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Full text of "Archiv für slavische Philologie"

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ARCHIV 

FÜR 

SLAVISCHE PHILOLOGIE 

UNTER MITWIRKUNG 



VON 



A. BRÜCKNER, J. GEBAÜER, C. JIRECEK, A. LESKIEN, 

BERLIN, PRAG, WIEN, LEIPZIG, 

W. NEHRING, ST. NOVAKOVIÖ, A. \YESSELOFSKY, 

BRESLAU, BELGRAD, ST. PETERSBURG, 



HERAUSGEGEBEN 



V. J A G I C. 



SIEBENUNDZWANZIGSTER BAND. J 




5 3QRGG 
BERLIN, V^^TT^ 

WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG. 
1905. 



^ 



1 1 u 



Inhalt. 



Abhandlungen. Seite 
Noch einmal t und l in den altkirchenslavischen Denkmälern, von 

A. Leskien 1 

Slavisclie Wortdeutungen, von K. Strekelj 41 

Zur Geschichte der serbischen Deklination, von G. Iljinskij, mit 

Bemerkungen von V. Jagic 73 

Slavische Fragmente aus der Bibliothek S. Giacomo dclla Marca in 

Montepiandone, von Ludwig v. Thallöczy und V. Jagic . 79 
Die grossrussische Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897 — 

1901), von N. Durnovo 91 

Zur glagolitischen Schrift, von A. Leskien 161 

Eine alt-russische Schrift, von V. Gar dthauscn 168 

Le prix normal du ble ä Constantinople pendaut le moyen äge et le 

Code de Stephan Dusan empereur des Serbes, par St. Nova- 

kovic 173 

CoKK et coKajii.HHKB ds la Serbie du moyen äge, par St.Novakovic 175 

Die Echtheit der Mönchsreden desKyrill vonTurov, von L. K. Goetz 181 

Zum Accente im Gailthalerdialekte, von Ivan Grafenauer . . . . 195 

Die slavische Vertretung von indogerm. o, von PaulKretscbmer 228 
Einige Hypothesen über die Sprache der Skythen und Sarmaten, von 

A. Sobolevskij 24^0 

Cech (lext) und Cach (qax-B), von A. Sobolevskij 244 

Ein Schreiben des Patriarchen Gennadios Schoiarios an den Fürsten 

Georg von Serbien, von E. von Dobschütz 246 

Eine altbosnische slavisch-griechische Inschrift, von M. Resetar . 258 

Poln. Glossen aus dem Anfang des XV. Jahrb., von Kaluzniacki. 265 
Die Zeitrechnung und die Monatsnamen der Huzulen, von Kaiuz- 

niacki 269 

Die Sonnwendlieder der westgaliz. Kleinrussen, von Kaiuzniacki 273 
Die Vokale "b, b in den Codices Zographensis und Marianus, von 

A. Leskien 521 

Die neuesten Forschungen über den slavischen Klemens, von P. A. 

Lavrov 350 

Zwei Lobreden, vielleicht von Klemens geschrieben, von P. A. L a v r o v 373 --^ 
Meine Zusätze zum Studium der Werke des slavischen Klemens, von 

V. Jagic 384 ''' 



IV Inhalt. 

Seite 

Noch einmal Klagenfurt-Celovec, von P. Lessiak 412 

Ein Grigorovic'sches Menaeum-Blatt aus dem XII. Jahrhundert, von 

Gr. Iljinskij, mit Zusatz von V. Jagic 424 

Die Vokale x und B im Codex Suprasliensis, von A. Las kien . , . 481 

Die Mundart der Gegend von Uherci bei Lisko, vonl.Werchratskij 513 

Prosodisches und Metrisches bei Karel Jaromir Erben, mit besonderer 

Berücksichtigung des Gedichtes »Zähorovo loze«, von Jaroslav 

Sutnar 527 

Die Vorlage zur Komödie «0 BpcMa!« von Katharina II., von D.Pro- 

haska 563 



Kritischer Anzeiger. 

CiszewskijUeber Feuerherd, ethnologische Studie, angez. von Pivko 126 

Surmin, Die kroatische Wiedergeburt, angez. von V.Jagic . . . . 133 

Ozwald, Dialect von Polstrau, angez. von J. Grafenauer 138 

Breyer, Bio- und bibliographische Beiträge, angez. von M. Resetar 140 
Bericht über die Thätigkeit der Sevcenko-Gesellschaft, verfasst von 

M. Hrusevskyj 279 

Iljinskij, Ein Fall der gramm. Analogie, angez. von M. Resetar . . 299 

v. Utaszyn, Die Entpalatalisirung, angez. von WI. N ehr in'g . . . . 300 

A.Trstenjak, Die Slovenenim Somogyer Komitat, angez. von V. Jagic 303 

Puskin's Onjegln in polu.Uebersetzung, ang. vonWl. Nakonieczny 433 
Neueste Publikationen (Vondräk, Grunskij) über Kijever Blätter, 

angez. von V.Jagic 441 

Jevsejev, Das Buch des Proph. Daniel, angez. von V. Jag iö . . . 447 
Michajlov, Altes Erbe in kroat.-glagol. Kirchenbüchern, angez. von 

V.Jagic 454 

Baudouin de Courtenay, Sprachwiss. Skizzen, angez. von V. Jagiö . 458 

Benni, Zur poln. Wortbildung, angez. von V. Jagic 460 

Petruszewicz, lieber die älteste arische, insbes. slavische Familie, 

angez. von V. Jagic 461 

Dezelic, Biographie des Bischofs M. Vrhovac, angez. von D. Prohaska 463 

Lukjanenko, Der Kajdialekt, angez. von V. Jagic 578 

Hosek, Böhm. -mähr. Dialekte, II. Theil, angez. von V. Jagic . . . 586 

Ignatii Georgii Vitae, herausg. von P. Popovic, angez. von V. Jagiö 587 

Drei Gedichte Vetraniö's, herausg. von Kolendic, angez. von J. N a g y 596 

Die Zeitschrift des kroat. Laudesarchivs, angez. von V. Jagic . . . 598 

Jermolov, Die landwirthschaftl. Volksweisheit, angez. von V. Jagic 600 



Kleine Mittheilungen. 

Der Ausdruck bxc&ä-b in altkirchenslavischen Denkmälern, von A. 

Sachmatov, mit Zusatz von V. Jagic 141 

Ein Nachtrag zu Bd. XXVI, S. 571, von E. Sievers 142 

Ljudevit Stur's slovak. Monatsbezeichnung, von Dr. Fran Ilesic . 142 



Inhalt. V 

Seite 

Nochmals Klagenfurt-Celövec, von J. Schein igg 146 

Kollär'sAntheil an politischen Broschüren, von Dr. Josef Karäsek 154 

Beiträge zur Geschichte der slav. Philologie, von Prof. ©. Surmin . 304 

Spolari — Spolarich, von V. Jagiö 313 

Zur Etymologie von »presustvo«, von L. Pin tar 314 

Nachtrag zum Aufsatz »Eine altrussische Schrift« (S. 169 — 172), von 

Z. Kuziela 326 

Sloven. -5tm, von F. Lorentz 465 

Preuss. lüMiri, von F. Lorentz 467 

Slovinz.^rt^M^sc und verwandtes, von F. Loren tz 469 

Urslav. fz6 »Schlange«, von F. Lorentz 475 

Preuss. Bevölkerung auf dem linken Weichselufer, von F. Lorentz 470 
Bemerkungen zu den in päpstlichen Urkunden überlieferten ostsee- 
wendischen Namensformen, von F. Lorentz 474 

Zwei briefliche Aufzeichnungen P. J. Safarik's, mitgetheilt von Wl. 

Nehring, mit Zusätzen von V. Jagid 476 

Ein Brief V. Oblak's an St. Novakovid, mitgetheilt von St. Nova- 

kovic 477 

^VBeuÄHJa, von St. Novakoviö 480 

Serbokroat. ÄaZos", (rothe) Tulpe', von M.Rese tar 608 

Serbokroat. zSr ,num, forsan', vonM. Resetar 609 

Ueber die slavische Philologie an den Universitäten Deutschlands, 

von der Redaction d. Arch. f. slav. Phil 610 

Eine typographische Thorheit, von der Redaction d. Arch.f.sl.Ph. 610 

Zur Bekehrung Wladimir's L, von H. Krebs 611 

Der kluge Knabe. Ein kroatisches Märchen aus dem Kreis »Die kluge 

Dirne«, vonV. Jagic und G. Polivka 611 

Nekrologe (Alexander Nikolajevic Pypin f, Milivoj Srepel f , Ivan 
Tkalcicf, Gregor Krek f , Uarion Ruvaracf, Polychronios 

Syrku f, Alex. Iv. Smirnov t), von V. Jagic 630 

Sach-, Namen- und Wortregister, von A. Brückner 637 



Noch einmal Ti und b in den altkirchenslavischen 
Denkmälern. 



\ 



I. Das Sava-Evangelium. 

Die Behandlung der Vokale t»,, k ist eine der schwierigsten 
Aufgaben der altkirchenslavischen Grammatik. Es ist zwar ver- 
hältnissmässig leicht festzustellen, wo ursprünglich 'K und k ge- 
standen habeo. Die Möglichkeit geben einzelne altkirchenslavische 
Denkmäler selbst, das Ostromirsche Evangelium, die Kiever Blätter, 
dazu das Altrussische und die Vergleichung der slavischen Sprachen. 
Aber anders steht es, wenn man die übrigen grossen Denkmäler, 
Cod. Zogr., Mar., Assem., Psalt. sin.. Euch, sin., Cloz., Supr., Sav. 
kn. vornimmt. In keinem von diesen ist der ursprüngliche Zustand 
unverändert geblieben : allgemein ausgedrückt kann o für t^, e für 
k eintreten: Tv steht an Stelle von altem k, k an Stelle von altem 'k ; 
Ti, k sind ganz weggefallen. Die Ursachen sind Einflüsse der 
Lokaldialekte, denen die Schreiber der Handschriften angehörten, 
und, auch bei etwa gleichem Dialekt, die Weiterentwicklung der 
Sprache von der Zeit ihrer ersten Aufzeichnung bis zur Periode 
unsrer Handschriften, die mindestens 150 Jahre umfasst. Bei einer 
Untersuchung dieser Veränderungen müssen Mar., Psalt, Assem., 
Cloz. zunächst bei Seite stehen, Supr. kommt erst in zweiter Linie 
in Betracht, Zogr. und Sav. kn. müssen die Grundlage der Betrachtung 
bilden; auf das Euchologium komme ich unter H. zu sprechen. Das 
Zographos-Evangelium hat Jagic in den bekannten »Studien über 
das altslovenisch-glagolitische Z.-E.« (Archiv I und II, auch nach 
dieser Richtung genau behandelt, die Sav. kn. Scepkin in »Pascy- 
atÄenie o üstiKi CaBBiiHoß Kunrn« (Petersb. 1S99). 

Da ich in der nächsten Zeit Veranlassung habe, mich eingehend 
mit altbulgarischer Grammatik zu beschäftigen, liegt es mir ob, die 

Archiv für slavische Philologie. XXVII. 1 



2 A. Leskien, 

Denkmäler, namentlich in Bezug auf 'k, h, wieder durchzugehen 
und die neueren Schriften darüber aufs neue zu prüfen, zumal ich 
gegen die Richtigkeit der Methode, nach der solche Untersuchungen 
in neuester Zeit angestellt wurden, starke Bedenken habe. Wenn 
ich zuerst das Sava-Evangelium vornehme, so geschieht es, weil in 
Scepkin's Buch eine bestimmte Methode scharf zum Ausdruck 
kommt, mit der man sich einmal auseinandersetzen muss, um — 
kurz gesagt — nicht ganz konfus zu werden. 

Bei der Betrachtung der Sav. kn. habe ich die naheliegende 
Vergleichung mit andern Quellen fast ganz unterlassen, denn diese, 
da sie aus andern Orten, andern Dialekten und andrer Zeit stam- 
men können, konnten auf den Dialekt des Schreibers der Sav. kn.; 
wenn er seine Mundart wirklich getreu wiedergegeben hat, keinen 
Einfluss üben, und wenn die Ueberlieferung hier eine lebendige 
Sprache wiedergibt, muss diese sich aus der Handschrift selbst 
systematisch darstellen lassen. 

Scepkin nämlich drückt seine Bewerthung des Denkmals kurz 
so aus (Vorrede zu seiner Ausgabe, Petersb. 1903): «In der Reihe 
der altslavischen Denkmäler gibt die Sav. kn. am allerdeutlichsten 
die lebendige Sprache des XL Jahrh. wieder und erscheint in dem 
Problem der Halbvokale i^, l in dieser Beziehung als Haupt- 
auktorität«. PascyatA- S. I heisst es: »die Sprache der Person, die 
die Sav.kn. aus diesem glagolitischen Original i) abgeschrieben hat, 
gehörte einem bestimmten andern altslavischen Dialekt an, wobei 
der Schreiber bei der Abschrift seine heimatliche Mundart mit sol- 
cher Kühnheit und Genauigkeit ausdrückte, wie kein einziger von 
den Schreibern der übrigen altslavischen Denkmäler. Dank dieser 
besonderen Klarheit der Mundart hat die Sav. kn. auch besondere 
Bedeutung für die Beurtheilung der übrigen altslavischen Denk- 
mäler, da sie sehr oft die Frage entscheidet, was in diesen letzteren 
der lebendigen Mundart der Schreiber, was der graphischen Tra- 
dition oder dem Original angehört. Deswegen bildet die Erfor- 
schung der Sprache der Sav. kn. gewissermassen nothwendig den 
Ausgangspunkt für die Erforschung der altslavischen Dialektologie 
überhaupt«. 



1) Scepkin's Ansicht ist, der Sav. kn. liege ein Original in glagolitischer 
Schrift zu Grunde. 



Noch einmal x und l in den altkirchenslaviscben Denkmälern. 3 

Er hat in PasyacA- as. C. kh. einen erstaunlichen Scliarfsinn 
darauf verwendet, alle und jede Schreibung der Silben mit altem 
1», h aufzuklären, um so ein sichres und genaues Bild des altbul- 
garischen Dialekts zu gewinnen, dem der Schreiber der Handschrift 
angehört hat. Ich will im folgenden zeigen, dass das Unternehmen 
nicht gelungen ist und nicht gelingen konnte. Setzen wir aber zu- 
nächst voraus, es sei gelungen, so handelt es sich um die Begrün- 
dung und Erklärung der sehr zahlreichen Abweichungen von einem 
rein lautlich bestimmten Idealbilde des Dialekts, die der Codex in 
der Wiedergabe der i».-, k-Silben aufweist. Die Ursachen davon 
können sein: 1) zufällige Versehen, Verschreibungen, wie sie 
überall bei handschriftlicher Ueberlieferung vorkommen, aber für 
das Urtheil über die Sprache gleichgiltig sind; 2) einfaches Ab- 
schreiben der dialektisch vielleicht anders gefärbten oder einem 
älteren Zustand der Sprache angehörenden Vorlage, sei es mecha- 
nischer, gedankenloser "Weise, sei es absichtlich aus irgend welchen 
äusseren Gründen, z. B. zur Ausfüllung der Zeile, der Deutlichkeit 
wegen 0. a. 3) Die lautliche Folgerichtigkeit des dialektischen 
Idealbildes kann dadurch gebrochen sein, dass sogenannte Analogie- 
bildungen eingetreten sind; auf den vorliegenden Fall angewendet, 
dass Tk, k an bestimmten Stellen eigentlich schwinden sollten, aber 
nach Formen, wo sie erhalten bleiben mussten, wieder eingefügt 
oder festgehalten sind; dass aus Formen, die nach den Regeln des 
Dialekts t^ haben sollten, k wieder eingetreten oder bewahrt ist 
nach andern Formen, die k nach den geltenden Regeln normal 
haben, und umgekehrt. 

I. Völliger Schwund von ^k, k. 

Zur Veranschaulichung wähle ich zunächst zwei Beispiele 
aus: es kommen vor 31 Fälle verschiedener vom lufinitivstamm 
des Verbums ntcaTH abgeleiteter Formen, stets ncarn geschrie- 
ben, daneben von der Silbengestalt ntc- nur drei Beispiele, ver- 
schieden geschrieben: ncH (canes), ms.coM'K, nbcoM'K. Es finden 
sich 48 mal Formen des Präsens- und Infinitivstammes von nocK- 
-\aTH, ohne Ausnahme mit 'k geschrieben, daneben 6 Beispiele mit 
sonstiger Silbe CbA-, cka-, deren Schreibung schwankt: OCAd ocaa 
OCAH, OCKAT». ocKAA ockAA (S. 1 24, 1 25). Natürlich wird jeder den 
Schluss ziehen: der Schreiber hat rcath gesprochen. Nun scheinen 

1* 



4 ' A. Leskien, 

aber die Bedingungen bei ni^caTH HankcaTH und nocKAaTH ganz 
gleich, auch in der Betonung, der Hochton fiel auf die dem nkc-, 
CTkA- folgende Silbe. Warum wird also in einem Falle der schwache 
Vokal regelmässig ausgeworfen, im andern ebenso regelmässig 
bewahrt? Scepkin's Erklärung lautet so (S. 147): »Die vollständig 
konsequente Erhaltung des Halbvokals im Verbum nock/iaTH kann 
nur durch Analogiewirkung erklärt werden. Wir haben oben ge- 
sehen, dass die Verba Kfp;^ KparH und hhuj;^ ncaTH den Halb- 
vokal auf lautlichem Wege verloren haben in den vom Infinitiv- 
stamm abgeleiteten Formen; in diesen Verben konnte deswegen 
keine grammatische Analogie auf die Erhaltung des Halbvokals 
wirken, weil der Stamm Ki^p-, nkc- allein stand; eine Entsprechung 
zwischen Präsens- und Infinitivstamm fand nicht statt, und in dieser 
Beziehung berührten sich beide Verba mit koaki^ kaath, eopi;^ 
KpaTH, die in der Gruppe ka, Kp nie einen Halbvokal hatten; ckaiä 
CKAATh dagegen, das die gleiche Wurzelgestalt in beiden Stämmen 
hat, berührte sich mit opiT^ opaTH, ctchür cTfHaTH und der 
ganzen Masse der Verba derselben Klasse, die gleichen Wurzel- 
vokal in beiden Stämmen haben; der Einfluss dieser Analogie 
wurde verstärkt durch das Vorhandensein von ckat^ nocKAT^ mit 
einem 'K, das lautlich nicht ausfallen konnte«. Mir kommt das auf- 
fallend vor: die Correspondenz der Vokale in opKSv opaTH u. a. soll 
die Beibehaltung desselben Verhältnisses in ckahr ckaath be- 
wirkt haben; aber wenn nun der Dialekt seiner offenbaren Neigung 
zum Auswerfen der schwachen Vokale hier nachgegeben und ein 
CAi* nocAi^f;, CAATH nocAATH hervorgebracht hätte, so war ja die 
Gleichheit der Wurzelgestalt (ca-) in Präsens- und Infinitivstamm 
ebenfalls vorhanden, oder besser ausgedrückt, ohne die Heran- 
ziehung einer fiktiven Wurzel: caitR caath, nocAi^ nocAarH 
stellen ein ebenso normales Verhältniss dar wie opix>, opaTH u. ä. 
Die Hülfe von ckatj. iiockat». nützt nichts, denn woher will man 
wissen, dass gerade diese Formen wirken mussten und nicht etwa 
die obliquen Casus, in denen nocAa für nccKAa u. s.w. gesprochen 
sein kann. Ein ähnliches Verhältniss wie zwischen ncaTH und 
CKAATH wiederholt sich in hto und dem Verbum miiT;*^ (S. 125): 
95 mal ist hto geschrieben, sicher der schwache Vokal nicht ge- 
sprochen, 7 mal steht hts.to, dagegen in 9 Fällen von MkTAi ist der 
Vokal stets vorhanden, wird S. 145 als gesprochen angenommen. 



Noch einmal i. und t in den altkirchenslavischen Denkmälern. 5 

und hier soll die Analogie von mcx^ hicth, nMTx^ rakth u. ä. 

die Beibehaltung des k bewirkt haben, also nach demselben Prinzip 
wie oben bei CTs.AaTH. Aber ganz gleich sind diese Fälle nicht, 
denn die Vokalverhältnisse sind nicht dieselben: in cfluf. opaTH, 
CTvA»^ c'KAaTH haben beide Stämme den gleichen Vokal, in HKT;si 
MHCTH aber nicht; trotzdem sollen die Sprechenden nicht den nahe- 
liegenden Anschluss von mlt;^ an mhcth suchen, um ein *hhtä; 
zu bilden (vgl. den umgekehrten Fall Inf. nHcarn statt nkcaTH 
nach dem Präs. nHUj;^), sondern nehmen Hfc;i^ hccth. Mir scheint 
es an sich misslich, aus den 9 Fällen von HkT- etwas sicheres 
schliessen zu wollen; so gut die 9 Beispiele von ht^to aus der 
Vorlage übernommen sind, kann das bei dem neunmaligen MkT- 
der Fall sein. Aber ich will davon absehen und auf einen andern 
Punkt kommen. Betrachtet man das Verzeichniss Scepkin's (S. 115 
bis 126), so könnte es scheinen, als ob von den dort verzeichneten 
Verben (die Beispiele SHaTH, kaath, lUip'tTH gehören selbstver- 
ständlich nicht dahin) überhaupt nur Infinitivstämme auf a den 
schwachen Vokal verlieren und nur dann, wenn das Präsens einen 
Vollvokal hat: KpaTH (zu Kfp;^; für EkpaTH K'kpaTH) 18 mal, 
neben K'kpaTH 4 mal; thath (für r'knaTH; zu iKeH;s^) 9 mal, rk- 
HATH einmal; pas-AP^^TH (zu A^P^i = A^^P^^th, A'^P^^t'") ein- 
mal; CTk-SA^^TH (zu 3HJKA^) Zweimal, neben c'k3'kA<*'T" einmal; 
ncaTH (für nkCATH, zu nHUj;^) 31 mal. Dagegen haben die Verba 
mit durchgehendem schwachen Vokal und mit Infinitivstamm auf 
t, so wie ckAATH, bei gleichem Vokal in beiden Stämmen die 
schwachen Vokale bewahrt: CkAKR ckaath 48 mal, lUikHHK Mk- 
HtTH 23 mal, 3kpHR Skp-kTH (s'kp-) 42 mal. Man könnte also 
versucht sein, eine irgendwie dann zu begründende Regel aufzu- 
stellen: die Infinitivstämme auf a lassen einen schwachen Vokal 
der Wurzelsilbe dann schwinden, wenn der Präsensvokal verschie- 
den ist; dagegen alle Verba, die im Präsensstamm das gleiche w 
oder 1%. haben, behalten es. x4.ber das wäre eine Täuschung, die 
Thatsachen stimmen dazu nicht, denn es heisst neben 30 b;^ stets 
STvBATH (30 mal, nie 3ßaTH). Dass 3'kßaTH in dem genannten 
Verzeichniss Scepkin's nicht steht, kommt nur daher, dass er 
Fälle von erhaltenem t», k nicht aufnimmt, wenn die Conso- 
nantengruppe, die durch den Ausfall entstehen würde (hier3B), 
sonst in Folge dieses Wegfalls nicht vorkommt; daher fehlt dort 



6 A. Leskien, 

auch KT^^IvTH (BkA'feTH), ebciiso cTvr'KH;Rß'K, weil es vereinzelt 
ist, hätte aber mit H3rnaTH rkHaujA parallelisirt werden müssen, 
da die Lautverhältnisse bei r'KHaTH und r'KH;¥;TH ganz gleich 
sind. Was kann es Überhaupt nützen, gerade vorhandene Parallelen 
consonantisch gleicher Lautgruppen herauszuheben und nicht die 
Gesammtheit aller Fälle, in denen Gelegenheit zum Ausfall der 
schwachen Vokale gegeben war, im Zusammenhang vor Augen zu 
haben? Wenn man so verfährt, ergibt sich folgendes Bild: in 
Verben ist der schwache Vokal erhalten ausser in den schon oben 
angegebenen 1 22 Fällen in sikBaTH 30 mal, E'k;i,'KTH (Bk;i,-) 9 mal, 
Präsensformen von j^ti, K'K3-, HS-hü;^ ausnahmslos ca. 30 mal mit 
Tk oder h; Präsensformen von math: hj-, bt^-hiih;^ (-mt^h-) 8 mal, 
AOßi^AeTi», 2 mal. Präsensformen von >katm, jkkh- jk'kh- 3 mal, 
CTbpe (-T'Kpf) 2 mal, nocTKAaiUA 1 mal; Formen des Präsens 
pAc-nkH;^ (-nikH-) 13 mal, c'Kr'kH;i^ß'K 1 mal, Präsens ckrh- (der 
Infinitivstamm von C'knaTH kommt zufällig nicht vor) 8 mal, dazu 
o^fC'Kne 2 mal (3. sg. aor. zu c>YC'kH;ixTH), Präsens TkAHTi». 3 mal, 
o^nTvEaTH 2 mal. Also zu jenen 122 kommen noch HO Fälle hinzu; 
diesen in runder Zahl 230 Beispielen der Erhaltung von Tv, k in der 
Wurzelsilbe von Verben stehen ca. 70 des Schwundes gegenüber, 
darunter 31 allein von ncarii, 18 von BpaTH, 9 von rHaTH. L'gend 
ein Zufall darf nach Scepkin's Auffassung in diesen Verhältnissen 
nicht walten, und er findet sich in der That mit allen Fällen ab. 
Ich setze die Stelle (S. 143) zur Charakteristik seiner Methode und 
Darstellungsweise hierher: »In den Formen des Verbums MkHi^ 
MbriHUiH luikH'kTH (immer mit k) konnte sich der Halbvokal laut- 
lich nicht halten, offenbar hat auf die Bewahrung des k auch hier 
irgend eine Analogie wirksam sein müssen. Wir haben oben ge- 
sehen, dass das Verbum skpii^ skpHuiH Skp'KxH (STkp-) ebenfalls 
niemals den Halbvokal verliert, unten werden wir neben den Formen 
HTO, HtHTO, HHHTOJKf die kouscqueute Schreibung HkT;i^ MkTEiuH 
(mtvT-) finden. Von einer orthographischen Manier kann im ge- 
gebenen Falle nicht die Rede sein: die konsequente Schreibung 
MkHiT^ MkH'RTH, Skp-STH, HkT;^ fiudcu wir auch im Dialekt des 
Zographos-Evangeliums (Archiv I, 35—38, 47—48) i). Vielleicht 



1) Was die Anführung des Zogr. hier soll, ist mir unverständlich; dessen 
Schreib- oder Sprechweise hat doch mit der lebendigen Sprache des Schrei- 



Noch einmal t und b in den altkirchenslavischen Denkmälern. 7 

hat in den angeführten Formen zu einer Zeit die Sprache versucht, 
die alte Silbenzahl dieser Klasse zu bewahren, d. h. z. B. in 3Kp;?; 
3kp1iTH nach Analogie von ropi^ix rop'kTH, in HkT;^ mhcth unter 
dem Einfluss von n^fT/i; nAtCTH. In der ersten Verbalklasse 
wirkten diese Analogien offenbar am stärksten: in der Sav. kn. 
finden wir noch k^ksath — ijt».3'kiii;r BkS'kMfiUH KkSKimeTTvu.s.w., 

K'kHATH — K'KH'KHeT'k KkSkNETT». ßkMkH;^T'k, HaMATH — HaMk- 
HtUIH HaHkHfT'k U. S. W., JKATH — JK'kH/RT'K >KkHAI, paCRATH 

pacnkH;^ u. s. w., Schreibungen ohne den wurzelhaften Halbvokal 
kommen nicht vor; so finden wir auch in der zweiten Abtheilung 
der I. Kl. soKfT'k — S'KKaY;«; 3T»,Ka 3'kKaT'T\ u. s.w. In allen die- 
sen Fällen darf man Analogiewirkuug annehmen. In andern Verbal- 
klassen waren die Bedingungen andere und der Halbvokal der 
Wurzelsilbe fand keine so starke Stütze; so wurden z. B. neben 
nHiii;^ tkih;^ die auf lautlichem Wege gewonnenen Formen ncaTH 
THaTH, neben ßep;^ das KpaTH deswegen festgehalten, weil neben 
KOAK^ Kopii^ die Formen KAaTH KpaTH ohne Halbvokal bestanden ; 
aber auch in dieser (dritten) Klasse finden wir in Sav. kn. nocKAi^ 
(== MX.) nocKAATH, cTvnaTH c'KHHT'k, in den Fällen, wo in beiden 
Stämmen der Wurzelvokal derselbe ist (dagegen neben c'k3H>KA;R 
ein c'k3'TkA<*TH und c'K3A*»th). Zu dem Auftreten der Form Mp;^ 
Mp£iiiH mit ausgefallenem k konnte der zweite Stamm wirken in 
seiner Form np-tTH ohne Halbvokal; in den Formen des Verbums 
CTp'tTH wirkte dieselbe Analogie, npocrpH Sav. 74 statt npocTkpn, 
aber andrerseits finden wir auch npocrp'k 58 neben npocTkplJ 74; 
solcher Weise wurden beide Stämme vermischt, vertraten einer den 
andern; npocTkp'k. 33, 41, 75b und OTkpkiuH 81 haben das k in 
einer Stellung, die den lautlichen Verlust des Halbvokals nicht ge- 
stattete. In OTkpf ist der alte Präsensstamm bewahrt, in orivpe 
finden wir den Uebergang von k in t». gegen ein Lautgesetz der 
Sprache der Sav. kn. ; die Schwankungen tragen auf diese Weise 
einen Charakter, wie er sich in den Formen des Verbums ivip;*^ wpeiuH 
nicht findet. Das bringt auf den Gedanken, dass das Verbum Tkp;si 
Tp-kTH in der lebendigen Rede des Schreibers nicht mehr existirte 
und die Schwankungen entweder ausschliesslich graphische Be- 
deutung haben oder dem Original der Handschrift angehörten«, 

bers der Sav. kn. nichts zu schaffen; mag jener gesprochen haben wie er will, 
dieser kann sich darnach nicht gerichtet haben. 



8 A. Leskien, 

Zu meiner und vielleicht aucli zu des Lesers Erleichterung 
stelle ich deutlich neben einander, was alles von Verfahrungs- 
weisen einem und demselben Lautverhältniss gegenüber dabei 
herauskommt : 

1) 3kp;^ Sbp'feTH u. ä. sollten nach der Entwicklungstendenz 
der Mundart eigentlich den schwachen Vokal verlieren, behalten 
ihn aber, um zu Liebe von ropKR rop'feTH die alte Silbenzahl zu 
bewahren. 

2) RhcaTH BkpdTH n^HaTH verlieren 'k, k, weil der Präsens- 
vokal ein anderer ist, zu Liebe von koaijR KAaTH. 

3) 30b;^ S'kßaTH, das den gleichartigen Unterschied von 
Präsens- und Infinitivstamm hat, kehrt sich daran nicht, sondern 
S'kßaTH bleibt, während man doch vermuthen möchte, sok;?. als 
im Vokal gleich mit koah^ Bopi^ könnte eher dem KAaTH EpaTH 
ein sßaTH an die Seite stellen, als das im Vokal ganz verschiedene 
RHUj;^ sein ncaTH. Man wird doch nicht annehmen sollen, dass 
die Einth eilung der Verbalklassen in unsern Grammatiken für die 
Sprechenden bestimmend gewesen sei? 

4) cka;^ (ckaijR) ckAATH behält das "k, weil es sich anlehnt 
an opKR cpaTH und alle die Verba derselben Klasse, die einen 
vollen Wurzelvokal haben und ihn also nicht ausfallen lassen 
können. 

5) Mp;^ verliert k, weil es sich nach Mp'kTH richtet. 

6) npocTpH hat sich nach -ctp'Sth gerichtet, daher kein k, 
aber npocTkp'k muss sein k aus dem Präsens -CTkp;^ bezogen 
haben; der Schreiber hat demnach npocTp;^ gesprochen, wenn ihm 
gerade npocrp'kTH dunkel ins Bewusstsein kam, npccTkp-STH, 
wenn ihm gerade npocTkp;^ vorschwebte, es kam ihm also nicht 
darauf an, bald npocTkp;^ bald ußo^crp^, das eine mal npocTk- 
p'tTH, das andre mal npocxp'KTH zu sprechen. 

7) Ein wahres Unglück ist CTkpe OT'kpe (3. sg. aor.), dem ist 
mit den bisherigen Erklärungsversuchen nicht beizukommen. Was 
bleibt übrig? Die verzweifelte Annahme, das Verbum Tkp;s; TptLTH 
habe wohl in dem Dialekt des Schreibers überhaupt nicht existirt ; 
dann konnte er es ja ruhig buchstäblich aus seiner Vorlage ab- 
schreiben. 

