclie Museum 

für Mecklenburg zu Waren. 

Von C. Strueli: - Waren. 



Öeit Jahresfrist sind mir von den verschiedensten 
Seiten Zuschriften geworden, in denen ich um Auskunft über 
den Stand und die Zukunft des von Maltzan'schen Museums 
ersucht wurde. Vielfach habe ich sie leider unbeant- 
wortet hissen müssen, da mir oftmals Zeit und Lust 
fehlte. Einige bedauern, dass der Herr Freiherr von 
Maltzan die Sammlungen bei seinem Wegzuge mitge- 
nommen, noch andere halten sie gar für verkauft, etliche 
glauben, dass das Museum der von Maltzan'schen Fa- 
milie gehört u s. w. Wer aber unsere Archivhefte kennt, 
der wird wissen müssen, dass das Museum nicht von der 
von Maltzan'schen Familie, sondern einzig und allein von 
dem Herrn Freiherrn H. von Maltzan auf Federow ge- 
gründet wurde, der muss auch weiter wissen, dass das 
Museum seit dem 7. Juni 1877 die Rechte einer juristischen 
Person besitzt, also nicht ohne weiteres eingehen kann. 
Um aber all diesen Fragestellern — wenn auch etwas 
spät — gerecht zu werden, gebe ich eine kurze Darstel- 
lung der Gründung und Entwicklung des Museums. 

Michaelis 1866 theilte mir der Herr Freiherr H. 
von Maltzan auf Federow und Schwarzenhof seine An- 
sichten über die Gründung eines naturhistorischen Museum 
für Mecklenburg nebst der Aufforderung mit, ob ich die 
Aufsicht über dasselbe übernehmen wolle. Wohl erkannte 
ich nach seiner Auseinandersetzung, welchen Gewinn ein 
solches Institut allen Forschern unseres Landes bringen 



200 



musste, allein ich hielt den Stamm der Sammlungen für 
zu geringe, äusserte auch diese und jene Bedenken, die 
jedoch alle von dem Gründer beseitigt wurden. Zu An- 
fang des October räumte ich eine Stube meiner Wohnung 
dazu ein. Der Herr Baron schickte eine Conchylien- und 
Eiersammlung, sowie auch die von ihm bei Rothenmoor 
gesammelten Pflanzen, dazu etwa ein Dutzend ausge- 
stopfter Vögel, Fürwahr, ein recht kleiner Anfang! Dar- 
auf erliess der Gründer Briefe (siehe Anlage A.*) an 
etwa 30 Forscher unseres Landes, um ihre Unterstützung 
bittend. Noch im Archivheft XX (1866) brachte Ernst 
Boll diese Gründung zur Kenntniss aller Vereinsmit- 
glieder, indem er am Schluss der Anzeige sich also 
äusserte: „Der Unterzeichnete beeilt sich, dies nützliche 
und dankenswerthe Unternehmen zur Kenntniss unserer 
Vereinsmitglieder zu bringen und deren Beachtung und 
Förderung bestens zu empfehlen." 

Die gehoffte Theilnahme blieb nicht aus. Schon im 
folgenden Jahre musstc zu dem einen Zimmer ein zweites 
Stübchen genommen werden, und als sich beide Räume 
schliesslich zu klein erwiesen, wurde ein grösseres Local 
in der Güstrower Strasse gemiethet. Dies wurde später 
mit einem grossen Saale im Hause des Herrn Postdirec- 
tor Lemcke am alten Markte vertauscht. 

Inzwischen hatte der Herr Baron sich ein prächtiges 
Haus vor dem Güstrower Thore am sogenannten Penz- 
liner Berge erbauen lassen, und in diesem Hause wurden 
dem Museum Michaelis 1875 zwei schöne Säle und zwei 
grosse Zimmer zur Aufstellung überwiesen. Leider sollte 
es hier nicht dauernd bleiben. Der in Waren 1876 so 
zahlreich besuchten Pfingstversammlung unseres Vereins 
war es noch vergönnt, die grossen Räume zu durchwan- 
dern, schon Tags darauf ging der fünfte Umzug des Mu- 
seums vor sich, und ein Glück noch, dass es den Saal, 
den es vorher inne gehabt, wieder acquiriren konnte. In 
demselben befindet es sich bis zu dieser Stunde. Durch 



*) Brief aus dem Dr. Fiedler'schen Nachlasse. 



201 



etwas wurde der schmerzliche Umzug versüsst: das Museum 
war inzwischen zur juristischen Person geworden. 

Wenn nun im Laufe der wenigen Jahre die Samm- 
hmgen sich in so reichem Masse mehrten, wie das zu 
Anfang ausser aller Berechnung lag, so ist das zunächst 
und vor allem dem Gründer zuzuschreiben, der keine Opfer 
zur Erweiterung seiner Schöpfung scheute, so oft sich 
ihm Gelegenheit dazu bot. Es darf aber auch nicht ver- 
schwiegen bleiben, dass aus allen Gegenden des Landes 
reiche Geschenke eingingen. Die Namen aller Gönner 
und Wohlthäter des Museums zu nennen, würde viel zu 
viel Raum beanspruchen; unerwähnt darf aber nicht 
bleiben, dass unser Allerdurchlauchtigster Grossherzog 
die Gnade hatte, dem Museum ein werthvolles Geschenk 
zu überweisen. Die mit den Sammlungen verbundene 
kleine Bibliothek vergrösserte sich ebenfalls alljährlich 
durch Zusendungen von Schriften, die namhafte Gelehrte 
des In- und Auslandes und die Smithsonian Institution 
zu Washington spendeten. 

Von einer specificirten Aufzählung der Sammlungen 
muss abgesehen werden mit Hinweis auf das, was C. 
Arndt darüber im XXXI. Archivhefte p. 208 u. f. sagt. 
Am vollständigsten ist die ornithologische Sammlung,*) 
die schwerlich von einer im Lande übertroffen wird. 
Aber auch die kleineren Säuger sind fast alle vertreten 
und in Bezug auf die Nage- und Flatterthiere einzig 
in ihrer Art. Reiche Suiten zeigt ferner die vollständige 
Conchyliensammlung, sehr reichhaltig ist die Schmetter- 
lings- und sind die andern Sammlungen. Nach allen 
Seiten hin — mit Ausnahme der Fische — ist mehr denn 
ein guter Anfang gemacht und schon das Local für eine 
übersichtliche Aufstellung zu klein. Ich führe dies nur 
an, um zu zeigen, wie lebensfähig diese Gründung ist. 



*) Im Interesse der Wissenschaft wäre es wünschenswerth, 
wenn die schöne von Preen'sche Vogelsammlung, die sich im 
Grossherzoglichen Schlosse zu Schwerin befinden soll, der Museums- 
sammluug einverleibt würde. 



202 



lieber die Wichtigkeit und den Werth solcher Museen 
hat der Gründer auf der Pfingstversaramlung zu Wismar 
1874 (siehe Archivheft XXVIII) selbst gesprochen und 
die Genugthuung gehabt, dass hie und da im deutschen 
Reiche Frovinzial- Museen gegründet wurden. 

Ist nun auch das schnelle Wachsen des Museums 
für alle Mitglieder unseres Vereins ganz besonders er- 
freulich, so ist es doch andererseits eben so betrübend, 
wenn sie hören müssen, dass es sich auf dieser Höhe 
nur kümmerlich erhalten kann, wenn das Land sich nicht 
zu einer pecuniären Unterstützung verstehen wird. Es 
ist bereits gesagt, dass das Museum die Rechte einer 
juristischen Person geniesst, allein es reichen die Zinsen 
von 6000 Ji., die der Freiherr H. von Maltzan bei 
seinem Wegzuge aus Mecklenburg demselben überwies, 
kaum aus, um nur das Nöthigste zu beschaffen, wie eine 
Darlegung nach den Statuten (s. Anlage B.) zeigen mag. 
Die Zinsen von dem Capital zu 4 ^ betragen 240 Mark 
p. a.; davon gehen ab: 

Localmiethe nach Contract 200 Ji. 

10 fo Zuschlag zum Capital (s. St. § 2.) 24 „ 

Versicherungspolice 14 „ 10 A 

Summa: 23« M. 10 A 



Es bleiben demnach nur 1,80 Ji. übrig, die in 
keiner Weise hinreichen, um nur die allernothwendigsten 
Ausgaben zu decken. Der Herr Postdirector Lemcke 
hat freilich die gütige Zusage gemacht, von Ostern 1880 
ab die Miethe um 50 M. zu mindern, wofür demselben 
grosser Dank gebührt, allein die dann zur Verfügung 
stehenden 51,80 Ji. dürften doch kaum hinreichen, um gute 
Sachen, die dem Museum zu Kauf gestellt werden, zu er- 
werben, ganz abgesehen von Zusendungen vonThieren, die 
ausgestopft oder in Spiritus aufbewahrt werden müssen. 
Es ist keine Frage, dass unter den jetzigen Umständen 
mein Eifer, mit dem ich 13 Jahre hindurch und zwar 
in der uneigennützigsten Weise für die Erweiterung des 
Museums thätig gewesen bin, erkalten muss, wenn diese 



203 



Calaiiiität Dicht bald gehoben wird. Ich glaube aber 
annehmen zu dürfen, dass Ritter- und Landschaft, die 
stets bemüht sind für patriotische Zwecke Landeshülfe 
zu bewilligen, sicherlich jährlich einige hundert Mark 
für das Museum aussetzen würden, wenn nur jemand sich 
fände, der auf dem Landtage zu Gunsten desselben das 
Wort ergreifen möchte. 

Allein für alle Zeiten ist auch damit dieser Stiftung 
noch nicht gedient. Soll sie wahrhaft gedeihen, soll ihre 
Vergrösserung nicht in Frage kommen, die würdige Auf- 
stellung ihrer Sammlungen nicht gehemmt sein, soll sie 
wirklich den Forschern unseres Landes den Nutzen ge- 
währen, der bei der Gründung ins Auge gefasst ist, dann 
muss sie ihre eigenen Räume, also ihr eigenes Haus be- 
sitzen. Die untern Räume würden zur Wohnung des 
Conservators, die obern zur Aufstellung der Sammlungen 
dienen. Der Conservator muss in demselben Hause 
wohnen, damit er, so oft seine Mussezeit es zulässt, das 
Material ordnen, sichten und durchsehen kann. Mit einer 
Summe von 5 bis 6000 Thalern kann ein derartiges Ge- 
bäude hergestellt werden, den Grund und Boden zu 
solchem Gebäude würde gewiss die Stadt Waren*) un- 
entgeltlich hergeben Zur Vergrösserung der Sammlungen 
dienen dann die Zinsen des Stiftungsfonds. In erster 
Linie sind davon die laufenden Ausgaben zu bestreiten, 
dann aber werthvolle Sammlungen anzukaufen, die meistens 
nach dem Tode ihrer Besitzer, wie wir das nur zu oft 
sehen müssen, zum Nachtheile späterer Forschungen zer- 
stückelt werden oder verloren gehen. Es würden weiter 
manche Sammlungen nach dem Vorgange des verstorbenen 
Dr. Fiedler testamentarisch dem Museum überwiesen, 
vielleicht sogar für dasselbe von diesem oder jenem kleine 
Legate ausgesetzt werden. Das also dem Museum vom 



*) Die Gründe hier auseinander zu setzen, weshalb ich nicht 
für Rostock oder Schwerin bin, würde zu weit führen ; ich halte eben 
eine kleinere Stadt für geeigneter. Es braucht keineswegs Waren 
zu sein, obgleich man schon aus Pietät für dieses sprechen muss. 



204 



Lande gebrachte Opfer ist äusserst geringe, wenn wir 
bedenken, welche Summen andere Staaten für solche 
Zwecke bereitwillig aufbringen. 

Waren, den 12. October 1879. 



Anlage A. 



Die Erforschung unserer heimathlichen Natur hat in den 
letzten Jahrzehnten, seit viele tüchtige und verdiente Männer sich 
ihr mit wissenschaftlichem Eifer widmeten, rapide Fortschritte 
gemacht. — 

Um so mehr ist es zu beklagen, dass bisher kein natur- 
historisches Museum in unserem Vaterlande gegründet ward, 
welches seine Aufgabe w^enn auch nur annähernd, hätte erfüllen 
ivönnen, nämlich: „Das Ergebniss der Forschungen dem Freunde 
der Natur in verständlicher Weise zu zeigen, um ihn dadurch zum 
tieferen Studium unserer heimischen Natur zu veranlassen, dem 
neueren Forscher aber einen erwünschten üeberbHck zu gewähren, 
welchen die systematische Aufzählung der seither gemachten Ent- 
deckungen nur nach einer Seite hin geben kann." 

Schon vor 10 Jahren, als mein Interesse für die Natur- 
Avissenschaften eine bestimmtere Richtung anzunehmen begann, 
machte sich mir dieserhalb das Bedürfniss eines Museums, wie 
das soeben characterisirte, dringend fühlbar; ich fasste auch schon 
vor längerer Zeit den Entschluss, ein solches zu gründen, wurde 
aber durch wiederholte Reisen ins Ausland an der Ausführung 
dieses Projectes gehindert. — 

Als ich im verflossenen Jahre nach Mecklenburg zurückkehrte, 
um nun meinen Wohnsitz dauernd im Vaterlande zu nehmen, fand 
ich einen Theil meiner überall nicht sehr erheblichen Sammlungen 
durch äussere Einflüsse vernichtet. Dies bestärkte mich in dem 
schon früher gef;xssten Entschlüsse, mit meinen kleinen Sammlungen 
den Grundstein zu einem vaterländischen Museum zu legen, welches 
nicht allein den schon vorhandenen Objecten Schutz gewälu'en, 
sondern, was ich zuversichtlich hoffe, in späterer Zeit für Mecklen- 
burg eine wissenschaftliche Bedeutung erlangen soll. — 



205 



So ist nun ein 

„Mecklenburgisclies natiirhistorisches Museum" 
in Gestalt eines v. Maltzan'schen Fideicoramisses von mir gegründet 
worden, und zwar in Form einer Stiftung für meine Familie, um 
unter deren Schutze eine gesicherte Existenz zu haben. 

Die Sammlungen sind in Waren aufgestellt und hat Herr 
C. Struck, Lehrer an der dortigen Realschule, die Aufsicht darüber 
gütigst übernommen. — Herr Struck, der bekanntlich seit 20 Jahren 
die Erforschung unseres Vaterlandes mit grosser Vorliebe und 
sichtlicliem Erfolge betreibt, ergänzte bereits viele mangelhafte 
Theile meiner Sammlungen mit einer seltenen Freigiebigkeit. — 
Auch Herr Doctor Elvers in Waren hat durch ein sehr reichhaltiges 
Herbarium mecklenburgischer Phanerogamen, welches er dem neu 
entstandenen Museum schenkte, dasselbe wesentlich vergrössert. — 

Das Hauptaugenmerk muss bei der Verwaltung dieses 
Museums stets darauf gerichtet sein, alles, was Mecklenburg in 
naturhistorischer Hinsicht darbietet, möglichst vollständig darinnen 
zu vereinigen, denn nur dadurch kann den Ideen, welche ich oben 
einem vaterländischen Museum zu Grunde legte, entsprochen 
werden. — Es geht daher meine Bitte an alle mecklenburger 
Sammler, speciell aber an Sie nun dahin, Sie wollen gütigst durch 
einige Ihrer Doubletten das begonnene Unternehmen fördern helfen. 

Da es als Hauptsache bei der Stiftung betrachtet wird, dass 
das Museum jedem Freunde der Natur geöffnet sei, so ist es, wenn 
auch unter v. Maltzan'scher Aegide, doch ein Gemeingut zu nennen, 
an dem alle Mecklenburger Theil haben. 

Sollte sich das Vertrauen, welches ich in Ihre Güte setze, 
rechtfertigen und Sie das kleine Museum durch eine unfrankirte 
Sendung einiger Ihrer Doubletten bereichern wollen, so würde ich 
bitten, bei jedem Stück möglichst genau anzugeben, wo und wann 
es gesammelt ist. Ohne genaue Kenntniss des Fundortes und 
Finders lassen sich keine genügenden Verzeichnisse anlegen. 

Herr Struck hat sich bereit erklärt, etwaige Sendungen in 
Empfang zu nehmen und sage ich dem freundlichen Geber schon 
im voraus dafür meinen ebenso verbindlichen als ergebenen Dank. 

Das Museum wird stets bereit sein, durch vorhandene 
Doubletten sich zu revanchiren, so wie auch ich mit meinem aus- 
ländischen Conchylien- und Petrefacten-Vorrath dem gütigen För- 
derer dieses vaterländischen Unternehmens gerne zu Diensten stehe. 

Hochachtungsvoll und ergebenst 

14. Sept. 1866. H. V. Maltzaii 

auf Federow. 



206 

Anlag e B. 

Vl^ir Friedrich Franz 

von Gottes Gnaden Grossherzog von Mecklenburg, Fürst 

zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, auch Graf zu 

Schwerin, der Lande Rostock und Stargard Herr etc. 

J.hun hiermit kimd, dass Wir der von dem Freiherrn Hermann 
von Maltzan Inhalts des angehefteten Statuts unter dem Namen 
„von Maltzan'sches naturhistorisches Museum" begrimdeten Stiftung, 
welche ausser mit den in §. 2. des Statuts erwähnten 6000 Jl. auch 
mit den unter dem Namen von Maltzan'sches Museum schon jetzt 
vorhandenen Sammlungen, Bibliothek, Schränken, Kasten etc. dotirt 
ist, auf den Antrag des Stifters die Rechte einer juristischen Person 
kraft dieses beigelegt haben. 

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift 
und beigedrucktem Grossherzoglichen Insiegel. 

Gegeben durch Unser Justiz-Ministerium. 
Schwerin, den 7. Juni 1877. 

Friedrlcli Franz. 



Verleihung 

der Rechte einer juristischen Person an 

das „von Maltzan'sche naturhistorische 

Museum" zu Waren. 



Statut 

des 

von Maltzan'schen naturhistorischen Museums. 



§. 1. 

ier g 

Der Zweck dieser Stiftung besteht 
1. darin, ein möglichst vollständiges wissenschaftliches Sammel- 
material aus dem ganzen Gebiete der Naturwissenschaft, be- 
schränkt indessen auf die Mecklenburger Lande herzustellen; 
demnach in Conservirung der schon jetzt unter dem Namen 
„von Maltzan'sches Museum" bestehenden Sammlung und Er- 
weitemng derselben innerhalb der vorangebenen Grenzen ; des- 



207 



gleichen in Conservirung und Erweiterung der hiezn gehörigen 
Bibliothek. 

2. überhaupt in Aufnahme und Conservirung von wissenschaft- 
lichem Material, welches mecklenburgischen naturwissenschaft- 
lichen Forschungen als Grundlage gedient hat oder dienen kann. 

3. in Förderung naturwissenschaftlicher Forschungen in Mecklen- 
biu-g in jeder Weise. 

§. 2. 
Stiftungsfonds. 

Zur Sicherung der Erreichung dieser Zwecke sind vom Stifter 
Sechstausend Mark ausgesetzt und in Grossherzogl. Mecklenburg- 
Schwerinschen Eisenbahnobligationen de 1870 und zwar Lit. B. 
No. 1311 uud 1312 a 500 Thlr. und Lit. C. No. 5014, 5015, 5016, 
5020 und 5021 a 200 Thlr., sämmtlich mit Coupons pro 1. Juli d. 
J. und folgenden, auch Talon im Depositum des Magistrats der 
Stadt Waren bis dahin, dass dies Statut die Allerhöchste Bestäti- 
gung erlangt haben wird, verwahrlich niedergelegt. 

Ferner behält sich Stifter ausdrücklich vor den Stiftungsfonds 
nach seinem Ermessen zu erhöhen, auch sollen Geldschenkungen 
unter Lebenden oder von Todeswegen dazu dienen, den Stiftungs- 
fonds zu vergrössern, so ferne nicht die Schenker specielle Ver- 
wendungszwecke namhaft machen. 

Der vorstehend beschriebene Stiftungsfonds, wie er gegen- 
Avärtig bestellt oder durch weitere Zuwendungen künftig vergrössert 
werden möchte, darf aus keinem Grunde und unter keiner Bedin- 
gung verringert oder aufgezehrt werden 

Die Zinsauf künfte des Stiftungsfonds, welche bis Ostern 1879 
erhoben werden, werden nicht verwandt, sondern dienen lediglich 
zur Vergrösserung des Fonds, indem die Kosten für die Miethe 
und Beaufsichtigung des Museums bis dahin Seitens des Stifters 
durch Vorausbezahlung gedeckt sind. 

Von Ostern 1879 an kann über die Zinsaufkünfte des Stif- 
tungsfonds mit Ausnahme von 10 °/0, welche für alle Zeiten zur 
Vergrösserung des Fonds reservirt bleiben, durch den Vorstand 
verfügt werden, und zwar 

a. zunächst zur Deckung der durch die Aufstellung und Erhaltung 
der Sammlungen und Bibliothek erwachsenden Kosten, hienächst 

b. zur Vergrösserung der Sammlungen und Bibliothek, und hienächst 

c. zur Unterstützung naturwissenschaftlicher Forschungen in 
Mecklenburg. 

§. 3. 
Verwaltung der Stiftung. 
Der Vorstand der Stiftung besteht aus 3 Personen und zwar 
1. einem von dem von Maltzan'schen Famüienrathe zu desig- 
nirenden Mitgliede der von Maltzan'schen Familie 5 



208 



2. dem Präsidenten des Vereins der Freunde der Naturgeschichte 
in Mecklenburg; 

3. dem Bürgermeister derjenigen Stadt, in welcher das Museum 
seinen Sitz hat, welche eine Geschäftsvertheilung unter sich 
festsetzen. 

Würde für eine dieser 3 Stellen eine Vacanz eintreten, welche 
nicht auszufüllen ist, sei es, weil der von Maltzan'sche Familien- 
rath auf wiederholtes Ansuchen die Wahl ablehnt oder der Verein 
der Freunde für Naturgeschichte in Mecklenburg zu existiren auf- 
gehört hat, oder der Bürgermeister der Stadt, in welcher das Mu- 
seum seinen Sitz hat, die Wahl ablehnt, so werden von den beiden 
andern Vorstandsmitgliedern zu solcher Stelle geeignete Personen 
dem hohen Justizministerium zur Bestätigung in Vorschlag gebracht. 

Diese Zusammensetzung des Vorstandes tritt jedoch erst in 
Wirksamkeit mit dem Ableben des Stifters, oder sobald er solches 
beantragt. Bis dahin besteht der Vorstand aus: 

1. dem Stifter, 

2. dem Bürgermeister Hofrath Schlaaff zu Waren, und wird für 
dies Interimisticum weiter verordnet, was folgt: 

1. der Bürgermeister Hofrath Schlaaff erwirbt keine weitere 
Befugniss, als die Vermögensverwaltung, demnach Auf- 
bewahrung der Stiftungscapitalien, Entgegennahme der der 
Stiftung inter vivos et mortis causa gemachten Zuwendungen, 
Erhebung der Zinsen, rücksichtlich der Ausgaben darauf zu 
sehen, dass die Bestimmungen dieses Statuts zur Ausführung 
gelangen und Rechnungsführung über Einnahme und Ausgabe, 
welche alljährKch am 1. April abzuschliessen, von dem Stifter 
zum Zeichen der Genehmigung mit zu vollziehen und im Locale 
des Museums niederzulegen ist. 

Bei Meinungsverschiederheiten darüber, ob eine Ausgabe 
der Stiftung entspricht, entscheidet das hohe Grossherzogliche 
Justizministerium. 

2, Würde der Bürgermeister Hofrath Schlaaff nicht mehr Bürger- 
meister in Waren sein, oder das Museum aus Waren verlegt 
werden, oder derselbe die Verwaltung fortzuführen nicht ge- 
neigt sein, so hat der Sifter dem holien Justizministerium eine 
geeignete Persönlichkeit als Vorstandsmitglied zur Bestätigung 
in Vorschlag zu bringen, welche gleichfalls auf die dem Bürger- 
meister Hofrath Schlaaff eingeräumten Befugnisse beschränkt ist. 
An den bestätigten Nachfolger hat der Bürgermeister Schlaaff 
Papiere, Casse und Bechnungen auszuantworten. 

§. 4. 
Ort der Stiftung. 
Das von Maltzan'sche Museum befindet sich zur Zeit in Waren 
und soll auch einstweilen dort bleiben. Um aber freie Hand für 
den Fall einer möglichen Verlegung zu haben, wird bestimmt, dass 
dieselbe zulässig ist, M'^enn der Vorstand resp. bei Lebzeiten des 
Freiherrn Hermann von Maltzan dieser, solches beschliesst und 
dieser Beschluss die Zustimmung des hohen Justizministerii erhält. 

§. 5. 
Controle. 
Alle zwei Jahre und zwar spätestens im Monate Juni sind 
die mit dem 1. April desselben Jahres abgeschlossenen Rechnungen 
dem hohen Justizministerio zur Kenntnissnahme einzureichen. 



Beitrag zur Geologie Mecklenburgs. 

Von 
Prof. E. GJ-einitz in Rostock. 



In der folgenden Publication gicbt der Verfasser 
einen Bericht über die Resultate der geologischen Excur- 
sionen, die er während des verflossenen Soramers im 
Auftrage des Grossherzoglichen Ministeriums des Innern 
zum Zwecke einer Orientirung über den allgemeinen 
geologischen Bau des Grossherzogthums Mecklenburg- 
Schwerin unternommen hatte. 

Es kann dieser Bericht der Natur der Sache nach 
nicht etwa eine erschöpfende Darstellung der Geologie 
Mecklenburgs enthalten, sondern eben nur einen weiteren 
Beitrag zur Kenntniss des geologischen Baues des Landes 
liefern. Da in ihm mehrere auch für weitere Kreise 
wichtige Verhältnisse — Fragen sowohl der Praxis, als 
auch der Wissenschaft — besprochen werden konnten, 
so entschloss sich der Verfasser, denselben mit Geneh- 
migung des Ministeriums an dieser Stelle zu veröffent- 
lichen, in der Hoffnung, dadurch auch ein immer allge- 
meineres Interesse für die Geognosie des Landes anregen 
zu können. Möchte in späterer Zeit der kurze Excur- 
sionsbericht durch die ausführlichen, von kartographischen 
Darstellungen unterstützten Arbeiten einer geologisch- 
agronomischen Landesuntersuchnng ersetzt werden! 

Rostock, October 1879. 

E. Geinitz. 



Archiv XXX m. 14 



Inhalt. 



Einleitung. 

Qiiartärformation: Quartärlandschaft. Zusammenhang 
von Gesteinskunde und Bodenkunde. Gliederung des Quartärs. 
Theorien über die Bildung des Quartärs. Vergleichende Uebersicht 
der Gliederung der norddeutschen Geschiebeformation. Bohrprofil 
bei Probst Jesar. Gliederung des mecklenburgischen 
Diluviums, Dreifache Vergletscherung. Geschiebe- 
mergel. Verwitterungsproducte desselben. Erratische Blöcke. 
Gletscherschrammen, Dreikanter. Baltisches Material der Geschiebe. 
Mecklenburgische Kreidevorkommnisse nicht erratisch. Locale 
Anhäufung von Geschieben. Sternberger Kuchen. Geschiebe- 
mergel un geschieht et. Geschichteter Geschiebemergel. Dilu- 
vial - T h o n. Thone bei Sehwaan. Thon- und Mergelconcretionen. 
Mergelsand. Diluvialsand. Kies, Gerolle, Grand. Schichtung 
derselben. Diluvium der Ostseeufer. Lagerung des Geschiebe- 
mergels in parallelen, wellenförmigen Erhebungen. Fischland. 
Höhenzüge bei Doberan und Warnemünde. Zerdrückte Gerolle. 
Thongruben bei Sehwaan, Schichtenbiegungen. Diluvium bei 
Rostock. Westliche Ostseeküste. Schichtenstörungen des 
Diluviums: Dietrichshagener Berge. Wendisch Wehningen. Dilu- 
viale, humusreiche Infusorienerde und Diatomeen führender Dilu- 
vialthon von Wendisch-Wehningen. Entstehung der parallelen 
Höhenzüge. Geschiebestreifen. Profile an der Eisenbahn 
zwischen Malchin und Waren. Material der Geschiebestreifen. 
Der Geschiebemergel. Vorkommen und Erklärung der Solle. 
Erdfälle bei Schlieffenberg. Seen. Erratische Blöcke in den Seen. 
Inseln. Ufer der Seen. Vorkommnisse von diluvialem Sand und 
Kies: Glasow. Decksand. Haidberge. Wickendorf. 

Unvollständige Entwickelung des Diluviums: Quartär am 
Lübtheener Gypsberg. 

Alluvialbildungen: Alte Flussläufe. Waren. Entwässerte 
Seen. Torf. Wiesenkalk. Infusorienerde. 

Flusssand etc. Kalktuff. Haidesand. Dünen der Haide. 



Inhalt. 



Thätigkeit des Meeres : Auswaschung des Geschiebemergels. 
Uferwälle. Dünen. Landwärtstreiben der Dünen. 

Haffe. Ihre Ausfüllung. Senkung? der Ostseeküste. 

Diluvialfauna. 

Tertiärformation: Septarienthon, Miocänsandstein und 
Braunkohle von Malliss. Mallisser Braunkohle oberoligocän. 
Hohenwoos. Probst Jesar. Verbreitung des Sternberger Gesteins. 

Kreideformation: Südliche und nördliche Kreidezone. 

Jura- und Muschelkalkformation: Verbreitung der 
Muschelkalkgerolle und Juragerölle. Jura (Lias) bei Dobbertin. 
Posidonienschiefer. Liaspunkte im Balticum. 

GypsundSteinsalz: Lübtheen. Abraumsalze. Petroleum ? 
bei Probst Jesar. Ausdehnung des Gyps- und Steinsalzlagers. 
Soolquellen. 

Vorherrschen des hercynischen Gebirgssystemes 
in Me cklenburg. 

Erklärung der Abbildungen. 



14' 



Die geologischen Formationen, welche an der Zu- 
sammensetzung des Grossherzogthums Mecklenburg Theil 
nehmen, sind der Reihe nach die folgenden: Die jüngste 
und demnach die obersten Schichten der Erdkruste bil- 
dende Formation ist das in Norddeutschland äusserst 
mächtig entwickelte Quartär. Darauf folgen nach unten 
Tertiär, Kreide, Jura, Muschelkalk, Trias, Dyas, während 
die noch älteren Sediraentformationen, sowie sämmtliche 
eruptiven Massengesteine als anstehende Gebilde bei 
uns fehlen. 

Das Quartär mit seinen beiden ünterabtheilungen, 
dem Diluvium und Alluvium, bedeckt die darunter liegen- 
den Formationen in der norddeutschen Tiefebene wie 
mit einem dichten Schleier, der nur an wenigen Stellen 
gelüftet erscheint, wo die älteren Formationen wie Inseln 
aus demselben hervorragen. Doch genügen diese wenigen 
Aufschlusspunkte, um sich über den geologischen Bau 
im allgemeinen zu orientiren und dadurch sowohl für 
die Fragen der Wissenschaft, als auch für die mit ihr 
Hand in Hand gehenden der Industrie und ökonomischen 
Interessen Anhalte zu gewinnen. 

Das Auftreten genannter Formationen ist in den 
folgenden Kapiteln nach den Ergebnissen der geogno- 
stischen Untersuchungen im Detail und ihrem inneren 
Zusammenhange nach zu schildern versucht worden. 



Ctuartärforsnation. 



Die Quartärformation des norddeutschen Tieflandes 
ist naturgemäss in je nördlicher gelegenen Gegenden 
um so charakteristischer und reiner ausgebildet und es 
liefert daher Mecklenburg dem reisenden Geologen 
äusserst günstige Aufschlüsse über Natur und Gliederung 
dieser jüngsten Formation der Erdentwickelung. In 
wenigen Tagereisen kann man ein vollständiges Bild 
der überaus mannichfaltigen und oft überraschend schönen 
Quartärlandschaft erhalten: charakteristische, isolirte oder 
zu Ketten oder Plateaus vereinigte, sanft wellig profi- 
lirte Hügelrücken, auf deren Plateaus hunderte von 
kleinen zu- und abflusslosen Wasserlöchern, den charakte- 
ristischen „Sollen'', vertheilt sind; breite, flache Thal- 
niederungen, in denen noch ein schmaler Fluss- oder 
Bachlauf sich durch die „alluvialen" Torf- oder Sand- 
und Moorablagerungen hindurchwindet oder welche, jetzt 
fruchtbare Gartenlandschaft oder öde Sandhaide oder 
Moorniederung, nur noch durch ihre eigenthümliche Um- 
grenzung sich als frühere Flussläufe zu erkennen geben 
und dadurch eine Verlegung des früheren Flusssystems 
bekunden; zahlreiche z. Th. sehr grosse Seebecken, von 
Moränenhügeln und Dünen umgeben, jetzt meist von 
einem mehr oder weniger breiten ,,VorlaDde" umkränzt, 
welches dem See durch Ableiten des Wassers und dadurch 
Senkung des Spiegels in früherer oder späterer Ver- 
gangenheit abgewonnen worden ist; die Seen zum Theil 
vollständig in moorige oder torfige Wiesenniederungen 
umgewandelt; die strichweise vertheilten massenhaften 
Anhäufungen von erratischen Blöcken, welche in den das 
Land durchziehenden „Geröllestreifen'' der Landschaft 
einen so eigenartigen, oft an die romantischen Wald- 
rücken und Thäler Thüringens erinnernden Typus auf- 



214 Quartäiiandschaft. 

prägen und die z. Th. die Naturschönheiten der soge- 
nannten mecklenburgischen Schweiz mit bedingen; dann 
wieder die völlig steinfreien, ausgedehnten Haideland- 
schaften mit ihren zahlreichen hohen Sanddünen, die 
sich vor die, aus älteren Schichten bestehenden, langen 
Hügelrücken angelagert haben; oder die weiten Torf- und 
Moorniederungen, mit ihren Fluss- und Canalläufen; 
endlich die steilen hohen, von einem Kranze von erra- 
tischen Blöcken umsäumten Abbruchsufer, die Dünen 
und die haffartigen Einbuchtungen der Küste, welche 
sprechende Beweise der noch heute wirkenden, zerstören- 
den und wieder aufbauenden Thätigkeit des Meeres sind. 

Der local oft sehr rasche und plötzliche Wechsel 
der Bodenarten giebt sich meist auch an der Vegetation 
zu erkennen: hier finden wir üppigen Weizenboden auf 
fettem Mergeluntergrunde, auch auf einer der Düngung 
niemals bedürftigen Ackererde, dort unfruchtbaren Kies 
oder Sand, hier ausgedehnte Gartenwirthschaft, dort 
weite Strecken von sauren sumpfigen Wiesen, auf den 
mergeligen Rücken und Thälern die prachtvollen Buchen 
und Eichen, in den Sandgegenden die Kiefer. 

So liefert die Beschaffenheit der Oberfläche und 
des Pflanzenwuchses bedeutende Hilfsmittel zur Erken- 
nung der geologischen Verhältnisse, und bietet auch zur 
Auffindung tieferer Schichten mancherlei Andeutungen. 
Andererseits giebt uns eine genauere Untersuchung des 
Untergrundes in zahlreichen Fällen die Mittel zur Hand, 
aus einem Boden oft eine weit grössere Ertragsfähigkeit 
bei anderer, passenderer Bestellung zu erzielen. Es sei 
an dieser Stelle auf die wichtigen Arbeiten der geo- 
gnostisch-agronomischen Landesuntersuchung in Preussen 
hingewiesen, welche in der richtigen Erkenntniss des 
nothwendigen innigen Zusammenhanges von Bodenkunde 
und Geognosie*) geognostische Bodenkarten herstellt, 



*) In dem inmgen Zusammenhange des Gesteines, Unter- 
grundes, und seiner Verwitterungsrinde , des Bodens, ist die 
naturgemässe Unzertrennlichkeit der Gesteinskunde, Petrographie 
und Bodenkunde, Pedographie, gegeben. „Gerade dadurch, dass 
zumeist weder von der einen noch von der andern Seite dieser 



Gliederung des Quartärs. 215 

d. h. „Karten, welche neben dem Alter, der Beschaffenheit, 
Lagerung und Verbreitung der einzelnen, die feste Erd- 
rinde bildenden Gesteine, auch die unter den atmosphä- 
rischen Einflüssen entstandene äusserste Verwitterungs- 
rinde derselben, den Boden, voll und ganz berücksich- 
tigen und gleichzeitig zur Anschauung bringen/' 

Die Gesteine, welche an der Bildung des Quartärs 
Theil nehmen, sind im wesentlichen die folgenden: 

Thon, Mergel, Lehm, mit oder ohne eingemengte, 
grosse oder kleine nordische Geschiebe, Kies und 
Sand, Torf, Moor, Humuserde, Wiesenkalk, Kalk- 
tuff, Raseneisenstein, Infusorienerde. 
Diese Gesteine bereiteten in ihren lockeren oder 
festen, oft sehr mächtigen Ablagerungen wegen ihrer 
eigenthümlichen Beschaffenheit und Lagerungsform, sowie 
wegen der geringen Anzahl brauchbarer Profilaufschlüsse 
lange einer Erkenntniss ihrer gegenseitigen Lagerung, 
ihrer geologischen Gliederung, grosse Schwierigkeiten. 
Erst in neuerer Zeit hat man diesen ebenso wich- 
tigen als hoch interessanten Ablagerungen die verdiente 
Aufmerksamkeit zugewandt und versucht, ihr Wesen 
und ihre Bildung verstehen zu lernen. Von den zahl- 
reichen Untersuchungen über die Gliederung der ein- 
zelnen Vorkommnisse sei an dieser Stelle die Gliederung 
der Quartärbildungen der Umgegenden von Berlin mitge- 
theilt, welche dem gegenwärtigen Stand der Anschauungen 
am meisten entspricht.*) 



unzertrennliche Zusammenhang vollkommen gewürdigt wurde; 
gerade dadurch, dass der Geognost dem Land- und Forstwirthe 
die Bodenkunde williglich überliess, ich möchte sagen, in Erbpacht 
gab und andererseits der Land- und Forstwirth sich nun nicht als 
Pächter, sondern als Eigenthihner betrachtete, d. h die Bodenkunde 
nicht als einen Theil der Geognosie, sondern als ein selbständiges 
Ganze ansah und in diesem Sinne auch möglichst selbständig aus- 
zubilden suchte-, gerade dadurch ist es zu erklären, dass Wissen- 
schaft und Praxis auf dem Gebiete der Bodenkunde einander 
bisher ziemlich fern geblieben sind, sich so wenig verstanden, ja 
vielfach missverstanden haben. Die Schuld lag auf beiden Seiten." 
(siehe G. Berendt, die Umgegend von Berlin: Abhandl. z. geo- 
logischen Specialkarte v. Preussen u. d. thih-ingischen Staaten. 
Band IL Heft 3. 1877. p. XL) 

*) Berendt, Die Umgegend von Berlin. 1877. S. 16. 



216 



Gliederung des Quartärs. 



1 a. Juno;. Alluvium. 



In ver- 
schiedener 
Wechsel- 
lagerung. 



Torf- u. Moor- 
erde 
Wiesenerz 
Wiesenmergel 
Infusorienerde 



Flusslehm (Aue- 
lehm) 
Plusssand 
Flussgraud 
Plussgeröll 



Ib. Alt-Alluvium. 
Thalsand, Haidesand. 

2a. Oberes Diluvium 
(mit Pyramidalgeschieben, Dreikantern.) 



Dünensand 

sowie 
Abrutsch- 
und Ab- 
schlemm- 
Massen. 



ß von cc bedeckt 
oder einander 

vertretend, abei\/^. 
nicht wechsel- 
lagernd. I 

2b. 



Ob. Diluvialsand (Decksand, Geschie- 
besand) mit Grand und Gerölllagern. 
Ob. gemein. Diluvialmergel (Lehm- 
mergel, Ob. Geschiebemergel) mit 
Lehmdecke. 



Unteres Diluvium 
(mit Paludina diluviana und häufigen geschrammten 
Geschieben.) 

Spathsand (nordischer Sand 



ünt. Diluvialsand 



in 
mehrfacher 
Wechsel- 
lagerung. 



oder gemein. Diluvialsand. 
Glimmersand. 
Braunsand, 
ünt. gemeiner Diluvialmergel (Schluffmergel, 

Unt. Geschiebemergel). 
Diluvial -Thonmergel (Glindower Thon, ge- 
schiebefreier Thonmergel) in üeber- 
gängen bis Mergelsand. 
Diluvial-, Grand-, Geröll- und Geschiebelager. 
Während die Entstehungsart der alluvialen Gebilde 
leicht zu erklären ist, hat sich über die Bildung des 
Diluviums noch keine einheitliche befriedigende Erklärung 
geben lassen. Die beiden sich gegenüberstehenden An- 
sichten, die Gletschertheorie und Drifttheorie, hat neuer- 
dings Berendt"^), wie es mir scheint, recht glücklich 
zu combiniren versucht. Danach gelangte die nordische 



*) Zeitschr. d. deutsch, geolog. Gesellsch. 1870. S. 1—20. 



Theorien über Bildung des Quartärs. 217 

Gletscher- Eisdecke über einen, Skandinavien und Finn- 
land vom übrigen Europa trennenden, mehr oder weniger 
seichten Meeresarm. 

Je nach dem Verhältniss der Tiefe des Meeres- 
armes gegenüber der Gletschereisdecke, (welches örtlich 
wie zeitlich wechseln konnte), berührte a) der Gletscher 
dabei den Meeresboden, sich auf demselben fortschiebend, 
oder ihn aufwühlend und seine Lagerung störend, oder 
ihn polirend und schrammend und hier die in sich unge- 
schichtete und doch eine meilenweit zusammenhängende 
Schicht bildende Grundmoräne des Geschiebemergels 
absetzend oder b) er wurde in grösserer oder geringerer 
Höhe über dem Boden schwimmend erhalten, hier die 
mannichfach wechsellagernden Schichten von Sand, Grand, 
Gerollen, Thon und Mergel, wie bei einem wechselnden 
Schlemmprocesse niederschlagend. 

Eine andere, so zu sagen radicalere, Erklärung 
giebt A. Penck*) : Er weist einen regelmässigen 
Bau der Geschiebeformation der nordeuropäischen Tief- 
ebene nach, der sich an den Stellen, wo die Bildungen 
noch vollständig erhalten sind, durch das Vorhandensein 
von 3 verschiedenen Geschiebelehmen mit zwischenge- 
lagerten geschichteten Gebilden kennzeichnet. Auf Grund 
dieser Beobachtungen schliesst Penck dass das nord- 
europäische Tiefland nicht nur einmal, sondern minde- 
stens dreimal von einem gewaltigen Inlandeise 
bedeckt gewesen ist. Jede Periode der Vereisung, 
d. h. glaciale, hat einen Geschiebelehm als Grundmoräne 
mit allen charakteristischen Eigenthümlichkeiten ge- 
liefert, jede dazwischenliegende, interglaciale, geschich- 
tete Sand- und Thonmassen, entstanden durch Umlagerung 
und Schlemmung der Grundmoräne. Dadurch ergiebt 
sich nach ihm folgende vergleichende Gliederung der 
norddeutschen Geschiebeformation *) : 



-) Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1879. S. 117—203. 
**) a. a. 0. S. 200. 



218 



Vergleichende Gliederung der 



1 Mark Brandenburg. 


Provinz Preussen. 


Holstein. 


