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ARCHIV 



FÜR DAS 



STUDIUM DEß NEUEREN SPRACHEN 



UND LITERATUREN. 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



LUDWIG HERRIC. 



XXI. JAHRGANG, 39. BAND. 



BRAÜNSCHWEIG, 

OBDOK OMD VEBLAO VON GEORGE WESTERMANN. 

18 66. 



''/'■<A-?~<3^ T^/Z-'-i- 












Inhalts - Yerzeidmiss des XXXIX. Bandes. 



Abhandlungen. S^j^, 

Eog^e et Maarice de Go^rin. Von C. Marelle 1 

Le Testament de Fathelin. Von Dr. Muret . . 49 

üntenachnngen über das französische borgne. bome; trancher. V. F. Atzler. 101 

Erkßning der alten Ortanamen in d. Prov. Brändenboig. Von G. Lieb asch. 129 

Eine Schlesische DichterBchole. Von Schaeffer 161 

Karthon, von Ossian. Metrische Bearbeitung. Von Schaeffer 201 

Mira Gaja. Von Prof. M. Beilhack. 241 

Sitzangen der Beriioer Gesellschaft für das Stndiam der neueren Sprachen. 256 

Joseph Ton Petrasch. Von Dr. L. Hirzel 35S 

Altdeutsche Predigt auf den heil. Johannes den Taufer. V. Dr. A. B i rl i n ger. 857 

Ein Spil von der Urstend Christi. Von Dr. A. Birlinger 367 

Die Anasprache des deutschen G. Von L. Rudolph. 402 

üeber die Aussprache des Altfranzösischen. Von G. Michaelis. . . . 411 

Beitrage zur französiachen Lexicographie. Von Franz Scholle. . . . 425 

Beurtheilungen und kurze Anzeigen. 

Goelhe'i Egmont und Schiller's Wallenstein. V. F. Th. Bratranek. (Merkel.) 10& 

Goethe in den Jahren 1771 bis 177& Von B. R. Abeken. (Merkel) . 110 

Bomanische Poesien Ton L. A. Staufe. (Dr. Marthe) IIS 

Werth der Spnchrergleiehnng lur die dassische Philologie, von Dr. Karl 

Sehenkel. (Dr. Marthe.) 116 

Anzeiger für Kunde der deutschen Voneit 1 8. Jahrg» No. 1-^. (Dr. Sachse.) 218 

Germania. Heransgeg. t. Fr. Pfeifer. 11. Jahrgang. 2. Heft. (Dr. Sachse.) 215 

Erganzungsblätter zu jedem engl. Handwörterbnche von A. Pineas. (Hoppe.) 216 

Shakespeareitudien von Bämelin. (A. Buch er.) 308 

Kurze hochdeutsche Sprachlehre von H. Krause. (Dr. Marthe.) . . . 814 

Das Latein auf der Bealschule. Von Dr. H. Wendt. (Dr. Marthe.)'. . 815 

Jean Paul Friedrich Bichter als Pädagoge, von G. Wirtb. (Dr. Marthe.) .816 

Mcmoir- u. Bepetitionsstoffa. d. franz. Grammatik. V. Chr. Vogel. (Dr. MureL) 816 

Anleitung z.UeberB.a.d. Deutschen in d. Franz. T. Dr. G.RSievers. (Dr. Muret.) 819 

Handbodi französischer Aussprache, yon August Waldow. (Dr. Muret.) 821 
Lehrbuch der französischen Sprache für Schüler. Von Cbarles Toussaint 

und G. Langenscheidt. (Dr. Muret.) 825 

Dr. H. A. Manitius: Lehrbudi der englischen Sprache. (Alb. Ben ecke.) 828 

Dr. H. A. Manitius: Gram.-prakt Lehrgang d. engl Sprache. (Benecke.) 882 

Germania. Herausgeg. yon Fr. Pfeiffer. 11. Jahrgang. 3. Heft. (Dr. Sachse.) 487 

Gennania. Herausgeg. von Fr. Pfeiffer. 1 1. Jahrgang. 4. Heft. (D r. S a c h s e.) 437 

Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit^ No. 5 — 8. (Dr. Sacbse.) . 439 
K. A. Hahn's Mittelhochdeutsche Grammatik. Neu ausgearbeitet von Dr. 

Fr. Pfeifler 440 

Lehrbuch der mittelhochdeutschen Sprache für Gymnasien von A. Thumwald. 440 

Begister zu J. Grimm's Deutscher Grammatik von Dr. K. H. Andresen. . 441 

Ae^hetiscfae Vorträge von A. W. Grube. Erstes und zweites B&ndchen. . 442 
Der Orossatti aus dem Leberberg. Sammlung von Volksliedem etc. von Frz. 

Jos. Schild 445 

Ueber die altnordische Philologie im skandinavischen Norden. Ein Vortrag 

von Dr. Thd. Möbius. (Dr. Maerkel.) 446 

Afemannisches Büchlein von guter Speise von Dr. A. Birlinger. (Dr. Sachse.) 447 
UJfilas oder die uns erhaltenen Denkmäler der gothischen Sprache. Bearb. 

n. herausgeg. von Fr. Ludw. Stamm. (Dr. Sachse.) 448 

Eeliand. Mit ausführlichem Glossar hrsgeg. von M. Heyne. (Dr. Sachse.) 448 

Dictionnaire de la langue f ran9aise par E. Littr^. T. prem. A — H. (Schlegel.) 449 

Elementargrammatik der engl. Sprache von Dr. L. Gteorg. (Dr. As her.) 459 

Dr. E. Kade : Erste Anleitung zimi Uebersitzen in's Englische. (A. B e n e c k e.) 461 

Dr. Emil Otto: Kleine englische Sprachlehre für Anfanger. (A Ib. Be n eck e.) 468 



Programmenschau. ^ . 

Beitrag zur method. Behandl. d. deatschen Sprachunterrichts. V. H. Schüder. 117 

Der deutsche Satz. Von Ed. Hermann. .., 118 

Der Begriff der Prosa. Von Rector Prof. Dr. Scheele 118 

Proben eines Wörterbuches der Österreich. Volkssprache. Von H. Mareta. 119 
Beitrag zur Dialeotforschung in Nordböhmen. Von Ignatz Petters. . . . 120 
Ueber den rheinisch-fränkischen Dialekt und die Elberfelder Mundart insbe- 
sondere. Von Dr. G. Schöne 120 

Ueber J. Böhme. Von Lehrer Milarch 120 

Ueber die weltbürgerliche Richtung unserer klassischen Literatur. V. E. Einert. 121 

Ueber Lessing's Emilie Galotti. Von Fr. Diez 121 

Ueber einige weibliche Charaktere In Schiller's Dramen. Von Dr. LilienUial. 121 

Ueber Schiller's Wallenstein. Von Th. Hohenwarter 122 

Jean Baptiste Rousseau. Von Oberlehrer Dillmann. (Hölscher.) . . . 122 
Faut*il voir dans le changement de forme et de sens qu'ont subi les mots 
latins en passant au fran9ais une inf^rioritd de cette langue? Vom 

Oberlehrer Dr. Franz Scholle. (Dr. M. Maass.) 281 

Beitr. zur Gesch. d. franz. Sprache a. Rabelais' Werken. V. Dr. Schönermark. (M.) 233 

Zur englischen Etymologie. Von Eduard Müller. (Hottenrott) . . . 234 

Zwei Abschnitte aus dem neuen Grundlehrplan 335 

Lessing's Laokoon als Leetüre in Prima a. Gjmn. u. Realschule, y. Dr. Eiselen. 335 

Ueber die Berechtigung des Idealen in der Kunst, von Dl*. Fr. Braun. . . 336 

Ueber den Begriff des Tragischen. Von Dr. Arthur Jung 337 

Zusammenstellung d. Fremdwörter d. Alt- u. Mittelhochdeutschen. V. W. Wendler. 338 
Die Familiennamen von Stolp mit Berücks, der Umgegend, v. A. Ueintze. 339 
Ueber einige volksthümliche Begriffsverstarkungen bei deutschen und engli- 
schen Adjectiven. Von Dr. Alexis Donj 340 

Ueber die deutsche Sprache in d. polnischen Oberschlesien. V. Pr. Heimbrod. 341 

Zu Konrad's von Fussesbrunnen Kindheit Jesu. Von Dr. Albert Grombert. 341 

Ueber das Redentiner OsterspieL Vom Oberlehrer Drosihn 342 

Zur Kritik und Erkl&rung des Reineke Vos, von Dr. Friedr. Latendorf. . 343 

Lobepruch der Stadt Gross-Glogau. Von F. W. von Razcek 344 

Anna Luise Karschin. Von Theodor Heinze 344 

Schiller und Gk)ethe. Von Friedr. Regentke 345 

Ideenentwickinng des Spazierganges von Schiller. Von Patriz Anzoletti. . 345 
Zur Entwicklungsgeschichte der deutschen Historiographie. Von Dr. Ad. 

H. Horawilz. (Hölscher.) 847 

Etymologie von Obetnamen. Von H. Oberdieck 467 

Die französischen Fremdwörter in nnserm heutigen Verkehr. Von Dr. Laubert. 468 
Ueber den Kampf der deatschen Sprache gegen fremde Elemente. Von Dir. 

Dr. L. Schacht ; . . . 468 

Ein Hof-Pfalz-Grafen-Diplom Johann Risfs. Von Dir. Dr. 0. Frick. . . 469 
Zur Beurtheilung Klopstock's nach religiösen Gesichtspunkten. Vom Obe. - 

lehrer O. Natorp. ' 470 

Leasing und das Drama, von Wolfrom. 2. Stück 471 

Auslegung des Mährchens von der Seele und des Mährchens von der schönen 

Lilie. Von Dir. Dr. Härtung 471 

Ueber Wilhelm von Humboldt. Ein Vortrag von Prof. Dr. J. W. Steiner. 471 
De Cypriano mago et martyre Calderonicae tragoediae persona primaria. 

Von Prof. Dr. Wilh. Beyschlag. . . . . » 471 

Montesquieu^s Esprit des lois, übersichtl. zsgest. von Oberl. Dr. Hofimann. 472 
Ein Denkstein, gesetzt den Manen des Dichters William Edmondstoune Ay- 

toun. Von Dir. Dr. Alex. Schmidt 472 

Miscellen. 

Seite 128—126. 235—240. 848-350. 478-480. 

Bibliographischer Anzeiger. 

Seite 127—128. 351—852. 



Eugänie et Maurice de Gu^rin/) 



I. 

La pereoDDalit^ communicatiTe et le sens päi^trant de la 
personnalit^ sont deax qualites marquantea de Teeprit fran^ais. 
CW k ces deux qualit^s qua nous devons, d'an c6t^, toute une 
li((^rature unique ec son genre de correspondances et de m^- 
moiree^ et de Fautre, tant d'ingönieux commentateursy de mora- 
iistes eagaces et de fins portraitiates litt^aires. A aucune ^poque 
ce toiir d'ösprit n'a ii& plus pr^dominant qu'aujourd'hui. Od 
ßait avec quel soin, quelle exactitude minutieuae, Bont k präsent 
publi^s et appr^^s les doeumenta peraonnelade toute aorte. Tout ce 
qui porte Fempreinte d'un caractere quelconque, k quelque ^poque 
qu'il appartienne^ eat exhum^, inis en lumiire et trouve dea lec- 
tenra. De m^me que le naturaliate aur quelquea d^bria recon- 
Btniit tont un monde foasile, une critique univeraelle et un pu- 
blic iotelligent, aar dea fragmenta, dea feuillea äparaea, aur 
de simplea autographea, ae plaiaent k recompoaer un individu» 
un groupe, un genre, leur terrain et leor milieu. En cela lea 
m^hodea modemea dlnveatigation ont ainguliirement dargi et 
aigida^ le jugement, mala non aana Fentratner auaai en plua d*une 
fanase roie. C'eat ainai que kt tendance litt^raire dont noua 
parlona deg&ifere aouvent en une yaine recherche du caracti" 
ritUque, pouaa^ juaqu'ä cet engouement du aingulier et de Fex- 
centrique qui däcouTre ou reaauacite toutea cea curioait^a 
d'bier ou d'aujourdliuiy que lea raflfinea prönent k Fenvi, 
fluds auxquellea le bon aena ne aaurait trouver la moindre 

*) La aox Conference« publiques de la Soci^t^ pour Tötude des kngaefl 
modernes, k Berlin. 

ArchiT f. n. Sprachen. XXXlX 1 



2 Eug^nie et Maarice de Ga^rin. 

valeur. Lee deux figures que nous allons d^rire appar- 
tiennent-ellea aux renomm^cs de ce genre? Pour une certaine 
part on aurait pu le penser d'abord. Lear succ^b continu, la 
faveur oroissante du public semblent prouver k präsent, qu'il 
n'7 a pas seulement en elles une de ces raret^ d'amateure» sur- 
faites et ^phänferes, mais quelque chose d'un int^ret g^n^ral et 
durable, non pas seulement une curiosit^ pour les connaisseurs 
mais encore et surtout une apparition sympathique et bienfai- 
sante pour tous, c'est k dire dcuUement et vraiment rare et de 
prix. Qu'on envisage le public ou les personnages, il 7 a 1& 
enfin un ph^nomfene litt^raire digne d'^tude; et il est ^tonnant 
qu'en AUemagne, ce pays de culture polyglotte, une critique 
mubiface, omniface möme, comme eile aime k B^appeler, n'y ait 
jusqu'ici fait aucune attention. 

Qu'est-ce donc qu'£agäiie et Maurice de Gudrin? 

Un oouple fratemel, ^ort il y a une trentaine d'ann^s bien- 
töt, et dont on vient de publier la correspondance et le Journal 
intime ; un jeune poete malade du sentiment et de Pimagination, 
destin^ k mourir avant Fftge, et sa soeur, son ange gardien» son 
Electre, son Antigene, comme il l'appelle lui-mdme. 

ün peintre — qu'on me permette ce proc^ä d^Ansckayr- 
ungs' Unterrichts — un peintre pourrait les repr^senter ensemble: 
lui pensif et abattu, le regard perdu dans l'espace; eile le sou- 
tenant et lui montrant du doigt le del. 

Ce tableau semble annonoer d'abord bien du sentimental: 
et en effet une certaine dose de sentimentalit^ romantique se 
retrouve chez Eugäiie et Maurice de Gu^rin. Mais ce qui fait 
le fond de ces deux Arnes, ee qui les a fait reyivre, ce qui leur 
gagne et leur attache tous les jours des coeurs, o'est qu'eUes 
sont l'expression exquise diacene d'un sentiment vrai', profond, 
intime, intense, qui est en elles pour ainsi dire l'&me de l'&me: 
c'est en Maurice le sentiment de la nature, et dans Eugäüe le 
sentiment de l'anuti^ fratemelle uni k la püti. 

Maurice est le repr^sentant attard^ d'un ^tat d'ftme et d'une 
g^n^ration po^tique aujourd'hui sur le d^olin, si non totalement 
disparus. Cest un eirfant du aüde. Lui'aussi, il souffre de 
la grande maladie moderne, la m^lanoolie> universelle, le Web- 
schmerz; cette maladie m^thaphysico-po^tique qui s*empare 



Eag^nie et Manrice de Gn^rin. 3 

des Arnes aux ^poques de critique g^n^rale oü les dogmes, les 
inetitutionsy oü toute la conception da ponde, de rhomme et de 
Dien sont mis en question. Lee croyances B'^vanouissenty lea 
sjBikmes surgissent et s'eDtredötruisent , les esprits sont tout k 
la foia encombr^e d'idöes et vides de principes et de certitudes ; 
la fatigue de la pens^e, Tinqui^tude de rimaginatipn paralysent 
la voloDiäy lliomiDe perd le goüt et la force d'aglr: alors appa- 
raissent lea tristes h^ros de ces temps, les Hamlet, les Faust, 
las Werther y les Renö, les Childe Harold, les Obermann, les 
RoUa et les Maurice de Gu^rin« 

Maurice appartient en effet k ce groupe de personnages 
fictifs, si divers de caract&re et d'origine, auxquels Thistoire 
litt^raire reconnait cependant tant de traits de famille. Lui aussi, 
il s'est reconnu en eux, et k leur monologue ü a ajoutd le sien, 
quiy paar n'avoir pas la m&me grandeur d'origine, n'en est pas 
moins expressif. 

Je oe voadrais pas, pour rendre m<m h^ros plus remar- 
quable, exag^rer ses pröportions. Maurice de Gu^rin ne jou- 
era pas dans l'histoire litt^raire le röle des figures si connues, 
k c6t^ desquelles nous le rangeons et qui pour la plupart repr^- 
sentent une phase de la yie morale d'hommes de gönie. Mau- 
rice n'eat pas un g^nie, mais seulement un talent distingu^. 
D'aillear« son Journal, oü il s' est peint, n'est point une oeuvre 
d'art m^t^, une reproduction coordonnöe et achev^e d'une pö- 
riode de son ezisience, k Tinstar tle ces cr^tions poetiques, aux- 
qnelles on ne peut le comparer qu'avec röserve. Ce Journal 
n'est qu'une soite d'esquisses et de fragments, une collection de 
QOtes psychologiques, qui bussent deviner plus qu'ils ne fönt Yoir, 
et regretter pLuB qu'ils ne donnent, et dont la sincörit6 touchante 
et la noblesse de style fönt totit le prix. Tous ces m^lanco- 
liques que nous avons noinmös, quelque soit leur impuissance 
maladive en pr^sence de la tftche humaine, sont cependant des 
hommes, et, bien que peu titanesques, les titans de leiur race. 
Maurice, s'il leur ressemble, n'atteint pas & leur taille. 11 n'est 
qu'un en&nt k c&ti d'eux, le Benjamin de la famille, une sorte 
de petit cousin, si Von Teut, pour rester dans la mesure du röel. 
C'est un adolescent qui a grandi comme un roseau et se trouve 
arrSt^ dans sa floraison. Comme tant de jeunes gens de notre 



4 Eng^nie et Maurice de Gu^rin. 

tetnpBy 8i f<kx)nd en ezistences h&tives et avort^es^ Maurice est 
tout ensemble un Stre d^^lite et un dtre inachey^y un de ces chan- 
teors Sans poumons, un de ces Baphaels manchots, destin^s k 
subir toute la vie les fi^vres et les prostrations d'une vocation 
incertaiae ou maoqu^e. On le caract^riserait d'un mot en Tap- 
pelant le patito de la po^sie. II repr^sente au mieux en 
e£Fet ces naifs soupirants du Pamasse^ ces amoureux transis des 
Muses 9 qui pftlissent & leur faire la cour, sans pouvoir obtenir 
d'elles les bonnes grftces qu'elles prodiguent souvent k de fades 
ou grossiers favoris qui les m^ritent moins qu'eux. Lie Journal 
de Maurice est le d^positaire de ces ardeurs, de ces soupirs de 
pogie patitOf une plainte, un g^misaement presque continuels. 

Comment s'expliquer que des pages de ce genre aient pu 
int^resser le public firan^s d'aujourd'hui , si distrait, si blasö, 
si positif , si peu en goüt de po^sie et surtout de po^sie ^1^- 
giaque. Comment un trainard du Werth^risme, arrivant si peu 
d'accord avec les violons, a-t-il pu se faire encore ^uter et 
r^veiller des sympathies? Serait-ce que la maladie qu'il re- 
pr^sente, couve encore secrfetement, et que, sous le positiviste 
actuel, le rSveur d'autrefois soupire encore par moments apr&s 
sa Charlotte insaisissable? Qui sait? Faust il est vrai a quitt^ 
la Philosophie pour Findustrie, oü il fait belle besogne, mais 
Wagner seul toujours est ccmtent. Ren^ et Childe Harold sp^- 
culent et fönt courir, mais ils n'ont pas oubliä leurs monologues, 
ety comme Faust, k certaines heures, ils les r^pötent encore , k 
voix basse» k des auditeurs fidfeles. Si la Poesie s'est r^fugi^ 
au d^serty eile a toujours des adorateurs qui vont Vj retrouver. 
La Science qui a pris sa place, malgr^ sa s^r^nit^ apparente, ne 
se sent pas si süre de son empire. On la surprend parfois as- 
sise comme la Melancholia d' Albrecht Dürer , au milieu de ses 
instruments ^pars, rSvant aussi et se disant: Que sais-je? Par- 
lons sans figures. L'esprit humain a bien changä depuis trente 
ou quarante ans, mais au milieu de notre activit^ sans tr6ve et 
de notre ^parpillement sans bomes, un sentiment de vide et 
d'ennui se fait toujours sentir, et, sans 6tre ^pid^miques comme 
auirefois, les retours de tristesse et de doute sont encore fr^- 
quents. C'est pourquoi les cr^ations poetiques qui repr^sentent 
cet ^tat d'Ame n'ont pas vieilli pour nous et nous restent iami- 



Eng^nie et Mfturice de Gaörio. 5 

li^8. Sans doute nou8 n'acueillerions qu'avec moquerie une 
fiotion qui reprendrait aujourd'hui le ton mäancolique et viendrait 
I10U8 r^ter eur une Ijre d'empnint des plainies trop connues. 
Mais une apparition posthume de ce temps eneore si proche de 
nous doit nous trouver d'autre humeur. Nou8 nou8 reconnais- 
aons en eile, eile nous rappelle notre jeunesse. Et qui, dans 
ce8 temps de s^cheresse et de störilit^i ne regarde volontiers 
vers ces foUes ann^ de sentimentalitä printani^re, oü la m^- 
lancolie n'^tait qu'un trop plein de sive et le d^8e8|)oir un 
exchs d'esp^ance. D'un autre cöt4, une teile apparition, loin de 
choquer notre sens positif de d^sillusionu^s, le satisfait au con- 
traire par son caractäre historique. Nous pouvons du moins Vi^ 
couter comme t^nooin dans notre inventaire minutieux du passä. 
Maurice de Gu^rin avait l'avantage de ressussiter dans ces 
conditions. Son livre n'est pas une fiction. H a rdellement y^cu 
808 soufirances, et il l'a prouvö, puisqu'il en est mort. S'il eüt 
BUTT^u, s'il publiait aujourd'hui lui-mdme son livre, il n'obtien- 
drait sans doute que l'indifförence ou l'ironie. Mais un livre 
vrai, v^cu, un livre qui est une Same, un esprit malheureux sor- 
tant apris plus de vingt ans du tombeau, c'^tait, en notre temps 
de productions factices et forc^s» un sujet assez interessant 
pour nos physiologistes litt^raires et nos curieux de phycholo* 
gie; et d&s son apparition ce fut dans tous les joumaux et les 
revnes k qui d^ploierait le plus de magie esth^tique pour faire 
vraiment rcvivre le jeune fant6me. Mourir jeune sur quelques 
heureox essais, pour un poete, c'est ainsi souvent, le plus sür 
chemin & rimmortalit^. Sa destin^e touchante s'identifie alors 
avec son oeuvre. Ils apparaissent ensemble comme un groupe 
inachevd qu'nne imagination sympathique se figure ais^ment 
plus beau qu'il ne tdt devenu peut-6tre. Si, Joint k cela, le 
poete ou Tartiste brisö dans sa fleur, par quelque cdt^ de 8a 
physionomie ou de sa Situation » se trouve propre k servir de 
Symbole, k repr^senter un genre, alors son nom est consacr^. 
La critique, qui n'aime pas moins k äever qu'ä d^truire, fait 
de lui un type: et eile met k Tachever, k Tid^aliser le mdme 
amour qu'elle mettrait peut-etre k l'an^antir» s'il f(it parvenu a 
sa pleine croissance. Ainsi dans des genres diffl^rents, Mazac- 
cio, Chatterton , Gilbert, Vauvenargues, Andr^ Chenier, Theodor 



6 Eugönie ot Maurie de Go^rin. 

Koerner, Keats, Bellini, U^g^Bißpe Moreau sont tomb^a pour 
fie releyer ötemellement jeunes, sane qu'on puisse dire qo'iU 
euBsent grandi et qu'on se fät souvenu d'euxy s'ile eussent v^u. 
Un autre avantage qu'il faut oompter, pour Maurice, c'^tait 
d-appartenir, par sa naiseance et ses relations, k un monde qni 
poBB^de encore Ic pririlige de donner un certain cachet aux re- 
putations qu'il fait ou qu'il adopte. La haute critique qui, avec 
raison, aime k garder un pied dang ce monde, a pour ses pro- 
t^g^s des indulgences et des faveurs, fort efficaces lorsqu^elles se 
traduisent en lettres de recommandation au public. Cette fois 
la Sympathie d'accord avec la complaisance rendait l'apologie fa- 
eile et d'autant plus persuasive. Cependant il faut le dire, 
quelque digne d'int^r6t que fiüt Maurice, ce n'^ait pas un int^- 
rät g^neral qu'il pouvait soulever longtemps. Ses qualltös sont 
de Celles qu'un petit nombre seulement d'esprits cultiv^s se plait 
k appr^cier. R^uit k lui-meme, apr^s un court ^clat, le jeune 
m^lancolique n'e&t pas tard^ saus doute k retomber, si non dans 
Toubli, du moins dans la pönombre de ses atn^s, oü les ama- 
teurs seuls eussent encore fait attention k lui. Ce qui Ta sou- 
tenu, ce qui le sauvera peut-dtre du temps, c'est moins son r61e 
litt^raire, en somme^ que son röle moral dans le gronpe qu'il 
forme avec sa soeur et oü il est partie essentielle quoique pas* 
sive. Tout en tenant largement compte de sa valeur po^tique, 
on peut donc dire de lui que son.principal, son plus durable 
m6ite, c'est A^Hre le fr^re ch^ri d'nne eoeur teile qu'Eug^nie. 
C'est sa soeur en effet qui met la vie entre eux. Avec son 
^temel monologue, Maurice deirait tot ou tard finir par ennuyer 
son monde; mais Eug^nie intervenant engage le dialogue et 
noüs entraine dans l'action. 

II. 

Eug^nie aussi ^crit son Journal ; mais non k la mani&re de 
Maurice, comme une monodie lyrique, ni k la mani^re anglaise, 
pour elle-m^me, pour sa propre satisfaction : eile l'^crit pour 
s'öpancher, se communiquer k un autre; pour s'entretenir avec 
son frfcre loin d'elle, le consoler, l'egayef, l'encourager. Son 
Journal est par-U* essontiellement fran^ais : c'est une causerie avec 
un absent. D'elle-m^me et seule, eile nc füt jamais venue sans 



Kag^nie et Maurice de Go^rin. 7 

doute k cette habitnde d'enregistrement de 8oi-m6me si repandue 
aajomd'hui 9 ei propre k fortifier rindividu«lit^y maiB si propre 
auBsi k faire des pödanis et des importants. Eugenie est d'un 
naturel trop vif, trop expansif, pour pouvoir ae plaire en tdte 
k t6te exclusif arec eUe-m£me; il lui faut, ne füt-ce qu'en 
id^, un interlocuteur^ un coeur ami qui F^coute. Or eile Ta 
dans 8on hhre, qui lui a demand^ de noter, d'^crire pour lui 
sa vie de ehaque jour, see impressions, see lectures et ses pen- 
sees. Certaine d'^tre entendue, eile s'y prSte volontierst eile 
a'en fait m6me peu k peu un plaisir et un besoin. Car eile a 
le talent d'^crire, la pens^ vive, alerte, la plnme Hgbre et süre. 
FJle possöde ce don si rare du style prime-sautier, prompt d'^- 
lan et ferme dWr6t> qui ne cherche ni ne tfttonne, trouve de 
suite le ton» Faccent, la mesure, le mot et le tour« Dös la pre- 
miöre page on est ^merveill^ de cette gracieuse et franche al- 
'Iure. C'est le plus joli style virginal, caressant et dögagö, 
flexible et droit au but; un vrai style d'oiseau, atl^ presto et net. 
On con^oit qn'elle ait tout d*abord s^duit . par-14 un public si 
sensible au charme de la forme et si fin connaisseor de tout ce 
qui marque la race, le sexe, et fait la distfa^ction de T^rivain. 

Son fröre ^crit tout autrement qu'elle. Maurice creuse, 
p^nötre laborieusement^ il vous enlace et vous entraine avec une 
langueur passionn^ et contagieuse ; on ne le quitte qu^en em- 
portant de sa lecture une sorte de malaise, Avec Eugenie on 
glisse, on vole; eile vous donne sa legöret^. Non qu'elle soit 
folfttre; au contraire, sa nature est essentiellement s^rieuse; 
mais c'est une nature barmonis^, r^gl^, fix4e. Si eile est 
gaie, c'est sans ^tourderie> sans enivrement; si un soupir, si un 
ton plaintif reviennent souvent dans ses notes et dans ses lettres, 
surtout vers la fin de sa vie, on sait d'oü ils viennent et oü ils 
vont. Car ^e aussi, eile a sa mäancolie comme son fröre, 
mais c*est la m^lancolie chr^tienne, celle de la foi. Maurice a 
)a m^lancolie de llncertitude, la languer esthötique, la maladie de 
nd^, le mal vagne et ind^finissable du vague et de Tind^fini; 
Eug^ie a le mal du pays Celeste, le mal de Fexilä et du voya- 
genr regrettant la patrie, mais sörs d'y retoumer un jour. 

La pensfe du ciel se m61e k tout ce qu'elle fait, k tout ce 
qu'elle dit; ce qui lui donne un petit air de nonne et de sainte 



% Eug^nie et Maarice de Gu^rin. 

qui fiarprend d'abord, mais auquel on s'habitue» et qui plait 
m^me k la fin. Elle est volontiers convertisseuse , sans aimer 
k faire des sermons pourtant. Elle n'est ni doctoresse ni pe- 
dante h la mani^re des mtsses presby t^riennes : eUe est pour cela 
trop du pays de madame de S^vign^. Comme celle-ci» eile lit 
les thöologiens et les philosophes, mais eile se garde bien de 
r^p^ter leurs formules et d'user de leur Jargon, il lui^ semblerait 
s'afHibler d'habits d'hommes. Je d^teste les femmes en chaire, 
dit-elle quelque pari. Elle n'a rien de cominun avec la femme 
8up4rieure. Pour eile, comme pour la plupart des femmes vrai- 
ment feminines, ces grandes penseuses, qui montrent un genie 
presque viril, sont des Stres hybrides plus ^tomiants que sjm- 
pathiques. Sentiment assez souveat partage par les hommes 
eux-memes. Les Corinnes et les LiUas paient la gloire ä ce 
priz: elles deviennent des sphinx pour les deux sexes. Rien 
que Fid^e d'une teile m^tamorphose eüt iii horrible k Eug^nie 
de Gru^rin. En cela eile est rest^ feminine et virginale, jus- 
qu'aux bouts des ongles, et s'est m^fi^e toute sa vie de l'en- 
tralnement du talent. Peut-3tre un secret d^sir de plaire ae 
m61ait-il k cette retenue; mais le d^sir de plaire, dans la 
femme, qu'est-ce au fond, que led^sir d'dtre vraiment femme? 

Or la femme, la plume k la main, n'est jamais plus et 
mieux femme que dans ses lettres, c'est k dire individuelle avec 
modestie, et naturelle avec gr&ce et fineese. C'est ce caractere 
fAninin de personnalit^ aimable et de spontanätö mesur^e qui 
fait le charme toujours vivant de tant de recueils de lettres de 
femmes d'esprit et de coeur. Et celle qui plait le plus parmi 
cette älite, c'est äussi la plus femme- de toutes : c'est la toujours 
jeune, aimante et spirituelle marquise de S^vignö. Une de Celles 
au contraire qui perd le plus de jour en jour en attraits, c'est 
aussi Celle dont le sexe est le plus douteux; c'est la profonde 
Rahel, qui pense et veut penser comme un homme, avec les 
nerfs de femme les plus inquiets et les plus agacös, et qui nous 
donne ainsi le spectacle trop souvent agafant de deux natures 
inconciliables se d^battant dans la m^me personne. 

Eug^nie de Guörin a sa place marqu^ entre les öpistoli&res 
illustres; et au milieu de ces grandes mondaines, sa figure k 
part de vestale et de solitaire, serieuse sous un air candide et 



Eogönie et Manricc de Guörin. 9 

enjoa^, n*a point trop l*air d^payse; on voit k la tenue et k la 
shreii du coup d'oeil quelle est ausei de leur inonde. Sa cor- 
respondance moins pris^ jus^u'ici que aon Journal nous parait 
digDe d'6tre mise sur le mdme raug. Le Journal d'ailleurB ren- 
tre lur-meme dans le genre ^pistolaire: c'est une longue lettre 
ecrite k ravance. Mais cette avance y laisse parfois trop de loi- 
ßir k la r^flexion et k nn certain raffinement. La correBpon* 
dance, Ecrite toute de jet, est exempte de ce läger d^faut U 
est vrai que par la mdme cause eile est moins riche aussi de 
peosees et de tableauz, mais la personnalitä toute pure s'y pro- 
nonce plus nettement et plus franchement dans les dialogues divers 
oü eile est engag^e. 11 ne faut chercher du reste dans oe Journal ni 
dans ces lettres rien qui rappelle le genre d'int^ret de lacorrcspon- 
dance des femmes cäebres. Eug^nie de Gu^rin n'a pas iii de 
8on vivant une cäöbritä entouree et r^pandue. Elle n'a connu 
que de loin, et en passant« la vie d'une capitalcf. Les causeries 
des salons k la mode, les conversations des cercles diplomatiques 
et litt^aires» la fr^quentation et l'influence personelle des hommes 
de g^nie et de inarque lui sont rest^es presque absolument 
ätrangferes. On ne trouve chez eile ni anecdotes, ni portraits, 
ni r^cits bien caract^ristiques de son temps. Son ezistence 
s'est äcoul^ presque tout entiire k la campagne, dans un 
cercle restrcint de parents et d'amis, Son monde ext^rieur 
est donc tr^s-limitä et des moins variös. Mais sa vie int^rieure 
n'en est que plus originale et pleine d'une abondance de source 
vive. Pour cette source inöpuisable du cceur et de l'esprity on 
peut la comparer k Mme de S^vignä; en mettant k part bien 
entendu certains cot^s de la femme faite et de la grande dame. 
Mme de S^vignä, comme on sait, est la personnification mdme de 
ramour matemel. Eugäiie est une Sdvignö fraternelle ; une Sövign4 
juväiile un peu ermite» un peu poete, un' peu sauvage ; avec un 
coeur de fille et de soeur tel que Mme de Sövignö eut un coeur 
de mire» le phis aimant, le plus prodigue de d^vouement, le 
plus ing^nieuz en expressions de tendresse et d'attachement. 
Son fr^re Maurice est son tout, comme pour Mme de S^vignä 
sa fille. Oo plntöt^ pour ne pas faire d'elle ce qu'elle appelle- 
rait une idolfttre, son tout c'est Dieu avec Maurice et Maurice 
en Dieu. Maurice et Dieu, voili les deux noms qui reviennent 



10 Eug^nie et Maurice de Gu^rin. 

k toutes see pages. Au premier abord cela peut sembler mo- 
notone, mais il faut 7 regarder de plus pris. Combien de gens 
auösi trouvent Mme de S^vign^ monotone, parce qu'elle ne parle 
que de sa fiUe et ram^ue tout k sa fille. Ceux-la oublient que le 
ccBur ne craint pas conime l'esprit de se rep^ter. U a beau re- 
dire la meme chauson, ce n'est jamais sur le mdme air. Pour 
bien goüter de teU recueils, il faut prendre chacune de ces 
lettre» comme une Borte de Kaleidoscope, par lequel on ne ver- 
rait toujours qu'un nombre limite d^objets, mais k chaque tour 
8OU8 des aopects et de» couleurs diiförentes , selon lliumeur et 
l'entraln du moment. 

U ne faut pae trop appuyer sur cette comparaison entre 
Mme de Sevigne et Eug^nie de Gu^rin, mais il est certain 
qu'une sorte de parent^ existe entre elles. Les amis d'Eug^oie 
Fappelaient en plaisantant la femme da dix-septi^me si^le, et eile 
semble en eifet avoir des affinit^s avec les esprits les plus dis- 
tingues de ce noble temps. Elle vit dans leur compagnie. 
Bossuety Pascal, I^*^n^lon sont ses maitres. Elle se fait encore 
du monde, de la religion et de la soci^tö la m^rae id^ qu'ils 
s'en faisaient. De \k aussi sa e^curit^ d'esprit. Si tout est rois 
en question autour d'elle, rien pour eile n^est mis en doute. 
Elle n'est point du reste arrieröe par ignorance. Elle a lu avec 
son fröre plus d^un livre moderne: Chateaubriand, Mme de Stael, 
Lamennais et des fragments de litt^rature ou de philosophie tra- 
duits de Tallemand et de Tanglais, et quelque chose lui en est 
reste dans sa direction litt^raire; mais par la direction morale 
et spirituelle, eile est toute du siöcle classique. Et en cela eile 
n'est pas nn ph^nomöne isol^. L'esprit du dix-septiöme si^Ie 
a eu le don de s'immortaliser dans une forme parfaite et sa tra- 
dition se perpetue par son style, parallölement, et en Opposition 
souvent victorieuse avec l'esprit moderne, dans les groupes et 
les cercles ^pars qui se sont refonn^d des d^bris de I'ancienne 
soci^t^. Dans ce monde k part, Thistoire universelle est encore 
envisagöe au point de vue de Bossuet, et tout s'y mesure et s'y 
juge k I'avenant. La forme ici fait encore valoir le fond. C'est 
une de ces anomalies de l'esprit fran^ais que les ^trangers ont 
peine k s'expliquer. II serait cependant facile, sans alier jus- 
qu'en Chine, de trouver quelque chose de semblable k peu prfes 



Eag^nie et Maarice de Gu^rin. 11 

partout, seulement sous des formes moins choieies. C'est too«^ 
jours le paraHäisme de Neprit de^tradition d'un cöt^, et de l'e8>- 
pni d'ind^pendance de Tautre» qui divise partout, comme eü 
dewx campsy la soci^t^ europ^enne toute enti^re. Ce parall^- 
lieme et ce contraste, nou8 les retrouvona ici dang le frire et la 
soßur. Maurice a ^t6 elevi dans les memes principet que aa 
Boear, qui sont ceux de toute la famille, et il ne lea abandonne 
jamais bien d^finitivement ni bien retioluinent. Mais Tesprit 
nouveau Ta touch^; il ee laisse aller k la d^rive de l'autre cöt^. 
Bient6t il »*inquiete, 11 regarde en arri^re, il a perdu aa route. 
Eugenie le rappelle, lui montre le cheniin du retour et finit par 
le ramener aü bercail; mala eile ne Vj ramene que mourant et 
pour rensevelir. 

Maurice, comme nous le savons dejä, est eBsentiellement 
contemplatif et passif. Eugenie, avec le m6me penchant k la 
contemplation y est essentiellement active et riebe d'iuitiative et 
de volonte. Maurice se laisse aller» deveniry porter voluptueuse^ 
ment par la vie; il suit Tattrait du moment, en v^ritable enfant 
de la nature, mais en enfant insatiable, curieux de tous 4es 
rojstferes et r^vant toujours k ce qu'il ne peut comprendre. 
Eugenie prend la vie en chr^tienncy comme une tAche sacr^, 
dont il faudra rendre compte; eile voit en tout le devoir et 
cherche partout le salut. Du reste» tout plaisir permis la trouve 
sensible; mais eile jouit de tout sans appuyer, en regardant 
toujours plus baut. Elle est curieuse aussi de savoir, mais 
eile se rappelle le pechä d'Eve^ et pour explication k tout ne 
veut que Dieu. Ils ne savent pas etre heureux, dit-elle, ceux 
qui veulent tout comprendre. Pour eile tout vient de la Pro-^ 
vidence, sa main est partout , la raison de toute cbose, grande 
ou petite, est en eile. Partout et toujours, eUe voit Dieu prä- 
sent k Fceuvre et k l'entretien de la cr^ation. Le problöme du 
monde ne Tinqui^te pas autrement; On appelle cette fa<^n de 
voir primitive et naive d'un gi*os mot phllosophique : anthropo- 
morphisme. Quelques philosophes qui y ont regard^ de prfes, 
avouent cependant, k Tavantage des naifs, que lorsqu'il veut 
concevoir le monde, son principe et sa fin» s'en former une 
id^ generale» l'homme ne saurait faire autre chose que de l'an- 
tbropomorphisme, c'est-ä-dire reproduire son propre esprit, qu'il 



12 Eugdnie et Maurice- de Gu^rin. 

procide naTvemeot oii m^thodiquetnent. Ce. ne perait qu'une 
queetion de condensation ou de raröfaction, dick oder dünn. 
La simplicitd des croyancee d'Eug^nie ne doit donc point aux 
yeux d'un lecteur intelligent rapetisser son esprit. Plus d'un 
Komme de töte» fort capable de eubtiliser s'il le voulait, pr^före 
ainsi souvent s'en tenir k Teneeignement du cat^hisme. En 
sommey pour celui qui doit faire de la vie une action et non 
pas seulemcnt une contemplation , r^duire la nature et Dieu 
a la meaure de la raison vaut toujoure mieux que de perdre 
la raison en Dieu ou dans la natur«, en peneant identifier la 
raison huinaine k la raison des choses ou k la raison äter- 
nelle, comme cela arrive aux panth^istes, naturalistes ou id^- 
listes, et comme cela faillit arriver au frfere d'Eug^nie aiiisi que 
nouB le verrons tout k l'heure. 

Eug^nie de Guörin est ardqnte chr^tienne et zfel^e catho- 
lique, et le Catholicisme peut-6tre fier d'elle, car il a eu grande 
part a son ^ducation. 8i le Protestantisme est par excellence 
la religion de la famille, dont ses pasteurs mariös donnent le 
modele, le Catholicisme, son histoire et toute son Organisation 
le prouvent, le Catholicisme est la religion du c^libat, et par 
la confession il est avant tout la religion des femmes. Autant 
la confession est funeste k la famille, oü eile introduit une auto- 
ritö ötrangire, autant cette Institution peut-6tre bienfaisante pour 
les individus isol4s, mais surtont pour les ämes feminines, 
veuves ou däaiss^s. Dans la famille protestante, la sincerit^ 
chr^tienne, l'habitude de la verite jusqu'ä la naivet^ remplace 
pour ainsi dire, et avec avantage, la confession, et mieux que 
celle-ci eile forme des coeurs purs .et droits. Mais en dehors 
de la famille, le manque de moyens d'expansion intime, l'habi- 
tude de ne consulter que la voix int^rieure renferment en lui- 
meme le protestant isole et fönt de lui souvent un monologueur 
m^lancolique ou un excentrique insociable. Dans les pajs de 
forte individualit^, en Angleterre par exemple, oü le recours k 
soi seul, l'aide personnelle sont de regle et d'habitude, la femme 
isol^e, veuve ou vieille fiUe, en arrive souvent k n'dtre plus 
qu'une sorte d'ötre sans sexe, tout en soi-m6me, m^thodique et 
ent^t^, sans chaleur et sans attrait. De tels individus sont 
rares dans les pays catholiques. Le Catholicisme, qui par son 



Eag^nie et Maurice d[e Ou^rin. 18 

clerg^ c^Kbataire est Panomalie organis^ dans la BwAitif offre 

un asile k tout 6tre anormal, isol^ ou did&Bsi; il lui donne 

dane le coDfessional et le clottre un confident et une famille k 

Bon choix. H montre un port toujours ouvert au nauirag^ de 

la vie, il asanre accueil et consolation k Yime expanaive et ti- 

mide et empfiche ainsi le ccenr solitaire et malheareux de s'ai« 

grir ou de se dess^cher. Or Eug^nie, et ced ne doit rien lui 

faire perdre k nos yeux, Eug^nie forc^ment retenue dane F^tat 

de fiUe, ee trouve k vrai dire dans une Situation anormale. EUe 

le sent elle-m^me sans s'en rendre compte» et une sorte de 

tristesse maladiye qni s'empare quelqu^fois de son ftme, autre» 

ment si saine et si forte, n'a pas d*autre cause. Mais sa reli- 

gion ouvre un champ illimite k ses facultas inemploy^es; son 

imagination ardente et son coeur expansit trouvent dans la con- 

fession, les croyances, dans la d^votion tendre et familiäre du 

catholicisme, Taliment, Fappui et Toccupation dont eile a besoin 

et qu'elle ne saurait trouver qu'ä demi dans I'amitiä fraternelle 

et dans la solitude. 

-•1 

Je me depose dans votre ame. 

(Hildegaide k St Bemard.) 

Cette Epigraphe de son Journal nous annonce tout d'abord une 
confession de coeur sinon de conscience. Se confesser et con- 
fesser les autres est le tour d'esprit dominant d'une fervente 
catholique. 

Une page pleine de sentiment va nous montrer ce qu'est 
ponr eile un confesseur. 

n n'est que neuf heures et j'ai dejä pass^ par rheureaz et par le 
triste. Comme il faut pea de temps ponr 6ela! L'heareux, c'est le 
soleil, Fair doux, le chant des oiseaux, bonhears a moi ; pnis une lettre 
de Mimi (sa soenr Marie) qoi est k Graillac, oü eile me parle de Mme 
*** qai t'a yn, et d'autres choses riantes. Mais voilk que j'apprends 
parmi toot ceia le d^part de M. Bories (le car6 du yillage) de ce bon 
et excellent pdre de mon Ame. Oh ! que je le regrette! qo'elle parte 
je vais fiiire an perdant ce bon guide de ma conscience, de mon coeur, 
de mon esprit, de tont moi-m^me que Dieu lui avait confi^ et qoe je 
lui laissais avec tant d'abandoni Je suis triste d'one tristesse int^ 
rieure qui fiiit pieurer F&me. Mon Dieu, dans mon desert, k qni avoir 
reconrs? qui me sontiendra dans mes d^faillances spirituelles? qni me 
mtoera an grand sacrifice? Cest en ceci surtout que je regrette M, 



14 Eaif^nie et Maarice de Gu^rin. 

Bories. H oonnait ee qwt Diea m'a roia au coeur, j'avais beaoin de sa 
force ponr le snivre. Notre noaveeu eure ne peut le remplacer: 11 est 
si jeune! puis il parait si inexperimente, si indecisl II faut etre ferme 
ponr tirer une äme du milieu du monde et la soutenir contre les as- 
flants de la chair et du sang ! . . . . C'est une bien douoe chose, nn grand 
bmiheur poar Tfime ofaretienne qua la confession, un grand bien, tou« 
jour8 plu8 grand a mesure que nous le goütons» et que le ooeur da 
pritre oü nons versous nos larmes ressenible au coeur divin qui nous 
a tant aime. . . . Malheur ä moi si, quand je suis a ses pieds, je vojais 
autre chose que Jesus-Christ ecoutant Madeleine, et hii pardonnant 
beaucoup parce qu*eUe a beaucoup aime! La eonfession est une expan- 
sion du repentir dans Tamour. Si tu t'etais ^it pr^tre, tu saurais cela, 
et je t'aurais demand^ oonseil, mais je ne puis rien dire a Maurice« 
Ah 1 pauvre ami , que je le regrette I que je youdrais passer de la con- 
fiance du coeur k ceUe de i'ame! II y aurait dans cette ouverture 
quelque chose de bien spirituellement doux. La mere de Saint Fran- 
9ois de Sales se confessait ä son fils; des soeurs se sont confess^ ä 
leurs freres. II est beaa de voir la natnre se perdre ainsi dans la gr&ce. 

On voit combien tendre, expansive et pourtant ferme et 
äev^e est la religion d'Eug^nie. Älnier ^tait sa vocatiob, et 
eile l'a remplie autant qu'il lui fut possible. Son coeur ^tait un 
c<£ur d'attache qui poussait comme le lierre racines et rameaux 
en tous sens et D'aimait pas k ne s'appuyer que sur sei seul et 
k ne s'^tendre qu'en hauteur. Elle ch^rit, eile enveloppe d'affec- 
tion parents et amis. Mais Maurice reste son pr^förö. C'est k 
lui qu'elle revient sans cesse, avec lui qu'elle veut tout partager. 
C'est de lui qu'elle dcrit: 

Esperer ou craindre pour un autre est la seule chose qui donne 
k rhomnie le sentiment copoplet de sa propre existence. 

Vivre pour autnii, c'est le besoin et le bonheur du cceür 
humain» maia aurtout de la femme. Eug^nie vit pour son frire 
absent en priant pour Ini, en a'inqni^tant sans cesse du bonheur 
et du salut de son &me. 

O FrereSy freres, nous vons aimons tant ! Si vous le saviez, si vous 
oomfreniee ce que nons coüte votre bonheur, de quels sacrifices on la 
pi^eraitl O mon Dien, qu'ils le comprennent, et n'exposeot pas si 
facilement leur ch^ sante et leur ch^re 4me!... Mais que sert de dire 
et d'observer et de se plaindre? Je ne me sens pas assaz sainte pour 
te convertir ni ass^z forte pour t'entratner; Dieu seul peut faire cela. 
Je Von prie tnen, car mon bonheur 7 est attach^. Tu ne le conQois 
pas peut-Stre, tn. ne vois pas avec ton oeil philosophique les larmes 



Ettg^nie et Maariee de Ga^rin. 1^ 

d'an GQÜ chr^tien qui pleure ane fime qui se perd, une &oie qu'on aime 
tant, Doe dme de fr^re, sceur de la vötre. 

Quelle pure ardeur, quelle d^licate tendregse dans oette 

amiti^ fraternelle, sanctifi^e par la charit^I 

M. le Gur^ sort d'ici et m'a laisse une de tes lettres, qu'il m'a gliss^ 
furtivement dans la main au milieu de tout le monde. Je lui ai trem- 
ble tout douoement un merci, et, coxnprenant ce que c'^tait. je suis sor- 
tie et suis allee te lire a mon aise dans la garenne. Comme j'allals 
vitey comme je tremblais, comme je brülais sur cette lettre oü j'allais 
te Toir enfini Je t'ai vu; mais je ne te oonnais pas; tu ne m'ouvres 
qoe la tete: c'est le cosor, d'est Tarne, o'est l'mtime, ce qui fait ta yie, 
que je croyais voir. Tu ne me montres que ta fa9on de penser; tu 
me fais monter, et moi, je voulais descendre, te connaitre a fond dans 
tes goAts, tes humeurs, tes principes, en un mot, faire un tour dans 

tons les coins et recoins de toi-meme ^cris-moi , parle, explique* 

toi, fais-toi voir, que je sache ce que tu souffres et oe qui te fait souff- 
rir* Quelque fois je pense que oe n'est rien qu'un peu dei oette humeur 
Doire, que nous avons, et qui rend si triste quand il s'en r^pand dans le 
coeur. II s'en faut purger au plus t6t, car ce poison gagne vite et nous 
ferait fous ou b^tes. O mon ami, que ne te fais-tu soulever par quelque 
chose de Celeste! La plupart des maux viennent de l'äme; la tienne, 
pauvre aaii, est si malade, si malade I Je sais bien oe qui la pourrait 
soolager, tu me ooraprends: o'est de la faire redevenir chr^tienue, 
de la mettre en rapport avec Dieu par raccomplissement des devoirs 
religieux, de la faire vivre de la Foi, de l'etablir enfin dans un ^tat 
cooforme a sa nature. Oh! alors paix et bonheur, autant que pos- 
sible k l'homme. La tranquillite de l'ordre, cfaose admirable et rare 
qo'oD n'obtient que par Tassujettissement des passions. Cela se voit 
dans les salnts. 

La religion d'Eng^nie u^est pas cette religiositä yague, ou 
plut6t oe dilettantieme religieux, aujoQrd'hai si fort r^pandu, 
qui ne cherche dana la religion qu'une aorte de jouiseance est« 
h^tique k part. Ponr Eng^nie la religion est la grande af- 
fiiire, rint^rdt vital qui domine et p^nitre tous les autres. Sa 
nature eat toute morale, toute au aacrifice, k Taction vaiBante, 
k Teffort incesaant vers le but auprdme, l'accord avec Dieu« 
Cepmdant qu'elle que aoit* Tardeur de aa j^ti, eile ne dögänire 
jamaia en ezaltation, „J'aime le calme, mdme avec Dieu. ^ C'est 
nn de aea mote qui la peint. 

La vie cbr^enne , 6crit-eUe k une amae, la eomtesse de MaisCre, 
oe nW paa d*4tre perdue dans l'aonoar de Dieu , et de ne vivre que 
dans le ciel* Ce sublime de la pi^t^ n'est pas mon ^tat, ni ce que 



16 Eug^nie et Maurice de Gu^rin. 

Dieu demande d'une pauvre faible creature k peine s'^Ievant de terre. 
Nos devoirs ne sont pas si haut; Dieu ne les a pas mis a la portee 
des anges, mais k la n6tre. . • . O ch^re amie, ne parlons pas de contem- 
pler, c'est F^tat du ciel, des bienhenreux; nous, pauvres pechears, c^est 
beaucoup de savoir s'abaisser devant Dieu pour g^mir de nos misdres, 
de nos fautes. TL est beau de s'elever, mais regarder dans son coeur 
est bien utile. On voit ce qui se passe chez soi, oonnaissance indis- 
pensable pour nos affaires spirituelles, pour le salul. Cela ne vaut-Ü 
pas mieux que de beaux transports, qu'une piete d'iraagination qui s^en 
va comme en ballon toucher les astres et tomber ensuite? 

De mfime, dans rabandon de sa fei, un sens droit et ferme 
la maintient tcujours en ^quilibre audessus des mi^vreries et des 
superdtitions du catholicisme, quoi qu'elle ne soit pas sans y 
tremper quelque fois. En bonne et fidile catholique, eile rai- 
sonne et critique fort peu la croyance enseign^e. La foi est 
poar eile affaire de coeur, et la critique en matiire de sentitnent 
lui r^pugne, comme k la plupart des femmes. Eug^nie d'ail- 
leurs, avec sa haute raison, a la coeur un peu enfant, et si 
eile habite avec l'une la grande eglise du Christ, eile laisee vo- 
lontiers s'asseoir l'autre un moment dans la petite chapelle des 
j^suitCB. Les petita miracles, la d^votion aux m^dailles, le mois 
de Marie, les priores qui gu^rissent, eile entre dans tout, eile 
ne rejette rien ; mais eile ne s'arräte qu'en passant k cette menue 
d^votion. D'un autre c6t^, le mysticisme n'est pas non plus 
son- fait, quoi qu'dle goüte fort les mystiques et &68e ses d^* 
lices de Sainte Th^rfese et de Saint Fran^ois de Salea. La Na- 
ture et la Gräce, pour parier le langage des th^ologiens, le 
seus pratique et Tessor spirituel sont en eile habitueUement dans 
une parfaite harmonie, k iggle distance de la vulgarit^ et de la 
sablimit^ nuageuse. C'est en un mot une enthousiaste raisoi^- 
nable. 

Son prosäytiflme mdme» que nous voyons si vif e&vers son 
fi^re, ne d^passe jamais la meaure de la discr^tion. C'est un 
soin, un souci tendre et d^licat de T&me de ceux qu'elle aime 
qui n'a rien de cette importune manie de conversion, de conqu^te 
spirituelle, si fr^quente chez les devotes. Ce pros^lytisme est 
plutöt attractif que positivement actif. On vient k eile plus 
qu'elle ne va aux autres. Se liaison si interessante avec la 
comtesee de Maistre en est un exemple. C'est apr^ avoir lu 



Eog^aie et Maurice de Gu^rin« 17 

par hasard une lettre d'eUe, sans la coanatirey qne la oomtesse 
se sentit irr^aistiUement attir^e vers Eug^nie et lui ietivit pour 
lui demander son amiti^ et bientöt rnöme en quelque eorte sa 
direction spirituelle. Quoique vivant en solitude, Eug^nie, par 
ses liene de famille» par les associatioDB pieuses dont eile fait 
partie, se meut au railieu d'nn cercle assez ^tendu de relations. 
Son amiti^ est fort rechercb^, car eile est aussi bonne aniie 
qu'elle est bonne soeur. 

Apr^s qne j'ai donn6 affection, dit-elle, c*est fini. En Toila jus- 
qn*au del^ oü Ton aime encore. 

On connatt son bon coeur et son esprit jnstOi et chacun 
s'adresse k eile. Elle est le conseil, la confidente^ la consolatrice 
de tous. Elle seiuble avoir eu pour les maux de Tarne cette 
main magnötique que les malades croient reconnaitre k certaiu^s 
personnes pour les maux plijsiques. Nature vraiuient ^vangäi* 
que, eile resptrait et inspirait ce sentiment qui est Tessence möme 
du christianisme, cette charite, cet amour Celeste des dmes qui 
Alt l'ame du Christ et qui donne k Täme chr^tienne pour T^e 
d'autrui une tendresse et ua zfele de mire et de soeur. 

Voil& que oette &me m'attriste, que son salut m'inquiete, 6ci'it-elle 
a propos d'un amS, que je eoufTrirais le martjre pour lui meriter le 
ciel. Oh I qu'elle donleur de Toir s'egarer de si belies inteiligences, de 
81 nobles cr^atores, des etres formes avec tant de favear, oü Dieu sem- 
ble avoir mis toutes ses complaisances comroe en des fils biea-aimes 
les mieux faits a son image I Je voudrais le salut de tous . . . mais le 
coeur a ses eins et pour ceux-ia on a cent fois plus de desirs et de 
crainte. M on Dieu, faites qu'ils vivent toujours ceux que j^aime, qu'ils 
yiveoft de la vie eternelle! Oh! c'est pour eela, pas pour ioi que je 
les aime. A peine h^lasl si Ton s'j voit. 

^Cependfuit ses pr^occupations religieuses ne lui font pas 
Dublier lorsqu'eUe s'adresse k son fr^re qu'il est poete et qu'elle 
Test elle-Diftme, et eile passe ais^ment avec lui des exhortations 
aux cauaenes et aux descriptions. Ignorant la musiquey eile 
^Grii; Qomme d'autres ohant^it ou tracaaseni un instrumenta pour 
86 distraire ei s'^paacher. Elle ausai» eile a un sentiment 
Tif et cultiv^ de la natura; mais eUe cherche .en eile sur- 
tont Taimable et le riant. A la mani&re d^s öcrivains mo- 
dernes qui peigaent par la parole, eile s'essaie au paysage et 
aux petita cadre« de genre dont aon fr^re est grand amateur 

ArehiT f. n. Sprachen. XTXIX. 2 



18 Eag^nie et Maarice de Guörin. 

et qu'elle sait qu'il appr^iera. Elle a un joli coup de crayon, 

Sans retouche ni surcbarge;' mais eUe n'est pas naturaliate; un 

motif moral la touche plus qu'on motif pittoresque, et la descrip- 

tion chez eile toume bien vite en reflexion. Malheureusement 

les Bigets d'aucuQ genre n'abondent pae dana sa vie monotone; 

eile les cherche donc quelquefois, du moinB ik peuvent sembler 

parfois cherch^s. Elle tire parti de tont et note assez souvent 

des mlDutiea et des enfantillages qui semblent peu de son ftge ; 

mais ODtre fthve et soeur le coeur reste toiupurs jeune et c'est lui 

qui donne le prix aux choses* 

Ceci n'est pas pour le public, dit-elle d'aillenrs, c'est de rintime, 
de räme, c'est pour un. Qnand tont le monde est oecup^ et que je ne 
suis pas n^cessaire, je fais retraite et viens id ä toute heure pour 4crire, 
lire ou prier. J'y mets aussi ce qni se passe dans l'&me et dans la mai- 
soD, et de la sorte nous retrouverons jour par jonr tout le pass4. Pour 
moi oe n'est rien ce qui passe, et je ne l'toirais pas, ni^is je me dis: 
Maurice sera bien aise de voir oe que nous faisons pendant qu'il etait 
loin et de rentrer ainsi dans la vie de famille, et je le marque pour toi. 

Et, presque jour par jour, eile donne ainsi au jeune mondain 
parisien un tableau de la vie chatopdtre de leur eher Cayla. 

Qu'on se repräsente au midi de la France, en Languedoc, 
dans un vallon boisä des C^venuesy un petit domaine avec son 
habitation antique, moitiä forme et moitiä ch&teau : c'est le do- 
maine du Cayla, la demeure h^r^ditaire de la famille de Gu^rin. 
Eugönie j Habite avec un frire ainä, Erambert, et une soeur ca- 
dette, Marie; trois caractferes tris-diff^rents, vivant dans la meil- 
leure harmonie aupr&s de leur pöre restö veuf, et le secondant 
dans Tadministration du bien oommun. Leur öxistence est toute 
patriarchale, et, k part leur culturc spirituelle et leurs relaüons 
distingu^s, presque rustique. Le päre et le fils atnä dirigent 
les travaux des champs, les deux filles surveillent le manage. 
Le soir, la famille r^unie dans la grandc salle dooute quelque 
lecture s&ieuse on pieuse. Les visites du cur^y quelques rares 
apparitions d'amis et de parents dans la belle saison, quelques 
Courts Toyages k la petite ville voisine, oe sont Ik tous les in- 
cidents de leur annde. Mais ils n'en souhaitent pas davantage 
et cherchent leur coutentement en eux-m6mes et dans leuratta- 
chement k leur petit monde. Ainsi fait, du moins d'ordinaire, 
Eug^nie de Gu^rin. Grande voyageuse d'imaginationy eile a 



Eng^nie et Maorice de Gu^riiL 19 

¥äme casaniire et amie de Tbabitude. Elle eait se faire de tou{ 
nne occupation et un plaisir. La vie de toua les jours lui est 
ei douce qu'elle n'aime k en Stre d^rangöe par rien. Bien diff<$- 
rente de ces ftmes vides et inqui^tes qui ne tirent leur vie que 
du dehors et ne se plaiaent que ]k oü elles ne sont paa, eile ne 
Boubaite ni changementB, ni ev^n^menta, ni noavellea. 

Je n'aime que les flöurs que nos ruisseaux arrosent, 
Que les pres dont mes pas out foule le gazon; 
Je n'aime que les bois ou nos oiseaux se posent, 
Mon del de tous les jours et son meme horizon. 

.Le cbez-soi! dit-elle encore, qnel Heu dans le monde peut le rem* 
placer. Je ne me suis gu^re etendue au dehors, roais le petit fiut sen» 
tir le grand. Je m'en tiens k mon bonheur, j'en jouis ä plein ooaur. 

II 7 a en moi, dit-elle enoore, un o6t6^ qui tonohe auz classes les 
plus simples et s'y plait infiniment. Aussi n^ai-je jamais reve de gran- 
deur ni de fbrtune ; mais que de fois d'une petite maison hors des villes, 
bien proprette avec ses meubles de bois, ses vaisselles luisantes, sa 
treille k Tentree, des poules ! et moi la, avec je ne sais qui« .... 

Avec je ne sais qui!... Elle se trouve aussi parfois bien 
seule^ et c'est alors que l'ennui vient la visiter. Mais eile sait 
s'en d^fendre, nous l'avons vu tout-ä-Pheure dans ses exhorta- 
tions k son Mre. 

Mimi (sa soeur Marie) m'a quittöe pour quinze jours; eile est a 
***, et je la plains au milieu de cette paienuerie, eile si sainte et bonne 
chredenne. De mon cöt^, il me tarde, je m'ennuie de ma solitude, 
taut j'ai l'habitude d'6tre deux. Papa est aux champs presque tout le 
jour, Eran (Erambert) k la chasse; pour toute compagnie, il me reste 
Trilby (son qbien) et mes poulets, qui fönt du bruit comme des lutins; 
ils m'oceupent sans me desennuyer, parceque Tennui est le fond et le 
oentre de mon kme aujourd'hui. Ce que j'aime le plus est peu capable 
de me distraire. J'ai touIu lire, ecrire, prier, tout cela n'a dure qu'un 
moment ; la pri^re mdme me lasse. C'est triste, mon Dieu ! Par bonheur 
je me suis souvenne de ce mot de F6n^on: „Si Dieu vous ennuie, 
dites-lui qu'il tous ennuie.*^ Oh! je lui ai bien dit cette sottise 

Dans ma solitude aujourd'hui, je n'ai rien trouve de mieux a faire 
que de paperasser, de revoir mes vieux Souvenirs, mes ecritures, mes 
pens^es de jadis. J'en ai vu de bonnes, c'est-a-dire de raisonnables, 
de pieuses, d'exag^rees, de foUes comme celles-ci : Si j'osais, je deman- 
derais k Dieu pourquoi je suis en ce monde. Qu'j fais-je? Qu'ai-je 
ä j faire? je n'en sais rien. Mes jours s'en vont inutiles, aussi je ne 
les regrette pas. . . . Si je pouvais me faire du bien on en faire ä quel- 
qu'un, seulement nne minute par jour! Eh! mon Dieu, rien n'est plus 



so Eag^nie et Maurice de Gul^rin. 

Tadle, je n'aTaifl qn'a prendre uh Terre d'eaa et le donner k nn paavre. 
Voilä comme la tristesse fait eztravagner et meoe k dire: Pourquoi la 
vie, puiaqne la yie m'ennuie? Pourquoi des devoirs puisqu'ils me 
p^sent? pourquoi unooeur? pourquoi une ame? Des pourquoi saus fin; 
et on ne peut rien, on ne veut rien, on se d^laisse, on plenre, on 
est malheureuZy on s'enferme, et le diable qui Doas voit seuk, arrive 
pour nous distndre avec toutes ses sMuctions. Puls, quand elles sont 
6puis^, le suidde raste enoore. Dieul quelle fin! qn'elle folie! et 
oomme eile gagne diaque jour, meme daos les campagnes ! ün jeune paj- 
san deBleys, ridie et aim^ de ses parents, s'est tue de tristesse. Tout 
Teunuyait, surtout de yivre. II etait religieux, mais pas assez pour 
sunnonter une passion. Dieu seul nous donne la force et le vouloir 
dans cette lutte terrible, et, tout fiiible et petit qo'on seit, avec- son 
aide on tient enfin le geant sous ses genoux; mais pour cela, il ibat 
prier, beauoonp prier, oomme nous Ta appris J^sus^Christ , et nous 
toier : Notre P^re ! Ce cri filial touche le ccBur de Dieo, et nous ob- 
tIent tocgours qiielqne cbose. Mon ami, je voudrais bien te voir prier 
comme nn bon enfant de Dien. Que fen coftterait-^l ? ton Ame est 
naturellement aimante, et la pri^re qu'est ce autre chose que l'aoiour, 
un amour qui se r^pand de Vksne au dehors, comme l'eaa sort de la 
fontaine. 

Le 1^' fevrier. — Jour nebuleux, sombre, triste au dehors et au 
dedans. Je m'ennuie plus que de couturoe , et comme je ne veuz pas 
m'ennujer, j'ai pris la couture pour tner cela k conps d'aignille,; mais 
le vilain serpent remne encore, quoique je lui aie ooupö t^te et queue, 
c'est-ä-dire tranch^ la paresse et les molles pensees. Le corar s^affai- 
blitsur ces impressions de tristesse et cela fait mal. Oh! si je savais la 
musiquel On dit que c*6St si bon, si doux pour les malaises de Täme. 

Elle est grande liseuse, cominent remplirait-elle sans cela 

les longues heuree dans ce y^grand d^sert vide ou peupl^ k peu 

pri^s comme ^tait la terre avant qu'y parüt rhomme, oü on passe 

des jours k ne voir que des moutons et k n'entendre que des 

oiseaux.^ Toutefois eile ne lit gu&re que des livres s^rieux. 

Elle aime le solide et le substantiel et cherche moina daos lea 

livres une distraction pour Pimagination ou un aliment k la cu- 

riosit^ de Tesprit qu'un cordial pour l'&me. 

Peut-^tre, dit-elle, serait-il mieux de rester dans l^gnorance de 
tout livre et de tonte chose; mais je ne me soucie pas non plus de sa- 
voir. Ce n'est pas pour mlnstmire, c'est pour m'^lever que je Hs; 
tout m'est echelle pour le del. 

Elle n'a pas on le voit cet app^tit malsain de tout connaStre 

et cette vanit^ de juger de tout si fr^quents aujourd'hui; eile a 

au contraire cette däicate et fiire pudeur d'eaprit, vrai signe de 



Eag^nie et Mnarice de Ga^rin. ' 21 

Doblesse föiDinine, qui fait mettre aux vi^iee femmee une r^serve 

et nne prudence d'hermine dant la choix de leura lecturee. 

Je deteste de Mnoantrer oe que je ne voudraie pae voir, dit-elle ä 
ce propoe. Et plus loin eile ajoute : Le choix des livres, malabe oomme 
oelai des hommes: pen de vraia et d'aimablee. 

Elle revient souvent sur ce sujet, car eile ne peut se passer 

des livres „ces parlaats k l'&me, comme eile dit, qui sont sa 

paesion intellectuelle." Les romans la tentent peu. 

£st*ce par vue du monde et du fond qai les produit, oa par etran- 
gete de coenr ou par goöt de meilleures choses? Je ne sais, mais je 
ne pnis me plaire au train desordonn^ des passions. 

Le passage smyant caract^rise son goüt. 

Je ne puis me passer de Jire, de foumir quelqae chose a oe qui 
pense et vit. Je yais me jeter sur le s^rieux, sur findifference en 
maHere de reUgion (de Fabb^ de Lamennais). C'est ce que j ai de mieux 
Bous la main ; puis je suis bien aise de revoir oe que j'ai vu 6tant 
jenDe, oe qui m'^onna, me p^netra, m^eelaira comme nn nouveau ciel. 
Qaapd M. Fabb6 Gagne me conseilla ces leetures, je ne oonnaissais 
gu^ que Flmitation et autres livrf'B de pi^te. Juge de l'effet de ces 
fortes lectures, et oomme elles ouvrirent profond^ment mon inteUigenoe. 
De oe moment, j*eus one aotre id^e des choses ; il se fit en moi comme 
nne rev^lation du monde, de Dieu, de tout. Ce fut un bonheur, une 
snrprise comme celle du poussin sortant de sa coque. Et surtout oe 
qni me cfaarma, c*est que ma foi, se nourrissant de toules ces belles 
choses, devint grande et forte. 

Ce n'est pae que des lectures plus l^gires ne lui plussent 
^galeooent ei eile en trouvait, car malgr^ son int^rdt profond 
aux grands probl&mes de Fesprit humain, eile ne se pique pas 
d*6tre une penseuse. EUe Favoue sans d^tour. 

On m'a porte la Cite de Dieu de Saint Augustin , ouvrage trop 
savant pour moi. Ce n'est pas que partout on ne puisse glaner quelque 
chose, mais sur ces hauteurs de theologie n'est pas mon fait J'aime 
d'errer en plaine ou en pente douce de quelque auteur parlant a l'ame, 
ä ma portee. 

EUe relit le plus souvent faute de nouveau, par m^fiance 

ou d^goüt du nouveau. Elle relit ses auteurs favoris, Bossuet, 

Fänäon, Massillon, Pascal, Fran^ois de Sales, Montaigne^ Sainte 

Th^^e, Leibnitz, Piaton; une soci^t^ spirituelle choisie et va- 

ri^ aesuröment. II hü faut (oujours quelqu'un d'eux avec eile, 

conune un confident. Elle empörte Piaton jusqu'a la cuisine, 

oü eile met qoelquefois la main. Car toute demoiseUe de ch&- 



22* Eug^nie et Maurice de Gu^rin. 

teau qu'elle eet, eile ne rebute aocune b^sogne k l'occasioD. II 
lui est arriv^ pendant la moissoDy tandis que son pere employait 
tout Bon monde aux champs de pr^parer k manger pour trente 
ou quarante moissonneurs. 

L'emploi de sa journöe fait ainsi parfois le plus singulier 
m^lange sur le papier. Le manage, la basse-cöur, un enfant 
qu'elle ^cole ou cat^chiee, ses lectures, des visites aux pauvre« 
ou aux malades» les reflexions, les saillies que tout cela lui in- 
8pire> 80n Journal re^oit tout et tout pour Maurice qui est le 
but ou court ce ruisseau d'eau vive et l'impide. On a d^jä pu 
s'en faire une id^e par tout ce que nous en avons cit4 quelques 
pages en complöteront le tableau. 

Le 18 novembre 1834 — a la cuisine; c'est 14 que je fais de- 
roeure toate la matinee et une partie du soir, depuis que je suis sans 
Mimi. II £&ut surveiller la cuisiniere, papa quelquefois descend et je 
lui lis pres du fourneau ou au ooin du feu quelques moroeanx des Au- 
tiquites de TEglise anglo-saxonne. Ce gros livre etonnait Pierril. 
Que de mouts a qui dedine! (en patois du pays: Que de mots li-dedans!) 
Cet enfant est tout^a-fait dröle. Un soir il me demanda, si Tiune etait 
inmortelle; puis apres, ce que c'^tait qu'un philosophe. Nous 6tions 
aux grandes questions comme tu vois. Sur ma r^pbnse que c'etait quel- 
qu*un de sage et de savant : ^Donc, mademoiselie, vous ^tes philosophe.^ 

Le 29. — Manteaux, sabots, parapluie, tout Tattelage d'hiver 
nous a suivis ce matin a AndiUac, oü nous avons passe jusqu'au soir, 
tantöt au presbytere et tantöt k T^glise. Cette vie du dimanche, si 
active, si coureuse, si vari6e, je Paime. On voit Fun Tautre en pas- 
sant, on re9oit la r^verence de tout es les femmes qu'on rencontre, et 
puis on caquette cbemin faisant sur les poules, le troupeau, le man, les 
enfants. Mon grand plaisir c'est de les caresser et de les voir se ca- 
cher tout rouges dans les jupes de leur mere. Ils ont peur de las dou- 
maUelos comme de tout ce qui est inconnu. Un de ces petits disait a 
sa grand* mdre, qui parlait de venir ici: „J/mino, ne va pas a ce castel, 
il y a une prieon noire.'^ D'ot!kvient que le schateaux ont de touttemps 
port^ frayeur? Cela yiendrait^il des horreurs qui s'y sont jadis commises? 

Les lignes suivantes nous montrent sur quel pied amical les 
seigneurs de Gu^rin traitaient leurs vassaux. 

Le 5 decembre. — Papa est parti ce matin pour Gaillac» nous 
voWk senles ch&telaines, Mimi et nioi, jusqu'ä deroain et niaitresses ab- 
solues. ... II etait nuit. Un coup de marteau se fait entendre, tont le 
monde acoourt k la porte. Qui est-la? cVtait Jean de Person, notre 
ancien metayer^ que je n'avais'pas tu depuis longtemps. H a ^tö le 
bien venu et a eu en entrant place au plat et a la bouteille, ^ 



Eng^nie et Maarice de Gu^rin." 2S> 

Dernier decembre. — La Noäl est venue; belle fl^te, oelle que 
f Birne le plos, qni me porte autant de joie qn'aux bergers de Betb- 
l^em. Vraiment, toate Vime cbante k la belle Tenae de Dieu, qui s'an- 
nonoe de tous c^te8 par des cantiques et par le joli nadcdet (sorte de 
carillon). Bien a Paria ne donne l'idee de ce que c'est que No^L Vous 
n'aves meme pas la messe deminuit. Nons y allimes tous, papa en 
teie, par une nuit ravissante. La terre etait blanche de givre, mais 
noas n'avions pas froid; Fair d'aillenrs etait r^chauff^ devant nous par 
des fagots d'allumettes que nos domestiques portaieut, pour nons eclai- 
ner. Je ooncbai au presbytere. Papa et Mimie vinrent se chauffer 
ici, an grand fen du saue de Nodal (bükche de No^l). 

Dans quelques beures c'en sera fait, nous oommencerons Tan pro- 
chain. Oh! que le temps passe vite! Helas! helas! ne dirait-on pas 
que je le regrette? Mon Dieu, oon, je ne regrette pas le temps, ni 
rien de ce qn'il nous empörte; ce n'est pas la peine de jeter ses affec- 
tions au torrent. Mais les jonrs vides, inutiles, perdus pour le'ciel, 
voilii oe qai fait regretter et retoumer Toeil sur la vie. 

Le 9 janvier 1835. — C'est toujonrs livre ou plume que ^je 
tonche en me levant, les livres pour prier, penser, r^fl^chir. Ce serait 
mon occnpation de tout le jour, si je snivais mon attrait, ce quelque 

chose qui m'attire au recueillement, k la contemplation interieure 

La belle cbose que la pensee! et quels plaisirs eile nous donne quand 
eile s'^l^ve en baut! Entre le ciel et nous il y a une myst^rieuse at- 
traction: Dieu nous veut et nous vonlons Dieu. 

Le 3 fevrier. — J'ai commenc^ ma journ^e par me garnir une 
quenonille bien ronde, bien bombee, bien coquette avec son noend de 
mben. La, je vais filer avec un petit fuseau. H fant varier travail 
et distractions ; lasse du bas, je prends l'aiguille, puis la quenonille, puis 
on livre. Ainsi le temps passe et nous empörte sur sa Croupe. . . . 
Tout en filant, mon esprit filait et devidait et retoumait joliment son 
foseau. Je n'^tais pas ä ma quenonille, l'4me met en train cette machine 
de nerfs et s'en va. Oü va-t-elle? Oo 6tait la mienne aujourd'hui? 
EHeu le sait, et toi aussi un peu; tu sais que je ne te quitte gn^re, 
pas mtoe en lisant les beanx sermons que tu m'as fait connaltre. J^y 
▼018 tout plein de choses pour toi. Oh! tu devrais bien oontinuer de 
les lire, 

Le 14 mai 1838. — Pas d^^critnre hier, c'^tait dimanche. Saint 
Pac6roe aigourdlioi, le pere des moines. Je viens de lire sa vie qui 
est fort beÜe. Ces viea. de redus ont pour rooi un charme ! celles qui 
ne sont pas inimitables surtout. Les autres, on les admire comme des 
pyramides. En general, on y trouve toujonrs quelque chose de bon, 
qoand on les lit avec discemement , meme les traits les plus exageres : 
oe sont des coups de heros qui portent au devouement, k l'admiration 
des choses elevees. 



2i ^ug^nie et Manriee de Gnörin. 

Malgre oela, poiir bieo des personseB, la vie des sainte me semble 
un livre dangereux. Je ne le conseillerais pas a une jeune fille, meme 
a d'antres qui ne sont pas jeanes. Les, lectnres peuyent tont Fur le 
CQBur, qui s^gare aussi pour Dieu quelquefois. Helas! nous Tayons 
vu dans la pauvre C . • . Comme on devrait prendre garde k une jeune 
personne, a ses livres, a ses piumes, k ses compagnes, ä sa d^votion, 
touCes choses qui demabdent la tendre attention d'one merel Si j'aTAis 
eu la mienne, je me souviens de choses que je fai^ais ä quatorze ans 
qu*eUe ne ni'e6t pas laissö faire. Au nom de Dien , j'aurais tout fait, 
je me serais jet^e dans un four, et certes le bon Dieu ne Toulait pas 
cela; ii ne veut pas le mal qu'on fait a sa sante par cette piete ardento, 
mal entendue, qui, en d^truisant le corps, laisse vi vre bien des defan(5, 
souvent. Aussi saint Fran9oi8 de Sales disait-il a des religieu^es qui 
lui demandaient la permission d'aller nu-pi«ds: „Changez votre tele 
et gardez vos souliers. 

Le 12 juillet. — Ce soir au crepuacule. — ' J'ecris d'une main 
fraiche, revenant de laver ma robe au ruisseau. C'est joli de laver, 
de voir passer des poissons, des flots, des brins d'herbe, des feuiUes, 
des fleurs tombees, de suivre oela et je ne sais quo! au fil de l'eaa. 

Le 20 juillet. — Une lettre de Marie, de Gabrielle et de if. 
Periaux en meme temps. Qne d^ choses pour un jour du Cayla ! Aussi 
j'ai le coenr plein, tout plein de fieurs, d'amiti^s, de pieuses choses pour 
ce bon eure de Normandie, qui me parle d^une fa9on si saintement ai- 
mable. II me parle aussi de Lili et voila la mort sur ce peu de joie ! 
Me voila pensant a cette pauvre cousine qui pourtant est au ciel, 
comme M. P^riauz dit qu'il fant Tesperen II le peut savoir, lui 
qui la dirigeait, lui qui avait la connaissanee de ce lis intelligent. 

Le 24. — Point d'^critnre ni de retrait ici depuis plusieurs jonrs; 
du monde, du monde, tonte le pays K recevoir. Nous ^tions douze a 
table aujourd^hui, demain nous serons quinze, visites d'automne, de 
dames et de chasseurs, quelques eures parmi comme pour btoir la foule : 
la vie de cfaÄteau du bon vieux temps. Ce serait assez joli sans le 
tracas du menage qu'il faut fai^e. 

Le 28 avrQ 1839. — La sante e»t comme les enfants, on la 
gkte par trop de soins. Je ne veux donc pas fiatler mon malaise 
d'a pr^ent, et, qnoiqne g^missent coeur et nerfs, lire, ^crire et faire 
comme de coutume en tout. C'est bien pnissant leje veux de la vo- 
lonte, le mofc du maitre, et j'aime fort le proverbe de Jacotot: Vouloir, 
c'est poavoir. 

Le 1^ mai. — (Aux Coques, che« la comtesse de Maistre, son 
amie.) C'est au bei air de mal, au soleil levant, au jour radieoz et 
balsamique, que roa plame trotte sur ce papier. II fait bon eonrir 
dans cette noture encbanteuse, parmi fleurs, oiseaux et verdure, sous ce 
ciel large et bleu du Kivernais. J'en aime fort la gracieuse. coupe et 
ces petita nuages blancs 9a et la comme de» coussins de coton, sua* 



Eug^nie et Maurice de Gu^rin. 25 

peoduB pour le repos de l'oeil dans rimmenaite! Notre &me s'etend sur 
ce qu'elle voit; eile change comme les horizone, eile en prend la forme, 
et je croirais assez que l'homme en petit lieu a petitee idees, comme 
aassi riantes ou tristes, sevdres ou gracieuses, suivant la nature qui 
TeDvironne , 

A pareil jour, peut-etre k pareil instant, Mimi la sainte (sa soeur) 
est a genoax devant le petit autel du mois de Marie dans la cham- 
brette (ao Cayla). Chere soeur! je me joins a eile et trouve aassi ma 
chapelle aox Coques. On m'a donne pour cela une chambre que Va- 
lentine a remplie de fleurs. Lk j'irai me faire une eglise, et Marie, ses 
petites filles, valets et bergers et toute la maison s'y r6uniront tons les 
soirs devant la sainte Yierge. Ils y viennent d'abord comme pour voir 
seuleraent. Jamals mois de Marie ne leur est venu. D pourra r^snl« 
ter quelque bien de cette devotion curieuse, ne f6t-oe qu'une idee, uoe 
Beule idee de leurs devoirs de cbretiens, que ces pauvres gens con- 
DAissent peu, que nons leur lirons en les amüsant. Ces devotions po- 
pulaires me plaisent en ce qu'elles sont attrayantes dans leurs formes 
et ofirent en cela de faciles moyens d'instruction. On drape la dessous 
de bonnes verites qui ressortent toutes riantes et gagnent les coeurs au 
nom de la Yierge et de ses douoes vertus. J'aime le moia de Marie et 
aatres petites devotions aimables que TJ^lise permet, qn'eUe b^t, 
qui naissent aux pieds de la foi comme les fleurs aux pieds du ebene. 

Pour qui sait lire entre les lignes, ce Journal d'Eugenie de 
Gu^riu, joiDt k sa correspondaDce» laisse ainsi apercevoir tout un ta«- 
bleau de mceurs fran9ai8e8 k vol d'oiseau, plus complet et plus vrai 
peut-dtre que ne le serait une peinture faite avec ötude et r^exion. 
La vie patriarchale et pieuae de rancienne noblesse de province 
et d'une partie de la vieille bourgecnsie qui s'y r^Sechit, doit 
frapper les ^trangers comme quelq^ue-chose de neuf et dlmpr^vu, 
apres les grossi^res enluminures de certains romans. Eug^nie 
qui ^crit au courant de la plume, s'arr&te peu aux descriptions, 
eile ne donne jamais qu'un trait , maie ce trait suffit ; et nous 
voyons ainsi däßler toute une suite de äilhouettes k demi esquis- 
p^es faciles k achever. Nobles, bourgeois et paysans, prStres 
et religieuses, d^vots et mondains, jeunes gens et jeunes filles de 
toute classe et de tout caract^re, nous avone la sous les yeux 
une societ^ complite. 

Une lurprise pour la plupart des lectrices allemandes, ce sera 
de voir qü'on puiese rencontrer tant de~ candeur et de pi^t^, tant 
de sofidit^etdesäieux parmi les jeunes fran^aises, qu'on se repr^- 
bcnte volöntiers en Allemagne comme d'ignorantes et Mvoles pou- 



26 Eag^Die et Maurice de Gaörin. 

pees. Eug^nie n'est pas une exception:*) la plupart de ses amies 
lui resBemblent. C'est toute une galerie de jeunes fiaintes. Cest 
ainsi du moios qu'elle les nomme elle-mdme. C'est la bonse et 
pieuse Laure, la eheste Antoinette, c'est TaDgelique Blanche, 
c'est Angele de Saint G^ry qu'un ^aint cite en chaire, c'est 
8urtout l'aimable et sage Louise de Bayne, Tamie de coeur, la 
oonfideote . intime. Toutes ob^issent aux prescriptions d'un 
directeur sävfere et, & part le clottre, elles vivent presque en 
religieuses, fuyant le monde et ses plaisirs dangereux. Eu- 
g^nie n'est pas all^e trois fois dans sa vie au bal Lorsqu'elle 
arrive k Paris pour le premi^re fois, k trente ans, la toilette, la 
grande affaire de la Fran^aise, est quelque chose de tout noü- 
veau pour eile, et ^il faut que sa belle-soeur la transfonne des 
pieds k la tete. 

Cependant eile est bien de son pays et un petit le- 
vain de coquetterie se r^veille de temps en temps en eile. Si 
eile ne cherche pas k plaire, eile tient du moins k ue pas de- 
plaire. Pfg* exemple, lorsqu'apris avoir longtemps correspondu 
eusemble sans se connaitre que de nom, eile et la comtesse de 
Maistre vont enfin se joindre et se voir, Eug^nie n'est pas moins 
pr^occup^e que son amie de l'impression que fera sa figure. Elle 
prend ses pr^cautions: 

N'attendez-vons k voir qu'une pÄle et freie fiUe, peu faite au 
monde, plus r^fl^chie que causeuse, toute retiree en son cceur. Et plus 
loin : Vous rassurez Tamour propre de ma figure, qni tous plaira donc 
comment qu'elle' seit. 

Elle revient sur la question de la beaut^ en plus d'un endroit 

de son Journal et de ses lettres. Mais sa conclusion lä-dessus 

est digne d'elle: 

Qu'elle que soit la forme , l'image de Dieu est U-dessous, et nous 
avons tons une bAnt^ divine, la seule qui ne passe pas, la seule qu'on 
doive aimer, la seule qu'on doive conserver pure, fraiche pour Dieu qui 
nous Mime. 

La question de beautö ^veille ais^ment celle d'amour. ^"eU 
leci ne devait jouer qu'un r61e secondaire dans la vie d'Eu«> 



*) La Revae des deux mondes lui d^ouvrait demi^rement ane soeur 
en sentiinent et en jtalent dans MUe de La Ferronnais. V. un articie d*£. 
Mont^gut dans la liyraiaon du l<^r avril 1866. 



Eng^nie et Maarice de Gu^rin. S7 

g^nje et dou8 n'avons que peu de choBes k en dire. Eu* 

g^nie OD le sent, ^tait n^e pour aimer. Son ardeur dans toute« 

866 affections montre aesez que son äme itait capable de la plus 

ardenie de toutes. Mais les circoDstances ne lui permirent pas 

Sans doute ce plein ^panouissement, ou ne lui laissirent pas ren- 

coDtrer le ccßur fait pour le sien. Quelques passages de son 

Journal laissent entrevoir une premi&re inclination pour un jeune 

Cousin mort prematur^ment. Plus tard une amiti^ contractu k 

Paris avec un ami de son frere eüt bien pu, k ce qu'il semble, 

se transformer en une seconde inclination , si la reciprocite s'y 

fat trouv^e et si la fiivolitd parisienne n'eut bientöt fait ^vanouir 

le cfaarme. 

Ce ne fut pas la seule de ses d^sillusions k Paris. Ses 
impreseions d'alors sont caract^ristiques. La grande ville et ses 
' merveilles, la soci^t^ et ses plaisirs ne lui fönt point oublier son 
eher Cayla. Non que les choses restent audessous de son attente; 
Pesthötique ne lui a pas rendu l'oeil dif&cile; eile se laisse ätonner 
ais^ment et admire volontiers tout ce qu*elle voit ; mais le debors 
n'est pas ce qui Fint^resse. Ce qui la touche c'est Tint^rieur, 
c'est le monde des esprits et des ftmes qu'elle s'attriste de trou- 
ver tout autre qu'elle se l'^tait imaginö. Elle se sent d^pays^e 
et mal k Taise dans les salons oü pourtant son esprit la fait 
briller. Möme k Paris, c'est encore k Teglise qu'elle se plait 
le mieux. 

Paris. — Deoeptions d'estime, d'amoar, de eroyance, quelle dou- 
lenr, raon Dieu, et qu'il en coüte de tant savoir sur les hommes! Oh! 
qne je voudrais ignorer souvent, ne pas oonnaitre le c^t^ traitre de Thu- 
manite qu'on roe montre k chaque ^ rencontre. Pas de beaate sans sa 
laidear, pas de vertu sans son vice; pas de devouement, d'affection de 
sentiments elev^s qu'avec un lourd contrepoids, pas d'admiration com- 
plete qu'on me laisse meme dans Tordre de la saintete. V^neration, 
confiance cr^ule. Du monde ou de moi, qui croire? moi encore; il 
m'en cotlite moins de me croire meme au risque d'^tre imbecile. Tant il 
m'est douloureux de changer d'estime^ de trouver vi], de tronver plomb 
ce qui etait or.- Ce malhenr m'est arrive plus d'une fois deja et j*en 
apprends a n'estimer, k n'aimer parfaitement que le parfait Dieu. 

Id. — n n'y a rien dans* ce Paris si magique, qui me fasse ef- 
fet de plaisir 'OU de desir, comme je le vois faire sur tout le monde. 
Le viaites ra'ennnient g^n^ralement k faire et k recevoir. 

Paris. — V^ septembre ou dernier aoüt, je ne sais ni ne m'informe 



M Eag^nie et Maarice de Gn^rin. 

du jour. — Ce vagiie me p]ait<x)mme tout ce qui n'est pas precifce par 
le teinps. Je n'aime Tarrete qu'en matiere de foi, le positif qu*en fait 
de sentimenU: deux choses rares dana le monde. Maie il n'a rien de 
ce qoe je votidrais. Je le quitte Sans en avoir re^u d'influence, ne 
Tayant pas aime et je m'en glorifie. Je crois qae j'y perdrais, que ma 
nature est de meilleur ordre restant ce qu'elle est, sans melange. Seule- 
ment j'acqiierrais quelques agreraents qui ne viennent peut-^tre qo'atiz 
depens du fond. Taut d'habilete, de finesse, de chaUtrie, de souplesse, 
ne s'obtiennent pas sans prejudice. Sans lenr sacrifier, point de 
gräces. Et jeles aime, j'aime tont ce qui est ^legance, bon gotit, bellea 
et nobles mani^res. Je m'enchante anx oonversations distingnees et 
serieuses des hommes, comme aux causeries, perles .fines des feninoes, k 
ce jeu si joli, t^i delicat de leurs levres dont je n'avais pas id^e. C'est 
charmant, oüi^ c^est charmant ^ en veriti (chanson), pour qui se prend 
aux apparences; mais je neni'en oontente pas. Le moyen de s'en oon- 
tenter quand on tient k la valeur morale des cboscs? Ceci dit dans 
le sens de faire vie dans le monde, d'en tirer, du bonheur, d'y fonder 
des esp^ranoes serieuses, d'j croire k quelque chose. Mmes de **^ 
sont venues; je les ai crues longtenips amies, a entendre leurs paroles 
expansives, leur mutuel temoignage d'inter^t, et ce d^licieux ma chere 
de Paris; oui, c'est a les croire amies, et c'est vrai tant qu^elles sont 
en prösence, mais au d^part, on dirait que chacune a laissö sa carica- 
ture a Tautre; Plaisantes liaisons ! mais il en existe d'autres, henreuse- 
ment pour moi. 

Paris. — Je n'y connais rien peut-etre: omi, Venigme da monde est 
obscure pour moi. Que d*insolubles choses, que de complications ! Quand 
mon esprit a passe par ]äf quand j'ai long6 oes forets de oonversationB 
sans trouee, sans issue, je me retire avec tristesse, et j'appelle k moi 
les pensees religieuses sans lesquelles je ne vois pas ou repofer la tete. 

C'est Ik aon point de d^part et c'eat Ik toujoura qu'elle revient. 
Ce tour d'esprit si constamment religieux donne saus qu'elle le 
veuille k son Journal un air de livre d'ödification. II peut ausei 
^tre mis comme tel entre toutes les mains. C'est une des causes 
Sana deute de sa rapide propagation. Le chergö cathoUque 
qui s'y trouve pr^ent^ ^n si belle lumiire, ne saurait, pour sa 
part, trouver un meilleur instrument de propagande. On le trouve 
aujourd'bui partout, mais surtout dans le monde de la haute d^vo- 
tion oü il avait d6jk des analogues, et oü le nom qu'il porte est 
sans doute aussi un m^rite apprecie. 

On sait que ce monde distingu^ ae montre- depuis quelque 
temps fort productif en compositions litt^raires d'un genre nou- 
yeau> tr^s en dehors de l'esprit du temps , mais marquees 



Eag^nie tt Maurice de Gntfrin. 2$ 

oependftnt k rempreinte de ce goüt moderne de la pertonnalitö 

doDt nou8 avone pari^ en commenoant. Vieia. m^oirea, viea 

de nobles et saistes mferea, biographiet de aoeura bienheureaaea, 

apologie« de grandea dames par les fidties de leur aanctnairey *) 

c'est toute une iitt^ature k part oü le aaprime bon ton se mök 

k ToBction suave pour la däectation des d^yota däicata et dea 

amatears du rare et de Texquie. Ces produotions d'on caract6re 

tout priy^y deatin^B exclusivement d'abord anx initi^s d'un petit 

cäuide, ne sont peu k peu livr^s au public profane qa'afin, pour ainai 

dire, que la lomi^ ne reste pas soua le boieaeau. La critique 

ne aaurait donc se mootrer trop r^aerv^e dana Pappr^iation da 

confidencea de iamiUe ai g^n^uaeinent abandonnfea k la cario- 

sitö de tous. Noe feuilletoniates et nos chroniqueurs les plua 

renomm^e n'en parlent que d'un ton p^n^tr^. H serait de mauvaia . 

goüt de a'^carter d'uix si bon exemple. Qu'un peu de rimp^ria- 

sable vanitö mondaine se retrouve dana ces canooiaationa priv^a, 

dans cea b^atifications filiales ou fratemelles, que les artificea 

n&essaires du style et de la compoeition arrangent et embel- 

lissent parfois les choaes, ceUi n'emp^che pas qu'il n'y ait U 

une vraie distinction d*eaprit et une tendanoe tröa noble vers 

un id^al moral trop rare aujourdtiui. . 

Si lea deuz Tolumes d'Eug^nie de Gu^n appartiennent 
par plus d'un point aux Berits de ce genre, ils s'en diatinguent 
n^nmoina par une originalit^ plus marqu^e qui devait bientdt 
les tirer d'une publicit^ restreinte et en faire un livre du go&t 
de toua. Cette originalit^, nous l'avoos d^k dit, conuate prind- 
palement dans un style si individuel et si ing&iu qu'on croit 
Yoir la personne eile mdme s'y röfl^ir. Kien de moina 
commun en litt^rature, et k notre epoque de virtuoses et d'imi- 
tateura, rien de plus rare que cette apontan^t^ ce naturel. Quoi- 
qu'initi^ jusqu'i un certain degr^ aux finesses de Tart d'^rire, 
quoiqu'elle laisse parfois percer l'intention, Eug^nie est presque 
toujoura — ce qui est le plus grand charme d'une femme qui ^crit 



*) Vie de la duchesse d'A*^^ par la tnarquise de L* '^. Vie de la mar* 

Snise de L**»* par Mme de L***. Vie de la marqaise de M*** par? Vie 
e la priDeesse de P*** jMur la vicomtesse de N**^. Vie et coiretpondanoe 
de Mme S***. B^cit d^oe sceur per Mme A. C*** n^e de L**** et plu- 
Bieon biographies de ce genre en anglais et en allemand. 



80 Eirg^nie «t Maarice de Gu^rin. 

— ^rivain sans le vouloir. Cela seul eut 8ufB poiir lui valoir 
la Sympathie et les louangee des gens de Tart, les plus friande 
appr&siateurs de cette fratcheor virgioale et de cette verdeur 
de pouBse vive. Eug^nie poss^de au plus haut degr^ ce que 
J. de Maistre appelle le sens m^taphysique de la langue» ce 
qu'on pourrait appeler aussi bien la parole vivante, inventive, 
en contraste. avec la parole banale, appris^, qui est le lot de la 
plupart des bouches humaines id bas. Elle est de la famille 
de ces esprits po^tiques qui k l'origine cr^ent les langues et qui, 
lorsqa'elles sont formfes, en entretiennent la fluidite et la vie. Sa 
dictioB a la franchise et la souplesse des ^crivains origtnaux 
qu'elle fr^uente, Montaigne, Bossuet, Pascal, Mme de S^vignä. 
Elle a pris d'epx l'habitude d'oser dire tout droit les choses 
comme eile les sent et les voit et, Sans tenir compte des pres- 
criptions acadömiques, dlnventer l'expression ou le tour qui lui 
manquent et que l'analogie lui indique. Elle ob^it en cela, 
oomme les mattres, au g^nie m@me de la langue, c'est k dire 
k sa grammaire naturelle, plutöt qu'& la grammaire ^crite, qui 
n'en est en bien des points qu'une ötroite et fausse copie. C'est 
ainsi qu'avec plus de libertä et de logique que n'en connaibsent 
nos grammairiens, eile use de la facult^ qu'a notre idiome d'em- 
ployer un m^me verbe tantöt k l'actif, tant6t au neutre, comme de 
faire d'un substantif un adjectif *) ou d'unadjectif un substantif ;**) 
&cnlt^ indispensable k une langue qui ne peut modifier ses mots k 
volonte par composition, afBxe ou flezion; facult^ cependant dopt 
nos öcrivains osent k peine se servir en dehors des ezeroples 
de la grammaire ou du dictionnaire de TAcad^mie. Je lui ai 
trembU un merci dit Eug^nie dans un passage que nous avons 
cito, üela est parfait d'expression et parfaitement fran^is; 
cependant un öcrivain acad^mique, de peur d'^tre incorrect, eut 
k coup sür pr^fi^r^ dire platement: Je le remerciai en tremblant. 
Eugänie manie ainsi sans g6ne le vocabulaire, et toujours avec 



•) Dieu si phrt, . . . Impossible n^est pas cöeur etc« 

**) Las hirondelles, ces petites prwUanihres, Ce visage si beäu diloj 
8on vraL Zefiii^^ ou glisse sur les peines ou les ägig s'enfoncent De mßme 
pour le partidpe : Mes choitis, Marie, votre pleuree. Le eher attendu. Un 
fafigui, Un adtachi, Les siduits, L'on ne manque pas d'instruction en 
Dieu k Paris, mais les iwttruiu sont bien rares. Qui prendra soin de tout 
le laiss^ que j'aime? etc. 



Ettg^nie et Maarice de Qa^rin. 81 

le sens le plus aür. Pour eile chaque mot est vivant, et eile use 

de toute Päasticit^ quil peat donner. Un verbe lui manqu'e-t* 

Uy eUe le tire du substantif: La blanche Loire qui noua hari^ 

zonne. Je ne sais point mitaphyriquer mes sentimeiits. Jeune, 

aimable, sensibiUsant tout ce qui Tapprochait Mr*** s'entend 

aussi ä maUffner. Bien ne bndte en ee moment que ma pluoae. 

Noas ayons chuti etc. D'autres fois c'est le substantif qu'elle 

empruntera du verbe. Cela met Tesprit en cherchs, Pourquoi 

ce retombemerU dans la douleur et dans l'angoisae? Les locu- 

tions k la facon de notre Je ne sais quai lui plaisent particu- 

liirement: C'est la saison des aüons ä la campagne. Je oon« 

tiDue ces cahiers man totis les jours au Cayla. II nous faudrait 

un quelque pari oü se trouvftt tout ce qu'on aime. C'est singu- 

lier comme je Paime cet ä pari de totd. Quelque soit mon sans 

intirk aujourd'hui pour tout ce qui se fait sous le ciel. Nos 

campagnes ou le savoir icrire est venu. Ce plus rien iie la voix 

que fout les larmes etc. 

Toujours vive» quoique sans inqui^tude ni impatience, eile 
prend toujours le plus court, se souciant moins de la logique 
verbale que de celle des pensees, öcartant les mots inutiles» 
employant plus volontiers un tour viciUi mais bref qu'une p^ri- 
phrase, s'aidant de Tellipse et de la pr^position avec une adresse 
que rien n'embarrasse. „Nous ^tions tous k le regarder content . • . 
«Ten fus touch^y l'abb^ de mdme, peut-dtre avec surprise.... Ja- 
mals sien d^part ne m'avait tant bris^ l'&me« . . . Ce n'^tait que 
pour lui* Maurice, qui retrouvait \k sa soeur. . , . Que me fait de 
me retrouver?... Quand tout s'agite et bruit dans la maison et 
que j^entends cela du calme de ma cbambrette, le contraste me 
fidt däice. ... II faut röserver cela pour dire.... M*** et sa m&re 
m'ont öt^ mire et soeur.... L'une ne dopend pas de toi; si fait 
l'autre... . Voil& longtemps de votre lettre.... Ce si long silence k 
deuz si grandes lettres. . . . Cela me fait souvenir d'avec vous sous 
les tilleuls. ... Oh| que nous ne sommes rien!** etc. 

Elle ne d^daigne pas les diminutifs, ces pittore'sques mig- 
nardises du langage que m^prisent les gens qui se croient 
B^euz. Elle dira fort bien: Je me trouve dans ce sabrmet. 
Je te ferai manger comme un nAni. Elle n'appeUe son fir^re 
ain^ et sa sceur que par leurs petits noms Erany Mimi, Ecrivant 



82 Eagtfnie «t Maarice de Ga^rin. 

comme eile parle, eile abonde en cee fafons de dire famili&reay 
enjou^s, gemüthUchj qui donnent au parier un abandon et une 
oordialit^ k la queUe on pr^före trop souvent chez nous une 
8^be ^l^gance. Son p^re est pour eile un pire ä aeoretSy aon 
confesteur un phre dibrouUleur. Elle appelle de mSme plaisau- 
meot un grand lit inhabit^ un lä ä peyra et un m^chant maitre 
un maitre ä boüon. Faitee vous sourent petit papier, äcrit-elle 
k une amie dont eile veut avoir des lettree, et en parlant de aea 
projets d'avenir ayeo son fr^re eile dit triatement: Je m'^tius 
arrangä mon vieux bonheur aupr^s de lui. Cette petite sc&ne 
dans un dokre» nous semble pleine d'aimable ffemüthliehkeit. 

J'ai encore tu la sapeiieure de ThoBpice, bonne et forte t^te mal- 
gr^ »es quatrevingts ans. Je Tai trouvee charmante, la bonne sainte 
mere. Une sosur que j'aime, que je n'avais pas vue depuis 15 ans, 
soeur Clemenoe Yversen passait ici allant ä Pi^ris. On nous a laiss^es 
avec eile. Quel plaisir.de la voir, de faire un baiser 8ou8 cette cornette! 

Avec tout Bon s^rieux, eile est espi^gle et badine volontiers. 
„Vous me vantez ma sagesse qui me fait rire/^ öcrit-elle k une 
amie. Absolument sans malice, eile sait pourtant manier fort 
joliment le trait malin^ avec humour et gräce. Par exemple, 
lors qu'elle nous parle de »ces^ gens d'esprit qui sont betes,^ 
ou de ,,ce monsieur rempli de bons sentiments dormanU; ou 
lorsqu'elle nous peint en deux mots ^Nevers, son petit monde, 
ses grands dtners, ses petites femmes.^ Son respect pour r£l- 
glise, ses ministres et les d^vots, n'embarrasse de van t eux ni 
ses yeux ni sa langue. Elle ne se fait pas scrupule de s'^ga- 
yer sur ces „capeäes qui grondent toujours,^ sur les saluts et 
les saints compliments des bonnes carmäites k Mr de Sainte 
Marie, leur p&re tempore!, comme sur les conversations un peu 
monotones des cur^s du voisinage. 

Visites de cQr6s: oelni da canton, celni de Vieux et le nötre, trois 
hommes bien differents: Tun sans esprit, l'antre k qui il en vient, et 
l'autre qui le garde. Hs nous ont raconte force choses d'eglise qui in- 
teressent pour parier et pour repoudre un moment; mais les rariantes 
plaiseot en converaation. La causerie, chose rare. Chaoon ae sait 
parier que de sa specialitö, comme les Auvergnats de lenr pajs« L'os^ 
prit reste chez soi aussi bien que le coeur. 

Mais la qualit^ par exceUenoe de aon talent, c'est rinticnit^, 
Vlfmiffkeüf cette sensibilitä int^rieure que notre esprit tourne 



Eugönie et Maurice de Gu^rin. 88 

tont au monde, Dotre attention trop constante aox dehors laiseent 
81 peu s'^panouir en nous et dont les AUetnands plus r^^chis, 
plus recneillisy pr^tendent m6me que nous manquona absolu- 
ment. Chez Eug^nie on a pu s'en conraincre, qu^il s'agisse 
de religion, d'amiti^ de tendresse fratemelle ou filiale, le senti- 
ment Tibre au plus intime de Tdtre et I'expression jaillit toujours 
fluide, p^n^trante et comme chaude de la chaleur m@me du ooeur. 
Nature tout int^rieure, c'est k Fint^rieur seul qu'elle s'adresse et 
de Tintörieur seul qu'elle veut du retour. II faut Tentendre I&- 
dessus. 

Tout hormis ce qui me touche a Tintime passe en ma vie saos 
sensations. — Oh! le plaisir de se voir, de s'entendre a l'intime .... 
Mon amii je voudrais bien avoir une lettre de toi; oelle d'anjourd'hui 
est pour touSy et c'est de Tintime qu'il me faut. L'aroitie se nourrit 
de cela. Müle choses manquent toujours k tes lettres. Est-ce ta faute 
OD oelle de ton coeur dliomme ? Petit coeur k la glace. — üne lettre de 
Caro, la chere sceur, (lafemme de Maurice) qui me parle de toi; mais 
pas assezy mais sans details, sans intime, ^sans oela qui ^t voir ee qu'on 
ne voit pas. 

Elle poTte dräs toutes see affections l'ardeur int^rieure, YeSa» 

sion caressante des mystiques qu'elle aime et lit sans cesse et 

dont eile a souvent tout le langage. 

OhI que je suis bien en tous ch^re Louise I .... II est une 
facon de se trouver dans tout et partout, c'est dans le coeur devant 
Dieu .... Dieu ne parle qu^k Pame qui se tient amoureusement tran- 
qoüle pour Tecouter .... Votre amie malade en vous ... Oh ! l'aban- 
don, r&me teile qu'elle est k Dieu et aux amis. Louise, ne comprenez- 
vous pas tout, n'entrez-vous pas en tout? Que je voudrais que oe fAt 
de plus pres et antrement que par lettres! C'est bien doux de s'^crire, 
mais c'est se parier k distance, et fl est tant de choses qu'on ne veut 
dire tout hautl Le bas parier est le meDleur. On trouve cela m^me 
avec Dieu qui dit k Tarne pieuse: „Je tous m^nerai dans la solitude 
et Ijt je vous parlerai au coeur. ^ Intimite divine, quelque peu retrouvee 
dans l'intimite humaine: tout ce qui est bon vient d'en haut. 

On ne se lasserait pas de citer. Mais nous ne royons 
ainri que des perles äparses, qu'on ne peut bien admirer que 
Uk oä elles sont ench&es^es. Ce sont ses lettres, c'est son Jour- 
nal qn'il faut lire en entier, si l'on veut vraiment connattre ce 
ooeur sympatbique, cet esprit si juste et si fin et toute cette 
ftme si däideusement föminine. 

Son firtee, ses amis, son pire mdme, reoonnaissant en eile 

AiehlT f. n. Sprachen. XXXIX. 3 



$4 Eug^nie et Maurice de Gu^rin. 

un talent manifeste, Fengageaieiit souvent k ecrire, k entreprendre 

quelque ouvrage oü eile put montrer toute ea yaleur; et plus 

d'une fois un juvenile aiguillon de gloire» le dösir d'embellir sa 

Situation et celle de sa famille» d'äargir son horizon la d^ter- 

minirent k se mettre k l'oßuvre. II ne nous est rien parvenu 

de ces essais; mais Ton peut se demander s'il j avait bien en 

eile Ntoffe d'une autoresse. Nous ne le crojons pas. Question 

de quantit^ plut6t que ^de qualit^ du reste. La lettre , il nous 

semble; est la seule forme qui convienne k son talent communis 

catif mais nuUement discursif. Elle n'öcrit que d'effusion, d'un 

jet vify mais bref et n'a pas le soufile ni le yerbe quil faut 

pour remplir un livre. Dös qu'elle est oblig^ de r^diger une 

page et non plus eeulement d'improviser, eile perd sa verve, la 

r^flexion la paralyse. 

Je ne sais ^ire que lorsque je ne sais ce que j'^crirai; je ne sais 
quoi Yous inspire alors: la plume marque et voil^ tout. 

La po^sie lyriqne qui procede par effusion, lui semble mieux 
son fait que la prose; mais, quoi qu'elle versifie fort joliment, 
ses vers comme ceux de la plupart des femmes manquent de 
nerf et d'originalit^. Ou j reconnait trop la mani&re et l'accent 
du po&te pr^f%r^; eile sait Lamartine par coeuri c'est dire qu'elle 
ne fait gu&re que lamartitiiser. Un projet qu'elle caressa long- 
temps fut d'^crire des po^sies enfantines. Elle avait reconnu cette 
lacune de notre litt^rature, qui semble correspondre k une la- 
cune de notre g^nie. Le petit et l'enfantin ne sont guire pour 
nous que Tinsignifiant et le pueril. Aucune po^sie populaire 
n'est aussi pauvre que la n6tre en cbants de berceau et en 
rimes naives. Habiles au badinage de Fesprity nous sommes 
gauches k l'enjouement du ccßur. C'est pour cela sans doute 
que nous savons si peu £tre enfants avec les enfants et que 
nos enfants veulent tout de suite faire les petits hommes. Ce 
manque de sive de ce oöt^ du coeur est-il incurable? La cul- 
ture po^tique et rafraichissante de Pftme matemelle et de l'&me 
enfantine est -eile encore possible chez un peuple prosaique et 
raUleur et dans une langue si peu naive? Eug4nie avait pria 
au s^rieux la question, et eile s'ötait propos^ d'employer son 
talent k composer des chants, des legendes, de petits contes» des 
rimes enfantines propres k la fois k charmer le coeur des m^res 



Eug^nie et Maarice de Ga^rin. 86 

et & ^veiller et former celni des enfimts. U ne paraii pas oe« 
pendant qu'elle ait bien comprie le6 conditions de ce genre de 
po^sie. La seole pi^e de ses essais qu'on ait communiqn^e au 
public n'a du moins ni la simplicit^ de pena^, ni la dart^ 
d'image qui doivent frapper tout d'abord dans un petit poeme 
enfiultilL On jr trouve au contraire deuz d^iauts trop habituels 
k la po^sie fran^aifie, et plus deplaiaants \k qu'ailleurs, la phrase 
et rabstraction. C'est encore a peu prös ce qui domine daaa 
toat ce qui s'est fait depuis pour relever ce petit genre, qui tout 
comme les grands a son esthätique, ezige un talent special et 
veut Stre traitö avec art et can amore. Peut-^tre de vrais poites 
et de vrais artistee finiront-ile par tourner de ce c6t^ leur at- 
tention; mais, ce qu'Eug^nie ignorait, c'ee^ & F^cole des Alle- 
mands, k la fine et naive öcole des Rückert, des Hoffinann yon 
Fallersleben, des Wilhelm Hey et des Ludwig Kichter, qu'ila 
deyront aller, s'ils yeulent apprendre conunent la peinture et la 
po^sie peuyent se mettre k la port^ de Tenfance sans d^gön^rer 
en mi^yrerie ou en puörilit^. 

Si l'art en ce point a fait d^faut k Eug^nie de Guörin, le 
sentimenty certes, ne lui manquait pas. Elle aimait les enfants ; 
eile se plaisait k les caresser, k les instruire, et il semble aussi 
qu'elle ait eu le talent de s'en faire aimer et comprendre. 

Pour bien se conduire ayec les enfants, ^crit-eUe k son fröre, en 
lui rappelant nne jolie histoire d'enfance, 11 faat prendre lenrs yenz et 
leur coenr, yoir et sentir a leur portde et les jager . 1^ deasns. On 
epargneiait bien des larmes qui coulent pour de fausses le9on8. *Paa- 
▼res petits enfants, comme je sonfire quand je les vois malhenrdnz, 
tncass^s, contrarias ! Te souyiens-tn da Pater qne je disais dans mon 
CQBar poor qne papa ne te grondAt pas k la lecon'. La memo compas« 
sion me reste, ayec cette difT^^rence que je prie Dieu de faire qae les 
parents soient raisonnables . . . . Si j'ayais an enfant k eleyer, comme 
je le ferais doncement, gaieroent, ayec tons les soins 'on donne k qunne 
d^licate petite flenr ! 

Le sentiment de la matemit^ est si dominant chez eile qu*il 
Be mSle souyent k son affection pour son fröre. On peut le 
voir k une foule de traits. Si eile aime ainsi que Maurice les 
comparatsons qui leur repr^sente sous une forme po^tique leur 
^ti^ fratemelle, si eile se platt k ae retrouyer ayec lui dans 

8» 



86 Eog^nie et Maurice de Gu^rin. 

les figures de Paul et Virginie, d'OreBte, de Polynice et AntU 
gone» de Sainte Th^r&|e et son jeune firäre» eile ne reconnait 
pas moiBB Tolontiers son ooeur de sceur atn^e dans ramonr de 
Monique pour son fils Augostin. 

Te eonviens-tu que je me comparais k Moniqne plenrant son 
Angastin, quand nons parlions de mes afflictions pour ton &nie) eette 
ch^ 4nie dans Terrenr? 

Elle l'a dit elle-mSme: «T^tais moins soeur que m^re. Elle 
se sentait comme inyestie sur Maurice d\ine sorte de tutelle secr^te, 
comme Electre gardant Oreste. Plus ftg^e que lui de cinq ans, 
ayant, encore enfants^ perdu une mire tendre et ch^rie, eile Ta- 
vait^remplac^ aupr^s de son berceau. Elle ayait pour ainsi 
dire ilevi ce petit tard-venu, le favori, l'enfant g&tä de la fa- 
mille. Elle lui avait appris k marchery k lire, et dans toutes 
les grandes oocasions de la vie eile devait 6tre Ik pour lui ai- 
der k faire le premier pas. II sentait en eile ce dont il manquait 
lui-m6mey la fermet^ de caractire jointe k un g^nie heureux et 
facile qui le charmait. La foi pr^cise et nSsolue d'Eug&iie lui 
donnait encore sur un esprit inquiet et changeant une autre sorte 
de sup^rioritö, que Maurice reconnaissait moins, mais k laquelle 
il devait aussi finir par se soumettre. Les r61es eussent iti de 
la sorte totalement intervertis, si la sceur par sa tendre affec- 
tion, par son admiration naive pour les talents et Fesprit 
plus cnltivös de son fr^re, n'eüt iti toujours retenue devant lui 
dans une attitude de culte et d'adoration feminine , qui main- 
tenait le jeune et peu male songeur k la place virile. Du 
commencement & la fin, la Situation reste la mdme: eile tou- 
jours tourn^e vers ha, lui toujours penchö sur lui m6me. Tout 
k son r^ve, il se laisse, avec une douce b^titude, tendrement 
conduire» adorer par eile, enchanter et bercer en son premier 
et son demier sommeil. 

Tont enfanti ecrit-elle, j'aimais a t'entendre; avec ton parier com- 
menca notre causerie. Courant les bois, nons discourions sur les oise- 
aux, les nids, les fleurs; nous trouvions tout joli, toutincomptehensible, 
et nous nous questionnons l'an Fautre. Je te trouvais plus savant que 
moi, surtoot lorsqu'nn peu plus tard tu me citais Virgile, ces ^glogues 
que j'aimais tant et qui semblaient faites pour tout ce qui etait soos 
nos yeax. 



Eiig^Die et Maarioe de Ga^rin. 87 

m. 

L'entr^ de Maurice au petit s^minaire de Toulouse fut 

leor premi&re Separation. II avait alors 11 ou 12 ans, eile 16 

on 17. Deux jolies lettres de petit gar9on9 de bon petit ä^ve, 

d'ümocent enfimt de ohoeur« que Maurice ^orit alors & Eug^nie, 

nous le montrent k cet age avec toutes ses charmantes qualit^s, 

si tendres et si iines qu'on dirait d'une petite fille. Nous les ci- 

tons, car de telles lettres d'enfant sont rares en fran^ais, et Ton 

Bait goAter ici ce petit genre. 

Chdre Eug^e, je suis bien touche des regrets que tu as de non 
abflenoe. Moi aussi je te regrette, et je voudrais bien qa'il ftt possible 
d'avoir une scenr au s^imaire. Mais ne t^inqui^te pas, j'j suis träs« 
content. Mes maitves m'aiment, mes camarades sont excellents. Je 
me suis li6 plus particnli^rement avec un dont je te parlerari. II com- 
menoe a parier ma langne (une sorte de langue de son inTention), et 
par ce mojen nous nous commnniquons Tnn a I'autre« et nons jouons 
i la pens^ sans qu'on sans donte. tTarance a pleines voiles dans le 
pays latitt. Tu anras un meilleur maltre aipc vacances. Soigne k 
ton tour mes tourterelles. Je chante a la chapelle. Adieu. Je t*em- 
brasse et te prie d'embrasser Pepone (le p^re) et toute la famille. . Dis 
lenr que je suis bien content d'^tre ici. 

Avec la seconde lettre, il lui envoie un gros livre de pol^- 
mique religieuse, une yie de Voltaire ou plutöt un r^uisitoire 
contre I^ grand sceptique, la b6te noire des jeunes croyants. 

^Helas, le monde entier sans toi 
N*a neu qui m'attache k la vie.^ 

Obere Eugenie, tu seras peut-etre 6tonn6e de voir ces deux vers 
ao comroencement de ma lettre. CTest que c'est, poor ainsi dire, le 
texte dont je veux la tirer, pour mieux exprimer le tendre amour que 
je te porte. Le sentiment qui inspirait k Paul oes paroles pour Vir- 
gioie n'etait pas plus sinc^re que le mien. C'est particuli^ement k 
toi que je donne la Yie de Voltaire. Tu y venas le genie et la per- 
Tersit^ de cet homme, ce coryphde de Timpiete qui mettait au fond de 
cbaque lettre : Ecrasons Tinfame, c'est-ä-dire la religion catholiqne. Pour 
moi je ne cesserai d'y mettre : je t'aime, je t'aime. 

Je ne puis pas te dire les places que j'ai, n'ayant pas encore com- 
pose. Adieu, je n'en puis plns, je souflfre trop pour povoir oontinuer. 

Plus tard, en grandissant, le petit homme, tout a ses ^tudes 
ou k ses poursuites po^tiques, songera moins k sa soeur; il se 
laissera, sans penser k toumer la tßte, suirre et.perdre de vue 
des mois, 'presque des ann^es enti^res, La premi^re lettre qui 



88 Eug^nie et ilaarice de Ga^rin. 

le remet soub dos yeux en correspondance intime avec eile est 
dat^ de sa diz-huiti&me ann^. II eat k Paris depuis trois 
ans 9 au coU&ge Stanislas, il ach&ve ses ötudes et songe k son 
avenir. Ce n'est plus T^lier ing^nu d'autr^fois, c'est le bache- 
Her sentimental 9 bonrr^ de lecture, b^jaune et guind^. II ne 
r6ye que litt^rature; il est di]k malade imaginaire et parle de 
la perte de ses illusionsy des tristesses de la vie; il fait des 
phrasesy enfle la voix et cherche enoore le ton. Cependant, sous 
un style empmnt^, on reconnatt son naturel candide et affec- 
tueuz. On sent qu'il a vraiment besoin du coeur auqnel il fait 
appel. Et il retrouve en Eug^nie la bonne soeur d'autretois. 
Elle lui r^pond, ce qui la peint d'un trait, qn*elle voudrait avoir 
les bras assez longs pour Tembrasser partout oü il est. Elle 
est toute pr6te au commerce litt^raire et oonfidentiel qu'il lui 
propose; mais comme eile ne partage pas sa pr^ilection pour 
le sombre et le d^sol^, eile lui fait d'abord l&-dessus sa petite 
le^n, puis, pour prouver que sa sagesse n'est point si pros^uque, 
eile lui envoie des vers. 

C'^tait alors le beautemps de la versification. Le roman- 
tisme avait r^pandu en France une sorte de fermentation po^ 
tique; la manie rimante s'^tait empar^ de tous les jeunes 
esprits. C'^tait une vraie plaie d'Egypte. Balzac racoute qu'un 
libraire fameuz de ce temps s'^ciait souvent: Les yers de- 
voreront la litt^rature! En attendant, ils devaient dövorer plus 
d'une existence, Les rapides fortunes litt^raires des Lamartine, 
des Hugo\ des Dumas dont les noms ^taient dans toutes les 
bouches et dont les manuecrits se payaient au poids de Tor» 
toumaient la täte k tous les ^coliers forts en vers latins et en 
narrations. Pas d'^live de rh^torique, qui, apr&s avoir versi- 
fi^, k l'aide du dictionaire des rimes, une ode ou une trag&lie, 
ne se v!t en passe d'arriver bientöt k la c^löbrit^, et ne decla- 
rftt indigne de lui, comme servile et abrutissante, toute autre car- 
riire que celle de la litt^rature, au grand ravissement de soeurs 
po^tiqnes et idol&tres, mais k la non moins grande indignation 
de pferes et mores incr^dules et prosaiques. 

Maurice mieux partag^ de ce odt^ devait rencontrer peu 
d'obstades k sa vocation; Ses ^tudes classiques termin^s, il 
revient apris plusieurs ann^s d'absence se retremper dans 



Eug^nie et Maurice de Gaörin. S9 

]'air natal et confärer en famille du choix d'une carriire. D 
n'en itsAt pas k ses premiires h^sitatione. L'^tat eocl^siastique 
Tavait d'abord tenti, mais il s'en ^tait bientöt d^tourn^. Pr^sente- 
menty lee soi-disant professions liberales, entre lesquelles il avait 
& 86 d^der, ne lui soariaient gufere. Tout bien examin^ il ne 
86 troavait propre & rien qu'au mutier d'^crivain; il n'eut pae 
de peine k le demontrer. En cercle intime , surmontant sa ti- 
midit^ naturelle, Maorice brillait par la conversation ; il parlait 
esth^tique k ravir. Or rEsthötique c'est Mn^mosyne elle-m^me, 
la m&re des Muses: eile en remontre k Polymnie, CaUiope et 
Melpom^ne, et k toutes ses filles. Comment ne pas croire au 
talent d'un jeune esth^ticien si bien au fait des mystires de 
Tart et de la poesie ? Son pire lui-mSme finit par donner les 
mains k ses beaux projets. Mr. de Gu^rin s'öcartait Ik singu- 
Kirement des proc^d^s patemels ordinaires. Peut-6tre, et avec 
raison, jugeait-il la chimire inexpugnable. Sensible et bon 
comme il ätait, sans doute il craignait aussi 6,e rendre son fils 
inutilement malheureux en le contraignant dans ses goüts. Peut- 
^tre enfin, en Fabandonnant k sa fantaisie, se laissait-u aller lui- 
m^me bonnement k Tesprit d'aventure toujours vivace che^ les 
races chevaleresques. Descendant d'une famille noble et jadis 
opulente, il ne poss^ait qu'une modique fortune et faisait va- 
loir Itti-mgme sa petite terre patrimoniale. L'ainö de ses fils de- 
Tait la reprendre, la position de celui-l& ^tait toute trouv^e ; mais 
que pouvait devenir en ces temps difficiles son plus jeune fils. 
Pourquoi ne se frayerait-il pas par la plume le chemin que ses 
aieux s'^taient autrefois fray^ par l'^p^e? Un Gu^rin, disait 
Eugönie, n'avait-il pas ^t^ troubadour? Illusion ou d^bonnai- 
ret^, il est bon apris tout que des p&res pensent ainsi quelque- 
fois. En somme l'^^nement a justifi^ Mr. de Guörin. La no- 
ble envie qui enflammait Maurice devait il est vrai bien vite 
le consumer; mais eüt-il fait de son existence un meilleur em*- 
ploi en la m^nageant? et si perpötuer son nom est le prix des 
plus vaillants ici-bas, ne Ta-t-il pas gagn^, mSme en succom- 
bant avant d'atteindre le but, puisque son nom lui survit? 

Maurice retouraa donc k Paris, rösolu k tenter Faventure 
litt^raire. H devait, en attendant qu'il fdt en ^tat de faire ses 
premiires armes, Studier le droit comme pis aUer. II r^vait, 



40 Eug^nle et Maarice de Gu^rin. 

cela va sans dire, d'aborder tous les genres, prose et vers» po- 
ösie lyrique et trag^ie. Mais son indination le porta d'abord 
de pr^förence yers la po^sie intime , teile que Sainte-Beuve, 
Brizeux et les imitateurs des lakistes anglais la pratiquaient 
alors. Ce genre, qui cherebait la po^eie k sa source la plus 
pure, dans la vie int^rieure, essayait alors de faire un contre- 
poids salutaire au lyrisme vaporeux de Lamartine et k la phan- 
taisie toute ext^rieure de Hugo; mais son allure terre-ir-terre, 
son langage bumble et terne devaient lui attirer peu de pros^- 
lytes dans un public qui veut Stre ebloui et entrainö. C'est sur ce 
mode placide et monotone que Maurice cbitnta d'une voiz timide 
son premier amour; un amour malheureux, on le devine, pour 
une amie de sa soeur, une jeune chätelaine qui le trouvait sans 
doute trop jeune pour pouvoir songer s^rieusement k lui. 

Les si^cles ont creusd dans la röche vieillie 

Des creux oü vont dormir des gouttes d'eau de pluie; 

Et roiseau vojageur qui s'y pose le soir 

Plonge son bec avide en ce pur reservoir. 

Ici jjp yiens pleurer sur la röche d'Ouelle 

De mon premier amour Tillusion cruelle; 

Ici mon coeor sonffrant en pleurs vient s'epancher . . . 

Mes pleurs vont s'amasser dans le creux du rocher • • . 

Si vous passez ici, colombes passageres, 

Gardez- vous de ces eaux: les larmes sont ameres. 

Un second amour platonique, k la mani&re de P^trarque 
pour Laure, lui fit plus tard oublier le premier. En amour 
comme en tout le pauvre Maurice itAit destin^ au r61e de so^- 
pirant et de patito. 

Durant cette periode de jeunessCy de 20 ä 25 ans, Maurice 
conserve ees premieres croyances k peu pr^s intactes. U a 
m6me des acc^s de ferveur religieuse, il cherche des consola- 
dons k son amour malheureux dans la devotion amoureuse. A 
la maniere des jeunes catboliques adorateurs de la Madonne et 
des belies saintes, il voue un culte k S^ Th^r^se, une saiute 
mystiqu^ et poete, ^galement ch^rie de sa soßur. II lui adresse 
ces vers oü respirent Tardeur langoureuse, la mignardise et tout 
le faux goüt de la poesie devote. 

Therese de Jesus, 6 ma sainte adoree! 
Amante du Seigneur, colombe consacree, 



dV ^ Eag^nie et Maariee de Gaörio. 41 

J'ai votre Image enfin! 

Le ciel enfin m'a fait trouver une gravure 

Comme je la voulais, d'une empreinte fort pure, '\ 

Et donnant un dessin assez digne de vons. 

F^il plus imparfait, je Taimerais sur tous: 

Votre noDi lait peintnre assez. Or donc ma eainte, 

Ell ee Portrait voici comme voas ^tes peinte. 

La scene est une eglise, et c'est fort bien choisi» 

Car c'^tait 1^ vraiment votre asile cheri. 

Vous pliez seulement un genou sur la dure, 

L'autre k demi s'incline, et la robe de bure 

Laisse dmnement echapper un pied nu. 

De votre front serein comme le plua beau jour 
Üne toile en bandeau suit le charmant contour 

— Votre sainte figure 

Est vivante de gr&oe et d'ezpression pnre: 

Elle est belle ^ paaser devant voas tout un jour 

Sans bouger; eile est belle 4 donner de l'amour. 

En la chambre oü je vis, cellule toute nue, 

Therese, vous voil4 conipagne devenue 

lyun chr^tien mal depris de ce monde mortel 

Et qui traine du pied en marchant vers le ciel. 

Vous voila suspendue, ö ma ch^re peintorel 

A la doison de bois qui protege mon lit, 

O ma «ainte le jour, 6 mon reve la nuit! 

Plus bas un benitier dans sa coquille rönde 

Garde un pen de cette eau que fnit l'esprit immonde, 

Et j*7 vienSy chaque soir, tremper le bont du doigt. 

Dirai-je mieux, disant que la priere y boit 

Au moment de partir pour la divine plage, 

Comme je Tai vu faire aux oiseaux de voyage ? — — 

Mais ce n'ötait ni Tamour, ni la sensibüit^ intime, ni la 
dövotion catholique qui devaient inspirer & Maurice des pages 
vraiment ghiiales, c'^tait, nous Tavons dit, un sentiment singu- 
li^rement profond et passionn^ de la nature. 

Ce sentiment, qui depuis la renaissance, mais aurtout depuia 
le dix-huitifeme sifecle et Rousseau, ^tait devenu dans toute TEu- 
rope une v^ritable ^pid^mie sentimentale, apris avoir travers^ dif- 
f^rentee phases pastorales, philosophiques et romanesques, s'^pa- 
nouissait alors en France, en tous sens et sous toutes formes, au 



48 Eag^nie et Maurice de Go^riii, 

milieade l'exub^rante floraison romantique. La po^sielyriquefran« 
^aise qui, comme cette petite princesBe d^un conte, pendant si loog- 
temps n'avait aim^ que les crdations artificielles > rebulöe enfin 
des paysages d'op^ra et d^une nature fardee, avait jete par des- 
8U8 les moulins sa perruque et sa poudre, et courait les bois et 
les champs comme une bacchante. A en juger par les livres, 
les poetes n'babitaient plus les villes; ils campaient comme les 
hommes primitifs en plein air, k la belle ^toile; se livrant aux 
Operations les plus merveilleuees ; attentifs les uns i saisir des 
Souffles au vol, les autres k forger en vers des rayons de so- 
leily eeux-ci condensant des ombres, ceux-lä recueillant des 
clairs de lune. U j en avait de tout genre et de toute sorte. 
S-y-avait les vaporeux, les aquatiques, les rustiques, les tristes, 
les d^lirants, les coloristes, les flamboyants. Mais surtout, 
et c'ötait la tribu sacr^e, il y avait les orphiques, les mystiquee. 
Ceux-1& ne se contentaient pas, comme les simples paysagistes, 
de d^peindre des apparences, des formes et des couIeurs, ils 
p^n^traient jusqu'ä Tame des choses. Dans l'oeil des sources, 
ils perQaient jusqu'ä la pens^e de Fantique m&re Cybile; comme 
les prStres de Dodone, ils ^outaient dans le bruissement des 
ebenes murmurer la voix des dieux, et ils entendaient distincte- 
ment croitre le gazon. Tous, plus au moins imbus de la phi- 
losophie naturaliste et panth^iste du temps, comme les premiers 
hommes, ils adoraient v^ritablement la nature. Tantöt» k la ma- 
nifere des n^platonidens et du pseudo-OrpMe, ils invoquaient 
les puissances ä^mentaires, l'ether, la lumiere, la terre et les 
eauxy leurs lüttes et leurs concerts myst^rieux. D'autres fois, 
moins ^pris du vague et cherchant des objets pr^cis, ils chan- 
taient l'innocence et la paix de la vie v^g^tale, les amours des 
fleurs» les myst&res des bois et la sublime sagesse des ebenes.*) 
Ceux-1& sont les naturalistes purs, impersonnels et vague^, les 
chantres de la vie universelle et ind^finie, les iUmmtaires et les 
vSgäaires, qu'on me permette ces termes singuliers pour döfinir 
ces singularit^s. A leur suite, comme dans l'ordre de la cr^- 



*) Hölderlin (O Vater Etfaerl An die Eichbäume) Shelley (Alastor etc.) 
Maurice de Gu^rin, Victor de Laprade sont, dans des langues et k des datea 
diffi^rentes, Texpreasion extreme de ce naturalisme po^tique ^Idmeutaire et 
v^^tal. 



Eug^nie et Maarice de Gn^rio« 4B 

ti(m, vient une race de po^tes mieux caraot^rie^B , les natorali- 
BteB individuelsy les animalisteB, les bestiairea, conime on pour- 
mit les appeler. Ceux-ciy pluB riches d*^nergie et de nerf^ 
impatients d'action et de Sensation» laissent lä le Dieu^Iante 
et le grand Pan ihsaississabley ils c^lfebrent la vie animale» sa 
fougae et ses fureurs et sa divine apathie. 

La nature, on le voit, est toujours la grande magidenne 
qui se platt k changer ses^ amoureux en bStes. 

Werther, dans ses premi^res lettres, embaum^es et chandes 
comme des jonm^ de printemps, s'^rie un jour: Man möchte 
zum Maikäfer werden^ um in dem Meer von Wohlgerüchen herum 
zu schweben^ und alle seine Nahrung darin finden zu können^ 
Werther montre encore ici la temperance aimable d'nn ami 
de la natnre en culotte de soie et en cheveuz poudr^s; ses 
sucoesseurs ^chevel^s et barbus devuent ätaler on bien autre 
app^tit. Ce n'est plus de d^ices de hannetons ou de papil- 
Ions qn'il s'agit pour eux» c'est Texistence des rois des for&ts 
et des d^serts qu'ils ambitionnent; c'est en eux seulement qu'ils 
retrouvent l'^nergie et l'h^roisme disparus d'entre les hommes. 
£t ce ne sont pas les po^tes seuls qui pensent ainsi. Ceci n'est 
point un simple jeu d'iinagination. Les titres de nobl^sse de 
l'homnie semblent aujourd'hui perdus aux yeux de Tartiste. Le 
soQTerain de la nature n*est tantöt plus^ qu'un parvenu au milieu 
des vrais princes de la cr^tion tels que Fart nous les repräsente. 
Quels scnt en effet les Trais h^ros de l'art moderne, ses grands 
types, ses Achilles, ses Agamemnons? Ce ne sont pas les ^tres 
effac^s et manqu^s des romans et du th^fttre; ce sont les lions 
de Barye, les cerfs de Landscer, les taureaux et les ätalons de 
Troyon et de Rosa Bonheur, sans parier des vainqueurs du ti\rf 
et des laureats du b^tsil entrainä. Dans l'animal seul aujour- 
d'hui se reconnaissent le pur sang et la race, des 6tres entiers, eom- 
plets, ganze Kerle. Nous void — du moins dans le domaJne 
de la phantaisie — revenus aux beaux jours d'Egypte, au triomphe 
de la bSte, k l'idolatrie k quatre pattes, et aux dieux comus. 

Ainsi le naturalisme, qui fut le commeneement , est au- 
jourd'hui, comme au temps de la d^cadence paienne, un recom- 
menceraent; il fait repasser Pesprit humain par les pbases suc- 
cessives de la genese primitive. Nous eavons maintenant oü 



44 Ettg^nie et Maurice de Ga^rin. 

BOU8 en soinmesy esp^rons que les hommee de Teeprit nouveau 

ne tarderont paa k surgir. 

Maurice, po^te naturalifite paeee» cela ee con^oit» par toutes 

les phases que nous venoDS de d^rire. La sentiment de la 

nature a chez lui une ardeur myetique plue intense encore que 

Celle du seDtiment religieux chez sa soeur. L'aspiration vers 

riufim, le diTio, etait le mobile de leur &me k tons deux. L'in- 

fini qu'Eug^nie adore manifeet^ dans un dieu pereonnel, actif, 

audeeeus de l'univers, sa cräktion, Maurice le cherche dacs la 

vie imperBonnellei dans le fluide uniyersely dana cette substance 

k mätamorphoaes sana nombres, d'oji tout aort et cdx tontrentre, 

qni est le dieu vögötatif du panth^iarae. De m^iue que la vo- 

cation religieuae se mamfeate quelquefoia chez dea enfanta par 

une ferveur pr^matur^, une aorte de vocation naturaliste se 

montre chez lui, döa Tenfance. Le spectade de la nature le 

jetait dans dea raviaaements ainguliera. 

II paasait, dit sa soeur, de longs teraps a consid^r llioriaBon, k 
se teoir sous les arbres. II affectionnait singnlierement un amandier 
8ou^ lequel il se r6fugiait aoz moindres 6motions. Je l'ai vu rester la, 
debout, des heures enti^res. 

Une aorte de poeme en prose, qu'il ^crivit k l'age de onze 

ans, nous a conserv^ ses impression d'alors. 

Oh ! qu'ils sont beauz ces bruits de la nature, ces bruits r^pandus 
dans les airs, qui se levent avec le soleil et le suivent, qni snivent le 
solefl oomme un grand concert suit un roi. Ces bruits des eauz, dea 
vents, des bois, des monts et des vall^es, les ronlements des tonnerres 
et des globes dans l'espaoe, bruits magnifiques auxqaels se m^lent les 
fines voix des oiseaux et des milliers d'^tres chantants. 

Entendez- vous ces battements des feuiUes, ces süBenients des ro- 
seaux. — Je vais toujours les econtant. Je tends Toreille ä leurs mille 
voix, je les suis le long des ruisseaux, j'ecoute dans le grand gosier 
des abimes, je monte au sommet des arbres, les cimes des peupliers me 
balancent paördessus le nid des oiseaux. . . . 

II est poaaible que des lectures anticip^es, des ^hos ^garös 
de Rousseau, Bemardin de Sanct-Pierre ou Chateaubriand aient 
^veill^ en lui comme en tant d'autree ces dispositions pr^coces, 
mais ils n'ont pu les lui communiquer avec cette vivacitä, il 7 a 
Ik aaaur^ment quelque chose d'inn^, et d'extraordinaire k eon kge. 

Plustard sous l'impreasion des mdmes sentiments il ^crit 
dans son Journal: 



Eag^nie et Maurice de Gu^rin. 45 

Toas les bnuts de' la natnre, eette mmeor des ^l^eAts tonjonni 
Üottaote, dilatent roa pens^ en d'etranges reveries et me jeCteot en des 
ätoonements dont je ne pai8 reyenir, 

Le mjßihre de la vie äementaire le captiy^ et Teüiyre. Son 
rSve est de le p^n^trer^ de s'y plonger. 

J'habite avec les Clements intörieors des choses, je remonte les 
rajons des Atolls et le courant des fleayes jusqii'aa sein des mysteres 
de lenr g^n^ration. Je snis admi^ pur la nature an plus retire de ses 
divines demeares, an point de depart de la rie universelle; la, je snr- 
prends le canse Au mouvement et j'entends le premier chant des ötres 
dans tonte sa fralehenr. 

Si l'on ponvait s'identifier an printemps, forcer cette pensee an 
point de croire aspirer en sei tont;|9 la vie, tont Famonr qui fermentent 
dans la nature, se sentir k la fois ^nr, verdnre, oisean, chant, frat- 
chenr, elasticit^, volnpf^, s^enit^! Qne serah^ce de moil 

^Le passage suivant donne une id^e de ce qu'on nons per- 
mettra, d'appeler son VigiuJisme. 

Qni pent se dire dans nn asile s'il n'est snr qnelqne hanteur et la 
plus absolue qn'il ait pu gravir? Qnand serai-je dans le calme? Antre- 
foil9 les dienx, voulant recompenser la vertu de quelques mortels, firent 
moDter antour d'eux nne natnre v^g6tale qni absorbait dans son ^treinte, 
a mesure qn'elle s'61evait, lenrs Corps viefllis, et snbstituait ä lenr vie, 
tont nsee par TAge extreme, la vie forte et. muette qni regne sous 
Tecorce des ebenes. Ces mortels, devenns immobiles, ne s*agitaient 
plus que dans l'extremU^ ()e leurs brancbäges ^mus par les vents. 
N'est-ce pas le sage et son calme? Ne se revet-il pas longuement de 
cette metamorphose du pen dliommes qui furent airo^s des dienx? 
S'entretenir d'une seve choisie par soi dans les 61^roents, s'envelopper, 
pandtre aux hommes pnissant par les racines et d'une grave indiffi§- 
renoe comme certains arbres qne l'on admire dans les for^ts, ne rendre 
ä l'aventure que des sons vagues mais profonds, tels que oeux de quel- 
ques crnies tonfihes qni imitent les murmures de la mer, c'est un ^t 
de vie qni me semble digne d'efibrts et bien propre pöur ^tre oppose 
anx hommes et ä la fortune du jotir. 

Dana tme idylle grandiose, qu'il n'a fait qu'dbauoher, Mau- 
rice tente de concentrer et d'exprimer en une senle fois toutes 
ces nuances diverses du sentiment de la natnre. Cette pi^ 
rend entre autres Tattrait myst^rieux de l'^I^ment liquide avec 
une intensit^ plus saisissante encore que celle du pdpbeur de 
Goethe. Ceüt^^t^ a'il eüt pu rachever, une reprÄMntaäon vrai- 
ment uuigiatrale du mythe de Glaucus, avec un mäange dans 



46 Bag^nie et Maurice de Gu^rin. 

la forme qul rappelle tout ensemble Andri Chtinier, Th^iite et 

le pseudo-Orph^. 

Comme nn fruit suspendu dans Tombre dn feuillage, 

Mon destin s'est forme daas r^paLBseur des boie. 

J'ai grandi, recouvert d'one cbalenr sauvage, 

Et le vent qui rompait le tissu de Foinbrage 

Me deoouvrit le ciel pour la premidre fois. 

Les faveurs de nos dienx m'ont touche des Fenfance; 

Mes plus jeunes regards ont aim^ les forets, 

£t mes plus jeunes pas ont suivi le silence 

Qui m'entrainait bien loin dans Tombre et les secrets. 

Mais le jour oü, du baut d'une cime perdue, ^ 

Je vis (ce fut pour moi oonune un brillant reveil!) 

Le monde paroouru par les feux du wleil, 

£t les champs et les eaux cach^s dans l'etendue, 

L'etendu6 enivra mon eaprit et mes jeux; 

Je voulus egaler mes regards ä l'espace, 

Et posseder sans bome, en ^garant ma trace, 

L'ouverture des cbamps avec oell^ des cieux. 

Aux bei^rs appartient Tespaoe et la luraidre, 

En parcourant les monts ils epuisent le jour; 

Ils sont cbers k la nuit, qui s'ouvre tont entiere 

A leurs pas inoonnus, et laisse leur paupiere 

Ouverte aux feux perdus dans leur profond sejour. 

J'^tais berger j'avais plus de mille brebis. 

Berger je suis encore, mes brebis sont fideies : 

Mais qu'aux champs refroidis languissent les ^pis. 

Et meurent dans mon sein les soins que j'eus pour elles ! 

Au cours de Fabandon je laisse errer leur pas, 

Et je me livre aux dieux que je ne connais pasi 

J'aime Th^ys: ses bords ont des sables humides; 
La pente qui m'attire j eonduit mes pieds nua; 
Son haieine a gonfle mes songes trop timides, 
Et je vogue en dormant 4 des points. inoonnus. 
L'amour qui, dans le sein des roches les plus dures, 
Tire de son somraeil la souroe des ruissieanx, 

Du d^sir de la mer Erneut ses faibles eaux 

C'est le mien. Mon destin s'incline vers la plage. 

Le secret de mon mal est au sein de Thetjs. 

J'iraiy je goüiterai les plantes du rivage, 

Et peut-^tre en mon sein tombera le breuvage 

Qui change en dieux des mers ks mortels engloutis. 

Cependant Maurice ^bappe k ces rSves ^nervants. Son 



Ettg^nie et Maorioe de Gn^rin. 47 

individiialit^ se foitifiant, il s'dprend k son tour d'actioii et d'ia* 
d^pendance. Poar exprimer alors ce sentiment de Is vie indi- 
ndaelle k demi ploDg6e encore dans la vie universelle, mais s'en 
d^gageant d4jä d'un effort vainqueur, il choisit uu autre tjpe 
andque, participant k la fois de rhomme et de Tanimal, sup^- 
rieur k Tun et k l'autre par la force du Corps uoie k celle de 
Tesprit, le centaure. 

Maurice met en sc^ne rhomme-cheval , il lui fait raconter 
sa Daissance au sein des ombres primitives, ses premiferes im» 
pressions au sortir de la caveme maternelle, au sein d'une nature 
exub^rante et vierge. II le montre s'abandonnant k une impul- 
sion Sans frein, parcouranf la terre, traversant les for§ts im- 
menses, se laissant empörter au cours des fleuves, jouissant ainsi 
par son corps rapide et infatigable du däire d'une fougue ani- 
male indomptable, tandis qua par sa tSte et ses bras librement 
port^s vers le ciel il goüte rorgueil et la söcurit^ d'un demi-dieu. 

L'nsage de ma jeunesse fut rapide et rempli d'agitation. Je vi- 
vais de mouvement et ne oonnaissais pas de bome k mes pas. Dans 
la fierte de mes Forces libres, j'errais, m'etendant de toutes parts dans 

oes d^serts. Avec l'abandon des fieuves, respirant sans cesse 

Cjbde, soit dans le lit des vall^, seit k la cime des montagnes, je 
bondissais partout comme une vie aveugle et decbainee. Mais lorsque 
la nuit, remplie du calme des dieuz, me trouvait sur le pencfaant des 
monts, eile me conduisait k Fentree des -cavernes et m'y apaisait comme 
eile apaise les vagues de la mer, laissant survivre en moi de legeres 
oDdulations qui ^rtaient le sommeil sans alterer mon repos. Couche 
sur le seuil de ma etraite, les flancs Caches dans l'antre et la tete sous 
le del, je suivais le spectacle des ombres. Alors la vie etrang^re qui 
m'avait p^netre durant le jour se detachait de moi goutte k goutte, re- 
toamant au sein paisible de Cyb^le, comme apres Fondee les d^bris 
de la plnie attadiee aux fenillages fönt leur chute et rejoignent les 
eauz. On dit que les dieuz marins quittent durant les ombres leur 
pakis profond, et, s'asseyant sur les promontoires, etendent leurs re- 
gards sur les flots. Ainsi je veillais ajant a mes pieds une ^tendue 
de vie semblable ä la mer assonpie. Bendu k Fexistence distincte et 
pleine, il me paraissait que je sortais de nattre, et que des eaux pro- 
fondes et qui m'avaient con^u dans leur sein venaient deme laisser sur 
le haut de la montagne, comme un dauphin oublie sur les sirtes par 
les Hots d'Amphitrite ... 

Un jour que je suivais une vall^e oü s*engagent peu les centaures, 
je d^uvris nn irämme qui cötoyait le fleuve sur la rive contraire. 
C'etait le preroier qui s'ofiHt a ma vue, je le m^prisai. Voila tout au 



48 



Eag^nie et Maurice de Gn^rin. 



plus, me dis«je, k moitie de mon ^tre! Qoe ses paa sont coutts et sa 
demarche malab^ ! Ses jeox Bemblent mesurer l'espace avec tristesse. 
Sans doute c'est un oentanre renyers^ par las dieux et qu'ils ont r^dait 
& se tratner ainsi. 

Dans cette figure süperbe, dont, pour leur pari de comp^ 

tence, tous les hommes de cheval, sportsmen ou Sonntcysreiter, 

reconnaitront la viiiti et la puissance, sous cette forme sig- 

nificative du centaure, Maurice exprimait admirablement le genre 

nouveau de sentiment de la nature qui regne aujourd'hui; ce 

besoin d'expansion sans limites au dehors, d'excursion et d'es- 

calade vers Tiuconnu, cet app^tit de possession avide et d'äpre 

jouissance de la nature qui dous poss^de et nous distingue des 

cäadons et des ^I^giaques d'autrefois. Hinaus in die Welt! 

Voir c'est avoir, allons courir! 
Car tout Yoir, c'est tout conquerir. 

A peine le printemps nous a-t-il efHeur^s de son haieine, 

la furie centauresque ne s'enipare-t*elle pas ainsi de nous! 



(La snite prochainement.) 



C. Marelle. 






Le Testament de Pathelin. 



§1. 

In einer Programmabhandlung*) habe ich den Nouveau Pathelin in 
literarischer und sprachlicher Beziehung einer eingehenden Betrachtung 
unterworfen. Es konnte dies nicht geschehen, ohne auch des^ andern 
darch die Farce Maistre Pierre Pathelin hervorgerufenen Stückes, des 
Testament de Pathelin, zu erwähnen. Ich stellte die Behauptung auf, 
dass das letztere Stück der Zeit nach dem Pathelin näher stehe als 
der Nouveau Pathelin, und jedenfalls noch dem 15. Jahrhundert an- 
gehöre. Um diese Behauptung, so weit es möglich, noch mehr zu 
Btfitzen, will ich im Nachstehenden das Testament de Pathelin gleich- 
falls einer eingehenden Prüfung unterwerfen. 

Die Brüder Parfaict, in ihrer histoire du the&tre fran^ais (vol. III. 
pag. 190), setzen die Entstehung des Stückes gegen 1520, und Jacob**) 
in seiner Ausgabe desselben schwankt zwischen 1480 und 1490; in- 
deas der Nouveau Pathelin nach ihm dem Jahre 1474 angehört. 

Während die Farce Pathelin seit ihrer Entstehung eine grosse 
Zahl von Auflagen erlebte, war das Testament ganz der Vergessenheit 
anheimgefallen. Erst vom Jahre 1723 an, als der Buchhändler Gou- 
stelier die Farce de maistre Pathelin avec son testament k quatre per- 
Bonnages erscheinen liess, finden wir diese Farce in der Literaturge- 
schichte erwähnt. Es sind jedoch später noch einige ältere Ausgaben 
aufgefunden worden.***) Im Jahre 1748 liess Simon Gueulette den 

*) Jahresbericlit der ersten stödtischen hohem Töchtertcbale zo Berlin, 
1865. 

**) Recueil de farees, soties et morafit^s etc. Paris 1859, pag. 179. 

*«•) 8kthe Bibiiothäqne da Thöftti« fr. I, 57. 

ArcblT f. n. SpradMn. XXZDC. 4 



50 Le Testament de Pathelin. 

Nouveau Pathelin als ein noch unbekanntes Werk ViUon's im Drack 
erscheinen. 

M. Constelier, libraire, sagt er in der Vorrede zu dieser neuen 
Ausgabe, fit r6imprimer en 1723, la Farce du Paihelin et son testament. 
Apparement qu'il n'avoit pu trouyer le Nouyeau Pathelin k trojs per- 
sonnages, s^avoir Pathelin, le Pelletier et le Prestre, puisqn'il n'en fit 
point part au public. Cette farce, que je lui präsente aujourd'hui, n'est 
pas moins originale quc celle du Testament: elles ne sont ni Tune ni 
l'autre du m^me auteur que celle du Pathelin ayec le Drappier. 

Er erzählt dann , dass er das seiner Ausgabe zu Grunde liegende 
Exemplar in der Bibliothek der Petits-P^res gefunden. Selbiges ent- 
hielt die drei Farcen mit Titelvignetten in Holzschnitt, worunter man 
las: On les vend k Paris en la nie Neuve-Nostre-Dame, k l'enseigne 
de Saint Nicolas. Wir erfahren femer durch Jacob, dass sich die er- 
wähnte Ausgabe noch in mehreren Exemplaren erhalten hat. Eins 
derselben wird im Catalog Soleinne folgendermassen beschrieben: 
Maistre Pierre Pathelin — le Testament de maistre Pierre Pathelin - — 
le Nouveau Pathelin k trois personnages. Ensemble Testament d*ice- 
luy. Et apres s'ensuyt un Nouveau Pathelin a trois personnages. 
Nouvellementimprimek Paris parJean Bonfons, demeurant enlarueNeu- 
fve-Nostre-Dame a Tenseigne Sainct-Nicolas, sans date, in -8 goth^ de 
80 fi*. 7 compris le demier oü se trouve la marque du libraire, ßg, s. b. 

Jacob kennt noch eine ältere Ausgabe der drei Farcen, von wel- 
cher sich ein Exemplar in der biblioth^ue de l'Arsenal befindet 

Doch was nützt das Aufzählen der ältesten Ausgaben, da sie edle 
ohne Datum sind, und nur Vermuthungen zulassen. Soviel jedoch 
scheint mir sicher, dass die ältesten , und somit die drei Stücke selbst, 
noch dem 15. Jahrhundert angehören. Was die Reihenfolge ihrer 
Entstehung betriffst, so ist natürlich Maistre Pierre Pathelin das älteste 
und mag mehrfache Ueberarbeitungen erfahren haben, ehe es in der 
uns jetzt vorliegenden Form gedruckt wurde. Nach, ihm setze ich 
das Testament de Pathelin und dann den Nouveau Pathelin. 

