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ARCHIV 

FÜR 



NATURGESCHICHTE. 



GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN, 
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON. 



X IN VERBINDUNG MIT 

PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEIN, 

PROF. DR. VON SIEßOLD IK MÜNCHEN, PROF. DR. A.WAGNER 

IN MÜNCHEN UND PROF. DR. LE UCK ART IN GIESSEN. 

HERAUSGEGEBEN 



VON 



3>B. F. H. TROSCHSZ., 

PROFESSOn AN DER FRIEDRICU-WILIIELUS-UNIVERSITÄT ZU BONN. 



EIN UND ZWANZIGSTER JÄHRGANG. 

Krster 13 and. 



BERLIN, 1855. 

VERLAG DER NICOLAISCHEN BUCHHANDLUNG. 



Inhalt des ersten Bandes. 



Seite 

Nachtrag zu dem Aufsatze über die Echinospira diaphana. Von 

Dr. A. Krohn. Hierzu Taf. I. Fig. 1 und 2 . . 1 

lieber das Herz und den ßlulumlauf in den Pycnogoniden. Von 

Dr. A. Krohn. Hierzu Taf. I. Fig. 3 .... 6 

lieber einige Vögel Chiie's. Briefliche Millheilung an den Her- 
ausgeber von Dr. R. A. Phili ppi . . . . 9 

Bemerkungen über die Gattungen Pachybdella Dies, und Pello- 
gaster Bathke, zweier auf dem Hinterleibe von Krabben 
und Krebsen schmarotzenden Thierformen. Von Prof. Dr. 
Jap. Steenstrup. Uebersetzt von Dr. Creplin . 15 

Nachträgliche Bemerkungen über die Holconoti. Von Prof. L. 

Agassiz. Uebersetzt vom Herausgeber ... 30 

Ueber die Galtung Bdella Sav. und die in Mossambique beob. 

achteten Anneliden. Von Prof. VV. Peters . . . 35 

Uebersicht der auf seiner Reise gesammelten Amphibien von 

Demselben 43 

lieber die Synonymie von Symbranchus immaculalus Bl. Von 

Dr. J. Kaup 59 

Nachschrift zu den Bemerkungen über die Gallungen Pachybdella 

und Peltogaster. Von Prof. Jap. Steenstrup . . 62 

Ueber die Jugendzustände einiger Anneliden. Ein Beitrag zur 
Entwickelungsgeschichte. Von Prof. Rud. Leuckart 
(Hierzu Taf. II.) 63 

Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. Von 
Prof. Dr. Ed. Grube in Dorpat. Hierzu Taf. III— IV. 
(Polynoe malleata Gr., Polynoe tuta Gr., Polyodontes gulo 
Rüpp., Palmyra debilis Gr., Chloeia egena Gr., Notopy- 
gos crinita Gr., Diopatra longissima Gr., Lysidice punctata 
Gr., Nereis heteropoda Cham. Eys. , Staurocephalus ru- 
brovittatus Gr., Oxydromus fasciatus Gr., Lopadorrhyn- 
chus brevis Gr., Glycera Meckelii Aud. Edw.?, Syllis 
spongicola Gr., Autolytus prolifera Müll. Gr., Leucodore . 
ciliata Johnst., Heterocirrus saxicola Gr., Cirratulus Blain- 



IV Inhalt. 



Seite 



villii Gr., Aonis vittata Gr., Aricia laevigala Gr., Clytie 
Simplex Gr., Clymene spatulala Gr., Terebella nebulosa 
ftlonl. , Terebella lutea Risso , Terebella viminalis Gr , 
Terebella Iriserialis Gr., Terebella corallina Gr., Terebella 
pectinata Gr., Polycirrus Medusa Gr., JVlyxicola infundi- 
buluni Mont. , Fabricia gracilis Gr., Serpula caespilosa 
Lani., Lumbricus liloralis Gr., Alma nilotica Rüpp. . 81 

Bemerkungen über einige Helminthen und Meerwürmer. Von 
Dr. Ed. Grube. Hierzu Taf. VI. und VII. (Oetobo- 
ihrium scombri Kordm. ?, Amphiptyches urna Gr. Wagn., 
Thysanozoon Brocchii? Qual., Meckelia aurantiaca Gr., 
Opliiocephalus auripunctatus Gr. , Kemertes purpurea 
Johnst. , INemertes lactea Gr., Hemipsilus amphacanthus 
Gr., Lithoeryptus prasinus Gr.) 137 

Holopedium gibberum ; ein neues Crustaceum aus der Familie 
der Branchiopoden. Beschrieben von Prof. E, G. Zad- 
dach in Königsberg. Hierzu Taf. YlII und IX . . 159 

lieber das Herauskommen der Tachinen aus ihren Tönnchen 
und aus dicht verschlossenen Orten, an welchen diese oft 
sich befinden. Von Reissig in üarmstadt . . . 189 

Beiträge zur Kenntniss unserer Süsswasserfische. Von Dr. A. 

Günther in Bonn. Hierzu Taf. X. Fig. 1. 2 . . 197 

Enchelynassa, neue Gattung aus der Familie der Aale. Von 

Dr. J. Kaup in Darmsladt. Hierzu Taf. X. Fig. 3 . 213 

Uebersicht über die Species einiger Familien der Sclerodermen. 

Von Dr. J. Kaup in Darmsladt 215 

Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. Von Prof. 

W. Peters 234 

Beiträge zur Naturgeschichte der deutschen Schlangen. Von 

Dr. Emil Dursy, Prosector in Tübingen . . . 283 

Zwei neue Heteropoden von Messina. Hierzu Taf, XI. Vom 

Herausgeber. 298 

Ueber den Bau von Melonites multipora, ein Echinid des Ame- 
rikanischen Kohlenkalks. Von Prof. Ferd. Roemer. 
Hierzu Taf. XII 312 

Beschreibung neuer Fische aus der Familie Holconoti aus dem 
Busen von San Francisco, aus dem Sacramento- Fluss 
und dessen Lagunen. Von W. Gibbons . . . 331 

Ueber die lebendig gebärenden Fische Nordamerika's. Von 

Charles G irard .342 



JVaclitrag^ zu dein .4iafsatze über die Ecliiiio- 
§pira diapliaiia. 

(Vergl. dies Archiv lö53. Bd. 1. p. 223.) 

Von 
Or. A» liroltn* 

Hierzu Taf. I. Fig. 1 u. 2. 



Ich habe in diesem Jahre, bei einem abermaligen Aiif- 
enlhalte in Messina, ein zweites Exemplar der Eohinospira er- 
hallen, und diesen günstigen Umstand benutzt, um wo mög- 
lich zu befriedigernden Aufschlüssen über den Bau dieses sel- 
tenen Thieres zu gelangen. Wenn dieser Zweck nur zu einem 
geringen Theil erreicht werden konnte, so bedenke man, dass 
es sich um ein Object handelt, das sich seiner geringen Grösse 
wegen zu einer kunstgerechten Zergliederung nicht eignet. 

Ist das Thier aus seinem Gehäuse hervorgetreten , so 
lässt sich am Vorderleibe ein dasselbe umhüllender Mantel 
deutlich unterscheiden , der mit seinem wulstig verdickten 
Rande bis an die Mündung der Schale reicht. Die Mantel- 
Öffnung führt in einen seitwärts, zwischen Mantel und Leib, 
nach hinten sich erstreckenden Raum , der die Kieme birgt, 
also Kiemenhöhle ist. Die Kieme selbst ist, wie bei vielen 
Ctenobranchiaten, an der obern Wand der Kiemenhöhle an- 
gebracht und besteht, wie früher gezeigt^ aus hinter einan- 
der gereiheten, ziemlich hohen und abgerundeten Blättern. Die 
Zahl dieser Blätter , deren Umfang von dem vordersten bis 
zum hintersten allmählich zunimmt, mag sich auf 7 — 8 belau- 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. J 



2 Krohn: 

fen. Die ganze Kieme ist mit einem Flimmerepithel bekleidet. 
Des Herzens ist bereits gedacht worden. Die frühern sehr 
dürftigen Angaben über die Verdauungsorgane kann ich lei- 
der nicht vervollständigen. Nur in Betreff des Darms muss 
ich bemerken , dass ich ihn diesmal bis in die Gegend der 
Kieme sich erstrecken sah, wonach zu vermulhen ist, dass 
der After in die Kiemenhöhle münde. Die Fresswerkzeuge, 
nach denen ich beim ersten zur Aufbewahrung bestimmten 
Exemplar nicht suchen durfte, sind stark entwickelt und be- 
stehen aus zwei seillichen Kiefern und der sogenannten Zunge 
oder Reibplatte. Die Kiefer stellen sich als platte Gebilde dar, 
deren Vorderrand oder Schneide unregelmässig ausgezackt 
erscheint (s. Fig. 1.). Auf der ReibplaUe habe ich nur zwei 
Längsreihen zahlreicher Zahnplättchen unterscheiden können, 
muss es indess zweifelhaft lassen, ob nicht noch eine mitt- 
lere Reihe zwischen ihnen existirt. Die Plältchen (s. Fig. 2.) 
sind hakenförmig gekrümmt, ziemlich scharf zugespitzt und 
längs ihren beiden Rändern sägeförmig gezähnelt. Am äus- 
sern Rande sind diese Zähnelungen zahlreicher und spitzer »)• 

Als Centra des Nervensystemes haben sich einige Kno- 
ten im Vorderleibe erkennen lassen, von denen ein unteres 
Paar in der Wurzel des Fusses lagert. Zu den bereits er- 
wähnten Sinnesorganen, den Augen und Tentakeln, welche 
letztere auf ihrer ganzen Oberfläche flimmern, sind noch die 
beiden Hörkapseln , deren jede nur einen einzigen runden 
Otolithen einschliesst, hinzuzurechnen. 

Ich habe dieEchinospira in diesem Jahre nicht nur krie- 
chen, sondern auch mittelst ihrer ausgespannten rädernden 
Kopfwimpel herumschwimmen sehen, und mich so erst voll- 
ständig von der bereits früher besprochenen Uebereinstim- 
mung dieser Theile mit dem Kopfsegel . der Molluskenlarven 
überzeugt. Zur weitern Begründung dieser Homologie muss 



1) Sollte die mittlere Plättchenreihe fehlen, so würde sich die 
Reibplatte an die mancher Aceren (Bulla lignaria, BuUaea scabra und 
aperta) anschliessen, während sie in Bezug auf die Form der Zahn- 
plättchen auffallend an die Reibplatte von Coriocella (Sigaretus) per- 
spicua erinnert. (Yergl. Lov6n inÖfvers. af Kong. Vetensk.Förhandl. 
1847. Tab. 3 u. 4.) 



Nachtrag zu dem Aufsatz über die Echinospira diaphana. 3 

ich noch anführen, dass sämmtliche Wimpel durch die Wira- 
perschniir zu einem Ganzen verbunden sind. Die Wimper- 
schnur setzt sich nämlich nicht nur jederseits ununterbrochen 
über die drei respectiven Wimpel fort, sondern zieht sich 
auch von beiden Seiten gegen den Mund hin, und kommt zu- 
letzt, sowohl über als auch unter ihm, zum Schluss 0- 

Die Anwesenheit des noch in voller Integrität bestehen- 
den Kopfsegels neben einem Fusse, der zu seiner Function 
schon vollkommen geschickt ist, hat mich zu einer An- 
sicht über die Echinospira verleitet, die ich nicht weiter 
vertheidigen will. In Folge einer sorgfältigem Durchmu- 
sterung und Vergleichung des über die Entwickelung der 
Gastropoden vorhandenen Materials , muss ich schliessen, 
dass sich der Fuss bei den einer Metamorphose unterwor- 
fenen Gattungen , in vielen Fällen , Avenn nicht in der Re- 
gel, schon während des Larvenlebens so weit entwickelt, 
dass das junge Thier sich seiner bereits zum Kriechen be- 
dient. Es besitzt dasselbe also zu einer gewissen Zeit zwei 
verschiedenartige Bewegungswerkzeuge, durch deren abwech- 
selnden Gebrauch es bald im freien Meere herumgeführt wird, 
bald auf dem Grunde desselben kriechend sich fortbewegt. 
Zur Stütze des eben Angeführten berufe ich mich auf die 
Beobachtungen Loven's und v. Nordmann's. Loven 
(Isis 1842. p. 366. Fig. 22.) beschreibt eine jugendliche, zur 
Gattung Rissoa gehörende Seeschnecke, deren Fuss, trotz 
des noch mächtig entwickelten Kopfsegels, doch schon so 
weit ausgewachsen ist, dass man bereits seine künftige Ge- 
stalt erkennt. Dasselbe gilt auch in einer gewissen Entwicke- 
lungsperiode für den Tergipes Edwardsii (Nordmann in An- 
nal. d. scienc. nat. T. 5. 1846. p. 109. PI. l.Fig.4 u. 5). Als 
drittes Beispiel führe ich einen jungen dorisarligen Nacktkie- 



1) Auch scheinen die innerhalb der Wimpel anzutreffenden, die 
Verkürzung (resp. Faltung und Kräuselung) derselben bewirkenden 
Muskelfasern, in der Art ihre Vertheilung, mit den Muskelfasern des 
Velums der Molluskenlarven , vollkommen übereinzustimmen. Ich muss, 
im Gegensatz zu meiner früheren Angabe, hier noch bemerken, dass 
ich diesmal die Wimpel , während des Kriechens, gewöhnlich eingezo- 
gen und verkürzt sah. 



4 K r h n : 

mer (wahrscheinlich eine Polycera) an, den ich in diesem 
Jahre mit dem leinen Netz einfing-. Das nur %"' messende 
Thierchen besass neben einem stark entwickelten Fusse eben- 
falls noch das Velum. Auch sähe ich es bald den einen, 
bald das andere brauchen. Diesen Beobachtungen gegenüber, 
muss ich denn die Echinospira für einen noch nicht völlig 
ausgebildeten Gastropoden , der nach der Lage der Kiemen- 
höhle und dem Bau der Kieme zu schliessen, vielleicht zu den 
Ctenobranchiaten gehört, ansehen 0- 

Herr Prof. Troschel ist so freundlich gewesen, mich 
auf die Beschreibung zweier Schalen aufmerksam zumachen, 
die in den wesentlichsten Characteren mit dem Gehäuse der 
Echinospira übereinstimmen, deren Bewohner aber noch nicht 
bekannt sind. Die eine dieser Schalen ist von d'Orbigny 
in Ramon de la Sagra's Werk über Cuba (Hist. nalur. de 
l'isle de Cuba) beschrieben und zu Helicophlegma, eine be- 
kanntlich von d'Orbigny in der Familie der Atlantiden auf- 
gestellte Galtuno-, gebracht worden 2). Sie hat den Namen 
H. Candei erhalten. Die Characteristik derselben ist von Tro- 
schel in den Jahresbericht über die Mollusken (dies. Arch. 
1842. 2. Bd. p. 382. ) aufgenommen und lautet : „f/. Candei 
iesla cartilaginosa, suborbicularis, tenuis, diaphana, laterali- 
ter carinato-crenulata, dorso bicarinalo, carinis crenulatis; 
umbilicoperforato; aperlura lala, angulosa, laleraliter sinuosa. 
3 Millim." Das passt alles so genau auf das Gehäuse der 
Echinospira, dass ich , bis auf nähere Einsicht in das oben 
citirte Werk, nicht anstehe, die Echinospira mit H. Candei 
für identisch zu halten. Jedenfalls stehen sich beide Scha- 
len so nahe, dass man wohl berechtigt ist, von dem Bewoh- 
ner der einen auf den der andern zu schliessen. Diesem 
zufolge wird H. Candei aus der Ordnung der Heteropoden 



1) Die Zeugungsorgane habe ich nicht auffinden können. Wahr- 
scheinlich waren sie noch viel zu wenig entwiclielt, um sofort un- 
lerschicdeiv werden zu können. Ist dem so, so würde auch dieser um- 
stand nur zu Gunsten der neueren Ansicht sprechen. 

2) Mit Helicophlegena identisch sind die Genera Üxygyrus Bens, 
und Ladas Cantz. (Philippi Handl». d. Conchyliolog. und Malacozoloog. 
p, 285). 



Nachtrag zu dem Aufsatz über die Echinospira diaphana. 5 

ausscheiden müssen. Dass d'Orb ig ny selbst die dieser Spe- 
cies angewiesene Stellung nicht als eine definitive betrachtet, 
geht deutlich aus den Schlusszeilen des Berichts von Tro- 
schel hervor. Es heisst hier: ,,Da Verf. das Thier nicht 
kennt, so zweifelt er, ob es nicht, wie die seitlichen Buch- 
ten des Mundes anzudeuten scheinen, mit zwei Flügeln ver- 
sehen sein möchte; in diesem Falle wäre es eine neue Gat- 
tung der Pteropoden, welcher er den Namen Brownia geben 
würde." Dass diese Vermuthung d'Orbigny's sich bestäti- 
gen werde, lässt sich aus dem schon oben angeführten Grunde 
nicht erwarten. 

Die zweite Schale unbekannter Abstammung ist von 
Souleyet im Journal de Conchyliologie 1850. T. 1. p. 246. 
(PI. 10. Fig. 15 — 18.) beschrieben und mit dem Namen Cal- 
carelia spinosa bezeichnet. Sie stimmt schon viel weniger 
mit der Schale von Echinospira überein. Sie unterscheidet 
sich von dieser vorzüglich dadurch^ dass sie in drei Win- 
dungen aufgerollt ist. Die letzte Windung ist mit drei, das 
Gewinde mit zwei Reihen Stacheln versehen , während der 
über der Mündung dachförmig vorspringende Fortsatz nicht, 
wie bei Echinospira, in zwei abgerundete Spitzen endigt. 
Ausserdem ist sie fast um's Doppelte (5 Millim.) grösser. 



Erklärung der Abbildungen. 



Fig. 1. Die beiden Kiefer der Echinospira. Sie sind hierdurch den 
Druclc des Decliglases aus ihrer gegenseitigen Stellung ge- 
bracht. 

Fig. 2. Ein Stück der Reibplalte aus demselben Thier. 




lieber das Herz und den Blututtilauf in den 
Pyenog^oniden« 

Von 
Hr. A* Kjrolin* 

Hierzu Taf.I. Fig. 3. 



Die Ansicht von Quatrefages, nach welcher den 
Pycnogoniden das Herz fehlen sollte, ist durch Zenker, 
dem es gelungen ist, dasselbe bei Nymphon gracile nachzu- 
weisen, widerlegt worden (Müller's Arch. f. Anat. u. Physiol. 
1852. p. 383.) Zenker hat es an der Stelle, wo man es 
der Analogie nach vermuthen durfte, aufgefunden und be- 
schreibt es als einen sehr dünnwandigen, mit verzweigten 
Muskelfasern versehenen Schlauch, dessen Contouren am prä- 
cisesten in der Gegend des letzten Fusspaares zu unterschei- 
den seien. Ich selbst hatte neuerlich, bei der Untersuchung 
eines Phoxichilus (wahrscheinlich Ph. spinosus) Gelegenheit, 
mich auf's Entschiedenste von der Anwesenheit des Herzens 
zu überzeugen. Ich bin so im Stande, genauere Aufschlüsse 
über seine Gestalt und Structur zu geben. 

Das Herz ist ein verhällnissmässig sehr ansehnlicher, 
wie bei allen Arthropoden am Rücken , über dem Nahrungs- 
kanale, gelegener Schlauch, den man von der hintern Grenze 
des letzten Thoraxsegments bis gegen die Mitte des vorder- 
sten sich erstrecken sieht (Vergl. die beifolgende Skizze). 
Ob es hier endet oder noch weiter reicht, muss unentschie- 
den bleiben , da jede weitere Nachforschung durch den in 
dieser Gegend sich erhebenden Hügel, auf dessen Gipfel be- 



Krohn: üeber das Herz u. den Blutumlauf in d. Pycnogoniden. 7 

kanntlich die vier Augen ruhen, verhindert wird. Das Herz 
ist durch zwei Paare auf einander folgender, seitlicher und 
tiefer Einbuchten oder Einschnürungen in drei Kammern ab- 
getheilt. Die hintere Kammer steht an Geräumigkeit der mitt- 
lem, diese der vordem nach. Letztere erweitert sich dicht 
vor dem oben gedachten Hügel sehr bedeutend und steht 
ohne Zweifel , wie solches höchst wahrscheinlich auch für 
die hintere Kammer gilt, mit der Leibeshöhle oder den Hohl- 
räumen (Lacunen) zwischen den Organen in offener Commu- 
nication. Auf dem Grunde jeder Einbucht findet sich eine 
für den Durchtritt des rückkehrenden Blutes bestimmte Oeff- 
nung, so dass man also vier solcher paarig verlheilter Mün- 
dungen zählt. Es ergiebt sich aus dieser Darstellung , dass 
das Herz der Pycnogoniden nach Form und Bau, mit dem 
der höhern Arachniden im Wesentlichen übereinstimmt. 

Der Blutumlauf geht in bestimmt vorgezeichneten Bah- 
nen ziemlich rasch vor sich , und lässt sich , wenn nur die 
Ernährungsflüssigkeit eine reichliche Menge Blutkörperchen 
enthält, leicht beobachten. Die Kammern des Herzens ziehen 
sich gleichzeitig zusammen. Bei jeder Diastole wird das von 
den Organen rückkehrende Blut durch die vier Seitenöffnun- 
nungen vom Herzen aufgenommen und bei der Systole nach 
vorn getrieben. Es gelangt so ein kleiner Theil des Blutes 
in den Bussel, während der grössere Theil als ansehnlicher 
Strom seinen Lauf gegen das Abdomen hin nimmt. Von 
diesem Hauptstrome zweigen sich Seitenströme für die Beine 
ab, welche an der einen Seite der respecliven Beine herab, 
an der anderen heraufsteigen, und so zuletzt in's Herz ge- 
langen ')• 

Schliesslich muss ich noch erinnern, dass schon Van 
Beneden eine regelmässige Circulation des Blutes in den 
Beinen von Nymphon beobachtet hat. (Froriep's Notizen Bd. 
37. p. 72.) Nach Van Beneden, der das Herz nicht ent- 
decken konnnte , soll der Impuls zu dieser Blutströmung in 
den Extremitäten, von eigenthümlichen, rhythmisch sich con- 



1) Es ist zwar sicher, dass die Circulation in den Beinen durch 
die häufigen Contractionen der Magenanhänge manche Störungen erlei- 
det, doch sieht man diese alsbald wieder ausgeglichen werden. 



8 Krohn: Ueber das Herz u. den Blutumlauf in d. Pycnogoniden. 

trahirenden Membranen, welche innerhalb der Basis der Beine 
angebracht seien, ausgehen. Da es aber jetzt feststeht, dass 
das Blut in sämmtlichen Theilen des Körpers nur durch die 
Thätigkeit des Herzens umherkreist, so wird man wohl mit 
Recht die Anwesenheit solcher Vorrichtungen in den Füssen 
der Pycnogoniden bezweifeln dürfen. 



Erklärung der Abbildung. 



Skizze des Herzens von Phoxichilus. 

Die Ziffern 1—4 bezeichnen die einzelnen Thoraxsegmente. — 
a. Der Rüssel, h. Das Abdomen, c. Die vier Augen. d,d,d,d. 
Die Beine. e,e. Der Magen mit den seitlichen Blindsäcken, f. 
Der Darm. g. Die vordere, A, die mittlere, i, die hintere Kam- 
mer der Herzens. h,k. Die Einbuchten oder Einschnürungen des 
Herzens. 



lieber einigte Vögel Chile's. 

Briefliche Mitlheilung an den Herausgeber. 

Von 

Dr. R. A* Pliilippi. 



Santiago, den 59ten Juli 1854. 
Werlher Freund ! 
Es war meine Absicht, Ihnen mit jetzigem Dampfschiff 
ausführlich zu schreiben, die Zeit reicht mir aber nicht aus, 
und ich begnüge mich daher für heute Ihnen zu sagen , dass 
ich in Chile nach und nach reisender Naturforscher, Land- 
wirth und Schulmeister war , und jetzt wohlbestallter Direktor 
des Museums und Prof. der Zoologie und Botanik in der 
Hauptstadt bin, und mich ganz wohl fühle. Im nächsten Mo- 
nat erwarte ich meine Familie nach einer Trennung von 
3 Jahren ! In einiger Zeit werde ich mir erlauben , Ihnen 
unser Duplettenverzeichniss zuzuschicken , für den Fall , dass 
das Bonner Museum mit dem hiesigen in Tauschverbindung 
treten will. Mein Hauptzweck ist, in Santiago eine möglichst 
vollständige Sammlung der Thiere und Pflanzen Chile's aufzu- 
stellen, und ich habe alle Hoffnung, dass die Regierung die 
nöthigen Geldmittel nicht versagen wird; an exotischen also 
auch Europäischen Thieren und Pflanzen werde ich vor der 
Hand nur anschaffen, was ich im Tausch gegen Chilenische 
Arten erhalten kann. Ich habe in der Person des Herrn 
Germain einen sehr geschickten Präparator, der jedem Eu- 
ropäischen Museum Ehre machen würde, und die Vogelbälge, 
die ich offeriren kann, sind ausgezeichnet conditionirt. Die- 
rsen Winte habe ich mich mit dem Ordnen und Bestimmen der 



10 



P h i 1 i p p i : 



Chilenischen Pflanzen beschäftigt, und überzeugt^ dass die 
Flora Chile's weit entfernt ist erschöpft zu sein , ich werde 
nächstens an 200 neue Arten publiciren. Mit den Insecten 
geht es ebenso. Von Vögeln haben wir auch bereits viele , 
die in dem leider recht liederlich gearbeiteten Werk von 
Gay nicht beschrieben sind; ich habe aber zu wenig lite- 
rarische Hülfsmitlel um sagen zu können, ob sie neu sind. 
Mit einem Flamingo habe ich eine Ausnahme gemacht, und 
hoffe, dass mir in der Beschreibung desselben Niemand zu- 
vorgekommen ist. In diesem Fall haben Sie die Güle, seine 
Beschreibung in das Archiv aufzunehmen. 

Grüssen Sie alle Freunde herzlich von mir, und glau- 
ben Sie, dass ich noch immer die alte ehrliche Seele bin. 



Vorläufige Nachricht über einen neuen 
Flamingo. 

Als ich die Reise nach der Wüste Atacama unternahm, 
war ich weit davon entfernt zu glauben, dass ich in jenen 
dürren wasserarmen Gegenden eine den Naturforschern noch 
unbekannte Art Wadvögel finden würde. Allein der erste 
Gegenstand, welcher sich meinen Blicken darbot, als ich von 
den traurigen Höhen von Pingo -pingo herabsteigend an dem 
grossen Salzsumpf ankam, der sich 25 Leguas weit von der 
Stadt Atacama nach Süden erstreckt , war ein Dutzend Fla- 
mingos, die im Schlamme und in den kleinen Gräben die Lar- 
ven von Libellen , Flohkrebse und kleine Paludinen fischten. 
Schon dazumal, ungeachtet ich kein deutliches Bild vom ge- 
meinen chilenischen Flamingo (Phoenicopterus ignipalliatus) 
im Gedächlniss hatte , erschien mir dieser Flamingo eine neue 
Art. Auch die Eingeborenen unterscheiden ihn sehr wohl 
vom gewöhnlichen , und nennen ihn nicht wie diesen Fla- 
menco, sondern Parrina. Nach ihren Berichten lebt die Par- 
rina ausschliesslich in der Cordillere, an den Seen und Süm- 
pfen , die sich hier und da zerstreut finden, und zwar scheint 
ihre südliche Grenze die Cordillere von Copiapö zu sein. Ob 
sie sich auch nördlich von Atacama findet, konnte ich nicht 
erfahre», Sie brütet in den am höchsten gelegenen Seen, 



Ueber einige Vögel Chile's. 11 

etwa 10—13000 Fuss über dem Meeresspiegel, und im Monat 
December werden die Eier häufig auf den Markt von Ata- 
cama gebracht. Es gelang mir auf der Hinreise ein Exem- 
plar zu erlegen und auf der Rückreise zwei andre. Ihr Fleisch 
gab unsern einförmigen und einfachen Mahlzeiten eine ange- 
nehme Abwechselung. Doch muss ich sagen, dass ich das 
erste Mal nicht ohne einigen Widerwillen davon ass, indem 
das Fett von hochmennigrother Farbe ist, und dem „Fricassee« 
daher ein fremdartiges Aussehen gab. 

Als ich, nach Santiago zurückgekehrt, die mitgebrach- 
ten Bälge mit Exemplaren des Ph. ignipalliatus verglich, sah 
ich, dass die Verschiedenheiten zwischen beiden Arten weit 
bedeutender und wesentlicher sind, als ich Anfangs geglaubt 
hatte. Zuvörderst ist der Schnabel sehr verschieden: er 
ist viel breiter bei derParrina als beim Ph. ignipalliatus ; der 
Oberschnabel ist in der Mitte niedergedrückt, und sehr viel 
schmaler als der Unterschnabel. Die Federn der Kehle be- 
decken das ganze Kinn, und reichen selbst noch etwas über 
den Kinnwinkel nach vorn , während beim Ph. ignipalliatus 
die Kinngegend in der Länge von mehr als einem halben Zoll 
vollkommen kahl ist. Auch die Farbe des Schnabels ist ver- 
schieden, indem eine hochrothe Färbung zwischen der schwar- 
zen Schnabelspitze und der hellgelben Schnabelwurzel beob- 
achtet wird. Irre ich mich nicht, so muss eine ähnliche 
Schnabelbildung beim Ph. minor Statt finden; die geringen 
literarischen Hülfsmittel, über welche ich hier disponiren kann, 
erlauben mir indessen nicht, ein bestimmtes Urtheil auszuspre- 
chen. Nicht minder wesentlich ist die Verschiedenheit, wel- 
che die F ü s s e darbieten ; es fehlt ihnen nämlich jede 
Spur von Daumen. Diese Abweichungen in Schnabel - 
und Fuss-Bildung sind gewiss bedeutend genug, um die Auf- 
stellung eines Subgenus zu rechtfertigen, ein Vergnügen, wel- 
ches ich gern andern Naturforschern überlasse. Aber auch 
die Färbung weicht erheblich ab. Hals und Brust haben eine 
cannoisinrothe Färbung, oder ein Roth wie Weinhefe, die 
Deckfedern der Flügel sind dunkler roth als beim Ph. igni- 
palliatus, die ganze Spitze der Flügel ist schwarz, und der 
Schwanz läuft in eine Spitze aus , die über die Flügelspitze 
hinausragt. Die Füsse endlich sind isabellgelb. Was die 



12 Philippi: 

Stalur betrifft , so ist die Parrina etwas kleiner als der Ph. 
ignipalliatus, doch variiren die Dimensionen ein klein we- 
nig-, wie die nachfolgenden Messungen der drei Exemplare 
zeigen : 

Gesammte Länge von der Spitze des Oberschnabels bis zum 
Ende des Schwanzes beträgt: 
beim Isten Exemplar 34" b. StenSöy^" b. 3len35v;," 

das OS tibiae misst . Sy^" , 

der tarsus misst . ÖVj" > 

der Flügel misst vom Flü- 
gelbug bis zur Spitze löy^" ,, 

der Oberschnabel . 472" „ 

der Mittelzeh . V/^'' „ 

Ich bemerke noch, dass alle 3 erlegten Exemplare Männ- 
chen waren, die Weibchen waren vermuthlich raitBrülen be- 
schäftigt. Ich nenne die Parrina P/joer?icop^erMS andinus, und 
charakterisire sie kurz also : 

Ph. roseo-albus , parte inferiore colli fere puniceo, alis 
fere coccineis, apice tolo nigris; cauda alis longiore acu- 
minata; rostro dilatalo , turgido, mandibula superiore medio 
depressa et multo angustiore quam mandibula inferior; pe- 
dibus isabellinis, tridactylis. 

Habitat in lacubus paludibusque elevalis Andium deserti 
Atacamensis. 



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Wenige Tage, nachdem ich Ihnen die Beschreibung des 
Phoenicopterus andinus geschickt, hatte ich das Vergnügen, 
hier in Santiago Herrn W. Bollaert zu sehen, welcher 
mehrere Jahre in der Peruanischen Provinz Tarapaca, berühmt 
durch die Silberbergwerke von Huantajaya und die Gruben 
von Natronsalpeter, den man so fälschlich bisweilen Chili- 
Salpeter nennt, — gewohnt, und diese Provinz vielfach bereist 
hat. Von ihm habe ich erfahren, dass mein Ph. andinus in 
der Provinz Tarapaca wohl bekannt ist, und dass er dort 
ebenfalls den Namen Parrina führt. Er kommt auch dort aus- 
schliesslich in der hohen Cordillere vor, und niemals in den 
Küstengegenden. In den Observations on the Geography of 



Ueber einige Vögel Chile's. 13 

Soulhern Peru, including a survcy of the province of Tara- 
paca, and route to Chile by the coast oft Ihe desert of Ala- 
carna by VV. Bollaert F.R, G.S., read before the Royal Geo- 
graphica! Society of London on the 28 April 1851. geschieht 
der Parrina unter dem Namen „flamingos with red breast" 
Erwähnung. Es findet sich demnach die Parrina vom 19° 
bis zu 270 S. Breite am Westabhang der hohen Cordillere. 
Bis jetzt ist es mir nicht möglich gewesen zu erkundigen, ob 
dieser Vogel auch weiter landeinwärts, im Osten der hohen 
Cordillere vorkommt. 



Artlea Cocoi Gay. 

Vor ein Paar Tagen bekam ich ein Exemplar der Ardea 
Cocoi Gay oder vielmehr Desmurs, mit erfrornen Zehen. Es 
ist kein einziger Zeh, dem nicht ein oder mehrere Glieder 
fehlen, und scheint der Vogel diesen Verlust zu verschiede- 
nen Epochen erlilten zu haben. Mehrere glaubwürdige Per- 
sonen versicherten mir, dass es selten wäre, den Vogel mit 
unversehrten Zehen zu finden, und dass er auf seinen Wan- 
derungen von Buenos Ayres über die Cordillere im Winter 
sich die Küsse erfröre. Mein Exemplar ist auf der mit Schnee 
bedeckten Cordillere erlegt worden, und misst von der Schna- 
belspilze bis zum Ende des Schwanzes 45 Zoll Pariser Maass. 
Ich weiss nicht, warum Herr Gay oder Herr Desmurs die 
Länge des Vogels nur auf 39 Zoll angeben? (Hist. fis. y 
polit, de Chile. Zool. L p. 110.), und warum Herr Gay ver- 
schweigt, dass er in Gesellschaft mit D. Eulogio Salinas ein 
schönes Exemplar an der Laguna de Acules erlegt hat? Die- 
ser Reiher scheint mir durchaus identisch mit der Ardea cae- 
rulescens Vieill. , über welche ich augenblicklich nur das 
Nouv. Dict. d'hist. nat. von Deterville nachsehen kann, 
wo der Vogel unter dem Namen Heron gaaa nach d'Azara 
sehr gut beschrieben ist. Das Synonym Ardea caerulescens 
vermisst man unter Ardea Cocoi bei Gay. 



Xantltormis cayennensis. 

Ich kann nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit eines 
lächerlichen Irrthums zu erwähnen, den die Herrn Gay oder 



14 Philippi: üeber einige Vögel Chile's. 

Desmurs bei Gelegenheit des Xanlhornus cayennensis bege- 
hen; p.346 hei«st es erst in Folge eines lapsus calami : „nur 
ein einziges Individuum dieses Genus findet sich in Chile" 
und weiter : „dieser Vogel findet sich in Cayenne, im gröss- 
ten Theil der Antillen, auf den Gränzen (?) des La Plata, und 
in Chile in den Thälern von Copiapö." sie! Der Vogel ist 
aber gemein in ganz Chile, und in den Gärten von Santiago 
kann man ihn zu hunderten sehen. Es ist ganz unmöglich 
anzunehmen, dass Herr Gay diesen Vogel wirklich nur in 
Copiapö gesehen habe, und muss man annehmen, dass es 
lediglich eine Nachlässigkeit ist, wenn nur die Thäler von 
Copiapö als Fundort angegeben sind. Eine andre Nachlässig- 
keit, die auch schwer zu entschuldigen ist, ist die, dass Herr 
Gay nicht angiebt, dass der X. cayennensis der Turdus Thi- 
lius von Molina ist, und den Namen Thile, Trile o/ler Chile 
führt, so dass Molina glaubte, das Land Chile habe von 
diesem Vogel seine Benennung erhalten. Ueberhaupt muss 
ich leider sagen, dass ich wenig W^erke kenne, die mit so 
wenig Sorgfalt und Liebe ausgearbeitet sind, wie das Werk 
von Herrn Gay. 



Circus macropterust 



Vor einiger Zeit habe ich auch , und zwar durch D. 
Eulogio Salinas, den Circus macropterus Vieill. erhal- 
ten, welcher noch nicht als Bürger der Chilenischen Fauna 
bekannt war. Es ist ein altes ausgefärbtes Männchen. 



Beitierkung^cii über clie Grattuug:cii Pachy- 
li de IIa Dies, und Pe It og^a s ter Ratlike, 
zweier auf dem Hiiiterleibe von Krabben 
und Krebsen sehinarotzenden Tliierforineii. 

Von 

Prof. Dr. Jap. Steenstrnp* 

Aus der Oversigt over det Kongl. danske Videnskabernes-Selskaps 
Forhandlinger f. 1854. Nr. V4. 

Uebersetzt von 

llr* Creplin» 



In dem neuesten Systeme der Würmer, Eingeweidewür- 
mer und überhaupt der niedern Abtheilung der grossen Glie- 
derthierreihe , nämlich Diesing's i. J. 1850 erschienenem 
Systema Helminthum (I. S. 434 — 435) findet man unter den 
egelartigen Thieren, und namentlich in deren Unterordnung 
Monocotylea^ Subtribus Cephalobdellida , eine neue Gattung, 
Pachybdella, aufgeführt, welche auf das von Rathke unter 
dem Hinterleibe der gemeinen Krabbe, Carcinus Maenas, ei- 
nige Jahre früher gefundene und beschriebene Schmarotzer- 
Ihier Peltogaster Carcini Rathke ') gegründet worden ist. 
Diesing scheint selbst keine Exemplare vor sich gehabt, 
sondern seine Gattungs- und Artcharaktere bloss nach R a t h k e's 
Beschreibung und Zeichnungen entworfen zu haben , welche 
sich wiederum auf zwei Exemplare dieses merkwürdigen Schma- 



1) Nova Acta Acad. Caes. Lcop.-Car.Nat. Cur. 1843. Tom. XX. 
P.l. Heinr. Rathke, Beitr. z. Fauna Norwegens, S. 244— 49. Taf. 
XII. Fig. 17—19. 



16 Steenstrup: 

rotzers gründen , von denen das eine unter dem Schwänze 
eines Exemplars der oben genannten Krabbenart von der nor- 
wegischen Küsle, und das andere an einem Individuum der- 
selben Krabbenart aus dem schwarzen Meere gefunden wor- 
den war. Weder die Beschreibung noch die Abbildungen von 
R a th k e aber verschaffen einen so hinreichenden BegrifT vom 
Baue des Thiers, um aus ihnen einen bestimmten Schluss 
auf den Platz im Systeme , der ihm zunächst zukäme , oder 
über die Gruppe im Thierreiche, deren charakteristisches Ge- 
präge es beim Schmarolzerleben verloren haben möchte, zie- 
hen zu können. Nur aus dem Umstände, dass Rathke das 
Thier zu der kurz zuvor von ihm errichteten Gattung Pelto- 
gaster stellt, von welcher er theils in derselben Schrift '), 
theils in den Neuesten Schriften der naturforschenden Gesell- 
schaft in Danzig^), eine andere Art ausführlicher beschrie- 
ben, die er unter dem Hinterleibe des Bernhardskrebses gefun- 
den — P. Pac/wH Rthk. — und von der eine grössere Anzahl 
von Exemplaren ihm zu Gebote gestanden hatte, ersieht man, 
dass dieser Schriftsteller die Pachybdella zu den „Würmern« 
oder deren Classe im weitern Verslande hat bringen wollen. 
In dieser Classe hat indessen Rathke se'mev Peltogaster^ 
Gatluncr keinen.näher bestimmten Platz angewiesen; er meinte 
nur, dass diese Thiere auf keine Weise zu den egelartigen 
oder Irematodenähnlichen Würmern zu stellen wären, an wel- 
che der Körperumriss, die Grube, mit welcher sie sich an- 
hefteten, und das ganze Schmarotzerleben gleichsam erinnern 
müssten; vielmehr wollte er sie als üebergangsformen von 
den Würmern zu den Actinien und den ihnen zunächst ste- 
henden Strahlthieren betrachten. Er fasste nämlich jene sack- 
förmigen und mit Eiern in so hohem Grade angefüllten Schma- 
rotzerthiere so auf, dass die Grube, mit welcher sie am Hin- 
terkörper der Krabbe festsassen, nur ein Saugnapf wäre, von 
welchem keine Röhre in den Körper des Thiers hineinführte, 
und dass die andere Oeffnung, welche sich am freien Ende 



1) S. 245-247. Tab. XII. Fig. 17. 

2) Neueste Sehr. d. nat. Ges. in Danzig. 1842. Bd. II. S. 105- 
lll. Taf.VI. Fig. 12-15. 



Bemerkungen über die Gattungen Pachybdella und Peltogaster. 17 

des Thiers fand^ eine Mundöffnung wäre, die in eine grös- 
sere Höhle führte, welche zugleich eine Verdauungshöhle sein 
und zum Ausbrüten der Eier dienen sollte — ein Verhallen, 
welches seiner Meinung nach durch die ausführlicheren Un- 
tersuchungen, die er mit dem P. Paguri hatte anstellen kön- 
nen, erwiesen war, zugleich aber ein Verhalten, von welchem 
man dem Verf. zugeben muss, dass es „etwas ganz Eigen- 
Ihümliches und bis dahin Unerhörtes für einen Wurm«« sei. 
(S. 108.) 

Unsere Kenntnisse von der durch D i e si n g so benann- 
ten Pac%&f/e?/a-Gattung beschränken sich indessen glückli- 
cherweise nicht allein auf jene spärlichen, obschon in alle 
Wege willkommenen Mittheilungen, welche Rathke uns über 
die beiden von ihm gefundenen und untersuchten Individuen 
geliefert hat; es liegen zugleich andere vor, welche freilich 
bisher übersehen worden oder unbeachtet geblieben sind, 
aber alle Aufmerksamkeit verdienen , da sie auf die Ver- 
breitung und systematische Stellung dieses Schmarotzerthiers 
Licht werfen. 

Hinsichtlich des Vorkommens und der Verbreitung der 
Pachybdella will ich sonach an die sackförmigen Schmarot- 
zerthiere erinnern , welche Bell unten am Hinterleibe von 
Carcinus Maenas und Portunus marmoreus aus dem Canale 
gefunden hat, und die er auf eine solche Weise beschreibt, dass 
man gar nicht zweifeln kann, dass er eine Pachybdella vor 
sich gehabt habe. An der erstem Krabbe hat er den Schma- 
rotzer, wie es scheint, nur dann und wann — „occasionally« — , 
an der andern aber in grosser Anzahl gefunden. Dieser 
Schriftsteller, welcher denselben nur gelegentlich berührt 0> 
fasst ihn so auf, dass er die Grube, mit welcher er ange- 
sogen sitzt, für die Mundöffnung nimmt, während er umge- 
kehrt als After die OefTnung betrachtet , welche Rathke 
als Mundöffnung angenommen hatte. Bell schreibt sonach 
dem Thier eine hindurchgehende Verdauungshöhle zu. Die 
auf C. Maenas vorgekommenen Parasiten waren übrigens den 



1) Thom. Bell, A history of british Crustacea. Part. III. p. 108 
Mai 1845. 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 2 



18 S t e enstrup : 

Individuen, welche Bell häufiger auf dem P. marmoreus an- 
getroffen halle , so ähnlich gewesen , dass er nicht an der 
Identilät der Arien gezweifelt zu haben scheint. 

Das Vorkommen der Pachybdellenformen nicht bloss im 
Canale , sondern auch im Mitlelmeere, kann ich danächst durch 
mehrere im zoologischen Museum der hiesigen Universität 
vorhandene Individuen darlhun , nachdem ich i. J. 1848 aus 
ersleremvom dort gegenwärtigen Schiffsarzle, Hrn. V. Frosch, 
einige wenige Krebslhiere, und unter diesen einen Fortunus 
hirtellus , erhallen habe, unter dessen Hinterleibe sich ein 
sehr grosser Sack befand, in welchem ich einen lernäenartigen 
Schmarotzer zu erkennen glaubte, ohne jedoch anfangs den- 
selben zu irgend einer mir bekannten Form der Lernäenfa- 
milie bringen zu können. Späterhin aber erkannte ich in ihm 
eine sich so genau an PachybdellaCarcini schliessende Form, 
dass sie nur an Unbedeutendheiten im Körperumriss und in 
der Runzelung der hinteren Oeffnung von jener unterschieden 
werden konnte. An einem Exemplar von Carc. Maenas , ge- 
fangen vom Hrn. Capitän Svenson auf „den schwarzen 
Bänken** in der Nordsee, erhielt ich ein sehr grosses Indi- 
viduum von einer mit P. Carcini R. ganz übereinstimmenden 
Form. Später fand ich in einem Glase , welches mehrere 
Portuni hirlelli aus dem Mittelmeer enthielt , drei andere In- 
dividuen , welche dem erstem glichen. 

Musste ich schon nach dem Vorhergehenden vermuthen, 
dass diese Schmarotzerform keineswegs zu den sehr grossen 
Seltenheiten dieser Meere gehören könnte, so ergab sich dies 
doch noch deutlicher aus den Erläuterungen , welche ich bei 
Cavolini fand, dessen Abhandlung über die Entwicklung der 
Krebse und Fische ') ich im vorigen Herbste zu einem ganz an- 
dern Zwecke durchlas. Aus ihr ersah ich nun, dass Cavolini 
jene Thiere nicht allein gekannt und abgebildet, sondern sogar 
in Menge , und namentlich, wie seine Zeichnungen erge- 



1) Cavolini, Abh. üb. d. Erzeug, d. Fische u. Krebse. A. d. 
Ital. M. Anm. v. E. A. W. Zimmermann, 1792; S. 161— 65. — Der 
Titel des weniger leicht zugänglichen Originales ist: Fil. Cavolini, 
Memoria sulla generazione dei pesci e dei granchi. Nap. 1787. 4. 
Hier steht die angeführte Stelle S. 186—190. 



Bemerkungen über die Gattungen Pachybdella und Pcltogasler. -19 

J)en, in mehreren verschiedenen Arten, vorkommend unter 
dem Hinterleibe zweier verschiedenen Krabben, w^elche in 
der Abhandlung Cancer depressus Fabr. („platte Krabbe^O und 
C. verrucosus Forsk. („Taschenkrebs") heissen oder zu die- 
sen gebracht werden, gehabt hat. Bei den Männchen so- 
wohl, als bei den Weibchen, finden sich diese „Beutel«; 
Taf. IL, Fig. 1 und 14 stellen sie unter dem Hinterleibe von 
Männchen der beiden genannten Krabbenarten , Fig. 13 zwei 
solche Säcke unter dem Hinterleibe eines Weibchens der er- 
stem, vor. Sie kommen so allgemein vor , dass die Fischer 
allgemein die Ansicht haben, dass die Eier der Krabbe in ihnen 
sitzen. Die Form, welche unter dem Schwänze des „Taschen- 
krebses« in Fig. 14 abgebildet ist, gleicht wirklich dem von 
Ralhke abgebildeten P. Carcini so sehr, dass man sie für 
dieselbe Art nehmen möchte; die an Cancer depressus in Fig. 
lund 13 gezeichnete Form gleicht mehr der oben angeführ- 
ten vom Portunus hirtellus; aber Cavolini führt an, dass 
die Oeffnung am spitzeren Ende nur vier Knoten oder Zähne 
habe, während meine Individuen wenigstens die doppelte An- 
zahl (8—10) hatten. Die Vergleichung des Thiers im Um- 
risse mit der Frucht von Thiaspi Bursa pastoris ist recht be- 
zeichnend , deutet aber doch an, dass seine Individuen ver- 
hältnissmässig etwas länger gewesen sind, als die, welche 
ich von P. hirtellus hatte. 

Aus den Beobachtungen, welche ich oben angeführt oder in 
Erinnerung gebracht habe, ergiebt es sich hinlänglich, dass 
solche pachybdellenförmige Schmarotzer nicht allein häufiger, 
als man angenommen hat, sondern wahrscheinlich sogar 
in mehreren Arten, je nach den verschiedenen Krabbenformen, 
an denen sie leben, vorkommen. Aber es geht aus den Ca- 
volinischen Untersuchungen dieser Säcke oder Beutel noch 
ein wichtigeres Verhalten hervor. 

Cavolini hat nämlich die Entwicklung der Eier verfolgt, 
welche in so ungeheurer Menge diese „Beutel" anfüllen, und 
sich überzeugt, dass aus den Beuteln an den beiden Krabben 
dieselbe Art Brut hervorkommt, und dass diese Brut ganz deutlich 
ein Krebsthier ist. Er findet Aehnlichkeit zwischen dieser Brut 
und dem von 0. F. Müller in der Zoologia danica , Tab. 
XLYIII abgebildeten Cancer paludosus; glaubt aber zugleich, 



20 Steenstrup: 

sie zu Linne's Monoculm Telemus *) hinbringen zu müs- 
sen. Auf Taf. II., Fig. 15 , bildet er eine kleine Partie der 
durch Schleimfäden gleichsam zu Schnüren verbundenen, aber 
,iioch unreifen, aus „dem Sacke^% d. h. der Pachybdella un- 
ter dem Hinterleibe der Krabbe, welche in der genannten 
Schrift „Taschenkrebs« heisst, genommenen Eier ab ; Fig. 16, 
a, stellt die reifen Eier mit der entwickelten Brut in ihnen 
vor; Fig. lö ;, c , die gerade aus dem Eie ausgeschlüpfte 
Brut mit drei deutlichen Paaren mit Borsten versehener Schwimm- 
füsse. Man kann nicht läugnen, dass diese Brut derjenigen 
mehrerer Entomostraceen ausserordentlich gleiche, und möchte 
sich dem zufolge zunächst veranlasst sehen ;, in der Pachy- 
bdella eine Art lernäenartigen Thiers zu erblicken. Indem ich 
jedoch späteren Untersuchern , welche Gelegenheit haben, 
diese Thiere in Menge zu sammeln, es überlassen muss, diese 
Frage schliesslich zu beantworten, und es mir nur vorbehalte, 
weiter unten auf einige merkwürdige Verbindungen zwischen 
den Pachybdellen und anderen Krebsthierformen aufmerksam 
zu machen, will ich hier nur hinzufügen, dass es Cavolini 
nicht gelungen ist, ungeachtet der Versuche, welche er in 
der Hinsicht angestellt hat, die Umbildung jener Brut weiter 
zu verfolgen, und dass er, in Folge der Ansicht seiner Zeit, 
nicht auf den Gedanken gekommen ist, dass das Junge selbst 
sich zu dem „Sack% in welchem sich die Eier befanden^ um- 
bilden möchte, sondern vielmehr annahm, dass dasselbe sich 
zu einem Krebsthier entwickelte, welches später diesen Eier- 
sack unter dem Hinterleibe der Krabbe anheftete. 

Soviel bleibt zufolge dieser Cavolini'schen Beobach- 
tungen gewiss, dass die Pachybdella unzweifelhaft ein Krebs- 
thier, und zwar ein durch sein Schmarotzerleben allmählich 
zur Sackform umgebildetes Krebsthier ist. 

Will man auch selbst die von Di es ing vorgenommene 
Sonderung des ursprünglichen Inhalts in Rathke's Gattung 
Peltogaster billigen, durch welche die breitere und kürzere. 



1) Monoculus Telemus Linn. Syst. Nat. Ed. XII., welche Linne 
selbst für „generis etiamnum dubii« erklärt, ist deutlich genug, zu- 
folge der Diagnose und der beigefügten Beschreibung, die Flügel- 
ßchnecke des Mittelmeers, Hyalea tridentata Forsk. (Anomia). 



Bemerkungen über die Gattungen Pachybdella und Peltogaster. 21 

mit der AnheftungsgTube am einen Ende versehene Form, die 
man unter dem Hinterleibe der Krabben antrifft, eine eigne 
Gatlungsform unter der Benennung Pachybdella v/ird, eine Son- 
derung, zu welcher man freilich jetzt um so mehr geneigt 
sein kann , als es dem Obigen zufolge scheint, dass es meh- 
rere, sich im Aeussern überaus nahestehende Arten gebe, so 
wird man doch gewiss damit nicht mehr, als eine generische 
oder subgenerische Sonderung gestatten, da die andere Hälfte 
des ursprünglichen Inhalts der Gattung so enge verwandt mit 
jener erscheint und sich von ihr nur durch einen länger ge- 
streckten Körper und die Stellung der Haftgrube weiter vom 
Körperende ab und gleichsam mitten unter dem Thiere, fer- 
ner durch den Aufenthalt des Thieres unter dem Bauche einer 
zu einer andern Krebsthierfamilie gehörenden Form (Pagu- 
rus Bernhardus L.) unterscheidet. Hat desshalb die Pachy- 
bdella sich als ein wirkliches Krebsthier ausgewiesen, so ist 
auch damit analog der Peltogaster als ein solches zu betrach- 
ten. — Inzwischen braucht man sich vielleicht für den Au- 
genblick nicht einmal allein an diesen Schluss zu halten; denn 
es liegen jedenfalls directe Beobachtungen vor, dass die Brut 
der peltogasterartigen Säcke unter dem Hinterkörper 
der langschwänzigen Krebse und Anomuren (?) krebsthierartig 
ist. Di es in g hat es nämlich unbeachtet gelassen (und ich 
will um so weniger den österreichischen Helminthologen dess- 
halb tadeln, als es sich an einer Stelle befindet, an welcher 
man nicht leicht danach suchen wird und ich selbst erst vor 
kurzem und gleichsam zufälligerweise aufmerksam darauf ge- 
worden bin), dass Hr. Prof. Kröyer in seiner Monographie 
der nordischen Hippolyten^Arlen die Schmarotzerthiere, von 
denen dieselben geplagt werden, und namentlich auch solche 
sackförmige Wesen , welche gewiss ohne Bedenken zu den 
Thieren gerechnet werden müssen, von denen hier die Rede 
ist, kurz erwähnt hat ^). Nachdem der Verfasser der Mono- 
graphie, im Abschnitte IV., welcher die Ueberschrift trägt: 
„Ein Paar Bemerkungen über Schmarotzerthiere auf Hippoly- 
ten,* S. 54, 55. kurz einige andere Schmarotzerthiere beschrie- 



1) Dies hat auch Prof. Sv. Loven in seinen Jahresberichten 
bemerkt. 



22 Steenstrup: 

ben hat, fährt er S.56 so fort: „Endlich entdeckte ich unter 
dem Bauche der H. pusiola ein rälhselhaftes Schmarotzerthier 
(Taf. V. Fig. llOcf.)? welchem es schwer ist, seinen rechten 
Platz anzuweisen, ja dessen Bau so einfach erscheint, so 
von allen Organen entblösst, dass man vielleicht ohne Schwie- 
rigkeit verleitet werden könnte, es nicht als ein selbslstän- 
diges Thier, sondern als ein blosses pathologisches Phänomen, 
eine Geschwulst oder einen Auswuchs an der Hippolyte zu 
betrachten *). Offenbar bildet es eine neue Gattung, welche 
auf der einen Seite einige Analogie ^) mit den Lernäen zu 
zeigen scheint, und auf der andern eine äussere Affinität mit 
einigen Hirudineen und Eingeweidewürmern besitzt. Von 
dieser Form kenne ich mehrere Arten ; eine , weisslich von 
Farbe und von bedeutender Grösse, fand ich häufig bei Spitz- 
bergen auf dem Hinterkörper des Pagurus pubescens ; eine 
andere, kleinere und von orangerother Farbe, traf ich auf 
dem Pagurus Bernhardus im Kattegatt an; diese beiden sind 
langgestreckt und drehrund oder sind von Wurmform; die 
dritte, welche auf der Hippolyte pusiola vorkommt ;, ist da- 
gegen fast von Kugel- oder Eiform ; sie ist weiss von Farbe 
und erreicht etwa 2'" im Durchmesser. Von 25 Exemplaren 
der H. pusiola waren acht mit diesem Schmarotzer unter dem 
Bauche besetzt; einige Exemplare hatten zwei, und bei ei- 
nem fand ich sogar drei derselben. Die genauere Beschrei- 
bung behalte ich mir bis zu einer andern Gelegenheit vor." 
Es ist mir nicht bekannt, dass Hr. Prof. Kröyer späterhin 
etwas über sie bekannt gemacht hätte; aber aus dem Ange- 
führten geht es deutlich hervor, dass wenigstens die beiden 
erstgenannten, wurmförmigen Arien wirkliche Peltogastri sind; 



2) „Ich würde es vielleicht nicht gewagt haben, mit Bestimmt- 
heit dieses Wesen als ein eignes Thier aufzuführen, wenn ich nicht 
beim Üeffnen eines Exemplars hätte Eier hervorquellen sehen, welche, 
durch das Mikroskop betrachtet, völlig entwickelte Junge zeigten, be- 
stehend aus Vorder- und Hinterkörper oder Schwanz, letzterer ver- 
sehen mit Schwimmfüssen oder Schwimmborsten; u. s. w.« Kr. 

3) Mit diesem Ausdruck hat der Verf. keineswegs gesagt, dass 
der Schmarotzer eine Lernäe war oder zu den „mannigfaltigen For- 
raen der Lernäen« gehörte, Vergl. Loven's Arsberält. om Zool. 
Framplag 1840—42. S. 148. 



Bemerkungen über die Gattungen Pachybdella und Peltogaster. 23 

und dass die dritte, ungeachtet ihrer verschiedenen Körper- 
form jedenfalls dieser Galtung sehr nahestehen müsse, scheint 
sich aus dem Umstände zu ergeben, dass Prof. Kröyeralle 
drei Formen zu ein und derselben Gattung bringt. Geht nun 
die von demselben in obiger Bemerkung gegebene interes- 
sante Beobachtung des Jungen auf alle drei Arten, so ist sie 
auch geradezu eine Beobachtung derKrebsthiernaturder wurm- 
förmigen Peltogastri; geht sie in der Hinsicht nur auf die 
dritte und letzte Form, — wohin offenbar die Bemerkung, in 
welcher die Beobachtung gegeben wird, dem Texte nach zu- 
nächst gehört, — so ist das jedenfalls eine neue Bestätigung 
der Ansicht , dass diese mit Eiern angefüllten sackförmigen 
Gebilde, welche unter dem Hinterkörper der langschwänzi- 
gen Krebsthiere vorkommen , selbst als Krebsthiere zu be- 
trachten seien. 

Wenn es auch zweifelhaft bleiben kann, zu welcher en- 
geren natürlichen Abtheilung der Krebsthiere die genannten 
Gattungen zunächst hinzubringen seien, so zeigen doch die 
oben bemeldeten Beobachtungen der Form der Brut es deut- 
Hch genug, dass es Krebsthiere sind , und damit ist es zu- 
gleich ausgemacht, dass sie in unseren Systemen nicht als 
hermaphroditische Thier formen aufzuführen sein 
können. So lange man nämlich nicht allgemein zugiebt, was 
doch das einzige Natürliche ist, dass das getrennte Geschlecht 
oder die Vertheilung des Geschlechts auf zwei Individuen eine 
so durchgehende Regel (um nicht zu sagen: Gesetz) in der 
Natur ist , dass von keinem einzigen Thier in unserer Wis- 
senschaft angenommen werden darf, es besitze ein entgegen- 
gesetztes Geschlechtsverhalten oder sei hermaphroditisch, ohne 
dass dieses abweichende Verhalten hinsichtlich dieses Thiers 
wissenschaftlich erwiesen worden, so lange müssen die Geg- 
^ler des noch jetzt nicht wenigen Thieren zugeschriebenen 
Hermaphrodilismus sich darin finden, dass bei minder gekann- 
ten und ununtersuchtenThierformen das Geschlechtsverhalten 
nach dem Verhalten bei den Thieren angenommen werde, 
welche am nächsten mit ihnen verwandt und in der Hinsicht 
einer genauem Untersuchung unterworfen worden sind, ob- 
gleich unzählige Beispiele das Unsichere in diesem Verfahren 
Jiinlänglich zu Tage legen. So lange also die beiden Schma- 



24 Steenstrup: 

rolzerlhiergatlungen, von denen hier die Rede ist, als egel- 
arlige Thiere betrachtet werden konnten, musste man sich 
darin finden, dass sie, ungeachtet das Verhallen nicht bewiesen, 
ja nicht einmal untersucht worden war , als Hermaphroditen 
angenommen wurden, indem alle Egelthiere als solche an- 
gesehen wurden. Weiss man aber nun, dass diese Thiere 
Krebsthiere sind, und ist man darin einig, die sämmtlichen 
Krebsthiere— mit Ausnahme der meisten zur Cirripeden-Gruipye 
gehörenden Formen, und zu diesen würde man sie wohl kaum 
bringen wollen — als Thiere mit getrenntem Geschlechle zu 
betrachten, so können jene nicht einmal nach dem erwähnten 
angenommenen Schliessen nach der Analogie anders als ge- 
trenntgeschlechtige betrachtet werden. Dies zu zeigen und 
darzuthun, dass man in diesen schmarotzenden und an 
ihre Stelle gebundenen Formen bei weitem nicht mit 
Recht Repräsentanten eines Hermaphroditismus gesucht habe, 
war der nächste Zweck der obigen Bemerkungen, in denen 
ich ein vollständigeres Bild von unseren Kenntnissen dieser 
Schmarotzerthiere zu geben gesucht habe. 



Da nun inzwischen diese umgeformten und noch etwas 
räthselhaften Krebsthiere einmal Gegenstand unsrer Betrach- 
tung geworden sind, so will ich nicht unterlassen, zum Schlüsse 
die Frage über den bestimmten Platz im Systeme, welchen 
dieselben möglicherweise bekommen müssen, zu berühren und 
ein paar merkwürdige Umstände in Erinnerung zu bringen, 
welche vielleicht nicht ohne alle Bedeutung für die Beantwor- 
tung jener Frage sein mögen. 

Es ist nämlich bekannt, dass Rathke bei seinem Pel- 
togaster Paguri einige (8) kleine, kaum 1'" lange Krebsthiere 
in der grosen Höhlung fand , welche den grösslen Körper- 
Theil dieses Thiers einnimmt und in ausserordentlicher Menge 
die entwickelteren Eier enthielt; so dass dieser Beobachter 
die Höhlung als eine vereinigte Verdauungs - und Ausbrü- 
tungshöhle betrachtete. Dass diese Höhlung, zu welcher die 
im freien Ende des Körpers befindliche OefFnung den Eingang 
bildet, nun wirklich zum genannten Zwecke dient, wissen wir 
ja ganz bestimmt aus Cavolini's Beobachtungen; und jene 



Bemerkungen über die Gattungen Pachybdella undPeltogaster. 25 

kleinen Krebsthiere befanden sich demnach in einer Brulhöhle 
neben auszubrütenden Eiern. Rathke hat im angeführten 
Werke diese Krebsthiere unter der neuen systematischen Be- 
nennung Llriope pygmaea R. beschrieben und abgebildet, be- 
trachtet aber, merkwürdig genug, diese neue Gattung als eine 
Form der Amphipoden-Ordnung, ich weiss nicht, aus welchen 
Gründen; denn die angeführten Charaktere scheinen mir dar- 
auf nicht hinzudeuten , und die Zeichnung erinnert ebenfalls 
nicht an ein Amphipod. Vielmehr wird man von der grossen 
Aehnlichkeit der Brut mit der Isopoden-Gsiihmg Bopyrus mit 
diesen kleinen Liriopen überrascht, und man kann keinen Au- 
genblick zweifeln, dass man zum wenigsten ein Isopod in 
ihnen vor sich hat. Sie scheinen sich in nichts Wesentlichem 
von der Brut der Bopyrusformen, so wie uns diese nament- 
lich durch Kröyer's und Rathke's Beobachtungen bekannt 
geworden sind, zu unterscheiden; nur sind sie mehr langge- 
streckt, als die bisher beschriebenen Larven der Bopyrusfa- 
milie. Da nun bekanntlich die Bopyren unter dem Brust- 
schilde oder dem Hinterleibe anderer Krebsthiere schmarot- 
zen, so könnte man das Verhalten zwischen den Liriopen und 
dem Peltogasterlhiere, in welchem sie sich fanden, für so be- 
schaffen vermuthen, dass die Liriopen , anstatt den Peltoga- 
stern zur Nahrung zu dienen, wie Rathke annahm, ein Schma- 
rotzerleben wie andere bopyrusartige Thiere führten, aber in 
der Bruthöhle bei Peltogaster, welcher, wie wir jetzt ja wis- 
sen, ein Krebsthier ist. Es sind jedoch zugleich Umstände 
vorhanden, welche hinlänglich andeuten können, dass das Ver- 
halten noch ein ganz anderes sein möge. 

In der oben erwähnten, an vortrefflichen Beobachtungen so 
reichen Abhandlung Cavolini'sO finden wir in Fig. 19 eine 
sehr sonderbare und unregelmässige Masse abgebildet, wel- 
che ganz voll von mehr oder weniger entwickelten Eiern 



1) Sie ist z. B. auch diejenige Abhandlung, in welcher man 
die ältesten Beobachtungen darüber antrifft, dass die Krabben eine Me- 
tamorphose durchmachen (ihre Larven sind auf einer Tafel mit der 
Pachybdella, Fig. 17. abgebildet), ferner Beobachtungen über die cy- 
lindrischen Röhren, in denen der Samen bei gewissen männlichen Iso- 
poden (Idotea Entomon) eingeschlossen ist 5 u. s» m. 



5^6 Stccnstrup: 



ist. Sie wurde in einer Krabbe gefunden, mit dem einen Ende 
an die innere Mag-enwand geheftet und mit dem entgegen- 
gesetzten etwas eingeiilemmt zwischen zwei von den Schei- 
deräumen, welche die Gränze zwischen den Seitenlheilen der 
den Brustkasten bildenden ursprünglichen Ringe andeuten. In 
Fig 18w,w. hat Cavolini die in der Masse enthaltenen Eier 
in verschiedenen Graden der Entwicklung dargestellt, und in 
Fig. 18 r,r. zwei Junge, so wie sie eben aus den Eiern ge- 
schlüpft sind. Diese Jungen vergleicht Cavolini mit den 
von Pallas beschriebenen Onisci squilliformes und benennt 
sie mit diesem Namen. In dieser abgebildeten und beschrie- 
benen Brut kann man eine der Liriope von Rathke so nahe 
stehende Form nicht verkennen, dass man sie schwerlich von 
einander wird trennen können , und man folglich unwillkür- 
lich auf die Vergleichung mit den Bopyruslarven kommt. Die 
Form der Brut belehrt uns also, dass jene unregelmässige, 
mit Eiern angefüllte Masse aller Wahrscheinlichkeit nach nicht 
allein ein umgebildetes schmarotzendes Krebsthier, sondern 
auch ein Thier aus der Familie der Bopyriden ist, nur ist 
es noch mehr umgeformt, man möchte sagen, mehr monströs, 
als irgend eine andere entwickelte Bopyrusform und als selbst 
auch die Feitogaster- und Pachyhdella -Thiere , und danach 
ist dies Schmarotzerlhier, mehr als ein Epiwon; denn wie 
emEntozoon oder ein Eingeweidewurm, namentlich wie J oh. 
Müller's merkwürdige, in der Synapta digitata entdeckte 
Schnecke, Entoconcha mirabüis, war es an einem Innern Or- 
gane festgeheftet. 

Es treffen nun also die folgenden Umstände zusammen. 
Wir kennen die Bopyriden nur als Schmarotzerkrebse an den 
höheren Krebsthieren , und namentlich so, dass die weniger 
unregelmässigen Arten der Gattung Bopyrus unter dem Brust- 
schilde der langschwänzigen Krebse (Macruri) , die unregel- 
mässigsten —aus denen Rathke sogar eine eigne Gattung 
gebildet hat — unter dem Hinterleibe derselben vorkommen. 
Die letzteren Bopyrusformen haben sonach Aufenthalts- 
stelle und äussere Lebensverhältnisse im Wesent- 
lichen mit Peltogaster und Pachybdella gemein, welche, wie 
wir gesehen haben , unter dem Hinterleibe von Paguren und 
von ''Krabben (Brachyuri) leben. Ausserdem aber nähern 



Bemerkungen über die Gattungen Pachybdella und Peltogaster. 27 

sie sich auch in ihrer Gestalt auf gewisse Weise jenen 
beiden Schmarotzern. Indem sie sich nämlich von den we- 
niger unregelmässigen Arten der Gattung dadurch entfernen, 
dass die Glieder, mit Ausnahme des vordem Paares, an der 
einen Seile des Thiers völlig verloren gehen, und dabei die 
bei den Isopoden so allgemein vorkommende Bruthöhle , an- 
statt aus mehreren gleichmässiger entwickelten Platten gebil- 
det zu werden , hier vorzugsweise aus einer einzigen Platte 
gebildet wird, welche sich auf Kosten der anderen entwickelt 
hat und einen geräumigen Beutel mit einer weitern Oeffnung 
für sich allein ausmacht, so könnte man sagen, dass sie gleich- 
sam einen Uebergang zu Peltogaster und Pachybdella bilden, 
deren Bruthöhle man sich vielleicht als aus einer weiteren 
Entwicklung des einen grossen Blattes bei Bopyrus entstanden 
vorstellen könnte, und deren Fussreihen man sich dann zu- 
gleich als auf beiden Seiten des Thiers verschwunden den- 
ken müsste. Dazu kommen nun Rathke's Beobachtungen 
der den Bopyruslarven ähnlichen Liriope an und zwischen 
den Eiern in der Bruthöhle beim Peltogaster Paguri und C a - 
volini's Beobachtung von der Entwicklung einer Liriope-- 
ähnlichen Brut aus den Eiern in einem unregelmässigen Sacke, 
welcher fuglich nicht fern von Pachybdella und Peltogaster 
gestellt werden kann; — und es drängt sich demnach wohl 
von selbst die Frage auf, ob nicht eine wirkliche und nähere 
Verwandtschaft zwischen diesen beiden Schmarotzern und den 
Bopyriden zu vermuthen, und namentlich, ob nicht die An- 
wesenheit eines innerlichem Bandes zwischen Peltogaster Pa- 
guri und der bei demselben vorkommenden Liriope anzuneh- 
men sein dürfte, als dass diese in der Bruthöhle von jenem 
schmarotzte. 

In der Voraussetzung, dass Peltogaster und Pachybdella 
Bopyriden wären, könnte dann Liriope entweder ganz allge- 
mein als die mehr vorgerückte Brut des Peltogasters, in wel- 
chem sie sich befand, oder besonders als das jüngere Alter 
des männlichen Schmarotzers betrachtet werden; — denn wie 
bekannt sind die Bopyridenmännchen ganz verschieden von 
den Weibchen und führen ein parasitisches Leben auf diesen. 
Keine von diesen Vermuthungen wird jedoch für den Augen- 



28 Steenstrup: 

blick Bestätigung zu gewinnen vermögen ; es sei denn, dass 
man im Stande sei, ein besonders gemeinschaftliches Gepräge 
zwischen den Larvenformen der Bopyriden und der krebsar- 
tigen Brut zuerkennen, welche Cavolini und Kröyer bei 
unseren Schmarotzern wahrgenommen haben. Dazu sind we- 
der die von Beiden gegebenen kurzen Mitlheilungen, noch die 
angeführte Figur des Erstem vollständig genug; auf der an- 
dern Seite aber scheinen sie doch einer solchen Deutung 
nicht entgegenzustehen. Die von Beiden erwähnten und in 
Cavolini's Figur gezeichneten Füsse mit Schwimmborsten 
können zwar sehr gut den Hinterleibsfüssen einer Liriope 
oder eines Bopyriden entsprechen, auch kann der Umstand, 
dass die für die Bopyriden so bezeichnenden ßrustfüsse nichf 
erwähnt werden, nicht geradezu als Beweis für ihr Nicht-Da- 
gewesensein benutzt werden, da sie ja dergestalt unter den 
Bauch gedruckt gewesen sein konnten, dass sie nur bei em- 
sigerer Untersuchung sichtbar geworden sein würden; es 
scheint sogar nach Cavolini's Aeusserungen über hervor- 
ragende Kiemenblätter, wenn das Thier von der Bauch-Seite 
betrachtet wurde, als ob er Etwas gesehen habe, welches ent- 
weder für diese Füsse, oder vielleicht für die Kiemenblätter 
der Bopyriden angesehen werden könnte; ja man versteht 
eigentlich gar nicht, wie Cavolini seine Brut mit 0. Fr. 
Müller's Figur des Cancer paludosus hätte vergleichen kön- 
nen, wenn die Brut nicht solche Füsse oder überhaupt ganz 
andere Gestallen, als die eine, in welcher er sie abgezeich- 
net hat, dargeboten hätte; man könnte nach der berührten 
Aehnlichkeit mit dem Cancer paludosus fast zu der Annahme 
veranlasst werden, dass seine Zeichnung das Thier verkürzt 
in dem zusammengebogenen Zustande gebe, in welchem es 
im Eie Hege , und welchen es vielleicht einige Augenblicke 
nach dem Ausschlüpfen aus demselben behalten haben und 
solchergestalt die Aehnlichkeit mit der Brut eines Cirripe- 
den oder eines andern Entomostrakons herbeigeführt haben 
könnte. 

Aber alles Dieses liegt, wie gesagt , ausserhalb meiner 
eigentlichen Absicht bei der Mittheilung und giebt nur An- 
deutungen, welche ich besonders denjenigen Naturforschern 



ßemerkuDgen über die Gallungen Fachybdella und Peltogasler. 29 

zur Benutzung anheim stelle , die der niederen Thiere we- 
gen in letzlerer Zeit so oft die Küsten des Mittelmeers be- 
suchen, an denen jene merkwürdigen Schmarolzerthiere zu- 
folge des Angeführten gemein sein müssen '). 



1) Die Peltogasterformen, weicheich habe untersuchen können, 
und von denen ich drei Exemplare dem zootomischen Museum der 
Universität und ein viertes dem Hrn. Geh.-R. Joh. Müller in Ber- 
lin verdanke, haben mir leider ebenso wenig, als die oben bemelde- 
ten Pachybdellaindividuen, Aufklärung hinsichtlich der Gestaltung der 
Brut verschafft, indem keins derselben Eier mit entwickelter Brut in 
sich darbot. 



IVacliträg^licIie Been erklingen über die 
Holconoti« 

Von 
Prof* li* Ag-Assiz« 

Aus Silliman Amer. Journ. XVII. p.365. 

üeberselzt vom 

Heraiisgreber« 



Durch eine neuere Sendung- zahlreicher Exemplare von 
Holconoti von Californien , durch die Güte meines Freundes 
T. G. Gary in San Francisco, bin ich im Stande einige Nach- 
träge zu meiner früheren Notiz über diese merkwürdige 
Familie zu liefern. Entsprechend meiner früheren Vermulhung, 
ist die Zahl der hierhergehörenden Arten ungemein ange- 
wachsen. Ich habe nunmehr nicht vs^eniger als sechs ver- 
schiedene Arten vor mir, die viel grössere Differenzen darbie- 
ten, als ich es erwartet hatte, und die mich veranlasst ha- 
ben , einige neue Gattungen neben Embiotoca aufzustellen. 
In Betreff der Familien -Charaktere habe ich hinzuzufügen, 
dass noch ein anderer von Schuppen entblösster Raum vor- 
handen ist, der sich längs der Mittellinie des Körpers, von 
den Bauchflossen bis zur Basis der Afterflosse erstreckt, un- 
zweifelhaft eine Vorrichtung, um die Erweiterung der Lei- 
beshöhle während des W^achsthums der so überaus grossen 
Jungen zu erleichtern. Es ist freilich auffallend, dass dieser 
schuppenlose Raum auch bei den Männchen vorhanden ist. 



1) Vergl. dies Archiv 1853. I. p. 149. 



Agassiz: Nachträgliche Bemerkungen über die Holconoli. 31 

und das könnte als ein Einwurf gegen die eben gegebene 
Erklärung gelten, wenn wir nicht auch Zitzen und Milchdrüsen 
bei den männlichen Säuglhieren fänden. Dennoch unterschei- 
den sich die Männchen und Weibchen auffallend von einander 
in allen vier Arten, von denen ich beide Geschlechter habe be- 
obachten können. Dieser Umstand trägt viel zu der Schwie- 
rigkeit bei, die Species zu unterscheiden und zu charakle- 
risiren. Die Männchen sind durchgehends kleiner als die 
Weibchen , umgekehrt wie bei der Gattung Poecilia , in wel- 
cher die Männchen (Mollinesia) und die Weibchen (Poecilia) 
so verschieden sind, dass man sie als verschiedene Genera 
betrachtet hat, und gerade wie bei meiner neuen Gattung He- 
terandria , wo die Männchen gleichfalls kleiner sind als die 
Weibchen. Der Unterschied besteht besonders in dereigen- 
thümlichen Gestalt des vorderen Theils der Afterflosse bei 
den Männchen, die einige Aehnlichkeit mit der des Männchens 
von Mallotus villosus hat , und steifer und grösser als bei 
den Weibchen ist. Die Kiefer sind mehr oder weniger vor- 
streckbar. Die Schwimmblase ist gross und einfach. Bei 
den Männchen liegt die Geschlechtsöffnung am Gipfel einer 
vorspringenden, conischen Papille. 

Die Gattung Embiotoca^ welche zuerst aufgestellt wor- 
den ist, erleidet keine Veränderung; ich habe nur eine neue 
Species hinzuzufügen, und einige Eigenheiten zu erwähnen, 
wodurch sie von den folgenden Gattungen abweicht : der dor- 
nige Theil der Rückenflosse ist gleichmässig niedrig, und 
der weiche Theil erhebt sich plötzlich zu einer beträchtlicheren 
Höhe ; die vordersten gegliederten Strahlen der Afterflosse 
sind einfach, nicht verzweigt, an ihrem Ende. Bei den 
Männchen sind die vordersten gegliederten Strahlen der After- 
flosse in der JNähe der Basis angeschwollen, und bilden so 
jederseits an der Flosse einen forllaufenden Längskiel. Der- 
selbe zeigt Verschiedenheiten nach den Arten. Die Kiefer 
sind massig vorstreckbar; die Unterlippe ist durch ein Fre- 
num an die Symphyse der Unterkiefer befestigt, und nicht 
rund um den Kiefer frei und beweglich. Die Jungen der drit- 
ten neuen Art dieser Galtung gleichen ganz denen der bei- 
den früher beschriebenen , unterscheiden sich jedoch merk- 
lich von denen der anderen Arten, die zu einem unten zu be- 



32 Agassiz : 

schreibenden neuen Genus gehören, und zeigen so, dass ge- 
nerische Verschiedenheiten in der Entwickelung der Jungen 
slatlfinden , obgleich die Fortpflanzungsart bei allen genau 
dieselbe ist. Bei der Galtung Embiotoca gleichen die Jungen 
um die Zeit des Ausschlüpfens sehr der Mutter, mit Ausnahme 
der Farbe. Es verdient noch nachträglich erwähnt zu wer- 
den , dass die Jungen aller drei Arten dieser Galtung einen 
grossen schwarzen Fleck vorn auf dem weichen Theil der 
Rücken- und Afterflosse haben, während von demselben nur 
E. Caryi eine Spur im erwachsenem Zustand zeigt. Die männ- 
liche Papille ist ziemlich gross. 

Embiotoca Caryi. — Ich besitze von dieser Art die voll- 
ständigste Reihe, denn ausser zwei trächtigen Weibchen mit 
zum Ausschlüpfen reifen Jungen, die im Juli gefangen sind, 
habe ich im Januar gefangene Männchen und Weibchen ver- 
schiedener Grösse. In dieser Jahreszeit ist der Marsupial- 
sack auf eine spindelförmige Röhre reducirt, die sich von 
der Geschlechtsöff'nung bis zum Vorderende der Schwimm- 
blase ausdehnt; der Conservations- Zustand der Eingeweide 
Hess jedoch eine genauere Untersuchung seines Baues nicht zu. 
Das Männchen , welches langstreckiger ist als das Weibchen, 
hat auch viel grellere Farben : die Längs - und Querbinden 
des Körpers sind deutlicher, die schwarzen Flecken auf dem 
weichen Theil von Rücken- und Afterflosse sind brillanter, 
und die Wangen, Deckel, Kiefer und Kinn sind mit grell 
blauen mehr oder minder verfliessenden Flecken geschmückt; 
die Grundfarbe des Körpers scheint von der Olivenfarbe des 
Rückens in ein Gelborange an den Seiten überzugehen. 

Embiotoca Jacksori, — Die Gestalt des Männchens un- 
terscheidet sich bei dieser Art nicht ganz so stark von der des 
Weibchens, wie bei der vorhergehenden, obgleich sie auch 
etwas schmaler ist. Die Farbe ist, soweit sie sich nach Wein- 
geist-Exemplaren beuriheilen lässt, von einem dunkleren Oli- 
vengrün , während das Weibchen mehr gelblich ist. 

Embiotoca lateralis Agass. n.sp. — Schliesst sich Inder 
allgemeinen Gestalt und im Habitus eng an E. Jacksoni, scheint 
jedoch ihre Jungen in einer früheren Jahreszeit zu gebären, 
denn unter einigen im Juli gefangenen Exemplaren , war 
nur eines mit Jungen erfüllt, und das war ein jüngeres Exem- 



Nachträgliche Bemerkungen über die Holconoti. 33 

plar. Der Körper ist oben dunkel olivenfarbig; an den Seiten 
alterniren silbergraue und rostfarbige Binden; Flossen braun. 
An jüngeren Individuen sind die Längsbinden mehr gelb, und 
auch die Flossen sind gelblich. 

Rhacochilus Agass. nov. Gen. — In dieser Galtung 
haben die verlicalen Flossen dieselbe Structur wie bei Em- 
biotoca , und die Geschlechter unterscheiden sich in derselben 
Weise; aber die Kiefer sind sehr vorstreckbar, fast wie bei 
unserem südlichen Lachnolaimus, und die Lippen sind sehr 
fleischig; die Unterlippe ist besonders breit, lappig, hat 
einen von dem Kieferknochen rundum freien Aussenrand, 
und ist nicht wie bei Embiotoca und Amphislichus durch ein 
Frenum an dem Kinn befestigt. Wenige Zähne stehen nur 
vorn in den Kiefern , keine an den Seiten. Der Körper ist 
auch langstreckiger. Die Jungen unterscheiden sich auffal- 
lend von denen der vorigen Gattung : ihre Gestalt ist lang- 
streckiger, die Schwanzflosse sehr gross und lang, und am 
Ende abgestutzt, während sie bei Embiotoca gabiig ist, und 
die Enden der Rücken- und Afterflosse erstrecken sich bis 
zur Basis der Schwanzflosse, während sie bei Embiotoca die- 
selbe nicht ganz erreichen; endlich findet sich weder auf der 
Rücken- noch auf der Afterflosse ein schwarzer Fleck. 

Rhacochilus toxotes Agass. n. sp. — Farbe oberhalb ein- 
farbig olivenfarbig; Seiten silberfarbig mit schwachen Längs- 
binden; Weibchen dunkler als das Männchen; senkrechte und 
Bauchflossen dunkel; Männchen schwärzlich an Deckel und 
Wangen. Weibchen mit reifen Jungen im Juli. 

Amphistichus Agass. n.gen. — Die Stachelstrahlen 
der Rückenflosse kürzer als die weichen Strahlen, aber all- 
mählich an Länge zunehmend, so dass der weiche Theil der 
Flosse sich nicht plötzlich höher erhebt als der dornige Theil, 
wenngleich die vorderen weichen Strahlen die längsten der 
Flosse sind. Alle weichen Strahlen der Afterflosse sind ver- 
zweigt, keine einfachen vorn wie bei Embiotoca, dennoch ist 
die Flosse in eine vordere und eine hintere Abiheilung getheilt, 
indem beim Männchen ein kurzer flachdreieckiger Strahl einen 
tiefen Einschnitt in der Flosse erzeugt, während dies beim 
Weibchen durch die Gegenwart von zwei oder drei geglie- 
derten Strahlen geschieht, die zwar ebenso lang sind wie die 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 3 



34 Agaflsiz: Nachträgliche Bemerkungen über die Holconoti. 

andern, aber viel stärker und mehr verzweigt. Beim Männ- 
chen sind die vorderen Strahlen angeschwollen wie bei Em- 
bioloca und Rhacochilus. Die Papille der Männchen ist sehr 
gross. Die Kiefer wenig vorstreckbar, mit zwei Zahnreihen 
oben und unten, Lippen dünn, Unterlippe nicht frei in der 
Mitte. Die Jungen sind nicht beobachtet, da die vorhande- 
nen Exemplare im Januar gefangen sind. 

Amphistichus argenteus Agass. n. sp. — Oben bläulich- 
grau, Seiten silberfarbig mit zuweilen undeutlichen und unre- 
gelmässigen olivenfarbigen Querbinden. Bauchflossen gelblich. 
Uolconotus Agass. nov. gen. — Rückenflosse lang, und 
hinten sehr niedrig; die Stachelstrahlen sind die längsten; 
der vordere Theil dieser Flosse ist von dem hinteren nicht 
durch einen Einschnitt gelrennt, sondern ihr Umriss senkt sich 
regelmässig vom 4ten oder fünften vorderen Stachelstrahl bis 
zum hinteren Ende. Der Bau der Afterflosse ist derselbe, 
wie bei Amphistichus , nur ist sie verhältnissmässig länger; 
die Geschlechter sind auch in derselben Weise verschieden. 
Die Jungen sind nicht bekannt, da das vorhandene Weibchen 
im Januar gefangen wurde. Die Kiefer sind sehr schwach 
vorstreckbar, der Unterkiefer ragt vor. Zwei Reihen von Zäh- 
nen nur im Oberkiefer. Die Lippen nicht fleischig; die Un- 
terlippe rundum frei. 

Holconotus rhodopterus Agass. n. sp. — Oben bläulich- 
grau, an den Seiten silberfarbig mit rosenfarbigen Flecken in 
unregelmässigen Längslinien. Die senkrechten Flossen , be- 
sonders die Schwanzflosse , röthlich. 



lieber die Grattuiig: Bdella ISav. und die in 
moüisanibique beobachteten yHnneliden. 

Von 
Professor HW^« Peters. 

(Monatsberichte der Berliner Academie 1854. p. 607). 



Vor ungefähr vierzig Jahren (1817) stellte Savigiiy für 
einen Blutegel aus der Umgegend von Cairo eine neue Gat- 
tung auf, welche er unter dem Namen Bdella von den bis da- 
hin bekannten absonderte. Unter seinen musterhaften Abbil- 
dungen zu der Description de l'Egypte findet sich (Taf. V. 
Fig. 4.) eine Darstellung derselben, erläutert in seinem clas- 
sischen Werk über das System der Anneliden als Bdella ni~ 
lotica. Die Merkmale, welche er zur Unterscheidung dieser 
Gattung anführte (cf. Systeme des Annelides p. 113; Descri- 
ption de l'Egypte, 2. ed. vol. XXI. p. 454), sind folgende: Mund 
mittelmässig gross im Vergleich zum Mundsaugnapf; 
Kiefer gross, hart, oval, schwach gekielt, zahnlos; 
Augen wenig deutlich, acht an der Zahl, sechs auf 
dem ersten Segmente, in halbkreisförmiger Linie gestellt und 
zwei auf dem dritten, diese letzteren weiter von einander ent- 
fernt stehend; Mundsau gnapf aus mehreren Abschnitten 
bestehend, vom Körper durch eine schwache Ein- 
schnürung getrennt, ziemlich hohl und napfförmig, ihre 
OefFnung merklich quer und zweilippig; die Oberlippe wenig 
vorragend, unten lief gefurcht, aus den drei oder vier letz- 
ten Segmenten gebildet , das Endsegment grösser und sehr 
stumpf; die Unterlippe stumpf; Schwanzsaugscheibe gxoss^ 



36 Peters: 

dem hinleren Körperendc schief angesetzt; keine Kiemen; 
Körper cylindrisch-conisch, merklich abgeplattet, verlängert, 
aus zahlreichen , kurzen , sehr gleichen und sehr deutlichen 
Segmenten zusammengesetzt; die Geschlechtsöffnung an dem 
sieben und zwanzigsten oder acht und zwanzigsten und an 
dem zwei und dreissigsten oder drei und dreissigsten Segmente. 

Von den Schriflslellern, welche sich später mit systema- 
tischen Arbeiten über die Anneliden beschäftigt haben, ist die 
Savigny'sche Beschreibung weder wesentlich verändert noch 
erweitert worden, abgesehen davon, dass der von ihm gege- 
bene Gattungsname, weil Latreille zwei Monate vor Sa- 
vigny denselben bereits an eine Milbengatlung vergeben 
hatte, von Moquin-Tandon (Monographie de la famille 
des Hirudinees. Paris 1827. 2. Ausgabe I84ö) in Limnatis, 
von ßlainville in Paleohdella umgewandelt wurde. Letz- 
terer hat auf einen Fehler in der Savigny'schen Abbildung 
aufmerksam gemacht, der einigen Schriftstellern, welche die- 
selbe copirt hatten, entgangen war, nämlich, dass die weib- 
liche Geschlechtsöffnung irrthümlich ebenfalls mit einer her- 
vorgestreckten Ruthe versehen sei. Einer andern als der von 
Savigny seiner Gattung zu Grunde gelegten Art ist bisher 
nirgends Erwähnung geschehen, und ebensowenig ob neuere 
Forscher durch eigene Untersuchungen den ihr zugeschrie- 
benen besondern Bau bestätigt gefunden haben. 

Unter den von mir in dem tropischen Afrika gesammel- 
ten Anneliden befindet sich auch eine Anzahl von Blutigeln, 
welche dort in den stehenden Gewässern gefunden und in 
vorkommenden Krankheitsfällen benutzt werden. Diese ge- 
hören sämmtlich einer einzigen bisher nicht beschriebenen Art 
an, w^elche sowohl an der Westküste von Afrika (Angola) als 
in Mossambique vorkommt. In der aligemeinen Körpergestalt 
fand ich sie nicht wesentlich von unseren officinellen Blut- 
egeln abweichend, ebensowenig in der Zahl und der Stellung 
der Augen, noch in der Gestalt und Bezahnung der Kiefer. 
Dagegen weicht sie von ihnen durch die unten mit einer tie- 
fen Längsfurche versehene Oberlippe ab. Eine genauere Ver- 
gleichung mit Bdella nüotica^ bei welcher Savigny eben- 
falls eine tiefe Furche der Oberlippe angab, schien mir an- 
fangs um so mehr überflüssig zu sein, als dieselbe nach der 



üeber die Gattung Bdella. 37 

Savigny'schen von niemand bestrittenen Angabe durch die 
geringere Zahl der Augen und die zahnlosen Kiefer ganz ver- 
schieden zu sein schien. Doch wollte ich nichts versäumen. 
Hr. Ehrenberg hatte die Güte, mir nicht allein die Un- 
tersuchung seiner äusserst reichen Annelidensammlung aus 
Aegypten zu gestatten, sondern auch seine nach dem Leben 
angefertigten Zeichnungen von verschiedenen Hirudineen zur 
Benutzung zu überlassen. Von Hrn. Grafen Wilhelm von 
S c h 1 i e f f e n , dem unser Museum eine ausgezeichnete Samm- 
lung von Nilfischen verdankt, halte ich neulich ebenfalls ein 
paar Hirudineen aus Cairo erhalten, welche ohne allen Zwei- 
fel der von Savigny als Bdella nilotica beschriebenen Art 
angehören. So war ich mit einem reichen Material verse- 
hen, wie es allerdings zu einer Untersuchung und Entschei- 
dung über zum Theil sehr kleine, durch die Einwirkung des 
Weingeistes noch undeutlicher gewordene Organe nothwen- 
dig war. 

Ich erwartete höchstens, mich durch eigene Anschauung 
von der Richtigkeit der Savigny'schen Angaben zu vergewis- 
sern. Das Resultat ist jedoch ganz anders ausgefallen, indem 
ich die Ueberzeugung erlangt habe, dass in diesem Falle die 
Beobachtung des sonst so unübertrefflichen Forschers man- 
gelhaft geblieben ist. Denn auch Bdella nilotica hat, wie man 
sich durch vorsichtige Entfernung der Oberhaut, bei jungen 
Exemplaren selbst ohne diese Operation , überzeugen kann, 
zehn Augen, von denen das letzte von Sa vi gny übersehene 
Paar, wie gewöhnlich bei Eirudo, sehr klein und im sechsten 
oder (wenn man den vordersten Theil als erstes Glied be- 
trachtet) im siebenten Dorsalringe gelegen ist. Auch die 
Kiefer zeigen sich deutlich bezahnt, obgleich die Zähne we- 
niger spitz erscheinen. Von den wesentl i c hen Merkma- 
len der Gattung Bdella wird daher kein anderes übrig blei- 
ben, als die tiefe Längsfurche der Oberlippe, welche sich 
nach hinten erweitert , um die Kieferscheiden zu umfassen. 
Dieses Merkmal hat allerdings nur geringe Bedeutung, wenn 
man bedenkt, dass sich auch bei Hiriido (Sanguisuga) die Spur 
einer solchen Furche findet. Dennoch möchte die Gattung 
aufrecht zu erhalten sein, zumal wenn es sich bestätigen sollte, 
dass die geographische Verbreitung der dahin zu zählenden 



38 P c t e r s : 

Arten auf Afrika beschränkt sei. Der von Savigny be- 
schriebenen Art möchte ich noch zwei andere anreihen. 

1. H. aequinoctialis n. sp. ; oben olivengrün, mit oder 
ohne blutrothe mittlere Längslinie; an den Körperseiten oran- 
genfarbig gerandet; unten rothbraun, mit oder ohne schwarze 
Flecken, neben dem orangenfarbigen Körperrande jederseit seine 
schwarze Längslinie. Die Kiefer sind merklich grösser, aus- 
serdem mit spitzeren und zahlreicheren Zähnen bewaffnet, als 
bei B. nilotica, und die Saugscheibe des Schwanzes ist ver- 
hältnissmässig etwas kleiner; Gestalt der Mundsaugscheibe und 
des Mundes ganz ähnlich wie bei dieser Art. Fundort : An- 
gola, Mossambique, Ibo, Sena. 

2. H. (S.) trifasciaia, Ehrenberg. Sie ist nach der 
von Hrn. Ehrenberg nach dem Leben entworfenen Abbil- 
dung oben und unten olivengrün; die Körperränder und ein 
Längsrückenstreif von rothgelber Farbe. Die Kiefer sind et- 
was kleiner, die Schwanzsaugscheibe ist beträchtlich kleiner 
als bei B, niloHca. Auch ist die Längsfurche der untern Seite 
der Oberlippe weniger tief. Diese Art steht daher den eigent- 
lichen Sanguisuga am nächsten. 



Folgende Arten von Anneliden wurden an der Küste 
von Mossambique gesammelt: 
Polynoe Savigny. 

1. P. muricata Sav. — Querimba-Inseln. 

2. Polynoe glauca n. sp. ; blauschwarz ; mit zwölf Paar 
Elytren ; ganz ähnlich wie Polynoe impatiens Sav., aber die 
drei mittleren Fühler wohl entwickelt und von gleicher Länge 
— Ein einziges Exemplar im Hafen von Mossambique bei 
der Cabaceira pequena zur Ebbezeit unter einem Steine 
gefunden. 

Sigalion Aud. Edw. 

3. Sigalion oculatnm n. sp.; mit Sigalion Mathildae A. 
E. verwandt. Mit 5 Fühlern ; die beiden äusseren Fühler sehr 
lang, nach unten liegend; die inneren die Vorderfüsse nicht 
überragend; ein minierer, deutlicher aber sehr kurzer Füh- 
ler zwischen den vier Augen, welche paarweise hinterein- 
ander zu jeder Seite hinter der Basis der innern Fühler lic- 



lieber die in Mossambique beobachteten Anneliden. 39 

gen; die Form der Augen ist oval, das vordere beträchtlich 
grösser als das hintere. — Im Hafen von Inhambane, 24° südl. 
Br., gefunden. 

Amphinome ßrugiere {Pleione Savigny). 

4. A. (Pleione) alcyonia Sav. — Querimba -Inseln, 
Mossambique. Ausserordentlich gemein unter Steinen zur Eb- 
bezeit. Von A. complanata ??(\\rs bloss durch grössere Breite 
verschieden. Ein Exemplar der letzteren aus Cuba mit 122 
Ringen ist nur 9 Mm., dagegen A. alcyonia mit derselben 
Anzahl 14 Mm. breit. Die Savigny'sche Abbildung ist of- 
fenbar nach einem jüngeren Exemplar angefertigt, deren meine 
Sammlung mehrere enthält. Die grössten Exemplare sind 260 
Millim. lang. 

5. Amphin. incarunculata n. sp. Diese Art , von der 
ich nur ein einziges Exemplar in Mossimboa, im liosüdl. Br., 
gefunden habe, zeigt keine Spur einer Carunkel. Der mitt- 
lere Fühler ist länger als die übrigen und steht sehr nahe 
dem hinteren Ende des Kopfes. Die Kiemen sind ebenso 
baumförmig verästelt wie bei A. alcyonia und stehen ebenso 
hinter dem oberen Fusse, erscheinen aber mehr wie von hin- 
ten nach vorn .zusammengedrückte Büschel. Die beiden ersten 
Glieder ohne Kiemen. Vier Augen, die hinteren undeutlich; 
Girren und Fusspaare wie bei A. alcyonia. Zahl der Ringe 
122; Länge 90 Mm. , Breite 4yi^Mm. — Ich bin zweifelhaft, 
ob e i n Exemplar hinreichend sei, die Aufstellung dieser Art 
zu rechtfertigen , zumal da es in allen übrigen Merkmalen 
mit den eigentlichen Amphinomen übereinstimmt. Wenn es 
nicht eine blosse Monstruosität ist, welche das übrigens sehr 
wohlgebildete und wohlerhaltene Thier nicht vermuthen lässt^ 
so würde es der Typus einer neuen Untergattung sein können. 

Eunice Guvier. 
Leodicae simplices Sav. (Mit 2 Rückententakeln). 

6. E. afra n. sp.; der E. anlennata Sav. sehr nahe ste- 
hend. Die Kiemen beginnen erst am 15ten Fusspaare, sind 
aber sehr entwickelt, kammförmig, bis 6 Fäden enthaltend; 
Körper einfarbig ohne Zeichnung. — Fundort: Querimba- 
Inseln (Ibo.) 

7. £. punctata n, sp.; der vorigen ähnlich; die Kie- 



40 Peters: 

men beginnen erst am löten Fusspaar und sind sehr klein, 
nicht über 4 kurze Fäden enthaltend; Körper violet metal- 
lisch, mit dichtstchenden weissen Punkten gezeichnet. — Fund- 
ort : Hafen von Mossambique. 

8. E. Simplex n. sp. (Nov. subgen.?) Kiefer, fünf An- 
tennen, zwei Rückententakel, wie bei den vorigen, Füsse ein- 
rudrig mit einem einfachen Tentakel ohne alle anderweitigen 
Kiemenfäden, wenigstens bis zum 120, Gliede, da das einzige 
Exemplar nicht vollständig ist. Glieder sehr kurz. — Fund- 
ort: Hafen von Mossambique^ 15° S. Br. 

Leodicae marphysae Sav. (Ohne Rückententakel.) 

9. E. mossambica n. sp. Sehr nahe verwandt mit E. 
sanguinea Montagu, aber durch die Stellung der Fühler und 
die Lage der Augen verschieden. Die äussern Fühler stehen 
nicht so weit vom hintern Kopfende ab und die Augen lie- 
gen hinten an der äussern Seite der Basis der inneren Füh- 
ler. — Aeusserst gemein im Sande an der Küste, von Mos- 
sambique bis MossimbÖa, vom 11° bis 15° Südl. Br. 

D endroner eis nov. gen. 
Körpergestalt, Kopf, Antennen, Rüssel, zweirudrige Füsse 
und Borsten der Nereis. Ein Paar sehr schwacher, am Ende 
sichelförmig gekrümmter und undeutlich gezähnter Kiefer. 
Ein Theil der Rückencirren in federförmige oder grosse baum- 
förmige (ganz denen der Amphinomen ähnliche) Kiemen ver- 
wandelt. 

10. Dendronereis arhorifera n. sp.; Kopf und Antennen 
von ähnlicher Form wie bei Nereis Beaucoudrayi Aud. Edw., 
eben so das Längenverhältniss der Fühlercirren. An den Füs- 
sen der vorderen Glieder sind die beiden Abtheilungen der 
Füsse deutlich von einander getrennt, die sogenannten Kie- 
menwülste und borstentragenden Wülste Fortsätze von run- 
der, conisch zugespitzter Gestalt und sowohl die oberen als 
unteren Girren ganz einfach. Aber am 9. oder 10. Körper- 
gliede bemerkt man an der Basis des oberen Cirrus kleine 
Fortsätze, welche am 12. Gliede bereits den ganzen Innern 
und äussern Rand des auf diese Weise federförmigen Cirrus 
einnehmen. An den folgenden Ringen verzweigt sich der 
Cirrus rasch immer mehr und bildet jederseits einen grossen 



lieber die in Mossambique beobachteten Anneliden. 41 

Kiemenbusch wie bei den Amphinomen. Dies geht so fort 
bis zu dem 22. Körpergliede, am 23. erscheint aber plötz- 
lich die Kieme wieder als ein einfacher, fadenförmiger Cir- 
rus. Auch die Fusse nehmen hier plötzlich eine andere Ge- 
stalt an, indem die s. g. Kiemenwülste abortiren und die bei- 
den borstentragenden Abtheilungen der Füsse mit einander 
verwachsen. So findet man nun an den folgenden Gliedern 
nur einen oberen und unteren Cirrus und die beiden zu- 
sammenhängenden Borstenwülste. Die Borsten sind ähnlich 
denen von N. Beaucoudrayi. Dieses merkwürdige Thier scheint 
mir den besten Beweis zu liefern, dass bei den Nereiden 
die s. g. Girren wirkliche Athmenorgane sind. — Fundort: 
Querimba. 

Syllis Sav. 

1 1. S. monilaris Sav. Am Strande der Insel Mossambique. 
Hesione Sav. 

12. H. splendida Sav. Ein Exemplar am Strande bei 
der Cabaoeira pequena, im Hafen von Mossambique. 

Terehella Linne, Sav. 

13. T. medusa Sav. Bei den Querimba-Inseln (Ibo). 
Calymmatops nov. gen. QTerebellarum) (xulvf.i- 

flu, Oljj). 

14. C. granulatus n. sp. Ein grosses, oberes gefalte- 
tes ganzrandiges Mundsegel, an der Basis mit massig langen 
Fühlerfäden besetzt. Dorsalende des Körpers endigt vorn mit 
einem wulstigen Bogen , der jederseits in ein m förmiges, 
sich über drei Segmente erstreckendes Blatt übergeht, von 
dessen Rande die Kiemenfäden entspringen. Die Bauchseite 
ist granulirt und zerfällt in eine mittlere schmälere vertiefte 
und zwei seitliche grössere, convexe Abtheilungen. Vorn ist 
eine zweilappige Unterlippe abgesetzt. Das Thier trägt auf 
den ersten 12 deutlich abgesetzten Gliedern nach der Rück- 
seite hin jederseits einen Borstenhöcker, an dessen Bauch., 
Seite ein kurzer Tentakel sitzt. Der 13. und 14. Höcker ste- 
hen entfernter und der Körper, dessen Schwanzende fehlt, 
ist hier nicht mehr so deutlich gegliedert. Die Borsten sind 
lang und haarförmig, entweder glatt und nach dem Ende hin 
abgeplattet oder seltner rundum mit kleinen Zacken besetzt. 
Fundort: Querimba-Inseln (Ibo), im 12o Südl. Br. 



42 Peters: lieber die in Mossambique beob. Anneliden. 

Sahellaria Lamarck. 
Pallasia Quatrefages. (Paleenkrone doppelt.) 

15. S. pennata n. sp,; Paleen der äussern Kröne länger 
als die der Innern, an der Endhälfle zu beiden Seiten fein 
gefiedert; die inneren Paleen sind einfach, ohne Absatz zwi- 
schen dem freien Rande und dem Wurzeltheil. Die Zahl der 
äusseren Paleen ist jederseits etwa 37, die der inneren 22. 
An die äussere Reihe schliessen sich auf dem Rücken jeder- 
seits ein Paar sehr viel grösserer platter, am Ende sichelför- 
mig gebogener Paleen an. Fühler sehr fein und zahlreich. 
Mundsegment mit zwei kleinen Bündeln von Haarborsten. 
Borsten des oberen Randes des 2-, 3. und 4. Segments platt, 
breit, lanzettförmig, die des untern Randes spitz lanzettför- 
mig. 23 Bauchglieder , jederseits unten mit einem Bündel 
Haarborsten. Länge des ganzen Thiers 35 Mm. Die Röhre 
aus kleinen Steinen zusammengesetzt, sehr fest und krumm 
gebogen. — Ein Exemplar an der Küste von Mossambique 
bei Ibo, im 12° Südl. Br., gefunden. 

Sabella Linne s. str., Sav. 
Sabe lae simplices Sav. 

16. Sabella Mossambica n. sp. : Kiemen gleich, einen 
einfachen Kreis bildend, etwa ein Viertel so lang wie der 
Körper, von goldgelber Farbe, jede mit 30—32 spiralig ge- 
krümmten, an der Bauchseite sehr fein und reich befiederten 
Fäden; Kragen gelappt; Fühler einfach und ziemlich kurz 
wie bei S. pavonina? ; Bauchplatten acht und vierzig, von 
denen die acht vorderen nicht durch eine mittlere Läiigs- 
furche getheilt sind. Körperlänge (ohne die Kiemen) 0,070 M.; 
Länge der Kiemen 0,020 M. Röhre weich , aussen mit Sand- 
körnern bekleidet. Fundort: Meerbusen von Inhambane, un- 
ter dem südlichen Wendekreise. 

Cirrhatulus? spec. Ein defectes Exemplar einer 
Art, welche zu dieser Gattung zu gehören scheint, wurde im 
Hafen von Inhambane gefunden. 



Uebersiclit der auf seiner Reise gesa in Hiel- 
ten ^inpliibien. 

Von 
Uemselben. 

(Monatsberichte der Berliner Academie 1854. p. 614.) 



fSaurii. 

Crocodili. 



Crocodilus Cuv. 

1. Crocodilus vulgaris Cuv. (Cr» marginatus Geoffr,). 
Mit dunklerer Färbung und einige mit 8 Nackenschildern. In 
allen Flüssen und stehenden Gewässern. — Nom. indig. in 
Sena, Tette i7ijacoco, Lourenzo-Marques ingoenja, Inhambane 
engöna^ Querimba ngönja. 

Cliamaeleontes« 

Chamaeleo. 

2. Ch. dilepis Leach. Die einzige allenthalben in der 
Provinz nicht selten vorkommende Art. An der Küste und 
im Inlande. — Nom. indig. Tette und Macanga düidüi, Sena 
und Boror njacatendöeua, 

3. Ch. calyptratus Dum. — Westküste von Madagas- 
car (Bay Bombatuka.) 

Oeckones« 

Pachydactylus Wiegmann. 