Abschmelzung 

der letzten 
Eisbedeckung. 


ll 

5J 


Decksand. 


V 

Q 

o 


Decksand. 


^ ( Geschiebesand 
^ J Forchhammer. 
R 1 Geschiebedeck- 
§ l sand. Meyn. 


Letzte 
Glacialperiode. 


Ob. Geschiebe- 
lehm. Ob. 
Sandmergel. 
Berendt. 


Ob. Geschiebe- 
lehm. Rother 
Geschiebelehm 
z. Th. 


LS 
> 

\ 


/ Ob. Geschiebe- 
1 lehm. 
Blocklehm 

Meyn. 


Zweite Inter- 
glacialperiode. 


S 

02 
Qi 

S 


Sande von Eix- 
;dorf und Tempel- 
hof mit Elephas 
primigenius, Rhi- 
nocerostichorrhi- 
nus, Süsswasser- 
conchylien. 


oqN 

CD 

o 

\ 

\ 


i 

Sande von Ger- 
dauen mit Yol- 
dia arctica. 


Korallensand 
z. Th. Schlepp- 
u. Bänderthon 

bei Schulau. 


Mittlere 
Glacialperiode. 


Unt. Geschiebe- 
lehm, 
Unt. Sandmergel, 

Berendt. 
accessorisch mit 
Paludina dilu- 
viana. 


Unterer blauer 

Geschiebelehm 

accessor. mit 

Palud. diluviana, 

Dreissena, mit 

borealen und 

' arktischen 

Formen 


UntererGeschie- 

belehm. 

Korallenmerffel \ 

Meyn, \ 

Moränenmergel 

Meyn. | 

\ 


Erste Inter- 
glacialperiode. 


Sande, Thone d. 
Potsdamer Süss- 
wasserformation 
m. Palud. diluv., 
alles mit nordi- 
schem Material. 


Yoldienthone v. 
Elbing. Bänder- 
thone V. Danzig. 
Spathsandz.Th., 
mit nordischem 
Material. 


s 

s. 

2 

o 


Brockenmergel, 

Cyprinenthone, 

Bänderthone, 

Korallensand 

mit nordischem 

Material. 


Erste 
Glacialperiode. 


Geschiebelehm 
im Bohrloche des 
Schwielow-Sees. i 


Grundmoräne 
nicht beob- 
achtet. 


Grundmoräne 
nicht beob- 
achtet. 


Herannahen 

der ersten 

Eisbedeckung. 




Sande und Ge- 
rolle mit nordi- 
schem Material. 


1 


— — — 



norddeutschen Geschiebeformation. 



219 



Dänemark. Schonen. 


Mittleres Schweden. 


Sachsen. 


Geschiebesand 
Forchhammer. 

Rollsteinsand. 


Rollsteinsand 
Holmström. 




Asar und Roll- j 
Steingrus. 


— — — 


Oberer Geschiebe- 
lehm. 

Gelber Rollstein- 
lehm. 


Oberer gelber 
Krosssteinslehm 
Holmström. 


Grundgrus. 

i 


— — — 


Sand und Gerolle, 
wenig mächtig. 


i 

Sand, Geröll, 

Bänderthone, 

wenig mächtig. 


i 




Blauer und grauer 
Geschiebelehm 

von Faxe, 
thoniger Ge- 
schieb elehm von 
Möen. 


' Blauer unterer 
' Ki-osssteinslehm 
Holmström. 


Grundgrus viel- 
leicht z. Th. 


1 

> 
Q, 

O 


Geschiebelehm 

Ob. Diluvium 

Jentzsch. 

access. mit 

Palud. diluv. 


Muschelsande von 
Möen, mit nordi- 
schem Material. 


Geschieb ethon vom 

Oeresunde, mit 
Sauden u. Schlep- 
pen mit nordischem 
Material. 

i 


! 


1 


Flussschotter- 
ähnliche Kiese 
bei Leipzig und 

Riesa. 
Diluvialsande 
{\]nt. Diluvium 

ientzsch) 
mit nordischem 
Material. 


Krosssteinsgrus 
von Möen. 


i! 

Grundmoräne 
; nicht beob- 
1 achtet. 


Grundgrus z. Th. ? 


! Unterer Geschiebe- 
lehm bei Möckern. 


! 


— — — 


Sande mit nordi- 
i schem Material. 

i 













220 



Bohrprofil bei Probst Jesar. 



Verfolgen wir die verschiedenen in Mecklenburg 
vorhandenen Aufschlusspunkte und suchen, so weit es 
bei dem zur Zeit noch sehr nachtheilig fühlbaren Mangel 
an guten Karten möglich ist, einen Zusammenhang der- 
selben herauszufinden, so gewahren wir eine grosse 
Uebereinstimmung mit dem Quartär anderer untersuchter 
Gegenden und erhalten auch hier weitere Belege für 
Festigung resp. Klärung der bisherigen Anschauungen. 

Für die Gliederung des mecklenburgischen Dilu- 
viums sind besonders die Aufschlüsse wichtig, welche 
in Bohrungen die gesammte Formation durchsunken 
haben. So gewährt uns das Bohrprofil des I. Bohr- 
loches bei Probst Jesar beiLübtheen den folgenden 
wichtigen Einblick in den Bau des dortigen Diluviums. 



m. 

0,00- 
0,90— 
1,40- 
2,10— 

9,60- 



m. 
0,90 
1,40 
2,10 
9,60 



14,75 



14,75—19,00 
19,00—20,30 



,20 m. 



16,90 m. 



20,30 
20,60- 

24,65- 
25,45- 

34,50- 
39.40- 



20,60 
-24,65 

-25,45 

-34,50 

■39,40 

-42,00 



aufgetragener Boden 
Ackererde 
gelber feiner Sand 
grauer feiner 
(Schwemm-) Sand 
grobkörniger Sand 
mit Braunkohlen- 
stückchen 

feiner u. grober Kies 
mit grossen Gerollen - 
grauer plastischer 
Thon mit Gerollen 
grauer feiner Sand 
grauer plastischer 
Thon mit Gerollen 
grauer feiner Sand 
grauer Thon, z. Th. 
schieferig .... 
grauer scharfer Sand 
sehr grober Kies mit \ 7,50 m 
grossen Gerollen 



Flugsand 
(alluvial). 



Sand u. Kies, 
(Decksand). 



5,65 m. Geschiebe- 

mergel(3)mit 
Sandeinlage- 
rung. 

0,80 m. Sand. 



9,05 m. 



Thon. 

Sand u. Kies. 



39,90 m. 



Bohrprofil bei Probst Jesar. 



221 



m. m. Transport 39,9 m. 

42,00 — 53,90 grauer sandiger Thon 

mit gr. Gerollen . 11,9 m. Geschiebe- 

mergel (2). 
53,90—62,30 sehr grober Kies mit 

gr. Gerollen . . . 8,4 m. Kies. 
62,30—64,80 grauer sandiger Thon 2,5 m. Geschiebe- 
mergel (1). 

62,7 m. Diluvium. 
64,80—69,13 grauer feiner Sand mit Thonein- 

lagerungen 
69,13—71,48 grauer feiner Sand mit Holz u. 

Braunkohlen 
7 1 ,48—72,45 grauer plastischer Thon (kalkfrei) 
72,45—74,73 grauer feiner Sand mit Holz u. 

Braunkohlen 
74,73 — 76,75 grauer feiner Sand mit schwachen 

Thonschichten 
76,75—77,25 brauner bituminöser Thon mit 

Braunkohlen 
77,25—78,45 weisser u. blaugrauer, plastischer \ r^g^j.|^^* 

Thon 
78,45—70,29 grauer feiner Sand 
79,29 — 82,95 weisser u. blaugrauer, plastischer 

Thon 
82,95— 89,nO erdige Braunkohle 
89,60-94,50 feiner grauer Sand mit Schwefel- 

kiesstücken 
04,50—97,60 feiner grauer Sand mit Schichten 

von braunem Thon und erdiger 

Braunkohle 
97,60—97,90 brauner sandiger Thon 
97,9 — 130 grauer Gyps, klüftig, vielfach mit Adern 

von feinem grauen Sand durchzogen, 
etc. 
Es gliedert sich sonach hier das 62,7 m. mächtige 
Diluvium in vier Abtheilungen, deren unterste drei, 
welche zusammen dem Unteren Diluvium Berendt's ent- 



33,1 m. 






222 Gliederimg des mecklenburgischen Diluviums. 

sprechen, je aus zwei ünterabtheilungen bestehen, nämlich 
zu Unterst Geschiebemergel und darüber als sedimentäre 
Schlemmproducte anzusehende Schichten von Sand, Kies 
oder Thon. Die vierte, obere Abtheilung ist der von 
Berendt in seiner allgemeinen Verbreitung nachgewie- 
sene und auch in Mecklenburg weit verbreitete sogen. 
Decksand (s. auch unten). Behalten wir dagegen die 
Zweigliederuug des Diluviums vorläufig bei, so würden 
wir demnach folgende Eintheilung haben: 

Alluvium mit seinen verschiedenen Ablagerungen. 
Oberes Diluvium: Decksand (Sand und Kies). 
Unteres Diluvium: a. Sand, Kies, Thon (als 
(in je drei auf einander fol- sedimentäre Schlemm- 
genden Abtheilungen!) producte von): 

b. Geschiebemergel (jedes- 
malige Grundmoräne.) 
In der oberen Schicht von Geschiebemergel findet 
sich in Probst Jesar eine dünne Zwischenschicht von 
feinem Sande eingeschaltet. 

Wir haben hier sehr ähnliche Verhältnisse, wie in 
dem von Berendt (Umgegend v. Berlin S. 10) mitge- 
theilten Profil eines Bohrloches am Schwielow-See. 

Das Bohrloch von Probst Jesar ist bisher das 
einzige, welches das Profil des mecklenburgischen Dilu- 
viums in seiner ganzen Vollständigkeit aufgeschlossen 
hat, andere Bohrlöcher, welche das Diluvium vollständig 
durchsunken haben, lieferten unvollständige Resultate, 
entweder weil an den betreffenden Punkten die Schichten- 
reihe nicht in ihrer Gesammtheit entwickelt war, oder, 
was namentlich für fast alle älteren Angaben gilt, weil 
in dem Bohrregister dieser Punkt überhaupt nicht mit 
der nöthigen Aufmerksamkeit behandelt worden ist und 
daher die einzelnen Glieder der Formation nur ungenau 
angegeben wurden. — 

Das wichtigste und interessanteste Gestein des 
Diluviums ist der Geschiebemergel, auch gemeiner 
Diluvialmergel, Sandmergel, Thonmergel, Kalkmergel, 



Geschiebemergel. 223 

Korallenmergel, Lehmmergel oder Blocklehm genannt. 
Derselbe ist „ein durch regellos eingemengte Geschiebe, 
Gerolle, Grand und Sand besonders widerstandsfähiges, 
im feuchten Zustande zähes, im getrockneten hartes, 
thonig-kalkiges Gestein von blaugrauer oder gelbbrauner 
Färbung, ohne jegliche bemerkbare innere Schichtung". 
Seine Zusammensetzung wird aus den folgenden 
Durchschnittsanalysen von Diluvialmergeln aus der 
Gegend nordwestlich Berlin ersichtlich, welche Berendt 
(a. a. 0. S. 30) mittheilt: 

Ob. Diluv. m. Unt. Diluv. merg. 



81,3 73,7 Quarz mit Feldspath und 

anderen Silicaten (als Staub, 
Sand u. Grand). 
10,7 17,1 Kohlensaurer Kalk event. 

mit kohlens. Magnesia. 
7,7 8,9 wasserhaltiges Thonerde- 

silicat. 

Auf den auffallend geringen Thongehalt des Ge- 
schiebemergels macht bereits Berendt aufmerksam und 
betont, dass der grosse Gehalt an (gewöhnlich mit 
als Thon geltender) Feinerde nicht nur nicht schädlich, 
sondern sogar sehr günstig für die Ziegel- und Ofen- 
fabrikation zu nennen ist. *) 

Wie alle diluvialen Gesteinsarten, so zeichnet sich 
auch der ursprüngliche Geschiebemergel (wenn er noch 
nicht von den Atmosphärilien angegriffen ist) durch seinen 
Kalkgehalt aus, welcher meist in Form von Kalkmehl 
innig und in nahezu gleichem Verhältnisse mit dem 
Thon gemengt ist, oder zum übrigen Theil durch Körner 
von festem Kalkstein oder Kreide geliefert wird. 

In allen den später mitzutheilenden Profilen nimmt 
der blaue, oder dunkelbraune, kalkreiche Geschiebe- 
mergel die untere Stellung ein, während der gelbe in 
einen höheren Horizont gehört. Dasselbe gilt von den 



*) a. a. 0. S. 31, 128, 



224 Verwittemngsproducte des Geschiebemergels. 

Schlemmproducten, den geschichteten Thonen. Auch 
Penck weist den blauen Geschiebethon als allgemein 
verbreitete Grundmoräne der zweiten Vergletsche- 
rung nach.*) 

Das Verwitterungsproduct (Bodenbildung) des Ge- 
schiebemergels ist einerseits Lehm und andererseits ein 
lehmiger Sand. Das von oben einsickernde Tage- 
wasser laugt den Kalk bis zu einer gewissen Tiefe aus 
und hinterlässt nun den sandigen Lehm, dessen feine 
Thontheilchen vom Wasser ebenfalls noch mechanisch 
entfernt werden können, wodurch eine oberste Schicht 
von (lehmigem) Sand entsteht. Dies ist u. A. an vielen 
Stellen an den Steilufern der Ostsee zu beobachten, wo 
der lockere lehmige Sand ebenso wie der mit ihm leicht 
aus der Ferne zu verwechselnde Dünensand die Be- 
hausung zahlloser Uferschwalben bildet. (S. Fig. Ic. 
und auch die Abbildungen bei Berendt a. a. 0. 
S. 70, 89 und Berendt; Die Diluvial - Ablagerungen 
der Mark Brandenburg. 1863. S. 42). Wo die Aus- 
laugung zur Bildung einer vollständig kalkfreien Lehm- 
decke geführt hat, ist meist die Grenze zwischen Lehm 
und Mergel scharf zu erkennen. Der kohlensaure Kalk 
wird nicht immer vollständig (durch Capillarwirkung) 
den Pflanzen zugeführt und so aus dem Mergel entfernt, 
sondern vielfach giebt er auch zur Bildung von Mergel- 
knauern, den sogenannten Lehmpuppen, und zur Incru- 
station von Wurzelröhren Veranlassung. An anderen 
Stellen wird er in wellig oder zickzackförmig verlau- 
fenden, der Oberfläche in der allgemeinen Contur pa- 
rallelen, dünnen Schichten abgesetzt, welche durch ihre 
weisse Farbe sich deutlich von dem rostbraunen Lehm 
abheben. So sieht man z. B. sehr schön diese Er- 
scheinung in alten Mergelgruben an dem Ostufer der 
Zippendorfer Halbinsel am Schweriner See, wo unter 
1 Meter mächtigem, kalkfreiem Lehmboden der kalkige 
Geschiebemergel erscheint und an seiner oberen Grenze 



') a. a. 0. S. 196. 



Blöcke des Geschiebemergels. 225 

die zahlreichen fast horizontal verlaufenden, sich vielfach 
auskeilenden dünnen Schichten von ausgeschiedenem 
Kalke, der sogen. Bergmilch, auftreten. 

Charakteristisch für den Geschiebemergcl ist sein 
mehr oder weniger grosser Gehalt an Blöcken, Ge- 
schieben, fremder Gesteine von der verschiedensten 
Grösse, die von der einer Nuss bis zu mehreren Hundert 
Cubikmetern Inhalt schwanken kann. Solche aus dem 
Mergel ausgewaschene, auf oder nahe der Oberfläche 
des Bodens, oder am Strande der See liegende grössere 
Steine, die erratischen Blöcke, sind gerade in unseren 
Gegenden, wo anstehende feste Gesteine fast fehlen, 
von der grösstpn Wichtigkeit. Bekanntlich werden die- 
selben seit langer Zeit zu allerlei Bauzwecken verwendet, 
ohne dass man eine erhebliche Verminderung ihre/ 
Massen bemerken kann. Ihrer Natur nach sind sie, wie 
die volksthümliche Bezeichnung sehr richtig sagt, ,, Fremd- 
linge, Findlinge'', aus fremden Gegenden hertransportirt. 
Die zahlreichen Untersuchungen, die über sie schon seit 
langer Zeit angestellt worden sind, haben ergeben, dass 
sie allermeist aus nördlichen Gegenden stammen, dass 
ihr Ursprung in den skandinavischen und baltischen 
Ländern sei, und dass in vielen Fällen sich sogar noch 
die Richtung bestimmen lässt, in welcher sie herüber- 
gebracht worden sind. Es sind alles Gesteine, welche 
in genannten Gegenden anstehen, nämlich eruptive 
Massengesteine, krystallinische Schiefer und versteine- 
rungsführende Sedimentgesteine. Eine specielle Unter- 
suchung über die nordischen Geschiebe Mecklenburgs 
soll später an einer anderen Stelle gegeben werden. 

Die allermeisten der im Geschiebemergel vorkom- 
menden Blöcke sind weder völlig rund noch eckig, 
sondern meist kantengerundet und zeigen fast alle eine 
oder mehrere ebene, mehr oder weniger glatte, bis 
vollständig polirte Flächen, die in geraden, verhältniss- 
mässig scharfen Kanten zusammentreten. Diese geraden 
Flächen erscheinen oft wie zerkratzt durch eine grosse 
Anzahl von tiefen oder flachen, schmalen oder breiteren 

Archiv XXXni. 15 



226 Blöcke des Geschiebemergels. 

Schrammen und Furchen, welche in paralleler oder sich 
kreuzender Richtung in die Blöcke eingravirt sind. Diese 
Erscheinungen, welche ein deutlich sprechender Beweis 
dafür sind, dass die Blöcke in der Grundmoräne eines 
Gletschers transportirt worden sind, lassen sich aller- 
wärts beobachten, wo wir die Geschiebe des Block- 
mergels finden. Die grossen, z. Th. mehrere Kubikmeter 
Inhalt fassenden Blöcke von Gneiss, Granit, Diorit, 
Porphyr, Kalkstein etc., die aus dem Goschiebemergel 
der steilen Ostseeufer ausgewaschen am Strande umher- 
liegen und die in den Gegenden der „Geschiebestreifen" 
so häufig auf den Feldern verstreuten Findlinge zeigen 
trotz der späteren Einwirkung des Wassers und der 
Atmosphärilien oft auf das schönste die z. Th. wie Tisch- 
platten polirten und dann geschrammten, ebenen Flächen. 
Solche geschrammte Blöcke habe ich übrigens nicht 
nur in den unteren Geschiebemergoln gefunden, aufweiche 
sie nach Berendt*) beschränkt sein sollen, sondern auch in 
grosser Menge in den oberen und im sogen. Decksand. Die 
von Berendt gemachte Beobachtung, dass für das obere 
Diluvium namentlich eigenthümlich dreikantig geschliffene 
Geschiebe**) charakteristisch seien, kann ich insofern 
bestätigen, als ich solche Geschiebe namentlich im Deck- 
sand finden konnte (am Eikberg bei Quast, s. ö. Lüb- 
theen), während sie jedoch auch in unteren Schichten 
nicht vollständig fehlen. Ein Vorkommen von solchen 
scharfkantigen Geschieben (allerdings nicht alle drei- 
kantig) ist ferner auf dem Berge von Wendisch Weh- 
ningen beiDömitz in dem den dortigen Thon bedeckenden 



*) Umgegend v. Berlin S. 43. 

**) Solche Dreikanter beschreibt auch Meyn, Geogn. Beschr. 
d. Insel Sylt, Abh. z. geol. Spec.-K. v. Pr. I. 4. 1876. S. 636, aus 
Tertiärsanden. Diese Quarzitgeschiebe unterscheiden sich in Nichts 
von den pyramidalen Quarzitgeschieben, die man in dem diluvialen 
Sande am Letzten Heller bei Dresden findet. Jentzsch glaubt, dass 
dieselben ihre Form nur durch Wasser von bestimmter Art der 
Bewegung erhalten haben. (Sehr, der phys. ökon. Ges. Königs- 
berg XVm. 1877. S. 227.) 



Baltisches Material der Geschiebe. 227 

Sande auf der östlichen (Stoss-) Seite des Berges. (S. 
unten. Ob dieselben in ihrer jetzigen Form bereits in 
dem Blockraergel gelegen hatten, oder ob ihre Gestalt 
der Wirkung von Eisschollen des früher hier brandenden 
Eibstromes verdanken, lasse ich vorläufig dahingestellt. 

Die Beobachtung Penck's*J, dass mindestens 
80—90 pCt. aller Geschiebe geschliffen seien, scheint 
mir nach meinen Beobachtungen eine zu hohe Zahl zu 
geben. Vielmehr findet man im Geschiebelehm neben 
den sehr zahlreichen völlig eckigen, splitterförmigen 
Gesteinstücken auch runde echte Gerolle. Von letzteren 
besitzen einige (namentlich die silurischen Kalksteine) 
auch Schrammen. Im allgemeinen jedoch sind die Blöcke 
so deutliche Geschiebe oder Scheuersteine, dass man 
für sie die Bezeichnung der von Wasser abgerundeten 
Gerolle nicht brauchen darf 

Unter den Geschieben findet sich nicht blos skan- 
dinavisches Material, sondern die Gletscher haben auch 
von dem weiter südlich passirten Boden Theile in sich 
aufgenommen. So haben namentlich die leicht zerstör- 
baren Kreidemassen der baltischen Länder eine sehr 
beträchtliche Contribution geliefert, die sich nicht nur 
in dem, dem Geschiebemergel fein beigemengten Kalk- 
staub zu erkennen giebt, sondern auch in den zahlreichen 
grossen und kleinen Kreideversteinerungen **), in den 
massenhaften, für das nordeuropäische Diluvium geradezu 
als „Leitfossile'^ geltenden Feuersteingeschieben und in 
den stellenweise in ausserordentlicher Menge angehäuften 
Brocken und Knollen von Schreibkreide. Namentlich 
der blaue Geschiebemergel ist oft vollständig durchsetzt 
von kleinen und grossen Kreideknollen, die auch an 
einigen Stellen, z. B. an dem Ostseeufer der Stoltera 
bei Warnemünde in horizontalen Schichten eingelagert 



*) a. a. 0. S. 119. 
**) Der grosse Reichthiim mancher Greschiebemerg-el und 
Sande an Kreide -Bryozoen und Korallen hat geradezu die Be- 
zeichnung „Korallenmergel" resp. ^-sand" bedingt. 

15* 



^28 Mecklenburgische Eü-eidevorkommnisse nicht erratisch. 

erscheinen. Auch der gelbe Blockmergel z. B. in dem 
Bahneinschnitt nördlich von Waren zeigte an einer 
Stelle ein völlig weiss grossgetüpfeltes Aussehen durch 
die massenhaft in ihm enthaltenen Kreideknollen. 

Auch ganze Kreideschollen von ungeheuren Dimen- 
sionen finden sich als riesige Geschiebe innerhalb 
des Blockmergels, Massen, die man, bevor man ihre 
Natur als erratische Blöcke erkannt hatte, wegen 
ihres bedeutenden Umfanges z. Th. für anstehendes 
Gebirge hielt. *) Eine weitere Untersuchung hat nun 
freilich ergeben, das nicht alle dieser Kreidepartieen 
solche riesige erratische Blöcke sind, sondern dass sie 
in der That als festes Gebirge anzustehen scheinen, 
welches nur durch gewaltige Schichtenstörungen mit den 
Massen des Diluviums derartig verquickt sind, dass eine 
blosse Bohrung nach Durchteufung von Kreideschichten 
ein- oder mehreremale wieder auf Diluvialschichten 
kommen konnte. Es wird daher wohl ein Theil der in 
der Literatur als erratisch bezeichneten Kreidevorkomm- 
nisse als anstehend zu betrachten sein. Was die meck- 
lenburgischen Kreidevorkommnisse (s. u.) betrifft, so 
stehe ich nicht an, alle derselben auf Grund der von Koch 
ausgeführten Bohrungen mit Koch **) und Karsten ***) 
für anstehend zu halten. Die seit E. Boll's t) Ver- 
öffentlichungen in vielerlei Literatur ff) übergegangene 
Ansicht der erratischen Natur vieler mecklenburgischen 
Kreideaufschlüsse würde also in diesem Sinne zu berich- 
tigen sein. 



*) Vergl. z. B. u. A.: Bruhns: Ueb. die Vork. v. Kreide 
im Hobbersdorfer Holze. Zeitschr. d. d. geol. Ges. I. 1849. S. Hl; 
V. d. Borne: üb. isolirt im Diluv. lieg. Kreidemassen. Zeitschr. d. 
d. geol. Ges. IX. 1857. S. 485. 

**) Archiv d. Ver. d. Fr. d. Naturgesch. in Mecklenburg. 
VIII. 1854. S. 62. 

***) Zeitschr. d. d. g. Ges. VI. 1854. S. 527 (534). 
t) Arch. Ver. Nat. Meckl. III. 1849. S. 191 ; Zeitschr. d. 
d. geol. Ges. III. 1851. S. 463; u. a. 

tt) Vergl. u. a. Penck, a. a. 0. S. 120. 



Locale Anhäufung von Geschieben. 229 

Dagegen sind die Kreidemassen, welche sich auf 
dem Fischland an dem Seeufer nördlich von Wustrow 
finden und hier früher zum Tünchen der Häuser von 
den dortigen Anwohnern gegraben wurden, nur in dem 
Geschiebemergel eingesprengte erratische Massen, wenig- 
stens konnte ich bei einem Besuche jener Steilküste 
kein anstehendes Lager von dem ,,üferkalk'' finden und 
war ein solches auch den dortigen Bewohnern nicht 
bekannt. Damit erledigt sich die von Boll *) ausge- 
sprochene Vermuthung, dass auf dem Fischlande seno- 
nische Kreide anstehe, mit dem negativen Resultate. 

Die local beschränkte Anhäufung von Kreidebrocken 
im Geschiebemergel beweist, dass der Ursprung der- 
selben in nicht zu weiter Ferne von ihrer jetzigen secun- 
dären Lagerstätte zu suchen ist und würde z. B. neben 
anderen Umständen (Kalktufi'bildung u. a.) zur Aufsuchung 
von Kreidelagern wichtige Winke geben können. 

Fast noch deutlicher tritt diese locale Beschränkung 
des Vorkommens wohl charakterisirter Geschiebe bei 
den versteinerungsführenden Schichten des Muschelkalkes, 
Jura und Tertiär hervor. 

Während Silur- und Kreidegeschiebe, sowie die 
verkieselten Tertiärhölzer in fast allen Gegenden im 
Mergel, wie in dem durch Aufbereitung des Geschiebe- 
mergels entstandenen Kies und Sand anzutreffen sind, 
so ist das Vorkommen des Muschelkalkes auf den 
südlichen Theil von Mecklenburg -Strelitz, der Jurage- 
schiebe und -gerölle auf die östliche Hälfte von Meck- 
lenburg-Schwerin beschränkt und finden sich die be- 
kannten Sternb erger Kuchen ebenfalls in einem ganz 
beschränkten Gebiete, das sich von Wismar nach Stern- 
berg und die Serrahner Gegend erstreckt, während sich 
von Nordwesten her das Gebiet des miocänen Holsteiner 
Gesteines bis an und über die Grenze des vorigen 
herzieht. Z. Th. lässt sich auch für die Verbreitung 
der Silurgeschiebe mit ihren zahlreichen schönen Ver- 



*) Arch. Ver. Nat. Meckl. IX. 1855. S. 97. 



230 Sternberger Kuchen. 

steineruügen eine gewisse locale Häufigkeit nachweisen. 
Ich erinnere an das massenhafte Auftreten von Silur in 
der Ziegeleigrube am Buchenberge bei Doberan, wo 
dasselbe sogar zum Betrieb einer Kalkbrennerei ver- 
werthet werden konnte;*) ferner auch an das von 
F. Eömer bearbeitete Vorkommen von Silurgeschieben 
bei Sadewitz in Niederschlesien. 

Fast alle mir zu Gesicht gekommenen Geschiebe 
von Jura und Tertiär zeigen im Gegensatz zu den 
gewöhnlichen Geschieben nicht das für die durch Eis 
transportirten Blöcke charakteristische Aeussere, sondern 
besitzen vielmehr meist eine abgerollte Gestalt, die nur 
durch Wirkung von Wasser hervorgerufen sein kann. 
Diese ist dadurch zu erklären, dass sie nach der Auf- 
arbeitung ihres Lagers durch das Gletschereis keinen 
weiten Transport in und unter dem Eis erfahren haben, 
ferner dass wegen ihrer verhältnissmässig bedeutenden 
Weichheit etwaige Schrammen bei einer Einwirkung 
von Wasser (und eine solche haben wohl auch die im 
Mergel liegenden Stücke, nicht blos die in dem Kies 
befindlichen erfahren) wieder verwischt werden mussten. 

Von den ca. 250 Stück noch unzerschlagener 
„Sternb erger Kuchen^', die sich im Rostocker Mu- 
seum befinden, zeigt kein einziges echte unzweifelhaft 
von Eis polirte Flächen oder Schrammen. Dieselben 
sind allermeist plattenförmig, während ellipsoidische 
Gestalten zu den selteneren Erscheinuno-en gehören. 
Ihre Grösse ist gewöhnlich nicht sehr bedeutend, Stücken 
von den Dimensionen 20, 10, 4; 15, 12, 3; 12, 12, 5 
Centim. gehören zu den mittelgrossen, solche von 25, 
15, 5; 22, 10, 6 Cm. schon zu den grössten Exemplaren. 
Wohl das grösste bekannte Stück von Sternberger 
Gestein ist eine gespaltene Platte von fünfseitiger Form 
m-it den Dimensionen: 37, 30, 5,5 Cm.; es befindet sich 
im Rostocker Museum. — Fast sämmtliche Sternberger 
Kuchen sind entweder verhältnissmässig glatte Rollstücke 



**) S. Koch: Arch. Ver. Nat. Meckl. XIV. 1860. S. 411. 



Sternberger Kuchen. 231 

mit abgerundeten Ecken und Kanten, oder sie besitzen 
wieder rauhe Oberflächen durch das Hervortreten der in 
ihnen enthaltenen Conchylien, welche der Verwitterung 
resp. Auswaschung stärkeren Widerstand geleistet haben, 
als die Gesteinsmasse, wobei die verschiedene Beschaffen- 
heit des Gesteins die verschieden starke Herauswitterung 
bedingte. Die herausragenden Conchylien sind entweder 
vollständig wohl in ihrer Form und Sculptur erhalten, 
oder sie sind sämmtlich auf ein bestimmtes, meist eben- 
flächiges Niveau abgerieben. Diese ziemlich ebenen 
Abreibungsflächen könnten als von Eis früher polirte 
Flächen angesehen werden, aufweiche später das Wasser 
seine erodirende Thätigkeit ausübte. Dabei sind alle 
etwa vorhandenen Schrammen verwaschen worden. Nur 
an sehr wenig Stücken gewahrt man einzelne tiefe und 
ziemlich breite, geradlinige Furchen in der Oberfläche, 
die aber ebenso gut von Spatenstichen als von Eiswirkung 
herrühren können. 

Es zeigen somit sämmtliche beobachteten Sternberger 
Kuchen deutliche Spuren von Wasserwirkung, während 
die einer Eiswirkung verwischt sind und sie müssen 
daher mit dem Namen „GeröUe'^ bezeichnet werden. 

Eine grosse längsgespaltene Platte eines Sternberger 
Kuchens im Rostocker Museum (leider, wie so vieles 
Material dieser Sammlung ohne Bezeichnung des Fund- 
ortes) von 30 Cm. Höhe, 23 resp. 17 Cm. Breite und 
4 Cm. Dicke zeigt auf der einen ursprünglichen, flach 
gewölbten Seite ganz eigenthümliche kurze grubige Ver- 
tiefungen von durchschnittlich 18 Mm. Länge, 4 — 10 Mm. 
Breite und bis 3 Mm. Tiefe, welche, etwas gekrümmt, die 
ganze Oberfläche in regelloser Vertheilung bedecken, so 
dicht, dass zwischen ihnen nur ziemlich scharfe Eücken 
stehen bleiben. Einige der Vertiefungen haben eine 
dünne eisenschüssige Wandauskleidung. Das ganze Stück 
gleicht durch seine eigenthümlich ausgewitterte Oberfläche 
einem Modell, welches die Erscheinung eines Karrenfeldes 
demonstriren soll. Es ist deswegen interessant, weil es das 
einzige Stück ist, welches keine abgerollte Oberfläche besitzt. 



232 Geschiebemergel ungeschichtet. Geschichteter 
Geschiebemergel. 

Eine von allen Beobachtern bestätigte Eigenthüm- 
lichkeit des Geschiebemergels ist der völlige Mangel 
an Schichtung in dem fest zusammengepackten Gesteine, 
in welchem die Gesteinsblöcke völlig regellos zerstreut 
sind und „das mächtig wirksam ordnende Naturgesetz 
der Schwere anderen Kräften untergeordnet'' gewesen 
sein muss. *) Dieser Umstand lässt sich bekanntlich nur 
so erklären, dass man den Geschiebemergel als die Grund- 
moräne eines Gletschers ansieht. 

Auch alle Vorkommnisse von Geschiebemergel, die 
ich in Mecklenburg besuchte, zeigen die gänzlich ord- 
nungslose Vermengung des Mergels mit den Geschieben 
ohne jede, in allen Sedimenten vorhandene, Anordnung 
nach der Schwere. Nur an einer Stelle an dem Abbruchs- 
ufer der Ostsee der Stoltera bei Warnemünde, 
da wo das Ufer die scharfe Wendung nach SW. macht, 
war eine Ausnahme von dieser allgemeinen Regel zu 
bemerken. Hier lässt der blaue Geschiebemergel a und 
der darüber liegende gelbe sandige Mergel b eine hori- 
zontale Lagerung erkennen durch eine horizontal reihen- 
förmige Anordnung der Geschiebe, die sich in mehreren 
übereinander befindlichen Lagen wiederholt. (Siehe Fig. L) 
Weiterhin zeigt der Aufschluss wieder eine regellose 
Einlagerung der Geschiebe. Eine ähnliche horizontale 
Lagerung der Geschiebe findet sich in dem gelben Ge- 
schiebemergel in der Lehrakuhle im Rammer Forst, 
östlich von Lübtheen, s. Fig. IL — 

Die natürlichen Schlemmproducte des Geschiebe- 
mergels, deren Vorkommen naturgemäss für einen Absatz 
aus Wasser spricht, sind geschichtete Thone, Kiese und 
Sande, welche allesammt durch einen mehr oder weniger 
hohen Kalkgehalt ausgezeichnet sind. 

Der diluviale Thon, dieses werthvoUe Material für die 
zahlreichen Ziegeleien, ist allermeist steinfrei oder wenig- 
stens steinarm, etwas kalkhaltig im Gegensatz zu tertiären 



*) V. Bennigsen-Förder: Das nordeuropäische etc. Schwemm- 
land. Berlin 1863. S. 42. 



Diliivial-Thon. Thone bei Schwaan. 233 

Thonen, von blaugraiier, gelber, rother oder brauner 
Farbe, im feuchten Zustand sehr zäh, trocken ziemlich 
hart. Er ist meist geschichtet, was namentlich an den 
ausgetrockneten Wänden deutlich hervortritt. Er bildet 
kleine Zwischenschichten in Kieslagern oder mächtige, 
abbauwürdige Lager. Gewöhnlich ist auch hier der blaue 
Thon älter, als der gelbe. Namentlich scheint der blaue 
Thon eine sehr weite Verbreitung in Mecklenburg zu 
besitzen, so wurde er in mächtigen Schichten gefunden 
in der Rostocker Gegend, bei Schwerin, bei Raden, bei 
Ribnitz etc. Leider ist an keinem Fundorte bisher eines 
der im Diluvium anderer Gegenden vorkommenden Dilu- 
vial-Conchylien aufgefunden worden. Es wäre sehr 
wünschenswerth, wenn man an den vielen Thonvorkomm- 
nissen auf die hochinteressanten Formen eine grössere 
Aufmerksamkeit haben würde. 

Charakteristische Aufschlüsse über die Verhältnisse 
des unterdiluvialen Thones geben die Ziegeleigruben in 
der Gegend von Schwaan, südlich von Rostock. Während 
die Thongruben in der unmittelbaren Nähe der Stadt 
Schwaan bedeutende Störungen ihrer Lagerungsverhält- 
nisse (s u ) zeigen, findet man in der Saniter'schen Thon- 
grube bei Wahrstorf (westlich von Station 20,8 der 
Eisenbahn gelegen) einfachere Verhältnisse. Hier lagert 
ein zäher blauer Thon in flacher Schichtenwölbung in 
2 bis 6 Meter Mäclitigkeit auf einer bis 7 Meter erbohrten 
sandigen Kiesschicht, und wird selbst überlagert von 
einem ca. 4M. mächtigen gelben Lehmmergel; auf diesem 
liegt, nicht scharf abgegrenzt, ein geschieb ereiclier Lehm- 
mergel in dünner, einen sandiglehmigen Mutterboden 
bildenden Decke. Obgleich die Grenze des gelben und 
blauen Thones im allgemeinen deutlich erkennbar ist und 
auch durch das Auftreten von Quellen über dem blauen 
Thon noch deutlicher wird, ist sie doch im Kleinen nicht 
scharf ausgeprägt, indem hier viele Wechsellagerungen 
dünner Schichten der beiden Thone auftreten. In dieser 
Grenzregion finden sich noch stellenweise recht häufig 
eigenthümliche ellipsoidische Concretionen, die aus 



234 Thonconcretionen. Mergelconcretionen. 

ganz dünnen, verschieden gefärbten, regelmässig concen- 
trischen Thonlagen bestehen, und sich oft sehr leicht aus 
ihrer Umgebung herauslösen lassen. Im Querschnitt sehen 
diese Concretioncn aus wie Durchschnitte eines Astes 
mit verschieden gefärbten Jahresringen. Im Inneren liegt 
z. Th. eine härtere mergelige Masse oder auch eine 
winzige, von eisenreichen Schichten begrenzte Höhlung. 
Diese Concretioncn haben somit das Aussehen und die 
Structur von riesigen Erbsensteinen und sind vielleicht 
auch auf analoge Weise, in einem massig bewegten 
Wasser, entstanden. 

Beide Thone sind in ziemlich deutlichen ca. 3 Dm. 
mächtigen Bänken geschichtet. Die Schichtung tritt 
namentlich bei dem oberen gelben Thonmergel sehr 
deutlich hervor durch Einlagerung von ca. 3 Cm. mächtigen 
rothen Letten, welche den Thon mit dem Namen 
„ B ander thon" bezeichnen lassen. In diesen rothen 
Letten liegen auch zahlreiche Mergelconcretionen, 
die sogen. Mergelpuppen. In ausserordentlicher Menge 
und dadurch für die technische Verwendung sehr störend, 
finden sich solche Mergelconcretionen neben vereinzelten 
festen Kalksteinstückchen in den rothen thonigen Zwischen- 
schichten des gelben Thonmergels einer Ziegeleigrube 
in Wiendorf bei Schwaan. Da der gelbe Thonmergel 
zwischen den kleinen rothen Lagen einen noch ziemlich 
beträchtlichen Kalkgehalt aufweist, so können die er- 
wähnten Mergelconcretionen hier nicht als das lagenweise 
wieder abgesetzte Product einer Auslaugung des ge- 
samraten Thones betrachtet werden, sondern müssen als 
ursprünglich auf dem jemaligen Boden des den Thonmergel 
absetzenden Gewässers gebildete Concretioncn gelten. 

An einzelnen Stellen finden sich auch statt der 
rothen Letten mehr sandige, schluffartige Zwischen- 
schichten in dem Bänderthon. 

Der Bänderthon zeigt nicht völlig horizontale 
Lagerung, sondern entsprechend dem unter ihm liegen- 
den blauen Thon eine flache, nach SO. hin fallende 
Wölbung und im einzelnen auch stärkere mulden- 



Mergelsand. Diluvialsand. 235 

förmige Biegungen, verbunden mit kleinen zierlichen 
Verwerfungen. 

Ein anderes Product der Schlemmung von Geschiebe- 
mergel ist der sehr feinkörnige, gelbliche kalk- und thon- 
haltige Mergelsand oder Schluff, welcher entweder in 
dünnen Schichten der Begleiter von Thon ist oder auch 
in mächtigeren, selbständigen Bänken auftreten kann. So 
zeigt die Thongrube der alten städtischen Ziegelei bei 
Schwaan eine mächtige Schicht dieses Mergelsandes. 
Derselbe hat eine grosse Aehnlichkeit mit dem Löss, er 
ist äusserst feinkörnig und leicht zerreiblich, während er 
doch so viel Zusammenhalt besitzt, dass er in völlig 
senkrechten Wänden abbricht. 

Die gröberen Schlemmproducte des Geschiebemergels 
sind die Sande, Grande, Gerolle und Kiese 

Der gemeine Diluvialsand, wegen seines Gehaltes 
an Feldspathkörnchen auch als Spathsand unterschieden, 
besteht hauptsächlich aus Körnchen von Quarz, Feldspath 
und z. Th. Glimmer (Glimmersand), und ist an nicht aus- 
gelaugten Stellen stets durch seinen, gewöhnlich 2 — 3 pCt. 
betragenden, Kalkgehalt ausgezeichnet. Dadurch und 
durch seine mehr oder weniger intensive gelbliche Fär- 
bung ist er vom tertiären Quarzsande zu unterscheiden. 
Durch Beimengung von fein vertheilten Braunkohlenpar- 
tikeln erhält er eine dunkle Farbe (Braunsand). 

Der Kalkgehalt des Sandes giebt sich oft sehr schön 
zu erkennen durch locale Concentration desselben, welche 
die durchsickernden Gewässer hervorrufen. Dieselben 
beladen sich mit dem kohlensauren Kalk, um ihn an 
geeigneten Stellen, z. B. in den zahlreichen, den Sand 
durchziehenden Verwerfungsspalten oder an den feinen 
Wurzelfasern, die von oben in den Sand hineinragen, 
oder endlich in nahazu horizontalen Bänken, als weisse 
„Bergmilch" wieder abzusetzen. Diesem Process ver- 
danken die zahlreichen horizontalen oder schrägen dünnen 
Scheidewände ihren Ursprung, welche oft wie Mauern 
aus dem vom Winde an der Oberfläche der Wand weg- 
gewehten Sande hervorragen, oder die langen, wie dünne 



236 Kies, Gerolle, Grand. 

senkrecht stehende Orgelpfeifen aus dem theilweis weg- 
gewehten Sande hervorragenden Kalksäulchen, welche 
sämmtlich im Innern hohl sind, indem die Wurzel, welche 
den ersten Anhalt zur Abscheidung des Kalkes gegeben 
hatte, nunmehr weggefault ist und nur noch die cylin- 
drische Incrustation übrig Hess. 

Führten die zerstörten, den Sand liefernden Gesteine 
Magneteisen resp. Titaneisen als Gemengtheil, so wurde 
dieses Mineral natürlich dem Sande beigemischt, aus 
welchem es dann bei späterer ümlagerung durch das 
nie ruhende Wasser an einzelnen Stellen vermöge seines 
grösseren specifischen Gewichtes von dem übrigen Sand 
getrennt wurde. Daher finden sich an manchen Stellen 
des Ostseestrandes ganze Anhäufungen des Magnet- 
eisen- oder Titaneisensandes. In ähnlicher Weise spülte 
früher der Goldberger und Schweriner See bedeutende 
Massen von Magneteisensand aus. 