Aber mit den Verben darf man sich nicht begnügen ; verbale 
und nicht verbale Bestandtheile der Sprache unterliegen ja den 



\ 



Noch einmal x und l in den altkirchenslavischen Denkmälern. 9 

gleichen lautgesetzlichen Verhältnissen, der gleichen geschichtlichen 
Lautentwicklimg der Sprache. Während in den überaus häufigen 
Formen von KkCk (onmis) und seinen Ableitungen mit ein paar 
Ausnahmen der schwache Vokal beständig fehlt, ebenso in kt^to 
(107 mal KTO, 3 mal K'kto), steht er ausnahmslos in K^kUHra und 
K'kHASk mit ihren Ableitungen (fast 50 mal). Warum bleibt er 
hier? Auf S. 118 werden die wenigen Fälle aufgezählt, in denen 
die Präposition bt». (kk) vokallos geworden ist: k cek'K 10 mal (ßk 
ceKt: einmal), ß cfAlv\"k einmal; Formen von B'kCfAHTH zeigen 
6 mal ßCf/\-, einmal ß'kCfA-, dann werden noch angeführt einmal 
vorkommendes ßk chaIj, zweimaliges ßk chi*, dazu der Zusatz : 
»die übrigen Beispiele« (nämlich der Lautgruppe ßkc-) »haben nach 
c einen Consonanten«. Aus den Gesammtfällen wird S. 126 der 
Schluss gezogen: »die Gruppe ßkc- hat offenbar im Dialekt der 
Sav. kn. ihren Halbvokal nicht nur in den Grenzen eines und des- 
selben Wortes verloren, sondern verlor ihn auch im Sandhi« (ge- 
meint ist in Wortgruppen wie ß c6/\'Rx"k). Was berechtigt einen 
aber., die paar Fälle, in denen ßi». (ßk) gerade vor c steht, loszu- 
trennen von den sonstigen Verbindungen der Präposition mit anders 
anlautenden Wörtern? Wie unterscheidet sich denn B'KcaAHTH 
B'kCHraTH, ß'k-(ßk-) ckcTH, die im Codex ihr t^ bewahren, von 
B'k-(Bk-)cfAHTH? Warum fällt das Tv (k) von bt». (ßk) vor keinem 
andern Consonanten als c aus ; was kann den, der bccahth spricht, 
hindern bsäth statt ß'kSATH (ßkSATH) zu sprechen und warum 
lässt er hier t». (k) bestehen? Ferner, die Formen von ckTßOpHTH 
werden 90 mal CTßop-, nur zweimal CkTBop- geschrieben; in Folge 
davon heisst es S. 149: »die Gruppe CkTßO- hat ihren Halbvokal 
verloren; die vereinzelten Schreibungen cts.tbc»p;r cnkTBCpfi müssen 
graphisch erklärt werden, als phonetische Schreibung erscheint für 
den Dialekt der Sav. kn. ctb-«. Es wird natürlich kein Mensch 
annehmen, der Schreiber der Handschrift habe noch ckTßopHTH 
gesprochen. Nach Scepkiu hat er aber nur hier das i». nicht mehr 
gehabt, in allen andern Verbindungen das t* von Ck gesprochen. 
Ich frage mich dabei vergeblich, was denn die Lautgruppe ct^tbo- 
eigentlich für innere Eigenschaften habe, dass gerade sie das 1%. 
fallen lassen muss, während noch dazu die Anlautsgruppe ctb- in 
der Sprache fast nicht vorkommt. Der sonderbare Schreiber muss 
CTBopHTH sprechen, aber CkßfCTH, CkKasdTH, ckAliCTH, ck- 



10 . A. Leskien, 

nacTH, CTs.p'feCTH spricht er mit 'K, nicht ckecth, cKasATH u. s.w., 
obwohl CB CK CA cn cp der Sprache geläufige Anlautsgruppen sind. 
Auf das oben schon erwähnte KkCk (omnis) muss ich noch in 
andrer Beziehung eingehen. Nahe an 250 mal wird ßc- geschrieben, 
nur 12 mal steht bkc- (bt^c-; einmal b'cl); unter den Fällen sind 
15 Beispiele von bcl (= nom.-acc. BkCk). Aus ßkck konnte nach 
den sonst beobachtbaren gleichen Lautverhältnissen der erste 
schwache Vokal nicht ausfallen, Scepkin bemüht sich aber (S. 128), 
ein BCk als gesprochene Form glaubhaft zu machen: »bck anstatt 
der alten regelrechten Form ßhCh könnte angesehen werden als 
graphische Variante oder Verschreibung, entstanden unter dem Ein- 
fluss der obliquen Casus mit bc-; aber die Rechtschreibung der 
Sav. kn. ist ganz und gar frei von graphischer Bedingtheit und für 
Verschreibungen sind die in Betracht kommenden Formen zu zahl- 
reich. Man kann daran denken, dass die Form BCk = Ttäg, yMiurja 
(BkCk xcüiit] wird nämlich in den 5 vorkommenden Fällen auch BCk 
geschrieben) »wirklich unter dem Einfluss der obliquen Casus ent- 
stand, aber nur in der lebendigen Rede. Solche Neubildung wie 
BCk ist vollständig möglich auf Grund der Annahme, dass aus- 
lautende 'k, k im Dialekt der Sav. kn. noch konsequent ausge- 
sprochen wurden, und am Ende eines einsilbigen Wortes, wie wir 
gesehen haben, sich sogar der vollvokalischen Gestalt näherte : o 
und (((. Dies bezieht sich darauf, dass neben Ck ck (33 mal) auch 
5 mal c( an Stellen vorkommt, wo nach dem griechischen Text Ck = 
o'öTog erwartet wird (S. 102); nur an einer Stelle Bl. 46'' (= Matth. 
21. 42) kann man sicher behaupten, dass das Masc. gemeint ist, an 
den andern kann das Neutrum gemeint sein, es sind Stellen, in 
denen o^vög eari stark deiktisch steht; aber ich gebe ruhig zu, 
dass an allen fünf Stellen ovrog zu verstehen ist. Leider findet 
sich nun nicht neben solchem c£ auch ein *BCf = jtäg Tcavxa. Auch 
dieser Schwierigkeit wird Scepkin Herr: »wenn sich in der Sav. 
kn. neben c« ovrog die Schreibung bc« rcäg nicht findet, so erklärt 
sich das wahrscheinlich daraus, dass das Wort Ttäg fast nicht im 
Stande war, den starken logischen Accent zu bekommen, unter dem 
sich das hinweisende otxog nicht selten befindet«. Ich habe im 
Gegentheil die Empfindung, dass an einer ganzen Anzahl von 
Stellen, wo BCk steht, ein starker Nachdruck daraufliegt, vgl. z.B. 
93'' (Joh. 13. 10) TAdroAa eiuio^ iccyct».- HSM'KBfH'Ki He rp'feEoycT'k 



Noch einmal t uud l in den altkirchenslavischen Denkmälern. 1 1 

T'KKMO HC»3'R OYM'KITH, tCTTv KO BCb MHCT^K, b leloVl-LeVOg Ol) 
XQslav %%eL /; tohg Ttödag viipaad'aij äXX' eoriv -/.ad-ctQog oXog ; 
mehr Nachdrücklichkeit kann man doch nicht verlangen; oder 44 
(Matth. 18. 30) ßf,A,'k i KT^ca^XH Bk TkiiikHHii,;si, A^^m^A^^^f ktv3- 
yVacT'k KCk ^VATvr-k CKOi, wo die slavische Uebersetzung sogar 
gegen den griechischen Text (ewg änodCü rb dfp£il6f.ievov) das KkCk 
eingesetzt hat, offenbar mit starker Betonung der ganzen Schuld. 
Die Schreibung ßck ohne Vokal ist weiter nichts als eine Abbre- 
viatur des häufigen und im Zusammenhange ohne weiteres ver- 
ständlichen Wortes, und steht ganz auf einer Linie mit K'k (Kon»,), 

HßCK'kl (HEKfCkCK'kl), HBCH'ki (HfKf CkH'kl), J^Uh ^'^Hk (AI*MI^)- 

Scepkin kommt zu solchen weithergeholten Erklärungsver- 
suchen durch seine ganze statistische Methode. Kommt die Weg- 
lassung des 'k, k in einem bestimmten Worte regelmässig oder fast 
regelmässig oder sehr häufig oder überwiegend vor, so schliesst er, 
und wo es sich nicht etwa um Abbreviaturen handelt, wie bei ßCk 
^Hk, mit Kecht, die Vokale seien nicht mehr gesprochen worden, 
die wenigen Fälle der Erhaltung lassen sich dann einfach als Nach- 
ahmung der Vorlage erklären. Sind die Beispiele von Erhaltung 
und Verlust an Zahl wenig verschieden oder gleich, so tritt natür- 
lich eine Verlegenheit ein, z. B. bei st^ati mit seinen Formen und 
Ableitungen: 10 mal 3a-, 10 mal S'kA- (3kA-). Ein weniger scharf- 
sinniger Mensch wäre vielleicht thöricht genug zu meinen : ein Mann, 
der 10 mal 3a- schreibt und so gesprochen hat, kann in den andern 
10 Fällen auch nur so gesprochen haben; wo er noch bimx- (3kA-) 
schreibt, hat er eben seine Vorlage abgeschrieben. Nicht so Scep- 
kin, er stellt eine viel feinere Erwägung au (S. 138): »in der Gruppe 
3'kA- bietet die Sav. kn. bedeutende Schwankungen, wie' man sie 
bei dem Schreiber unsers Denkmals im Falle vollkommenen Schwin- 
dens des Halbvokals nicht erwarten würde. Man muss bemerken, 
dass die Wörter 3A0Ba saoa'^h immer ohne t». geschrieben werden 
und man nur in den Formen des Adjektivs S'kA'k, des Substantivs 
3'kAO und des Adverbs 3kA'k Schwanken findet; vielleicht 
wurde der Halbvokal in diesen Formen durch grammatische Ana- 
logie gestützt: nehen 3'kA'k blieben 3'kAA 3'kAO 3kA'K bewahrt, 
weil neben B'KA'k AP^^'^'i»' tlie zweisilbigen Formen b'Sao AP**'''^? 
neben A'^Kp'k a^^kP'^ vorhanden wäre Man sieht, diese Leute des 
XL Jahrh. sind nie verlegen, wenn sie gegen ihre natürliche 



12 A. Leskien, 

NeiguDg, den schwachen Vokal auszuwerfen, eine Hilfe brauchen, 
in irgend einer Sprachecke finden sie immer etwas, das ihnen aus 
der Verlegenheit hilft. 

In den Worten, die einen an sich möglichen Ausfall von 'k, k 
in der Schrift überhaupt nicht zeigen, wird angenommen, der Vokal 
sei gesprochen worden, mögen die Widersprüche gegen analoge 
Fälle, wo 1%, h in der Schreibung der Sav. kn. nicht steht, in laut- 
licher Beziehung noch so gross sein. Wenn man so, wie Scepkin es 
thut, alles vereinzelt, die analogen Fälle nicht im Zusammenhang 
betrachtet, kommt ein Dialekt heraus, den ich in dieser Gestalt für 
eine bare Unmöglichkeit halte. Von welchen Zufälligkeiten übri- 
gens seine Bestimmungen zuweilen abhängen, davon noch ein Bei- 
spiel: S, 119 werden 14 Fälle des Vorkommens von OBki^a und 
seinen Formen genannt, alle mit k ausser einmaligem OB'ki^A; 
dazu S. 129 die Bemerkung: »in der Gruppe -Kku,- ist der Ausfall 
des k von Jagic zweimal im Zogr. angemerkt, in den übrigen Fällen 
wird im Zogr. nur k geschrieben, ein Beweis einer bestimmten 
Weichheit des folgenden ii,; in der Sav. kn. gibt es keinen Aus- 
fall in dieser Gruppe« u. s. w. Das ganze Gerede ist hinfällig, 
wenn Scepkin's Ausgabe zuverlässig ist, denn da steht 125*' wirk- 
lich Oßll^A. 

Mir kommt die Lösung der Frage nach dem Ausfall der 
schwachen Vokale, wenn ich die gesammte Beschaffenheit der 
Quelle betrachte, ziemlich einfach vor : 

1 ) Der Schreiber hat im allgemeinen in seiner täglichen Rede 
die schwachen Vokale in offenen Silben nicht mehr gesprochen. 
Dabei gebe ich selbstverständlich zu, dass in einer Anzahl von 
Fällen aus bestimmten Gründen, z.B. wegen der Schwierigkeit der 
durch den Ausfall entstehenden Consonantengruppe, der Vokal er- 
halten bleiben konnte. Aber aus der Ueberlieferung der Sav. kn. 
lässt sich nichts derart mit irgend einer Sicherheit erkennen. 

2) Wo er die schwachen Vokale schreibt an Stellen , die den 
Ausfall erwarten lassen — und die Erwartung ist in einer Masse 
von Fällen berechtigt — ist er seiner Vorlage gefolgt. Ein Schrei- 
ber des XI. Jahrh. hatte sicher nicht die Absicht, den Evangelien- 
text seiner Vorlage in seinen Dialekt umzusetzen, sondern wollte 
ihn wiedergeben, wie er ihn vorfand; wenn sich also ältere Sprach- 
formen älterer Denkmäler unverändert bei ihm finden, kann man 



Noch einmal t und t in den altkirchenslavischen Denkmälern. 13 

daraus an sich, aus seiner Handschrift heraus, niemals schliessen, 
dass er sie in seinem Lokaldialckt noch gehabt hat. 

3) Dabei besteht noch die Möglichkeit, dass Erscheinungen, 
die in der Sav. kn. vorkommen und etwa für eine dialektische 
Eigeuthümlichkeit ihres Schreibers gelten könnten, schon in seiner 
vielleicht ebenfalls dialektisch gefärbten Vorlage standen und von 
ihm so wie sie da standen, abgeschrieben wurden, also für seinen 
eigenen Dialekt nichts beweisen. 

4) Betrachtet man unbefangen die wirklich vorkommenden 
Fälle der Weglassung von Tv, k, so stellt sich folgendes heraus: 
In dem Verzeichniss Scepkin's habe ich in runder Zahl 880 Fälle 
gezählt (die Beispiele von koah>k;i,o zählt er nicht alle auf, es wird 
mit Ausuahme von zwei Fällen immer ohne 'k, k geschrieben), da- 
von entfallen in runder Zahl 710 auf 7 Wörter und ihre Formen: 
B(k)cbL (omnis) 247, kto 107, lUiHon», 100, mto 95, CTßopHTH 90, 
MH-K MHOii^ 49, TTiKiuio 22. Dabei habe ich die Fälle nicht be- 
rücksichtigt, wo statt der schwachen Vokale über dem Consonan- 
ten "^ steht (z. B. lUi'^Hli ca. 50 mal), weil man nicht wissen kann, ob 
der Schreiber nicht aus eigner Absicht oder aus seiner Vorlage das 
Abbreviaturzeichen gesetzt hat, gesprochen hat er selbstverständ- 
lich in diesen 50 malen so gut nur mh'R wie in den 40, wo er das 
Zeichen *^ nicht anwendet. Von den angeführten Wörtern sind die 
Formen von kkck, k'kto, yKHor-K, MkTO, iuiiiHIj, M'kHOiif; solche, die 
in der täglichen Rede ungemein oft vorkommen, wie sie denn auch in 
der einfachen Sprache der Evangelien alle Augenblicke stehen. In 
diesen so gewöhnlichen Wörtern gibt der Schreiber seiner Sprach- 
gewohnheit nach. Mit CKTKopiTf», einem ebenfalls sehr oft ge- 
brauchten Worte, wird es sich nicht anders verhalten, zumal die 
Bedeutung des Ck- (mit) hier völlig verblasst und das Wort nur 
noch Perfektiv zu tkophth ist. Bei den übrigen ca. 170 Fällen 
kann man allerlei Betrachtungen anstellen, warum so und nicht 
anders geschrieben wird. Schwankt die Schreibung zwischen Er- 
haltung von Tk, k und Weglassung, so wird man in den meisten 
Fällen sagen müssen, es ist reiner Zufall, ob der Schreiber etwas 
sorgfältiger in der Befolgung der alten Vorlage gewesen ist oder 
ob er der Aussprache seiner Zeit folgte. Er schreibt die Formen 
von STkAT». 10 mal ohne 'k (k), 10 mal mit ihm, die Formen von 
KkpaTH (KT^p-) 18 mal KpaTH, 5 mal kt^path, Formen von ^kHk 



14 A. Leskien, 

12 mal A"-j 15 mal A"^"- (am häufigsten A^\i-, was hier nicht in 
Betracht kommt), von ockatv viermal oca-, dreimal oc'ka- cckA- 
u.s.w. Wie können solche Zahlen irgendwelche Bedeutung haben? 
Wenn er den schwachen Vokal konsequent weglässt, so kann man 
auch da Vermuthungen haben, warum es geschieht. Es wird ge- 
schrieben npas^i^HTi, natürlich weil hier überhaupt h nicht aus- 
fallen konnte, dagegen beständig (11 mal) npasH'Ki npasHH u.s.w. 
npasHHK'k (das S. 123 verzeichnete npdSAHHKd ist ein Druckfehler). 
Selbstverständlich hat er in allen Formen, wo dem alten h ein 
voller Vokal folgte, das h nicht mehr gesprochen, so entstand aus 
npasAH'Ki mit Wegfall des a das npasH'ki u. s. w. Der Fall ist 
charakteristisch : der Schreiber lässt in den zahlreichen Adjektiven 
auf -KHik den schwachen Vokal {h, unter Umständen 'h) so gut wie 
niemals weg, in dem ganzen Denkmal finden sich nur ein paar ver- 
einzelte Beispiele; npaskHiü npaskHH u.s.w. konnte er aber nicht 
schreibeu, weil das neben npasAi^Hi^ gar keine mögliche Sprach- 
form ist, offenbar waren für seine Empfindung npaSHa npasHOif 
npasHH u. s. w. die normalen Formen zu npasAi^HTv.. Scepkin 
hätte sich eigentlich wundern müssen, dass bei der Vorliebe für 
weit hergeholte Analogiebildungen, einer wahren Analogiesucbt, 
die er dem Manne zuschreibt, dieser gar nicht darauf verfallen ist, 
nach der gewiss naheliegenden Analogie von npasAt^Hiv auch ein- 
mal npasA^HTü zu sprechen und zu schreiben. Bei der konsequen- 
ten Schreibung ncaTH kann es so liegen, dass der Schreiber in 
seinem Dialekt nur RHcarH kannte, das ja früh in den südslavi- 
schen Sprachen auftritt und endlich nkcaTH ncaTH ganz verdrängt 
hat; fand er nun in seiner Vorlage nkcaTH, das er ncaTH las, und 
ncaTH, so konnte er diese ihm ungewöhnliche Form beständig 
schreiben, wie er sie las. Auf der andern Seite mochte er beständig 
nocKAaTH durchführen, weil er vielleicht statt nocTkaaTH schon 
nocAATH (aus nocTAATH) hatte und eine Schreibung nocaaTH = 
nocTvAATH daher undeutlich war. Ich gebe auf derlei Vermuthun- 
gen weiter nichts, man mag sie annehmen oder verwerfen ; es ist 
mir genug, dass aus der Betrachtung des Denkmals für den Dialekt 
des Schreibers nichts weiter hervorgehen kann als der oben unter 
1) ausgesprochene allgemeine Satz. 



Noch einmal t und b in den altkirchenslavischen Denkmälern. 15 

II. Der sogenannte Umlaut des i»., k. 

In den »Studien über das altslov.-glagol. Zographosev.« hat 
Jagic einen eigenthtimlichen Vorgang, die Vertretung von i». durcli 
b, von k durch 'k unter bestimmten Bedingungeu, beobachtet und 
genau behandelt. Das Resultat kann man, von allen Einzelheiten 
und Abweichungen und allen weiteren Fragen, die sich daran 
knüpfen, einmal abgesehen, auf die Formel bringen: steht eine 
Silbe mit ursprünglichem T\ vor einer Silbe mit weichem Vokal, so 
geht Ti in k über; steht eine Silbe mit ursprünglichem k vor einer 
Silbe mit hartem Vokal, so geht k in i^ über. Das gleiche Ver- 
fahren zeigen auch andere Denkmäler in grösserem oder geringe- 
rem Grade, darunter Sav. kn. Dies Denkmal hat Scepkin auch in 
Bezug auf den »Umlaut« untersucht (S. 186 — 209); eine Einleitung 
dazu bildet der allgemeine Abschnitt »Die Gesetze der Verände- 
rung der Halbvokale in den slavischen Sprachen« (S. 169 — 186); 
hineinzuziehen ist in die Betrachtung auch das Kapitel »Verände- 
rung des Lautes k nach s- und s- Lauten« (in jk h qj jka c 3) 
S. 150—169. Die Thatsachen sind nach den Angaben Scepkin's 
mit einigen Ergänzungen folgende : 

1 . Nach lu n; H jk ^ i|i wird ursprüngliches k im Auslaut wie 
in inneren Wortsilben so überwiegend durch Ti vertreten (ca. 270 mal 
!>>, ca. 60 mal k, vgl. namentlich LU'kA'^ 101 mal gegen nur vier- 
maliges mk^i.'k), dass kein Zweifel sein kann, der Schreiber habe 
hier 'k gesprochen. Da es nun hierbei gleichgiltig ist, ob die folgende 
Silbe harten oder weichen Vokal hat (z. B. a^i^^t^""*^t^j btsJiutx- 
HH^T^, s- S. 150), fallen alle Beispiele, wo altes t», nach m u.s. w. statt 
k vor folgender harter Silbe steht, aus der Betrachtung des Umlauts 
heraus. Scepkin erklärt S. 156 die Erscheinung aus der Organ- 
stelluug bei ä u. s.w., die zur Labialisirung führe; ganz richtig, nur 
möchte ich bemerken, dass es sich nach meiner Meinung dann nur 
um hartes s u. s. w., nicht um erweichtes 6'' u. s. w. handeln kann. 
Doch es kommt mir hier nichts darauf an, die Thatsache genügt. 

Anders steht die Sache bei 3 und c. Was 3 betrifft, so kann 
unter den S. 153 aufgezählten Fällen das einmal vorkommende ck- 
3'k;i,aTH nicht in Betracht kommen, da ja hier t». aus k wegen der 
folgenden harten Silbe entstanden sein kann; KAH3'k hat ebenfalls 
keine Bedeutung, denn es kann ursprünglich so gelautet haben ; 



16 A. Leskien, 

ferner wenn viermal k'khas'K, dreimal KT».HA3k, zweimal n-SHASk, 
einmal CKkAASiiL geschrieben wird, so kann man solchem Zahlen- 
verhältniss nichts entscheidendes entnehmen. Alle andern Bei- 
spiele beschränken sich auf Formen von Skp-RTH und von B'k3-, 
hs-lm;?»: 35 mal steht Skp'tTH, 8 mal ST^-p-kTH; das spricht doch 
nicht gerade für den angenommenen Lautvorgang; von ß'KS-, 
H3T».iui;^ werden zwar 19 Beispiele aufgezählt, aber davon haben 7 
die betreffende Silbe vor folgender harter Silbe, können also nichts 
entscheiden, den verbleibenden Fällen stehen aber andere 10 mit 
k gegenüber. Dazu kommen mit h K03kAHL|Jk K03kAA 4 mal, 
CKBASkHra (116) 2 mal. Man kann hier doch im Ernst nicht reden 
von einem Uebergang des k in t». in Folge der Stellung des k nach 
3, und die Erklärung des Vorgangs aus einer Aussprache des 5, z 
mit vorgestülpten Lippen ist ein schwacher Nothbehelf, denn wie 
will man diese Aussprachsart je nachweisen. Wenn man annimmt, 
dass der Schreiber 3p'tTH u. s. w. sprach, so konnte es ihm auch 
leicht passiren, dass er bei seiner Gewohnheit, die schwachen Vo- 
kale gemäss seiner Vorlage zu schreiben auch wo er sie nicht 
sprach, in einer massigen Zahl von Fällen den falschen Vokal 
setzte. Noch misslicher steht es mit s (S. 154): Formen von KHC'kp'K 
dreimal nur so; Formen und Ableitungen von K'bckH'K zweimal mit 
tk, einmal mit k. Formen von ockA'K einmal mit 1%, einmal mit k 
(oc'kA'k ist auszuschliessen, weil eine Silbe mit hartem Vokal folgt). 
Also alles vereinzelte Beispiele; für mich beweist übrigens das 
fünfmalige oca- (ocAa u. s. w. S. 125) klar, dass der Schreiber das 
k in den offenen Silben nicht sprach, so dass eine Entgleisung 
ockAA statt ockAA gar nichts verwunderliches hat. Uebrig bleibt 
noch, dass 6 mal CK^e geschrieben wird gegen 4 mal Ck^c, 12 mal 
CK (== o'ÖTog) gegen 27 mal ck, wobei das fünfmalige Cf nicht mit- 
gezäblt ist, obwohl das auch nur auf ck beruhen kann. Wenn wirk- 
lich eine Neigung bestand, die Silben mit ck- in ct».- umzuwandeln, 
warum geschieht es nie in dem IS mal vorkommenden BkCk. Da- 
bei ist noch zu bedenken, dass es barer Zufall ist, wenn wir nicht 
noch viel mehr ck- finden; die beiden häufigen Adjektiva HCKfCkCKiv 
HEBfCkHiv (beinahe 50 mal) werden immer abgekürzt geschrieben: 
HECK- HKCH-, aber 56'' steht wirklich einmal im Text HBCkHiviA. 
Für mich ist Ck^f nichts weiter als getreue Abschrift älterer Vor- 
lage, gesprochen aber vom Schreiber sde und deswegen gelegentlich 



Jfoch einmal -h und b in den altkirchcnslavischen Denkmälern. 1 7 

auch mit einem ebensowenig gesprochenen "k geschrieben. Nicht 
anders steht es mit ck ; derselbe Mann schreibt auf derselben 
Seite 148 die Wendung oövög kori dreimal Tcrschieden: ck jct'k, 
CK fCT'k, cf ecTTi, und ich kann es nicht im entferntesten für mög- 
lich halten, dass er in seiner täglichen Rede alle drei Formen 
brauchte. 

2. Der Uebergang von k in Tv vor folgender harter 
Silbe (S. 200), wobei die Stellung nach in u. s. w. natürlich ausser 
Betracht bleiben muss. Ich behaupte, dass sich aus der Ueber- 
lieferuDg der Sav. kn. nicht entnehmen lässt, dass der Dialekt des 
Schreibers diesen Uebergang gekannt hat. Möglicher Weise hat 
er so gesprochen, darauf kommt es hier nicht an, sondern nur 
darauf, dass seine Schreibweise das nicht beweisen kann. Da 
hier Scepkin keine durchgeführten Listen der in Betracht kommen- 
den Fälle gibt, gehe ich von meiner eignen Beobachtung aus: 

A. Ich zähle von Beispielen des Suffixes -khi». vor folgender 
harter Silbe 92. Was steht mm dem gegenüber? KpkKTkHa einmal, 
daneben einmal KpkKHO; k'Kcts.H'ki s'Sc'KHOi'iTRiIJa zweimal, da- 
neben einmal K'^ckHoyK»; HCß'tp'h.H'ki zweimal, daneben zweimal 
HEB'kpkH'ki und die Formen K'RpkH'k B'KpKH'ki 6 mal: no^OKTvHO 
einmal (131b), daneben 7 mal no,\,c>KkH- vor harter Silbe; einmal 
npHCKOkB'KHa neben npHC!;pkRkMa und npHCKpkEkH'k; c;?;- 
KOT'KfrkJ 5 mal nur so ; i^pKß'kHara einmal. Das sind im ganzen 
14 Beispiele, davon alle bis auf die beiden letzten in der Schrei- 
bung zwischen 'K und k schwankend. 

B. Suffix -kCK'k: 29 Beispiele mit k vor folgender harter Silbe, 
denen gegenüber 5 Fälle mit t*.: HCKapHOT'kCK'Ki HCKapHOTT»,- 
CKO\'Mov' (daneben zweimal HCKapacTkCKTvi), pov'M'kCK'Ki pHnn^- 

CK'KIMH, CTpaYCT'kCKOJTf». 

C. Suffix -kCTBO : 29 Beispiele, alle mit k ; die 6 Fälle mit 
-'kCTKO haben vorher m oder jk (mhojk'kctko, ßaa^'^iHivCTBO u.a.). 

Man wird wohl einräumen, dass die unter A — C besprochenen 
Fälle keine Handhabe geben für die Annahme, der Schreiber habe 
vor harten Silben t». statt k gesprochen. Aber zugegeben, er habe 
es gethan, dann sind die 150 Fälle mit k gegenüber den vereinzel- 
ten mitT». Fehler vom Standpunkt des Dialekts, natürlich sind 
sie ganz richtig als Abschrift einer älteren Vorlage, die hier überall 
k hatte. Es ist wirklich erstaunlich, dass der Schreiber in den 

Archiv für slavische Philologie. IXVII. 2 



lg • A. Leskien, 

häufigen Wörtern auf -kH^k, -kck'k, -h,CTBO so selten in seinen 
Dialekt verfallen sein soll. Scepkin ist diese Schwierigkeit nicht 
entgangen, aber das Prinzip muss gerettet werden, und er versteht 
sie glänzend zu lösen (S. 206): »In der Sav. kn. wird ausser einer 
unbedeutenden Zahl von oben erwähnten Fällen das k des Suffixes 
-kH- der Verwandlung zu t». in Abhängigkeit von folgender harter 
Silbe nicht unterworfen. Es ist die Annahme unumgänglich, dass 
im Dialekt der Sav. kn. die ursprüngliche Form des Suffixes im 
gegebenen Falle durch Analogie gestützt wurde. Die Fälle, wo das 
k des Suffixes -kH- sich zu voller Kürze entwickelte i), sind zu 
wenig zahlreich, als dass man annehmen könnte, die Analogie sei 
ausschliesslich von ihnen ausgegangen (n. sg. m., g. pl. auf -kHiv); 
es bleibt die Annahme, dass die Analogie von solchen Gruppen 
ausging, wo die umgebenden Consonanten noch das k des Suffixes 
-kH- vor verstärkter Irrationalität bewahrten und damit zugleich 
vor der Neigung zu i». vor harter Silbe; so konnten z. B. alle die 
Gruppen wirkeu, in denen wir nicht ein einziges mal die Schrei- 
bung T^ statt k finden: -KkH-, -AkH-, -HkH-, -CTkH-. Ausserdem 
konnte die Sprache bei den Adjektiven auf -kHT». -wha -kno unter 
dem Einfluss der Adjektiva und Participia auf -«ht». -HH'k -aH'k 
nach Bewahrung einer bestimmten Silbenzahl streben. Oben hatten 
wir mehrmals Gelegenheit einzuräumen, dass im Dialekt der Sav. 
kn. die verschiedenartigen und verwickelten im Schicksal der Vo- 
kale 'k und k beobachtbaren Erscheinungen nicht ausschliesslich 
durch die Wirkung von Lautgesetzen erklärt werden können (c u.s.w. 
Mir werden diese Leute immer räthselhafter; sie haben die Ten- 
denz, vor harten Silben k in 'k zu wandeln, bethätigen sie auch in 
bestimmten Fällen (z. B. Ki^paTH, s. u.), aber bei dem Suffix -kHii 
lassen sie es nicht dahin kommen, sondern in ihrer ungeheuer 
feinen Empfindung für Erhaltung von Gleichmässigkeiten in der 
Sprache lassen sie sich bestimmen, dem natürlichen Drange zu 
widerstehen, und zwar von mehreren Seiten zugleich. Warum ihnen 
nun eigentlich nom.-acc. sg. wie K'SpkH'K roac'KI^h'k u. s. w., die 
doch als Satzprädikate in der täglichen Rede recht oft vorkommen 



1) Gremeint ist die Entwicklung des »irrationalen« i. an Stellen, wo es 
nicht ausfüllen kann, zu normaler Kürze, in welchem Falle es auch in e über- 
gehen kann. 



Noch einmal x und b in den altkirchenslavischen Denkmälern. l9 

mussten, nicht dazu genügten, um auch BtkpbHa u. s. w. festzu- 
halten, verstehe ich nicht. Genug, es war ihnen nicht hinreichend, 
es müssen noch auf sie wirken Gruppen wie -ki^h-, -akh-, -Hkti-, 
-CTkH-, in denen nach Scepkin der Vokal nicht ausfällt. Man 
könnte hier noch die Zwischenfrage aufwerfen, woher Scepkin 
weiss, dass z. B. in der Lautgruppe -CTkH- das h vor gesteigerter 
Irrationalität bewahrt blieb; er kann es ja nur wissen aus dem 
Denkmal selbst. Es ist zwar richtig, dass hier k niemals ausfällt, 
aber das Niemals bezieht sieh auf die beiden allein vorkommenden 
Beispiele pacno^cTkNivi und OKpkCTkHA/Ä. Doch wenn man alle 
Fragen, die einem bei Scepkin's Verfahren aufstossen, wirklich 
stellen wollte, käme man nie zu Ende, und ich lasse das auf sich 
beruhen. Die Wirkung der Gruppen -Kkii- u. s. w. genügt aber auch 
noch nicht, die Sprechenden empfinden zu Liebe von Adjektiven oder 
Participien wie SfAfH'k, EiXATKüHs,, cecrpHH'k, KOJKaHT»,, ^\1vaaH'K, 
fem. stAiHA u. s. w. noch das Bedürfniss, in ß1ipkna u. s. w. zu 
K'fepkH'k keine Silbe verloren gehen zu lassen. Ich verstehe nur 
nicht, warum sie dieser Silbenerhaltungstrieb abhalten soll, das k 
in Tk. vor harter Silbe zu verwandeln, ßljpTkHa u.s.w. hätten ja die 
gleiche Silbenzahl, Soweit meine Erfahrung in Sprachen reicht, 
ist ein Dialekt, wie ihn Scepkin konstruirt, in Sprachgeschichte und 
Sprachpsychologie ein unicum, ich empfehle ihn den Psychologen 
ganz besonders. 

Bei den Formen von -kCKi». versagt die beliebte Analogie an- 
derer Formen. Aber man darf doch nicht annehmen, der Schreiber 
habe in den 29 Fällen seine Vorlage abgeschrieben. Hier muss er 
vielmehr (S. 203) die oben angeführten Fälle mit t». aus dem Urtext 
kopirt haben. Und warum? > Obwohl nur das erste von ihnen (t 
(den Beispielen) »den lautlichen Bedingungen des Dialekts der 
Sav. kn. widerspricht i), kann man vermuthen, dass sie alle vom 
Schreiber übernommen sind in der Form, die sie im Original hatten; 
in den Suffixen wurde das stark irrationale k im Dialekt der Sav. 
kn. hartnäckig gehalten durch Analogie, und es wäre unl)egreiflich, 
warum nur in den angeführten sechs Buchwörtern, die fremde geo- 
graphische Namen enthalten, t^ geschrieben wird; natürlicher ht es 
anzunehmen, dass der Schreiber diese Wörter eben deswe -cn ohne 



1) Gemeint ist epÄaHT>cutn, weil es t statt b vor weicher Silbe hat. 

2* 



20 A. Leskien, 

Veränderung aus seinem Original kopirte, weil es Buch Wörter warem. 
Nun will es aber das Unglück, dass doch in einigen Ableitungen von 
fremden geographischen Namen k steht: zweimal HCKapHOTkCKid, 
je einmal rtpkrecHHbCK'kiA, HasapfTbCKa, H{p^aMkCK;fkH^. Aber 
auch dagegen kann der geübte Scharfsinn eine Hilfe finden : »Wir 
haben schon Gelegenheit gehabt zu bemerken, dass der Schreiber 
der Sav.kn. ein gutes Gehör besass und mit Erfolg die Laute seines 
heimischen Dialekts in der Schrift ausdrückte, dass er aber dabei 
keine gründliche Kenntniss der Buchsprache besass. Im Worte 
ipA'iHkCK'k finden wir Schwanken zwischen 'k und i%, aber in 
rfpkPECHHh.CK'K, HasapfTLCKTv nur k« (NB., die Wörter kommen 
überhaupt im ganzen Text nur einmal vor), »vielleicht aus dem 
Grunde, dass dem Schreiber aus dem Evangelientext die Substan- 
tiva HfpA'iH'K, HasapfT'k, d. pl. rep^recHHOMT». gut bekannt sein 
mussten, von denen er dann die Adjektiva auf -kCK^k gemäss sei- 
nem Dialekt ableitete«. Also das wahrlich im ganzen Osten all- 
gemein bekannte Wort phm'k poymtsl (Rom) kannte dieser Mann 
nicht, konnte daher auch nicht seinem Dialekt gemäss pHMkCKHk 
poYMkCK'K bilden, sondern musste aus seiner Vorlage -TkCKT». ab- 
schreiben. Ueber dies Erklärungskunststück mag ich kein Wort 
mehr verlieren. 