Erstens scheint mir die Reihenfolge, welche jene ältesten Ausga- 
ben einstimmig beibehalten, keine zufallige zu sein; dann aber spricht 
dafür noch ein anderer Grand. Die Farcen sind nicht für einen Le- 
serkreis berechnet, sondern für die theatralische AnfiTihrang; sie mö- 
gen daher alle drei schon vielfach aufgeführt worden sein, ehe sie zum 
ersten Male gedrackt wurden. Dann aber musste dem Verfasser des 



Le Testament de Pathelin. 51 

Testament der Nouveau Pathelin wohl bekannt sein^ w&re letsteres 
Stuck Tor jenem entstanden. Dies scheint nun nicht der Fall zu sein, 
deon im Testament beichtet Pathelin ganz gewissenhaft, wie er den 
Tachhändler betrogen, und der Dichter hätte sicherlich auch den Be- 
trag des Pelshändlers angeführt, wenn er den Nouveau Pathelin gekannt 
hätte. 

Was femer die Sprache betrifilt, die man etwa als Schiedsrichte- 
rin anrufen möchte, so verweise ich auf § 4. Wie gross auch in jener 
üebergangsperiode vom Alt- zum Nenfranzösischen die Wandelbarkeit 
der Sprache war, so stehen einerseits die drei Stücke der Zeit nach zu 
nahe, und andrerseits möchte das oft seltsame Missverhältniss des ge- 
sprochenen Wortes mit dem Streben der Orthographie, es zu fiziren , auf 
Irrwege leiten. 

Der Autor ist bei keiner der drei Possen genannt, vielleicht auch 
schon zur Zeit des ersten Druckes unbekannt gewesen. Pasquier be- 
reits (1529 — 1615), der in seinen recherches de la France, pag. 
1086, den maistre Pierre Pathelin eingehend bespricht, kennt den Au- 
tor desselben nicht, und in der grossen Zahl der von verschiedenen 
Literarhistorikern angenommenen Autoren befindet sich auch nicht 
Einer, für den man bindende Beweise der Autorschaft beibringen 
könnte. Während Genin in seiner Ausgabe für Antoine de la Salle 
plaidirt, glaubt Jacob, und mit ihm viele Andere, die Farce dem Blan- 
chet (1459 — 1519) zuschreiben zu müssen. — Mit vielleicht nochgrös- 
senn Rechte könnten wir dem Letzteren auch das Testament zuschreiben» 
da hier die Daten eher passen möchten. Pierre Blanchet wurde 1459 
zQ Poitiers geboren. Hier nahm er als clerc de la Bazoche an den 
Spielen dieser Juristengesellschaft nicht nur thätig Antheil, sondern 
rerfasste auch selbst Farcen für dieselbe. In einer poetischen Epistel, 
die Pierre Grervaise, assesseur e l'of&cial zu Poitiers, an den Dichter 
Jean Bouchet richtet, heisst es: 

Re^arde aassi maistre Pierre Blanchet, 
Qu sceut tant bien jouer de mon buchet 
Et composer sat^res proterveuses, 
Farces aassi, qui n'estoicnt ennuyeuses. 

Derselbe Jean Bouchet dichtete e(udi dem Blanchet eine Qrabschrift, 
aus der wir selbigen noch näher kennen lernen: 

Cy gist, dessoubz ce lapideux cachet 

Le Corps de feu maistre Pierre Blanchet, 

£n son vivant, poete satyrique, 

Hardy sans lettre et fort joyeux comiqne. , 

4* 



52 Le Testament de Pathelin. 

Lny, jeune estant, il anyroit le Palais. 
Et composoit souvent rondeaox et laiz; 
FaiscHt joaer aar escbafiaalx Baaochef n 
Et 7 joaoit par grant art saus reproche. 

En reprenant, par ses satyricz jeux 
Vices Dublicz et abus outrageux; 
Et tellement, que gena notez de vice 
Le craigDoient phis qae les gens de justice 
Ne que prescheurs et condonateurs, 
Qni n'eptoient pas si grans d^clamateurs ; 
Et nöantmoius, parce quUl fut affable, 
A tous estoit sa pr^sence agr^able. 

- Or, quant ü eut qaarante ans, un peu plus, 
f Tous oes esbits et jenlx de luy forchis, 
11 fnt faict prestre, et en cest estat digne 
Duquel souvent se r^putoit indigne, 
U demoura vingt ans, tr^s-bien disant 
Heures et messe, et paisible gisant 

Et n^ntmoins, j)ar passe-temps honneste 
Luy, qui n'estoit barbare ne agreste, 
n composoit bien souvent ven, huj^tains, 
Noelz, dictec, de bonnes choses pluns. 
Et pour la fin, son ordonnance ultime 
Et testament feit en pldsante rithme, 
Oti plusieurs legs k tous ses amis feit, 
Plus k plaisir qu*k singuüer profßt: 
Fusmes trois que ses ex^cuteurs nomme, 
LesQuels chargea de faire dire en somme, 
Apres sa mort, des messes bien trois cens, 
Et les paier de nostre boorse, sans 
Rien de ses biens, lesquels laisseroit, prendre, 
Comme assur^ qu^k ce voudrions tendre. 

Apr^s mourut, sans regret voluntiers, 
L an mil cin<j cens et dix-neuf, k Poitiers, 
Dont fut naüf. Priez donc Dieu, pour Tarne 
Du bon Blanchet, qui fut digne qu*on Tarne! 

Erinnern diese Legate „plus a plaiair qu'a dngulier profißt^ nicht 

an das Testament Pathdin's? — Aach die Stelle ans dem Testament 

(v. 60 etc.): 

Je ne s^ay quelT mousche vous poinot 
Par celuy Dieu qui me fist naistre . 
Je cuyde aue, se estiez prebstre, 
Vous ne cnanteriez que de sacz 
Et de lettres ! 

k5nnte man wohl ab eine Anspielung anf Blanchet nehmen, der ur- 
sprünglich Adrocat, Priester geworden war, ohne jedoch seiner Nei- 
gung zur satyrischen Poesie zu entsagen. — 

Doch dies Alles sind nur unbegrfindete Vermuthangen; der Au- 
tor ist unbekannt, und wird wohl unbekannt bleiben. 



Le Testament de Fathelin. 58 

§2. 

Tnhalt. 

Was den innem Werth der Posse betrifil, so steht sie zwar dem 
Maistre Pathelin und auch dem Nouvean Pathelin viel nach; dennoch 
aber ist das Urtheil Le Boj's, der selbige (da er darin eine Verhöhnung 
der letzten Oelung etc. wittert) in seinen etudes sur les mysteres, p. 
392, une pitoyable piece nennt, vollständig ungerechtfertigt. 

In dem Stflcke treten vier Personen auf: der altersschwache, kranke 
Pathelin, seine Ehefrau Guillemette, .ein Priester , Messire Jehan Lan- 
gele, und der Apother-Arz^ Aliborum. 

Die beiden Verse, mit denen Pathelin das Stück einleitet, und die 
Vers 6 und 7 wiederholt werden, sind jedenfalls der Refrain eines da- 
mals bekannten Liedes: 

Qui riens n'a plus que sa comette, 
Queres ne vamt le remenant, 

Pathelin fordert seine Frau auf, ihm seinen Actensack (le sac a mes 
caoses perdues, wie er selbigen, sich selbst verspottend, nennt), und 
seine Brille zu holen, da er sich zur Sitzung begeben will. — Mit sei- 
nen Kräften ist auch sein Gedächtniss geschwunden; er weiss nicht 
mehr, wo er jene Sachen am verflossenen Tage hingelegt, und muss 
auch den Vorwurf seiner Frau hinnehmen, dass er es trotz aller Ad- 
Tocatenschlicbe zu Nichts habe bringen können. Aengstlich, die Stunde 
der Sitzung nicht zu versäumen, gönnt er sich nicht einmal die Zeit, 
den gewohnten Frühschluok zu nehmen« Eine aufiallende Erscheinung, 
denn Guilleroette fragt erstaunt: 

Fourquoy n^estes-voos pas asseor? 
Vous doubtez-vous d^aucane chose, 
Maistre Pierre? 

Der alte Advocat Rihlt sich sehr hinfällig und schwach, doch bei 
dem gunstigen Wetter möchte er von der Sitzung nicht fernbleiben. So 
sehen wir ihn denn, gestützt auf seinen Knotenstock, langsam das Haus 
verlassen. Unterwegs überlegt er die bevorstehende Verhandlung, und 
sein alterschwacher Geist verwechselt hierbei mehrfach die vorliegen- 
den Fälle. — Plötzlich jedoch zwingt ihn ein heftiger AnfaU seiner 
Krankheit nach Hause zurückzukehren. Erschöpft und unfKhig sich 
aufrecht zu halten, langt er hier zum grossen Schrecken seiner Frau 
wieder an. Die Ursache dieses plötzlichen Unfalls ist ihr uoerklär* 



M Le Testament de Patbelin. 

lieh; in ihrer BefiturzuDg weiss sie keinen andern Bath, als den Apo- 
theker zu rufen: 

Pour vous donnez quelqae remMe, 
Feray-je venir TApothöcaire ? 

Doch Pathelin will es erst mit Hansmitteln rersaohen : 

Baillez donc premier k boire, 
Et mettez cuire nne poire> 
Poor 89avoir s'il m^amendera. 

Allein dasüebel nimmt zu, so dass Pathelin selbst sich nach dem 

Apotheker und Priester sehnt, und seine Frau zur Eile antreibt. Sein 

liebstes Hausmittel scheint jedoch der Wein zu sein, denn trotz Schwäche 

und Krankheit bleibt sein Verlangen danach ungeschwächt : 

Que j'oye une fois de bon yin? 
Ou moarir ü me conviendra! 

Aber es muss quelque bon vin vieulx sein und kein Tin noaveau, 

^car il fisdct avoir la va-tost.^ 

Während er über den ihm gebrachten Wein flucht: 

Sanff bleu 1 On m'a le vin meslä 
Ou n faut dire qa'il s'esvente ........ 

eilt seine Frau zum Apotheker, klagt ihm ihre Noth, und erlangt end- 
lich durch ihre Bitte : 

Je voos pry qn'on y remedie 
Sans espargner or« ne argent, 

von diesem das Versprechen: 

Phs n^ay peur de vostre payement 
Je feray pour vous le possible. 

Nun eilt sie zum Pfarrer, und findet auch diesen bereit , sie zum 
Kranken zu begleiten. 

Indessen ist der Apotheker bei dem schwererkrankten Pathelin 
angelangt, der, als endlich Guillemette mit dem Pfarrer erscheint, in 
Fieberphantasien liegt, und in dem letzteren einen Zechbruder zu sehen 
glaubt. Auch dem Apotheker gelingt es nicht, den Irrredenden zur An- 
nahme eines Arzneimittels zu bewegen. Guillemette ermahnt ihren 
Mann, an die Beichte zu denken und sein Testament zu machen — 
Ainsy doibt faire toüt chrestien. Auf die Aufforderung des Priesters, 
die begangenen Sünden zu bekennen, erwiedert der Schalk: 

Je les ay pie<^ labsez 

A ceolz qoi n'en avoyent point. 

Erst einer wiederiiolten Aufforderung des Priesters gelingt es, ihm 

die nöthige Sammlung für die belüge Handlung einzufldsen. Doch bald 



Le Testament de Pathelin. 55 

Terfallt Pathelin wieder in seine Fieberphantasien und antwortet das 

tollste Zeug aof des Priesters fromme Mahnungen. 

Endlich kommt die Beichte zu Stande. Er erzählt nun , wie er 

den Tnchhändler um sechs Ellen Tuch geprellt, und muss, zwar mit 

Widerstreben, angeben, wie auch er in der Folge von dem Schäfer 

überlistet worden. 

Trompeurs sont voulentien trompez, 
Seit tost QU tard, aa loing oa pr^, 

erwiedert der Priester, und fordert zur Fortsetzung- der Beichte auf. 

Er stellt an den Kranken die Frage, ob er auch Werke der christlichen 

Liebe gethan, und die Nackten bekleidet habe. 

Faulte de monnoye et d'escus 
M*en a gard^; et m'en confesse 

antwortet Pathelin. 

Der Priester ertheilt nun die Absolution und kündigt an, dass der 
Kranke bereit sei, sein Testament zu machen. 

C^est tr^s-bien dit, messire Jehan. 
Mais, devant que rien en commence, 
J^arrouseray ma consience. 
Goillemette, donnez-moy k boire, etc. 

erwiedert der unverbesserliche Advocat, und dictirt dann dem Pfarrer 

sein Testament wie folgt: 

Toat Premier ä vous, Guillemette, 
Qoi 89avez oii sont mes escus 
Dedans la petite layette: 
Vous les aurez, s'ilz y sont plus. 

Apr^, tous vrays gaadisseurs, 
Bas percez, gallans sans soacy, 
Je lern: laisse les rostisseurs, 
Les bonnes tavemes aussi. 

Aux quatre convens aussi ^ 

Cordeliers, Cannes, Augustins, 
Jaeopins, soient hors, oa soient ens, 
Je leur laisse tous bons lapins. 

Item: je donne aux Filles-Dieu, 
A Sainct Amant, et aux Beguines, 
Et k toutes nonnains, le jeu 
Qui se faict ^ force d'eschines. 

Item: je laisse k tous sergens, 
Qui ne cessent, jour et sepmaine 
De prendre et de tromper les gens, 
Chascan une fievre qnartaine. 

A tous chopineurs et yvro^es, 
Noter vueil que je leur laisse 



56 Le T«0tament de Pathelin. 

Toules goute«^ cntmpes et rosgnes, 
Au poing« au costö, ä la fesse. 

Et k rHostel-Dieu de Rouen 
Laiflse et donne, de franc vouloir. 
Ma robbe grise qae j'eus ouen, 
Et mon meschant chapperon noir. 

Apres, k V0U8, mon conseiller, 

Mesflire Jehan, sans truffe on sornette 

Je V0U8 laisse, pour faire oreiUer, 

heä deux festes de Guillemette 

Ma femme (Cela est honneste!) 

Et k voufi, maistre Aliborum, 
D'oignement piain une boiste, 
Voire du por diaculum 
Pour exposer supra culum 

De ces fillettes Sans plus dire, 

ChaBCun entend cette raison: 
II n^est jk besoin de rescripre, 
C'efit tout, meuire Jehan. 

Er hat seinen letzten Willen verfügt, und fühlt nun das Nahen des 
Todes. Die Frage seiner Frau, wo er beerdigt zu sein wfinsche, scheint 
er nicht zu vernehmen : 

N*a-U plus rien au pot carrä 
A boire, avant que trespasser. 

Erst die tadelnde Bemerkung Guillemette's : 

Deussiez-vous en ce point farcer 
Qui estes si pr^ de la mort? 

und eine nochmalige Mahnung des Priesters vermögen ihn zu folgen- 
der Antwort zu bewegen : 

En une cave, k Tadventure 

Dessoubz ung muid de vin de Beaulne 

Puis, faictes faire en lettre iaulne 

Dessus moy, en beau paäiefin 

Cy repose et gist Pathelin, 

En son temps advocat sous Forme, 

Conseiller de monsieur de Come 

Et de demoiselle sa femme 

Priez Dieu que il ait son amel 

Vous s^aurez bien tout cela faire? 

Von einem grossen Leichengepränge will er Nichts wissen; für 
Wacbslichte W der Beerdigung bestimmt er nur vier Heller ; doch soll 
man sein Wappen malen lassen, dessen Skizze er folgendermassen ent- 
wirft: 

Oyez que vous y ferez faire, 
Pour ce qu*ayme la fleur du vin, 
Trois belfes grappes de raisin, 



Le Testnment de Pathelin. 57 

En im cbamp dor, seni^ d*azur. 
Je voos piy que j'en soye aeur? 
Autre choae ne requiers pluB. 

Hierauf giebt er seinen Geist auf, — l3ie Klagen seiner Frau und 
das Gebet des Priesters: Que Dieu luy soit iniserioors beschliessen 
das Stück. 

Diese so tragisch endende Posse hat freilich wenig Handlung^ 
und ermangelt jeglicher Intrigne; dennoch ist die Characteristik der 
vier Personen, besonders die Pathelin's» wohl durchgeführt. 

Nicht nur die Farce maistre Pathelin ist die Veranlassung und 
Grundlage vorliegender Posse, auch die beiden Testamente Villon's 
haben, wie leicht ersiohtlioh, dem Dichter manchen Gedanken su dem 
Testamente, vielleicht die Idee selbst, geliefert; wie sie ja eine ganze 
Rdfae Testament betitelte Dichtungen hervorgerufen haben. (Le grand 
Testament de Tastevin, Roy des Pions. Le Testament de Jehan Ragot 
Le Testament de Mariin Leuther, etc.) 

§ 3. 

Versification. 

Das Gedicht besteht aus 559 achtsilbigen Versen. Es ist klar, 
dass wir diese nicht mit dem Gesetzbuch der heutigen französischen 

Versification beurtheilen können, denn im Ganzen war der Dichter noch 

> 

durch wenig Regeln gebunden« Das Verbot des Hiatus bestand für 
ihn noch nicht; ja es zeigt sich auch nicht einmal vereinzelt (wie im 
Nouveau Pathelin) das Streben, ihn zu vermeiden. . Die Elision liess er 
eintreten, oder nicht, wie es ihm passte. 

Donnez moi ä boire un horion, 225. 

Aux douze artides de la foj, 380. 

En me cave a l'adventure, 510. 

Ceste reigl« est ä tous due, 159. 

Pain fieury, ou tourt« en pesle, 345, etc. 

Dass femer zu einer Zeit des Werdens für die Sprache, in der das 
gesprochene Wort oft im grellsten Widerspruch zur Orthographie stand, 
die Silbenzahl vieler Vocal Verbindungen noch nicht sicher fixirt ist, 
ist klar. 

So stand es im Belieben des Dichters, die nicht gesprochene Silbe 
zu zählen oder nicht mitzurechnen. 

Wir finden daher Guillemette (24) Ssilbig und (529) 40ilbig, 

Hau Guillemette. Comment il bäille, 24, 



58 Le Testament de Pathclin. 

Helas Guillemette, ma femme, 529. 

Oü es^ Guillemette? Elle n'y est pas, 260. 

Im letzten Vers ist auch die zweite Silbe stumm, und das Wort 
zählt im Verse nur 28]lbig; wie auch das letzte e in eile nicht zählt. 
Femer vrayment (211, 312) 2silbig und Ssilbig, (500), 

Messire (270) 28ilbig und Ssilbig (201), 

soient (463) Isilbig und 2sUbig (30), 

souloje (21) 3silbig, dagegen devoye (393) 28ilbig, 

soje (114) 28ilbig, vouloye (251) 2silbig, 

avoyent (317) 38Üb]g, dagegen pourroye (307) 2silbig, 

fussent (354) 28ilbig, jalloie (165) 28ilbig, 

viennent (105) 28ilbig, mourroye (169) 28ilbig, 

fera7-je(90) 3sUbig und (135) 28Ubig; avoye (414) etc. 28ilbig, 

&udray-je (56) 28ilbig; 

Jehan Isilbig (270 etc.), bonne Isilbig, payement (226) 2silbig, vie 
(243) Isilbig, toutesfois (393) 2silbig, sire (210) 2silbig, etc. 

Doch nicht nur in Betreff der stummen Silben, auch sonst heiTScht 
Schwanken, so ist: 

Dieu Isilbig (5,49) und 2silbig (150, 284), 

riens Isilbig (1,69) und 2silbig (524), 

pie9a 2silbig (349) und Ssilbig (316), 

Premier 28ilbig (436) und 3silbig (136), 
boiste (486) Ssilbig, bergier (402) 2silbig, brief (213, 219, 300) Isil- 
big, escuellee (302) Ssilbig, comptouer 2silbig (38), etc. 

Die 559 Verse des Gedichtes sind, wenn wir auf alle dem Dich- 
ter zustehende Freiheiten Rücksicht nehmen, bis auf folgende richtig: 
\ 1) Despechez! car je n^attens (11). « 

Ich vermuthe, dass der Vers unrichtig ist, es fehlt jedenfiUls vous. 
Wir finden 54 despechez- vous und (174) vous despechez. 

2) A mes caoses? 11 est pass^ au bac (52). 

Auch hier hatte der Dichter passe wohl nicht geschrieben. 
8) Qkt mon sac; je voas attens. 

Sollte der Vers etwa lauten müssen: 

Or 9a, mon sac; je yoos attens? 

4) Messeigneurs, oyez Tappointement (106). 

> Schrieb der Dichter vielleicht messieurs? 

5) Vous allez qaerre le prebstre (181). 



Le Testament de I'atfaelin. * 59 

6) Une escaell^e de bons coulis (S02). 

7) Quant on me disoit: bona dies (873). 

8) Aox quatre convens aussi (460). 

Aach dieser Vers ist comimpirt. Convens muss das letzte Wort 
sein, da ein Reim auf e n b verlangt wird. Aussi gehört sicherlich gar 
nicht hierher; es ist das letzte Wort des vorigen Verses (siehe diese 
Verse Seite 7), und mag aus Versehen des Abschreibers oder Druckers 
hierher gekommen sein. £s fehlt*^ uns jedoch der Anfang des Verses, 
der nach Analogie der übrigen Strophen des Testamentes etwa so zu 
ergänzen wäre: 

Item: et aux quatre convens. 

Es ist sonderbar, dass Jacob in seiner Ausgabe diese fehlerhaften 
Verse nicht entdeckt hat. 

Dass der Dichter endlich bemüht war, nur richtige Verse zu ma- 
eben, zeigt z. B. die Zusammenziehung s^av'ous: auch das apostro« 
pbirte quell'. 

Was den Beim betrifft^ so ist selbiger im Allgemeinen schon voll- 
kommen aasgebildet. — In Betreff der Anordnung der Reime jedoch, 
ist eine feste Regel nicht befolgt. In den ersten 8 Versen finden wir 
nur einen weiblichen und einen männlichen Reim vertreten , die folgen- 
dermassen geordnet sind: w, m, w, w, m, w, m, m. £e folgen nun 
die Reime paarweis, oft weibliche und männliche abwechselnd, oft 
aber vier and noch mehrere Paare einer Reimart hintereinander. Das 
oben mitgetheilte Testament selbst besteht aus vierzeiligen Strophen 
mit gekreuzten Reimen. 

Ich lasse nun noch zur Characteristik der Aussprache eine Reihe 
bemerkenswerther Reime folgen: 

Dame — femme, 53 ; maistre — prebstre, 61,182; sacz — fatras, 68 ; 
je m'en voise — ^^ bourgeoise, 67; piaist — soit, 69; dangereux — 
vieulx, 81; Voirie — varie, 95; fait-nyent — vient, 119; l'apoticaire 

— boire, 135;deux — ciealx, 190; remede — ayde 212;plaide — 220; 
horion — Alibomm, 256 ; ville — stille, 261 ; medecine — eigne, 292 ; 
verit^ — Benedicite, 325; pesle — pelle, 345; sainets — sains, 359; 
dies — paix, 383; croix — fais, 397; mais — Bee, 405; femme — 
ame 435, 517; Amen*) — Jehan, 339; traire — escriptoire, 447; dire 

— escripre, 491; azur — seur, 530; paoe — passe, 541. 



*) Vfllon Grand Testament 127 reimt amen — ancien. 



60 Le Testametit de Pathelin. 

5 4. 

■ 

Sprache. 

Der Uebersichtlichkeit wegen lasse ich die Eigenthümlichkeiten 
der Sprache, nach den Redetheilen geordnet, hier folgen: 

' I. ArtikeL 

Die Form des bestimmten Artikels ist schon die der neufranzösi- 
Bchen Sprache le, la, (1') les. Genitiv und Dativ werden mit Hölfe 
der Praeposilionen de und a gebildet: 
N. leprebstre, 181. la saison, 18. rentendement,96. 
6« du roy, 190. dela foy, 381. derargent,277. des pieds, 375. 
D. au retour, 37. alafin, 221. 4rho8te]^89. auxoonvens,460. 
A. le viii, 202.. la barlje,14. Tapoticaire, 188. lesdeepens, 12. 

Was die Zusammenziehung des Artikels mit andern Wörtern be- 
triflfit, so findet sich es = en les, welches jetzt nur noch in einzelnen 
Formen erhalten ist (Mätzner, franz. Gram. 156). Venons ä parier 
des pieds, qui ^s faulx dieux vous ont portez, 875. ' ' 

Auch der unbestimmte Artikel ist im Allgemeinen festen Regeln 
nicht unterworfen, daher besonders bei dem Wegfall des Artikels viel- 
fache Abweichungen von den jetzt geltenden Regeln. Die dem Dich- 
ter zustehenden Freiheiten, und da£i Streben der Sprache nach Kürze 
sind hier massgebend. Auffallend ist dies Fehlen des Artikels beson- 
ders da, wo die neufranzösische Sprache das partitive Verhältniss hat: 
je souloye gaigner francz, \k ou ne gaigne petis blancz 21; seroit- 
ce point bonne viande pour moy? II n*en receut croix, 897; il vous 
fault absolution, 423. 

Doch ist der Artikel im partitiven Verhältniss vorhanden : Qae 
j'ayede bon vin, 144; quelqu'un m'apporte de l'argent, 277; du papier, 
454. Hierher gehören auch die Quantitätsausdröcke: Que de, 64, 
peu de, 65, 182; (pou de 304) negueresde,88; ne point de, 151, 178; 
un coup de, 173; six aulnes de, 392. 

I. Fälle, in denen der Gebrauch des Artikels' mit dem heutigen 
Sprachgebrauch übereinstimmt: 

Avoir le cerveau troubl^ , 339 ; c'est la fa9on de ma bourgeoise, 
68 ; tenir el si^ge etc., 33 ; comment se porte la sant^? 249 ; passer le 
pas, 162; est^ce la maniere? 378 (esse la maniere 414). 

n. Fälle, in denen die Weglassung des Artikels mit dem heutigen 
Sprachgebrauch stimmt: 



Le Testament de Pathelin. dl 

Avoir affaire, 184; a. penr, 226 ; a. oonfidenoe (fllr oonfianoe) en 
Dien, 180; man findet auch fiance en, 821; avoir aonvenanoe, 822; 
sToirgarde, 884; estre feste, 130; coiirir grant erre, 247; prendre pa- 
tience, 20; prendre garde, 187; faire mention, 429; aomme toute^ 66; 
ooDime raison est deue, 18; trompeurs sont vonlentierB trompez, 411; 
pTBCtiqae si ne vanlt pas maille, 28. 

ni. Endlich Fälle, in denen der Gebranch oder die Weglassung 
des Artikels nicht mit dem beutigen Sprachgebrauch übereinstimmt: 

J'ai Tappetit ^, 23 ; tont le pas (= tout de ce pas, sogleich) 92 ; 
jour estassigne k (der Termin ist angesetzt auf) 94 ; avoir bonne me- 
moire en Diea, 189 ; si j'alloye de vie k tres pas, 165; qui pour nous 
au croix mort soufint, 191; faire demande, 386; mettre remede, 218; 
8OUC7 ^^ peine, 215; on n'j attend vie, 228; espargner or, 215; faire 
longnedemonr^, 232; Dien benje bonne gent, 278; faire servioe, 287 
je ne veux faisant, 292; de le dire n'est mestier (:= besoin) 894; ce 
n'est pas bonne consdence, 404 ; sans rien laisser dont conscience vous 
remorde, 417; pour faire oreiller, 482; pour proc^s que k mener avez, 
48 ; voicj bonne faroerie, 49. 

n. Substantif. 

Als Spur der alten Dedination finde idi nur den Vocativ des 
Wortes Dieu = Dieuxl 5. 

Das Zeichen der Mehrzahl ist ein angehängtes s oder z und x: 
les tavemes, 459; rostissenrs, 458; oeuvres, 418; artides, 881; mains, 
368;saina, 860; saincts, 359;ans, 350; coups, 846 ; douleurs, I20;8acz, 
63; francz, 21; blancz, 22; motz, 289; lee piedz, 875. — Les maolx 
323; oyseaulx, 297; deulx, 190; yenx, 888; dieux, 876. 

Der Dental föllt bei den Wörtern auf ant, ent, and rodst fort (doch 
dents, 885); les gens, 834} lesgallans, 457; les oonvens, 460; zu be- 
merken wäre noch messeigneurs, 106, und les armes, das Wappen. 

In Bezog auf das Genns ist zu bemerken: gent (gens) ist ferai« 
ninmn ; bonne gent, 278 ; k telles gens, 884. Ferner findet man le und 
la memoire, siehe unten. 

Im Folgenden lasse ich nicht nur die in Bedeutung, Gebrauch und 
Orthographie veralteten Sobetantiva folgen, sondern gebe eifi Verzeidi* 
niss eämmtlicher Hauptwörter, um einen Ueberblick fiber den zur 
Verwendung gdangten Sprachschats zu geben, und um gleiehadtig 
mehreren Wörtern die nöthige Erläuterung hinzQzufögen. 



62 Le Testament de Pathelin. 

AbsolatioDy f. Abeolation, Erlaasung der Sfinden, 423. 

ab US y m. 532. Ne pensez point ä telz abtia. 

accord, Uebereinstimmang; paraooordin U. =geineiii8am, 273. 

advocat, Advocat soua rorme, 515 (in der Farce maistre Piem 
Pathelin v. 18, findet sich: avocat dessoubz Tonne). Aux villages on 
plante un orme derant l'eglise dans le carrefour, d'oii sont venoes oes 
phraaes proverbiales ; danser aous Tonne, JQges de dessoos Tonne, on 
80U8 l'orme (Fureti^re, dict. nnivers.) Ebenso erklärt Bescberelle im 
diction. nat. Im Ancien tbeÄtre franc. 11., von Violet le Dnc, p. 403 
finde ich: venez vous compaioir soubz Torme. Hier bedeutet es wohl 
einen Advocaten, der seine Clienten vergeblich unter der Ulme er- 
wartet, einen avocat sans cause. 

adventare, f. Zufall, Fall. A toutes adventnres apportez avec 
roes lunettes, 28. In jedem Falle bringe meine Brille mit. Ferner ä 
Tad venture (aufs Gerathewohl) noch jetzt gebräuchlich. Im selben Sinne 
auch par ad venture (anc. th^atre fr. I. 2.) 

affaire: j'ay affiure de luj tr^-necessairement, 184. Auch: An- 
gelegenheit, vostre affaire, 268. 

A 1 i b o r u m . Maistre Aliborum Tapoticaire, 183, 256. Dies Wort 
soll seine Entstehung einer Anecdote verdanken. Ein Advocat ge- 
brauchte einst vor Gericht folgenden Satz : nuUa ratio est habenda is- 
torum aliborum ; womit er sagen wollte, dass man auf die Alibi - Be> 
weise der Gegenparthei gar kein Gewicht zu legen habe. Dieser 
kfihne Grenitiv aliborum sei nun, so meint Abbe Huet, ein Spotftiame 
für Advocaten geworden. — Nach ihm erklärt wohl auch Roquefort 
(Glossaire de la langue romane) aliborum : homme subtil 4 trouver des 
alibj. — Signifiait anciennement homme ing^nieux k trouver des alibi, 
des mojens adroits et subtils pour sortir d'embarras. On ^crivait ali- 
borum et Ton disoit, maistre Aliborum, c'est-ä-dire pass^ maistre en fait 
d'alibi. L'abus des alibi devint facilement un ridicule, et on nomma 
mattre aliborum, Thomme.qui veut semeler de tout, qui veut subtiliser, 
qui fait le connaisseur sur tout et qui ne se connaft en rien (Besehe* 
relle dict. nat.). Das Wörterbuch der Academie sagt raaitre Aliborora, 
homme ignorant, stupide, ridicule. Wie aus Lafontiane (Fables I. 13.) be^ 
kannt, ist maltre Aliborum auch als Spitzname des Esels gebräuchlich ; 
weshalb von einigen die arabische Abstammung al-bor&n (Esel) herati'* 
gezogen wird. Die Duchat'sche Erklärung, Albert, Aubevt, Oböron, 
Aub^ron, Aliborum hat wohl ebenso wenig Werth als manche an- 



Le Testament de Pathelin. 63 

dere, die noch anznfEihren wäre. Im Roman du Renart findet sich das 
Wort wohl zum ersten Mal. Als dieser an den Hof des Königs geht, 
sieht er einen eingeschlafenen Pilger, nimmt ihm seinen Almosenbeutel, 

L'oarre, si a trouvä dedenz 
Une herbe qui est bone as denz, 
Et herbes i trova assez 
Dont li vois sera respassez. 
Aliboram i a trov6, 
Que plasors genz ont esprov^, 
Qui est bonne per eschaufer 
Et per fi^vres de cors oster. 

(Ed. M^on, vers 19, 305 — 12). 

Diese Pflanze aliborum möchte wohl elleborum (Helleborus, Niess- 

wnrz) sein. Später bezeichnete das Wort einen Dummkopf, einen Wich- 

tigthner. In der Bedeutung kommt es schon in der Passion vor ; femer 

Babelais HI, 205: Que diable yeult ce maistre Aliborum. Sarrazin in 

seinem Testament de Goulu (Oeuvre 1656 in-4 p. 60): 

Ma sotane est poor maistre Aliborom, 
Car ma sotane ä sot asne appartient. 

Letztere Stelle mag vielleicht Lafontaine bewogen haben, den Esel 
so zu nennen, da vorher dieses Wort als Spitzname des Esels nicht vor- 
kommt. Ich erwähne hier auch les ditz de Maistre Aliborum, qui de toot 
se mesle, ein Gedicht aus dem Ende des 15. Jahhrunderts, das in den 
poesies fr. des XV. und XVI. si^cles par Montaiglon I, 33 zu finden ist. 

aroande, 304, Mandel. 

Amant. A Sainct Amant et aux Beguines, 465. Jacob bemerkt 
hierzu: La celäbre abbaje de Saint- Amant ^tait a trois lieues de Tourny ; 
mais il s'agit plut6t ici de la riebe abbaye de St. Amand de Ronen, oc- 
cnp^e par des religieuses ben^ictines, ä qui la chronique scandaleuse attri- 
boait des rapports peu ^ifiants avec leurs voisins les moines de St. Quen. 

ame , Seele, 518. 

amen, Amen, es soll geschehen, 439. Das Wort reimt hier mit Jehan. 

am ende, (emendare) Strafe. Vous estes en Tamende, 98. 

amy, m. Freund. Mon doulx amj, 111; mon amy, 168. 

amye, f. Freundin. Es findet sich mehrfach mamye, 129, 281, und 
m'amye, 14, 86, 496; wie man für mon ame, mon amour — m'ame 
(Villon, Grand Test. 81.) und m'amour (Villon, Gr» Testament, 80. 
farces des femmes etc. anc. th^Ätre fr. I, 34) schrieb. Selbst samie, 
s'amie (Villon, Petit Test. 14) für son amie hat die alte Sprache auf- 
zuweisen. Noch im GUblas V. findet sich ma mie. 



64 Le Testament de Pathelin. 

an, Jahr, 19, 350. 

apostre, Sainct Pierre Papostre, 507. 

apoticaire, Apotheker, 185. 

appetit (appetere). J'ay Fappetit k on ponssin, 293. 

appointement (aus dem mlat. appunctare). Reglement ou jage- 
ment interlocutoire qui etablit la contestation des partjes, ou Ton r^dige 
leurs qualites et les oonclusions de leurs demandes ecrites et prodnitea 
sur lesqnelles ^es juges doivent prononoer (Bescherelle dict. n.). Die 
Einleitungsverhandlung. Messeigneurs oyez ^appointement enhuy donn^ 
en nostre Court, 106. ^ 

argen t, Silber: Sans espargner or ne argent, 225. — Geld: 
Quelqu'un m'apporte de Targent, 277. 

armes, (arma) Wappen, 525. 

article, les artides de la foy, Glaubensartikel, 381. 

assistant, 57. Se disoit des deux avocats qui etoient dans 
l'obligation de se rendre ä Taudienoe pour assister l'avocat du deman- 
deur en requ^te civile (Fureti^re, die. univ.). 

auditoire. II me faut tenir le si4ge en nostre auditoire, 38. 
Hier der Ort der Sitzung. D*avant qu'aüer en Tauditoire, 75 (zur Sit- 
zung). Lieu oü les juges inferieurs, et subalternes donnent audience. 
Les juges doivent avoir un auditoire honorable, et oertain, et situe dans 
Tetendue de leur Jurisdiction, ll ne leur est point permis d'emprun- 
ter un auditoire hors de leur territoire ((Jerichtsbezirk), (Furetiere, die. 
Univ.). Man vergleiche auch Maistre Pierre Pathelin, v. 16 : 

Mais n'a au territoire 

Oii nous tenons nostre auditoire 

Homme plus saige, fors le maire. 

Aagustin, 461. Augustinermönch. 

aulne, 391 (goth. aletna, welches nach Grimm II, 559 aus nlma 
geformt. Siehe Diez I, 17). Elle. 

azur, 529. Das Blau des lapis lazuli, Lazursteines. Das Blau. 

bac, Fähre. (Yergl.Diez I, 43, 207.) II est pass^ au bac, 52; 
er ist sehr heruntergekommen; es steht sehr schlecht mit ihm. 

banc, m. Bank, 39. 

barl ue, f. (berlue), (aus lax und bis) öblouissemetit de la vtte pottf 
une trop grande lumidre qui fait voir longtemps apres les objects d'une 
autre oouleur qu'U ne sont (Furetiere) = geblendet, blind sein, den 



Le Testament de Patholin. 65 

Staar haben. J'ay la barhie deaormais je suis nn vieillard, 14, sagt 
PatheliD, Hin seine altersschwadie Sehkraft zu bezeichnen. 

bas, 457 (abrev. de baa de chanase) Strumpf. Hier baa percez 
figurlich ungefähr im Sinne von gueuz: 

Apr^ tou0 rravfl gaudissears, 
Baa percez, gallans saus soocy etc. 

bas ton, (Dies I, 58). Mon baaton noillenz, 98 , Enotenstock. 
Beaulne, ville deFranoe, chef-lteu du dep. de la Cöte-d'or, re- 
oommee par ses vignobles (Bescherelle). Der hier erwähnte vin de 
Beaulne, 511, findet sich sehr häufig, so: repues franches IV, de Beaulne 
eher vignoble I, 244 (Montaiglon recueil de poüsies fr. des XV. et 
XVI. siedes). Un tonneau de yin de Beanne (anden theiltre fr. £1, 5). 
Bee. Pour ce qu'en B^e ü nepaya subtilement, 407, sagtPathe- 
lin ?on dem Schäfer, der in der Farce maistre Pathelin dem seinen 
Lohn fordernden Advocaten mit dem von letzterem erlernten B^e ant» 
worteL 

Beguine, Beguinen, Name weiblicher Personen, die, ohne Klo* 
RtergelQbde abgelegt zu haben, in sogenannten Beguinen häusem in der 
Absicht zusammenlebten y um sich durch Gottesfurcht, Eingezogenheit, 
Fleiss und Sorge für die Jugenderziehung auszuzeichnen. Diese im 
12. Jahrhundert in Flandern gegründete Gemeinschaft hatte auch in 
den meisten grössern Städten Frankreichs Beguinenhäuser und in Pa« 
na sogar zwei. Der Ruf der Beguinen war aber durchaus nicht tadel- 
los zu jener Zeit, wie dies aus einer Stelle unserer Farce hervorgeht 
Daher nahm das Wort auch die ironische Nebenbedeutungen: An- 
d&chtlerin, Betschwester etc. an. Au devotes et aux Begnines (Vil- 
len, Grand Test. 106). Was den Namen betrifft, so meint man, die 
Stifterin des Ordens sei St.' Begge gewesen. Andere leiten den Na- 
men vom englischen Zeitwort to beg, betteln ab. Fraglich möchte auch 
sein, ob die beguin benannte Kopfbedeckung von den Beguinen ihren 
Namen hat, oder umgekehrt diesen den Namen gegeben. Bandes, langes, 
beguins, drapeanlx (Farce de Jolyet I, 55) coiffe d'un beguin d'un en- 
fant (Recueil de po^sies fr. des XV. et XVI. siecles p. Montaiglon II, 
286). Ich föhre hier audi an les dix commanderaents joyeulz de la 
table (ibd. m, 96): 

Nappe de beguine. 

Pain eulct de minuit. 

Feu demy ars. 

AnhlT f. n. Spnobm. XXXIX. 5 



66 Le Testament de Pathelin. 

Draps demy uses. 
Metz d'advocat. 
Vio de oonfessenr. 
Lict de bourgojs. 
RepoB de chanoine. 
Char qui s'estend 
Et hoste qni ne rien ne prend. 
Bergier. Das Wort wurde zweisilbig berger gesprochen: Et du 

bergier? Parier n'en ose, 402. 

besoin (s. Scheler besogne und Diez I, 384). II n^est besoin 
de l'escripre: Es ist nicht nöthig es aufzuschreiben, 491. Sonst auch 
beeoing (Yillon) geschrieben. 

besongne (s. Scheler, Diez 304), Arbeit und das Resultat der 
Arbeit. Gela toute nostre besongne, 71, ruft G. heftig aus, als sie Path. 
endlich seinen Actensack giebt. 

bie. Or pensons de le mettre en bie, 551. Jacob hat des Rei- 
mes wegen das letzte Wort ftlr das Wort biere der gothiscfaen Ausgabe 
gesetzt: „Bie ne disoit pour vie, dans^ le sens de voie du latin via. 
Nous nous rappelons aussi avoir vu ce mot employe avec la signLSca- 
tion de brouette, charette, du latin biga. Die Conjectur Jaoob's wäre 
ganz gut, da der Reim eine solche Aenderung verlangt; doch die Be- 
legstellen für die angeführten Bedeutungen hätte er uns nicht vorent- 
halten soUra. Ich habe vergeblich gesucht, bie in einer der angegebe- 
nen Bedeutungen aufzufinden. Nur in der Bedeutung „Flussbett^ 
kommt es im Altfranzosischen mehrfach vor. Sonderbar bleibt es je- 
denfalls, dass die alte Ausgabe biere hat; sollte nicht etwa ein Vers 
mit dem entsprechenden Reim uns hier fehlen? Leider giebt Jacob 
auch nicht an, welche Ausgabe er seinem Texte zu Grunde legt, 
bien, m. les biens, die Güter, 523. 

blanc, m. 22» Monnoie qui valoit cinq denierd; il ne nous est 
rest^ de cette denomination que ceile de six blancs, qu'il faut pref^rer k 
' deux sous et demi (Roquefort glossaire). Daher auch die Redensart : met- 
tre quelqu'un au blanc: ihm sein Geld abnehmen, ihn zu Grunde richten, 
boiste, f. 486, Schachtel, 
bouche, f. Mund, 333. 

bourgeoise, f. C'est la fa^on de ma bourgeoise, 68, sag Pa- 
thelin von seiner Frau. 

breviaire, 238, Gebetbuch. 



Le Testament de Pathelin. 67 

brouety 132, Eraftbrühei; auch bei Lafontaine L\v. I, 18. 

Carme, 461, Carmelitermönch. 

cas, Fall, dictes vostre cas, 217. Tragt euem Fall (eure Sache) vor. 

catholique, 437, Katholik. 

cause. Mon sac k mes causes, 51, (Actensack); s. k mes causes 
perdaes 9. 

cave, f. Keller, 437. 

ceincture, 370, GQrtel. 

cerveau, 177, 366, Gehirn. 

chaleur, f. 358, Hitze. 

champ, Feld, 529. 

chapperon, m. (cappa Diez I, 111). Anden habillement ou 
convertare de t^te, tant pour les hommes, que pour les femmes. Le 
chaperon k Tegard ^toit nne ooifinre de drap bördle de fourrures par 
devant ave<v un bonrrelet tout autour, et nne longne queae pendante par 
derriere. Les magistrats avaient de rouges fourrez de peaux blanches, 
et les avocats de noirs fourrez de m^mes peaux (Furetidre). 

Et mon meachant chapperon noir« 479. 
Roquefort (glossaire): esp^ de capuchon que les hommes et les femmes 
de tous les rangs portdrent jusqu'au 1 5. si^cle. II ^toit en drap , et 
ressembloit k un bonrrelet, avec des pendans aux deux cöt^s du chape- 
ron. On s'eo enveloppoit la t^te comme avec une coifie. Riches et 
panvres portoient le chaperon, et suivant le commendement de Char- 
les Vll en 1447, chacun fnt oblig^ d^avoir une croix dessus, a moins 
qu'elle ne füt sur sa robbe. Lorsqu'on Tonloit «aluer quelqu'un, on 
IcToit, ou Ton reculoit le chaperon de manidre que le front fAt d^on- 
vert etc. 

Chat, m. Katze, 347. Auch in der Farce Maistre Pathelin phan- 
tasirt der Advocat von einer Katze, v. 616. 

chere (cara v. Scheler und Diez I, 112), Kopf, Gesicht, Miene. 
II fait layde chere, 237, er macht ein abscheuliches Gesicht. Piotis j 
feront mate chere (Villon, Gr. Test, huit, 73). Dien que tu fais pi- 
teuse chdre (faroe du nouveau mari^ I, 12). Pathelin 415: Que vous 
ressemblez bien de chere et du tout k vostre p^re. — En faisant me 
chiere fade (ibd. 465). Femer freundliche oder unfreundliche Aufnahme; 
ond endlich daraus Bewirthung, Gastmahl, Essen: faire grant chere, 85, 
gut speisen, ein gutes Mahl halten. Auch findet sich die Form chiere 

(repue franche VL Villon). 

5* 



68 Le Testament de Pathelin. 

chopinenr (Schoppen, schöpfen) Zecher, 472. 

chose, Sache, 79. 

chrestien, Christ, 811. 

cidre (sicera Diez I, 381) Obstwein, 196. Seit sidre, pere, 
bi^re ne vin (Montaiglotiy Recueil de poäsies fr. I, 290). 

eigne, 202, Schwan. 

ciel, cieulx, 190. 

cohne. Vieuxmot qui signifioit autrefois l'assembl^e des jages et 
le lien oü ils rendoient la justice (Furetidre). Es möchte Tielleicht von 
einem Yerb co-huer, zusammenschreien, herzuleiten sein (v. hu Diez 
n, 8d7). Man hat ausserdem die vielfältigsten Etjmologieii herange- 
zogen: coSundo, cohors, chaos, hncher etc. 

J'e n'yray plus k la oohue 

Oa öhascun jour ou brait et hue, 163. 

Compaignie, Gesellschaft. Adieu toute la oompaignie, 559. 
Mit diesem Absohiedsgrusse an die Zuschauer schliesst das Stück , wie 
die lateinische Comoedie mit Plaudite et valete. 

comptoner (oomputare Diez I, 188) Schreibtisch. Tout est de- 
dans mon escriptoire sur le comptouer, 88. 

confession, Beichte, 422. 

confidence, Vertrauen. Ayez en Dien confidence, 150. 

conscience, Gewissen. Pensez de vostre oonscience, 158. Ce n'est 
pas bonne conscience, 899. Femer en ma conscience, 19 (jetzt en 
conscience) wahrhaftig I « 

conseiller, 480. Path« redet so den Geistlidien an: mon con- 
seiller, mein Berather, und er selbst nennt sich in seiner Grabsdirift 
G. de monsieur de Come, 516. 

continne, f. U est en continne terrible, 228. Hier ist fi^yre zu 
ergänzen. 

conyent, 460. nfr. couvent, Kloster. 

Cordelier, 461, Franziskanermönch. 

Cor nette, 8, Advocatenmütze. Comette d^avocats = le ohape- 
ron qu'ils portoient autrefois sur leur tete. La partie de deyant de 
ce chaperon, ou bourlet s'entortilloit sur la fontaine de la tete; c^est-a- 
dire sur Tos corohal; et ce nom vient de ce qu'apr^s avoir fait quel- 
ques tours, les extremitez formoient sur la t^te comme deux petites 
oomes (Fureti^re). 

Corne. 



Le Testament de Pathelin. 69 

Cy repose et gist Pathelin 
En 8on temps advocat soiu Torme, 
ConseiUer de monsieor de Corne 
Et de demoiselle sa femme. 

Jacob bemerkt hierzu : ^Ce vers, qui üä% allasion ä l'abbe des Comards 
de Ronen, semble indiqaer que cette farce avoit ete compoe^e pour la 
jojeose confrerie des Comards qui donnait les representations drama- 
tiqnes dans oette Tille , k l'epoque du camaval.^ — Coraard = mem- 
hre d'one soci^te bouffonne qui existait a Bouen, Evreuz etc. , vers le 
commenoement du XVI. siede. Les oornards, qu'on appelait ä Di- 
jon et ailieurs les fous, succöderent aux coqueluchiens. La soci^te des 
comards dont les bouffonnerieB avaient d^gön^re en lioence scandaleuse 
fnt abolie vers la fin du XVI. siede. Le dief s'appelait l'abbe des 
oomaids (BesdiereUe, dict. nat.). 

Idi meine 3 Jacob legt in diesen Vers mehr hinein, als der Dich- 
ter beabsichtigte. Der monsieur de Corne scheint mir, (wie man ja 
auch Comard so braucht) einfach synonym mit cocu zu sein. 

coTps, Körper, 547. 

coste, m. Seite, 1, 475. 

coulis. Suc coule, filtr^ par la chausse, par l'etamine, par le pa- 
pier gris. On le dit particolierement de jus de viande; oomme un 
coulis de perdrix, et pigeons de gel^e (Furetidre). Une escuellee de 
bon coulis, 302. 

coup (Schder, ' Dies 134). Un coup de vin (Schluck), 173. 
Qoonme baille trois coups (Hieb) de pesle a cc chat, 346; k ce coup, 
diesmal, 535. 

court, f. (chors chortisDiez I, 141) Hof. S'ils ne comparent yers 
la Court 100, (Gerichtshof); et toute sa (Dieu) bendste court, 427. 
So finden wir auchBequeste deVillon pr^sent6e a la Court de Parlement. 

coavrechef , Kopfbedeckmig, Mütze, 128, 494. 

crampe, (ml. crampa) Krampf, 474. 

croix, Kreuz, 191 und Kreuzer, 357. Hn'en re9eut croix, 397, 

CQeiir, m. Herz; defres bon cneur, 357. Lecueurme fault, 124. 
Ich werde schwach. 

eure (cura cnratus) Pfarrer, 195. 

Dame, par Nostre dame! 53. Par Nostre Dame de Boulogne, 
72 (derselbe Schwor findet sich im Maistre Pathelin) par Nostre Dame 
de Montfort, 538. Es ist dies die in der Normandie sehr verehrte 
Heilige Jungfrau zu Montfort-sur-tle. 



70 Le Testament de Pathelin. 

Damoiselle, f. 517, Frau und Tochter eines Edelmanns im 6e- 
gensatz zu bourgeoise. Noch Lafontaine schreibt an seine Frau a 
Mitdemoiselle de Lafontaine. 

deffault (deficere). Das Fehlen, Ausbleiben an dem festgesetzten 
gerichtlichen Termin. Mises seront en defiault, 104: werden in Con- 
tumaciam verurtheilt werden. 

demande, je jous fait d., 886. 

demour^e, f. Verweilen. J'ai fait longue demour^e, 232. Auch 
Marot ep. 14. In demselben Sinne findet man auch demourance, «ans 
faire demourance (recueil de ch{tnts bist. fr. Leronx de Lincy I, 312) ; 
Marot hat auch demeurance ep. 48. Bei Lafontaine findet sich in 
diesem Sinne demeurant (Fahles H, 2 contes. La Matrone d'Eph^se). 
Das Wort hat sich nur in der populären Redensart en demeurant er- 
halten. Auch demaine; vers vous sans nul demaine. Anc. theAtre 
fr. m, 7). 

dent, Zahn, 383. 

depens, car je n'attens qu'k faire tauzer les despens, die Pro- 
zesskosteuy 12. 

desconfort, 543. Jacob erklärt ^=: d^couragement, desespoir; in 
diesem Sinne kommt es auch vielfach vor, z. B. mais rien n'y vault 
le desconfort (ana theitre fr. I, 196 etc.). Es ist Jacob aber ent- 
gangen, dass dieser Vors mit dem folgenden gar nicht reimt, was sein 
muss, da sonst beide Verse vereinzelt ständen. Der Priester sagt: 

Le remede est prier pour Iny, 
Et requiescat in pace. 
Onblier fault le temps pass^. 
Biens n'j vault le desconfort 
Despechez-vous de le porter 
De ce lieu, vistement en teire? 
• 
Ich meine daher, dass der Vers heissen muss: Riens n'j vault le 

desconforter. Es nützt nichts, ihn zu beklagen. Möglich ist auch se 

desconforter. 

deshonneur, Schande, 404. Mon deshonneur si j perdroit k 
toujours — mais. giebt Path. als Grund an , weshalb er did Abferti- 
gung des Schäfers nicht angeben will. 

do igt, 836, Finger. 

douleur, Schmerz, 120^ 141. 

drap, m. (s. Scheler) Tuch, 892. 

drappier, Tuchhändler, 891. 



Le TeBtament de Fathelin. 71 

effort, m. Anstrengung; la mort va iaire son efibrt, 507. 

eniendement, Verstand; Tentendement simeyarie, 96. (Yostre 
entendement est brouille; nouveau Fathelin, 613). Siehe auch Mon- 
taiglon, m b. 

erre (iter, iterare, Scheler. Diez U, 280) Reise, Weg, Hast, 
Eile ; grant erre, 247. 

eschine (ahd. skind, Stachel, Diez I, 370)! Bückgrad. Fathelin 
vermacht den Filles-Dieu und den auch nicht im besten Rufe befind- 
lichen Beguinen, ja allen Nonnen le jeu qui se faict a force d'eschines, 
dessen obsc5ne Bedeutung hiernach wohl verständlich ist. 

escriptoire, Schreibzeug, 36, 448. 

escripture, Schriften, Acten, 27. 

escu, (scutum) Thaler, 392. 

escuellee, f. 302 (scutella) eine Schüssel voll. 

estreine, 211, (strenua) Vorbedeutung, Geschenk am Neujahrs- 
tage. Pour estrenes a ce hon jour de Tan etc. (recueil de poesies fr. 
des XV. et XVL siedes. Montaiglon IV, 77). Ebendaselbst 
IV, 528 : Je suis Malheur qui pour estraine la donne au fol . . . . Es 
scheint eine sprüch wörtliche Begrüssuhgs- und Verwünschungsformel 
geworden zu sein. So Bon an et bonne estreine, 211, antwortet der 
Apotheker Guillemette auf ihren Gruss: hon soir, sire, und Fathelin 
wünscht, als letztere -zu lange fortbleibt: £n malle estraine Dien la 
mette, 266. So findet man in der Literatur der Zeit viele Beispiele: 
Dieu vous doint bonne estraine (Fathelin, 121 b), Dieu te doint bonne 
estraine (anden theatre fr. I, 2), Dis bonsoir, dis et bonne estraine 
(ibd. I, 58), aller en malle estraine (ibd. I, 207). Der Kaufmann 
bezeichnet damit die erste Tageseinnahme (Handgeld), woher wohl 
die Bedeutung des Zuerstzahlens herrührt : Je metz deux escus ä l'es- 
traine, or chascun couche d'autant (ancien the&tre fr. m, 49). Fer- 
ner Maistre Fathelin in diesem Sinne , k l'estraine, 298. 

fa^on, Art. C'est la faQon de ma bourgeoise, 68. 

faisant (phasianus) Fasan, 292. 
fait-nyent, = faineant, der Faule, Träge, 109. 
fantaisie, Einbildung; horame si piain de fantaisie, 351. Arnd 
in seiner Geschichte der fr. Nationalliteratur I, 156 irrt, wenn er 
meint, das. Wort sei erst durch Ronsard aus dem Griechischen in das 
Französische eingefflhrt worden. Wir finden im ancien th^Ätre fr. v. 
VioUet le Duc fantasie, I, 49, 136, 188, 144; D, 349, und fantaisie 



72 Le Testament de Pathelin. ^ 

ibd. II, 169, auch ebendaselbst III^ 261 fantasieulx. Auch im Petit 
Testament von Villon, 38, findet es sich, sowie in vielen andern Wer- 
ken der Zeit« 

farcerie, f. Voicybonne farcerie: das ist ein schöner Spass ! 49; 
hat denselben Sinn wie vecy bonne somette, 3. 

fatras (aus ßurtus von fartus, farcire, vollstopfen) Mischmasch, 
dummes Zeug. Que de fatras! 64. 

faulte, Fehler, 146. 

femme, 360. Ma femme, 50, sagtPathelin zu seiner Frau, wie 
auch ma bourgeoise. 

fesse (fissus, fendere), 475, 483. 

feste, Fest, 130. 

feu, 11, Feuer. 

fiance = oonfiance; avoit f. 321: Vertrauen haben, (v. Mätz- 
ner, alt fr. Lieder p. 20). 

fievre, Fieber, 471. 

Filles-Dieu, 464. Ein Kloster der Filles-Dieu su Paris wurde 
von Ludwig dem Heiligen für gesunkene Mädchen gegründet; hier 
aber handelt es sich von andern ähnlichen ElöBtem, vielleicht bu 
Ronen. 

fillette, dim. von fille, 594. 

fin, f. Ende, 147. 

flenr, die Blume, 527; la fieur du vin. 

flume, 295 (phlegme, fiegme) Entzündung. 

f o y , par ma foy meiner Treu ! 47. 

fois (vids), Mal, 144. 

force, k force de, durch viel • • • 467. 

franc, 21, Münze = 20 sols. 

frayenr, Schreck; de fine frayeur, 161. 

front, Stirn, 160. 

gallant (Scheler, Diez I, 197) gallans sans soucy, 457. Hier 
sind wohl die enfants sans Boacy gemeint? Villon hat das Wort auch 
mehrfach z. B. Grand Test. 29. Oü sont les gratieuz gallans que je 
suyyoye au temps jadis ? Eine repue franche führt sogar den Titel r. 
f. des gallans sans soulcy. Mit der Zeit hat sich der eigentliche Be- 
griff des Wortes abgeschwächt, z. B. Lafontaine» Fabto I, 18, Vil- 
lon hat auch das Zeitwort galler (Gr. Test. 22): ein lustiges Leben 
führen« 



.^ Le Testament de Pftthelin. 78 

garde, Bewachung, Aufbewahrung; les m'avez-vous bailles en 
gaide, 48; se Ton n'j prent garde, Obhut, Acht geben, 187; iIb n'ont 
garde de ... sie nehmen sich in Acht, sie häten sich su . . . 484. 

gaudisseur (v. gandir = se divertir, gaudere) 456, Lebemann. 
Auch dies Wort ist in der Zeitliteratnr nicht selten. In dem Gredichte : 
„Les soohait£ des horames^ wQnsoht der gaadisseur: 

Je sonhaite, moy gaudisseur, 
Aller de maison en maison, 
Deviser, faire du seigneur 
*£t riens faire en toute saison 

und erklart somit das Wort am besten. 

gent, f. 278, pl. gens, Leute, 384. 

gloire, Ruhm, 320. 

goute, f. Gicht, 474. 

grace, Gnade, 842. 

grappe (Sdieler) grappe de raisin, Weintraube, 528. 

grö, prendreen gre, wohlgefUHg aufnehmen, sich gefallen lassen, 
158; Lafontaine: prendre en gre mes yoeux ardents, Yllly 4. 

grobis (gros — bis) faire le grobis, 371, sich (doppelt) dick thun, 
aufgebhisen sein, den Wichtigen spiden., Toosjours avoir bonne pitanoe, 
ei oonfrefiüre du gros bis (anc th. fr. II, 276), ebendaselbst I, 129. 

Gnillemine, 168; dieser Name* kommt neben Guillemette vor. 

henre, Stande, 235, ä la trds-bonne heure, 268. 

hoir (heres) Erbe, 435; Bepue fr. preambulb: leshoirs de deSunct 
Patheün. 

homme, Mann, 338,351, 430. Jourost assign^ ademain contre 
un homme de la Voirie, 1, 95. 

hon neu r, £hre, 403. 

horion, coup qu'on re^oit sur la tete (Roquefort glossaire, Sche- 
1er etc.) and auch wie coup und das deutsche Wort Hieb, einen Schlack 
bedeutend. Donnes->moy 4 bojre un horion, 255. Je ne S9a7 qae faire 
de boire an liorion, 76. 

■ 

hoatel, (Diez I, 299, hospes) Wohnung. Ne faictes gueres de 
sejoar, xevenez disner ä l'hostel, 89 ; et mon hostel J6 m'en reroys tout 
bellement, 116. Auch Pathelm, 1541. 

Hostel- Dien, Hospital, 476. 

hydeur, f. (▼. Scheler) Schmach, voicy unegrande hjdeur, 328. 

hnys, 276 (ostium) ThQr; noch gebräuchlich in: k hais dos, bei 
versohlossenen Thören. 



74 Le Testament de Pathelin. 

yvrongue, 472 (v. Scbeler) Trunkenbold. 

Jacopin,462 (nf. Jacobin) DominikanemiöDch. Sie führen ihren 
Namen von der Strasse St. Jacques zu Paris, wo das erste Elo8t«r der- 
selben in Frankreich war. 

jeu, 112, Spiel. 

Jchan, Johannes, 449. Das Wort wurde einsilbig gesprochen: 

Sainct Jeban! je n^entens point ce jeul 102. 
Mesflire Jehan^ vostre escnptoire, 449. 
Messire Jehan, qui saos plus tenir, 270. 
Cest toüt, messire Jehan. Or bien sire, 493. 

In den letzten Versen zahlt auch das stumme e von Messire nicht. Da- 
gegen : 

C*e8t tr^s-bien dit messire Jehan, 440. 

In dem Roman „Jehan de Paris^ findet sich ausser der Form Jehan, 
auch noch die Form Jan, 65, 87. 

Jesus, 168 etc. 

jobelin (s. Scheler, 190): Sot, niais, nigaud, dont on se jobe 
(Jacob). Aebnlich äussert sich Roquefort im Glossaire. Guillemette 
nennt hier ihren Mann le droict joueur de jobelin, 149, der die Dumm- 
köpfe so herrlich an der Nase zu führen versteht. 

joueur, 149, Spieler. 

jour, 99, 104, Tag. 

laict, 304, Milch. 

langueur, 481, Entkräftung. En grant langueur et maladie. 

layette (dim. von Caye)Lade, Kästchen, 454. 

lettre, 512, Buchstabe; ferner les lettres, Wissenschaft, 64. 

liar (Scheler), 522, Heller. 

lict, 126, (lectus), Bett. 

lieu, 438, Ort. 

lune, 263, Mond. 

lopin (v. Scheler) Stück Fleisch; je leur laisse tous bons lopin.*», 
alle guten Happen. Villon in seinem Grand Test, huit 138 spricht 
auch von maintz lopins, und im Petit Test, huit 20 findet sich le choye 
d'un hon lopin. Ils y menguent des Bons lopins (recueil de poesies ftx 
des XV. et XVI. s. p. Montaiglon II, 125). 

loyaulte f. par ma lojault^, 250, Rechtlichkeit, Aufrichtigkeit^ 
Treue. 

luminaire, 520, (luminar [lumen] Scheler), Licht. Hier die 
beim Begräbniss üblichen Wachskerzen. Der Priester ermahnt Pathe- 



Le Testament de Pathelin. 75 

lin: disposer foult du luminaire: en youlez-vous bien large- 

nient? 

lu nettes, f. pl. (dim. de lune), Brille, 29^ 
Mace, par Sainct Mace, 116. Jacob bemerkt hierzu: Nous ne 
connaiflsoDs pas de Mace dans le martyrologe. C'e8t sans doute un nom 
coiTompu par la legende populaire, oomme saint Macaire, oa saint Ma- 
lachie, on saint Macab^, ou saint Matthieu etc. Ebenso Menage dict. 
etyrool. Mag die Vermuthung Jacob's richtig sein, der Name Mace 
kommt als Eigenname, wenigstens zu jener Zeit, mehrfach vor (s. nou- 
vean Dict. historique par Chaudon et Delandine). In den poesies fr. 
des XY. et XYI. sidcles, III, 171, findet sich in dem Gedichte „Les 
secretz et loix de manage:^ Elle porte sa queue tronss6c comme la ja- 
ment de Macee. Auch an die Stelle aus Moli^'s Harpagon, Act II : 
Plus une tenture de tapisserie des amours de Gombauld et de Mace 
(Mac^), wird man hierbei erinnert. Auch in Lafontaine's : Conte la 
gageure des trois commeres, findet sich der Name Mac^. Unser Ge- 
dicht ist, wie aus mehreren Stellen zu schliessen, wohl in Bouen ent- 
standen (341, 465, 476), dass aber in dortiger G^end zu jener Zeit 
der Name Mace sehr gebräuchlich war, zeigen viele Schriften. So finde 
ich auch in einem in Bouen zu jener Zeit erschienenen Gedichte : Les 

presomptions des femmes: 

Ti un Genin ou un Mac^ 
FreuTe sa femme trop esmeue, 
Ou eile a danc^ ou tens^, 
Ou il y a beste abbatue. 

Wo also Mac6 AppeUativname ist* 

maille (m^ille syn. ▼• medaille, metellus Diez I, 271) war eine 
Enpfermünze, einen halben Heller an Werth; daher auch beim Volke 
als Bezeichnung von etwas Werthlosem gebräuchlich. Practique si ne 
vault pas maille, 23. Auch im Nouveau Pathelin, 132. 

main, f. Hand, 93, 160, 368. 

maistre (magister) Meister, 25. Anrede: maistre Pierre. 

mal, m. souvenir vous convient de vos maulx passez, 315. 
Tous les maulz que fistes oncques, 323, Uebelthaten. 

malade (▼. Scheler, Diez I, 261), Ejranke, 279. 

maladie, Eraokheit, 253, 432. 

mamelle, f. 364 (maroilla dim. v. mamma), w. Brust. 

maniere, Handhabung, Art und Weise. Est-ce la maniere? 378, 
und esse la m., 414. 



76 Le Testament de Paihelin. 

mary, Gemahl; roon mary, sagt Guillemette, 221. 

medecin, Arzt, 151. 

medecine, Heilmittel, 291. 

memoire, ro. GediditDiss; Dien quel memoire! 38. 

memoire, f, in derselben Bedeutung. Ajez eo Dien boone me- 
moire, 139« Jesus V0U8 doint avoir de \uj bonne memoire, 319. 

mention, av'ous de tout fait mention, 424, Erwäkaueg. 

mercy; Requerrez^vous a Dieu mercy? 425, Vergebung. Vilion 
Petit T. iO. Mais Dieu luy en faoe mercy. 

meschef, Unfall, 127. 

messire, Mein Herr; messire Jehan, 263, 344. Anrede des 
Priesters. 

me stier, mais de le dire n'est mestier, es ist nicht nöthig es zu 
sagen, 389. 

misericorde, f. Les oeuvres de mtsericorde, 44& (rrroeuvresde 
charite). 

monooye, 420, Mnnse, Geld; faulte de monnoye. 

roonseigneur, 426, 327; messeigneiirs, 106. 

roonsieur, 516. 

mort, f. Tod, 123; mourir de la mort Rollant, 170, =: ver- 
dursten. 

mourir, m. jusqu'au mourir, 199. 

mousche, f. Fliege. Je ne S9ay quell' mousche vous poinct, 60. 
Ich weiss nicht, was Euch einfällt? 

rooust, 348, Most. H faut ung peu le moust faapper. 

mot, 329, Wort. Faire un mot de testament. In dieser Anwen- 
dung noch jetEt gebräuchlich. 

muid, 511 (modius). ung muid de vin, 511. Un muid conte- 
nait, 2 hect. 60. 

nature, 369. 

nez, Nise, 333. 

nonnain, Nonne, 466. 

nud, m. substantivirtes Adj., der Nackte, 499. 

oeil, Auge, les yeoz, 333. 

Oeuvre, Werk, 418. 

eignem ent (ungnentum), Salbe, 486, 

oyseau, Vogel, 297. 

or, Gold, 225. 



Le Testament de Patbelin. 77 

ordre, Ordnimg, 838,383; nommer par ordre, nach der Ordnung 
(Baihe). 

oreiller, Kopfkissen, 362. 

onje, das Gehör. Hier les ouyes, die Gehörorgane, die Ohren. 
Confesser vons fanlt des onyes, des yeux, du nez et de la boache, 332. 

payement, Zahlung, 226. ^ 

pain fleary, 345. Auch im Monologue des nouyeaalz Sots 
(recueil de p. des XV. et XVI. s. I, 15) finde ich: Pain'fleury, dix 
mille pains blancs. Bis jetzt habe ich aber noch nirgends eine Erklä- 
nmg dieser Brotart finden können. 

paix, Friede, 374. 

paon, Pfau, 292. 

paonr. Furch t, 226. Diese* Form findet sich auch mehrfach bei 
Rabelais. 

papier, Papier, 449. 

paradis, Paradies, 438. 

pardon, Vergebung^ 356. II vous convient pardon reqnerre, 

party d'autre part, 82, andererseits, 

pas (passus), Schritt, 91, 162; passer le pas = mourir; auch im 
Pathelin 655, 972; tout le pas, 92, sogleich. 

Pathelin, das Wort kommt in unserer Farcid nicht nur als Ei- 
genname, sondern auch als Hauptwort vor. 

512 Pttis faites faire en lettre jaolne 
Dessufl moy, en beau pathelin, 
Cy repoBe etc. 

Hier also in schöner Pathelin'scher Sprache, So auch: entendant 
fort bien le patelin (Montaiglon anc. poSsies fr. Y, 97). lieber die £ty- 
moli^e des Namens Pathelin hat man die vieliUltigsten Hypothesen 
aufgestellt : Je rattacherais Torigine du mot patelin, en tantque person- 
nage de la farce en qnestion, k Tidee „qui s'insinue tout doucement^ et 
ü fant 7 Yoir pent*4tre nn snbstantif verbal de pateliner, lequel seroit 
un dimin. de patiner, glisser (ou faire des petits pas?) ou de patiner, 
manier indiscretement (Scheler). Auch G^nin in seiner Anagabe der 
Faroe Pierre Patheh'n schreibt Patelin und leitet das Wort von patte 
(alte Orthographie pate) ab. „Patelin est un cajoleur, un homme, qui 
iait patte de velours chez les Latins palpa, chez La Fontaine et nos 
vieux autenrs pate-pelu.^ Ducange dagegen glaubt, dass Pathelin das- 



78 Le Testament de Pathelin. 

selbe Wort wie patalin und patarin sei, Bezeichnung der Albi- 
genser Ketzer, welche zu einem allgemeinen Adjectiv geworden, da 
jene Ketzer durch einschmeichelndes Wesen andere zu ihrer Lehre zu 
verführen gesucht hätten: hos (Valdenses) nostri Patalins et Patelins 
vocantur . . . hinc Patelins vulgo appelamus fallaces, adultores, blandes 
assentatores, qui, ut haereticorum plerique palpando decipiunt . • . 

La Monnaye in seinen Noten zur bibliotheque fran9ai8e de Du 
Yerdier schreibt: II faut ^crire Patelin parceque ce mot vient ni de na- 
&og ni incdd-ovy mais du bas latin pasta, de la päte, dont on a fait le 
verbe appäter, dans la signification d'attirer par des mani^res flatteuses, 
comme par un appat, pour faire tomber dans le piege. 

Jacob dagegen macht darauf aufmerksam, dass die ältesten Aus- 
gaben stets Pathelin schreiben; daher meint er, das h sei dem Namen 
ebenso berechtigt wie in mathelin, welches aus dem italienischen matte 
herzuleiten sei. Warum, fragt er, solle nicht Pathelin von dem ita- 
lienischen patto herkommen? Pathelin, fahrt er fort, voudrait dire 
alors tout naturellement un avocat fin et retors qui marchande avec le 
drapier et qui pactise avec le berger Agnelet. 

Wie dies Alles aber „tout naturellement'^ daraus folgen soll, verstehe 
ich ebenso wenig, wie man so die Berechtigung des h erweisen will. — 
Nun das mag genügen. Ich meinerseits beabsichtige keineswegs etwa 
noch eine neue Etymologie hinzuzufßgen. Es scheint mir dies ebenso 
nutz- und fruchtlos, als wenn sich ein Forscher späterer Zeiten über 
die allen Berlinern bekannten Namen : „Nante oder Pietsch** oder über 
einen andern ähnlichen Spitz- oder Possennamen den Kopf zerbrechen 
wollte. Uns genügt es zu wissen , dass die Wörter patelin, patelinage, 
pateliner, etc. von dem Pathelin der bekannten Farce herzuleiten sind. 

patience, Geduld; perdre patience, 20; pacience, 400. 

Patrouillart. 

Desormais je suia un vieillard 
Nomm^ Pathelin Patrouillart, 16. 

P. ist aus patroniUer gebildet, das in patois denselben Sinn wie pa- 
tauger (patschen) und dieselbe Wurzel patte hat« Dieser Zuname Pathe- 
lin's möchte daher Jemand bezeichnen, der Alles angreift ohne es za 
etwas zu bringen, der, wie unsere populäre Redensart sagt: in die 
Patsche geräth. 

peine, Kummer, 212. 

pelle, trois coups de pelle, 346, Kelle, Schaufel. 



Le Testament de Pathelin. 79 

pere, Vater, 358. 

per^, Obstwein aus Birnen bereitet, 368. Soit sidre, pere biere 
ne Tin (recueil de poäsies fr. Montaiglon I, 290). 

pesle, tourte en pesle^ 345. On pronon^ait ainsi le mot poisle, 
bemerkt hierzu Jacob. In Bezug auf das letztere Wert siehe Scheler, 
263: poele. Auch im Grand Test. Villons findet sich das Wort in 
dieser Form huit 59. 

pied, Fuss, 375. 

pitie, C'est piti^, 365. 

plaid, Prozess; aux plaids je m'en voys tout le pas, 92. 

poinct, pensez fault de rous mettre k poinct, 299. 

point, dussiez* vous k ce point farcer, 504. 

poing, m. Faust, 475. 

poire, f. Birne, 157. 

possible, je feraj pour rous le possible, 227. 

pot, Topf, n'a-il plus rien au pot carre? 502. 

poussin, j'ai l'appetit a un ponssin, 293. 

prebstre, Priester, 62. 

proc^s, pour proc^s que a menez avez, 43. 

propos, Jesus en hon propos vous tienne, 258. 

quartier, Viertel. Au tiers quartier (es ist vom Monde die 
Bede) 264. 

r aisin (raoenus v. Scheler und Diez II, 394, altf. auch rosin, 
daher Rosine) Traube, 575. 

raison, comme raison est dene, wie es Rechtens ist, 13. Cha- 
cub entend veste raison, 490. 

reroede, se vous n'j mettez brief remede, 213, schnelle Hülfe. 
Le remede est prier pour luj, 540. Das Einzige (Mittel) ist, ftir ihn zu 
beten. Pour vous donner quelque remede, 134, Heilmittel. 

remenant, das Uebrige, der Rest. 

Qui riens n'a plus que sa coiiiette, 1. 
Gaeres ne vanit le remenant. 

Quant au remanant (Montaiglon II, 21). (Monmerque tb. fr. 

509.) Auch bei Villon, Gr. Test. huit. 64 : 

Aussi pour son ofiicial 

Qni est plaisant et odvenant, 

Qae faire n'aj da remenant. 

In derselben Bedeutung findet sich demourant (Anc. theatre fr. 

I, 2). Siehe auch Mätzner, altfrz. Lieder, Glossar. 



$0 Le Testament de Patheltn. 

reigle, 159, Regel, Gesetz. 

reprochei m. Vorwurf, Ö6. 

retour, m. Rückkehr, 87. 

r obbe , f. Rock. Ma robbe grise que j'eofl ouen, 418, Bagt Patbelin. 

rongne (robiginem [robigo]) Rost, Räude, 474. 

rostisseur (von rosttr, braten) Gariiocbf 458. 

roj, König, 190. 

sac, m. Sack, 9. 

sacrement, Schwur; par mon sacr^nent! 35. 

sainct, m. 359, der Heilige. 

Saison, Jahresaeit; hier nur wie poetisdi, vielfach gleich Zeit : Qu*est 
la Saison devenue? 18» Est-il Saison que me tienne k requoy? (anc. 
th. fr. III, 256.)] Moliere (depit anc. U, 1.) 

salade (cassis caelata, Scheler) eine Art Helm ohne Vesier. Pa- 
thelin fantasirt: Allez-rooi quere ma salade, 280. In der Prompsault- 
schea Ausgabe der Werke Villon's findet sich unter den diesem Dich- 
ter zugeschriebenen Gedichten pag. 430: 

Carje me sens je fort malade 
Or tenez, vela ma salade 
Qui n'eat froiss^e ne coupp^e 
Je la VOU8 vens et mon ep^e etc. 

Ebenso (rec de poSs. £r. des XV, et XVI. S. Montaiglon, IV, 
65). Alla devant en cuyrasse et sallade. 

sang, Blut, 337. Mehrfach in dem Schwur sang bieu 3, 202. 

santä, corament $e porte la sante? 249. 

sapience, Weisheit, 155. 

S9avoir, m. Wissen, 65. 

seien ce, f. 154, Wissenschaft. 

seigneur, Herr, 274. Der Priester redet Pathelin so an. 

sejour, 88, Aufenthalt. 

sens, Sinn, 343. Et le radresse en hon sens; femer 369: voz 
cinq sens de nature. S'il a sea cinq sens de natura (anc. th. fr. I, 1 7). 
In der Farce nouvelle des cinq sens de Thomme treten als solche auf: 
la bouche, les mains^ les yeulz, les piedz, Touje. 

sepmaine, Woche. Qni ne cessent, jour et sepmaine de tromper 
les gens. — Dieu le met en malle sepmaine en malle an et en malle 
estraine (anc. th. fr. m, 28). In Bezug auf letzteres Beispiel siehe 
estreine. Ebenso auch im maistre Pathelin,* 941, Dien te dbtte en 
male sepmaine. 



Le Testament de Pathelin. 81 

sepultnre, dictes oü vous voulez qua vostre oorps soit boute en 
sepnlture? 508. 

sergeas^s. Scheler) Gerichtsdiener, 468. 

Service, 287, Dienst; faire service. 

siege, Sitz, 33. 

sire. Der Priester braucht diese Anrede neben roaistre und seig- 
nenr zu Pathelin, 493. 

soir, bon soir, sire, 209. 

somme. S. toute 66, ferner 101. 

sornette, 481 (v. Scheler) Posse, Scherz, Dummheit; vecy 
bonne sornette, das ist ein schöner Spass! 3. Das verbe somer bei 
PatheHn, 536: Dictes sans somer. 

soucy, Sorge, 4d7, 312. 

souvenance, Erinnerung, 322. 

stille, nfr. style. Hier Verfahren, Art; selon vostre usaige et 
stille, 262. Une femme, venant de ville, qui a demour^e longue es- 
pace, si trouvera bien le stille (rec. depoes. fr. Montaiglon II, 124). 

Sucre, Zucker, 294. 

taverne, f. 459, Kneipe. 

temps, 81 ; das Wetter und die Zeit, 542. 

tenue, f. sans plus de tenues, 10, ohne Verzug. Jacob erklärt: 
Delais, lenteurs; en termes de trictrac, la tenue est la Situation du 
joaeur qui tient, c. a. d. qui, ayant gagne ou non, ne se retire pas 
dnjeu. 

terre, Erde, 545. 

testament, Testament, 433. 

teste, Kopf, 129. 

tort, Unrecht, 506. 

tonrnois. Petite monnoye valant un denier — (Turonensis 
frappe a Tours, Scheler). 

tonrte (torta, torquere) Torte, 345. 

trespas, Tod, 165. 

trompeur (v. Scheler, Diez) Betrüger. Trompeurs sont voulen- 
tiers trompez, 411. Diese spr (ich wörtliche Bedensart, die die Grundidee 
des Pathelin bildet, findet sich in der vielfachsten Form in der Zeitliteratur, 
E. B. A trompeur trompeur et demy (anc. th. fr. I, 270, II, 93, II, 
263). Tel trompe au loing qui est trompe (ibd. II, 157). Trompeurs 
sont de troropes trompez (ibd. II, 157). Chacun trompeur se trompera 

ArchiT f. n. Sprachen. XXXIX. 6 



82 Le Testament de Pathelin« 

(ibd. n, 259). Par trop tromper je suis trompe (ibd« II, 261). 
Villon, Grand test huit, 67: Toujours trompeor aultruy engeaultre. 
traffe, sans traffe ou sornette, 481 (Etym. s. Scheler) ohne 

Sehen. 

usaige, 262, Gebrauch. 

va-tost f., 179, Schnelllauf, Durchfall. N'apportez point du vin 
nouveau; car il fait avoir la ra-tost, 179. 

verite, Wahrheit, 325. 

riande, Fleisch, 303. 

vie, Leben, 165, 223. 

rieillard, Greis, 15. 

vierge, Marie, 550. 

ville, Stadt, 251. 

vin, Wein, 144. 

Yoyage, m. Reise, 207. 

vojsin, Nachbar, 445. 

voysine, Nachbarin, 104. 

Touloir, m. Wollen, 477. 

vray, m. affinque le vray vous en dyes 381. 

III. Adjectiv. 

Das Eigenschaftswort nimmt, wie das Hauptwort, das Zeichen der 
Mehrzahl an, wobei jedoch wieder zu bemerken ^ dass der Dental vor 
demselben abgeworfen wird, z. B. petis, 22, grans, 360. 

Die Bildung der weiblichen Form entspricht den heutigen Re- 
geln: eher — chere; petit — petite ; benoist — benoiste, 427; gris 
— grise, 478; doubc, 240 — doulce, 50; hon, 178 — bonne, 268; 
long — longue, 232 ; beau, 513 — belle, 528. Doch wird grant neben 
grande fflr die weibliche Form gebraucht, z. B. grant erre, 247, grant 
langueur, 431; grant chere, 85; grande h3rdeur, 328; chaleur 'grande, 
385. Auch das vorkommende Femininum des jetzt nicht mehr ge- 
bräuchlichen A^ectivs mal (siehe unten) ist hier zu merken. 

Die Steigerung erfolgt nach den heut geltenden Regeln: ia plus 
desvoy^e, 242; le plus seur, 77; meüleur, 305; le meilleur, 523; 273. 

Ich lasse im Folgenden sämmtliche Adjectiva folgen: 

asseur, sicher (asseur^), davon noch erhalten das Adverb asseure- 
ment (Burguy, gram. I, 354). N'estes-vous pas asseur? 78. 

asseur^, tenez-vous-en toute asseuree, 231. 



Le Testament de Pathelin. 88 

bas. Moo ami yous estes fort bas, 259, sagt der Apotheker, als 
er den kranken Path. sieht. 

basi. Je suis basi, se Dieu ne m'ayde, 188. Jacob bemerkt 
hierzu: Mu a bas. Peut-dtre faut-il lire: rad, poor rase. B y a, 
dans ane edition gothique: transj. — Le bon maiatre Pierre est basi, 
539. Zu diesem Vers bemerkt Jacob: C'est un mot d'argot, qui sig- 
Difie defunt. Le peaple dit encore dans le m^me sens: voilit un 
homme rase. 

beau, 513; belle, 528; beaulx, 392; tout beau, 166. 

benoist (nfr. benit) 432. Lafontaine: Au b^noit etat de cocu 
(Le roi Candanle etc.). 

beste, Toos estes beste, 282. 

bon, bon an 210, ^ la tres-bonne heare, 268« 

brief, se vous n'y mettez brief remede, 213; k brief parier, 497; 
doch auch die Form bref, 40, kommt vor. 

carre, le pot carre, 502. 

casse. Je me tiens fort foyble et casse, 115. 

certain, il est certain, 85. 

eher, m'amye chere, 86. 

content, content de moy, 395. 

contraire. Le nonveau (vin) si m'est fort oontraire, 175. 

court, 428, pour le faire conrt. 

dangereux, gefahrbringend, schädlich. Je presappose que le 
temps^ne soit pas dangereux, 81. 

desvoy6, je suis la plus desvoyee, 242, = ^garee, d6solee. 

doulx, mon doulx ami^ 121 ;ma douioe amye, 50; tput doulx, 240. 

droict, 149, recht, richtig; le droict joueur de jobelin. Aehnlich 
Lafontaine: un droit apötre (Conte F^ronde). 

e f f r o y ^ , von effiroyer, erschrecken. Comme vous estes ^ffroy^, 241. 

faulx, falsch; qui es faulx dieux vous ont portez, 376. 

fin, de fine frayeur, 161; sucre fin, 294. 

fleury, 345. Siehe pain. 

foyble, schwach, 115. 

franc, de franc vouloir, 477; parier franc, 40. 

grant, je courray grant erre, 247, siehe oben. 

honneste, anständig, 484, 

j au 1 ne, gelb ; en beaulx escus jaulnes, 892 ; en lettre jaiilne, 512. 

layd, hässlich; il fait layde chere, 287. 

6* 



84 Le Testament de Pathelin. 

las che (laxus) weit; il est trop lasche par derri^e, 495. 

long, longne demouree, 231. 

laal, malle extraine, 266. Das aus der Sprache jetzt verschwun- 
dene Adjectiv mal war zu jener Zeit selbst neben mauvais allgemein 
üblich: malle sante (anc. th. fr. I, 22), malle rage (ibd. I, 23), nuü 
temps (ibd. I, 145), maulvaise et malle fortune (ibd. III, 82); so auch 
das Adverb mallement (ibd. IIL 272). Auch bei Villpn, Babelais, 
Marot, etc. findet sich dieses Wort 

malade, 123. 

marri (part. des alten Zeitwortes marrir, althd, marijan) betrübt; 
je suis amerement marrie, 554. Je suis marrie en roon caear (anc. "th. 
fr. m, 462). NochMoliere: Sganarelle I, 9, benutzt dieses Wort: oui 
son man, yous dis-je, et mari tr^s*marri. ^ , 
, meschant (v. Scheler); mon meschant chapperon, 479. 

misericors, barmherzig. Jesus luy soit misericors, 553; pour 
rendre Dieu misericords (R. de poesies fr. Montaiglon I, 294). • 

net, gardez-yous qu'elles soient nettes (les lunettes) 30. 

noilleux (nfr. noueux) baston noilleux, 90, Knotenstod^. 

noir, schwarz, 479. 

notoire (notorius) il est notoire, 34. 

nouveau, le nouvean vin, 178. 

petit, 454, jeme sens un petit fade, 118; hier also ad verUalisch. 

piain y d'oignement piain une boiste, 486; hommeplain.de fantai- 
sie, 351. 

povre, 435. 

present, 108, fut present Mathelin, gegenwärtig. 

prest de, bereit; tout prest de voas ordonoery 171. 

pur, rein, 487. 

quartaine, une fievre quartaine, 471 (f. qnarte) viertägiges 
Fieber. 

sain (sanus) de teste saine, 216. 

sainct (sanctus) 116. 

serre, fast. Mon couvrechef ne tient point serre, 489. 

seulet (dim. v. seul) je demourray povre et seulette, 451 ; Beulet 
(anc. th. ir. 11, 351), seulette (ibd. I, 261), seulet (nouv. Pathelin, 
774); auch sonst nicht selten. 

seur, c'est le plue seur, 77. Je vous prjquej'en soye seur, 530. 

vain, schwach; tant je suis vaine, 214. 



Le Testament de Pathelin. 85 

vieulx, alt, 178. 

vray, 456, 157. 

Zu bemerken ist noch parier franc, 40; parier brief, 497; faire 
eourt, 420. 

Was die Stellung der Adjective betriffl, so sind im Allgemeinen 
die noch jetzt geltenden Regeln befolgt : 

Vor dem Substantir finden wir grant 85, 247, 828, 481, doch en 
chalear gran'de, 885, wohl nur durch den Vers bedingt; petit, 82, 456; 
bon, 189, 144, 178, 210, 211, 212 etc.;droict, 149; eher, 166, layd, 
237; mal, 266 ; beau, 392, 51 8 ; franc, 477 ; eher, 166-; doulx, 121; sainct, 
116; long, 282; benoist, 427; fin, 161; define frajeur; dagegen sucre 
fin, 294. Ferner stehen nach dem Subs(«mtiv: noir, 419; gris, 178; 
jaujne, 392; 512;noilleuz, 93;vi6ulK, 178; nouveau^ 178; sain, 216; 
fleniy, 345; terrible, 228; qnartain, 471. 

IV. Das Adverb. 

Die Bildung der Adverbien aus den Adjectiven geschieht in der 
jetzt noch üblichen Weise mittelst der weiblichen Form der Adjectiven : 
vistement 10, subtilement 407, haultement 17, prestement 86, seure- 
ment 81, appertement 106, bellement 117, necessairement 185, fauloe- 
roeot 396, voirement 130. So auch dein jetzigen Sprachgebrauch 
entsprechend hardjment 404 (Maistre Pathelin 1548 hat hardiement), 
incontinent, 894. 

In Bezng auf die Attraction des adverbialen tont finde ich nur 
tenez-vous-en toute asseuree, 281. 

Ortsadverbien: Oii , 4, 27, 45, 284, 286, 353; la; 22, 
U3; ici, 189; cy, 111, 347, 388, 434; si (ffir cy) 23; y, 65, 91, 
158, 187, 213, 224, 260; 9a, 58, 143, 314; auloing; pres, soit 
lost on tard, au loing ou pres, 413; dedans, se je boutais raon doigt 
dedans, 836; derriere, ne laissez riens derriere, 413; qu'on me le 
serre derriere et devant forme au corps, 547; devant, 547; avant, 
venez avant 5; hors ens, soit hors ou soit ens, 462. 

Auch die Formen voilä. und voici, Zusammenziehungen aus dem 
Imperativ vois und den Adverbien la und cy sind hier zu bemerken: 
voicy^ 49, 328; vecy, 8, 269; ffir voili findet sich nur die Form vela, 
71. Das folgende Hauptwort steht mit und ohne Artikel :, voicy une 
grande hydeur! 820; voicy bonne farcerie, 49; vecy bonne somettc, 3. 



N. 



9^ Le Testament de Pathelio. 

Von grösserer syntactiecher Wichtigkeit sind nur die Pronominal- 
adverbien: oä, y, en und dont, die den Genitiv und Dativ der person- 
lichen und relativen Fflrwörter ersetzen. 

Oü: le sac ou sont mes escriptures. 

Y: Quant j'j pense, 158; se vons n'y mettez brief remede, 213; 
je vous pry qu'on y remedie, 224. 

En: j'enai pour une, 274; jen'en congnois nulz, 330; af&nque le 
vray vous en dyes, 311^ etc. 

Dont: Dont vous viennent cesdouleurs, 120; dont vous procede 
tel meschef, 227. 

Auch der pleonastiscfae Gebrauch von en ist verboten in: s*en al- 
ler, 92; jem'y en voys, 280; je n'en puis plus,497; jem'en vueil aller, 
498; je m'en revgys, idx kehre zurück, 117. 

Zeitadverbien: maintenant, 8, 20 (tout maintenant, 189); 
presentement,434 ; desormais, 15; aujourd'hui, 32, dafQr mes- 
huy, 265 aus mais, mes (von magis gebildet mit der Bedeutung noch) 
und hui (hodie) zusammengesetzt. Vom letzteren Stamme auch en- 
huy, enhuy donne en nostre Court, 107; il est enhuy feste, 130. — 
arsoir, gestern Abend; arsoir lemistessur le banc, 39; demain, 94; 
oncques^ 323, 397; ouen, 478, in diesem Jahre (meist ouan [von 
hoc anno] geschrieben; Jacob erkl&rt fälschlich l'an pass^); jamais 
(Jamals a telles gens n'attouche, 334), femer 398, 531 ; souvent, 371; 
tousjours, 103, a toujours-mais, 405; longtemps, 111 ; premier, 
baillezdoncpremier^boire, 136 ;i ncont inen t, 394; tard,55; tost, 
418, plus tost, 207; j4 (für deja) 55, 82; puis, 19, 209; puis 
apres, 182; apres, 322, 386, 456, 480. Von hora ist gebildet or, 
nun, 262, 70, meist in Verbindung mit 9^: or 94 312, 352 ; femer 
or sus, 324. Auch 9a ohne or, 314, 324, 326. Bien tost, 229, 
plus tost, 207; pie9a (piece a (il y a) piece mit. petia, pecia, 
petium, span. pieza, port. pe9a, ital. pezza, deutsch pfetzen (?) es ist 
eine Weile her, lange (M&tzner, altfr. L. Glossar). Je les ay pie9a 
laissez, 316. Je ne beuz pie9a, 349. Auch Rabelais I, 5. 

Adverbiale Redensarten: tout le pas, 92, sogleich; a ce 
coup, 350. n est, ä ce ooup, faict de rooy, diesmal ist es um mich 
geschehen. En 9^ : Je ne vy, puis dix ans 9a, homme si piain de fan- 
tasie, 351. 

Modaladverbien, Den meisten dieser Adverbien kommt die 



he Testament de Fathelin. 87 

Endung metit zu : vistement, 10, 540; haultement, ll;pre8teinent, 30; 
senrement, 91; tout bellement, 117; appertement, 118; neoeasairemeDt, 
185; autrement, 186; faalcement, 396 ; hardjment, 404 ; subtileraent, 407 ; 
largenient, 521; amerement, 554. Zu diesen Adverbien der Gradbe- 
stiramung gehören auch bien, 197, 312, 383; fort, 175, 188, 244, 
367; pou(peu) 304; un petit, 113; un peu, 125, 160; peu, 65; tout 
bean» 166; tres, 357 ; trestout (Laissons trestout cela en paix, 374); du 
mienlx, 198. Ferner die Modaladverbien tout beau, 166; d'autre part, 
82; au suplns, 308; cn patience, 400; par ordre, 383; voulentiers, 
406; bref, 40 (brief 300, 384); lout doulx, 240; grant erre, 247; 
paraccord, 273; k peine, 307 ; trop, 361 ; item, 464. Das modale tout, 
ganz, tont beUement, 117; tout beau, 164; tout maintenant, 169; tout 
doulx^ 240; tout prest, 271 ; auch vom Adj. attrahirt toute asseuree, 
281, ferner verstärkt durch tres = trestout, 374, Auch Rabelais 
IV, 16. 

unter den Modaladverbien ist vor Allem das fragende comment? 
zu bemerken, welches das ältere comme (quomodo) theilweis verdrängt 
hat, und in directen Fragen jetzt allein fi blich ist. Et comment? 378; 
comment se porte la sanfe, 249. Dagegen comme sommes-nous de 
la Inne? 263. Hierher gehört auch comment il baille! 24; comme 
vous estes effi-oyeel 241 ; ainsi comme raison estdedfe, 13; ainsi comme 
je puis croire, 140; oomme bon catholique, 437. Dies letztere führt uns 
zu den Adverbien der Yergleichung si, aussi, tant, autant, von denen 
die beiden ersteren, wenn beide Glieder der Yergleichung vorhanden sind, 
bei Adjectiven, dem attributiven und prädicativen Infinitiv mit ^, dem 
Hauptwort und dem Adverb; dagegen tant und autant nur beim Ver- 
bum stehen; und zwar aussi und autant in affirmativen und negativen 
Sätzen , si und tant; nur in negativen Sätzen, — ■ Der vorhandenen 
Beispiele sind leider nur wenige: si pres de la mort, 505; si piain de 
fantasie, 351; si grans sains, 360; il est si fort malade, 244; tant je 
doubte, 162; tant je suis vaine, 214 ; doch L'entendement si me varie, 96. 

Satzadverbien. (Mätzner, Syntax I, 382) Adverbien der 
Bejahung: ouy, 28, 244, 416; die im Nouveau Pathelin so häufige 
Verstärkung durch dea (da) findet sich nicht ; dagegen ouy certes, 4 1 6 
(certesaucfa allein, 167); ouy ccrtainement, 380; seurement 91; vraye- 
mcnt, 211, 312, 358 etc.; en verite, 325: si est, 390; si faisois-je, 90; 
voire, 506 (verum) in der That, in Wahrheit; voirement, 130, in der- 
selben Bedeutung. 



88 Le Testament de Fathelin/ 

Verneinung. Die al»solute Verneinung findet sich nicht 

ne — pas: ne m'estes-vouB pas all6 querre le sac... 26. 

ne — point: je n'entens point ce jeu, 112.. 

point ohne ne, wie noch jetzt mehrfach in der Frage (Mätzner 
Syntax I, 388). Irez-vous point querir mon sac? 51. Dois-je point 
desjuner? 181. 

ne gueres: ne faictes gueres de s^jour, 88. 

ne — jamais: jamais a telles gens n'attouche, 334. 

ne — rien8:je n'ay rien emble, 340. 

ne — riens: et ne povez riens amasser, 42, etc. 

ne - ne: je ne vueil sidre ne pere, 196 ; car oncques il n'en re^eut 
croix ne ne fera jamais, 398; va-il ne avant ne arriere? 275. 

ne — plus: je n'en puis plus, 205. 

ne — que: vous ne chanteriez que de sacz, 63. 

ne — nuUy: nnlly ne vient, 110. 

ne — mje: je ne les alloye mye querre, 365 (S. Mätzner, Syntax 
I, 388). Auch findet sich das Föllwort mye ohne ne: vous confessez- 
vous mye, 352. 

Wie sich nocfa^etzt in Haupt- und Nebensätzen die einfache Ne- 
gation ne findet, so noch häufiger zu jener Zeit, 69, 401 : 

a) in effectTollen Fragen: ne viendra meshuy Guillemette? 
auch: je ne vy homme si piain de fantasie! Habe ich wohl je einen 
so tollen Menschen gesehen! 

b) bei einigen Zeitwörtern, wie s9ayoir, 60, 128, 204, 206, 
234,250; pouvoir, 126, 361; oser, 422; vouloir, 292; cesser, 469; 
avoir garde, 384. 

c) in Nebensätzen nach Verben des Fürchtens etc.: je crains que 
ne soye malade, 114> Hierher möchte auch gehören: je presuppose que 
le temps ne soit dangereux, 81 ; fort me tarde que ja ne soit icy tons 
deux, 189. 

d) je souloye gaigner firancs 1& oü ne gaigne petis blancz, 21. 

•• » - • 

e) nach einem Comparativ : vous valez moins que ne cuydoye, 73. 

In Bezug auf die Adverbien im Allgemeinen wären noch die Com- 
parative moins, 73; mieulx, 198; pis, 301. Letzteres ist, wie mal, 
301, auch substantivisch gebraucht. 



Le Testament de Fathelin. 89 

V. Fürwort. 
1) Persönliche Fürwörter. Was die Form betrifll, so finden 



sich: 








Pronoms co 


njoints. 




Pronoms absolus. 


- 




singulier: 




* 

Nom. 


Dat. 


Acc. 


• 


1) je, 11, 15. 

2) - 

3) il, 5, 24. 
eile, 261. 


me, 82. 

luy, 800. 
luy, 69. 


me, 61. 

le, 89., 

la, 59, 266. 

plttriel: 


moy, 45, 119, 298. 
luy, 185, 285. 


1) noii9, 268. 

2) votis, 4, 5. 

3) üz, 105. 
elles 80. 


nou8, 272. 
votts, 46. 
leor, 458. 


VOUB, 36. 
les, 45, 48. 


nous, 191. 
vous, 199. 65. 

elles, 368. 



Das ForC£sillen der persönlichen Fürwörter aller Personen im 
Nominativ ist sehr gewöhnlich. So fehlt: je, 59, 73, 180, 206, 230, 
226, 347 etc.; il, 32, 65, 233, 299, 332 etc., besonders beim unper- 
sönlichen fault), vous, 39, 43, 223; 228, ils 3M. 

Die Stellung der Fürwörter stimmt im Allgemeinen mit den heu- 
tigen Regeln überein; es finden sich nur wenige Ausnahmen: je vous 
donray, 46; je vous garde, 47; je vous attens, 58; je vous pry^ 36; 
je me tiens fort foyble, 115; je le voy, 237; devant que vous le die, 
254; je les ay laissez, 316; je leur laisse, 458; qui vous vient voir, 
283; vous les aurez, 455; ne m'estes vous pas alle querre le sac, 26; 
dagegen les m'avez-vous baillez en garde, 48. Femer die Stellung 
der Pronomen beim Imperativ: tenez-k, 90; donnez-moy, 255; choyez- 
moy, 167; laissez-moj, 194;despechez-vous, 54; hastez-vous, 31 (vous 
hflstez, 186) ;*vous confessez- vous, 352; souvienne-vous, 190; faictes- 
leseoir, 284 ; apportez-les-moy, 45; tenez-vous-en toute asseur^e, 231. 

In Relativsätzen entspricht die Person der Zeitwörter den vorher- 
gehenden Ffirwörtem: Deussiez-vous en ce point farcer, qui estes si 
pres-de la mort? 515; vous qui S9avez, 453. 

2) Besitzanzeigende Fürwörter: 

mon, -35; son, 238; nostre, 33, 200; vostre, 40. 

ma, 19; sa 1, 103; — — 

meBy 9; ses, 359; — vos, 315 (voz, 367). 

mon escriptoire, 37 ; für ma esc. nach jetziger Regel. Es ist dies 
das einzige Beispiel; ich muss freilich auf m'amye zurückverweisen. 



90 Le Testament de Fathelin. 

3) Hin zeigende Ffirwörter: ce jeu, 112; ce eure, 195; 
cest homme, 338; ceste reigle, 159; ces douleurs, 120; doch findet 
sich auch adjectivisch : par celuy Dieu, 61. Cest homme-cjr, 338; ce 
povre homme-cy, 430. 

Substantivisch: cecy, 110; cela, 403, 83; ceulx-la, 382; 
oeluy — qui, 286; cculx — qui, 317; das neutrale ce: c'cst la fa^on, 68; 
c'est le plus seur, 77; c'est pitie, 365; c'cst tnessire Jehan, 201; ce 
soit, 70, 143; ce n'est pas ce que je demande, 96; ce devez-vous s^a- 
voir, 245; que ce soit <^ ou la, 143. 

4) Fragende Fürwörter: Subst. Qui, 2, 142; a qui, 450. 
Que: qu'est la saison devenuc? 28; que demandez vous? 25; qui a-il? 
212; (Qu'y a-t-il?) qu'est-ce que je sens? 344. Quoy, 47, 113, 212. 
Qu'il fait laydc chere; 237, was för ein abscheuliches Gesicht er macht! 

Adject., quel, 38, 56; quel reprocbe j'auray des autres assistans, 
56 ; qneir (quelle) : je ne s^y quell' mousche vous poinct, 60. 

5) Relative Fürwörter: Qui (sing, und plur.) bezieht sich 
auf Personen und Sachen, 17, 61, 155, otc. Gen. dont: sans riens 
laisser dont conscience vous remorde, 417. Accus, que: ces douleurs 
que vous sonfirez, 121 ; proces que k raener avez, 43. 

Von lequel findet sich der Gen.: Cest le drappier duqnel j*eus 
six anlnes de drap, 391. Laquelle: Affin quWoir puissiez la gloire 
en laquelle tous ont fiance! 320. 

6) Allgemeine Fürwörter: On, 224, 285; Ton, 187; auch 
l'en: que l'en me plume les deux oyseaulx, 296. Chascun, adj.: 
chascun jour, 164 ; subst. Je laisse ä tous sergens chascun une fievre 
qnartaine, 471; rien: Nichts. Avez- vous en rien de Tautmy? 387. 
Dasne fehlt wohl hier wie: c'est la fa^on dema bourgeoisede riens faire 
se ne luy piaist, 68; vous ne povez riens amasser, 42; quel que re- 
mede, 134; quelque bon vin, 173; quelqn'un m'apporte de Targent, 
277; antre: autres assistans, 57; autre chose, 401; d'autre part, 82; 
Tun parmy l'autre, 365; avez- vous eu rien de TautTuy? 387; nul: car 
nul n*en fault laisser derriere, 377 ; je n'en oongnois nulz, 830; n u 1 1 y ne 
vient, 110; aucun: vous doubtez-vous d*aucune chose? 79; tel: tenez- 
le teK 90; tel mescbef, 127; telz abus, 582; telles gens, 334. 

tout, subst., alles: tont est dedans mon escriptoire, 37; auch 
273, 415. 

tous, alle: c'este reigle est k tous due, 159; auch, 188, 321. 
tout, toute, adj. ganz: somme toute, 66; tout le pas, 92; tont le 



Le Testament de Pathelin. 91 

cenreau, 176; (oute oe flume, 295; (oute voBtre besongne, 71;toate la 
cooipaignie , 559; 341, 339; femer das schon angeführte adverbiale 
tont, 240, 271, 366, 231. 

tont (te), jeder: tout chrestien, 311. 

tous (tes), alle: ä toutes adventures, 28; tous les maulz, 323; 
lous vrajs gaudisseurs, 456; tous sergene, 468; toutes nonnains, 466; 
toas denx, 189, etc. 

VL Zahlwort. 

Die vorkommenden Zahlwörter sind: deux, 189; trois, 346; cinq, 
374 ; dix, 350 ; vingt, 204 ; trente, 240 : Je ne S9ay quel vingt ne que 
trente.. .. (?); cent, 101; ferner le premier; tiers, 264. 

♦ 

VIL Zeitwort. 

Bei der AuffQhrnng der Verben folge ich der leichteren Üebersicht 
wegen , der Eintheilung in vier Conjugationen, und gebe sämrotliche 
vorkommende Formen: 

Verben auf er: 
advocasser, 41; faire la profession d'avocat. On ne le dit pas 
des avocats celebres, mais de ceux qui ont peu de pratique (Fiiretiere, 
dict. nniv). Exercer la profession d'avocat, sans titre, sans talent, sans 
profit et sans gloire (Bescherelle, dict.); — aider, helfen: pr. ind. 11 
ayde, 133 ; pr. conj. qu'il ayde, 217 ; - a i m e r ; pros. ind. il ayme, 582 ; 
— aller (Diez, Gr. II, 122; Scheler, 11); pr. ind. je voys, 200; il 
va, 275 ; vous allez, 181 ; conj. voyse, 452 ; imperf. j'alloye,165 ; fni. j'y- 
ray, 165; v. irez, 51; part. alle, 26; aller avant, aller arriere, vom 
Kranken, besser, schlechter w. ; — s'en aller; je m'en vois, 92 : v. v. 
en allez, 289; conj. pres. que je m'en voise, 67; es findet sich sogar 
je m'en revoys, 117, im Sinne von retoumer; — alleger, 143; alle- 
gera, 141; — am asser, 42; — amen der, bessern , helfen, met- 
iez cuire une poire pour s^voir s'il m'amendera, 138 ; il ne luj amende 
point, 300; — appeler, impM appelez, 102; — apporter, bringen, 
i) apporte, 277; apportez-les-moy, 45; apportez avec mes lunettes, 29, 
briog* meine Brille mit ; — approcher, pres. ind. il s'approche; — ar- 
mer, 181; — arrestcr, 230. Je m'y en voys sans arrester, ohne 
anzuhalten; — arrouser, befeuchten, benetzen; fut. j'arrouseray, 447.. 
Das Wort findet sich auch bei Lafontaine: Le cnvier; — attoucher, 
anrflhren, jamais h tellös gens n'attoucfae, 334; — bailler, (lai, ba- 
jnlare) tragen, bringen, daher geben : Baillez donc premier k boire, 136 ; 



92 Le Testament de Pathelin. 

qu'on me baille trois coups de pelle a ce chat, 346 ; les m'avez-vous 
baillez en garde? 48; — bäiller, den Mund weit öffnen, d. h. auch gähnen; 
hier in der ersten Bedeutung : comment il bäille ! 24 , wie er den Mund, 
aufreisst, d. h. schreit; — bouter, stossen, setzen, legen, si je bontois 
mon doigt dedans, 336^ part. boute, 354. Dictes oü vous vonlez que 
vostre Corps soit boute en sepulture, 514; — cesser, aufhören; vostre 
confession cesse, 422; qui ne cessentde prendre, 469; — chanter, v. 
chanteriez, 63; — chopiner (boire chopine sur choppine [Schoppen] 
Bescherelle) = zechen, 272 ; — choyer, schonen, schonend behandeln. 
(Roquefort glossah'e: luenager, traiter delicatement) Furetiere, dict. 
univ. hat folgende Beispiele: Les gens propres choyent beauooup leurs 
habits. Choyer sa sant6, Cet homme se choye fort, etc. Hier: He- 
lasJ Choyez-moy! Certes, je' dedine! 167; — Commander, be-- 
fehlen, wie im Deutschen; il commandeson ame k Dieu, 436 ; — com - 
mencer, anfangen; il oommence, 441; — se con fesser de, 379, 
beichten ; je m'en confesse, 422; — considerer. Cela faict^ conside- 
rer, 83 ; — coucher, part. couche, 363; — cuyder (cogitare) den- 
ken, meinen; je cuyde, 62, 298; je cuydoye, 73; findet sich noch bei 
Lafontaine, IV, 11; — delayer, (delatio bl. dilatare) aufschieben, 
zögern. Incontinent, sans delayer, 394; — deliberer, abwägen, prü- 
fen, 84; — demander, fordern; je demande, 97; que demandez- 
▼ous? 25; — demeurer, demourer, (demorari) bleiben, 456 ; woh- 
nen, 236. Aller me faut oü il demeure, 236; je vueil qu'elle demeure, 
267; je demourray povre et seulette, 451; je suis demoure et failly, 
122; — despecher, eilen; imper, despechez, 11 (siehe pag. 14); vous 
despechez, 174 und d.-vous, 54; — descliner, neigen, zu Ende gehen; 
je descline, 167; — desjuner, (BI. disjejunare) mit Fasten aufhören, 
frühstücken; inf. 131; — disposerde, bestimmen, einen Entschluss 
fassen über ; inf. 525 ; — d i s n er , (t. Scheler) inf, 87 ; — d on n e r , 1 34 ; 
pr. ind. je donne, 469; conj. doint, 318; imper. donnez-moy, 255, 
443; fut. je donray, 46; part donne, 107; — doubter, fürchten; 
tant je double k passer le pas, 162 ; je le doubt fort et le crains. 367 ; 
vous doubtez-vous d'aucuno chose? se doubter de, vermuthen, beflirclH 
ten, vous doubtez-vous de quelque chose? 79; — embler, stehlen , bei 
Seite bringen; part. emblee, 340. Le coeur des Tabord ils nous eiTi- 
bleut, puisle repos, puis le repas. Lafontaine (Lett. a Mad. de C.) ; — 
8'emerveiller,3Gl ; — espargner, sparen; inf. 225; — s'esv enter. 
On m*a le vin mesle, ou il faut dire qu'il s'esvente, 202 = verdun- 



Le Testament de Pathelin. 98 

Bten, an Gebalt verlieren; — ezposer; inf. 498; — farcer, 509, 
scherzen ; — f i ne r de, (siehe Bargay, gram, de la langne dVil, I, 839); 
hier in der Bedeutung finden. Je ne 89ay ou pourraj finer de nostre 
care, 234. Aehnlich sagt Marot finer d'un sou für trouver un sou. 
Dame on ne peat de vous finer (ano. th^tre -fr. I, 67). N*en s^a< 
- roit finer de plns fin (ibd. I, 80). Beide Bedeutungen von finer finden 
sich dicht beisammen : huit 39, des Petit Testament von Villon. 

De feu je n'eusse peu finer 
Si m^endonny, tont enmoufl^, 
£t ne peuz autrement finer. 

— fraoldrer, 435, betrügen; — gaign er, gewinnen; inf. 21; pr^. 
ind. il gaigne, 22; — garder, 1) sehen, zusehen, für regarder: gardes 
qa'elles (les lunettes) soient nettes, 30; 2) bew^ren, aufbewahren, 
bewachen: gardez tout jusqu'au retour, 87; je ne s^ay quoy qoe je 
Tous garde, 47; 3) behüten: Dieu benye, Dien gard bonne gent, 278; 

— grimper, 347, klettern; — happer, nehmen. II faut un peu le 
moQst happer eure, 348; — haster, eilen; imp6r. hastez-vous, 81, 
und vous hastez, 180; — hu er, schreien, on bue, 164; — humer, 
einschläfern; inf. 132, 305; — laisser, inf. 251, 421; ind. pres. je 
laisse; imper. laissons, 374, laissez, 194; fut. vous Lurrez 455; part« 
laisse, 316; — mener, führen, 43; — mesler, vermischen, mesle, 
201 ; — noter, 473; — ordonner, 271: Messire Jehan qui est tout 
prest de vous ordonner, 270. Jacob erklärt: mettre vostre conscience en 
ordre; — oser; pres. ind. j 'ose, 402; — oublier; inf. 552; imper. 
oabliez, 534; — papyer (pepier, von Vögeln, piepen) stammeln, lallen« 
A peine je puis papyer, 171. Auch Villon im Grand Testament, 69» sagt 
ähnlich: Jesens mon cueur quis'afibiblistetplus nepuys papyer; — par- 
ier, 205; il parle, 369; il parlera, 285 ; — passe/, 162; passer le pas, 
sterben; passe, 52 ; je passeray: Bien au vin je roe passeray, 197; — 
payer, 393, bezahlen; il paya; — penser; imp., ne pensez qult faire 
grant chere, 85 ; pensez de vostre conscience, 153 ; je pensoye, 74; — 
plaider; pr. ind. plaide, 220; — plnraer, rupfen; il plnme, 296; — 
porter, il porte, 249; — presenter, 445, anbieten; <— presumer, 
306; — presupposer, voraussetzen , je presuppose, 80; — prier, 
645; je pry; 36, 172, 170; imper. priez, 528; — proceder, hervor- 
gehen; pr^s. ind. 3. p. sing. 127, 155; — pyer, 172; (nmv) trin- 
ken; mais oü a-il si bien py^? (anc. th. fr. II, 8); — radreaser, 
(redresser) Dieu le redresse en son hon sens, 343; — raraener, 



94 Le Testament de Pathelin. 

zurückffihren ; pr. conj S. p. ramaine, 342 ; ^recorder, Helas! qaant 
de luj me recors; 553; — remedi^r, abhelfen; pr^e. cox\j. 3. p. re- 
medie, 224; — repoaer, cy repose, 524, hier ruht; — res v er, v. 
resvez, 298; — retourner, 233; — saluer, il salue, 17; — 
semer, besäen. En termes de blason; semer se dit des meubles 
dont un ecu est charg^, tant plein que vuide, en un nombre inoer- 
taln, et dont quelques parties sortent de ses extremitez (Fureti^re). 
Aehnlich der Dict. de Tac. : terme de blason. Un eeu sem6 de fleurs 
de lis, seme de trefles, etc. Cela ne se dit que lorsque les pieces dont 
on parle sont repandues sur Tecu de telles sorte, que vers ses bords elles 
ne sont point entidres* Pathelin will als Wappen drei schöne Wein- 
trauben en un champ d'or, seme d'azur, 229; — sermonner, predi- 
gen, reden, pr. ind. 1. p. sermonne, 220; — serrer, festschnüren; 
qu'on me le serre, 546; — suer, schwitzen; il sue, 160; — tar- 
der, fort me tarde que, 188, es verlangt mich, ich sehne mich; 

— tauxer, abschätzen, inf. 12; — trespasser, sterben, 503; 

— tressuer (Burguy, Gr. III, 356) schwitzen; je tressue, 161; 

— tromper, 470;d6f.je trompay, 396; part. tromp^, 353; — trou- 
bler, sich beunruhigen; v. v. troublez, 41; — trouver, 143; — 
user de, gebrauchen, 291; — varier, sich ändern, hier sich verwir- 
ren; l'entendement sime varie, 96 ; — visiter, besuchen, 229 ; — vui- 
der, leeren; part. vuide, 366. 

Verben auf ir. 
accomplir, aooomplissez mon testament, T. vollziehen, 504; — 
assaillir, anfallen, überfallen; je cuyde que la mort m'assault, 123; 

— b e n i r ; pr^s. conj. 3. p. benye, 278 ; — convenir, passen, ziemen, 
il convient, 315; fut. conviendra, 145; — courir, laufen; fut. je cour- 
ray, 247 (secourir, 252) ; — f a i 1 1 i r , fehlen, verfehlen ; le cueur me fault, 
124; je suis failly, 122, ich bin schwach, unwohl geworden; fut. je 
fanldray, ich werde fehlen, 56; — fin i r, endigen, 432 ; finir sa vie; — 
gesir, liegen; Cy gist, 519; — mourir, 145,jeme meurs; imperf. je 
mouroye, 169 ; fut. je mourray, 187 ; cond. je mourroye, 170; — ouir, 
oyez, 106, 531; — querir, 200 (querre, 26); requerrez-vous k Diea 
mercy ? 425. Le parlement n'a droit de s'en enquerre. Lafontaine (Bat« 
lade des Augustins) ; — revestir, part. revestu , 424 ; — s e n t i r , 
je sens, 113, 344; — souffrir, leiden; v. souffrez, 121, def. il souff- 
rit, 191; — tenir, 32, je tiens, 115, il tient, 253, 504; imp^r. te- 
nez, 70; qu'il tienne, 258; — venir, 135^ 269; je viens, 252; il 



Le Testament de Pathelin. 95 

vient, 110; ilz vieoDent, 105; imp. venez-avant, 5; qn'il vienne, 183; 
tnu 11 vieDdra, 265; — devenir, part. devenue, 18; — revenir, 
31; revenez, 89; qu'il revi^gne; 257; — Souvenir, 814. prös. ooiy. 
souviegne, 898; souvienne-voas, 190« • 

Verben auf oir, 

avoir, 66; j*ay> 1^; >l «> 1» 339; v. avez, 43, 892; ils ont, 

321; preB. oonj. j'ay«? 144; ^u'il ait, 528; imp^r. ayez, 139, 822, 

449; imparf. j'avoie, 899; ils avoient) 317; def. j'eas, 391 ; int. j'aa« 

raj, 57; — compar oir (vor Gericht) erscheinen; ils comparent, 100; 

— devoir, je dois, 311 ;v. devez, 245; je devoye, 398; imperf. conj. 
y. denssiez, 504 ; part den, 13; 159 ; — fall oir; pres. indic. i1 faut, 32; 
faut, 67; qne tous fault-il? 8, nöthig haben, brauchen ; — pouvoir, je 
pois, 126, 361, 140; v. povez, 42; fut. je pourray, 206; cond. je 
pourroye, 307 ; ilz ponrroient, 337 ; conj. v. pnissiez, 320 ; — re c e vo ir, 
def. il re^eut, 402; — S9avoir, inf. 138; je s^y, 47, 60; v. s^avez, 
44 (s^av'ous? ffir s^^vez^vons? 329; s9a-vou8 mienlz faire (Farce de 
Jolyet, I, 57); fut. il s^anra, 142; — souloir, pflegen, je souloye, 
21. Auch bei Lafontaine (Epitaphe): Deux parts en fit, dont il sou- 
loit passer l'une k dormir, et lautre a ne rien faire ; — se oi r = asseoir, 
faictes-le seoir, 284; — yaloir, vault, 2, 23, 533, 24; v. valez, 73; 

— veoir, 246; je voy, 237, 357; v. voyez, 429 ; d^f. je vy, 850; — 
vouloir, je veuil, 66, 196, oder vueil, 267, 473, 508; auch findet 
sich j'en veulz, 174; il veult, 438; v. voulez, 508; imperf. je vou- 
loye, 251 ; oondit. je vondroit, 287. 

Verben auf re. 
attendre, j'attends, 11; ilattend, 243; — boire, 76, 136, 443; 
def. je beuz, 849; — braire, im Allgemeinen : schreien, il brait, 164; 

— connaistre,je congnois, 330, und je congnoy (reimt mit foy), 382 ; 

— craindre, je crains, 114, 372; — croire, 140; — cuire, 137; 

— dire,494; pres. ind. je dis, 391 ; vous dictes, 34; imp^r. dictes, 59, 
217, 290; pr^s. oonj. je die, 254; je dies, 331 ; imp. on disoit, 373; g^r. 
endisani, 372; part. dit, 428; dis-je, was sage ich, 891; — entendre, 
308, vernehmen, hören, verstehen, 308; il entent, 192, und entand, 
490; — escripre, 501, schreiben; imp6r. escripvez, 454; — estre, 
511, je suis, 15, 890; il est, 34, 341; n. sommes, 263; v. estes, 
4, 510, 152; ils sont, 27; pr. conj. je soye, 114, 499; soit, 70, 143, 
412; impf. v. ^tiez, 62; d«f. fut, 108, 395; condit. seroit, 308; — 
faire , 12, 85 ; pres. ind. je fais , 86, 386 ; il faict, 179 ; imper. je faisois. 



96 Le Testament de Pathelin. 

S5d; imp^r. faictes, 86; d^f. il fist, 61; vona fiates, 328; fmt. je 
feray, 99, 199; il fera, 398; v. ferez, 536; g^. en fiusant, 371; part. 
faict, 424; — introduire, part. introduit, 409; — mettre, 129; 
pr^s. ^coDJ. je mette, 266; imper. mettes, 186; d^. vons miatea, 39; 
part. mis, 104 (mjs, 870); — mordre, 337, 384; — maifltre, 61; 
— perdre, jeperds, 20; part. perdu, 9, 156; — plaire; pr&. ind. 
s'il von piaist, 5 ,69; — plaindre; v. v.^laignez, 216; — pourtraire, 
530 (woher porlrait) malen; ausai n'oubliez, pour riens, a faire mes 
armes pourtraire, 524; — poiQdre = piquer» je ne s^aj quell' mouache 
Touspoinct, 60; — prendre, 158, 307, 470 ; il prent, 187; qu'il preigne, 
405; part. prins, 528: — promettre, def. je promis, 393; — respon- 
dre, 329; — rompre, v. rompez, 177 ; — suffire; pre«. ind. il aouf- 
fit, 192,410; — 8uivre;fut. jesuivraj, 325; — taire, 176; — ten- 
dre, il tend, 221; ~- traire, s'il n'y a assez de vin qu^on ea voyse 
traire, 447, zapfen. 

Infinit if: Der blosse Infinittf steht nach: aller (aller qaerir, 
51,20;allerquerre, 26,255, 280; aller veoir, 246); devot r, 245, 311; 
laisser, 251; faire (lassen), 12 135, 284; il me (nous, vons) faut, 
32, 176, 272; mettre (mettez cuire une poire, 137); s^avoir, 142; 
venir, 229, 283; revenir, 89; vouloir, 251, 290; pouvoir, 
42, 126, 307; il convient, 315, 357. 

Infinitif mit de folgt auf: se haster, 31; se troobler, 41 ; 
avoir garde, (ilz n'ont garde de me mordre, 384); cesser, 469; 
se des pecher, 544; estre prest, 432; estre prös, 432, pen- 
ser (penser me faut de retoumer, 232; penser faut de vous mettre 
k poinct, 299; pensons de le mettre en bie, 551); dagegen penser k 
siehe unten. 

Infinitif mit ä folgt nach attendre, 11; avoir (pour pro- 
ces que k mener avez, 43); faire (oela feiet k considerer, 83); tatl- 
1er k boire, 136; donnez a boire, 255; douter Q'e doubte k pais- 
sez le pas, 162; s'entendre (ü voua fault entendre ä vous con- 
fesser, 308); penser (ne penser qu'ä fair« grant obere, 85); venir 
(venons k parier des piedz, 375); oublier (n'oubliez k faire mes 
armes pourtraire, 524); il est bon (Si est-il bon k presumer, 306); 
il est meilleur (k humer, 305). 

Verben, die den Genitiv regieren: avoir affiure de q, (Je* 
manden brauchen, 184; avoir memoire, 319; 444; avoir paour, 226 ; 
estre content, 395; se confesser, 352, 415; s'esmerveiller, 361; faire 



Le Testament de Pathelln. 97 

* 

mention, 424; mourir, (je mourroye de la mort Rolant^lTO); parier, 
375, 402; penser( pensez de vostre oonscieDoe, 153); nser, 291; 
ae Souvenir, 314; avoir souvenance, 322; se recorder, 553. 

Verben mit folgendem Dativ: penser, pensez k vostre 
ame^ 528; penser aux douze articles de la foy, 380; ne pensez point 
A telz abas, 532; aller (je n'yray plas a la cohue, 163 (dagegen 
aller chez vor Personen, 182, 208, 209); venir (venez a moy, 119, 
124, 184); prendre garde (si Ton n'y prent garde, 187); se pas- 
set» (bien au vin je me passeray, 197. Sollte hier au nicht ein Druck- 
fehler für du sein?); rem edier, 224; parier (on parlera a luy, 
285); avoir l'appetit 4, 293; presenter, 445; meitre re- 
inede, 213; laisser (laisser a boire, 194); tendre (mon roary si 
tend k la fin, 221; attoucher, 334. 

Gerundium: en faisant, 371; en disant, 372. 

Participe passe: 1) das adjectivisch gebrauchte Participium ist 
natürlich unveränderlich: mes causes perdues, 9; tenez-vous-en toute 
a>suree, 231 ; 2) Ebenso das mit etre verbundene Participium : raison 
est deue, 13,' ma science est perdue, 156; ceste reigle est ä tous dne, 
159; comme vous estes effroyee^ 241 ; je suis la plus desvoyee, 242; 
eile est allee, 261; si ne s'y fussent pas boutez, 354; Irompeurs sont 
voolentiers trompez, 411. 3) Das mit avoir verbundene Participium rich- 
tet sich nach dem vorangehenden Aocusativ obj.: les ro^avez-vous baillez 
en garde, 48; je les (les maulx) eiy pie9a laissez, 316 ; confessez-vous de 
ceulx que vousavez trompez, 353; mises (les mains)les ay alaceinture, 
370; avez-vous les nuds revestus, 419 ; qui Ss fault dieux vous oot por- 
tez, 376; im letzten müsste vous Mehrzahl sein, doch ist kein Grund vor- 
handen, dies anzunehmen ; der Priester spricht nur zum kranken Pathelin. 

Der Gebrauch des Go'njuncti vs: 1) In unabhängigen Sät- 
zen als Ausdruck subjectiver Vorstellung, des Wunsches, Gebots: Que 
Dieo luy seit misericors, 548; Jesus vous doint, 318;Dieu benye, 
Dieu garde bonne gent, 278; Jesus en hon propos vous tienne, 258; 
souvienne-vous du Roy des cieulx, 190; que j'aye une fois de bon 
vin, 444. In der mir vorliegenden Ausgabe lautet die fragliche* Stelle 
im Zusammenhange: 



Mscaura 



Trouver, que ce soi^a- ou Ik, 
Que j*aye une fois da bon vin? 
Ou mourir il me conviendra! 

Jedenfalls ist die Interpunction falsch. Ich setze nach \k einen 

Archly f. n. Sprachen. XXXIX. 7 



98 Le Testament de Pathelin. 

Punkt. Ainsi soit-il, 439; que Ten me plome les deux oyseaulx, 297; 
deuBsiez'VOUS en oe poiDt faroer, 504; je voulsisse un peu reposer, 125. 
2) In abhängigen Sätzen. 

a) In substantivischen Nebensätzen: il faut que je m'en voise, 
67 ; il faut qu'il preingne, 400; je vous pry, que j'aye k pyer, 172 ; priez 
Dieu que il ait son ame, 517; je vous pry que j*en soye seur, 530; 
je vueil qu'elle demeure, 267; gardez qu'elles soient nettes, 30; je 
presuppose que le temps ne soit dangereux; 81 ; je crains que ne soye 
malade, 114. 

b) Nach einem fragenden Hauptsatz: Oü voulez^vous que 
Tostre Corps soit bout^ en sculpture? 509; qui s^aura trouver que ce 
Boit 9^ ou 1^1 143. 

c) In Relativsätzen: sans riens laisser dont conscience vous 
remorde, 417. 

d) In hypothetischen Sätzen: Si ne s'y fussent pas boutez 
je ne les alloye mye querre, 355. 

e) In Nebensätzen der Zeitbestimmung: nach avant 
que (avant que ma femrae reviengne, 258); devant que (devant 
que je vousle die, 254, devant que rien en commence, 441) ; affi n que 
(affinqne le vray vous en dyes, 331). 

Dagegen, mais laissez-moy k boire avant qu'aller a ce eure, 195; 
n'a-il plus rien au pot carr^, ä boire, avant que trespasser? 503 ; de- 
vant qu'aller en Tauditoire, 75. * 

Inversion: Eine Umstellung des Subjectes und Prädicates fin- 
det statt: 

1) In Fragesätzen: Dies ist selbstverständlich, wenn das Subject 
ein Fürwort ist; doch tritt diese Wortstellung auch ein bei substantivi- 
schem Subject: Ne viendra meshuy Guillemette? 265; ou vous tient 
vostre maladie? 253; comment le fait le bon seigneur? 274; comment 
se porte le malade? 279. 

2) In den Betheuernngsibrmeln : si feray-je, 500; 'i faisois-je, 
358« und in den meisten der mit ainsi beginnenden Sätzen: ainsi soit- 
il, 439; ainsi fut-il content de moy, 395 ; ainsi ne fais-je, 86. Auch nach 
aussi: aussi ne S9ay-je, 128; si est-il bon a presumer, 306. 

Vin. Verh&ltnisswörter. 

A (revenez disner ä Thostel, 89: la femme au Danois, 102; an 
nom de, im Namen, 507; — avec, 393 (auch adverbialisch apporter 



Le Testameot de Pathelin. 99 

avec, mitbringen, 29); — apres (dictes apres moy, 324); — con- 
tre, gegen (feindlich) 95, 103; — chez, 182; — dedans, in (de- 
dans mon escriptoire, 37; dedans la petite layette, 454); — devant 
' (devant nou8, hier örtlich, 434) ; — dessoubz, unter, 511; — des- 
s^is, Ober, 513; sur (sur le banc, 38); — es (les pied;s qui es faulx 
dieux TOUB ont portez, 376); — en, in (wie dedans für dans, das in 
der Posse nicht vorkommt). Wenn es dans vertritt, so steht es mit 
dem Artikel: aller en Tauditoire, 75. II est en Tarnende, 98. Es fin- 
den sich auch viele Beispiele, die von dem heutigen Gebrauch des en 
nicht abweichen, und dann meist ohne Artikel : avoir en paradis lieu, 438 ; 
en lettre jaulne, 512: en beau pathelin, 513; porter en terre, 545; 
estre en vie, 549; mettre en bie, 551; un couvrechef pour mettre en 
la teste, 129 (auf den Kopf); — ä force de, 467; — de, von (quel re- 
procLe jWiraj des autres assisstans, 57; — vers (s'ils ne coroparent 
vers la Court, 100); — pour (um zu, beim Infinitiv, 129, 252, 281 
etc.); für, 131, 191 ;— par, durch (par moy, 409): sehr häufig ist es 
in Betheuerun gsformeln : par Dien (bei Gott!), 39, 282; auch do par 
Diea, 60, 284; par mon sacrement, 35; par Sainct Mace, 116*; par 
ma conscience, 157; par ma foy, 330, 498; — sans, 394, 481 ; — 
pres de (pres de la fin, 147, 152); — selon (selon vostre usaige, 
262); — jusque ä, (jusqu'au mourir, 199; jusqu'au sang, 337); — 
jusques a (jusques au retour, 87); — quant a, 382; — tou- 
chant (touchant quoy? 214; — puis (för depuis: puis dix ans, 350). 

IX. Conjunctionen. 

Die vorkommenden Bindewörter alle herzuzählen, halte ich für 
überflüssig, da die meisten derselben nichts Abweichendes zeigen. An- 
zuführen wären:devantque=avantque, 441, 254; — affinque, 
331 (alle drei mit folgendem Subjonctif) ;~pourtant, 14 )dea, pour- 
tant, se j'ay la barlue, desormais je suis un vieillard, 14; mais, pour- 
tant laissez-moy a boire, 194) ; — par quoy (deshalb parquoy, la mort 
va faire son effort, 531); — puis que (m'amye puis que vous S9avez, 
44) ; — don c (baillez donc premier a boire, 1 36) ; — d on cqu e s (je le 
Vueil doncques aller veoir, 246; il nous faut doncques chopiner, 272; 
j'ay doncques tort, 506); — comme quoy? 406 (siehe M&tzner, Syn- 
tax n, 117). 

Am wichtigsten möchte wohl die Conjunclion si (se) sein. 1) Si 
(se), wenn : Collin Thevot est en Tarnende, et auppi Thibault Boute- 

7* 



100 Le Testament de Pathelin. 

gourt, s'ils ne comparent vers la court, en 1a sotnme de cent toamois, 
98; mises seront en defiault s'ilz ne viennent appertement, 105; point 
ne vous fault de medecin, se pres estes de vostre fin, 152; ma science 
est^ se je meurs, poar moj perdue, 156 ; je mourray se Ton n'y prent 
garde, 187; soucy et peine, se vous n'y mettez brief remede, 213; 
g'en vostre afifaire ne pensez vous vous en allez, 288; de riens faire, 
se ne lay piaist, 69; je suis basi se Dieu ne m'ayde, 133; je n'yray 
plus a la oohue . . . se j'alloye de vie a trespas, 165; se je mouroye 
tout maintenant, je mourroye de la mort Rollant, 169; se je bontois 
mon doigt dedans, ilz me pourroient jusqu'au sang roordre, 836 ; le cuyde 
que si estiez prebstre vous ne chanteriez que de sacz, 62 ; si ne s'y fussent 
pas bontez je ne les alloye mye querre, 355. 

2) Si, ob: pour sgavoir s'il m'amendera, 138; dictes se je ne 
l'auray point, 59; dictes-moy se poinct vous voulez user de quelqne 
medecine, 290. 

8) Für ainsi : si faisois-je k son P^re, 358 ; ferner 370, 449. 

4) Für aussi: et si vous pry, 180; ferner 306, 405. 

Beispiele fiir aussi und ainsi finden sieh bei der Inversion schon 
angeführt. 

X. Interjectionen. 

Die Interjectionen sind in grosser Zahl und Mannigfaltigkeit ver- 
treten: ay, 390; — ha, 148, 533; — hau, 4, 24; — hee, 496; 
— helas, 59, 166;— dea, 14, 110, 340; - las, 18, 56;— sus, 
31; — sus-sus, 84; etc Die Ausruf- und Betheuerungsformeln 
würden gleichfalls hierher zu rechnen sein: Dieu! 38; dieux, 5; 
Sainct Jehan, 112; sang bieu, 3, 202, und die andern schon ange- 
führten. 

Berlin. Dr. Muret. 



Untersuchungen 

über das franz. borgne, borne; trancher. 



Etymologien aufzustellen, Wörter auf ihre bestandtheile zurQckzu- 
f Öhren galt noch vor kurzer Zeit für eine leichte arbeit; jetzt aber,- 
nachdem man durch vergleichung verwandter sprachen, solcher, die 
eines Stammes sind, und ihrer dialecte nnumstössliche naturgesetze 
herauserkannt und aufgestellt hat, nach denen laute sieh verändern, 
Wörter gebildet und abgeändert werden« hat man feste grundlagen ge- 
wonnen, auf welche die etymologische forschung fussen muss, um zu 
sicheren resultaten zu gelangen und mit fast mathematischer Sicherheit 

und genauigkeit die demente eines wertes aufzustellen. Früher gab 

gleichklang und ähnlichkeit des klanges der Wörter das mittel zu ihrer 
etymologischen deutung ab, jetzt wissen wir: „dass eine gesunde ety- 
mologie mit dem klänge der Wörter nichts zu thun habe, — dass 1) 
dasselbe wort in verschiedenen sprachen und 2) in einer und der- 
selben Sprache verschiedene formen annimmt; dass 3) verschie- 
dene Wörter in verschiedenen sprachen und 4) in einer und derselben 
spräche dieselben formen annehmen; — dass, was die etymologie 
zu lehren erklärt, nicht bloss darin besteht, zu zeigen, dass ein wort 
überhaupt von einem andern abgeleitet ist, sondeiii dass sie auch schritt 
für schritt zu beweisen hat, wie ein wort regelmässig und noth wendig 
in ein andres verwandelt wurde^ (Max Müller, lectures on the sdence 
of 1; n Sene, 1. Hafte). — In unsern tagen gilt etymologie als eines 
der schwierigsten gebiete der Sprachwissenschaft, auf dem man, geführt 
von den lautgesetzen, sich mit grösster, ja peinlicher vorsieht bewegen 
muss, um — mit Pott zu reden — nicht in den weiten welttheil des 
nnsinns zu gerathen. — Die Dialekte einer spräche, die man ehedem 
beinahe verächtlich zur seite schob, als, wie Pott einmal sagt, „verdor- 



102 Ueber das franz. borgne, borne; trancher. 

bene abgefallen heiten,^ werden nunmehr als ein hauptmittel zur rich- 
tigen erkenn tniss der ent Wickelung einer spräche, zur etymologischen 
aufklärung ihres Wortschatzes betrachtet; denn sie enthalten einerseits 
die Wörter oft in einer ursprünglicheren und naturwüchsigeren gestalt, 
andrerseits wÖrter, die in der Schriftsprache verdunkelt nur noch in ab- 
leitungen oder gar nicht mehr vorhanden sind. — Les zones se pr^- 
tent une lumiöre mutuelle^ (Littr6, bist. d. l. langne fr. in. ed. Paris 
1863, II, p. 153). — Dialektische oder auch nur volksthümliche Wör- 
ter haben schon in zahlreichen fällen licht gebracht Ober ganze wort- 
gruppen. Ebenso oft wird durch ein verborgenes dialectisches wort 
eine möhsam hergestellte etymologie vernichtet, wie andrerseits eine 
neue unumstösslieh gewonnen. — Je schwieriger aber etymologische 
forschung ist, um so willkommener dürften kleinere beitrage, versuche, 
auf diesem gebiete sein, wodurch vielleicht hier und da licht verbreitet 
werden könnte, um so nachsichtiger aber möge auch darüber geurtheilt 
werden. — Die folgenden Untersuchungen bewegen sich auf dem ge- 
biete der romanischen sprachen, 

1) borgne — bourgeon — borne. 

Im zusammenhange mit borgne (einäugig), borgnesse (pop. ein- 
äugiges weih), wozu eborgner, v. a. einäu^g machen, jmd. ein äuge 
ausschlagen, die knospen von gewachsen wegschneiden (vergl. ebour- 
geonner), sind zu betrachten: it bomio, cat bomi, limous: borlhe, 
borli, (einäugig), altfr. borgnoier, im vocab. duacensis bornier (lippire), 
im glossar von Douai borne (schielend), mlat. borgnus, bret. bom 
(auch karten-as) ; neufr. bomoyer ; s. Diez, et. wört. I, 77 ; Diefenbach 
goth. wört. I, 55« — Diese Wörtergruppe, die im laufe der Untersu- 
chung noch anwachsen wird, ist in ihrem Ursprünge, ihrer wnrzel, noch 
nicht genügend aufgehellt. — Dief. ibid. sucht erklärung im neuprov. 
bouma, „zunächst fr. bomer, dann bomer la vue, endlich offusquer; 
bomcjha (nfr. bomoyer) regarder en fermant un oeil, dann lorgner, eza- 
miner; boumicler in verachtender rede;^ — die von ihm für obige 
Wörter aufgestellte wurzel würde identisch sein mit der von bomer, 
borne, welche aber bis jetzt noch nicht gefunden ist (vgl. D. 11, 224; 
Df. goth. w. I, 300, B. 85) ; wir kommen darauf noch zurück. — Diez 
argumentirt: „hiess es ursprgl. „schielend,^ so ist spdh. bomear krüm- 
men, ausweichen, gleiches ursprangs (vgl. sp. tuerto, gekrümmt, schie- 
lend, einäugig, und tumio schielend von toraear drehen). Wober aber 



Ueber das franz. borgne, borne; trancher. 108 

dies wort? Das bret. born (9. ob.) steht isu einzeln im celt. da, um 
nicht verdacht der entlehnung ans d. franz. zu erregen," — Unsere 
anfgabe ist es, eine wurzel zu finden, deren form in jenen wertem ohne 
Schwierigkeit aufgeht und deren bedeutung zugleich den keim zu den 
verschiedenen bedeutungen ihrer abkömralinge, das m ti v zu deren 
bedeutnngen enthält. — Die bedeutung „einäugig" ist offenbar die 
jüngste; ihr vorher geht, leicht begreiflich, die des „schielens," wofür 
ausser borne (s. ob.) auch noch das juradial. bournider (schielen) und 
bornicie (schielendes äuge) (Dict. genev. p. 42; s. D. I, 77) spricht; 
femer, wie angegeben, trägt das der form nach hieher gehörige „bor- 
niert die bdtg. lippire, triefaugig sein. Wollten wir der Diez'schen 
vermuthung der herkunft unsrer wortgruppe vom span. bomear (s. ob.) 
oder von dessen radix mit der bdtg. „von einer richtung ablenken, dre- 
hen od. dgl." beitreten, so könnten wir diese bdtg. „triefäugig" erst 
auf „schielend" folgen lassen, obwohl wir leicht einsehen, dass die 
bdtg. „triefäugig sein" eher zu der von „schielen" führt (vgl. lippus), 
als umgekehrt, während jene sich nicht direct an bomear „krümmen" 
anschliessen würde. Wir würden darum das motiv „biegen, krümmen" 
besser fallen lassen und bei „triefaugig" vorläufig stehen bleiben. — 
Hier hilft uns ein in Schlesien (vermuthlich auch in Oesterreich, ?) vom 
Volke gebrauchtes wort: bornickel (auch wohl gesprochen bernickel, 
und oft anklingend an burnickel), womit eine kleine, rundliche, mit 
entzündung verbundene geschwulst am angenlide bezeichnet wird, die 
gewohnlich „geraten-, auch hagel- oder hirse-kora" genannt wird (s. 
Sander's wörterb. d. dt. spr. s. v. körn). Die form dieses Wortes stimmt 
ganz auffallend zu der erwähnten juradial, bornicie, und dessen bedeu- 
tung „schielendes äuge" lässt sich aucl^ leicht von dem entzündeten, 
mit einer geschwulst versehenen äuge herleiten, durch welche der da- 
mit behaftete am sehen behindert wird und den anblick eines schie- 
lenden gewährt. — So sind wir nach der reihe von der bdtg. „ein- 
^"g'gj" „schielend," „triefäugig" zu der „mit geschwulst versehenes 
äuge" hinaufgestiegen. Bleiben wir hierbei — bei „geschwulst, an- 
Bchwellnng^ als wurzel oder motiv der bedeutnngen — und su- 
chen wir nun eine wurzel für die form! — Allen jenen Wörtern 
gehört als gemeinsamer factor ein „bor" an. Diesen finden wir mit 
geringer vocalmodification und der geforderten bedeutung des „an- 
schwellens" im ahd. buxen, bnrren, burjan, alfnord. byrja (sich erheben), 
(von welchem lelzteren worte nach D. II, 227 auch bourgeon (knospe, 



104 Ueber das franz. borgne, borne; trancher. 

gesichtsfione), engl, burgeon, stammt; vgL ebourgeonner und eborg- 
ner!); ferner ahd. gaburjan (nhd. gebühren), mhd. börn, born, boren 
(erheben), mhd. nhd. bürzel (steiss, sot-l'y-kisse!);' hierher auch: engl, 
bnr (klette, von runder gestalt), burr (ohrläppchen, kolbenansatz bei 
hirscben, kalbsbröschen), borr-reed (Stechapfel), burly (dickleibig, bau- 
schig, = ahd. purlth, burlih (was sich hebt) ; dieselbe wurzel in em- 
por, era-por-ung und wohl auch in wim-per (mhd. en-bor in die höhe); 
trefflich stimmt hierzu franz. dial. boure (äuge des zweiges), und 
lombard. borin (brustwarze, knospe). — Diese germanische wurzel 
„bur^ also, mit der bdtg. „sich erheben, anschwellen^ wQrde den an- 
forderungen, die man an eine wurzel stellen kann, gentigen ; — ob wir 
Span, bomear (krflmmen, ausweichen) und mit D. ital. bomiola (fei- 
sches urteil) nun noch hierher ziehen können, darüber wage ich keinen 
entscheid : die bedeutungen beider Wörter Hessen sich vielleicht als qua- 
temäre (mit röcksicht auf obige entwickelang der bedeutungen), mit 
der: „einäugig** gleichzeitig und divergirend aus der tertiären „schie- 
len^ (das äuge, (vielleicht übertragen das geistige äuge), von der 
normalen richtung ablenken) ableiten. — Noch eins müssen wir vor 
schluss klären: nach Diez steckt in der endung „icle^ des juradial. 
bomicle und Schweiz, bomicler das lat. oculus (vgl. D. II, 218: bigle 
für bis-igle aus bis-oculns, span. bis-ojo), — wie ist nun das schlesische 
bömickel zu derselben endung gekommen ? Ist vielleicht gar bomickel 
aus bomicle entstanden? — wie sonderbar aber dann, rückgängig die 
bdtg. des „bömickel^ aus der von „boumicler^ resp. bomicle, zu ent- 
nehmen I — Doch haben wir ja im deutschen das radical dem lat. wort 
gleiche aug-e (oc-ulns, goth. augo), woraus demin. äuglein, schles. 
äugel, eigel, igel, welches erhävtet in der endung von bömickel stecken 
kann; die erhärtung zu „nickel^ ist vielleicht einer scherzhaften an- 
spielung auf das Schimpfwort „nickel,^' als auf etwas unangenehmes, 
belästigendes zuzuschreiben; scherzhaft sagt man bisweilen auch pnm- 
pemickel Air börnickel; einer in mir auftauchenden vermuthung, dass 
die erhärtung vielleicht durch einflnss des latein. furunculus (gersten- 
korn, bömickel, iranz. furoncle, engl, furnude) in transponirter gestalt : 
fur-nnculus bewirkt sei, wage ich hier nur beiläufig zu gedenken. Das 
lat. fumnculus ist seine, übrigens ansprechende, erkläraug aus für 
(dieb) anders richtig, kann uns übrigens für die herleitung der bedeu- 
tungen von borgne, bomicle, und bömickel einen dienst leisten: wie 
wir Ton einem diebe (räuber) am lichte (fr. voleur) sprechen, so sprach 



lieber das. franz. borgne, borne; trancher. 105 

der Römer von dem gerstenkorn (bömickel) als von einem diebe am 
äuge oder augenlichte, weshalb es gar nicht not big erscheint, wie Klotz 
es thut, fiirunculus, in der bedeutnng von gerstenkom und „wilder 
überschossling (gleichsam dieb, Schmarotzer) am weinstocke, von furere 
abzuleiten oder mit Döderlein aus fervunculus zu erklären. — So stel* 
len wir unter eine wurzel: 

1) booi'geon, bourgeonner, bourgeonnement ; — ^bourgeonner, 
ebourgeonnement; frz. dial. boure, lomb. borin. 

2) borgne, borgnesse; eborgner; bomoyer; altfr. borgnoier, bor- 
nier, bornc; juradial. bomicle, bonmicler; it. bomio, cat. bomi, limous, 
borthe, borli, bret. born; — ^ span. bornear, it. borniola? — 

Und, wenngleich wir hier von D. (II, 225) abweichen, ziehen 
wir wohl einfacher 3) das compositum bour soufder (aufblähen, auf- 
treiben), mit seinen ableitungen (boursufBure, boursouflu, boursoufle- 
roent, boursonflage) hierher, welches D. zu bouder stellt und aus boud- 
souffler oder — das wall, bos-unfla verglichen aus borsa (geschwulst) 
und inflare erklärt. 

Endlich kann icli mich nicht enthalten, auch fr. borne (grenzstein), 
und bomer (begränzen) hier einmal in's aoge zu fassen. Nach D. 
(II, 224 u. 225; vgl. Df. goth. w. I, 300, B. 85, § C.) kommt es — 
mit rücksicht auf ein altfr. bonne, bonsne, neuprov. bouino — aus dem 
gleichbedeutenden mlat. bödina, bödena, zusammengezogen: bodna mit 
Übergang des d in r. Die wurzel zu bödina führt zu bouder, boudin; 
boudine (knopfchen, afr. nabel), neuprov. boudöli (bötzel), engl, bod 
(knospe) und lat. bot-ulus, imd die wurzelbedeutung würde die von 
^anschwellen^ sein; dieselbe wurzel erstreckt sich weiter auf fr. bou- 
ton, it. bottone^ mail. butt (knospe), oberdt. bütz (brustwarze), ahd. 
bözo (bfindel), endlich auf botte^ ags. butte, nhd. bütte und auf bozza 
(vgl. D. I^ 99 : bottare, botte, bozza). — Schon Pott hat (etym. forsch. 
II, 212, erste aufl.) auf bret. born (s. ob.) als wurzel vom nfr. borne 
hingewiesen, und wir möchten auch iu borne lieber die wurzel „bor^ 
(woher nach unsrer entwickelung borgue, bourgeon etc.) als „bod^ 
finden. Uns scheint es, als habe sich neben der wurzel „bpd^ die an- 
dere gleichbedeutende „bor^^ parallel jenef ausgebreitet; man vgl. ital. 
buttare, fr. bonrgeonner, eng], bud und fr. bourgeon, oberdt. bötz 
(brustwarze) und lomb. borin (knospe u. brustwarze) u. s. w. Beide 
wurzeln tragen die bcdentung j,sch wellen, anschwellen,^' und dem franz. 
borne würde sich dt. (thür-) schwelle (von schwellen), lat. umbo: etw. 



106 Ueber das franz. borgne, borne; trancher. 

hervorragendem, buckel des Schildes und bei Statins: gren^stein, ebenso 
fr. marquer vergleichen lassen. Allerdings müssen wir so das altfr. 
bonne, bousne etc. neuprov. bouino, welche offenbar auf rolat. bodina 
zurückleiten, von lK>rne und it. bomi (bei Dante Inf. 26, 14) zurück- 
weisen, — doch, sollte es nicht möglich sein, da^s bis jetzt altfr. Wör- 
ter mit der bdtg. grenze und der würze] bor, bur uns bloss nicht be- 
kannt oder ganz verloren gegangen sind? Vielleicht bildete man, zu- 
frieden mit bonne, bousne etc* für „grenze," ein zweites wort derselben 
bdtg. aus der wurzel „bor" ffir den schriftgebrauch gar nicht ans, son- 
dern überliess ein solches wort der Volkssprache, die es schliesslich, 
das altfranz. schriftwort verdrängend, dem neufranz. in bome und dem 
ital. in borni abgab. — Man erwäge und richte! 

2) trancher. 

Zu trancher sind zu stellen (s. D. I, 423) it trinciare, sp. port. 
trinchar, cat. trinxar, pr. trencar, trinchar, pic. trinquer, altfr. trenchier, 
femer wohl (nach D.) sie. trincari (steine loshauen), span. trincar (zer- 
stücken), nfr. d^trancher, prov. detrencar. — Schon vielfach zu er- 
klären versucht. Diez negirt einfach und weist ableitungen von trun- 
care, transscindere, transsecare als formell unvereinbar zurück; fiir die 
herleitung vom dt. trennen gebricht es an dem Vorhandensein einer ab- 
leitung: trennicare. Langcnsiepen stellt interimere, ioterimicare als 
mögliches etymon auf; näher nach D. liegt internecare (bei Prudentius: 
zu gründe richten), woraus prov. entrencar (lo cim, lat. culmum inter- 
necare) entstanden sein könnte. — Schon die erzwungene weise, die 
an Wendung der äussersten und leUten mittel der etymologie, die ge- 
waltigen zuaammenziehungen und verschneidungen, die in den meisten 
der angeführten wurzelwörter angewandt werden müssen, um zu dem 
resultat der obigen roman. wÖrter zu kommen, schrecken von der an- 
nähme einer derselben ab. Vielleicht gelingt es uns das etymon ein- 
facher herzustellen. — Ital. avanzare, sp. pr. avanzar, fr. avanoer u. 
s. w. (vgl. Diez I, 27) sind zweifelsohne directe abköromlinge einer 
(zusammengesetzten) praeposition : von ab-ante, it. avanti, ebenso de« 
vancer von devant aus de abante; (beiläufig bemerkt: wie wäre es da- 
mit, auch das ital. andare, pg. sp. andar, cat. prov. anar, fr. aller etc. 
(s. D. I, 22), welche wortgruppe nach mannigfachen versuchen anderer, 
Diez mit Mnratori auf ein lat. aditare verweist, auch als ausläufer die- 
ser praepositionellen wurzel (ante, od. ad-ante) zu betrachten? — vgl. 



üeber das franz. borgne, borne; tr.anchcr 107 

auch Littre, hist. de I. langue fr. I, 39 ff.)* — Gestützt auf dieses ana- 
Jogon möchte Scifeler dict. etym. das franz. percer von der praep. per 
oder vielmehr von per-s (mit adverbialem s) herleiten, obwohl man 
sich dieser» an sich nicht verwerflichen conjectur (die Scheler selbst 
als une modeste conjecture betrachtet wissen will) verschliessen müssen, 
wird EU gansten der von D. s. v. pc^rtugiare hergestellten (nach Seh. 
nn pen hardie) von pertusiare von pertasus, pertundere, die zwar nur 
durch starke contraction zu percer zu gelangen vermag, doch den stärk- 
sten zeugen — die geschichte (des Wortes) für sich hat. — unter vor- 
ausstellung der analogie von avancer, devancer mochten wir den blick 
der etjmologen für die vorliegende wortgrnppe auf das goth. thairh 
(durch ; gadh. trvinth, cymr. trwy) richten, wovon das snbst. thairko 
(loch, oehr), (ags. thyr, ahd. derha, darchel) stammt. Doch nicht un- 
mittelbar die goth. praep. thairh wollen wir den romanischen Wörtern 
als Wurzel unterbreiten, sondern eine verbalableitung von dem aus 
jener praep. entstandenen oder ihr radical verwandten subst. thairko, 
nämlich ein goth. thairkjan (vgl. augjan von augo, bondvjan von ban- 
dvo, wathjap aus watho), dessen äagewesensein wir wohl vermuthen 
können: wie sollte uns auch in den wenigen goth. fragmenten, die wir 
haben, der ganze goth. Wortschatz vorliegen?! — Aas diesem conji- 
arten verbann thairkjan konnte sich durch transposition des r (thraik- 
jan, oder nun thrikjan?, vgl. das celt.) und durch nasalirung unsrer 
meinung nach jene romanische Wörtergruppe der form nach sehr wohl 
heranbilden; und die bedeutung durchlöchern führt, meinen wir, auch 

unschwer zu der des durchhauens, trennens. 