Der Grand und die Gerolle unterscheiden sich 
vom Sande durch ihr grösseres Korn und dadurch, dass 
bei ihnen die ursprünglichen Gesteine, aus deren Zer- 
trümmerung sie und der Sand hervorgegangen, noch 
deutlicher als bei dem feinen Sande zu erkennen sind. 
Der Kies ist von den Gerollen namentlich durch seine 
ungleiche Korngrösse unterschieden. Die Kies- und 
Geröllablagerungen sind es namentlich neben den Blöcken 
aus dem Geschiebemergel, welche uns die schöne, zum 
Sammeln so anregende Mannichfaltigkeit der nordischen 
Geschiebe offenbaren. 

Kies, Gerolle und Grand sind gleichfalls durch 
einen, z. Th. ziemlich bedeutenden Kalkgehalt charak- 
terisirt, Auch sind sie zuweilen ,, unrein'', d. h. mit 
Lehm oder Mergel vermengt. Wo sie zu Tage treten, 
wird ihr Kalkgehalt vielfach von dem eindringenden 
Tagewasser aufgelöst und in die Tiefe geschafft. Hier 
gelangt derselbe oft wieder zur Abscheidung und es ist 
eine sehr gewöhnliche Erscheinung, dass wir in den 
oberen Niveaus von Kiesschichten nahezu horizontal 
verlaufende Lagen von weissen Kalkausblühungen ge- 



Sand, Grand, Kies gesclilchtet. Diluvium 237 

der Ostseeufer. 

wahren, (ü. A. Haidberge, Neuhaide, G-lasow b^i 
Teterow.) Durch die Kalkausscheidungen werden viel- 
fach die einzelnen Körner mehr oder weniger fest zu 
einem kalkigen Sandstein resp. Conglomerat verbunden. 
Ebenso wie der Kalisgehalt, wird auch der Eisen- 
gehalt der Sande und Kies oft vom Wasser ausgelaugt 
und an anderen Stellen wieder abgesetzt. Dadurch ent- 
stehen die festen Bänke von eisenschüssigem Sandstein 
oder Conglomerat, die man ebenfalls sehr häufig in 
Sand- und Kiesgruben findet. 

Sand, Grand und Kies zeigen durch ihre Lagerungs- 
verhältnisse aufs deutlichste ihren Absatz aus Wasser. 
Dieselben Verhältnisse, die wir täglich noch an der 
Küste entstehen sehen: die Zwischenlagerung einzelner 
Schmitzen von grösseren Gerollen zwischen Schichten 
feinen Sandes oder schärferen Grandes, die Bildung der 
sogenannten Steinpflaster als Hochstrand, die durch den 
Wellenschlag bedingte sogenannte falsche Schichtung 
oder discordante Parallelstructur; alles das zeigt uns 
die frisch abgegrabene Wand einer Sand- oder Kies- 
grube in der schönsten Form und mannichfaltigsten 
Abwechselung. 

Im Folgenden seien einige für die Gliederung und 
Art und Weise des Auftretens des Diluviums charak- 
teristische Aufschlüsse mitgetheilt. 

Einen guten Aufschluss gewähren die steilen Ab- 
bruchsufer der Ostsee, deren bis zu 20 M. hohe steile, 
z. Th. senkrechte Wände an den exponirten Stellen 
bei grösserem Wellenschlag immer wieder unterwaschen 
werden und neue Abbruche liefern. An den etwas mehr 
zurücktretenden Ufern war allerdings seit den durch 
die Sturmfluth des Jahres 1872 verursachten Abstürzen 
kein neuer erfolgt und die Aufschlüsse daher durch die 
vorgelagerten Abrutsch- und Abschlemmmassen verdeckt. 

An allen den besuchten Stellen, den Steilufern des 
Fischlandes, zwischen Warnemünde, Heiligen Damm und 
Fulgen, bei Alt-Gaarz und am Klützer Ort, fanden sich 
dieselben Verhältnisse: Auf einem blaugrauen Geschiebe- 



238 Lagerung des Geschiebemergels in parallelen, 

wellenförmigen Eilic'biiugen. Fischland. 

merg:el lagert gelber Lehmmergel, der nach oben in 
sandigen Lehm übergeht und z Th. von Dünensand 
überweht ist. 

Die Schichten befinden sich jedoch nicht in hori- 
zontaler Lagerung, sondern, wie auch die Höhen -Con- 
turen der Ufer auf der ganzen Längserstreckung des 
Ufers nicht in einer horizontalen Geraden laufen, sondern 
weite flache Bogen beschreiben, in derselben Weise — 
und eben diese Bogen bedingend — ist auch der blaue 
Mergel in auf- und absteigenden Bogen gelagert, welche 
an vielen Stellen gänzlich unter das Niveau der Ostsee 
gehen. An diesen Stellen verflacht sich das Steilufer und 
verschwindet allmählich gänzlich, wir stehen nicht mehr 
vor einem Steilufer, sondern in der tortigen oder sandigen 
Niederung, die von der See durch einen Dünenwall abge- 
schieden ist. Daher die stete Abwechselung zwischen 
steilen, wie Felswände erscheinenden, Ufern und Dünen. 

Bringen wir diese von der Natur gelieferten Profile 
an der Küste mit den Aufschlüssen des dahinterliegenden 
Landes in Verbindung, so gewinnt das Bild, welches 
wir uns über die Tektonik dieser Glacialablagerungen 
machen können, ungemein an Klarheit. Wir sehen, dass 
die an den Ufern in ihrem Querschnitt blossgelegten 
Schichtenbiegungen einer Reihe von parallelen, sämmt- 
lich in ungefähr nordwest- südöstlicher Richtung 
streichenden, wellenförmigen Erhebungen ent- 
sprechen. 

Einen sehr deutlichen Beweis für diese Auffassung 
geben die Aufschlüsse an dem Fischland und dem 
gegenüberliegen Saaler Ufer: 

Das steile, durch die letzte Sturmfluth sehr stark 
entblöste Abbruchsufer zeigt uns die Ueberlagerung 
des blauen Geschiebemergels durch gelben Lehmraergel, 
auf welchen in wechselnder Mächtigkeit Dünensand 
aufgeweht ist. (Der blaue Geschiebemergel ist stellen- 
weise sehr reich an Kreidebruchstücken, unter ihm 
anstehende Kreide habe ich nicht gefunden.) Auf der 
Grenze zwischen blauem und gelbem Mergel treten 



Fischland. 239 

mehrere Quellen hervor. Hier findet vielfach ein wochscl- 
lagerndes Ineinandergreifen von dünnen Schichten des 
gelben und blauen Mergels statt. Das ca. 20 M. hohe 
Ufer wird nach Süden, nach Wustrow hin, und ebenso 
nach Norden rasch flacher, der Lehm verschwindet und 
das flache Ufer wird nur noch durch die Düne geschützt. 

Das Fischland ist demnach ein fester Kern von 
diluvialen Schichten, an welchen sich nach NO. und 
SW. eine Nehrung von Dünen und alluviale Moorbil- 
dungen angelagert haben. 

Diesem festen Kern entspricht in südöstlicher 
Richtung die Diluvialablagerung an dem nördlich von 
Saal gelegenen Steil-Üfer, welches sich aus den sonst 
ganz flachen Wiesenufern des Ribnitzer Binnensees und 
Saaler Boddens scharf markirt abhebt. Die von hier 
weit in das Haff des Saaler Boddens hinausgreifenden 
Anhäufungen von grossen erratischen Blöcken, welche 
das Wasser aus dem Geschiebemergel ausgewaschen 
hat, beweisen uns den directen Zusammenhang der 
Glacialablagerungen von Saal und vom Fisch- 
land. Die SO. -NW. streichende Geschiebeanhäufung 
zwischen beiden Orten wird nun allerdings nach der 
Angabe von 0. J. F. Peters*) durch eine 16—18 Fuss 
tiefe und über 100 Ruthen breite Rinne getrennt, so 
dass man das Fischland nicht einfach als eine später 
durch das Haff abgetrennte Halbinsel Vorpommerns 
ansehen darf. Für unsere Anschauung über die Zu- 
sammengehörigkeit beider Orte zu einem einzigen, NW.- 
SO. streichenden Diluvialrücken macht diese Thatsache 
indess keine Schwierigkeit, indem wir uns diesen Rücken 
nicht mit einfach horizontal gerade verlaufendem Kamme 
denken müssen, sondern ihn in seiner Haupterstreckung 
selbst wieder mehrfach eingebuchtet, in derselben Weise 
wie wir solche Depressionen bei allen Diluvialrücken 
längs ihres Hauptstreichens finden. In der Tiefe der 



*) Das Land Swante-Wiistrow oder das Fischland. Wustrow 
1862. S. 5. 



240 Höhenzüge bei Doberan. 

erwähnten Rinne würden wir sicher auf den G-eschiebe- 
mergel treffen. 

Ein weiteres Beispiel für die oben betonte gesetz- 
mässige Erscheinung bieten die Hügelzüge, die sich in 
zwei parallelen Ketten aus der Gegend von Doberan 
nach SO. erstrecken, deren eine, der Diedrichshagener 
Höhenzug mit seinem steilen östlichen Abfall, durch die 
in ihm anstehenden Lager der Kreideformation von hohem 
Interesse ist, und deren andere sich von Park entin 
bis Schwaan erstreckt. Zwischen beiden Hügelzügen 
läuft ein altes Längenthal von Schwaan nach Doberan, 
dessen Bedeutung als ehemaliger Arm der Warnow 
Kocll in seiner geognostischen Skizze der Umgegend 
von Doberan *) bereits sehr richtig gewürdigt hat. 

Die bis IH m. hohen Steilufer von Warnemünde 
bis zu den Fulgen, westlich von Heiligen Damm, zeigen 
blauen Geschiebemergel, gelben meist recht sandigen 
Lehmmergel und darüber stellenweise bis 2 m. mächtige 
Dünenbildung. Die Mächtigkeit des blauen Mergels 
bedingt die Conturen der Ufer, indem bei niedrigen 
Hügeln der blaue Mergel an Mächtigkeit abnimmt, 
während die des gelben sich ziemlich gleich bleibt. Beide 
Mergel sind stets sehr reich an nordischen Geschieben, 
der gelbe führt namentlich die ganz grossen, der blaue 
ist stellenweise vollständig mit Kreidebrocken durch- 
spickt. An sich ungeschichtet (eine Ausnahme davon 
wurde bereits oben, S. 22 erwähnt) ist der Mergel im 
trockenen Zustande oft in 2—3 Cm. dicke, nahezu hori- 
zentale Bänke zerklüftet. Von auffallend grossartigen 
Schichtenstörungen habe ich keinen Aufschluss bemerkt; 
ebenso gelang es mir nicht, den von Koch a. a. 0. S. 409 
erwähnten braunen Thon und? tertiären grauen thonigen 
Formsand unter dem blauen Geschicbemergel aufzufinden. 
Ueber die Zusammensetzung dieser Hügelzüge geben 
uns die im Innern des Landes zu findenden Profile 
Aufschluss. 



*) Arch. Nat. Meckl. XIV. 1860. S. 405 f. 



Höhenzüge bei Doberan. 241 

Die Hügel zwischen Doberan und Hohenfelde 
bestehen meist aus dem mehr oder weniger sandigen 
Blockmergel, der schon oberflächlich ausser durch den 
Pflanzenwuchs sich durch zwei Eigenthümlichkeiten kenn- 
zeichnet, nämlich die zahlreichen auf den Feldern ver- 
streuten erratischen Blöcke und die später unten zu 
besprechenden, in grosser Menge vorhandenen „Solle'', 
die z. Th. noch wasserführend, z. Th. mit Torf erfüllt 
sind. Ebenso zeigen die Felder am nördlichen Abfall 
des Diedrichshagener Höhenzuges, südlich und östlich 
von Brunshaupten, sowie die am südlichen Abfall, 
südöstlich von Wichmannsdorf, geschiebeführenden 
sandigen Lehmmergel; auch auf der Höhe bei 120 m. 
steht Blocklehm, z. Th. mit horizontalen Kalkaus- 
schwitzungen, an der Strasse an. 

Während die Ziegelei zwischen Hohenfelde und 
Althof blauen Mergel und gelben Lehm abbaut, die, 
frei von Geschieben, durch ihre Lage in der Niederung 
sich als alluviale Mergel (Auelehm) charakterisiren, 
wird bei Althof, Stülow etc. nach Koch ein fetter 
steinfreier Thon gegraben, der unter Mergel und Lehm 
liegt. Dasselbe Verhältniss zeigt eine kleine Lehmkuhle 
südlich von Doberan, dicht bei der Stadt, an dem 
Abhänge nach der Niederung des Althof baches: Hier 
überlagert ein nach oben hin sandiger gelber Blockmergel 
einen fetten schwarzbraunen Thon. 

Auch die sedimentären Bildungen des Diluviums 
fehlen diesem Höhenzug nicht. 

So findet man an dem nördlichen Ende des Dorfes 
Althof südlich von Doberan in einer Kiesgrube mächtige, 
nach 0. einfallende Kiesschichten, an welche im Osten 
feine Sandschichten angelagert sind. Der ziemlich leh- 
mige Kies ist hier durch seinen grossen Reichthum an 
Gerollen des grünlichgrauen Pläners bemerkenswerth, 
der in der Brunshauptener Gegend anstehend gefunden 
wurde. Diese Plänergerölle finden sich hauptsächlich 
in 2 Schichten in grosser Menge und sind neben einigen 
anderen nordischen Gesteinen fast sämmtlich zerdrückt; 

Archiv XXXUI. 16 



242 Höhenzüge bei Doberan. 

dabei liegen die einzelnen Bruchstücke noch dicht bei 
einander und sind z. Th. auch wieder verkittet. 

Das Vorkommen von zerdrückten Gerollen 
in dem Diluvialkies ist deswegen besonders bemerkens- 
werth, als ich an keiner anderen Stelle eine so grosse 
Menge derselben beobachten konnte. Ihre Zerberstung 
steht jedenfalls mit den gewaltigen Schichtenstörungen 
in Zusammenhang, denen die Sedimentablagerungen des 
norddeutschen Tieflandes während der Glacialzeit theil- 
weise unterlegen sind. 

Bei der Ziegelei von Althof zeigt ein kleiner 
Hügel vielfach Schichten von Saud und Grand mit aus- 
gezeichneter discordanter Parallelstructur und zwischen 
jeder Schicht ein kleines Steinpflaster. Darüber lagert 
ein gelber Blockmergel mit sandigem Mutterboden. 

Die Ufer des Fulgenbachthales bei Kl. Bollhagen 
bestehen aus Sand mit Lehmschmitzen. An derselben 
Niederung liegt dicht nördlich vor Doberan ebenfalls 
ein Kiesrücken, während südlich und östlich von der 
Stadt Lehmmergelrücken ihre Ufer bilden. Der Auf- 
schluss am Buchenberg, ö. Doberan, war leider bei 
meinem Besuche nicht klar genug. Nach Kocll bestehen 
hier die obersten Schichten aus gelbem Geschiebemergel 
mit eingelagerten Gerölleschmitzen; darunter folgt ein 
geschiebefreier gelbbrauner Thon, und unter diesem ein 
ca. 1' mächtiges, ausgedehntes Lager von festgepackten, 
durch eisenhaltigen scharfen Grand gleichsam verkitteten, 
grösseren und kleineren Geröllblöcken des untersilu- 
rischen grauen und rothen Vaginatenkalkes, mit deut- 
lichen Schrammen. 

Gute Aufschlüsse über die Zusammensetzung der 
zu jenem Höhenzug gehörigen Hügel liefern die Thon- 
gruben, die in einem Rücken angelegt sind, der in 
ONO. -WSW. -Richtung das rechte Ufer der Warnow- 
niederung bei Schwaan abgrenzt. 



*) a. a. 0. S. 410. 



Thongruben bei Schwaan. 243 

Hier und in der ganzen Erstreckung bis nach 
Rostock sind jedoch die Diluvialgebilde theilweise in 
anderer Art zur Ablagerung gekommen, als an den 
Ostseeufern. Während dort nämlich auf dem unteren 
blauen Geschiebemergel direct der gelbe Geschiebemergel 
folgt, ohne eine sedimentäre Zwischenbildung, sehen wir 
hier unter dem gelben Gescbiebemergel eine mächtige 
Schichtenfolge von Kies und plastischen Thonen, auf 
welche der blaue Geschiebemergel folgt. Ausserdem 
sind hierbei ganz ausserordentliche Schichtenstörungen 
der sämmtlichen Ablagerungen zu beobachten. 

Einige Schritte nördlich vom Schwaaner Bahnhof 
liegt dicht an der Warnow eine der Stadt Rostock 
gehörige Thongrube, in der ein blauer, geschiebefreier 
Thon von lehmigem Kies und Sand überlagert wird. 
Daneben, auf der anderen Seite der Bahn, liegt in 
höherem Niveau eine Mergelgrube, in der ein etwas 
fetter bläulicher Blockmergel sehr deutlich von einem 
sehr sandigen geschiebeführenden Lehmmergel überlagert 
wird. Zwischen beide schiebt sich im nördlichen Theile 
der Wand gelber scharfer Spathsand mit einzelnen leh- 
migen Zwischenschichten ein. Dieser Spathsand hängt 
mit einem Kieslager zusammen, welches aus einer jetzt 
verlassenen Grube dicht nördlich neben der besprochenen 
Mergelgrube früher entnommen worden ist. 

Direct östlich von der neuen städtischen Ziegelei 
zeigt ein Hügelrücken vor Wiendorf sandigen Block- 
lehm auf der Höhe. 

Von dieser Localität durch ein kleines Thal getrennt 
liegen die Sand- und Thongruben der neuen städtischen 
Ziegelei. Wir betreten im westlichen Eingange zuerst 
den Anschnitt eines mächtigen Sandhügels, dessen 
Schichten eine flache sattelförmige Biegung zeigen. Die 
einzelnen Schichten des gelblichen Spathsandes zeigen 
eine ausgezeichnet schöne discordante Parallelstructur 
und zahlreiche kleine Verwerfungen. Einige Schichten 
sind durch einen Lehmgehalt etwas fester als die übrigen 
leicht vom Winde weggewehten Massen, Nach unten 

16* 



244 Thongruben bei Schwaan. 

sind ihnen drei wenig mächtige Thonschichten einge- 
lagert, während das Liegende eine Schicht blauen stein- 
freien Thones bildet, die eine wellige Oberfläche besitzt 
und wie der Sand eine flache Wölbung zeigt. In ihr 
ist im Niveau des Weges auch eine kleine Sandein- 
lagerung zu erkennen. 

Im nordöstlichen Theil der Grube tritt der blaue, 
zähe, steinfreie Thon in grösserer Mächtigkeit auf. Er 
wird von einem ca. 3 m. mächtigen gelben lehmigen 
Sand, Schluffsand oder Sandmergel, überlagert, der eben- 
falls keine Geschiebe führt und einen solchen Zusammen- 
hang seiner leicht zerreiblichen Theilchen besitzt, dass 
er in senkrechten, selbst überhängenden Wänden bricht. 
Auf ihm lagert der feine Spathsand, der nach dem 
Sandhügel zu auch schmitzenförmig in ihn hineingreift, 
stets aber völlig scharf von ihm abgegrenzt ist. In 
diesem Sand liegen auch einzelne Geröllestreifen. Der 
Aufschluss zeigt uns ferner, dass vor Ablagerung des 
Spathsandes der blaue Thon und der Schluff einer gross- 
artigen Schichtenstörung unterlegen sind. Wir sehen 
beide an dem NO. -Eingange in die Grube eine in sich 
zurückkehrende hakenförmige Schichtenbiegung bilden 
und den Thon ausserdem noch kopfförmig in den Sand- 
mergel hineingepresst. Deutlich erkennt man hier die Wir- 
kung eines von NO. oder 0. wirkenden seitlichen Druckes. 

Noch grossartiger sind die Schichtenstörungen in 
der bei der neuen städtischen Ziegelei selbst befindlichen 
Thongrube: Hier sind die Schichten des blauen Thones, 
Schiuffsandes und geschiebereichen, Kalkconcretionen 
führenden gelben Mergels in einer Weise mit einander 
verquickt und verschlungen, dass es unmöglich war, eine 
klare Abbildung von diesen Verhältnissen zu geben. Der 
neue Betrieb im kommenden Winter wird hoffentlich 
gute Aufschlüsse geben, die es ermöglichen, eine Skizze 
davon zu entwerfen. 

Weit einfacher sind die Verhältnisse in den beiden 
Ziegeleien von dem NO. von Schwaan gelegenen 
Wiendorf. 



Thongruben bei Schwaan. 245 

Die Thongrube des Herrn Jörn zeigt discordant 
unter einer schwachen Sand- und Kiesdecke gelben 
geschichteten Mergel und darunter blauen Thon. Der 
gelbe Mergel besitzt sehr zahlreiche 2 cm. dicke Zwischen- 
lagen von Mergelconcretionen und etwas rothem Letten. 
Seine Schichten zeigen ein starkes (25^) Einfallen nach 
NO. Auch der blaue Thon zeigt eine dünne Schichtung und 
fällt allseitig ab, indem er hier nur eine Kuppe zu bilden 
scheint, daher zeigt die westlicheWand der Grube nur noch 
den gelben Lehmmergel. Auch hier niuss die im Winter 
neu beginnende Grabarbeit bessere Aufschlüsse liefern. 

Auch auf dem linksseitigen Warnowufer lässt sich der 
blaue Thon und der gelbe Mergel, z. Th. unter mächtiger 
Kies- und Sandbedeckung, bis nach Rostock hin verfolgen. 

Zunächst gelangt man in den Pegnitzer Bergen 
in eine mächtige Kiesaufschüttung. Hier hat eine 
Seitenentnahme der Eisenbahn zwei grosse Kiesgruben 
geöffnet, in denen man die Lagerungsverhältnisse des 
diluvialen Kieses und Sandes auf das vorzüglichste 
Studiren kann. Die Schichten fallen schwach nach dem 
Warnowthale, also östlich ein. Zu unterst treffen wir 
eine geröllfreie Schicht von lehmigem Sande, die weiter- 
hin in vielfacher Wechsellagerung und Auskeilung mit 
Schichten von feinem Grand und grobem Gerolle in 
Verbindung steht. Die einzelnen Sand- und Grand- 
schichten zeigen vorzüglich die discordante Parallel- 
structur, als Zeichen ihrer Bildung am Strande oder 
auf sehr flachem Meeresgrunde. Kalk- und eisenhaltige 
Conglomerate und Sandsteine sind ebenfalls vertreten. 
Das Material des Kieses ist hauptsächlich Feuerstein, 
Granit, Gneiss, Porphyr, Diorit, Hornblendeschiefer, 
Kreide, Silurkalk, Quarzit, rother schiefriger Sandstein etc. 
Ueberlagert werden diese Schichten von lehmigem, gerölle- 
reichem Sand, dem sogen. Decksand des oberen Diluviums 
in geringer Mächtigkeit. 

Unter dem Kies ist in dem hier (beim Kilometer- 
stein 18,3) gelegenen Einschnitt der blaue Thon ange- 
troffen worden. 



246 Diluvium bei Rostock. 

Auf den Hügeln dieser Gegend liegen vereinzelte 
Mergelgruben, deren geologische Verhältnisse indess 
noch nicht klar gelegt sind. Der blaue Thon wurde in 
dem auf der Höhe gelegenen Dorfe Pegnitz nach 
Angabe des Herrn Ehlers -Pegnitz in 10' Tiefe bis zu 
30' Mächtigkeit gefunden. 

Bei Wahrstorf treffen wir in der bereits oben 
(S. 25) [233] beschriebenen Thongrube wieder auf den 
blauen und gelben Thon, auf welchem ein geschiebe- 
führender Lehmmergel in geringer Mächtigkeit lagert. 
Der feine wohlgeschichtete gelbe, kalkhaltige Sand, der 
s. ö. von der Thongrube einen flachen Hügel bildet, 
lagert über dem Thon. 

Den gelben Geschiebemergel treffen wir nochmals in 
dem Buchen walde der Pölchower Hügel, wo unter ihm an 
der Eisenbahn nach gefälliger Mittheilung des Herrn Bau- 
meister Langfeldt gelber Sand aufgeschlossen worden ist. 

Endlich tritt uns der gelbe Mergel mit Schluffsand 
und blauem Thon in grossartiger Schichtenstörung in 
E-ostock entgegen, wo an den Hügeln der Schiessbahn 
am Bahnhof diese Gebilde, in wirrer Unordnung durch 
einander geschoben, aufgeschlossen worden sind. 

Das alte linksseitige Warnowufer in den steilen 
Hügeln, an welche die linke Häuserreihe des unteren 
Patriotischen Weges in Rostock angebaut ist, besteht 
aus gelbem Blockmergel, unter dem ein feiner scharfer, 
wasserführender Sand folgt, der bis auf 12' in Brunnen 
erbohrt ist. Bei den letzten Häusern der Strasse mündet 
hier eine von SW. kommende Niederung mit Sandhügeln, 
deren dünenartige Erhöhungen auf lehmigem Untergrunde 
(welcher einige noch im Wege liegende mächtige erra- 
tische Blöcke geliefert hat) wir sowohl an dem Wege 
nach den Barnstorfer Anlagen, als auch auf den 
Feldern nach Bramow hin verfolgen können. Hier 
finden wir noch einen flachen Hügel von Geschiebelehm, 
während dicht oberhalb Bramow an dem Ufer der Warnow 
mächtige Schichten eines feinen gelben kalkhaltigen 
Sandes mit einzelnen kleinen Gerollen anstehen. 



Westliche Ostseeküste. Schichtenstörungen des 247 

Diluviums. 

Am gegenüberliegenden Ufer sehen wir in den 
Gruben der Gehlsdorfer Ziegelei ein mächtiges Lager 
von blockreichem 3 — 4 m. mächtigem gelbem Geschiebe- 
mergel aufgeschlossen, der einen blauen ebenfalls an 
erratischen, geschraumiten Geschieben sehr reichen, 3 m. 
mächtigen Mergel überlagert. Die Felder in Gehlsdorf 
zeigen meist den verschieden mächtigen Decksand, oder 
auch sandig verwitterten Geschiebelehm. 

Während also hier in Gehlsdorf die sedimentären 
Zwischenschichten zwischen den beiden Geschiebemergeln 
fehlen, trifft man im Dierkower Hohlweg (nördliches 
Ufer der alten Warnowniederung) unter dem gelben 
Geschiebemergel feinen Sand, wie am gegenüberlie- 
genden Ufer. 

Aehnliche Verhältnisse wie an der NO -Küste finden 
sich NO. und SW. von Alt-Gaarz, am Grossen Wieck 
(steile Lehmufer mit zahlreichen Blöcken am Strande), 
sind an dem Steilufer der Insel Fol zu erwarten, ebenso 
auf dem Wallfisch und am Ostufer der Wismarschen 
Bucht (westlich vor Wismar Thongruben), an den beiden 
Ufern der Wohlenb erger Wieck und auf dem Klützer 
Ort, und lassen sich ebenso an den Ufern der Trave 
verfolgen. 

Am Klützer Ort ist der obere gelbe Geschiebe- 
mergel z. Th. sehr sandig und geht namentlich nach 
oben in fast reinen, geschiebereichen Sand über. Auch 
hier zeigen sich im Binnenlande die ausserordentlich zahl- 
reichen Solle auf dem (meist mergeligen) Plateau, ferner 
ist die grosse Menge von erratischen Blöcken Inder 
Gegend von Kalkhorst, Elmenhorst u. s. w. bekannt. 

Von den gewaltigen Schichtenstörungen, denen 
die diluvialen Ablagerungen zum Theil unterlegen sind, 
geben einige Funkte in Mecklenburg sehr schöne 
Aufschlüsse. 

Die Verquickung von Diluvialschichten mit der 
Kreide in den Diedrichshagener Bergen ist so be- 
deutend, dass die Bohrungen vielfach unter der Kreide 
wieder diluviale Schichten antrafen und daher die Meinung 



248 Diedrichshagener Berge. Wendisch-Weh nin gen. 

zu bestärken schienen, als sei das ganze Kreidelager 
überhaupt nicht anstehend, sondern nur eine mächtige 
Scholle, die in das Diluvium verschleppt sei. Seit den 
Bohr- und Schürfarbeiten, die Koch und Karsten im 
Jahr 1854 hier unternahmen, sind weitere Aufschlüsse 
nicht erfolgt und wir müssen uns daher mit den von 
beiden Autoren gegebenen*) Berichten begnügen. Beach- 
tenswerth ist bei dem Auftreten der NW.-SO. streichenden 
Erhebung der steile Abfall auf der nordöstlichen Seite. 

Das Thonlager von Dobbertin-Goldberg zeigt 
ebenfalls gewaltige Schichtenstörungen. Wegen der in 
ihm vorkommenden Juragerölle soll es indess erst weiter 
unten des Näheren besprochen werden. 

Ein sehr instructives Beispiel für die hier zu 
besprechenden Verhältnisse bietet uns der Berg von 
Wendisch-Wehningen, westlich von Dömitz an der 
Elbe gelegen. Diese durch ihre isolirte Stellung und 
ihren eigenthümlichen Schichtenbau, der sich durch eine 
schwarze, weithin sichtbare, vielfach gewundene Zwischen- 
lage deutlich markirt, jedem Beschauer auffällige Er- 
hebung tritt inselartig dem von SO. kommenden Eib- 
strome entgegen und veranlasst hier eine bedeutende 
Biegung des Flusslaufes. Die Elbe hat hier vor dem 
SO.-Ahange eine flache sandige, moorige und thonige 
Niederung angeschwemmt, welche im Norden bogenförmig 
von den Dünen der Haide umsäumt wird. Um dieses 
alluviale Vorland herumbiegend, tritt der Strom an den 
Wehninger Berg heran, bei Hochwasser ihn immer 
wieder benagend und so ein steiles, ca. 80' Fuss hohes 
Abbruchsufer bildend. 

Die hier zu Tage tretenden Schichten von Thon, 
Sand und einer schwarzen erdigen Masse gaben zu 



*) F. E. Koch : Die anstehenden turonischen Lager bei Brims- 
haupten. Arch. Nat. Meckl. VIII. 1854. S. 62; H. Karsten: Die 
Plänerformation in Mecklenburg. Z. d. d. geol. Ges. VI. 1854. 
S. 527. T. 19. 



Wendisch-Wehningen. 249 

Bohrungen *) und zur Anlage einer Ziegelei Veranlassung, 
wodurch wir einen schönen Einblick in den mäandrisch 
gewundenen Schichtenbau des Berges erhalten haben. 

In der auf der Höhe des Berges angelegten Thon- 
grube wird ein zäher, kalk- und geröllfreier blauer Thon 
gewonnen, der sich zu feiner Ziegelei vorzüglich eignet. 
Er zeigt an den trockenen Wänden Schichtenabsonderung 
mit zahlreichen welligen Biegungen. 

In ihm ist eine 0,6 m. mächtige Schicht einer 
schwarzen, im trockenen Zustande schwärzlich grauen, 
sehr leichten, aber ziemlich widerstandsfähigen Masse 
eingelagert, welche mannichfache schleifenartige Win- 
dungen macht. In derselben verläuft eine dünne Thon- 
zwischenschicht. Sehr schön waren die Schichtenwin- 
dungen bei einem Besuche im August d. J. angeschnitten. 
An der nordwestlichen Hinterwand der Grube sah man 
eine schleifenförmig gewundene Schicht, die sich nach 
NO. in den Berg verliert, nach SW. dagegen aufsteigt 
und in dem höheren Niveau des Fahrweges dessen festen 
Untergrund bildet, um von da weiter nach dem Eibufer 
zu verlaufen. An der nordöstlichen Wand stieg aus der 
Sohle der Grube in mehrfachen Biegungen eine weitere 
schwarze Schicht nach dem südöstlichen Ende und dicht 
dabei ist die Biegung der Schicht in einem von dem 
umgebenden Thon abgeräumten backofenförmig stehen- 
gebliebenen Kern der schwarzen Masse sehr schön zu 
gewahren. Da sich der Thon von dieser schwarzen 
Masse sehr scharf abgrenzt, so wird er beim Abbau bis 
dicht an letztere gewonnen und es bleiben die vorläufig 
nicht verwerthbaren schwarzen Schichten in ihren schönen 
Biegungen modellartig stehen. Auf Taf. 3 ist es versucht, 
durch eine kleine Skizze den Aufschluss zur Anschauung 
zu bringen. An dem südöstlichen Eingange in die Grube 



*) Mitgetheilt von Koch : Die Tertiärschichten des Berges zu 
W.-Wehningen. Arch. f. meckl. Landeskunde 1854. S. 15 und von 
J. Roth : Die Bohrungen bei W.-Wehningen. Zeitschr. d. d. geol. 
Ges. VI. 1854. S. 522. 



250 Wendisch-Wehniiigen. Diluviale, humusreiche 

Infusorienerde. 

sieht man, wie die beschriebenen Schichten plötzlich ganz 
scharf abschneiden und an die hier s. ö. aufgerichteten 
Massen sich feine Schichten von gelbem Sand mit sehr 
wenigen Kieseinlagerungen mit südöstlichem Abfall 
anlagern. Bedeckt wird das Thonlager ebenfalls von 
Sand und Kies in wechselnder (1—2 m.) Mächtigkeit, 
mit mehreren grösseren erratischen Blöcken. Hier sehen 
wir auch in dem Abraum zwei linsenförmige Schmitzen 
der schwarzen Masse mit Thoneinlagerungen. Der steile 
nach der Elbe zugewandte südöstliche Abhang verdankt 
das scharfe Abschneiden der besprochenen diluvialen 
Schichten und die Anwehung von (alluvialem) Flugsand 
offenbar der Thäiigkeit des hier anprallenden Eibstromes. 
Ob die hier jetzt verstreut auf der Oberfläche liegenden, 
eckig zu vielflächigen scharfkantigen Gestalten abge- 
schliffenen Geschiebe ihre Gestalt der Einwirkung des 
Fluss-Wassers resp. -Eises verdanken, oder ob sie kantige 
Glacialgeschiebe aus dem den Hügel bedeckenden Kies 
sind, mag vorläufig dahingestellt bleiben. 

Die schwarze erdige Masse besitzt zwar eine gewisse 
Aehnlichkeit mit erdiger Braunkohle, ist jedoch wie 
bereits Eoth*j nachgewiesen, nicht als solche, sondern viel- 
mehr als humusreiche Infusorienerde zu bezeichnen. 
Sie ist ebenso wie der Thon ausserordentlich reich an 
Diatomeen, deren Bestimmung Ehrenbsrg unternommen 
hatte. **) Nach Ehrenberg sind danach „die Thone bei 
Dömitz wahrscheinlich brakische Süsswasserbildungen^^ 

Die schwarze fäi'bende Substanz, die sich aus der 
Infusorienerde sehr leicht in Flocken abschlämmen lässt, 
besteht nicht aus feintreriebener Braunkohle, sondern 
muss als „humusartige'' Masse angesprochen werden, 
wie auch Herr Professor Heinrich in Rostock, dem ich 
eine Probe der Infusorienerde zur Bestimmung übergab, 
bestätigte. Nach seiner freundlichen Mittheilung betrug 
diese humusartige Substanz nur 11,4 pCt. bei 8,1 pCt. 



*) a. a 0. 
**) Aufgeführt in: Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1854. 525. 



Diluviale, humusreiche Infusorienerde. 251 

Feuchtigkeit, während Eoth 38,8 pCt. Glühverlust ge- 
funden hatte. Eine mir freundlichst von dem Besitzer 
der Thongrube, Herrn Ueltzen in Wendisch-Wehningen, 
mitgetheilte Analyse der schwarzen Infusorienerde hatte 
folgendes Resultat ergeben: 

Org. Substanz u. Wasser . 28,23, 
Si O2 als Quarzkörner . . 12,28, 
Si O2 als Infusorienerde und 

chemisch gebunden . . 47,83, 

Thonerde 8,92, 

Eisenoxyd 2,50, 

Kalk Spuren, 

Magnesia 0,15, 

99,91 

Nach Herrn Heinrich sind Kalk, Schwefelsäure und 
Phosphorsäure nur in ganz geringen Mengen vorhanden. 

Die Masse brennt sich hell gelbbraun. Auch der 
Thon, der beim Abschlemmen zahlreiche Quarzkörnchen 
zeigt, enthält sehr viele der oben erwähnten Diatomeen- 
panzer. Beide Bildungen sind demnach sowohl nach 
ihrem Zusammenvorkommen als auch nach ihrem Gehalt 
an Diatomeen als zusammengehörige Ablagerungen, ent- 
standen in einer sumpfigen Brakwasserniederung, 
aufzufassen. 

Während gegenwärtig die schwarze Infusorienerde 
ausser etwa zu Putzpulver noch keine Verwerthung ge- 
funden hat, scheinen doch, zumal sie in grösseren Mengen 
hier vorkommt, für ihre Verwerthung, z. B. für Herstellung 
von Bausteinen, für den Ziegelbetrieb und für mancherlei 
andere technische Zwecke, recht günstige Aussichten 
zu bestehen.*) 

Geht man von der Thongrube längs des südöst- 
lichen Abhanges nach der Elbe hin, so trifft man an 
diesem Abhänge kiesigen und sandigen Geschiebelehm 



*) Es seien hier die diesbezügliohen Notizen von Berendt, 
Umg. V. Berlin. S. 132, erwähnt. 



252 Wendisch-Weliningen. 

Über kalkigem Thon, mehrfache Wechsella^erung dünner 
Schichten von Blocklehm, Kies, schwarz und grün ge- 
färbtem Sand und Grand mit lehmigen Zwischenschichten. 
An dem steilen südwestlichen Abbruchsufer kommt die 
schwarze Schicht der Infusorienerde mit einer von 
0,2 bis 1 Meter wechselnden Mächtigkeit wieder zum 
Vorschein und lässt sich hier auf ca. 400 Schritt der 
ganzen Länge des Bergabhanges nach bis an das Dorf 
Wendisch -Wehningen verfolgen. Allerdings ist der 
Abhang meistens so verwachsen oder verschüttet, dass 
es nicht möglich war, ein Bild zu skizziren, welches mit 
hinreichender Deutlichkeit die Verhältnisse zur An- 
schauung gebracht hätte, und es muss daher eine kurze 
Schilderung genügen. 

Am deutlichsten ist namentlich die Stelle, wo wir 
die Infusorienerde zuert antreffen: In einer Höhe von 
ca. 3 m. sehen wir die 1 m. mächtige schwarze Schicht 
(d) in einem grossen flachen Bogen, dessen nordwest- 
liches Ende plötzlich mit einzelnen weiteren Biegungen 
nach NW. in das Niveau der Elbe einschiesst. (S. Fig. III.) 
Oben und unten schmiegen sich dünngeschichtete Thon- 
lagen (c) an sie an, aufweiche nach oben eine mächtige 
Ablagerung von gelbem Blockmergel (e) mit Lagen von 
blauem Thon und Sand folgt, während der unteren 
Thonlage eine schmale Partie von Blockmergel (b) folgt, 
welche in die darunter liegende Masse von Sand (a) 
(mit humusreichen Zwischenlagen) in einer Schleife ein- 
zudringen scheint. Die weniger leicht zerstörbare 
schwarze Schicht ist noch einige Schritt weit am Grunde 
der Elbe zu verfolgen. 

Der überlagernde Blockmergel mit eckigen Ge- 
schieben zeigt weiterhin eine deutlich discordante üeber- 
lagerung durch horizontale Schichten von Kies, an welche 
sich weiter nach NW. gebogene Sandschichten an- 
schliessen. Den Urheber dieser Schichtenbiegungen 
erkennen wir, wenn wir weiterhin plötzlich vor einem 
Vorsprunge stehen, der bis in die Höhe des Berges 
hinauf aus einer steil nach NW. einfallenden Partie von 



Wendisch-Wehningen. 253 

gelbem, sehr steinreichem Blockmergel besteht, und nur 
ganz auf der Höhe von feinem Sand horizontal überlagert 
wird. An diese schmale Partie legt sich weiterhin ein 
feiner Sand an, dessen dünne Schichten sehr schön durch 
die verschiedene rothbraune, schwarze und weisse Fär- 
bung kenntlich sind. Der Sand schiesst steil nach NO. 
ein und wird wieder von Blocklehm überlagert. In dem 
nun folgenden Mergelsand zeigen die feinen verschieden 
gefärbten Schichten eine sehr schöne ^-förmige Biegung. 

Ungefähr 200 Schritt NW. von dem ersthin beschrie- 
benen Bogen der schwarzen Schicht tritt uns plötzlich 
an dem flachen Abhänge die schwarze Schicht in Be- 
gleitung des blauen Thones wieder entgegen und senkt 
sich in das Niveau der Elbe, überlagert von ca. 3 m. 
mächtigem blauem Thon, welcher seinerseits von einer 
schwachen Kiesschicht und rothgelbem Sand bedeckt 
ist. Bald wird der rothe Sand mächtiger, der Thon 
tritt in die Tiefe und verräth seine Nähe nur noch durch 
die hier auftretenden Quellen. Nach weiteren 25 Schritt 
erscheint indessen der Thon wieder und bald sehen wir 
in einer kleinen Schlucht die schwarze Schicht über dem 
Thon wieder auftreten, die sich nun in flachen schlangen- 
artigen Biegungen etwas über dem Niveau des Weges, 
auf Thon lagernd und von Sand und Kies bedeckt, noch 
bis auf 100 Schritt weit verfolgen lässt. 

Vorstehende Angaben, combinirt mit den Ergeb- 
nissen der angestellten Bohrungen, zeigen, dass in dem 
Berge von Wendisch-Wehningen zwischen dem Thon 
eine ca. 0,6 Meter mächtige Schicht einer schwarzen 
Infusorienerde eingelagert ist, welche mit dem Thon und 
dem darüberliegenden Geschiebemergel und Sand in 
grossartiger Weise durch einander geknetet ist, so dass 
an einigen Stellen die Schicht in mehrfacher Folge 
wiederholt durchbohrt worden ist und der Abbau auf 
eine sehr wechselnde Mächtigkeit der Schichten treffen 
kann (z. B. 100' mächtiger Thon in der Thongrube). 

Sehen wir den gelben, in der Thongrube den Thon 
regelrecht bedeckenden Geschiebemergel als den Urheber 



254 I^i^ Schichtenstörnngen beweisen die Gletschertlieorie. 
Entstehung der parallelen Höhenzüge. 

der erwähnten Schichtenstörungen an, so ergiebt sich 
das interessante Resultat, dass im Diluvium ein in Brak- 
oder Süsswasser gebildetes Thon- und Infusorienerde- 
Lager mit meist recenten Diatomeen abgesetzt worden 
ist, welches man gewiss, wenn nicht die Lagerungsver- 
hältnisse entschieden dagegen sprächen, für ein alluviales 
Gebilde zu halten geneigt wäre. 

Die oben beschriebenen Schichtenstörungen inner- 
halb von diluvialen Ablagerungen, das Einpressen von 
diluvialen Schichten in ältere Formationen, sowie die 
oben angedeuteten Eigenschaften des Geschiebemergels, 
welche letzteren als das Product einer Grundmoräne 
charakterisiren, sind offenbare Beweise dafür, dass die 
Ursachen dieser Phänomene in den diluvialen Gletschern 
zu suchen sind. iMüssen wir uns daher der Gletscher- 
theorie zur Erklärung der Bildung unseres Diluviums 
nothwendigerweise anschliessen *), so mögen an dieser 
Stelle noch einige weitere Bemerkungen folgen. 