4. P. capensis Smith. In den Wohnungen von Tette 
und in Boror. Nom. indig. sasumudse vel pesunüda. 



44 Peters: 

5. P. punctatns n. sp. ; fuscus , nigrofusco maculatus, 
squamis dorsi punctis minimis nigris ornalis ; subtus albus; 
margine orbilali slriaque nigrolimbata pone oculum flavis ; 
pupilla verticali; squamis granulosis, in cauda inaioribus irn- 
bricalis. Zwei Exemplare auf Feldern unter Steinen bei Sena 
und Tette. Durch die Beschuppung am meisten mit P. oceU 
latus verwandt. 

Platydactylus Cuv. Wiegm. div. e. 

6. P. cepedianus Cuv. D. B. Auf der Comoren - Insel 
Anjoana. Nom. indig. camanündi. 

Hemidactylus Cuv. 

7. H, capensis Smith. Unter Steinen bei Tette, in Bo- 
ror und in Mossimböa. Pupille rund. 

8. H. platycephalus n. sp.; cinereus, fasciis latis trans- 
versis irregularibus nigrofuscis; tuberculis parvis dorsalibus 
per series longitudinales , aculels caudallbus per series trans- 
versales dispositis; poris femoralibus ante anum angulo ob- 
tuso coniunctis; sculello rostrali lato, supra inciso; scutellis 
supralabialibus serie scutellorum minorum marginatis: pupilla 
verticali ; pollicibus unguiculatis brevibus. — In Häusern, 
nicht allein an verschiedenen Küstenorten der Provinz Mos- 
sambique, sondern auch auf der Comoreninsel Anjoana. Die 
Eingebornen dieser Insel nennen das Thier camantsüngi. 

Diplodactylus Gray. 

9. D. pictus n. sp. ; supra flavoviridis , fasciis trans- 
versis angulatis brunneis, subtus sordide albus; iride nigra, 
margine aureo; pupilla perpendiculari; granulationi subtili 
granula maiora , in cauda per series transversales disposita, 
immixta. — Madagascar (St. Augustins-Bay). 

Varani. 

Varanus. 

10. V. nüoticus Cuv. An verschiedenen Orten der Pro- 
vinz, sowohl nahe der Küste als im Innern : Cabaceira, Boror, 
Quellimane, Tette. Nom. indig. in Mossambique enfihi vel 
enjüfu, Tette muänse. 

11. y. albogularis Smith. In Quitangonha und im In- 



Uebersicht der auf seiner Reise gesammelten Amphibien. 45 

nern des Landes bei Sena und Teile. Nom. indig. göndoe 
vel göndoa. 

Hoplurus Ciiv. D. B. 

12. H. Barnardi n. sp. , supra olivaceo-viridis vel vi- 
ridi-cinereus, fasciis dorsalibus transversis nigrofuscis, Iribus 
anterioribus supra collum anle et post kumeros distinclis, 
poslicis obsolelis; lateribus fusco vel fuscoviridi reliculalis; 
gastraeo flavido vel viridiflavo, ingluvie cyaneo vel fusco 
venosa. Digitus palmae quarlus terlio et quintus plantae di- 
gilus secundo longior. Scutellum occipilale mediocre. — 
Madagascar (Bombaluka, St. Auguslins-Bay). 

Chalarodon nov. gen. (/uluQÖg oöovg'). 
Enyalio denlibus habituque similis, sed corpore sub- 
depresso , scutellis capitis maioribus, in roslro longitudinali- 
bus, carinalis , collo profunde transversim plicalo, squamis 
hypodactyliis carinalis. 

13. Ch. madagascariensis n. sp. ; cinereo-carneus, vilta 
dorsali fasciisque transversis nigrofuscis. — Madagascar (St. 
Auguslins-Bay). 

Agama Lin. 

14. A. mossambica n. sp. ; A. colonorum similis , sed 
squamis multo minoribus; digilo quarto longiore quam ter- 
tio. — In der ganzen Provinz an der Küste. 

15. A. armata n. sp. ; squamis capitis luberculosis, 
scutello occipitali parvo, crisla dorsali humili , squamis ma- 
ioribus sparsis ulrinque per series ternas vel qualernas dis- 
posilis : digilo terlio paulo longiore quam quarto. — Sena, 
Teile. Nom. indig. toque. 

T^acertae« 

Platy saurus Smith, 

16. PL capensis Smith. 

17. PL guttatus Smith. — Beide Arten in den Sand- 
sleinfelsen bei Teile. Nom. indig. bünio, 

Lacerta Linne. 

18. L. Delalandii M. Edw. — Teile und Boror. Nom. 
indig. soromönda. 



46 Peters: 

Ichnotropis nov. gen. {i/vog r^önig), 

Tropidosaurae similis, sed hypodaclylia carinata, nares 
inter sculella tria positae. 

19. I. squamulosa n. sp.; pori femorales utrinque 14 
ad 16; scutellum internasale duplex; sculella capitis rugosa; 
scutella temporalia carinata; squamae in corporis medio per 
series 48 longitudlnales dispositae. Color flavobrunneus, se- 
riebus dorsalibus macularum nigrarum duabus, utrinque serie ^ 
macularum albarurn ; gaslraeum album vel ex albo flavescens. 

— Teile. 

20. /. macrolepidota n. sp. ; pori femorales utrinque 1 1 
ad 13; scutellum internasale simplex, fere glabrum vel mi- 
nus carinatum quam reliqua capitis sculella; squamae in cor- 
poris medio per series longitudlnales 38 dispositae. Color 
ex brunneo flavescens, seriebus macularum dorsalibus duabus 
striisque binis in utroque corporis latere viltam albam inclu- 
denlibus nigris. Lourenzo Marques. 

Tracheloptychus nov. gen. (T^d/i^Xog, urv^i]). 
Lingua sagiltata , breviter bifida, squamulata. Dentes 
intermaxillares obluse conici, dentes maxillares posteriores 
bicuspides^ cuspide anteriore breviore. Palatum profunde V 
forme excisum. Dentes in ossibus pterygoideis obluse conici. 
Nares inter scutella quaterna aperlae. Palpebrae squamatae. 
Membrana lympani nuda. Squamae dorsales et ventrales im- 
bricatae , laterales verlicillalae. Sulcus horizontalis 
squamulis minimis vestitus in utroque colli la- 
tere ab oris angulo usque ad humerum extensus. 
Pori femorales distincti. Pedes quatuor pentadactyli, squamis 
hypodaclyliis carinatis. Genus inter Ptycbopleuros et La- 
certas. 

21. Tr. Madagascariensis n. sp.; nares inter scutellum 
rostrale, supralabiale primum, supranasale et nasofrenale po- 
silae. Frenalia duo , quorum primum magniludine frontoro- 
strale aut internasale aequat ; frontale elongatum hexagonum, 
postice coarctatum, parietalibus affine; interparielale parvum 
angustolanceolalum. Tempora squamis maioribus vestila. Pori 
acustici margo anlicus squama angusta munilus. Pori femo- 
rales utrinque 20 ad 22. Color dorsi olivaceus; caput pun- 



Uebersicht der auf seiner Reise gesammelten Amphibien. 47 

ctulalum et marmoralum ; labia temporaque fusco maculata ; 
vittae dorsales tres albae , quarum media antice bifurcata ; 
spatia inter vittas maculis nigrofuscis confluentibus ornata; 
in utroque latere fascia e maculis albis et nigris composita. 
— Madagascar (St. Auguslins-Bay). 

Ptycliopleuri* 

Gerrhosaurus Wiegm. 

22. G. flavigularis Wlegm. — Tetle. 

23. G. robustus n. sp.; omnium maximus, forma G. va- 
lido Sundevallii affinis ; corpore caiidaeque basi depressis ; 
artubus validis brevibus; squamis capitis laevigalis; scutellis 
abdominalibus per series 14 ad lö longitiidinales dispositis ; 
scutellis dorsalibus subcarinalis in margine crenatis, per se- 
ries circa 32 longitudinales dispositis; poris femoralibus utrin- 
que 18 ad 22; supra nigrofuscus, seriebus striolarum longi- 
tudinalibus vittaque utrinque ab occipite ad caudam ducta 
flavis; gastraeo sordide albido , maculis irregularibus nigris. 

Long, ad caudae basin 0^230; caudae 0;,250; lat. corp. 0,050 
,, „ „ „ 0,250; „ -_? ^ ^ 0,055 

Habitatio : Tette. Nom. indig. caaua. 

24. G, major A. Dum. — Zanzibar. Nom. indig. gurgüru. 

Seines« 

Gongylus. 
Euprepes Wagler. 

25. E. punctatissimiis Smith. iTropidoIepisma striatum 
Peters, Monatsberichte 1844. p. 36.) — - Insel Mossambique, 
Cabaceira, Quellimane, Boror. 

26. E. Saviymji D. B. — • Tette. 

27. E. Olimerü D. B. Smith. — Tette. 

28. E. margaritifer n. sp. ; olivaceus, maculis parvis 
albis; cauda rubra; in margine meatus auditorii anteriore 
squamis acutis tribus: squamis tricarinatis, caudae apicis lae- 
vigatis. -- Tette. 

29. E. depressus n. sp.; capile corporeque depressis, 
cauda longa; squamis 5 — 7 carinatis; scutellis supranasalibus 



48 Peters: 

disiunctis; squamulis lanceolatis elongatis tribus ante porum 
acuslicum; palpebra inferiore disco pellucido instructa; squa- 
mis hypodactyliis laevigatis; supra olivaceus, in ulroque cor- 
poris lalere linea fulva, vilta lineaque nigris inclusa. — Teile. 

30. E. lacertiformis n. sp. ; supra olivaceus , punclis 
nigris sparsis; sublus albus, lineis obsoletis nigris; vitla al- 
bida niaculisque nigris per series dispositis in ulroque cau- 
dae lalere; squamis dorsi , lateruin caudaeque 5-carinalis; 
squamis hypodactyliis laevibus. — Boror. 

31. E. comorensis n. sp.; squamis 5—7 carinalis; pal- 
pebra inferiore disco pellucido instructa; margine pori acu- 
stici laevigalo; hypodactyliis tuberculatis ; colore olivaceovi- 
ridi, obsolete nigropunctatus, lateribus obscurioribus. — In- 
sula Comorensis Anjoana. 

32. E. elegans n. sp.; squamis 5-carinalis; squamulis 
anleauricularibus lanceolatis ; palpebra inferiore disco pellu- 
cido instructa; squamis hypodactyliis tuberculatis; maculis 
dorsi nigris albo-mixtis per series quatuor dispositis; in la- 
teribus vitla nigra albomaculata et infra albomarginata. — In- 
sula Madagascar (St. Auguslins-Bay.) 

Eumeces Wiegni. 

33. JE. afer n. sp.; forma sculellorum eadem ac inEu- 
mece punctato; palpebra inferiore squamala. — Insula Mos- 
sambique, Mossimböa, Boror, inhambane. 

Ablepharus Fitzinger. 

34. A. Peronii D. B. — Insula Mossambique, Cabaceira. 

35. A. (^Cryptoblepharus) Wahlbergii Smith. — In- 
hambane. 

Herpetosaura nov. gen. {eQnerog, oavQa). 
Artus nulli; lingua squamulala , depressa , Iriangulari, 
sagillata, apice inciso; palatum edentalum , postice fissum ; 
dentes maxillarum numerosi, conici, paulum curvati, margini 
interno adnati; palpebra superior angusta, inferior lata squa- 
mala; pupilla rotunda; auris occulla; rostrum cuneiforme ro- 
tundalum, squama vaginali obduclum; nares laterales inier 
scutellum nasale minimum el excisuram scutelli rostrali posti- 
cam positae; caput squamis maioribus obduclum; apex man- 
dibulae squama vaginali obduclus ; porus analis paulo post 



Uebersicht der auf seiner Reise gesammelten Amphibien. 49 

corporis medium positus; cauda longa, apice conico; squa- 
mae laeves, imbricatae; cranium columella insiructum. 

36. H. arenicola n. sp. ; maculis per series longitudi- 
iiales dispositis nigris, sublus sordide carnea vel cana. Long-, 
tola 0,138; caudae 0,066; capitis 0,007. —Inhambanc, Lou- 
renzo - Marques. 

Acontias Cuv. 

37. A. niger n. sp. (1846); ater vel violaceo- niger, 
marginibus squamarum dilulioribus ; squamarum seriebus a 
mento ad anum 160. 

Long, tota 0,450; cap. 0,040; caudae 0,034; lat. corp. 0,025. 

— ~ 0,465; — 0,040; — 0,058; — — 0,027. 

— — 0,347; — 0,029; >- 0,051; - ~ 0,020. 
-- -- 0,278; - 0,223; - 0,042; - - 0,015. 

— Inhambane. 

Diese Art stimmt in der Form der Schuppen ganz mit 
A, meleagris überein, aber die Zahl der Schuppenquerreihen 
ist geringer , indem diese bei A. meleagris sich wenigstens 
auf 170 beläuft. 

Tijphline Wiegm. 

38. T. aurantiaca n.sp. (1846); supra aurantiaca, ma- 
culis nigris per series longitudinales dipositis, subtus alba; 
squamis per series longitudinales duodecim tantum disposi- 
tis. Long, tola 0,190; caudae 0,030. — Inhambane, Lourenzo- 
Marques. 

Ampliisbaenae. 

Monop eltis Smith. 

39. M. capensis Smith. — Inhambane. 
Amphisbaena Linne. 

40. A. violacea n. sp. ; violacea, subtus dilutior; tem- 
poribus squamis maioribus munitis; fronfali medio nullo : oculis 
distinctis,pupilla rotunda; denlibus superioribus 15, inferioribus 
ulrlnque 7 ; poris praeanalibus quatuor; cauda obtuse conica. 

Long, tota 0,200; caudae 0,042; capitis 0,007. 
— — 0,175; — 0,010; — 0,007. 

— Inhambane, Lourenzo -Marques. 

Archiv f. Naturgcsch. XXI, Jahrg. 1. Bd. ^ 



50 



Peters: 



ISerpeiitcs. 

Typlilopini* 

Onychocephalus D. B. (Nares inferae.) 
41. 0. dinga n. sp.; Liberiensi Halowelii similis, sed 
sculo rostrali angustiore, naribus magis approximalis. 



Lg. t. cT" A. 0,415 

— — B. 0,248 

— $ A. 0,385 

— ~ B. 0,375 



caud. 0,00525; lat. 0,0075. 
— 0,005; — 0,004. 
^ 0,0055; — 0,00825. 
-. 0,004; - 0,0085. 



cap. 0,013 

— 0,010 

— 0,015 

— 0,016 

— Teile, Sena, Chupanga. 

42. 0. mucrüso n. sp.; olivaceus vel viridi-olivaceus 
vel caeruleo-olivaceus, lineis longiludinalibus e punctis com- 
posilis albis, subtus sordide flavus. 

Long. Iota 0,395; capit. 0,014; caudae0,0055; lat. cap. 0,008. 

— — 0,290; — 0,013; — 0,0055; — - 0,0065. 
_ -0,300; - 0,011; - 0,0045; 0,0065. 

— —0,245; — 0,0095; — 0,0045; 0,006. 

— Teile, Macanga. 

43. 0. mossambicus n. sp.; rostro obluse rolimdato- 
niger, capite caudaque subtus sordide carneis. 

cPJlg.t. 0,158; capt. 0,005; caud. 0,00325; lat. cap. 0,003. 

$ - 0,165; — 0,005; — 0,003; 0,003. 

Insulae Mossambique et Anjoana. 

44. 0. trilobus n. sip. ; glaucus vel schistaceus; corpore 
subbrevi; rostro obsolete trilobo. 

Long. Iota 0,160; capit 0,0055; caud. 0,0035; cap.lat. 0,004. 

— ^ 0,114; - 0,005; - 0,002; 0,0035. 

__ - 0,092; - 0,004; - 0,002; 0,003. 

— Lourenzo-Marques, Inhambane. 

Typhlops D. ß. cNares laterales.) 

45. T. capensis (Onychocephalus capensis, A. Smith II- 
lustr. of South Africa pl.51. fig.3. pl.54. fig, 9-12.) — In- 
sulae Mossambique et Querimbae, Inhambane. 

Stenostoma D. B. 

46. Stenostoma nigricans D. B. — Insula Mossambique. 

47. St. longicaudnm n.ST^.; colorccarneo; capitis squa- 



Uebersicht der auf seiner Reise gesammelten Amphibien. 51 

mis speciei prioris; cauda multo longiore. Squ. ser. longit. 

14, transv. 280; caudae ser. Iransv. 43, caud. bas. ser. long. 10. 

Long. Iota 0,208; caudae 0,023; cap. 0,0035. — Teile. 

48. St scutifrons n. sp. ; nigricans , sublus ferreus ; 
scuti rostralis parle fronlali ullra oculos exlensa. 

Long. Iota 0,083; caudae 0,006; capitis 0,0025. 
— - Hab. Sena. Nom indig. singanno. 

Peropodes. 

Python Daudin, Dum. Bibr. 

49. P. natalensis Sinilh. — Insula Mossambique, Caba- 
ceira, Boror. 

Colubrini. 

Homaios oma D. B. 

50. H. variegatum n. sp.; atrum, brunnescenticano va- 
riegatum; subtus brunnescenticanum, maculis irregulariler ra- 
dialis confluentibusnigris. Senium frontale parielalia longilu- 
dine aequans multoque longius quam dislantia eius a roslri 
apice; sculorum gularium paria duo. Squ. ser. long. 15; cau- 
dae circa 6. Sc. abdom. 104+1 ; scutell. subcaud. par. 24— 
25 + aculeus acutus. 

Long. Iota 0,325; caudae 0,045. 

— Inhambane. 

Eugnathus D. B. 

51. Lycodon geometricus Schlegel. — Allenthalben. Nom. 
n dig. in Teile mucüa. 

Lycophidiiim D. B. 

52. L. capeiisis Smilh. (;L. Horstockii Schlegel). — Teile. 

53. L. semiannuUs n. sp.; supra nigrocaeruleum , se- 
miannulis atris; subtus dilutius, in ulroque scutellorum abdo- 
niinalium lalere maculo alboflavido; labiis lale flavomarginatis. 
Squ. ser. long. 17, paulo ante caudam 15; caudae c. 8. Scu- 
lella abdom. 140-}- 1; scul. caud. par. 30. 

Long. Iota 0,260 ; caudae 0,038. 

— Hab. Teile. 

Coro nella. 

54. C. semiornata n. sp.; supra olivaceo- caerulea vel 



52 Petors: 

schistacoa, usquc ad corporis medium semiannulis alris or- 
nata, subtiis alba , in basi sculorum maculis vel fasciis alris. 
Squamar. ser. long-. 21; paulo ante caudam 17 ad 19; caudae 
6 ad 10. 

Scut. abdom. 182+ y^; sculell. caud. par. 63 

- - 176 + %; ^ - — 88 

— — 186 + %; — — — 75 
Long, lola 0,530; caudae 0,105; cap. 0,019 

— — 0,440; — 0,120; — 0,015 
_ _ 0,260; — 0,065; — 0,010 

— Teile. Nom. indig. hädsa. 

55. C. olivacea n. sp. ; supra olivacea , sublus flava. 
Squ. ser. 19; paulo anle caudam 17; cauda squanüsmaioribus 
per series 6 disposilis. 

Scula abd. 134 + %; scul. caud. par. 62. 
Long. Iota 0,385; caudae 0,105; cap. 0,014. 

— Teile. 

Der C. (Ablabes) rnfula Schlegel in der Färbung täu- 
schend ähnlich, jedoch ist die gelbe Farbe des Bauches ver- 
hällnissmässig weniger ausgedehnt und der Kopf kürzer. Nach 
den längeren hinteren Oberkieferzähnen eine ächte Coronella, 

Sii§pecti. 

Oxybelis B. D. 

56. 0. Lecomtei D. B. — Cabaceira, Querimba-Inseln, 
Sena, Teile. Nom. indig. in Scna injarucucutue. 

Uriechis nov. gen. (J^lapomorphus Smith. lUustr. 
of South Africa. Reptilia. Appendix p. 16) (ovqu, 

Dens maxillaris posterior elongatus sulcatus. Scutellum 
iVenale nullum. Nares in medio scutellorum nasalium apertae. 
Scutella anleorbilalia et postorbilalia singula. Pupilla rotunda. 
Scula subcaudalia simplicia. Cauda versus apicem in parle 
superiore squamis maioribus munita. 

57. l'. nigriceps n. sp. (? Elapomorphus capensis Smilh.) ; 
capite colloque alris , sublus flavido albis , corpore caudaque 
olivaceis, sublus ex albo flavescentibus. Squ. ser. long. 15, 
caudae 7 ad 3. 



Uebersicht der auf seiner Reise gesammelten Amphibien. 53 

Scula abdom. 123+ i; cauJ. 35 

— -, 142 + I; — 51 

Long, tota 0,255; cap. 0,010; caudae 0,045 

- - 0,245; - 0,099; - 0,053 

— Teile. 

58. U. hinulatusn. sp.- supra olivaceo-viridis, squamis 
in basi fuscoinaculalis; sublus ex flavo virescens. Squ. ser. 
long. 15; caudae 7 ad 3. 

Scula abd. 458 + 1 ; caudae 58. 

Long, tola 0,415; cap. 0,014; cauda 0,090. 

— Teile. Nom. indig. bübse. 

Bucephalus Smith. 

59. B. capensis Smilh. — Cabaceira, Teile, Boror. 
Psammophis Boie. 

60. P. moniliger Ldic. — Insel Mossambique, Cabaceira, 
Ouellirnane, Boror, Tolle, Inhambane, Querimba-lnseln. Nom. 
indig. in Teile njamudsarümbe. 

Rhamphiophis nov. gen. (^d/urfior, orpig). 
Os maxillare supcrius subbreve, duas quinlas mandibulae 
parles aequans, dentibus paucis (4ad 6) laevibus anlerioribus, 
poslremo elongalo sulcato. Denies palalini et plerygoidei di- 
slincti. Dentes mandibulares niagnitudine retro decrcscentes. 
Os dentale dimidium totius mandibulae aequat. Anterior oris 
pars edentula. Rostrum prominens, inflexum, margine acuto, 
subtus concavum. Scula capitis Colubrinorum. Nares inter 
sculella bina apertae. Squamae corporis laeves. Scula cau- 
dalia biparlita. 

61. Rh. rostratus n. sp. ; notaeo viridi-olivaceo, in pullis 
maculis fuscis ornalo, gaslraeo ex albo flavescente; labio su- 
periore sordide flavo. Frenalia duo, anteriore multo minore. 
Orbilalia anteriora tria , posleriora duo. Supralabialia oclo, 
quinto marginem orbitalem inferiorem formanti. Squ. sor. 
long, colli 21, corp. medii 17 ad 18, paulo ante caudam 13, 
caudae 6 ad 10. 

Scuta abdom. 160+%; scul. abdom. par. 99 + acuIeus. 

-- - 166 + %; — _ - 94+ _ 

- — 179 + %; — -- -_ 106+ — 

- ^ 160+%; — _- - 98+ _ 



54 Peters: 

Long, tota 1,210; capitis 0,031; caudae 0,380. 

__ _ 1,210; — 0,031; — 0,350. 

— — 0,430; — 0,016; — 0,115. 

— — 0,380; — 0,016; — 0,105. 

— Telte. Nom. indig. mai. schidiandsäna, pull, njamucandenga. 

Als zweite Art dieser Gattung wird Re inhard t's Psam- 
mophis oxyrhynchus zu betrachten sein. 
Telescopus Smith. 

62. T. semiannulatus Smith. — Cabaceira. 
Crotaphop eltis Fitzinger (Heterurus D. B.) 

63. Crufescens Schlegel. (Ophis albocinctaDüYernoY-^ 
Sämmtliche Exemplare mit doppelten Schwanzschildern. — Tette. 

Tenenosi. 

a. Dentes veneniferi sulcati. 
Naja. 

64. iV. haje GeofFr. var. annulifera ; schistacea, annulis 
11 latis sordide flavis. Sqii. ser. 22 — 19 — 15, caudae 6. 

Scut. acdom. 191 + 1 ; scut. caud. par. 55 + aculeus. 
Long, tota 1,650; cap. 0,055; caudae 0,266. 

— Telte. Nom. indig. schibarampämba. 

Hat in der Form vielmehr Aehnlichkeit mit der ägypti- 
schen als mit der gewöhnlichen südafricanischen Art. 

65. JV. mossamhica n. sp.; collo haud dilatato; scutellis 
orbitalibus anterioribus ternis, posterioribus binis, supramaxil- 
laribus senis, tertio solo marginem orbitalem attingente; co- 
lore sordide olivaceo, squamis in basi caeruleo-nigris; ga- 
straeo sordide albo, fasciis colli caeruleo-nigris. Squ. ser. long. 
23—23—16 vel 25—25—17 vel 23—23-15, caudae 4—8. 

Scuta abdom. 193+ 1 ; scut. caud. par. 57 + aculeus. 
-. _ 202 + 1; — — —61+ — 
^ _ 186+1; — — —51+ — 
Long, tota 1,015; cap. 0,035; caudae 0,180. 
_ _ 0,840; — 0,023; — 0,150. 
_ _ 0,604; — 0,021; — 0,105. . 

— Tette. Sena. Nom indig. njamndschidiandsäna. 

Cyrtophis Sundevall, Smith. 

66. C. scutatus Sundevall. — Lourenzo -Marques. 



Uebersicht der auf seiner Reise gesammelten Amphibien. 55 

b. Dentes veneniferi per forati. 

Chi oroechis Schlegel, 1849. (D in o phi s Hallo^ 
well, 1852.) 

67. C. C^aja) angtisticeps Sm'üh. ('^ Dinophis Hammon-' 
du Hallowell.) — Teile. Nom indig. böbo. 

Atr actasp is Smith. 

68. A. Bibronü Smilh. — InMossimböa, im liosüdl. Br. 
Hat nicht, wie D u m e r il angenommen, gelurchte, son- 
dern durchbohrte Zähne, wie die Vipern. 

Viper a L. D. B. 

69. y . superciliaris n.sp.; aurantiaco-rufa, maculis ma- 
gnis nigrofuscis per tres series disposilis, utrinque vitfa flava 
seiunctis; siibtusalbida, maculis nigrofuscis; capilenigrofusco 
fasciato ; scutellis capitis parvis, excepto superciliari maiore; 
naribus lateralibus inier scutella bina positis ; squamis carinatis, 
corporis per series longitudinales 27, paulo ante caudam 18, 
caudae 8 ad 13 disposilis. 

Scuta abdom. 142+1; caud. par. 40. 
Long. Iota 0,570; capit. 0,029; caud. 0,077. 
— Habitalio : Terra Querimba. 

Echidna Merrem, D. B. 

70. E. rhinocer OS Schlegel, 1851 (E. 7iasicornis Hallo- 
well, sed non Reinhardt, E.gabo?iicaD.B.^ — ßorror. Nom. 
indig. bddie. 

71. E arietans Merrem. — Jn der ganzen Provinz. 
Nom. indig. in Teile vümbue, in Mossambique, ßoror mli. 

Batracliia. 

Rana Linne. Aul. 

72. R. oxyrhyncha Sundevall, Smith. — Cabaccira, Zan- 
zibar^ Quellimane, Boror. 

73. il. Mossamhka n. sp. ; mascarreniensi D. B. simi- 
lis, fissui'is saccoruin vocalium in ingluviei lateribus, verrucis 
glandulosis in dorsi lateribus. — Cabaceira, Quellimane, Teile, 
Boror. 

Cystig nath US Wagler. 

74. C. argyreicUHs n. sp.; fusco-niger, villis quatuor 



56 Peters: 

dorsalibus arluumque fasciis vel maculis argenteis. Cabaceira, 
Boror. 

Pyxicephalus Tschudi. 

75. P. edulis n. sp. ; pedibus longiludine corpori aequa- 
libus ; olivaceo-viridis, maculis fuscis, linea dorsali flava. — 
Mossambique, Boror, Teile. 

76. P. 7narmoratus n.sii.; pedibus corpore longioribus; 
roslro obtuso; membrana tympani parva; fusco-viridis, ob- 
solete fusco marmoralus; venire sordide albo ; ingluvie late- 
ribusque flavidis. — Boror. 

Hylae. 

Hylambates Dumeril. 

77. H.maculatus Dum. — Die Flecke der Schenkel und 
die Ringe der Körperflecke sind bei dem lebenden Thiere 
schön roth. — Cabaceira. 

Chiromantis nov. gen. (/j/q Hand, ^(«j^rtg Laub- 
frosch.) 
Digiti palmarum bini externi semipalmati binis internis 
in basi palmalis oppositi. Digiti plantarum totopalmati. Digiti 
omnes apice dilatati. Membrana tympani distincla. Lingua 
cordiformis, postice bifurcata, libera, a centro ad apicem us- 
que alfixa. Dentes in ossibus intermaxillaribus et maxillaribus 
superioribus; d.entes vomeris inter choanas positi. Aperlurae 
tubarum Eustachii choanis paulo maiores. Processus transversi 
vertebrae sacralis haud dilatati. Indicium sacci vocalis exter- 
num in maribus nulluni. 

78. Ch. xerampelina n. sp. ; xerampclina, maculis late- 
ralibus fasciisque transversis ferrugineis. — Tette und Sena. 
Nom. indig. schüre. 

Hyperolius Rapp. (^Ewcwemis Tschudi.) 

79. H. bivittatus n. sp. ; ferrugineo-fuscus, albopunctu- 
latus, viltis duabus dorsolateralibus in roslro confluentibus vil- 
taque crurali argenleis nigropunctulalis ; gaslraeum ex flavo 
virescens; oculi prominentes; membrana tympani parva ob- 
ducta; pupilla perpen d icularis elliptica; nares rotundae in 
ipso rostri truncati latere posilae; abdomen femorumque pars 
inferior glandulosa; granula glandulosa in angulo oris parca; 



üebersicht der auf seiner Reise gesammelten Amphibien. 57 

dorsum capitis corporis extremitatumque granulis minutis spar- 
sis munilum. Lingua cordiformis incisa; digili palmarum ex- 
terni semipalmati. — Frequens in terra Boror. 

80. H. taeniatus n. sp.; fulvus, viltis quatuor dorsali- 
bus in rostro confluentibus nigrofuscis ; villa e niaculis nigris 
et rubris composita in ulroque corporis latere, ingluvies gra- 
nulosa vittis nigro- rubris ornata; abdomen album; humeri, 
antibrachii, cruris pedisque partes superiores fulvae vittis ni- 
gro-fuscis, reliquae femoraque sanguinea ; mernbrana tympani 
mediocris obducta; oculi parum vel valde prominentes, pu- 
pilia horizontali elliptica ; nares ovales oblique in rostri obtuse 
rotundali latere positae; abdomen femorumque pars inferior 
glanduloso-granulosa ; granula in oris angulo distincla ; lin- 
gua ovatocordiformis^ profunde excisa; digiti palmarum externi 
semipalmati. — Boror. 

81. ti. marmoratus Rapp. — Quellimane^ Boror. 

82. H. marginatiis n. sp. ; supra fulvus, lateribus, bra- 
chiis cruribusque maculis punctisque nigro-rubris ; femoribus 
abdomineque carneis; ingluvie nigro -rubro maculata; iride 
aenea, pupilla horizontali; rostro obtuso; cantho rostrali ob- 
soleto; naribus parvis, oblique ovalibus; ventre femorumque 
parte inferiore granulosis; ingluvie parum granulosa; digitis 
palmarum externis semipalmatis. — Macanga. 

83. R. argus n. sp.;fuscus; vitta aurea nigromarginata 
a supercilio ad rostri apicem extensa; ocellis fulvis nigro- 
marginatis; artuum parte inferiore femoribusque totis rubris; 
gastraeo albo, regione interfemorali virescenle; pupilla hori- 
zontali elliptica; membrana tympani parva vix visibili; ventre 
femorumque parte inferiore granulosis; ingluvie laevi ; digitis 
palmarum externis semipalmatis. — Boror. 

84. IL flavoviridis n. sp.; supra flavoviridis, fascla au- 
rantiaca nigro-marginata a supercilio ad nasi apicem ducta; 
subtus flavidus ; pupilla horizontali; rostro obluso rotundafo; 
naribus oblique ovalibus; lingua rhomboidal!; digitis palmarum 
externis semipalmatis; membrana tympani distincla. — Boror. 

85. I]. Tettensis n.sp.; supra viridis, nigropunclalus; 
sublus flavidus; membrana tympani dislincta. — Tette. 



58 



Peters: Uebers. der auf seiner Reise gesammelt. Amphibien. 



Bufone§. 

Br achym erus Smith. 

86. B, bifasciatus Smith. — Tette. — Die Binden und 
Flecke sind am lebenden Thier nicht gelb, sondern rolh. 

Engystom a Fitzinger. 

87. E. marmoratum n. sp.; sordide viride vel fusco- 
viride, nigro-marmoralum ; gastraeo albo. — Cabaceira. Nom. 
indig. napülo, 

Br eviceps Merrem. 

88. B. Mossambicus n. sp. ; supra fusco-ferrugineus, 
versus latera in ochraceum transiens , maculis nigris , linea 
dorsali flavida; plaga infraorbitali nigra ; ingluvie nigrofusca, 
gastraeo reliquo sordide albo. — Insula Mossambique, Sena. 
Nom. indig. injacatumbäsi. 

Bufo. 

89. B. pantherinus Boie. — Cabaceira, Boror, Tette 
u. a. 0. 

jlg^Iossa. 

Dactylethra Cuvier (Xeiiopus Wagler.) 

90. D. Müllen Pet. (Monatsberichte d. Akad. 1844. p.37.) 
— Cabaceira, Boror, Sena^ Tette. Nom. indig. camusönde. 



lieber die Synonymie von Syinbranclius 
iinaiiaculatus Bl. 

Von 

Dr. J. liaup, 

in Darmstadt. 

(Briefliche Miltheilung an den Herausgeber). 



Da ich mich iin Augenblick mit den Aalen beschäftige, 
so bemerke ich, dass Herr Dr. C a n t o r einen kleinen Irrlhum 
begangen hat, wenn er den indischen Ophisternon bengalen- 
sis McCI. als den Synbranchus immaculalus Bloch beschreibt 
und abbildet. 

Der Syn- oder Symbranchus immaculalus Bloch stammt 
aus Süd-Amerika und hat an der Kehle, wie Bloch's Abbil- 
dung zeigt, ein ovales Loch, während die indische Art die 
2 Kiemenöffnungen unter einem am Rande bogenförmig aus- 
geschnittenen Halskragen verborgen hat, der der Länge nach 
innerlich durch eine Scheidewand getrennt ist. Man verglei- 
che die Abbildung des Dr. Cantor. 

In seinen Synonymen schreibt Cantor „(exci. Habit. 
Surinam.) Soll diess heissen, dass die Angabe des Vaterlan- 
des falsch ist und dass Bloch's S. immaculalus nur in In- 
dien vorkommt, oder soll es heissen, dass der indische eine 
von der surinanischen Art verschiedene sei?" Bloch sagt in 
seinem grösseren Werk Vol. XII. p. 77. : 11 m'en venu de Su- 
rinam et duTranquebar und in seiner Syst. „Habilat in fluviis 
Tranquebariae." Es ist daraus zu entnehmen, dass Bloch 
den südamerikanischen mit dem indischen verwechselt hal. 
Prof. Müller sagt in seinen Myxinoiden p.245, dass der von 



60 Kaup: 

Bloch abgebildete Aal nicht in der Berliner Sammlung mehr 
vorhanden ist , und dass erst in neuerer Zeit ein Exemplar 
aus Brasilien unter der Benennung S. immaculatus gekommen 
sei. Da jedoch Bloch die südamerikanische Form abgebil- 
det und beschrieben und diese nur mit der indischen Art ver- 
wechselt hat, so muss der südamerikanischen Form der Name 
Synbranchus immaculatus verbleiben und die indische Art muss 
einen andern Namen erhalten. 

Können auch die Untersuchungen eines Mc. Cl eil and 
keinem Ichthyologen zusagen , so traf er doch diessmal das 
Richtige, indem er dem indischen Aal einen neuen Namen 
beilegte. 

Wenn er auch seine Charaktere von diesem Geschlecht 
zum Theil unrichtig auffasste, so ist es doch sicher, dass 
sein Ophisternon bengalensis identisch mit Symbranchus im- 
maculatus Cantor ist. 

Die Synonymie dieser beiden Genera ist demnach wie 
folgt zu sichten : 

Synbranclius imiiiaculaius Bloch. 

Bl. Ausl. Fische T. 419. Fig. 1. Vol. XII. p. 77. (excl. 

Habitat Tranquebarla ) Syst. p. 5Q4. (excl. Hab. in 

fluviis Tranquebariae}. 

Shaw Gen. Zool.Vol. IV. p. 36. (copirt.) 

? Cuv. Regn. anim. II. p. 354. Uebers. 462. ( excl. 
synon.) 

Opliisiernoii beng^alensis McClell. 

Calc. Journ. Nat. Hist. V. p. 197, 220. Tab. II. Fig. 1, 2. 
(AdultO 

Symbranchus immaculatus Cant. Cat. Mal. Fish in 

Journ. As. Soc. Beng. XVIII. p. 1319. (juv.) 
Tetrabanchus immaculatus Bleeker, Nat. Tydschr. N. 

Ind. II. p.69. Cjuv.) 
Symbranchus immaculatus, Bleeker, Nat. Tydschr. N. 

Ind. III. p. 32. — Muraenoiden en Symbranchoiden 

p. 57. (juv.) 



Ueber die Synonymie von Symbranchus immaculatus Bl. 61 

Bis jetzt habe ich noch keinen Aal aus Südamerika ge- 
sehen, der vollkommen mit dem unter dem Namen Symbran- 
chus marmoratus Bl. Tab. 418. übereinstimmte. Dass dieser 
Fisch generisch zu dem immaculatus gehört, ist ausser allem 
Zweifel, allein ob er specifisch sich von diesem unterscheidet, 
kann mit Sicherheit nach den von Bloch gegebenen Abbil- 
dungen und den höchst dürftigen Beschreibungen nicht wohl 
ermittelt werden. Ob Cuvier den südamerikanischen Aal oder 
den Cuchia aus Indien, Monopnous Cuchia J. Müll., anatomisch 
untersucht hat , und die Charaktere des letztern für die des 
ersteren gegeben hat, muss einstweilen dahin gestellt sein. 
Die echten Symbranchus und Ophisternon haben keine Schwimm- 
blase. „There is no airvessel," sagt Cantor p. 15; auch ich 
konnte keine bei einem immaculatus aus Chili finden. 



]IIaclii§clii*ift 

zu den Bemerkungen über die Gallungen Pachybdella und 
Peilogasler. 

Von 
Prof. Jap. üteenstrup. 

(Vergl. oben S. 16). 



Vor einiger Zeit ward ich durch eine gefällige briefliche 
Millheilung des geehrlen Hrn. Dr. C replin in Greifswald be- 
nachrichtigl, dass Hr. Prof. 0. S chmi dt Zeichnung und kurze 
Beschreibung einer Pachybdella-Larve in der Zeitschrift „das 
Wellall" für 1854 CNo.3. S. 19j gegeben habe, welche Zeit- 
schrift ich erst in diesen Tagen (Ausgangs Deccmber) zu Ge- 
sicht bekommen konnte. Aus der von Schmidt gegebenen 
Figur, welche sehr mit der von mir citirten Cavoli ni'schen 
(F. 16. c) übereinstimmt, geht allerdings hervor, dass das 
Junge einem Entomostraconjungcn überaus ähnlich ist; und 
um so merkwürdiger erscheinen mir die obgedachten Ver- 
hältnisse zwischen den Bopyruslarven- ähnlichen Liriopen der 
Peltogastri und den lioriopenähnlichen Jungen (^Cavolini's 
Fig. 18. r, r) des sonderbaren Schmarolzerthiers (Fig. 17). 
Uebrigens bestätigt Schmidt's Beobachtung, dass die Pa- 
chybdella bei Wangerooge nicht nur gemein, sondern sogar 
überaus häufig ist, — so wie ich auch aus derselben ersehe, 
dass Schmidt einzelne Pachybdella = Peilogasler - Indivi- 
duen an der dalmatischen Küste gesammelt hat. 



lieber die Jug-eiidzusiäiide einig^er 
Anneliden« 

Ein Beitrag zur Enlvvickelungsgeschichte. 

Von 

Rud. lieuckart. 

(Hierzu Taf. II.) 



Busch hat in seinen reichhalligen „Beobachlungen über 
Anatomie und Entwickelungsgeschichle einiger wirbellosen 
Seethiere" auf Taf. VIII. Fig. 1—4 eine Annelidenlarve von 
unbekannter Herkunft abgebildet, die sich in mehrfacher Be- 
ziehung und namentlich durch den Besitz von mächtigen Sta- 
cheln und Wimperkämmen an den einzelnen Segmenten in 
auffallender Weise ausgezeichnet. Die gleiche Larve habe 
ich im Frühjahre 1853 nicht seilen bei Nizza und Villa franca 
von der Oberfläche des Meeres aufgefischt. Das Entvvicke- 
lungsstadium, in dem dieselbe zur Untersuchung kam, stimmte 
so ziemlich mit dem von Busch beobachteten überein, we- 
nigstens bei der Mehrzahl der Exemplare; jüngere Larven 
wurden niemals aufgefunden, wohl aber einige, die etwas 
weiter fortgeschritten waren und diese ihre weitere Entwik- 
kelung namentlich auch durch den Iheilvveisen oder selbst 
vollständigen Verlust der oben erwähnten mächtigen Sla- 
chclborslen documentiren. Nachdem somit die provisori- 
sche Natur dieses eigenthümlichen Borsten-Apparates festge- 
stellt war, gelang es unter Berücksichtigung der übrigen 
Charaktere ziemlich leicht, die Abstammung unserer Larve 



64 L e u c k a r t : 

oder doch wenigstens die nächsten Verwandten derselben zu 
erforschen. Wir finden diese, meiner Meinung nach, in der 
Familie der Aricieen und zwar in der Gruppe mit zwei lan- 
gen Fühlercirren (Ariciae naideae Oerst., Spioidea Gr.)^ wahr- 
scheinlich unter den Arten des Gen. Spio oder Nerine. 

Bevor ich indessen die Gründe, die für meine Behaup- 
tung sprechen, des Weitern auseinander setze , müssen wir 
zunächst die Larve selbst ins Auge fassen, um so mehr, da 
die Angaben von Busch (S. 65) nicht in jeder Beziehung 
erschöpfend und auch in sofern irrlhümlich sind, als derselbe 
die Rückenfläche unseres Wurmes für die Bauchfläche aus- 
giebt und umgekehrt. 

Die am meisten entwickelten Individuen, die ich antraf 
(Fig. 1), maassen Syj'" Rh. und hatten eine bräunliche Fär- 
bung. Sie waren ziemlich schlank vorn etwa Yii'" breit, 
nach hinten zu verjüngt und vom Rücken nach dem Bauche 
abgeplattet, so dass die Höhe des Körpers (Fig. 3) kaum mehr 
als die Hälfte seiner Breite betrug. Sie schwammen, wie 
mir wenigstens schien , fast ausschliesslich durch die Aclion 
der Wimperkränze und Wimperkämme, deren Anordnung be- 
reits von Busch beschrieben ist. Sobald man dieselben in 
ihrer Bewegung störte, rollten sie sich in eine flache Spirale 
zusammen und sanken zu Boden. 

Die Segmente des Körpers sind bereits (Fig. 1) in ziem- 
lich beträchtlicher Zahl vorhanden, bis an 50. Sie zeigen 
einen ganz gleichmässigen Bau, nehmen aber von vorn nach 
hinten allmählich an Entwicklung ab. Der Kopf besteht aus einem 
kurzen und breiten, fast viereckigen Höcker , der sich nach 
hinten nur undeutlich gegen das erste Körpersegment absetzt 
und zwischen den abgestumpften Vorderecken einen kurzen 
lentakelartigcn Fortsatz (Stirnfühler) von conischer Form 
trägt. Die Oberfläche des Kopfhöckers ist mit vier schwar- 
zen Augenpunkten versehen, die ziemlich weit von der Mit- 
tellinie entfernt sind , und in einer nur wenig nach hinten 
gekrümmten Bogenlinie stehen. Die hinteren und inneren Au- 
gen sind die grössern, mitunter auch wohl auf der einen Seite 
in zwei dicht neben einander stehende Flecke zerfallen. Bre- 
chende Medien konnten in ihnen nicht aufgefunden werden. 
Zu den Seiten des Kopfhöckers bemerkt man einen ganz an- 



Ueber die Jugendzustände einiger Anneliden. 65 

sehnlichen Tentakel (oder Fühlercirrus), der in dem AVinkel 
zwischen diesem und der aufgewulsleJen Oberlippe hervor- 
kommt und sich hornförmig nach hinten bis über das erste 
Segment hinüberkrümmt. Wo derselbe mit der Oberlippe 
zusammenslösst, trägt letztere ein Büschel langer Flimmer- 
haare, das Busch gewiss mit Recht als Ueberrest des rädern- 
den Scheilelwirbels ansieht. 

Das vorderste Körpersegment verlängert sich auf der 
ßauchfläche fast bis an die Basis des Stirnfühlers und bildet 
hier (Fig. 2.) vor dem Munde eine lippenförmige Aufwulstung, 
die schon oben erwähnte Oberlippe, die zugleich die Grenze 
zwischen Mundsegment und Kopfhöcker bezeichnet. Auch 
ohne diese Fortsetzung ist übrigens das erste Körperseg- 
ment von allen das längste , obwohl es (auf dem Rücken) 
mir etwa ein Drilltheil seiner Breite misst. Die zunächst 
folgenden Segmente stehen freilich nur wenig an Länge zu- 
rück, desto mehr aber die späteren, die etwa von der Mille 
des Körpers an ziemlich schnell um ein Beträchtliches ab- 
nehmen. An jedem dieser Segmente unterscheidet man (Fig. 3) 
zunächst vier Fusshöcker (nicht zwei, wie Busch angiebt) 
zwei dorsale und zwei ventrale , die an den ziemlich senk- 
recht abfallenden Seitenflächen liegen und als niedrige, aber 
ganz umfangreiche Erhebungen erscheinen. Die Borsten bei- 
der Fusshöckerpaare sind verschieden gebaut; die dorsalen 
Fusshöcker enthalten gesäumte Haarborsten (Fig. 4), die ven- 
tralen dagegen gestreckte Hakenborsten, deren Ende, wie 
Fig. 5 zeigt, in zwei ungleich entwickelte Zähne ausläuft. 
Wie gewöhnlich unter solchen Umständen, sind die Haarbor- 
sten auch hier die längsten. Die Zahl der Borsten nimmt 
nach hinten allmählich ab; sie beträgt in den vordem Seg- 
menten 6 — 7, hinten dagegen nur 2 — 3. Oberhalb des dor- 
salen Fusshöckers erhebt sich ein schlanker, nnt kurzen Flim- 
merhaaren besetzter Cirrus', dessen Länge übrigens bestän- 
dig, auch in der vordem Körperhälfte , liinter der der Bor- 
sten zurückbleibt. 

Eine weitere Auszeichnung der Segmente besteht in den 
von Busch beschriebenen eigenthümlichen Flimmerlappen 
oder Flimmer -Kämmen, die (Fig. 2,3) an der Bauchfläche 
angebracht sind und ungefähr die Mille zwischen den ven- 

Archiv f. Katurgcsch XXI. Jahr^. 1 Ud. 5 



66 L e u c k a r t : 

tralen Fusshöckern und der Medianlinie einnehmen. Die Ci- 
lien, welche dieselben zusammensetzen, stimmen, wenigstens 
in den vordem Segmenten, an Grösse und Enlwickelung- nnt 
den Ueberbleibseln des Scheitelkranzes überein, nehmen aber 
nach hinten allmählich an Grösse und auch an Zahl nicht un- 
beträchtlich ab. Vorne zähle ich nicht selten zwölf und noch 
mehr Haare, die alle in einer queren Linie regelmässig ne- 
ben'" einander stehen, hinten nur etwati — 8. Eine Ausnahme 
machen die beiden ersten Körpersegmente, denen diese Wim- 
perkämme voüsländig abgehen, die aber an der Bauchfläche 
dafür mit einem unilormen zarten Wimpeikleide versehen sind. 

Das letzte Segment des Körpers ist ohne Borsten, aber 
merklich breiter und länger als die vorgehenden Ringe. Es 
stellt gewissermaassen eine ringförmige Auhvulslung dar, die 
den After umgiebt und mit einem Kranze mächtiger Cilien 
umsäumt ist. 

Von Innern Organen Hess sich nur der Darmkanal un- 
terscheiden, der bei unserem Thiere eine sehr ansehnliche 
Enlwickelung zeigt. Der Anfangsthcil desselben bildet ei- 
nen Oesophagus ohne vorstülpbaren Rüssel und ohne Be- 
waffnung, aber mit fleischigen Wandungen, die sich in dem 
zweiten, dritten und vierten Segmente jederseils in einen 
ziemlich weiten ßlindsack ausstülpen. Im fünften Segmente 
beginnt der Chylusdarm oder Magen, der eine stark entwik- 
kelte gelbe Drüsenschicht enthält und sich hierdurch schon 
auf den ersten Blick ganz bestimmt von dem Oesophagus un- 
terscheidet , obgleich er sonst nur eine direkte Fortsetung 
desselben zu sein scheint. Namentlich gilt dieses auch inso- 
fern, als der Magen dieselben seitlichen ßlindsäcke besitzt, 
wie der Oesophagus, die freilich nach hinten zu allmählich 
kleiner werden und schon auf der Grenze des zweiten Dritt- 
theiles vollkommen verschwinden, aber dafür (mit Aus- 
nahme des ersten Blindsackes) sehr viel länger und ansehn- 
licher erscheinen, als die entsprechenden Ausstülpungen des 
Munddarmes. Im Enddarm ist die Drüsenschicht des Magens 
verloren gegangen und wiederum durch eine stärkere Enl- 
wickelung der Muskelhaut vertreten. Die Muskelwände sind, 
wie auch im Oesophagus, mit schwarzen Pigmentflecken ge- 
zeichnet. 



Ueber die Jugendzustände einiger Anneliden. 67 

Die vorstehende Beschreibung passt zunächst nur, wie 
gesagt, für die am meisten enlwiclielten Exemplare unserer 
Würmer; die Jüngern sind nicht bloss kleiner und mit einer 
geringeren Anzahl von Segmenten (35 — 50) versehen, sondern 
namentlich auch durch die von Busch beschriebenen be- 
dornten Borsten oder Stacheln ausgezeichnet. Wo diese Sta- 
cheln noch am vollsländigsten erhalten waren, beobachtete 
ich zunächst ein mächtiges Büschel jederseits am ersten Kör- 
persegmente, das auf der Dorsalfläche hinter dem Fühlercir- 
rus aufsass (Fig. 2) und aus drei oder vier mitunter auch 
nur aus 2 colossalen Stangen bestand , die mit kurzen dorn- 
förmigen Zacken bewehrt waren und fast die Länge des hal- 
ben Körpers hatten. An den übrigen Segmenten standen 
ganz ähnliche, aber sehr viel kürzere Stacheln , gleichfalls 
auf der Rückenfiäche, oberhalb des Segmentanhanges (Fig. 3), 
aber immer nur zu zweien neben einander. Die Länge die- 
ser Borsten mochte, wenigstens in der vordem Körper- 
hälfte, etwa der Breite der zugehörenden Segmente gleich- 
kommen, nahm aber nach hinten allmählich ab, wie schon 
Busch hervorgehoben hat. Zwischen den Fusshöckern wur- 
den niemals derartige Gebilde vorgefunden. 

Dass der Verlust dieser Stacheln bei den grösseren Ex- 
emplaren nur zufällig geschehen sei, ist wohl schwerlich an- 
zunehmen. Dazu war die Zahl der unbestachelten Exemplare 
zu ansehnlich. Ueberhaupt zeigten auch die bestacheilen 
Individuen in der Zahl ihrer Stacheln und der Anwesenheit 
derselben an den einzelnen Segmenten die grossesten Ver- 
schiedenheiten. Bald fehlten die Stacheln des vordem Seg- 
mentes, während sich die übrigen noch unversehrt zeigten, 
bald waren es diese letztern, die in grösserer oder geringe- 
rer Ausdehnung vermisst wurden. Mitunter fanden sich Ex- 
emplare (wie Fig. 1), die nur noch einige wenige Stacheln, 
2 oder 3 , an dieser oder jener Stelle ihres Körpers übrig 
halten. 

Unter solchen Umständen trage ich nun wirklich kein 
Bedenken, wie auch oben schon bemerkt wurde, diesen son- 
derbaren Schmuck als eine provisorische Ausstattung in An- 
spruch zu nehmen. Wahrscheinlicher Weise bilden aber diese 
Stacheln nicht die einzigen provisorischen Organe unserer 



68 Leuckart: 

Larven. Auch die Wimperkränze und Wimperkämme dürfen 
wir sonder Zweifel denselben hinzurechnen, denn die ausge- 
bildeten Anneliden sind bekannlich, so viel wir mit Si- 
cherheil wissen, beständig ohne derartige Apparate. Aller- 
dings will Quatrefages einige kleine Anneliden mit blei- 
benden Wimperbüscheln beobachtet haben, aber die betreffen- 
den Thiere sind bis jetzt nur unvollständig bekannt geworden 
und noch viel weniger als ausgebildete und entwickelte Ar- 
ten nachgewiesen. 

Abstrahlren wir von diesen Gebilden, so bleibt uns ein 
schlanker Wurm mit augenlragendem Kopfhöcker und zweiFüh- 
lercirren, mit einem einfachen (nicht vorstülpbaren) Oesopha- 
gus ohne Bewaffnung, mit wenig entwickelten Gliedfäden und 
mit verschieden gebauten einfachen Borsten in den beiden 
gleichfalls nur wenig vorspringenden Fusshöckern jeder Seile. 
Voraussichtlich gehen nun freilich mit diesem Thiere noch 
mancherlei Veränderungen vor, ehe es zur völligen Ausbil- 
dung und zur Geschlechtsreife kommt, allein diese werden 
wohl schwerlich von grosser Bedeutung sein. Wahrschein- 
licher Weise beschränken sie sich auf die Vergrösserung und 
das Auswachsen der Fühlercirren und Gliedfäden. 

Halten wir das fest, dann kann über die systematische 
Stellung oder, was dasselbe besagt , über die Herkunft un- 
seres Thieres kein grosser Zweifel sein. Unser Wurm ist 
ein sogenannter Rückenkiemer und zwar aus der Familie der 
Aricinen •''^} in dem von Oersted angenommenen Umfange 
(vgl. dies. Arch. 1844. 1. S. 103}. Die Zweizahl der Füh- 
lercirren verweist ihn in die Gruppe der Ariciae naidinae und 
die gleichmässige Bildung aller einzelnen Körpersegmente 
unter die Gen. Nerine oder Spio. Welcher dieser beiden Gat- 
tungen der Wurm angehört, lässt sich ohne Kenntniss des 
ausgebildeten Zustandes schwer entscheiden. Es wird dabei 



*) Zur Vergleichung der Borstenform verweise ich hier auf 
meine Beschreibung von Leucodore mutica in diesem Archive 1849. I. 
S. 200. in Bezug auf die Bildung des Oesophagus erwähne ich ferner 
das Gen. Aonis , das sich nach meinen Beobachtungen (in VVagner's 
Zoot. II. S. 307) in dieser Hinsicht fast unmittelbar an unsere Larve 
anschliesst. 



Ueber die Jugendzuslände einiger Anneliden. 69 

vorzugsweise auf das spätere Verhalten des Endsegmentes 
ankommen , das bei Nerine bekanntlich mit einem saugnapf- 
arligen Kranze von Papillen versehen ist. 

Aus dem Mitlelmeere kennen wir bis jetzt nur einen ein- 
zigen Repräsentanten der namhaft gemachten beiden Genera, 
und auch diesen nur unvollkommen , den Lumbricus cirratu- 
lus von delle Chiaje. Ich habe zur Zeit leider keine Gelegenheit 
die Memorie e not. etc. , in denen dieser Wurm (Tab. 64. 
Fig. 16) abgebildet ist, zu vergleichen und muss es also da- 
hin gestellt sein lassen , ob unsere Larve auf diesen etwa 
zurückgeführt werden kann. 

Die ausgebildeten Spionen und Nerinen leben bekannt- 
lich im Schlamme, wo sie förmliche Gänge und Röhren bauen; 
die freie pelagische Lebensweise unserer Larve wird also 
später, wohl nach Verlust der Wimperapparate, mit einem 
anderen sehr verschiedenen Aufenthalte vertauscht. 

Bedürfte es übrigens noch weiterer Beweise für die Ab- 
stammung unserer Larven von einer Spioide, so brauchte 
man nur auf die Aehnlichkeit hinzuweisen, die zwischen ih- 
nen und der vonOersted (Conspect. annul. Danic. Tab. VL 
flg. 96) abgebildeten muthmasslichen Larve von Leucodore 
ciliata obwaltet. Freilich habe ich diese Abbildung gegen- 
wärtig nicht zur Hand, so weit ich mich indessen erinnere, 
kommen hier ganz dieselben mächtigen Borsten vor, die un- 
sere Larve in der ersten Zeit ihres Lebens so aufTallend 
auszeichnen , auch in einer ganz ähnlichen Anordnung und 
Entwickelung. ObOersted den eigenthümlichen Bau die- 
ser Borsten erkannt hat, weiss ich nicht ; ich glaube es in- 
dessen kaum, da ich sonst wohl schwerlich, wie das in den 
mit Frey zusammen herausgegebenen Beiträgen (S. 9V') ge- 
schehen ist , eine Larve mit einfachen (bleibenden) Borsten, 
die ich in Helgoland beobachtetete , mit der Oersted'schen 
Larve zusammengestellt haben würde. 

Aehnliche provisorische Borsten finden sich übrigens 
auch bei anderen Annelidlarven , selbst bei solchen , die 
unseren Thieren ziendich ferne stehen. Auf die von Busch 
Tab. Vli. Fig. 5 u. 6 abgebildete Larve will ich mich dabei 
nicht beziehen, da diese ihrer Abstammung nach einstweilen 
noch vollständig unbekannt ist, und ja njöglicher Weise un- 



70 Leuckart; 

serer Spio ganz nahe verwandt sein könnte. Aber erinnern 
darf ich wohl daran, dass Quatrefages bei den Larven 
des Gen. Herniella (Ann. des. sc. nat. 1848. T. X. p. 153) 
eine ganz ähnliche Bildung beschrieben hat. Dass diese Bor- 
sten späterhin abfallen , wurde allerdings nicht beobachtet, 
kann aber nichts desto weniger keinem Zweifel unterliegen, 
da die ausgebildeten Hermellen , wie ich aus eigener Erfah- 
rung weiss, derselben entbehren. Mit den späteren Paleen 
haben diese Borsten nicht das Geringste gemein. 

So Vieles über die bestachelte Annelidlarve von Triest 
und Nizza und ihre genetischen Beziehungen, die, wie ich 
hoffe, ziemlich richtig erkannt sind. Gehen wir jetzt zu ei- 
ner andern, gleichfalls von Busch entdeckten und beschrie- 
benen Larve über, die auf Tab. IX. Fig. 1—8 des oben citirten 
Werkes abgebildet ist und mit der Mesotrocha 6-oculata des- 
selben Forschers eine grosse Aehnlichkeit hat. 

lieber den Ursprung der letzteren haben wir kürzlich 
durch M. Müller C^lonatsber. der Ber. Acad. 1854. S. 395) 
Aufschluss erhalten. Wir wissen heute, dass sie die Larve des 
von Sars entdeckten Chaetoplerus norwegicus darstellt. Mit 
dieser Erkenntniss ist nun aber auch, wahrscheinlicher Weise 
zugleich die Deutung der von Busch bei Triest aufgefunde- 
nen zweiten Mesotrocha gegeben. Sie dürfte sich wohl als 
Larve des Triestiner Chaetopterus pergamentaceus (Tricoelia 
variopedata Ren.) erweisen, von dem ich in diesem Arch. 1849. 
L S.340 eine nähere Beschreibung geliefert habe. Bei einer 
früheren Gelegenheit (in den Gott. Gel. Anz. 1852. S. 857) 
habe ich die Vermuthung ausgesprochen , dass man in den 
Annelidlarven mit Mesotrochatypus vielleicht die Abkömmlinge 
einer Serpula oder sonst einer Wurmform vermuthen dürfe, 
bei der die Segmente des Vorderkörpers, wie bei Serpula, sich 
durch Form ;, Bildung und Stellung der Fusshöcker von den 
übrigen Segmenten unterschieden — und in der That ergiebt 
sich diese Vermuthung jetzt als vollkommen gerechtfertigt, 
wenn auch bei der Artbeslimmung nicht das Richtige getrof- 
^.1 wurde. 

Die üebereinstimmung der Triestiner Mesotrocha mit dem 
Chaetopterus pergamentaceus wird namenilich durch die Bil- 
dung jder Borsten im hohen Grade wahrscheinlich. Dieselben 



Ueber die Jugendzustände einiger Anneliden. 71 

Formen, die Busch bus den vor dem Wimperkranze gele- 
g-enen Segmenten seiner Mesolrocha abbildet, sind auch von 
mir an dem Vorderkörper unseres Chaetopterus beobachtet 
und beschrieben. Selbst die eigenthümliche breite Borste, 
die Busch im fünften Segmente seiner Larve auffand, kehrt 
bei dem ausgebildeten Wurme an derselben Stelle (ausser- 
dem aber auch in dem vierten Segmente) wieder, nur weni- 
ger deutlich gezackt und in einer grösseren Menge, wie denn 
die Zahl der Borsten überhaupt im entwickelten Zustande 
sehr viel ansehnlicher ist. 

Hat man einmal die Ueberzeugung von der Identität der 
Mesotrocha und des Chaetopterus gewonnen, dann wird es 
leicht, beide Formen auf einander zurückzuführen und dadurch 
auch ohne directe Beobachtung einen ziemlich vollständigen 
Ucbcrblick über die Metamorphosen des betreffenden Thieres 
zu gewinnen. 

Ich habe a. a. 0. nachgewiesen, dass auch Chaetopte- 
rus nach Art der übrigen Anneliden mit einem eigenen Kopf- 
höcker versehen ist. Im ausgebildeten Zustande ist dieser 
Theil allerdings sehr rudimentär , so dass man ihn früher 
übersehen konnte, bei der Larve dagegen erscheint er sehr 
mächtig entwickelt und namentlich auch oberhalb des Mundes 
schirmförmig, wie eine Oberlippe, ausgezogen*'^'). Dieser 
Oberlippe entspricht bei der Larve eine zweilappige Unter- 
lippe, deren beide Lappen nur mit einander zu verwachsen 
brauchen, um den eigenlhümlichen Lippenapparat des ausgebil- 
deten Thieres zu bilden. Die beiden Tentakeln, die bei un- 
serer Larve zu den Seilen {\iis Mundes angebracht sind, fin- 
den sich, nach meinen Beobachlungen , auch bei Chaetopte- 
rus, obgleich verhältnissmässig viel weniger entwickelt, ge- 
wissermaassen verkümmert , wie der Kopfhöcker und die 
Augen. 

Die Segmente , die bei der Larve zwischen Kopf und 
Wimperkranz angebracht sind, bilden (mitsammt dem Kopfe) 



*) Durch die Bildung des Kopfes bei den Larven wird es aus- 
ser Zweifel gestellt, dass Sars wirklich, wie ich a. a. 0. angegeben 
habe, den lUickcn von Cüaelopleius in ihümlicher Weise für den ßauch 
gi-nouiinen hat. 



72 L e u c k a r t : 

den Vorderhörper des erwachsenen Thieres. Aber die Zahl 
derselben bedarf noch der Ergänzung ; Busch zählle nur neun 
Segmente, während bei meinen Würmern deren 12 und 13 
vorkamen. Die neuen Segmente bilden sich offenbar am hinte- 
ren Ende des Vorderkörpers — d. h. zwischen Vorder- und 
Mittelkörper; meines Wissens freilich das einzige Beispiel der 
Art unter den Anneliden — , wie aus der Stellung der oben 
erwähnten gezähnelten Borsten zur Genüge hervorgeht. Mit 
den letzten Segmenten fehlen bei Mesotrocha auch die mäch- 
tigen flügeiförmigen Anhänge, die, nach meiner Darstellung, 
aus der Metamorphose der letzten Fusshöcker am Vorderkör- 
per hervorgehen , so wie die Ilakenborsten, die ich an den 
beiden letzten Segmenten dieses Körpertheiles nacbgcwiesen 
habe. 

Der zweite Leibesabschnitt von Mesotrocha, der mit dem 
Wimperkranze beginnt, entspricht dem mittleren und hinteren 
Körpertheile unseres Chaelopterus, bedarf aber zu seiner voll- 
ständigen Enlwickelung augenscheinlicher Weise einer noch 
grösseren Ergänzung, da Busch bei seinen Larven in ihm 
nur elf Segmente zählte, während im erwachsenen Zustande 
hier mehr als die doppelte Menge vorkommt. \^'enn übri- 
gens Busch diesem hinteren Abschnilte die Borstenfüsse 
abspricht, so hat er dabei wohl nur die Pfriemenborsten- 
büschel des vordem Körpers im Auge gehabt, denn die elf 
Paar Fussstiimmel mit den „länglich ovalen Körpern,« die in 
dieselben eingelagert sind , haben sonder Zweifel gleichfalls 
die Bedeutung von Borstenfüsse ^ und sind augenscheinlicher 
Weise die ersten Anlagen der mit Hakenborsten versehenen 
Bauchhöcker. Giebt doch Busch sogar an, dass die einge- 
lagerten Körper gezähnelt seien, wie ich es von den Haken- 
borsten des Chaetopterus nachgewiesen habe. Interessant ist 
es übrigens, dass diese ventralen Fusshöcker in allen Seg- 
menten eine seillich symmetrische Vertheilung besitzen, wäh- 
rend sie später bekanntlich in den vordersten Segmenten (}es 
Mitlelkörp( rs zu einem unpaaren Gebilde verschmolzen sind. 
Die dorsnlen Fusshöcker , die dem Hinterleibe des ausgebil- 
deten Chaetopterus zukommen, scheinen sich erst später zu 
entwickeln. 

Wenn ich die hinler dem Wimperreifen gelegenen Scgr 



lieber die Jugendzustände einiger Anneliden. 73 

mcnte von Mesolrocha mit dem Miltelkörper und dem Hinler- 
leibe des Chaetopterus und nicht etwa bloss mit letztem zu- 
sammenstellte, so geschieht das auf Grund der von Busch 
gemachten Beobachtung, dass sich die Rückenfläche dieser 
Segmente allmählich jederseits neben der Mittellinie in einen 
ziemlich langen und flimmernden Fortsatz auszieht. Busch 
betrachtet diese Fortsätze als Kiemen und schliesst daraus, 
dass Mesotrocha die Larve eines Rückenkiemers sei ; er ver- 
muthet also, dass diese Fortsätze in ihrer ursprünglichen Form 
persisliren, während sich dieselben meiner Meinung nach — 
die sich freilich nur auf die Voraussetzung von der Iden- 
tität unserer Larve mit dem Triestiner Chaetopterus stützt 
— durch mittlere Verwachsung allmählich in die schup- 
penförmigen Aufsätze verwandeln, die den Segmenten des 
Mittelkörpers und auch den ersten Segmenten des Hinter- 
leibes (den letztern aber weit weniger auffallend) die be- 
kannte linsen- oder lutenförmige Gestalt geben. Die Ent- 
wicklung dieser Fortsätze beginnt dicht hinter dem Wim- 
perreifen und erstreckt sich von da allmählich nach hinten, 
wie weit, ist noch nicht beobachtet. Die ältesten Larven von 
Mesotrocha, die zur Untersuchung kamen, zeigten diese 
Fortsätze nur an den vier ersten Segmenten in völliger Ent- 
wickelung, also gerade an denjenigen Segmenten, die sich 
später in den Mittelkörper verwandeln werden und bekannt- 
lich die bei Weitem stärksten Aufsätze zeigen. 

Der ausgebildete Chaetopterus lebt in einer freien selbst 
gebauten Röhre; es ist in dieser Beziehung nicht ohne In- 
teresse, von Busch zu erfahren, dass die beobachteten Lar- 
ven in den letzten Tagen ihres Lebens nicht selten eine schlei- 
mige Masse ausschwitzten, mit der sie sich an der Wand der 
Gefässe, in welchen sie gehalten wurden, befestigten. 

Ich bedauere, während meines Aufenthaltes am Mitlel- 
raeere nicht Gelegenheit gehabt zu haben, diese interessan- 
ten Larven, die eine ziemlich weite Verbreitung zu besitzen 
scheinen, durch eigene Untersuchung kennen zu lernen. Es 
würden sich in diesem Falle vielleicht noch mancherlei weitere 
Anknüpfungspunkte an den Bau von Chaetopterus haben auf- 
finden lassen. Annelidenlarven gehörten überhaupt in Nizza, 
so lange ich wenigstens dort verweilte, zu den Seltenheiten. 



74 Leuckart: 

Ausser den oben beschriebenen bestacheilen Formen, wurden 
nur wenige aufgefunden, und diese meistens zu einer Zeit, 
in der meine Aufmerksamkeit durch andere Untersucimngen 
in Anspruch genommen war. Unter diesen wenigen ist aber 
eine, über die ich hier noch ein Paar Worte anfügen möchte, 
obgleich dieselbe eigentlich den Namen einer Larve nicht mehr 
verdient, da sie kaum noch Spuren ihrer provisorischen Or- 
gane erkennen lässt. Es ist eine junge Aiciope und zwar A. 
liaynaudii, die ich im Golfe von Villa franca eines Ta^es mit 
einer Anzahl Firuloiden, zwischen denen sie umherschwamm, 
auffischte ''*•). 

Das durchsichtige schöne Thierchen (Fig. 6) mass 4V^'" 
Rh. und bestand aus drei scharf gegen einander abgesetzten 
Körpertheilen, aus dem Kopfe mit dem Halse, dem eigenlli- 
chen Leibe und einem Schwänze, obgleich die ausgebildeten 
Thiere bekanntlich (vergl Krohn in diesem Archive 1845. L 
S. 171) keine Spur einer derartigen Gliederung erkennen 
lassen. Der Mittelkörper war von diesen Abtheilungen der 
bei Weitem grosseste ; er hatte eine Länge von etwa 3"' 
und eine ziemlich beträchtliche Breite, die fast ein Viertheil 
seiner Länge betrug, in der Mitte am beträchtlichsten war, 
und nach den Enden, namentlich nach vorn, allmählich etwas 
abnahm, in diesem Mittelkörper unterschied man nun ganz 
deutlich 8 Segmente, die in jeder Beziehung mit den Seg- 
menten des ausgebildeten Thieres übereinstimmten, so dass 
ich auf eine speciellere Beschreibung derselben verzichten 
kann. Nur so viel will ich erwähnen, dass die Borsten des 
ersten Fusshöckerpaares sehr viel spärlicher und kürzer wa- 
ren, als die der übrigen und namentlich der hintern, die über- 
haupt in jeder Beziehung die grosseste Ausbildung besas- 
sen. Der Hals war beträchtlich schmäler , als das vorderste 
Segment, an das er sich anschloss, und mochte kaum ein 
Dritttheil von der grossesten Breite des Mittelkörpers betra- 
gen. Er war eben so lang wie breit und zeigte drei Segmente 
oder vielmehr drei Paare von Segmenlanhängen, die freilich 
an Grösse sehr beträchlich hinter den entsprechenden An- 



*) Auch die A. Candida habe ich im Golfe von Villa franca 
mehrmal angetroflen. 



Ueber die Jugendzustände einiger Anneliden. 75 

hängen des Mittelleibes zurückstanden und auch dadurch 
sich von diesen unterschieden, dass sie ohne Borsten und die 
drusigen schwarzen Pigmentllecke waren, die sonst bekannt- 
lich unterhalb der einzelnen Fusshöcker an den Segmenten 
ansitzen. Die Aniiänge der zwei hintersten Paare waren ge- 
spalten, d. h. sie bestanden je aus einem dorsalen und einem 
ventralen Gliedfaden, die jedoch beide dieselbe cylindrische 
Gestalt hatten. Der vorderste Segmentanhang war dagegen 
vollkommen einfach und stellte einen kleinen und stummei- 
förmigen Cirrus dar, der dicht hinler den Augen unseres 
Thieres hervorragte. Der vordere Theil des Halses trug einen 
deutlichen Flimmerstreifen, der hinter Mund und Augen her- 
umlief, und, nach den Beobachtungen von Krohn, auf der 
Bauchfläche zu persistiren scheint. Der Kopf hatte bereits 
genau seine spätere Form und Bildung , nur wollte es mir 
nicht gelingen, den mittlem Stirnfühler, der freilich auch im 
erwachsenen Thiere nur schwach ausgeprägt sein soll, zu 
unterscheiden. Die kugellörmigen Augen springen jeder- 
seils nur wenig über den Hals nach aussen vor ; es ist be- 
kannt, dass dieselben bei A. Kaynaudii lange nicht jene co- 
lossalen Dimensionen erreichen, wie bei A. Candida. Neben 
dem Munde steht unterhalb der Augen rechts und links ein 
ganz ansehnlicher Höcker, gewissermassen eine Oberlippe, 
zwischen deren Lappen von hinten eine schirmförmig verlän- 
gerte Unterlippe vorspringt. 

Was nun den Schwanztheil unseres Thieres betrifft^ 
so bildet dieser einen stummeiförmigen schmalen Anhang, der 
an seiner Wurzel kaum halb so breit ist als das vorherge- 
hende letzte Segment des Mitteikörpers, sich nach der Spitze 
zu allmählich verjüngt und eine Länge von etwa 1'" (eher 
etwas weniger als mehr) hat. Bei mikroskopischer Unter- 
tersuchung erscheint dieser Schwanzanhang geringelt; man 
unterscheidet in ihm eine Anzahl schmaler Segmente, die von 
vorn nach hinten immer mehr an Grösse und Entwickeluno- 
abnehmen. Die vordersten Segmente haben bereits die 
spätem Rückenfüsse mit ihren Borsten und schwarzen Drüsen; 
die hintern verlieren allmählich diese Auszeichnungen , bis 
etwa zum letzten Yiertheil des Schwanzes, - der eine unge- 
tlieilte Masse mit abgerundeter Spitze darstellt. Ich unter- 



" L e u c k a f t : 

schied elf deutliche Schwanzsegmente (mit Borsten) und hin- 
ter diesen noch 2-3 undeutliclie (ohne Borsten) , die sich 
eben aus dem Endstücke absetzten. 

Ueber den inneren Bau weiss ich Nichts anzugeben, was 
nicht auch bereits von Krohn erwähnt wäre. Das Nerven- 
system ist sehr deutlich , wenigstens bis in die Mitte des 
Schwanzes, wo es sich allmählich wegen zunehmender lln- 
durchsichtigkeit der Körpermasse der Untersuchung entzieht. 
Der After liegt an der äussersten Schwanzspitze, so dass also 
der Darm die ganze Länge des Körpers durchsetzt. Aber 
nur bis zur Wurzel des Schwanzanhanges hat derselbe die 
von Krohn beschriebene Bildung. Von da an verengt er 
sich plötzlich auf ein Viertheil seiner früheren Weite, um 
dann in Form eines dünnen und geraden Rohres bis 'zum 
After fortzulaufen. Von Gefässen wurde nur das pulsirende 
Ruckengefäss beobachtet. Seitendrüsen fehlen. 

Die Veränderungen, die unser Wurm zu durchlaufen hat, 
bevor er zur vollkommenen Gestalt des Mutterfhieres zurück- 
kehrt, sind doppelter Art. Einmal wird der Hals allmählich 
sich verkürzen und bis auf seine Segmentanhänge ""-) ver- 
schwinden, so dass der Kopf dann unmittelbar dem ersten 
Borstenfusspaare aufzusitzen scheint. Sodann werden die Seg- 
mente des Schwanzanhanges unter beständiger Mengenzunahme 
allmählich sich so vollständig ausbilden, dass der Unterschied 
zwischen ihnen und den Segmenten des Miltelkörpers schliess- 
lich verloren geht. Dass dieser Unterschied eine Zeillang 
existirt, weist uns wohl darauf hin, dass zwischen der Bil- 
dung des Mittelkörpers und der hintern Segmente ein Sta- 
dium der Ruhe liegt, in dem sich die plastischen Vorgänge 
nur auf die Entwickelung der bereits gebildeten Theile be- 
schränken. Die Bildung der hintern Körpersegmente, wie sie 
hier vorliegt, erinnert so auffallend an die Ergänzung des 

n Krohn erwähnt bei Ale. Raynaudii jederseits nur vierFüh 
lergliedfädrn, von denen er es unentschieden lässt, ob sie die Anhän 
ge von 4 oder nur von 2 Segmenten darstellen. Durch meine Beob-" 
achtnngcn dürfte dieser Punkt wohl erledigt sein. Dagegen muss es 
einstweilen noch unentschieden bleiben, ob der kleine vorderste Cir 
rus allmählich eingeht, oder von Krohn übersehen wurde. 



Üeber die Jugendzustände einiger Anneliden. 77 

Körpers nach vorhergegangener Verslüinmekmg , dass ich 
unsern Wurm überhaupt nicht als eine normale Entwickelungs- 
slufe von Ale. Raynaudii betrachten würde, wenn ihn nicht 
seine Kleinheit, die Bildung des Halses und auch namentlich 
die Anwensenheit eines Wimperstreifens hinter dem Kopfe 
hinreichend als ein unreifes und unentwickeltes Wesen kenn- 
zeichneten. 



Späterer Zusatz. 



Ich hatte die vorstehenden Blätter schon längst zum 
Drucke eingeschickt , da fiel mir durch Zufall das Magesin 
de Zoologie Annee 1843 mit einem Aufsatze von Quatre- 
fages über einige neue Anneliden der Normandie , der mir 
bis dahin entgangen war (und auch in der bekannten Mono- 
graphie von Grube nicht erwähnt wird), in die Hände. 
Auf PI. HI. Fig. 7 ist hier unter dem Namen Malacoceros lon- 
girostris eine Spioide abgebildet, die nach ihrem Aussehen und 
der beigefügten Beschreibung wohl der ausgebildete Zustand 
der von Busch und mir beobachteten bestachelten Larve sein 
dürfte. Vollkommen übereinstimmend ist namentlich die Bil- 
dung des Kopfhöckers, von der Qua trefag es auch die Be- 
zeichnung seiner Art entnommen hat. Die Länge des aus- 
gebildeten Thieres beträgt Vj^ — 3", die der beiden Fühler- 
cirren 9'". Das Einzige, was man gegen die Identität bei- 
der Thiere vielleicht geltend machen könnte, ist der Um- 
stand, dass das erste Körpersegment, nach Quatrefa ges, 
des dorsalen Fusshöckers entbehrt, doch möchte ich in Bezug 
auf diesen Divergenzpunkt eher ein Versehen von einer oder 
der andern Seite annehmen. Augen fehlen dem ausgebildeten 
Thiere, wie vielen andern ausgebildeten Würmern (und Mol- 
lusken), die während der Jugend derartige Organe besit- 
zen. Der Unterschied , der sich in dieser Hinsicht zwischen 
den Larven und den ausgebildeten Thieren ausspricht, beweist 
nur, dass Quatrefages sein neues Genus Malacoceros 
ohne hinreichenden Grund aufgestellt hat, denn der Mangel 



78 L e u c k a r t : 

der Augen ist der einzige Cliarakter, der dasselbe von Ne- 
rine unterscheidet. 

Die Verschiedenheit des Fundortes scheint ohne Bedeu- 
tunff zu sein, zumal unsere Larve eine ziemlich weile Ver- 
breitung besitzt. Wo Busch seine Exemplare beobachtete, 
ist mir freilich unbekannt, J. Müller aber giebt an (Arch. 
für Anat. 1854. S. 92. Anm.), dass er dieselbe — J. Mül- 
ler spricht übrigens nur von einer sehr „ähnlichen" Larve, 
indessen, wie es scheint, nur desshalb , weil seinem Exem- 
plare die langen Stachelborstcn des ersten Segmentes fehl- 
ten — bei Marseille aufgefunden habe. Mit Recht hebt J. 
Müller auch die grosse Uebereinslimmung hervor, die zwi- 
schen den Stachelborsten unserer Nerinelarve und den mäch- 
tigen Borsten der sonderbaren Mitrariaformen obwalten. Ich 
glaube, dass dieser Umstand uns ferner zu der Annahme be- 
rechtigt, dass auch die Borstenbüschel der Mitraria blosse 
Larvenorgane darstellen. Ueberhaupt scheint mir die Mitra- 
ria , wie J. Müller auch selbst neuerlich (a. a. 0.) ange- 
deutet hat, kaum etwas Anderes zu sein, als eine junge An- 
nelidenlarve mit provisorischem Borstenapparate. Es ist sehr 
zu bedauern, dass Quatrefages die Entvvickelung seiner 
Hermeilenlarven nicht längere Zeit verfolgen konnte; viel- 
leicht, dass sich dann noch weitere Anknüpfungspunkte für 
die Deutung der Mitrariaarten ergeben hätten. Ich will übri- 
gens nicht gerade behaupten , dass die Mitrarien selbst Her- 
mellenlarven sind — denn das wäre , bei unseren gegen- 
wärtigen Kenntnissen, allzu gewagt, obwohl die kolbenarlig 
auslaufenden Borsten, die J.Müller bei der einen von ihm 
beobachteten Art neben den gewöhnlichen Stachelborsten be- 
schreibt, in unverkennbarer Weise an die Formen der den 
Hermellen eigenthümlichen Paleen erinnern. 

Was die Mesolrocha und ihre Metamorphose in den Chae- 
topterus betrifft, so hat M. Müller inzwischen in dem Ar- 
chive für Anat. und Physiol. 1855. S. 1 seine interessanten 
Beobachtungen hierüber ausführlich mitgetheilt. M. Müller 
erwähnt dabei auch (S. 10) der von Busch aufgefundenen 
Larve, deren Beziehungen zu Ch. pergamentaceus ich oben 
nachzuweisen versuchte , und spricht^ sich dahin aus , dass 
dieselbe nieht dem Gen. Chaetopterus selbst, sondern einem 



Üeber die Jugendzuslände einiger Anneliden. 79 

noch unbekannten, aber doch sehr nahe verwandten Wurme 
zugehöre. Nachdem ich aus Müller's Darstellung die Me- 
tamorphose der Mesotrocha sexoculata näher kennen gelernt 
habe , muss ich demselben in dieser Annahme jetzt voll- 
kommen beistimmen. Der Entwickelungsgang der Mesotro- 
cha, den ich meiner Deduclion zu Grunde legte und nur aus 
der Vergleichung der Mesotrocha und des ausgebildeten Chae- 
topterus abstrahiren konnte, entspricht allerdings im Allgemei- 
nen diesem Vorgange, wie ihn Müller beobachtete, aber 
unrichtig ist meine Annahme, dass die linsenförmigen Auf- 
sätze der mittleren Körpersegmente aus einer Verschmelzung 
der bei der B usch'schcn Larve vorkommenden paarigen Rük- 
kenanhänge hervorgingen. Die sonderbare Form der betref- 
fenden Körperringe resultirt vielmehr nur, wie ich das auch 
früher in meiner Beschreibung des Chaetopterus pergamen- 
taceus — gpgen die Behauptung von Audoui n — angenom- 
men hatte, aus einer eigenthümlichen Entwickelung der be- 
treffenden Segmentkörper ohne Theilnahme irgend welcher 
Segmentanhänge. Dagegen konnte sich M. Müller davon 
überzeugen, dass die grossen flügelförmigen Fortsätze der 
letzten Vorderleibsringe bei Chaetopterus anfänglich nur als 
einfache Rückenfortsätze sich zeigten, und zwar auffallender 
Weise, wie die Rückenfortsätze der B us ch'schen Larve, un- 
mittelbar hinter dem Wimperkranze (der bei M. sexoculata 
kenntlich in zweifacher Anzahl vorhanden ist). Möglich also, 
dass bei dem chaetopterusartigen Wurme, dessen Larvensta- 
dium Busch uns kennen lehrte, statt eines einzigen solchen 
Anhanges jederseits deren vier und noch mehr vorkommen; 
freilich möglich auch, dass sich die Rückenfortsälze der Larve 
wirklich, wie Busch vermuthete, allmählich in Kiemen aus- 
bilden. 

Aus der Darstellung von M. Müller geht übrigens auch 
ferner hervor, dass die charakteristischen Unterschiede zwi- 
schen den beiden bis jetzt bekannten Arten von Chaetopterus 
keineswegs so durchgreifender Art sind, wie man aus den 
Verschiedenheiten ihrer Körpergrösse vielleicht erschliessen 
könnte und von mir bei der voranstehenden Analyse voraus- 
gesetzt wurde. Namentlich gilt solches auch für die Bildung 
der Borsten , die in beiden Arten von wesentlicher Ueber- 



80 Leuckart: üeber die Jngondzustände einiger Anneliden. 

einstimmung zu sein scheint , so dass rnnn in meinem Auf- 
satze mit gleichem Rechte statt des Ch. pergamenlaceus überall 
den Namen des Ch. norwogicus substiluiren könnte. 

Unter solchen Umständen kann ich für meine Darstel- 
lung natürlich nur in sofern einige Beachtung beanspruchen, 
als sie die Beziehungen der von Busch beschriebenen Larve 
zu einer (noch unbekannten) Form aus der Familie derChae- 
topteriden ausser Zweifel setzen dürfte. 



Besclireibung:eii neuer oder wenig: bekann« 
ter JLnneliden. 

Von 
Prof. 11 r. K d. O r u b e» 

in Dorpat. 
Hierzu Taf. III-V. 



Polynoe Sav. 

P. malle ata Gr. 

Corpus vermiforme, pallide auranliacum, subtus rubro 
trilineatum , lentaculis, cirris, elylris albidis, segmentis plus 
90; elytra ulrinque 39, usque ad postremum corpus obvia, 
suborbiculala , albida, pellucida, imbricata , dorsum tegenlia, 
tubercula dorsualia magna, transversa, malleifonnia, 
cirri dorsuaics filiformes, vcnlralibus sedsque multo lon- 
giores, paululum plumosi, cum elytrls lege solita alternantes, 
setae fasciculi superioris vix conspicuae, tenerrimae , bre- 
vissimae, rarae, infcrioris 7-nae ad 15-nae, flabellum com- 
ponentes, lanceolatae, supra serrulatae, apice paulo incurvo, 
tentacula subulata, lateralia cum impari cirrisque tenlacu- 
laribus paene eadem longitudine. 

Länge ungefähr 1,5 Zoll, Breite mit den Borsten über 
2 Lin. 

Von mir gefunden bei Triest. Auffallend durch die grosse 
Zahl ansehnlicher Eiytren , während diese Organe, wenn sie 
in mehr als 18 Paaren auftreten, gewöhnlich sehr klein zu 
sein pflegen, so wie besonders durch die hammerförmige Ge- 
stalt der Rückenhücker. 

Archiv f. Naturgesch. XXI Jahrg. 1. Bd. ß 



82 Grube: 

P. tuta Gr. 

Corpus vermiforme, carneum, cirris tenlaculisque al- 
bidis, segmentis 81 ; elytra ulrinque 39, usque ad posiremum 
corpus obvia, suborbiculala vel subovalia, albida, subpellucida 
ad marginem interiorem late iumigata, papillis aliquot tener- 
rimis, longiusculis, sub lenle vix conspicuis, irnbricata, tolum 
fere dorsuin tegentia, usque ad segmentum 32-mum lege solila 
cum cirris alternantia, segmenta cirrifera 33mo bina cum ely- 
Irophoris binis allernanlia;, tubercu la dorsualia haud in- 
signia; cirri dorsuales filiformes sub apice haud tumidi, 
papillis raris minimis obsiti, setas ventrales paulo excedentes, 
cirri ven trales 2-ni, selae superiores minutae, leniter cur- 
vatae, lenerrime dcnticulalae , divaricatae, inferiores rectae, 
splendentes, alterum tanfum longiores, apice vix lanceolato, 
serrulato, ad 20-nas; tentacula lateralia mediis cir- 
risque tentacularibus multo crassiora et longiora. 

Lange ungefähr 2 Zoll 2 Lin., Breite mit den Borsten 
4,5 Lin., ohne sie 3,3 Lin. 

Von Dr. Bock aus Sitcha mitgebracht. Diese Art gleicht 
in der Grösse und bedeutenden Zahl derElylren der P. mal- 
leata, hat aber nicht die sonderbar gestalteten Rückenhöcker, 
und unterscheidet sich von allen übrigen durch das abwei- 
chende Gesetz , nach welchem die Elylren hinter dem 32sten 
Segment auftreten; bis dahin ist alles in gewohnter Ordnung, 
d. h. das 2te, 4le, 5le^ 7te und die folgenden unpaarigen Seg- 
mente bis zum 23sten tragen Elytren, alsdann schieben sich 
je 2 cirrentragende ein, so dass, wie auch sonst das 26ste, 
29ste, 32ste mit Elytren versehen sind^, statt dass nun aber* 
weiter das 35sle, 38ste u. s. w. Elytren , das 36ste, 37ste u 
s. w. Rückencii^ren haben sollten, finden wir am 35sten und 
36sten Elytren, am 37sten und 38sten Rückencirren, am 39sten 
und 40s(en Elylren, am 4Islen und 42slen Rückencirren und ' 
so fort bis zu Ende. Es herrscht hier also für die Abwech- 
selung dieser Organe nicht ein zwei- sondern ein dreifaches 
Gesetz. Die Segmente tragen eine etwas dunklere Querbinde. 
Ueber die Länge des unpaaren Fühlers kann ich nichts an- 
geben, da er nicht erhalten war. 
P. vittata Gr. 

Corpus vermiforme , carneum, ex violaceo brunneo 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 83 

variegatum, striis transversis segmenli cuiusque 3, anteriore 
brevi, media longiore simplicibus, posteriore ex arcubus 2 
composita, parte inedia dorsi plana, lateralibus tumidulis, mar- 
gine interiore incisis, segmentis 86; elytra utrinque 43, or- 
biculata, albida, pellucida, tenerrima, loco inserlionis amplo, 
lineam dorsi niediam, quantum videre licuit, haud altingenlia 
segmenta 2 vel 3 tegentia, segmentum 2dum, 4tum, 5lum et 
cetera imparia, tum 26tum, 28vum, 29num, 31mum et cetera 
imparia elytrophora, cirri dorsuales breves, setas infe- 
riores paulo excedenles, albidi, apice crasso in filum exeunte; 
setae super iores leviter curvatae, vix denticulatae , de- 
colores , fasciculum minimum componentes, plerumque desi- 
deratae, s. inferiores corneae, multo longiores , rectae 
apice vix lanceolato , denticulis minimis vel mullis, infimae 
apice paulo incurvo. 

Länge 3 Zoll, Breite am lOten Segment mit den Bor- 
sten 4,5 Lin., ohne die Ruder 1,5 Lin., am 60sten Segment 
mit den Borsten 3 Lin., ohne die Ruder 1 Lin. 

Von Wossnessenki aus Sitcha eingeschickt, im Besitze 
des Petersburger Museums. An dem einzigen Exemplare, das 
mir vorlag, sind nur äusserst wenige Elytren und zwar nur 
in der hintern Körperhälfle erhalten , ihre Durchsichtigkeit 
ist so gross, dass man von oben her in die Anheftungsstelle 
wie in ein weites Loch hineinsieht. Von den Fühlern exi- 
stirte nur der eine seitliche, er war ziemlich kurz und dünn, 
aber länger als der untere ebenfalls nur auf der einen Seite 
erhaltene Fühlercirrus. Die Zeichnungen wurden auf den 
vordem und hintern Segmenten undeutlicher und fehlten den 
7 ersten ganz, das 8te war dagegen ganz violelbraun gefärbt. 

Polyodontes Renieri. 

P. gulo Rüpp. 
Die von Ranzani zuerst beschriebene Phyllodoce maxiU 
losa, auf welche Renieri die Gattung Polyodontes gründete, 
existirt wahrscheinlich nur in zwei Sammlungen, in der Bo- 
logneser und in dem Wiener Museum , in welchem dieses 
Thier unter dem Namen Polyodontes maxülosus Ren. aufge- 
stellt ist. Man kannte früher von ihm nur die Beschreibung 
und die Abbildungen Ranz ani's, von welchen Oken in der 



84 Grube: 

Isis *) eine Uebersetzung und Copie gegeben; im Diclion- 
nairedes sciences naturelles **'^) finden wir nur die Copie der 
Abbildungen und ein paar Notizen über das Exemplar der 
Wiener Sammlung von Eysenhardt, nach welchem diese An- 
nelide eine wahre Eumolpe (Polynoe) sein würde. Seitdem 
jedoch durch Koch und Meneghin i der literarische Nach- 
lass Renieri's ans Licht gebracht und veröffentlicht ist, 
besitzen wir noch eine zweite Darstellung dieser seltenen 
Annelide^ welche die Ranzani'sche in einigen Stücken er- 
gänzt und deren Miltheilung ich der Güte des Herrn Koch 
in Triest verdanke; leider fehlt mir der Text, der vielleicht 
noch mehr enthält, als die Figuren geben. Ich glaube nun, 
wo nicht dasselbe Thier, so doch eine zweite Art derselben 
Gattung in dem reichen Frankfurter Museum entdeckt zu 
haben, und bin durch die Gefälligkeit des Herrn Dr. Rüp- 
peil, der mir eine genauere Untersuchung gestattete, in den 
Stand gesetzt, darüber zu berichten. 

Das dortige Exemplar, welches die Etiquette Cydippe 
gfw/oRüpp. trägt, stammt aus dem rolhen Meere, und ist zwar 
ebenso wenig vollständig als die von Ranzani und Re- 
nieri untersuchten, sonst aber recht gut erhalten; es ist 
unfern Suez und zwar in einer Röhre gefunden. Der Kör- 
per ist breit wurmförmig, vierkantig, die breiteste Seite des 
Vierecks auf dem verticalen Durchschnitt bildet der sanftge- 
wölbte Rücken, die Rauchseite ist fast plattgedrückt, die 
ganze Höhe der Flanke nehmen die Ruder ein, deren Aus- 
senrand schräg nach innen herabsteigt. Vorhanden sind 39 
Segmente, am 40sten ist der Körper offenbar zerrissen und 
hier noch keine besondere Abnahme der Breite bemerkbar. Sie 
beträgt an der breitesten Stelle etwa 6 Lin. , die Höhe oder 
Dicke 3 Lin., die Länge 17 Lin. Die Färbung ist jetzt blass- 
fleischroth, der Rücken weisslich, fein in die Quere und zwar 
so gleichmässig gefurcht, dass man keine Segmentgrenzen 
unterscheiden kann; auf der ebenso gefurchten Bauchseite 
springen die Basen der Ruder mit einer kurzen dreieckigen 
Zunge in die Segmente hinein und eine flache sich vorn ver- 



*) Isis 1817. p. 1452. Taf. 11. Fig. 2— 9. 
^"^•) Dict. des scienc. nat. Tom. LYII. p. 461. Vers. Chetop. pl. 12. 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 85 

breiternde Längsfurche zeigt hier den Verlauf des Nerven- 
stranges an. lieber die Gestalt des Kopflappens von Po- 
lyodontes maxillosus belehren uns die Figuren Renieri's 
nicht, in der R anzani'schen Abbildung erscheint er sehr 
schmal, viel schmäler als das Mundsegment, und trägt am 
Slirnrande ein paar frei nach vorn hinausragende schlanke 
Augenstiele, die seine ganze Breite einnehmen und zwei dicht 
daneben sitzende über 4 -mal so lange Fühler von Faden- 
form. Der Kopflappen selbst ist rechteckig abgebildet, und 
etwas länger als breit. Bei unserer Annelide fand ich ihn 
ähnlich gestaltet: an seinem Stirnrande zwei durch einen an- 
sehnlichen Zwischenraum getrennte aber verhältnissmässig 
viel kürzere Fühler, die ihn selbst nur ein wenig an Länge 
übertreffen; der grösste Unterschied aber besieht darin, dass 
die Augcnstiele seitlich an der Basis des Kopflappens ent- 
springen, dessen Seilenrande anliegen^ und mit ihm verwach- 
sen sind, den Kopflappen selbst also, indem sie parallel nach 
vorn gehen, zwischen sich nehmen. Sie überragen den Slirn- 
rand, und die Vorderfläche des an ihrem Vorderende sitzenden 
Auges schneidet fast mit der Spitze der Fühler ab, dabei sind 
sie ausserordentlich dick cylindrisch, so dass der Kopflappen 
wie ein Sattel eingesenkt erscheint» Die Farbe des ungemein 
grossen, ganz nach vorn gerichteten Auges ist schwarzblau, 
eine Pupille , so weit ich mich erinnern kann , vorhanden. 
Unter jedem dieser fleischigen Augensliele und nahe seiner 
Basis entspringt noch ein Fühler von ähnlicher Form wie die 
Slirnfühler, ungefähr mit ihnen gleich weit vorragend ; dem- 
nach hat der Kopflappen vier Fühler. Nach einem unpaarigen 
oder einer Spur seines Ansatzes suchte ich vergeblich. Das 
Mundsegment trägt jederseits zwei auf einem kurzen Vor- 
sprung sitzende , ganz nach vorn gerichtete fadenförmige 
Fühlercirren , der obere etwa von gleicher Länge mit dem 
untern Fühler, der unlere ein wenig kürzer und dünnrr, der 
Rücken des Mundsegmenls ist in seiner ganzen Breite sicht- 
bar und kaum kürzer als das 2le Segment , sein Vorderrand 
zweimal ausgeschnilten. 

Der Rüssel, welcher ganz ausgestreckt war, hat die 
Form und Consistenz des Polynoen- und Sigalionrüssels und 
stimmt ganz, mit R c n i e r i's, annähernd auch mit R a n z a n i's 



86 Grube: 

Figur überein, ich fand ihn fast 7 Lin. und mit den langen Pa- 
pillen der Mille 9 Lin. lang, und fast 3,5 Lin. breit; sein Vor- 
derrand bildet, da die Mitte oben und unlen weit vortritt und 
von da nach rechts und links abfällt, zwei Lippen von drei- 
eckiger Gestalt, deren jede mit 18 kurzen stumpfen weichen 
Papillen und einer mittleren , wie ein dicker Faden verlän- 
gerten besetzt ist, letztere entspringt etwas mehr nach aus- 
sen als die andern und sitzt auf einem kurzen Auswuchs des 
Mittelrandes. Nach innen von dieser Papillenreihe ragen 4 
sehr ansehnliche horngelbe hakenförmige Kiefer hervor, de- 
ren Basis am freien Rande durch 9 scharfe der Länge nach 
herablaufende Zahneinschnitte gesägt und deren Spitze schlank 
ist. Sie stehen, wie bei allen Aphroditeen, senkrecht über 
einander, das obere Paar mit der Concavität gegen die Con- 
cavität des untern gekehrt. 

Was die Vertheilung der Rückencirren und Elytren be- 
trifft, so tragen das 2te, 4te , 5te und alle übrigen unpaari- 
gen Segmente Elytren, die dazwischen liegenden Rückencir- 
ren. Die Elytren sind ziemlich kreisrund, ganzrandig, zart, 
etwas faltig und geknittert, durchscheinend weisslich, und 
bedecken nur die Basis ihres Ruders , aber wenig oder gar 
nichts von dem Rücken des Thieres selbst, ihr Durchmesser 
beträgt etwas über 1 Lin. oder weniger. Der Rückencirrus 
ist ein sehr kurzes Fädchen, sitzt, wie gewöhnlich, etwas 
mehr nach aussen als die Elytren, aber auf keinem besondern 
Grundgliede , sehr nahe dem Hinterrande seines Segments, 
und reicht noch nicht einmal bis zum Ursprung des Ruders. 
Rückenhöcker auf den nicht elytrentragenden Segmenten feh- 
len; dagegen entdeckte ich auf dem Rücken sänimllicher Ru- 
der einige winzige neben einander gestellte Papillen, von 
denen manche etwas cirrenartig verlängert sind. Auf den mit 
Elytren versehenen Segmenten ist ihre Zahl meist kleiner, 
2 — 5, auf den mit Rückencirren versehenen etwas grösser 
bis 6 oder 7. Die Ruder sind kurz, dick, dicht hinter ein- 
ander liegend, und enthalten nur eine kammförmige einfache 
Reihe sehr starker kurzer dunkelblonder Borsten, im ersten 
Ruder zähle ich 4, in den andern 7 bis 8, unter ihnen in 
geringer Entfernung sitzt ein dünnes Bündelchen sehr zar- 
ter ziemlich kurzer Borsten und oben am Vorderrande des 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 87 

Ruders etwa in gleicher Höhe mit der obersten der starken 
reihenweise stehenden Borsten sieht man einen dicken sei- 
denartig glänzenden Faden, der, genauer untersucht, gleich- 
falls nichts anderes als ein ßündelchen sehr zarter aber viel 
längerer in einer Tasche steckender Borsten ist von dem Ha- 
bitus der schlaff herabhängenden Capilli der Aphroditen. Ihre 
Länge ist beträchtlicher als die Höhe des Ruders und ihre 
Zahl wohl über 30. Die starken Borsten sind einfach zu- 
gespitzt^ zuweilen mit etwas geschweifter Schneide des ei- 
nen Randes, die feinen, das untere Bündelchen bildenden 
leicht gekrümmt und am Endtheile mit Querreihen langer dün- 
ner Zähnchen besetzt. Ausserdem enthält noch jedes Ruder 
eine vor der Reihe der starken Borsten stehende einfach-na- 
delförmigc Acicula. An jedem Ruder kommt endlich ein 
Bauchcirrus vor, er ist dünner aber nicht eben kürzer als 
der Rückencirrus und am 2ten Ruder, wie bei den Polynoen, 
ansehnlicher als an den folgenden. Unter ihm an der Basis 
des Ruders bemerke ich eine tief nach innen gehende Spalte, 
die vielleicht zum Austritt der Eier dient. 

Vergleicht man diese Anordnung der Ruder mit den 
Abbildungen von Ranzani und Renieri, so zeigt sich in 
Betreff der Borsten keine vollständige Uebereinstimmung. R a n- 
zani bildet zwei Borstenbündel ab: das obere stellt eine 
Querreihe von 13 kürzeren, das untere ein Bündel längerer 
seitlich gerichteter Borsten dar, alle sind zwar gleich dünn 
abgebildet, da er aber die erstem mit den Paleen der Am- 
phitriten vergleicht, und sie goldglänzend nennt, so unterliegt 
es wohl keinem Zweifel, dass sie unseren starken in einem 
Kamm stehenden entsprechen, die untern nennt er ungleiche 
graue Haare. Bei Renieri finde ich nur einen schmalen 
Fächer von je 9 oder 10 weit vorragenden ziemlich starken 
Borsten von der Länge des übrigen Ruders, von dem band- 
oder fadenförmigen Bündel der Capilli jedoch sehe ich we- 
der bei Ranzani noch bei Renieri eine Andeutung. Die 
Elytren stellt Ranzani alle queroval mit sehr verschmäler- 
tem Aussenlheil und etwas ausgeschweiften Längsrändern dar, 
Renieri ebenso theils ei-, theils kreisrund, die Cirren 
zeigen bei beiden nichts abweichendes, die kleinen Rücken- 
papillcn fehlen. 



88 Grube: 

Es giebt unter den Aphroditeen nur eine Gattung, die 
den Polyodontes so nahe verwandt ist, dass auch schon Au- 
douin und Edwards, die sie aurslclllen '"*)? die Frage auf- 
warfen, ob sie nicht vielleicht mit Polyodontes zusammenfal- 
len müsse : es ist die Gatlung Acoetes. Betrachtet man ein 
Ruder von Acoetes Pleei, so findet man die dreierlei von uns 
beschriebenen Borsten wieder, nur ist das obere Bündel an- 
sehnlicher, mehr ausgebreitet und seine Borsten stärker, nicht 
schlaff herabhängend, sondern fortgestreckt. Die Borsten der 
Kammreihe sind dick, spilz und ragen wenig vor, wie bei 
unserer Annelide, das untere Bündel ähnelt ebenfalls unserem 
unteren, auch die Rückenpapillen der Ruder sind vorhanden 
und zwar in geringerer Zahl auf den elytrentragenden , in 
grösserer auf den cirrenfragenden Rudern, erreichen jedoch 
eine viel ansehnlichere Grösse. Der Rückencirrus süzt auf 
keinem Basalglied, wie aus Fig. 9 hervorgeht, (in Fig. 10 
könnte möglicherweise der dicke Körper, auf dem er her- 
vorragt , eine vor ihm liegende grosse Papille sein, oder es 
wäre hier ausnahmsweise ein Basalglied vorhanden, obwohl 
der Text nichts davon erwähnt). Die Elytren sind ferner in 
derselben Weise wie bei Ranzani's, Renieri's und un- 
serer Annelide vertheilt, indem sie, mit Ausnahme des 2len 
und 4ten Segments, an allen unpaarigen vorkommen, sie wer- 
den aber um so viel grösser, dass sie einander dachziegel- 
förmig überdecken und vom Rücken nicht das mindeste frei- 
lassen. Dies könnte jedoch ein specifischer Unterschied sein 
und uns nicht abhalten, die Annelide des Frankfurier Muse- 
ums ohne weiteres der Gatlung Acoetes beizuzählen , wenn 
nicht der Kopflappon so abweichend wäre: er hat nämlich 
bei A. Pleei 5 Fühler und 4 Augen, von denen die vorderen 
gross und vorspringend fast gestielt, die hinteren sehr klein 
sein sollen. 

Alles dies erwogen, dürfte es vielleicht am passendsten 
erscheinen, die Ga[\ur\gen Polyodontes wul Acoetes zusammen- 
zuziehen, indem unsere Art zwischen beiden in der Mille sieht. 
Dass die Vier- und Fünfzahl der Fühler wechselt, finden wir 
auch bei den Polynoen und Phyllodocen, die Zahl der Augen 



') Ann. des scienc. nat. I. Ser. Tom. XXYII. pl. X. Fig. 9. 10. 11. 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 89 

ist nach einigen Beobachtungen mitunter sogar bei Individuen 
derselben Art veränderlich, vielleicht sind aber auch die hin- 
tern Augen des Acoetes Pleei nur Pigmentanhäufungen, we- 
nigstens scheinen sie, der Abbildung nach, wenig scharf um- 
schrieben. Die Rüsselbildung stimmt bei allen drei Thieren 
ebenso wie die Anordnung des Mundsegmcnls überein, nur mit 
dem Unterschiede, dass zwischen denFühlercirren des ^. Pleei 
noch einBorslenbündel sitzl: solche Ungleichheit kommt auch bei 
Syllisarlen und anderen Anneliden vor. An den Rudern linden 
wir zwei Borstenbündel, wenn wir von den Ren ieri'schen 
Figuren absehen , ein drittes zu oberst gelegenes kann sich 
entwickeln oder fehlen; auch die Capilli der verschiedenen 
Aphroditearten sind sehr ungleich ausgebildet. Endlich ist 
auch die Zahl der Girren und das Gesetz der Abwechslung 
für die Elytren und Rückencirren bei allen genannten Thie- 
ren dasselbe und nur die Anwesenheit der Rückenpapillen 
unbeständig. Auch hiezu bieten die Tubercula dorsualia oder 
Rückenhöcker der Polynoen ein Seitenslück, da sie bei man- 
chen Arten aufTallend stark hervortreten , bei andern kaum 
bemerkbar sind oder fehlen. 