D. Die übrigen in Betracht kommenden Fälle sind einzelne 
Wörter: Ki^paTH viermal neben gewöhnlichem cpaTH; c'ks'ka^t'M 
einmal neben zweimaligem c^kS^aTH ; ockAT». neben cca- viermal; 
Formen und Ableitungen von npaßkA^» vor harter Silbe dreimal 
mit 'k, einmal mit k ; Formen von Tkiuia bei folgender harter Silbe 
5 mal nur mit t».; B'k/i^OKa B'k^OKH^a 9 mal nur so. Bekanntlich 
ist K'kpaTH ß'k,A,OKa die stehende Schreibung auch in andern 
Quellen, darunter Zogr., und ich bestreite gar nicht, dass es sich 
hier um einen lautlichen Vorgang handelt ; was ich bestreite, ist. 
dass aus den paar Fällen irgend ein Schluss auf den Dialekt des 
Schreibers der Sav. kn. gezogen werden kann, er kann sie sämmt- 
lich aus der älteren Vorlage übernommen haben. Er hat an 11 
Stellen Formen von Mk3A<», alle mit zweiter harter Silbe, und 
schreibt alle mit k, während im Zogr. ebenso konsequent t». steht ; 
da haben wir also die verlangte Form. Aber der Schreiber der 
Sav.kn. darf lUikSA^ ßicht aus seiner Quelle haben, sondern (S.202) 
»man kann annehmen, dass dank der Consonantengruppe m-zd das 



Noch einmal x und b in den altkirchenslavischen Denkmälern. 21 

k dieses "Wortes noch nicht zu einem beträchtlichen Grade der 
Irrationalität gelangt war und seine Neigung zu i». deswegen nicht 
so stark war(f. Bei alledem kommt noch ein Umstand hinzu: es 
findet sich 'k statt altem h auch vor folgenden weichen Silben. 
Aus dem Text habe ich angemerkt: Formen von ß'KS-, HS-kM;^ 
(HS'kMST'k U.S.W.) 12 mal mit t*, dazu 3 mal c'kHT4.MHtjie; Formen 
von 3kp1vTH 8 mal 3'kp- (oAfS'kpHiJUH u. a.) neben sehr zahlreichen 
3kp-; pacJi'KHH einmal neben mehrmaligem pacnkHH; CK^e 6 mal 
neben Ck^e 4 mal; T'kiui'k 2 mal neben Tkiui'K einmal; ockaa ein- 
mal neben einmal ockAA und zweimal ocaa; npdß'K^'k einmal 
neben einmal npaKk^'fe; ß'KCk (omnis) einmal; mviiieHHU,;^ ein- 
mal; p'kH'RTa einmal neben pki^'tTa pki^'kT« pku,H 9 mal; OT'kpe 
einmal neben OTkpe; HHonAEiuiEH'kHHK'K wacA'fe^^'KHHK'K je ein- 
mal; OK'Ku.Ä einmal neben OBki^A 8 mal; MtT'ktp'kMH einmal. Es 
mögen vielleicht noch ein paar Einzelheiten dazukommen, die ich 
übersehen haben kann, bei der geringen Zahl der Fälle (42) gegen- 
über der Menge des vor weichen Silben richtig erhaltenen k kommt 
nichts darauf an. Wenn man annimmt, der Schreiber habe überall 
vor weichen Silben altes k als solches gesprochen, so sind jene Ti 
für seinen Dialekt nichts als Fehler, mögen sie nun aus Nachlässig- 
keit entstanden sein oder aus buchstäblichem Abschreiben einer 
Vorlage, die an der betreffenden Stelle t». hatte. Die Erklärung 
genügt vollkommen, auch Scepkin nimmt sie im ganzen an, aber 
ohne Spitzfindigkeiten geht es wieder nicht ab (S. 201); ockaa ist 
doch möglicher Weise so gesprochen worden und zwar nach Ana- 
logie von oc'kA'k. Der Hergang soll dabei der sein: ockAii hat 
sein k in T». verwandelt wegen der folgenden harten Silbe oder der 
iabialisirenden Wirkung von c oder aus beiden Ursachen, dann 
wird das ocka- übertragen in Formen mit folgender weicher Silbe, 
daher ockAA. Ich kann mich eines gewissen Mitleids mit dem 
armen Schreiber der Sav. kn. nicht erwehren ; was hat der Mann 
mit seiner Sprache für Mühe gehabt, ehe er alles in den richtigen 
Schick brachte: ockAA sollte er nach dem Gesetz des Dialekts 
eigentlich sprechen, thut das auch wohl, denn er schreibt einmal so, 
kann sich aber durch oct^ats. bewegen lassen, auch ockAA zu 
sagen, dabei schreibt er zweimal ocaa (dazu ocaa ocah), nichts 
hinderte ihn natürlich auch so zu sprechen (ockAA cckAA ocaa 
stehen auf derselben Seite 84 neben einander); am Ende muss er 



22 A. Leskien, 

sich in hoffnungsloser Verlegenheit befunden haben, wie er im 
täglichen Leben seinen Esel, falls er einen besass, eigentlich be- 
nennen sollte. 

3. Wandlung von 'k in b vor folgender weicher 
Silbe (S. 186 fg.). 

Es handelt sich dabei in der Sav. kn. hauptsächlich um die 
ausserordentlich zahlreichen Fälle von ßh- Bk3-, von ßk vor Casus. 
Von Fällen des kt», vor Casus mit erster weicher Silbe zählt Scepkin 
210 Kk, 155 BT^; von bk- bks- in Zusammensetzungen zähle ich 
nach dem Verzeichniss S. 192 (mit Abrechnung von 4 Fällen, wo 
Bk- vor harter Silbe steht, z. B. b^ko^chth, und den Beispielen 
von BkRHTH und BkH'k, die keine Präposition enthalten) in runder 
Zahl 260, von erhaltenem bt».- BTkS- ca. 25 (davon kommen 9 auf 
Formen von bt^sath, die andern sind vereinzelt). Ferner wird 
beständig geschrieben BkOHTH (rufen; konsequent daneben b'ks'k- 
nHTH, davon unten) 12 mal, dazu BknAk zweimal; KkH-b (zu btvH'k) 
viermal nur so. Was ausserdem vorkommt, ist in der Schreibung 
schwankend oder ganz vereinzelt: Formen von K'k^'feTH mit k 
7 mal, mit t». 2 mal; einmal SkA'fe, daneben je einmal s^KAli st^ah: 
CKpkrkqjA einmal; ck HHiuik dreimal, Ck icoMik einmal, neben zahl- 
losen CK vor Casus und in der Zusammensetzung; dazu CkHkMHiyk 
3 mal neben CTvHkiui- 11 mal; AWKkBe AiOBkBH 5 mal (vgl. dazu 
HcnAC»;\,'kBH; die Formen von u.pkKTü werden alle abgekürzt ge- 
schrieben); einige Male im Participialsuffix -kiu- statt -'kiu- (im 
ganzen etwa 10 mal), während sonst in der überaus häufigen Form 
Tk festgehalten wird. 

Es bedarf keiner Versicherung, dass bei dem oben angegebe- 
nen Zahlenverhältniss die Schreibungen Bk, BkS kein Zufall sind, 
sondern einen bestimmten Grund haben. Die Frage liegt aber so: 
kann man aus den sämmtlichen in Betracht kommenden Fällen, wo 
statt T». vor weichen Silben k geschrieben steht, für den Dialekt des 
Schreibers schliessen, dass er ganz allgemein so gesprochen hat? 
Ich leugne das. Weur mau alle Beispiele weglässt, wo t». vor s z c 
k zd steht, also die regelmässige Schreibung a^^u^th npuT-KHa 
u. s. w., die Participia auf -'kiu-, weil man hier annehmen könnte, 
die Consonanten seien hart gesprochen und daher die Wirkung auf 
'k nicht eingetreten, so bleiben doch bei jener allgemeinen An- 
nahme eine Anzahl Erscheinungen unaufgeklärt. Es wird beständig 



Noch einmal i. und t in den altkirchenslavischen Denkmälern. 23 

BkHHTH, dazu ßkriAK (^ K'kfiAk) geschrieben, ebenso beständig 
aber B'k3'KnHTn; warum hier denn nicht BT^SkiiHTH oder ßk3k- 
nHTH ? Die Berufung auf eine angeblieh labialisirende Wirkung 
des 3 nützt, wie schon oben ausgeführt, nichts. Man kommt dabei 
doch nothwendig auf den Gedanken, der Unterschied von ßknHTH 
und ß'k3'KnHTH beruhe darauf, dass dem letzten das ß fehlt. 
Ferner muss man die Frage aufwerfen, wie es komme, dass das 
auslautende 'k andrer Präpositionen, Ck K'k, die Wandlung vor 
weichen Silben nicht eintreten lässt, die paar Beispiele von ck HHMk 
und CkHkiiiHL[Jk können doch nichts beweisen, und ein Kk kommt 
gar nicht vor. Nun kommt zwar neben 6 mal K'k/k,« ziweimal Kk^e 
vor, das gleichartig gebildete ck^f (mit altem k) erscheint 4 mal so, 
6 mal als ct%.j^(. Wenn man in diesem Falle von labialisirender 
Wirkung des c reden will, so labialisirt doch k nicht, warum denn 
niemals Kk hhhi'k u. dergl.; in derselben Lage ist kt^hmta mit 
seinen Ableitungen (über 30 Fälle), es wird aber nur kt^h- ge- 
schrieben, ebenso K-kHASk mit Ableitungen (12 mal). Das Präsens 
nocKAtäR hat nie k; wenn man hier nicht die allgewaltige Analogie 
von nctCKAaTH anrufen will, bleibt das unverständlich. Die 8 For- 
men des Präsensstammes ckrh-, die 6 Formen von CKTkHHKiv 
und c'kT'feX'T^ sind ebenso hartnäckig in Bewahrung des 'k. Der 
6 mal vorkommende Lokativ zu c'KH'k heisst immer c'KH'k; hier 
ist ein Vergleich mit ß'kH'K (14 mal) und ßkH'6 (4 mal) lehrreich; 
dem ß-kH-k hat die Beziehung zu bt^ht». nicht geholfen sein 'k zu 
erhalten, die Sprechenden folgen hier ihrem natürlichen Drange 
und sprechen BkH-k; in CKWk halten sie Tv fest, weil sie daneben 
CKHik haben? weil ihr c labialisirt? Ich unterlasse es, weitere 

V 

Einzelheiten anzuführen; erklären kann man sie nach Scepkin's 
Grundsätzen alle; man hat ja die Wahl: .buchstäbliches Abschrei- 
ben der Vorlage, Analogiebildungen der mannigfachsten Art, la- 
bialisirende Consonanten, verschiedene Grade der Irrationalität von 
Tk, k, endlich — aber das darf nur im äussersten Nothfall ange- 
nommen werden — Schreibfehler oder Nachlässigkeiten. 

Wenn ich die Ueberlieferung der Sav.kn. betrachte ohne andre 
Quellen hineinzumischen und ohne irgendwo gewonnene Theorien, 
so komme ich zu folgendem Resultat: 1. abgesehen zunächst von 
Bk, Bk3 können die Fälle der Handschrift von ^k statt k vor harten, 
von k statt T», vor weichen Silben nicht beweisen, dass in dem Dialekt 



24 -^- Leskien, 

des Schreibers so gesprochen wurde. 2, ßb, Bk3 sind gesprochene 
Formen gewesen, aber ob der Schreiber der Sav.kn. sie gesprochen 
hat oder der Schreiber seiner Vorlage, von dem er sie nur übernom- 
men hätte, so sprach, lässt sich aus dem Text der Sav. kn. nicht 
ausmachen. 

III. T., h am Wortende (S. 224 fg.). 

Es gibt bestimmte Formenkategorien, bei denen der Schreiber 
zwischen t*. und k am Ende schwankt: instr. sg. (urspr. -Mk): -wk 
und -mk; loc. sg. pron. (urspr. -Uh): -mt». und -Mh; dat. pl. (urspr. 
-wk): -mtv und -Uh; 1. sg. praes. (urspr. -Mh): -wk und -mk; also 
sämmtlich Formen mit ursprünglich auslautendem -mt». oder -Mk, 
Dazu kommen einige Fälle der 3. sg. praes. auf -Tk (14 Fälle, da- 
runter 4 mit Korrektur des -Tk in -ttv) gegenüber der Unmasse 
der Beispiele mit dem gewöhnlichen altkirchenslavischen -tt». der 
3. sg.pl. praes. Was bleibt, ist wenig genug, fast lauter vereinzelte 
Fälle mit t». für altes k: mpkK'kBT». 3 mal (2 mal i^pkK'kßk), einmal 
KTs. H;RTp'k, K'kHAST». 4 mal (K'kHASk 3 mal), dazu einmal R'Khas'k 
(n'SHASk 2 mal), je einmal bt». ht^. Ha ht». (dagegen Hk = Hk 
15 mal), einmal luiaTepT^ (MaTfpk 3 mal). Diese Zahlenverhältnisse 
sind zu gar nichts verwendbar, ebensowenig die Zufälligkeit, dass 
einmal EAacTT». (gegen 14 mal BAacTk), einmal B'ScT'k neben ein- 
mal B'tCTk geschrieben ist, da die alten «-Stämme im ganzen Denk- 
mal, wo nicht 6' z U.S.W, vorangeht (Hoqi'k) das k konsequent fest- 
halten (rocnoA«*, n;RTk, nAi^Tk, MACTk, ;i,kHk u.s.w., z. Th. sehr 
oft vorkommende Wörter). Die fast regelmässige Schreibung H'k- 
capT». (17 mal neben viermaligem u.'tcapk) erklärt sich aus der 
Verhärtung des p, vgl. gen. n'Kcapa, gen. c;fknkpa zu c;^nkpk; 
sonst halten die alten jo-Stämme, wo nicht s z u. s. w. in Betracht 
kommt (m;^^;!*, HaiUT») das k konsequent fest: OTki^k ^-feaaTfAk 

V 

u. s. f. Scepkin zählt dann S. 229 noch die Fälle auf, in denen am 
Ende k für t», steht; es sind abgesehen von den biblischen Eigen- 
namen (nerpk neben njTp'k, Hasape^k u. dergl.) ein paar verein- 
zelte Beispiele, so dass das zufällig nur einmal in der unbestimmten 
Form vorkommende A'^kP'i^ als A^^^Pi^ erscheint, einmal ca"M*» 
(34 mal mit i^) u. a. d. A., alles ganz gleichgiltige Fehler, die der 
Schreiber, wenn er gerade Acht gegeben hätte, ebenso gut hätte 
korrigiren können, wie er z. B. OT'kB'SiiJaBk in -ei%. verbessert hat. 
Auch die Beispiele von -Tk neben -tt^ sind für mich irrelevant. 



Noch einmal i. und l in den altkirchenslavischen Denkmälern. 25 

Man kann sehr wohl annehmen, dass das Slavische in der 3. sg.pl. 
praes. zwei Formen hatte, auf -n"k und auf -Tk, und diese Doppel- 
heit verschieden erklären, aber aus den wenigen Beispielen von 
-Tb in der Sav. kn. kann man die Existenz dieser Form für den 
Schreiber nicht ableiten. Gerade dass er mehrmals ein schon ge- 
schriebenes -Tk in -T'k verbessert, spricht dafür, dass die andern 
paar Fälle ibm nur aus Versehen entschlüpft sind. 

Die ganze Frage beschränkt sich also auf die Formen mit der 
Endsilbe -mt». oder -Mk. Auffallend selten erscheint der dat. pl. 
statt des ursprünglichen -M'k mit -Mk; aufgezählt werden (S. 227) 
1 Fälle gegenüber der grossen Masse von richtigem -mi'k ; auch diese 
verlieren alle Bedeutung, wenn man sieht, dass der Schreiber in 
ebenso viel Fällen ein geschriebenes -JJik in -wk korrigirt hat. Die 
1. pl. auf -WK schreibt er (nach S. 228) bei den wi- Verben einmal 
-Mk (ecMk) gegen 12 mal -M'k (ßlvM'k, hlum'k), bei allen andern 
Verben einmal npliM^-feMk 138 (in einem Falle ist die Lesung un- 
sicher), sonst in den sehr zahlreichen Fällen nur -wk. Von einer 
Vertretung des -wk durch -Mk kann also nicht die Rede sein; was 
wirklich in Betracht kommt, ist nur die Ersetzung von -Mk durch 
-M'K im instr. sg. und im loc. sg. pron., ferner die 1. sg. praes. 
Von -M'k statt -Mk in den Casusendungen zählt Scepkin (S. 230) 
122 gegen 225 mit altem -Mk; S. 228 stehen von der 1. sg. pr. mit 
-Mk 67, mit -M'k 14 Fälle; zählt man alles zusammen, so ergeben 
sich 136 -M'K, 292 -Mk. Die sehr zahlreichen Fälle des -M'K statt 
-MK sprechen dafür, dass dem Schreiber der Sav.kn. das -M'K eine 
normale Form war, die er überall hätte schreiben können, jedoch 
nur in einer Minderzahl von Fällen, aber in einer absolut genommen 
hohen Zahl, wirklich geschrieben hat, während er in der Mehrzahl 
das -Mk seiner Vorlage abschrieb. Das -M'K kann an sich ver- 
schieden gefasst werden. Falls die schwachen Vokale am Ende 
überhaupt nicht mehr gesprochen wurden, war es gleichgiltig, ob 
er -M'K oder -mk schrieb. Die konsequente Bewahrung des -k im 
nom. acc. der i-Stämme lässt sich dagegen nicht geltend machen, 
denn da handelt es sich um eine bestimmte Wortkategorie, bei der 
auch einen Schreiber, der im täglichen Leben z. B. vlast statt 
ßAacTK sprach, das grammatische Bewusstsein, die aus der Schrift- 
sprache entnommene Erfahrung, dass zu den Casusformen auf -h, 
-ki^ -HHR, -kMHk u. s. w. ein Nom. -Acc. auf -k gehört, dazu führen 



26 A. Leskien, 

konnte, regelmässig diese Formen mit k zu schreiben (vgl. Supr.). 
Die Casusformen auf -Uh, 1. sg. pr. -OK stehen aber ausserhalb 
aller solcher Beziehungen. Nimmt man dagegen an, die "k, k am 
Ende seien noch gesprochen worden, so muss man schliessen, -mk 
sei aus irgend einer Ursache in -M'k übergegangen. Möge man das 
nun erklären können oder nicht, die Thatsache wäre da. Das ist 

V 

aber Scepkin viel zu einfach; S. 231 fg. werden über das Schwan- 
ken von -mt». und -Mb merkwürdige Ansichten vorgetragen. Aus- 
gegangen wird von dem Satze: weil wir wissen, »mit welcher 
Konsequenz der Schreiber der Sav. kn. seine dialektische Redaktion 
dem abgeschriebenen Text aufgelegt hat, müssen wir einräumen, 
dass beide Endungen, -wk und -mk, in seiner Sprechweise gehört 
wurden«. Wenn also beides da war, muss diese Sonderbarkeit er- 
klärt werden. Den Ausgangspunkt bildet die Annahme: »lautlich 
konnte die Variante -M'k nur im Instrumental entstehen« i). Der 
Instrumental muss demnach die Analogie abgegeben haben für die 
sonstige, nicht lautliche, Umbildung von -Uh. zu -yk. Nun be- 
obachtet Scepkin, dass -mt». im loc. sg. pron. sehr selten ist (S.227): 
7 Beispiele (davon. 5 vom Pronomen, 2 vom bestimmten Adjektiv) 
mit -lUiTv gegen 115 -mk (96 vom Pronomen, 19 vom best. Adj.). 
Hören wir den Grund: offenbar unterlag dieser Casus »fast nicht 
oder gar nicht der Analogie von Seiten des Instrumentals«, man 
müsse voraussetzen, die wenigen Formen mit -wk seien vom Schrei- 
ber mechanisch aus seiner Vorlage übernommen. Nun will es aber 
das Schicksal, dass auch im Instrumental der Pronomina (auf 
altes -Mk), wo man doch entschieden die Wirkung der Analogie des 
nominalen Instrumentals erwarten müsste, da die Formen ja auch 
in der Bedeutung ganz gleich sind, das -wk selten ist: nach S. 226 
vom eigentlichen Pronomen 10 Beispiele mit -wk gegen 51 mit-MK. 
Darüber heisst es: »das führt auf die Annahme, auch hierher seien 
sie« (die -mtv) »nur durch Analogie aus der Nominaldeklination 
verschleppt« (^xo h ciOAa oni saneceHii jehuii. anajiorien nst nMen- 
Horo cKJioHeHiH). Ich verstehe das so: die dem Dialekt normale 
Form des instr. pron. war -mk; wo von dem Schreiber -li'k gesetzt 

1) Mit Beziehung auf Fortunatov, JIcKuiu no *0HeTHKi ciapocjaBaHCKaro 
K3MKa S. 212. Da diese Vorlesungen, so viel ich weiss, nicht gedruckt sind, 
kann ich Fortunatov's Begründung nicht kennen ; selbst kann ich keine Ur- 
sache finden, warum -mi. gerade im Instr. entstehen inusste. 



Noch einmal t und i. in den altkirchenslavischen Denkmälern. 27 

ist, kam ihm durch seine Gewohnheit die nominale Form mit -mtv 
zu schreiben, dies auch beim Pronomen einigemale in die Feder ; 
oder meint Scepkin, die gewöhnliche Sprechweise sei hier -mk ge- 
wesen, gelegentlich habe der Schreiber aber nach Analogie des 
nominalen Instrumentals auch einmal -wk gesprochen ? Einerlei, 
jedenfalls meint er, dass -Mk im instr. sg. pron. zu den gesproche- 
nen Formen gehört. Das wird weiter noch folgendermassen begrün- 
det: »Man muss seine Aufmerksamkeit darauf richten, dass in der 
Deklination der Pronomina -iuik in beiden Casus ohne die Variante 
-WK in den Fällen erscheint, wo die Formen aus der Verbindung 
mit den übrigen Casusformen ausgeschieden waren, nämlich in den 
adverbiellen Ausdrücken tIvMkikj und noToyk . . . offenbar wur- 
den T-kiuikJKf und noTOMk in der Sprache nicht mehr empfunden 
in der Eigenschaft von Casusformen, sondern ausser Verbindung 
mit ihnen in der Eigenschaft von unveränderlichen Wörtern 'c. Es 
ist mir ganz räthselhaft, was eigentlich damit begründet werden 
soll. Zugegeben, T'feiuik>Ke, noTOiuik hätten selbständiges Leben 
gewonnen und T'KuwA^t sei dadurch vor der Wirkung des -iuitv im 
Instrumental der Nomina bewahrt geblieben, so hätten doch um so 
eher die nicht adverbiell gewordenen Instrumentale wie Hiuik HHMk 
(so kommt es 27 mal vor gegen 4 mal hmt». HHiui'k) dem Zuge nach- 
geben können; sie thun es hartnäckiger Weise nicht. Wir sind 
aber mit den Schwierigkeiten noch lange nicht zu Ende. Der loc. 
sg. der bestimmten Deklination des Adjektivs hat 19 mal -Mk, nur 
zweimal -mt*; das ist einfach: »der Lokativ der zusammengesetz- 
ten Adjektiva hängt in der Verwendung der Endung -Mk vollständig 
vom Lokativ der Pronomina ab«. Schön, wir haben aber gesehen, 
dass auch der Instrumental der Pronomina sich von der Analogie 
des nominalen Instrumentals auf -MT». nicht bezwingen lässt, also 
— sollte man denken — verhält sich so auch das bestimmte Ad- 
jektiv. Durchaus nicht, sondern die S. 226 gegebenen Beispiele (14) 
haben alle -mt*, mit -Mk kommt keins vor. Auch dafür muss ein 
Grund gefunden werden, und er findet sich (S. 232): »der Instru- 
mental der zusammengesetzten Adjektiva dagegen unterwirft sich 
der Analogie der Nominaldeklination, d. h. die Endung -mt». im 
Instr. sg. A^^^p-kiHMT». A'^Ep'kiMT». u. s. w. verbreitete sich nach 
Analogie der nominalen Form derselben Worte, a^^eP^^i^t*; ^uf die 
gleiche Weise übten die Formen KfAHfMT». rAdroA;RijjfM'k ihren 



28 A. Leskien, 

Einfluss auf Hfri\c;^i4JHü'K rAtirc»A;i^niHLn»,(f. Wem bei diesem 
Hin und Her von Analogiebildungen der Atem noch nicht ausge- 
gangen ist, verliert ihn vielleicht, wenn die letzte kommt. Scepkin 
beobachtet, dass bei den harten o-Stämmen der Instr. sg. in 70 
Fällen -om'k, in 18 -ouk hat, dass dagegen bei den weichen o- 
Stämmen und den «'-Stämmen das Verhältniss ein sehr anderes ist : 
22 mal -iWK -bMiv, 42 mal -tMk -h.Mi^. Was die Trennung der 
beiden Kategorien eigentlich für einen Sinn hat, ist mir verborgen. 

V 

Genug, Scepkin trennt sie, und da nun der Schreiber bei den wei- 
chen Stämmen vorwiegend -uk schreibt, muss er auch so ge- 
sprochen haben — nach Scepkin's Grundsätzen. Ich hätte nicht 
geglaubt, dass menschlicher Scharfsinn für diese Absonderlichkeit 
einen sprachlichen Grund finden könnte, aber zu meinem Er- 
staunen findet Scepkin einen : » das starke Vorherrschen der Endung 
-eyk über -cmtv in der Nominaldeklination kann erklärt werden 
durch Einfluss des Lokativs auf-SMk (pronominale Deklination) (f. 
Begreifen kann ich das nicht, aber ich verstehe jetzt, was es heisst, 
ein Prinzip zu Tode reiten. 

Bleibt endlich noch die 1. sg. praes. auf -Mk, -mt»,. Hören wir 
auch da Scepkin selbst (S. 233): »In der 1. sg. und pl. der zweiten 
Conjugation sind keine Fälle einer Korrektur von -fJk in -MTk vor- 
handen. Oifenbar existirten beide Lautformen gleichzeitig im Dia- 
lekt der Sav.kn. Auf Bl. 40'' ist das Schluss-k des Wortes KMk auf 
einer Kasur geschrieben; wenn mau voraussetzen darf, dass die 
Kasur gerade t». löschte, so kann man einen Schluss aus dieser 
Thatsache nur machen für das Verbum tCMk (fCMk H'KcLik 56 mal, 
tCMTv einmal; andre Verba -ink 11 mal, -mtv 13 mal), in dem der 
Wechsel der Endungen -mt». und-Mk im allgemeinen beträchtlich 
schwächer ist als bei den Verben ;i,dMk, raiuk, HMaMk«. Wer es 
für möglich hält, dass der Schreiber in seinem Dialekt sowohl -Mk 
wie -MTs. hatte, wird sich vielleicht höchlich wundern, dass der Mann 
bald A^<^i^; B'KMk, HMar.ik, bald ^aM^k, B'bM'k, HMdM'k sprach (bei 
HMaMk ist er fast unDarteiisch : 6 mal -ük, 5 mal -mts.), dagegen 
dem so sehr häufigen scMk liebevoll sein altes -k belässt. 

Man spricht in Deutschland seit mehreren Jahren viel vom 

V ^ 

papiernen Stil. An den Ausdruck werde ich bei Scepkin's Buch 
lebhaft erinnert; das ist papierne Sprachforschung und ihr Resultat 
ist ein papiernes; eine solche wirklich von Menschen geredete 



Noch einmal i. und i. in den altkirchenslavischen Denkmälern. 29 

Sprache hat es nie gegeben und kann es nicht geben. Scepkin ver- 
kennt die Lage eines altbulgarischen Schreibers des XI. Jahrh. 
völlig. Gegeben war ihm ein Text, der, mag er auch schon allerlei 
Abweichungen von seiner Grundlage, dem Evangelientext der Zeit 
Konstantins und Methods, gehabt haben, jedenfalls auf der zu 
deren Zeit festgelegten Schriftsprache beruhte. Diese vor Ablauf 
des IX. Jahrh. geschatfene Schriftsprache ist für alle Schreibenden 
die Literatursprache gewesen. Sie mochten sie vollkommner oder 
unvollkommner handhaben, dialektische Eigenthiimlichkeiten und 
Formen ihrer Zeit einfliessen lassen, aber dass es ihnen einfallen 
konnte, ihre Vorlagen in einen nicht literarisch fixirten Lokaldialekt 
mit bewusster Absicht umzusetzen, ist ganz ausgeschlossen. Wenn 
sie aber in einer überkommenen Schriftsprache schrieben, so war 
ihre Schreibweise, wie sie auch im täglichen Leben gesprochen 
haben mögen, in hohem Grade konventionell, wie das in jeder 
Schriftsprache der Welt so ist. Und wie in jeder Schriftsprache der 
Welt setzen sich auch gewisse grammatische Normen fest, nach 
denen die Schreiber sich richten, auch wenn etwa ihr eigner Dialekt 
sie nicht ohne weiteres ergibt, wie ich schon oben beispielsweise 
auf die konsequente Bewahrung des k im Auslaut des nom.-acc. 
der «-Stämme hingewiesen habe. Keine Beurtheilung handschrift- 
licher Ueberlieferung kann ohne diese und andre philologische 
Betrachtungen auskommen. Wer die nicht anstellt, nichts oder fast 
nichts Konventionelles anerkennt, muss dann freilich beliebige Vor- 
kommnisse in einer beliebigen Handschrift alle oder fast alle für 
sprachliche Realitäten aus Zeit und Dialekt des Schreibers halten 
und wohl oder übel die Aufgabe lösen, alle Sonderbarkeiten und 
Widersprüche als normale sprachliche Entwicklungen zu erklären. 
Und man kann das auch, wenn man unbedenklich aus der grossen 
Rüstkammer abstrakter Möglichkeiten bald die eine , bald die 
andre, bald die dritte und vierte beliebig herausgreift und auf den 
einzelnen Fall anwendet, ohne jede Rücksicht auf Folgerichtigkeit 
und auf die Erfahruog einer nicht papiernen Sprachforschung, dass 
keine lebendige Sprache der Welt je so verfahren ist und verfährt. 
Noch eins muss ich hinzufügen: auf die Ausführungen Scep- 
kiu's über das Verhältniss neubulgarischer Mundarten zu dem von 
ihm angenommenen Dialekt der Sav. kn. bin ich nicht eingegangen. 
Er spricht sich darüber auch in BB 26, 165 aus, in einer Wider- 



30 A. Leskien, 

legung von Vondräk's Anzeige seines Buelies im Arcbiv XXII: 
»Mein Buch hat eine einheitliche wissenschaftliche Aufgabe, welche 
Vondrak gänzlich verschweigt: an der Hand einer Sprachqiielle, 
welche mit grösster Klarheit eine lebende altslovenische Mundart 
des XI. Jahrh. zumfAusdruck bringt, unternahm ich einen histori- 
schen Vergleich des Altslovenischen mit den heutigen Mundarten 
des Bulgarischen, um auf Grund der gewonnenen Thatsachen den 
Verwandtschaftsgrad beider Sprachen festzusetzen« (es folgt dann 
eine kurze Angabe des gewonnenen Kesultats). Diese Tendenz des 
Buches liegt auf der Hand, allein ich meine, es handelt sich bei 
Scepkin's Buche doch nicht um eine einheitliche wissenschaftliche 
Aufgabe, sondern um zwei verschiedene Dinge. Das eine ist die 
Aufsuchung von Kennzeichen und Spuren altbulgarischer Dialekte 
in der altbulgarischen Ueberlieferung und deren Vergleich mit den 
heutigen Mundarten. Ich lasse es dahingestellt, ob bei dem jetzigen 
Stande der bulgarischen Dialektologie eine solche Vergleichung zu 
einigerraassen sichern Resultaten führen kann. Jedenfalls ist es 
sehr dankenswerth, solche Untersuchungen anzustellen, und ich 
bin weit entfernt, gegen Arbeiten dieser Art ein prinzipielles Be- 
denken zu haben und das Verdienst Scepkin's in dieser Beziehung 
zu verkennen. Etwas ganz anderes aber ist es, aus einer bestimm- 
ten Handschrift heraus, hier aus der Sav. kn., einen gerade so, wie 
es da geschrieben steht, gesprochenen Dialekt erweisen zu wollen. 
Diese Aufgabe hat nichts zu thun mit irgend einem Verhältniss zu 
irgend welchen neubulgarischen Mundarten, sondern muss allein 
aus der Handschrift selbst gelöst werden. Gegen die Methode, die 
Scepkin dabei anwendet, musste ich mich aussprechen, weil ich der 
Ueberzeugung bin, dass sie auf Irrwegen geht und in die Irre führt. 

IL Das Euchologiam Sinai ticum. i) 

Die Behandlung des t». und h. ist hier viel einfacher und klarer 
als im Savaevangelium. Ich gebe zunächst die Thatsachen. Wenn 
Geitler's Ausgabe zuverlässig ist, lassen sich folgende Erschei- 
nungen beobachten. 

1) Ich kann leider auf die Abhandlung von Prok. Lang, Jazykovedecky 
rozbor Euchologia sinajskeho (Programm des Gymnasiums in Pribram lSS8f.), 
nicht Rücksicht nehmen, da mir nur die Theile, die die Formenlehre behan- 
deln, bekannt geworden sind. 



Noch einmal t> und l in den altkirchenslavischen Denkmälern. 31 

1. Die gänzli che Weglassung- von 'k, k beschränkt sich 
auf das häufige MHor^K, daneben furKHonv m'hop'k m'hojk'ctko 
und dergl. ; eine Aufzählung aller Fälle ist unnütz, denn es ist doch 
nur ein Zufall, ob ein paar mal mehr oder weniger niHorTv oder 
M'Hon». -oder iH'kHor'K geschrieben steht; ferner auf Formen von 
BkCK (omnis), sehr selten ausgeschrieben, z. B. kkcKkokr, ge- 
wöhnlich b'c- (auch K'ck), einige mal ohne alles Zeichen, z. B. 
KCfro u. dergl., die Aufzählung hat auch keinen Werth. Wie ß'c- 
steht auch fast regelmässig k'tc» m'to (neben k'Kto mkto). Alles 
andere sind vereinzelte Beispiele, einige mal fehlt der Vokal beim 

Suffix -kH-, KTsJmHHH\'T»., BUUJHHHMk, HerK>CT'lvl,V,HOMk, KfSa- 

KOHHOV'ü^wipHH 74b (in ähnlichen Fällen steht sonst ', z. B. nenpU- 
CTaH'HO, hcthh'hov'Moy, HfnopoM'HC»); AHM) und js,nh., dies selbst- 
verständlich nur abgekürzte Schreibung, vgl. a'h"^ 73 b; KC»Hi;a, vgl. 
KC>H'u,a 64a, np-KHua 82a, mhUth 20b, HfSAOBHt 97a, vereinzelt 
-'AiA,c> (neben -jk'ka«^); r'ccah 30, BCfAfHidiA 10a; bk bt», wird 
immer ausgeschrieben, vereinzelt erscheint b' cf/\t:\"k 64 b, b' cfKü 
67a, vgl. k' TOLioy 51b; öfter iuih'K, mnoi?^ und die der Quelle 
eigeuthümliche Genitivform mh« (neben m'h«). Rechnet man die 
Fälle, in denen das Zeichen ' steht, ab, so bleibt sehr wenig übrig 
und die Handschrift ist also in diesem Punkte recht alterthümlich, 
so fehlt in K-KpaTH, ni^paTH, ST^.^aTH, S'KBaTM, n^HaTH, kk- 
A'feTH, si^ptiTH u. ä. nie das nk, k. 

2. 'K, h nach m m; h m jk^- Es ist eine bemerkenswerthe 
Eigenthümlichkeit der Handschrift, dass sie nach h ijj >ka das alte 
k unverändert bestehen lässt: von ^h nach m finde ich nur das eine 
Beispiel naaMi^ 106b (neben mehrmaligem naank), sonst im Aus- 
und Inlaut nur k, gezählt habe ich gegen 100 Fälle, z. B. im Auslaut 
HAaMk, KAHHk, M6Mk, HAOßliHk, im lulaut Immer MkTO, so auch die 
zum Präs. MkT;*^ gehörigen Formen, so saMkH;*^, immer BlinkHiv, 
BkcfeHkCKTvi u. s. w. Hervorzuheben ist dabei, dass der Vokal der 
folgenden Silbe gleichgiltig ist, k steht sowohl vor folgender wei- 
cher wie vor harter Silbe, vgl. cp'KAi*MkH'feH,pa3aHMkH'R, HCTOMk- 

HHKTv mit Cp'KAf^l^HOf, MAOB'fcMkCTBC», pa3i\HHkH0, p;S^MkH'klbÄ. 