Die auch für Mecklenburg gefundene gesetzmässig 
von NW.-SO. laufende Streichungsrichtung der diluvialen 
Hügelrücken kann man sich auf zweierlei Weise erklären. 
Berendt betont mit Recht, dass der Druck der zurück- 
weichenden Eisdecke in dem eben verlassenen Terrain 
eine dem Rande des Gletschers parallele Erhebung, ein 
Emporpressen, des noch plastischen Bodens verursachen 
inusste resp. konnte, und es scheint mir sehr wahr- 
scheinlich, dass ein Theil unserer norddeutschen Dilu- 
vialhöhenzüge auf diese Weise entstanden ist. Auch 
als Anhäufungsmassen von Endmoränen kann ein Theil 
der Höhen angesehen werden, so vielleicht ein Theil 
der bekannten mächtigen „Geröllestreifen'' oder besser 
„Geschiebestreifen''. 

Doch reichen diese Erklärungsweisen nicht für alle 
Vorkommnisse aus. Vielmehr muss man annehmen, wie dies 



*) Vergl. hierüber die neuesten Arbeiten von Berendt und 
Penck mit der darin angegebenen übrigen Literatur; Zeitschr. d. 
d. geol. Ges. 1879. 



Entstehung der parallen Höhenzüge. 255 

für Mecklenburg bereits lange, namentlich von Brückner 
Boll und Kocll betont worden ist, dass schon vor der Dilu- 
vialzeit in Norddeutschland solche NW.-SO. streichende 
Höhenzüge existirten, welche, gleichgiltig, ob in der 
heutigen flöhe oder nicht, gewissermassen das Gerippe 
für die späteren Anlagerungen darstellten, ich erinnere an 
die bekannten Züge von Gyps und Steinsalz, Kreide und 
Tertiär. Diese Züge boten dem herannahenden Gletscher 
mit seinem herbeigeführten Material Widerstand und 
wurden nun entweder gänzlich zerstört, ihr Material dem 
der Grundmoräne einverleibt, oder sie widerstanden dem 
Anprall und erlitten nur bedeutende Schichtenstörungen 
undtheilweisesVerschmelzenihrerMassenrnitdenglacialen. 

So erklärt sich einerseits die locale, oft sehr ena* 
begrenzte Verbreitung gewisser versteinerungsführender 
Geschiebe, und andererseits das Zusammen vorkommen 
von unterdiluvialen Schichten mit den darunter verbor- 
genen älteren Formationen, das geradezu als leitendes 
Princip bei der Aufsuchung der nutzbaren älteren Gebirge 
gelten kann. *) 

Das Vorkommen von Kiesablagerungen oder Sand- 
und Thonschichten, den sedimentären Aufbereitungspro- 
ducten aus dem Geschiebemergel, zwischen zwei Massen 
von Geschiebemergel und die Wiederholung von mindestens 
drei Ablagerungen des Geschiebemergels hat Penck in 
sehr richtiger Auffassung der Verhältnisse durch eine 
drei- resp viermalige Wiederholung des Gletscherphä- 
nomens erklärt. Dadurch kann man auch die Erscheinung 
verstehen, dass auch jüngere sedimentäre Diluvialbildungen 
die erwähnten Schichtenstörungen erlitten haben. 

Ob man nun dabei eine drei- bis viermalige Ver- 
gletscherung mit jedesmaligem Rückzuge des Eises in 
den Zwischenperioden annehmen will, oder eine mehrfache 
Hebung und Senkung des Bodens unter der hier schwim- 



*) Vergl. hierüber die instriictive Abhandlung von F. E. Koch : 
Die anstehenden Formationen der Gegend von Dömitz. Zeitschr. 
d. d. geol. Ges. 1856. S. 249—278. 



256 Geschiebestreifen. 

inenden und dort aufsitzenden Eisdecke einer einzigen 
Glacialzeit: muss vorläufig der Willkür oder dem Ge- 
schmack jedes Einzelnen überlassen bleiben. Sicher muss 
indess die reine Drifttheorie verlassen werden. 

Eine für die mecklenburgische Diluviallandschaft 
sehr charakteristische Erscheinung sind die das Land 
in nordwest- südöstlicher Richtung durchziehenden soge- 
nannten „Geröllstreifen" oder besser Geschiebestreifen, 
deren genauere Kenntniss man zuerst den Arbeiten Boll's 
verdankt. *) 

Es sind dies nicht etwa wallartige Steinmauern, 
sondern nach Boll durchschnittlich V2 Meile breite, nicht 
völlig geradlinig verlaufende Züge, die sich im einzelnen 
in eine Menge Hügel verschiedener Höhe auflösen, welche 
aber meist aus einem äusserst blockreichen Geschiebe- 
mergel bestehen. Durch die Thätigkeit der Atmosphä- 
rilien werden die verschieden grossen Steine von dem 
wenigen umgebenden Mergel entblösst und gelangen so an 
die Oberfläche, hier auf Hügeln wie in Thälern in so grossen 
Massen umherliegend, dass sie oft der Feldbestellung 
äusserst hinderlich werden. Die Felder sehen in diesen Ge- 
genden wie übersäet aus mit den unwirthlichen Steinen, „bei 
Miekenhagen lagen noch vor wenigen Decennien grössere 
Geröllblöcke in grösserer Menge umher, dass der Dreesch, 
aus der Ferne betrachtet, das Ansehen eines Ackers mit 
einer weidenden Schaf heerde hatte", und die abwechselungs- 
reiche Gegend in der Nähe von Rehberg, Grubenhagen, 
Luckow, Krevtsee u. a. m. erhält stellenweise durch den 
Reichthum an grossen Blöcken geradezu den Charakter 
einer Harzlandschaft. Man sucht die Steine zu beseitigen, 
indem man sie zu Mauern an den Wegen und Gehöften 
anhäuft, oder sie in Gräben und Teiche versenkt oder zu 
grossen Haufen auf den Feldern zusammenträgt. Ihre 
Grösse ist in den verschiedenen Gegenden verschieden. 



*) Geognosie d. deutsch. Ostseeländer. 1846. S. 107; Arch. 
f. meckl. Landeskunde. 1855. S. 345 ; und kartographische Dar- 
stellung in Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1851. Taf. 19. 



Bahnprofile zwischen Malchin imd Waren. 257 

Von den durch Boll nachgewiesenen Geschiebezügen 
durchschreiten namentlich zwei in grosser Ausdehnung 
das mecklenburgische Land: Der eine, im Klützer Ort 
beginnend und nach einer Unterbrechung von Sternberg 
aus sich über Fürstenberg nach Oderberg hinziehend und 
der andere von Buckow und Warnow durch die Gegend 
südlich vom Malchiner See sich gleichfalls südöstlich 
nach Brandenburg hinein erstreckend. Die nordwestliche 
Fortsetzung des dritten, nach Boll im Trebelthale begin- 
nenden, liess sich über Sülze bis in die Gegend südlich 
von Ribnitz verfolgen, bei Sülze durch die breite und 
tiefe alluviale Torfniederung unterbrochen. 

Sehr wichtig für das Studium dieser Geschiebe- 
streifen waren die Einschnitte, welche die neu erbaute 
Secundärbahn von Malchin nach Waren geliefert hat, 
die gerade über den zweitgenannten Zug hinwegläuft. 
Allerdings waren sehr tiefe Einschnitte nicht nöthig, doch 
lieferten die vorhandenen schon einen sehr guten Einblick 
in den Bau jener Gegend, zumal da man auch durch das 
Längenprofil genaue Höhenbestimmungen hatte, die auf 
den bisherigen Karten bekanntlich fehlten. 

Am südlichen Ende der mit Torf erfüllten Feene- 
niedcrung bei Malchin erhebt sich das Terrain bei 
Station 32 von 5 Meter Meereshöhe (über dem Wismar- 
schen Ostseespiegel) in allmählichem Ansteigen und die 
Bahn durchschneidet bei fortwährendem Steigen eine 
grosse Anzahl von Hügelrücken, zwischen denen sich 
mehrere Längsthäler oder abgeschlossene Niederungen 
hinziehen. Die Breite des gesammten Hügelzuges zeigt 
zwei Haupterhebuugen auf ihrer Höhe, welche durch eine 
kleine Vertiefung getrennt werden. Diese Erhebungen 
liegen mit ca. 90 m. Meereshöhe in der Panschenhagener 
Feldmark und in dem etwas höheren Neufalkenhagener 
Revier. An dem nördlichen Theil des Warener Forstes 
wird die Höhe von 98,5 m. erreicht und ist diese Localität 
zugleich das südlichste Vorkommen des Geschiebelehmes 
auf dieser Strecke. Von hier dacht sich das hügelige 

Archiv XXXin. 17 



258 Bahnprofile zwischen Malchin und Waren. 

Terrain rasch bis zu 63 Meter Höhe ab, (Moorwiesen 
des Herrensees bei Waren). 

Nördlich und südlich haben sich an den Geschiebe- 
streifen Sandmassen mit resp. N. und S. Abfall angelagert, 
und auch auf dem Kücken treffen wir vereinzelte Kies- 
ablagerungen, während die Hauptmasse des Streifens ein 
sehr geschiebereicher gelber Diluvialmergel ist. 

Bei dem Verlassen der Malchiner Alluvialniederung 
treffen wir das nach SW. ansteigende Diluvium am Hain- 
holze in dem Bahn- Einschnitt zwischen Stat. 32 und 37. 
Hier sehen wir einen blauen sandigen Thon, in welchem 
einige Bernsteinstücken gefunden wurden, sich unter den 
Sand und Torf des Peenethales hinabziehen. Der blaue 
meist sehr geschiebereiche Thonmergel, nach oben mehr 
gelb, lehmig werdend, steigt nach SW. an, immer nahezu 
im Bahnniveau, also in 6 — 8 m. Meereshöhe, bleibend; 
auf ihm treten einige Quellen hervor. Er wird über- 
lagert von Sand und Kies, welche im Allgemeinen ein 
NO. Einfallen zeigen, und mehrfachen welligen Schichten- 
biegungen mit einzelnen kleinen Verwerfungen unterlegen 
sind. Der über dem Kies lagernde, z. Th. auch mit ihm 
wechsellagernde Sand und Grand (mit hübscher falscher 
Schichtung) zeigt in seiner discordanten Bedeckung von 
einer schwachen Schicht lehmig sandigen Mutterbodens 
sehr deutlich die Einwirkung der Erosion auf diese Ab- 
lagerung. In dem Hainholze selbst finden sich einige 
mächtige Aufschlüsse von Sand- und Grandschichten. Der 
blaue Geschiebemergel wird weiter nach SW. schwächer, 
bis bei Station 36 — 38, in 9,3 m Höhe, der im Hainholze 
bei Gielow anstehende weisse cenomane Kreidekalk zum 
Vorschein kommt, welchen man nach üeberschreitung 
einer Torfwiese wieder bei Haltestelle Gielow im Niveau 
der Bahn (16,9 m.) unter einer schwachen Bedeckung 
von Geschiebelehm antrifft. 

Die nun folgenden flachen Einschnitte zeigen bereits 
unter einer Sandbedeckung Geschiebelehm, an der Grenze 
einer Moorwiese auch plastischen Thon mit einer mulden- 
förmigen Einlagerung eines schwarzen bituminösen Thones; 



Bahnprofile z^vischen Malchin und Waren. 259 

die Hügel im Dorfe Gielow theils Lehm, theils Flugsand. 
Nach einem Sand- und Kiesaufschluss gelangt man im 
Basedower Forst (Stat. 74—76) in den für den nunmehr 
zu verfolgenden Zug so charakteristischen gelben Ge- 
schiebemergel, in welchem ausserordentlich viele und 
grosse erratische Geschiebe von dem bekannten, schönen 
nordischen Material liegen, z. Th. mit sehr schönen 
polirten Flächen, scharfen Kanten und Schrammen. Im 
Mergel finden sich stellenweise auch Sandschmitzen ein- 
gelagert. Solche Aufschlüsse sind zu beobachten an fol- 
genden Stellen: Stat. 74—76 (Oberflächenhöhe 37— 44 m.), 
91,5 (Graben), 101—102 Haltestelle Basedow (45 m.) 
und 104 (Graben) (sandiger Blockmcrgel). Dagegen 
besteht der Hügel bei Stat. 112 (Feldmark Langwitz) 
aus Kies mit untergelagertem blauem Thon in 52 m. 
Höhe. Auf den Fluren vor Schwinkendorf zeigt die 
Drainage unter ca. % m. schwerem Lehmboden scharf 
abgegrenzt blauen Thon. Bei Tressow (145 — 146) ist 
zwischen dem Blockmergel eine Kiesschicht eingelagert. 

Entsprechend dem Vorkommen von Kreide an dem 
Kalkofen von Hinrichshagen zeigt der Einschnitt vor 
Hinrichshagen (Stat. 161 — 162) im Bahnplanum (68,5 m.) 
unter gelbem Geschiebemergel blauen Thon mit dünnen 
eisenschüssigen, schleifenförmig nach oben aufgebogenen 
Zwischenschichten. Hier wurden auch einige versteine- 
rungsreiche Blöcke von braunem Jura gefunden. Eine 
Seitenentnahme bei Tressow (160) zeigte zwischen gelbem 
Blockmergel eine ca. 3 m. mächtige, steil nach NO. ein- 
fallende Partie von Grand- und Kiesschichten. Eine 
ähnliche Wechsellagerung oder auch Verschlingung von 
Kies und Blockmergel ist an dem Hügel der Windmühle 
von Hinrichshagen (165) vorhanden. Hier zeigen die Kies- 
schichten in einer Kiesgrube ebenfalls ein NO.-Einfallen, 
und werden in dieser Richtung von Blockmergel bedeckt. 
Doch ergeben Bohrungen sehr wechselnde Verhältnisse 
für Verbreitung und Lagerung dieser beiden Massen. 

In den folgenden Niederungen (167, 168, 171) steht 
IV2 m. mächtiger Torf auf blauem zähen Thon (Schindel). 

17* 



260 Bahnprofile zwischen Malchin und Waren« 

In Panschenhagen zeigt uns der Einschnitt 173—176 
(84 — 93 m.) wieder das charakteristische Vorkommen von 
blauem und gelbem Geschiebemergel mit der Ueber- 
lagerung durch Kies. Hinter Haltestelle Levenstorf 
(St. 179—180, 94—90 m.) besitzt der gelbe Blockmergel 
zwei Nester von Sand. Hinter Haltestelle Falkenhagen 
(201, 87 m.) unter gelbem Geschiebemergel, feine 
Schichten von gelbbraunem und blauem sandigem Thon 
mit nur wenigen, unregelmässig vertheilten Blöcken. 

Die folgenden zahlreichen Torf- und Moorniederungen 
dieser Gegend, sowie die Buchenwaldungen des Warener 
Forstes sprechen dafür, dass ihr Untergrund ebenfalls 
von dem wasserundurchlässigen Geschiebemergel gebildet 
wird. Ausgezeichnet ist derselbe zum letzten Mal in 
dem Einschnitt im Warener Forst bei St. 243 (98,5 m. 
grösste Höhe) aufgeschlossen: Ein gelber Geschiebemergel 
mit grossem Reichthum an gr. erratischen Blöcken und 
einzelnen Sandschmitzen. ünterlagert wird derselbe 
von einem blauen Geschiebemergel. Beide waren an 
einzelnen Stellen ausserordentlich reich an grösseren 
und kleineren Kreide bruchstücken, welche dem Gestein 
stellenweise ein völlig weissgetüpfeltes Aussehen ver- 
liehen. Eine Bohrung bis 3 m. ergab ein allmähliches 
Vereinzelterwerden der Kreidebrocken nach der Tiefe zu. 

Auch die steilen nördlichen Ufer des Tiefwaren 
zeigen denselben gelben Geschiebemergel mit einzelnen 
Kiesschmitzen. Am Ende des Waldes nördlich von 
Waren haben wir das Ende dieses Geschiebestreifens 
erreicht und durchschneiden in langen, 4 — 6 m. tiefen 
Einschnitten bei Stat. 247—255 und 258 — 261 zwei nach 
Süden hin abfallende Sandhügel von 90,5 — 78 resp. 74 m. 
Höhe. Dieselben bestehen aus einer mannichfachen Auf- 
einanderfolge von feinem Spathsand, lehmigem Sand und 
Grand, deren dünne Schichten ein sanftes Einfallen nach 
S. zeigen und mit hübschen kleinen Verwerfungen und 
der wohl ausgeprägten falschen Schichtung ein charak- 
teristisches Bild einer sedimentären Ablagerung bieten. 
Am Bahnhof Waren wurde ein 68,7 m. hoher Sandhügel 



Material der Geschiebestreifen der Geschiebemergel. 261 

abgestochen, dessen feine Schichten mit lehmigen, eisen- 
reichen Sandschichten oder Grand abwechseln und die 
von Kies und Geschiebelehm unterlagert werden. 

Die Breite des besprochenen Geschiebestreifens 
wird demnach von der Bahn auf 17 Kilometer in etwas 
gekrümmter Linie durchschnitten; seine wahre Breite 
ergiebt sich in dieser Gegend zu ungefähr 13 Kilometer. 
Das Material des hier quer durchschnittenen 
Geschiebestreifens ist nach den mitgetheilten Beobach- 
tungen demnach hauptsächlich der gelbe (obere) Ge- 
schiebemergel. Derselbe wird stellenweise von etwas 
Sand überlagert, welcher mit Kies zusammen sich an 
den beiderseitigen Abhängen in grösserer Mächtigkeit 
angelagert hat. Auf der grössten Höhe und da, wo 
die meisten Blöcke aufgefunden wurden, fehlt der Sand 
auf der Oberfläche fast gänzlich, kommt jedoch in kleinen 
Einlagerungen im Mergel selbst vor. Am nördlichen 
Abhänge, (auf welchen die Bahn in einem leichten Bogen 
ziemlich allmählich hinaufsteigt, während der südliche 
Abfall ziemlich steil und rasch erfolgt), ziehen sich die 
Kies- und Sandauflagerungen weiter hinauf. Hier sind 
ferner bemerkenswerthe Einschaltungen von Kiesschichten 
in dem Geschiebemergel zu beobachten, welche nicht als 
buchtenförmige Einlagerungen anzusehen sind, sondern 
vielmehr als regelmässige Zwischenschichten oder als 
seitlich eingepresste Lager aufzufassen sind. Leider 
waren die Aufschlüsse für eine entgiltige Entscheidung 
dieser offen zu lassenden Frage nicht deutlich genug. 

Der Geschiebestreifen zerfällt also eigentlich in 
zwei parallele Streifen von blockreichem Geschiebemergel, 
zwischen denen sich eine kiesreichere Partie findet. 

Beachtenswerth ist die Thatsache, dass der Ge- 
schiebezug ziemlich nahe seiner Oberfläche an mehreren 
Punkten des nördlichen Abfalles einen Kern von älterem 
Gebirge (Kreide) besitzt. Die locale Anhäufung von 
Kreidebrocken in dem Geschiebemergel am südlichen 
Abfalle, bei Waren, scheint ferner zu beweisen, dass 
auch hier in nicht weiter Entfernung ein Kreidelager 



262 Material der Geschiebestreifen der Geschiebemergel. 

ansteht. Dieses Zusammenfallen mit älterem anstehendem 
Gebirge lässt demnach die Geschiebestreifen nicht als 
blosse Schuttwälle einer Endmoräne erscheinen, 
wie es wohl von einigen Seiten angenommen worden 
ist. Wir müssen vielmehr annehmen, dass der rück- 
schreitende Gletscher nicht an beliebigen Orten, sondern 
gerade auf den parallelen wellenförmigen Unebenheiten des 
Bodens (vielleicht durch Stauung in seiner Bewegung ge- 
hemmt) die Hauptmasse seiner Grund- und Endmoräne ab- 
lagerte. An den beiderseitigen Abhängen konnte bald das 
Wasser seine Thätigkeit entwickeln und hier die hinter 
allen Geschiebestreifen sich findenden weiten Strecken 
von Sand und Kies ablagern, während es auf der Höhe 
der Züge keine Gelegenheit zu einer ausgedehnten Auf- 
bereitung des Geschiebemergels hatte. 

Das Zusammenvorkommen des unteren blauen und 
oberen gelben Geschiebemergels, in directer Ueberein- 
anderlagerung oder auch durch Kies- und Thonschichten 
getrennt, sowie dasVorhandensein eines Kernes älteren Ge- 
birges in den Geschiebestreifen scheint mir mehr zu Gunsten 
der von Berendt entwickelten Theorie einer Verschmel- 
zung von Drift- und Gletscherphänomen, einer einmaligen 
Gletscherbedeckung Nordeuropas zu sprechen, als für 
die Annahme einer drei- oder viermaligen Wiederholung 
einer Glacialzeit, bei welcher die drei- oder viermal 
entstehenden Endmoränen sich immer wieder auf den- 
selben Platz aufgelagert haben raüssten, den schon die 
Endmoräne der letzten Glacialzeit eingenommen hatte. 

Sehr charakteristisch für die mecklenburgische 
Diluviallandschaft sind die zahlreichen kleinen runden 
Wasserlöcher, die sich namentlich auf den Plateaus in 
überraschender Häufigkeit finden, welche aus Block- 
mergel bestehen. Es sind meist kreisrunde, trichter- 
förmige, verschieden tiefe (bis zu 20, ja 80 Fuss) und 
verhältnissmässig kleine Löcher, mit steilen Rändern, 
meist bis an den Rand mit Wasser erfüllt, aber ohne 
sichtbaren Zu- und Abfluss. Ihr Rand ist manchmal 
mit Bäumen oder Sträuchern bewachsen, meist jedoch 



Vorkommen und Erklärung der Solle. 263 

nur mit Gras. Auf flachen Plateaus sehen sie wie flache 
mehr oder weniger volle Pfannen aus, bei niedrigerem 
Wasserspiegel kommt die Trichterform mehr zur Geltung. 
Oft sind sie auch bis oben hinauf von Torf zugewachsen. 

Diese Vertiefungen werden hier mit dem allge- 
meinen Namen „Soll'', (plur. Solle)*) bezeichnet, ein 
Name, der wegen seiner Kürze und seiner engen Um- 
grenzung des Begriffes verdient, für alle erwähnten 
trichterförmigen Vertiefungen als wissenschaftlicher ter- 
minus technicus eingeführt zu werden. 

Wie erwähnt, finden sich diese Solle hauptsächlich 
auf dem lehmigen resp mergeligen Boden. So besitzt 
z. B. das Plateau hinter der Steilküste von Heiligen 
Damm, von Klützer Ort, die Moränenlandschaft bei 
Grubenhagen, und viele andere Gegenden so zahlreiche 
Solle, dass eine Karte dieser Gegenden wie durchsiebt 
von den zu ihrer Bezeichnung verwandten blauen runden 
Flecken erscheint. Doch auch in Gegenden mit sandigem 



*) „In Mecklenburg ist Sol nicht nur ein noch heute all- 
gemein bekanntes Wort, sondern auch noch die officielle Bezeich- 
nung für im Felde befindliche Wasserlöcher und Teiche auf den 
Dominialfeldmarken. Die Ordnung für die Feldmesser in den 
Grossherzogl. Kammergütern von 1873 enthält u. A. die Bestim- 
mungen über die Aufnahme von „Wassersöllen", und von „Seen, 
Sollen und Gruben." Zu bemerken dürfte sein, dass bei der ziem- 
lich speciellen Aufzählung der aufzunehmenden Objecte „Teiche" 
in dieser Ordnung nicht erwähnt sind. — Ein sol, Soll, ist ein 
stehendes Gewässer von massigem Umfange. Kommen Sumpf- 
stellen vor, die den Namen Soll tragen, so ist ohne Zweifel früher 
an der betr. Stelle Wasser gewesen und jener Name ist beim Zu- 
wachsen desselben an dem alten Orte, der jetzt einen Sumpf dar- 
stellt, haften geblieben. — Ganz wesentlich gehört zum Begriff 
des „sol", dass er keinen Bach als Zu- oder Abfluss hat, ein 
Mühlenteich wird nie ein Soll genannt werden. — Von stehenden 
Wassern ähnlichen Umfanges und Wesens unterscheidet sich der 
Soll dadurch, dass er meistens tief ist und klareres, wenigstens 
nicht lehmiges Wasser hat. Dabei pflegt der Uferrand ein klein 
wenig abschüssig und bewachsen zu sein." — 
(Korrespondenzblatt d. Ver. f niederdeutsche Sprachforschung. 
IV. 1879. S. 46.) 



264 Vorkommen und Erklärung der Solle. 

oder kiesigem Boden finden sie sich, wenn auch scheinbar 
nicht in so grosser Menge. In der Haideebene sind sie 
nicht fremd, doch wie es scheint nur an solchen Stellen 
vorhanden, wo Lehm oder Mergel in der Tiefe vorkommt. 

Dass sie auch anderen Diluviallandschaften eigen- 
thümlich sind, beweist z. B. das Bild einer Moränen- 
landschaft in Pommern, welches Berendt (Z. d. g. G. 
1879, Taf. 2) giebt, welches ebenso gut der Gegend 
aus einem mecklenburgischen Geschiebestreifen ent- 
nommen sein könnte. 

Nur in einem Falle konnte ich eine andere Aus- 
füllung als Torf in einem Soll auffinden. Es ist dies 
in einer Kiesgrube an der Kreuzung der Wege Bülow- 
Bristow und Bülow-Tessenow, auf dem Felde des südlich 
von Teterow am Malchiner See gelegenen Hofes Bülow. 
Hier wurde ein 16 Fuss tiefer Trichter abgebaut, der 
mitten in gelbem Geschieb elehra von Kies ausgefüllt war. 

Die Solle sind eine so weit verbreitete Oberflächen- 
erscheinung und haben überall ein so gleiches Aeussere, 
dass ihre Entstehung in allen Gegenden wohl ein und 
dieselbe sein wird, und es scheint mir die Erklärung, 
sie als Strudellöcher aufzufassen, am meisten Wahr- 
scheinlichkeit zu haben. Bei der einheitlichen Gletscher- 
bedeckung, bei dem späteren Rückzug des Gletschers 
konnten sich allenthalben solche Strudellöcher durch 
das Wasser bilden. *) 

Sie für Erdfälle zu erklären, entstanden durch 
spätere Unterwaschung, wie v. Benniggen **) annimmt, 
scheint mir schon wegen ihrer allgemeinen Verbreitung 
nicht zulässig. 

Allerdings giebt es einige trichterförmige Ver- 
tiefungen, die wegen ihrer grossen Dimensionen viel 
eher für Erdfälle als für Strudellöcher angesehen werden 
könnten. So befinden sich in dem coupirten Terrain 



*) Analoge Erscheinungen berührt Nöltling in seiner 
Arbeit über Eiesentöpfe. S. Z. d. g. G. 1879. 339. 

**) Das nordeuropäische Schwemmland. 1863. S. 17. 



Erdfälle bei Schlieffenberg. Seen. 265 

westlich vom Schlieffen berger See an der Strasse 
nach Güstrow im Gehölze dicht neben einander (aber 
nicht in gerader Linie) drei tiefe trichterförmige Kessel 
mit steilen Rändern, deren grösster ca. 40' tief ist, mit 
einem Umfang von ca. 3C0'. Lägen dieselben am Süd- 
rande des Harzes, so würde man nicht anstehen, sie 
für Pingen zu erklären, die durch Wegwaschen einer 
darunter liegenden Schicht entstanden sind, und es ist 
auch hier nicht unwahrscheinlich, dass eine solche Er- 
klärung das Richtige treffen würde. Ob die darunter 
liegende theilweis weggewaschene Masse nun Gyps oder 
Steinsalz oder nur der hier ziemlich weit verbreitete blaue 
Thon ist, dies könnte natürlich nur eine in der Nähe 
angesetzte Bohrung ermitteln. 

Von grossem Interesse und sehr charakteristisch 
sind endlich noch die zahlreichen grossen und kleinen 
Seen, die Mecklenburg in NW. -SO. Richtung durch- 
ziehen, und welche vielfach mit einander in Verbindung 
stehen, sei es in noch fliessenden Wasserläufen, sei es 
nur durch breite, jetzt zu Moor oder Haide umgewan- 
delte Depressionen 

Die Entstehung vieler derselben ist erklärlich, wenn 
man sie als üeberreste alter, senkrecht die Endmoräne 
durchschneidender Erosionsthäler von Gletscherwässern 
ansieht. So bilden der Cummerower und Malchiner See, 
beide durch ein deutliches mooriges Thal verbunden, in 
dem die Stadt Malchin gelegen, mit den sich im SW. an sie 
ebenfalls durch alte Niederungen in derselben Reihe an- 
schliessenden Duster-, Tiefen-, Berg-, Gras- und Krummen-, 
Langhagener-, Loppiner- und Jabelschen Seen ein solches 
altes, in SW.-NO. Richtung verlaufendes Querthal, zu 
welchem parallel im Süden die Tollense läuft. So durch- 
schneidet ferner der Fleesensee in senkrechter Richtung 
eine grosse Hügelkette von Kreidegebirge. 

Eine eutgiltige Erklärung über die Entstehung der 
norddeutschen Binnenseen lässt sich indess zur Zeit 
noch nicht geben, denn erst eine auf genauer karte- 



266 Seen. Erratische Blöcke in den Seen. 

graphischer Unterlage basirende Untersuchung kann in 
diese Fragen das erwünschte Licht bringen. 

Sehr wichtig werden bei diesen Untersuchungen 
die Bestimmungen der Tiefen und des Untergrundes 
der Seen sein, und schon jetzt ist bekannt, dass die 
verschiedenen, oft in unmittelbarer Nachbarschaft gele- 
genen Seen ein durchaus verschiedenes Niveau und sehr 
verschiedene Tiefen haben. Letztere wechseln übrigens 
in ein und demselben Becken oft sehr rasch, wie dies 
z. B. die zahlreichen Messungen von Fromm und Struck 
in dem Müritz-See nachgewiesen haben.*) Beiden ge- 
nannten unermüdlichen Forschern verdanken wir über- 
haupt schon eine ziemliche Anzahl sehr verdienstvoller 
Untersuchungen über mecklenburgische Seenbecken. **) 

Von grossem Interesse ist das Vorkommen von 
erratischen Blöcken innerhalb der Seebecken. So 
finden sich isolirte grössere Blöcke z. B. im Schweriner 
See, im Cölpin-See und Müritz-See. In der Müritz haben 
ferner Fromm und Struck eine streifenweise Anordnung 
der Geschiebe nachgewiesen. ***) Die sich an vier 
Stellen in W. - 0. Richtung quer durch die Müritz 
hinziehenden und auch noch auf dem Lande weiter 
zu verfolgenden Geröllestreifen entsprechen der Rich- 
tung der oben besprochenen Geschiebestreifen und 
hängen z. Th. sicher mit dem von Sternberg über 
Alt-Schwerin nach Fürstenberg sich erstreckenden Zuge 
zusammen; (vielleicht kann man sie auch, wenn man ihre 
mehr W.-O. Richtung in Betracht zieht, als eine diesen 



*) L. Fromm und C. Struck: Die Müritz. Arch. meckl. 
Landeskunde. 1864. S. 1—48. 1. Tafel. 

**) L. Fromm: Der Planer See. Arch. m. Landesk. 1863. 
S. 281—315. 1. Taf, L. Fromm u. C. Struck: Die Wasserbecken des 
Cölpin-, des Fleesen-, des Malchower und des Petersdorfer Sees. 
ebenda. 1865. S. 129—158. 1. Taf.; Dieselben: Beschreibung des 
Störbeckens, ebenda. 1866. S. 113—158. 2 Taf und 1867. S. 337—396. 
1 Taf 

***) a. a. 0. S. 5 und Tafel. 



Inseln. 267 

Zug von Alt-Schwerin aus mit dem nächsten, nordöstlich 
vor Waren vorbeilaufenden Zuge verbindende Abzweigung 
ansehen). Ebenso liegen auch in den alten Flussläufen, 
die jetzt mächtige Alluvialbildungen führen, öfters ver- 
einzelte grössere diluviale Blöcke, wie z. B. im Recknitz- 
thale, im Breitling u. s w. 

Die in manchen Seen befindlichen kleinen Inseln 
und die zahlreichen Untiefen verdanken höchst wahr- 
scheinlich zum Theil ihre Entstehung dem gewaltigen 
Druck, welchen die hohen Uferränder auf den Boden 
des Sees ausübten und durch den einzelne Massen des 
Bodens emporgestaucht werden mussten. *) Eine solche 
Bildung ist wohl z. B. für den im Schweriner See ge- 
legenen Ziegelwerder anzunehmen, wo unter einem 
2' mächtigen Abraum von Lehm und Kies bis auf 70' 
Tiefe ein reiner geschiebefreier blauer Thon gefunden 
worden ist. 

Eine speciellere Untersuchung über die Beschaffen- 
heit der theils steilen, theils weiter zurücktretenden 
Ufer der Seen wird auch über deren Entstehung 
Klarheit bringen können. 

An vielen Ufern erkennt man die alten Moränen 
oder sogar eine der älteren Formationen, an anderen 
walten dagegen wieder Kieslager vor. So zeigt uns 
das Steilufer des Schweriner Sees von Müss bis nach 
Görslow, das westliche Ufer des benachbarten Pinnower 
Sees gelben Blockraergel auf Sand- und Kicsschichten, 
und auch bei Zippendorf, am südlichen Ufer des Schwe- 
riner Sees und auf dem Werder bei Schwerin tritt 
Blocklehm, an ersterer Stelle mit eingeschalteten Kies- 
schichten, auf. Dagegen haben sich weiter westlich von 
Zippendorf auf dem Mergel hohe Sandhügel aufgebaut. 



*) Ein Beispiel der so oft vorkommenden seitliehen Auf- 
quetschungen von weichen Schichten durch den Druck einer in der 
Nähe lastenden grösseren Masse lieferte auch das Emporquellen 
von Modder zu den Seiten des in dem Herrensee bei Waren auf- 
gefüllten Eisenbahndammes. 



268 Vorkommnisse von diluvialem Sand und Kies. 

Während wir ferner am Malchiner See von Basedow 
bis Rothenmoor meist den Blocklehm finden, der auch 
am gegenüberliegenden Ufer bei Bülow auftritt, begegnen 
wir bei Wendischhagen bei Bristow und im Süden bei 
Dahmen wieder grossen Kies- und Sandmassen, die 
allerdings mit Geschiebemergel in Verbindung stehen. 
An anderen Stellen erkennt man deutlich einen scheinbar 
dünenartigen Abschluss des Ufers. So am Nordufer der 
Feisneck bei Waren und am Tiefwaren. Doch weist 
der Wechsel von Sand und Grand mit ihrer ausge- 
zeichneten ungleichförmigen Parallelschichtung deutlich 
auf eine, später durch Erosion entblöste Strandbildung hin. 

Als sehr wahrscheinlich dünkt es mir nach allen 
bisherigen Beobachtungen, dass die Seebecken wie auch 
die Thäler der alten Flussläufe nicht allein der Erosion 
ihren Ursprung verdanken, sondern dass viele derselben 
als bei der ungleichen Bodenschwankung entstandene 
Depressionen aufzufassen seien. — 

Lassen wir uns bei der Gliederung des Diluviums 
durch das Auftreten der Schichten von Geschiebemergel 
leiten, so ergiebt sich die Einordnung der als Schlemm- 
producte desselben erkannte Massen von Kies, Sand 
und Thon von selbst. 

Die Vorkommnisse von diluvialem Sand und Kies, 
z. Th. wegen ihrer Unfruchtbarkeit wenig erwünscht, 
bieten die aus den übrigen Diluvialgegenden bereits 
bekannten Erscheinungen. Ihre speciellere geologische 
Gliederung, welcher bekanntlich durch die mancherlei 
Eigenthümlichkeiten des Auftretens jener Ablagerungen 
ganz besondere Schwierigkeiten entgegen stehen, liesse 
sich nur durch Eintragung auf eine genaue Karte mit 
der wünschenswerthen Genauigkeit herstellen. 

Es mag genügen, für die sich überall in mehr oder 
weniger grosser Aehnlichkeit wiederholende Art und 
Weise des Vorkommens folgender Beispiele anzuführen. 

In einer Kiesgrube zwischen Bristow und Glasow 
am Malchiner See sieht man folgendes Profil (s. Fig. IV): 



Glasow. Decksand. 269 

a) IV2 m. feiner Grand mit einzelnen grösseren Kies- 
geröllen in horizontaler Lagerung; 

b) 1 m. Grand mit horizontalen Bänken von grö- 
berem Kies; 

c) 2,5 m. lehmiger ungeschichteter Kies, von Berendt 
als ,, Decksand" bezeichnet; 

d) 0,2 m. sandig lehmiger Mutterboden mit einzelnen 
Gerollen. 

In den beiden unteren Grandlagern finden sich 
zahlreiche Verwerfungen, längs deren secundäre Kalk- 
abscheidungen stattgefunden haben. Auch in dem Deck- 
sand finden sich in den oberen Partien mehrere horizontal 
verlaufende Ausscheidungen von Bergmilch. 

Das discordante Uebergreifen des Decksandes 
über die unteren Schichten beweist eine Unterbrechung 
in dem Absätze des unteren Grandes und des Deck- 
sandes, während welcher die Schichten a und b der 
Wirkung der Erosion anheimfielen bis später der Deck- 
sand diesen aJten Hügel weiter bedeckte. 

Der Decksand, dessen selbständige Stellung von 
Berendt erkannt wurde, hat auch in dem mecklenbur- 
gischen Diluvium eine grosse Verbreitung und lässt sich 
fast überall in seinem charakteristischen Auftreten wieder- 
erkennen. Es erscheint daher wohl gerechtfertigt, ihn 
als Vertreter der oberen Etage des Diluviums zu be- 
zeichnen. Passen wir ihn als den Absatz aus dem sich 
zurückziehenden Gletscher auf, so haben wir in ihm die 
Moräne einer vierten totalen Eisbedeckung zu sehen. 
Dagegen spielt er, wie bereits oben nachgewiesen, bei 
Bildung der mächtigen Geschiebestreifen nicht die 
Rolle, die ihm vielfach zugewiesen wurde, indem man 
ihn als Bildner jener ,, Schuttwälle" oder alten Strand- 
wälle bezeichnete. (Vergl. u. A : Lossen, Der Boden der 
Stadt Berlin, in: Reinigung und Entwässerung Berlins. 
XIII. 1879. S. 855.) 

Die Haidberge bei Teterow zeigen die Ueber- 
lagerung von Decksand, Kies, gelbem und blauem Ge- 



270 Haidberge. Wickendorf. 

Schiebemergel: In den beiden grossen Kiesgruben am 
Appelhagener Weg sieht man das typische Auftreten 
des Diluvialkieses: vielfache Wechsellagerung und gegen- 
seitiges Auskeilen von Sand-, lehmigen Sand-, Grand- 
und Kiesschichten mit nordischem Material, die Sand- und 
Grandschichteu mit ausgezeichneter falscher Schichtung. 
Ueberlagert wird dieses (untere) Diluvium von ver- 
schieden mächtigem, ungeschichtetem lehmigem Deck- 
sand. An einzelnen Stellen ist in den oberen Partien 
eine beträchtliche Ausscheidung von Kalk und von 
Eisenoxydhydrat durch Auslaugung der oberen Schichten 
erfolgt und hat die Kies- und Sandmassen zu festen 
Bänken verkittet. Die alten Kies- und Lehmgruben am 
Südabhange des Rückens, am alten Turnplatz, geben 
uns weitere Aufschlüsse über die Zusammensetzung des 
dasigen Diluviums: Hier sehen wir in einer alten Kies- 
grube lehmigen Kies, den Decksand, mit grösseren Ge- 
schieben, auf gelbem Blocklehm lagern, welcher in der 
Grube auf der gegenüberliegenden Seite der Schaftrift 
noch in ein höheres Niveau ansteigt und hier in seinen 
unteren Partien mehrere Einlagerungen von reinen Sand- 
schichten besitzt. Unter demselben tritt ein blauer, 
neben nordischen Geschieben mehrere Kalkbrocken füh- 
render Geschiebemergel auf. Auch weiter abwärts nach 
Süden zu steht an den Rändern der sich nach Teterow 
hinabziehenden Schaftrift der gelbe Geschiebemergel an. 
Die Schichten zeigen hier ein südliches Einfallen, daher 
auch die an der Bahn bei Köthel auf einer blauen Thon- 
schicht (Geschiebemergel?) zu Tage tretende Quelle, 
welche die Stadt Teterow mit Wasser versorgt. 

Die Kiesgrube bei Wickendorf am Schweriner 
See zeigt uns eine schöne Wechsellagerung von feinem, 
reinem und thonigem Sand und Grand mit blauem und 
braunem fettem Thon. Die Bohrungen, welche der 
Pächter des Hofes Wickendorf, Herr Lohrentz, auf seinen 
Feldern angestellt hat, ergaben unter Lehm resp. Mergel 
Sand, Thon und Kies. Es seien aus der Reihe von 
Bohrprofilen hier die folgenden mitgetheilt: 



Wickendorf. Unvollständige Entwickelung des 271 

Diluviums. 



22, Karlshöher Scheide 
guter Mutterboderi, 
8' Kalkmergel, 
10' Lehm, 

6' blauer reiner Thon, 
1' Kies. 



15, hinter dem Leutehaus: 
5' lehmiger Sand, 
3' Kalkmergel, 
4' Kies, 

9' Lehm und Thon, 
1' gelber Lehm und Sand, 
4' Thon, 

2' Mergel, [schiebe), 

3' Mergel und Steine (Ge- 
3' Sand und Kies. 



24, hinter der Kalkbrennerei: 
1' guter Mutterboden, 
9' Kalkmergel, 
5' brauner Lehm, 
14' reiner blauer Thon, 
1' rother Thon, 
Kies. 

Dass bei Ablagerung der einzelnen Diluvialgebilde 
die Erosion bereits eine mächtige Rolle spielte, ist 
einmal eben durch den Absatz der Schlemmproducte 
des Geschiebemergels zu erkennen, ausserdem zeigen 
verschiedene Profile direct diese Erscheinung (s. Fig. IV). 
Auch die Anlagerung des Diluviums an ältere Forma- 
tionsglieder zeigt gewöhnlich ein locales Zurücktreten 
einzelner Abtheilungen des Diluviums, das man leicht 
dadurch erklären kann, wenn man annimmt, dass an 
dem höher gelegenen Kern die hier überhaupt nur in 
dünner Decke abgelagerten älteren Schichten später 
wieder weggewaschen worden sind. Daher erklärt es 
sich auch, dass wir über die eigentliche Mächtigkeit des 
mecklenburgischen Diluviums zur Zeit nur erst wenig 
Aufschluss haben; denn bei den Bohrungen, wo man 
die darunter liegenden älteren Formationen aufsucht, 
wählt man naturgemäss die Stellen, an denen die Dilu- 
vialbedeckung nur geringe Mächtigkeit hat, d. h. eben 
j ene Hervorragungen des älteren Gebirges. 



272 



Quartär am Lübtheener Gypsberg. 



Sehr deutlich sind genannte Verhältnisse bei dem 
Auflagern des Quartärs auf dem Lübtheener Gj^ps- 
stock zu erkennen. 