Demnach würde ich die Gattung Polyodontes (mit Ein- 
schluss von Acoetes) ^o charakterisiren : 

Corpus vcrmiforme, depressum, elylrophorum, elylris 
segmento 2do, 3io, 5to et ceteris imparibus affixis, segmen- 
tis interiectis cirros dorsuales gerenlibus, lobus capitalis 
tentaculis frontalibus 2 vel 3, lateralibus inferioribus 2, oculis 
petiolatis 2 munitus , segmentum buccale utrinque cirris 
tentacularibus 2 protentis instructum, pharynx exsertilis 
ex cylindrato depressa, bilabiata, margine antico papillis brevi- 
bus coronalo, media maxime producta, filiformi, maxillis un- 
cinatis serratis 4; pinnae fasciculis setarum 2 vel 3, cir- 
roque ventrali et dorsuali aut elytro instructae, interdum pa- 
pillis dorsualibus ornalae , setae simplices , superiores 
pectinatim collocatae, fortiores , minus prominentes, praeter 
eas interdum fasciculus setarum capillarium, s. inferiores 
penicillum minutum componentes , tenerae, fortioribus lon- 
giores. 

Die drei Arten der Gattungen würden sich dann so un- 
terscheiden lassen : 



90 Grube: 

P. maxillosus Ranz. Elylra haud imbricala , magnam 
dorsi partem nudam linquentia , papillae dorsuales et fasci- 
culi superiores setarum capillarium nulli, tentacula late- 
ralia inferiora petiolis oculiferis multo ( quater fere) 
longiora, 

Hab. mare Adrialicum. 

P. gulo (RüppO- Elylra haud imbricata, magnam dorsi 
parlem nudam linquentia , papillae dorsuales minimae, 
segmenlorum elytra gerentium 2-nae ad 5-nas, ceterorum 
ad 6-nas vel 7-nas, fasciculi capillorum superio- 
res paulo nutantes^ capilli simplices, setae fasciculi infe- 
rioris denticulis minimis armalae , tentacula lateralia 
inferiora cum frontalibus stylisque oculileris et cirris ten- 
tacularibus paene aeque longc prominentia, impar nullum, 
styli oculiferi crassissimi. 

Hab. mare rubrum. 

?. Pleei (Acoetis Pleei Aud. et Edw.). Elytra imbri- 
cata, posteriora anterioribus incumbentia, lotum dorsum te- 
gentia, papillae dorsuales insignes, segmenlorum elylra 
gerentium fere 2-nae, ceterorum ad 6-nas: fasciculi se- 
tarum superiorum recti, setis ciliatis , tentacula b, 
impar proximis paulo longius, lateralibus inferioribus dimidio 
brevius, styli oculiferi brevissimi, cirri tentaculares fa- 
sciculo selarum munili , longitudinem lentaculorum frontalium 
adaequantes. 

Hab. mare Antillarum. 

Palmyra Sav. 

P. debilis Gr. 
Corpus oblongum, albidum, segmentis plus 22, aequa- 
libus, lobus capilalis transverse ovalis, oculis 2 minimis, 
tenlaculis 5, inferioribus 2 multo crassioribus, articulo basi- 
lari insidentibus, superioribus 3 filiformibus, basin versus tumi- 
dis, exterioribus longitudine cirrorum tentacularium , flabello 
parvo palearum munilorum, pinnae fascictilos setarum 2 ge- 
reutes, allerum peclinem palearum dorsualium, allerum fasci- 
culum ventralem, a latere prolentum , paleae leniter infle- 
xae, spalulalae, decolores, margine allero paene recto, al- 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 91 

tero curvo, apice subtiliter creniilato, usque ad 18-nas, se- 
tae ventrales rectae, compositac, spinigerae, spina brevi 
recta, stipite transverse slriato, cirri dorsuales filiformes, 
basin versus tumidae articulo crassiori insidentes, setis ven- 
tralibus vix longiores, c. ventrales subulati, pinnae apicem 
haud attingentes. 

Länge des vorhandenen Stückes von 22 Segmenten 2,5 
Lin., Breite mit den Borsten fast 0,5 Lin. 

Von mir bei Villa franca gefunden. An dem einzigen 
nur mittelmässig erhaltenen und nicht vollständigen Exemplar 
konnte ich nur den Vorderlheil beobachten. Die Mehrzahl 
der Rückencirren fehlten, der unpaare und die unteren (den 
seitlichen der Polynoen entsprechenden) Fühler waren über 
ihrem Grundgliede abgebrochen. Die Unterschiede, die sich 
bei der etwas mühsamen Untersuchung P. aurifera Sav. ge- 
genüber herausstellten , waren : die Form der Rückencirren, 
die bei jener, nach Savigny, Audouin und Edwards, 
vor der Spitze leicht angeschwollen sind und dann in ein kur- 
zes Fädchen enden, während sie bei unserer Art am Grunde 
angeschwollen sind und nach oben langsam und gleichmäs- 
sig sich verdünnen ; ferner die Gestalt der unteren Borsten, 
welche bei P. aurifera einfach, ansehnlich stark und ungleich 
zweizinkig wie bei manchen Amphinomen dargestellt werden, 
bei unserer Art aber zusammengesetzt sind und einen kurz- 
grätenförmigen Anhang tragen, endlich das gänzliche Fehlen 
des kleinen Borstenbündels , das bei P. aurifera neben und 
unmittelbar unter dem Fächer der Paleen sitzt. 

Bei dem durchscheinenden Körper war es mir möglich, 
den Darmkanal zu erkennen. Er begann mit einem keulen- 
förmigen nach hinten verdünnten bis zum 9ten Segment rei- 
chenden Abschnitt, der wohl der Magen ist, und verlief ge- 
rade weiter, ohne seilliche Blindsäcke wie bei den Aphrodi- 
ten und Polynoen zu bilden. Bisher war keine Palmyra aus 
dem Mittelmeere bekannt. 

Cliloeia Sav. 

Chi. egena Gr. 
Corpus elongatum ex carneo ravidum , maculis dorsi 
nullis, dorso haud complanalo^ ex longiludine lenere sulcalo^ 



92 Grube: 

segmentis 33; tentacula media impari breviora, exlernis 
mullo longiora ; caruncula angusta, alta , utrinque plicis 
decurrenlibus parallelis anguste plicata , per segrnenta 4 pa- 
tens, Imo et 2do affixa; lasciculi setarum minus validi, 
dorsiiales a ventralibus paene magis quam a branchiis di- 
stanles, setae tenuissimac, capillares, laeves , undique ver- 
genles, latitudine dorsi breviores , argenteae, fasciculi dor- 
sualis rigidiores, ventralis paene nutantes , illls longiores, a 
latere protentae , cirri dorsuales et ventrales aeque 
longi^ setis dorsualibus longiores, longissimis ventralium bre- 
viores , colore corporis; branchiae latius trigonae, bi- 
pinnatae. 

Länge *i,5 Zoll^ grössle Breite (am löten Segment) mit 
den Borsten 7 Lin., ohne sie 6 Lin., Breite am Uten Seg- 
ment ohne die Borsten 5 Lin., am 7ten nur 4 Lin. 

Das Exemplar, nach dem diese Beschreibung entworfen 
isl^ befindet sich in dem zoologischen Museum der Peters- 
burger Akademie , und ist offenbar ein schon lange aufbe- 
wahrtes. Durch das lange Liegen in Weingeist mögen man- 
che Veränderungen entstanden sein^ es ist mir aber nicht 
wahrscheinlich, dass die dunkeln so bestimmt umschriebenen 
ansehnlichen Flecken , welche bei Chi flava auf der Mittel- 
linie des Rückens stehen, spurlos verschvvun«Jen sein sollten^ 
wenn dies auch mit den weniger markirten dunkeln Quer- 
binden der Fall wäre, die sich dort an den Seiten zwischen 
den Borstenbündeln herabziehen. Ebenso finde ich die Gir- 
ren nicht dunkelviolet wie bei Chi. flava , sondern von der 
Grundfarbe des Körpers, die im Leben vielleicht ein Fleisch- 
roth gewesen sein mochte. Statt der mächtigen schräge nach 
hinten gerichteten Bündel von starken blonden Borsten, de- 
ren Länge der Rückenbreite gleich kommt , oder sie über- 
trifft, sehe ich bei meiner Art Büschel von äusserst zarten 
durchaus silberweissen, aus einander strahlenden, der Haupt- 
richtung nach aber seitlich fortgestreckten Borsten, das obere 
erscheint besonders mager und kurz, viel kürzer als sein 
Cirrus ; die Spitze der Borsten war meistens abgebrochen, 
unter den vollständig erhaltenen aber konnte ich keine am 
Endtheil gekerbte oder zweizinkige entdecken, wie sie bei 
Chi flava vorkommen, auch zeigt die Haut dos Rückens nicht 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 93 

jene schräge sich durchkreuzende, sondern parallele zartere 
der Länge nach verlautende Furchen. Endlich stehen bei 
Chi. flava die beiden Kiemenreihen weiter von einander als 
von der oberen Reihe der Borstenbündel ab, beide Reihen der 
Borstenbündel sind näher an einander gerückt und die Ge- 
stalt des Körpers ist etwas weniger gestreckt, der Rücken 
aber flacher. 

]Votopyg^o§ Gr. 

vcoTog Rücken, nvyr/ After. 

Corpus ex ovali oblongum, validuni, depressum, seg- 
mentis magnis, ano dorsuali, a segmento postremo remoto, 
lobus capitalis crassus , subtus per longitudinem sulco 
divisus, tenlaculis anticis 5, oculorum paribus 2, os int'erum, 
segmenta buccalia caruncula dorsuali ornata; tuber- 
cula Setigera utrinque disticha^, cirro dorsuali et venlrali 
munita, sursum spectantia, setae siraplices, penicillos magnos 
componentes, branchiae dorsuales, cirralae, ad basin pe- 
nicillorum superiorum sitae. 

JV. er inita Gr. 

Corpus oblongum, utrinque altenuatum, depressum, 
fulvum, per longitudinem dorsi et ventris sulco medio nota- 
tum, ano magno Iransverso dorsuali, inter segmenlum 2lmum 
et 22dum aperto , segmentis 28, postremo minuto, depresso, 
bilobo , setis adumbratis tanlum munito , lobus capitalis 
crassus infra bilobus, tentacula 5, paene aeque longa, 
cirris proximis minora, impar ante carunculam silum, cetera 
laleralia, supra et infra fasciculum selarum collocata, oculo- 
rum paria 2, caruncula lata, oblonga , postice producta, 
acuminata, foliacea, crenulata, crista media angusla, alla or- 
nata, per segmenta anteriora 5 patens, segmenta bucca- 
lia 3; tuberciila setigera utrinque disticha brevissima, 
erecta, superius penicillo setarum longiore , inferius breviore 
compresso munitum, cirrus dorsualis et ventralis 
setis breviores, setae longissimae, pallide flavae, paene al- 
bae, reclae, capillares, superiores acuminatae, laeves, lalitu- 
dinem dorsi aequantes, inferiores acumine bidente, denlibus 
maxime inaequalibus; branchiae dorsuales, humiles , cir- 



94 Grube: 

ratae, paulo biparlitae, filis siinplicibus, basi penicilli setarum 
superioris affixae, in segmenlis anterioribus 4 desideralae. 

Länge des Weingeislexemplars 14 Lin. , grösste Breite 
mit den Borsten 5,5 Lin. , ohne dieselben 3,5 Lin. 

Von der Küste von St. Helena. Das Exemplar stammt 
von Eschscholtz her, der die Farbe des lebenden Thieres 
rolhgelb angiebt. 

Diopatra Aud. et Edw. 

J). longissima Gr. 

Corpus longissimum, supra planum, subtus fornicatum, 
pallide carneum, laete iricolor, segmentis plus 520, anlicis 4 
ceteris longioribus; lobus capitalis triangulus, rotunda- 
tus, lobis inferis 2 latis, tentacula postica apice exce- 
pto per totam longitudinem annulala , media impari et exte- 
rioribus multo longiora , longitudine segmentorum fere 17, 
frontalia brevia , longitudine lobi capitalis, segmentum 
buccale margine antico, cirros tentaculares gerente, medio 
exciso; par primum pinnarum ceteris magis prominens, 
labiis setarum longis acuminatis 2 , branchia simplici cirro- 
que dorsuali et ventrali munitum, proximae breviores, ce- 
tera e brevissimae, plerumque cirri ventralis loco crisla hu- 
miliornatae; setae superiores capillares, in f erior es com- 
positae, falcigerae, sub iis uncini longi 2, acumine bidenle, 
ut falce setarum limbato; branchiae laxe plumosae , filis 
ad summum 8, in primis segmentis simplices cirriformes, cir- 
ris dorsualibus longiores. 

Länge 13,5 Zoll, grösste Breite ohne die Ruder 2 Lin. 

In der Berliner Sammlung, ohne Angabe des Fundorts. 

Diese Art unterscheidet sich von D. Amboinensis und 
V. Baeri besonders durch die grössere Einfachheit der Kie- 
men, deren Fadenzahl nicht 8 übersteigt, und die daher mehr 
kämm- als lederbuschförmig aussehen; an den vordersten 
Segmenten bestehen sie nur in einem Faden, vom 9ten bis 
13ten Segment aus 2, von da an bis zum 18ten aus 3, und 
so steigt die Zahl allmählich bis 8. Auffallend und kaum 
von irgend einer Annelide übertroffen, ist auch die grosse 
Zahl der Segmente. 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 95 

liysidice Sav. 

L. punctata Gr. 

Corpus vermiforme, segmentis 94 — 120 anlerioribus 
c. 40 ferrugineis vel cupreis, supra albo punclatis, celeris 
pallidioribus concoloribus vel albo viltalis , 3io et 4lo albis; 
lobus capitalis colore ferrugineo, albo limbatus, albo 
punctatus , fronte biloba, segmento proximo paulo longior, 
tentacula subulata, impar lateralibus vix longius, frontem 
haud attingens , segmentum buccale et proximum 
(brevius) nudum, macula dorsi media albaornatum; pinnae 
minutae, albae a segmento 3io incipientes, cirrus dor- 
sualis pinnam vix excedens, ventralis brevior, setae 
triformes, superiores capillares, rectae 4-nae, inferiores tum 
lineares, paulo laliores , leviter sinuatae, tum falcigerae; 
aciculae 2 rectae. 

Länge des grössten Exemplars 2 Zoll, in Weingeist 1,8 
Zoll, Breite mit den Borsten etwa 1 Lin. , es hatte 120 Seg- 
mente; ein kleineres von 94 Segmenten mass 1 Zoll in der 
Länge und weniger als % Lin. in der Breite. 

Ich erhielt von dieser Art mehrere Exemplare mit Tan- 
gen sowohl bei Triest als Villa franca , und erkannte in ihr 
sogleich die Leodice triantennata Risso *"*), von der er freilich 
sagt „la queue sans filels/ doch können die Aftercirren leicht 
verloren gegangen sein ; ich habe sie gesehen. Eine andere 
Frage ist, ob diese Lysidice nicht für eine gefleckte Varietät 
der L.NinettakxxA. eXEAw, zu halten sei^ welche eine Länge 
von 5 Zoll bei einer Breite von 1,5 Lin. erreicht, und deren 
Mundsegment doppelt so lang als das folgende ist. Dasselbe 
Verhällniss habe ich auch bei einem Exemplare unserer An- 
nelide bemerkt, in der Regel war aber der Unterschied min- 
der bedeutend und das breitdreieckige Hinterfeld auf dem 
Kopflappen, welches Audouinund Edwards *•-•) bei L. i\7- 
netta abbilden und an dessen Vorderrandc die drei Fühler 



*) Hist. nat. des prod. princip. de l'Europe merid. Tom. IV. 
p. 422. 

**) Ann. des scienc. nal. 1. ser. Tom. XXVIII. p. 235. Tom. XXVIL 
pl. XII. Fig. 1-8. 



96 Grube: 

sitzen , konnte ich niemals bemerken ; auch ist der Sichel- 
anhang der Borsten bei L. JSinelta dreizahnig, bei L. pun- 
ctata nur zvveizähnig. Bei meinem grössten Exemplare war 
der Stirneinschnitt im Leben nicht erkennbar, wohl aber die 
Längsfurche auf der Unterseite des Kopflappens. Die hinte- 
ren Segmente waren , wie bei Eunice und den verwandten 
Galtungen laxer, gestreckter und durchsichtiger, so dass ich 
das schwärzliche Darmrohr und die Blutgefässe gut erkennen 
konnte : ich unterschied ausser dem Bauchgefässe am Ner- 
venstrange und dem contractilen Darmgefäss auf der Darm- 
wandung noch einen feinen Längsstamm an der Rückenwand 
des Leibes, von dem diese mit meist parallelen anastomosi- 
renden Aestchen versorgt ward. 

IVereis (Heteronereis Oersted). 

JV. (HO heteropoda Cham, et Eysenh. 

N, heteropoda C h a m i s s o und Eysenhardt Nov. Act. 
nat. cur. Tom. X. P. L p. 349. tab. XXIV. Fig. 2. 

Corpus coeruleum, segmentis plus 76; lobus capi- 
lalis subpentagonus rotundatus, dimidio longior quam latus, 
tentacula frontalia basi sibi proxima , fere aeque prominentia 
ac lateralia; longissimi cirrorum tenlacularium segmenta 4 vel 
5 aequanles, segmentum buccale proximo supra fere 
allerum tantum longius ; pharynx exs erta tentaculis latera- 
libus paulo magis prominens, maxillae graciles, haud ita 
curvatae, tola acie dentibus fere 8 oblusis crenala , grana 
maxillaria annuli antici lamellae corneae, quasi ex 
singulis granis conflatae, lunatae 4, circa maxillas sitae, prae- 
ter eas media supera angusla 1, annuli postici lamellae 
granaque supra singula, ad latera, quantum videre licuit, con- 
gesla, pinnae sectionis anterioris breviores, lingu- 
lae paene aeque prominentes, obtusae, supera cum parte pin- 
nae dorsuali vicina, sensim magnitudine crescens, lobum 
communem componens , cirrum dorsualem , incisurae inser- 
tum , secum efferens, cirrus ventralis lobo nuUi insidens, 
lingula sua vix longius prominens, pinnae sectionis 
posterioris ab illis valde differentes, maxime compositae, 
lobus superior triplo amplificatus, paene erectus, vexillo te- 



Besclircibungcn neuer odet wenig bekannter Anneliden, ö? 

iragono oLlongo, sublus coarclalo similis, cirro dorsuali mar* 
glni cxtremo medio affixo, lingula media horizonlalis Irans* 
versa, inargine exlerno rolundalo, angulo supero repandd 
pacn« scciiriformis, 1. infcra lanceolala , dcorsüm specialis, 
ca brevior , lablüni sctarum supcriorum paene nullum, in-^ 
fcrioriim maximuüi ex Iriatigülo rotundallim basi angusta, ve- 
xlllo baud minus , cclcris parlibus magis prominens , cirrüS 
venlralis incisurac lobi profunde sinuali affi.xus, lingula inferi 
longior, cirro dorsuali acqualis, mutalio pinnarum ^sy^^ 

Länge weit über 4 Zoll 5 Lin. , dehn so lafig war der 
allein erballeiie Vorderlheil des unlersuchlen Exemplars, 76 
Segmente umfassend , dessen Hinlerende man wohl ansah, 
dass noch ein gules Leibessluck abgerissen sein mussle, Breilö 
des Leibes ohne die Ruder vorn 5,5 Lin., weiterhin gerin- 
ger, aber die Gesammlbrcite durch die ungeheuer grossen Ru- 
der hier wohl doppelt so gross. 

Gefunden an den Felsen von Unalaschka. 

Die Beschreibung Chamisso^s und Eysenhar d l's ist 
nach dem im Berliner Äluseum aufbewahrten Originalexem- 
plar ergänzt, das mir H. Prof. Lichlenstein freundlichst 
zu untersuchen erlaubte. Der Rüssel war theilweise sehr 
verletzt. 

Siatiroceplialus Gr. 

oTavQ<]i; Kreuz, yicfalr^ Kopf. 

Corpus vermiformc, segmentis minus numerosis, cirrig 
ani nullis; lobus capitalis subpentagonus fronte rotun- 
data, ulrinque lobo lato ovali auritus , oculorum paribus 2, 
tcntaculis frontalibus vel posterioribus nullis: segmenlum 
buccalc inerme, pharynx exsertilis maxillis 2 armata ; 
pinnac uniremes cirro dorsuali et fasciculo selaruiii 1 mu* 
nitae, in lingulas 2 vel 3 exeuntes, setac composilae, bran- 
chiac nullae. 

St. rubrovittatus Gr. 

Corpus brevius vcrmiforme, paulodeprcssum, albidum, 
segmcnlis 36, praeter buccale et postrema 10 vilta anteriore 
coccinea ornatis, 5-ies vel 6-ies latioribus quam longis J 
lobus capitalis late pentagonus, fronte maxime rotun* 
data, scgmentis proximis 2 longior, ulrinque iobo subovali^ 

Archiv f. NaturgcscL. XXI. Jahrg. 1. Bd. 7 



98 Grube: 

pellucule marginalo aurilus, oculonim paribus 2, oculi fiisci 
rotundi, anteriores maiores, '/ä fcre diamclri Iransversi lobi 
capitalis aequantes, segmcntum buccale inerme, cocci- 
neum, proximo vix longius , lolo capilali lalius, pharynx 
exsertilis, quanlum videre licuit , cylindrata, maxillis 2 
armata, maxillae nigrae, graciles , leniler curvalae, acutae, 
ad apicem serrulatae; pinnae uniremcs, dimidiam corporis 
latiliidinem adaequanles, a latere paulo compressae, in lingu- 
las 2 vel 3 exeunles, lingulae produclae , triangulae fascicu- 
lum selarum ampledcntcs , setae 12-nae, composilae, spi- 
iiigerae , spina brevi apice incurva , slipile haud transverse 
slriato, cirrus dorsualis ad exfrcmam pinnam posilus, 
selis imminens, iis paulo brevior, subfusiformis vel conoideus, 
lingiilis multo longior. 

Länge 2,5 Lin. , Breite mit den Borsten etwa 1 Lin., 
ohne sie noch niclit 0,5 Lin. 

Von mir bei Triest unter Seepflanzen gefunden. 

Ich würde diese neue Gattung in die Familie der Ly- 
corideen und zwar neben Lycasiis Aud. et Edw. stellen, der 
sie sich in der Einfachheit der Ruderbildung nähert, ohne 
jedoch 2 Borstenbündel zu besitzen, auch fehlen Lycastis die 
spitzen Züngelchen, welche das Borstenbündel zwischen sich 
nehmen. Die beiden Seitenanhänge des Kopflappens, welche 
ihm die Gestalt eines Kreuzes verleihen und einen durchsich- 
tigen Rand haben, vertreten vielleicht die Stelle der grossen 
hinteren und seitlichen Fühler der Nereis und Lycastis, Stirn- 
fühler fehlen durchaus. Den Rüssel sah ich leider nicht aus- 
gestreckt, sondern nur durchschimmernd. 

Oxydronmis Gr. 

o^ug schnell, (^ga/netp laufen. 
Corpus vermiforme, cirris ani 2, segmcntis minus nu- 
merosis, lobus capitalis trapezoideus fronte angustiore, 
oculorum paribus 2, lenlaculis fronlalibus 5, seg mentum 
buccale breve^ cirris tentacularibus utrinque 4, pharynx 
exsertilis longa, cylindrata, maxillis papillisve marginis 
nullis; pinnae uniremes, conicae , graciles fasciculo scta- 
rum l cirroque dorsuali et ventrali , extremis munilae, se- 
!ae compositae; branchiae nullac. 



Bcsclircibungcn neuer oder wenig bekannter Anneliden. 99 

0. fasciatus Gr. 

Corpus brevius vermiforme, ex subfusco luleolum vel 
vircns, segmentis 32 — 36 dorso linca transversa alba ante- 
riore et media , figuraqiie transverse oblonga albo circum- 
scripta postica ornatis , singulis omnino albis vel virentibus, 
anterioribus brevissimis, ceteris paulo longioribus dimidio fere 
brevioribus quamlatisj lobus capitalis trapezoideus, an- 
gulis rotundatis, paulo brevior quam latus, oculorum paribus 2, 
oculi rubri parvi, anteriores paulo maiores laliusque disfantes, 
submarginales, tcntacula frontalia 5, impar lobo capitali 
brevius, latoralia angulis affixa, paulo longiora , fdiformia, 
segmenlum buccale brcvc cum proximo vix longitudi- 
nem lobi capilalls adaequans, eirri tentaculares utrin- 
que 4, superiores inferioribus multo longiores, lentacula ex- 
cedentes , pharynx exserlilis retracta a segmento 3io 
usque ad I2mum palens, quantum videre licuit, inermis ; pin- 
nae unircmes, conicae , produclae , dimidiam corporis lon- 
gitudincm superantes, cirri albidi prope apicem inserti, dor- 
sualis filiformis obsolete articulalus , lalitudinem corporis 
cxcedens , (nonnulli cirris tenlacularibus paulo longiores,) 
ventralis tricnte brevior, setae spinigerae ad 20-nas, 
Spina longiore vel breviore, interdum apice incurvo fal- 
ciformi. 

Länge 2,8 bis etwa 5 Lin. 

Ich entdeckte diese Annelide unter Meerschlamm und 
Pflanzen, die ich bei Triest erhielt, und fand sie später auch 
bei Villa franca. Sie bewegte sich sehr hurtig, indem sie 
sich gewandt schlängelte und so auf dem Boden, ja selbst 
an der Wand eines Glasgefässes herumlief, woher ich der 
Gattung diesen Namen gegeben. Die sehr breifgezogene ovale, 
weiss umschriebene Figur hinter der zweiten Querlinie der 
Segmente geht mit einem engen Halse in diese über und un- 
terbricht sie in ihrer Mitte. Bei einem der Triestiner Exem- 
plare war das 7te, lüte, 14te und löte Segment, bei ande- 
ren kleineren Thieren nur 1 oder 2 Segmente ganz weiss, 
bei den Nizzanern nur 2,8 Lin. langen bemerkte ich gar keine 
dergleichen, sah aber in ihrem Leibe 2 schlauchförmige ne- 
ben dem Darme liegende , die 6 letzten Segmente durchzie- 
hende Körper, (vielleicht Hoden?}. Was die Stellung dieses 



100 Grube: 

neuen Thicres im Systeme betrifft , so v ürde ich es neben 
die Gattung Castalia in die Familie der Pliyllodoceen setzen, 
es unterscheidet sich von dieser durch die Gegenwart eines 
5ten Fühlers und die Abwesenheit eines obern Borstenbün- 
dels und der Züngelchen , die dort den Rard des Ruders 
dreizackig machen. 

liOpadorrliynclius Gr. 

lonug Schüssel, (ivyxoq Rüssel. 
Corpus subbreve, depressum ;, pinnis maxime dilala- 
lum; segmentis minus numerosis; lobus capitalis rotun- 
datus, tentaculis fronlalibus ulrinquc 2, oculis parvis 2, se- 
gmentum buccale breve, cirris tenlacularibus h\teralibus 
utrinqueS, pharynx exserlilis brevissima paterae instar 
dilatata, marginata, ore parvo; pinnae valde prominentes, 
foliaceae , luberculo setigero alto compresso labiato , cirris 
foliaceis minus altis, a latere protenlis, ei adiacentibus, sc- 
tae composilae, flabelli instar expansae. 

L. brevis Gr. 

Grube, die Familie der Anneliden p. 58. 128. 

Corpus subbreve depressum albidum paulo carneum, 
pinnis maxime dilatatum, segmentis 24 — 29 dorso villa trans- 
versa elatiore , media angustata notatis; lobus capitalis 
transversus ovalis, fronte lata oculis anlicis vix conspicuis 2, 
tentacula 4 ad angulos frontis locala, subulata, superiora 
paulo maiora, longiludinem lobi capitalis fere aequantia, cirri 
tentaculares utrinque 3 laterales, tentaculis paulo maiores, 
superior longior, segmentum buccale cum lobo capitali 
paene coalitum, pharynx exsertilis brevissima, extremi- 
tate paterae instar dilatata , marginata , papillis nullis ornala, 
edentula ; pinnae maxime prominentes, tuberculo setigero 
altissimo compresso paene lanceolato, labio maximo pellu- 
cido, similis formae limbato, selis flabelli instar expansis ; 
cirri a latere protenli, labio multo minus prominentes mi- 
nusque alti, sublanceolati, tuberculo setigero adiacentes, dor- 
suales margine supero, ventrales infero truncati, illis humilio- 
res et breviores, in segmento 2do, 3io, 4to desiderali; se- 
tac numerosae, cultriferae; aciculae 2. 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. lOL 

Länge 5—7 Lin., Breite mit den Rudern 2 Lin. , ohne 
sie 0,9 Lin. 

Im Petersburger Museum durch Herrn Dr. Krohn aus 
dem Mitlelmeer. 

Nachdem ich diese Annelide kennen gelernt, erhielt ich 
durch gütige Zusendung desselben Forschers einige Wein- 
geistexemplare eines sehr ähnlichen , offenbar zu derselben 
Gattung gehörigen Thieres, aus dem Meere von Messina. Ab- 
gesehen vom Rüssel, den ich, da er bei keinem ausgestreckt 
war, nicht beurlheilen konnte, trugen sie nicht bloss alle 
oben angeführte Gattungscharaktere an sich, sondern stimm- 
ten auch in allen specifischen Merkmalen bis auf die ersten 
beiden Ruderpaare überein. Diese hallen eine ganz eigen- 
Ihümliche sehr abweichende Gestalt, sie waren dick, wenig 
seitlich zusammengedrückt , etwa 1 Lin. lang , fast wie die 
Arme einer Kneipzange abwärts- und etwas einwärts ge- 
krümmt , am Ende verjüngt zulaufend und mit einer Quer- 
reihe von 5 bis 6 schwarzen linearen starken und spitzen, 
leicht gekrümmten, abwärts gerichteten Borsten bewaffnet, auf 
der Milte ihres Rückenrandes erhob sich ein ganz kurzer 
zugespitzter Rückencirrus, ein Bauchcirrus fehlte. Sie sahen 
mehr nach einem Fussstummel als nach einem Ruder aus. 
Da bei den Arten einer Galtung so verschiedene Bildungen 
an einzelnen vordem Rudern sonst nicht vorkommen, so hegte 
ich die Vermulhung , das andere Geschlecht derselben Spe- 
cies, vielleicht das Männchen, vor mir zu haben, und theilte 
sie Herrn Dr. Krohn mit. Vermulhlich sind diese Thierse 
selten, da dieser geehrte Forscher noch keine Gelegenheit 
gehabt hat, jene Hypothese zu widerlegen oder zu bestätigen. 

CwEycera Sav, 

Gl. Meckelii Aud. et Edw.? *) 

Corpus vermiforme, subteres, medium crassum poste- 

riora versus paulo lentius quam antrorsum acuminatum, pal- 

lide griseum splendore subyiolaceo, segmenlis c. 250, biannu- 

lis, annulo anteriore quoque pinnas gerente, lobus capi- 



*) Ann. des seien, nat. 1. gcr. Tom. XXIX. p. 263. Tom. XXVII 
pi. XIY. Fig. 1-4. 13. 



102 Grube: 

talis longe coniformiSj obsolete annulatus, longiludinem se- 
gmenlorurn 8 adaequans , nodulis lateralibus iiullis, antennis 
minimis 4 simplicibus, pharynx exserlilis anlice cras- 
sissima, circulo laciniarum plicarumve fere 20 ornata, lon- 
giludine inlcrdum paene trienlis corporis, maxillis 4; pin- 
nae biremes humiles albidae, pius minus inter se dislanles, 
ulroque ramo lobis Iriangulis 2 anguslis aequalibus munilo, 
anteriores brevissimae , quadrantem lalitudinis segmenli sui, 
posteriores dimidiiim eius aequantes, iis. longiores, posircmae 
longissimae aeque longae ac segmcnta lala, cirrus dor- 
sualis papilla minuta pauIo aciiminata supra basin pinnae 
lateri corporis affixus, venlralis vix longior ad extreinita- 
lem pinnae, selae superiores capillares, inferiores 
spinigerae , branchiae parieti pinnarum anteriori prope 
basin affixae , in segmentis mediis obviae , modo turgidac, 
prosilientes, modo cvanescenles, styliformes vel bifurcac, in- 
terdum Irifidae, allüudine pinnae longiores. 

Länge 4y,,ZolI, grösste Breite mit den Rudern 2,2 Lin., 
ohne sie 1,1 Lin. bei einem vollständigen Exemplare von 250 
Segmenten; Länge 5 Zoli, Breite mit den Rudern 3,6 Lin., 
ohne sin 1,8 Lin. bei einem unvollständigen Exemplare von 
200 Segmenten. 

Von mir lebend beobachtet in Triest, ein Weingeistcx- 
emplar aus Villa franca. 

Ich bin nicht siclier, ob ich das hier beschriebene Tliier 
zu Glycera McckeUi Aud.etEdw. oder zu Gl fallax Quatref. 
rechnen soIL Die Beschreibung der Gl MeckcÜi passt im 
Ganzen mehr darauf als die Figur 1 der cilirten Tafel , in 
welcher die Borsten kürzer und die Ruder weniger von ein- 
ander abstehend erscheinen als ich beobachtet. Selbst nach 
der Aufbewahrung in Weingeist hat sich der Körper in die- 
ser Hinsicht nicht verändert und während in seiner vordem 
Hälfte die Segmente allerdings sehr kurz sind und sich die 
Ruder berühren , sieht man in seiner hinfern die Segmente 
verlängert, so dass man ihre beiden Ringel sehr gut unter- 
scheiden kann und die Ruder um ihre Dicke aus einander 
stehen. Die Gestalt der Ruder bei meiner Glycera ist die- 
selbe, wie bei Gl. Meckelii, doch fand ich schon am leben- 
den Thier den Rückencirrus mehr papillcn- als kurzfaden- 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 103 

förmig, auch ein wenig höher sitzend. Was aber die Kieme 
betrifft , so sass sie zwar beständig an der Vorderwand des 
Ruders, erschien aber nicht an allen gabiig, sondern an man- 
chen einfach, an manchen gar dreitheilig. Audouin und 
Edwards erwähnen ferner nicht der Randläppchen am Rüs- 
sel und nennen die Färbung ihrer Gl. 31eckelü gelblich (jau- 
nätre). Würde sich ferner herausstellen, dass sie ihr Thicr 
bloss nach einem Weingeislexemplare beschrieben , so wäre 
es leicht erklärlich, wesshalb sie von den Kiemen nichts 
mehr sagen, und gerade das Auffallendste verschweigen. Dies 
ist aber" das abwechselnde Vorspringen und Verschwinden 
dieser Organe , die sich , wenn sie entleert sind, so ganz 
dem Blicke entziehen, dass sie zu fehlen scheinen. Ich sah 
in allen Segmenten kleine ovale oder plattrundc Körperchen 
sich in Menge hin- und herbewegen, ähnlich denen, die mir 
an jungen Sipunkeln aufgefallen waren , besonders deutlich 
erschie'nen sie in den hintern Segmenten, imKopflappen und 
zwar nur in dessen Mittelachse; und in einzelnen Rudern, 
während ich in andern nichts davon bemerkte; wo die Strö- 
mung vorkam, fand sie theils in der Mittelachse des Ruders, 
Iheils in den Kiemen selbst statt, den Strom sah ich unten 
eintreten, am Ende umbiegen und oben heraustreten ; dabei 
wird das Ruder selbst ausgestreckt, die Kieme springt her. 
vor und die ganze Erscheinung erfolgt mit einer gewissen 
Heftigkeit und plötzlich. Sehr befremdend war mir, dass ich 
weder ein Rückcngefäss noch überhaupt vorzweigte Gefässc 
entdecken konnte. An einer Stelle war die Leibeswand ge- 
rissen und eine Darmsciilinge herausgetreten, aber auch da 
keine Gefässveräslelung sichtbar. Mehrere Stellen des Lei- 
bes sahen wie mit Blut unterlaufen aus, einen solchen Strei- 
fen sehe ich auch an der Bauchwand hinter dem Nervenstrang 
durchschimmern. Gerade jene auffallenden Erscheinungen 
an den Kiemen führt Quatrefages bei seiner Glycera fal- 
lax an, die Abbildung des Ruders würde zu meinem Exem- 
plare aus Nizza passen, bei welchem ich auch nur einfache 
Kiemen sehe, Quatrefages spricht weder davon, dass 
sie auch gabiig und dreitheilig vorkommen, noch sagt er, 
im Bereiche welcher Segmente sie auftreten. Audouin 
und Edwards ffcbcn das 18te b- -»'vo i^n... Ruder als 



Iöf4 Grube: 

solche an, ich fand die Kiemen bei einem Exemplare vom 
63slen bis 104ten, Lei einem andern vom ßOslen bis ISOsten 
J?egment. Eine ausführliche Beschreibung der Gl. fallax hat 
Quatrefages noch nicht mifgelheilt, auch nicht ausdrück- 
lich hervorgehoben, dass Gl MeckeUi zu den Specics mit be^ 
ständig sichtbaren Kiemen gehöre. Bis dahin rouss uneul- 
schiedcn bleiben, wohin unsere Art m rechnen \sL 

S. &pofigicola Gr. 
Corpus luteum, pauIo translucidum vcl auranflacunfi, 
segmentis 60—156, mediis fere ler , anlerioribus qualer la- 
tioribus quam longis; lobus capitalis transversus fn'an- 
gulus rolundatus, toris frontalibus lalis, lobo capilali vix lon- 
gioribus, triangulis^ margine interno oblique, recto, exlerno 
arcualo , oculi parvi trapezii instar collocati, anteriores 
pauIo magis distantcs, tenlacula lateralia toros fronta- 
les vix excedenles, impar paulo longius, arliculis 9 s e- 
gmentum buceale proximo haud brcvius , cirri dor- 
ßuales tentacularium tentaculis paulo longiores, artku- 
lis fere 16, dorsuales pinnarum pleramque articulis 19 
--23, lalitudinem corporis adaequanles , ventrales tuber- 
culis seligeris vix longius prominentes, setae simpliccs ple- 
rumque ö^nae, aciculares 3-nae earum uneini acumine bi- 
dente, saepius magis prominentes, 

Segmenla posirema 12—15 in nonnuTIis a prioribus dif- 
ferentia, maiora , laxiora, (uberculis seligeris ad basin cirri 
dorsualis lumidis, puncto nigro notalis, fasciculo selarum du- 
plici, superioribus falcigcris, inferioribus mullo magis nume- 
rosis, capillaribus, apice uncinalis, trienlcm vcl dimidium la- 
titudinis segmenli sui adaequantibus. 
Länge bis 2 Zoll, Breite 0,5 Zoll. 
Gclunden in orangefarbigen Schwämmen bei Triest. Das 
Thier, das sich nur sehr träge zu bewegen scheint^ ähneil in 
der Augenslcllung und den Verhältnissen der Länge und Breite 
der Segmente S. armillaris, unterscheidet sich von ihr aber 
durch die Einfarbigkeit, die kürzeren Slirnpolster und die zar- 
teren längeren raehrgliederigeren Mckencirrcn^ und von al- 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 105 

Jen Arten durch den Mangel zusammengesetzter Borsten, aus- 
genommen an den hintern Segmenten, an denen sich wohl 
eine Ablösung von dem Vorderkörper vorbereitet. 

Autolj'tns Gr. 

avio^ selbst, XiEiv ablösen. 

A, prolifera (ßereis prolifera Müll.). 

Corpus vermiforme, plus minus longum, rufum vel 
ferrugineum segmentis (anlmalis indivisi) 32-49, mediis (con- 
Iractis) quater fere lalioribus quam longis, cirris ani longi- 
giludine segmentorum 8, lobus capitalis transversus ova- 
lis , lobis anticis 2 fronlem excedentibus , basi coniunctis, 
incisura anlica lobo inlermedio cxplela, oculi rubri 4, tra- 
pezii lati instar coUocali , anteriores paulo magis dislantes, 
tcntacula 3 intermedia, filiformia, haud articulata, impar 
longius, longiludine segmenlorum 9 vel plurium, cirri ten- 
taculares eadem fere longitudine; cirri dorsuales 
pinnarum ul ani haud articulali, lalitudinem corporis aequan- 
tes, c. segmcnti 2di longiores, ventrales nuUi , labia tu- 
berculi setigeri obtusa , tumidula , superius inferiore paulo 
longius, sclae falcigerae falce brevissima , 10-nae vcl 
plures. 

Länge 2 (bis 6} Lin., Breite etwa 0,8 Lin. 

Ein von mir bei Villa franca gefundenes Exemplar passt 
in der Hauptsache zu den Beschreibungen von 0. Fr. Mül- 
ler und Johnston *). Vor kurzem hat auch Krohn'"""") 
diese Art bei Gelegenheit sehr interessanter Millheilungen 
über ihre Vermehrung beschrieben und einiges angeführt, was 
mit meinen Beobachtungen nicht ganz übereinstimmt. So sagt 
er, dass bei Aulolylus die beiden breiten löfTelartig ausgehöhl- 
ten Stirnlappen derSylliden fehlen: dies scheint mir nur in- 
sofern richtig, als sie hier nicht so ausgebildet auftreten, 
und nicht über den Mund zusammengeschlagen werden kön- 
nen, doch sehe ich eine Andeutung derselben in der Partie, 
welche die Slirn des eigentlichen Kopflappens überragt. DiesQ 



Ann. of nal. bist. Vol. XV. 1845. pl. IX. Fig. 4, 
•) Wiegln. Arch. 185;2. I. p. 67. 



106 Grube: 

zeigt drei clurcli eine millcn eingcknickle Furche abgesetzte, 
am Vorderrande selbst aber nur wenig gelrennte Theile oder 
Lappen, von denen die seitlichen am Grunde (vor der Slirn) 
verschmolzenen, nach meiner Ansicht, den Slirnlappen von 
Syllis enlsprechen, der mittlere, der den zwischen ihnen be- 
findlichen Einschnitt ausfüllt, zeigt sich ebenfalls bei mehre- 
ren Syllisarten deutlich nur mit dem Unterschiede, dass ihn 
die seitlichen Stirnlappen an Länge bei weitem übertreffen, 
"Während sie bei AiitoJyhis proUfera ziemlich mit ihm ab- 
schneiden. Krohn hebt ferner hervor, dass der Anhang 
der Sichelborsten sehr kurz sei und in drei Zacken auslaufe, 
das erstere finde ich auch , sehe jedoch nur eine einfache 
Spitze an ihm, sollte dies vielleicht wechseln? Ueber die 
Länge der Fühler und Fühlercirren lässt sich Krohn nicht 
näher aus , bei meinem Exemplare stimmen beide mit der 
Müller'schen Abbildung überein, erstere sind wenig länger 
als der Kopflappen mit seinem Slirnanhang. Johns ton stellt 
sie sehr viel länger dar, so dass z. 13. der unpaare Fühler 
ausgestreckt wenigstens die Länge von 9 Segmenten haben 
müsste, doch ist die Figur vielleicht nicht ganz genau, da 
sie auch z. B. nicht 7 sondern 8 fühlerarlige Anhänge zeigt. 
Nach Johns ton sind ferner Fühler und Fühlercirren mit 
Flimmerepithelium bekleidet, welches nach Frey's und Leu- 
ckart's Meinung nur jüngeren nicht völlig enlwickellcn In- 
dividuen zukommt, und doch hat Johns ton's Figur gegen 
50 Segmente' und misst mehr als '^ Zoll in der Länge ohne 
Prolificalion zu zeigen. Mein Exemplar besass ebenfalls, ohne 
Spuren von Tlicihing zu verralhen, 49 Segmenle bei einer 
Länge von noch nicht 3 Lin. ; das letztere Maass stimmt mit 
der Angabe von Krohn überein. 

lieucoclore Johnsl. 

Corpus filiforme, subleres, pellucidum, uno (5to) se- 
gmento anteriorum longitudine maiore et armalura a celeris 
,'differente, postremo acelabuli vel infundibuli instar dilatato; 
Jobus capitalis segmento buccali impressus , oblongus, 
fronte prominula, oculorum paribus 2 vel nullis; cirri ten- 
taculares 2 vertici segmenti buccalis iuxta oculos affixi, 
:lono[issimi, sulco cxarati; os edcnlulum; lubercul a scli- 



Bcshreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 107 

gera ulrinque dislicha, selae superiores capillares, fa- 
sciculum minulum componcnles, inferiores uncini, seric 
transversa collocati, branchiae anguslae, foliaceae, dor- 
suales marginales, segmentorum posteriorum nullae. 
L. ciliata Johnst. Var. minula Gr. 

Corpus filiforme, flavescens, dorso piano, vcntre for- 
nicato, segnientis fere 56, tcr vel qualer lalioribus quam 
longis, poslremo in acctabulum interdum pauIo bi-vel trilo- 
bum exeunte; lobus capilalis qulnquies fere longior 
quam latus, fronte leviler biloba , oculis figura quadrala col- 
localis, cirri lentaculares longissimi, (coniracli) cras- 
siludinem lobi capilalis supcrantes , longitudine segmenlorum 
5 vel 6, sulco exarati^ ut parles ad os et anum sitae dorsi- 
que anterioris ciliis vibrantibiis obsiti , setae superiores 
capillares a latore protenlae, tenuissimae, inferiores un- 
cini 5 -ni, Serie transversa collocati, a lalere desirendentes 
apice bidente, lale limbalo; branchiae lingulalae vel ob- 
longae ciliis longis vibranlibus obsilae, medium corpus ver- 
sus longitudine crcscentes, inflexae lineam dorsi mediam vix 
allingcntes, a seginento 38vo desideralae; segm en tuni. ötunn 
ceteris dimidio longius, brancliiis nullis, pro luberculis d'i- 
slichis pectine ulrinque 1 a margine dorsi oblique descen-. 
dcntc vcl pacne horizonfali setarum forliorum armalum, se- 
tae 5-nae ceteris magis prominentes, rectae, apice aculo» 
paulo uncinalo, capillaribus lenuissimis adiunclis. 

Länge etwas über 3 Lin. bei meinen Exemplaren, 6 — S- 
Lin. nach Johns ton und erst ed. 

Johnsion fand diese Annclide in den mit Schlamm 
erfüllten Spalten der Klippen unterhalb der Fluthmarke der Eng- 
lischen, Oersted in Sandgrund an der Dänischen Küste, ich 
auf der mit Tangen bewachsenen Oberfläche der Kreideklip- 
pen bei Dieppe , die sie ganz durchwühlt halle. Das dünne 
conlraclile rolhe Rückengefass schimmerte deutlich durch, es 
verlief geschlängelt und theille sich gabiig hinter den Au- 
gen, auch jeden Fühlercirrus schien ein Gefäss zu durchzie- 
hen. Die Flimmercilien an den Kiemen sind ansehnlich lang 
aber nicht die einzigen, welche vorkommen. Auch am Mundo 
und After und in Querslreifen auf den vordem Segmcnleß 
sehe ich dculliche Flimmerbewegung. 



108 Grube: 

Der Unterschied in der Grössenangabc zwischen John- 
slon '"'), Oersted und mir lässt, da ich alle Exemplare 
so klein fand, vermiilhen, dass die von mir beschriebene An- 
nelide, wenigstens eine Varieiät, wenn nicht eine von L. cj- 
liata verschiedene Art ist, Johns ton schweigt über die 
Zahl der Borsten des abweichend bewaffneten 5ten Segments, 
Oersted^'*) giebt sie auf 11— 12 an, Johnston's Abbil- 
dung zeigt 7, möglich, dass sich ihre Zahl mit dem Wachs- 
thume des Körpers vergrössert. Johnston nennt sie aus- 
drücklich stumpf, ich fand sie zugespitzt und mit äusserst 
feinen Haarborsten zusammengestellt, welche bei weitem mehr 
über sie hinausragen alsOersted's Figur darstellt, John- 
slon erwähnt ihrer gar nicht. Was die andern Segmente 
betrifft, so sagt er, sie seien versehen mit einem mamiliary 
foot armed with 5 or 6 sharp slighlly curved brislles of une- 
qual lengths , under this a bündle of much smaller brislles 
(crolchels?) with a small conical cirrus with a slill more 
ventral position. Bei meinen Leucodoren waren diese klei- 
neren aber stärkeren Hakenborsten deutlich in eine Quer- 
reihe gestellt, und zeigten eine Form wie sie in der Familie 
der Euniceen vorzukommen pflegt, nämlich eine in einen 
scharfgekrümmten Doppelhaken auslaufende , aber ringsum 
von einem ganzrandigen Saume umgebene Spitze. Endlich 
sahen dieFühlercirren meiner Exemplare auch im Leben merk- 
lich dicker, stumpfer und kürzer als in Johnston's und 
Oersted's Figuren aus, in denen sie etwa die Länge von 
IS^Sogmenten haben. Uebrigens erschien auch der Stirnrand 
des Kopflappens nicht immer deutlich in der Mitte eingekerbt. 
Das Endstück des Darms war immer in sehr lebhafter Be- 
wegung begriffen, so dass seine Wände fortwährend schnelle 
Wellenbiegungen ausführten. 

Heterocirrus Gr. 

ersQog zweierlei, xi'()()og Faden. 
Corpus vermiforme, subteres, appendicibus poslicis 



*) Mag. of. Zool. and bot. Vol. H. 1838. p. Ö7. 
*-•} Annal. Danic. Con^p. Fase, l. p. 39. Fig. 31. 96. 104. 



Beschreibungen neuer oder wenig l)ekar.ntcr Anneliden. 109 

iiullis; lobus capitalis Iriangulus , rolundalus tcnlaculis 
oculisvc nullis, scg-mcnlum buccale breve, selis nudum, 
cirris tenlacularibus dorsualibus 2 filisque branchialibus 2 mu- 
nilum, pharynx exsertilis haud visa; tubercula se- 
il gera ulrinque dislicha^ minima, cirris labiisve nullis, se- 
tac simpliccs, partim caplllares partim brcves crassiores, 
paulo uncinalae; bra n chia e filiformes dorsualcs laterales 
in anlcrioribus lanlum segmenlis exsistenles. 

Ich stelle diese Gattung in die Familie der Ariciea zwi- 
schen Spio und Cirratulus. 

H. saxicola Gr. 

Corpus vermlforme, subleres, parte postrema dcpressa 
anle extremilalem dilatata, subflavum, vasis sanguineis rubris 
perlucenlibus interdum nigricans, scgmentis 48 — 64, mediis 
paene aeque lalis ac longis, anteriorlbus 3 brevissimis, po- 
slerioribus ter qualerve latioribus quam longis; lobus ca- 
pitalis triangulus rolundatus aequilaterus , tentaculis ocu- 
lisvc nullis, segmentum buccale eo paulo lalius, bre- 
vissimum , cum proximis 2 longitudinem 4ti adaequans, setis 
nudum , ulrinque cirro dorsuali filoque branchiali 1 albidis 
munilum, cirri tentaculares crassi, sulco exarati mar- 
ginibus tumidis , ciliis vibranlibus, longiludine segmentorum 
10 vel longiores, plerumque in spiram adscendentem contorti, 
fila branchialia teretia, breviora , triente tenuiora , pro- 
xime iuxta et infra ea exsistenlia, pharynx exsertilis 
haud visa , segmentum 2dum et 3ium filo branchiali ulrinque 
1 instructa, longitudinem segmentorum 6 — 8 aequanlibus, pari 
primo longioribus; tubercula setigera ulrinque dislicha, 
non ita distantia , minima, setae albidae, segmentorum an- 
teriorum a 2do usque ad 9num capillarcs latiludine corporis 
paulo longiores, ad 15-nas, posteriorum crassiores^ brevis- 
simae, leniter uncinalae, pectinis instar collocalae, supcrio- 
res 2-nae cum singulis capillaribus^ longioribus, inferiores 
3-nae ad 5-nas. 

Länge 4,7 Lin. bei einer grössten Breite von kaum 0,5 
Lin. bis zu einer Länge von 1 Zoll, mit einer grössten Breite 
von 0,7 Lin. , diese nicht weil vom Hintcrende und in der 
Mitle des Körpers. 



110 Grube: 

Von mir bei Villa franca enldeckt. Das grössere Ex- 
ctnplar sass in einem engen , seinem Leibe enisprechenden, 
^vahrscheinlich von ihm selbst ausgehöhlten Kanal in einem 
auf dem Boden des Meeres liegenden Kalksteinblock von 
grosser Festigkeit. Alle 8 Fäden, sowohl die, die ich als 
Fühlercirren ansehe, als die von mir für Kiemen gehaltenen, 
sonderten vielen Schleim ab, und hafteten slark an anderen 
Körpern, sogar an glatten Slahlnadeln. Die Borslenbündel 
jeder Seite standen kaum um mehr als ihre Breite aus ein- 
ander. Das Thier schien sehr träge. 

Vielleicht gehört, wenn nicht zu derselben Gatlung, so 
doch in ihre Nähe , Liimbriciis clrralulus delle Chiaic '•^). 

Cirratuliss Lam. 

C. Blainvillii (Cirrinereis filigerus Bl.). 

Grube Farn, der Annelid. p. GS. 

Corpus vermiforme, semitcres, pallide carncum^ se- 
gmenlis c. 90, anferioribus 15 brevissimis ; lobus capita- 
lis minus acuminatus quam obtusus, fila branchialia in 
nullo segmento seriem transversam componentia, a 3io inci- 
pientia, in proximis brevia, in celeris longiora , ulrinque 1, 
nee vero in omnibus visa , segmentis nudis in posteriore 
corpore 5- nis veI6-nis interiectis; setae superiores 
capillares, fasciculis minutissimis, inferiores uncini. 5-ni, 
pcctinatim coliocali, posteriores 3-ni vel 4-ni. 

Länge 1 Zoll, grösste Breite 0,75 Lin. 

Das einzige Weingeistexcmplar, das mir vorliegt, slammt 
aus dem Meere bei Triest. Dasselbe Thier hat wahrschein- 
lich delle Chiaie '"*") unter dem Namen Lumbricus fili- 
gerus abgebildet. 

jtonis Sav. 

A. vittata Gr. 
Corpus vermiforme, paulo depressum , latiusculum, 
parle postica supra et subtus fornicata , colore carneo , se- 

*) Mem. Vol. IV. p. 177. tab. LXIV. Fig. 16. 20. 21. 
**j Mem. Vol. III. tab. XLV. Fig. 1. 4. Vgl. p. 171. 178. 



Besclircibungcn neuer oder ^Y(n!g bckannlcr Anneliden. 111 

gmenlis c. 109, scxics lalioribus quam longis, villis angustis- 
siinis pallidioribus 2 ad confinia notalis; lobus capilalis 
subquadrangulus, scgniento buccali impressus, fronte Irun- 
cata, tcnlaciilo poslico brevi subulato; segmcnlum buc- 
calo niidiirn; lubercula seligcra ulrinque disticlia, la- 
Liis mcmbranaceis bumilibus scmiovalibus duplicibus, poste- 
riore superiorum in branchiam transeunle, anterioruin siipe- 
riorc el inferiore tacnia inlcr se coniunclis, selae aequa- 
les capillarcs lenitcr curvalac sericbus pluribus Iransversis 
collocatae, Jabiis vix minus prominentes; branchiae iingu- 
lalae, anguslissimae, initio maximam dorsi partcm nudam lin- 
quentes, margine externo crispo scu crcnulato, a sognicnto 
5Svo cirriformes , laeves , in dorsum inclinatae, longiludine 
sensim crescentes, versus segmcnlum 70num sese tangentes, 
poslca decrcscentes, postremum versus nullae. 

Länge 2 Zoll 8 Lin., Breite mit den Borsten 4 Liii. 

Das einzige Exemplar, das ich zu untersuchen Gele- 
genheit halte, gehört dem Berliner Museum , in dem es als 
Spio foUosa bezeichnet war. Da jedoch diese Annelide keine 
Spio, sondern eine Aonis, und so viel man aus der Beschrei- 
bung der Aojiis foUosa Aud. et Edw. entnehmen kann '"'3, 
von dieser verschieden ist, war es erforderlich, auch den 
Speciesnamen zu ändern. Der Hauptunterschied liegt in der 
Beschaffenheit der Kiemen , welche bei A. foliosa beinahe 
lanzettförmig zugespitzt sind, und gleich anfangs den gröss- 
ten Theil des Rückens bedecken. Auch ist dort von kei- 
nen queren Rückenbinden die Rede. Der Rüssel unseres 
Exemplares war etwas hervorgestreckt, und die vordere Grenze 
des Mundsegments nicht sicher erkennbar. 

Anmerkung über Ä07iis Wagneri. Bei dieser Ge- 
legenheit muss ich mir eine Bemerkung über den Bau des 
Kopftheils von Aonis }]'agneri erlauben, an velchem R. Leu- 
ckart *"**"*) den unpaarigen Fühler vermisste, denAudouin 
und Edwards als charakteristisch für die Gattung angeben. 
Professor Leuckart war so gütig, mir ein Exemplar seiner 



-"■) Ann. des scienc. uat. 1. ser. Tom. XXIX. p. 402. pl. XVIIL 
Fig. 9— 13. 

**) Frey und L euckart Beitr. p. 156. pl. II. Fig. 4— 6. 



112 Grube: 

Aonis initzulheilcn , und idi muss nach sorgfälligcr Unler- 
suchung desselben ganz in Abrede stellen, dass das Thicr zu 
dieser Gattung gehört. Die beiden seitlichen fülilerartigen 
Spitzen, in welche die Stirn ausläuft, finden sich bei den 
beiden andern Arten dieses Genus nicht und erinnern an 
Spio, namentlich an Sp. crenalicornis Mont. , ich entdeckte 
aber' auch noch auf der linken Seite einen in ein paar enge 
Windungen aufgerollten Fühlercirrus, wie er gerade bei Spio 
vorkommt. Er sass unmittelbar neben dem hintern Auge, 
bedeckte einen Theil des Kopflappens und Mundsegments, 
zeigte eine tiefe Längsfurchc und endete in eine einfache 
fadenförmige Spitze. Hiernach muss ich Aonis Wagneri für 
eine Spio halten und möchte sie am ersten eben für Sp. cre- 
naiicornis ansehen, doch fehlten ihr die gekerbten Furchen- 
ränder der Fühlercirren, von denen letzlere den Namen trägt, 
die aber vielleicht auch veränderlich und darum nicht von 
speclfischem VVerlhe sind. 

Aricia. Sav. 

Ä, laevigata Gr. 

Aricia Lalreillii Aud. et Edw. Grube Act. Echin. Wurm. 
^cs Mittelm. p. (39. 

Corpus vermiforme, utrinque acuminalum, ex flavido 
carneum, lineolis transversis nigris, segmenlis 209 — 250 brc- 
vissimis quinquies fere latioribus quam longis, sectionis an- 
terioris depressis, supra anguslioiibus quam subtus , sectionis 
posterioris supra planis, plica transversa ornatis, subtus ma- 
xime fornicalis; lobus capilalis semiovalis, fronte latius 
rotundata, tentaculis oculisve nullis, tubercula setiger a 
sectionis anterioris superiora dorsualia, labio obli- 
que lanceolato, quam branchia longiorC;, demum ei aequali, 
setis paucis capillaribus apice crenulatis, aciculis 2, latera- 
lia haud longe decurrenlia, labio alto margine integro, supra 
in angulum acutum exeunte subtus rotundato, setis similibus 
brevioribus aciculis numerosis , serie multiplici collocatis, 
scopulam imitanlibus, tubercula setigera sectionis 
posterioris dorsualia, parva, interiora labio cirriformi 
longiore, exteriora brevissimo, papillae simili, cirro inter- 
medio nullo j branchiae cirriformes a Hnea dorsi media 



i 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 113 

remotae , sectionis anterioris luberculis sctigeris proximae, 
labio minores vel ei aequales, seclionis posterioris mullo lon- 
giores, sese tangentes, dimidiam dorsi latitudinein cxcedoii- 
tes, in segmentis anterloribus 5 desideratae: mutatio tu- 
berculorum setigeroriun ^2/^^ vel ^3/^^^ 

Länge 1 Zoll 6 Lin. bis 2 Z. 3 Lin. , Breite an den 
vordem Segmenten 1,4 Lin. mit den Borsten. 

Mit Unrecht habe ich diese Annelide in der oben ci- 
tirten Schrift auf A. LatreiUü Aud. et Edvv. bezogen, welche 
der A. Cuvieri sehr ähnlich sein soll*-), also wohl auch, da 
dies nicht ausdrücklich ausgenommen ist, an den untern Bor- 
slenbündeln der vordem Leibesabtheilung gezackte Lippenblät- 
ter haben muss. Dies ist um so sicherer vorauszusetzen, da 
Audouin und Edwards diese F'orm der Lippenblälter in 
die Beschreibung der Gattung aufgenommen, was ich damals 
übersehen. Unsere Art dagegen besitzt ganzrandige Lippen- 
blätter, die Stelle des Borstenwechsels ferner ist bei ihr sehr 
constant am 22sten und 23sten oder 23sten und 24sten Bor- 
stenbündel, und rückt nie bis zum29sten, welches Audouin 
und Edwards für ihre A. Latreillii angeben. Auch finde 
ich den Kopflappen unserer Art nicht sowohl spitz als stumpf 
gerundet und die Kiemen weit von der Mittellinie des Rük- 
kens abstehend. Ich habe bei meinem letzten Aufenthalte in 
Nizza auch ein Exemplar der A. laevigata erhalten; es war 
nicht vollständig, jedenfalls aber noch jung, da das vorhan- 
dene Körperstück 55 Segmente umfassend nur 6 Lin. in der 
Länge und etwa % Lin. in der Breite mass. Die vordem 
Segmente waren gelbröthlich, die mittleren etwas blässer, und 
trugen auf ihrem Rücken einen vordem und hintern schwärz- 
lichen Querstrich und dazwischen jederseils eine lorgnetten- 
arlige schwärzliche Zeichnung, welche mit der der andern 
Seite durch eine Binde vereint zu sein pflegte. Die hinter- 
sten Segmente waren ganz blassgelb. 

Clytie Gr. 

Clyüe Namen einer Meernymphe. 
Corpus vermiformO;, lobus capitalis triangulus, fronte 



«) Ann. des scienc. nat. \. Ser. Tom. XXIX. p. 398. 
Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 8 



114 Grube: 

producta, oculis 4 serie transversa collocatis, tenlaculis nul- 
lis,segmenlum buccaie sulco niillo ab eo disiunctuin, 
ceteris simile, pharynx exserlilis haud visa, fasciculi se- 
tarum ulrinque distichi, aequales, labiis nullis ; setae sim- 
plices, capillares; branchiae dorsuales foliaceae, vel lin- 
gulatae, ciliatae. 

Diese Gattung- ist am nächsten mit Aonis verwandt, es 
fehlen ihr aber die ahnsehnlichen Lippenblätler an den Bor- 
stenbündeln, und der Kopflappen, statt zurückzutreten und sich 
nach hinten in das Mundsegment mehr oder minder einzu- 
keilen, ragt frei hervor, geht ohne Grenze in letzteres über 
und trägt Augen, die dort fehlen. 

Cl. Simplex Gr. 

Corpus vermiforme, dorso complanato; segmenlis 62, 
anterioribus 19 flavis, ter fere latioribus quam longis, cete- 
ris fuscis, intestino crasso perlucente, longioribus, cirris ani 
nullis: lobus capitalis albus, triangulus fronte producta, 
oculis 4 parvis nigris , serie transversa collocatis, posticis, 
mediis minimis, segmentum buccaie sulco anteriore nullo 
disiunclum , segmentis ceteris simile, pharynx exserlilis haud 
Visa; fasciculi setarum utrinque distichi, labiis nullis, 
ne tuberculis quidem inserli, flabellatim expansi, setae sim- 
plices, capillares, leniter curvatae, tenerrimae, albae, sericeae; 
branchiae lingulatae, apice latiore obtuso, dorsum versus 
curvatae, iuxta fasciculum superiorum affixae, ciliis vibranti- 
tus obsitae, in omnibus segmentis obviae, in buccali minores. 

Länge 7 Lin. 

Mir begegnete diese kleine Annelide bei Villa franca. 
Durch die Wandung des Leibes hindurch konnte ich ein ro- 
Ihes coniractiles Rückengefäss mit paarigen Aesten erkennen, 
der Nervenstrang schien ganz von einem Gefäss umgeben. 
Die mit Flimmercilien besetzten Kiemen bewegten sich ein 
wenig seillich, wie in leichter Zuckung, und Hessen ein Blut- 
gefäss längs ihrem Innenrande erkennen. 

Clymene Sav. 

67. sp atulata Gr. 
Corpus vermiforme subteres, posleriora versus leni- 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 115 

ter altenuatum, segmentis 22, setigeris 20, 2ilo, 3io, 4lo ae- 
que longis ac latis, vel pauIo latioribus, longitudine seqiien- 
tium sensim crescente, I6ta, 17ma, I8va ter fere longioribus 
quam latis, longissimis, posteriora versus tumidis , 20mo et 
21mo brevibus latioribus quam longis; segmentum buc- 
cale ut postremum setis nudum, paulo longius quam lalum, 
cum lobo capitali coalitum, ad basin sulcis oblique cruciatis 
dislinclum, lamina fro ntal i s valde inclinata ovalis, longior 
quam lata , limbis integris , margine fronlali obtuse trilobo, 
sulcis 2 a fronte orientibus posteriora versus ultra mediam la- 
minam adscendentibus; fasciculi setarum capilla- 
rium et tori uncini geri in segmentis anlerioribus 6 prope 
marginem anteriorem, ab 8vo usque ad 19num prope poste- 
riorem exsistentes, inilio ulrinque inter se dislantes, minulis- 
simi, ab 8vo sese tangentes, ilü longiores hi laliores; setae 
capillares anguslissime limbatae, uncini longi , rostrati, 
verlice rostri 4-serrulato , selula lineari repanda sub rostro 
prodeunte, segmentum postremum in spatulam fornica- 
tam exiens, spatula minus longa quam alta, supra cava, sub- 
lus paulo sinuata, postice producta. 

Länge etwa 5 Zoll 7 Lin., grösste Breite am 6ten Seg- 
ment etwas über 2 Lin. 

Ich besitze von dieser Clymene, die ich der Güte des 
H. Prof. Eschricht verdanke, drei Stücke, die, wenn auch 
nicht demselben Exemplar angehörig, doch soweit man aus 
der Vergleichung der Länge und Form der Segmente und 
der Stelle, an der ihre Borsten sitzen, schliessen kann, sich 
so ergänzen, dass 22 Segmente herauskommen. Hiernach ist 
die obige Beschreibung zu beurtheilen. 

Terebella L. (s. str. Sav.) 

T. 7iebulosa Mont. 
Corpus vermiforme, antice inflalum, aurantlacum vel 
laterilium albo raaculatum , segmentis 70 vel pluribus paene 
aeque brevibus, scclionis anterioris scuto ventrali lateritio 
munilis; tentacula rubra plus 30, dimidio corporis lon- 
giora, segmentum buccale album, pone tentacula vitta 
punctorum nigrorum ornalum, s. 3ium et 4tuin sub branchia 



iiö 



Grube*. 



lobulo vcrticali (toro haud uncinigero) limbatum, scuta ven- 
tralia 14 ad 17, brevia, lala, toros uncinigeros atlingentia, 
laliludine a 3io utrinque decrcscente, a 7rno usque ad 13iurn 
aequali, fasciculi setariirn capillarium utrinque 17, 
in segmenlo 4to incipientes, tori uneiniger! in 5lo, la- 
liludine usque ad 20muin aucla, ceteri parvi in pinnulas bre- 
ves crassas mulali, ad marginem corporis inferiorem inserli; 
branchiae validae, rubrae, segmenlo 2do, 3io, 4lo affixae' 
ramosae inaequaliter dicholomae, ramis primi et secundi or- 
dinis et stirpc primae longioribus, ramulis brevibus, bran- 
chia media anteriore multo minor et humilior, posteriore ma- 
ior anterior laliludinem corporis longe superans. 

Länge 2,5 Zoll ohne Fühler, 4 Zoll und darüber mit 
ihnen. 

Bei Villa franca nicht selten unter Steinen am Ufer. 

Meine Beschreibung stimmt mehr mit den Angaben von 
Milne Edwards als von Montagu überein -"}. Mon- 
te gu, der diese Terebella an der Küste von Devon fand und 
ihre Länge auf ö bis 7 Zoll angiebt, sagt gar nichts von den 
Verhältnissen der Bauchplatten, welche die Abbildung so 
schmal darstellt, dass sie die ebenfalls schmalen Wülste" der 
Hakenborsten nicht erreichen ; auch entspricht die Art und 
Weise der Kiemenverästelung nicht der von M i 1 n e E d w a r d s 
dargeslelllen und von mir an vielen Individuen beobachteten, 
da diese Organe bei M o nta gu mehr staudenförmig gezeich- 
net sind. Sollte es vielleicht zwei Arten ziegelrolher, weiss- 
gefleckter Terebellen mit 3 Paar verästelleten Kiemen geben, 
oder ist die Montagu'sche Figur unrichtig? 
T lutea Risso. 

T. lutea Risso Hist. nat. des product. princ. de l'Eur. 
merid. Tom. IV. p. 409. 

Corpus vermiforme, antice paulo inflalum, colore ci- 
treo, segmenlis plus 26, poslerioribus vix longioribus, Iriente 
anguslioribus quam anterioribus; lentacula plus 15, lon- 
gissima longitudine segraentorum 26 flava; segmentum 

*) Linn. Transact. Vol.XlI. p.341. tab. XI. (Chciiii Bibl. con- 
chyl. Linn. Transact. p. 266. pl. XXIII. Fig. 2.) 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 117 

b II c c a 1 e pone ea serie duplici transversa punctulorum ni- 
grorum oniatum, scuta ventralia 16, toris iincinigeris 
laliora, ea allingentia, fasciculi setarumcapillarium 
tenues, iilrinque 16, in segmenlo 4to, tori uneiniger! in 
eodem incipienles, pone iQinuni in pinnulas minutas nodu- 
losve triangulos laterales mulali; branchiae segmento 2do, 
3io, 4lo insidentes, sanguineac, ramosae, dicholomae , stirpe 
brevissima, ramis paiicis^ aequaliter ramulosis, ramulis parcis 
brevibus;, prima maior, lalitiidine segmenti sui paulo longior, 
postreina minima bifurca, ramo utroqiie bifurco. 

Länge des vorhandenen Bruchstücks mit den Fühlern 
nur 5 Lin. 

Gefunden bei Villa franca. 

T. V iminalis Gr. 

Corpus vermiforme, antice paulo tumidum, pallide ro- 
seum vel carneum, segmenlis77, anlerioribus et mediis paene 
aeque brevibus , posterioribus brevissimis , tenlacula plus 
30, dimidio corporis aequalia vel longiora, segmenlum 2dum, 
3ium, 4lum sub branchia lobo angustissimo quasi plica hu- 
mili munita, scuta ve ntr a li a seclionis anterioris angusla, 
toris uncinigeris ubique minus lala, ea atlingentia, ad latus 
corporis haud adscendentia ; fasciculi setarum capil- 
larium ulrinque 16, in segmento 5to incipienles ut tori un- 
cinigeri, anteriores horiim latissimi , laliludine a segmento 
18vo ad 28vum valde decrescenle, ceteri parvi, ad margi- 
nem ventralem affixi, deorsum spectantes, sulco ventris lon- 
gitudinali prcfundo intermedio; branchiae rubrae, debiles, 
segmenlo 2do,, 3io, 4(o affixae, ramosae, dicliotomae, stirpe 
ramisque primi et secundi ordinis brevibus., ramulis longis 
viminalibus, fasciculum referentes, br. media anteriore minor, 
posteriore maior. 

Länge l Zoll 9 Lin. ohne die Fühler bis 2 Zoll 4,5 
Lin., mit ihnen bis 3 Zoll 7 Lin. und darüber. 

Von Grohmann gesammelt bei Palermo, von mir bei 
Triest gefunden. 

Der Zwischenraum zwischen den aufeinander folgenden 
Wülsten der Hakenborsten ist noch nicht so gross wie ihre 
Länge (in der Richtung von vorn nach hinten) oder doch 



118 Grube: 

höchstens ebenso gross. Die Art der Kiemenverzweigung 
unlerscheidel diese Specics auf den ersten Bliclv ebenso von 
T. Medusa Sav. (der Figur nach zu urtheilen), wie von T. 
nebulosa , sie bildet zu der letzteren gerade das Gegentheil, 
indem bei T. viminaHs die Aeste erster und zweiter Ordnung 
und der Stamm der Isten Kieme lang, die Zweige kurz sind, 
hier aber jene durch ihre Kürze, diese durch ihre Länge 
auffallen; auch sind die Kiemen der T. virninalis, bei gleicher 
Grösse der Exemplare, viel zarter und der Grössenunterschied 
zwischen der vordersten und hintersten nicht so bedeutend 
als bei T. nebulosa. Die im Leben wellenförmig gebogenen 
Zweige verkürzen sich durch Contraction und strecken sich 
dann im nächsten Moment wieder aus , zuweilen contrahirt 
sich auch das ganze Bäumchen gleichzeitig. Von den Mon- 
tagu'schen Terebellen passt keine einzige Beschreibung auf 
diese Art. 

T. triserialis Gr, 

Corpus vermiforme, antice tumidum , ex griseo car- 
neum, tuberculis setigeris scutisque venlralibus albidis, seg- 
mentis plus 39 fere aeque brevibus, tentacula alba, lon- 
gitudine fere corporis , segmentum 2dum et 3ium utrinque 
plica brevissima, subtus cum altera confluente scuta ven- 
tral! a lö, minus distincta, toros uncinigeros atlingentia, iis 
latiora , posterioribus exceptis, a 7mo sulco longitudinali di- 
visa, fasciculi setarum capillarium utrinque 29 ad 
31, iam in segmento 3io, tori uneiniger! in 5to incipien- 
tes , hi minus distincti , serie uncinoruni longo descendente, 
inter scuta ventralia intrante; braucht ae segmento 2do, 
3io, 4to insidentes, series transversas fdorum simplicium ex- 
hibentes, fila l4-na, tentaculis triplo tenuiora et breviora. 

Länge eines Individuums mit ganz kurzem reproducir- 
ten Schwanzende und 31 ausgebildeten Segmenten 1 Zoll ohne, 
2 Zoll mit den Fühlern oder etwas darüber. Breite im Wein- 
geist , 1,5 Lin. Ein zweites Exemplar hatte 39 Segmente, 
war aber nicht vollständig. 

Von Grohmann dem zoologischen Museum der Peters- 
burger Akademie aus Sicilien eingesandt, von mir lebend bei 
Villa franca beobachtet. Diese Art erinnert durch die ein- 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 1 19 

fache Fadenform der Kiemen an T. cirrata 0. Fr. Müll.; al- 
lein bei jener treten die Fäden quastenartig aus einem Punkt 
hervor , bei unserer Art dagegen stehen sie neben einander 
und bilden eine zusammenhängende, nicht einmal in der Mitte 
unterbrochene, Querreihe. 

T. cor allina Gr. 

Corpus gracile colore corallinO;,segmentis plus 60, an- 
terioribus brevissimis, mediis triplo, posterioribus duplo lon- 
gioribus, scuta ventralia 12, latitudine longe vix decre- 
scentia, anteriora loris uncinigeris aequalia, postrema multo 
angustiora; tentacula albida pauca (1^)? fasciculi se- 
tarum capillarium per totam longitudinem corporis pa- 
tentes, in segmento 4lo, tori uneiniger! in 5to incipien- 
tes, hi ovales, haud longe descendentes, scuta attingentes, a 
segmento 20mo humiles , nodulis similes, vix paulo longius 
prominentes; branchiae segmento 2do et 3io insidentes, 
sanguineae, arborescentes, stirpe tenui ramis nuda , altiore, 
ramis fastigii spissis brevibus dichotomis. 

Länge des Exemplars in Weingeist etwa 7,5 Lin. ohne die 
gegen 4 Lin langen Kiemen, grössle Breite des sehr schlan- 
ken Körpers vorn fast ^/^ Lin., in der hintern Leibeshälfte 
nur % Lin. 

Ich habe von dieser Art nur ein einziges Exemplar und 
zwar lebend von Villa franca her erhalten. Der schlanke Leib 
zeigte vorn keine Anschwellung, das dünne Hinterende war 
wie bei einem Vermetus spiralig eingerollt , die Vorderseg- 
mente ohne seitliche Lappen. Von den Fühlern waren nur 
14 erhalten und diese kurz. Von allen Terebellen mit zwei 
Paar Kiemen, deren Haarborsten bis zum Ende des Leibes 
gehen, ähnelt unserer Art am meisten die ebenfalls schlanke 
Amphitrite Tondi delle Chiaie ■»"'), deren Abbildung aber von 
Grunde aus verästelte Kiemenstämmchen zeigt, auch soll der 
Leib pistaciengrün, Kiemen und Fühler, von denen 5 abgebil- 
det sind, gelb gefärbt sein. Terebella Scylla Sav. , ebenfalls 
eine kleine Art, deren Körpergestalt jedoch nicht näher be- 



JUcraor. Yol.m. p. 169. tab. XLV. Fig. 2. 



120 Grube: 

schrieben ist, soll auch von Grund aus verästelte Kiemen ha- 
ben und Fühler, die auf zwei Lappen sitzen. 

T. pectinata Gr. 

Corpus vermiforme, antice paulo inflalum, colorc pal- 
lide carneo, segmcntis plus 41, mediis et posterioribus duplo 
longioribus quam latis, tentacula plus 11, longiludine seg- 
mentorum 13 et breviora, sc Uta ventralia 14, media du- 
plo laliora quam longa, anteriora brevissima, toros uncinige- 
ros atlingentia; fasciculi setarum capillarium mi- 
muti, a 3io segmento in omnibus visi , tori uncinigeri 
in 4lo incipientes, anteriores latitudine scutorum vel latiores, 
segmentum 15tum versus et porro angustiores, usque ad sul- 
cum ventralem descendenles^ denique omnino ventrales, no- 
dulis similes; branchiae segmento 2do et 3io insidentes, 
latitudine segmenti sui breviores, pectiniformes , slirpe plus 
minus in spiram planiorem involula, ramis secundis simplici- 
bus, apice infimi interdum bidente. 

Länge 1 Zoll, mit den Fühlern 1 Zoll 2,5 Lin. bei ei- 
ner Breite vorn von V^ Lin. , hinten von 1 Lin. und einer 
grössten Dicke von etwa Y^ Lin. , doch war das Exemplar 
nicht vollständig. 

Es stammt aus dem Mittelmeer, ist aber von mir nicht 
lebend beobachtet. Diie auffallende Gestalt der Kiemen wie- 
derholt sich bei keiner mir bekannten Art. 

Polycirnts Gr. 

Corpus vermiforme, antice paulo inflalum, posteriora 
versus sensim attenuatum; lobus capitalis labium semi- 
circulatum, margine dorsoque tentaculis filisque longis volu- 
bilibus (an branchialibus?) obsitum, segmentum buccale 
subtus callo ovali ad os inflexo scutatum, tuberculis seligeris 
munitum, tubercula setig era omnium segmentorum utrin- 
que monosticha anteriorum setas capillares gerentia, posle- 
riorum tori uncinigeri. 

P. Medusa Gr. 
Grube die Famil. der Annelid. p. 137, 82. 
Corpus vermiforme, antice paulo inflalum, posteriora 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 121 

versus sensim aUenualum^ pallide carneum, segmentis 48 vel 
pluribus, subtus quasi torosis, sulco niedio exaratis , duplo 
fere latioribus quam longis, 2do et proximis breviorihus, 
lobus cap ita lis labium magnum semicirculatum, plicis ina- 
gnis longitudinalibus 2 profunde sinuatus, quasi tripartitus, t e n - 
tacula et fila maxime numerosa in margine fronlali et 
pone eum affixa, variae longitudinis, flava, vase rubello per- 
lucente, maxime volubilia, torluosa, saepius cirri vifis instar 
involuta, illa crassiora, sulco infero exarata, usquc ad 6 lln. 
longa, haec teretia paulo crenulata, fenuiora , vix breviora, 
segmentum buccale proximo multo longius, in lobum 
capitalem sensim transiens, toro venlrali piano, medio antice 
paulo excavato, ad os inflexo, producto, s. 2dum brevissimum, 
3ium paulo longius, ut cetera sulco ventrali exarata, tuber- 
cula selas capillares gerentia utrinque monosticha, 
in segmentis anterioribus 11 vel 14 visa, ad marginem ven- 
tralem, anteriora 7 paulo altius exsistentia, nodulo albo inier 
ea marginemque ipsum apparente^ tori uneiniger ia se- 
gmento 15to incipientes, pinnulis similes, uncini breves, ha- 
mati, minimi, seriem simplicem componentes. 

Länge 7 Lin.^ grösste Breite vorn 1 Lin. 

Ein Exemplar war, wie es schien, vollständig — von 
ihm habeich die Masse angegeben; von einem andern, bedeu- 
tend grösseren, sah ich nur 2 Bruchstücke^ 26 Segmente 
umfassend; beide befinden sich in dem zoologischen Museum 
der Petersburger Akademie. Ein drittes, leider nur ein Bruch- 
stück, und zwar einen Vordertheil von 11 Segmenten, be- 
obachtete ich lebend in Nizza, und habe darnach die Fär- 
bung beschrieben, die sich übrigens, was den Leib selbst 
anlangt, im Weingeist nicht so sehr verändert hat. Das letz- 
tere Thierchen war bei Villa franca gefunden, starb aber lei- 
der sehr bald, und färbte dann das Seewasser in dem Glas- 
schälchen, in dem ich es gehalten, blass schwefelgelb. 

Jflyxicola Koch. 

Corpus vermiforme, muciparum, segmentis brevibus, 
(anterioribus exceptis) subtus sulco longitudinali divisis, col- 
lare nullum, os anticum inter 2 branctiiarum penicillossitum ; 
sclac utrinque duplicis gencris , allerae capillares, fascicu- 



122 Grube: 

los ad marginem dorsi componenles, alterae uncini dorsuales 
et ventrales serialim collocati; fila branchialia lamjnis 
basilaribus 2 in gyrum convolutis insidonlia , axem corporis 
longitudinalem sequentia^ barbata, membrana paene usque ad 
apicem coniuncta, filum singulum brevius imberbe. 

M. infundibulum (Mont.) 

Eriographis borealis Gr. Famil. der Annelid. p. 88. 

Corpus brevius vermi forme, subtercs, pallide carneum, 
cute mucipara, ciliis vibranlibus obsila, segmentis 45 ad 49, 
biannulis, poslice serie dorsuali punclorum fuscorum ornalis, 
5-ies fere latioribus quam longis , infra planioribus, a lOmo 
subtus sulco longitudinali divisis, collare nullum^ fasciculi 
setarum capillarium marginales, minimi, saepius solis 
in segmentis anterioribus conspicui, unci ni brevissimi, in Om- 
nibus obvii, vix lente distinguendi , hamali , ulrinque serie 
transversa a dorso ad ventrem descendentes; branchiae 
aequales, \'^ totius longitudinis adaequantes, laminis basilari- 
bus in gyrum involutis penicillum referentes , fila bran- 
chialia utrinque 21 ad 24 aeque longa, ciliis vibrantia^ vio- 
lacea , radiolis distichis rubellis barbata , membrana albida 
usque ad apicem coniuncta^ apice libero brevi, plerumque in 
spirulam involuto, filum singulum imberbe, brevissimum, cla- 
vaeforme propius os situm. 

Länge des grössten Exemplars 2 Zoll, mit den Kiemen 
2 Zoll 6 Lin. , grösste Breite am 7len Segment fast 3 Lin.^ 
am Zehntletzten 1,5 Lin. 

Kommt bei Triest vor, wo ich ein kleines Exemplar von 
7 Lin. Länge und 49 Segmenten lebend zu beobachten Ge- 
legenheit hatte. Es trug jederseits wenigstens 10 Kiemenfä- 
den und sass in einer aus zähem Schleim gebildeten , zum 
Theil frei liegenden Röhre. Durch die Leibeswand hindurch 
schimmerten das schmutzig gelbe Darmrohr und die mit grü- 
nem Blute gefüllten Gefässe, von denen ich ein pulsirendes 
Rücken- und ein der Wandung anliegendes Bauchgefäss un- 
terschied ; ausserdem schien noch ein unteres Darmgefäss vor- 
handen. Aus dem von Herrn Koch in Triest geöffneten Exem- 
plare, dem grössten, das ich dort gesehen, entnehme ich, dass 
der Darmkanal sich durchaus nicht, wie bei den Sabellen, 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 123 

weiterhin in enge Spiralwindungen legt, sondern ein gerade forl- 
laufendes, nur allmählich an Dicke abnehmendes Rohr ist. Der 
NameEriographis borealis, den ich dieser Annelide ursprünglich 
gegeben, muss, weil dies Thier von H. Koch bereits früher 
in dem Renierischen Nachlass beschrieben und Myxicola in- 
fu7idibulum henanni ist, zurückgenommen werden. Koch meint 
nämlich in dieser Annelide die von Montagu entdeckte 
Ampkitrite infundibulum''^'^ wieder zu erkennen ; die Beschrei- 
bung Montagu's ist nicht befriedigend, die Abbildung aber 
passt ganz gut, namentlich zeigt sie die hoch hinauf reichende 
Verbindungshaut der Kiemenfäden und den Mangel des bei 
den Sabellen vorkommenden Halskragens. Unter den von 
Renieri abgebildeten Anneliden des Adriatischen Meeres 
erkennt man wohl dieses Thier in der Trombetta divisame- 
der (Taf. Vill) , doch entspricht die Coloration dem von mir 
gesehenen Exemplar nicht und der Trichter der Kiemenhaut 
erscheint ganz geschlossen. Auch die von delle Chiaie 
abgebildete Sabella infiindibulum **"*), zu welcher leider die 
Beschreibung fehlt, scheint dieselbe Art zu sein. 

F*abricia Blainv. 
F. gracilis Gr. 

Corpus vermiforme, albicans, 12-ies fere longius quam 
latum (sine branchiis), segmentis 28, lobo capitali producto 
nullo, setae capillares apice late limbato, uncini lon- 
giusculi, hamati 4-ni; branchiae minus quam trientem to- 
tius longitudinis aequantes, fila branchialia 10, radiolis disti- 
chis pinnata, apice rhachis plerumque radiolis proximis Ion- 
giore, oculi 4, 2 in segmento buccali, 2 in poslremo, trian- 
gulo rotundato. 

Tractus intestinalis a segmenio 3io usque ad 14tum re- 
ctus, in confiniis coarctalus, inter ea dilatatus, a 14to tenuis- 
simus aequalis leviter serpentinus. Sanguis viridis. 

Länge im contrahirten Zustande etwa 2'/4Lin., mit den 
Kiemen 3 Lin. 



*) Linn. Transact. Vol. IX. p. 209. lab. VII. cop. Chenu Bibl. 
concliyl. Deux. Ser. Tom. I. pl. VIII. Fig.5. 
*') Memor. Vol.IY. tab.LXd. Fig. 5. 



124 Grube: 

Gefunden bei Villa franca. 

Alle Beschreibungen der Fahricia stellaris Blainv. (Tu- 
bularia stellaris 0. Fr. Müll., T. Fabricia Fabr., OthoniaFa^ 
bricii Johnsl.) und Amphicore Sabella Ehrbg. (A. quadri- 
pmictata R. Leuck.) , mögen diese nun identisch sein oder 
nicht, stimmen darin überein, dass bei diesem Thierchen nicht 
mehr als 14 Segmente vorkommen, von denen 12 (oder 11) 
borstentragend, und man entnimmt aus den Abbildungen, dass 
der Leib ohne die Kiemen höchstens 6 bis 8 mal so lang als 
breit, also ziemlich kurz und dick ist, nur das Männchen ist 
von 0. Schmidt schlanker abgebildet, hat aber auch nicht 
mehr Segmente. Bei meiner Annelide finde ich das Verhält- 
niss der Leibeslänge zur Breite etwa wie 12 : 1 und die Zahl 
der Segmente 28, von denen die hintersten freilich sehr kurz 
und schwer unterscheidbar sind. Das Verhältniss der Kie- 
men- zur Leibeslänge etwa 1 : 2Y2 oder 3 und die absolute 
Länge des Thieres differiren weniger von A. Sabella, welche 
nach Schmidt 2 bis 4 Lin. lang wird. Dagegen ist die 
Zahl der Kiemenfäden bei den erstgenannten Fabricien und 
Amphicore nach übereinstimmender Angabe nicht grösser als 
6 und ein dreieckiger, mehr oder weniger vortretender Kopf- 
lappen vorhanden, wogegen ich bei F. gracilis letzteren ver- 
misste und 10 Kiemenfäden fand. Bei A. Sabella wird^ wie 
es scheint, die Spitze der Kiemenfäden nicht länger als die 
obersten Nebenfädchen, bei unserer Art finde ich sie in der Re- 
gel merklich verlängert, sehr dünn und etwas eingekrümmt. 
Am lebenden Thier glaube ich noch 2 ganz kurze ungefiederte 
Fädchen zwischen den Kiemen erkannt zu haben, wie sie 
auch bei A. Sabella angegeben werden, ich kann sie jedoch 
an dem Weingeistexemplar nicht wieder finden; die Beschaf- 
fenheit der beiden schwarzen Augenpunkte auf dem ersten 
und letzten Segmente konnte ich aus Mangel an Zeit nicht 
untersuchen. 

Ueber die Deutung des Vorn und Hinten bei den Fa- 
bricien bin ich mit 0. Schmidt, dem wir die ausführlich- 
ste Beschreibung der A. Sabella verdanken -'>*), nicht einver- 
standen, halle vielmehr mit Ehrenberg und Leuckart 



*) Neue BeHr. zur Nalurgesch. der Wurm. 1848. S.21. 



ßeschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 125 

das kiementrageude Ende für das vordere. Die Argumente, 
aufweiche Schmidt sich stützt, sind namentlich zwei: dass 
er nämlich durch die Oeffnung zwischen den Kiemen Excre- 
mente hervortreten gesehen, und dass bei der Entwickelung 
des Körpers die Augen des entgegengesetzten Endes eher 
als die hinter den Kiemen befindlichen zum Vorschein kom- 
men, lieber beides kann ich keine Beobachtungen beibrin- 
gen , das aber lehren Schmidt's eigene Abbildungen von 
den Entwickelungsslufen dieses Thierchens , dass die Wan- 
dung des kiementragenden Körperendes sich früher aus dem 
Dotter bildet als die des entgegengesetzten , und diesem in 
der Entwickelung voranschreitet; sollte nun dieses letztere 
dennoch das vordere sein, so spräche dies gegen alle Ana- 
logieen der Entwickelungsgeschichte. Dass übigens eine An- 
nelide ganz bequem mit dem Hinlerende vorauskriecht , wie 
dies bei A. Sahella der Fall ist, sehen wir auch oftmals bei 
unsern Regenwurm ern. 

Weitere Verschiedenheiten finde ich in der Gestalt der 
Hakenborsten, die Schmidt bei A. Sahella zweizinkig und 
denen mancher Naiden ähnlich beschreibt, ich dagegen bei 
meiner Art mit einem ziemlich geraden, einfachen Schnabel 
versehen fand, wie bei Terebellen, nur hinten nicht so scharf 
umgebogen, sondern lang S-förmig gekrümmt und gestreck- 
ter als bei jenen; sie stehen meist zu je 4. Der Darmkanal 
ferner von A. SabeUa wird überall als ein ziemlich gleich 
dickes Rohr dargestellt, bei F.gracilis beginnt er mit einem 
geraden, durch die ersten drei Segmente hindurchgehenden 
Rohr von massiger Weite, dann folgt eine Erweiterung, die 
das 4te und 5te einnimmt, und auf diese eine Reihe von Er- 
weiterungen und Einschnürungen, welche den Grenzen der 
Segmente vom 6ten bis 13ten entsprechen, darnach nimmt 
die Breite sehr schnell ab und der Rest des Darms verläuft 
dann als ein sehr dünner , leicht geschlängelter Kanal bis 
zum After. Kein Beschreiber spricht von der Farbe des Blu- 
tes bei A, Sabella, man muss also wohl annehmen, dass es 
die bei den Anneliden gewöhnliche, die rolhe ist , so beob- 
achtete ich sie auch bei den in Dieppe erhaltenen Fabricien, 
die mit den Charakteren von A. Sahella übereinstimmten, bei 
F. gracilis dagegen war das Blut grün. 



126 Grube: 

Serpula L. (Subgenus Galeolaria Lam.) 
S. (G.) caes pit sa Lam. 

Corpus subfuscuin, meiiibrana ventrali purpiirea, sub- 
coerulea, branchiae fiiscae albido-vittalae, circulum com- 
ponentes, filis ulrinque circiler 14 barbads, operculum cal- 
carium, mitrae conove obliquo simile, apice infero in stylum 
(ranseunte, basi supera, anti orsuni et deorsum inclinala, paene 
plana, spinis 9 mobilibus armata , Spinae ad rnarginem posterio- 
rem superiorem operculi afüxae, eo haud longiorcs, 3 infe- 
riores ensiformes niulicae, planitiei dorsuali operculi appres- 
sae, marginibus lateralibus, 6 superiores , suberectae, com- 
pressae margine altero infero, altero supero, serralo, aculae, 
mediae breviores, exteriores longiores, Stylus operculi supra 
sulco exnratus, nigricans, ad basin eins ulrinque in proces- 
sum acutum productus, coUare branchiis paulo brevius, se- 
tae capillares in omnibus segmentis visae, tenerrimae, deco- 
lores ; m u t a t i o s e t a r u m '/ß. 

Tubi subbreves flexuosi in caespitem latum conferti, 
quadranguli , pariete crasso , planilie ventrali transverse ru- 
gosa, excavata, ad os in lingulam rolundatam producta. 

Diese Beschreibung ist nach Exemplaren gemacht, die 
ich von Herrn Preis s, und zwar in trockenem Zustande, 
aus Neuholland erhielt. Nachdem ich die Röhren einige Zeit 
in Weingeist gelegt, gelang es mir, das Thier aus einigen 
herauszuziehen , an diesen zeigte sich die oben angegebene 
Färbung. Ich habe schon an einem andern Ort erwähnt *«'"), 
dass der Deckel und Deckelsliel dieser Untergattung nicht der 
oberste metamorphosirte Faden der rechten oder linken Kieme 
ist (also asymmetrisch liegt), sondern die Mitte einnimmt, also 
als eine Verwachsung des obersten Fadens beider Kiemen 
angesehen werden muss. Der Deckel lässt sich am besten 
mit einer Grenadiermütze vergleichen, deren nach unten ge- 
kehrte Spitze in den Stiel übergeht, während die nicht hohle, 
sondern flache, kaum vertiefte Basis nach oben sieht und so 
geneigt ist, dass ihr Vorderrand der Bauchrand ist, der Hin- 
lerrand die höchste Stelle des Rückens bildet. Der Rand die- 



*) Grube Famil. der Annelid. p. 41. 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 127 

ser Basalfläche ist vielfach gekerbt und häutig, die Fläclie 
selbst und der Halskragen, der sich aufgerichtet und au die 
Kiemen angeschmiegt hatte, mit Kallimasse belegt, die Sta- 
cheln ganz kalkig. 

EiUmbricus L. (s. str. Gr.) 

L. litoralis Gr. 

Corpus vermiforme, teres, utrinque paulo attenuatum, 
anterius carneum, iricolor^ posterius album, slria longitudi- 
nali grisea pinnata, segmentis 80 ad 100, bis tervo latioribus 
quam longis; lobus capitalis brevis, ovalis, a segmento 
buccali vix separatus, longitudine trientem fereeius aequante, 
segmentum buccale aeque longum ac postice latum, an- 
tice angustiuSj, secundo paulo longius, setis nudum, s. po- 
stremum obtuse rotundatum; setae brevissimae, parte li- 
bera recta, utrinque tetraslichae, superiores utrinque singulae 
inferiores sibi proximae, serie secunda a prima (suprema) vel 
tertia ter fere longius distante quam tertia a quarta vel quarta 
a linea ventris mediana. Aperturae genitales (ex mea qui- 
dem opinione) anteriores in confinio segmenti 7mi et 8vi at- 
que 8vi et 9ni, posteriores sub s. 18vo ad marginem interio- 
rem fovearum insignium 2 sitae, s. 19mum, 20mum, 21mum 
in nonnullis foveolis 2 ventralibus minoribus munilae. Fori 
dorsuales nulli. 

Länge eines vvohlerhaltenen Weingeistexemplars von 86 
Segmenten 2 Zoll bei einer grössten Breite von 1,5 Lin. am 
lOten Segment^ eines andern von 102 S. 3^/^^ Zoll bei einer 
kaum grösseren Breite. 

Kommt bei Villa franca im Uferboden des Meeres vor. 

Dieser Lumbricus wäre denn die erste im Salzwasser 
lebende Species einer Gattung, welche ausschliesslich dem 
feuchten oder Süsswasserboden des Landes anzugehören schien; 
denn alle bisher beschriebenen Lumbrici des Meeres sind 
keine echten. Zwar will ich nicht behaupten, dass unsere 
Art im Bau der Generationsorgane mit unseren Lumbrici voll- 
kommen übereinstimmt, — zur genaueren Ermittelung die- 
ser Verhältnisse war die Zeit zu kurz — sie lässt sich aber 
jedenfalls am leichtesten ihnen beigesellen, und ich sehe vor- 



128 Grube: 

läufig keine Nölhigung, sie zu einer eigenen Gattung zu er- 
heben, die dann namentlich auf das Fehlen der Rückenporen 
basirl werden müsste. Die weissliche Färbung der hinleren 
Segmente mit ihrer grauen, auf den Grenzen regelmässig ei- 
nen Seitenast absendenden Mitlellängsbinde erinnert an man- 
che Piscicolen und sticht gegen die fleischrothe Färbung und 
das ziemlich lebhafte Farbenspiel des vordem merklich ab; 
an einem kürzeren Weingeistexemplare zählte ich 43 solcher 
weisser Segmente. Auffallend ist auch die Gestalt der Borsten, 
welche ganz farblos und wie kurze gerade Nadeln aussehen, 
während sie bei den andern Arten lang S-förmig geschweift 
sind, also eine gekrümmte Spitze haben. Der Abstand zwi- 
schen ihren Längsreihen scheint sich an allen Segmenten 
ziemlich gleich, und so wie oben angegeben zu verhalten, 
so dass man die Borsten der oberen beiden Reihen isolirt, 
die der beiden untern paarweise stehend nennen könnte. Die 
durchschimmernden Blutgefässe, selbst die feinen Hautgefässe, 
sahen weniger roth als sonst aus, und das contractile ge- 
schlängeile Rückengefäss und das Bauchgefäss am Nerven- 
strange zeigten eine entschieden schwärzlich violette Färbung. 
Einen eigentlichen Gürtel konnte ich gar nicht bemerken, 
doch erschien der Körper in der Gegend des 9ten Segments 
und bis etwas über das 18le hinaus leicht angeschwollen oder 
doch seine Wandung hier etwas gespannter, am löten und 
I9ten schimmerte ein in Schlingen gelegter Kanal durch, der 
durch einen engeren Gang unter dem 18ten Segment und 
zwar an dem Innern Rande der beiden kreisförmigen , wul- 
stig gerandeten Vertiefungen, mündet, die mit Ausnahme ei- 
nes Mitlelslreifens seine ganze Bauchfläche einnehmen. Diese 
Verliefungen oder Haftgruben scheinen die sonst meistens am 
löten Segmente vorkommenden mehr quergezogenen Vulven 
zu vertreten. Durch jede der vier OefTnungen auf der Baucli- 
grenze des 7ten und 8ten und des 8ten und 9ten Segments 
mündet der enge kurze Ausführungsgang eines kugelrunden 
ßeutelchens, in den sich noch ein kleines ßlindsäckchen ein- 
senkt, vermuthlich sind dies die männlichen Organe. In dem 
Uten, 12len und IMen Segmente finde ich rechts und links 
am Darm haftend ein mit Eierchen erfülltes Organ, ein etwas 
plattes Säckchen, an dem ich jedoch keinen Ausgang sehe. 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 129 

Die Speiseröhre erstreckt sicli durch die 6 ersten Segmente 
und ihre vordere etwas weitere Abtheilung, der Pharynx, 
steht durch eine Menge kürzerer und längerer, zum Theil 
bis vom 8ten Segment herkommender Retractoren mit der 
Leibeswand in Verbindung, auf die Speiseröhre folgt sogleich 
der Darm, welcher sehr dünn anfängt, und sich bis etwa 
zum 2 Isten Segment alhnählich erweitert. Im lOten^ und be- 
sonders stark entwickelt im 12ten und 13ten Segment liegt 
ein vom Rückengefäss herabsteigender^ jederseits den Darm 
umfassender, weiter, wahrscheinlich pulsirender Ast. Bei dem 
Oeffnen der Segmente hinter dem 18ten quillt an dem Wein- 
geistexemplar aus jedem ein zäher gelber Fetltropfen hervor, 
in eben diesen Segmenten finde ich rechts und links der Lei- 
beswandung anliegend ein drüsiges Organ von ziemlicher 
Ausdehnung. 

Alma Rüpp. 

Corpus vcrmiforme , segmentis brevibus numerosis, 
posticis branchiferis, lobus capitalis ex trigono rotun- 
datus, tentaculis nuliis, setae simplices, brevissimae, binae, 
utrinque dislichae , brauch iae breves, bifurcae vel subra- 
mosae, marginibus dorsi affixae. 

A nilotica Rüpp. 

Corpus vermiforme, ex carneo flavescens , anlrorsum 
lentius, retrorsum citius attenuatum, parte anteriore subtereti, 
obsoletius, posteriore distinctius tetragona, segmentis brevi- 
vus 300 ad 400 , postremis depressis cuneum mentientibus, 
ano supero, lobus capitalis ex trigono rodundatus, seg- 
mento buccali setis nudo paululum impressus, setae uncini 
brevissimi, sigmoidei, bini, utrinque distichi, angulis corpo- 
ris inserti , brauch iae papillaeformes bifurcae vel subra- 
mosae, marginibus dorsualibus segmentorum posteriorum 60 — 
130 affixae. 

Rüppell giebt die Länge der lebenden Würmer auf 
3 bis 6 Zoll an; unter den von mir untersuchten Weingeist- 
exemplaren hatte eines eine Länge von 3,ö Zoll bei einer 
grössten Breite von 3,5 Lin. (am 28sten Segment) und ei- 

Archiv f. Naturgescb. XXI. Jahrg. 1. Bd. 9 



13P Grube: 

ner Breite von nur y^ Lin. am Schwanzende , die Zahl sei- 
ner Segmente betrug etwas über 290, und die letzten 120 
etwa trugen Kiemen ; an einem zweiten , vorn abgerissenen 
Exemplar zählte ich etwa 130 kiementragende Segmente, an 
einem dritten 4,5 Zoll langen, nirgends mehr als 1,5 Lin. 
breiten Exemplar dagegen konnte ich nur auf den letzten 
61 Segmenten Kiemen wahrnehmen. 

Die Farbe des Körpers, die Rüppell an den lebenden 
Thieren röthlich gelb angiebt, war jetzt sehr ausgeblichen, vom 
20ten Segment an bis gegen das 80sle hin schimmert ein 
schwärzlicher Darmkanal durch. R ü p p e 1 l's Tagebuch belehrt 
uns, dass dieser Kanal von einer im frischen Zustande grün- 
lichen drüsigen Masse umgeben sei. Er bemerkte ferner am 
lebenden Thier jederseits 1 rothes geschlängeltes Längsge- 
fäss , und nach dem Tode noch ein drittes auf dem Rücken 
verlaufendes, welches letztere ich auch sehr deullich wahr- 
nehme, jene sollen sich gegen das Vorderende gabiig thei- 
len und in 5 Paar blutrothe Bläschen verlieren : sind dies 
nicht vielleicht quer herabsteigende Gefässerweiterungen, w^el- 
che mit dem Rückenstamm zusammenhängen? Die Leibes- 
wandung finde ich ausserordentlich weich , doch weniger an 
den vordersten Segmenten, welche deutlicher gegen einan- 
der abgesetzt und 3-ringelig erscheinen, auch länger als die 
übrigen sind, und zwar so, dass die Länge am 8ten etwa ihr 
Maximum erreicht, und mit dem löten schon bedeutend ab- 
nimmt, von da ab werden sie noch kürzer, über 4-mal brei- 
ter als lang, und sind nur durch schwache Grenzfurchen ge- 
schieden. Der Umfang der vordersten Segmente ist noch 
am meisten rundlich, weiterhin wird er mehr vier- und zwar 
rechteckig oder achteckig, indem die Kanten zwischen den 
vier Seiten abgestumpft werden, an diesen Kanten sitzen die 
Borsten. An den mittleren Segmenten ist der Zwischenraum 
zwischen der untersten (4ten) Reihe der Borsten linker und 
rechter Seite etwa 3-mal so gross als der zwischen der 4len 
und 3ten Reihe jederseits, der Abstand der 3ten Reihe von der 
2ten ist noch nicht 3-mal so gross, wird aber grösser an den 
hinteren kiementragenden Segmenten , bei welchen dagegen 
die Bauchwand etwas schmäler wird und die Rückenwand 
sich etwas aushöhlt, wodurch die Rückenränder schärfer her- 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter 131 

vortreten. Der Koptlappen ist stumpf dreieckig und abgerun- 
det, wie bei vielen Regenwürmern , bedeckt von oben den 
kleinen Mund, und ragt hinten nur ein wenig in das borsten- 
lose Mundsegment hinein. Das Hinterende des Körpers sieht 
ziemlich keilförmig aus , und trägt den After als einen kur- 
zen Längsspalt auf der obern Seite. - Rüppell betrachtet 
die oben erwähnten blulhrolhen , am Vordertheil des Darms 
liegenden Bläschen als Respirationsorgane, ich halte dafür, 
dass wir es hier mit äussern Athmungsorganen zu thun ha- 
ben, und deute als solche die weichen kurzen Anhänge^ wel- 
che unmittelbar nach innen von der obersten Borstenreihe 
längs dem Rückenrande der hintern Segmente sitzen; sie ha- 
ben die Gestalt von kürzeren oder fingerförmigen Papillen, 
und sind meistens gabiig mit ungleichen Gabelzinken, zuwei- 
len nur einfach, zuweilen auch drei- und vierzackig, wobei 
ihre Länge im jetzigen Zustande kaum '/^ Linie merklich 
übersteigt. Sie sind im Leben roth , ich glaube in ihnen 2 
Gefässe erkannt zu haben — und es schien Rüppell, dass 
sie sich bei der Verkürzung des Körpers stärker rötheten, 
zugleich pflegte das hintere Ende der Annelide eine spiral- 
förmige Krümmung zu machen. Die sehr zarten Borsten ha- 
ben die Gestalt von lang S-förmigen Häkchen und messen 
etwa 0,0150 Zoll in der Länge. Der Nervenstrang schimmert 
jetzt nur sehr schwach durch die Bauchwand durch; Gene- 
rationsorgane konnte Rüppel nicht erkennen, ebensowenig 
bemerkte er Quertheilung. 

Alma nilotica gehört nach meiner Ansicht zu den Lum- 
bricinen, unter denen sie sich durch die Anwesenheit wei- 
cher Anhänge, äusserer Kiemen, auffallend auszeichnet. Sie 
verhält sich in dieser Hinsicht ebenso zu den übrigen Thieren 
dieser Familie wie die Gattung Dero zu den Naiden, beide 
bilden Ausnahmen von der Regel. In ihrem Habitus erinnert 
sie am meisten an Euaxes, mit dem sie auch den Aufenthalt 
im Wasser theilt. Rüppell fand nämlich diese Annelide in 
schlammigen Gräben der Umgegend von Cairo , und zwar 
nach der Nilüberschwemmung, im November^ wo sie häufig 
herumschwamm. 



132 



Grube 



Verzeichniss der in vorstehendem Beilrage beschriebe- 
nen Anneliden: 



Polynoe malleata Gr. 
luta Gr. 
vittata Gr. 
Polyodontes gulo Rüpp. 
Falmyra debilis Gr. 
Chloeia eyena Gr. 
Notopygos crinita Gr. 
Diopatra longissima Gr. 
Lysidice punctata Gr. 
Nereis heteropoda Cham, et 

Eys. 
Staurocephalus rubrovittatus 

Gr. 
Oxydromus fasciatus Gr. 
Lopadorrhynchus brems Gr. 
Glycera MeckeUi? Aud. et Edw. 
S?///is spongicola Gr. 
Autolytus prolifera (O.F.Müll.) 
Leucodore ciliala Johnst. 