Nach HJ ist mir ein is. überhaupt nicht begegnet, es heisst c;Ri|jk- 
CTBO nfi|jk Hoqjk H0i|JkH;i^t7^. OKpaqjk oyKponikUjeM'K u. s. w. 
Ebenso gut kann man sagen, dass Tv auch nach jk^ nicht steht, 
denn die beiden Fälle poH^^T^uja 32 b, B«CTO\^;KAT^nc>f 69a müssen 



32 A. Leskien, 

der Masse der übrigen gegenüber als Versehen gelten, es steht 
sonst immer k, z. B. KH;K4,k, OYTBp'K:K;i,k, pojka^^ctko poJKA'*- 
CTH'K, H;^JK4,h,H0, 3aGA;f»JKAkLuaaro u.s.w., eine Silbe mit folgen- 
dem harten Vokal übt gar keinen Einfluss. Nach u, bleibt eben- 
falls k, der Fall ist nur vereinzelt vorhanden, oi^hTa (gen. sg.) 
42b, oi^KTCFiik 50b; die häufigen Formen von OTku,k werden 
abgekürzt geschrieben. 

Anders steht die Sache bei m, jk. Im Auslaut habe ich ein- 
mal nach ui ein k notirt, UTvimk, sonst steht nur i\, z. B. immer in 
dem ca. 80 mal vorkommenden Haiu'k, ausserdem in mehr ver- 
einzelten Fällen : gen. pl. ^k.ovui'K (6 mal), B'kKovm'k, oyKpam'k, 
CkKpo^iu'k, OTTi.Kp'kr'km'k; im Inlaut steht in einer geringen 
Zahl voü Fällen (gezählt habe ich 12) -uik-, z. B. rp-kiukHaaro. 
KTiKormkUJe, MkHHmkCKaaro, uikCTBOKaTH 33b, 34a (darüber 
s. u.), dagegen in über 70 Beispielen -iut^- und zwar, was wichtig, 
ebensogut vor folgender weicher wie vor harter Silbe, vgl. z. B. 
K'kim'kH'k'K, rp'bui'kHHH rp'SiU'kHHK'k rp'Kiu'kH'K, nocaoyuu'k- 
AHRT»., CTpauu'k.H'KMk, M'kiLU'ki^Eti^, Hcnpouj'kiiu, pa.s^pOYm'k- 
mHiyi\ — rp-Rm-kHOiT^, CTpaiu'kH'ki\"k, Epam'kHO, UkHurniv- 
CKTvi, c'krp'Sm'kuja. Man kann also ohne weiteres aussprechen, 
dass Ts. nach m das normale ist. Etwas schwankender ist die 
Sache bei >k: im Auslaut finde ich nur -'a^k, z. B. Fui;^»;k, 
-AOJKk, oij'MTkHon^k, nocAOY^Kk, derartige Worte sind überhaupt 
nicht häufig; im Inlaut habe ich 26 Fälle mit ->Kk- verzeichnet, 
z. B. »ctJKkK;^^*;, K'ksrJio^KkHO, M;^2KkCKa, noAOJKkma, nojKk- 
HKfiT'k U.S.W., dagegen ca. 40 Fälle mit -jkt».- und zwar in einigen 
Wörtern ganz oder fast durchgehend, so in -jkt^^o, caov^jK'kEa, 
M;RHi'kCTC, vgl. ferner TA^K'kKO, ßpaiKT^^a, nocTHHi'kHa, npH- 
AfJK'kHo, ß'kSMOiK'kKO, AA'kJK'kH;^!?^ ; der Vokal der folgenden 
Silbe ist auch hier ohne Belang, vgl. MH^K'kHHHMH (daneben 2b 

HH^KkH'ba), nOJK'kp'RTf, KTvHHJK'kHHK'k, ;fw>K'kHHK'k, T/ft>K'kllJ/ftkÄ, 

caov'/K'kS'S. Man wird nicht zweifeln dürfen, dass jk dem m ganz 
parallel läuft, dass auch hier t^ die eigentliche Norm ist. 

3. Der Umlaut. A. Die Vertretung von k durch Tv bei 
folgender harter Silbe ist ungemein regelmässig durchgebildet. 
Von Beispielen des Suffixes -kH- vor harter Silbe habe ich 350 
-ivH-, 70 -kH- angemerkt. Dass hier der Prozentsatz des -kH- 
ziemlich gross ist, liegt natürlich in der ausserordentlichen Häufig- 



Noch eiumal i. und i. in den altkirchenslavischen Denkmälern. 33 

keit dieser Bildungen. Es wäre ganz unnütz, nach besonderen 
Consonantengruppeu zu fahnden, die etwa altes h gestützt hätten, 
gegenüber andern, die der Wandlung kein Hinderniss bereiteten, 
denn es kommen alle möglichen Verbindungen und Silbengestalten 
vor; ich führe von jeder Art ein paar Beispiele an, die Hunderte 
von Fällen alle aufzuzählen, wäre ganz müssig; k — h: ro^oktiHO 
AOK'KHOi npHCKpiiKTvHa noTp'kKTvHO L^'kAfK'kHaarc»; B — h: faa- 

BTiHO ^».p'k/KaB'kHOI* npOTHET^HaarO ^•^VV*^^''*^"'^ LtpivKOBIv- 

HioMb, vgl. vi.oifY^^ß'^"'»^'^'* ^pKBkHaa; a — ^'- ctvH'S^i.'kho 
ep'SAT»^"'* o^roAikHO Ka;R;i,'kHa nQAß(ji,'KHis. boat^htj, vgl. 
BOAi^H'Ki CBOBO;\,i^naa; AP — ^- KfAPT»^n<>) vgl. f/k,"M*5'^^APi^HC»: 
3 — h: OBpasTiHO rpc»3TkH0f, vgl. noAfSkH'Ki; 3A — h: npasAT»^- 

H0\"f*T1».; A H: CHAlvHC KaAH/\'kH;«;>il^ B£3HaH/ftA1vH'Kl (im 

ganzen 8 Fälle), dagegen häufiger -ak- (im ganzen 19 mal), Formen 
von BOAkHK (1 mal), BOAh,HT». (4 mal), BE3HaHMAbH'K (6 mal), J!l,C>- 

KpOA'feTfAkH'K (1 mal), C'KA'liTfAkH'K (1 mal), H3BaBHTEAkH'K 

ncMAAkH'K (2 mal), coAkH^k cEAkH'k pa3A't:AkH'k ncndB-tAkH-k 
C'knp'kcTOAkH'k (je 1 mal) ; auf das Verhalten nach a komme ich 
unten zurück; m — h: 3EM'kHa pa30YMT»,H0 TtU'kHa, vgl. 3fMk- 

HTüYlv paSOYMkHTvl TflUkHIüMk; H — H: HCTHHT4.H'kl OrH^kHa 
CTpaH-kHTvI CKBp'KH'kH'kl Bp'SM«H'kH;Rlili nOBHHT».H;S\ HEH3ApC- 
MfH'kHOlTR, Vgl. OrHkHOMk np'^KAOHkH'kl BOA'bSHkHlvI ; R — H: 

Kcyni^HO npHCT;Rn'kH;R, vgl. BoroA'KnkHOE; p — h: B'Rp'kH'ki 
sascp'KHO H«AHU,fiii'Sp'KH;i; u. SO oft, Beispiele mit -pk- scheinen 
zu fehlen, doch vgl. fAHM<>*J'*AP'^H'5; c — a: ckMucA'kHC» beijjh- 

CAliHOE, vgl. CkM'klCAkHO HEHl|JHCAkH;^i;i;; C — H: HCBEC11.H0C, 
T'KAfC'kH'kl CACBfCKHOt KBaCkHOE KpaCTvHO; CT H: MtCTTiHO 

u. andere Formen des sehr häufigen Wortes, KpcT'kHoe, vgl. obaa- 

CTkHC H3BlvCTkH0 M/ÄCTkHaa ; CTB — H: BO/Kf CTB-kHOf BOH^C- 

CTBTvH'kl, Vgl. BO/KfCTBkNIÜ pOJKA« «^TBkHOlJR ; T H: paBOTliHaa 

KeC'kyp'kT'kH'kl COyjT'kHaa RA'kT'kHa JKHBOT'KH'kl, vgl. BAa- 
rOA'KTkH'kl RAkTkNUMk; TB — H: MOAHTB'KHTvI. 

Von Suffix -kCK- kommen 35 Beispiele als -t»,ck-, 6 als -kCK- 
vor, z. B. at^A'KCK;^i7R HAOA'kCKaro co^OM-kCKiü H^EH-kCKa mo- 

P'kCKCe HAkT-kCKaarO U. S. W., vgl. AWAkCKIvIbÄ AlOAl^CKTklYT». 

rocnoA'«^CKo\f BAHkcKaaro n;RTkCKOYLic»Y HEnpHra3HkCK'kibft. Die 

consonantischen Verhältnisse vor dem -kCK- sind auch hier gleich- 
giltig. 

Archiv für slavische Philologie. XSVII 3 



34 A. Leskien, 

Vom Suffix -KCTßO 25 Beispiele mit 'k, 7 mit k, jene bei allen 
verschiedenen Lautverbindungen, z. B. a'^b'^^tbo M;ft/i,p'KCTKO- 

BdTH np'liSOp'kCTBO fCTT^CTKO RpdTpivCTßO RA'tH'KCTBO JKfH'K- 

CTKO u. S.W., demgegenüber KaAkcrßO (2 mal), roYKHTfAbCTBO 
poAHTfAkCTKo (2 mal), 3aB'k;k,'KT«AiiCTKoy6T'K, diese 6 Beispiele 
also alle mit -Ah-, dazu noch ein anderes: po^kCTBC» (10b). 

Von anderen Suffixen mit k: immer CB'kT'kA-, CB'kA'kAO 
cB'kT'KAOCTK u. s. w. (12 mal); immer npaB'kA** npaB'kA^TH 
(18 mal); tat'kb'ki (2 mal); cbatt^ba (2 mal; daneben i^'kAkKd 

H'^Ah.KIf^). 

Wurzelsilben mit altem k. Die Verba, deren Infinitiv- 
stamm ursprünglich -kpa- enthält, haben immer -'Kpa-: K'kpaTH 
(17 mal); pasAT^P'» (1 mal); m^paTH (3 mal); statt 3k;i,aTH immer 
ST^A^TH (9 mal); dazu noch vereinzelte Fälle: B'kS'KMaTH katv- 
H;^L|j/f^hfi 89b, sanAT^BaiUA (vgl. aber sanAkBauü/tv 50a, HSKAk- 
BAA^k, EAkBOTHHTü). Nomina: immer TT^ua (12 mal), MivSA^ 
(3 mal), so auch m^coy n'KCOM'k (je einmal, vgl. dazu n. pl. n'cH 

103a), B'KAC»BOKR B'k^OBHl^/Ä, CATi.3a. 

Im ganzen habe ich von t», für k bei folgender harter Silbe in 
runder Zahl 500 Fälle gezählt, von verbleibendem k in derselben 
Lage HO. 

Besonders zu bemerken ist, dass vor m qj '^ji, das k bei folgen- 
der Silbe mit hartem Vokal unverändert bleibt, z. B. ckKOHknaTH; 
dasselbe ist der Fall, wenn dem k ein i; folgt: KONki^a, TBopki^a 
U.S.W, und wenn k vor 3 = dz steht: CTkaaniv = urspr. sthd'zanvb. 
Es ist das keine Ausnahme, sondern das k bleibt normaler Weise, 
weil M i|i JK^ i; 3 (= s) absolut weiche Laute sind, die mit ihnen 
anlautende Silbe also als ca-, s't'a- u. s.w. anzusetzen ist. Die Er- 
haltung des k begegnet aber auch vor m : H3BaBAkiijaaro npH- 
cT;^nAkiuaaro, BkAiOBAkma (in diese Picihe gehört auch o^upii- 
ijjBkUjaaro), BOAkmaa, ncKACHkma; der Grund liegt hier darin, 
dass A und h = a" h sind, absolut weiche Consonanten. Dann 
kommt noch vor noAC>M;kLiia, B'k3B'biiJkma, ckTBOpkujaaro, aber 
dies sind nicht die normalen Formen, vgl. daneben ckrp'kiij'kuia 
(s. oben 1 . 

B. Vertretung von 'k durch k vor folgender weicher 
Silbe. Die Erscheinung tritt hervor bei Bk, vor Casus und in Zu- 
sammensetzung, 130 mal, bei Bk3- 90 mal. Von konsequenter 



Noch einmal i. und i. in den altkirchenslavischen Denkmälern. 35 

Durchführiing ist keine Rede, die Fälle von kti kt^s- bei folgender 
weicher Silbe sind ausserordentlich zahlreich ; sie anzuführen hätte 
keinen Sinn, denn es ist natürlich reiner Zufall , ob ein paarmal 
mehr oder weniger btv kt^s- oder kk kks- geschrieben wird; eben- 
sowenig hätte es einen Nutzen, alle Fälle von Rk Rk3- anzugeben, 
es genügen einige Beispiele : Bk hh^Tv, Kk Hk, Kk HfMk, Bk K-kpt:, 
Bk BlvK-K, Bk ^xpIvBO, Bk^lv (legte hinein) Bk^f}K;k,H, Bk tIjao, 

Bk TA, Bk BfMMX., Bk REMaAM, Rk TH'tB'fe, Bk nHTkH, RkHHTH. 
BkHHMaTH, Bk Ck MdCk, Bk Bp-feM/Ä — BkCH/ATk, BkS^BHrUH, 
Bk3BE;l,H, BkCn<\IOH;^B'k, BkCKpIvlUaMV, Bk3EMA<ftH, BkSHCKaB'K, 
Bka/ÄAT», BkSBfCfAHM'k, BkBHrpaiJR.T'k, BkSkp'RB'k, BkSAlOBAk, 

Bk3iiHKH;^, Bk3B'Ki[ji7f;. AUes was man sonst aus der Handschrift 
anfuhren kann , tritt dagegen zurück, wenn auch die Fälle selbst 
wichtig sind: es heisst regelmässig BkHHTH (11 mal; B'KnHiJK 3a); 
dagegen KkS'knH Bk3'knH{M'k B'kS'KiiHfM'K 43b, Bk3'KnHBTi- 
maarc» 50b); zweimal steht BkHli, Formen von K'k^'kTH nur mit 
Kk^i,- (11 mal); mehrmals HAT^Tk als HAkTk mit Casus und Ablei- 
tungen (10 Fälle), z. B. HAkTk RAkTH nAkTkHaa BknAkqjkiua; 
dazu kommen ferner AioskBk (6 mal), AiockBE (2 mal), AK»ckBH 
(1 mal), i;1vAkBk (1 mal), i^'tAkBg (2 mal); endlich einige vereinzelte 
Fälle: ^vk>K;i,k AkH^4,£BkHHH 2a, OAi»>KA<»»j*^T'k ib. (o^'kjkA'»" 
100a), nkTHi^A (n'KTHU/A 54 b), Kp'Snki^HH 77b (vgl. ^'kc'k^'k la], 

OKp'knkTHTH 88b, OMkBCHHI€Mk 33a, npHTkMiTR 106a, Ai^H'fe 

36b (loc. zu ^kHa oder A^^^^'* Kolik, instr. daneben at^H'J»'*)- 
Die Formen von ^OBkAliTH kann man nicht ganz sicher hierher- 
rechnen, da das k ursprünglich sein kann. Sonst bleibt überall 'k 
vor folgender Silbe mit palatalem Vokal, daher z. B. 3'kA't n-k- 
c'Ki^'fe, rAackMk (i.sg.), ;i,ap'KMH (i.pl.), Kp'kße, ra-kth, H3K'kiT'k- 

HkCTBO^fMk, BTkC'kAfM'k (= -AfM-k), ROCkAH (= -AH), OKp'kCTk 
B'k3-(Bk3-)'knHTH, r;Rr'kHHB'K (28a), K'kHHra, Kl^H/ftSk, K'KJi^i, 

npHKp'kBEHi^, oycTp'kMAeHHf, ©Yc^kRH (impcr.), ckn/ftifj/fv, noPAi».- 

4IfH0, m^THl^/Ä, nOT'klllHyTi,, TTvIIJ«, AT^JKA, AOKTvJKtT'k, 

o;i,'kJKAH 100a. Die Participien auf -'kiu- behalten stets, auch 
bei weichem Vokal der folgenden Silbe das 'K, ebenso die Prä- 
positionen Ck KTv und andre mit t». auslautende. 

Der entgegengesetzte Fall ist, dass k statt 1%. vor harten, iv 
statt k vor weichen Silben erscheint. 

A. k statt T», vor harten Silben kommt in ca. 20 Fällen 

3» 



36 A. Leskien, 

Tor: einigemal KkSBpaTHTH, KkH;^Tpk, sonst vereinzelt, z. B. bk 

npaBk^t,'^, Kk HCCHA'KX'T*, Kk n;SiTk, Bk3A0H;H, Bk3AP<iCTH. 

CAa^i^KTü, SkAOKkio; es sind vom Standpunkt des Denkmals an- 
gesehen offenbare Fehler. 

B. 'k statt k vor weichen Silben tritt in einigen Fällen 
regelmässig ein, so im Imperativ von ptKX,.: ß'wu,» p'ki^'kM'k pT»,- 
H'kTt (9 mal; Hapki^H 40a), ebenso in den betreffenden Präsens- 
und Imperativformen von -kM;s;: BlvH'kMH BTkHTvMlvrJn»., HS'kMH 
HS'kMtT'k, BTiSTiMH B'kS'kMIT'K B'kS'kM'kM'k U.S.W. (13 mal . 

Sonstige Fälle sind: cb'St'ka'K begegnet 5 mal; statt -kH- erscheint 
16 mal -TiH- vor folgender weicher Silbe, B'kp'kHe B-fip-kHHH, npa- 
Rf/i,'^""" npaBe^V'kHHHY'k, TliAcckH-KH, heobh;v,'i^"'^i^i^7 cßapT^- 

HHKa, KICKBp'kH'kH'k, Y'^aA'^H'S, Oy'^P'^"'*^'^ > BJHfp'kH/MA, 
l\(H3Ji,p(^(H'KHH^(, /KfCTOKCtA'traHTvHHK'k U.S.W.; feiHer RH'KH'k- 

CTBlk !3 mal), ecT'kCTB'k; crap^kUH (2 mal), CA'kH'ku.t 50b, kov'- 

UHpiiCi;1iH, apYtiA'kCl^HH; HtT'kipTkMH; C'kTBOp'kIJJfM'k, CkBAA- 
^H'kLUHHM'k, OCKBp'kH'klUHlMk, OCKBp'KH'kUJH 21b; KAT^HeTTi 

mehrmals, KA'kMfT'k 45a (vgl. KAfMkUJi* 44a), Kp'ki^jfHHie, ck- 
T'kptT'k; T'kM't (viermal); Ck^i,« 37a unmittelbar folgend vier- 
mal Ck^f), C'kpiBpO C'kpEBpkHHK'k, M'kLjJ»:^ 82b; T'klJ.'KM'k 98a 

(cT^».Tk^H 53b); dazu die Formen von rpTvCBATU 63a, 93 a, 96b. 

3. Der Ersatz von k durch e. In jeder beliebigen Silbe 
mit altem k, wenn sie die vorletzte Wortsilbe ist und das Wort auf 
1%., k auslautet, oder wenn ihr folgen eine Silbe mit t^, k und eine 
weitere mit vollem Vokal, wird regelmässig k durch t vertreten, 
z. B. in Casusformen HMEHEMk rcA;*iEfMk BfUJm (g. pl.) awa^w^ 
aanoB-SAfYT^; cm (= syt), ckTBopeH, \-0/K4,eH, bjaih {=-hjh); 

-IH-: yi.OCTOfH'k, npaBk/^CH'k, CKBp'kHEH'k CTpaHIHTk, BfSHaMA- 

AiHTk, HsrAaroAaHfH'k, noycTCUJfHTi CTpamtHTv, OBeHT»,, cpa- 
uifH'kg.pl. BpauucHki^E BpaiUEHii,a, npasAfH'kCTBOY; -ecK-: ^»'fe- 

TtCKTk IUi;^>KECK'1». /KtHECK'k H^l.OAfCK'k; -iU,-: aPHfl^k TfAflJ^k 

c;^Mtij^k, Mp'kHtMkCKa; -ktb-: BO^KECTBkH'ki nc>A<?BfCTBkK> po- 
^K^ecTBkHoi^; -«A-- npaßtAi^H'feMk; -sa-: cB'tTfA'k; -fB-: u'k- 
AfE'kHaaro; in Wurzelsilben z. B. JKfSAk, ntck, BkSfMTs., npc- 

nfH'kUJHHY'k,OCAfn'klUfM'k,OyMfp'kUJ/S\t*Ä, TfMkHTklMk, AKfpkMH, 
BfCk, HfCTk MfCTTiHOe, npHlUfATi npHUJf ^T^lUa npHlUfCTBHf, 

CKptJKkUJfT'k, KpfCTk'kH'k, CM3^ (g. pl., daneben cA'ksa). 

4. Ersatz von altem 'k durch o, unter den gleichen Be- 



Noch einmal i. und t in den altkirchenslavischen Denkmälern. 37 

dingungen wie bei i» — ( unter 3., im ganzen spärlich; in Wurzel- 
silben: BOHTi, HtAOJK'KHC, Kf CflAOT'KH'KlY'K , COHTv, OYCOllTi- 
UJHHM'k, COTkHHK'K, TOKT^MO (TOK'MO); in Suffixeu AWKOKIi 

mehrmals), AWKOßkfi^ aK)R0Bhi;i^ (mehrmals), h.'Saokk i^-bAOßHi^ 

l^'RAOß'kHaa, KpOBKKR, M/f^KOK'K RCCA'fc^i.OK'K KpOTOK'h. CAd^OKTi, 

HoroTk; einigemal ko, co: coBiipaujA co3'ka<*M'^' coa'KA'*""^ 

(mehrmals) co mhoü^ co ßCkMh. co MH'fe 78a (1. mhc = ukh(); ko 

BCKKOMk BO BCkYT». BO B'ctMk BO Hk 46a; Vgl. nOCh CBATOH 

== -Vk) 17a, RAO^o-ck 14a, a<»P<>V»^ (= -'^X'^^j 98b. 

5. Tv und k im Wortauslaut. Abgesehen von dem Tv für 
altes k nach m kommen ein paar Fälle vor, wo statt -Mk instr. loc. 
-MT». steht, statt -in'k dat. pl. -Mk, aber gegen die ungeheure Zahl 
von richtigem -Mk und -wk gerechnet offenbare Versehen, aus 
denen man gar nichts schliessen kann. Die 1. sg. praes. kommt 
mehrmals als tcWK vor, dagegen H'bcMk 66b, HcnoBtiMk 77b. 
Ausserdem ein paar vereinzelte Fälle von 'k statt k : ck = ck 14a, 
Bc-k BfCK (= Bkck omnis) 100a, 42b, nacTTüp-k 80b, 82b (vgl. 
aber MdHacT-kipk 92a, 104b), i^p-k 93a (vgl. ij,tcapA ib., MTviTdpa 
86 a), daneben auch i^'kcapk. Umgekehrt steht k für ii in CKAPh^ 
47a, fCTk 69b; in dem häufiger vorkommenden btv (Bk) CA't/k.k 
wird das k ursprünglich sein, vgl. nocA'6/k,k, oder es ist dem no- 
CAU^k nachgebildet. Man kann also sagen, dass, abgesehen von 
-ui'k, ev. -JK'K, sonst i^, k im Auslaut regelmässig in alter Weise 
erhalten sind. 

Das die Thatsachen, aus denen man nach meiner Meinung weit 
eher einen bestimmten einheitlichen Dialekt entnehmen könnte als 
aus der Sav. kn.; allein ich versuche das nicht, denn auch das 
Euchologium bietet keine gerade so gesprochene Mundart. Ich 
möchte vielmehr einige der beobachteten Erscheinungen sprach- 
geschichtlich deuten und beginne mit der Vertretung von k durch (, 
die unter den bekannten Bedingungen so gut wie durchgeführt ist. 
Wenn man die wenigen Fälle, in denen eine schwierige Conso- 
nantenverbindung den Ausfall eines k gehindert hat, wie npH- 
ujfCTBHf poH;;i,fCTBkHoi*, ausscr Acht lässt, handelt es sich 
durchweg um die Verbindungen : Silbe mit k vor wortauslautender 
Silbe mit is., k im Auslaut, oder um Silbe mit k -f- Silbe mit k, t^ -f- 
Silbe mit vollem Vokal: TfAei;k = TfAki^k, Beck := BkCk, npa- 
BEAh.HHK'k = npaBk.^kHHK'k. Die Ansicht ist ganz richtig, dass 



38 A. Leskien, 

das Gewicht der ersten Silbe mit k so weit verstärkt ist, dass statt 
des schwachen k ein volles ( eintrat. Man kann die Erscheinung 
als eine Art Ersatzdehnung auffassen, die den Quantitätsverlust 
einer folgenden Silbe als Plus auf die vorhergehende überträgt. 
Dabei kann man zweifelhaft sein, wie z. B. in einem Falle wie 
TkiuikHHL^d der Hergang war: ob zunächst das k der zweiten Silbe 
so schwach artikulirt ward (ich will es mit ' bezeichnen), dass sein 
Quantitätsverlust auf das k der ersten Silbe übertragen, zuerst ein 
etwas gedehntes, volleres k (hier mit ^ bezeichnet) hervorbrachte. 
TkiLi'HHi^a, daraus nach Schwund des ganz schwachen Vokals 
TkLUHHi^a, endlich bei der e-Natur des k ein TtMHHi^a hervorging; 
oder ob aus Tku'Hij^a noch vor dem Schwinden des mit ' bezeichneten 
Vokallautes schon Tfiui'HHi^a entstand, daraus dann TtMHHi^a. Es 
läuft das ziemlich auf eins hinaus, denn in einem wie im andern 
Falle kann man die Silbe, in der ( entstand, als geschlossen an- 
setzen. Eins aber ist dabei unzweifelhaft : in keinem Falle kann 
das k, aus dem t hervorgeht, vorher t^ gewesen sein. Es wurde 
oben (unter 1) hervorgehoben, dass nach in so gut wie regelmässig 
Tk steht, dass dies auch nach tk als Norm anzusehen ist; trotzdem 
heisst es cTpameH'k 99a, ^V'^'t»^^^"'^ 67b, mtn-kTaHHC 91b; im 
ganzen Denkmal kommt kein ui'k/i.'k m-kai». vor, nur uue^'K mfai». 
(vereinzelt k in uikCTBOBaTH 33b, 34a); gen. pl. EpaiufH'k 8Sb, 
BpaujEHku^E 103a, KpaiufH'i^a 104b. Vergleicht man damit die 
regelmässigen Schreibungen Bpam'kHO Gpaiu'kH'S, CTpaiu'k.HTü 
CTpaiiiTvH'fe, SO ergibt sich ein Widerspruch, der gelöst werden 
muss. Wenn man das 'k in Kpaiu'kHC» und so überall in alten 
offenen Silben für einen zur Zeit der Entstehung der Handschrift 
noch gesprochenen Vokal hält, muss man geschichtlich so kon- 
struiren: in der Periode, als k in e überging, gab es noch keinen 
Wandel von k in Tv nach m, daher z.B. lUfAT^» g-pl- KpameH'k aus 
iiik/i,'k, cpatukH-k. Die Bedingungen, unter denen KpaujkHO und 
eparnkHi». stehen, sind was die Härte der letzten Silbe betrifft; 
ganz dieselben, es kann aber kein Kpam'kH'k gegeben haben, denn 
das ergäbe nie EpaiueHTs., also die Einwirkung des m auf folgendes 
k (zu Bpam'kHO) ist jünger als der Wandel von k in t. Dasselbe 
trifft zu bei dem Umlaut von k in 'k vor folgenden harten Silben : 
ein cTpaHfH'k cKKp'kHCH'k, A'kTecK'k ^keheckii, CBtLTfA'k, neck 

U. S. W. (neben CTpaHT^HTsJ CKBp'kH'kH'kl, ^KEHliCKa, CB'feT'kAO, 



Noch einmal -h und t in den altkirchensiavischen Denkmälern. 39 

n'kcoM'K) kann kein "k enthalten haben, sondern nur k. Ebenso 
klar ist, dass in den Fällen, wo ktv durch ko vertreten ist, ko 
BC'tY'K, ßo Hk U.S.W., dies bo nicht bei vorgegangen sein kann aus 
dem sonst in der Handschrift erscheinenden ek, ßk Bck^'K ßk Hk, 
sondern nur aus ßi*. 

Der Gegensatz von h ijj jk,v auf der einen, 111 jk auf der andern 
Seite, bei jenen regelmässig verbleibendes k, bei diesen t*, kann 
sich nur erklären aus der Annahme, dass ui tk hart geworden waren, 
H, lii, JK4, wie auch i;, 3 (= s) erweicht als c, st', zd\ c', d'z 
gesprochen wurden, so dass eine folgende Silbe mit an sich 
hartem Vokal nicht zur Wirkung kommen konnte. Man kann 
gegen die Härte von uj h; die Schreibungen -mw -mi* einwenden, 
die ja dem widersprechen, allein solche Schreibungen können aus 
der Vorlage übernommen sein; wenn ich richtig beobachtet habe, 
kommt kein -mli = -sa vor, nur ^oyiiia u. dergl., dagegen z. B. 
MUc'k na;k,6^;k,'k. Die absolute Weichheit von Ä h hat, wie oben 
(S. 34) hervorgehoben, auch nach diesen k gehalten, vgl. dazu die 

Beispiele S. 33 HSCaßHTEAkH'k, rOYEHTEAkCTßO pO;k,HTf/\kCTBO 

3aB'6;k,1iT«AkCTßOYeT'k, wo A = A, caHkCKaaro, wo h = h. Es 

bleiben dabei immer noch ziemlich viel Beispiele übrig, wo -ak-, 
dessen a = /, vor harter Silbe bleibt, und es mag sein, dass / vor 
palatalen Vokalen ziemlich stark erweicht war, so dass die Wirkung 
der folgenden Silbe deswegen nicht so leicht eintrat. 

Es ergab sich (s. 0. 2. B), dass ausser bei ßk ßks, BknHTH, 
Ek^-KTH, die Vertretung von altem t», durch k vor weichen Silben 
wenig hervortritt; etwas stärker vertreten sind nur noch die For- 
men der Tü-Stämme: awKkßk 9b, IIa, 18a, 88b (2 mal), awßkßf 
9b, 90b, AhdRkßH Ha (daneben awROBk 72b, 81b, 92b, 90b, aw- 
KOßkh^ IIa, 81b, awKOBHKi^ 10b, 86b, 92b, 105b); i^-Kakßk 36a, 
i^'kakßE 39a (neben n'ka'kBk 47b, ^'kaoBk 33b, i^'taoßHiiR 33a, 
i^-kaoB-kiiaa 41b; vgl. auch acKT^ßn 54b, cmokobh 54b). Dass 
derselbe Mann nicht dieselbe Form dreifach verschieden gesprochen 
hat: i^tA'kßk u.'kakßk n-kaoßk, liegt auf der Hand; es sind Nieder- 
schläge verschiedener zeitlich oder dialektisch auseinander liegen- 
der Entwicklungen; i;'kaoßk aioBOßk setzte nothwendig i^'ka'kßk 
AiOB-kßk voraus. Betrachtet man, bei Ausschluss der wenigen oben 
S. 35 angemerkten verstreuten Einzelfälle, die sonstigen Vorkomm- 
nisse, so fällt auf, dass in ßk bks-, BknHTH, BkH'K, Kk^-kTH, aw- 



40 A. Leskien, Noch einmal t nnd b in den altkirchenslav. Denkmälern. 

KkBk, also in der tibergrossen Zahl der Fälle, dem alten t^ ein 
Labial vorangeht. Es ist doch vielleicht der Gedanke nicht von 
der Hand zu weisen, dass die Wirkung der weichen Silbe auf die 
vorhergehende irgendwo und irgendwann unter der Bedingung 
stand, dass diese Silbe labial anlautete; das ständige B'KS'knHTH 
neben BknHTH, Bk Bks- neben stets bleibendem ck kt». ist und 
bleibt auffällig. Ferner möchte ich noch bemerken, wenn i^'bAkBk 
i^'KAkBC vorkommt, so erinnert das an die ziemlich oft erscheinende 
Schreibung HAkTk (s. o. S. 35), man kann allenfalls daraus ent- 
nehmen, dass ein at^ der Wirkung einer folgenden weichen Silbe 
weniger Widerstand entgegensetzte, vgl. dazu das oben S.39 über l 
Bemerkte. 

Dass der Imperativ von pf k;r so gut wie regelmässig als p^ki^H 
u. s. w. erscheint, kann mit dem Hartwerden des p erklärt werden ; 
dagegen bleibt auffallend das konsequente B'KH'kMH, HSTiUfTT». 
u. s. w. (s. 0. S. 36). Berufung auf Analogiebildung aus B'kb'KM;^ 
mit 'K wegen der folgenden harten Silbe führt zu nichts, denn es 
ist nicht einzusehen, warum jemand, der B'Sp'kHa B'kpkHt u. s.w. 
wechseln lässt, den Wechsel in B'kH'kMift BivHkMH, b'ks'km;^ bti- 
3kMH aufheben sollte. Ich unterlasse es aber jetzt, weitere Be- 
trachtungen darüber anzustellen, da das besser geschehen kann in 
Verbindung mit der Untersuchung der andern noch zu behandeln- 
den Quellen, auf die ich später kommen werde. 

A. Leskie7i. 



41 



Slavische Wortdeutungen. 



1 . Cech. csceta, ckeia, sketa, cJceta ; slov. scetovait, scetiti^ sketiti, sketljw 
(slov. osabe?i, aksl. osajati, ositi s^). 

Gebauer vergleicht im Slovnik stc, I. 194 das alte, czftc^ta 'ca- 
bella' d. h. 'caballa', welches er csceta liest, mit ahd. stuot. Diese Zu- 
sammenstellung ist wegen e unwahrscheinlich, weil ein wo, u nie in e 
übergeht. Nachdem das Wort schon im Bohemarins maior vom J. 1397 
vorkommt, müsste jedenfalls zumindest von der mhd. Form auszugehen 
sein, aber auch so könnte man zu jener Zeit zu keinem sti, ste als 
Grundlage von csceta gelangen, da nicht abzusehen ist, warum die 
Sprache nicht bei stu mit s (nicht *■ !) hätte stehen bleiben sollen. Und 
wie soll man sich dann die Erweichung des t erklären ? Wir dürfen von 
csceta die anderen altcech. Wörter für 'caballa' nicht trennen, weil 
sie von unserem Worte auch der Form nach nicht weit abstehen; es 
sind dies sketa^ cketa 'zvire, Thier, bestia; kün, kobyle, Pferd, Stute; 
zbabelec, Feigling: knez se je . . . neudatne czkety (jemu) dävati: du 
bist ein blodiz tyr; byl s' vse sve dni neudatna czketa: alle dm tage 
bist du blöde gewesin (Dalimil)'; desgleichen geben die Wörterbücher 
der neueren Sprache die Formen cketa^ cketa, sketa, sketa als 'wildes 
Thier, Pferd, Feigling, Tölpel' wieder. 