Während wir in der von dem ersten Bohrloche in 
930 Meter östlicher Entfernung in Probst Jesar ange- 
setzten Bohrloch das Diluvium in vollständiger Ent- 
wickelung vorgefunden haben (vergl. Bohrprofil, S. 220), 
und auch zwei unmittelbar an dem See von Probst 
Jesar angesetzte Bohrlöcher dieselbe Gliederung ange- 
troffen zu haben scheinen *), ist das Diluvium, welches 
dem Lübtheener Gypsstock unmittelbar aufgelagert ist, 
viel weniger mächtig und weniger reich gegliedert. 

Das erste Bohrloch, dicht am östlichen Rande des 
Gypsbruches angesetzt, durchsank nur 22,3 m. Sand mit 
Grand und gelangte dann unmittelbar auf den Gyps. 
Auch die bei dem Betriebe des Gypsbruches aufge- 
schlossenen Quartärschichten zeigen eine einfachere 
Gliederung: Sand mit Kieszwischenlagen, z. Th. sehr 
eisenreich, viel Braunkohlenholzstückchen und einzelne 
Geschiebe des den Gyps überlagernden dunkelgrauen 
Dolomites führend, überlagert entweder unmittelbar den 
Gyps und hat sich in dessen Klüfte und sackartige 



*) Die beiden Bohrlöcher, zur Controle der älteren Be- 
hauptung, dass man hier in 30 Fuss Tiefe schon den Gyps 
gefunden habe (s. Koch, Arch. Ver. Nat. Meckl. VII. 1853. S. 45) 
angesetzt, ergaben folgende Profile: 



I. südhch vom See: 
— 3 m. gelber Flugsand, 



9 



grauer feiner Trieb- 
sand, [schiebe, 
{Dolomitische Ge- 
Feuersteinlagen, 
Thonlagen, 
12 — 14 „ Grand, Gerölle,Thon, 
14— 17,5„ feiner Sand, nach 
unten gröber wer- 
dend , Grand mit 
Thon und Gerollen, 
17,5— 20,5 „ Grand, dann Kies. 



IL s.-ö. vom See: 
— 3 m. gelber Flugsand, 
3 — 9 „ graublauer feiner 
Triebsand, nach der 
Tiefe Grand, 
9 — 13,5„ Kies mit nord. Ge- 
rollen und Dolomit, 
13,5—14 „ plastischer reiner 

grauer Thon, 
14 — 20 „ Kies, 
20 — 30 „ Sand und Grand. 



Quartär am Lübtheener Gypsberg. Alluvialbildiingen. 273 

Eiübuchtungen eingelagert, oder sie werden von einer 
schwachen Schicht eines grauen zähen Thones unter- 
lagert, der nach Aussen hin bedeutend an Mächtigkeit 
gewinnt. Der ganze Hügel ist endlich von Flugsand 
der Haide überweht, der nach den Seiten sehr mächtige 
Anwehungen bildet, die z. B. in dem 1. Bohrloch auf 
10,5 m. durchsunken wurden. Wir finden also hier an 
den steil aus der Tiefe emportauchenden Felsen keinerlei 
Spuren einer Grundmoräne. Die drei auf einander fol- 
genden Ablagerungen von Geschiebemergel, die wir in 
Probst Jesar gefunden hatten, sind an diesem exponirten 
Felsen entweder überhaupt gar nicht zum Absatz ge- 
kommen, oder sie sind von einer späteren Erosion wieder 
vernichtet worden. Auch von Eisschrammen zeigen die 
äusseren Partien des Gypsstockes keine Spur, dagegen 
sehr deutlich die Spuren der Thätigkeit des Wassers. 
Nach aussen stehen die vielfach abgerundeten und aus- 
genagten Köpfe, in deren ausgewaschene Klüfte und 
Spalten sich der Sand oder Kies eingelagert hat. Diese 
schönen Belegstücke für die erodirende Wirkung des 
Wassers (die hier noch durch die leichte Löslichkeit 
des Felsens unterstützt wird) werden hier beim Abbau 
conservirt und bilden in ihren wunderlichen Formen 
vielfach die Ornamente der Gärten in der Umgegend. — 

Mit dem Schlüsse der Diluvialzeit war auch die 
Configuration des Landes in ihren heutigen Zügen der 
Hauptsache nach fertig, und es gelangten nun in den 
verschiedenen Depressionen die alluvialen Bildungen 
zum Absätze, welche im Gegensatze zu der vorher haupt- 
sächlich wirkenden Erosion nun die Ungleichheiten des 
Bodens wieder zu nivelliren bestrebt sind. 

Ihre petrographische Beschaffenheit, die Art ihrer 
Bildunof und ihres Auftretens sind bereits so vielfach 
und ausführlich beschrieben worden *), dass an dieser 
Stelle nur wenig Neues hinzuzufügen ist. 



*) Vergl. u. A.: R. v. Bennigsen-Förder: Das nordeuropäische 
etc. Schwemmland. Berlin 18G3. E. Boll: Geognosie d. deutschen 

Archiv XXXUI. 18 



274 Alte Fliissläufe. Alter Flusslauf bei Waren. 

Die alten Flussläufe und Seeniederungen wurden 
durch Haidesand oder Moor und Torf ausgefüllt, und 
oft fliesst hier nur noch ein kleiner, vielfach verzweigter 
und verschlungener Fluss oder steht noch ein kleiner 
See in der weiten Niederung als Ueberrest der einstigen 
Wassermenge. Andere Niederungen sind vollständig 
trocken, zeigen aber durch ihre Ausfüllungsmassen 
deutlich den Lauf der früheren Gewässer an. 

Vielfach lassen sich diese alten Flussläufe noch 
sehr deutlich in ihrer einstigen Ausdehnung erkennen 
und es ergiebt sich dabei, dass oft der heutige Lauf 
ein ganz anderer, ja z. Th. sogar direct engegengesetzter 
ist, als der des alten Diluvialstromes. Sehr deutlich ist 
dies z.B. an den Niederungen der Recknitz, Trebel, 
Peene und T ollen se, mit ihren auffälligen, vollständig 
rechtwinkligen Biegungen, oder an der Rögnitz u. a. m. 
zu erkennen. *) Gerade die mecklenburgischen Fluss- 
niederungen bieten in ihrer verhältnissmässig leichten 
üebersichtlichkeit so manches Interessante in der Frage 
der Entstehung unserer Flusssysteme; doch müssen diese 
Verhältnisse einer anderen Bearbeitung überlassen bleiben. 

Von den vielen jetzt vollständig verlassenen alten 
Flussläufen sei hier nur einer erwähnt, der in ganz vor- 
züglicher Erhaltung seiner alten Ufer uns noch gegen- 
wärtig als ein typisches Beispiel dienen kann. Derselbe 
zieht sich südöstlich bei der Stadt Waren hin als ein 
breiter Streifen von Moor-Wiesen und Gartenboden mit 
scharf in allen ihren Windungen und Ausweitungen er- 



Ostseeländer. Neubrandenburg 1846 ; Alluviale Neubildungen. Arch. 
Nat. Meckl. XXL 1868. S. 15—120. Lossen: Der Boden der Stadt 
Berlin. Berlin 1879. 

*) S. F. Koch: Natiirg. Bemerk, üb. das zwischen d. Trebel- 
u. Recknitzthale gelegene Moor. Arch. Ver. Nat. Meckl. III. 1849. 
S. 147; G. A. Brückner: Wie ist d. Grund u. Boden Mecklenburgs 
geschichtet u. entstanden? Neustrelitz 1825; ferner die verschie- 
denen Arbeiten von E. Boll und F. E. Koch ; z. B. Arch. Nat. Meckl. 
Vn. 1853. S. 17 (alter Eiblauf). 



Entwässerte Seen. Torf. 275 

kennbaren steilen, aber nicht hohen Ufern. Sein Grund 
besteht aus humosem Sand, in dem sich noch Schalen- 
reste von Anadonten finden und der nach der Mitte 7ai 
von Moor überdeckt ist. In seiner Mitte befindet sich 
noch ein üeberrest seines Gewässers in dem Wokbaksee. 
Ein künstlicher Graben zur Entwässerung verfolgt die 
Richtung des alten Stromes, und auch die alte Bezeich- 
nung von Stellen, an denen Landstrassen die Niederung 
passiren, wie Federower und Kargower Fürth, erinnern 
noch an das frühere Gewässer. Nach einer Abzweigung 
vor dem Kibitzberge lässt sich die Niederung bis an 
das Strelitzer Thor in Waren verfolgen, hier durch die 
Häuserbauten etwas undeutlicher geworden, aber doch 
noch in den tief gelegenen Gärten zu erkennen. 

Die (später auch künstlich vermehrte) Verringerung 
der Wassermenge in den Seen hat an deren Ufern ein 
mehr oder weniger breites, stellenweise gänzlich unpassir- 
bares Vorland von Sand oder Moor mit Uferterrassen 
hinterlassen. Andere Seen sind gänzlich zugewachsen, 
wie z. B. der Grassee bei Alt-Gaarz, n. w. von Waren. 

Die eine Ausfüllungsmasse der verschiedenen Niede- 
rungen ist der Torf, jenes für den Bewohner der nord- 
deutschen Tiefebene so werthvolle Brennmaterial. Der- 
selbe bildet Lager von sehr verschiedener Mächtigkeit. 
Bei Malchin wird er an der Feene höchstens 4 Meter 
mächtig, im Warnowthal bei Schwaan 10 m. Ueber die 
Zusammensetzung und Entstehung des Torfmoores bei 
Sülze, wo es etwa 5 m. mächtig auf ca. 18 m. Kies und 
etwa 13 m. blauem Thon lagert, giebt F. Kocll a. a. 0. 
eine sehr interessante Beschreibung. 

Die grosse Lewitz- Niederung haben Fromm und 
Struck *) ausführlich beschrieben. 

Ueber die Petrographie des Torfes habe ich an 
dieser Stelle nichts hinzu zu fügen, nur noch zu bemerken, 
dass Herr Apotheker Brath-Zarrentin bei Testorf unter 



*) Ai-ch. m. Landesk. 1866. S. 113. 

18^ 



276 



Wiesenkalk. 



dem gewöhnlichen Wiesentorf auch eine 0,3 m. mächtige 
Schicht von Papier torf gefunden hat. Der Moor in 
der Nähe der Wahrstorfer Thongrube ist durch einen 
hohen Eisenockergehalt theilweise völlig roth gefärbt. 

Unter dem Torf liegt vielfach, meist allmählich 
in denselben übergehend, ein Lager von Wiesenkalk, 
dessen hoher Gehalt an kohlensaurem Kalk namentlich 
durch die massenhaft darin liegenden Schalen von den 
noch heute lebenden, bekannten Süsswasserschnecken 
herrührt. Von den vielen Vorkommnissen des Wiesen- 
kalkes, die z. Th. von grosser technischer Wichtigkeit 
sind, sei hier das im Ramper Moor und Goldberg 
im Schweriner See gelegene hervorgehoben. Mehrere 
Bohrungen ergaben dort eine wechselnde Mächtigkeit. 
Einige der von Herrn Lohrentz- Wickendorf gefälligst 
mitgetheilten Profile sind folgende: 



Im Ramper Moor, nahe der 

Güstrower Chaussee: 

V2' Moor, 

V2' Kalk, 

V Moor, 

6' Kalk, 

6' Sand, 

4' Thon. 



auf der 



„grossen 
kücke'' im Ziegelsee: 

V Kalk und Erde, 
4' Moor, 

5' Kalk, 

3' Moor und Kalk, 

6' Thon und Sand, 

V Kies. 



Moor- 



auf der „kleinen Moorkücke": 
4' Moor, 
2' Kalk, 

17' blauer Thon, 
2' Sand mit Thon, 
6' blauer Thon und Sand, 
Kies. 

Die Analyse des sehr reinen, sandfreien Wiesen- 
kalkes vom Ramper Moor, der zur Cementfabrikation 
hier verwendet wird, ergab nach gef. Mittheilung des 
Besitzers der Cementfabrik, Herrn Stehmann: 



Infusorienerde. Flusssand etc. 277 

4,1 Wasser, 

19,6 organische Substanz, 
74,3 kohlensaurer Kalk, 
1,1 kohlens. Magnesia, 
0,7 Eisenoxyd und Thonerde, 
0,2 Rückstand. 
Torf oder auch Moor, Wiesenkalk und die in Flüssen 
sich absetzende Infusorienerde*) gehören zu den 
alluvialen Ablagerungen, deren Bildungsprocess noch 
nicht abgeschlossen ist, die vielmehr sich noch heute 
unter günstigen Umständen neu bilden können. Sie 
gehören demnach dem Jung-Alluvium an, während 
manche Torflager auch schon im Alt-Alluvium direct 
nach Abschluss des glacialen Diluviums sich bildeten. 
Das oben beschriebene Lager von humusreicher Infu- 
sorienerde im Berge von Wendisch-Wehningen gehört 
wegen seines Zusammenvorkommens mit Diluvialthon 
dem echten Diluvium au. 

Die von den heutigen Gewässern aufgearbeiteten 
Massen von Diluvial-Sand, -Kies oder -Mergel, die an 
geeigneten Orten als Fluss-Sand, -Kies oder -Mergel, 
meist mit Humussubstanz vermengt, wieder abgesetzt 
werden, gehören natürlich dem Jung- resp. Alt-Alluvium 
an. Für die Art ihres Vorkommens sei als Beispiel das 
von Herrn Baumeister Langfeldt freundlichst mitgetheilte 
Bohrprofil bei der Nebelbrücke bei Bützow angeführt: 
Der Boden der Nebel besteht hier aus: 

2,50 m. scharfem feinem Sand mit organischen Resten, 
3,23 ,, blauem Schindel und gelblichem Schlick. 
1,86 „ blauem kiesigem Diluvialmergel, 
0,40 „ feinem Glimmersand. 

Ebenso die recente Thier- und Pflanzenreste ein- 
schliessenden Ablagerungen von Kalktuff. Das ca. 4 m. 
mächtige Lager von eisenhaltigem Kalktuff im Kellerholz 



*) Ehrenberg: Foraminiferen aus Hafenschlamm; Monatsber. 
Berl. Acad. 1842. Koch: Infusorienlager in der Warnow. Arch. 
Nat. Meckl. XXVI. 1873. S. 109. 



278 Kalktiiff. Halde. Dünen in der Haide. 

am Haidberge bei Teterow scheiüt seinen Kalkgebalt 
dem im Innern der Haidberge vorkommenden kalkreicben 
Gescbiebemergel zu verdanken, wenn er nicht sogar 
auf das Vorhandensein von Kreide in diesem Hügelrücken 
schliessen lässt. Die Gewässer bringen ihren Kalkgehalt 
aus dem Berge auf den nach S. abfallenden Schichten 
heraus, wie das Auftreten von Quellen bei dem Kalk- 
tufflager beweist. 

Das Diluvium und Alluvium der im Südwesten des 
Landes gelegenen Haide hat Koch in mehreren Ar- 
beiten*) ausführlich bekannt gemacht: Aus dem alt- 
alluvialen Haidesand der alten Eibniederung und der 
aus NO. einmündenden Eide, Rögnitz und Sude ragen di^ 
in NW. -SO. -Richtung streichenden Hügelrücken des 
Diluviums mit ihrem Kern von älteren Formationen heraus 
und vor sie lagern sich die zahllosen steilen und hohen 
Dünen an, welche auffallende isolirte Kegel und lange 
schmale Rücken bilden oder auch zu Hügelzügen vereinigt 
sind und in ihrer ganzen Masse nur aus dem leichten, 
gelben unfruchtbaren Sande bestehen. Oft sieht man in 
diesen Dünen eine oder mehrere, den äusseren Conturen 
des Hügels parallele schwarze Zwischenschichten von 
humosemSand: die einstige von Pflanzenwuchs bedeckte 
und später von Neuem mit Sand überwehte Oberfläche. 
Von diesen Dünen sind wohl zu unterscheiden die Hügel, 
welche aus dem diluvialen Kies und Sand oder Geschiebe- 
mergel bestehen. Diese sind es allein, welche, wie Koch 
nachgewiesen, und wie es auch die gegenwärtig im 
Gange befindlichen ßohrversuche von Neuem bestätigen, 
zur Aufsuchung der darunter befindlichen älteren For- 
mationen die nöthige Direction geben. 

Auch an den alten Ufern von Flussläufen finden 
wir in der Haidegegend Dünen aufgeweht, so z. B. an 
den deutlichen Ufern des torfigen Eldethales bei Neu- 



*) Beitr. z. Geogn. Meckl. unter spec. Beiiicks. d. s.-w. 
Haide-Ebene. Arch. Nat. Meckl. VII. 1853. S 17; Zeitschr. d. d. 
g, Ges. 1856. S. 249. Taf. 12. 



Dünen in der Haide. Thätig'keit des Meeres. 279 

Auswaschung des Geschiebemergels. 

Stadt, die z. Th. von der neuen Bahn Ludwigslust- 
Parchim durchschnitten werden, ferner an der flachen 
früheren Ausbuchtung der Elbe bei dem Wendisch- 
Wehninger Berg. 

lieber die Beschaffenheit und Zusammensetzung des 
Haidesandes gaben die von Koch mitgetheilten Bohr- 
profile bei Lübtheen näheren Aufschluss (Arch. Nat. 
Meckl. VII. S. 38). Auffällig ist der fast völlige Mangel 
an erratischen Blöcken innerhalb des Haidesandes: mäch- 
tige Massen von feinem Sand bedecken die in der De- 
pression tief liegenden diluvialen Ablagerungen. In dem 
Sande finden sich an einzelnen Stellen zahlreich ange- 
schwemmte Stücken von Bernstein. 

Sehr wichtig ist für jene steinarme Gegend das 
Vorkommen von Raseneisenstein oder Klump in dem 
Haidesand, der in grösseren einzelnen Stücken oder auch 
zusammenhängenden Bänken sich bildet. Vielfach wird 
er als Baumaterial für Häuser oder Mauern verwandt. 

Zum Alluvium gehören auch die Producte der 
Thätigkeit des Meeres, die Zerstörung der Küsten 
und Neuablagerung des entnommenen Materiales, das 
Abschliessen von Haffs durch Uferwälle und Dünen und 
endlich die allmähliche Ausfüllung derselben durch die 
Absätze des Binnenwassers und der hier einmündenden 
Flüsse. *) 

Ueberall, wo das Meer die Steilufer benagt, sehen 
wir aus dem diluvialen Geschiebemergel die grossen und 
kleinen Blöcke herausgewaschen und am Strande liegen. 
Die nie ruhenden Wellen üben hier einen grossartigen 
Schlemmprocess aus. Die am leichtesten abschlemmbaren 
Thontheilchen, welche an frisch abgebrochenen und in 
die See gestürzten Partien das umgebende Wasser völlig 
trüben, werden am weitesten nach der See hinausgezogen 
und so allmählich entfernt. Der übrig bleibende Sand 
und Grand wird weiterhin von den grösseren Steinen 



*) Vergl. u. A. die Schilderungen von E. Boil im Arch. m. 
Landesk. 1855. S. 547 f. 



280 Auswaschung des Geschiebemergels. Uferwälle, 

Dünen. Heiliger Damm. 

und Blöcken gesondert, von denen die grossen Blöcke 
wegen ihrer Schwere liegen bleiben, während die Steine 
durch das sie stets hin und her schiebende und rollende 
Wasser zu den runden Strandkieseln abgerollt werden, 
deren man so viele im ßinnenlande als Erinnerungs- 
zeichen an die im Badeleben verträumten Stunden 
wiederfindet. Das Material dieser Strandkiesel ist das- 
selbe nordische und baltische, wie überall im Ge- 
schiebemergel. 

Die oft weit in die See hinaus sich erstreckenden 
Anhäufungen von Blöcken, welche das Ufer wie mit 
einem mächtigen Kranze umsäumen, sowie die der Küste 
parallelen, wallartigen Striche von Sandanhäufungen und 
Untiefen und auch die vielen Stellen, an denen, wie 
z. B. am Heiligen Damm oder bei ßoltenhagen, ganze 
Schollen mitsammt den darauf wurzelnden Buchen durch 
ünterwascbung des blauen Geschiebemergels herabge- 
rutscht sind, beweisen deutlich, wie das Meer allmählig 
immer weiter sich in das Land einnagt. 

Da wo keine hohen steilen Ufer die See begrenzen, 
sondern die Geschiebemassen einer Schichtenwelle bis 
an oder unter das Niveau der See treten und eine 
Niederung aus dem Innern des Landes nach der See 
mündet, wirft die See einen Ufer wall auf, auf dem 
sich dann die vom Winde leicht beweglichen Sandkörner 
zu Dünen aufthürmen. *) 

Auch der, jetzt freilich durch die künstliche Aus- 
besserung völlig veränderte, berühmte „Heilige Damm" 
bei Doberan ist als ein solcher von der See aufge- 
worfener Uferwall anzusehen, dessen Material der hier 



*) lieber die Entstehung der Dünen giebt G. Berendt eine 
sehr anziehende Schilderung in : Die Geologie des kurischen Haffes 
und seiner Umgebung. Sehr. d. phys.-ökon. Ges. Königsberg. 
IX. 1868. S. 131—238. 6 Taf. — Auch an der Stoltera b. War- 
nemünde sollen sich einzelne kleine Stellen des gefährlichen Trieb- 
sandes finden, mit denen ich jedoch glückhcherweise keine Be- 
kanntschaft zu machen Gelegenheit hatte. 



Landwärtsschreiten der Dünen. Haffe, ihre 281 

Ausfüllung. 

in die Tiefe gehende, von der See ausgewaschene Ge- 
schiebemergel geliefert hat. *) 

Die Dünen schreiten stellenweise gegen das Innere 
des Landes vorwärts, das verlassene Terrain dem Meere 
preis gebend. Daher erklärt es sich, dass wir an einigen 
Stellen, z. B. am Heiligen Damm und bei Müritz, 
Torf, der als eine Sumpfbildung sich nur im ßinnenlande 
hinter den Dünen gebildet haben konnte, auf dem See- 
grunde vor den Dünen anstehend sehen, von dem die 
Wellen öfters grössere Brocken losreissen und ans 
Land werfen. 

Die Dünen zeigen an den abgestürzten Stellen oft 
sehr deutlich ihren Aufbau aus wechselnden Schichten 
verschieden gefärbter Sande, auch wohl mit eingelagerten 
dunklen humusreichen Schichten, unter denen der Sand 
oft auffallend weiss erscheint. Auch eisenschüssige, 
zusammengebackene Sandschichten finden sich; so zeigten 
an dem Ufer nördlich von Wustrow auf Fischland 
Schichten eines rothbraunen ziemlich festen Sandes, die 
sehr schön die „üebergussschichtung'' darstellten, einen 
starken Gehalt an Eisen zugleich mit etwas Humus; 
der Sand liess durch Salzsäure einen grossen Eisengehalt 
ausziehen und brannte sich hell. 

Die Dünen können auf den entstehenden und sich 
an eine feste Insel- oder Halbinselmasse ansetzenden 
Nehrungen endlich ein Haff ganz oder theilweise von 
der See abschliesson. Die tief in das Land eingreifenden 
Haffe stehen in Bezug auf ihre Entstehungsweise in 
engem Zusammenhange mit den Pluss- und Seeniede- 
rungen. Wie diese werden sie stellenweise durch Allu- 
vialbildungen verengert. So haben sich hinter den 
Dünen, die sich südwestlich vom Fischland bis nach 
Warnemüude erstrecken, im Ribnitzer Binnensee wie im 
Breitling weite flache Moor- und Torfwiesen angesetzt 
und geht die Bildung dieser Massen noch heute vor 

*) Eine ausführliche Beschreibung des Heiligen Dammes hat 
Koch gegeben: Arcli. Nat. Meckl. XIV. 1860. S. 405—429. 



282 Haffe, ihre xiusfüllim.G:. Senkung? der Ostsee- 

küste. Diluvialfauna. 

sich, wie die von Wustrow aus sich weit in das Haff 
erstreckenden moorigen Untiefen oder Haken beweisen. 
Ebenso haben sich die Torflager und Sandflächen der 
Ribiiitzer und Rostocker Heide hinter dem Schutze der 
vorlagernden Dünen gebildet. 

Gleicher Weise zeigen die Mündungsstellen der 
Flüsse in jene Haffe eine weit verbreitete Neubildung, 
wodurch das Haff oft bedeutend verengt worden ist. 
So sind die flachen sumpfigen Wiesen, welche sich am 
Beginne der plötzlichen Ausweitung der Warnow zur 
ünterwarnow in Rostock ausbreiten und deutlich von 
den alten Kies- und Lehm - Ufern von Riekthal und 
Dierkow begrenzt werden, nichts als die Ausfüllung 
jenes früher bis hierher sich erstreckenden Haffes, in 
welches sich einst der breite Strom ergoss, an dessen 
Stelle heute die breiten moorigen und torfigen Wiesen 
des Warnowthales liegen, — 

Ob die mecklenburgische Ostseeküste gegen- 
wärtig in Senkung begriffen ist, wie viele der er- 
wähnten Phänomene (Vordringen der See gegen das 
Festland) zu bestätigen scheinen, oder ob sie sich im 
Zustande der Hebung oder der Ruhe befindet, darüber 
haben die Pegelbeobachtungen bisher kein endgiltiges 
Resultat geliefert (Vergl. Paschen: Beitrag zur Unter- 
suchung der Frage über die Hebung der deutschen 
Ostseeküste. Beitr. z. Statistik Meckl.-Schw. Schwerin 
1869. VI. S. 1.) — 

Von Resten der norddeutschen diluvialen resp. 
altalluvialen Fauna hat auch das mecklenburgische 
Quartär eine ziemliche Menge schöner Funde aufzu- 
weisen, die sich allermeist in den Sammlungen zu 
Schwerin, Waren und Rostock aufbewahrt finden. Ob- 
wohl man bei früheren Gelegenheiten leider meist nicht 
die nöthige Sorgfalt darauf verwendete, zu den Funden 
auch das Lager zu notiren, in dem sie vorgekommen, 
so geht doch aus dem vorhandenen brauchbaren Material 
hervor, dass auch der Lehm und Kies einzelne Knochen- 
reste diluvialer Säugethiere geliefert hat. Die meisten 



Diluvialfauna. 283 

Roste von Säugethieren nebst einzelnen Vögeln, Reptilien 
und Fischen haben sich indessen in den Torflagern 
gefunden und es ist dies ein Beweis, dass diese Ab- 
lagerungen bereits sofort nach Abzug des Gletschers 
sich anfingen zu bilden. Wir treffen in ihnen Thiere, 
die wir mit zu den das Diluvium charakterisirenden 
Formen zu zählen gewohnt sind und sehen somit, dass 
die Zeit ihres Aussterbens nicht mit der Grenze des 
Diluviums zusammenfällt, sondern darüber hinausgreift, 
wenn wir anders die Torflager als Alt-Alluvium, nicht noch 
als Jung- Diluvium annehmen. Und dies erstere scheint 
mir das angemessenere, da meines Wissens in Mecklen- 
burg nirgends ein Torflager gefunden worden ist, welches 
von Diluvial-Kies oder gar Geschiebemergel bedeckt wäre. 
Die Säugethiere, deren Reste bisher in Mecklen- 
burg gefunden worden sind, sind nach der Zusammen- 
stellung von 0. Struck*) die folgenden: 

Canis familiaris (Pfahlbau), 

C. vulpes (im Torf), 

Ürsus arctos (do.), 

U. spelaeus (in Mergel), 

Mus rattus (Pfahlbau), 

Castor fiber (in Torf und Pfahlbau), 

Alces palmatus (in Torf und Mergel), 

Cervus megaceros (in Torf), 

C. tarandus (do.), 

C. elaphus (in Torf und Pfahlbau), 

C. capreolus (in Torf), 

Ovis aries, (Pfahlbau do.), 

Bos primigenius (do.), 

B. taurus (in Torf und Pfahlbau), 

B. bison (in Torf), 

Equus caballus (in Mergel und Torf), 

Elephas primigenius (in Mergel und Kies), 

Sus palustris (in Pfahlbau und Torf). 



*) Die Säugethiere Mecklenburgs mit Berücksichtigung aus- 
gestorbener Arten. Arch. Nat. Meckl. 1876. S. 23—119. 



Tertiärformation. 



Ueber das Vorkommen und die Gliederung der in 
wissenschaftlicher wie in praktisch-technischer Beziehung 
so überaus wichtigen und interessanten mecklenbur- 
gischen Tertiärformation haben wir durch frühere Unter- 
suchungen, namentlich die vorzüglichen Arbeiten des 
Herrn Landbaumeister F. E. Koch *), bereits ziemlich 
viele Anhaltspunkte, welche hoffentlich durch die gegen- 
wärtig in Betrieb genommenen weiteren Nachforschungen 
noch erheblich vermehrt werden. 

Das einzige, bisher nachgewiesene, grössere anste- 
hende Tertiärgebiet in Mecklenburg ist in der südwest- 
lichen Haide, wo unter den inselartig aus dem altallu- 
vialen Haidesand herausragenden NW.-SO. streichenden 
Diluvialhügelzügen das Tertiär und z. Th. auch die Kreide 
und Gyps mit Steinsalz anzutreffen ist. 

Betreffs der näheren Details kann ich an dieser 
Stelle nur auf die erwähnten Darlegungen Koch's hin- 
weisen, um nur einige seither gemachte Beobachtungen 
hinzuzufügen. 

Der durch seine Conchylienreste als mitteloligocän 
wohl charakterisirte Septarienthon von Malliss ist 



*) Beitr. z. Geogii. Meckl. unt. spec. Ber. d. s. w. Haideebene : 
Arch. Nat. Meckl. VII. 1853. S. 17; Ber. üb. d. geogn. Exciirs. in 
d. Haideebene: Arch. Nat. X. 1856. S. 22; D. anst. Form. d. 
Gegend v. Dömitz: Zeitschr. d. d. geol. Ges. VIII. 1856. S. 249. 
Taf. 12; etc.; s. auch die von E. Boll in Zeitschr. d. d. geol. Ges. 
III. 1851. Taf. 19 gegebenen kartographischen Aufzeichnungen. 



Septarienthon von Malliss. 285 

gegenwärtig in der grossen Thongrube der neuen 
Ziegelei von Malliss ausgezeichnet aufgeschlossen. Der 
in dünnen Bänken abgesonderte, blaue zähe Thon enthält 
namentlich in zwei ca. V2 ni. mächtigen Zwischenschichten 
eine grosse Menge von grossen charakteristisch gebil- 
deten Septarien und mergeligen Kalksteinbänken und 
zeigt mit diesen ein SSW. -Einfallen von 20^ — 25°. Zwei 
nicht sehr bedeutende Verwerfungen verschieben die 
Schichten um ein geringes Maass. 

üeberlagert wird der Thon von ca. 3 m. mächtigem 
gelbem Geschiebemergel mit sehr grossen Blöcken, der 
an seiner unteren Grenze den Thon aufgewühlt und sich 
mit ihm etwas vermischt hat, wodurch er hier eine mehr 
bläuliche Farbe erhält. 

Im Süden haben sich mächtige Kies- und Sand- 
schichten mit SW. Einfallen angelagert und ist endlich 
der Flugsand, der an der Ostseite des Canales z. B. 
eine mächtige Düne bildet, auch hier angeweht. 

Auf dem Septarienthon und von gelbem Geschiebe- 
mergel bedeckt liegt am SO. Rande der Thongrube 
eine 1 — IV2 Fuss mächtige Schicht eines festen grau- 
gelben Sandsteines, mit dem gleichen Einfallen wie die 
darunter liegenden Thonschichten. Dem entspricht das 
Vorkommen des Sandsteines bei den Fundamenten der 
hier gelegenen neuen Ziegelei. Der Sandstein hat völlig 
das Aeussere des miocänen Bockuper Sandstein und 
obgleich bisher noch keine Versteinerungen in ihm ge- 
funden sind, stehe ich doch nicht an, ihn für identisch 
mit diesem miocänen Sandstein zu halten. 

Was die Ausdehnung des Thonlagers anlangt, so 
bildet dasselbe nach Mittheilung des Herrn Director 
Wesenberg in Malliss einen von SO. nach NW. über 
die alte Ziegelei (wo der Thon vielfach Gypskrystalle 
führt) bis in die Gegend von Sülze verlaufenden Rücken, 
mit einer westlichen, bis nach den Verwaltungsgebäuden 
sich erstreckenden, zapfenartigen seitlichen Ausbuchtung. 
Sein Gipfelpunkt liegt ungefähr an dem gegenwärtigen 
Hinterrand der Thongrube, während er sich nach NO. 



286 Braunkohle von Malliss. 

mehr in die Tiefe begiebt und von dem immer mächtiger 
werdenden kalkreichen gelben Geschiebemergel bedeckt 
wird. Ob er hier ein NO, Einfallen besitzt, also gegen 
das hier verlaufende Thal abfällt, welches den Thon- 
rücken von dem Karenzer Höhenzug trennt, ist noch 
nicht nachgewiesen, wahrscheinlicher ist jedoch, dass 
nur die Erosion die directe Auflagerung des Thones auf 
dem Karenzer Pläner vernichtet hat. Dies wird noch 
sicherer durch die Angabe Koch's, dass bei Conow (also 
jenseits jenes Thaies) der Thon bei dem Kirchhofe 
ausgeht, unter dem Thone soll man in einem Brunnen 
am Wirthshause bei 340 Fuss Tiefe auf Sand ge- 
kommen sein. 

An diesen Thoniücken lehnt sich ganz conform 
die Braunkohlenmulde von Malliss an, deren Aus- 
gehendes bei den sogen. Alaunbergen an den steilen, 
von dem Thonrücken nach dem Eldethal abfallenden 
Kiesabhängen in 2' Mächtigkeit zu sehen ist, überdeckt 
von weissem Tertiärsand und Diluvialkies und unterteuft 
von grauem Thon und weissem Sand. Auch zwischen 
dem Wirthshaus und den Verwaltungsgebäuden scheint 
am Rande des Waldes in einem Sandanschnitt das 
Ausgehende zu sein; hier lagert auf nach SW. ein- 
fallenden feinen Schichten von weissem Sand discordant 
der lehmige Decksand. 

Gegenüber der gewaltigen Schichtenstörung, welcher 
die Wehninger Diluvialablagerungen unterlegen sind, ist 
die einfache Schichtenstellung des Mallisser Tertiärs 
sehr bemerkenswerth. 

Die Beschaffenheit der Kohle und die Lagerungs- 
verhältnisse der beiden hier bekannten Flötze sind aus 
den früheren Publicationen bekannt. Ausser dem massen- 
haft vorkommenden bituminösen, z. Tb. auch versteinerten 
Coniferenholz fand sich von Pflanzenresten, etwa Blatt- 
abdrücken, die über das Alter der Kohle Aufschluss 
geben könnten, bisher keine Spur. 

lieber der Kohle wurde bei den früheren Arbeiten 
der miocäne Bockuper Sandstein gefunden. 



Mallisser Braunkohle oberolig-ocän. 287 

Ueber die Thone von Bockup gaben die letzt be- 
suchten Punkte keine neuen, von den früheren Angaben 
abweichenden, Aufschlüsse. 

Die neueren Aufschlüsse in Malliss bestätigen somit 
vollständig die von F. E. Kocll ausgesprochene Behaup- 
tung, dass das Mallisser ßraunkohlenlager nicht unter- 
oligocän sei, wie man bisher für fast alle Braunkohlen 
Norddeutschlands ohne Weiteres anzunehmen gewohnt 
war, sondern dass ihre Lagerung vielmehr über dem 
mitteloligocänen Septarienthon und unter dem Bockuper 
resp. Mallisser Miocän sei. Zur näheren Erläuterung 
sei an dieser Stelle das von Koch (Zeitschr. d. d. geol. 
Ges. 1856. S. 263) entworfene Idealprofil jener Gegend 
wiedergegeben. (Fig. V.) 

Wir haben also der Mallisser Braunkohle ein ober- 
oligocänes Alter zuzusprechen, d. h. mit andern Worten, 
während sich im mittleren Mecklenburg zur Zeit des 
Ober-Oligocäns in einer Meeresbucht die kalkig-sandigen 
Schichten des sogenannten Sternberger Gesteins mit 
ihren massenhaften Conchylien- und Fischresten nieder- 
schlugen, lagerte sich in einer im Südwesten des Landes 
sich ausdehnenden Bucht auf den mitteloligocänen Thon- 
schichten eine Festlands- und Sumpfbildung, die Braun- 
kohle mit ihren Sauden, ab. Diese wurde dann bei 
abermaliger Senkung des Landes von den marinen mio- 
cänen Thonen und Sandsteinen bedeckt, die sogar noch 
weiter über die Kohlenmulde hinaus griffen, wie die 
directe Ueberlagerung des Sandsteins über dem Sep- 
tarienthon bei der neuen Mallisser Ziegelei beweist. 

Inzwischen hat man auch in anderen Gegenden 
des norddeutschen Braunkohlengebietes die Beobachtung 
gemacht, dass hier ebenfalls ein Theil der Braunkohlen 
dem Ober-Oligocän angehört. *) Lossen weist allerdings 
der märkisch - lausitzischen und südsächsischen Braun- 



*) H. Credner: Das Oligocän des Leipziger Kreises. Z. d. d. 
g. Ges. 1878. S. 641. 



288 Braunkohle von Hohenwoos und Probst Jesar. 

kohlenformation ein etwas höheres Alter zu, indem er 
sie zum Mittel-Oligocän rechnet. *) 

Die Braunkohlenmulde streicht von hier weiter 
nach NW. und es haben die Bohrungen dieses Jahres 
die schon früher von Koch ausgesprochene Vermuthung, 
dass unter den diluvialen Hügelzügen jener Gegend 
sich das Tertiär mit seinen werthvollen Ablagerungen 
finden werde, auf das glänzendste bestätigt. 

Gegenwärtig hat man die Braunkohle auf folgenden 
zwei Punkten nachgewiesen. Es muss einer späteren 
Mittheilung vorbehalten bleiben, die genaueren Daten 
zu publiciren. 

Der eine Punkt ist Hohenwoos. Oestlich von 
jenem Orte zeigt eine Thongrube unter Sand und Lehm- 
mergel Schichten von blauem und schwarzem Thon mit 
schwachem SW. -Einfallen. Der dunkle Thon führt zahl- 
reiche, leider fast gänzlich zerti'ümmerte Conchylien, 
deren Reste nach Koch **) auf ein miocänes Alter 
schliessen lassen. In der Voraussetzung, dass unter 
diesem Thone die Kohle angetroffen werden müsse, 
wurden in nordöstlicher Richtung von hier zwei Bohr- 
löcher angesetzt, welche denn auch das Resultat lieferten, 
dass sie in 50 resp. 33 Meter Tiefe eine recht gute 
Braunkohle antrafen. 

Dass die sich von hier nach NW. hinziehenden 
Diluvialhügel in ihrem Innern sehr wahrscheinlich eben- 
falls Braunkohlenablagerungen bergen, beweist der Fund 
von (freilich ziemlich erdiger) Braunkohle in dem Bohr- 
loch von Probst Jesar. 

Andere Vorkommnisse von Tertiär werden auf den 
Karten von Koch und BoU an einigeu Punkten in der 
Haideebene, ferner südlich von Parchim, an den Ruhner 
Bergen und bei Neubrandenburg angegeben. 

Auch das weiter unten zu besprechende Thonlager 
von Dobbertin scheint mir zum tertiären Septarienthou 



*) Der Boden der Stadt Berhn. 1879. S. 776. 
**) Arch. Ver. Nat. 1878. S. 117. 



Verbreitung des Sternberger Gesteins. 289 

zu gehören. Dagegen musste dem Thonlager im Berge 
von Wendisch - Wehningen ein diluviales Alter zuge- 
sprochen werden (s. ob.). 

Möglich ist es, dass später Tertiärlager auch in 
anderen Gegenden noch gefunden werden, doch scheint 
es, dass die Ablagerungen von Braunkohle nur auf 
den südlichen resp. südwestlichen Theil des Landes 
beschränkt seien, während in den nördlichen (nordöst- 
lichen) Gregenden zur selben Zeit die marinen Aequi- 
valente (Thone, Sandstein) abgelagert wurden. 

Hoffentlich gelingt es auch später noch einmal, 
das berühmte oberoligocäne Sternberger Gestein auf 
seiner ursprünglichen Lagerstätte aufzufinden. Dieses 
Gestein, unter dem Namen der „Sternberger Kuchen" 
durch seinen Reichthum an versteinerten Conchylien 
und die Massenhaftigkeit seines Auftretens so populär 
geworden, findet sich, wie oben bereits erwähnt, fast 
stets in abgerollten Platten, welche nicht etwa, wie 
früher einmal angedeutet*), als Concretionen, sondern 
sämmtlich als Ueberreste eines zerstörten Lagers anzu- 
sehen sind. Dass dieses Lager nicht sehr weit von den 
heutigen Fundorten der Sternberger Kuchen sein kann, 
dafür spricht namentlich die enge Begrenzung ihres 
Bezirkes. Das Vorkommen ist nach den Beobachtungen 
der zahlreichen Sammler **) auf eine nicht sehr breite 
Zone beschränkt, die sich aus der Gegend von Wismar 
(und Kröpelin) in SO. -Richtung bis nach Rehberg und 
Burg Schlitz am südwestlichen Ende des Malchiner See's 
hinzieht, und namentlich in der Sternberger Gegend 
zwischen Penzin (n.-w. v. Sternberg), Rabensteinfeld und 
Mestlin b. Goldberg sehr massenhaft ist. Von hier aus 
erstreckt sich das Gebiet bis nach den südlich von Plan 
belegenen Gegenden und nach den Ruhner Bergen 
südlich von Parchim. Als ein noch zweifelhaftes Vor- 



*) Arch. Nat. Meckl. 1874. S. 113. 
**) S. Koch, Arch. Nat. Meckl. 1874. S. 115. 

Archiv XXXin. 19 



290 Südliche Kreidezone. 

kommen müssen zwei Stücke aus dem Rostocker Museum 
gelten, die angeblich von Dömitz stammen. 

In den nördlichen Theil des genannten Bezirkes 
greifen auch einzelne Stücke des miocänen, äusserlich 
dem Sternberger sehr ähnlichen, Holsteiner Gesteines ein. 

Endlich finden sich auch vereinzelt Gerolle von 
nicht oberoligocänen, versteinerungsführenden Tertiär- 
gesteinen, doch in so geringer Zahl, dass man auf ihren 
Stammort noch keine Schlüsse ziehen kann. 



Kreideformatioii. 



lieber die Verbreitung der mecklenburgischen 
Kreideformation verdanken wir eine übersichtliche Dar- 
stellung den Arbeiten Koch's *), die ich hier kurz refe- 
riren will, zumal die Aufschlüsse, welche ich bei dem 
nur kurzen Besuche der Localitäten erhielt, keine Aende- 
rungen in den von Koch entwickelten Ansichten noth- 
wendig machten. 

Von dem NW.-SO. durch Mecklenburg verlaufenden 
Seenplateau fällt beiderseitig nach NO. und nach SW. 
ein Zug von Kreideschichten ab. im SW. ist es der 
turone Pläner von Karentz, der mit S W. Einfallen 
unter die oben besprochenen oligocänen Tertiärschichten 
einschiesst. **) In seiner Fortsetzung wird Kreide bei 
Boitzenburg und an den Marnitzer Bergen, bei Parchim 
und bei Gühlitz vermuthet. 

Die nördlich von der Wasserscheide vorhandenen 
Kreidepunkte sind zahlreicher und ragen als isolirte 
oder theilweis zusammenhängende Partien aus der allge- 



*) Arch. Nat. Meckl. 1873. S. 151 und 1874. S. 127; siehe 
auch die Karte von Boll: Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1851. Taf. 19. 
**) Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1856. S. 250. 