Ueterocirrus saxicola Gr. 
Cirratulus Blainvillii Gr. 
Jom5 mttata Gr. 
Aricia laemgata Gr. 
C7?//ie simplex Gr. 
Clymene spatulata Gr. 
Terebella 7iebulosa Mont. 

/w^ea Risso. 

mminalis Gr. 

triserialis Gr. 

corollina Gr. 

pectinata Gr. 
Polycirrus Medusa Gr. 
Myxicola infundibulum (Mont). 
Fabricia gracilis Gr. 
Serpula (Galeolaria) caespi- 

tosa Lam. 
Lumbricus litoralis Gr. 
^//wa nilotica Rüpp. 



Erklärung der Abbildungen. 



(Alle Figuren sind vergrössert.) 
Taf. III. 

Fig. 1. Seitliche Ansicht von einem der nicht Elytren tragenden Seg- 
mente \on Polynoe malleata. Es ist die rechte Seite gewählt: 
man sieht unter dem fächerartig ausgebreiteten unteren Bor- 
stenbündel den kurzen Bauchcirrus, über jenem Borstenbün- 
del das obere äusserst winzige und nur hin und wieder er- 
haltene , über ihm den Rückencirrus und über diesem den 
hammerförmig gestalteten Rückenhöcker, der diese Art aus- 
zeichnet. 



Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 133 

Fig. 1. a. Eine Rückenschuppe (Elyter) von derselben Annelide. 

Fig. 2. Vordertheil von Polijodontes gulo, von oben gesehen. Nach 
aussen vor den dünnen Stirnfühlern t liegen die dicken Au- 
genstiele, an deren Ende die Augen o, unter ihnen ragen die 
Spitzen der seitlichen unteren Fühler vor ü; das erste Seg- 
ment trägt Fühlercirren et, das zweite Elytren c, das dritte 
Rückencirren cd, das vierte Elytren c% die aber abgebrochen 
waren und von denen man bloss die Ansatzstellen sieht. 

Fig. 3. Eine Plattborste (Palea) von Palmyra debilis : in der rechten 
Hälfte jedes Fächers sieht der convexe grobgesägte Rand nach 
rechts, in der linken nach links. 

Fig. 4. Vordertheil von Palmyra debilis, von oben gesehen: der un- 
paare und die seitlichen unteren Fühler sind über ihrem Grund- 
gliede abgebrochen; die mittleren erhalten; et die Fühler- 
cirren; ev die Baucheirren des 2ten Segments, cd die Rücken- 
cirren desselben, p die Fächer der Plattborsten, s die seitlich 
fortgestreckten Borstenbündel. 

Fig. 5. a. Eine der zusammengesetzten Borsten aus dem unteren 
Bündel von Palmyra debilis, b ein Rückencirrus. 

Fig. 6. Vordertheil von Diopatra longissima mit den beiden kur- 
zen Stirnfühlern und den 5 bis fast zur Spitze geringelten 
hinteren langen Fühlern, auf dem Mundsegment sieht man 
2 obere Fühlercirren. Es sind nur die 4 ersten Segmente 
mit ihren Anhängen ausgezeichnet, die folgenden bloss an- 
gedeutet. 

Fig. 7. Eine der zusammengesetzten Kiemen mit ihrem Rückencirrus 
und den Borsten von demselben Thier. 

Fig. 8. Borste von Slaurocephalus rubrovittalus. 

Fig. 9. Vordertheil von demselben Thier von oben gesehen, l die 
seitlichen Lappen des Lobus capitalis. 

Fig. 10. Ruder mit dem Rückencirrus von Staurocephalus rubrovittatus. 

Fig. 11. Ein Ruder aus der vordem Körperabtheilung von Heterone- 
reis heteropoda. 

Fig. 12. Ein Ruder aus der hintern Körperabtheilung: cd Rückencir- 
rus /s oberes Züngelchen, ein blosser Zipfel des hohen wie 
ein Fähnchen verlängerten Basallappens, auf dem der Rük- 
kencirrus sitzt. Im das mittlere, U das untere Züngelchen, s 
das grosse häutige Lippenblatt des unteren fächerartigen Bor- 
stenbündels, cv der in dem Ausschnitt eines tief zweilheili- 
gen Lappens sitzende Bauchcirrus. 

Fig. 13. 14. Vordertheil von Lopadorrhynchus brevis. 

13. Nach meiner Vermuthung das Weibchen, von der Rückenseite. 



134 Grube: 

14^ Kach meiner Vcrmuthung das Männchen, von der Bauch- 
seite gesehen, o der Mund; vor ihm der Kopflappen, hinter 
ihm das Mundsegment, jener mit 2 Paar Fühlern, dieses mit 
3 Paar Fühlercirren , die Ruder des 2ten und 3ten Segments 
sehr verlängert., dick und abvs^eichend gestaltet, wie Fuss- 
stummel. .,- „jj-j^^^ :?,!). ta , 

Fig. 15. Ein Ruder von gjewöhnlichem Bau , dem "Weibchen angehö- 
rig und von den sonst bei den Männchen vorkommenden nicht 
verschieden; die Ansicht ist von vorn, cd der Rücken-, cv der 
Bauchcirrus. 

Fig. 16. Eine einzelne Borste daraus. 

Taf. IV. 

Fig. 1. Yordertheil von Oxydromus fascialvs, von oben gesehen. 
Fig. 2. Einige Segmente von der Rückenseite, um die Zeichnungen 
derselben genauer zu zeigen. 

Fig. 3. Ruder von Glycera Mechelii (oder fallax) , cd der Rücken-, 
cv der Bauchcirrus, l die Lippenblättchen des Borstenbündels, 
b die ansehnliche gabiige , abw^echselnd hervortretende und 
verschw^indende Kieme an der Vorderfläche des Ruders. 

Fig. 4. Ein Ruder von Syllis spongicola, cd Rücken-, cv Bauchcirrus. 

Fig. 4ö. Eine der zweizähnigen Borsten desselben, besonders dar- 
gestellt. 

Fig. 5. Borsten von Leucodore ciliala. a abweichend gebildete Bor- 
sten des 3ten Segments, in einer schräg herabsteigenden, fast 
horizontalen Reihe stehend , 6 Haarborste aus dem oberen, c. 
hakig endende , zweizähnige Borste aus dem unteren Borsten- 
bündel der übrigen Segmente. 

Fig. 6. Yordertheil von Aricia laevigata^ von oben gesehen ; mit dem 

6ten Segment fangen die Kiemenzüngelchen an, welche bei 

, dieser Art weit von der Mittellinie des Rückens entfernt stehen. 

Fig. 7. Ein Ruder aus der vordem Körperhälfle derselben Aricia, b 
die Kieme, c der Rückencirrus, oder das cirrenartige Lippen- 
blatt des oberen ßorstenbündels, ( das nicht gezackte, sondern 
ganzrandige Lippenblatt des unteren bürstenartigen Borslen- 
bündels. 

Fig. 8. Ein Rnder aus der hintern Leibesabtheilung desselben Thie- 
res: das unlere Borstenbündel wird hier dem oberen ähnlich 
und rückt auf den Rücken hinauf. 

Fig. 8 a. einzelne. 

Fifv 9. Voi4er,lhcil von Chjlie simplcxy von oben gesehen. 



Bes^Rfeibtinfgen Bener oder wenig bekannter Anneliden. 135 

Fig. 10. Querdurchschnitt eines Segments von demselben Thier, b die 
Kiemen. 

Fig. 11. Vordertheil von Helerocirrus saxicola von oben gesehen, 
et die beiden Fühlercirren, b die 3 Paar Kiemen. 

Fig. 12. Chjmene spatulata, a Vorderlheil, o der Mund, s Hinterthei?, 

der statt eines Trichters mit einer etwas geschweiften Schau- 
fel endet. 

Fig. 13. Eine der Hakenborsten desselben Thieres. 

Fig. 14. Die dritte (kleinste^ Kieme der rechten Seile von Tercbella 
nebulosa. 

Fig. 15. Eine Kieme von Terebella viminalis , ausgezeichnet durch die 
langen Zweige der verhältnissmässig kurzen Aeste. 

Fig. 16. Eine der drei über den ganzen Rücken gehenden Querreihen 
von Kieraeofäden der Terebella Iriserialis. 

Fig. 17. Zwei Kiemen von Terebella coralUna. 

Fig. 18. Die erste Kieme der linken Seite von Terebella pectinata. 

Taf. V. 

Fig. 1. Gesäumte Haarborsten von Fahricia gracilis. 

Fig. 2. Hakenborsten von demselben Thier. 

Fiff. 3. Einer der gefiederten Kiemenfäden von demselben Thier. 

Fig. 4. Deckel von Galeolaria caespitosa von der linken Seite gese- 
hen, v: der eigentliche Deckel von Gestalt einer mitderSpitze 
nach unten gekehrten Grenadiermütze, auf der obern stark ge- 
neigten Fläche die platten beweglichen und zum Theil ge- 
sägten Stacheln, b die Kiemen, st der Deckelstiel, p der horn- 
förmige seitliche Fortsatz an demselben, c der Halskragen, t 
die Lappen der Bauchhaut, 

Fig. 5. Kopftheil von Lumbricus litloralis, von der linken Seite gesehen. 

Fig. 6. Eine Borste dieser Annelide, in ihrer Scheide steckend. 

Fig. 7. Lumbricus littoralis. 

Fig. 8. Verticaler Durchschnitt des Körpers von derselben Annelide, 
um die Vertheilung der 8 Borstenreihen zu zeigen, n der 
IVervenstrang. 

Fig. 9. Vorderes Körperslück von Lumbricus littoralis von der Bauch- 
seite gesehen; l der Kopflappen, m die vorderen Genitalöffnungeo, 
tj die hintern GenitalöITnungen, in dem Rande von zwei Ring- 
wülslen gelegen, deren jeder ein Haftorgan bildet, p dahinter 
liegende kleinere Haftgruben. 



136 Grube: Beschreibungen neuer oder wenig bekannter Anneliden. 

Fig. 10. Seitenrand des Körpers, stärker vcrgrössert. 

Fig. 11. Alma nüotica: b die Kiemen auf dem Rückenrande des hin- 
tern Segments. 

Fig. Ha. Hakenborste von Alma nilolica. 

Fig. 12. Jene Kiemen (116) stärker vergrössert. 

Fig. 13. Der Vordertheil von Alma nüotica, von der rechten Seite ge- 
sehen, / der Kopflappen, ph der Pharynx, etwas aus dem Munde 
herausgestülpt. , ' 

Fig. 14. Yerlicaler Durchschnitt eines vordem Segments. 

Fig. 15. Yerticaler Durchschnitt eines der hinlern Segmente, bei de- 
nen die ßückenseite entschieden ausgehöhlt ist. 



Bemerkuiigfen über einigte Heliiiiiitlieii und 
]?Ieer\TÜriiier. 



Von 
]»r. Ed. Orube, 

Hierzu Taf. VI und VII. 



1. Octobotlirium scombri Nordm.? (Taf. VI. Fig. 1-3.) 

Unter den Helminthen des Scomber scomber finde ich nur 
einen auf den Kiemen lebenden verzeichnet, das Octobothrium 
scombri Nordm. (Octostoma scombriKuhn) , von welchem in 
den mikrographischen Beiträgen zwar eine Beschreibung, aber 
keine Abbildung gegeben ist *"*). Die Abbildung von Kuhn 
in den Memoires du Museum d'histoire naturelle Tom. XVII. 
Tab. XVII bis 4 et 5 kann ich nicht vergleichen; jedenfalls 
geht aber aus den Beschreibungen von Nordmann und Di e- 
sing*'»*), der dasThier Octocotyle fruncata benennt, deutlich 
hervor, dass ausser den 8 Haftnäpfen am Hinterrande des 
Körpers noch 2 vordere neben dem Munde vorkommen, und 
dass die ersteren sich an keiner abgesetzten Partie des Lei- 
bes, keiner besonderen Scheibe oder Schüssel befinden. 

Ich habe an den Kiemen desselben Fisches einen trema- 
todenartigcn Helminthen gefunden , der am Vorderende zwar 
auch 2, am Hinterende aber nur 4, und zwar in einer Längs- 
reihe stehende Haftnäpfe besitzt. Da jene Haftnäpfe sämmt- 



*) Micrograph. Beilr. Heftl. p. 77. 
**) Diesing Systema Helminth. Vol. I. p.422. 



138 Grube: 

lieh an einem Rande sitzen, so entsteht dadurch eine auffal- 
lende Asymmetrie, die je weniger sie sonst bei diesen Thie- 
ren begegnet, um so eher auf die Vermuthung bringt, dass 
hier ein zufälliges Abreissen stattgefunden, und dass ursprüng- 
lich auch der andere Rand 4 ähnliche Näpfe getragen. Die 
Möglichkeit einer solchen Verstümmelung lässt sich nicht be- 
streiten, auch hatte ich überhaupt nur ein Exemplar beobachtet. 
Sollte unser Wurm aber auch ein verstümmeltes Octobolhrium 
sein, so müsste der Körper gleichmässig verlaufen, hier je- 
doch war der hintere Theil des Körpers schon an dem fri- 
schen, lebenskräftigen Thierchen durch eine Einschnürung 
abgesetzt und durch eine breite (vermulhlich untere) Längs- 
rinne ausgehöhlt. Dieser abgesetzte Theil gewann dadurch, 
dass die Rinne oder Vertiefung, wenn auch nicht am Hin- 
terrand geschlossen, doch vorn wenigstens durch eine quere 
Fortsetzung des einen Seilenrandes deutlich begrenzt war, 
Aehnlichkeit mit einer langen schmalen Schüssel, und man 
würde also wohl den vorliegenden Parasiten eher zu Die- 
sing's Abtheilung Discocotylea , „caput acetabulis duobus" 
als zur Abtheilung Somatocotylea. der Subtribus Eupolycoty- 
lea bringen müssen. 

Der Körper ist in seiner vorderen, viel längeren Hälfte 
plattgedrückt, ziemlich lanzettförmig, doch vorn viel mehr 
verjüngt als hinten , wo er sich gegen die Abschnürung hin 
nur etwas verschmälert und zurundet; die hintere Hälfte misst 
etwa Vs der Totallänge und bildet, wie gesagt, eine Art 
Schaufel, deren Seilenränder nach unten gewölbt sind, sie er- 
scheint unter einem stumpfen Winkel, aber in derselben Ho- 
rizontalebene, an die vordere angesetzt, und durch eine sehr 
merkliche Einschnürung von ihr abgesetzt. Der linke tland 
der Schaufel ist etwas wulstig und mit 4 Hattnäpfen hinter 
einander besetzt, der rechte dagegen ziemlich dünn, ohne 
Spur einer Verletzung, ganz glatt, beide sind einander pa- 
rallel, wenig von einander abstehend und gehen hinten flach 
in einander über , während vorn der linke Rand mit einem 
queren Lappen endet, der bis zum rechten hinüberläuft. Die 
Haftnäpfe stehen so nahe hinler einander, dass die Zwischen- 
räume kaum ihrer Breite gleich kommen, erstrecken sich aber 
nicht bis an die Enden der Schaufel; sie sind niedrig, nicht 



Bemerkungen über einige Helminthen und Meerwürmer. 139 

gestielt, von quadratischem Umfang- mit abgerundeten Ecken. 
Nachdem ich den einen abgetrennt , unterschied ich mit Si- 
cherheit einen consistenten Randreif und unterhalb desselben 
an der Innenwand der Vertiefung selbst 2 einander gegen- 
überliegende halbmondförmige Blätter mit freiem concaven 
Rande, dessen Mitte ebenfalls in eine Zacke auslief, so dass 
jeder 3 Spitzen oder Zacken besitzt (Taf. I. Fig. 3), der Bo- 
den des Napfes ist durch ein rechtwinkeliges Kreuz in 4 
Felder getheilt. Wie die Haftnäpfe von Octobothrium scom- 
bri aussehen^ ist meines Wissens nicht näher beschrieben. 
Nord mann und Diesing erwähnen ferner zweier Häk- 
chen am Hinterrande zwischen den beiden Reihen der Haft- 
näpfe, diese kann ich durchaus nicht wahrnehmen, obwohl 
mein Thierchen grösser als das von Nord mann beobach- 
tete ist; ebensowenig finde ich die Mitte des Hinterrandes 
ausgebuchtet. Das äusserste Vorderende des Körpers bildet 
eine schmale, zungenartige weisse Spitze mit leichter Einker- 
bung in der Mitte des Vorderrandes, in welcher vermuthlich 
der Mund liegt, rechts und links davon eine sehr kleine aber 
doch sjQharf genug umschriebene ovale Grube. Von jener 
Einkerbung beginnt ein Längskanal , der sich , wie ich am 
lebenden Thier sicherer zuerkennen glaubte, in 2 nicht eben 
weitere und wie er mit zarten, weitläufigen, einfachen, oder 
höchstens gabiigen Blindäslchen besetzte Schenkel spaltet und 
bi^s gegen die Schaufel hin verfolgt werden kann. Der Baum 
zwischen den Schenkeln und dem Körperrande ist von einem 
durchschimmernden , aus verzweigten Blindsäckchen beste- 
henden, bis zum Ende der Schaufel reichenden Organ — 
vermuthlich dem Dotterstock — hellbraun gefärbt, eine ähn- 
liche, aber viel kürzere und schmälere Binde zieht sich längs 
dem Innenrande jedes Schenkels hin, so dass ein fast linea- 
rer durchsichtiger Zwischenraum übrig bleibt. Zwischen den 
Endzipfeln dieser Binden beginnt ein weisses , noch vor der 
Schaufel endendes, beiderseits wie hinten von dem braunen 
Organ eingefasstes Feld. Eine Geschlechtsöffnung habe ich 
vergebens gesucht. Die Länge des Thierchens beträgt nach 
der Aufbewahrung in schwachem Weingeist 9MilI. cfast4Lin.), 
wovon 6 auf den Vorder-, 3 auf den Hinterkörper kommen, 
die grösste Breite etwa in der Mitte des Vorderkörpers 2 Mill. 



140 Grube: 

Ich muss erfahrenem Helminthologen die Enischeidung 
überlassen , ob hier ein abweichend gebautes Octobothrium 
scombri oder ein neuer Parasit vorliegt. Für letzteren Fall 
schlage ich den Namen Tetracotyle scombri vor. 

3* ^mpliiptyclies urna Gr. et Wag. 

Die ausführliche Beschreibung dieses Entozoons nach 
seinem äussern und innern Bau verdanken wir bereits Herrn 
Dr. R. G. Wagen er *"). Hier soll nur den Anforderungen 
der systematischen Zoologie genügt und versuchsweise eine 
Charakteristik der Galtung und ihrer bisher einzigen Art ge- 
geben werden. 

Amphiptyches iujLKpi ringsum, mv^ Falte): Corpus ob- 
longum, depressum, margine laterali late plicato, antice in 
foveam angustam haud perforatam, poslice in infundibulum 
plicatum exiens, vulva ventrali, apertura tubulata dorsuali ad 
basin infundibuli. Hermaphroditi inlestino nullo, vasis reticu- 
latis per totum corpus diffusis. 

A. urna: Corpore depresso aculeato, extenso lanceolato, 
antice magis acuminato, contraclo subovali , margine laterali 
membranaceo late denseque plicato, fovea antica profunda, 
apertura parva, infundibulo postico maximo semigloboso vel 
planiore patente, dense plicato, a plicatura laterali seposito, 
spinulis obtusis, dorsi maxime circa aperturam lubulatam po- 
sticam et utrinque ad foveam anticam conslipatis, ventralibus 
raris, vulva sub fmem quadrantis primi, apertura altera du- 
plici ad initium alterulrius pli(?aturae lateralis sita. 

Long. 15— 50mill. (6,5 ad 22 litl.) lat. 1,5 ad lömill. 
(0,3 ad 6,5 lin.) 

Habitat intestinum Chimaerae monstrosae (Nicaeae). 

3. Thysanozoon Broccliii ? Qfg. (Taf. VI. Fig. 4. 5.) 

Während meines letzten Aufenthaltes in Nizza (im luli 
1851) erhielt ich ein Exemplar eines Thysanozoon und mit 
ihm die erwünschte Gelegenheit, das, was ich bereits früher 

») Müll. Arch. 1852. p.543. Taf. XIV. XV. 



Bemerkungen über einige Helminllien und Meerwurmer. 141 

Über diese auffallenden Plaltwürmer gesagt *'>"), einer neuen 
Prüfung zu unterwerfen, und zu vervollständigen. Zuvörderst 
muss hervorgehoben werden^ dass die Gattung Eolidice- 
roÄ ■^**'^), welche Quatrefages aufgestellt und charakterisirt 
hat : „Planariees ä yeux sessiles, pourvues de faux tentacules, 
portant sur le dos des appendices tubuleux, plus ou moins 
nombreux" mit der schon 1840 von mir beschriebenen Gat- 
tung Thysanozoon zusammenfällt -"'"*»•). DieArt^, die ich da- 
mals kennen lernte , war Th. Diesingii , das jetzt erhaltene 
Exemplar gehört einer anderen an und ist , wie ich glaube, 
ein erwachsenes von Th. Brocchii (Planaria Brocchii Risso), 
während Quatrefages wahrscheinlich nur ein Junges ab- 
gebildet hat. 

Mein Exemplar mass 1,5 Zoll in der Länge, 1 Zoll in 
der Breite, und zeigte, wie alle diese Thiere, eine veränder- 
liche doch immer platte Form. Meist sah es oval aus, die 
Grundfarbe des Rückens war blass graubräunlich, eigentlich 
weisslich und sehr fein schwärzlich punktirt mit durchschim- 
merndem bräunlichem Nelzgeäder, der Rand blutröthlich von 
feinen braunen parallelen Quersirichelchen durchsetzt, die 
Kante selbst weiss und schwarz punktirt , die Rückenzolten 
schwarz, viele mit 2 bis 6 weissen Pünktchen, nahe der Spitze, 
der Umfang der Zotten an der Basis nie ganz kreisrund oder 
oval, sondern ein- bis zweimal ausgeschnitten, mitunter so- 
gar fünflappig, die Höhe wenig oder gar nicht bedeutender 
als der Durchmesser an der Basis. Mitten über den Rücken 
läuft eine erdbraune, mit zahlreichen feinen Längsstreifen ge- 
zeichnete Längsbinde, mitten in ihr eine weisse, die beiden 
Körperenden lange nicht erreichende Linie. In dieser Ge- 
gend lässt sich das erst erwähnte Netzgeader nicht mehr un- 
terscheiden. Die Fühlerfalten des Stirnrandes sind schwarz 
mit weisser Kante und auf der Hinterseite weiss punktirt, 
der Zwischenraum zwischen ihnen dreieckig, weiss, hinten 



*) Actinien , Echinodermen und Würmer des Adriatischen und 
Mittelmeeres. 1840. 

**) Memoire sur quelques Planariees marines p. 40., Ann. d. sc. 
nat. 1845. p. 140. 

«»<*) Ygl. Diesing Systema Helminthum Vol.L p. 211. 



14t Grube: 

wie in einen kleinen Stiel ausgezogen und dieser mit einem 
kreisrunden Fleck endend, in welchem ein naeh hinten of- 
fener stark gekrümmter Halbmond von schwarzen Augen- 
pünktchen. Ob noch andere Augenpünktchen an der Unter- 
seitevorkommen, wie Quatrefages angiebt, habe ich wäh- 
rend des Lebens nicht bemerken können, und nach dem Tode 
sind diese Partieen etwas verletzt, so dass ich nicht mit 
Sicherheit darüber urtheilen kann. Die halbmondförmige Gruppe 
ist in meiner Beschreibung von Th. Diesingii nicht angege- 
ben, fehlt aber nicht, wie ich mich nachträglich überzeugte. 
Oft lag das Thier ganz unsymmetrisch ausgestreckl, der Rand 
unregelmässig lappig, hin und wieder mit einer Falle, zu- 
weilen hob es den Vordertheil so hoch, dass die Bauchseite 
fast nach oben gekehrt war, und bewegte sich so eine Strecke 
halb schwimmend , halb mit kleiner Fläche auf dem Boden 
gleitend, zuweilen lag es ruhig auf dem Rücken auf der 
Oberfläche des Wassers oder kroch an den Wänden der Schale 
in die Höhe. Die sonst so gewöhnliche wellenförmig schwin- 
gende Bewegung der Planarien habe ich bei diesem Thier 
nicht bemerkt. 

i An der ganz weissen Bauchfläche sieht man etwas vor 

der Grenze des ersten Viertels den Mund in Gestalt einer 
kleinen aber sehr erweiterbaren Oueröfi^nung, dahinter schim- 
mert der intensiv weisse, flache, lang ovale, buchtig geran- 
dete Rüssel durch. Die Erweiterung des Mundes geschieht 
zuweilen, ohne dass dies Organ hervortritt. Unmittelbar hin- 
ter der Stelle, wo der Rüssel aufhört, bemerke ich 2 neben 
einanderliegende kleine weisse Erhabenheiten, welche sich 
nach dem Aufbewahren in Weingeist noch stärker markiren, 
vermuthlich Haftorgane, die bei der Begattung dienen — ich 
sehe sie auch an einzelnen Weingeistexemplaren von Th. Die- 
singii. Hinter ihnen , recht in der Mitte des Körpers , liegt 
eine unpaarige Oeffnung, und hinter dieser noch vor dem Ende 
des 2ten Körperdrilttheils eine zweite, aus der sowohl Dr. G. 
R. Wag euer als ich einmal beim Herausheben des Thieres 
aus dem Wasser eine weisse Papille hervortreten sahen ; je- 
nes müsste nach der Analogie mit den andern Meerplanarien 
die männliche, dieses die weibliche Genitalöfl'nung sein. Qua- 
trefages konnte an seinem Exemplare weder Genitalöff- 



Bemerkungen über einig.e Hetlminlhen und Meerwürmer. 143 

nungen, noch Generationsorgane unterscheiden, weil, wie er 
glaubt, die Thiere um die Zeit des Jahres , in welcher ihm 
das Exemplar gebracht wurde (Ende Juli), sich nicht fort- 
pflanzen. Ich fing das meinige am 8ten Juli, und vermuthe, 
dass das Exemplar von Quatrefages, da er auch die 
Länge nur auf lö— 18 Millim. , die Breite auf 8—9 angiebt, 
nur ein Junges ist. 

Sehr lieb war es mir, an diesem Exemplar eine Beob- 
achtung zu wiederholen, auf die ich bereits bei der Beschrei- 
bung des Tli. Diesingii hingewiesen hatte , und aus welcher 
ich auf das Vorhandensein einer AfteröfTnung schliesse. Als 
das Thier nämlich gefangen ward , und später noch einmal, 
öffnete sich auf dem Rücken im letzten Dritltheil seiner Länge 
eine kurze Längsspalte, und es trat aus ihr eine weisse, zähe 
Masse hervor, welche sich allmählich ablöste und ins Wasser 
glitt, wie ich vermuthe ein Excrement. Darauf zog sich die 
Oeffnung wieder zusammen und war weiterhin nicht mehr zu 
unterscheiden. Eine zufällige Wunde würde sich nicht so 
rasch geschlossen haben , auch hatte die Oeffnung ganz das 
strahlig gefaltete Aussehen eines Sphincter. 

Fasst man alle Beobachtungen zusammen, so kann man 
das Genus so charakterisiren : 

Thysanozoon, Corpus planum , subovale, supra papillis 
obsessum, margine frontali medio reflexo utrinque semel pli- 
cato, tentacula imitante, punctis ocularibus et in area inter 
plicas Sita et sub iis ipsis catervatim positis. Os subtus ante 
medium situm, pharynx exsertilis planus sinuosus, orificium 
masculum inter os et vulvam. Coeca intestini reticulatim in- 
ter se coniuncta, 

und die beiden nächst verwandten Arten würden sich 
so unterscheiden: 

Th. Diesingii. Corpore ovali, ex rubido - brunneo, pa- 
pillis dorsualibus concoloribus, digitiformibus, bis vel ter lon- 
gioribus quam crassis, subteretibus, mediis fulvidis vittam lon- 
gitudinalem angustam componentibus; margine albido sfriolis 
violaceis transversis piclo. 

Long. 1,5 unc. et amplius, lat. ad lö lin. 

Die jetzt beschriebene Art (TL Brocchü ?) : Corpore 



144 Grube: 

ovali , latiore, subgriseo , papillis dorsualibus nigricanlibus, 
saepius ad apicem albo punctatis^ vix altioribus quam crassis, 
parle media dorsi fusca, lincam albidam continente; margine 
ex sang-uineo rubente, striolis nigris Iransversis picto; plicis 
ironlalibus nigris, Stria alba signatis, area inter eas sila alba. 

Long. 1,5 unc, lal. 1 unc. 

Dieses Thier fand Herr Jouanny ßruyard auf ei- 
ner unserer Exkursionen nach Villa franca an der Unterfläche 
eines im Meer liegenden Kalksteinblockes. 

Der nun folgenden Beschreibung einiger Nemertinen 
muss ich die Bemerkung vorausschicken, dass ich die in mei- 
ner früheren Arbeit gewählten Bezeichnungen für die Körper- 
öfTnungen auch hier beibehalte. So sehr auch unsere Kennt- 
nisse vom Baue dieser Würmer durch die ausführliche Dar- 
stellung von Quatrefages gefördert sind, und so vielen 
Dank wir ihm dafür schulden^ so kann ich doch seiner Deu- 
tung des Darmkanals nicht beitreten, und die hintere (nicht 
mehr umstülpbare) Fortsetzung des Rüssels nicht für den Darm 
halten j glaube vielmehr mit Rathke und Oersted auch 
jetzt noch, dass der darunter liegende , beiderseits von den 
Generalionsorganen umfasste, durch vielfache Vorsprünge ein- 
geengte Kanal, welcher unterhalb des Vorderendes mit einer 
weiten Mündung beginnt, mit jenem Namen belegt werden 
müsse. Es beruht auf einem Missverständniss, wenn Qua- 
trefages meint, dass man jenem Rüssel eine hintere OefF- 
nung zusprechen wolle , dies bezieht sich nur auf den von 
uns so gedeuteten Darmkanal, und diese Oeffnung am Kör- 
perende finde ich auch bei den vollständig erhaltenen Exem- 
plaren der hier beschriebenen Species. Ich mache auf noch 
einen Umstand aufmerksam: will man in den Nemertinen die 
Grundzüge des Annelidenlypus wiederfinden, so muss auch 
die allgemeine Lagerung der Organe dieselbe sein; nun liegt 
aber das Rückengefäss der Anneliden unter der Rückenwand 
über dem Darmkanal, nach Quatrefages würde es, da er 
den Rüssel dafür nimmt, unter demselben zu liegen kommen, 
wenigstens im vordem Körpertheile. Folgt man aber unse- 
rer Deutung , so würde eben nur die Tasche für ein Hülfs- 
organ jene Lage haben, derTheil der Körpers, der von dem 



Bemerkungen über einige Helminthen und Meerwürmer. 145 

Vorderende bis zur untern OefFnung reicht, würde demlCopf- 
lappen der Anneliden entsprechen, der hier mit dem Mund- 
segment meistens verschmolzen ist, und die Lage der Mund- 
öffnung wäre ebenso normal. Eine Scheidewand zwischen 
der Höhle des Leibes und Kopftheils finden wir auch bei 
manchen Anneliden, und was die seitlichen Kopffurchen an- 
langt , so würden vielleicht künftige Untersucher nicht für 
überflüssig hallen, sie mit den entsprechend gelegenen Oeff- 
nungen einiger Opheliaceen näher zu vergleichen. Mir ist 
diese Gelegenheit bei meiner letzten Reise nicht zu Theil 
geworden. VVas aber den Gebrauch des Rüssels anlangt, so 
würde er nach meiner Vermuthung wie etwa der Rüssel 
des Elephanten bei Flüssigkeilen angewendet werden: die 
Nemertine würde damit ihre Beute ergreifen, tödten^ aus- 
schlürfen und das Fluidum dann in den Mund bringen. Wer 
diese Würmer in ihren oft so tiefen und engen Verstecken 
gesehen hat, begreift erst recht, dass ihre Ernährungsweise 
eine sehr eigenthümliche sein muss, wenn sie nicht etwa nur 
von den winzigen Thierchen leben sollen , die das Wasser 
mit dem Sande in ihre Schlupfwinkel führt. Ich werde also 
in meinen Beschreibungen die am Stirnrande befindliche Oeff- 
nung die Rüsselöffnung und die dahinter an der Unterfläche 
gelegene den Mund nennen. 

Was die Galtungen betrifft, so scheinen sie mir auch nach 
der Arbeit von Quatrefages noch nicht ganz sicher be- 
grenzt und die Schwierigkeit, wohin eine Nemertine zu stel- 
len sei , die man nicht lebend beobachten und anatomiren 
gekonnt, ist noch immer nicht durchweg gehoben. So würde 
man z. B. eine Borlasia und einen Nemerles schwerlich im- 
mer richtig unterscheiden und ebensowenig die langgestreck- 
ten Polien immer als solche erkennen. Die von S. Leu- 
ckart so gut charakterisirte Gattung Meckelia behalte ich 
mit Dies in g bei, und rechne vorläufig auch eine nicht mit 
Kopffurchen versehene Art dahin. 

4t. Meclielia S. Leuck. 
Corpus elongatum , depressum vel tereliusculum , ut 
plurimum sponle transverse fissile. Caput corpori continuum, 
fossa longiludinali in utroque margine. Apertura proboscidis 
in margine frontali sita, ocelli nulli, os inferüm. 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 10 



146 Grube: 

M, annulata Gr. 

Corpore longo , depresso, posleriora versus sensim an- 
guslato, ex fusco viridi, annulis albis inaequaliler distantibus, 
dorso interruptis 30 ad 70. Long. 4 ad 15 unc, lat. 1^3 ad 6 lin. 

Das früher von mir beschriebene Exemplar *) ist win- 
zig im Vergleiche mit den jetzt gesammelten, von denen ei- 
nes sogar das grösste von Quatrefa ges angegebene Mass 
von 8 Zoll überschreitet , es mass ausgestreckt etwas über 
15 Zoll bei einer grössten Breite von 6 Lin. und hat noch 
jetzt eine Länge von 8V4 Zoll, bei einer grössten Breite von 
4,5 Lin., während die Breite einen Zoll vor dem Schwanzende 
2'/^ Lin. Der Körper ist platt, in der Mitte nur 1,5 Lin. 
dick, das Kopfende hinter dem Munde bei einem hier stark 
Contrahirten Exemplare 3 Lin., bei Contractionen erschien 
er quergerunzelt oder quergefaltet, die Seitenränder etwas 
nach unten umgebogen, oft entstanden Einschnürungen, wo- 
bei sich die Körperwandung in die Länge faltete, so dass der 
Ausdruck „corpore non proteo,« den Quatrefages in die 
Charakteristik der Gattung aufgenommen , nicht mehr allge- 
mein passt. An den Weingeistexemplaren finde ich die Bauch- 
seite mit Ausnahme der vordersten Partie entschieden glatter 
als die Rückenseite und ihre Seitenränder, zum Theil auch die 
des Rückens , durch eine seichtere oder tiefere Furche ab- 
gesetzt, und wulstig. Die Färbung im Leben war dunkel- 
grün in's Olivenbraune, ein Exemplar auf der Oberseite roth- 
braun, auf der untern bräunlich grün, die Ränder oben wie 
unten dunkelgrün , allmählich in die andere Färbung über- 
gehend. Auf diesem Grunde erscheinen feine weisse unten 
ringförmig geschlossene, auf dem Rücken unterbrochene Quer- 
linien in ungleichen Abständen und verschiedener Zahl, an 
einem kleineren Exemplare von etwa 12 Zoll Länge über 40, 
an dem 15 Zoll langen über 70, sie verliefen mitunter leicht 
geschlängelt und standen häufig zu je 2 (etwa 1 Lin. ausein- 
ander gehalten), vom nächsten Paare etwa 2,5 Lin. entfernt, 
aber durchaus nicht regelmässig und ohne Hindeutung auf 
eine Körpergliederung. Sie sind noch jetzt, wo die Würmer 
eine helle olivengrüne oder braungraue Färbung angenom- 
men haben, recht gut erkennbar. 

*) Actin, Echinod. "Würmer d. Mittelm. p. 58. 



Bemerkungen über einige Helminthen und Meerwürmer. 147 

Das Kopfende ist hinten etwas breiter als vorn und geht 
gleichmässig- in den Leib über, wogegen bei zwei Weingeist- 
exeniplaren die Partie um den Mund und hinler dem Munde 
stark aufgetrieben, die vorderste dagegen ganz dünn wie 
eine Zunge erscheint und an den Kopflappen mancher An- 
neliden erinnert. Mitten zwischen dem etwas gerundeten oder 
abgestutzten Stirnrande und dem Anfange der Mundspalte 
sieht man eine w^eisse vollständig geschlossene Ringlinie her- 
umlaufen , und eine zweite ebenfalls vollständige befindet 
sich unmittelbar hinter dem Munde. Dieser selbst sieht bei 
verschiedenen Individuen sehr verschieden aus , bei einem 
ist er eine kleine runde nach vorn gerichtete Oeffnung, von 
welcher eine seichte Furche nach vorn läuft, bei einem zwei« 
ten sehr weit aufgethan, doch von ähnlicher Form und Rich- 
tung, bei dem dritten eine ganz in der Bauchfläche verlau- 
fende, durchaus nicht klaff'ende Längsspalte. Die seitlichen 
Rand furchen des Kopfes sind 1,5 bis 2 Lin. lang und fallen 
sogleich in*s Auge, sie werden durch die erste Querlinie in 
der Mitte getrofl"en und erreichen nicht die kleine Rüssel- 
öff'nung in der Mitte des Stirnrandes. Bei einem Weingeist- 
exemplare klaff'en sie so stark , dass ich ihren Boden sehen 
kann, hier bemerkte ich in der Hinterecke eine Vertiefung, 
in welche ich mit einer nicht eben spitzen Nadel eingehen 
konnte. Wenn dies eine natürliche Oeff'nung ist, wovon man 
sich gegenwärtig nicht mehr mit Sicherheit überzeugen kann, 
so liegt wohl die Frage nahe, ob sie vielleicht zu einem be- 
sondern Zwecke oder nur zum Ergüsse von Schleim bestimmt 
ist. Der von einem dieser Thiere herausgestossene und ab- 
gerissene Rüssel war fadenförmig, weiss und glatt, 6 Zoll 
lang, kaum 1 Millim. dick und zeigte keine Spur von Be- 
waff'nung. 

Ich fand diese ansehnliche Nemertine bei dem Zer- 
schlagen der grossen Kalksteinblöcke, die an den flachen Ufern 
des Meeres bei Villa franca vorkommen: die Würmer lagen 
hier einzeln in den Löchern und Höhlungen, von welchen 
diese Steine durchzogen sind. Beim vorsichtigen Tödten mit 
Weingeist gelang es mir zwei fast unversehrt zu erhalten, 
das dritte , schon verstümmelt gefundene ist beinahe mitten 
durchgerissen. 



148 Grube: 

Die Abbildung bei Oualrefages *" ) , welcher auch 
den ^otospermus drepanensis Huschke hicher zieht, weicht 
insofern ab , als die weissen Querslreifen viel breiter und 
mehr bindenarlig als linear, auch gegen den Seilenrand hin 
verbreitert und die Seilenränder selbst blassgrau sind, auch 
ist die Stirn mit einem weissen Fleck gezeichnet und die 
Zuspitzung des Hinterendes fängt sehr zeitig an. Kaum frag- 
lich scheint mir, dass die Meckelia Knerii Diesing *'^*"*), wel- 
che er charakterisirt „Corpus depressum retrorsum parum 
angustatum processu brevissimo filiformi, fusco viride varie- 
gatum, fasciis transversis albis ad 60 aequaliter distantibus. 
Aperlura genitalis elliptica. Long. 14 unc. Lat. anlice 4—5 lin., 
postice 3 — 4 lin.^^ dasselbe Thier ist. Der processus brevis- 
simus filiformis könnte ein reproducirtcs noch junges Schwanz- 
ende sein. 

M. aurantiaca Gr. Taf. VII. Fig. 1. 

Corpore minus longo, subtereti, colore aurantiaco, ven- 
ire marginibusque albis, capite albo, fronte supra macula Irian- 
gula violacea ornata. Long. 1-1,5 unc, lal. 0,5 lin. (Nov. spec). 

Flach diehrund, nicht veränderlich, 1 — 1,5 Zoll lang, 
contrahirt nur 7,5 Lin. lang und dann wie geringelt erschei- 
nend, 0,5 Lin. breit. Orangerolh etwas in's Ziegelrothe, Sei- 
tenränder und Unterseite weiss, Kopftheil weiss, oben auf der 
spilzgerundeten Stirn ein kleiner schön violetter, durch eine 
breite weisse Binde von dem Orangerothen getrennter Fleck. 
Der Körper verchmälert sich nach hinten sehr allmählich, 
und endete bei einem Exemplare in ein viel dünneres, wahr- 
scheinlich vor kurzem reproducirles Schwänzchen. Der Kopf- 
theil war nicht abgesetzt, Seitenfurchen und Augen nicht be- 
merkbar, der Rüssel zeigte keine Bewaffnung, der Mund wie 
gewöhnlich. Schwimmt lebhaft sich schlängelnd und windend 
und wurde zwischen Seepflanzen im Schlamme und zusam- 
mengebackenem Sande in der Bucht von Villa franca ange- 
troffen. Ich erhielt nur wenige Exemplare und diese zer- 
stückelten sich. 

In Gestalt und Farbenverlheilung erinnert diese Art an 



^•) L. c. pl. 17. Fig. XL p. 133. 
^^-) Syst. Helminlh. Vol. I. p. 264. 



Bemerkungen über einige Helminthen und MeerwOrmer. 149 

Cerebratulus depressus Qfg. , der jedoch merklich flacher zu 
sein scheint. Auch bei ihm sind Quatrefages keine Sei- 
tenfurchen aufgefallen. 

£»• Opliioceplialiis delle Chiaie. 
Corpus elongalum. Caput discretum, fissuris 4 longi- 
tudinalibus apice cruciatim convergentibus. Aperlura probo- 
scidis in margine frontali sita, ocelli nulli, os inferum. 
Oph. auripunctatus Gr. Tab. Vil. Fig. 2. 

Corpore subtereti a capite sulco annulari seposito, ru- 
bro purpureo maculis aureis ornato. Long. lOunc. et amplius 
lat. 1,5 lin. (Nov. spec). 

Der Gattungscharakter „fissuris 4 longitudinalibus" ist, 
wenn dieses Thier wirklich zu jener Gattung gehört, nicht 
ganz richtig ausgedrückt, man sieht vielmehr die beiden seit- 
lichen Kopffurchen der Meckelien , die an dem Stirnrande in 
einander übergehen und einen kürzeren sie kreuzenden Ein- 
schnitt, eine von oben nach unten durchgehende Spalte, keine 
blosse Vertiefung wie jene. Auch zeigt sich diese Spalte 
nur bei einem Exemplare deutlich, bei den andern kaum in 
einer Andeutung, so dass wir daran keinen constanten Cha- 
rakter haben. Dagegen ist eine vordere Ringfurche überall 
ausgeprägt , sie grenzt aber nicht sowohl das ab , was wir 
im eigentlichen Sinne den Kopf nennen, als vielmehr den vor 
dem Munde gelegenen Theil, also denjenigen, der dem Kopf- 
lappen der Anneliden entsprechen würde. Dieser Theil ist 
stumpfgerundet, seine Seitenfurchen gehen bis zur Ringfurche, 
und unmittelbar hinter ihr liegt der bei einigen Individuen 
geschlossene , bei anderen offene kleine kreisrunde Mund. 
Der Körper ist fast drehrund, nahe dem Vorderende merklich 
anschwellend, die Bauchseite platter als der Rücken, bei ein- 
zelnen Exemplaren mit zwei mehr oder minder deutlichen 
Längsfurchen , die einen sehr schmalen Mittelstreif begren- 
zen, dabei unregelmässig und dicht quergerunzelt. Mir sind 
nur Weingeistexemplare zugänglich gewesen; alle sind un- 
zerstückelt , das längste misst 10 Zoll und ist vorn 3, hinten 
1,5 Lin. dick. Die Färbung der lebenden beschreibt Dr. Ti- 
ling, der sie unfern Aztk am Ocholskischen Meere gesam- 
melt, weinrolh mit goldigen Fleckchen. 



150 Grube: 

e« IVeBMertes Cuv. 

Corpus venniforme, depressum vel teretiusculum. Caput 
corpori continuum, fovea longiludinali in utroque margine. 
Apertura proboscidis in margine frontali sita , ocelli 4—12 
vel plurimi, antici. Os inferum. 
A'. purpurea Johnst. 

Corpore (paulo) depresso ulrinque attenuato purpureo 
vel obscure viridi, sublus pallido; capite continuo, i'oveis la- 
teralibus conspicuis , ocellis utrinque 6—8 submarginalibus^ 
Serie simplici collocatis. 

Von dem Habitus der Borlasia Camillea Quatrefg., aber 
durch die Stellung der Augen, die Länge der seitlichen Kopf- 
furchen, auch die Färbung verschieden , so sehr diese auch 
bei der erstgenannten Art wechselt. Dieser Wurm erreicht 
eine Länge von 5 bis 12, ja sogar bis 33 Zoll bei einer 
grössten Breite von höchstens 1 Linie. Nach dem Tödten im 
Weingeist schrumpft er fast auf die Hälfte der Länge ein. Der 
Körper ist abgeplattet gerundet, der Rücken etwas convex, 
der Bauch ganz flach, die Breite ist an keiner Stelle auffal- 
lend, und nimmt gegen das Hinterende sehr allmählich aber 
bis zur vollkommenen Zuspitzung ab. Der Rücken hat eine 
schmutzig erdbraune etwas in's Grüne ziehende , bald dunk- 
lere bald hellere Färbung , und erscheint am Kopfende blut- 
roth unterlaufen ; die Seitenränder so wie die Ränder der 
Kopfspalten und des Mauls weisslichgrau, die Bauchseile im- 
mer heller als der Rücken , unrein gelblich , zuhinterst ganz 
blass. Mitunter sieht man hinter den letzten Augenpunkten 
einen von innen durchschimmernden breiten blutrothen Ring 
(wahrscheinlich von dem um die Ganglien fliessenden Blute 
herrührend), auch erkennt man zuweilen eine dunkle , wohl 
etwas eingesenkte Rückenlinie und rechts und links daneben 
eine Längsreihe feiner weisser in kurzen Abständen auf ein- 
ander folgender Pünktchen, die gegen das Hinferende wie- 
der undeutlicher werden (ob vielleicht Mündungen von Schleim- 
poren ?). Der Kopflheil ist durch keine Furche abgesetzt, 
nirgends breiter als der Körper und zungenförmig, mitten an 
seinem Stirnrande die sehr kleine Oeffnung, durch welche 
der weisse Rüssel, so dünn wie ein Zwirnsfaden hervortritt. 
Der Mund bald oval bald wie eine Längsspalte geformt, liegt 



Bemerkungen über einige Helminthen und Meerwurmer. 151 

in einem 8 Zoll langen Exemplare 3 Millim. vom Stirnrande 
entfernt, die seitlichen Kopfspalten erstrecken sich 2 Millim., 
stehen also nur 1 Millim. vom Munde ab und sind nichts we- 
niger als sehr klein und rund wie bei B. Camillea, Ueber 
jeder derselben sieht man ö schwarze Augenpünktchen hinter 
einander , während sie dort viel zahlreicher sind und vier 
Gruppen bilden. Die Spuren von Gliederung , die man zu- 
weilen wahrnimmt, rühren von Innern paarweise lieg^enden, 
die Seilenränder einnehmenden weisslichen Organen her, wel- 
che nichts anderes als die Generationsorgane sein können. 

Dieser Wurm findet sich mit Lithocryptus prasinus zu- 
sammen in den schmälsten Klüften der Kreideklippen bei 
Dieppe; grosse Exemplare etwas zusammengeknäuelt, kleinere 
mehr in freien Windungen, ganz kleine z. B. von 7 Lin. Länge 
ausgestreckt; sie lagen, nachdem ich sie an's Tageslicht ge- 
fördert, meistens ruhig, oder bewegten sich doch sehr wenig, 
mehr oder minder von weissem Schleim umhüllt. Auf dem Zim- 
mer hielten sie sich mehrere Tage ganz gut, ohne zu zer- 
stückeln. Am besten scheint man sie durch allmähliches Zu- 
tröpfen von Weingeist zu tödten; versuchte ich dasselbe mit 
Salmiakspiritus, so rollten sie sich stark zusammen, sonder- 
ten auch sehr vielen Schleim ab. Man muss sich hüten, 
sie bald nach dem Tödten behufs der Messung auf einen Tisch 
oder eine andere trockene Fläche auszubreiten, weil sie dann 
beim Aufheben leicht zerreissen. 

N. lactea Gr. Taf. VII. Fig. 3. 4. 

Corpore filiformi, parte antica extrema colore sanguineo 
imbuta , foveis lateralibus conspicuis , ocellis utrinque S — 9 
submarginalibus serie simplici coUocatis (Nov. spec). Long. 
0. 3unc. 

Fadenförmig, hinten zugespitzt, drehrund, weiss mit sanft 
gerölhetem Vorderende, Stirnrand leicht gerundet, Seiten- 
furchen deutlich, an der obern Lippe einer jeden eine Längs- 
reihe von 8—9 schwarzen Augenpünktchen. Mund rundlich, 
etwa 2 mill. vom Stirnrande entfernt, der vorderste Theil 
des Körpers durch eine Ringfurche abgesetzt. 

Im Schlamme des Ufers in der Bucht von Villa franca. 
Während des Lebens zeigte der Körper durchaus keine stel- 
lenweise auftretenden Anschwellungen und Verengungen;, auch 



152 Grube: 

haben sich die meisten Exemplare beim Tödten in Weingeist 
unversehrt erhalten. 

Qf* Heinip§ilus> Qfg. 

Annal. des scienc. nat. Trois. ser. Tom. VI. 1845. p. 131. 

Corpus capillare, utrinque paulo attenualum, parte anlica 
vel etiam postica serlebus 2 vel 4 selularum brevium in lon- 
gitudinem obsita, extremitatibus ipsis circulis spinularum lon- 
giorum armalis. Os anticum, anus posticus, apertura geni- 
lalium maris anum proxima, pene duplici, feminae sub medio 
corpore sita (char. emend.). 

H, amphacanthus Gr. Taf. VI. Fig. 7—9. 

Spinulis circuli anterioris 6 longioribus, parte antica et 
postica corporis seriebus selularum , exlremilate postica ipsa 
setulis sparsis armata. (Nov. spec). Long, ad 9 lin., crass. 
max. 0,07 lin. 

Die Verschiedenheit der vorliegenden Art vonJf. tricho- 
des Leuck. -") finde ich in ihrer fast doppelt so grossen Länge 
und in der Bewaffnung des Hinterendes. Die erslere könnte 
schwanken, obwohl es auffallend wäre, dass alle meine Ex- 
emplare so viel mehr messen sollten ; was aber die Bewaff- 
nung betrifft, so ist nicht gut anzunehmen, dass diese Leu- 
ckart entgangen sein oder alle ihm vorliegende Thiere die 
Stachelchen des Hinterendes verloren haben sollten, während 
sie sich an den meinigen ebenso gut als die vorderen erhal- 
ten zeigen. Die Art von Hemipsilus, welche Quatrefages 
am Kanal gefunden aber nicht eigens benannt hat, entbehrt 
ebenfalls dieser hintern Stachelchen; er giebt die Körper- 
länge nur auf 3,5 Lin. bei 0,1 Lin. Dicke, Leuckart auf 
5 Lin. an. Ich hatte Gelegenheit, die Thiere frisch zu un- 
tersuchen , und finde sie nach der Aufbewahrung in Wein- 
geist, abgesehen von ihrer verminderten Durchsichtigkeit;, we- 
nig verändert. Das Vorderende C^ei Quatrefages und 
Leuckart Kopf genannt) verschmälert sich langsam bis 
etwa auf Ya der grössten Breite und ist am Vorderrande selbst 
abgestutzt. Unmittelbar hinter diesem erblickt man einen 
Kranz von 6 dünnen nach vorn gekrümmten farblosen Sta- 
cheln, sie sind 0,008 bis 0,002 Lin. lang und halten meistens 



*) Wiegm. Arch. 1849. p. 157. Taf. III. Fig. 3.«, 6. 



Bemerkungen über einige Helminthen und Meerwürmer. 153 

gleiche Abstände, treten aber zuweilen auch jederseits näher 
zu je 3 zusammen. Dass sie ähnlich den Annelidenborsten 
mit ihrem ßasalendc in das Innere des Körpers hineinragten, 
habe ich nicht bemerkt. Dahinter folgt an jedem Seitenrande 
eine Reihe von 4 bis 10 kürzeren Stachelchen in unorleichen 
Abständen hinter einander. Sie erstrecken sich höchstens durch 
das erste Neuntel des Körpers, und nehmen nach hinten an 
Länge ab, einige sehen wie abgebrochen aus. Das hintere 
Körperende fand ich bei den mit Eiern versehenen Exem- 
plaren gleichmässig und langsamer verjüngt, bei andern, von 
denen keines Eier enthielt , und die ich deshalb für Männ- 
chen nehme, schneller zugespitzt, an dem einen Rande ziem- 
lich stark ausgeschweift, auch wohl nach dieser Richtung hin 
leicht eingerollt. In beiden Fällen stellt das äusserstc Ende 
einen kurzen, stumpfen ebenfalls mit Slachelchen besetzten 
Griffel dar, doch erreichen sie nicht die Länge und Stärke der 
vordersten ö, bilden auch nicht einen Kranz, sondern stehen 
zerstreut: ihre Zahl beträgt 6 bis 8 oder mehr. Bei den 
Männchen setzen sich diese Stachelchen auch weiterhin nach 
vorn fort und zv^^ar minder zahlreich an der concaven als an 
der convexen Seile, an jener zähle ich etwa nur 4 in grös- 
seren Abständen, an dieser bis 28 hinter einander, und letz- 
tere stehen mitunter deutlich paarweise. Vor dem griffei- 
förmigen Körperende lagen im Innern zwei lange S-förmige 
starre Körper, die ich für Penisklappen halte: vorgestreckt 
habe ich sie nie gesehen. Der verdauende Kanal verläuft 
gerade und gleich breit durch die ganze Körperlänge. Er 
beginnt mit einer kurzen bis zum Stachelkranze reichenden, 
hier verschmälerten Mundhöhle; ein zweiter in ihrem Um- 
kreise gelegener Borstenkranz, wie ihn Leuckart erwähnt, 
ist mir nicht aufgefallen. Auf die Mundhöhle folgt ein mus- 
kulöser , sich bis hinter das Ende der vorderen seitlichen 
Borstenreihen erstreckender Oesophagus, und dieser geht 
durch eine deutliche Einschnürung in den eigentlichen Darm 
über. Den verdauenden Kanal begleitet bei den Weibchen 
jederseits ein halb so dünner Kanal, in welchem eine Reihe 
kugelförmiger Körper von 0,01 Lin. Durchmesser, die ich 
eben für Eier halte. . Sie liegen sehr weilläuGg, heginnen 
schon neben dem Oesophagus, und gehen bis nahe zum Kör- 



154 Grube: 

perende. Ob die Oeffnung-, durch welche sie heraustreten, 
wie Quatrefages angiebt, in der Mitte des Körpers, oder, 
wie Leuckart fand, am Ende selbst liegt, habe ich nicht 
ermitteln können. Robin's Rayera hispida , von der mir 
keine nähere Beschreibung bekannt ist, die aber nach seiner 
mündlichen Mitlheilung gerade bei Dieppe vorkommt, könnte 
leicht dasselbe Thier sein. Ich fand meine Exemplare zur 
Zeit der Ebbe in schmalen mit Sand erfüllten Klüften der dor- 
tigen Kreideklippen. 

8. liitliocryplus prasiniis Gr. Taf. YII. Fig. 5— 8. 

Die nur niedrigen zur Zeit der Ebbe unbedeckten und 
leicht zugänglichen Kreideklippen bei Dieppe gewähren nicht 
nur in ihren Höhlungen und Klüften zahlreichen Krabben einen 
willkommenen Zufluchtsort, sondern auch in ihren engen Spal- 
ten manchem zarter gebautem Meeresbewohner einen dauernden 
Aufenthalt. Diese Risse des weichen Gesteins, entstanden durch 
die abwechselnde Enlblössung und Bedeckung mit Wasser und 
den mächtigen Andrang der Wogen , oft so unscheinbar, 
dass sie dem ungeübten Auge entgehen, durchsetzen gleich- 
wohl überall die Kreidemassen , und lassen sich am besten 
durch den Hammer entdecken, auf dessen, besonders gegen 
die Feuersteinknollen gerichtete Schläge sich oft gewaltige 
Stücke ablösen und mit Sand ausgefüllte Spaltflächen zeigen. 
In solchen Schlupfwinkeln, in denen Phyllodoce viridis haust, 
der eben beschriebene Hemipsilus amphacanthus und kleine 
Milben sitzen, sich hier und da ein langer Nemertes dehnt, 
entdeckte ich auch das sondarbare, höchstens 10 Lin. lange 
Würmchen, von dem ich jetzt Nachricht gebe. 

Sein Körper ist fast fadenförmig, weich, nackt, ziem- 
lich drehrund, ungegliedert und ohne Andeutung eines Kopf- 
theils, gegen die Mitte ein wenig angeschwollen und von 
grüner Farbe; bei seinen kaum bemerkbaren Bewegungen 
glaubt man fast etwas einem Confervenfaden Aehnliches vor 
sich zu haben. Man erkennt jedoch sehr bald, dass der Kör- 
per durch ringförmige Einschnürungen in zwei oder vielmehr 
in drei Abschnitte von verschiedener Länge getheilt ist, von 
denen die beiden ersten schärfer gegen einander abgesetzt 
sind, als der zweite und dritte, der zweite ist der längste, 
der erste etwas kürzer, der dritte der kürzeste. 



Bemerkungen über einige Helminthen und Meerwürmer. 155 

Der vordere, etwas plalt gedrückte, Abschnitt beginnt 
schmal, wird aber allmählich breiter, bis er am Hinterende 
selbst sich plötzlich wieder verengt und etwas abrundet, um 
in den mittleren überzugehen. An seiner Wandung bemerkt 
man ringsherum. Längsstreifung, an seinem abgestutzten Vor- 
derc-nde eine die ganze Breite desselben einnehmende, 
mit winzigen Papillen eingefasste OefTnung , die ich für den 
Mund halte (Taf. II. Fig. 6.). Die Längsstreifen sind zwei- 
erlei Art, breitere, weitläufig stehende und zartere dazwi- 
schenliegende dunkle; von jenen ^ jetzt durch ihre entschie- 
den weissliche Farbe auffallenden zähle ich 6, von den an- 
deren etwa 21 , so dass , da die Zwischenräume zwischen 
jenen ziemlich gleich sind , je 3 bis 4 in jedem einzelnen 
auftreten, lieber die Natur der Längsstreifen konnte ich nichts 
näheres ermitteln , man sieht nur so viel , dass die dunkeln 
linearen bald durchweg einfach sind , bald sich auf eine 
Strecke gabiig spalten, um dann wieder einfach zu werden, 
die weisslichen breiteren sind vielleicht nichts anderes als 
regelmässige breitere Zwischenräume. Uebrigens fallen beim 
lebenden Thier , wenn man es bei durchscheinendem Lichte 
beobachtet und ein Glasblättchen autlegt, diese Längsstreifen 
weit weniger in's Auge, indem der ganze vordere Abschnitt 
mit lauter Körnchen, wie Chlorophyllkörnchen erfüllt erscheint, 
und jene nur leise dazwischen durchschimmern; die Dicke 
der Wandung zeigt sich farblos. Wahrscheinlich sind diese 
Körnchen nichts anderes als kleine Papillen, denen ähnlich, 
die an der Mundöffnung deutlich hervorragen, und die vor- 
dere Körperabtheilung enthält vermuthlich einen vorstülpba- 
ren Rüssel, dessen Innenwand sie besetzen , wenigstens be- 
merkte ich an einem Exemplare statt einer einfachen Mund- 
öffnung an einem verjüngt zulaufenden Vorderende , einen 
dicken kurzen cylindrischen mit vorragenden Papillen besetz- 
ten Körper, auf welchen dann ein zwar längsgestreifter aber 
von den beschriebenen Körnchen leerer Abschnitt folgte. Ein 
schmal am Munde anfangender und sich linear fortsetzender 
durchsichtiger aber ziemlich bald verschwindender mittlerer 
Längsstreif bezeichnete bei zurückgezogenem Rüssel den durch 
ihn hindurchgehenden Kanal; dieser ganze Abschnitt des 
Leibes ist lauchgrün gefärbt;, und hat etwas festes, starreres, 



156 Grube: 

SO dass er dem nächstanstossenden und letzten gegenüber, 
etwa wie der Stiel einer Geissei aussieiit. 

Die mittlere 'Körperabtheilung (Taf. VII. Fig. 5) etwas 
länger als die vorderste , und schon durch ihre blassgrüne 
Farbe abstechend , erscheint gleichmässiger drehrund , und 
umgekehrt vorn sogleich hinler der Abschnürung am meisten 
verdickt, nach hinten sich langsam und stärker als jene ver- 
jüngend. Bei durchfallendem Lichte und bei dem leichten 
Drucke eines Glasblättchens erkennt man einen sie der Länge 
nach durchziehenden Kanal mit ziemlich dicken, wie mit win- 
zigen Körnchen versehenen und von der Leibeswand abste- 
henden Wandungen, und schmalem Lumen. Auch er ist an- 
fangs etwas dicker und verjüngt sich allmählich, wie die äus- 
sere Gestalt dieses Körperabschniltes in dessen Wandung bei 
stärkerer Vergrösserung lauter dicht auf einander folgende 
Querstreifen zum Vorschein kommen. Sie werden an zweien 
den Rändern des Kanals entsprechenden Stellen von geraden 
sehr bestimmt begrenzten zu je 2 stehenden dicken halb hel- 
len halb dunkeln Längsstreifen durchsetzt, welche ebenfalls 
der Leibeswandung anzugehören scheinen. 

Die hinterste Körperabtheilung (Taf. VII. Fig. 5) endlich 
ist weniger durch eine starke ringförmige Einschürung als 
durch ihr Ansehen gegen die mittlere abgesetzt, ihre Farbe 
ist wieder dunkelgrün wie bei der vordersten, ihre Dicke 
dieselbe, wie bei der mittleren, gegen das Hinterende zu 
mitunter etwas zunehmend, die Wandung aber dünner, durch- 
sichtiger. Der in der mittleren enthaltene Kanal, der wohl 
für den Darm gehalten werden muss , setzt sich in sie fort, 
zeigt hier aber eine Menge zackig und unregelmässig ge- 
schlängelter die ganze Breite durchziehender Querfalten oder 
Gefässe, aus denen ganz hinten einige ähnliche aber längs- 
verlaufende hervortreten (Taf. VII. Fig. 8). Nach der Aufbe- 
wahrung in Weingeist zeigen sich auch hier einige weissliche 
Längsstreifen. Diese Abiheilung endet mit einer kurzen An- 
schwellung, welche bei einem Exemplare einem nach hinten 
offenen Kclchglase oder einer Glocke, mit mitten eingekerb- 
tem Rande ähnelt, bei einem andern, mehr die Gestalt einer 
blossen Haftscheibe mit etwas wulstigem Rande zeigt. 

Von diesem Thierchen erhielt ich zwei vollständige und 



Bemerkungen über einige Helminthen und Meerwürmer. 157 

ein hinten schlecht erhaltenes Exemplar. Das grösste hatte 
eine Länge von 21 Millimeter, (etwas über 9 Linien), wovon 
fast 8 auf die erste, fast 10 auf die zweite und etwas über 4 
auf die dritte Körperabtheilung kommen. Die Breite betrug 
am Vorderende 1 Millim. , am Ende des ersten Abschnittes 
2 Millim., kurz vor dem Hinterende nur ^J-^ Millim. 

Das kleinste Exemplar hat eine Länge von nur 1 1 Mil- 
lim. , und die einzelnen Körperabschnitte messen 3,6 und 2 
Millim., das dritte eine Länge von 13 Millim. mit den Ver- 
hältnissen von 4:7:2. Bei allen bemerkte ich stellenweise 
erfolgende langsame Contractionen der Körperwandung, bei 
einem nur eine sehr träge Ortsbewegung , welche in einem 
S-förmigen Einkrümmen bestand. Weiteren Beobachtungen 
setzte meine nicht zu verschiebende Abreise eine Grenze. 
Die Charakteristik dürfte so gefasst werden müssen : 

Li;/iocr?/p/Ms: Corpus paene filiforme, molle, inerme, stri- 
cluris duabus transversis tripartitum, ore antico, ano postico, 
campanulae instar amplificato, tubo intestinali recto parte an- 
teriore protractili^ papillis obsita. 

L. prasinus: corpore paene filiformi, molli, inermi, 
stricturis duabus transversis tripartito, parte anteriore in lon- 
gitudinem striata, ut posteriore, prasina , clavaeformi, postice 
incrassata, media longiore, posteriora versus attenuata , pal- 
lidiore, postrema brevissima, extremifate campanulae instar di- 
latata, ore antico, ano postico, tubo intestinali recto, parle 
anteriore protractili, papillis mollibus obsita. Longitudo ad 
10 lineas , latitudo maxima linea 1 paulo minor. 

Die mangelhafte Kenntniss von der ganzen Organisation 
dieses Thierchens erhöht die Schwierigkeit, ihm einen siche- 
ren Platz anzuweisen. Dass es zu den ungegliederten Wür- 
mern gehört, unterliegt wohl keinem Zweifel, und äussere 
Gestalt und Lebenweise würden es vielleicht in die Nähe der 
Nemertinen verweisen, mit denen es auch in der trägen Be- 
wegung übereinstimmt. Doch kennen wir hier nur Formen 
mit gleichmässig fortlaufendem Körper: von Augen und seit- 
lichen Grüben, welche bei so vielen vorkommen, und von 
dem allen eigenthümlichen, über dem Darmkanale gelegenen 
rüsselartigen Organ ist bei unserem Thier keine Spur vor- 
handen , und die Gestalt des Darms, an dem sich keine von 



158 Grube: Bemerk, über einige Helminthen und Meerwürmer. 

Dissepimenten der Leibeshöhle herrührende in gleichen Ab- 
sätzen wiederkehrende Einschnürungen zeigen, so wie seine 
vordere mit Papillen besetzte hervorstülpbare Abtheilung wei- 
chen durchaus von den Nemertinen ab. Flimmerbewegungen 
der Haut habe ich bei 60facher Vergrösserung nicht bemer- 
ken können. Alles erwogen, scheinen die genannten Unter- 
schiede so bedeutend , dass man sich nach einer anderen 
Vergleichung umsehen muss, doch wüsste ich keine andere 
Gruppe der ungegliederten Würmer, zu der Lithocryptus ei- 
nigermassen passte, als die Sipunculiden i. w. S. oder Gephy- 
reen, nur pflegt diesen eine geräumige Leibeshöhle zuzukom- 
men, die unserer Gattung gerade abgeht. 



Erklärung der Abbildungen. 
Taf. VI. 

Fig. 1. Oclobolhrium scombri ? von der Unlerseite, etwas über 7- 
mal vergrösserl. 

Fig. 2. Derselbe Wurm von der Rückenseite. 

Fig. 3. Einer von den vier Haflnäpfen, stärker vergrössert mit seinen 
Hartlheilen. 

Fig. 4. Thtjsanozoon Brocchii Qfg., von der Rückenseite. 

Fig. 5. Dasselbe Thier von der Bauchseite. 

Fig. 6. Orlhostomum rubrocinclum Gr. Ich gebe von diesem in meiner 
Schrift über die Aclinien, Echinodermen und Würmer des Mit- 
telmeeres bereits beschriebenen Thierchen , hier nachträglich 
noch eine Abbildung, damit der Unterschied von Tricelis fa- 
sciatus Qfg. leichler in's Auge fällt. 

Fig. 7. Hemipsilus ainphacanthus Gr., etwa 6-mal vergrösserl. 

Fig. 8. Das Vorderende des Körpers stärker vergrössert. 

Fig. 9. Das Hinterende des Männchens seitlich gesehen. 

Taf. VII. 

Fig. 1. Meckelia aurantiaca Gr. 

Fig. 2. Ophioccphalus auripunctatus Gr. Kopfende. 

Fig. 3. Nemertes lactea Gr. von der Rückenseite gesehen, natürliche 

Grösse. 
Fig. 4. Vorderende von demselben Thier vergrössert, 
Fig. 5. Lüliocryplus prasinus Gr., etwa 4-mal vergrössert. 
Fig. 6. Mundöffnung mit ihren Papillen von demselben Thier, stärker 

vergrössert. 
Fig. 7. Theilweise ausgestülpter Rüssel. 
Fig. 8. Hinterende. 



Ilolopediuiii g^ibberitin, ein neues Crusta- 
ceum aus der Familie derBrancliiopoden* 

Beschrieben von 

E« O. Z a d d a c li, 

Prof. in Königsberg. 

Hierzu Taf. VIII. und IX. 



Am 3len Juni v. J. fing ich in einem grossen Teiche 
unweit Königsberg daphnienarlige Thierchen^ welche sich 
durch ihre Bewegungen sogleich als eine mir neue und unbe- 
kannte Gattung kund gaben. Sie schwammen mitten im Tei- 
che in einem Schwärme von Algen, welche aus kleinen, in 
der Mitte breiteren , an beiden Enden zugespitzten Blättchen 
gebildet wurden , die meistens in Form einer vielspitzigen 
Kugel zusammengruppirt vorkamen. Leider war es nicht 
möglich, die Thiere in der Gefangenschaft lange lebend zu 
erhalten. In drei Tagen schon starben sie sämmtlich und dies 
verhinderte mich , ihren inneren Bau so gründlich zu studi- 
ren, wie ich es wünschte. Auch war eine spätere Bemühung, 
sie wieder zu erlangen , vergeblich. Da ich sie jedoch ge- 
nau genug untersucht habe, um sie charakterisiren und mit 
den verwandten Gattungen vergleichen zu können , und da 
sie eine interessante, neben Sida stehende Form darstellen, 
will ich sie hier ausführlicher beschreiben. 

Ich habe die Art 

Holopedium g^ibberuiii ^> 
genannt. Die allgemeine Körperform des Thieres ist ganz 



*) Von uXog ganz, ungetheilt und nr^doy das Ruder, also : mit 
ungetheiltem Ruder. 



160 Zaddach: 

die der Daphnien oder genauer die der Sida, denn es hat wie 
diese Gattung sechs Paar Schwimmfüsse und entbehrt des 
sogenannten Gewölbes, welches bei den Daphnien und Lyn- 
ceen die Schale über der Basis der Ruderantennen bildet. 
Auch ist es wie diese von einer wunderbaren Durchsichtig- 
keit aller Körpertheiie, ja es übertrifft die Sida crystallina 
noch fast in dieser Eigenschaft, so dass es mehr als irgend 
ein anderes Thier aus der Familie der Daphniden zur genauen 
Untersuchung der anatomischen Verhältnisse geeignet ist, weil 
die Theile des Körpers genug Farbe haben, um deutlich er- 
kannt werden zu können, und dennoch so durchsichtig sind, 
dass man die inneren Theile fast eben so gut, wie die äus- 
seren sieht. Die Grösse des Thieres ist geringer als die der 
Sida crystallina , denn seine Länge von der Stirne bis zur 
Spitze der Warze am Hinterleibe beträgt noch nicht ganz 
eine halbe Linie, etwa 0,47'" oder 0,48"'. Was aber diese 
Gattung von allen bekannten Gattungen der Cladoceren un- 
terscheidet, das ist die Form der Ru derantenn en; diese 
sind nämlich nicht, wie bei allen diesen, zweiarmig, sondern 
ungetheilt , und bestehen aus einem an der Basis ziemlich 
starken, gegen die Spitze sehr verschmälerten und schlanken 
Arme, der aus vier Gliedern zusammengesetzt ist (vergleiche 
Fig. 1). Die drei ersten Glieder sind fast gleich lang, das 
Glied an der Spitze aber ist etwa um ein Drittlheil kürzer. 
Die Ruderantenne sitzt dem vorderen und unteren Rande des 
Kopfes näher, als es bei den verwandten Gattungen der Fall 
ist, dicht über den kleinen Antennen und vor der Wurzel 
der Oberlippe. Die Körperhaut geht, wie gesagt, glatt auf 
dieselbe über , ohne an der Wurzel eine Falte zu bilden. 
Das erste Glied der Antenne ist geringelt, und sie biegt sich, 
wenn sie auf- und niederschlägt, in diesen Ringeln, dagegen 
ist dieGrenze zwischen dem ersten und zweiten Gliede ziem- 
lich undeutlich. Das letzte Glied trägt an seiner Spitze drei 
gegliederte Fiederborsten, die an ihrer Basis durch drei kleine 
Stacheln gestützt und fast anderthalb Mal länger sind, als 
der Stamm der Antenne. Ausser diesen Borsten giebt es 
an der Antenne keine anderen und diese bildet also ein Ru- 
der, welches sich durch seine ausserordentliche Länge und 
Schmalheit sehr wesentlich von den viel kürzeren und durch 



Holopedium gibberum. 161 

seitlich stehende Fiederborsten verbreiterten Rudern der an- 
deren Gattungen unterscheidet. Die Bewegung der Thiere 
schien, so weit ich sie beobachten lionnte , schwerfällig und 
langsam zu sein , die gefangenen schwammen meistens auf 
dem Rücken und schlugen mit den Ruderantennen rückwärts, 
um sich in die Höhe zu schnellen ; doch darf man hieraus 
nicht schliessen, dass sie sich auch im Freien nur so bewe- 
gen können, denn sie wurden in der Gefangenschaft fast 
sämmtlich von einer sonderbaren Krankheit befallen. Ihr 
ganzer Körper bekleidete sich nämlich mit einer Gallertku- 
gel, die nur den unteren Theil des Kopfes mit den grossen 
Antennen und die Schalenspalte, aus der die Füsse hervor- 
ragen , frei Hess. Diese Gallertmasse Hess durchaus keine 
Structur wahrnehmen, war vollkommen wasserhell und wuchs 
bald zu solcher Grösse, dass sie die Länge, so wie die Höhe 
des Thieres um mehr als das Doppelte übertraf. Durch sol- 
che Last wurden die Thiere auf den Boden des Gefässes, in 
dem sie waren, herabgezogen und starben dort zusammen- 
gehäuft, wahrscheinlich aus Mangel an frischem und lufthalti- 
gem Wasser. 

Gehen wir nun zu der Beschreibung der übrigen Kör- 
perlheile des Holopedium über. Das Kopfbruststück ist 
klein, es bildet vorn eine stumpfe Ecke, in der das Auge 
Hegt, und nach hinten über der Wurzel der Oberlippe eben- 
falls eine stumpfe^ wenig vortretende Ecke, also keinen schna- 
belartigen Fortsatz. Das Auge ist auch nur verhältnissmär- 
sig klein , besonders im Vergleiche zu der nahe verwandten 
Gattung Sida ; und bei frischen Exemplaren sieht man nur an 
der vorderen Kante etwa drei Krystallkegel aus dem schwar- 
zen Pigmente hervorragen. Auch die Augenmuskeln sind nur 
kurz. Degegen ist der schwarze Punkt (Fig. 2. ^), der 
der unteren Kante des Kopfes nahe liegt und etwa um '/j 
ihrer Länge von der hinteren Ecke derselben absteht^ ver- 
hältnissmässig gross und erscheint, von der Seite gesehen, 
scharf vierkantig; hier sitzen auch die kleinen Tastan- 
tennen, die bei den mir allein bekannten weiblichen Thie- 
ren kurze, abgestumpfte Kegel bilden, die an der Spitze mit 
mehreren Fädchen oder Häärchen besetzt sind. Das Ge- 
hirn (J.) ist kleiner, aber^, von der Seite gesehen^ ganz 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. X % 



162 Zaddach: 

ähnlich gestaltet , wie bei Sida, doch ist zu bemerken , dass 
der schwarze Punkt eine andere Lage gegen das Gehirn hat, 
als bei dieser Gattung , wo er sehr klein ist und an der vor- 
deren Seite desselben liegt. Die Oberlippe ist gross^ 
rüsselförmig, mit spitzem Endlappen wie bei den Daphnien, 
und ihre innere concave Fläche erschien stets gelbgefärbt, 
wie die Speiseröhre. Die Oberkiefer sind wie bei allen 
Cladoceren gestaltet ; sie liegen an der Seite des Kopfbrust- 
slücks, sind mit der oberen Spitze au einen kleinen Schalen- 
vorsprung, der sich vom Rücken her an der Seite herabzieht, 
befestigt und am unteren Ende zur Bildung des Kaustückes 
rechtwinkelig gebogen. Sie werden, wie überall in dieser 
Abtheilung der Crustaceen, durch einen quer unter dem Darm- 
kanal verlaufenden, sehr starken Muskel aneinander gezogen, 
dessen Insertionsslelle man in Fig. 4, welche einen Theil der 
Muskulatur desKopfbrusttheils darstellt^ bei c sieht. Als Ab- 
zieher und Dreher des Oberkiefers verlaufen an den Seiten 
des Körpers zwei Muskeln , die an der äusseren Schale un- 
weit des Rückens mit ihren breiten Enden festsitzen und sich 
verschmälernd mit ihren Spitzen an den vordem und hintern 
Rand des Oberkiefers inseriren; der vordere (Fig. 4, a) ist 
der schmälere und schwächere, der hintere 6, ist um mehr 
als das Dreifache breiter und stärker. 

Hier will ich zugleich der Muskeln der Ru der an- 
te niien erwähnen, so weit ich dieselben kennen gelernt 
habe. Ein ganz vollständiges Bild von der Muskulatur des 
Körpers zu geben, bin ich überhaupt nicht im Stande, da ich 
in der Absicht, mich mit den äusseren Körpertheilen genau 
bekannt zu machen, bei der ersten Betrachtung nur einzelne 
Partieen der Innern Organe aufzeichnete, wie sie sich der 
Beobachtung gerade darboten, die Fortsetzung der Untersu- 
chungen aber, wie gesagt, durch das baldige Absterben der 
Thiere verhindert wurde. Vor dem vordem Drehmuskel des 
Oberkiefers, hoch an der Seite des Cephalothorax, entspringt 
von der äusseren Schale ein starker Muskel (Fig. 4. /O, der 
in den Stamm der Buderantenne tritt und nahe der äusseren 
Fläche durch das erste Glied derselben verläuft, indem er 
sich allmählich mehr dem vordem Rande zuwendet. Densel- 
ben Verlauf haben zwei ebenfalls starke Muskelbündel (i), 



Holopedium gibberum. 163 

welche tiefer an der Seite des Ccphalothorax dicht vor dem 
unteren Theile des Oberkiefers entspringen und am hinteren 
Rande in die Ruderantenne eintreten; ihnen gegenüber ver- 
läuft auch am vorderen Rande ein starkes Muskelbündel (/£). 
Alle diese Muskeln haben offenbar den Zweck die Antenne 
zu heben. Vollständiger beobachtete ich die Muskeln an der 
inneren Fläche dieses Organs (Fig. 5). Hier fällt zuerst ein 
starker Muskel (/) auf, welcher aus dem Körper am hinteren 
Rande in den Stamm eintritt und schräge nach der vordem 
Fläche hinüberläuft, um sich dort in seiner ganzen Breite an- 
zuheften; er zieht die Antenne herab und dreht sie zugleich 
nach hinten herum. Mehr zur Bewegung der einzelnen Glie- 
der scheinen die übrigen auf der inneren Fläche der Antenne 
sichtbaren Muskeln zu dienen. Hierzu gehört zuerst ein 
schmaler, oberflächlicher Muskel (m), der neben dem vorigen 
im Grundgliede entspringt und bis zum zweiten Gliede her- 
absteigt; dann der wichtigere Muskel (w) , der an der hin- 
teren Fläche der Antenne liegt, indem er in der Mitte des 
ersten Gliedes entspringt , sich aber auch durch das ganze 
zweite Glied (w') fortsetzt. Zu ihm scheint auch das tiefere 
an der hinteren Fläche liegende Bündel (w") zu gehören. 
Diesem Muskel entspricht an der vorderen Fläche ein ande- 
rer ähnlich verlaufender (o), welcher am oberen Theile des 
zweiten Gliedes seinen Ursprung nimmt, an der vorderen 
Fläche zum dritten Gliede herabsteigt, sich in diesem erwei- 
tert und in zwei Bündel spaltet (o') , die diesen Theil der 
Antenne fast ganz erfüllen. Er tritt dann in Form eines brei- 
ten Muskelbandes in das vierte Glied ein und verläuft bis zu 
den drei F'iederborsfen. Es ist klar, wie die beiden zuletzt 
genannten Muskeln entweder einzeln oder zusammenwirkend, 
die Biegung des Organes in seinen einzelnen Gelenken her- 
vorbringen. 

Hinter den Oberkiefern liegt ein Paar Unterkiefer 
(Fig. 8) , die, wie bei allen Daphniden , kurze eingliedrige 
Organe sind , deren nach innen gebogener Rand mit steifen 
Haaren wie mit einer Klaue besetzt ist. Da diese gegen 
einander und gegen die Oberkiefer gekehrt sind, so dienen 
sie dazu, den letzteren die Nahrungsstoffe zuzuschieben. Man 
sieht an jeder Seite zwischen dem Oberkiefermuskel und dem 



164 Zaddach: 

Schalenmuskel zwei kleine Muskeln liegen, welche höchst 
wahrscheinlich dem Unterkiefer angehören, der selbst indes- 
sen zu versteckt ist, als dass man ihn von der Seite wahr- 
nehmen könnte. Der vordere von diesen Muskeln (Fig. 4, d) 
entspringt an der Seite hinter den Oberkiefern und steigt 
schräge hinab, der andere (e) entspringt über dem Einschnitt 
zwischen Kopf und Schale und geht auf der Innenseile des 
Schalenmuskels nach demselben Punkte herab. Sie würden, 
wie es scheint, für den Unterkiefer etwa dasselbe sein, was 
die beiden Dreher für den Oberkiefer sind. 

Der mittlere Theil des Körpers , der sich an den Kopf- 
brustlheil anschliesst, ist gerade gestreckt und geht in einen 
nach unten gebogenen birnförmigen Theil, das Postabdomen, 
über. Die Schale aber, welche den Körper bekleidet und 
unten, wie gewöhnlich in dieser Familie, zwei Klappen zu 
beiden Seiten der Füsse bildet, steigt über dem Rücken zu 
einem hohen Buckel empor, um eine sehr geräumige Bruthöhle 
zu bilden , die von den Eiern , auch wenn 7 oder 8 darin 
enthalten sind, kaum zur Hälfte ausgefüllt wird. Dies giebt 
dem Thiere ein wunderbares Aussehen, weil es dadurch hö- 
her als lang erscheint. Die Klappen haben einen stark ge- 
wölbten untern Rand , der weder mit Haaren noch mit Sta- 
cheln besetzt ist; hinten, wo der obere ungetheilte und der 
untere zweiklappige Schalenrand zusammenstossen, entsteht 
eine stumpfe, unbewehrte Spitze. An den Seiten der Schale 
bemerkt man einen starken Muskel, der wohl dazu dient, 
die beiden Klappen derselben gegen einander zu ziehen; 
vielleicht auch machen diese, da sie bei vielen Cladoceren 
wahrscheinlich die Funktion von Kiemen übernehmen, eine 
regelmässige Bewegung, um die Strömungen des Wassers 
an ihrer Innenseite zu beschleunigen. Dieser Muskel (Fig. 1 
und Fig. 4, f D scheint an der Seitenwand des Kopfbrusttheils 
dicht hinter dem hinteren Dreher des Oberkiefers zu ent- 
springen, und geht schräge nach unten am vorderen Rande 
jeder Schalenklappe in diese hinab, indem er sich sogleich 
in zwei, dann in mehrere Bündel spaltet, deren Fasern sich 
allmählich in der mittleren Schichte der Schale verlieren. 

Das Vorkommen dieses Schalenmuskels ist deshalb wich- 
tig, weil ein solcher bisher bei keinem Thiere aus der Fa- 



Holopediura gibberum. 165 

milie der Daphniden beobachtet ist , wohl aber bei den bis- 
her von diesen getrennten Phyllopoden , von denen es sich 
nun immer mehr herausstellt, dass sie mit jenen eine zu- 
sammenhängende Reihe bilden und von ihnen durch nichts 
anderes, als durch den wenig erheblichen Umstand unter- 
schieden sind , dass sie in einer äusseren Metamorphose die 
Formänderungen erleiden, welche jene als Embryonen im Ei 
durchmachen. Ein Schalenmuskel kommt bei Limnelis bra- 
chyurus Grube *) , und bei Eslheria vor, wahrscheinlich 
auch^ aber schwach ausgebildet, bei Apus *"*"*) ^ aber bei 
keinem dieser Thiere setzt er sich so weit innerhalb der 
Schale fort, als bei unserem Holopedium. Es ist daher sehr 
wohl möglich, dass auch hier die auf beiden Schalenhälften 
sichtbaren Muskelstreifen nur die Enden eines quer durch den 
Körper gehenden und beide Schalenhälften mit einander ver- 
bindenden Muskels sind, wie er nach Grube bei Limnetis 
vorkommen soll. Zu dieser Aehnlichkeit des Holopedium mit 
den Phyllopoden kommt noch ein anderer Umstand. Es fin- 
det sich nämlich hier auch eine Anlage zu jenen concen- 
trisch gewundenen Kanälen in jeder Schalenklappe, welche 
am längsten bekannt und am meisten entwickelt bei Apus 
sind, aber auch bei Limnetis und Isaura vorkommen, und von 
denen eine Spur schon bei Sida sehr wohl zu erkennen ist. 
Hier bei Holopedium bemerkt man über dem Ursprünge des 
Schalenmuskels, ja wohl noch etwas weiter nach vorn, einen 
hellen Streifen in der Schale in sanftem Bogen und schräge 
nach unten bis in die Gegend des zweiten Fusspaares hin- 
absteigen (Fig. 4. C), hier sich nach unten umbiegen, und an 
seinem unteren Rande, aber nur bis zur Hälfte der angege- 
benen Ausdehnung, zurücklaufen. Wir haben hier also eine 



"") Grube in diesem Archive 1853. 1. S. 107. 
**) Ich habe diesen Muskel in meiner Monographie des Apus 
cancriformis zwar nicht beschrieben, wohl aber die Muskelfasern ab- 
gebildet, welche das von mir als Vena branchialis beschriebene Ge- 
fäss umgaben. Diese Muskelfasern, die sich im Schilde in zwei Bün- 
del theilen, scheinen dort den Schalenmuskel zu vertreten, oder bes- 
ser gesagt, dicht unter und vielleicht in dem schwachen Schalenmuskel 
geht der Blutstrom vom Schilde zum Herzen, 



166 Zaddach: 

einfache Schlinge, während beiLimnetis drei solcher Schlin- 
gen oder Bogen, bei Apus vier, und in beiden Fällen noch 
ein unpaarer mittlerer Kanal vorkommen. Dass diese helle- 
ren, von nicht scharfen Konturen begrenzten Streifen, Kanäle, 
d. h. Aushöhlungen in der weichen mittleren Schichte der 
Schale sind, ist von den beiden grösseren Gattungen Limne- 
tis und Apus bekannt, über ihre Bedeutung für den Blutlauf 
ist man aber noch immer nicht ganz im Klaren; bei jungen 
Thieren von Apus sah ich das Blut in einem starken Strome 
durch den mittleren unpaaren Kanal in den Schild eintreten, 
und sich dann in vielen Bogen nach beiden Seiten verbreiten, 
ohne jedoch in den seitlichen Kanälen zu einem grösseren 
rückkehrenden Strome zusammenzufliessen. Neuerlich hat 
Grube dieses Organ wieder einer genauen Untersuchung 
unterworfen, konnte aber auch die Bedeutung der seitlichen 
Kanäle nicht genauer bestimmen; es ist nun bemerkenswerth, 
dass in Sida gewiss nicht, und so viel ich mich erinnere, 
auch nicht in Holopedium , jener hellere Streifen vorzugs- 
weise vom Blute durchflössen wird, er scheint hier vielmehr 
in gar keinem Zusammenhange mit der Strömung des Blutes 
zu stehen. Dieses tritt vielmehr, wie bei Daphnia, an einer 
tieferen Stelle und in mehreren kleinen Strömen in die Scha- 
lenklappe , um diese auf den verschiedensten Wegen zu 
durchlaufen, die sich alle bogenförmig zur Mittellinie des 
Rückens hinwenden. Es scheint also fast diese angegebene 
Struktur der Schale hier nur eine Wiederholung einer in an- 
deren verwandten Gattungen vorkommenden Struktur zu sein, 
ohne noch eine ähnliche Bedeutung für den Blutlauf zu haben. 
Am Anfange des Abdomenrückens und vor der Brut- 
höhle liegt das Herz (Fig. 1 und Fig. 3). Es bildet einen 
stumpfen Kegel mit sehr breiter und etwas concaver Basis. 
Wenn es sich zusammenzieht, werden auch die sonst gera- 
den oder etwas convexen Seitenränder desselben coneav, 
an jeder Seite des Herzens sieht man sehr deutlich nahe 
der Spitze beginnend eine Spalte, die senkrecht herabsteigt, 
etwa zwei Dritttheile von der Höhe des Herzens einnimmt 
und sich bei der Ausdehnung desselben weit öffnet. Dies 
sind die venösen OefTnungen des Herzens und man sieht die 
Blutkörnchcn^ die entweder aus dem hinteren Theile des Lei- 



Holopedium gibberum. 167 

bes über dem Darmkanale herauf- oder aus der Mittellinie 
des Schildes herabkommen , zahlreich in dieselben eintreten. 
Die vordere Ecke des Herzens ist abgestumpft zur Bildung 
der arteriellen Oeffnung, aus der die Blutkügelchen hervor- 
treten. Die Wände desselben werden von Muskelfasern ge- 
bildet; besonders deutlich sind senkrecht herablaufende, also 
wahrscheinlich das Herz in dieser Richtung umgebende Ring- 
fasern ; doch auch horizontal verlaufende Fasern sind an dem 
oberen Theile deutlich wahrzunehmen (Fig. 3. D). Vorn hört 
die muskulöse Struktur schon vor der Spitze des Herzens 
auf und der Rand der arteriellen Oeffnung wird nur von ei- 
ner glatten und durchsichtigen Haut gebildet (das. F) ; in 
diesem Theile sieht man bei jedem Herzschlage eine von 
vorn nach hinten und umgekehrt gehende Bewegung und ich 
schliesse daraus, dass mit diesem Baue eine Klappenvorrich- 
tung verbunden ist _, deren genauere Construction ich aber 
nicht erkannt habe. Das Herz ruht auf einer Membran (das. £), 
die sich über dem Darmkanale ausbreitet und sich hinter dem 
Herzen in den hintern Theil des Leibes fortzieht; der vor- 
dere Theil derselben bewegt sich mit jedem Herzschlage und 
ist daher deutlich wahrzunehmen, das Ende wird undeutlicher, 
weil es dem Darmkanale dichter aufliegt. Diese Membran findet 
sich in derselben Weise bei allen niederen Krustaceen und wurde 
von mir zuerst ausführlich beim Apus cancriformis beschrie- 
ben, man sieht sie eben so deutlich bei Sida und Daphnia, 
sie trennt den oberen über dem Darmkanale liegenden und 
das Herz enthaltenden Theil der Leibeshöhle von dem unte- 
ren, in dem die Eingeweide liegen, und bewirkt, dass der 
nach hinten gehende, den Darm bespülende Hauptstrom des 
Blutes bis zum Postabdomen hinabsteigen muss, um nach der 
Rückenseite gelangen und zum Herzen zurückkehren zu kön- 
nen. An den Seiten des Postabdomens sieht man daher die 
Blutkörperchen in bald kürzeren, bald tiefer herabsteigenden 
Bogen von der Bauchseite zur Rückenseite umbiegen. Wenn 
aber Sc hö dl er ausser dieser horizontalen Ausbreitung der 
Membran bei Acanthocercus rigidus *"} noch von einer an- 
deren Haut spricht , welche das Herz von allen Seiten um- 



*) Dieses Archiv, 1846. L S. 348. 



168 Zaddach: 

kleide und ein besonderes Atrium vcnosum für dasselbe bilde, 
so beruht dies wohl auf einem Irrthume , ich habe ein sol- 
ches nie bei denCladoceren g-esehen; die beschriebene obere 
Höhle vertritt vielmehr zugleich die Stelle eines venösen Vor- 
hofes und einer Vene selbst. Die bei den Decapoden vor- 
kommende, engere Umhüllung des Herzens ist morphologisch 
wahrscheinlich dieselbe, bei den Cladoceren und Phyllopoden 
weiter ausgedehnte Membran und nur bei veränderter Orga- 
nisation der übrigen Körpertheile der Form nach modificirt. 
Auch die muskulösen, flügeiförmigen Ausbreitungen an dem 
Rückengefässe der Insekten sind vielleicht dieser Membran 
morphologisch gleichzustellen. Von dem Herzen ausgehende 
Gefässe habe ich nicht wahrgenommen. Bekanntlich haben 
einige Beobachter, in neuerer Zeit auch Schödler, an 
Daphnien und ähnlichen Thieren mehrere vom Herzen ausge- 
hende Arterien zu sehen geglaubt , und der Letztere weist 
die von mir ausgesprochene Ansicht, dass Gefässe diesen Thie- 
ren überhaupt fehlen, als unbegründet zurück. Ich muss aber 
gestehen, dass es mir auch seitdem nie gelungen ist, weder 
an Daphnia Sima noch an Sida crystallina , obwohl ich de- 
ren Blutlauf unzählige Male beobachtet habe, die von Schöd- 
ler beschriebenen Arterien aufzufinden. Im Allgemeinen ist 
der Blutlauf bei den Phyllopoden und Cladoceren wohl so, 
wie ich ihn bei Apus cancriformis beschrieben habe, und 
findet ohne wirkliche , mit dem Herzen in Verbindung ste- 
hende und verzweigte Gefässe sfatt; im Einzelnen aber ist 
allerdings noch Manches aufzuklären. So giebt es wahr- 
scheinlich an verschiedenen Stellen des Körpers häutige oder 
muskulöse Theile , die als Hilfsorgane den Lauf des Blutes 
unterstützen und regeln. Ich habe im vorderen Körpertheile 
bei Sida und bei Polyphemus oculus oft solche Organe be- 
obachtet, die regelmässig mit dem Herzschlage zitterten und 
flimmerten; aber es gelang mir bisher nicht, ihren Zusam- 
menhang mit dem Gefässsysteme aufzufinden. Vielleicht fin- 
det sich bei den Cladoceren wie bei Apus, vor dem Herzen 
und als eine Fortsetzung desselben im Cephalothorax eine 
Gefässerweiterung oder ein arterieller Ventrikel des Herzens, 
von dem aus das Blut sich dann in freiem Strome durch den 
Kopf und über die Augen ergiesst. Wenn man eine Sida 



Holopedium gibberum. 169 

von der Rückenseite beobachtet^ so sieht man zu beiden Sei- 
ten neben dem vordersten Theile des Darmkanals einen klei- 
nen, kegelförmigen Körper, wahrscheinlich einen Muskel, 
dessen Spitze auf dem Darmkanale nicht sichtbar ist, dessen 
breiteres Ende aber an der Kopfschale festsitzt, und der zu- 
gleich mit dem Herzschlage sich zusammenzieht und aus- 
dehnt. Es erinnern diese Organe gar sehr an die beiden 
seitlichen Muskeln , welche bei Apus an dem von mir be- 
schriebenen arteriellen Ventrikel des Herzes im Cephalotho- 
rax sitzen. Die Stelle, wo dieser liegen müsste, ist indessen 
theils wegen der grösseren Dicke der Schale, die durch das 
bei Sida hier liegende Haftorgan hervorgebracht wird, theils 
wegen der dunkleren Färbung des darunter liegenden Dar- 
mes für die Beobachtung fast unzugänglich. — Kehren wir 
nach dieser Abschweifung wieder zu unserem Holopedium 
zurück, das ganz geeignet ist, über diese Fragen demjeni- 
gen, der es länger zu beobachten Gelegenheit hätte, Auf- 
schluss zu geben, so ist klar, dass es sich durch die Form des 
Herzens mehr den Daphnien als der Gattung Sida anschliesst, 
da diese letztere bekanntlich ein langgestrecktes, cylindri- 
sches Herz hat, welches zwar auch nur mit zwei seitlichen 
Spaltöffnungen versehen, aber an zwei Punkten an die Schale 
befestigt ist, so dass es im vollkommen zusammengezogenen 
Zustande einem Theile des Rückengefässes eines Insekts 
ähnlich ist, welcher durch zwei Körpersegmente hindurchgeht. 

Das Postabdomen ist von massiger Länge und wie 
gesagt, von birnförmiger Gestalt; es trägt an seinem Ende zwei 
nach hinten gekrümmte Krallen, die nahe ihrer Basis mit ei- 
nem Dorne versehen sind, und deren hinterer Rand sich bei 
starker Vergrösserung als fein gezähnt zeigt. Der Rand, in 
dem die hintere Fläche des Postabdomens mit der Seiten- 
fläche zusammenstösst, ist jederseits mit etwa 15 aufwärts 
gekrümmten Stacheln besetzt. Am Beginne desselben steht 
auf der hinteren Fläche ein verhältnissmässig ziemlich lan- 
ger kegelförmiger Forlsalz, der zwei sehr lange zweigliedrige 
Fiederborsten trägt. 

Der Darmkanal geht einfach, d. h. ohne Windungen 
durch den Körper und zeigt nichts Besonderes. Die enge, 
am Grunde der Oberlippe beginnende Speiseröhre geht fast 



170 Zaddach: 

am vorderen Ende des Darmkanals in diesen über, so dass 
nur die äussersle , sehr kleine Spilze als Blinddarm zu be- 
trachlen wäre. Das hintere Ende des dünnhäutigen Mittel- 
darmes wird, nachdem es in das Postabdomen eingetreten ist, 
von einem halbkugelförmigen oder becherförmigen muskulö- 
sen Theile umfasst, der sich dann in das Rectum verengt, 
um an der Basis der Krallen nach aussen zu münden. 

Zu beiden Seiten des Darmkanals liegen die beiden 
Ovarien, die durchaus mit den gleichen Theilen bei Sida 
übereinstimmen ; der Inhalt zeigte regelmässige Abtheilungen, 
ich hatte aber nicht Zeit ihn genau zu untersuchen. Männ- 
liche Exemplare habe ich nicht kennen gelernt; nach der 
Verwandtschaft des Thieres mit Sida kann man schliessen, 
dass sich die beiden Geschlechter bei jener Gattung auf ähn- 
liche Art wie bei dieser unterscheiden werden. Das zuerst 
durch Lievin*"*) bekannt gewordene Männchen von Sida 
crystallina fand ich im Oktober in eben dem Teiche, in dem 
im Frühlinge das Holopedium vorkam^, unter den unzähligen 
Schaaren von weiblichen Thieren, die fast alle Pflanzen von 
Potamogeton bedeckten, nicht selten, und will es mit einigen 
Worten näher beschreiben. Es zeichnet sich von den Weib- 
chen durch die sehr verlängerten vorderen Antennen aus. 
Diese bestehen aus einem fast cylindrischen Grundtheile, wel- 
cher der Tastantenne der Weibchen entspricht, aber stärker 
und länger als diese ist, und zwei kräftige Muskeln, einen 
an der innern, den andern an der äussern Seite aufnimmt; 
an seinem Ende bildet dieser Theil nach innen einen Vor- 
sprung, der mit nicht sehr langen Häärchen besetzt ist; ne- 
ben diesem aber sitzt das dreimal längere, sanft gekrümmte 
und allmählich in eine feine Spitze auslaufende Endstück, 
jedoch ohne durch ein Gelenk mit dem ersten Theile ver- 
bunden zu sein. Es scheint nur in seinem unteren Dritt- 
Iheile noch hohl, weiterhin aber fest zu sein und ist an der 
Innenseite des letzten Dritttheils oder der letzten Hälfte mit 
feinen rückwärts gekrümmten Zähnen besetzt. Beide Anten- 
nen stehen in der Ruhe so gegen einander, dass ihre End- 



-*) Neueste Schriften der Katurforschenden Gesellschft zu Dan- 
zig. IV. Bd. 2. Aufl. 1848. S. 20. 



Holopedium gibberum. 171 

theile sich kreuzen und sich weit über einander schieben. 
Aus dieser Stellung, so wie aus dem ganzen Baue kann man 
schliessen, dass sie dazu dienen, das Weibchen bei der Be- 
gattung festzuhalten. Die Hoden haben ganz dieselbe Lage 
wie die Ovarien in den weiblichen Individuen, an ihrem vor- 
deren Theile machen sie eine doppelte Krümmung, indem die 
Spitze nach unten und hinten zurückgeschlagen ist, der mitt- 
lere Theil aber sich mehr nach innen wendet. Von ihrem 
Ende scheint ein Kanal nach der Bauchseile hinzugehen, nicht 
aber im letzten Fusse, sondern in dem Winkel , den das Ab- 
domen mit dem Postabdomen bildet, auszumünden. 

Unter dem Darmkanale und dem Ovarium sieht man bei 
Holopedium sehr deutlich den geraden Bauch muskel 
durch das ganze Abdomen verlaufen; am Ende desselben 
wendet er sich etwas abwärts und geht in schräger Rich- 
tung und breiter werdend an jeder Seite des Poslabdomens 
bis zur hinteren, mit Zähnen besetzten Kante desselben, den 
Darmkanal einschliessend (vergl. Fig. 1. und Fig. 7. lo^. Vor- 
her aber wird ein schmälerer Muskelstreifen Qx^ abgegeben, 
der an dem vorderen Rande des Postabdomens bis zur Spitze 
herabsteigt. Noch ein dritter Muskel (?/), der breiter als der 
eben genannte ist, liegt an der Seite des Postabdomens; er 
steigt schräge von vorn nach hinten herab und setzt unter 
dem hinteren End?des geraden Bauchmuskels an die hintere 
Kante an; ich kann aber nicht mit Sicherheit sagen, ob er 
ebenfalls von der Verlängerung der geraden Bauchmuskeln 
oder von einer höheren , am Rücken gelegenen Stelle her- 
kommt. Durch die Ausläufer der Bauchmuskeln und den 
zuletzt genanten Muskel wird das Postabdomen gekrümmt, 
durch den zweiten schmäleren gestreckt. Das Auseinander- 
weichen der geraden Bauchmuskeln beider Seiten im Post- 
abdomen zur- Umschliessung des Darmkanals ist mir deshalb 
interessant, weil es eine an anderem Orte *") von mir mit- 
gefheille Beobachtung bestätigt; ich meine die Beobachtung 
über das Entstehen der Afteröffnung und eines dem Postab- 
domen der Krebse entsprechenden Theiles bei den Insekten. 



^) Untersuchungen über den Bau und die Entwickelung der 
GliedertWere S. 17. 



172 Zaddach: 

Es bilden sich nämlich bei den Phryganeenlarven die Haken 
am Ende des Körpers mit dem zwischen ihnen liegenden 
After durch das Auseinanderweichen der Keimwülsle von 
einander , die beim Embryo den geraden Bauchmuskeln der 
erwachsenen Thiere entsprechen. Man sieht wie übereinstim- 
mend die Bildung bei Holopedium ist , wenn man sich das 
Postabdomen und den Darmkanal hinreichend verkürzt denkt. 
Ein Unterschied besteht allerdings darin , dass hier die ge- 
raden Bauchmuskeln im Postabdomen endigen^ bei den Phry- 
ganeenlarven aber ihre Enden sich auf die Rückenseite um- 
schlagen , um einen Theil der muskulösen Rückenwand zu 
bilden. 

An den Seiten des Leibes liegen die Muskeln für die 
Bauchfüsse. In dem Grundtheile eines jeden der mittle- 
ren Kiemenfüsse konnte ich bei der Ansicht des Thieres von 
der Seile sechs Muskeln unterscheiden; drei von diesen, und 
zwar die tiefer nach innen liegenden , kommen aus der Ge- 
gend der geraden Bauchmuskeln, drei nahe der äussern Flä- 
che liegende dagegen entspringen höher an der Seite des 
Leibes. Zwei von diesen letzten (Fig. 6. p, g) steigen , in- 
dem sie sich kreuzen, bis in die Gegend des oberen Kiemen- 
anhanges herab und scheinen sich hier an die äussere Wand 
des Fusses anzuheften , ein dritter aber (r) geht zur hinte- 
ren Fläche und setzt sich hier unweit aer Bauchwand an. 
Tiefer als diese entspringen zwei Muskeln (5, t) neben ein- 
ander, unter oder neben den geraden Bauchmuskeln, und 
steigen schräge von hinten nach vorn in den Fuss hinab, um 
sich an seine vordea^e Fläche übereinander anzuheften ; ein 
kleinerer und schwächerer Muskel Qu} endlich , der neben 
dem geraden Bauchmuskel an der Seite entspringt, tritt von 
vorn in den Fuss, dringt aber nicht tief in ihn ein und hef- 
tet sich wahrscheinlich an die nach innen gekehrte Seite des- 
selben. Man sieht aus dieser Muskulatur, dass für die von 
innen nach aussen gerichtete Bewegung die stärksten Muskeln 
des Fusses thätig sind , und dass die genannten im Stande 
sein werden, eine drehende Bewegung von hinten nach aus- 
sen und vorn zu bewirken. Den weiteren Verlauf der Mus- 
kelbündel im Fusse habe ich bis jetzt nich aufzeichnen können. 

Ich komme nun zur Beschreibung der Füsse selbst. 