Das Wort ist offenbar formell stark entstellt; die angeführten 
Stellen aus Dalimil machen hinreichend ersichtlich, dass cketa, cketa 
nur als Schimpfwort 'Thier' bedeutet, also gleich ist einem modernen 
Schimpfworte 'Vieh, Bestie', beim Pferde 'Schindmähre'. Es ist offen- 
kundig damit ein Thier gemeint, von dem man keinen Nutzen, sondern 
nur Plage hat: ein solches Thier bringt aber, wie der Feigling im Kriege 
und der blöde Mensch im Leben, da doch alle wie die nützlichen Ge- 
schöpfe ernährt werden müssen, eigentlich nur Schaden, ihr Sein ist 
Nichtigkeit, geradeso wie vom Utilitätsprincip aus das eines wilden 
Thieres, welches ja nur Schaden zufügt, zumal wenn man es bei Existenz 
von Jagdprivilegien nicht einmal frei jagen darf. Es ist daher nicht 
auffallend, solche Thiere mit dem Worte für 'Schade' bezeichnet 
zu finden, geradeso wie ein Mensch, der mehr Schaden als Nutzen 
anrichtet, den Namen 'Schade, Skoda' erhalten hat. Man muss also für 



42 K. Strekelj, 

csceta etc. von dem Worte für 'Schade' ausgehen. Dieses Wort lautet 
aksl. Usteta, serbokr. Heta von der Wurzel t^sk. Urcech. lautete es 
tsceta, cceta. Wie wir naeh § 438 der Historicka mluvnice I. von Ge- 
bauer aus placcivü ein placscivi/, aus kcice ein kscice mit eingeschobe- 
nem s gewinnen, so aus cceta ein csceta. Andererseits konnte cceta^ 
d. i. tstseta, dem ungewöhnlichen Anlaut auch dadurch ausweichen, 
dass das s der ersten Affricata schwand und dann t vor der zweiten 
Aflfricata zu k gewandelt wurde, ein zwar ungewöhnlicher Vorgang, der 
aber hier mit Rticksicht auf die zwei nachfolgenden t^ das t der unmittel- 
bar folgenden Affricata und das t der nächsten Silbe, infolge der Häufung 
der /-Laute leicht begreiflich ist. Durch diese Dissimilation erhalten wir 
"^kceta^ eine im Slavischen ungewöhnliche Lautfolge, die durch Metathese 
der anlautenden Consonanten behoben ward, so dass man zu cketa ge- 
langte. Aus dem Anlaut ck (= tsk) ward wieder t eliminirt, was die Form 
sketa zur Folge hatte. Der häufige Wechsel von 6^• mit sk erzeugte end- 
lich die Form sketa^ worin wieder 5 in c überging und so cketa ergab, 
für welche Erscheinung uns Gebauer im § 40.t. 2 a des L Bandes seiner 
Historicka mluvnice hinreichende Beispiele anführt, die noch aus an- 
deren slavischen Sprachen (z. B. dem Serbokroatischen: ckneti^ ckvara, 
ckzrna^ cmilj\ cmrkati u. s. w.) vermehrt werden könnten. 

Das alte t^steta (serbokr. steta) treffen wir in etwas veränderter 
Gestalt, die aber theilweise an die Wandlungen im Cechischen erinnert, 
auch in mehreren slovenischen Wörtern an. Nach Havlik's Gesetz vom 
Schwunde derHalbvocale musste daraus im Slovenischen * tsceta, *cceta, 
*sceta werden. Von diesem ist zunächst ein Verbum scetovati se ab- 
geleitet, das in Unterkrain (Krsko) setcati se gesprochen wird und 'sich 
enthalten' bedeutet : setvati sejedi m pij'ace. Für sc tritt nämlich heute 
auch in Unterkrain manchenorts schon s ein, wie in Oberkraiu und 
Steiermark; dieser Zug muss auch das Unterkrainische schon früh er- 
fasst haben, da wir bereits in der protest. Periode schon allgemein s 
für sc mjesce [se, ise) finden. Die Bedeutung von setovati se entwickelte 
sich durch die Mittelstufen: sich Schaden zufügen — sich Abbruch thun 
— sich enthalten. Die Anschauung, dass sich einer, der sich einer Sache 
freiwillig enthält, sie nicht seinem Genüsse zuführt, sich selbst schädigt, 
ist gewiss eine unchristliche. Das Objekt steht wie bei ähnlichen Verben 
und beim zugrundeliegenden Adjektiv tbsth im Genitiv. 

Ein zweites auf thsteta beruhendes slov. Verbum ist das in Unter- 
krain, Innerkrain und im Küstenlaude vorkommende scetiti, sketiti 'eine 



Slavische Wortdeutungen. 43 

Sache so verbrauchen und verarbeiten , dass man davon keinen Nutzen 
hat, sie verschwenden'; auch hier war nämlich die erste Bedeutung 
'schädigen, zu Grunde richten'. Levstik, der dieses Wort nur in der 
Bedeutung 'spälteln' kennt, will es im Letopis slov. Mat. 1882/83. 253 
vom mhd. schiff ahd. seit 'Scheit' ableiten. Nachdem jedoch im Görz- 
schen das Wort in Verbindungen vorkommt, wo man an ein 'Spälteln, 
Scheite machen' gar nicht denken kann (z. B.: vse zito, ves pridelek so 
posketili, zdaj pa nimajo ob cem ziveti), kommt mir die Entlehnung 
nicht glaubhaft vor. Die Ableitung von tsceta^ bceta (mit Schaden ver- 
wenden = verschwenden = verwirthschaften) ist natürlicher. Bei An- 
nahme einer Ableitung von seit wäre auch die Nebenform sketiti^ die 
sowohl am Karst wie in Unterkrain (Lasce) gebraucht wird, neben sce- 
titi^ das in Innerkrain gesprochen wird, wo indess die secundäre slove- 
nische Palatalisation nicht bekannt ist, nicht begreiflich, während wir 
es aus tsceta durch *ksceta — *kceta^ *cketa^ *i>keta leichter ableiten ; 
vgl. auch slov. veksi aus vecsi durch vetsi (c. vetsi), bezüglich der Meta- 
these aber puska aus puksa. Natürlich trat diese Metathese sowohl im 
Cechischen wie im Slovenischen erst zu einer Zeit ein, wo k vor e nicht 
mehr nothwendigerweise erweicht zu werden brauchte. — Reflexiv 
gebraucht bedeutet das Verbum scetiti^ sketiti 'sich sträuben, sich 
weigern', es hat also eine Bedeutung, die man ganz gut mit t^steta 
in Einklaug bringen kann. Hier hat das davon abgeleitete Verbum. 
welches ähnlich wie scetovati se anfänglich 'sich Schaden zufügen — 
sich Abbruch thun — sich enthalten' bedeutete, im Bedeutungswandel 
nur einen Schritt weiter gethan: wer sich einer Sache enthält, der 
weigert sich, sträubt sich, sie anzunehmen, zu geniesseu; daher nahm denn 
das Wort scetiti se, sketiti se die Bedeutung 'sich sträuben, sich weigern' 
an, woraus sich weiter die von 'widerspänstig, stutzig sein' entwickelte ^). 



1) Aehnlich wie sketljiv 'widerspänstig', stutzig' aus sketiti se (von Hsteta) 
urspr. 'sich schädigen, sich enthalten', entwickelte sich aus savati se cesa, 
osavati se 'sich einer Sache weigern, verschämt thun, bevor man sie annimmt' 
(savati se jedi all pijace: in Unterkrain und Kärnten gebräuchlich, fehlt bei 
Pletersnik), ksl. osajati, osavati se 'sich enthalten', durch das daraus abgelei- 
tete Nomen *osaba das nsl. osahen 'stolz, hochmüthig'. Osaben war zunächst 
jener, der sich der vorgelegten Speisen etc. enthielt, sie verschmähte, sich 
ihrer weigerte ; dass 'hochmüthig' und 'trotzig, widerspänstig' verwandte Be- 
griffe sind, zeigt auch c. purny^ zpurny, welches beides bedeutet. Auch bei 
osajati 8Q scheint die Grundbedeutung, aus welcher sich später 'sich enthalten' 
entwickelte, die von 'sich schädigen' zu sein. Das Wort gehört wohl zu einer 






44 ■ K. ätrekelj, 

Ist aber dem so, dann ist anch slov. sketljiv 'stutzig' (von Pferden) kein 
Lehnwort, und demgemäss sowohl Levstik's Ableitung dieses Wortes 
aus ital. stitico (Letopis 1. c), als auch die meinige vom d. stettig (Archiv 
XII. 469) als unpassend und unnöthig zurückzuweisen; bei beiden wäre 
überdies der unmittelbare Uebergang des st vor einem Vocal in sk im 
Slovenischen erst nachzuweisen. 

2. Kroat. galte^ glotun\ glotimija. 

Das Wort gälte f. pl. bedeutet 'Schlund, Kehle'. Budmani, der es 
im Rjecnik III. 97a aus einem Schriftsteller des XVIII. Jahrh. (Andr. 
Vitalic aus Lissa) und aus dem Wörterb. StuUi's [galta 'fauces, gula, 
guttur') belegt, erklärt es daselbst für unbekannten Ursprungs. Sieht 
man indess, dass man auch kalk (neben käk im Istrischen bei Nemanic, 
Cak.-kroat. Studien I. 16) für kuk 'femur', halm neben hlam für hum 
'coUis' besitzt, so muss man unwillkürlich an die cakavische Wiedergabe 



Wurzel che, cha, die wir auch in chabaii, chabiti haben. Für diese letzteren 
Wörter nimmt Miklosich (Et.Wtb. 84a,b) gar drei Basen an: chaba- (nsl.habati 
se 'abstinere'), chabi- 1 (ksl. chabiti 'pessumdare', nsl. habiti, shabiti, pohabiti 
'beschädigen', bulg. ishabja 'to spoil in making, to duir, serb. habati 'panum 
deterere', haba 'noxa', cech. ochabiti 'kraftlosmachen', chäbnoutl 'schlaff wer- 
den', klr.oxaöHTu 'verderben', gr. noxä6iiTB 'verwöhnen') und chabi-2 (ksl. chabiti, 
ochabiti se 'abstinere', cech. ochabiti se, slov. habati 'schonen'). Indess zeigt un- 
sere obige Auseinandersetzung über slov. scetovati se, scetiti se klar, dass wir 
es hier mit einer gleichen Bedeutungsentwickelung zu thun haben und dass 
die drei Basen Miklosich's eigentlich nur eine einzige repräsentiren. Unklar 
ist ihr Verhältniss zu chajati 'curare', ochajati 'non curare', das indess für sich 
eine besondere Basis zu bilden scheint. Hingegen entwickelte sich ein an- 
deres aksl. Verbuni, welches 'abstinere' bedeutet, nämlich osibq se, ositi se, 
osibati sf, wohl aus einer anderen Grundbedeutung heraus. Die Verbalwurzel 
lautet wohl sib und es gehört zu ihr auch das von Miklosich, Et. Wtb. 339 
unter si-2 angeführte nsl. presinoft, welches ja der Bedeutung nach dem p7-e- 
sunoti gleichkommt: simoti ist 'stossen, schlagen, einen Schlag versetzen'; 
dasselbe bedeutet aber auch sib-\ vgl. klr. BtiuiHÖciH 'ausstossen', ksl. umöaxu 
'virgis caedere', gr. uiHöaTB 'schlagen', slov. osinoti 'mit einem langen Gegen- 
stand einen Schlag versetzen'. Das ksl. ositi sf, osibati s§ 'abstinere' geht auf 
eine, von sib- 'schlagen', siba 'Ruthe', nsl. sibek 'schwank', usibniti se 'sich 
krümmen' — die elastische Ruthe biegt sich beim Versetzen eines Schlages 
damit: »Ona mi bo podala zohko sibico, da se bo mi ovila okoli mojih mla- 
dih kostic, spricht ein slov. Kind von der Stiefmutter — abgeleitete Bedeutung 
,3ich krümmen, biegen' zurück, woraus dann 'ausweichen' und zuletzt 'sich 
enthalten' ward; vgl. ogniti se, ogibati se 'sich biegen — ausweichen, meiden'. 



Slavische Wortdeutungen. 45 

des slavischen silbenbildenden / durch al sich erinnern, über welche uns 
Milcetid (Archiv f. 3I. Ph. XI. 364 f.) und Oblak (Archiv XVI. 199 f.) be- 
richteten: gälte ist daher nichts anderes als glte = gut^ ksl. rAivTii, 
russ. rojTt, slov. golt., cech. hlt u. s.w. — Während für 7 in Altserbien 
und in älteren Urkunden bisweilen auch lu zu finden ist (Oblak, 1. c. 
207, 208), hat eine Ableitung des soeben angeführten glt, das kroat. 
gütun 'Kropf, im Istrocakavischen lo für altes silbenbildendes /: glotün^ 
gloiünac 'guttur avium' (Nemanic 0. c. I. 41, 52, 53). An der slavischen 
Genuität des Wortes ist nicht zu zweifeln: un wird vielfach zur weiteren 
Ableitung von Wörtern, die 'Kehle, Schlund, Kropf bedeuten, ange- 
wandt, vgl. slov. golzun 'Kropf, golzunec id. von golza^ golm 'Kropf, 
serbokroat. gusa, bulg. rptKjiyH, rpti^jy« 'Kehle'. An ghU angefügt 
sehen wir im auch im cech. hltnun, hyrtuü neben Jdton 'Schlundkopf, 
poln. krtunic siq 'sich würgen' ; das verwandte an finden wir im slov. gol- 
tanec^ cech. hlta7i in derselben Bedeutung, ksl. rp-LTanL, russ. ropxaHi., 
slov. grtayiec^ cech. lirtdn^ poln. krtan u. s. w., was alles dafür spricht, 
dass *ghtu)Vb eine genuinslavische Bildung ist. Merkwürdig ist nun 
die vereinzelte Erscheinung des lo für / im cakav. glotün\ sie ist nicht 
anders erklärbar, als durch Annahme von Contamination mit anderen 
lo enthaltenden Wörtern. Sachlich könnte zur Noth das einheimische 
glötina 'Gemisch verschiedener Getreidearten, Weizen ausgenommen; 
pomijesano i necisto zito (Ragusa)', welches ja das Hauptfutter des 
Hausgeflügels ist und im glotun verarbeitet wird, in Betracht kommen. 
Doch haben wir ein passenderes Wort, welchem die Aenderung zuge- 
schrieben werden muss; es ist dies das fremde glötün 'prozdor' ('koji 
Ijubi kuhinje, zove se glotun') aus dem, dem slav. gl^t^ stammver- 
wandten ital. gliioitone 'Vielfrass' [glutönem) ^ ghiotto 'Schlemmer' 
{*gluttus)j inghioftire ^schlucken, schlingen^ {glutüre): zur Aehnlich- 
keit der Laute trat die Aehnlichkeit des Begriffes hinzu (Vielfrass = 
Giermund). Dass man im serbokroat. glotun 'prozdor' lo für das er- 
wartete lu hat, indem ja dem alten romanischen u wohl in der Regel u 
im Serbokroatischen entspricht, beruht darauf, dass schon im Romani- 
schen neben glu auch glo sich findet (friaul. gloti neben gltitt), indem 
für schriftlat. glu schon früh glü eingetreten war. — Ob kroat. glotu- 
nija 'prozdorstvo, Gefrässigkeit' einheimische Bildung aus dem fremden 
glötün 'Schlemmer' sei, wie Budmani annimmt, weil im Ital. nur glutto- 
neria^ ghiottoneria gesagt wird, vermag ich bei der Existenz eines engl. 
gluttony neben frz. gloutonnerie nicht zu entscheiden; vielleicht 



46 K. Strekelj, 

existiite doch auch auf roman. Boden ein *glutto7üa, welches durch Bil- 
dungen auf arla verdrängt ward. 

3. Cech. hoch^ d. Hache. 

Als Bedeutung des cech. hoch wird 'Junge, Bursche, Kerl' ange- 
geben; diminut. hosek^ hosik\ das Femininum zu hoch ist hochna 'junge 
Dirne'. Weil das Wort in diesen Formen den tlbrigen slavischen Sprachen 
abgeht, vermuthete Matzenauer. Cizi slova 3S8, fremden Ursprung und 
zog, wie schon vor ihm der geniale Schmeller beide Wörter verbunden 
hatte (Bayr. Wörterb.2 I. 1041), das d. Hach ^ Hache zur Verglei- 
chung heran. Dieses bedeutet nach dem Deutschen Wörterb. (Grimm) 
IV. A. 96 — 9S ganz das nämliche, wie das cechische Wort: 'junger 
Mensch, Bursche im allgemeinen : Knapheus, Knap, Knab oder sechsisch 
ein Knaph heisst ein junger Gad oder Hach., oder den die Ungarn ein 
Jonaken {^= s\a.y.Junak^), wir einen Gesellen heissen' Mathesius, Sarepta, 
nun bei Göpfert 29). Belegt ist d. Hache, Hach im D.Wtb. ausser aus 
Mathesius in formelhafter Verbindung (mit jung, frei, wild) noch aus 
Kaisersberg, Fischart, H. Sachs, Schönsleder, Hütten, Böcking und Uh- 
land's Volksliedern. Aus Mathesius wird auch die Form Hock angeführt : 
'Philippi Son der Wundermann, welchen Daniel ein freier Hock nennet 
(wie man die alten Kriegsfürsten Kerl oder freie Hachen oder Habicht 
nennet)'. Ferner gibt das D.Wtb. aus Matthiae d.-lat.Lex.(1716) Hach 
in der Bedeutung 'junger, läppischer, grober und tollkühner Mensch', 
aus Rondeau d.-frz.Wtb. (1740) als terme injurieux 'cheval de carosse' 
und aus Zelneri sententiae (1718) den Spruch 'An tollem Lachen er- 
kennt man einen Hachen' an. In Mitteldeutschland, besonders Hessen, 
bedeutet es nach Vilmar jetzt einen habsüchtigen, groben Menschen und 
wird auch als Schelte angewandt. Das Femininum Hache bedeutet 
'Dirne, grobes und leichtfertiges Weib'. Ueber die Etymologie des 
Wortes kann das D.Wtb. nur Vermuthungen bieten. Zunächst wendet 
es sich gegen Frischens und Schmellers Deutung aus Habicht (aufge- 
stellt unter Anlehnung an die oben angeführte Stelle aus Mathesius) 
und zieht den ahd. Namen Hahho, Hahcho, Hecho, Heccho, Hecko 
zum Vergleich heran, muss aber hinzufügen: »Die genaue ursprüngliche 
Bedeutung des Wortes aufzudecken fällt schwer«, »vielleicht würde man 
es mit hacken zu vermitteln haben, insoferne hacken auch das Schlagen 
und Kämpfen gegen den Feind bedeutet«. Diese Erklärung halte ich 
für ebensowenig wahrscheinlich wie deren Aufsteller selbst; es ist 



Slavische Wortdeutungen. 47 

immerhin misslich, ein junges dunkles Wort durch einen nicht minder 
dunklen, wenn auch alten Personennamen erklären zu wollen; ausser- 
dem heisst es nirgends, dass Hache geradezu 'Kämpfer, Krieger' be- 
deute, wenn es auch als 'tollkühner Mensch' gedeutet wird. Ganz sicher 
ist das eine, dass das deutsche und das cech. Wort sowohl der Form 
wie der Bedeutung wegen zusammengehören. — Hat sich nun Matzenauer 
(und nach ihm Gebauer, der sich im Slovnik starocesky 450a auf ihn 
beruft und das deutsche Wort sogar zum «altd.« macht) in der Annahme 
von Entlehnung nicht geirrt? Im Cechischen ist hoch als Eigenname, 
wie Gebauer angibt, bereits aus dem J. 1379 und 1429 nachgewiesen, 
hochna 'Dirne' (neochotnä, nevlidna i neprivetivä hochna) im XVI. Jahr- 
hundert gebräuchlich, kommt also in dieser Beziehung, insoferne es 
sich um den Nachweis des Alters handelt, dem d. Worte zumindest 
ziemlich gleich. 

Ich glaube, dass hoch slavisch ist und kann es aus dem Öechischen 
auf eine sehr einfache Weise erklären. Bekannt ist, dass im Slavischen 
bei der Bildung der Hypokoristika (Kosenamen) und der damit zu- 
sammenhängenden Diminutiven oft ganze Silben gegen das Wortende 
zu unterdrückt werden und an den übrigbleibenden Wortstummel be- 
stimmte Suffixe angefügt werden. Von gospödär, jezik, medvjed, pö- 
bratim, trbuh z. B. wird im Serbokroat. das Hypokoristikon dadurch 
gebildet, dass nur die erste Silbe mit einem oder zwei Konsonanten ver- 
bleibt und daran a, o gefügt wird : gösa, jeza, medo, pöbro, tfba. In 
anderen Fällen wird vom Stammworte alles weggelassen, was auf den 
ersten Vokal folgt, und auf den verbleibenden Wortrest verschiedene 
Konsonanten wie c, c, c, h, j\ k^ l, s mit einem der Vokale a, 0, e ge- 
fügt: Dorotija-Döca, Katarina-Käca, zlotvor-zloco, Radosav-Räho, De- 
simir-Ddho u.s.w. (siehe Maretic, Gramatika 361 — 363). Etwas diesem 
letzteren Falle ähnliches finden wir nun im Öechischen, und zwar ist 
dort als Suffix für Hypokoristika r]t beliebt: für kmofr haben wir 
kmoch, für hratr — brach und brächa] besonders häufig ist dies natür- 
lich in Taufnamen zu finden : Petr-Pech, Väcslav- Vach, od. Vächa, 
Sta?iislav-Sfach, Boleslav-Bolech, Zikmund-Zich^ Simon-Sich und 
Sicha, MateJ-Mach und Mächa, Havel-Hach^ Jenik-Jerh^ Bartolo- 
mej-Bartoch^ Bartocha\ anf diese Weise entpuppt sich manch deutsch- 
österreichischer Familienname auf -<"/* (z. B. Pech, Stach, Mach) als Spröss- 
ling cechischer Vorfahren. Natürlich können davon weitere Ableitungen 
gebildet werden : Pech-Pesek^ PeUk, Pisek, Pisa, Peska (vgl. Gebauer^ 



48 K. Strekelj, 

Mluvnice skolskä I. § 82). Wie nun kmotr zu kmocJi, hratr zu hrach 
oder komin zu koch^ so ward holek^ hohe 'Knabe, Bursche' zu hoch 
und durcli das Suffix 7ia erhielt man daraus hochna. Hoch ist also ur- 
sprünglich ein Hypokoristikon, welches bei einem Worte wie holek sehr 
leicht begreiflich ist ; die dem Hypokoristikon vielleicht anfangs inne- 
wohnende diminutive Bedeutung verlor sich allmählich und verblasste 
ganz (vgl. slov. detic^ hlapec 'Knecht', ursprüngl. Demin. von *detb^ 
chla^n), so dass die Bedeutung 'Bursche, Knabe', die holek., holec ur- 
sprünglich besass, weiter in Kraft blieb. Holek^ holec selbst beruht be- 
kanntlich 2Mi goh (vgl.Miklosich, Et.Wtb. 71) 'der Bartlose' ; wir finden 
das Wort nicht bloss im Öech. und Sorb., wie es Miklosich 1. c. angibt, 
sondern auch im Slov. [golec 'bartloser Junge") und Serbokroat. [golac 
'impubes' neben 'noch unbefiederter Vogel', istrocak. golcina 'iuvenis', 
Milcetic im Rad 121 ^ 130, Nemanic II. 39). Auf dem Ausdruck für 
'Knabe' ('der Bartlose') beruhen dann die Ausdrücke für Mädchen : c. 
etc. holka^ kroat. slov. golica. 

Nach dieser Erklärung muss nun d. Hach^ Hache als Lehnwort 
aus dem Slavischen, d. h. Cechischen, angesehen werden, geradeso wie 
das aus demselben Stamm goh durch cech. holomek ins Deutsche ge- 
langte Halunke., welches von allen Germanisten für slav. Lehnwort 
angesehen wird : wie in diesem, ergab auch in hoch das anlautende ho 
im Deutschen A«, im Auslaut aber ward e an Hach nach Analogie an- 
derer Substantiva auf e angefügt. 

4. Kroat. hust., gusc und host., hustolina; slov. hlastina etc. 

Im Istrocakavischen (vgl. Nemanic I. 10) bedeutet hüst m. ausser 
'frutex, Gebüsch' auch 'cannabis degener (nee mas nee femina)'. 

In der ersteren Bedeutung ist das Wort nichts anderes als das Mas- 
culinum des sonst feminin gebrauchten kajk.-kroat. husta^ slov. hosta 
'das Dickicht', welches seinerseits auf urslav. chvostu, verwandt mit d. 
quast 'Laubbüschel', zurückgeht, das im cech. chvost 'Besen, Ruthe, 
Badequast', c/iüos^ma 'Wedel, Busch', c/^üOÄ^a^* 'schlagen', poln. c7«z<?os^ad 
id., der ursprünglichen, im eben augeführten deutschen Wort noch er- 
haltenen Bedeutung am nächsten kommt, während es in der Bedeutung 
'Schweif im Kirchenslav., Kroat. u. s. w., davon schon etwas entfernter 
ist. Das Wort hvosta 'Dickicht', hvost 'Gebüsch' ward im Slov. zu 
■hosta., im Kroat. zu husta., bzw. hust durch Anlehnung an gost^ gust 
(ksl. r;fiCT'K) 'dick', also 'Dickicht' xar' e^oxrjv. Das dem anlauten- 



Slavische Wortdeutungen. 49 

den h nachfolgende v schwand wahrscheinlich wegen der Labialisirung 
des nachfolgenden o, indem wie in gvozd, zagvozda aus vo zunächst 
vuo^ 110, ward ; andererseits konnte v durch w zu i, l entwickelt wer- 
den, was man im Slovenischen in einigen Dialekten findet: zaglojzda, 
wie auch slatati aus svatati, hlatati aus hvatati, hlastati aus Jwastati 
und ähnl. 

In der Bedeutung 'cannabis degener (nee mas nee femina)' ist kroat. 
hust auf eine ganz andere Wurzel zurückzuführen, resp. daraus durch 
Formübertragung zu erklären, nämlich chlash (aus urslav. cholsiü), 
russ. xojiocTLiri 'unverheirathet, ledig', xoiiocTHTt 'verschneiden, castri- 
ren' (s. Miklosich, Et.Wtb. SSa; vgl. Pedersen's Ausführungen in den 
IF. V. 64): hl/st ist also ein für sich allein stehender, im ledigen Zu- 
stande befindlicher, gleichsam castrirter Hanf, der weder befruchten 
noch befruchtet werden kann. Der Weg von cJdastb — das Wort 
müsste im Serbokroatischen hlast lauten — führt über c/wasi^ aus 
chiast^ durch Anlehnung an chvost zu diesem über, mit welchem es 
die weiteren Wandlungen, wie sie im voranstehenden Absatz dargelegt 
wurden, theilte. Dass dem so ist, beweist uns die istrocak. Neben- 
form gusc, welche desgleichen (wie auch pohustelj\ Nemanic I. 68) 
'cannabis degener (nee mas nee femina)' (Nemanic I. 13), daneben aber 
auch *faex' bedeutet, also mit ksl. r;i^iJJTa 'faex', slov. gosca 'dicker 
Bodensatz, Hefe, Dickicht' etc. sich gekreuzt hat, was uns die Ein- 
wirkung von gqst^ auf urslav. c/wostü und chlastü im Istrocakavischen 
zur Evidenz ergibt. 

Aehnlich wie c/wostü ^Laubbusch' im Kroatischen zu hust 'Ge- 
btisch' wurde, erlag den gleichen Einwirkungen dasselbe Wort in der spä- 
teren Bedeutung 'Schweif in den verschiedensten Formen. Es entwickelte 
sich aus chvost 'Laubbusch', 'Schweif (vgl. namentlich den buschigen 
Schwanz des Fuchses) auch die Bedeutung 'abgebeerter Trauben- 
kamm', für welchen ausser r^ep 'Schweif, grozdovina (von grozch), ozo- 
bina (von zobati, ozobati 'abbeeren'), sipurina auch die Formen hüsto- 
Una, hustovina, host, hostine (Rjecnik HI. 737b), hlostina ('racemus 
baccis nudatus', Nemanic H. 39) und hvostina (so habe ich es in Triest 
von einem Istrianer Kroaten gehört) vorkommen; im Sloven. haben wir 
hläst 'abgebeerte Traube', hlastina und hvost in derselben Bedeutung. 
In diesen Formen finden wir, dass theilweise v vor o schwand oder zu 
/ ward [host, hostine — hlostina), theilweise aber hust für Jivost ein- 
geführt ward [hustovina, hustoUna). Hustovina Hesse sich als Bildung 

Archiv far slavische Philologie. XXYII. 4 



50 K. Strekelj, 

nach grozdovina erklären ; das geht aber bei hustolina nicht, da ein 
*huiitol, *hustola nicht erwiesen ist. Wir müssen da wieder eine merk- 
würdige Kreuzung von ]iust und *hlostovi7ia aus hvostovina in der 
Weise annehmen, dass in *hlostovina zunächst die Umstellung von l 
und V ^hviostolina]^ und daraus nach Einführung des hust die Form 
hustolina zu Stande kam. Im slov. hlast^ hlastina scheint wegen a 
Kreuzung mit Jdastati 'gierig essen', hlästniti^ hldstiti 'schnappen' vor- 
zuliegen. Das slovenische hlastina ist also etymologisch von chlastb 
'solus' zu trennen; es vermischte sich damit nur durch Kreuzung. 

Diese Entstellungen des ursprünglichen chvost^, chlastb haben 
natürlich dort stattgefunden, wo die Wörter in deren älteren Bedeu- 
tungen abhanden gekommen sind oder nur in Ableitungen vorkommen, 
in welchen die ursprünglichere Bedeutung verdunkelt ist. 

5. Slov. Tiurec^ kurica\ kuriti 
[pica, serbokr. koJca). 

Das slov. kiirec 'membrum pudendum viri', kroat. kurac 'penis' 
(bei Filipovic, Nemanic I. 20) geht auf ku7•^ 'Hahn' zurück und hat 
nichts mit poln. kurcz^ slov. k7'c etc., womit es Linde zusammenbringt, 
zu thun. Der Ausdruck km•^ 'gallus' ist im Serbokroatischen heute un- 
bekannt, im Slovenischen ist er aber noch nicht ganz vergessen; doch 
ist das davon abgeleitete Diminutiv in seiner angeführten Bedeutung 
ganz verdunkelt, was häufig bei Gegenstandswörtern, die von Thiere 
bedeutenden Wörtern hergenommen sind, aus dem Grunde geschehen 
ist, weil heute bei ersteren der Accusativ dem Nominativ, bei letzteren 
aber dem Genitiv gleich ist. Im Polnischen bedeutet kurek heute noch 
'Hähnchen', 'Fasshahn' und 'penis' (cf. Siownik jezyka polskiego von 
Kariowicz-Krynski-Niediwiedzki); in einer poln. Wiedergabe eines 
litauischen Märchens (Brugmann-Leskien, Volkslieder und Märchen 469), 
die J. Karlowicz in der Wisia III. 2 75 veröffentlichte, antwortet der 
Tölpel auf die Frage der Königstochter: »A gdyby kurek (Hahn des 
Fasses) wypadl?« mit den Worten: »To bym wstawil möj(f. Die Wie- 
dergabe des membrum virile durch den Ausdruck 'Hahn' kennt auch 
das Deutsche: im D.Wb. IV 2 findet man Sp. 164 Hahn als 'membrum 
virile' aus Frisch 1, 397 a angeführt und dazu angemerkt, dass diese Be- 
deutung öfters auch die Verkleinerungsform i?ä//wc/^ew und Fiphahn be- 
sitzt. Dieser letztere Ausdruck (=Hahn an derPipe), sowie das sloven. 
cep in der Bedeutung 'Zapfen' und 'mentula' weisen darauf hin, dass 



Slavische Wortdeutungen. 51 

die Vermuthung M. Heyne's im D.Wtb. 1. c, es beruhe diese Metonymie 
auf der geschlechtlichen Tüchtigkeit und Geilheit des Hahnes, keines- 
wegs der Wahrheit entsprechen dürfte; eher hat man sie an den Hahn 
als Bezeichnung jener Vorrichtung zu knüpfen, die zur Herauslassung 
der Flüssigkeit durch eine an ein Fass gesteckte Röhre dient oder viel- 
mehr überhaupt aus der scheinbaren Aehnlichkeit der Sache mit dem 
Vogel abzuleiten, zumal in bestimmten Gegenden für die mentula kleiner 
Knaben der Ausdruck Vogel (Wien), im Slov. ticek 'Vöglein' ge- 
braucht wird. 

Nachdem sich einmal kurec aus kur als 'penis' festgesetzt hat, hat 
man zu Zeiten, als das Wort noch immer daneben auch in der ursprüng- 
lichen Bedeutung gebraucht wurde, dazu aus dessen Gegenstück kura 
'gallina' ein kurica 'muliebria' gebildet; letzteres findet sich im Slove- 
nischen und im Niedersorbischen, in welch letzterem indess das ent- 
sprechende Masculinum sammt seinem Grundworte in Vergessenheit 
geratheu ist. Hat man aber das membrum pudendum feminae einmal 
mit einem Namen belegt, welcher durch Motion aus einem Wort für 
•Hahn' hervorgegangen ist, so wurden im Anschlüsse daran auch andere 
Ausdrücke für 'Henne' zur Bezeichnung derselben Sache verwendet, 
sodass sie in der Sprache sowohl in ihrer eigentlichen , wie in dieser 
accessorischen Bedeutung gang und gäbe sind. So findet man im SIo- 
venischen und Kroatischen in beiden Bedeutungen ('gallina' und 'vulva') 
2nca, picka^ abzuleiten von pita 'Henne' mit dem Suffix ftra, verwandt 
mit puta^ worüber meine Ausführungen in der Abhandlung »Zur slav. 
Lehnwörterkunde« s.v. zu vergleichen sind; pirka nahmen auch die 
Magyaren auf [picska] und machten daraus nach Abwurf des Diminutiv- 
suffixes ka \\\v picsa 'vulva', das von magy. pina zu trennen ist. Hier- 
her rechne ich ferner serbokroat. koka 'muliebria infantium', das nichts 
mit ital. cocca^ ngr. -/.ö'/xt 'Kerbe, Einschnitt' zu thun hat, sondern zu 
ital. cocca 'gallina' stimmt, wo^on sich das Hypokoristikon köka von 
kokos nur durch den Accent unterscheidet; die Unterscheidung kann 
indess nur secundär sein, um die beiden Bedeutungen auseinander zu 
halten. Zu beachten ist, dass diese beiden Worte auch 'Traubenkern, 
Nusskern' bedeuten, was auch bei anderen Ausdrücken für 'Henne' der 
Fall ist, z. B. slov. puta^ ciha, womit auch kokot 'Nusskern' zu ver- 
gleichen ist M. 