Nördliche Kreidezone. 291 

meinen Diluvialdecke hervor. Es sind die Glieder der 
Cenomanen, Turonen und Senonen Kreide, welche 
in regelmässiger Aufeinanderfolge mit gleichem N O.- 
Abfall ihrer Schichten auftreten. 

So finden wir im Norden, im Anschluss an die 
obersenonen Kreidemassen Rügens und Möens einen 
senonen Kreidezug, angedeutet durch die Kreidekalk- 
vorkommnisse von Brodhagen bei Doberan, Samow 
bei Gnoyen und Clempenow in Pommern. Das von 
Boll vermuthete Auftreten der weissen Kreide auf Fisch- 
land hat sich als nicht anstehend erwiesen (s. oben 
S. 228). 

Das unter dem Senon folgende Turon ist in 
regelrechter Weise ausgebildet in dem Zuge der Die- 
drichshagener Berge bei Bastorf, Wichmannsdorf und 
und Brunshaupten. *) 

In der Streichungslinie dieses Zuges liegen die 
Höhen des Schmoksberges n.-ö. von Güstrow, der 
Haidberge bei Teterow, der Franzensberger Höhen 
bei Neukaien, der Höhenzug nördlich der Tollense bei 
Neubrandenburg, an deren Fuss z. Th. mächtige 
Kalktufflager auf im Inneren befindlichen Kreidekalk 
schliessen lassen. 

Südlich von diesem Zuge folgt ein weiterer mit 
der untersten Kreide, dem Cenoman, welches in den 
Kalklagern von Gielow bei Malchin, Rothenmoor **), 
Moltzow, Marxhagen, Kloxin und Sophienhof, 
südlich vom Malchiner See, aufgeschlossen ist. In 
nordwestlicher Richtung über Rothspalk sich er- 
streckend ist das Cenoman weiterhin auch auf dem 
Gute Neuhof bei Zehna, südlich von Güstrow, erbohrt 



*) Karsten : Die Plänerformation in Mecklenburg. Zeitschr. 
d. d. g. Ges. 1854. S. 527. Taf. 19. 

**) Der Rothenmoor gerade gegenüber am anderen Ufer 
des Malchiner See's gelegene „weisse Berg" bei Blücher besteht 
nicht, wie vermuthet werden könnte, aus Ki*eide, sondern ledigHch 
aus gelbem, sandigem Geschiebemergel. 

19* 



292 [^Nördliche Kreidezone. 

worden. Auch bei Ranckendorff unweit Dassow hat 
man im nordwestlichsten Ende des Landes ein Kalk- 
lager gefunden. 

Südlich von dem Cenoman-Zuge trifft man in den 
weit verbreiteten Kreidekalklagern von Wendhof, 
Blücher, Poppentin, Sietow, Gotthun, Vippe- 
row, Roggentin, Nossentin, Sparow, am Fleesen- 
und Müritz-See, wieder auf Senon. Diese Lager zeigen 
dasselbe NO. -Einfallen und sind ebenso wie das bei 
Basedow unweit Malchin anstehende als die üeber- 
reste der einst auch die nördlich vorliegenden und jetzt 
entblössten cenomanen Schichten bedeckenden und später 
durch Erosion theilweise zerstörten Lager anzusehen. 

Von dieser theilweisen Zerstörung geben uns auch 
die stellenweise im Geschiebemergel so massenhaft an- 
gehäuften Kreidebrocken Zeugniss und lassen es anderer- 
seits umgekehrt auch gerechtfertigt erscheinen, aus ihrem 
localen Auftreten auf die Nachbarschaft anstehender 
Lager zu folgern. 

Wichtig ist es auch wieder zu beobachten, wie 
das Auftreten von Zügen älteren Gebirges von mächtigen 
Diluvialmassen begleitet ist und die bekannten „Ge- 
schiebestreifen'' z. Th. direct mit diesen Höhenzügen 
zusammenfallen. 

Dabei ist noch die Thatsache wichtig, dass in dem 
nördlichen Kreidezuge Mecklenburgs eine Ueberlagerung 
der Kreide durch die Tertiärformation nicht beobachtet 
wird, dass vielmehr überall auf die Kreide direct das 
Diluvium folgt. Es scheint hier das Tertiär überhaupt 
nur in sehr geringer Mächtigkeit ausgebildet und später 
einer grossartigen Erosion unterlegen zu sein. 



Jura und Muschelkalk. 



In Mecklenburg finden sich unter den erratischen 
Geschieben mit local beschränktem Auftreten auch Jura 
und Muschelkalk. 



Muschelkalkgerölle. Juragerölle. Jura (Lias) 293 

bei Dobbertin. 

Der Muschelkalk ist nicht häufig und wird nur 
in der südlichen Hälfte von Mccklenburg-Strelitz gefunden. 
Sein beschränktes Auftreten legt die Vermuthung sehr 
nahe, dass er in jener Gegend in nicht zu grosser Tiefe 
anstehe. 

Die oft sehr versteinerungsreichen Geschiebe und 
Gerolle der Juraformation, meist dem in den baltischen 
Ländern, z. B. an der Odermündung anstehenden braunen 
Jura, selten dem Lias und oberen Jura angehörig, sind 
hauptsächlich auf die südöstliche Hälfte von Mecklenburg- 
Schwerin beschränkt. Ihr Verbreitungsgebiet beginnt, 
wie man auch aus der von E. Boll gegebenen geolo- 
gischen Uebersichtskarte von Mecklenburg (Zeitschr. d. 
d. geol. Ges. 185L Taf. 19) ersieht, in der Nähe von 
Goldberg und setzt sich bis an den Tollense-See fort. 

Von hohem Interesse ist das im vergangenen 
Sommer constatirte Vorkommen von Jura (oberem 
Lias) bei Dobbertin, welches zwar nicht in seiner 
ursprünglichen Lagerstätte aufgeschlossen erscheint, aber 
nach der ganzen Art seines Auftretens zu schliessen, doch 
an einer nicht weit entfernten Stelle anzustehen scheint. 

Die Localität ist eine zur Stadt Goldberg gehörige, 
vom Kloster Dobbertin betriebene Thongrube an dem 
nördlichen, nach dem Lüschow - See gelegenen Abfall 
eines flachen Hügelrückens, welches den Dobbertiner 
See von dem Goldberger See trennt, nach der Reymann- 
schen Karte in Position 29^4672' ö. L. F., 53 ^ 37' 
n. Br. gelegen. 

Es wird hier ein blauer, weiss beschlagender, fetter, 
kalkfreier Thon abgebaut, der ausserordentlich reich an 
grossen, wohlausgebildeten Gypskry stallen und an Sep- 
tarien ist. Obgleich in ihm bisher noch keine organischen 
Reste gefunden sind (auch Foraminiferen fehlen), so 
möchte ich ihn doch vorläufig als tertiären Septa- 
rienthon ansprechen. Sollten sich indessen bei weiterem 
Nachsuchen in den Septarien noch jurassische Einschlüsse 



294 Jura (Lias) bei Dobbertin. 

finden, so würde das Thonlager als anstehender Jura zu 
betrachten sein. *) 

Der Thon ist mit diluvialem, blauem und gelbem, 
kalkreichem Geschiebemergel und Kies und mit einer 
grossen Scholle von Liasschiefer in gewaltigen Schichten- 
windungen verbunden und wird von Kies und Sand dis- 
cordant bedeckt, so dass der ganze Hügel an seiner 
Oberfläche aus Kies und Sand besteht und nur an 
einigen Stellen, z. B. an dem steilen Ufer des Goldberger 
Sees der gelbe Lehmmergel zu Tage tritt Auf der Höhe 
tritt jedoch an dem kleinen Gehölze auch der blaue 
Thon unter einer nur schwachen Kiesbedeckung nahe an die 
Oberfläche heran. Der neue Abbau im kommenden 
Winter wird jedenfalls Gelegenheit geben, an besseren 
Aufschlüssen über die gegenseitige Lagerung jener 
Schichten Klarheit zu erlangen und auch noch mehr 
Versteinerungen zu Tage fördern. Eine ausführlichere 
Behandlung wird dann in dem 32. Bande der Zeitschrift 
d. deutschen geol. Gesellsch. folgen. **) 

In den Septarien, welche in ziemlicher Menge in 
dem Thon verstreut liegen, sind bisher noch keine Ver- 
steinerungen gefunden worden. Ihre Klüfte sind vielfach 
mit Schwefelkies ausgekleidet. 

Neben diesen Septarien finden sich im Thone zahl- 
reiche Gerolle eines hellgrauen thonigen Kalksteines. 
Diese Gerolle, deren grössere ungefähr von den Dimen- 
sionen 18, 12, 3; 18, 10, 4 Cm. sind, haben eine flache 
linsen- oder zungenförmige Gestalt und erinnern in ihrem 
Aeussern sehr an die als Imatrasteine bekannten Mergel- 
concretionen. Auf ihrer Oberfläche liegen vielfach grössere 
und kleinere Versteinerungen in localer Zusammenhäufung. 
Sämmtliche Gerolle zeigen eine feine Schichtung, nach 



*) Nach einer später erhaltenen, gefälligen Mittheilung des 
Herrn Dr. Wiechmann-Kostock soll sich in dem Thone eine lose 
Astarte gefunden haben. 

**) Ein vorläufiger Bericht über das Dobbertiner Juravor- 
kommen findet sich in Zeitschr. d. d. g. G. 1879 S. 616. 



Jura (Lias) bei Dobbertin. 295 

welcher sie sich meist leicht spalten lassen, und vielfach 
finden sich auch auf den Spaltungsflächen organische Reste, 
Pflanzen, insectenflügel, Fischschuppen etc. Wir dürfen 
diese Kalke nach diesem daher nicht als Concretionen 
auffassen, sondern als Gerolle einer zerstörten Bank von 
feingeschichtetem Jurakalkstein. Diese Gerolle haben 
ihre Gestalt nicht allein durch die Wirkung des fliessenden 
Wassers erhalten, sondern es scheint auch ein chemischer 
Angriff auf sie erfolgt zu sein, während sie schon in dem 
Thonlager eingebettet waren. Daher die rundliche, flach- 
linsenförmige Gestalt, und das leichte Abblättern der oft 
papierdünnen Lagen des mürben Kalksteins. 

Die bis jetzt in den Gerollen gefundenen organischen 
Reste sind die folgenden (z. Th. nach den freundlichen 
Bestimmungen der Herren Prof. Dames -Berlin und 0. Heer- 
Zürich): 

Inoceramus amygdaloides Goldf. in grosser Menge, 
z. Th. auch in zahlreichen Jugendexemplaren. 

Ammonites striatulus Sow. 

Amm. sp. 

kleine Äptychen. 

Schuppen und Knochenreste von Ganoiden. 

Stra'parollus cf. mmutus Römer, in einem Exemplar. 

Mehrere Insectenflügel, deren einer, am besten 
erhaltene nach Osw. Heer zu der Termitengattung Clathro- 
termes gehört, welche in dem unteren Lias der Scham- 
belen, Kanton Aargau, vorkommt und als neue Art, 
ClatJiTOtermes Gemitzi Heer beschrieben worden ist. 

Endlich mehrere Pflanzenreste, Algen, bisher für 
genaue Bestimmung noch nicht deutlich genug gefunden. 

Bezüglich eingehenderer Beschreibung der Dobber- 
tiner organischen Reste sei hier auf den demnächst er- 
scheinenden Bericht in der Zeitschr. d. d. geol. Ges. 
verwiesen. 

Diese Kalksteine sind nach ihren Versteinerungen, 
gleich wie die anderen analogen baltischen Vorkomm- 
nisse, von dem Alter des untersten braunen Jura resp. 
obersten Lias. 



296 Posidonienschiefer. 

Spricht schon das Vorkommen der erwähnten Jura- 
gerölle in dem Thone dafür, dass ihr zerstörtes ursprüng- 
liches Lager nicht fern sein mochte, so erhält man diesen 
Eindruck noch viel mehr bei Betrachtung der grossen, 
in dem Thon und Kies eingebetteten Scholle von dtinn- 
schiefrigem Liasschiefer. Es besitzt diese Scholle eine 
ungefähre Ausdehnung von 10 Meter Länge bei ca. 4 ra. 
Höhe und Avird von dem hier nördlich einfallenden Kies 
und Sand bedeckt, während unter ihr durch Bohrung der 
blaue Thon angetroffen worden ist. Die papierdünnen 
Schichten des äusserst leicht spaltbaren Schiefers zeigen 
im allgemeinen ebenfalls ein nördliches Einfallen, während 
ihre oberen Partien vielfach regellos geknickt und ver- 
worfen erscheinen. Nach dem Thon hin wird der Schiefer 
von einer gliramer- und kalkreichen , sandigschiefrigen, 
harten Zwischenschicht abgegrenzt. 

Der Schiefer zeigt die nämlichen petrographischen 
Eigenthümlichkeiten, wie der sog. Posidonienschiefer 
des oberen Lias anderer Gegenden: Glimmerreich, sehr 
leicht spaltbar, im feuchten Zustand schwarz, trocken 
graubraun und sehr stark bituminös. Der hohe Bitumen- 
gehalt lässt die Stücken unter hell leuchtender Flamme 
brennen und liefert bei trockener Destillation eine be- 
trächtliche Menge von Gas, welches mit leuchtender 
Flamme brennt.*) Könnte man das anstehende Lager 
dieser Schiefer in grösserer Mächtigkeit finden, so wäre 
hier leicht Gelegenheit für eine Industrie auf Leucht- 
gas oder Theer gegeben, ähnlich wie sie auf den 
Vorkommnissen der schwäbischen Oelschiefer basirt. 

In diesem Schiefer finden sich zahlreiche, breitge- 
drückte Fossilien und zwar: 

Inoceramus amygdaloides Goldf. (nach Prof. Dames), 

Fosidonia Bronni (?). 

*) Nach gefälliger Bestimmimg durch Herrn Stiid. B. Löwen- 
stein in Eostock enthielt der hei 100" getrocknete Schiefer 3,126 o/o 
durch Xylo! extrahirbare Substanz. Der lufttrockene Schiefer ergab, 
durch Glühverlust bestimmt, 24 o/o organische Substanz und Wasser 
und verlor bei 100° 15,9 7o Wasser. 



Liaspunkte im Balticiim. 297 

Ammomtes cf. communis Sow. 

Amin. cf. serpentinus Rem. 

Aptyclms, zwei Species. 

Fischknochen. 

Es sind dies Versteinerungen, welche dem zum 
oberen Lias gehörigen Posidonienschiefer angehören 
und es ist somit das interessante Factum constatirt, dass 
bei Dobbertin der Posidonienschiefer, der bisher 
in dem gesammten Gebiete des baltischen Juragebietes 
durchaus gefehlt hat, wenn auch noch nicht anstehend, 
als das erste derartige Vorkommen in der nord- 
deutschen Tiefebene (Balticum.) nachgewiesen ist. 

Das Vorkommen des Lias bei Dobbertin ist endlich 
noch wichtig als ein bedeutungsvolles Bindeglied zwischen 
vereinzelten Liasaufschlüssen anderer norddeutscher Lo- 
calitäten. 

Bereits E. Boll machte auf das seltene Vorkommen 
von Liasgeschieben in Mecklenburg gegenüber dem häu- 
figen Dogger (brauner Jura) aufmerksam und es geben 
diese Notizen der (bereits oben angedeuteten) Vermuthung 
Raum, den Lias in nicht zu grosser Entfernung von jenen 
local beschränkten Vorkommnissen der Geschiebe einstens 
auffinden zu können. Neuerdings ist nun auch in anderen 
Gegenden der Lias anstehend gefunden worden. 

So beschreibt Berendt*) ein Vorkommen von unterem 
Dogger resp. oberem Lias aus der Nähe von Grimmen 
südl. von Stralsund. In einem Bahneinschnitte bei dem 
Gute Schönwalde wurde ein blauer Thon angetroffen, in 
welchem dunkelgraue Kalkconcretionen von Brod- und 
Linsenform liegen, die nach ihren Fossilien, ihrer petro- 
graphischen Beschaffenheit etc. auch nach dem Urtheil 
des Herrn Dames völlig mit unseren Dobbertiner Kalk- 
linsen übereinstimmen. Berendt sieht jenen Thon für 
anstehenden Jurathon an und jene Kalklinsen für Con- 
cretionen. Den Dobbertiner Kalkstein kann ich jedoch 



*) Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1874. S. 823. S. auch Scholz, 
ebenda, 1875. S. 445. 



298 Liaspunkte im Baltirnm. Gyps und Steinsalz 

zu Lübtheen. 

nach dem oben Erwähnten nicht für Concretionen halten, 
sondern für Rollstücke einer zerstörten Schicht. 

Genau dieselben flachgedrückten Kalksteinkugeln 
mit genau denselben organischen Einschlüssen hatte 
vorher Meyn in Diluvialschichten der Hamburger 
Gegend, in der Nähe von Ahrensburg auf einem ca. 
4 Quadratmeilen grossen Districte, gefunden *) 

Bezüglich des geologischen Alters jener Kalk- 
steine machten Meyn und Dames **) darauf aufmerksam, 
dass das Zusammenvorkommen von Ammoniten, deren 
einer dem Posidonienschiefer, deren anderer dem Opa- 
linusthone angehöre, für die Zweckmässigkeit einer 
Grenzverschiebung zwischen Lias und mittlerem Jura 
spräche und es wird diese Ansicht durch das nunmehr 
constatirte Vorkommen des echten (liassischen) Fosi- 
donienschiefers in unmittelbarer Nachbarschaft des frag- 
lichen Kalksteines noch mehr bestärkt. 



Gryps und Steiiüsalz. 



Das seit dem Jahr 1825 bekannte und vielfach 
berühmte Gypslager zu Lübtheen, 8 Kilometer südlich 
vom Bahnhof Pritzier an der Berlin -Hamburger Eisen- 
bahn, wurde u. a. von Koch genauer beschrieben ***) als 
ein steil aus der Tiefe des Haidesandes und Diluviums 
herausragender isolirter Kegel, dessen Schichten unter 
mannichfachen Störungen allseitig steil nach aussen 
abfallen und z. Th. bedeckt sind von Platten eines 



*) Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1867. S. 41; 1874. S. 355. 
**) Ebenda, 1874. S. 967. — Auch bei C am min wurde 
(mittlerer) Lias in einer Bohrung nachgewiesen. S. Z. d. g. G. 
1876. S. 423. 

***) Arch. Nat. Meckl. VII. 1853. S. 43—57. 



Gyps und Steinsalz zu Lübtheen. 299 

dunkelgrauen, bituminösen, porösen Dolomites, in dem bis 
jetzt leider noch keine Fossilreste gefunden worden sind. 
Aus diesem Grunde ist es auch zur Zeit noch nicht 
möglich, das Alter des Lübtheener Gypses und Salzes 
zu bestimmen und es muss daher die Frage, ob triadisch 
oder dyadisch, noch offen bleiben. Schollen des Dolo- 
mites, des Gypses und Stücken von Braunkohlen finden 
sich sehr häufig in dem überlagernden und in Klüften 
der zerfressenen G3'psköpfe tief eingeklemmten Diluvium, 
dessen Gliederung oben gegeben wurde. 

Verschiedene Anzeichen sprachen schon lange für 
die Vermuthung, dass unter dem Gyps Steinsalz lagern 
müsse und die seit dem Jahre 1874 hier angesetzten 
Bohrversuche haben denn auch diese Vermuthung mit 
einem sehr günstigen Erfolge bestätigt. 

Das erste Bohrloch, dicht am Rande des Gyps- 
bruches angesetzt, ergab in 327 Meter Tiefe Salz, welches 
mit Carnallit beginnt und dadurch den Salzlagern von 
Stassfurt entspricht. Das Salz wurde bis auf 477 m. 
Tiefe erbohrt, ohne sein Liegendes zu erreichen. Die 
in Anlage II der „Verordnung, betreffend die Aufsuchung 
und Gewinnung von Steinsalz und anderen Salzen", 
Schwerin 1879, veröffentlichte Bohrtabelle ist folgende: 

— 10,545 m. weisser Sand, 

10,545 — 18,500 „ feiner bläulicher Sand, 

18,500— 22,330 „ grober Sand, 

22,330— 25,900 „ zerklüfteter Gyps mit Sandadern, 

25,900— 31,330 „ Gyps mit Sand, 

31,330— 59,700 „ fester heller Gyps, 

59,700— 62,350 „ dunkelgrauer Gyps, 

62,350— 63,370 „ sehr weisser Gyps, 

63,370— 66,640 „ grauer Gyps, 

66,640—135,000 „ fester weisser Gyps mit Marienglas, 

135,000-173,800 „ fester bläulicher Gyps (Anhydrit), 

173,800—288,360 „ grauer und weisser Gyps ab- 
wechselnd, 



300 Abraurasalze. Petroleum? bei Probst Jesar. 

288,360—327,140 m. grauer Mergel mit rothen und 
weissen Salzkörnern in dunklen 
Thonlagen, 
327,140—477,080 „ Salz, welches mit Carnallit be- 
ginnt. 

Analysen der Bohrproben aus verschiedenen Tiefen 
ergaben einen ziemlich bedeutenden Reichthum an den 
technisch so wichtigen sog. Abraumsalzen, deren Vor- 
kommen noch dadurch besonders interessant wird, dass 
es nach den Analysen scheint, als fänden sich diese 
leicht löslichen Kali- und Magnesiumsalze nicht in einer 
einzigen Schicht, sondern kämen in zwei oder drei, 
durch ein reineres Steinsalz getrennten Lagen vor. 

Das zweite, in östlicher Entfernung von 930 Metern 
vom ersten angesetzte Bohrloch zu Probt Jesar wird 
sicher genaueren Aufschluss über dieses Vorkommen 
liefern, da es mit Diamantbohrung ganze Kerne heraus- 
fördert, die ein sichereres Object für Analysen liefern als 
das beim ersten Bohrloch erhaltene blosse Bohrmehl. 
Das bis 30. August d. J. durchsunkene Profil dieses 
Bohrloches wurde bereits oben (S. 220) gegeben. *) 

Eine hier mit dem Bohrwasser heraufkommende 
ölige Substanz, sowie das Auftreten von geringen Spuren 
eines schwarzen, asphaltähnlichen Beschlages auf den 
Klüften des Gypses lassen hier noch der Vermuthung 
Raum, dass in der Nähe Erdöl resp. Asphalt angetroffen 
werden möge. 

Auch würde die Thatsache, dass in den benach- 
barten Gräben auf dem Wasser eine sich mit diesem 
nicht mischende Flüssigkeit in geringen Mengen vor- 
kommt, und dass man nach der Mittheilung des Herrn 
Medicinalrathes Becker in Lübthcen früher bei Brunnen- 
grabungen in Probst Jesar ein übelriechendes (mit 
Erdöl? vermengtes) Wasser erhalten hat, für jene aus- 
gesprochene Vermuthung sprechen. Doch müssen erst 



*) Inzwischen ist nach Zeitungsberichten auch hier das 
Steinsalz glücklich erbohrt worden. 



Ausdehnung des Gyps- und Steinsalzlagers. 301 

sicherere Belege und auch das Ergebniss von Analysen 
dieser Massen abgewartet werden. — 

üeber die Ausdehnung des Gyps- und Stein- 
salzlagers geben uns folgende Umstäide weitere 
Auskunft. 

In einer breiten, von NW.-SO. streichenden Zone 
kommen mehrere wohl charakterisirte Erdfälle von 
verschiedenen Dimensionen vor, deren Herr Dr. Gold- 
hammer-Lübtheen bereits 15 nachgewiesen hat und von 
denen der See von Probst Jesar mit seinen, noch bis 
nahe an den Seespiegel ragenden, versunkenen Eichen- 
stubben der berühmteste ist. Dass diese Erdfälle, die 
theils trocken, theils mit Wasser oder Torf erfüllt sind*), 
mit dem Vorkommen des Gypses und Steinsalzes in 
engster Beziehung stehen (entstanden durch Nachsturz 
der Oberfläche in unterirdische, durch theilweises Weg- 
waschen des Steinsalzes und Gypses verursachte Höh- 
lungen), beweist das Resultat einer Bohrung des Herrn 
Meyer-Jessenitz auf seinem Areale, die er gerade zwischen 
zwei solcher Erdfälle, den grossen und kleinen Sarm, 
angesetzt hatte. Es wurden hier durchsunken: 
— 6 m. gelber Sand, 
6-14 „ weisser Sand und Grand, 

14—24 „ Kies mit Braunkohlenstückchen, 

24—34 „ feiner Grand, 

34—40 „ grauer Thon, 

40—45 ,, Kies, grauer Thon mit Gypsbrocken, 

45-47,2,, Gyps. 

In derselben Streichungslinie liegt weiter im SO. 
bei Conow-Sülz eine Salzquelle, die früher zum Ver- 
sieden benutzt wurde, jetzt aber seit längerer Zeit 
unbenutzt liegt. Ihr bitterer Geschmack weist auf einen 
bedeutenden Magnesiumgehalt hin, sodass das bis hierher 



*) Ob die oben S. 265 erwähnten, grossen trichterförmigen 
Vertiefungen bei Schlieifenberg hierher gehören und etwa der 
Vermuthung Raum geben könnten, dass in ihrer Nähe Steinsalz 
vorkomme, muss vorläufig dahingestellt bleiben. 



302 Ausdehnung des Gyps- und Steinsalzlagers. 

Soolquellen. 

sich erstreckende Salzlager auch hier noch die werth- 
vollen „Abraumsalze'' zu führen scheint. 

Endlich zeigt auch der weisse Beschlag vieler 
Mallisser Ziegel und der intensive Salzsäuregeruch, der 
an den Ziegelöfen wahrzunehmen ist, an, dass die Soole 
sich bis hierher in den Septarienthon von Malliss 
erstreckt. — 

Das Vorkommen zahlreicher Soolquellen in den 
übrigen Gegenden Mecklenburgs und der angrenzenden 
Länder der norddeutschen Tiefebene spricht entschieden 
dafür, dass unter den Erhebungsfalten der älteren For- 
mationen, des Tertiär und der Kreide, auch die noch 
älteren Formationen (wenn auch theilweise vielleicht in 
solcher Tiefe, dass ein Abbau nicht lohnen würde) wie 
Jura und Salz führende Trias, resp. Dyas, von dem all- 
gemeinen, hier NW.- SO. streichenden „Faltenwurf 
der Erdoberfläche betroffen worden sind. 

Die Soolquellen von Suiten und Sülzdorf südlich 
von Schwerin liegen in der Verlängerung der Erhebung 
der Marnitzer Berge, von dieser getrennt durch die 
weite Niederung des Lewitzbruches. In nordwestlicher 
Richtung trifft eine Verbindungslinie der Marnitzer Berge 
und genannter Orte auf die Salzvorkommen von Oldes- 
lohe und Segeberg in Holstein. 

Die zwischen Brül und Sternberg gelegene Sool- 
quelle Suiten würde einem Orte in dem oben genannten 
Geschiebestreifen Sternberg - Alt- Schwerin - Fürstenberg 
entsprechen. 

Die bei D ob er an und Neuen kirchen bei Schwaan 
verzeichneten Salzquellen liegen mit der von Suiten 
südlich von Stavenhagen und den in derselben Richtung 
zwischenliegenden Schlieffenberger ? Brdfällen in einer 
nördlich vor dem Buckow-Rehberg-Peccateler Geschiebe- 
streifen verlaufenden Linie. Endlich die Salz Vorkomm- 
nisse von Sülze südlich von Ribnitz und mehreren 
Orten in Pommern, entsprechen dem nördlichsten Ge- 
schiebestreifen. 



303 



Auch in Sülze haben die Analysen der (fünfprocen- 
tigen) Soole einen bedeutenden Gehalt an Kalium und 
Magnesium ergeben.*) 

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass man in den 
Hügeln im NW. von Sülze, etwa bei Mar low auch das 
Salzlager antreffen kann. 



Die Vorkommnisse von salzführenden Schichten 
zeigen in üebereinstimmung mit den übrigen, jüngeren 
Formationen, namentlich der Kreide und des Tertiärs, 
in Mecklenburg alle meist ein und dieselbe Richtun«: 
ihres Streichens, nämlich die von NW. — SO. Es ist dies 
die von Leopold v. Buch, Fr. Hoffmann und Girard 
nachgewiesene Richtung des hercynischen Systems 
der Gebirgszüge, welcher z. ß. der Harz, die Weser- 
gebirge und Sudeten folgen und welche auch einen 
grossen Theil der Erhebungen in dem, jenen Ketten 
vorliegenden norddeutschen Tieflande beherrscht. 

Daneben kommen allerdings in der norddeutschen 
Ebene, wie dies namentlich neuerlich K. Lossen in seiner 



*) A. Virck: Chem. Unters, der Soolen etc. aus der Saline 
zu Sülz. Inaug. Diss. Rostock 1862. H.V.Blücher: Chem. Unters. 
d. Soolquellen bei Sülz. Berlin 1829. 1 Taf. 



304 Vorherrschen des hercynischen Systemes in 

Mecklenburg. 

werthvollen Arbeit über den Boden der Stadt Berlin 
nachgewiesen, auch die anderen der in Deutschland 
noch herrschenden Systeme vor, nämlich das SW.-NO. 
streichende niederländische oder erzgebirgische und das 
S.-N. streichende rheinische System. 

So liegen nach Lossen die pommerschen Salzquellen, 
denen sich Sülze bei Ribnitz anschliessen würde, in der 
senkrecht zur hercynischen stehenden erzgebirgischen 
Richtung und gilt für den Jura, Gyps und das Steinsalz 
von Inowraclaw bei Bromberg das rheinische System. 

Für den Gebirgsbau Mecklenburgs ist dagegen 
lediglich die hercynische Richtung herrschend und 
wir können das Vorkommen der Steinsalz führenden 
Schichten in dem nordwestdeutschen Tieflande sehr wohl 
auf eine Anzahl paralleler, NW. -SO. streichender, 
wellenartiger Züge zurückführen , die sich allerdings 
weiter nach Osten nach den Ausführungen Losseng in 
die anderen Streichungsrichtungen wenden. Wir hätten 
dann die folgenden Züge salzführender Schichten: 

Helgoland -Lüneburg- Lübtheen-Speremberg; 

Segeberg-Sülten b. Schwerin; 

(Suiten b. Brül); 

Doberan-Sülten b. Stavenhagen. 
Dagegen ist es noch nicht erwiesen, ob wir der her- 
cynischen Richtung auch die oben (S. 298 f.) erwähnten 
Juravorkommnisse unterordnen dürfen. Zwar hat die 
von Berendt (a. a. 0. S. 826) gegebene Andeutung, dass 
die Verbindung der seiner Zeit bekannten Liasvorkomm- 
nisse von Grimmen und Ahrensburg der Längsrichtung 
der mecklenburgisch -pommerschen Küste, d. i dem erz- 
gebirgischen Systeme entspräche, durch das Vorkommen 
von Dobbertin insofern eine Aenderung erfahren, als 
unser neuer Liaspunkt nicht in der geraden Verbindungs- 
linie jener alten Punkte liegt. Eine Verbindung jener 
drei Localitäten ergiebt vielmehr einen nach Süden ge- 
wendeten Winkel, dessen einer Schenkel, Ahrensburg- 
Dobbertin mit der in Mecklenburg allgemein herrschen- 
den hercynischen Richtung übereinstimmt. Der andere 



Vorherrschen des hereynischen Systemes in 305 

Mecklenburg. 

Schenkel würde dem eizgebirgischen S3^steme entsprechen, 
welches weiter im Osten das herrschende wird. Da in- 
dessen Dobbertin mitten in den Erhebungen liegt, für 
welche das hercynische System nachgewiesen wurde, so 
scheint es mir mindestens ebenso gerechtfertigt, wenn 
wir die drei Liasvorkommnisse in der Weise mit einander 
in Verbindung bringen, dass wir Grimmen als zu einer 
nördlichen Parallelkette gehörig ansehen. 

Weitere Untersuchungen werden hoffentlich noch 
mehr Licht auf diese wissenschaftlich hoch interessanten 
Fragen werfen, die auch für die Praxis von dem grössten 
Werthe sind, indem längs jener Gebirgszüge am leich- 
testen die älteren Formationen gefunden werden, deren 
Ablagerungen für den Bewohner des norddeutschen 
Tieflandes von so hoher nationalökonomischer Be- 
deutung sind. 



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Archiv XXXin. 20 



Erklärung der Abbildungen. 



Tafel 1 und 2 : I. Abbruchsufer der Stoltera bei Warnemünde : 

a. blauer Geschiebemergel mit horizontal einge- 
lagerten Geschieben. 

b. gelber do. 

c. obere sandige Verwitterungsrinde von b, 
mit humusreichem sandigem Ackerboden, in 
welchem zahlreiche Schwalbennester. 

IL Lehmkuhle im Rammer Forst bei Lübtheen: 

a. gelber Geschiebemergel. 

b. Sand und Kies. 

c. Dünensand mit humusreichen Zwischen- 
schichten. 

in. Eibufer bei Wendisch-Wehningen : 

a. feiner Sand. 

b. gelber Geschiebemergel. 

c. Thon. 

d. Infusorienerde. 

e. Geschieberaergel. 
IV. Kiesgrube bei Glasow: 

a. Sand und Grand. 

b. Grand und Kies. 

c. ungeschichteter Decksand. 

d. sandig lehmiger Mutterboden und Sand. 

V. Idealprofil durch die Carentzer Berge, nach Koch : 

a. Turon. 

b. Erdfälle. 

c. Septarienthon. 

d. Soolquellen. 

e. Braunkohlen in 2 Flötzen mit Zwischenlagen 
von Sand und Alaunerde. 

f. Grauer miocäner Sand mit eingelagertem 
petrefactenreichem Sandstein. 

g. Alaungebirge, brauner Thon u. s. w. 
h. Diluvium mit Geröllblöcken. 

k. Haide- und Dünensand. 
Tafel 3 : Thongrube im Berg von Wendisch - Wehningen 

bei Dömitz. Aufgenommen im August 1879. 
Anmerkung: die senkrechte Schrafifirung der Thon- und 
Mergellager bedeutet nicht eine stengelige Absonderung der 
Massen. 



Eine in Mecklenburg gefundene Blitzröhre, 

Von Dr. H. Planeth- Schwerin. 



In den letzten Tagen des August d. J. erhielt ich 
durch die Güte des Herrn Pastor Reissner zu Granzin 
bei ßoizcnburg zwei glasartige Röhrenstücke, die von 
den Kindern desselben während der letzten Hundstags- 
ferien bei einer Sandgrube in der Nähe von Granzin 
aufgelesen waren, und welche ich als Bruchstücke eines 
Fulguriten erkannte. Im ganzen hatten die Kinder 
sieben Stücke gefunden, weiche zusammen eine Länge 
von etwa 28 cm besitzen. Da das Vorkommen von 
Blitzröhren in Mecklenburg, soweit mir bekannt, kein 
sehr häufiges ist, — im Maltzan'schen Museum zu Waren 
befinden sich nach einer Mittheilung des Herrn Struck 
Fragmente einer Blitzröhre vom Leviner Werder bei 
Dargun; über weitere in Mecklenburg gefundene Röhren 
habe ich nichts in Erfahrung bringen können — so be- 
gab ich mich in den Michaelisferien nach Granzin, um 
wenn möglich die fragliche Blitzröhre weiter auszugraben. 
Es ist mir denn auch nach einigem Suchen gelungen, 
die Röhre an ihrer Geburtsstätte zu entdecken und einige 
Meter derselben ans Tageslicht zu fördern. 

Die Sandgrube, in welcher der Fulgurit durch 
Blitzschlag *) entstanden, befindet sich in unmittelbarer 
Nähe des Dorfes Granzin; die Stelle, wo die Röhre aus- 
gegraben, ist 30 — 35 ra von den nächsten Gebäuden und 
Bäumen entfernt. Die Grube selber, durch welche früher 



*) Vergl. Poggendorffs Annalen, Bd. 106, pag. 158. 

20* 



308 



ein Landweg geführt, hat eine Länge und Breite von 
ungefähr 12 m und ist gegen das vom Dorfe entfernt 
liegende, höchste Ufer etwa 1,5 m tief. Dort, wo das 
Ufer am höchsten ist, fand ich am schrägen Abhänge 
die Blitzröhre. 

Der Sand, aus dem die Röhre zusammengeschmolzen 
und gefrittet ist, ist ein feiner Quarzsand, welcher mit 
wenigen Feldspathkörnern und Glimmerblättchen unter- 
mischt und schichtenweise weiss oder mehr oder weniger 
durch Eisenoxydhydrat braungelb gefärbt ist. Rund um 
die Röhre war das Eisenoxydhydrat durch die vom Blitz- 
strahl erregte Hitze in Eisenoxyd verwandelt, und war 
daher die Röhre von einer 3 — 5 mm dicken Schicht tief 
roth gefärbten Sandes umgeben. In der ganzen Grube 
ist der Sand durchweg ein wenig feucht, was die Be- 
wohner des Dorfes Granzin veranlasst hat, ihn „wasser- 
süchtig'* zu nennen, während die Brunnen des Dorfes 
bis zur Oberfläche des Wassers mehr als 20 m tief sind. 
Der Fulgurit ging nicht, wie es meistens der Fall 
ist,*) in fast senkrechter Richtung in den Erdboden 
hinab, sondern machte in dem oberen und unteren Theile 
des Stückes, das hat ausgegraben werden können, unter 
mannigfachen Krümmungen einen Winkel von etwa 30^ 
mit der Vertikalen, während der mittlere Theil auf un- 
gefähr 1 m Länge in fast horizontaler Richtung verlief. 
Das obere Ende der Röhre ohne die Bruchstücke, welche 
bereits früher von Dorfleuten beim Sandholen abge- 
stochen und dann von Kindern fortgenommen worden, 
bis dahin, wo die Röhre sich umbiegt, um horizontal 
weiter zu gehen, hat eine Länge von 1 m und konnte 
nur in Stücken von 5—30 cm Länge aus dem Erdreich 
gelöst werden. Auch der Theil der Röhre, welcher 
unterhalb der horizontalen Strecke derselben abwärts 
ging, zerbrach in ähnliche Stücke, welche eine Gesammt- 
länge von 1,2 m besitzen, so dass also der Verlauf des 



*) Vergl. Gilbert's Annalen, Bd. 55, pag. 121 und Bd. 61, 
pag. 235. 



309 



Fulguriten von mir auf eine Strecke von im ganzen 
3,2 m Länge verfolgt ist. Denselben weiter, vielleicht 
bis zum Ende auszugraben, war nicht thunlich, da er 
schräge in das hohe Ufer der Sandgrube nach unten 
lief, und mit jedem Spatenstich für den grabenden 
Arbeitsmann die Gefahr wuchs, durch von oben herab- 
stürzendes Erdreich verschüttet zu werden. Zu dem 
liess die Weite und Stärke der untersten Röhrenstücke 
auch nicht vermuthen, dass das Ende des Fulguriten so 
bald zu erreichen sein würde. 

Die Blitzröhre hat das gewöhnliche Ansehen; sie 
ist von perlgrauer Farbe und hier und da etwas schwärz- 
lich gefleckt. Die äussere Oberfläche ist mit Höckern 
und Zacken von zusammengefritteien Quarzkörnern be- 
setzt, welche stellenweise in Reihen geordnet sind, die 
wie Längsrippen die Röhre hinablaufen. Die innere 
Wandung ist von hyalitischer Beschaffenheit mit glas- 
glänzender Oberfläche und da, wo die Röhre nicht zu 
dünn ist, voll von kleineren und grösseren Blasen. 
Form und Weite der Oeffnung der Röhre, sowie Dicke 
der Wandung sind sehr verschieden. Die obersten Theile 
der Röhre haben eine fast kreisrunde Oeffnung mit einem 
Durchmesser von 5 mm, während die Wandung, welche 
durch die aufgesetzten Höcker ein sternförmiges Ansehen 
trägt, eine durchschnittliche Dicke von 2 mm besitzt. 
Weiter nach unten wird der Querschnitt der Höhlung 
in schneller Aufeinanderfolge dreieckig, dann viereckig, 
hierauf wieder rundlich, dann unregelmässig länglich rund 
und erweitert sich nun allmählich bei gleichzeitiger Ab- 
nahme der Dicke der Wandung, bis die Röhre sich um- 
biegt, um in horizontaler Richtung weiter zu laufen, so 
dass sie hier bei fast rundem Querschnitt eine Weite 
von 1,3 cm hat, während die Dicke der Wand kaum 
0,5 mm beträgt. Der horizontale Theil der Blitzröhre 
befand sich in einer Erdschicht, welche einen stärkeren 
Eisengehalt als die darüber und darunter befindlichen 
Schichten zeigte und auch eine grössere Feuchtigkeit 
zu enthalten schien. Hier war die Röhre von äusserster 



310 



Zartheit, mit einer Wandung, nicht dicker als Papier, 
so dass sie trotz aller Vorsicht beim Graben sofort 
zerbrach und nur in kleinen Stückchen und Blättcheu 
gewonnen werden konnte. Stellenweise verschwand die 
Röhre ganz, und blieb nur ein Loch im Sand zurück, 
welches mit Flocken und schaumartigen und klumpigen 
Stücken von geschmolzenem und gefrittetem Quarzsand 
angefüllt war. Dass grosseste solcher unregelmässig 
geformten, schlackenartigen Stücke, welche ich aus dem 
Loche hervorgezogen, ist 10 cm lang und an der stärk- 
sten Stelle 2,4 cm dick. Im weiteren Verlauf nach unten 
wird die Röhre allmählich wieder stärker und fester; 
hat auf 60 cm Länge eine sich fast gleichbleibende rund- 
liche Höhlung von 1 cm Durchmesser und in der Wan- 
dung eine Dicke von 0,5 mm. Nun baucht sich die Röhre 
plötzlich zu einer 10 cm langen und 4 cm weiten, aussen 
mit starken Knoten und Zacken besetzten Anschwellung 
auf, nimmt dann die früheren Dimensionen an und ver- 
dickt sich nach unten allmählich unter gleichzeitiger 
Verengerung des Lumens, so dass das unterste Bruch- 
stück der Blitzröhre ganz die Beschaffenheit der obersten 
Stücke hat. Seitenäste, wie sie die Blitzröhren aus der 
Senne bei Paderborn häutig zeigen, sowie Quersprünge 
wurden nicht beobachtet. — Das Gewicht des Fulguriten, 
soweit derselbe von mir ausgegraben, beträgt 194 g; 
das specifische Gewicht der dickwandigen, blasenreichen 
Stücke ist 1,56, das der dünnwandigen Stücke ist 1,97 
und kommt also dem specifischen Gewichte des Quarz- 
sandes sehr nahe. 

Die vorstehend beschriebene Blitzröhre zeigt also 
in allen wesentlichen Punkten dieselben Eigenschaften 
wie die in der Senner Heide bei Paderborn, in der 
Bantelge bei Rheine, nahe bei Drigg in Cumberland 
und an anderen Orten gefundenen Fulgurite. Sie gehört 
nicht zu den dicksten und stärksten ihrer Art, was sich 
dadurch erklärt, dass sie nicht in einem verhältnissmässig 
trocknen, die Elektricität wenig leitenden Flugsande, 
wie ihn z. B. die Senne bei Paderborn und die Bantelge 



311 



bei Rheine enthält, sondern in einem ziemlich feuchten 
Erdreich gebildet worden, übertrifft aber doch an Stärke 
und Festigkeit eine ganze Anzahl der bereits gesammelten 
und z. Th. sehr zartwandigen Fulgurite. Dass die Bhtz- 
röhre nicht in senkrechter Richtung zum Grundwasser 
hinabführt, ein Fall, der durchaus nicht vereinzelt dasteht, 
hat wohl in der localen Beschaffenheit der vom Blitz 
durchdrungenen Sandschichten, vor allem aber in der 
besonderen Vertheilung der Feuchtigkeit in denselben 
seinen Grund. Vielleicht ist der Fulgurit nur ein zur 
Seite gehender Ast einer verzweigten Blitzröhre, von 
welcher der andere Ast oder die anderen Aeste noch 
zu suchen wären. 