Holopedium gibberum. 173 

Es sind deren, wie gesagt, sechs Paare vorhanden ; von die- 
sen scheinen bei dem lebenden Thiere die vier vorderen und 
die beiden letzteren einander nahe zu stehen, zwischen dem 
4ten und öten Paare aber scheint ein grösserer Zwischenraum 
zu sein; doch rührt dies wahrscheinlich nur von der gleich- 
förmigen Bewegung der vier ersten Füsse her, denn bei dem 
todten Thiere erscheinen sämmtliche Beine in gleichen Zwi- 
schenräumen am Körper vertheilt. Die vier ersten Füsse je- 
der Seile sind so lang, dass ihre Spitzen aus der Schale 
hervorragen und zwar ist von ihnen der zweite der längste, 
der vierte der kürzeste; die beiden letzten Füsse, besonders 
der sechste, sind viel kürzer, so dass sie den Rand der 
Schale nicht erreichen. Wie bei den verwandten Gattungen 
sind die Füsse platten- oder blattförmig und stehen quer zu 
bellen Seiten neben der Mittellinie des Bauches , doch sind 
sie der Quere nach so gekrümmt, dass ihre nach vorn ge- 
wandte Fläche stark convex, die hintere Fläche concav ist. 
Man muss daher einen inneren, den Beinen der gegenüber- 
liegenden Seite, und einen äussern , der Schale zugekehrten 
Rand unterscheiden; beide sind aber auch zugleich nach hinten 
gerichtet. Betrachten wir zunächst die drei mittleren Füsse, 
den dritten, vierten und fünften (Fig. 10 bis 12. und Fig. lö 
und 17) , die gleich gestaltet und am vollständigsten ausge- 
bildet sind , so sehen wir jeden aus einer Platte bestehen, 
welche sich ungefähr in der Mitte ihrer Länge in zwei Blät- 
ter theilt, in ein inneres, gerade herabsteigendes Blatt (ß) 
und ein äusseres, welches in einem spitzen Winkel von je- 
nem abgeht (S). Man kann das erstere theils seiner gera- 
den Richtung, theils seiner mehr muskulösen Struktur wegen 
auch als den Stamm, das zweite als einen Anhang am äus- 
sern Rande dieses betrachten. Der ganze innere, aber zu- 
gleich nach hinten gerichtete Rand des Stammes ist bis zur 
äussersten Spitze mit einer Reihe von langen, gegliederten 
und gefiederten Borsten besetzt. Sie scheinen von verhält- 
nissmässig fester Beschaffenheit zu sein, sind am Grunde zu- 
sammengedrückt, sanft gekrümmt, und stehen mit etwas brei- 
ter Basis quer auf dem inneren Rande des Fusses (Fig. 10 
bis 12); nur eine Borsle an der äussersten Spitze des Fus- 
ses ist ungegliedert und weicher. Man zählt 30 bis 40 Bor- 



174 Zaddach: 

sten an jedem Vussc, so dass die grösste Zahl dem zweiten, 
die kleinste dem 4ten Fussc zukommt, und sie sind am zwei- 
ten Fussc so lang, dass sie fast bis an das Ende des Ab- 
domens reichen. Diese Borsten sind alle nach hinten ge- 
richtet und bilden also zusammen auf jeder Seile einen gros- 
sen und dichten Fächer, der den mittleren Raum unter dem 
Bauche des Thieres von den seitlichen, zwischen den Füs- 
sen und der Schale liegenden Räumen trennt, in denen die 
am äussersten Rande der Füsse sitzenden Anhänge sich be- 
finden. Dieser Bau kann wohl keinen anderen Zweck ha- 
ben, als bei der Bewegung der Füsse immer einen Strom 
frischen Wassers gegen diese Anhänge und gegen die innere 
Fläche der Schale, in welcher die Respiration bewirkt wird, 
zu treiben. Die äusseren Blätter der Füsse sind sehr dünne 
und viel zartere Platten milhellerem Rande (Fig. 16 u. 17, S), 
werden gegen die Spitze etwas breiter und sind gerade ab- 
geschnitten. Hier sitzen am zweiten und dritten Fusse fünf, 
am vierten Fusse vier platte, breite und ungegliederte, aber 
lang gefiederte Borsten. 

Ausserdem befinden sich noch zwei Fortsätze an den 
Füssen. Der eine von diesen liegt nahe der Basis des Fus- 
ses (Fig. 9 bis 18, P), ist von fast pyramidaler Gestalt und 
sitzt dem inneren Rande und der vorderen Fläche auf, so 
weit diese letztere wegen der Krümmung der ganzen Fuss- 
platte nach innen gewandt ist. Die Spitze des Fortsatzes ist 
nach hinten gerichtet, an dem freien und längsten Rande der 
Pyramide aber, der heller und durchsichtiger ist als der 
übrige Theil , stehen neben einander 21 bis 28 gekrümmte 
und gegliederte Fiederborsten und hinter diesen an der Spitze 
drei einzelne, ungegliederte, weichere, viel längere, wenig 
gekrümmte und gefiederte Borsten. Diese Fortsätze, die ich 
die Hüftfortsätze nenne, stehen also bei allen Füssen in dem 
mittleren Räume, der von jenen, oben beschriebenen Fächern 
gebildet wird, und ihre Borstenreihen treiben wahrscheinlich 
das Wasser und die in ihm enthaltenen Nahrungsstoff'e ge- 
gen die Bauchseite und auf dieser dem Munde zu, wie man 
dies von den entsprechenden Fortsätzen an den Beinen der 
mit einer Schale versehenen Phyllopoden direkt beobach- 
ten kann. 



Holopedium gibberum. 175 

Unweit von diesem Fortsatze, aber von dem entgegenge- 
setzten, äusseren Rande , geht der zweite Fortsatz aus, der 
einer langgestreckten, sich gegen die Spitze verschmälern- 
den Blase gleicht und ungeslielt unter einem Vorsprunge des 
Fusses sitzt (¥\g. 16 und 17, Q), Er ist durchaus unbehaart 
und glich, wie gesagt, unter dem Mikroskope mehr einer 
Blase als einer Platte; ich hatte auch nicht Gelegenheit ge- 
nug, lebende Exemplare zu beobachten, um zu entscheiden, 
ob der Fortsatz bei diesen nicht blattförmig ist; doch ist dies 
der Analogie mit den Phyllopoden nach sehr wahrscheinlich. 

Die übrigen Füsse weichen von dem hier geschilderten 
Baue mehr oder weniger ab. Der erste Fuss (Fig. 9 u. 15), 
der etwas kürzer ist als der zweite , hat daher auch einige 
Borsten weniger an dem inneren Rande, etwa 35, und keine 
ungegliederte an der Spitze. Sein Hüftfortsatz hat eine etwas 
andere Gestalt und andere Stellung, indem er platter und mehr 
nach vorn gekehrt ist. Auch die 19 bis 22 Borsten an sei- 
nem Rande sind so gekrümmt, dass sie sich ihrer Stellung 
nach durchaus den Maxillen anschliessend hinter denen sie 
unmittelbar liegen. Ferner fehlt diesem Fusspaare der bla- 
senartige Kiemenanhang ganz und dafür ist die äussere Fuss- 
platte oder der äussere Anhang (Fig. 15, S) weiter hinaufge- 
rückt, hat eine längliche eiförmige Gestalt und ist nicht nur 
an der Spitze, sondern auch am ganzen äusseren Rande und 
dem oberen Theile des Innenrandes mit 9 solcher platten, 
dünnen und ungegliederten Fiederborsten besetzt, wie sie 
dieselben Theile der übrigen Füsse tragen. Diese Platte liegt 
bei der natürlichen Stellung der Beine zunächst unter der 
Schale. 

Der fünfte Fuss (Fig. 17 und 18) ist dem vierten ähn- 
lich gebildet, nur viel kleiner. Der Stamm ist mit etwa 21 
gegliederten und einer ungegliederten Borste besetzt. Der 
Hüftfortsatz ist noch verhältnissmässig gross und trägt eben- 
falls 21 Borsten, aber es fehlt nicht nur der blasenförmige 
Anhang gänzlich wie beim ersten Fusse, sondern auch der 
äussere Fusslappen (Fig. 18, S) ist sehr klein geworden, von 
eiförmiger Gestalt und an seinem äusseren Rande und an 
der Spitze mit vier platten , breiten und gefiederten Borsten 
besetzt. 



176 . . Zaddach: 

Der sechste Fuss endlich ist noch mehr verkümmert, 
er erscheint von der vorderen Seite gesehen C^ig. 14) zvvei- 
lappig , indem der Hüflfortsalz hier nicht mehr auf der vor- 
deren Fläche aufsitzt, sondern einen Lappen des innern Ran- 
des bildet, der durch einen ziemlich tiefen Einschnitt von 
dem zweiten Lappen oder dem Stamme getrennt ist. Der 
Hüftfortsatz trägt auch hier nicht mehr jenen Borstenfächer^ 
wie an den anderen Füssen, sondern auf seiner Spitze nur 
zwei ungegliederte breite Fiederborsten, die mit den übrigen 
nach aussen gekrümmt sind ; ausserdem scheinen auf ihm 
einige Reihen kleiner Häärchen oder Stacheln zu stehen. Der 
innere Rand des Stammes trägt sechs ebenfalls ungefiederte, 
breite Borsten und an seinem Grunde sitzt am äussern Rande 
der zu einem kleinen Blättchen verkümmerte, äussere Fuss- 
lappen (Fig. 19, S) mit drei sehr breiten Fiederborsten. Alle 
diese Theile, namentlich die letzteren, sind sehr durchsichtig 
und nur schwierig zu erkennen. 

Vergleichen wir diesen Bau der Beine mit dem Bau der- 
selben Theile bei der zunächst verwandten Gattung Sida„ so 
zeigt sich hier im Allgemeinen eine grosse Uebereinstimmung^ 
im Einzelnen finden sich aber manche bemerkenswerthe Ab- 
weichungen. Ich habe die Füsse der Sida crystallina zwar 
schon vor längerer Zeit beschrieben *"*j, da sie uns aber hier 
zur Vergleichung mit den Füssen des Holopedium besonders 
wichtig sind, habe ich sie in Fig. Sl — S4 abgebildet und 
will mit einigen Worten die Beschreibung wiederholen. Die 
fünf ersten Fusspaare sind bei Sida ziemlich gleich gebildet. 
Jeder Fuss besteht auch hier in einer langgestreckten , im 
oberen Theile wenigstens muskulösen Platte, welche unten 
in zwei Blätter, ein senkrecht herabsteigendes oder inneres 
Blatt, den Stamm, und ein äusseres, unter einem spitzen Win- 
kel von jenem abgehendes Kiemenblatt gelheilt ist. Die Platte 

**) In meiner Schrift Synopseos Crustaceorum Frussicorum pro- 
dromus. Regiomont. 1844, p.25. Der neueste Beobachter dieses Thie- 
res, ür. Lievin, hat von den vorderen Füssen der Sida crystalhna 
(a. a. 0. Taf.III. Fig. 7.) zwar eine ziemlich richtige Darstellung ge- 
geben, in der Beschreibung aber den äusseren und inneren Rand der- 
selben mit einander verwechselt; vom sechsten Fusspaare ist nur der 
Endlheil abgebildet und beschrieben worden. 



Holopedium gibberum. 177 

des Fusses ist auch hier vorn stark convex, hinten concav^ 
so dass man sie nicht leicht in eine Ebene ausbreiten kann, 
man unterscheidet auch hier einen inneren und einen äusse- 
ren Rand , die wegen der Krümmung des Fusses aber beide 
zugleich nach hinten gerichtet sind. Der ganze innere Rand 
ist auch hier von der Wurzel bis zur äussersten Spitze des 
Fusses mit einer dichten Reihe langer, gegliederter und ge- 
fiederter Borsten besetzt, deren Bau und Anordnung im Ein- 
zelnen so wie bei Holopedium ist. Man zählt deren an den 
mittleren Füssen 30 bis 40. Betrachtet man den inneren 
Rand des Fusses, wie dies am leichtesten geschieht^ so er- 
scheint die Spitze des Stammes in drei sehr kurze Glieder 
getheilt , und deshalb ist der Fuss auch bisher als mehrglie- 
drig beschrieben worden; gelingt es aber, die Platte mehr 
auszubreiten und von der vorderen Fläche aus zu betrach- 
ten, so sieht man, dass die vermeintlichen drei Glieder nur 
drei, durch kurze Einschnitte von einander getrennte Lappen 
am inneren Rande sind, und dass nur am Grunde des ober- 
sten eine feine Linie quer durch die Platte des Fusses hin- 
durch gehet, die eine Gliederung andeuten könnte. Der Lap- 
pen an der Spitze trägt stets sechs Borsten, jeder der bei- 
den anderen drei (siehe Fig. S l R), Die äusserste Borste 
an der Spitze des Fusses ist auch hier ungegliedert. Der 
Stamm ist bei Sida verhältnissmässig kürzer als bei Holope- 
dium, dagegen ist der äussere Lappen, welcher der inne- 
ren Oberfläche der Schale nahe anliegt, länger und breiter 
(Fig. S2S) und ragt über den Stamm hinaus; er trägt an sei- 
ner erweiterten und abgestumpften Spitze sieben ungeglie- 
derte Fiederborsten , aber auch an seinem äusseren Rande 
deren mehrere, die sich durch ihre platte und breite Form 
auszeichnen und von denen die oberste, die mit der folgen- 
den aus einer Wurzel entspringt, rückwärts gewandt ist. Eine 
feine Linie, welche quer durch die Platte, da wo sie am 
schmälsten ist, hindurchgeht, scheint auch hier eine Gliede- 
rung anzudeuten. Ausserdem findet sich an jedem Fusse noch 
am inneren Rande und auf der vorderen Fläche aufsitzend ein 
Hüftfortsatz, und am äusseren Rande ein blasenförmiger Kie- 
menanhang. Der erstere ist ein dreieckiger Fortsatz (P), der 
auf seiner Fläche mehrere Reihen kleiner Häärchen und an 

Archiv f. Naturgescb. XXI. Jahrg. 1. Bd. X2 



178 Zaddach: 

seinem nach innen und oben gekehrten Rande eine Reihe von 
20 bis 25 gegliederter und gefiederter Borsten trägt, ausserdem 
auch an der hinteren Ecke nocli eine besondere Erhabenheit 
hat, die mit drei viel längeren und ungegliederten Fiedcrbor- 
stcn gekrönt ist. Es gilt von ihm alles, was über die glei- 
chen Fortsätze beiHolopedium gesagt ist. Der blasenförinige 
Kiemenanhang sitzt , wie bei Holopedium, unter einem Vor- 
sprunge des äusseren Randes, über dem Ursprünge des äus- 
seren Fusslappens und besteht bei den mittleren Füssen aus 
einem kurzen Stamme und zwei Fortsätzen , von denen der 
eine nach oben, der andere nach unten gerichtet ist, wie 
Fig. S 2, es zeigt. Der erste Fuss unterscheidet sich nur 
wenig von den mittleren Füssen ; wie bei Holopedium ist der 
Hüftforlsatz schmäler und die Borsten desselben sind mehr 
dem Munde zugekehrt, auch der äussere Lappen ist schmäler 
als an den folgenden Füssen,, es fehlt ihm aber keinesweges 
der blasenförmige Anhang, dieser ist an derselben Stelle vor- 
handen, wie an den übrigen Füssen, jedoch nicht zweilappig, 
sondern einfach wie beiHolopedium; ihm fehlt der nach oben 
oder rückwärts gekehrte Lappen. Es sind also bei Sida je- 
derseits fünf solcher Anhänge vorhanden, die man auch durch 
die Schale in einer von vorn nach hinten etwas absteigenden 
Linie neben einander liegen sieht. Der sechste Fuss (S 3 
und S4) ist sehr verkümmert und theils wegen seiner Klein- 
heit, theils seiner grossen Durchsichtigkeit halber schwer zu 
erkennen. In kurzer Entfernung von seiner Basis erweitert 
er sich am hinteren Rande in einen fast viereckigen Lappen, 
welcher an seiner oberen Ecke einen Vorsprung bildet und 
an seinem freien Rande drei oder vier ungegliederte Fieder- 
borsten trägt; an diesem Lappen sitzt, durch einen ziemlich 
tiefen Einschnitt getrennt, der zweite Theil des Fusses, der 
aus zwei halbkreisförmigen Lappen besieht, die an der Ba- 
sis zusammenhängen, an der Spitze aber durch einen kurzen 
Einschnitt von einander getrennt sind. Der innere (Fig. S 4, /i) 
ist kleiner und an seiner Basis am breitesten, er trägt sechs 
oder sieben platte, breite, ungegliederte Fiederborsten; der 
äussere (Fig- S 3, S), der an seinem unteren Theile am brei- 
testen ist und überhaupt an Breite und Länge den anderen 
überragt, ist mit fünf eben solcher Borsten besetzt, von de- 



Holopedium gibberum. 179 

nen eine unweit der Basis nach oben gewendet ist. Beide 
Tlieile sind ausserordentlich lein und durchsiclitig, und es 
kann kein Zweifel sein, dass sie den beiden Endlappen, dem 
Stamme und dem äusseren Fusslappen der anderen Füsse ent- 
sprechen; in Bezug auf den zuerst genannten, über diesen 
stehenden Lappen könnte man zweifelhaft sein , ob man ihn 
dem Hüftfortsatze der andern Füsse, oder dem oberen Theile 
des Stammes gleichzusetzen habe, da er von jenem sowohl 
in seiner Gestalt, als in der Anordnung seiner Borsten sehr 
abweicht. Ein Vergleich mit dem sechsten Fusse von Holope- 
dium beweist aber, dass er in derThat den Hüftfortsatz dar- 
stellt, denn wir finden den genannten Fuss dieser Gattung 
durchaus ähnlich gestaltet, der obere Theil zeigt aber dort 
durch die Stellung seiner Borsten und durch seine Gestalt 
viel deutlicher, dass er den Hüftfortsätzen der anderen Beine 
entspricht; in beiden Gattungen sind die Füsse des letzten 
Paares ganz gleichmässig gebildet, nur mit demselben Unter- 
schiede , der sich auch schon an den anderen Füssen aus- 
spricht, dass bei Holopedium nämlich der Stamm oder innere 
Lappen, bei Sida der äussere Kiemenlappen mehr entwickelt 
ist; dort wird im sechsten Fusse der letztere sehr klein, trägt 
nur drei Borsten, während der Stamm wenigstens seine Form 
ziemlich bewahrt, hier ist der Stamm blattförmig geworden 
und man erkennt kaum, dass der andere grössere Fortsatz 
ein Anhang an demselben ist. In den übrigen Füssen besteht 
der wesentlichste Unterschied zwischen beiden Gattungen in 
dem Vorhandensein der drei Lappen an der Spitze des Stam- 
mes bei Sida und der Andeutung einer Gliederung an dieser 
Stelle, die bei Holopedium nicht bemerkt werden konnte; dann 
in dem Vorkommen des blasenförmigen Kiemenanhanges auch 
am ersten Fusse der Sida. 

Gehen wir in dem Vergleiche zwischen der Form der 
Füsse der beschriebenen Gattungen mit denen anderer Cru- 
staceen weiter, so zeigen sich Uebergänge in der Form die- 
ser Theile vorzuglich nach zwei Seiten, einmal zu den Phyl- 
lopoden, dann zu den übrigen Gattungen der Cladoceren, bei 
denen sich aber auch wieder Modificationen nach verschiede- 
nen Richtungen geltend machen. Am auffallendsten ist die 
Aehnlichkeit der Füsse der Phyllopoden mit der beschriebe- 



180 Zaddach: 

neiien Form. Bei allen Phyllopoden finden sich dieselben 
Theile an den Beinen wieder, der wesentlichste Unterschied, 
der in der Reihe derselben immer mehr hervortritt, besteht 
darin, dass der innere Lappen oder der Stamm sich mehr 
und stärker ausbildet und dabei zugleich sich deulHcher glie- 
dert, während der äussere Lappen, der bei Holopedium am 
meisten, um mich so auszudrücken, mit dem inneren gleich- 
werthig erscheint, immer mehr die Form eines Anhanges am 
äusseren Rande jenes annimmt. 

Am meisten scheint nach den von Grube *'^3 gegebe- 
nen Abbildungen die Gattung Nebalia sich in der Fussbildung 
dem Holopedium oder der Sida anzuschliessen , hier ist der 
Stamm ungelappt und an seinem inneren Rande der ganzen 
Länge nach mit Borsten besetzt. Der äussere Lappen ist in 
seiner Form zwar schon etwas verändert, indem er nur mit 
schmaler Basis dem Stamme anhängt, doch liegt er ihm fast 
parallel , hat fast dieselbe Länge und ist auch nur an der 
breiten und abgestutzten Spitze mit Borsten besetzt; der obere 
Kiemenanhang am äusseren Rande hat endlich eine ähnliche 
Form wie bei Sida, nämlich einen auf- und einen absteigen- 
den Lappen. Bei den meisten übrigen Gattungen ist der 
Stamm zwar auch noch an seinem inneren Rande grössten- 
theils mit Borsten oder Haaren regelmässig besetzt, doch er- 
scheint er in Lappen gelheilt. Ausser dem obersten Forlsalze, 
den ich oben denHüflfortsatz genannt habe, und der in ganz 
ähnlicher Form, nur statt der gegliederten Borsten mit kurzen 
Stacheln besetzt, bei allen mit einem Schilde versehenen Phyl- 
lopoden vorkommt, finden sich fast überall fünf Lappen, zwei 
stumpfere in der Mille und drei, die einander genähert sind 
und meist die Form von spitzen, lancettförmigen Fortsätzen 
annehmen, an der Spitze des Fusses ''''"'). Bei einer von mir 
uniersuchten Limnadia fand ich sogar drei Lappen in dem 
minieren Theile des Fusses. Bei der Gattung Apus aber ver- 
liert der innere Rand des Stammes die regelmässige Besetzung 
mit Borsten und es treten statt dieser auch hier im mittleren 



*) Bemerkungen über die Phyllopoden; in diesem Archiv 1853. 
Taf. VIII. Fig. 10. 

***) Es sind dieselben fünf Lappen, die Grube in den Figuren zu 
dem eben erwähnten Aufsatze mit den Buchstaben /' bis /^ bezeichnet hat. 



Holopedium gibberum. 181 

Theile wie an der Spilze zwei besonders eing^elenkte lan- 
celtförmige Blältchen auf. Was die beiden äussern Anhänge 
des P'usses aber betrifft, so variirt der obere nur wenig in 
seiner Gestalt und erscheint als ein ovales oder langgestreck- 
tes, Siels unbehaartes Blättchen, der untere aber, den ich bei 
Holopedium den äusseren Lappen des Fusses nannte , ruckt 
mehr in die Höhe und erweitert sich bei Apus , Limnadia, 
Estheria, indem er eine beilförmige Gestalt annimmt und dann 
öflers an seinem ganzen Rande mit Haaren besetzt ist; er 
bildet dann einen herabsteigenden und einen aufsteigenden 
Lappen, von dem man bei der Gattung Sida in der rückwärts 
gekrümmten platten Borste bereits eine Andeutung findet. Der 
absteigende Ast zeigt sich dann, so namenilich bei Limnetis, 
muskulöser, wird schmäler und sogar gegliedert. 

In den übrigen Gattungen der Cladoceren zeigt sich in 
der Fussbildung eine doppelte Richtung, einmal wallet die 
Ausbildung des Stammes bei Verkümmerung der Anhänge vor, 
die Füsse werden stiel- und krallenartig, so in Acanthocer- 
cus und in den vierfüssigen Cladoceren, andererseits enlwik- 
keln sich die Anhänge vorzugsweise und der Fuss erscheint 
kurz und breit blattförmig, so bei Daphnia und Lynceus. Bei 
diesen Gattungen zeigt sich auch darin ein grosser Unterschied 
von Holopedium und Sida, dass die Füsse auf den vorderen Theil 
des Leibes zusammengedrängt und unter sich sehr verschie- 
den sind. Sie bieten theils hierdurch, Iheils durch den Um- 
stand, dass ihre vordere Seite ausserordentlich convex , die 
hintere dagegen tief concav ist, besondere Schwierigkeiten 
für die Untersuchung dar. Bei Daphnia ist in den mittleren 
Füssen (dem 3len und 4ten), so viel ich aus eigener Unter- 
suchung an D. Sima weiss, der Stamm des Fusses sehr ver- 
kürzt, scheint aber an der Spitze gegliedert, und der mittlere 
Theil des inneren Randes ist zu einer grossen elliptischen, 
fast senkrecht gegen die Ebene des Fusses gestellten Platte 
erweitert, deren Rand mit etwa 40 Borsten dicht besetzt ist; 
daneben sind aber auch die beiden äusseren Anhänge sehr 
gross und namenilich erscheint der untere Anhang oder äus- 
sere Lappen des Fusses als eine grosse, eiförmige, den Stamm 
weit überragende Platte, die an dem sehr durchsichtigen 
Rande mit fünf oder sechs breiten Fiederborsten besetzt ist. 



182 Zaddach: 

Ob an diesen Füssen auch ein Hüftfortsalz ausgebildet ist, 
weiss ich nicht. Dagegen entbehrt der erste Fuss bei Daph- 
nia der äusseren Anhänge ganz, und es ist von ihm nur der 
Stamm ausgebildet, der an der Spitze drei Glieder hat, die 
mit sehr lantjen Borsten besetzt sind. Ueber die Fussbildung- 
bei der Gattung Lynceus sind mir genaue Untersuchungen 
nicht bekannt, denn die Abbildungen und kurzen Beschrei- 
bungen, welche Lievin von diesen Theilen des Lynceus la- 
mellatus mitlheilt, geben kein deutliches Bild von dem Baue 
derselben. So viel ich aber hieraus und aus dem, was ich 
selbst davon gesehen, schliessen darf, so wallet bei ihnen 
die Ausbildung der blattförmigen Anhänge noch mehr vor 
als bei Daphnia. Dagegen ist nach den Untersuchungen von 
Schödler bei Acantliöcercus rigidus*"') der Stamm des Fus- 
ses fast allein ausgebildet, trägt einen sehr kleinen Hüflfort- 
satz , einen inneren '^•'•"') mehrfach (wie bei den Phyllopoden 
fünffach) gelappten Rand , dessen zwei mittlere Lappen mit 
Fiederborsten oder gezähnten Fortsätzen*""''"''*), die drei übri- 
gen an der Spitze stehenden mit Krallen besetzt sind f ) ; von 
den äusseren Anhängen kommt aber nur der obere dem bla- 
senförmigen Forlsatze bei Holopedium entsprechende vor f f ), 
während der untere Fortsalz oder äussere Fusslappen ganz 
fehlt. Am meisten abweichend endlich sind die Füsse der 
vierfüssigen Cladoceren, z. B. desPolyphemus Oculus gestal- 
tet. Jeder Fuss der ersten drei Paare ist hier cylindrisch^ 
trägt an seiner Basis nach innen einen sehr starken , mit 
Stacheln besetzten Hüftfortsalz und an seiner Spitze zwei Glieder. 
Die Concavität der hinteren Fläche des bei den anderen Gat- 
tungen blatlförmio^en Fusses ist hier in eine mehr nach in- 
nen gerichtete Rinne übergegangen, deren beide Räuder mit 
ziemlich langen, rückwärts gekrümmten Borsten oder Haken 
besetzt sind. An der äusseren Fläche steht nahe der Basis 
des Fusses ein kleines, mit fingerförmigen Borsten besetztes 



*) In diesem Archiv 1846. Th. I. S. 324. Taf. 11. Fig. 5 bis 8. 
^•^•*) Daselbst b. 
■"'*•'-") Daselbst s und s', oder u'". 

f) Daselbst u, u' und u". 
•ff) Daselbst h. 



Holopedium gihberum. 183 

Kiemenblättchen , von dem bis jetzt nicht zu unterscheiden 
ist, ob es dem oberen blasent'örmigen Anhange , oder dein 
äusseren Fusslappen bei Holopedium entspricht. Seiner Stel- 
lung nach, nahe dem Hüffgliede, scheint es zwar dem erste- 
ren vergleichbar, es würde dann aber von der gewöhnlichen 
Form dieses Anhangs dadurch abweichen, dass es am Rande 
Forlsätze trägt, weshalb es wahrscheinlich ist, dass diies Blätt- 
chen dem unteren äusseren Anhange entspricht und hier bei 
dem Fehlen des oberen Anhanges hinaufgerückt ist. 

So ist also die Form des Fusses, die ich bei Holope- 
dium und Sida beschrieben habe, als die Mittel- oder Grund- 
form zu betrachten, von der die Formen, die bei den übri- 
gen Gattungen der Cladoceren und Phyllopoden vorkommen, 
abgeleitet werden können; und die beiden genannten Gattungen 
erscheinen auch in dieser Hinsicht als Vereinigungsglied zwi- 
schen diesen beiden, bisher von einander getrennten Familien 
der Crustaceen. 

Fragt man nach der Bedeutung der einzelnen Lappen 
und Fortsätze an den Füssen der Branchiopoden, so ist im 
Voraus zu bemerken , dass wir dieselben nicht ohne Weite- 
res mit den Füssen der Insekten vergleichen und nicht er- 
warten dürfen, gerade dieselben Abschnitte und Gliederun- 
gen bei ihnen zu finden, die wir an diesen kennen. Denn 
es entwickeln sich diese Füsse so wie die Abdominalfüsse 
der zehnfüssigen Krebse, wie ich gezeigt habe *"'), nach ei- 
nem ganz anderen Grundtypus als die Füsse der Insekten. 
Indessen sind gewisse Benennungen für alle Gliedmassen, 
wie auch ihre Entstehung sei, einmal gebräuchlich gewor- 
den und auch an denjenigen Fussformen der Branchiopoden, 
an denen eine wirkliche Gliederung bisher nicht nachgewie- 
sen ist oder nicht vorkommt, sind dennoch gewisse Abschnitte 
nicht zu verkennen. Zuerst zeigt die Muskulatur, dass der 
Forlsatz, den ich den Hüftfortsalz genannt habe, dem ersten 
Abschnitte des Beines angehört, denn die Muskeln steigen 
überall, wo dieselben erkannt sind, bei Holopedium, beiApus 
und Limnetis , von der Seite des Körpers über den Forlsatz 



*) Untersuctiungcn über den Bau und die Entwickelung der 
Gliederthiere S. 76 und 79. 



184 Zaddach: 

hinaus bis zum Ursprünge des blascnförmigen Anhanges herab. 
Sind wir daher gewohnt , den ersten Abschnitt des Beines 
die Hüfte zu nennen , so wird der von mir für jenen Fort- 
satz gebrauchte Ausdruck gerechtfertigt sein. Schödler 
nennt den ersten Abschnitt des Beines den Schenkel, in der 
Meinung, es liege über ihm noch ein Abschnitt, der nur bei 
der Verbindung mit dem Körper zu erkennen wäre, was aber 
nicht der Fall ist. Burmeister hat jenen Forlsatz die freie 
Basis des Fusses genannt, welcher Ausdruck für die Entwik- 
kelung der Beine bezeichnend ist, da sich dieser Fortsatz in 
der That durch die allmähliche Abschnürung des Fusses vom 
Leibe bildet. Grube, der zuletzt die Fussbildung der Phyl- 
lopoden einer vergleichenden Untersuchung unterworfen hat, 
nennt den Fortsatz den Kieferfortsatz, eine Bezeichnung, die 
ich nicht ganz billigen kann, da sie von einer entfernten Be- 
ziehung desselben zu den Verrichtungen derMaxillen herge- 
nommen ist, die Benennungen der Theile aber niemals von 
ihrer Verrichtung in einzelnen Organismen, sondern von ih- 
rer morphologischen Bedeutung abgeleitet werden sollten. — 
Ferner scheint aus der Stellung der drei Fortsätze und Lap- 
pen an der Spitze des Fusses bei Apus, Limnetis, und ande- 
ren Phyllopoden, ferner aus dem Umstände , dass diese drei 
Lappen öfters mit Borsten und Stacheln anderer Art bewehrt 
sind, als der mittlere Theil des Fusses, endlich aus dem Vor- 
handensein der drei Lappen an den Schwimmfüssen derSida 
und dem ersten Fusse der Daphnia hervorzugehen, dass diese 
drei Theile zusammengehören und am natürlichsten als ein 
Abschnitt des Fusses betrachtet werden können. Zwischen 
diesen beiden Endtheilen liegt der mittlere Theil des Fusses, 
der gewöhnlich am inneren Rande zwei-, oder in seltenen 
Fällen dreilappig erscheint, und diesem Abschnitte, und zwar 
seinem obersten Theile, gehört auch ohne Zweifel der untere, 
grössere von den beiden äusseren Anhängen an. Wie er 
entstehe, ob er als ein Fortsatz aus dem äusseren Rande des 
inneren Lappens oder Stammes auswachse oder sich durch 
Theilung der Fussplatte bilde, das wird durch spätere Unter- 
suchungen aus der Entwickelungsgeschichte dargethan wer- 
den müssen. Schwer zu entcheiden ist es, welchem Abschnitte 
des Fusses der obere blasenförmige Anhang angehöre, da 



Holopedium gibberum. 185 

er zwischen dem Hüftstücke und dem folgenden Abschnitte 
gerade da ansitzt, wo sich die von der Seite des Körpers 
herabsteigenden Muskeln an den äusseren Rand des Fusses 
ansetzen. Doch glaube ich, aus seiner Stellung bei Holope- 
dium und Sida schliessend, dass er der Hüfte zuzuzählen sei. 

Die Beine der Insekten und anderer Gliederthiere zer- 
fallen bei ihrer Entwickelung ursprünglich auch in drei Ab- 
schnitte, die sich dann erst später weiter gliedern , nämlich 
in einen vom Körper absteigenden Theil , der die Hüfte bil- 
det, einen aufsteigenden, der die Schenkelglieder oder, wie 
sie gewöhnlich genannt werden, die Trochanteren und den 
Oberschenkel darstellt, und einen dritten absteigenden Theil, 
der in seiner einfachsten Gestalt^ wie sie bei Insektenlarven 
vorkommt, in drei Abschnitte, Schiene, Tarsus und Kralle, 
zerfällt. Solche drei Abschnitte, nämlich ein Hüftstück, drei 
Schenkelglieder, eine Schiene mit Tarsus und Krallengliede, 
lassen sich auch an den Beinen der Decapoden unterschei- 
den, die mit den Beinen der Branchiopoden eine gleicheEnt- 
wickelung haben. Wollen wir also darnach die Theile die- 
ser letzteren benennen, so werden wir ausser dem schon be- 
zeichneten Hüftstücke die zwei oder drei mittleren Lappen 
als Andeutungen von eben so vielen Schenkelgliedern, die 
drei an der Spitze stehenden Lappen aber als Schiene, Tar- 
sus und Krallenglied bezeichnen müssen, und in der That stimmt 
auch die Richtung wenigstens der letztern, die bei den Phyl- 
lopoden gewöhnlich sich nach unten oder innen biegen, mit 
dieser Bezeichnung sehr gut überein. Grube hat den äus- 
sersten Lappen an der Spitze als den Tarsus, den der Hüfte 
zunächst liegenden als den Schenkel und die inzwischen lie- 
genden als Tibiallappen betrachtet. 

Die Fussbildiing bei Holopedium giebt aber noch zu ei- 
ner anderen und besonders interessanten Vergleichung Ver- 
anlassung, nämlich zum Vergleiche mit der Fussbildung bei 
den Larven einiger Decapoden, namentlich des Hummers. 
Da, wie gesagt, nach Rathke's Untersuchungen über die 
Entwickelung des Flusskrebses, und nach meinen Beobach- 
tungen über die erste Bildung der Füsse bei Daphnia und 
Apus, die Beine bei den Decapoden und Branchiopoden die- 
selbe Entwickelungsweise haben, so ist ein solcher Vergleich 



186 Zaddach: 

tim SO mehr gestaltet, wenn auch die Beobachtungen auf bei- 
den Seiten noch niclit vollständig und genau genug sind, um 
durch eine solche Parallele im Einzelnen zu einem ganz be- 
stimmten Resultate zu gelangen. Der Astacus marinus hat 
nun bekanntlich ••^), wenn er das Ei verlässt, an jedem Ab- 
domenbeine, und zwar am ersten Schenkelgliede oder Tro- 
chanter , einen langen Fortsalz, der von vorn nach hinten 
plattgedrückt ist und aus drei Gliedern besteht, deren letztes 
wiederum in zeiin kleinere Glieder zerfällt und mit Borsten 
besetzt ist. Dieser Anhang scheint nun dem unteren der bei- 
den äusseren Anhänge oder dem äusseren Fussblatte desHo- 
lopedium und mithin auch dem entsprechenden, oft beilför- 
migen Fortsatze an den Füssen der übrigen Branchiopoden 
vergleichbar zu sein: eine Aehnlichkeit, welche allerdings 
schon Rathke angedeutet hat, die aber aus der Form und 
Richtung dieser Theile bei den anderen Gattungen wenig deut- 
lich war, bei unserer neuen Gattung dagegen sehr klar her- 
vortritt. Sowohl bei den Decapoden wie bei den Branchio- 
poden gehen die fraglichen Fortsätze von dem ersten Schen- 
kelgliede, oder dem obersten Theile des Schenkels aus, bei 
jenen sind sie ausgebildeter und mehrfach gegliedert, bei die- 
sen bleiben sie zart und blattartig und zeigen nur selten wie 
bei Sida oder deutlicher bei Limnetis in dem absteigenden 
Theile eine schwache Andeutung von Gliederung und neh- 
men dann auch hier wie bei Apus in diesem Theile ein 
Muskelbündel auf. An der äusseren Seite des Hüftgliedes sit- 
zen bei den Decapoden die Kiemen , gewöhnlich wie auch 
beim Hummer in doppelter Zahl, und die untere ist durch ein 
eigenes Blättchen gestützt; es ist sehr wahrscheinlich, dass 
der obere Anhang am Fusse der Branchiopoden diesen Kie- 
men, oder vielleicht besser dem Kiemendeckblalte entspricht; 
auch hierfür würde die Stellung des genannten Anhanges spre- 
chen, und so scheint denn eine überraschende Uebereinstim- 
mung in allen einzelnen Abschnitten und Anhängen zwischen 
zwei, in ihrer äusseren Form so sehr verschiedenen Orga- 
nen nachgewiesen zu sein. Freilich wird auch hier die Ent- 

*) Ralhlie, Beiträge zur vergleichenden Anatomie und Pliy- 
siologie in den neuesten Schriften der Nalurforschenden Gesellschaft 
zu Danzig. 1842. Taf.2. Fig. 19.20. 



Holopedium gibberum. 187' 

wickelungsgeschichle noch die Richtigkeit dieser Vergleiche 
beslätiffen müssen, und man wird dann auch noch viele an- 
dere Familien der Cruslaceen in diesen Vergleich hineinzie- 
hen können; bis jetzt ist es aber z. ß. nicht zu übersehen, 
in wieweit die gespaltenen Beine der Schizopoden, z. B. der 
Gattung Mysis, hier zur Vergleichung kommen können, dabei 
ihnen der äussere Arm nicht vom Schenkel , sondern schon 
vom obersten Theile des Beines seinen Ursprung nimmt. 

Beim Hummer dient der Anhang an den Beinen zum 
Schwimmen. Dass die dünnen, wenig oder gar nicht musku^ 
lösen Fortsätze mit ihren weichen Borsten bei den Branchio- 
poden nicht zum Schwimmen dienen können, ist wohl klar, 
sie können aber auch sehr wohl, trotz ihrer morphologischen 
Uebereinstimmung mit den Anhängen an den Beinen der De- 
capoden, dennoch eine andere Bestimmung verbinden und, 
wie es wahrscheinlich ist, ein Hülfsorgan der Respiration sein. 

Es wird kaum nöthig sein, nach dieser ausführlicheren 
Beschreibung und bei den so auffallenden Gattungscharakte- 
ren eine kurze Diagnose der neuen Gattung hinzuzufügen; 
doch kann sie mit der ihr zunächst verwandten Gattung Sida 
gegen die übrigen Gallungen der Branchiopoden kurz so be- 
zeichnet werden: 

Branchiopoda tesla bivalvi et duodecim pedibus 
abdominalibus instructa. 

Sida: Testa cephalothoracis fornicem sive plicam supra 
antennarum maiorum basin non formans; antennae maiores 
bifidae, ramo altero tribus, altero duobus arliculis composito. 

Holopedium: Testa ut in Sida. Antennae maiores 
graciles, quatuor arliculis compositae, non divisae, apice tri- 
bus setis pinnatis coronatae. 



Erklärung der Abbildungen. 



Taf. Till iiod 11[. 

Fig. 1. Holopedium gibberum, von der Seite gesehen und sehr ver- 

grössert dargestellt. 
Fig. 2. Der vordere Theil des Kopfbruststücks mit dem Auge , dem 

Gehirn A , dem schwarzen Punivte B , den Tastantennen und 

der Oberlippe. 



188 Zaddach: Holopedium gibberum. 

Fig. 3. Das Herz; D, der von Längs- und Quermuskeln gebildete 
Theil; £, die unter demselben ausgebreitete Haut; F, die 
vordere häutige Spitze desselben. 

Fig. 4. Muskeln am Cephalothorax: a, u. b, Dreher des Oberkiefers; 

c, der quer durch den Körper gehende Anzieher derselben ; 

d, und e, Muskeln der Maxille ; /", Schalenmuskel; g^ ein lan- 
ger Muskel der Oberlippe ; h, i, /t, Muskeln der Ruderanten- 
nen. — C, Kanal in der Schalenklappe. 

Fig. 5. Die Muskeln an der innern Seite der Ruderantennen: /, ein 
schräger Drehmuskel; m und w, Muskeln an der hintern, o, 
an der vorderen und inneren Fläche. 

Fig. 6. Die Muskeln der ßauchfüsse p, q, r, s, t, u — z<, der gerade 
Bauchmuskel. 

Fig. 7. Muskeln im Fostabdomen ; z, der gerade Bauchmuskel; «, 
seine Fortsetzung im Fostabdomen ; a-, Muskel an der vorde- 
ren Fläche desselben ; y schräger Muskel. 

Fig. 8 bis 14. Die Maxille und die sechs Füsse der rechten Seite, 
in natürlicher Stellung gegen einander, nur verhältnissmäs- 
sig weiter von einander entfernt , von der inneren Seite ge- 
sehen, wie sie erscheinen, wenn das Thier auf den Rücken 
gelegt wird, und die Füsse nach der Seite hin ausgebreitet 
werden. P, die am inneren Rande liegenden Hüftfortsätze; 
R, der innere Fusslappen oder der Stamm mit den geglie- 
derten und gefiederten Borsten am innern Rande. Vollständig 
sind diese am zweiten Fusse in Fig. 10 dargestellt, gar nicht 
am dritten, zum Theil an den übrigen. 

Fig. 15. Der erste Fuss von der äusseren Seite, um den unteren, äus- 
seren Anhang oder den äusseren Fusslappen «S zu zeigen. 

Fig. 16. Eben so der zweite Fuss. 

Fig. 17. Der vierte Fuss und 

Fig. 18. Der fünfte Fuss von der äusseren Seite , wo P wieder den 
(hier abgewandten) Hüftfortsatz, Q den oberen äusseren An- 
hang bezeichnet. 

Fig. 19. Der verkümmerte sechste Fuss eben so von der äusseren 
Seite. 

Fig. S 1 bis S 4 stellen den zweiten Fuss der Sida crystallina von der 
inneren Seite (S 1} und von der äusseren Seite (S 2) , und 
den sechsten Fuss desselben Thieres von der äusseren Seite 
(S 3) und von der inneren Seite (S 4) dar; die Buchstaben 
P, Q, R, S bezeichnen die entsprechenden Iheiie wie in 
Fig. 15 bis 18. 



lieber das Herauskoinineii der Tachiifieii 

aus ihren Töiiiiclieii und aus dicht ver« 

sciilossenen Orten« an welchen diese 

oft sich belinden. 

Von 

Hr. Reissig-y 

in Darmstadt. 



Zu den interessanten Erscheinungen und Vorgängen, 
welche durch die Beobachtung der Lebensweise und der 
Verwandlungen der Insekten uns vorgeführt werden und un- 
sere Aufmerksamkeit verdienen , gehört unstreitig auch das 
Auskommen der Dipteren und besonders der Tachinen aus 
ihren Tönnchen, die Leichtigkeit, mit welcher die junge, noch 
weiche Fliege die feste Hülle desTönnchens durchbricht, so- 
dann die Thatsache, dass es einer solchen, kaum entwickel- 
ten Fliege möglich ist, nicht nur aus dem Tönnchen, sondern 
auch aus dem meist dicht verschlossenen Versteck desselben, 
— wie z. B. aus den Larvengängen oder den Puppenlagern 
von Saperda populnea und Cryptorhynchus lapathi im Holze, 
oder von Tortr. resinana in Harzgallen etc. — wohlbehalten 
in's Freie zu gelangen. 

Zur Erklärung dieser Vorgänge ist vielfach angenommen 
worden, dass das Tönnchen von der ausgehenden Fliege in 
der Gegend des Ausgangsloches durch Flüssigkeit erweicht, 
oder dass wohl auch das Ausgangsloch schon von der Larve 
vor ihrer Verpuppung vorbereitet werde. Es haben diese An- 
nahmen aber in meinen darauf bezüglichen Beobachtungen 



190 Reissig: 

keine Bestätigung erhalten. Ich habe vielmehr im Gegenlheil 
gefunden, dass sie schon in der Beschaffenheit dos Fluglochs 
Widerlegung finden, indem das Ausgangsloch ebenso scharf- 
kantige Bruchränder hat, wie dergleichen sich bei jedem be- 
liebigen neuen Riss des trockenen Tönnchens ergeben und 
im angenommenen erweichten Zustande desselben gar nicht 
würden entstehen können. Ueberhaupt habe ich auch nicht 
wahrnehmen können, dass die Flüssigkeit, womit die Tachi- 
nenpuppe allerdings umgeben ist, eine wesentliche Vermin- 
derung der Härte des Tönnchens zur Folge gehabt hätte 
und ebenso wenig konnte ich Spuren einer von der Larve 
bewirkten Vorbereitung des Ausgangsloches irgendwie auffin- 
den. Ich bin daher bald zu der entschiedenen Ansicht ge- 
kommen, dass das Tönnchen von der ausgehenden Fliege ge- 
waltsam aufgesprengt werde und dass, weil hierzu mehr als 
gewöhnliche Kraft und Geschick erforderlich sind, die Fliege 
mit einer entsprechenden besonderen Beschaffenheit ihres Kör- 
pers ausgerüstet sein müsse. Wiederholte Beobachtungen 
haben diese Ansicht auch als richtig erwiesen. Sie haben 
nämlich ergeben, dass die ausgehende Fliege ihren 
Kopf zu einem höchst merkwürdigen, nach Art 
der hydraulischen Presse wirkenden Apparate 
umgestalten und damit nicht nur die Tönnchen- 
hülle sprengen, sondern auch sonstige Hinder- 
nisse auf dem Wege in's Freie überwinden und 
bei Seite schaffen kann, was meines Wissens noch 
nicht, oder doch nicht hinreichend bekannt und einer bes- 
seren Untersuchung umsomehr werth sein dürfte, als ana- 
loge Hühfsmiltel auch bei den Larven der Tachinen und an- 
derer Insekten, wie z. B. bei den Schmetterlingen etc., vor- 
kommen. 

Meine Beobachtungen sind an vielen Tachinen, z.B. Ta- 
china gilva Hrtg. aus Lophyrus pini; Tach. pilipennis Fall. 
aus den Harzgallen von Tortr. resinana; Tach. flaviceps Rtzb. 
aus Eulenpuppen; Tach. fera Lin. aus der vertrockneten Raupe 
von Noctua piniperda etc. , hauptsächlich aber an Tach. bi- 
maculata Hrtg. aus den Cocon's von Loph. pini, gemacht 
worden , beschränken sich aber zur Zeit fast ausschliesslich 
nur auf das Aeussere des gedachten Apparats und seiner An- 



Ueber das Herauskommen der Tachineu aus ihren Tönnchen. 191 

Wendung. Sie sind einer Ergänzung und vielleicht auch Be- 
richtigung gewiss sehr bedürftig und wohl nur geeignet, gründ- 
lichere Untersuchungen , die ich besonders auch in anatomi- 
scher Beziehnung sehr wünsclite, zu veranlassen. Ich gebe 
desshalb meine Wahrnehmungen so, wie ich sie theilweise 
schon 1853, besonders aber in diesem Frühjahr, wiederholt 
gemacht und in meinem entomologischen Tagebuche jedesmal 
notirt habe. 

1. An Tachina bimaculata Hrtg. habe ich zuerst gese- 
hen, dass sowohl die ausgehende als auch die schon einige 
Zeit ausgekommene Fliege die merkwürdige Fähigkeit be- 
sitzt, den Kopf zu einer fast vollkommenen Kugel zu gestal- 
ten , deren Durchmesser die Dicke des Körpers bedeutend 
übertrifft. 

2. Die Oberfläche der Kugel besieht aus der schwach 
durchschimmernden, pergamentartigen Haut, welche im Ge- 
sicht der Tachine von den Augen bis zu den Mundlheilen 
sehr künstlich zusammengefaltet ist und durch einströmende 
dünne Flüssigkeil zu dem angegebenen Umfange entfaltet und 
aufgetrieben wird. 

Das Auftreiben der Kugel hat Aehnlichkeit mit der Ent- 
stehung einer Seifenblase, welche mittelst eines Strohhalms 
aufgeblasen wird. Sie wächst wie diese allmählich^, und aus 
den manchmal erkennbaren Strömungen der Flüssigkeit in 
der Kugel glaubte ich bestimmt zu entnehmen , dass diese 
Flüssigkeit durch einen oder vielleicht auch mehrere^ jeden- 
falls sehr enge und ventilirte Kanäle, förmlich hineingepumpt 
wird, und dass man daher einen der hydraulischen Presse 
ähnlichen Apparat vor sich hat. 

3. Die, anstatt der vorherigen Form des Kopfes, ent- 
standene Kugel hat eine solche Lage, dass die Oberfläche 
derselben mit dem Hinlerrande und den Seitenrändern der 
Augen zusammenfällt, die letzteren einen festen Theil der Ku- 
gel ausmachen und dadurch eine wesentliche Basis für den 
ganzen Apparat und dessen Wirksamkeit abgeben. 

4. Ausser den beiden Augen sind nach eingetretener 
Bildung der Kugel äusserlich nur noch 

a) das letzte Glied der beiden Fühler, 



192 Reissig: 

b) die zwei hornigen, gebogenen Organe, welche ta- 
sterförmig am Munde sich befinden, und 

c) das Futteral der Stechborste, oder der eigentliche 
Saugrüssel 

sichtbar. Alles Uebrige am Kopfe, mit Ausnahme der Fühler- 
borsten und der Borsten an den Augenrändern, ist verschwun- 
den und selbst die erwähnten sichtbaren Organe sind nicht 
nur von ihren ursprünglichen Stellen gerückt, sondern- haben 
auch, wie sich aus dem Vorstehenden ergiebt, wesentlich ab- 
geänderte Lagen angenommen. 

5. Es befinden sich nämlich die Fühler (4a) auf der, 
den Augen entgegengesetzten Seite der Kugel , also ganz 
vorne. Sie ragen hier nur mit dem letzten Gliede hervor 
und liegen als ein nach unten gerichteter Doppelhaken auf 
der Kugeloberfläche. Dabei behalten sie aber doch noch ei- 
nige willkührliche Beweglichkeit, welche der Fliege gestattet, 
sie als Keil oder als Feile, Säge oder als Haken zu gebrauchen. 

6. Der Saugrüssel (4 c) ist schräg nach hinten gerich- 
tet. Er befindet sich mit dieser Lage unterhalb der Augen 
auf der Unterseite der Kugel und wird beim Anschwellen 
derselben zu einer ansehnlichen Länge über den Hinterrand 
der Kugel hinaus hervorgepresst. Dabei behält er ebenfalls 
noch einige, vom hydraulischen Druck unabhängige willkür- 
liche Beweglichkeit und die Fliege kann ihn nach Belieben 
weiter verlängern oder verkürzen. 

Dieser Saugrüssel ist ein interessanter und wichtiger Theil 
des ganzen Apparats. In seiner schräg abwärts und nach 
hinten gerichteten Lage übt er einen federartigen Druck auf 
den hinteren Theil der Kugel. Es werden dadurch die Au- 
gen mit ihrer rauhen Aussenseite an die Seitenwand des Tönn- 
chens angedrückt, während der Rüssel selbst auf der entge- 
gengesetzten Seilenwend desTönnchens feststeht und so dem 
. ganzen hinteren Theil der Kugel denjenigen festen Hall giebt, 
welcher nölhig ist, um den Druck der hydraulischen Pressung 
hauptsächlich nach vornehin wirken zu lassen und nament- 
lich auch die Fühler, welche sich am vorderen Theil der 
Kugel befinden, in die Spitze des Tönnchens, oder in einen 
sonstigen im Wege befindlichen Gegenstand, als Keil einzu- 
treiben. Die willkührliche Verlängerung und Verkürzung des 



Ueber das Herauskommen der Tachinen aus ihren Tönnchen. 193 

in der angegebenen festen Stellung befindlichen Saugrüssels 
hat natürlich eine entsprechende Vermehrung oder Vermin- 
derung des nach vornehin wirkenden Drucks und damit auch 
ein, in dieser Richtung stattfindendes Hin- und Herbewegen 
zur Folge, wodurch diefühler, in Verbindung mit ihrer will- 
kührlichen Beweglichkeit, gewissermassen als Feile, Säge oder 
Haken in Gebrauch genommen werden können. 

7. Auf der Unterseite der Kugel und beiläufig in der 
Mitte zwischen den Fühlern (4 a) und dem Rüssel (4 c) be- 
finden sich die beiden fadenförmigen und etwas gekrümmten 
hornigen Organe (4 ö). Sie bilden einen Doppelhaken , wel- 
cher mit der abgerundeten Seile auf der Kugeloberfläche ruht 
und dessen auswärts gerichtete Endspitzen, je nach der Span- 
nung der Kugel, mehr oder weniger über die Kugeloberfläche 
hervorragen. Dieser Doppelhaken legt sich schon bei mas- 
siger Auftreibung der Kugel an die Seitenwand des Tachi- 
nentönnchens an, und wird bei starkem Druck mit seinen bei- 
den Endspilzen in dieselbe so eingetrieben, dass der Anfang 
des für das Ausgangsloch erforderlichen Querrisses entsteht, 
welcher alsdann durch den nun vorzugsweise darauf wirken- 
den Druck (6) genügend sich verlängert und erweitert. 

8. Ausser dem eben erwähnten Querrisse finden wir 
am aufgesprengten Tönnchen in der Regel noch einen zwei- 
ten Riss, welcher von der Spitze desTönnchens ausgeht und 
den abgetrennten Deckel des Ausgangsloches in zwei fast 
gleiche Theile spaltet. Dieser Riss wird durch das keilförmige 
Eintreiben der Fühler in die Spitze des Tönnchens (9) be- 
wirkt. Er entsteht fast gleichzeitig mit dem Querrisse oder 
doch nur etwas weniges früher und trägt zur leichteren und 
rascheren Vollendung des letzteren wesentlich bei. 

9. Ich habe ferner Folgendes wahrgenommen: 

a) Das Auftreiben der Kugel erfolgt, wie schon erwähnt, 
in einem oder mehreren gedehnten Zügen und die entstan- 
dene Kugel wird nach ihrer Vollendung gewöhnlich noch 
einige Secunden in der äussersten Spannung erhalten; wie 
es scheint^ um den Druck durch eine längere Dauer dessel- 
ben wirksamer zu machen. 

b) In derselben Weise, wie die Kugel aufgetrieben wor- 
den ist, wird sie auch wieder eingezogen, um sogleich wie- 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. J3 



194 Beissig: 

der aufs Neue aufgetrieben zu werden, wenn die vorherge- 
gangene Auflreibung keinen oder nicht genügenden Erfolg 
gehabt hat. Es ist zum Erstaunen , mit welcher Beharrlich- 
keit die Fliegen dieses Auftreiben und Wiedereinziehen der 
Kugel fort und fort wiederholen, und ich habe beobachtet, 
dass eineTachine, welche ich in eine enge Glasröhre gebracht 
und ihr den Ausgang aus derselben verstopft halle, gewiss 
mehr als lOOmal es versuchte, den Stopfen auf diese Weise 
hinweg oder auf die Seile zu drücken, ohne dazwischen auch 
nur ein einzigesmal auszuruhen. 

c) Eine solche Beharrlichkeit findet aber in Beziehung 
auf die Stellen, gegen welche der Druck gerichtet wird, nicht 
statt, sondern es wird manchmal schon nach einem oder zwei 
sich als erfolglos erwiesenen Auftreibungen der Druck durch 
eine entsprechende Wendung des Körpers auf eine andere 
Stelle gerichtet. Dabei hat es mir scheinen wollen , als ob 
die Fliege, während ihres Umherlastens nach einer zum Durch- 
brechen geeigneten Stelle, sich der Fühlerborsten als förm- 
liche Fühler bedient halte, um eine günstige Stelle aufzu- 
finden. 

Auch ist es mir mehr als einmal so vorgekommen, als 
wenn die Veränderungen in der Richtung des Drucks nicht 
allein durch eine Wendung des Körpers bedingt wären, son- 
dern dass der Fliege auch in dieser Beziehung eine Willkühr- 
lichkeit der Bewegung zu Gebote stände, wie dieses in An- 
sehung der Organe 4 a. 4 b. und 4 c. zur Erhöhung der Wirk- 
samkeit jener Organe der Fall ist. 

d) Wenn die Auftreibung der Kugel beginnt, tritt eine 
Verlängerung nach vorne ein, indem zuerst der vor dem 
Augenwinkel liegende Theil des Gesichts, zu einer zucker- 
hutähnlichen, also kegelförmigen Spitze, an welcher sich die 
Fühler befinden , hervorgetrieben wird und erst im weiteren 
Verlaufe auch die Auftreibung der übrigen Theile der Kugel 
stattfindet. 

Die Befähigung der Fliege zum Hervorbringen dieser Ver- 
längerung ist von überraschender Bedeutung, und zwar nicht 
nur bezüglich des Aufsprengens der Spitze d€s Fliegentönn- 
chens (8), sondern auch in den Fällen, wo das Tönnchen 
an verschlossenen Orten liegt und die ausgehende Fliege ei- 



Ueber das Herauskommen der Tachinen aus ihren Tönnchen. 195 

nen Weg in's Freie sich erst bereiten niuss. Denn ich habe 
an künstlich eingesperrten Tachinen gesehen, dass sie mit 
Hülfe dieser Verlängerung im Stande sind, den hydraulischen 
Druck auf beliebige einzelne Punkte zu richten, damit in Ritzen 
und kleine Oeffnungen einzudringen und sie unter ßeihülfe 
der Fühler und deren willkührlichen Bewegungen, alsdann durch 
Aveitere Auftreibung mit Erfolg zu erweitern. 

Alles dieses findet in der weiteren Befähigung der Fliege, 
die Kugelauflreibung auf jeder beliebigen Stufe der Spannung 
wieder zurück zu ziehen und so stossartige Bewegungen zu 
veranlassen, eine fernere bedeutende Beihülfe. 

10. Bevor die Tachine ihre Operation mit dem Appa- 
rate beginnt, bringt sie den Kopf dicht an die zu durchbre- 
chende Stelle, sucht dann mit ihren starken Beinen einen 
möglichst festen Standpunkt und giebt dabei dem Körper eine 
etwas gekrümmte Lage. 

In Folge dieser Vorbereitungen hat das einfache Be- 
streben der Fliege, den Körper wieder in die gerade Lage 
zu bringen, die wichtige Folge, einen, von der hydraulischen 
Pressung ganz unabhängigen Druck nach vorne auszuüben, 
zwischen diesem und dem hydraulischen Druck abwechseln 
und so abwechselnd den ganzen Apparat in gewonnene Räume 
vorschieben und den Körper dann bequem nachziehen zu 
können. 

11. Es ist mir sehr interessant gewesen zu sehen, wie 
die sonst fast zwecklos erscheinenden Borsten des Körpers, 
und namentlich die des Hinterleibes der Fliege , w^esentlich 
zum festen Halt des Apparates und zum leichteren Vorwärts- 
gehen auf dem Ausgangswege beitragen; indem dieselben 
die Unebenheiten der rauhen Oberfläche des Körpers, ähnlich 
wie die Fäden den Bolzen eines Blasrohrs, überdecken, das 
Vorwärtskommen erleichtern und gleichzeitig starke Wider- 
haken bilden, welche dem Rückwärtsgleiten des Fliegenkör- 
pers wesentlichen Widerstand leisten. 

12. So lange die Kugel des Apparates nicht vollstän- 
dig aufgetrieben ist, bleibt zwischen den Fühlern 4 a. und 
dem Rüssel 4 c. eine Rinne, deren Vertiefung mit zunehmen- 
der Auftreibung mehr und mehr sich vermindert, bei äus- 
serster Spannung ganz verschwindet und welche bei dem Wie- 



196 JReissigi Ueber das Herauskommen der Tachinen etc. 

dereinziehen der Kugel ebenso wieder erscheint und sich 
vertieft. Die Verliefung selbst wird auf diese Weise im er- 
sleren Falle nach aussen und im lelzteren nach innen bewegt 
und da die Organe 4b darin befestigt sind, so müssen sie 
diese Bewegungen ebenfalls mitmachen. Es s'eht dieses mit 
dem Vorwärtsbringen des Apparats ebenfalls in nützlicher 
Verbindung, denn die Spitzen der Organe 4b, welche bei 
ganz aufgetriebener Kugel hervorstehen und zum Festhalten 
des Apparats beitragen , würden auch dem Vorwärtsschieben 
desselben ein erhebliches Hinderniss bereiten, wenn sie nicht 
gleich anfänglich und gleichzeitig mit dem Nachlassen der 
Spannung der Kugel zurückgezogen und unschädlich gemacht 
würden. 

Darmstadt im Mai 1855. 



Beiträg^e zur Heniitiiiss unserer ISiiss- 
wasserlisclie. 

Von 

Dr. A. Oiintlier, 

^ in Bonn. 

Hierzu Taf.X. Fig. 1. 2. 



Im Folgenden gebe ich den Anfang meiner, seit dem 
Erscheinen der Neckarfische*"*) gesammeilen Untersuchungen 
während eines je einjährigen Aufenthaltes in Berlin und am 
Rheine. Es sind dieses zum Theil nur Ergänzungen des schon 
in der erwähnten Abhandlung gegebenen , zAim Theil voll- 
ständige Beschreibungen derjenigen Fische, von denen mir 
die Oder, Spree und der Rhein ein genügendes Material fri- 
scher Exemplare darbot. Durch die detaillirlen Untersuchun- 
gen der grösslentheils längst gekannten Arten hatte ich die 
Absicht, mir die Gewissheit zu verschaffen, ob die von an- 
deren Ichthyologen zur Unterscheidung oder richtiger zur 
Spaltung der Species angewandten feineren Merkmale auch bei 
unseren Fischen zu benutzen, ob sie überhaupt zulässlich wä- 
ren. Ich glaubte mich mehr und mehr vom Gegenlheil zu 
überzeugen; und wenn ich das Detail meiner Untersuchun- 
gen veröffentliche, so habe ich damit die Absicht, die Zahl 
unserer Fische vor einer ähnlichen Vervielfältigung zu schüt- 
zen, aber auch einen Beitrag zu dem Material zu liefern, 

*) Die Fisclie des Neckars, untersucht und beschrieben von A. 
Günther. Stuttgart 1853. 



198 Günther: 

durch welches wir erst zu bestimmten Gesetzen über den 
Werth der einzelnen Organe gelangen können. Relativ ist 
dieser Werlh eines Organes, wenn wir dasselbe durch die 
ganze Classe der Fische verfolgen, absolut oft bei ganz ver- 
schiedenen Fischgruppen, oft in sehr beschränkten Grenzen. 
Aufzufinden und festzustellen , welches Organ bei gewissen 
Fischen in seine absolute Bedeutung einlritt , während ein 
anderes mehr oder weniger variirt, das macht die Schwie- 
rigkeit der Ichthyologie aus, um so mehr, als bei ganz ver- 
wandten Arten das erste Organ seinen Werlh verloren und 
einem andern eingeräumt haben kann. 



Perca fluviatilis L. 

Meiner a. a. 0. *''") gegebenen Beschreibung habe ich 
Folgendes beizufügen : 

Wie überhaupt meist die Fische in der Jugend einen 
gestreckteren Köperbau haben, so ist auch bei Barschen von 
6" Länge aus dem Rhein die Leibeshöhe in der Totallänge 
4y2mal und darüber enthalten, während dagegen das Ver- 
hältniss der Kopflänge zur Totallänge ein constanteres bleibt: 
bei denselben Individuen beträgt jene von dieser nur den 
vierten Theil. Auch die Differenzen in der Breite des Ko- 
pfes sind nicht unbedeutend, indem die Dislanz der Augen 
bis 4mal in der Kopflänge enthalten sein kann. 

Auf die Fischmärkte in Berlin wird auch eine ganz 
goldglänzende Varietät gebracht, bei der aber die charak- 
teristischen dunkeln Binden und Flecken nicht verwischt und 
die Bauchflossen roth sind. — In der Spree erreicht der Barsch 
die bedeutende Grösse von über 1 '72' ? f'a ihm dieser Fluss 
alle die Bedingungen , welche seiner Entwickelung günstig 
sind, darbietet. 

Ein Exemplar aus dem Rhein hatte nur 20 Rumpf- und 
20 Schwanzwirbel. — Bei Fischen, welche eine grössere 
Anzahl von Kiemenstrahlen besitzen, finden wir nicht selten 
sowohl Abweichungen von der Normalzahl, als auch eine un- 



*} Fische des Keckars S. 10. 



Beiträge zur Kenntniss unserer Süsswasserfische. 199 

symmetrische Zahl auf beiden Seilen desselben Individuums. 
Es kommt diess aber um so seltener vor, je geringer die 
Anzahl der Strahlen ist, und es mag schon als eine angebo- 
rene Missbildung zu betrachten sein, dass ein Individuum des 
Barsches auf einer Seite 8, auf der andern 7 Strahlen halte. 

— Die Nieren beginnen ganz oben in der Bauchhöhle als 
eine sehr massige Anschwellung mit einer sattelförmigen Aus- 
schweifung gegen die Baucheingeweide ; sie sind hier von 
beiden Seiten verschmolzen , treten aber dann auseinander, 
sich nach hinten verschmälernd , und verlaufen als ein plat- 
tes, schmales, paariges Band zu beiden Seiten der Wirbelsäule 
gegen das Ende der Bauchhöhle. — Die Eier liegen im Ova- 
rkim in Blättern, es ist diess am schönsten zu sehen in der 
Zeit unmittelbar nach der Laiche, zu Ende des Juni. 

Acerina cernita Cuv. 
Kaulbarsch; Kulbarsch. (Taf. X. Fig. 1. 2.) 

Meiner schon gegebenen Beschreibung dieses Fisches *) 
habe ich noch Folgendes ergänzend beizufügen und darnach 
die Anatomie nachzuholen. 

Oben auf dem Kopfe finden sich fünf Gruben, wovon 
die vier vorderen rundlich und paarig hintereinander gestellt 
sind; die hintere unpaare ist länglich oval. — In der Rük- 
ken flösse zähle ich 13—14 Stacheln, von welchen der 
letzte jedoch nicht immer länger, als der vorletzte ist. Die 
Afterflosse besteht aus zwei Stacheln und 5—6 Strahlen. 

— Die Iris schön violett, oben dunkler als unten. — Die 
Weibchen sind im Allgemeinen viel grösser als die Männchen. 

Wie auch A r t e d i und Valenciennes *''""') ange- 
ben, war bei den Neckarfischen die Brust nackt, während ich 
sie bei den in Berlin untersuchten Exemplaren, so wie bei 
denen aus der Wolga und von der Krim vollkommen be- 
schuppt fand. Die Sache verdiente eine um so genauere Un- 
tersuchung, als bekanntlich derselbe bei Salmo thymallus L. 
von Vale ncien nes beobachtete Unterschied, diesen be- 



^) Fische des Neckars S. 14. 
**) Artedi Synonymia pisc. p. 80 u. Valenciennes T. III. p. 8. 



200 Günther: 

stimmte, die Linne'sche Species zu spalten. Die Deutung- 
dieses Unterschiedes hatte sich nun durch Creirung einer 
neuen Species oder Feststellung einer klimatischen Abände- 
rung leicht erledigen lassen, wenn ich nicht nun in dem 
Poppelsdorfer Museum zu Bonn 6 Fische, welche Prof. Tro- 
schel aus Berlin hatte kommen lassen, gefunden hätte, wovon 
das grösste 6" lange weibliche Exemplar eine beschuppte, 
die fünf andern kleinern (mas. und fem.) eine nackte Brust 
haben (s. dieAbbiidungen Fig. 1. und 2. beides Weibchen.). 
Auf der andern Seite zeigte es sich aber auch, dass bei Fi- 
schen aus dem Rhein von beinahe derselben Grösse bald 
die Brust von den Bauchflossen bis zur Vereinigung der Hu- 
meri mit sehr kleinen Schuppen und Körnern bedeckt, auch 
die Stelle vor den Brustflossen mit zarten durchsichtigen 
Schüppchen besetzt war, bald diese Theile in derselben Weise, 
aber nur in der Mittellinie beschuppt , bald aber auch voll- 
kommen nackt waren. Ein Exemplar mit so ausgebildeten 
Schuppen an dieser Stelle, wie ich das in Berlin gesehen, 
habe ich im Rheine noch nicht gefunden : aber trotz dem ist 
bei dem angegebenen Sachverhalte meine Meinung die , dass 
dieser Unterschied, zumal sich auch kein anderer constanter, 
anatomischer oder zoologischer, nachweisen lässt, durchaus 
nicht als ein specifischer, vielmehr als ein aller Wahrschein- 
lichkeit nach vom Alter abhängiger aufzufassen ist: und 
wenn ich das auch zunächst nur für den Kaulbarsch festge- 
stellt wissen möchte, so könnte diess doch die Veranlassung 
geben , nach dieser Seite hin den Thymallus gymnolhorax 
Val. von neuem zu untersuchen. 

Skelett. Der Schädel zeichnet sich aus durch die wei- 
ten Sciileimkanäle, welche durch die Knochen gebildet wer- 
den, und in welche so viele Gruben führen, dass eine an- 
schauliche Beschreibung des Schädels keine leichte Sache ist. 
Bei einer genaueren Betrachtung lassen sich diese Gruben 
schon am Schädel des Barsches und Zanders erkennen , sind 
aber hier bei weitem nicht so entwickelt. Ein solcher Schleim- 
kanal zieht sich um den ganzen Umfang des Auges herum; 
er beginnt vorne mit den Nasenbeinen , welche vollständig 
zu einer Röhre verwendet sind. Bevor er weiter nach hin- 
ten zu den Stirnbeinen sich hinzieht., ist er durch die vor- 



Beiträge zur Kenntniss unserer Süsswasserfische. 201 

derste Grube, welche vom Nasen- und Stirnbein zugleich ge- 
bildet wird, unterbrochen; diese Grube ist paarig vorhanden. 
In die Fortsetzung des Kanals auf den Stirnbeinen führt die 
zweite , wieder paarige Grube. Die unpaare hintere Grube 
auf der Schädeldecke, von welcher in der zoologischen Be- 
schreibung die Rede war, stellt sich am Schädel als ein drei- 
eckiger, nach hinten nicht abgeschlossener Raum dar , wel- 
cher gebildet wird durch das Auseinandertreten der beiden 
seillichen Kanäle und ihre veränderle Richtung nach unten 
hinter das Auge. So lange der Kanal noch auf dem Stirn- 
beine verläuft, sind an ihm zwei weitere kleine Gruben be- 
merkbar, welche jedoch, so lange die allgemeinen Bedeckun- 
gen darüber weggehen, äusserlich nicht gesehen werden. Der 
Kanal geht nun auf den Infraorbitalbogen über, und öffnet 
sich hier durch sieben mehr oder weniger tiefe Gruben. Der 
hinterste Infraorbitalknochen besteht aus einem einfachen klei- 
nen hohlen Röhrchen und setzt mit dem zweiten die hinterste 
kleinste Grube zusammen. Der zweite bildet eine zusammen- 
gedrückte Röhre, ist nicht länger, aber breiter als der erste, 
und an beiden Enden ausgeschnitten, um mit dem ersten und 
dritten Gruben zu bilden; der dritte dreimal so gross, als 
die beiden ersten, hat eine Grube für sich und setzt je eine 
mit dem zweiten und vierten zusammen; der vierte länger 
als breit, bildet Gruben mit dem dritten und fünften, endlich 
der vorderste und grösste hat einen tiefen Einschnitt, mit 
welchem er den vorderen Winkel der Augenhöhle bildet, 
legt sich ,an den Oberkiefer an , und ist mit drei grossen 
Gruben versehen. — Der beschriebene ringförmige Kanal 
communicirt nun durch eine tiefe, rund ausgehöhlte Rinne 
mit einem zweiten Kanal, welchen das Präoperculum und 
der Unterkiefer bilden. Auch dieser Kanal ist wieder durch 
viele tiefe Gruben durchbrochen , und zwar auf dem Prä- 
operculum durch fünf, und auf dem Unterkiefer durch fünf, 
von welchen letzteren die grösste durch Zahn - und Gelenk- 
bein zusammengfcsetzt wird. 

Die Hauptstirnbeine erstrecken sich bis zu der ziemlich 
stark vorspringenden Crista des obern Hinterhauptbeins , und 
bedecken den breiten vorderen Theil diees Knochens, so dass 
die Schädelhöhlc durch zwei übereinanderliegende Platten ge- 



202 Günther: 

schlössen ist; es hat jedoch die untere Platte vorne zu bei- 
den Seiten ein grosses ovales Loch. Die kleinen rundlichen 
dünnen Scheitelbeine liegen zur Seite hinter dem Hauptstirn- 
bein. Das Ethmoidalbein verknöchert erst spät^ ich habe es 
bei schon geschlechtsreifen Individuen noch durchaus knorp- 
lig gefunden. An diesen Knochen legt sich der Vomer mit 
zwei seitlich vom Körper abgehenden Flügeln an; auf dem 
Körper stehen einige Zähnchen; der Sparren dünn, lang, et- 
was breit. 

Der Oberkiefer dünn, platt, beinahe überall gleich 
breit, ohne Zähne; der Zwischenkiefer bildet den obe- 
ren Rand des Kiefers und ist auf zwei Drittel seiner Länge 
mit Zähnchen besetzt, das untere Drittel ist etwas brei- 
ter; er ragt nicht bis zum Unterkiefer herunter und kann 
wegen seines langen Fortsatzes ziemlich weit vorgestreckt 
werden. Das Zahnbein des Unterkiefers trägt einen nach 
rückwärts gerichteten stielförmigen Forlsatz , durch wel- 
chen die Bänder- Verbindung mit Zwischen- und Oberkie- 
fer vermittelt wird , und der noch auf einen Theil seiner 
Länge mit Zähnchen besetzt ist. Der Quadratknochen ist da, 
wo er sich neben das Praeoperculum legt, mit einer starken 
Leiste versehen. Die Ossa sympleclica von nadeiförmiger 
Gestalt und oft nur knorplig; ebenso ist der hintere verdickte 
Theil der Querbeine von knorpliger Beschaffenheit. Das Ba- 
silarbein ist zu zwei grossen, sehr dünnwandigen Blasen auf- 
getrieben, in denen die Gehörsfeine liegen, welche bei einem 
weniger als 5" langen Individuum die Grösse einer Linse 
hatten. Das Operculum, von dreieckiger Gestalt, wird durch 
drei starke Knochenstrahlen gestützt, welche von seinem Arti- 
culationswinkel ausstrahlen: ein Strahl begrenzt den oberen 
Rand, der zweite läuft am hinteren Winkel des Kiemendek- 
kels in eine vorstehende scharfe Spitze aus , und der dritte 
begrenzt den vorderen Rand am Praeoperculum. Die zwei 
Schenkel des Vordeckels bilden einen etwas stumpfen Win- 
kel, in welchem eine schmale dünne Knochenlamelle ausge- 
spannt ist; der untere horizontale Schenkel ist mit zwei 
schief nach vorne gerichteten Stacheln bewaffnet; im Win- 
kel steht ein nach unten gerichteter starker Stachel und der 
aufwärts steigende Schenkel trägt noch einige nach oben zu 



Beiträge zur Kenntniss unserer Süsswasserfische. 203 

immer kleiner werdende. Dns Suboperdulurrt ist öehr dünn, 
und läuft nach hinten neben dem iSlachel des Operculums in 
eine membranöse Spitze aus. Das breite und dünne Inler- 
operculum hat einen abgerundeten hinteren Rand, dfls entge- 
gengeselzle vordere Ende ist spitz. Die obern Schlundkie- 
ferknochcn, länglich-oval, liegen auf den Blasen des Basilar- 
beins, und sind, wie die unteren, dicht mit Zähnchen besetzt. 
Auch die Kiemenbogen haben auf jeder Seite eine Reihe 
Knötchen, welche winzige Zähne tragen. Das os linguae nie- 
dergedrückt, dreieckig. Die obere Hälfte des Zungenbein- 
horns trägt ausser dem kleinen Slyloidknochen zwei Kiemen- 
strahlen , die untere die fünf andern. Das Kielstück, durch 
welches sich das Schullergerüste mit dem Zungenbein verei- 
nigt, ist schmal und hoch und hat an seinem unteren Ende 
eine schmale Rinne. Das Schultergerüst ist stark enlwickit 
und der Humerus trägt oben noch 2 — 4 mehr oder weniger 
deutliche Zähne. Von den Schulterblättern ist das obere am 
hinleren Rande gezahnt, das untere breit, scheibenförmig. An 
den Schultergürtel ist das Becken angewachsen; die breiten 
ossa innominata legen sich mit ihrem innern scharfen Rande 
so aneinander, dass zwischen ihnen gar kein Zwischenraum, 
oder wenigstens nur eine schmale Spalte offen bleibt; am 
äusseren Rande werfen sie sich nach oben und nach unten 
in eine scharfe Leiste auf; zusammen bilden sie ein gleich- 
schenkliges Dreieck. 

Bei allen Individuen, die ich in Berlin untersuchte, fand 
ich 15 Rumpf- und 20 Schwanzwirbel; 13 Rippen. Die 
Exemplare aus dem Rheine halten alle 15 Rumpf- und 21 
Schwanzwirbel, mit Ausnahme eines einzigen weiblichen In- 
dividuums, das 22 Schwanzwirbel hatte. Von den Interspi- 
nalknochen ist dessen zu erwähnen , mit welchem der erste 
Stachel der Afterflosse artikulir»: er ist noch länger und stär- 
ker als dieser, mit drei vorspringenden Leisten; die der 
Schwanzflosse sind comprimirt und dünn. 

Wei chth ei le. Die Zunge ist ein wenig frei; der 
sackartige Magen ist in einen gerade nach unten liegenden 
Blindsack und in einen querliegenden Theil geschieden; hin- 
ter ihm drei kurze , aber weite Blinddärme ; der Darmkanal 
kurz, mit einer obern und einer untern V\^indung. Die langge- 



204 Günther: 

streckte Leber erstreckt sich quer von rechts nach links und 
ragt auf der linken Seite weiter nach unten, als auf der rech- 
ten ; es ist keine Trennung in zwei Lappen vorhanden und 
es sind nur in der Mitte einige kleine Läppchen gesondert; 
Gallenblase länglich-oval; der ductus choledochus mündet an 
der Insertionsstelle der Blinddärme; Milz länglich, dreieckig, 
platt. Testikel und Ovarien sind paarig und es enthalten 
letztere eine ausserordentlich grosse Anzahl von Eiern ; bei- 
derlei Geschlechtswerkzeuge verschmelzen unten miteinander. 
Die Nieren sind oben an der Bauchhöhle von beiden Seiten 
verschmolzen und massig, sie scheiden sich dann in zwei 
seitliche, äusserst schmale Stränge, welche oft unterbrochen 
sind; unten verschmelzen sie wieder von beiden Seiten und 
bilden einen dreieckigen kurzen Lappen; der Ausführungsgang 
der Nieren ist sehr weit. Die einfache sehr grosse Schwimm- 
blase nimmt die ganze Länge und Breite der Bauchhöhle ein^ 
an deren Wandungen sie durch Bindegewebe befestigt ist; 
hie und da bemerkt man noch einen obliterirten Ausführungs- 
gang, durch welchen sie mit dem Oesophagus zusammenhängt. 
Der Austritt dieses Ganges aus der Schwimmblase ist von 
dem deutlich sichtbaren Wundernetze umgeben. 

Entozoen. In allen Individuen, welche ich im Mai 
und Juni untersuchte, fanden sich in der Bauch-, Brust- und 
Augenhöhle Gruppen von 10—50 kleinen Cysten, welche das 
Distoma longicolle Crepl. enihielten. Der Saugnapf war bei 
allen noch einmal so gross als der Mund. Sodann noch in 
Cysten in der Bauchhöhle Schistocephalus dimorphus und 
Filaria piscium. 

Die Nahrung des Kaulbarsches besieht bekanntlich 
hauptsächlich in animalischen Substanzen; zuweilen fanden 
sich aber auch im Magencontentum Vegetabilien. 

Dieser Fisch laicht zu Ende des Mai und zu Anfang 
des Juni. Auf die berliner Fischmärkte wird er von Ende 
April bis zu Ende Juni gebracht, was ungefähr die Zeit be- 
zeichnen mag, in welcher er seine Wanderungen in den Flüs- 
sen auf- und abwärts anstellt. In Bonn erhielt ich ihn aber 
aus dem Rheine zu jeder Jahreszeit. , 



Beiträge zur Kenntniss unserer Süsswasserfische. 205 

liucioperca sandra Cuv. 

Perca lucioperca L. 

Schaff er, pisc. Bavar. Ratisbon. pcnlas. 

Bloch t.51. 

Meidinger, pisc. Austr. t. 1. 

Cuv. et Valenc. hist. nat. des poiss. pl. 15. 

Sander (Berlin). Sandre. 

Olivengrün mit verwischten braunen Flecken 
in Querbinden; Rücken- und Schwanzflosse mit 
braunen Flecken; Kopf nur wenig beschuppt; 
über 100 Schuppen in der Längsreihe. 

Der Leib*"') ist, von der Seite betrachtet, viel schmä- 
ler und in die Länge gestreckter, als der unserer anderen 
Percoiden; von oben und von unten erscheint er etwas breit. 
Das obere Profil beschreibt nur einen äusserst schwachen, 
beinahe ununterbrochenen Bogen von der Schnauzenspitze 
bis gegen das Schwanzende ; das unlere Profil ist beinahe 
gerade. Die Höhe des Leibs ist 6%— 7mal in der Total- 
länge enthalten; die Länge des Kopfes nur 4mal, oder 
letztere ist gleich der 6- oder Tfachen Distanz der Augen. 
Die Entfernung des Augs von der Schnauzenspitze gleich l'/^ 
Augdurchmessern. 

Der Durchmesser des grossen Auges ist in der Länge 
des Kopfes 6y2mal enthalten; die Pupille rund. Die Schnaulze 
ist spitzig, langgestreckt; der Rachen weit nach hinten, bei- 
nahe bis unter die Mitte des Auges gespalten; die grössern 
Zähne der Oberkinnlade ragen frei hervor; Oberkinnlade et- 
was länger als die untere. Oben auf dem Kopfe mehrere 
Längsfurchen, unten am Unterkiefer 3—4 Schleimporen. Oben 
auf dem Kopfe, auf dem Kiemendeckel und dem Subopercu- 
lum stehen einige wenige Schuppen. (Bei einem Exemplare 
aus der Krim ist auch der obere Theil der Wangen beschuppt.) 
— Der äussere membranöse Opercularrand ist stark entwickelt 
und am Suboperculum in eine stumpfe Spitze ausgezogen. 



*) Wo nicht ausdrücklich das Gegentheit gesagt ist, ist die Be- 
Schreibung nach Exemplaren aus der Spree und Oder gegeben. 



206 Günther: 

Flossen. Die Bruslflossen haben 15 — 17 Strah- 
len, von welchen die mittlem die längsten sind; sie sind 
etwas kürzer als die Bau eh flössen. Diese hnben einen 
Stachel und 5 Strahlen •^); sie sind länger als die Analis 
hoch ist. Die Rückenflosse nimmt beinahe die ganze 
Länge des Rückens ein und besteht aus zwei Abtheilungen; 
die erste hat 13, seltener 14 Stacheln, von welchen der längste 
nicht ganz so lang wie die Pectoralis ist. Die hintere Ab- 
theilung hat 1—2 kurze harte und 21 — 22 weiche Strahlen. 
Beide Rückenflossen sind am oberen Rande convex und durch 
einen merklichen Zwischenraum von einander getrennt. Die 
Afterflosse besteht aus 2 Stacheln und 11 — 12 Strahlen; 
sie ist ungefähr so hoch wie lang und hat einen etwas con- 
vexen unteren Rand. Die Schwanzflosse mit 17 Strah- 
len und einem Ausschnitt. 

Die Seitenlinie entspringt über dem Kiemendeckel, und 
verläuft beinahe gerade über der Mitlellinie des Leibes bis zur 
Schwanzflosse; sie setzt sich in einen Schleimkanal am Kopfe 
fort, der in einem Bogen sich herabbiegend unter dem Auge 
weg bis zur Schnauzenspitze verläuft. Die Ausführungsgänge 
der Schleinidrüse sind sehr gross und bedingen eine unre- 
gelmässige Stellung der Schuppen in der Seitenlinie; in einer 
andern Längsreihe stehen gegen 100 Schuppen. 

Die Schuppen sind sehr klein, um ein vielfaches klei- 
ner , als die Pupille, besonders auf dem Rücken und dem 
Bauche. 

Farbe. Olivengrün oder graulich mit dunklen Flecken 
in Querreiben; an den Seiten silberglänzend, Bauch weiss. 
Die Rückenflosse mit kleinern, die Schwanzflosse mit grössern 
dunklen Flecken : Brustflossen etwas schwärzlich pigmentirt, 
Bauchflossen gelblich, Afterflosse farblos; Iris olivenfarbig, 
unten mit einem hellen, goldglänzenden Flecken. 

Vier Exemplere des zoologischen, und ein Skelett des 
anatomischen Museums zu Berlin beweisen, dass eine Ver- 
krümmung der Wirbelsäule bei diesem Fische nicht selten 
vorkommt. An dem Skelette ist zu ersehen, dass diese pa- 



*) Yal enc ienne s giebt irrthftivlich 6 weiche Strahlen an, 
welche Zahl bei den Percoiden nie vorkommt. 



Beiträge zur Kenntniss unserer Süsswasserfische. 207 

thologische Bildung nicht angeboren, sondern durch eine 
mechanische Verletzung erworben ist. 

Ein Exemplar von der Halbinsel Krim zeigte keine Un- 
terschiede von unseren Individuen. 

Grösse. In den Seen und ruhiger fliessenden Strö- 
men, in welcher der Sander sich findet, scheint er eine be- 
trächtliche Grösse zu erreichen. Heckel (Reisebericht 1851. 
p. 23) erwähnt Exemplare aus dem Platten- und Seekirchner- 
See von 25 Pf. Gewicht. Im Flusssysteme des Rheines wird 
er nicht gefunden. 

Skelett. Bei der Beschreibung des Schädels geben 
wir die bemerkenswertheren Unterschiede von dem des Bar- 
sches an. Die einzelnen Knochen sind nach der Längendi- 
mension gestreckter , nach der Höhe niedergedrückter, nach 
der Breite schmäler. Der wesentlichste Unterschied liegt aber 
in der Bezahnung. Im Zwischen- und Unterkiefer, auf 
dem Vomer und Gaumenbein steht nur eine einfache Reihe 
von Zähnen ; von den vordersten Zähnen des Zwischenkie- 
fers, stehen auf jeder Seite zwei nebeneinander, welche viel 
länger und stärker als die übrigen sind; nach innen von die- 
sen steht noch ein dritter, merklich grösser als die andern. 
Diesen Hundszähnen de5 Zwischenkiefers entspricht ein ebenso 
grosser im Unterkiefer, ausser und hinter diesem stehen aber 
noch in gewissen gleichen Zwischenräumen grössere, über 
die andere hervorragende Zähne. Auf dem Körper des Vo-.- 
mer besteht die halbmondförmige Reihe aus gleichen sehr klei- 
nen Zähnchen. Das Gaumenbein dagegen trägt wieder auf 
seinem vordem Ende einen sehr starken Zahn; zwischen den 
kleinern im übrigen Theüe der Reihe sind grössere untermengt, 
aber nicht in so regelmässigen Zwischenräumen, wie auf 
dem Unterkiefer. Die Zähnchen auf den Schlundkiefern und 
den Kiemenbögen sind von gleicher Grösse, hecheiförmig, in 
mehrfacher Reihe, stehen aber weiter aus einander als beim 
Barsch. Ausser dem Präoperculum, an dessen horizontalem 
Aste die Dornen klein, stumpf, und besonders bei älteren In- 
dividuen obsolet sind, und dessen aufsteigender Ast feine 
sägenförmige Einschnitte, wie bei Perca zeigt^ Ist noch der 
untere Rand des Sub- und Interoperculum, so wie derjenige 
Rand des Operculum, welcher an den Unterdeckel grenzt^ 



208 Günther: 

ein wenig zackig; von den Knochen der Schulter ist nur 
das UnlerschuUeiblatt und hier und da der Humerus etwas 
gezahnt. — Der Zwischenkiofer ist länger als beim Barsch 
und ragt beinahe bis zum Unterkiefer herunter; der breite 
Forlsatz am hinleren Rande des Zwischenkieferknochens bei 
Perca ist hier nur undeutlich vorhanden. Das Zahnbein vom 
Gelenkbein nur durch eine sehr schmale Spalte getrennt. — 
Der hinterste Inlraorbitalknochen ist auf das Hauptstirnbein 
angewachsen; ihm folgen vier sehr schmale Knochen; sie 
sind beinahe ganz zur Bildung von Röhrchen verwendet, in 
welche von aussen breile Gruben führen. Ihnen entgegen 
schickt der vorderste grösste Infraorbitalknochen nach hin- 
ten einen langen schmalen Fortsatz; es ist dieser Knochen 
an seinem Rande nie gezahnt. Das os linguae, welches bei 
Perca und Acerina dreieckig schildförmig ist , ist hier lang 
stielartig. Eigenlhümlich sind ferner zwei lange, stielförmige 
Fortsätze , welche vom Hinterhauptsbein zu den Seiten der 
Crista, so weil wie diese, sich nach hinten erstrecken; sie 
sind bei Perca und Acerina auch vorhanden, aber kurz 
und stumpf, so dass man ihrer als Fortsätze gar nicht er- 
wähnt; an ihrer Basis befestigt sich das Unterschulterblatt. 
Os coracoideum viel breiter und kürzer als bei Perca und 
Acerina. 

Bei allen Individuen zählte ich 46 Wirbel, bei einem 45; 
derjenige Wirbel, bei welchem sich zuerst die transversalen 
Apophysen unten zu einem Ringe abschliessen, und welcher 
schon dem Schwänze angehört, ist der 25.; dieses Paar der 
geschlossenen Apophysen ist ganz besonders breit; die trans- 
versalen Fortsätze werden vom Uten Wirbel an überhaupt 
breit und lang; die Dornfortsätze der vordem Rumplwirbel 
sind kurz, stark, aufeinander niedergedrückt : 21 schmächtige 
Rippen, von welchen sich die acht vordem an den Wirbel- 
körpern selbst befestigen; einige der vordem tragen Neben- 
rippen. Obgleich zwei getrennte Rückenflossen da sind, 
so ist doch die Reihe der Interspinalknochen nicht unter- 
brochen. 

Weicht heile. Die Zunge ist frei; der Magen be- 
steht beinahe ganz aus einem sehr langen, in der Mitte des 



Beiträge zur Kennlnis3 unserer Süsswasserfische. 209 

Bauches liegenden Blindsack; hinter ihm 6 *) wurmförmige 
Blinddärme, einmal bei einem sehr jungen Exemplar 7. Der 
kurze Darmkanal geht anfangs auf der rechten Seite bis un- 
ter die obere Häll'le der Bauchhöhle herunter, schlägt sich 
dann wieder ein wenig nach oben um, um hierauf alsbald in 
der Mitte des Leibes vollends gerade bis zum Anus zu ver- 
laufen. Milz länglich, bucheichelförmig. Die Leber ist in 
drei kurze, spitzige Lappen gelheilt, von welchen der in der 
Mitte liegende noch drei kleine Zipfelchen hat; Gallenblase 
gross, länglich-oval. Die grosse einfache Schwimmblase ist 
fest an die Seilen der Bauchwand angewachsen, und oben 
durch eine Einschnürung der Länge nach in zwei Köpfe ge- 
theilt; ein duclus pneumaticus findet sich nicht, nur bei In- 
dividuen von 5" Länge lässt sich noch ein Rudiment davon 
nachweisen ; was man für einen Luftgang halten könnte, 
sind Gefässe, eine Vene und eine Arterie, ein Ast der A. 
coeliaca. Die Nieren liegen zu beiden Seiten der Wirbel- 
säule und verdicken sich ganz oben in der Bauchhöhle zu 
einer beträchtlichen, von beiden Seiten verschmolzenen Masse. 
Die Testikel sind wie auch die Ovarien doppelt, letztere aber 
unten zu einer Masse verschmolzen. 

Von Entozoen fand ich im Juni und Juli dasDisloma 
longicolle in Cysten und Cucullanus elegans. 

Der Sander ist unter unseren Percoiden der wegen sei- 
nes Fleisches geschätzteste Fisch, und wird desshalb in gros- 
ser Menge auf die Märkte Norddeutschlands gebracht; nichts- 
destoweniger sei wegen seiner starken Vermehrung keine 
Abnahme in der Häufigkeit seines Vorkommens wahrzunehmen. 

Ich benutze diese Gelegenheit, die bis jetzt noch be- 
zweifelte specifische Verschiedenheit der Perca wolgensis 
Fall, durch die Beschreibung eines Exemplares, welches Fürst 
Demidoff dem Berliner Museum geschickt hatte, darzu- 
thun. Ich bin von der Richligkeit dieser Species noch 
mehr überzeugt, als ich ein Exemplar der Lucioperca san- 



*) Yalenciennes hat nur vier Blinddärme gefunden, und be- 
schuldigt Bloch, der, wie ich, 6 Blinddärme gezählt hat, mit Un- 
recht eines Irrlhums. 

Archiv f. Nalurgescb. XXI. Jahrg. l.Bd. 14 



flO i' Günther: 

dra aus demselben Vaterlande, der Halbinsel Krim, zu glei- 
cher Zeit von Fürst Demidoff gesandt, zur Vergleichung 
vor mir liegen habe. 

liucioperca wolgensis Valenc. 
Perca wolgensis Pall. Voy. trad. fr. t. VIII. p. 99. 
Berschik *) an der Wolga ; Podsulak und Sekreet am Don. 

An den Seiten des Leibes 6— 8 Querbinden; 
Rucken- und Schwanzflosse mit braunen Flek^ 
ken; Afterflosse mit 2 harten und 9 weichen 
Strahlen; 80—85 Schuppen in der Längsreihe. 

Der Leib stark seitlich zusammengedrückt, von der 
Seite betrachtet hoch, hat die Gestalt des vom Barsche, und 
ist höher als beim Sander; seine Höhe ist in der Länge nur 
4V2mal enthalten. Die Länge des Kopfes ist etwas be- 
deutender als die Höhe des Leibes. Die Hundszähne des 
Zwischenkiefers sind verhältnissmässig viel kleiner, als beim 
Sander; es stehen vorne auf jeder Seite drei grössere ne- 
beneinander, welche aber nur etwa noch einmal so stark als 
die- andern des Zwischenkiefers sind. Die übrige Bezah- 
nung gleicht sehr der des Sanders mit Ausnahme, dass 
auf den Gaumenbeinen der vorderste Zahn nicht dieselbe 
bedeutende Grösse erreicht. Die Höcker des äussern Kie- 
menbogens sind nicht wie beim Sander platt, kürz oder ab- 
2-erund'et, sondern wie beim Barsch stielförmig, lang oder zu- 
gespitzt. 

Oben auf dem Kopfe mehrere Längsfurchen, unten am 
Unterkiefer 3-4 Schleimporen; Operculum, Sub- und Interoper- 
culum und der Kopf oben zum Theil sind beschuppt. Beim 
Sander ist der hintere Theil des Praeoperculums kreisförmig, 
während es hier bei diesem Fische unten einen deutlichen 
Winkel, wie beim Barsche, bildet. 

Flossen. Die Brustflossen haben 16 Strahlen, von 
welchen die mittleren die längsten sind; sie sind etwas kür- 



-*' «) fein dem deutschen „Barsch« auffallend ähnliches Wort, ja 
in Schwaben nennt man den Barsch ebenfalls „Bärschig." 



Beiträge zur Kenntnis unserer Süsswasserfische. 211 

zer als die Bau oh flössen, diese haben 1 Stachel und 5 
Strahlen, wie Valenciennes richtig^ vermuthete, da Pal- 
las einen Strahl zu viel angiebt: sie sind länger als die Ana- 
lis hoch isl. Die Rü cken flösse besteht aus zwei Abthei- 
lungen, die erste hat 13 Stacheln, von welchen der längste 
kürzer ist als die Pectoralis ; die zweite hat 1 harten und 22 
weiche Strahlen. Die Afterflosse besteht aus 2 Stacheln 
und 9 Strahlen; sie ist höher als lang und hat einen stark 
convexen untern Rand ; misst man ihre Entfernung von der 
Schwanzflosse, so ist sie in der Totallänge etwas über 4mal 
enthalten , während dieselbe Entfernung beim Sander in der 
Totallänge beinahe öVjmal enthalten ist. Die Schwanz- 
flosse mit 17 Strahlen. 

Die Schuppen sind grösser^ als beim Sander^ die der 
Seitenlinie, 82, stehen regelmässig und sind leicht zu zäh- 
len; eine Schuppe bedeckt die Pupille beinahe zu 2/3. 

Grösse. Es soll nach Pallas dieser Fisch 2' lang 
werden; unser Exemplar hat über 1'. Er findet sich in den 
Flüssen Russlands. 

Fassen wir das Bisherige zusammen, so finden wir, dass 
sich Lucioperca wolgensis von sandra unterscheidet: 

1) durch die Gestalt des Leibes, 

2) durch die kleineren Hundszähne, 

3) durch die Form des Praeoperculums, 

4) durch die Höcker auf den äussern Kiemenbogen , 

5) durch die 9 Strahlen der Analis, 

6) durch die viel grössern Schuppen. 

Diese zoologsichen Merkmale werden nun aber wieder 
wesentlich durch einen anatomischen Charakter unter- 
stützt, indem die Lucioperca wolgensis, wie der Barsch, nur 
drei Blinddärme hat : auch ist die Zunge breit, und bei wei- 
tem nicht so schmal als beim Sander. 

Dieser Fisch ist wirklich merkwürdig dadurch , wie er 
die Merkmale zweier Species, welche man sogar in verschie- 
dene Genera gebracht hat, in sich vereinigt, und von den 
Ichlhyologen haben ihn einige wirklich für einen Bastard ge- 
halten, andere diese Eigenlhümlichkeit wenigstens durch Na- 



212 Günther: Beiträge zur Kenntniss uns. Süsswasserfische. 

men wie Sandre Baiard u. s. w. auszudrücken versucht. Ab- 
gesehen von einer Untersuchung der Frage, ob es überhaupt 
im freien Zustande Fischbastarde geben könne , scheint mir 
unser Fisch gerade das Gegentheii zu beweisen, sofern er 
gewiss auch in den deutschen Flüssen, wo Sander und Barsch 
so häufig zusammen vorkommen, und nicht ausschliesslich in 
der Wolga, zu finden wäre. 






"r>. 



diclie]yiia§sa, neue G^at<ungf aus der Fa- 
milie der itale. 

Von 

I9r« J* U a u p 

in Darmstadt. 

Hierzu Taf. X. Fig 3. 



Diagnose. Vordere Nasenhöhle kurz und trichterförmig, 
die durch eine lappenförmige Verlängerung des hinteren Ran- 
des geschlossen werden kann. Hinlere Nasenhöhle länglich 
oval und mit einem Haulrand umgeben, der sich an die Kopf- 
haut anschmiegt. Der zangenförmige Rachen kann wegen 
der Länge der Zähne in der Mitte nicht geschlossen werden. 

Beschreibung. Auf den Nasenbeinen 5 lange Zähne nach 
vorn , auf die 3—4 kleinere , 1 längerer und wieder 3 — 4 
kleinere folgen. In der 2ten Reihe bis zum vorderen Win- 
kel des Auges 3 lange bewegliche Zähne. 19 grössere und 
kleinere Gaumenzähne, auf der inneren Seite 6 mehr nadei- 
förmige. Auf der Mesiallinie 3 lange bewegliche. Auf dem 
VomeV 2 kurze konische. Unterkiefer mit 22 kleinen Zähn- 
chen und 5 auf der zweiten Reihe nach vorn hin, welches die 
längsten sind. 

4 Poren an der Ober- und Unterlippe, die in der kör- 
nigen Haut des Kopfes sehr schwer aufzufinden sind. '* 

Ich erhielt diese höchst interessante Form aus dem Ley- 
dener Museum, in welchem dieser Aal einen Theil der älte- 
ren Sammking ausmachte. Es ist wahrscheinlich, dass diese 
Art nahe an hundert Jahre bereits gesammelt war. Bei die- 
ser Länge der Zeit ist es wunderbar, wie vortrefflich die- 
selbe erhalten ist, und weder in der Form noch in Zeichnung 
und Färbung viel eingebüsst hat. 



214 Kaup: Enchelynassa, neue Gatt, aus der Familie der Aale. 

Leider fehlen die Notizen, in welchem Meere diese Art 
gesammelt worden ist; dieser Misstand hob sich jedoch, als 
ich einen harten Körper im Magen durch die Haut fühlte, ei- 
nen kleinen Einschnitt in diese und den dünnhäutigen weiss 
gefärbten Magen machte, und daraus einen ganz vortrefflich 
,ßrhaltenen Holocentrum punctatissimum, (Cuv. et Val. Tom. III. 
p. 215) hervorzog. Dabei bemerkte ich den Eierstock. Da 
diese Holocentrum-Art bei der Insel Strong, eine der Karo- 
linen, durch Lesson gefangen wurde, so ist anzunehmen, dass 
Enchelynassa ebenfalls daselbst lebt. Ist H. lacteo-guttalum 
Cuv. et Val. eine Varietät von punctatissimum , wie Cuv. et 
Val. vermulhen, woran ich jedoch zweifele, so wäre auch das 
Indische Meer der Ort seines Vorkommens. Die Zahl der 
Kiemenstrahlen bei meinem Exemplare des Hol. punctatissimum 
ist gegen die generische Angabe Cuv. et Val. 7 und nicht 8. 
Die Zählung von mir beruht auf der allergenausten Unter- 
suchung. oTaiBjtft'iöln'jqqni ■;' • (i >'i fl< ',{!. 

Diese Muränenform kann weder in eine der Richardson'- 
schen Abiheilungen der Muränen Er. et Terr. Part. VI. p. 79 
noch in eine der Bleeker'schen neuen Gruppen gebracht wer- 
den, indem sie sich wesentlich in der Zahnbildung, Gestalt 
des Rachens und der Nasenhöhlen unterscheidet. Sie bildet 
als Genus wie als Art eine neue Form. Als Art habe ich 
sie nach Herrn Dr. ßleeker genannt, der sich um die In- 
dische Fischfauna unvergängliche Verdienste erworben hat . 

'/iCtisI^ 
Enclielynassa Bleekeri Kaup. 

,.„ ■ .V Das, wie bereits bemerkt, weibliche Individuum derLeyde- 
ner Sammlung erreicht eine bedeutende Grösse, und ist 720 Mm. 
lang, wovon der Körper 360 Mm. wegnimmt. Kopf bis zu 
dem trichterförmig erhabenen Rand des Kiemenlochs 95 Mm. 
In der Nähe des Kiemenlochs ist der Körper 56 Mm. hoch. 

Die Rückenflosse, gleich hinter dem Kopfe beginnend, 
zeigt schiefe zackige schwarze Längslinien und der Körper 
ist mit unzähligen schwarzen, theilweise unterbrochenen Quer- 
linien geziert, zwischen die unzählige schwarze Punkte ein- 
.gestreut sind. Die Grundfarbe ist eine bräunliche. . 

tj|ffi — . ,i'»?t 



Uebersicilt über die fSpecies einiger Fami- 
lien fiep Selepodermen. 



Von 

Dr. «f« H. a u p 

in Darmstadt. 



I. Ostracionidae. ^ 

Meine erste Arbeit bei dieser Familie war die, alle bis 
jetzt beschriebenen Arten streng zu revidiren, um die Nomi- 
nalspecies auszuscheiden. Unter den Arten, welche in Bloch 
und Schneider Syst. Ichth. aufgeführt sind, ergeben sich 
folgende als doppelte AuiTührungen : 1) stellifer = concate- 
natus, 2) tricornis = quadricornis , 3) turritus = gibbosus, 
4) bituberculatus = cubicus , 5) nasus = tuberculatus , 6) 
lentiginosus = punctatus, 7) aculeatus = hexagonus, 8) arcus 
= cornulus. 0. stellifer, tricornis, turritus, bituberculatus, 
lenliginosus , nasus, aculeatus, und arcus sind demnach als 
Arten zu streichen. ig 

I. Genus Cibotion Kp. 
a) Mit etwas höckerigem Rücken. 

1. Cibotion tuberculatus Kp. 
Ostracion tuberculatus Linn. No. 4. Gm. 1443. Bl. 
et Sehn. 501. Willughby. gpp. 20. t. 10; Ostracion nasus Bl. 
t. 138. Bl. et Sehn. p. 500, Lac. Shaw , Cuv., Swains., Blkr. 
Bijdr. p. 33. P. Yll. fig. 15. Oslracium nasus Cant.MaK Fish, 
p. 1351. Nach den vorhandenen Abbildungen und Beschrei- 
bungen leicht zu erkennen. ^-a:. ij' 



216 Kaup: 

b) Mit fast flachem Rücken. 

2. Ciboiion cubicus Kp, 

Oslracion cubicus Linn. Syst. n. 9. Gmel. 1443. Bl. et 
Sehn. p. 500, Bl. t. 137. 

L'ostracion ä deux tubercules, Commers. Manuscr. Lac. 
I. p. 459. 

Oslracion bituberculalus Bl. et Seh. p. 501. 

Willughby.J. 12. Seba 24. N. 4. Rüpp. Atlas T. 7. fig. 14. 

Bleeker Baiistini et Ostrac. PI. VII. fig. 14. i>^'^-^ 

Bleeker Nalez. p.55. var. immaculatus, T. et Schi. Fauna 
japonica. 

3. Cibotio7i punctatus Kp. 

L'ostracion pointelle, Lac. p. 455. t. 21. fig. I. Ostracion 
punctatus Bl. et Sehn. p. 501. Jen. voy. of Beagle p. 158. 
Ostr. lentiginosus Bl. et Sehn. p. 501., L'ostracion pointu Lac. 
455. t. 21. fig. 1. (demnach nach derselben Tafel wie punctatus 
beschrieben). Ostr. meleagris, Shaw. V. IL t. 172. 

4. Cibotion Argus Kp. 
Ostracion Argus Rupp. Atlas Tab. I. Fig. 1. 
Ostracion rhinorhynchus , Bleeker, Bijdr. tot. de Kenn. 

der Baiistini etc. XXIV. Verh. v. het. Gen. van Kunst, et We- 
lensch. p. 34. PI. VI. fig. 12. 

*; Piscis quadrangularis roslratus, Will. Raii. Willughby. 
T. J. 11. Die Willoughby'sche Abbildung wie die von Dr. 
Bleeker ist sehr gut. Diese Art ist leicht zu erkennen, 
durch die dicke aufgeschwollene Nase, die über den Mund 
wegragt, und fast in gleicher Linie mit der Stirne läuft. Nach 
Bleeker Java, nach dem Britlischen Museum Australien. 
Zwei Exempl. durch den Grafen Derby. 

5. Cibotion cyanuriis Kp. 
Ostracion cyanurus Rüpp. Atlas. 
Mit fast flachem Rücken und sehr vorspringenden Kör- 
perrändern. Felder glatt granulirt. Die Seilen mit braunen 
Flecken im Centrum der Schilder. Augenkreise sehr schwach 
erhöht. Nase nicht vorspringend und kürzer als bei den an- 
dern Arten. Der Panzer ist 72 Mm. lang und 30 Mm. breit; 
bei einem cubicus, dereinen 92 Mm. langen Panzer hat, ist die 



Uebersicht über die Species einiger Familien der Sclerodermen. 217 

Breite dieselbe, und bei einem ciibicus von 58 Mm. Panzer- 
länge ist die Breite 22. Schwanzflosse orange mit schwärz- 
lichen Flecken auf den Strahlen. Ein Exemplar im Brilti- 
schen Museum 

6. Cibotion Sehae Kp. 

Blkr. Bijdr. etc. p. 34. PI. VI. fig. 13. Seba 24. flg. 5. 
Unterscheidet sich von cubicus durch dickere Lippen, 
grössere Zähne und grössere Oeff*nung für den Mund. 