Felix Atzler. 



Beiirtlieilungen und kurze Anzeigen. 



Goethe's Egmont und Schiller's Wallenst^in. Eine Parallele der 
Dichter von F. Th. Bratranek, Stuttgart. Cotta. 1862. 
278 S. gr. 8. 

Der Verfasser, der nach der Ortsunterschrift der an seinen «Freund 
Waltber von Goethe" gerichteten Dedication: „Freihof Finsterwald bei Krem- 
sier," wie narh dem Klange seines Namens ein M'ähre %ii sein seheint, ver- 
öfientlicht unter dem obigen Titel eine Studie, von der wir es nicht überflüssig 
halten, zumal da dieeelbe noch wenig bekannt geworden zu sein scheint, 
auch nach so geraumer Zeit noch eine defailHrterc Notiz zu geben. Wird 
auch demjenUi^en, der eine genauere Bekanntschaft mit der hier in Betracht 
kommenden (Toethe- und Schillerliteratur besitzt, eben nicht viel Neues ge- 
boten, so ist es doch immerhin erfreulioli, dem wohlüberlegten, klaren Ge- 
dankengange des Verfassers zu folgen, und wenn es überhaupt etwas Wohl-- 
tbuendes hat, zu sehen, dass eine recht eingehende Betrachtung der Werke 
unserer grössten Dichter auch der jüngeren Generation noch immer mög- 
lich — und zu dieser gehört offenbar der Verfasser vorliegender Abhand- 
lung, wenn gleich auch er schon „Reminisccnzen an bt-ssere^ wenigstens 
illusionsreichere Tage" besitzt, - so nimmt man mit noch dttk so grösserem In- 
teresse Theil an dem, was unter der Herrschaft des Concordats, und gewiss 
nicht unter begünstigcnd<^n äusseren Verhältnissen von einem nichtdeutschen 
Verehrer unserer Dichterheroen zu Tage gefördert worden ist. 

Wir erwähnen nur deshalb, dass der Verfasser verständiger Weise auf 
die längst beseitigte Frage, ob Schiller oder Goethe grösser sei, sich nicht 
einlässt, weil er. indirect wenigstens, die Bemerkung hinwirfl: es sei das 
ebenso, wie man beute vielleicht darüber streiten wollte, ob Oesterreich, 
ob Preusscn — natürlich in geistiger Beziehung — grösser sei, oder höher 
8tehe. Angesichts dessen, was die neuesten Zeitläufte zur Erscheinung ge- 
bracht haben, bekommt die Frage eine gar zu sonderbare Färbung. Der 
Verf. geht aber im Ernst darauf aus, die beiden Dichter, wie es Schilbr iri 
einem Briefe an W. von Humboldt von einer kommenden Generation erwar- 
tete, zu „specificiren ; ihre Arten einander nicht unterzuordnen, sondern un- 
ier einem höheren, idealischen Gattungsbegriff einander zu coordiniren.^ 
Das erste leistet er; das letztere konnte freilich nur in einer systematisfh 
durchgeführten Aesthetik oder Poetik vollständig geleistet werden. Dir 
Verf. aber giebt doch reichliche Andeutungen zur Lösung auch dieser Auf- 
gabe. 

Die bisher aufgestellten charakteristischen Unterschiede beider Dichter 
senügen deD\ Verfasser nicht. Man sagt: die Natur sei Goethe's Domäne, 
die Geschichte Schiller's eigenster Geisteskampfplatz: man sagt: Goethe sei 
ein objectiver, Schiller ein subjectiver Dichter; Goethe sei Realist, Schiller 



Beurtfaeilungen und kurze Anzeigen. 109 

Idealist; alles das sind, wie der Verfasser nachweist, nur halbwahre Bestim- 
mun^n, und es wäre so schwer nicht, auch das Umgekehrte in allen diesen 
Beziehungen geltend zu machen. Der Verf. will nun die wesentlichen Un- 
terechiede beider Dichtercharaktere an zwei von ihren Werken nachweisen, 
und wählt dazu von Goethe den Egmont, von Schiller den Wallenstein, 
welche beiden Dramen er als Selbstbekenntnisse des Dichters betrachtet. 
D&8 Gemeinsame beider Poesien ist, dass an beiden die Dichter in dersel- 
ben Periode ihres Lebens, und zwar grade in der Entwicklungs> und Con- 
solidirungszeit des Mannescharakters, Goethe am Egmont vom sechsund- 
zwanzig^ten bis zum acht und drcissigsten (1775—1787), Schiller am Wallen- 
stein vom acfatundzwanzigsten bis zum beinah vierzigsten Lebensjahre (1787 
-1799) gearbeitet haben. Ferner arbeitet Goethe immer dann am Egmont, 
wenn^ er aus einer Unentscbiedenheit seiner innern oder äussern Lebensver- 
hältnisse sich zur Selbstbethätigung seines innersten Wesens aufrafil, wofür 
eben die Epochen- seiner Üebersiedlung nach Weimar, später der üeber- 
windune der Weimarer Genieperiode, und enllich der definitiven Hingabe 
an die Dichtkunst , mit Beendigung jedes Schwankens nach dem Gebiet der 
bildenden Künste hin auf der italienischen Reise entschieden sind. Und 
ebenso fallen die Zeiten, in welchen Schiller sich seit dem Don Carlos mit 
dramatischen Arbeiten, wenn auch nur vorerst mittelst Gedankenconcipirung, 
beschäftigte, mit' Entscheidunosepochen seiner Lebensrichtung zusammen. 
Zuerst das Jahr 1790, die Keise nach Erfurt, Erholung von der Krankheit, 
die seiner kaum in rechten Zug gekommenen Lehrthätigkeit beinah ein 
Ende machte, und vor Allem die durch seine Ueirath begründete häusliche 
Existenz erfüllen ihn mit neuem Lebensmuth und erwecken in ihm die alte 
Vorliebe fiir dramatische Arbeiten. Die Bekanntschaft mit Goethe, die Ar- 
beit an den Hören, der Abschluss seiner philosophischen Studien, die Xe- 
nien, bieten die Momente, um den Dichter zu einer neuen Stufe der Selbst- 
ständigkeit emporzuheben, und damit zugleich ihn zur Poesie zurückzufüh- 
ren. Die Selbstentscheidung wird endlich entschieden bethätigt durch den 
Abschluss des Wallensteio. 

Wenn nun beide Dichter immer dann an den beiden Dramen arbeilen, 
wenn sie aus einem Zustande innerer Schwankungen zu bestimmter Ent- 
scheidung über ihr inneres Leben und über den eigenthüralichen Grund des- 
selben gekommen sind, so erklärt sich daraus, dass sie in beiden Dramen 
Helden als dem Untergange verfallend durstellen, die eben nicht zur Selbst- 
entscheidung gelangen können, die an der Unentscbiedenheit ihres Wesens 
zu Grunde gehen. Es wäre eben den Dichtern auch so wie ihren Helden 
gegangen, wenn sie sich nicht zur Selbstbethätigung ihres Wesens aufge- 
rant hätten. Der Verf weist nun sowohl aus den Dramen, wie aus den 
sonstigen Aeusserungen der Dichter nach, wie diese Selbstentscheidung sich 
bei Schiller und Goethe verschieden gestaltet, und welche Gedankenreihen 
darch solche Betrachtungen entschlossen werden, lässt sich schon aus der einfa- 
chen Angabe der Resultate, zu denen er auf seinem Wege kommt, erken- 
nen. Goethe muss seine Neigung zur bildenden Kunst überwinden, Schil- 
ler seine Yorliebe zur Philosophie, um ganz Dichter zu sein. Goethe ar- 
beitet sich überall zum Urphänomen hindurch, Schiller zum Gesetz. Goethe 
erkennt als eine dunkle Lebensmacht das Dämonische an (in ganz eigen- 
thümlicher von dem Verf. gut auseinandergesetzter Bedeutung), Schiller das 
Schicksal. Goethe gelangt endlich zur Selbstentscheidung durch stetiges 
Erleben, Schiller durch gründliches Erwägen. — Der Erlebende aber muss 
dem Dämonischen, der Erwägende dem Schicksal unterliegen, wenn er nicht 
Tbaikraft und den Muth zur Selbstentscheidung besitzt. So unterliegen 
Egmont und Wallenstein; Goethe und Schiller aber nicht, weil sie That- 
kraft und den Muth der Selbstentscheidung besitzen. Beide befreien sich 
darch ihre Dichtungen von einem, ihrem innersten Wesen Verderben dro- 
henden Zustand. , 



110 Beurtheilungen und karze Anzeigen. 

Die aesthetiscfae Analyse, auf welche der Verfasser eingeht, ei^ebt ihm 
nun das Resultat, dass beide Dramen keineswegs als vollendete Tragödien 
anzusehen sind. Im Esmont überwiegt das Lyrische, im Wallenstein das 
Epische; das eigentlich Dramatische erscheint in keiner der beiden Tragö- 
dien rein durchgeführt. Auch dieser Abschnitt enthält der interessanten 
Bemerkungen genug, man könnte eine ziemlich vollständige Aesthetik der 
Tragödie daraus entwickeln. Manche Bemerkung reizt zum Widerspruch, 
der sich indess doch mehr gegen die zuweilen etwas zu abstracte Form, als 
gegen den in derselben enthaltenen Gedanken richtet. Einen guten Schluss des 
ganzen Buches gewährt die Bemerkung , dass Shakspeare mit seinem Ham- 
let den Egmont und Wallenstein übertroffen hat „Denn Hamlet erscheint 
nicht bloss um seines Inhalts, sondern auch um seiner Formvollendung wil- 
len als die Tragödie der Unentschiedenheit im eminentesten Sinne, und ers^t 
wenn man darthut (wie der Verf. es freilich in sehr abstracten Tenninis 
vollbringt), dass darin die reichste dramatische Technik beschlossen und 
das Princip des passiven Egoismus zu seiner gründlichsten Entfaltung ge- 
bracht ist, Aihlt man sich gerechtfertigt, Goethe^s und Schiller^s Unentschie- 
denheitsdranien dte Unübertrefflichkeit abgesprochen zu haben.^ 

Wir glauben durch das gegebene Keferat hinlänglich dargethan zu 
haben, dass das Buch von Bratranek zu den interessanteren und erfreulichen 
Erscheinungen auf dem Gebiete der Goethe- und Schillerliteratur gehört: 
es wird keinem V^erehrer unserer Dichter gereuen, demselben eine genauere 
Durchsicht gewidmet zu haben. Unangenehm tallt zuweilen die etwas ange- 
nirte Ausdruckweise auf. Doch steht die Bemerkung über Brackenburg: 
„er ist zwar ein AV aschlappen , wie man ihn kaum im Küchendienste ver- 
wenden möchte,^ ganz veremzelt da. Merkel. 



Goethe in den Jahren 1771 bis 1775. Von Bernhard Rudolf 
Abeken. Zweite Auflage. Hannover, Carl Rünipler, 1865. 

Dies nunmehr in zweiter Auflage vorliegende Buch ist nicht weniger 
wegen seines reichen Inhalts als ganz besonders wegen der acht mensch- 
lichen und sittlichen Gesinnung, die sich in der Behandlung dieses Inhalts 
darlegt, eine erfreuliche und wohlthuende Erscheinung. Solche Gesinnung 
aber findet nun auch in der Freude, die sie selbst an dem dargestellten Ge- 
genstände hat und die sie in Anderen an demselben hervorzurufen versteht, 
mren schönsten, befriedigenden Lohn. Dies bewährt sich auch bei diesem 
Buche. Wir meinen dies aber so. Wenn so viele, sonst gebildete ^len- 
schen deswegen zu einem reinen Genuss der Schönheit eines Kunstwerks 
nicht gelangen, weil sie bei Betrachtung desselben vor Allem die Fehler 
desselben aufsuchen und glauben, durch das Hervorheben derselben ihre 
Verstandesschärfe, ihr kritisches Talent, ihre Kennerschaft dokumenüren 
zu müssen, so spricht sich in diesem Verfahren eine mehr oder weniger 
egoistische, also unsittliche Richtung des Innern aus, und dies unsittliche 
Verfahren rächt sich dadurch, dass eben der ächte Genuss und die rechte 
Freude an dem dargebotenen Vortrefflichen verloren geht Es gehört ein 
viel feiner gebildet-es, sittliches Gefühl dazu, um den entgegengesetzten AVe»' 
einzuschlagen, vor Allem die Schönheiten eines Kunstwerkes aufzufassen, 
über diese sich klar zu werden und sie anzuerkennen , und dieser Weg al- 
lein führt zu einem reinen' Genuss und zur Freude an dem, was der Künstler 
producirt hat oder produciren wollte. Auch bei der Betrachtung der VVerke 
der Natur, auch bei der Betrachtung eines Menschendaseins macht sich die- 
ses Gesetz geltend ; es bewährt sich auch durch das vorliegende Buch. Mit 
inniger und liebenswürdiger Pietät versenkt sich der Verfasser in die Voll- 



Beartheilungen und kurze Anzeigen. 111 

■ 

kommenheiten einer so schönen Erscheinung, wie sie das Leben des Heros 
der deutschen Poesie darbietet; er ist ihm, wie einst Wielanden, ^der herr- 
liche Gottes-Mensch, an dem — und das weist der Verfasser eben nach — 
nichts verloren geht^, und nur ungern und fast gezwungen wendet er sich, 
and mit Trauer der Erwägung dessen zu, was die Welt, deren Blicke eine 
so hervorragende Erscheinung, wie Goethe ist, immer von Neuem auf sich 
zieht, an Unvollkommenbeiten an ihm entdeckt und in geflissentlicher Weise 
und hinlänglich sorgsam an's Licht gestellt hat. Es wäre thöricht, ein sol- 
ches Verfahren des Verfassers durch eine zweideutige Benennung , wie die 
eines „Goethekultns" verurtheilen zu wollen. Man könnte so auch bei Win- 
kelmann von einem Laokoon-, Apollo-, Herkuleskultus sprechen und würde 
sich damit sehr schief ausgedrückt haben. Wir können es aus dem Buche 
herausfühlen, dass der Verfasser dieselbe edle Humanität in der Betrachtung 
und Beurtheilui^ aller Erscheinungen des menschlichen Geistes, die über- 
haupt solcher Betrachtung werth sind , beweisen würde , dass eine reine, 
selbstsucbtlose Freude ihn bei Allem bewegt, was die Menschheit Herr- 
liches hervorgebracht hat. Zum vollen Verständniss einer Persönlichkeit ge- 
hört freilieh am-h, dass man die Unvollkommenbeiten und Fehler derselben 
bezeichnet als das was sie sind , und das hat der Verfasser bei Goethe aueh 
in aufrichtigster Weise eethan. Wir glauben so^ar, dass er in einigen Punk- 
ten dabei mit zu peinlicncr\ Gewissenhaftigkeit verfahren ist, oder vielmehr 
dem in Curs gesetzten Gerede zu viel Bedeutung eingeräumt hat Das ab- 
lehnend-vornehme, sei es auch zuweilen — gewiss doch nicht immer — ab- 
stossende W'esen des Ministers in späteren Jahren — ist es als tadelnswer- 
ther Charakterzug in dem Wesen des Mannes zu bezeichnen? W^r zwei- 
feln daran, sobald wir uns vorstellen: wie er denn hätte anders sein sollen 
und können in den Verhältnissen, in denen er sich bewegte und denen er 
als verständiger Mann, der dabei auch nicht Lust hatte immer (gescho- 
ren* zu sein, Rechnung tragen musste. Auch das Christenthum Goethe*8 
möchte der Verfasser retten, was immer ein verfängliches Unternehmen blei- 
ben wird, weil die, welche ihn in diesem Punkte verdammen, doch nicht 
überzeugt werden können, da er in der That ein symbolgläubiser Christ 
nicht gewesen ist. Diejenigen aber, welche die thristliche Reli^on mit 
freierem, in die Tiefe ihres We.«!ens dringenden, umfassenderen Sinne er- 
griiTen und dcmgemäss auch in Goethe's Werken das Wehen des christ- 
lichen Geistes verspürt haben, erwarten wohl Andeutungen darüber in dem 
Werke des Verfassers, verzichten aber gern in dieser Hinsicht auf eine 
Vertheidigung Goethe's gegen seine Gegner. Betläufig ist es uns immer 
wunderlich vorgekommen, wenn von der fceite eines sehr engherzigen Chri- 
stenthums auf ein Wort Goethe's aus späterer Zeit: dass er in seinem 
Leben nicht zwei Stunden, oder, wie der Verfasser das Wort anführt, 
nur wenige Wochen lang vollkommen glücklich gewesen sei, ein so gros- 
ses Gewicht gelegt und der Gedanke daran geknüpfl wird, er würde 
eben bei einer specifisch christlichen Ueberzeugung glücklicher gewesen sein. 
£0 ist aber offenbar, dass in dem Sinne, wie Goethe es meint, schwerlich 
Jemand , sei er Sjmbolsläubiger oder ein Anderer, von Glücklichsein reden 
kann. Wir glauben auch, je höher Jemand geistig sich vollendet und je mehr 
Energie seine Sittlichkeit ^winnt, überhaupt, eine je bedeutendere Steile er in 
dem Ganzen der Menschheit einnimmt, desto weniger Augenblicke seines Lebens 
werden ihm zu Theil werden, in denen er sich sagen kann : er sei glücklich. 
Das ist nun einmal das Schicksal des Menschen, und wir können vielleicht 
auch ahnen, warum es so ist. — Für sehr gelungen sehen wir die Betrach- 
tung und das Urtheil über den Mangel an deutschem Patriotismus an, die 
freilich, weil sie für die Jahre von 1771 bis 177b noch nicht von eingreifen- 
der Bedeutung sein konnten, nur in allgemeinen Andeutungen gegeben sind. 
Es konnte «ich dabei nicht um eine Vertheidi^ung des Mannes handeln, 
sondern nur um eine Kachweisung, dass auch dies Verhalten aus dem in- 



9 

112 Beurtheilangen and kurze Anseigen. 

nersten Wesen des Mannes hervorgegangen sei und Goethe eben nicht an- 
ders sein konnte. Bedenklicher ist das für die Entstehilkig der Goetbe*schen 
Werke so bedeutungsschwere Yerhaltniss zu den Frauen, mit denen Goethe 
in Berührung kam. Leichtsinn ist da nicht fortzu leugnen und wird auch 
vom Verfasser zugegeben. Man kann da nur mit einem non omnia possu- 
mus omnes Ourchhelfen, welches der Verfasser auch redlich angewandt hat, 
obgleich er mit Recht nachweist, in wie inniger Beziehung die Entstehung 
der Hauptwerke Goethe's grade zu dem Verhältniss zu den Frauen steht. 
Die wandern nun mit den Goethe*schen \Vcrken hin in die Unsterblichkeit 
und mit ihnen Lotte*s Gemahl, der freilich keine grosse Freude an der 
Art und Weise haben konnte, wie er durch den Goethe'schen Roman zu der 
Ehre poetischer Unsterblichkeit gekommen ist. ~ Siegreich konnte die Be- 
weisführung für die oft, sogar früher auch von Schiller. angezweifelte Her- 
zengüte Goethe's sein, die durch mannigfache, zum Theil erst später in ihr 
volles Lioht getretene Züge uuzwcifelhhaA; bewiesen ist. In dieser Hin- 
sicht bieten die ihn umgebenden Personen viel grössere Schwächen als Goe- 
the dar. Wir wenigstens sind überzeugt, dass Goethe niemals sich über 
Glücksbegünstigungen eines Amlem so kleinlich und oiTenbar missgünstig 
geäussert haben würde, als Schiller es in dem Briefe an Körner über den 
sorgen- und geschäftsfreien Aufenthalt Goethe's in Italien getban hat. So 
etwas lag seinem Charakter doch sehr fern. 

Das sind ungefähr die Vorwürfe, die der Person Goethe's gemacht wor- 
den sind, und die der Verfasser, der sich an mehreren Stellen ausdrücklich 
gegen die Annahme verwahrt , dass er eine Lobreie auf Goethe schreiben 
wolle, redlich berücksichtigt. Aber des Herrlichen, wahrhaft. Schönen, des- 
sen, woran man sich von Herzen erfreuen kann in dieser Menschenerschei- 
sung, ist doch unendlich mehr und legt sich in der Darstellung des Verfas 
ners in durchsichtiger Klarheit zu Tage. Auch bei diesem Buche drängt 
sich von Neuem die Bemerkung auf, £^8 es wohl wenige Menschen ausser 
Goethe giebt, die, während man so viel von ihrem äussere.^ und Innern I^- 
ben weiss als von ihm '— was weiss man denn in beiderlei Hinsicht viel Au- 
thentisches von Dante oder Shakspeare? — doch eine so reine und schöne 
Ausgestaltung einer Seite der Menschheit darstellen, als grade er. Der Ver- 
fasser des vorliegenden Buches ist offenbar und mit Recht der Ansicht, dass 
eine noch genauere Kenntniss der Einzelnheiten des Goethe^schen Lebens 
das Bild des Mannes, wie er es aufgefasst hat, nicht trüben, oder auch nur 
verändern würden ; er wünscht für manche Abschnitte noch genauere Quel- 
len und wären es auch klatschhafte Berichte nach Art der Böttiger*schen 
über die Weimarer Zustände. Es msg auch wohl noch Manches dahin Ge- 
hörige zu Tage kommen, aber die wesentlichen Züge stehen fest, und fiir 
die wichtige Periode aus Goethe's Leben, von 177 J bis 177&, sehen wir das 
Werk Abe)gen*s als abschliessend an. Die Absicht des Verfassers war: ^ene 
Jahre wie eine Knospe darzustellen,' aus der sich so Grosses entwickeln und 
entfalten sollte; eine Knospe freilich, die im Einzelnen schon zugleich die 
schönste Blüthe und die reifste Frucht ist;** er wollte « den Boden schildern, 
durch dessen Kraft und Säfte der eenährt werden musste, der nach Italien 
gelangt, schreiben konnte: ich zäme einen zweiten Geburtstag, eine wahre 
Wiedergeburt von dem Tage , da ich Rom betrat.* Diese Absicht hat der 
Verfasser vollkommen erreicht; er hat das Wesen des Jünglings in allseiti- 

§er Beziehung dargestellt und verfolgt die in jener Periode angelegten Fa- 
en, soweit es zum Verständniss derselben nöthig ist, in Andeutungen auch 
in das Mannes- und Greisenalter hinein. »Möge ein Anderer von tieferer 
Einsicht und grösserer Geschicklichkeit — mit grösserer Liebe brauche ich 
nicht zu sagen — die an die von uns behandelte Periode von Groethe's Le- 
ben sich anreihende schildern* wünscht der Verfasser. Wir glauben, die 
Welt würde vollkommen zufrieden sein, wenn ein Mann von derselben Tiefe 
der Einsicht und derselben Geschicklichkeit und mit derselben Liebe za 



Bturih^ilaAgen and kurse Anft«ig#il. IIS 

der dtffSitellteB Penöidifilikeii, nit m der Verhmn himmm bat. du 
Werk fortdüum wölke. £r irürde enf die roUe Dtt&Uberkni eUer YcMib- 
KT Goelhe'st überheopt alleir derer, die dea Sehöne im etaer Meneeheiiei^ 
Mfaemnog eo würdigen und zu liebe» versteben, recbnen köonea. 

Merkel. 



SomemBcbe Poeten« In ihren originalen Formen und metrieoh 
übereetst wom Lodwig Adolf Stauf«, Wim, 1«65. A. 
Pichlcr, 

Neckdcn die Gebrüder Sckott uae mk den MärciMa, W. v. Kateebue 
mit der Volkepoetie de« daco-romanischen VolkntaoaieB bekennt geeMcbt 
lieben, ceBpfengan wir anter obigem Titel eine Semmbing tob Prodaetionen 
seiner neiiero and neusten Kunetdiehter. JBa sind im Gänsen 31 Dkbter, 
aas deftn Poesien der Ueberselzer Proben giebi; dazu kommea als Anhang 
em im Yersmaas dee Kibelungeoliedes gebiJteaes, laageree, enäbleade» Ge- 
dicht: i^Die Gründung vonlMLuresi^ in welchem derlJebersetser einen der 
Volksaige eniaonmeaea Stoff selbst, wie ee scheint, in Verse gebracbt hat, 
und 18 Volkslieder. Statt »Poeten'' würde es also besser, wenn der Titel 
dss gaaaeBaeh decken soll, «Poesien* heiasen. Doch das bt onweseailidi ; 
der Hauptsache naeh lehrt das Werk allerdings Poeten kennen , die am aa- 
tetn Donauetraade, in der Bukowina und Siel^nbürgen in daeo^rottianiscber 
Zonge dee Sanges pdi^n. Wodurch nun sind sie wi&rdig, in das eurepaisohe 
DickterooBoert. das seil Herder in deutscher Zunge so vielstenmiff erklingt, 
einzatreten? I>er Umkreis ihrer Stoffe reicht nicä ^ rede weit. >^rwiageina 
sind es awei Dinge, an denen die Flanune ihrer Begeisterung sich entsündet : 
Die Liebe nad das Vaterland. Unter den erotiaohen Lieaera sind manehe 
sehr lart, Innig und sinnig; aber es dürfte schwer sein, sie naeh ihrer ape- 
dfischen Eigeathümlichkeit dauUich zu charaotensiren. Wir wollen hier nur 
Fol^neades hervorbeben. Erstens aeichnea sie sich, so au sagen, durch ihren 
äppjg-reicben Bäumenschmaek aus, wobei Blumen im eigeatuohen Sinne ge- 
memt sind. Wie die romanisdien Volkslieder so gern mit der Anmfunff 
des grünen Blattes beginnen, wie der gemeine Moldauer und WaJache sieh 
gern mit Blumen adunüokt, so tritt dieser nationale, blumenfreundliohe 
oinn veredelt auch in der Kunstdichtung auf. Mit Blüthen und Blumen 
treibt awar die Lyrik eines Jeden Volkes ihr sinnreiches Spiel, nirgends 
aber vieUeicbt prangt und dw/bt ea gleichsam ao von den lieblichen Gaben 
der Flora, wie in der Lyrik daa daico-romaniachen Volkes. So wenigstens 
dsif man achlieasen nach den hier gebotenen Proben; ja wir finden hier 
eine Art Apotheose der Blume in einer Gedichtgattung« welche wir unten 
näher bezeichnen werden. Mit diesem zunächst hcarvorstechenden Zuge in 
der Plqmognomie jener Poeten hSiagt nun aufs Innif^te ein zweiter zusam- 
men, nämlich eine gewisse Weichheit ihrer Sprache, die hin und wieder seibat 
bis zur Wefchlichksit hinabsinkt Ob der Dichter in glühend«[i Tönen das 
gegenwtfrtige Glück der Liebe preist, oder sehnend und thränend des ent- 
Khwnndenen bedenkt, oder in sehmaohtendem Werben auf zukünftifles hofit, 
ich finde dnnmach^ttlicb niebt, daas ein kriiftiger, kühner, asänniider Laut 
•ich seiner Bmat «itringt Mit der Geliebten im Arm -^ Trotz der gan- 
iea Wdt! — Diese Situation und die Stimmung dieser Situation ist.nir- 
»nds in den vorlieigenden Gedichten ansffepri&gt. Sind die Frauen der Mol- 
dau and WahM^i zu leicht, oder die.Miinner dort zu seicht? Wer die 
Verhältniaae etwas kennt, weiaa, daas im Allgemeinen Beides tutälSL Uebri- 
gens sind bis anf eine gewisse, unserm Gefühl anstöaaige, dort wahrschein- 

ArchiT f. n. Sprachen. XXXIX. 9 



114 Beorth ei langen ond karse Anseigen. 

lieh — liMlieh, fittfieh -- erlaubte Freiheit ^ alle in diesem Bache gesam- 
melten Gedichte dorobaus rein ond deoent. Als dritten eiflenthümlidhen Zog 
der uns beschttftieenden Kunstdichtnug nenne ich das Vorkommen awcaer 
Liedersattangen, deren Moster der dcmgen Volksdichtang entnommen ist 
Es sind dies die Doina und die Hora, welche der Uebersetaer in seinem 
Vorwort (S. XI.) so characterisirt: «Die Doina ist ein Lied der tiefsten 
Trauer, der wehmüthigsten Klage. Sie druckt alle Empfindungen der Liebe, 
der Sehnsucht, des Schmerzes, aber auch der Rache und des glühendsten 
Hasses aus. Die dazu erfundene Weise ist im Volke ein onenduch klagen- 
der Ton, und es liegt in ihr — wie Alexandri [einer der übersetzten Poeten] 
sich ausdrückt ^ nie Bedeutung der Trauer um den entschwundenen Glanz 
Romaniens. Wenn der Bauer sie in seiner stillen Einsamkeit sin^t, so be- 
ginnt er mit dnem hellen klagenden Ton, den er minutenlang dehnt, bis er 
auf das eij^rentliche Lied kommt Die Hora dagegen ist mehr heitern Cha- 
racters ; ste ist auch nichts anderes als ein Tanzfied, das ans dem lateinisdien 
Worte Chorus (?) seinen Stamm erhalten hat. Ihre Ekitstehungsweise liegt 
gewöhnlich in der Improvisation (vgl. S. 1S9>. Eine eigene Knnstfonn hat 
weder die Doina, nocn die Hora.^ Ob die beiden Liederarien in der roma- 
nisohen Kunstdichtung häufig auftreten, vennag ich nicht zu bestammen; 
wie es scheint, ist es nicht der Fall. Die Doina weist aber zom Theil schon 
über den engen Kreis der erotischen Poesie hinaus, und so wenden wir uns 
au dem zweite grossen Stoffgebiete, das sich offenbar in der romanisehen 
Dichtong stark hervordrängt Dies ist das patriotisch-politische, vertreten 
in alten Schattirangen. Wir finden Lieder, welche in froher Begeistenmg 
einfach dem Heimathsgefühl Ausdruck geben, Lieder, welche die oehnsadit 
des Verbannten nach der Heimath schildern Tdie romanische Poesie enthält 
nach Aussage des Uebersetzers ziemlich viele Verbannangslieder, jedoch 
. ohne dass, wie er hinzufügt, in jedem Fall anzunehmen wäre, dass der Dich- 
ter die Bitterkeit des Exils gekostet); wir finden femer Lieder, welche, vor 
der politischen Wiedergeburt der romanischen Fürstenthümer gedichtet, sich 
in zomie-wehmüthigen Klagen über das Unglück des von Fremden zertre- 
tenen l^terlandes ergehen, dann andere neuesten Datums, weiche bald zor 
Union aufrufen, bald die vollzogene patriotisch feiern und hoffnongsfW>h die 
Zukunft begrüssen; wir finden endlich eine Reihe von Gedichten, die sich 
in die Zustände und Ereignisse einer bessern Vergangenheit versenken, vm 
iu episeh-elegischem Ton die Thaten und SobiokMle der Helden des alten 
Romaniens zu besingen; hin und wieder bricht ein politisch-patriotischer Ao- 
Cent selbst in einem erotischen Gedicht durch« und solche, m denen es ge- 
schieht, gehören unbedingt zu den kräftigsten ihrer Gattung. Ein starkes, 
zuweilen ^s. S. 28> Kriegsgesang) selbst prahlerisch übertreitoides National- 
bewusstsein spricht steh in den Gesängen dieser eben specifirten Stofifreihe 
aas ; der vorwaltende Ton ist jedoch der der Trauer und der Klaee, und so 
bestärken sie den ans dem zuerst Besprochenen empfangenen Eindruck, dass 
wir es hier mit einer im Ganzen weichen, von elegischen Stimmungen ge- 
tragenen Poesie zu thnn haben. 

Es folgt aas diesen Bemerkungen von selbst, dass alle in diesem Boche 
vertretenen Dichter sich durchaus als Lyriker kennzeichnen. Als steche 
erscheinen auch diejenigen unter ihnen, die uns angebüch epische Schö- 
pfungen entgegenbringen. Unser Buch enthält eini^ längere, halb ernh- 
lende, halb sc&ldemcte Dichtungen, die schon der etgenthümlicben Riebtmw 
ihies Stofifes we^^en besondere Erwähnung verdienen. Sie versetzen nämli<£ 
in eine phantastische Wunder- und Zauberwelt, in die Welt der Elfen, Feen 
ond Dämonen, indem sie theils freier Erfindung entsprungen, theils, wie ea 
scheint, auf Volksmärchen und selbst uralte mHhologisobe Vorstellungen za- 
rückzuftihren sind (hier die Apotheose der Blumen in Gestalt der Blnmeo- 
fee Mariora Floriora im gleichnamigen Gedicht von Basil Alexandri); an- 
dern Vorwurf haben andere Dichtungen dieser Art: Stoffe^ die dem oriea«- 



• Beartbeilnngen und kurse Anseig^en. 116 

taliMiif^iirkiflcheii Leben entlehnt sind. Alle aber gehören zn den fM>en- 
reichsten and duftigsten Craben des jgansen Buches; sie entfalten eine er- 
starnüiche, schwellende Fülle erfindenscher Gestaltungskri^ in ihnen paart 
lieh die hochfliegende, üppiffe Phantasie des Orients mit der Feinheit, San- 
berkeit and Sinnigkeit oceidentalisoher Darstelhi^kmist, nar gehören sie 
eben nach Geist und Haitang keineswegs in das Genre der Poesie, in wel- 
ches ihre Sänger sie stellen möchten. 

Die dramatische Poesie der Romanen ist nach Aussage des Ueber- 
setsers erst im Werden, und so bringt denn aadi sein Buch — als Probe 
Yermnthlich dramatischer Dichtkunst — nur ein Fragment einer, einen pa- 
triotischen Stoff behandelnden Oper von J. Eli ade. 

Demeter Boiintinian heisst der Dichter, den der Uebersetzer an 
die Spitse aller romanischen Dichter' setzt, ihm sunüchst stellt er den schon 
enriUmten Basil Alexandri, als dritten neben sie einen Dichter Geore 
Sion; von diesen enthält denn auch seine Sammlung die meisten und al- 
lerdings besten Stucke. Drei andere — Gregor Alezandresku, Georg 
V. Assaki, A. Donitsch — lernen wir als Fabeldichter kennen. Unter 
den Uebrigen tritt bedentender heraus Georg Kretaian. 

Was die Form unserer Dichtungen betnfil, so ist trochttisches Vers- 
mass weitaas das vorherrschende, während im Vers- und Strophenbau eine 
ziemliche Freiheit, zuweilen selost völlige Kegellosigkeit hervortritt. Der 
Ueberseteer sagt , dass er in diesem Punkte seinen Originalen gefolgt sei, 
and macht ihnen denselben zum Vorwurf; abgewichen sei er von seinen 
Mastern nur da, wo diese (wie z. B. in liariora Floriora) 10, ja 16 und 18 
Verse continuirlich zusammenklingen Hessen. Dass im Deutschen solche 
Reimanhänfungen unerträglich sein würden, darin hat er jedenfalls Recht 
(man lese z. B. die 8 gleichgereimten Verse S. 29 und S. 35), aber es ist 
dem deutschen Ohr ebenso unangenehm, wenn der Reim zu mager d. b. un- 
rein ausfällt, und diesen Fehler zeigt seine Arbeit nicht selten. Schwirrt — 
friert, Seele — schnelle, Güter — bitter, ziert — wird, Gefühle — Stille, 
irr' — Dir, Romanen — erkennen, schöne — Thräne, verschönt — Monu- 
ment, um nur Einiges zu nennen, berühren unschön. Leider kommen solche 
Reime zu häufig vor , hin und wieder auch eine holprige und dunkle Satz- 
conttruction , endlich noch Schlimmeres — Sprachformen oder Sprachwen- 
daoeen, die völlig undeutsch sind, wie z.B. fällst; trägst; fallt; cefallt; nie- 
deriiiUt; lasst st lässt; nimm' ich*8 wahr;, die Beile st. das Beil; auf sein 
Wesen, auf die Welt, auf Gott vergessen, ja — an den Rauch der Welt 
vergessen I Uebrif;ens trotz der p;eri^^n Mängel zeugl^ die Arbeit des Ver- 
fassers doch von emem nidit fennsen Uebersetzertalent : manche seiner Ue- 
bertra^ngen — ihre Treue nreilioi vorausgesetzt — lesen sich so glatt 
und leicht wie Originale. ' ' 

Wir hätten noch einige minder erhebliche Ausstellangen zu machen, 
doch unterlassen wir sie, um ein Wort zu reden über den Anspruch des 
Verfassers, dass sein Buch eine „wissenschaftliche Berechtigung" haoe. Diese 
können wir ihm nur in einem bestimmten und eingeschränkten Sinne zuge- 
stehen. Wir erfahren — etwa mit einer Ausnahme — in seinem Buche 
nicht, aus welchen Sammlungen oder Blättern die Ori^nale der von ihm 
übersetaten Dichtongen geschöpft sind, wer von den Dichtem lebend oder 
todt ist, wer einer älteren oder einer jüngeren Generation angehört, worin 
die literarisdien Gesammtleistungen eines Jeden bestehen, noch weniger er- 
halten wir Andeutungen über den Bildungsgang des Einen oder des i&dern. 
Solehe und ähnliche Notizen allein würden mdess dem Buche einen wirklich 
wissenschaftlichen Werth zu eeben im Stande sein, wie sie andrerseits bei 
untrer Unkenntniss der literarischen Zustände im weihind Cusanischen Reiche 
eine eingehende und gerechte Würdigung der betreffenden Dichter erst er- 
mödichen würden. Der Verfasser meint zwar in seinem allgemein orienti- 
renden and, nebenbei bemerkt, nicht gut stylisirten Vorwort, dass ein er- 



jeMtpfendfr Beriolit Über diel poatisA^ NslioanUiteraiir ^ HoMaaM bei 
dem Mangel ews historiüibf n W^es über diwen Cktyfüttnd mbft toh 
Ulm za yerlaogen sei, aber da er snigleicb von Vc^^rMtm epricht, die in 
dieier Riohtang existiren, de seiQ Vorweirt ferner von Kronatedt, alao sob 
der Nttbe der HeiipaA seioer UtervipelHW Sckötolinge datirl iet» io väre es 
TieUeicht doch mc\kt so onmöglicb geweeevu einige der beseiobiMleii, ao wün- 
Bchenswerthen Notizen berbeizusehaffen« jinmeraiii bleibt da# Usteniehinen 
des Verfaiaers ein^ ini^ mo n an t e Srpcbeimmg und bebält 4aa Yurdieaet, dass 
es ai^ seinem Theil^ dazu b^idüg^, eine Uidce in oaaeifir .WelUifemtor* 
aosziifMÜen. 

Pr. Martha. 



Werth der Spruchvergleichune für die clius^iaohQ Philologie. 
£ine Antrittavorleaimg, genalten an der Univeraität sn Giüz 
am 18. April 1864, von Dr. Karl Schenkel, k. k. o. ö. 
Profesaor der class. Philologie. Gr'iz, 1864. tfeuachner 
& Lubenaky. 

Der Verfasser characterisirt zun&cbst kurz die beiden eliemals walten- 
den Hauptrichtungen des Sprachstudiums, die mmmaticafische und die phi- 
losophische, bestimmt hierauf das Wesen und die Tendenz der yergleicben« 
den Sprachforschung und föhrt dann sein Thema so aus, dass er mit raschen 
Schritten alle Gebiete durchgeht, auf denen die Tocht^rwissenschaft der 
Mutter hülfreiche Hand geleistet hat Er zeigt, wie und an welchen Punk- 
ten das Wesen und die Bildungsgeschichte der griechischen sowohl wie der 
lateinischen Sprache, ihre Laut- und Formenlehre, ihre Syntax, ihre Ety- 
mologe, im Griechischen die Accentuationslehre, femer die Metrik beider 
Spracnen durch die Sanskrit- und vereleic^henden Sprachstudien in helle- 
res Licht gesetzt sind ; er weist ferner darauf hin, wie und wo die letzteren 
das Verstandniss der gnechischei) und lateinischen Literatur gefördert, wie 
die Urgeschichte der beiden in Betracht kommenden Völker^ ihre Mytholo- 
gie, die Privatalterthümer, endlich worin der Gymnasialuntemcht durch jene 
Studien gewonnen haben. Das Ganze ist ein klarer, btindi^er, stets auf Bei- 
spiele gestützter Rechenschaftsbericl^t über die bisherigen Bestrebungen und 
Leistungen der vergleichenden Sprachforschung, wohl geeignet, jeden philo- 
logisch gebildeten Mann, der damit etwa noch im Rückst^de ist, anzure- 
gen, sich wenigstens mit den Resultaten dieser Forschung bekannt zu machen. 

Dr. Martha. 



< < 



Pt'ogfammeiisGhaii. *i 



Beitrag zur methodiscben Behandlung ckes deuUchen Sprach- 
iuitefrichts ^ befiondetrs in ditn unteren GymnanalcMissen. 
Vm H. SofatSder. Programm itn Gymnasifim^ eu Al- 

totiÄ. 1865. 4. 17 S. 

Indeta dfer VerfaiMr em^o neben der Leoiür^ lMi*gelieiiden grammt- 
tischen Uotemeht für noüfwendig hKlt, iteHt et doMlm L«4iKfganfi mf: 
1. Flir S«plima. Ali^aNAne Bettaehtilnit de« Wörtea and geiaer TheHe 
(Aotchaacfo and Namen der GeaenttSndey der EigenscAiafteiil und ThStig- 
kdtea dttRBelben), so wie det Satae^ aad seiner Tbeile (eingehe nackte 
S«tB) ifnd baeoaoeM Batraoktung dearHanMwdrtas (Perionea- ond Sachnamen, 
Gonade, Abttraeta^ Geaehtociit, Aitiket, Binaafal ondl M^raahl, einfache 
and »a<am n ie w|r eaetite Hauptwörter, Bildung der Hauptwdrteir auf Zeit-. 
Haupt-, mud Euensekaft^wörtera', del EigeasebaflgwcMrla (Atttümt und Prti- 
dikat, Dedinatton, Com|>arat7oii, BHilang der Adjectiire), dei Zeitwerte (eie- 
len«)e und aMfove^ Neun- and Aageagäbrtan, Tempora, Peiaon^ nad Zahl- 
fonneDi peiatfnliche Fiirwörtei', Acttvam nnd Passirum, Cdnjtfgation im In- 
(lieativ> 9v Für Sexta. Wiederhaiung, dann Erweitevung. Wortlebre: 
Snbttattttt (fitgennanon» Appeliatinre, CwleetiTe, tcbwacbe oad itarke De- 




tionen). Satzlehre: (verschiedene Wortarten für Subject und Prädicat, be- 
jahende und verneinende Sätze, Frage-, Befehl- u. ä. Sätze, Interpnnction, 
der erweiterte Satr, Aitribat, Objeety ÜmslwiisbeMimotang)« §, Für Quinta« 
Wiederholung. Conjnnction. Der zuBammengezogene Satz (die copuktiven, 
adversativen, causaTen Conjunct fönen). Der zusaumiengesetzte Satz (Haupt- 
ond HebaaeMtae, Beiovdnanfft terschiedene Nebensätae, Sabftanti^-, A^jec- 
tivt, Advartllal4iatCf dereo Arten, Verbindbnf^ und Verkärzungw -^ In B^rag 
auf daaLelirp^^alkk«!! ist festaubaMenv daaa die Schüler aus nianreren gleich- 
artijgf». SptnobertebtiSnuiigekf das Sprächgesete seihst fisden. Daau eigtoea 
äeh bogaaden SpvMiwÖiteVy bekannte Ve^se, gtschichtliobe und natnrge^ 
MhfoMitfbe JHtA Sahriftlicha Uebna^n mttsera sinb aiMoiüiessea , wozu 
<)er Lefü^i* nor tiieilweise denp Stoff Beutet gibtf und zwar zunlftclkst in der 
Otese saÄstv die bftastteiieii Arbeiten beziehen sieh daa» anf die Aufsnolanig 
dfi AeknaKchen aas einem schon besprochenen Leaestüok. Nach Absolvinmg 
<Hies Absriiaittet fielen die sog.* BlemeatlrübaiigeB hinzn, d. bv Zei^liede- 
mg ekiaißprflMbgaBea aut Bäksicht auf die erworbeaen SpraobkeuMaoBsetr 



119 . . Programmenschau. 

und zwar namentlich nach den Satzarten. Was die Orthographie betriffl, 
so kann nur verlanct werden von dieser Stufe, dass die Schüler zur sidieren 
Anwendung der ulwcben Schreibweise befähigt werden, weshalb die Lelur- 
büdier dasselbe orthoffraphische System befolgen müssen. Ihre sichere An* 
Wendung ist hauptsächlicn Sache des Auges und der Erinnerungi daher dem 
Schüler ein möglichst grosser Reichthum von Wörtern nach und nach zur 
Anschauung vorzuführen und Bochstabirübungen nicht zu vernachlässigen 
sind; allgemeine Regeln lassen sich am besten an die Betrachtung der ver- 
schiedenen Wortarten, der Woribiegung und Wortbildung anknüpfen. 



Der deutsche Setz, Für die ontersteo Elasaen der Mittebchulen. 
Von Ed. Hermann. Prograoun der Theresien-Akademie 
zu TTien. 1865. 8. 44 S. 

Die Abhandlung tritt ohne Vorrede -auf; es scheint, dass sie als Lehr- 
buch den Schülern m die Hände gegeben werden soll. Die Einrichtung ist 
diese, dass zuerst eine sehr grosse &td von Sätzen gegeben wird, dann die 
daraus sich ergebenden Lehnätze folgen. Wie erhalten somit eine recht 
flprundliche Betrachtung des Satzes^ aber in einer solchen Ausdehnung and 
Zergliederung, dazu in einer so wissenschaftlichen Behandlung, dass für den 
Zweck der l^iiittle eine bedeutende Vereinfachung nöthiff sein möchte. Der 
erste Abschnitt behandelt den einfachen nackten Satz, der zweite den ein- 
fachen erweiterten mit besonderer Betrachtmig des Attributs, des Obidcts 
(wieder in sechs Theilegeschieden), des Umstandes (wieder in vier llefle 
zerfallend, und der 4. Theil : Umstand des Grundes, zerfallend in Saoherund, 
Stoff, Mittel, Erkenntnissgrund, Beweggrund, Zweck, Bedingung, Gegen- 
grund), der dritte den zusammengesetzten Satz und zwar 1, die Satzver- 
bindung «Bd zwar a, Copulative, d, adversative, c, begründende, d» erläu- 
ternde Satzverbindungr i, das Satzjg;etüge und zwar a, Substantivsats, b, 
prädicativer Nebensatz, c, Attributivsatz, d, Adverbialsatz, aa, des Ortes, 
bb, der Zeit, cc, des Grundes, dd, der Modalität, a, der qualitativeiu ft^ der 
quantitativen Modalität. Dann erst folfft im 4. Abschnitt der mehr&ch zu- 
sammengesetzte Satz. Im Anhang wird eine Anzahl von Wörtern zusam- 
mengestellt, bei denen eine dop^te Schreibung voricommt, die richtigere 
der andern gegenübeiigestellt 



Der Begriff der Procnt. Von Bector Prof. Pr. Scheele. Pro- 
gramm dea Gymnasiums zu Merseburg. 1865. 

Das Thenia, sagt der Verfasser sehr richtig, kann auch heissen: Ueber 
den Unterschied der Poesie und Prosa. Beide zusammen machen die La- 
teratnr ans. Die Literatur ist der durch Rede vermittdte Aus^ck eines 
Volkes iiber sein ganzes inneres und äusseres Leben. Je ärmer das rastige 
Leben eines Volkes, desto dürftiger auch seine Literatur; obgleicE ganz 
entblösst von allen Anfängen einer Literatur kaum ein Volk gedacht werden 
kann. Auf den Unterschied zweier Grundformen des Bewusstseins fuhrt der 
Verf^ser den Unterschied der Poesie und Prosa zurück. Der Namen der 
Prosa als prossa, provessa oratio drückt nur einen Untendiied der Form 
aus, ist aber keine notbwendige Bestimmung des Wesens der Prosa; denn 
es gibt viele poetische Erzeugnisse in prosaisdier Form, nnd umgekehrt. 



f.. Programmentohftn. 119 

Bon wiffsenacliaftiiclie • and praktische Stoffe Bind m der Zeit des Verfalls 
poetisdi gefermt, aber es gab aacfa eine Zeit, wo die Trennung zwischen 
Poe«e und Prosa noch nicht eingetreten war und der Stoff selbst noch die 
poetische Form von Hause mitbrachte; man denke an die griechischen Lehr- 
ftecBehte. — Daher macht nicht der Inhalt den Untemchied der Poesie und 
Prosa ans, sondern die Form. Und awar die Form des Inhalts, so dass 
nim Poesie ist Ausdruck des Bewusstaeins in der Form des Gefühls, der 
Phantasie« der Vorstellung, Prosa in der Form der Reflexion, des Verstan- 
des, des Gedankens. 

Daher, da im Bewusstsein die Sphäre des Gefühls und der Phantasie 
der EntwidElunff des beerifismässigen i)enkens vorausgeht, ist der Zeit nach 
die Poesie früher als die Prosa. Beweis die griechische Literatur. Aller 
Stoff wird auf jener Stufe poetisch anseschaut. Alles wird Poesie. Femer, 
die Poesie strebt nach der Schönheit der Form, die Prosa nach der Wahr- 
heit des Gredankens. Die S];miche der Poesie ist daher bildlich, die äussere. 
Form rhythmisch und melodisch; der Gedanke soll anschaulich dargestellt 
werden; wie ▼erschieden sind die Schlachtenbilder Homer's und Xenophon*s. 
In ihrer reinsten und strengsten Form ist die Sprache der Prosa bild- und 
farblos, so bei Cäsar und Aristoteles, 



Proben einee Wörterbuches der österreichischen Volkssprache 
von Hugo Mareta. Zweiter Versuch. Programm des 
Grjrmnaflinms zu den Schotten in Wien. 1865. 8. 72 S. 

Der erste Versuch dieses Idioticons erschien 1861. Dieser zweite ist 
seiner Anlage nach von jenem sehr verscbiedeo. Während jener nur die lebende 
Volkssprache berücksichtigte, so hat jetzt der Verfasser seinen Plan bedeu- 
tend ausgedehnt und will die ganze Entwicklung der österreichischen Sprache, 
▼om 18. Jahrhundert bis auf die Gegenwart, nach den vorhandenen Quellen 
qachweisen. Daher hat er angefangen, die ganze österreichische Literatur 
vom 14. Jahrhundert an auszuziehen und manche bisher ganz übersehene 
Schriftsteller (darunter auch Abraham a St. Clara) auszubeuten. Es soll also 
jetzt das Wörterbuch ein Seitenstück zu Schmeller's bairischem Wörterbuch 
werden. Die vorliegende Probe umfasst die Buchstaben K und S und ffibt 
besonders solche Artikel, die bei Schmdler ganz fehlen oder dessen Arbeit 
wesentlich erweitem; meistens ist Hinweisung auf das Alt- und Mittelhoch- 
deutsche, soviel sich dazu Gelegenheit darbot, der Baumerspamiss wegen 
weggelassen. In der Einleitung waren die zahlreichen Quellenwerke für 
diese Probe genannt, deren Titd kaum ausserhalb Oesterreich bekannt sein 
mögen. Der Buchstabe S umfasst mehr als drei Viertel der Abhandlunig. 
Durchlesen wir dieselbe von Anfang an, von den Artikeln: Rab (roh\ Ba- 
banschen (überraschen), Kabiat (ausser sich]), Rablerisch (unordentlich, neflig), 
Rebaoh (Gewinn), Rebarbara, Beberl cTeigmasse), BebeUi (abzupfen). Be- 
bell (Länn)« anrebellen Q^uf wecken» foppen), verrebellen (vergeuden), Bibeln 
(reiben, tadeln, rüffeln), Kobeln (raufen), rucken (zückend rid (Augenblick), 
ridig oläh, saftlos), refolter (Lärm, Unruhe), refsen (züchtigen, schelten) u.' 
•• w., so sehen wir gleich, daas wir eine Arbeit von grossem wissenschaft» 
hcbem Werthe vor uns haben. Der Verfasser ist zu derselben durch seine 
Schüler durch Zettelschreiben unterstützt worden. Möge ihm diese Hilfe 
auch femerweit nicht entgehen, seine dringende Bitte aber auch an alle die- 
jenigen, welche des Österreichischen Dialekts mächtig sind, ihn zu unter- 
stQtaeo, vielflMshen Anklang finden. 



ISO Pr^grAmmeiiteb*«. 

Beitrag zur Dialektforechim^ in NerdbShineii. Yen Ignax 
Fetter 8. Programm aes Gjrmnaaimns zu Leitmerifz, 
1866. 4. 12 S: 

^ In di'efler Abhandltitiff seist ^kv Verfasser seine lobenswerdieB For* 
schnngen nber den Diiüelt seiner Heimat^ fort. Sie ninfftsst die Blieb- 
Stäben b, t, a, v, w, z. Wi« die früheren, fUirt sie die DiaiektfonBen der 
Wörter in alphabetischer Folge vor. Zu sanmiem nennt Referent das wmi- 
lülische Sämmelpeter und Daroelpeter (von langsamen Mensobeny, ra sei- 
hend das westfuiscbe siäwegge: Unter ersehifiben macht Petters aufmeiirsam 
auf das mittelhochdentsehe erschüpfen ■-■ aass eg fa en, «fassen Bedieattiqg pro- 
trudert bei Ghrimm W. B. ITI. 975 auf die miMelfaoefadeatsehen Belegmllee 
nicht passt; entschupfen fehlt bei Grimm. Zahlreicbe VercleichuBgea mit 
den andern deutschen Dialekten zeusen fUf den ansserorirarirtfiehen Fleiss 
des Verfasseirs, dessen Beitriige auch für die hochdeuts^e Schriftsprache 
sehr wichtig sind. Möge sein Wunsch» dass sich auch in seinen eneem 
Yaterlande das Interesse für Dialekts^mmlungen mehre^ in EMlluttg gehen. 



Ueber den rheiniach-frimkischen Dialekt und die Elberfelder 
Mundart inebeeoiidere. Von Dr. Gust. Schöne. Im Pro- 
gramm der Elberfelder Kcnbcbule. 186&. 4. 12 S. 

Die im frttnkigehen Dialekt stark hervortretende Neignag an NuaUanten 
fuhrt nebst anderen Erscheinungen den Verfasser zu demlßrgebniss, daas 
nicht der Einduss des Französiscnen Schuld dman sei, sondern dass umge- 
kehrt|der Einiluss der Franken in der französichen Sprachbildune sich dann 
erkennen lasse. Der fiünkische Dialekt ist überhaupt ein getrübter, beson- 
ders unrein erscheint die Elberfelder Mundart Der Einfluss des Nieder- 
deutschen ist noch grösser als dem Verfasser scheint. Viele Ausdrücke, die 
ihm in dem Eiber feldischen aufgestossen, sind im Niederdeutschen weit ver- 
breitet; die Form niz (S. 7) ist niederdeutsch. 



Ueber J. Böhme als Begründer der neueren Bdigionephiloaopliie. 
2* Abtheilung« Von dem Lehrer Milarcb. Fh)gramro des 
GynmaaiumB zu Neu-Strelitz. 1865. 4. 30 S. 

In weiterer Verfolgung des im Februar 1:858 beeoDneneii Themas hat 
der Verftsser J. Böhme, der auch fifr die Geschichte der deutschen Sprache 
eine wichtige Fersönlicfakeit ist» in seiner Bedeutung für Theolo^ «nd Phi* 
]oso)3hie dargestellt. Er nimmt dabei nicht blos Rücksicht auf Böhmens 
Schriften, sondern auch auf die neueste philosophische Lfleratnr, and im 
Gegensatz zu den neuesten lutherischen Theologen, die auch aach den gründ- 
licheren philosophischen Arbeiten der Neuzeit die heilten Urtheite, weldie 
die gleichzeitige Theologie i!ber B^me f^te, nicht aufhören ihn zu Yei> 
dämmen, tritt er för denselben als einen frommen nnd bedeutenden Detker 
in die Schranken. Er -charakterisirt ihn daher genaner zuerst in seinem 
Verh'altniss zu Cartesius und Spinoza, sodann zu P\oiret, diesen erst in neue- 
ster Zeit gehörig gewürdigten reformirten Theotogen, and zu Leibnits, end> 
lieh aber auch im Verfattltniss zu Schdling, dessen enger Ansefaliuis an Böhttie 
nachgewisen wird. Auffallend ist die NichterwKhmmg der Arbeit reu A.Peip 
(1S60) über Böhme. 



Progr«itinieo0öKi*n. 191 

Ueber die weltbürgeriiche Richtnng nnserer klsasischen Literatur. 
Von Oberlehrer E. E inert. Programm des Gymnasiums 
M Arnstadt. 1865. 4. 16 S. 

Ein Zug zum WeHburjiertham, sa^ der Verfksser, liegt in nnserer Na- 
tion; aber besonders hat sich diese Richtnng in der Literatur am Ende des 
18. Jahrhunderts anflgesprochen. Grund desselben ist einerseits das gesun- 
kene nationale Bcwnsstsein unseres Volkes, die Unkenntnis der glorreichen 
Ve r g ang e n heit, andererseits nach dem patriotischen Auftchwnnge unter Frie- 
drich dem Grossen die spätere Politik rreussens, femer die änsserlich un- 
ehrenvolle Stellung der Vertreter der Literatur, besonders abeor die geistige 
Bewegung, die von Rousseau ausging und zur Humanitätsidee führte, zur 
Veracotung des Patriotismus. Besonders ist Herder für das Weltburgerthum 
begestert «nd Lea^m^ schien fle Vctorfandsliebe -eine hfrofsche ScfawaeUieit; 
der Patriotismus der AUen war Wieland ein Greuel; Gälhe war durch seine 
gesondc Natur vor den Schwärmereien anderer Weltbürger gesichert, aber 
n den Weltbäroem rechnete auch er sich; Schiller ist m Dichter, wie als 
Üktnäkm md Philosoph, aach nt dieser iiinseitigkeit befangen. Jean Paol 
ist die YaterlandsHebe nichts ak eine einge a efag än kta WeKhlirgerKebei Niehi 
onider huUiflte Kant dieser RiohtunA In den ersten Jahren der frantö- 
fli sehe n Rerelotion steicerte sich das Weltbiimrthom bis zam Bndinfiasaras, 
maa denke an Klopstooc, an Förster. Als die blutige Wendung der Reyo- 
lotion die Franken nicht mehr als Weltbe^ücker erscheinen Hess, gab man 
die Ideale selbst nicht auf, sondern zog sich auf geistige Qehieie snrttok; 
Deutschland erscheint als ein halbbarbarisches Land in vielen Schildemnfien 
Göthe^s, Jean Paul's, Hölderlins; der Wandsbecker Bote und Moser wurden 
verkannt — Aber unter der äussern Noth erwachte bald ein anderer Geist. 
Schiller wandte sieh der Vaterlandaliebe au, seine Dicfatnnasn begeisterten 
später das Volk zum Kampfe. Göthe und Wieland aber verehrten die Grösse 
Nspoleon's, nnd Hebel, der begeisterte Freund seiner Heimath, hat .kein Mit- 
gefühl für die Schmach des deutschen Volkes. Die neaerwacheade Sehnsucht 
unserer Nation nach den Gütern des eigenen Vaterhauses spiegelt sich zu- 
nächst in der Romantik; die deutsche Heldendichtunff, das dentsche Volks- 
lied erheben wieder wie in alter Zeit. So erstarkte der nationale Geist An 
die S|)itze der nationalen Bewehrung stellen sich, die bekehrten Weltbürger 
Görres und Fichte. In der Literatur der Freiheitskriege finden wir aen 
wannen Pulsschlag deutschen Lebeps. 



Ueber Lesmng'» Emilie Galotti. Von Fr. Dies, Lehrer an 
dar höheren Töchterschule zu Magdeburg. 

Der Verfasser gibt kurz den Stoff an, den Lessing vorfand, nnd den 
Plan des Stückes, nnd widerlegt einige Einwürfe, welche gegen die Compo- 
sition desselben nnd gegen die Motivirung der That Odoardo^s erhoben sind. 
Was den Schluss betrint, den schwierigsten Gegenstand, so lässt er sich 
aof denselben nicht ein. 

Ueber einige weibliche Charaktere in Schiller'» Dramen. Von 
Dir. Dr. Lilien t ha 1. Programm des Progymnasiums in 
' RöscheL 1865. 4. 22 S. 

Der Verfasser polemisirt mit Recht gegen Hoffmeister, der alle Schil* 
Wsche Frauencharturtere in die sentimentole. )ieroische und kaltverständige 
Biditung vertheili; er weist nach, wie der Begriff der Sentimentalität, wenn 



132 Programmenfchaa. 

man ihn rtcbtifr fasse, wenig auf mehrere passe. Amulie and Luise gehören 
unstreitig zur Gattung der falschen Sentimentalität, die Gräfin Wauenstein 
durchaus nicht, auch kaum Beatrice. Bertha im Fiesko ist ohne Empfindelei, 
sie seigt sich aber durchaus nicht gleichmässig. In Hedwig, die Hoflineister 
sehr unrichtig beurtheilt, welche vielmehr der oeste weibliche GhanÜEter ist, 
den Schiller gedichtet hat, ist keine Spur von weichlicher Sentimentalität; 
ebenso ist Bertha im Teil ohne Ueberspanntheit. Mana Stuart ist als starke 
Seele fast durchweg gezeichnet. In Thekla ist alles blühende Jugendfrische. 
Leonore im Fiesko ist weit von dem Heroismus entfernt, dem sie Hoffkneister 
nähert. 



Ueber Schiller's WalleDstein. Von Th. Hohen wsrter. Pro- 
gramm des Gymnasiums in Götz. 1865. 

Eine kurze Geschichte der Entstehung des Dramas imd eine im Ganzen 
nicht unricbtige Charakteristik der Hauptpersonen des Lagers, Wallenalein^s 
selbst und der widhtigsteD unter seinen Freunden und Gegnern. Ein inter- 
essantes Bild von &a Gymna^en in Friaul bietet der Anbang, welcher 
AbitorieDteoarbeiten von dentsehen, italienisoben und rioventsdieQ fichiilem 
in ihrer Muttersprache und im Deutschen enthält; die Aufsätze des Italieners 
und des Slovenen zeugen von einer sehr anei^ennungswerthen HerrsehiüFt 
über die deutsobe Spnwhe. 



Jean Baptiste Rousseau. Eine literarische Skizze von Real- 
oberlehror Dillmann. Programm der höhern Bürgerschule 
zu Wiesbaden. 1865. 

Jean Baptiste Rousseau (geboren 1670, gestorben 1741) hat bei seinen 
Landsleuten die verschiedensten Beurtheilungen gefbnden. Der Verfasser 
setzt nicht blos auseinander, dass er, worüber man einverstanden ist, fiir 
das Drama durchaus nicht 'geboren war, sondern auch, indem er seine lyri- 
schen Gedichte analysirt, oass er in diesen hinter seinen Vorbildern weit 
zurück btieb, dass es ihm zwar nicht an Eleganz der Form, wohl aber an 
einem tiefen und wahren GeTiibl mangelte. Das ungünstige Greschick, welches 
ihn sein Leben hindurch verfolgte, nat er selbst verschuldet; übermässige 
Eitelkeit und Unbesonnenheit haben ihn in die viel&chen Irren gestürzt 

Herford. Hölscher. 



Miscellen« 



lieber die nur in Verbindung mit Präpositionen auftretende 

Relativform qui im Französischen. 

lieber diese Form, mit deren richtiger Auffassung auch die Lehre von 
der Rection der französischen Präpositionen eng^ zusammenhängt, finden 
sieb in den am meisten gebräuchlichen Schulgrammatiken immer noch so 
widersprechende Angaben, dass es vielleicht nicht überflüssig sein dürfte, 
dieses gut einer näheren Betxachtung an untersiehen. Durch dasselbe ist z. B. 
.der sonst trefffiche Knebel veranlasst worden, in § 87, c und § 66 seiner 
Schnl^ammatik au behaupten, dass die französischen Prüpontionen den 
Nominativ regieren. Ist das aber nicht ein ar^r Verstoss gegen die 
Grundsätze der allgemeinen Grammatik? — Schmitz (FransÖsisdie Gram- 
matik in möglichster Vollständigkeit und Einfachheit, S. 64) giebt die Re- 
gel: «Der Aceusativ que geht keine Verbindung mit Präpositionen ein. 
Daher werden ^i und guai in Verbindung; mit rräpositionen sowohl fra* 
gend als bezüghch gebraucht.^ Schmitz nimmt also wohl an, dass die fran- 
zösischen PräposithMien den Aceusativ regieren und dass auch otit ein 
solcher Aocusativ sei. — Plötz lehrt in seinem Elementarbuche (S. 166): 
»Die Präpositionen regieren keinen Casus;' in seiner Schnlgrammatik 
spricht er von deren Kection gar nicht, macht aber in Nr. 88 des Anhangs 
folgende Bemerkung: „Dem dtein lernenden Schüler mag man die Regel 

Stben: Die französiselM'n Präpositionen rpcieren den Aceusativ, da man 
m sagen und an Beispielen deutlich machen kann (porU von pontem^ dent 
r<m dentem n. s. w.), dass die französische Form dea Nomens aus der la- 
tebischen Accusativform entstanden ist. Doch muss man dann gleich hin- 
zofügen, dass die Accusativform des Relativs que (ans quem) im Neufranzö- 
sischen niemals mit einer Präposition steht ** — Borel in seiner Grammair e 
franpaise § 120, 11, sagt: ,La pJupart des pr^positions sont imm^iatement 
•nivies de leur regime, qui, pris isol^ment, offire la forme d'un /4[*«'*^ direct^ 
maif QU], avec la pr^position, remplit la fonction d*un r^me inwect;" und 




fij^ore avec la pr^o 
die Schule schreibenden Grammatikern aufgestellten Ansichten über dieses 
qui lacht vermehren; möge es gentigen, in den angeführten die Hauptrich- 
tongen aneedentet zu bafien. 

Von den historischen Grammatikern unterscheidet Diez (Grammatik 
der romanischen Sprache, II, 104) einen Aceusativ qve und einen piäposi- 
tionalen Casus ^ (vgl. IH, S52); Mätzner (Französische Grammatik mit 
besonderer Berücksichtigung des Lateinischen, S. 175) gibt als Aceusativ 
des Relativs an: ^qve; qtd mit Präpositionen, '» glaubt also auch, dass die 
französischen Präpositionen den Aceusativ regieren. 



124 Miscellen. " '^ 

Sollte sich die Sache nun nicht folgendennasflen verhalten. 

Man unterscheidet bei allen andern Arten des französisdien Pronomens 
2 wischen conjoints und absolus; warum nicht auch beim Relativ? Allerdings 
muss sich, dem ganzen Wesen des Relativs entsprechend, ein solcher Un- 
terschied bei dieser Pronominalgattnng im Französischen darauf beschränken, 
dass das absolute Relativpronomen seine absolute Kraft nur dann zeigen kann, 
wenn es in Verbintlung mit Präpositionen steht. Gerade wie bei dem ab- 
soluten Personalpronomen gelehrt werden muss, dass man dasselbe nur 
braucht 1) in Antworten und Vergleichungen , wo das Pronomen ohneZ^t- 
wort steht; 2) nach c^est^ ce sont; S) wenn auf das persönliche Fürwort ent- 
weder seul^ mime, eine Ordnvpgstahk, eine Apposition oder ein relatives 
Fürwort folgt; 4) nach Präpositionen: so liegt es in der Natur der 
Sache, dass für den Gebrauch des absoluten Relativpronomens nur der 
vierte Fall übrig bleibt *) Dem „praepositionalen Casus*, den Diez an- 
nimmt, würde man dann also nur emen angemesseneren Namen (absolutes 
Relativpronomen) geben ; denn wollte man einen „nräpositionalen Casus* f^ 
das Relativprononien annehmen, so mosste bma am Ende dasselbe fiir das 
Personalpronomen thun (moi wäre dann der präpositionale Casus für me, 
toi für to u. 8. w). 

Leider fehlt es uns noch immer an einer wirklieh brauchbtren Schal- 
mnosalik, die für das Frantömsebe etwa damelbe leistetet, was Cnrtiiis fiir 
das Griechische gethan hat. Wenn ich audi nicht der Annekt bin , dass 
eifie solche, aof wisseaschafllichen Grondsützen basirte Grammatik bereits 
bei dem Efemevtaronterrichte im FraniösitdMn zu Grande gelegt werden 
müsse — Manches am deraelbea dürfte sich jedoch auch hier aeko» besser 
Verwertben lausen, nls men gewöhnlich thut — so halte ich doch flirf\ir, 
dass wenigstens der Untenicbt in der Prima^ und nicht bloss de» Gymna- 
siums, sondern auch der Realschule, em Eingehen «of die historische 
Grammatik mcht abweisen darf, dass er vielmehr den Forschungen der Wis- 
senschaft Rechenschaft tragen mn^e. Natürlich kommt es auch hier darüaf 
att, überaH das richtige Mass an tn^flfen« 

Für eine sohrhe, in die Wissenschaft einleitende Sclwlgrammatlk wür- 
den nun die bei anserm qm in Betracht kommenden Punkte etwa folgen- 
dennassen dargestellt werden können: 

t. Die französischen Nomina sind znm grössten Theile *^ ans der Aecu- 
sativform der «ntspiecfaenden lateinischen Nomina abgeleitet. Das französi- 
sche Kernen ist darum aber kein Accosativ oder irg^td (*ia anderer Casas* 
sondern eine abstracto Wortform. Die Casusverh&ltnBse werden theils durch 
die Stelloog dieaer Wortform im Satze (Nominativ und Aecusativ), theila 
durch Prilposttioiien (Genitiv und Dativ) ausgedrückt Nar bei den Proncuns 
persotmels und rehi^s conjoints haben sich Reste wirklicher Casosflexion 
erhalten (me; ti, se, /»i, le, la etc. — ^). 

t. Da die abetraete Wortform also an und für sich keinen Casus dar- 
8teNt, kaiHV auch keine fmnzösiscbe Priiposilaon. einen Casus regieren. Ba 
steht iNpeh ieder wfrkKeben Piüposition eben nur eine abstract» Wortfarm, 
desshalb tiorh nie einer ^r noch erhaltenen wirklichen Casus {mCr ie etc. — f?<«). 

3. Das Relativ ist, wie alle andern Pronominalgattungea, entweder eon- 
Joint oder absolu. Die Pronomr relatils conjoints fm (Maseuliaum «nd b'e* 
mininom) und qiue (Neutrum) haben noch einen Rest alter Caausflezion. 
nilmKeh den Accu«tti>r (pw (Masculinum, Femininum und Ntntrum\ der aber, 
nach der unter 2 gegebenen Reeel, nie nach einer PräposftiiQnr stthen kann. 
0ie Pyl^pefitienen verbinden sich nur mit dar abstracten Wort form der Pro- 

*) ha AitfraaaösiaeheB findet sich indes« auch ^ für dan Aooaaaiiv 
qwfi aber ebenso sehen, wie qoe* für den Nominativ «/tii. 

**) Der 2^ntz ,7jum gi-össtn» Theile** fet nötfaig wepon genre — traitre, 
maire, moindre u. s. w. 



MiBoellen. 1^ 

noBM rektifii «bBolos , out nnd qwi (a«t dwt Ae«ifiiil? das eoigoint ^ttf 
K^Ua^let, wie moi «IS IBM), woraaf «i«ii, der J(^at4ir dM Bd^livt MH^iMlittid, 
der G«brsucU dsr Prottonu raintifi abeolus dum Mch besehräiikc 

KrotoflchiiL Franz Schwalbacb. 



Der Nachjass MazzucheUi^s. 

Im Anfange diesoB JahroB ist in die päpiAliobe Bibligibek dea Vaüflans 
eine etwa dreitaig Bände umfassende Saimithing von Mannscripten gekom- 
men« welche für die Geschiehte der italienisobea lilevatur wichtig ist Un- 
ter den Italienern, welche aicb mit Erforsebong ibw Tateriändiacben Lite- 
ratur bescbjifligten« nimmt im yoricen Jahrbumiert eine der ersten Stellen 
em der Bresoianer Graf GiammariallaazudielU (geb. 28. October 1707, gest. 
19. November 1766), ein reichbegabier, fleiasiger Getebrier, welcher sieb 
ebenso sehr^ durch die von ihm TcröffentUchten Schriften, als durch den an- 
regenden Einfloss, den er auf Andere in and ausstrhatb seiner Vaterstadt 
auszuüben verstand, grosse Verdienste erwarb, per persönliche literarische 
Einflnss auf seine Umgebung gipfelte in der von ihm m Brescia gegründeten 
Conversazione Letteraria, einer Art literarischen Kränzchens, dessen Mit- 
glieder sich vom 18. April 1738 an, freilich mit grossen Unterbrechungen, 
bis 1762 wöchentlich emmal in seinem Hause versammelten. Giambatista 
Scurella nennt dies in seiner Vorrede zum S. Band der «Pb^sica General." 
nicht mit Unrecht »ueluti omnium literarum et literatorum domidlium.* Seine 
zahlreichen kleineren Schriften sind mit geringen Ausnahmen Vorstudien zu 
seinem ^ssartig angelegen Hauptwerke, vor dessen Vollendung ihn der 
Tod ereilte. Sie sind mit Hinzufugung der wUnscbenswerthen litenirisdien 
Notizen in der bald nach seinem Tode pseudonym erschienenen Biographie 
anfj^ählt, welche den Titel fuhrt: Vita costumi e seritti del Conte Giam- 
mana Mazzuchelli Patrizio Bresciano, in Bresda MDCCLXVI. Der am 
Scblnss der Widmunj^ an den Venezianer Grafen Giannandrea Gio^anelli ge- 
nannte Verfasser „Ni|^relio Accademico Agiato" ist €H'o. Batta. RodelLi, wel- 
cher als Akademiker jenen fingipten Namen annahm. Die Biogra|»hie zeugt 
nicht von grossem Talent des Autors, doch sind die Lebensnachnchten ^ 
nau und zuveriässig zusammengestellt, freilich nicht ohne widerliche und in- 
haltsleere Lobhudelei, wie sie damals Unsitte war. Jedenfalls liest dieser 
Versuch sich noch besser, als die servil geschriebene Biographie der 
Gemahlin Mazzuchelli's von dem GeistÜchen Guadagnini, weldie in' dem- 
selben Jahre in gleichem Verlage unter dem Titel erschien: „Orazione in 
lode della Signora Barbara Chizzola moglie dd Conte Giammaria Mazzn- 
cbdli Patrizio Bresciano composta dal Signor D. Giambatista Guadagnini 
Arciprete di Civitade e indirizzata a Nigrelio Aeoademico Agiato.** Die Ue- 
bersicbt der gedruckten (S. 86 bis 112) und handschrifltlich (S. 112 bis 116) 
eriialtenen Werke MazucheUi's findet sich im Anhange des Rodella'schen 
Buchs. Die sechs veröffentlichten Bände seines, besonders durch Anregung des 
Canonicos Paolo Gagliardi unternommenen Hauptwerks, betitelt : Gli Scrittori 
dntalia, doi Notizie Storiche e Critiche intumo alle Vite ed a^ Seritti de' 
Letterati Italiani del C. G. Mazzuchelli Bresciano; fol. Brescia 175$ fgg., 
umfassen nur die Sdiriftsteller , wdche mit den Buchstaben A und B be- 
ginnen. Ihr Werth für die italienische Literaturgeschichte ist allgemdn be- 
kannt. Die bandschriftlich hinterlassenen Vorarbeiten Mazuchelli^s erstreckten 
sich natürlich gldchzeitig auch auf die übrigen Autoren; dnigermassen 
dru<^ertig ausgearbeitet Bnd sie nur für die Budistaben C und D und einen 
Iheil von S, fiir die andern Lettern des Alphabets aber sind besonders 
schätzenswertbe Nachweise über die Quellen vorhanden, woraus die Nach- 



1S6 Miflcellen. 

riohten üb«r die einzelBeii Aotorea ^u schöpfon sind; bei einto Btarbeiler 
des Naohlanes wird sich das «faeile est inaentis «ddere* sicher b^wVltren. 
Nächstdem bietet der weitsehiohtiffe Briefwedisel des Grafen ein erl&d>li- 
ches Interesse dar. Der ganjse Nachlass war lange Zeit hindurch ans Ita- 
lien fort, in den Händen eines Nachkommen, des Grafen Griovanni Mazzu- 
cbelli in Brunn in Mähren, welcher ihn vor Kurzem der Bibliotheca Vaticana 
zum Geschenk machte. In einem trefBich stilisirten, separat gedruckten Ar- 
tikel hat der verdiente Scritora der Vaticana, Giuseppe Spezi, Professor der 
friechischen Literatur an der römischen Universität der Sapienza^ dem Ge- 
er zunächst kurz gedankt; ein genaueres Verzeichniss des Nachlasses lässt 
sich augenblicklich noch nicht zufügen, da der SecreUir des um die mathe- 
matischen Wissensehaften hochvermenten Fürsten Baldassare Boncompagni, 
Namens Narducci, mit Abfassung eines detaillirten Berichts darüber beschäf- 
tigt sein soll, dessen Veröifentlicfaung in Bälde bevorzustehen scheint. Für 
deutsche Gelehrte, welche sich mit dem Studium der itslienisohen Litera- 
turgeschichte beschäftigen, und denen es möglich ist, in den nächsten Jah- 
ren Rom zu besuchen, ist diese kurze Anzeige bestimmt. Die Benutzung 
des Apparats wird ohne Zweifel in derselben Weise gestattet werden, wie 
die aller übrigen Manuscripte der Vaticana. 

|U>m, am. 10. Mai 1866. W. Studemund. 



Esch. 

Grimm, im Wörterbnche IIL p. lUO, sagt unter Esch: „Dem östlichen 
Niederdeutscbland (Hannover, Holstein etc.) scheint der Ausdruck fremd und 
wenn ihn Niebuhr verwendet — erinnerte er sich si>incr wohl aus Moser und 
wandelte das n richtijg in ein f. — Diese Meinung unsers grossen Meisteis 
möchte nicht ganz rid^tig sein. Niebuhr, der Sohn eines Harilers, kennt 
ihn aus seinem Stammlande. An der Südseite Otteradorfs liegt eine Inter^ 
eisentenweide, die noch heute Esch genannt und, wie aus d^i Redensarten 
»nachdem, — über den Esch gehen* zu vermuthen sein möchte, sogar 
männlich gebraucht wird, naiüriich im hiesigen Niederdeutschen. — Friiner 
wird hier zwischen dem Medemflusse und dem Walle ein kleines Thor gewe- 
sen sein, denn noch jetzt spricht man von einer Eschpforte. 

J. Vollbrecht 



Verbetaemogen und Nachtrag zur vorigen nununer; artikel: 

über nwas für ein.*^ 

Pag. 400: statt goth. hvilecks oder hv^lliks lies «hvileiks oder hvöleiks.'* 

Pag. 401 : Z. 14, V. ob: Z. 16, SO u. 25: statt des „w" in waswereiner, 

wer ist zu setzen: «Ügamma aeolicum. 

Vor die worte »In Schlesien kann man ganz ähnlich* etc. füge man 

ein: .So lange das a in «wlsereiner** lang ausgesprochen wurde, war daü 

bedürfniss einer Interpolation nicht vorhanden; sobald aber« wie es jetst 

anch noch der fall, aas a kurz, und das s dadurch in der ausspräche 

vollständig zur ersten silbe gezogen wurde: w&s*er-einer,* entstand eise 

leicht fühlbare, unbequeme lüdie zwischen «was* und «er,^ ein hiatus im 

eigentlichsten sinne, der sich als «f^-laut absetzte und so gewissermassen 

versteinerte. «^,, a* ,^ 

Felix Atzler. 



Bibliographischer Ä^nzeiger. 



Allgemeines. 

O. Lorenz, Cataloffue g^n^ral de la librairie frao9aU€ pendant 26 ans. 
I. Livr. (Paris, Leipzig, Brockhaua.) LV< Thlr. 

Lexicographie. 

K. F. W. Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexicon. 12. & 18. Lfrg. 

(Leipzig, Broddiaus.) k 20 Sgr. 

N. J. Lucas, Deutscb-engl. Wörterbuch, 15. Heft. (Bremen, Schiinemann.) 

15 Sgr. 

Literatur. 

W. Wackernagel, Sechs Bruchstücke einer Nibelungenhandschrift aus 
der mittelalterlichen Sammlung zu Basel. (Basel, Greorg.) 16 S(pr. 

Ph. Wackernagel, Das deutsche Kirchenlied. 15. A 16. Lirg. (Leipzig, 
Teubner.) k 20 Sgr. 

W. Lindemann, Geschichte der deutschen Literatur. (Freiburg, Herder.) 

12 Sgr. 

£. Labes, Charakterbilder der deutschen Literatur. (Jena, Fischer & Herms- 
dorf.) 20 S^. 

H. Smidt, Theodor Körner. Ein Dichter- und Heldenleben. (Neu*Ruppui, 
Oehmi^ke.) 12>/, Sgr. 

A. H^douin, Goethe, sa vie et ses oeuTres, son ^poque et ses contem- 
porains. (Bruxelles, Lacroix.) 8 fr. 50 c. 

L. J. Stein, Rückert*8 Leben und Dichten. (FHinkfiirt, Sauerlaender.) ^ 

5 Sgr. 

K. Windel, Graf FHedr. Leopold Stolberg. (Frankf. a/M., Verl. f. Kunst 
n. W.) 3 Sgr. 

R. Springer, SchlUer^s Jugendjahre. (Neu-Ruppin, OehmLg^ke.) 12V9Bgr. 

O. F. Gruppe, Leben u. Werke deutscher Dicnter. Gesch. der deutschen 
Poesie in d. 8 letzten Jahrh. 2 Bd. 5. & 6. Lfrg. (München, Bruck- 
mann.) 16Vs Sgr. 

E. W. Sie Ter 8, William Shakspeare. Sein Leben und Dichten. 1. Bd. 
(Gotha, Bener.) 2 Thhr. 6 Sgr. 

A. O. Kellog, Shakespeare's delineations of insanity. (New- York & Lon- 
don.) 7 s. 6 d. 

J. Hannay, a course of english literature. (London, Tinsley.) 7 s. 6 d. 

Ch. B. Turner, Our great writers. A course of lectures upon eaglish li- 
terature. ToL II. (Petersburgh, Münz.) 2 Thhr. 

R. Warrens, Germanische Volkslieder der Vorzeit. (Hamburg, Hofimann 
ä Campe.) l»/. TUr. 



128 Bibliographis.cher Anieiger. 

Games, Gntierre Diez de, BnichBtücke «as den noch ungedrackten Thetlen 
d. Vitorial. Hrsg. v. L. G. Lemcke. (Marburg, Elwert) 8 Sgr. 

A. Kalischer, Observationes in poesim romanensem provincialibas in pH- 
mis respectis. (Berlin, Dümmler.) V« Tbh*. 

G. So Hing, Passages from the works of Shakespeare selected and trans- 
lated into german, indading the english tezt (Leipaig, Brockhans.) 

24 Sgr. 

Hilfs buchen 

G. Di eckhoff, Leitfaden für de» dento^ben Spracjionterrieht in analy- 
tischer Methode. 5. AnÜ. (Münister, Tbeissing.) 10 Sgr. 

R. Fischer, Kurse Formenlehre der deutschen Sprache. (Bromberg, Aron- 
sohn.) ^ 2 Sgr. 

Job. Meyer, Deutsches Sprac^bocb f* bt>h9re allemanniscbe Volksschulen. 
S. (}nrs. (Schaifhausen, Brodtmann.) 12 Sgr. 

W. Ruess, D#Qisohes Spraohboeh f. Schule «.Hans. (St. Gatten, Köppä.) 

21 Sffr. 

C. Gude, Erläuterungen deutscher Dichtungen. Nebst Themen zu schriul. 
Aufsätzen, mit Umrissen u. Ausführgn. (Leipzig, Braiidstetter.) 25 Sgr. 

£. L Rochholz, Der deutsche AufeaU 9 Abthlngn. Stilist. Aufgaben u. 
^ Ausarbeitnngea (Wi^Of BraumüUor.) 2 Thlr. 

K. Schaedel % F. Kohlrausch, Mittelbochdeutsches Elementarbucb. 
2. Aufl. (Hannover, Hahn.) 24 S^. 

£. Lentz & H. Mensch, Manuel de composition fran9ai8e. L Partie. 
(Berlin. Böttcher.) 12 Sgr. 

C. Bandow, Lehrbuch der englischen Sprache für höhere Unterrichtaan- 
stalten. 2. Theil. Secunda. (Elberfvld, Baedeker.) . 20 Sgr. 

J. C. A. Winckelmann, Lehrgang d. engl. Spradie f. Anfänger. <Got£a, 
Opetz.) 12 Sgr. 



Erklärung 

der alten Ortsnamen in der ProTin2 Brandenburg. 



Einige, die' nieine Interpretationen der in der Beschreibung 
Germaniens von Tacitus vorkommenden YiHkerBchaftsnamen im 
ManuBcript gelesen hatten, forderten miclf vor einiger Zeit auf, 
eine, den Fofderongen der altslavisehen oder celtiscben Sprache 
entsprechende Erklärung der alten Ortsnamen in der Provins 
Brandenburg, welche Erzeugnisse dieser Spraolie sind, zu 
schreiben. Diese Arbeit hatte für m«eh in so fem einige 
Schwierigkeit, als mir bei mehreren entfemien Orten ihre na- 
tärliche Lage, welcher die alten Ortsnamen ihre Entstehung 
verdanken, nicht bekannt, oder doch nur wenig bekannt wdaif. 
In vielen Fällen unterstüzten mich jedoch die in Biehl's Be* 
sdureibuBg der Mark Brandenburg und des Markgraflhums Nie^ 
derlau^itz enthaltenen Andeutungen der besonderen, heryotra^ 
genden und in die Augen fidlenden Natorgegenstände, an welcheft 
die Städte dieser beiden Landestheile gelegen sind. Wo .diese 
Andeutungen mangelten, habe ich die in Bede stehenden Nan^n 
nach den Begeht des iqpracbfichen Celtismus, der in uralter Zek 
auf beiden Seiten der langen Linie vom Ost^Cap in Indien Ms 
zum Cap St. Vincent in Portugall ohne Zweifel, wenn auch in 
mehreren, von einander etwas abweichenden Formen oder Idio- 
men gdierrscht hat, interpretirt. Aus der (nachfolgenden) Er- 
klärung der alten Ortsnamen in der Provinz Brandenburg vritd 
man ersehen, dass ich cEe der dtsla vischen oder celtiscfaen 
Sprache eigenthümKche fünffache Stufe der Wörter, die einen 
in der Natur von mehrfacher Ausdehnung und Grösse voi^om- 
menden €regettstand besonders bezeichnen, z. B. Gur, Gor, Gar, 
0er, Qir; Bttn, Kon, Bau, Ken, Bin u. s. w. nicht unbeachtet 
gelassen habe. So sehr diese Abstufung (Gradation) der Wör- 

AiehiT f. n. SpraeheD. XXXIX. 



ISO Erklärnng der alten Ortsnamen 

ter, die das Alterthum machte, die genaue Bestimmung der 
Grösse eines in verschiedener Ausdehnung vorkommenden Na- 
turgegenstandes förderte^ so schwierig ist es, in imserer moder- 
nen ärmeren Sprache die Wortnüancen der celtischen Sprache 
mit einem Worte wieder zu geben, und z. B. den Unterschied 
zwischen Lug und Lag, und zwischen Log und Leg genau zu 
bezeichnen. Nicht minder schwierig ist es auch^ die Bedeutung 
der Präpositional-Ortsnamen, die in der Provinz Brandenburg 
noch öfterer vorkommen als in Italien und Frankreich, mit einem 
einzigen Worte der deutschen Sprache voUständig und richtig 
auszudrücken. 

« * 

• Berlin. 

Der Name Berlin ist aus dem Adjectiv berole entstanden. 
Das Adjectiv berole, welches anderswo berowe lautet, stammt 
von dem Hauptworte Ber ab. Ber ist der vierte Grad der 
Wurzel Bur, d. h. hoher Berg, hoher Bergwald, bezeichnet 
einen kl*einen Berg, einen Hügel, und berole eine Gegend, in 
welcher sich einige Hügel befinden. Berolin, zusammengezogen 
Berlin, ist ein kleiner (in) Ort, der auf und an niedrigen An- 
höhen, Hügeln, gelegen ist. Der Name gehört der celtischen 
oder altwendischen Sprache an, und der Ort, den er bezeichnet, 
war ohne Zweifel schon viele Jahrhunderte vor der Zeit vor- 
handen, wo die Deutschen ihn occupirten und ihn zu einer 
Haupt Station ihrer Herrschaft machten. Der Name Berlin 
stammt nicht von dem Worte Bär (ursus) ab, aber eben so 
wenig auch von dem Beinamen des askanischen Fürsten, der 
den damit bezeichneten Ort eroberte. 

Cöln. 

Cöln ist nicht aus dem lateinischen Worte colonia entstan- 
den, sondern aus der Wurzel Kul, die im vierten Grade Kel 
lautet. Kel ist ein kleiner, sanft ansteigender Berg, oder ein 
Hügel, und Kelin contracte Kein ein Ort, der auf einem, oder 
an einem Hügel liegt. Wenn das o in dem Namen Cöln eine 
Qeltung hat, so ist anzunehmen, dass die Anhöhe, welche dem 
Orte den Namen gegeben hat, auch Kol genannt wurde, und dass 
die Namen Kelin (Kein) und Kolin neben einander bestanden. 



in der Prorinz Brandenbarg. 181 

Potsdam. 
Die in einer Urkunde des Kaisers Otto des Dritten vor- 
kommende Benennung „Pots-Dupini,^ von der Viele den Namen 
Potsdam abgeleitet haben ^ bezeichnet ohnstreitig ein Terrain 
oder einen Distriet, in welchem ein Dorf, oder eine Stadt liegen 
konnte, und der den Namen Potsdubini (nicht Dupini) führte. 
Die Benennung Potsdubini (richtiger pod Dubini) d« h. unter 
dem Eichwaide, hat Aehnlichkeit mit den Benennungen Pod- 
Jjdliniy d. h. unter dem Tannenwalde, und Pod-Brieseni, d. h. 
unter dem Birkenbusche. Es ist die Frage, ob in dem Origi- 
nale der erwähnten Urkunde Pots gestanden hat. Wahrschein- 
lich ist das sprachwidrige s später zu der Präposition pod, d. 
h. unter, die auch pot lauten konnte, hinzugefugt worden, um 
die in dem Namen Potsdam vorkommende Sylbe Pots zu ge- 
winnen. Der Name Potsdam ist nach meiner Meinung auf fol- 
gende Weise entstanden. An dem grossen Wasser, an dem 
Havelflusse, bauten sich celtische oder alt wendische Fischer 
(Eiezer) an, und gaben dem, von ihnen angelegten Orte den 
Namen Pota, welcher Name aus der Präposition po, d. h. an, 
bei, lind aus dem Hauptworte Ota, dem zweiten Grade der 
Wurzel Uta, d. h. das grosse Wasser, der Strom, zusammen- 
gesetzt, und dem Ortsnamen Buda (Ofen an der Donau) ähn- 
lich war. Das po und Ot verband man zu einer Sjlbe, wie 
dies auch in Buda und Budissin so wie in Putlitz geschehen 
ist. Obgleich aber Pot schon an sich ein grosses Wasser, oder 
Etwas an dem grossen Wasser bedeutet, so wurde doch in der 
späteren Zeit dieses Wort noch augmentirt, imd durch die 
Augmentation erhielt man aus Pot oder Pota Potiza, und dieses 
Wort wurde dadurch detn Worte Budiza ähnlich. Das z in 
den wendischen Vergrösserungswörtern verwandelte man ofl in 
8 oder SS. Durch diese Umwandelung lautete nun Potiza und 
Budiza, Potisa und Budisa oder Budissa. Budisa oder Budissa 
erhielt die Endung in (Budissin), was aber bei Potisa nicht ge- 
schah. Hier warf man bei der Zusammenziehung des Wortes 
(Potiza) in der zweiten Sjlbe das i und am Ende das a fort, 
ttnd erhielt auf cUese Weise das einsylbige Pots. An dieses 
Wort hing man Dam, welches mit dem celtisch-gallischen Du- 
num (Lugdunum, Vallodunum) gleichbedeutend ist, und so wie 



132 Erklärung der alten Ortsnamen ~ 

in Amsterdam, Rotterdam durch Stadt, Burg übersetzt werden 

kann. 

I. Der TeltoVsche Kreis. 

Charlottenburg mit Lützow. 

Luia, Lusa ist eine Lache, ein Sumpf, ein stehendes Was- 
ser. Das Wort Luza wird mit einem durchstrichenen 1 (i) ge- 
schrieben, was andeutet, dass das Wort an manchem Orte auch 
Wuza gesprochen wird. Luzow ist ein Ort, der in einer nie- 
drigen wasserreichen Gegend liegt. Das slavische z repräsen- 
tirt in Lützow das tz. Das Wort Luza oder Wi|za, Lusa oder 
Wusa kommt in der altwendischen Sprache in allen 5 Graden 
(Lusa, Losa, Lasa, Lesa, Lisa) vor. Von diesem Worte rüh- 
ren viele Ortsnamen in der Lausitz (Lusatia) und im Branden- 
burgischen her. Eine härtere Form von Luza oder Lusa ist 
Luta (Lutetia Parisiorum). Der Name Lützow ist im Wendi- 
schen wie die Namen Berlin, Potsdam männlichen Geschlechts 

(ton Lützow). 

Mittenwalde. 

, Diejenigen, welche wähnen, dass viele alte Ortsnamen in 
der Provinz Brandenburg ein Erzeugniss der deutschen Sprache 
sind, behaupten, dass Mittenwalde einen Ort bezeichnet, der 
mitten im Walde gelegen ist, oder gelegen war. Diese Erklä- 
rung des Namens Mitten walde ist ohn streitig unrichtig. Das, 
dem Worte Mitten angehangenis Walde rührt nicht von dem 
deutschen Worte Wald her, sondern ruht nur mit demselben 
auf einer und derselben Wurzel, nämlich auf Wul, welches im 
dritten Grade Wal lautet, und welches eine Erdanhohe, einen 
(mittelmässigen) Berg bezeichnet. Waleta oder Waleda, con- 
trahirt Walda (Walde) bedeutet Dorf, einen kleineren Ort^ wie 
Werda, Felde, und ist weiblichen Geschlechts. Welche Bedeu- 
tung hat' aber das Wort Mitten, welches im 14. Jahrhunderte 
Midden lautete? Es ist unzweifelhaft, dass in diesem Worte w 
mit m vertauscht worden ist, wie dies in mehreren altslavischen 
(celtischen) Ortsnamen geschehen ist. Z. B. in Mogolz (wo 
Golz), Mukwar (Wugwar), Mückenberg (Wükenberg), Mietau 
(Wietau) in Curland, Niemitsch (Niewitsch) u. s. w. Auch in 
dem italischen Milano (Mailand) ist das v oder w in m über^ 
gegangen und aus Vilano oder Wilano (medio Lanum) Milano 



IE der Provinz Brandenburg. 133 

entstanden. Vertritt in dem Namen Mitienwalde daa m die 
Stelle de8 w (Wi-Itin), so ist Mitten mit Widdin, Wettin, 
Witten-Berg gleichbedeutend, und bezeichnet einen Ort, der an 
Grewäsaem» FluBsarmen liegt. In der Nomenclatur der wendi- 
schen Ortsnamen, die eich in der Hauptmann'schen Grammatik 
findet, wird bemerkt, dass die Wenden Mittenwalde Chudowina 
oder K-Udowinä, von Udowe oder Wudowe, d. h. wasserreich 
nennen. Dies spricht auch dafür, dass Mitten das, was Witten 
bedeutet. Witten im Ortsnamen Witten«berg bezeichnet die 
beiden Bache, welche durch die Sfadt fliessen. 

Teltow. 

Dieser Name ist zusammengesetzt aus der Präposition ti, 
welche anderswo si, schi, tschi, in der Oberlausitz auch pschi 
lautet, und an, bei bedeutet, und aus Let, welches die vierte 
Stufe der Wurzel Luta (Luza) ist, und eine Lache, eine nässe 
Niederung (hier den Rand der Telte-B»ke) bezeichnet. Die Präpo- 
sition ti hat sich dem e in Let assimilirt, und die Endung ow 
deutet an, dass Teltow in alten Zeiten zu den grösseren Orten der 
Gegend gehörte. Teltow ist männlichen Geschlechts, ton Tel- 
tow. Teltow hat seinen Namen von der Beschaffenheit des 
Terrains, an welchem oder auf welchem der Ort liegt, und nicht 
von Tschelata, d. h. Kälber, und eben so wenig von Zelten. 
Höchstwahrscheinlich existirte Teltow schon viele Jahrhunderte, 
als Carl's des Grossen Sohn im Jahre 806 in der Gegend von 
Barby mit einem Kriegsheere über die Elbe ging, um die Wen- 
den an der Ober-Elbe und die Böhmen zu bekriegen. 

Teupitz. 

Dieser Ort hiess in früheren Zeiten Tewpez. Der Name 
ist nicht von Dub, d. h. die Eiche, abzuleiten, sondern von dem 
weit verbreiteten Worte Wupa (Upa), welches in allen S Gra- 
den in verschiedenen Formen vorkommt, und einen Fliiss, einen 
Strom (Oby), einen See, auch bisweilen das Meer bezeichnet. 
Das Wort Wupa wird, wie bekannt, bisweilen mit einem durch- 
strichenen 1 (Q geschrieben, welches andeutet, dass an manchen 
Orten das W wie L gesprochen wird. Das W wird bisweilen 
mit dem darauf folgenden Vocale amalgamirt, und in diesem 



184 Erklärung der alten Ortsnamen 

Falle erhält man statt dea Wortes Wapa Upa, sttLit Wopa Opa, 
statt Wapa Apa, statt Wepa Epa, statt Wipa Ipa. — In Tew- 
pez ist Weba in Webiza und in Tenpitz Wuba in Wubiza, d. 
h. das grosse Wasser, augmentirt Lupa (Wapa) wnrde auch 
Luba gesprochen und geschrieben. Davon rühren die Namen 
Lübben, Lübbenau, Lauban u. s. w. her. Im zweiten Grade 
lautet Upa Opa. Von Opa, vergrössert Opitza, stammen her 
die Ortsnamen Opitz in der Oberlausitz, Oppenau, Oppenhain, 
das asiatische Jope (Si-Ope), in welchem letzteren die Pr^K>- 
sition Schi, d. h. an, bei, durch das, dem französichen j (jamais, 
dejk) gleichlautende J vertreten wird, und Sinope am schwar- 
zen Meer. Der Name Teupitz ist dreisylbig. Die erste Sjlbe 
lautet te, die zweite u (wu) und die dritte pitz oder piz. Auch 
Dewpz ist ursprünglich ein dreisylbiges Wort. Buttmann will 
den Namen Teupitz mit dem alten Worte Dupa, d. h. das Tauf- 
becken, der Taufstein, in Verbindung bringen. Wol mag das 
Hauptwort Dupa, welches in heidnischen Zeiten den Ort der 
Ablutipnen, welche den Opfern vorangingen, bezeichnete, des- 
gleichen die ZiCitwörter tepicz (englisch to deap), d. h. in's 
Wasser tauchen, potepicz, untertauchen, satepicz, sehr tief tau- 
chen, szo satepicz, d. h. sich ersäufen, mit Upa im vierten 
Grade Epa, im Zuzammenhange stehen, keinesweges hat aber 
Teupitz seinen Namen von demselben erhalten. Auf gleiche 
Weise stehen die in der deutschen Sprache gebrauchlichen 
Wörter taufen, tofen, teuften. Teufte mit dem Flusse und Orts- 
namen Ufa im russichen Gouvernement Orenburg, welcher mit 
Upa gleichbedeutend ist, nur in einer entfernten Verbindung. 
Zu bemerken ist noch, dass in dem Ortsnamen Teupitz die 
Sylbe te die härtere Form der Präposition Si, Schi, d. h. an, 
bei, in den Zicitwörtern dupicz und taufen oder tofen die den 
Accusativ regierende Präposition do, d. h. in, hinein, waltend ist, 
und dass, so wie in dupicz, do Wupiz Sei licet versenken (in- 
undare) mit d gesprochen und geschrieben wird, auch taufen, 
tofen sprachgemäss dofen lauten sollte. 

Trebbin 

ist ein altslavischer oder celtischer Name; Trebbin, richtiger 
Trebiu, ist aus dem Adjectiv terebe, welches jetzt terewe lautet. 



in der Provinz Brandenburg. 185 

entstaoden. Trebin ist folglich ein aus einem Adjectiv gebil- 
detes Substantiv. Das Hauptwort, von welchem terebe oder 
terewe stammt, ist Tur, das im vierten Grade Ter lautet. Ter 
ist niedriger als Tur, Tor, Tar, und bezeichnete anfänglich 
einen Hügel oder kleinen Berg, wurde aber später zur Bezeich- 
nung einer jeden Erdhöhe gebraucht, wie jetzt in der deutschen 
Sprache das Wort Berg, welches auch im vierten Wortgrade 
von Bur steht, und anfänglich einen kleinen Berg (Hügel) be- 
deutete. Man hat den Namen Trebin auch von Treba, welches 
heilige Stätte, Opferstätte bedeuten soU, abgeleitet. Hat es in 
der dortigen Gegend ein Wort Treba gegeben, so wäre dies 
für 4ie Sprache wichtig, weil dieses Wort, welches dem Sprach- 
gebrauche nach nur einen Hügel (Tereba oder Terewa) bezeich- 
nen konnte, mit andern Benennungen von heidnischen Opfer- 
stätten, z. B. mit ßomowe, und ara, welches das, was hara, d. 
h. der kleinere Berg, ist, harmonirte. Die Götterbilder wurden, 
wie bekannt, in der späteren (fetischistischen) Zeit auf natür- 
lichen mit Steinstücken und Lehmplatten belegten, oder auch 
auf künstlichen Anhöhen aufgestellt. Vergl. meine Beschrei- 
bung der (bo genannten) Römerschanzen und des Bömerkellers 
bei CoiBtebrau im Amtsbezirke Senftenberg. 

Königs- Wuster hausen. 

Wuzer (Wuscher) heisst jetzt ein grosser See, ein grosser 
Sumpf, oder auch ein Stück Landes, auf dem sich mehrere Seen 
und Sümpfe befinden. Wuzer wurde in alten Zeiten auch 
Wusser oder Wuster, und nach Wegfall des w auch Uster 
(vergl. Cüstrin) gesprochen. Das Wort Hausen kann wol bis- 
weüen Häuser (ein Dorf, eine Stadt) bezeichnen, aber überall 
ist dies nicht der Fall. Zwischen Senf^enberg und Finsterwalde 
liegt ein Dorf, welches Salhausen heisst, und das die Wenden 
Sawusch oder Sawsch nennen. Sa wusch oder Saiusch kann 
doch nur aus der Prslposition sa, d. h. hinter, und Wuz (Luz), 
d. h. der grosse Lug, die lugige Gegend entstanden sein, und 
einen Ort hinter dem grossen Luge bezeichnen. Die Präposi- 
tion Sa ist, wie in Teupitz das te, von Luz oder Wuz zu 
trennen, und das 1 zu hausen zu ziehen. Dadurch erhält man 
den Namen Sa-Luzin oder Sa-Luzen. Das h ist oft mit w 



186 Erklärung der alten Ortsnamen ' 

vertauscht worden, z. B.* in dem Nammi des Dorfes Hosena 
Hoyerswerda» in welchem, oder an welchem ein Bach, der bei 
der Separation regulirt ist, Wu2en oder Wozen (Hosen) venir- 
sachte und die Entstehung des Ortsnamens Hosena (Wozena) 
veranlasste. Huzin, Wuzin, Suzin ist ein auf ^em lachigon 
Landstücke gelegener Ort und Wuzer, Wuster seine Umge- 
bung. Wuster-Luzin oder Lusen lautete auch Wuster-Hozin 
oder Husen, welches die spätere Zeit in Hausen verwandelte. 

Zossen. 
Das Wort Uza (Wuza), die Lache, der Sumpf, der See, 
lautet im zweiten Grade Oza. Das z in Öza wurde auch in 
manchen Gegenden, vorzüglich im Nordwendeu-Lande, Osa oder 
Ossa gesprochen. Ossen ist ein in einer wasserreichen Gegend 
gelegener Ort. Weil aber der in Rede stehende Ort nicht in, 
sondern an dem lachigen Terrain gelegen ist, so musste der 
Name Ossen eine Präposition erhalten. Die Präposition reprä- 
sentirt hier das Z, welches der slavische Zischlaut (schi, im 
Französichen j) ist. Der Name sollte Ziossen (Schiossen) lau- 
ten, lautete aber nach dem Uebergang des i in o ^^ossen oder 
TschoBsen. Die deutschen Urkundenschreiber machten aus 
Zossen Zossen. Bis zum Jahre 1200 soll Zossen ein Dorf ge- 
wesen und Tschosna geheissen haben. Tschosna ist 'zusammen- 
gesetzt aus der Präposition schi oder tschi und aus dem Ad- 
jectiv Osena, Ossena (Wozena), d. h. eine lachige, bruchige 
Gegend, und hat mit Zossen dieselbe Bedeutung, jedoch aber 
nicht dasselbe Geschlecht. Tschosna ist weiblich, Zossen da- 
gegen (ton Zossen) männlich. Dass Tschosna einen Fichten- 
baum bezeichnet, ist mir nicht bekannt. Die Fichte (abies) 
heisst Skrok oder Czmrok (Tschmrok) und Czmroczina (T^hm- 
rotschina), die Fichtenwaldung. 

n. Der Jäterbog-Luckenwaldsche Kreis. 

Baruth 
ist aus der Präposition bo, d. h. an, bei, und Rut, das Nasse, 
der Bruch, Fluss, Meer, zusammengesetzt. Das Wort But ist 
härter als Bus. Kut, auch Buth geschrieben, ist in Buthenia, 
in Baireuth, in Bairut in Syrien, Bus aber in den Namen 
Bussen und Borussi enthalten. 



in der Provins Brandeaburg. 137 

Dahme» Damei Daraa. 

Dieser Name »tammt yon der Wurzel Dun oder Dam, 
auch Ton und Tum geaprochen, welche einen hohen Berg be- 
zeichnet, ab. Im zweiten Wortgrade lautet Dun Don (davon 
Don, Donau und der oontrahirte iranzösiadie Fluaaname Doubs) 
und Dum Dom (dom-us, d. h. daa hohe Wohngebäude, dorn- 
iüua, der Hohe^ der HerTi im Wendisdien Dom, d. h. daa Ge- 
höfte, die Wohnatätte). Die dritte dieafällige Wortetufe lautet 
Dan (davon Sedan, €te-danum, Rho-dan-ua und Dam (Damaa- 
kua). Von dem vierten Grade, welcher Den und Dem hei««t, 
ttammeu d;e Ortsnamen Dennewitz, Zehden, Zehdenick, Ar- 
dennen und von Dem Demin. Im fünften Grade lautet die in 
Sede atehende Wurzel Diu und Dim, d. h. ein kleiner Berg, 
welches im franzöaichen Din-an und in Din-gel-städt an der 
Unatrut gebraucht worden iat. — Dama oder Dame, das Y<m 
dem dritten Grrade der Wurzel Dum abatammt, bezeichnet eineia 
anf einer oder an einer gedehnten Anhöhe gel^enen Ort, Danui 
aber audi von mittleren Anhöhen flieaaendea Wasser, einen 
Fluta. Dama, der Fluaa, kann von dem Orte Dame seinen 
Namen erhalten haoen, aber auch umgekehrt; sprachlich haben 
beide die Berechtigung, selbststfindig neben einander zu stehen. 

Jüterbog. 
In der primären Bedeutung bezrichnet das Wort Bog, 
welches der zweite Grad d^r Wurzel Bug oder Buk (Bukow, 
Bukezy d. i. Hochkirch bei Bautzen) ist, einen Berg (ozemy 
Bog, d. h. Schwarzberg, oder czoma Gora, Monte negro), in 
der secundären einen Fluas, in der tartKren eben Gott, so wie 
auch einen Stellvertreter Gottes, einen Fürsten (Teutoboch). 
Aach bedeutet es einen bergähnlichen Complex von hoben Ge- 
bäuden, eine Stadt oder Burg. Es ist bemerkenswerth, dass 
sich das Wort Bog, welches man gewöhnlich indoslavisch nennt» 
in der Bedeutung Stadt in dem Ortsnamen Jüterbog erhalten 
hat, während dasselbe (mit ch geschrieben) in Gladbach, Offen- 
bacb, Culmbach, Ascjbbach, Marbach (Schiller's Geburtsort), 
Laubach u. s« w. in Bach übergegangen ist. Aber auch des- 
halb hat der Name Jüterbog etwas Besonderes und Eigenthüm- 
liches, weil in demselben die Präposition schi, d. h. an, bei, 



138 Erklärang der alten Ortsnamen 

mit Jü geschrieben wird. Das J mochte in alten Zeiten wie 
noch jetst das französiche j (deji) lauten. Diese Schreibart 
kommt in der Provinz Brandenburg nur noch in dem Dorfnamen 
Jüttendorf (schi Itten an dem kleinen Flusse) bei Senftenberg 
und in Jüteriz, einem Stadttheil von Strassburg vor. — Das 
Wort Ter, welches die vierte Stufe von der Wurzel Tor, d. h. 
der sehr hohe Bei^, ist, kommt in der Provinz Brandenburg 
mehrmals vor. Ter bezeichnet einen "^erg von geringerer Höhe. 
Jüterbog ist demnach eine Stadt (Bog), die an den Teren, d. h. 
Bergen, liegt. Weil in dem Namen Jüterbog das Wort Bog 
vorkommt, und Bog im Niederlaueitz-wendischen Dialecte Gott 
(die Ober^Lausitzer und Böhmen sprechen Boh) bedeutet, so 
haben diejenigen, welche glauben, dass manche Orte von den 
Benennungen der altwendischen Götter und Göttinnen ihren 
Namen erhalten haben, vermuthet, dass der Name Jüterbog 
auch nach einer altwendischen Gottheit genannt worden sei. — 
Der Name des im Teltower Kreise gelegenen Dorfes Gütergotz 
hat mit Jüterbog ziemlich dieselbe Bedeutung. In dem Namen 
Gütergotz steht aber an der Stelle der Präposition schi (jü) die 
Pr&position k, d. h. an, bei, und gotz stammt von Gotiza oder 
Kotiza (Kuschiza), der Berg, ab, bedeutet aber nur das, was 
walde, werda oder Berg am Ende der Ortsnamen. 

' Luckenwalde. 

Dieser jetzt ansehnliche Ort soll in alten Zeiten ein Dorf 
gewesen sein und Dicke geheissen haben. Dike, nicht Dicke, 
kann doch wol nichts anderes bezeichnen, als einen Ort, der 
zwischen den kleinen Wugen oder Lugen gelegen ist. Wig 
oder Wik, auch Lig (Lieh) und Lik geschrieben, ist die fünfte 
Stufe des Wortes Wüg oder Wuk (Lug, Luk) und ist in den 
Ortsnamen Zwikau und ZüUichau enthalten. In beiden letzt- 
genannten Namen ist die Präposition schi oder zi, in Dike aber 
die Präposision do, d. h. hinein, in die Mitte, waltend. Das o 
in dem Verhältnissworte do assimilirte sich dem i in Wik, und 
man erhielt den Namen Diwik oder Diwike. Es ist bekannt, 
dass man nicht selten das w, wenn es auf eine, sich auf einen 
Vocal endende Präposition folgte, in der Aussprache absorbirt 
hat, wie z. B. in Bötzow und Beeskow, Durch den Wegfall 



in der ProTins Brandenburg. 189 

des w erhielt man dieefails aue Diwike den Namen Dike. — 
LaloD, welches anderswo Wukin oder Wugin lautet» bezeichnet 
eisen Ort, der auf einem lugigen, moorigen, wiesenartigen (Wuka, 
die Wiese) Terrain gelegen ist. Das 1 wird im Wendischen 
durchgestrichen (i), und der Durchstrich deutet an, dass man 
es als 1, aber auch als w lesen kann. Das Wort Walde ist 
dem Lukin (Wt^in) oder Luken angehangen, und bedeutet ur- 
sprünglich Dorf. Die Interpretation des Namens Luckenwalde 
durch „Lug im Walde^ ist nicht zulässig. Sie gehört der Zeit 
an, wo die der altwendischen (celtischen) Sprache unkundigen 
deatBchen Urkundenschreiber anfingen, die altslavischen oder 
celtischen Ortsnamen mittelst der gothischen, frankischen oder 
deutschen .Sprache zu interpretiren. Vergleiche Brandenburg, 
Templow, Freienwalde, Vierraden u. s. w. 

Zinna. 

Zin ist die fünfte Stufe der Wurzel Zun, die mit Sun 
gleichbedeutend ist. Zun oder Sun bedeutet einen sehr hohen 
Berg, Zin einen niedrigen. Zana (Zahna) ist der Wortbedeu- 
tung nach höher gelegen als Zina oder Zinna. Synna in der 
Bedeutung Mondgöttin kommt, so viel mir bekannt, in der sla- 
vischen Mythologie nicht vor. Das Göttin-Bild in dem Stadt- 
siegel ist ohnstreitig das Product altsprachlicher Unkunde, wie 
der Mönch in dem Namen München, der Strauss in Strauss- 
berg u« s. w. 

IIL Der Zauch-Bekig^sche Kreis. 

Die über 17 Quadratmetlen grosse Hochfläche Zauche hat 
ihren Namen von der Sprachwurzel Zuch (in der Schweiz Zug), 
welche von Suk, Sok, Sak, Sek, Sik nur in der Aussprache 
verschieden ist. Von der Wurzel Suk, d. h. die Höhe, stam- 
men die Namen Saccse, d. h. die Skythen, Sacc», ein Ortsname 
bei Grossenhain, von Zuch, Zuk, der Ortsname Zockau in der 
Oberlausitz her. Die brandenburgische Zuche, Bergreihe, hiess 
anch Zache. Von Zuche oder Zucha, auch Sucha, Szucha sind 
im Wendischen abgeleitet szuche, d. h. dürr, trocken, wie es 
auf Bergen gewöhnlich ist, Szuchoss, Szuchota, d. h. die Dürre 
(die gothische oder deutsche Sprache leitet diese Wörter von 



140 Erklärang der alten Ortsnamen 

Tur (trocken) oder Dur (dürr) ab). Auf der Wurzel Suk (zuk) 
ruhet im GhüHschen See und im Römischen Siccue, a, um. 

Beelitz. 

Bei ist der vierte Grad der Wurzel Bul, d. h. Hochberg, 
die uns im Namen Bulgaren» d. h. hoher Berge Bewohner, be- 
gegnet. Bei ist dem Sprachgebrauche nach ein niederer Berg. 
Bei hat man, wie Ger, Ter nicht selten augmentirt, und dadurch 
Beliza, d. h. der hohe Berg, erhalten. Belitz oder Beelitz iet 
ein auf einer Anhöhe (Berge) gelegener Ort. In dem Namen 
Babelsberg ist ba so viel als Barn, d. h. mittelmässig hoch. 

Beizig 

ist aus Beliza, der hohe Berg, und aus ig oder ik entstanden. 

Das ik bezeichnet einen kleinen Ort, ak dagegen einen grossen. 

Beizig ist ein an einem hohen Berge (relative in der dortigen 

Gegend) gelegener kleiner Ort. Beliza und Geriza, Geruza, 

Cheruza (Cherusker am Harzgebirge) sind In der Wortbildung 

sich gleich, bezeichnen aber Erdhöhen von sehr verschiedener 

Grösse. 

Brück, 

aus Borik entstanden, bezeichnet, wenn es einem Ortsnamen 
angehangen ist, einen kleineren Ort, z. B. in Königsbrück, Kin- 
delbrück, Heinersbrück. Steht aber Brük allein, und ohne Ver- 
bindung mit einem Ortsnamen da, so ist es von der Beschaffen-^ 
heit des Terrains, auf welchem es gelegen, abzuleiten, wie Burg 
(bergiger Ort) bei Magdeburg. Brück war höchst wahrschein- 
lich schon viele Jahrhunderte vor der Imigration der Nieder- 
länder (Vl&minger) in die dortige Gegend vorhanden, und hat, 
wenn es von Berg, Anhöhe (Bor) abgeleitet wird, mit dem hol- 
ländischen Brügge nicht dieselbe Bedeutung. Das celtische 
Wort Brügge ist aus der Präposition bo oder po, an, bei und 
Buge oder ]föge, der Fluss, das Wasser, zusammengesetzt, und 
bedeutet einen an dem Flusse gelegenen Ort. 

Niemeg oder Niemegk. 
Die Endung egk deutet an, dass der Name Niemeg auch 
Niemek gesprochen worden ist. Der Name Nimek stanunt von 
dem Substantiv Num, Nom, Nam, Nem, Nim ab, welches zur 



in der Provinz Brandenbarg. 141 

Bez^dmimg eines Orts^ der an dem Auslaufe oder an dem 
Fusse einer grösseren oder kleineren Anhöhe gelegen ist (vn-^ 
gleiche Niemitsch^ Ntmes in Frankreich), gebraucht worden ist. 
Ik und ek ist Diminutiv-Endung. Es ist bekannt, dass man 
den Namen Niemek oder Miemeg mit dem Namen der hollän- 
dischen Stadt Nimwegen in Verbindung gebracht hat Der 
letztere Name hat allerdings in so fem eine Gemeinschaft mit 
dem Namen Niemeg, als der erste Theil desselben auch auf 
der Wurzel Nnm, die im fünften Grade Nim lautet, ruht. Das 
Wort Wegan harmonirt aber mit der Diminutiv-Endung ek oder 
ig nicht. Es ist der Wurzel Wug, Wog, Wag, Wek, Wik 
entsprossen und bezeichnet, wie Berg, Wald, Walk, Feld einen 
grösseren Ort. Auf die Bildung des Namens Nimwegen haben 
die Wegen, d. h. niedrige Berge, die Hügel, auf denen und an 
denen Nimwegen gelegen ist, Einfluss gehabt. Höchst wahr- 
scheinlich existirte das wendische Nimek schon lange vor der 
Einwanderung der Niederländer (Vläminger) in die Gegend, in 
der es gelegen ist. Ist es historisch nachzuweisen, dass der 
Name Vläming erst nach der erwähnten Einwanderung entstan^ 
den isty so liesse sich diesfalls nicht mehr rechten. Es ist aber 
nicht zu übersehen, dass viele Benennungen, die neueren Ur- 
sprungs zu sein scheinen, doch bei genauerer Untersuchung 
sich als Producte einer viel früheren Zeit darstellen. — Sollte 
der ansehnliche, sich weithin erstreckende Höhenzug, den man 
Vläming nennt, nicht schon vor der Translocation der Nieder- 
ländischen Calamitosen auf denselben einen Namen gefuhrt 
haben, der dem Namen Vläming ähnlich war? Welen, Walen 
heissen in dpr hiesigen Gegend hochgelegene Akkerbeete, und 
Welane oder Welame ist ein Landstück, wo mehrere niedere, 
wellenartige Anhöben sind, und Welamik ist dem Sprachge- 
brauche nach ein kleiner Complex von solchen Anhöhen. Die 
Diminutiv-Endung ik, ig ist in späteren Zeiten nicht selten in 
ing übergegangen, z. B. in dem Ortsnamen Osling und in den 
Familiennamen KiessUng, Döring, Leasing u. s. w. 

Lehnin. 

Die Wurzel Lun (Wun) hat im vierten Grade Len, weU 
cbes auch bisweilen Lem (Lemberg, Lemgo) lautet. Leain 



148 Erklärung der alten Ortsnamen 

(nicht Lehnin) beaeeichnet einen Ort, der an einer oder an eini- 
gen kleinen Anhöhen liegt. 

Saarmund. 
Die Sylbe Saar ist eine Zusammensetzung aus der Präpo- 
sition si oder schi, d. h. an, bei, und aus Ar oder Har, der 
Bergy die Anhöhe. Unter Mund ist, nach meinem Dafürhalten, 
nicht eine Flussmündung zu verstehen, sondern Mund ist so 
viel als Wund, welches mit Land in Friedeland, Ruhland, wo 
es eine Stadt bedeutet, Aehnlichkeit hat. Saarmund ist dem- 
nach eine an einer Anhöhe (wo früher das Schloss stand) gele- 
gene Stadt, die wahrscheinlich in alten Zeiten eine Bedeutung 

hatte. 

Treuenbrietzen 

an der Nieplitz. An dem Flusse fand sich eine nasse Niede- 
rung, die hier Riez, anderswo Riess, Riet heisst Das B am 
Anfange des Worts ist die Präposition bo, an, bei. Briezen 
ist ein an einer nassen. Niederung gelegener Ort. 

Werder. 
Werda hat, wenn es einem Ortsnamen angehangen ist, wie 
in Lieben werda, Hoyerswerda, Elsterwerda, mit TV aide dieselbe 
Bedeutung, und ist weiblichen Geschlechts. Werder ist aber 
männlichen Geschlechts und bezeichnet z. B. in Bischofswerder, 
Marienwerder eine grössere Stadt. Steht aber Werder allein 
und nicht in Verbindung mit einem andern Worte da, so be- 
deutet es einen an kleinen Bergen gelegenen Ort. Wer ist die 
vierte Stufe der Wurzel Wur, welche in der Regel einen etwas 
niedrigeren Berg bezeichnet als Hur, Gur, Kur. Werete oder 
werede ist ein Adjectivum copin und kommt einer Gegend ku, 
in welcher sich mehrere kleine Berge oder Hügel finden. We- 
retar oder Weredar (Werder) ist ein Ort, der in einer solchen 
Gegend gelegen ist 

iV. Der Ost-HaveUändische Kr^. 
Fehrbellin. 
Belin heisst Stadt und Fehr bezeichnet das Verhältniss des 
Orts zu einem bedeutenden Naturge^enstande. Dieser Natur- 
gegenstand ist der in der Mitte der Stadt liegende Kapellen- 



in der Proviat Braudenbarg. 14S 

berg. Das Wort Fehr ist nicht mit dem Worte Fähre identisch, 
sondern es ist aus der Präposition po, an, bei, und aus Ere 
oder Here» d. h. der kleine Berg, entstanden. Die Präposition 
po (bo) ist hier in f übergegangen, wie in Frankfurt, Friede^ 
Isnd, Freienwalde, Friesak. Ferbelin (nicht Fehrbellin) ist eine 
an einem kleinen Ere oder Here liegende (kleine) Stadt. In 
alten Zeiten hiess Ferbelin Warbelin. In diesem Namen ist der 
Kapellenberg War genannt. War ist der dritte Grad der 
Wurzel Wur (vergl. Werder) und hat mit Er oder Her beinahe 
dieselbe Bedeutung. 

Ketzin 

an der Havel. Der Name Ketzin ist aus der Präposition k, 
d. h. an, bei und Eza cWeza) gebildet. U^a (Wuza, die Lache, 
der Sumpf, die wasserreiche Niederung) lautet im vierten Wort- 
grade Eza. In Ketzin ist die Präposition k (ka) mit Eza ver- 
bunden und in ist die Wortendung. Den slavischen Zischlaut 
z (Kezin) haben die Deutschen gewöhnlich durch tz (vergl. Bö- 
tzow) dargestellt. Mit dem Ortsnamen Ketzin, d. h. eine an 
den Lachen oder Wuzen hegende kleine Stadt, steht das Wort 
Kiezer in Verbindung. Kiezer ist aus der Präposition k und 
Iza, Eza (der fünfte und vierte Grad von Uza (Wuza, Luza) 
zusammengesetzt, und ist der Name eines Menschen, der an (k) 
einer Lache, einem See, einem Flusse wohnt, und durch die 
Lage seiner Wohnstätte Veranlassung hat, sich mit dem Fisch- 
fange zu beschäftigen. Aus diesem Grunde werden die Kiezer 
(in manchen Gegenden der Neumark soll man sie Gascher, Ka- 
scher, auch Koscher, Kotter nennen) auch nur Fischer, z. B. 
in Wittenberg, genannt. 

Kremmen 

am See gleichen Namens. Das Wort Run, Bon, Ban, Ren, 
Rin bezeichnet einen Fluss, einen See, überhaupt ein Wasser 
in verschiedenen Grössen. Dieses Wort wurde auch mit m ge- 
sprochen und geschrieben. In dem vierten Grade lautet es 
Ren oder Rem. Ob der Name Kremmen schon in alten Zeiten 
mit doppelten m geschrieben worden ist, dies ist ungewiss. Ein 
Seitenstnck der diesfälligen Schreibart findet sich in Rammenau, 
Fichte's Geburtsorte , . in der Ober^Lausitz. Der nahe See 



144 ErklKrung der alten Ortsnamen 

konnte sebon vor der Erbnutnig Kremmem Rem (das WaMer, 
der See) heiBsen, eriiielt aber hSdist wahrMheinHch erst den 
jetzigen Namen, als an demselbai du Dorf oder eine Stadt er- 
baut wurde. Das k in dem Namen Kremmen ist nftmlick die 
slavische (celtische) Präposition % wekhe an, bei bedeutet und 
en ist die Endung. Der Name Kremmen ist verwMidt mit 
Corunna in Spanien, mit Verona, Bremen, Rhinow u. s. w. 

Nnuen. 

Die Wurzeln Nun, Num, Nuw mit ihren Oraiden bei^tekülF. 
nen Etwas, was auf dem Auslaufe einer Anhohe, was niedrig 
liegt. Nawin oder Nawen (Nauen) ist ein am Fusse einer An- 
höhe gelegener Ort. Zu vergleichen sind hier die Namen Nau- 
heim am Fusse des Johannisberges, Naumburg, Naundorf, Ca^ 
per-naum, Nancy, die Nonen bei Frankfurt an der Oder, Sen- 
nones in Gallien, Sem-nones, Suerorum u. s. w. 

Spandau oder Spandow. 

Der Name ist aus der Präposition si, schi, d. h. an, bei, 
und aus dem Adjectiv panate, d. h. bergig, hügelig, entstanden. 
Spanatow oder Spanadow (Spandow) ist ein grosserer Ort, der 
in einer Gegend Hegt, wo sich mehrere Anhohen finden, an 
welche er erbaut ist. Es ist bekannt, dass in ebenen Gegenden 
nicht selten Hügel Berge genannt worden sind. Das hier wal- 
tende Substantiv ist Pan, welches oft auch Ban lautet. 

y. Der West-HaveDändische Ereb. 

Brandenburg. 

Dieser, in der brandenburg-preussischen Geschichte merk- 
würdig gewordene Ort hiess zur Zeit seiner Occupation^ durch 
die Deutschen BnmibcH*. Der Natne Brstnibor ist 2usammenge- 
setzt aus Bor, jet2t Burg, d. h. 'Ciae grosse (>vicbtige> Stadt, 
und aus dem Substantiv R&n, weiches die dritte Stufe der 
Wurzel Run, d. h. ein grosser Fluss, ist. Vorgesetzt ist dem 
Worte die Präposition bo oder po, d. h. an, beL Branibor 
heisst demnach ein grosser (Bor, in Indien Pur) an einem gro- 
sse» Flusse, oder, wenn das i in Rani nicht bloss ein i eopho- 
abticum, sondern der Plnral von Ran ist, an den Gewässern, 



in der Provinz Brandenburg. 146 

FloBsarmen gelegener Ort. Eb iet ungewiss, ob mit dem Namen 
Branibor der Name Branitin oder Braniten zugleich, oder erst 
später entstanden ist. In dem letzteren Namen, der mit Bra- 
nibor fast dieselbe Bedeutung hat, ist das adjectivum copin ra- 
nite, jetzt ranoite, d. h. ein Terrain, wo mehrere Flüsse, Fluss- 
arme, Gewässer sind, enthalten, und Branitin oder Braniten 
(Bo-Saniten) ist mit dem angehangenen Bor (Burg) eine grosse 
Stadt, die in einer solchen Gegend liegt. Der Name Braniten 
ist dem celtiachen oder altslavischen Ortsnamen Doresten (Dres- 
den) ähnlich. In dem Namen Dresden waltet die Wurzel Bus, 
fios, Ras, Res, Ris, und die Präposition do, d. h. hinein, deutet 
an, dass dort die Flüsse (Elbe und Weisseritz) mitten durch 
den Ort gehen. Kesete, woraus Resetin oder Reseten enstan- 
den, ist ein von Res (vierte Stufe von Rus) abgeleitetes Ad- 
jectiv. — Die Deutschen," welche die Bedeutung des Worts 
Braniten nicht kannten, machten aus demselben Branden,- und 
leiteten denselben von Feuer-Brand ab. Von diesem Irrthume 
hat sich sogar Buttmann occupiren lassen. 

Nicht erst um das Jahr 500 nach Christi Geburt haben 
sich die Wenden in der Gegend von Brandenburg niederge- 
lassen, wie Riehl in seiner Beschreibung der Provinz Branden- 
burg (pag. 192) referirt, und wie auch ich firüher gewähnt habe, 
Bondem sie wohnten unter dem Namen der suevischen Sem- 
Donen (Suevorum, Semnones), d. h. Bewohner der Bergausläufe, 
höchst wahrscheinlich schon lange vor dem Anfange der christ- 
lichen Zeitrechnung daselbst sowie in dem Landstriche, der im 
Süden von den böhraisch-lausitzi sehen Bergen, im Osten von 
der Spree und im Westen von der Elbe begränzt wurde* Sie 
sprachen eine besondere, von der gothischen und römischen ver- 
schiedene und mit der celtischen in Frankreich verwandte Sprache 
(Suericus Sermo Tacit. d. g. c. 48). Die Sprache der Sueven, 
deren Wohnsitze sich von der Ostsee bis jenseits des Rheins 
erstreckten, die in uralten Zeiten wol ganz Deutschland, zu der 
2^it aber, wo Tacitus Germanien beschrieb, und wo die Gothen 
von Holstein und Schleswig her (classibus ad vehebantur Tac. 
c. 2) schon in die Gegenden des Niederrheins und in Nieder- 
sachsen angedrungen und Eroberungen gemacht hatten, doch 
noch den grösseren Theil desselben (majorem Germaniae partem 

AxchiT f. n. Sprachen. XXXIX. 10 



146 Erklärung der alten Ortsnamen 

obtinent'Tac. c. 38) besassen, eine wohlgeordnete Staatseimich- 
tung hatten 9 und deren einzelne Völkerschaften Deputirte zu 
den, in einem heiligen Haine im Lande der Semnonen gehal- 
tenen National-Convention sandten (omnes ejusdem Sanguuis 
populi legationibus coeunt Tac c. 39). 

Die jetzigen Wenden haben in dem Namen Branibor das n 
mit m vertauscht, und von diesem Umtausche rührt das m in 
dem Namen Bramborski, d. h. brandenburgisch her, Bramborska 
ist der brandenburgische (preussische) Staat, bramborski Kral 
heisst König von Brandenburg oder yo& Preussen. 

Den Namen Schorelitz hat wol die ganze Flussstadt Bran- 
denburg nie geführt, sondern nur ein Theil derselben, der in 
der Nähe des grossen Berges lag. Der Name Schorelitz ist 
aus der Präposition schi, an, bei und aus Orewiza oder Horo- 
wiza zusammengesetzt. Vielleicht bezeichnete Schorelitz nur 
ein an dem hohen Berge gelegenes Dorf. Unter der Orewiza 
ist hier wol der Marienberg, der sonst Harlungerberg hiess und 
auf dem der wendische Triglaf (Dreikopf) gestanden haben soll, 
zu verstehen. In dem Namen Harlunger sind, wie es scheint, 
alte Sprachtheile enthalten. Lun, das auch oft Wun, Vun, Fun 
geschrieben wird, bezeichnet einen schon an sich hohen Berg. 
Aber der Lun war für die dasige Gegend ein Har-Lun, d. h. 
ein sehr hoher Berg. Eine spätere Zeit fugte au Harlun noch 
Ger, d. h. Berg hinzu. Die Deutschen, die weder die Bedeu- 
tung des Har, noch des Lun und Ger kannten, hingen an das 
Wort Harlunger noch Berg an, wie bei Kotmersberg, Hagels- 
berg u. s. w, ' 

Friesak 

am Shin. Der Name Friesack ist aus dem fünften Grade dea 
Wortes Bus, der Fluss, das Nasse, nämlich Bis und aus der 
Präposition po, an, bei gebildet. Das p in der Präposidon ist 
in f, das auf der natürlichen Lautlinie nahe bei p und b steht, 
übergegangen, wie in vielen andern Wörtern, die sich mit r 
anfangen, z. B. in Frisü, Frankfurt, Freienwalde, Friedland etc. 
Die Endung ak deutet an, dass der Ort in alten Zeiten zu den 
grossen gehörte. Die erwähnte Wortendung ist altslavisch oder 
celtiscb, und harmonirt mit den gleichfalls der celtischen Sprache 
entsprossenen Ortsnamen Brussac, Bellac, Aurillac in Frankreich. 



in der Provinz Brandenburg. 147 

Pritzerbe. 
Erewe oder Herewe ist ein Ort, der an einem oder auf 
einem nicht hohen Berge liegt. Erewe ist ein von dem vierten 
Grade der Wurzel ür oder Hur, d. h. der hohe Berg, abgelei- 
tetes Adjectiv, bei welchem man eich Dorf oder Stadt hinzu- 
denken mu88, (ad montem situm oppidum). Pritz ist aus der 
Präposition po, an, bei und aus Riz oder Ris, d. h. das Nasse 
entstanden. Das b in Erebe contracte Erbe steht an der Stelle 
des jetzt gewöhnlichen w (Erewe), wie in Trebbin, Serben, Ar- 
noba des Tacitus. Pritzerbe ist ein am Nassen, Wasser, bei 
einem Berge gelegener kleiner Ort. Pritzerbe ist weiblichen 
Geschlechts. Der Berg, von dem der Name Erbe abhängig ist, 
und den man jetzt Galgenberg nennt, ist der in der Nähe lie- 
gende Galin oder Galen, der mit Colin (an der Spree) dieselbe 
Bedeutung hat. Vergl. Kolding, Kolberg u. s. w. 

Rathenow 
am Ufer eines Havelarmes beim Einflüsse der Weitzen. Der 
Ort liegt an Gewässern und verdient deshalb den Namen Ra- 
thenow (Ratenow), welcher Name aus dem Adjectiv ratene, das 
nait s gesprochen rassene lautet, und aus ow, das einen grossen 
Ort bezeichnet, gebildet ist. Ruthenia (Russland) Ratibor haben 
dieselbe Wurzel, nämlich Rut, die im dritten (jrade Rat lautet. 
Rat kommt in dem alten Namen Argento-Ratum (Strassburg) 
vor, in Vierraden lautet es Rad. 

Rhino w in der Nähe des alten Rhin heisst Flussstadt, 
fihin oder Rin ist der fünfte Grad des Wortes Run, d. h. der 
grosse FluBS, das grosse Wasser, und bezeichnet einen kleinen 
Fluss. Mit o begegnet uns die Wurzel Run in Roma, im 
Flussnamen Rohn oder Rhone, mit e in Rhenus, der Rhein. 

Plane. 
Das Wort ist aus der Präposition po, an, bei und aus dem 
Hauptworte Lawa, der Fluss, das Wasser, zusammengesetzt. 
Der Name Plaue (weiblichen Geschlechts) hat mit Plauen im 
Vogtlande ziemlich dieselbe Bedeutung, aber auch mit Löbau, 
Lübben, Lauban. Lawa heisst auch oft Laba, Loba, Luba. 
Das Wort Plage, welches auf einer der dortigen Kirchenglocken 
steht, deutet an, dase Plaue (Po-Lawa) früher auch Plage, d. h. 

10* 



148 Erklärang der alten Ortfloamen * 

an deV nassen Niederung, an einem kleinen Luge geheissen 
hat. Lag ist die dritte Stufe des Wortes Lug, wie in Lagow, 
Wonnlage. 

VI. Der West-Priegnitzische Kreis. 
Havelberg. 
Berg, wenn es einem Orte angehangen ist, bedeutet Stadt, 
eine kleinere Stadt als Burg. Da aber um Havelberg sich 
Hügel finden, so konnte in alten (wendischen) Zeiten der Ort 
Borik oder Borek (vergi. Burg bei Magdeburg) d. h. Hügelstadt, 
Bergstadt, heissen, und die spätere Zeit hat vennuthlich Havel 
hinzugefügt Hügelstadt an der Havel. Es kann sein, dass, als 
der Ort Yon den Deutschen erweitert wurde, man einen alten 
Theil desselben Wendenberg, oder von Wenden bewohnte Stadt 
genannt hat. Da aber Wenetin oder Weneten, das auch We- 
neden gesprochen wurde, einen Ort bezeichnet, der in einer 
hügeligen Gegend (wenete, Adjectiv von dem vierten Grade 
der Wurzel Wun) liegt, so ist die Frage, ob nicht der ganze 
Ort in alten Zeiten Weneten oder Weneden (iiügelort) geheis- 
sen hat. Weneten ist mit Borik ziemlich gleichbedeutend. 

Lentzen, 
das früher Lunsyn, Lunkin hiess, ist aus dem Worte Leniza, 
d. h. ein Berg, entsprossen. Das Wort Wun, der hohe Berg, 
welches im vierten Grade Wen (Ven) lautete» wurde auch oft 
mit 1 (Len) gesprochen und geschrieben« Das Len, welches 
diesfalls den Ortsnamen Lenin gegeben haben würde, wurde 
von den Wenden später oft wie Ger, Her, Ter augmentirt, zu- 
mal wenn^der Berg ein etwas grösserer war, und man erhielt 
auf diese Weise von Len Leniza. Ein Ort, der an einer Le- 
niza lag, wurde Lenzin oder Lenzen genannt. Wunik oder 
Lunik ist ein kleiner Berg und Wunikin oder Luniken ein 
Ort, der an einem kleinen Berge oder an einigen kleinen Ber- 
gen liegt. 

Perleberg. 
Es ist keinesweges gewiss, dass Perleberg seinen Namen 
einem kleinen Flüsschen, Perle genannt, von welchem Qian ge- 
fabelt hat, dass sich in demselben früher Perlen gefunden haben, 
verdankt. Ohne Zweifel hat man erst in späteren Zeiten, als 
man die Bedeutung des Wortes Perole nicht mehr kannte und 



in der Provinz Brandenburg. 149 

als der Name Perleberg achon längst im Gebrauch war, das 
erwähnte Flüsschen Perle genannt, wie in Sorau ein Quellen- 
bichlein Sora» als Sorau schon Jahrhunderte lang existirte. Der 
Name Perleberg rührt von der bei der Stadt liegenden Anhöhe, 
welche früher mit Wemstöcken bepflanzt war, her, und das 
Ädjectiv perole hat mit berole (vergl. Berlin) fast ganzlich die- 
selbe Bedeutung. 

Putlitz. 

Dieser Name ist aus der Präposition po, an, bei und Uta, 
das (grosse) Wasser entstanden. Die Präposition po oder bo 
UDd das Substantiv Uta sind, wie in den Namen Potsdam, Bu- 
dissin, Buda (Ofen), zu einer Sylbe verbunden (Put) und Litz 
oder Wiz heisst Dorf. Wenn auch die Stepenitz ein nicht so 
grosser Fluss ist, wie die Havel, Spree und Donau, so ist er 
doch für die dortige Gegend gross zu nennen, und er mochte 
mit seinem Wasser bisweilen einen grossen Landstrich über- 
schwemmen. Früher soll Putlitz Pochlustin^ Polustin geheissen 
haben, welcher Name aus der Präposition po und Lustin (Lu- 
zin), d. h. die nasse, wasserreiche Niederung, gebildet ist. 

Wilsnack 
nahe am Karthausfliess gelegen. Der Name ist aus der Prä- 
position we, d. h. in und aus dem Ädjectiv luz^ne, lisene, d. h. 
lugig, lachig, entstanden. ' Die Präposition we ist in wi über- 
gegangen, weil lisene ein i in der ersten Sylbe hat. Wilsnack 
(We-Lisenak) mitten in einer klein-lugigen Gegend gelegener 
Ort, muss schon in alten Zeiten einen ansehnlichen Umfang 
und eine ziemlich grosse Bedeutung gehabt haben, weil sein 
Name sich auf ak endigt. Wäre der Ort in altwendischer (cel- 
tischer) Zeit klein und unbedeutend gewesen, so würde er Wils- 

oik heissen. 

Wittenberge. 

Dieser Name rührt nicht von weissen Bergen her, sondern 

er ist aus Witte, das kleine Wasser, der kleine Fluss und Berge 

oder Berga entstanden. Witten ist ein Ort, der von Gewässern, 

Flüssen umgeben ist. Berg (Berik), welches oft an dem Ende 

des Namens eines Orts steht, ist noännlichen Geschlechts, Berga 

oder Berge dagegen weiblichen. Berge bezeichnet einen kleinen 

Ort, ein Dorf. 



150 Erklärung der alten Ortsnamen 

VII. Der Ost-PriegnitziBche Kreis. 
Freienstein. 
Dieser Name scheint der deutschen Sprache anzugehören, 
so wie auch Freien walde, Friedland, Friedeberg, Fürsten walde. 
Dies ist aber nicht der Fall. Der Name Freienstein ist auch 
auf dem Boden der altslavischen oder celtischen Sprache ent- 
sprossen, wie fast alle Ortsnamen der Provinz Brandenburg. 
Freienstein ist aus der Präposition po, an, bei, die hier das f 
repräsentirt , und aus Ren oder Kin, welche die vierte und 
fünfte Stufe der Wurzel Eun sind, gebildet. Die erste Sylbe 
des Worts lautete anfänglich Fren oder Frin, d. h. an dem 
Flusse. Die deutschen Urkundenschreiber machten aus Fren 
oder Frin (po Ein) frein (rein, Reinsberg). In alten Zeiten 
hiess Freienstein auch Virigensten. Dieses Wort ist aus V, 
welches die Präposition we, d. h. in repräsentirt, und Ricka 
oder Riga, d. h. der kleine Fluss, zusammengesetzt. 

Kyritz 
an der alten Jägelitz. Dieser Name ist aus der Präposition k, 
d. h. bei und Ritz, d. h. das Nasse, das Wasser, entstanden. 
Kyritz kann aber auch an dem Flusse heissen. V^on Kurz 
(Korez), der Scheffel, hat Kyritz seinen Namen nicht. 

Mayenburg oder Meyenburg 
an der Stepenitz. Wäre es gewiss, dass auch in dem Namen 
Mayenburg das w mit m vertauscht ist (vergl. Mittenwalde) und 
dass das y die Stelle des slavischen Zet (sehe) einnimmt, so 
wäre die Erklärung desselben nicht schwer. In diesem Falle 
bedeutet Mayen so viel als Wazen. Waza ist die dritte Stufe 
der Wurzel Wuza, d. h. die grosse Lache, Sumpf, und bedeu- 
tet (Waza) eine lachige Gegend von mittlerer Grösse. Burg 
heisst Wazin oder Mayen, weil der Ort in alten Zeiten Bedeu- 
tung und Wichtigkeit hatte. Mayenburg ist nacK der vorste- 
henden Interpretation Wezenburg. Weza (der vierte Grad von 
Wuza) ist etwas kleiner als Waza. 

Pritzwalk 
am Dömnitz- oder Temnitzfliess. Das Wort Ritz, welches an- 
derswo Riss oder Rit, auch Riet (Itietdorf bei Dame) lautet, 
bezeichnet ein nasses, lachiges Landstück, dergleichen sich oft 



in der ProTinc Brandenburg. 151 

an Flüssen und Flüsseben finden. Das P am Anfange des 
Worts ist die Präposition po, an, bei, welcbe bekanntlich, wenn 
ein R aaf dieselbe folgt, in F übergeht, wie in Frankfurt, Fried- 
land, Freienwalde. Bemerkenswerth ist hier das Wort Walk. 
Dieses Wort ist aus dem dritten Grade der Wurzel Wul, näm- 
lich Wal, welches einen mittelmässigen Berg bedeutet, entstan- 
den. Walk oder Walik bedeutet hier soviel als Walde, Berg, 
d. h. ein kleiner Ort. Wal, wenn es den Ortsnamen angehan- 
gen ist, bezeichnet einen grossen Ort» wie Burg. Walik ist 
ein Diminutiv und bezeichnet in einer Nebenbedeutung ein 
kleines Gebund, ein Bündchen. Walk in der Bedeutung kleine 
Stadt kommt auch in dem Ortsnamen Pasewalk vor. 

Wittstoct. 
Witta» Witte ist ein kleines Wasser, ein kleiner Fluss, 
Wittiza (Augmentativ) ein grosser Fluss. Wittiza lautete bis- 
weilen auch Wittisa. Der Name Wittstock ist aus Wittiza oder 
Wittisa und aus Tok (Wittis-Tok) zusammengesetzt - Tok be- 
deutet Burg und ist die zweite Stufe der Wurzel Tuk, die auch 
Tug, Tuch lautet und nicht selten mit d gesprochen und ge- 
schrieben wird. Mit T und D begegnet uns diese Wurzel in 
Tokaj in Ungarn, in Mus-Tag, Dagestan, Dakia oder Däcia, 
im deutschen Worte Tag, im Oberlausitzischen Ortsnamen 
Stäche (schi Tache), d. h. ein Dorf an einem Berge. Das k, 
g und ch geht im Slavischen bisweilen in seh oder z über, 
z. B. im schlesischeü Ortsnamen Teschen, im oberlausitzischen 
Dazin. Ros-Tok (nicht Stock) ist eine grosse, an einem Flusse 
(Ros) gelegene Stadt. 

Zechlin 
am Zechliner See. Der See hat hier nicht den Namen erzeugt, 
sondern eine oder einige kleine Anhöhen (Kel, Chel). Ze ist 
die wendische Präposition schi oder sehe, an, bei. 

ym. Der Ruppin^sche Kreis. 
Ruppin. 

In diesem Namen waltet die Wurzel Ruw, d. h. der Berg. 
Statt Ruw sprach man auch Rub und Rup. Mit W kommt 
die Wurzel im Dorfiiamen Rowna, mit P in Reppist, Reppen 



152 Erkltirang der alten Ortsnamen 

vor, and auch das lateinische Wort rupes, der Feie, ruht auf 
dieser Wurzel. Rupes ist eines von den vielen celtischen Wör- 
tern, die sich in der (späteren) römischen Sprache erhalten 

haben. 

Gransee 

an einem See gelegen, von welchem der Baumgraben zur Havel 
geht. Ban ist an sich schon ein ziemlich grosses Wasser oder 
FIuss, Raniza oder Ranisa, Ranise ein grosses Wasser. Das 
G am Anfange des Worts ist die slaviscbe Präposition an, bei 
und diese Präposition wird hier durch G repräsentirt. Das 
Wort Gransee lautete ursprünglich Graniza oder Granize (Kra- 
nize), d. h. ein Ort an dem Flusse, am Wasser, am See, und 
contrahirt Granze. Weil vermuthlich eine Tradition existirte, 
dass der Ort von dem See seinen Namen habe, so machte man 
in den späteren Zeiten aus Granze Graneee. Ein alter Name 
des in Rede stehenden Orts lautete Gransoye, welches eine et- 
was corrumpirte Form des A^jectiv Granizoje, d. h. mit dem 
Flusse, Wasser, in Verbindung stehend, ist. 

Lindow 
ist dem Namen nach ein auf einem oder an einem Terrain ge- 
legener Ort, auf dem sich mehre Hügel finden. Linete oder 
winete ist hüglich. Das (te) wird öfters mit de verwechselt. 

Neustadt an der Dosse. 

Rheinsberg. 
Berg heisst Stadt. Rhin oder Rin der kleine Fluss. Rheins- 
berg heisst Flussstadt, wie Lubben, Löbau, Lauban. 

Wusterhausen. 
Vergl. Königs-Wusterhausen an der Dosse. 

DL Der Templinische Kreis. 
Boytzenburg, Boitzenburg, Boizenburg. 
Dieser Name ist aus der Präposition bo, an, bei und aus 
Itzen zusammengesetzt. Itzen, welches auch anderswo laiu, 
Issin lautete, steht an der Stelle des Woi*tes Wetzin oder 
Wezin, welches den fünften Grad von Wuza in sich schliesst. 
Wttza heisst die grosse Lache, der grosse Sumpf, Woia der 
kleine. Wiziu ist ein Ort, der an kleinen Lachen liegt. Das 



in der ProYinz Brandenburg. 158 

an, bei bezeichnet die Präposition bo, die auch po lautet, und 
das slaviache z iet hier, wie in Bötzow, durch das tz vertreten. 
Der hier in Bede stehende Ortsname lautete ursprünglich Bo- 
Wizin, und nach dem Zutritt des Worts Burg Bo-Wizin*Burg, 
d. h. ein grosser Ort (Burg) an einem Terrain, wo kleine La- 
chen, Sümpfe sind, oder in alten Zeiten waren. Der nach 
Prenzlau zu fliessende Guillo verursachte Wiiin, d. h. kleine 
Lachen, eine nasse Niederung. Der Gebrauch des 7 in dem 
Namen Boytzenburg sollte andeuten, dass dieser Name nicht 
dreisylbig, sondern viersylbig ist (Bo-i-tzen-burg). Die Ver- 
bindung des i mit bo (boi) wäre sprachlich eben so unrichtig, 
als die Verbindung des u mit te in dem Ortsnamen Teupitz 
(Te-Upitz oder Te-Wubitz). In dem alten Namen Boslenburg, 
Bowslenburg deutet das 1 an, dass man bei Bildung desselben 
das Adjectiv wezele oder wesele, d. h. lachig, sumpfig, wasser- 
reich gebraucht hat. Boweselen (Bowezewen) ist ein Ort, der 
an mehreren Lachen, kleinen Gewässern liegt. War ein Ort 
in alten Zeiten relativ gross, und wichtig durch seine Bauwerke, 
80 legte man' ihm noch die Benennung Bor bei, welches mit 
dem jetzt üblichen Namen Burg gleichbedeutend ist. 

Gerswalde, 

ein Flecken mit drei Bittergütem. Dieser Name lässt sprach- 
lich eine doppelte Literpretation zu. Ist eine Anhöhe bei dem- 
selben, so ist Gers von Gera, augmentirt Geriza, d. h. der Berg, 
abzuleiten, ist aber bei dem Orte eine nasse Niederung, so ist 
der Name aus der Präposition k, die auch bisweilen durch g 
bezeichnet wird, und aus Res oder Bis, d. h. eine nasse Nie- 
derung, entstanden. Walde heisst Dorf. Im zweiten Falle 
würde Gerswalde ein Dorf heissen, das an einer nassen Niede- 
rung gelegen ist. 

Lychen 

zwischen Seen gelegen. Das Wort Lug, Luk, d. h. die nasse, 
Bumpfige Niederung, wird auch mit ch gesprochen und ge- 
schrieben, z. B. in ZülHchau, Colochau. Das 7 vertritt die 
Stelle des n oder u, und lautet in dem Namen Lychen nicht 
wie ein reines i, sondern nähert sich dem u. Lychen ist ein 
Ort, der ohnfern einer lugigen Niederung gelegen ist. 



154 Krklärniig der alten Ortsnamen 

Templin. 
Pelin heiBst wie Bellin in Fehrbellin Stadt. Tem bezeich- 
net das Terrain, auf welchem und an welchem die (kleine, nie- 
drig gelegene) Stadt liegt. Ten oder Den bezeichnet eine kleine 
Anhöhe, Tem aber, daes die Anhöhe eine gedehnte, gestreckte 
ist. Das Wort Tem hat eine adjectivische Potenz, und gehört 
der celtischen oder altslaviechen Sprache an. Der Name Tem- 
glin existirte höchst wahrscheinlich schon viele Hunderte Jahre, 
ids der Tempelherm-Orden entstand. Mit dem Namen der 
Glieder dieses Ordens hat der Name Templin ebenso wenig 
Gemeinschaft, als der Ortsname Templow bei Berlin, den die 
neueste Urkunde des sprachlichen Celtismus in Tempelhof um- 
gewandelt hat. Wollte man den Ortsnamen Templin mit dem 
Worte Tempel in Verbindung bringen, so müsste man auf die 
ursprüngliche Bedeutung des italischen Worts templum zurück- 
gehen. 

Zehdenick. 

Den ist ein kleiner Berg, ein Hügel, und Zeh (ze) ist die 
Präposition schi, d. h. an, bei. Das ik deutet Un, dass der 
Ort in alten Zeiten klein war. 

X. Der Prendaa'sche Kreis. 

Brüssow. 
Der Name ist aus der Präposition bo, an, bei, und aus 
Rus, Rüs, d. h. das Nasse, das Wasser, die nasse Niederung, 
gebildet. Der dabei liegende See ist nach der Stadt genannt. 

Fürstenwerder. 
Dieser Ort war in alten Zeiten ein Werder, d. h. eine an- 
sehnliche, wichtige Stadt, die wir jetzt Burg nennen. Das Wort 
Fürsten rührt nicht von princeps, der Fürst, her, sondern ist 
zusammengesetzt aus der Präposition bo oder po, die hier das 
f repräsentirt, und aus Rus oder Ris, das Wasser, der See, 
die nasse Niederung. Fürsten lautete ursprünglich Firissin oder 
Firistin, welches in Firstin (Fürsten) contrahirt wurde. 