Schwerin, im Oct. 1879. 



Ueber Martörv in Mecklenburg 

von C. Brath-Zarrentin. 



JJer mir befreundete Herr Forjahn, Lehrer zu 
Testorf bei Zarrentin, bemerkte auf einer Testorfer 
Wiese unter dem Torfe eine Schicht brauner blättriger 
Masse, durch eine Lage plastischer Substanz von dem 
Torfe getrennt. Nach näherer Untersuchung kann ich 
über dieses Vorkommen Folgendes berichten. 

Unter dem etwa 0,75 m. mächtigen Wiesentorfe 
liegt eine bräunlichgraue teigartige Masse, 30 cm. stark; 
in getrocknetem Zustande erscheint sie etwas heller, 
zeigt erdigen Bruch und fühlt sich mager an; mit dem 
Fingernagel geritzt, giebt sie einen glänzenden Strich; 
angehaucht lässt sie keinen Thongeruch erkennen, zeigt 
sich auch beim Behandeln mit Salzsäure kalkfrei, nur 
Spuren von Eisenoxyd werden von der Salzsäure aus- 
gezogen. Beim Glühen der Masse entwickelt sich ein 
bituminöser Geruch, sie wird zuerst schwarz, darauf 
weiss, bleibt aber unschmelzbar; mit doppeltkohlen- 
saurem Natron auf Kohle mit der Löthrohrflamme be- 
handelt, giebt sie sofort unter Aufschäumen ein dunkel- 
grünes Glas; bei entsprechender Vergrösserung zeigt sie 
sich zusammengesetzt aus einem höchst feinkörnigen 
Sande, durch etwas homogene Torfmasse zusammenge- 
halten und gefärbt. Dieser Sand dürfte als Flugsand 
feinster Art zu betrachten sein und aus dem angrän- 
zenden Lauenburgischen Gebiete stammen, wo sehr be- 
deutende Flächen, z. B. von Gudow bis Buchen, aus 
Flugsand bestehen. 



313 



Unter diesem Sande liegt eine ungefähr 0,30 m. 
mächtige Schicht von brauner blättriger Masse, zuweilen 
mit Blattabdrücken und verschiedenen Früchten. In 
feuchtem Zustande gleicht die elastische Masse einem 
homogenen, aber geschichteten Torfe; beim Trocknen 
in der Sonne zerberstet dieser Torf in der Schiefer- 
richtung zu schwarzbraunen harten etwas elastischen 
Blättern; im Schatten getrocknet bleibt er zusammen- 
hängend und gleicht dann einer dunklen harten zähen 
und schiefrigen Braunkohle; das spec. Gew. beträgt im 
Durchschnitt 1,43; er brennt mit heller Flamme unter 
Verbreitung eines höchst üblen Geruches; die untere 
Abtheilung dieser Schicht ist durch beigemengten san- 
digen Mergel mehr ins Graue neigend und spec. schwerer. 
Ohne Zweifel ist dieser nach Boll's Mittheilung im 
Archivhefte von 1868 in Mecklenburg noch nicht beob- 
achtete Torf übereinstimmend mit dem in Dänemark 
vorkommenden, von Forchhammer beschriebenen Martörv, 
der ebenfalls durch Belastung eine schiefrige Structur 
erhalten; als deutsche Bezeichnung dürfte sich „Torf- 
schiefer'' empfehlen. 

Dieser Torfschiefer ruht auf bläulichgrauem mehr 
oder weniger Sand führenden Mergel, in welchem kleinere 
Gerolle und Feuersteintrünuner vorkommen; die Mäch- 
tigkeit des Mergels war bei dem hohen Wasserstande 
mit den zu Gebote stehenden Instrumenten nicht zu 
ermitteln. Nach Entfernung des Mergels durch Auflösen 
des kalkigen und Abschlemmen des thonigen Bestand- 
theils ist der beigemengte Sand als Diluvialsand zu 
erkennen; er enthält neben Quarzkörnern noch rothen 
Feldspath, auch schwarze, braune und grüne Körner, 
sowie einige Kreidebryozoen. 

üeber die Flächenausdehnung dieses Vorkommens 
kann ich zur Zeit genaue Angaben nicht machen; es ist 
aber als sehr wahrscheinlich zu betrachten, dass die 
Torfschieferschicht annähernd dieselbe Ausdehnung habe, 
als die darüber befindliche rundliche Wiesenfläche von 
von etwa 50 m. im Durchmesser. Ebenfalls auf 



314 



Testorfer Feldmark, südlich vom Chausseehause, etwa 
1 Kilometer von obigem Fundorte entfernt, durch Acker- 
land und Wiesen davon getrennt, finden sich auf einer 
Wiese dieselben oberwähnten Schichten von Torf, Flug- 
sand, Torfschiefer und Mergel, auch in derselben Dicke. 
Beide Vorkommnisse halte ich für isolirte Nester, da sich 
beim Graben auf einer zwischen beiden genannten Fund- 
orten in der Mitte liegenden Wiese andre Resultate 
ergaben; hier fand sich nämlich Moostorf in extremster 
Form direct auf kalkfreien Diluvialthon gelagert. 



Ornithologische Mitth eilungen 

von Franz Schmidt -Wismar. 



1. Anser ruficollis. Sothhalsige Gans. 

Jjin Exemplar dieser schönen Meergans wurde am 
6. Mai d. J. hinter Pol von einem dortigen Bootfahrer 
auf der Ostsee geschossen. Dieselbe war dort zwischen 
den vielen Ringelgänsen, die auf ihrem Zuge nach 
Norden im Frühlinge sich gewöhnlich eine Zeitlang hier 
aufhalten, seit mehreren Tagen durch ihre abweichende 
Farbe und ihre eigenthümliche Stimme aufgefallen, ver- 
geblich verfolgt, endlich aber doch erlegt worden. Das 
recht schöne, wahrscheinlich männliche Exemplar wurde 
mir am folgenden Tage zwar zu Kauf gestellt, ist aber 
leider doch nicht in meinen Besitz gelangt, da der 
Schütze das Thier für den gebotenen ansehnlichen Preis 
nicht lassen wollte und damit auch nicht wieder kam. 

Diese Gans ist in Mecklenburg sonst noch nicht 
beobachtet, wohl aber in Pommern (von Homeyer) und 
an den dänischen Küsten (Kjärbölling) einzeln ge- 
schossen worden. Da ihre Heimath der hohe Norden, 
besonders das nordwestliche Sibirien ist, so wird ihr 
Zug östlicher fallen, und hieraus ihre grosse Seltenheit 
im westlichen Europa erklärt. 

2. Aquila fulva. Steinadler. 

Wenn auch dieser stattliche Vogel in Mecklen- 
burg schon mehrfach beobachtet ist, so gehört derselbe 
bei uns doch immer zu den seltenen Erscheinungen. 
Daher sei hier mitgetheilt, dass ein solcher im Januar 



316 



d. J. auf dem nahen Gute Zierow vom Herrn Baron 
von Biel daselbst geschossen wurde. Der Adler hatte 
auf einem hohen Baum in einer der kleinen Baum- 
gruppen, die das dortige Feld schmücken, seine Nacht- 
ruhe halten wollen, sich aber ohne besondere Mühe 
beschleichen lassen. Vielleicht war derselbe erst kürzlich 
von Norwegen oder Schweden zu uns herüber gekommen 
und daher noch wenig scheu und vorsichtig. Denn 
daher werden die einzelnen Steinadler und auch die 
hier viel häufigeren Meeradlcr zumeist stammen, welche 
zur Winterzeit bei uns umherstreifen. Das Exemplar 
ist ein recht grosses, schönes ausgefiedertes Weibchen 
und wird ausgestopft im herrschaftlichem Hause zu 
Zierow aufbewahrt. 

3. Emberiza (Plectrophanes) calcarata. Spornaminer. 

Ein Exemplar dieses Vogels sah ich in der Samm- 
lung des Herrn Lehrers Cordes in Teterow und erfuhr 
dabei, dass derselbe in dortiger Gegend mit Schnee, 
ammern geschossen wurde, mit denen er bekanntlich 
seine hochnordische Heimath gemein hat und unter wel- 
chen er auch schon sonst auf seinem Zuge angetroffen 
worden ist. Hiermit haben wir also ein sicheres Bei- 
spiel vom Vorkommen dieser Vogelart in Mecklenburg. 
Vergl. Zander, syst, üebers. der Vögel Meckl. Arch. 1861, 
S. 90, No. 106. 

4. Platalea leucorodia. Löffelreiher. 

Seit meinem Berichte über das Erscheinen dieses 
stattlichen Vogels bei uns (Arch. 1875, S. 144) hat derselbe 
sich hier noch wiederholt gezeigt. Nach den Mitthei- 
lungen Pöler Schützen wurde von ihnen im Frühlinge 
des Jahres 1877 öfter und längere Zeit hindurch ein 
solcher Vogel an der Wohlenberger Bucht und am 
häufigsten auf dem Tarnewitzer Ort gesehen. In diesem 
Frühlinge hielten sich 2 Löffelreiher an der Nordostseite 
von Pol auf den dortigen Werdern und Halbinseln auf. 
Auch diesen ist viel nachgestellt, doch keiner erlegt worden. 



317 



5. Larus canus. Sturmmöve, 

nistete in diesem Jahre in einigen Paaren auch auf der 
Südspitze der Halbinsel Wustrow — Kielort — . An der 
Westseite desselben umflogen mich daselbst, gegen 
Mitte des Juni, theils auch schreiend und mir oft sehr 
nahe kommend, 5 — 6 dieser Vögel. Sie hatten offenbar 
Junge und diese hielten sich in dem dort dichten Sand- 
hafer verborgen, denn ich fand zwischen ihm Eierschalen 
dieser Vogelart, aus welchen Junge ausgekrochen waren. 

Wismar, im Oct. 1879. 



Eine botanische Excursion in die Rostocker 
Heide vor 300 Jahren. 

Von Ernst H. L. Krause. 



U nter den Gedichten *) des Rostocker Professors 
Nathan Chytraeus **) befindet sich auch die Schilderung 
eines botanischen Ausflugs in die Gegend von Mark- 
grafenheide. 

Wenn auch Botanisches in diesem Stücke kaum 
enthalten ist, so ist doch die Art und Weise, wie diese 
Excursion unternommen wurde und ihr Verlauf, inter- 
essant genug, um einen Abdruck desselben an dieser 
Stelle gerechtfertigt erscheinen zu lassen. 



Botanoscopium. 

Ad Jo. Franciscum Ripensem V. CL. 



Forte aberam, tua quando mihi dulcissima venit 
Littera, quam, sera quamvis cum nocte reversus, 
Perlegi tamen ad lychnum, lectamque supino 
Supposui capiti. primo cum lumine solis 
5 Perlego nuuc eadem, satiari nescius illis, 



*) Poematum Nathanis Chytraei praeter sacra omnium libri 
septendecim. Rostochii 1579. Das betreffende Gedicht steht 
fol. 319 ff. 

**) Dr. Nathan Chytraeus (eigentlich Kochhafe), geb. 15. März 
1543 zu Mensingen in der Pfalz, von 1564 — 1593 Professor, zuerst 
der lateinischen Sprache, dann der Poesie, zu Rostock, f 25. Februar 
1598 zu Bremen. S. Allgem. Deutsche Biographie Bd. IV, Seite 256. 
C. M. Wiechmann Mecklenburgs altniedersächsische Literatur II, 
S. 109 ff. 



319 



Id lecto tarnen affixus. quae causa requiris? 
Sic iter hesternum me delassavit anhelum. 
Scire cupis quäle id fuerit? nisi sit grave paucis. 
Francisce bonis longe carissime Musis, 

10 Accipe, qui Phoebi geminas intelligis artes, 

Et medicus, vatesque honus, virque optimus idem, 
Sic nostrum Botanoscopium, sed non sine risu 
Cognosces, causamque mei languoris habebis. 
Mane erat, ad ripam multos concurrere Varni 

15 Aspiceres; alius calamos librosque ferebat, 
Nomina ut herbarum perscriberet : ille ligonem 
Quo foderet fibras plantarum: cautior alter, 
Et ventri metuens, pernas cum corbe ferebat 
Panibus impleto, ieiunis qui satis essent 

20 Triginta agricolis. pueri mox deinde secuti, 
Suspensam e vecti magna cum mole lagenam 
Vi Cereris gravidara gestaut, fundoque phaseli 
Omnia componunt. illos non quaerere velle 
Dixisses, iurans, verum perfundere plantas 

25 Pulvere siccatas nimio, nimioque calore. 

Ventum erat in lembum, qui nos in margine ripae 
Sisteret alterius (raras ubi crescere plantas 
Ad diverticulum aiebant) angustior ille 
Vix omnes cepit: sed enim nihilominus una 

30 Coeptum iter ingredimur; nautae sua lintea pandunt. 
Dumque ea, quo venti propellant fortius, undis 
Aspergunt; nos continuo, velut imbre rigati 
Progredimur madidi. mox densam in fluminis ulvam 
Et vada delati, dum non procedere Untrem 

35 Aspicimus; remis pariter contisque movere 

Naviculam frustra aggredimur. tum fortior unus 
Nautarum in medias sese cum vestibus undas 
Projicit, impellitque ratem, ut sublimior iret, 
Inseqaiturque natans. dum sie luctamur in ulva, 

40 Praeteriit diverticulum, quo tcndere na vis 

Jussa erat, atque alias errans defertur in oras. 
Hie dubios nunc huc oculos, nunc dirigit illuc, 
Ignarus dux ipse viae ripaeque locique. 



320 



Dum nil proficimus, frustraque hinc inde va^amur; 

45 Egredimur tandem, qua se loca proxima panduut. 
Vix iter ingressos, ob crebras eluvioues 
Fluminis excipiant lamae putresque lacunae: 
Quas ocreis pars indutis, pars denique nudis 
Trajecit pedibus. dorso pendere videres 

50 Hie unum alterius, foedas hunc tergere plantas, 
Hunc stagnum monstrare novuni, foedamve paludem. 
Exlialant tetram pedibus vada mota Mephitim. 
Gaule ruber Tithymallus ibi tanacetaque crescunt, 
Herbaque Lysimachi, brevioraquc centaurea, 

55 Febrifugas dixere alii. spectatur ibidem 
Quam vulgo dicunt Kaly: non eryngion inde 
Abfuit, hirsutusque tragus. procedere sed iam 
Non licet ulterius: maris ergo ad litora vecti *). 
Defessi in tumulis bibulae prandemus arenae, 

60 Iam pernae raagis intenti vastaeque lagenae 

Quam conchis, herbis, decumano aut denique fluctu**), 
Quem superantem alios istic spectare licebat. 
Hinc foret in media cum sol calidissimus arce, 
(Fraecipit Hippocrates illud magnusque G-alenus) ***) 

65 Continuamus iter saturi, ruptaque quiete 
Ingredimur silvas a litore. provenit illic 
Rara chamaepeuce, nee non et Teutona myrtus, 
Crassulaque umbella candente, ulmaria, ericae, 
Verbenaeque adeo, et dictum silvestre pyrethrum. 

70 Hie ducis ignari compendia falsa secuti 
Decipimur rursum, et longis ambagibus usi, 
Assequimur silvae fines, defessi et anheli, 
Ardentesque siti: quantisque erroribus actum 
Hoc sit iter, lassi et madidi sudore dolemus. 

75 Tum vero herbarum Studium languere videres, 



*) Entweder zu Fuss, oder sie sind ins Boot zurlickgekehi't 
und bei der hohen Düne gelandet, wo der Sand bis an den 
Breitling reicht. 

**) decumanus fluctus = TQixvficc d^aXadcJi^g. 
***) post coenam stabis seu passus mille meabis. 



321 



Quin cecidisse adeo. pro sicca cantharus herba, 
Pro flore optantur serosi pocula lactis, 
His postquam sedata sitis, jam colicus unum 
Exagitat dolor, atque alium stranguria vexat. 

80 Per stipulas igitur prorepsimus, huc ubi silvae 
Villala vicina est; hie rursus flumina Varni 
Conspicimus, nautasque procul non esse putamus: 
Uli autem, dum nos silvas scrutamur et agros, 
Nescio quo curturn remis egere phaselum. 

85 Sic iterum elusi, pedites compellimur ire 
Quod restabat iter. nautis convicia dicit 
Quilibet, atque illis visis extrema minatur. 
Interea per agros, glebas, stipulasque rigentes, 
Per fossas, septa, et saltus procedimus aegri, 

90 Ductoris miseri compendia vana secuti. 
Hoc iter ignavi toties divisimus uno 
Affectu, quoties *) cauponae oblata facultas, 
lila placet; non si pedibus calcasset amomum **), 
Non si malobathrum, jam cuiquam inflectere tergum 

95 Segne libet; menti tacitae sie cantharus haeret. 
Trajectum Varni tandera, cum sudor ad imos 
Manaret talos, sub prima crepuscula noctis 
Attigimus, nautisque diu multumque moratis 
Praemia pro plagis dedimus, pro verbere nummos: 
100 Nam cerebrosorum dudum exsudaverat ira. 
Mox quoque sub dio nocturnos ducere somnos 
Pene necesse fuit, clausis ad moenia portis, 
Quas aegre tarnen ingredimur, septique tenebris. 
Haec fuit infelix miserae fortuna diei, 
105 Hoc fatum. non me ducibus, non denique nautis 
Talibus a terra quisquam convellere funem 
Postmodo vel jubeat, vel navi includere tentet. 
Haec tibi dictabam, segnis lassusque labore, 
Postera quando dies puro illuxisset eoo: 

*) Wird nicht oft gewesen sein. 

**) äfioofiov und fiaXoßa&QOV ((laXaßa&QOv) indische 
Gewürze. Was hier gemeint sei, ist nicht zu sagen, wenn Ch. 
überhaupt an etwas Bestimmtes gedacht hat. 

Archiv XXXIU. 21 



322 



110 Quae si parva putas; hoc te mihi credere, verum 
Dicenti sine fraude, volo; non hactenus ullam 
Scribendi vel materiam, vel carminis artem, 
Majori mihi cum nisu et sudore paratam. 



Botanische Excursion, 

Brief an Johann Franz (Frank?)*) von ßipen. 



Fern war ich g'rad', als hier Dein lieber Brief für 

mich ankam, 
Doch beim Scheine der Lampe noch las ich ihn, 

wenn ich auch spät erst 
Nachts nach Hause gelangte. Dann legt ich ihn 

unter den Kopf mir, 
Um am anderen Morgen beim ersten Strahle der Sonne 
5 Ihn noch einmal zu lesen — nie könnt ich ja dieses 

zu oft thun! 
Zudem war ich ans Lager gefesselt. — Warum denn? 

so fragst Du — 
So sehr hatte mich gestern heruntergebracht unser 

Ausflug, 
Hören nun möchtest Du davon, doch kann ich es 

kurz nicht erzählen. 
Franz, Du Liebling der Musen, der göttlichen, hier- 
mit erhälst Du, — 
10 vortrefflicher Kenner der beiden Künste Apollos, 
Guter Arzt und Dichter zugleich und von edlem 

Karakter ~ 
Unserer Excursion Beschreibung, die nicht ohne Lachen 
Lesen Du wirst und erfahren, warum ich heute so 

krank bin. 
Morgen war's, man sah gar manchen zum Strande 

der Warnow 
15 Eilen, den einen mit Büchern und Stift, auf dass er 

notiere 
Jeglicher Pflanze Namen; ein anderer trug einen Spaten 



*) Die betreffende Persönlichkeit ist sonst nicht bekannt. 



323 



Um die Wurzeln der Kräuter ans Licht zu ziehn; 

wieder ein andrer 
Schleppte 'nen Schinken herbei, damit der Magen 

nicht leide, 
Dazu mit Semmeln gefüllt einen Korb. Kaum dreissig 

Drescher 
20 Hätten Dir diese zum Frühstück vertilgt. Zwei 

Jungen dann brachten 
Mühsam am Stock einen Krug mit Gerstensafte gefüllet. 
Air das wurde sodann in unsere Jolle verladen. 
Darauf könnte man schwören, so denkst Du, dass 

diese gewiss nicht 
Sammeln wollten die Pflanzen, vielmehr sie begiessen, 

die staubig 
25 Dastehn, dürr und verbrannt von grosser Hitze der 

Sonne. 
Endlich stieg' man ins Boot, das uns ans andere Ufer 
Bringen sollte — da wachsen, so hört' ich, seltene 

Pflanzen 

An einemWasserarm. Zwar war recht klein nur die Jolle, 

Kaum vermochte Sie alle zu tragen, wir aber gemeinsam 

30 Fuhren trotzdem ab, beisetzten die Schiffer die Segel. 

Auf dass der Wind mehr fasse und triebe, kellten 

sie Wellen 
Wassers in ihre Segel; wir aber, als hätt' es geregnet. 
Wurden dabei ganz nass. Darauf geriethen ins 

Kraut wir 
Und in flaches Gewässer, und als die Jolle nun weiter 
35 Vorwärts gehen nicht wollte, versuchten mit Riemen 

und Stangen 
Wir, vergebens jedoch, wieder loszukommen, bis einer 
UnsererBootsleute sich mit kühnem Sprunge insWasser 
Warf und das Boot abstiess, bis wieder flott er ge- 
bracht es. 
Dann trieb schwimmend er's weiter. Dieweil wir so 

hier uns mühten, 
40 Uebersahn wir die Stelle, auf die zu steuern die Absicht 
Aller war, und erreichten an anderer Stelle das Ufer. 

21* 



324 



Jetzt nun wandte bald hier- bald dorthin die spä- 
henden Blicke 
Unser Führer, der selbst die ganze Gegend nicht kannte. 
Lange irrten wir so, doch da wir zurecht uns nicht 

fanden, 
45 Stiegen wir endlich aus, wo am nächsten ans Land 

wir gelangten. 
Doch schon nach wenigen Schritten geriethen in 

Sumpf und Morast wir, 
Welche die Warnow hier, da sie häufig austritt, gebildet. 
Einige gingen hindurch mit hohen Stiefeln, die andern 
Wateten barfuss hinüber; auch auf dem Rücken der 

Freunde 
50 Setzten einige über; der reinigte schmutzige Pflanzen, 
Jener zeigte mit Schrecken vor uns schon wieder 

ein Sumpfloch. 
Jeder Schritt entlockte dem Boden stinkende Gase. 
Wolfsmilch wächst, rothstenglige hier, dabei Tanacetum 
Und des Lysimachus Kraut, Tausendgüldenkraut auch, 

aber klein nur, 
55 Fieberkraut hat man's genannt schon früh. Es fanden 

sich ferner 
Was man Kali benennt, und auch Eryngium fehlte 
Nicht, noch der zottige Tragus; doch weiter hier 

vorzudringen 
Wurde uns jetzt unmöglich, drum gingen ans Ufer 

der See wir.*) 
Müde liessen wir hier zum Frühstück im Sande uns nieder. 
60 Interessanter jetzt wurde der Schinken uns und die 

Kruke 
Als die Muscheln und Pflanzen und die Decumana 

der Alten 
Die im Spiele der Wellen hier ausgezeichnet sich hebet. 
Als die Sonne am höchsten nun stand am heiteren 

Himmel, 
Brachen mit vollem Magen wir auf, unterbrachen 

die Ruhe, 



*) Vergl. die Anm. zum latein. Text. 



325 



65 Wie es Hippocrates will, mit ihm der grosse Galenus. 
In den Wald nun gingen vom Ufer wir, hier wo die seltne 
Chamaepeuce und auch die deutsche Myrte sich findet, 
Und das fleischige Sedum mit stattlicher Dolde, und 

Mehlkraut, 
Heidekräuterund was man wilden Bertram genannt hat. 
70 Nicht Bescheid wusst' der Führer und falsche Wege 

stets zeigt' er; 
Weithin verliefen wir uns aufs neue, bis endlich 

nach langem 
Schweifen das Ende des Waldes wir ganz ermüdet 

erreichten. 
Aergerlich waren wir alle ob unserer heutigen Irrfahrt, 
Müde und nass von Schweiss und gequält von bren- 
nendem Durste. 
75 Da verging allen die Lust am Botanisieren — ja mehr 

noch: 
Für einen kühlen Trunk hätt' mancher die trockenen 

Kräuter 
Hergegeben und wünschte sich Buttermilch für seine 

Blumen. 
Kaum hatten damit gestillt wir den Durst, da befiel 

schon den einen 
Leibschmerz und Diarrhoe, Stranguria peinigt' den 

andern. 
80 Ueber die Heide dann schleppten wir uns mit Mühe 

zum Hofe 
Dort am Rande des Waldes, wo wieder die Warnow 

wir sahen. 
Unsere Bootsleute dachten wir hier zu finden, doch jene 
Waren, wer weiss wohin, mit ihrer Jolle gerudert, 
Während nach Pflanzen wir absuchten Wälder und 

Heide. 
85 Und so mussten wir uns zu Fuss zu gehen bequemen 
Auch den Rest des Weges. Es schalt auf die Schiffer 

ein jeder 
Nach Belieben und drohte mit allen möglichen Strafen. 
Aergerlich zogen wir so über Heide, Stoppeln und Zäune, 



326 



Gräben und Abhänge hin, und Sturzäcker, unseres 

Führers 
90 Falschen Richtvregen folgend, doch unterbrachen den 

Marsch wir 
Stets mit Freude und ohne, dass einer hätt' wider- 
sprochen, 
Wenn ein Krug zum Kneipen willkommne Gelegen- 
heit darbot. 
Keiner hätte gewiss jetzt noch gebückt sich, und 

hätt' auch 
Indisch Gewürz in Menge ihm vor den Füssen gelegen, 
95 Lechzend am Becher allein hing allen im Stillen der 

Geist uns. 
Endlich erreichten wir so, in Schweisse völlig gebadet, 
Bei der nächtlichen Dämmrung Beginn die Fähre der 

Warnow. 
Lange schon hatten daselbst auf uns die Schiffer gewartet 
Und bekamen statt Schläge jetzt Geld von uns und 

Bezahlung, 
100 Denn wir hatten den Zorn schon ausgeschwitzt und 

vergessen. 
Fast hätte uns noch geblüht unter freiem Himmel 

zu schlafen, 
Da die Thore der Stadt schon geschlossen waren ; 

mit Mühe 
Fanden wir Einlass und kamen verhüllt vom Dunkel 

nach Hause. 

Dieses war das Geschick des unglückseligen Tages, 

105 Dies der Verlauf, doch von jetzt mit solchen Führern 

und Schiffern 

Möge niemand mich heissen das Tau vom Lande zu lösen 

Oder ins Schiff zu gehen; genug hab' von heut ich 

für immer. 
Jetzt nun denk ich getreulich Dir alles berichtet 

zu haben, 
Müde und matt von dem Marsch noch heute am 

folgenden Tage. 
Wenn Du jedoch dies alles gering nur achtest, so wisse, 



327 



Ungelogen, bis jetzt hab ich noch nie einen Stoff mir 
Weder zu sonst einer Schrift noch auch zu einem 

Gedichte 
Mit so grosser Mühe und so viel Schweisse erworben. 



Der Weg der Bxcursion ist darnach folgender: 
Die Theilnehmer fahren morgens in einem Boot 
von Rostock ab, um nach der Heide zu segeln.*) Da 
niemand das Fahrwasser des Breitlings kennt, gerathen 
sie fest, kommen endlich wieder los, verfahren sich aber 
dermassen, dass sie endlich an den Wiesen zwischen 
Warnemünde und der Heide aussteigen, um von da in den 
Wald zu gehen. Zuerst versuchen sie diesen auf dem kür- 
zesten Wege zu erreichen, müssen aber der Sümpfe wegen 
umkehren und begeben sich nun an den Seestrand. Hier 
wird zunächst eine Ruhepause gemacht und die mitgebrach- 
ten Vorräthe verzehrt. Von da gehen sie bei Markgrafen- 
heide in den Wald und kommen in der Nähe von Stuthof 
wieder ins Freie. Hier stillen sie ihren Durst und gehen 
dann zum Schnatermannskaten in der Hoffnung, ihr Boot 
hier wieder zu treffen. Da sie sich hierin getäuscht sehen, 
müssen sie zu Fuss nach der Fähre gehen, wo sie von 
ihren Bootsleuten erwartet und übergesetzt werden. 



Vers 53. Caule ruher Tithymalus ist Titliymalus paluster 
Kl. & Ghe, 
„Diese schöne Pflanze findet man jetzt beym Schnater- 
„mann nördlich am Rande des Holzes oder Waldes, 
„wenn man auf Marchgrafenheide zugehet," schreibt 
Detharding (msc. in Timms Prodromus Fl. Megapol,** 



*) Welches das eigentliche — verfehlte — Ziel der Excur- 
sion gewesen sei, ist nur in dem Worte diverticulum (v. 28 u. 40) 
angedeutet. Chytraeus erklärt dies [Nomenciator Latino saxonicus, 
Lemgoviae 1590] als den „ordt, dar de ström sick wendet effte 
utlöpt", an anderer Stelle „ein neven edder affAvech." Es muss 
darnach entweder Warnemünde selbst, resp. die gegenüberliegenden 
Dünen, oder eine der Buchten des Breitlings gemeint sein. Nach 
dem später eingeschlagenem Weg zu urtheilen, scheint es hier der 
Radelsee zu sein. 

**) Das Ex. ist im Besitz der Rost. Universitätsbibliothek. 



328 



worin er das Botanoscopium abgeschrieben hat). 
T. p. wächst zerstreut am Waldrand zwischen dem 
Schnatermann und Markgrafenheide, von da bis 
Moorhof ist er häufig und war früher vielleicht 
noch verbreiteter. 

Tanacetum erklärt Detharding a. a. 0. als Tana- 
cetum vulgare L. Diese Pflanze ist zwar auf dem 
Sandboden bei Markgrafenheide häufig, wächst aber 
nicht in Sümpfen, wie der hier geschilderte; es muss 
eine ähnliche Pflanze gemeint sein, vielleicht Senecio 
aquaticus^ der dort häufig vorkommt, vielleicht auch 
Inula hritannica und salicina. 
V. 54. Herha LysimacM. Deth. a. a. 0. bleibt zweifel- 
haft zwischen Lysimacliia tliyrsiflora, L. vulgaris und 
Lythrum Salicaria. Ausserdem wurde der Name 
noch gebraucht für Epilohium und Scutellarm [nach 
Oeder: Nomenciator botanicus inserviens florae Da- 
nicae, Hafniae 1769.] Hier wird Lythrum gemeint 
sein, welches in den Wiesen bei Markgrafenheide 
stellenweise viel auftritt, während grössere Lj^sima- 
chien und Epilobien fehlen. 

Centaureum brevius ist Erythraea Centaurium var. 
litoralis Fries [E. linariaefoUa autor.], (ebenso erklärt 
Deth.). Chytraeus schreibt im Nomenciator:*) „Cen- 
taurium Dusentgülden, Aurin/' dagegen gebraucht 
er in unserem Gedicht centaurea am Schluss des 
Hexameters — ein Beweis, dass der auf falscher 
Uebersetzung (centum — aurei) beruhende deutsche 
Name damals schon allgemeiner gebräuchlich war, 
da Ch. , der den alten Namen richtig ableitet 
(xevravQswv)^ ihn sonst nicht aufgenommen hätte. 



*) Ich kann mich leider nur auf die Lemgoer Ausgabe von 
1590 beziehen, welche von dem dortigen Herausgeber manche Zu- 
sätze erhalten hat (curavimus . . . differentes rerum notas, seu voca- 
bula Germanica, ad hujus et vicinovum locorum usum adjungi). 
Uebrigens wird auch im Anhang dieser Ausgabe (von Joh. Honter) 
centaurea als Hexameterschluss gebraucht, und zwar anscheinend 
als Singularform (xsvTaVQtrj). 



329 



V. 55. Fehrifuga. Fehrifugia kommt als Pflanzenname 
bei Appulejus vor. Erythraea Centaurium wird noch 
jetzt in manchen Gegenden Niederdeutschlands 
unter dem Namen Aurm (Abkürz, von Centaurium) 
als Fiebermittel gesammelt. (Nach Mitth meines 
Freundes, Stud. Fisch-Rostock). Der Name Aurin 
für Erythraea wird auch in Mecklenburg gebraucht; 
bei Warnemünde soll sie ,,Aegrinken'' heissen. 
Schiller, Thier- und Kräuterbuch des mecklenb. 
Volkes. 3. Heft. 

V. 56. Kaly ist Salsola Kali L. (so auch Deth. a. a. 0.) 
Eryngion ist Eryngium maritimum L. (so auch Deth. 
a. a.O.) 

V. 57. Hirsutus Tragus lässt Deth. unerklärt, man könnte 
an Tragopogon denken (ncoyMV-barha), welcher jedoch 
nicht auf den Dünen wächst, von verwandten Pflanzen 
kommen hier Sonclius arvensis und Hiej'amim umhellatum 
reichlich vor. 

V. 67. Cliamaejpeuce ist nach Deth. a. a. 0. Lycopodium 
clavatum L. 

Teutona myrtus ist Myrica Gale (so auch Deth. a. 
a. 0.); dieser Strauch ist häufig vom Breitling bis 
zum Fischland. 

V. 68. Crassula ist nach Detli. a. a. Sedum Telephium L. 
Ulmaria ist Spriaea TJhnaria L. (nach Deth, a. a. 0.) 
Ericae erklärt Deth. a a. 0. als Erica Tetralix L. 

V. 69. Verhenae erkläi-t Deth. a. a. 0. als Verhena offi- 
cinalis L. Diese kann nicht gemeint sein, da sie 
nur in Dörfern vorkommt. Chytraeus übersetzt a. 
a 0. „verbena allerley gewyhet krut, dar men de 
Altar mit bestrowet^' (an anderer Stelle „Verbenaca 
Isenkruth.) Wahrscheinlich ist überhaupt keine be- 
stimmte Pflanze gemeint, sondern mit „ericae ver- 
benaeque adeo" nur die Heidevegetation bezeichnet. 
Silvestre Pyretlirum ist Achillea Ptarmica L. (So 
auch Deth. a. a. ) 

s>«<>«<^ 



Botanische Mittheilung. 

Von A. Kliefoth - Conow. 



Ein neuer Standort für Laserpitium 'prutenicum. 

In Langmann's Flora von Mecklenburg, 3. Auflage, 
findet sich bei Laserpüium prutenicum die Bemerkung: 
„scheint im südlichen Mecklenburg zu fehlen.'' Das 
trifft nicht zu. Die Pflanze kommt im Gebüsch der 
Conower Wiesen im Rögnitzthale gar nicht selten vor. 
Ich habe sie dort schon vor Jahren entdeckt und seit 
jener Zeit immer wieder aufgefunden. Sie ist also auch 
hier im südlichen Mecklenburg heimisch. — Nach Leunis 
Synopsis erreicht die Pflanze in Hannover ihre Nord- 
ostgränze (muss Nordwestgränze heissen), wird also bei 
uns immer nur sporadisch vorkommen; es scheint mir 
deshalb eine Constatirung von Standorten, welche das 
Gebiet derselben erweitern und zugleich die Lang- 
mann'sche Bemerkung rectificiren, durchaus am Platze 
zu sein. 



Vereins- ANGELEGENHEITEN. 



Die Bibliothek des Vereins. 



Jjeider hat das Verzeich niss der Eingänge für 
die Bibliothek während des Jahres 1879 bis jetzt nicht 
fertig gestellt werden können, da der Herr Bibliothekar 
durch seine Berufsgeschäfte völlig in x'Vnspruch genommen 
war; es wird daher erst im nächsten Hefte zum Abdruck 
kommen. Inzwischen sagen wir für alle uns gemachten 
Zusendungen Akademien, Vereinen und Privaten unseren 
besten Dank und bitten freundlichst um Fortsetzung des 
Schriftenaustausches. 



Bericht 

über die in Güstrow am 4. Juni 1879 abgehaltene 

Generalversammlung 

und die folgenden Tages unternommene Excursion. 



1/a der Vereins-Praesident, Herr Freiherr Hermann 
von Maltzan verhindert war, der Versammlung, zu deren 
Abhaltung die Aula des Gymnasiums freundlichst be- 
willigt war, beizuwohnen, so eröffnet der Secretair die- 
selbe, worauf Herr Oberlehrer Vermehren die Anwesenden 
Namens des Localvorstandes mit einigen freundlichen 
Worten begrüsste. 

Nach Ausweis der Praesenzliste waren zugegen 
von ordentlichen Mitgliedern die Herrn: Heinr. Brock- 
müller-Schwerin, Apotheker P. Hörn- Waren, Medicinal- 
rath Dr. Griewank-Bützow, Pastor Willebrand -Zapel, 
Pastor emer. Hermes - Rostock, Gymnasiallehrer Dr. 
Förster- Güstrow, Lehrer Lübstorf-Parchim, Major Frei- 
herr von Nettelbladt- Güstrow, Lehrer Kliefoth-Conow, 
Droguist J. F.Soldat-Güstrow, Eisenbahnbaumeister Lang- 
feldt -Rostock, Realschullehrer Simonis- Güstrow, Adv. 
Huldr. Rennecke -Schwaan, Apotheker Brath-Zarrentin, 
Oberlehrer Dr. Krankenhagen und Oberlehrer Dr. Hintz- 
mann- Malchin, Director Dr. Raspe -Güstrow, Realschul- 
lehrer König-Bützow, Dr. G. Krüger-Schwerin, Pastor 
Konow -Fürstenberg. Ausserdem hatten wir die Freude 
mehrere Gäste unter uns zu sehen, von denen in der 
Praesenzliste nur verzeichnet sind die Herrn: Lehrer 
H. Lindemann, die Realschullehrer Buchheim, Dr. Com- 
part, R. Otto und Pann, sowie Major von Schmidt aus 



335 



Güstrow; als besondere Ehre dürfen wir es schätzen, 
dass der Praesident der deutschen ornithologischen 
Gesellschaft, unser correspondirendes Mitglied Herr Dr. 
von Homeyer aus Stolp, der an ihn ergangenen Einladung 
Folge geleistet hatte und auch am nächsten Tage die 
Excursion mitmachte. Der Vorstand war vertreten durch 
die Herrn: Landbaumeister Koch, Oberlehrer Vermehren 
und Rentier C. A Müller aus Güstrow und den Unter- 
zeichneten. 

Nach der Begrüssung durch den Localvorstand 
erstattete der Secretair den Jahresbericht, aus dem im 
Nachfolgenden die Hauptsachen kurz angegeben werden 
sollen. Zunächst wurde erwähnt, dass die 32 General- 
versammlungen des Vereins in 12 Städten stattgefunden, 
je einmal in Sternberg und Wismar, 2mal in Neustrelitz, 
Ludwigslust, Bützow, Rostock, Waren und Lübeck, 3 mal 
in Malchin, 4 mal in Neubrandenburg, 5mal in Schwerin, 
und 6 mal in Güstrow, hier zuletzt 1867. Die Zahl der 
ordentlichen Mitglieder beträgt 323; 20 Mitglieder sind 
im Laufe des Jahres ausgeschieden, darunter 10 durch 
den Tod, nemlich die Herren: 

Senior, Kirchen- und Archivrath Dr. Masch in 
Demern, 

Dr. med. Schlettwein in Sternberg, 

Adv. Helms in Schwerin, 

Hofgärtner Lehme y er in Schwerin, 

Forstmeister von Rieben in Ritzerow, 

Dr. V. Siemerling in Neubrandenburg, 

Dr. med. Genzke in Bützow, 

Pastor Owstien in Börtzow, 

Pensionär Schnapauff in Reinstorf und 

Cassier Facklam in Schwerin. 

Auch hat der Verein zu beklagen den Verlust eines 
Ehrenmitgliedes, des Herrn Geh. Hofrath Dr. Reichen- 
bach zu Dresden 
und zweier correspondirender Mitglieder, der Herren: 

Dr. Meyen auf der Sägemühle zu Uettersen und 



336 



Hofrath Dr. Emmerich, Director der Realschule 
zu Meiningen. 

Nachdem das Andenken der Dahingeschiedenen 
durch Erheben von den Sitzen geehrt war, theilte der 
Secretair weiter mit, dass die ausgetretenen Mitglieder 
alle ordnungsmässig ihren Austritt angemeldet hätten, 
nemlich die Herren: 

Apotheker Pfaff in Lübeck, 

Oberlehrer Dr. Rudow, bisher in Perleberg, 

Religionslehrer Spiegel in Waren, 

Gutsbesitzer Lorenz Karsten auf Kl. Breesen, 

Postsecretair Ebeling in Bützow, 

Gymnasialdirector Dr. Draeger in Aurich, 

Pensionär Fleischmann zu Varchow, 

Dr. jur. Klug in Lübeck, 

Gutsbesitzer Kolhans auf Golchen und 

Graf zur Lippe, Prof. in Rostock. 

Beigetreten sind dem Verein die Herren: 
Gehöftserbe Joachim Oldenburg zu Niendorf, 
Oberprimaner Fr. Friese in Schwerin, 
Oberprimaner von Bilguer daselbst, 
Dr. Nöldecke, Gymnasiallehrer daselbst, 
Dr. Dittmann, Realschullehrer daselbst, 
Dr. Schulze, Zahnarzt daselbst, 
Dr. Goldhammer in Lübtheen, 
Prof. Dr. Geinitz in Rostock, 
Baumeister Genzke in Ludwigslust, 
Strafanstalts-lnspector Bohlken zu Dreibergen, 
Apotheker Overbeck zu Bützow, 
Dr. med. Wächter in Schwaan, 
Cand. theol. Lehmeyer in Schwaan, 
Dr. Detlefsen, Gymnasiallehrer in Wismar, 
A. Lüt Johann, Gärtner in Barth, 
Stud. phil. Gillmer in Rostock, 
Dr. G. Krüger in Schwerin, 
Dr. Richter, Realschullehrer in Malchin, 

und wieder beigetreten die Herren; 
Adv. Peitzner in Schwerin, 



337 



Hofseifenfabrikant Brunnengräber in Schwerin und 

Commerzienrath Simonis in Bützow. 

Es wurde ferner angeführt, dass der Verein aus 
21 mecklenb. Städten noch kein Mitglied habe, darunter 
eine mit einer höheren Schule, nemlich Ribnitz; dass 
1 1 Städte je Ein Mitglied, und nur 7 über 10 Mitglieder 
haben, und zwar Ludwigslust und Neubrandenburg 12, 
Güstrow 14, Waren 15, Bützow 22, Rostock 29 und 
Schwerin 53. 

Dann folgte eine Mittheilung über diejenigen cor- 
resp. Mitglieder, welche ihr Interesse für den Verein 
durch Zuschriften oder üebersendung von Büchern oder 
Abhandlungen an den Tag gelegt. Aus den Briefen 
wurde manches vorgelesen, über die Bücher kurzer Be- 
richt erstattet. Es möge für diesmal genügen, die Namen 
der betreffenden Herrn anzuführen; es sind: Pastor 
Kawall zu Füssen in Kurland, Dr. Senoner in Wien, 
der Präsident der allgemeinen deutschen ornithologischen 
Gesellschaft Dr. von Horaeyer zu Stolp, Professor Moe- 
bius in Kiel, Professor F. E. Schulze in Graz, Professor 
Karsch in Münster, Professor Sandberger in Würz- 
burg, Dr. 0. Böttger in Prankfurt a. M., und Professor 
Martin in Leiden. Auch Herr Amtmann Bergner zu 
Schwerin, dem ein Abdruck des Berichtes über unsere 
vorjährige Generalversammlung zugeschickt war, weil 
in demselben eine Beurtheilung seiner Schrift über An- 
ziehung und Abstossung durch Wärme und Licht ent- 
halten, spricht seinen Dank aus. 