1) Als ich diesen Artikel schrieb, lair mir Belic's Bemerkung in den 

HsBicTia H. otä^.!. Bd. Vlll. Heft 2. pg. ^96 noch nicht vor. 

4* 



52 K. ^trekelj, 

Mit der in Gegenden, wo kurec^ kurac bekannt ist, Läufigen An- 
wendung dieses Wortes, nm damit eine verächtliche Verneinung oder 
Abweisung auszudrücken (= gar nicht, gar nichts), ist der gleiche Ge- 
brauch des ital. cazzo 'membro virile': un cazzo = cica, niente, niente 
affatto, no, mainö (Boerio 156) zu vergleichen. In dieser Verwendung 
kennen kurac auch die Serben, denen es sonst nicht bekannt sein soll. 

Bei Küzmic (I. Kor. XI. 16) kommt ein von Pletersnik nicht beach- 
tetes kuriti se in der Bedeutung 'zanken, streiten' vor : ci se pa sto sce 
kuriti = ei de rig doY-sl (piLhvw/Mq eivai. Es ist wohl von kuriti 
'heizen', c. kour, kür 'Rauch', os. kur 'Rauch, Staub' zu trennen, da 
es dann die Bedeutung 'sich einheizen, sich Rauch machen' haben 
mtisste, während seine jetzige Bedeutung, wenn man es mit ku7'o 'Hahn' 
verbindet, sich unschwer ableiten lässt: 'sich benehmen wie ein Hahn, 
der keinen Genossen neben sich duldet und sofort mit ihm in einen 
Kampf sich einlässt, wenn er ihm zu nahe kommt'. 

6. Loza. 

Das Wort loza ist meines Wissens bis jetzt unerklärt. Boz. Raic 
versuchte im Archiv I. 620, ihm von der Wurzel leg aus beizukommen, 
ohne anzugeben, wie er sich die Entwickelung der Bedeutung daraus 
vorstellt. Aus dieser Wurzel Hesse sich höchstens 'die sich anlegende, 
anschmiegende Pflanze' herausschälen, was allerdings einigermassen 
nicht unpassend wäre; doch hat Raic sicherlich nicht daran gedacht, 
weil ihn die Weinkultur der ihm bekannten Länder darauf wohl nicht 
schliessen liess. Raic's Versuch ist indess lautlich missglückt, indem 
sich daraus das z des Wortes nicht erklären lässt, da es (wegen o in 
der Silbe vor der ursprünglich betonten Schlusssilbe) nicht zu jenen 
gehört, wo g nach dem von J. Baudouin de Courtenay (Idg. Forschungen 
IV. 46 f.) gefundenen Palatalisationsgesetze zu z werden müsste, bei 
Annahme eines Suffixes Ja [ia] aber aus gja ein za entstehen würde. 
Miklosich behandelte das Wort, ohne weiter darauf einzugehen, im 
Lexicon pal.-gr.-lat. p. 343 s. v., wo er unpassend lit. lauzas 'abge- 
brochener Ast' zur Verorleichung heranzieht, Avas wegen au nicht angeht 
und wohl zu läuziu, läuzti 'brechen' gehört, dann im Et. Wtb. 174 f., 
wo er (175a) lit. läza 'Schaft' zur Vergleichung anführt, das jedoch, 
wie schon Brückner (Lituslav. Studien I. 102) erkannt hat, aus poln. 
ioze ist: loze w strzelbi 'Schaft einer Flinte' [= das Holz, in welchem 
das Gehäuse und der Lauf des Gewehres eingebettet ist). Nehring 



Slavische Wortdeutungen. 53 

zählt (Idg. Forschungen IV. 402) das Wort loza unter jenen auf, deren 
z noch nicht erklärt ist. 

Das Wort hat in den slavischen Sprachen, in welchen es vorkommt, 
verschiedene Bedeutungen. Im Kirchenslavischen bedeutet A03a: 
1. Gerte Reis -/.Ifi^ia palmes, 2. Reisig y.lrjßarlg palmites, 3. Weinrebe 
ai-iTcelog vitis, 4. an Bäumen in die Höhe gezogener Weinstock ava- 
devÖQctg vitis arbustiva; die Ableitung JiosHie bedeutet: 1. Reiser /.Irj- 
aava palmites, 2. Triebe, Schösslinge ßlaazol germina; 3. Weinreben 
tcuTceloL vites, Weingarten ujUTtekiov vinea, 4. dürres Strauchwerk 
fpQvyava sarmenta; die letztere Bedeutung hat auch das Derivat Jio- 
3Hinne. Das Bulgarische kennt Jiosa 'Weinstock' und jiosiie 'Wein- 
garten'. Im Serbokroatischen bedeutet loza 'Zweig, Schössling, Rebe, 
Weinrebe, Schossrebe, Wald, Baumaterial'; lözovac ist 'Reis, dünner 
Zweig, Rebe', lözovan 'voller Ranken oder Weinblätter', loznac und 
loznica 'Art Erbsen, Fisolen, die sich hinaufrankt', loziti se 'sich hinauf- 
ranken'; loznica 'wilde Rebe'. Im Slovenischen ist löza zunächst 
'Ranke, Weinrebe', dann auch 'Wald, besonders der Niederwald', ferner 
'Hain'. Im Slovakischen haben wir loza als 'Weinrebe zum Setzen'. 
Das Grossruss. kennt .i03a als 'Ruthe, Reis, Zweig', BimorpuAHaa Jiosä 
'Weinrebe'; jro3nHa, jioaoBmia = Jiosa, ji03fce 'Reisig' (gegenüber 
Ji63be 'Weinreben' aus dem Kirchenslav.), jiosaHt 'Hieb mit der Ruthe'. 
Im Kleinruss. findet sich .i03a als 'Zuchtruthe' und 'Korbweide, Ufer- 
weide (Salix viminalis/; BiiHHa Ji. 'Weinrebe', Bepöojiis 'Lorbeerweide'. 
Ausser in der Bedeutung 'Ruthe, Gerte, Birkenruthe, Zweig' und 
'Strauch, Busch, Weinstock' kennt das Wort ioza in der Bedeutung 
'Weide, namentlich Wasserweide oder Bachweide (siler)' auch das Pol- 
nische, das auch loziyia 'Wasserweide' und 'Gebüsch, Gesträuch' be- 
sitzt. — Welche dieser Bedeutungen ist die ursprüngliche? Ich glaube 
von 'Ranke, Rebe' ausgehen zu müssen, wobei allerdings 'Rebe' noch 
nicht im Sinne von 'Weinrebe' aufgefasst werden darf, welche Ein- 
schränkung sicherlich erst später hinzugetreten ist. Aus 'Ranke, Rebe' 
specificirte sich nämlich einerseits 'Weinrebe', andererseits entwickelte 
sich daraus mit Bezug auf ihre technische Verwendbarkeit als Flecht- 
und Bindemittel die Bedeutung 'Trieb, Zweig, Gerte, Reis, Ruthe'. In- 
dem nun diese Gruppe entweder die technisch wichtigere Bedeutung 
behielt, entstand daraus 'Weide', da dieser Baum oder Strauch bekannt- 
lich am besten für das Flechten verwendbar ist, oder es ward, indem 
die technische Bedeutung mehr in den Hintergrund trat, loza zu 



54 K. ^trekelj, 

'Ruthengesträuch, Strauch' in lebendem, 'Reisig, dürres Strauchwerk' 
in abgestorbenem Zustande. Aus 'Ruthengesträuch, Strauch' haben wir 
dann endlich den mit Schlingpflanzen zwischen Gesträuch und Bäumen 
durchzogenen 'Niederwald', woraus zuletzt 'Wald' und 'Baumaterial' 
(cf. Jitci.) ward. 

Die Grundbedeutung ist also aller Wahrscheinlichkeit nach 
'Ranke, Rebe'; die dem Worte für diese Bedeutung zugrunde liegende 
Wurzel ist slav. lez (idg. legh)^ die wir in leza^ lesti 'klettern, steigen, 
aufsteigen, kriechen" besitzen: demnach ist das daraus durch Ablaut 
und das Suffix a gebildete loza 'die [mittelst Luftwurzeln oder Ranken 
an anderen Pflanzen als Stützen] emporsteigende, kletternde'. Die 
Erbse, die Fisole, welche in gleicher Weise an der Stütze emporsteigt, 
heisst deswegen im Serbokroatischen loznac loznica, d.i. die loza-artige. 
loza-ähnliche ; 'wie eine Rebe emporsteigen, sich hinaufranken' heisst 
loziti se. Aus loza 'Ranke, Rebe' konnte sich bei den Südslaven loza 
'Weinrebe' entwickeln, weil diese gleichfalls wild im Walde vorkommt, 
hingeschlungen auf Sträuchern und Bäumen; bei den Nordslaven be- 
schränkt sich das Wort aus begreiflichen Gründen mehr auf die Bedeu- 
tungen 'Ruthe' und 'Weide'. Die Entwickelung der Bedeutung 'Ranke, 
Rebe' zu 'Weinrebe', wie wir sie in loza sehen, findet sich auch anderswo, 
wo die Weinrebe wie eine Art Liane die Bäume umzieht und ohne 
Kultur Früchte hervorbringt. Schrader will daher das Wort 'Wein' 
selbst auf die ursprüngliche Bedeutung 'Ranke, Rebe' zurückführen, in- 
dem er vhium oivog vom armen, (/ini ans geni (aus *voinio) ableitet, 
worin die im lat. vieo^ vhtiefi, slav. vith vorkommende Wurzel vei, vi 
'sich winden' steckt, zu der griech. vir]Vj viöv rrjv äf.i7rsloj', viöv 
avaÖEvd.Qäda (Hesychius), lat. vitis 'Weinstock' und die Bedeutungen 
für 'Weide' griech. flrla gehören, so dass das armen. *voino (wovon 
*voimo] ursprünglich den Sinn von "rankendes Gewächs, Weinstock' 
gehabt hat, dann aber, als man gelernt hatte, ans den Früchten der- 
selben ein berauschendes Getränk herzustellen, eine Ableitung davon 
dieses Getränk selbst bezeichnet hat (Reallexikon 944). Aehnlich 
haben die Deutschen ihr Hebe, mhd. rebe, ahd. reba specificirt, welches 
auf eine Wurzel reb/t, deren Begriffskern 'Windung, Umschliessung' ist, 
zurückgeführt wird (siehe Kluge, Etym. Wtb. s. v.). Ob nicht auch 
griech. cifiTtsXog her gehört? Man bringt es jetzt (s. Prellwitz, Etym. 
Wtb. der griech. Sprache S. 20; Lewy, Die somit. Lehnwörter im 
Griech. 24) als ^anquelos zu ay-Avlog 'krumm', aind. ancati 'biegt', 



Slavische Wortdeutungen. 55 

ankuräs 'Spross, junger Schoss'. Aber warum sollte *cmquelos bald 
t({.iTtsXog bald ay/.v)<.og ergeben? Ist nicht auTislog zunächst 'die sich 
drehende, hinauf bewegende Pflanze' von dva und TtekofiaL 'sich drehen, 
sich hin und her bewegen'? — Dass im Russischen und Polnischen die 
Ruthe als Züchtigungsinstrument mit loza 'Rebe' bezeichnet wird, dazu 
haben wir eine hübsche Parallele bei den Alten, indem die römischen 
Centurionen statt des Stockes eine vitis mit sich führten und sie als 
Züchtigungswerkzeug gebrauchten. Vgl. auch got. wlizjan 'züchtigen', 
welches zu sAx.ßesc 'Ruthe, Gerte', slav. Uska 'Haselruthe' gestellt 
wird; Cnrtius hat bekanntlich auch lat. verhera mit lit. vifbas 'Reis, 
Ruthe' verglichen (Grundzüge ^ 351). 

Formell ist die Annahme einer Wurzel lez als Basis von lezq-Usti, 
laz^-laziti so zu beurtheilen, wie eine Wurzel sed als Basis für slav. 
sed [sesti), sad^-sadiii oder ed als Basis für slav. ed^jed^jad. 

Das bulgarische ji03HHi];a ^/J.lua^^ (Miklosich, Et. Wtb. 166a sub 
lez) ist meiner Ansicht nach ein Derivat von loza 'Rebe, Ranke' : ur- 
sprünglich war es wohl eine aus Reben oder Wieden geflochtene Leiter, 
vielleicht nur eine Art Wiedenseil aus Schlingpflanzen mit durchge- 
steckten Holzspriessein, kaum aber den heutigen Seilleitern vergleich- 
bar. Es gehört im Etym. Wtb. unter lez-^ weil auch dessen Basis loza 
hingehört. 

7. Serbokr. mozdatiik, slov. moznik etc. 

Serbokr. mozdanik 'Spundnagel, Radfelgennagel, der eine Felge 
mit der anderen zusammenhält, Döbel', slov. moznik 'Döbel', moznikar 
'Döbelbohrer', zamozka 'Radnagel', mozgaj 'Stückschlägel der Wag- 
ner', cech. mozek 'u koläre dreveny hreb, kterym loukotl v ostrihu u 
vnitr k sobe piipojeny jsou', poln. mozdzen 'kolek z twardego drzewa, 
w obudwu koncach scienczony, ktörym si^ spajaja z soba dzwona köi u 
wozu, tybel; embolus; swider do wiercenia otworöw w dzwonach kölr': 
diese Wortgruppe (ohne das cech. Wort) lässt Miklosich im Etym. Wtb. 
203b unerklärt. Nachdem solche Holznägel, wie Zapfen überhaupt, 
zumeist aus dickeren Ruthen oder Zweigen, oder aus dünneren Aesteu 
und sogenanntem Prügelholz verfertigt werden, denke ich, dass die 
slavischen Wörter, die ein *mozgh voraussetzen, zu griech. /.looxog 
'Spross, Zweig, Schössling, Ast' zu stellen sind, welch letzteres Hirt 
(Ablaut 649, S. 132) auf ein *omozgho 'Spross' zurückleitet; vgl. be- 
treß's des griech. Wortes auch die Ausführungen Osthoff"s in den IF. 



56 K. ätrekelj, 

VIII. 17. Lautlich lässt sich gegen die Zusammenstellung kaum etwas 
einwenden: mozdanik beruht auf mozg-en-ikh , in moznik ist g wie 
sonst in der Lautgruppe zgn (cf. brizniti, zdruzniti) geschwunden. 
Was den Bedeutungswandel betrifft, so mache ich darauf aufmerksam, 
dass auch das d. Stift 'Nager zu lat. stipes, welches 'Pfahl', aber auch 
'Baumzweig' bedeutet, gestellt wird (cf. Kluge ^ s. v.). 

8. Slov. ornica. 

Dieses Wort wird mit 'Cynanchum vincetoxicum, Schwalbenschwanz^ 
gedeutet. Pletersnik hat es aus Letopis Mat. slov. 1882/83, S. 295, wo 
es Erjavec (aus Bolc und Pluzna) mitgetheilt, Levstik aber mit aksl. 
orhJiica 'geackertes Feld' verglichen hat, welches doch, der Bedeutung 
wegen, ganz und gar nicht dazu passt. Das Wort ist in dieser Form 
nur falsch erschlossen, indem der Aufzeichner dem dialektischen Worte 
eine literarische Form geben zu müssen glaubte. Gehört hat er wohl 
wrnica^ uPrnica (mit ^r für r), das nichts mit orati zu thun hat, son- 
dern auf aksl. vred^ zurückgeht: unbetontes re der Formel tert-tret 
wird, wie häufig in slovenischen Dialekten, zu r, das d fiel zwischen r und 
n aus. Demnach würde die eigentliche literarische Form vrednica 'zel, 
ki cell vred' lauten, ein Wort, welches in der That auch noch in dieser 
Form vorkommt, aber nur für die Pflanze Veronica filiformis bezeugt 
ist. Doch ist die Bezeichnung auch der Pflanze Cynanchum vincetoxi- 
cum mit vrednica durch die Thatsache sichergestellt, dass das Masculi- 
num davon, vrednik^ sowohl für Veronica wie für Cynanchum vorkommt. 
Dem Cynanchum vincetoxicum, der Asklepias des Dioskorides, benannt 
nach Asklepios, dem Gotte der Heilkunde, welcher zuerst die Heilkraft 
dieser Pflanze entdeckt haben soll, werden seit alters giftbezwingende 
Eigenschaften beigelegt, und früher war die Brechen erregende, und 
daher bei Vergiftung geschätzte, schweisstreibende Wurzel (Giftwurz) 
officinell (vgl. Leunis, Synopsis der Pflanzenkunde ^ 786, 787). 

9. Serbokroat. piriti 'blasen'. 

Miklosich hat im Et. Wtb. 247a, wo er serb. napiriti 'aufblasen', 
pirkati 'pirka vjetar' anführt, über die Etymologie des Wortes nichts 
angegeben und das Wort als sui generis im Wörterbuch figuriren lassen. 
Doch hat es meines Erachtens etliche bekannte Verwandte. Warum 
soll zunächst jömYe 'durchwehen, blasen, fächeln' von pyr-i (Et. Wtb. 



Slavlsche Wortdeutungen. 57 

269 b) bezüglich des Ausdrucks nozdrama razpyrenama 'mit schwellen- 
den, d. h. aufgeblasenen Nüstern' getrennt werden? Und andererseits, 
wenn man ein öech. pureti, poureti, pouriti se 'sich aufblasen', püra, 
vzpoura 'Stolz, Anmassung', purtii/, zpurmj 'hochmüthig, trotzig, wider- 
spänstig' findet, wo ofienkundig dieselbe Anschauung wie bei cech. 
pycha, slov. napuh, serb. naclutost, d. Aufgeblasenheit (vgl. auch lit. 
papüres 'aufgedunsen') vorliegt, ist es in der That nicht abzusehen, 
weshalb man dieses Wort, obwohl es in den angeführten Formen nicht 
in allen Sprachen auf derselben Ablautstufe erscheint, durchaus trennen 
müsse von der Sippe cech.^?/r, pijr 'glühende Asche, pyreti 'schamroth 
werden', poln. perz^ pyrzyna 'Loderasche' . . ., nachdem ja doch das 
Compositum vpiriti im Serbokroatischen 'entzünden', pirjan 'gedämpf- 
tes Fleisch', pyric aber im Oberserb. 'heizen' bedeutet. Das Entzünden 
oder Anfachen des Feuers ist ja doch eine Folge des piriti 'blasen', ohne 
welches ein Feuer, wenn man nicht moderne Zündmittel zur Hand hat, 
nicht ins Leben gerufen werden kann: das Anzünden ist ja ursprünglich 
ein Anblasen (= Anfachen) des durch Reibung erweckten Gluthkernes : 
cf. nsl. upihati ogenj = zanetiti ogenj. Es steht demnach unser piriti 
so ziemlich auf derselben Stufe wie ein griech. TtvQÖio 'anzünden, an- 
stecken', und gehört demnach auch zu derselben Wurzel, wie die dem 
griech. rtvQ, iimhr. pir, ahd.y^^^r, arm.//^7r, ir. ür 'Fackel' entsprechen- 
den, bei Miklosich, Et. Wtb. 269b unter pyr-2 erwähnten slavischen 
Ableitungen, z. B. : nsl. pit^ih 'Osterei', zapiriti se 'erubescere', c. py- 
riti 'schamroth werden', pyj- 'glühende Asche', slovak. ^^yrewz'ce 'polu- 
spälenä släma zo striech slamou krytych v cas poziaru vetrom zana- 
senä', poln. perz 'Loderasche', os. pyric so 'im Gesichte glühend sein', 
pyricky 'ribes rubrum' (nach der rotheu Farbe). Wie wir aber bei joe- 
riti {:= *pyriti) in der Bedeutung 'blasen' im Slavischen auch eine Stufe 
mit u vorgefunden haben (cech. pura, vzpoura, poureii . . .), so haben 
wir neben upiriti 'anzünden' im Serbokroatischen auch ein puriti 'rösten 
[Kukuruzkörner]', welches Miklosich im Et. Wtb. 276b als selbständige 
Basis anführt und bei pyr-2 auf sie nur hinweist. Mit Rücksicht auf 
das eben Gesagte ist diese Scheidung nicht nothwendig, da 'rösten' 
[puriti) — namentlich wenn dies in einer eisernen Pfanne geschieht, 
welche dabei glühend wird — und 'glühend sein' {os.pyric so, slov. zapi- 
riti se, cech. pijriti) dieselben oder doch nahe verwandte BegriflFe sind. 
Ueber Feuer-nvQ-pyr etc. vgl, Johannes Schmidt (Vocalismus 11.273 f.) 
und Hirt (Ablaut 109, S. 39). 



58 K. ätrekelj, 

10. Serhokr. praska^ sloY. pt^ascika. 
Das slov. prascika s. f. bedeutet den spitzblättrigen, wildwachsen- 
den Spargel (asparagus acutifolius) ; neben prascika wird auch brscika 
gesprochen (Letopis slov.Mat. 18S2/S3, S. 288). Levstik will an letzter 
Stelle das Wort mit russ. 6opii],i., polu. barszcz^ slov. brsc etc. (siehe 
unten unter szczudio] in Verbindung bringen. Dem widersteht die an 
erster Stelle angeführte Form, die tiberdies im Wörterbüchlein Alasio 
Sommaripa's aus dem J. 1607 auf Bl. 28a 'asparago prafchiche' bezeugt 
ist. Da die beiden Pflanzen mit einander keine besondere Aehnlichkeit 
zeigen, kann brscika wohl nur volksetymologische Umänderung von pra- 
scika, eine durch Anlehnung an brsc. oder brst entstandene Form sein. 
Sulek scheint in prascika den Stamm pras- (porcus : prastcfc, prase) zu 
vermuthen, nachdem er das poln. prosinka 'Hypochoeris, Ferkelkraut', 
eine gleichfalls mit prascika gar nicht verwandte Pflanze, vergleicht, 
was auch deswegen nicht angeht, weil ja prascika kein eigentliches 
oder Lieblingsfutter der Schweine ist. Wegen gänzlicher Verschieden- 
heit der Pflanzen kann auch an eine Ableitung des Wortes \on praskva, 
braskva 'Amygdalus persica' nicht gedacht werden. Es könnte indess 
anderweitiger fremder Ursprung vermuthet werden, indem ja -ika auch 
an Lehnwörter antritt, vgl. slov. lovorika, oljika, serbokr. motrika. 
Hierbei könnten nur die ital. frasca und brasco in Betracht kommen : 
ersteres bedeutet einen belaubten Ast, letzteres 'Art Besen aus Mäuse- 
dorn' (Ruscus aculeatus, auch bruscus\ brascaglio Dorngebüsch, friaul. 
brascaj). Gegen das erstere spricht der Umstand, dass Asparagus 
acutifolius keine eigentlichen Blätter hat, indem diese mehr Fichten- 
nadeln gleichen; gegen das zweite aber lässt sich die Thatsache an- 
führen, dass unsere Pflanze, deren Name dort vorkommt, wo auch 
die Slovenen gleich den Romanen den Mäusedorn zu Besen verwen- 
den, niemals eine solche Verwendung erfährt, weil die nadeiförmigen 
Blätter eines abgeschnittenen Zweiges sehr schnell abfallen und die 
Pflanze selbst für eine solche Verwendung ganz unpassend ist ; übrigens 
würde auch bei dieser Annahme der anlautende Consonant unerklärt 
bleiben. Ich erkläre deswegen prascika als genuine Bildung, abgeleitet 
von *prask^, praska^ welche Wörter wir im Serbokroatischen in der 
Bedeutung 'Schössling, Sprössling' [prasak m.,praska{., prasce) finden 
und die sm? pras knqti, pras kati ^krache-n, platzen, knistern, prasseln, 
aufschiessen, anbrechen, plötzlich hervorbrechen, plötzlich erscheinen' 
zurückzuführen sind ; das Verbum praskati in der Bedeutung 'kratzen' 



Slavische Wortdeutungen. 59 

ist, glaub icb, bei Seite zu lassen, wiewohl die Pflanze ausgewachsen 
etwas kratzt. Einen Beweis für die Richtigkeit der angeführten Ab- 
leitung finde ich in der Analogie des griechischen Namens derselben 
Pflanze, do:rc(Qayog. Dieses ist nach Hirt mit a(paQaylof.iai 'mit lau- 
tem Knalle zerplatzen, prasseln, zischeln', acpctQayog 'Geräusch', lit. 
spragü, sprageti 'prasseln, platzen', ai. sphürjati 'brummen, dröhnen, 
prasseln, von verschiedenen Geräuschen, z. B. dem des Feuers, auch 
hervorbrechen, plötzlich erscheinen', ahd. sprähha^ lett. spregstu^ spregt 
'platzen, bersten' verwandt (vgl. Hirt, Ablaut 253, S. 85 : spereg 'platzen', 
bersten''). Sowohl aartccqayoq (vgl. auch ajraQydoj 'sprossen', äoTtä- 
Qayog -/.Qccußi^g 'Kohlspross') als prascika sind demnach 'Sprösslinge, 
Stocktriebe'. Da der Spargel sehr schnell wächst, gleichsam über Nacht 
hervorbricht, ist er passend mit Ableitungen von Verben bezeichnet 
worden, die 'bersten, plötzlich hervorbrechen, anbrechen' bedeuten. 

11. Poln. szczudio, c. stidlo^ serbokr. stula^ scule 
{p.szczehiel, c,. Hebel] slov. brst, c. hrost] p. harszcz etc., ksl. hljusth etc.). 

Einige slavische Sprachen besitzen zur Bezeichnung des Begriffes 
'Stelze' und 'Holzbein' neben mehreren anderen fremden und einheimi- 
schen Ausdrücken auch ein Wort, welches urslav. stjudlo lauten 
würde, gemeiniglich aber als Lehnwort angesehen wird. Im Polnischen 
haben wir szczudlo 'hölzernes Bein, ein Mensch mit einem Holzbein, 
Stelzengänger', szczudla n. pl. 'Stelzen', szczudlak^ szczudlik 'der 
Vogel Himantopus' (wohl Neologismus) ; in Schlesien bei Troppau be- 
deutet scudleJi^ scudlina jetzt 'Klee", scudlecisko 'Kleefeld' (Kott III. 
851), während im Altcech. scidlo 'Stelzfuss', im Neucech. scidla^ stidla^ 
stihla, stihla^ stihla 'Stelze, Krücke', htidly^ study f. pl. 'Stelzen', 
scidläk^ stidläk^ stihläk 'der Stelzentreter, Stelzuer, Stelzfuss (Pferde- 
krankheit)' bedeutet (Kott passim). Im Serbokroatischen finden wir 
(stokavisch) stula 'hölzerner Fuss', sttile f. pl. 'die Stelzen, grallae, ho- 
dulje' (Vuk s. v.), (kajkavisch) scule 'hodalke ili stange rasohaste, na 
keh se crez vodu ili blato prehagja, grallae' (Belostenec). Das klr. 
myAJia n. pl. 'Stelzen' zeigt schon durch das (7, dass es aus dem Polni- 
schen entlehnt ist. 

Matzenauer (Cizi slova 320) vermuthet Entlehnung unseres Wortes 
aus dialektischem südd.iS^M^/e/, xak^. studel, stuodel^ ahd. studal, stuo- 
dal 'Unterlage, Pfosten, Säule", skand. studlnll 'Stütze"; den unbe- 
greiflichen Uebergaug des st in sc [st) stützt er mit poln. szczehel, cech. 



60 K. Strekelj, 

Hebel, das er — allerdings zweifelnd — auf d. Stapel 'Stufe' zurück- 
führt, sowie auf den Namen Szczepayi, Sfepan aus Stephanus. Miklo- 
sich, der VG. I. 541 Matzenauer zugestimmt hatte, schweigt sich im 
Etym.Wtb. 343 b sub studio über den Ursprung des Wortes aus, ja, er 
erwähnt nicht einmal die schon bei Matzenauer angeführte stokavische 
Form. In der Annahme fremden Ursprungs des Wortes folgte Matzen- 
auer auch Korbut durch die Aufnahme des Wortes in seine Abhandlung 
»Wyrazy niemieckie w jezyku polskim« (Prace filol. IV). Er stützt seine 
Ansicht auf die Geschlechtsänderungdes Wortes (S. 495), die indess kaum 
ein hinreichender Grund ist, nachdem sich dafür nur noch ein einziges 
ähnliches Wort pudel-pucUo anführen lässt und nachdem das deutsche 
Wort im Mhd. selbst nach Angabe der Wörterbücher ebensosehr als 
Neutrum wie als Masculinnm gebraucht wird, wobei andererseits nicht 
zu vergessen ist, dass auch ein einheimisches Wort, besonders wenn es 
etymologisch unklar wird, leicht einem Geuuswechsel unterliegt. Eine 
zweite Stütze für seine Ansicht findet Korbut merkwürdigerweise gerade 
in dem unerklärlichen Uebergang des st in sc und führt dafür folgende 
Analoga an, die ich in zwei Gruppen vertheile: Szczepan, szczygiel, 
szczebiel — harszcz, hluszcz, moszcz, proboszcz. 

Auf die zuerst genannten drei Wörter (Gruppe I) kann man sich 
indess nicht mit Fug berufen, da ja vor ihrem palatalen Vokal nach Er- 
weichung des t eben nichts anderes entstehen konnte, wie Korbut selbst 
durch das Citat aus Baudouin's »0 ApeBHe-nojfcCKOM'L hbbik'S« § 113 
zugibt : was von Szczepan, gilt doch auch von den beiden anderen Wör- 
tern. Hierbei will ich gar nicht die Meinung unterdrücken, dass ja szczy- 
giel einheimische Bildung sein kann, wiewohl mir nicht unbekannt ist, 
dass jetzt Einige das früher aus dem Cechischen [stehlec, steJdik) abge- 
leitete Wort als genuindeutsch ansehen, indem sie es — was ja stets 
auch vom slavischen Wort geglaubt wurde — von dem Gesang oder Ge- 
zwitscher des Vogels ableiten, aus welchem die Deutschen ein stichlit 
oder ziflit herauszuhören meinen, wie Delbrück (Grundfragen der Sprach- 
forschung 81) nach Winteler berichtet. Zugegeben, es sei dem so und 
es seien aus d. stigeliz rieht bloss die von Miklosich, Et.Wtb. 342 an 
zweiter Stelle angeführten slav. Wörter (nsl. stiglec, strglinec, kroat. 
steglic u. s. w.), sondern auch das poln. szczygiel, wr. mHreüi,, klr. 
mjeröji, grr. ni,er6jrx abzuleiten, so wäre doch die Abwerfung der Silbe 
iz in den letztgenannten Sprachen auffallend, da ja dadurch das Wort 
gerade an seinem Lautbilde verlöre, wiewohl Schlusssilbeu, die in den 



Slavische Wortdeutungen. 61 

entlehuenden Sprachen als Diminutivsuffixe aufgefasst werden, nicht 
selten abgestreift werden. Ein polnisches *szczygliec wtirde, mein ich, 
doch den Gesang des Vogels Carduelis elegans viel lautnachahmender 
wiedergeben als szrzygiel\ daher dürfte denn die letztere Form die ur- 
sprünglichere sein : der Slave hörte aus dem Gesang des Vogels ein sceg 
heraus ; poln. szczygiel verhält sich hinsichtlich des Wurzelvokals zu 
ii^eröji-B wie szczrjpka zu azczcpka 'Holzscheit'. Mag indess das ono- 
matopoetische Wort auf slavischem oder deutschem Boden entstanden 
sein, für unsere Frage hinsichtlich »6^ wird sc« bleibt es, eben weil es 
onomatopoetisch ist, irrelevant. 

Noch unsicherer ist der fremde Ursprung von poln. szczebiel 
'Sprosse, Leitersprosse, Stufe', welches man von d. Staffel ableiten 
will. Die Schwierigkeit liegt hier in dem e der Wurzelsilbe für das er- 
wartete a\ solange dieses nicht aufgeklärt ist, darf mau das Wort nicht 
als Beweismittel für sc = st im Polnischen anführen. Ich glaube mit 
Miklosich, Et.Wtb. 320b, überhaupt nicht, dass szczebiel entlehnt sei; 
es gehört vielmehr wie cech. stebel 'Leitersprosse' neben '■stebel 'Wagen- 
leiter' zu einem alten stebVh. Im Cechischen entwickelte sich aus letz- 
terem *stebl, *stebel^ *stebel, *stiebel, sciebel (in Mähren scebl 'sprysel, 
spryncle') neben stebel^ stebel; gleicherweise ging im Polnischen nach 
Erweichung des t vor dem Palatalvokal e die Lautgruppe st in sc über. 
Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes 'das Feststehende, die Stütze, 
der Stamm, Halm' unterlag verschiedenen Variationen, je nach der 
Sache: 'Pfahl, Holzstück, Sprosse'. Von derselben Wurzel haben wir 
kroat. spica, zbica aus "^sttbica 'virgula', slov. spica 'Holzstück, Split- 
ter, Radspeiche', cech. stpice, stpice 'Radspeiche' ^), es. stpica^ stvnca 
'Radspeiche', bulg. cnHu;a 'Radspeiche', russ. cnHii;a 'Speiche, Pfahl, 
Pallisade, Splitter'. Hierher gehört auch os. slik 'Leitersprosse': es ist 
entstanden aus *sthblik : als Uebergangsstufen haben wir anzunehmen 
*sfblik, *sfwlik, "^sfwUk, *sticltk, *stclik, slik'^). Hinsichtlich des 

1) Gebauer's Ansicht, Hist. ml. I. § 447. 1, dass cech. st'ptce aus d. Spitze 
mit Anlehnung an scpieti sei, halte ich demnach für unrichtig; richtig ist viel- 
mehr, dass sieh im Cech. das entlehnte sjnce aus d. Spitze an stpice 'Speiche' 
anlehnte und die Form stpice, scpice annakm. 

2) Hingegen dürfte o?>ox\). stabrtj: po stabrach khodzic 'auf Stelzen gehen' 
(Pfuhl) kaum direkt zu steh- gehören, da hier der Wurzelvokal nicht ganz klar 
ist; es heisst zwar nsl. steh^r 'Pfeiler, Stütze', ksl. CToeopi. 'Säule', welche Be- 
deutungen genügende Anhaltspunkte für diese Ableitung böten; vgl. indess 
die deutschen Wörter unter Staffel, Stapel und Stab bei Kluge, Et.Wtb.^; 



62 K. Strekelj, 

BedeutuDgsüberganges von 'Stamm, Pfahl, Balken, Holzstück' in 'Leiter- 
sprosse' vgl. *lemez^^ acecli. lemiez 'tignum^, osorb. lemjaz 'Sprosse in 
der Leiter und in der Futterraufe', nsorb. lemjas, remj'as id., was Mi- 
klosich zu lit. lemenys^ lemü 'Baumstamm' stellt. Von 'Leitersprosse' 
zu 'Stufe' ist der Uebergang ganz natürlich; aber auch 'Stelze' (poln. 
szczehli heisst auch 'Stelzen') ist aus der ursprünglicheren Bedeutung 
'Stamm, Pfeiler, Stütze' leicht abstrahirbar : die Stelze ist eben eine 
Stütze, Treppe für den Fuss: Hus schalt die Prager, dass sie die Stelzen 
nach deutscher Weise trepky (= Treppe) statt chody nannten. 