II. Genus I^aetophrys Swains. (part.) 

Lactophrys (Schreibfehler) de Kay. 

7. Laetophrys cornutus. 

Ostr. cornutus L n. 6. Gmel. 1443. Bl. et Sehn. p. 501. 
Bloch. T. 133. Ostr. arcus, Bl. Sehn. p. 502. Seba t. 24. fig, 9. 
^Cuvier in der Note am Schlüsse des Genus Ostracion. 
Fauna jap. T. 131. fig. 4. (juv.). 

8. Laetophrys Fornasitii \i\). 
Mit 5 Dornen. 

Ostr. Fornasini , Bianconi in Nov. An. della Sc. nat. 
Ser.ll. Tom. V. p. 113. Bologna (1846) mit Fig. China, Neu- 
Guinea, Mauritius, Brilt. Mus. Bianconi's Exempl. kam von 
Mozambique. * 

9. Laetophrys diaphanus Kp. 

Ostr. diaphanus Bl. et Sehn. p. 511. Ostracion 1 lacu- 
lealus, A.Smith., 111. Fish. t. 17. (vortrefflich). Ostracion bre- 
vicornis Temm. et Schi. Fauna jap. l. 130. fig. 3. (excellent) 
Indien, Japan, Cap. 

III. Genus Ostracion Linn. (part.) Kaup. 

Rhinosomus etTetrasomus, Swains. Gab. Cyclop. p.324. 

a) Ohne lange Dornen über den Augen und an den 
Rändern des Körpers. 

10. 0. triqueter Linn. 

Ostracion triqueter L. N. 1. Gmel. 1441. Bl. et Sehn. 498. 
Bl. l. 130. 

b) Mit Dornen nächst den Analflossen. 

11. 0. bicaudalis Linn. 

Ostr. bicaudalis Linn. n. 3. Gmel. 1441. Bl. et Sehn. 499. 



^^^ Kaup: , ja-iimd^'l 

BI. t. 132. Seba T. 24. N. 3 et 7. Will. I. J. 17. Chap. 
Parra. T. XVII. fig. 1. 

12. 0. trigonus Linn. 

Ostr. trigonus L. N. 2. Gmel. 1441. Bloch et Sehn. 499. 
Bl. T. 135. 

.rv;,;,i. ^^' ^- oviceps Kp. . j^.^^; 

Profil des Kopfes convex und plötzlich herabsteigend. 
Der lange Schwanz blau gefleckt oder einfarbig mit einem 
Hornschild auf der Wurzel nächst dem Panzer. Der Röcken 
hinter den erhöhten Augenkreisen beginnend. Schwanzflosse 
gegabelt: trigonus P. 10. D. 14. A. 9. C. 7. 
,we, .(f ffil. oviceps P. 12. D. 10. A. 10. C. 10. 

6 Exemplare im Briltischen Museum ohne Angabe woher. 

c) Mit Dornen über den Augen und hinterem Panzer- 
rande. 

14. 0. quadricornis Linn. 

Linn. N. 5. Gmel. 1442, Bl. et Sehn. 499. Bloch. T. 134. 
Ostr. tricornis N. 4. Gmel. 1412. Sehn, et Bloch 499. 
Will. J. 18. 

d) Mit 2—3 kurzen Dornen auf dem erhöhten Rücken, 
kurzen Dornen über den Augen und den Rändern des unge- 
wöhnlich breiten Bauches. Im hohen Alter verschwinden 
diese Dornen bis auf schwache Spuren. 

15. 0. concatenatus Bloch. 

Ost. concatenatus Bl. et Sehn. 498. Bloch T. 131. (alt). 

Ostr. stellifer Bl, et Sehn. p. 499. t. 98. (jung). 

Ostr. bicuspis Blumenb Abb. 58. A. Smith. 111. PI. 18. 
a. (alt), b. (jung). Letztere die besten Abbildungen von allen. 
Gemein in China und an dem Cap. 

e) Mit fast vierkantigem Körper und sehr erhöhtem 
Rücken, der mit einem sehr grossen Dorn sich endigt; über 
den Augen und am Bauchrand Dornen. 

16. 0. gibbo sus Linn. 

Oslr. gibbosusL. n. 8. Gmel. 1443. Bloch et Sehn. 500. 

0. triqueter Cuv. in der Note am Schlüsse. 

0. turrilus Forsk. Descr, an. p. 76. K. 13. Gmel. 1442. 



Üebersicht über die Species einiger Familien der Sclerodermen. 219 

Bl. et Schneid. 500. ßl. T. 136. Blkr. Bijdr. Ichlh. v. Japan 
p. 15, 

0. tesserula Cant. Mal. Fish. p. 1349. PI. Vlll. fig. 2 et 
3. (jung). ^'nö 

IV. Genus jtcerana J. E. Gray. 

Zwei Nasenlöcher am Ende eines cylindrischen Vor- 
sprungs. Runde zusammengedrückte Formen, welche einen 
kurzen Schwanz haben, der mit Knochenschuppen oder Kno- 
chenringen rings umgeben ist. 

ij iHh^i '■ a) Subgeims Acerana J. E. Gray. 

Mit 3 Paar flachen zusammengedrückten Dornen, einer 
über den Augen, zwei Paar auf dem Rande des abgerunde- 
ten Rückens, ein Dorn auf der Seile, 2 oder 3 an dem Rande 
des zusammengedrückten Bauches. 

17. Ac. aurita 3. E. Gray. 

Ostr. auritus Shaw. Nat. Mise, t.338. Gen. Zool.V. 424. 
Bl. et Sehn. p. 5öl. Coffre 14 piquans, Lac. Ann. Mus. IV. 
58. 1. Ac. lineata, J. E. Gray Richards Tr, of the Zool. Soc. 
Vol. in. 184. t.6P. fig. 1. Ostr. striatus Shaw. V. 430. 0. Fo- 
binii, Donov. Nat. rep. t. 66. (juv.) 

18. Ac. flavigastra J. E. Gray. 

Aracama flavigastra Mag. Zool. et Bot. 1138. p. 108. 
Ost. (aracama) flavigastra J. E. Gray Richards Tr. Zool. Soc. 
III. P. IL p. 164. PI. XL fig, 1. 
;, , Australien. 

19. Ac. ornata J. E. Gray. 

Acarama ornata J. E. Gray Mag. ofZool. and Bot. Ri- 
chards Tr. PI. X. fig. 2. 
Van Diemensland. 

20. Ac. Reveesi J. E. Gray. 

Ostracion (Acerana) auritus , J. E. Gray 111. pf Indian 
Zool. t. 98. fig. 2. Nahe verwandt mit aurita und spilogaster^ 
allein ist mehr comprimirt, hat kleinere Schilder und die Re- 
lieflinien auf den Feldern sind weniger entwickelt , 5 ver- 
tiefte glatte Streifen in der Nähe des Schwanzes. 



220 Raup: Ul-iJÄiadaU 



Der Panzer ist bei Reveesi lOOMm. lang und 84 Mm. hoch. 
V » « « aurita 95 „ „ » 71 „ „ 

Nächst den Seitendornen ist Reveesi 35^ aurita 44 Mm. 



breit. 

21. Ac. spilogaster Richards, 

Ost. (Aracama) spilogaster Rieh. Tr. Zool. Soc. 10. fig". 1. 
Der Rauch blau mit gelben Flecken. 

b) Subgenus Capropyg-ia Kp. 

Rücken und Bauch in der Mitte erhöht. Ein Paar fla- 
cher zugespitzter Dornen auf der Mitte des Randes, welcher 
den Rücken einschliesst. Ein anderes Paar an dem Bauch- 
rande vor den Analflossen. Die Felder vom Centrum aus 
mit kleinen Tuberkeln. Von hinten betrachtet gleicht sie dem 
hinteren Theil eines wohlgenährten Schweines. 

22. Acerana unistriata 5. E. Gray. 

Die Dornen mit schwarzen Flecken. Ein schwarzer Strei- 
fen von dem Auge bis zum Schwänze. Der nackte Theil des 
Schwanzes mit einem Knochenring total bedeckt; eine 2le Schild- 
schuppe über diesem Ring. Die Basis der Flossen schwarz. 

3 Exemplare im Britt. Museum. 

c) Subgenus Mentrocapros Kp. 

Ohne Augendornen. Rücken concav mit zwei flachen 
zugespitzten Dornen in der Mitte der Rückenränder. Bauch- 
rand rauh und gezähnelt mit einem Dorn. Längs den Seiten 
in der Mitte eine rauhe Erhöhung mit Dornen. 

23. Acerajia hexagona J. E. Gray. 

Ostr. hexagonus Thunb. N. S. A. XI. 101. fig. 3. Bl. et 
Sehn. 502. 0. aculeatus Terlingse Bluvisch Houttyin in Haarl. 
XX. Deel. 2.346. n.36. Ost. stictinotus Temm. et Schi. Fauna 
jap. t. 131. Blkr. Bijdr. Ichth. v. Jap. p. 15. Japan. 

d) Subgenus Anoplocapro» Kp. 

Körper am Rücken und Bauch zugeschärft. Ohne (im 
Alter) Dornen. y ^, -;ii 



Uebersicht über die Species einiger Familien der Scierodermen. 221 

24. Acerana lenticularis Richards. 

Aracama lenlicularis seu Oslr. lenticularis Rieh. Proc. 
March 9. 1841. Trans, of the Zool. Sog. Vol. 111. p, 11. p. 158. 

25. Acerana Grayi Kp. 

Mund und Linie bis zur Kiemenspalle nackl, mit unre- 
gelmässigen Schuppen bedeckt. Rücken und Bauch nicht so 
hoch und zusammengedrückt, wie bei den vorigen. Keine 
deutliche Seiten- und Bauchlinie. Felder glätter; von dem 
wenig erhöhten Cenlrum gehen erhöhte Streifen zu den Ek- 
ken derselben. Der zweite Knochenring nächst der Rücken- 
flosse ist nur halb und bedeckt nur den Rücken; drei an- 
dere kleinere Schuppen an der Unterseite vor dem complef- 
ten Ring. Dritt. Museum, aus Australien , in dessen Meeren 
wahrscheinlich alle Arten vorkommen. 

Hierher gehört noch das sonderbare Genus, welches ich 
vorläufig 

V. Centaurus Kp. 

nenne und welches sich durch Mangel der Rückenflosse aus- 
zeichnen würde. 

26. Centaurus boops Ki^, i 
Ostracion boops Rieh. Ereb. et Terr. p.52. PI. 30. fig.l8— 21. 
Genus wie Species nach einer Zeichnung des berühm- 
ten Botanikers Dr. Hooker aufgestellt. Nach dieser Zeich- 
nung ist dieser Fisch höchst merkwürdig und monströs ge- 
staltet. Vor den grossen Augen ein langer, rauher, zuge- 
spitzter Dorn; ebenso ein entsprechender über der verdrück- 
ten Schwanzflosse. Rücken erhöht und zugeschärft mit zwei 
Ausschnitten und zwei Spitzen. Seillich zwei Dornen und an 
der Bauchseite vier. Im Süd-Allantischen Ocean gefangen. 
Es wäre interessant, um diese Formen näher kennen zu ler- 
nen, wenn sie bald wieder aufgefunden würde. 



II. Balistiflae. 

a) Subfamilie Balistioae *)• 

Der ganze Körper ist mit einem Panzer bedeckt, der 



*) Von den 22 Arten, weiche Schneider aufführt, müssen un- 



222 Kaup: » }ibm»d5>!i 

durch Kreii zun ien in schuppenartiga Felder zerfällt. Die erste 
Rückenflosse mit sehr grossem ersten Stachel, auf den ein 
oder zwei kleinere folgen. Das Becken springt mehr oder 
weniger vor und die Stacheln der in einer Reihe fortlaufen- 
den Bauchflossen sind mehr oder weniger entwickelt. 

I. Genus Pyrodon Rüpp. ., 

Xenodon Rüpp. Zenodon (Schreibfehler) Swains. 

Vier stumpfe Vorderzähne, wovon die zwei mittleren die 
breileren; 2 längere Eckzähne. Canal vor den Augen. Schild- 
schuppen hinler dem Kiemenschlitz. Ohne seitliche Schwanz- 
dornen. 

1. Pyrodon niger Rüpp. 
La Baliste noir Lac. T. XV. fig. 2. 

Xenodon niger Rüpp. Neue Wirbellh. T. 14. fig.3. Blkr. 
Baiist. p. 37. 

Zenodon niger Swains. Gab. Cycl. p. 325. 

II. Genus TWeliclitliys Swains. 

Die vorderen Zähne in einem Halbkreise und gleich lang. 
Die mittleren gleich breit mit zugeschärfter Schneide (Men- 
schenzähnen ähnlich) sonst wie Pyrodon, allein mit halbmond- 
förmiger Schwanzflosse. 

2. M. ringens. 

Le B. silonne, Lac. p.370. t. 18. fig. 1. 

B. ringens Linn. Bai. Gronovii, Osb. radula Sol. Mss. 
3» M. V)idua, 

Balisles vidua Richards. Fish of China. 

Ohne alle Dornen an der Schwanzregion. Brustflossen 
dunkel mit schmalem schwarzem Rande. Rücken- wie After- 
flosse mit schwarzer Borde. Ende des Schwanzes weisslich 
mit schwarzen äusseren Strahlen. D. 32. A. 28. 



dulalus, stellaris, armalus und viridis als Arten gpstrirhen werden; es 
bleiben demnach nur 18. Zu diesen bringe ich mit Kuppe II den As- 
sasi Forsk, , den Irenatus Commers und die Vidua von hichardson ; die 
Zahl der Arten ist demnach 21. Die Arten der neueren Autoren las- 
sen sich alle auf bereits bekannte Arten zurücktühren. 



Uebersicht über die Species einiger Familien der Sclerodermen. 223 

4. M, curassavicus. 

Balistes, Sehn., nitidus, Gron., aureolus Richards. 

III. Genus Balistes Linn. 

Mit Canal vor den Augen; Zähne kegelförmig, ohne 
unterschiedene Eckzähne. 

a. Ohne Schilder hinter der Kiemenspalte, ohne Dornen 
am Schwanz. Bauchflosse fast unentwickelt. Schwanz halb- 
mondförmig. In der Jugend sehr rauh, im Alter fast glatt. 
Zweite Rücken- und Analflosse sehr hoch. 

5. Balistes maculatus Bloch t. 151. 

Guaperva longa Will. App. 21. J. 20. 

Sabaco Ferra 17. t. X. Balistes longus Gron. Cat. of 
Fish p.36. 

Schneid, et Bloch p. 464. Bai. Willughbyi E. F. Bennett 
Beech. Voy. t.21. fig.2. 

B. azureus Less. Coq. t. 10. fig. 2. (ad.) gute Abbild. 

Capriscus Cuv. Regn. anim. 

senticosus Richards. Samarang p.23. pl. P. fi. 5 — 8. (jung). 

B. jacksonianus et angulosus Quoy et Gaim. Voy. de 
Freyc. p. 209. 210. (jung). 

oculatus J. E. Gray 111. Ind. Zool. t. 8. fig. 1. 

b. Mit 2 — 7 Dornreihen oder erhöhten Punkten an der 
Schwanzregion. Grössere Schuppen hinler der Kiemenspalte. 
Zweite Rücken- wie Analflosse nicht sichelförmig gestaltet. 

6. Balistes conspicillum Sehn. p. 474. 

Guaperva tachele Sonn. Journ. de Phys. 1774. T. III. 
p. 443. t 2. 

Bai. noir. Bonnat. t. 85. fig. 352. Le B. amerieain Lac. 
1. 16. fig. 2. 

ß. bicolor Shaw Gen. Zool. V. p.407. 1. 16. fig.2. 

Lesson voy. Coq. t. 9. fig. 1. Quoy et Gaim. Uranie pl. 9. 
fig. 1. Temm. et Schleg. Fauna jap. 1. 129. fig. 1. Lebensgrosse 
und beste Figur.) Cantor Cat. p.344. od. 1326. 

Rhinaeanthus conspicillum Swains. Cycl. 11. p. 325. 



-524 Kaup : 

7. B allst es fr enat US Commevs. 
Bai. bride Lac. T. 15. fig. 3. 

8. BaJistes chrysopterus Schneid, p.466. 
Bai. arme, Lac. T. 18. fig.2. Bai. Mungo Park. Poiss. IV. 

p.68l. 

Bai. armalus Blkr. Baiist. p. 16. 

Bai. niger Mungo Park Tr. Linn. Soc. Hl. p. 37. Bloch 
el Schneid. 471. 

Balistes subarmatus J. E. Gray Ind. 111. Pisc. t. 90. fig. 3. 

Balistes albicaudalus Rüpp. N. Wirbellh. T. 16. fig. l. 

9. Balistes bursa Sehn. 476. 

Bai. bourse Sonn. Rozier Journ. 1774. t. HL fig. 1. Lac. 
p. 375. 

c. Schilder oder erhöhte Schuppen hinter der Kleinen- 
spalte. Mittlere Zähne konisch verlängert. Letzte Rücken- 
flosse wie Analflosse nicht sichelförmig verlängert. Schwanz 
mit und ohne Dornen. 

10. Balistes capriscus Gmel. 1471. N. 31. 

Capriscus pesce Balestra Salv. 206 b. B. capriscus, Bl. 
et Sehn. 476. 

Jenn. Man. 492. Yarrell ßritt. Fish. 2 ed. IL p. 472. 

(mit guter Figur.) 

Capriscus Will 152. LI. 19. Le Bai. caprisque Lac. L 
p.372. BaLbuniva Lac.V. p.2l. Bai. Vetula Risso, BaL por- 
cus Raf. Indice. 

Capriscus Rondeleltii Swains. Cycl. IL 326. 

Med. File-Fish Shaw G. Zool. V. 411. pt. 2. p. 168. 

Bai. castaneus Rieh. Voy. of Sulph. t.59. fig. 5. 6. 

Bai. fuliginosus de Kay New York Fauna p. 339. PI. 57. 
fig. 188. 

Bai. Schmittii Blkr. Baiist Aanhangs. p. 37. Nieuwe TienL 
Diagn. Beschr. v. Sumatra p.38. 

11. Balistes fuscus Sehn. i^A7\. 

Le Bai. grande lache Lac. L p. 378. 

BaL coerulescens Rupp, Atl. p.32. L7. fig. 2. 



Uebersicht über die Species einiger Familien der Sclerodermen. ^25 

12. Balistes viridescens Sehn. p. 477. 

Le B. verdatre Lac. Poiss. I, p. 378. 

Bai. flavimarginalus Rüpp. Atl. T. 13. fig. 1. (alt) fig.2. 
(jung.) 

d) Ohne Schwanzstacheln. Hinter der Kiemenspalte be- 
stimmte Schilder. Zweite Rücken- und Analflosse sichelför- 
mig. Schwanz gegabelt. 

13. Baiist es V etula Lmn. 

Guaperva maxima Parra 17. fig. 9. Bai. carolinensis et 
equestris Gronov Cat. of Fish. p. 29. u. 31. Gmel. 1467. 
Schneid, et Bl. p. 470. Bloch t. 150. Voy. delaCoq. t. 9. fig. 2. 
Jen. Zool. of ßeagle p. 155. Chalisoma velata (Druckfehler) 
Svvains. Cyc. p.325. 

14. Balistes forcipatus Gmel. 

Guaperva cauda forcipala Will. J. fig. 22. Gm. 1472. N. 14. 

Guaperva ad caudam striata Will. App. 21. t. J. 24. 

Le Baliste etoileLac. p.350. t. 15. fig. 22. Balistes stel- 
laris Sehn. 476. Rüpp. Atl. p. 31. Bai. rivulatus Rüpp. N. Wir- 
belth. p. 56. T. 16. fig. 2. (jung.) 

Bai. brasiliensis Sehn. p. 470. Bai. Jelaka Cuv. nach 
Lamayellaka Russ. I. 22. Dondrum yellaka Russ. 23. 

Bai. phalliatus Rieh. Voy. of Stokes (sehr jung.) 

15. Balistes punctatus Gmel. 

Stip viseh Nieuhof Ind. 2. p. 275. 

Will. App. t. J. fig. 4. GmeL 1472. N. 15. 

Balistes eiliaris Sehn. p. 471. 

16. B alistes verrucosus Lmn. 

Mus. Ad. Fr. XXVIL fig. 4. Syst. n. 5. Gmel. 1465. Sehn, 
et Bl. 465. 

B. aculeatus var. Gron. B. striatus Gron. Cat. p.32. 

Le Bai. praline Lac. L 365. B. viridis Bl. et Sehn. 476. 

B. praslinoides Less. Coq. 9. fig. 3. Bai. melanopleura 
Blkr. Journ. Ind. Areh. III. p. 73. Seballl. t.24. fig. 17. (nach 
Bleeker.) 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. J5 



226 Kaup: .,u,}f 

IV. Genus Balistotius Tiles. 
Ohne Kanal vor den Augen. 

17. Baiist es lineatus Sehn. 
Bl. et Schneid. Syst. p. 466. t.87. Blkr. Baiist. p. 14. ' 
B. undulalus M. Park. Linn. Tr. III. 37. Bl. et Sehn. 472. 
B. aculeatus ß. viridis et zeylanicus Bennelt. in Beechy 
Voy. t. 21. flg. 3. 

B. Lamourouxii Quoy et Gaim. Zool. de Freyc. pl. 47. fig. 1. 
Balistapus capistratus TU. Mem. de TAc. de Petersb. 
Vil. t. IX. 

Es kann auch nicht dem geringsten Zweifel unterwor- 
fen werden, dass capistratus identisch mit lineatus ist. Ich 
habe den einmal erfundenen Geschlechtsnamen für eine kleine, 
wohl unterschiedene Gruppe verwandt. Tilesius spricht 
kein Wort über den Mangel eines Beckens, sondern sagt nur, 
dass die Bauchflossen fehlen. 

18. Batistes verrucosus L, 

Linn. N. 6. Gmel. 1466. Bl. et Sehn. 465. Bloch 149. 
Lac. t. 17. flg. 1. Bennett in Beechy voy. t. 17. fig. 1. Bai. por- 
calus Gron. Cat. p. 32. Blkr. Bai. p. 16. Seba III. t. 24. fig. 15. 
? B. ornatissimus Less. Coq.X. fig. 1. 

19. Batistes As sa si Forsk. 

Forsk. Fauna arab. p. 75. N. 112. Baiist. aculeatus Rüpp. 
Atl. 7. fig. 1. und seine Correclur in den neuen Wirbelth. 

20. Batistes arcuat US Sehn. 

Guaperva cendre Roz. Journ. III. p. 78. Bai. cendre 
Bonn. t. 86. fig. 353. Lac. t. 17. 3. Bl. et Sehn, p.466. 

21. Batistes rectangutus Sehn. 

Le Bai. echarpe Lac. 352. T. 16. fig. 1. Bl. Sehn. p. 465. 
Batistes erythropteron Less. Voy. de la Coq. Pisc. N. 10. 
flg. 3. 

Balisles Medinella, Quoy et Gaim. Voy. d. Freyc. 46. 2. 
Swains, CycL p.326. fig. 304 et p. 322. 



Uebersicht über die Species einiger Familien der Sclerodermen. 227 

III. Diodontiflae. 

Ihre Kinnladen sind oben wie unten ungetlieilt und glei- 
chen dem Schnabel eines Papageien. Hinter den Schneiden 
ist der Kiefer quergefurcht. Die ganze Haut ist mehr oder 
weniger mit grossen Stacheln bedeckt. Wie die Tetrodonten 
haben die meisten das Vermögen sich aufzublasen. Ihr schlei- 
miges Fleisch wird nicht geachtet und steht ebenfalls im Ver- 
dacht schädlich zu sein. 

I. Genus Diodon Linn. 

Ein Nasenloch an der Basis eines blattähnlichen Ansat- 
zes und das andere an der Spitze. Dornen lang, dünn und 
zugespitzt mit zwei Wurzeln ; sie haben die Fähigkeit sich 
aufzurichten. 

1. Diodon Atinga Linn. 

D. Atinga et Histrix Linn. Bl. t. 125 u. 126. ßl. u. Sehn. 
p.511. 

D. punclatus Cuv. Regn. an. p. 132. Blkr. i)lootk. Vischen. 
Verh. Bat. Gen. Tom. 24. (Separatabdruck p. 19.) 

Alle oberen Theile und die Flossen mit zahllosen runden 
schwarzen Flecken. Mitte des Bauches weiss. Drei ge- 
rade Dornen über der Schnauze, vier in der folgenden Reihe, 
vier am Augenrande. Alle Stacheln sind ziemlich lang, ge- 
rade, rund und zugespitzt. Die längsten nächst der Brust- 
flosse. Schwanz bis zu der Flosse mit Dornen bewaffnet. Ost- 
und Westindien. 

2. Diodon multimaculatus Cuv. 

Cuv. Mem. du Mus. IV. p. 136. t. 7. fig. 4. Regn. an. 
p. 367. 

Stirn mit vier Stacheln , sechs in der folgenden Reihe, 
fünf um den Kiemenritz. Keine Hautanhängsel an Kinn, Rük- 
ken und Seite. Stacheln weisslich. Ein bis drei Flecken auf dem 
Sockel der Brustflosse. Rücken bräunlich mit grösseren und 
kleineren schwarzen und unregelmässigen Flecken. Zwischen 
Augen und Brustflossen 3 Reihen schwarzer Flecken. Flos- 
sen ungefleckt. Augen goldfarbig mit 6 — 7 schwarzen Flek- 
ken um die Iris. 2 Exemplare im Britt. Mus. Westindien. 



228 Kaup: 

3. Diodon melatiopsis Kp. 

? Diodon triedricus Cuv. 1. c. p. 133. Regn. an. p. 367. 

Cantor Mal Fish. p. 367 od. 1353. 

Slirn mit 43 Stacheln, 8—9 um das Auge, 10 zwischen 
den Brustflossen. Die Stacheln sind sehr lang, rund, zuge- 
spitzt, die längsten auf den Seiten. Schwanz verlängerl, 
ohne Flecken. Obere Theile bräunlich mit unregelmässigen 
schwarzen Längsstreifen und einem gelben Fleck hinter je- 
der Brustflosse. Die dunkele Rückenfarbe geht an verschie- 
denen Punkten in den silberfarbigen Bauch. Gesicht schwarz 
mit einem Streifen unter dem Auge. Am Kinn ein dunkeles 
Band , welches sich mit dem schwarzen Streifen unter dem 
Auge verbindet. Wurzel der Brustflosse schwarz mit einem 
gelblichen Band über diesem. Ich konnte die Gestalt der 
Nasenlöcher an den getrockneten Exemplaren des Britt. Mus. 
nicht ermitteln. Der Unterkiefer weicht in Einzelnheiten 
von anderen Arten ab. Die Stacheln sind an dieser Art so 
wenig dreikantig wie die von Atinga. 

4. Diodon nycthemerus Cuv. 
L. c. p. 35. t. 7. flg. 5. Regn. an. p. 367. 
Jenn. Darwin. Zool. p. 150. 

Die Stacheln sind rund, lang, dünn und nicht so zahl- 
reich wie an anderen Arten ; 5 im Kreis zwischen den Augen ; 
3 am oberen, 5 am unteren Augenrande; 7—8 zwischen den 
Brustflossen. Schwanz mit 2 Stacheln. Die Bauchstacheln we- 
niger lang. Obere Theile schwärzlich. Bauch silberfarbig, 
an 4 Stellen in die dunklere Rückenfarbe eindringend, durch 
das Auge, vor und hinter der Brustflosse und unter der Rük- 
kenflosse. Flossen fleckenlos und weisslich. Die Tentakeln 
für die Nasenlöcher weisslich. Indien und Neuholland. 

5. Diodon spinosissimus Cuv. 

L. c. IV. p.l34. Seballl.t.23. flg. 10. Regn. an. p.367. 

Ohne Flecken an den oberen Theilen und den Flossen. 
Sockel der Rückenflosse blau mit einem schwarzen Fleck. 
Wurzel der Strahlen mit einem unregelmässigen schwarzen 
Längsstreifen. Ueber diesem ein blauer mit zwei schwarzen 
Flecken. Die Wurzel der Brustflossenstrahlen dunkel mit 3 



Uebersicht über die Species einiger Familien der Sclerodermen. 229 

gelblichen Flecken. Der ganze Schwanz mit schwärzlichen 
Flecken. An den Seiten runde schwarze Flecken. Die Dor- 
nen sind länger und dünner als bei Atinga. 2 Stacheln auf 
der Stirn, 4 über den Augen und 5 in der zweiten Reihe. 
Die Stacheln des Rückens gelblich. Augen goldfarbig mit 
4 schwarzen Flecken ins Kreuz gestellt. 

6. D iodon maculifer K^, 

Die Stacheln sind zusammengedrückt im Vergleich mit 
denen von sexmaculatus. Die längsten über der Schnauze; 
6 im Zirkelauf der Stirn, 2 über dem Auge, 6 um die schwarze 
Augenregion; 7—8 zwischen den Brustflossen. Der Schwanz 
ist mit 2 Paar Stacheln versehen. Oben gelblich braun mit unre- 
gelmässigen schwarzen Streifen an der Stirn; runde und läng- 
liche grosse Flecken über den ganzen Rücken, 2 grosse 
Flecken über den Brustflossen. Bauch und Flossen fleckenlos. 
Diese Art kann weder mit sexmaculatus noch multimaculatus 
verwechselt werden, die längere, dünnere und runde Stacheln 
besitzen. Cap. 

7. Diodon sexmaculatus Cuv, 

D. 6-maculatus et 9-maculatus Cuv. L. c. pl. VII. fig. 1. 
u. VI. flg. 3. Regn. an. p. 367. Fauna japonica. Tab. 128. fig.2. 

Ein schwarzes Stirnband zwischen den Augen, welches 
als Fleck bis unter das Auge verlängert ist. Ein 2tes Quer- 
band über den Hinterkopf. 2 Flecken über der Brustflosse. Ein 
grosser Fleck umgiebt die Rückenflosse. Flossen ohne Flecken. 
An jungen Exemplaren Tentakeln am Kinn, Rücken und den 
Seiten. Im britt. Mus. ein Exemplar in Spiritus ohne kleine Flek- 
ken, durch Sir J. Richard so n. Ein anderes in Spiritus mit 
kleinen schwarzen Flecken auf der Stirn, hinter den Augen auf 
den V^urzeln die meisten Stacheln. Ein Fleck auf dem Sockel der 
Brustflosse, und ein anderer Fleck an dem 2ten und längsten 
Strahl. 4 Stacheln auf der Stirn, 5 in der 2ten Reihe, 9 um das 
Auge. Sandwichsinseln, Indien, Japan, Cap. 

8. Diodon jaculiferus CvLw. 
L. c. t.VII. fig. 3. Regn. an. p.367. 

Obere Theile grau röthlich , der Bauch weiss. Seiten 
mit 3 schwarzen Flecken, einer vor der Kiemenritze, einer 



230 . Kaup: 'ö iih'rtio ' 

nächst der Brustflosse, und ein anderer vor der Analflosse. 
Die Stacheln sind zusammengedrückt, kurz und an Zahl ge- 
ring. Zwischen den Augen 2, 6 zwischen den Brustflossen. 
An den hinteren Theilen sind sie mehr verlängert und zwi- 
schen den Brustflössen, längs den Seiten und der Rücken- 
flosse sind die längsten. Schwanz ohne Stacheln, ebenso um 
den Mund und Kehle. Die Bauchstacheln sind zur Hälfte in 
der Haut verborgen. 

9. Diodon pilosus Mitchili. 
Mitchill in Tr. Lit. and Ph. soc. N. York p.47l. t.6. 
fig. 4. i«'j^üA 

New York Fauna p.3Q6. pl. 180. " ' ' 

Cuvier 1. c. 138. Regn. an. p. 367. 
Der ganze Körper mit gelblichen Stacheln dicht bedeckt. 
Sie sind weich und biegsam von y^o bis Vio Zoll Länge. 
Oben bräunlich unten aschgrau weiss. Die haarähnlichen Sta- 
cheln mit metallischem Goldglanz. Auf dem Rücken und längs 
den Seiten verschiedene oblonge, bräunlich schwärzliche Flek- 
ken. Das Exemplar war nicht frisch genug, um die Bildung 
der Nasenlöcher sehen zu können. Nord-Amerika. 

II. Genus llicotyliclitliys Kp. 

•''Jeder Tentakel zweilappig, ohne Nasenlöcher. Stacheln 
mit 3 Wurzeln , die die Beweglichkeit verhindern ; auf der 
Mitte der Stirne ein Dorn mit 2 Wurzeln. 

10. Dicotylichthys punctulatus K^. .. i. 
Ueber der Stirne 2 Stacheln vor dem Stirndorn; um 
das Auge 6 kürzere, alle mit 2 Wurzeln. Quer am hinteren 
Augenwinkel mit 3—4 Stacheln. Von den Brustflossen an er^ 
halten die Stacheln eine kürzere nach vorn gerichtete Wur- 
zel , welche nach der Rückenflosse hin grösser und grös- 
ser wird. Alle Stacheln nicht so entwickelt wie die bei Atinga 
oder nycthemerus; sie sind nächst der Rückenflosse zusam- 
mengedrückt. Die bräunliche Farbe der oberen Theile geht 
als Streifen durch das Auge und als Streifen vor und hinter 
der Brustflosse in den silberfarbigen Bauch. Rücken und Bauch 
mit einer grossen Zahl schwarzer Flecken, die nicht so gross 
>vie bei orbicularis, allein grösser als bei tigrinus sind. Der 



Uebersicht über die Species einiger Familien der Sclerodemien. 231 

hintere Theil des Sockels, der Brust- und Rückenflosse, wie 
der nackte Theil des Schwanzes mit einigen runden schwar- 
zen Flecken. Cap, Mauritius. 4 Exemplare im Britt. Museum. 

III. Genus Cycliclitliys Kp. 

Zwei Nasenlöcher, eins an der Wurzel, das andere auf 
der Spitze eines flachen Tentakels. Die Stacheln mit 3 voll- 
kommen entwickelten Wurzeln, die denselben alle Beweglich- 
keit nehmen. 

11. Cyclichthys orbicularis Kp. 
Diodon tigrinus part. 

Diodon orbicularis Bl. t. 127. Bl. et Sehn. p. 512. 

Eine runde Form. Mit einem Dorn an der Stirne, 3 
über den Augen, 2—4 zwischen den Augen. Rücken dun- 
kel , Bauch lichter , Rücken und Seiten mit unregelmässigen 
schwarzen Flecken. Cuvier verwechselt diese Art mit ti- 
grinus, die zu einer anderen Section gehört, welche nicht die 
Fähigkeit sich aufzublasen hat. Cap. 10 Ex. im Britt. Mus. 

12. Cyclichthys cornutus Kp. 

Ein langer , dünner , haarähnlicher Tentakel zwischen 
den 2 Stacheln des oberen Augenrandes. Oben schwärzlich, 
am Bauche gräulich. 3 schwarze Flecken unter dem Auge, 
2 nächst der Brustflosse. Der grösste nächst dem Bauch. Die 
Rückenflosse schwarz umgeben. Die Länge eines Exempla- 
res ist 65 Mm. Der Tentakel misst 18 Mm. An einem an- 
deren ist der erhaltene Tentakel 11 Mm. lang. Ein 3tes grös- 
seres hat die Tentakel eingebüsst. Die Stacheln sind länger 
und runder als bei orbicularis und antennatus. 

IV. Genus Cyaniclitliys Kp. 

Die Nasenlöcher liegen angepresst an der Stirne in ei- 
nem blattähnlichen Tentakel. Ein Nasenloch am innerenRande 
nächst der Stirne, das andere kaum sichtbar am Rande nächst 
den Augen. Stirne concav ohne Stachel in der Milte. Kör- 
per mit kurzen unbeweglichen Stacheln. 

13. Cyanichthys CO er uleus Ki^. 

Diodon coeruleus Quoy et Gaim. Freyc. Voy. pl. 65. 5. 
Drei Stacheln über den Augen. Augen goldfarbig mit ei- 



232 Kaup: 

nem schwarzen ovalen Kreis um die Pupille. Oben blau. Die 
Wurzeln der kurzen Stacheln mit runden schwarzen Flecken. 
Bauch silberweiss , an den Seiten mit 3 Reihen schwarzer 
Flecken. Brustflosse bläulich mit einem gelben Querband 
nächst der Wurzel. 4 schwarze Flecken unter der Brustflosse. 
Flossen am Rande transparent, 6 Stacheln zwischen den 
Brustflossen , einige davon mit 4 Wurzeln. Im Brilt. Mus. 
ein junges Exemplar in Spiritus von Neu-Guinea. 

V. Genus Cliilomyclerus Bibr. 

Ch. Bibron. Barn. Rev. Zool. 1846. p. 136. Wiegm. Arch. 
1847. p.365. 

Die Nasenlöcher am Ende eines aufgerichteten Tenta- 
kels. Die unbeweglichen kurzen Stacheln mit 3 grossen Wur- 
zeln. Körper platt gedrückt. Meist ein Stachel auf der Stirne 
und 2 oder 3 über den Augen. 

14. Chilomycterus antennatus Kp. 

Diodon antennatus Cuv. 1. c.IV. 131. PI. 7. fig. 2. Regn. 
an. p.367. pl. IX. Jenn. Darw. Voy. p. 151. 

Ein Tentakel zwischen den 2 Stacheln über den Augen. 
Der ganze Körper mit einer grossen Zahl schmaler runder 
Flecken. 4 grössere lichter eingefasste am Rücken. Ein Quer- 
fleck am Hinterkopf. 2 Längsflecken über der Brustflosse, 
und ein grosser Fleck umgiebt die Rückenflosse. Kinn, Un- 
terkiefer und Bauch mit Hauttentakeln. 

15. Chilomycterus g eometricus Kp. 

Diodon geometricus Bl. et Sehn. 

Mitch. Mem. New-York I. t. 88. fig. 3. 

New York Fauna Fl. 56. fig. 185. 

Diodon rivulatus Cuv. 1. c. p. 129. PI. 6. Regn. an. p. 367. 

Jenn. Darw. Voy. p. 150. 

Körper mit schwarzen Längsstreifen; 2 schwarze Flek- 
ken nächst den Brustflossen und ein runder Fleck um die 
Rückenflosse. Stacheln zusammengedrückt. Ein Stachel auf 
der Mitte der Stirn, 2 über und 2 unter dem Auge. Um 
die Iris ein schwarzer Ring. Dritt. Mus» 



Uebersicht über die Specics einiger Familien der Sclerodermen. 233 

16. Chilomycterus tigrinus Kp. 

Diodon tigrinus Cuv. L. c. PI. 6. Regn. an. p. 367. 

Willughby Ichth. J. t. Fauna jap. t. 128 fig. 1. 

Oben bräunlich oder gräulich. Flossen, mit Ausnahme 
der Analflosse, schwarz gefleckt. Stachel wenig entwickelt, 
kurz mit sehr grossen Wurzeln. Ueber den Augen 3 Dor- 
nen, wovon der mittlere häufig nicht entwickelt ist. Die con- 
vexe Stirn ohne Stachel. Diese Art wird sehr gross. Eine 
Haut von ly'/j Zoll ist grau und schwarz gefleckt, kommt 
von Bermuda durch Capit. Tayler. 



fiitiflnfl^. 



Vebersichi Her fti ütossaitibique beobachte* 
teifi Fische. 

Von 

Prof. %V. Pefers. 



S*rotoiiteri. 

Protopterus Owen, Peters (Lepidosirew Natte- 
rer, Owen, Bhinocryptis Peters.) 

1. Protopterus anguilHformis Owen (Lepidosiren anne- 
ctens Owen, Rhinocryptis amphibia Peters.) 

Percotdae. 

Ap ogon Lacepede. 

2. Apogon quadrifasciatus. Cuvier et Valenciennes, Hist. 
nat. des poissons. vol. II. p. 153. 

3. Apogon novemfasciatus C. V. 1. c. II. 154. 

4. Apogon zeylonicus C. V. III. 491. =? Apogon li~ 
neolatus Ehrbg. Rüppell' Atlas Taf. 12. Fig. 1. 

5. Apogon roseipinnis C. V. III. 490 = Apogon an- 
nularis Rüppell Wirbellhiere 85. 

Im Leben goldig mit feinen schwarzen Pünktchen. Kör- 
permitte bläulich schillernd. Eine blaue Binde von Auge zu 
Auge, eine zweite am Rande der Oberlippe und von da zum 
Auge, eine längs dem Oberkiefer, ein blauer Fleck am Vor- 
deckel und am Winkel des Kiemendeckels. Flossen rotb. Eine 
breite schwarze Binde um die Basis der Schwanzflossen. 

Mossambique, Jnhambane. Einh. Name mnino. 



Peters: Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 235 

Ambassis Commerson. 

6. Ambassis Commersonii C. V. II. Taf. 25. 

Auch in süssen Gewässern bei Quellimane und im Flusse 
Molumbo gegenüber der Insel Mossambique. Alle Exemplare 
haben nur sechs Kiemenslrahlen. 

Grammistes Bloch, Cuvier. 

7. Grammistes orientalis Bloch C. V. II. 203. 
Die Varietät mit vier Längsbinden. 
Fundort: Mossambique, 15° S. Br, 

Serranus Cuvier. 
In der Macüasprache von Mossambique mit den Namen 
intello^ schipunde, minearcera u. a. benannt. 

8. Serranus oceanicus C. V. IL 302. 

Im Leben braunroth ; die Querbinden undeutlich schmutzig 
braun. Brustflossen gelbgrün. Die Haut zwischen den Sta- 
chelstrahlen nach dem Rande hin schwarz. D. 11,16: A.3, 9. 

9. Serranus salmonoides C. V. II. 343. 

10. Serranus areolatus C. V. II. 350. Descript. de 
l'Egypte. TaL 20. 

11. Serranus merra C. V. IL 325. Bloch Taf. 329. 

12. Serranus gut faius Bloch Taf. 224 = Serranus my^ 
riaster C. V. IL 365. Rüppel Atlas Taf. 27. Fig. L 

Schwarzviolet mit himmelblauen schwarz eingefassten 
Flecken. Schwanzflosse, und mehr oder minder auch die 
Rücken- und Afterflosse, weiss gesäumt Ausser den Ocellen 
noch braunrothe Flecken hinter den Stachelstrahlen der Rük- 
kenflosse. Nach Vergleich mit dem im Berliner Museum be- 
findlichen Bloch'schen Exemplare sind die beiden genannten 
Arten zu vereinigen. 

13. Serranus miniatus Rüppell Atlas Taf. 26. Fig. 3 = 
Serranus cyanostigma Kühl et van. H. C.V. II. 359. 

14. Serranus fuscoguttatus Rüppell Atlas Taf. 27. Fig. 2. 

15. Serranus marginalis C. V. IL 301. Bloch Taf. 328. 
D. 11, 16; A.3, 9. 

16. Serranus flavoguttatus n. sp. 

Verwandt mit S. alboguttatus C. V. IL 366. Die Flecken 
sind am lebenden Fische hellgelb. 



236 Peters: 

D. II, 17; A. 3, 9. 

17. Serranus flavocoenileus Oiioy et Gaim. Uranie. 
Taf. 57. Fig-. 2. Bennett. Fishes of Ceylon Taf. 19. 

18. Serranus melas n. sp. 

Von derselben Gestalt wie S. merra. Unter- und Ober- 
kinnlade mit sehr feinen Schuppen bekleidet. Operkel mit 
drei platten Spitzen. Vordeckel am abgerundeten Winkel mit 
stärkeren, am aufsteigenden Rande mit feineren Zähnen. Farbe 
einfarbig schwarzbraun; Flossen dunkler ohne alle Flecken. 
Obgleich ähnlich in der Farbe wie Serranus rogoa Forsk. 
weicht diese Art durch Gestalt und auch durch die Flossen- 
strahlen von ihr ab. 

B. 7. D. 11, 17; P. 20; V. 1,5; A. 3,8. 

Fundort: Querimba-Inseln (Ibo). 

19. Serranus (Anthias) squatnipinnis n. sp. 

Eine sehr ausgezeichnete schöne Art. Roth mit einer 
blauen Linie von dem unteren Augenrande bis auf die Basis 
der Brustflossen. An Gestalt dem Serranus anthias ähnlich. 
Höhe und Körperlänge (ohne die Schwanzflosse) wie 1 : 3. Oben 
zwei, unten vier Eckzähne, von denen die hinteren stark rück- 
wärts gekrümmt sind. Operkel mit zwei starken Dornen, in- 
dem der dritte obere nicht entwickelt ist. Suboperkel und In- 
teroperkel wie bei S. anthias sägeförmig gezähnelt. Der auf- 
steigende Rand des Vordeckels mit Zähnchen bewaff'net, wel- 
che nach dem Winkel hin allmählich an Grösse zunehmen. 
Die Seitenlinie macht dieselbe Krümmung wie bei S. anthias. 
Die Rückenflosse hat 18 weiche und 10 Stachelstrahlen, von 
welchen letzleren der dritte sich in einen borstenförmigen 
Fortsatz verlängert. Die weichen Strahlen der Bauchflossen 
sind nur um % länger als der Stachelstrahl. Die Schwanz- 
flosse ist gabelig und hat dreizehn verzweigte Strahlen. Die 
Flossen sind hoch über ihre Basis hinauf mit ziemlich gros- 
sen Schuppen bekleidet. Zahl der Schuppenquerreihen etwa 
44, Längsreihen 19 (3 über, 15 unter der Seitenlinie bis 

zum After.) 

j_ 

B.7; D. 10, 18; P. 17. V. 1,5; A.3, 8; C. i3^ 

5 

Fundort: Mossambique, 15° S. B. 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 237 

Ausser den vorstehenden wurden noch zwei sehr grosse 
Serrane von mehr als 5 Fuss Länge beobachtet, welche ich 
nicht mit Bestimmtheit auf eine der bekannten Arten zurück- 
zuführen weiss. Beide ermangeln der grossen Eckzähne, so 
dass man sie darnach auch der Gattung Centropistes zuzäh- 
len könnte, wie diese Gattung von Cuvier und Valen- 
ciennes aufgefasst worden ist. Sie führen dort den portu- 
giesischen Namen Garoupa. 

20. Serranus abdominalis n. sp. 

Die erste ist schwarzbraun, zur Seite des Bauches zwi- 
schen Bauch- und Afterflosse mit zwei breiten blauweissen 
Querstreifen ; die Flossen dunkler schwarz gefleckt. Der Kie- 
mendeckel mit drei grossen platten Dornen , der Vordeckel 
am aufsteigenden Rande und zumal am Winkel mit starken 
Sägezähnen versehen. Der Unterkiefer ist mit grösseren, der 
Oberkiefer mit kleineren Schuppen bekleidet. Das Profil ge- 
rade, die Augen nach oben gerichtet. Rücken-, Bauch- und 
Schwanzflosse abgerundet, die Afterflosse am unteren Rande 
gerade. Die Rückenflosse hat zwölf Stachelstrahlen. Die 
ganze Länge betrug 1700 Mm., die des Kopfes allein 540 Mm, 

D. 12, 15; P. 18; V. 1, 5; A. 3, 8. C. 17. 

Fundort: Mossambique 15° S. Br. ~~ 

21. Serranus Goliath n. sp. 

Von der zweiten grossen Art, welche ich wegen der 
mangelnden Eckzähne früher ebenfalls zu Centropristes ge- 
zogen hatte, befindet sich das Skelet auf dem hiesigen anato- 
mischen Museum. In ihrer Gestalt ähnlich der vorigen , ist 
sie ebenfalls von brauner Farbe, dunkler gewölbt. Die Flos- 
sen sind wie bei S. fuscoguttatus mit dunklen Flecken ge- 
ziert. Auch die Bewaff'nung des Kiemendeckels mit drei 
platten Spitzen und die Bezahnung des Vordeckels (am auf- 
steigenden Rande feiner, am Winkel stärker) ist ganz wie bei 
dieser Art. Sowohl Unter- als Oberkiefer tragen kleinere 
Schuppen als die Backen, welche wie die Körperschuppen an 
der Endoberfläche rauh, aber nicht am Endrande gezähnelt 
erscheinen. 

Das Skelet zeigt 10 Rumpf- und 14 Schwanzwirbel. Der 
Magen bildet einen 330 Mm. langen Blindsack. Der Darm 



238 Peters: 

hat eine Länge von 5280 Mm. und sehr zahlreiche Appendices 
pyloricae. 

Totallänge 1700 Mm.; Kopf allein 580 Mm. 

B.7; D. 11, 12; P. 18; V. 1, 5; A. 3, 9; C. ^ 

7 

Fundort: Mossimböa, 11° S. Br. 
Plectropoma Cuvier. 

22. Plectropoma melanoleucum C. V. II. p. 388. 

Die Grundfarbe ist nicht, wie angegeben wird, im Leben 
weiss, sondern blass violet. 
Fundort: Ibo, 12° S. Er. 

Diacope Cuvier. 

23. Diacope coccinea Ehrenberg. C. V. II. 437. Rüppell 
Wirbelthiere Taf. 23. Fig. 2. 

24. Diacope marginata C. V. II. 425. 

25. Diacope quadriguttata C. V. II. 427. VI. 533 = Dia- 
cope bohar Lac. Rüpp. Atlas p. 73. 

26. Diacope fulciflamma Forsk. C. V. II. 423. Rüppell 
Atlas Taf. 19. Fig. 3 = Mesoprion monostigma C. V. 11.446. 

27. Diacope octolineata C. V. II. 418. 

28. Diacope notata C. V. 11.422. 

Pria canthus Cny'iQV. 

29. Priacanthus Boops C. V. III. 103. 

Das von Priacanthus gesammelte Exemplar stimmt mit 
der von der vorstehenden Art gegebenen Beschreibung und 
dem von Hrn. Valenciennes dem hiesigen Museum über- 
sandten Specimen überein. 

Dules Cuvier. 

30. Dules Bennetti Bleeker. = Verca argentea Ben-| 
nett Fishes of Ceylon Taf. 22. 

Eine in das grosse Fischwerk von Cuvier und Valen- 
ciennes nicht aufgenommene Art. 

Zwei Exemplare beiMossambique in 15^ S. Br. gefangen. 

31. Dules fuscus C.y. in. 118. 

, Nur in süssen Gewässern der Insel Anjoana. 



Uebersicht der in Mo»sambique beobachteten Fische. 239 
Therapon Cuvier. 

32. Therapon servus Bloch. C. V. 111. 125. 

Im Meere und in Süssvvasser-Teichen bei Quellimane. 
Pelates Cuvier. 

33. Pelates quinquelineahis C. V. 111. 148. 

34. Pelates sexlineatus C. V. 111. 147. 

Holocentrum Artedi, Cuvier. 

35. Holocentrum diadema Lacepede. Rüpp. All. Taf. 22. 
Fig. 2. 

36. Holocentrum samara Forsk. Rüppell Atlas Taf. 22. 
Fig. 3. 

37. Holocentrum punctatissimum C. V. 111. 215. 

Per eis Bloch-Schneider. 

38. Percis hexophthalma Ehrenberg. C.V. 111. 271 = 
P. cylindrica Rüppell Atlas Taf. 5. Fig. 2. 

39. Percis polyophthalma Ehrenberg. C. V. 111. 272. 

40. Percis cancellata C.V. 111. 268. 

Sphyraena Bloch-Schneider. 

41. Sphyraena Commersonii C.V. 111. 352. 

42. Sphyraena obtusata C. V. 111. 350. *} 
In der Macüasprache musonja genannt. 

Sillago Cuvier. 

43. Sillago acuta C. V. II. 400. 

In der Macüasprache von Mossambique mar - de - sehen 
genannt. Wird dort sehr viel gegessen. 

Upeneus Cuvier. 

In Mossambique unter dem Namen nanino bekannt. 

44. Upeneus mttalus Forsk. C.V. 111. 448. 

45. Upeneus cinnnabarinus C. V. III. 475. 

46. Upeneus lateristriga C. V. lU. 463. 



1) Während meines Aufenlhaltes in Angola, an der Westküste 
Afrikas, zeichnete ich eine grosse Sphyraena, welche mit der Sph. har- 
racuda C. V. HI. 343. übereinstimmt. 



240 Peters: 

Catapliracti. 

Dactylopterus Lacepede. 

47. Dactylopterus orientalis C. V. IV. 134. 
Mossambique, Inhambane, Ibo. 

Platycephalus Bloch-Schneider. 

48. Platycephalus insidiator Bl.-Schn. C. V. IV. 227. 

49. Plattjcephalus punctafus C. V. IV. 243. 

50. Platycephalus pristis n. sp. 

In der Körperform, der Stellung der Augen, der Form 
der Schnauze u. s. w. am nächsten mü P.pristiger und asper 
verwandt, aber Infraorbilalknochen mit verschiedener Bewaff- 
nung und Seilenlinie unbewehrt. Das Nasale mit einem klei- 
nen Dorn ; das erste Infraorbilale mit einem deutlichen und 
zwei verkümmerten vorderen Dornen, im übrigen Theile glatt 
bis zum hinlern Ende, welches ebenfalls in einen Dorn aus- 
geht, der zweite Infraorbilalknochen in der ersten Hälfte glatt, 
in der letzten mit ungefähr sechs Sägezähnen. Der Vordeckel 
hat drei Dornen, einen oberen grösseren und zwei beträcht- 
lich kleinere untere. Der Kiemendeckel ist mit zwei Dornen 
bewaffnet, welche dem mittlem Dorn des Vordeckels an Grösse 
gleichen. Der Zwischenraum zwischen den Augen beträgt 
kaum Yn des Durchmessers eines derselben, ist in der Mitte 
glatt und quer concav, jederseits durch die gezähnellen Su- 
praorbital -Kämme begrenzt. Diese beiden Kämme weichen 
hinter den Augen leierförmig auseinder und setzen sich so 
über das Hinterhaupt fort, erstrecken sich aber nicht so weit 
nach hinten, wie eine andere jederseits mehr nach aussen 
liegende unregelmässige Reihe niedergebeugter Stacheln, wel- 
che am hinteren Augenhöhlenrande beginnt und oberhalb des 
Kiemendeckels an der Schulter endet. Die Seitenlinie ist un- 
bewaffnet und aus ungefähr 51 Schuppen zusammengesetzt. 
Oberhalb der Seitenlinie bilden die Schuppen 5, unterhalb der- 
selben 15 — 16 Längsreihen. — Die schmulziggelbe Grundfarbe 
wird am Rücken ganz durch Braun verdrängt, welches am 
Kopfe und an den Körperseilen in unregelmässigen Querbin- 
den, Flecken und Punkten auftritt. Sämmlliche Flossen sind 
mit braunen Fleckenbinden geziert. Der Stacheltheil derRük- 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 241 

kenflosse steht um die ganze Länge des letzten Slachelstrahls 
von dem vveichstrahligen Theile derselben entfernt. 

5 

B. 7: D.8-1-13; P.20; V. 1,5; A. 14; C. T 

4 

Fundort: Mossambique, IS^S. Br. Die Arten dieser Gat- 
tung heissen in der Macüasprache mbiriviri. 
Sc orpaena Linne. 

51. Scorpaena mossambica n. sp. 

Eine mit Sc erythraea Ehrenberg (= Sc. aurita Rüp- 
pell) und Sc. borbonica C. V. sehr nahe verwandte Art, aber 
mit noch näher beisammen siehenden Augen, weniger deut- 
lichem Slirn willst und nur drei verzweigten Strahlen in den 
Brustflossen. 

B.7; D. 12, 10: P. 15 (1 +3+ 11); V. l, 5; A. 3,6; C. ^i 

4 
Fundort: Ibo, 12^ S. ßr. 

Pterois Cuvier. 

52. Pterois volitans C. V. IV. 352. 

Ibo, Mossambique, Inhambane, vom 1 1° — 24^ S. Br. In 
der Macüasprache s^fcwrama^fm^fa (d.h. grosse Segel) genannt. 

Apistus C. V. 

53. Apistus binotatus n. sp. 

Den A. taenianotus , longispinis und Bongainvillii am 
meisten verwandt. 

Das Profil ist senkrecht concav, die Rückenflosse mit 
der Schwanzflosse wie bei A. taenianotus durch eine Haut 
verwachsen, und unterhalb des 8ten bis 9ten Stachelstrahls 
befindet sich wie bei A. longispinis auf der Seitenlinie ein 
silberweisser, nach dem Tode rosenrother Fleck. 

B. 7; D. 15, 9; P. 12; V. 1, 5; A. 3, 6 ; C. 13. 

Fundort: Ibo, 12° S.B. 

Sciaenoidae. 

tolithu s Cuvier. 

54. Otolithus argenteus Kuh! et Van Hasseil. C. V, V, ö2. 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 16 



342 Peters: 

In der Macüaspracho : carrupaJa. ^ 

Cor 1)1 na Cuv. 

55. Corvina dorsalis n. sp. 

Höhe gleich der Länge des Kopfes, zur Totallänge wie 
1 : 4V2- Schnauze slumpf abgerundet. Kiemendeckel mit 
zwei, durch einen halbmondförmigen Ausschnitt getrennten 
platten Dornen. Vordeckel mit sehr feinen, spitzen, sparsa- 
men Dornen. Die länoreren Zähne der äusseren Reihe weni- 
ger zahlreich. Am Kinn 6 Poren, von denen die beiden 
mittleren, einander sehr genäherten durch ein kleines Knöt- 
chen gelrennt sind. Der Humerus lang und fein wie bei Sciaena 
pama gezähnt. — Farbe silberig, der vordere obere Theil 
der Rückenflosse schwarz. 

B.7;D.10-~l,27(od. 1, 29) ; P. 18; V. 1, 5; A.2,8; C.TöI 

Fundort: Quellimane, 18<^ S. Br. 

Pris tip oma Cuvier. 

56. Pristipoma kaakan C. V. V. 244. 
Diagramma Cuvier. 

57. Diagramma gatherina C. V. V. 301. 

58. Diagramma flavomaculatum Ehrenberg. C. V. V. 304 
= ? D. faetela C. V. V. 307. 

59. Diagramma cinerascens C. V. V. 307 = D. puncta^ 
tum Ehrenberg C. V. 302. 

60. Diagramma Blochii C. V. V. 312 = D. albovitta- 
tum Rupp. 

Scolopsis Cuvier. 

61. Scolopsis bimaculatus Rupp. Atlas. Taf. 2. Fig. i^ 
= Sc. taeniatus Ehrenberg. 

62. Scolopsis ghanam C. V. V. 348. Rüpp. Atlas Taf. II. 
Fig. 1. 

üparini« 

Chrysophrys Cuvier. 

63. Chrysophrys berda Forsk. Cuv. Rüpp. Wirbelth. 
Taf. 27. Fig. 4, 

64. Chrysophrys QAcanthopagrus) vagus Pel. 



Uebersicht der in Mossainblque beobachteten Fische. 243 

Lethrinus Cuvier. 

Der einheimische Name dieser Fische in Mossambique 
ist schango. 

65. Lethrinus centurio C. V. VI. 301.Taf. 158 = L.we- 
bulosus Forsk. 

66. Lethrinus Gothofredi C. V. VI. 286. 

67. Lethrinus mahsenoides Ehrenberg. C. V. VI. 286. 

68. Lethrinus otivaceus C. V. VI. 295. 

69. Lethrinus tariegatus Ehrenberg. C. V. VI, 287. 

70. Lethrinus abbreviatus Ehrenberg. C. V. VI. 312. 

71. Lethrinus elongatus Ehrenberg. C. V. VI. 289. 

Sarg US Cuvier. 

72. Sargiis aurioentris n. sp. 

Von metallisch bläulicher Färbung, am Kopfe grünlich. 
Am Bauche zieht sich jederseits über den ßauchflossen eine 
schmale goldene Binde entlang. Die Flossen dunkel; der 
untere Rand der ausgeschnittenen Schwanzflosse und die ßauch- 
flossen von gelblicher Farbe. 

D. 11, 14; P. 15; V. 1, 5; A. 3, 11; C. 18. 

Fundort : Mossambique, im Juni. Einh. Name curumballe, 

Crenidens Cuv. Val. 

73. Crenidens Forskälii C. V. VI. 378. Taf. 162*. 

Die in Mossambique gefundene Art stimmt nach Ver- 
gleichung mit der des rothen Meeres überein. Die runden 
Zähne sind in der citirten Tafel zu klein gezeichnet. 

Fundort; Mossambique. 

llaeiiuidae* 

Caesio Commerson. 

74. Caesio tricolor C. V. Vi. 438. 

Die Bauchseite im Leben weiss, verwandelt sich in Wein- 
geist und wird rosenroth. 

75. Caesio caerutaureus Lac. C. V. VI. 434. 
In der Macüasprache solölo. 



244 Peters: 

Gerres Cuvier. 

76. Gerres oyena C.V.'VI.472. 
Heisst in der Macüasprache sälla. 

llug^iliiii* 

Mugil Linne. 

77. Mugil scheli Forskäl. C.V. XI. 152 = ? Mug. eu- 
ronotus A. Smith llluslr. of Ihe zool. of Soulh Africa. Taf. 29. 

Nestis Val. 

78. JSestis cyprinoides Val. wurde nur in Süsswasser- 
bächen auf der Insel Anjoana gefunden und hat nicht cy- 
cloidische sondern ctenoidische Schuppen. 

^tlierinoidae« 

Atherina Linne. 

79. Atherina afra n. sp. 

Von Gestalt sehr nni A.presbyter ysdenciennes (X. 439. 
Taf. 304. Fig. 2) verwandt, gehört sie wegen ihrer weiter zu- 
rück zwischen Bauch- und Afterflosse stehenden ersten Rük- 
kenflosse in die dritte Abiheilung ausländischer Atherinen 
dieses Autors. Sie ist mit feinen Zähnen an den Kieferrän- 
dern, auf einer queren Platte des Vomer und an den Gau- 
menbeinen versehen. 

Von Gestalt fast spindelförmig ist der Kopf 41/3 Mal in 
der Tolallänge (mit Ausschluss der Schwanzflosse) enthalten. 
Das Auge nimmt y^ der Kopflänge ein und die Schnauze ist 
um y3 kürzer als der Durchmesser desselben. Die obere 
Fläche des Kopfes ist abgeplattet, zwischen den Augen durch 
zwei Längsfurchen verlieft und hier an Breite gleich einem 
Augendurchmesser. Das Maul steigt schräg von oben und 
vorn nach hinten und unten bis zu den Augen herab. Die 
Brustflossen, welche die Insertion der Bauchflossen überra- 
gen , sind um V5 kürzer als der Kopf. Die erste Rücken- 
flosse besteht aus 6 Strahlen, beginnt um 11/2 Kopflängen 
hinter dem Rande des Kiemendeckels und steht hier dem in 
der Mitte zwischen Bauch- und Afterflossen befindlichen Po- 
rus analis gegenüber. Die zweite Rückenflosse steht über 



Uebersicht der in Mossanibique beobachteten Fische. 245 

den letzten drei Vierteln der Afterflosse und besteht aus 11 
Strahlen. Die Schwanzflosse ist tief ausgeschnitten gabelig. 
Die Schuppen sind gross, cycloidisch, am hinteren Rande 
schwach gekerbt und bilden von der Rückenflosse bis zum 
After 6 Längsreihen. Die Seitenlinie verläutt in der dritten 
obern Längsreihe und wird aus etwa 36 Schuppen gebildet. 
Zwischen der ersten und zweiten Rückenflosse liegen 9 Schup- 
pen. Die Schuppen des Rückens und der obern Seile des 
Kopfes sind schwärzlich mit weissblauen Punkten geziert; 
Die Bauchseite ist fleischfarbig; die Körperseiten sind durch 
eine Silberbinde ausgezeichnet. Die Rückenflossen und be- 
sonders die Bauchflossen zeigen viele schwarze Pünktchen. 
Totallänge 105 Mm. 

4 

B.6; C.6— 1, 10; P. 17; V. 1,5; A. 1,13 (1,14), C. 15^ 

4 

Fundort: Mossanibique. Heisst in der Macüasp. nagogo. 

Scombroidae« 

Scomber Cuvier. 

80. Scomber kanagurta C. V. VIII. 49. 
Chorinemus Cuvier. 

81. Chorinemus Sancti Petri C. V. VIIL 379. 

82. Chorinemus moadetta Ehrenberg. C. V. VIII.382. — 
Bleeker hält diesen für identisch mit dem vorigen, die 
Schuppen sind jedoch viel schmäler. Heisst in Mossambi- 
que supada, wahrscheinlich aus dem portugiesischen espada 
(Schwert) corrumpirt. 

Caranx Cuvier. 

83. Caranx speciosus Lac. Rüpp. = Sp.speciosus Forsk. 
e.V. IX. p. 150. 

In der Macüasprache intaru gen., auch in Inhambane 
gefunden. 

84. Caranx Belengerii C.V. IX. 116. 
Bei den Macüas scherceua genannt, 

Equula Cuvier. 
Gazza RüppelL 



246 Peters: 

85. Equulla dentex C. V. X. 91. 
Heisst in der Macüasprache umpända. 

Squamipennes« 

Chaetodon (Art) Linne. 

86. Chaetodon falcula Bloch. Taf. 425. Fig. 2. C. V. 
VII. 41. 

87. Chaetodon Abhoriani C. V. VII. 58. 

88. Chaetodon virescens C. V. VII. 30. 

89. Chaetodon mttatus Bl. Sehn. C. V. VII. 34. 

90. ^ Chaetodon Sehanus C. V. VII. 74. 

91. } Chaetodon setifer Bloch Taf. 426. Fig. 1. 

92. Chaetodon nigripinnis n. sp. 

Von Gestalt ähnlich wie Ch. vagabundus L, und Ch. 
dorsalis Reinw. Körperhöhe zur Länge wie 7:10. Schnauze 
vorspringend. Goldgelb ; eine schwarze Binde durch die Au- 
gen und 7—8 senkrechte gebogene schwarze Linien über 
den Körper. Der weichstrahüge Theil der Rücken- und Af- 
terflosse , eine Linie nahe dem Rande des Slacheltheils der 
Rückenflosse und der Theil vor der Basis der Schwanzflosse 
schwarz. Die Ränder der After- und Rückenflosse hellgelb 
oder weiss. 

4 

P. 15 (16); D. 14,25; V. I, 5; A. 3, 23; C. TT 

5 

Fundort : Mossainbique. Name in der Macüasprache 
nicüpecüpe. 

Reniochus Cuvier. 

93. Heniochus macrolepidotus Bloch , Cuv. VII. 93. 
Taf. 176. 

Zanclus Commerson. 

94. Zanclus cornutus Commerson. C. V. VII. 177. 
Holacanthus Lacepede. 

95. Holacanthus semicirculatus C. V. VII. 191. Taf. 193. 

96. Holacanthus chrysurus C. V. VII. 188. 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 247 

Platax Cuvier. 

97. Platax vesperfilio Bloch. C. V. (P/. Ehrenbergii C. V.) 

98. Platax teira Forsk. Cuv. 

Psettus Coinmerson. 

99. Psettus rhomheus Forsk. C. V. 

lialiyrintliici« 

Ctenopoma Peters. 

100. Ctenopoma multispinis Pet. 

GJobiini. 

Petroscrites Ruppell. 1828. (Omobranchus 
Ehrenberg. 1828. Blennechis Cuv. Val. 1836.) 

101. Petroscirtes cynodon n. sp. 

Körperform verlängert zusammengedrückt. Der Kopf 
nimmt reichlich y^ der Tolallänge (ohne die Schwanzflosse) 
ein, die Körperhöhe ist öy^mal in derselben enthalten und 
die Dicke des Körpers gleich hinter dem Kopfe ist um ein 
Drittel geringer als die Körperhöhe daselbst. Der Augen- 
durchmesser ist 4y2mal in der Länge des Kopfes enthalten; 
die Augen liegen um einen Augendurchmesser von einander 
und um etwas mehr von der breiten Spitze der bogenförmig 
nach unten gekrümmten Schnauze entfernt. Häutige Lappen 
an Augen und Kinn sind nicht bemerkbar. Die Zahl der 
einreihigen Zähne beträgt sowohl oben als unten 36—40 ; 
die gekrümmten Eckzähne der Zwischenkiefer sind klein, die 
des Unterkiefers dagegen ausserordentlich gross , vorn und 
hinten mit einer zugeschärften Kante versehen. Die lange 
Rückenflosse beginnt am Kacken , reicht hier nicht weiter 
nach vorn als der Kiemendeckel und hört zwar ziemlich weit 
von der Schwanzflosse zugleich mit der Afterflosse auf, ist 
aber durch eine häutige Fortsetzung mit derselben vereinigt. 
Ihre Strahlen, etwa 30 an Zahl, sind im Allgemeinen gleich 
lang, genau genommen jedoch die ersten bei den Männchen, 
die der zweiten Hälfte bei den Weibchen etwas länger. Die 
Brustflossen bestehen aus 15 Strahlen, von denen die mittle- 
ren am längsten sind. Die ßauchflossen werden aus zwei 



548 Peters: 

Strahlen gebildet, von denen der innere fast doppelt so lang 
als der äussere erscheint. Die Analöffnung liegt ein wenig 
weiter von dem Schnauzenende als von der Basis der Schwanz- 
flosse entfernt. Die Afterflosse ist kaum halb so lang wie 
die Rückenflosse, enthält aber dennoch 18—21 Strahlen. Die 
Schwanzflosse ist in einigen Fällen am hinteren Rande gerade 
abgeschnitten, in andern gabelförmig , indem der vierte und 
fünfte obere und untere Strahl sehr verlängert erscheinen. 

Die Farbe ist schmutzig grün mit vielen kleinen dunk- 
len Fleckchen; von dem Auge bis auf die Schwanzflosse geht 
ein dunkler breiter, nicht scharf begrenzter Fleckenstreif hin, 
auf welchem sich hellere Flecken zeigen. Die Rückenflosse 
ist an der Basis dunkel , zwischen den Strahlen weiss und 
braun gefleckt. Bei den Männchen ist die Rückenflosse am 
Ende des ersten Strahls ausgezeichnet durch einen grossen 
schwarzen Fleck. Die Afterflosse ist dunkel, undeutlich ge- 
fleckt; die Spitzen ihrer Strahlen sind, wie undeutlicher auch 
die der Rückenflosse, weiss. — Länge ohne die Schwanz- 
flosse 105 Mm. 

B.6; D. 26 (-30); P. 15; V. 2; A. 18 (-21); C. 15. 

Der Schädel hat eine sehr eigenthümliche Form, indem 
die Zwischenkiefer seitlich sehr entwickelt sind, um die gros- 
sen Eckzähne des Unterkiefers bergen zu können, der Schä- 
del hinter den Augen dagegen plötzlich sehr zusammenge- 
drückt erscheint. Es sind 35 Wirbel vorhanden, von denen 
12 dem Rumpfe, 23 dem Schwänze angehören. 

Häufig bei Mossambique, im 15^ S.ßr. Wird qudtu gen. 

102. Petroscirtes barbatus n. sp. 

Kopflänge gleich der Körperhöhe und zu der Körper- 
länge wie 1 : 3%. Gestalt des Kopfes und Körpers ähnlich 
wie bei der vorigen Art, aber kürzer, Augen liegen kaum 
um % Augendurchmesser von einander und um einen gan- 
zen von der Schnauzenspitze entfernt. Schnauze schräg ab- 
schüssig. Ueber jedem Auge ein verzweigter und unter dem 
Kinn zwei einfache Hautlentakel. Zähne ähnlich wie bei der 
vorigen Art. Die Stellung der Flossen wie bei der vorigen 
Art. Die Strahlen der ersten Rückenflosse aber sind sehr 
verlängert, die Bauchflossen bestehen aus drei Strahlen und 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 249 

die mittleren Strahlen der Schwanzflosse erscheinen verlän- 
gert, so dass diese Flosse zug-espilzt erscheint. Schmutzig 
grün mit rostfarbenen Flecken. Die senkrechten Flossen sind 
schwarzbraun gebändert und gefleckt auf gelbrothem Grunde. 
Der Darm ist einfach, ohne Blinddärme; die Schwimmblase 
ist silberig , das Perilonäum schwarz gefärbt. Ganze Länge 
90 Mm. 

B. 6; D. 26; P. 15; V.3; A. 18; C. 15. 

Fundort: Mossambique; im Novembermonat. 

103. Petroscirtes elongatus n. sp. 

Diese Art steht in der Körperform dem von Valen- 
ciennes beschriebenen Blennechis punctatus aus Bombay 
am nächsten. Der Kopf ist Syjmal und die Körperhöhe 
6y.mal in der ganzen Körperlänge (ohne die Schwanzflosse) 
enthalten. Das Profil ist sehr convcx, die Schnauze kaum so 
lang wie der Augendurchmesser und die Augen liegen nur 
y3 desselben von einander entfernt. Die Zahl der Zwischen- 
kieferzähne beträgt 20^ die der Unterkieferzähne 22, ausser den 
Eckzähnen, welche gekrümmt und an dem Unterkiefer dop- 
pelt so gross wie am Zwisohenkiefer sind. Die Rückenflosse 
beginnt über den Brustflossen oder ein wenig weiter vorn 
als dieselben, ist in der Mitte am niedrigsten und hört mit 
der Afterflosse, um die Länge ihrer letzten Strahlen von der 
Schwanzflosse entfernt, auf. Der After öffnet sich zwischen 
dem 2ten und 3ten Fünftel der Körperlänge. Die Bauch- 
flossen bestehen nur aus zwei Strahlen. Die Schwanzflosse 
erscheint durch die Verlängerung einiger Strahlen gabelför- 
mig. Schmutzig grün. Auf dem Kiemendeckel eine weiss- 
gesäumte Ocelle. Die Rückenflosse und Afterflosse braun 
mit weissen Streifen, welche an ersterer der Länge nach, an 
letzterer schief gerichtet sind. Das Männchen hat zwischen 
dem 23sten bis 25stcn Strahle der Rückenflosse eine Ocelle, 
welche dem Weibchen fehlt. 

B. 6; D. 32; P. 15; V. 2; A. 24, C. 15. 

Fundort Mossambique. 

Salarias Cuvier. 

104. Salarias quadricornis C. V. XI. 329. Taf.329. 
Entweder von derselben Farbe, wie Valenciennes 



250 Peters: 

sie angiebt, oder mit bläulichweissen Fleckchen am Kopf und 
Körper. 

Fundort: Insel Päo, 15° S. Br., im Julimonat. 

Gobius (Art.) Linne. 
In der Macüasprache nicotiimhiro genannt. 

105. Gobius albotaaculatus Rüpp. Atlas. Fische d. R. 
M. 135. NeueWirbellh. 137. (G. quinqueocellatus \'ä\.X\l95,^ 

Fundort: Mossambique. 

106. Gobius nebulopuncfatus C. V. XII. 58. 
Fundort : Mossambique. 

107. Gobius obscurus n. sp. (Div. I. Valenciennes, mit 
fadenförmigen oberen Brustflossenstrahlen.) 

Körperform hinler dem Kopfe abgeplattet, oder so breit 
wie hoch, am Schwänze comprimirl. Der Kopf, dessen Länge 
sich zu der des ganzen Körpers (ohne die Schwanzflosse) 
wie 1:375 verhält, ist vorn abgerundet, y^^ breiler als hoch 
und um eben so viel länger als breit. Die Augen sind läng- 
lich oval und nehmen das zweite Vieriheil der Kopflänge ein, 
oder sind selbst noch ein wenig weiter nach vorn gerückt. 
Sie sind um einen halben bis ganzen Durchmesser von ein- 
ander entfernt und mehr nach oben als nach der Seite ge- 
richtet. Die obere Profillinie des Kopfes steigt sehr allmäh- 
lich von hinten nach vorn herab, nur am Schnauzentheile er- 
scheint sie stärker bogenförmig, um der schräg in die Höhe 
steigenden Unterkieferlinie entgegenzukommen. Das Maul ist 
breit, abgerundet und bis unter den vorderen Rand der Au- 
gen gespalten; es liegt unter der Augenlinie und steigt daher 
nur wenig schräg nach unten herab. Die Kiefer sind mit ei- 
ner ziemlich breiten Binde von Sammetzähnen besetzt, welche 
sowohl oben wie unten von einer äusseren Reihe stärkerer 
Zähne überragt wird. Die erste Rückenflosse beginnt nicht 
weit hinter der Insertion der Brustflossen; das Ende ihrer 
häutigen Basis befindet sich gerade der AnalöfFnung gegen- 
über. Die Strahlen dieser Flossen zeigen in den vorliegen- 
den drei Exemplaren keine Verlängerungen, sondern sind alle 
kürzer als der Körper hoch ist. Die zweite Rückenflosse 
steht der Afterflosse gerade gegenüber, hat dieselbe Strahlen- 
zahi wie diese letztere, aber geht sowohl vorn als hinten 



Uebersicht der in Mossatnbique beobachteten Fische. 251 

mit ihrer längeren Basis über dieselbe hinaus. So wie in 
der ganzen Körperforrn nähert sich diese Art auch in der fa- 
denförmigen Bildung der oberen Brusltlossenslrahlen dem ge- 
meinen europäischen Go6üi5. Diese Flossen werden zusammen- 
gesetzt im Ganzen aus zwanzig Strahlen. Die Analöffnung 
liegt etwas weiter von dem Schnauzenende als von der Ba- 
sis der Schwanzflosse entfernt. Die Schwanzflosse erscheint 
abgerundet, welche Gestalt aber wahrscheinlich wie bei an- 
dern Arten durch die mehr oder weniger grosse Enlwicke- 
lung einzelner Strahlen variiren kann. Die Schuppen sind 
ziemlich klein, am Rande kammförmig; man zählt vom Kie- 
mendeckel bis auf die Schwanzflosse etwa 42 derselben, und 
von der Rückenflosse bis zum After herab 14 Längsreihen. 
Die Farbe ist ein gleichmässiges Schwarzbraun ; der nackt- 
häutige Kopf erscheint dunkler, mit mehr oder weniger deut- 
lichen hellen senkrechten Streifen an den Backen. Mit der 
Loupe betrachtet wird die Färbung durch gedrängte schwarze 
Pünktchen hervorgebracht. Bauch- und Brustflossen sind ein- 
farbig. An den Rückenflossen treten mehr oder weniger 
deutliche Längsreihen von dunklen Flecken hervor. Die After- 
flosse zeigt hier und da einen weissen Fleck, ebenso die 
Schwanzflosse, welche durch senkrechte Reihen undeutlicher 
Flecken geziert ist. Totallänge 65 Mm. 

6 

B.5;LD. 6;iLD.l, 10;P.20;V.6;A.1,10;C.U 

6 

Fundort: Mossambique. 

108. Gobius capistratus n. sp. 

Diese Art steht durch eine mehr abgerundete gestreckte 
Körpergestalt, die kugelförmige Schnauze und das kleine 
Maul dem G. semidoUatus C. V. (Priolepis mica Ehrenberg. 
Symb. phys. Taf. 9. Fig. 8.) näher. Der Kopf verhält sich 
zu der ganzen Körperlänge (ohne Schwanzflosse) wie 1 : 3y2, 
die Körperhöhe zu derselben wie l:4y2. Die Dicke ist um 
% geringer als die Körperhöhe. Die Augen liegen oben und 
nahe bei einander, wodurch sie noch mehr gewissen Arten 
von Periophthahnus ähnlich erscheint, sie liegen im zweiten 
Viertel der Kopflänge, in welchem ihr Durchmesser 4mal ent- 
halten ist. Die feinen Sammetzähne bilden an den Zwischen- 



252 Peters: 

kiefern eine Binde, vor der eine aus sechs grösseren Zäh- 
nen gebildete Reihe zu bemerken ist; am Unterkiefer be- 
merkt man ebenfalls vor den Sammetzähnen sechs längere 
Zähne, welche aber mehr hakenförmig gestaltet sind und von 
denen der äusserste jeder Seite sich nach hinten krümmt und 
eine mehr liegende Stellung einnimmt. Die Kiemenspallen 
sind ein wenig länger als die Basis der Brustflossen. Die 
Kiemenhaut wird von 5 Strahlen gestützt, von denen der 
vierte sehr breit ist. Die Stellung der Flossen zu einander 
verhält sich wie bei der vorigen Art. Die Strahlen der Rük- 
kenflossen bieten nichts Besonderes dar; sie sind im Alige- 
meinen viel kürzer als die Höhe des Körpers, bei einem Exem- 
plar jedoch sind die letzten Strahlen der zweiten Rücken- 
flosse eben so wie die entsprechenden der Afterflosse ver- 
längert. Die Schwanzflosse ist abgerundet. Ebenso die Brust- 
flossen, deren obere Strahlen keine fadenförmige Beschaffen- 
heit haben. Die Schuppen sind am hinteren Rande kamm- 
förmig gezähnt und bilden etwa 31 Quer- und 9 Längsreihen. 
Die Grundfarbe des Körpers ist schmutzig grün. An 
der oberen Körperhälfte treten jederseits fünf verwaschene 
braune breite Querbinden auf, von welchen die erste die Ge- 
gend zwischen dem Kopf, der Brustflosse und dem Anfange 
der ersten Rückenflosse einnimmt, die zweite über das Ende 
der ersten und den Anfang der zweiten Rückenflosse, die 
vierte und fünfte auf die zweite Rückenflosse und die letzte 
hinter der Rückenflosse über die Basis der Schwanzflosse sich 
ausdehnen. Andere ähnliche Binden der untern Körperhälfte 
wechseln mit diesen obigen ab. Auch treten mehr oder we- 
niger deutliche weisse Flecken in der Mitte der einzelnen 
Schuppen auf Der Kopf ist vorzüglich durch eine braune 
senkrecht vom Scheitel durch die Augen bis über die Un- 
terkiefer herabsteigende braune Binde ausgezeichnet, welche 
durch mehr oder weniger deutlich begrenzte metallische Flecke 
von der Umgebung abgesetzt wird. An den Backen treten 
eben solche perlmutterartige Flecken auf. Die Brustflossen 
sind sehr fein und dicht mit Weiss gesprenkelt, so dass ge- 
brochene wellenförmige abwechselnd braune und weisse Qi^er- 
linien entstehen. Der erste Strahl der ersten Rückenflosse 
ist mit 4 bis 5 schwarzbraunen Flecken geziert, mit welchen 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 253 

eben so viele blassere Längsbinden oder Fleckenreihen die- 
ser Flosse beginnen. Ebenso sind die Strahlen der zweiten 
Kückenflosse gefleckt. Die Schwanzflosse zeigt unregelmäs- 
sige desgleichen senkrechte Fleckenbinden. After- und Brust- 
flossen sind nach dem Rande hin dunkler. Totallänge 63 Mm. 

5 

ß.5; I. D.6; I1.D.I,12; P.16; V. 1,5; A. 1, 12; C. TT 

4 

Fundort: Ibo, 12« S. Br. 

109. Gobius signatus n. sp. 

Körperform verlängert , etwas zusammengedrückt. Die 
Höhe desselben verhält sich zur Länge (ohne die Schwanz- 
flosse) wie 1:5, die Dicke zur Höhe wie \:V/2. Der Kopf, 
welcher sich zur Körperlänge wie 1 : 4 verhält , ist von re- 
gelmässiger Gestalt; seine Höhe verhält sich zu seiner Länge 
etwa wie 3 : 4, und seine grösste Breite zur Höhe wie 4 : 5. 
Die obere Profillinie des Kopfes steigt in einem ebenso fla- 
chen Bogen herab wie die untere hinaufsteigt; beide treff'en 
vor der Mitte des Kopfes zusammen. Die Mundspalte steigt 
von dieser Stelle schräg nach hinten herab , ohne über den 
vorderen Augenrand hinauszugehen. Genau genommen wird 
der Zwischenkiefer ein wenig von dem Unterkiefer überragt. 
Das Auge nimmt das zweite Viertel der Kopflänge ein, ist 
von dem der andern Seite nur durch seinen halben Durch- 
messer entfernt. Das vordere kleine Nasenloch liegt noch 
immer dem Augenliedrande ein wenig näher als dem Rande 
der Schnauze. Am hintern und obern Rande des Vordeckels, 
über dem Kiemendeckel , hinter und zwischen den Augen 
sind einzelne deutliche Poren sichtbar. Vor den Sammetzäh- 
nen tritt sowohl oben wie unten eine Reihe von (12} län- 
geren Hakenzähnen hervor. Die Kiemenspalten sind etwas 
weiter als die Basis der Brustflossen; unten werden sie durch 
eine Haut verschlossen, welche fünf Strahlen erkennen lässt. 
Die erste Rückenflosse ragt mit ihrer häutigen Basis bis nahe 
vor die zweite, welche letztere kaum länger ist, als die ihr 
gegenüberstehende Afterflosse. Die Schwanzflosse ist zuge- 
spitzt und von der Länge des Kopfes. Die Strahlen der übri- 
gen Flossen zeigen ebenso wenig bemerkenswerlhe Eigenthüm- 
lichkeiten ; die etwas längeren vorletzten Strahlen der zwei- 



254 Peters: 

len Rückenflosse und der Afterflosse sind an Länge gleich 
der Körperhöhe. Die Schuppen sind ctenoidisch und ziem- 
lich gross; sie lassen den Kopf unbedeckt und nehmen von 
den Brustflossen an bis zum Schwänze merklich an Grösse 
zu; man zählt etwa 30 von der Brusiflosse bis zu der Schwanz- 
flosse und 8 bis 9 Querreihen zwischen der ersten Rücken- 
flosse und dem After. Lefzerer liegt fast 1/5 weiter entfernt 
von dem Schnauzenende als von der Basis der Schwanzflosse. 
Körperfarbe schmutzig grün mit unregelmässigen gros- 
sen schwarzbraunen Flecken. Die Backen und Kiemendeckel 
mit weissblauen Flecken; erstere mit zwei blauen Längsli- 
nien. Flossen bräunlich ; Brustflossen mit weissen Flecken, 
welche an der Schwanzflosse zahlreiche senkrechte Flecken- 
binden bilden; Bauchflossen nach dem Rande zu braunschwarz. 
Afterflosse nur an der Basis mit undeutlichen weissen Flek- 
ken. Rückenflossen braun, der erste Strahl beider Flossen 
mit dunklen Flecken, welche den Anfang undeutlicher Längs- 
binden andeuten. Der Zwischenraum zwischen dem oten und 
6ten Strahl der ersten Rückenflosse wird durch eine grosse 
schwarzblaue Ocelle eingenommen. Tolailänge (mit Schwanz- 
flosse) 72 Mm. 

4 

B.5;LD.6;ILD.l, 10; P.15(I6); V. 1,5; A. 1, 10; CT? 

4 

Fundort: Mossambique. 

110. Gobius atherinoides n. sp. 

Diese Art, welche, abgesehen von der Schmalheit der 
die Augenhöhlen trennenden Brücke in der Gestalt viel Aehn- 
lichkeit mit den Atherinen hat, ist in der Jugend von mehr 
cylindrischer, im ausgewachsenen Zustande von etwas zusam- 
mengedrückter verlängerter Form. Der Kopf verhält sich 
zu der Körperlänge (von dem Schnauzenende bis zur Basis 
der Schwanzflosse) wie 1:37^. Die Körperhöhe ist fast 11/2 
Mal in der Länge des Kopfes und 5^/2 Mal in der Körper- 
länge enthalten. Die Schnauze ist verhältnissmässig kürzer, 
das Maul weiter gespalten und das Auge grösser als bei 
der vorigen Art. Das obere Profd der Schnauze ist krumm 
gebogen, so dass das vordere Ende des Mauls in glei- 
cher Höhe mit der Mitte des Auges liegt und die ziem- 



Uebersichl der in Mossambique beobachteten Fische. 255 

lieh tief herabsteigende MaulspaUe fast bis unter das zweite 
Augenviertel ragt. Das Auge liegt um das Doppelte seines 
Durchmessers von dem hinteren Ende des Kiemendeckels, 
um weniger als seinen Durchmesser vom Ende der Schnauze 
entfernt. Auch diese Art zeigt vor den Sammelzähnen so- 
wohl oben wie unten eine Reihe längerer stärkerer Zähne, 
welche aber im Unterkiefer nicht so stark gekrümmt erschei- 
nen, wie bei jener. Die relative Lage der Flossen ist die- 
selbe; nur ist das Verhälfniss derselben zur Körperlänge ver- 
schieden ; so ist die zweite Rückenflosse um ihre ganze Länge 
von der Basis der Schwanzflosse entfernt. Die Schuppen, 
welche hier auch die Hinterhauptsgegend bedecken, sind cle- 
noidisch und ziemlich gross; man zählt über 9 Längsreihen 
und vom Kiemendeckel bis auf die Schwanzflosse 26 bis 28. 
Die Farbe ist schmutzig grün, am Bauche silberig. Längs 
der Mitte der Körpers zeigt sich eine Reihe unregelmässiger 
grosser brauner Flecken/ von denen der letzte sich auf der 
Basis der Schwanzflosse befindet. Einige ebenso unregel- 
mässige Binden von derselben Farbe auf den Backen. Flecke 
in Längsreihen auf den Rückenflossen , in senkrechten Rei- 
hen auf der Schwanzflosse geordnet, sind von derselben brau- 
nen Farbe. Totallänge (eingeschlossen die Schwanzflosse) 
80 Mm. 

7 

ß.5; L D.6; IL D. 1, 10 ; P. 17;V. 1,5, A. 1, 10; C. i3 

4 

Fundort: Mossambique. 

111. Gobms aeneofuscus Pet. 

112. Gobius platycephaliis Pet. 

Sicydium C. V. 

113. Sicydium lagocephahim C. V. Xll. 174. 

Nur in Süsswasserbächen der Comoreninsel Anjoana ge- 
funden. 

Ca lli onymu s Linne. 

114. Callionymus marmoratus n. sp. 

Eine, wie mir nach V al en ci enn es Beschreibung von 
C. lineolatus (Hist. nat. d. poiss. B. 11.307) scheint, mit die- 
sem verwandte Art. Die Kiemenöff*nung wird von vornher, 



256 Feters: 

bei anliegendem Kiemendecke] durch die den Kiemendeckel 
mit dem Nacken verbindende Haut geschlossen und erscheint 
als eine Querspalte, wenn man den Vordeckel abzieht. Ei- 
nen wesentlichen Unterschied kann ich hierin jedoch zwischen 
den verschiedenen Arten nicht finden. 

Der Kopf, welcher fast '/j der ganzen Körperlänge (ohne 
Schwanzflosse) ausmacht, ist y^ breiter als hoch, und um 
1/3 länger als breit. Die Augen sind gross, einander genähert 
und um l'^ ihres Durchmessers von dem hinleren Ende des 
Kiemendeckels und um y^^ desselben von der Spitze der 
Schnauze entfernt. Die obere Profillinie der Schnauze bildet 
einen stark convexen , die unlere (des Unterkiefers) einen 
schwach concaven Bogen. Der Dorn des Vordeckels ist et- 
was nach innen gebogen und trägt auf seinem oberen Rande 
zwei etwas nach vorn gerichtete Spitzen, welche von glei- 
cher Grösse sind wie die Endspilze des Stammes. Die Kie- 
menhaut wird von sechs feinen, langen Strahlen gestützt. 
Die sehr protractilen Kiefer tragen eine Binde kräftiger Sam- 
metzähne. Die Strahlen der ersten Rückenflosse ragen mit 
ihren Spitzen aus der Haut hervor, ohne jedoch an Länge 
die grösste Körperhöhe zu übertreffen ; sie sind nicht länger, 
sondern oft sogar kürzer als die der zweiten Rückenflosse. 
Der After liegt in der Mitte zwischen der Basis der Schwanz- 
flosse und der Einlenkung des Unterkiefers. Die erste Rük- 
kenflosse liegt zwischen den Brustflossen, mit ihrem vorde- 
ren Ende dieselben vorn überragend. Die zweite Rücken- 
flosse beginnt weit vor dem After und um ihre ganze Länge 
von den hinteren Augenrändern entfernt. Der drittletzte 
Strahl der Afterflosse, welche um y, kürzer ist, steht dem 
Ende der zweiten Rückenflosse gegenüber. Die Schwanz- 
flosse erscheint am hinteren Rande gerade abgestutzt. 

Die Oberseite des Kopfes und Körpers ist olivenbraun, 
mit dunklen Marmorirungen; über das Ganze verbreitet sich 
ein äusserst engmaschiges, zierliches, weisses Netzwerk, hier 
und da hervorgehoben oder auch unterbrochen durch schwarze 
Fleckchen. An der Bauchseite wird dieses Netzwerk all- 
mählig verwischter, und die Grenze gegen die schmutzig 
weisse Unterseite wird vom Kopf bis zur Schwanzflosse durch 
eine Reihe unregelmässiger brauner, rundlicher Flecke ge- 



Üebersicht der in Mossanibique beobachteten Fische. 56? 

bildet, weiche durch kleinere^ perlmutterartige Fleckchen und 
Binden mehr hervorgehoben werden. Die erste Rückenflosse 
ist dunkelbraun mit bläulich -weissen unterbrochenen Linien, 
welche in Bezug auf die Basis des ersten Flossenstrahls eine 
concentrische Richtung haben. Die zweite Rückenflosse zeigt 
zahlreiche dunkle Querstriche , welche etwa 6—7 schwarz- 
braune Längslinien über die ganze Flosse bilden; die heller 
braunen Zwischenräume sind mit wurmförmig gekrümmten 
weissen Linien geziert. Die Bauchseile der ßauchflosse ist 
weiss, die obere Fläche sowohl der Flosse als der von ihr 
zur Brustflosse ausgehenden Verbindungshaut dagegen ist in 
derselben Weise wie der Körper marmorirt und fein genetzt. 
Die Basis der Brustflosse ist mit einer grossen schwarzbrau- 
nen Halbocelle geziert und die sehr zarthäutige Flosse selbst 
zeigt zerstreute Querreihen abwechselnd weisser und dunkel- 
brauner Flecken. Die Afterflosse ist weiss mit grossen schwarz- 
braunen Flecken , die auch zu fünf bis sechs breiten Quer- 
binden zusammentreten können. Die Schwanzflosse hat 4 — 5 
braune senkrechte Fleckenbinden; zwischen diesen und am 
Rande sind kleinere weisse Flecken eingestreut, welche auch 
zu Linien zusammentreten. — Totallänge 85 Mm. 

3 

B.6; D.4->9; P. 19; V. 1,5; A. 1,7; C. T 

3 

Fundort : Mossambique, , ,, 
Ecken eis (Art.) Linne. 

115. Echeneis Naucrates Linne. Bleeker, Verhandl. 
Batav. Genoolsch. XXIV. Bat. 1852. Bijdr. Chirocentroidei, 
Lutodeiri, Buürini , Elopes , ISotopteri, Salmones , Echeneot^ 
deienVpmm p. 22. ,^^^^^ ^ ,.,.,^„, 

~>i}i}iii'ih loy '!'>'s'!i'»- !if»H')ÄiTl 

, ,,v Amphacanthus Bl Sehn. 
i. lnr>\ ^ 

In der Macüasprache saß genannt. 

116. Amphacanthus Abhortani C. V. X. 143. 
Mossambique, Inhambane. 

j{,;,,;ll7. Amphacanthus olivaceus C. V. X. 163. 

Mossambique. / *iVW,>i>ü,ui.;V .k) .U I ,q 

Archiv f. Naturgesch. XXL Jahrg. 1. Bd. 17 



J^58 Peters: -»b ld'iUv>il-j\J 

118. Amphacanthus guttatus Bl. Sehn. Bloch Taf. 196. 
Mossambique, im September. 

Acanthurus (Forsk.) Lacepede. 

119. Acanthurus scopas C. V. X. 245. Taf. 290. 

Mossambique. jir!'>i;ri!i!«x 

120. Acanthurus trioslegus Bl. Sehn. C. V. X. 1Ö7. j^ 
Mossambique. •' 

121. Acanthurus annularis C. V. X. 209. 
Mossambique, im September. 

122. Acanthurus velifer Bloch. Rüppell Atlas Taf. 15. 
Fig-.Q. 

Inhambane, 24° S. Br. 

fsaseus Commerson. 

123. JSaseus fronticornis Commerson = N. hreviro- 
stris e.V. X. 259. 277. 

Mossambique, Ibo. 

KerisC.y. 

124. Keris anginosus C. V. X. 304. Taf. 295. 

Ein einziges Exemplar von Mossambique 15° S. Br. 

Aulo§<oini. 

Aulostoma Lacepede. 

125. Aulostoma chinense Linne. 

*' "Das von mir im Februar 1847 in Mossambique einge- 
sammelte Exemplar war in einer Sendung enthalten, welche 
allein von allen verloren ging. Nach den darüber aufgenom- 
menen Notizen stimmte es aber in der Färbung mit der obi- 
gen Art überein. Die Grundfarbe der Flossen ist aber im 
frischen Zustande nicht gelb sondern röthlich. Vor denRük- 
kenflossen standen zwölf freie Stachelstrahlen; die Zahl der 
Flossenstrahlen war folgende: 

D. 12—27; P. 17; V.6; A.25; C. 13. 
Fistularia Lacepede. 

126. Fistularia Commersonii Rüppell Neue Wirbelth. 
p. 142. (F. immaculata Cuv.) 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. Si5$ 

Im frischen Zustande braungrau mit undeutlichen hel- 
leren bläulichen Flecken, am Bauche silberig. 

Fundort : Mossambique , Inhambane. Einh. Name: to^ 
römpa. A i nu > 

Amphisyle Klein. 

Von dieser Galtung ist bis jetzt nur eine einzige Art, 
der Centriscus sciitaiiis L. (Bloch Taf. 123. Fig. 2) bekannt, 
denn der von Cuvier hierher gezogene Centriscus veUtaris_ 
(Pallas. Spie. zool. VIII. Taf. IV. Fig. 8.) stimmt offenbar mit 
dem C. scolopax generisch überein. Die in Mossambique vor- 
kommende und in vielen Exemplaren eingesammelte Art, wel- 
che ich nicht für specifisch von A. scutata verschieden ge- 
halten hatte , weicht indess bei genauerer Vergleichung in 
mehreren wesentlichen Punkten von derselben ab. 

127. Amphisyle brevispinan.sTp . 

Die allgemeinen Körperproportionen , die Länge der 
Schnauze, die mehr oder weniger quadratische Form derRük- 
kenschilder , die relative Grösse des Auges, die Lage der 
Brustflossen ;, der Bauchflossen variiren bei dieser wie bei 
A. scutata in so verzweifelter Weise, dass das einzige con- 
stante unterscheidende Merkmal in der viel grösseren Kürze des 
über die Basis der Rückenflosse hervorragenden Fortsatzes des 
letzten Rückenschildes besteht. Während nämlich bei^. scw- 
tata der freie Theil dieses Stachelschildes eben so lang ist 
wie der an den Körper angeheftete, ist er bei dieser Art 
kaum halb so lang. Bei allen Exemplaren ist die Entfernung 
der Basis der Brustflossen von dem hintern Rande des Kie- 
mendeckels geringer als der Abstand zwischen diesem und 
dem vordem Augenhöhlenrande. Die Afterflosse hat bei 
dieser heuen Art einen Strahl mehr, die Rückenflosse dageger^ 
einen weniger als bei ^1. scutata, von der mir indessen nur 
drei Exemplare zur Vergleichung zu Gebole stehen. Ausserdem 
unterscheidet sich diese neue Art durch Reihen zerstreiUy' 
ter, ziemlich grosser, schwarzer Punkte, von denen eine längs 
der Mille des Rückens, eine jederseits hoch oben neben dem 
Rucken, eine bis zwei Reihen zu jeder Seite des Kopfes bis 
auf die Basis der Brustflossen und von da nahe unter dem 
Seitenpanzer, ein bis zwei Reihen nahe dem scharfen ßauch- 
rande verlaufen. 



260 Peters: lois-iadaü 

Die Bauchflossen haben nur vier Strahlen, welche wie 
die aller anderen Flossen unverzweigt , äusserst weich und 
platt fadenförmig sind. 

Die Zahl der Kiemen und Kiemenstrahlen ist ebenfalls 
vier, und die Nebenkiemen sind frei kiemenförmig. Länge 

150 mm. 

1 
B.4; D. 2, 10 oder 3, 10; P. 1,11; V.4; A. 13; CT 

1 

Fundort: Inhambane und Mossambique, von 15 bis 24° 
S. Br. Heisst in der Macüasprache, wie Syngnathus biacu- 
leatus, muronjöngo, 

Pleurooecfoidae* 

Rhombus Cuvier. 

128. Rhombus argus Bloch = Rh. pantherinus Rüp- 
pell Atlas 121. Taf, 31. Fig. 1. 

Solea Cuvier. 

129. Solea spec. incerta. 

Eine von den wenigen bei der Versendung zu Grunde 
gegangenen und nicht genau bestimmten Arten. Im Juni 1846 
bei Mossambique gefangen , wird in der Macüasprache m- 
quända genannt. 

Opliiclioidae. 

Fierasfer Cuvier. 

130. Fierasfer neglectum n. sp. 

Diese Art steht in der Form und Färbung dem Fieras- 
fcrimberbe aus dem Mittelmeer ausserordentlich nahe und un- 
terscheidet sich von ihm nur durch etwas andere Körperpro- 
portionen und den Ursprung der Rückenflosse. Da ich nur 
ein einziges Exemplar und noch dazu ein sehr kleines er- 
halten habe, so ist die Unterscheidung derselben als fraglich 
zu betrachten. Die Sammetzähne der Kiefer und der Gau- 
menbeine bilden eine schmale Binde, deren äussere Reihe 
aus, besonders am Unterkiefer, grösseren hakenförmigen Zäh- 
nen besieht. Am Vomer sind nur drei sehr lange zusam- 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 261 

mengedruckte j, nach hinten gekrümmte Hakenzähne bemerk- 
bar, welche am Grunde eingelenkt erscheinen. 

Totallänge 60 Mm. 

Kopf 6 Mm. 

Entfernung der Rückenflosse vom Schnauzenende 15 Mm. 

Dieses Exemplar fand ich im Monat Mai 1847 zur Eb- 
bezeit zwischen den Klippen der Insel Ibo, im 12° S. Br. 

Ijabroidae« 

Cossyphus Valenciennes. 

131. Cossyphus Diana C. V. XIII. 127. 
Fundort: Mossambique. 

132. Cossyphus opercularis n. sp. ''^) 

Höhe zu der Körperlänge (ohne die Schwanzflosse) wie 
1 :2\/2- Der Kopf, dessen Länge etwas geringer ist als die 
grösste Körperhöhe, hat im allgemeinen ein concaves Profil, 
indem es über dem Auge plötzlich eingedrückt erscheint und 
von da ab bis zur Schnauzenspitze allmählich gerade herab- 
steigt. Das Auge ist fünfmal in der ganzen Kopflänge ent- 
halten und steht um seinen Durchmesser von dem der an- 
dern Seite entfernt. Die Zähnchen des aufsteigenden Ran- 
des des Vordeckels sind sehr regelmässig und deutlich. Die 
Zähne der Kiefer verhalten sich im Allgemeinen wie bei den 
andern Arten dieser Gattung; die beiden äussern langen Vor- 
derzähne, besonders die der Zwischenkiefer^ sind sehr nach 
hinten in fast horizontaler Richtung gekrümmt; hinter oder 
nach innen von den äussern spitzen Zähnen finden sich an- 
gehäufte kleine mehr abgerundete. Der hintere spitze Win- 
kel des Operkulums erscheint in einen breiten häutigen Fort- 



*) Von den drei folgenden Arten hatte ich aus den beiden er- 
sten wegen der Verlängerung des ersten Strahls der Bauchflossen eine 
neue Gattung (Pleragogus) gebildet und ebenso die dritte wegen der 
fadenförmigen beträchtlichen Verlängerungen der Flossenhäute als Re- 
präsentanten einer andern neuen Gattung betrachtet. Da man aber bei 
verschiedenen Exemplaren anderer Arten von Labroiden (z. B. C/»t- 
linus radialus) einen grossen Wechsel in der Verlängerung oder Ver- 
kürzung gegliederter Flossenslrahlen beobachten kann, so verlie- 
ren solche Charaktere alle Bedeutung sowohl für die Bestimmung der 
Galtungen als Arten. 



Q62 Peters: 

satz verlängert, welcher zu gleicher Zeit nach hinten die In*, 
sertion der Brustflosse überragt. Die Rückenflosse beginnt 
genau über dem hintern Winkel des Operkels und der Inser- 
tion der Brustflossen und ist etwas länger als die Entfernung 
der Schnauzenspitze von der Afterflosse; sie enthält elf Stacheln 
und zehn gegliederte Strahlen. Die Bauchflossen entspringen 
unmittelbar hinter und unter den Brustflossen und zeichnen 
sich dadurch aus, dass der erste gegliederte Strahl mehr als 
doppelt so lang ist wie die übrigen. Die Länge der After- 
flosse ist ungefähr gleich V7 der Rückenflosse und hat drei 
starke Stachelstrahlen nebst zehn gegliederten und verzweig- 
ten. Die Schuppen sind gross und cycloidisch und bedecken 
den Kiemendeckel und die Backen. Die Seitenlinie, in wel- 
cher sich 25 Schuppen befinden, ist nicht unterbrochen, 
macht aber bei der 17ten Schuppe ein starkes winkliges Knie. 
Die Basis der Rückenflosse wird von den verlängerten Schup- 
pen der ersten Reihe bedeckt. Ueber der Seitenlinie befin- 
den sich zwei, unter derselben fünf bis sechs Schuppenreihen. 
Die Farbe ist fleischfarbig mit grünlichem Anfluge; auf 
dem Operkel und je hinter den beiden ersten Stacheln der 
Rückenflosse eine grosse schwarze gelbgesäumte Ocelle. Die 
Backen, die Körperseiten, der obere Theil der Schwanzflosse 
und die Basis der Afterflosse punctirt. 

- ' B.5; D.11,10; P.l, 12; V.1,5; A.3,10;C.iF 
,i . , 4 liidösial) 

.^^.^^^ Fundort: Mossambique. _ ^^^. ;,i „^j^irf 

^^ 133. Cossyphus taeniops n. sp. -1; [nun] fl-ira 

. ,r In der Gestalt des Körpers, der Länge der Flossen und 
ihrer Strahlen, der Form und Zahl der Schuppen ganz mit 
der vorigen Art übereinstimmend. Die Rückenflosse hat ei- 
nen Stachelstrahl weniger und einen gegliederten Strahl mehr. 
Keine Ocelle am Kiemendeckel, sondern bloss eine einzige 
hinter dem ersten Stachel der Rückenflosse. Eine senkrechte 
dunkelbraune Binde über den Kopf durch das Auge gegen 
die Kehle hingehend. Schwanzflosse mit senkrechten dunklen 
Fleckenbinden. 

4 

B.5; D.10,ll;P.l, 12; V.1,5; A.3,10; C.io "' 

4 

Fundort; Mossambique. 



Üebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 



^63 



134. Cossyphus filamentosus n. sp. 

Eine mit den vorigen beiden in der Form und Beschup- 
pung übereinstimmende Art. Sie hat aber nur neun Slachel- 
strahlen in der Rückenflosse und alle Exemplare sind ausge- 
zeichnet durch die fadenförmigen Verlängerungen an den 
sämmtlichen Stachelstrahlen der Rücken- und Afterflosse, 
welche in einigen Fällen der Körperhöhe gleich kommen. 
Die Grundfarbe des Körpers ist grün. Unter den Augen ge^ 
hen feine bläuliche senkrechte, zuweilen mit einander ana- 
stomosirende Linien herab. Der Hinterkopf oben und seit* 
lieh mit nadelkopfgrossen schwarzen Punkten gezeichnet. Die 
Seitenlinie und die Rückengegend zeigen mehr oder weni- 
ger deutliche unregelmässig vertheilte schwarze Flecken. Die 
Mitte der Körperseiten mit helleren Flecken und schwarzen 
Pünktchen. Ebenso sind mit Ausnahme der Brustflossen sämmt- 

liche Flossen dunkler und heller gefleckt. 

i_ 
B.5; D.9, 12; P. 1, 12; V. I, 5; A. 3, 10; C.w 

4 

Fundort: Mossambique. 