Prenzlau, Prenzlow 
an der dreifach getheilten Uker. Die drei Arme der Uker 
haben den Namen Prenzlow erzeugt. Ren, welches der vierte 
Grad der Wurzel Run ist, bezeichnet einen kleinen Fluss, wurde^ 



in der Provinz Brandenburg. 155 

vorzüglich in Bpäteren celtischen Zeiten, augmentirt, und man 
erhielt dadurch aus Ren Beniza. Durch das Terrain, auf wel* 
ehern Prenzlow liegt, äiesst aber nicht eine Keniza, sondern drei 
Senizen (Flüase) und dasselbe ist dadurch renizlowe, d. h. eine 
Gegend geworden, wo Flüsse herrschen. Der in diesen (flüs- 
sigen) Gegend erbaute Ort wurde mit Recht Renizlow conitra- 
hirt Renzlow genannt. Da aber der Ort anfanglich nur irgend- 
wo an der Seite des flussigen Landstücks angelegt wurde, so 
setzte man noch die Präposition po, an, bei, vor, und erhielt 
dadurch den Namen Porenizelow, welches die Contraction in 
Prenzlow Terwandelte. 

Strasburg oder Strassburg. 

Dieser deutsch klingende Name ist auch ein Product der 
altslavischen oder celtischen Sprache. Er ist zusanmiengesetzt 
ans der Präposition schi, si, die auch ss und st lautet, und 
Ras, d. h. das Wasser, das Nasse, der FIuss, der See, die 
nasse Niederung. Die Präposition schi, an, bei, kommt hier 
in der Form des st vor. Der Name der französischen Stadt 
Strassburg hat mit dem Namen des märkischen Strassburg die- 
selbe Bedeutung. 

XI. Der Angermündesche Kreis. 
Angermünde. 
Es ist ungewiss, ob das Wort Münde hier von dem Aus- 
flüsse eines Wassers in ein anderes herrührt, oder ob es nach 
Vertauschung des w mit m ursprünglich Wineta oder Wineda, 
d. h. auf einer Anhöhe gelegenes Dorf oder kleine Stadt, be- 
deutet, wie dies im Altenburgischen Orlaroünde der Fall ist. 
Anger bezeichnet das Verhältniss, in welchem der Ort zu einer 
Anhöhe steht, wie in dem Namen Oderberg, welches in alten 
Zeiten Ader lautete. Sprachlich bedeutet An-Ger einen hohen 
Berg, und ist mit Tan-Ger ziemlich gleichbedeutend. Die Lage 
von Alt- Angermünde bestimmt die Bedeutung des Worts Anger. 
DasB Anger hier ein mit Gras bewachsenes Lundstück nicht 
bezeichnet, dies ist wol unzweifelhaft. Das Wort Nigen scheint 
den slavischen Comperativ nische, d. h. niedriger (nize) zu ent- 
halten und anzudeuten, dass es dort einen Ort gab, der höher 
gelegen war, als Nigen Angermünde. 



156 Erklttrung der alten Ortsnamen 

Greifenberff 
ist zusammengeeetzt aus Ber^, d. h. Ideine Stadt und aus dem 
Adjectiv geriwe, d. h. hüglicn. In dem Adjectiv geriwe ist das 
w in f übergegangen. Der Name lautete anfönglich Geriwen- 
berg, d. fa. ein Ort, der auf einem oder an einem hügeligen 
Terrain liegt. 

Joacbimsthal. 

Rieder Finow. 
Fine, Vine, Wine ist ein nicht hoher Bnrg, aber auch ein 
kleiner Fluss, der von einer Fine, oder von den Finen oder Fe- 
nen (vergl. die Fenne, einen Tracitus von kleineren Bergen in 
der Provinz Sachsen) herabkommt. Von Fine, Vine, Wine 
rührt das romische Wort vinea her. VergL Finni, fenni, Finn- 
land. 

Oderberg 
hiess in alten Zeiten Aderberg, auch Odirsberg. Die Sylbe der 
(Drehna), die auch anderswo ter (Trebbin, Jüterbog) lautet, be- 
zeichnet einen nicht hohen Berg. Die Berge, auf welchen Oder- 
berg gelegen ist, sind aber für die dortige Gegend hohe Berge. 
Dies bezeichnet man durch A und O. Das A und O sollte 
Ha oder Han, d. h. hoch, uud Ho oder Hon lauten. Der in 
Rede stehende Ort sollte Ha-Der-Berg oder Han-Der-Berg oder 
Ho-Dir-Berg heissen, hiess aber nach Wegfall des H Aderberg 
oder Odirberg, d. h. eine kleine Stadt, die in einer hohen, ber- 
gigen Gegend liegt. Der Name des Oder-Stromes ist mit dem 
Ortsnamen Oderberg verwandt. Der Name Oder bezeichnet 
einen Der, d. h. Fluss, der von Bergen, und zwar hohen (Hon- 
Der) herabkommt, und war ursprünglich männlichen Geschlechts. 
Die spätere celtische Zeit machte aus dem Oder, d. h. von ho- 
hen Bergen kommenden Flusse die Oder, oder Odera (Adjectiv) 
Scilicet Rieka, Rega, Luba, d. h. Fluss, so wie man aus Dan- 
ubius Donawa, die Donau, gemacht hat. Ein Thell der Slaven 
nennt die Donau Ragus oder Rakus, d. h. der grosse Fluss, 
der Strom, und das östereichische Kaiserthum Rakuska Keizor- 
stwo, d. h. das Kaiserthum an dem grossen Flusse. Auf gleiche 
Weise hat man in alten Zeiten die Oder hie und da Lubus, d. 

h. der grosse Fluss, genannt. 

• 

Schwedt 
ist zusammengesetzt aus der Präposition schi, an, bei, und 
Weda, d. h. das Wasser. Weda wurde auch Weta (vergleiche 
Wettin) gesprochen und geschrieben. Daher rührt das dt am 
Ende des Worts. In alten Zeiten hiess der Ort Suet und auch 
Zwet. In dem letzteren Namen vertritt das Z die Stelle des 
slavischen Z, welches wie seh lautet. 



in der Provinz Brandenburg. 157 

Stolpe 
ist entstanden aus der Präposition si, an, bei und tolope, d. h. 
^i'gig- Statt telope spricht man in der Lausitz tolowe. To- 
lowe ist das Adjectiv von Toi, d. h. der Berg, welches der 
zweite Grad von Tul ist. Der ßeeel nach ist Toi, Tel nicht 
ein steil aufsteigender und spitzer Berg, sondern von der Form 
eines platten Heuschobers. DocLhat man von dieser Regel des 
CeltismoB in späteren Zeiten Ausnahmen gemacht. Der Ortsname 
Toledo in Spanieo ist mit tolope nahe verwandt. Tolope oder 
tolowe heisBt berj^g« tolete oder tolede ein Terrain, wo mehrere 
Berge sind, regio montosa. Stolpe ist ein Dorf, Stolp Stadt. 

Vierraden 
an der Welse. In diesem Ortsnamen ist das Wort Bat oder 
Bad, d. h. die nasse Niederung, welches anderswo Ras und 
Raz, auch Rasch lautet, enthalten. Raten, Rathen, Raden ist 
ein Ort, der in einer niedrigen, nassen Gegend gelegen ist. 
Dem Namen Raten oder Raden, der mit Rathenow fast dieselbe 
Bedeutmig hat, ist aber noch die Präposition Ve oder We, d. 
h. in, vorgesetzt. Viraden (Vi-Rad-en) ist ein Ort, der auf 
einem nassen Terrain liegt. Das Wort Raden ist mit denv Ra- 
tum in dem alten Namen der französischen Stadt Strassburg, 
nämlich in Argentoratum, gleichbedeutend. Das französische, 
an dem Zusammenflüsse der 111 und der Brensch gelegene Ra- 
tum war ein Argento oder hari^eneto, d. h. hügelig, eine in 
einer nassen Niederung und an Hügeln geleeene Stadt Es ist 
bekannt, wie die deutschen Urkunden schreiber den Namen Vi- 
raden oder Viraten interpretirt haben. Aus der Präposition Wi 
oder Vi machten sie Vier und unter Raten oder Kaden ver- 
standen sie Räder (rotas) und behaupteten, dass von den vier 
Rädern, welche eine im Orte befindliche Mühle hatte, der Name 
des Orts entstanden sei. Die Mühle mit den vier Rädern an 
der Welse hat den in Rede stehenden Ortsnamen nicht erzeugt, 
sondern derselbe ist altslavisch oder celtisch. Neben dem Na- 
men Yiraden wird auch der Name Rosengarten angeführt. Ohne 
Zweifel ist dieser Name auch ein alter. In den Ortsnamen 
Rosendorf, Rosenberg, Rosenhain, Rosenau bezeichnet Rosen 
nicht Rosas, sondern ein durch einen Fluss oder durch Quellen 
verursachtes nasses Terrain (Ros z. B. in Crossen, Drossen) 
and Garten eine Stadt, eine Burg. Vergl. Naugardten, Dam- 
gardten, Stargard, Stuttgard u. s. w. 

XII. Der Ober-Barim'sche Kreis. 

Biesenthal. 
Die Bestandtheile dieses Ortsnamens sind die Präposition 
bo, an, bei, I^ü, oder Isa (Wiza, Wisa), die kleine Lache» und 



158 Erklärung der alten Ortsnamen 

Thal, welches Stadt bedeutet und anderswo Dal (Stendal) lautet. 
Biesenthal heisst eine an kleinen Lachen (Wuxen) gelegene 
Stadt oder Bur^. Das o in der Präposition bo ist in den An- 
fangslaut des Hauptworts übergegangen. 

Freienwalde 
an der Oder. Zusammengesetzt ist dieser Name aus der Prä- 
position bo oder po, die hier durch f repräsentirt wird, ferner 
aus Rin oder Ren, der Fluss, und Walde, welches Dorf und 
auch kleine Stadt bedeutet. Der Name sollte Frin- oder Fren- 
Walde lauten, ist aber von der sprachlichen Unkunde in Freien 
umgewandelt worden. Man wähnte, dass Frein- Walde so viel 
hiesse, als „frei am Walde. ^ 

Neustadt-Ebers walde 
an der Finow und Schwärze. Der Name kommt nicht von 
Ebern und wilden Schweinen her, sondern ist aus dem Aug- 
mentatiy Beriza (von Ber) und aus E entstanden, und W^alde 
ist angehangen. Beriza bezeichnet einen Berg und das £, wel- 
ches an der Stelle des W^orts He oder Hen (Heberiza) steht, 
einen hohen Berg. Der Buchstabe b steht auf der natürlichen 
Lautlinie hart neben dem V oder W, und deshalb i^t er auch 
öfters mit V und W verwechselt worden. Statt Ebers sagte 
man auch nicht selten Evers oder Ewers. Das s am Ende des 
Worts Ebers ist das slavische z in den Augmentativcn, wie 
z. B. in Horiza, Goriza, Daliza, Deriza u. s. w. Hen-Beriza- 
Walde ist ein Dorf, das an einem in dieser Gegend hohen Berge 
gelegen ist. 

Strausberg. 
Ras, Rus, Ruz bezeichnet ein Wasser, eine nasse Gegend, 
st steht für si oder echi, an, bei. Strasberg, Struzberg, Straus- 
l)erg ist eine Stadt, die an einem Wasser gelegen ist. Von 
Strauss rührt der Name Straussberg eben so wenig her als 
Berlin vom -Bär und Perleberg von dem Worte Perle. 

Werneuchen. 
Dem Wortlaute nach ist Werneuchen ein Ort, der an 
kleinen Bergen oder Hügeln gelegen ist. Wera ist in der Regd 
etwas niedriger als Hera oder Gera. Das Adjectiv werene, 
welches in dem Namen Werneuchen enthalten ist, heisst hügelig, 
werneche oder wemeke klein-hügelig. Wemechen, Wernuchen, 
Werneken ist männlichen Geschlechts, welches andeutet, dass 
der Ort schon in slavischer Zeit nicht klein und unbedeutend war. 

Wrietzen. 
Dieser Name ist zusammengesetzt aus der Präposition we, 
d. h. in, und aus Ris oder Riz, das Nasse, das Wasser. Die 



in der Provinz Brandenburg. 159 

Präposition we, in wird den Namen der Orte vorgesetzt, die 
oicht bloss von einer Seite vom Wasser, oder einer nassen Nie- 
derung umgeben sind, z. B. Vi-Baden. Stiess der Ort nur an 
einer Seite an eine nasse Niederung, so wurden die Präposi- 
tionen bo oder po und schi gebraucht. 

XIII. Der Nieder-Bamim^flche Kreis. 

Alt-Landsberg. 
Lan oder Wan ist ein Berg von mittelmässiger Höhe. La- 
oate 18t eine Gegend, wo einige solche Berge (Hügel) sich 
finden. Lanat- oder Lanad-Berg ist eine Stadt, die auf oder 
an Anhöhen liegt. Das s ist eingeschoben und eine Folge 
deutscher Wort-Verbindungen. 

Bernau 
an der Panke. Bernau ist gebildet aus der Präposition bo und 
aus Ken, welches einen kleinen Flus» bezeichnet, au steht an 
der Stelle deh slavischen ow. Ursprünglich lautete der Name 
Berenow, contracte Bemow, germaniairt Bernau. 

Oranienburg 
tiess früher Bötzow, welches letztere Wort aus der Präposition 
bo und Uza, der See, die Lache, entstanden ist. Das Bo und 
ü ist combinirt und tz vertritt die Stelle des slavischen z. In 
alten Zeiten hiess Oranienburg auch Butzow, welcher Name auch 
aus der Präposition bo und Uzow entstanden ist. In Lützow 
(siehe Charlottenburg) ist Luza statt Uza gebraucht. 

Liebenwalde 
an der Havel. Die beiden Sylben Lieben rühren von dem oft 
vorkommenden Worte Luba, Loba, Laba, Leba, Liba, welches 
FIuss bedeutet, her. Leba und Liba bedeutet einen kleinen 
Fluss, bezeichnet aber auch, wenn es in einem Ortsnamen vor- 
Icommt, die niedrige Lage des Orts. Walde heisst Dorf, wie 
Werda, Vörde oder Förde» Felde u. s. w. 

XIV. Der Beeskow-Storkow'sche Kreis. 

Beeskow 
an der Spree. Die niedrige Fläche an der Spree, auf welcher 
zum Theil die Stadt erbaut ist, bestand in alten Zeiten, vor 
zwei oder drei Tausend Jahren, aus kleinen Lachen und Süm- 
pfen, welche Ezen (der vierte Wortgrad) oder Wezen hiessen. 
An diesen Ezen oder Wezen wurden die Anfänge des Orts er- 
baut, und aus dem Grunde musste der Ort Bo-Ezen oder We- 
zen heisscn. Die Präposition bo, an, bei verschmolz mit Ezen 
in Bezen. Weil aber die Ezen oder Wezen, an denen der Ort 
gebaut wurde» klein waren, deshalb wurde das Diminutiv von 
£za, nämlich Ezka, d. h. die kleine Lache, gebraucht, imd man 



160 Erklärung der alten Ortinamen etc. 

erhielt auf diese Weise das Wort Beiken. Es ist bekannt, das« 
man statt des i oft das s gebrauchte, und dass man z. B. statt 
Luzazia Lusatia, statt Luzati Lusati sprach. Auch in dem Namen 
Beeakow ist das z mit s vertauscht worden, und man hat iiir 
Bezkow Beskow erhalten. Das doppelte e in Beeskow deutet 
an, dass man Bees gedehnt aussprechen soll, weil diese Sjlbe 
neben dem Haupt worte Ezka auch die Präposition bo enthält 
Die Combination der Präposition mit der ersten Sylbe des fol- 
genden Hauptworts kommt in den Ortsnamen Potsdam, Putlitz, 
Budissin, Buda (Ofen) vor. Die Endung ow documentirt, dass 
Beeskow schon in alten Zeiten ein bedeutender Ort (ton Bees- 
kow) war. Giebt es bei Beeskow noch ein Terrain, wo grössere, 
zahlreichere Wezen sind, so konnte man die Wezen, auf welche 
dasselbe gebaut ist, die kleinen Wezen, die andern die grossen 
nennen. 

Buchholz 
ist nicht aus Buche und Holz entstanden. Buch ist hier das 
Wort, welches anderswo Bug, Buk lautet und einen Berg, vor- 
nehmlich einen mit Laubholz bewachsenen Berg bezeichnet. 
Das von Buch, der Berg, abgeleitete Adjectiv buchowe heisst 
bergig, und ein Ort, der in emer bergigen, hohen Gegend ge- 
legen ist, Buchowz. Das w und 1 wurden oft verwechselt und 
durch diese Verwechselung erhielt man hier statt Buchowz 
Buchholz. Bucholz, anderswo Bukowz, ist männlichen Ge- 
schlechts (ton Bucholz) und dieser Name kommt einem in einer 
hohen, bergigen Gegend gelegenen grossem Orte zu. Den 
Beinamen „wendisch^ erhielt Bacholz in der späteren Zeit, wo 
die Germanisirung in dem, im Lebuser Kreise gelegenen Bu- 
ckow vollendet war, und wo man noch in Buchholz und in der 
Umgegend wendisch sprach. So unterscheidet man jetzt zwei 
im Luckauer und Calauer Kreise gelegenen Kirchdörfer, die 
beide Somo heissen, dadurch von einander, dass man das eine, wo 
nur deutsch gesprochen wird, Deutsch-Sorno, das andere aber, das 
grösstentheils wendische Einwohner hat, Wendisch-Somo nennt. 

Storkow. 
Von Störchen rührt dieser Ortsname nicht her, sondern 
von den spitzen Hügeln, die sich in der Nähe des Orts finden. 
Die Hügel sind Tonki (Diminutiv von Tor, d. h. der Spitzberg) 

genannt, und weil der Ort an den Hügeln liegt, so hat man die 
räposition schi oder si, d. h. an, bei vorgesetzt. Die Endung 
ow deutet an, dass der Ort schon in alten Zeiten zu den grö- 
sseren und bedeutendem gehörte. Si-Torik-ow contrahirt Stor- 
kow ist eine an den "kleinen Bergen gelegene Stadt. 

Senftenberg. G. Liebusch. 



Eine Schlesische Dichterschule. 



„Albnm schlesischer Dichter. Herausgegeben Tom Verein für 
Poesie in Breslau. Leipzig 1866,^ heisst ein Werk^ welches uns die 
neue schlesische Dichterschule, und zwar in der lyrischen und epischen 
Gattung, in einer Reihe von Dichtem vorführt. 

Für das an sich lobenswerthe Unternehmen giebt der Prolog, von 
R. Finckenstein gedichtet, vis seinem zwar wohlgemeinten, lüber ziem- 
lich schwunglosen Inhalt; nicht das beste Proömion. Das von der 
Natur gesegnete Schlesien wird als der alte Boden so mancher geistigen 
Kämpfe ireundlich begrüdbt. Den historischen Bückblick auf die Haupt- 
grössen derselben eröffnet der unglückliche Horatianer Opitz. Ihm 
folgt Gryphius, von dem es, namentlich am Schlüsse der Strofe, unbe- 
holfen und unklar heisst: 

Emes deatschen Trauerspiels Versacfae 
Machtest dn zuerst, o Gryphius. 
In der Weltgeschichte grossem Buche 
Fandest du, was uns bewegen muss; 
Tauchtest dich schon in dieselben Fluten, 
Wo ein Shakspeare die Begeistrung trank, 
Und des Abendlandes heisse Gluten 
Schmolzen deinen feierlichen Sang. 

Hierauf der gemüthreich-witzige Epigrammatiker Logau, Scheffler, 
der serafische Didaktiker, schliesslich Günther, der unselige, früh ver- 
welkte Grassator. Durch sie, wie durdi viele andere literarische Sterne 
leuchtete Schlesien dem Yaterlande bis auf die heutige Zeit ruhmreich 
vor. Zwar zeigt die grosse Menge, in materiellen Interessen befangen, 

▲rctaly f. n. Sprachen. XZXIX. ^ 11 



162 Kine SchleBische Dichterschule. 

wenig Sinn für geistige Grenüsse, was den Dichter, der aus ihr her- 
vorgeht^ unangenehm berührt, doch in seiner inneren Freudigkeit nicht 
stören darf. Indem er, an den gährenden Bewegungen der Zeit theil- 
nehmend, unbeirrt durch sie seinem schönen Berufe folgt, mögen die 
grossherzigen, siegreichen Thaten der letzten Freiheitskämpfe die 
Grundlage einer besseren und freieren Entwickelung bilden. Und im 
erhebenden Hinblick auf das Geleistete und Errungene soll nunmehr 
der Verein, von wahrer Liebe begeistert, die Früchte seines Strebens 
zur Verherrlichnng und Förderung des gemeinsamen Vaterlandes da^ 
hingeben. 

Die einzelnen Dichter folgen sich nun in alfabetischer Reihe. 
Wir wollen in kurzen Auszügen und Erörterungen ihre Leistungen 
und Eigenthümlichkeiten zu betrachten und zn würdigen suchen. 

Hugo Andriesseo. 

Ein durch zwei Lieder vertretenes Mitglied aus Pittsburg in 
Amerika, „Bed, White and Blue. American National Song'' verherr- 
licht in bekannter Weise die Freiheit und Brüderlichkeit der Vereinigten 
Staaten; wogegen Nichts einzuwenden ist, als höchstens, dass man 
sich ja hüten möge, die tricolore Freiheit, welche in dem Vorherrschen 
der mechanischen und mercantilen Interessen eine sehr bedenklidie 
Grundlage hat, allzu lebhaft zu rühmen. — »Auf dem Ocean^ spricht 
in etwas nichtssagender Heiterkeit die hoffnungsfreüdige Entsagung 
eines absegelnden Auswanderers aus. Das Gedicht schliesst: 

Allüberall weht Hafis' Geist, — 
Der Becher aller Orten kreist, 

Wo Wein, Cresane und Liebe 1 
Der Kirchen Dunst nethör^ dich nicht. 
Der Priester Zorn, er stör* dich nicht, 

Natur war stets dein Tempel! 

Wenn der Verfasser, gleich manchen Anderen, mit dem starren 
Dogmatismus der Kirche gebrochen hat, ist er deshalb genöthigt, als 
einzig übrigen, Trost und Hilfe gewährenden Gegensatz die äussere 
Natur anzuerkennen? Die alte, begrifflich aufgefasste Tradition, der 
gerammte Inhalt der modernen, vorzugsweise der deutschen Wissen- 
schaft, also der Geist überhaupt, wäre denn doch vor Allem die be« 
rechtigte Instanz, an die er sich zunächst zu wenden hätte. Aber von 
dieser hat er, wie alle Naturapostel heutiger Zeit, wahrscheinlich keine 
Ahnung. 



Eine Schlesische Dichterschule. 168 

Friedrich Barchewitz. 

Ein weicher, geftlhlvoller, formgewandter L3rriker. — „Da es zum 
Scheiden ging^^ spricht in nicht übler Weise das oft behandelte Gefühl 
des Heimwehs aus, welches nnr in dem Falle schwach wirkt, wenn die 
neue Heimath besser und interessanter ist, ab die alte, im. Allgemeinen 
aber in jedem verwöhnten Söhnchen einen besonders ergiebigen Boden 
findet. Den dreimaligen Befirain bildet, nach altgermanischer Sitte, die 
Thräne; und mit der Erinnerung an das von Weinreben umrankte 
Vaterhaus sdiliesst das Gedicht: 

Und als ich ging jahraas, jahrein 

In der weiten Welt, so fremd und kühl, 

Und kam ich in ein Dörflein klein: 

Von der Heimat durchzuckt' mich ein süss Gefühl. 

Und wenn ein Fensterlein, hell und blank, 

Ich sab, das eine Weinreb' umschlang, 
Da weint' ich, da weint' ich. 

„Wintemacht/^ Sinnige Betrachtungen Qber die Jahreszeit. In 
der Mitte heisst es: 

Und mit den feorig wilden Kläi^n, 
Die trotzig mit dem Sturme streiten, 
Erwacht in meiner Brust ein Drängen, 
Verachtung ird'scher Herrlichkeiten! 

Verachtung dessen, was die Welt 

Dem Menschen Schmeichelndes ersonnen. 

Und was in seiner Nichtigkeit ' 

Vergebt, wie Schnee vor Maiensonnen. — 

Die zu verachtenden Herrlichkeiten mussten, zur Vermeidung von 
Missverständnissen, näher bezeichnet werden. Denn Alles ist, zumal 
von einem Jünglinge, doch nicht schlechthin zu verwerfen ; und der ir- 
dischen Genüsse, in deren Anerkennung die Weltleute und die Heiligen 
vollkommen einig sind, giebt es bekanntlich weit mehr, als die letzteren 
gewöhnlich einräumen. 

Da hör' ich nnwdt ängstlich picken 
Und flattern an der Scheiben einen; — 
Ein Vöglein sucht mit scheuen Blicken 
Ein Nachtmahl sich und seinen Kleinen« 

Doch drinnen die beim reichen Manne, 
Was kümmert sie des Vöeleins Noth! 
Kreist ihnen nnr die volle Kanne, 
Ward ihnen nur ihr täglidi Brotl — 

Und an des Vögleins Kummer schnell 
Erkannte ich mein eigen Leiden: 
Das mich vom ew'^n Wahrheitsquell 
Gefrorne Fensterscneiben scheiden I 

11* 



164 Eine Schlesische Dichterscliale. 

.Also wieder, ein Stfick NatnreTaDgelium ! Ist der gute Lyriker 
ein altparsischer Feueranbeter, der, zumal aus seinem üroatigen Atelier, 
die Sonne als absoluten Geist verehrt? Und wenn nicht, wie kann 
ihn denn von dem ewigen Wahrheitsquell ein zugefromes Stubenfenster 
scheiden ? Er heize brav ein und suche zu begreifen , was er noch 
nicht weiss. 

„Malerlieder ,^' „Schnee im Lenz,^' ^^^^ ^^ dichten woUte^'^ 
„Christnacht^^ sind, wie die angeführten, in ihrer Fassung ans{>rechend, 
aber eben so süsslich und gedankenarm. In den Malerliedem begegnet 
der Verfasser auf seinen ländlichen Wanderungen vor einer kleinen, 
bemoosten Hfitte einer Mutter , ihren Knaben haltend , welche er so- 
gleich mit einer Madonna vergleicht — Vergleiche kosten Nichts; 
aber in engen, dumpfigen Tagelöhnerhötten finden sich solche rei- 
zenden Rafaelischen Gebilde nicht. — In dem vorletzten Liede 
kommt die Stelle vor: 

Und was ich schrieb, vertraut' ich seiner Treue 
Und sendete ihn zu der Menschen Städte — 

woraus man ersieht, dass der Verfasser, wahrscheinlich nach irgend 
einer Zukunftsgrammatik» die Präposition „zu^^ mit dem Aocu- 
sativ verbindet. — Im Allgemeinen zeigt dieser Dichter einen sehr ge- 
ringen Umfang an moralisch-kflnstlerischer FfiUe und Kraft. Er re- 
präsentirt, wie die meisten seiner CoUegen, die cultivirte Empfindsam- 
keit, auf welche Göthe in seinen Jahreszeiten ein so treffendes Epi- 
gramm gemacht hat. 

Clara Bestd. 

Eine durch manche Stfirme geprüfte Lyrikerin', welche mit allen 
Uebrigen grosse Aehnlichkeit hat. Hier folgt eine Probe: 

Warum? 

Warum mnss jener Sonnenstrahl 
In diese enge Gasse schlüpfen? 
Da doch viel andre frei im Thal 
Hin auf des Baches Wellen hüpfen? — 

Weil dort in feuchter Dunkelheit, 
Von schwerem Elend tief umnachtet, 
Bang nach des Lichtss Seligkeit 
Von Thränen trüb* em Auge schmachtet! 

Karl Beut hn er. 

Eine stillbeschaulicfae, sanfte Blumen- und Herbstnatur, zu deren 
Bezeichnung folgendes gotts^ge Sonnett dienen mag: 



Eine Schlesische Dichterscbule. 165 

Nänie. 

Es wölbet sich dein friflchberuter Hügel 
So kühl um dich, ^e grüne Meereewelle; 
Drauf blickt die Trauerros' in bleicher Helle 
Und suchet dich, ihr Bild, im dunklen SpiegeL 

Doch aehf die Nacht, ein schwarzes Trauersigel, 
Bis Gott es bricht, deckt deine stille Zelle, 
Und schirmend schwinget um die heil'ge Stelle 
Der Friedensengel seine leisen Flügel. 

Gar fest verwahrt ist deines Grabes Pforte; 
Ein kalter Stein als Riegel vorgeschoben, 
Lässt keinen Schmerz bu diesem Rnheporte. 

Das Kreuz^ das tröstend sich davor erhoben, 

Es weiset uns mit seinem goldnen Worte 

Den Weg dir nach — zur Grottesstadt da droben. 

Siegfried Eiaenhardt. 
Von diesem ist nur eine Ode beigesteuert: „Den Grewaltigen/^ 
Er macht in gelungener, wiewohl etwas gedehnter Form den Herrschern 
zum Vorwurf, dass sie , um vor allen Dingen ihre Macht zu wahren, 
rieh auf den fortgesetzten Gebrauch der rohen Gewalt verlassen, die 
Rechte der Völker missachten, den noth wendigen Fortschritt der Ge- 
schichte in frevelhafter Weise verkennen und hemmen. Er schliesst 
mit folgender Mahnung : 

Erkennt die Zeit und ihre Zeichen 1 

Sie flammen lohend durch die Welt. 

O wollt nicht, dass auf Schutt und Leichen 

Die Zukunft üiren Einzug hältl 

Bahnt ihr den Wegl Ihr seit benxfenl 
Euch ward die beifige Mission! 
Bringt sie von eures Thrones Stufen 
Als ein Geschenk der Nation I 

Steigt nieder in des Volkes Mitte, 
Vernichtet jede Scheidewand; 
Erkennt des Bürgers Zucht und Sitte; 
Reicht ihm in Fneden eure Hand! 

Das Volk ist gut, und anergründlich 
Birgt 63 im Busen seine Treu'. 
Sie macht euch stark, unüberwindlich, 
Sie macht euch gross, sie macht euch frei. 

Gerechtigkeit den Unterdrückten, 
Vertrauen bringt dem Bürffersinn, 
Dann wird der Jubel der Sejglückten 
Weithin durch eure Lande ziehn I 

Dann wird den Lorbeerkranz each winden 
Das ganze Volk, die canze Zeit, 
Und die Gesdiichte wurd euch künden 
Mit Rohm für alle Ewigkeit! 



166 Eine Schlesische Dichterschule. 

Für alle Zeiten heilig tbeaer * 
Reicht sie der Nachwelt euer Blatt; 
Der Siege grössten nennt aie euer, 
Den je ein nfenach gefeiert hat. 

Und wenn Jahrhunderte vergangen 
Und selbst der letzte Purpur fiult: 
Ihr werdet unvereänglich pransen 
Im Heldenbuch der ganzen Welt. 

Auf Besserung der Staatenlenker scheint der Dichter also noch 
einige Hofinung zu setzen. Zur Belohnung dafQr und zur endlichen 
Erfüllung derselben wollen wir ihm die Lebenslänge eines Methusalem 
wünschen. Von der grossen Politik abgesehen, verkennt der Ver- 
fasser vielleicht, dass das subalternste RathscoUegium in dem kleinsten, 
armseb'gsten Neste, trotz alles zur Schau getragenen Liberalismus, 
seine Untergebenen gewöhnlich weit herrisdier und willkürlicher zu 
behandeln pflegt, als der absoluteste Monarch eines Landes. Und 
solche Republiken , deren wir einige Tausende im Staate zahlen , sind 
und bleiben die eigentlich Gewaltigen. 

Dorothea Erstling. 
Eine, gleich den meisten Anderen, wehmüthig erregte, bei allein 
Flitterstaate der Bilder phantasielose Natur. 

Das Dichterherz. 

Es stritten Höll' und Himmel sich, 
Das Dichterherz zu schaffen: 
„Die Glut, die Flammenglut geb' ich. 
Die hellen Feuerwaffen I<* 

Der Himmel rief: »Ich seb' das Gold 
Von Sonne, Mond und Sterne, 
Den Glauben und die Liebe hold, 
Das Ahnen meiner Feme!* 

Und HöU* und Himmel schritten kühn 
An*8 Werk vom Dichterherzen; 
Der Himmel sah die Freude blühn. 
Die Hölle — Glut der Schmerzen. 

Und als sie^s — halb und halb — vollbracht. 
Da fugten sie's zum Ganzen, 
Mit Zaubennacht, mit Flammenpracht 
Der Welt es zu verpflanzen. — 

Und der es träft, dem Erdensohn 
Giebt's bis zur lieutigen Stunde — 
Ein Se^en halb, und halb ein Fluch — 
Von semem Ursprung Kunde! 

Also die alte, abgetakelte Ostentation vom Dichterherzen, dessen 
DarsteUung hier noch dazu auf ein nachgemachtes und verfiilschtes, 



Eine Schlesische Dichterschule. 167 

in Sentimentalität yerkahmtes Fabricat hindeutet. — Wie die zweite 
Strafe zeigt, verbindet die Dichterin die Präposition „von^^ mit dem 
Aocnsativ, worin sie sich mit dem ihr auch sonst ähnlichen Barchewitz 
zusammen thun kann. 

,^Der Schmerz/^ ebenfalls eine Allegorie, spricht die Erfahrung 
aus, dass dem Schmerze sein ihm gemässes Logis in der Einsamkeit 
zugewiesen sei, — ein Genuss, in welchen sich gute und schlechte 
Schmerzleider, naraentb'ch dichtende, ebenso theilen, wie Gerechte und 
Ungerechte in Regen und Sonnenschein, und dem man bei der ersten 
Gelegenheit zu einem anlockenden Rendezvous, selbst im Alter, sofort , 
zu entsagen pflegt. — Der Dithyrambus „das Reich der Phantasie^' ist 
eii^e pindarisirende, alle möglichen Aquarellblumen kokett abspiegelnde 
Seifenblase, deren Aufnahme in bedauerlicher Weise das Unvermögen 
der Redaction bekundet. 

Rafael Finckenstein. 

jJProlog zur Shakspearefeier. Breslau, 23. April 1864." — Ge- 
hört der enkom las tischen Richtung an, die den guten Deutschen beson- 
ders eigen ist, zum Andenken berühmter Namen Festfeiem und Zweck- 
essen auf Kosten des eigenen Werthes zu veranstalten. Das Gedicht 
giebt, nach einer historischen Betrachtung, eine allseitige Charakteristik 
des grossen britischen Dichters, als eines Vorbildes für jeden Nach- 
strebenden. Es würde lobenswerth sein, wenn es, bei massiger Spann- 
kraft der Darstellung, nicht allzu gedehnt und schleppend wäre, eine 
Greschmacklosigkeit , welche nur einer solchen Redaction nicht auffallen 
konnte. — Von dem „Prolog zur Dantefeier. Trebnitz, 21. Mai .1865," 
ist dasselbe zu sagen. — Besser, man schreibt gar keine Prologe, als 
dass man metrisch abschwächt und verwässert, was in jeder literarischen * 
Uebersicht längst anschaulicher und eingehender behandelt ist« — 
„In's Stammbuch eines jungen Mädchens" wünscht der liebenswürdigen 
Adressatin mit Gottes Hilfe andauernde Unschuld und Fröhlichkeit, 
was sie hoffentlich beherzigen wird. Für ein Stammbuch geeignet, 
aber nicht zur Aufnahme in ein Dichteralbum. 

Robert Gründler. 

Tritt als erster Epiker der Sammlung auf und wird uns im Inte- 
resse der Gründlichkeit und namentlich dessen, was nicht von ihm zu ' 
lernen ist, länger beschäftigen, als er es verdient. 



168 Eine Schlesische Dicbterschule. 

Protefiilaos and Laodamia. 
Die unter Agamemnon vereinigten Griechen sdehen, um die Fre- 
velthat dea Paris zu rächen, nach Troja. Auch ProtoBÜaos, Fürst 
von Phylake, schliesst sich dem Zuge an. 

Wohl mag ihm die Fahrt verleiden 
Trennung von dem heimischen Ueerd, 
Und es wird ihm schwer, zu schaden 
Von der Gattin, lieh und werth. 
Die ihn fleht mit heissen Thräneui 
Nicht zu fliehen über^s Meer, 
Wo die Wogenschlünde gähnen 
Und der Knegsgott tobt so schwer. 

Das intransitive Verbum „flehen'' kann das Object nur im Dativ 
oder mit Hilfe der Präposition „zu'' mit sich verbinden. Auch flieht 
der Held nicht über das Meer, sondern er scheidet oder zieht Auch 
tobt der Kriegsgott nicht, sondern wird toben, und nicht auf dem 
Meere, sondern auf dem Festlande. 

Protesilaos reisst sich, von der gemeinsamen Pflicht gerufen, aus 
den Armen seiner Gattin los, welche das ihm bevorstehende Loos ahnt. 
Die vereinigte Flotte nähert sich dem fernen Grestade, welches von den 
kampfbereiten Troern besetzt ist. 

Weilend anf den hohen Schiffen 
Stehet noch der Griechen Ueer, 
Und die Führeri muthergriffen. 
Schreiten ordnend rings umher: 
Da zuerst den Fürsten allen 
Wagt Protesilaos* Kraft 
In £e Feinde einzufallen 
Wirbelnd mit der Lanze Schaft. 



u 



Mit dem Worte „muthergriffen" ist wahrscheinlich „muthbeseelt* 
gemeint. „Zuerst den Fürsten allen," statt vor oder unter den 
Fürsten, ist sprachwidrig. 

V Doch bevor er eingedrungen, 

Triffl ihn ein Dardanerspeer, 
Von der Seite her geschwungen, 
In die Schläfe tödthch schwer. 
Hellas' Bester liest erschlagen. 
Der das erste Opfer fiel; 
Vielen noch, die ihn beklagen, 
Ist verhängt das gleiche 2ael. — 

Die Strofe ist, namentlich am Schlüsse, dürftig und trocken. 
Uebrigens ist das Wort „Dordaner" in der vorletzten Sylbe kurz, nicht 
lang zu betonen. 



Eine ScblesiBche Dichterachale. 169 

Hofiend harrt iiide«s die Arme, 
Bis der Gatte Wiederkehr', 
Ziehend mit der Griechen Schwärme 
Ans dem Kriege, lanjz und schwer. 
Und sie harrt mit stülem Trauern, 
Sehnend, hofiend Jahr um Jahr, 
Bis gesunken Troja's Mauern» 
Heimwärts zieht dier Griechen Schaar. 

Schon erkennt sie aus den Schiileii 
Das des Gatten schnell heraus» 
Und Ton hoher Freud' ergrificn 
Eilt sie zum Gestad* hinaus. 
Siebt des Gatten lieben Bruder, 
Den mit jenem einst zugldch 
Fortgeführt des Schifies Ruder 
In den Krieg, so thrSnenreicb. 

Dieser kommt ihr jetzt entgegen 
Mit der unheilvollen Mär^; 
Wie mit Jovis Donnerscbliigea 
Trifit das Wort die Arme schwer. 
Wie gebrochen sinkt sie nieder, 
Die noch hofibungsfroh^ gelacht; 
Langsam kehrt ibr Leben wieder, 
Doch den Geist bült ew'ge Nacht. 

Und wenn in der Früh' geboren 
Eos ihre Rosen senkt, 
Und hervor ausgoldnen Thoren 
PhÖbus seinen Wagen lenkt, 
Steigt sie auf des Ufers Höhen, 
Späht sie still in's weite Meer; 
Aoer den sie wünscht zu s^en. 
Jener kehrt ihr nimmermehr. 

Ffir den Zusammenhang ist der Ausdnick „wenn Eos ihre Rosen 
eenkt'^ viel zn gewählt. Die Haltung und Sprache des ganzen, dem 
Stofle nach wenig epischen Gredichtee hat durchweg viel Kraftloses und 
mfihselig Grekfinsteltes. Bei weitem aufiallender zeigt sich dies in der 
folgenden Romanze. 

Katreus und Althämenes. 

Von allen Beiven schallt's hernieder. 
Ans aUen Thatorn tönen Lieder 
Durch Kreta's weite Insel fort 
Und pflanzen sich von Ort zu Ort. 
Und Freude in den hohen Hallen 
Umsteht geschmückt den Herrscherthron; 
Da hört man Jubelchöre schallen 
Dem eingebomen Königasohn. 

Schon schaute dreissigmal die Soime 
Des hohen Festes Frendenwonne, 
Die heut sich wiederum erneut, 
Wie es der Vater froh gebeut; 



170 Eine Schlesische Dichterschule. 

Denn des Orakels Sprach zu melden, 
Eacfngt dem jngenduchen SprosSf 
War die entsandte Schaar der Helden 
Zurückgekehrt in's Königsschloss. 

Und wie die Helden alP umstanden 
In ihren hellen Festgewanden 
Uerzuj^enaht den Herrscherthron, 
Da tntt hervor Enrymedon; 
ihn hat, den Götterspmch zu künden, 
Wohl aaserwählt des Looses Glück, 
Doch keine Freude ist zu finden 
Im ti^ herabgeschlagnen Blick. 

.Mein König, hoch geehrt gehalten! 
Bekannt ist dein gerechtes Walten. 
Wenn dir die Gottheit Böses flicht,^ 
, Des zürne deinem Boten nicht 1 
Oft «ebt die Zukunft Nichts als Kammer; 
Woluthätig dann verbirgt sie ihn, 
Dann frommt es nicht, von ihrem Schlummer 
Den dunkeln Schleier wegzoziehn.* 

Wie unpassend ! Der Schleier kann nicht als „dookel^S sondern 
nur als y er dunkelnd gedacht werden; und dieser ist nicht von 
dem Schlummer der Zukunft, sondern von der schlummernd en 
Zukunft wegzuziehen. 

JDu hast gefordert, sie zu sehen; 
So höre Alles, wie's geschehen! 
Da uns dein Wort von hinnen rief, 
Bestiegen freudig wir das Schiff. 
Uns sandte, schnell dahinzutraffen, 
Ein Gott der Winde günstig Spiel; 
So trieben wir mit Ruderschläffen 
Zum raschen Lauf den hohen Kiel.^ 

»Geebnet las die blaue Fläche, 
In stiller Rmi' die Wogenbäcbe, 
und friedlich in dem tiefen Meer 
Schlief Tethys* ungestaltet Heer. 
Da riefen wir es fromm den Winden 
Und des Poseiden heiPger Macht, 
Ein herrlich Opfer anzuzünden, 
Wetfn er uns glücklich heimgebracht." 

»Doch Lykophron mit frevlem Sinnen 
Zerstörte unser fromm Beginnen, 
Erweckte aus der stillen Flut 
Den Gott mit seinem Uebermuth; 
Und alsobald thät uns umhüllen 
Des wilden Sturmes dunkle Nacht, 
Dass furchtbar in dem lauten Brüllen 
Das Schiff in seinen Fugen kracht.* 

„Da riefen wir es fromm den Winden'^ u. s. w. Hier mnsste 
das Compositum «^zarufen** oder das Wort „geloben" angewendet 



Eine Sehlesische Dichterschule. 171 

werden. — „Mit seinem Uebenmuth," — mit welchem? Hat Lyko- 
phron den Meeresgott durdi einen schkchten Witz beleidigt? Dieses 
Motiv war hier doch einigermassen auszuführen. — In der letzten 
Zeile stimmt das Präsens des Folgesatzes „kracht" nicht mit dem Prä- 
teritum des Yordersatses „th&t uns umhüllen." 

9 Bald schwebt es auf dem Gischt der Wogen, 
Bald ringt es, jäh hinabgezogen, 
l^ef unten auf des Meeres Urund, 
Umeahnt vom wilden Wassersoblund. 
Und zitternd trugen wir die Plage, 
Im lieben Herzen bang bewegt. 
Als endlich mit dem goldnen Tage 
Der Gottheit Zürnen sich gelegt.* 

«Da sah*n wir auch mit frohen Mienen 
Des Landes nahe Küste grünen, 
' Epiros^ ausgedehnten Strand 
Vor unsem Augen ausgespannt. 
Wo in das Meer mit iS^et Weile 
Thyamis' stille Fluihen ziehn. 
Dort hemmten wir des Schiffes Eile 
Und stellten es zum Ufer hin.* 

In dem Worte „Thyamis" ist die vorletzte Silbe kurz. „Das 
Schiff zum Ufer hinstellen" ist ein ungeschickter Aasdruck. — »»Wir 
zogen dann," fahrt er fort, „durch das Land bis nach Dodona, welches 
wir am nächsten Morgen erreichten. Dort, in dem heiligen Eichen- 
haine lauschend, erwarteten wir das Orakel des Zeus. Doch nicht mit 
sanftem Flästem, sondern mit erschütterndem Brausen aus den Wipfeln 
niederschallend rief uns eine Stimme zu : 

».Des lieben Sohnes hebend Streben 
Soll btissen dnst mit seinem Leben 
Der Fürst im weiten Kreterland, 
Erschlagen von des Sohnes Hand!*^* 

Schreckenvoll vernahm ich diesen unheildrohenden Spruch. Zürne 

dem Boten nicht, dem das Loos zugefallen ist, ihn dir zu verkünden." 

— Katreus beruhigt ihn und erklärt, er werde sich dem gottlichen 

Verhängnisse flQgen. 

«Drum werde nicht am Sohn gerochen, 
Was ihm die Gottheit zugesprochen. 
Ihm sei gegönnt des Lebens Lauf, 
Er blüh* zum Jünglinff rüstig auf! 
Doch welches Wort den Heldenscbaaren 
Verkündete ein Gottermund, 
Das möge nie mein Sohn erfahren, 
Verweht, vergessen sei die KnndM" 

Und wie'« dem jugendlichen Sprossen 
Der hohe Herrscher mild beschlossen, 



172 EiQ^ Schlesisi^he DichterBobale. 

So blüht* in froher Donkellieit 
Althämenes, der Aeltem Freud*. 
Ihm folgte wol manch* süsse Klage, 
Ans zartem Busen nachgeschickt; 
Ja selbst die Nymphen, geht die Sage, 
Belauschten seinen Reiz entzückt 

Die letzten Zeilen fiind sehr gezwungen. Unmittelbar nach dena 
Begriffe 9,der Aeitera Freude^ der unbeholfen ausgeführte Begriff* 
„Elage^^ ist schroff und unpassend. — Doch Althä|fnenes, unempfind- 
lich für die Liebe, wird ein rüstiger Jäger, bis ihm endlich ein Zufall 
(man erfährt nicht, welcher) sein künftiges Geschick verräth. Da flieht 
er trauernd aus dem väterlichen Hause und sucht die Einsamkeit auf, 
um nie zurückzukehren ; er verlässt zuletzt, ohne seines Vaters Wissen, 
selbst Kreta und landet auf Rhodos« Katreus, von Schmerz er- 
griffen, fordert seine Umgebung auf, mit ihm seinem Sohne dorthin 
nachzusegeln. 

Und schnell wird in die blauen Wogen 
Das hohle Schiff hinabgezogen ; 
/ Bald sitzend längst des hohen Bord 

Verlassen sie den heim'schen Port. 
Und als des Dunkels weite Hülle 
' Zorn andern mal sich ausgespannt, 
Betreten sie in tiefer Stille 
Der Insel schön gekrümmten Strand. 

, Jüngst 4^8 hohen Bord/' Längst ist bekanntlich ejn adverbi- 
aler Superlativ ; die hier anwendbare Präposition heisst ,«läng8.^' 

Doch ihre Ankunft^ still betrieben, 
War unbemerkt doch nicht geblieben, 
Ein Späher schaute sie von fem 
Und meldetfs eilig seinem Herrn: 
«Mein Eöuiffl ifotii ist's, dich zu wahren. 
Soeben an des Meeres Strand 
Erblickt' ich fremde Eriegerschaaren, 
Dass erzerglänzt der dmifle Sand.« 

Das wiederholte „doch^^ und „erzerglänzt der dunkle Sand'' ist 
eben so ungeschickt wie sprachwidrig. 

Da das Althämenes vernommen, 
Heisst er die Sehien, schnell zu kommen; 
Nichts ahnend, dem Geschick geweiht. 
Stürmt er zum gottverhängten Streit; 
Und wüthend durch der Gegner Reihen 
Sich bahnend eine blutige Bahn, 
Fällt er mit wUdem Lanzendrauen 
Den eignen Vater rasend an. 

„Heisst er die Seinen, schnell zu kommen.'' Das Verbum 
heissen in diesem Sinne verbindet sich mit dem blossen Infinitiv 



Eine Schlesische Dichterschale. 178 

ohne „zu/' — „Sich bahnend eine blat'ge Bahn,^^ — warum nicht 
„sich öffnend eine blut'ge Bahn*^? 

Schon ist die Lanze fortgeschwungen. 
Mit sicherm Wurf hat sie durchdrungen 
Des besten Vaters trene Brost ^ 
Der Sieger jauchzt in wilder Lust — 
Da erst erkennt, im Tode ringend, 
Der Vater den ffeliebten Ton, 
Und einmal noch sich selbst bezwingend, 
Ruft sterbend er den h'eben Sohn. 

Doch Jener blickt in starrem Schauen 
Auf seine That mit stillem Grauen: 
Was ihn getrieben, fortzugehn, 
Das Grässuche, er sieht's geschehn. 
Umschlingend jetzt die liebe Leiche, 
Küsst jammernd er ihr bleich Gresicht, 
Doch in des Hades düsterm Keiche 
Hdrt seinen Schmerz der Todte nicht. 

Da fleht er zu dem finstem Gatten, 
Dem Fürst der ab^eschiednen Schatten^ 
In*8 Land, dem Kemer lebend naht, 
Zu öfihen ihm den dunklen Pfad. 
Und gütig hört der Gott die Bitte; 
Da kkfft der Erde weites Feld, 
£s nimmt ihn auf des Orkus Mitte, 
Der ihn dem Vater neu gesellt. 

Den Schattenbeherrscher als ,,fin8tem Gatten" zu bezeichnen, ist 
hier sehr unpassend; dieses Wort würde nur Sinn haben, wenn er in 
Beang anf Persephone gedacht wäre. — 

Bezüglich des tragischen Inhalts wäre noch Folgendes zu bemerken. 
Derartige, die düstere Macht unbegreiflicher Fügungen darstellende 
Stoflfe, so glänzend sie auch ausfallen mögen, zur Behandlung zu 
wählen, ist überhaupt nicht räthlich. Die Vorsehung erscheint als eine 
dämonische Gewalt, aA der tnan die wünechenswertheste Fähigkeit yer- 
misst, das Gute und Erspriessliche zu wollen; und der arme Mensch 
als eine willenlose Schachfigur, die durch eine him- und herzlose 
Prädestination über weisse und schwarze Felder spinozistisch umherge- 
zerrt wird, um in elendem Untergange, ohne etwas Sinnreiches zu ver- 
wirklichen, endlich rathlps zu erliegen. In der sogenannten besten 
Welt ist das Verkehrte , Platte and Alberne leider schon so^ überwie- 
gend, dass es das ihenschliche Gemüth empört, es noch mit dem G^ 
präge himmlischer Berechtigung gestempelt in den Vordergrund der 
grossen Farce gestellt zu sehen, — eine Anschauung, die man christ- 
lichen Metaphysiken! ein für aUenial überlassen mag. 



174 Eine Schlesische Dichter^hule. 

Die folgende Eomanze behandelt einen Stoff, dessen Inhalt unserer 
Anschauung eben so fem liegt. Der griechische Sänger Thamjris, 
welcher, stolz auf seinen Ruhm, aus Vermessenheit die Musen zu einem 
Wettkampfe herauszufordern wagt, wird von diesen besiegt und mit 
ewiger Blindheit und Taubheit bestraft« Solche Bestrafungen verehrt 
man gewöhnlich als Beispiele der richtenden Allmacht; sie sind aber 
vielmehr Beweise für die Armseligkeit des olympischen Regiments, 
welches zur Demtithigung vermeintlicher Sünder nie ändere als physische 
Mittel anzuwenden weiss. Die Sprachform dieses Gedichtes ist eben 
so misslungen, wie die der vorigen. 

Die Beiträge dieses Dichters schliesst ein zwölfzeiliges , ziemlich 
nüchternes, oft fehlerhaftes Epigramm, „Grabschrift auf Hellas,'^ wel- 
ches den Greist und die Grösse des reichbegabten Mustervolkes zur 
Nacheiferung empfiehlt. Was an Kraft, Fülle und Correctheit von 
den grossen Hellenen zu lemoi ist, beträgt jedenfalls bedeutend mehr, 
als alle lahmen Romantiker aus ihnen gelernt haben. 

Adalbert Harnisch. 

Gehört zu den Dichtem, die, keines besonderen Gedankeninhalts 
mächtig, des bequemen Glaubens leben, dass irgend ein Gleim>Hage* 
dorascher Gemeinplatz, in munterem Tone metrisirt, für bare Poesie 
gelten dürfe. Dieser Glaube ist heutzutage, wo so Vieles bereits 
hinter uns liegt, wo das GremÜth des Eühstlers, um einigermassen zu 
wirken, mit angestrengtester Spannung sich auf concrete Lebensmassen 
zu werfen hat, ein höchst verderblicher Irrthum. Unter seinen Bei- 
trägen ist das gedehnte Gedicht „'s ist Alles mein!^' noch das leid- 
lichste. Nun aber das folgende! 

Meinem hydropathischen Vetter. 

Ein oinopathisehes Liedchen. / 

Ich wünsche div von Herzen, 
DasB alle Noth und Schmerzen 
Verwandeln mag zu Scherzen 

Das n^ae Jahr. 
DasB wie Gewitterregen 
Des HimmelB Glück und Segen 
Dich treffe allerwegen 

Und immerdar. 

Geht's drüber mal und dnmter, 
Und bist du mal nicht munter, 
Lass hangen nicht herunter 

Sogleich den Kopf l 



Eine Schlesische Dichterschule. 175 

Der Math darf nimmar sinken« 
Der Witz darf nimmiBr hinken, 
Und singend magst du trinken 
Dir einen Zopf! 

Schmerzt Bücken dich unc^ Wade, , 
Wird dünn das Haar, ist's schade, 
Dir Salben und Pomade 

Za reiben ein. 
Der beste Krankenretter, 
Der beste Weich-dich-better, 
Ein Stirn- nild Haaresltttter, 

Das ist der Weinl 

Drum, quälen mal dich Sorgen, 
Sei's Abend oder Morgen, 
Und müssiest draof du borgen, 

So füll* das Gksl 
Der echte Sorgenbrecher, 
Der rechte Mückensiecher, 
Das ist ein solcher Becher 

Voll edlem Nass. 

Dass stets du magst gesund 'sein 
Und nie mehr auf dem Hund sein, 
Und nimmer wie jetzund sein 

Ein trister Tropf, 
So mae in allen Räumen 
Dein Keller denn sich säumen 
Mit Flaschen« draus mit Schäumen 

Entknallt der Propf I 

Wie platt, roh und abgedroschen! — Ein griechischer Sophist 
trat ^mal vor einer Yersaminlung auf, eine Lobrede auf den Herakles 
zu halten. ,9Wer tadelt ihn denn?^' fiel ihm ein Lakone in's Wort. 
Wer leugnet denn die sorgenbrechende Tugend des Weins, aber welcher 
sinoreiche Dichter macht diese noch jetzt zum Gegenstande eines 
Liedes Im Drehotgelstil ? — 

Das folgende „Horror vacui^' behandelt ungefähr denselben In- 
halt in anderer Fassung. Man zweifelt sehr an des Verfassers mo- 
ralischem horror vacui, abgesehen von der bei Weindichtem oft zu- 
traffiBoden Vermuthung, dass sie, anders als die P&fien, öfientlich Wein 
predigen und heimlicfa Wasser trinken. — Das folgende ist ein lyrisches 
Epigramm: 

Liederlich. 

Weil ich nicht wie ihr es mache, 

Nicht mich ducke mnekerlich. 
Weil ich singe, weil ich lache, 

Nennet ihr mich liederlich. 

Ei, bedenkt doch: Jedes Thierchen, 
Wie das alte SprichwcNrt sagt» 



176 Eine Schlesische Dichterflchule. 

Jedes bftt so sein Maniercheb, 
Was am besten ihm behagt. 

Gerne lust'ee Possen treib' ich, 

Lusfge Lieder liebe ich; 
Lieder sing' ich, Lieder sdireib^ ich: 

Darum bin ich liederlich. 

Das heitere Wortspiel ist eben so geistreich, wie das Heine's, der 
an einer SteUe sagt: er sei seiner Geliebten entflohen und aus dem 
Thore der Stadt gegangen, was eine grosse Thorheit gewesen sei. 
— Nein, die Wirkung alles Witzes, selbst des paradoxesten, beruht auf 
Wahrheit, und der Dichter hat genug tu thun , diese in sinniger, ge- 
fühlvoller und schöner Weise voreutragen. 

Das Gredicht „Wanderlust^' ist eben so plattvergnOgt und für 
wandernde Handwerksburschen geeignet. — Zur gemüthlicheu/ Er- 
gänzung fehlt dem Verfasser nur noch die Sentimentalität, worin er bei 
semen trfibseligen CoUegen in die Schule gehen kann. 

Max Heinzel. 

Eine düstere, wehmüthig erregte Natur von Geibelschem Caliber. 
Von ihm die Ballade „Alboin und Bosamunde.*' Es ist der ge- 
schichtlich bekannte, bereits mehrfach bearbeitete Vorgang, wie Alboin, 
Kdnig der Langobarden in Italien, beim Mahle sitzt, aus dem Schädel 
seines erschlagenen Gegners, des Gepidenkönigs Kunimund, Wein 
trinkt und seine Gattin, die Tochter Eunimunds, nöthigt, ein Gleiches 
zu thun, welche Zumuthung sie zur blutigen Bache an ihrem Gemahle 
aufstachelt. Der vorherrschend lyrische Ton des an sich unbedeutenden 
Ganzen ist durchweg viel zu heftig und stürmisch gehalten, ein Ueber- 
mass des Subjectiven, welches an der epischen Befähigung des Ver- 
fassers entschieden zweifeln lässt. 

„Hirt und König,'' aus dem Französischen übertragen, wiederholt 
den unsftfaligemal breitgetretenen GManken, dass das einfiushe, sorgan- 
und hanakse Laben eines niederen Menschen im Veiyleiehe mit dem 
verwickelten, sorgenvollen und vielfach bedrohten Dasein eines Färsten 
ein beneidenswerthes sei; — also dieselbe, vielfach einseitige Anschau- 
ung, die in der alten Mäusefabel vom Stadt- und Landleben ihren be- 
sonderen Ausdruck gefunden hat. 

„Bai champetre," gleichfalls aus dem Französischen, ladet die 
schmucken Schäfermädchen zum Tanze ein; wohl mit der stillschwei- 
genden Voraussetzung, dass diese reizenden Landblumen den städtischen 



Eine Schleiiicbe Dichtersohale. 177 

vorsiicieheii seien, — eme Annahme, welche wir antoptischer Prüfung 
empfehlen müssen. 

,,Der glückb'che Schiffer/^ gleichfalls ans dem Französischen, ver- 
breitet sich über das beneidenswwthe Glück eines gntgelannten armen 
Schiffers. -7- Der kleinstädtische Dichter scheint, nach derTVahl seiner 
gereimten Studien, überhaupt ein Versbrer der einförmig-harmlosen 
Beschr&nktheit zu sein. Wir wollen einige seiner Bucolica anführen: 

LebewohL 

Da liebest mioh mit deiner gansen Glat, 
Mit deiner Jugend fieberheiraem Blut 
Und träumest llinunelsglück an meiner Seite; 
Ich aber wUn^oht*, da zanbertoUes Kind, 
Ich hättf difüi nie gekannt und nie ^eniinnt 
Und lebte fem in onbekannter Weite I 

Denn an den Fersen haftet mir ein Fluch, 

Mein Haupt umschwirrt ein dunkler Schicksalsspmch 

Von ew'ffer Qnal und grenzenlosem Leide; 

Mein Leben ist so öde and so bang, 

Wie ohne Blüten, ohne Vogel8an|r 

Die unabsehbar hinge8te:'eekte Hatde. 

Durch mich wird dir kein froher Tag zu Theil, 
Durch mich erblühet dir kein irdisch Heil, 
Wenn du dein Loos mit meinem eng verkettest! 
Abwenden muss ich trüb* mein Anffesicht 
Von deiner Aogen süssem Himmel^icht, 
Dass du dein junges, frisches Herz noch rettest I 

Auf blumigen Pfaden sollst da heiter gebn, 

Wo müde Lenzeslüfte dich nmwdm. 

Und nicht mit mir am steilen Abgrundstege; 

Denn über Klippen, über Felsgestein 

Muss ziehn ich ohne Licht ana Stemensobein 

Des Missgeschickes grauenvolle Wege. 

Ich bin ein armes, welk eewordnes Blatt, 

Das nirgends findet eine Kuhestatt, 

Vom Starm des Herbstes wild emporgetrieben. — 

Es rauscht dahin — wer weiss, wo's niederfällt 

Und endlich einmal seinen Rasttag hält, 

Um todesmüd' zu Staube zu zerstieben? 

Das leibhaftige, offen dargelegte Bettelelend eines christlich- 
germanischen Dichterherzens I Der Keim bereits vertrocknet aufge- 
wachsen , der Körper matt Und welk , und in dem fortwährenden, 
künstlich zugespitzten Auseinandergehen ron Wunsch und That, Idee 
und Wirklidikeit ein chronischer Bankerott aller Lebensfähigkeit, dessen 
Anbliok leider nicht einmal Theilnahme, nur Widerwillen und Griauen 
erweckt. — 

▲rehlT f. n. Spnohen. ZXXDC. 12 



178 Eine Schlesiflche Dichterschule. 

Das kurse Gedicht „Sonntagsfeier/' vielen Vor^ngern ähnlich, 
tischt das alte, bereits öfter gerügte Naturevangelium in neuer Form auf. 

Für den Frühlingsalmanach 1864. 

1. 

Nun fort mit aller Winteraaal; 
In WaJd and Auen blüht oer Mai; 
Die schöne Zeit der Minne naht, 
Der lustigen Poeterei. 
£in Born von irischen Liedern rauscht 
Durch*8 Herz mir ei^en, wunderbar, 
Und hofihungsfreudig regt mein Geist 
Sein lichtbestrahltes Schwinffenpaar. 
Zu einem Hymnus auf den Lenz 
Fühl* ich nüch höchlich inspirirt — 
Doch, Rose, zünd* ein Feuer an, 
Ich glaube fiist, mich friert! 

2. 

Schon hör' ich eine Nachti^l; 
* Sie singt ein schluchzend Ciebeslie«!, 
Wie sie es über'm Meer erlernt, 
Im fernen Soilnenliuid, im Süd. . 
Die wunderhübschen Veilchen blühn, 
Schaun freundlich hus dem Gras hervor, 
Und auf dem Kirsch- und Apfelbaum 
Zeigt sich der duft*ge Blütenflor. 
O, welchen Segen beut der Mai — 
Drum preis* ich ihn, wie sich's gebührt ; 
Doch Rose, zünd' ein Feuer an, 
Ich glaube fast, mich friert! 

8. 

Ja, singen will ich, freudelaut, 
Aus Herzensgrund, aus tiefster Brust, 
Von seiner Schöne, seiner Fracht, 
Von seiner Wonne, seiner Lust. 
Mit allem Klang, der in mir ist, 
Wül ich ihn preisen, staubentraiSl, 
Wie eine Lerch* im Aethermeer, 
VoU dichterischer Leidenschaft. 
Ein Lied will ich ihm singen kühn, 
Wie*s k^en Almanach noch ziert; 
Doch, Böse, zünd' ein Feuer an. 
Ich glaube fast, mich friert! 

• 

Quo nxe, Baoche, rapis tui 

Plenum, qnae nemora aut quos agor in specos? 

beginnt Horatias in der Verlegenheit und f&hrt seine gemachte Begei- 
Btemng ungefähr eben so nichtssagend und hölzern zum Scfalaase« 
Kennt unser frostiger Lenzs&nger vielleicht die Lessing'sche Fabel vom 



Eine Sohlesische Diohterschale. 179 

Stransse, welcher vor allen übrigen Thieren einen Ansatz nahm zu 
fliegen? — 

Friedrich Klose. 

Allen Anderen sehr ähnlich. — »»Wie kurz das Leben'' bringt die 
oft ausgesprochene Klage über 'die Kürze des Lebens, welche besonders 
dann berechtigt ist, wenn man, ohne etwas Erhebliches zu fördern, 
frühzeitig altert; — ein Schicksal, welches romantischen Literaten oft 
sdion vor dem zwanzigsten Jahre begegnet. Als Gegenmittel wird 
eifrige und rastlose Thätigkeit empfohlen, wozu wir ausserdem noch 
Vergnügen, Körperbewegung und nahrhafte Kost hinzufügen. 

Abschied. 

Feme Lichter winken leisen 

Grass aus meiner Heimatsstadt, 

Und es ziehen trübe Weisen 

Durch mein Herz, so krank and matt! — 

Bei dem Licht, das röthlich schimmernd 
Durch die grünen Zweige späht, 
Sitzt die Bratter, ban^ sich kümmernd, 
Schickt zom Himmel ihr Gebet. — 

Denkt des Sohnes in der kalten 
' Welt mit ihrem falschen Glück, 

«Send* ihn, Gott, mit gnädigem Walten 
Bein in meinen Arm zurüokl* — 

Bei dem Licht, das blasser schimmernd 
Durch die matten Scheiben bricht« 
Sitzt ein Mädchen, ban^ sich kümmernd, 
Heisse Thränen im Gesicht! — 

AengstJich weben ihre Hände 
Einen Schleier, weiss und zart: 
«Gott, zurück den Thearen wende 
Du mit rechter Gnadenart !** — 

«Kehrt er wieder — Glocke tönel 
Schleier, schmücke ihm mich traut! — 
Kehrt er nimmer — Glocke töne! 
Schmücke dann des Himmels Braut!* — 

Feme Lichter winken .leisen 

Gruss aus meiner Heimatsstadt, 

Und es ziehen trübe Weisen 

Durch mein Herz, so krank und matt! — 

Und so wandr* ich in die Weite, 
All' mein Herze scbmerzerglüht! — 
Tönet da zu meiner Seite 
Eines Wandrers frisches Lied. 

All' mein Loos, das ich mir inlhle, 
In die Ferne ist's gestellt. 

12* 



ISO £ine Schlesische Dieht«rscliale. 

Hinter mir die engen Pfahle,' 
Vor mir all' die weite Welt!« 

„Lebet wohl, ihr meine Lieben, 
Huldvoll lächle mir das Glück; 
Wenn mir sonst Nichts tren geblieben, 
Bringt ich euch mein Herz zurück!« — 

Dank dir, Wandrer, deine Weise 
Hat mich gänzlich schmerzerlösst; 
Sie begleite meine Reise, 
Wenn ich wanke, mnthentblösst. 

Lebet wohl, ihr meine lieben. 
Huldvoll lächle mir das Glück; 
Wenn mir sonst Nichts treo geblieben. 
Bring* ich doch mein Hera zurück! 

Die in der Eile gemachte und zngestuzte Braut gehört^ wie man 
sieht, zu den zartesten und empfindsamsten Heiligen ihres Greachlechts, 
die eben nur einen solchen, in Sdiw&che und Empfindelei yerkommenen 
Romantiker anziehen kann. 

Ausserdem noch zwei Libationen. „Ffir Platen's Grab,^ eine in 
OttaTerimen etwas weitläufige Yerherrlichnng des Dichters, der bei 
grosser, oft zu klangreicher Glätte in den meisten Erzeugnissen, beson- 
ders lyrischer Gattung, leider wenig Kraft und charakteristischen In- 
halt besitzt, ein Mangel, der einem deutschen Verehrer natürlich gleich- 
giltig ist. Das Gedicht ,, Schiller^ giebt, nach einer sehr erregten Be- 
trachtung der staatlichen und geistigen Entwickelung Deutschlands im 
Mittelalter, eine Verherrlichung des grossen, dem Volksherzen ange- 
hörenden Dichters. Das an sich gute Thema ist leider zu oft ausge- 
führt worden, und es ist Überhaupt wenig erbaulich, eine in Literatur 
zerblätterte Nation beständig auf ihre berühmten Männer hinzuweisen*, 
deren Behandlung ihr nicht zur Ehre gereicht. 

Alexis Lomnitz. 
Einer der begabtesten und leidlichsten Dichter in dieser Samm- 
lung, dessen natürliche Gefühls weiche durch Geist und Formensicherheit 
wenigstens in erträglichen Schranken gehalten wird. 

Der Ungetreuen. 

Wenn da dich auch abg e we n det. 
Meiner Seele Trost und Licht, 
Air des Glücks, das du gespendet, 
Air der Lust — vergess' ich nicht. 
. Darf ich jetzt auch nicht mehr schauen 
Selbst dem zürnend Angesicht, 
Schönste Blum' im Kranz der Franen« 
Dein, ach dein yergess' ich nicht. 



Ein« Sohlesische Dicbterschnle. 181 

Nicht mit Zürneo, nicht mit Kkigen 
Nemi' ich dich, du süsse Maid: 
Wie du Auch mein Herz geschlagen, 
Schlägt mein Herz dir alle Zeitl 
Trugst du meine Lust und Frieden 
Mit dir selbst auch weit, so weitl 
Dir getreu und dir besohieden 
Bleiro Frieden, Lust und FreadM — 

Was ich Schönes hab' gesonnen, 
Dank* ich deinem holden Bild; 
Was an Reinheit ich gewonnen. 
Deine Reinheit hat's erfüllt; 
Beste Ziele meines Lebens 
Hast du, Theure, mir enthüllt. 
W^de Sehnsucht meines Strebens 
Hast du liebevoll gestillt 

Wie du dich auch forteewendet. 
Meiner Seele Trost und Licht, 
Wie du auch mein Glück geendet. 
Meine Liebe epdet nicht. 
Der Erinnerung will ich danken. 
Die von deinen Reizen spricht, 
Die vor meinen Augen schwanken 
Wie ein blühendes Gedicht 

Jene Träume wäl ich sesnent 
Wo in stiller, dunkler Nacht 
Deine Augen mir begeenen, 
Die mich seelisch angelacht 
Diese milden Sterne beide 
» Leuchten hell in ihrer Pracht; 
Doch die Sterne meiner Frende 
Sind ertränkt in dnnkler Nacht. 

Ja, du hast dich abgewendet, 
Meiner Seele Trost und Licht I 
Schöner Traum, du hast geendet. 
Wie ein schneidend Spottgedicht. 
So vertropfet denn, ihr Töne, 
Wie das Eis am Sonnenlidit; 
Preisst verklingend noch die Schöne, 
Die mir Herz und Treue bricht! 

„Dornenröschen^ führt, mit Anwendung des bekannten Märchens 
aof die unglückliche Germania, schliesslich zn einem wehmfithigen 
Thräoenerguss Über die gegenwärtigen deutschen Zustande. Dazu ist 
aUerdings jeder Mensch, nicht bloss ein Deutscher, vollkommen berech- 
tigt. Die Weinerei hilft nur zu Nichts. Ausserdem fallt es, beson- 
ders heutzutage, sehr übel und för die Vertreter der freieren Richtung 
wenig ehrenvoll auf, dass die thräneoseligsten Elageführer des Libera- 
lismus, unter günstigen Verhältnissen, nachträglich sich oft zu den 
brauchbarsten und rüstigsten Beförderern der allgemeinen Rechtlosigkeit 



182 Eine Schlesische Dichterschale. 

und Zerrüttung herausmustern , von der wir einen grossen Theil auf 
Rechnung der empfindsamen und thatunkräftigen Natur unserer gateo 
Landsleute setzen können. 

Camoens. 

Luis de Camoens wnrde 1517 zu Lissabon (Lisboa) geboren, stndiite 
zu Coimbra und gins 1583 nach Indien, von wo er jedoch wecen einer Sa- 
tire: Disparens en India, nach Macao, der Hauptstadt der gleichnamigen 
Halbinsel in der Provinz Kanton, verwiesen wurde. Noch heute zeigt man 
bei Macao die Grotte, in welcher er an seiner Lnsiade gedichtet haben soll. 
Letztere, die Lusiade, ist das Hauptwerk dieses vinzig grossen Dichters 
Portugab und behandelt Vasco de Gama's Unternfhmung in Indien. G^ 
schichte und Poesie, Christenthum und M^'thologie finden sich in diesem 
^Verke auf das Anziehendste vereinigt. Die Pest verzögerte die Heraus- 
gabe desselben, welche endlich 1572 erfolgte. König Sebastian bewilliffte 
nir die Dedication dem Dichter eine lebenslängliche Pension von unsefär 
25 Thalern jiüirlich. In äusserster Dürftigkeit erhielt er sich durch das 
nächtliche Strassenbetteln eines Dieners, den er aus Indien mitgebracht 
hatte. 'Er starb 1579 arm und verlassen in einem Hospiz. Ungefimr fünf- 
zehn Jahre nach seinem Tode wurde ihm ein prächtiges Denkmal errichtet« 

Der Passeto publice ist die belebteste Strasse Lissabons. 

1. 

Der kranke Dichter spricht: 

Schön ist die Welt, wer möchte sterben, 

Sich trennen von dem Sonnenlicht; 

Auch wenn auf seines Daseins Scherben 

Es sich mit matten Strahlen bricht! 

Wer — auch dem Elend preisgegeben, 

Zerschlagner Hoffnung, scnlimmer Ruh', 

Hing nicht, gleich mir, doch noch am Leben, 

Blieb ihm nur noch ein Freund wie du. 

Wie du, mein Sadi, treue Seele, 

Die stets mich liebte — nie begriff; 

So wie umsonst die Philomele 

Dem Spatz ihr Seufzerliedchen pfiff. 

Schau, wie an unsem trüben Scheiben 

Die ffoldne Abendröthe loht; 

Ein Wundermärchen hinzuschreiben, 

Ein Wnndermärchen, blau und rotb. 

O Freudenröthe, Himmelsbläue! 

Dir Felsen! Auen! Meer und Wald! 

Ich erüsse euch aurs Neu', auTs Neue 

Mit lautem Liede bald, ja bald I — 

Hörst, Sadi, du den Tajo rauschen, 

Dess Nass das durst'ge Weltmeer trinkt? 

Lisboa liegt im Grün, zu lauschen. 

Was ihres Stromes Wasser singt 

Auch ich vermocht* einst zu verstehen 

Der Wogen rauschendes Gediüng' «- — 

Lass uns hinab zum Ufer gehen. 

In diesem Stübchen wird*s zu eng'! 

Ach, wie es seinen Spiegel breitet, 

Das herrliche Atlant'sche Meer, 



Eine Sehleiisch« Dichterschale. 18S 

Das jetzt mein kühner Fuss beschreitet, 
Als wenn es eine Brücke war'. 
Ja, eine Brücke zu dem Lande, 
Darin die Menschheit war gewiegt; 
Wo nieder von dem duftigen Stnmde 
Des Ganges sich der Lotos biegt» 
Das schwermathsvolle Haupt zu spiegeln 
Klar in des heiligen Stromes Flut, 
Auf der mit eingeschlagnen Flügeln 
Der Phöniz meiner Sehnsucht mht. 
Nicht weine, Sadi. daas geschieden 
Wir sind von dieser Ufer Glanz. 
Des Wandems Unmh' führt zum Frieden, 
Der Blütenstaub giebt duftigen Kranz. 
Auch wir, mein Sadi, werden treiben 
Hin auf dem Gangesstrom der Zeit, 
An grünen üfem hangen bleiben 
Für Brahma's ewigen Dienst geweiht. 



Mich dir zu nähern, Weltenseele, 
Hab*, menschlich irrend, ich gemüht, 
Verbannet in Macao's Höhle 
Mich manches Jahr mit meinem Lied. 
Als anch das Meer mich dann betrogen 
In froher Hoffnung sichrer Fahrt, 
Sprang ich in die erzürnten Wogen — 
Ach, trocknem Tode aufgespart 
Hoch hielt ich meine Lusiaae, 
Vom gelben Wogengischt umsprüht» 
Den Himmel bittend nur um änade 
Für meinen Sadi und mein Lied. 

Wird auch wohl durch der Jahre Wellen 
So unversehrt mein Name gehn? 
Wird er am Riff der Zeit zerschellen? 
Klanelos mein Lied im Sturm verwebn? 
Ich föhl's, mich hat die Flut getrieben 
Auf rauhen, hungrig nackten Sand ; 
Wund bin ich liegen da geblieben 
Mit mattem Herzen, leerer Hand. 
In dem Bairro alto wohn' ich, 
Lisboa's schmutziger Winkelstadt; 
Mit einem müden Lächeln lohn' ich 
Dem Freund, der Thränen für mich hat 
Umsonst müht an den blinden Scheiben 
Sich still der Abendsonne Roth, 
Ein dnftiff Märchen hinzuschreiben, — 
Bdir fehlrs an Phantasie — und Brot. 

2. 

Auf dem Passeio public 
Stehet die gaffenoe Menge und lauscht, 
Während fernher im Mondenschein 
Des Tajo glänzendes Wasser rauscht 
Zu der Gutarre singet ein Lied 
Fremder Sprache ein fremder Mann; 



184 Eine Sohleflische Dichter schule. 

Töne, die iHlichtig ea Ebnes ztehn, 

Wenn auch Keiner die Worte Teratehen kann. 

Dann von dem dunfcellookiflen Haupt 

Reisst er die Kappe, bettdt still: 

«Sennors, ist Keiner unter euch. 

Der einen Reis mir schenken wUl? 

Einen Reis, Sennors, einen Reis, eisen Reis 

Eür einen hungrigen Dichter gebt! 

Eine unsterblidie Menschenseäe ist^s, 

Die an dem Schmuz dieses Geldstücks klebt; 

Eines Dichters Leben, der dreissig Jahr 

Sich mit einem eiuEieen Liede gemüht» 

Darin dieses Landes noher Ruhm 

In unvergänglichen Farben glüht, 

Dom Sebastian, dem es ^weibt, 

Jst Portugals König — em armer Mann, 

Der seinem Sänger zum Jahrgehalt 

Nur zwölf Cruzados geben kann 1 

Zwölf Cruzados! Der Dichter sprang, 

Mich zu retten, einst in das Meer; 

Zur Belohnung giebt er mir nun 

Kost und Wohnung und Liebe seither. 

Schmal ist die Kost; wenn ein Könie zu arm, 

Seinen Sänger zu lohnen, ist dieser froh, 

Wenn sein Diener, — daas Gott sich erbarmM 

Bettelt am Passeio publieo. 

Einen Reis, Sennors, einen Bieas, einen Reis 

Für einen hungrigen Dichter aebt! 

Es ist eine unsterbliche Meosdieiiseele, 

Die am Schmuz dieses Geldstüdcs klebt '^ 

In die Guitarre greift er wild. 

Fremden Tönen die Menge lauscht; 

Silber streut der mitleidige Mond, 

Femher eintönig der Tajo rauscht. 

8. 

Gestorben bist du, bleicher Mann, 
Im Hospital auf dürftigem Bette; 
Dein treuer Indier ging voran. 
Der trauernd dich begraben hätte. 
Drum schleppten dich im Morgengrauen 
Zwei fremde Träger auf der Bahre; — 
Der Himmel mocht' hemiederthau*n 
Viel Thauestbränen, grosse, klare; 
Doch keine andre Zähre r&an. 
Als rauhe Hände ein dich scharrten. 
So liegst du nun, ein stiller Mann, 
Ein Samenkorn in Gottes Garten. 
Doch auf dem Marktplatz haben nun 
Dein Denkmal sie in Stein errichtet. 
Sie konnten dir nicht wenieer thun, 
Der du Unsterbliches gedientet. 
Mild strahlt dir ietzt cuts Abendroth, 
Rings deines Volkes Uutes Weben, 
Bei dem du hungrig batst um Brot 
Und das dir diesen Stein gegeben. 



Eine fichlesische Dichterichale. 185 

Dm letste dieser Gedichtet, „Grase an die Triooloray* wäre besser 
uDgedichtet geblieben. Ein Volk, dass sich in Betrachtung seiner 
staatlichen Farben selbstbewnsst zu bespfiegeln Kebt, ist eben zu 
männlichen Thaten unfähig und dem Absterben und Untergänge unaus- 
bleiblich verfallen* — 

Theobald Nöthig. 
Den meisten Anderen sehr ähnlich. — 

Marie. 

Da bist erstaunt, dass ich die Hände 
Zum Bunde dir nicht reichen will, 
Dass ich mich plötsUöh von dir wende, ' 

^ Zu deinen Worten schweige still. ^ 

Nimm deine Hand zurück, die kleine! 
Kimm' deinen Schwär surück and flieVI 
Du weist es nicht» wem da die reine, 
Die fromme Hand gereicht, Marie I 

Verwechselt hast da die Gestalten: 

Wenn ich von Fiwmdschafi sprach mit dir, 

Hast du für Liebe es j;ehalten, ^ 

Die sich doch nie vemeth an mir. 

Ich habe nie dss Wort gesprochen 

Und auch von dir erbeten nie; 

Ich Kabe keinen Schwär gebrochen ; 

Doch bin ich schoid an mr, Marie t 

Dn faltest krampfhaft deine Hände, 
An meinem Arm da zitternd bängst: 
Dass du mich liebest ohne Ende, 
Rofst da mir za, — ich weiss es längst 
Ich sah die Wolke näher ziehen 
Und schaute bangend ofl auf sie, — 
Ich war zu schwul um za entfliehen: 
Der Abschied war zu schwer« — Marie! 

Ich darf nicht solche Schätze heben; 

Es wäre frevelhaft von mir; 

Denn ich kann als Ersatz nur geben 

Ein boflnungsarmes Leben dir. 

Dein Herz eleicht einer klaren Qaelle, 

An Liebe reich und Hannonie; 

Mein Herz der sturmgepeitschten Welle, 

Unstet and ruhelos, Marie! 

Ich sehe schnell das Herz dir schlagen 
Und Thiiinen dSr im Auge stehn; 
Dein Mund scheint bittend mich zu fragen: 
•O Liebster! willst du wirklich gehn?* 
idi moss,' — es ist kein freies Wollen* — 
Wenn es mir nur dein Herz verzieh* 
Und da bald könntest ohne Grollen 
Vergessen meine Schuld, Marie 1 



186 Eine Schlesische Dichterichnle. 

Oft werde ich nqcfa an dich deoken; 

Doch bitt' ich, dass da mich vergisst; 

Denn nie kann ich das Glück dir schenken. 

Das werth da sa gemessen bist! 

Drum lebe wohl! Gieb mir die Hände! 

Zn bitterm Abschied reiche siel 

Bet', dass es Gott zam Besten wende, 

Und kannst du, bet^ für mich, Marie! 

Bei Literaten und Dichtem^ namentlich deotschen, föllt es oft 
sehr Gbel auf, dass sie für Freundschaft und Liebe, trotz aller erotischen 
Ergösse, blutwenig Frische, Zuverlässigkeit und Herzensfülle besitzen, 
eine wahre, heitere, tiefe und treue Empfindung in der Regel durch das 
oberfiäch liebste Getändel einer düsteren , widerspruchsvollen Launen- 
haftigkeit ersetzen. Zu solchen Naturen gehört, nach dem Vorlie- 
genden, auch unser Lyriker, und wir müssen die zarte Adressatin, 
fiills sie sonst gesund ist und einen Massstab für die Schätzung eines 
wahren Mannes besitzt, glucklich preisen, wenn sie ihre Neigung nicht 
auf ein so zerbrechliches Rohr stützt. Möge ihr der Abschied so leicht 
geworden sein, wie wir von diesem, selbst in seinem feierlichen 
Schlüsse nichtssagenden Gedichte scheiden. 

„Liebesarmuth'* spricht in sehr unbeholfener Weise die innere 
Unbefriedigtheit aus, die mit einer so ausgehöhlten, schwächlichen und 
zerfahrenen Richtung nothwendig verbunden ist. — ,,Mit dem Volke. ** 
Der Lyriker flüchtet sich aos seinem besonderen Missbehagen dadurch, 
dass er erklärt, er wolle, bei dem Mangel so mancher glänzenden, an 
sich werthlosen Erdengüter, mit seinen poetischen Gaben treu und un- 
verbröchlich dem Wohle des Volkes zugethan bleiben. An solchen 
Versicherungen zu zweifeln, gibt uns eine so kern- und inhaltslose 
Natur, wie die unseres Lyrikers, ein vollkommenes Recht ; wir wüssten 
auch nicht, welches wahre Volksinteresse von ihm mit einigermassen 
Geist und Kraft vertreten werden könnte. — „Heimweh,'' „Gute 
Nacht," „Wie Tag und Nacht," „Wenn ich sterben möchte" geben 
alle, in verachiedenen Formen, denselben Inhalt des empfindsamen 
Nihilismus. Viele unserer Landsleute werden ihm dafür dankbar 
sein. 

Malwine Peisker. 

Durdi eine ernste Ode vertreten, welche das menschliche G^müth» 
von Bedrängnissen und Prüfungen befangen und gedrückt und an der 
Vorsehung zweifelnd, auf den woblthätigen Zusammenhang des grossen 
Ganzen und die Fortdauer nach dem Leben tröstend verweist. Das 



Eine Schlesische Dichterschule. 1S7 

Gedicht 18t in gutem Tone gehalten und man sieht, daes sein Inhalt 
dem Herzen der vielgeprüften, vielleicht gar einsamen YerfaBserin nahe 
gelegen hat. — Dies ist also die bekannte, mehrere Jahrtausende hin- 
durch in vielfachen Formen ventilirte, gewöhnlich nur durch einen 
Schwerthieb gelöste Räthselfiage, welche uns praktisch wie theoretisch 
fortwährend beschäftigen wird. Lohnender und fruchtbarer, wenn auch 
mehr ffir den männlichen Geist geeignet, wäre die umgekehrte Auf- 
gabe, einer stets das Gemeine begünstigenden Weltordnung ihre Pflicht 
vorzuhalten, dass sie für das Gedeihen des noch dazu durdi die plattesten 
Bedürfnisse geknebelten Geistes die erforderliche Sorge trage, und ihr 
gegenüber, vor keinem Widerspruch und keinem Bruche znrückbebend, 
die ewigen Rechte desselben unverkürzt aufrecht zu erhalten. — 

H. Pleban. 

Ein lyrischer Romantiker, welcher eine Ballade und ein Lied bei- 
gesteuert hat Von Inhalt und Form der ersteren lässt sich unge- 
fähr eben so viel Schlimmes und so wenig Gutes sagen, wie von 
Gründler's Romanzen. 

Otto Postel. 

Hat mit dem Dichter, welchen er nicht unglücklich besingt, mit 

J. von Eichendorff, einige Aehnlichkeit, um welche er nicht eben zu 

beneiden ist. 

Die blähende Linde. 

Es blähet die Linde, 
Der schattige Baom, 
Es schütteln die Winde 
Die Wipfel im Traum. 

Sie hat mir erzählet, 
Was einst sie erlebt. 
Nicht sorgsam gewählet, 
Nicht künstlich verwebt. 

„Hat träomend gespielet 
Einst drunter ein Kind, 
Vom Schatten gekühlet 
Oft wonnig und lind. 

•Hat dann sich ^eherzet 
Als blähende Maid, 
Mit dem Liebsten gescherzet 
lo seliger Zeit 

«Dann tranrig gesessen, 
Vom Schmerze durchglüht; 
Verlassen, vergessen,; 
Verwelket, verblüht." 



188 Eine Schlesische Dichterschale. 

Jetzt stehet die Linde 
Im Blütenmeer, 
Sieht nach ihrem Kinde 
Vergebens nmher. 

Sie schüttelt die Blüten, 
Die fallen herab. — 
SolPn sie wol behüten 
Da unten das Grab? 

Robert Rückwardt 

GrehÖrt der empfindsamen Richtung der Thränen- nnd Grrabdiohter 
an und besingt auaserdem die Helden von Düppel. 

Der Friedhof. 

Sei ge^sst» da stiller Ort, 
Den sie einen Friedhof nennen. 
Ob auch Manchem bei dem Wort 
Doppelt heiss die Wanden brennen. 

Heiter spielt der Sonnenschein 
Hier um deine stillen Hügel, 
Und wie friedlich sie sich reihn 
Alle unter deinem Flügel! 

Krttnz* nnd Gitter schauen drein, 
Gleich als schienen sie zu fühlen, 
Wie den Herzen untere Stein 
Alle Wunden bald verkühlen: 

Denn sie ruhen hier im Fort, 
Langen, tiefen Schlafs beflissen, 
Seit se aus dem Leben fort, 
Von dem Basen uns gerissen. 

Alles grünet. Alles blüht, 
Auf den Blüten rubn Libellen, 
Dass das Herz, vom Schmerz erglüht, 
Sanft uad sanfter scheint zu schwellen. 

• 
Denn es ist, als will gemach 
Hier ein Traum es überkonmien. 
Gleich dem Schläfer, nimmer wach. 
Den der Himmel sich genommen. 

Und es ist, ab solFt es sich 
Hier entschlagen aller Leiden, 
Während es so sänfüglich 
Lispelt in den Tranerweiden. 

A. Schadenberg. 

GrehÖrt der nordisdien Wind* und Nebelrichtung an, wooiit 
vielleicht irommen Germanisten, aber schwerlich der Kunst gedient 
sein möchte. 



Eine Seblesische Dichterschule. 189 

Nordische Liebe. 

Einst blühte in Nordlands eisigen Aa^n 

Gida, beneidet yon Mädchen und Frau'n. ' 

Die Tochter war sie des reichen Alf, 

Der jung einst Island erobern half. 

Sie ward ringsum im nordischen Land 

Nur Gida die Alpenrose genannt. 

Viel Freier flehten um ihre Gunst, 

Doch keinem ffelang die Minneknnat. — 

Wenn Halwara nur, der Jngendgespiel, 

Sie grüsste, da dadite sie trSamend yiel. 

Dem amen Seemannssohne, verwaist, 

Wohl nimmer der Vater die Tochter verheisst; 

Drum auch vor aller Au^en verhüllt 

Trog Jedes im Herxen oes Anderen Bild. 

Sie waren getrennt Nur in der Naeht, 
Wenn über den Gletschern die Stemwelt wacht, 
- Da fanden sie Mch im Gebir^, am Rand 
Der Kluft, wo jäh der Pfad sich wand; 
In seh windelnder Tiefe, nebelgleich, 
Schläft Skandinaviens Felsenreiob. 
Da lauschten sie oft dem Wasserfall 
Und schauten sinnend ni's Weltenalt, 
Dort flimmern die Sonnen, und Nordlichtscfaein 
Hüllt rosig die schweigende Gegend ein. 

Schon sind vom Herbst die Blätter verstreut, 
Die Bergesrücken im weissen Kleid; 
Nur einmal noch auf den Felsenhöhn 
Will sich das Paar vor Winter sehn. — - 
Und Haiward harrt am Felsrand und lauscht, 
Wta dumpf der Wind herauf ihm rauscht 
Da kommt die Geliebte, da steht sie bei ihm. 
So hehr und bleich, wie ein Seraphim, 
w Warum, meine Gida, die Wange so blass, 
Von welcher Thräne das Auge nass?" — 
«Dem Vater ist unsere Liebe bekannt; 
'Er hi|t mir Olaf als Bräut'gam genannt. 
Und morgen soll die Vermählung sein. 
£h' sterben mit dir am Opferstein; 
Die Norae, sie lächelt so trüb^ im Gesicht.^ -^ 
,,Nur Wolken sind es, die Norne nicht, 
Nein leben, Gidat leben für mich; 
Zum Trotze den Göttern ich rette dich!" — 
„O frevle nicht!" — Und betrübt von Sdbmere 
Sinkt sie an Halwards pochendes Herz, 
Und fester umschlingt er die theure Last, 
Da gleitet ein Kies«, — er taumelt, er flunt 
Nur Luft — und heulend der Schneesturm erwacht, 
£r wirbelt und stöbert die ganze Nacht. *^ 
Am andern Morgen ist tief verschneit 
Die Kluft und das Dorf und die Gegend weit. 

Za dem Verse „So hehr und bleich wie ein Seraphim^ ist zu be* 
merken, dass ,, Seraphim ** ein Pluralia ist, wahrend hier der Singular 



/ 



190 Eine. Schleiische Dichters chale. 

Seraph anzuwenden war. Man würde aasserdem auch wohl besser 
thun, sich die hübschen Seraphim fein heiter und rosenfarben, als 
bleich vorzustellen, zu welcher ungesunden Farbe kein Wahrscheinlich- 
keitsgrund vorliegt. Im Interesse des supranaturalen KostQms mag 
dieses Colorit ein fQr allemal in Vorschlag gebracht sein. 

Das Gedicht „An den Präsidenten des deutschen Turnvereins zu 
Triest, k. k. Hauptmann, Herrn Böress,^ spricht ftir die heilige Sache 
der Turner. Das Tumwesen ist etwas durchaus Lobenswerthes , hat 
aber, ausser halsbi*echenden Kunststücken, glänzenden Festversamm- 
lungen und hohlen Bodomontaden, zur geistigen und politischen Förde- 
rung des lieben Vaterlandes wenig beigetragen und dient auf einem 
Umwege eigentlich nur der Reaction. ~ 

A.Graf S***. 

Von diesem sind die meisten Beiträge und zwar epischen Inhalts. 

„Die Liebe des Dämons,^ nach einer schottischen Ballade, gehört 
zu den unheimlichen Gespenstergeschichten, an denen der Norden so 
reich ist. Es ist unbegreiflich , wie man seit Herders Zeiten bis jetzt 
seine Mähe daran wenden konnte, solche vertracten, empfindsamen und 
hirnlosen Nebelgebilde auf deutschen Boden zu übertragen, der an ähn- 
lichen Erzeugnissen von jeher schon keinen Mangel leidet. 

„Aus dem dreissigjährigen Kriege^ liefert zwei Darstellungen aus 
jener Zeit, deren erstere hier stehen mag. 

Graf von Pappenheim. 

Sein Gang ist stolz und fest sein Blick, 
Sein Herz ist kühn und stark die Faust. 
So fröhnt er wild dem Krieesgeschick, 
Wo Tod and finstrer Schreien haust. 

Zwei Streifen glühn auf seiner Stäm; 
Sie gleichen Schwertern, scharf gekreuzt; 
Umwogen Träume sein Grehirn, 
So schwillt die Ader zomgereizt 

Der Ausdruck „Träume^ würde sich besser für das Gehirn eines 
deutschen Poeten, als für das des Generals Pappenheim eignen. 

Bei Lützen donnert dampf und schwer 
Der Mordgeschütze lauter Schall; 
Da stürmt er voller Hast zum Heer, 
Als käme sonst sein Rohm zu Fall 

Schon weicht des Kaisers starke Macht, 
Und Wallenstein eilt durch die Reih'n. 
Der flösst durch Hoheit and durch Pracht 
Den Seinen Furcht und Hofihung ein. 



Eine SchJesische Dickterschnle. 191 

Doch wankt des Herzogs SeUachtenglUck; 
Die Schweden drineen mächtig an, 
Die Böhmen fliehn bedrängt zurück, 
Und Furcht ergreift so Mann für Mann. 

Da kommt im Augenblick der Noth 
Graf Pappenheim einhergesprengt, 
Dem Teurel gleich, der stracks den Tod 
Auf seine eigne Brust gelenkt. 

Ein sehwarser Panzer hüllt ihn ein, 
Sein schnaubend Boss bedeckt der Schaum« 
Sein Schwert erblitzt wie Geisterschein, 
Dem Helmbusch folgt das Auge kaum. 

Achttausend Reiter hinter ihm 
Zerschmettern nieder, was da lebt. 
Und Nichts entgeht dem Uneestüm, 
Ob dem die Erae dröhnt una bebt 

Zur Rechten Piccolomini 
bestürmt das blaue Regiment — 
Und fi^ich wie Aefaren fallen sie. 
Als OD der Tod die Tapfern kennt. 

Zur Linken starrt die gelbe Schaar, 
Der bravste Trupp im Schwedenheer; 
Dort sucht er selbst auf die Gefahr, 
Und schreckt vor keiner Eisenwehr. 

Durchbrochen sind der Feinde Reih'n, 
Wie Helden sinken sie dahip; 
Doch immer wilder dringt er ein 
Und wilder glüht sein finstrer Sinn. 

Nun plötzlich blutet seine Brust; 
Zwei Kugeln trafen ihn zugleich. 
Und dennoch hält des Krieges Lust 
Ihn fest im grausen Kampfbereich. 

„Den König zeigt mir in der Schlacht I 
Erreicht ihn heute nicht mein Schwert, 
Und stürzt nicht jählings seine Macht, 
So sind wir m'cht des Ruhmes w&rth]'* — 

„Ach, Herr, sein Ross kam angesprengt, 
Doch reiterlos und ohne Gurt; 
Vom Büchsenknall zur Flucht gedrängt 
Durchschwanun es scheu der Saale Furt.'* 

«Die Mahne stark mit Blut befleckt, 

So floh es fern vom Schlachtgewühl, * 

Undjeder Schwede rief erschi^ckt, 

Dass König Gustav Adolf fiel.« 

Nun wandte Pappenheim sein Ross 
Und senkte tief erschöpft sein Schwert; 
Wo hoch die Siegeseiche spross, 
Da hob man blutend ihn vom Pferd. 

Sobald er auf dem Boden lag. 
Umschwebt sein Haupt ein dunkler Trau^i, 
Er rief: «Das ist mem letzter Tag, 
Ich gebe keiner Hoilhnng Raum; 



IM Eine Sehlesische Dichtert ohule. 

«Doch sagt dem Hersog Walleastein, 
Erloschen sei des Könitfs Stern; 
Er wird mein Gfrabgefahrte aon. 
Und weil er fiel, so sterb* ich gern.** 

Die Fahne trag den Traaerfloi% 
Die Trommel tönte diunpfen Klang, 
Und traurig hallt' der Krieger C^bor, 
Sobald er mit dem Tode rang. 

Sein Ruhm war Oestreiehs dchutE and Hort, 
Erstickte jeden Neid im Keim, 
Und donnendlinKcli ballte fbrt 
Der Name Graf von Pappenbeim. 

Der Inhalt der durch die Hauptperson nicht eben anziehenden, 
auch von manchen sprachlieben UnebeiiheiteB und H&iieil nicht freien 
Darstellung lässt, suoial in dem für uns einzig gflltigen Interesse des 
Protestantismus, etwas gleichgiltig. 

Sodann die grösste Bomance der gansen Sammlung , wel<^e , ab- 
gesehen von manchen Uebertreibungen und Unebenheiten, ihres anzie- 
henden Inhalts wegen als eine der besseren anzuerkennen ist. 

Maria Potocka. 

1. 

Kein Weg — kein Steg auf weiter Au', 

Kein Berg, so weit der Himmel blaul 

Die tiefe Ebne weit und breit 

Entrollt das Bild der Ewigkeit. 

Kein Pflog entzieht im Fivchenf^eis 

Dem müden Bauer seinen SchweiM. 

Nur Rinder schleichen mit Beschwerde 

Im feuchten Gras der fetten Erde, 

Und Trappen flattern scheu im Lauf 

Mit tri&gem Flügelschlage auf. 

Doch horch! Da kommt es angesprengt, — 

Ein Pferdetrupp, der seitinirts drängt. 

Und immer näher stürmtfs heran. 

E^ Schimmel flihrt die Heerde an. 

Die Nüster schnauft, es weht der Schweif, 

Noch feucht vom letzten Morgenreif: 

Dahinter tobt der Rappen Schaar, 

Ein Geisterbild, des Lichtes haar. 

In reiner Luft, die blau and hell, * 

Entsprüht als Dampf des Athems Qu^. 

Des wiehems Ruf; der Feuerblick, 

Der Sehnen Mark, das Stahlgenick, 

Das volle Uaar, die dichte Mähne, 

Das sind die Stuten der Ukraine! 

Sie stutzen, bäumen, hart bedrängt; 

Vielleicht hat sie ein Wolf zersprengt; 

Vielleicht, dass sie des Stormes Natoi 

In einem Schneegewölke sahen. 

Dann ist's der letzte Frost im Jahr: 

Denn rings beut sidi der FiüUiag dar. 



Eine Schlesische Dtchtersehnle. 193 

Schon zieht der Krühen Schwärm nach Nord 

Zum kältern Land der Dana fort; 

Schon spriessen Blumen über Nacht 

Im Boden auf voll bunter Pracht; 

Und Bchon entfaltet die Natur 

Den Zauberreiz der weiten Flur. 

Am Horizont, am fernen Saum 

Entschwebt ein Rauch zum Wolkenraum. 

Das ist ein Dorf auf grüner Au\ 

Ein leichter Lehm- und Rasenbau. 

Hier ruhen Hirten aus am Heerd, 

Vom Druck der Steuern nicht beschwert 

Doch wo des Nebels Dunst serfloss. 

Erhebt sich stolz Potocki's Schloss, 

Des Herrn von hundert Meilen Land, 

Der jüngst aus Moskau ward verbannt. 

Von Land? — Nicht damit geizt Natur 

Auf dieser herrenlosen Flur — 

Nein, Fürst von zwanzigtausend Seelen, 

Die ihn zu ihrem Fan erwählen. — 

Was schützt das Schloss? — Ein hoher W^all, 

Ein Wasserscblund mit tiefem Fall, 

Ein Mauerwerk von dreizehn Thürmen, — 

So widersteht's den Steppenstürmen. 



Was wirbelt fort wie Espenlaub, 

Vom Wind gepeitscht im Wolkenstaub? 

Sind's Waffen nicht, die weithin schimmern? 

Ja, Fahnen wehn und Lanzen fümmem; 

An fünfzig Reiter jagen hin. 

Was späht ihr Blick, was sucht ihr Sinn? 

Ein Wort ertönt — ein mächtig »Halt!" 

Des Führers Ruf übt schnell Gewalt. 

Wie angewurzelt stehn die Pferde; 

Kein Fusstritt stampft auf grüner Erde; 

Und hastig sprengt, von Awth erfüllt, 

In dichten Zobelpelz eehüllt, 

Qirei vor, der Tatar-Chan; 

So stolz erschien noch nie ein Mann. 

Der Steppenfürst true ganz die Spur 

Vom düstem Formbild der Natur. 

Im Au^ strahlt Melancholie, 

Die seiner Stirn den Ernst verlieh. 

Die Nase stumpf, die Züge wild« — 

Das ist des echten Tatars Bild, 

Geneigt zu Hass und Grausamkeit, 

Doch stets der Tapferkeit geweiht 

Die Pfeile blinken auf der Brust, 

Als eitles Bild der Kampfeslust, 

Seitdem die magre, nervige Hand 

Geübt im Feuerlauf sich fand. 

Des Tigers buntgefleckte Pranken 

Bedecken seines Bosses Flanken, 

Das, reinem Nedschidblut entstammt, 

Sich selbst zur Kampf begier entflammt. .^ 

Archiv< n. Sprschen. XXXIX. 18 



194 Eine Schlesische Dichterschale. 

Girei raft: «Noch heute Nacht 

Da fällt Potocki's stolze Macht! 

Erschüttert sind die starken HaileD, 

Die Wifüle tief in Schutt yerfaUeii. 

Cresprengt sind sieben von den Thürmen, — 

Euch bleibt der Ruhm, das Schloss zu stürmen, 

Ihr sitzt dann ab, ihr dringt dann ein, 

Doch fest geschlossen in den Reih'n. 

Vernehmt ein Wort Ich sag' es euch: 

Ein Weib lebt in der Burg Bereich, 

Wie schöner keins die Er& schuf; 

Denn weithin geht sein Anmuthsruf, 

Potocki's Stolz, dcSs Landes Zier — 

Ihr fuhrt sie unverletzt zu mir. 

Wer ihren Beizen Leides thut. 

Der büsst es schwer mit seinem Blut!* 

Girei winkt. — Im Augenblick 

Entflieht die Schaar zum Zelt zurück. 



Der Feind amsehwärmt nun Potocki's Schloss. Der Graf eröffnet 
seiner Tochter die Unzulänglichkeit seiner Vertheidigungsinittel und 
macht ihr, um sie vor der Zudringlichkeit des Gegners zu wahren, 
den Vorschlag, zu Ross auf gut Glück einen Ausfall durch die Bela- 
gerer zu versuchen. Maria zeigt sich hierzu entschlossen. Als sie in 
der Nacht, wohlbewaffhet und von Dienern begleitet, soeben ihr Ross 
besteigen will, vernimmt man plötzlich einen Ueberfiili der Belagerer. 
Sie erstürmen das ^chloss und dringen, Alles niederhauend, siegreich 
ein. Der Graf und seine Tochter entfliehen zur Kapelle des Schlosses. 
Am Morgen sucht Girei die schöne Maria und findet sie dort, neben 
ihrem erschlagenen Vater, bleich und verzweiflungsvoll vor einem 
Kreuze niedergesunken. Er fühlt Mitleid mit der Schutzlosen und 
trägt sie auf seinen Armen von dem Schreckensorte fort. 

Im Lager herrschte weit und breit 

Des Krie^ ernste Regsamkeit. 

Dort schhesst des Abends tiefe Ruh' 

Ein Zelt auf nünem Rasen zu. 

Zwei finstre Wachen, Toreestellt, 

Beschützen es im Sturm der Welt. 

Hier ruht Maria still — allein, 

Umringt von ihrem Tueeudschein« 

Doch wie des Mondes nelles Licht 

Den erauen Wolkenflor durchbricht. 

Da ffult die Zeltwand schnell zurück. 

Und gierig glänzt Girei's Blick. 

Er spricht: «Bezwing' den Schmerz und Harm! 

Denn stets beschützt dich fest mein Arm. 

Den Trost, den dir ein Vater leiht, — 

Ich biet* ihn dir zu jeder Zeit.* 



Eine Schlesiflche Dichterscbnle. 195 

Maria. 

»Dem Vater ähnlich willst dn sein, 
An dem mein Herz voll Liebe hing? 
Hast da den Glauben gut und rein, 
Der mich als Kleinod stets umfing?* 

Gir ei. 

„Dein Wort erklingt in sanften Tönen, 
Der Glaube soll das Herz yersöhnen; 
Doch wieg' dich nicht in Träume ein. 
Du stehst in dieser Welt allein." 

Maria. 

«Allein? Wacht Gott im Himmel nicht 
Und wägt der Menschen Schuldgewicht? 
£r ist dem Herzen immer nah, 
Das Toller Hofihung auf ihn sah. 

Drum meide mich und lass mich hier; 
Gewähr* die einzige Bitte mir! 
Der Gottl der Hi^ar nichf verliess, 
Gewiss, dass er mich nicht verstiess.' 

Girei. 

»Dein Scbloss ist nur ein Aschenbeerd, 
Dein Vater todt. — Was hat noch Werth? 
Der Irrsinn spricht aus deinem Geist; 
Bedenke woh( du bist verwaist.* — 

Girei grüsst mit Stolz und geht. 
Umsonst, dass hier Maria fleht. 
Sie wendet sich mit Thränen ab, 
Und denkt an ihres Vaters Grab. 

Girei's Schloss liegt hart am Meer, 
Umringt von Felsen hoch und hehr, 
Zehn Doffgen lagern vor dem Thor 
Und heulen wild zur Nacht im Chor. 
Ein Ahornhain verdeckt den Gang 
Am wildbewachsnen Bergeshang. 
Doch innen hebt sich der Palast, 
Von glatten Quadern eingefasst. 
Dies soll Mana*s Heimat sein^ 
Hier soll sie sich der Ruhe weibn; 
Euer wird des Reichthums Ueppigkeit, 
Ein Leben ohne Harm und Neid 
Ihr schweigend sinnend Herz erfüllen 
Und ihren tiefen Kummer stillen. 
Und doch, Marie — du weinst, du klagst. 
Sobald du nur zu sprechen wagst? 
Erfreut dich nicht die Bergeslufi 
Der Myrte Glanz, der Rosen Duft? 
Nimmt nicht der Klang der Laute dort 
Die Schwermuth deines Busens fort? 
Hat nicht Girei gut und traut 
Dir einen Altar selbst eebaut, 
Damit ein frommes Heü*genbild 
Dein junges Herz mit Andacht füllt? 

18 ♦ 



196 Eine Schlesiscfae Dichters'chule. 

Doch alles dies erfreut dich nicht, 
Erheitert nicht dein Angesicht; 
Da fühlst der Schwermuth tiefen Dnmg, 
Du lauschst der Zukunft weh und bang. 
Da stellt Girei dir sich vor 
Und zieht dich sanft zu sich empor. 
Sein Blick ist diesmal gut und mild, 
Sein Wort ist weichen Klangs erfüllt. 
.Dein herb' Geschick, dein Lebenslauf 
Schloss früh der Jagend Knospe auf. 
Dein Herz ist juufr und doch gestXhIt. 
Ich hab* zur Gattm dich erwählt.'' 

Maria. 

«Zur Gattin mich? Bewahrst du nicht 
Bereits der Liebe Hand and Pflicht? 
Und schwurst nicht anderm Herzen Treue? 
Und furchtest nicht Gewissensreue?* 

Da runzelt sich Girei*s Stirn. 

»Was sucht dein Herz? Was denkt dein Hirn?' 

Er winkt — Ein Marabut tritt vor 

Und breitet aus den Schleierflor. 

Der beut den Ring, der spricht ein Wort 

Von Weibertreu, von Schutz und Hort 

Gefügt ist schnell des Herzens Bau. 

Maria ist GirePs Frau. 



In einer schönen Sommernacht naht sich Girei seiner neuen 
Gattin and fleht sie zärtlich dringend um Liebe an. Die immer Dodi 
trauernde lehnt seine schmeichelnden Bitten ab^ indem sie erwiedert, 
dass sie, durch Kriegsrecht in seine Gewalt gerathen, ihn nur als ihren 
Gebieter ansehe und fiir sein Hersensanliegen kein Verständniss habe, 
ünmuthig über diese Zurückweisung entfernt sich der Chan, und ii 
seinem Innern zerklüftet und unbefriedigt unternimmt er mit seinei 
Schaaren einen Kriegszug in die Feme, unter den Frauen, welche ii 
seinem Schlosse zurückbleiben, zeichnet sich besonders die schön« 
Janizza aus, welche, von glühender Liebe zu ihm beseelt, jetzt sem 

Gunst sdunerzlich vermissL 

Janizza hat nicht Bast und Buh', 

Kein Schlaf druckt ihr das Auge zu. 

Sie muss sie schann von Anaresicht, 

Das Kind mit blauem Augenlicht. — 

Sie sucht sie auf in Blumenwegen. 

Maria tritt ihr sanft entge|^n. ^ 

Janizza sieht dex Schönheit Glanz, 

Der Anmuth leidit ffewobnen Kranz. 

Da fühlt sie mit {^hmmer Macht, 

Die stets des Weibes Herz bewacht, 

Dass Etwas in Maria lebt. 

Was über Andre sie erhebt, 

Auch wenn kein Stolz nach Vorrang strebt — 



. Eiae Schlesisohe Dichterschale 197 

Janizza^fl Basen wallt empor 

Und sichtbar wogt ihr Schleierflor. 

Das ist der Hass, das ist der Neid, 

Der seinen Stachel nlötzlich leiht; 

Doch schwebt mit glattem Schlangensinn 

Ein Wort auf ihren Lippen hin. 

^Verschönert ist Girei's min; 

Er schliesst dich sanft als Rose ein. 

Drum blühe fort in holder Pracht, 

Weil sich an deiner Schönheit Macht, 

Mit der dich Gott so reich beeabt, 

Der Andern Sinn und Herz erlabt* 

Der Rath tönt für Maria*s Sinn 

Wie fremder Märchenklang dahin. 

Sie giebt mit sanlt verhülltem Bück 

Janizza weichen Laut zurück. 

Doch dieser lagern auf der Stirn 

Gedanken, die das Herz verwirr'n. 

£än düstrer Plan ward schnell erdacht; 

Er sei am nächsten Tag vollbracht. 

Janizza giebt ein Fest und Spiel, 

Mit Scherz und heiterm Tanzeewühl. 

Im Schloss ertönt der Harfen Klang, 

Vermischt mit Lärm und Chorgesang, 

Die mnntem Mädchen toben wild, 

Von Uebermuth und Lust erfüllt, 

Wie Gemsen, die mit schnellen Sprüngen 

Sich leicht von Fels zu Felsen schwingen. 

Maria sieht mit Herzensruh' 

Dem fremden Schauspiel sinnend zu. 

Dort winkt zur Ruh ein Taburet, 

Ein Mohrenkind kredenzt Sorbet. 

Janizza selbst mit reger Müh* 

Erweist sich stets besoi*^ tmi sie. 

Der Raum ist schwül, die Luft ist heiss. 

„Enrähr das Glas mit süssem Eis.* 

Maria schüchtern nimmt den Trank 

Mit Sanfbnnth hin und Herzensdank. 

Doch kaum dass ihre zarten Lippen 

Vom Schaum des Purpursaftes nippen, 

So wallt empor ihr Aaemblut, 

Dir Puls erglüht in Flammenglut. ^ 

Ein Stich im Herzen, nie gekan^t, 

Hält ihren Athem festgebannt. 

Das ist der Ohnmacht schwankes Bild, 

Das sie mit düsterm Flor umhüllt. 

Zur Noth, dass sie in Leid und Qual 

Sich Gottes treuem Schutz empfahl, — 

Dass sie das Kreuz in Demuth küsst, 

Was sie am Halse nie vermisst. 

Ein Athemzug, ein Herzensschlag! 

Es war Maria*s letzter Tag. 

Janizza hüllt die Leiche ein 
Und lässt ihr Sorcfalt angedeihn; 
Dann drückt sie ihr das Auge za: 
»Nun gebe Gott ihr ew'ge Ruh*!* 



198 Eine Schlesische Dichterschule. 

% Maria liegt ab Leiche anf der Bahre. Girci köhrt eben vom 
Feldzuge zoröck, erblickt sie, von heftigem Schmerze durchdrangen, 
und erhält von seinem Eunuchen eine Andeutung über den traurigen 
Vorgang. Er dringt sofort in Janizza, ihre Schuld zu gestehen. Sie 
thut dies in stolzer und trotziger Weise und wird auf Girei's Befehl 
sofort durch Ertränkung im Meere bestraft. Maria wird bestattet; 
ihren Grabhügel, von Girei mit selbstgepflanzten Rosen umgeben, 
schmückt ein Halbmond mit einem Kreuze. Der Fürst, in tiefe Trauer 
versunken, verlässt mit allen den Seinen nunmehr sein Schloss und 
sucht sich eine neue Heimath aufl Das alte Schloss verfiel und ver- 
ödete mit der Zeit. Der die Gärten benetzende Brunnen, sanft und 
spärlich rieselnd, wira seitdem von dem Volke Baktschisarai • der 
Thranenquell, genannt. In neuerer Zeit hauste in dieser Gegend der 
uns bekannte Krieg, und oft fanden in dem klaren Sprudel jenes Quelles 
die verwundeten und kranken Kämpfer Kühlung und Erquickung. 

Hugo Söderström. 

Durch ein Glicht vertreten, „Der Versammlung deutscher Schrift- 
steller. (Leipzig 18./19. August 1865)^, welches, an jenen Congre.ss 
grosse Hoffnungen knüpfend, die zu erringende Gedankenfreiheit als 
Grundlage einer wünschenswerthen volksthümlichen Entwicklung ver- 
herrlicht. In die, nach Massgabe des Stoffes, viel zu erregte Ausführung 
konnte, als satirischer Bestandtheili die niederschlagende Erfahrung 
aufgenommen werden, dass in unserem praktischen Staatswesen, aller 
freieren Entwicklung zum Hohne, nicht Geist und Charakter, sondern 
nur die beschränkt-routinirte, für jeden gegebenen Zweck bmuchbare 
Mitteln) ässigkeit Anerkennung und Beförderung findet. 

K. Walter. 

Ein Lyriker ohne eigenen und besonderen Inhalt. Sein Gedi('ht 
„An die Liebe,** dem Schillerschen Hymnus „An die Freude" in Stoff 
und Form mühselig und holperig nachgeverselt, wäre besser weg- 
geblieben. Man höre unter anderen nur folgende Strofen: 

Ist auch dieser Ball zergliedert 
In der niannichiachsten Art, 
Alle Wesen sind verbrüdert. 
Weil der Stoff mit Stoff sich paart; 
Denn durch Elemente ewig 
Macht den Kreislauf diese Welt 
Und der Bildner hat uns gnädig 
Hoch zum Menschen auserwählt. 



U 



Eine Schlesische Dichterschale. 199 

Liebe gab iina Menschen Leben, 
Uns Verstand and Sprache nnr; 
In der Fülle der Nator 
Hat sie uns den Thron gegeben! 

Doch es schränkt die Macht der Liebe 
Sich nicht aaf das Schaffen ein ; 
Dem Erschaffnen siebt sie Triebe, 
Webt sie ihm als Seele ein. 
Wie sie Thieren, Pflanzen, Steinen 
Nach Bedarf ^iebt Lebenskraft, 
Zeagt, durch inniges Vereinen 
Mit dem Geist, sie Wanderkraft. 

Ja, durchs Menschenherz pulsiren 

Gottesadern, wenn es liebt; 

Sucht, was Liebe darin übt; — 

Weiter — hiesse Grott nachspüren. 

Solche ^unbeholfene und bleiche Nachbildungen sind wii^ungslos. 
— Das darauf folgende Epigramm : 

An einen Schuhmacher. 

Verbrecher, bedenk' deine Werke I 
Dein Thun ist ein ewiges Scheiden; 
Vom Vaterland trennst du d^e Völker; 

ist so frostig und geschmacklos, wie es je nur ein misslungenes Epi- 
gramm gewesen ist. — Das darauf folgende , lyrisch- rz ählende Ge- 
dicht ,,D]e Tod(enpo8t'' gehört zu der Gattung der Nacht-, Wind- und 
Grabdichtungen, an denen wir Deutschen einen ertodtenden Ueberfluss 
haben. — Das letzte, „Unser Wissen,''' besingt die zwar nicht unrich- 
tige, an sich aber sterile Erfahrung, dass unser Wissen Stockwerk ist, 
zu welcher der Verfasser künftig vielleicht selbst noch einige Belege 
liefern wird. 

Albert Weiss. 

Ein Eomantiker, der sich Gründierund Consorten würdig anschliesst. 
Von ihm, nach einer alten böhmischen Volkssage: 

Die Braut von Braunau. 

Der Böhmenkönig zieht mit seinen Schaaren von einem Feldzuge 
siegreich heim. Die Stadt Braunau, festlich geschmeckt, befindet sich 
in freudiger Aufregung. Doch ist manche^ der trefflichen Krieger im 
Kampfe gefallen, unter welchen jetzt auch Sabina ihren Geliebten 
schmerzlich vermisst. Auf den Strassen, sodann in der Kirche, wo ein 
Dankgottesdienst abgehalten wird, sucht sie ihn vergeblich auf und 
flieht, von Irrsinn ergriffen, durch die versammelte Menge hinaus. 

Die Strassen sind öde, die Plätze sind leer! 
Der Liebste nicht kehrt aas den Schlachten? 
Er ist nicht gestorben, ich glanb' es nicht mehr! 
Heim ruft ihn mein liebendes Trachten. 



200 Eine Schlesische Dichierschale. 

Und läe' er im Grabe klaftertief, 

Ihn dodi die Stimme der Liebe rief! 

Und wür' er, wo oben der Himmel blaat, 

Von Gott selbst fordert den Bräat'gam die Braat!* 

Alles unbeholfen und schief ausgedrückt I — Die Kirchen werden 
verlassen, und indem man sich freudiger Heiterkeit hingiebt, vermisst 
man die Braut und hört, dass sie in die felsigen Berghöhen entwichen 
sei. Zehn Jünglinge reiten ihr dorthin nach, um sie aufzusuchen. Auf 
steilem Gipfel der wildesten Felsenhöhen richtet sie, erwartungs- und 
sehnsuchtsvoll, drei Tage lang die forschenden Blicke in die Feme. Um 
Mittemacht endlich erstirbt ihr Schmerz; da erblicken sie erfreut aus 
der nahen Tiefe die zehn Jünglinge. Sie schaut noch immer in die 
Felsen hinein, aber zu Stein erstarrt. - 

Die darauf folgende „Glosse^ commentirt die Strofe: 

»Der Parteienkaropf, der dreiste, 
Will dich überall verwirren; 
Aber du, lass dich nicht irren, 
Folge deinem guten Geiste," 

und damit den oft ausgesprochenen Grundsatz , dass der Dichter über 
den Parteien stehen solle. Damit ist freilich wenig genug gesagt. In 
der richtigen Schätzung der Dinge sich durch leidenschaftliches Partei- 
treiben nicht beirren und verflachen zu lassen , muss von jedem denk- 
fähigen Menschen verlangt werden; aber ebenso bleibt es seine, und 
also auch des Dichters, unabweisbare Pflicht, in den zu einer gesunden 
staatlichen Entwickelung unentbehrlichen Gregensätzen irgend ein Princip 
zu ergreifen und an ihm mit aller Kraft und Stetigkeit festzuhalten. Thut 
er dies nicht, so steht er« seinem guten Geiste folgend, nicht etwa über den 
Parteien, sondern verfallt einfach der Gkist- und Charakterlosigkeit, zu 
deren Ausdrack ungeschickte metrische Ergüsse völlig unnöthig sind. 

Das Gedicht ,3undreim^^ und die Ballade ,yLochlevin,^^ das letzte Stück 
der Sammlung, entsprechen dem Angeftihrten in trüber Farblosigkeit 

Berlin. Schaeffer. 



Karthon, von Ossian. 

Metrische Bearbeitung. 



Inhalt. 

Znr Zeit Eambal's, des Vaters von Fingal, ward Kiesamor. Fingal's 
Mntterbrader, durch einen Sturm in den Fluss Klntha (jetzt Clyde) getric^ 
ben» an dessen Ufern die Stadt der Briten, Balklutha, la^. Kurmar, das 
Oberhaupt des Orts, nahm ihn gastfreundlich auf und gab ihm seine Toch- 
ter Moina zur Ehe. Ein britischer juneer Häuptling, der in Moina verliebt 
war, besuchte Rurmar und betrug sich übermüthig gegen Kiesamor. Es 
erfolete ein Gefecht, worin der Brite ^etödtet ward. Sein (befolge aber 
griff Klesamor hart an und zwang ihn, in den Klutha zu springen und sich 
nüt Schwimmen in sein Schiff zu retten. Da der Wind gerade günstig war, 
so ging er in See, mit dem Vorhaben, bei Nacht zurückzukehren und seine 
geliebte Moina fbzubolen. Widrige Winde verhinderten diesen Plan, und 
Riesamor segelte nach seiner Heimath zurück. Moina, von Kiesamor zu- 
rückgelassen, gebar einen Sohn, den Rurmar Karthon nannte, und starb 
bald nachher. Als Karthon drei Jahre alt war, nahm Kumhal, Fingal's Va- 
ter, auf einem Zuge gegen die Briten, die Stadt Balklutha ein und verbrannte 
sie. Rurmar kam um bei dieser Zerstörung. Karthon ward von seiner Wär- 
terin gerettet, die zu den Briten ihre Zuflucht nahm. Als Karthon erwach- 
sen war, fasste er den Entschluss, die Zerstörung i^alklutha's an KumhaFs 
Nachkommen zu rächen. Er ging vom Klutha unter Segel und fiel in Mor- 
ien ein. 

Das Gedicht eröffnet sich mit der Nacht vor Karthon's Einfall, da eben Fin- 
gal von einem Kriegszuge zurückgekehrt ist. Apostrofe an Malvina, Toskar^s 
Tochter und Gefährtin des Dichters in seinem Alter. Fingal vermisst beim 
Festmahl nach seiner Zurückkunit einen seiner Führer, Kiesamor. Dieser er- 
scheint bald nachher, aber sehr trübe. Auf Fingal's Verlangen erzählt er 
seine Reise nach Balklutha und die Vorfälle dort. Die Nacht verebt un- 
ter Gesängen. Bei der Morgendämmerung erblickt Fingal eine Geisterer- 
scheinung, die Unglück für das Land vorbedeutet. Fingal befiehlt seinen 
Kriegern, sich zu waffnen. Sobald es hell wird, erscheint Karthon's Flotte 
und landet. Fingal lässt Karthon durch den Barden UUin zum Mahl ein- 
laden. Karthon schlägt die Einladung aus und rückt mit seinen Kriegern 
an. Fingal schickt einen seiner Führer, Katbul und, nachdem dieser ge- 
schlagen ist, einen andern, Konall, gegen Karthon ab. Dieser hat ein glei- 
ches Schicksal. Hierauf wird der täte Kiesamor abgesandt. Karthon wei- 
gert sich anfangs, mit dem Greise zu kämpfen; endhdi beginnt der Kampf. 
Kiesamor wird besiegt. Indem Karthon ihn binden will, stösst Kiesamor 
jenem den Dolch in die Seite. Fin^l, der Klesamor*s Niederlage sieht, 
stürmt heran. Da Karthon verwundet ist» unterbleibt das Gefecht. Der ster- 



202 Karthon, von Ossian. 

bende Karthon überreicht Fingal sein Seh wert zum Andenken nnd entdeckt 
ihm, dass er Moina's Sohn sei. Wirkung dieser Worte auf Kiesamor. Die- 
ser stirbt am vierten Ta^e vor Gram, ßeide werden in ein Grab gelegt. 
Fingal befiehlt eine jährliche Feier dieses traurigen Tages. Apostrofe an 
die Sonne. 

Earthon. 

Wallender Lorastrom, dein Marmeln reget Entschwundner 

Nahes Gedächtniss aaf ; dein waldiges Rauschen, Garmallar, 

Tönt mit lieblichem Hall mir in's Ohr. Du Tochter der Helden, 

Siehst du, Malvina, den ragenden Fels mit dem laubigen Gipfel 

Drüben? Es beugen sich schräg von der Höh drei ragende Föhren, 5 

Und mit lachendem Grün schmückt sanft ihm die Seite der Rasen. 

Dort wiegt zierlich im Wind sich des Thaies glänzende Blume, 

Und auf dem Karn entstreuet den Bar£ die alternde Distel. 

Halbversunken umzieht zwei Steine schwärzend des Feldes 

Moos und Staub; scheu flüchtet der Krsch von dem Rande des Denkmals. 

Hingestreckt ruht drunter ein Held. Ein luftiger Schemen, 

Schwach und kalt, senkt langsam sich auf den Hügel hernieder, 

Denn die Helden umhüllet das Grab am Grestade des Meeres. 

Wer ist dort der ragende Mann vom Lande der Fremden, 
Welchem, gewaünet in Stahl, viel Tausende folgen? Die Sonne 15 

Strahlt um sein Haupt; es kämpfl sein Grelock in dem Winde des Meeres.^ 
Friedlich verklärten Gesichts blickt sanft er Ruhe, dem heitern 
Abende gleich, wann westlich am Wald der Schimmer hinabsinkt 
Auf das felsige Thal des mächtig rauschenden Kona. 

KumhaVs ist es, des tapferen, Sohn, der gewaltige Fingal, ?0 

Herrlich bewährt im Kampfe zus^leich und in trefflicher Tugend. 
Wieder schaut er sein rauhes Oebirg und des rüstigen Heeres 
Unverminderte Zahl. Da sprach der begeisterte Barde: 

«Auf, ihr Stimmen, wohlan! Furcht jagte den Feind durch das Blachfeld, 
Ihn, den Spross der Ferne des Wests. Es grollet der Schildburg 25 

Zürnender Fürst, rollt stolz die feurig glühenden Augen 
Und zuckt drohend der Könige Schwerdt. Verscheucht und geschlagen 
Wandte sich über das Feld der Thaten der westliche Fremdling!*- • 

Hallend erwachte so die Stimme der trefflichen Barden, 
Als der König die Burg des gastlichen Selma betreten. 80 

Fackeln flammten empor zu Tausenden, 1L«uchtungen sprühend. 
Mitten im drängenden Volk beim Mahl in der Halle des Sieges. 
Pchnell schwand ihnen die Nacht dahin in jubelnder Wonne. 

Fingal, der mächtige Held mit den schönen Locken, begann jetzt: 

»Wo ist der Kämpe des Felds, der Führer trefflicher Thaten, So 

Wo. bei der Wonne der Schaar, der holden Morna verwegner 

Bruder? Ihm schleichen die Tag* in des Lora schaurigem Thale 

Lan^m, düster dahin. — Sieh, dort entsteigt er der Höhe. 

Gleich dem Hengst, entzügelt und stolz, der auf grasiger Ebne 

Rosse erschaut und den wehenden Duft einzieht in die Nüstern! — 40 

Heil, o Kiesamor, Heil dir. Gewaltiger! Wie nur so lange 

Hieltest du säumend dich fem von dem gastlich heiteren Selma?* 

Ihm erwiederte Kiesamor drauf, der treffliche Führer: 
„Kehrt der König zurück mit Ruhm zu dem Hügel der Hirsche? 
Kehrt er mit Ehre zurück, wie im Kampf umdrängender Schiide 45 

Kumhal, der reisige, einst? Oft schweiften wir über den Karun 
Munter jagend zum Land und dem flüchtigen Wilde der Fremden. 



Eartbon, von Ossian. 20S 

Nicht miblntig kehrt' uns der Schild, dem tapferen Fürsten 

Nicht zur Freade. — Warum der kriegrischen Zeiten Erinnnmg? 

Bis zum Scheitel ergraut ist mein Haar; nicht Kunde des Bogens 50 

Hat noch die Hand ; leicht wieget mein Speer, leicht wieget der Schild auch. 

Kehrte die frühere Wonne mir doch, o käme sie wieder, 

Als ich das Mädchen sah, das fremde, mit schneeigem Busen, 

Moina, die edle, — besiegt mich jede der anderen Jungfraun — 

Reizender Schönheit voll, holdblickend aus dunkelem Angel** 55 

Ihm erwiederte sanft mit freundlichen AVorten der König: 
,Gieb uns, trefflicher Fürst, ausreichende Kunde des Mädchens. 
Düster umhüllt dich der Gram, wie Gewölk den verschleierten Lichtstrahl. 
Trüb, im Nebel schwimmt dir dein Geist, nachtschwarz der Gedanke 
Dir, o du Schlachtensohn, Einsamer am hallenden Lora. 60 

Sprich, erschliess' uns den Gram, den vergangenen früherer Jahre, 
Schliesse die Nacht uns auf, die dein Alter traurig umdüsterti" 

Ihm erwiederte Kiesamor drauf, der tapfere Kriegsfiirst: 
„Tage des Friedens beglückten das Land, auf wogendem Meere 
Naht' ich im dunkelen Schiff Balklutha's thürmenden Mauern. 65 

Fördernd jagte der Wind die geschwellten Segel zum Hafen. 
Festliches Mahl erhob drei Tage sich dorten in Rurmar*s 
Gastlicher Halle. Durchflammt erblickt' ich den Busen der Liebe, 
Moina, die schöne, daselbst, die Blüthe der Burgen und Hallen. 
Froh in gehobener Lust umkreist' uns die Freuoe der Muschel,J 70 

Und zum Eidam erwählt vertraute mir Rurmar die Jungfrau. 
Wie der Schaum auf der Fluth schwoll zart ihr wogender Busen, 
Gleich dem Völkergestim hell schimmert' ihr strahlendes Auge, 
Und ihr entrolltes Gelock umringelte schwärzlich den Nacken. 
Herrlich schritt sie daher, die Reizende. Schöner als Alles 75 

War ihr zartes Gemüth. Wie liebt' ich die Tochter der Herrscher, 
Moina, die Schönste fürwahr ringsum der Ebnen und Höhen! — 
Sieh, ein Fremdling erschien, ein Jüngling, die Schritte zu Moina 
Rafich hinlenkend, und laut erscholl sein Wort in der Halle ; 
Drohend zuckt' er, zum Streite gefasst die mächtige Klinge: 80 

^Wo ist Kumhal, der Held, der schlachtenkundige Kämpfer? 
Er, der Waller des Thals, des gebirgigen? Ist er denn selbst hier, 
Ist es sein Heer? weil du so kiihn, so keck und so trotzend?* 
Ich versetzte darauf: «mein Muth, o trefflicher Führer, 
Lodert mir hell in eigener Gluth. Vom Schilde beschirmet, 85 

Kenn* ich nicht Furcht, umringten mich auch zu Tausend die Gegner. 
Prahlend sprichst du, o Fremdling im Stahl, weil Kiesamor eben 
Weni^r gedeckt; doch mir zittert mein Schwerdt, bis zum eisernen Griff wach, 
Mir die Hand zu füllen bestrebt. Von Kumhal, dem Helden, 
Kein Wort mehr, Sohn Klutha's. den nie sein wallender Strom lässt!* 90 
Zürnend in brausender Kraft fuhr auf der Jüngling und kämpfte. 
Doch ihn stürzte mein Stah), den feindlichen Führer. Von lautem 
Kriegsraf bebend erscholl. das Gestade des wallenden Klutha, 
Rasselnd drohte die schimmernde Schaar speerschwingender Männer, 
Muthig begann ich den Kampf; bald siegten die stärkeren Fremden. 95 
Flüchtend entscbwan^ ich mich schnell zum rettenden Strome; die Segel' 
Spannend dem günstigen Wind, durchschnitt ich die düsteren Fluthen. 
Ijiränend folgte mir nach, gramvoll die Augen erhebend 
Und mit traurigem Laut hellklagend, Moina, die arme. 
Lenkend wendet' ich ofl das SchifT: es siepte die Woge 100 

Und der östliche Wind. Nie schaut' ich wieder den Klntlia, 
Noch die Hebliche Braut, die dnnkellockige Moina. i^ 

Bleich hinsank sie am Klutha entseelt; an dem Hügel ersc)uen mir 



204 Kartbon, ▼oo Ossian« 

Grausig ihr Schatte». Zur Naoht erkannt* ich der Schreitenden IVitto 
Längs dem schaurigen Saum am Lora, schwebenden Schimmers, 105 

Gleich dem wachsenden Mond, der aus himmlischen Nebel heirorblickt, 
Wenn der Schnee vom Grewölke sich stürzt und die Welt sich umdüstert.*' 

Fingal, der Schwinger des Schilds, rief Jetzt die freundlichen Worte: 
«Barden, erhebt den Gesang und preiset dfer lieblichen Moina 110 

Unvergängliches LobI Sann schlummre sie unter der Höhen 
Feiernden Klängen. Zum Land der Meerfluth ladet mit lanofsam 
Hallendem Lied ihr schwankes Gebild. Sanft schreite sie wandelnd 
An des Gebirges Saum in Morven, dem reizend die Jnn^raua, 
Strahlen entschwundener Zeit und Wonne der früheren Helden. 
Wohl auch sah ich der Stadt am Klutba zertrümmerte Mauern; 116 

Spärlich ertönte des Volks verminderte Stimme. Das Feuer 
Hatte die Halle durchtobt; da kosten nicht Helden und Jungfraun. 
Durch den stürzenden Schutt der zerrütteten Mauern verdrängt war, 
Glach dem Bache, der Strom'; im Wind stand webend die Distel, 
Schaurig rasselt' am Thurme das Moos, in den Höhlen der Trümmer 120 
Barg sich der lagernde Fuchs, umwallt vom Grase den Rücken. 
Oed' ist der frühere Sitz der Sängerin Moina: verdunkelt 
Liegt die Halle der Burg, die wimmelnde. Tönet, ihr Barden, 
Trauergesang der Halle des Meers, die für immer dahin ist! 
Unter dem Hügel ruhen schon längst die tapferen Helden; 125 

Uns auch ereilt ihr vergängliches Loos. Was erbaust du des Mahles 
Stattliche Halle, du Sohn des enteilend flüchtigen Zeitlanfs? 
Schauend blickst du noch heut von deinem Gethürme, doch morgen 
Deckt dich des Hügels Gestein. Der Sturroflug schwindender Juire 
Weilt nicht; mächtig durchbraust er in düsterem Wehen die stolzen 130 
Hallen der Herrscher, die jäh in das Grab mit Schaaren versinken. 
Komm, du düsterer Sturm! In leuchtendem Ruhme verharren 
Unsere Tage; vergehn wird nie des geschwungenen Schwerdtes 
Kräftige Spur, und es lebt mein Nam' in dem Liede der Barden. 
Auf mit feierndem Klang! Lasst kreisen die wandernde Muschel, 135 

Und frohlocket mit Preis um mich her! Sinkst einst du verschwindend. 
Strahlendes Rund, sinkst je du einst, hehrschimmemde Leuchte, 
Lebst du in nichtiger Zeit, gleich Finga), dem flüchtig der Lauf ist, 
Hell wird dauern mein Ruhm, wie dein alldurchdringender Lichtstrahl!* 

Also scholl des Königs Gelang in den Tagen des Siegmhms: 140 

Barden lauschten gebeugt, zahllose, der Stimme des Heirschers; 
Glich sie an Wohllaut ^ch dem erklingenden Tone der Harfe, 
Die aus dem Osten ein Hauch sanftwehend leise durchschauert 
Deine Gedanken, wie herrlich, o Held! Nacheifernd warum gleicht. 
Schwächer, dein Sohn dir nicht, dein Ossian? Stehst du doch einzig, 145 
Stehest allein! Wer gleicht an Ruhm dem Herrscher von Selfna? 

Schnell entschwand im Gresange die Nacht; mit heiterem Glänze 
Stieg der Morgen empor. Hochfluthend ergrauten die Wellen; 
Wonn^ umschwebte das Meer, das bläuliche, schäumend umwallten 
Wogenschwalle den Fels, den fem aufragend wir sahen. 150 

Nebel rollte vom Meer zu dem Karn das trübe Gebilde 
Eines Greises ; nicht f^leich dem Sterblichen regt* er die Glieder, 
Noch als ein Ries' herschreitend vom Meer: aus Osten entschwebend 
Trug es ein Schemen hinab zur Hälfte des Himmels, und sinkend 
Schwamm, tiefdunkel wie Blut, das Gebild zum ragenden Selraa. 155 

Fingal sah die Gestalt, die schreckliche, sah der bewehrten 
Krieger verhängten Tod. Der Heldenhalle sich nahend, 
Fasst der gewtut\ee Fürst den Schild des trefflichen KiunhaL 



Earthon, von Ofisian« 205 

Rasselnd erklingt der Stahl der bewegten RUstung; in Eile 

Richten die Krieger sich auf; verstummend harren die Tapfern 160 

Rings in gewärtigem Kreis, auf den Herrscher die Augen gerichtet 

Flammende Kampfeslust durchschimmert des Herrlichen Antlitz; 

Tod der Völker umkreist ihm den Speer; bi^eitbauchig und strahlend 

Heben die Schilde sich auf zu Tausenden, glänzen die Schwerdter, 

Tausende, blau und scharf, in Selma's ragender Halle. 166 

Düster rasselt umher das Geklirr der beweglichen Waffen, 

Dumpf der herrlichen Doggen Geheul; kein Wörtchen im Kreise, 

Kein leichtschallender Laut Auf das Schwerdt und die Farbe des Fürsten 

Richten sie schauend den Blick. Er enthob der Schulter den Kampfspeer: 

gleicht, o du trefflicher Spross des heldenergiebigen Morven^ 170 

Nicht ist Zeit der Harf und dem Fest Krieg dämmert vor Augen 
Trüb* uns, Tod umzieht des Gebirges Höben verdüsternd. 
Unseres Ruhmes Freund, ein Geist, verkündet der Feinde 
Nahen vom Meer. Der Fluth entstieg der luftige Schatten.'^ 
Uns der hohen Gefahr schnellwamendes Zeichen. Am glatten 175 

Speer sei jegliche Hand, an Jedes Seite das scharfe 
Schwerdt, auf jeglichem Haupt des Helmes Zierde, von jedem 
Panzer glänze der Strahl. Kampf thürmt wie schwellender Sturm sich 
Brausend auf uns und bald tönt schaurig die Stimme des Todes.* 

Fingal, der Herrscher, erhob sich jetzt; ihm folgte der Heerzug, 180 

Gleich dem Wolkengewog, das gluthvoU krachend einherbraust, 
Wenn von Westen mit Sturm dem zagenden Segler der Blitz zuckt 
Harrend weilte der Zug auf Kona's waldigem ßergthal. 
Schauend betrachten ihn dort von der Höh* weissbusige Jungfraun, 
Gleich des grünenden Walds tiefdichtem Gezweige; sie schauen 185 

Ahnend den nahend^ Tod der schlachtenKundicen Jugend. 
Bang zu dem wogenden Meer hinspähn sie mit lauschendem Blicke, 
Zu dem wirbelnden Schaum, der wie Se^el schimmernd heranwallt. 
Thiünen beströmen der Schaar unschuldige Wangen; im Kampfe 
Ist ihr bebendes Herz für die Tapferen, wie sie dahinziehn. 190 

Nahend entstieg der Glanz dem wogenden Meere; wie Nebel 
Deckten die Sciiiffe die Fluth, ausgiessend das Heer an's Gestade. 
Ragend in Mitte der Schaar erhob sich ein herrlicher Kämpfer, 
Aebnlich dem schweifenden Reh auf des Waldes laubigen Höhen; 
Wölbig und stark sein Schild, weitschimmernd in strahlendem Glänze; 195 
Klüftig und jugendlich schon er -selbst, der Schwinger des Speeres, 
Schritt den Schaaren voran von dem ebenen Strande des Meeres 
Auf zu der lieblichen Höh' des luftig ragenden Selma. 

^Geh' mit dem sanften' Gesanff des Friedens, trefHicher Uliin, 
Geh' zu dem Führer hbab und künd' ihm mit ruhi^n Worten: 200 

nWir sind tapfer im Streit; es vermehrt der Geschiedenen Schatten, 
Wer uns im Kampf als Ge^er besteht Doch im Lande berühmt ist, 
^Yer mit uns ass das Mahl m geräumig gastlicher Halle. 
Einst noch den Kindern zeist er die Speer* aus dem Lande der tapfren 
Fremden. Ein Wunder sind sie fürwahr dem trefflichen Ausland. 205 

Glück wünscht dieses und Heil den Freunden des herrlichen Morven; 
Fem in Weiten ertönt des Volkes glänzender Siessruhm. 
Vor dem Zorne des Volks erzittern die herrschenden Nachbarn, 
Und laut rühmet die Welt das Land mit preisendem Lobe»^ 

Uliin, der. treffliche, ging mit dem Friedensgesange zur Ebne. 210 

Aber der König, gelehnt an den Speer, der gewaltige Fingal, 
Sah den Feind im Gefild. „Heil, Heil dem Erzeu^n der Fremde! 
Langsam, gross ist vom Meere dein Schrittl^ so rief er hinüber. 



206 kv.Karthony von Ossian. 

^Gleich dem zackenden Blitz aus dem Osten schimmert dein helles 

Schwerdt dir zur Seite; dem Mond vergleich' ich, trefflicher Kämpfer, 2i5 

Deinen £ewaitigen Schild; irisch glänzen in röthlichem Schimmer 

Dir die Wangen, es prangt in der Jugend kraftiger Fülle 

Deine Gestalt, reich ziert dein Haupt die geringelte Locke. 

Schnell, o wie schnell vielleicht, gestürzt von vernichtender Schärfe, 

Fällt der herrliche Baum und höret sein Lob nicht im Thale. 220 

Schmerz umdüstert alsdann die klagende Tochter des Meeres, 

Wenn sie den spähenden Blick aussendet zur offenen Salzflutb. 

Auch, erblickend ein Schiff, ruft laut das freudige Knäblein : 

,ySieh, dort ist er, der König, o siehl^ Doch der Mutter entstürzen 

Thränen ob deinem Schlaf, den du einsam schlummerst in Morvenl** 225 

So in hallendem Wort ertönte die Stimme des Königs. 
Ulh'n kam indess, der Edle, zum feindlichen Führer, 
Warf auf die Haide den Speer vor Karthon mit gastlichem Frieden, 
Und mit leisem Gesang anhub er die freundlichen Worte: 

«Komme zu Fingal's Mahl, Held Karthon, am Thale des Meeres; 230 
Komm zu des Herrschers Mal; sonst rasch erliegend und sieglos 
Zucke das Schwerdt Viel sind der feindlichen Schaaren in diesem 
I Lande, berühmt im Kampf sind wir und unsere Freunde. 
Ueberschaue das Feld, o Karthon. Ragend erheben 

Viel sich der Hügel, die Stein' ummoost, umsauset vom Grase. ^235 

Feinde des Fingal sind's, die dort in dem Grabe verwesen, 
Fremdlinge, die zum Streit des Meeres Pfade durchsegelt*.' 

Ihm erwiederte drauf, dem Redner, der herrliche Karthon: 
.Wie? sprachst etwa du hier zu Waffenschemen, o kühner 
Barde von Morven? Erbleicht und schwindet mir weichend die Farbe, 240 
Sohn des tönenden Lieds, der den Kanipf unkundig vermeidet? 
Hofist du, bedrohend den Geist durch Kunde gefaUener Krieger 
Mir zu versenken in Nacht? Es erlagen Helden im Kampfe 
Meiner würgenden Faust, und bekannt ist Vielen mein Schlachtrubm. 
Kraftlos rümre die Hand am klingenden Liede; dem tapfem 245 

Fingal beuge die sich! Sah ich nicht streitend Balkluma's 
Segelreiches Gestad? So kampflos sollt^ ich am Hügel 
Sitzen? Verkünde denn dies, o Barde, dem Sohn des Kumhal, 
Kumhal*8, der in die Burg an dem strandaufragenden Klutha, 
Meines Geschlechtes Sitz, eindrin^nd den zündenden Brand warf. 250 

Knabe noch war ich und Kind, nicht ahnend, warum die bethränten 
Jungfraun klagten. Mein Aug* ergötzte der schwellende Gluthrauch, 
Der weit lodernd sich hoch ergoss an den flammenden Mauern. 
Freudig schaut^ ich zurück, als weichend am Hügel die Freunde 
Flüchteten. Aber gereift zum Jünglinge sah ich der Mauern 255 

Traurige Trümmer vor mir. Da stieg mit dem Morgen mein Seufzer, 
Strömend stürzte bei Nacht die ergossene Thräne. ^So muss ich 
Thatlos, acb!^ sprach oft ich zur trauernden Seele, „der Zeiten 
Wechsel erharren! O wann, wann bricht der befreiende Tag an. 
Wo ich im blutigen Streit das Geschlecht der Feinde bekämpfe?* 260 

Nun kam endlich der Ta^. Ja, kämpfen will ich, o Barde; 
Mächtig fxihr ich den Geist mir entflammt von feurigem Kraftmuth." 

Drängend umkreist den Helden sein Volk, die glänzenden Waffen 
Zuckend. Er steht auf dem Platz, der Donnerwolke vergleichbar. 
Und ihm verdunkelt das Aug* die schimmernde Zähre. Mit Trauer 265 
Denkt er Balklutha*s Fall; bochsch wellend erhebt sich sein Unmuth. 
Seitwärts rollt er zur Höhe den Blick, wo des Winkes gewärtig 
Steht die gewaffnete Schaar. Ihm bebt in der Rechten der Kampfspeer, 
Und er dreuet gebeugt, so scheint's, de^ gebietenden Herrscher. 



(2 Karthon, von Ossian. 207 

Fin^al schaate vom Hügel ihn an, der gewaltige Kampfheid ; 270 

,SoU ich,^ sprach er bei sich, «dem Jüngling begegnen auf einmal? 
Eh noch sein Ruhm ihn hebt, ihn hemmen in Mitte des Laufes? 
Sa^en könnte dann einst vor Karthon*s Grabe der Barde: 
„Fmgal stürmt' in die Schlacht mit der Heerkraft, eher nicht sank ihm 
Karthon, der Held.** Nein, Barde der kommenden Tage, nicht schmalem 
Sollfit du des Königes Ruhml Im Streite bestehen deli Jüngling 
Meine Genossen und nah schaut Fingal selber dem Kampf zu. 
Siegt er, dann stürz' ich in Kraft wie Kona's brüllender Strom her. — 
Wer der Führer begehrt zu bestehn den gerüsteten Meerssohn? 
Viele der Krieger sind ihm am Strand und stark ihm der Kampfspeer !^ 

Kathul machte sich auf, der Sohn des mächtigen Lormar, 
Trefflich gerüstet, zum Kampf; dreihundert Jünglinge folgten 
Schreitend ihm nach, ein Geschlecht der heimischen Ströme. Doch schwach war 
Gegen Karthon sein Arm; er fiel, es entfloh sein Gefolge. 

Rasch erneute den Kampf andringend der treffliche Konall: 285 

Doch ihm zerbrach der Speer, der gewichtige. Mitten im Biachfeld 
Lag er gebunden, sein Volk verfolgte der siegende Karthon. 

.Kiesamor, trefflicher Mann,^ sprach Morven's gerüsteter Herrscher, 
«Wo ist dein eschener Speer, du Gewaltiger? mllst du gebunden 
Unseren Konall sehn, den Freund am Strome von Lora? 290 

Mach im schimmernden Stahl dich auf, des tapferen Kumhal 
£dler Schlachteneenoss I Lass fühlen den Jüngling der Fremde, 
Was das starke Geschlecht von Morven im Kampfe vermöge!^ — 

Kilend erhob sich der Greis in der Kraft des glänzenden Stahles, 
Schüttelnd sein graues Gelock. £r fügte den Schild an die Seite, 295 

Und in muthigem Stolz hinstürmt* er zum blutigen Kampfe. 
Fest ihn erwartend stand an der Haid^ aufri^ndem Felsen 
Karthon, er sah erfreut herstürmen den trefuchen Helden, 
Liebte die schreckende Freud* auf des Greises drohendem Antlitz 
Und bei ergrauetem Haar den rüstig drängenden Kampfmuth. 800 

^Schwing' ich,^ sprach er, ,,den Speer, der nicht mehr verwundet als einmal? 
Soll ich mit friedlichem Wort erbalten das Leben des Kriegers? 
Mit wie stattlichem Gang, bei herrlicher Neige des Alters, 
Schreitet der Greis einher I Vielleicht ist dieser der edlen 
Moina berühmter Gemahl, der Vater des reisigen Karthon. 305 

Hört' ich doch oft, er wohn' an Lora's hallendem Strome!^ — 

Also sprach er für sich, da Kiesamor schreitend herankam, 
Hoch in der zielenden Hand den Speer ausschwingend. Am Schilde 
Fing ihn der Jüngling auf und sprach die friedlichen Worte: 

«Fehlt's denn, ergraueter Held, an Jünglingen, Schwingern des Speeres? 
Ist dir kein Sohn, der deh schirmenden Schild dem Vater erhebe? 
Der des Jünglinge« Arm besteht? Ist die liebende Gattin 
Nicht mehr? weint sie vielleicht an dem Grab der geschiedenen Söhne? 
Bist du vom hohen Geschlecht der Könige? wird er mir rühmlich 
Werden, der blutige Sieg, wenn meinem ISchwerdte du sinkest?*^ — 315 

Ihm entgegnete Kiesamor drauf, der gewaltige Kämpfer: 
gRnhmlich wurd er dir sein, du Stolzer. In tosenden Schlachten 
Bin ich bewährt, doch nie sagt* feig ich den Namen dem Gegner. 
Weiche mir, Sohn des Meeres, dann soll dir werden die Kunde, 
Dass in Schlachten mein Schwerdt wohl kenntliche Spuren gelassen!^ 320 

Karthon entgegnet* ihm stolz, mit edelen Worten erwiedernd: 
„Nie, speerkundiger Held, nie weich* ich. In blutigen Schlachten 



208 Kartbon, von Osflian. 

Hab^ ich auch selber a;ekümpft; schon seh' ich mir steigen den Nachrahm. 
Nicht verachte mich, Fürst! Mein Arm ist stark and aer Wurfspeer. 
Kehre zu Freunden zurück; den Kampf lass jüngeren Kriegern!^ S25 

Ihm entgegnete Kiesamor drauf, unmuthigen Blickes: 
^ Warum kränkest du mir mit verwundendem Worte die Seele? 
Zittert mir doch, von dem Alter gelähmt, im Gefechte der Arm nicht; 
Noch erschwing* ich den Stahl. §o\\ fliehn ich im Auge des Herrschers, 
In des Fingal Gesicht, des gewaltigen, welchen ich liebe? sSO 

Nie, du Fremdling des Meeres, nie floh ich den Gegner. Doch mathig 
Schicke zum Kampfe dich an un<I erhebe die Spitze des Speeres!^ — 

Streitend fochten sie nun, wie zwei sich bekämpfende Winde, 
Die mit gewirbeltem Hauch wetteifernd wälzen die Fhithen. 
Karthon hiess den geworfenen Speer abirren; noch immer 335 

Dacht* er bei sich, der Feind sei Moina*s Gatte. Den Schlachtspeer 
Klesamor^s brach er entzwei, entriss das blitzende Sehwerdt ihm. 
Doch als den Führer er band, da zog er den Dolch, der Erzeuger, 
Und in die Seite des Feinds, die entolössete, bohrt' er das Eisen. 

Fingal sah, wie Klesamor fiel; in dam Klange des Stahles 340 

Machv er sich auf. Ringsum stand schweigend, zum König die Augen 
Wendend, das Heer. Er kam, wie das dumpfe Gebranse des Luftzugs, 
Eh einbrechend der Sturm sich erhebt; der J'i^er vernimmt es 
Lauschend im Thal und enteilt in der Felsen Geklüfle sich bergend. 