Die von Korbut angeführten Wörter der I. Gruppe stützen dem- 
nach seine Ansicht nicht, da ihr sc vollkommen berechtigt ist: sie bieten 
kein Analogen für das anlautende sc aus st in dem angeblichen Lehn- 
worte szczudlo. Aber auch die Wörter der IL Gruppe lassen sich nicht 
dazu verwenden, abgesehen davon, dass wir in ihnen das sc im Auslaute 
und nicht im Anlaute haben. Altes deutsches st ergab im Slavischen 
wie im Anlaut, so auch im Auslaut gleichfalls st [st^]^ wie yva.'s, post 
[posth]^ ahd. yas/fo, cech. mest aus vihsth (mustum), slov. mastiti für 
fmstit/\ Ihsih für list zeigen; späteres deutsches st ergab (ausser ge- 
legentlichem st im Sorb.) nur st: cech. angrest^ hanfest, hynst, kunst, 
most, probosf, rest, rost, trost\ poln. areszt, fryszt, herszt, koszt, 
kunszt, laszt, maszt, oberszt, reszta, 7'oszt, leberworszt, przezworszt ; 
s\oY. ßrsf, frist, grust, kunst, most, rest, trost\ osovh.fersta, khumst, 
most, röst, trost und utrö'st u. s. w. Diese Regel wird im Polnischen 
durch zwei Wörter durchbrochen : moszcz aus d. Most und prohoszcz 
aus d. prohost 'praepositus'; die ursprünglichen poln. Formen müssen, 
nach den übrigen zu schliessen, moszt und proboszt gewesen sein. 
Einen physiologischen Grund für den Uebergang des st in sc gibt es 
nicht; dieser kann nur auf der Ueberführung des Wortes in die ?o-Dekli- 
nation oder auf der Uebertragung aus Formen der Casus obliqui in den 
Nominativ sg. beruhen. Die erstere Annahme ist nicht wahrscheinlich, 
da man dann die Worte für bedeutend älter ansehen müsste als sie es 
sind und man zugleich eine solche Wandlung auch in andern slavischen 
Sprachen finden müsste. Es bleibt uns also nur der zweite Ausweg 



wir haben also in stabry eher eine Koutamination eines entsprechenden 
einheimischen Wortes, etwa *stebr'b mit d. Stab 'Stütze' vor uns. Ein anderes 
osorb. Wort itela 'Leitersprosse, Radspeiche' gehört wohl zu d. Stelle neben 
Stall, vgl. Kipjstall, gewöhnlicher Kipf stell (bayr. Wald) 'der Rungen stock 
am Wagen (Schmeller-Frommann IL 745). 



Slavische Wortdeutungen. 63 

übrig, d. h.: diese Nominative entwickelten sich nach dem Lokal sg., 
resp. Vokativ sg. und Nominativ pl. ; im Lokal musste aus stc im Pol- 
nischen scie, 6ce werden. 

Anders als bei moszrz und prohoszcz steht die Sache bei den bei- 
den anderen Wörtern der II. Gruppe, bei harszcz und hluszcz. Diese 
kann man nicht auf die gleiche Stufe mit moszcz und prohoszcz stellen, 
weil alle übrigen slavischen Sprachen, denen sie bekannt sind, im Aus- 
laut ein ic, resp. darauf zurückgehendes s^, sl! besitzen. Diese Ueber- 
eiustimmung aber beweist, dass die Lautentwickelung schon alt ist, dass 
wir demnach im Auslaut mit Recht ein altes io zu suchen haben. Was 
wir indess vor diesem ip anzusetzen haben, ist ungewiss, denn beide 
Wörter sind bis jetzt etymologisch noch unklar. Bei harszcz zieht Mi- 
klosich das d. hörst zur Vergleichung, als slavische Grundform nimmt 
er (Et.Wtb. IIa) herstjü an, scheint also das Wort für einheimisch zu 
halten. Auch Jagic (Archiv V. 692) hat sich für den slav. Ursprung 
des Wortes erklärt und leitet es von *br^st^ 'Spross' ab. Dem wider- 
spricht indess die klr. Form des letzteren: öpoext, für welche man, 
wenn wirklich harszcz dazu gehörte, *borsth erwartete. Und merk- 
würdigerweise finden wir auch im Cechischen hrost neben brofik 'puky 
na listnatych stromech', für welch letzteres schon Matzenauer (Cizi 
slova 119) d. Brofi^ mhd. hro^^ ahd. />ro^ 'Sprosse. Knospe, Blüthen- 
knospe' angezogen hatte ; noch besser aber beleuchtet uns slav. hrost 
— falls es nicht genuin ist, was ich indess momentan nicht sehr 
glaube — das bayr. Alberbroßt neben Alherhroß 'junge Sprossen 
der Alber (Pappel)', braßten neben broßen 'sprossen, hervorbrechen", 
brotzen germinare (Schmeller-Frommann I. 365); das germanische 
Wort hat übrigens auch ins Romanische Eingang gefunden, cf. Körting 2 
S. 169, Nr. 158S (ital. Z/ro^za, frz. brout u.s.w.). Wir werden demnach 
*br^st^ *brost von harszcz trennen müssen. Das slav. harszcz^ russ. 
öopn],i), slov. hrsc^ cech. brst\ worin wir auch die regelrechte Vertretung 
des silbenbildenden r (für altes ^r) sehen, wird zu d. borst, ahd. barst, 
purst um so leichter gestellt werden können, weil noch heute d. Porst 
dieselbe Pflanze bezeichnet wie das slav. Wort, nämlich 'Heracleum 
sphondylium' (allerdings werden so auch andere Pflanzen benannt: 
Ledum, Andromeda, Myrica gale). Nur ist im Slav. das Wort in die 
{o-Declination übernommen worden. KarJowicz, Wyrazy obcego po- 
chodzenia s. v,, denkt, da bei der bekannten Barszczsuppe noch andere 
Pflanzen, sei es neben Heracleum sphondylium oder als Surrogat des- 



64 K. Strekelj, 

selben, so namentlich Brassica und Borrago, verwendet werden, auch 
an Einmischung von bayr. Barsche 'Brassica napus' und d. Boretsch 
'Borrago'. Dürfte eine solche Einmischung angenommen werden, waü 
gar nicht nothwendig ist, so liönnte mau wenigstens fürs Cechische und 
Slovenische, wo indess keine Barszczsuppe gegessen wird, eher auf bayr. 
Berschkohl 'Brassica oleracea sabellica' (Schmeller-Frommann I. 280) 
hinweisen. Auffallend ist das c der klr. Form öopyeBKa 'ßärenkraut' 
für öopmeBKa; hier wird wohl eine Kontamination mit ßöpKii 'Backen- 
bart', öopqacTHir 'behaart', slov. serbokr. brk 'Barthaar' den Wandel 
verursacht haben ; beachte die Verwandtschaft des d. borst mit börste ; 
Kluge 6 53b vergleicht dieses mit ai. bhrs-ti 'Spitze, Zacke, Ecke'; die 
Pflanze hat spitze Blätter. 

Was bluszcz betrifft, will es Karlowicz gleichfalls als Entlehnung 
ansehen und vergleicht (Wyrazy obc. poch. 57 a) damit das d. blust. 
mhd. bluost 'ßlüthe', wobei ihm allerdings der Bedeutungswandel nicht 
klar ist; aber gerade auf diesen kommt es an. Das slavische Wort be- 
zeichnet verschiedene Pflanzen: ein »asl.« ö.iiomTt wird im Lexicon 
pal.-sl. mit 'Hedera helix' erklärt ;wie alt und woher das Denkmal ist, 
kann man aus dem Cilat nicht entnehmen); slov. bljasc bedeutet die- 
selbe Pflanze, daneben auch 'Bryonia alba' und 'Tamus communis'; 
serbokr. bljust^ cak. bljusc ist Tamus (Nemanic I. 9), kajk. bJju'sc er- 
klärt Belostenec als 'Asparagus silvestris', womit wohl Tamus gemeint 
ist; ns. blisc (aus bljuschc^ vgl. slov. blJus^c 'Bryonia', serbokr. bljusac 
id. aus bljustac nach dem Genitiv bljusca aus bijustca) 'Epheu'; klr. 
ÖJiiou];, grr. 6jiiou;tj neben njiiomi. 'Hedera helix', welch letztere Form 
nach Miklosich, VG. II. 74, als 'plantae genus' auch nsl. vorkommen 
soll, wo man für Tamus communis auch Ijusc spricht, wenn die Auf- 
zeichnung richtig ist (Letopis Mat. slov. 1894. 23). Daraus ersieht 
man, dass es namentlich drei Rankengewächse sind (Hedera, Bryonia 
und Tamus), die mit blju'sth im Slavischen bezeichnet werden. Die 
Blüthe des ersteren ist grünlich, die des zweiten grünlichgelb, die des 
dritten grünlich, der Farbe nach also eigentlich gar nicht von der Blatt- 
farbe verschieden, daher doch nicht auffallend. Ist es nun glaublich, 
dass die Slaven ein fremdes, 'Blüthe' bedeutendes Wort sich zur Be- 
zeichnung von Pflanzen ausgeliehen hätten, deren Blüthe so unscbein- 
lich ist? Auf rora, welches in einigen Sprachen nach dem dial. d. Rose 
die Blume überhaupt bedeutet, kann man sich da doch nicht berufen, 
denn es werden damit doch immer nur auffällige Blumen und Blüthen 



Slavische Wortdeutungen. 65 

bezeichnet. Der hluost ist also nur dem äusseren Klang nach mit un- 
serem Worte verwandt, beide Wörter haben mit einander ebensowenig 
zu thun, wie etwa slov. mula 'Art Blutwurst' mit d. male 'Maul'. 
Nachdem Tamus offenbar mit dem Namen bljustb erst nachträglich 
wegen seiner Aehnlichkeit mit Bryonia (wie dies auch im Deutschen 
der Fall ist, wo Bryonia als 'weisse Zaunrübe', Tamus als 'schwarze 
Zaunrübe' bezeichnet wird) belegt wurde, und weil die beiden erst- 
genannten Gewächse Hedera und Bryonia gütig sind, könnte man bei 
hijusth an eine Ableitung von bVhvati., lit. blüvü^ Wzl. hhleu 'speien' 
denken; doch ist dabei nicht zu vergessen, dass alle diese Gewächse 
kletternde, sich windende Pflanzen sind ^). Mag nun die Etymologie 
welche immer sein, das Wort gehörte schon in alter Zeit in die /o-De- 
klination, kann also nicht mit Entlehnungen auf i^ oder mit moszcz, 
proboszcz auf eine Stufe gestellt werden. 

Hiermit wären alle von Korbut für sc aus 6^ vor u in szczudlo vor- 
gebrachten Momente als gar nicht beweiskräftig abgelehnt. Andere 
sichere Beweise dafür lassen sich kaum auftreiben ; denn auf aksl. stap^, 
neben welchem auch ein stap^ vorkommt, darf man sich dabei nicht be- 
rufen ; schon Zubaty hat im Archiv XVI. 4 1 4 gezeigt, dass das erstere 
genuinslavisch aus *skepo ist, während das zweite als ein german. 
Lehnwort angesehen werden muss. Slov. scap^ kroat. scap bei Ve- 
rantius, auch Nemanic), kann indess nur dem ersteren, nicht aber diesem 
letzteren entsprechen, das sein sf, resp. jüngeres st bewahren müsste. 
Einzelne sonstige Fälle mit U für st im Cechischen und Slovakischen 
beruhen auf Einwirkung der vielen s^'-Gruppen, in welchen dieses 
berechtigt ist, und tauchen erst in neuerer und neuester Zeit auf, haben 
daher keine Beweiskraft für 6c, st in szczudio^ scidla^ stula, scule^ wo 
das sc [st] eben nicht auf eine einzige Sprache beschränkt ist. In- 
folgedessen muss denn auch unser Wort anders erklärt und kann nicht 
als Entlehnung aus d. Studel angesehen werden, wenngleich es mit 
demselben aufs engste verwandt ist. Gegen die Entlehnung spräche 
theilweise auch der Ausfall des d im Serbokroatischen, welches man, da 
die Entlehnung sonst als sehr alt gelten müsste, wie in sekundären 



1) Nachträglich ersehe ich, dass sich mit der Erklärung des Wortes 
Berneker in den IF.X. 151 beschäftigt hat, der es in der That auf eine Wurzel 
hheug (k) (ai. hhujdti, got. hiugan) zurückführt: *bheuktio 'sich biegendes, win- 
dendes Gewächs. »Im Klr. steht neben bfusc auch bVus aus *hhetikio 'Solanum 
dulcamara, Bittersüss', bekanntlich ebenfalls eine rankende Pflanze.« 

Archiv für slavische Thilologie. XXVII. 5 



66 K. Strekelj, 

Gruppen nicht missen sollte; doch will ich darauf kein zu grosses Ge- 
wicht legen, da man ja auch ein slov. und eak. välje 'sofort, direkt' aus 
X)^ dhlje hat. Meines Erachtens haben wir szczudto und dessen sla- 
vische Verwandten auf urslavisches *stjudlo zurückzuführen, welches 
regelrecht einem idg. * stheu-dhlom von der Wurzel stliu entspricht : 
'das Mittel, etwas zum Stehen zu bringen, es zu stützen. Stütze'. Aus 
der gleichen Wurzel haben wir, allerdings auf verschiedenen Ablauts- 
stufen, ai. sthüläs = sthüräs 'stark, dick, mächtig, gross', griech. orv- 
Xog 'Säule, Pfeiler' von ormo (wie avrjkrj von ora, sthä stehen), ferner 
aind. sthüna, avest. stüna 'Säule'; aus dem Germanischen gehört hier- 
her nhd. stützen, ahd. (untar) studen, aisl. stydj'a 'feststellen, stützen', 
wozu ags. stuäu, studu 'Pfosten', engl, stud, Schweiz, stud, an. stod^, 
mit -^7o-Suffix an. studtll 'Stütze', mit -^/-Suffix av. stufhli, ahd. stollo 
aus stulla von stud^lo 'Stollen', stollon 'fundare', stulla 'Haltepunkt', 
Stullen 'sistere', gistullen 'stehen bleiben' gestellt wird; vgl. Sievers in 
den IF. IV. 338 f., Hirt in den IF. XH. 195 f.. Kluge ^ s. stützen. 
Schliesslich bemerke ich, dass allen deutschen Wörtern die Bedeutung 
'Stelze', die sich allerdings hätte daraus entwickeln können, heute we- 
nigstens abgeht. Auch slavisch *stJud,lo scheint diese Bedeutung nicht 
von Haus aus gehabt zu haben. Wir haben oben gesehen, dass die Be- 
deutung 'Stelze' auch bei slav. Wörtern eintritt, die auf stebh, stehVh^ 
sthhlh beruhen, deren ältere Bedeutung ausser 'Pfeiler, Ständer' auch 
'Stamm' und 'Halm' ist. Das gleiche scheint nun auch bei *stjudlo der Fall 
gewesen zu sein ; wenigstens weist die Bedeutung des Wortes scudlek in 
Schlesien als 'Klee', scudlecisko als 'Kleefeld' darauf hin; ich sehe 
nämlich darin nichts anderes als die Pflanze, die zwischen den scudla, 
den Halmen des abgemähten Getreides, den Stoppeln, aufwächst, indem 
bei einer rationellen Kleekultur der Klee zwischen das Getreide gesäet 
wird und dann erst nach der Getreideernte zum Vorschein kommt. 

Der Grund dafür, dass *sfjudlo im Cechisclien und Serbokroatischen 
feminin geworden ist, ist in der Verknüpfung des Wortes mit dem femi- 
ninen BegriflF wo^a 'Bein' zu suchen, indem es jetzt als 'Holzbein, drevenä 
noha' eben am häufigsten angewendet wird. Der üebergang von scidla, 
stidla in scihla erklärt sich dadurch, dass das Wort nach Verdunkelung 
des Etymons unklar und nach Aenderung des Genus nicht mehr von den 
c/Zo-Formen gestützt ward; vergleiche über ähnliche, auch in anderen 
slavischen Sprachen nicht ungewöhnliche Lautabwechslungen Gebaner, 
Historickä ml. I. § 323. 3. 



Slaviflche Wortdeutungen. 67 

12. Bulg. sep^ (mena); südslav. mka. 

Miklosich setzt im Et.Wtb. 338 a für bulg. sep^ 'Handvoll' eine 
Grundform seynpa an, indem er im Bulgarischen einen Nasalvocal ver- 
muthet, gestützt auf die im Bellum troj. vorkommende Form uja^R'ki 
(Starine III. 102: aSTv a^^mt^ eiuioy TpH ^voAid 3AaTa . . . noKa3d 
HiuiTv rpH iij;!^^^ pA^Ko;^ = dabo ei tres valles(?) auri . . . ostendit 
eis ter volam manus, TpH /v,c>A'ki = TpH ui^^n'Ki); vgl. auch Lexicon 
palaeosl. gr.-lat. 1139 sub uj/^na. Das jetzt dafür im Bulgarischen 
gebräuchliche Wort lautet sep^ (mena). Wie haben wir uns dieses, 
wie Hi;i^nnvi des Bellum troj. zu erklären? Liegt wirklich im Worte ein 
Nasalvokalreflex ? Das Wort ist, was Miklosich entgangen ist — wahr- 
scheinlich eben wegen der Ansetzung des Nasalvokals — auch sonst den 
Südslaven bekannt, allerdings hat es in deren Sprachen nicht den für 
altes q erwarteten Reflex f, sondern nur a nach s. Die Slovenen sagen 
scqy 'Handvoll'^), säpniti 'z roko udariti (mit der Hand schlagen), 
schlagen überhaupt', sapati 'sanft schlagen, am Tage der unschuldigen 
Kindlein schlagen' (davon das kärnt.-d. tschäp'n id.); ferner kennen 
die Slovenen auch, sowie die Serbokroaten säpta 'Pfote', wobei zu be- 
merken ist, dass 'Pfote' und 'Hand' im Grunde dieselben Begriffne sind 
(cf. bair. Pfotschen^ Pfuetschen 'Pfote, Hand' bei Schmeller-From- 
mann 1.455); auch noga war ursprünglich nur 'Kralle': skr. tiakhö^ 
lit. nagas 'Kralle', was noch theilweise in noghth 'Nagel' vorliegt. 
Wir finden also im Serbokroatischen und Slovenischen für Miklosich's 
vermeintlichen Nasalvokal in den der Bedeutung wegen unleugbar zum 
bulg. sep^ gehörigen Wörtern ein a\ dieses könnte zwar in einigen 
wenigen slov. und kroat. Dialekten , nirgends aber auf serbischem Ge- 
biete auf e beruhen, daher man annehmen muss, dass auch im bulgari- 
schen Worte der Vokal a das ursprüngliche ist und man auch dort, 
entsprechend der serbischen Betonung säjia, eiust sapä gesprochen hat. 
Unbetontes a ergab nun dort den unbestimmten Vokal (e = ?.), welcher 
mit bulg. ;^ zusammenfiel, daher denn die Schreibung iij;i^n'ivi (ge- 
sprochen s^pi) im Bellum troj. Wie kommt man aber von sapä zum 
heutigen sep^ ? Nach Zurückziehung des Accentes, die wir annehmen 



1) Die Zusammenstellung Pletersnik's mit oscapeÄ; 'Prise' ist unrichtig; 
dieses beruht auf skhp, stbp-, was scepec, scepek beweist, 'was mit den Fingern 
erfasst werden kann', cak. scäpac 'quod extremis digitis comprehendi et te- 
neri potest': die 'extremi digiti' sind noch lange keine 'Handvoll'. 

5* 



68 K. ^trekelj, 

müssen, ward aus mpä zunächst säpa, dieses aber ergab — wie aca- 
^locTb : >Kijioc, BO;i;'£Hiwäpfc : Bo;i,enHqtp, OBtqapL : OB^ip, mäpaH'L : 
mipan, mäpKa : m^pKa — zunächst seap^ (mlna), daraus im nom. plur. 
vor hellem Vokal der nächsten Silbe memi, und endlich ward e aus dem 
Plural auch in den Singular {>ep^ (mena) übertragen. Ueber die Ety- 
mologie des Wortes kann ich, nachdem slov. sapniti, sapitt, sapati'^) 
in der Bedeutung 'fassen, erfassen, schnappen, haschen, nach etwas 
langen' zu ksl. chapiti^ chopiti 'amplecti, prehendere' im gleichen Ver- 
hältniss zu stehen scheint, wie osahen, osavati, osajati zu cJiahiti (vgl. 
oben die Fussnote bei Nr. 1), nur die Vermuthung aussprechen, dass 
sapa zu chapiti^ chopiti zu stellen sei. Die Bedeutung wäre dann 'das 
ergreifende, packende Glied'; vgl. rqka^ welches zu lit. renkii 'sammle, 
lese auf gestellt wird. Von dem gleichen sap-^ welches dem sapa zu 
Grunde liegt, lässt sich mit Suffix ka^ vor welchem p ausfallen musste, 
dann auch mka 'Handvoll, manipulus' ableiten, das in den südslavischen 
Sprachen vorkommt. 

13. Slov. ternjak^ tirnik. 

Heute bedeutet das im Küstenland gebräuchliche Wort 'Brot aus 
gemischtem Getreide' und 'Brot aus Speltweizen'. Dass keine dieser 
Bedeutungen die ursprüngliche sein kann, ist augenscheinlich, denn was 
immer für ein Stamm dem offenbar mit j'aki abgeleiteten Worte zu 
Grunde liegen mag, nirgends lässt sich einer finden, der 'Mischgetreide' 
oder 'Speltweizen' oder etwas ähnliches bedeutete. An Entlehnung des 
Wortes lässt sich kaum denken, auch Ableitung aus einem Lehnworte 
ist mit Suffix ya^'* nicht leicht möglich. Meines Erachtens bedeutet das 
Wort ursprünglich 'Kleienbrot', und da könnte man allerdings bei der 
Beschränktheit des Wortes auf den slovenischen Westen an Entlehnung 
aus dem Ital.-Friaul. denken und etwa an ital. intiero, friaul. intir 'in- 
tegro, che ha tutte le sue parti' verfallen, also gleichsam ein Brot, das 
alle Bestandtheile des gemahlenen Getreides, d. h. Mehl sammt Kleien 
enthält, ein semucan hieb 'ex farina varia, non cribrata', wie ihn der 
Kroate Istriens (Nemanlc HI. 4, = vsemucan) nennt. Bezeichnender 
für die Sache ist jedoch, wenn deren Name zugleich das Hauptcharak- 
teristikon enthält, und das hat ternjak, tirnik^ ohne dass man eine Ent- 



I 



') Davon ist natürlich das küstenländische cdpiti, 6dpiti aus ital. dial. 
ciapare, friaul. chaj)d [capere) zu trennen. 



Slavische Wortdeutungen. 69 

lebnung anzunehmen braucht: das Charakteristikon der farina non cri- 
brata sind die Kleien, die durch das Mahlen nur zum Theil verrieben, 
zum Theil aber als schärfere oder spitzige Splitter und Spreu im Mehl 
verblieben sind, als tirine [terne\ tirme [terme) von tira^ tera aus der 
Wurzel ter (ksl. twq^ treti)^ lat. ter^re 'zerreiben'; vgl. slov. fcrnira 
'Spreu winkel auf der Dreschtenne', terki 'Spreu', terinje 'Brechelsplitter, 
Heuicht, Heublumenbrösel', welchen die Kleien besonders im Spelt- 
weizen- und llaferbrot sehr nahe kommen : »Oh ceren, ceren je zares, 
Iz njega gleda polno rös« sang von letzterem unser Valjavec, als er 
noch dichtete und nicht ausschliesslich philologisirte. 

14. Serbokroat. ti^om. 

Nach Vuk Karadzic bedeutet das Wort 'schwerfällig, tardus, gravis', 
andere Lexica umschreiben es mit 'träge, faul, schwerfällig' oder mit 
'träge, lass, lässig, schwerfällig, phlegmatisch'. Die eigentlichen Slo- 
venen kennen das Wort nicht; bekannt und allgemein in der Bedeutung 
'faul, träge' verbreitet ist es hingegen bei ihren unmittelbaren Nach- 
barn, den Kajkavci. In Miklosich's Vgl. Gramm, II. und im Et. Wtb. 
wird es nicht erklärt, soviel ich ersehen konnte. Daniele, Osnove 27. 
leitet es auf eine Wurzel tram 'drhtati' (tremere) zurück. Diese Ablei- 
tung kann kaum ernst genommen werden ; schon die Bedeutung spricht 
dagegen : ein fauler, träger, schwerfälliger Mensch hat ja nicht das 
Charakteristikon des Zitterns an sich. Das Wort ist anderen Slaven 
unbekannt; der Grund davon wird in seiner Form zu suchen sein. 
Meines Erachtens haben wir darin ein part. praes. pass. TKpCM'K von 
Tbp;^, Tp'kTH vor uns: 'der gerieben, gedrückt wird', daher 'schwer- 
fällig' und weiter 'lässig', zuletzt 'träge'. Das part. praes. pass. wurde 
von den Slaven bekanntlich fast ganz aufgegeben; zumeist haben 
sich nur Trümmer davon erhalten, natürlich jetzt in der Geltung von 
Adjektiven (cf. pitom, lakom, vedom, vidom, znam etc.); ein solches 
Truram ist auch unser trom. Der Schwund des * ist ganz regelrecht, 
sekundäre Erneuerung nach praes. tärem etc. konnte nicht eintreten, 
weil das Gefühl des Zusammenhangs von trom mit der Wz. ter früh 
verloren gegangen war. — Das irische trom 'schwer, drückend', tromme 
'Schwere' ist trotz der ähnlichen Bedeutung von unserem Wort fern zu 
halten, da es auf ^truchmos beruht (Stokes-Bezzenberger, Urkeltischer 
Sprachschatz 139); der Gleichklang ist nur zufällig. 



I 



70 K. Strekelj, 

15. Slov. tvestij tvezem. 

Das Wort tvesti, tvezem^ welches Miklosich im Et.Wtb. 366 a als 
selbständige Bildung angeführt, weiter aber nicht erklärt hat, bedeutet 
'binden, heften, knüpfen, anhängen, anheften : tvezti se na koga, na 
izprijene zenske', ferner 'albernes Zeug reden'; tvezati 'hängen' (srce 
na kaj das Herz an etwas h.); tvezeti 'hangen, angebunden sein: vol 
tvezi'; fvez 'das Holzband, der Gürtel, die Borte, der Streifen; breitere 
Spitzen in die äussere Seite der Frauenärmel eingenäht'; tveza 'das Band, 
das Hängeseil ; tveze = cipke Spitzen, eitles Geschwätz (bes. etwas, was 
man einem anbinden will)'; pretvesti 'an einem andern Ort oder anders 
anbinden', 'vorschützen, vorwenden'; pritvesti 'anbinden', natvesti 
'anbinden' (srce na kaj, sein Herz an etwas hängen; natv. komu kaj 
jemandem etwas anbinden, anhängen, zuschreiben); otvesti 'umbinden, 
anhalsen, mittelst eines Seiles oder einer Kette anbinden'; otvezen pes 
'Kettenhund', otvesti koga nase 'jemanden ins Schlepptau nehmen'; 
otvQza 'Seil, das einem Thiere um den Hals gelegt wird' (Pletersnik). 
— Das Wort ist etymologisch nichts anderes als das ksl. KAS;?», K/äcth 
'befestigen, firmare ftrjypvvai: rH'R3^i,C» iiTHi^a BA.SfT'K, serbokr. 
vesti, vezem 'sticken' (eig. anbinden, anknüpfen) etc., also die dem ge- 
meinslavischen vezati^ v^znqti, vezeti zu Grunde liegende Form. Schon 
die Grundbedeutung 'anbinden = befestigen', die in allen Ableitungen 
und Kompositen fort und fort wiederkehrt, sollte vor der Aufstellung 
eines selbständigen tvesti im Etym. Wörterbuch warnen. Miklosich 
nahm offenbar Anstoss an dem anlautenden t. Dieses ist aber (wie b im 
serbokroatischen biskati 'Läuse absuchen', oder im slov. bimckati aus 
obimckati = obimati 'umarmen', oder im cech. bafmiti 'lammen' aus 
obahniti^ oder wie ,d in dresiti 'die Garben auflösen' aus od-resiti oder 
raz-d-resiti) der Auslaut eines Präfixes : aus otvezem wurde otvesti, 
indem nur o, nicht aber of als Präfix angesehen ward, das" t zum Stamme 
geschlagen und so statt vez nun tvez als Stamm angesehen, wovon dann 
weiter pritvesti, natcesti, vtvesti, pretvesti abgeleitet, ja durch Kreu- 
zung das t sogar in alie Bildungen vez, veza, ovoza hineingebracht 
wurde: tvez, tveza, otvoza. Diese Bildungen mit t im Stammesanlaut 
traten offenbar erst auf, als das selbständige ot~o durch Analogie von 
nad, pred, pod u. s. w. schon längst zu od geworden war und ot in 
otvesti (wie in otrok) nicht mehr als 'los', 'weg' (losbinden), sondern 
nur als o 'um' (umbinden, ein Seil umwerfen) gefühlt ward. 



Slavische Wortdeutungen. 71 



16. ZUU. 



Das Wort geht auf ein urslavisches *zelh%^ resp. *gelbü zurück, 
was die ganz übereinstimmenden Formen der slavischen Sprachen be- 
weisen : ksl. ^KA'tK'k 'canalis'; slov. zUb 'Rinne, Vertiefung zwischen 
zwei Flächen; Krippe im Stall; Furche zur Ableitung des Wassers, 
Mulde, Kanal; längliches Thal zwischen zwei Bergen, Bergschlucht', 
zlebiti 'mit einer rinnenartigen Vertiefung versehen, auskehlen', zlebnik 
'Hohlziegel, Falzhobel'; serbokr. zlij'eb^ zdlijeb 'Rinne; Rille, Spur; 
Kehle, Winkel; Mahlrinne', zljehiti 'aushöhlen, kehlen'; cech. zlab (bis 
zum XIV. Jahrh. noch zleb)^ zlibek, zläbek 'Rinne, Wasserrinne, Wasser- 
leitung, Röhre, Kanal; Quelle; Trog, Krippe im Stalle; enges Thal, 
Mulde, Thalschlucht, kleiner Hohlweg', üzlebi, üzlabi 'Wasserkanal, 
Rinne, Flussthal, Hohlweg', zlabiti 'höhlen, falzen, kehlen, zlabina 
'Viehtrog', zläbkovec 'Kehlhobel'; russ. ate.ioöx, acojioö'B 'Rinne, Gosse; 
Krippe'; 2Ke.io6HHa 'Vertiefung, Aushöhlung'; »tejiHX, ato.iH'B, jk6joh% 
'Krippe, Viehtrog' (aus ate-iÖHt : 7>, h, v fiel vor n und überhaupt Con- 
sonanten aus, cf. gynqti aus g^bnqti, konh aus kobnh\ das zweite o in 
atojOHi. ist durch Analogie hervorgerufen), acsjioÖHTfc 'auskehlen'; 
klr. aiojroö 'Krippe, Rinne, kleiner Brunnen, Bach', atdoduTH 
'meisseln, aushöhlen', acojroöima 'Rinne, Bett des Flusses'; poln. 
zlöb^ zlobek 'etwas nach der Länge Ausgehöhltes, Ausgekehltes, 
Rinne; Mahlrinne; Kerbe; hohler Einschnitt ; wgJebienie na boku gory ; 
Krippe', ilobkowac^ ztowic (für zlobic) 'aushöhlen, auskehlen' ; os. zlob 
'Rinne, Riefe; Vertiefung; Thalgrund; Krippe, Trog', ziobic 'rinnen- 
förmig aushöhlen' ; ns. ziob 'Krippe'. Miklosich, Et. Wtb. 407 b, theilt 
diese Gruppen in zwei Abtheilungen, in solche, die auf zelbii, und in 
solche, die auf zolb7> zurückgehen, ein Vorgang, der nach den heutigen 
Kenntnissen von dem Schicksale der Lautgruppe zeit nicht am Platze 
ist. Das cech. Hab gibt keinen Stützpunkt dafür, da es verhältnissmässig 
erst jung, aus zleb entstanden ist (vgl. Gebauer, Hist. mluvn. I. 
§ 157. 3); andererseits ist das von Miklosich angeführte poln. Heb 
(statt ziöb) meines Eruchtens nur aus einem alten Lokal zlebie er- 
schlossen. Bei Linde finde ich kein Heb verzeichnet. Aus Miklosich's 
Schlusssatze I.e. »Man vergleiche d. kerbe Einschnitt und beachte poln. 
karb Hobkoivaty hohler Einschnitt« wäre man geneigt zu schliessen, 
dass Miklosich hiermit eine Verwandtschaft des slav. Wortes mit dem 
d. Kerbe vermuthet habe. Da jedoch dieses auf eine Wurzel mit an- 



72 K. ^trekelj, Slavische Wortdeutungen. 

lautendem h [kerf^ ags. cyrf 'Einschnitt', engl, carve 'schneiden') zu- 
rückzuführen ist, passt dazu die slav. Urform *gelh% nicht. Wohl aber 
entspricht dieser ein anderes d. Wort, nämlich mhd. Harn, gen. klammes, 
'Krampf, Beklemmung, Fessel, Klammer, Klemme, Einengung, Klamm, 
Bergspalte, Schlucht, Giessbach in Felsspalten', klambe 'Klemme, 
Fessel'. Diese deutschen Wörter gehen nach Hirt (Ablaut 275, S. 87) 
auf eine idg. Wurzel g^^eleb 'umfassen, helfen' zurück, welche wir auch 
im lit. gelbu, yelheti 'helfen', in anderer Ablautform glebiu, glöhiu 'mit 
den Armen umfassen' finden, wozu Hirt 1. c. auch ahd. clüd,ftra 'Mass 
der ausgespannten Arme' stellt. Aus g^eleb entwickelte sich im Slavi- 
schen, indem nach Hirt's Lehre e in die Schwundstufe trat, ganz regel- 
recht gelb, die Wurzel unseres *gelb^. Unser zleb^ bedeutete also zu- 
nächst 'die Umfassung', 'das von Seitenwänden eingeschlossene', 'die 
Einengung' ; zur Bedeutung des d. Wortes 'Klamm, Bergspalte, Schlucht, 
Giessbach in Felsspalten' — vgl. auch cymr. ty7io 'Thal' aus *[s)tenovo, 
womit orevög, oreivög 'eng, schmal', xa oxeivh 'Engpässe' zu- 
sammengestellt wird — stimmen ja die slavischen Bedeutungen wie : 
'längliches Thal zwischen zwei Bergen, Bergschlucht, Thalschlucht, 
Flussthal, Hohlweg, Wasserrinne' vollständig, indem 'die Thalschlucht, 
der Hohlweg' das natürlichste Wasserrinnsal bildet, wobei andererseits 
eine solche Wasserrinne den kürzesten Weg aus der Ebene ins Gebirge 
zeigt und ihre Bezeichnung häufig dann den Begriff 'Gebirgsweg, Ge- 
birgspfad' annimmt: vgl. hw\g, poteka 'Pfad' (n;RTfKa, siehe Asböth 
im Archiv XXV. 576 ff".), lit. täkas 'Pfad' zu tekü 'laufe, fliesse'. Um- 
gekehrt können aber auch Bezeichnungen für den Begriff 'Weg, Pfad' 
in den Begriflf 'Rinnsal' umschlagen: vgl. alb. vi, vije 'Rinne, Furche' 
aus lat. via] slov. klanec bedeutet nicht bloss 'Hohlweg, Dorfgasse', 
sondern auch 'Rinnsal eines Baches, Bachfahrt', und wenn im Serbo- 
kroatischen klanac ausser der Bedeutung 'Engpass' auch die von 'Koth' 
hat, so ist diese letztere nur dadurch erklärbar, dass im Engpass eben 
Wasser rinnt, wodurch das Erdreich darin zu Koth gewandelt wird. 