Chili (Commers.) Lacepede. 

135. CHlio auratus Commerson. Quoy et Gaimard. 
Voyage üranie. Taf. 54. Fig. 1. C.V. Xlll.341. 

136. Chilio cyanochloris C. V. XUI. 346. Taf. 382. 
Beide in Mossambique. 

Julis Cuvier. 

137. Julis decussatus C.V. Bennelt, Fishes of Ceylon. 
Taf. 14. 

Fundort : Mossambique, im Dezember. 

138. Julis hebraicus C.V. 
Fundort: Mossambique, November. 

139. Julis lunarisC. V. Var. J. meniscus C.V. XIII. 415. 

140. Julis dorsalis Q. et. G. Bennett I.e. Taf. 12. 

141. Julis caudimacula Q. et G. Voy. de l'Astrl. Taf. 
15. Fig. 2. 

142. Julis coeruleovittatus Rüppell. 

143. Julis strigiventer Bennett. C.V. 
Sämmllich in Mossambique. 



144. Ju^is marginatus Rüppell. 

-M».. Ein Exemplar bei der Gomoreninsel Anjoana. - 

.... ^ ^ ... < ..j,,, 

145. Xyrichthys macrqlepidotus C. \ . Lahrus macrp^ 
lepidofus Bloch Taf. 284.-^ '-„(, ' ilMillmninj». 

Sehr häufig bei Mossambique , 15^ S. Br. Heisst hier 
Quiguero. 

- ;k -Das Blochsche kleine Originalexemplar slimmt nach Ver- 
gleichung ganz damit überein. n^. 

D.9, 14; A.3, 14; V. 1, 5. Schuppen in 25—26 Queri 
reihen in 10 — 11 Längsreihen. 

'*' Durch die weiter vorn entspringende Rückenflosse, die 
beiden Reihen von Schuppen unter den Augen und die unter- 
brochene Seilenlinie von den Julis unterschieden , sonst in 
der Gestalt ganz mit ihnen übereinstimmend. —An der Mille 
der hintern Körperhälfte befinden sich oft mehr oder weni- 
ger ausgedehnte schwarze Flecken und über den Brustflossen 
eine goldgelbe Binde, welche bis zum Ende des ersten Kör- 
perdritltheils hingeht. — Valenciennes citirt die Bloch'- 
sche Abbildung zweimal, einmal Vol. XIII. p. 386 als Julis 
trimaculatus y unter welchem Namen Rüppell einen ganz 
andern Fisch beschrieben hat, und dann Vol. XIV. p. 59 als 
X. macrolepidotus ...... 

C hili 71 u s Lücepede. .' ... 

, , : 146. Chilinus radiatus C. V. (Ch. trilobatus Rüppell. La- 
brus radiatus Ehrenberg Symb. phys. Taf. VIII. Fig. 1.) ^vf 
Auch die Iris und die Knochen sind grün. 

147. Chilinus punctulatus C. V. (Labrus lunulatus Eh- 
renberg Symb. phys. Taf. Vlll. Fig. 2.) 

Beide bei Mossambique. 

Scarus Gronovius. 

148. Scarus capitaneus C. V. 
Mossambique, Inhambane. 

149. Scarus maculosus L^iC. C.y. 
Mossambique, Ibo. Diese Fische heissen ponno. 



üebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 265 

Poiiiacentruidae* 

Amphiprion Bloch-Schneider C.V. 

150. Amphiprion ClarkiiC.Y. Bennett, Fishes of Cey- 
lon Taf. 29. 

Mossambique, Ibo. 

Pomacentrus Lacepede C.V. 

151. Pomacentrus Pavo Lacep. C.V. V. 413. Bloch 
Taf. 198. Fig.l. "'-'^^ '"" '■''' 

152. Pomacentrus annulatus n. sp. 

feörperform zusammengedrückt, oval und ziemlich hoch, 
indem die Höhe nicht zweimal in der Länge (ohne die Schwanz- 
flosse) enthalten ist. Infraorbitalknochen sehr schmal, un- 
deutlich gezähnelt. Zähne in einer Reihe, an der Spitze ab- 
gerundet, ungelappt. Abwechselnd goldgelb (am Bauche sil- 
berig) und schwarzbraun qiiergebändert oder beringt. Die 
erste schwarzbraune Binde geht durch das Auge, die zweite 
o-eht vom Nacken und den ersten Strahlen der Rückenflosse 
schräg durch die Basis der Brustflosse zu der Basis der Bauch- 
flossen herab, die dritte, von den mittleren Slachelstrahlen 
der Rückenflosse entspringende, steigt hinler den Bauchflos- 
sen herab, indem sie sich kurz vorher mit der zweiten ver- 
einigt hat und so z. Th. auf die Bauchflossen übergeht, die 
vierte geht von den letzten Stachelstrahlen und dem Grunde 
der gegliederten Strahlen der Rückenflosse an die Afterflosse, 
über deren grössten Theil sie sich ausdehnt , und die fünfte 
umfasst mit der der andern Seite die Basis der Schwanzflosse. 
Die kammförmigen Schuppen sind in etwa 25 Quer- und 12 
Längsreihen geordnet. Totallänge 70 Mm. 

_6_ 

B.6; D.13, 13; P. 17;V. 1,5; A.2,13; C.^s 

6 

Fundort: Mossambique, 15^ S. Br. 
Dascyllus Cuvier. 

153. Dascyllus aruanus C.V. V. 434. 
; 154. Dasc«///ws frwwacw^a/ws Rüppell. Atlas Taf. 8. Fig. 2. 

Beide sehr häufig bei Mossambique. 



266 Peters: 

G lyphisodon Lacepcde. 

155. Glyphisodon coelestinus Solander. C. V. V. 464. 
Taf. 135. 

156. Glyphisodon sparoides C. V. V. 468. 

157. Glyphisodon zonatus C. V. V. 483. 

Diese Art wurde von mir ebenfalls in Mossambique ge- 
funden, wie aus der Vergleicliung mit dem Exemplar, wel- 
ches das hiesige zoologische Museum durch Herrn Valencien- 
nes aus Neu-Guinea erhalten, hervorgeht. 

158. Glyphisodon fallax n. sp. (?) 

Diese Art hat sowohl in der Körperform als in der 
Farbe eine so täuschende Aehnlichkeit mit Pomacentrus Pavo, 
dass Einem die Trennung dieser beiden Gallungen nicht an- 
ders als bedenklich erscheinen kann. Zwar fehlt der blaue 
Augenfleck des Kiemendeckels, jedoch kann dieser , wie so 
häufig bei den Gobien eine Geschlechlsverschiedenheit sein, 
und vielleicht ist dasselbe mit der Zähnelung des Vordeckels, 
welche die Gattung Pomacentrus allein von Glyphisodon un- 
terscheiden soll , der Fall. Es sind sechs Strahlen in der 
Kiemenhaut vorhanden, von denen aber die beiden inneren 
kleinsten um so leichter übersehen werden können, als sie 
für sich gesondert von den anderen stehen. Schuppen in 
9 — 11 Längs- und 29 Querreihen. 

6 

B.6; D.13,12; P. 1,16; V.1,5; A.2,12; C.H^ 

6 

Fundort: Mossambique. 

159. Glyphisodon sculptus n. sg. '' 
Von ähnlicher hoher Körperform und mit grossen Schup- 
pen wie Gl. sordldus Rüpp. (Atlas Taf. 8. Fig. 1.) Der In- 
fraorbilalknochen am Rande glatt, aber eben so wie der ho- 
rizonlale Theil des Vordeckels neben dem Rande durch sehr 
deulliche grübchenarlige Vertiefungen ausgezeichneL Die 
Farbe ist am Rücken und an der Oberseite des Kopfes schmutzig 
grün, an den Seilen des Körpers goldig, an den Seiten des 
Kopfes und am Bauche silberig. Die Schuppen, obgleich sehr 
gross, decken sich so, dass man an 25 Quer- und 10 bis 11 
Längsreihen zählen kann. 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 267 

5 
B.6; D. 13, 14; P. 1,17; V. I, 5; A. 2, 14: CTa" 

Fundort: Mossambique, .\,TiU^»ir" 

CJironiides. 

Chrom is Cuv. J. Müller (Tilapia A,S müh; Cop^ 
todon Gervais). 

160. Chromis niloücus Cuv. (Var. Ch. Bössamhicus 
Pet., Tilapia Sparmanni Smith.) ' -i /^■'" -"»' 

: litti Immlj?. fann fjbftörialaiov 
.mh^Mw^.r Scomtoeresoces* IßünsrilsiJÄiiagaol'i 

Belone Cuvier. 

161. Belone crocodilus Lesueur. (B. choram Rüpp.) 
Mossambique, Inhambane, Ibo. 

Hemirhamphus Cuvier. 

162. Hemirhamphus Far M^iTpell (E, CommersoniiC.N.') 
— Steigt auch in die Flüsse hinauf. Junge Exemplare wur- 
den von mir in dem Licuare gefunden. 

163. Hemirhamphus Dussumierii C. V. 
Mossambique , Quellimane , Inhambane. — Beide Arten 

heissen in der Macüasprache ngalalla. 

Siluroidae* 

,;^i,V PlotOSUS C.Y. pidiilHtf^ulh in i^^i-Ai 

164. Plotosus anguillaris Bloch V'RuSs eil fF?. Hneatus 
C. V.) , .,. 

Heisst in Mossambique ingo. v.^ .^ ^,^ ^ ^ 
Bagrus (Eutropius M. T.) 

165. Eutropius depressiroslris Pet, 
Synodontis Cxxy.,,^^^^^ ^^^^,^, ^ 

166. Synodontis Zambezensis ?eL 

167. Synodontis nebulosus Pet. 

,,^,. , , Ciarias Gronov. C. V. 

168. Ciarias Mossambicus Pet. 
HeterQbranchus Gr. C. V. iuß%ül* 



^68 . fioaiH tiilnUhiidoH- Peters: iihm-nhAJ 

16P. Heterohranchus laticeps Pet. 
Malapterurus Lac. 

170. Malapterurus electricus Lac. 

Scopeloldae« 

Saurida Valenciennes. 

171. Saurida nebulosa Valenciennes C. V. XXIL 504. 
Die in Mossambique vorkommende Art ist offenbar die 

vorstehende und stimmt mit ihr im Zahnbau überein. Die 
Flossenstrahlenzahl finde ich theilweise etwas verschieden. 

6 

B. 12; D. t, 10; P. 14; V.9; A. 1,9; C. W 

6 

In der Macüasprache mbiriciri singanno. 

Cliipeini. 

Clupea Linne. 

Alausa Valenciennes. 

172. Clupea si/m Forskai. Rüppell Neue Wirbelthiere 
77. Taf. 21. Fig.l. 

^'^* ' Mossambique, Inhambane. 

Chirocentrus Cuvier. 

173. Chirocentrus dorab Cuvier (Ch. dentex C. V.) 
Heisst in Mossambique namuiua, portugiesisch espada. 
Mossambique, Inhambane. 

Megalops Lac. 

174. Megalops indlcus C.y, 

Nur in süssen Gewässern beobachtet. 

Lutodira K. v. Mass. Rüpp. 

175. Lutodira mossambica Pet. 
Nur in süssen Gewässern gefunden. 

^/6M/a Gronov. (Buty rinus Commers. Lacepede.) 

176. Albula bananus Lacep. C. V. XIX. 345. (Bufyri- 
nus glossodoiitus Rüpp.; Butyrinus indicus Cuvier.) '-• 

Mossambique. 



Uebersicht der in Mosgambique beobachteten Fische. 269 
Cyprinoldae. vi'i\i«m 
Labeo Cuvier. 

177. Labeo allivelis Pet. 

178. Labeo congoro Pet. 

179. Labeo cylindricus Pet. 
Labeobarbus Rüppell. 

180. Labeobarbus Zambezensis Pet. 

Barbus L. Heckel. 

181. Barbus paludinosus Pet. 

182. Barbus glbbosus Pet. 

183. Barbus inertnis Pet. 

184. Barbus trimaculatus Pet. 

185. Barbus radiatiis Pet. 

psaridium Pet. 

186. , Opsaridium Zambezense Pet. 

Cyprinodontes. 

Hydrargyra Lac. (Cyprinodon Cuv. nee. Lac.) 

187. Hydrargyra maculata Pet. 

Cltaracini. 

Bydrocyon M. T. 

188. Bydrocyon Forskalii M. T. 
Distichodus M. T. 

189. Distichodus mossambicus Pet. . {;; 

190. Distichodus schenga Pet. 

Alestes M. T. 

191. Alestes imberi Pet. 

192. Alestes acutidens Pet. 



'(. 






mormyri. 

Mormyrus Linne. 
lyS. Mormyj'us discorhynchus Fei. ,U : tiohnuH 



Ö70 ./K. : f II Htibüdo^ Peters: ♦> iihUvjilAJ 

194. Mormyrus macrolepidoius Pet. 

195. Mormyrus longirostris Pet. 

196. Mormyrus nucuspe Pet. 

CMormyrus Mull.) , , 

197. Mormyrus zambanenje Pet. ^,jA;iA (?Tl 

JVIuraeiiini 

Anguilla Thunberg-. 

198. Anguilla labiata Pet. 

199. Anguilla macrophthalma Pet. .uij'vijü 

200. Anguilla mrescens Pet. vuVtoS. ..cU 

201. Anguilla Mossamhica ?et ^.viö-voS. .881 
Co na er Cuvier. •^*^^^w^ö«w'^i »uCti^a. .^81 

202. Conger cinereus Rüppell Atlas Taf 29. Fig. 1 . 
Zuweilen schneeweiss, Rücken- und Afterflossen schwarz 

eingefasst. 

Fundort: Mossambique, Querimba-Inseln (Matemmo). 
Muraenesox McClelland. 

203. Muraenesox bagio Cantor, Bleeker. 
Ein Exemplar bei Quellimane, im ,18°,§. Br. 

Es stimmt in Allem mit jener Art (verglichen mit einem 
Exemplar von M. bagio aus Mergui) überein, nur sind die 
grossen Vomerzähne etwas zahlreicher als BLeeker die- 
selben angiebt. 

Muraena Thunberg (Gymnothorax Bloch; 
Muraenopliis Lacepede}* \ ? vt 

a) mit conischen Zähnen. * :'0. PRr 

a, Kieferzähne (Gaumenzähne, Richardson) einreihig, 

204. Muraena variegata Förster , Richardson Zoology 
of Erebus and Terror. 94. ^Muraena ophis Rüppell Atlas Taf. 
29. Fig. 2). •^^'* ■Ai'^ix.n.. ;iii*5, 

DieUebereinslimmung dieser beiden Arten hat für mich 
nicht den geringsten Zweifel, da die mehr oder weniger 
grosse Regelmässigkeit der Zähne bei derselben sehr variirt. 

Fundort: Mossambique, Inhambane, Ouerimba-Inseln. 



Uebersicht der in Mossanibique beobachteten Fische. 271 

ß. Kieferzähne zweireihig, slumpfconisch (wie bei iW. 
polyzona und catenatai). 

205. Muraena fascigula n. sp. 
Zwischenkieferzähne an den Seiten zweireihig, vorn 

einreihig, conisch ; Oberkieferzähne zweireihig, stumpfer, klei- 
ner und weniger hervorragend als die Zwischenkieferzähne; 
Vonierzähne zwischen dem Zwischenkiefer einreihig conisch, 
dann von stumpf abgerundeter Form, anfangs in drei und 
dann in vier Reihen; Unterkieferzähne stumpf-conisch, jeder- 
seits in zwei Reihen, hinten stumpf, und in drei unregelmäs- 
sigen Reihen. 

Schnauze weit über den Unterkiefer vorragend; das 
Auge über der Mitte der Maulspalle befindtich. Der Darm- 
canal mündet hinter der Körpermitte aus; die Rückenflosse 
beginnt von der Körpermitte. Die Höhe der Rückenflosse 
gleicht etwa y^ der Körperhöhe, und ist etwa doppelt so gross, 
als die der Afterflosse. 

Die Farbe ist dunkel umbrabraun, die Bauchseite bläu- 
lich weiss. Der Mundwinkel ist durch einen schwarzbraunen 
Fleck ausgezeichnet. An der Seite des Kopfes und an der 
Kehle dunkelbraune Längslinien, welche kaum über die Kie- 
menlöcher hinausgehen. An dem Schwanzende ein paar schmale 
weisse Ringe. 

Totallänge 375 mm. 

Durchmesser des Auges 5 mm. 

Schnauzenspitze bis Mundwinkel .... 20 mm. 
Entfernung der Schnauze von dem Kiemenloch . 52 mm. 
Entfernung der Schnauze vom Anfang der Rückenflosse 41 mm. 
Entfernung der Schnauzenspitze vom After . 195 mm. 

Entfernung des Afters vom Schwanzende . . 178 mm. 

Fundort: Mossambique, 15^ S. Er. 

b) mit spitzen Hakenzähnen ; 

a. Zähne allenthalben in einer Reihe (wie JU.jffe/ewau. a.) 

206. Muraena vermicularis n. sp. 

In der Form der Zähne ganz mit M, Helena überein- 
stimmend. Schnauze stumpfer und der Kopf weniger zusam- 
mengedrückt als bei dieser Art. Auch fängt die Rücke»-. 



^12 .'nhwl (t'jiotA'jutdfi! Peters: : b iilji^wdjl} 

flösse nicht vor, sondern genau über den Kiemenlöchern an. 
Der Afler liegt in oder um ein weniges vor der Körpermitte. 
Das Auge liegt über der Mitte zwischen Schnauzenspitze und 
Mundwinkel. Die Rückenflosse ist höher als die Afterflosse, 
nicht ganz gleich ^/^ der Körperhöhe. 

An dieser Art bemerkte ich ein sehr deutliches Cau- 
dalherz. 

Im Leben ist die Grundfarbe grün, nach dem Rücken 
zu bräunlich, mit dunkleren, netzförmig zusammenfliessenden 
Marmorirungen, welche auch über die Flossen ausgedehnt 
sind. Die Grundfarbe der Schnauze und des Kinns ist weiss, 
mit dunkelgrünen Punkten und Marmorirungen. 

^'j„ ^ Xotallänge 265 Mm. 

,^^ Durchmesser des Auges .... Sy^Mm. 
^,^^ ^ Entfernung von der Schnauze bis zum Mundwinkel 1 2 Mm. 
^^or^o^m '? » » » » Kiemenloch 35 Mm. 

„ » j5 r, » ?) Rückenflosse 37 Mm. 

^^^^.^, „ „ „ „ „ , After . 131 Mm. 



jj'M» 



fundort: Querimba-Inseln (Ibo). 



^,^i ß. Hakenförmige Zähne zweireihig im vordem Theil 
des Zvvischenkiefers , des Oberkiefers und des Unterkiefers ; 
vordere Vomerzähne lang, einreihig, spitz, hintere Vomer- 
zähne conisch oder abgerundet, in zwei mehr oder weniger 
regelmässigen Reihen (wie M. siderea.) 

207. Muraena diplodon n. sp. 

In der Farbe, in der Gestalt, der Lage und Länge der 
Flossen ganz mit der vorigen Art übereinstimmend, nur durch 
die Form des Gebisses von ihr verschieden. 
L Tötallänge340mm.; Entfernung d. Schnauze v. After 170. 
IL Totallänge 185 mm. ; „ „ „ „ „ 90. 

IIL Totallänge 135 mm.; „ „ „ „ „ 65. 

Ebenfalls bei den Querimba-Inseln gefunden. 

Ophiurus Lacepede. 

208. Ophiurus marginatus n. sp. 

Zähne allenthalben in zwei Reihen. Die vordere Na- 
senöffnung röhrenförmig. Die hintere Nasenöffnung mündet 
unter dem Auge. Analflosse etwas höher als die Rücken- 
flosse, beide nahe vor ihrem Ende etwas erhöht. ->k).;^;> u* 



Uebersicht der in Mosgambique beobachteten Fische. 273 

Grün, am Rücken dunkler grün, am Bauche grünlich 
gelb. Die Rückenflosse schwarz gerändert. Brustflosse und 
Afterflosse blassroth; die letzlere mit söhwarzem Rande. 

B. 21; P. 11; D. 460—480; A. p. m. 270. 
Totallänge .... 610 Mm. 

Durchmesser des Auges . . 2 Mm. 

Von d. Schnauze bis zum Mundwinkel 10% Mm. 

„ „ „ „ „ Auge . 5 Mm. 

„ „ » » zur Brustflosse 36 Mm. 

„ ,; „ „ „ Rückenflosse 49 Mm. 

„ „ „ „ zum After . 265 Mm. 

Körperhöhe . . . . 12 Mm. 

Fundort: Inhambane, 24° S. Br. 

Sphagebranchus Bloch. (Dalophis M'Clel- 
land, Bleeker.) 

208. Sphagebranchus brevirostris n. sp. 
Zähne allenthalben in einer Reihe, die der Oberkiefer 
am kleinsten und sehr gedrängt, die Unterkieferzähne länger 
und nach hinten gekrümmt , fast so gross wie die Vomer- 
zähne, welche mehr auseinanderstehn. Zwischenkieferzähne 
von Form der Unterkieferzähne , zwei jederseits und einer 
in der Mitte. Der Zwischenkiefer ragt ganz über den Un- 
terkiefer hervor. Die vordere röhrige NasenöfTnung hinter 
dem Zwischenkiefer nach unten hervorragend , die zweite 
vorn mit einem kurzen Tentakel versehene in dem Rande der 
Oberlippe unter und vor dem vordem Rande des Auges. Die 
Kiemenhaut hat 28 Strahlen. Farbe eintönig schmutzig fleisch- 
farben mit olivenfarbigem Anfluge. 

Totallänge 260 Mm. 

Durchmesser des Auges 1 Mm. 

Von der Schnauzenspitze bis zum Mundwinkel . 10 Mm. 

„ „ Auge . . 3 Mm. 

„ zu der Kiemenöff*nung 24 '^ Mm. 

„ „ „ Rückenflosse . 30 '/j Mm. 

„ zum After . . 117Mm. 

Diese Art unterscheidet sich von S. rostratus Bloch 
(nach Vergleichung mit dem Originalexemplare) sehr leicht 
durch die kürzere Schnauze. 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1, Bd. 18 



?? 


55 


J? 


55 


55 


?J 


55 


55 


55 


55 


55 


»5 



274 Peters: 

Fundort: Im Canal von Mossambique, an der Westküste 
von Madagascar, 23 1/2° S. Br. 

Plectog-natlii. 

Gymnodonies, 
Diodon Linne. 

209. Diodon antennatus Cuwier. Mem.du mus.IV. p.l3U 
Taf. 7. 

An den ausgewachsenen Exemplaren sind die Tentakel 
rudimentär. 

Fundort: Mossambique, Inhambane. Heisst in der Ma- 
cüasprache nibünju. 

Tetro don Linne. 

Gastrophyses J. Müller. 

210. Tetrodon poecilonotus Schlegel Fauna Japonica 
Taf. 124. Fig. 2. Rüppell Atlas Taf. VI. Fig. 2. 

Arothron J. Müller. 

211. Tetrodon sord«c?ws Rüppell Neue Wirbelth. Taf. 16. 
Fig. 4. 

212. Tetrodon perspicillaris Hempr. et Ehrbg. Rüppell 
Atlas p. 63. (^r. laterna Richardson Voyage of the Sulphur. 
Taf. 61. Fig. 2. 

213. Tetrodon lineatus Bloch Taf. 141. Schlegel Fauna 
Japonica Taf. 125. Fig. 2. (T. Pardalis Hempr. Ehrbg. Mus. 
Berol.) 

Fundort : Mossambique, Inhambane. In der Macüaspra- 
che heissen die Tetrodonten mit aufgetriebenem Bauch kitotofo. 
Anosmius Peters. 

214. Tetrodon ocellatus n. sp. 

Von ganz ähnlicher Gestalt wie T. Solandri Richard- 
son (Voyage of the Sulphur. Taf. 57. Fig. 4); auch mit ähn- 
lichen Flecken und Binden. Die Grundfarbe der Rückseite 
rothbraun , die des Bauches weiss. Der Körper und die 
Schwanzflosse mit hellblauen Flecken geziert, welche an der 
Oberseite des Kopfes und des Rückens zu Binden zusammen- 
fliessen. Die Grundfarbe der Schwanzflosse, besonders nach 
der Basis hin, roth. An der Basis der Rückenflosse ein gros- 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 275 

ser , schwarzer , runder , blaugesäumter Fleck. Der Körper 
ist überall luit feinen zweivvurzeligen Slacheln bedeckt, in 
der Mitte des Schwanzes jedoch fast ganz glatt. Totallänge 
73 mm. 

P. 16; D. 9; A. 9; G. 8_ 

3 

Fundort: Mossambique^ im Augustmonat. 

Tetrodon papua Bleeker (Verb. Bat. Gen. XXIV. 1852. 
Gymnodontes p. 13), stimmt der Farbe nach ganz mit unse- 
rer Art überein , hat aber nur 8 Strahlen in der Afterflosse 
und soll ein gespaltenes Nasenloch in der Praeorbitalgegend 
haben. 

215. Tetrodon taeniatus n. sp. 

Von derselben Körperform und in derselben Weise nnil 
kleinen, spitzen, zwelwurzeligen Stachelchen bewaflPnet, wie 
die vorige Art. Die Grundfarbe ist bläulich-weiss, die Ober- 
seite der Schnauze und des Kopfes graubraun. Mit runden 
braunen Flecken bestreut, welche an dem Bauche verschwin- 
den. Vier breite schwarzbraune Qut^i'binden; die erste nimmt 
den Hinterkopf ein ; die zweite steigt von dem Anfange des 
Rückens über die Basis der 'Brustflossen zum Bauche herab; 
die dritte ebenso breite nimmt den Raum zwischen dieser und 
der Rückenflosse ein und steigt an beiden Seiten ebenfalls 
aber noch tiefer auf den Bauch herab. Die dritte umfasst 
den Schwanz zwischen Rücken- und Schwanzflosse und setzt 
sich in den schwarzen obern Saum der Schwanzflosse fort. 
Diese Flosse ist auch am untern Rande schwarzgesäumt , in 
der Mitte dagegen abwechselnd blauweiss und schwarz ge- 
fleckt und der Länge nach gestreift. Die Basis derRücken- 
und Afterflosse ist ebenfalls schwarzbraun. Die Strahlenzahl 
der Flossen ist dieselbe wie bei der vorigen Art. Ich er- 
hielt dieselbe wie die vorige Art in drei Exemplaren, von 
welchen das grösste 90 Mm. lang ist. 

Fundort: Mossambique. 

Sclerodermi. 
Ostracion Linne. 

216. Ostracion ciibicus Bloch Taf. 137. 
Iris von gelber Farbe. 

Fundort: Mossambique. 



276 Peters: 

217. üstracion qnadricornis Bloch Taf. 134. 
Heisst in der Macüasprache kitaljänje. 

218. Ostracion cormdtis Bloch Taf. 133. 

Der vonBianconi beschriebene 0. Fornasinü \sl, wie 
derselbe selbst ganz richtig vermulhete, nichts als eine Mon- 
slruositat dieser Art. 

Fundort: Ibo, Mossambique, Inhambane. In der Macüa- 
sprache coconco. 

Baiist es Cuvier. 

219. Balistes aculeatus Bloch Taf. 149. 

220. Balistes lineatus Bl. Sehn. Taf. 87. 

221. Balistes albocaudatus Rüppell Wirbelthiere Taf. 16. 
Fig. 1. 

222. Balistes flavomarginatus Rüppell Wirbelth. Taf. 15. 
Fig. 1 und 2. 

223. Balistes rivulatus Rüppell Wirbelthiere Taf. 56. 
Stimmt in der Körperform, Beschuppung und Slrahlen- 

zabl ganz mit dieser Art überein, jedoch sind die Punkte nicht 
zu Linien vereinigt. 

Fundort: Cabaceira, Halbinsel bei Mossambique. 

224. Balistes stellatus Lacepede. Bleeker Verh. Bat. 
Gen. XXIV. 1852. Baiistini p. 13. 

Fundort: Mossambique. 

Monacanthus Cuvier. 

225. Monacanthus frenatus n. sp. 

Schwanz ohne besondere Bewaffnung. Körper verlän- 
gert, zusammengedrückt; Höhe zur Länge wie 1 : 2%. Kopf 
höher als lang, macht ein Drittel des Körpers aus. Oben 8, 
unten 6 Zähne in dem Kiefer. Kiemenöffnung über und vor 
den Brustflossen. Der Nackenstachel über den Augen ste- 
hend, von der Länge der Schnauze, vorn granulirt, hinten 
mit einer doppelten Reihe Widerhaken bewaffnet. Rücken- 
flosse über der Afterflosse, wenig kürzer als diese; beide 
ausgerandet; ihre vordersten Strahlen nahe gleich der hal- 
ben Körperhöhe. Die dreieckige Bauchflosse mit grösseren 
dornigen Schuppen, ihr erster dicker Strahl granulirt und be- 
stachelt; Schwanzflosse abgerundet. Die Farbe ist grün mit 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 277 

dunkleren dichtgedrängten Punkten bedeckt. Vom Auge stei- 
gen drei dunkle Linien längs der Seite der Schnauze zum 
Kinn herab. Ueber und zur Seile des Mauls und an den 
Backen mehr oder weniger deutliche, abwechselnd blaue 
und gelbe schmale Binden. Die Schwanzflosse so wie die 
Basis der After- und Rückenflosse mit schwarzbraunen Flek- 
kenbinden. Länge 95 Mm. 

D. 1—25; P. 11; A. 27; C. lo 

1 
Fundort: Querimba- Inseln, Mossambique, Inhambane. 
Heisst in der Macüasprache namussadia. 

liopliobrancliii« 

Hippocampus Cuvier. 

226. Hippocampus ramulosus Leach. (F. fuscus Rüp- 
pell. Wirbellhiere. Taf. 33. Fig. 1.) 

Mossambique, Querimba-Inseln. 

227. Hippocampus comes Cantor. Kaup. 
Inhambane. 

Sy ng na th US Linne, 
Gasterotokeus Heckel. 

228. Syngnathus biaculeatus Bloch. Taf. 121. 1. 
An der ganzen Küste sehr gemein. 
Corythoichthys Kaup. 

229. Syngnathus fasciatus Gray, lllustr. Ind. Zool. Taf. 6. 
Fig. 2. 

Von dieser von Bleeker als S. haematopterus (Verh. Bat. 
Gen. XXV. 1853. Lophobranchii. p. 20.) richtig und vortreff- 
lich beschriebenen Art , erhielt ich ein einziges Pärchen bei 
der Ouerimba-Insel Matemmo, im April 1847. 

Ichthyocampus Kaup. 

230. Syngnathus Mossambicus n. sp. 

Körper siebenseitig, höher als breit, Schwanz vierseitig. 
Die Schnauze ist ein wenig kürzer als der übrige Theil des 
Kopfes. Der After liegt im Ende des dreizehnten Ringes; 
die Rückenflosse beginnt auf dem 13ten und zwar über und 
vor dem After und endigt auf dem 18ten Ringe. Man zählt 



278 Peters: 

im Ganzen sieben und vierzig Ringe. Olivenbraun mit dun- 
kelbrauner Zeichnung, am Kiemendeckel einige blauweisse 
Punkte. Die Strahlen der Rückenflosse schwarzbraun gefleckt. 

D. 23; P. 15; A. 3, C. 10. 

Totallänge 141 Mm. 

Entfernung der Schnauzenspitze vom After . 58 Mm. 

Länge des Kopfes 7 Mm. 

Doryichthys Kaup. 

Syngnathus Zambezensis Pet. (= S. flumatilis Pel. Mo- 
natsb. der Akad. zu Berlin p. 685.) 

Coelonotus Pet. (Nov. gen. Nerophinarum.') 
Syngnathus argulus Pet. (= S. argus Pet. 1. c.) 

Plagiostoani. 

Ginglymostoma Müll. Henle. 

231. Ginglymostoma concolor M. H. 

Im Canal von Mossambique, an der Westküste von Ma- 
dagascar. 

Carcharias Cuv. M. H. 
Scoliodon M. H. 

232. Carcharias acutus Rüppell. 
An der ganzen Küste. 
Frionodon Müll. 

233. Carcharias glaucus Cuvier. 

234. Carcharias Lamia Risso. 

235. Carcharias Zambezensis Pet. 

Pristis L. M. H. 

236. Pristis Peroteii Valenc. 
Torpedo Dumeril. 

237. Torpedo fuscomaculata n. sp. 

Die an der Küste von Mossambique vorkommende Art 
von Zitterrochen stimmt in der Körperform , in der Stellung 
und Gestalt der Flossen, in der Gestalt der um die Spritzlö- 
cher gestellten Papillen, in der Feinheit und grossen Zahl 
der Zähne am meisten mit der T. panthera Ehrbg. des ro-- 
then Meeres überein. Die zweite Rückenflosse ist um % 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 279 

kleiner als die erste, und die Schwanzflosse länger als hoch. 
Sie unterscheidet sich sehr leicht von der verwandten T. mar- 
morata Rudolphi dadurch , dass 1. die erste Rückenflosse 
mit ihrem vordem Theil über dem After steht, während sie 
bei jener fast um die Länge ihrer Basis hinler dieselbe ge- 
rückt ist; 2. die Papillen um die Spritzlöcher von sehr un- 
gleicher Grösse (drei innere kleine und ein zwischen zwei 
beträchtlich grösseren befindlicher hinterer kleiner) sind, 
während die bei T. marmorata vorkommenden 7 Papillen re- 
gelmässiger und gleich gross erscheinen; 3. die Zähne viel 
feiner und zahlreicher sind als bei gleich grossen Exempla- 
ren jener Art. In der Färbung weicht sie aber von T. paw- 
tliera ab, und schliesst sich mehr der T. Galvani Bonaparte 
(Icon. della Fauna italica Taf. 153. Fig. 4.) an. Die Grund- 
farbe erscheint nämlich bei jüngeren Exemplaren gelbbraun 
mit gedrängten , nach dem Rande der Scheibe hin immer 
kleiner werdenden, hie und da zusammenfliessenden, schwarz- 
braunen Flecken. Bei älteren Individuen ist die Grundfarbe 
rothbraun und braunschwarze Flecken sind nur hier und da 
deutlich zu erkennen. Die Flossen sind braunschwarz mit 
weisslichen Rändern. 

Totallänge .... 220 Mm. 

Querdurchmesser der Scheibe 110 Mm. 

Längsdurchmesser der Scheibe 110 Mm. 

Länge des Schwanzes . . 90 Mm. 

Höhe der Schwanzflosse . . 30 Mm. 

Länge der Schwanzflosse . 36 Mm. 
Fundort: Mossambique, Angoxe, Ibo. Wird in der Ma- 
cüasprache hyrrirri genannt. 

Taeniura Müller etHenle. 
238. Taniura lymna Müll. Henle. 
Fundort: Mossambique. 



280 Peters: 

Anhang. 



Uebersicht der während der Monate November und De- 
cember in Damam und Goa an der Küste von Malabar ge- 
sammelten Fische. 

S*ercoidae« 

1. Sülago acuta C. V. Damam. 

2. Upeneus viitatus Forsk. Damam. 

Sciaenoidae» 

3. Corvina axillaris Cuvier. Damam. 

4. Corvina semiluctuosa C. V. Damam. 

5. Pristipoma paikeeli Rüssel C. V. Damam. 
D. 12, 15; A. 3, 10. 

jflaenoidae« 

6. Gerres poeti C. V. Damam. 

Squamipemies« 

7. Drepane longimana C. V. VlI. 133. Damam. 

I^abyrintliici. 

8. Polyacanthus cupanus C. V. Goa. In süssen Ge- 
wässern. 

9. Ophiocephalus limbatus C. V. Goa. In süssen Ge- 
wässern. 

Iflugilini. 

10. Mugil Cantoris Bleeker Verh. Bat. Gen. XXV. 100. 
Damam. In einem Süsswasserteiche. 

Scoiiil>roidae. 

11. Caranx Kiliche C. V. Damam. 

12. Trichiurus savala C. V. Damam. 

Oobiini. 

13. Gohius Kokius C. V. Goa. In Süsswasserbächen. 

14. Eleotris nigra Q. G. Goa. In Süsswasserbächen. 



Uebersicht der in Mossambique beobachteten Fische. 281 

Pleuronectoidae. 

15. Flagusia Blochii Bleeker Verh. Bat. Gen. XXIV. 
1852. Pleuronect. 21. Damam. 

16. Flagusia potous Cuv. Bleeker 1. c. 23. Damam. 

17. Flagusia macrolepidotus Bleeker 1. c. 25. Damam. 

Scomlieresoces. 

18. Belone caudimacula Cuvier C. V. XVlIl. 452. Blec- 
ker Verh. Bat. Gen. XXIV. 12. Damam. 

Siluroidae. 

19. Silurus malabaricus C, V. Goa , in süssen Ge- 
wässern. 

20. Arius subrostratus C. V. Damam. 

21. Ostegeniosus militaris Bleeker (Arius militaris C. 
V. Damam. 

22. Ciarias Dussumierii C. V. Goa. In süssen Ge- 
wässern. 

23. Heteropneustes fossilis J. Müller. (Saccobranchus 
singio C. V.) Goa, in süssen Gewässern. Drei Exemplare. 

B. 8; D. 7; P. 1,8; V. 6; A. 71 ; C. ^ 

7 
Seopeloidae» 

24. Saurus ophiodon Cuvier. Damam. Unter dem Na- 
men bombiilim bekannt, wird in ungeheurer Menge getrock- 
net ausgeführt. 

Cyprinoidae. 

25. Barbus chrysopoma Valenc. XVI. 166. Taf. 466. 
In süssen Gewässern. Damam, Gon. 

26. Opsarius rasbora Ham. Buch. Heckel. Goa. 

Esoces. 

27. Panchax Hneatum C. V. XVIII. 381. Goa, in süs- 
sen Gewässern. 



282 Peters: Uebersicht d. in Mosambique beobachteten Fische. 

Clupeini. 

28. Coilia Hamiltonii C. V. nee Gray. Damam. 

29. Thryssa QEngraulis') malabarica C. V. Damam. 

30. Meletta lue C. V. Damam. 

31. Meletta obtusirostris C. V. Damam. 

32. Pellona Dussumierü C. Val. Damam. 

33. Megalops indicus C. V. Goa, Damam. Aber nur 
in süssen Gewässern angetroffen. 

34. Chirocentrus dorab Cuv. Damam. 

Plagiostomi. 

Squali, 

35. Sphyrna Blochii Müll. Henle. Damam. 

36. Carcharias i^Scoliodon) acutus Rüppell. Damam. 

37. ChUoscyllimn griseum Müll. Henle. Damam. 

Rajae. 

38. Trygon Zugei Bürger. Damam. 




Beiträge zur JVatiirg^escIiicIite der deutschen 
Sclilangeu, 

Von 
Dr* Emil Iliirsy, 

Prosector in Tübingen. 



Vorliegende Abhandlung- verdankt ihre Entstehung- einer 
kürzlich erschienenen Schrift über das Wesen und das Le- 
ben der deutschen Schlangen (Die Schlangen Deutschlands, 
von H. E. Linck, Stuttgart 1855.), welcheum so mehr meine 
Aufmerksamkeit auf sich zog , als ich schon seit längerer 
Zeit eine grosse Anzahl verschiedener Schlangen zum Studium 
der Entwickelungsgeschichte in Gefangenschaft hielt. Da diese 
Schrift durch ihre populäre Haltung , sowie durch die Neu- 
heit des Stoffes nicht verfehlen wird , auch anderwärts und 
in grösseren Kreisen bekannt zu werden , so halte ich es 
für angezeigt^ eine Reihe von Zusätzen und Berichtigungen 
in Form einer besonderen Abhandlung zu veröffentlichen; 
und ich halte dies um so nölhiger , indem bei der seltenen 
Gelegenheit und der geringen Lust zu ähnlichen Forschun- 
gen die in der citirten Schrift enthaltenen Irrthümer sehr leicht 
auf längere Zeit hin Glauben finden möchten. 

Bekanntlich finden sich in Deutschland vier echte Schlan- 
genarten, die Ringelnatter, die glatte Natter, die Kreuzotter 
und die Schwalbacher Natter; die letztere konnte ich mir 
bisher noch nicht verschaffen, während die übrigen in gros- 
ser Anzahl in der Umgegend Tübingens und der nahen Alp 
zu finden, und sehr leicht in Gefangenschaft zu halten sind. 

Meine Beobachtungen beziehen sich somit nur auf die 



^84 Dursy: 

drei erst genannten Schlangenarten, welche ich theils in Glä- 
sern, Iheils in geräumigen Draht- und Glaskästen in meinem 
Arbeitszimmer gefangen hielt, und sie tagläglich beobachten 
konnte. 

Trotz der grossen Anzahl, in welcher sie ihre Behälter 
gemeinschaftlich bewohnen müssen, vertragen sie sich doch 
ganz gut mit einander; nur die glatten Nattern liegen häufig 
in Fehde, indem sie einander am Leibe oder Kopfe packen. 
Fassen sie sich zufällig bei solchen Händeln gleichzeitig am 
Kopfe , so verwickeln sie sich mitunter durch gegenseitiges 
Eingreifen der nach rückwärts gekrümmten Zähne, wodurch 
der Kampf oft sehr langwierig wird, indem sie nach entge- 
gengesetzten Richtungen rückwärts ziehen, und die schwä- 
chere der stärkern folgen muss. Man kann dergleichen Sce- 
nen auch willkührlich hervorrufen, wenn man mit beiden 
Händen je eine Natter nahe am Kopfe fasst und sie gegen 
einander hält. Auch finden sie sich zu solchen Kämpfen sehr 
geneigt, wenn man sie neckt, oder plötzlich mit Wasser be* 
sprützt; aufgeschreckt eilen sie dann zornig nach allen Rich- 
tungen, und packen einander in blinder Wuth. Da, wie ich 
weiter unten ausführlich angeben werde, die glatten Nattern, 
sowie alle deutschen Schlangen sehr gerne Wasser trinken, 
so darf man die soeben beschriebenen Zornesäusserungen 
beim Besprützen des Bodens nicht auf Rechnung des Was- 
sers, sondern der plötzlichen Ueberraschung, der Störung 
ihrer Ruhe u. s. w. bringen. Man darf sich dadurch nicht 
täuschen lassen, und etwa gar eine absolute Wasserscheu an- 
nehmen wollen, wie es in so auffallender Weise Dr. Linck*) 
thut, wenn er sagt: „Trinken ist der glatten Natter einGräuel; 
selbst feuchter Atmosphäre sucht sie den Eintritt in ihr In- 
neres zu verwehren, und gräbt , ihr zu entgehen, den Kopf 
in den trockenen Untergrund. Ich sah sogar eine Schling- 
natter, der es nicht rasch genug gelang, auf diese Weise 
sich vor dem aufsteigenden Wasserdunste zu sichern , den 
trocken gebliebenen Leib einer Schwester in den Rachen 
fassen und diesen dadurch hermetisch schliessen 1!" Das ist 
doch etwas stark. 



1) S. 87 in der oben citirlen Schrift. 



Beiträge zur Naturgeschichte der deutschen Schlangen. 285 

Gegenüber der zornigen glatten Natter zeigt gerade den 
entgegengesetzten Charatiter die friedliche, harmlose Ringel- 
natter; nie sah ich eine mit der andern im Streite, noch 
konnte ich sie je dazu bewegen, mir in die entgegengehal- 
tene Hand zu beissen, was die glatte Natter sehr gerne thul. 
Dr. LinckO drückt sich darüber also aus: „Keine der Rin- 
gelnattern, die ich erst meine Gestalt in's Auge fassen Hess, 
biss an. Sie theilt also mit so manchen höheren Thieren 
jene Ehrfurcht vor der Form (und dem Auge?) des Men- 
schen, und die Empfänglichkeit für diesen Eindruck stellt sie 
mir in geistiger Beziehung näher an den Elephanten , das 
Pferd, den Löwen, als die meisten ihrer Schwestern." 

Man sieht, die Ringelnatter ist ein Lieblingsthier des 
genannten Autors, und ich will hier nur bemerken, dass die- 
selbe auch dann nicht beisst, wenn man hinter einem Brette 
oder hinter einer Thüre versteckt, mit der Hand in den Be- 
hälter greift. Dass es höchst seltene Ausnahmen giebt, giebt 
auch Linck an, obgleich es mir noch nicht vorgekommen 
ist. Es unterscheidet sich somit die Ringelnatter von der 
glatten, dass sie weder ihres Gleichen , noch den Menschen 
beisst. 

In die verschiedenen Behälter, worin ich die Schlangen 
aufbewahrte^ stellte ich eine flache, mit Wasser gefüllte Schüs- 
sel, obgleich Linck auffallender Weise dergleichen Vorrich- 
tungen für unnölhig hält, indem die deutschen Schlangen, mit 
Ausnahme der Schwalbacher Natter, durchaus kein Wasser 
zu sich nehmen sollen. Zu diesen Ausnahmen gehören aber, 
meinen zahlreichen Beobachtungen zufolge, auch noch die 
Ringelnatter, die Kreuzotter und die glatte Natter; es bleibt 
somit gar keine mehr übrig, die nicht trinkt, und zwar nicht 
bloss Wasser, auch Milch. 

Diese Eigenschaft beobachtete ich zuerst bei der glat- 
ten Natter , deren ich zwölf Stück in einer geräumigen, mit 
Moos und Grund bedeckten Kiste aufbewahrte. Eine niedrige, 
mit Wasser gefüllte Schüssel war so in dem Moose einge- 
bettet, dass die Schlangen ohne Mühe, darüber hinweggleiten 
konnten, und es währte nicht lange Zeit, so machte ich folgende 

1) S. 60. - 



286 Dursy: 

Beobachtung. Eine Natter näherte sich dem Gefässe, tauchte 
den Kopf bis zum Halse in das Wasser, senkte und hob ab- 
wechselnd den Unterkiefer , wobei ich deutliche Schlingbe- 
wegungen wahrnehmen konnte, und labte sich auf dieseWeise 
mit beständig untergetauchtem Kopfe über drei Minuten lang. 

Aehnliche Beobachtungen machte ich im Laufe dieses 
Sommers an den glatten Nattern wohl über zwei Dutzend, 
und Herr Prof. Luschka, sowie mehrere Studenten waren 
zu wiederholten Malen Augenzeugen dieses interessanten 
Schauspieles. 

Eine meiner glatten Nattern, die ich öfters beim Trünke 
überraschte, sperrte ich von den übrigen ab, und es gelang 
mir jedes Mal, so oft ich sie mit Wasser zusammenbrachte, 
dass sie alsbald sich daran labte, wobei sie bald den ganzen 
Kopf bis zum Halse untertauchte, bald nur den vordem Theil 
desselben; die Zunge war dabei nicht im Spiele, ich be- 
merkte nur abwechselndes Senken und Heben des Unterkie- 
fers nebst deutlichen Schlingbewegungen. Wie steht es jetzt 
mit der Lincks'chen Wasserscheu? Wie ich sehe, so be- 
ruft sich der genannte Verfasser unter anderem auch auf die 
eilige Flucht, welche die glatten Nattern bei Besprengung mit 
Wasser ergreifen. Aber dies thun alle Schlangen, auch häufig 
die badelustige Ringelnatter, und daran ist nicht das Wasser 
an sich schuld, wie ich schon oben bemerkte, sondern das 
Plötzliche der Begiessung ist es, was sie aufschreckt, die Ue- 
berraschung. Nicht immer aber entfliehen alle, und öfters 
bemerkte ich, wie die eine oder andere der Nattern, beson- 
ders wenn ein Wassertropfen die Schnauze traf , plötzlich 
stille hielt, züngelte, und begierig den gerade vor ihr liegen- 
den Wassertropfen aufsog. 

Man könnte mir einwenden , dass die glatten Nattern, 
so wie die Kreuzottern häufig nur in trockenen, durchaus 
wasserarmen Gegenden sich aufhalten. Gegen diesen Einwurf 
kann ich mir mit dem Regen helfen, und so gut die Nattern 
Monate lang ohne Nahrung leben können , ebenso gut wer- 
den sie auch ohne Schaden den nächsten Regen abwarten. 
Doch giebt es ausser Regenwasser auch noch Thau, der ih- 
ren Durst löscht; diese Möglichkeit beobachtet man an ge- 
fangenen Schlangen, welche bei Besprützung des Bodens die 



Beiträge zur Naturgeschichte der deutschen Schlangen. 287 

an dem Moose hängenden Tropfen gierig aufsaugen, wobei 
sie den Hinterkopf sehr breit machen mit deutlich wahrnehm- 
baren Schlingbewegungen. 

An Eidechsen kann man sehr leicht ähnliche Beobach- 
tungen machen. Diese Thiere leben bekanntlich meist an 
trockenen und steinigen Abhängen, so dass sie ihren Durst 
nur mit Thau- und Regentropfen löschen können. Da ich 
diese Thiere den glatten Nattern zur Nahrung gab , so hielt 
ich mir zu diesem Zwecke eine Anzahl in einem besonderen 
Behälter, und machte dabei gelegentlich Beobachtungen über 
die Art und Weise, in welcher die Eidechsen ihren Durst 
löschen. Man darf nur einige Wassertropfen auf das im 
Glase befindliche Moos fallen lassen , und nicht lange wird 
es dauern^ so kommen diese Thiere aus ihrem Verstecke zum 
Vorschein, strecken die Zunge langsam hervor^ um die von 
oben herabfallenden Tropfen aufzufangen , oder sie belecken 
durstig das feucht gewordene Moos. 

Bei den Schlangen bemerkte ich bis jetzt noch nie die 
Zunge beim Trinken, ohne jedoch die Möglichkeit bestreiten 
zu wollen, dass sie sich derselben hie und da vielleicht, etwa 
um Regentropfen aufzufangen, bedienen. 

Wie die glatten Nattern, so trinken auch die Ringelnat- 
tern, was ich so häufig zu beobachten Gelegenheit hatte, dass 
ich mich über jeden Beobachter, der dies nicht gesehen, und 
desshalb das Gegentheil behauptet, nur wundern kann. Auch 
bei diesen Nattern stellte ich Trinkversuche Iheils mit vollen 
Wassergefässen , theils mit Begiessung des Bodens an. An 
heissen Sommertagen kann man häufig die Beobachtung ma- 
chen, dass die Ringelnatter die auf den Boden herabgefalle- 
nen Tropfen begierig aufsaugt, und sehr häufig glückte es 
mir, diese Natter in ähnlicher Weise, wie die glatte Natter, 
aus einer mit Wasser gefüllten Schüssel trinken zu sehen. 
Zu diesem Behufe fasste ich sie mitunter mit der Hand, und 
brachte ihren Kopf in die Wasserschüssel. 

Um jedoch solche Trinkversuche mit Erfolg anzustellen, 
muss man eine grosse Anzahl Schlangen zur Verfügung ha- 
ben, und darf sich durch einige erfolglose Versuche nicht 
sogleich abschrecken lassen. 

Auch an der Kreuzotter stellte ich diese Versuche mit 



288 Dursy: 

augenblicklichem Erfolge an, und hielt mir zu diesem Zweck 
zwei derselben jede in einem besonderen Glasse. Da ich 
nicht wagte, diesen gefährlichen Thieren ein Wassergefäss in 
ihren Behälter zu stellen, so goss ich etwas Wasser auf die 
über die Gläser gespannte Leinwand , und beobachtete den 
Effect der hinabfallenden Tropfen. Zuerst erschraken beide 
Ottern und grimmig zischend zogen sie sich in enge Rin- 
geln zusammen mit hoch aufgerichtetem Kopfe. Bald aber be- 
sannen sie sich eines Bessern, beugten den Kopf auf den 
feuchten Boden , und zeigten deutliche Schlingbewegungen. 
Ich goss noch etwas Wasser nach und hielt die hohen Glä- 
ser etwas schräg, um das Wasser an einer Stelle in grös- 
serer Masse zu sammeln , was die Ottern dankbar annah- 
men , indem sie meine Bemühungen mit dem gewünschten 
Erfolge krönten. 

Somit steht es fest, und ich kann es, gestützt auf zahl- 
reiche Beobachtungen, welche Herr Professor Luschka öf- 
ters bestätigte, versichern, dass sämmtliche deutsche 
Schlangen trinken, und nicht nur Wasser, sondern auch 
Milch, wie ich wenigstens an der Ringelnatter und der glat- 
ten Natter beobachtete. Bringt man den Kopf der genannten 
Nattern langsam in eine mit Milch gefüllte Schüssel, so gelingt 
es in manchen Fällen, dieselben trinken zu sehen, besonders 
wenn man sie lange Zeit dursten Hess. Ob sie eine Vor- 
liebe zu der einen oder andern Flüssigkeit haben, konnte ich 
bis jetzt nicht bemerken, ist auch nicht wahrscheinlich. Mit 
anderen Flüssigkeiten habe ich bis jetzt noch keine Versuche 
gemacht. 

Auch diese Angabe, dass die Schlangen Milch trinken, 
wird von Linck eifrig bekämpft, und warum? Weil die 
von ihm darüber angestellten Versuche misslangen, indem, die 
den Schlangen gewaltsam eingegossene Milch wieder 
ausgespieen wurde. Wäre diese Operation auch gelungen, und 
hätten die Schlangen die eingegossene Flüssigkeit nolens vo- 
lens hinunter gewürgt, so wäre damit noch lange nicht der 
Beweis geliefert, dass diese Thiere aus freien Stücken an Milch 
sich laben. 

Nachdem ich diese Flüssigkeitsaufnahme der Schlangen 
um so ausführlicher besprechen musste, indem unbegreiflicher 



Beiträge zur Naturgeschichte der deutschen Schlangen. 289 

Weise der bekannte Schlangcnforscher Lenz, so wie in neue- 
rer Zeit Linck, diese so leicht zu bestätigenden Thatsachen 
leugnen, gehe ich nun über zu einigen Beobachtungen über 
die Art und Weise, in welcher die Schlangen ihre Beute er- 
haschen und verschlingen. Von grossem Belange sind in die- 
ser Beziehung die beiden von einander getrennten Uiiterkiefer- 
hälflen , welche zugleich die fehlenden obern Exiremiläten 
ersetzen. Beobachtet man die Bewegungen derselben beim 
Verschlingen der Beute ^ und betrachtet man am Skelete die 
einzelnen beweglich mit einander verbundenen Knochenstücke, 
so erinnert der Zitzenfortsalz an das Schulterblatt, das Qua- 
dralbein an den Oberarm, die obere zahnlose Hälfte des Un- 
lerkieferstücks an den Vorderarm, das mit Zähnen versehene 
Endstück an die Hand mit den Fingern. Es wird dadurch 
die Vergleichung Okens einiger Massen begründet, welche 
er zwischen dem Unterkiefer und den obern Extremitäten 
des Menschen anstellt. 

Von einer Bannkraft, wie man sie der Klapperschlange 
zuschreibt, hat man bisher an unsern Schlangen nichts be- 
obachtet; um so überraschender ist daher die Nachricht von 
Dr. Line k, nach welcher die Ringelnalter durch diese Zau- 
berkraft sich vor ihren deutschen Schwestern auszeichnen 
soll. Ein Gens d' armes erzählte dem Herrn Linck auf ei- 
nem Spaziergange , wie er eines Sorjmerabends bei vollem 
Tageslichte ein halb Dutzend wehklagender Frösche in ei- 
genlhümlicher Stellung um eine Ringelnatter silzend ange- 
troffen habe, ohne dass einer der Unglücklichen auch nur 
den Versuch machte^ der Würgerin zu entrinnen, die einen 
um den andern der Reihe nach verzehrte. So lautet die Er- 
zählung des Mannes, und sie hat, sagt Linck, zur Richtig- 
stellung meiner Ansicht über jene geheimnissvolle Gewalt 
mehr gelhan, als alle wissenschafllichen Untersuchungen, da 
nach dem ganzen Wesen dieses Mannes nicht der entfern- 
teste Grund zu zweifeln vorliegt. (Vergl. Linck a. a. 0. 
S. 57). Leider konnte Linck diese interessante Beobachtung 
auch nicht durch einen einzigen Fall bestätigen, und so sind 
wir denn lediglich auf die Aussage jenes zum Glücke beei- 
digten Erzählers angewiesen. 

Unter den deutschen Schlangen zeichnet sich beson- 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg 1. Bd. 19 



290 Dursy: 

ders die glatte Natter durch die inleressanle Art und Weise 
aus, in welcher sie ihre Beute — die Eidechsen — bekämpft. 
Sonderbarer Weise bezeichnet man dergleichen Beobachlun- 
gen als höchst seltene, als ein wahres Forscherglück, und 
während Lenz aus eigener Erfahrung gar nichts anzuführen 
weiss, so war Linck nur höchst selten, und dann nur un- 
vollständig, nicht von Anfang bis zu Ende, Zeuge dieses Vor- 
ganges; auch gesteht er (8.88) geradezu, dass es ihm nie 
glückte , als Zeuge dem Mahle selbst beiwohnen zu dürfen, 
da dies nur nächtlicherWeise von Stalten gegangen sei. 

Bevor ich das Unwahrscheinliche dieser letzteren Be- 
hauptung nachweise , erlaube ich mir vorher einige meiner 
sehr zahlreichen Beobachtungen darüber anzuführen, in wel- 
cher Weise die glatten Nattern ihre Beute bekämpfen und 
verschlingen. Zugleich bemerke ich, dass Herr Professor 
Luschka sehr häufig Zeuge dieser interessanten Scenen war. 

Wie ich schon früher bemerkte, hielt ich mir ein Dut- 
zend glatter Nattern in einer Drahtkiste, und begann meine 
Versuche damit, dass ich der genannten Gesellschaft eines 
Nachmittages drei kleine Eidechsen überliess. Kaum hatte ich 
die Kiste wieder geschlossen, so eilte ohne weitere Um- 
stände eine meiner Nattern auf die nächste Beute zu, packte 
sie mit weit geöffnetem Rachen mitten am Leibe und drehte 
sich , mit dem Kopfe voran, so lange im Kreise herum, bis 
sie drei auf einander liegende Schlingen um ihr Opfer gezo- 
gen hatte. Nachdem die Eidechse auf diese Weise fest ge- 
knebelt war, so dass nur Kopf und Schwanz die engen Rin- 
geln überragten, so Hess die Natter ihr Opfer am Leibe los, 
tastete züngelnd umher, biss sogar in blinder Wuth ihren 
eigenen aufgedrehten Körper, bis sie endlich nach einigem 
vergeblichen Suchen den Kopf der Eidechse fasste, die Schlin- 
gen allmählich löste, und ihr Opfer bedächtig verschlang. 
Der Mechanismus des Schlingens ist ganz derselbe wie bei 
den Ringelnattern. 

Kaum war diese anstrengende Arbeit vollbracht, so 
eilte sie auf ein zweites Opfer, öffnete den Rachen, fasste 
dessen Kopf, und jetzt entstand ein langer , hartnäckiger 
Kampf. Die Eidechse hatte noch zur rechten Zeit den ge- 
fährlichen Feind bemerkt^ öffnete schon lange vorher ihren 



Beiträge zur Naturgeschichte der deutschen Schlangen. 291 

Rachen , und kam dadurch dem feindlichen Angriffe zuvor, 
indem sie im kritischen Momente den Oberkiefer des weit 
geöffneten Schlangenrachens erhaschte. Von nun an entspann 
sich ein über sechs Minuten andauernder Kampf, wobei sich 
die Schlange durch zornige Rück- und Seitwärtsbewegungen 
von der festgebissenen Eidechse zu befreien suchte. Die 
letztere hielt tapfer aus, Hess sich im Kasten vielmals her- 
umschleifen, ohne dass es der Natter gelang, mit Schlingen 
sie zu fesseln. Bei diesem Kampfe kam die ganze übrige 
Gesellschaft in Aufregung, wurde zornig; aber anstatt zu 
helfen, packten sie ihre bedrängte Schwester oder sich sel- 
ber gegenseitig am Kopfe oder Leibe, was einen wunderli- 
chen Anlick gewährte. Endlich befreite die Natter ihren 
Oberkiefer^ packte durch eine rasche Bewegung den ganzen 
Kopf der Eidechse, und würgte dieselbe, diesmal ohne Schlin- 
genbildung , langsam hinunter. 

Nach dieser Anstrengung dachte ich, hätte die Schlange 
genug, aber nein; kaum war sie mit dem Verschlingen ihres 
zweiten Opfers zu Ende, so eilte sie geraden Weges auf das 
dritte, packte die fliehende Eidechse an der Schwanzwurzel, 
musste sich aber diesmal mit dem abgebrochenen und zap- 
pelnden Schweife begnügen, während die verkürzte Eidechse 
glücklich entkam. Von nun an Hess ich von Zeit zu Zeit eine 
Anzahl Eidechsen in den Kasten , und war im Verlaufe die- 
ses Sommers so häufig Zeuge ähnlicher Scenen , dass von 
einem seltenen Zufall oder von einem Forscherglück durch- 
aus nicht mehr die Rede sein kann. 

Wie ich schon oben bemerkte^ war Linck nur selten 
und dann nur unvollständig Zeuge dieser Vorgänge, wess- 
halb er ohne weitere Beweise die Behauptung aufstellt, dass 
die glatten Nattern des Nachts ihren Raub verzehren ; auch 
Lenz scheint zu dieser Annahme geneigt, und machte mit- 
unter bei Mondschein Ausflüge nach bekannten schlangen- 
reichen Orten, doch ohne allen Erfolg. Gegen solche durch- 
aus unbewiesene Annahmen habe ich Folgendes einzuwenden. 
Die glatten Nattern, was auch Linck nicht bloss von die- 
sen, sondern überhaupt von allen Schlangen zugesteht, se- 
hen so schlecht und unsicher, dass sie nicht bloss häufig 
fehl beissen , und ich selbst beobachtete öfters, dass diese 



ÖÖf^ Dursy: 

Nattern, wenn sie eine Eidechse in ihren Ringeln gefesselt 
hallen, nicht sicher ihren eigenen Leib von dem der Eidechse 
zu unterscheiden wissen, und sich oft selber mit den Zäh- 
nen fassen. Ehe man daher von einem nächtlichen Raube 
sprechen kann, müsste man den Ceweis liefern, dass die 
Schlangen des Nachts überhaupt sehen, oder vielleicht gar 
noch besser als am Tage. Es spricht aber die Erfahrung für 
das Gegentheil, da die Schlangen das Tageslicht lieben, sich 
gerne sonnen , dagegen mit Sonnenuntergang in der Regel 
im Freien nicht mehr zu finden sind. Ebenso machen es 
bekanntlich die Eidechsen, so dass gar nicht einzusehen ist, 
wie die glatten Nattern des Nachts die in ihren Schlupfwin- 
keln verborgenen Eidechsen finden sollen, zumal Linck sel- 
ber angiebt, dass Bewegung des Gegenstandes nothwendig 
sei, damit er das Schlangenauge auf sich ziehe, und nur dess- 
halb verschmähe die Schlange todte Beute, weil sie regungs- 
los, daher für sie nicht wahrnehmbar sei. 

Wie die Ringelnattern auch die grössten Frösche bear- 
beiten und verschlingen, ist hinlänglich bekannt; dagegen 
machte ich einige interessante Beobachtungen, wenn man die 
Nattern in ihrer Arbeit überrascht. Eine mit Ringelnattern 
besetzte Drahtkiste stand auf einem vor meinem Fenster be- 
findlichen Altane, so dass ich leicht unbemerkt hinter einem 
durchbrochenen Fensterladen die Schlangen beobachten konnte. 
Eines Morgens verabreichte ich denselben eine Anzahl frisch 
gefangener sehr grosser Frösche , und beobachtete gemein- 
schaftlich mit Herrn Professor Luschka durch den Laden 
hindurch die interessante Froschjagd. Die Nattern Hessen 
nicht lange auf sich warten, fassten die Frösche bald am 
Kopfe, bald an den Hinterbeinen, und verschlangen sie frei- 
lich nur mit grosser Anstrengung. Eine der Nattern, die sich 
schon lange Zeit mit einem Frosche grössten Calibers zu 
schaffen machte und denselben von den Hinterbeinen aus hin- 
unterwürgte, war bereits fast zum Abschlüsse gelangt, in- 
dem nur noch ein kleiner Theil des Froschkopfes aus dem 
enorm ausgedehnten Rachen hervorsah ; wir hielten das Ge- 
schäft so gut wie beendet und begaben uns auf den Altan, 
um die Weiterbeförderung des Frosches durch die Speise- 
röhre genauer zu beobachten, da erblickte uns die Schlange, 



Beiträge zur Naturgeschichte der deutschen Schlangen. 2P3 

Öffnete von Neuem den Rachen , und würgte in kurzer Zeit 
den schon verschwundenen Frosch so wohlbehalten wieder 
heraus, dass derselbe zu unserem grossen Erstaunen in ra- 
schen Sätzen entfloh und mit Ausnahme einiger etwas bluti- 
gen Hautverletzungen am Kopfe und Rücken, keinen weiteren 
Schaden auf seiner gefährlichen Reise erlitten hatte. Aehn- 
liche Beobachtungen machte ich später noch mehrere. 

Was die Sinne der Schlangen betrifft, so finden wir die 
Augen seitlich am Kopfe so gestellt, dass ein jedes sein be- 
sonderes Gesichtsfeld erhält; zwischen beiden liegt nach vorn 
noch ein drittes Feld , das von den Augen nicht mehr be- 
herrscht wird; in gerader Richtung muss sich daher die 
Schlange mit der tastenden Zunge den Weg suchen. Durch 
diese seitliche Stelluno- der Auo;en entsteht wenig-stens der 
Vortheil, dass die Schlangen im Ganzen ein grösseres Ge- 
sichtsfeld erhalten, als wenn beide nur in Einer Richtung 
nach vorn geneigt wären. Jedes Auge beherrscht sein Ge- 
sichtsfeld unabhängig von dem andern; verfolgt das eine 
derselben einen Gegenstand, so ist die gleichzeitige Mitbe- 
wegung des anderen wenigstens in dieser Beziehung zweck- 
los, woraus ich den Schluss zog, den ich auch durch meine 
Beobachtungen bestätigt fand , dass sich beide Augäpfel un- 
abhängig von einander bewegen können. Fasst man den 
Hals einer Ringel- oder glatten Natter, und betrachtet den Kopf 
von vorn oder oben, so bemerkt man von Zeit zu Zeit ruck- 
weise Bewegungen der Augäpfel , und man kann dreierlei 
Arten von Bewegungen unterscheiden : 

1) Die Augäpfel bewegen sich gleichzeitig 
und nach derselben Richtung. 

Man darf mich jedoch nicht missverstehen, als meinte 
ich unter einer und derselben Richtung der Augen die Fixi- 
rung eines und desselben Gegenstandes oder Punktes, was 
bei den Schlangen gar nicht möglich ist; sondern die Pu- 
pillen nähern sich gleichzeitig den oberen oder unteren, den 
vorderen oder hinteren Rändern der Augenhöhle. 

2) Die Augäpfel bewegen sich gleichzeitig, 
aber nach verschiedenen Richtungen. 

Es kann sich die eine Pupille dem obern, die andere 



294 Dursy: 

gleichzeitig dem unteren Rande der Augenhöhle nähern u. 
s. f.; somit können die Bewegungen zweier in ganz ver- 
schiedenen Richtungen sich befindenden Gegenstände gleich- 
zeitig folgen. 

3) Die Augäpfel bewegen sich nicht gleich- 
zeitig. 

So kann das eine Auge einen sich bewegenden Ge- 
genstand verfolgen, während das andere in Ruhe verharrt. 

Die zweite Art der genannten Bewegungen hat auch 
Linck an der glatten Natter beobachtet, jedoch irrt er sich, 
wenn er diese Natter vor den übrigen dadurch auszeichnen 
will. Ferner irrt sich Linck, wenn er sagt: „Im Allge- 
meinen gilt das Schlangenauge für unbeweglich; auf das 
Auge der glatten Natter angewendet ist diese Ansicht ent- 
schieden falsch.« Ich habe mich dagegen oft und sicher 
davon überzeugt, dass auch die Kreuzotter, so wie die Rin- 
gelnatter, ihre Augen bewegen, und wenn man z. B. die 
letztere am Halse fasst und sie aufmerksam betrachtet , so 
findet man auch nicht den geringsten Unterschied zwischen 
ihr und der glatten Natter in der Beweglichkeit der Augäpfel. 

Nach Linck soll auch das Auge der glatten Natter 
scharfsichtiger sein, er kann aber für diese Angabe keinen 
andern Beweis beibringen als die tastende Zunge, welche 
die glatte Natter seltener gebrauchen soll. Dagegen habe 
ich einzuwenden, dass die Zunge nur nach der Richtung 
tastet, in welcher die Augen, nicht wegen Kurzsichligkeit, 
sondern vielmehr wegen der Richtung der Augenaxen, un- 
brauchbar sind. Zunge und Augen sind nach ganz verschie- 
denen Richtungen thätig, somit kann durch die Zunge nicht 
die Schärfe eines Auges , sondern nur einiger Massen der 
Gesichtskreis vergrössert werden. 

Die drei von mir oben angegebenen Bewegungsarien 
der Augäpfel finden sich bei der Ringel- und glatten Nat- 
ter ; auch an der Kreuzotter beobachtete ich Augenbewegun- 
gen und zweifle nicht, dass auch ihr die drei genannten Ar- 
ten zukommen, ohne jedoch für die letztere Meinung sichere 
Beobachtungen zu haben, da mir die Kreuzotter zu derglei- 



Beiträge zur Naturgeschichte der deutschen Schlangen. 295 

eben Versuchen bis jetzt noch zu gefährlich war; die Schwal- 
bachcr Natter steht mir leider nicht zur Verfügung. 

Das Ohr der Schlangen ist zwar mangelhaft , jedoch 
besitzen sie Gehörnerven und Labyrinth ; da sie auf der Erde 
kriechen, so können auch ohne besonderen Zuleitungsap- 
parat Schallwellen die Hörnerven treffen , wie auch z. ß. 
die Indianer mit dem Ohre sich auf die Erde legen , um 
auch aus grosser Ferne noch Schalleindrücke zu vernehmen. 
Linck (S. 24) giebt an, dass ausser den Hörnerven bei den 
Schlangen nur noch eine Ohrschnecke vorhanden sei. Diese 
Angabe ist falsch, da auch ein sacculus vestibuli so wie drei 
halbkreisförmige Bogen zu finden sind , und nur der Zulei- 
tungsapparat bleibt im Rückstande aus den oben angegebe- 
nen Gründen. Wenn aber ein Hörnerv mit einem Labyrin- 
the vorhanden ist, so müssen die Schlangen auch einiger 
Massen hören, obgleich Linck die Hörkrafl entschieden in 
Abrede stellt und als Beweis die Kreuzotter anführt, in de- 
ren Nähe er plötzlich ein starkes Geräusch erregen Hess; 
das darauf folgende leichte Zucken der Ottern hält er aber 
für eine Wirkung der Erschütterung ihres Behälters. Ich 
halte einen derartigen Versuch noch lange nicht für bewei- 
send, und wenn ich auch bisher noch nicht Zeit hatte, zahl- 
reiche und verschiedene Versuche darüber anzustellen , so 
zweifle ich einstweilen nicht daran, dass den mit einem La- 
byrinthe ausgestatteten Hörnerven auch einige Hörkraft zu- 
komme. 

In Betreff des Geruchsinnes finden wir Riechner- 
ven und Nasenhöhlen; diesen anatomischen Beweisen für die 
Fähigkeit zu riechen entsprechen auch physiologische That- 
sachen, wie ich weiter unten das Genauere angeben werde. 
Linck erklärt den Geruchsinn der Schlangen für völlig 
stumpf; zum Beweise führt er eine Kreuzotter an, welche er 
in behaglicher Ruhe über der Leiche einer schon längere 
Zeit verschiedenen Mitgefangenen fand, obgleich die letztere 
einen entsetzlichen Aasgeruch verbreitete. Dieser auf die 
angegebene Thatsache gegründete Beweis für die Unempfind- 
lichkeit der Geruchsnerven ist entschieden falsch, und wenn 
die Schlangen vor verwesenden Thieren nicht zurückschrek- 
ken^ so ist dies eben ein Beweis, dass dergleichen Gerüche 



296 Dursy: 

für sie nicht unangenehm sind, und ich erinnere den ge- 
nannten Verfasser an viele Thiere, die ja durch den Aasge- 
ruch gerade herbeigezogen werden. 

Ferner glaubt Li nck einen Beweis für die Unempfind- 
lichkeit der Geruchsnerven darin zu finden, dass die hungern- 
den Schlangen von der Witterung naher Beute sich nicht 
angezogen fühlen. Aber auch diese Thatsache ist durchaus 
kein Beweis, und ich halte eine andere Thatsache dagegen, 
dass nämlich die Schlangen sich in der Regel auch dann 
eine Zeit lang ruhig verhalten , wenn sie auch ihre Beute 
wirklich ganz vor den Augen haben; und es wird wohl Nie- 
mandem einfallen, daraus auf eine ünempfindlichkeit des Schlan- 
genauges zu schliessen. Zudem gelten diese Beobachtungen 
nur für gefangene Schlangen , und ob sie in der Freiheit 
nicht auch die Beute wittern, ist sehr die Frage. Völlig un- 
haltbar wird aberLincks Behauptung durch direkte Beweise, 
welche ich in dieser Hinsicht öfters anstellte. Fasst man eine 
Ringelnatter am Leibe oder Schwänze , und hält sie an den 
Boden, so sucht sie zu entfliehen oder in etwa vorhandene 
OefTnungen zu kriechen. Auf diese Weise Hess ich sie in 
eine schon längere Zeit leere Weingeistflasche mit weiter 
OefTnung kriechen ; kaum aber war sie mit ihrem Kopfe in 
dem Flaschenhalse , so zog sie rasch und entsetzt denselben 
wieder zurück und warum? Weil sie den in der Flasche 
gewesenen Weingeist wittert, und ihr dieser Geruch sehr 
verhasst ist, obgleich die Flasche nur noch sehr schwach 
nach Weingeist roch. Ebenso rasch zieht sie sich zurück, 
wenn man sie über ein mit Weingeist gefüfltes Glas hält. 
Hält man die Schlange über eine brennende Cigarre, jedoch 
in grösserer Entfernung, so sucht sie rasch zu entkommen. 

Ich glaube durch diese Versuche, die ich öfters bald 
mit Ringelnattern bald mit der glatten Natter ansteflte;, den 
Beweis geliefert zu haben, dass die Schlangen wirklich Ge- 
rüche wahrnehmen und die ihnen missliebigen vermeiden. 

Da hier gerade von Gerüchen die Rede ist, so will ich 
bemerken , dass die übelriechenden Absonderungen , womit 
die frisch gefangenen Ringelnattern die anfassende Hand be- 
sudeln, auch in der Gefangenschaft sich nicht verlieren, und 



Beiträge zur Naturgeschichte der deutschen Schlangen. 297 

ich musste für meine Zuversicht, mit welcher icli die entge- 
genstehende Behauptung Li n ck's annahm, öfters bössen. Al- 
lerdings machen sie in der Gefangenschaft ungleich seltener 
Gebrauch von dieser Waffe, sobald man sie aber misshandelt 
oder gar verwundet , so ist man wieder dieser Unannehm- 
lichkeit ausgesetzt. 

Von der glatten Natter giebt Linck an, dass sie nie 
von dieser unehrenhaften Waffe Gebrauch mache ^ was ich, 
meinen Erfahrungen zufolge , bestreiten muss , da sie diese 
Eigenschaft mit der Ringelnalter theilt, jedoch sich dersel- 
ben ungleich seltener bedient. 



Zwei neue Heieropocleii von Iflessina. 

Vom 
II erausgreber« 

(Hierzu Tafel XI). 



Die kleine Gruppe der Heteropoden lässt sich naturge- 
rnäss in drei Familien einlheilen, die sich durch die grössere 
oder geringere Entwickelung der Schale leicht unterscheiden. 
Diese Familien sind: 

1) Die Atlantaceen, bei denen sich das Thier vollstän- 
dig in einer dünnen gewundenen, gekielten, mit einem Dek- 
kel versehenen Schale verbergen kann. Die kammförmigen 
Kiemen liegen unter dem Mantel in einer Kiemenhöhle. Da- 
hin die Gattungen Atlanta Les. und Oxygyrus Bens. (Ladas 
Cantr., Helicophlegma d'Orb.) 

2) Die Carinariaceen, welche eine kahnförmige Schale 
besitzen, die nur die Eingevveidemasse umgiebt, in welcher 
sich das Thier nicht verbergen kann, und welche deckellos 
ist. Dahin die Gattungen Carinaria und Carinaroida. 

3) Die Firolaceen , bei denen die Schale vollständig 
fehlt. Dahin die Gattungen Cardiapoda d'Orb. , Ceratophora 
d'Orb., Pterotrachea Forsk. , Firoloides Less. und Anops 
d'Orb. 

Es kann zweifelhaft sein, ob man die Familie der At- 
lantaceen mit vollständiger, gewundener Schale, oder die 
nackten Firolaceen als die erste, höchst entwickelte Familie 
ansehen soll; die Carinariaceen halten wohl die Mitte zwi- 



T rose hei: Zwei neue Heteropoden von Messina. 299 

sehen beiden. Gegenbaur -''), der in der Trennung der 
Carinariaceen von den Firolaceen Souleyet mit Recht ge- 
folgt ist , sieht die Allantaceen als nie unterste Familie an. 
Die vollkommenere Entwickelung der Schale, das Vorhanden- 
sein eines Deckels, die höhere Ausbildung der Sinnesorgane, 
namentlich der Fühler, und der Athmungsorgane , die sogar 
in einer Kiemenhöhle liegen, während sie bei einigen Firola- 
ceen ganz fehlen, so wie die schneckenartigen Windungen 
des Thieres, die mit der gewundenen Schale im Zusammen- 
hange stehen, machen es mir jedoch wahrscheinlich, dass 
die Atlantaceen trotz ihrer Winzigkeit an der Spitze der He- 
teropoden ihre Stelle einnehmen müssen. Ich will jedoch 
diese Frage hier auf sich beruhen lassen. 

Ich habe in diesem Aufsatze nur die Absicht, zwei Ar- 
ten aus der Familie der Firolaceen zu beschreiben , welche 
mir in Messina bekannt geworden sind , und welche ich für 
neu halte. 

In dieser Familie der Firolaceen sind, wie schon vorhin 
erwähnt worden ist, mehrere Gattungen unlerschieden wor- 
den, und hierzu ist namentlich das Vorhandensein oder Feh- 
len der Fühler und die Lage des Nucleus benutzt worden ; 
ebenso das Fehlen der Augen. 

Dass die Lage des Nucleus, ob nämlich am hinteren 
Ende des Körpers, oder vor demselben, so dass ein Schwanz 
den Nucleus überragt, generischenWerlh habe, das ist ziem- 
lich allgemein anerkannt worden; denn die Gattung Firoloi- 
des ist von allen neueren Schriftstellern ani^enommen wor- 
den. Von ebenso grosser Wichtigkeit scheint jedoch auch 
das Vorhandensein oder der Mangel der Fühler und der Au- 
gen zu sein. 

Durch das Fehlen der Augen ist d'Orbigny's Gattung 
Anops charakterisirt. Sie besitzt dabei Fühler und Schwanz. 
Möglich, dass Souleyet Recht hat, wenn er diese Gattung 
als auf verstümmelten Exemplaren begründet erklärt; indes- 
sen das möchte doch schwer zu beweisen sein. 

Bei den geschwänzten Arten ist auch br'reits das Vor- 
handensein der Fühler zur generischen Trennung benutzt 



•j Untersuchungen über Pteropoden und Helcropodcn p. 213, 



300 Troschel: 

worden, indem d'Orbigny aus den Fühler tragenden Arten 
seine Gattung Ceratophora gebildet hat , wodurch denn die 
Gatt. Pterotrachea auf die fühlerlosen beschränkt worden ist. 
Mit Recht ist diese Trennung von neueren Schriftstellern, 
z. B. Philippi, Handbuch der Conchyliologie p. 283 ange- 
nommen worden. 

Auf die Gattung Firoloides ist diese Trennung bisher 
noch nicht angewendet worden. Souleyet *"') unterschei- 
det zwei Arten dieser Gattung, nämlich F. Desmarestiana und 
Lesueurii, von denen die erstere fühlerlos ist, die letztere da- 
gegen Fühler besitzt. Wenn Leuckart *"**) sagt, dass er 
in dem Golf von Nizza nur eine einzige Form von Firo- 
loides beobachtet habe, die er als F. Lesueurii Soul, erkannt 
zu haben glaube, so hat er sich zu dieser Bestimmung wohl 
hauptsächlich durch die Anwesenheit der Fühler leiten las- 
sen. Ob es wirklich dieselbe Art sei, erscheint um so mehr 
zweifelhaft, als die echte F. Lesueurii bei den Sandwichsin- 
seln und im nördlichen Theile des atlantischen Oceans vor- 
kommen soll. Gegen baur •""'"^*) verfällt in einen Wider- 
spruch , wenn er der Gattung Firoloides Fühler zuschreibt, 
und seine bei Messina beobachtete Art als F. Desmarestii be- 
stimmt, welche ja nach S ouley et fühlerlos ist. Er hat sich 
zu dieser Bestimmung wohl durch Huxley verleiten lassen, 
der ebenfalls fälschlich seine Fühler tragende Art F. Desma- 
restii nennt. Huxley und Leuckart schreiben ihren Ar- 
ten besondere Fühlernerven zu. Gegen baur spricht sie sei- 
ner Art ab. Alle drei stimmen darin überein, dass die Gat- 
tung Firoloides keine Kiemen besitze. 

Ich bin nun entschieden der Ansicht, dass consequen- 
ler Weise auch die Gattung Firoloides zerspalten werden 
müsse. Ich lasse mit Huxley, Leuckart und Gegen- 
baur den fühlertragenden Arten den Namen Firoloides, 
und schlage für die fühlerlosen Arten den neuen Namen Fi- 
rolella vor, der mir deshalb passend erscheint, weil er 
die nahe Beziehung zu Firoloides andeutet, und doch dem 



*) Voy. de la ßonite 
*•) Zool. Unters. IH. p. 4. 
***) L. c. p.215. 



Zwei neue Heteropoden von Messina. 301 

Klange nach hinreichend abweicht. Auch möchte er denen 
conveniren, welche es lieben, den älteren Begriff der Gallun- 
gen festzuhalten, und sich mit sogenannten Untergattungen 
zu helfen. 

Danach würde die Familie der Firolaceen in folgende 
Galtungen zerfallen: 
1) Cardiapoda d'Orb. Zwei Fühler, Nucleus gestielt, mit 
Schwanz, mit Augen (Vielleicht zu den Carinariaceen ge- 
hörig). 
23 Ceratophora d'Orb. Zwei Fühler, Nucleus ungeslielt, mit 
Schwanz^ mit Augen. 

3) Firoloides Los. Zwei Fühler, Nucleus ungestielt, mit Au- 
gen, ohne Schwanz. 

4) Pterotrachea Forsk. Keine Fühler , Nucleus ungestielt, 
mit Augen, mit Schwanz. 

5) Firolella nob. Keine Fühler, Nucleus ungestielt^ mit Au- 
gen, kein Schwanz. 

6) Anops d'Orb. Keine Fühler, Nucleus ungeslielt, keine 
Augen, mit Schwanz. 

Nucleus gestielt ........ Cardiapoda 

zwei Fühler . . Ceratophora 
r mit Augen Pterotrachea 

ohne Fühler\ 

Nucleus ungeslielt^ /ohne Augen . Anops 

izwei Fühler , . Firoloides 

ohne Fühler . . Firolella 

Meine beiden neuen Arten gehören der Gattung Firo- 
lella an. 

Firolella gracüis n. sp. (Fig. 1). 

Das ganze Thier, von dem mir bei Messina zwei Exem- 
plare vorkamen, ist etwa 16 mm. lang. Die Schnauze bil- 
det eine Forlsetzung des Körpers , ist nicht winkelig gegen 
den Körper herabgebogen. Vor dem Kiel ist jedoch der ganze 
Körper etwas nach unten gekrümmt. Die Schnauze ist nach 
vorn verschmälert. Die Augen liegen ziemlich nahe anein- 



302 Troschel: 

ander, und liegen ganz in den Körper eingebeilet; sie quel- 
len nichl seillich aus der Körperhaut hervor ; sie sind der 
Schnauzenspilze näher als dem Kiel. Der Kiel liegt vor der 
Milte der Körperlänge, so dass seine Entfernung von der Schnau- 
zenspitze 6 mm., seine Entfernung vom hinleren Körperende 
8 mm. beträgt, während die Basis des Kieles selbst 2 mm. 
misst. Demnach liegt das hinlere Ende der Flossenbasis 
ziemlich genau in der Mitte. Der Darmkanal zeigt auf sei- 
nem Wege zum Nucleus mehrere Erweiterungen, eine über 
dem Kiele und eine andere in dem Zwischenräume zwischen 
diesem und dem Nucleus. Kiemen habe ich bei dieser Art 
nicht wahrgenommen, muss aber hinzufügen, dass ich am 
lebenden Thiere hierauf nicht besonders geachtet hatte, und 
in meinen Notizen nichts hierüber vorfinde. 

Aus dem einen der von mir beobachteten Exemplare, 
einem Weibchen, hängt eine Eierschnur hervor, die unge- 
fähr der Länge des ganzen Thieres gleicht kommt. Die glas-, 
helle, durchsichtige Hülle dieser Schnur ist spiralig gestreift, 
wie es schon mit einer gewöhnlichen Lupe wahrgenommen 
wird. Bei hinreichender Vergrösserung sieht man, wie eine 
ziemlich starke Falle sich in zahlreichen Windungen um die 
Schnur zieht. So erscheint die Schnur jederseits mit Ideinen 
vorspringenden Sägezähnen versehen. 

Huxley beschreibt (1. c. p. 34) die hervorhängende 
Eierschnur seiner Firoloides Desmareslii als farblos und 
durchsichtig; sie schien, so sagt er, gleichsam gegliedert, 
indem ihre Membran in regelmässige Ringfallen gezogen war. 
Die Eier liegen in zwei Reihen. 

Leuckart erwähnt von der Slreifung der Eierschnur 
bei seiner Firoloides Lesueurii gar nichts. Er nennt (1. c. 
p. 64) die Schnur lang und bandförniig, und sagt, die Wan- 
dungen der Schnur bestehen aus einer ziemlich festen und 
glashellen Substanz, die sich bis in die Vagina hinein fort- 
setzt, und hier als eine dünne Schicht auf der Innenfläche 
der Epithelialbekleidung aufliegt. Da dieser Verf. demnach 
sehr genau das in Rede stehende Organ betrachtet hat, so 
lässt sich kaum glauben, dass er die spirale Falte übersehen, 
oder wenn er sie gesehen, ihrer nicht auch Erwähnung ge- 



Zwei neue Heleropoden von Messina. 303 

than haben sollte. Uebrigens liegen nach Leuckart die 
Eier in der Schnur auch in zwei regelmässigen Reihen. 

Gegenbau r schildert (I.e. p. 179} die Eischnüre der 
Plerotracheen als aus homogener , auf der Oberfläche ver- 
härteter Glassubstanz gebildet und die Eier in einzeilio-er 
Reihe einschliessend. Er nennt sie ferner spröde und un- 
biegsam , weshalb sie auch leicht zerstückeln. Die Eier- 
schnur bei unserer Firolella gracilis ist nicht spröde , wenn 
gleich ziemlich starr. Von den Plerotracheen als verschie- 
den giebt Gegenbaur dann die Eierschnüre von seiner Fi- 
roloides Desmarestii an, indem die Hülle in regelmässig ab- 
stehende Ringfalten gegliedert sei , und statt der einfachen 
Eireihe, deren mehrere (2—3) umschliesse. Seine Art ist, 
wie schon oben bemerkt, falsch bestimmt, da er ihr Fühler 
zuschreibt und F. Desmarestii nach Souleyet keine Füh- 
ler besitzt. Es liegt also die Vermuthung nahe, dass er die- 
selbe Art vor sich gehabt habe, wie H u x I e y und Leuckart. 
Die von ihm gegebene Beschreibung der Eierschnur stimmt 
genau mit der vonHuxley überein. Daher lässt sich auch 
annehmen, dass hier Ringfalten, nicht eine §piralfalte, vor- 
handen sind, und dass in der Beschaffenheit der Eierschnur 
eine generische Differenz aufgefunden ist. Jedenfalls ist bei 
unserer Firollela gracilis die Spirale viel enger gewunden, 
als der Abstand der Ringe bei Huxley auf der Abbildung 
dargestellt ist. 

An unserer Art stellt die Eierschnurhülle (Fig. 2) eine 
cylindrische Höhlung dar, in welcher die einzelnen Eier sich 
frei bev^^egen können. Der Durchmesser der einzelnen Eier, 
die ich alle in ziemlich gleicher Enlwickelung und in dem 
Stadium nach beendigter Dotterzerklüflung fand, beträgt nur 
V4 bis y^ des Durchmessers der Eierschnur , auch liegen 
die Eier ganz unregelmässig in derselben vertheilt, und bei 
weitem nicht so dicht und regelmässig geordnet , wie es in 
der von Leuckart (L c. Taf. L Fig. 11) gegebenen Abbil- 
dung dargestellt ist. 

Die einzelnen Eier sind von einer durchsichtigen Hülle 
umgeben, an der sich sehr deutlich zwelConturen wahrneh- 
men lassen. 

Das Gebiss ist ganz nach dem Typus der übrigen He- 



304 Troschel: 

teropodcn gebildet. Es sind keine Kiefer vorhanden. Die 
Reibmeinbran oder Radula trägt sieben Platten in jedem Glicde, 
und solcher Glieder sind etwa sechszehn vorhanden. Auch 
darin stimmt die Radula mit den übrigen Heteropoden übcr- 
cin, dass sie von vorn nach hinten an Breite zunimmt. Dies 
ist jedoch nicht so auffallend, wie bei anderen Arten , und 
namentlich sind die hintersten acht Plalten ziemlich gleich 
gross. Ich schliesse daraus, dass es ein ausgewachsenes 
Thier sei. Die Mittelplatten sind am Hinterende mit sieben 
Dörncheii besetzt, von denen das mittelste das grosseste ist. 
Die Zwischenplatten sind breit, mit ihrer ganzen Fläche der 
Radula aufgewachsen , daher wenig beweglich. Um so be- 
weglicher sind die Aussenplatten, die schwertförmig gebo- 
gen und platt sind, und in der Ruhe weit nach innen rei- 
chen. Bei den Allantaceen und bei Carinaria sind die Mit- 
telplatten am Hinterrande mit drei kräftigen Dornen bewaff- 
net. Dasselbe ist auch bei Firoloides der Fall; wenigstens 
findet sich bei Huxley -"*) diese Angabe. Es heisst da- 
selbst bei der Beschreibung von F. Desmarestii: „Die Ober- 
fläche der Zungenplalte trägt in der Mitte eine einzelne Reihe 
dreizähniger Zähne (tridentate teeih) ; aussen davon ist eine 
Reihe konischer Dornen und breiter flachrandiger Platten, und 
ganz aussen sind eine oder mehrere Reihen zurückgeboge- 
ner Haken, welche in der Ruhe oben liegen und einander in 
der Mitte fast berühren.« Wenn diese Angabe richtig ist, 
dann scheinen alle mit Fühler versehenen Gattungen drei Dor- 
nen an den Mittelplatten zu haben. Pterotrachea und Firolella 
stimmen darin überein, dass sie an deuMiltelplatten mehrere 
sehr kleine Dörnchen tragen. Pterotrachea mutica (andere 
Arten dieser Gattung habe ich nicht untersucht, und die An- 
gaben von Leuckarl und Gegenbaur geben hierüber 
keine Aufklärung) hat am Innenrande des Dornes der Zwi- 
schenplalte einen spitz vorspringenden kleinen Zahn, und ich 
vermuthe, dass derselbe allen Arten dieser Gattung zukomme. 
Firolella gracilis, und ebenso die folgende Art besitzen den- 
selben nicht, sondern zeigen dafür nur eine ganz stumpfe 



*) Philos. Transaclions of ihe Royal Soc. of London. 1853. 
Vol. 143. Pari. I. p. 31. 



Zwei neue Heleropoden von Messina. 305 

und flache Ausbiegungf. Ich halte dies daher für einen ge- 
nerischen Charakter. Von dem Gebiss eine Abbildunof zu ffe- 
ben, enthalte ich mich , da ich eine solche in nächster Zeit 
an einem anderen Orte veröffentlichen werde. 

Das ganze Thier ist glashell und farblos , der Nucleus 
ist gelblich, die Dotter in den Eiern sind bei auffallendem 
Lichte weiss. 

Firolella vigilans n. sp. (Fig. 3). 

Am 8. October 1853 kam ich in den Besitz eines sehr 
kleinen nackten Heteropoden , der mit dem feinen Netz an 
der Oberfläche des Meeres in der Strasse von Messina ge- 
fangen worden war. Das kleine Thier hat meine besondere 
Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und ich habe es möglichst 
genau untersucht. 

Ich muss zunächst bemerken, dass ich nur ein einziges 
Exemplar beobachtet habe. Ich erkenne vollkommen an, dass 
es immer misslich ist , nach einem Exemplar eine neue Art 
aufzustellen, hoffe aber in diesem Falle gerechtfertigt zu sein. 
In der Familie der Firolaceen liegt die Unterscheidung der 
Arten noch ziemlich im Argen, hauptsächlich deshalb , weil 
jeder einzelne Beobachter meist nur die Arten einer einzel- 
nen Localität besessen hat, und diese nicht mit denen anderer 
Schriftsteller vergleichen konnte. Daher ist es auch schwer 
zu entscheiden, ob die neueren Beobachter (Souleyet,Hux- 
ley, Leuckart, Gegen bau r) in der Bestimmung ihrer 
Arten übereinstimmen , ob sie wirklich die Arten besessen 
haben , unter deren Namen sie ihre anatomischen Untersu- 
chungen veröffentlichten. Vorzugsweise gilt dies für die Ar- 
ten der Gattung Firoloides Les. Es scheint mir daher durch- 
aus nöthig , dass jeder sein Scherflein zur Kenntniss dieser 
interessanten Thiere beitrage , seine Beobachtungen genau 
mittheile und so das Material für die spätere gründliche Son- 
derung der Arten vermehre. 

Unser Thierchen halte eine Länge von 3,5 mm. Die 
Schnauze bildet eine gerade Fortsetzung des Körpers. Das 
ganze Thierchen erschien ein wenig nach dem Rücken auf- 
gebogen, wie es auch in der Abbildung dargestellt ist; dies 
könnte jedoch leicht nur eine Lage sein , wie sie durch die 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 20 



306 Troschel: 

Umstände in der Gefangenschaft hervorg-erufen; dafür spricht 
auch die Faltung des Rücliens. Die Schnauze ist nach vorn 
nicht verschmälert, sondern bleibt von den Augen an gleich 
breit, und ist vorn abgestutzt. Die Augen fügen sich an 
einen seitlichen Vorsprung der über dem Schlünde gelege- 
nen Ganglien, und ragen ganz und gar aus der Körperhaut 
hervor, so dass sie w^eit von einander entfernt liegen ', sie 
sind ebensoweit von der Schnauzenspilze wie von dem Kiel 
entfernt. Der Kiel liegt in der Mitte des Körpers; er ist 
von dem vorderen und von dem hinteren Ende gleichweit 
entfernt. In der Gegend des Kieles ist der Körper am dick- 
sten, und verschmälert sich nach beiden Enden hin fast gleich- 
massig. 

Das Nervensystem liess sich bei dem ganz durchsichti- 
gen Wesen sehr deutlich wahrnehmen. Die beiden Haupt- 
nervenknoten stossen in der Mitte in einer ziemlich beträcht- 
lichen Fläche aneinander, verschmälern sich nach aussen und 
tragen an der verschmälerten Stelle, wie an einem kurzen 
Stiele, die weit von einander entfernten, jederseits aus dem 
Körper hervorquellenden Augen. Diese bestehen aus einer 
kugelrunden Krystalllinse, hinter welcher das eckige roth- 
braune Pigment liegt. Jederseits hinter den Hauptganglien 
liegt das Gehörorgan, welches, wie bei allen Heteropoden 
ohne Ausnahme, nur einen kugelrunden Otolilhen enthält. 
yon jedem Hauptganglion begiebt sich ein Nervenfaden nach 
vorn; er wurde zwar nur auf einer Seite beobachtet, ist aber 
gewiss auch auf der andern Seite vorhanden, da diese Thiere 
im Allgemeinen symmetrisch gebaut sind; er liess sich als 
ein geschlängelter Faden bis zur Mundmasse verfolgen. Hin- 
ten dicht beim Hörbläschen entspringt wieder jederseits ein 
Nervenfaden, der nach hinten geht, und sich zum Fussgan- 
glion begiebt. Das letztere hat eine rundliche Gestalt. Von 
ihm gehen nach hinten wieder zwei Fäden ab, welche nahe 
hinter dem Ganglion durch eine Brücke verbunden sind. Nur 
den einen dieser Nervenfäden ist es mir gelungen, bis nach 
hinten zu verfolgen , wo er sich in das Flagellum begiebt. 
Ein unpaariger Nervenstamm tritt aus dem Fussganglion in 
den Kiel, wo er sich mehrfach verzweigt. 

Vorn am Ende der Schnauze liegt wie immer die Mund- 



Zwei neue Hetcropoden von Messina. 307 

masse. Kiefer sind nicht vorlianden. Dicht hinter dem Ein- 
gange finden sich zwei fast viereckige Flecke von rosenro- 
them Pigment. Die Reibmembran oderRadula liegt der Länge 
nach zwischen zwei ans grossen Zellen bestehenden Körpern, 
den Zungenknorpeln. Diese Zellen stossen dicht an einander, 
bilden ungefähr, aber sehr unregelmässig, sechs Längsreihen 
jederseits, und sind durch gemeinsame (nicht doppelte) Schei- 
dewände von einander getrennt. 

Die Radula besteht aus sieben Plattenreihen , und ich 
zähle 26 Querreihen oder Glieder. Die einzelnen Platten 
stimmen vollkommen mit den entsprechenden der vorigen 
Art überein , so dass ich mich einer näheren Beschreibung 
überhoben sehe. 

Der Darmkanal ist verhälfnissmässig sehr weit. Der 
Schlund namentlich beginnt sehr weit, und verschmälert sich 
erst hinter dem Schlundringe, bis er über dem Kiel eine 
Verengung bildet; nach einer kurzen Erweiterung folgt dann 
eine zweite Verengung, und von da verläuft der Darm, sich 
allmählich erweiternd, zum Nucieus. 

Vor und über dem Nucieus liegt ein einfacher, flacher, 
abgerundeter, ganzrandiger Lappen , welcher flimmert. Er 
muss wohl, da er ganz dieselbe Lage hat , wie die Kiemen 
bei Pterotrachea, gleichfalls als eine solche betrachtet wer- 
den. Eine solche einzelne Kieme steht freilich in der Fa- 
milie der Firolaceen ganz ohne Beispiel da. Ob vielleicht, 
da Firolella gracilis kiemenlos zu sein scheint , dieser ein- 
zelne Kiemenlappen später bei vorschreitendem Wachsthum 
verkümmert , oder ob er eine Eigenthümlichkeit dieser Spe- 
cies bildet, muss vorläufig unentschieden bleiben. 

Das vorliegende Exemplar ist ein Männchen, denn un- 
terhalb des Nucieus ragt ein Flagellum hervor, welches den 
Nucieus an Länge nicht übertriffst, am Ende ein wenig an- 
schwillt, und daselbst röthlich gefärbt ist. 

Die vorquellenden, von einander entfernten Augen und 
die einfache Kieme , sowie einige Körperverhältnisse unter- 
scheiden diese Art leicht von der vorhergehenden und von 
F. Demarestiana, welche gleichfalls der Gattung Firolella an- 
gehört. 



308 Troschel: 

Mehrfache ßeobachlungen an anderen Heteropoden halte 
ich zurück , weil durch die beiden sehr ausführlichen und 
durch reichhaltige ßeobachlungen ausgezeichneten Arbeilen 
über diese Thiere von Leuckart und Gegenbaur, wel- 
che seitdem erschienen sind, dieselben grössentheils erledigt 
worden sind. Ich will hier nur noch einige kurze Bemer- 
kungen anfügen. 

1. Bei Plerotrachea mutica habe ich zuweilen an der 
Hautoberfläche mehre kleine Fleckchen wahrgenommen, von 
deren Mille sich nach aussen ein Faden erhebt. Eine Com- 
munication mit irgend einem andern Organe konnte nicht 
wahrgenommen werden. Diese Fleckchen sind klein, er- 
scheinen dem blossen Auge als kleine, minder durchsichtige 
weisse Pünktchen und sind am häufigsten in der Nähe des 
Kieles an der Bauchseite. Unter dem Mikroskop schienen 
sie mir eine drüsige Beschaffenheil zu haben, und erschienen 
wie in der Abbildung Taf. XI. Fig. 4. Ich habe sie für Haut- 
drüsen gehalten. Solche Organe hat auch Delle Chiaje 
in seinen Animali senza verlebre pl. 64. Fig. 14 von Plero- 
trachea umbilicata abgebildet. Er nennt sie „un disco coli- 
loideo glanduläre col canaluccio mediano pertugiato." Leu- 
ckart erwähnt dieser Organe gar nicht, sagt auch ausdrück- 
lich (p.9), dass den Firoloiden Hautdrüsen fehlen. „Die weis- 
sen, etwas erhabenen Flecke, die man bei den Firola- Arten 
nicht selten, namentlich an den ventralen Seitenflächen des 
Körpers, antrifft/' erklärt derselbe für eine Fetlanhäufung aus 
den kurz zuvor von ihm beschriebenen Epidermisinseln. Ge- 
genbaur (p. 155} spricht sich bestimmter über dieselben aus, 
beschreibt sie genauer, erklärt ihren fadenförmigen Fortsatz 
für am Ende geschlossen, und stellt die Hypothese auf, diese 
Gebilde möchten dem Tastsinne untergeordnet sein. Zur Un- 
terstützung dieser Hypothese wird angeführt, dass zu jedem 
Scheibchen eine Nervenfaser verlaufe. Wie weit diese Hy- 
pothese sich bewähren möchte, lasse ich dahin gestellt. 

2. Huxley, Leuc kart und Gegenbaur beschreiben 
ein eigenthümliches „Wimperorgan", welches dicht vor den 
Kiemen, dicht an der Vorkammer des Herzens und nahe bei 
der Niere an der Oberfläche liegt. Dieses Organ wird von 
Huxley mit der Respiration in Beziehung gebracht, von 



Zwei neue Heteropoden von Messina. 309 

Leuckart und Gegen baur für ein Sinnesorgan erklärt. 
Leuckart hält es geradezu für Geruchsorgan. Ich habe 
dieses Organ bei mehreren Arten , namentlich bei Pterotra- 
chea mutica oft beobachtet^ und kann der genauen Beschrei- 
bung der erwähnten Verfasser nichts hinzufügen. Ich kann 
mich jedoch nicht enthalten , mich gegen die Deutung als 
Sinnesorgan auszusprechen und muss vorläufig H uxley bei- 
stimmen. Leuckart sagt selbst, es könne nur zweifelhaft 
sein zwischen Geruchs- und Geschmacksorgan. Weil die 
letztere Annahme bei der vom Munde so sehr entfernten 
Lage von selbst zurückfällt , so bleibt freilich nur das Ge- 
ruchsorgan übrig, wenn es denn doch einmal ein Sinnesorgan 
sein soll. Abgesehen von dem Einwände, welchen Gegen- 
baur gegen diese Deutung vorbringt, muss ich darauf einen 
besonderen Nachdruck legen, dass es doch wirklich so sehr 
wahrscheinlich gemacht worden ist , dass die Tentakeln der 
Cephalophoren dem Geruchssinne dienen, dass ich gar nicht 
mehr daran zweifele , und viel eher alle anderen vorgebli- 
chen Riechorgane zurückweisen möchte. Es liegt nicht in 
meiner Absicht, hier Alles, was zu Gunsten dieser Deutung 
geschrieben worden ist, zu wiederholen, sondern ich ver- 
weise nur kurz auf folgende hier einschlagende neuere Ab- 
handlungen: 

Schmarda: Andeutungen aus dem Seelenleben der Thiere. 
Wien 1846. p. 17. Hier wird der Geruchssinn den kleinen 
Fühlern der Landschnecken zugeschrieben. 

Hancock and Embleton: On the Anatomy of Eolis. 
Annais of nat, bist. 1849. Vol. III. p. 183. pl.VL Hier wer- 
den die eigenthümlich gebildeten Fühler mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit als Geruchsorgan nachgewiesen, wobei die Ana- 
logie mit den Fischen hervorgehoben wird. Diese Abhand- 
lung halte ich für besonders entscheidend für die in Rede 
stehende Frage. 

Moquin Tandon in den Mem. de l'Acad. des scien- 
ces de Toulouse 1851. Diese Abhandlung kenne ich nur aus 
der Anzeige im Journ. de Conchyliologie 1851. p. 151. Verf. 
sieht die Augen tragenden Fühler der Landschnecken zugleich 
als Riechorgane an. 

DenCanal im Fusse der Landschnecken, welchen Leidy 



310 Troschel: 

(Journ. Acad. of Philadelphia I. p. 69) für den Geruchssinn 
hält, und welcher Ansicht Des hayes (Journ. de Conchy- 
liolog-ie 1850. p. 34) zuzustimmen nicht abgeneigt ist, kann 
ich als Geruchsorgan nicht anerkennen , ebenso wenig wie 
das Wimperorgan bei den Firolaceen. 

Als vorzüglichste Gründe , die Fühler als Geruchssinn 
anzuerkennen, hebe ich hervor, die vordere Lage der gros- 
sen Nerven dieser Organe, die Analogie mit den Fischen, 
bei denen auch schon die Neigung vorhanden ist , die Na- 
sen zu Fühlfäden auszudehnen, die Analogie mit den Insec- 
ten, bei denen Erichson in der Jubelschrift für Klug 1847 
es sehr wahrscheinlich gemacht hat, dass die Antennen dem 
Geruchssinne dienen, die Lage der Fühler bei den Schnecken 
am Kopfe und in der Nähe der Augen, u. s. w. 

Wenn Leuckart die Gattung Nautilus als Beweis an- 
führt, dass die Fühler nicht Riechorgane seien, so verweise 
ich kurz auf die Abhandlung „Nouvelles recherches sur le 
Naulile flambe" von Valenciennes p. 290, wo ein unter 
dem Auge gelegener fühlerartiger Vorsprung überzeugend als 
Riechorgan geschildert, und die wen'sche Deutung als irr- 
thümlich nachgewiesen wird. Weil eben die übrigen Cepha- 
lopoden Geruchsorgane in Form von kleinen Grübchen be- 
sitzen (vergl. Kölliker, Entwickelungsgeschichte der Ce- 
phalopoden p. 107), so können sie nicht ausserdem noch ei- 
gentliche Fühler haben. Uebrigens liegen die Riechgrübchen 
der Cephalopoden in der Nähe der Augen, wie die Fühler 
der Cephalophoren, und das spricht gleichfalls für die in Rede 
stehende Deutung. 

Da nun die Wimperscheibe der Firolaceen keinem der 
fünf Sinne enspricht , so müsste man sie als einen sechsten 
Sinn ansprechen, und das ist doch sehr misslich. Sie wird 
also wohl eine andere Aufgabe zu erfüllen haben , als die 
Wahrnehmung der Aussenwelt zu vermitteln. 