Regungslos stand dort an der Stätte der trefHiche Karthon; 345 

Rieselnd entstürzt' an der Seit' ihm das Blut. Des Königs Herabkunft 
Sah er; ihm hob sich hell des Ruhmes glänzende Hoffnung. 
Aber Blässe durchzieht ihm die Wangen, schwebend im Winde 
Flattert sein loses Gelock; ihm wanket der Helm auf dem Haupte. ««. 
Matt ist des Tapferen Kraft, doch gross und stark ihm die Seele. 350 

Fingal schaute das Blut des erle^^ten Helden; er. hemmte 
Schnefi den erhobenen Speer: „ergieb dich, fürstlicher Streiter, 
Denn dir entströmt, ich sehe, das Blut! Gross warst du im furchtbar 
Schmetternden Kampf und nimmer verkürzt wird schwinden dein Schlachtruiim.* 

Ihm erwiederte forschend darauf der reisige Karthon: 3.S5 

«Bist du, sag* es mir an, der Gewaltige, den uns sein Ruhm nennt? 
Bist du der tödtliche Brand» der vernichtend die Fürsten der Weit schreckt? 
Aber warum doch frag* ich annoch? Er gleichet des Giessbachs 
Reissendem St^rz, dem rieselnden Strom, dem fliegenden Adler. 
Hätt' ich, o neidisches Glück! — doch mit ihm, dem Herrscher, gestritten, 
Glänzender stieg' im Gesänge mein Rohm! Dann SAgte der Jäger, 
Schauend mein ragendes Grab: »hier kämpfte mit Fingal, dem Herrscher, 
Karthon den blutigen Kampf.^ Jetzt ruhmlos endend im Lande 
Stirbt er, Keinem gekannt; die Krafl ist vei^udet an Schwache!'^ — 

Ihm erwiederte freundlich darauf der König von Morven: 865 

«Tröste dich, Held; du sollst nicht ruhmlos. Keinem gekannt nicht 
Sterben im Land! Viel sind mir der trefflichen Barden, o Karthon; 
Nieder zur Nachwelt steigt ihr Lied. An dem Ruhme des Kartbon 
Labt sich dereinst noch das ferne Geschlecht der kommenden Jahre, 
Wann es gesellig vereint um die brennende Eiche sich lagert, 370 

Und in die lauschende Nacht der Vorwelt Lieder verhallen. 
Einst auch hört, auf des Bergs weitschauernder Haide sich ruhend. 
Plötzlich des hauchenden Winds anbrausende Stösae der Jäger. 
Seitwärts hebend das Aug' erblickt er den Felseuj wo streitend 
Karthon erlag. Er ^eigt, zum Sohne gewendet, die Stätte, 375 

Wo die Heloen gekämpft: „Hier stritt Balklutha's Gebieter, 
Tausend Strömen an Kraft und gewaltiger Schnelle vergleichbar!^ 



Earthon, von Ossian. 209 

Freudig; erheiterte sich das Gesicht des tref!tichen Karthon: 
Matt aufschauend erhob er die brechenden Augen und reichte 
Fingal, dem Helden, sein Schwerdt, dass Balklutha's Herrscher ein Denkmal 
Hoch als schmückende Zier es ruh* in der fürstlichen Halle. 

Schweigend verstummt* im Gefilde die Schlacht; es ertönte des Barden 
Hallender Friedensgesang; umkreist von den Führern ist Karthon, 
Seufzend vernehmen sie rings, lautlos auf die Speere sich stützend. 
Dicht andringend das Wort, wie es sprach der Fremdling des Meeres. 385 
Flatternd spielt* in dem Winde sein Haar; die bebende Stimme 
Lispelt gebrochen und dumpf. „Buhmreicher Köhie von Morven,'' 
Sprach er, «ich fall* in der Mitte des Laufs. Den Xetzten vom Stamme 
Knrmar's empfängt ein fremdes Grrab in der Blüthe der Jahre. 
Schauriges Dunkel wohnt in Balklutha's Mauern, am Erathmo 890 

Kummer und Nacht. Mein Gedächtniss erhebt an dem wallenden Lora, 
Wo mir vordem die Ahnen gewohnt. Vielleicht auch betrauert 
Karthon's, des seinigen, Fall der Gatte der herrlichen Moina.^ 

Klesamor's Herz traf grässlich sein Wort; mit schweigendem Schmerze 
Fiel er auf seinen Sohn. Verstummt in düsterem Leide 895 

Standen die Krieger umher; kein Laut ertönt* auf der Ebne. 
Nachtliches Dunkel kam und nieder zum traurigen Felde 
Schaut' aus Osten der Mond. In betrachtender Stille gefesselt 
Starrten sie regukisslos. So steht, Garmallar umkränzend, 
Schweigend der Wald, wann ferne des Sturms Gebrause verhallt ist, 400 
Und der entlaubende Herbst auf der kühleren Ebene dämmert. 

Klagend betrauerteik sie drei Tage den herrlichen Karthon; 
Aber am vierten Tag starb Kiesamor, folgend dem Sohne. 
Liegend ruhen sie dort in dem engen Grunde des Felsens. 
Trüb schwebt um der Geschiedenen Grab ein luftiger Schemen; 405 

Oft erscheint dort Moina, die liebliche, wann um das Felshaupt 
Schimmernd die Sonne sich zieht und ringsum Dunkel und Nacht wohnt. 
Dort, Malwina, erscheint sie, doch nicht wie die Töchter der Höhen; 
In der Fremde Gewand schwebt einsam immer ihr Schatten. 

Fingal betrauerte selbst, der Herrscher, den trefflichen Karthon. 410 

Seinen Barden gebot er, so oft graunebelnd der Herbst kehrt. 
Laut zu feiern den Tag. Oft hallte die jährige Feier 
Und sie sangen des Tapferen Preis mit Klingendem Laute: 

„Wer naht schreitend heran von dem wildaufranschenden Meere, 
Gleich dem düstren Gewölk des stürmisch brausenden Herbstes? 415 

Tod umzittert dem Helden die Hand, wie sprühende Flammen 
Schimmert sein leuchtender Blick. Wer regt lauttosend an Lora's 
Haide den Schritt? Wer ist's, als der schlaohtenkundige Karthon? 
Wie sinkt, mächtie geworfen, das Heer! Er schreitet, o schaut ihn! 
Gleich dem furchtbaren Geist von Moryen*s reichen Gefilden! 420 

Doch dort liegt er nunmehr, ein herrlich ragender Baumstamm, 
Den ein plötzlicher Stoss anprallender Winde cestürzt hat! 
Wann, wann hebst du dich wieder empor, du Wonne Balklutha's? 
Wann, du getroffener Held, o Karthon, hebst du dich wieder? 
Wer naht schreitend heran von dem wildaufranschenden Meere, 425 

Gleich dem düstren Gewölk des stürmisch brausenden Herbstes?^ — 

So mit feierndem Laut an dem kehrenden Tage der Trauer 
Tönte der Barden Gesang. Oft fugte, begleitend das Preislied, 
Ossian selber Gesang zu Gesang. Um den trefflichen Karthon 
Trauerte klagend mein Herz;' er fiel in den Tagen der Jugend. 430 

Du auch, edäster Held, o Klessmor, wo ist die Wohnung 

ArchW f. n. Sprachen. XXXIX. \4 



210 Earthon, von 088,ian. 

Dir in der wehenden Luft? Vergimt der Jüngling der Wunde, 
Fliegt er vereint am Gewölke mit dir? — Ich füme, Malwina, 
Fühle den leuchtenden Strahl; hier lass mich der sinnenden Ruhe! 
Leichtanschwebend erscheinen sie wohl mir im luftigen Traume; 435 

Flüsternde Stimmen, deucht mir, lunsäuseln mich; freundlich umschimmert 
Karthon*8 Stätte der sonnige Strahl mit erwärmendem Lichtglanz. 

Du, die gerundet du dort, wie der Schild des Führers, dahinrollst, 
Herrliche Sonne, woher ward dir des belebenden Strahles 
Unvergängliches Licht? Ajifsteiffst du in mächtiger Schönheit, 440 

Scheidend verbergen den Lauf (ue verdunkelten 8terne des Himmeis, 
Und erbleichend verhüllt sich der Mond in westliche Wolken. 
Du allein fortwandelst die Bahn; wer möchte verwegen 
Dir sich nahen? Gefällt entStürzen den waldigen Berghöhn 
Eichen; zerbröckelt vergeht der Karn und das ragende Felshaupt. 445 

Wechselnd hebt sich und sinkt des Meeres wallende Stromfluth 
Und mit entschynmdenem Glanz verbirgt sich die Scheibe des Mondes. 
Du nur allein siegprangst in des Lichtmeers ewiger Wonne. 
Trüben in grausigem Sturm mit gezackt herrollendem Donner 
Düstere Wetter die Welt, hervor aus dem wogenden Aufruhr 450 

Schaust du mit reizendem Blick, holdlächelnd un tosenden Luftzug. 
Doch mir, mir ist dahin dein Licht, und nimmer erbUck' ich. 
Holde, dein Antlitz mehr, magst über die Wolken des Ostens 
Breiten du nun dein foldnes Gelock, magst scheidend im Westen 
Röthlich zitternd des Aleers tiefdüstere Jrforten umschinimem. 455 

Doch auch vielleicht nur gleichst du mir selbst, in wechselndem Zeitschwung 
Stark und schwach I Uns gleiten gezählt an dem Himmel die Jahre, 
Und zu dem Ziele vereint hinwallen sie schwankenden Laufes. 
Freu*, o Sonne, dich denn, weil ünverwelklicher Jugend 
Stärke dir blüht! Unhold mit verdrossenem Dunkel umhüllt uns 460 

Starrend de^ Alters Frost, gleich schwachem Lichte des Mondes, 
Blickend durch Wolken aufs Feld, wann Nebel die Gräber umdämmem 
Und in des Nords kaltschauemdem Hauch der Wandrer dahinbebt. 



Anmerkunge'n. 

Vorbemerkung. Dieser Bearbeitung des Karthon liegt die treffliche 
Uebersetznng Ahlwardt's (im HI. Bde der Gedichte Ossian's, Leipzig 1839) 
zum Grunde, eines Gelehrten, dessen künstlerisch-kritische Verdienste um die 
Einbürgerung des gälischen Barden, in Betracht der von ihm angedeuteten, 
für unsere Zeit wenig ehrenvollen Hindemisse, nicht genug anzuerkennen 
sind. Die vorausgeschickte Inhaltsangabe und die hier beigefügten Anmer- 
kungen (die letzteren verkürzt und accommodirt) sind dieser Ausgabe wört- 
lich entnommen. 

V. 1. Lora — ist nicht ein kleiner Fluss, wie Macpherson behauptet, 
sondern der zum Strome verengte See Eiti oder Etive, der sich etwa drei 
englische Meilen über Oban, Dunstafnage gegenüber, in^s Meer ergiesst. 
Nicht weit vom Ausfluss ist ein Wasserfall, den die Verfasserin der Kale- 
donia, Bd. IL S. 207, so beschreibt: „Ein besonders merkwürdiger Gegen- 
stand dieser Gegend ist ein Wassersturz, vielleicht der einzige seiner Art 
in Europa. Der Loch Etive ist auf dieser Stelle sehr verengt und hat grosse 
Felsklippen. In 24 Stunden tritt die Flut des Meeres zweimal in diesen 
See und dringt durch den Orchay bis in den Loch Aw. Sowie nun die 
Ebbe zurücktntt, stauchen sich die Wellen vor einer Felsenenge im Loch 



Earthon, von OsBiaii. 211 

Etiye und wälzen sich über die Felsen mit grosser Grewalt und Geräusch. 
Es ist ein unbeschreiblich grosser, erhabener Anblick, die Wellen so ankom- 
men, plötzlich stutzen und sich dann schäumend und donnernd ihren Weg 
bahnen zu sehen.^ — In dem Anhange zum 3. Bande des gälischen Ossian 
beschreibt A. Steward diesen W^asserfall so : ^Er wird verursacht durch einen 
Felsen, der sich in der Gestalt eines Schwibbogens von der einen Seite des 
Canals zur anderen hinzieht. Ueber diesen Felsen stürzt sich zur Fluthzeit 
das Wasser mit grossem Ungestüm in den Loch Eiti. Steigt nun bei hoher 
Fluth das Wasser in dem See zu eben der Höhe wie das Meer, so iat der 
Wasserfall ganz ruhig, und Schiffe von beträchtlicher Grösse können ohne 
. Gefahr über ihn hinsegehi; tritt aber die Ebbe wieder ein und die Wasser- 
masse strömt zum Meere zurück und stürzt sich westlich über die abschüs* 
sige Seite des Felsens etwa 12 Fuss hoch hinab, so entsteht ein betäubendes 
Gebrüll, und der ganze Canal bis .eine Meile unterhalb des Falls kocht und 
schäumt." 

y. 2. Garmallar * — das nur an dieser einzigen Stelle vorkommt, 
scheint eine waldige Anhöhe am Loch Etive gewesen zu sein. 

y. 10. Man glaubte zu Ossian's Zeiten und glaubt noch jetzt in Schott- 
land und hin und wieder in anderen Ländern, dass Hunde, Wild und Thiere 
überhaupt, wenn sie plötzlich zusammenfahren, Geister sehen. 

y. 19. Kona — jetzt Coe, ein Strom in dem äusserst romantischen* 
von ihm benannten Thale Coe oder Glencoe. yon den umgebenden Bergen, 
deren einige 3 — 4000 Fuss Höhe haben, ergiesst sich eine ungeheure Menge 
kleinerer Ströme und Giessbäche in ihn hinab. Von diesem Thale, dem 
Lieblinesaufenthalt des Dichters, heisst er oft «die Stimme von Kona." 
Ausfühniche Beschreibungen finden sich bei Gamett, Bd. I. S. 293—298, 
und in den Reisen durch Schottland und die Hebriden, Bd. I. S. 189—198. 

y. 20. Kumbal*s Sohn — Fingal, der von einem Kriegszuge zurück- 
kehrt und von den Barden mit Triumjpbgesängen empfangen wird. 

'y. 31. Fackeln — nicht Wachsfackeln noch Wachslichter, sondern 
langgespaltenes trockenes Holz, oder auch zusammengedrehte trockene Baum- 
wurzeln (leus), die noch jetzt bei der ärmeren Volksklasse iif Schottland und 
auf den Hebriden die Stelle der Lichter vertreten. 

y. 86. Morna — FingaFs Mutter und Klesamor's Schwester. 

V. 42. Fingal, der zu Selma seinen Wohnsitz hatte, war wegen seiner 
Gastfreiheit berühmt. 

y. 46. Karun — der Fluss Carron in der Grafschafl Stirling. 

y. 65. Balklutha — wörtlich „die Stadt am Klutha"" Der Klutha in 
den gfüischen Gredichten ist unbezweifelt der Fluss Clyde, sowie Tuad oder 
Tuade der Tweed. Die Stadt am Klutha, wohin Kiesamor durch einen 
Sturm verschlafen ward und in deren Gregend britische Häuptlinge wohnten, 
ist sehr wahrscheinlich Dunbarton. Man sehe Caledonia, Bd. L S. 54. 

y. 78. Ein Fremdling — ein britischer Häuptling. Nach xMacpher- 
son Hess er Renda. 

y. 81. Kumhai — Fingal's yater. 

y. 183. Konas waldiges Bergthal — dieser Name ist mit der Haide 
von Lora gleichbedeutend. Das Bergthal Kona, jetzt Glencoe, liegt eigent- 
lich nordöstlich von der Gegend, wo einst Selma stand; der Name Kona 
scheint aber zu Ossian's Zeiten eine grössere Ausdehnung gehabt zu haben, 
als jetzt Glancoe, denn die Bai unter Selma, die sich bis zum Ausfluss des 
Loch Etive oder dem Wasserfall Lora hinabzieht, hiess Cala Chonain oder 
die Bai von Kona. An dieser Bai bis zum Wasserfall Lora, nördlich 'der 
Fähre von Conuil, ist eine Haide, ungefähr V/^ englische Meile lang und 
eben soviel breit In der Bai von Kona landete Karthon. Auf der Haide 
von Lora fochten Fingal und seine Tapferen manche Schlacht; hier fiel auch 
Kle^amor und Karthon. Noch heutzutage stehen 17—18 grössere und klei- 
nere Kam oder Grabhügel auf dieser Haide. yergl. V. 234—237. 

14* 



212 E'arthon/von Ossian. 

y. 201. Der Sinn ist: die Feinde, die uns angreifen, werden von uns 
getödtet und vermehren die Zahl der uns umschwenenden Geister. 

y. 204. Mit Fremden, die zum freundschaftlichen Besuche kamen, tauschte 
man die Waffen. Diese Wafien wurden als Denkmale der Freundschaft sorg- 
fälti^in den Familien aufbewahrt. 

V. 239. Waffen Schemen — Gebilde der Todten, die bewaffnet er- 
scheinen und nicht schaden können. 

-y. 249. Zum yerständniss möchte Folgendes aus der Tradition, die Mac- 
pherson anfuhrt, nicht überflüssig sein: Klesamor, von einem Sturm nach 
Balklutha getrieben, ward von dem Häuptling Rurmar gastfreundlich aufge- 
nommen und heirathete dessen Tochter Moina. Ein Häuptling aus der Nahe, 
der diese Tochter liebte, kam nach Balklutha und betrug sich übermü- 
^^fi» S^ß®° Kiesamor. Ein Gefecht war die Folge, worin Kiesamor den 
Hilupüing tödtete, aber von dessen Begleitern so hart bedrängt wurde, dass 
er sich mit Schwimmen nach seinem Schiffe retten und in See gehen musste. 
Seine yersuche, bei Nacht zurückzukehren und seine Gattin abzuholen, 
wurden vom widrigen Winde verhindert, und er musste ohne diese nach 
Morven zurückkehren. Moina gebar einen Sohn, den Rurmar Karthon nannte, 
und starb bald darauf. Als Karthon drei Jahre alt war, unternahm Kumhal, 
FingaPs yater, einen Zug gegen die britischen Häuptlinge am Klutha, ero- 
berte Balklutha und steckte es in Brand. Rurmar kam bei dieser Eroberung 
um, Karthon ward von seiner Wärterin gerettet und weiter in's Land hin- 
ein gebracht. Als Karthon zum Jüngling gereift war, beschloss er, die Zer- 
störung Balklutha's an Kumhal's Nachkommen zu rächen, landete in der 
Bai von Kona und rückte gegen Selma vor. 

y. 318. Dem Feinde seinen Namen sagen war in dieser Heldenzeit so 
viel als yeranlassung suchen, sich dem Gefecht zu entziehen. Ergab sich 
bei Nennung des Namens, dass die yorfahren der Streitenden freundschaft- 
liche yerhältnisse mit einander unterhalten hatten, so horte der Kamof so- 
gleich auf.' Ein Mensch, der dem Feinde seinen Namen sagt, und ein Feiger 
waren daher gleichbedeutend. Macpherson. 

y. 890. Krathmo — was für ein Ort hier gemeint sei, lässt sich nicht 
bestimmen. Wahrscheinlich lag er am Klutha, nicht fem von Balklutha. 

y. 409. Nach Ossian's yorstellunxr schweben die Geister derer, die in 
einem fremden Lande sterben, nach mrer Heimath zurück, vereinigen sich 
dort mit befreundeten Schemen und schweben in deren Gesellschaft am Ge- 
wölk oder im Winde. Weilen sie aber auch in der Fremde und besuchen 
ein fremdes Land, so vereinigen sie sich nie mit den Schemen des Landes, 
sondern schweben allein. Darum ist Ossian, y. 431, in Ungewissheit, ob 
selbst Karthon, der unerkannt als Fremdlun^ und Feind von seinem eigenen 
yater getödtet ward, nach dem Tode mit jenem zugleich am Gewölk hin- 
schwebe. 

Berlin. Schaeffer. 



Beurtheilungen und kurze Anzeigen. 



Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit Organ 
des Germanischen Museums zu Nürnberg. Neue Folge. 
13. Jahrgang. 1866. Nr. 1—4. 

Der Fränkische Krieg. Von Jos. Baader. Nach einer kurzen 
Einleitung über die Ritter des Schlosses Absberg und deren Tbütigkeit als 
Raabritter, besonders des Hans Thomas von Absberg, Zeitffenossen and in 
den Jahren 1507 bis 1512 Verbündeten des Hans von Geislingen and Götz 
Ton Berlichingen in der Fehde gegen Nürnberg, Augsburg und andere 
Reichsstädte, wird der Executionslmeg gegen H. TL y. Absberg vom Jahre 
1523 an aus einer gleichzeitigen Handschrift mitgeiheilt. 

Hanns Schneiders Spruch von 1492. Von Rect. Dr. Lochner. 
198 Verse erzählen die Zusammenziehang einer Reichsarmee unter Anfüh- 
rung des Markgrafen Friedrich von Brandenburg gegen Albrecht von Baiem 
we^n Regensburg. Zugleich fordert ,Königli(äer Majestät Sprecher" den 
Ksiser Maximilian I. aut; eine Armee gegen den übermüthigen Frsnzösischen 
König Karl Vill., eine zweite gegen die Türken zu schicken. Der Heraas- 
geber lässt dem Text einige erläuternde Anmerkungen folgen. 

Ein Teppich mit Darstellungen aus der Geschiehte Tri- 
stan's und Isolden's. Von Dr. A. von Eye. Aosführliche Beschrei- 
bung nebst artistischer Beilage. 

Johannes Nas. Von Dr. Zingerle wird ein Schreiben üsung's aus 
dem Jahre 1577 an Erzherzog Ferdinand mitgetheilt, in welchem dieser ge- 
beten wird, Job. Nas nach Augsburg zu senden, damit er dort predige. 

Beschreibung einer Pilgerfahrt in das gelobteLand aus dem 
U. Jahrhundert. Von P. Pius Schmieder, A^rchivar zu Lambach in 
Oberösterreich. Eine in Potthart's Wegweiser etc. nicht erwähnte Schrift, 
die nähere Untersuchung verdient. 

Alter Zauber- oder Segensspruch. Von Prof. Dr. Sighart 
in Erding. Acht untereinander gestellte Bnchstaben, die auf einem „ge- 
schmadtvollen^ Tische aus dem 15. Jahrhundert zwei Mal angebracht sind. 
»Findet sich diese Inschrift auch anderswo, und wie ist sie zu erklären ?' 

Geneenbach's Bundschuh. Von E. Weller wird zu den drei 
Handschriften Gödeke's eine vierte aus dem Jahre 1415 nachgewiesen. 

Verkauf eines Fabrikzeichens aus den Jahren 1488 und 1478. 
Vom Fürsten zu Hohenlohe-Waldenburg aus zwei Urkunden mit- 
getheilt 

Zar Geschichte der Entdeckung und Erkennung der Pfahl- 
bauten. Eine im Namen der Züricherischen antiquarischen Gesellschaft 
von L. Ettmüller mitge^eüte Beschreibung der ersten Auffindung solcher 



214' Beurtheilungen und kurze Anzeigen. 

Bauten im Züricher See. Danach ist Dr. Keller in Zürich derjenige, welcher 
zuerst diese alten, aus dem See hervorgeholten Reste untersucht und als zu 
Pfahlbauton gehörig anerkannt hat. 

Heidnische Gräber in Böhmen. Ergänzungen der in Nr. 12 des 
Anzeigers von 1868 gebrachten kurzen Notizen von Dr. Födisch in Wien. 

Wizenicer Ausgrabungen im Jahre 1865. Ebenfalls Ei^änzungen 
zu früheren Notizen (in Nr. 11, 1864 des Anzeigers) von Dr. Födisch in 
Wien. 

Papst Johann XXII. bevollmächtigt den Abt des Klosters 
St. Jonann in Stamps zur Schlichtung von Streitigkeiten. Das 
Original dieser von Dr. Will, Archivsccretau* des Germanischen Museums, 
mitgetheilten kurzen Urkunde befindet sich im Germanischen Museum. 

Zur Frage nach dem Verfasser des Reineke Vos. Laten- 
dorf in Schwerin erklärt sich zu V. 6168 für Hoffmann's Ansicht, die er 
bereits in MantzePs Bützow' sehen Ruhestunden von 1765 vorfindet. 

Des Hanns Frey Schwieger. Genealogische Notizen der Familie^ 
Frey aus dem 15. und 16. Jahrhundert von Dr. Lo ebner. 

HansSchneider. Zusatz zu Nr. 1, p. 9 des Anzeigers von E. Weller. 

Gesprächspiele. Zusatz zu Anzeiger 1862, S. 399. 

Zur Fischart-Literatur. Zu E. neller's Aufsatz in Nr. 6 von 1865 
von Frank in Anweiler. 

Der Lasterstein in Mösskirch. Aus einer noch ungedruckten 

I Zimmernschen Chronik theilt Dr. Barack mit, dass in Mösskirch (Baden) 

weibliche Personen, welche eines unzüchtigen Lebenswandels beschuldigt 

wurden, den Lasterstein durch die Stadt zu tragen hatten und dann diese 

wohl für immer verlassen mussten. 

Die niederdeutsche Uebersetzung der Sprichwörter Aeri- 
cola's. Nachtrag zu früheren Arbeiten (vom Jahre 1858) über denselben 
Gegenstand von Fr. Latendorf. 

Die Juden zu Naumburg an der Saale. Von K. von Heister. 
Interessante, durch Auszüge und Quellenbelege aus dem 14. und 15. Jahr- 
hundert wichtige Abhandlung. 

Der Deutsche Michel. Mittheilung von Stellen aus S. Frank (um 
1540), welche Grimm und Sanders als die älteste Autorität des Ausdrucks 
citiren. Von Fr. Latendorf. 

Die Wachstafeln der Salzsieder zu Schwäbisch-Hall. Von 
Wattenbach in Heidelberg. Ueber Vorkommen und Beschaffenheit ge- 
nannter Tafeln. 

Die Krönungsinsignien des Mittelalters. Nach Bockes Werk: 
Die Kleinodien des heil. Köm. Reichs Deutscher Nation und ihre formver- 
wandten Parallelen von A. Essen wein. Hinweisung auf die Wichtigkeit 
des genannten Werks durch eine ausfuhrliche Besprechung des Inhalts. 

Zur Miniaturmalerei des 14. Jahrhunderts nebst artistischer* 
Beilage von Dr. A. von Eye. 

Die schöne Maria. Bibliographische Notizen von E Weller über 
Gedichte von der schönen Maria zu £egensburg vom Jahre 1519. 

Wann kamen die Wörter Soldat und Prinzessin in den 
Deutschen Sprachgebrauch? Von Baader in Nürnberg. Nach Baader 
wären diese Wörter erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts in der jetzigen 
Bedeutung aus Spanien entlehnt in allgemeinen Gebrauch gekommen. 

Chronik des Archivs, Chronik der historischen Vereine, 
Nachrichten, Literatur, Anfragen, Anzeigen u. dgl. m. 

Berlin. Dr. Sachse. 



Beartheilungen und kurze Anseigen. 215 

Germania. Vierteljahrsschrift iur deutsche Alterthumskunde. 
flerausgegeben von F r a n z P f e i f f e r , 11 . Jahrgang. ' 2. Heft. 
Wien 1866. 

Zorn Spiele von den zehn Jungfrauen. Von R. Bechstein. 
•Gnunmatischer und kritischer Nachtrag zu Ludwig Bechstein's Wartbunr- 
Bibliothek- I.« 

Zur Sage-Yon Romnlus und den Weifen. Von Fei. Liebrecht, 
Anknüpfend an Grimmas Worte in der Einleitung zu Reinhard Fuchs über 
das vertrautere Verh'ältniss zwischen Menschen und Thieren, wie es im Ju- 
gendalter der Menschheit Statt gefunden hat und in der Kinderwelt immer 
von Neuem sich findet, sammelt er eine Menge von mythischen Sagen der 
verschiedensten Völker, alter und neuer, um die Behauptung plausibel zu 
machen, däss die Zwillingsbrüder aller Wahrscheinlichkeit nach als Hunden 
entstammend gedacht wurden und man hierin selbstverständlich durchaus 
nichts Verächtliches erblickte. 

Zur. Slavischen Walthariussage. Von^F. Liebrecht. Hinweis 
auf eine Bemerkung des Herrn Sophus Bng^e (in der Videnskabs-Selskabets 
Forhandlingar Christiania 1862) über Verbreitung und Verwandtschaft älterer 
Sagen und Märehen. 

Der ritte. Von Tb. Vernaleken. Gegen Grimm's Ableitung von 
reiten [st Vernaleken für den Stamm rtdan, ags. hrldj&n, mhd. riden, schüt- 
teln, sieben und giebt mehrere Beispiele eines personificirten Gebrauchs des 
Wortes. 

Augenblick und Handumdrehen. Von J. V. Zingerle. Nach- 
weis der Ausdrücke „im Augenblick" und ,im Handumdrehen* aus älteren 
deutschen Schriften. 

Phenich. J. V. Zingerle berichtig das mittelhd. Wörterbuch, wel- 
ches Phenich für Buchweizen hält. Er erklärt es für die Bezeichnung einer 
Hhrsenart. 

Runeninschriften eines ffothischen Stammes auf den Wiener 
Goldgefässen dies Banater Fundes. Von Franz Dietrich. Nebst 
Abbildung von 12 Inschriften und des Alphabets derselben. — Nach der 
Forschung des gründlichsten Kenners der Runen — als solcher hat sich 
Prof. Dietrich in der neuesten Zeit mehrfach bewährt — ist die Hauptmasse 
der Goldgefässe griech. Ursprungs und die ersten Inhaber derselben haben 
einem christlichen Volke des 4. und 6. Jahrhunderts angehört. Nach aus- 
führlicher, sehr lehrreicher Beleuchtung der einzelnen Inschriften zieht der 
Verf. am Schlüsse des Aufsatzes Folgerungen über den Volksstanmi und 
die Heimat der Goldgefässe. 

Zur Kritik und Erklärung des Heliand. Von C. W. M. Grein. 
Unter Bezugnahme auf die verdienstliche Ausgabe Heyne^s werden einige 
eelegenüiche Bemerkungen zu einzelnen Stellen mitgetheilt, wo Grein von 
Heyne's Auffassung abweicht. 

Zu demGedicht von Hai^s Sachs: «die achtzehn schön einer 
juncfrauen.* Von Reinhold Köhler. Heranziehung von Pars llelstellen 
und Liedern, besonders aus der italienischen Literatur. 

Literatur. Ulfilas von Stamm und Heyne, rec. von Holtzmann. 
— Heliand von Heyne, rec. von. Holtzmann. — Garton Paris: Hi- 
stoire poötique de Charlemagne, rec. von Karl Bartsch. — Die Magde- 
burger Fragen. Herausgegeben von Behrens, rec. von Siegel. — 
Koch: Die Satzlehre der englischen Sprache, rec. von Grein. — 
Proben eines Wörterbuchs der österreichischen Volkssprache 
von H. Mareta, rec. von Sehr ö er. 

Miscellen I. Zur Geschichte der Deutschen Philologie: Briefe von 
J, Grimm an den Herausgeber. Gegen die Herausgabe dieser sehr 
interessanten Reliquien hat Henn. Grimm, der Neffe Jacob's, in Nr. 16 des 



216 Beurtheilungen und karze Anzeigen. 

Zarnekeschen Centralblatts, S. 485 flgg., Protest eingelegt, den hoffentlich 
im nächsten Heft der Germania Pfeiffer beantworten wird. 

Beilage. Für Herrn F. Zacber in Halle. Richtiger: Gegen Zacher 
und dessen Aufsatz in den Jahrbüchern für Philologie und Pädagogik zu 
Ende des voritren Jahres. Auch über diese schaife, mehr persönliche als 
wissenschafUiche Polemik Pfeiffers bietet der genannte Aufsatz Herrn. Grimm*s 
einiges Hingehörige. 

Berlin. Dr. Sachse. 



Ergänzungsblätter zu jedem englischen Handwörterbuche' von 
A. Pineas. Hannover. 1864.*) 

Der Verf. giebt die Erklärung von, wenn wir richtig gezählt haben, 
1794 Wörtern, die. wie es auf dem Titel beisst, bei neueren und neuesten 
Schriftstellern vorkommen, und über welche die vollständigsten Wörterbücher 
keine Auskunft geben. Diese Bemerkung hätte IJr. P. besser getban, zu 
unterdrücken, und sich an der Notiz seines Verlegers auf dem Deckel ge- 
nügen zu lassen, welche das Büchelchen „namentlich den Besitzern von Flü- 
gers Practical Dictionary und Taucbnitz Collection of British Authors" em- 
pfiehlt. Denn hieraus, so wie aus Um. P/& eignen Worten in der VoiTede, 
dass über die erklärten Wörter ,,selbst Fltigel's Practical Dictionary, das 
seiner Zeit für neuere Literatur vollständigste englische Wörterbuch, 
keine Auskunft giebt, *" wird es wahrscheinlich, dass derselbe nicht die voll- 
ständigsten Wörterbücher, sondern eben den Flügel verglichen bat. Wir 
haben es hier bei Beurtheilung des Buches nicht mit dem Nutzen zu thun, 
den dasselbe fiir die Besitzer des Flügel, sondern mit dem, den es für das 
Studium des Englischen hat, und dürfen abo den Massstab nach einem an- 
dern Wörterbuche anlegen, welches gegen das FlügeFsche einen Fortschritt 
Semacht hat. Schon in Bd. XXI dieses Archivs hat Büchmann darauf ge- 
rungen, dass die Grundlage für ähnliche Vervollständigungen bis auf Wei- 
tres das Lucas' sehe Wörterbuch bilde*, sonst wird immer schon Dagewesenes 
und Bekanntes wieder aufgewärmt werden. Wie wahr dies ist, ergiebt fei- 
endes Zahlenverhältniss : von den durch P. erklärten 1*794 Wörtern sind 
m Lucas, der bei der Abfassung der „Ergänzungsblätter'' bereits seit 8 Jah- 
ren existirte, 606, d. h. mehr ds ein Drittel, erklärt (wobei diejenigen bei- 
den gemeinschaftlichen, die P. besser giebt, natürlich nicht nutgezämt sind). 
In einem Drittel des Buches wäre somit gegen bereits Geleistetes kein 
Fortschritt gemacht: aber es zeigt sich auch bei den Wörtern, in denen P. 
von L. abweicht, ein Rückschritt, den er hätte vermeiden können, wenn 
er es nicht verschmäht hätte, sich aus L. zu belehren. Die Zahl dieser 
Wörter ist im Verhältniss zu dem geringen Umfang des Buches nicht klein. 
P. z. B. giebt: 

beak, s. slang, Magistratsperson; L Friedensrichter. P. fand das W. 
wohl durch magistrate erklärt; m. aber schlechtweg bedeutet fiir englische 
Verhältnisse den justice of the peace. Ab und an bedeutet b. einen po- 
liceman. 

P. bunk. Schifisbett, Lagerstätte. L. giebt als unterscheidendes Merk- 

*) Mit W. wird auf: Dictionary of the En^lish Language, by Joseph 
E. Worcester; mit Sl. D. auf: The Slang-Dictionary, London, Hotten, 
1864; mit L. auf: Lucas Englisch-Deutsches Wörterbuch, 1856, Bücksicht 
genommen. 



Beartheilnngen and kurze Anzeigen. 217 

mal, ÖAßB es bei Tage als Site, bei Nacht als Lagerstätte dient. Das «Schiff' 
ist Nebensache. 

P. Gantabridgian: L. hätte ihn belehrt, dass es Gantabri^an heisst. 

P. composition, Goncordat bei einem Falliment. L.*s \^rtrag, Accord, 
ist uns verständlicher. 

P. Cover. Dickicht von Ginster und ähnlichem niedren Gestriipp, worin 
Füchse gehegt werden. Der letzte Zusatz ist. kaum wesentlich und L.'s 
Lager (eines Hasen, Fuchses n. dgl.) ziemlich entsprechend, namentlich da 
er Redensarten wie to break c, to draw a c. dabei erklärt. ' 

P. to cram. v. a. slang, über den Daumen lesen. L. gut: zum Examen 
sidi tüchtig präpariren, einarbeiten. Es ist gleich to coa(ä u. to grind. 

P. crankv-fretful, captious, L. lustig, vergnügt, ausgelassen, W- Bprightly. 

P. to crib, ans den Heften andrer Schüler abschreiben. Grib aber ist 
immer eine üebersetzung, also hat L. gut: sich einer Eselsbrücke bedienen. 

P. dashing, windbeutelig. L. hat mit Sausewind und Modenarr wol 
nicht ganr Recht, aber «Aufsehen erregend' ist doch richtiger; denn a dash- 
ing ffirl ist eine Dame, die durch Vornehmheit, Ausgesuchtheit in Toilette 
und Manieren imponirt und Aufsehen macht. So steht Dick. Sk. 145: a 
ashing wbip 3= ein ganz famoser Kutscher; Sl. D. showy, fast. 

P. to daze. Wenn W. erklärt: to dazzle. so hat L. Recht zu schrei- 
ben: blenden, und P.*s verwirren, verdutzen, verlegen machen sind erst abge- 
leitete Bedeutungen. 

P. fix, in a fix, ohne Geld; fix aber bezieht sich gar nicht immer auf 
Geldverlegenheiten. Das Slang-Dictionary erklärt: a premcament, a.dilemma. 
Also sagt L. richtig: die unangenehme Lage, Verlegenheit. 

P. flippers, Finger, aber d. Sl. D. fl., the band, und so L. 

P. godwit. 8. eine Art Waldhuhn mit gelbem Schnabel und rothem Halse. 
W. a wading bird with a long straight bill of the family Soolopacidae, 
or snipes. L. die grosse üfersäinepfe. 

P. goitrons, geschwollen. L. kropfartig, kropfig. 

P. to grab, stehlen; W. to seize or attempt to seize with violence, to 
snatch etc.; Sl. D. to clutch, to seize; L. ergreifen, packen u. s. w. 

P. ground glass, Milchglas; L. mattgeschlifihes Glas (beim Milchglas 
wird- das Matte des Scheins durch die Gomposition hervorgebracht). 

P. to hedge, wetten. Sl. D. to secure a doubtful bet by making others. 
L. kommt dem dort umständlich Erörterten wenigstens näher durch die ob- 
gleich nicht ganz treffende Erklärung: auf beiden Selten, für und wider, 
wetten« 

P. holystone, Putzzeug auf Schiffen. L. genauer: eine Art weicher 
Sandstein zum Scheuem der Verdecke. 

P. hook. every man played on bis own hook : jeder spielte seinen eignen 
Stiefel. L. on my own hook, auf meine eigne Faust. P.*s Ausdruck ist viel 
zu ordinär, und passt zu wenig. 

P. lattioe werk, GKtterbrücke. — L. Gitterwerk, Bindwerk. 

P. life-preserver «> life^belt, Schwimmgdrtel. L. eine Schwimmblase 
oder Jacke, um sich im Wasser das Leben zu retten: der Lebensrettungs- 
apparat u. s. w. 

P. mag = penn^. SL D. halfpenny, und so L. 

P. made-disn, em französisches Gericht, bestehend aus allerlei gewürz- 
tem Fleisch mit verschiednen Gemüsen zusammengekocbt. Es mag schon 
einmal ein bestimmtes Ragout oder dgl. made-dish xar iSoxv^ genannt 
werden. Den allgemeinen Sinn ^ebt L. ganz richtig: Gerichte, zu deren 
Zubereitung mehrere Bestandtheile gehören, wie z. B. Hachees, Ragouts — 
nur dass statt mehrere ein bestimmteres Wort stehn sollte 

mawkin, Vogelscheuche. Wahrschi, aus Eliot, Ad. Bede, H, 65, T. ge- 
flossen : (if ahe were a mawkin in the field then she would be made of rags 



318 Beurtheilungen und kurze Anseigen. 

inside and out) steht in der besseren Schreibweise malkin längst in den 
Wörterbüchern. 

P. marrowbones andcleavers: das Geräusch, das die Metzger beim 
Knochenzerhacken machen, daher abgeleitet: Katzenmusik. L. Hauptanstru- 
mente bei einer sogen. Katzenmusik. 

P. nob ■» gentleman. Sl. D. a person of high position, a „swell," a 
nobleman. L. der Mann von Stande, von Bedeutung, Ton Einfluss. 

P. nonce, Absicht. For the n. absichtlich, geflissentlich. L. fiir dies 
Mal, für den Fall, die Gelegenheit. W. giebt gradezu als erste Bedeutung 
von n. the present time or purpose, a single occftsion or exigency. s. z. 6. Jer- 
rold, St. Giles and St. James II, 216, Tauchn. : („There must be some ho> 
nest people in the world,* thougt Snipeton,) and this cbaritable thought 
enhanced for the nonce St. Giles. He could not have come in happier 
season. Dieser Gedanke brachte ihm hier einmal (in diesem Falle) Glück, 
während es ihm sonst in der Regel schlecht ging. ^Absichtlich* wäre hier 
Unsinn, und so überall. 

P. pdnal settlement, Strafanstalt; L. Strafcolonie. 

P. pump-room, Trinkhalle (an Brunnenorten). L. der Cursaal (bes. zu 
Bath) u. s. w. Denn grade von Bath wurde dies Wort zunächst gebraucht. 

P. ring-fence, Ringmauer. L. die um ein Gut ununterbrochen lautende 
Umzäunung. 

P. to rollick SS to frolick, scherzen, spassen, Possen treiben. L. hin 
und her taumeln, lärmen, toben. Bulwer erklärt, wenn ich nicht irre in 
What will he do with it, rollicking im Ton der Stimme sei dasselbe, was 
swaggering in Gang und Haltung. Vielleicht ist renommiren gut. 

P. roly-poly, rund und dick, und dazu alsCitat: rolv-poly pudding und : 
I think' Miss D. a pretty r. p. thing. roly-p- ist nur die Menlspeise; ge- 
nauer als L. sie beschreibt: eine Schicht Teig und eine Schicht Gelee, zu- 
sammengerollt Das kann dann auf kurze rundliche Personen übertragen 
werden. NachP. wäre sein Citat: roly-poly pudding, ein runder und dicker 
Pudding zu übersetzen. 

P. settler = home-thrust, Lungentuchser, bleibt uns unverständlich. L. 
unumstösslicher Beweisgrund; derber Schlag, der dem (^egner den Rest 
giebt Es ist eine der üblichen Uebertragungen aus dem „ring." 

P. stag, Speculant u. to stag, speculiren. L. Aktienscbwindler. Sl. D. 
a specnlator without capital, Nrbo took »scrip* in „Diddlesex Junction' . . . 
got the shares up to a premium, and then sold out. 

P. Trifle, eine Art Creme. L. eine Art Auflauf, eine Art Kuchen. 

P. vegetarian, von Pflanzen lebend: L. der Diät oder dem System der 
Gemüsespeisenden (vegetarians) angehörig. 

Yankee, P. Ameräaner. ' L. neben einer Notäz über die Entstehung des 
Namens: der Neuen^länder; (engl, cant) der Amerikaner; denn eigentlich 
wurden mit Y. nur die Bewohner von New England (Connecticut, Vermont, 
Maine, New Hampshire, Massachusets, Rhode Island) zum Unterschied von 
den holländischen und französischen Ansiedlem bezeichnet; und W. sagt 
über die allgemeine Bedeutung ausdrücklich: a cant term . . . sometimes 
applied by foreigners to an inhabitant or native of any part of the United 
States. — In den Südstaaten spricht man wieder von den Bewohnern der 
Nordstaaten als Yankees. 

Wenn nach dem bisher Angeführten und mehreren später zu bespre- 
chenden Irrthümem der Schluss gestattet ist, dass Hr. P. nicht ganz aus 
vollem Holze schneidet, sondern, gleich uns, die Belehrung sich aus Büchern 
oder mündlichen Mittheilungen von Engländern mühsam zusammensucht, so 
wird es nicht beleidigend klingen, wenn wir vermuthen, dass er in Ver- 
deutschung einiger Worte sich durch unverständige Erklärer hat irre leiten 
lassen. Auf S. 23 findet sich: Five's court, der Hof der Fünf (ein Gericht 
mit 5 Geschwomen). Gut wäre es gewesen, der Verf. hätte hier, wie au 



BeortbeiluTigen and karze Anseigen. 219 

einigen andren Stellen, ein Citat gegeben: denn uns ist wie L. Fivea-coart 
nur als Bezeichnung des Grebäudes bekannt, das zum Ballspiel Fives nöthig 
iat (weil der Ball dabei gegen die Wand geschlagen werden und abprallen 
muss), so dass sieh Hr. F. durch eine Erinnerung etwa an den venetianischen 
Rath der Drei hätte beirren lassen; wir sagen, es ist möglich — wenig- 
stens ist es ein recht grosser Irrtbum, wenn P. blast-pipe Blaseröhre über- 
setzt; dies wäre blow-pipe; W.'s Erklärung: „a pipe in a locomotire 
engine to conyev the waste steam up the chimney and quicken the fire* 
zeigt, dass L. mit „Ausströmungsrohr (fiir den Dampf) ** wenigstens das all- 
gemein Richtige giebt. In einigen Punkten geht P. gleich irre wie L. Fo- 
ger, welches P. ^pensionirter Officier,« L. „der Invalide, der alte Kerl** 
übersetzt, eip Wort, das Thackeray gern anbringt, ist jetzt nur ein Aus- 
dmck für einen wunderbaren alten Kauz; das Sl. D. sagt besonders: Grose 
says it is a nickname for an invalid soldier, from the French Fonrgeauz, 
fierce or fiery; but it has lost this si&rnification now. — goosestep giebt P. 
mit L. mit Gänsemarsch: es bedeutet die bekannte E^ercirübung der- Sol- 
daten, wo sie in sehr langsamen Tempo mit anliegenden Händen und vor- 
gestreckter Brust die Beine vorn herauswerfen und hinten nachziehen müssen; 
Gänaemarsch kennen wir nur als Bezeichnung des bekannten Studenten- 
scherzea. — pony, P. u. L. eine Wette um 25 Guineen; es bedeutet aber 
vielmehr auf dem turf die Summe von 25 Pfund, um die man wettet to 
rusticate, L. relegiren, P. das consilium abuendi geben, kann beides nicht 
genügen, obgleich letztres dem Wahren näher kommt; die rustication ist 
eine Strafe, die den Studenten zwingt, sich einen oder mehrere terms von 
der Universität fem zu halten. — thimble-rig, F. Becherspiel und thimble- 
rigging, Taschenspieler, der das Becherspiel macht; L. etwas genauer: Ta- 
schenspieler, der mit Erbsen und kleinen Bechern Kunststücke macht Das 
Pikante bei dieser sogen. Taschenspielerei besteht eben darin, wie bei dem 
harmlosen „Küromelblättchen.* Der thimble-rigger legt eine Erbse hin und 
deckt von 3 Bechern einen darüber: der Zuschauer wird aufgefordert, zu 
rathen, unter welchem die Erbse liegt, glaubt dies genau gesehen zu haben, 
und verliert natürlich seinen Einsatz, da die Erbse längst sicher unter dem 
Nagel oder zwischen den Fingern des « Taschenspielers" sitzt. Dickens hat 
die Sache sehr spasshaft in seiner Skizze „Greenwich Fair^ beschrieben. 

Es ist dagegen Hm. P. die Anerkennung nicht zu versagen, dass er 
für eine Anzahl von Wörtern Besseres giebt als L. namentlich indem er 
genauere oder treffendere, dem allgemeinen Gebrauch und Verständniss ge- 
läufigere Bedeutungen setzt, z. B.: 

cad. L. der Junge, der hinten am Onmibus steht, den Schlag auf^ 
macht etc. — P. l) low fellow, 2) Omnibns-Condnkteur. 

cheroot. L. ostindische Cigarren, lang und dick und mit einigen Küm- 
melkömem zwischen den'Blättem. — . P. Manilla- Cigarren (doch sollte zu- 
gesetzt werden, dass damit nur die Form gemeint ist). 

emotional. L. die Bewegung betreffend. — P. rührend. 

fin, L. Arm. —- P. Hand (slang). 

fiare-up. L. ein plöztliches Auflodern, ein Aufruhr. — P. a distnrbanee, 
a riot, an altercation, a joyous orgy. 

hnnting watch, L. Jagduhr. — *P. Savonetteuhr. 

fly-fishing, L. v. fly-fish, mit Fliegen angeln. — P. Fischen mit einer 
Fliege an der Angel (unterscheidet sich von dem gewöhnlichen Fischen da- 
durch, dass der Fischer dabei nicht still steht, sondern gegen den Strom 
langsam hinaufgeht), wobei nur noch zu bemerken wäre, dass die Flie^ 
stets eine künstUche ist, zu deren Aufbewidirung ein besonderes fly-book mit- 

§enommen wird, dass man das Verfahren to whip (the stream) nennt, und 
ass statt Fischer besser Angler gesagt wäre. Aehnliche Besserungen ent- 
halten ausser den Genannten die Artikel basement-stor^, bit, butty, Daddy 
long legs, foray, handicap, hob, highlows, manual exercise, moor, mute, puiw 



220 Beurtheilangen nnd kurze Anzeigen. 

kah, qneer-street, receiTing bouse, scout, skip, skiimigher. ftage-manager, 
stretcoer, tip, toast-rack, weed — obgleich bei einigen die Erklärungen doch 
nocb^nicht erschöpfen können. L.'s Erklärung von handicap : eine Art Spiel, 
sagt gar nichts; aberP.'s „Wettrennen um einen Einsatz* genügt auch nur 
wenig; denn erstens kann man handicaps auch beim Schiessen, Billardspielen 
anwenden, und zweitens ist das Wesentliche, dass die natürlichen oder er- 
worbnen Vortheile der Spielenden durch Erschwerung der Aufeabe für den 
Bevorzugten zum Theil aufgehoben werden. Bei einem handicap-Rennen 
also werden Pferden von verschiednen Altem, Kräften und Geschwindigkeit 
verhältnissmässig verschiedne Lasten gegeben; bei andern Spielen giebt der 
Geübtere dem Schwachem je nach Yernältniss eine Anzahl points vor, so 
dass die Chancen für den Gewinn möglichst gleich werden. — Wenn L. 
mute Leichenwärter übersetzt, so ist dies falsch, und P.'s Leichendiener ge- 
wiss entsprechender, aber sein Zusatz: der gemiethete, stumm Trauernde 
leitet entschieden irre, denn der mute macht eben so wenig den Anspruch, 
für einen (sham) moumer, einen trauernden Grentleman gehalten zu werden, 
als unsre Leichenträger darauf, für Leidtragende zu gelten. 

Unter den übrigen Wörtern nun sind zunächst 148 geographische Na- 
men auszuscheiden, für deren Auswahl kein Princip befolgt ist, ausser dasi 
der Verf. vermuthet, dass „ihre Aussprache weniger bekannt sein möchte.* 
Vielleicht darf man hierfür setzen, dass sie Hrn. P. selbst ^seiner Zeit^ 
unbekannt war. Manches ist ziemhch allgemein bekannt:, dass das tausend- 
mal angeführte Cholmondely bs chumley gesprochen wird, glaubt P. aus 
Thackeray, Esmond, belegen zu müssen. Für den, dem kein Namenlexicon 
zn Gebot steht, ist die gegebene Zahl so gering, dass der Beitrag fast werth- 
los ist; und wer ein solches hat, wird die meisten der hier gegebenen Namen 
auch dort finden, ausserdem wird der Werth der gegebenen Aussprachen 
sehr dadurch beeinträchtigt, dass Verf. sich begnügt hat, Sylben abzutheilen, 
den Accent, nnd bisweilen lange und kurze Vokale und stumme Buchstaben 
ansuzeigen, aber nicht die Aussprache der einzelnen Laute anzngeben. So 
weiss man nicht, ob nach ihm AUeghäny mit dem Laut von far oder von 
fate, ebenso Benares, Barbilda oder Barbööda, Cerebes oder -ep, Crimea 
oder Crimea zu sprechen ist. Wir haben die der ersten 22 Seiten mit 
Worcester verglichen, und 2 derselben, Abbeyleix (leese) und Banagher (g 
stumm) nicht oei W. gefunden. Araby tbe Biest kann nur fiir poetisch 
gelten; 20 stimmen mit W. in der Ausspr. überein. Bei 11 gestattet W. 
neben der von P. gegebenen eine andre, z. B. Argyle oder Argy'le, De'ccan 
oder Decca'n. Folgende sind, wenn wir W. für massgebend annehmen, falsch: 

P. Abergavenny, spr. gan'-y. — W. äber^även'ny, vulg. äbergeny. 

P. Andalusia, spr. see'-a. — W. andalü'sia. 

P. Andaman, spr. dam'-an. — W. andama'n. 

P. Auch, spr. osh. — W. ösh. 

P. Augsburgh, spr. os'-burg. — W. ganz gleich dem Deutschen (nur 
lang u). 

P. Chimboraz'-o, spr. kim. — W. Chimbora'zo (a wie in far; ch wie 
gewöhnl). 

P. Cirencester, spr. ser'-enceter. — W. Ci'-rencest-er, sLs'eter, sis'ist-er. 

P. Cordilleras, spr. ye'-ras. — W. CordilKeras oder kordelya ras (a wie 
in mare). 

P. Coire, ohne Ausspr. — W. Ewar (a wie in far). 

P. Diarbe'-kir (also wol e wie in be?) — W. Diarbekir' (i wie in mien). 

P. Drogbeda, spr. draw'-e-da. — W. Drdg'-heda. 

Doch kann überhaupt dieser Theil der Sammlung mit dem Rest nicht 
auf eine. Linie gestellt werden, da" [er einem Zweck (der Aussprache) ge- 
widmet ist, der bei den andern Wörtern gar nicht in's Auge gefasst ist, 
obgleich dies bei den vielen ganz neuen Wörtern recht wünschcnswerth wäre. 

Die übrigen 1040 Wörter sind also entweder überhaupt neu, oder sie 



Beortheilungen and karze 'Anzeigen. 221 

erscheinen in neuen Bedeutungen und Verbindungen. Unter ihnen befindet 
sich 1) eine ziemliche Anzahl, deren besondere Aufzeichnung im Leucon 
äberflüssig erscheinen dürfte; z. B. Composita, deren einzelne Bestandtheiie 
lingst im Wörterbuch stehen and den BegriiT der Zusammensetzung genü- 
gend klar erkennen lassen. Wer z. B. clay und pipe weiss, bedarf des 
Wortes clay-pipe, Thonpfeife« offenbar nicht; shock, Mandel, Garbe (L.) 
erspart die Anführung >;om-shock, Komhaufe (P.)j wer jean als ein Baum- 
wolienzeag kennt, bedarf für jean-boots keiner Uebersetzung, namentlich 
nicht der als „Zeuffstiefel," der den SpeciaibegrifT des jean verwischt; eben 
so unnütz ist cloth-boots; wem to limn für „malen in Wasserfarben* be- 
kannt ist, was soll dem eine Uebersetzung: limning talent, Talent zur Ma- 
lerei, die noch dazu das Unterscheidende des ersten Begriffs forüässt? Das- 
selbe liisst sich über business association, Geschäftsverbindung, culminating 
point, custom-house. searcher, forward movement, ^ilt-Iettered , image lan- 
güage, lady poisoner, Iecture-room> Shopping expedition, Ladenbesuch ; art 
onion, Kunstverein; bottom row, unterste Keihe; hoppocket, Uopfensack; 
judicial court, Gerichtshof; party feeling, Parteigeist u. A. sagen. Auch to 
dear one's throat, sich räuspern ; stcp, Stufe (Vorschwelle} vor einem Hause 
n. dgl. würden aus gleichem Grunde überflüssig sein. — Ob Notizen wie 
vCumming (Gor<]on), ein berühmter englischer Jä^r der Neuzeit* in*s Le- 
xicon gehören, durfte stark zu bezweiftnn sein; wissenschaftlich betrachtet, 

§ewiss nur dann, wenn der Eigenname in einen Gattungsnamen oder ein 
rcitwort übei^gangen ist, wie to burke. Eine Notiz wie Buhl, Hofschreiner 
Lndwig's XVL hat im Lexicon nichts zu thun, wenn sich nicht die da- 
mit verbindet, dass alle mit Gold, Perlmutter u. dgl. ausgelegten Möbel 
und andre Holzarbeiten Buhl-work oder furniture beissen. Gut dagegen ist 
es, wenn man bei Jim-Crow hat, spitzer Filzhut, erfährt, dass Jim Crow der 
Name eines Negers ist, der in einer sehr beliebten Posse 1836 — 87 die 
HauptroUe machte. Angenehm ist es alK'rdings ,' wenn man, um bei der 
Lecture von Dickens* Sketches zu finden, dass Belzoni ein Pionier ägypti- 
scher Wissenschaft war, dass Hoyle über Whist geschrieben hat, dass Mr. 
Warren ungeheuren Raf als Wichsfabrikant hatte, nicht erst ein andres 
Buch als das Lexicon aufzuschlagen braucht; aber es bleibt doch noch eine 
angezählte Masse von Preisfechtem, Kunstreitern, Verbrechern, die in dem- 
selben Buch auftreten; und wo soll die Gränze zwischen dem Wörterbuch 
und dem Conversationslexicon gemacht werden? Sollten solche Artikel ge- 
rechtfertigt sein, so müsste das Buch sich für etwas andres geben, als der 
Titel besagt. — Bedenklich ist auch die Aufnahme von Artikeln wie: gal = 

g'rl, oder: lawk, corrumpirt aus lord. Es ist in der Tbat selbst für den 
eäbteren häufig sehr scnwer oder unmöglich, aus di^n Verdrehungen der 
Vnigärsprache, wenn sie gedruckt erscheinen, klug zu werden, und selbst 
eine George Elliot wetteifert in Einführung des Yorkshire Dialekts mit den 
Londoner Strassenjun^en und Kahnfuhrern bei Bulwer, Dickens, Lever, Trol- 
lope, CoUins. Natürhch ist eine Anleitung zum Verständniss dieses Jargons 
sehr erwünscht; aber man könnte auch ebenso gut Formen wie: comin', I 
thinks, I seed, in der Grammatik erwähnen. Das zu erwägen ist indess 
Sache des Lexicographen, der solche Beiträge dereinst verwerthet; zu ver- 
wundern ist nur, wenn Hr. P. solche Corruptionen aufnehmen wollte, dass 
ihre Anzahl so gering geblieben ist. Ich möchte mich anheischig machen, 
bloss etwa aas Dickens* letztem Koman Our Mutual Friend das Buch um 
ein Drittel zu verstärken. 

Es begegnet uns femer eine gute Anzahl Wörter, deren Berechtigung, 
im Lexicon zu erscheinen, darum zu bezweifeln ist, weil sie nur der etwas 
weitgehenden Sucht modemer Schriftsteller ihre Existenz verdanken, nach 
bisweilen noch dazu falsch gefasster Analogie Neubildungen zu machen. 
Wenn nach der Analogie von empress heiress u. dgl. gebildet, adventuress 
jetzt aUenfalls anerkannt sein dürfte, lässt sich dasselbe von Americaness, 



222 Beurtheilangen ond kurze Anzeigen. 

bankeress, baronetess, bishopess, citizeness, cockneyess, urchiness, peasan- 
tess sagen, wenn auch- 4 dieser Artikel die Marke der Firma Tbackcray, 
und drei die von Dickens tragen? Das Deminutiv cloudlet ist wol englisch 
(Worcester hat es) und kinglet mag im Scherz geschrieben werden, aber 
was soll man von ro^'alet, sealet, houselet, sagen, deren Väter Dickens und 
Wraxall sind? Ist nicht schon der Begriii' eines „Meerchens" ein Unding? 
Aehnlich steht es mit Verbalbildungen wie be-built, bebaut, be-peopled, be- 
völkert, to be-specchify, haranguiren, « sundayfied, sonntäglich; Substantiven 
wie die Deminutive beastie, Tbiercheu, buokHnc, Büchlein, rabbitUng, junges 
Kaninchen; mit blanketeer, Prelier, Spötter; dis-sight, hässlicher Anblick; 
' well-to-d<}-ism, Wohlhabenheit; dressiness, Putzsucht; at-Homeishness, das 
Zuhausesein; hätte nicht dieselbe Berechtigung wie letztere das Dickens'sche 
(Pickw. I, 103 T.) a touch-me-not-ishness in the walk, oder a Httle man 
with a puffy ,Say-nothing-to-me,-or-ril-contradictyou'' sort of coantenance? 
Ihnen reihen sich die Adjectiva an: earthquaken, durch Erdbeben erschüttert; 
embracive, einer der gern umarmt, headachy (in der Verbindung on hea- 
dachy or rainy days, Mrs. Gore), farmy, adj. v. farm, laugby, der gern lacht ; 
lesson^ und teacby (als Prädikat von Gouvernanten von derselben Schritt- 
stellerin gewagt); marquessatorial, was zum Marquis gehört, prerailwayite 
voreisenbahnig; slangular, zum slang gehörig (was fast an das bekannte 
slantingdicular erinnert), unhomeish, unheimisch. Solche Neubildungen gehen 
häufig aus falschem Sprachgefühl hervor, und sind Afterformen zu nennen, 
wie z. B. wenn Mrs. Gore das Subst. mismatchment, Missheirath, bildet, 
Carlyle chronisch outlook dem Deutschen naclimacht; wenn nach dem 
richtig gebildeten subst. quill-driver ein verb „to quill-drive" erfunden wird; 
wenn (wahrschl.) Thackeray aus dem franz. tutoyer ein englisches to tutoy 
macht; wenn Dickens einmal people-song dem deutschen „Volkslied^^ nach- 
bildet. — Nur Umschreibung eines sonst anders bezeichneten BegiifTs 
scheinen Wörter zu sein wie stroke of State, Staatsstreich, wofür man in 
den Zeitungen in der Regel nur coup d'^tat liest. Wenn Thackeray mit 
loadejd wine verfälschten Wein bezeicnnet (es ist in Lovel the Widower p. 
211 ed. Tauchn.), so ist dies doch wol nur eine gesuchte Uebertragung von 
falschen Würfeln, loaded dice; Spuit Hunter, „der wilde Jäger^ wird wol 
gewöhnlich the wild huntsman genannt; und line und walk, der Scheitel, 
sind doch vermuthlich nur augenblickliche Scherze für das übliche parting. 
Dafür werden dodi whiskerado „ein Bartniann" (Thack), scalp. Perrücke 
(ders.) und ähnliche auch nur gelten dürfen. — Zu bezweifeln ist auch, ob 
antigropelos, anaxandnan bis-unique, poncbo, siphonia, „Namen für einen 
gewissen Rock** und ähnliche Ausgeburten einer Schneiderphantasie, mögen 
sie auch bei Dickens und Kingslev Aufnahme gefunden haben, gleich bereit- 
willig in^s Lexicon werden zugelassen werden. Ihnen schliessen sich die 
wissenschaftlichen Ausdrücke gewisser Gastronomen an, wie Ostracide, ein 
Austernöfiher ; und wenn man erst einer Schnapssorte „Cream of the v^lcy* 
die Spalten geöffnet hat, warum nicht dem ganzen Preiscourant : The Out- 
and-out; the No Mistake: The Good forMixing; The real knock-me-down; 
The celebrated Butter-Gin, the regulär Flare-up, Cordial Old Tom u, s. w.? 
Darüber indess muss der künftige Lexicograph zu Gericht sitzen, und noch 
so bedenkliche Wörter demselben vorzufuiiren, kann einer Hülfsarbeit wie 
die vorliegende keineswegs zum V^orwurf gereichen; im Gegentheil wird eine 
recht reichhaltige Sammlung dem Lexicographen erwünscht sein müssen. 

Bei vielen Wörtern ist die Verdeutschung mangelhaft, da zu enge oder 
zu weite oder überhaupt nicht treffende Bedeutungen gesetzt sind: article 
ist nicht =s man, sondern, wie das Sl. D. sich ausdrückt, a derisive term 
for a weak specimen of humanity. — Wenn back-board übersetzt wird : 
Rückenbrett (um grade zu gehen), so ist die^, abgesehen von dem Soloe- 
cismus „um — zu,* nicht verständlich. Das b. b. besteht aus zwei runden, 
ähnlich wie die Gläser einer Brilk* verbundnen Holzbrettern, welche auf die 



Beartheilangen und kurze Anzeigen. 228 

Schulterblätter passen; seitwärts (wo bei dem Brillenglas die Bügel ansitzen) 
befinden sich als Verlängerung zwei feste Stangen, über welche der Patient 
die Anne rückwärts schlägt: natürlich wird dadurch die Brust sehr gedehnt 
und herausgebracht, und man geht damit kürzere oder längere Zeit im 
Zimmer umher. — bagatelle-board. Kegelspiel für^s Zimmer. So weit wir 
wissen, befinden sich auf einem b. b. keine Kegel, sondern nur numerirte 
Löcher, in welche vermittelst kurzer Queues Kugeln gesto^sen werden. — 
bagman. lud. Handlungsreisender; das lud. ist kaum gerechtfertigt; das 
Wort ist nur ein weniger feines Won als conunercial Traveller. — orancly- 
pawnec, P. ein ostindisches Getränk, br. p. ist nur der anglo-indische 
Name für brandy and water. — breech ist nicht Pulverkammer (diese ist 
Chamber), sondern beim Gewehr 'der Theil der Schwanzschraube, bei der 
Kanone überhaupt das hintere Ende; und breech-loading revolver beschränkt 
die Sache zu sehr: Revolver, Büchsen, Flinten und Kanonen heissen breech- 
loaders, wenn sie von hinten geladen werden. — bufier kann man doch 
nicht einfach Mann übersetzen; es ist etwa =s joUy old fellow; eine nicht 
eben respektvolle Kneipbezeichnung meist eines ältren Herren. *— canny, P. 
schlau, pfifn^; L. hübsch, zierlich. Worc. constatirt nach Jamieson, dass 
das Wort beides umfasst, und^etzt zu: it is applied to persons or things 
having pleasing or useful qualities. — cotton-wool, Watte. So kann aber 
nur das Material bezeichnet werden; sobald es in der C^estalt erscheint, in 
der es zum WaLtiren von Kleidungsstücken gebraucht wird, heisst es wadding. 
commercial room, Gastzimmer, Saal im Gasthofe. In englischen country-inns 
finden sich gewöhnlich im Parterre zwei Fremdenzimmer zu beiden Seiten 
des Eingangs: ein cofiee-room und ein commercial-room; letztrer ist für die 
conunercial travellers bestimmt, und es werden für sie massigere Preise ge- 
rechnet; daher halten dieselben darauf, dass nicht andre Reisende sich dort 
aufhalten. Darüber kann man Trollope's Roman Orley Farm nachlesen, 
namentlich Bd. I, p. 63 u. 114. — copus, ein Getränk, kann nicht genügen, 
denn es bedeutet Ale, das mit Gewürz und Spirituosen versetzt ist. cobbler 
ist' allerdings »ein Getränk,** aber aus Sherry mit Zucker und Eis, und wird 
durch einen Strohhalm aus dem G lasse eingesogen. — dafl, P. merry foo- 
lish, giddy, deprived of reason; L. dumm, einfältig. Nach W. heisst es 
beides: suly, stupid — playful, frolicsome. — eeneral practitioner: studirter 
Arzt, der aber mcht promovirt hat; gewöhnlich ist er zugleich Apotheker; 
dies ist im Allgemeinen richtig: so weit wir wissen, ist das Wesentliche, 
dass der g. pr. als sureeon und als physician prakticirt; in der erstren Eigen- 
schaft wird er meist selbst dispensiren, und fuhrt nicht den Titel Doktor, 
wie es für gewöhnlich kein surgeon thut. — hardbake, zerlassener Zucker, 
h. ist dasselbe wie tofiy : es ist eine Bonbomnasse, aus geschmolznem Braun- 
zucker, mit einem Zusatz von Butter, Syrup und Citronensaft. — liorse- 
Gnards, das Kriegsministerium in London. Es ist richtig zugesetzt, dass 
der Name daher rührt, „dass zwei Gardecavalleristen zu Pferde davor 
Wache stehen" (sicl Reiten?); aber »das Kriegsministerium ** leitet doch 
irre; an officer in the Horse-G. ist doch kein^eamter im Kriegsministerium ; 
es muss also heissen: Name des Kriegsministerial- Gebäudes; denn aller- 
dings befinden sich dort die Bureaux des Kriegsministeriums. — jackal ge- 
neral, Faktotum. Jackal nennt man den, der beschwerliche oder gefähr- 
liche Arbeit für einen andern zu verrichten hat, welcher Geld oder Ehre 
dadurch erwirbt. Dies erhellt u. A. aus Dickens Two Cit. Buch 2, Cap. 5, 
wo der geniale aber lüderliche Sidney Carton dem grossen Rechtsanwalt 
Stryver über Nacht die Vorarbeiten zum Plaidoyer des nächsten Morgens 
macht. Die Benennung beruht auf dem Glauben, dass der Schaksl dem 
Löwen die Beute aufbringen und zutreiben muss. — Life-belt, Schwimm- 
gürtel, kann leicht missverstanden werden; denn es ist, wie life-buoy, ein 
Geräth, welches auf Schifien, besonders auf amerikanischen Flüssen gehalten 
wird, um bei' Lebensgefahr Personen über dem Wasser zu halten, entwetler 



224 Beurtheilungen und karze ABzeigen. 

in Gestalt einer Jacke oder eines Ringes (Arch. 35, p. 60). — Malapropism, 
, onpassender Ausdruck, hat wenig Werth ohne Erwi&hnang der Mrs. Mala- 
prop aus Sheridan's Rivals, und die Angabe, worin das Unpassende der 
Malapropismen besteht; Julia sagt dort: Mrs. M . . . with her seiect words 
so ingeniously mitfapplied, without being mispronounoed. — muffin, Blät» 
terkuchen. £in mumn besteht aus lockrem Teie, ist rund und hat eine 
Vertiefung in der Mitte, in die, so lange der Kuchen warm ist, frische 
Butter gethan wird, die theilweis einzieht. Dass ein m. Blätterteig enthalte 
ist uns unbekannt. — nondescript, der, das Namenlose; wenn Dickens einen 
Unterhausknecht stable-nondescript nennt, von nondescript messengers spricht, 
oder wenn es in einem Satze heisst: „and nondescript enough was thensual 
result of these cogitations,** so ist mit der hier gegebnen Bedeutung wenig 
zu miMshen (Arch. XXX, p. 825). — off-ni^t, fireier Abend: gemeint ist 
das Richtige: wenn irgend eine Sache z. B. einen Tag um den andern 
Statt findet, so sind die dazwischen liegenden die off-days; frei wird meist 
nur passen, wenn die Sache ein Dienst, Geschäft u. dgl. ist. — to put up, 
aufbieten; was wir darunter yerstehen, heisst to read oder prodaim tbe 
bans; to put up kann es nur heissen, wenn man sich die Kirchenthür dazu 
denkt, an der die Namen der Brautleute ausgehängt, angeschlagen (to put 
up) werden. — Sawney, schleppend, träge, ist ungenügend, insofern Sawney 
nur der Spottname des Schotten ist ; nur in Folge der ungünstigen Meinung, 
die der Engländer Tom Schotten hegt, wird Sawney überhaupt a sluggish, 
stupid, silly fellow. — screw ist nicht ein Pferd ohne Weitres, sondern an 
unsound, or broken down horse, that requires both whip and spur to get 
him along (Sl. D.) — sausage roll ist ein rundes Gebäck (Knüppelchen), in 
welches ein Saucisichen eingebacken ist; Wurstbrödchen lässt uns an ein mit 
Wurstscheiben belegtes Brödchen denken. — shaving tackle kann doch 
„Rasirzeug" nur in scherzbafler Uebertragung vom Angelgeräth bedeuten. — 
Bei „to Square up to one, streitsüchtig auf einen los gehen *" musste bemerkt 
werden, dass der Ausdruck aus dem »ring" stammt, und das Versetzen in 
die Boxstellung, (beide Arme gekreuzt vor der Brust und die Fäuste ge- 
ballt) bedeutet; die Bewegung derselben vor dem Schlage heisst dann 
Sparring. — 

Bisweilen fehlt die treffende Bedeutung ganz: bei adö'be wäre der Zu- 
satz : bricks baked in tbe sun durch die Verdeutschung : Luftsteine, überflüssig 
geworden; manche Verdeutschung dürfte nicht allgemein verständlich sein, 
wie cabinet piano, piano ä la Giraffe; cabinet-p, wini ^^ cottage-piano, Pia- 
nino sein. Hessian boots, Suwarov- Stiefel; es sind hochscbäfUge Stiefel; 
eigentlich wol über den Hosen getra^n. Wenn home-thrust und settler, 
„Lungenfhchser" und cut stonc Haustem übersetzt werden, so ist uns das 
Englische verständlicher als das Deutsche. 

£s folgt eine Anzahl von Wörtern, deren Bedeutung wir, so weit unsre 
Kenntniss reicht, als unrichtig angegeben bezeichnen müssen, to send back- 
Word heisst nicht absagen lassen, sondern: Antwort sagen lassen; basket 
buttons sind nicht convexe, *halb eicheiförmige Knöpfe, sondern gepräfi;te 
Knöpfe mit einer Art Muster, das Flechtwerk ähnlich sieht. — beer-chiller 
kann nicht ein Bierkühler sein. Man wärmt das Bier in England vielmehr, 
als dass man es kühlt; man setzt es warm „to take the ^ill off/ vergl. 
Dickens Sketch. 454, chilling the beer on the hob. L. hat also Recht, wenn 
er to chill the beer giebt: Bier eben verschlagen lassen. — benedict ist 
nicht Junggeselle und wenn die angeführte Stelle aus Lever richtig ver- 
standen ist, so hat er sich selbst in der Anwendung des Slang-Ausdrucks 
geirrt; die Bezeichnung ist von der Figur in Shakesp. Much ado heim- 
nommen und bedeutet a married man (so d. Sl. D. u. W.) — Dass für 
best man die Bed. Brautführer nicht genügend ist, ist Arch. XXXIV, 111 
und XX VIII, 888 gezeigt worden. — betel, Meissel, mit dem Citat: its 
timber is worked with no other tools than an axe, a betel and some wedges 



Beartbeilungeo and kurze Anzeigen» 225 

(D. H. W. 30, 349): dies kann nar «ine andre Schreibart für beeile sein, 
welches • W. erklärt : a heavy mallet or wooden hammer und schon Ij. in 
der Bedtg. hat. — biggin ist nicht die ganze Kaffemaschine, sondern dient 
zum Durchgiessen des Kafies, also Kanebeutel oder Kaffesieb. — running 
knot (unter black kn.) ist nicht, was wir wenigstens eine Schleife nennen 
(bow; eine solche kann man durch Ziehen an einem Ende des Fadens 
lösen) sondern ein schiebbarer Knoten, wie man ihn zum Schnüren und zu 
Schlingen braucht, die sich zuziehen. — blush ist kein Adjectiv: blassrotb, 
sondern blusbrose eben der Name fiir eine Rosenart — brake-wheel ist 
nicht Zahnrad, Kammrad (cogwheel), sondern a wheel acted npon by a 
brake (W.) ein Rad mit einer Hemmvorrichtung. — checked heiaet nicht: 
schwarz und weiss carrirt, sondern bedeutet jedes carrirte Muster. — doated 
Cream ist nicht dicke Milch, sondern cream produced on the surfaoe oi 
milk b^ setting it in a pan on a hot hearth (W.) — continuations sind nicht 
nor Bemkleider, sondern oft Gamaschen, v^l. Dickens Sketch, p. 413: in drab 
shorts and continuations. — fatigue-duty ist nicht Strafdienst bei Soldaten, 
sondern Graben, Schanzen, Holzfällen u. dgl. Detachements, die dazu be- 
ordert sind, heissen fatigue-parties, und sie tragen dabei nicht die gewöhn- 
liche Uniform, sondern fatigue-jackets, was also bloss mit Jacke schlecht 
wiedergegeben ist. 

fielder» Fänger im Cricketspiel. Dieser Ausdruck ist von dem Begriff 
des fielder grade so weit entfernt, wie unser Ballspiel vom Cricket: bei 
beiden ist em Schläger und eine Anzahl Personen vorhanden, die auf den 
geschlagnen Bali Jagd machen und dem Schläger feindlich sind, die den 
Ball fangen und werfen, wodurch sie den Schläger „aus^ machen. Doch 
hat das „out* englisch eine andre Bedeutung als bei uns. Es spielen näm- 
lich zwei Parteien von je 11 gegen einander: die einen sind „dran,* „are 
in* oder „have their innings.^ Sie stehen nach der Reihe mit dem bat^ der 
„Kelle* vor dem wicket, treiben den Ball so weit wie möglich, und laufen, 
während derselbe fliegt, zwischen den beiden wickets hin und her. Je Öfter 
die Strecke zurückgelegt wird, desto mehr zählt dies für die Partei, die 
daran ist Der Schläger wird aber out, wenn es einem von der andren 
Partei gelingt, das wicket zu treffen oder den' Ball zA fangen: im ersten 
Fall ist er bowled out, im zweiten cangbt out. Die 11 Personen dieser Ge* 
genpartei nun, müssen, um den Ball, wohin er auch fliegen mag, leicht zu 
bekommen, sich auf dem Felde veiiheilen; darum heissen sie nelders; sie 
suchen den Ball nicht bloss aus der Luft zu fangen, sondern überhaupt an- 
zuhalten, und ihn schnell an den eigentlichen bowler zu befördern, der 
das wicket zu trefien suchen mnss, ehe der Schläger es schützen kann: 
die ganze Partei heisst „the field,* die einzelnen Personen fielders. 

iiront, Haartour, front ist der falsche Scheitel nur bei Damen. 

lushinston, sl. (in Australien) Trunkenbold. Das Sl. D. zeigt, dass der 
Ausdruck dem Londoner Slang angehört ; vor mehreren Jahren habe es so- 
gar einen Lnshington Club in Bow-Street, Covent Garden gegeben. L. soll 
ein Londoner Brauer gewesen sein. 

maroon, kastanienoraune Farbe; in den Lexicis fehlt das Wort, aber 
W. hat es in der Form marone und erklärt: an impure colour or pigment 
in which red predominates. £s ist etwa die Farbe, die Burgunderwein gegen 
das Licht gesehen hat. 

mawleys, Hände. Vielmehr Fäuste; es hängt ;nit mall zusammen. 

to maunder. P. to tsJk like one raving or foolishly. Dagegen W. to 
ipeak like a beggar, to mutter, to murmur, und Sl. D. maund, to beg; 
f,manndering on uie fly,* begging of people in the street. L. also richtiger: 
brummen, in den Bart für sich reden. 

mill-head, Mühlenteich : L's Gefälle einer Mühle dürfte näher kommen, 
es ist das Wasser oberhalb der Mühle, ob es sich in einem Teich sammelt 
oder nicht. 

ArohW f. n. Sprachen. XZXIX. 15 



226 Beartheilungen and kurze Anzeigen. 

posi-hMste, mit Extrapost; vielleicht soll dieser Ausdruck übertragen 
gebraucht sein; dann ist er allenfalls richtig» das musste aber dabei gesafi^ 
sein; p. h. stammt aus der Zeit, wo die Post oder ein Courier noch als 
Sinnbild grÖsster Geschwindigkeit gelten konnte ; so hat es Shakesp. in der 
Bedeutung: in grösster Eile. 

private clothes, Civil-Kleider. pr. cl. kann nur heissen eigne Kleider; 
Civilkleider zum Unterschied von Uniform ist piain clothes. 

shelved, slang, beseitigt. Der Ausdruck ist nicht slang zu nennen. 

slot-hound ist nicht Spürhund, sondern Bluthund nach W. 

spofGsh, geokenhafl, Dickens Sk. 884; das Wort kommt in diesem Buche 
noch ein Mal (p. 363) und schwerlich sonst wo vor; es ist jedenfalls das- 
selbe wie spoffy, worüber Sl. D. sagt: a bustling bnsybodjr is.^aid to be 
spoffjr. 

tiptopper ist nicht ohne Weitres = gentleman, sondern »ein Haupthahn,* 
oder „ein ganz feiner Kerl,* a swell. 

triposes. Abstufung unter den Studenten in Cambridge, tripos ist viel- 
mehr s=B examination for the degrees oder for honors und es eiebt demge- 
mäss ein classical und ein mathematical tripos. P. dachte wol unbestimmt 
an die Klassen der wranglers, senior optimes, junior optimes, in welchen 
nach Ausfall der Prüfung die Examinanaen rangiren. 

Wellingtons sind nicht Halbstiefel, sondern die gewöhnlichen hoch- 
schäftigen Stiefel; dies beweist z. B. Dick. Sk. 187 {T.): his boots were of 
the Wellington form, pulled up to meet his corduroy smalls. 

whipped eggs sind nicht Rühreier, sondern mit der Scbneeruthe ge- 
schlagne Eier. 

hat-reviver kann wol eine Hutbürste nur zum Scherz genannt werden, 
to revive ist das Verb für einen Prozess, vermittelst dessen man durch An- 
wendung gewisser Färbmittel Kleidern und Hüten den geschwundnen Glanz, 
wenn auch flüchtig, wiedergiebt. Was das Subst. anbetrifil, so nennt Dick, 
das Färbemittel so; Sketches 260 T: Tis a deceitfui liauid that black and 
blue reviver; we have watched its effects on many a snabby-genteel man. 
It betrays its victims into a temporary assumption of importance etc. Unser 
slane nennt es „aufmuntern.^* 

Natürlich finden sich in einem derartigen Buche, das alle Seltsamketten 
aufspeichert, die sich bei der Leetüre angesammelt haben, eine gute Zahl, 
die wir selbst nie> oder doch in dieser Bedeutung nie gelesen, über einen 
Theil wovon aber auch mancher gebildete Engländer m Verlegenheit ge- 
rathen würde. Die bisher bemerkten Unrichtigkeiten lassen es wenigstens 
als möglich erscheinen, dass Verf. geirrt hat; soUten z. B. folgende ganz 
richtig sein? 

iSßant: wenn dies in Amerika einen bedeutet, der ein afßdavit abgiebt, 
so ist es zu verwundem, dass Worc ein Wort nicht enthält, dass tausend- 
fältiff im täglichen Gebrauch vorkommen muss. 

Dack-tooth, Backzahn (sonst double oder molar tooth; grinder). 

brake, viersitziger Wagen, gewöhnlich mit 4 Pferden gefahren (W. a 
carriage used for breaking horses) — work for the bishop = gratis. 

bunder, Brückenpfeiter. Es ist uns nicht gelungen, über das Wort ir- 
gendwo etwas zu finden. 

dead-alive, scheintodt. 

to coventry = to cut. Das Verb ist uns unbekannt, sending a man 
to C. ist eine von einer Genossenschaft gegen einen einzelnen aus ihrer 
Mitte verabredete Massregel, mit ihm nicht zu spreishen, nicht umzugehen ; 
oft z. B. als Strafe bei strikes gegen die sogen, knobsticks angewandt, 
cutting ist die Handlungsweise eines Einzehien, der thut als kenne er 
einen andern nicht. 



Benrtheilungen und kurze Anzeigen. 227 

done rare, halbear (sonst underdone), (wol nur in America). 

double ganger, Doppelgänger (sonst nur a double). 

fizing mit dem Citat: columns witb Corintbian fizings; Säulencapitäl ; 
doch wol kaum; da ^Am.^ binzugesetzt ist, so wird das Wort bier wol nur 
ebenso wie das später mit „gesälznes Scbweinefleiscb** wiedergegebne pork 
fixings gebrancbt sein, mit dem Amerikaniscben Vulgarismus, der to fix fiir 
alle nur denkbaren Handlungen braucht; nacb dem to fix the bair = to 
dress tbe b., to fix tbe table == to lay the t., to fix the fire s=a to make 
tbe f. (cf. Worc); nach dem man ganz bequem sagt: fix me a new coat, 
oder fix me a mutton-chop, a glass of brandjr u. dgl. 

BnSfy, 1) kahl, windig, 2) weich. Die ersten beiden Worte sind, wenn 
sie in der eigentlichen Bedeutung genommen werden sollen, falsch ; in der 
übertragnen geben sie keine rechte Vorstellung, fiuff ist die durch weichen . 
Flaum, Haare oder Fasern gebildete Bedeckung eines Gegenstandes. Daraus 
erklärt sich f^vtffy carpets** und ^flufiy chickens,^ welche angeführt werden, 
tuffy classes, „fuselige Klassen, ** aber kann in Dickens Hard T. 257, wo ein 
gentleman von den Arbeitern in den mills spricht, nur auf den fiuff bezogen 
werden, mit dem diese Leute stets zu thun haben, mit dem man sie stets 
bedeckt sieht; denn fiuff heissen die Faserth eilchen der Baumwolle, mit 
denen in cotton-mills die ^anze Luft erfüllt ist. Gaskell North & Soutb, 
p. 98 erklärt flufi : little bits as fly off fro^ tbe cotton, when they^re carding 
it, and fill the air tili it looks all fine white dust. Dies stimmt dann mit 
der Anwendung von fiuffy in einer andern Stelle von Hard Times, p. 162: 
Walking througb this extraordinarily black town, I asked . . . . a fellow . . 
one of the working pcople — who appeared to have been taking a shower- 
bath of sometbing nafty, which I assume to be the raw material. Wenn 
endlich in Dickens «Mutual Friend"* Bella, die es liebt, ihres Vaters weiches 
Haar kraus durcheinander zu zausen, Bd. U, 167 (T.) erklärt: Now, you 
are delidously fiuffy, Fa — und Thackeray in Lovel the Widower, 182 (T.) 
▼on fiuffy wbiskers spricht, so stimmt dies mit « fiuffy chickens* und ist nicht 
einfach = weich, sondern locker, wie der Flaum der Küchlein, nicht anlie- 
gend, wie die Federn ausgewachsner Vögel und das Haar vierfussiger Thiere. 

forby, (schott.) ausser. L. giebt: nebenan, W. ebenso: near, close by. 

gatter, Branntwein. Das Sl. D. dagegen: beer. 

grabbers, Stiefel; d. 81. D: the band. — benery, Am. Hühnerhof, wo- 
für Langdon angeführt wird. Sollte sich das Wort wirklich als englisch 
▼ertreten lassen? 

junk-bottle, Korbfiasche (W. a streng glass botüe for porter, ale etc.). 
— kidney table. Tisch foumirt mit einem feinen Holze, dessen Maser Aebn- 
lichkeit mit den Schattirungen hat, die man an einer durchgeschnittnen Niere 
sieht. — Kitchen-physic, Hausarznei; L. sagt: gute, gesunde Speise. — 
pboebe-bird (W. Irvmg), Kiebitz. 

ku^ran, der Koran. Das gewöhnliche ist entschieden koran. 

to rap one's teeth, die Zahne zusammenbeissen. 

to remand an order, einen Auftrag zurücknehmen. Dies wird doch 
kaum richtig sein; denn wenn auch W. erklärt: to send or order back, so 
ist dies zu yerstehen: den Befehl geben zurückzukehren, zurückbeordern; 
wie sein Beispiel zeigt: the better sort . . . fied into England, and never 
retumed, though many laws were made to remand them back; und damit 
stimmt die gewöhnlichste Bedeutung des W: to remand a prisoner, den 
Gefangnen nach dem Verhör behufs weitrer Untersuchung der Sache in's 
Gefängniss zurückfuhren (L. nicht ganz genau: ein letztes Urtbeil auf- 
schieben). Einen Auftrag zurücknehmen beisst fiir gewöhnlich: to counter- 
mand an order: s. Dick. Sketch. 158: people who have ordered supper, 
conntermand it. . . 

sack, to give (get) the s. (vulg.) einen Korb gehen (bekommen). Sicher 
ist, dass to be sacked oder to get the sack (s. Arch. XXXI, 118) beisst: 

lö* 



228 Beurtbeilungen und kurze Anseigeo. 

aus dem Dienst entlassen, abgelohnt werden ; daas also auch eine Dame die 
mit einiger Freiheit über so delikate Verhältnisse sprechen darf, von ihrem 
Anbeter, den sie »hat schiessen lassen,** sagen kann: I gave him the sack. 
Darum wäre dies aber noch nicht der deckende Ausdruck für : einen Korb 
bekommen. Schon L. sagt zu to get the s^ aas dem Dienste geschickt 
werden. 

saloop-stall, Trödelbade. 

sap, Uelehrter; Sl. D. erklärt: a poor green simpleton with no heart 
for work; wenn also Mrs. Alarsh: a sappins fellow in der That in dieser 
Bedeutung braucht, so hat sie das alang nicht verstanden, und vielleicht an 
sapiens gedacht; denn auch Worc. giebt: a simpleton, a ninny, a blockhead. 

scratch-wi^, Stutzperrücke ; W. a thin roogh wig. 

skeery (Dickens) streitsüchtig, gefahrlich. 

snccession-house, Gewächshaus. 

stodgy, dick, steif (81. D. hat to stodge = to surfeit, goige, clog with 
food). 

ti^hts, enge Ballhose. Es ist doch wohl dem Wortsinne gemäss ein eng 
anschliessendes Beinkleid, zu welcher Gelegenheit es auch getragen werde. 

yiolet ebony, Palissanderholz : hödistens der Name einer besonderen, 
eigenthümlich gefärbten Gattung. Was bei uns gewöhnlich unter Polizan- 
derholz verstanden wird, heisst überall rosewood, und die durch Beize und 
Politur hervorgebrachte Nachahmung davon stained wood. 

wifiet, ein Knirps, mit dem Citat aus W. Irving: a litüe wifiet of aman. 

wrap-rascal, a comforter (also ein Ualsshawl, Cache-nez); dagegen W. 
a great coat, a cant term for a coarse upper^coat. 

An das Verzeichniss englischer Wörter (52 Seiten) schliesst sich dann 
ein deutsch-englischer Theil, der auf 26 Seiten die englische Bedeutung von 
etwa 1500 deutschen Wörtern giebt Ein grosser Tl^ davon ist in dem 
nun fast vollendeten deutsch -englischen Theil von Lucas enthalten; doch 
dürfen wir auf die Vergleichung mit diesem Buch kein kritisches Urtheil 
begründen, weil 1863, wo die vorliegende Compilation veifasst wurde, noch 
wenig davon erschienen war. Unter den gegebnen nun ist eine nicht unbe- 
trächtliche Anzahl von Wörtern, die hauptsäcnlich moderne Begriffe aus dem 
gemeinen ümganesleben bezeichnen, und die in ganz gescäickter Weise 
wiedergegeben sind. Aber es entsteht gegen eine grosse Anzahl derselben 
von einem andern Gresiobtspunkt ans ein erhebliches BedenkiNi. Der Zweck 
des deutsch-englischen Theiles eines Wörterbuches ist ein nicht wesentlich 
wissenschaftlicher, sondern ein praktischer. Derselbe soll dem Deutschen 
ein möglichst beauemes Mittel darbieten, für jeden Begriff und jede Wen- 
dung aea deutsclien das entsprechend deckende englische Wort und die 
engusche Wendung zu geben. Das erste Erfordemiss hierfür ist, dass das 
gegebne englische Wort vom Lezicographen richtig verstanden sei; das 
zweite, dass man dem Hülfsbedürftigen das gebe, was er sucht, einen klaren, 
ungefärbten Ausdruck, ein ernstes, nicht scherzhaft oder ironisch gebrauchtes, 
für ein gewöhnliches deutsches kein ungewöhnliches, oder monströs gebil- 
detes englisches Wort In dem vorliegenden Verzeichmss findet sieh nun 
ein ^osser Theil der en^chen Wörter wieder, die im ersten Theile nicht 
richtig verstanden sind: abschreiben, to crib, absichtlicb und geflissentlich, 
for the nonce, blassroth, blnsh, aus Cambridge, Cantabridgian (mit dem d), 
über den Daumen lesen, to cram (a book), Gelehrsamkeit, sapping und Ge- 
lehrter sap, Gitterbrücke, lattice-work, Haartour, front, Junggesäle, Benedict, 
Meissel, betel, Magistratsperson, beak u. s. w. Einzelnes, wo sich die Un-* 

Senauigkeit der Uebertragune aus dem Englischen durch den Mansel eines 
eckenden deutschen Ausdru<& entschuldigen lässt gewinnt ein viel schlim- 
meres Ansehen, wenn man die Sache umkehrt. Wenn z. B. muffin mit 
Blätterkuchen wiedergegeben ist, so ist das Unheil nicht g^oss, wenn man 
aber den deutschen Begrifi eines Kuchens aus Blätterteig mit muffin wieder- 



Beartheilungen und kurze Anzeigen. 229 

Ssbeo wollte, so würde man g:ewaltiff fehl (stehen. Ebenso steht es mit: 
tllhose (en^e) tights, Beeherspieler ^imble-rigger. — Horse-Gnards, Krie^rs- 
ainisterium kann bloss lür einen ungenauen Ausdruck gelten; welcher Un- 
sinn wird aber herauskommen, wenn Jemand für Kriegsministerium überall 
Horse-Guards setzen will ? — gammon, Pöbelsprache, ist allenfalls zu entschul- 
digen; aber Pöbelsprache, gammon, ist entschieden falsch, denn gammon ist 
absThaupt: a deceit, a humbug, Flausen. Dazu kommen dann andre Irr- 
thümer, die im ersten Theile noch nicht ^tthalten sind, wie in dem Artikel : 
Oberlicht, sky-light — fan-light; beide drüdcen gar nicht dasselbe aus: Sky- 
light ist ein Fenster im Dach, im Schiffs verdeck — fau-ligbt ein Fenster 
über der Tbür (meist der Strassenthür). Oder: Abtretung, goodwill, und 
dasselbe Wort unter »Cession.'* Das ist ein sehr grober Irrtkum : von good- 
will spricht man bei der Uebemahme eines Geschäfts, wenn man sich zur 
Bedingung macht, dass auch die ganze Kundschaft mit überlassen werde; 
man kann also das good-will des alten Besitzers mit dem Geschäfte. — 
Wir finden femer für übHche gute deutsche Worte die ganze Liste der ^e- 
zwnn^n gebildeten oder nur scherzhaft fabrizirten englischen: Amerikanerin, 
Amencaness, Bäuerin, peasantess, Bürgerin, citizeness u. s. w. ; Anblick, 
hässUcher, dis-siffht, verfälscht (Wein) loaded, bebaut, be-built, bevölkert, 
be.peopled, Büchletn, bookling, Kaninchen, junges, rabbitling, Königlein, 
kinglet, rojalet, und auch Meer, kleines, sealet; dutzen, to tutoy; Austem- 
öfber, ostracide, Aussicht, outlook and Volkslied people-song, Bartmann, 
whiskerado, Doppelgänger, double-ganger, durch Erdbeben erschüttert werden, 
to be earthquaken, erbittlich, bid£ble, ein Greenwicher, Greenwichite, g^ 
^utztes Aussehen, dressiness, Missfaeirath, mismatchment, ja so^ar der Ar- 
tikel: Nichtsthun, do-nothingism und ohne weitren Znsatz: fertig, reach me 
down; wonach der Schüler: „er spricht fertig englisch, he sjpeaks Enfflish 
readb-me-downly zu übersetzen berechtigt wäre. Wenn Hr. F. solche Aus- 
drücke dem Deutschen, der Eneüsch schreiben will, empfiehlt, so zeigt er 
eben, dass er das Ungewöhnliche, Gesuchte in denselben gar nicht fühlt, 
sie als ganz berechtigt ansieht. — Ich würde in einem deutsch-englischen 
Wörterbuch selbst den Artikel : alt machen, to age, streichen, da einmal das 
Verb für gewöhnlich nur in der Bedeutung „alt werden ** üblich ist. Auch 
vulgäre, und selbst familiäre Ausdrücke würde ich meiden, sobald nicht das 
Deutsche selbst darauf führt; ausgemacht out and out z. B. kann nicht als 
congruent betrachtet werden; so ist es mit allen getrübten, gefärbten, und 
vom Gewöhnlichen abweichenden Wörtern ; geben wir die ^anz gewöhnlichen 
geraden Begriffe, nur mit Angabe der nöthigen Nüancirungen, so wird, 

f:laube ich, das deutsch-englische Wörterbuch schon genügend anschwellen, 
ch würde also Kopfrechnen nicht durch ^reckoning by tbe head** ^ben, 
wo „meutal arithmetic,** Leihbibliothek nicht mit ,^lending oder subscnption 
library," wo „circulatinglibrary;* „body-coat" nicht für Leibrock, wo „dress- 
coat" das übliche ist; geschweige denn, dass man Worte wie : Lerche, dickey- 
bird, rund und dick, roly-poly geben sollte. Den grössten Unfug aber treibt 
der Verf. mit slansartigen oder wirkl. slang Ausdrücken. Solche können 
natürlich nur dann hier Platz finden, wenn sie dazu dienen, deutsche Slang- 
Ausdrücke wiederzugeben; so würde also gegen „der Alte, govemor; Ulk, 
a lark, a spree, durchbrennen, to levant, to mizzle: verduften (= sich ent- 
fernen) to evaporate; nichts wesentliches einzuwenden sein, sobald man die 
deutschen Wörter überhaupt zulassen will. Hr. P. macht bei Einzelnen 
diesen Versuch, obgleich er nicht immer gelingt; wenn er „dass es eine Art 
hat** mit: with a vengeance wiedergiebt, so ist zu viel, und wenn er „auf- 
gedonnert* mit : smart wiedersieht, so ist viel zu wenig slan^ in dem enjg- 
ßschen Worte. Wenn aber „der Alte, covemor^ etwas für sich hat, so ist 
ein Artikel: Vater, govemor, und hundert ähnliche bei P. ganz thöricht; 
was soll daraus werden, wenn man Jemand, der des Englischen noch nicht 
Herr ist, den Rath giebt, Henker mit Jack Ketch und Galgen mit Tybum 



830 Beurtheilungen und kurze Anzeigen. 

tree, Garde mit Brahmin, Advocat mit latitat zu übersetzen? Mit fiebern 
Rechte könnte der englische Verfasser eines Englisch-Deutschen Wörter- 
buchs, einen alten Witz benutzend, unter »wig^ hinsetzen: falsche Behaup- 
tung. Was würde Hr. P. dazu sagen? Witze zu nubohen, überlasse man 
doch der Fertigkeit des Schreibenden selbst, wenn seine Kenntnisse dazu 
ausreichen. Es schwirrt der Kopf, wenn man z. B. folgende Artikel liest: 
Beinkleider: lower clothing; en^e, für Bälle, tights, Scherzhafte Benen- 
nungen : abridgements, continuations, indescribables, ineü ables, inexplicables, 
inexpressibles, unmentionables. — Oder: Betrunken: inebriated, Siang-Aus- 
drüCKe: in drink, in liquor, the worse for liquor, disguised therein, so dis- 
guised, lushy, bosky, buffy, boozv, mops and brooms, half seas over, fargone, 
tight, not able to see a hole through a ladder, three sheets in the wind, 
foggy, screwed, hazy, sewed up, mooney, muddled, muzzy, swipey, lumpy, 
obfuscated, muggy, beery, winey, slewed, on the ran-tan, on the.ree-raw, 
groggy, ploughed, cut, in his cnps. Wenn Hr. P. sich die Mühe ^eben 
will, das 81. D. einzusehen, so wird er sich überzeugen, dass ihm muner 
noch 15 bis 20 Ausdrücke ftir den beneidenswerthen Zustand entgangen 
sind. Und wie ärmlich ist seine Sanmilung für Geld : ttn, rhino, blunt, rowdy, 
stumpy, dibbs, browns, stuff, ready, mopuses, shiners, clust, chips, chinkers, 
pewter, horsenails, brads, wenn er eben da liest, dass Geld und was dazu 
gehört 120 Slang- Wörter umfasst. Sehr praktisch für den Unerfahmen ist 
auch der Artikel: Schuhe und Stiefel. Verschiedene Arten: Wellingtons, 
Blüchers, Hessians, Prince Georgs, Clarences and Alber ts, Ozonians, Cam- 
bridge, Cambridge ties, side-springs, tops, spring-tops, waterproof, shooting, 
huntmg, strong-boy, French dress, streng wafiing, front face, side lace, 
highlows, double-channel, mit dem wohlthätigen Citat D. H. W. 19, 37 am 
Ende ; namentlich wenn man unter Stiefel ausserdem nüt folgender Sammlung 
erheitert wird: crabshells, trotter cases, grabbers; Jeder spielte seinen -eignen 
Stiefel : every man plaved upon his own nook. vulg. Wie würde sich der Ver- 
leger gefreut haben, wenn der Verf. so das ganze Slang-Dictionär in's Deutsch- 
Englische Lexicon hineingearbeitet hätte. Am spasshaflesten klingen Artikel 
wie : HalbcoUegiat (des Magdalenen Collegiums in Oxford^ : demy. — Kö- 
niglich: er ist königlicher als der König: he is out-heroding Herod (man 
sieht, Verf. hat seinen Hamlet mit Nutzen gelesen) oder wenn das deutsche 
Wort pence englisch durch: browns, coppers, mags, magpies, oder das 
deutsche Sixpence durch bender, fiddler, tanner, tester, tizzy, oder schliess- 
lich „ Gentleman ** durch swell, nob, tiptopper wiedergegeben wird. Die ge- 
§ ebnen Beispiele liessen sich leicht verzehnfachen. — Es ist schade, dass 
er Verf. den guten Eindruck, den einzelnes Gelungene machen könnte, 
durch den gänzlichen Mangel an Kritik und die überwuchernde Menge sol- 
chen Zeuges beeinträchtigt hat. W^ie das kleine Buch jetzt vor uns liegt, 
bedauern wir, nicht in das unbedingte Lob einstimmen zu können, mit dem 
es im vorigen Jahre im litterarischen Centralblatt begrüsst wurde; manches 
darin ist entschieden oberflächlich und urtheilslos ; immerhin aber bleibt (für 
den der es auszuscheiden weiss) noch immer so viel Neues und nichtiges, 
(ittss es für den geringen Preis nicht zu theuer erkauft scheinen dürfte, und 
auch für den zukünftigen Lexicographen werden die Beiträge nicht ganz 

ohne Werth sein. 

• 

Berlin. Dr. A. Hoppe. 



Programmenschau. 



Faut-il voir dans le changement de forme et de sens qu'ont 

subi les mots latins en passant au franQais une införiorit^ 

de cette langue? — Abhandlung vom Oberlehrer Dr. Franz 

Scholle. Michaelisprogramm der Dorotheenstädtischen > 

Realschule zu Berlin. 1866. 

I 

Selten haben wir eine Abhandlung gelesen^v welche auf einem so gerin- 
gen Umfange eine so gründliche und gediegene Controverse geführt und 
ären Gegenstand so vollständig und schlagend erledigt hätte, wie die vor- 
liegende> und die daher allen Denen, die in neuerer Zeit so laut ihre Stimme 
für eine ganze oder theilweise Beseitigung der Programm-Abhandlungen er- 
hoben haben, als ein evidentes Beispiel ihres Nutzens entgegengehalten ' 
werden kann. — Der Verf. erhebt sich nämlich gegen die in neuerer Zeit 
vielfach ausgesprochene und zum Theil von namhaften Gelehrten, wie 
Stadler, Ueyse, Steinthal, vertretene Ansicht, dass die jetzigen ro- 
manischen Sprachen, und namentlich das Französische, Nichts weiter als 
eine Cormption und Deterioration des klassischen Latein seien — eine An- 
sicht, die, wenn begründet, dem Studium des Französischen allen formalen 
Werth auf Schulen rauben und demselben höchstens noch den einer prak- 
tischen Utilitat lassen würde. Die Vertheldiger dieser Ansicht berufen sich 
darauf, dass namentlich im Französischen theils die grammatischen Formen 
des Lateinischen, theils der ursprüngliche Sinn seiner Wörter häufig bis zur 
Unkenntlichkeit entstellt und letzterer vomämlich von seiner ursprünglichen 
naturgemässen Grundlage oft so weit entfernt worden sei, dass dem franzö- 
aischen Worte alle Anschaulichkeit des analogen lateinischen abhanden ge- 
kommen. Gestützt auf die Aussprüche so competenter Sprachforscher, wie 
Bopp, Grimm, Kitschi, aber auch auf selbständige Studien und Forschuneen, 
weist nun der Herr Verf. dieser Abhandlung in der evidentesten und scnla- 
gendaten Weise nach, dass alle jene Vorwürfe, welche man dem Französi- 
schen aus der Abschleifung der lateinischen Formen und der Sinnesverän- 
derang der lateinischen Wörter macht, wenn aus diesen Veränderungen 
wirklich ein Vorwurf herzuleiten wäre, das Deutsche, das doch eine Stam- 
messprache ist, und das Lateinische selbst ebenso gut treffen würden. Er 
erinnert sehr treffend daran, dass die Flexionsformen des Lateinischen meist 
eine Abaehw'ächung der Formen des Sanskrit sind, und dass diese selben 
Endungen in letzterer Sprache zum Theil noch selbständige Begriffswörter 
waren, wie sich namentlich in den^ lateinischen Flezionsformen avi, evi, ivi 
zeigt, die aus dem Perfect der Sanskritwurzel bhu, sein, babhüva, entstanden 



232 Programmenscbau. 

sind. Aach die Wortformen des Lateinischen und Deutschen haben auf 
ihrem tausendjährigen Entwicklungsgange, soweit wir fiir die erstere Sprache 
denselben nocn nachzuweisen im Stande sind, Veränderungen und Umfor- 
mungen durchgemacht, welche denen des jetzigen Französischen im Ver- 
hältniss zum klassischen Latein Nichts nachgeben. Er citirt z. B. nach 
Benfey proelium aus prodvilium, dam, corusco, cicer, carcer aus der Wurzel 
cel-o, Deutsch hel-en, und innerhalb der klassischen Periode selbst prudehs 
aus providens, sella aus sedela, nonus aus novenus, ausculto aus ausiculto 
u. s. w. Denselben Frozess hat das Deutsche durchgemacht, aus dem alt- 
deutschen ägalastra, wahrscheinlich von der Wurzel galar, singen, ist das 
neudeutsche Nachtigall geworden, aus adel-ar, adelaere (edler Aar) Adler, 
aus anachilih oder anagäih von Itch unser ähnlich, heute aus hiü tagü, heuer 
aus hiü jarü u. s. w. — Diese Corruption der ursprünglichen Form, wenn 
man es so nennen will, ist aber kein wirklicher Verlast für die Sprache, 
vielmehr sagt Grimm : „Der geistige Fortschritt-der Sprache scheint Abnahme 
ihres sinnlichen Elements nach sich gezogen, wo nicht gefordert zu haben.* 
— Die Gregner des Französischen geben dies bis auf einen gewissen Grad 
auch zu, nur behaupten sie, dass die Tochtersprachen des Lateinischen in 
diesem Prozesse der „Desorganisation'' viel weiter gegangen seien, als z. B. 
das Deutsche, welches auch in der neudeutschen Form Wurzel, Stamm and 
Sprossformen eines Wortes noch auf eine leicht erkennbare Weise zusam- 
menhalte, während das im Französischen durchaus nicht der Fall sei. Der 
Verf. weist nun in einer Reihe von Beispielen nach, wie das Franzosische 
im Gegentheil oft einen weit grösseren Umfang von Sprachformen um ein 
Stammwort gruppirt, als sowohl das Lateinische wie das Deutsche. Ebenso 
schlagend weist er an einer anderen Reihe von Beispielen die Ansicht von 
der mangelnden Entwicklungsfähigkeit des Französischen in Bezugs auf die 
Bildung von Neuformen zurück; dieselben sind Schriftstellern una Druck- 
werken der Gegenwart, wie der G. Sand, der Revue des deux Mondes and 
der Tagespresse entnommen, und allerdings bei Weitem nicht alle, nament- 
lich die aus Sand's Schriften^ wie archi-d^cid^ corr^lativit^, d^od^ u. s. w. 
nachahmungswürdig, andrerseits auch lange nicht vollständig, wie z. B. neben 
anthropologiste noch anthropopathie, antbroposophie, anthropotomie, anthro- 
pomorphiste &c., zu admonestation noch admonestement, zu ^pbusseteur 
noch ^poussetoir, zu finalit^ noch finaliste, zu latitudinal noch latitadinaire, 
zu marchandage noch marchandailler von Boiste Pan-Lexiqne, Paris 1843 an- 
geführt werden. 

Hierauf untersucht der Verf. die Behauptung, dass das Französische 
und die andern romanischen Tochtersprachen in seinen nneigentliehen und 
bildlichen Ausdrucken, sowie in seiner Phraseologie den ursprünglichen Sinn 
der Wörter oft so sehr verändert habe, dass darüber alle Anschauliohkeit 
und Concretion des Begriffes verloren gegangen sei; aber auoh hier setzt 
der Verf. den französischen Beisfnelen SteinthaPs analoge deutsche sowohl 
wie lateinische und griechische entgegen, in denen dies nicht minder der 
Fall ist. — Der Verf. wirft schliesslidi die Frage auf, woher bei so gelehr- 
ten, auf dem Gebiete der Sprachwissenschaft so ausgezeichneten Männern 
wie Steinthal, Stadler, Heyse die Ungunst gegen das Französische kommen 
könne und er glaubt den Gymnasialunterricht dafiir verantwortlich machen 
zu müssen, weläer grade die Tüchtigeren vornämlich mit aller Macht der 
Jugenderinnerungen an die klassischen Sprachen, besonders das Lateinische, 
fessele und dadurch dem an diese Formen gewöhnten Ohre nnd Auge, dem 
in diese Vorstellungsweisen eingelegten "Erstände die Abweichmigen von 
denselben, welche das Französische darbiete, um so unangenehmer und wi- 
derwärtiger mache, als das Letztere denn doch immer wieder durch seine 
ganze Organisation an seine lateinische Quelle erinnere und auf dieselbe zu- 
rückführe. Wir glauben, dass der geehrte Verf. auch in dieser Beziehung 
im Wesentlichen das Richtige getroffen hat und indem wir von demselben 



Prof rAmmenBcliau. 288 



Bit Tieler Dankbarkeit für seine hübsdie Adbeik aoheiden, eriaabdn wir ans 
za bemerken, dass dieselbe Frace, welehe von dem Verf. liier in so gründ- 
licher und allseitiger Weise erledigt worden ist, von einem unserer yielgele- 
sensten dentschen Sdiriftoteller &t Gegenwart in schenehafter Weise be- 
handelt worden, einem, bei dem man Dergleichen wohl am Wenigsten suchen 
möchte. Es ist dies Frits Reater, der Wied^rbeleber des Plattdeotsohen, 
in seinem neuesten Werk: »Dörchlänchting." Dort iKsst er nümlieh einen 
ilten Conrector der lateinischen Schale zu neabrandenbarg in Mecklenburg 
Strelitz aas dem voriffen Jahrhundert auftreten, der einen Schüler zur Aiu- 
nabme in die Secuncb zu examiniren hat. Der junge Mann maclit seine 
Sachen im Lateinischen und Griechischen recht gut, als es nun aber an das 
Französische gehen soll, gesteht er mit Zittern und Zagen, dass er von die* 
ser Sprache bei seinem Hauslehrer gar Nichts gelernt habe. Schon glaubt 
er das Donnerwort des Conrectors en hören, dass dann aus seiner Aufnahme 
in Secunda Nichts werden könne, allein im Gegen theil, das Gesicht des alten 
Herrn erbeitert sieh vielmehr: er meint schmiuizelnd, dass das FVanzösische 
anch gar nicht der Mühe verlohne, ernstlich studirt zu werden, da es Nichts 
weiter als corrumpirtes Latein sei und sich durch Abstreichen von Endungen, 
kleine Ansätze u. s. w. ohne Weiteres aus diesem ohne alles Studium bilden 
lasse; er lässt ihn auf diese Weise selbst durch derartiges Abstreichen und 
Ansetzen die Wörter la table aus tabula, la fendtre aas fenestra, la porte 
aas porta bilden und fragt ihn denn schliesslich auch, wie der Tag auf 
Französisch heisse und da nun der Schüler hier, wie in allen den anderen 
Fällen, stets von Neuem seine ^inzliche Unkenntniss des Französischen be- 
theuert, so meint der gute Conrector : Das ist ja aber ganz einfach, wie 
faeiflst denn der Tag auf Lateinisch? — dies. Nun wohl, also auf Franzö- 
sisch le di, le di, le di! 

Sprottau. Dr. M. Maass. 



Beiträge zur Geschichte der franzÖBischen Sprache aus Rabe- 
lais' Werken. Von Dr. W. Schönermark. Zwei Pro- 
gramme der hohem Töchterschule zu St* Maria Magdalena 
zu Breslau. 1861 u. 1866. 

In den vorliegenden Programmabhandlungen begrüssen wir zwei recht 
dankenswertbe Beiträge zur historischen Grammatik. Rabelais gehört ein^ 
Periode an, die in Bezug auf die Sprache den Uebergang bildet vom Alt- 
französischen zum Neufranzösischen , die also in sprachlicher Beziehunj^ in 
hohem Grade wichtig ist, und mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie bisher 
gefunden hat. 

So reichhaltig nun auch der grammatische Stoif ist, den der Verfasser 
ans bietet, so werden wir doch, bei einem so wichtigen Schriftsteller wie 
Rabelais, stets den Wunsch nach möglichster Vollständigkeit haben, und be- 
dauern, dass der beschränkte Raum eines Schulprogrammes dem Verfasser 
Scbnnken geboten hat. Der Verfasser behandelt zuerst die Verben auf er, 
ir, oir, re der Form nach. Ein zweites Capitel bespricht die Participialcon- 
Btnictionen und die Veränderlichkeit der Participien; ein drittes bespricht 
eingehend den Gebranch des Infinitivs. 

Die zweite Abhandlung vom Jahre 1866 behandelt ausfuhrlich den Sub- 
jonctif, den Artikel das Substantif ; das Adjectif, Zahlwort, die Fürwörter. 

Auf Einzelheiten weiter einzugehen, halte ich für überflüssig ; diejenigen, 
welche sich für jene Sprachepoche interessiren , werden eine sehr reiche 
grammatische Ausbeute finden. ^ 



2S4 Programmenachau. 

Zur engÜBchen Etymologie. Von Eduard Müller. Programm 
des Gymnasiums in Coethen. 1865. 

Die Yorlieeende interessante abhandlang zertäUt in drei abteilangen. 
Im ersten abscnnitte erörtert der Verfasser me verschiedene aaffassung des 
begrifies and der traeweite des Wortes etymologie im altertom und in der 
neuesten zeit; bespriont die zwar zaweilen sinnreiche and gelehrte, aber re- 
gellose, ankritische and unwissenschaflUche metode des altertoms and mittel- 
alters gegenüber der streng kritisoh-comparativen aaf dem heutigen stand- 
poncte der wissenschaftlichen sprach forscbang. 

Im zweiten abschnitte präcisirt der Verfasser sehr klar und deutlich 
p. 1 5 die aufgäbe der etymologie, insofern sie sich auf eine einzelne spräche 
beschränkt und setzt die Schwierigkeiten einer streng wissenschaftilchen ety- 
moloeie, wie sie die englische spräche in folge der grösseren mischung aus 
verschiedenen bestandt^en, der häufig durch contraction, assimilatton, me- 
tatbese, zum zweck bequemerer ausspräche etc. geänderten wörter, bietet, 
aus einandei. 

Sodann bespricht er ganz kurz die bisherigen leistungen auf dem ge- 
biete der enj^Iischen etymologie von Skinner^s Etyroologicon linguae AngU- 
canae bis auf Webster, Worcester und Wedgwood. 

Der dritte abschnitt zerfällt wieder in drei Unterabteilungen. 

In der ersten wird an verschiedenen beispielen (wie koave, varlet, vil- 
lain, down, churl etc.) gezeigt, wie sie im laufe der zeit eine unedlere, nie- 
drigere bedeutung erhielten. 

In der zweiten abteilung handelt der Verfasser über wörter, welche im 
anlaut um n erweitert oder verkürzt sind, teils durch aeglutination der Ver- 
neinungspartikel ne mit dem folgenden worte, teils durch Verschmelzung 
des Wortes mit dem unbestimmten artikel an, vielfach auch durch Verkürzung 
aus mine, besonders vor eigennamen, liebkosenden Wörtern etc. 

In der dritten Unterabteilung zeigt der Verfasser an der wurzel kap 
köpf mit ihren ableitungen im englischen, die theils aus den germanischen 
sprachen, theils aus dem lateinischen, altfranzösischen« italieniscneu etc. ent- 
nommen sind, die mannigfaltigkeit der im eng;lischen enthaltenen demente. 
Niemand wird one hohe befnedigung die kleine interessante schrifl aus der 
band legen. Hottenrott. 



Miscellen. 



Wahrend eines vierwöchentlichen Aufenthaltes aaf Sylt, der grössten 
Insel der nordfiriesisehen Gruppe, hatte ich mehrfach Gelegenheit, mit dem 
alten treuen Pfleger syltischen Lebens und altfriesisoher Sitte, C. P. Han- 
sen, zu verkehren, der in längerer, gewissenhafter Amtsführung ein derbes 
Geschlecht von tüchtigen Seefahrern herangebildet und durch seine zahlrei- 
chen Schriften die Anhänglichkeit an die jährlich mehr dem Meere ausge- 
setzte Scholle gepfleet hat, und von ihm manche interessante Einzelheit über 
sein theoies, honenUich auf immer mit dem grossen Vaterlande verknüpftes 
Ländchen zu vernehmen. Aus einer alten Familie entsprossen, die seit langer 
Zeit in Keitum den Schullehrerposten in würdigster Weise verwaltete, *) bat 
der nunmehr ßSjähriee, seit 4 Jahren pensionirte würdige Alte sich die Samm- 
lung der Sagen und naturhistorischen Schätze seiner Heimathinsel zur Auf- 
gabe gemacht und trotz dänischer Chicanen redlich den Sinn für die Zu- 
sammengehörigkeit mit Deutschland erhalten. Mit seinem ziemlich ausge- 
dehnten Museum bildet er für den nach Westerland ziehenden Badegast einen 
der Hauptanziehungspunkte des durch seine Lage besonders bevorzugten, 
durch die Geburtsstätte Uwe Jens Lomsen's bekannteren Hauptdorfes der In- 
sel Keitum; die zahlreichen von ihm herausgegebenen Schriften aber**) sind 
wohl zum grösseren Theil nur in geringem Maasse bekannt, und so wird es 
als gerechtfertigt erscheinen, wenn wir im Folgenden besonders aus einem 
derselben, das in sprachlicher Hinsicht sich vor anderen, mehr geschicht- 
lichen Zwecken gewidmeten Werken auszeichnet, einzelne Partien ezcerpiren. 
Für den Kundigen bedarf es keiner weiteren Ausführung, dass wir uns in 

*) Sein Vater, Jap. P. Hansen, veröffentlichte: Nahrung für Leselust in 
nordfriesischer Sprache. 1. Üer Geizhals auf der Insel Sylt oder der Sylter 
Petritag, ein Lustspiel. 1809; 2. Der glückliche Steuermann, ein Enkel des 
Geizhalses, eine Erzählung; 3. Lieder — 2. Auflage, Sonderburg, 18S3. 

**) 1. Chronik der friesischen Uthlande von P. Hansen. Altona, 1856. 

2v Beiträge zur friesischen Greschichte in den Jahrbüchern für Landes- 
kunde der Herzogthümer Schleswig -Holstein und Lauenburg. 

8. Friesische Sagen und Erzählungen. Altena 1858; id. Üald' Söldring 
Tialen. Mögeltonder, 1858. 8. 

4. Fremdenführer für die Insel Svlt Mögeltonder, 1859. 8. 

5. Die Insel Sylt wie sie war und wie sie ist. Leipzig» 1859. 

6. Der Sylter Friese, geschichtliche Notizen, chronologisch geordnet und 
benutzt zur Schilderung der Sitten, Rechte, Kämpfe und Leiden, Niederla- 
gen und Erhebungen des sylter Volks. Kiel, 1860. 8. 

7. Das schleswig'sche Wattenmeer und die friesischen Inseln. Glogau, 
1865. 8. Volkserzählnngen: 1 .Ubbo der Friese. 



286 Miflcellen. 

Westerland, ^|^ Stunden südlich von dem bei demDorfe Wenningstedt gele- 
senen Risgap, auf einem für englische Geschichte dassischen Boden befin- 
den, von wo aus, mag man auch manches Sagenhafte abziehen und auf die 
im Laufe der Jahrhunderte bedeutende Zerstörung durch die ewig tosenden 
Fluthen der Nordsee Rücksicht nehmen, die Angelsachsen dereinst in einer 
ihrer bedeutendsten Partien gen Westen abgezogen sind. En^en Zusammen- 
hang mit dem Idiom des jetzigen Albion zeigt noch heute die Sprache des 
Volkes in jenen Gegenden ; hört man Aeusserungen wie : ich habe gewesen 
(I haye been), wie lange haben sie es gehabt (how Ions haTeyounad it), 
die Milch hat gedreht (the milk has tumed , sc. sour), ich erinnere es (I re- 
member it) und vieles Aehnliche, so muss man unwillkürlich an das Eng- 
lische denken, auf das die mannigfachen Beste friesischer Sprache auf Scbntt 
und Tritt verweisen. 

Das erwähnte Schriftchen lautet: Jens üalden's Katekismns fuar sin 
Seen, jinkluadet ön Söldring Sprekuurder und enthält eine grosse Anzahl 
sprüchwörtlicher Redensarten nach der folgenden Einkleidnnff : Jens Ual(/en, 
deor fuar hok höndert Jaaren lewwet, hed en Seen, dear hcud (sprich d = 
engl, th, Webster) wat liir (leara) wildt, en Jens Ualdien önderro^t hörn 
sallew (himself) Dear de Diiing wngsen waad, maast hi ütfan, om sm Braad 
tö fortünin. Hi fraaget de Faader om fiilt Dingen, jer äs hi wegreiset. 
Jens Ualtiten dör höm dearüp Antwurd, en de Seen skieew dit altemaal ap, 
sa üs dit jir folliet. Der besseren Uebersicht wegen ordnen wir eine An- 
zahl der im DisJoge eingeflochtenen Sprüchwörter and Lebensregeln al- 
phabetisch. 

Ark heecf sin Flog en Haref (harrow). 

Aadbere me burlegh. 

Alle Baat helpt. Alles heeJ en Jend, olter Haaduast Riin en uald 
Wüffens Küwing (\Keifen). 

Ark Ding hee^ sin Haak. Aik mut sin ein Stört (Sterz) foarbed. 

Ark hee^ misttid Süürkuald (Sauerkohl) nog it hüüs. 

Ark Függel sjungt üs höm de Nääl wu^^set es. 

Ark Haan wdl faa Meister üp sin ein Haagen wüa. 

Breede ek mnar, üs uk torsken 'wad Kjen. 

Beeft (abaft) sin Regh (Rücken) Mud nun man daad sleien. 

Dear \md niin Meister gebooren. 

Dit passet üs de fifst weel ön de wein (wain, waggon). 

Dit nee^ holpen, üs wan em Weeter üp en Guas (goose) stört 

Dit Oog well uk wat haa. 

Dit Werk laawet sin Meister. 

Dear lapt eeJer fangen Jäsk, kumt tüs me leJdig Däsk (dish). 

Dear esset me en Söndgreewling fangt well aaft en Kabelau. 

De Wareid es ek ön jen Dei skaapen. 

Dit wear en Reis fuar de Prens. (cf travailler pour le roi de Prusse) 

Dear well sett, de mei sin Rukkin let. 

Dear ek hur well mut fÖÖl. 

Dear Jam (sc. den Grossen) de Waarheid sei«?, sent nun Harbang. 

De Forstand kamt ek fuar de Jaaren. 

Dear de Dik lügst (lowest) is, md de Flöd jest aur. 

Dear de Skaad hee<i, hee^f de Skemp tö. ^ 

Da wilt de Müss aur Staal spölle, wan de Katt ek H htfüs wear. 

Dear höm hei let tö Stjälen, de mut höm twing let tö hingin. 

Dear helpt öntökramnün, de mut ak help oftöitten. 

Dear A seid, mat uk B mi. 

De Jen Hand (eine Hand) tauet de nddet. 

De Sjiirt (shirt) is neier üs de Knappesic (Unterjacke). > 

Dear spnxyng de Haas üt de Halmtott ^ 

Dear hold Brii mei, spakket ftral fon gratt. . 



Miseellen. 287 

De Waarheid klingt üs en Klok. 

Dear de Diüwel näämt und, dear well er wüs. 

Dear en iiill Müd heed, demat uk en stark Regh baa. 

Dit Ei will klooker wiis üs de Hen. 

Dear harket (hack), sei«/ wat er knarket 

Dit stelst weeter hee^ de diipst eründ. 

Deart breed hee^, let et breecf hinge. 

Dear wat hee^i, dear wat kjen. 

Dear boog stapt, de falt liig. 

Dear faul heedy wel moar baa. 

Dear de Düiwel tö Frini hoedy kJen saagt ön Hei kam. 

Dit Ji^eelke well ben» hurt ütbroddet ee. 

Dear bin en dääd üs sin Neiber (neigbbour), de feid min Striid. 

Dear en Hund slaa weU, fend saagt en Stok. 

De Klooker düM eeder. 

Dit Jen nurd bänt dit üddet. 

Dear de Skaar passe, miis öntii. 

Dear leest lachet, de lasbet bääst. 

Dear hörn skiljig weet, de flüght. 

De Hingster, dear dit Haawer foartiine, faat ek a1ti(/. 

Dit Jene/ skell dit Lääs binff. 

Em kjen aaff tau Flüggen slaa me jen Klapp. 

En slfigt Müss dear man jen Hell hed. 

En litj Hear es beeter üs en gurt Kneght. 

En gad Fuarbeskiid maaket frn fan Eeaerklapp (Kacb klapp). 

En utj Müss hee^ ak Haren. 

En Hurd, eu Hard; en Man, en Man. 

En Narr kjen muar'fraage, üs tun wissen beswaare kjen. 

Erk sin Möög (Geschmack), tk it Fügen. 

En Gidthals en en Swin kum jest tÖ Gaagen, wans daad sen. 

En skelm forlet sin ein Flag. 

En skelm dää^f moar üs er kjen. 

Eecfer Riin fölligt Senskiin. 

Fat dreft boowen (above). Fan Nönt kumt Nönt.- 

Fan Duik (1. Dank; 2. Beulenschlagen) stuarf de Smee/s Kat. 

Fuarspreeken es earelk, man hualden es beswttrelk. 

Faarsjuk ek en saort Sjip wit tö tauin. 

Gabi (gap) ek töögen en Baakami. 

Gurt Liddens Gönst en Spuun Jöld waaret man Kuart. 

Ganglik tö, dit es de neist Wei. 

Grip ek eeder de Mann. 

Hi reed ek de Dei, dear hi saadelt. 

Hi wear gud om eeJer de Doad tö stzüören. 

Hat geid me hörn üs en Lüs üp en tearet Piäsenning. 

Hat es ek gnd ua\d Hünder dit Böllin to liiren. 

Hungrig Lüss bit skarp. 

Hü moar Katter, hü tenner Slabbe (Getnink). 

Hunger es de bääst Kok. 

Hi bee^ en Geweten üs en Slagbterhünd. 

Huald ek bi de Flekk en let de Marigfaal. 

Hi well skit en well er min Ears ti dö. 

Hat fräst legfat wecUer üp aal<i Hial. 

Jen Függel ön de Ponn es beetef üs tun ön de Loght. 

Jit (eat) ek me lüng Ted (teeth>, want uk smakt üs Kneppel üp Hand. 

Jujs-en-Miareos-Beil kumt ek äff auijen. 

Jer de Uünd klaar waaJ, wear de Haas anr de Barig. 

Kumt Tid, kamt Reed. 



288 Miflcellen. 

Klattig Föölen auc/aaat de bääst Hingster. 

Kraak spikt sin Maat 

Kumt em aur Hund, da kamt em ok aar Stört. 

hedcßg Hund (Hand) klaud üdder Jend. 

Lewwer Flog stoim let üa Hunger eare (earn). 

Lewwer duad üs Slaawe. 

Lewwe en lewwe let Let mar wei. 

Let din Aun (Ofen) ek ölte wakker warm wxd, 

Lek (luck) en Glääs sen sköör. 

Müss heet uk Haren. 

Manning Hün(/er sen de EUna siniDuad. 

Nemmen Koopet en Katt Ön de Sak. 

Nun Meet (meat) sonder Knaak. 

Nönt es bääst Ön de oogen. 

Pluuge ek me iü^cferlids Kualwer. 

Fodcten (platt: Fadde). brödde min Sjungfügler üt 

Pogster sm niio Fegster. 

Pua Modefers *) wild min ruad Knappesii baa, om dat bi niinen faa Küd. 

Rid ek iip UedderUtia Hingster. 

Späne? de Hingster ek beest de Wein. 

Spänt^ de Böög ek ölte hoog, dat er ek springt. 

Strääng Uearen rogbt ek lung. * 

Sa ÜB du mi, sa ik di. 

Säät de Tearing eeder de Nearing. 

Spütte ek ür de Kual, üdden skel en sallef ofiit**). 

Skear min Strimmels iit Ue(/c/ermanns hedder. 

Spaare bi de Briad: want tö de buu(/en kumt: est tö leet (late). 

Säät niin Lüs ön Siist (Schafpelz der alten , jetzt aufgegebenen Natio- 
naltracht). 

Skaren (der schlechte) es niin TaL 

Sommen (some) haa jaa en kei (key) tö allemans Ears (Hinterthüren). 
man niinen tö jaar ein. 

SeW wat wo moi is dat Satter bliif bi din Leester. 

Saagt hoog deannan dooet. 

Staa de Spikker üp Eüiud (head). 

Tan hard Stiiner maale ek gud töhop. 

Taagteu sen toUtrii. 

Traubeid geid aur Alles. 

Üntruuheid aleid sin ein Hear. 

Uast en Wääst, it büüs est bääst 

Üt en liti) Funk kjen en gurt JöIJ kum. 

Wan de Nuad gurst es, es de Help neist 

Wan de Böög aurspäänt uue^ da brakt hi. 

Wat dit Oog ek sjoght, of dit Uar ek jert (hört), mA dit Hart ek 
siir (sore). 

Wiifl ek kuurt fuär Eüiud. 

*) Ein Sylter, von dem allerhand Streiche erzählt werden, aus dem Dorfe 
Rantum gebärt^, als Strandläufer im Anfange des XVIL Jahrhunderts vei^ 
rufen. 

*') Der lange Feter auf Hörnum, später unter dem Namen Pidder Ling 
als Seeräuber gefürchtet, der sich einen Rächer seines Volkes, der Dänen 
Verheerer, der Bremer Verzehrer, der Hamburger Belüger und der Hollan- 
der Betrüger nannte, erstickte um 1470 den Sohn des übermüthigen Amt- 
manns Henning Pogwisch von Tondem mit diesen Worten in seiner Schüs- 
sel, als jener ihm aus Hohn in die Kohlscliüssel gespieen hatte. 



Miflcellen. 289 

Wiss Hennen kjen uk cm Blaanern (Nesseln) warp. 

Wan wat seist, wiis kaort en bündig. 

Wat em täänkt, dit beeJ em tö. 

Waät (whet) dln Kniff (Knife) ek üp en Tungklalt 

Wat em ek weet, dit kjen em bäast swügge. 

Wir beschliessen diese Proben friesischer Weisheit mit einigen, unseres 
Wissens noeb nirgends veröffentlichten Reimen in der Sylterfriesiscben Mund- 
art^ deren Mittheilung wir der Güte Hansen's verdanken. 

1. 
Meik döör de Boorig rid? 

De Borrig es forbööden. 
Uokken heeii dit seid? 

Dear leest. knmt de skelt tö weeten fo. 

2. 
Rid, rid me Korf bi Sid* 
Mearen kumt de Brid 
Me böör road Aapler, 
Me böör Waagstaapler, 
Me gnl(/Knoppen üp böör Sliif; 
Jü well de biile Wunter bliif. 

8. 

Sil], siil tö Kaaeelön<f 

Me en Skeep foi Roghel ben, 

Wan de Rogge rippet, 
_ Wan de Berre piipet, 

'^ Hen om Waagstaapler, 

Om en Lääs fol Aapler, 

Wan wü da de Aaplerfaa, 

Da skedt du uk bokken paa. 

4. 

Karen en Maren jat toogom en Roop; 

Karen wild en Bridmann haa, en Maren wild ook. 

Karen no<»n en Stiin 

En smeet Maren aur Biin: 

„Uba min BiinI hur bleef de Stün?« 

De Stiin de seet ön Maren böör Bün. 

5. 
Sei en Mei 
Stöncft ap fuar Dei. 
Jat bok jaar Broad; 
tJat bruud jaar Biir 
Jat slagbtet jaar Stiir^ 
En da seid Sei tö Mei: 
^Hat es jit soowen Stünc^ fuar Dei.* 

6. 
Die Friesinn und ihre Freier. 

a. Der Sylter als Freier. 

Bub Piirken mld Marri Hennerken frii. 
Man sin Mooter wilt ek lud, 
Jü seid: min Drääng fortiine jest wat, 
Din Arfdeel maaket de Kual ek fat, 
Wü sen jit de jest fjuurtein Jaar 
Ek tnnet me en Snaar. 



240 Miscellen. 

Buh wild hörn da tö See ütüf 
£n fjunrtein Jaftr faa HUs of bliif ; 
Man arem Mught hi hold nun Uurd: 
Hi fäät üp See aar Buard. 

b. Der Jute als Freier. 

Dear kam en lit) Mantje fan Nuuelen 

Me floowen poltig Jiiaden, 

Me floowen Aasen fhar sin Plogh, 

Me soowen Griskin ön sin Skogh. 

Hi raaket Hennerk Jerkeos Skiin, 

En ging aar Haagen de Booster ün. 

Ui seid tö Murika: <^ 

^Minkjäre h^ Faavien, wan du well mi haa, 

Saa skell du alle min Griskin faa.^ 

Jü swaaret höm:i 

nKjenst dit forstaun: 

Gnp ewier de Mann, 

En bring mi de 

Da feist dti mi.^ 

c- Der Holsteiner als Freier. 

Dear kam en Skep bi Sü(^</er Sid 

Me trii jung Friiers ön de Floot 

Hokken wear de förderst? 

Dit wear Peter Rotbgrün * 

Hör säät fai sin Spöören? 

Fuar Hennerk Jerkens Düür? 

Hokken kam tö Düür? 

Marrike sallef 

Me Kruken Bekker ön de ien Uundy 

En gulde Ringer aar de ücmer Uund. 

Jü nööcßgt höm en sin Hinjnt iin, 

Död de Hingst Haawer en Feter Wiin. 

,Toonk, toonk fuar des gad Deil'' 

AI de Brid en Bridmaaner of Wei 

Otter Marrike en Feter allüning. 

Jü k>ok höm iin tö Kest, 

En wik/ höm nimmer muar mest. 

7. Des Vogels Klage- 

»Kliire, Kliire, Klödtj ! 
Ik warp min Eier üp en riighe Tötj. 
Dear kamt en Arm en gei£ forbi. 
Dear kumt en Bik en nemt jam me. 
Kliire, Küire, Klödtj 1« 

8. Bäthsel. 

Gleesoogi seet üp Stinkenbarig, 
Stinkenbarig broan ander: 
Gleesoogi flooe naa de Hinger. — 
Wat wear dit? 

t Brandenburg. ^r, Sachs. 



Mira Gaj a. 



In den Romancero der Spanier und Portugiesen, jene ver- 
dienstvolle Liedersammlung, durch welche Ein. Geibel und 
Frhr. v. Schack in geschmackvoller Wiedergabe mit den Dich- 
tungen des hesperischen Volkes bekannt und befreundet mach- 
ten, nahm Frhr. v. Schack, der sich die portugiesischen Volks- 
lieder zum Antheil nahm, im Verhältniss wenig Proben auf; 
unter diesen finden sich nun auch solche Dichtungen, die, wie 
es bei geschichtlichen Volksliedern so häufig vorkommt, wegen 
mangelnder Motivirungen und Zwischenglieder, dem ferner ste- 
henden Leser unklar bleiben I Ich erinnere hier an das Gedicht 
Bernhard der Franzose in obiger Sammlung. 

Visconde Älmeida Garret, gewiss einer der hervorragend- 
sten portugiesischen Prosaiker und ein Dichter, der mit unserm 
Heine in der Hinneigung zum Volksliede verwandt ist, hat nun 
mehrere solcher theilweise apokryph gewordener Poesien aus 
jener Zeit des Kampfes zwischen Christen und Mauren mit 
emsiger Forschung nach den verschiedenen — ^it venia verbo — 
Lesarten, nach Bruchstücken etc., kurz durch geschickte Redi- 
girung dem Verständniss nah gerückt. In diese Kategorie ge- 
hört denn auch der bereits erwähnte Bemal Frances. 

Eines der schönsten Stücke bildet die Sage Mira Gaja. 
Vielleicht ist die Mittheilung nach Garret's Kedaction Manchem 
als eine Ergänzung erwünscht, da sie sich bei Schack nicht findet. 

Was den Titel anlangt, so ist Gaja (franz. joie, ital. gioja) 
der Name der Königin von Milhor; mira ist der Imperativ von 
mirar = schauen. 

Archiv f. n. Bpnchen. XXXIX. 1 6 



242 Mira Gaja. 

Bezüglich meiner Uebersetzung bemerke ich> dass ich dem 
Original möglichst treu za bleiben bemüht war, jedoch ohne jene 
Aengstlichkeit, die auf Kosten des poetischen Ausdrucks auch 
prosaische Wendungen und hie und da aufbretende geschwätzige 
Breite photographisch genau reproducirt. 

Mira Gajal 

I. 

Schön bist du, o Nacht, und herrlich 
In dem mondenlosen DunkeL 
Wer vermag's, wer zählt der Sterne 
Millionenfach Gefunkel? 

Wer die Blätter in dem Haine ? 
In dem Meere wer den Sand ? 
Alle sind Gesetzeslettem, 
Bachstaben von Gottes Hand. 

Weh dem Prahler, der sich brfistet, 
Diese Lettern zu entziffern: 
Steh'n doch in dem Gottesbuche 
Für die Engel selbst nur Chiffem ! — 

Sorglos spielte Don Ramiro 
Kosend mit der Liebsten Haupte« 
Ein von Gott verlassener Jude 
Sprach ihm zu, dass er sie raubte. 

Aus der Stemenschrift vermass sich 
Ihn der Jude zu bethdren, 
Dass die Blume aller Schönheit, 
Sara, solle ihm gehören. 

und herüber schlich der König, 
— Doiro's and'res Ufer war's — 
Stahl das schöne Maurenmädchen, 
Stahl die Schwester Alboasar's, 

Brachte sie in's meerumfloss'ne, 
In sein Königreich Milhor; 
Doch des Reichs blieb er vergessen, 
Seit die Manrin er erkor. 

Trostlos weinte seine Gattin, 
Und sie konnte sich nicht fassen, 



Mira Gaja. 248 



Dass ihr Gatte sie so schmachvoll 
Um ein Manrenweib verlassen. 

Tiefe Nacht war eingebrochen« 
Vom Balkone klagt die Dame 
In das mondenlose Dunkel 
Worte voll von Schmerz und Orame. 

„Don Ramiro, treuvergess*ner, 
Hab' ich Anlass Dir gegeben, 
Sei's des Leibes, sei's der Seele, 
Dass ich solches muss erleben? 

Rühmest Du der Mohrin Schönheit, 
Ihres Leibes Zauberpracht? 
Ehdem, o mein König, priesest 
Du auch meiner Schönheit Macht. 

Sie ist jung, im Lenz des- Lebens? 
Als mein G-atte mich erwählt, 
Zählf ich erst der Jahre siebzehn, 
Zähle drei, seit ich vermählt« 

Doch — sie hat ja schwarze Augen, 
Augen, die befehlen können. 
Meinen armen blauen Augen 
Willst Du nur /ZU weinen gönnen. 

Sara heisst die Wunderblume? 
Graja — Freude — heisse ich, 
Ehedem umfing mich Freude, 
Aber jetzt verlässt sie mich. 

War' ich^Mann, und könnf ich reiten, 
Waffen, rief ich, reicht mir dar! 
Reiten würd' ich, spornstreichs reiten 
Zu dem Mauren Alboasar." — 

Ihre Blicke schweiften abwärts. 
Als das Wort noch kaum verklungen. 
Und von schattenhaften Wesen 
Sah sie den Palast ummngen. 

„Peronella, Peronella,^ 
Ruft der Magd sie, „sdileunig gehe. 
Was für schattenhafte Wesen 
Sind's, die ich dort schleichen sehe?*' 



16 



244 Mira Gaja. 

Keine Antwort Peronella's — 
. Soll sie etwa eingesjtefaen, 

Dass Kleinode, Gold und Kleider 
' Sie bestochen, nichts zu sehen? 

Ihren Dienern ruft die Donna, 
Sie erhebt sich, flüchtet weiter; 
Aber sie umringen plötzlich 
Sieben dunkle Mauren-Beiter. 

Ihrer Diener — ob gefangen, 
pb bestochen? — kommet keiner: 
DieGeknebelte zu Rosse 
Zwingt vor sich der Reiter einer. 

Ohne Ünterlass ein Traben 
lieber Berg und Fluss und Graben. 
Meeresufer I Welch' Grewässer 
Mag hier seine Mündung haben ? 

„Doiro, Doiro, viel gefiirchtet, 
Für die SchiJQTer voll Gefahren, 
Sage mir, woher entnimmst du 
Diese Wasser, diese klaren?" 

„Wo ich meine Perlen raube? 
Sagen will ich Dir's, woher: 
Bäche rinnen in die Flüsse, 
Und die Flüsse nach dem Meer." 

„Der mir meinen Schatz gestohlen, 
Stehlen will ich Dir den Deinen." 
Sang der Mohr in Gaja's Augen, 
Gaja blickte in die seinen. 

Schau' ihn an, o Gaja, schaue! 
Schöner wird er stets dir dünken — 
„Welche Schiffe seh* ich warten? 
Wessen Schloss dort seh' ich blinken?" 
„Dieses Schiff harrt Dein — befahr*s I 
Jenes Schloss ist Alboasar^s!" 

n. 

Don Ramirp, der die Treue 
Brach, um kurze Liebeswonnen, 
Böse Schicksalsfaden wurden 
Dir von bösen Fee'n gesponnen: 



Mira Gaja. ^ 245 



Üeberdruss an dem Errung'nen, 
Nach Verlor'nem heiss Begehreo. — 
Sara, deiner Sorgfalt Blume, 
Weiss dir nichts mehr zu gewähren. 

Deine Gattin, welche dein war, 
Jetzt durch deine^ Schuld verloren, 
Willst du eifersüchtigen Schmerzes 
Rflckgewinnen von dem Mohren? — 

Wessen Schiffe trägt der Doiro 
Heimlich durch die nächt'gen Schatten? 
Zwischen niedem Weidenböschen 
Geht die I^andung still von Statten. 

und ein Mann entspringt dem Nachen. 
Mann mit Pilgerhut und Tasche, 
Mit dem frommen Rosenkranze, 
Wohin eilt dein Schritt, der rasche ? . . . ' 

Und die Sonne stieg, den Nebel 
Ueber'm Fluss si^reich durchdringend; 
An dem Fuss des Marmorschlosses 
Schlenderte der Pilger singend : 

„Fern, San Jago von Galiza, 
Ist Dein Altar zu. verehren ; 
Wird der Wand'rer, der dorthin wallt. 
Wieder in die Heimat kehren?^ 

Dort am Fuss des Marmorschlosses 
Wo dumpf murmelnd Brunnen rauschen, 
Hebt ein Mädchen an, den Worten 
Jenes Wandersmanns su lauschen. 

Ob der Krug auch überfiiesse, 
Lauscht die Jungfrau doch den EHängen; 
„Gottwillkommen, Gottwillkommen 
Euem heiligen Gesängen, 

Euem heiligen Gesängen, 
Liedern aus der Kindheit Tagen, 
Wie wir sie im Land der Mauren 
Nimmer anzustimmen wagen. '^ 

„Gott erhalt' Euch, theure Jungfrau, 
Euch und Eurer Worte Milde, 



246 Mira Gaja. 

ünverhofllt im Manrenlande 
Selbflt im kühnsten Traumgebilde. 

La80t mich Dürstenden hier laben 
An den frischen Quell mich treten, 
Kann nicht weiter, bin ermattet, 
Will für Euch am Brunnen beten. ^ 

„Setzt £uch, Pilger, guter Pilger, 
Ruht Euch aus an dieser Stelle ; 
Keiner von d^ andern Brunnen 
Gleicht der süssen, frischen Quelle. 

Diese hat besondem Vorzug: 
Nur vop ihr an jedem Morgen 
HoP ich Wasser meiner Donna, 
Und es lindert ihre Sorgen. 

Trinkt aus ihrem Quell und Becher 1 
Blendender als Gold erblinkt 
Dieses Silber, d'rans die Fürstin, 
Aber nie ein Maure trinkt. 

Zwar — was spräche Donna Gaja, 
Würd' ihr solches offenbar, 
Dass Ihr trinkt aus ihrem Becher? 
Und was thäte Alboasar? 

Doch e r ging den Eber jagen ; 
Und was meine Herrin spricht? 
Wer aus lauterm Gold genossen 
Fragt um eitel Silber nicht ^ — 

„Sagt ihr, Jungfrau, von dem Pilger 
Eundschafl, der ihr bringen müsse 
Eines um sie Gramverstorb'nen 
Ring und seine letzten Grüssel^ 

Einen Bing vom Finger streift er, 
Lässt ihn in den Becher sinken : 
„Dieser Ring wird sie gemahnen. 
Wenn sie wird dies Wasser trinken.^ 

Und die Magd, als schlüge Feuer 
Unter'm Fuss schon aus dem Grunde, 
Eilt von dannen, auf der Zunge 
Brennt ihr schon die neue Kunde, 



Mira Gaja. 247 

^Peronella, nnlenksame! 
Peronellal Hurtig! Schnell! 
Läsat verdürsten Deine Herrin; 
Hast gewiss gespielt am Quell?'' 

„Hab' gespielt nicht, liess mich wiegen 
Sehnend nur von einem Traume 
Fort aus diesem Heidenlande 
Nach Melhor am Meeressanme. 

Dort, ja dort nur gab's ein Leben 
Stets in lusterhellten Tagen, 
Dienend unserm wahren Grotte. 
Nimmer kann ich's hier ertragen.^ — 

„Schweige, Peronella, suche 
Nimmer an mein Herz zu rühren; 
Nicht mit eig'nem Willen liess ich , 
In dies Heidenland mich fuhren. 

Aber dem, der mich geraubt hat 
Hab' ich lange schon vergeben. 
Besser, denn al^ Fürstin trauern, 
Ist's, als Magd zufrieden leben. 

Ja bei Gott, das war ein Leben, 
Einer Fürstin angemessen, 
Wo am Platze der Verlassenen 
Jenes Mauren weih gesessen.'' 

Jeder Kränkung denkt sie wieder. 
Und ihr Blick erglüht im Zorne. 
Loschen wiU sie diese Gluten 
In der Flut vom Schlosshofbome. 

„Willst Du mich mit Gift b^ubem? 
In dem Wasser glüht ein Feuer, 
Und doch gleicht der Wasserk&lte 
EAum ein Winterschnee, ein neuer." 

„Liesse gern mich so bezaubern! ^ 
Einem Mann — er sei gesegnet! — 
Einem Pilgersmann, o Herrin, 
Bin ich bei dem Quell begegnet. 

Dieser /warf die Flammensteine 
In den Becher. Mit dem Ringe, 



J 



248 Mira Gaja. 

Sprach er, meld' er sich als Boten, 
Der Euch fh)he Mare bringe.^ 

y,Will ihn sprechen; lass ihn kommen! 
Mit so königlichen Spenden 
Wie der Bing, vermag als Boten 
Nur ein König ihn zu senden.'' 

m. 

^ Höret auf, mir meine Hände 
Wie Reliquien zu küssen; 
Stehet auf, o guter Pilger, 
Stehet auf von meinen Füssen 1^ 

Doch der Pilger ihr zu Füssen ^ 
Küsst inbrünstig ihre Hände, 
Küsst sie immer, immer wieder, 
Küsst sie immer ohne Ende. 

Schon dem ungestümen Pilger 
Will Ramiro's Gattin grollen — 
Sieh, da fühlt sie dicke Thränen 
Schwer auf ihre ]Hände rollen. 

„Frommer Pilger, welch' Gebresten 
Mag Dein Herz so stark beschweren? 
Sprich es aus, vielleicht vermag ich 
Deiner Kümmemiss zu wehren.^ 

„Für die Todten gibt's kein Leiden, 
Meine Qual gehört nicht mir. 
Das verloren ich, das Leben, 
Ist verloren, ach! an Dir. 

Meine Qual ist nicht die meine, 
Ist um Dich ein nagend Leiden: 
Eine Christenfürstin fand ich 
Heimisch* hier im Land der Heiden.^ 

„Pilger, lasst um mich die Sorge, 
Bin der Sorge nicht begehrlich; 
Was ich war, das ist vergessen. 
Was ich bin, das bin ich ehrlich. 

Gott wird meiner sich erbarmen. 
Ich nicht bin ein Missethäter; 



Mira Gaja. ^ 249 



Aber strenges Recht erwartet 
Don Ramiro, den Verr&ther." — 

„Warte nicht, bis Gottes Rechtsspruch 
Werde zwischen uns entscheiden. 
Don Ramiro ist zur Stelle, 
Von Dir Strafe zu erleiden.^ 

« 

Auf vom Boden springt der König, 
Seine raschen Hände reissen 
Sich das weisse Haar vom Scheitel 
Und dea Bart sich ab, den weissen. 

Niedergleitet Stock und Mantel« 
Und der Pilgerhut zur Erde; 
Forstlich schön ist sein ^Geschmeide, 
Fürstlich jegliche Geberde. 

Gaja's Auge — wer hat jemals 
Wieder solchen Blick gesehen? 
Und wer fühlte solch Empfinden . 
Je durch seine Seele gehen? 

Während Zucken, scheues Lächeln 
Ueber Gaja's Züge, ziehen, 
Wird ihr glühend heiss die Wange: 
Doch es ist ein farblos Glühen. 

Also spiegelt sich im Antlitz 
Der Empfindungen Gedränge, 
Wie sie auf- und niederwogen 
Gleich der Flut der Meeresenge. 

Wonne^ist dem Mann die Rache, 
Für -das Weib ist's höchste Gier. 
Er verzeiht und lebet weiter, 
. Tod ist das Verzeihen ihr. 

Von den wechselnden Entschlüssen, 
Die auftauchten und versanken. 
Hielt den ersten sie und letzten 
Fest: auf Rache den Gedanken. 

Doch, ein Herz, das ehdem ihr, war 
Rückgekehrt vor ihre Füsse — 
Solch ein Sieg für eitle Frauen 
'Wie verführerisch, wie süsse! . 



I 



250 Mira Gaja. 

Mit den Seinen ist der Maure 
In die Berge fortgezogen, 
Sie allein im Thurm — mit Listen 
Sucht den Gatten sie zu fangen. 

Jeden Schatten aus den Zügen 
Kann ihr tödtlich Lächeln werfen, 
Und sie zähmt den Blitz der Augen, 
Um ihn zündender zu schärfen. 

^ Ihrer Stimme Zaubertöne, 

Wie sie sich zum Herzen schmeicheln! 
Mit der Hölle in dem Busen 
Weiss den Himmel sie zu heucheln. 

Sanfter werden schon die Klagen, 
Milder schon, erstickt von Zähren. 
Nicht mehr strenges Recht — Vergebung 
Scheint das Weib ihm zu gewähren. 

Zwar die schönen Lippen schwören, 
Dasb sie nie verzeihen werden. 
Aber zu dem Nein des Mundes 
Sprechen Ja Blick und Geberden. 

Er erniedrigt sich zu knieen, 
Heiss zu flehen, zu beschwören. 
Ach gewiss] Schon schwankt ihr Wille, 
Endlich wird sie ihn erhören. 

Aber plötzlich aus den fernen 
Bergen nieder nadb dem ThatS 
Schmettern in dem AugenblickCi 
Froh der Heimkehr, Homsignale. 

„Rasch verbirg Dich, Don Ramiro, 
Heimgekehrt ist Alboeisar, 
Rasch verbirg Dich, und Du rettest 
Mich vor tödtlicher Gefahr!'' 

Kaum noch hatte sie den Schlüssel 
Umgedreht zum dritten Male 
Und im Aermel ihn verborgen, 
Stand der Maure schon im Saale. 

„Schlimme Kunde, meine Gaja, 
Hab' ich müssen heut erfahren. 



Mira Gaja. 251 

Ein Erlebnis«, wie ich keines 
Noch erlebt in dreien Jahren* 

Stiess doch heut auch in mein JagdhcNm, 
Als den Heimweg ich genommen; 
Aber leer sah ich den Söller, 
Keinen Gruss und kein Willkommen. 

Hast verwöhnt mich, stets za sehen 
Wink und Grüsse meiner Schönen; 
Warum willst Du, meine Freundin, 
Dieser Freude mich entwöhnen ?^ — 

Könnte jetzt der Manrenkönig 
In dem Herzen Gkya's lesen, 
Wild zerrissen von Gedanken, 
Was sie ward, was sie gewesen! 

Lust nach früherm Herrscherglanze, 
Liebe zu dem Maurenfursten 
Wühlt und wirbelt durch den Busen 
Und ein heisses Rachedürsten. 

Lieb' und Rache, eines Weibes 
Höchste Wollust, Iriumphiren: 
Nimm den Schlüssel; eine Kunde 
Bergen jener Kammer ThOren. '' 

Alboasar gespannter Seele 
Üeberschreitet jene Sehwellen — 
Jene Worte, die dort fielen, 
Wer vermag sie darzustellen? 

Höret, wie mit Don Ramiro 
Alboasar ging iu's Gericht: 
„Deine Ehre ist verloren, 
Doch Dein Leben will ich nicht. 

Einmal hast Du mich bestohlen, 
Entgelt wusst' ich zu gewinnen; 
Heut genügt's, wenn ^ Don Ramiro 
Tief beschämt entweicht von hinnen.^ 

Don Ramiro sprach, der König, 
Sprach es gram- und schäm verzehrt : 
„All zu gross ist mein Vergehen, 
Ist nur stihnbar durch Dein Schwert. 



252 ' Mira Gaja. 

In Dein Schloss bin ich gekommen. 
Auszuliefern mich den Händen 
Meines Rächers, mächtiger Maure, 
Unter Deiner Hand zu enden. 