Darauf wurde der dem Verein gemachten Schen- 
kungen erwähnt; namentlich wurde angeführt, dass 
mehrere ordentliche Mitglieder wieder einen erhöhten 
Beitrag gezahlt, dass Herr Kirchenrath Pro z eil, cor- 
respondirendes Mitglied, der Bibliothekskasse wie schon 
mehrere Jahre 6 Mark gespendet, und ein langjähriges 
Vereinsmitglied ein Photographie-Album gestiftet habe, 
für welches schon mehrere Photographien eingeliefert 
sind, unter anderen durch die Güte der Frau Präpositus 
Boll eine von Dr. E. Boll und eine von unserem 

Archiv XXXIII. 22 



338 



früheren Ehrenmitgliede Henn von Hagenow in 
Greifswald, wofür der Geberin der Dank des Vereins 
votirt wurde. 

Ueber die Anfertigung des Registers zu den Archiv- 
heften XI— XXX, welche Herr Madaus s-Grabow gütigst 
übernommen hatte, wurde ausführlicher berichtet; da 
das Register jetzt bereits gedruckt vorliegt, dürfte diese 
kurze Erwähnung genügen. 

In Bezug auf die Finanzlage wurde bemerkt, dass 
die Einnahme sich auf Ji. 1166,00 gestellt habe, dar- 
unter Zinsen im Betrage von Ji. 29,25 und Ertrag des 
Buchhandels Jt. 15,55, während die Ausgabe sich auf 
Ji. 725,28 belaufen habe, so dass ein üeberschuss von 
Ji. 440,72 geblieben ; das baare Vereinsvermögen betrage 
daher Ji. 1240,72, welches vorgelegt wurde. 

Es wurden nun Herr Dr. Förster und Herr Real- 
schullehrer Simonis ersucht, die Revision der Rech- 
nungsablage zu übernehmen; da sie dieselbe moniturfrei 
befanden, so wurde dem Secretair Decharge ertheilt 
und ihm der Dank der Versammlung ausgesprochen. — 

Als Ort für die nächste Jahresversammlung wurde 
nach manchen Debatten Neustrelitz bestimmt und die 
Herren Ober-Medicinalräthe Dr. Peters und Dr. Götz 
zu Localvorstandsmitgliedern designirt.*) 

Zu correspondirenden Mitgliedern werden vorge- 
schlagen und gewählt unser Landsmann, Herr Baron 
von Müller, Government- Botanist in Melbourne und 
Herr Dr. H, A. Meyer in Kiel. 

lieber die Verwendung des üeberschusses werden 
folgende Bestimmungen getroffen: 

1. Herrn Madauss-Grabow werden als Schreibhülfe 
bei Anfertigung des Registers zu den Jahrgängen 
des Archivs XI — XXX 50 Mark ausgesetzt. 

2. Der Druck des Registers soll aus dem üeberschuss 
bestritten werden. 



*) Anm. Dieselben haben sich zur Annahme der auf sie 
gefallenen Wahl schriftlich bereit erklärt. 



339 



3. Für die Bibliothek werden auf Wunsch des Herrn 
Bibliothekars 150 Mark bewilligt. 

Hierbei wurde über eine Aufforderung der Univer- 
sität Dorpat um Beiträge zur Errichtung eines Denkmals 
für K. E. V. Baer, die an den Secretair eingegangen 
war, verhandelt. Es wird die Bewilligung einer Bei- 
steuer abgelehnt. 

Endlich wird noch bestimmt, dass die Versicherung 
der Bibliothek gegen Feuersgefahr von 4500 Ji. auf 
6000 Ji. erhöht werde, obwohl auch diese Summe den 
vollen Werth der Bibliothek noch nicht repräsentirt. 

Nachdem somit die zur Verhandlung vorliegenden 
Gegenstände erledigt waren, wurde die Generalversamm- 
lung geschlossen. Herr Landbaumeister Koch theilte 
den für die nächstens Tags zu unternehmende Excursion 
entworfenen Plan mit. Darauf hielt Herr Heinr. Brock- 
müller-Schwerin einen längeren Vortrag über die 
Pflanzennamen in Beziehung zum Volksleben, und Herr 
Apotheker P. Horn-Waren demonstrirte die neuesten 
Mikrotome. Nun brach man auf und besichtigte die 
Räume der Domschule, namentlich die sehr umfangreiche 
und vorzüglich geordnete Domschulbibliothek unter 
freundlicher Führung des Herrn Director Dr. Raspe, 
ferner die Aula, die neuhergerichtete, mit den neuesten 
Geräthen ausgerüstete Turnhalle und den Zeichensaal 
der Realschule, in dem die Zeichnungen der Schüler 
ausgelegt waren. Ganz besonders interessant war für 
alle Anwesenden eine Besichtigung unserer Bibliothek 
in dem Hause unseres Bibliothekars, da sie so eine 
Vorstellung von dem bedeutenden wissenschaftlichen 
Werthe derselben erhielten. — 

tJm 5 Uhr fand das Festmahl im Hotel Erbgross- 
herzog statt, welches durch ernste und heitere Toaste 
belebt wurde. In gleicher Heiterkeit verlebte man am 
Abend im Tivoli einige frohe Stunden. 

Am Donnerstag, den 5. Juni, fuhren 15 Herrn mit 
dem etwa um Va^ Uhr von Güstrow abgehenden Zuge 

22* 



340 



nach Teterow, wo die Gesellschaft von einer Anzahl 
Teterower Herrn empfangen und nach den Haidbergen 
geleitet wurde, üeber die Ergebnisse dieser Excursion 
in geologischer Beziehung berichtet Herr Professor 
Geinitz aus Rostock, welcher sich auf dem Güstrower 
Bahnhof der Excursion anschloss, auf Bitten des Unter- 
zeichneten Folgendes: 



Der erste geologische Aufschluss bei dem Besuche 
der Haidberge bei Teterow war das Kalktufflager 
im Kellerholze am Fusse dieser Diluvialmassen. Der 
durch Eisen rostbraun gefärbte Kalktuff, der früher zum 
Betriebe einer Kalkbrennerei hier abgebaut wurde, ent- 
hält zahlreiche Reste von recenten Schnecken und in 
kurzer Zeit konnte eine Menge der incrustirten Gehäuse 
von Heliceen, Clausilien etc. gesammelt werden. Das 
eisen- und kalkhaltige Quellwasser, welches auf den 
nach Süd geneigten Schichten der Haidberge herabfliesst, 
verdankt seinen Kalkgehalt der Auslaugung von kalk- 
haltigen Schichten im Innern der Hügel, und es ist, 
nach dem allgemeinen geologischen Baue jener Gegend 
zu schliessen, nicht unwahrscheinlich, dass diese Schichten 
zur Kreide gehören. 

Die beiden grossen städtischen Kiesgruben am 
Appelhagener Wege boten den Besuchern einen schönen 
Einblick in die Zusammensetzung eines Theiles des 
Diluviums. Das hier gewonnene werthvollo Material 
besteht, wie in allen Kiesgruben, aus abgerollten Ge- 
steinblöcken nordischen Ursprungs: Granite und Gneisse 
in mannichfachen Varietäten, Diorite, Porphyre, Mela- 
phyre, Glimmer- und Hornblendeschiefer, Quarzite, Sand- 
steine neben versteinerungführenden Kalken des Silur 
und der Kreide und den massenhaften Knollen des für 
das gesammte nordische Diluvium der nordeuropäischen 
Tiefebene charakteristischen Feuersteines. Die Lage- 
rungsverhältnisse der hier aufgeschlossenen Kies-, Sand- 
und Grandschichten zeigten vorzüglich den überall wieder- 



341 



zufindenden Typus: vielfache Wechsellagerung und 
gegenseitiges Auskeilen der Schichten, an vielen Stellen 
die für eine Strandbildung der Sandablagerungen so 
charakteristische sogenannte discordante Parallelstructur. 
üeberlagert werden diese Schichten von dem verschieden 
mächtigen lehmigen Kies und Sand des obern Diluviums, 
dem sogenannten Decksande. Der in keinen Diluvial- 
ablagerungen ursprünglich fehlende Kalkgehalt gab sich 
hier auch sichtbar zu erkennen, indem gewisse Schichten 
der oberen Partien durch weissen kohlensauren Kalk, 
sogen. Bergmilch, zu einem festen Conglomerat verkittet 
waren; ihr kalkiges Cement stammt aus den darüber 
liegenden Schichten, aus denen das atmosphärische 
Wasser den Kalk auslaugt, um ihn in tieferen Regionen 
wieder zum Absatz zu bringen. Auf dieselbe Weise ent- 
stehen eisenschüssige Conglomerate, die auch in den 
besuchten Kiesgruben nicht fehlen. 

Der schöne Ausblick von der Höhe der Haidberge 
zeigte uns u. a. die weite, von alluvialen Moorbildungen 
zum grössten Theil ausgefüllte Niederung im Nordosten 
von Teterow, in welcher der Teterower See noch als 
ein üeberrest der einst viel bedeutenderen Wassermassen 
übrig geblieben ist. 

Bei dem Abstiege gelangten die Besucher in der 
Umgebung des alten Turnplatzes in eine andere, dem 
Diluvium eigenthümliche Ablagerung, in den sogen. Ge- 
schiebemergel. Man erkennt hier in den Aufschlüssen 
zu beiden Seiten der auf den Berg hinaufführenden 
Schaftrift zu unterst einen blaugrauen thonigen Mergel, 
der zahllose Brocken von Kalkstein enthält und über- 
lagert wird von einem gelben lehmigen, z. Th. sehr 
blockreichen Mergel mit einzelnen kleinen zwischen- 
gelegten Sandschichten. LTeber diesem lagert wieder 
der sogen. Decksand, der in grösserer Mächtigkeit in 
einer verlassenen Kiesgrube schön zu beobachten ist. 
Auch weiter abwärts findet man an den Wegrändern 
der Schaftrift überall den gelben oberen Geschiebe- 
mergel wieder. 



342 



Die Excursion führte der Gesellschaft sonach die 
wesentlichsten Ablagerungen des Diluviums vor: die als 
Grundmoränen diluvialer Gletscher zu betrachtenden 
Geschiebeinergel und die aus denselben durch einen 
natürlichen Schlemmprocess entstandenen Ablagerungen 
von Sand und Kies. Von den Bildungen des Alluviums 
wurden zwei angetroffen: der Kalktuff und die Moor- 
resp. Torfbildungen. 

Es mag noch kurz bemerkt werden, dass im Keller- 
holze die aus Mecklenburg bisher nur von Friedland 
und Doberan bekannte Poa sudetica Haenhe vorkommt; 
leider konnte dieselbe noch nicht blühend gesammelt 
werden, da ihre Blüthezeit für unsere Gegend erst in 
den Juli fällt. Dagegen blühte auf den Bergen am Appel- 
hagener Wege OrcMs Morio in sehr grosser Menge und 
in den verschiedensten Farben; auch BotrycMum Lunaria 
und Poterium Sanguisorha L.y eine bei uns keineswegs 
häufige Pflanze, wurden auf den trockenen Hügeln ge- 
sammelt, während Actaea spicata nur an einer beschränkten 
Stelle im Walde selbst gefunden wurde. 

Leider war das Wetter so wenig einladend, dass 
man von der Fortsetzung der Excursion nach Burg 
Schlitz abstand. In die Stadt zurückgekehrt, besichtigte 
man die reichhaltige ornithologische Sammlung des Herrn 
Cordes und dinirte darauf in Duge's Hotel. Eins der 
Hauptgerichte bildete ein riesiger Hecht, der auf einer 
langen Platte servirt wurde, an welcher eine Klingel 
aD gebracht war, den fremden Gästen natürlich zum nicht 
geringen Scherz. Der nächste Eisenbahnzug entführte 
die meisten Fremden nach Norden, andere ein späterer 
nach Süden, alle in der Hoffnung eines frohen Wieder- 
sehens in Neustrelitz. 

Bützow. Der Yere ins-Secretair, 

Oberlehrer 0. Arndt. 



343 



RechnuDgsablage 

für das Vereinsjahr 1878/79. 



JE 1 11 n a h m e. 

Vom üeberschuss des Jahres 1877/78 zur Casse M. 21,74. 

Beiträge pro 1878/79: 
[1 ä 3 ^41. voraus in voriger Rechnung.] 



Herr von Klinggraeff-Chemnitz . . 


Jt. 


15,00. 






„ Forstm. Mecklenburg-Wabel . 


V) 


15,00. 






„ Oberstlieutenant von Tiele- 










Winckler 


w 


13,00. 






„ M.-R. Dr. Griewank-Bützow 


w 


6,00. 






„ B. J. Treumann -Waren . . 


57 


6,00. 






„ K.-R. Prozell-Friedland . . 


5^ 


6,00. 






C. Arndt-Bützow 


» 


6,00 






312 Mitglieder ä 3 ^. 


r> 


936,00. 






4 Mitglieder praen. pro 79/80 ä 3 Ji. 


V) 


12,00. 








Jt. 1015,00. 






dazu Portovergütung . . . 


w 


63,55. 










Ji. 1078,55. 


Jahreszinsen von 500 Jt. zu 4V2 7o 


. 


. 


n 


22,50. 


Halbjährliche Zinsen von 300 -/.'. zu 4^ 


/2%. 


n 


6,75. 


Bestand der Bibliothekskasse . . 


. 


. 


11 


18,91. 


Ertrag des Buchhandels 






55 


14,05. 


Für 1 vom Secretair verkauftes Archivheft . 


1,50. 


Druckkosten vom Baumeister Genzke 


erstattet 


w 


2,00. 



Summa: Ji. 1166,00. 



344 



Ausgabe. 

Generalversammlung in Schwerin: 

Trinkgeld für Herrichten der Aula Jt. 3,00. 
Botenlohn für Missive .... „ 8,00. 
Trinkgeld auf dem Dampfschiff . „ 0,75. 

Ji. 11,75. 

Reise des Secretairs zur Generalversammlung „ 20,00. 

Ausgabe für die Bibliothek „ 89,85. 

Insertionen in die Rost. Zeit, und die 

Meckl. Anz „ 10,65. 

Schreibhülfe bei Versand der Hefte . . . . „ 7,00. 

Botenlohn „ 1,00. 

Porto incl. des Versandes für Arch. 32 und 

Einladungen „ 96,12. 

Druckkosten für Arch. 32 „ 370,29. 

Vereins - Briefpapier und Druck der Ein- 
ladungen „ 23,42. 

Rechnung des Buchbinders für Heften von 

Arch. 32 „ 88,50. 

1 Exemplar von Arch. IV. gekauft . . . . „ 1,50. 

Fracht . „ 5,2 0. 

Summa der Ausgabe: Ji. 725,28. 
Summa der Einnahme: „ 1166,00. 

üeberschuss: Jt. 440,72. 

Dazu belegt: „ 500,00. 

„ 300,00. 

Baares Vereinsvermögen: Ji. 1240,72. 
Abgeschlossen am 31. Mai 1879. 

Oberlehrer 0. Arndt. 
Die Rechnungen sind moniturfrei befunden. 
Güstrow, den 4. Juni 1879. 

Dr. Förster. 
0. Simonis. 



345 

Mitglieder-Verzeichniss. 
I. Allerhöchste Protectoren: 

Ihre Königlichen Hoheiten die regierenden Grossherzoge von 
Mecklenhurg-Schwerin und Mecklenhurg-Strelitz. 



II. Ehrenmitglieder: 

Se. K. H. der Erbgrossherzog Friedi'ich Franz von 

Mecklenburg-Schwerin. 5. Dec. 1869. 

Beyrich, Dr., Professor-Berlin. 14. Juni 1848. 

Stöckhard, Dr., Hofrath-Tharand. 8. Juni 1854. 



III. Correspondirende Mitglieder: 

Kars eh, Dr., Professor-Münster. 

Sandberger, Dr., Professor-Würzburg. 

Karsten, Dr., Professor-Kiel. 

Eitter, Past. emer., Friedrichshöhe bei Rostock. 

Eenard, Dr., Staatsrath-Moskau. 

Schmidt, Professor, Hofrath, Akademiker II. Grades 

St Petersburg. 
Seuoner, Dr., Wien. 
de Zigno, Freiherr, Padua. 
Müller, Dr., Medicinalrath-Berlin. 
Rabenhorst, Dr., Dresden. 
V. Konen, Dr., Professor-Marburg. 
Sonder, Dr., Apotheker-Hamburg. 
Brehm, Dr., Berlin. 

Fuchs, Custos am K. K. Hofmineralien-Cabinet-Wien. 20 
Speyer, Dr., K. preuss. Landesgeolog-Berlin. 
Kawall, Pastor-Pussen in Kurland. 
V. Martens, Dr., Professor-Berlin. 
Moebius, Dr., Professor-Kiel. 
Weinkauf, H. C, Kreuznach. 
Jeffreys, Gwyn, Esq, London. 
Möhl, Dr., Professor-Cassel. 
Ascherson, P., Dr., Professor-Berlin. 
Müller, Karl, Dr., Halle a. S. 
Prozell, Kirchenrath, Friedland. 
Schulze, F. E., Dr., Professor-Graz. 
Verkrüzen, T. A., Frankfurt a./M. 
Winkler, T. C, Dr., Haarlem. 



4. 


Juni 


1852. 


4. 


Juni 


1852. 


18. 


Mai 


1853. 


8. 


Juni 


1854. 


lö. 


Juni 


1859. 


15. 


Juni 


1859. 


15. 


Juni 


1859. 


15. 


Juni 


1859. 


24. 


Mai 


1861. 


24. 


Mai 


1861. 


3. 


Juni 


1868. 


3. 


Juni 


1868. 


20. 


Mai 


1869. 


20. 


Mai 


1869. 


20. 


Mai 


1869. 


8. 


Juni 


1870. 


8. 


Juni 


1870. 


8. 


Juni 


1870. 


8. 


Juni 


1870. 


22. 


Mai 


1872. 


22. 


Mai 


1872. 


27. 


Mai 


1874. 


27. 


Mai 


1874. 


27. 


Mai 


1874. 


27. 


Mai 


1874. 


27. 


Mai 


1874. 


7. 


Juni 


1876. 



346 



von Homeyer, Dr., Stolp in Pommern. 23. Mai 1877. 

Kobelt, Wilh., Dr., Schwanheim a./M. 23. Mai 1877. 

Zittel, Dr., Prof., München. 23. Mai 1877. 

Böttger, 0., Dr., Frankfurt a./M. 12. Juni 1878. 

Martin, K., Dr., Prof., Leiden. 12. Juni 1878. 
von Müller, Baron, Government-Botanist, Melbourne. 4. Juni 1879. 

Meyer, H. A., Dr., Kiel. 4. Juni 1879. 



IV. Ordentnche Mitglieder. 

Die Specialfächer der Mitglieder sind, soweit sie dem Secretair bekanut 
geworden, durch folgende Abkürzungen bezeichnet: A. =: Anatomie, B. = Botanik, 
C = Chemie, Co. = Conchyliologie. E. = Entomologie, G. = Geognosie, Gl. = 
Geologie, M. = Meteorologie, Mi, ^ Mineralogie, O, = Ornithologie, P. = Petre- 
factologie, Ph. ~ Physik, Z. = Zoologie, 

Altona: Gottsche, C, Dr. 1873. 

Semper, J. 0. — Co. G. P. 1857. 

Timm, C. T. — B. 1875. 

Barth in Pommern: Lütjohann, A., Gärtner. — B. Co. 1879. 

Basedow: Bünger, Castellan. — B. 1876. 

Berlin: Friese, Fr., stud. arch. 1878. 

Krause, Ernst H. L., Cand. med, — B. 1879. 

Well mann, Dr., Oberlehrer. 1877. 

Blankenhof: Pogge, Gutsbesitzer. 1854. 

Boddin bei Wittenburg: von der Mülbe, Kammerherr. 1873. 

Brunn b. Neubrandenburg :vonOertzen, Kammerherr. — E. 1849. 

Brütz bei Goldberg: Basse witz, Pastor. — 0. 1873. 

von Preen, Major. — 0. 1853. 

Bülow bei Teterow: Erich, Pastor, 1861. 

Bützow : C. Ar n d t , Oberlehrer, Secretair d. Vereins. — B. Co. 1853. 

von Bülow, Criminaldirector. 1873. 

Griewank, Dr., Medicinalrath, — B. E. 1869. 

Happel, Pastor. 1873. 

Hölscher, Dr., Oberlehrer. 1877. 

Klemm, Kaufmann. 1877. 

König, Realschullehrer. 1875. 

Küchenmeister, Kaufmann. 1877. 

Lütjohann, Rentier. — E. 1852. 

Lüttmann, Dr., Medicinalrath. 1875. 

Overbeck, Provisor. 1879. 

Paschen, Bürgermeister. 1876. 

Reinnoldt, Kaufmann. 1873. 

Romanus, Realschullehrer. 1878. 

Rüben, Rentier. 1879. 

Stötzer, Dr., Oberlehrer. 1873. 

Wehmeyer, Karl, Brauereibesitzer. 1877. 



347 



Wehmeyer, Rudolf, Kaufmann 1877. 

Winckler, Dr., Realschuldirector. 1873. 

Witte, Apotheker. 1876. 
Chemnitz b. Neubrandenburg: von Klinggraeff, Gutsbes. 1871. 
Cölpin b. Neubrandenburg: vonDewitz, Premierlieut. a.D. 1879. 

Conow bei Malliss: Kliefoth, Lehrer. — B, 1876. 

Crivitz: Rennecke, Huld., Amtsgerichts- Assessor. 1873. 

Dargun: Chrestien, Amtsrichter. 1873. 

Linsen, Dr. med. 1860. 

Dassow: Seilin, Pastor. — E 1875. 

Dessau: Demmin, Lehrer. 1875. 

Dobbertin: Gart he, Forstinspector. 1864. 

Doberan: Kortüm, Dr., Medicinalrath. 1851. 

Dratow, Gr., bei Kl. Plasten: Lemcke, Gutsbesitzer. 1875. 
Dresden: Hermann von Malt zan, Freiherr zu Wartenberg 

und Penzlin, Präsident des Vereins. — Co. 1861. 

Eichhof bei Hagenow: Schmidt, Förster. — B. 1860. 

Feldberg: von Oertzen, Kammerherr und Landdrost. 1865. 

Finckenthal b. Gnoien: von Bilguer, Forsteleve. — 0. 1878. 

Friedland: Dühr, Dr., Professor. 1874. 

Fürstenberg: Konow, Pastor. — E. 1874. 

Goldberg: Meyer, Bürgermeister. 1875. 

Göttingen: Reinke, Dr., Professor. — B. 1864. 

Grabow: Bader, Realschullehrer. 1876. 

Fritz, Kaufmann. 1876. 

Kloss, Dr. med. — B. 1855. 

Madauss, Zahnarzt-). — B, 1847. 

Schubarth, Dr., Realschuldirector. 1876. 

Greifswald: Marsson, Dr. — B. 1858. 

Wiese, Forstmeister. 1861. 

Gresenhorst: Seboldt, Stationsjäger. — 0. 1873. 

Greven: von Blücher, Jagdjunker u. Forstauditor. 1873. 

Grevismühlen : Bauer, Apotheker. 1863, 

Hesse, Landbaumeister. 1871. 

Güstrow: Becker, Rentier. 1873. 

Ernst Burmeister, Landgerichts-Director. 1874. 

Förster, Dr., Gymnasiallehrer. — Ph. 1859. 

Koch, Landbaumeister, Bibliothekar des Vereins. 

— G. P. 1849. 

von Monroy, Dr., Ober-Gerichts-Praesident. 1869. 

Müller, Apotheker. — B. 0. Mi. Ph. Z. 1849. 



*) Anm. Die Namen der noch lebenden Gründer des Vereins, die dem- 
selben noch angehören, sind durch fette Schrift hervorgehoben. 



348 



von Nettelbladt, Freiherr, Major. — P. 1862. 

Raspe, Dr., Gymnasialdirector. 1868. 

Seeger, Eealschiildirector. — C. PA. 1867. 

Seitz, Bürgermeister. 1854. 

Simonis, Realschullehrer. — B. 1862. 

Soldat, Droguist. 1879. 

Störtzel, Oberpostdirector. 1877. 

Vermehren, Oberlehrer. — C. Ph, 1849. 

Vogel, Dr. med. 1871. 
Gutendorf, Neu-, bei Marlow: von Vogelsang, Hauptmann, 

Gutsbesitzer. — 0. 1849. 

Hamburg: Beuthin, Dr., Lehrer. — Co. E. Mi. 1867. 

Kraepelin, Dr., Oberlehrer. 1870. 

Krogmann, Dr. med. — Z. 1852. 

Worlee, Ferd. — B. Ml. P. Z. 1864. 

Hamm in Westphalen: von der Mark, Apotheker. 1858. 

Hannover: Schmidt, Hofapotheker. — C. 1872. 

Helm b. Wittenburg: Lau, Lehrer. — 0. 1852. 
Herrnburg, Fürstenth. Ratzeburg: Lang mann, Pastor. — .Bo. 1871. 
Hildebrandshagen b. Wolfshagen: K. Kirchner, Inspector. 1877. 

Jamel bei Grevismühlen: Regenstein, Förster. 1868. 

Kaebelich bei Woldegk: Reinke, Pastor. 1865. 

Kallis b. Dömitz: Paschen, Forstmeister. 1877. 

Kargow bei Waren: Neu mann, Gutsbesitzer. 1875. 

Karin, Alt-, bei Gerdshagen: Graf von Bernsdorff, Gutsb. 1862. 

Katelbogen bei Bützow: von Jasmund, Gutsbesitzer. 1873. 

Kellinghusen , Prov. Schleswig - Holstein : Hohn, Schul- 

Vorsteher. 1873. 

Kiel: Dr. Heincke, Gymnasiallehrer. 1875. 

Klink b. Waren: Kaehler, Gutsbesitzer. 1877. 

Knegendorf b. Laage: Brödermann, Gutsbesitzer. 1877. 

Krakow: Fichtner, Rector. 1877. 

Kröpelin: Kühm, Postmeister. 1876. 

Kronskamp b. Laage: Witt, Domänenpächter. 1879. 
Küssow bei Neubrandenburg: Kirchstein, Domänenpächter. 1858. 

Laage : B e y e r , Pastor. 1877. 

Leppin: E. Schröder, Inspector. 1877. 

Lenzen b. Zehna: Busch, Gutspächter. 1877. 

Levekendorf bei Laage: Schulz, Domänenpächter. 1874. 

Lischow bei Nantrow: Fischer, Gutsbesitzer. 1866. 

Luckow, Kl, Freiherr M. v. Maltzan. 1862. 

Ludwigslust: Auffarth, Dr., Oberlehrer. 1875. 

Brückner, Dr., Sanitätsrath. 1856. 

Genzke, Baumeister. 1878. 

Hinstorff, Buchhändler. 1876, 



349 



Kahl, Kaufmann. 1875. 

Kurztisch, Advokat. 1875. 

Maynz, Dr., Oberlehrer. 1876. 

von Müller, Oberforstmeister. 1847. 

Peters, Oberrossarzt. 1875. 

Schiemann, Hofapotheker, 1876. 

Spar kühl, Eentier. 1876. 

Vesper, Kaufmann. 1875. 

Lübeck: Arnold, Lehrer. — B. Co. E. Mu 1862. 

Brehmer, Dr., Senator. — B. P. 1852. 

Groth, Lehrer. 1871. 

Lasson, Ivar, Kaufmann. 1870. 

Lenz, Dr., Conservator am Naturhist. Museum zu 

Lübeck. — B. (Algen.) Z. (spee, wirbellose 

Thiere der Ostsee.) 1867. 

Lingnau, Oberpostdirector. 1870. 

Müller, Dr. jur. 1870. 

Schliemann, Kentier. 1852. 

Sörens, Lehrer. 1870. 

Warncke, Matth., Rentier. — Z. 1865. 

Wilde, Lehrer. — B. Co. E. Mi. 1851. 

Lübtheen: Becker, Dr., Sanitätsrath. 1852. 

Goldhammer, Dr., Chemiker. 1878. 

Lüningsdorf: Busch, Domänenpächter. 1871. 

Malchin: Hintzmann, Dr, Oberlehrer. 1878. 

Krankenhagen, Dr., Oberlehrer. 1877. 

Michels, Kaufmann. 1875. 

Mozer, Dr. med. 1873. 

Reim an n, Realschuldirector. 1877. 

Richter, Dr., Realschullehrer. 1879. 

Scheven, Dr., Medicinalrath. 1857. 

Schmidt, Superintendent. 1873. 

Malchow: Bürger, Post-Assistent. 1875. 

Müller, Apotheker. 1869. 

Malliss: Tamm, Oberinspector. 1876. 

Schloss Miechowitz in Schlesien: von Tiele-Winckler, 

Oberstlieutenant. 1873. 

Neubrandenburg: Ahlers, Rath, Bürgermeister. 1872. 

Ahlers, Rath, Landsyndicus. 1855. 

Ähren dt, Hofbuchdrucker. 1873. 

Bachmann, Advokat. 1873. 

Brünslow, Buchhändler. 1849 

Fröhlich, Praep. emer. 1858. 

Greve, Buchdrucker. — 0. 1867. 

Kummer, Rentier. 1873. 



3r)0 



Schlosser, Apotheker. 1872. 
Siemerling, Eentier. 1872. 
Siemerling, Conrad, Adv. 1877. 
Neukloster: Wulff, Inspector der BHnden- Anstalt. — B. E. 1858. 
Niendorf b. Schönberg : Joachim Oldenburg. 1878. 
Parchim: Evers, Senator. 1860. 
Fant er, Dr. med., Oberstabsarzt. 1879. 
Heussi, Dr., Conrector. — PA. 1874. 
Lübstorf, Lehrer. — B. 0. 1869. 
Penzlin: Krüger, Dr. med. 1873. 
Freiherr von Maltzan, Erblandmarschall. 1873. 
Plauen im Voigtland: Steinohrt, Th., Kaufmann. 1877. 
Pohnstorf b. Teterow: Mönnich, Gutsbesitzer. 1877. 
Prissewitz auf Rügen: Herrn. Haase, Gutsbesitzer. 1877. 
Ratzehurg: Bar lach, Dr. med.— Z. (Anatomie.) 1879. 
Drechsler, Postdirector. — 0. 1879. 
Friderici, Oberforstmeister. — E» 1879. 
Harz, Gymnasiallehrer. — B, 1879. 
Hornbostel, Bih-germeister. — Z. (Fische.) 1879. 
von Laugrehr, Kammerjunker, Haupt- 
mann a. D. — G. 187.9. 
Ray dt, Gymnasiallehrer. — B. Ph. Z. (Käfer.) 1879. 
Volk, Apotheker. — B. G. 1879. 
Rhese, Alt-, bei Neubrandenburg: Merck er, Gutsbesitzer. 1857. 
Reinstorf bei Bützow: Schnappauff, Administrator. 1879. 
Rönkendorf bei Triebsees: von Gadow, Gutsbesitzer. 1873. 
Rövershagen bei Rostock: Garthe, Ober-Forstinspector. 1857. 
Rosenhagen bei Dassow: Rettich, M., Gutsbesitzer. 1873. 
Rostock: Ackermann, Dr., Realschullehrer. 1876. 
Aubert, Dr., Professor. — Z 1868. 
Berg er, Organist. 1864. 
Glasen, Dr., — E. Mi. 1850. 
Fisch, Stud. rer. nat. — B. 1878. 
Geinitz, Dr., Prof. — G. Gl. M. 1878. 
Gillmer, M., Stud. phil. 1879. 
Grenacher, Dr., Professor. 1875. 
Groschopff, Dr, Chemiker. — C 1862. 
Haase, Rentier. 1873. 
Hermes, Past. emer. 1855. 
Karsten, Rentier. 1860. 
Krause, Director der grossen Stadtschule. ' 1868. 
Kühl. Dr., Medicinal-Assessor. 1851. 
Lange, Dr., Kunstgärtnereibesitzer. — B. Ml. 1868. 
Langfeldt, Baumeister. 1854. 
R a d d at z , Director der höheren Bürgerschule. — E. 1850. 



351 



Rennecke, Past. emer. 1860. 

Rieck, Dr., Gymnasiallehrer. 1878. 

Rief kohl, Privatlehrer, — 0. 1861. 

Röper, Dr., Professor. — B. 1868. 

Ruseh, Adv., Raths-Secretair. 1873. 

Scheven, Dr., Medicinalrath. 1851. 

von Schöpffer, Landgerichtsrath 1873. 

Sprenger, Lehrer. 1871. 

Steenbock, Conservator. — 0. 1861. 

Wiechmann, Dr. phil. — Co. O. P. 1865. 

Witte, Dr., Senator. 1878. 

von Zehender, Dr., Professor. 1860. 

Schlemmin: Senske, Förster. 1875. 

Schlön bei Waren: Brückner, Präpositus. 1860. 

Schönberg: Rickmann, Baumeister. 1851. 

Schorrentin: Viereck, Gutsbesitzer. 1877. 

Schwaan: Glasen, Conrector. — E. 1853. 

Krüger, Senator. 1879. 

Lohmeyer, Cand. theol. 1879. 

Wächter, Dr. med. 1879. 

Schwasdorf bei Kl. Plasten: Säur kohl, Gutsbesitzer. 1875. 

Schwerin: Ackermann, C., Stud. rer. nat. 1878. 

Adam, Dr., Director. — C. Ph, 1866. 

Ahrens, Baumeister. 1878. 

Bärensprung, Dr., Hofbuchdrucker. 1862. 

Blanck, Dr., Oberstabsarzt. — B. Z. Gl. 1857. 

Brandt, Gymnasiallehrer. 1875. 

Brauns, Gymnasiallehrer. — E. 1868. 

Brockmüller, Heinr. — B. Cryptogamen. 1848. 

Brückner, Dr., Geh. Sanitätsrath. — B. 1847. 

Brüssow, Ingenieur. — Z. 1878. 

Brnnnengräber, Hofseifenfabrikant. 1869. 

Burmeister, F., Kaufmann. 1878. 

Clement, Professor. 1876. 

Dippe, Dr., Ministerialrath. — Afi. 1852. 

Dittmann, Dr., Realschullehrer. 1878. 

Doehn, Dr. med. 1878. 

Flemming, Dr., Geh. Medicinalrath. 1857. 

Francke, Apotheker. — B. C. 1868. 

Friese, Heinr., jun., Orgelbauer. — E. 1878. 

Fromm, Secretair des Statist. Bureaus. — Ol. Co. 1851. 

Giffenig, Staatsanwalt. 1873. 

Hartwig, Dr., Schulrath. — Ph. 1857. 

Heise, Dr. med. 1869. 

Hollien, Oberkirchenraths-Registrator. 1877. 



352 



Hundt, Apotheker. 1876. 

Kaelcke, Buchhalter 1869. 

K allmann, Droguenhändler 1877. 

Klett, Grossherzogl. Obergärtner. 1875. 

Knebusch, Domänenrath. 1847. 

Krefft, Telegraphensecretair. 1873. 

Lind ig, Dr. Oberlehrer. — C. Ph. 1875. 

Lisch, Dr., Geh. Archivrath. — Gl. 1847. 

Lübbert, Sparkassenschreiber. — O« 1861. 

Lütkens, Landbaumeister. 1878. 

Meyer, Dr., Oberstabsarzt. 1857. 

von Monroy, Canzleirath. 1869. 

Nöldeke, Dr., Gymnasiallehrer. 1878. 

Pechel, Lehrer. 1876. 

Peitzner, Adv. 1865. 

Planeth, Dr., Lehrer. — Co, G. Mi. P. 1874. 

Poll, W. L., Kaufmann. 1878. 

Rennecke, Advokat. 1869. 

Kuge, Baumeister. — Gl, 1853. 

Schall, Gustav, Kaufmann. 1877. 

Schulze, Dr., Zahnarzt. — Kryptogamen, 1878. 

Stachle, Dr., Oberlehrer. 1877. 

Viechelmann, Kassendirector. 1878. 

Vollbrecht, Heinr., Dr. med. 1869. 

Voss, Dr., Realschullehrer. 1876. 

W ebner, Landbaumeister. 1871. 

Weitzel, Dr., Oberlehrer. 1878. 

Wöhler, Grossherzogl. Hofgärtner. 1876. 

Seesen am Harz: Rademann, Pharmaceut — E. 1873. 

Selpin bei Tessin: Mönnich, Gutsbesitzer. 1876. 

Spornitz bei Parchim: Mecklenburg, Förster. 1866. 

Stargard: von Fab rice, Kammerherr und Landdrost. 1865. 

Sternberg: David, Alex., Kaufmann. 1877. 

Draeger, Postdirector. 1877. 

Steinohrt, Dr. med. — 0. 1873. 

Strelitz, Neu-: Barnewitz, Hofbuchhändler. 1866. 

Co Hin, Professor. 1857. 

Götz, Dr., Obermedicinalrath. 1860. 

Müller, Dr., Realschuldirector. 1866. 

Peters, Dr., Obermedicinalrath. — E. 1866. 

Twachtmann, Rath. 1866. 

SubsinbeiLaage: Schmidt, Karl, Domänenpächter. 1879. 

Tessin: Michaels en, Advokat. 1876. 

Paschen, Heinr., Amtsrichter. 1873. 

Schröder, Dr. med. 1876. 



353 



TeterowiBolzendalil, Schuldirigeut. — B. Z, 1873. 

Cordes, Lehrer, — 0. 1850. 

Danneel, Senator. 1850. 

Kay sei, Senator. 1861. 

Koch, Amtsrichter. 1875. 

Scheven, Herrn., Dr. phil. 1870. 

Schmidt, Rector. 1873. 

Twietfort bei Plan: ßadel, Förster. 1873. 

Viechein bei Gnoien: Bio hm, W., Gutsbesitzer. 1865. 

Waren: Bath, Lehrer. 1877. 

Birkenstädt, Brauereibesitzer. 1875. 

Elvers, Dr., Sanitätsrath. 1875. 

Gutknecht, Rentier. 1877. 

Hörn, Apotheker. — B. 1869. 

Kross, Senator. 1877. 

Krull, Apotheker. 1858. 

Lembcke, Postdirector. 1869. 

Lorenz, Dr., Gymnasiallehrer. 1877. 

von der Luhe, Rentier. 1877. 

Räthjen, Advokat. 1875. 

Schlaaff, Hofrath, Bürgermeister. 1877. 

Strüver, Kaufmann. 1877. 

Struck, Gymnasiallehrer. — B. Co. Z. 1851. 

Treumann, B. J., Kaufmann. 1877. 

Wismar: Detlefsen, Dr., Gymnasiallehrer. 1878. 

Friedrichsen, Commerzienrath. 1871. 

Meese, Stuhlmachermeister. — Z, 1874. 

Rättig, Lehrer. — B. 1855. 

Schmidt, Franz, Kreiswundarzt. — E. 0. 1850. 

Schmidt, Heinrich, Dr., Oberlehrer. — B. Co. E 1859. 

Sthamer, Dr., Medicinalrath. 1851. 

Wittstock: Meyer, Rector. 1865. 

Zapel bei Crivitz: Willebrandt, Pastor. 1847. 

Zarchelin bei Plau: Schumacher, Domänenpächter. 1873. 

Zan-entin: Brath, Apotheker. — G. P. 1857. 

Abgeschlossen den 31. December 1879. 

O. Arndt. 



Archiv XXXIII. 



23 



Aufforderung! 



In 



den 3 Heften: „Zum Thier- und Kräuterbuche 
des mecklenburgischen Volkes'' hat der 1873 verstorbene 
Oberlehrer Dr. Karl Schiller zu Schwerin eine grosse 
Anzahl plattdeutscher Namen von Thieren und Pflanzen 
aufgeführt. Trotz des grossen Werthes, den die Arbeit 
besitzt, ist dieselbe nicht als abgeschlossen zu betrachten, 
wie der Verf. selbst in der Vorrede sagt, sie sei von 
einem j^opus perfectum et omnihus numeris absolutum^^ noch 
fern. Um nun eine möglichste Vollständigkeit zu er- 
reichen, beschäftigt sich der Verein für niederdeutsche 
Sprachforschung jetzt mit dem Sammeln und Erklären 
der niederdeutschen Thier- und besonders Pflanzennamen. 
Zwar liegt das Gebiet der Sprachforschung unserem 
Verein fern, doch glaube ich in der Annahme nicht zu 
irren, dass viele von den Mitgliedern unseres Vereins 
sich auch für die in unserem Volke gebräuchlichen Namen 
von Thieren und Pflanzen interessiren, und an diese 
richte ich, von Seiten jenes Vereins dazu aufgefordert, 
die freundliche Bitte, die ihnen bekannten, in Mecklen- 
burg wirklich gebräuchlichen Pflanzen- und Thiernamen 
aufzuzeichnen womöglich mit dem beigefügten hochdeut- 
schen oder wissenschaftlichen Namen und die Verzeich- 
nisse mir gefälligst zuzusenden. — Es kann ja nicht die 
Meinung sein, dass jeder, der die Aufstellung eines 
solchen Verzeichnisses beginnt, etwas vollständiges lie- 
fern müsse; das würde wohl sehr wenigen möglich sein. 
Ich meine, wenn jeder diejenigen Namen, die ihm be- 
sonders aufgefallen sind, oder über deren eigentliche 
Bedeutung er eine Aufklärung haben möchte, verzeichnen 



355 



wollte, dass dann schon ein umfängliches Verzeichniss 
sich aus allen Eingängen zusammen stellen liesse. — 
Ganz besonders möchte ich die Herren Land- und Forst- 
wirthe und Landschullehrer um ihre Unterstützung ge- 
beten haben, da ihnen grade die beste Gelegenheit ge- 
geben ist, hier zu helfen. — 

Hoffentlich habe ich keine Fehlbitte gethan. 

Bützow, im Jan. 1880. 

0. Arndt. 



Druckfehler -Verzeichniss. 

S. 35 Z. 10 V. u. Sylviiis statt Sylavius. 

„ 36 fehlt zwischen Z. 12 u. 13 v. o. über Quadra der Genusname 

6 n p h r i a. 

„ 70 Z. 8 V. o. das erste Mal 9 statt 5. 

„ 74 Z. 4 V. 0. Betulifolia statt Retulifolia. 

„ 120 Z. 5 V. u. am statt vom. 

^ 120 Z.17v. u. oben statt eben. 

„ 124 Z. 3 V. u. der statt dieser. 

„ 126 Z. 5 V. u. angenagt statt abgenagt. 

„ 137 Z. 1 V. 0. kaneelfarbige statt kameelfarbige. 

„ 150 Z.l3v. 0. Blattariae statt Blatteriae. 

„ 275 Z. 3 V. 0. Anodonten statt Anadonten. 



Taf.l. 




Taf. 2 



Wendisch Wehningeii 
Figin. 




L^hmkuhle ün Rammer Forst bei Läbtheeny 
Fig. R. 




Fiff. V 

Carentz. Conotv Sülze 

Aledliss 



Bockicja. 




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Eaidcchent 



Taf. 3. 




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