\ Der einzige Autor, bei welchem ich einen eigenthüm- 
lichen Apparat dicht vor der Verengung des Darmkanals der 
Firolaceen angegeben finde, ist Leuckart. Derselbe bil- 
det von Pterotrachea coronata in seiner Tab. 1. Fig; 14 vier 
Körper ab, und beschreibt sie (p. 45) als „vier rundliche pol- 
sterförmige Vorsprünge , die man den Zahnfortsätzen und 



Zwei neue Heteropoden von Messina. 311 

Platten im Magen vieler anderen Schnecken vergleichen könnte, 
wenn sie nicht eine ganz weiche Beschaffenheit hätten.«* Ich 
habe bei Pterotrachea miitica diese Vorsprünge in viel grös- 
serer Ausdehnung beobachtet als sie der genannte Verfasser 
abgebildet hat, und habe sie Taf. XI. Fig. 5 bildlich dargestellt. 
Sie erfüllen hier den ganzen Umfang des Magenendes, und ragen 
mit ihrem vorderen Rande ziemlich frei in den Magen hinein, so 
dass sie mir eher den Zweck zu haben scheinen , das Ma- 
genende zu verengen , dadurch den Magen mehr von dem 
folgenden Darmtheile abznschliessen, als es durch die unbe- 
trächtliche Einschnürung geschieht, und so den allzuschnel- 
len Austritt der Nahrung-smitlel aus dem Mag-en zu verhin- 
dern. Sie stellen gewissermassen Klappen dar. Dieser Um- 
stand scheint für die gewöhnliche Deutung des vorhergehen- 
den Abschnittes des Darmkanals als Magen zu sprechen, und 
die Ansicht Souleyet's (Voy. de la Bonite) zurückzuwei- 
sen, welcher eine Erweiterung des Nahrungsschlauches im 
Nucleus für den Magen hält und für diese Annahme als 
Gründe anführt: die abweichende Structur und die Bezie- 
hungen zur Leber, besonders aber die Analogie mit den At- 
lanten , wo der Darmkanal bei seinem Durchgange durch 
die Leber eine Erweiterung bildet , die sehr deutlich der 
Magen sei, und durchaus der Anschwellung des Nahrungs- 
schlauches bei Firola und Carinaria entspräche. Die An- 
schwellung in der Mitte des Thieres hält Souleyet viel- 
mehr für eine Art Kropf. 



Erklärung der Abbildungen. 



Fig. 1. Firolella gracilis n. sp. etwas vergrösserl. 
Fig. 2. Ein Stück der Eierschnur desselben Tiiieres. 
Fig. 3. Firolella vigilans n. sp. (etwa 26nial vergrösserl). 
Fig. 4. Hautdrüse mit Anhang von Pterotrachea mulica. 
Fig. 5. Magenende von Pterotrachea mutica , mit den vier Idappen- 
ähnlichen Wülsten. 



lieber den Bau von Melonites snnlti- 

pora« ein Echinld des yiinerik.anisclien 

Kolilenkalks. 

Von 

19r. Ferd# Roemer, 

ord. Professor an der Universität zu Breslau. 

(Hierzu Taf. XII.) 



Bei niedrig-em Wasserstande des Mississippi wird am Fusse 
des steilen felsigen Ufers, mit welchem das die Stadt St. 
Louis im Staate Missouri tragende Plateau gegen den Fluss 
hin plötzlich abfällt , eine wenig geneigte , fast wagerechte 
Kalksteinbank zumTheil trockengelegt, welche ebenso durch 
die Lagerungsverhältnisse, wie auch durch die organischen 
Einschlüsse als der Bildung des Kohlenkalks („mountain li- 
mestone'' oder „carboniferous limestone" der Engländer) an- 
gehörig, mit Sicherheit bestimmt wird. Die Lagerungsver- 
hältnisse betreffend, so wird nämlich die fragliche Bank zu- 
nächst von anderen ähnlichen Kalksteinschichten in einer 
Mächtigkeit von ungefähr 50 Fuss gleichförmig überlagert, und 
über dieser ganzen kalkigen Ablagerung folgt dann das aus 
Schieferthonen und sandigen Schiefern bestehende eigentliche 
Steinkohlengebirge, auf dessen Kohlenflötzen in geringer Ent- 
fernung von St. Louis ein beschränkter Grubenbetrieb Statt 
findet. Die organischen Einschlüsse sind Arten der Gattun- 
gen Productus, Spirifer, Fenestella, sämmtlich wohl bekannte 
Formen des Kohlenkalks in den westlichen Staaten überhaupt. 
Ausserdem gehört nun aber zu den Versteinerungen dieser 



Roemer: Ueber den Bau von Melonites raultipora. 313 

Kalksteinbank das Fossil, welches den Gegenstand der nach- 
stehenden Untersuchung bildet. 

Nachdem dasselbe durch seine auffallende Gestalt schon 
seit längerer Zeit die Aufmerksamkeit der mit dem Brechen 
des Kalksteins beschäftigten Arbeiter auf sich gezogen hatte, 
ist ihm eine wissenschaftliche Beachtung zuerst durch die 
Amerikanischen Autoren J. G. Nor wo od und D. D. Owen 
zu Theil geworden. In Silliman's Journal of Science and 
Art. See. Series 1846. Vol. II. p. 225— 228 wird durch die- 
selben eine Beschreibung des Fossils geliefert, und ihm die 
Benennung Melonites multipora beigelegt. 

So verdienstlich diese Beschreibung als erste wissen- 
schaftliche Kunde von einem höchst auffallenden fossilen Kör- 
per ist, und so richtig in derselben einige der auffallendsten 
Merkmale hervorgehoben wurden, so wenig wird doch durch 
dieselbe eine erschöpfende Kenntniss von denEigenthümlich- 
keiten des Körpers geliefert. Vielmehr blieben wegen un- 
genügender Erhaltung des den genannten Autoren vorliegen- 
den Materials verschiedene wichtige Eigenthümlichkeiten des 
Baues unerkannt und die Unbekanntschaft mit diesen, so wie 
auch mit den Merkmalen einiger verwandten Europäischen Fos- 
silien, machte dann auch wieder eine sichere Bestimmung der 
näheren systematischen Stellung des Fossils unmöglich. Die 
äusserst unvollkommenen Holzschnitte, welche den Aufsatz 
der Amerikanischen Autoren begleiten, sind keinesweges ge- 
eignel, die Mängel der dürftigen Beschreibung zu ergänzen. 

Ich selbst werde die günstigen Umstände , welche mir 
ein reicheres und besser erhaltenes Material für die Beobach- 
tung zuführten, benutzen, um eine vollständigere Darstellung 
von dem Baue der Gattung zu versuchen. 



1. Zur Untersuchung vorliegendes Material. 

Das fragliche, mir für die Untersuchung vorliegende 
Material besteht in Folgendem: 

1. Ein dem Herrn Dr. A, Krantz in Bonn gehörendes 
und mir von demselben zur Benutzung bereitwilligst mitge- 
theilles Exemplar vuu St. Loui;s. Dasselbe liegt der nach- 



314 Roemer: 

stehenden Darstellung vorzugsweise zu Grunde. Es ist frei 
aus dem Gesteine gelöst, und obgleich nicht mit der ursprüng- 
lichen sphäroidischen Wölbung erhalten, sondern von oben 
nach unten schief zusammengedrückt, darum keineswegs für 
die Beobachtung ungeeignet, sondern gerade durch die von 
der Zusammendrückung abhängige theilweise Verschiebung 
der einzelnen Schalstücke auf der Unterseite besonders lehr- 
reich. Die in dem Nachstehenden mitzulheilenden Beobach- 
tungen beziehen sich, wenn nicht das Gegentheil ausdrück- 
lich bemerkt wird, auf dieses Stück. 

2. Der Gypsabguss einer IV2 Fuss langen und 1 Fuss 
breiten Kalksteinplatte von St. Louis, auf welcher drei grosse 
(41/2 Zoll lang) Exemplare des Fossils in zusammengedrück- 
tem Zustande ausgebreitet liegen. Das Original, welches ich 
in St. Louis habe vergleichen und zeichnen können, ist Ei- 
genthum des Dr. med. Engelmann in St. Louis. Ein 
zweites Exemplar dieses Abgusses ist in dem Königl. mine- 
raloo-ischen Museum zu Berlin von mir niedergelegt worden. 

3. Einzelne der keilförmigen Schalstücke aus dem Koh- 
lenkalke des Staates Indiana in der Nähe von Louisville. 



2. Beschreibung, 
a. Allgemeine Gestalt des Körpers. 

Die allgemeine Gestalt des Körpers ist sphäroidisch. 
Vollständig erhalten ist dieselbe bisher freilich nur einmal 
in einem Exemplare gefunden worden , welches, nach einer 
Bemerkung von Nor wo od und Owen, ein Sammler in 
St. Louis besitzt. Alle anderen bekannten Exemplare sind 
mehr oder minder zusammengedrückt und verschoben. Der 
Umriss des einen der auf der Kalksteinplatte ausgebreitet lie- 
genden drei Exemplare erscheint elliptisch und auch die von 
Norwood und Owen gegebene rohe Abbildung -•^) im Holz- 
schnitt zeigt einen länglichen Umriss, allein diese Form scheint 
nur zufällige Folge der Verdrückung zu sein. Nach dem 



^) A. a. 0. S. 227. Fig. 3. 



üeber den Bau von Melonites multipora. 315 

besser erhaltenen, wenn gleich auch immer zusammengedrück- 
ten Exemplare des Dr. Krantz ist die Gestalt nur wenig 
höher als breit, fast kugelig, oder, besser gesagt, apfelför- 
mig, denn der obere Pol der Kugel ist, wie bei einem Apfel, 
deutlich verlieft. 

Die ganze Oberfläche des Körpers ist, in gleicherweise 
wie bei den typischen Formen der Echiniden, in 10, von dem 
Cenlrum der Oberseite zum Centrum der Unterseite , d. i. 
von Pol zu Pol verlaufende und von den Polen gegen die 
Mitte hin sich allmählich erweiternde Felder oderAreae ge- 
theilt, welche abwechselnd porentragend und undurchbohrt — 
(Ambulacral-Felder und Interambulacral-Felder) 
— sind. Diese Felder liegen aber nicht, wie bei der Gattung 
Echinus, genau in derselben Ebene der Kiigeloberfläche, son- 
dern während die nicht durchbohrten oder Interambulacral-Fel- 
der sich mit flacher Wölbung über dieselbe erheben, so stellt 
jedes der durchbohrten oder Ambulacral-Felder zwei durch 
einen porenlosen und fast bis zur Höhe des Niveau's der In- 
terambulacral-Felder sich erhebenden, rundlich gewölbten, 
mittleren Kiel getrennte, im Grunde fast ebene Furchen dar. 
Die grösste Breite eines Interambulacral-Feldes in der Mitte 
der Schale ist um die Hälfte grösser als die grösste Breite 
eines Ambulacral-Feldes. Nach oben, gegen den vertieften 
Scheitel der Schale hin , ändert sich aber dieses Verhalten 
sehr bedeutend; denn während die Interambulacral-Felder 
in dieser Richtung, und ohne Zweifel in gleicher Weise auch 
gegen den anderen , wahrscheinlich ebenfalls vertieften Pol, 
d. i. den Mittelpunkt der Unterseite hin rasch schmaler wer- 
den, so dass ihre Breite an dem oberen Ende nicht mehr als 
1"' beträgt, so ist bei den Ambulacral-Feldern die Abnahme 
der Breite von der Mitte nach oben hin viel geringer und 
in der Nähe des Cenlrums der Oberseite ist sogar die Breite 
des Ambulacral-Felder fast doppelt so gross, als diejenige der 
Interambulacral-Felder. 

b. Bau der Schale im Einzelnen, 
aa. Der Interambulacral-Felder. 
Die ganze Schale ist aus zahlreichen, in spälhigen koh- 



olO Ro einer: 

lensauren Kalk verwandelten einzelnen Stücken, gleich derje- 
nigen der typischen Echiniden, zusammengesetzt. Die Art 
dieser Zusammensetzung, und zwar zunächst derjenigen der 
Interambulacral-Felder, fordert eine nähere Betrachtung. 

Jedes der 5 Interambulacral -Felder ist aus mehre- 
ren vertikalen Reihen aussen polygonal begrenzter und in 
den angrenzenden Reihen allernirend in einander greifender 
Schalstücke gebildet. Die Zahl der Reihen ist nicht an je- 
der Stelle dieselbe. In der Mitte zählt man deren 7. Nach 
dem oberen und unteren Pol dagegen nimmt die Zahl ab, 
so dass das in der Vertiefung des Scheitels liegende obere 
Ende eines Interambulacral-Feldes nur aus zwei neben ein- 
ander liegenden Stücken besteht. Die Vermehrung der Rei- 
hen von den Polen gegen die Mitte der Schale hin geschieht 
durch allmähliches Einsetzen neuer Reihen zwischen die vor- 
handenen. 

Die Zahl der in jeder vertikalen Reihe enthaltenen Stücke 
scheint von dem Alter und der Grösse der Exemplare ab- 
hängig. Bei dem der Beschreibung vorzugsweise zu Grunde 
liegenden Exemplare beträgt die Zahl der Stücke in einer 
der mittleren Reihen etwa 36*"); bei einem der auf der 
Kalkplatte ausgebreitet liegenden grösseren Exemplare etwa 
45 — 50. Die Gesammtzahl der jedes Interambulacral - Feld 
zusammensetzenden Stücke beträgt bei dem zuerst genannten 
Exemplare etwa 180. 

Die äussere Begrenzung aller Stücke eines Interambu- 
lacral-Feldes ist sechsseitig, mit Ausnahme derjenigen in den 
beiden äusseren, gegen die angrenzenden Ambulacral-Felder 
gerichteten Reihen, in welchen sie fünfseitig ist. Die Form 
der Stücke ist jedoch nicht die gleichseitig sechseckige, son- 
dern die Mehrzahl ist in die Quere ausgedehnt, indem die 
beiden horizontal verlaufenden parallelen Seiten des Sechs- 
ecks erheblich länger als jede der vier anderen sind. So 
ist die äussere Begrenzung der Stücke namentlich in der 



*) Eine ganz genaue ßestiramung der Stüclizahl ist wegen der 
Verdrücliung und theiiweisen Verlifillung der Unterseite der Schale 
unlliunllch. 



Ueber den Bau von Älelonites multipora. 317 

Mitle der Felder. Gegen die Enden der Felder, und nament- 
lich gegen das an dem vorliegenden Exemplare deutlich zu 
beobachtende obere oder Scheitelende ändert sich jedoch die- 
ses Verhalten. Die Ausdehnung der Stücke in die Quere 
nimmt allmählich ab und, nachdem sie derjenigen in der ver- 
tikalen Richtung gleich geworden und so die regelmässig 
sechsseitige Form entstanden ist, gewinnen in der Nähe des 
Scheitels die Stücke sogar eine vorherrschende Ausdehnung 
in der vertikalen oder Längs-Richtung. Ausser der Abnahme 
der Reihenzahl und der Grösse der Stücke in der Richtung 
von der Mitte der Felder zu den Polen hin ist es also auch 
die Umkehr des Verhaltens in Betreff der grösseren Ausdeh- 
nung der Stücke , welche die schnelle Abnahme der Breite 
der Interambulacral-Felder gegen die Pole hin bedingt. 

Die Begrenzung der die beiden äusseren Reihen bil- 
denden Stücke ist, wie schon angegeben wurde, fünfseitio-. 
Die Seite des Fünfecks , mit welcher die Stücke den Ambu- 
lacral-Feldern zugewendet sind^ ist aber nicht völlig geradli- 
nig, wie die übrigen Seiten dieser und aller anderen Stücke, 
sondern zickzackförmig gekerbt , indem in die einspringen- 
den Winkel jedes Stücks zwei oder drei der kleinen Ambu- 
lacral-Stücke mit ihren äusseren Enden eingreifen. 

Von der bisher beschriebenen äusseren Begrenzung der 
Interambulacral-Stücke an der Oberfläche ist die ganze kör- 
perliche oder stereometrische Form derselben gar wohl zu 
unterscheiden. Sie sind keineswegs, wie die Schalstücke 
der typischen Seeigel, dünne Platten oder Täfelchen, bei wel- 
chen der Durchmesser der Oberfläche die Dicke mehrfach 
übertrilTt, sondern sie sind so dick keilförmig, dass die Dicke 
der grössten Breite der Stücke nicht bloss gleich kommt, 
sondern gewöhnlich bedeutender als diese ist. Es lässt sich 
die Form der Stücke als diejenige einer oben stark und ge- 
rade abgestumpften Pyramide bezeichnen, deren Basis die 
sechsseitige oder fünfseitige Aussenfläche der Stücke, deren 
Seitenflächen ebene, in ihrer Zahl der Seitenzahl der Grund- 
fläche entsprechende Flächen sind, und deren obere Abstum- 
pfungsfläche der Innern Höhlung der Schale zugewendet ist. 
Die Gestalt der Stücke lässt sich sehr passend mit derjeni- 
gen von den Gewölbesteinen eines Brückengewölbes verglei- 



318 Uo einer: 

clien, bei welchen ebenfalls die breitere Grundfläche der äus- 
seren convexen Aussenfläche des Gewölbes , die kleinere 
Endfläche der concaven Innenfläche des Gewölbes angehört. 
Begreiflicherweise muss bei dieser grossen Dicke der Schal- 
slücke und der davon abhängigen bedeutenden Ausdehnung 
der seillichen Berührungsflächen die Verbindung der Stücke 
unter sich sehr viel fester, als bei den typischen Echiniden 
sein, bei welchen die dünnen plattenförmigen Schalstücke nur 
mit schmalen Flächen an einander stossen. Bei der viel 
grösseren Zahl der die Schale zusammensetzenden Stücke und 
bei der bedeutenden Grösse der Schale war freilich auch 
eine solche festere Verbindung der Stücke sehr nöthig, um 
der Verschiebung derselben und der Zusammendrückung der 
Schale von aussen beim Leben des Thieres Widerstand zu lei- 
sten. Der mehr oder minder zusammengedrückte Zustand, 
in welchem man die Exemplare bisher fast immer gefunden 
hat, beweist, dass, um dem Drucke , der bei der Einhüllung 
in den später zur festen Gesleinschicht erhärteten Kalkschlamm 
einwirkte^ ganz zu widerstehen , selbst diese Art der Ver- 
bindung der Stücke nicht genügte. 

bb. Bau der Ambulacral- Felder, 

Jedes der fünf Ambulacral-Felder ist aus einer grossen 
Anzahl einzelner Stücke zusammengesetzt, welche die Zahl 
der Stücke eines Interambulacral-Feldes noch bedeutend über- 
trifl't. Dagegen ist freilich die Grösse der Stücke sehr viel 
geringer, als diejenige der Inlerambulacral-Stücke. Nament- 
lich ist die Höhe, d. i. die Ausdehnung der Stücke in der 
Richtung von Pol zu Pol mehrfach kleiner, als diejenige der 
Interambulacral-Stücke, so dass drei oder vier Stücke einem 
der letzteren gegenüber stehen. 

Die Anordnung der Stücke ist, wie bei den Interambu- 
lacral- Feldern, in mehreren von Pol zu Pol verlaufenden 
Längsreihen und zwar so , dass die Stücke der einen Reihe 
mit denjenigen der benachbarten Reihen allerniren und in die 
Zwischenräume zwischen deren Enden eingreifen. Die Rei- 
hen sind jedoch keinesweges so geradlinig und regelmässig, 
wie diejenigen der Interambulacral-Stücke, sondern die Stücke 
der einen Reihe greifen so unregelmässig zwischen diejeni- 



Ueber den Bau von Meloniles multipora. 319 

gen der angrenzenden Reihen hinein, dass es zuweilen eine 
aufmerksame Prüfung erfordert, um eine bestimmte Reihe in 
ihrem Verlaufe zu verfolgen. Die Zahl der Reihen beträgt 
in der Mitte jedes Ambulacral-Feldes 8 und dieselbe Zahl be- 
obachtet man auc];i noch in geringer Entfernung von dem 
vertieft liegenden centralen Schcitelloche, und erst ganz nahe 
an dem das genannte Scheitelloch umgebenden, später zu be- 
schreibenden Kranze eigenthümlicher grösserer Stucke ver- 
mindert sich die Zahl bis auf 6 *"*). 

Die äussere Begrenzung der Interambulacral-Stücke be- 
treffend, so ist dieselbe viel weniger regelmässig als bei 
Stücken der Interambulacral - Felder. Obgleich sechsseitige 
und fünfseitige Formen auch hier die gewöhnlichsten sind, 
so sind es doch niemals regelmässige oder symmetrische Po- 
lygone, wie dort, sondern die Seiten sind von ungleicher 
Länge und ausserdem häufig nicht geradlinig, sondern mehr 
oder minder gekrümmt. Im Ganzen sind die Stücke breiter 
als hoch, d. i. der grössere Durchmesser liegt nicht in der 
vertikalen Richtung von Pol zu Pol, sondern in der horizon- 
talen oder äquatorialen. Die Dicke der Stücke, d.i. der Ab- 
stand der Aussenfläche von der Innenfläche, ist bedeutend 
grösser als der grösste Durchmesser der Aussenfläche und 
scheint der Dicke der Interambulacral-Stücke gleich zu kom- 
men. Bei der Kleinheit der Stücke ist der Unterschied in 
der Grösse der Aussenfläche von derjenigen der Innenfläche 
kaum merkbar und die stereometrische Form der Stücke ist 
daher nicht sowohl keilförmig, wie diejenige der Interambu- 
lacral-Stücke, als vielmehr prismatisch, so dass der Seiten- 
zahl der Aussenfläche die Anzahl der Seitenflächen des Pris- 
mas entspricht. 



*) Die Grenzen der Täfelchen bessen sich zwar an dieser Stelle 
bei dem zur Beobachtung allein vorliegenden Exemplare nicht deut- 
lich wahrnehmen, wohl aber die die Stücke durchbohrenden Fühler- 
poren. Von diesen zeigt das obere Ende des Ambulacral-Feldes nur 
sechs Paare , während die Mitte jedes Feldes deren 8 hat. Da nun, 
Avie weiter gezeigt werden wird, jedes Stück der Ambulacral - Felder 
ohne Ausnahme von einem Paare von Poren durchbohrt ist, so lässt 
jene Abnahme der Poren auch mit sehr grosser Wahrscheinlichkeil auf 
eine entsprechende Abnahme der Zahl der Stücke schliessen. 



320 Roemer: 

Jedes der Stücke ist an dem äusseren, d. i. gegen das 
angrenzende Interambulacral-Feld gewendeten Ende von zwei 
Poren durchbohrt, deren Abslasid von einander nicht mehr 
als etwa die Hälfte des Durchmessers eines Perus beträgt und 
welche durch die ganze Dicke der Stücke hindurchgehen. 
Diese Poren-Paare aller Stücke eines Ambulacral-Feldes bil- 
den den Fühlergang oder das Ambulacrum. Jedes derselben 
wird durch 8 Reihen von Doppel-Poren gebildet. Diese Rei- 
hen vertheilen sich aber nicht gleichmässig über die ganze 
Oberfläche des Feldes, sondern der fast ein Dritttheil der 
ganzen Breite des Feldes einnehmende und einen gerunde- 
ten, bis zum Niveau der Oberfläche der Interambulacral-Fel- 
der sich erhebenden Kiel bildende mittlere Theil ist porenlos 
und theilt die porentragende Fläche des Feldes in zwei glei- 
che Hälften, welche als breite, im Grunde flache Furchen 
zu den Seiten desselben liegen. Dieser porenlose mittlere 
Kiel wird nicht , wie es auf den ersten Blick fast den An- 
schein hat, durch besondere undurchbohrte Stücke gebildet, 
sondern die zwei Längsreihen von Stücken, welche ihn zu- 
sammensetzen, sind ebenfalls porentragend. Jedes Stück die- 
ser beiden Reihen ist an seinem äusseren Ende von zwei Po- 
ren durchbohrt, wie die Stücke der übrigen Reihen. Der Un- 
terschied von diesen letzteren besteht nur darin, dass die 
Stücke grösser und, namentlich bei fast ganz regelmässiger 
und unter sich gleicher linearischer Gestalt, viel stärker in 
die Quere, d. i. senkrecht auf die Längsrichtung der Felder 
ausgedehnt sind , als die übrigen Ambulacralstücke. Indem 
nun die Poren an den in den beiden Reihen entgegengesetzten 
äusseren Enden der Stücke sich befinden, so ist fast die ganze 
Breite der beiden aneinander stossenden Reihen von Stücken 
porenfrei. Der grössere porenfreie Theil der Stücke bildet 
den hohen undurchbohrten mittleren Kiel, das von den Poren 
durchbohrte äussere Ende der Stücke dagegen ist niederge- 
drückt und gehört schon den breiten Furchen oder Rinnen 
an, in welchen die Oberflächen aller anderen Ambulacral- 
stücke liegen. 



lieber den Bau von Melonites multipora. ^1i 

cc. Bau des durch die Genital- und Ocular-Slücke gebilde- 
ten Scheilelringes. 

Bei der eigenthümlichen , von derjenigen der typischen 
Echiniden nach dem Vorhergehenden so weit abweichenden 
Zusammensetzung der Ambulacral- und Interambulacral-Slücke 
ist es von grossem Interesse, auch die Form und Anordnung 
derjenigen Stücke bei unserem Fossil zu kennen, welche bei 
Echinus und allen ächten Seeigeln die Oeffnungen für den 
Austritt der Genital-Flüssigkeiten, so wie für das Hervor- 
strecken gewisser als Augen gedeuteter Organe enthalten, 
und unter der Benennung der Genital- und Ocuiar- Platten 
auf der Mitte des Scheitels oder dorsalen Poles der Schale 
einen aus 10 abwechselnd grösseren und kleineren Stücken 
bestehenden Ring bilden. Die Amerikanischen Autoren Nor- 
wood und Owen erwähnen von diesem Ringe nichts, wahr- 
scheinlich weil derselbe bei dem von ihnen beschriebenen 
Exemplare ebenso wenig sichtbar war, wie bei den mir im 
Abguss vorliegenden , von der Seite zusammengedrückten 
Exemplaren. 

Der eigenlhümliche Erhaltungszustand des von dem Dr. 
Krantz mir zur Untersuchung anvertrauten Exemplares, dem- 
zufolge dasselbe nicht von der Seite, sondern von oben nach 
unten und nur so massig verdrückt ist, dass die ganze obere 
Hälfte der Schale fast vollständig mit ihrer natürlichen Wöl- 
bung erhallen blieb , erlaubt die Beobachtung des Scheitels 
und der in Rede stehenden Stücke mit völliger, kaum irgend 
eine erhebliche Ungewissheit übrig lassender Deuth'chkeit. 
Es sind 10 solcher, abwechselnd grössere und kleinere Stücke 
vorhanden, welche, über der Spitze der Ambulacral- und In- 
terambulacral-Felder stehend und mit denselben unbeweglich 
verwachsen, einen Kranz bilden , der seinerseits eine etwa 
2'" im Durchmesser halte' de runde , in das Innere der 
Schale führende OefFnung umschliesst. üeber der Spitze der 
Interambulacral-Felder stehen die fünf grösseren , über der 
Spitze der Ambulacral-Feider die fünf kleineren Stücke. Die 
ersteren sind symmetrisch fünfseitig und in ifirem oberen, 
d. i. von der centralen Scheitelöffnung am weitesten abste- 
henden Theile, von drei, in einer Querreihe stehenden Poren 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg 1. Bd. 21 



322 ß<ö«mer: 

(die jedoch erheblich grösser sind , als die Poren der Füh- 
lergänge oder Ambulacren !) durchbohrt. Nur eines der fünf 
Stücke lässt bloss zwei Poren wahrnehmen. 

Die fünf kleineren , über den Spitzen der Ambulacral- 
Felder stehenden Stücke sind vierseilig , trapezförmig. Pie 
Zahl und Stellung der Poren ist bei ihnen an dem vorlie- 
genden Exemplare nicht mit völliger Bestimmtheil zu erken- 
nen , jedoch sind anscheinend deren zwei in jedem Stücke, 
und zwar in gleicher Höhe mit denjenigen der grösseren 
Stücke, vorhanden. 

Was nun die Bedeutung dieser 10 Stücke betrifft, so 
ergiebt die Analogie der typischen Echiniden wohl als un- 
zweifelhaft, dass die fünf grösseren Stücke Genital-Stücke, 
die fünf kleineren Ocular-Stücke sind, denn ihre Stel- 
lung über den Spitzen der Interambulacral- und Ambulacral- 
Felder, sowie ihr Grössenverhaltniss ist ganz demjenigen der 
enlsprechenden Stücke bei den ßchteu Seeigeln, z. B. der 
Gattung Echinus oder Cidaris, gleich. Per Unterschied von 
dieser letzteren be.-teht nur darin, dass die grösseren Stücke 
von 3, die kleineren von 2 (?) Poren durchbohrt sind, wäh- 
rend bei Echinus und Cidaris jede der fünf Genital -Platten 
sowie jede der fünf Ocular-Platten nur eine einzige solche 
porenförmige Oeffnung besitzt. |.;:^ 

Die grössere Zahl der Oeffnungen steht im Verhältnis« 
zu der grösseren Zahl der Längsreihen von Stücken, aus de- 
nen die Interambulacral- und Ambulacral-Felder unserer Gat- 
tung, mit denjenigen der typischen Echiniden verglichen, zu- 
sammengesetzt sind. Es lässt dieselbe auf eine wesentliche 
Verschiedenheit in dem Baue der betrefFei/en inneren Or- 
gane des Thieres mit Sicherheit schliessen. 

Ueber die Bedeutung der grossen centralen Scheitel- 
öffnung, welche von den zuletzt beschriebenen Stücken ein- 
geschlossen wird , lässt die Analogie mit Echinus nicht in 
Zweifel. Dieselbe muss die Anal-Oeffnung sein. Am ent- 
gegengesetzten oder centralen Pole der Schale muss ihr die 
niclit weiter bekannte Mundöffnung gegenüber liegen. Dass 
die centrale Scheitelöffnung auf ähnliche Weise, wie bei Echi- 
nus, durch unregelmässige, einer lederartigen Haut beweg- 
lich aufsitzende kleine Schalstücke, zwischen denen der 



Ueber den Bau von Melonites multipora. 323 

After selbst erst sich öffnet, ausgefüllt gewesen sei, macht die 
sonstige Analogie ebenfalls durchaus wahrscheinlich. 

Einer besonderen Erwähnung bedarf hier nur noch die 
Oberflächenbeschaffenheit sämmtlicher die Schale zusammen- 
setzender Stücke. Bei dem für die Untersuchung vorzugs- 
weise benutzten Exemplare ist dieselbe glatt. Allein die nä- 
here Prüfung zeigt, dass dies hier nur Folge einer späte- 
ren Abreibung oder schwachen Aetzung ist. Bei einzelnen 
losen Interambulacral-Stücken aus dem Kohlenkalke der Ge- 
gend von Louisville ist die Oberfläche mit feinen, unregel- 
mässig zerstreuten und gedrängten Körnchen oder kleinen 
Tuberkeln, welche ohne Zweifel feine haarförmige Stacheln 
getragen haben, bedeckt. Dieses ist zuverlässig die Ober- 
flächenbeschaffenheit aller Stücke bei vollständiger Erhallung. 
Dieselbe stimmt sehr nahe überein mit der Scuiptur der Ober- 
fläche bei der mit Melonites nahe verwandten , später näher 
zu erwähnenden Gattung Palaechinus, wie dieselbe sich aus 
der Abbildung und Beschreibung mehrerer Irländischer Ar- 
ten durch M'C o y und aus der Vergleichung einzelner Plat- 
ten im Kohlenkalke von Tournay und vonAltwasser in Schle- 
sien ergiebt. 

Am Schlüsse dieser Beschreibung ist endlich noch aus- 
drücklich hervorzuheben, in welchen Theilen der Bau der 
Schale von Melonites nun noch einer weiteren Aufklärung 
bedürftig ist, welche selbst zu geben die Beschaffenheit des 
zur Beobachtung vorliegenden Materials mir nicht verstattete. 

Es wird namentlich von Interesse sein, die Form der 
Mundöffnung und den Bau des Zahnsystems, der sogenannten 
Laterne des Aristoteles , kennen zu lernen. Gewiss werden 
auch diese Theile eine durch die grössere Zahl der die 
Schale zusammensetzenden Reihen von Stücken bedino^te er- 
hebliche Modification der typischen Organisation der Echini- 
den erkennen lassen. Die einzelnen Stücke des Zahnsystems 
müssen nach dem Umfange der ganzen Schale von ansehn- 
licher Grösse sein und können sich nicht wohl lange der 
Nachforschung entziehen. Dass die Zahl der Poren derOcu- 
lar-Stücke, so wie eines der Genital-Stücke nicht mit völliger 
Bestimmtheit sich erkennen Hess, wurde oben angegeben. 
Auch wiirde noch 2,\i ermitteln sein, ob nicht eines der Ge- 



324 Roenier: 

nital - Stucke die eigenthümliche poröse Slructur der soge- 
nannten Madreporen-Platte der ächten Echiniden besitzt. Bei 
demjenigen der fünf Stücke, welches anscheinend nur von 2 
OefTungen (statt 3) durchbohrt ist, habe ich zwar eine ähn- 
liche Struclur zu erkennen geglaubt , jedoch nicht mit be- 
friedigender Deutlichkeit und Sicherheit. Endlich wäre es 
auch von Interesse, an einem völlig unverdrücklen Exem- 
plare die allgemeine Gestalt der Schale deutlich zu beob- 
achten. 



3. Systematische Stellung der Gattung. 

Die vorhergehende Untersuchung der Zusammensetzung 
der Schale gewährt die Möglichkeit, auch in Betreff der sy- 
stematisch-zoologischen Stellung der Galtung zu einer be- 
stimmten Ansicht zu gelangen. 

Dass die Gattung zu der Classe der Echinodermen ge- 
höre, darüber lässt, bei dem so deutlich fünfseitig radialen 
Bau der Schale und deren Zusammensetzung aus einer gros- 
sen Zahl von polygonal begrenzten und aus späthigem Kalk 
bestehenden Stücken, schon die erste und oberflächliche Prü- 
fung nicht im Zweifel. Kaum minder zweifellos erweiset sich 
dann ferner die Zugehörigkeit zu der Ordnung der Echini- 
den oder Seeigel. Die Anordnung der die Schale zusam- 
mensetzenden Stücke in 10 von Pol zu Pol sich verlaufenden, 
abwechselnd undurchbohrle und durchbohrte Felder, das Vor- 
handensein einer von 10 Stücken (Genital- und Ocular-Stük- 
ken umgebenen centralen Scheitelöffnung und die sphäroi- 
dische Gestalt der ganzen Schale sind hierfür hinglänglich 
beweisend. Die Stellung zu denCrinoiden, an die man etwa 
denken könnte, verbietet der dieser Ordnung durchaus fremde, 
dagegen demjenigen der ächten Echiniden durchaus analoge 
Bau des Scheitels mit der centralen Oeffnung und dem diese 
letztere umgebenden Kranze von Stücken. Nicht minder auch 
die Beschaffenheit der Ambulacren. Denn wenn auch bei 
einigen Geschlechtern der Crinoiden aus der Abtheilung der 
CistFdeen gewisse, den Ambulacren in ihrer physiologischen 
Bedeutung entsprechende, Organe vorkommen, so haben die- 
selben doch niemals die besondere Einrichtung wie hier, der- 



lieber den Bau von Melonites nmltipora. 325 

zufolge sie aus mehreren Reihen von Doppelporen bestehen. 
Endlich gehört auch die entschiedene Stiellosigkeit und freie 
Beweglichkeit der Schale zu den Merkmalen, welche der Ver- 
einigung mit den Crinoiden entgegen stehen. 

Wenn demnach die Zugehörigkeit zu den Echiniden als 
zweifellos sich ergiebt, so stellt sich doch ebenso bestimmt 
bei dem Fossil von St. Louis eine sehr auffallende Verschie- 
denheit von den Seeigeln der Jeztwelt und der jüngeren For- 
mationen heraus. Denn während bei diesen letzteren, trotz 
aller Wandelung der äusseren Form , trotz des Uebergehens 
aus dem kreisrunden, völlig radialen Bau der Schale, wie 
bei Echinus und Cidaris, in den symmetrisch bilateralen, wie 
bei Spatangus, unveränderlich und ausnahmslos die Schale 
aus 20 von Pol zu Pol verlaufenden vertikalen Reihen von 
Stücken zusammengesetzt ist, die, zu je zwei vereinigt, die 
5 Interambulacral- und die 5 Ambulacral -Felder bilden, so 
ist dagegen hier bei Melonites die Zahl der vertikalen Rei- 
hen von Stücken eine sehr viel grössere und beträgt, da je- 
des der 5 Interambulacral-Felder (wenigstens in der Mitte!) 
deren 7, jedes der Ambulacral - Felder deren 8 enthält , im 
Ganzen 75. 

Melonites ist jedoch nicht die einzige bekannte Gattung, 
bei welcher die typische Reihenzahl der die Schale zusam- 
mensetzenden Stücke übertroffen wird, sondern dasselbe fin- 
det auch bei der Gattung Palaechinus Statt, von welcher 
M'Coy *"') mehrere Arten aus dem Kohlenkalke Irlands ken- 
nen gelehrt hat. Palaechinus elegaiis und Palaechinus elli- 
pticus haben nach M'Coy 's Angabe 5 Reihen, Palaechinus 
sphaericus sogar 6 oder 7 Reihen von Stücken in jedem In- 
terambulacral-Felde. In dieser Beziehung stimmen also beide 
Galtungen wesentlich überein. Anders aber verhält es sich 
mit der Zusammensetzung der Ambulacral-Felder. Während 
bei Melonites jedes derselben aus acht Reihen von Stücken 
besieht, so haben alle bekannten Arten von Palaechinus nur 
zwei Reihen von Stücken in jedem Ambulacral-Felde. 

Der Englische Autor hat sich aber nicht begnügt, jene 



*) A Synopsis of ihe charaliters ofthe Carboniferoua limeslone 
fossils of Ireland, Dublin 18-W, p. 171 — 173. PI. XXIV. 



326 Roemer: 

Mehrzahl der Täfelchen-Reihen in den Interambulacral-FeW 
dern bei der Gattung Palaechinus nachzuweisen, sondern er 
erkennt dasselbe Verhallen auch bei den bisher zu Cidaris 
gerechneten Echiniden des Kohlenkalks, und indem er hier- 
nach die Zusammensetzung aus mehr als 20 Reihen von Tä- 
felchen ganz allgemein als eine für alle Echiniden der pa- 
läozoischen Gesteine in Anspruch nimmt, bildet er aus den- 
selben die besondere , der Gesammtheit der typischen Echi- 
niden entgegenzusetzende Unter -Ordnung der Perischoechi- 
nidae *'•*), die dann ihrerseits, nach der Form der Tuberkeln 
auf der Oberfläche der Schalenstücke, wieder in 2 Familien 
zerfällt, nämlich: 

1. Palaechinidae. Die Interambulacral-Stücke sind, ähn- 
lich wie bei Echinus, mit kleinen undurchbohrten , gleich- 
grossen Tuberkeln (wie bei Echinus), auf der Oberfläche 
bedeckt. 

Gattung: Palaechinus M'Coy. 

2. Archaeocidaridae. Die Tuberkel auf der Oberfläche 
der Interambulacral - Stücke sind von zweierlei Grösse und 
Form. Die grösseren zitzenförmigen , an der Spilze durch- 
bohrten und von einem wulstförmigen Ringe umgebenen Tu- 
berkel tragen grosse, meistens gedornte und an der Basis 
gekerbte Stacheln (wie bei Cidaris), von denen nie mehr als 
einer auf einem Täfelchen steht. 

Gattung: Archaeocidaris M'Coy. 

ich halte die Errichtung dieser Unterordnung der Pe- 
rischoechinidae für wohl begründet und erkenne in dersel- 
ben die Auffindung einer höchst bemerkenswerlhen, dem zoo- 
logischen Alter entsprechenden Verschiedenheit in der Orga- 
nisation der Echiniden. 

Die Zugehörigkeit der Gattung Meloniles zu dieser von 
M'Coy errichteten Unterordnung der Perischoechinidae, und 
zwar zu der Familie der Palaechinidae, ist nun so wenig zwei- 
felhaft , dass vielmehr das Bedenken entstehen könnle , ob 
nicht Melonites mit der Gattung Palaechinus generisch zu ver- 



*) Vergl. Annais of naf. hisf., See, Ser. III. 1849. 253 ff. und 
Ferd. Roemer in Bronn's Leih, geogn. ed. 3. 1855. II. (Kohlen- 
Periode) 286. 



lieber den Bau V6ti M^f6nites multipöra. 3^7 

einigen sei. Die allg-emdne sphäroidische Gestalt der Schale 
ist bei beiden Gattungen dieselbe. Auch in Betreff der Zu- 
sammensetzung der Interambulacral - Felder stimmen sie, wie 
schon vorher angegeben wurde, überein. Bestimmt unter- 
scheidend ist aber die Bildung der Ambulacral-Felder. Bei 
Melonites ist jedes derselben aus 8, bei Palaechinus nur aus 
2 Reihen von Stücken zusammengesetzt. Diese bedeutende 
Verschiedenheit in der Zahl der Längsreihen ist wohl unbe- 
dingt für eine generische Trennung der beiden Gattungen 
genügend. Auch würde für diese Trennung^ abgesehen von 
der grösseren Reihenzahl der Stücke in den Ambulacral-FeU 
dern, auch auf die eigenthümliche, vorher beschriebene Bil- 
dung der letzteren Gewicht zu legen sein, der zufolge jedes 
derselben durch einen porenlosen mittleren Längskiel getheilt 
wird. Ein ganz bestimmter und wesentlicher Unterschied von 
Palaechinus lieo^t ferner in der stereometrischen Form der 
die Schale bei Melonites zusammensetzenden Stücke, indem 
dieselben nicht dünn und plattenförmig , sondern dick und 
keilförmig sind , so dass die grösste Ausdehnung der Ober- 
fläche der Dicke nicht gleich kommt. 

Eine Vergleichung beider Gattungen mit den ächten 
Echiniden ergiebt also, dass Melonites sich noch weiter von 
dem typischen Bau der letzteren , als Palaechinus entfernt. 
Denn während bei Palaechinus die Abweichung nur in der 
mehr als zwei betragenden Reihenzahl der Stücke in jedem 
Interambulacral-Felde besteht, dagegen die Zusammensetzung 
der Ambulacral-Felder und die dünne plattenförmige Gestalt 
allef die Schale zusammensetzenden Stücke mit derjenigen 
von Echinus übereinstimmt, so sind bei Melonites nicht bloss 
die Interambulacral-, sondern auch die Ambulacral-Felder aus 
einer grösseren Reihenzahl von Stücken zusammengesetzt und 
die Form der einzelnen Stücke ist keilförmig. 

Die von M'Coy seiner Unterordnung der Perischoechi- 
nidae gegebene Begrenzung, der zufolge dieselbe Galtungen 
begreift, deren Interambulacral-Felder aus mehr als zwei Rei- 
hen von Stücken bestehen, wird daher^ damit auch Melonites 
in derselben Platz finde, dahin zu erweitern sein, dass sie 
Echiniden umfasst, bei denen entweder die Interambulacral- 
Felder allein, oder Interambulacral- und Ambülacral-Feldel' 



328 Roemer: 

aus mehr als zwei Vertikal -Reihen von Stücken zusammen- 
gesetzt sind. 

4. Gattung-scliarakter. 

Nach dem Vorhergehenden wird sich der Gatlungscha- 
rakter in folgender Weise feststellen lassen : 

Melonites Norwood et Owen 1846. 
Ordnung: Echinidae. 

Unter -Ordnung: Perischoechinidae M'Coy. 
Familie: Palaechinidae M'Coy. 

Testa magna, sphaeroidea , supra et infra medio de- 
pressa et perforata , assulis valde numerosis^ crassis cuboi- 
deis aut cuneiformibus, supra polygonis, areas quinque latiores 
imperforatas (areas interambulacralcs) et areas quin- 
que angustiores perforatas (areas ambulacrales) efFor- 
mantibus composita. 

Areae interambulacralcs parum convexae polum 
superiorem et inferiorem versus angustiores, Septem assula- 
rum hexagonarum et pentagonarum seriebus longitudinalibus 
compositae. 

Areae ambulacrales medio in carinam valde con- 
vexam elatae, utrinque depressae, octo assularum poris binis 
approximatis perforatarum seriebus longitudinalibus composi- 
tae; assulis serierum mediarum, carinam efformantium maio- 
ribus, linearibus subregularibus; assulis cetcrarum serierum 
minoribus irregularibus. 

Foramen centrale superum (anus), corona assu- 
larum decem alternatim maiorum et minorum circumdatum; 
assulis maioribus (assulis genitalibus) pentagonis , ter 
perforatis, assulis minoribus (assulis ocularibus) tetra- 
gonis bis perforatis. 

Os centrale inferum. 

Die Schale gross, sphäroidisch, auf der Mitte der Ober- 
und Unterseite vertieft,^ aus zahlreichen, aussen polygonal be- 
grenzten und auf der Oberfläche fein gekörnelten cuboidi- 
sch^n oder keilförmigen , dicken Stücken zusammengesetzt, 
welche fünf breitere undurchbohrte Felder (Interambulacral- 
Felder) und fünf schmalere durchbohrte Felder CAmbulacral- 



Ueber den Bau von Älelonites mulüpora, c M *3«V 

Felder) bilden. Die Mitte des vertieften Scheitels mit einer 
grossen runden Oeffnung (After) versehen, welche durch 
einen Ring- grösserer Stücke begrenzt wird. 

Die Interambulacral-Felder flach gewölbt, von 
der Mitte gegen die Pole hin rasch sich verengend , aus 7 
Längsreihen von Stücken zusammengesetzt^ die Stücke der 
beiden äusseren Reihen von fünfseitiger, die Stücke aller 
übrigen Reihen von sechsseitiger äusserer Begrenzung. 

Die Ambulacral-Felder von der Mitte gegen die 
Pole hin allmählich sich verengend, aus zwei, durch einen 
gewölbten porenlosen Kiel getrennten, breiten, porentragen- 
den Längsfurchen bestehend und aus 8 Längsreihen von Stücken 
zusammengesetzt , deren jedes von zwei genäherten Poren 
durchbohrt ist. Die Stücke der beiden mittleren , den Kiel 
bildenden Längsreihen schmal, linearisch, fast regelmässig, 
an den äussersten, schon den Furchen angehörenden Enden, 
von 2 Poren durchbohrt. Die Stücke der übrigen Reihen 
kleiner und unregelmässiger gestaltet und angeordnet. 

Der die centrale Scheitelöffnung (After) umgebende 
Ring aus 5 fünfseitigen, über den Spitzen der Interambula- 
cral-Felder stehenden grösseren Stücken (Genital -Stücken) 
und aus fünf unregelmässig vierseitigen , über den Spitzen 
der Ambulacral-Felder stehenden kleineren Stücken (Ocular- 
Stücken) zusammengesetzt. Die ersteren Stücke (mit Aus- 
nahme eines einzigen?) von 3 Poren (Gen i tal-Oeffnu n- 
gen), die anderen von 2 Poren (Ocular-Oeffnungen) 
durchbohrt. 

Der Mund central, auf der vertieften Unterseite der 
Schale gelegen. 

Die einzige bekannte Art : 
Melonites multipora Norwood et Owen in Silliman's Ame- 
rican Journ. of Sc. and Arts. See. Ser. Vol. 11. 1846. 
p. 225—228. Ferd. Roemer in Lethaea geognost. 
ed. 3. p.288. 
Vorkommen : Im Kohlenkalke von St. Louis im Staate Mis- 
souri , im Staate Indiana unweit Louisville und an an- 
deren Punkten im Flussgebiete des Mississippi. 



33Ö Roemer: üeber den Bau von Melonites multipora. 

Erklärung der Abbildungen. 



Taf. I. 

Fig. 1. Ansicht eines Exemplars in natürlicher Grösse von der Seite. 
Diese Figur ist in so fern ideal, als die untere Hälfte der 
Schale, welche an dem der Darstellung zu Grunde liegenden 
Exemplare verdrückt ist, rücksichtlich der Wölbung ergänzt 
wurde. Die Vergleichung mit den im Abguss vorliegenden 
von der Seite zusammengedrückten Exemplaren lässt jedoch 
in Betreff der Richtigkeit der Restauration keinen Zweifel. 
Fig. 2. Ansicht desselben Exemplars von oben gegen die Afteröffnung. 
Fig. 3. Vergrösserte Ansicht des mittleren (d. i. von beiden Polen 
gleich weit absiehenden) Theiles zweier Interambulacral-FeU 
ddl" und des von ihnen eingeschlossenen Ambuläcral-Feldes. 
Fig. 4. Vergrösserte schematische Darstellung der die scheitelständige 
Afteröffnung zunächst umgebenden Region. 
g. Genital-Stücke. 
d. Ocular-Stücke. 
/. Interambulacral-Felder. 
A. Ambulacral-Felder. 
Fig. 5. Ansicht von Interambulacral-Stücken schief von der Seite, so 
dass die gekörnelte obere Fläche zum Theil sichtbar ist. 

a. Ein sechsseitiges Stück aus einer der mittleren Längs- 
reihen. 

b. Ein fünfseitiges Stück aus einer der rundlichen , an die 
Ambulacral-Felder angrenzenden Längsreihen, gegen eine 
der breiteren Seitenflächen gesehen. 

c. Ein etwas niedrigere^ sechsseitiges Stück. 
Fig. 6. Ansicht von Ambulacral-Stücken. 

a. Ein Stück aus den beiden mittleren Längsreihen, schief, 
von der Seite gesehen. 

b. Dasselbe im Profil gesehen. 

c. Ein Stück aus einer der anderen Längsreihen. 



Beschreibung^ neuer Fische äüs der Familie 
ilolconotl ') aus dem Busen von l§an Fran- 
cisco, aus dem Sacramento- Fluss und 
dessen Lag^unen ''^''^). 

Von 
UV. P. »iblions. 

Aus den Proceedings of the Acad. of nat. sc. of Philadelphia 
Vol. VII. 1854. p. 122 übersetzt 



Herausg-eber« 



In dem ersten Vortrage, welchen ich vor der Akademie 



*) Im 20slen Jahrgange dieses Archiv's p. 149 ist eine Abhand- 
lung von Agassiz ober eine neue Familie von lebendig gebärenden 
Fischen aus Caüfornien in def Üebersetzung mitgelheilt woidert ^ Wel- 
cher dann auch ein Wachtrag desselben Verfassers in diesem Bande 
p. 30 hinzugefügt wurde, in welchem die ihm bekannten sechs Arten 
in vier Gattungen verlheilt wurden. Seitdem hat sich die Zahl der 
Arten und Gattungen dieser Familie bedeutend vermehrt. W. F. Gib- 
bon und Charles Girard haben Gelegenheit gehabt, derartige Fische 
aus Californien zu untersuchen, und haben ihre Resultate in den Pro- 
ceedings der Academie zu Philadelphia veröffentlicht. Wir Iheilen die 
beiden Abhandlungen hier gleichfalls in der Üebersetzung mit. Die 
Familie der Holconoti zeigt, wie viele interessante Thierformen uns bis- 
her noch völlig unbekannt waren, und dass wir von dem regen For- 
schersinn, welcher gegenwärtig unter den INordamerikanischen Naturfor- 
schern herrscht, noch viele schöne Resultate erwarten dürfön. 

Der Herausgeber. 

**) Gelesen in der California Academy of Dj^t. sciences ain Ö. 
JaAttar, uhd am 15. 22> uud ^9. Mai 1854. 



332 Gibbons: 

Über diese Fische hielt, setzte ich sie unter die Labroiden, 
mit Rücksicht auf die Uebereinstimmung der Charalitere mit 
dieser Familie im Cuvier'schen Sinne. Professor Agass iz 
spricht sich jedoch in einem an mich gerichteten Briefe ge- 
gen diese Stellung im System aus, weil neuerlichst die Cha- 
raktere der Labroiden modificirt seien. Diese Frage wird 
durch eine gründlichere Kenntniss dieser interessanten Fa- 
milie, welche wahrscheinlich eine grosse Zahl noch unent- 
deckter Arten enthält, erledigt werden. Die grossen Abwei- 
chungen des thierischen und pflanzlichen Lebens in Califor- 
nien fordern eine ruhige und tiefgehende Forschung, bevor 
wir zu einem definitiven Abschluss über die Charaktere der 
neuen Fische kommen. Bei meiner gegenwärtigen Beschrei- 
bung stelle ich daher diese Fische provisorisch in die Familie 
der Labroiden '"*). 

Gattung Holconotus *^*>. 

Kopf von mittlerer Grösse; Körper subcomprimirt, ge- 
wölbt; Lippen dick. Mund vorstreckbar; Wangen und Kie- 
mendeckel mit Schuppen bedeckt, der letztere mit einer dün- 
nen Membran am Rande. Zähne konisch, in geringer Zahl, 
in einer Reihe in beiden Kiefern. Fünf Strahlen in der Kie- 
menhaut. Die Rückenflosse beginnt hinter den Brustflossen; 
Seitenlinie fast parallel. Die Stachelstrahlen der Rückenflosse 
legen sich in eine Grube, die tief genug ist, um sie zu ver- 
bergen. Ein schmaler, nackter Raum , zwei Schuppen unter 
der Basis des mittleren und hinteren Theiles der Rückenflosse; 
die Länge dieses Raumes ist nicht constant bei derselben Spe- 
cies, aber er ist bei allen Gattungen dieser Familie vorhanden. 

t».i;iiji''i ^Aiiii'Holconotus Agassizi Gibbons. 

Krümmung des Rückens und Bauches gleichmässig; ein 
schwacher Einschnitt an der Basis des Kopfes; Kiefer gleich; 
Rückenflosse mit 9 bis 11 Stachelstrahlen, deren erster etwa 



*) Was die systematisctie Stellung dieser Fische betrifft, so ver- 
weise ich auf meine Bemerkungen hierüber in diesem Archiv IS54. I. 
p. 163. Herausgeber. 

**) Muss vielmehr heissen Embiotoca Agass- Herausgeber. 



Beschreibung neuer Fische aus der Familie Holconoti. 333 

1/4" lang ist;, der zweite von doppelter oder dreifacher Länge 
des ersten^, die übrigen verlängern sich allmählich bis zum 
sechsten, welcher y^ Zoll lang ist; die übrigen sind von glei- 
cher Länge; der weiche Theil ist am Anfange etwa doppelt 
so hoch, und nimmt regelmässig bis zu seinem Ende zu. Der 
erste Strahl der Brust- und Bauchflossen ist stachlig:; der 
der ersteren sehr kurz; die drei ersten Strahlen der After- 
flosse kurz und stachlig. Ein schuppenfreier Raum erstreckt 
sich von der Basis der Bauchflossen jederseits bis zur Basis 
der Afterflosse; die Schuppen, welche den Rand dieses Rau- 
mes bilden , sind gefaltet; im nicht trächtigen Zustande be- 
rühren sich die gegenüberliegenden Ränder dieses Raumes. 
Augen von mittlerer Grösse, und verschieden an Farbe, weiss, 
braun und gelb; der obere vordere Rand der Pupille platt; 
Naslöcher doppelt; Schädel bis zu den Naslöchern herab mit 
Schleimgängen bedeckt; ein ausgedehnter Fleck von Gängen 
zwischen den Nasenlöchern und den Mundwinkeln. 

Kopf durchscheinend grau, dunkelbraun oder schwarz; 
Rücken aschfarbig, dunkel braun und olivenfarbig, mit me- 
tallischem Glanz; Seiten kupferbraun, in der Gegend der 
Bauchflossen in schön irisirende und Fleischfarbe, oder Ro- 
senroth übergehend. 24 bis 26 Längsstreifen unten silber- 
weiss oder fleischfarbig, und nach oben in gelb oder grün- 
lichgelb übergehend. Ueber der Seitenlinie sind diese Strei- 
fen fast parallel dem Rücken , aber unten sind sie fast ge- 
rade und parallel. Flossen und Schwanz unregelmässig mit 
braun, schwarz, olivenfarbig oder gelb gezeichnet. Ultrama- 
rinblau um den Deckel, unter dem Auge und an den Mund- 
winkeln. 

Die Schuppen an der Brust und längs der Basis der 
Flossen kleiner als anderswo. Ganze Länge 15 Zoll, Höhe 
6 Zoll; Gewicht 1 bis 3 Pfund. 

D. 35; P. 21; V. 6; A. 36; C. 20. 

Holconotus Gibbonsi Calif. Acad. of N. S. 

Lippen dicker ; Körper weniger gewölbt als bei der vo- 
rigen Art, Rücken mit einer scharfen Kante vor der Flosse; 
Krümmung des Bauches bis zur Afterflosse schwach, daselbst 
macht sie eine Wendung im WinHel von 60°; so dass dio 



334 tloHörlol Gibbons: 

Strahlen der Afterflosse horizontal zu liegen kommen. Schwanz 
aufwärts gekrümmt, bei vorschreilendem Alter verschwindet 
jedoch diese Krümmung fast ganz. Seitenlinie fast parallel. 
Augen von mittlerer Grösse, unterer Augenrand in einer Li- 
nie mit der Oberlippe. Iris silberfarbig, weiss und braun. 

Rücken dunkel, mit metallischen Farben. Kopf dunkel- 
braun oder durchscheinend grau. Ein ultramarinblaues Band 
umgiebt fast ganz das Auge und geht nach vorn unter die 
Nasenlöcher, wo es sich nach oben zu dem Mundwinkel und 
der Oberlippe krümmt. Dieselbe Farbe unh die Ränder des 
Opcrculnms und Praeoperculums. Etwa 24 Längsstreifen von 
ähnlicher Farbe wie bei der vorigen Art, doch längs den 
Seilen mehr rosenfarbig. Eine röthlich braune Binde er- 
streckt sich längs der Rücken-^ und Afterflosse; Schwanz mit 
derselben Farbe gefleckt; blaue und orangefarbige Binden 
quer über die Bauchflossen; 11 oder 12 undeutliche rothe 
Querbinden am Körper. Schwanzflosse gabelig, Schwanz an 
der Basis der Flosse höher. 

Ganze Länge 11 Zoll; Höhe 4 Zoll; Gewicht 1 Pfund. 

D. 35; P. 22; V. 6; A. 36; C. 20. 

Holconotus fuliginosus Gibbons. 

Kopf gelblichbraun, durchscheinend grau oder fast schwarz; 
dunkelbraun oder schwarz längs dem Oberkiefer. Augen 
ziemlich gross, Jris siiberweiss, gelb und purpurbraun. Lip- 
pen ganz fleischig, citronenfarbig, das Gelb dehnt sich unter 
die Kiefer aus; etwa 24 parallele Streifen, etwas dunkel. Schup- 
pen längs der Basis der Flossen und in dem Raum vor den 
Bauchflossen und Brustflossen kleiner. Die freie Oberfläche 
6': Schuppen am Rücken dunkelbraun; die Winkel zwischen 
ihren Rändern blau, beide Farben werden an den Seiten 
herab allmählich heller. Hinterende der Rücken- und After- 
flosse abgerundet, dunkle Binde über die Schwanzflosse und 
längs After- und Bauchflossen; Afterflosse blau und braun 
gebändert. 

Ganze Länge 13 bis 15 Zoll; Höhe mit Einschluss der 
Rückenflosse, Syj Zoll; Gewicht 2 bis 3 Pfund. 

P. 30; P. 21; V. 6; A. 29; C. 20. 



Beschreibung neuer Fische aus der Familie Holconoli. 333 
Gatt. Cymatog-aster Gibbons. 

Kopf von mittlerer Grösse; Mund vorstreckbar; Lippen 
verdickt; Wangen und Deckel mit Schuppen bedeckt, weiche 
Haut rund um die Ränder; Körper länglich, eiförmig, sub- 
comprimirt, regelmässig gewölbt, Rücken- und Bauchlinie 
gleichförmig. Zähne klein, konisch, drei Reihen im Ober- 
kiefer, eine im Unterkiefer: im letzteren reichen sie bis zum 
Mundwinkel. Fünf Strahlen in der Kiemenhaut; Brustflossen 
vor der Rückenflosse; Seilenlinie parallel; Schuppen von mitt- 
lerer Grösse. Nasenlöcher doppelt, das vordere durch eine 
Klappe geschlossen. 

Cymat ogaster Larkinsii Gibbons. 

Der untere Rand des Auges in einer Linie mit der Ober- 
lippe; Augen von mittlerer Grösse; Unterkiefer ein wenig 
länger; Rückenflosse mit neun Stachelstrahlen; der erste kurz, 
der zweite, dritte und vierte doppelt so lang, etwa IV4 Zoll 
über den Schuppen; von da nimmt die Flosse allmählich an 
Höhe ab bis zu ihrem Ende. Brustflossen lang und spitz, 
erster Strahl kurz und dornig; Afterflosse mit drei kurzen 
Stachelsirahlen ; die hintere Hälfte in einer Grube wie die 
Rückenflosse. Schuppen oben am Kopf und längs der Basis 
der Flossen kleiner, die an der Basis des vorderen Theiles 
der Afterflosse sehr klein; die schuppenfreie Stelle reicht 
von der Basis der Bauchflossen bis zur Schwanzflosse. 

Kopf weiss, grau oder braun gescheckt; Rücken braun 
und grau; Seiten und Bauch silberweiss; 6 bis 8 unvollstän- 
dige gelbliche Querbinden über den Körper. Dunkle Farbe 
län^s dem Rücken. 

Ganze Länge 15 Zoll; Höhe d)'^ Zoll; Gewicht 3 — 4 
Pfund. 

D. 36; P. 22; V. 6; A. 32; C. 22. 

Cymatogaster pulchellus Gibbons. 

Die Linie von der Oberlippe geht durch die Mitte des 
Auges; Lippen dünn; zwei grosse Schuppen vor den Augen; 
die Rückenflosse beginnt hinter den Rückenflossen und über 
den Bauchflossen j die ersten drei Stacheln der Rückenflosse 



336; .•Oon<)r»!<>H ^ilw. Gibbons: üotibg-ia 

kurz; der zweite und dritte doppelt so lang; der vierte 
dreimal so lang wie der dritte; der fünfte der längste, F/s 
Zoll, von der Rückengrube gemessen ; von hier nimmt die 
Höhe der Flosse regelmässig bis zu ihrem Ende ab, so dass 
der letzte Strahl etwa y, Zoll hoch ist; die ersten drei Strah- 
len der Afterflosse stachlig , der Umriss der Flosse etwas 
wellig; etwa 68 Schuppen längs der Seitenlinie; etwa 28 
schmale silberne Längsbinden , Schleimgänge unregelmässig 
über den Kopf zerstreut. 

Kopf braun und durchscheinend grau; Rücken über der 
Seitenlinie bleifarbig; Rand der Rückenflossenhaut schwarz; 
Schuppen längs der Basis der Flossen kleiner als anderswo, 
die längs dem vorderen Theil der Afterflosse sehr klein. 

Ganze Länge 14 Zoll; Gewicht 2 bis 3 Pfund. 

D. 35; P. 26; V. 6; A. 32; C. 20. 

Cymatogaster ellipticus Gibbons. 

Nahe verwandt mit C. Larkinsii; Körper comprimirt, 
heller und mehr silberglänzend, Querbinden dunkler, mit 
einer Linie von dunklen flecken längs der Rückenflosse; Rand 
der Afterflosse schwarz getüpfelt. 

Ganze Länge 9 Zoll; Höhe 4 Zoll; Gewicht 1/2 Pfu^^d. 

Gatt. Hysterocarpus Gibbons. 

Kopf von mittlerer Grösse; Mund vorslreckbar ; Lippen 
massig dick; Körper eiförmig, comprimirt , gewölbt; Wan- 
gen und Kiemendeckel mit Schuppen bedeckt, um die Rän- 
der häutig. Zähne konisch, in einfacher Reihe, sich nicht 
auf die Seiten der Kiefer erstreckend. Fünf Strahlen in der 
Kiemenhaut. Brustflossen unter der Rückenflosse. Darmka- 
nal kurz, mit zwei Windungen. Schuppen gross, leicht ab- 
fallend. Seitenlinie fast parallel mit dem Rücken. 

Hysterocarpus Traskii Gibbons. 

Radius der Krümmung längs der vorderen Hälfte des 
Rückens am kleinsten. Gesichtslinie etwa 45 Grad ; Profil 
längs den Interparietal- und Stirnbeinen schwach eingebogen. 
Unterkiefer länger. Augen ziemlich gross und nahe der Ge- 



Beschreibung neuer Fische aus der Familie Holconoti. 3i37 

Sichtslinie. Die Rückenflosse hat 17 kräftige, gekrümmte Sta- 
cheln : der erle kurz, die folgenden bis zum sechsten läng- 
sten allmählich länger werdend. Die Stacheln liegen in einer 
Grube, aber nur die beiden ersten sind darin verborgen, die 
übrigen stehen etwa V4 Zoll daraus hervor, und legen sich 
alternirend neben einander, so dass sie eine doppelle Reihe 
bilden. Brustflossen fast viereckig, am unteren Rande abge- 
rundet, der erste Strahl kurz und fast stachlig. Der erste 
Strahl der ßauchflossen kürzer als die übrigen, stachlig und 
gekrümmt. Die drei Stacheln der Afterflosse kurz, dick und 
gekrümmt, der miltlere der längste. Die Schuppen oben am 
Rücken, an den Deckeln, an der Basis der Schwanzflosse, 
der Afterflosse und der Bauchflossen, sowie in dem Raum 
der vorn von den Bauch- und Brustflossen begrenzt wird, 
kleiner. 

Der Rücken variirt zwischen Aschfarbe und Braun. 
Unregelmässige schwarze Flecke nähern sich einigermassen 
zu Binden an den Seiten. Bauch citrongelb, an den Seiten 
heller werdend und in die Aschfarbe übergehend. Seiten zu- 
weilen schwarz punktirt , dunkle und gelbe Flecke an den 
Flossen. 

Ganze Länge 6'/. Zoll; Höhe 3 Zofl; Gewicht 2 Unzen. 

D. 28; P. 18; V. 6; A. 23; C. 22. 

Var. A. Gesichtslinie nicht so winklig wie bei den an- 
deren, Kopf niedriger, geringere Krümmung des Rückens und 
keine schwarze Binden. 

Die Anatomie ist ähnlich den anderen Arten dieser Fa- 
milie, nur dass der Uterus, anstatt am vorderen Ende zwei- 
theilig zu sein, eiförmig ist, und nur ein einziges System von 
Uterin-Blutgefässen hat. 

Die Exemplare, nach denen ich diese Beschreibung ent- 
worfen habe, sind mir von meinem Freunde Dr. J. B. Trask 
mitgetheilt , der sie durch die Güte des Flerrn Morris aus 
den Süsswasser-Lagunen des Sacramentoflusses und aus dem 
Flusse selbst erhielt, wo sie so weit hinauf vorkommen, wie 
die Fischer bis jetzt gekommen sind. 

Archiv f. Naturgesch. XXI. Jahrg. 1. Bd. 22 



338 Gibbons: 

Gatt. Hyperprosodon Gibbons. 

Kopf von mittlerer Grösse; Körper comprimirt , oval; 
Mund vorstreckbar; Lippen (iünn; Wangen, Kiemendeckel und 
Vorderdeckel schuppig- , mit häutigen Rändern. Zähne ko- 
nisch in einfacher Reihe, sich rund um den Unterkiefer er- 
streckend und etwa bis auf die Hälfte des Oberkiefers; sechs 
Strahlen in der Kiemenhaut; die Rückenflosse beginnt hinter 
den Brust- und Bauchflossen; Schuppen von mittlerer Grösse; 
Seitenlinie fast parallel dem Rücken. Darmkanal kurz ; Au- 
gen sehr gross , Iris weiss , mit einem braunen Halbmond 
darüber. 

Hy perprosodon arg enteus Gibbons. 

Rücken regelmässig gewölbt, mit einer schwachen Ein- 
biegung längs dem Stirnbein ; Krümmung des Bauches grös- 
ser als die des Rückens; Oberlippe in einer Linie mit dem 
oberen Rande des Auges; Seiten des Oberkiefers fast verti- 
cal; Unterkiefer länger; die Rückenflosse hat 8 bis 9 Sta- 
chelstrahlen, der erste kurz, der zweite, drille und vierte 
doppelt so lang, der sechste Strahl der längste; Rückengrubc 
längs den weichen Strahlen obsolet; Brustflossen keilförmig; 
der erste Strahl kurz und stachlig; drei Stacheln in der Af- 
terflosse; ein y^ Zoll breiter schuppenfreier Raum erstreckt 
sich von der Basis der Bauchflossen um die Geschlechtsöfl"- 
nung; Nasenlöcher doppelt, das vordere durch eine Klappe 
geschlossen; zwei oder drei Reihen sehr kleiner Schuppen 
längs der Basis des vorderen Dritllheils der Afterflosse; die 
Schuppen über der Seitenlinie und um die Flossen kleiner 
als anderswo. 

Kopf aschfarbig und dunkelbraun; Rücken hellbraun mit 
blauem Melallglanz, unter der Seitenlinie silberweiss; 22 bis 
24 silberweisse Längsstreifen; Aussenrand der Rückenflos- 
senmembran, der Schwanz- und Bauchflossen dunkel punk- 
tirt, die Spitzen der Bauchflossen schwarz. 

Ganze Länge 9 Zoll; Höhe V/n Zoll; Gewicht ein hal- 
bes Pfund. 

D. 35^ P. 26 bis 28; V. 6; A. 36 bis 40; C. 22. 



Beschreibung neuer Fische aus der Familie Holconoli. 339 

Hyperprosodoti arcuatus Gibbons. 

Krümmung- des Rückens grösser, die des Bauches ge- 
ringer als bei H. argenlcus. Mund niedriger in Beziehung- 
zu den Augen. Kopf kürzer , Augen kleiner , Rückengrube 
länger. Etwa von derselben Grösse, wie der vorige. 

Gatt. Micrometrus Gibbons. 

Kopf von minierer Grösse, Körper eiförmig, comprimirl; 
Mund vorstrockbar; Lippen dünn; Wangen und Deckel schup- 
pig; Zähne konisch, in doppeller Reihe in jedem Kiefer, die 
innere Reihe mit vier bis sechs Zähnen; 5 StrHhlen in der 
Kiemenhaut; Rückenflosse beginnt hinter den Brustflossen 
und etwa gegenüber den Bauchflossen; Schuppen ziemlich 
gross; Darmkanal sechs bis zehn Zoll lang; Augen von mitt- 
lerer Grösse; Schwanzflosse gabiig. 

Micrometrus aggr egatus Gibbons. 

Ctjmalogaster aggregatus Gibbons Proc. Philadelphia VII. p. 106. 

Rücken schwach gewölbt; Seitenlinie nicht parallel mit 
der Rückenlinie; Bauch stärker gekrümmt als der Rücken; 
Raum hinter den Bauchflossen mit Schuppen bedeckt. 

Kopf aschfarbig; Körper mit 8 oder 9 Längsreihen 
schwarzer Flecke, die unter der Seitenlinie beginnen und 
unter dem Ende der Rückenflosse verschwinden, und welche 
von drei oder vier citronfarbigen senkrechten Binden un- 
terbrochen werden ; Rücken dunkelbraun mit blauem Metall- 
glanz; Bauch und Schwanz silberweiss. 

Ganze Länge 5 Zoll ; Höhe mit Einschluss der Rücken- 
flosse 2 Vi, Zoll; Gewicht 2 Unzen. 

D. 21; P. 20 bis 24; V. 6; A. 16; C. 20. 

Micrometrus minimus Gibbons. 

Cymatogaster minimus Gibbons Proc. Philadelphia VII. p. 106. 

Rücken mehr gekrümint als beim Vorigen; Rücken braun 
mit melitllischem blauen Glänze; Seiten schwarz punklirt mit 
citronfarbigen Flecken längs der Mitte; ein ausgebreiteter 
dunkelbrauner oder schwarzer Fleck am Ende der Stachel- 



340 Gibbons: < mwdiovhvjH 

strahlen; die Membran der Rücken-, Schwanz- und After- 
flosse schwarz punktirt , Bauchflossen an der Basis gelb , 
schwarz getüpfelt; ein schwarzer Fleck unter den Brustflos- 
sen. Von derselben Grösse wie der vorige. '"' *''^*'''* 
Var. A. Mit grösseren Schuppen und von hellerer FarbeJ 
ganze Länge 6 Zoll; Höhe 3'/^ Zoll. 

Galt, iriytiloiiliag-uü Gibbons. 

Kopf von mittlerer Grösse; Mund wenig vorstreckbar; 
Lippen verdickt; Wangen und Deckel mit Schuppen. bedeckt, 
mit einer weichen Membran um die Ränder ; Körper länglich 
eiförmig, subcomprimirt , gewölbt; Rücken etwas verflacht; 
Zähne konisch, eine doppelte Reihe in jedem Kiefer, die des 
Unterkiefers bis zum Mundwinkel reichend; sechs Strahlen in 
der Kiemenhaut, Brustflossen vor der Rückenflosse. Seiten- 
linie fast parallel mit dem Rücken; Schuppen gross. 

Mytilophagus fasciatus Gibbons. 

Krümmung des Bauches grösser als die des Rückens; 
Augen ziemlich gross, etwa y^ Zoll über der Linie der Ober- 
lippe; Unterkiefer ein wenig länger; Rückenflosse mit 10 
Stacheln, der erste kurz, die folgenden allmählich an Länge 
zunehmend bis zum sechsten, längsten, der etwa Vs Zoll lang 
ist; die gegliederten Strahlen an ihrem Anfange höher als 
die Stacheln. Die Rückengrube reicht bis zum Ende der Flosse; 
Brustflossen lang und spitz, der erste Strahl kurz und stach- 
lig; Afterflosse mit drei kurzen Stacheln, die hintere Hälfte 
in einer Grube wie die Rückenflosse; Schuppen vor den 
Bauchflossen und längs der Basis der After- und Schwanz- 
flossekleiner; der schuppenlose Raum erstreckt sich von der 
Basis der Brustflossen um die Geschlechtsöff'nung etwa '/j 
Zoll breit. 

Kopf hell aschfarbig oder braun scheckig; Bauch silber- 
weiss; acht oder zehn hellbraune Querbinden über die Sei- 
ten; Rückenflosse mit dunklen Flecken; dunkle Binden über 
den Schwanz und längs der Afterflosse. 

Länge 15 Zoll; Höhe 6 Zoll; Gewicht 3 Pfund. 

D. 34; P. 24; V. 6; A. 30; G. 23. ,'. 



Beschreibung neuer Fische aus der Familie Holconoti. 341 
Gatt. Pacliylabrus Gibbons. 

Kopf von mittlerer Grösse, ein Viertel der ganzen Länge 
des Körpers; Mund sehr vorslreckbar; Lippen sehr dick; 
Wangen und Deckel mit Schuppen bedeckt, letzterer an den 
Rändern häulig; wenige konische Zähne in einer Reihe in 
den Kiefern; sechs Strahlen in der Kiemenhaut; Nasenlöcher 
gross, doppelt, das vordere durch eine Klappe geschlossen; 
die Rückenflosse beginnt hinter den Brustflossen , gegenüber 
den Bauchflossen; Schuppen von mitllerer Grösse; Seiten- 
linie fast parallel. 

Fachylahrii s v ar iegatus Gibbons. 

Körper subcomprimirt; Kückenlinie etwas niedergedrückt 
längs dem Slacheltheil der Flosse ; Krümmung des Bauches 
regelmässig; Kopf mit Schleimgängen bedeckt; sechs Reihen 
kleiner, semiconcentrischer Schuppen an den Wangen; die 
obere Reihe beginnt an dem oberen Winkel des Vorderdek- 
kels und endigt an dem Winkel des Kiefers; Kopf nackt über 
dieser Grenze; Augen gross, mit einer Nickhaul versehen; 
Iris weiss; Schwanz lang und dick, erweitert an der Basis 
der Schwanzflosse; Rückenflosse mit 10 Slachelstrahlen, der 
erste kurz, der zweite doppelt so lang, der dritte, vierte und 
fünfte noch länger , die übrigen etwa einen Zoll lang; die 
gegliederten Strahlen an ihrem Anfange 1% Zoll lang, an 
ihrem abgerundeten Ende ^/^ Zoll. Brustflossen fast viereckig, 
der erste Strahl kurz und stachlig ; die drei Stachelstrahlen 
der Afterflosse kurz. 

Etwa 30 schmale, silberfarbige Längslinien; Schuppen 
sehr klein um die Basis der Schwanz- und Afterflosse. Etwa 
88 Schuppen in der Seilenlinic; Lippen fleischfarbig; Kopf 
durchscheinend grau und dunkelbraun ; Rücken bleifarbig mit 
metallischem Glanz; an den Seilen ist die Farbe heller. 

Ganze Länge 14 Zoll; Höhe 6 Zoll; Gewicht ly^ Pfund. 

D. 34; P. 23; V. 6 ; A. 33; C. 20. 



• iiitititii^ff^ä 



Uebep die lebcndig^ gebärenden Fische an 
der IVestliüste von Hordaincrika. 

Von 

Cliarles Cwirard* 

(Proceedings of Ihe Academy of nat. sc. of Philadelphia 
April 1855.) 

üeberselzt 

vom 

Herausg^eber* 



Die Beobachtungen, welche ich über den Geschlechtsappa- 
ral des Weibchens angestellt habe, haben mich belehrt, dass eine 
Ovarial-Scheide oder ein Sack vorhanden ist, welcher wäh- 
rend der frühen Periode der Trächligkeit eine längliche und 
fast cylindrische Röhre darstellt , und die eigentlichen Ova- 
rien, zwei an der Zahl, enthält. Jedes Ovarium besteht aus 
zwei, drei oder mehr Gefässhäuten , die mit ihrem oberen 
Rande an die obere Wand der Scheide angeheftet sind, und 
eine , zwei oder mehrere Taschen (je nach der Zahl dieser 
Häute), von derselben Länge wie die Scheide selbst, bilden. 
Sie sind unten offen, obgleich nicht in unmittelbarer Verbin- 
dung mit einander , da die Häute lose bis auf die untere 
Wand der Scheide herabhängen. 

Die Eier werden in dem Gewebe der Ovarial-Häute selbst 
gebildet, ich habe die Ovarien von Ennichthys Heermanni 
untersucht, als die Scheide, in welcher sie enthalten waren, 
nicht grösser war , als ein gewöhnlicher Federkiel. Zahl- 
reiche Eier konnte man in einem sehr unreifen Zustande be- 



Girard: üeber die lebendig gebärenden Fische Nordaraerika's. 343 

merken; sie erschienen dem blossen Auge wie kleine Punkte. 
Unter dem Mikroskop zeigten sie deutliche Spuren des Keim- 
bläschens, noch von einer sehr geringen Menge von Dotter- 
substanz umgeben. 

Die Scheide und die Ovarien nehmen allmählich in dem 
Maasse zu, wie zuerst die Eier selbst , und später die Em- 
bryonen wachsen. Die Scheide ist hauptsächlich muskulös, 
während die Ovarial - Häute , wie schon bemerkt , Gefäss- 
häule sind. 

Bei der Reife fallen die Eier entweder in den Raum 
zwischen den Häuten oder Eierstockslaschen , oder bleiben 
auch an den Ovarien befestigt, bis die Embryonen aus ihnen 
ausschlüpfen. Ich möchte glauben , dass sie als Eier in die 
Taschen gleiten. Jedenfalls fand ich junge Embryonen lose 
in den Eierstockstaschen, ohne eine Spur der Eihäute in dem 
Gewebe der Ovarien als corpora lutea oder Grafische Bläs- 
chen sehen zu können. Wie es immer sein mag, zahlreiche 
Eier oder Embryonen finden sich in einer Tasche. Die Jun- 
gen bleiben so bei einander, bis sie eine beträchtliche Grösse 
erlangt haben, und während sie den Raum vollständiger er- 
füllen , dehnen sich die sehr dehnbaren Eierstockshäute in 
eine Falte zwischen jedem Embryo aus. So scheint jedes 
einzelne Junge, wenn es seitwärts aus dem Eierstock genom- 
men wird, in einer besonderen Höhle, Tasche oder Schlauch 
des Ovariums eingeschlossen, während in derThat die Häute 
ausgestreckt oder ausgedehnt werden können , so dass die 
ganze Brut aus jedem Zusammenhange mit ihnen gelöst wird. 

Die männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus zwei 
Hoden, einem rechten und einem linken, völlig unabhängig 
von einander. Jeder von ihnen hat seinen besonderen Aus- 
führungsgang , wodurch er seinen Inhalt in eine längliche 
Kloake entleert, in welche auch die Harnblase ihren Inhalt 
ergiesst. Diese Kloake öffnet sich nach aussen mit einer 
rundlichen Oeffnung, deren Rand etwas hervorragt. So ist 
dieser Apparat in seinem allgemeinen Bau derselbe, wie bei 
den übrigen Knochenfischen. Keine Scheide umschliesst die 
beiden Moden , und das wirft ein Licht auf die Morphologie 
der Eierstöcke: diese sind eigentlich in doppelter Zahl vor- 
handen, aber so eng mit einander verbunden, dass sie das 



344 Girard: ' ' '^ 

Ansehn eines einzelnen Organes darbieten. So ist die all- 
gemeine Anordnung, nicht der Bauplan, dieser Organe der 
Forlpflanzungsweise angepasst — eine einzelne Scheide ist 
eine einfachere Anordnung, als zwei, eine für jedes Ovarium. 

Wie der mechanische Act der Befruchtung vor sich 
gehe, weiss ich aus directen Beobachtungen nicht; die Eier 
selbst müssen innerhalb der Ovarialscheide befruchtet wer- 
den; eine Begattung irgend einer Art ist daher erforderlich, 
und es ist nicht unwahrscheinlich , dass in dieser Periode 
die Eier aus den Eierstockshäulen in die Taschen herabfal- 
len, in denen sie frei bleiben. 

Die Entwiclielung der Embryonen findet frühzeitig statt. 
Nach dem Ausschlüpfen aus dem Ei haben sie einen Abdo- 
minalsack, welcher den Dotterrest enthält , und welcher in 
einer Periode, wo Mund und Schlund noch nicht gebildet sind, 
allmählich absorbirt wird; die Flossen sind noch nicht vor- 
handen. Die Gesichtsorgane beginnen mit einer Ablagerung 
einer äusseren Schicht von schwarzem Pigment, in jeder Be- 
ziehung denselben Organen bei den Wirbellosen ähnlich. In 
der Periode, wo die Flossen sich zu entwickeln beginnen, ist 
der Kopf vorn abgerundet und die Mundspalte ist noch nicht 
sichtbar. Die Schwanzflosse hat den Vorsprung vor allen an- 
deren Flossen ; ihr hinterer Rand ist zuerst lanzettförmig, 
dann abgerundet, mit einer Convexität , die sich allmählich 
bis zu einer vollkommen geraden Linie vermindert , wo 
dann eine allmähliche Ausrandung beginnt , und von einem 
schwachen Halbmond bis zu der Gabelform fortschreitet, wel- 
che sie im erwachsenen Zustande annimmt. Der weiche und 
gegliederte Theil der Bücken- und Afterflosse entwickelt sich 
anfangs zu ausserordentlichen Verhältnissen, die allmählich 
wieder schwinden, sobald sie frei vom elterlichen Schulz sind. 
Der hintere Theil dieser Flossen ist besonders als länger 
und höher zu erwähnen, als der vordere Theil (umgekehrt 
wie bei den Erwachsenen) , er dehnt sich gewöhnlich bis 
über die Basis der Schwanzflosse aus, und dieser Charakter 
kommt daher nicht ausschliesslich dem Genus Rhacochilus 
zu. Der stachlige Theil derselben Flossen entwickelt sich 
dagegen nur langsam und allmählich, und erreicht seine volle 
Grösse erst spät. Die Bauch- und Brustflossen entwickeln 



üeber die lebendig gebärenden Fische Kordamerika's. 345 

sich gleichfalls langsam. Die Schuppen sind vollständig ent- 
wickelt, bevor das Junge den Eierstock verlässt. 

Gatt. Embiotoca Agass. 
Silliman Amer. Journ. of Sc. XVI. 1853. p. 386. (Dies Archiv 
1854. p. 157) und XVII. p.366. (Dies Archiv 1855. p.31). 

Kopf massig; Mund klein; Oberkiefer ein wenig länger. 
Lippen dick und fleischig , die untere durch ein Frenum an 
die Symphyse des Unterkiefers angeheftet. Zwischenkiefer 
vorstreckbar. Zähne in beiden Kiefern kurz, konisch, stumpf, 
schwach gekrümmt, in einer Reihe. Schlundknochenzähne 
pflasterarlig. Der stachlige Theil der Rückenflosse niedriger 
als der weiche; die grosseste Difi^erenz in der Höhe der bei- 
den findet sich an ihrer Berührungsstelle. Fünf oder sechs 
Strahlen in der Kiemenhaut. Schuppen mittelmässig; die Sei- 
tenlinie sehr deutlich, ununterbrochen vom Kopf bis zur 
Schwanzflosse und parallel der Rückenlinie. Keine Schuppen 
auf den Flossen. 

1. Embiotoca Jacksoni Agass. 

Embioloca Jacksoni Agass. Silliman Amer. Journ. of Sc. XVI. 

1853. p. 387 ; Archiv f. Natnrgesch. 1854. I. p. 157. 
Embiotoca Jacksoni Agass. Silliman Amer. Jouru. XVII. 1854. 

p.366; Archiv f. Naturgesch. 1855. I. p. 32. 
Embioloca Jacksoni Girard Proc. Acad. nat. sc. Philadelphia VII. 

1854. p. 151. 

Körpergestalt subelliptisch. Afterflosse breit abgerun- 
det an ihrem äusseren Rande; Anfang derselben gegenüber 
dem sechsten oder siebenten gegliederten Strahl der Rücken^ 
flösse. Die Spitzen der Brusiflossen reichen bis unter den 
drillen gegliederten Strahl der Rückenflosse. Augen eher 
klein als von mittlerer Grösse. Die Kiefer endigen vor dem 
vorderen Augenrande. Slirngegend über den Augen schwach 
niedergedrückt. Fünf Strahlen in der Kiemenhaut. Etwa 
sechzig Schuppen in der Seitenlinie. Weibchen einförmig 
dunkel purpurbraun; Männchen olivenbraun mit verbreiteten 
(diffused) dunklen Flecken -"'). 

Fundort: San Francisco in Californien. 



*) Die Färbung dieser und aller folgenden Arten ist nach Exem- 
plareu gegeben, diu lange iu Weingeist gelegen liatten. 



346 Girard: 

2. Embio toca Cassidyi Girard. 

Embiotoca Cassidyi Girard Troc. Acad. nat. sc. Philadelphia YIl. 
1854. p.151. 

Korpergestalt subellipsoidisch. Slirngegend über den 
Augen sehr schwach niedergedrückt. Afterflosse wellig an 
ihreßi äusseren Rande; ihr Ursprung Unter dem dritten ge- 
gliederten Strahl der Rückenflosse. Die Spitzen der Brust- 
flossen reichen bis unter den letzten Stachelstrahl der Rük- 
kenflosse. Augen über mittlere Grösse. Die Kiefer erreichen 
den vorderen Rand des Auges nicht. Sechs Strahlen in der 
Kiemenhaut. Sieben und fünfzig Schuppen in der Seitenlinie. 
Purpurbraun mit etwa zwölf durchscheinenden Binden von 
dunklerer Farbe. 

Fundort: San Diego in Californien. 

3. Embiotoca Webbi Girard. 

Körpergestall ellipsoidisch. Stirngegend subconcav; Hin- 
terhaupt vorstehend. Afterflosse wellig an ihrem äusseren 
Rande; ihr Ursprung unter dem fünften gegliederten Strahl 
der Rückenflosse. Die Spitzen der Brustflossen reichen bis 
unter den dritten gegliederten Strahl der Rückenflosse. Au- 
gen über mittlere Grösse. Die Kiefer reichen bis unter den 
Vorderrand der Augen. Fünf Strahlen der Kiemenhaut an 
der rechten, sechs an der linken Seite. Vier und fünfzig 
Schuppen an der Seitenlinie. Olivenbraun mit undeutlichen 
Purpurflecken. 

Fundort: San Diego in Californien. 

4. Embiotoca lineata Girard. 

Embiotoca lineata Girard Proc. Acad. nat. sc. Philadelphia YII. 
1854. p.l34 und 151. 

Körper länglich subelliptisch. Afterflosse verlängert mit 
fast geradem Aussenrande, nach hinten an Höhe allmählich 
abnehmend; ihr Ursprung unter dem sechsten gegliederten 
Strahl der Rückenflosse. Die Spitzen der Brustflossen rei- 
chen bis unter den vorletzten Stachel der Rückenflosse. Au- 



üeber die lebendig gebärenden Fische Nordamerika's. 347 

gen von mittlerer Grösse. Die Kiefer reichen bis unter den 
Vorderrand der Augen. Stirng-egend über den Augen schwach 
niedergedrückt. Fünf Strahlen in der Kiemenhaut. Zwei und 
sechzig Schuppen in der Seitenlinie. Grundfarbe der oberen 
Gegenden dunkel olivenfarbig oder röthlichbraun : unten röth- 
lichgelb. Die Seiten des Bauches mit hellen Längsslreifen 
an dem Vereinigungspunkt der Schuppenreihen. Afterflosse 
tief purpurfarbig mit einer gelblichen Binde an ihrem Grunde. 
D. 10. 1. 24; A. 3. 30. 

Fundort: San Francisco in Californlen. 

5. Etnbiotoca ornata Girard. 

Embiotoca lineata Girard Proc. Acad. nat. sc, Philadelphia VII. 
1854. p.151. ! 

Körperform subelliptisch. Die Kiefer reichen bis hinter 
die hinteren Naslöcher. Augen von mittler Grösse. Aeus- 
serer Rand der Afterflosse fast gerade ; ihr Anfang gegen- 
über dem fünften gegliederten Strahl der Rückenflosse. Die 
Spitzen der Brustflossen reichen bis unter den zehnten Sta- 
chel der Rückenflosse. Fünf Sirahlen in der Kiemenhaul. 
Etwa vier und sechzig Schuppen in der Seitenlinie. Färbung 
oben dunkelbraun; Seiten und Bauch gelblich golden, mit 
purpurnen Streifen längs der Vereinigungslinie zwischen den 
Schuppenreihen. Die Schuppen an der Brust mit einem mitt- 
lem purpurnen Fleck versehen. ««i) 

Fundort: San Diego in Californien. 

6. Embiotoca p er spicabilis Girard. 

Körper länglich subelliptisch. Stirngegend sanft ab- 
schüssig. Augen von mittler Grösse. Die Kiefer reichen 
nicht ganz bis unter den vorderen Rand des Auges. After- 
flosse lang; ihre vorderen ungetheillen Strahlen länger 'als 
die übrigen , und ihr Anfang liegt unter dem zwölften ge- 
gliederten Strahl der Rückenflosse. Die Spitzen der Brust- 
flossen reichen bis unter den letzten Stachel der Rückenflosse. 
Fünf Strahlen in der Kiemenhaut. Drei und sechzig Strah- 
len in der Seitenlinie. Dunkel purpurbraun oben, heller un- 
ten. Die Seiten mit heilen schmalen Längsstreifen auf dem 
Vereinigungspunkt der Schuppenreihen. Rücken-, Schwanz-, 



After- und ßauchflossen röthlich purpurfarbig; Bruslflossen 
gelblich. 

Fundort: Fort Steilacoom, Puget Sound. 

Gatt, llainaliclitliys Girard. 

Kopf wohl entwickelt. Augen gross. Mund von mitt- 
ler Grösse ; Oberkiefer beträchllich über den Unterkiefer vor- 
ragend. Zähne in geringer Zahl, kurz und subconisch , in 
einer Reihe. Lippen massig dick; die untere fest an die 
Symphyse der Kiefer angeheftet. Der Kiemendeckel-Apparat 
sehr stark entwickelt und mit grossen Schuppen bedeckt. 
Vorderer Theil der weichen Rückenflossenstrahlen sehr hoch. 
Schwanz schlank; Schwanzflosse tief gabiig. Afterflosse ver- 
längert; ihr vorderer Theil der tiefste. Bauch- und Brust- 
flossen verhältnissmässig gross. 

7. Damalichthys vacca Girard. 

Männchen mit einem birnförmigen Sack am vorderen 
Drittel der Afterflosse versehen. Fünf Kiemenstrahlen. Grund- 
farbe graulich olivenfarbig. Schuppen mit einem goldenen 
und silbernen metallischen Reflex. Flossen einfarbig. 

Fundort: Fort Steilacoom, Puget Sound. 

Gatt. Plianerodon Girard. 
(Proc. Acad. nat. sc. Philadelphia YII. 1854. p. 153.) 

Kopf ziemlich klein. Mund klein; Kiefern gleich. Lip- 
pen dünn; Unterlippe durch ein sehr schmales Frenum an 
die Symphyse der Kiefer angewachsen. Zwischenkiefer sehr 
vorstreckbar. Zähne gross und subconisch, in einer Reihe 
in beiden Kiefern. Der stachelige Theil der Rückenflosse 
eben so hoch wie der weiche. Die vorderen gegliederten 
Strahlen der Afterflosse ungetheilt, vor ihnen drei kürzere 
Slachelstrahlen. Schuppen wohl entwickelt. Seitenlinie pa- 
rallel der Rückenlinie. Schuppen am Grunde der Schwanz- 
flossenstrahlen. Die Rückengrube erstreckt sich von der 
Mitte des stachligen Theiles der Rückenflosse bis zu dem letzten 
Drittel des weichen Theiles. Die Scheide wird vorne durch 
?wei, hinten durch eine Schuppenreihe gebildet. 



üeber die lebendig gebärenden Fische Nordamerika's. 349 

8. Phanerodon furcatus G\Y?iY6. 

Phanerodon furcatus Girard Proc. Acad. nat. sc. Philadelphia VII. 
1854. p. 153. 

Körperform verlängert , hinten etwas zugespitzt , und 
sehr stark zusammengedrückt. Die Mundspalte erstreckt sich 
nicht bis zum Vorderrande des Auges. Augen gross und 
kreisrund. Fünf Strahlen in der Kiemenhaut. Schwanzflosse 
schlank und tief gegabelt. Etwa drei und sechzig Schuppen 
in der Seitenlinie. Oben gelblichbraun , an den Seiten hel- 
ler; unter der Kehle weisslich. Flossen gelblich. Rand der 
Rücken- und Schwanzflosse graulich. Ein verbreiteter (diffu- 
sed) seitlicher Fleck vor dem vorderen Theil der Afterflosse. 
D. 10. 23 ; A. 3. 33. 

Fundort: Bay von San Francisco in Californien. 

Gatt. Alveona Girard. 

Kopf von mittlerer Grösse; Mund sehr klein; Kiefer 
gleich. Lippen ziemlich dünn, die untere durch ein Frenum 
an die Symphyse des Kiefers angeheftet. Zwischenkiefer vor- 
streckbar. Zähne kräftig, conisch, in einer Reihe in beiden 
Kiefern. Fünf Strahlen in der Kiemenhaut. Der stachlige 
Theil der Rückenflosse höher als der weiche; die Trennungs- 
linie zwischen beiden schwach eingedrückt. Die geglieder- 
ten Strahlen der Afterflosse alle gelheilt, drei wohl entwik- 
kelte Stachelstrahlen , die Basis dieser Flosse ziemlich kurz. 
Schuppen von massiger Grösse. Seitenlinie parallel der Rük- 
kenlinie. Keine Schuppen auf den Flossen. Die Rückengrube 
erstreckt sich fast auf die ganze Flossenbasis. Die Scheide 
wird von zwei Schuppenreihen gebildet. 

9. Abeona Trowbridgii Girard. 

Holconotus Trowbridgii Girard Proc. Acad. nat. sc. Philadelphia 
VII. 1854. p. 152. 

Körpergestalt subelliptisch. Kopf subconisch; Schnauze 
abgekürzt; Mund klein; das Ende der Kiefer erreicht den 
vorderen Augenrand nicht. Augen gross und kreisrund. 
Fünf Strahlen in der Kiemenhaut. Ein und vierzig Schuppen 



350 Girard: 

in der Seilenlinie. Oben olivenfarbig oder rölhlichbraun, sil- 
berfarbig an Seiten und Bauch. Seilen gefleckt, Flossen 
gelblich mit Ausnahme der Afterflosse, welche purpurfarbig 
ist und am vorderen Theil gefleckt. D. 9. 13; A. 3. 14. 

Fundort: Nicht genau bekannt; San Francisco, Monte- 
rey oder San Diego in Californien. 

Gatt. Holconotus Agass. 

(Silliman Amer. Journ. of Sc. XVII. 1854. p.367; Archiv für 
Naturgesch. 1855. I. p. 34.) 

Kopf wohl entwickelt. Mund klein; Kiefer gleich; Un- 
terkiefer bei geöff'netem Munde schwach vorstehend. Lippen 
dünn, die untere rundum frei. Zwischenkiefer in beträchtli- 
cher Ausdehnung vorstreckbar. Zähne klein, schlank, sub- 
conisch, schwach gekrümmt, in doppeller Reihe im Oberkie- 
fer, in einfacher Reihe im Unterkiefer. Der Stacheltheil der 
Rückenflosse höher als der weiche. Die vorderen geglie- 
derten Strahlen der Afterflosse meist alle gelheilt, vor ihnen 
drei kürzere Dornen. Schuppen ziemlich gross. Seitenlinie 
parallel der Rückenlinie. Keine Schuppen an den Flossen. 
Rückengrube reicht von der Mitte des stachligen Theiles der 
Rückenflosse bis unter die Mille des weichen Theiles dersel- 
ben. Die Scheide wird nur von einer deutlichen nach hin- 
ten abnehmenden (lapering) Schuppenreihe gebildet. 

10. Holconotus rhodopterus Agass. 

Holconohis rkodoplerus Agass. Silliman Amer. Journ. XII. 1854. 

p. 368; Archiv f. Naturgesch. 1855. I. p. 34. ;;jq»d')''i 

HolconoUis rhodoplerus Girard Proc. Acad. nat. sc. Philadelphia 

VII. 1854. p. 141. 152. 

Körpergestalt verlängert, weder elliptisch noch spin- 
delförmig. Slirngegend subconcav. Kopf subconisch ; Mund 
klein, die Kiefer erreichen nicht ganz den vorderen Augen- 
rand. Augen ziemlich gross und kreisrund. Fünf Strahlen 
in der Kiemenhaut. Etwa vier und vierzig Schuppen in der 
Seitenlinie. Oben bläulichgrau oder olivenfarbig, an den 
Seilen silberfarbig oder gelblich, mit rosenfarbigen in Längs- 
reihen gestellten Flecken. 

Fundort: von Californien bis Oregon. 



Ueber die lebendig gebärenden Fisebe Nordamerika'fl. 351 
Gatt. Ennichtliys Girard. 

Kopf von mittlerer Grösse. Mund gross und schief; 
Unterkiefer den Oberkiefer überrai^end. Lippen dünn , die 
untere rundum frei. Zwischenkiefer schwach vorstreckbar. 
Zahne klein, schlank und conisch, in doppelter Reihe in bei- 
den Kiefern. Der stachlige Theil der Rückenflosse höher 
als der weiche. Die vorderen gegliederten Strahlen der Af- 
terflosse getheilt wie die übrigen; vor ihnen drei kleine 
niedrigere Stacheln. Schuppen von massiger Entwickelung. 
Seitenlinie parallel der Rückenlinie. Schuppen an der Basis 
der Schwanz- und Afterflosse. Rückengrube ziemlich kurz. 
Scheide vorn aus drei nach hinten abnehmenden (lapering) 
Schuppenreihen gebildet. 

11. Ennichthys megalops Girard. 

Holconoius megalops Girard Proc. Acad. nat. sc. Pliiladelphia VII. 
1854. p. 152. 

Körpergestalt bucklig. Rückenscheide sehr kurz. Mund 
gross und schief. Augen sehr gross, kreisrund. Vier Schup- 
penreihen am Praeoperculum. Sechs Strahlen in der Kie- 
menliaut. Fünf und achtzig Schuppen in der Seitenlinie. 
Oben aschgrau oder graulichbraun; Seiten und Bauch malt- 
gelb oder weiss; ein ausgebreiteter (diffused) Fleck am vor- 
deren Drittel der Afterflosse. Die anderen Flossen gelblich ; 
die Spitzen der Brustflossen schwärzlich oder tief purpurfar- 
big. D. 9. 27; A. 3. 32. 

Fundort: San Francisco in Californien. 

12. Ennichthys Heermanni Girard. 

Amphislichus Heermanni Girard Proc. Acad. nat. sc. Philadelphia 
VII. 1854. p. 135. 

Körpergcstalt subelliptisch; Schnauze subconisch ; Mund 
massig; die Kiefer reichen bis unter die Mille des Auges. 
Augen von mittlerer Grösse. Sechs Strahlen in der Kiemen- 
haut. Etwa zwei und sechzig Schuppen in der Seilenlinie, 
Rücken olivenfarbig; Seiten und Bauch silberig und .goldig; 
die Seiten mit undeutlichen Querstrichen oder Binden. Flos- 
sen einfarbig, gelblich oder graulich. D. 10. 24; A. 3. 28. 

Fundort: San Francisco in Californien. 



35$ ■ !/fi'ions«!)-fo " ' Girat d::} 1iibfl3*Isi{ «ib taHsU 

Gatt. Jlmpliisticliiis Agass. 

(Silliman Amer. Journ. of sc. XVII. 1854. p. 367 ; Archiv für 
Naturgesch. 1855. I. d. 33.) 

Kopf ziemlich gross. Mund gross; Kiefer gleich. Lip- 
pen dünn, die untere durch ein Frenum an die Symphyse 
des Unterkiefers angeheftet. Zwischenkiefer schwach vor- 
streckl)ar. Zähne kräftig, gekrümmt, conisch und in doppel- 
ter Reihe in beiden Kiefern. Der stachlige Theil der Rücken- 
flosse in der Regel niedriger als der weiche, zuweilen mit 
ihm von gleicher Höhe. Die vorderen gegliederten Strahlen 
der Afterflosse gelheilt wie die übrigen; vor ihnen drei Sta- 
cheln, von denen der zweite und dritte fast so lang ist, wie 
der erste weiche Strahl. Schuppen von massiger Enlwicke- 
lung. Seitenlinie parallel der Rückenlinie. Eine Schuppen- 
reihe längs der Basis der Afterflosse» Die Rückengrube er-r 
streckt sich von der Mitte des stachligen Theiles der Rücken- 
flosse bis gegen die Mitte des weichen Theiles derselben. 
Die Scheide w^ird vorn durch zwei Schuppenreihen gebildet, 
die hinten zu einer abnehmen. 

13. Amphistichus argenteus Agass. 

Amphislichus argenteus Agass. Silliman Amer. Journ. of Sc. XVII. 

1854. p. 367; Archiv f. Naturgesch. 1855. I. p. 34. 
Amphistichus argenteus Girard Proc. Acad. nat. sc. Philadelphia 

VII. 1854. p.l41. 153. 

Körpergestalt subelliptisch, oben mehr convex als un- 
ten. Schnauze vorn abgerundet. Die Kiefer reichen bis hin- 
ter die Pupille. Die Stacheln der Afterflosse ziemlich gross. 
Acht und sechzig Schuppen in der Seitenlinie. Sechs Strahlen 
in der Kiemenhaut. Oben bläulichgrau, an den Seiten sil- 
berig mit undeutlichen olivenfarbigen Querbinden. Die senk- 
rechten Flossen und die Afterflosse olivenfarbig; Brustflossen 
gelblich. 

Fundort: San Francisco in Californien. 



Jl>l^ii'{(»{U«^ 



Ueber die lebendig gebärenden Fische Nordamerika's. 343 

14. Amphis tichus similis Girard. 
Amphistichus similis Girard Proc. Acad. nat. sc. Philadelphia VII. 
1854. p. 135. 

Körpergestalt subelliptisch. Schnauze subconisch. Die 
Kiefer reichen bis an den Anfang der Pupille. Der stachlige 
Theil der Ruckenflosse eben so hoch wie der weiche. Die 
Stacheln der Afterflosse ziemlich klein. Fünf Strahlen in der 
Kiemenhaut. Oben bläulichgrau; die Seiten silberig. Rük- 
ken- und Schwanzflosse graulichgelb; After-, Bauch- und 
Brustflossen matt gelblich. D. 10, 24; A. 3. 25. 

Fundort: Bay von San Francisco in Californien. 



Bemerkung des Herausgebers, 



Bei der grossen Zahl der Gattungen, welche in dersel- 
ben Fischfamilie und aus derselben Erdgegend, nämlich Ca- 
lifornien, von den beiden Verfassern dieser Abhandlungen 
aufgestellt worden sind, lag die Vermuthung sehr nahe, dass 
sich dieselben zum Theil würden identificiren lassen. Diesem 
Geschäfte stellten sich jedoch grosse Schwierigkeilen entge- 
gen, die hauptsächlich darin begründet sind, dass die beiden 
Verfasser zum Theil verschiedene Prinzipien bei ihrer Gat- 
tungs-Unterscheidung angewendet haben. Da zudem die Ar- 
ten nur kurz charakterisirt sind, so bleiben dem Leser man- 
che Fragen unbeantwortet, die zu einer strengen Kritik noth- 
wendig sind. So ist es mir denn nicht gelungen, irgend 
welche zwei Gattungen mit einander entschieden zu identi- 
ficiren; ja es scheint sogar, als ob wirklich alle Gattungen 
neben einander bestehen müssten , so dass gegenwärtig die 
Familie derHolconoti aus 14 Gattungen bestände. Bei einem 
Versuch diese Gattungen nach ihrer Verwandtschaft anzuord- 
nen, tritt offenbar das Gebiss als wesentlichster Charakter in 
den Vordergrund. Sie möchten sich am passendsten folgen- 
dermassen eintheilen lassen. 

Archiv t. Naturgesch. XXI. Jahrg, 1. Bd, 23 



344 Girard: üeber die lebendig gebärenden Fische Nordamerika's. 

A. Die Zähne stehen im Oberkiefer und Unterkiefer in 
einer Reihe. 

a. Lippen dick, nur wenige Zähne vorn in den Kiefern. 

1. Emhiotoca Agass. (Holconolus Gibbons) 11 Arten. 

2. Rhacochilus Agass. l Art. 

3. Hysterocarpus Gibb. 1 Art. 

4. Damalichthys Gir. 1 Art. 

5. Pachylabrus Gibb. 1 Art. 

b. Lippen dünn, viele Zähne an den Kieferrändern. 

6. Hyperprosodon Gibb. 2 Arten. 

7. Phanerodon Gir. 1 Art. 

8. Abeona Gir. 1. Art. 

ß. Die Zähne stehen im Oberkiefer in zvi^ei Reihen, im 
Unterkiefer in einer Reihe. 

9. Holconotus Agass. 1 Art. 

C. Die Zähne stehen im Oberkiefer und Unterkiefer in 
je zwei Reihen. 

10. Micrometrus Gibb. 2 Arten. 

11. Mytilophagus Gibb. 1 Art. 

12. Ennichthys Gir. 2 Arten. 

13. Amphistichus Agass. 2 Arten. 

D. Die Zähne stehen im Oberkiefer in drei Reihen, im 
Unterkiefer in einer Reihe. 

14. Cymatogaster Gib. 3 Arten. 

Somit ist die Zahl der bisher bekannten Arten bereits 
auf dreissig angewachsen. Von ihnen lebt nur Hysterocar- 
pus Traskii in süssem Wasser, wenn man voraussetzen darf, 
dass alle Fische, von denen Gibbons einen näheren Fund- 
ort nicht angiebt, aus dem Meere stammen. 



Sonn, gedruckt bei Cari Gecrgl. 



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