So befahl es mir mein Beicht'ger, 
Um zum Himmel einzugehen: 
Oeffentlich sei meine Busse,. 
Oefientlich war mein Vergehen. 

Stoss' ins Hom, und mag es bersten, 
Ruf die Mannen vor die Halle! 
Alle sollen sehn mein Ende, 
Meiner denken sollen AUe.^ — 

Gross war seine Sünde, grösser 
War die Sühne, die er bot. 
Ihm verzeihen will der Maure, 
Aber Gaja seinen Tod. 

Alles Mauren Volk versammelt 
Sich vor'm Schloss von fem und nah; 
Mitten in dem Kreise stehet 
Don Ramiro aufrecht da. 

Und er schwellt den Ton des Homes, 
Dass es barst am Maurenmunde; 
Seinen schrillen Laut' vernahm man 
Viele Meilen in der Runde. 

Hörte man wol auf das Schmettern 
Bis hinunter an das Meer? 
Sicher! Von Ramiro's Schiffen 
Scholl an's Schloss ein Rufen her. 

IV. 

Bei San Jago, weit geöffnet 
Sind des Thurmes Thore alle, 
Keine Wachen auf den Mauern 
Schützen vor dem Ueberfalle. 

Ringsum rennt den üeberraschten 
Eingedrung'nes Volk entgegen: 
Löwenkrieger*) Don Ramiro's. 
Don Ramiro zieht den Degen. 



*) Bezeichnang der Leibgarde nach dem Löwenbanner des Königs. 



Mira Gaja.; S53 

Zücket ihn mit einem Zuge 
Blitzschnell ohne ZeitTerlnst, 
Spaltet tief das Haupt des Mauren, 
Spaltet es bis an die Brust. 

Allecf todt oder in Banden, 
Und das Schloss umloht vom Feuer — 
^Nach den Schiffen mit der Beute! 
In die Schiffe! An die Steuer !<« 

Xfm vom Ufer abzustossen, ^ 
Seht, wie sich die Segler sputen 
Nach des Doiro anderm Ufer! 
Wiehfern tönt von fernen Stuten. 

„Seht, die Löwenbanner flattern. 
Wollen uns entgegeuwinken ! 
Kudert, Leute, wo so nah schon 
Uns'rer Heimat Ufer winken. 

Diesseits liegt das Maurenufer 
Von Coimbra bis Tolmar, 
Rasch durchschneidet mir den Doiro! 
Trauet nicht! Hier droht Gefahr.** — 

Auf dem Grausen steht des Schiffes 
Don ^miro, hält geschlungen 
Seinen rechten Arm um Gaja 
Wie vQn Liebe tief durchdrungen. 

Stunvm, das Auge festgeheftet 
Nach des Wassers Wogenspiele, 
Lehnt an seiner Seite Gaja, 
Gleich als schau' sie and're Ziele. 

Merkfs der Fürst? WiU er's nicht merken? 
Mitten in den Fluss gekommen 
War von ihm nicht, war von ihr nicht 
Noch ein einzig Wort vernommen. 

Und es glühet noch und leuchtet 
Femher Alboasar's Ruine. 
Endlich hebt ihr Antlitz Gaja, 
Schaut sie an mit düsfrer Miene. 

Thräne rollt um Thräne nieder, 
Und sie schluchzt — sie weiss es nicht — 



254 Mira Gaja. 

Nimmer sohweigt der König, wähnend, 
Dass darch's Auge Rene bricht, 

Reuethränen, dass an9 Bache 
Sie dem Mauren sich ergeben, 
Und er spricht mit sanfter Stimme: 
„Was beweinst Du, süsses Leben? 

_ » 

Was geschehen, ist geschehen^ 

wWohl geschehen,^ stöhnt die Dame, 
Und sie schluchzet auf, alis mOsste 
Brechen ihr das Herz vor Grame. 

„Wunderbar und wohl geschehen, 
Eines hohen Königs wert, 
Lieder sollen einst erzählen 
Von dem ritterlichen Schwert. 

Ihn hast meuchlings Du gemordet, 
Der das Leben Dir geschont. 
Unmann Du, der solchem Manne, 
"Eine feige Memme, lohnt. 

Hast mit Tficke den gemordet, 
Der ganz unvergleichlich war 
Unter Christen, unter Mauren, 
Hast gemordet Alboasar. 

Was ich weine, kannst Du fragen. 
Du verräterischer Mann? 
Dass ich ihn im Arm nicht habe, 
Dass ich bin in Deinem Bann. 

Was ich weine, kannst Du fragen? 
Soll Dir's meine Lippe hauchen? 
Von den Trümmern lass Dir's sagen, 
Die dort gegen Himmel rauchen. 

Wenn mein Auge dort nur thränte 
Von des Glücks, der Liebe Thaue, 
Wenn dort Herz mir lieg^ und Leben, 
Fragst Du noch, wonach ich schaue?^ 






„Schaue, G^ja,*^ rief Bamiro, 
Rief es aus und griff zum Stahl, 
„Schaue hin, o Gtya, schaue. 
Denn es ist zum letzten Mal !^ 



Mira Gaja. 255 

Und es ihg ihr Hanpt vom Kampfe, . 
Und ihr Leichnam über Bord. 
,, Wälze sie, mein gater Doiro, 
Wälze sie zum Meere fortl^ 

Treulich wird noch tod der Donna 
Im Ged&chtniss fort verkündet; 
Gaja ist des Schlosses Name, 
Das mn Gktja ward entzündet. 

und des Doiro and'res Ufer, 
Wo Ramiro landen wollte, 
Wo er „Schaue, Graja!'^ ausrief, 
Wo ihr Haupt vom Leibe rollte, 

Mira Gaja heissfs noch immer 
Li dem Munde aller Frauen, 
In dem Munde aller Männer 
Von dem unheilvollen Schauen. 

Aschaffenburg. Pro^* M. Beilhack. 



Sitzungen der Berliner Gesellschaft 

für das 
Studium der neueren Sprachen. 



123. Sitzung vom 13. März 1866. Herr Michaelis sprach über 
den Uebelstand der englischen Bezeichnung ea für e, i und e, und die 
Möglichkeit der Beseitigung desselben. Don dritten Laut betreffend, 
rechtfertigt sich das Beibehalten des ea aus keinem der 12 von Mätz- 
ner (I, 100) aufgeführten Ursprünge, und phonetisch lässt sich fQr 
mean, meant und read, read gegenüber cleave, cleft und lead, led 
oder sleep, slept, bleed, bled, nichts anftihren, was den Unterschied 
rechtfertigte. Dasselbe gilt von sonstigen Ableitungsendungen: welth 
(v. weal); brekfast (v. break), derth (v. dear) müssen mit demselben 
Becht geschrieben werden wie width (v. wide), theft (v. thieve) u. s. w. ; 
und von einsylbigen Wörtern mit einfacher Schlussconsonanz : nur led 
(Blei) und bred '(Brot) wäre naturgemässe Schreibung. Noch natur- 
widriger ist die diphthongische Schreibung, wo der kurze Laut in offiier 
Sjlbe stehen soll, wie in weather, feather: wobei nebenbei die Rich- 
tigkeit des „offen'' noch sehr zu beanstanden ist. — Für das Etymo- 
logische ist mit ea für keins der romanischen Wörter mehr gewonnen 
als mit S, womit dieselben auch im 13. bis 15. saec. geschrieben wur- 
den; selbst in realm gehört das a nur der Ableitungssilbe ^des zu sup- 
ponirenden regalimen an: ebensowenig für die germanischen mit kur- 
zem Wurzellaat; für die aus dem langen (eä, eö, a und &) ist doch 
auch das e die angemessenere Bezeichnung der Kürzung. Respectable 
etymologische Gründe Hessen sich allein für deaf, threat, lead, death, 
head anführen, welche ags. eä hatten; hier aber würde der phonetische 
Grund, dass faktisch doch das kurze e unwiederbringlich eingetreten «ist, 
zu -def , deth u. s. w. mit Nothwendigkeit zwingen. — Ueber die Be- 
zeichnung M offne Sylbe'' in weather u. A. erhob sich eine kuze Dis- 
cussion, an der sich die Herren Mahn, Strack und Beneke betheilig- 
ten. — Herr Mahn sprach über die Etymologie der Flussnamen Oder 
und Weser : die Form Viadrus für den erstren ist moderne Erfindung. 
Die älteste Autorität ist Ptolemaeus, er schreibt den Namen Oviadog 



Sitcnngen der Berliner GeBellsohafc 257 

und diese Form entspricht genau dem Ursprung aus dem armorika^. 
gwäz, Strom, Bach, da das moderne z dem älteren d, und gw einem ur- 
sprünglichen uu, w entspricht. Urform sei väd, skr. und, madidum esse; 
die spätre Form ist durch littauischen oder germanischen Einfluss modifi- 
drt: adura aus celtiscbem dür, a ist Best des celtbchen Artikels. Die 
Weser nennt Strabo BiaovQyig, Ptolemaeus OviaovQyog. Die älteste 
deutsche Form Wisuraba scheint entstanden aus celt. uisg Wasser und 
surgis (vgl. Zorge im Harz ; Sorgues in Frankreich u. A.) aus skr. sru, 
fliessen, so dass srulach (für sruthlach) == rinsing, u. d. Stamm „flies- 
sendes Wasser'* bedeutet; aha ist deutscher Zusatz mit der Bedeu- 
tung Wasser. 

Herr Märker zeigte eine Horazübersetzung von Frhm. y. Norden- 
fljcht an ; der Verfasser ist der Meinung , dass durch den gewöhn* 
liehen Unterricht dem Lernenden aller Geschmack am Dichter benom- 
men werde : um nun die Lebensweisheit desselben dem Leser zugänglich 
zu machen, werden mancherlei moderne Begriffe und Sprach Wendungen 
eingeführt: dergleichen, nicht ganz ungeeignet für leichtere Gattungen, 
Liebeslieder u. dergl., verwischt doch zu sehr den antiken Gedanken. 
Wir sollen uns beim Lesen einer Uebersetzung eben in ein Fremdes 
versetzen, es soll uns dadurch ein neuer Gesichtskreis geöffnet werden. 
Im Prosodischen kommt der Verfasser den von ihm selbst aufgestell- 
ten Forderungen nicht nach, indem er Wörter wie „Deine^ u. A. als 
Pyrrhichien braucht. — Es wird eine Schrift von Herm. GoU über- 
reicht, die Frage behandelnd, ob für höhere Bürgerschulen die Einfüh- 
rung des Lateinischen noth wendig sei. — Von Ihrer Majestät der Köni- 
gin ist dem Stipendienfonds ein Beitrag von 5 Friednchsd'or zugegan- 
gen. — Vorgelegt wurde durch Herrn Michaelis der Jahrgang 1865 
des Fhonetic Journal. 

124. Sitzung vom 27. März 1866. Herr Schönbemer sprach 
über das Verhältniss der Geberdensprache zur Lautsprache. Aufgabe 
der Zeichensprache ist es, Gedanken nicht für das Ohr, sondern für 
das Auge vernehmbar zu machen. Diese Sprache ist neben der Laut- 
sprache von den ältesten Zeiten her in Gebrauch gewesen, und hat 
ihre Schriftsprache in den ICeroglyphen. Sie ist auf der ersten Stufe 
sehr weitläuftig und ausführlich, macht aber analog der Lautsprache 
einen verkürzenden und abschleifenden Process durch: zu der Darstel- 
lung des bloss Sinnenfölligen und Concreten kommt der Ausdruck durch 
analoge Zeichen^ die nicht mehr der realen Natur entsprechen sollen, 
die, wo sie Abstractes ausdrvlcken soUen, willkürlich^ ohne innern Zu- 
sammenhang mit dem sinnlich Natürlichen sind (entsprechend der Prie- 
ster- und demotischen Schrift neben den Hieroglyphen). Auf die Ent- 
wicklungsstufen der Geberdensprache übergehend, wies Hr. I^ch. drei 
Stufen nach : die erste, unmittelbarer Erguss des Gefühls in Blick, Hal- 
tung, Gesichtsausdruök ; sie ist allgemein verständlich und angewandt, 

Archiv f. n. SprAcben. XXXIX. 17 



258 für das Studinm der neueren Sprachen. 

auch in der Kunst (Mimik) , reicht aber nur für den Aoedmck der €re- 
fiihle aus. — 2. Die Geberde als Begleiterin der Rede; auch sie kann 
nur aus dem Gefühle zum Gefühle reden. — S. Als selbständiger 
Ausdruck von G^anken malt sie Zeichen in die Luft. Sie bedient 
sich durchweg elliptischer Redeweise, und bedarf conventioneller Zei- 
chen, die, wenn nicht erlernt, unverständlich sind. Der Taubstumme 
hat die Sprache der ersten Stufe im höchsten Grade; er ahmt jeden 
GefQhlsausdruck sehr gut nach , doch hängt diese Sprache natürlich 
sehr von subjectiven Auflassungen ab. Auch die mit oonventionellen 
Zeichen systematisch hergestellte, bei uns gelehrte Sprache der Tanb- 
stummen entbehrt mit Noth wendigkeit der Bezeichnung für die Bezie- 
hungen der Begriffe, d. h. rouss sich auf den Ausdruck von Substan- 
tiv, Adjectiv und Verbum beschränken : fiir sie syntaktische und gram- 
matische Verbindungen zu finden , ist sehr schwer. Dagegen hat man 
in Frankreich eine Geberdensprache erfbnden, welche zu jeder Be- 
griffsbezeichnung ein Zeichen für das grammatische Verhältniss zufttgt, 
was die Sprache sehr umständlieh und schwierig macht Andrerseits 
erreicht der Taubstumme bei uns durch sorgialtigen Unterricht die 
Fähigkeit, schriftlich über grammatische und syntaktische Verhältnisse 
mit Klarheit zu 'gebieten, ja französisch und englisch zu correspon- 
diren. Auf Aufforderung des Vorsitzenden sprach der Vortr. das Va- 
terunser in der Taubstummensprache vor, erläuterte die Zeichen and 
gab- eine Reihe interessanter Notizen über den Unterricht und über 
die geistige Fähigkeit der Taubstummen. — Herr Friedberg stellte im 
Gegensatz zum Vortr. die Behauptung auf, d&ss Taubstumme mit re- 
gelmässig gebildetem Gehirne zur Fassung und zum Ausdruck aller 
Abstractionen fähig wären : es käme nur darauf an , ihm in Zeichen 
die Worte für die Abstractionen genügend deutlich zuzuführen, um 
ihn zu gleicher Fertigkeit zu bringen wie den Vollsinnigen ; ein Zu- 
sammenwirken des Lehrers mit dem Arzte sei erforderlich. — Herr 
Seh. wies dagegen aus der Erfahrung nach, dass das Fassen abstrac- 
ter Begriffe deft meisten Taubstammen unüberwindliche Schwierigkei- 
ten bereite. Erscheinungen wie Laboureux de Fontenaye seien Aus- 
nahmen. Gegen die Aeusserung, dass in der Heilkunde auf dem Ge- 
biet der Gehörskrankheiten viel Charlataaerie herrsche, protestirt Hr. 
Friedberg, indem er darauf hinweist, dass beim Mangel einer physiolo- 
gischen Basis noch keine richtige therapeutische Behandlung erwartet 
werden könne. — Hierauf erörterte Hr. Bandow über einige Stellen 
aus Dickens' Cricket on the Hearth. — Für die Bibliothek wurde der 
Bericht des russischen Ministeriums der Volksaufklärung übergeben, 
und von Hrn. Friedberg wurden Mittheilungen des Comitis der Bopp- 
stiilung in Paris und Venedig gegeben. 

125. Sitzung vom 12. April 1866. Die ganze Sitzung wurde 
durch die Discussion über die Frage eingenommen, wie die Aussprache 
des Englischen am besten zu lehrep. Veranlasst durch den von Hrn. 



■ 

Sitaungen der Berliner Gesellschaft 259 

Beneke in der 119. Sitzung (9. Jan.) gehaltenen Vortrag stellte Herr 
Franz die Behauptung auf, dass Bezeichnungen der Aussprache, sei es 
durch Strich, Zahl oder Zeichen, nur Verwirrung erregen. Das ein* 
zig Praktische sei, ein Spelling Book zu haben, und für die Aussprache 
der Laute Walker zur Norm zu nehmen« Die dem Englischen eigen* 
thGmlichen Laute werden dem SchGler, vielleicht mit Hülfe naheliegen* 
der deutscher und französischer klar gemacht, vorgesprochen und er 
spricht die reimenden Worte des Sp. B. dann nach ; mit Hülfe weniger 
leichter Regeln, wie über die Toqlosigkeit der Vor- und der dem Ac- 
cent folgenden Sylben geht man dann zu mehrsylbigen Wörtern über; 
Sätze mit einsylbigen Wörtern, wie: bis pen has no ink in it, und dann 
leichte Erzählungen, die unter Angabe aller Gründe für die Aussprache 
gelesen werden , führen deiy Schüler bei 4 wöchentlichen Stunden in 
einem halben Jahre zu einer ziemlichen Fertigkeit, geläufig zu lesen. — ^ 
Hierauf vertheidigte zunächst H. van Dalen die entgegengesetzte An- 
sicht unjer Berufung auf die, durch die von ihm verfassten Lan genscheid t- 
sehen Unterrichtsbriefe erzielten Resultate: verschiedene Personen hät- 
ten sich nach denselben, bloss der schriftlichen Anweisung folgend, 
eine so * genügende Kenntniss der Sprache angeeignet, dass sie sich in 
England selbst eine Existenz gründen konnten. Man komme füV die 
I Bezeichnung der Aussprache mit verhältnissmässig einfachen Mitteln 
aus. üebrigens könne jeder Weg, der nicht unvernünftig sei, an der 
Hand eines tüchtigen Lehrers zum Ziele fuhren. — Walker könne 
nicht mehr als höchste Autorität gelten. Smart, Webster und Wor- 
cester hätten ihn weit hinter sich gelassen. — Hr. Beneke erörterte 
seine früher ausgesprochene Ansicht nochmals: es müsse zwischen der 
Fertigkeit, die englischen Laute hervorzubringen, und der, mit den 
Buchstabencombinationen der vorliegenden Wörter die richtigen Laute 
zu verbinden, unterschieden werden. Erstere lasse sich beschreiben, 
werde aber am Besten durch Vor- und Nachsprechen erlernt; nicht 
durch Ziffern oder Zeichen: diese seien nur ein Mittel für das Auge, 
sich des richtigen Lautes beim Anblick des Zeichens sofort zu erin- 
nern; dienen also einmal dem Gredächtniss als Anhaltepunkt,dann auch als 
Mittel für die Präparation ; denn eine solche müsse auch für die Aus- 
sprache "bei einem 'gewissenhaften Unterricht^ verlangt werden. Für 
den ersten Zweck sei ein Spelling Book sehr nützlich (nur müssten die 
englischen Wörter die deutschen Bedeutungen bei sich haben). Für 
den letzten sind Zeichen oder Ziffern gleichgültig, sobald man eine 
Anzahl key-words (wie Worcester es thut) aufstellt, und für den be- 
treffenden Laut in jedem dieser Wörter ein Zeichen oder eine Ziffer 
bestimmt. — Herr Mahn schloss sich der letztem Ansicht, für die er 
bereits seit 1826 fechte, mit grosser Entschiedenheit an, nur müssten 
die Laute mit Buchstaben, die der Sprache selbst entnommen sind, nicht 
mit Ziffern bezeichnet werden. Die Methode des Vor- und Nachspre- 
chens gebe stets ein unsicheres Resultat. Mit zwei Sinnen gefasst, 

17* 



260 für das Stadiam der neueren Sprachen. 

lerne sich jede Sache besser. — Hr. Michaelis macht für den Gegen- 
stand aaf das ausgezeichnete Bach v. Ellis : fissentials of phonetics 
aufmerksam. — Der Vorsitzende bringt einen Antrag auf Einrichtung 
eines Fragekastens und einen auf gemeinschaftliche Durchforschung 
der Vorläufer und Zeitgenossen Shakespeare's behufs der Kritik des 
letzte^n ein. 

126. Sitzung vom 2. Mai 1866. Hr. Hoppe besprach: Ergän- 
zungsblätter zu jedem englischen Handwörterbuche etc. von A. Pineas 
(Hannover, 1864). Der Verfasser giebt die Verdeutschung von etwas 
über ,1800 englischen Wörtern auf 46 Seiten, und fugt einen deutsch- 
englischen Theil (25 S.) hinzu. Da er FKigePs practical Dictionary 
zur Grundlage seiner Ergänzungen nimmt, Flügel aber von Lucas 
längst übertrofien ist, so ist mehr als ein Drittel der gesammelten Wör- 
ter, weil in Lucas , längst enthalten, überflussig; für eine beträchtliche . 
Anzahl hätte P. sogar aus ihm bessere Belehrung schöt)fen können. 
Dagegen ist anzuerkennen, dass in einer geringeren Zahl von beiden 
gemeinschafth'chen Wörtern P. über L. hinausgeht. Unter dem Rest 
befinden sich zunächst 148 geographische Namen, die der Aussprache 
wegen registrirt sind; dieselbe ist häufig sehr unvollkommen angedeu- 
tet, und, wenn man Worcester's Verzeich niss als normal ansehen darf, 
nicht selten incorrect. Die übrigen, etwa 850 Wörter, sind theils Slang- 
Ausdrucke, die meist in Dickens' Household Words erklärt und dar- 
aus entnommen sind, theils sehr willkürlich, l^arock, oft sprachwidrig 
von modernen Schriftstellern erfundne Seltsamkeiten, die kaum je in 
den allgemeinen Sprachschatz übergehen werden. Lisofem aber ein 
solches Verzeichniss wie das vorlegende nur als Vorarbeit für den 
künftigen Lexicographen gelten soll, ist auch die Sammlung solcher 
Seltsamkeiten zu billigen. In einzelnen W^örtern finden sich recht auf- 
fallende Miss Verständnisse. Doch ist immerhin des Neuen und Richti- 
gen genug vorhanden, um für den geringen Preis des Büchleins nicht 
zu theuer erkauft zu sein. Wenn aber Pineas im deutsch-englischen 
Theile nicht nur seine eigenen Miss Verständnisse, sondern auch fast 
die sämmtlichen barocken Formationen des ersten Theiles wiederholt 
(wie ^ B. Wohlhabenheit : weli-to*do-ism ; verfälscht (Wein) : loaded ; 
Amerikanerin: Americaness; schreiben: to quill-drive u. s. w.); oder 
unter „Geld^ 17 Slang- Ausdrücke giebt, und Artikel bringt wier'Pence: 
browns, coppers, mags, magpies ; Mann : cove, chap , cull , artide, cad- 
ger, buffer ; so ist solcher Unfug höchlichst zu missbilligen. — Hr. v. Nor- 
denskjold gab eine etTmologisch-sprach vergleichende Betrachtung der 
vier Jahreszeiten auf dem Gebiete der germanischen Sprachen. Lenz, 
von dem alten v. lengizan, deutet auf das Längerwerden der Tage von 
der Tag- und Nachtgleiche bis zum längsten Tage. Frühling bedeu- 
tet jedes frühe Ding, dann die Zeit der nach dem Winterschlafe er- 
wachenden Natur; woneben Frühjahr den ersten, Frühling den 
zweiten, und Lenz den dritten Zeitabschnitt der erwachenden Natur 



Sitzungon der Berliner Gesellschaft 261 

beseichnet. ^Vorjahr'^ fuhrt zam Verstäodniss des schied, v&r (Früh- 
ling), aus der präp. for und är (Jahr), analog dem norveg, foraar = 
Lenz, holl. voorjaar, ditmarsch. Vaerjahr. Engl, spring dagegen von 
ags. springan, spriessen, Nebenf. engl. to. sproat. — Sommer, wie 
Sonne, von skr. su, erzeugen, bed. die Wärme und FruchtfQlie. — 
Herbst*(ags. eamian, ahd. amen; von Grimm auf goth. asans, Ernte^ 
zurückgeführt) die Erwerbung und Einsammlung der Feldfrüchte. Da- 
mit ist das Island, haust und das in Pommern, Mecklenburg und der 
Priegnitz übliche Aust, Ernte, identisch. — Winter, in allen germa- 
nischen Sprachen nahezu unverändert 'erhalten, (aus der Wurzel wi, 
wehen) bedeutet „das Wehende'^ und ist nichts andres als die aus der- 
selben Wurzel abzuleitenden Wörter: Wind und Wetter.^ Zum 
Schluss las der Vortr. ein von ihm übertragenes Frühlingslied des 
schwedischen Dichters C. F. Dalgren. 

127. Sitzung vom 17. Sept. 1866. Hr. Michaelis gab einen Be- 
richt über die Feier des 25jährigen Bestehens der Stolze'schen Steno- 
graphie, wie dieselbe am 19. und 20. Mai v. J. gehalten wurde. Nach 
einem historischen Rückblick auf die Begründung des stenographischen 
Vereins durch. Schüler Wilhelm Stolze's 1841, seine Förderung durch 
die polytechnische Gesellschaft und seine allmälige Verbreitung durch 
Zweigyereine über Deutschland und die Schweiz (jetzt weit über hun- 
dert), schilderte der Vortr., wie weit das Hauptzier des Vereins, die 
Stenographie praktisch als Correspondenz- und Gebrauchsschrift ange- 
wandt zu sehen, erreicht sei; ging näher auf den praktischen und pä- 
dagogischen Werth des Stolze^schen Systems ein, und berichtete dann, 
wie der Verein eine Denkschrift in 8000 Exemplaren vertheilt und 
eine Feier in der Aula des Friedrichs-Gymnasiums zu Berlin veran- 
staltet, bei welcher Hr. Michaelis einen Vortrag über die wissenschaft- 
liche und pädagogische Bedeutung der Stolze'schen Stenographie hielt 
(im Druck erschienen zum Besten eines Fonds für die Zwecke der St.) 
Am 20. Mai versammelten sich die Comite-Mitglieder am Lager ihres 
schwer kranken Meisters zur Beglückwünschung und Ueberreichung 
eines silbernen Pokals. Der Vortr. verlas die überreichte Adresse, so- 
wie die Antwort des Meisters, die zur Einigkeit im Werke und zum 
rüstigen Vorwärtsstreben aufforderte. 

Hr. Mahn fuhr in seinen etymologischen Vorträgen fort; er leitete 
das engl, cloud vom ags. clüd (Felsen, Hügel) ab; engl, wave aus angs. 
wegan, bewegen; levin. Blitz, vom angs. l^n, Flamme; engl, rogue 
vom norm, hrökr, anmassend; engl, rascal vom cel tischen rhasgl, dün- 
nes Messer ; scoundrel von Schandkerl durch eine niederländische Form 
des Wortes; tö mock durch frz. moquer aiis griech. fiamäv; die Dimi- 
nctivform Dick für Richard rechtfertigte er durch Analogieen, wie auris 
— audio; meridies — medidies und häufige Erscheinungen im Baski- 
schen; und entschied die Frage fül* die Ausspracht des frz. Namens Aix 
mit dem Laut des deutschen ß aus der etymologischen Ableitung aus 



262 für das Studium der neueren Sprachen. 

dem am häufigsten gebranchteh Casus Aquis; wie auoh der deutsche 
Name Achen aus der Form des Dat. Plur. Ahom von aha^ Wasser, 
entstanden. 

Hr. Hoppe versuchte -eine von der Aufihssung' Niemeyer's und 
DOntzer's abweichende Interpretation zweier Stellen aus Nathan d. W. *) 

Mitgetheilt wurde eine Ansprache der deutschen Shakespearege- 
sellschaft und die Jahresrechnung derselben, sowie ein Yerzeichniss 
der für die Bopp-Stiftung eingelaufenen Beiträge, wozu die Gres. f. 
d. St d. n. Spr. 25 Thlr. beigetragen. 



128. Sitzung vom 9. Oct. 1866« Hefr Michaelis gab nach dem 
Jahrbuche „L'ann^ scientifique et industrielle par L. Fignier, X"** 
annee,^ einen Bericht über die Discussion der Frage über die Locali- 
sation des Vermögens der articulirten Sprache, die sich 1865 im Schosse 
der Academie de mediane bei Gelegenheit eines Berichtes des M. Le- 
lut über ein Memoire des Dr. Dax, betreffend jenen Gegenstand, er- 
]|oben. Nach einem Röckbh'ck auf die geniale Theorie Gall's, der die 
Mehrheit und Unabhängigkeit der intellectuellen Functionen zuerst be- 
griffen, sowie auf seine Yerirrungen in der Phrenologie, ging der 
Vortr. auf die Frage ein, ob, nachdem die drei Vermögen des Den- 
kens, der Bewegung und der Peroeption im Gehirne localisirt sind, 
man anderen speziellen Functionen, namentlich der Sprache, einen be- 
stimmten Sitz anweisen dfirfe. Der richtige Weg für eine Annäherung 
an die Lösung des Problems, der des Studiums des Gehirns durch die 
Krankheiten desselben , ist erst spät betreten worden. Auf ihm ist 
Bouillaud schon 1825 dazu gelangt, festzustellen, dass die Sprache zum 
Sitze die vorderen Lappen des Gehirnes über der Augenhöhle habe. 
Die Sache ruhte bis 1861, wo dieselbe in der anthropologischen Ge- 
sellschaft wieder angeregt wurde. Mr. Broca localisirtc die Sprache 
in der dritten Windung des vorderen Gehirnlappens. Aus den Erörte- 
rungen der Presse während des J. 1865 über Alalie, Aphasie, Aphe- 
mie u. s. w. wnrde nun eine Reihe interessanter Phänomene vorgcfiihrt, 
welche zu dem Ergebniss fuhren: es existirt ein Centralorgan in der 
dritten frontalen Windung der vordren Hirnlappen, welches die Sprache 

*) 1) N. I, 1. «DerEo^el einer, deren Schutze sich" bis «als Tempelherr 
hervorgetreten « Die Ergänzung gewesen sei* zu »verhüllt,*' und „habe** 
zu „eeschwebt** thue der Sprache (^walt an; und das fehlende Relativ, das 
den oatz „auch noch im Feuer u. s. w.** an «Wolke** anknüpfe, sei un- 
erträglich. Schon das Komma hinter «Feuer,** nöthige „verhüllt" als Par- 
ticipium zu nehmen, so das« der Sinn ist: „aus einer Wolke, in die verhüllt 
er sonst, und auch noch im Feuer um sie geschwebt — qua velatus et alias 
et inter incendium eam circumvolitasset — 2) 1, 4 : „Sie essen? — Und als Tem- 
pelherr?" Daas es für einen europäischen Templer im Orient unanstän- 
dig gewesen, ein Paar Datteln auf der Strasse zu essen, sei eine reine Fik- 
tion ider Interpreten. Nathan stichelt bloss auf Daja^s Engelclauben ; die 
Worte heissen: Dein Engel isst also? und erscheint sogar wieder als Tem« 
pelherr? Dies beweist namentlich D's Erwiederung: „Was quält Ihr mich?** 



Sitzungen der Berliner Gesellschaft 268 

oder viehn^r das Gedächtniss för die Worte beherrscht. Die Aphasie^ 
der Verlust der Sprache, ist nur ein gemeinschaftliche« Symptom für 
versi^iedene Y erletznngen ; meipt rührt sie von Abwesenheit des Ge- 
dächtnisses her. Das Kind weiss die zahlreichen Organe noch nicht 
zusammenwirken zn lassen ; der Aphatische ist wieder Kind geworden, 
d. h. das erstre hat noch nichts gelernt, der letztre h|it alles verges- 
sen. — Hr. Giovanoly berichtete über die nach dem Erscheinen der 
Tragödie Martin Luther 1884 vollkommen umgearbeitete, bedeutend 
verkürzte und von den Schlacken gereinigte franzosische Bearbeitung 
von Wemer's „Weihe der Kraft" darch L^on Halevy, die so eben er- 
schieneuy und deren* Aufführung in Paris durch die katholische Geist- 
lichkeit verhindert worden. — Hr. Märkcr stellte den Satz zur Dis- 
cussion auf, dass die griechische Form des Hexameters für das Lehr- 
gedicht die einzig angemessene sei; er suchte an Beispielen die Un- 
tauglichkeit der Terzine, die Herzlosigkeit des Alexandriners, die Lang- 
weiligkeit des Jambus nachzuweisen, indem er Proben aus der Dante- 
Übersetzung Müller's gab, und schliesslich eine eigene Bearbeitung von 
Plutarch's yafiixd fntQafyAfima in Hexametern mittheilte. 

129, Sitzung. Stiftungsfest am 3. Nov. '1866. Nachdem der 
Schriftführer den üblichen Bericht über die Thatigkeit der Gesellschaft 
im verflossenen Jahre gegeben, theilte der Vorsitzende das verwerfende 
Urtheil der Sachverständigen über eine aus England eingelaufene Lö- 
sung einer der bei Gelegenheit des Shakespearefestes 1864 gestellten 
Preisaufgaben und folgenden Beschlnss der Gesellschaft mit : 

Die Geselbchaft 'für das Studium der neueren Sprachen beab- 
sichtigt zu einer wissenschaftlichen Beise nach England oder Frank- 
reich ein einmaliges Stipendium von mindestens 300 Thalern zu ver- 
leihen. — Bewerber um dies Stipendium haben ^ eine selbstverfasste 
wissenschaftliche Arbeit über einen Gegenstand aus der französischen 
oder englischen Sprache und Literatur bis zum 31. Decbr. c. bei dem 
Secretär der Gesellschaft einzureichen. — Die Verleihung des Stipen- 
diums erfolgt im Februar 1867; das wissenschaftliche Ergebniss der 
Beise verpflichtet sich der Stipendiat der Gesellschaft unentgeltlich zum 
Abdruck in dem Archiv für neuere Sprachen zu tiberlassen. 

Hierauf sprach Hr. David Müller über Racine, Port Royal und 
die religiösen Dramen Esther und Athalie. Der Vortr. skizzirte zu- 
nächst die religiöse Richtung der Einsiedler von Port Royal in der Vor- 
stadt St. Jaques in Paris, dem Tochterkloster des alten Cistercienser- 
klosters Port Royal des Champs bei Chevreuse, die Stellung derselben 
unter dem Abte St. Cyran zum Jansenismus, gegenüber Richelieu 
und den Jesuiten, sowie ihre fromme Askese gegenüber dem üppigen 
Hofleben, und ihre pädagogische Wirksamkeit in den „Granges^^, um 
dann zu zeigen, wie durch diese Einflüsse dem Genius Racine's die 
erste Richtung gegeben wurde; das Verhältnis» frommer Pietät wurde, 
nachdem R. das Institut verlassen, durch die Berdihrnng mit dem Hof- 



264 , für das Studium der neaeren Sprachen. 

■ 

einflads, in Folge der Anerkennung der Ode aaf die Vermählung des Kö- 
nigs, gelockert, und die Kluft erweitert, seit R. sich naoh seiner Bück- 
kehr von der südfranzöisschen Reise der Bühne widmete, bis in Folge 
eines vermeintlichen Angriffs in Nicole's Briefen der vollständige Bruch 
eintrat. Die Heftigkeit des Tones in R's Briefen (der seit Pascal üblich 
gewordnen Form der Streitschriften) fand selbst die Missbilligung Boi- 
leau's. Nach einer ästhetischen Würdigung des Standpunktes, den R. 
in seinen weltlichen Dramen errungen, gab der Vortr. die Gründe, die 
den Dichter bewogen, vor dem 40. Jahre der anscheinend glänzenden 
Laufbahn zu entsagen, die ihm nur Domen trug, und unter Annahme 
des Hofamtes als Historiograph des Königs in den Hafen einer pro- 
saischen Ehe einzulaufen. Was R. in dieser Periode zur grössten Zierde 
gereicht, ist die durch Boileau vermittelte, vom weichen Nicole leicht, 
von Dr. Amauld schwerer, und nur auf den Knieen errungene Versöh- 
nung mit Port Royal, in Folge deran der Dichter eine Wiedergeburt 
und Verherrlichung in den religiösen Dramen sich bereitete. Der Vortr. 
stellte die Gründe, welche eine Rückkehr des Dramas zu seipem ur- 
sprünglichen Dienst der Religion veranlassten, die Bigotterie Ludwig's, 
das Schützeramt der Maintenon Über die Fräulein v. St. Cyr, die Auf- 
regung der jungen Damen bei Darstellung weltlicher Dramen (Androma- 
que) in's Licht und deutete in der naiven Unschuld der Darstellerinnen, 
der Auswahl des Publicums, dem Pomp der Ausstattung, den Beziehun- 
gen auf Zeit Verhältnisse, der Neuheit und Wirksamkeit des Chors, die 
Gründe an, warum die bei allen Vorzügen schwächere Esther grösseren 
Efolg errang, als die Athalie, welche, in St. Cyr nur zwei Mal aufgeführt, 
allein in Boileau einen eifrigen Vertheidiger ihrer Vorzüge fand, die 
erst 1702 von dem Hofe und 1720>von dem Publicum anerkannt wur- 
^en. Eine eingehende Charakterschilderung der Personen und Dar- 
stellung des Ganges der Handlung, welche das Stück als die Perle 
der französischen Literatur erscheinen Hessen, schloss den Vortrag. — 
Hr. Schmidt aus Falkenberg gab hierauf eine kurze Schilderung der 
Jugendjahre Milton's. Er gab Nachrichten über seine Geburtsstätte, 
die Schönheit seiner äussern Erscheinung; die religiöse Stellung der 
Familie imd die Opfer, welche dieselbe kostete, den Einiluss der im 
Hause waltenden innigen Frömmigkeit, die in tiefem Zusammenhange 
stand mit der heiligen Musik; den Gang der Bildung, die ihm unter Dr. 
Gill in St. PauVs Cathedral School gegeben wurde und die Vollendung 
der klassischen Studien, den Einfluss der vaterländischen Dichter (Shake- 
speare, Spencer, Sylvester), besonders der Spencer'schen (arkadischen) 
Schule und daneben der römischen Elegiker. Nachdem der Vortr. 
einen flüchtigen Blick auf die Studienjahre (1625 bis 1632) zu Cam- 
bridge und einige landläufige Anekdoten über denselben und auf den 
folgenden Landaufenthalt beim Vater in Windsor geworfen, hob er den 
Einfiuss der ferneren klassischen Studien (namentlich Euripides) und 
die Früchte in den Erstlingswerken (Comus und Lycidas) und den 



\ 



Sitiungen der Berliner Gesellschaft 265 

' Eiof 088 der Bei8e nach Italien (die ital. Akademien ; Grotius, Galilei) 
hervor, von der ihn die Vorboten des ausbrechenden Stortns nach Eng* 
land zurQckriefen. Der Vortr. schloss mit einer Würdigung des Cha- 
rakters M's als Mendch und Dichter, worin seine absolute Mündigkeit 
und sein hoher Idealismus, seine Selbsth&tigkeit auch auf theoretischem 
Gebiete, sein Versenken in den Styl der verschiedenen Jahrhunderte, 
aber auch seine Mängel hervorgehoben wurden , die Unfähigkeit , die 
Erscheinungen der Natur in ruhigen und grossen Massen zu begreifen ; 
die mangelnde Gunst der Stimmung, die Wandellosigkeit, die ihn zwang, 
stets nur er selbst zu sein ; der fehlende Sinn für „den Tand , der so 
durchgetändelt wird.^ Kurz ihm fehlen die sinnlichen Momente des 
Poeten. Doch gewinnt bei ihm der sittliche Charakter^ was dem poe- 
tischen Genius abgeht: den tiefen und milden Ernst des Puritaners im 
schönsten Sinne des Wortes, ohne seine Engherzigkeit. Die nach- 
stehenden Bemerkungen von Hrn. W. L. Bushton in Liverpool wurden 
schliesslich der Gesellschaft vorgelegt — Ein heitres Mahl mit Da- 
men beachloss das Fest. 

Shakespeare Illustrated by Old Authors. 

(Gonttnoed.) 

Valentine. 
As yoa enjoin'd me, I have writ your letter, 
ünto tbe secret nameless frjend of yonrs; 
Which I was much anwillins to proeeed in, 
Bat for my duty to your lauyship. 

Silvia. 
I thank you, gentle servant: 'tis very clerkly done. 

Vi^lentine. 
New trost me, madam, it came hardly off; 
For, being ignorant to whom it goes, 
I writ at random, very doubtfuily. 

Silvia. 
Perchsnce you tbink too much of so much pains? 

Valentine. 
No, madam; so it stead you, I will write, 
Please you command, a tfaousand times as much: 
And yet, — 

Silvia. 
A pretty period! Well, I gness the sequel; 
Ann yet I will not name it: — and yet I care not,; — 
And yet take this again; — and yet I thank you; 
Meaning henceforth to trouble you no more. 

Speed. 
And yet yon will; i^d yet another yet. 

Two Genüemen of Verona, Act 2, Scene 1. . 

Not moch unlike the wondrer have yc another figure called the doubt- 
fnll, because oftentimes wc will seeme to cast perils, and make doubt of 



266 Sitzungen der Berliner Gesellschaft 

things when hj a plaine manner of Speech we might aftirme or denj him, 
as that of a cruell mother who mordred her owne child. 

Whether the cmell mother were more to blame, 
Or the shrewd childe come of so curat a dame : 
Or whether some smatch of the fathers blood, 
Wbose kinne were never kinde, nor never good. 
Mooved her thereto &c. 
Fattenfaam, The Arte of English Poesie, Lib. III, Cbap. XIX. 

Salanio. 
Believe me, rir, had I such venture forth, 
The better part of my affections wocdd 
Be with my hopes abroad. I shonld be still 
Plucking tue grass, to kuow where sits the wind. 

Merchant of Venice, Act 1, Scene 1. 

„The wind is sometime piain up and down, which is commonlj most 
certain, and requireth least knowledge, wberein a mean shooter, with 
mean eear, if he can shoot home, may make best shifl. A side wind trieth 
an archer and good gear very much. Sometime it-bloweth aloft, sometime 
hard by the ground; sometime it bloweth by blasts, and sometime it con- 
tinneth all in one; sometime füll side wind, sometime quarter with him, and 
more; and likewise against bim, as a man with casting up light grass, 
or eise if he take good heed, shall sensibly learm by experience.* 

Jozophilus, Part. 11,-Ascham. 

2 Citizen. 
Would yon proceed especially against Cajus Marcius? 

Citizen. 
Against him first; he's a very dog to the common alty. 

Coriolanus, Act 1. Scene 1. 

iL ovv ainoe Sart; xvcjp r^ Jia, faai rtvas, tov dijftov. nodanos; olo£ 
ovs fiir airiarat Ivxovi elvai /urf Bayeveiv^ a Bi ^rjai ^larrew n^ßata 
avToe nareo&isiv. JHM02€ENaP2, KATA APISTOrElTO'NOS. A. 

Suffolk. 
Suffolk^s imperial tongue is stern and rough, 
Used to command, untaught to plead for favour. 
Far be it, we shotdd honour such as these 
With humble suit: no, rather let my head 
Stoop to the block, than these knees bow to any. ' 

Save to the God of heaven, and to my king; 

2 Henry VI., Act 4, Scene 1. 

O, then bis lines would ravish savage ears. 
And plant in tyrants mild humilitv. 
From women's eyes tbis doctrine I derive: 
They sparkle still the right Promethean fire; 
They are the books, the arts, the academes, 
That show, contain, and nourish all the world; 
Else, none at all in aught proves excellent: 
Then fools you were these women to forswe^r; 
Or, keeping what is sworn, you will prove fools. 
For wisdom's sake, a word that all men love; 
Or for love's sake, a word that loves all men; 
Or for men*s sake, the authors of these women; 
Or women's sake, by whom we men are men; 
Let US once lose our oaths, to find ourselyes, 



für das Stadium der neueren S.prachen. 267 

Or eise we lose ottrseWes to keep our oaths: 
It is religioD to be thus forswom: 
For cbarity itself fulfils the law: 
And wbo can sever love from cnarity? 

Love's Labour's Lost, Act. 4, Soene 3. 

«Philino bringe him into a place where behind an arras doth he him- 
selfe spake in manner of an Oracle in these meeters, for so did all the- Sy- 
bilfi and sotbskierf in old tiroes give Ibeir answers.; 

Tour best way to worice and mark my words well, 

Not money: nor manj, 

Nor axkj: bot any, * 

Not weemen, bat weemen beare the bell. 

And the subtiltie lay in the accent and Orthographie of these two wordea 
any and weemen for anj being divided, sounds a nie or neere person 
to the king: and weemen being divided, soandes wee men and not wee- 
men and so bv this meane Philino served all tarnes and shifted himselfe 
from blame." Puttenham, The Arte of English Poesie, Lib. II, Chap. XIII. * 
In this passage Shakespeare evidently plays upon the wora women 
whirh being airided, sonnds we men and the reader will perceive that Saf- 
folk nses the word ^knees'' and „nny^ in conncction witn the word king 
and Pttttenham says ,any being divided, sonnds^a nie or neere person to 
the king. 

Salarino. 
A kinder gentleman treads not the earth. 
I saw Bassanio and Antonio part: 
Bassanio told him, he would make some speed 
Of his retam ; — he answer^d — Do not so, 
Slubber not basiness for my sake, Bassanio, 
Bat stay the yery riping of the time; 

Merchant of Venice. 
^ Doke. 

The Tnrk with a most mighty preparation makes for Cyprns : — Othello, 
the fortitode of the place is best known to yon : And tboogh we bave there 
a snbstitate of most allowed safficiency, yet opinion, a sovereign mistress of 
efiects, throws a more safer volce on yon: yoa mast therefore be content 
toslubber the gloss of your new fortanes with this more stnbbom and 
boisterovs ezpedition. Othello. 

„The hoase itaelf was bailt of faire and strong stone, not affecting so 
mach any extraordinarie kind of finnesse, as an hononrable representing of 
a firme statelinesse : The ligbts, doores and staires rather directed JLo the 
ose of the gnest, than to the eye of the artificer, and yet as the one chiefly 
heeded, so the other not neglected; oacb place* handsome witfaoat cario- 
Bitie, and hömely witbont loatlisomnesse ; not so daintie as not to be 
trode on, nor yet slnbbered ap with good fellowsbip; all more lasting 
than beaatifnll, bat that the coiisideration of the ezceeding lastingnesse 
made the eye beleeve it was exceeding beautifall.^ 

Sidney's Arcadia, Lib. 1, Page 7. 

Kent. 
I thonght the king had more affected the dnke of Albany, than Cornwall. 

Gloster. 
It did always seem so to as: bat now, in the division of the kingdom, 
it appears not which of the dukes he values most; for equalities are so 
weigh*d, that curiosity in neitber can make choice of either^s moiety. 

Lear, Act 1, Scene 1. 



868 ' Sitzungen der Berliner Gesellechaft 

^ Apemantufl. 
The middle of faamanity ihou never knewest, but the extremity of both 
ende : When tbou wast ia tny gilt, and tby perfume, tbej mocked tbee for 
too mach curiosity; in thy rags thou knowest none, bat art despised for 
the contrary. Timon of Athens, Act 4, Scene 3. 

Edmnnd. ^ 

Thou, natare, art my goddess; to thv law 
My Services are bound: Wherefore snould I 
Stand in the plague of cnstom, and permit 
The curiosity of nations to deprive me, 
For that I am some twelve or foarteen moonsbtnes 
Lag of a brother? Lear, Act 1, Scene 2. 

„The Poet or makera speech becomes yicioos and anpleasant bj nothinf; 
more than by aaing too mach surplusac^e: and this lieth not only m a word 
or two more than ordinary but in whole claases and peradyenture large 
sentences impertinently spoken or with more labour and curiositie than 
8 requisite.^ Puttenham, Lib. III, Chap. XXII. 

Lear. 
No, they cannot touch me for coining; I am the king himself. 

Act 4, Scene 6. 

Mdnetandi jus comprehenditnr in regalibns qaae nnnquam a regio sceptro 
abdicantur. Dav. 18. 

God save the king!— Will no man say Amen? 
Am I both priest and clerk? well tnen, Amen. 
God save the kiog! although I be no1| he; 
And yet,' Amen, u Heaven do think him me. — 

Richard IL, Act 4, Scene 1. 

Omnes reges dicontar clerici. Dav. 4. 

Rex est persona sacra et mixta cum sacerdote. 5. Co., EccI. L. 

f 
Jaqaes. 
And will yon, being a man of your breeding, be married under a bnsh, 
like a beggar? Get you to church, and have a good priest, that can teil 
you what marriage is: this fellow will but join yoa together as they join 
wainscot; then one of yoa will prove a shrunk panViel, and, like green 
timber, warp, warp. As You Like It, Act 8, Scene 8. 

vPannell is an En^lish word, and signifieth a little part; for a pane is 
a part, and a pannell is a little part; as a pannell of wainscot, a pannell 
of a saddle, and a pannell of parchment wherein the Jurors names be writ- 
ten and annexed to the writ. And a jary is sud to be impannelled, when 
the sheriff hath entered their names mto the pannell, or little peece of 
parchment, in pannello assisae.^ Coke I. Institute 169. b. 

Bardolf. 
Hear me, hear me what I say: — he that strikes the first stroke, I '11 
run him up to the hilts, as 1 am a soldier. (Draws.) 

Pistoi. 
An oath of mickle miffht; and fury sball abate, 
Give me thy fist, thy fore-foot to me give; 
Tby spirits are most talf. Henry Y., Act 2, Scene 1. 

»See an ancient record, Rot. de finibus> Termiao Mich. IL, E. 2. Sir 
Rieh. Rockesley knight did hold lands at Seaton by Serieanty to be Van- 
trarius regis, that is, to be the king's fore-foot- man when the king went 



für das Stodiam der neneren Sprachen. 269 

into Gascoigne, donec perasns fbit pari solearom pretii 4 d. that is, antii 
he had wom out a pair of shoes of the price of.foor pence. And this aer-^ 
vice being admitted to be performed when the king went to Gascoigne to 
make warre, is knigfats Service.** Coke 1, Ihstitute 69 b. 

- Bichardüs Bokesley, Miles, tenebatTerraa Scatoniae in Com. Hantiae^ 

ger Serjantiam esse Yantrariom Regia in Gasconia donec perusus foit pan 
oUtariom Pretü IUI d. Rot fin. Mich. H. Edw. IL 

Boalt 
1 Warrant yon, mistress, thunder shaU not so awake the beds of eels, 
as my giving out her beanty stir up the lewdly-inclined. TU bring bome 
some to-night. Perides, Act 4, Scene S. 

onep yafi ol rät fyxilats 0ijp€Sftevot nisitür^as, 
orav fihf ^ Xifirjv MaraarVy iafißa»ovoiv ovSiv 
iav c*ävo» TS xal xaxto tov ßoQßopov xwtaaiv 
aipov0i Kai ov Xa/ißdre^Sj ^ vtirnöXw ra^aTTfjg. 867. 

Ariatophanea. inilH2. 

Scene 4. — A Monastery. 
Enter Duke and Friar Thomas. 

Duke. 
No, holy father; throw away that thought: 
Believe not, that the dribbline dart of loTe 
Can pierce a complete bosom : why I desire thee 
To giye me sccret harbour, bath a purpose 
More grave and wrinkled than the aims and ends 
' Of borning youth. 

Measure For Measure, Act 1, Scene 4. 

^f a man be neVer so apt to sboot nor never so well taught in bis 
youth to ahoot, yet if he fipve it over, and not use to sboot, truly when he 
shall be either compelled in wartime for bis country sake, or eise provoked 
at home for bis pleasnre sake, to fall to his bow, he shall become, of a 
fair archer, a stark squirter and dribber. Joxophilus. Ascham. 

Macbeth. ' 

If thou couldst, doctor, cast 
The water of my land, find her diesease, 
And porge it tö a sound and pristine health, 
I would appli^nd thee to the very echo. 
, That shoiud applaud again. Act 5, Scene 3. 

XaXeitlfv fiBV xal Seivijg yvdfirjQ xal fiei^ovog ^ *nl rpvyq^döig 
idaao&ai vooav a^aiav iv t^ nSXat h/TeToxvlav. 661. 

Aristophanes. 2<XSKEX 

Many an old wife or country woman doth often more good with a few 
known and common garden herbs, then our bumbast physicians, with all 
their prodigious, sumptuous, far-fetched, rare, conjecturall medicines. 

Burton*s Anat. Melan. 

Re-enter Fa Ist äff. 
Here comes lean Jack, here comes bare-bone. How now, my sweet 
creature of bombast? How long is 't ago« Jack, since thou aawest thine 
own knee? 1 Henry IV., Act 2, Scene 4. 

Frincesse. 
We haye received your letters, füll of loTe; 
Tour favours, the ambassadors of loye ; 
And, in our maiden Council, rated them 



270 ßiizangen der Berliner Gesellschaft 

At oourtahip, pleaaant lest, and ooarCesy, 
As bombast, and as lining to tbe timo: 
But more devout tban thü, in our respecto, 
Have we not been; and therefore met your loves 
In their own fashion, like a meitiment. 

LoTo'0 Labour*8 Lost, Act 5, Scene 2. 

»If he can bawk and hont, ride an horse, play at cards and dice, 
swaKger, drink and swear, take tobacco with a grace, sing, danoe, wear 
bis cTotbes in fashion, court and please bis mistris, talk big fostian. 

Cassio. 
I will ratber sue to be despised, tban to deceive so good a Commander, 
witb so slight, so dnmken, and so indiscreet an of&cer. Drank? and speak 
parrot? and sqoabble? swagger? swear? and discoarse fastian with 
one's own sbadow?— -O tbou invisible spirit of wine, if thoa hast no name 
to be known by, let oa call thee --• devill Otbello> Act 8, Scene 2. 

insult, scom, stnit. oontemn others, and use a little mimical and apisb com- 
plcment above the rest, he is a compleat, (Egregiam vero laudem) a well 
qualified gentleman : tbeso are most of their impWments, this their greateat 
commendation." Anatomj of Melancboly, Part 2, oec. 3, Mem. 2. (Bee Ar- 
chiv, XXXIV Band, Page 849.) , 

We steal as in a Castle, cock-sure; we bave the receipt of fem-seed, 
we walk invisible. 

Chamfellow. 
Nay, by my faith; I think you are more bebolden to the night, tban 
to fem-seed, for your Walking invisible. 

l Henry IV., Act 2, Scene 1. 

Falstaff. 
By the Lord, thou saVst true, lad. ' And is not my hostess of the ta- 
vern a most sweet wench? 

Prince Henry. 
As tbe honey of Hybla, my old lad of the Castle. And is not a buff 
jerkin a most sweet robe of durance ? 

Falstaff. 
How now« how now, mad wag? what, in thy quips, and thy qniddities ? 
what a pUgue have I to do with a buff jerkin? 

Prince Henry. 
Wby, what a pox have I to do with my hostess of the tavem ? 

1 Henry IV., Act 1, Scene 2. 

yKing Henry VIII. snppressed all the stews or brothel-honses, which long 
had continned on the Baxikside in Southwark. Before the reign of Henry VII. 
there were eighteen of these infamous houses, and Henry VH. for a time 
forbad them: bat afterwards twelve onlywere pennitted, and had signs pa- 
nited on their walls; as a Boars head, the Gross keys, the Gun, the 
Castle, tbe Crane, the Cardinais bat, tbe Bell, the Swan etc.* 

Coke 3 Institute 205. 

Coke frives the names of eight of the twelve brothels which were per- 
mitted ; and to one of them, the Castle, Shakespeare may allude in tbese 

Sassages. Prince Henry calls Falstaff «my old lad of the Castle" implying 
robably that he frequented a brotbel wnich had the name of one ot the 
twelve and therefore likelv to be well known, by reputation at least, to the 
freqoenters of the globe Tbeatre ; and GadshiU usea a word after the word 
Castle which may be considered to make the allusion to a brothel oallcd 
the CasÜe. still more probable. 



für das Stadium der neueren Sprachen. S71 

Elbow. 
I say, sir, I will deteat myself also, as well bb she, that thia' hoiue, if 
it be not a bawd'a honae, it is pity of her life, for it ia a nangbty hoose. 

Escalua. 
How dost thoa know that, constable! 

Elbow. 
Marrjr, sir, by my wife; who, if she bad been a woman cardinally 
given, migbt bave been accuaed in fpmication, adultery, and all nndeanli- 
nesa there. Measure For Measare, Act 2, Scene 1. 

Shakespeare plays upon the word cardinally and he may also allude to 
the CardinaTs bat one ot the tw^lve brothels mentioDcd by Uoke; so that a 
frequenter of the Cardioal's hat ^might be seid to he both cardinally and 
carnally given. 

Prince. 
Where snps he? doth the old boar feed in the old firank? 

Bardolph. 

At the old place, mylord, in Eastcheap. 

2 Henry IV., Act 2, Scene 2. 

Shakespeare here refers to the Boarshead which was a tavem in East- 
cheap/ a scene in tbis play and the name of one of the »infamous houses' 
mentioned by Coke. 

Sicinins. 
What is the city, bat the people? 

Citizen. 

True, 
The people are the city. Coriolanus, Act 8, Scene 1. 

Civitas et urbs in hoc differunt, qao<f incolae dicuntnr dvitas, urbs vero 
complectitur aedificia. Mirror cap. 2, See 18. Co. Litt. 109. b. 

Bastard. 

O inglorious leagael 
Shall we, upon the footmg of cur land, 
Send fair-pfay Orders, and make compromise, 
Insinuation, parlev, and base tnice, 
To anns invasiver shall a beardless boy, 
A cockei^d silken wanton, brave cor fiälds. 
And flesh bis spirit in a warlike soil, 
Mocking the air with coloors idly spread, 
And find no check? Let us, my liege, to arms: 
Per Chance, the oardinal cannot make your peace; 
They saw we had a purpose of defeuce. 

King John, Act 5. Scene 1. 

vPrinces, being cbildren. ougbt to be brought up in shooting, both 
becanse it is an exercise most wholesome, and also a pastime most nonest; 
wberein laboor preyareth the body to hardness, the mind to courageous- 
ness, sufiering neitner the one to be marred with tendemess nor yet the 
other to be hurt with idleness, as we read how Sardanapalus and such other 
were, becanse the were not brought up with outward honest paniful pas- 
times to be men, but cockered up with inward. naughtv, idle wanton- 
css to be women.* JoxophUus. Ascham. 



212 Sitsangen der Berliner Gesellacbaft 

Posthamas. 
Two boys, an old man twice a boy, *a laue, 
Preserred the Britons was tbe Roman's bane. 

Cymbeline, Act ö, Scene 8. 

Jaques. 

Last scene of all, 
That ends this stränge eventfol historjr, 
Ja second cbfldisbness, and mere oblivion: 
Sans teetii, sans eyes, sans taste, sans every. 

As Yoa Like It. 

Hamlet. 
Hark yoa, Gaildenstem ; — and yoa, too: — at eacb ear a bearer; tbat 
great baby, yoo see there, is not yet out of bis swaddling-clouts. 

Rosenstern. 
Happily, he's tbe Second time come to tbem; for tbey say, an old 
man is twice a cbild. 

^aeis vofil^^o&a$ av ^tuSos fovro tovoyov afvai, 

iy€» Sh yüafTunoifi av mg 8is näidag o« yäoovTa9, 1417. 

Aristopbanes NE^^AI, 

Antonio S. ' 
Wbo beard me to deny it or forswear it? 

Mercbant. 
Tbese ears of mine, tbou knowest, did bear thee; 
Fy on thee, wretch! ^tis pity, that tbou livest 
To walk where any honest men resort. 

Comedy of Errors, Act 6, Scene I. 

Kurse. 
I saw tbe woand, I saw it with mine eyes, * 
6od save tbe mark! — bere on bis manly breast: 
A piteous cor8e> a bloody oiteoas corse; 
Pale, pale as asbes, all beaaub*d in blood, 
AU in göre blood; — I swoonded at the sight 

Romeo and Juliet, Act 1, Scene 1. 

,Tbe first surplusage tbe Greeks call Pleonasmus, I call bim (too füll 
Speech) and is no ^est fault, as if one sbould say, I beard it with mine 
eares, and saw it with mine eyes, as if a man could heare with bia 
beeles, or see with bis nose. We ourselves used this superfluous speech in 
a verse written of oar mistresse, nevertheles not mach to be misliked, for 
even a vice sometime being seasonably used, hatb a pretie grace, 

For erer may my trne loye live and ne^er die 

And tbat mine eyes may see her crpwnde a Queene. 

As, if she lived ever, she could ever die, or tbat one migbt see her 
crowned witbout bis eyes.* 

Puttenbam, Tbe Arte of finglisb Poesie, Lib IH, Chap. XXII. 

Falstaff. 
Pistol. — 

Pistol. % 

He beard witb eftra« 
Eirans. 
Tbe teyil and bis tarn! wbat phrase is this, 
He bears with eares? Wb^, it is affectations. 

Merry Wives of Windsor, Act 1, Scene t. 



für das Stadium der neueren Sprachen. 278 

Shakespeare, in theae passage probably refers to the vice of surplusage 
which Puttenham calls »too füll speech" and Evans who says »what phrase 
ifl this, he hean with ears? wby, it is affectatious," seems to conforma «too 
fall Speech** with .another manner of speecb' which Puttenham thus de- 
scribes. 

Nathaniel. 

I pratse 6od for you, sir: your reasons at dioner have been sharp and 
sententious : pleasant without scurrility, witty without affectiöns, aadacious 
without impudenc^, leamed without opinion, and stränge without heresy. 
I did converse this quondam dav with a companion of the king's, who is 
intituledy nominated, or called, Don Adriano de Armado.' 

He is too picked, too spracey too affected, too odd, as it wäre, to<> 
peregxinate, as I may call it. 

Nathaniel. 
A most Singular and choice epithet. 

(Takes out his table-book.) 
Holofernes. 
He draweth out the thread of his verbosity finer than the staple of bis 
argument. I abhor such fanatical phantasms, such insociable and point-de- 
Yise companions; such rackers of orthography, as to speak, dout, fine, when 
he shoula sav, doubt;'det, when he shoula pronounce, debt; d, e, b, J;; not 
d, e, t: he depeth a calf, cauf ; half, häuf; neiebour, yoeatur, nebour, neigh, 
abbreviated, ne: This is abhominable, (which ne would call abominable,) it 
insinuateth me of insanie; Ne intelligis, domine? to make frantic, lunatic. 

Love's Labour*s Lost, Act 5, Scene 1. 

Hamlet. 
I remember, one said, there were no sallets in the lines, to make the 
matter savoury: nor no matter in the phrase, that misbt indite the author 
of affection; but called it, an honest method, as whoTesome as sweet, and 
by very much more handsome than fine. Act 2, Scene 1. 

O! never will I trust to Speeches penn'^d, 

Nor to the motibn of a school-boy*s tongue 
Nor never come in visor to my friend; 

Nor woo in rhyme, like a blind harper^s song: 
Tafiata phrase s, silken terms precise, 

Three-piled hyperboles, spruce affectation, 
Fiffures pedantical: these summer-flies 

Have blown me füll of maggot ostentation. 

Love^s Labour's Lost, Act 5, Scene 2. 

« Ye have another intoUerable ill manner of speacb, which by the Greeks 
originall (Cacozelia) we may call fonde affectation, and is when we af- 
fect new words and phrases other than the good Speakers and writers in 
any language, or then cnstome hath allowed, and ia the common fault of 
young schollers not' hälfe well studied before they come from the univer- 
sitie or scbooles, and when they come to their fnends, or happen to get 
some benefice or other promotion in their countreys , will seeme to coigne 
fine words as out of the Latin, and to use new fangled speaches, thereby to 
shew themselves among the ignorant the better leJEumed.** 

Puttenham, The Arte of English Poesie, Lib. HI, Chapter XXIL 

Biron» 
Why should 1 Joy in an abortive birth? 
At Christmas I no more desire a rose, 
Than wish a snow in May^s new-fangled shows; 
Bat like of eadi thing, that in se^n grows. 

Love^B Labour's Lost, Aet 1, Scene 1. 

Arohiv f. n. Sprachen. XXXIX. 13 



274 Sitxangen der Berliner Gesellsohaft 

Orlando. 
For ever, and a day. 

Rosalind. 
Say a daj, witiioat the ever: No, no, Orlando; men are April wheo 
tbey woo, December when they wed; maids are May wben thev are maida, 
but the sky changes when they are wives. I will be morc jealoufl ^of tbee 
than a Baroaiy cock-pigeon over his hen ; more clamouroas tban a parrot 
againat rain; more new-fangled than an ape; more giddy in my desires 
t&n a monkey. Ab Xou Like l^ Act 4, Scene 1. 

In the Index to the Arte of English Poesie this word is speit «affec- 
tion^ as it is in Love's Labour^s Lost and Hamlet thusj — «Cacozeliaf or 
fbnd affe^on,* aod „Fond afiection or Cacoaelta." 

Marcus. 
My lord, kneel down with me; Lavinia, kneeT; 
And kneel, sweet boy, the Roman üectoi's hope; 
And swear with me, — as with the wofiil feere, 
And father, of that chaste duÄononr^d dame, 
Lord Jonius Bmtns sware for Lacrece' rape, — 
That we will prosecute, by good advice, 
Mortal revenge npon these traitorons Gotha, 
And see th^ blood, or die with this re|>roach. 

Titas Andronicos, Act 4, Seene 1. 

Eine Stephen was a worthy p«er. 

His breeches cost him bat a crown^ 
He held them sizpence all too dear, 

With that he call'd the tailor — lown. 
He was a wight of hi^h renown, 
And thon art bat of low degree: 
^ 'Tis pride that pulls the coantry down, 

Then take thme auld cloak about theo. 

Othello, Act 1, Scene 8. 

xxvm. 

She was a ladie of great dignitie, 

And lifted np to honorable place, 

Famoos through all the land of Faerie : 

Thooffh of meane parentage and. kindred base, 

Yet deckt with won^rons gifles of natnres grace, 

That all men did her person mach admire, 

And praise the featare of her goodly face ; 

The beames whereof did kindle lovely fire 

In th^ harts of many a knight, and many ä gentle sqmre. 

XXIX. 

Bat she thereof grew proad and insolent, 

That none she worthie thoagbt to be her fere, 

Bat scornd them all that Ioyc unto her ment: 

Yet was she lov'd of many a worthy pere: 

Unworthy she to be belov d so dere, 

That cottld not weigh of worthinesse aright: 

For beantie is more glorioas bright and dere, 

The more it is admir^d of many a wieht, 

And noblest she that seryed is of noblest knight. 

Faerie Qaeene Book VI, Cabto VIL 

The word »feere* or »fere' nsed by Shakespeare and Spenser in these 
passages evidently signifies hasband. 



1 



für das Studium der neueren Sprachen. S7S 

Kosalind. 
Oft have I heard of yon, my lord Biron, 
Before I saw you: and äie world's large tongue 
Prociaims yon for a man replete with mooks; 
Fall of compariflons and wounding floate; 
Which yott on all estates will execute, 
That lie witfain the mercy of your wit. 

Love's Laboui's Lost. Act 5, Scene 2. 

Helena. 

O, wben she's angry, she is keen and shrewd: 
She was a vizen when she went to scliool; 
" And, though she be bat little, she is fierce. 

■ 

Hermia. 
little again? nothine btit low and little? — 
Why will you suffer her to flout me thus? 
Let me come to her. 

Lysander. 
Gret jrou |[one, you dwarf; 
You minimus, of hmd*nng knot-grass made : 
You bead, you acom. 

Midsummer Nighlfs Dream^ Act 8> Scene 9. 

Scene II. London. A Street 

Enter Sir John Falstaff , with bis Page^ 
bearing bis Sword and Buckler. 

Falstaff 

Sirrab, you gia^t, what says the doctor to my water? 

2 Henry IV., Act 1, Scene 2. 

^When we deride by plaine and flat contradiction , as he ihat saw a 
dwarfe go in a street said to bis companion that walked with bim: See 
younder gyant: and to aNegro or awoman blaokmoore, in good sooth ye 
are a fiüre one we may call tt the broad floute. 

Lysander, 
And run througb fire I inll. for thy sweet sake. 

(Waking.) 
Transparent Helena! Nature here shows art, 
That througb thy bosom make me see thy heart 
' Where is Demetrius? O, how fit a word 
Is that vile name, to perish on. my sword? 

Helena. 

Do not say so, Lysander; say not so: 

IVhat though be love your Hermia? Lord, what though? 

Yet Hermia still loves you: then be content. 

Lysander. 
Contenl with Hermia? No: I do repent 
The tedious minutes I with her have spent 
Not Hermia, but Helena I love: 
Who will not change a raven for a dove? 
The will of man is by bis reason sway'd : ^ 
And reason says you are the worthier maid. 
Things ^owing are not ripe untü their season; 
So I, being young, tili now ripe not to reason; 

18* 



276 Sitzungen der Berliner Geseliflchftfi 

And toacbing now t^e point of human skill, 
Beason becomes the marsh^ to my will, 
And leads me to your eyes; wbere I o'erlook 
LoTe's «tories, dritten in loye's ricfaest book. 

Helena. 
Wberefore was I to tbis keen mockery bom? 
Wben, at your hands, did I deserve tbis 6com? 
Is't not enough, is't not enougb, young man, 
Tbat I did never, no« nor never can, 
Deserre a sweet look from Demetrius* eye, 
ßut you must flout my inauificiencv ? 
Grood trotb, you do me wrong, good sootb, yoa d0| 
In 0ucb disdainful manner me to woo. 
But fare you well: perforce I must confessi 
I tbougbt vou lord of more tnie gentleness. 
O, tbat a lady, of one man refused, 
Sbould, of anotber, tberefore be abusedl 

Midaunuaer Nigbt's Dream, Act 2, Scene 9. 

Wben ye ^ye a mocke under smootb and lowly wordes aa he that 
bard one call bim all to nougbt and say, tbou art sure to be hanged ere 
tbou dye: qnoth th'otber very soberlv. Sir I know your maistership speakea 
but in je^t, tbe Greeks call it (charientifimus) we may call it the pnvy 
nippe, or a myld and appeaaing mockery: all tbese be soldiera to the ngore 

allegoiia and fight under the banner of dissimulation. 

Puttenham, The Arte of English Poesie, Lib. ÜI« Cbapter XVIII. 

\ Dromio S. 
I did not see you since you sent me benoe, 
Home to the Centanr, with the gold you gave me. - 

Antipbolis S. 
Villain, tbou didst deny the goid'i receipt; 
And told'st me of a mistress, and a dinner; 
For wbich, I hope, tbou f^lt'st I was displeased. 

Dromio S. 
I am glad to see ^ou in tbis merry vein: 
What means tbis j est? I pray you, master, teil me. 

Antipbolis S. 
Yea, dost thoujeer, and flout me in the teeth? 
Think'st tbou, I jest? Hold, take thon tbat, and that. 

(Beating him.) 
Dromio S. 
Hold, sir, for God's sake: now your jest is eamest: ^ . 

* Upon what bargain do you sive it me? 

Comedy of Errors, Act 2, Scene 2. 

Falstaff evidently nses the »broad floute'' wben he caUs the Page a 
^ant, and the word „mock* wbicb Pattenham uses in describing this ngare 
18 sometimes used by Shakespeare in connection with the word »flout* 

« 

Enter Prologae. < . . 

Prologue. 
If we of fend, it is with our good will ■'■ 

Tbat you should think, we come not to offen d, 
But with good will. To shew our simple skill, 

That is the true beginning of our end. 



für das Studinm der iieaeren Sprachen. 277 

CoDflider then, we come bat in despite. 

We do not come as minding to content yoa, 
Oor tme intent is. AU for your deüsht, 

We are not here. That yoa sbonld bere repent jou, 
The aQtors are at band; and, by their sbow, , 

Yoa sball know all, that yoa are like to know. 

Midsommer Night's Dream, Act 5, Scene I. 

Puck. 

If we sbadows bave offended, 

Tbink bat tbis, (and all is mended,) 

That you bave bat slumber^d here. 

While these visions did appear. 

And this weak and idle tneme, 
. No more yielding bat a dream, 

Grentles, do not reprehend; 

If yoa pardon, we will mend. 

And, as Fm an honest Pack, 

If we bave unearned lack 

Now to 'scape the serpent^s tongae, 

We will make amends, ere long: 

Else the Pack a liar call. 

So, good-night anto you all. 
' Give me your bands, if we be friends, 

And Rpbin sball restore amendf. 
^^ ' Midsommer Night's Dream, Act 6, Scene l. 

»The fine and subtill persnader when bis intent is to sting bis adyer- 
sary or eise to declare bis mind in broad and liberal speeches wbich migbt 
breede offence or scandall, he will seeme to bespeake pardon beforehand, 
whereby his licentiousnes may be the better borne witb all, as be that said : 

If my Speech hap f offend you any way, 
Think it their fault, that fence me so to say.* 
Puttenham, The Arte of English Poesie, Lib III, Cbap. XIX. 

Jaffo. 
Come, come, good wine is a good familiär Creatore, if it be well used: 
ezQlaim no more against it. Othello, Act- 2, Scene s. 

Ohfogas x^aei /isXtijdijej oara xal äXXov$ 

ßlaTtraij os av fuy x"^'^^^ ^Vt f"^^ ttiotua Ttivv, 294. 

Homer, ÖJTJS2ErjdJS, O, 

Petrocio. 
Why came I bither, bot to tbat intent? 
Think yoo, a little din can daont mine ears? 
Have I not in my time heard lions roar? 
Have I not heard tbe sea, poff*d up witb winds, 
Rage like an angry boar, cnafed witb sweat? 
Have I not heard great ordnance in the field, 
And heaven's artillei^ thunder in the skies? 
Haye I not in the pitcbed batüe heard 
Lood 'larams, neighine steeds, and trompets* dang? 
And do you teil me of a woman's tongue, 
That sives not half so great a blow to tbe ear, 
As wifi a chestnot in a farmer^s fire? 
Tusbl tusbl fear boys witb bngs, 

Tamiog IThe Shrew, Act 1, Soene 2. 



278 Sitzangen der Berliner Gesellaehafti 

XXV. 

All these, and thonsand tboasands manv more. 
And more deformed monaters thottaand fold, 
With dreadftil noiae and hollow rombling rore 
Game rushin^, in the fomy wayes enrold 
Which aeem'd to flj for feare tiiem to behold: 
Ne wonder, if theae did the knight appall; 
For all that bere on earth we dreadrul hold, 
Be bat as buga to fearen babea withall, 
Compared to the creaturea in the aeaa entr&U. 

Spenaer, Faerie Qaeene, Book II, Canto XII. 

IX. 
Jitem, that where any peraon ahall demiae any dye-house or brew- 
honae, with tmplementa convenient and necessary for dyinp or brewing, re- 
aerviDg a rent upon the aame, oa well in reapeot of aach implementa, as in 
respect of auch dye-hoaae or brew-houae; that tfaen the tenant ahall pay hia 
tithea after auch rate as ia aboyeaaid, the third peny abated: 

, Falataff. 
Will you teil me, maater Shallow, how to chooae a man? Gare I for 
the limb, the thewea, the atature, bnlk, and big assemblance of a man? 
Give me the i^irit, maater Shallow. — .Here's Wart; — you see what a 
rag^ed appearance it ia; be shall charge you» and diacharee you, with the 
motion or a pewterer's hammer; come off, and on, awifter tban he that gib- 
beta on the brewera backet. 2 Henry IV., Act 8, Scene 2. 

and ,that everv principal houae or housea, with key or wharf, having any 
crane or gib et belongine to the same ahall pay after the like rate of 
their renta, aa is aforesaid, the third penv abated; and that other wharfs 
beloneing to honsea having no crane or gibet, shall pay for hia tithes as 
ahall De paid for manaion bouaea, in form aforesaid.*^ 

37. Heniy VIIL, Gap. 12. 
Edmund. 
The duke be here to-night? The better 1 Beat: 
This weaves itself perforce into my business I 
My father hath set guard to take my brother; 
And I have one thing, of a queazy queation, 
Which I maat act. — Briefneaa and fortune, workl — 

Lear, Act 2, Scene 1. 

„In a manner theae instrumenta make a man*s wit ao soft and smooth, 
ao tender and quaisy, that they be less able to brook streng and tough 
atndy.^ * Aacham. Joscophilus. 

y,I will speake somewhat toucbing theae viscositiea of language particu- 
larly and briefly, leaming no little to the Grammariana for maiutenance of 
the scholaatical warre, and altercationa : we for our part condesccnding in 
this deyise of ours, to the appetite of Princely personages and other so 
tender and qneaie complexiona in Gourt, as are annoyed with nothing more 
tban long lessons and overmuch good order.^ 

Puttenham, The Arte of English Poeaie, Lib. III, Ghap. XXL 

Miranda. 

I do not know 
Oite of my aex; no woman'a face remember,- 
SayOt from my glasa, mine own; nor have i acen 
More that I may call men, tiian you, good friend. 
And my dear father: how leatarea are abroad, 
I am skill-leaa of; but, by my modeaty, 
(The jewel in my dower,) 1 would not wiah 



fUr das Stttdiom der neaeren Sprachen. 279 

Anj companioQ in the world bat yoa; 

Nor can Imagination form a shape» 

Besides yourself, to like of — Hut I prattie 

Somethihg too wildly, and mj father*8 precepte 

Therein foiget. Tempest, Act 8, Scene 1. 

Doti lex favet; premiom pudoris est, ideo parcatur. C. Litt 81. 

Edgar. 
O undistingoiflh'd space of woman^s will: 
A plot upon her virtuoua hasband's life; 
And tbe ezchange, mj brotber! 

*!0e o^x alvate^av xal hvvtb^ov äXXo yvvaiuSs^ 
ijrie Srj TPiovra uera ^peaiy i^a ßaXffraf 
olov drj xal utivrj ifii^oaro fyyor aamig, 
xovQiBiq^ Tavimoa ndoei fovor» 430. 

Homer, OJTJS^EIA^. A* 

Oapulet. 
So many guests invite as here are write. — 

(Exit Servant.) 
Sbrah, go hüre me twenty conning Cooks. 

2 Servant. 
Yoa sball have none ill, str; for Fll try if they can lick their fingere. 

Capalet 
How canst thon try them bo? 

2 Servant 
Marry, sir, *ti8 an ill oook that ci&nnot lick bis owne fingers; 
therefore he, that cannot lick bis own fingers, goes not with mei 

Romeo and Joliet, Act 4, Scene 2. 

vWe dissemble after a sort, wben we speake by common proverbs, or, 
aa we ose to call them, old said sawes, as thus: 

As the olde cocke crowes so doeth the cbick: 

A bad Cook that cannot bis owne fingers lick. 

Meaning by the first, tbat the yoang leame by tlie olde, either 1o be 
good or eviil in their behaviours : bv the second, tbat he is not to be coun- 
ted a wise man, who being in authority and haring the administration of 
many good and great things, will not serve bis owne turne and bis friends 
wbilest he may, and many sach proverbiall Speeches : as, Totnesse is tnrned . 
French, for a stränge alteration: Skarborow waming, for a sodaine com- 
mi^ndement, allowing no respect or delay to bethinke a man of his busines. 
Note neverihelesse a diversitie, for tbe two last ezamples be proverbs, the 
two first proverbiall speeches.' 

Helena. 

You shall not hob ns ont of our melody: If yoa do, onr melancholy 
npon yoar headi Troilas and Cressida, Act 8, Scene 1. 

Thersites. 
Lo, io, lo, lo, what modicnms of wit he uttersl bis evasion have ears 
thos long. I have bobbed bis brain, more than he bas beat my bonos. 

Troilos and Cressida, Act 2, Scene 1. 

He that a fool doth veiy wisely hit, 

Doth very foolishly, althoueh he smart, 

Not 'to seem senseless of the bob; if not, 

The wise man*s foUv is anatomized 

Even by tbe squanaring glances of the fool. > 

As You Like, Act 2, Scene 7. 



280 Sitsungen der BerÜDer Gesellschaft 

Jago. 
I have rubb'd this young qaat almost to the aeuse^t 
And be grows angry. l^w, whether be kill Cassio, 
Or Cassio bim, or each do kill the other, 
Every way m^es my gain : Live. Roderigo, 
He cftlls me to a restitation large 
Of gold, and jewels, tbat I bobb'd irom bim. 

' Othello, Act 5, Scene 1. 

„Bat as tbey were in tbemidst of those imfained ceremonies, a Gitterne, 
ill-I>layd on, accompanied witb a bourse voyce (wbo seemd to äng manger 
the Muses, and to be merry in spite of Fortone) made them look the way 
of the ill-noysed son^. The song was this. 

A hatefuU eure with bäte to heale: 

A bloody helpe with blood to save: 

A foolisb thmg witb fooles to deale. • 

Let him be bobd tbat bobs will have, 

Bat wbo by meanes of wisedome hie 

Hath sav'd bis Charge? it is even L' 

Sydne/s Arcadia, Lib. II, Page 208. 

Putskie. 
Nar, tbere's no striving; tbey have a band apon us, 
A heary and a bard one. 

Ancient. 
No\f I have it; 

We have yet some gentlemen, some boys of mottle, 
(Wbat, are we bobVd thus still, coltcd, and carted?) 
And one mad trick well have to shame these vipersl 
Shall I bless 'em. 

Beaumpnt and Fletcber, The Loyal Sabject, Act 8, Scene 1. 

" Prince Henry. ' 

Peace, ye fat-gutsl lie down; lay tbine e^ur dose to the ground, and 
kst if thou canst bear the.tread of travellers. 

Fastaff. 
Have you any levenl' to lift me ap again, being down? 'Sblood, TU not 
bear unne own nesh so far afoot again, for all the coin in thy fatber*8 ex- 
chequer. \ What a plague mean ye to coU nie thus? 

Prince Henry. 
Thon liest, thoa art not colted, thoa art uncolted. 

1 Henry IV., Act S, Scene 2. 

„Bat wbat boois it to break a colt and to let him strai^fat mn loose 
at random ! So were these people at first well bandled and wisely broueht 
to acknowledge allegiance to the kings of England : bat being straight left 
unto tbemselves and tbeir own inordinate lifo and manners, tbey eftsoons 
forgot wbat before tbey were taugbt, and so soon as they were out of 
sight, by tbemselves shook of tbeir bridles, and began to colt anew, more 

licentionsly than before.** Spenser, A View of the State of Ireland« 

> 

Pisanio. 

It cannot be, 
But tbat my master is abused: 
Some villain, ay, and Singular in bis art, 
Hath done you both this cursed injury. 

Cymbebne, Act 3, Scene 4. 

yThus farre therefore we will adventure and not beyond, to tb'intent 



für das Studinm der neoeren Sprachen. 281 

to shew some sinffalaritie ia our arte that eTexy man hath not here- 
tofore obsenred, and (her niajesty good li^inff always nad) whether we make 
the common readers to laugh or to loure, aU is a matter, since our intent 
18 not so ezHCtIie to proeecute the parpose, nor so eamestly, as to think 
it should by anthority of onr owne judgement be generally applauded at to 
the discredit of our forefathera manner of vulgär Poepie. 

Fnttenham, The Arte of Engliah Poede, Lib. TL^ Chap. XII. 

Shallow. 
Did her grandaire leave her aeren hnndred poond? 

^▼ans. 
Ay, and her father ia make her ajpetter penny. 

Merry WiToa of Windaor, Act 1, Soene 1. 

Theae be the wayea, by which without reward 
Livinga in court be gotten, though füll hard ; 
For nothing there ia done without a fee: 
The courtier needea muat recompenced bee 
With a benevolence, or have in gage 
The primitiea of yonr parsonage 
Scarae can a biaboprick forpaa tbem by, 
But that it muat be gelt in privitie. 
Doo not thou therefore aeeke a ÜTine there, 
But of more priTate peraona aeeke ebewhere, 
Whereaa thou maiat Compound a better penie, 
Ne let thy leaming qneation'd be of anie. 

Spenaer, Mother Hubberd'a Tale. 

Thiabe. 
Aaleep, my love? 
What, dead, my dove? 
O Pyramua, ariae. 
Speak, 8 peak. Quite dnmb? 
Dead, dead? A'tomb 
Muat Cover thy aweet eyea. 
^ Theae lily browa, 

Thia cherry noae, 
Theae yellow cowaHp cheeka, } 

Are gone, are gone: 
LoTera, make moani 

Midaummer Night'a Dream, Act 5, Soene 1. 

Song. 

Clo. 
Come away, come away, death, 
And in aad cypreaa let me be laid; 

Fly away, fly away, breath; 
I am alain ij a fair cruel maid. 
My ahrottd of white, atuck all with yew, 

O prepare it: 
My part of death no one ao true 
Did ahare it. 
Not a flower, not a flower a^eet, 
On my black coffin let there be atrown 
Not a friend, not a friend ffreet 
My popr corpae, where my bonea äall be thrown ; 



282 SitKungen der Berliner Gesellschaft 

A tboutand tbousand sighs to save, 

Lay me, O, where 
Sad true lover ne^er fipd mj grave, 

To weep there. 

Twelfth Night, Act 2, Soene 4. 

»Ye hare another sort of repetitipo when in one Tcrse or clause of a 
▼erse, ye iterate one word without any intermission, as tbos: 

It was Maryne, Maryne that wrought mine woe.- , 

And ihis bemoaning the departare of a deere friend. 
The chiefest staffe of mine assjared staj, 
With no small ^efe, is gon, is gon away. 
And that of Sir Walter <Saleigh's very sweet 

With wisdomes eyes nad bnt blind fortane seene, 
Than had my love, my Iotc for ever beene. 
The Greeks call him Epizeuxis, the Latines Subjonctfo, we niay call 
him the anderlay« me tiiinks if we regard lüs manner of iterätion, and 
would depart from the originall, we might verv properly, in oor vnlgar and 
for pleasore call him the cuckowspell, for rient as the cuckow repeats bis 
lay, which is but one manner of note, and cloth not insert any oiher time 
betwizt, and sometimes for hast stommers out two or three of them one 
immediately after another as cuck, cuck, cuckow, so doth the fij;ure Epi- 
•zeaxis in the former Terses, Maryne, Maryne, withont any intermission at all. 
Pattenham, The Arte of English Poesie, Lib. lil, Chap. XIX. 

CXUII. 

Lo, as a careful hpnse-wife runs to catch 

One of her featber'd creatures broke away, 
Sets down her habe and makes all swift despatch 

In pursuit of the thing she would have stay; 
Whilest her neglected child holds her in chase, 

Cries to catch her whose bnsy care is bent 
To follow that which flies before her face, 

Not prinng her poor infant's discontent : 
So run^t thou after that which flies from fhee, 

Whilst I thy habe chase thee afar behind; 
But if thoa catch thy hope, tum back to me, 

And play the mother^s part, kiss me, be kind: 
So will I pray that thoa may'st have thy will. 
If thou tarn back, and my loud crying still. 

Sonnet. 
ThcTB 3e8aiMvaai, ÜAr^SKXeiy ^vre xov^ 

elavov anrofiipvi, xa« x iaovftkvrfv xars^vxßi, 

Saxgvoeaaa, Si fuv nortSd^xsrai^ ötp^aveXrjra^ 

T« &«>los, JldrgoxXe^ rigev xaxa daxgvov etß$i£ XI. 

Homer, IjIIjIJOJS, XVI. 

Lear. 
Through tatter'd dothes small vices do appear; 
Robea, and furr^d gowns hide all. Plate sin with gold, 
And the streng lance of justice burtless breaks: 
Arm it in raga, a pigmy^s strav doth pieice it. 

Act 4, Scene 6. 

Mitral^ iav 8i nlo^tos tav 9i aiax^oxBgoiav \aiha nattjarj^ avyyvaffirie 
JHMOSßENOTJS , nEPI TOP ^TE^AT^OP TE2 TPlBnAPXlA2. 1229. 



fdr das Studium der neueren Sprachen. S88 

Falstaff. 
I prcMsed me none but such toasts and butter, with hearts in their bei* 
lies no bigger than pins* heads , and they have bought out their Services ; 
and now my whole Charge coosists of ancients, corporals, lientenants, gentle- 
men of coropanies, .slaves as ragged as Lazarus in the painted cloth, where 
the glutton's dogs licked bis sores: and such as, indeedi were never soldiers; 
but discarded unjust serving-men, younger sons to youngec brothers, rcTol- 
ted tapsters, and oatlers trade»fallen: the cankers of a oalm world^ and a 
long peace. v 1 Heniy IV., Act 4, Scene 2. 

Senno haud muham diverans: in depoacendis periculis eadem audada; 
et, nbi adyenere, in detrectandis eadem tormido: plus tarnen ferociae Bri- 
tanni praefuerunt, ut qaos nondum longa pax emollierit: nam Gallos 
(^uoque in bellis floruisse accepimas: mox segnitia cum otio intravit, amissa 
▼irtnte pariter ac libertate: quod Britannorum olim victis evenit: ceteri ma- 
nent quales Galli Aierunt Tacitus, Agricola, XI. 

Othello. 

Behold, I have a weapon. 
' A better never did itself sustain 
lipon a soldier's thigh: I have seen the day, 
Tnat with this little arm and this good sword, 
1 have made my way through more impediments 
Than twenty times your stopl but, O vain boastl 
Who can controul bis fate? 'tis not so now. 

Act 5, Scene 2. 

XXVII. 

„Most haplesse well ye may 
Ble iustly terme, that to this shame am^ brought, 
And made the scorne of knighthood this same day: 
But who can scape what bis owne fate bath wrought? 
The worke of heavens will surpasseth humaine thousht. 

Faerie Queene, Book V, Canto IV. 

York, 
ril teil thee, Sufiblk« why I am unmeet, 
First, for I oannot flatter thee in piide: 
Nezt, if I be appointed for the place, 
My Lord of Somerset will keep me here, 
Without discharge, money, or furniture, 
Till France be won into the Dauphin's hands. 
Last time, I danced attendahce on bis will, 
Till Paris was besieged, famish'd, and lost. 

Warwick. 
> That I can witness; and a fouler^fact 

Did never traitor in the land commit. 

2 Henry VI., Act 1, Scene 3. 

„Now for the shutting up of this Chapter, will I remember you farther 
of that manner of speech which the Greekes^ call Synecdoche, and we the 
figure of quick conceite who for the reasons before alledged, may be put 
ander the Speeches allegoricall, because of the darkenes and duplicitie of 
his scense : as when one would teil me how the French king was over^ 
throwen at Saint Quintana, I am enforced to think that it was not the 
king himselfe in person, but the Constable of France with the French king's 
power. Or if one would say, the towne of Andwerpe were famished, it 
IS not so to be taken , but of the people of the towne of Andwerp , and 
this conceit being drawn aside, and (as itwere) from one tbing to another, 



284 Sitzungen der Berliner Gesellscbaft 

it encombers the minde with a certain inu^nation what it may be thal ia 
meant and not expressed! as he that shUT to a youog gentlewoman , who 
was in her Chamber making herseife unready.^ 

The French leap'oyer the walls in their Shirts. Enter several ways, 
Bastard, Alen9on, Reignier, half ready aod half unready. 

Alen9on. 
How now, my lords? what, all bnready so? 

Bastard. 
ünready?{ay, and glad we 'scaped so well. 

Reignier. 
'Twas time, I trow, to wake and leave onr beds, 
Hearing alarums at our Chamber doors. 

1 Henry VI., Act 2, Scene 1. 

«Mistresse will ve geve me leave to unlace yoor peticote, meaüing (per^ 
Chance) the other tning that might follow such unlasing.* 

Puttenham, The Arte of English Poesie, Lfb. HI. Chap. XYIII. 

Belarins. 
How hard it is, to hide the sparks of naturel 
These bovs know little they are sons to the king; 
Nor Cymbeline dreams that they are alive. 
They tbink they are mine: and though tniin*d np thus meanly 
Fthe cave, wherein they bow, their thoughts do bit 
The roofs of palaces ; and natnre prompts tbem, 
In simple and low thinffs, to prinoe it, much *^ 

Beyona the trick of others. Cymbeline, Act 3, Scene 3. 

I. 

O, what an easie tbing is to descry 

The gentle bloud, bowever it be wrapt 

In sad misfortunes foule deformity 

And wretched sorrowes, which have often haptl i 

For bowsoeirer it may froyr mis-sbapt, 

Like this wyld man bemg undisciplynd, 

That to all yertne it may seeme unapt; 

Yet will it shew some sparkes of gentle mynd. 

And at the last breake forth in bis owne proper kind. 

n. 

' That plainely may in this wyld man be red, 

Who, though he were still m this desert wood, 

Mengst salvage beasts, both rudely bome and bred, 

Ne ever saw faire guize, ne leamed good, 

Yet sbewd some token of bis gentle blood 

By gentle usage of that wretcheMd dame: 

For certes.he was bome of noble blood, 

However by hard bap he hetber came; 

As ye may know, when time sball be to teil the same. 

Faerie Qaeene, Book VI, Canto V. 

Nathaniel. 
A rare talenti 

Dull. 
Ifa talent be a daw, look'how he daws him with a talent. 

LoTe*8 Laboar's Lost, Act 4, Scene 2. 



für das Siadiam der neueren Sprachen. 285 

Don John. 
' I cannot hide what I am: I must be sad when I baye caase, and smile 
at no man's jests; eat wben I have stomach, and wait for no man^s leisare; 
sleep when I am drowsy, and teod on no man*8 busineBs ; laugh when I am 
meny, and claw no man in his humour. 

Mach Ado Abont Nothing, Act 1, Scene 8. 

„A Herald at armes sent bj Charles the fifUi Emperor, to Frances the 
first French king, bringing bim a message of defiance, and thinking io qua- 
lifie the bittemesse of bis messa^ with words pompous and magnmcent for 
Üie kings honor, used mach this terme (sacred Majestee) which was not 
usoallv eeven to the French king, bat to say for the most part (Sire) the 
Frencn klnff neitber liking bis errand, nor yet of his pompous spcecb, 
Said somewhat sharply, I pray thee good fellow clawe me not wnere I 
itch not with thy sacred majestie, but goe to thy businesse, and teil tbine 
eixand in such termes as are decent betwixt enemies, (or thy master is not 
my freod, and tumed bim to a Prince of the bloud who stoode by, saying, 
me thinks this fellow speakes like Bisbop Nicholas, for on Saint Nicho- 
las night pommonly the scbolars of the Country make them a ßishop, who 
like a foolish boy, goeth about blessing and preaching witb so childish 
termes, as maketh thepeople laugh at his counterfaite speecbes. 

Futtenbam, The Arte of Englisb Poesie, Lib. Hl, Chap. XXIH 

GadsbilL 
Siirah, if they meet not with Saint Nioholas* Clerks, TU give thee 
tbis neck. 

Chamberlain; ' 

No, m none Of it: I prythee, keep that for the haneman; for, I know, 
thoa worship'st Saint Nicholas as truly as a man of falsehood may. 

1 Henry IV., Act 2, Scene 1. 

Futtenbam says ^on Saint Nicholas night commonly the scbolars of the 
Coantry make tbem a Bisbop, who like a foolish boy, maketh the people 
laogb athiscounterfaite speecbes,* and the Cbamberlain says, ^i know, 
thou worship'st Saint Nicholas as tnily as a man of falsehood may.^ 

Macbeth. 

If thou speak'st false 
üpon the nezt tree shalt thou hang alive, i 

Tul famine chng thee : if thy speedi be sooth 
I care not it thou dost for me as much. — 

Act 5, Scene 6. 

„For Sure the liberal band tEat bath no heart to spare. 
This fading wealth, but pours it forth, it is a virtue rare: 
That makes wealth slave to need, and gold become bis tbrall, 
Glings not bis gusts witb niggisb iare, to heap his ehest witbal.** 

The Earl of Surre/s Poems Ecclesiastes, Chap. V. 

Cleon. 
Those motbers, who, to nousle up their babes, 
Thought nought too curious, are ready now, 
To eat thöse little darlings, wbom the^ loved. 

*^ Pericles, Act \, Scene 4. 

Ütxni. 

r 

So long in secret cabin there he held 

Her captire to his sensuall desyre; • 



286 Sitxuugen der Berliner GreseiUchaft 

Till Üiat with timely fruit her belly sweld, 
•And bore n boy onto that salvage syre: 
Tfaen home he suffired her for to retyre; 
For ransome leaving him the late^bome dulde: 
Whom, tili to ryper yea^s he gan anpyre. 
He nonsled up in life and manert wilde, 
Emoogst wild beastes and woods, from laws of men exilde. 

Spenser, Faerie Queen, Book I, Canto VI. 

„He commanded fnrther, that all the yonth of bis realme, should ezer- 
eise mnning, wrestling, shooting, thröwing of the dart and bowle so to 
avoid slothfullnesse , wat their oodies might with sach exercises be made 
the more able to endare paines and traTell: and for the same parpose he 
took Order, that they sbould be upon the bare boords, with one mantell 
onelie throwen nnder them, so that they shonld fast notbing neither by day 
nor night, that might noozell them in anie wanton delights or effemin at 
pleaanres.* The Hiatorie of Scotland. Holinshed. 

King Richard. 
Marshai, demand of yonder champion 
The cause of bis arnval here in arms: 
Ask him bis name; and orderly proceed 
To swear him in tbe justice of his cause. 

Marshai. 
In God^s name and the kine^s, say who thon art, 
And why thou oomeet, thus Knightly dad in arms; 
Against what man thou comest, and what thy quarrel: 
Speak truly, on thy knighthood, and thy oath: 
And so defend theo Heaveo, and thy valour I 

Norfolk. 
Mv name is Tbonaas Mowbrajr, duke of Norfolk; 
Who hither come engaged by my oath, 
(Wbich, Heaven defend, a knight should violatel) 

Richard H., Aet 1, Seene a. 
XVIII. 
There he arriving boldly did present 
The fearefull lacfy to her father deare, 
Most perfect pure« and gniltless innocent 
Of blame, as oe did on bis knighihood sweare, 
Since firat he saw her, and did free from feare 
Of a discenrteous knight, wbo her had refb 
And by ontragioos force away did beare: 
Witnesse thereof he sheVd his head there left, 
And wretched life forlorne for vengement of bis thefi. 

Faerie Queene, Book VI, Canto HI. 

1 Garrier. 

Heigh hol An*t be not four by the day, 111 be hanged: Charles' wain. 
is over tbe new chimney, and yet our horse not packed. What, ostlerl 

Ostler. 

(Within.) Anon, anon. 

2 Carrier. 

I pr*ythee, Tom, beat Cut's saddle, put a few flocks in the point; the 
poor jade is wrung in the withers out or all cess. 

^ 1 Henry IV., Act 2, Soene 1. 

Endoz.; ' 
But what is that which yon call cess? it is a word, sure, onused 
amongst us here; therefore I pray you, ezpound the same. 



für das Sladinm der neueren Sprachen. 287 

Iren. 
Cess is none other tban that which jou yoorBelf called imposition, 
bnt is in a kind unacquainted perhaps unto you; for there are oesses of 
randry aorts: one is, the ceasin^ ot soldiers upon the coontiy; for Ire- 
]an4 being a country of war, as it is handled, and alwaya fall of Boldiers, 
thtj wbi<m have tbe govemment, wheiher tbey find it tbe most ease to the 
qneen*8 purse, or tbe most ready meana at band for victualling of the sol- 
per, or that neceaaity enibrceth them thereonto, do scatter the army abroad 
in the country, and place tbem in yillages to take their yiotuals of tbem, 
at such Tacant times as tbev lie not in camp, nor are otberwise employed 
in Service. Another kind oi oess ia, the imposrng of pronsion for tne eo» 
vernors' houaekeeping, wbicb, tbougb it be mpst necessary, and be also (for 
aToiding of all the evils formerly therein used) lately broogbt to a compo- 
sition: vet it is not without great inconveniences , no less tban here in 
England, or ratber mach more. Tbe like cess is also cbarged upon the 
coantrv sometimes for victualling of the soldiers, when tbey lie in garrison, 
at such times as th^re is none reroaining in the qneen's störe, or that the 
same eannot be con^niently oonveyed to their place of garrison.* 

Spenser, A View of the State of (reland. 

Romeo. 
Courage, man; the hart eannot be mach. ' 

Mercutio. 
No, 'tis not so deep as a well, nor so wide as a cburch-door; bat 'tis 
enoogb, 'twill serve : ask forme to-morrow, and vou shall findme a graye 
man. ' Romeo and Juliet, Act S, Scene 1. 

Shakespeare probably plajs upon tbe word grave in tbis passa^e, using 
it in its oroinary sense as an adjective and also as a participle signiiying bu- 
ried as Chaucer uses it in the Frankleine's Tale, 

»Here at yotir feet God wold that I were graye.* 11288. 
and alao in the We of Bathes Tale, 

«For tbough that I be olde foule and pore, 
I n'olde for all tbe metal ne the ore, 
That onder erth is grave, or litb above, 
But if thy wif I were and eise thy love.** 6648. 

Emilia. 
But, I do think, it is their hosbands' faults, 
If wives do £dl: Say, that tbey slack their duties. 
And poor our treasores into foragn laps; 
Or eise break out in peevish jealoosies. 
Throwing restraint apon'os; or, say, they atrike as, 
Or Bcant cur fbrmer baving in despite; 
Why, we have galls; and, tbough we baye some grace, 
Yet we have some revenee. ^ Let husbands know, 
Their wives have sense like vthem : they see and smell, 
And have their palates botb for sweet and sour, 
As husbands have. Wbat is it that they do, 
When tbey change us for^ others? Is it spart? 
I tbink it is; and doth affection breed it? . 
' I tbink it doth ; is't frailty that thus errs ? 
It is so too: And have not we «ffections? 
Desires for sport? and frailty; as men have? 
Then, let them use us well: eise let them know, 
The ills we do, their ills instniet us to. 

Othello, Act 4, Scene 3. 



288 Sitsangen der Berliner Qeiellscbaft 

fuu^av fiiv ovp YwaiH9s% owr aXXmg Xiyto, 

Topdav Tta^toaag Üfcr^m^ jufula&at ftXov, 

oUt atrioi T<or9* hvxXvovs* av9fte MWtSg, 1040. 

Enripides, tL^SKTPJL 
Roialind. 
Farewell, motineor traveller: Look, you lisp, «nd wear sträng suits; 
disable all the benefitt of yoor own oountry; be out of love witb your 
nativity, and almost chide 6oa for making yoa that eountenanoe yoa are; 
or I will Bcaree think yoa bave swam in a gondola. 

Ab xoa Like It, Act 4, Scene 1. 

SiWial^ 
Too low a mistress for so high a senrant. 

Froteas. 
Not 00, flweet lady; bot too mean a servint 
To ha?e a look of sacli a worthy mistress. 

Valentine. / 

Leave off discoarse of disability: 
Sweet lady, entertain him for yoar Bervant. . 

Proteui. 
My daty will I boast of ; nothing eke. 

Silvia. 
And dnty never yet did want his meed: 
Servant, you are welcome to a worthless nÜBtress. 

Two Gentlemen of Verona, Act 2, Scene 4. 

Morocco. 
What lays the sÜTer, with her Tirgin hae? 
>^ Wbo chooeeth me, sball get as mach aa he deaervea, 

As mach as he deserres? — Pause there, Morocco> 
And weigh thy value with an even hand: 
K thon be'st rated by thy estimation, 
Thon dost deserye enough; and yet enough 
May not eztend so far as to the lady; 
And yet to be afear^d of my deserving, 
Were bat a weak disabling of myself. 
As muoh as I deservel Why, that's the lady; 
r do in birth deserre her, and in fortunes, 
In graces, and in qualities of breeding; 
But niore than tbeae, in love I do deserre. 

Merchant of Veniee, Act 2, Scene 7. 

Margaret. 
Margaret mv name ; and daughter to a king, 
The king or Naples, whosoe'er thou art. 

Suffolk. 
An earl I am, and Suffolk am I call'd. 
Be not ofiended, nature's miracle, 
Thou art allotted to be ta'en by me: 
So doth the swan her downy cygnets save. 
Keeping them prisonert nnoemeath her wmgs. 
Yet, if this servile usage once offend, 
Go, and be free again as Suffolk's friend. 

(She turns away as going.) 



I 

für das Studium der neueren Sprachen. 289 

stay! — I have no power to let her pass; 

My band would free ner, but my heart Bays — oo: 

As plays the sun upon the giassy streams, 

Twinkling anotber counterfeited beam. 

So seems tbis goreeous beanty to mine eyes. 

Fain wood I woo her, yet I dare not speak : 

ril call for pen and ink, and write my mind: 

Fy, De la Poole! disable not thyself; 

Hast not a tongue? Is sbe not Lere tby prisoner? 

Wut tbou be daunted at a woman'a sigot r * 

Ay; beanty*8 princely migesty is such, 

Confonnds the tongue, and'makes the senses rongb. 

1 Henry VI., Act 5, Scene 8. 

After the avancer foUowetb the abbaser workingv br wordes and sen- 
tences of extenuation or diminution. Wbereupon we call nim the Disable r 
or figure of Extenoation: and this extenuation is used to divers purposes, 
sometimes for modesties sake, and to avoide the opinion of arroganoe, speak- 
ing of ourselves or of ours, as he tbat disabled himselfe to hia mistress, 
tbus: 

Not all the skill I have to speake or do, 

Which litde is Godwot (set love apart:) 

Live lond nor life, and put them botb thereto 

Can counterfeite the due of your desert. 
Futtenbanii The Art of English Poesie, Lib. III, Chapter XIX. 

Shakespeare may refer in these passages to the Disabler or figure of 
extenuation. ^ 

Lady Macbeth. 

I have given suck; and know 
How tender 'tis to love the habe tbat milks me: 

1 would, wbile it was smiling in m^ face, 

Have pluck'd my nipple from bis boneless gums, 
And dashM the brains out, bad I so sworn, as you 
Have done to this. Act 1, Scene 8. 

n^ator uhf, tpa aoi Tirana tovt^ ov$t8üfa> 
fytj^as axovadv ua xaXaßag ßlq^ 
Tov n^0o&8V avo^a TdvraXov xazaxTavohj 
ßQiipos IE Tovfiov ^(oy ngoaovSiaae TtäStpf 
fia<nmv ßiaian rtSv kfuov oatosnaoae, 1152. 

Enripides. WirENIEIA H EN ATAUL 

In these passages the action and the words used in describing it are 
similar. 

Parolles. 
Five or six tbonsand horse, I said,— I will say true, — or thereabouts, 
set down, — for 111 speak trutb. 

1 Lord. 
He's very near the tmth in this. 

Bertram. 
Bntcon bim no tbanks for^t, in the nature he delivers it. 

All's Well Tbat Ends Well, Act 4, Scene 8. 

1 Thief. 
We cannot live on grass, on berries, water, 
As beasts, and birds« and fisbes. 

Arcliiv r. o. Sprachen. XXXIX. 19 



290 SitzuDgen der Berliner Gesellschaft 

Timon. 
Nor on the beasts themselTes, the birds, and fishes; 
You most eat men. Yet thanks I must you con, 
Tbat von are thieres profeas'd; tbat yon work not 
In holier sbapes: for tbere is boondless theft 
In limited professions. Timon of Athens, Act 4, Scene 8. 

Eadox. 
I do now well nnderstand yon. Bat now wben aU things are bronght to 
this pasa« and all filled with these mefol apectades, of so many wretched 
carcasses starring^ goodlv countries wastea, so hnge desolation and con- 
fiision, tbat even I Üiat do but hear it from you, and do pictare it in my 
mind, do ^eatly pity and conuniserate it; if it shall bappen, tbat tbe State 
of this misery and lamentable image of things sball be told, and feel- 
mgly presented to her sacred majesQr, beine by natore* füll of mercy and 
demency, who is most indinable to sncb pitirol complaints, and will not en- 
dure to hear such tragedies made of her poor people and snbjects, as some ^ 
about her may insinuate: then she, perfat^DS, for Tery compassioii of such 
calamities, will not only stop the stream of such ^iolences, and retom 
to her wonted mildness, but uso conn then litde thanks which haye been 
the authors and counsellors of such bloody platfonns.* 

Spenser« A View ot the State of Ireland. 

Marshai. 
Sir, yond's your place. 

Pericles. 

Some other is more fit. 

1 Knight. 
Gontend not, sir; for we are gentlemen, 
Tbat neither in our hearts nor outward eyes, 
Envy the great, nor do the low despjse. 

Perides, Act 2, Scene 3. 

And tbis same bias, this commodity, 

This bawd, tbis broker, tbis aU*cbanging word, 

Clapp*d on the outward eye of fickle France, 

Hatn drawn bim from bis own determined aid, 

From a resolved and bonourable war, 

To ä most base and vile-condaded peace. — 

King John, Act 2, Scene 2. 

For, well you know, we of the ofiering side 
Müstikeep aloof from strict arbitrement ; 
And stop all sight-holes, every loop, from whence 
The eye of reason may pry in upon ns: 
This absence of your fatner^s draws a curtain, 
Tbat shews the Ignorant a kind of fear 
Before not dreamt of. 

1 Henry IV., Act 4, Scene 1, 

»When tbe first man Adam was ereated, he receiyed of 6od a double 
eye, tbat is to say, an outward eye, whereby he might see yisible things, 
and know bis bodily enemies, and eschew them, and an inward eye, that 
is tbe eye of reason, whereby he might see bis spiritual enemies that fight 
against bis soul, and beware of them.* 

Doctor >and Student, Dialogue 1, Cap. XIV. 

Bardolf 
By this sword, he that makes the first thmst, FIl kill bim; by tbis 
sword, I will. 



für das Stadinm der neueren Sprachen. 291 

Fistol. 
Sword is an oath, and oaths must have their coorse. 

Henry V., Act ?, Scene 1. 

Hotspur. 
The king hath many marching in his coata. 

Douglas. 
* Now, bv my s word, I will kill all his coats; 
1*11 muroer all his wardrobe^ piece by piece, 
Until I meet the king. 1 Henry IV., Act 5, Scene 3. 

Officer. 
You here shall swear upon the sword of justice, 
That you, Cleomenes and Dion, have 
Been ooth at Delpbos; and from thenoe have brought' 
This seard-up oracle, by the band deliver^d 
Of great Apollo's priest; and that, since tben, 
Tou have not dared to break the holy'seal, ' 

Nor read the secrets m*t 

Cleomenes. Dion. 
All this we swear. 

Winter's Tale, Act 3, Scene 2. 

Antigonns. 

Any thing, my lord, 
That my abilit^ may andergo, 
And nobleness impose; at ßast, thus much; 
I'li pawn the little blood whicb I have left, 
To save the innocent : any thing possible. 

Leontes. 
It shall be possible: Swear by this sword, 
Thou wilt perform my bidding. 

Antigonus. 
I will, my lord. 

Winter's Tale« Act 2, Scene 3. 

Bolingbroke. 
Pale trembling coward, there I throw my gage, 
Disciaiming here the kindred of a king ; 
And lay aside my high blood^s royalty, 
Which fear, not reyerence, makes thee to ezcept: 
If guilty dread hath left thee so much strength, 
As to take np mine honour's pawn, then stoop; 
By that, and all the ri^ts of knighthood ebe^ 
Will I make good agamat thee, arm to arm, 
What I haye spoke, or ihou canst worse devise. 

Norfolk. 
I take it up; and, by that sword I swear, 
Which gently la^d my knighthood on my Shoulder 
ril answer thee m any fair degree, 
Or cbivalrons design of knightly trial: 
And, when I mount, alive may I not light, 
If I be traitor, or unjustly fightl 

Richard II., Act 1, Scene 1. 

As you are friends, scholars, and soldiers, 
Give me one poor request 

19* 



292 Sitzangen der Berliner Gesellschaft 

Horatio. 

What is't my lord? 
We will. 

Hamlet 
Never make known what yoa have seen to-night. 

Horatio. Marcellai. 

My lordf w» will not. 



Hamlet 

Horatio. 

My lord, not I. 

Marcellus. 
Nor I, my lord, in faith. 

Hamlet 



Nay, bat sweax^t 
In faith, 



Upon my sword. 



Marcellas. 
W^ have swom, my lord, already. 

Hamlet 
Indeed, apon my sword, indeed. 

Ghost 
(Beneath.) Swear. 

Hamlet 
Ha, ha, boyl say^st thoa so; art thou there, trae-penny? 
Come on, — you hear this fellow in the cellarage> — ' 
Consent to swear. 

Horatio. 
Propose the oath, my lord. 

Hamlet. 
Never to speak of this that yoa have seen, 
Swear by my sword. 

Ghost 

(BeneaUi.) Swear. 

Hamlet 
Hie et ubiqne? then we*ll shift oar ground: — 
Come hither, genttemen, ^ 

And lay yoor nands affain apon my sword: 
Swear by mv sword, 
Never to speak of this that you have heard. 

. Ghost 
(Beneath.) Swear by this sword. . 

Act 1, Scene 5. 

xni. 

The prince mach mased at sach villenie. 

And sayd: «Now sare ye well have eam*d yoiu* meed; 

For th'one is dead, and th^other soone shall die, 

ünlesse to me thoa hither bring with speed 

The wretch that hyr*d you^to this wicked deed." 

He glad of lifo, and wiuinff eke to wreake 

The goilt on hun wbich did this mischiefe breed, 

Swore by bis sword, that neither day nor weeke 

He would soroeaase, bat him whereso he were woald seeke. 

Spenser, Faerie Queene, Book VI, Canto VIL 



fär das Stadiam der neaeren Sprachen. 20S 

XXXII. ' , 

9 And more; I grannt to thj great misery 
Gratioos respect; thy wife shall backe be sent: 
And that vile knight, whoever that he bee, 
Which hath thy lady refl and knighthood shent, 
3y Sanglamort mv sword, whose deadly dent 
The blood hath of so many thousands shedd, 
I sweare ere long shall dearely it repent; 
Ne he twixt heven aod earth shall hide his bedd. 
Bot soone he shall be fownd, and shortly doen be dedd.* 

Spenser, Faerie Queene, Book III, Canto X. 

XIV. 
„Bat, sith ye please that both oar blames shall die, 
Ainends may for the trespasse soone be made, 
Since neither is endamadff*d mach thereby.* 
So can they both themselves fall eath perswade 
To faire accordaunce, and both faalts to shade, 
Either embracing other lovingly, 
And swearing faith to either on his blade, 
Never tbenceforth to noarish enmity, 
But either others cause to maintaine mutaally. ' 

Faerie Queene, Book II, Canto VIII. 

„Platarch (as I remember) in his treatise of Homer, endeavouring to search 
out the truth, what countryman Homer was, proveth it most strongly (as be 
thinketh) that he was an JSolian bom, for tnat in describing a sacrifice of 
the Greeks , he omitted the loin, the which all the other Grecians (saying 
tbe iBolia) nse to bum in their sacrifices: also for that he makes the entrails 
to be roasted on five spits, which was the proper manner of tbe ^olians, who 
only, of all the nations ofGrecia, used to sacrfficc in tbat sort. By which he 
inferreth necessarily, that Homer was an ^olian. And by the same röason may 
I as reasonably condade, that the Irish are desceoded from the Scythians; 
for that they use (even to this day) some of the same ceremonies which the 
Scythians andentlr used. As, for ezample, you may read in Lucian, in that 
sweet dialogue, which is entitled Toxans, or of friendship, that the com- 
mon oath of the Scythians was by the sword, and by the fire; for 
that they aoconnted those two special Diyine Powers, which should work 
vengeance on the pexjurers. So ao the Irish at this day, when they go to 
batHe, say certain prayers or charms to their swords, makin^ a cross tnere- 
with npon the earth, and thrusting tbe points of their blades mto the ground, 
thinking thereby to have the better success in fight. Also they use com- 
monly to swear by their swords.« 

Spenser, A View of the State of Ireland. 

It seems to have been usual for men before the Christian era to swear 
by or npon their swords, but amongst Christians this custem may have ori- 
ginated in the form of the Cross the sword presents where the guard cros- 
ses the blade, and which I may now represent by the common sign of re- 
ference in books shaped like a straigbt sword thus, — f* ^ hava some- 
where read tbat the blades of swords had formerly the sign of the cross 
upon them and I remember a stanza in Spenser's Faerie Queene which may 
Support this Statement: 

XLIH. 
The wretched man, that aQ this while did dwell 
In dread of death, his heasts did gladly heare, 
And promist to performe bis precept well, 
And wbatsoeyer eise he woula requere. 



294 Sitzungen der Berliner Gesellschaft 

So, sufTring him to rise, he made hlm sweare 

By his owne sword, and by the Crosse thereon, 

To take Briana for his lovinj^ fere 

Witboaten dowre or oomposition: 

But to release his Ibrmer foole condition. 

Book V, Canto I. 

but it may be considered doubtful whether reference is made here to the 
form of the cross impressed on the blade , or to the form of the cross a 
sword presents where the guard crossesthe blade. 

Salisbary. 
Now, by my sword, well hast thou fonght to-day; 
By the mass, so did we all. 

Salisbury probably plays upon the word mass using it not only in the 
sense of the mass by wbich men swore but also as signifying quantity, or 
mnltitnde for he says by the mass so did we all. 

Consta nc^e. 
O lord, my boy, my Arthar, my fair soni 
My life, my joy, my food^ my all the worldl 
My widow-comfbrt, and my sorrow's eure. 

King John, Act 3, Scene 4. 

Antipholis S. 

No; 
It is thyself, mine own selfs better part; 
Mine eye's clear eye, my dear heart^s dearer heart; 
My foot, my fortune, and my sweet hope's aim, 
My sole earth's heaven, and my heaven's claim. 

Gomedy of Errors, Act 8, Scene 2. 

Nnrae. 

There's no trust, 
No faith, no honesty in men; all perjured« 
All forsworn, all nanght, all dissemblers. — 
Ah, where's my man? give me some aqua vitae: 
These griefs, these woes, the sorrows make me old. 

Bomeo and Jnliet» Act 3, Scene 2. 

Nathaniel. 
Very reverent sport, truly; and done in the testimony of a good oon- 
sciexfce. 

Holofernes. 
The deer was, as you know, in sanguis, — blood; ripe as a pomewater, 
who now hangeth like a jewel in the ear of coelo, ~ tne skv, the wel- 
kin, the heaven; and aoon falleth like a crab on the face of terra, — the 
seil, the land, the earth. 

Nathaniel. 
Truly, master Holofernes, the epithets are sweetly varied, like a scho- 
lar at the least: But, sir, I assure ye, it was a bück of the first head. 

Holofernes. 
Sir Nathaniel, haud credo. 

Doli. 
'Twas not a haud credo, *twiis a pricket. 

Holofernes. 
Most barbarous intimationi yet a kind of insinuation, as itwere, in via, 
in way o| ezplieation; facere, as it were, replication, or rather ostentare, to 



] 



für das Stadiam der neueren Sprachen. 295 

shew, as it were, hu inclinationj — afber bis undressed, unpoHshed, 
nneducated, unprun'ed, untrained or rather unlettered, or rafberest, un- 
confirmed fashion, — to insert again my haud credo for a deer. 

^ Love*8 Labour^s Lost, Act 4, Scene 2. 

In these passages Shakespeare uses the figure of Store thas described 
bj Pattenham. 

lyWhensoeyer we moltipl^ öur speech by roanv words ^r clauses of one 
sence, the Greekes call it Smonimia, as wbo wouid say, like or consenting 
names: the Li^tines having no fitte terme to give bim, called it by a name 
of event, for (said they) many words of one nature and sence, one of tbem 
doth ezpoond another. And tberefore they called bim the figure of störe 
because plenty of one manner of thing in our vulgär we call so. Aeneas 
asking wnether his Captaine Orofktes were dead or alive, used tfais störe of 
Speeches all to one pnrpose. 

Is he alive, 

Ib he as I left him queaving and quick. 
And hath he not yet geven up the ghost, 
Among the rest of those that I have lost? 

Or if it be in single words, then tbus: 

What 18 become of that beautifbl face, 
Those lorely lool^s, that favour amiable, 
Those sweete features, and visage füll of grace, 
That conntenanoe whieh is alonly able 
To kill and eure? 

Ye see that all these words, face, lookes, favour, features, visage, coun- 
tenance, are in sence but aJl one. Which störe, nevertheless doeth much 
beautifie and inlaree the matter, So said another: 

My faith, my oope, my trust, my Grod and eise my Guide, 

Stretch forth thy hana to save the sonle« what ere the body bide. 

Etere faith, hope and trust be words of one effect, allowed us by this 
figure of Store. 

Futtenham, The Art of English Poesie, Lib. III, Chap. XIX. 

Falstaff. 
Setting thy womanhood aside, thou art a beast to say otherwise. 

Hostess. 
Say, what beast, thou knare thou? 

Falstaff. 
What beast? why, an otter. 

Prince Henry. 
An Otter, Sir John? why an otter? 

Falstaff. 
Why? she's neither fish nor flesh; aman knows notwhere to have her. 

Hostess. 
Thou art an unjustman in saying so; thou or anvman knows where to 
baye me, thou knaye thoul 1 Henry iV., Act 8, Scene 3. 

,Running, leaping, and qnoiting be tob vile for scholars, and so not 
fit by Aristotle^s jud^ent Walking alone into tbe field hath no token of 
Courage in it, a pastime like a simple man which is neither flesh nor 
fish.** Ascham. Toxophilus. 

Othello. 
Why, how now, ho! from whenoe ariseth tbis? 
Are we tumM Turks; and to ourselvcs do that, 



296 Sitzangen der Berljiner Gesellschaft 

Which Heayen hath the Ottomites? 

For Christian shame, put by this barbarous brawl. 

Act 2, Scene 3. 

aFor as mach as of late divers and many oatraeious and barbarous 
behaviours and acts bave been used and committed by divers ungodly and 
irreligious persons, by quarrelling, brawling, fraying and fighting openly 
in churches and church-yards : there it is enacted that if any person what- 
soever, sball at anv time after the first day of Mav next Coming, by words 
only, quarret, . chide or brawl in any church or church-yard, uiat then it 
sball be lawful unto the ordinary of the place where the same ofience shall 
be done, and proved by two lawful witnesses, to suspend every person so 
offending; that is to say, if he be a layman, ab inffressu Ecclesiae, and if 
he be a clerk, from the mioistration of hls office, for so long time as the 
ordinary shall by his diB(?etion think meet and convenient, according to the 
fault." 

Marcus. 
Fy, brother, fy! teach her not thus to lay 
Such violent hands upon her tender life. 

Titus., 
How now! has sorrow made thee dote already? , 
Why, Marcus, no man shonld be mad but I. 
What violent hands can she lay on her life? 

Titus Andronicus, Act 2, Scene 8. 

.And furtber it is enacted that if any person or persons after the said 
first day of May shall smite or lay viplent hands upon any other, either 
in anv church or church-yard, that then ipso facto every person so offend- 
ing snall be deemed excommunicate , and be exciuded from the fellowship 
and communiott of Chris t's congregation and also it is enacted that if any 
person after the said first day of May shall maliciously strike any person 
with any weapon in any church or churcb-yard, or aller the same fint day 
of May sball draw any weapon in any church or church-yard to the intent 
to strike another with the same weapon. That then every person so ofiend- 
ing, and thereof bein^ convicted by verdict of XII men, or by his own 
confession, or by two lawful witnesses, before the justices of assise, justiees 
of Oyer and De terminer, or justice3 of peace in tneir sessions, by force of 
this act, shall be adjudged by the same justices before whom such person 
shall be convicted, to have one of his ears cut off." 

GadshilL 
What talkest thou to me of the hans-man? if I hang, Fll make a fat 
pair of gallows: for if I hang, old Sir Jobn hangs with me, and thou know- 
est he is no starveling. Tut! there are other Trojans that thou dreamest 
not of, the wbich for sport sake are content to do the profession some 
grace; that would, if matters should be looked into, for tneir own credit 
sake, make all whole. I am joined with no foot-land rakers, no long-staff 
sixpenny strikers, none of these mad mustachio purple-hued malt-worms; 
but with nobility and tranquillity, burgomasters ana great oneyers, such 
as can hold in, such as will strike sooner than speak, and speaksooner than 
drink. and drink sooner than pray. 1 Henry IV., Act 2, Scene I. 

And if the person or persons so offending have none ears, whereby 
they should receive such punishment as is before declared, that then he or 
they to be marked and bumed in tbe cheek with an bot iron, having the 
letter F therein, whereby he or they may be known and taken for fray-ma- 
kers and fighters; and besides that, every such person to be and stand ipso 
facto ezcommunicatedf fis is aforesaid.* 5 and 6 Edward VI, Chapter 4. 



für das Stadium der neueren Sprachen. 297 

Cutting off one ear was the punishment inflicted upon those who mali- 
cionaly strack any person in any church or churchyard and Gadsbill says 
he is joined with no six penny strikers &c. bat ereat oneyers such as 
can hold in, such as will strike sooner than speak &c., and tt may be 
worthy of consideration whether Shakespeare does not mean bv oneyers, 
persons apon whom tbis ponishment, för striking, had been inflicted and 
who had conseqaently only „one ear." ' 

Prince Henry. 
Why, thoa owest God a deatb. (Ezit.) 

Falstaff. 
Tis not due yet; I woold be loath to pay him before his day. What 
need I be so forward with him that calls not on me? Well, 'tis no matter: 
HoDOor pricks me on. Yes, bat how if honour prick me off, when I come 
on? how then? Can honour set to a leg? No. Or an arm? No. Or take 
away the grief of a wound? No. Honour hath no skill in sureery then 7 
No. What is honour? A word. What is in that word honour? What is 
tbat honour? Air. A trim reckoningl — Who hath it? lie that died 
o'Wednesday. Doth he feel it? No. Dilth he bear it? No. Is it insensible then? 
Tes, to thedead. Bat will it not live with the living? Nc. Wfay? De- 
traclaon will not suffer it: — therefore 1*11^ none of it: Honour is a mere 
scutcheon, and so ends my catechism. (Ezit.) 

1 Henry IV., Act 6, Scene 1. 

Kai firjv tmv fiiv aXXaw aya^cSv ov ftextaxt roXs Ta&yeioatVf oi S'inl 
T0I6 xaXms n^ax^BUfiv Ihtaivoi rmv ovtca TeiwXevTfjMorafv tB$ov xr^fid giatv 
ov8e yoQ ^d'avoe avroJe ^ii njrptavz iyamovrai, 

Demosthenes, nßPI TH2 nj4P^nFE2BEIyi^ 

Falstaff" says he that died on Wednesday hath honour, that it will not 
lire with the living because detraction will not snffer it and Demosthenes 
says that praise for having done well is the pecuHar property of those who 
haye died for it, for then envy opposes them no furtner. 

York. 
Please it your majesty, 
Tbis is the day appointed for the combat; 
And ready are the appellant and defendant, 
The armourer and Lis man, to enter the lists. 
So please your highness to behold the fight. 

Queen Margaret. 
Ay, good my loH; for purposely therefore 
Left I the court to see tbis quarrel tried. 

King Henry. 
O^ God's name see the lists and all things fit; 
Here let them end it, and Grod defend the rightl 

York. 

I neyer saw a fellow worse bested. 

Or more afraid to fight, than is the appellant, 

The servant of tbis armourer, my lords. 

Enter on one aide, Homer, and his neighbours> 
drinking to him so much that he is drunk; and 
he enters bearing his staff'with a sand-bag fastened 
to it; a drum before bim; at the other side, Pe- 
ter, with a drum and a similar staff*; accompanied 
by Prenticci drinking to him. 



298 Sitzungen der Berliner Gesellschaft 

1 Neighbour. 

Here, neighbour Homer, I drink to you in a cup of sack^ and fear >not, 
neighbour, you shall do well enough. 

2 Neighbour. 

And here, neighbour, here*0 a cup of chameco. 

S Neighbour. 
And here's a pot of good double beer, neighbour: drink, and fear not 
your man. 

Horner. 
Let' it come, i'faith, and TU pledge you all, and a fig fbr Peter! 

1 Prentice. 

Here« Peter, I drink to thee; and be not afraid. 

2 Prentice. 

£e merry, Peter, and fear not thy master ; fight for credit of the prentices 

Peter. 
I tfaank you all: 1 drink, and pray you for me, I pray you: for, I think, I 
have taken to my last draught in this world. — Here, Kobin, an if I die, 
I giye Ihee my apron: and, Will, thou shalt have my hammer: — and here, 
Tom, take all the money that I have. — O Lord, bless me, I pray Godl for 
I am never able to deal with my master, he hath learnt so much fence 
already. 

Salisbury. 
Come, leaveyour drinking, and fall to blows.^ Sirrah, what*s thy name? 

» 

Peter. 
Peter, forsooth. 

. Salisbury. 

Peter! what more? 

Peter. 
Thump. 

Salisbury. 

Thump! then see thou thump the master well. 

Horner. 
Masters, I am come hither, as it were, upon my man*s instigation, to 
prove him a knave, and myself an honest man.- and touching the diike of 
York, — will take my death, I never meant him any ill, nor the king not 
the queen: And, ther^fore, Peter, have at thee with a downright blow, as 
Bevis of Southampton feil upon Ascapart. 

York. 
Despatch: — this knave's toneue beffins ib double. 
Sound trumpets, alarum to &e combatants. 
(Alarum. Thev fight, and Peter strikes down his mast^.) 

Horner. 
Hold, Peter, hold! I confess treason. (Dies.) 

York. 
Take away his weapon: — Fellow, 
, Thank Grod, and the good wine in thy master's way. 

2 Henry VI., Act 2, Scene 8. 

An this passage Shakespeare may refer to ft trial battle which took 
place in the rei^n of Henry VI, thus reported bv Seiden: 

„John David falsely appealed his master .William Catur, an armourer 
in Flectstreet, of treason; the battel waged, the place appointed in Smitb- 



für das Stndiam der neaeren Sprachen. 299 

field. Catnr was so merry witH his friends before the combat, tbat when 
he bad niost cauRe of circumspect obseryation, an Icarian shadow so darke- 
ned his eye-sigbt, and weakened his forces, that he was unlackily there by 
bis most oflfending servant overcome and slain.** 

Seiden, The DueUo or Single Combat, Chapter XI. > 

For the reader will perceive that Peter and Jobn David appeal their 
masters, who are armoarers« qf treaaon; Homer and Catur make merry with 
their fnends« and in oonseqa^ce t)f the influence of drink Horner and Ca- 
tur are slain. 

King Henry. 
Ah, simple men, you know not what yoa swear. 
Look, as I blow this feather from my face, 
And as the air blows it to me again, 
Obeying with my wind when I dc^blow, 
And yielding to another when it blows, 
Commanded always by the greater gust; 
Such is the lightness of you common men. 

3 Henry VI., Act S, Scene 1 

o fA9v Bfjfios iertv a^rn&fiTjrorarov n^äyftfi reav vcdvxtov xai atwv&e- 
TonraTOf, taonep i^ &aXarTrj nvsvfia axatdararov^ c^e av rvxrj, xirovftev&v, 
6 fthf ^X&ePf 6 ^anriXd'EV''^ 

Demosthenes, HEPI TffJS nAPAnPB2EßlA2. 

Lear. 
Through tatter'd dothes small vices do appear ; 
Robes, and furr'd gowns hide all. Plate sm with gold, 
And the strong lanqe of justice hurtless breaks; 
Arm it in rags, a pigmy*8 straw doth pierce it 

Act i, Seene 4. 

dXX hdv fiip nevrjs dSv rie 8i $y8etav audpnj, roXs iox^rotg htiriuiois 
M^erai^ kdv 8i nlovotog av 8t nloxQOxsgSictv Tavrd non^ar}, ovyyvmfirjg 
XBvierat, Demosthenes, HEPI TOP .STE0. 7B2 fPlHPAPX, 

Cornwall. 

This is some fellow, 
Who, having been praised for bluntness, doth affect 
A saucy roughness; and constrains tbe garb^ 
Quito nrom his nature: He cannot flatt«r, hei — 
An honest mind and piain, — he must sgeak truth: 
And tbey will take it, so; if not, he's piain. 
These kind of knaves I know, which in this plainness 
Harboor more craft, and more corrupter ends, 
Than twentv silly ducking obserrants, 
That Stretch their daties nicely. 

Lear, Act 2, Scene 2. 

olg it vno 7idvra>v Svoxs^aivBrai, ro-vrois tiiv BiMVoiav ayalXerai^ aio- 
Xfo^irifioavtnj xatrt^ diijyaiod'nt tovt' ä^' ole dXyovaw oi aHOvorree' od^^ 
ag ayekrjg xal na^^olag fieoroe, ov Ttavsrai, 

Demosthenes, Eni^TOjiH J, 

Cade. 
Thou hast most traitorously coirupted the youth of the realm in erecting 
a grammar school : and whereas, before, our fore-fathers bad no other books 
but the score and the tally thon hast caused printing to be used, and, 
contrary to the king, bis crowu and dignity, thon hast built a paper-mill. 

2 Henr}' Vi., Act 4, Scene 7. 



SOO Sitzungen der Berliner Getellschafi 

cxxn. 

Thy gift, thy tables, are within my brain 

Füll characterM with lasting memory, 

Which shall above that idle rank remain 

Beyond all date, even to etemity; 

Or at the leaat, so long as brain and heart 

Have facolty by natnre to subsist; 

Till each to razed oblivion yield bis part 

Of thee, thy record n^ver can be miss'd. 

That poor retention coold not so mach hold, 

Nor need I tallies thy dear love to score; 

Therefore to give them from me was I bold, 

To trust those tables that receive thee more: 
To keep an adjnnct to remember thee 
Were to import forgetfulness in nie. Sonnet. 

Tally (bois taill^, of tailler, Fr, to cut taglia, It., taja Sp.) is a cleft 
piece of wood or stick in conformity to another, to score up an account 
upon by ndtches; such as is giyen at the king*s Ezchequer to those who 
pay in money there upon their loans. 

Tallagium faoere, signifies to give np acconnts into the Ezcheqoer, where 
the method of accoanting is bv tiulies. Talley is a stick cnt in two parts, 
on each whereof was marked with notches what was due between debtor and 
creditor , which was the ancient method of keeping accounts ; one part of 
this talley being kept by the debtor, snd the other by the creditor. There 
are two sorts of tallies mentioned to have been long in use in the Exche- 
quer; the one whereof is termed tallies of debt, that is to say, a kind of 
acquittance for debt paid to tbe king; upon payment ot which each debtor 
receives one of those tallies, who upon carrymg them to the Clerk of the 
P^)e-office, has an acquittance there given him in parchment for bis füll 
discharge. The other kind of tallies, are talHes of reward, which are taken 
to be an allowance or recompence mado to sherifis for such matters as they 
have performed to their charge, or for such sums as they of course have 
cast upon them in their aocounts but cannot levy &c (See Cowel). 

Biron. 
But love, first leamed in a lady's eyes, 
Lives not alone immured in the brain; 
But with the motion of all Clements, 
Courses of swift as thought in every power; 
And gives to every power a double power, 
Above their functions and their offices. 
It adds a precious seeing to the eye, 
A lover's eyea will gaze an eagle blind. 

Love*s Labour^s Lost» Act 4, Scene S. 

For lovers eyes more sharply sighted bee 
Than other mens, and in aeare loves delight 
See more than any other eyes can see, 
Through matual receipt of beames bright, 
Which carrie privie message to the spright, 
And to their eyes that inmost faire dispiay, 
As plaine as light discovers dawning^ day. 238. 

Spenser. An Hymne in Honour of Beautie. 

Aneelo. 

Be you content, fair maid; 
It is the law, not I, condemne your brother. 

Measure For Measure. 



für das Studium der neueren Sprachen. 801 

«Neither have judges power to judge according to that which ihey think' 
to be fit, but that which out of the laws thej know to be right and con- 
sonant to law. Judex bonus nihil ex arbitrio sno faciat , nee proposito do- 
meaticae Yoluntatis, sed juxta lege« et jura pronunciet. 

7. Co. Bep. 27. 

Angelo BsySy beside: 

Were he my kinsman, brother, or my son, 
It should be thus with him; — he must die to-morrow, 

and according to another maxim in the Law of "England Jus^ttia noo novit 
patrem nee matrem, solam veritatem spectat juatitia. I Bulst. 199. 

Juliet. 
Come, gentle night; come, loving, black brow'd night, 
Giye me my Romeo: and, when he sball die, 
Take him and cut him out in little stars, 
And be will make th*e face of heaven so fine, • 

That all the world will be in love with night, 
And pay the worship to the garish bud. — 

Romeo and Jnliet, Act 3, Seene 2. 

] ^ OJKETH^, 

^ovK fjv tt^' ovS a Xeyovai tcarä tov ae^Oj 
ms daTi(^£s yiyvofiB 0^, orav ris astod'dt'ri; 

TPTFAIOJB 
fidXuna. .835. 

Aristophanes, EIFHNH, 

Scene V. — The same. The Senate-House. 
The Senate sitting. £nter Alcibiades, attended« 

1 Senator. 

My lord, you have my voice to*t; the fault's 
Bloody; 'tis necessar^r he should die: 
Notbiug emboldens sm so much as mercy. 

2 Senator. 
Most true; the law shali bruise him. 

Alcibiades. 
Honour, health, and compassion to the senate. 

1 Senator. 
Now, captain? 

Alcibiades. 
I am an humble suitor to your virtues; 
For pity is the virtu« of the law, 
And none but tyrants use it cruelly. 
It pleases time, and fortune, to lie heavy 
üpon a friend of mine, who, in bot blood, 
Hath stepp*d into the law, which is f>a8t depth 
To those that, without heed, do plunge into it. 

Timon of Athens, Act 3, Scene 5. 

„And here it is to be observed, that the law of England is a law ot 
mercie, Lex Angliae est lex misericordiae. Co. 2, Institute 315. 

Isabella. 

Yet, shew some pity. 



802 Sitzungen der Berliner Gesellschaft etc. 

' Anffelo. 
I shew it most of all, Men I shew justice; 
For theo I pity those I do not know, 
Which a dismiss'd ofience would after gall; 
And do him right, tbat, answerin^ one foul wrong, 
Lives not to act another. Be satisfied; 
Your brother dies to-morrow: be content. 

Measure For Measure, Act 2, Scene 2. 

,,The wisdom of the law abbors that great offences should go an- 

ftunished, which was erounded without question apon these andent maxiins of 
aw and State: Malencia non debent remanere impunita, et impunitas conti- 
nuum affectum tribuit deliquenti, et minatur innocentes qui parcit noceo- 
tibus. 4. Co. Rep. 4b, 

O hard conditionl twin bom with greatness, 

Subjected to tbe breath of every fool, 

Wbose sense no more can feel but bis own wringing! 

Wbat infinite heart's ease must kings neglect, 

Tbat private men enjoy? 

And wbat have kings, tbat privates have not too, 

Save ceremony, save general ceremony? 

Henry V., Act 4, Scene 1. 

xalroi totBo^Las ^p<0(^lv, tX rie t^otro, abte fiöt, tl S^ yvfvtoaxcav ix^i- 
ßeie ^^lOToSr^fitj ovdeis yaQ ra totavr ayvoel^ rov fiiv T€ov iSiofrcSv ßiov 
aa^aXij xal dnQdyfiova «ai axivSwov .ovra^ rov Si nov TtoXtrsvo/iävan^ ft- 
Xttiriov xeu o<paXe(f6v %al xa^ Sxaartjv ijfti^nv äyc&vmv xai xaxtSr fisoTor^ 
ov Tov rjovxov xal an^dy/tova^ dXXa rov dv role xivdvvois oIqtJ; 

Demosthenes, KjiTA OlAinnOP J. 



Demosthenes says, the lifo of private men*is safe, free from the affain 




kings with the enioyment of private 
and as the kings of England had formerly almost the entire goremment of 
the country in their hands this verb nolirsvofiai might be correctly used in 
speaking of one in kinf^ Henry's position : moreover Shakespeare here speaks 
of private men, which is the plural of the English of the word ISuirfis 
used by Demosthenes in this passage. 

Liverpool. W. L. Bush ton. 



^■toi-^h^ba 



BeurtheUangen und kurze Anzeigen. 



ShakespeareBtudien von Bümelin. 

Der auf diesem Gebiete bisher nicht als Schriftsteller aufgetretene Ver- 
fasser, so fiel wir wissen, ein würtembergiscber Staatsmann, bemüht sich, 
den Auffassnngen von Ulrici und Gervinus gegenüber, die poetische Beden- 
toDg Shakespeare's vorurtheilsios festzustellen, die Entwicklung des Dich- 
ters aus den wirklich gegebenen Verhältnissen abzuleiten, und zugleich die 
beiden grossen deutschen Diamatiker, besonders Goethe, in die ihnen durch 
die Ueberschwenglichkeit der modernen Shakespeare-Enthusiasten bestritte- 
nen Rechte wieder einzusetzen. Wir erkennen in seiner Schrift eine berech- 
tigte Reaction der älteren Anschauungen, wie sie bei Lessing, Goethe, Her- 
der hervorgetreten, eegen eine, man möchte sagen, scholastische Behand- 
langs weise, die, von dem Dogma ausgehend, dass ohakespeare in Allem voll- 
konmien sein müsse, nicht nur seine Mängel in Vorzüge verwandeln, son- 
dern auch unter Herbeiziehung ganz fremdartiger Momente sich überreden 
will, alles das in ihm zu finden, worauf man irgendwie persönlich Werth 
legt, z. B. die eigene politische Ueberzengung; — gegen eine Exegese, welche 
das freie Werk eines schöpferischen Geistes in ein vollkommenes Rechen- 
exempel verwandelt, dessen Facit eine se^'^nannte Idee, in der That eine 
blasse Phrase oder ein Gemeinplatz ist. Diese ursprünglich von der Hegel- 
schen Schule ausgegangene Weise, einen Dichter in sein »weltgeschichtliches** 
Licht zu stellen, wurde namentlich früher viel auf unsere deutschen Dichter an- 
gewandt. Wir erinnern uns n. a. eines ästhetischen Nachweises^ dass Schil- 
ler in der Maria Stuart die Idee der Oefientlichkeit habe versinnlichen wol- 
len ; es war nämlich die 2ieit, wo die Tagesblätter nach Oeffentlichkeit, Münd- 
lichkeit und Geschwomengerichten^ rieiSn. Der Verf. beförchtet von dieser 
Kritik, die er nur in Bezug auf Shakespeare in Betracht zieht, eine vollstän- 
dige Missleitung des öffentlichen ästhetischen ürtheils. Diese ist aber un- 
serer Meinung nach in nicht geringem Maasse schon längst eingetreten , ja, 
es ist auch der aller allzuhoch gespannten Scholastik drohende Rückschlag 
schon vor längerer Zeit erfolgt. Das beschränkteste Philisterthum hat sich 
mit souveräner Dreistigkeit zum Richter über die Werke des Genius aufzu- 
werfen vermocht, und seine Herrschaft ist kaum gebrochen. Es herrscht in 
Sachen des Geschmacks jetzt jene Anarchie, die nach alter Erfahrung einen 
Uebergang zu einer neuen Periode anzudeuten scheint Gerade in diesem 
Augenblicke können unbefangene Stimmen, wie die, mit der wir uns beschäf- 
tigen, von bedeutendem Werthe sein. 

Von einer unbedingten Zustimmung zu den Behauptungen des Verf. 
knm jedoch, trotzdem wir die Grundge&nken für richtie halten, unserer- 
seits um so weniger die Rede sein, als der Verf., abgesehen^ von manchen 
einseitig subjectiven G^scbmacksurtheilen, zuweilen gewagte Consequenzen 
zieht, zuweilen auch in der Benrtheilung einzelner Shakespeare'scher Stellen 



304 Beurtheilangen und kurze Anzeigeo. 

ofieabare Irrthümer begeht Wir werden im Folgenden den Gedankengang 
in seinen Grundzügen darzustellen suchen, ohne uns dabei irgendwie an die 
Reihenfolge der Capitel zu binden, indem das Buch, aus einer Zusammen- 
stellung von Artikeln, die ursprünglich im «Morgenblatte" erschienen sind, 
entstanden, einer systematischen Anordnung ermangelt, und in jedem Ab- 
schnitte dieselben Fragen von Neuem berührt — ein Umstand, der der Dar- 
stellung etwas Frisches, Conversationsartiges verleiht, dem kritischen Leaer 
aber die Arbeit sehr erschwert 

Der Verf. bestreitet zunächst die in den letzten Deconnien aufgekom- 
mene Meinung, als sei das englische Theater jener Zeit eine Art von Na- 
tionalinstitut, eine anerkannte und geachtete Bildungsschule und Vergnü- 
gungsquelie zugleich gewesen, wie das Altgriecbischc, das Spanische und 
selbst das Französische des 17. Jahrhunderts. Nicht die Blüthe der Nation 
lauschte hier den Worten seiner Dichter; weit entfernt, dass alle Klassen der 
Gesellschaft (la cour et la ville 1) hier vertreten gewesen wäreui sab man vor 
der Bühne, auf welcher Shakespeare spielte, mit Ausnahme junger ]ßdelleute, 
denen man eine noble Passion der Art nicht übel nahm, und der Literaten 
von Fache, deren moralische Autorität auch nicht schwer wog. nur die un- 
tersten Stände, bis herab zum niedrigsten Pöbel. Frauen, auch der Mittel- 
stände, wagten nur höchst selten maskirt in diesen Bäumen zu erschei-. 
neu. Alles, was auf Ehrbarkeit Gewicht legte, hielt sich fem. So schildert 
Nash das Bühnenpublikum seiner Zeit Das Theater erschien in der öffent- 
lichen Meinung als ein frivoles Institut; ja, es war der Ges^enstand des Ab- 
sehens aller, die auf Sittenstrenge hielten. -Die Ansicht, aass die heftigen 
und fortdauernden Angriffe des Londoner Gemeinderathes auf die Theater 
nur eine Nachwirkung veralteter Vorurtheile und ohnmächtig gegen die Strö- 
mung der Zeit gewesen seien, bestreitet der Verf , wie wir glauben, mit 
vollem Rechte; sie waren nur die Aeusserungen der bereits den Mittel- 
stand beherrschenden und die öffentliche Meinung wesentlich bestimmenden 
puritanischen Weltanschauung. Der Stand des bchauspielers war ein ver- 
achteter, etwa wie der heutij^en Kunstreiter und Seiltänzer; in den Gesetzen 
der Elisabeth werden sie mit den verächtlichsten Ausdrücken belegt; Shake- 

Sieare selbst spricht in den Sonetten von der Schmach seines Berufes, 
ass Shakespeare für seine Person eine wesentlich höhere eesellschaflliche 
Stellung eingenommen, als seine Berufsgenossen, lasst sich ourch nichts er- 
weisen. Die Freundschaft des Grafen Southampton und anderer junger 
Mitglieder der Aristokratie, so vortheilhafl sie für seine eeistigje Entwick- 
lung (auch für die Begründung seiner geschäftlichen und finanziellen Selb- 
ständigkeit) gewesen zu sein scheint, so sehr sie ihn in «einen eigenen Au- 
gen gehoben haben mag, hat doch sicher nicht vermocht, den sittlichen 
Bann von ihm zu nehmen. (Es sei uns erlaubt, hier an einen vielleicht ähn- 
lichen Fall zu erinnern. Goethe war mit dem Scharfrichter von Karlsbad 
befreimdet; — ob wohl ein ehrsamer Bürger der Stadt dem Letzteren des- 
halb seine Tochter gegeben, ja auch nur seinen Umgane wünschenswerth 
fefunden haben möchte?) Shakespeare hat ohne Zweifel vor der Königin 
)lisabetb gespielt, vielleicht auch von ihr den Auftrag erhalten, Falstaff als 
Liebhaber darzustellen; — dass er ihr irgendwie näher gestanden, sich ih- 
rer Gunst erfreut habe, ist ganz uner weislich. Seine Bewerbungen um ein 
untergeordnetes Hofamt, um Üebertragung des mütterlichen Adels auf ihn, 
waren vergeblich, und nicht er wurde Laureatus. Dass Jacob L ihm in 
einem eigenhändig^en Schreiben fiir die schmeichelhatten Yorhersagungea 
in MacbeUi gedankt habe, hält Herr Rümelin für Erfindung. 

So richtig diese Auseinandersetzungen im Ganzen sein mögen, müssen 
wir doch, ehe wir uns in den wichtigen Folgerungen wenden, die der Verf. 
daraus zieht, im Einzelnen gewisse Einschränkungen machen. Es ist s^r 
schwer, aus vereinzelten, wenn auch zahlreichen Kundgebungen die wirk« 
liehe öffentliche Meinung einer längst vergangenen Zeit mathematisch fest* 



Bettrtheilangen und kurze Anzeigen. 305 

zustellen; man £iuft stets Gefahr, gewisse Seiten, gewisse Modificationen 
ganz zu übersehen. Es mag ein Unterschied stattgefunden haben zwischen 
jenen wandernden Schauspielern, von denen die Ediete sprechen, und den 
Londonern. Es ist gewiss, dass zur Zeit der Elisabeth die puritanische An- 
sicht noch nicht die alleinherrschende, auch nicht im Mittelstande, war; 
es wird auch in diesem nicht an Personen gefehlt haben, welche sich durch 
die Praxis des Hofes bestimmen Hessen; daas aber dieser die Schauspieler 
in minder verächtHchem Lichte angesehen, als der Verf. anzunehmen scneint, 
dass namentlich zu- Gunsten Shakespeare's eine ausnahmsweise lierücksich- 
tigung seiner Persönlichkeit stattgefunden habe, ist wenigstens nicht unwahr- 
scheinlich. Das dauernde Freurdscbaflsverhältniss (als ein solches bezeich- 
net es Rümelin selbst) zu Southampton ^re undenkbar, wenn in den Au- 
gen der Standeagenossen des Letzteren der vertraute Umgang mit einem Co- 
mödianten durchaus etwas Beschimpfendes hätte haben können. Der Verf. 
behauptet, Shakespeare habe wohl niemals Gelegenheit gehabt, in den Krei- 
sen edier Frauen sich zu bewegen; er vermag aber nicht genügend zu er- 
klaren, woher denn doch die Lebenswahrheit stamme, mit der Shakespeare 
solche Frauen schildere. Wer eine Desdemona, eine Julia zu zeichnen ver- 
steht und seine Studien doch nur in den Kreisen der feilen Schönheit ge- 
macht hat, der muss in der Tbat ein übernatürliches Talent besitzen. End- 
lich (tie unverkennbare Missachtung, welche, wenn auch den Zeiten nach in 
verschiedenem Grade, von damals bis heute auf dem berufsmässigen Schau- 
spielerstande gelastet hat, und die ganz verschwinden zu sehen man schwer- 
lich wünschen kann, da sie in einem ursprunglich wahren sittlichen Gefühle 
wurzelt, — diese Missachtun^ hat sich von ieher sehr gut vertragen mit 
emer dem Künstler wie dem Menschen gezollten Werthschätzung. Umge- 
kehrt ausgedrückt : ein Schauspieler kann von den Höchsten nicht bloss, son- 
dern auch von den Besten geachtet werden und doch die Schmach seines 
Berufes empfinden müaaen. moli^re, der königliche Kammerdiener, wurde 
von Ludwig selbst mit hoher Auszeichnung behandelt, während seine Col- 
legen im Dienste sich durch seine Kameradschaft beschimpft fühlten. Na- 
poleon hatte einst nicht verschmäht, von Talma allerlei Freundschaftsdienste 
anzunehmen, nnd doch verweigerte er dem so hoch von ihm geschätzten 
Künstler das Kreuz der Ehrenlegion, weil er nur ein Komödiant sei. 

Der Beweis für die beinahe unbedingte Ausschliessung Shakespeare's aus 
der Gesellachafl scheint uns also nicht genügend gefuhrt. Dass er dagegen 
mit dem Mittelstande im Ganzen nur wenige Berührung gehabt habe, ist 
nicht unwahrscheinlich. Der Verf. gründet auf seine Hypothese eine Reihe 
von Schlüssen, denen eine gewisse Dichtigkeit zum Theile nicht abgespro- 
chen werden kann, wenn sie auch sehr grossen Einschränkungen unterliegen. 
Shakespeare, meint er, ausgestossen von der bürgerlichen Gesellschaft, habe 
seine Existenz gänzlich im Theater gefunden. Bei einer unvollkommenen 
Schulbildung venlanke er alle Entwicklung und Bereicherung seines Geistes 
dem Bühnenleben, sowohl der innem als der äussern Seite desselben, indem 
er nicht nur Schauspieler und Theaterdichter, sondern auch Begisseur und 
Direktor gewesen sei. In diesem vielseitigen Verkehre mit dem Bühnen- 
personale, das überall eine Welt im Kleinen bilde, habe er jene bewunde* 
rangswürdige Menschenkenntniss erworben, iene Vertrautheit mit den Leiden- 
schaften, die von jeher am meisten an ihm bewundert worden sind. Aber zu- 
gleich sei ihm in Folge dieses Entwicklun^ganges das wirkliche Leben völlig 
Fremd geblieben, er habe nie, weder in die bürgerlichen Verhältm'sse noch in 
das Staatflieben einen tieferen Blick getban. In Folge dessen ermangelten 
seine Stöcke in der Regel eines befriedigenden Zusammenhanges, die Moti- 
virung sei häufig ungenügend, die an sich wahren Charaktere seien in falsche 
Situationen gesetzt und erschienen dadurch selbst unwahr. Shakespeare, 
der wohl wisse, wie die Menschen dächten, habe keine Ahnung davon, wie 
selten der Mensch direct seinen eigentlichen Neigungen und Ansichten, 

ArcbtT f. n. Sprachoi. XXXIX. 20 



306 Beurtheilungen und karze Anzeigen. 

folge, wie Tielfache RiickBicht auf andere, auf die Gresellschaft, auf die Ver- 
hältnisse, bei jedem Wort und jeder That genommen werde, aus wie oom- 
plizirten Fäden sich jede Handlung hervorspinne. 

Begründe nun schon dies tiefgehende Mängel seiner Stücke, so habe 
seine Stellung noch nach zwei Seiten hin einen ffrösstenthetls schädlichen 
Einfluse auf seine Produktionen gehabt. Erstens liabe er im Drange jener 
vielseitigen theatralischen Beschäftigung, und wdl er, der theatralischen Wir- 
kung ganz kundig, den Effekt der einzelnen Scenen auf Kosten einer rein 
ästhetischen Gesammtwirkung besonders beriicksichti|rt habe, überwiegend 
scenen weise gearbeitet Er habe seine ganze Kraft m die jedesmalige Si- 
tuation versenkt, und so zwar dieser eine unverwelkliche Frische gegeben« 
aber damit zugleich das ganze Stück in eine blosse Perlenschnur vn Sce- 
nen verwandelt. Er habe nie die Zeit gefunden, vielleicht nicht das'Bedörf- 
niss gefühlt, die dramatischen Ideen, welche ihn beschäftigten , in sich reit 
werden zu .lassen; er habe nicht wie Goethe den Gedamcen des Stückes 
jahrelang mit sich herumgetragen, den Stoff in sich neu erzeugt^ die Fabel 
sich abklären lassen ; daher das vielfach sittlich Unbefriedigende, die psycho- 
logischen Unerklärlichkeiten und wiederum der Mangel an Einheit und Zu- 
sammenhang. Dann habe zweitens die oben geschilderte Zusammensetzung 
des Publikums wesentlich auf ihn gewirkt. Nicht den Kern der Nation 
habe er vor sich ^babt, sondern einestheils die niedrigsten Volksklasaen, 
andererseits einen jungen, strebsamen, genusssüchtigen, unreifen Adel, beide 
Theile enthusiastisch, aber beide Theile ohne richtiges Urtheil. Für beide 
habe er zu sorgen gehabt, daher einerseits die Volks- und Pöbelaoenen, 
welche die reine Wirkung seiner Schauspiele beeintiüchtigten , andererseits 
jene bis aufs Aeuserste gehetzten Wortspiele, jene Witzreden ä la Merou- 
tio, in denen jene jungen I^eute eich, wie bei uns z. B. die Studenten, f^ 
fallen haben möchten: daher ferner die Hyperbeln, an denen er so reich ist. 
Andererseits freilich habe die Beziehung zu dem ihm nahestehenden aristo- 
kratischen Theile des Publikums die Lebendigkeit der Darstellung erhöht; 
die geselligen Scenen und Conversationen, an denen Shakespeare betheiligt 
gewesen, hätten sich, meint Rumelin, auf dem Theater unter fremder Maske 
nicht nur wiederholt, sondern fortgesponnen; Shakespeare habe sich wohl 
vielfach von der Bühne herab mit seinen Freunden unterhalten, und Unzäh- 
liges, dessen Sinn uns jetzt unverständlich geworden, möge sich daraus er- 
klären. Weiter elaubt Rumelin annehmen zu dürfen, dass der Dichter sei- 
nen Freunden, als sie anfingen in die politische Laufbahn einzutreten, in 
mehreren seiner Stücke Lehre und Mahnung habe geben wollen. 

Davon abgesehen, sei er durchaus Theaterdichter gewesen, habe immer 
üur auf die augenblickliche Wirkung gerechnet, diese aber mit Meisterschaft 
hervorzubringen gewusst. Rumelin findet es unbegreiflich, wie Goethe habe 
sagen dürfen, Shakespeare habe gar nicht an das Theater gedacht, d. h. 
Rumelin, der doch ohne Zweifel den wahren Sinn der Goethe^chen Aeosse- 
rung versteht, leugnet, dass Shakespeare ein Publikum ausserhalb der Zu- 
schauerräume, das will vor allem saeen, ein Publikum der kommenden Jabr^ 
hunderte,^ vor Augen gehabt hat. In der That sei er auch während seiner 
Lebenszeit als Dichter in grösseren Kreisen nur durch seinen Adonis u. s. w. 
bekannt geworden; ein TOrühmter Dichter könne er nicht gewesen sein, 
sonst hätte sein Name auf mehr als ein Jahrhundert hinaus so spurlos nicht 
verschwinden können. 

Wir wollen mit der letzten dieser Behauptungen beginnen. 

Es ist nichts Seltenes, dass Dichter, die während äres Lebens hohen 
Ruhm genossen, bald nachher völig vergessen werden, and wenn man ein- 
wenden wollte, dass dies nur solchen geschehen, welche falschen Geschmacks- 
richtungen ihres Zeitalters jene vorübergehende Grösse verdankten, wie ein 
Ronsard, Lohenstein, oder auch ein Wieland, so ist zu erwiedem, dass ganz 
ebenso gut auch der verkehrte Geschmack der nachfolgenden Periode gegen die 



Beurtheilangen und karze Anzeigen. 307 

Gröne der VergaageDheit blind machen kann, und ofk eenug blind gemacht 
hat Hier aber muBste dies in vollstem Maasse der Fall sein. Als die pu- 
ritanische Sündfluth , die von keinem Dichter etwas wissen wollte , abgelau- 
fen war, trat mit den zurückkehrenden Stuart ^s der französische Geschmack 
seine Herrschaft an. Wie hätte in einem Zeitalter, das nur buhleriache In- 
triguen auf dem Theater zu ertragen vermochte, oder wie hätte später, in 
der Zeit von Addiaon's Kato, Shakespeare geharnischter Geist über die Bret- 
ter schreiten können? Es liegen aber auch directe Zeugnisse vor, dasa 
Shakespeare als Schanspieldichter sich eines hohen Ansehens erfreut hat. 
Wird er doch von Zeitgenossen als der römische Terenz besungen. Dasa 
eine bedeutende Dichter- und Literatenschule« die übrigens, mit Ausnahme 
Ben Johnaon'a, bald ebenso vergessen sein sollte wie er, und die nur der 
Beziehung za ihm ihre späte Wiederauferweckun^ verdankt, mit Gering- 
schätzong auf ihn gesehen, ist ja richtig, und Baudissin mag hier der Wahr- 
heit am nächsten gekommen sein, wenn er sagt, diese Leute hätten Shake- 
speare wohl mit ähnlichen Augen angesehen, wie die Weimarer den Kotze 
bae, oder um die hinkende V'ereleichune anders zu drehen, — wie vor den 
Schlegels Goethe zwar ein beriämter Name, aber in den Augen der Böt- 
tiger imd unzähliger Anderer doch nur klein gegen einen Wieland, ja gegen 
einen Eotzebue gewesen; so mag es auch Shakespeare ähnlich ergangen 
sein. Daas ihm das Bewusstsein und mehr noch die Hoffnung eines gros- 
sen Namens gefehlt habe, ist undenkbar, falls man überhaupt annimmt, dass 
er nach einem solchen gerungen. Der Strom seiner Dichtung hätte nach 
allen psychologischen Erfahrungen vertrocknen müasen, oder doch wenig- 
steos ndi ein anderes Bett graben, wenn fortdauernder Kaltsinn sich ihm 
entgegengestellt hätte. Ihm aber dieses Streben absprechen, ihn, — wie 
der Verf. allerdings thut, doch, wie es scheint, mehr in der Hitze des Ge- 
feehtea, als mit vollem Bewusstsein der Consequenzen, — zum bewussten ' 
Verfasser vorübergehender Amüsements machen, das reimt sich wenig mit 
der auch von Rümelin anerkannten Tiefa seines Empfindens. 

Was sodann den angeblichen Mangel eines rechten Publikums betrifft, 
so erlauben wir uns die Frage: Wo bei dos Neueren darf denn der Dich- 
ter durch den Mund des Schauspielers zu dem Kerne der Nation zu reden / 
hoffen? Die Analyse des literarischen Publikums, welche Lessing im Streite 
gegen Klotz liefert, ist so ziemlich auch eine Analyse des Theaterpublikums, 
auch in den besseren Zeiten der Bühne. Glückseliger Jüngling, möchten 
wir vielmehr ausrufen, dem es vergönnt war, ein noch eanz der Begeiste- 
ning fähiges, unabgestumpfles Publikum vor sich zu säen, das doch die 
beiden Pole der Bildung, wie sie der Matrose und der Kavalier aus. Ra- 
leigh*s Zeit darstellten, m sich schlossl 

Sehr treffend dagegen erscheint uns, was Rümelin über den Ursprung 
jener masslosen, wenn auch immer geisterfüllten Wort- und Witzspielerei 
8&et. In ihnen eine besondere Grösse Shakespeare zu sehen, wie manche 
Schriftsteller gethan, erscheint als eine Verirrung. 

Anders mit den sogenannten Pöbelscenen. Was Rümelin gegen diese 
vorbringt, hätte er schärfer ausgedrückt schon bei Lessing finden können, 
veon er sich mit der Dramatureie eingehender beschäftigt hätte, als dies, 
wie wir noch sehen werden, leiaer der Fall gewesen zu sein scheint. Aber 
er würde dann auch bei ihm gefunden haben, was sie von höherem Ge- 
üehtspnnkte aus rechtfertigt. Einen harmonischen, innerlich nothwendigen 
Zusammenhang der ernsten mit den lustig-tollen Scenen verlangt Leasing, 
wenn ihire Vermischung erlaubt sein soll; und dieser Zusammenhang ist m 
den meiaten Fällen bei Shakeapeare gar nicht zu* verkennen , was auch Les- 
Bing's Meinung zu sein scheint, der freilich in dieser ganzen Untersuchung 
Shakespeare gar nicht nennt. Sicher nicht bloss um des Volkes vor der 
Bühne willen sind diese Volksscenen eingefügt. Sie dienen zunächst als 

20* 



808 Beurtheilungen und kurse Anzeigen. 

Ruhepnnkte für das darcli tragische Aufregangen erseb^fte Grefuhl, sie 
geben in der natürlichsten Weise das Bewusstsein eines Zeitveriaafes «wi- 
schen den einzelnen Hauptbandlongen , sie erhöhen in einzelnen Füllen auf 
eine furchtbare Weise das Tratsche des Momentes. Letzteres z. B. in der 
von Rümelin sehr getadelten Pförtnerscene im Macbeth, bei der man nicht 
▼ergessen darf, dass der betrunkene Pförtner ganz aus dem Leben jener 
Zeit genommen war. Dass des Guten zuweilen zuviel geschehe, wollen wir 
nicht ableugnen, und die abgeschmackten Zoten der Amme im Romeo möch- 
ten auch wir gern mit Goethe und RümeKn missen, jedoch nur darum, weil 
sie Zoten und weil sie abgeschmackt sind. 

Wir kommen nun zu dem tiefer gehenden Vorwurfe, dass Shakespeare 
sich nicht die Zeit gelassen, den gefundenen Stoff in sein inneres Gemütbs- 
und Phantasieleben genügend zn versenken und neugeboren aus ihm her- 
vorgehen zu lassen, dass daher zuweilen die rohe Fabel störend hervortrete, 
der Begebenheit die innre Wahrheit, der Boden subjectiver Wahrscheinlichkeit 
ond der innre Zusammenhang entzogen bleibe. Wir würden diesen Vorwarf 
als einen äusserst gewichtigen anzuerkennen haben, wenn nicht gerade fast 
alle die Stücke, auf die es sich mit einem gewissen Rechte beziehen lüsst, 
jener Gattung angehörten, in denen wir den Boden der Märchenwelt beCre- 
t<in. Aber gerade unser Verf. hat mit grösserer Klarheit und Schürfe als 
irgend jemand vor ihm das nicht im vollen Sinne Emsthaftgemeinte aller 
dieser Stücke betont, und wir rechnen es ihm zum besonderen Verdienste 
an, dass er, soviel wir wissen, zum ersten Male den Kaufmann von Venedig 
in das rechte Licht gestellt hat. Gewiss, wenn wir dieses Stück als ernstes 
Schauspiel fassen, ein tragisches und sogar ein hochtragisches Moment in 
ihm finden, so müssen wir es für vollständig verfehlt halten, aller seiner 
Schönheiten ungeachtet. Aber Rümelin hat unzweifelhaft Recht, wenn er 
auf innere Gründe wie auf äussere Zeugnisse gestützt, die Rolle des Sby- 
lock iher aus einem Missverständnisae der Bühnenkünstler hervorgegangenen 
H weltgeschichtlichen* Bedeutung entkleidet und als eine komis^ gemeinte 
darstellf. Jene falsche AufisssuDg des Shvlock, als des tragischen Reprä- 
sentanten jüdischen Weltschmerzes, verdirbt bei der Auffuhrung das sanze 
Stück, giebt ihm etwas Gezwungenes, Puppenspielartiges. Wie das Losen 
mit den Kästchen , so ist auch die G^richtsscene durchaus nicht als bittrer 
Ernst zu nehmen, vielmehr sänken beide in diesem Falle in's Abgeschmackte 
herab. Das Ganze ist ein heitres Spiel « worin, wie Rümelin treffend sa^rt, 
das vorübergehende Grauen nur dazu dienen soll, die Lust zu erhöhen. Ein 
Shylock, der auf der Bühne rast, kniet, sein Messer gen Himmel schwingt, 
ist zu schwer für dies feine Gewebe. Er muss, unserer Ueberzeugung nach, 
nie, auch vor Gericht nicht, aus seinem tückisch-kriechenden Wesen heraus- 
treten, ausser da, wo er mit seinem Diener spricht. — In wiefern übri^ns 
in diesen märchenhaften Stücken der doch immer erforderliche Grad einer 
gewissen Wahrscheinlichkeit, ohne die kein Schauspiel denkbar, festgehal- 
ten worden sei, ist eine besondere Frage; aber auch hier |;lauben wir, 
thut der Verf. Shakespeare häufig unrecht. So soll im Wmtermärchen 
das Meer an Böhmens Küste und der Bär auf der Bühne von vornherein 
die niusion zerstören, während merkwürdigerweise andere gerade in ihnen 
eine absichtliche und kunstvolle Aufforderung des Dichters an den Zuschaoer 
erblicken, den Boden der starren Wirklichkeit zu verlassen. Wir glauben, 
dass beide Theile irren. Der Bär kann nicht unnatürlich erscheinen m einer 
Zeit, wo man nach London zum Behufs der Bärenhetzen diese Thiere vom 
Festlande häufig einführte, sich also die Wälder des Continenta davon er- 
füllt denken mochte, und da er nur ganz flüchtig auftritt, nicht wie der 
Hund des Aubry eine spielende Person sein will, so dürfte auch von Seiten 
der Schicklichkeit nicht viel gegen ihn einzuwenden sein. Die Küste von 
Böhmen aber beruht doch wohl sicher, was auch die Erklärer sagen mögen, 
auf geographischer ünkenntniss. Bei einem seefahrenden Volke? Nun, wer 



Beartheilangen und karse Anxeigen. $09 

wüsBte nicht,^ dass auch die ffebildetfiten Engländer noch bis in unser Jahr« 
honderi hinein, ebenso wie die Franzosen, durch ihre schreiende Unkennt- 
niis der Geographie, namentlich der europäisch-continentalen, berühmt ge- 
wesen sind. Wenn noi*h gegen Ende des vorigen Jahrhunderts englische 
Zeitungen ihr Bedauern äussern konnten, dass widrige Winde die Söhne 
GeoTg's lil. ab{;ehalten hätten, in Göttingen selbst zu landen und was der- 
gleichen mehr ist; — wenn sogar ein englischer Colonialminister vor etwa 
100 Jahren gelegentlich Befehle an den Gouverneur der Insel Jamaica im 
Mittelländiachen Meere erlassen konnte, — so darf man sich nicht wundem, 
dass Shakespeare mit den geographischen Verhältnissen eines Landes unbe- 
kannt war, das erst nach seinem Tode die Augen der Engländer auf sich 
zog. ~ Was die Degen- und Mantelstücke betrifft, namentlich »Viel Lärm 
am Nichts,* ibo gestehen wir dem Verf. zu, dass die lahmen Ebeschliessuneen 
und dergleichen das sittliche Gefühl verletzen; aber wir wüssten in der Tbat 
nicht zu sagen, was aus diesen frivolen Objecten , denn das sind sie ihrem Kerne 
nach« durch Vertiefung sich hätte machen lassen. Sie scheinen uns ziemlich 
in gleicbem Bange mit Goethe^s Mitschuldigen zu stehen. .Maass für 
Maass* aber, an dem RnmeUn grossen Anstoss zu nehmen scheint, ist ein 
tiefgedachtes Gericht über den pharisäischen Leg^smus, der, wie bekannt, 
in England lange geherrscht hat. Allerdings hätte der Dichter aus dem 
Stoffe noch etwas ganz anderes machen können, wenn er dem Anpelo die 
gewinnsüchtige Gremeinheit nahm und ihm dafür einen ideellen Hauch mit- 
ueilte; aber er hat es eben nicht gewollt. — Auf die geschichtlichen Dra- 
men Shakespeare^s sdheint Kümeliirs Vorwurf namentlich auch gemünzt zu 
sein, doch erklärt er sich nicht näher; auf eine verwandte Beschuldigung, 
die er gegen sie erhebt > werden wir zurückkommen. — Hamlet ist ohne 
Zweifel dasjenige Stück, an welches der Verf. zumeist denkt, und welchen 
ihm auch das l^quemste Angriffsfeld darbietet. Hier erfahren wir auch, was 
er eigentlich über das scenen weise Arbeiten denkt. Nach ihm ist Shake- 
speare fern davon gewesen, in Hamlet die Seele darzustellen, auf dör eine 
grosse Verpflichtung ruht, ohne dass die Kraft dazu gegeben wäre. Er hat 
zunächst nur die gegebene Fabel dramatisiren wollen; aber indem er dem 
Helden einen Theu seines innem Ichs lieh, und dies in Gesprächen, sammt 
dem Monologe, hervortreten Hess, die eigentlich nicht zum Gange des 
Stückes gehören, indem er anderweitige Anspielungen* auf Zeitverhältnisse 
einmischte und ausspann (z. B. die Scbauspieierscene), fühlte er, das» die 
Bewegung des Stückes eine zu schleppende wurde ; Hamlet musste sich da- 
her von ^eit zu 2jeit der Säumniss anklagen , und so entsteht wider den 
Willen des Dichters jener träumerische Anstrich, der zu dem feurigen Ham-' 
let nicht passt. Wir können uns nicht entschliessen . Rümelin*s Ansicht zu 
adoptiren. So in^s Blaue hinein hat Shakespeare gewiss nicht gearbeitet. 
Dann möchten wir ihm beistimmen, dass Unzusammenhängendes int Stücke 
auf wunderbar künstliche Weise verwebt sei, aber wir möchten eher darin 
den Grund vermuthen, dass, wie in Schillei's »Don Carlos* zwei verschie- 
dene Stücke einander bekämpfen: im letzteren die »Familiengeschichte eines 
fürstlichen Hauses* mit Carlos als Mittelpunkt und das weltgeschichtliche libe- 
rale Posastück, in Hamlet das altnordische, macbethartige Drama der Blutrache, 
und die modem-sentimale Darstellung der von Gedankenblässe angekränkel- 
ten Thai. Ohne uns übrigens weiter im Geringsten in den Hamletstreit zu 
vertiefen, indem wir gern zugestehen, dass für schärfere Augen die Harmo- 
nie des Granzen sichtbar sein möge, wollen wir uns nur zu unserer und auch 
zu Bümelin's Entschuldigung darauf berufen, dass ein Stück, zu dessen Er- 
forscliung halbe Bibliotheken geschrieben werden müssen, wohl »tief," aber 
nicht »kUr wie der Aether" sein kann. 

Den ganzen Vorwurf der Nichtabklärung des Stoffes, dem wir also dem 
Hamlet gegenüber eine gewisse Berechtigung zuzugestehen uns gedrungen 
fühlen, müssen wir im Uebrigen als bedeutungslos zurückweisen. In den 



310 Beurtheilungen und kurze AnzeigeiL 

meisten Fialen wird über den Plan nnd Gang des Stnekes der erste Wurf 
entscheiden. Viel seltener wird sich dem ersten Plane ein völlig anderer, ein 

ganz neues Stück entwinden. Dagegen aber die Vertiefung der Charaktere, 
ie Verfeinerung der Situationen und der ganzen Zeichnung wird bei lan- 
gem Aufschub unzweifelhaft gewinnen; nun aber hat Shakespeare, wie 
wir wissen, seine Stücke oft und viel überarbeitet, und zwar, nachdem er 
sie aidgefuhrt gesehen. Sodann aber, — was wlire denn in den grossen 
Stücken, die seinen Ruhm vornehmlich begründen, im Romeo, im Othello, 
im Macbeth, in den englischen Geschichtsdramen, was wir in der Anlage 
und im Plane anders wünschen möchten? 

Wir kommen zu der Behauptung, dass Shakespeare sehr ungenügend 
motivire, dass er wegen Maiu;el an Erfahrung die Menschen ihren Leiden- 
schaften gemäss, aber ohne Rücksicht auf die mitwirkenden Factoren ban- 
<leln lasse. Dass das Handeln seiner Personen ein mehr unvermitteltes ist, 
als im Leben, eeben wir zuj es kann aber dieser Vorwurf nur den Grad 
des Mans:els treffen, denn es ist aller Dichtung eigen, durch Concentrirong 
der Handlung in das Bewusstsein und Schicksal weniger Personen eine un- 
endliche Fülle von Mittelgliedern und VerbindungsTäden zu beseitigen, wor- 
auf ja das Wesen aller volksthümlichen historischen Poesie beruht Rüme- 
lin erkennt an, dass Shakespeare^s Personen eine ungewöhnliche Frische 
und Lebendigkeit besitzen, dass ihnen gegenüber die Gestalten anderer Dich- 
ter, auch Goethe*s, ab^blasst erscheinen; diesen Vortheil erreiche Shake- 
speare dadurch, dass er jeder Figur nur einige weniee charakteristische Züge 
verleihe, diese aber in ungewöhnlicher Stärke. Gewissl War aber eben 
nicht damit schon der Verzicht verbunden auf jene feinere Seelenmalerei, 
auf die Ausführung jener psychologischen Zusammenhänge, jener objecttven 
Einwirkungen und Hemmnisse, die wir bei Goethe unnachahmlich gezeichnet 
finden? Mit einem Worte, muss nicht der Dichter wählen, ob er die derbe 
Leidenschaft oder die vermittelte Wirklichkeit darstellen will? Ist es also 
ein wirklicher Vorwurf für Shakespeare, dass er, seine eigenthüm liehe Auf- 
gabe richtig erkennend, der Darstellung der Leidenschaften alles opferte, 
was die Energie ihres Ausdrucks hätte beschränken können? Was aber die- 
jenige Motivirung betrifft, welche auch unter diesen Umständen noch noth- 
wendig bleibt, und welche der Zuschauer unwillkürlich verlangt, so dürfte 
der Mangel derselben viel seltener nachzuweisen sein, als der Verf. meint. 
Wie kann es auch anders sein bei einem Manne, der selbst Schauspieler 
ist, und, wie oben gesagt, seine Stücke von neuem sorgtältig zu bearbeiten 
pflegt! Wir geben zu, dass das Verfahren Ricbard's 111. gegen Bucking- 
ham unerklärfich bleibt; auch uns scheint es, so dürfe der König zu dem 
ehemaligen Günstlinge nur sprechen, wenn der Verhaftsbefehl gegen ihn 
bereits ausgestellt ist; aber wir möchten in diesem, wie bei eim'gen andern 
Fallen darauf aufmerksam machen, dass das Spiel der gleichzeitigen Schau- 
spieler, von dem wir nichts wissen, da ja die bei uns gewöhnlichen Finger^ 
zeige damals dem Texte nicht beigefügt wurden, diese Scene und überhaupt 
den ganzen Richard vielleicht in ein anderes Licht gerückt haben könne, 
als in dem sie uns erscheinen. Kann der Dichter den Kchard nicht als 
einen, bei aller Tücke und Selbstbeherrschune;, jähzornigen Aufwallungen 
ausgesetzten Mann sich gedadit haben? Man denke an Napoleon I.; er ver- 
stand es ebenso gut, deff Wüthenden zu spielen wie die Wuth zu unter- 
drücken, und doch brach sie zuweilen in ursprünglicher Frische hervor. 
In Heinrich VI. wird Richard wirklich so gezeichnet; >Rnr erinnern an die 
Ermordung des jungen Eduard, die ohne diese Annahme alles Salz verliert. — 
In einem Falle, den Rümelin anführt, hat er ganz offenbar Unrecht. Als 
Desdemona die Abberufung des Othello erfahrt, sagt sie: »Das /reut mich." 
Nimmermehr, meint Rümelin, habe sie so sprechen können , da es sieb um 
eine schimpfliche Zurückberufung ihres Mannes gehandelt habe, die ihrer- 
seits gar nicht motivirt sei. Aber diese Auffassung, die sich wohl beim er- 



f 



Beuribeilungen und kurze Anzeigen. 311 

8ten ffiiditi^n Lesen aufdrängen kann, löst sich bei genauerer Betrachtung 
auf. Wir sind überzeugt, dass auch Rümelin selbst, wenn er die Stelle nocn 
dnmal ruhie durchläse (er bat sie wahrscheinh'ch seit längerer 2ieit nicht vor 
Ao^en gehwt) den Ungrund seiner Meinung sogleich erkennen würde. Von 
Schimpf ist gar nicht die Rede, vielmehr von Elure; das zeigen deutlich die 
Worte des Ix>dovico: «Ist dies der edle Mohr, den der Senat sein Ein und 
Alles nennt?** u. s. w. Das zei^t sein grenzenloses Erstaunen, welches sinn- 
los wäre, wenn dem Othello wirklich eme schwere Beleidigung zu Theil ge- 
worden; das zeigt schon die Art, wie er den Brief des Senats übergiebt, 
die, im Zusammenhange mit dem, was er gleich darauf zu Desdemona sagt, 
unmöglich durch die heuchlerische Zurückhaltung eines Mannes verhängniss- 
Toller Botschaft wird erklärt werden können, da er sich ja im Uebrieen durchaus 
vertraulich und als Verwandter benimmt. Jene Worte an Des^mona, dass 
den Mohren der Inhalt der Briefe vielleicht verdriesse, ist ia nur eine Ver- 
muthung, durch die er das Erschrecken der jungen Frau über Othello's Be- 
nehmen beseitigen will. Othello ist nicht abgesetzt, er ist zurückberufen, 
weil der Senat ihn, sein Ein 'und Alles, an einer wichtigeren Stelle braucht. 
Aber die Abberufung, so ehrenvoll an sich, kann ihm möglicherweise in 
diesem Augenblicke unangenehm sein, — das ist der Sinn von Lodovico^s 
Worten, und anders fasst auch Desdemona die Sache nicht auf. Ihr: „Das 
freut mich' bezieht sich zunächst auf die Rückkehr an der Seite ihres neuen 
Ehren entj^e^engehenden Othello's, dann erst auf die Beförderung des Cas- 
sio« die sie ihm gönnt, weil er, wie sie meint, unter der disciplin arischen 
Strenge ihres Mannes zu sehr gelitten hat; sie ahnt auch gar nicht, dass 
Othello sie hört, der ihrer Meinung nach ganz in den Brief versenkt ist. — 
und so dürften, auch ohne alle Anwendung von Sophistik, die uns ebenso 
widerwärtig ist wie Herrn Rümelin, die meisten jener Anstösse schwinden, 
wenn die betreffenden Stellen vorurtheilslos gelesen werden, oder doch nur 
mit dem Vorurtbeile, dass Shakespeare nicht so leicht Sinnloses schreiben 
werde. Wir kommen hier nebenbei noch auf die Bemerkung unseres Verf., 
dass sich bei Shakespeare zwar viel des Zarten, 'aber wenig oder nichts 
des eigentlich Rührenden finde, dass die an sich rührenden Situatio- 
nen durch eine schreckliche oder phantastische Beigabe getrübt zu wer- 
den pflegten. Dies ist nicht ganz ohne Grund, doch erinnern wir z. B. an 
das letzte Gespräch der beiden Talbot, wahrend allerdings die Todesscene 
York*s zu furchtbar ist, um reine Rührung autkommen zu lassen. Aber die 
phantastischen Beigaben dürften sich nicht als so störend erweisen, wenn man 
auch hier das Spiel der Darsteller hinzudenkt Wir denken namentlich 
an die Scene des \'^ntermärchen8, wo die Königin ihrem Gemahl zurückge- 
geben wird, und die vielleicht Rümelin gleichfalls im Sinne gehabt hat. 
Wieland findet in ihr ein echtes Fröbchen Shakespeare^schen Unsinns, und 
seltsam mag sie auf den ersten Blick einem Jeden erscheinen. Uns will 
bedanken, der König, und in geringerm Grade die übrigen Zuschauer, müsse 
als von vornherein durch die überwältigende Aehnlichkeil der Bildsäule in 
einen Zustand von Aufregung^ gesetzt gedacht werden, der etwas von einer 
Entzückung hat und sich von Stufe zu Stufe steigei-t, bis der Unterschied 
zwischen Wirklichkeit und Schein ihm verschwindet, und der Schauspieler 
habe die allerdings sehr schwierige Aufgabe, ein Analogen dieser Stimmung 
im Zuschauer hervorzurufen, so dass schliesslich nicht sowohl die Ueber- 
raschung, als vielmehr die Befriedigung des Wunsches hervortritt. Die 
Oelfarben der Bildsäule, die zu oft und zu früh errmhnt werden, um für 
einen Scherz Paulinen^s im letzten Augenblicke gelten zu können, werden 
allerdings so lange anstössig bleiben, als die Ansicht einiger Aesthetiker 
von der Bemalung der Bildsäulen im Alterthume nicht in die Praxis ge^ 
drunten ist. Wird man vielleicht behaupten, Shakespeare habe auch hier 
aus immenser Gelehrsamkeit herausgesprochen, und den Künstlern sdner 
Zeit einen Fingerzeig geben wollen? 



812 Beurtheilungen und kurze Anzeigen. 

Mit den Schauspielen aus der englischen Greschichte ist.Ramelin beson- 
ders unzufrieden; aber was er vorbringt, hört sich seltsam an. Wenn man 
ein solches Stück gelesen, fühle man sich nicht getrieben, es gleich noch 
einmal yorzunehmen, — was jedenfalls eine äusserst subjective Behauptung 
ist, — sondern man habe das Verlangen, sich aus einem Geschichtswerke 
noch genauer zu unterrichten, — was gewiss richtig ist, aber eewiss nichts 
^egen den Werth des Stückes beweist. Der eigentliche Grund seines Wi- 
derwillens lie^^t wohl in den überschwenglichen Uomplimenten , welche Ger- 
vinus u. A. Shakespeare über seinen tiefen Einblick in die geschichtlichen 
Verhältnisse gemacnt haben. Diese angebliche politische Einsicht hat Rn- 
melin in ihnen gesucht und nicht gefunden, und dies scheint ihn verstimmt 
zu haben. In den Scenen des Goetne'schen Egmont zwischen der Re^enttn, 
Macchiavell, Egmont, Oranien und Alba, sagt er, sei mehr Verständniss der 
politischen Dinge als im ganzen Shakespeare und Schiller zusammengenom- 
men. Dies sewiss mit Hecht. Sodann habe Shakespeare von dem unter- 
schiede der Zeiten keine Ahnung; von der Kriegsfuhrung habe er kindliche 
Begriffe; seine Weltanschauung sei eine durchaus aristokratische. Wir wer- 
den dies zugestehen müssen, wenigstens würde der Einwand, dass Shake- 
speare nur die aristokratische Grundlage der Gesellschaft, wie sie einmal 
war, dargestellt habe, selbist aber freieren Blickes gewesen sei, kaum irgend 
einen Beleg beizubringen im Stande sein, und doch müsste man erwarten, 
dass ein so selbständiger Geist bei aller Objectivitat gelegentlich den Drang 

fefuhlt haben würde, seine tieferen Ansichten der einen oder andern seiner 
^ersonen in den Mund zu legen. Dass er das bürgerliche Drama bei Seite 
lässt und nur Aristokratie un<l röbel auf die Bühne bringt, würde an sich noch 
nichts beweisen, denn diese beiden Klassen sind es ja, deren Leben in einer 
Oeffentlichkeit verläuft, welche sie für theatralische Zwecke besonders ge- 
eignet macht, während das Bürgerthum, der Mittelstand, für die tragischen 
Seiten seines Liebens nur dann Publicität erwirbt, wenn sie zu gemeinen 
Verbrechen fuhren, daher das bürgerliche Drama nie den criminaTistischen 
Beigeschmack los wird. — Tiefes VerstÄndniss für politische Dinge im en- 
fferen Sinne und für ihre Behandlung wird man bei Shakespeare nicht fin- 
den, aber, und das hätte Rümelin noch stärker betonen sollen, wer wird sie 
denn auch bei ihm suchen? Wer sonst, als ein von Vorurtheilen verblendeter 
und des reinen Blickes für das Schöne ermangelnder Parteimann. Dagegen 
beruht die sonstige Opposition Rümelin's ge^en diese Schauspiele auf einer 
krankhaften Ueberspannung seines Kunstbeenffes. Er leugnet allen Unter- 
schied zwischen objectiver und subjectiver Dichtung; er versteigt sich so weit, 
zu behaupten, man wolle auch im Schauspiele nur den Dichter sehen, und da 
er sich nun dem gewaltigen Eindrucke jener Dramen geradein ihrer Geschicht- 
lichkeit nicht entziehen Kann, so erklärt er diese Geschichtlichkeit für einen 
Fehler ; er findet, dass Shakespeare immer da am grössten ist, wo er den Stofi 
ganz aus sich erzeugt, und er macht ihm zum Vorwurfe, die englische Geschichte 
genommen zu haben, wie sie war, d. h. äusserlich war. Er sagt bei die- 
ser Gelegenheit viel Gutes über die Unzuverlässigkeit der Geschichte, über 
die Schwierigkeit, ein politisches Factum auch nur annähernd richtig aufzu- 
fassen, wenn man nicht dabei tlüti^ gewesen; aber alles, was er hier vor- 
bringt, trifft wohl Gervinus und die Andern, welche «lern geschichtlichen 
Dichter eine ganz nnnatürliche Stellung als Lehrer der Politik geben, nicht 
aber Shakespeare. Auch Lessing bekommt hier eine recht schmm^isterliche 
Abfertigung. Er habe dem Dichter erlaubt, mit den geschichtlichen That- 
sachen ganz nach Belieben umzuspringen, dage^cm müsse er die Charaktere 
sorgfaltig conserviren. Das sei naarer Widersmn. Weit eher lasse sich 
die Ansicht hören, der Dichter dürfe einen historischen Charakter nur nicht 
gerade in sein Gegentheil verkehren; aber auch diese Ansicht sei im Grunde 
haltlos; der Dichter müsse mit Charakteren und Thatsachen ganz frei um- 
springen können. Nun hat aber Lessing gesagt, man dürfe, wenn man 



Benrtheilnngen and kurze Anzeigen. 313 

einmal hütonsehe Persönlichkeiten behandeln wolle, die Grundsöge ihrei 
Charakters nicht ändern, sondern nöthigenfalls versch&rfen; eben aber um 
den Charakter reiner hervortreten zu lassen, dürfe man die Facta, die ja 
im Sokauspiele als das Erzengniss der Charaktere auftreten, mich seinen 
Zwecken gestalten. Er hat also im Wesentlichen gerade das gesagt, was 
Romelin tür viel besser als die Lessing'sche Meinung erklärt, und hat es 
aus sehr guten Gründen gesagt. Wolle man auch den Charakter in seinen 
Orundzüeen nicht behalten , so solle man zu erdichteten Personen greifen. 
Lessing hat übrigens Shakespeare hierbei nicht im Auge; er spricnt von 
französischen Dichtem und denkt nur an jene Art des geschichtlichen Schau« 
Spiels, die Romelin nur allein als zulässig anzuerkennen scheint, wo nämlich 
der geschichtliche Vorfall als reine Anekdote, in gleicher Weise wie jeder 
erfundene Vorfall, eben nur die Fabel liefern soll. Unzweifelhaft aber giebt 
es noch eine andrQ Art, die Geschichte zu behandeln, indem man sie selbst 
in ihrem innem Zusammenhange, natürlich nur in grossen Zügen, wie die 
allgemeine Erinnerung sie auffasst, als ein Gericht über die Leidenschaften 
darstellt- Das hat Shakespeare gethan, und freilich wird es ihm wohl kei- 
ner nachthun ; — aber weil es trotz aller Epiker keinen zweiten Homer ge- 
geben hat, ist darum Homer kein regelrechter Dichter? Wahr ist es, dass 
die meisten dieser Sbakespeare^schen Stücke, namentlich die einzelnen 
Tbeile Heinrich *fl JV. und Heinrich's VL, in sich nicht die volle Abgeschloa- 
senheit zeigen, wie wir sie an andern Traj^ödien gewohnt sind, dass sie et- 
was Rhapsodisches haben, auf einander hmweisen, wie ja auch die Theile 
des Schiller*schen Wallensteins. Aber dieser durch die iNothwendigkeit her- 
yorgerufene Mangel winl überreichlich ersetzt durch den erhabenen Zusam- 
menklang, in den ein jeder von ihnen seine reichen Schönheiten mitbringt. 
Gerade diese Dramen werden, wenn irgend welche, für ewig beweisen, dass 
Shakespeare mehr gewollt, als eineip passageren Publikum einen heitern 
Abend zu verschanen. Was aus gleichem Stoffe ein begabter Dichter, 
der aber nicht Shiücespeare war, bat maehen können, zeigt Marlowe's 
Eduard II. 

Werfen wir noch einen Blick auf Shakespeare*8 Charakter und seine 
Weltanschauungen, wie Rümelin beide, und zwar die erstere via negationis, 
d. h. aus demjenigen, was sich in seinen Stücken nicht findet, darzustellen 
sucht. Es ist viel Ansprechendes darin. Shakespeare erseheint als ein un- 
gemein bewegliches, fast weibliches Gemüth, voll unbefriedigten Streben«, 
mehr nnd mehr in Ernst, ja in Melancholie versinkend. Dies mag nicht 
unrichtig sein, obwohl es immer nur Hypothese bleibt. Niemab aber wer- 
den wir glauben, dass Shakespeare das Glück der Einsamkeit nicht gekannt 
oder nicht gesehätzt habe. Er, grade in seinem vielbewegten Tagesleben, 
er sollte nicht mit Begierde die wohl kärglich zugemessenen Augenblicke 
stillen Sinnens er^iffen haben, sei es auch nur während einer Aufführung, ' 
an der er nicht dn^kt betheili^ war, oder mitten im Taumel der Gesell- 
schaft? Oder glaubt Rümelin im Ernste, ~dass er seine Poesien aus dem 
Aermel geschüttelt habe? Und wober diese Behauptung? « Shakespeare stellt 
immer die Neigung zur Einsamkeit als Zeichen der Verliebtheit oder irgend- 
einer Geistesstörung dar.* Ich dächte, das wäre ein deutlicher Fingerzeig, 
wie bedenklich es mit dieser ganzen via negationis und mit allen diesen 
Wahrscheinlichkeitsbeweisen stehe, was Rümehn, der Jurist und Staatsmann, 
am ersten hätte fühlen müssen. — Shakespeare^s Weltanschauung sei im 
Ganzen eine pessimistische * gewesen. Das lässt sich allerdings nicht ver- 
kennen; überhaupt aber sind tiefe Geister nur in ganz ausnahmsweisen Fäl- 
len von Natur Optimisten, wie allerdings Goethe; wohl aber können sie es 
werden ab Menschen von sehr inniger Frömmigkeit, indem ja Religion, 
wenn sie ihren Namen verdient, nichts anderes ist als ein zum Optimismus 
verklärter Pessimismus. Welche Gestalt die Frömmigkeit Shakespeare's ge- < 
habt habe, wird so vrenig mit Sicherheit auszumachen sein, als so viel ande- 



314 Benrtheilnngen uad karce Ansei gen. 

res voo> setnen persönlichen Meinungen. Riiinelin hebt henror^ dass er sich 
immer nur in oem allgemein OhrisSichen , ja allgemein Beligiöaen bewege , 
(lass er xwar ohne die Reformation nidit denkbar sei, aber nichts apeci- 
fisch Protestantisches zeige. Diesen Eindruck hat Shakespeare auch auf 
den Referenten in sehr fronen Jahren gemacht. Es bildete sich in ihm die 
Ueberzeagung « Shakespeare sei ein hemilicher Katholik gewesen. Er hat 
diese Ansicht, die ja neuerdings in der Literatur ihre Vertreter gefunden 
hat, seinerseits längst aufgege^n, wohl aber möchte er es nicht unwabr- 
seheinlich finden, dass Shakespeare zwischen beiden Confesaionen |;eachwankt 
und dabei zugleich, was sich damit sehr wohl vertrügt, einer gewissen Oppo- 
sition geffen alles Rircbenwesen nicht fem gestanden habe. Diese Opposi- 
tion glaubt auch Rümelin herauszufühlen, und allerdinsa bleibt' hier Alles 
Gefunlssache. Jedenfalls aber spricht für Shakespeares feines Gefühl in 
Sachen der Religion die Zurückhaltung und Müssigung, die er seinen Geg^ 
nem, den Puritanern, gegenüber beweist. Wir wenisatens Termögen nicht 
zn finden, dass er, nach Rümelin's und Anderer Benauptung, wie freilich 
viele andere Dic|)ter jener Zeit« die Piirit4iner häufig znm Gegenstände 
seines Spottes ^macbt habe. 

Eine sehr gut ausgeführte Parallele zwischen Shakespeare und Goethe 
macht den Schluss des Kümelin'schen Buches. Die ganz unerhörten Ueber- 
treibongen von Gervinus und Ulrici, «Goethe und Schiller hätten an Shake- 
speare wie an ihrem Meister hinaufzublicken; Shakespeare vereinige die 
Vorzüge beider ohne ihre Fehler,* werden hier in ebenso gründlicher wie 
geistreicher Weise in ihr Nichts zurückgewiesen. 

Endlich, um auch das noch zu erwähnen, beschäftigt sich Rümelin mit 
der Gervinus'scben Behauptung, dass Shakespeare der sicherste Führer 
dnrch*8 Leben sei, den man sich wählen könne. Er bezieht dieselbe, waR 
doch wohl nicht Gervinus' Sinn ist, auf die Sentenzen, die sich bei 
Shakespeare finden, und indem er viel Gutes über sie sagt, weist er nach, 
dass dieselben gleich den VolkssprüchwÖrtem , denen sie in der Form so 
ähnlich sind, für das Handeln keinen sichern Anhalt geben können. Wir 
unsererseits müssen gestehen, dass wir uns bei dem Gervinus*schen Aus- 
drucke schlechterdings nichts denken können. Sich einen Dichter zum Füh- 
rer durch's Leben zu vnihlen, hat etwas von einer Stammbuchphrase ; aber 
wenn es sich etwa nur um Goethe oder Schiller handelte, so würden wir 
doch wenigstens wissen, was gemeint sei : dort der frische Lebensmnth, hier 
die ideelle Ansicht aller Dinge; — aber ShaJcespeare? Ebenso gut scheint 
es uns, könnte man Raphael oder Michel Angelo zu Lebensfübrem wählen. 

Und was ist nun unser Schlussurtheil über dieses kleine aber inhalts- 
volle Buch? Es wird uns Shakespeare, den weisen Dichter, Shakespeare, 
den Propheten des Gemütbes, den Schöpfergeist, nicht rauben, ob es sich 

Sleich öfter die Miene giebt, das zu versuäien, aber gegen Shakespeare, 
en ästhetischen Rechenmeister, gegen Shakespeare , den politischen Profes- 
sor, hat es St Össe geführt, von denen diese beiden Herren sich sobald nicht 
erholen werden. Fort mit ihnen zur Unterwelt, wo sie sich von den Dra- 
maturgen mögen umheulen lassen! 

Berlin. A. Buch er. 



Kurze hochdeutsche Sprachlehre von H% Krause, Director der 
Grossen Stadtschale zu Rostock. 3. verbesserte Auflage. 
Stade. Fr. Steudel sen., 1866. 

Ueber dieses Buch können wir uns kurz fassen. Es besitzt den unb^ 
streitbaren Vorzug, dass es, für Norddeutsche bestimmt, zaweilen (nnaerer 
Meinung nach niäit oft genug) auf das Plattdeutsche Bezug nimmt und den 



Beortheilnngen und kurze Anseigen. 315 

an Letsteres gewöhnten Schüler auf die unterschiede desselben vom Hoch- 
deutschen aufmerksam macht. Im Uebrigen ist zu bemerken, dass es syste- 
matisch, nicht methodisch geordnet ist, eine Weise der Anordnung, der wir 
bei einer Schulgrammatik niemals zustimmen können, es wäre denn, dass 
sie in Gestalt eines ganz kurzen Repetir-Büchleins aufträte, was bei der 
vorliegenden nicht der Fall ist. Endlich haben wir ein Curiosum zu berich- 
ten, das uns der Mühe überhebt, weiter auf Einzelheiten einzugehen. Auf 
S. 29 steht als Beispiel vom Gebrauche des « hinweisenden" der, die, das: 
Die Männer, deren Andenken uns theuer ist. Als Seitenstück dazu 
finden wir auf S. 86 unter den Beispielsätzen zum „beziehenden* der, die, das: 
Viel Aussätzige waren in Israel, und derer (jetzt: deren) keiner 
ward gereinigt In einer dritten, verbesserten Auflage! 

Dr. Marthe. 



Da« Latein auf der Realschule. Zwei Gutachten (1859 und 
1864) von Dr. H. Wendt. Rostock, StilWsche Hofbuch- 
handlung, 1865. 

Die vielbestrittene Frage des lateinischen Unterrichts auf der Realschule 
berührt die Interessen und Tendenzen, welche das Archiv vertritt, zu nahe, 
als dass es nicht erlaubt sein sollte, in demselben von literarischen Erschei- 
nungen Notiz zu nehmen, welche sicli in dem einen oder dem andern Sinne 
mit Lösung derselben beschäftigen. Andrerseits jedoch ist für eine der 
Wichtigkeit der Sache angemessene, ausführliche Erörterung jener Frage, 
das enggebaute kritische Hinterhaus des Archivs nicht der geeignete Ort. 
Wir tragen daher zwar kein Bedenken, die unter obigem Titel erschienene 
Broschüre hier in Fach und Reihe zu stellen, enthalten uns aber einer 
Kritik der in ihr verflochtenen Sache. 

Der Verfasser tritt warm, scharf und lebendig fiir das Latein ein. »Al- 
ler Jngendunterricht, bis etwa zum Eintritt der Pubertätsperiode, hat für Alle 
die Eine ungetheilte Aufj^abe der Weckung und Uebung der geistigen Kräfte 
mittelst der allgemein bildenden Disciplinen, gemäss dem Bilaungsideale der 
Zeit: erst mit dem angegebenen Zeitpunkte beginnt die specielle Vorberei- 
tung auf den künftigen Beruf.* Das Latein nimmt unter den „allgemein bil- 
denden* Disciplinen die erste Stelle ein; Gymnasium und Realschule müs- 
sen darum in inrem Ausgange eins sein ; erst nach Tertia scheiden sich ihre 
Wege; auf dem gemeinsamen Unterbau der untern Klassen erhebt sich ei- 
nerseits ein zweijähriger Realcursns (hierauf reducirt sich die ganze eigent- 
liche Realschule), andrerseits der Cursus der gymnasialen Oberklassen. Der 
Verfasser schaut nicht das Odium, dass seine Vorschläge «Manchem als eine 
befremdliche Rückkehr zu einem längst überwundenen Standpunkt erschei- 
nen* mögen, sondern entwickelt tap^r die Consequenzen, die sich daraus 
hinsichtlich der Lehr^egenstände m den unteren Klassen ergeben. Alle 
seine Erwägunc^en beherrscht der Gedanke , dass zur Grundlegung ^ einer 
höheren, über das Niveau der Volksschule hinausreichenden Jugendbildung 
das Latein unentbehrlich ist, und man kann ihm zugeben, dass die Argu- 
mente, die er für letzteres in*s Gefecht fuhrt, ohne neu und erschöpfend 
zu sein, doch frisch, klar und bündig vorgetragen werden. Die oben be- 
zeichneten reformatoriscben Vorschläge sind in dem ersten Gutachten nie- 
dergelegt, das bei Geiejgenheit einer beabsichtigten Umgestaltung der Ro- 
fftocker Realschule im Jahre 18S9 eingereicht wurde. Aus dem zweiten er- 
giebt sich, dass die Reform zum Theil nach den Wünschen des Verfassers 
(Combination der untern Klassen bis Unterquarta) in's Leben getreten ist, 
dass sie aber mannigfache Angriffe zu bestehen gehabt hat. Er versucht 
also hier, einestheils sie zu rechtfertigen, andemtheils zur Fortführung der* 



316 Beartlieilangen und karse Anzeigen. 

selben im Siilne seines ersten Gatachtens Mwospomen. In Jetsterer Bezie- 
hung namenüicb befürwortet er «He bis dahin unteorbliebene Einfiibning des 
Lateins in die Realklassen jenseits Quarta, wobei er seine im ersten Gut- 
achten angestellten Erörterungen hauptsüchlich durch Anfuhrang von Au- 
toritäten zu ergänzen weiss. Beide Gutachten enthalten nicht nur in der 
Ton ihnen behandelten Capitalfrage, sondern überhaupt in Sachen der Real- 
schule für Freund und Feind Beherzigenswerthes. Dr» Marthe. 



Jean Paul Friedrich Bichter als Pädagoge, oebat einer Auswahl 
pädagogischer Kemstellen aus Jean Panl's Werken. Leh- 
rern und Erziehern dargeboten von G. Wirth. Branden- 
burg, Ad. Müller, 1865. 

Wenngleich dieses Büchlein auf einen weitem Leserkreis berechnet ist» 
als der des Archivs zu sein pflegt, so darf es doch seiner trefflichen Ten- 
denz wegen auch hier auf Beachtung Anspruch machen. Jean Paurs Schrif- 
ten sind eine unerschÖp6iche Fundgrube von Geist, Gemüth und Phantasie 
nährenden Gedanken, nur schade, dass sie mehr oder wenieer gleich rohen 
Diamanten — ohne Fassung daliegen. In Jenn Paul pulsirt ferner eine 
starke pHdagociscbe Ader. Kiit Vorliebe schildert er, bald ernst, bald lau- 
nig, die Freuden und Leiden des Lehrerberufs; ihn begeistert der Gedanke 
eines pädagogischen Romans, der freilich in der unsichtbaren Loge nur un- 
vollkommen zur Ausführung {gelangt; er giebt endlich in der Levana eine 
nach seinem^ Begriff vollständige Erziehlchre. Mit wie warmem Herzen ist 
diese geschrieben, mit welch mnigem, geistreichem, liebevollem Verständ- 
niss der Eindesseele I Nur schade, dass auch hier das blendende Flimmern 
und Funkeln geistreicher Metaphern, originelster Bilder flen Leser unserer 
Zeit allzusehr stört und zu ruhigem Genuss kaum gelangen lässt! Aus die- 
sem Schatze aber nur die Körner reinen Goldes uDzideben und übersicht- 
lich zusammenzulesen ist ein verdienstvolles Werk, welchem herzlicher Dank 
gebührt. Wir zoUen ihn dem Herausgeber obigen Büchleins, dem wir auch 
dann den Dank nicht vorenthalten würden , wenn er noch mehr gesichtet 
und folglich noch weniger von den edlen Früchten des rcidien Jean Pani- 
schen Gremüths uns dargereicht hätte. Der „Auswahl pädagogischer Kem- 
stellen^ geht — die erste Hälfte des Büchleins ausfüllend — eine Lebens- 
feachichte Jean PauPs voran, die mit Becht ausführlicher bei seiner Kind- 
eit, sodann bei seinem Wirken als I^rer in Schwarzenbach verweilt. Die- 
ser Lebensabriss ist zum Verstehen der so eigen thümlichen Persönlichkeit 
Jean PauFs genüffend und wird den Lesern, denen das Buch hauptsächlich 
zugedacht ist, willkommen sein. Dr. Marthe. 



Memorir- und Repetitionsstoff aus der französischen Gramma- 
tik. Zusammengestellt von Dr. Christian Vogel, Director 
der Lehr- und Erziehungsanstalt zu Greiz im Voigtland. 
Erster Theil: Formenlehre. 

Der Herr Verfasser geht von der Meinung aus, 9 dass bei gediegenem 
Unterricht, allerdings wenn angebracht mit möglichster Bezugnahme auf 
die alten, die neuem Sprachen mit demselben Nutcen für den Schüler zu 
betreiben sind, um ihn in seiner Ausbildung, falls er nicht eine academische 
Laufbahn einschlagen will, ebenso weit zu fördern , als es überhaupt durch 
die altclassischen Sprachen geschieht.* 



Benrtheilungen and kurse AiLzeiges. 817 

Wir erfiiliren aus der Vorrede ooob, »dara die Vom Herrn VerfaMer ge- 
leitete Anstalt ausser vier Elementarclassen and einer Progymnasialclasse bis 
jetzt nur aas Realclassen besteht, in welchen letzteren das Lateinische nur 
deswegen obligatorisch selehrt wird, weil in jetziger Zeit der Geschäftsmann 
m&d Kanlmann einiger fenntniss desselben nicht entbehren kann und darf. 
Was die neuem Sprachen betrifiV, sagt der Verf., so mache ich mich verbind- ' 
lieh, durch meinen Unterricht in denselben meine Schüler in ihrer allgemei- 
nen Ausbildung ebensoweit zu bringen, als jeder Lehrer der altelassischen Spra- 
chen es mit seinem Lehrobjecte vermae; natürlich basire ich deshalb durch* 
itts auf Grammatik und yerdamme jedes oberflächliche Treiben, wozu uns 
besonders solche Metboden, durch die man innerhalb 6 Monaten, ja so- 
gar in 24 Standen eine Sprache zu erlernen im Stande sein soll, verleiten 
können and müssen." 

Obwohl das Vorstehende eigentlich mit dem vorliegenden Buch wenig 
zu Schafen hat, so glaubte ich es dennoch nicht unterdrücken zu dürfen . 

Der Verf. hat nun, „um im Unterrichte das Möglichste zu erzielen, „so- 
wohl für die englischen wie für die französischen Stunden einen Memorir- 
stoff zusammengestellt, „der neben und mit dem sonst noch gebrauchten Ue- 
bun^bnch vom Schüler benutzt wird.^ Welches dies Uebungsbuch ist und 
ob sich vorHeeenües Buch (wie doch zu erwarten wäre) demselben genau 
anschiiesst, er&hren wir nicht; doch scheint dasselbe wenigstens keine ßle- 
mentargrammatik, sondern nur ein Uebersetzunesbuch zu sein, denn der 
Verf. will die für die jedesmalige Stande durchzunehmenden Regeln des 
Memorirstoffes nach seiner Aufstellung mit den Schülern ausführlich beban- 
deln. 

£in mehljähriger Gebrauch an den verschiedenen Unterrichtsanstalten 
hat dem Verf. die Ueberzeugiing geliefert, «dass die betreffenden Bücher 
wirklich brauchbare Hülfsmittel sind, die viel dazu beitragen, dass der Un- 
terricht in den neuem Sprachen mehr dem der alten Sprachen gleichkommt, 
dasselbe wie dieser erreicht, und besonders an jener Oberflächlichkeit ver- 
h'ert^ die ihm leider dardh manche unserer jetzigen Lehrbücher aach ohne 
Absicht des Lehrers nur zn oft aufgeprägt wird.* 

Der zweite l'heil, die Orthographie und Syntax behandelnd, soll später 
nachfolgen. — Ist vielleicht schon geschehen? 

Wenden wir uns nan zu dem Buche selbst. 

§ l — 12. Alphabet. Accente und Artikel, anderthalb Seiten umfas- 
send, bieten nichts Bemerkenswerthes. 

§ 12 — 86 behandelt die Genasregeln erst nach der Bedeutung der 
Hauptwörter» dann nach ihrer £ndung, mit einigen Beispielen und keines- 
wegs erschöpfenden Ausnahmen. Wenn der Schüler § 13 lernt: Männlich 
sind die Hauptwörter, welche männliche Wesen bezeichnen, und § 14 : Männ- 
lich sind die Namen der Ta^e, Monate und Jahreszeiten, so ^rären einige 
Ausnahmen hier durchaus mcht überflüssig sewesen z. B.' la sentinelle, la . 
ilupe, la recrue, la Saint-Jean, la Saint-Michei, la'mi-cardme etc. — Die bei- 
den ersteren finden sich freilich an anderen Stellen, § 50. Noch misslicher 
ist der Versuch, nach den Endungen das Genus der französischen Haupt- 
wörter (wie es die characteri^tischen , wesentlich verschiedenen lateinischen 
Endungen erlauben) zu bestimmen; ein Versuch, dies durchzuführen, war 
stets vergeblich. Daher denn solche unbestimmte Regeln : die meisten Haupt- 
wörter etc. § 25 , § 38 , § 80 ; viele Hauptwörter § 32 etc. Dann sind Re- 
geln und Ausnahmen so wenig erschöpfend, dass ganz bekannte, dem Sdiü- 
wr häufig vorkommende Wörter vermisst werden: Le vice, la fa<;on, la rai- 
son, la Chanson, ilnt^riear etc. Für eine Unzahl Wörter würde er ver^ 
geblich selbst nach der betreffenden Regel suchen z. B. soif, clef, voix, vis, 
part, tonr, cour, forSt, nuit, mort, loi, foi, peauj eau, service etc. etc. 
Was nützen nun, fragen wir, solche Gennsregeln? 

§ 87 — 50 behandeln die Ableitung weiblicher Hauptwörter von mann- 



818 Beurtheilungen ond karse AaMeigen. 

liehen, bei solchen, die lebende Wesen besttcbnen. Aach diese Paragra- 
phen haben viele Lücken. 

§ 51 führt 18 gleichlautende Substantiva auf, die bei verschiedenenk Ge- 
Bchlechte verschiedene Bedeutung haben. Dass der Ehr. Verf. hier einige 
Wörter ausgeschieden hat, mag seinen Grunü haben; doch sooris hätte 
wohl mit aufgeführt werden können. 

§ 53 die Pluralbildung der Substantive. § 57 und § 58 vermisse ich 
(da die Regeln wohl vollständig sein wollen): bocal, nofMÜ. pal, — plnmaii. 

§ T6 — 88 die Bildung des Femininums der Adjective ist, wenn auch 
ioi Allgemeinen auf die bekanntesten Eigenschaftswörter Rücksicht nehmend, 
in der Fassung der Regeln mit mancher Un Vollständigkeit, behaftet. 

In dem Capitel der Fürwörter ist mir die Eintheilun«; in bestimmte und 
unbestimmte Relativpronomen aufgefallen : qui, leaoel, welcher — qni, quoi, was. 

Das Capitel von den Verben^ § 143 — 263, behandelt ausführlich t avdr, 
dtre und die vier Conjugationen (er, ir^ oir, re). Die Theilung aim-erai, 
aim-eras etc., fin-issais, fin-iseent (Pr^.) etc. möchte wohl nicht geeignet 
sein, den Schüler fest mit den Verbendungen vertraut zu machen; minde- 
stens wird ihm die Sache unnütz erschwert, wenn er für das Futor und 
Imparfait s. B. die Endungen in jeder Conjugation besonders eu lernen hat 
Es stimmt dies auch nicht mit der vom Verf. angegebenen Ableitung der 
Zeiten (§ 162). Die Ableitung von je re^oive aus recevant, «indem 
man evant in oive verwandelt,** (§ 165) ist seltsam. Der Verf. coi^ugirt 
nun das Passivum (§ 170 — 171) und das reflexive Zeitwort se tromper 
(§ 172). 

Es folgen dann eine Reihe Verben, die im Französischen reflexiv, es 
im Deutschen aber nicht sind, so wie solche, die im Deutschen reflexiv, es 
im Französischen aber nicht sind. 

§ 175 behandelt das unpersönliche Verb neiger, und die §§ 176 — SOS 
geben die Stammzeiten und die Unregelmässigkeiten der Ableitung der un- 
regelmässigen Verben. 

§ 264 — 280 behandeln das Adverb, die Bildung und Steigerung des- 
selben, eine Zahl Adverbien der Zeit, des Ortes, der Menge, der Verglei- 
chung, der Ordnung, der Bejahung, der Verneinung, der Frage. 

Die § 281 — 288 geben die Präpositionen, die Conjunctionen (hier 
sind die, welche den Conjunctiv erfordern, von denen geschieden, die den 
Indicativ nach sich haben) und die Interjectionen. 

Der in vorliegendem Buche gesammelte Itfemorir- und Repetitionsstoff 
ist auf 288 Para^aphen oder 80 Seiten vertheilt, und ist gewissemiassen 
ein Auszug aus einer systematischen Grammatik. Knel^el z. B. braucht in sei- 
ner Grammatik für die Formlehre nur 70 Seiten, doch was bieten diese nach 
Form und Inhalt dieser Zusammenstellung gegenüber! Ich fflaube kaum, 
dass irgend ein Lehrer sich entschliessen wird, eine gute Scnulgrammatik 
mit diesem Buche zu vertauschen; soll dasselbe aber neben einer Gramma- 
tik zur Repetition gebraucht werden, so scheint mir der Nutzen sehr zwei- 
felhaft, wenn der grammatische Repetitionsstoff' sich nicht der gebrauchten 
Grammatik eng anschliesst und wenigstens auf die HäUle des zur Vwwen- 
dung gekommenen Raumes zusammengedrängt wird. Wenn zur Repetition 
der beiden Hülfsverben und der vier regelmässigen Conjugationen 24 Seiten 
verbraucht werden, so ist dies jedenfalls zu viel. 

Eine empfindliche Lücke, die ein solches Buch nicht haben darf, muss 
ich zum Schluss noch erwähnen. Es ist in demselben auch nicht mit einem 
Wort der Aussprache Erwähnung gethan. In einzelnen Fällen mosste sogar 
darauf Bedacht genommen werden: Wie sprechen die Schüler ai in den 
einzelnen Formen von aimer? wie j'aoquicr« , f<itsons, parlerai, gi^ons etc 
die vielen Substantive gar nicht zn gedenken. Dr. Mnret. 



Benriheilongen and karze Anzeigen. 819 

Anleitong kam Uebersetsen aus dem Deutschen in das Fran- 
zösisohe yon Dr. Gotthold Beinfiold Sievers. Hamburg« 
Meissner, 1865. Erster und zweiter Cursus. 

Obwohl wir hier eine zweite verbesserte Auflage** vor uns haben, so 
möchte wohl vielen meiner Herren CoUegen bis jetzt das Büchelchen noch nicht 
zu Gresicht gekommen sein, und bei dem Mangel an wirklich practischen der- 
artigen Uebungsbüchem werden die Herren, hoffe ich, es nur Dank wissen, 
wenn ich Einiges darüber mittbeile. Auch Herr Schmitz giebt in seiner £n- 
cydopädie von dem Buch nur den nackten Titel , der uns über das zu Er- 
wartende volktSndiff im Unklaren ^st. 

Der Herr Verfasser ist Lehrer an der Realschule des Johannenms in 
Hamburg. Hat jene Anstalt dieselbe Organisation wie unsere Realschulen, 
so würde das in den Uebungssätzen des Buches uns gebotene Material kaum 
das Pensum der Quinta umfassen. Der erste Cursus beginnt mit Beispie- 
len wie folgende: i. de th^ — >e cafiS — le vin etc. 2. der Kampf — ein 
Kampf — der Fürst — die Fürstin — eine Jahreszeit — die Jahreszeit — 
eine Cousine — die Tante — der Caffee etc. Der zweite Cursus hingegen 
schliesst mit folgenden Sätzen: Der General würde die Stadt oune 
die Soldaten vertheidipn. (!) Er stieg vom Thunhe herab (D^f.). Würde 
er nicht ein Vorurtheil gegen die Franzosen haben? . . . Ich bemerke noch, 
dass auf einen Absatz französischer Sätze stets zwei dergleichen deutscher 
Sätze kommen. 

Das Buch schliesst sich nun nicht etwa an irgend eine französisdie 
Elementargrammatik an, sondern soll seiner Einrichtung nach, die ich 
gleich näher andeuten werde, unabhängig von einer solchen gebraucht werden. 

Das mir vorliegende Exemplar enthält nur eine Vorrede zur zweiten 
Auflage, in der der Verfasser bemerkt; »Wenn auch die Einrichtung dieser 
beiden Kurse der Anleitung im Ganzen dieselbe geblieben ist, so habe ich 
es doch für zweckmässiger gehalten, einige nicht unbedeutende Aenderun- 
een vorzunehmen. So nahe ich z. B. immer zwei deutschen Stücken ein 
französisches hinzugefugt. Das geschah einerseits in der Hoffnung, dass 
dadurch die Auffassung der Regel erleichtert werden würde, andrerseits war 
mir von verschiedenen Seiten der Wunsch geäussert worden, dass in diesen 
ersten Cursen auch das Uebersetzen aus dem Französischen Berücksichtigung 
finden möchte. Hierdurch aber wurde ich zugleich veranlasst, einige Re- 

feln über die Aussi>rache vorauszuschicken, wobei es mir freilich wieder recht 
entlieh geworden ist, vne ungenügend und misslich eine solche Aufstellung 
ist, und wie wenig sie ohne die Einwirkung eines Lehrers nützen würde. ** 

Ich muss offen gestehen, dass es mir ganz unbegreiflich ist, wie der Ver- 
fasser, trotz dieser Einsicht, seinem Buche das Capitel über die Aussprache 
hat voranstellen können. Was Kinder damit sollen, verstehe ich nicht, und 
für den Lehrer will er es doch nicht ffeschrieben ,haben? Meine Herren 
CoUegen, deren Zustimmung in diesem Funkt zu erlangen, ich g"nz sicher 
bin, mögen selbst urtheilen; wenn ich ihnen Einiges aus den 80 Regeln die- 
ses Capitels hier folgen lasse: 

a) e lautet wie ö; am Ende der Wörter wird es gar nicht gesprochen. 

7) eu und oeu lauten wie ö; 

le feu, la fleur. 

Soll das ö dasselbe sein wie in der ersten Regel? Auch scheint dem 
Verfasser der Unterschied der beiden eu in den angeführten Wörtern der 
letzteren Regel nicht bekannt zu sein. 

8) ai und ei lauten wie ä: 

Abgesehen davon« dass unser ä selbst vielfache Nuancen bietet, möchte 
ich nur fragen: Sollen die Kinder den Laut auch in j'aurai etc. pag. 18 so 
sprechen? 



320 Beurtheilongen and kurce Anzeige«. 

14. k im Anfange der Wörter wird gewöhnlich gar nicht ausgesprodien; 
doch wird es ausgesprochen in: hardi, kühn; la haine, der Haas. 

Nur diese Beispiele sind angeführt. 

19. ti vor einem Vocal lautet oft wie ^i: doch ti in la parCie. 

S4. Die Endung er wird zuweilen nicht ansgedproeben : nn offioier, le 
berger, donner, porter. 

26. en und em Unten wie en, in und em wie an: [!] le vent; an em- 
pereur; un empire; un enfant; le prince, le vin, le voisin, le iardin, fin. 

Doch das genügt wohl, um das vom Verfasser selbst gefidlte Urtheil 
volbtändig gerechtfertigt zu finden? 

Seite 6 beginnt nun der erste Kursus, dessen Uebungsbeispielen 96 kurze 
Paragraphen vorangeschickt sind. Es wird genügen, auch von diesen ein- 
zelne einfach herauszugreifen: 

§ 6. Sehr oft haben die Substantive im Französischen ein anderes (xe- 
sehlecht als im Deutschen. 

§ 7. Viele Substantive sind im Französischen feminin, während sie im 
Deutschen masoulin sind; z. B. der Mond, la lune. 

Feminin ist wohl ein Druckfehler, obwohl § 1, § S, § 8, § 9 das Wort 
in dieser Orthographie ^ben. 

f 8. Viele Substantive sind im Französischen musculin, während sie im 
Deutschen feminin sind; z. B. die Sonne heisst le soleil. 

§ 12. Man dedinirt die Substantive im Frapzosischen nicht, drückt 
aber den Genitiv im Deutschen dadurch ans, dass man vor den Nominativ 
de setzt, den Dativ, dass man vor den Nominativ ä setzt. Der Accasativ 
ist dem Nominativ gleich. De bedeutet eigentlich von. 

§ 16. De Selon heisst eigentlich von Selon und kann aach so übersetzt 
werden. 

Wie heisst denn eigentlich k Solon? höre ich da einen wissbegierigen 
Schüler fragen. Der Verfasser aber bleibt die Antwort schuldig. 

§ *22.| Declinirt combat, und nochmals wird nicht vergessen: da com- 
bat heisst eigentlich von dem Kampf, des combats von den Kämpfen. ^ 

§ 34. Im Französischen steht das AdjecUv bald vor, bald nach seinem 
Substantiv. 

§ 35. Vor dem Substantiv stehen die Adjective: grand, seul, m^hant, 
jolj, petit. 

Die andern vorkommenden Adjectiva, schliesst der Schüler, stehen alle 
nach dem Substantiv. 

§ 43. Bei dem Verb wird auch die Zeit berücksichtigt. 

Die §§ 50 — 91 enthalten die Hülfszeitwörter avoir und dtre vollstän- 
dig, auch fragend und fragend verneinend. 

Eine Blnmenlese aus den dem zweiten Cursus vorstehenden 90 Para- 
graphen, die einige dürflige Regeln über die Mehrzahlbildum? der Substan- 
tive , über Adjective und die Conjugationen aaf er, ir und re geben, kann 
mir nach Vorstehendem wohl erlassen werden. Ich constatire nur noch, dass 
der Schüler, der die Verben punir, mordre etc. coigugiren lernt, mit Aus- 
nahme des ersten Falles der pronoms personnels conjoints von den übrigen 
Fürwörtern nichts zu hören bekommt. Auch von den Zahlwörtern« Um- 
standswörtern etc. hört er nicht eine Silbe. 

Berlin. Dr. Muret. 



Beurtheilungen und kurze Anzeigen. 321 

Handbuch französischer Aussprache, nach den besten Pariser 
Quellen bearbeitet u. s. w. von August Waldow. Berlin, 
Kicolaieche Verlagshandlung, 1866. 

Ein übersichtliches gedrängtes Handbach der französischen Aussprache, 
welches dem practischen Bedürfniss Yollkommen genügt, ist eine nir uns 
Deutsche noch nicht gelöste Aufgabe: Wir haben nächst den grossen or- 
thoepistischen Werken und grösseren die Aussprache behandelnden Gram- 
matiKen freiUch eine iteihe kleinerer Handbücher, die jene Lücke auszu- 
füllen streben; doch wennjgleich einzelne derselben (ich rechne hierher auch 
das vorliegende Buchp eifrig bestrebt sind, alle AuBspracheregeln in mög- 
lichster Kürze, Gründlichkeit und CJebersichtlichkeit darzustellen, so ist da- 
mit immer noch nicht dem practischen Bedürfniss genügt. 

Wer sich mit der französischen Sprache eingehender beschäftigt, der 
wird die diesen Büchern zu Grunde liegenden Originalwerke (ich nenne 
nur Malvin-Cazel und Stef!enhagen) nicht entbehren können, und wird der- 
selbe jene Auszüge und Zasammensteliungen nur dankbar annehmen , wenn 
sie ihm die Aussprache der einzelnen Vocal- und Consonantenverbindun- 
gen kürzer und übersichtlicher geben, als die genannten grösseren Werke, 
and im günstigsten Falle bei den Beispielen gleichzeitig die Vertreter der 
betreffenden Aussprache bezeichnen. Für jeden Andern aber, dem es daran 
liegt, schnell über di^ Aussprache eines Wortes Auskunft zu erlangen 
(und sogar viele Lehrer des Französischen kommen häufig in diesen Fall) 
nnd bei der besten Anordnung des Stoffes diese Bücher nicht practisch, 
da dib meisten fraglichen Wörter ein mehrfaches Nachschlagen und Suchen 
unter den einzelnen Consonanten und Vocalen erfordern. Tür diese prai- 
tische Seite ist meiner Ansicht nach die alphabetische Anordnung das ein- 
zig Kichtigc. Daas eine solche bei guter > Bezeichnung (ich meine weder 
durch Zahlen noch mit deutscher Nachbildung des Lautes) durchaus nicht 
zu umfangreich wird, da für diejenigen, die nach einem solchen Buche grei- 
fen, ja nur die Unregelmässigkeiten zu verzeichnen sind , hat Herr Dr. Plifke 
durcn sein Büchelchen: Petit dictionnaire de prononciation fran^aise, Lahr 
1862, Geiger, bewiesen, nnd hoffe ich in Kurzem durch ein erschöpfenderes 
Wörterbuch der Aussprache zu zeigen. 

Doch kommen wir zu der vorliegenden Schrift , die wohl ^Empfehlung 
verdient. Der Verfasser hat sich darin die Aufgabe gestellt, „die Aussprache 
des Französischen kurz, vollständig und gründlich darzustellen.'' „Lr hat 
keine Mühe gescheut und aus den besten Quellen geschöpft, denn seine 
Gewährsmänner sind die Academie selbst, einzelne Mitglieder der^ielben wie 
Charles Nodier, üniversitäts- und Gymnasialprofessoren, wie Malvin-Cazal 
und Lemare, ausgezeichnete Lexicographen und Grammatiker, wie Napoleon 
Landais und Girault-Duvivier,*» das heisst mit andern Worten, Herr Wal- 
dow hat sich bemüht, den ihm durch diese Gewährsmänner gegebenen Stoß 
übersichtlich zu ordnen. Li den ersten 69 Paragraphen des 116 Seiten 
starken Buches behandelt er die Regeln für die Aussprache der Conso- 
nanten, § 70 — 99 besprechen die Nasallaute und § 100 — 123 die Vo- 
cale. Herr Waldow giebt demnach ein 320 Wörter umfassendes Yerzeich- 
niss von solchen Wörtern, deren Aussprache ihm besonders merkenswerth 
erscheint. Ein derartiges kurzes Verzeichniss hat stets das Missliche, dass 
es von den am meisten gebräuchlichen Wörtern die nach Ansicht des Ver- 
fassers nnregelmässigsten anfuhrt, somit doch nur sehr lückenhaft sein kann. 
Die vorliegende Liste leidet ausserdem 'noch an dem schon oben ge- 
rügten Mangel. Wir erhalten nämlich bei den angeführten Wörtern durch- 
aus nicht gleich die Aussprache, sondern werden auf die betreffenden §§ 
hingewiesen (der Verfasser hätte entschieden besser gcthan, hier statt der 
§§ die Seitenzahl anzugeben) wir müssen bei einzelnen Wörtern 2 bis 3 ver- 

Archiv T n. Bpraehen. XXXIX. 21 



322 B.eurtheilangen and karze Anzeigen. 

scbiedene Paragraphen nachschlagen , ^as uns der Verfasser noch dadurch 
erschwert, dass er nor bei grossen Listen eine gute alphabetische Anord- 
nung der Wörter giebt, sonst aber dieselben bnnt durcheinander stellt. Das 
nun folgende Register der Silben, Laute und Buchstaben erleichtert das 
Nachschlagen, lieber Betonung findet sich nichts. 

Wenn ich im Nachfolgenden aus den mir gesammelten Einzelheiten noch 
Einiges anliihre, so geschient dies einmal, um dem Verfasser die beruhigende 
Ueberzeuffung zu geben, dass ich sein Buch nicht oberflächlich durchblät- 
tert, sondern gründlich durcb^arbeitet habe; ferner um ihn auf Einzelhei- 
ten aufmerksam zu machen, die wohl bei einer neuen Auflage, die ich dem 
Buche recht bald wünsche, zu berücksichtigen wären. 

Was. erstens die Vollständigkeit betrifft, auf die der Herr Verf. mit 
grossem Recht viel Werth legt, so muss auch ich wünschen, dass ein der- 
artiges Handbuch der Aussprache mindestens über alle in grösseren Wör- 
terbüchern (z. Bescherelle) enthaltenen Wörter Auskunft giebt. Beginnt 
man erst einmal mit dem Ausscheiden der selten vorkommenden Wörter, so 
weiss man sehr bald nicht mehr, wo dabei die Grenzlinie zu ziehen ist. 
Aus diesem Gesichtspunkte hat der Verf. wohl -sehr viele botaniache und 
überhaupt naturwissenschaftliche und technische Ausdrücke aufgenommen, 
da die meisten derselben fremden Sprachen entlehnt sind, und daher Un- 
regelmässigkeiten in der Aussprache aufweisen. Ich werde jedoch im Fol- 
genden zeigen können, dass der Verf. von einer Vollständigkeit (wie aolche 
überhaupt erreichbar ist) noch fern i5t, dass man sogar einzelne häufig vor- 
kommende Wörter vergeh lieh suchen wird. Es ist natürlich klar, dass in 
Betreif der zu berücksichtigenden Eigennamen eine annähernde Vollstän- 
digkeit noch viel schwerer zu erreichen ist. 

S. 2. n^n der Conversation sprechen Viele c wie g in prune de reine 
Claude (Dumarsais, Gir., Les., Malv., Restaut, Sicard) und in secret und aei- 
neu Ableitungen secr^te, secr^taire etc. (Domergne, Mal., Restaut, Rousseau, 
Sicard).« 

Hierbei möchte ich in Bezug auf das ganze Buch erstens bemerken, 
dass es wohl gut gewesen wäre, der Verf. hätte alle Titel der citirten Werke 
zu Ende seines Buches vollständig mit der Jahreszahl angegeben. Die fiir 
die jetzige Aussprache wichtigsten Bücher, (iie Wörterbücher von Besche- 
relle und Littr^, kennt der Verfasser f&T nicht. Was haben Sicard, Rooa- 
seau, Restaut, Franceson dagegen für die jetzige Aussprache für einen Werth? 
Was nun obiges reine Claude oetrifit, so bemerke ich, dass Malvin-Cazal fiir 
diese Aussprache des c in der Conversation, auch noch die Phrasen: C'est 
un glaude. — II n'est pas si glaude (Claude), pour dire sot, imh^cile hin- 
zufügt; dagegen von seeröte behauptet er: Dans seeröte (oraison que le 
pretre dit tont bas ä la messe), le c conserve touiours son articiuation 
gutturale: se-crö-t; Malv. konnte somit nicht unbedingt als Gewährsmann 
angegeben werden. 

S. 3. c ist stumm in: cric (A. B. Lem.), arsenic (Gir., Land., Malv.), 
porc (A., Land., Nod.) etc.; ferner das stumme c wird laut Vor einem Vo- 
cal oder stummen h in: arsenic (Les., Mal., Moz.),. porc-epic (Gir., Les., 
Malv.). Nun, und cric. das der Gewährsmann Malv, in derselben Anmer- 
kung bespricht? Derselbe sagt: Dans les mots cric (machine) et arsenic, 
le c final ne se fait entendre et ne se Iie que lorsque le mot qui suit com- 
mence par une voyelle ou une h non aspir^e; hors le cas, le c est toujoura 
muet. Auch Air porc möchte ich eintreten. . Malv. sagt in Bezug auf die- 
ses Wort pag. 487: Le c se fait trös-Mgörement sentir quand ce mot est 
final. Ebenso Bescherelle: On ne prononce le c que devant une voyelle 
ou ä la fin des phrases; auch F^line (Dict. de la prononciation de la langae 
fr., Paris, 1851) oestätigt dies. 

Ferner soll mit alleiniger Ausnahme von onc, finc, donc (in gewisser 
Beziehung) nach einem ton nasal (B., Gir., Lau., Les., Lern., Mal.) stumm 



r 



Benrtheilangen und kurze Anzeigen. 323 

sein. Hat hier der Verfasser wirklich Matvin-Cazal pag. 437, Anm. 1. und 
p. 447 Anmerkung 1 gelesen , und spricht er selbst wirklich un franc ori« 
ginal ohne hörbares cf Femer halt er etwa das, was Malv. über franc und 
banc sagt, nicht für richtig? 

S. 4. Die Liste der Wörter, in denen eh wie k lautet, wird man voll- 
ständiger wünschen, denn warum die angeführten Wörter grade »besonders 
ZQ merken" sind, ist nicht begreiflich. Ebenso wichtig wie die beliebig her- 
vausgegrifienen Wörter: öpichole, dpichorde, öpich^r^me etc. sind doch wohl 
inaäie, inachns, inchoation, loch, tricho . . . , troch . . . , psycha . . . , ps} chi. . . , 
ochra..., ochr^...und viele andere; femer das Seite 51 angeführte 
schöne; auch schäme oder Schema, sch^matique etc., scholaire etc. . , das frei- 
lich meist sc. geschrieben wird. 

S. 8 : CS stumm in lacs etc. Der Verfasser hätte anführen müssen, dass 
^ er hier nicht die Mehrzahl von lac, See, meint In Bezug auf § 8 möchte 
ich fragen, wie Verfasser verdict spricht; nach dem angelührten Mal. ist 
strict das einzige Wort auf ict, dessen t hörbar ist 

S. 14. In der Liste der Wörter, in denen gn getrennt gesprochen wird, 
finde ich erstens: imprdgnation (Lem. ,Mal., Waflly). Der Verfasser hat 
wohl die Bemerkung seines Gewährsmannes Malvin-Cazal nur flüchtig gele- 
sen? Dieselbe lautet pag. 414: Le dictionnaire de l'Academie ne parle point 
de la prononciation des mots impr^gner, impr^gnation ; mais Wailly, Gattel, 
Rolland, Le Tellier, Litvaux et autrcs, disent que le premier se prononce 
avcc le ton mouilld, et le second impr^g-nation; ce que nous contestond for- 
mellement quand k ce dernier mot, dans lequel Taccent de l'ö ferm^ qui 
pr^c^de le g serait inutile, s*il se pronon9ait comme le disent ces ahteurs, 
on doit donc dire, et on dit en effet impr^-gnalion. 

Dann lese ich physiognomie (Land., Mal., Nod.). Dies ist wohl ein 
Druckfehler für physiognomonie (Mal.). D^si^natif führt freilich Steffenha- 
gen und Lesaint, dagegen nicht Malvin-Cazal, F^line und Bescherelle als 
hierher gehörig an. Jßs fehlen endlich auch in dieser Liste viele Wörter, 
z. B. igna..., ignif&re, ignig^ne, ignivore etc., pignon, recognitif, signi- 
f^re etc Wie spricht man z. B. Ignace, prägnant/ 

S. 15. Die Liste der Wörter, in denen u nach g in gu gesprochen 
wird, lässt aneh noch Lücken, z. B. onguis, onguiculd etc. Auch die Stadt 
Guise war anzuführen. 

S. 16. Auch die Liste der Wörter mit aspirirtem h lasst Lücken. Ich 
vermisse halali, hamac, hamster, hautin etc ; auch hatte die Liste der Eigen- 
namen vollständiger sein können. Harangerie (B., Mal., Moz.) finde ich bei 
Mal. nicht; soll es etwa das bei Mal. stehende und hier nicht angeführte 
hargnerie sein? Dagegen steht es bei Steflenhagen. 

S. 24. «Das 1 ist stumm in...pluriel (D., G^r., Mal., Moz., Fr.) — la 
plupart prononcent pluri^ A. Doch sind Land., Les. 'und Nod. mehr für 
die Aussprache von pluriMe.** Er hätte diesen auch Bescherelle und F^line 
<dict. de prononciation) hinzufügen können. Wo er aber bei Malvin-Cazal 
diese Aussprache gefunden haben will, weiss ich nicht. Selbiger sagt pag. 
397 : L comerve Parti culation qui lui est propre ... 3) dans les mots ter- 
minent en el.. alitel, ciel, cruel, Azael, casuel, Gabriel, sei etc. sans ex- 
ceptio n. Doch Stefienhaeen sagt pag. 232: N. B. Statt plurielj schrei- 
ben Viele plurier; wer plurier schreibt, spricht pln-ri^. Er fügt femer noch 
in einer Anmerkung bei: die Academie sagt unter Pluriel: Quelques-uns 
^crivent plurier et la plupart prononcent pTuri^ Gir. Duvivier Gram., II 
Rem. ddt., pag. 129, dem Vaugelas (Bem. 442) folgend, verwirft diese Aus- 
sprache ganz entschieden. 

S. 24 : il wird mouillirt in avril (A., B., Lem.) eta . . . Warum wird hier 
Malvin-Cazal nicht citirt, der pag. 397 avril (mois) ohne mouiliirtes 1 spricht? 
Ich bemerke noch, dass ßescherelle die Aussprache dieses Wortes a-vri-le 
ou a-vri-ie bezeichnet, und F^line kennt hier gleichfalls den ton mouill^ nicht. 

21* 



32'! Beurtlicilungen und kurze Anzeigen. 

S. 24: »l ist stamm in ^il (fam.) A., Gir., Lern., und 1 wird monillirt 
in gril (A., B., 6ir.)." Malvm-Cazal will ein stummes e, doch er fügt hinzu; 
Le dictionnaire de TAcad^mie dit: L'I finale du mot gril ne se prono^ce 
point dans le discours familier, mais eile se mouille danS le discours sou- 
tenu, m^me devant une consonnei et par cons^quent aussi quund on doit la 
lier. Bescherelle und F^line kennen auch nur gril mit stummem 1. 

S. SO. In der Liste der nut hörbarem doppelten 1 finde ich gallinac^es 
(Land., Mal., Steif,), gallinm (Lem., Stefil). Bei Mal. ^findeich das erstere Wort 
pag. 404; ich meine aber, es muss gallinac^s heissen. Das andere habe 
ich weder bei Steffenbagen noch sonst in einem Wörterbuch finden können. 

S. 87 vermisse ich unter anderm Aquil^e, poquil (Besch.), aquifolium, 
obliquit^ und noch andere. 

b. 41 sagt Resel 1: s wird wie ß gesprochen am Anfang und Ende 
eines Wortes, und S. 43, Regel 1 : s ist stumm am Ende eines Wortes. Die 
dann folgende Liste der W' örter mit lautem £nd-s lässt erstens mehrere W^Ör- 
ter vermissen; dann finde ich obus, dessen s nach pag. 41 wie z zu lesen 
ist. Auch finden sich hier viele Eigennamen, obwohl später noch eine lange 
Liste mit Eisennamen folgt Unter diesen iät'auch Mons«Cenis, doch ohne 
Angabe, welches s hier gemeint ist. Auch Damas ist angeführt, das wir 
S. 50 mit stummem Schluss-s finden. 

S. 45: ,os (un). Lern., Mal., Fdraud, Anm., Lesaint, Laudais und Nodier 
sprechen 0.* Dem' möchte ich hinzufügen : Bescherelle spricht „d k la fin des 
pnrases et devant une consonne, oss devant unevoyelle ou h muet. Dahin- 
gegen 8agt Föline : On dit toujours 6 au pluriel. Souvent aussi on prononce 
au singulier. 

S. 46. In Bezug auf fils verweise ich den Herrn Verfasser auf Steffen- 
hagen. Hätte er dessen Anmerkung gelesen, so würden wir über beau-fils 
Einiges erfahren. 

In Bezug auf ils werden die angeführten Gewährsmänner (D., Roq., Tr, 
Harn., Frings), wohl nicht gewichtig genug sein, die fehlerhafte Aussprache 
des i zu vertreten. 

S. 46: s ist laut in plus (plüce 6ir., Les., Mal., R., Harn., Stefil) (vor 
Vocalen pluze) vor einer wirklichen oder möglichen Pause. — MaL 856 
spricht das s nur in il y a plus — je dis plus — plusque parfait Auch 
Stefienhagen spricht sich ebenso kurz aus. Lesaint dagegen ist mit mehr 
Recht als Gewährsmann angegeben worden. Doch ist dessen Fassung der 
Regel mindestens sehr unklur. Plus soll plu lauten vor einem Worte, das 
von ihm nicht bestimmt wird oder von ihm nicht abhängt, und 
als Beispiele finden sich plus d'int^rdt, plus content. 

S. 55 vermisse ich gratuit. Das Wort war mindestens zu erwähnen, 
weil die Aussprache schwankt. Bei Mal. ist das t stumm, bei Besch. und 
F^line laut. 

S. 60. Wozu die doppelte Anführung Vera-Crux, uBd Seite 61 Vera-Cruz? 

S. 71: aen wird wie ang (an) gesprooben; als Beispiel folgt Jean. 

Ich breche hiermit ab und will nur noch auf einige Druckfehler auf- 
merksam machen: Seite 80 m^tempsychose statt m^tempsycose. 

Seite nO muss neben maestrel statt 120, 102 stehen. Seite 108 ver- 
misse ich bei bourg § 21. 

Schliesslich noch dies. «Zwei Eigenthüu^lichkeiten, saft der Verfasser, 
sind es besonders, ich möchte sie gern Vorzüge nennen, wodurch sich meine 
Arbeit von den bisherigen über diese Materie unterscheidet. Aji der Spitze 
jedes Buchstabens steht nämlich eine Uebersicht seiner verschiedenen Laute, 
frenau bezeichnet und mit deutschen Wörtern verglichen etc.** Der 
Verfasser darf dabei jedoch nicht vergessen , dass nur unter, der einen Be- 
dingung dadurch das erstrebte Ziel erreicht wird, nämlich wenn Jeder das 
Deutsche gerade so ausspricht wie er selbst, und das ist im grossen Deutsch- 
land doch wohl nicht uoerall der Fall ? Dahingegen halte idi es für viel 



Beartheilangen and kurze Anseigen. 825 

wichtiger (und ich wünschte, es wftre durchweg geschehen), daas der Ver- 
fasaer die französische Aussprachebezeichnung seiner Gewührsmünner dabei 
setzt; denn ich wiederhole, Isiemand, der nicht schon das Französische lesen 
kann und sich überhiiuf)t schon mit der Sprache mehrfach beschäftigt hat, 
wird nach einem derartigen Handbuch greifen, und thäte er es dennoch, 
ohne jene Vorbedingungen zu erfüllen, so hatte dies für ihn auch nicht den 
geringsten Werth, trotz* aller deutschen Lautbezeichnungen. 

Berlin Dr. Mar et 



Lehrbuch der franzosischen Sprache fiir Schäler. Mit beson- 
derer Berücksichtigung der Aussprache und Angabe der- 
selben nach dem System der Methode Toussaint-Langcn- 
scheidt. Erster Cursus. Von Charles Toussaint und G. 
Langenscheidt. 

Die Verfasser sind durch ihre französischen und englischen Unterrichts- 
briefe allgemein bekannt. Diese Briefe, nach der von den Veifassem zweck- 
mässig geänderten Kobertson'schen Methode abgefasst, sind zum Selbstun- 
terrichte fiir Erwachsene bestimmt, und haben in weitesten Kreisen Aner- 
kennung gefunden. Sie haben diese nicht allein durch eine zweckmä8f>ige 
Vertbeilung des reichen Stoffes, sondern besonders durch die die möglichste 
Vollkommenheit erstrebende Aussprachebezeichnung, wohl verdient. Die 
Veitfasser sind nun damit beschäftigt, eine Reihe von Wörterbüchern, Vo- 
cabularien etc. mit Zugrundelegung ihrer Aussprachebezeichnung erscheinen 
zu lassen, und auf dem Gebiete der neueren Sprachen ruhmlichst bekannte 
Männer, wie Herr Dr, Mahn in Berlin und Herr Dr. Sachse in Brandenburg, 
haben einen Theil der Arbeiten übernommen. Das erste aus diesem Cyclus 
erschienene Buch soll ein Schulbuch sein und ist^ von den Unternehmern 
selbst bearbeitet worden. 

»Die nächste Veranlassung zur Herausgabe dieses Buches war»** so ge- 
ben die Verfasser in der Vorrede an, ,der uns vielseitig von Lehrern aus- 
fesprochene Wunsch, das in den französischen, resp. englischen Unterrichts- 
riefen gegebene System der DarsteUung der Aussprache auch auf ein fran- 
zösisches bchulbuch angewandt zu sehen. Ein weiteres Motiv für das Ent- 
stehen dieses Werkes liegt in der Thatsache, dass es bis jetzt an einem fran- 
zösischen Schulbuch fehlte, welches auch die Aussprache in genügender Weise 
berücksichtigi und in dieser Beziehung einen zuverlässigen Anhalt für Leb« 
rer und Schüler bietet. — Ohne den Werth der Regel auch für die Aussprache 
zu unterschätzen, können wir dieselbe doch nicht — selbst beim richtigen 
Vorsprechen eines tüchtigen Lehrers — allein für genügend erachten.* [ I] 

Die Verfasser meinen, es ^bc gar viele Schüler, die, trotz des viel- 
fachen richtigen Vorsprechens ämes tüchtigen Lehrers, trotz der Kenntniss 
aller Aasspracheregeln, gewisse Laute oder Wörter stets falsch sprächen; 
diesen soll nun durch eine bildliche, sich an die Schrift der Muttersprache 
anschliessende, genaue Versinnlichung der Aussprache etwas Greifbares, Blei- 
bendes geboten werden ; das Auge würde das inm vorgeführte Bild der Aus- 
sprache für immer behalten. 

Ich muss gestehen, dass meine Ansicht über diesen Punkt, meiner prac- 
tisrhen Erfahrung nach, eine ganz andere ist. Ich meine erstens, dass die 
Schüler (ich spreche natürlich von solchen, denen nicht schon eine falsche 
Aussprache angelernt ist), mit denen ^der tüchtigste Lehrer ** auf dem ersten, 
allein natürlichen Weg sein 2Uei nicht erreicht, wenn sie sonst gesunden Gei- 
stes sind, zerfahrene, zerstreute, träge Schüler sind, denen die Aussprache- 



826 Beurtheilungen und kurze Anseigeii. 

regeln keineswegs ganz sicher bekannt sind. Ich behaupte ferner, dass ge- 
rade solche Schüler, die in dem Buch in einer selbst strebsame Schüler 
ermüdenden Weise durchgeführte Darstellung der Aussprache ebenso theiU 
nahmlos anstarren werden, wie sie, noch Annahme der Herren Verfasser, dem 
Worte des Lehrers ihr Ohr leihen. — Die Methode der Herren Verfasser 
mag sicherlich beim Selbstuntenrichte solcher Erwachsenen , denen es ernst- 
lich darum zu thun war , die Sprache zu lernen , recht anerkennungswerthe 
Resultate ergeben haben; wenn aber nun die Verfasser den Schluss ziehen, 
sie müsste darum auch für die Schule die beste Methode sein, so ist die- 
ser Schluss wohl nur dann gerechtfertigt, wenn sie Lehrer Toraussetzen, die 
selbst erst aus dem Buche die Aussprache erlernen müssen, die durch das 
Buch gezwungen werden, ,,sich seihst eohörig zu überwachen, denn der 
Schüler besitzt in seinem ihm sicherlicn lieb werdenden Buche ein Mit- 
tel, eine Ton der Darstellung abweichende Aussprache A^ Lehrers sofort 
zu bemerken.** [!] Und die iierren Verfasser versprechen sich, dass eine 
derartige Controlle der Aussprache des Lehrers durch seine Schüler auf 
•den Sprachunterricht in der Klasse fördernd wirken muss. [ ! ] 

Die Aussprachebezeichnung ist nun, nicht allein bei den den einzelnen 
Lectionen yorangeschickten Vocabeln und Verbformen, sondern auch bei den 
französischen Uebungssätzen etc. bis zur letzten LeiiJon mit einer eisernen 
Consequenz durchgeführt , welche die Selbstthätigkeit des Schülers nach 
dieser Richtung hin vollständig vernichtet. Derselbe wird von dem Buche 
bis zur letzten Seite am Gängelband geführt. Rin Wort mag noch so ofl 
vorkommen, er findet stets oaneben oder darunter die Aussprachebezeich- 
nung. Dieselbe ist bei den Uebungssätzen ganz überflüssig, clenn die vor- 
kommenden Wörter sind schon darüber mit derselben angegeben, und die 
Bindungen würen leicht, wenn die Verfasser dieselben dem Lehrer nicht 
überlassen wollen, durch Zeichen (^), wie es ja auch geschehen, anzudeuten. 
Man betrachte ferner nur Lection 23, in der unter anderm die Zahlen von 
1 — 1 00 alle vollständig ausgeschrieben, mit daneben stehender Aussprache- 
bezeichnung, angeführt sind. Die Verfasser hätten viel Raum sparen können, 
und dafür vielleicht doppelte deutsche Stücke geben können. 

Was die Aussprachebezeichnung betrifft., so kann man wohl sagen, einen 
so unheimlichen Eindruck dieselbe auch beim ersten Anblick macht, die Ver 
fasser sind bemüht gewesen, ihre Aussprache durch deutsche Buchstaben 
und sonstige Hülfszeichen so vollkommen ^ie nur möglich nachzubilden. 
Aber nur so vollkommen, als bei Voraussetzung einer richtigen hochdeut- 
schen Sprache möglich; Einzelnes ist aber unmöglich nachzubilden. Ich 
rechne zuerst hierher die Gruppe der Nasallaute in, auch un. Hier hilft 
alles Anschauen nichts,- der Scnüler muss hören, da die deutsche Sprache 
diese Laute eben nicht kennt. 

Man gebe dem Schüler die Regel pag. 5 : »Aim, ain, ein im, in, ym, yn. 
Diese verschiedenartig geschriebenen Silben lauten alle gleichmässig, ähn- 
lich dem «an* in än-gstlich, Aussprachebezeichnung «äng." 

n Hierbei muss jedoch das ä von äng sehr offen lauten, noch offener als 
das y,ä" in Bär**, so dass es sich merklich dem a nähert, ohne indcss die- 
sen Laut zu erreichen. Niemals darf n'äng" wie „ang" oder wie »eng** 
gesprochen werden.«* Was der Schüler mit der letzten Vorschrift soll, wie 
er sich von dem offenen ä dem a nähern soll, um einen Laut zu finden, der 
deni äng in ängstlich ähnlich ist, und der dem französischen Laut in ent- 
spricht , ^ das alles ist schwer zu begreifen. Wer den Laut nur nach Regeln 
lernt, wird z. B. fin stets fang sprechen; niemals aber den richtigen Laut 
finden. Aehnlich verhält es sich mit dem Nasallaut un. 

Noch schwieriger ist die Darstellung der Bindung der Nasallaute, <!& 
hierin selbst französische Orthoepisteh nicht einig sind. Spricht man z. B. 
mon ami == mo-n*ami oder mon-n'ami? 

»Das End-n von mon, ton, son wird mit dem darauf folgenden Worte 



Beurtheilongen und kurze Anzeigen. 327 

verbunden, wenn letzteres ein Hauptwort oder Adjectiy ist und mit einem 
Yocal oder stummen h beginnt. Bei dieser Verbindung wird die Nasalität 
Ton mon, ton, son wesentlich gemildert, besonders wenn man schnell 
spricht; sie darf aber niemals ganz verschwinden.* Was heisst das? wie 
mildert der Schüler die Nasalität ohne sie verschwinden zu lassen? Nach 
der Bezeichnung wird er stets mon n'umi sprechen. ' 

In Betreff der Aussprache möchte ich jedoch noch einige Einzelheiten 
ans dem Buche hervorheoen. 

S. 18: cet officier soll lauten ^ät^o-fi-^^, also französisch bezeichnet 
etwa cij'^t'officier. Die Verfasser sagen in inrer Vorrede: «Ueber die Aus- 
sprache von vCet" wird viel gestritten; einige namhafte Orthoepisten [welche?] 
wollen dieses Wörtchen ßst oder gt ausgesprochen haben; andere behaup- 
ten, dass ^äct richtiger sei. Wir haben cet mit ^net bezeichnet, weil diese 
Aussprache in den gebildeteren Kreisen 'Frankreichs am gebräuchlichsten 
ist; ae muss indessen hier sehr kurz gesprochen werden. Cette hat die- 
selbe Aussprache wie cet und wird von uns ebenfalls mit ßäet bezeichnet; 
doch macht sich in diesem Falle der (inuner kurz verbleibende) Zwischen- 
laut ie etwas fühlbarer, als in der männlichen Form cet.^ — Tant, de bruit 
pour une omelette! Die Verfasser vergessen, dass das Wörtchen cet nie- 
mals allein vorkommt, sondern immer eng verschmolzen mit dem folgenden 
vocalisch anlautenden Substantiv oder Adjectiv. Ich habe eine Aussprache, ' 
wie die Verfasser sie wollen, wohl von einigen Schweizern, nie aber von 
Franzosen gehört. Man spricht allgemein ce-t*officier (Malvin-Cazal 818). 
Nicht cet und cette sind gleichlautend, sondern cet und ce, und das t dient 
nur zur Bindung. Die Aussprache der Herren Verfasser würde die von sept 
oiBciers sein. Dies behaupte ich trotz Littr^, den die Verf. scheinbar auf 
ihrer Seite haben. 

S. 24. Dass in donc das c sehr ofl gesprochen wird (Malvin-Cazal 
446) hätte wohl angeführt werden können, wenigstens in einigen Beispielen. 

S. 25. Die Bezeichnung tu es s= tu se, halte ich auch nicht dir rich- 
tig; das e hat keinesweges hier den Laut d, sondern den des nicht gedehn- 
ten h (Mal^n-Cazal 40). 

S. 38: une ^glise: in e-ghlish; muss heissen u-n*^glise. 

S. 37: le peuple, eu = 0; muss heissen ^; der erste Laut mace rich- 
tig für il peuple etc. (Malvin-Cazal 16). 

S. 36. La Prusse es prüß. Soll das ü lang oder kurz sein? Dasselbe 
möchte ich in Bezug auf Kusse (pag. 68^ frngen. 

S. 59. »Das Wort ville wird stets wil ausgesprochen (nicht wil oder gar 
wij). Auch in den mit Tille zusammengesetzten Wörtern behält ville das 
kurze, aber ungetrübte i." Ich gestehe, diese Aussprache war für mich ganz 
neu. Ich weiss wohl, dass einige Orthoepisten« z. B. StelTenhagen, die Ho- 
monyma vil , vile, Tille als Kürzen bezeichnen ; dessenungeachtet aber würde 
obige Aussprachebezeichnung eine nirgends gehörte Aussprache veranlassen. 

Anknüpfend hieran möchte ich bemerken, dass die Verfasser sich be- 
müht haben, auch die Quantität der Silben durch Zeichen zu veranschau- 
lichen. Ich verkenne keinesweges die grossen Schwierigkeiten,* die sich die- 
ser Bezeichnung entgegenstellen; vielleicht ist sie Schuld gewesen, dass . 
die Veifasser in vielen Fällen ihre Qnantitätszeichen (-) nicht gesetzt haben. 
Wir finden pag. XII: - kurz: bald, Feld, Bild, Moral', Null. 

- lang: Tadel, edel, Lilie, Pole, Blilt. 

Doch darf ich nicht verschweigen, dass durch diese«Bezeichnung mehr- 
fach eine falsche Aussprache veranlasst wird. Es gilt dies besonders in Be- 
zug auf das kurze 1, wie schon die oben angeführten Beispiele zeigen. Diesen 
fiige ich noch hinzu : arttsan, public, magniftque, mtlle« environ, divts^, ftlle, 
famtlle, Meztaue, Madrid etc.; wenn der Schüler in diesen Wörtern das 1 
nach obigem Worte „Bild* spräche, so würden selbst die Herren Verfasser 
seine Aussprache nicht billigen. 



328 Beurtheilungen und kurze/Anzeigen. 

S. 78. Les gens. Nach der Aussprachebezeichivin^ ist das s hörbar. 
Es ist dies jedoch nicht Regel, sondern Ausnahme (Malvin-Cazal, 462). 

Doch sei es nun genug von der Aussprache; man wird erkannt haben, 
dass die ControUe der Lehrer durch die Schüler in Betreff der Aussprache 
doch auf manohe Schwierigkeiten stos^en möchte. 

Was nun den grammatischen Inhalt dieses ersteii Cursus betrifii, dem 
Ostern 1867 ein zweiter und 1868 ein dritter (Schulcrrammatik) folgen soll, 
so bietet derselbe in seinen 44 Lectionen oder 84 Paragraphen ein reich- 
haltiges Material, dem man, sobald man sich mit der Methode der Anord- 
nung und Vertheilung des Stoffes einverstanden erklärt hat, in Rücksicht 
auf die Bearbeitung sein Lob nicht vorenthalten darf. Es ist das für diese 
Stufe Wichtigste aus dem Capitel des Hauptworts, Eigenschaftsworts, Für- 
worts. Zahlworts, Umstandsworts und Zeitworts (von letzterm sind ausser 
den Hülfszeitwörtern die vier regelmässigen Gonjugationen auf er, ir, evoir (!) 
und re behandelt) in den 44 Lectionen vorhanden. Es folgt dann eineW'ic- 
derholung des französischen Theils der Uebungsaufgaben (ohne Bezeichnung 
der Aussprache) und ein alphabetisches Register der vorkommenden Wörter. 
Einzelheiten aus dem grammatischen Theil des Buches will ich nicht heraus- 
greifen; erst die practische Anwendung des Buches in der Classe wird die Vor- 
theile und etwaigen Nachthelle deutlicher hervortreten lassen. Es ist mir 
nicht bekannt, ob und wo das Buch schon eingeführt ist; die Verfasser sa- 
ugen in ihrer vom Frühjahr datirten Vorrede, dass die Eiriführung des Bu- 
ches in vielen Schulen zu Ostern 1866 bereits gesichert ist und somit eine 
neue Auflage voraussichtlich schon im nächsten Jahre erforderlich sein wird. 

Damit man aber sehen kann, wie weit die Schüler gefördert werden, so 
will ich zum Schluss im Interesse des Buches aus den letzten Lectionen 
einige französische Uebungssätze folgen lassen: 

§ 80. Je vous dois et je vous devrai tout mon bonlieur, meme celui qui 
nie vient des autres. Quand ^Mtais encore enfant, je concevais souvent des 
id^es qui furent approuv^es par mon p^re.* 

§81, Vous attendez en vain qu'on vous donne cette place , uü autre 
Ta d^jä reqae, Nous perdrions le goüt d*apprendre la langue fran^aise, si 
nous n'avions pas un si bon maitre. 

§ 82 und 8S. Ma m^re veut que nous finissons nos thämes jusqu^k six 
heures. — Le roi ordonna qu'on achetftt les chevaux nöcessaires pour )a 
cavalerie et qu^on vendtt ceux qui ^taient trop faibles. li faut que tu rd- 
pondes demam ä la lettre de ta cousine. — Nos amis veulent que nous 
chantions enseroble. — II est impossible que vous ayez oon^u un tel pro- 
jet. — Ma tante dösirerait que vous restassiez ici josqu'ii ce qu*elle soit gu^e. 

Berlin. Dr. Murct 



Dr. H. A. Manitius: Lehrbuch der englischen Sprache ftir den 
Schul-, Privat-, und Selbstunterricht. Nacn vereinfachter 
und leicht fasslicher Methode. Dritte, durchaus verbesserte 
Auflage. Dresden. Verlag Hon Gustav Dietze. 

In der von neuem abgedruckten Vorrede zur ersten Auflage erklärt sich 
der Verfasser ^egen Ahn^s Methode, weil dieser die Beispiele ohne Regel 
hinstelle. „Wed aber die Schüler früher oder später selbst in ihrer Mut- 
tersprache zu unterrichten seien, müssten sie sogleich (d. h. bei dem Erler- 
nen des Englischen) mit den ersten Grundsätzen der Sprache aui' eine ihrem 
Fassungsvermögen angemessene Weise vertraut gemacht werden. Dazu 
kommt, erörtert der Verfasser weiter, dass namentlich auf höheren Anstal- 
ten, wo keine alte Sprache getrieben wird, sich das Bedürfniss immer mehr 
herausstellt« die wissenschaftliche Bildung Her Zöglinge durch grimd« 



Beurtheilnngen und karze Anzeigen. SS9 

liehen Unterricht in neueren Sprachen zu fördern, da doch dieser nichts An- 
deres als angewandte Logik ist, wflche in dem Geiste des Schülers nur ent- 
wickelt zu werden braucht.'* 

Ich habe diese Stelle herausgehoben, um zu zeigen, welche Ansicht der 
Verfasser im Allgemeinen von der Art und Weise, eine Sprache zu lehren, 
habe. Sieht man von seiner seltsamen Auffassung des deutschen Unterrichts 
ab und fasst man nur den Sinn seiner Worte in^ Auge, so sollte man mei- 
nen, er werde in seinem Lebrbuche die Resultate wissenschaftlicher Behand- 
lung der englischen Sprache mit den durch den Unterricht bedingten Forderun- 
gen hinsichtlich der praktischen Gestaltung des Stoffes vereinigt geben. Wie 
es sich damit verhält, soll das Folgende zeigen. 

Auf Seite 1 — 8 wird die Aussprache mit Hülfe der Walker'schen Be- 
zifferung nebst den Acccntregeln gelehrt. Gut ist daran zweierlei, erstens^ 
dass Manitius eine allgemein gültige Bezeichnung der Aussprache angewandt; 
zweitens, dass er den als Beispiel dienenden Wörtern die deutsche Be- 
deutung hinzugefügt hat. Wie soll man sich aber die Benutzung dieses Ab- 
schnittes denken? Auf acht Seiten ist Aussprache der Vocale, der Digra-' 
pben (um mich dieses von Sheridan zuerst gebrauchten Namens zu bedie- 
nen), der Consonanten und die Lehre vom Accent zusammengedrängt, also 
ein Material , welches der Lernende erst allmählig im Verlauf des Unter- 
richts überwältigen kann. Wie soll nun der Jvehrer solche Zusammenstel- 
lung verwert hen? Soll er etwa das Ganze IZeile, für Zeile durchnehmen, oder 
soll er sich beliebig Einzelnes heraussuchen? Das Erstere ist geradezu un- 
annehmbar ; das Zweite, was wenigstens zunächst für die Vocale und für ge- 
wisse Consonanten geschehen muss, da die Einzelheiten ,über den Accent 
noch gar nicht in den Anfangsunterricht gehören, lässt uns einen Mangel 
der Anordnung des Lehrstoffs erkennen, der vielen englischen und franzö- 
irischen Schulgrammatiken gemeinsam ist. 'In solchen Büchern, welche me- 
thodisch in die Sprache einzuführen haben, muss zunächst nicht auf Voll- 
ständigkeit eines Abschnitt« gesehen, sondern ^geprüft werden, was der 
Lernende zuerst und am noth wendigsten zu wissen hat. Dieser Gesichts- 
punkt muss durch das ganze Buch hindurch massgebend sein, und sogar 
die Wahl von Vocabeln, Mus'terwörtern und Uebungssätzen beeinflussen. 
Was braucht ein Anfänger schon Wörter wie z. B. S. 7 : strappado, virago, 
declaimer, cassock, to rusticate u. dergl. zu lernen? So meine ich es auch 
mit der Aussprache. Erst lehre man die Vocale, an den dazu gebrauch- 
ten Paradigmata gleich darauf das Declinationsverhältniss, to have 
und tobe; dann ist bereits genug vorgearbeitet, um dem Schüler einfache 
Uebungssätze vorzuführen. Hierauf bespreche man die Consonanten in 
derselben Weise, d. h. mit Wörtern zur Verdeutlichung wie bei den Voca- 
len , nehme dann etwa das regelmässiß;e Verb , dessen Hinzunahme die An- 
wendung englischer und deutscher Uebungssätze schon weit leichter macht 
und eine grössere Mannigfaltigkeit des Inhalts ermöglicht; lasse sodann die 
Digraphen folgen und mache damit in Betreff der Untermischung des gram- 
matischen Lehrstoffs tind der zur Einübung der Aussprache dienenden Pa- 
ragraphen einen Abschluss. Während- von diesem Punkte an die eigentliche 
Aufgabe des Lehrbuchs, Formenlehre und Syntaktisches, allein weiter ge- 
führt wird, muss die Lehre von der Aussprache, wenn anders darin etwas 
Genügendes geleistet werden soll , womöglich eine^ selbständige Behandlung 
bis zu dem Ausgangspunkte des Unterrichts erfahren. Ich verweise in Bezug 
hierauf auf Band XXAVin, Heft 3 und 4 des Archivs, Seite 285, auf meinen 
Vortrag „Ueber die Nothwendigkelt, beim Unterricht im Englischen die 
Lehre von der Aussprache als einen besondem Zweig des Lehrstoffs zu 
behandeln u. s. w. 

Seite 10 folgt nun bei Manitius Bechtschreibung , Silbenabtheilun^ , In- 
terpunktion, über eine Seite Gebrauch des Apostrophs in Fällen wie ga' 



380 Beartheilungen and kurze Anzeigen. 

statt gave, PTe, tho* a. dergl. — genog, lauter Dinge, die kein Mensch mit 
einem Anfänger durchnimmt. 

Offenbar ist es auch nicht die Meinung des Verfassers , dass- man sein 
Buch in der von ihm aufgestellt<*n Reihenfolge benutze. Das ganze Buch 
ist so geordnet, dass derjenige, weicher nach demselben unterrichtet, ad li- 
bitum auswählen mag. Jede Seite zeigt dies. £s ist eine von den Gram- 
matiken, welche den Stoff^nach den Wörterklassen behandeln, mit dem Ar- 
tikel beginnen, mit der Interjection aufhören. Zur Einübung der Formen- 
lehre und zu den einzelnen Regeln sind Seite für Seite englische und deutsche 
Uebungsabschnitte eingelegt, und die dazu gehörigen Vocabeln vorange- 
stellt. Den Schluss bildet ein Anhnng über den englischen Versbau (sechs 
Seiten) Uebungen zum Uebersetzen aus dem Englischen in*s Deutsche, Dia- 
logues. Letters, Miscellaneous Pieccs 06 Seiten) nebst etwa sechs Seiten 
mit Gedichten. Auf den letzten zehn Seiten stehen noch einige zusammen- 
hängende Stücke zum Uebersetzen aus dem Deutschen in's Englische. 

Die Vertheilung des Lehrstoffs nach den Wörterklassen, wobei der Ver- 
fasser immer zunächst Jas Nöthige aus der Formenlehre und dann das Syn- 
taktische zusammenstellt, führt den Uebelstand mit sich^ dass bei den iJe- 
bungsstückcn alles noch nieht Besprochene , z.B. vor Absolvirung des 
Verbs und des Pronomens, fast in jedem Satze Verbal- und Pronominal for- 
men als Vocabeln beigegeben werden müssen. Diese Art der Anordnung 
für den Gebrauch beim Unterricht für Schüler, welche erst in die Rennt- 
niss einer fremden Sprache eingeführt werden sgjlen, ist entschieden man- 
gelhafl und veraltet. Das ganze Wesen des Buches von Manitius erinnert 
daher sehr an die älteren französischen Scbulgrammatiken, z. B. an die Uir- 
zel's, wiewohl dieser, was Fassung der Regeln betrifft ,gklarer und schärfer 
ist. Wie unangemessen eine derartige Behandlung des, rammatischen Lehr- 
stoffs ist, fallt in die Augen, wenn man z. H. Seite 97 nachdem der Schü- 
ler bereits 96 Seiten Uebun^saufgaben über die abweichende Anwendung 
oder W^eglassung des Artikels, über das Geschlecht der 8ubstantiva, über 
alle Arten der 2!ahlwörter u. s. w. durchübersetzt hat, to have und zur Ein- 
übung desselben vier lange Abschnitte findet. Ebenso ist es gleich von 
Seite 100 an mit to be und to praise. Nimmt man die ausführliche Ein- 
übung der unregelmässigen Verben, welche sich auf vierzig Seiten er- 
streckt, hinzu, so erkennt man, dass es mehr in der Absicht des Verfassers 
lag, durch Fülle von Uebungsaufgaben die englischen Lchrstunden auszufül- 
len, als eine concise Auswahl des Grammatischen zu geben. 

Ueberhaupt halte ich die U eher füll ung grammatischer Lehrbücher mit 
Uebersetzungsbeispielen fiir falsch. Einen Schüler durch so viele Uebungs- 
aufgaben mit zum Theil recht langweiligen, nichtssagenden Sätzen von 
Stunde zu Stunde hindurchzuscbleppen, bnngt Einförmigkeit des Unterrichts 
und Abstumpfung des Schülers hervor. Wenn nichtsdestoweniger gerade 
solche Lehrbücher, welche t^uf jeder Seite zu jeder Einzelheit Uebersetzungs- 
material bieten, bei einer Anzahl von Führern Anklang finden, so erklärt 
sich dies aus der Bequemlichkeit, welche dadurch dem Lehrer gewährt wird. 
Üeber die wenigen BJegeln wird schnell hinweggegangen, die Hauptsache ist 
ja die Einübung durch die Sätze; damit gestaltet sich der Verlauf der Lehr- 
stunde gemüthlich; viel zu denken bleibt für Lehrer und Schüler nicht, da 
alles Nöthige an Vocabeln und Formen vor oder hinter den Uebungstücken 
steht, die deutsche Wortfolge womöglich der englischen accommodirt ist, wie 
bei Plate, z. B. Theil I, S. G3 der sechsten Auflajre: Meine Mutter wollte backen 
Brot gestern, aber sie konnte nicht erhalten Mehl — oder bei Plötz, Cur- 
sus II, durch beigesetzte Ziffern. Und so wickelt sich Stunde für Stunde in 
derselben eintönigen Weise ab. Für ein solches Verfahren ist nun das Lehr- 
buch von Manitius angelegt. Zur Vertheidigung und Begründung pflegt be- 
hauptet zu werden, der Schüler müsse unausgesetzt Uebung im Lesen und 
Uebersetzen des Englischen and im Uebertragen des Deatsdien in die fremde 



Beartheilungen nnd kurze Anzeigen. 831 

Sprache heben. Ganz richtig. Aber diese fortwährende Uebang darf nicht 
darin bestehen, dass man ihn Jahre lang mit englischen und deutschen ein- 
zelnen' Sätzen abspeist. Das muas auf die Dauer ermüden und in dem 
Schüler Trägheit des Denkens und Langeweile hervorrufen, zumal wenn, 
wie in der Arbeit Ton Manitius, ein grosser Theil solcher Uebungssätze den 
nüchternsten Inhalt bietet. Ich musd die Aeusserung von Schmitz wieder- 
holen: «Einzelne Sätze machen auf die Dauer kdn GUück beim Unterricht,*^ 
— eine Ansicht, der man beipflichten muss. 

Wie verhält es sich nun aber mit der Anwendung von Uebungssätzen? 

Man muss sich klar machen, welche Ausdehnung man denselben 
einzuräumen habe; bis zu welcher Stufe des Unterrichts davon Gebrauch zu 
machen sei; welche Abschnitte der Formenlehre und der Syntax der Hinzn- 
nahme von Uebungsbeispielen bedürfen. 

Um darüber zur Klarheit zu gelangen, hat man davon auszugehen, dass 
der Anfänger derselben mehr bedarf als der Geübtere; femer, dass es vor 
allen Dingen darauf ankommt, festzusetzen, was von dem grammatischen 
LehrstoffTiir den Anfänger als das Nothwendigste und Unentbehrlichste vorweg 
zu nehmen sei. Um nicht zu sehr in's Einzelne zu gehen, begnüge ich 
mich mit der Annahme, dass die Auswahl, welche Fölsing nnd Schmitz 
in ihren Element arbücheni , getreuen haben, etwa als eine zulässige Umgren- 
zung desjenigen Lehrstoffs, mit welchem der Schüler zuerst bekannt gemacht 
weitlen muss, angesehen werden kann. Bei einer solchen Sonderung des 
Materials aberstellt sich von vornherein dieEintheilung nach den Wör- 
ter klassen, wie sie das ganze Buch von Manitius durchzieht, als unstatt- 
haft heraus. Was nun den Hauptpunkt, um den es sich eben handelt, die 
Anwendung von Uebunffssätzen, betrif!l, so ist für die Formenlehre der Um- 
fang des m Fölsing s Buch Enthaltenen ausreichend. Denken wir uns 
dann den Schüler auf einer zweiten Lehrstufe, wo er hinreichend vorberei- 
tet ist, um das Erforderliche aus der Syntax zu lernen, so erscheint eswün- 
flchenswerth, dass für gewisse Partien der Syntax, z. B. für eigenthümliche 
Rection der Verben mit of, from. to, in u. derj^l. ; für den Gebrauch des 
Particips in Fällen wie: I prefer Walking, für die schwierige Uebersetzung 
des Verbs lassen und anaere Sachgp, die einer besondern Einübung be- 
dürfen, einzelne Sätze in englischen und deutschen Uebungsabschnitten 
dem Lehrer zu Gebote stehen. Unnöthig aber ist es z. B., wie es bei Ma- 
nitius geschieht, das Declinationsverhältniss der Eigennamen, die defective 
verbs, den mit dem Deutschen übereinstimmenden Gebrauch der einzelnen 
Tempora des Verbums, den Infinitiv mit to, den Indicativ u. dergl. mehr 
durch lange Uehungsaufgaben hindurchzuwinden. 

Die Vertheidiger der vielen Uebungssätze kommen immer auf die Be- 
hauptung zurück, dass sie den Lernenden unablässig im Lesen und Ueber- 
setzen geübt wissen wollen. Dieser Ansicht bin ich auch, aber mit 
anderer Auffassung. Nicht mit einzelnen Sätzen beschäftige man un- 
nöthig lange den Schüler, sondern benutze dieselben nur zur Einübung des 
nöthigen grammatischen Stoffes. Dagegen, sobald man den ersten Grund 
gelegt hat, sobald Declination und Conjugation gelernt sind, gehe man zur 
Leetüre zusammenhängender Lesestücke über. An passenden 
Büchern für den ersten Unterricht fehlt es nicht; als besonders empfehlens- 
werth nenne ich dazu das Rearlioff Book von Westley. Leipzig. 1860. 
Auf Leetüre also richte man ein besonderes Augenmerk, theile die Stun- 
den möglichst bald in p'ammatische und Leetürestunden, dränge allmählig 
den Schwerpunkt des Unterrichts von den einzelnen Sätzen fort zur Leetüre, 
sowie andererseits zur Uebersetzung zusammenhängender Stücke aus dem 
Deutschen in*s Englische: mit einem Wort, man beschränke die Zahl der 
Uebtfngsaufgaben mit einzelnen Sätzen auf das nöthige Mass, und erreiche 
durch sorgfiüti^ controllirende Einübung des geringeren Quantums die 
eTfovderliche Sicherheit in der Anwendung der Formenlehre und desSyntak« 



888 Beartheilungeq and karse Anzeigen. 

tischen. Lectüre und Exerdtien, namentlich aber eine solche Behandlung 
der I^ecttire, da» daraus mit oder ohne Hinzanahme des grammatischen 
Lehrbuchs eine Bereicherung - nicht bloss des lexikalischen, sondern 
anch des grammatischen Wissens der Schüler hervorgeht, wird dann 
zu einer besseren und gründlicheren Kenntniss der Sprache Tcrbelffen, wird 
Lehrer and Lernende gespannter erhalten, und die geistige Thätigkeit Bei- 
der in weit geeigneter Weise in Anspruch nehmen, als das ewige Einerler 
der einzelnen Sütze. 

Nach diesen Grundsätzen scheint mir das Lehrbach des Dr. Manitias 
zu gedehnt, die Anordnung nach den Wörterklassen upgeeiffnet. 

Was die Fassung der Reeeln betrifft, so vermisst man darin, wie «ber- 
haupt in den Erklärungen bei Manitias« philologische Schärfe. Es ist eigen- 
thümlich, dass der Verfasser nicht, Bücher, wie z. B. das Ton Schmitz, zur 
Vergleichung benutzt hat , um bei Aufstellung von Regein und Angabe von 
Unterschieden sicherer zu gehen. Einen unnöthigen Raum nehmen die Er- 
klänmgen von Wörterklassen ein; wer englisch lernt, braucht nicht erst in 
seiner englischen Grammatik zu erfahren, was ein Substantiv ist. Alle solche 
Dinge lassen das Lehrbuch von Manitias als eine Arbeit erscheinen, welche 
keinen Fortschritt in der Schul-Litteratur bezeichnet. Es lasst sich daher 
nicht für den Unterricht empfehlen. Wenn überhaupt solche Bücher^ noch 
Verwendung finden, so'^ist der Grund davon anter anderm der, dass in den 
neueren Sprachen eine Menge von Personen unterrichten, die, ohne philo- 
logische Vorbildung, gern nach Lehrbüchern greifen, die ihnen eine bequeme 
Ai»fullung der Lehrstunde ermöglichen. Namentlich Engländer und Eng- 
länderinnen, die in Deutschland unterrichten, oft ohne des Deutschen in er- 
forderlichem Grade mächtig zu sein, greifen in ihrer Noth nach solchen 
Büchern, an welchen sie dann ihren Unterricht abwickeln. Für Schalen 
aber, besonders für höhere Lehranstalten, von welchen der Verfasser in der 
Vorrede spricht, ei'füllt das Buch nicht das, was ich zu Anfang dieser Be- 
sprechung aus dem Vorworte« aufgenommen hatte: es dient nicht zur wis- 
senschaftlichen Förderang des Schülers. 

Berlin. Alb. Benecke. 



Dr. H. A. Manitius: Grammatisch -praktischer Lehrgang der 
englischen Sprache zu deren möglichet leichter, schneller 
und griindlidier Erlernung. Für den ersten Anfang in 
Schulen und änderen ßildungsanstalten, sowie zum Privat* 
unterrichte. Eine Vorschule zu des Verfassers Lehrbuch 
der englischen Sprache. Zweite, sorgfältig verbesserte Auf- 
lage. Dresden. Verlag von G. Dietze. 

Dass der Verfasser die Erfahrung gemacht, hat, dass sein grösseres Lehr- 
bach der englischen Sprache, wie er selber andeutet, einem späteren and 
letzten Lchrcurse vorbehalten bleiben müsse, mit andern Worten, dass es 
sich zur Einführung in die englische Sprache nicht recht eignet » beweist 
das Erscheinen des jetzt zu beurtheilenden Buohes. Dasselbe kann als ein 
Auszug aus des Verfassers grösserem Lehrgänge angesehen werden und 
verdankt seine Entstehung angenscheinlich dem Umstände, dass Dr. Mani- 
tius auf die zu grosse Dehnung und Weitschweifigkeit seines grösseren Lehr- 
ganges aufmerksam geworden ist. 

Die Einrichtung ist wie in dem ^össeren Buche. Zuerst ist auf neun 
Seiten die Aassprache aufgeführt-, wobei S. 2 das Wort doli falsch mit langem o 



BeartheiluDgen und kurse Anseigeib S3S 

steht, S. 5 weiches g und j in herkömmlicher Webe schlecht durch dach 
erklärt ist. Ungenügend ist die Angabe über th auf S. 6. Statt sn sagen, 
wie th lautet, hätte gesagt werden müssen, wie man es ansufangen hat, um 
es henrorznbringen: eine Angabe, welche man in vielen Lehrbüchern ver- 
Dachlässifft findet. Dann sind von Seite 11 an die einzelnen Wörterklassen, 
Artikel, Substantiv, Adjectiv, Zahlwort, Pronomen, Verbum u. s. w. mit den 
nötbigen Musterwörtern, Declinations- und Conjuffationatabellen und sonsti* 
^em Apparat an Regeln der Reibe nach vorgeführt, und jede Seite, hinter 
jedem Abschnitt, mit englischen und deutschen Uebungsstücken und dem 
dazu gehörigen Vocabelvorrath versehen. Trat schon bei dem grösseren 
Lehrgange die Unangemessenbeit jener Keiheni'olge störend hervor, so ist 
es bei diesem Buche» welches nach des Verfassers Worten für den «ersten 
Anfang** geschrieben bt, noch weit mehr der Fall. Einen Schüler erst 50 
Seiten mit 70 Uebungssbschnitten lernen und übersetzen zu lassen, und ihm 
dann to have in etwa 22 neuen derartigen Abschnitten, und dahinter in 
gleicher Weise to be und to hope vorzuführen, heiss^ eine unrichtige Auf- 
lassung der Art und Weise haben, wie man den Lehrstoff für die ersten 
Lehrstunden zu vertheilen hat. Man kann es nicht oft senug wiederho- 
len: Declinations- und Conjug^tionsverhaltniss muss im Englischen zuerst 
gelehrt, to have« to be, to hope gleich nach dem Wenigen, was von der De- 
clination zu lernen ist, dem Gedächtniss ein^prägt werden. Sobald der 
Schüler damit fertig ist, lässt sich das Uebnge, was von dem Grammati- 
schen besonders notbwendig erscheint, leicht zusammenstellen. Als Bestim- 
mungsgrund für die Auswahl und Auieinanderfolge des grammatischen Lehr- 
stojßs diene die Kücksicbt auf dasjenige, was Jemand bereits wissen muss, 
um Leetüre leichter, zusammenbangen diT Lesestücke anzufangen. Wenn ich 
aber Jemand erst Bruch-, Wiederbolungs- , Vervieifältigungs-, Sammelzah- 
len, eigentbümliche Zeitangaben (ich führe die vom Verfasser gewi&hlten Be- 
nennungen au) und dergl. lernen lasse, und ihn dann erst mit to have und 
, to be bekannt mache: so heisst das, Jemand mit den Fingern essen lassen 
and ihm erst gegen Ende der Mahlzeit Messer und Gabel reichen. 

Abgesehen von der Reihenfolge des Lehrstoffs, die eine andere sein 
muss, ist auch die Auswahl desjenigen, was der Anfäi\ger zur Einführung in 
das Englische gebraucht, meiner Ansicht nach verfehlt. Es ist zu viel auf- 
genoounen. Ueberflüssie bt für den Anfang S. 26, Nr. 8: über Eigen- 
thümlicbkeiten der Plurdbildung, S. 28: Singularia tantum, S. 29: Substan- 
tiva mit verschiedener Bedeutung im Singular und Plural; S. 82: Bildung 
des weiblichen Geschlechts in Fällen wie author und authoress. S. 42 die 
oben erwähnten Zahlwörter > femer die Beispiele über den Conjunctiv 
S. 64 und ap andern Stellen, und manches Andere, was der Anfänger noch 
nicht zu lernen braucht. Ein besonders bequemes Mittel, den 8toff der 
Lehrbücher dieser Art in die Länge zu ziehen, bt die Einübung der unre- 

felmässigen Verba mit englbchen und deutschen Uebungsaufgaben. So aucb. 
ier S. 96 — 120. Ich will die Frage offen lassen, ob man zur Einübung 
der unregelmässigen Verba halbe Jahre lang nur Uebungen darüber im Eng- 
lischen und Französischen durchübersetzen lassen muss. Doch kann ich 
aus eigener Erfahrung beim Unterricht versichern, dass sorgfältiges Memo- 
rlren der abweichenden Formen der unregelmässigen Verba, etwa in der 
Art, dass man von Stunde zu Stunde auf der I^hrslufe, in welche das Er- 
lernen dieser Zeitwörter gehört, eine gewisse Anzahl derselben aufsahen 
lässt; femer die Beachtunjr derselben bei der Leetüre, so dass man bei 
einzelnen vorkommenden Verben sich durch Fragen vergewissert, ob die 
Schüler noch diese Formen inne haben; endlich die Anwendung derselben 
beim mündlichen und schriftlichen Gebrauche dieselben und bessere 
Dienste tbnt, als jene langausgesponnene Einübung. Die Masse des über- 
setzten Materials schafil nicht die -Kenntniss in den Schüler hinein; nach 
vorausgegangenem Auswendiglernen bei jeder passenden Gelegenheit, also 



• 
334 Beartheilungen und kurze Anzeigen. 

Torzüglich i|i der Leetüre, auf die früher im Zusammenhuige gelernten Ver- 
balformen zurückkommen und sich immer von neuem überzeugen, wie es 
mit dem Behaltenhaben und der sicheren Aneignung solcher Formen steht, 
bewirkt eine genauere und selbstbewusstere Kenntniss darin, als ein Durch- 
übersetzen Tider Uebnngssätze. Doch, wie gesagt, ich lasse diesen Punkt 
dahingestellt: nur spreche ich mich dahin aus, &b8 man die Einübung der 
unregelmässigen Verba nicht zum Gegenstand des Unterrichts voller Semester 
mache, wozu die Men^e der Uebnngsaufgaben bei Manitius, ähnlich wie bei 
Plötz, und die Gemädilichkeit, mit der sich bei Benutzung eines solchen 
sehr bequem zurechtgemachten Uebersetzungsstofies die Lehrstanden geben 
lassen, sehr leicht verlockt. 

Im Vorworte sag^ Manitius: ^Die zur Einübung der Sprachelemente ee- 

f ebenen 'Aufgaben sind durchgängig in leicht verständlicher, edier 
Umgangssprache verfasst.** Beispiele dieser edlen Diction: Friedrich ist ein 
plump» Mensch, er hat mich mehrere Male auf den Fuss getreten. — Tre- 
tet der Katze nicht auf den Schwanz. — Anton hat oft Träume von Afien 
und Katzen. — Man sagt, dass die Deutsehen viele Cigarren rauchen. — 
Wir würden uns die Hände waschen, wenn sie schmutzig wären. — Wenn 
gebt die Sonne jetzt auf? Die Querpfeifen der Soldaten sind nicht immer 
gut. — Diese Gräfinnen haben kostbare Muffe. — Diese Frauen haben 
grosse Füsse. — Diese Franzosin hat schwarze Oberzähne. 

In der Vorrede zur zweiten Auflage sagt Manitius: „Vorliegender Lehr- 
gang ... ist von jedem Druckfehler auTs sorgfältigste und 
durchweg rein hergestellt worden." 

Druckfehler in der Aussprachebezeichnung finden sich bei folgenden 
Wörtern : housedoor, housemaid, writes, prince, resenibles, chocolate, brauch, 
knife, some, chief, Japanese, remarkable, ezpence, advice, stallion, husband,^ 
friar, renowned, market, islanil, July, powerful, watch. Druckfehler in der 
Bezeichnung der Aussprache sind schlimmer, als wenn ein deutsches oder 
englisches Wort einmal falsch gedruckt ist. 

Als Anbang enthält das Lehrbuch von Manitius kleinere ErzUhlun^n, 
Beschreibungen, Gespräche, Briefe, poetische Stücke, hn Ganzen 35 Seiten. 
Ein solches Material lum Uebersetzen, resp. Memoriren ist für Elementar- 
bücher recht wünschenswerth, da es dem Lehrer angenehm sein muss, sol- 
chen Lehrstoff gleich zur Verfügung zu haben. Die Auswahl der betreffen- 
den Stücke ist recht gut Praktisch ist dabei auch, dass diesem Anhange 
ebenfalls die Vocabeln beigegeben sind, da Schüler auf der ersten Lehr- 
stnfe, auf der ihnen das Englische noch so fremd und wegen der Aussprache 
so schwierig entgegentritt, ohne eigenes Aufsuchen im Wörterbuche den er- 
forderlichen Wörtervorrath erhalten müssen In dieser Beziehung und, 
was mit Anerkennung hervorzuheben ist, darin, dass Manitius sich der ver- 
brettetsten Aussprachebezeichnung (der Walker'schen) bedient hat, zeichnet 
sich seine Arbeit vor vielen andern aus, welche den Schüler nur auf dsm 
Vorsprechen des Lehrers anweisen und ihn nicht in den Stand setzen, sich 
selbständig im Dictionär die Aussprache eines Wortes aufzusuchen. 

Berlin. Alb. Be necke. 



Pro grammenschau. 



# _ 

Zwei Abschnitte aus dem neuen Grundlehrplan. Im Programm 
des Gymnasiums zu Frankfurt a. O. 1866. 

Das ProfiTamm enthalt den genauen Lehrplan für den deaischen und 
lateinischen Unterricht am Frankfurter Gymnasium. Beide Pläne zeugen 
von gründlicher Erwägung der Gegenstände und praktischem Talent und 
verdienen die Beachtung aller Fachlehrer. Der Stoff ist nach den Classen 
abgetheilt. Als Einzelheiten seien hier hervorgehoben: In allen Classen ist 
im Deutschen das Lesebuch von Hopf und Paulsiek eingeführt. In Sexta 
Einübung der Satzlehre am besten beim Uebersetzen aus dem Lateinischen 
in's Deutsche und umgekehrt. Als schriftliche Uebungen nur ein orthogra- 
phisches Dictat, ebenso auch in Quinta. In Quarta Abschluss der Satzlehre ; 
schrifUiche Uebungen zunächst nur Wiedergabe von Erlebtem und Gele- 
senem, besonders Gescbichtlichcs. In Tertia B Zergliederung längerer Pe- 
rioden, die Lehre von der starken und schwachen Flexion, Tom Umlaut, 
Ablaut u. s. w., besonders def mündliche Ausdruck bei den Uebersetzungen 
zu bilden. In Tertia A Ueberblick über die Stilgattungen im Anschluss an 
die Leetüre; scfiriftlich Entwicklung der Gedanken nach gegebenen Gesichts- 
punkten ; Fabel, Erzählung, Schein. In Secunda B Elemente der mittelhoch- 
deutsehen Grammatik und als Classenlectüre mittelhochdeutsche Gedichte, 
als Privatlectüre epische Gedichte des 18: Jahrb., Ijessing's Minna von Bam- 
helm und Emilie Gaiotti ; Eiinleitungen in die epischen Gediente des Mittelalters ; 
freie Vorträge über literarhistorische und historische Themata; schriftliche 
Arbeiten über möglichst concrete Gegenstände, jedes Thema Torher bespro- 
chen und disponiert, in Secunda A Lyriker des Mittelalters als Classenlectüre 
als Privatlectüre Klopstock's, Schillers, Goethe's lyrische und episch-lyrische 
Gedichte, Schiller^s Dramen ; literaturgeschichtlich Lyrik des Mittelalters. In 
Prima 2 St. 1 Semester aristotelische Logik, Einzelnes aus der Psychologie bei 
den Aufsätzen oder der Leetüre; die bedeutendsten Dramen von Goethe 
und die wichtigeren Abhandlungen Ton Schilter und Goethe als Privatlec- 
türe; Literaturgeschichte 1. Semester: Luther bis zum Hainbund; 2. Sem.^ 
preussiscfae Dichter, Lessing, Wieland, Herder; 8. Sem. Schiller und Goethe. 



Leeaing's Laokoon als Leetüre in Prima auf Gymnasium und 
Realschule von Dr. £ i s e 1 e n. Im Programm der Realschule 
zu Wittstock. 1866. 22 S. 4. 

Die Abhandlung hat den Zweck, an der Behandlung des Laokoon zu 
zeigen, welche fruchtbare Belehrung, welche treffliche geistige Uebung sich 



336 Programmenschau. 

an demselben für die Schule gewinnen lässt. Soll die Schale folgerichtig 
denken and in einfacher Form die Gedanken ausdrücken lehren, so sind 
dazu besonders die Abhandlungen LessingV, namentlich der Laokoon braach- 
bar. Wie er ihn gebraucht hat, zeigt der Verf. ausführlich, wie man in der 
Schrift selbst nadsehen mag. Die Behandking ist sehr genau und ffewiss 
das geistige Leben der Schiller zu fordern ^ehr geeignet; einige yona»' 
Setzungen sind dabei allerdings gemacht, die sich wohl nicht überall werden 
befriedigen lassen. 



Ueber die Berechtigung des Idealeif in der Kunst» von Dr. Fr. 
Braun. Programm des Gymnasiums zu Rinteln. 1865. 
42 S. 8. 

Die Abhandlung gibt mehr als der Titel verheisst; erst nachdem der 
Begriff des Idealen ausführlich behandelt und die Erscheinung desselben in 
der Kunst nachgewiesen ist, wird die Berechtigung bewiesen. Mit Recht 
wendet sich der Verf. gegen die heutige übergrosse Hervorhebung des rea- 
listischen Elements. Er handelt also, wie bemerkt« zuerst vom Idealen. 
Das Iileale ist zunächst etwas in seiner Allgemeinheit noch Unbestimmtesi 
das noch prädicat lose Substantielle des Ideal«. Es stellt sich aber dar als 
ein Lebendiges, als eine Thütigkeiti <lie im einbeitlichen Organismus unseres 
Geistes aprioristisch liegt, nähtr bestimmt durch ihr Objekt. Die das Ideal 
hervorbringende Thatigkeit des Greistes nennen wir die idealisiei'cnde. Sie 
findet sich aber nicht in jedem Geist. Nicht das Subjekt noch das Objekt 
bringt sie hervor. Genie und Talent sind eine besondre, einen bestimmten 
Zweck involvierende Disposition Gottes in der nrenschlichen Seele, ähnlich 
wie die Thätigkeit des Gewissens eine in die Seele reichende Oflfenbarungs- 
form des Göttlichen ist. Das Ideal nun ist das Produkt der idealisierenden 
Thätigkeit des Geistes und des Objekts, auf welches diese gerichtet ist. 
Im Ideal in unserer Vorstellung sehen * wir den Stoff nicht mehr in seiner 
Unmittelbarkeit, sondern von der idealisierenden Thätigkeit des Gei^s ver- 
arbeitet. Das Phantasiebild muss stets seine Analogie in der objektiven 
Welt finden und zieht aus ihr seine Nahrung, das Ideale aber schöpft seinen 
substantiellen Gehalt aus höheren, durch die Offenbarung uns zugekommenen 
Begriffei^i den Ideen und verarbeitet nach derselben das Objekt. Ohne 
echt religiösen Fond and Gehalt gibt es keine Idealität ; nur sie erhebt und 
befriedigt. 2) Das Ideale findet sich wirklich in den Werken der Kunst 
und zwar a) in der Architektur. Der griechische Tempel entspricht voll- 
kommen dem Gesetz der Schönheit und dabei bleibt für den Gedanken noch 
so viel übrig, dass die Form von diesem durchdrungen erscheint; der Grieche 
fand hier den ihn befriedigenden Ausdruck seiner Beligion ; wir aber, da wir 
mit unsem religiösen Ideen uns zu denen der Griechen in vollständigem 
Widerspruch finden, messen ihm nur eine negative Idealität bei, uns befre- 
digt vom religiösen Standpunkt der eothische Dom; b) in der Sculptur. 
Wir wählen die Laokoonsgruppe, wir nahen Laokoon als Priester und Pa- 
trioten uns vorzustellen, daüurch ist sein Kampf ein tragischer; aber er 
denkt nicht an seine Rettung, sondern nur an die Söhne, deshalb unterdrückt 
er seinen eigenen Schmerz, und zugleich ist der Schmerz idesJisiert durch 
die geisUee liemeisterung, welche in dem Gedanken ihren Grund hat, dass 
das Unheu eine göttliche Schickung sei, der gegenüber er sich seiner Pflicht 
bewusst ist; c) in der Malerei, hier vor Allem in RaphaePs Madonnen und 
Äer Magdalena Murillo*s; d) in der Musik. Dss ideale (lefühl sowie der 
daraus entspringende Gedanke ist das eigentliche Wesen der Musik. Das 



Programmenschan. 8S7 

Ideale erscheint Torzugsweise in der Kircbenmasik, indem der Choral dio 
Wahrheit der christlichen Religion in der Form der Töne ist, dann in der 
weltlichen Musik in vielen Volksmelodieen ; e) in ' der Poesie. Auf dem 
Boden des classischen Alterthums gibt es gar kein absolutes Ideal, aber ein 
relatiy Ideales ist die Antigone des Sophokles, Hektor's Abschied bei Homer 
u. A. Ganz im Stil des Idealen ist Klopstock*s Messias gehalten, aber nicht 
realistisch genug. In Goethe's Gedichten tritt die ideale Seite der Poesie 
besonders m der Iphigenie hervor. Der idealste unter den deutschen Dich- 
tem ist Schiller. Im Teil z. B. tritt Idealität am meisten im Charakter und 
im Handeln der Bertha hervor. In der romantischen Schule ist das Ideale 
nicht selten zum Idealistischen verzerrt und aus dieser Richtung gingen die 
dämonischen und phantastischen Nachtgebilde der Poesie hervor, die eine 
krankhafte Erscheinung der Dichtkunst sind 3) Die Argumente von der 
Berechtigung des Idealen in der Kunst, a) Was in der Kunst darstellbar 
isti hat auch eine gewisse berechligung zur Darstellung, folglich auch das 
darstellbare Ideale, da weder aus der Natur des Idealen noch aus den For- 
derungen des Lebens sich Gründe dagegen auffinden lassen, b) Das Ideale 
findet sich in den Kunstwerken verschiedener Zeiten c) Der Begriff der 
Konst besteht grade in der adäquaten Darstellung der höchsten von sitt- 
lichen und religiösen Ideen getragenen Begriffe, d) Nach dem Organismus 
der menschlichen Seele erregt die idealisierte Darstellung der Natur die 
höchste Befriedigung, e) Die ideale Schönheit afBciert mehr als die Schön- 
heit der Form unsere äsüietische Anschauung, f) Wenn für das künstlerisch 
schaffende Individuum als Mensch die sittlichen und religiösen Grundsätze 
des Christenthnms gelten, so nicht minder für dasselbe als Künstler. 



Ueber den Begriff des Tragischen. , Vom ord. Lehrer Dr. Ar- 
thur Jung. Programm des Gymnasiums zu Inowraclaw. 
1866. 14 S. 4. 

Die Philosophie, sagt der Verf., ist das Nachdenken über den Tod. 
Wir gelangen zu dem Lichte« welches uns den To<I als Versöhner und 
Vollender, nicht als Zerstörer darstellt, wenn wir den Begriff des Tragischen 
betrachten. Dieselbe erscheint uns im Leben, ist zweitens Gegenstand der 
Kunst, drittens Weltbetrachtung. Traurig ist, was in irgend einer Form 
suf den^8tillstand der Lebensbewegung hindeutet; was traurig ist, wird wie- 
der froh. Das Tragische aber deutet auf etwas Bleibendes, L nah wendbares. 
Im Leben selbst ist schon etwas Traffisches, dahin gehören die Verwandt- 
schaft des Lebens mit| dem Tode, die Kurzsichtigkeit des menschlichen Ver- 
standes in Bezug auf tägliche Begegnisse, Abhängigkeit von den Leiden- 
schaften u. a. & gibt bei gewissen rersonen eine Frädestination zum Tra- 
gischen. Kbenso machen einzelne Perioden der Geschichte einen vorwiegend 
tragischen Eindruck, so der Untergang der alten Welt', die Reformation. 
Das Tragische im Leben tritt namentüch im Leben grosser Männer ent- 
eeeen , die ganzen Jahrhunderten eine neue Richtung geben sollen ; ihr 
Leoen ist ein steter Kampf, sei es in ihrem eigenen Innern bis zur Läute- 
rong der sie begeisternden Ideen, sei es gegen die äussere Welt. Am klar- 
sten erscheint &a Tragische in der Kunst. 8o fi;ewi88 uns das wechselvolle 
Leben interessirt, so gewiss sein Bild, die Tragöaie, welche eben das Ringen 
des Menschen nach dem Vollkommenen darstellt. Dies Ringen zeigt sich 
zunächst in grosser Thätigkeit, dann in der Fähigkeit zum Leiden. Sehen 
wir nun den Unschuldigen leiden, so muss die Tugend etwas von dem Lei- 
den Unbertihrbarea sein nnd des äussern Lebens nicht bedürfen. Das Al- 
ArcUy f. n. 8praGh«ii. XXXIX. '22 



888 Programmenschau. 

teriham trennte nicht das Sabjekt und das Objekt, dort erschien der Mensch 
als ein verschwindend kleiner Punkt dem allgewaltigen Schicksal gegenüber; 
wir reflectieren mehr, wir haben einen tiefem Einblick in das Gemiith des 
Menschen gewonnen. Das Kennzeichen der neuem Tragödie ist besonders 
der Kampf des freien Willens mit dem Schicksal, welches nicht mehr in 
weiter Ferne liefft, sondern die Gesellschaft in ihren verschiedenen Formen 
ist. Das Tragische gewährt ein besonderes Vergnügen, weil beim Anschauen 
eines Trauerspiels das ganze geistige Vermögen in ein freies Spiel der 
Kräfte versetzt wird; aber den erregten Sturm der (j^fühlo muss der Dich- 
ter auch beschwören. Dies geschieht dadurch, dass die dem Menschen vor- 
schwebenden Ideen der sittlichen Vollkommenheit nach wie vor unveränder- 
lich bleiben. So kommt uns der Tod nicht mehr als schrecklich vor, er 
hat keinen Theil an dem Vollkommenen in den Menschen, welche wir ihn 
so eben haben erleiden sehen ; somit bedeutet er nur den letzten Läuterungs- 
process, den jeder Mensch durchzumachen hat, um in das Ewiffe, Göttliche 
aufgenommen zu werden. Die unver tilgbar in dem Menschen lebejude Idee 
einer ewigen Gerechtigkeit fordert es, dass der Tod als eine allgemeine 
Schuldforderung aufgefasst wird, die jeder Sterbliche zu zahlen hat. 



Zusammenstellung der Fremdwörter des Alt- und Mittelhöch- 
deutschen nach sachlichen Kategorien. Vom Oberlehrer 
Wilh. Wcndler. Programm des Gymnasiums zu Zwickau. 
1565. 34 S. 4. 

Das höchst verdienstliche Programm ist ein Beitrag zur Etymologie. 
Die Vorarbeiten sind mit grossem (leiss und Urtheil benutzt, manche neue 
Etymologie zugefügt. Die Kategorien sind 1) Kirche, 2) Staat, a) Frieden: 
Rechtsverhältnisse, Fürst und Hof, Münzen u. s. w., Handel und Handwerk, 
Schreiben, Schiffahrt, b) Krieg, 3) Kunst und Wissenschaft, 4) Privatleben, 
mit zahlreichen Unteralbthellungen. Die Fülle des Stoffes zeigt recht deut- 
lich den ausserordentlichen Emfluss des Romanenthums auf das Deutsche, 
und aus diesem Einfluss auf die Sprache kann man sich leicht culturgeschicht- 
liche Schlüsse ziehen. Am verwandtesten ist EbeFs Abhandlung über die 
Lehnwörter, einerseits behandelt diese aber dem gegenwärtigen Programm 
fem liegende Wörter, andererseits dagegen ist unsere Abhandlung weit 
ausführlicher. Man wird in der Erklärung fast durchweg dem Verf. zustim- 
men müssen, auch seine eigenen Etymologien sind aller Beachtung werth. 
Einzelnes sei hier noch beleuchtet. Kranz soll nicht von Corona direct her- 
kommen, sondern von coronatum. Aber muss es Lehnwort sein? kann es 
nicht mit Kreis zusammenhangen? Graf will der Verf. für ein germanisches 
Wort gehalten wissen. Leo Aleyer in Kuhn*s Zcits. 'V, 155 sqq. denkt an 
goth. g|r§fan 6= beschliessen, vorschreiben, gebieten. Mesores wird abge- 
leitet nicht von Messe, sondern von goth. mdsa, lat. mensa, der den Tisch 
des Altars besorgende ; Andere aber leiten das ahd. mesinari, mhd. mesnaere 
von mansionarius. Bursa, Börse, Haus der- Studenten, wird von bursa, Beutel, 
abgeleitet, wegen der gemeinsamen Kasse; Grimm Gesch. d. d. Spr. 134 
vermuthete, dass Bursa bezeichnet habe einen Zusammentritt verbündeter 
Genossen auf der Stierhaut {ßvqoa\ woher auch Bursch. Firlei wird her- 
geleitet von virelai, Kingellied, von Verb, virer, wenden, drehen; firlefei, 
firlefanz seien davon Verstümmelungen. Grimm im Wörterb. III, 1672 fasst 
fanz = frischer, lustiger Kerl, firlo von fer (fern), Fremdling; firlefanz und 
alefanz synonym, zuerst ausländischer Tanz, dann alles Altfrankische, Eulen- 
spiegelische. 



Programmenschftu» 389 

Die FamiKennamen von Stolp mit Berücksichtigung der üm- 
gegend^ vom Oberl. Aloert Heintze. Programm des 
(jymnasiums zu Stolp. 1866. 37 S. 4. 

Das Namengebiet, welehes der Verf. zur Betrachtang sich ausgewählt 
hat, ist ein besonders interessantes. Stolp iat Jabrhanderie lang ein Vor- 
posten deutscher Sprache gegen das Slaventhum gewesen, es hegt noch 
jetzt an der Grenze zweier ganz yerschiedener Nationalitäten, der nieder- 
deutschen und der kassubisch-polnischen , die MischnngsTerhältnisse treten 
auch im Bereiche der Namen bezeichnend hervor. Der Verf. will zunächst 
das Interesse der nächsten Leser für ihre Heimath erhöhen, nber es ver- 
dient in vollem Masse die fleissige und sorgfältige Arbeit der Beachtung 
aller empfohlen zu werden, -die für ihre deutsche Sprache und Sitte ein war- 
mes Gefühl haben. 

Dem gleich stark hervortretenden Deutschthum trat in Stolp mit Zä- 
higkeit das Wendenthum entgegen. Am Ende des 18. Jahrb. war der Lu- 
pow-Fluss die Grenze des deutschen Sprachgebiets nach Osten hin, jetzt ist 
dies bedeutend weiter vorgeschritten und kassubiscke Predigt konunt nur 
nodi in zwei Kirchspielen vor; in Pommern überhaupt fanden sich 1861 nur 
noch 8677 Personen mit slavischer Familiensprache, nämlich in den Kreisen 
Stolp, Lauenbere, Bütow. Dagegen in den Familiennamen tritt östlich von 
der Lupow das Kassubische in den Vordergrund und westlich ist es ebenso 
stark als das Deutsche vertreten. In der Stadt Stolp ist noch in den Fa- 
miliennamen in der Altstadt der wendische , in der eigentlichen Stadt der 
deutsche Grundstock nicht zu verkennen. Nach der Reformation nahmen 
die Familiennamen grösstentbeüs ein hochdeutsches Gewand an. Späterhin 
haben sich durch Einwanderung an den deutsch-kaasubischen Stamm neue 
Elemente angesetzt, besonders polnische, auch romanische and littauische. 
In Stolp finden sich über 1800 verschiedene Familiennamen. Bei der Schich- 
tung derselben stellt der Verf. das Deutsche in den Vordergrund, und zwar 
als 1. Clasae die ältesten, die ursprünglichen Personnamen, die hier wie 
überall stark vertreten sind und nach den neuesten Forschungen erläutert 
werden. Die Gem'tiv-Bildungen , die in andern Gegenden, namentlich im 
westlichen Deutschland, so verbreitet sind, sind in Pommern selten und 
nicht einheimisch, ebenso wenig die Zusammensetzungen mit son und sen, 
von denen es bekanntlich in Schleswig wimmelt; dagegen <Ue Deminutiv- 
Enduneen mit k (niedevd.) und z ^hochd.) sind sehr zahlreich. Sollte aber 
wohl me Nebenform Fritsch zu Fntze durch slavischen Einfluss verj^bert 
sein, da sie im westlichen Deutschland so sehr verbreitet ist? Beide fin- 
dungen vereinigt als zke kommen auch vor. Daneben die slavischen 3^1- 
duneen anf slav oder slaf oder zlaf, von denen die deutschen auf laf sich 
durch das Fehlen des Zischlautes unterscheiden; so ist nach dem Verf. der 
öfters in Pommern vorkommende Name Gützlaff slavisch, aus Gustislaw, ein 
Name, welcher aber auch am Nierlerrhein erscheint. Als zweite Schicht be- 
trachtet der Verf. die fremdländisch-kirchlichen Namen, ursprünglich Person- 
namen. Die Zahl derselben ist eine beschränkte, wenn auch einzelne sich 
weit verbreitet haben in reiner und verändeter Form. Die Namen auf ke 
sind nicht immer deutschen Ursprungs, manche können aus slavischer Quelle 
stammen; äre Zahl ist sehr gross, in Stolp nahezu 8 Procent. Die dritte 
Schicht, Familienvamen jüngster Periode, bilden zunächst die Handwerks- 
namen, sehr zahlreich, besonders deutsche, aber auch slavische; dann die 
von Ortsbenennungen entlehnten, sowohl Bezeichnnngen nach allgemeinen 
Oertlichkeiten als nach Ortseigennamen. Dahin gehören auch einige Comp, 
mit mann, wie Grundmann u. s. w. und die eieenthchen Adelsnamen. 
Neben den deutschen Ortsnamen stellt sich eine gleich lan^e Reihe slavi- 
scher geeenüber; dahin gehören die vielen auf ow, auch wom in au geän- 
dert, una auf in und itz. In dieselbe Classe fallen die Volks- und StamF 

22* 



840 * Programmenacbau. 

mesbezeichnoDgen aach wohl mit der adj. Endung er und der polnisclien ski 
Als dritte Ünterabtheilung der dritten Schicht fungiren d;e Namen von 
Eigenschafben, körperlichen und geistigen, weit weniger zahlreich ; von diesen 
sind die interessantesten die imperadyischen. Endlich sind zu erwähnen die 
Namen yon Gliedern und Eörpertheilen, Eleidangsstücken, Speisen, Gerätben, 
Thieren, Pflanzen, Naturerscneinongen. 



Ueber einige volksthumliche BegriffsverstärkuDgen bei deutschen 
und englischen Adjectiven. Von Dr. Alexis Dony. Im 
Programm der höheren Bürgerschule zu Sprembefg. 1866. 
20 S. 4. 

Eine zahlreiche Mengender merkwürdigsten im Munde des Volkes üb- 
lichen BegrifisTerstärkungen iat hier nicht bloss zusammengestellt, sondern 
auch, so weit es möglich war, erklärt, begründet, mit ähnlichen verglichen. 
Sie beruhen alle zunächst auf dem Streben, recht anachaiilich darzustellen, 
dem ja auch die beliebte Ausdrucks weise aUgemeiaer Sätze in Form von 
Beispielen ihren Ursprung verdankt, die selbst dann noch üblich sind« wenn 
ihr Sinn nicht Jedermann gleich klar ist (vel. „schlafen wie eine Ratze,^ 
d. i. wie der Siebenschläfer, Haselmaus). Mit deir Anschaulichkeit hängt 
die dem Uörer sieh gleichsam mit Gewalt aufdrängende Hyperbel auf; das 
Volk wie der Dichter liebt sie. Diejenigen componirten Adjective, die den 
hohen Grad bezeichnen sollen, erscheinen nicht alle gleich auflösbar; »blitz- 
schnell, blutjung, steinreich^ unterscheiden sich so. Wir sagen: blitzschnell, 
schnell wie ein blitz, schneller als der Blitz, aber nicht : er ist ein Blitz ; 
aber wohl: yj&t ist dumm wie ein Klotz* und: »er ist ein Klotz.* Der 
Sprachgeist ist also eigensinnig. Wir haben im Ganzen vier Formen: «steh- 
len wie ein Rabe, spiegelblank, nasser als eine Katze, Fa&enauge." Die 
Formen der zweiten Art werden dann ausführlich betrachtet und zwar zu- 
erst die zusammengesetzten Adiective, deren erster Theil aus einem Sub- 
stantiv besteht. Es wird überall die niederdeutsche, englische, lateinische, 
griechische Sprache in ihren ähnlichen Erscheinungen berücksichtigt Als 
Unterabtheilungen gilt, dass a) die Zusanunenstellune auf dem Vergleiche 
der Eigenschaft beruht, welche das Adjectiv ausdrüdct, mit einer cnarak- 
teristischen Eigenschaft des durch das Substantiv bezeichneten Gegenstandes. 
So: baumfest, bombenfest, baumlang, baumstill u. s. w., bildhübsch, blitz- 
schnell (pfeilschnell, windschnell), bocksteif, blutroth, eisgrau, essigsauer, 
en^elsgut, -rein, -süss, faustdick (fingerdick, knüppeldick, eUenhoch, meilen- 
weit, handbreit u. a.), federleicht, feuerroth« gallenbitter, geisterbleich u. s. w., 
b) die Vergleichung nicht auf die charakteristische Eigenschaft eines Gegen- 
standes überhaupt geht, sondern auf die Beschaffenheit desselben, insoweit 
ihm auch die genannte Eigenschaft zukommt, so: krebsroth, d. h. nicht wie 
-ein Krebs, sondern wie ein rother Krebs ; fadengrade, fuchswild, hundsmnde, 
nagelneu, funkelnagelneu (d. i. wie ein unmittelbar aus der Esse kommender 
Nagel), splitternackt u. a.« c) das erste Wort der Zusammensetzung bestehe 
in einem Fluch oder bekräftigenden Ausruf, wie: blitzblau, kreuzbrav u. a., 
d) die Zusammensetzung eine ireiere Zusammenziehung eines aus mehreren 
Begriffen bestehenden Ausdrucks sei und meist nur durch einen Satz aufge- 
löst werden könne, so: blutjung, fadennackt, hageldicht, mutterseelenallein 
(entstellt aus : mutterseligallein r- so dass keine von einer Mutter geborene 
Seele, d. i. kein Mensch da ist), spinnefeind u. a., e) das Substantiv ohne 
begrifflichen Zusammenhang mit dena Adjectiv reine Verstärkung sei, so: 
haarscharf, steinalt, stockbhnd u. a., f) im Substantiv ein adverbialischer be- 



Programmenschau. 341 

kräftigender Zosatz enthalten sei ohne vorhandeivBn Vergleich, so: bomben- 
fest, grandböse, herzinnig, kerngesnnd, menschenmöglich u. a. ; wozu dann 
g) Varia kommen: eheleiblich, handsgemein, kunteniunt u. a. Die zweite 
Classe sind die Adjeetirc, deren Verstärkungs wort ein Verbum ist: bettelarm, 
brühewarm, klapperdürr, knallroth u. a., die dritte, deren Verstärkungswort 
ein denselben Begriff wie das yerstärkte Adjectiv ansdrückendes Adjectiv ist, 
wie: buntscheckiff, helllicht, lichterloh, wildfremd u. a., die vierte, wo es ein 
Adverb ist, wie : bitterböse, bitterkalt a. a., die fünfte Pronomen und Ad- 
jectiv, wie: allein, allbereits n. a., die sechste Präposition und Adjectiv, wie: 
extrafein, saperfein, überselig, argemüthlich u. a., die siebente zweifelhafte 
Bildangen : brandroth, piekfein, dundersnett, die achte mehrere Verstärkungen 
neben einander: pechrabenschwarz, stemhagelvoU, splitterfasemackt a. a. 



lieber die deutsche Sprache in dem pfilnisohen Oberschlesien. 
Von Professor Heimbrod. Programm des Gymnasiums 
zu Gleiwitz. . 1865. 28. S. 4. 

Die vorliegende Abhandlung beschäftigt sich nicht, wie der Titel er- 
warten lässt, mit der Eigenthümlichkeit der deutschen Mundart in dem ge- 
nannten Theole Schlesiens, sondern enthält nur einen Bericht der Bemühungen 
der preassbchen Regierung um die Verbreitung der deutschen Sprache da- 
selbst. Wir erfahren daraus, dass die Verordnungen im vorigen Jahrhundert 
sehr wenig Erfolg hatten, dass es erst in unserer Zeit besser geworden ist, 
dass namentlich die Stiftung des Gymnasiums zu Gleiwitz sehr günstig ge- 
wirkt hat, aber auch noch gegenwärtig es auf dem Lande sehr an Kenntniss 
der deutschen Sprache fehlt, also noen sehr viel zu thun gibt. 



Zu Konrad's von Fussesbrunnen Kindheit Jesu. Von Dr. Alb. 
Gombert. Programm des Gymnasiums zu Königsberg 
i. d. N. 1866. 17 S. 4. 

Konrad schrieb im 18. Jahrhundert ; das folet aus der deutlichen Nach- 
idunung Hartmann's, namentlich des Erec und des Gregorius. Seine Hei- 
math suchte schon Pfeiffer in Niederöstreich. Diemer hat einen Konrad von 
Fussesbrunnen in Urkunden in der Nähe von Krems gefunden, der wahr- 
sobeinlicb der Dichter ist; nach ihm ist KonraVl zwischen 1160 und 1165 
geboren. Damach hat Konrad id reiferem Mannesalter die Kindheit Jesu 
geschrieben; früher schrieb er weltliche Gedichte und wollte den ihm daher 
nach seiner Meinung anhängenden Sündenfleck durch das geistliche Gedicht 
tilgen. Sein Master ist also jetzt die milde und massvolle Schreibart Hart- 
mann's, aber er ahmt ihn nicht ungeschickt und sklavisch nach, seine Verse 
fliessen leicht^ nur mitunter durch die unpoetische Ueberlieferung gehemmt. 
& erreicht ihn in Reim, Versschluss und überhaupt der metrischen Form 
nicht, aber verdiente von Rudolf von Ems nicht bloss gelobt, sondern auch 
im Wilhelm und Barlaam naq^geahmt zu werden, wie denn sein Ansehen 
daraus erhalt, dass ein grosser Tbeil seines Gedichts später in das Passional 
übergegangen ist. Seine Quelle ist das Pseudevangelium Matthäi, er schiebt 
oft lateinische Verse ein, besonders in der ersten Hälfte, die spätere Erzäh- 
limg, mehr weltlichen Charakters, ist von den kanonischen Evangelien unab- 
hängig. Weil hier daher solcher Citate weit weniger sind, darf man daraus 



842 , ProgrammeiiBchaii. 

nicht mit dem Herausgeber Feifelik folgern, dass die yoo ihm aosgelaMenen, 
in der von ihm mit Unrecht zu Grunde gelegten ilandschriil A feUenden 
UOO Verse unecht seien. Seine lateinischen Citate übersetzt Konrad bald 
wörtlich, bald frei. Da sein Stoff bekannt war, verweist er (lir die frühere 
Lebensgeschichte der Jungfrau auf zwei deutsche Darstellungen, auf Meister 
Heinrich^s Lied von unser Frauen, und auf eines Ungenannten Anegenge; 
beide sind verloren, für das letztere ist nicht n^t W. Wackemagel das in 
Hahn*8 Gedichten S. 1 — 40 abgedruckte sehr mangelhafte Gedicht zu halten. 
Ebenso wenig ist mit Wackernagel anzunehmen, dass das Gedicht Urstende 
(bei Hahn Ged. des 12. und 18. Jahrb., S. 108—28) von Konrad herrühre; 
dies ist vielmehr ein Gedicht des Konnd von Heimesfürte, der von imserm 
Konrad tu trennen ist Somit ist das einzige ans erhaltene Werk Konrad's 
von Fussesbrunnen die Kindheit Jesu. Da der letzte Herausgeber Feifelik 
(1859) mit Unrecht die Handschrift A zu Grunde gelegt hat, so theilt den 
Anfang des Gedichts schliesslich der Verf. nach der allein zu Grunde zu 
legenden Handschrift B, die auch Hahn abdrucken Hess, mit; von der dritten 
ebenfalls mit Vorsicht zu gebrauchenden früher Lassberg*schen Handschrift 
C ist ihm für eine beabailktigte vollständige Ausgabe eine Abschrift von 
F. Pfeiffer zugekommen. 



Ueber das Kedentiner Osterspiel. Vom Oberlehrer Drosibn. 
Im Programm des Gymnasiums zu Neustettin. 1866. 36 S. 4. 

Das im Jahre 1464 zu Bedentin bei Wismar aufgeführte niederdentsche 
Spiel ist der einzige Repräsentant dieses Zweiges der niederd. Yolkapoesie, 
ein Beweis, dass die Ostorspiele auch in Niederdeutschland Eingang gefun- 
den, zuerst von Mono in den Schauspielen des Mittelaltters, dann von Ettmüller 
unter dem Titel „dat spil fan der upstandinge^ herausgegeben. Es ist die 
Frage, ob das Spiel Original, oder mit andern Worten: ob es in den Be- 
reich der Volks- oder Kunstpoesie 'gehöre. Die Frage zu beantworten, yer- 
fol^ der Vprf., ausführlich in den Inhalt vieler Stücke eingehend, die Gre- 
schichte der Osterspiele. Die ältesten sind die lateinischen Osterspiele. Ihr 
Keim findet sich seit der Mitte des 12. Jahrh. in den Klöstern Süddentsch- 
lands. Mit der damals üblichen Osterfeier stimmt im Wesentlichen die in 
Frankreich im 18. Jahrh. gebräuchliche überein. Solche lateinische Oster- 
spiele finden sich in Süddeutschland bis gegen Ende des 14.- Jahrh. Ihr 
Gegenstand war die Engelsbotschaft von der Auferstehung Christi und die 
weitere Verkündigung dieser Botschaft an die Jünger. Dann regte sich 
das Bedürfnis nach deutscher Predigt Ihm kamen oesonders die Brüder 
vom gemeinsamen Leben entgegen. Die ausgebildete deutsche Kunslljrik, 
die weltliche und die geistliche und zwar besonders die Mariendicbtung waren 
von Einfluss auf die weitere Entwicklung der Osterspiele; die deutschen 
Marienklasen haben schon viel dramatisches Leben. So" kommen wir zu den 
lateinisch-deutschen Osterspielen des 18. Jahrh., dem Lichtent baier, dem In- 
dus paschalis Buranus, d. i. von Benedictbeuern. Hierauf zu den deutadi- 
lateinischen Osterspielen. Die Zahl der auftretenden Personen hat sich be- 
deutend gemehrt, naher sind Laien zur Aufiührung mit nothwendig; neben 
dem lateinischen Texte geht eine deutsche Paraphrase, neben der Erbauung 
soll auch fiir Unterhaltung i^esorgt werden, das komische Element dringt 
ein, der Krämer, der an Mana die Salben verkauft, wird zu einem markt- 
schreierischen Quacksalber. So das Osterspiel bei Monc S. 109 — 144, aus 
der Mitte des 14. Jahrh. In allen deutsch-lateinischen Osterspielen kommen 
Prügelscenen zwischen den Dienern des Krämers vor. Solche Scenen mach- 
ten es nothwendig, dass die Aufführung nicht mehr in der Kirche, sondern 



Programmenschau. S4S 

auf dem Markte stattfand. Weiter wurde in den Kreis des Osterspieles 
aueh die Höllenfahrt Christi und die Erlösung der Altvater aus der Vorbölle 
und dabei ein komisches Tenfelspiel hineingezogen. Für die Höllenfahrt 
war Grundlage das auf dem apokrypbischen Nicodemus-Evangeliom beru- 
hende Ritual. Beispiele bei Monc. In der ganzen Anlage stimmt mit den- 
selben das Redentiner Spiel. Für dasselbe ist nicht der Bericht des Nico- 
demus-Evangeliums unmittelbare Quelle, sondern ein oberdeutsches Spiel. 
Gememsam ist demselben mit den oberdeutschen Spielen die Grujppirung 
der Begebenheiten, so wie die Uebertragung deutscher Sitten auf die Fremde, 
Land und Leute; eine Consequenz derselben ist die Verlegui^ des Schau- 
platzes nach Redentin. Eigenthümlicb ist der Reichthum an Sprichwörtern 
und sprichwörtlichen Redensarten. Das Resultat der Untersuchung ist also, 
dass das Redentiner Spiel kein originelles Spiel ist« sondern nur eine be- 
sondere Phase innerhalb der Entwicklung der volksmässigen Osterspiele. 



Zur Kritik und Erklärung des Beineke Vos, von Dr. Friedr. 
Latendorf. Programm des Gymnasiume zu Schwerin. 
1865. 35 S. 4. 

Die Abhandlung bezweckt, den Text des Gedichts in vielen Stellen zu 
seiner ursprünglichen Reinheit zurückzufuhren und dasselbe besser zu er- 
klären. Sie erreicht diese Zwecke in hohem Grade. Der Verf. stellt den 
Grundsatz an die Spitze, dass allein die Lübecker Ausgabe von 1498 hand- 
schriftlicfien Werth hat, dass keine der ihr bis jetzt gefolgten Ausgaben 
eine kritische Teztrecension zu beissen verdient. Die Ausgaben des 16. und 
17. Jahrh. verschlimmerten immer mehr den Text Im 18. Jahrb. ging Hart- 
mann von Helmstadt auf den Lübecker Druck von 1498 zurück; seine Aus- 
gabe ist noch unentbehrlich. Der Werth der Ausgabe Hofimann*s von Fal- 
Mrsleben liegt m^r in der Erkläning als in der Teztesconstitairung. Er 
weicht öfters vom Originaldmck ab, öfter als er angibt An 42 Stellen 
ist die Abweichung vom Lübecker Text gleich für's Auge ersichtlich ; diese 
Aenderungen gehen fast sämmtlich auf den Rostocker Druck von 1589 zu- 
rück, kaum ein Viertel derselben aber ist nothwendig oder wahrscheinlich. 
In den Versen 199, 2198, 288!^, 5318, 6046, 6498 scneint dem Verf. eine 
Aenderung wahrscheinlich, die andern 88 Aenderungen aber als unbegründet, 
wie des Weiteren erörtert wird. Die von Hofimann nicht angegebenen Ab- 
weichungen im Texte betrachtet der Verf. mit gleichem Misstrauen; schon 
weil seine Anfuhrungen aus der unkritischen Rostocker Ausgabe von 1589, 
mit der die von 1 549 identisch ist, unvollständig sindl Andere Aenderangen 
billigt er, die meisten aber verwirft er, weil die grammatische Begründung 
falsch sei. Zum Beweise bestreitet er mit zahlreichen Beispielen die Be- 
haoptungen Hofimann's, dass das schwache Adjectiv nicht verbunden werde 
a) mit dem Femininum, b) mit dem Neutrum, c) mit dem Masculinum. --- 
Für die literargeschichtliche Frage, schliesslich sich an Goedeke^s Urtheil 
anschliessend, modificiert der Verf es dahin: Der ursprüngliche niederlän- 
dische Reinardt gehört in's 12., nicht 18. Jahrb.; er wurde im 14. Jahrh. 
überarbeitet und fortgesetzt. Im 15. Jahrh. erhielt die Ueberarbeitung Ca- 
pitelüberscbriften und eine prosaische Glosse, die auf Hinrik von Alkmar' 
zurückgeführt werden, wovon sich Bruchstücke erhalten haben. Ans der- 
selben Quelle, aus der das niederländische Volksbuch entlehnt hat, hat der 
Reineke geschöpft. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der gedruckte latein. 
Reinardus vnlpes auf Hinrik von Alkmar Einfluss gehabt hat. Die Glosse 
des Reineke weist deutlich auf niederl. Ursprung. Dass der niederl. Ueber- 



\ 



844 . Programmenschaa. 

Setzer mit der westfälischen Sprache bekannt gewesen sei, ist nicht anca- 
nehmen. Der niederdeutsche Uebersetzer ist in Lübeck eu suchen; sein 
Name ist aber unbekannt, weder Nie. Baumann noch Herrn. Barckhusen sind 
als Autorenr anzusehen. 



Lobspruch der Stadt Grosa-Glogau, zam ersten Male nach einer 
Handschrift aus dem 16. Jahrhundert yoUständig heraus- 
gegeben vom Oberlehrer F. W. von Razcek. Programm 
des kathol. Gymnasiums zu Glogau. 1865. 18 S. 4. 

Die Handschrift befindet sich in der Gloganer Gvmnasialbibliothek. 
Das Gedicht beschreibt die Stadt Glogau von einem Ende zum andern und 
knüpft daran historische Notizen; es ist poetisch nicht werthvoll» aber wohl 
für die Geschichte. In der Handschrift schliesst sich an das Gedicht eine 
Chronik. Den Versen steht zur Seite clie Inhaltsangabe. Der Verfasser 
war ein Geistlicher, wahrscheinlich ein gebomer Glogauer, er hat nicht über 
1611 hinaus gdebt, das Gedicht ist innerhalb der Jahre 1570 und 1580 ge- 
schrieben, Einzelnes aber später nachgetragen. Die Anzahl der Verse be- 
trägt 1686. Da Lobsprüche auf Städte nicht viele erbalten, wenigstens noch 
nicht bekannt gemacht sind, ist die Veröffentlichung dieses Gedichts in einem 
'Schulprogramm genug gerechtfertigt. 



Anna Luise Karschin. Eine biographische und literaturgeschicht- 
liche Skizze vom Oberlehrer Theodor H ein ze. Programm 
des Gymnasiums zu Anclaip. 1866. 20 S. 4. 

Der Verf. hat mit Soi^samkeit das Material für das Leben der einst 
viel gepriesenen Dichterin nicht bloss zusammengestellt, sondern auch den 
richtigen Massstab für ihre Würdigung angelegt. Die traurigen Schicksale 
ihrer Jugend, zum Theil freilich durch ihre eigene Lebensunerfahrenheit 
veranlasst, lassen um so mehr die nie unterdrückte Strebsamkeit ihres Gei- 
stes anerkennen. Ihr Leid nahm erst ein Ende, als sie von ihrem Manne 
Earsch befreit war und 1761 in Berlin anlangte. Aber ihre Geldverlegen- 
heit hörte doch nicht auf, und hätte Gleim ihr nicht zur Seite gestanden', 
sie wäre auf sich allein angewiesen gewesen; denn wie karg der grosse Kö- 
nig gegen sie blieb, ist bekannt genug. Endlich erhielt sie von König Fried- 
rich Wilhelm III. ein bescheidenes Hans geschenkt; sie starb aber bald 
darauf 12. Okt. 1791. 

In Berlin war sie Sulzer und Ramter näher getreten ; Bamler Übernahm 
die Feile an ihren grammatisch und metrisch fehlerhaften Gedichten; Les- 
sing bekümmerte sich nicht um sie. Sulzer bewunderte sie zuerst sehr, 
nacnber ist sein Lob eingeschränkt; auch Klopstock zollte ihr Beifall. Die 
Gedichte ihrer ersten Periode, bis zur Ankunu in Berlin, zeugen von leich- 
ter Versification, aber die Sprache wird misshandelt. Sie las was ihr in die 
Hände fiel, und dadurch wurde ihr Geschmack oft irregeleitet, aber od 
bricht ein reines und starkes Naturgefühl hervor. Als rie zu den gelehrten 
Männern nach Berlin kam, suchte sie sich hinaufzuschrauben ; die historische 
und mythologische Gelehrsamkeit, die sie sich aneignete, passte schlecht zu 
ihrem Wesen; dazu verliessen sie ihre Kenntnisse nicht selten. Aber wenn 
sie ein erhabenes Lied singt, erkennt man doch die geborne Dichterin. Nur 
als sie mehr nachahmte und nachbildete, entfremdete sie sich ihrer eigenen 
Natur, und in der letzten Periode, etwa seit 17G7, als sie des Erwerbs we« 



Programmenschau. 345 

geo dichtete, ihre Verse herYorspradelte, ohne je daran eu feileni, gewöhnte 
sie sich an die verwegensten Ausdrücke und opferte dem Reim oder Rhyth- 
mus die Correctheit, da war sie aus der Dichterin eine Improvisatorin ge- 
wordeur und nur die zwei Trauerlieder auf Friedrich^s des Grossen Tod smd 
ihrer würdig. 



Schiller und Goethe. Ein Vortrag. Vom Oberlehrer Friedr. 
Regen tke. Programm des Gymnasiums zu Ostrowo. 
1865. 16 S. 4. 

* 

Der Vortrag charakterisirt kurz und wesentlich die Unterschiede der 
beiden Dichter; er bezeichnet richtig Goethe als den grössten Lyriker und 
Epiker, Schiller als den grössten Dramatiker, so wie auch richtig die Ur- 
sachen angegeben werden, die beide auf ihren Weg führten. 



Ideenentwicklung des Spazierganges von Schiller. Von Patriz 
Anzoletti. Programm des Gymnasiums zu Bozen. 1865. 
V 50 S. 8. 

Auf die schöne Abhandlung yon H. Deinhardt über den Spaziergang in 
den Beiträgen zur Würdigung und zum Verständnisse Schillert I, 155 — 197 
nimmt der Verf. keine Rücksicht Dennoch ist es ihm gelungen, seine 
Schrift so weit auszudehnen. Er eibt nicht bloss eine Paraphrase, sondern 
mischt auch eine Fülle ureigner Keflexionen bei. Darüber ist nun nicht 
viel zu saeen, aber einige auffallende Ansichten kommen doch vor. So 
meint er, Schiller hätte gut gethan, wenn er das Griechenvolk nicht so sehr 
in den Vordergrund gestellt hätte, das habe dem unmittelbaren Verständniss 
und der harmonischen Wirkung des sonst unvergleichlichen Gedichts Ein- 
trag gethan. Der Beweis ist nicht beigebracht. Femer rufe nicht die 
strenge Logik/ sondern der angenehme Wechsel der Scenen auf dem Spa- 
sier^nge &e eine Idee aus der andern hervor, nicht der kalte Verstand, 
snnaem die vom höheren Geiste der Kunst getragene Phantasie leite die 
Gedanken. Ebenso wunderlich. Elegie heisse das Gedicht, weil wir hier die 
schönsten Güter des Menschen und all sein Glück ih wechselndem Bestände 
sehen; über alle Bilder sei ein Hsuoh der Webmuth ausgegossen und die 
Grundstimmune sei tief elegisch. Welch eine absonderliche Vorstellung von 
Elesie klingt daraus hervor, und wer möchte wohl mit dem Verf. die weh- 
mü&ge Grundstimmung herausfinden, die sich durch das Ganze ziehen soll.! 
Zeigt sich hieraus schon Mangel an Klarheit bei dem Verf., so nachher 
noch mehr in den mit den Haaren herbeigezogenen Digressionen. so folgt 
selbst eine Abschweifung über Schiller als Historiker, der natürlich abge- 
kanzelt wird ob seiner total verkehrten Darstellunii; aller (reschichtshelden, 
eines Alba, Philipp, Oranien, Egmont, Gustav Adolf u. a., weiter über den 
Vers : Freiheit ruft die Vernunft und Freiheit die wilde Begierde, der Ver- 
anlassung gibt, Scbiller's Widerspruch mit dem Christ entbum zu erhärten; 
folgen dann Auszüge aus dem 2. Tlieil des Faust, einigen preussischen Schul- 
programmen und Svr Abhandlung von Friedrich Schlegel über die Sophisten, 
die noch ezistiren sollen, wozu als Beweis die neuliche Anrede des neiligen 
Vaters Pins IX. in St Athanasius citiert wird. Hiemach wird der schwie- 
rige Satz, dass, wenn die staatlichen Einrichtungen sich halten wollen, sie 
ZOQ^ Wohle des Volkes beitragen müssen, durch die schöne Entwicklung 



846 Programmenschaa. 

des FranEOflenkaisers Napoleon III. in seiner Geschichte Julius Cäsar's be- 
wiesen. »Wenn die Soracbe der Kirche im Staate nur mehr der Stimme 
des Kufenden in der wüste gleicht, dann wankt der Thron, Pfeiler um 
Pfeiler brechen dann zusammen, und die stehenden Heere und die Ärgos- 
augen der öffentlichen Sicherheitsbeamten und alle die reicbbezahlten Federn 
der Zeitungsschreiber vermögen nicht das fallende Gebäude festzustützen.* 
Hierauf folgt wieder eine Abschweifung über Schiller^s Entwicklung als po- 
lilascber Dichter von den Spielen seiner Kindheit an bis zum Wilhelm Teil 
hin, bis er dann zum Schluss als der Weltdichter anerkannt wird, dessen 
ein Zeugniss sei das Schillerfest von JI859. Dem wird gegenübergestellt das 
Dantefest von 1865, dessen schäudlicher Missbrauch zu ersehen «aus der 

Sanz besonderen Huldigung, welche dem Kaubkönlge Victor Emanuel mit 
em prächtigen Degen von Pascia mit Inschriften aus Dante dar^bracht 
wurde.** Aber der Schluss des Spazierganges befriedigt nicht, die Nat&r 
kann nicht unsere böohste Lehrerin sein. „Aber es snbt eine Anstalt, die 
der Sohn des Höchsten selbst gegründet, welche alle streitenden Machte 
versöhnt und eine süsse Friedensbotschaft, ein sanftes Friede sei mit dir! 
in das Herz des Einzelnen, wie in die gesammte Menschheit hineinnift, und 
diese Anstalt ist die katholische Kirche. Hätte sich Schiller in diese ge- 
flüchtet, so wäre ihm der Friede geworden, nach welchem sein Herz sich 
rastlos gesehnt und welchen so mancher JEIarfenscbläger der romantischen 
Schule wirklich gefunden. Nur ein treues Festhalten an Glauben und Ge- 
setz, nur die herzmnige Liebe zur heiligen katholischen Kirchs vermag den 
Einzelnen, die Familie, den Staat und die Gesellschaft zu verjüngen und 
zu erneuem. Die katholische, sie ist die den Protestanten verlorengegan- 
gene Kirche, deren dumpfes Läuten wohl von jedem Redlichen oft vernom- 
men, aber kaum mehr von der Sage recht gedeutet wird. Uhland vernahm 
wohl dentlich den Klang der verlorenen Kirche; nur die wahre, d. h. die 
katholische Kirche, kündigt uns das Evangelium, die gute Nachricht, und sie 
allein ist jene heilige Anstalt, welche züchtig und fromm das alte Gesetz 
ehrte und ehrt, die sich im Laufe der Zeiten nie geändert, welche niemals 
gealtert a. s. w.* * 



Zur Entwicklungsgeschichte der deutschen Historiographie. Von 
Dr. Ad. H. Horawitz. Programm des Josephstädter 
Gymnasiunas. 1865. 45 S. 8. 

Die Abhandlung bezieht sich auf die Geschichtswissenschaft unseres 
Jahrhunderts. In etwas stark pathetischer Redeweise setzt der Verf. ans- 
einander, wie unter dem äussern Druck eine nationale Geschichtschreibung 
entstand. Bahnbrechend ist das Werk Niebuhr's, es hat den Ernst der For- 
schung und die Kritik geweckt die Vaterlandsliebe und liberale Grundsätze 
wurden verbreitet durch die Werke von Luden und Rotteck, so viele Män- 
gel sie auch sonst haben mögen. Auf die Entwicklung der deutschen Ge- 
scbichtwissenschaft wirkte bedeutend ein das Unternehmen des Freiherm von 
Stein, die deutschen Geschichtquellen kritisch zu bearbeiten; an diesem bil- 
deten sich G. H. Pertz und L. Ranke heran, dann deren Schüler Waitz, 
Wattenbach« Köpke, Abel u. s. w. ; Stenzel und W. Gieseb'recht bearbeiteten 
einzelne Theile der Kaisergeschichte. Vorher schon war Schlosser aufge- 
treten, der die Geschiebte populär machte und zu einer Lehrerin für Gegen- 
wart und Zukunft; er bat aen nachhalti^ten Einfluss auf die moralische 
Weltbetracbtung und das politische Urtheil des Volkes ausgeübt. Eine ver- 
mittelnde Stellung zur Rankc*schen Schule nehmen Aschbach, Gervinus, 
Häusser, Lappenberg, Stenzel und die andern Verfasser der Werke der 



Programmenschau. 847 

Ueeren-Uckert*schen Sammlung ein ; in der Behandlung der Quellen nehmen 
Lappenberg und Stengel besonders eine hohe Stelle ein. Besonders auf 
das Politische haben ihren Blick gerichtet die zwei Historiker Raumer und 
Dahlmann. Niebuhr*s Werk der Kritik setzte Bänke fort, indem er die lei- 
tenden Grundsätze für die historische Forschung aufstellte und in seinen be- 
deutenden Werken praktisch durchführte; für Entwicklung von Verhältnissen 
und Charakteristik von Persönlichkeiten besitzt er eine besondere Begabung ; 
er ist der Vater der rein objektiven Darstellungs^iKeise geworden. Als seine 
Schüler lassen sich bezeichnen Waitz, Mommsen, Droysen, Dunker, v. Sybel, 
Curtiusj W. Giesehrecht, Wattenbach, G. Voi^ Hirsch. Köpke, Büdinger, 
Hegel. 

Während der Verf. der Ranke'scheu Methode vor der Schlosser^s den 
Preis zuerkennt, bebt er wegen der Verbindung des eingehendsten Quellen- 
studiums mit dem wannen Gefühl für alles Menschliche vor Allem Gervinus 
hervor. 

Gefordert ist die historische Wissenschaft in neuester Zeit durch die 
Arbeiten der vielen Geschichtsvereine und die Herausgabe der Urkunden- 
Aoszilge, zuletzt durch dlQ Gründung der historischen Commission in Mün- 
chen. Die Culturgeschichte liegt trotz einzelner tüchtiger Arbeiter noch 
sehr darnieder. Das Verdienst Gustav Freytag's hebt der Verf. mit Recht 
hervor. 

So eibt diese Abhandlung eine fassliche Uebersicbt über die wichtigjsten 
historischen Erscheinungen. Der Verf. zeigt eine liebenswürdige Begeiste- 
rung fiir die rüstige faiBtorische Arbeit unserer Tase. Wenn er aber un- 
serer Greschichtswissenschafl nachrühmt, dass sie menr als die englische auf 
die Bilduiiff des Volkes schon gewirkt habe, so möchte er sich docAi wohl 
in einem firtbum befinden. 

Herford. Hölscher. 



M i 8 c e 1 1 e n. 



Mundartliche Proben aus der älteren Nürnberger YolkfiapraGhe« 

In einem Nürnberger Trachtenbuch quer 4^ des 17. Jahrhunderts finden 
sich unter den Figuren Reimereien. 

Uikter der „MilchbSuerin* mit dem Rückenkorbe und dem Teller 
mit Butter steht: 

Eaaft gouta milch, ihr weiber! 
Schöina schmooltz, gouten keesi (?) 
Gronta Buttermilch! 

Eine Reihe Bauerntänze sind bildlich dargestellt; unten jedesmal ein 
Liedjein. 

Das Hochdeutsche steht über der Linie klein gedruckt; ich hebe nur 
die erklärenden Wörter heraus. 

1. 

Die Gröitl und der Hanssl. 

Ihr sehn od er t*) dou an hauflfn hea 
Von kochn und ytel schwänkn 
Eha wenn a Ana drunter wöa, 
döi möcht öns bötbn denkn. 

2. . 

Die Maigl und der Stoffl. 

Su laust ts baltas histi sayn 
In umsem gunga gourn**) 
Die Fräud vergöit wühl mit der zait 
Bey nnnem groubn houm. 

8. 

Der Poiter und sein Mila. 

Das böthn soll für alln sagn 

Die arbet a darnöbn; 

Und wunn döj zwaa soyn wühl , verriebt 

Su kon ih lustj loben. 

4. 

Der Sizla und sein Öltz. 

Ih spring oijB immer wadli***) drain 
mit meiner loibn ölzn (ölse) 

*) schnattert. 

**) in unsern jungen Jahren. 

♦*•) wacker. 



Misoellen. M9 

Ih waijl wenn ih 0OII lusij sayn 
und wenn ih Boom sqU peltzn. 

5. 

Die Dnrl nnd jhr Görg. 

Mir säyn halt denist g^steifta*) Leut 
Mia böthn in der körchn 
Und wenn mein arbet ist Terricht 
Su dans ih mit n Görgn. 

6. 

Der Fritz und sein ZusL 

Und ih bin äml a kein Narr 
Kan foechten (ausgerissen) mitn 
Fritz nmr a Zusl — in d'händ 
Fast wacker — SchlegL 

7, 

Der Sima und die Kethl. 

Denk wuhll wöi solls denn annerst säyn? 
Es haut all ding eäjn zeit 
Und wenn a mensch prav g^arbet haut 
Su schauem halt a fräud. 

8. 

Die Appel und der Velta. 

Potz plunder, Fritz, doss gfällt mer wuhll 
du konst die madia lubn 
Koin^möjrh mi nit verdröfin soll 
denn Jugend mouß verdubn. 

9. 

De Steffa und sein Annala. 

Eha brouder du bist r6cht wühl dron 
dain mainung gfällt mer wühl, 
denn wer sih su dräin schikn kon 
4Bt glück und sögns fuL 

10. 

Die Lisi und ihr Gouckl. (Jacob). 

Pfeifi Pfeiffer auf 1 pfeiff wacker draufi I 
Und thou den Sock prav trückn 
Hebt mj der Gouckl wadlj auf, 
Dass kon mein bloot erquikn. 

Ein anderes Blatt trägt den Titel: »ein (in)- ländischer Bauren- 
danzmit einem beigefügten bäurischen Hochzeit Disconos, bey 
welchem euch die teutschen Buchstaben die bäurischen Reden 
anzeiget und durch die lateinischen erkläret werden.* 

1. 

Der Schalmeien pfeiffer fängt an zu reden. 

Su bald als ih ins maul nain schöib 
den Stiel mainer Schalmava; 
Dau thörna sih die GrÖitia schon 
Afs gumpn wadli fiüyä. 

•) brave. 



850 Miflcellen. 



Die Braut K&ntel und jhr Bräutigam der Couns. 

Oizt wörd der Coudz main löiber mon 
Dnxm will ih ftüundli Ucbn 
Ea waiss, das ih wühl kochn kon 
und gonta köucbla backn. 

S. 

Der Mörtl und sein Oila. 

Doss thouts halt irerzi nicht allan 
ma mouas a wacker dy^chn 
Gout wörs wenn ma su löbn kont 
von Bohleker und von — (disohn?) 

4. 

Die Modi und jhr Taitla. 

Der knolln vaitla macht sich gsteifft 
Mit seinen langa dögn 
Ea plaudert mir an hauffh für 
Von waschn und von fögn. 

5. 

Der Clous und die Orschl. 

Es g^oirt halt wärzi *) a der zou 
wenn ma will röcht hojcifis haltn 
Mia macbens imma nouch und nouch 
wöj umma loibn Altn. 



*) gewisslich. 

Dr. A. Birlinger. 



Druokfehler-Berichtigttng : 
Band 39, S. 12 5: Z. U yon unten lies indiriszata statt indivizzata. 

Z. 9 ¥on unten lies intomo statt inturno. 
S. 1 2 6 : Z. 8 Scrittore statt Scritora. 

• VV. Studemund. 



Bibliographischer Anzeiger. 



Allgemeinea. 

J. G. Th. Graesse, Tresor de livres rares et pr^cieaz. ' 37 Livr. (Dres- 
den, Eaotze^' ^ 2 Thlr. 

I. Lattmann, Zur Methodik des ^ammatischep Unterrichts im Lateinischen 
imd Deutschen. (Goettingen, Vandenhoek.) 8. Sgr. 

K. Bartsch, Bibliographische Uebersicht der Erscheinungen auf dem Ge- 
biete d. germanistischen Philologie im J. 1865. (Wien, Gerold.) 10 Sgr. 

Lexicographie. 

J. & W. Grimm, Deutsches Wörterbuch. Fortgesetzt von R. Hildebrand & 

K. Weigand. 4. Bd. 2. Lfg. und 5. Bd. 8. Lfg. (Leipzig, fiirzel,) 

& 20 Sgr. 
S. R am e au, Neues Wörterbuch der französischen und deutschen Sprache. 

2 Bde. (Leipzig, Günther.) ' 2 Thlr. 

H. B. Wheatley, Dictionary of reduplicated words in the english language. 

(Berlin, Ascher.) 1 Tblr. 

£. Müller, Etymologisches Wörterbuch der englischen Sprache. 2 Thl. 

1. Äf 2. Lfg. rCoenien, Schettler.) k »A Thlr. 

F. IL Strathmann, Dictionary of the English language in the 18, 14 & 

16 centuries. Part IV. (Crefeld, Gehrich.) 1 Thlr. 8»/« Sgr. 

OrammatischeB. 

Erhardt, Grammatikalien zum Verständniss des Nibelungen-Liedes. (Tü- 
bingen, Fues.) 9 Sgr.) 
L. Englmänn, Mittelhochdeutsche Grammatik. (München, Lindauer.) 4 Sgr. 

G. Born hak, Grammatik der hochdeutschen Sprache. 2. Thl. Die Wort- 

bildung. (Nordhausen, Förstemann.) 1 Thlr. 

M. Pelissier, La langue fran9aise depuis son origine jusqu^ä nos jours. ' 
(Paris, Didier.) 8 fr. 

Literatur. 

Unlandes Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage. 3 Bd. (Cotta, 
Stuttgart) SVa Thlr. 

F. Rückert, Lieder und Sprüche. Aus dem lyrischen Nachlasse des Ver- 
fassers. (Frankfurt, Sauerlaender.) 1 Thlr. 

R. V. Lilien er on. Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. — 
16. Jahrhundert. 2 Bd. (Leipzig, Vogel.) 8V» Thlr. 

OeuTres compl^tes, publikes par Blanchemain. Tome V. (Paris, Frank.) 

iVa Thlr. 



852 Bibliographischer Anzeiger. 

K. Rosenkranz, Diderot's Leben und Werke. 2 Bde. Leipzig, Brock- 
haas.) 5 Thhr. 

Macaire, Chanson de geste, publice d'apr^s le manusc. de Venise par 
M. Guessard. (Paris, Krank). 

K. Bartsch, Chrestomathie de Fancien fTan9ais, accompagn^e d'une gram- 
maire et d'un glossnire. (Leipzig, Vogel.) 3 Thhr. 

Byron' s hebräische Gesäpge übersetzt von Stadelmann. j[Memmingen, Uart- 
nig.) ... 7y, Sgr. 

K. Brnnnemann, Geschichte der nordamerikamschen Literatur. (Leipzig, 
Grunow.) 20 Ser. 

Schiller, Le chant de la cloche, traduit par J. Dnchesne. (Nancy, M<^ 
moires de TAcad^mie.) 

S c hi 1 1 e r* s nephew as uncle with'english notes by Meissner. (London, Thimm.) 

1 B. 6 d. 

Lessing, Fables en prose et en yers, publi^s par L. Schlesinger (Paiis, 
Dramard.) ; fr. 

Hilfs buche r« 

J. F. Guth, Leitfaden für den auf das Lesebuch basirten deutschen Sprach- 
unterricht. (Stuttgart, Aue.) 8 Sgr. 

K. Panitz, Leitfaden für den Unterricht in der Grammatik der deutschen 
Sprache. 5. Hfl. (Leipzig, Klinkhardt.) 10 Sgr. 

Engelien, Leitfaden fiir den deutschen Sprachunterricht. 3 Thl. Gram- 
matik der neuhochdeutschen Sprache. (Berlin, W. Schulze.) 

1 Thlr. 26 Sgr. 

Th. Scherr, Elementarsprachbildung. 40 Taf. (Zürich, Orell & Füssb.) 

4V6 Thlr. 

Englmann, mittelhochdeutsches Lesebuch mit Anmerkungen, Gramma- 
tik und Wörterbuch. (München, Lindauer.) 1 Thlr. 2 Sgr. 

J. Mehrwald Französische Scbulgrammatik. (Augsburg, Schlosser.) 22 ^gr. 

J. W. Körbitz, Lehr- und Uebungsbuch der französischen Sprache. 2. Cur- 
sus. (Dresden, ]^hlermann.) 12^ S^. 

£. Pritsche, Select extracts from english poetry for youth. (Leipz^, 
Graefe.) 20 Sgr, 

C. A. Flügel, Do you speak. english? Mit beigetügter Aussprache. (Be- 
rendson, Hamburg.) 6 Sgr. 

H. Keller, Schulgrammatik der englischen Sprache für höhere Lehran- 
stalten.) 1. Thl. Die Formenlehre. (Aarau, Sauerlaender.) 18 Sgr, 



Joseph von Petrasch. 



Zu meinem Befremden thut weder K. Gk>edeke in eeinem 
vortrefflichen Grundriss dea Joseph von Petrasch ab Sebrif^- 
steller irgend eine Erwähnung 9 noch haben Koberstein^ tier- 
vinus oder Kurz Beinen Namen in ihren Werken auch nur vor* 
übergehend genannt. Und doch besitzen wir von Petrasch 
ausser zwei Banden lyrischer Gedichte zwei Bände Lustspiele» 
von denen der erste nicht weniger als 944, der zweite 684 Sei- 
ten umfasst. 

Ich erlaube mir im folgenden die Leser auf den über den 
glänzenderen Erscheinungen seines Jahrhunderts ganz vergess- 
nen Mann kurz wieder aufmerksam zu machen. Meine Haupt- 
quelle dabei ist: (Pelzel,) Abbildungen böhmischer und mähri- 
scher Gelehrten und Künstler, Prag 1777, dritter Band, p. 185. 

Joseph von Petrasch wurde zu Brod an der slawonischen 
Militärgrenze, wo sein Vater ^^Befehlshaber" war, am 19» October 
1714 geboren. ZuOlmütz, unter Leitung der Jesuiten, studirte 
er Philosophie, doctorirte, trieb dann in Löwen Jurisprudenz.. 
Von weiten Reisen zurückgekehrt, nahm er Kriegsdienste und 
machte als Adjudant des Prinzen Eugen einige Feldzüge am 
Rheine mit. „Er erhielt eine Compagnie unter dem Daunischen 
Regimente, da er erst das 17. Jahr seines Alters zurückgelegt 
hatte. ^ Zu dichten begann er 1734.*) Nach dem Friedens- 
schlüsse zwischen Oestreich und Frankreich besuchte er wieder 
deutsche Universitäten und nach vorübergehendem Aufenthalt 
zu Olmütz, Griechenland und Italien. Neuerdings nach Mähren 



*) Vgl Gedichte II, 171. 

AroblT f. n. Spnchen. XXXIX. 28 



354 Joseph von Petrasch. 

zurückgekehrt^ gründete er 1747 die gelehrte Gesellschaft der 
„Unbekannten,^ die erste deutsche gelehrte Gesellschaft in den 
ÖBtreichischen Erblanden. Im Jahre 1749 wendete man sich 
von Wien aus an ihn, um den Plan zu einer kaiserlichen Aka- 
demie der Wissenschaften zu entwerfen. Der Plan wurde ent- 
worfen,*) die Akademie kam nicht zu Stande. Nachdem die 
Gesellschaft der Unbekannten eingegangen war, verliess Pe- 
trasch Olmütz und zog sich auf sein Gut Neuschloss im Hra- 
dischler Kreise zurück. Er war Mitglied der gelehrten Gesell- 
schaften zu Kempten, Altorf und Augsburg; 1758 wurde er 
der letztem Präsident. Bis an sein Ende vielfach thätig, starb 
' er zu Neuschloss am 15. Mai 1772. 

Ich besitze von ihm: 

Des Freyherm | Joeeph von Petrasch ] sämtliche | Lust- 
spide, I herausgegeben | von | der deutschen Gesellschaft^ | zu 
Altdorf. I Erster Tlieil. | Vignette. 

Nürnberg zu finden bei Carl Fellsecker, 1765. - 944 Sei- 
ten. — 8«. 

Enthaltend: Ttefsinn, oder das GeheimnissvoUe, in ftänf Auf- 
zügen. Das Eiland der Bucklichten, in einem Aufzuge.**') Der 
Dichter in ftinf Aufzügen. Pantoffel oder der übelgerathene 
Länderreiser, in ftinf Aufzügen. Der lächerliche Erforscher, 
in ftinf Aufzügen. Die altvätterische Erziehung, oder der Mensch 
allezeit einerley, in fünf Aufzügen.***) Der Redliche, in ftinf 
Aufzügen. 

Zweiten* Theil. Ebenso. •— 684 Seiten. 

Enthaltend : Der Tag nach der Hochzeit, in ftinf Aufzügen. 
Der Beruf, in ftinf Aufzügen. Der Hof der Schauspieler, in 
ftinf Aufzügen. Der Ungefällige, in ftinf Aufzügen. 

Femer besitze ich: 



*) Den Inhalt dieses Entwurfes theilt «osführlich mit Josef Feü : »Ver- 
saehe snr Ghriiodune einer Akademie der Wissenschaften unter Maria The- 
resia* im Wiener Jahrt>uch far vaterl. Geschichte, I. Jahrg., Wien, Gerold, 
1861. (p. 821 ff). 

**) Vgl. zu diesem Stück das gleichnamige und auffallend ähnliche Lust- 
sdmI Ton Lieberknhn im 8. Bande des Theaters der Deutschen, Beriin, Kö- 
nigaberg und Leipzig, 1769. 

*^ Laut Vorrede bereits im ersten Bande der altdorfischen Bibliothek 
der schönen Wissenschaften zur Ptt>be abgedruckt. 



Joseph von Petrasoh. 3f>5 

Sammlung | verschiedner deutdcher | Gredichte | einea | Scla- 
voniers, | des Freyberrns | t^oseph von Petrasch. Vignette. Er- 
ster Theil. I Frankfurt und Leipzig, | Im Jahr 1767. — 191 
Seiten. 8o. 

Zweyter und letzter Theil. Frankf. u. Leipz, Im Jahr 
1768. — 189 Seiten. 

In seinem Verzeichniss der gedruckten Werke des Freiberm. 
von Petrasch zählt Pelzel die ebenangefiihrten Drucke nicht mit 
auf. Möglich indessen, dass mit Nr. 4 »Der Slawonische 
Dichter ** die vor mir liegende Ausgabe der lyrischen Dich- 
tungen gemeint ist. Pelzel und, wie es scheint, auch sein Ge- 
währsmann Wratislaw Monse hatten keine Ausgabe derselben 
vor sich. 

Der dramatischen Werke gedenkt Pelzel in einer andern 
Ausgabe : 

Dreyssig Schauspiele zur Besserung der deutschen Schau- 
bühne. Nürnberg 1765. 8. Drey Bände. 

(In oben genannter Ausgabe nur 11 Lustspiele.) 

Die übrigen gedruckten Schriften P.'s enthalten keine dich- 
terischen Versuche. Es sind Abhandlungen über verschiedene 
literarische und historische Gegenstände, nur zum Theil deutsch 
geschrieben: Petri Cinerii [Peter Asch] Dissertationes littera- 
riae varia hebdomade publicatae, Florens, 1742. 

Monatliche Auszüge alter und neuer gelehrten Sachen. 
Zwey Bände. Olmütz, 1747. 8. Das meiste ist des Petrasch 
Arbeit, setzt Pelzel zur Angäbe dieses Titels hinzu. — Ausser 
einigen Joumalartikeln zählt Pelzel in seinen „Abbildungen^ 
auch noch die ungedruckten Werke des Freiherm auf. Dar- 
unter „die Traume,^ ein Gedicht „nach der Art des Dantes." 
Nach Petrasch's gedruckten Werken zu schliessen, haben wir es 
nicht zu bedauern, dass dies Gedicht nicht gedruckt worden ist. 
Denn seine uns vorliegenden lyrischen Versuche, wie seine Lust- 
spiele, sind vom allergeringsten aesthetischen Werth und erin- 
nern oft an das abgeschmackteste aus dem abgeschmackten 17. 
Jahrhundert. Mögen die Lustspiele immerhin, wie die altdor- 
fische Gesellschaft versichert,*) auf den Bühnen zu Wien, 



*) Vgl. die Vorrede zu der eben beschriebenen Ausgabe der Lustspiele. 

28" 



856 Joseph von Petrasch. 

Preasburgy Prag, OlmQtz und Brunn mit Beifall aufgeführt 
worden sein, das Urthei), welches die „Briefe, die neueste Lit- 
teratur betreffend** im 288. Briefe*) über sie abgegeben, scheint 
mir ein vollständig gerechtfertigtes zu sein. Ja es würden mich 
jene Lustspiele nicht einmal zu diesen Zeilen veranlasst haben, 
wenn ich es nicht fiir die Pflicht der Litteraturgeschichte er- 
achtete, auch über das aestfaetisch Unbedeutendste wenigstens 
Buch und Rechnung zu ftihren. 

*) Beriin, bei Fr. Nicolai, 1764. (XIX. TheU.) 
Aarau. Dr. L. HirzeL 



Altdeutsche 

Predigt auf den heiligen Johannes den Täufer. 

(Blatt 17 a.)*) disi wort hat man hflt gelesen in dem evang^lio vnd 
schribt sanctus Marens von der marter Johannes wie Tnschuldklieh er 
sin blnt vergösz vm Got vnd durch sin gerech tikät sanctus Marcus 
schrtbt alsi^ • dasz der kung Hörödes sin hotten sant vnd hiesz sant Jo- 
hannes in ain kcrcker werfen durch ainner b^seo frowen willen, die 
hiesz Hörödia, die bat er sinem aigenn bruder genumen vnd hat si ze 
h6s gesezt. d6 sprach Johannes zu im : du söt wissen das du es mit 
recht nit tun mäst, das du dtns bruder wtb ze hös setzist. vm dise 
wort wart im die fröw als^ vind das si in allztt gern het ert^t. He« 
rödes, der vorcht in, wan er wist wol das er ain gerechter hailiger man 
was vnd er h6rt vil gutz von im sagen vnd sach vnd h6rt in gern vnd 
was im also hold, das er meng ding durch sinen willen liesz, das er 
sust nit het tun. vnd ains tags ward dd machet Herödes ain gr^sz 
hochzit vnd ladet all sin ftirsten vnd all sin dienstman vnd die forsten 
von dem land Galiläa, das si im mit fröden hulfin begön den tag als er 
geborn ward, vnd dö sü (Blatt 17 b.) ze tisch sAssen mit fröden, d6 
kam die jungfrow ingegangen, der selben frowen tochter vnd sang 
vnd sprang vor dem tisch, das geviel dem kung Herddes als^ wol vnd 
allen denna, die da ze tisch nassen, dö sprach der kung zu der tochter: 
jungfrö! bit mich was du wellist, das wil ich dir geben vnd schwör 
des ain aid, vnd sprach: wit du min kungrich halben, das wil ich dir 
geben? dö zehand geng die jungfrow zu ier muter vnd fraget si, war 
vm si bitten solt; dö ward die muter gar M vnd sprach: du solt in 
bitten, das er dir geh Johannes des töffers höpt in ainer schussel. 
d6 fit die jungfrow bald wider zu dem kung: herre, der kung, ich bitt 



*) Ans dem cem. S58. Die hs. bat bedeutende alem. Sparen an sich. 
Vergl. meine Äbhdlg. über das Rotwoiler Stadtr. Münoben 1865 (Laut- 
lehre). Der 1. ThL d. bs. im Chilianeum abgedruckt (Würzb., Stahl 
1865). Nicodemnslegeode. 



858 Altdeutsche Predigt 

dich) das da mir des töfTers höpt gebist in ainiier schusseL d6 ward 
der kang betrüpt vm den aid, den er gesehwom het, vnd doch wöt er 
die jangfrowen nit ent^iTen vnd sant hin ain enthöpter zu dem kerker 
Tnd gebot dem das er sant Johannes hOpt brächti in ainner schussel. 
d6 g^ng (Blatt 18 a.) er in den kerker vnd enthoptet in vnd nam das 
hailig höpt vnd let es in ain schussel vnd trug es vir den tisch vnd 
gab es der jungfröwen vnd die gab es ier muter vnd als6 ward das 
hailig höpt vm getragen vor dem tisch, vnd dö dis iamerlicfa m6r sin 
jünger erhörten, d6 kämen si vnd leta sin hailigen lichnam in ain grab, 
dis ist das hailig ^vangölium kurtzlich geset. 

Hdrödes der vorcht Johannem ; dar über spricht der guldin miind: 
es was ain wunderlich ding, er het in gebunden vnd gefangen in sin- 
ncm kerker vnd vt>rcht in dennocht: das tet er vondryer sach wegen, 
zu dem ersten mAl, wann er ain man was; zu dem anndem mal, wann 
er gerecht was ; zu dem tritten mal wann er hailig was. von dem er» 
sten wan er ain man was, das er an allen tagenden volkumen was. er 
was ain gerecht man, er ret die warbät vnd liesz das durch nieman ; 
er torst wol grössi vnd mögliche ding bestaun; es was in allen dem 
land nieman der ain wort torst reden wider den kung H^r6des; aber 
sant Johannes vorcht in nit, er ret strencklich (Blatt 18 b.) mit im vnd 
strafet in vm stn vnrecht; er achtet nit wie find im die kunginn was; 
er wist wol das si alzit dar vf gieng , wie si in ertötti. dar vm liesz 
ers nit, er straffet si hertllch vm ier vnrecht vnd wie lieb sant Joban- 
nes dem kung was, d6 zwang in doch die min, die er zu der fröwen 
het, e er si wöt lassen, er wöt sant Johannem ertötten. nun stat in 
dem dwang^lio: dö die jungfrO das hÖpt iesch vnd der kungH^r6des 
das ersach vnd trärig ward vm den aid, den er geschworen het, das was 
ain falschen trürikät, wann es spricht Johannes mit dem guldin mund : 
das er [si] vor langem wer zer4t worden mit der fröwen, wie er in er- 
tötti vnd satzt das höchzit dar vm vf. zu dem anndem m&l vorcht 
Herödes sant Johannes, wann er wol wiät, das er gerecht was, ain mensch 
mecht so gerecht sin, gerech es sich nim^r, so rech es doch got. 
nun erkant Herödes wol, das sant Johannes gerecht was vnd het ain 
forcht. in im selber vnd gedacht : also ist das du disem menschen kain 
laid tust, so lat es got nim^r vngerochen als öch darnach geschach 
vnd wol bewert wart an dem ifimerlidien tött, den die fiöw nam vnd 
Wirt öch gerochen an alle dennen, (Blatt 19 a.) die von ierm ge- 
schlecht sind kumen. das sant Johannes gerecht wer des gab im vnser 



auf den heiligen Johannes den Täufer. 859 

here ain vrkund, d6 er zu im kam in den Jordan, das er von im ge- 
tofft wurd ; des locht sich sant Johai^nes nit wert vnd sprach d^miltrUtdi : 
h^re idb sol von dir getoili werden, b6 kamst du zu mir. d6 sprach 
vnser her zu im : Johannes vertrag es mir vnd dir, es gezimpt wol das 
wier erfuUi all gerechtikät: wann als ich von göttlicher natör ahien 
rainnen IIb h6n, das kain sund an mich vallen mag als6 bist du och ge- 
haillgt von gniden 6 da gebom wart, das Och kain sund an dich ge- 
Valien mag. d^ von zimpt dir vnd mir wol vnd allain das wier ge- 
recbtikät erfüllen, nun spricht Johannes mit dem guldin mnnd : sant 
Johannes ist ain regel aller gerechtkät, vnd wer ain regel aller tagend 
well lernen, der sech sanct Johannes an, wann er vint an im volkumen- 
hät aller togend. nun vind ich sunderlich sechs tagend an im , die 
ain jeglichem menschen wol ain l^r migend sin; die Srst ist willigi ar- 
mttt; die ander frdltchs eilend; die dritt m&ssikat des libs; die vieid 
grdssi gestrenckat; die fttnft d^mutikSt; die sechst gedultikSt die ^rst 
(Blatt 19 b.) vnligi armut. er was als arm, das er bl allen sinen ta- 
gen nie aö vil wOt hAn als ain aigenn rock, nun ist kain mensch s^ 
arm, es hab ain stat, da er sich selber schirm vor hagel vnd vor wind, 
aber der gut her sant Johannes, der wot als arm sin, das er nie kain 
statt vf ertlich gewan, das er sich selb beschirmte vor dem weiter. 
wie kalt der winter was, b6 kam er nie vnder kain tach. die annder 
tagend das was fröltch eilend : er Hesz vater vnd muter, d6 er ain klains 
kind was vnd geng in das eilend vnd was der vil nAch drissig J&r, 
das er von kainem menschen lipllchen tr6st nie enpfieng, wann nun ain 
mensch in dem eilend ist, s6 ist es von natükr das es iAmer h&t nach 
siner haimat: das berürt sin hertz nie mit aim gedank, wie grÖB sin 
eilend was. disz eilend mocht in nit darzu bringen das stn hertz ie 
bewegt ward ze lÄmer oder ze tr6rickat nAch kainem zergenckllchen 
ding, die drjt tagend, das was m^ssikät des libs; also massig was er 
an essen vnd an trinken, dasz er dick dry oder vier tag nimmer nantc 
Rusz vnd BÖ die natAr nit m^ mocht, s6 ausz er an w^nig vnd als^ 
krancki (Blalt 20 a.) dasz stnmund ktan enpfand; in allen slnem leben 
enbaisz er nie kains bröts noch kains dings, das bi fiir nie erwärmet. 
sant Bernhart spricht, das er als krancker spisz leptin, das stn mag 
nie kains dings gewar ward des er ie enbaiss, er versacht nie kains 
wlns ; er trank ettwin wasser, das was doch selten, wann in der wiesti 
was kain wasser. der jordan der was och als ver von im, das er ain 
verren weg must gAn 4 dasz im ain tnmk wassers wart« wier lesin 



360 Altdeutsche Predigt 

von Mojses, dö er nun fierzig tag iastat, das er wirdig was, das er 
das Volk mit Got veraint. aber der gut sant Johannes, der ward erzo- 
gen mit vasten von sinen kintlichen tagen, wann er solt ain sonner sin 
vnd werden z wischend Got vnd dem menschen, er bricht die wunnen» 
klichen bottschaffl, die vor im erhört wart, das der entschlossen wer 
vnd sich got versunt het mit allem menschlichen geschlecht. Hellas 
der fastat fierzig tag vnd dam&ch wart im gewalt geben, das er die 
töten erkickt; aber sant Johannes vastat nit allain fierzig tag: er fastet 
all ein tag, dasz er liplicher spiss nie enbaisz: wann er wöt werden ain 
(Blatt 20 b.) erkicker der tötten hertzen, die waren in der vinstrin vn- 
der dem schatten des töts ; die wurden von stnen wercken vnd von siner 
1er erlücht zu dem öwigen leben, wann alli die sini werck und wort 
sAhen vnd hörten, die musten erkickt werden ze minn vnd zu erkant- 
nust gen Got. die vierd tugend, das was grössi gestrenkat; er was als 
gestrengs lebes, das er bi allen sinen tagen nie kain betstat gewan, so 
er als lang wachet, das es die nat6r nit m^ erliden mocht, so naigt er 
sin hOpt vf ain stain vntz er ain klain wil geruwet; es kam nie kain 
schuch an sin fusz; er trug nie linni noch wuUi gewand an stner hüt; 
sin gewand was von hertem h&r zemen gesetzt vnd wer als hert^'von 
domeD vnd von herti des h&rs das das blut all ztt von sinem lib ran. 
sant Anshalm gedacht zu ainnem mal in sinem andicht an sant Johan- 
nes gestrenckät vnd ret mit im selber vnd sprach abö : ach lieber (Blatt 
21 a.) herre saot Johannes ! wenn ich gedenck, das du so hailklich kempt 
an dies weit vnd din herz noch diu sei mit kainner sund noch nie 
vermassgot wai'd vnd du doch so kranklich lebtest als obt ain grösser 
sunder werist gewesen, so erschrick ich vnd erzittra in minen hertzen, 
das ich armer sunder mir selb ie so vil vertrug vnd mir selb ie so vil 
muttwillen gab. die funfil tugend das was grössi d^muttikät. man 
vint vil Iclt die dömutig sind so man si verschm&het, der ist aber luzel 
die dSm^iitig sigin so man in ^r vnd lob erbüt. die gröst dömtitikät, die 
der mensch gehaben mag, das ist, das er sich selber nidert vod ver* 
schmähet in Ar vnd in wirdikät. disi dömutikät het sant Johannes 
vokkUch an im; wann er was demutigest mensch, der ie gebom ward 
wie vil man im er ie erbot, so dömutiget er sich alL zit; im ward gross 
lob vnd er orbotten vf ertrich; er ward gelopt von den wissagen lang 
4 er geborn ward; er ward gelopt \<m den englen nit enlain von den 
nidren englen, er ward gelopt von den höhen iiirstenglen vnd von 
aller menge des folkes vnd sprachen er wer selber Cristus. die werd 



auf den heiligen Johannes den Täafer. 861 

magtMaiid bot (Blatt 21 b) im selber lob vnd ^r dö aich Got menach- 

Uch in ier selbs lib beecbloesen Mi Tnd dennat im da er gebom ward 

Tod vf ertrioh geog in menechllclier natdr, d6 prediat er selb von im 

Tnd lopt in vir alli die von wlbes lib ie gebom wurden, die hailig 

drivehikät bot im er; die gr^sz wirdikät vnd alles das raocfat in dar 

zu nit bringen) das sin herts ie bewegt wurd zu kaluer b^iart als vil 

als mit ainnera gedanck. sant Johannes waa als dteutig, das er sidi 

eelb nit wirdig dunokt, das er voserm herren den riemen bund an sincm 

schuch; sid er nun (\(Br demütigest mensch was der vf dis ertrieh ie ge- 

bom ward, so i«t ocb J^ain zwifej, er sy in dem bimelrlch vor Got 

och erhdcht Qber all enge! 9nd hailigen* die sechst tugend das was 

grössi gedultikät in widcrwertigen dingen, dö in H^rödes hiesz fiihen 

vnd binden vnd in ain kcrker werfTen d6 ward er also fast gebunden, 

das im das blut zu den nageln vsz trang, das er nie kain vngedultig 

wort sprach, er lag vil nach zwai iar in dem kerker, das er nie kainner 

liplicben sptsz enbaisz, wan IlerAdes Mi es verbotten, (Blatt 22 a.) das 

im nieroaii weder zetrinokend noch zessend gt'b vnd maint er wet in allsd 

verderben, alli die gebresten vnd arbat, die er in dem karker laid, die laid 

er also willklich vnd als gedultklich vnd so giitteklloh, das er nie kain vn- 

gedultigen gedanck gewan; er enpfieng Och sin vnschuldigen töd fröhlich 

vnd geduUklicb, wann d6 im der engegen ficeng, der in t<5tten wöt, dö stund 

er eamitten indem karker vnd rufil mit I6terstim vnd sprach: here min 

Got, ich gib dir min gaist in Hin hend ! vnd dö er dis wort sprach, d6 

naigt er sin höpt vnder das schwert. zu dem tritten mAl vorcht Herddes 

sant Johannes, wan er wist wol, das er hailig was ; es it^t öch von rechter 

natör, daa kain mensch b6 bösz noch so vnraines lebens ist, sieht es ain 

menschen der an der wärhät hailig ist, es hab ain vorcht in sinem her- 

tzen gen im vnd mocht gedencken : wellist du den menschen nit ^ren 

durch sin hailikät, so eöttist du in doch eren durch Got, der all zit bl 

im ist; wie aber Herddes der erlüchtung nit bet, noch der erkanttnust, des 

glöben des wa6 doch sant Johannes al8i> vol der got hat vnd gotlicher 

tugot; sin leben vnd (Blatt 22 b.) sin wandel was got ai? gelich, das 

ll^rt)des «elber sprach, dar nach d6 er eant Johannes enthoptet h^t vnd 

vn^erherre bredia ward: ich waisz nit wer der mag sin, es si denn sant 

Johannes der töfier, den ich enthoptet h6n. wan nun die gothät IQcbt 

in sInem hertzen vnd vswendig an allen sinen werken« dö von must 

in ilerödfs fürchten, es spricht OHgenes^ es was bilich, das Herddes sant 

Johannes forcht, wann er trüg den harren vnd den Got all zit in sinar 



3«2 AUdeutache Predigt 

8^1 vod in BiDem hertzen von des gewalt hhnel vnd ertrich erzittret. 
daa sani Johannes hailig wer, das brediat vnser h^rre selber von im, dö 
er die IM fr&g«t, wenn ne in gMsnhen hette in der wiesti rnd Mt dem 
volk Til von siner 1^ vsd von siner hailkät. sant Augnsttnos spricht: 
»an htm ich allain vs dem behaiter aller diser weit der von der magt 
gebom ward, wann ellain die von wtbes üb ie gebom sind die tnnd all 
vnder Johannes dem toffer. wier babi öch büt gelesen in der metti ain 
gut wort von stner hailkat das spricht ain (Blatt 28 a.) hailiger bischoff, 
haisset Johannes, der gebailigöt was, der wot noch hailiger werden; er 
wart drtvalt gehailgöt: in benügt nit, das er gehailig6t was vnd erfölt 
mit dem haüigen gaist § das er gebom ward, wana er hailiget sich sel- 
ber all zit mit dem aller gestrengösten leben, das ie kain mensdi vf 
ertrich gewan. als sin leben was als6 gestreng vnd b1b6 hailig, das er 
nie stund gelept vf ertrich si brteht im ain sunderliehen hailkät; er 
wöt öch 15U dem tritten m&l hailig werden in sins selbs blnt, als wier 
.hült begangen, daas er sin Hb gab in den t6d vnd stn hailig blut vn- 
scholklig vergöss, ^ das er ain angstlich wort vermiden wet, das wider 
die gerechtikät was. das all hailkät an im volbrMit wurd« spridit 
Johannes mit dem guldtn mund von im , Johannes ist ain sdiul aller 
tugend, er ist ain form der hailigen dryveltikät, er ist ain regel der ge- 
rechtikät, er ist ain Spiegel des magtums; er ist ain bild der kusch- 
hat; er ist ain weg der ruwigen ; er ist ain appl&sz der sÜnder; er ist 
ain festung des globens. Johannes ist erh6cht Aber menschliche natür 
er ist glich (Blatt 23 b.) den engein; er ist ain hailkat des ^vang^ö; 
er ist ain stim der hotten, er ist ain still schwtgender wissag; 
wann alias das die wissagen ie gesetten, das was recht als die glo- 
cken, die kain hal hünd vnz das die süs stim kam sant Johannes, 
d6 er bredia ward. Johannes ist ain brinnende lucem aller diser 
weit, er ist ain rufler des richters, er ist ain zistem vnsers hetren 
Jh^u Cristi, er ist ain gezOg Gots, er ist ain mittler der haii- 
gen dryveltikät. der gut h^rre sant Johannes , der ward ge- 
schaffen mit wonderltcher Ordnung der hailigen dryvelttkät, wann der 
vater vnd der sun vnd der hailig gaist beten snnderltchen r&t dar 
zn d^ si sant Johannes schdphen weiten vnd d6 das Itpllch volbrftcht 
ward in der ronter Itb, d6 sprach der vater zu dem hailigen gaist: far 
hinab vnd sonder das gold von dem rost vnd erfüll das aller l^ltrest 
fasz, das ie geschaffen ward vnd erlOcht es als^ das es minem ainge- 
bomen snn den weg vorgangen sy mit allen tugenden ; er erlficht die 



aaf den heiligen Johannes den Tänfer. S68 

weg vnsera harren vod gißng im vor als sant Augastlnus spricht : Je* 
hannes geng (Blatt 24 a.) ynserm h^rrn vor dem liecht als die stkn voc^ 
dem wort, als die luoem vor dem liecht , als der morgen r^t vor dem 
tag, als der stern vor der sunnen, als der rnff vor dem richter , als der 
frOnd vor dem gemahel ; der hailig gaist erlflcht sant Johannes, d^ er 
in einer muter Itb was vnd erlttcht in sunderlicbmit sechs dingen, bi 
dem Ersten m&l erftUt er in mit volknmner rainnikat der s^l vnd des 
libs; also der v&ter spi^ach sii dem baiiigen gaist: nim das gold von 
dem rost vnd erfüll das aller 16ttrast fasz bt dem gold. ist betüt rain* 
nikät; wann als das gold gel6ttrat wii*t von dem rost in der hitz des 
füres, als6 ward der gut sant Johannas gelAtrat vnd gerainget in dem 
für vnd in der hitz des hailigen gaistes von aller erbsfind; der hailig 
gaist berait in also, dasz kain gebrest der an menschltchi nat^r gevallen 
mag von sunden in sin hertz noch in stn s^l nie berut vntz an sin tdd. 
das ander m&l da mit der hailig gaist sant Johannes erfflllt, das was 
vester glob, dö er in sianer muter Üb beschlossen was vnd er noch 
dttin nit reden kund, d^ brediat (Blatt 24 b.) er mit den werken vnd 
bewart, das er gewärrer mensch was ; er was der ^rst der cristenn glo» 
benn le gebrediat, wann er fieng zittltcb an vnd brediat den glöben 
mit stnen Worten vnd mit sinem gestrengen leben bis vf sin end. das 
tryt d4 mit sant Johannes erRicht ward von dem hailigen gaist in st- 
ner mater Hb, das was erkanttnust gottlicher vnd Ewiger ding, sant 
Augustinus vnd sant Bemhftrt die sprechend, ^ das etnni gelider vol* 
bricht wurden an dem Hb, d6 dennata siGot, vnd ^ das hertz ain ge- 
schopfft gewan, dd er kant es Grot, § dasz der sei ganiz leben fngos- 
een ward, d<^ minet si Grot, er lobt Got in im selber, % dasz er das Hplich 
liecht gesach mit den Ogen, dö er kant er in inwendig das vseer liecht, 
das den englen lücht in dem himel. zu dem vierden mal erlücht der 
hailig gaist sant Johannes in stner muter IIb mit gotlicher minn ; er liet 
als grAssi minn zu vnserm harren, dasz die werek, die er in slner mntter 
Üb worcht \6nB wert w&ren vor Got ; er worcht wunderlich, d^ er den- 
nocht beschlossen was in siner muter Hb« er stund vf vnd knüwet vir 
sin schöpflTer (Blatt 25 a.) der d& gegen wirtig was in der magt Hb, 
das er sinem hcrrenvnd sinem Got die min erzogtin, die er h^t in sinem 
hertzen. er bück sin rucken zu ainnem zaichen, das er zittltch vf sich 
wet niemen die schweren vnd die gestrengen burdi, die er vnserm herren 
vortrug; er naigt och sin höpt, das er demutteklich wöt enpfahen die 
gebot vnsers hSrren ; er betüt Och in siner mater üb vnd besaiehnet d& 



864 Vom Zauberer Simoo. 

mit das er söt werden ain bekerer des volks vnd ain brediar der ewi- 
gen wÄrbat. als sin leben was ain urkund grösser min zaichen, die 
der mensch vf ertlich haben mag* der gut Johannes h^t me arbät vnd 
lebt strenokltcher durch die minn vnsers herren denn ie kaia mensch, 
es spricht Johannes mit dem guldln mund: aller hailigen leben mag sich 
stnem leben nit geliehen^ er gab durch die min vnsers herren, das er 
im selber nuntz liesz vnd das er sdl vnd lib vnd leben samenth&fftig 
hy sinem geminten Got liess. das fönft da mit der hailig gaist sant 
Johannes erlticht, d4s was gotltohi vorcht, die was bt im in allen st- 
nen wercken. man list von im dö er vnsem bdrren töffl vnd er ge- 
dAcht, das er vnsem herren vnder sinen henden het (Blatt 25 h,) vor 
des anttlit alli die fiirstengel mit forchten stund in dem himel, dö erzit- 
trat er vnd raff mit 16ter stym vnd sprach: herremtn behalter! ich sol 
von dir gehailgdt werden vnd sA wittu gehailgöt vnd geraingöt von 
mir werden ? die sechst d4 mit der hailig gaist sant Johannes erlächt 
hÄt, das was -stätikät der tugend vnd sicherät des dwigen lebens. er 
ward gesichert 4 dasz er gebom ward, das er von Got nimmer geschai- 
den söt werden, s6 ain kindlin geborn wirt, sturb es denn vnder töff, 
s6 gesech es Gots angesicht nimmer me; von den sunden ward er 
allain gefrlt mit der gndd des hailigen gaist. wSr er t6tt dö er denn- 
nocht beschlossen was , in mutter IIb, er wer deimnocht wirdig gewe- 
sen, das er das anttlit vnsers harren immer ^wklich söt h6n gesenhen. 
mann lobt die hailigen dar vm sunderUch, das si vnser h^rre sichert 
vnd man in die ör bot vn end, dasz er si wöt behalten vnd ist öch grösz 
lobs wert, die sicherhät enpfieng sant Johannes in siner muter lib, 
wann d6 sichert in vnser lieber h^rre mit sinem hailigen gaist das er 
in nimmer von im geschaiden wet. nun (Blatt 26 a.) solli 'wier bit- 
ten den werden töffer des tag höt ist, das er vns lAsz geniessen nns 
vnschuldigen t^ts vnd das wier sim hailigen leben also nach volgin, 
dasz wier sicherhät vnd tröst enpiahin an vnserm end vnd vns arwerb 
an Got dem almechtigen, das wier von im nimmer geschaiden werdi : das 
helf VHS allen Got. 

Vom Zauberer Simon.*) 

Sanctus Petrus ward gesent von Antiochia gen Rom ; wann er was 
ain fürst vnd ain hopt der cristenhat. dö er gen Rdm kam, dö brediat 



*) In der hs. der Predigt angehängt. 



r 



Vom Zauberer Simon. 366 

er Ton vnserm harren Jh^um Cristum vnd saat PauluB kam Cch dar 
vnd Irrten b^ vnd bek^ten vnmAssen yil IGt d^ was zq den selben 
zften ain söbrar ze Rdm der biesz Symon, der sprach, er wSr 6ot vnd 
machet mit zobry, das sich ain Mni schlang ragt vnd das die staini- 
nen sAl lachetta vnd das man in in den Infilen sach. Sant Peter hiesz 
da wider die töten vf stün vnd vertraib die töfel von den iQten vnd 
machet die blinden gesenhen vnd die siechen gesund, werlay der siech- 
tag was ; disi harren kÄmen vir den kaisser. d6 verwandlet sich der 
zObrer vor dem kajser, das er ain wil ward ain kind. zum (Blatt 26 b) 
annder ro&l ain jungün, zam triten m&l ain allter man vnd sprach, er w^r 
Grot. dö sprach sant P^ter vor dem kayser, er w^r ain zobrer vnd ain 
betrieger vnd sprach zu im: sigistiu 6ot, s6 sag mir, was idi gedenck 
vnd nam hainlidi ain bröt in die band, der zobrer kund im das nit 
gesagen vnd rufft das gross hund kemmin und sant Pettem iressin. 
sant Peter bot den hunden das br6t, das er in sinnen henden het, zehand 
verschwunden die hund. dö sprach der zObrAr zu dem kajser, das 
du wissbt das ich Got sy^ b6 haiss mich haimlich enthöpten vnd erstand 
ich nit an dem tritten tag, b6 glöb mir nuntz. vnd dö man in enthöpten 
söt, dö schuf er mit zöfirt, das ain wider vir in enthöptet ward vnd er 
verbarg sich dry tag vnd an dem dryten tag erzögt sich der zöbrär vor 
dem kayser vnd sprach: haisz mir beraitten ain höhen tum vor der 
stat. 80 wel ich dar vf kumen vnd wil ze himel fara zu angesicht aller 
der wi^lt der kayser hiesz den tum beraitten vf dem feld vnd gebot 
das alles land dar kem vnd sdch die vflart. sant Peter vnd sant Paulus 
k^men och dar. dö sprach sant Paulus zu sant Patern : ich sol ligen vf 
rotnen knuwen vnd sol bitten vnd an rufien vnsern herren, so soltu ge* 
bietten, ist das der (Blatt 27 a) zöbrär etwas gross will beginnen« 
dö sprach der zobrar zu dem kayser: du söt wissen zehand als bald 
ich ze hiromel bin gefam so wil ich mineU engel nach dir senden, dasz 
du öch zu mir kumist in den himmel. mit der red geng der zobrar vf 
den tarn vnd machet ain krantz vf s!n höpt von lorbömenlöb vnd was 
also gekrönt vnd zerspen sinni arm vnd für vf in die luft vor aller 
der weit, dö das sant Peter ersach, dö sprach er zu sant Paulus : rieht 
vf dtn höpt vnd lug wie der zobrar flCIgt. dö in sant Paulus ersach, dö 
sprach er : PStre, wess baittest du so lang ? zerstör discn grossen vnglö- 
ben. dö sach Petrus vfvnd sprach: „adjuro vosangelisaliiane,^ ich be- 
schwer dich ^igel des tüffels, das die iGt d& tat betrogen werdi vnd ge- 
büt Qch bi Got dem schöoffer aller ding vnd bt stnem aingebomen sun 



S66 Vom Zauberer Simon. 

voBerm harren Jeanin Cristoni, derao dem tritten tag erstund von dem 
töd, das ier in nit lenger fürind vnd in lasaind vallen her ab. dö viel 
er zehand in ain gaaaen haisset sacra via vnd zerbrach an vier staok 
vnd fiel iegltchs tail vf ain stain, die noch hüt dis tage da sichtig sind 
SU ainer gezügnust des sigs der hailigen zweifboten, dar vm hiess der 
kajser sant Patern krützgen vnd sant (Blatt 27 b) Panlum enthopten. 
d6 sant Peter geffirt ward zu dem crütz, dö sprach er: min here Jh^ns 
Cristtts kam von dem himel herab vf dia ertrich, das er vns eiidsti an dem 
crots vnd er stund an dem crutz vf recht vnd wenn ich von der erden 
wü vf kumen zu himel, s6 sollend ier mir das h^ vnder aich k^m 
gia der erden vnd die fusz vf gen dem himel. aU<) schied er von diser 
weit vnd wart saQt Paulus enthoptet vor der stat ; dar vm soUi wier aj 
mit gantzem flisz ^ren vnd begön mit fasten vnd mit fttren mit allen 
guten Worten vnd werkea, wann sy vrtail werdend sprechen fiber alli 
menschen. 

Anmerkung. Der cod. germ. 6 (1362) derselben Bibliothek bringt 2 kleine 
Predigten auf unsere Heiligen, die aber so mi^er und ganz nach dem 
Musterbuch der Legenda Aurea sind. Diese hier ist die vollständigste 
Pre<ligt, die mir über St. Johannes bekannt ist 

Vergl. auch hieher Dr. Sachse «Ueber Jobannes den Täufer im Bfittel- 
alter.* Prograuun, Berlin 18^6. 

Mönchen, April 1867. Dr. A. Birlinger. 



Ein Spil Ton der Urstend Christi. 

XVL Jarhundert.*) 



Hienach volgt die vorrede von der urstennd Oristi. 

Dürchleüchtig Fürsten Hochgebornn 

Adls vDnd Tngennt aüszerkorn! 

Auch hochgebornDe Furetin Rain 

Ir Fürstlich gnad ich auch hie main, 

WoUgebomn £dl gestrenngl 

Damit ichs spil nit in die lenng: 

Erwirdig geistlich Hocbgelert, 

Fümem vnnd weysz auch wolgeert 

Genedig vnnd gebiettend Herrn: 

In vnnderthenigkeit ziS Eem! 

Dessgleich zu dinstlicbem gevallen 

Anndern Herrn vnnd Frawen allen. 

Ainer ersamen gmain darbey, 

Was wird vnnd stannd ain jedes sey. 

Von gott dem Herrn Jesu Crist 

Wie er vom Tod erstannden ist 

Vnnd abgefam zu der HöU, 

Auch abkert vnnser yngevolL 

Darzii erlöst von Clag vnnd pein 

Die altvatter vnnd liebsten sein. 

Wie er alls dann schnell vnnd behent 

Hat geoffsnwart sein Clar vrstenndt, 

Alls Er dann seiner Möetter Rainen maid 

Erschinen ist on alles laid. 



*) Cgm. 147. 40. Perg. bs. XVI. jarhd. 27 bl. ex eleetorali bibliotheea 
SereniM. atriasque Bavar. puc Titelblatt abgeschmtten , die Hdtchr. ein 
Prachtexemplar. 



368 Ein Spil von der Urstend Christi. 

Der grossen pöesserin dessgleich 
Marien MagdaleDen- Reich. 
Darbej sein liebsten Jüngern werdt 
Ynnd Petro der was hart beschwerdt. 
Dem aüszerwÖUten werden Gott 
Zu lob ynnd £er an allen spott, 
Wdll wir hallten dise figür 
Aus schuldes pflicht der natür. 
Das bedenngken in ynnserm leben, 
Damit wÖll wir das spil anheben. 

Darauf ringen die Engel aüso: 

Ir Fürsten thönd ewre thor abkeren: 
so mag ein geen der Kunig der EernI 

Dann so spricht der Enngel Raphael: 

Ir Fürsten ufTnend ewre thor 
der eern kunig ist darvor! 
darümb so lasst von ewrm gschÖll 
thündt auf die portten schnÖU der boll. 
damit der schöpffer lobeson 
on hindemus darein miig gon. 

Der annder Ehmgel Athcnael genant: 

Ir Fürsten diser peinlicheit 

ewer offen Thor sey schnell berait. 

dem eern Künig knrtzer frisst, 

der hie vor ewrer portten ist. 

hert auf mit ewren groben wortten 

▼nnd thün schnell auf der helle portten! 

Darauf fragt der Teufl Belial: 

Nun wer ist dann der Künig der Em? 
den wessten wir hie allso gem. 

Darüber lasst der Sallvator ain grossen glantz zu den alltoaUm 

in die hölle vnnd Adam sagt allso: 

Das liecht ist Gott dess Schöpfers mein 
der wil erlösen vnns von pein: 
alls er vnns vor verhaissen hat 
durch sein gottliche maiestat. 
dann Isaias der prophet 
vnns warlich das verkdnnden thet 
der vatter Abraham deas^eich, 
er wöll vnns furo in sein reich. 



Ein Spil TOB der ÜrBiend Christi. $60 

Vollgt hernach Eaaiaa: 

Das ist das liecht wie ich gesagt hab 

vnnd vnns der himblisdi vatter gab. 

er ist der wäre gottes sün 

das s^en wir glaübn nttn. 

da ich noch in dem leben was, 

durch Groties gnad verkönndt ich das: 

des Volk in der vinstemusz 

thet wanndem dort on all verdröss, 

hat ain vil grosses liecht gesehen: 

alls wie dann jetzünd ist beschehen. 

> 
Darauf der alü Sbneon: 

So ward ich gehaissen Simeon, 
sejd idi Üch hör reden darvon. 
dess frendt sich innigdich mein hertz, 
verschwunden ist mir all mein schmertz. 
wir sollen eem gottes siin, 
der vnns dann ist erschinen nun. 
dann alls Jhestis gebom ward 
aus Marien der Jangkfraii zart, 
alls ich bin in den tempel ganngen 
hab ich den in mein arm empfangen, 
alls auch der heilig geist das wollt, 
da redt ich alls ich billich sollt 
ynnd hab allso gesprochen recht: 
Herr lasz in frid nun deinen knecht! 
nach deinem wort die aiSgen mein 
haben gesehen das haile Dein, 
das du herr himblischer glast, 
Tor allem vollk beraittet hast, 
ein liecht zii offenwar der haiden, 
das nit werden abgeschaiden. 
vnnd die Er deins voliks Jsrael : 
desshalb frey ich mich arme sei ! 

AlUdann Johannes der iauffer: 

So pin ich Johannes genant, 
hab Cristum taafil mit mdner hanndt. 
alls ich hab lere von Ime empfanngen, 
tnn ich Im seinen weg vorganngen* 
ich zaigt den mit dem Ünger mein 
mit disen wortten in dem schein, 
sein weg beraittennd in seim leben 
hab allso zeügkniis von im geben« 

Archiv n B. 8]>nioh«n. ZXXDC. ^l 



870 fiin Spil von i^t Drttend ChrittL 

nembt war das Lamb vnnd gotles kind, 
' das da aufhebt der wellte sind! 

vDnd üch söllrhs aucb nit verschwigen 
vnnd bin darurob herabgestigen, 
damit ich üch 8 verkünden wer 
das aller nechst; die göttlich eer 
würd zu üch komen kürtzer friat, 
allfldann nun jetzt beschehen ist. 

Damach Seth^ Adams sune: 

So haiss ich Seth, red in dem schein 
vnnd Adam was der vatter mein, 
alls er warde krannk, gienng ich gewysz 
eylends hin in das paradip, 
zn pitten Gott, das Er mir senndt 
einen der enngel ejl vnd behend t, 
der mir zügeben wer berait 
des Öls göttlich parmbertzigkait, ' 

das ich dem leib dess vatters mein 
vertrib damit sein wehe vnnd pein. 
darauf erschin mir za der stund t 
sannd Michael vnnd thet mir kunt, 
ich sollte meiner pitt abstan 
vnnd deszhalb nit mer arbeit han: 
wann das mocht kaineswegs beschehen, 
bis das ich vor die zeit thet spehen: 
Ja das verganngen wem gar 
fünftaüsent vnnd zway hundert Jarl 
dieselbig zeit ist jetzt dahin, 
darum b ich hoch erfreiet bin. 

Vollfft hernach Zadierias: 

Zacharias bin ich genannt 
hört züe was mach lidi bekannt! 
durch gotliche gnad was ich verzehon, 
ich hab mit meinen atigen gesehen 
Froloküng gnüg den Töchtern schon 
Jerusalem vnnd auch SionI 
hab ine verkÖnndet mit wortlen siecht: 
dein kÖnig wirt dir komen gerecht I 
der hailmacher der gannten wellt, 
wiewol er hie wirt arm geroellt. 
so er reyt au£ ainer Eslin ein 
zaigt an diemüt viiiid tögent sein, 
rd wird zestreien, ward ich sagen, 
ea den vierrederigen wagen. 



fitn Spll VOD der Ursiend Christi. 9M 

der pog dee streyts wirt abgewenndet, 
dem Effrajm der frid gesenndet. 
Jc& wa8 auch sagen gleich dermassen 
hast aus der grub der gefenngkhnüs glasten 
der ort darinn kain wasser was: 
in deinem blüt bezeugest das. 
dann dein gefanngen haben vemomen, 
das ine ir hofnüng ist züegekomen« 
Jetzt merkt ir lieben Brüeder mein, 
weyl ir dann gesehen habt den schein 
vnnd warlich gottes Sün ist gewesen 
will er vnns von der pein erlosen: 
so lob wir pillich Jhesum Crist, , , 
der vnns warlich erschinen ist. 

Darnach kombt Maises: 

m 

So wird ich Moyses gemellt 
dieweil ich lebt in jener wellt, 
der zeit im aUten testament 
ward ich ain patriarch genent« 
deszgleichen ward mir da von Got 
znlemen dwellt die zehen pot 
an zwaien stainen tafeln geben, 
hab ich mit vlejsz in meinem leben 
das Jsraelisch voUk gelert 
allein den gottes dinst begert. 
darinn bin ich gestorben ab: 
darümb ich göete Hofniing hab. 
zu Got meim Herrn Jhesihn Grist: 
er werde mich eÜ diser frist 
auch fiem, pitt ich hertzlich gar, 
mit diser auszerwoelten schar. 



Varaxf redt Davit: 

So haiss ich Davit pierkt furbasi 
thÜn üch von Got beschaiden das, 
was ich ettwas geweyasagt hab, 
alls ich empfannd des geistes gab. 
dem herm werden ty bekennen 
wo man sein namen wirt ernennen. 
Er hat zerknisst ire thor 
mit sein enngln schwebend darvor 
wirt jetzt besehehen eüder stündt, 
allso hab wir den rechten gründt. 



• 



U 



zr% Ein Spil von der Uritend Christi. 

Darüber be9ehleust Abraham: 

So frey ich mich der seligen dtttnd, 
die mir voq üch ist worden kttnt 
vnnd auch die liebsten brüder mein : 
6ot wil erlesen vnns aus pein. 
Jeh sag efich war Im rechten grilnd, 
das mir verhiess der gütlich mnnd : 
wie Er (hab ich vemömen recht) 
wollt selig madien mein geschlecht 
von jetzt bis in die ewigkeitl 
Nun ist vnns jetzt sein hillff berait : 
das ynns der heilig schein bedeüt 
dann jetzt verschinen ist die zeit. 

Jetzt wider die posen veind: 

Jr schneden wicht der teufl schar 
eür gwallt wirdt üch genomen gar, 
den ir mit vnns getriben haben : 
das ewig fewer wirt üch jetzt laben! 

Darauf $agt der Satanae aUso wider seinen Fürsten Jnfemum: 

Ntln berait dich först mit Freyden zile, 
vemim was ich dir sagen thiSe. 
du watsst, der sich hat gehaissen Crist, 
der jetzt am Krefltz verschaiden ist, 
vnnd sieh tet nennen Qottes San, 
den wirstÜ balld empfahen nun. 
Er was ain mensch Hirchtend den tod. 
mergk da er sprach vor seiner not: 
mein seel betrübt ist vnnd beschwert 
bis in den Tod I redt er auf erdt. 
doch hat er gar vil gsundt gemacht, 
die ich hab zu der krankheit bracht, 
darzüe die krummen macht Er grad; 
der Hoffnung das Er vnns nit schad. 

Dagegen Jnfemus: 

Pistii mechtig so merk hiebey, 
sag mir, wer diser mennsdi hie sej? 
Vesüs der flirchlen soll den Todt 
wehe dir du kombst in ewig notl 
Er widersagt doch deiner macht, 
Zefahen dich ist er bedacht. 



liiD Spil von il«r Urstend Cliricti. »7$ 

Darauf anntwuri SatkanoB: 

Jch hab in auf ain zeit versacht, 

das Volk bewegt, geo im versucht, 

das sy in prachten xü der pein 

vnnd im namen das leben sein. ^ 

hab im gschörpffl sü derselben fristt 

das sper, damit er gestodien ist. 

auch im gemischt essich mit gaU, 

damit in trennkt dw Juden schall. 

vnnd ime das KreÜts aäch subttait, 

daran er tod vnnd martter laidt. 

da ist er gstorben hert vnd schwer; 

Jetat bring ich dir in gfanngen her. 

, Darauf /rafft der Jnfemus: 

Jsts aber der der mich erschrekt 
Tnnd Laseröm von dem tod erweckht? 

Änntumrt Sathana: 

Ja Füret, er ist derselb geschikt, 
der Lasarnm vom Todt erquickt 

Dagegen sagt Jnfemus: 

So bschwer ich dich vnnd bin bedacht 
bej deiner vnnd bey meiner rascht: 
das da ine fÜrsst verr von mir 
nach im so hab ich kain begir. 
ich rede auch wol an allen spot, 
alls ich vemam seine worttes pot, 
das ich davon erzittert gar 
mitsambt der ganntze hölle schar, 
vnnd ich auch zö derselben stund 
Lasarnmb nit mer hallten kund. 

Jetz singend die ewngd aUs wievon 

Jr Fürsten thünd ewre thor abkeren: 
so mag eingeen der Künig der eerenl 

Darax^ spricht der Raphael: 

Jr Ftirsten diser h^le pein: 

thünd auf vnnd lasst den Fürsten ein ! 

erhebt eür portten kürtzer stündt: 

ich beschaid Üch hie den rechten gründt; 

das enntlich zu Üch komen ist 

der em künig kÜrtjMr firist. 



9174 Ein Spil von der Urfiiead Christi 

Der Belial urievor: 

wer ist dann etc. 

vnd singen die eiingel wievor 

vnd spricht der Athonael allso: 
Jr Fürsten lasst von «wrm trütz 
vnnd fugt den seelen züe kain schmutz! 
Thündt ewre ligl dannen kern, 
so wirt eingecn der Eunig der Erp. 
Jr Fürsten diser h^e pein: 
tbund auf vnnd lasst den kunig ein! 

Der ScUlvator stosst die Hölle aiify darüber fragt der Bellzebub : 

Der künig der Em : wer ist der, 
der vnns hie macht so grosz beschwer? 
auch vnns erschrekt so graüssam blich 
mit grossem gwalt erzaigt er sich ? 
von wannen ist der stark, der rain, 
der dringt in vnnser gefenngknus ein ? 
fartrefflich dar vnnd rain on massz, 
vnns vormals vnnderworffen was. 
der wil erlösen hie aus pein, 
die pillich bey vnns sollten sein, 
nembt war: die von der hÖIle gaben 
sollten bey vnns ersennftzet haben, 
erfreyen sich zu diser frist, 
seyd in ir trost erschinen ist. 
haben nit trost allein empfanngen 
Sy trawen vnns alls den gefanngen, 
nun wer hats aber mer vemomen, 
das gfanngnen soUch freyd sey komen? 
oder wo fynndt mäns ye geschriben, 
das sy solch hof&rt haben triben? 
wer ist der ciar erschreklich man, 
dem niemand widerstreben kan? 

Darüber anntwurt Davit: 

Er ist ein herr der creff\en gmellt, 
thüt regiem die ganntzen wellt, 
des himels vnnd der helle schar: 
des werden ir jetz nemen war. 

Dese beclagt sich, der BeUal gegen seinem Fürsten allso sprechend: 

O vnnser Fürst erst wirt gemert, 
dein pein, dein Freü4 in. laid verk^t, 



Ein Spil von der Urstend Christi. 875 

80 du Dit waist den grossen schaden 
der vnnser höll ist auferladen! 
bist doch bericht, das warer Crist 
am Creütz kurtzUch yerschaiden ist? 
dardürch wir sein ser betrogen 
vnnd Wirt dir dein gewallt entzogen. 

Darauf heulen die Teuß: 

Advenisti desiderabilis qne expectabamus intenebris, ut ednoeres 
hac nocte vinculatos de claustris. 

Vnnd Adam eprichi aliso: 

O pisst du komen siesser Herr, 
dem wir nachrufiften hert vnd schwer! 
in diser Fürsten Htill so weyt, 
ofSt w linsten wir das kam ain streyt. 
ob der himel würd aöfgethon 
vnnd kam der schcipfier lobeson, 
das er fiert aös gefe&n^nus vnns hie 
von pein vnnd not aÖs aller my^ 
o herr mein got hillff vnns aus pein, 
nun sey wie ye die schöpffang dein 
fier Tnns in deins vatters reidi: 
O gott mein sind du mir verzeich ! 
dein pot hab vberganngen ich, 
schwerlich gesynndet wider dich! 
^ beschwert mich hart vnnd reuet mich seer, 
dammb ichldeiner gnaden geer: 
du wollest mir parmbhertzig sein, 
benügen han an diser pein, 
die wir lannge zeit gelitten haben 
thüe vnns durch ewig frewd begaben. 

Damach redet Eva: 

O got mein Herr erparm dich mein 
lass mich dir heut bevcdhen sein! 
dein pot hab ich grosz vberganngen, 
ich voUgt dem Rat laydiger schlanngen. 
prach von dem paam den Apffl ab, 
den Adam meinem gmahl gab. 
Er ward darnach durch mich verfiert^ 
damit so haben wir bayde geirrt, 
da trübst vnns aös dem paradeisz. 
O herr, m^in Got, an vnns beweysz 
dein gnad vnnd grosz BarmhertzigkeitI 
mein got wie ist mir so leidtl ^ 



876 Ein Spil von der Urstend ChriitL 

auch rewt es mich von herteoa seer, 
das ich gesindet hab so schwer, 
verzeich mirs du mein Herr vnd Got^ 
hillf vnns aus diser angst vnd not, 
vnnd fiier vnns in das ewig leben, 
die Frejd wollest vnns genedig geben! 

Darauf nimbt der ScUlvator den Adam bey der hannd epreehent. 

Der Frid mit eiidi I gehabt ach wol : 
Er ist hie der iich trösten sol. 
seiet fr51ich nun zö diser stiindt, 
euch ist warlich hoffnung künth. 
dann was ir lannge zeit hah^ begert 
des seit ir jetz völlig gewert, 
kombt her ir aüszerwÖllten mein 
ir seit erlöst aus aller pein! 
ich fuer üch in meins vatters reich, 
daselb ich iich gross Freüdt verleich, 
selige riie vnnd ewigs leben: 
. das thiin ich üch mit freyden geben. 

Der Scdlvator zum enngel Michael: 
Säliger Enngl Michael: 
nim hin die aüszerwÖllten seel, 
die gewarttend haben hört vnd schwer, 
bis ich bin komen zu In her, 
vnnd sj von pein erledigt hab! 
förs mit dir zu der sälligen gab, 
alldorthin in das paradisz 
ewiger Frewd sind bj gewysz! 

Darauf anntunirt der enngel: 
O siiesser Herr vnnd reicher Grot 
du vberwynnder aller not: 
dein g:nad vnnd gros parmhertzigkeit 
wie balki ist sy millt vnd ber&it. 
wie schnÖU ist er von dir gewert, 
wer sy von grundt seins hertzen ert. 
alls sich an diser schar befynndt, 
doch sein Sy pillich dein gesynndt 
seind dir gewesen vnnderthan. 
des willtü sy geniessen lan. 
Jetzt wil idis fiern kuHzer frist 
da ganntz volkomen* freyde ist. 



Ein Spil Ton tier Urstend ChriitL 97ff 

Jetz tagt der ennffl zu den Seelen alUo: 

NÜD körnend her ir gottes kind: 
ich wil üch fiern behend gschwind 
Z11 grossen fteyden vnd auch rat, 
da üch got hin geordnet hat. 
so vollgt hernach den s&llgen weg: 
Grot Wirt üch han in seiner pfleg. 

Vnd wann aUdann die zwen Sun Simeonis in das Paradis komen, 
so spricht der ain sun genant Carinus zum Emock vnnd EUam aUso: 

Vnns wundert recht zu diser stündt, 

Bitt üch, sagt vnns den rechten gründt, ^ 

wer ir doch seit so grosser Er 

oder von wannen kümbt ir her? 

so ir nit habt versucht den todt 

seyd die natür vnns allen pot, 

das wir im zeit all m dessen sterben 

Ehe wir die ewig Freüdt erwerben. 

so sech Mrir üch mit aügen gewisz 

gesetzt hie in das paradisz. 

warmit habt ir verdient die Cron, 

das ir von Got begabt seiet schon? 

vnnd ir auch nit zu vnns in pein 

sejt komen vnnd habt muessen sein ? 

Die Armtwurt Enochs: 

Der ist Elias merk mich recht, 

was allezeit Got ain' trewer knecht. 

so bin ich Enoch ain profeth, 

die Got darzü verordnen thet: 

wir sollten haben leib vnnd leben 

bis das der Anntcrist thet vmbschweben. 

vnnd so derselb nun komen thüt, 

dann werden wir durch gottes hu^t 

wider ine streittcn hert vnnd schwer 

vnnd anzaigen die gottlich Eer. 

die der antcrisst thüt eebezwingen, 

werd wir ains tails zum glauben bringen. 

Allsdann allbed von ime erslagen 

darff niembt die leib zum grab hin tragen, 

bis das vergeet dritthalbcr ta«^, 

dem ist allso recht wie ich sag. 

Die Anntwuri EUe: 

Elias der prophet bin ich, 
dermasB Enoch hat beschatden dich. 



878 £in Spil von uer UrsteDd Christi. 

darumb verw ander dich oU'seer 
vnDS ist aufgelegt ain grosse Eer, 
die vnns Got zügeaignet hat, 
der hellf vnns auf den rechten piat, 
das wir mit freyden sign an 
dem Anntcrist teyflichen man. 
das wir das vollk thün widerkern 
vnnd dann der enngl schar mit mern. 
allszdann laid wir pillich den todt; 
Got will vnns hellfen aus der nott 
vnnd darzii ewig Ionen schon, 
vnns ziem mit der enngl cron. 
allso hastü den bescbaid vemomen, 
wie wir an dise stat sind komen. 

Darnach redt der annder Sun Leudus genannt vnder den Schacher 

Imparadie: 

Mich wöndert recht in meinem möet 
warumb du hast verdient das gilt: 
sejd das dich Grot begäbet hat 
vnnd dir verleicht die heilig stat. 
Ehe dii dort hin zn vnns bist komen, 
die straff hast vmb dein sind genömen. 

Die Anntumrt desa Schachers: 

Das lassz dich nit verwundern hart, 

so ich daher verardnet wardt. 

du waist» das Gottes Barmhertzigkeit 

dem rewer sein will schnell berait. 

den er mit warer paesz befjnndt, 

demselben laset er ah. sein sindt. 

Jch pin gewesen ain Schacher schned, 

schenntlich, in meinen synnen pled. 

da ward ich gefanngen zu der frist 

alls warer Got gecreützigt. ist« 

mit im ward ich ans kreutz gehenkt : 

mein Hertz in grosses Laid versennkt 

vmb mein sind, die ich hab verschulldt; 

fordit seer, ich käme nit mer zuhuklt. 

was laidig, so ich dacht daran, 

da röfit ich zu dem heiligen man, 

den ich erkannt alls waren Grot, 

das er mir hüllf aös aller not. 

Jch sprach: Got herr vnnd schÖpffer mein, 

vmb das du gelitten hast die pein, 



Ein Spil von der UrsieDd Christi. 8f9 

dein göttlich g^ad da mir verleich 
80 dtt kombst in dmns vatters reich! 
da sprach der Herr zu mir filrwar 
aus seim gÖtlicheo mtmd so dar: 
heut wirstü sein, dea bis gewis, 
bey mir dort im paradiss ! 
vnnd gab mir da eins Zeichens schein 
das kreütz der piUem martter sein. 
des sollt ich tragen an die Stat, 
da er mich hin geordent hat. 
wann ich kern in das paradiss 
vnnd mich der enngl nit einlies, 
dann sollt ich sagen zö der fart : 
Cristijs der jetzt gecreutzigt wart, 
der hat mich her zu dir gesannd, 
das ich dir werde, dardöeh bekannt, 
vnnd als ich dise ding verbracht 
hett sich der enngl schon bedacht, 
vnnd setzt mich zu der grechten schon, 
alls wie ich han geredt darvon 
allso hab ich beschaiden dich 
darümb da hast gefraget mich. 

Jetzt fam die zwoo seelen der Sune £imeonis der mas^t alls geen 
Jheruscdeni mit namen Carinus vnnd Leucins die werden van Iren 
J^urstenbeschwom; der erst Caiphas beschwörung allso sprechennd: 

Jch Chayphas beschwer dich one spot 

bey dem vatter vnnd warn goil 

bistü ain goiyst, so sag mir behennt, 

von wannen du seist her gesenndt? 

oder was hastü aber gesehen: 

die warhait thüe mir recht verjehen ? 

lasz mich aiich recht im griindt verstan 

ettlich provethen zaigen an, 

wie das der war Messias recht 

werdt selig machen das"" gesiecht 

des Abraham bs vnnd Israeli, 

wer auch abfam zü^der Höll, 

vnnd ledig machen aiüa der.pein 

die Alltvätter vnnd liebsten sein. 

werd sy fum aus dem ellenndts 

darauf bericht mich schnell vnd behöndt : 

der jetzt ist an dem kreutz gestorben , 

hat er in sollch gnad erworben ? 

wann er sich nennet gottes sün, 

so wer auch EcUas niin. 



380 Ein Spil von der Urstend Cbritti. 

Bistü dann von der HÖH hetkoinen, 
sag an, hastü dessgleich ▼emomen? 

Darüber redt Annas: 

Deszgleich thiie ich beschw^ dich, 
den Bischof Annas nen ich mich« 
sejdt dii ain geist gesehen bisl, 
was dir in kurtz begegnet ist. 
dann alls der man hat hie gelert: 
das Volk von vnnsemi glauben kert, 
hat er gesagt den Jongem sein, 
ehe das ir glitten habt die pein 
▼nnd an dem Creütz gestorben ist 
der sich genennt hat Jhesum Grist: 
Er werd ersteen am dritten tag, 
darauf hab ich gesetzt mein frag, 
hastu der hÖUe straflF gesehen ? 
sag mir, was ist daselb beschehen ? 

Die Anntwurt Carini: 

Alls ich noch was der in der pein 
bej den v^Utem : da kam ein Schein^ 
was goüdes vnnd auch pürper far 
ein kanigclich liecht erieicht vnns gar: 
darron die Tcindt erschraken seer, 
das sich kainer thet regen mer. 

Darauf Nieodemus wider Leaaum: 

Nicodemtis derselb bin ich, 
bey 6ot thiie ich beschwern dich: 
dörch Jesüm den vil heiligen man, 
der willig an das Crentz tet gan 
vnnd vberwÜnden hat den todt, 
das du mir sagest on allen spodt: 
bis dii ein geyst aus pein herkomen, 
was hast von Crist wunder vemomen? 

Joeep von Aramathia: 

Von Aromathia bin ich, 
Joseph genannt, beschwer aöoh dich 
bey dem vil warn Gottes sön, 
das dii mir auch jetzt sagest nun, 
von dem heylmacher Jesum Grist, 
seyd dö von pein herkomen bist, 
was er hab tan für hÜllfes schein 
durch trost mit den erwöUten sein? 



Gin Spil von der üritend Christi. 9%\ 

Zum Leisten GamaUel: 

Gamaliei bin ich genannt, 

die warhait mach mir hie bekannt? 

das peöt ich dir on allen spot 

bey dem vatter vnnd warn gotl 

bist du ain geyst vom leyb gescbatden, 

du seist ain Crist oder ain haiden : 

kompstfi her von der fynnstern pein, 

so sag mir von dem schSpffer mein, 

las mich im rechten gröndt verstan, 

was er daselb hab wunder tan? 

Darauf a$mhimrt Leuciue: 

LeüciiSm den nenn ich mich : "^ 
der sach wil ich berichten dich, 
vnnd Nicodemüro dessgeleicb, 
die vatter warn freydenreich, 
alls Jesus SU der hölle kam 
sein aüszerwöUten heraus nam. 
zürn ersten liess er einen schein 
dranng durch die gannts hÖlle ein, 
was pärpür vnnd goUdfare rot. 
allsdann den schneden vmntten pot 
durch sein Enngl sprechend darvor : 
ir Fürsten erhept eÜre thor» 
das ein mog geen in kürtzer frist 
der Heyimacher Jhesns Crist t 
mit vnstöemigkeit ails balld 
stiess Er die hÖU auf mit gewallt 
gab trost den aller liebsten sein 
erlost sy da von aller pein. 
setzt sy allsdann ins paradisz. 
allso seyd ir der sach gewysx, 
das soldies alles beschehen ist 
von 6ot dem Herrn Jesu Crist? 

üwknuMl» aus Crietus ersiannden ist aennd er den enngel Oabrielem 
zu trost Marien seiner Muetter: sagt aUso:. 

Merk Grabriel dö rainer pot, 
ich sag dir das on allen spot: 
seyd didi der himblisch vatter mein 
Qidnet, das du der pot sollt sein, 
mich ittverkönnden zä der maid, 
die mich empfieng on alles laid 
mit keuschait rain in iren leib: 
far hin, gries mir das selig weyb, 



d#3 ' fiin Spil von der Ursten«) Chriiti. 

die allerliebsten müetter mein, 
lro8t sy noch grosser klag vnd peio, 
die 87 gelytten hab vnib mich: 
das 8j mÜg wol erfreuen sidi. 
deszgleichen glaub mit Herc vnd ayna 
das ich vom tod erstaonden pin. 
selber auch zu ir komcn will 
vnnd sy trösten nach kÜrizem zyll. 

Dagegen Anntumrt der enngl: 

O lieber Herr, wie gar pillich 
mit suessem trost erzaigstu dich 
dort bey der liebsten Muetter dein, 
die gelitten hat schmertz Tnd pein. 
mit Hertz vnnd Synn in grosser not 
ymb dein leyden vnnd btttern Todt. 
damit ir schmertz werd abgewendt, 
wann sy vernimbt dein clor vrstendt. 

Dann so spricht der enngl zu vnnser lieben Frauen: 

Grüst bis Maria voll geiiadl 

der Herr mich zu dir her gesanndt bat, 

bis frulidi nun du raine maid, 

lasz fem hin jetzt alles laid 

wann got dein sün Herr Jhesüs Crist 

warlich vom tod erstanndea ist. 

du pist ain himelkiHnigin) 

das nim fr^lich in deinen syn, 

was du begerst wirt dir beratt, 

darümb bit för die Cristenhait. 

du sollt atlch warlich glauben mir 

das er selbs wil komen zö dir. 

Die AmUwurt Marie: 

O Gabriel du enngl dar! 

mein frewd ist gros, das glanb farwar, 

vnnd dannk dir hoch der potscfaafft dein, 

seyd das der Herr vnd Säne mein 

ist auf erstannden von dem Todt 

hat vberwünden all sein not 

vnnd hoch «crfrewt mich armes wsyb 

mit seim dariflcierttn leyb. 

frey mich noch mer der selltgeo stikidt 

die mir von dir ist worden künt: 

das er wil selber komen zu mir 

dess sen ich mich hertzlicb mit gyr. 



Rin Spil von der- Ürstend Ckristi. 888 

Unnd jetzt erscheint ir der Scdhaior alUo sprechendt: 

-Nim hin den grüs von meinem mönd, 
hertzliebste Muetter dir sey künt 
vnnd glaub auch das, wie ich dir gjnn, 
das ich vom tod erstannden bin! 
vmb das du grosz laid hast getragen 
mit schmertzn, wainen vnd mit dagen ; 
vmb mich vnnd dÜrch das leyden mein 
ain Himelkünigin sollt sein, 
vnnd was du alls dann wirst begem 
dorch ftirbit thün ich dich erhoern. 

Marie der Jungkfrauen Antwurt: 

Jesü^ meiit liebster Sün vnnd Herr, 
wie was mein tr<Mt vnd Freud soverr, 
ehe ich vernam dein dar vrstendt! 
mein trawren ist in freyd gewendt 
darumb empfach ich dich vom tod 
nach deiner vrstend mein Herr vnd Got! 
Ach du mein wünn vnd begir, 
mit Freyden pist erschynen mir! 
mein allerliebster Sun vnnd wünn, 
dein lieb ist clarer dann die SünnI 
mein freyd ich nit aussprechen kan, 
die ich von dir empfangen han. 
ich pitt dich durch die vrstennd dein, 
lass mich dir heüt bevolhen sein! 

Des SaUvators Anntwort dagegen: 

Mein liebste Mueiter gehab dich wol, 
du sollt werden der Freyden voll 
wann ettlich zeit vor ist erganngen 
wirdestü gar schön von mir empfanngen. 
sollt sein in ewig freyd gesetzt 
vnnd alles deins laids von mir ergetzt. 
damit far ich dahin mein Strassen, 
mit trost wil ich dich nit verlassen* 

Nachmalis reden die Marien miteinander, vne «y hin tu dem Grab 

wollen geen vnd Magdakn spricht aüso: 

Ir lieben Frawen, ratten zÜe: 

mein hertz hat weder rast noch Hie, 

bis ich erfar den rechten grund 

vnnd mir die warhait ganntz wirt kunt. 

Lncas zaigt an des herm sag, 

er werd ersteen am dritten tag. 



3^4 Ein Spil von der Drstend Christi. 

vnnd ob ich voWg aäch bey uch hab, 
80 wöH wir gern zu dem grab, 
vnnd salben da des Herrn leib; 
darurab rat zti ir werden weib! 

Die Anntwurt Marie Sahtne. 

Mir ist dessgleichen auch allso. 
villeicht wir werden innen do, 
wie es stee vmb den Herrn Crist, 
durch Joseph des die grebnüs ist. 
ynnd rat ganntz woi, wir geen dahin ; 
wann ich in grossem trauren bin. 
der hofnüng vnns werd angezeigt 
dardürch sy traürn von vnns naigt. 

Die Anntwurt Marie Jacobe: 

Nun bin ich laides vnnd vnmüets vol, 
lieben Frawen, ich rat es wol, 
das wir hingeend jVtzt auf der farl: 
ach got wie sen idi mich so hart! 
vnnd zweyfl nit, wann er redt war 
er werd ersteen sichtig vnnd dar. 
sein leib sol wir auch salben schon 
wie Magdalena redt darvon. 

Darauf redt Magdalena allso: 

So körnend her ir lieben frawen: 
last vnns den berm Jesum schaden! 
aÖch trettend her ir werden weyb 
vnnd last vnns salben seinen leyb! 

AlUzdofm singen die Frauen. 

Wer thöet vnns von der Thfir wÖlltsEen den Stain, den wir haben 
gesehen legen auf desB Herrn Grab. 

Daroiuf redt Salome allso: 

Wer thüt vnns von des grabes thür 
den grossen stain, den fürchten wir? 
dann ir wisst wol das grab ist gefeUzt 
ain grosser Stain darauf gewelltct. 
wer thüet denselben vnns herab, 
wann ich fast grosse sorg darauf hab. 
wen suchennd ir, ir zyttrennde weyber 
-bey disem Grab allso wainen? 



Ein Spil von der Urstend Christi. 885 

Aüsdann so redt der enngl B4xphad: 

Wen suchend ir, ir frawen rainen 

80 zjttern vnnd schwerlich waynen, 

bey disem grab so trawrend seer? 

sagt an, was ist doch Ewr beschwer? , 

oder was wollt ir für ain gab, 

das ir so frue kombt zu dem grab? 

Darüber nn,en di. frauen' mer. 
Jhesnm Nazarenum, der gekreutziget ist, denselben wir snechen. 

Vnnd Maria Jacobe eagt allso: 

Wir snechen warlich JesÜm Crist 
von Nazaret, der kreutzigt ist. 
Hofnüng vnnd trost ewiger gaben, 
den wollten wir gesalbet haben, 
nach im so hab wir grosse dag: 
er sollt ereteen am dritten tag, 
non hab wir in noch nit gesehen, 
der hofnung, es werd geschehen. 

• 

Darüber der enngl aaamg: 

Er ist nit hie den ir da saechet: aber ejlennts geet hin v.erkan- 
dets den sein Jüngern vnd Petro, dann wammb Jhesus ist erstannden. 

Vnnd sagt der enn^l Atiwnael: 

Ir Frauen durffent kainer müe, 
den ir da sacht der ist nit hie: 
er ist erstannden sicherlich : 
Darumb ir Frauen mergken mich, 
sagt seinen Jungem kurtz frist, 
das er warlich erstannden ist. 
vnnd sonder Petro zaigends an: 
wann der ist gar ain traurig man! 
sagt im des herm war vrstend, 
^ vnnd das er seinen weg hinlennd. 

er geet üch vor in Gallilee 
alls er euch auch verkündet ee. 

Auch jetpund singen die Frauen wider : 

Wir kamen seyflzende hin zu dem grab, den enngel des Herren 
hab wir gesehen sitzennd vnnd sprechennd : nembt war Jhesus ist er- 
stannden. 

Vnd spricht Salome allso: 

' Vememend recht ir man vnnd weyb, 
wir haben gesucht des Herm leib. 

AeblT f. n. Sprachen. XXXIX. ^b 



986 fiin Spil ▼on der Orstend Christi. 

dann alls wir all drey hie atennd Frauen 
gienngen das grab hin zubeschatten, 
mit dagen seilftzen vnnd mit wainen 
hört wir der enngl sprechen ainen, 
der zwen gesessen sind im 6ra6: 
nun was begert ir för ain gab? 
sucht ir den herm Jesüm Crist, 
glaubt mir das der erstannden ist. 

Darm so erscheird der Salloator MagdaUne in gariMers weysz vnd 

Magdalena sagt (diso: 

Nun sag mir du vil gäetter man, 
wo hastii meinen herm than? 
der an die stat begraben ward? 
nach im sen ich mich hertzlich hart, 
wo hasiö mir ine hin begraben? 
wir wollten den gesalbet haben. 

Mit verkerung seiner beclaidung alls ain urstend claift spricht Er: 

Maria! 

Daruf spricht Magdalena allso: 

O liebster Herr vnnd Jesiis süss, 
günn mir zu küssen deine füss. 

Die Anntwurt dess Saävatars : 

Tritt hinderskh, dö werdes weyb 
sollt nit berürn meinen leib! 

Die begerung der gnaden spricht Magdalena: 

Jhesü du höchste hofnüng mein, 
wie hastii mich erlöst aus pein! 
seyd dii mein got vnnd warer Crist 
vom tod jetzt aÜferstannden bist. 
Ich bitty das mich dein genad empind 
vom schweren lasst meiner grossen sind, 
sennd rew vnnd laid mir in mein hertz 
mit pittrigkeit vnnd grossem schmertz. 
vmb ali mein sind vnnd missetath 
gib mir zu piessen zeit vnnd stat. 
O herr wie schwerlich reut es mich, 
das ich gesynndet wider dich! 
lass mich dein göttlich gnad erwerben, 
das mein sei nit muess ewig sterben I 

Dess Sedvators trost 

Maria du sollt frÖlich sein, 
ich lass dir ab all sjnnde dein! 



£in Spil von der Urstend Christi. 387 

vmb dein sind dich nit mer belrib, 
wann du hast mich gehebt vil lieb: 
alle du an mir bewysen hast, 
da ich bey Simon was ain gast, 
hast mir gesalbet meinen leib 
deszhalb bist trost da werdes weyb. 
mein fnesz mit deinen zehern zwagen 
vmb dein sind grossen schmertzen tragen, 
mit deinem har drügknet mein föessz 
dein freyd wirt dir im himel süess! 
stehe auf Maria vnnd freye dich : 
du hast in gnad erwarben mich, 
gee hin jetzt zii den Jüngern mein, 
verkhind in auch der freyden schein, 
das ich vom tod erstanndcn bin: 
wann traurig ist mir müt vnd syn, 
vnnd sag das Petro gleich so vast, 
wie du die sach vemomen hast. 

Die Dannksagung Magdalene* 

O herr ich sag dir lob vnnd dannk ! 

vor S3mnden was ich schwach vnnd krannk, 

ehe ich dein süessen trost vemam 

vnnd mir dein gnad zu hülfe kam. 

Jetzt bin ich aller freüden vol 

deiner vrstennd, alls ich pillich sol. 

so mir mein sind seind jetzt verzygen. ^ 

O herr ich wil nach mein vermügen 

dein lob in alle wellt verkünden, 

das man grosz gnad bey dir mag fynnden, 

wie schwer ich mich versynndet hab, 

noch lässt du mir 'das alles ab. 

lob sey dir in der ewigkait! 

Jetzt sol mein weg sein schnell berait, 

Petrüm zesÜchen nach dain pot: 

durch Jamer leyd er grosse not. 

Jetzt erscheint der SaüvcOor Marie Jacobe vnnd Salome also 

sprechend: 

S^iet fHflich nun zu diser stund, 

empfahet den trost von meinem mündtf 

Ich bin erstannden von dem Tod, 

hab vberwünden all mein not. 

secht an mein seytten, hennd vnnd füeflsz: 

ir habt mich lieb on all verdriesz. 

26« 



88S ^An Spil Töh der Urfitend Chritti. 

dariiinb ich üch die freyd verleich 
in meins himblischen vatters reich. 

Die Anntwurt Salome: 

O milter Got von ewigkeit 
verhaist vnns dein reich sein bereit, 
dammb sag wir dir lob vnnd Eer 
in ewigkeit mein lieber Her. 
auch loben wir stet vngewent 
mit hertz vnnd synn dein dar vrstendt; 
darinn hab wir grosz freyd empfangen 
allB trawrn ist vmb vnns verganngen. 

Damach geet Magdalena zu Petro vnd verkundt ime dess hemm 

urstend. 

Petre vermerk zu diser stöndt 
was grosser Freiid thu ich dir kilnt 
von meinem Herrn Jesu Crist, 
vermerk mich recht vnnd bis gerisst : 
Er ist erstannden von dem Todt, 
der hailmacher vnnd wäre got. 
Er hat mich her zu dir gesennt 
dein laid vnnd dag er wol erkennt, 
das ich dir das verkynnden sol, 
des magstü dich erfrewen wol. 
sollt auch Johanni zaigen das 
sein laid ist gros on vnderlas. 
vnnd mit ime geen in Oallilee 
da fynnden in den herm mer. 

Die frag Petri darüber, 

Maria vnnd ist dem allso? 
dess pin ich doch von hertzn fro. 
nit lennger las ich das an steen, 
sonnder hin zu Johannes gcen. 

Die Anfäwtsrt Magdalene. 

Ja glaub mir Petro das ist war 
gehe frÖlich hin, kain weyl nit spar, 
zwen emigel warn in dem grab 
davon ichs recht vemomen hab. 
das vnnser hailmacher Jhesüs Crist 
warlich vom tod erstannden ist. 
ich mags auch für ain warheit jehen : 
mir ist gros gnad von ime beschehen. 
Er hat mir all mein sind vergeben, 
versprochen auch das ewig leben. 



Ein Spil von der Urstend Christi. 889 

Jetzt verhmdt Petrus das Joanni:- 

Johannes Brueder komb'zü mir, 

wie grosse freüd verkÖnn ich dir 

von meinem Herrn Jesu Crist, 

das er vom tod erstannden ist. 

doch woU wir selb auch geen zum grab, 

von Frauen ich vernomen hab. 

Die Frag Johannis darüber: 

Sag an, Petre, den rechten griindt 

von weme ward dir die gros freiid kunt? 

oder wer hat den hern gesehen 

nit grosser irettdt mIScht mir beschehen! 

so mag mein hertz nit haben räe, 

dii fierest mich dann auch darzüe. 

Die AnnJbumrt Petari: 

So merk du lieber Bräeder mein, 

das ich erfyll den willen dein. 

Ja Magdalena kam zu mir 

erfüllt mir meines hertzen gir; 

sagt wie sy von dem grab her k»m: 

nicht darinn, wann ain tuch vernam, 

vnnd auch zween engel weisser wat, ' 

der ainer irs gesaget hat: 

das vnnser hergot Jhesüs Crist 

warlich vom tod erstannden ist. 

sy hab den herrn selb gesehen 

ir sey grosz gnad von ime beschehen : 

all sind ir abgelassen hab, 

ir versprochen der freyden gab. 

Johannes redt zu Petro: 

O trost vnnd frewd meins hertzen lab 
die ich von ime empfanngen hab. 
seit das mein hen* vnnd warcr got 
ist auferstannden von dem Todt. 
nit vnnderwegeu woU wirs lassen 
vnnd vnns beraitten auf die Strassen. 

Allsdann so erzaigt sich Johannes schnei zu geen vnd spricht Petrus : 

Ach Brueder peyt, lass dir die weil 
vnnd mich des wcgs nit vbei'eil! 
ich hingk vnnd kan nit hinnach komen : 
hast nit der Fratten rede vernomen ? 



390 Ein Spil von der Urstend Cbristi. 

du pist ganntz schnell auf den Fuesnen, 
lass dich ain ciain weil nit verdriessen. 
Brueder achte nit für ain spot 
vnnd lab mich auch mit dir dürdi got. 

Dann so singen ay beed: 

Currcbant duo simnl et ille alius discipulus praecuriit ciüiis Petro 
et vcnit piior ad monumentum. 

Dann sagt Johannes: 

Hie secht ir werden Cristenleüt, 
was vnns da» tikh im grab bedeüi. 
dann ich habs ye darin n gefunden, 
gelobt sein dioBelben stünden! 
darinn der Herr verwügklet was, 
darumb so gen wir jetzt furbas 
geen Gallileam in das lannd^ 
daselb wirt vnns der Herr bekant. 
der leib ist hin dess herrn Crist, 
der warlich auferslannden ist. 

Allsdann erzeigen sy sich den Herrn zesuchen in GalUlea vnnd so 
sy den fynnden feilt Petrus avf seine Knie sprecliend : 

O Jhosü du mein lieber Herr, 
dein götlich gnad von mir nit ker! 
ich bitt dich durch die martter dein^ 
du wollest mir parmhertzig sein! 
mein Herr, ich hab vnrecht gethan, 
sagend, ich wollt bey dir bestan. 
wollt willig mit dir geen in Todt 
ich hab dich gelassen in der not. 
dreymal ich hab % erlaügnet dein, 
verzeich mir Herr die synnde mein, 
rieht nit nach meiner vbelthat, 
wann es mich seer gcrawet hat! 
roittail mir dein Barmbhertzigkeit 
zu pttessen ger ich sein berait! 

Die Anntwurt SaüvaJtoris: 

Peti*e du lieber Jünger mein, 

ich lass dir ab all sOnde dein. 

ich hab. gelitten martter vnnd laid 

ftir dich vnnd alle cristenhait. 

vil angst maitter vnnd sohmehe wort 

von den Juden an manchem Ort. 

wer mich thüt vmb mein leyden clagen 

vnd ist mir lob vnnd dannk drümbsagen. 



Ein Spil von der Ursiend Christi. 391 

dem auch »ein sind sein hertelich kddt 

vnnd ist mit wurer puesz berait, 

denselben wirt ir sind vergeben 

ynnd disem das ewig leben, 

weil ich dann wais trawrigs Hertz^ 

das du tregst laid vnnd grossen schmertz 

vmb dein sind, die du hast verbracht, 

so wirt der nimermer gedacht. 

ich wird dich setzen kürtz frist, 

das du der Cristen vorganng bist» 

des aropts wollest mit treuem pflegen, 

damit gib ich dir meinen segen. 

ich wii dir Ionen sicherlich 

in meins himblischen vatters reich. 

Die dangksctgung Petri damber. 

Süesser Jhesü mein herr vnnd Got, 
du hast mir gehoUffen aus der not: 
dürdi deinen trost vnnd milltigkeit, 
seid das mir dein gnad ist bereit, 
wiewol ich schwerlich gesynndet hab 
bistü geen mir einer millten gab. 
darümb sage ich dir danngk, lob vnd Eer 
in ewigkeit mein lieber Herr 
vnnd das mir müglich ist, 
bin ich willig vnnd auch geryst. 
in deinem dinst allzeit mit vleysz 
die mcnnschen allzeit vnnderweysz. 
das sy dein glauben recht erkennen 
vnnd dich Got irn herm nennen. 
Herr gib mir darzü dein gnad^ 
das mir kain peser veind nit schad! 

Nun voUgt aber hernach wie die huetter bey dem grab zu krieg 

komen seind alls sy den Herm verlorn haben (nit allso erganngen^ 

allein er dicht) vnnd sagt der zennturio allso: 

Stett auf ir Brüeder, tret herzüe, 
merkt, was ich üch sagen thüe. 
verlorn haben wir den Man: 
nttn hab ich zwar kain schulld daran, 
mit vleys hab ich gehiettet recht, 
mich gehallten wie ain trewer knecht. 

Jetzt redt Decurio: 

£y secht nttr züe was sagt vnns der, 
verkündt vnns selhzam neue mer. 



393 Ein Spil von der Urstend Chriiti. 

spricht wie der man verlorn B»y; 
will haben doch kain schülld darbey. 
wie hat Er aber gebiet ao wol, 
ich main der man sey schalgket vol. 
er sollte gleich wol andi daneben 
den leyb den Jüngern haben geben, 
^vnnd sprechen dann die Jünger sein: 
er sey derstannden von der pein. 

Darauf redt der Miles: 

Ach Waffen, wee vnnd ioier waffen! 
wie hab wir nun ain sach verschaffen, 
seyd vnns der mon gestolen ist, 
das bringt vnns schandt zu aller frisst. 
die Juden werden sprechen das: 
wir sollten l\an gehiettet bas, 
oder wir habens selb gethan. 
ir gsellen wie wirts vnns ergan ? 
Sy werden zu vnns thün die clag, 
die niemand widersprechen mag. 
das ainer nit schülldig aey der sach 
sein all bestellt auf die wach, 
cenntürio enntschülldigt sich: 
dasselb auch gros verwundert mich: 
er ist ain rechter hollwannger*) 
seiner hanndlüng enntgellt wir seer. 

Darwider Cenniurio: 

Warümb wollt ich gedüllden das 

ir fugt mir bed zu neyd vnnd Has. 

ir habt geschroecht vnnd gschollten mich 

dardürch wird seer gelesstert ich. 

sollt ich der sein den ir mich nennt 

ich wollt ehe das ir würdt geschennt. 

pr ich tet solch s von üch leyden 

ich wollt ehe Lannd vnnd leüt darümb meyden. 

vnnd nem\>lich gib ich üchs nit nach 

das ir mir zuemesst sÖlhe schmach. 

Vnnd jetzt redt Lonnginus : 
Äch wie ist mir mein hertz so schwer, 
was sein nun jetzt der newen raer, 
eeyd ir all so still habt gcschwigen 
vnnd der vnns aus dem grab ist gstigen. 
auch vnnser kainer erwachet ist, 
des ist mir ye ain selltzam list. ^ 

*) Einer der verstellt zu Gefallen redet. Schmell. IV, 116. 






Ein Spil von der Ufstend ChristL 888 

Tond thündt jetzt geen luiiannder prümen, 
man hab ine aus dem Grab genomen. 
ich glaub es habs ewr ainer than 
vnnd wolle glauben an ine han. 
was werden ntin die Juden sprechen? 
ja zwar ich wil mich an Üch rechen, 
« wil an üdi wagen meinen leyb, 
ob ich schon bey dem Grab beleyb. 
vil wager rottss mir sein der Todt, 
wenn das ich leyd der Juden spot 
darauf so hab ich mich gerüsst 
tret nun herzüe der fraydig isti 
ich gib im balldt ains auf sein schnulu, 
das er hin zu der erde thüt fallen. 

Dagegen decurior 

So bin ich er ders wagen wil 
vnnd setzt dir gleich ain kürtzes zyl. 
dann ich der sach trag auch kain nütz, 
mich mttet gar seer dein poch vnnd trütz. 
wie dünkt du dich so freydig sein, 
man fynndt doch wol den gleichen dein. 

Darwider Milea: 

Wolomb, wol an, der trett herbey, 

wer lüst hab zu der haderey? 

ich sich doch wol es wil sych machen, 
\ hab mich gericht jetzt zu der sac-hcn. 

^ , du bist ain rechte IladerVatz 

das sich der teürannd mit dir kratz ! 

Dann so staheti Sy zusamen. Vnd als zu morgen dess österlichen 
taffs komen die Fürsten vnd Obristen der Briester an die huetter 

des grabs vnd der Chayphas spricht allso: 

HJetter wie habt ir so gethan 

8eyd das verlorn ist der man? 

wyst ir was euch bevolhen was? 

ir solltet han gehiettet pas. 

habt ir geslaffen allso seer, 

(las man den stain, so grob vnnd schwer, 

hat allso von dem grab gerist 

vnnd der man daraus komen ist. 

das Wirt euch allen zemal ain spot. ' v 

^ Centurio: 

Wir glauben, das er sey war got 
Er iat crstannden gewalltigcHch 



894 Ein Spil von der Ursiend Christi. ^ | 

i 

ja kainer kunt bewegen siob. 
reist herauB dar von dem grab. 

Annas : 

Wer thet im nun den Slain herab ?- 
schweyget darzu lieben gesellen mein, 
das word vnns erst ganntz spotlich sein, 
wo man das in der gmain tett sagen. 

Zjonnginus: 

Den Stain kind er wol dannen tragen. 

Er ist erstannden sichtig dar, 

des hab wir wol genomen war. 

der Stain thet allso dannen prechen 

das vnnser ainer kain wort kunt sprechen. 

wir muessen ime bezeugen das. 

Cai/phas: 

Lieben gesellen gedennkt uch das, 

vnnd thundt die sach nit offenwam 

wir lassen uch drumb widerfai*n j 

zu widerleg ain tapffer gellt, | 

dann wann die sach kam in die wellt, 

vnnd man sollt gruntlich wissen das: 

ain gmain trieg vnns neyd vnnd has. 

die irrung wurd nÖch gW$6ser sein. 

Decurio : 

Nfln was ist die verfaaissüog dein 
vnns zügeben? so schweygen wir, 
versprechen das zu hallten dir. 
wiild vnns drümb geben zehen pfündt? 

Ann<u: 

Die geb wir üch ztl diser stündt, 
das es dabey gehallten werdt. 

Miles: 

Du sollt darinn han kain beschwerdt 

seyet ir nun stftU in güeter rüe: 

dann genntzlich schweig wir still dazüe. 

Die FigvT vne die Bruder geen Bmaua ganngen sind spricht 

Cleophas allso: 

Ich Cleophas trag grossen schmert« 
vnnd hart beschwert mir ist mein Hertz 



Ein Spil von der Ursiend Christi. S»6 

▼mb das leydeo vnnd schmehen tod, 
f»o gelitten hat niein Herr mit not. 
Nun hofften wir er sollt ersteen. 

Lucas: 

Lieben Brüeder, so last vnns geen. 
ich Lflcas leyd atich grosse schwer, 
Ben mich nach ime! O da mein Herr, 
sollt wir dich aber wider sehen! 

In der verporgenhaä spricht Cristus genannt der Sallvatar: 

Ir Brüeder was ist uch beschehen? 
die red so ir züsamen tragen, 
warümb thündt ir bo bertzlich dagen, 
weil ir da 6ot trawret so seer? 

Cleophas: 

Wkist du das nit, so dti bist der 
ein pillgram von Jerusalem 
vnnd kannst nit sagen auch von dem, 
so bescheheii ist in disen tageu? 

Sallvator : 

Hierauf so thün ich dich darümb fragen, 
was doselben beschehen ist. 

Cleophas : 

Seyd das du mich dann fragen bist : 
~Ain man Jhesus von Nazareth, 
im wort mechtig, grosser proveth, 
in seinen wergken wünderpar, 
dartlmb hasset in der Juden schan 
was gkrecht vor Got vnnd vor der wellt 
die Ftirsten gaben Judas gellt, 
das Er inn sein Herrn verhies, 
Judas thet das on all verdriesz. 
alls Jhesus gienng hin in den Gartten: 
Judas tliet mit der schar sein wartten. 
Gab in den Juden in ir hennd, 
die ffirtten in schnell vnnd behend 
zu den fiirsten der Briesterschafft 
die haben in schmechlich gestrafft, 
aus grossem neyd TOhenntlich bedacht 
mit fallsch zeugen Pylato bracht, 
der liessz in gaislen, krönen hart 
mit dum scharffden Herrn zart« . 



896 Ein Spil Ton der Urstend Christi. 

der in darnach verurtlen that 
das man in schinertzlich gekreutsigt hat. 
daselbcn gab Er auf sein sei, 
Nnn hofiten wir das Israel 
durch seinen tod erlost werden, 
wann er vnns das verhiesz auf erden, 
so ist es heut der dritte tag, 
nach im so hab wir grosse dag! 
ettlich aus vnns der wejb vnnd man 
haben vnns gleichwol zaiget an. 
hy warn frue zum grab hinkomcn: 
des herrn leib nit mer vemomen. 
aber gesehen der enngl gsicht, 
die hetten sy gonntzlich bericht 
vnnd auf ir frag die Antwurt geben : 
er wer erstannden vnnd thet leben, 
den wir all haben auszerkorn. 

SaUvator: 

O ir vn weisen vnnd ir tom! 
wie trag sind eur Hertz zuglouben, 
kynnd ir schriffien nit zamen clauben, 
was thundt üch die propheten sagen, 
das Cristum zymbt hat discn tagen, 
zu leyden tod vnnd raartter schwer 
vnnd allso eingeen in sein Eer. 
lest Esaiam vnnd Moisen 
auch Jeremiam vnd alls dann 
annder provethen in gemain 
durch Sy werd ir bericht garintz rain, 
So synndt ir, das hat muesscn sein. 

Dann erzeigt et sich von in zugeen vnnd spricht Lucas zu 

ime allso: 

Pleib bey vnns lieber prueder mein 
an vnnser herberg ist mein rat, 
wann es gleich nun ist worden spat 
der tag hat sich jetzt fast genaigt, 
dir Wirt Fruntschaffl von vnns erzaigt. 

Dann so geet er mit inen zu dem Tische pricht das Prot, darin n 
sie in erkennen^ verpürgt sich vor inen so spridU Lucas allso: 

O Bruder ist es nit allso, 
das vnnser Hertasn warn fro, 
vnnd prannen rocht insprünstigdidi 
alls nun der Herr emechnet sich. 



£in Spil von dor Urstend Christi. 997 

▼nnd mit Tnos redet in dem weg, 
danimb ich mich in frejden reg 
er zaigt vnns die Propheten «n. 

Cleophds: 

Erkannt sollt wir in pillich han. 
wie sey wir nur 80 plindt gewesen, 
das wir den Herrn auszerlosen 
haben mit danngkperkait nit geert 
£e das er sich von vnns hett kert. 
Bmeder vnnd ist es dir gen am 
so geen wir geen Jerusalem 
vnnd thnnds den vnnsem allen sagen. 

Luccis: 

Prueder darfst mich nit cfrumb fragen 
es fuet mir gleich so wol alls dir. 

Cleophcu: 
wol auf Brneder so ganngen wir. 

Vnd so sy kamen zu Petro vnd Joarmi. Spricht sni inen Clech- 

plias attso: 

Ir lieben Braeder mergkent mich : 
was grosser Freud verkund ich, 
das Got mein her erstannden ist, 
des frey ich mich zn diser frist. 
alls wir giengen geen Ebmaus hin, 
von erst wir nit erkanntten in 
in pillgram weysz er zu vnns kam 
an der herberg das prot her nam, 
vnnd prachs alls ob es gscfanitten wer 
allsdann darnach verschwannde er. 
daselb wir in erkannten recht 
da zohen wir her des weges siecht, 
der mainung euch dasselb zesagen. 

Die Anniwtart Jofumnis: 

Lieber praeder, in denen tagen 

hab wir den Herrn gesehen ee, 

dessgleichen ettliche Frawen mte, 

die vnns das auch y<Hr zaigten an: 

er biet in grosse gnad gethan. 

inen ir sind gelassen ab; 

darumb ich grosz freyd empfanngen hab, 



89S fiin Spil von der Urstend OhriBti. 

NachmalU kompt Thomas zu Joanni /raffend was in fUr Freid 

zuekamen sey. 

Lieber Johannes thn mir sagen? 

Johannes: 
Thoman sag an was willtu fragen? 

Thxymas: 

Ir bedankt mich so frolich sein 

ynnd wissC das Cristus lytt die pein : 

▼nsaglich schmertz bis in den Tod 

vnnd starb am Creutz mit grosser not. 

dammb mein Hertz ist laides vol, 

wie mugt ir üch gehaben wol, 

was ist üch neaes fiir Frewd beschehen? 

Johannes: 

Den herm Jhesum hab wir gesehen, 
der ist erstannden ganntz warlich! 
des mag Petrus berichten dich, 
vermerk, was ich dir sagen thue: 
er hat im frfintlich gesprochen zue. 
darumb frag du in zu diser stundt. 

Thomas zu Peiro: 

Petra sag mir den rechten grundt: 
hastn gesehen den herm mein? 

Petrus: 

Thoman du soUt on zweyfl sein, 
er ist erstannden rain vnnd dar, 
das sag ich dir genntzlicb ffirwar* 
hab in erpeten vmb genad: 
mein Sind er mir venigen hat 
vnnd mir bevolben grosse ding; 
W(9i Oot, das ich es recht verbring: 
darumb idi in von hertien pitt, 

Thomas zu Petra: 

Petre, ich glanb da» warlich ntt, 
das er vom Todt erstannden sej. 
ich kom dann selber auch darfoey, 
vnnd in l&her der negl leg 
mein finger; mir zaig auch den weg. 



I 

bin Spil von der tlrstend Christi. $99 

sech die wanden der seytten sein 
▼nnd leg darzue roein hennd darein, 
ennst^ glaub ichs nit das wus fiirwftri 

Scdlvator gegen Thomant 

Thoman, komb her erfsr dich gar! 
leich her dein finger, sich den weg, 
die in die locher der negl leg. 
in die wnnnden der seytten mein: 
komb her vnnd leg dein hannd darein 1 
bis nit vnglanbig merk den sin 
▼nnd glaub, das ich es selber bin : 
daran sollt du nit zweiflen mer! 

ThonuM: 

O du mein got vnnd du mein Henri 
ich glaubs vnnd mir kain zweyfl ist, 
das du pist mein got Jesus Crist! 
o liebster Herr, beschaffer mein, 
du wollest mir parmbhertzig sein: 
so ich im glauben zweyfelt bab! 

Sallvator : 

Thoman, ich lass dirs alles ab, 
so du hast griffen vnnd gesehen, 
thustu den glauben recht verzehen.^ 
selig sind, die da glauben recht, 
den nit sehen verstanndnus precht. 
seyd das du hast gesehen mich, 
soUt du leer beraitten dich] 
von meiner vrstennd in deinem leben 
magstu ain ewig zeugknus geben. 

I%oma8: 
Ich sag dir lob mein Ueber Herr 
mit dannkperkeit vnnd grosser Eer, 
so du den aeweyfl nimst von mir: 
mit h^hstem vleyss so wil ich dir 
bezeugen du mein Herr vnnd got, 
bist war erstannden von dem tod! 
dir zu aim lob vnnd hohen £2em 
den glauben in der wellt wil mem. 

Vollgt hernach der beshis. 

AIIso verenndct sich das Spil. 
dnrnmb ich herzlich bitten wil 



400 



£in 6pil Ton der Ürstend Cliristi. 



ganntc vnnderthenig md mit vleis, 
das man es nan smn pessten weys: 
ob dises spil nit war Torbracht, 
wie es ist Got zu lob erdacht; 
ob ainich Misfell darinn wem, 
das man es thne zam pesten kern: 
wÖll darab haben kain verdriessen ! 
damit thae ich das spil besliessen. 
Gott sei lob! 



Mönchen, im April 1867. 



Dr. A. Birlinger. 



Die Aussprache des deutschen 6.*) 



Ich weiss freilich nicht, ob ich durch das, was ich in Nachfolgen- 
dem mitzutheilen gedenke, mich nicht etwa der Gefahr aussetze, Eulen 
nach Athen zu tragen ; indessen handelt es sich um eine Angelegenheit, 
die mich schon seit längerer Zeit mit einem gewissen Ingrimm erfällt. 
Da es nun jedenfalls besser ist, seine Galle auszuschötten, als seinen 
Aerger herunterzuschlucken, so möge die Sache ihren Lauf haben. Es 
handelt sich nämlich um nichts Grösseres und nichts Geringeres als 
um die Aussprache des deutschen G, in welcher Beziehung unter wis- 
senschaftlich Gebildeten wie unter Laien eine Verwirrung herrscht, aus 
der die Meisten sich kaum herausfinden können. Während Einige das 
G in Wörtern wie: Tag, Weg, neigt, zeigt nach Art des ch, also 
weich aussprechen, sagen Andere: Tak, Wek, neikt, zeikt, und zwar 
mit einer Consequenz, welche die augenscheinlichsten Kennzeichen der 
Leidenschaftlichkeit an sich trägt. Erwägt man nun^ dass nicht selten 
Lehrer einer und derselben Anstalt, und noch dazu Lehrer der deut- 
schen Sprache, die es mit dem mGndlichen Vortrag zu thun haben, 
das G ganz verschieden aussprechen ; ja dass in Lehrerbildungsanstalten 
geradezu das Unrichtige gelehrt wird: so muss man die Jugend wirk- 
lich bedauern, die in der That nicht mehr weiss, woran sie ist. Ein 
Lehrer, der oonsequent taktäklich und köniklich sagte, antwortete mir 
auf meine Interpellation: „Ich habe immer gehört: G ist G." Das 
sollte nun wohl so viel heissen, als er hatte sich um die Sache gar 



*) Nachfolgender Vortrag ist von dem Unterzeichneten in der Gresell- 
Bcbaft für das Stadium der neueren Sprachen frei gehalten and nachher aas 
dem GedäcbtniBs niedergeschrieben worden, wobei mdessen eini^ dem Ver- 
fasser ertheilte werthvolle Winke eine angemessene Berücksichtigung erfah- 
ren haben. 

ArohlT f. n. Spraoli«!!. XZIOZ. ^ 26 



409 Die Aasspracbe des deattchen G. 

« 
nicht bekümmert Ein Andere, der das Deutsche im Aaslande gelernt, 

aber in Deutschland unterrichtet, bezeichnete es geradezu als fehlerhaft, 

wenn man das G nicht immer nach Art des K ausspredien wqllte. 

Was würden wohl die Franzosen sagen, wenn wir die yerschiedenartige 

Aussprache ihres c, g und s als eine fehlerhafte besdchnen und ihnen 

für jeden dieser Buchstaben eine einzige octroyiren wollten ? 

Wonach soll man sich nun abw richten? Eine Academie, die wir 
in Betreff der Aussprache als gesetzgebenden Körper zu betrachten 
hätten, fehlt uns zur Zeit Dass die Kanzel und das Katheder uns im 
Stich lassen, ist eine Wahrheit, von der man sich jeden Tag überzeugen 
kann. Und die Hofbühnen, welche vor AUem die Aufgabe hätten, 
eine mustergültige Aussprache zu pflegen, bieten uns, seitdem die Wir- 
kungen der Iffland'schen Schule im Erlöschen begriffen sind, auch keine 
Bürgschaft mehr für ein correctes Sprechen. Die Verwirrung ist also 
eine allgemeine, und wer mit dem alttestamentlichen Standpunkte ver- 
traut ist, weiss, welchem Ereigniss wir dieselbe zu verdanken haben. 
Sollen wir uns nun vielleicht mit den Worten der Jungfrau von Or- 
leans (V^ 4) trösten: „Der die Verwirrung sandte, wird sie lösen !^ 
Das möchte doch ein wenig lange dauern. Vielleicht ist es besser, 
wir erinnern uns des Sprüchwortes: „Aide-toi et Dieu t'aidera,^ fahren 
einstweilen selbst hernieder und sehen, ob wir nicht das umgekehrte 
Experiment machen und Ordnung in eine Angelegenheit bringen kön- 
nen, die keinesweges zu den gleichgültigen gehört. 

Sieht man sich den orthoepischen Theil unserer deutschen Gram- 
matiken an, so findet man allerdings einzelne Winke und Bemerkungen 
über die Aussprache der Buchstaben, wobei zugleich der Dialectver- 
schiedenheiten erwähnt wird ; was aber für den künstlerischen Vortrag 
als zu Becht bestehend zu betrachtet^ ist, eine vernünftige Theorie der 
Aussprache, das ist bis jetzt ein höchst dürftig angebautes Feld. Der 
beste Versuch, der in dieser Beziehung gemacht worden ist, liegt in 
einem Werke unseres beliebten Lustspieldichters Roderich Bened ix 
vor, betitelt: „Der mündliche Vortrag^*), in dessen erstem 
Theile: „Die reine und deutliche Aussprache des Hoch- 
deutschen^ er sich in eingehender Weise über sämmtliche Buch- 
Stäben ausspricht. 

Indem wir das, was er Seite 37 über die Gaumenlaute sagt, der 



*) Leipzig, bei J. J. Weber. 1859. 8 Tbeile. 



Die Aiis9prftche des dentsohen G. 408 

nadilDlgeMkii Aiueiiiaiideraetsiiiig m Grmäb legen , wollen wir das 
den Bachstaben O Betrefiende etwas genauer am erörtern und tot 
Allem durch eine entsprechende Anzahl Ton Beispielen zu belegen 
Sachen. Wir gehen hierbei von der Ansicht aus, dass bei einer leben- 
den, der fortdauernden Entwickelung unterworfenen Sprache der Ge- 
brauch, wie er sich in guten Schriftstellern documentirt, allein mass- 
gebend sein kann. 

Nach B. Benediz sind die durch j, g, ch und k bezeidineten Gau* 
menlante mit einander verwandt, und zwar so, dass sie von dem weich- 
hauchenden j bis zum hart abgestossenen k aufsteigen. Das j wie das 
h haben nur einen Laut ; die dazwischen liegenden Abstufungen wer- 
den durch g und ch bezeichnet. Mit dem letzteren »wird im Ganzen 
weniger Unfug getrieben; höchstens dass Einzelne, obwohl sie nach 
und hoch sagen, doch consequent näkstens und hökstens spre- 
chen ; das g aber wird wahrhaft maltraitirt 

Das G hat vier Laute: 

1) einen weich hauchenden (g),*) ähnlich dem j, wie in 
hegen, bewegen» biegen, siegen, lögen, trögen. 

2) einen harthauchenden (g), nahe an r streifend, wie in 
nagen, klagen, Bogen, Wogen, Lug, Trug, Augen. 

3) einen anschlagenden (gp), dem k sich nähernd, wie in 
Gabe, Gott, gut, glatt, gross. 

4) in Verbindung mit n einen nasalen, wie in Ring, Ding, 
lange, bange. 

Befrachten wir nunmehr das G in seinen verschiedenen SteUun- 
gen, als Anlant, ab Auslaut und als Inlaut 

L 6 als Anlaut wird durchweg gelin danschlagend ausge- 
sprochen, also dem k verwandt, nur nicht ganz so kräftig; also: 
Qabe, Qeber, Qicht, Oott, Qunst, Qyps, Qlas, Qraf. In die- 
sem Punkte sind wohl alle Gebildeten einig. 

Eine Ausnahme von dieser Regel bilden die Augmentsilben 
der Participialformen solcher Zeitwörter, deren Infinitiv mit g, k oder 
q anfangt Diese Augmentsilben werden aus Röcksichten des Wohl- 
klanges weich ausgesprochen; also: ^e^angen, gegeben^ gegolten, 
gekannt, ^knickt, ^requält, gequetscht Wer kein feines Ohr hat, 

*) Wir werden in dem Nachfolgenden, om unsem Lesern verständlich 
zu werden, die drei Laate, wie hier: 1) mit CurftiTflcbrift, 2) mit gewöhn- 
licher, 8) mit fetter Schrift bezeichnen. 

26* 



404 ]>ie Ansdprache ddd deutschen 6. 

wird hierauf allerdings nichts geben, wer aber Sinn f&r dnen scfadneo 
Vortrag bat, wird gewiss verlangen : 

Der Herr