Graz. K. Strekelj. 



73 



Zur Geschichte der serbischen Deklination. 



Unter den slaviscben Sprachen nimmt die serbische mit ihrer De- 
klination eine besondere Stellung ein. Während die Geschichte der 
Casusformen anderer slaviscben Sprachen hauptsächlich in der gegen- 
seitigen Beeinflussung, in dem Wechsel der Casustypen besteht, zeigt 
die serbische Sprache neben dem Wechsel nach Analogie noch eine 
Reihe anderer Processe, durch welche ganz neue, in keiner übrigen 
slaviscben Sprache bekannte Casusendungeu hervorgehen, die der 
Sprache einen originellen Charakter verleihen. Das sind die Anhängsel 
-/, -e, -a. Die beiden ersten Anhängsel wurden in den altserbischen 
Denkmälern (XIV. saec.) beinahe für alle Casus angewendet, in der 
modernen serbischen Sprache hat sich -e erhalten nur in D, L^, D^. 
Wie damals die Anhängsel -/ und -e, so hat in der Gegenwart das An- 
hängsel -e nicht ganz die normalen Casusformen zu verdrängen ver- 
mocht. Dagegen hat das Anhängsel -a, vom XIV. Jahrh. angefangen, 
stufenweise sich der Position der Endung -^ bei den nominalen o- und 
a-Stämmen bemächtigt, bis diese Endung zuletzt ausschliesslich wurde. 

Diese neuen Formen gaben schon öfters den Forschern Anlass, 
nach dem Grunde ihrer Erscheinung zu fragen. Das Anhängsel -e ver- 
suchten einige (z. B. Majkov, Hcxop. cep6. «3. 684) durch die auf dem 
Suffix -ML ruhende Betonung, andere iz. B. Jagic, Podmiad. vokaliz. 
Rad IX. 125 — 126) durch besondere Bedingungen der sogenannten 
sekundären Vokalisation, die dritten (z. B. Sobolevskij, Hscji^a- Bt 06.1. 
pyccK. rpaM. 49 flf., iIeKii,iH 2 140) zum Theil durch Betonung, zum Theil 
durch die Aufstellung einer urslav. Endung *me, die vierten (z.B.Oblak, 
Die Halbvocale, Afsl. Phil. XVI. 183) durch das Bestreben, die Harmonie 
der Silbenzahlen zwischen den verschiedenen Casusendungen herzu- 
stellen, die fünften (z. B. Resetar, Primorski lekcionari S. 79) durch 
das Bestreben, die alte Betonung an ihrer Stelle zu bewahren, die 
sechsten (z.B. Belic, üpHjtomi^H HCTop. caan. jesHKa, T^iac LXII, 210 flf.) 
durch eigenthümliche Beeinflussung seitens der Partikel -re zu erklären. 
Wahrscheinlich infolge ihrer geringeren Verbreitung lenkte die Endung 
-mi (also mit dem Anhängsel i) nicht in gleichem Masse die Aufmerk- 



74 G. Iljinskij, 

samkeit der Gelehrten auf sich, dennoch auch diesbezüglich wurden 
verschiedene Ansichten laut, Resetar a. a. 0. nahm die Analogieüber- 
tragung von 13 an, Belic a. a. 0. suchte den Grund in der Beeinflussung 
seitens der Form des Pronom. tcij^ ovaj. Was das Anhängsel -a des 
Gen. plur. (G^) anbelangt, mag auf die Erklärung Hattala's (Pocetne 
skupine, Rad IV. 158): aus dem indogerm. -säm^ Schleicher's (CKJiOHe- 
Hie ocHOBi) Ha -m, S, 11): aus der Flexion L^, Jagic's a.a.O. 154 — 156: 
aus der sekundären Vokalisation, Baudouin de Courtenay's (Recens. auf 
Jagic's Abhandlung S. 16 — 17): aus dem betonten -x, Brandt's (Ha- 
^epTanie ciias. AKii,eHTOJioriH S. 101): aus der Beeinflussung der se- 
kundären steigenden Betonung, Möhl's (MSL VI. 187 — 193): aus der 
Analogie G^ der Nominalstämme -i. und -o, Oblak's (Zur Gesch. der 
nomin. Dekl. im Slovenischen Arch. f. sl. Ph. XII. 439 — 440): aus der 
Wechselbeziehung dreier Faktoren : 1) der Einsilbigkeit der Formen G*"', 
2) der Betonung am Schluss des Wortes, 3) der Beeinflussung von -ma 
in D^ P L3, endlich Resetar's a. a. 0. 122 — 123: aus dem Bestreben 
der Sprache, die alte Betonung auf der Endsilbe zu wahren — ver- 
wiesen werden, um zu zeigen, dass auch die Frage über die Genitiv- 
endung -a noch immer nicht gelöst ist. 

Wir wollen nicht jeden einzelnen der aufgezählten Erklärungsver- 
suche einer Prüfung unterziehen, betreffs der Anhängsel -i und -e unter- 
zog sich dieser Aufgabe vor kurzem Prof. Belic. Wir möchten nur be- 
merken, dass uns auch sein Erklärungsversuch nicht einleuchten will. 
Er glaubt nämlich, dass infolge des fortwährenden Wechsels zwischen 
re und rh sich im Bewusstsein des Sprechenden die Vorstellung gebildet 
habe, es sei die kürzere Form ursprünglicher als die volle -re und es 
habe die Auffassung der Partikel re als aus r -\- e entstanden Platz ge- 
griffen. Der Partikel re habe sich die Sprache vorbildlich bedient, als 
sie das Bedürfniss fühlte, die Silbenzahl der einsilbigen (resp. zwei- 
silbigen) Casus mit derjenigen der zwei- (resp. drei-; silbigen auszu- 
gleichen. 

Gegen diese, mir sehr künstlich vorkommende Erklärung lässt sich 
nach meinem Dafürhalten folgendes einwenden: 1) Wenn die Erklärung 
Belic's richtig wäre, so würden wir die den serbischen ähnlichen An- 
hängsel auch in anderen slav. Sprachen erwarten, da der Wechsel zwi- 
schen ze und z auch sonst üblich ist. 2) Sehr unwahrscheinlich ist die 
Annahme der Auflösung des ursprünglichen re im Bewusstsein des 
Sprechenden in r -\- e. In der serbischen Sprache kommen ja auch an- 



Zur Geschichte der serbischen Deklination. 75 

dere Wechsel vor: re : ra, -de : di : f?, te : ta u. s. w., und man be- 
greift nicht, warum das Bewusstsein des Sprechenden nicht auch andere 
Partikel in solche Elemente aufgelöst hätte. 3) Wenn die Sprache 
wirklich die gleiche Silbenzahl durch alle Casus durchzuführen 
»wünschte«, so würde sie kaum solche Kürzungen wie D* tom^ G^ kog 
zugelassen haben. 4) Nach der Erklärung Belic's fällt die Entstehung 
der Endung auf -e mit jener der Endung auf -i nicht zusammen; allein 
zieht man in Betracht, dass beide Anhängsel schon in der ersten 
Zeit ihres Aufkommens ineinemfort abwechseln, so fällt es schwer 
zu glauben, dass dieser Wechsel rein zufällig wäre, wie es die Hypo- 
these Belic's glauben machen will. Man muss diesen letzteren Fehler 
in der Hypothese Belic's um so mehr bedauern, als er bezüglich der 
Erklärung des Anhängsels -i nach unserem Dafürhalten sehr nahe der 
Wahrheit kam, und er brauchte nur noch einen Schritt zu thun, um 
vom Standpunkt des Anhängsels -i auch das Anhängsel -e zu erklären. 
Auf Grund eines reich gesammelten Materials aus den Urkunden zwi- 
schen 1387 und 1485 hat Belle klar dargethan, dass das Anhängsel -i 
zu allen Endungen der Pronomina OBt, oiit, tl, cl hinzutreten kann 
(S.214). Wenn das so ist, wenn man die Einheitlichkeit der Entstehung 
z. B. des G^ Toran und G^ xixH nicht in Abrede stellen kann, so ist 
man berechtigt, auf dieselbe Quelle auch die Form P thmh zurückzu- 
führen. Allerdings kann uns die Erklärung der Endung -i in den Casus 
obliqui, wie sie Belle gibt, nicht befriedigen, allein die Frage selbst 
scheint richtig gestellt zu sein : es ist kaum zweifelhaft, dass die Formen 
TOH(Nin), ToraH(Gi), TOMyH(Di), thmh(II) in einer innigen Beziehung 
mit der Form xän sich befinden, die gleichzeitig mit ihnen aufkam. 

Von dieser letzteren Form ausgehend wollen wir im Nachfolgenden 
eine andere Erklärung der in Frage stehenden Formen auf i und e in 
Vorschlag bringen. Was stellt die Form täj\ oväj yot? Sie ist augen- 
scheinlich nichts weiter, als eine Zusammensetzung der Pronomina mit 
dem Affix u (^), mag diese Zusammensetzung syntaktisch (was minder 
wahrscheinlich ist) oder analogisch, nach dem Vorbild anderer zu- 
sammengesetzter Pronomina (z. B. khj, ^hj, was wahrscheinlicher ist) 
zu Stande gekommen sein. Von dem Grade des organischen Zusammen- 
wachsens der beiden Pronominalelemente hängt die weitere Flexion 
der zusammengesetzten Pronomina ab. Sie kann zweierlei sein. War 
das Zusammenwachsen innig, fest, so bildeten beide Bestandtlieile ein 
Ganzes sowohl in der Bedeutung wie in der Form. In der Deklination 



76 G- Iljinskij, 

wurde nur der zweite Bestandtheil flektirt, der erste aber bloss als 
Stamm gefühlt. Als Beispiel eines solchen organischen Zusammen- 
wachsens können die Pronomina ^kyjh und '^cijh dienen (vergl. S. 48 
unserer Schrift »CjoacHBiK MicTOHMenia h OKOHianiK G^ iiejiH'iHtix'B 
MicTOHMeniH Myat. h cp. p.y). Wenn dagegen das Zusammenwachsen 
nicht genug innig und nicht beständig war, dann bewahrte das zweite 
Pronomen die ursprüngliche Funktion des einfachen Affixes oder De- 
terminativs nicht bloss in N, sondern auch in allen Casus obliqui. Ein 
schönes Beispiel solcher Deklination liefert das altsl. KtatLAO (N), ko- 
roa:i>ÄO (G), KOMoyatLAO (D) u. s. w. oder xtacAe (N), xoroatA© (G , 
TOMoyastAe (D) u. 3. w., wo die Affixe acL^o und ac^e schon darum nicht 
mit jedem einzelnen Casus eine innigere Verbindung eingehen konn- 
ten, weil sie selbständig gar nicht im Gebrauch waren. Doch auch in 
dem Falle, wenn ein lebendiges Pronomen als Suffix verwendet wurde, 
war die Flexion nach diesem Princip möglich. Vergl. altböhm. tet (wo- 
für heute ^ew^o), tohoto, tomuto u. s.w. und daneben das kleinrussische 
TOT, TOToro, TOTOMy u. s. w. ; oder vergl. das heutige böhmische kdos^ 
kogoh^ komm u. s. w. und daneben das altbulg. ohlcb, oiitcero, OHt- 
ceMy u. s. w. 

Wie wurden die serbischen Pronomina bnäj, ÖBaj, caj, Taj dekli- 
nirt? In altserbischen Denkmälern wechseln diese Formen ineinemfort 
mit T und Ta, ob und ona, c und ca, oh und oiia ab (cf. Daniele, IIcTop. 
oöji. 149, BejHh a.a.O. 217), darum ist es gestattet zu vermuthen, dass 
die zweite Form das Anhängsel/ verhältnissmässig spät annahm, nach 
der Analogie von Koj. Das Zusammenwachsen war nicht besonders 
innig, die Flexion geschah nach dem Typus von k-bh-Läo. So entstanden 
die Formen Toran, Toiyn, thmh u. s. w., die sich zu Tora, Toxy, tdm 
u. s. w. so verhalten, wie die zusammengesetzten zu den einfachen. 
Daraus ergibt sich nach unserer Auffassung : 1 ) die Erklärung, warum 
in anderen slav. Sprachen solche Formen, wie im Serbischen, nicht be- 
gegnen: in denselben kommen die zusammengesetzten Formen *%ft, 
*omJ'b entweder äusserst selten vor (wie in den westslav. Sprachen) oder 
sie werden infolge eines besonderen Zusammenwachsens beider Bestand- 
theile nach dem Typus von *kyjh deklinirt wie z. B. im grossruss. 
Tfciero, Tfciearjr u. s. w. oder bulg. thh) ; 2) auch die Erklärung der Be- 
ziehung des Anhängsels -i zu -e. Da nämlich die Form I^ twn mit der 
entsprechenden nominalen Form I^ zusammenfiel, so erwachte in der 
Sprache sehr früh das Bestreben, ihr Suffix durch ein anderes zu er- 



Zur Geschichte der serbischen Deklination. 77 

setzen. Als Ersatz des Affixes -i erschien das Neutrum /e oder nach 
der Verhärtung desselben e (vergl. serbokr. cre neben jere), das etymo- 
logisch mit j'c in koj'e identisch ist. Daraus ergibt sich, dass die For- 
men Tii.Me, THxe nach dem Bildungsprincip noch näher sich dem ko- 
roHCbAO, KOMoyatBAO u. s. w. anschliessen oder dem böhm. tohoto, tomuto 
U.S.W, als die Formen Toran, TOM-yn: im ersten Falle ist das Affix neutr. 
gen., im letzteren masc. gen. Die Formen thmhjb, rixHJe sind Kon- 
tamination der beiden Anhängsel, auf -i und auf -e. Demnach finden 
die »neuen« serbischen Formen ihre verhältnissmässig einfache Er- 
klärung im Bereich und der Beleuchtung der zusammengesetzten Pro- 
nomina des Typus der lateinischen ruiusque, ciiique u. a. 

Was die dritte Endung betrifft (mit dem Anhängsel -a), sie bleibt 
auch nach diesem Gesichtspunkt räthselhaft. 

G. Iljinskij. 

Zusatz der Redaktion. Es ist selbstverständlich, dass wir auch 
solchen Erklärungsversuchen in unserer Zeitschrift Raum gönnen, die 
wir selbst nicht verantworten oder unterschreiben möchten. Wenn die 
bisherigen Erklärungsversuche der serbischen Casusformen mit den An- 
hängseln -i und -e bei Herrn Iljinskij keine Gnade fanden, so ist stark 
zu befürchten, dass auch sein vorliegender Vorschlag nicht besser fahren 
wird. Es ist schon desswegen bedenklich, das Anhängsel -i auf gleiche 
Linie zu stellen mit den zusammengesetzten Pronominen khh, ^ran, weil 
die Flexion ganz divergirt: dort Koiera, ^miera, hier Toraj, ceraj. Also 
im letzteren Falle schwebte dem Bewusstsein des Sprechenden h nicht 
mehr als Pronomen vor. Die Formen wie ovi, oni (für ov, on) zeigen 
deutlich, dass auch bei ti, taj (statt ta) die zusammengesetzte Form der 
Adjektiva mitwirkte, um auch hier die Endung auf -i (resp. -«*, -j) zu 
erzeugen. Die Form tajx'iei dann ^o/ hervor, ebenso entstand onaj\ onoj\ 
weiter die übrigen Casus : togaj\ tomiij. Chronologisch ist das i in t'Sxh 
vielleicht älter und nicht damit in unmittelbarem Zusammenhang, eher 
wohl als Analogiebildung zum Nom. plur. th aufzufassen. Wenn aber in 
allen diesen Fällen von i als einem gefühlten Pronomen masc. gen. abzu- 
sehen ist, so liegt nicht die geringste Wahrscheinlichkeit für die Annahme 
vor, dass e ein dem i entsprechendes Pronomen neutr. gen. sei. Der 
Parallelismus, den Herr Iljinskij zu Stande bringen möchte, lässt sich 
also kaum aufrecht erhalten ; man hat ja auch kein *toe^*fogae^ *tomue, 
womit man ihn stützen könnte. Dem Bestreben Belic's, die Partikel re-7' 



78 G. Iljinskij, 

dabei mitspielen zu lassen, lag der gewiss beaehtenswerthe Gedanke 
zugrunde, dass das Anhängsel e zunächst auf das Gebiet der Pronomina 
beschränkt war, wo auch die Partikel re ihre Hauptrolle spielt. Und 
doch steht auch für mich diese Erklärung nicht so fest, dass man sich 
nicht nach einer anderen umsehen dürfte. Man vergesse nicht, dass 
wir auch in der l.Pers. sing, ein e finden in Verben wie vime (^B^Mb). 



Meine Bemerkungen bekam der Verfasser zur Einsichtnahme und 
er vertheidigt seinen Erklärungsversuch unter der üebersehrift »Pro 
domo sua« mit folgenden Worten: 

»Ich kann selbstverständlich dem Akad. Jagic für seinen , Zusatz', 
der wie immer schätzbar und belehrend ist, nur aufrichtig danken. 
Leider kann ich seine Einwendungen nicht gelten lassen darum, weil 
sie das, worauf das Hauptgewicht in meiner Beweisführung fällt, näm- 
lich die Zusammenstellung der altserb. Formen Toran, ceran mit altbulg. 
KOro;^i>ÄO, KOMyÄtAO, ausser Acht lassen. Jagic hat recht, wenn er sagt, 
dass in taj dem Sprechenden u nicht mehr als Pronomen vorschwebte. 
Eben darum und aus keinem anderen Grunde musste taj in 
den Casus obliqui nicht nach dem Typus kbih oder ^ihh, sondern nach 
dem Typus KtJKtAO oder Ti-at^e flektirt werden. Alle Forscher sind, 
glaub' ich, darin einig, dass die Formen KoroKbAO, KOMyacb^o ganz 
normale Paradigmen der pronominalen Deklination desjenigen Typus 
darstellen, nach welchem nicht der zweite (affixive), sondern der erste 
Bestandtheil des Wortes flektirt wird, vergl. cuiusque^ cuique u. s. w. 
Aehnlich der Hypothese Belic's geht auch meine von Pronominen aus, 
doch während die erste die wunderbare Gesetzmässigkeit (saKono- 
M^pHOCTb) der Erscheinung in altserb. Denkmälern nicht erklärt, er- 
scheint sie von meinem Gesichtspunkt aus geradezu als unumgänglich 
nothwendig. Die von J. für t^xh angenommene Erklärung durch die 
Analogie von th halte ich für unmöglich schon darum, weil die Bedeu- 
tung von TH mit der Bedeutung von Tixu nichts gemeinsames hat. 
Ueberhaupt die Beeinflussung von L. durch N. wäre in der ganzen Ge- 
schichte der indoeurop. Sprachen beispiellos. Meine Hypothese wird 
auch durch die unbelegten Formen ^togae^ *tomue nicht widerlegt, sie 
sind zur Vermeidung des Hiatus zu togaj\ tomuj geworden (vergl. alt- 
serb. SKBHOBb aus *a:eHoy).(f 

So H. Iljinskij. Ich will dazu nur das bemerken, dass wenn er mir 
recht gibt, dass h im Bewusstsein der Sprechenden nicht 



Zur Geschichte der serbischen Deklination. 79 

mehr als Pronomen gefühlt wurde, dann eigentlich die Meinungs- 
verschiedenheit zwischen uns jede raison d'etre verlieren sollte. Es geht 
doch nicht an, in einem Athemzug zu behaupten, taj sei wie K-Batt^o 
flektirt worden und doch -n und -e seien Pronomina masculini und 
neutrius generis gewesen. Wenn man in diesen Anhängseln sogar den 
Genusunterschied herausgefühlt hätte, dann würden wir wohl auch die 
Flexion derselben erwarten. Ob xfen wobei ich an Gen. plur. dachte) 
f. gerade unter dem Einfluss des Nom. plur. th das Affix annahm, das 
mag man glauben oder nicht. Wir liaben ja im Bulgarischen für acc. 
plur. rn offenbar aus sing, ro hervorgegangen mit dem Auslaut des 
pluralischen Casus generalis. Und im Russischen Nom. plur. xi nach 
den Casus obliqui. Also gegenseitige Beeinflussung der Casusformen ist 
sehr gut möglich. Den Zusammenhang der Formen xan, xoh, xoran, 
xoMoyn mit dem Pronomen h hat bekanntlich schon Danicic gelehrt. 
Neu ist also bei dem Erklärungsversuch des H. IL eigentlich nur sein 
»Neutrum« e, das er weder als *t'oe noch als *togae oder '^tomue nach- 
weisen kann, und zu einer Vermeidung des Hiatus Zuflucht nehmen 
muss. V. J. 



I 



Slavische Fragmente aus der Bibliothek S. Giacomo 
(lella Marca in Montepraudone. 



Etwa 10 km von S. Benedetto del Tronto am westadriatischen 
Meeresstrande erhebt sich in wildromantischer Gegend das Felsennest 
Montepraudone, der Geburtsort des berühmten Hussiten- und Bogomilen- 
inquisitors Dominik Gangala, allgemein unter seinem Mönchsnamen als 
Giacomo della Marca 'Jacobus de Marchia bekannt. 

Geboren im Jahre 1391 (1393 hütete er bis zu seinem 9. Lebens- 
jahre in den wilden Bergschluchten die Schafe der Familie, bis ein 
Oheim seine Fähigkeiten entdeckte und ihn zuerst in Ascoli, dann in 
Perugia studiren Hess. Im Jahre 1416 trat nun Dominik Gangala unter 
dem Namen Jakob in den Franziskaner-Orden. Im Jahre 1426 hebt seine 
Missionsthätigkeit in Böhmen gegen die Hussiten an. 1432, 1435*), 

*J Fr. Jacobus de Marchia verweilte 1435 auch in Canali bei Ragusa, 
einer Landschaft, welche die Ragusaner kurz zuvor erworben hatten, und 



80 Ludwig V. Thallöczy, 

1451, 1452 wirkt er in Bosnien, Ungarn, Oberitalien, überall muthig und 
mit Zähigkeit den Katholicismus vertheidigead und die Hussiten, Bogo- 
milen fanatisch bekämpfend. Er starb am 28. Nov. 1476 in Neapel i). 

Fra Giacomo repräseutirt in der Geschichte des Franciskanerordens 
den Glaubensstreiter mit dem schweren Rüstzeug. Es fehlte ihm der 
elektrische Funke, der seinem grossen Ordensbruder Johann von Ca- 
pistrano innewohnte und die verschiedenen Nationen : Deutsche, Ungarn, 
Südslaven, Italiener in der flammenden Idee des Glaubenskrieges zu 
vereinigen wusste. Dagegen war Giacomo mit dem Gesammtwissen 
seiner Zeit bewappnet, beseelt von der Mystik Dante's und ein grosser 
Hasser aller antikatholischen Bestrebungen. Ein gediegener Redner 
schöpfte er aus literarischen Quellen und sammelte selbst eine stattliche 
Bibliothek, die er dem Franciskaner-Convente (Convento d. S. Maria 
delle Gra?.ie' in Monteprandone testamentarisch überantwortete. Die- 
selbe wurde im Laufe der Zeit beträchtlich vermehrt, jedoch kam viel 
abhanden, und die werthvolleren Handschriften wurden leihweise in die 
Vatikanische Bibliothek gesendet, von wo sie erst auf Befehl Gregor XVI. 
wieder zurückgestellt wurden. 

Das erste Verzeichniss der Biblothek wurde im J. 1647 auf Befehl 
des Ordensgenerals verfasst, die erste Beschreibung der Werke (6 1 Stück, 

hatte Streitigkeiten mit dem dortigen serbischen Popen Niksa. Am 7. Juni 
d. J. beschloBS das Consilium Eogatorum, den Rector mit dem Consilium mi- 
nus zu bevollmächtigen: »respondere litteriB fratris Jacobi de 3Iarchta, exi- 
stenti in Canali, prout sibi videbitur, non facieudo tamen pro nunc nouitatem 
siue molestiam uel vim aliquam contra presbyterum Nixam es fide greca. 
Captum per omnes«. Am 21. d. M. beschloss derselbe Rath mit 26 gegen 5 
Stimmen: »quod supradictus presbyter Nixa fidey grece non possit nee debeat 
amplius habitare super terreno deceni fratrum minorum S.Georgii; set possit 
Stare in alio loco contrate Caualis«; die Minorität wollte, »quod debeat 
exire totam contratam Canalis, et nichilominus jus suum sibi sit reseruatum«. 

C. Jirecek. 
1) Im J. 1876 publicirte D. Giacinto Nicolai eine Biopraphie Giacomo's : 
Vita storica di San Giacomo della Marca dei minori, protettore della cittä e 
diocesi di Napoli, scritta pel IV. Centenario dflla sua morte del suo coucitta- 
dino. Bologna. Tipografia Pontificia Mareggiani. 1876. XX + 329. Die Bio- 
graphie hat wenig absoluten Werth und ist eine enthusiastisch gehaltene 
Paraphrase der bekannten Werke [Wadding, Civezza, Farlati, Muratori, 
Cautü, Raynald, Michaud. Er benützt sehr unkritisch die Biographien Gia- 
como's von Arcangelo della Fratta und Gasparo de Montesanto). In biblio- 
graphischer Beziehung, speciell die Bibliothek des Heiligen betreffend, bietet 
die Studie jedoch manch werthvoUen Fingerzeig. 



Slav. Fragra. aus d. Bibliothek S. Giacouio della Marca in Monteprandone. 8 I 

davon 15 beschrieben) lieferte Marchese Filippo Rafifaelli, Bibliothekar 
von Fermo. 

Vor Aufhebung des Franciskanereonventes war der Schlüssel der 
Bibliothek beim Guardian und dem Vorstande des Munizipiums ver- 
wahrt. Derzeit ist die Bibliothek in einem hübschen Kasten im Muni- 
zipalgebäude untergebracht. 

Das Munizipium Hess die Handschriften von Prof. Amadeo Cri- 
vellucci (Pisa) bibliographisch beschreiben. Der Titel dieses brauch- 
baren Wegweisers ist: 

/ codici della libreria raccolta da S. Giacomo della Marca nel 
contento di S. Maria delle Grazie presso Monteprandone. Livorno. 
Tip. di Raffaele Giusti libraio-editore. 1SS9. 8 -\- 110. 

Der rühmlichst bekannte Bischof Fraknoi, Stifter des ung. histo- 
rischen Institutes in Rom, bekam im Vorjahre Kenntniss von der Biblio- 
thek Giacomo de Marchias und erhoffte dort eventuell auf Ungarn be- 
zügliche Handschriften zu finden. Dies war zwar nicht der Fall, jedoch 
machte er mich aufmerksam, dass in einem der Codices zwei slavische 
Texte zu finden seien. Bei Gelegenheit einer Studienreise in den Marken 
machte ich mir diesen Fingerzeig zu Nutzen. 

Sub Nr. 18 fand ich den von Bischof Fraknoi erwähnten Codex, 
welchen Crivellucci (o. c. S. 48 — 49) in folgender Weise beschreibt: 

»Xr. 18. Pergamentcodex vom Anfang bis zur Hälfte — abgesehen von 
den ersten vier den Index enthaltenden Papierblättern ; ein dritter Theil be- 
steht sowohl aus Papier- wie Pergamentblättern ivon Pergament sind die 
äusseren Blätter, die erste und letzte, und die innersten, die beiden mittleren 
der Sexternen, alle anderen sind von Papier), schliesslich kommen wieder 
ausschliesslich Pergamentblätter. Er ist 16 zu 12 cent. hoch, zählt 263 Papier- 
blätter, von denen 8 unbeschrieben sind, einschliesslich von 4 Vorsteckblät- 
tern, 2 am Anfang und 2 am Schluss; er ist von mehreren Händen geschrie- 
ben, in zwei Colonnen, 25—40 Zeilen in der Colonne. Schrift saec. XV. Auf 
dem Rust steht zu lesen: Conclusiones super decretales; auf dem Titelblatt 
ist der Titel hinzugefügt: Margaritarum. Auf fol. 233 steht: Explicit marga- 
rita[rum] decretorum a fratre Martine domini pape penitenciario et eappel- 
lano compilata per alphabetum. 

Den Anfang macht ein auf 4 Papierblättern von der Hand des h. Jacob 
geschriebener Index, der folgendermassen beginnt: Liber decretorum distinc- 
tus in tres partes quarum prima vocatur uistinctiones, secunda cause, tertia 
de consecracione. Der Schluss lautet: explicit liber decretorum continens 
summam tarn textus quam glossarum. 

Der Text der Margarita beginnt: Inter alia quecumque ad fidelium 
christianorum doctrinam scripta u. s. w. und auf das Wort Caritas folgt: Ab- 
Archiv für slavische Philologie. XXVII. 6 



S2 Ludwigf V. Thallöczy, 

bas, quod abbas non ab episcoporum sed a monacorum congregatione eligitur 
11. s. w. Abel, aborsus, Abraain, absolutio, abominatio, absolutio u. s. w. bis 
zum Nameu Zacheus. 

Fol. 234 beginnt mit Abbatibus, absolutio, absolvere u. s. w. bis Uxoreni 
ein zweites kürzeres Wörterverzeichniss auf 25 Blättern von anderer Hand. 
Den Schluss macht die gewohnte Erklärung des Heiligen. 

Der Codex ist in lederüberzogene Deckel gebunden. An die Innenseite 
der Deckel sind zwei in slavischen Charakteren beschriebene Pergament- 
blätter angeklebt.« 

Als ich die beiden, den Einbandtafeln eingeschalteten Pergament- 
blätter genauer ansah, musste ich mit Bedauern konstatiren, dass ich in 
Ermangelung der notbwendigen Behelfe, ohne Schädigung der Einband- 
tafeln und besonders der Texte an eine Auflösung des ledernen Ein- 
bandumschlages nicht denken konnte. Es muss daher eine in natür- 
licher Grösse der Originalien augefertigte photographische Aufnahme 
genügen, welche leider nicht den ganzen Text veranschaulicht. Ich 
muss daher sowohl die Ergänzung, wie die sprachlich-textliche Würdi- 
gung meinem geehrten Freunde Hofrath Dr. V. Jagic überlassen. 

Den Historiker iuteressirt bezüglich dieser Fragmente in erster 
Reihe die Frage der Provenienz. Der Codex, in dessen Einbanddeckel 
die beiden Fragmente eingeheftet sind, befand sich zweifellos im Be- 
sitze Giacomo's. Die Fragmente können daher entweder im Besitze des 
Inquisitors selbst gewesen sein, der diesen schismatischen Text in dieser 
Weise verwerthete, oder es wurde dieses handschriftliche Colligat erst 
nach dem Todesjahre des Heiligen (1478) von seinen Ordensbrüdern in 
der päpstlichen Mark besorgt. In diesem Falle rühren die Fragmente 
von den im XV. Jahrb. in bedeutenderer Zahl eingewanderten und im 
Anconitanischen (Recanati etc.) angesiedelten slavo-albanesischen Ele- 
menten her. Schon Makusev i) hat in dieser Hinsicht manches publicirt, 
bz. angedeutet, ein interessantes Culturbild bieten uns die Fonti per Ja 
Storia delle Marche (veröffentlicht von der Deputazione Marchigiana 
di Storia Patria, mir Statuti IS!) 6 pub. 1 — 280 bekannt). Im Detail 
instruktives Material bietet der Index des Archives in Recanati, vom 
berühmten italienischen Schriftsteller Leopardi verfasst. Leider fehlen 
die Bücher und Acten und nur einige für diese Materie recente Proto- 
kolle sind vorhanden. 



') Mon. Slav. mer. I. S. 195 — 204: Universitas Slav. habitantiuui in Marca 
Anconitana 1379. 1394. 1397. 1439. 1458. Sciavi de provintia Slavoniae 1510. 
S. 204 — 210. Coloniae Albanensium in Marca itana. Die intensive 

Einwanderung geschah c. 1459. 



Slav. Fragm. ans d. Bibliothek S.Giacouio della Marca in Monteprandone. 83 

Es bietet immerhin einige Anhaltspunkte, wenn diese Leopardi'- 
schen Extracte aus den verlorenen, oder verlegten Originalbücbern ver- 
öflfentlicht werden, und ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich diese 
im Zusammenhang mit der Provenienzfrage dieser Fragmente publicire: 

Elenco Leoparcliano. 
Albanesi. 

a) p. 114*) (anno 1137, 9 Ag.). 

Molti albanesi si erano diffusi nel nostro contado, e si presero delle 
providenze sul loro conto. 

b) p. 147 (a. 1451, 18 Gen.). 

Si trattö di adattare qualclie misura contro gli Albanesi, attesa la 
loro malignitä, e fii risoluto che venissero tntti descritti, e avessero un 
mese di tempo a prendere impiego o servizio. Alle spirare del mese 
sloggiassero tntti dal nostro territorio, eccettuati i maestri d'arte e li 
battuali (?) o famuli del cittadini e degli altri abitatori. 

c) p. 164 (a. 1456, 17 Gen.). 

Per evitare possibilmente il flagello della Peste, si decretö che non 
potessero riceversi li Schiavoni e Albanesi e si espellessero quelli venuti 
da natale in poi. Le recenti vittorie delli Tnrchi in Levante rendivano 
forse piü frequente la emigrazione di quelli infelici. 

d) p. 177 (a. 1460, 2 Giugno). 

Peste manifestata di nuovo; disposizioni contro gli Schiavoni ed Al- 
banesi ai quali si attribniva la frequenza de' contagj. La Peste fii piü 
micidiale del solito. 

e) p. 226 (a. 1478, 24 Marzo). 

Agli Schiavoni ed Albanesi fu proibito d'immischiarsi in alcune fun- 
zioni nelle fraternitä dei cittadini. 

f) p. 231 (a. 1479, 6 Giugno). 

Essendovi nuovi sospetti di Peste, si adattarono varie missure e 
venne decretato che in caso di contagio la Fraternitä degli Albanesi vi- 
starebbe e spellirebbe gli Albanesi, quella delli Schiavoni gli Schiavoni, 
e r una e l'altra gli Italiani. 

Aus dem Original-Protokolle ex 1479: 
Die X VII Jatiuarii. 

Consilio M. d. p. Antianorum viginti qiiatuor et ducentorura de po- 
pulo. comunis et horainum civitatis Kacaneti more solito congrcfiato in 
quo fuit propositum quid placebat dicto consilio providere super infra- 
scriptis propositis. 



*) Bedeutet die Seitenzahl der Protokolle, welche wie bemerkt nicht 
mehr vorhanden sind. 

6* 



84 Ludwig V. Thalloczy, 

Tertio si placet dicto consilio facere aliquam provisionem pro evitatione 
morbi. 

Super quibus Marinus Nicoli Dei nomine invocato dixit . . . super facto 
morbi evitandi fiat bannum quod nemo audeat receptare aliquem scla- 
vum neque Albanum qui istuc concessisset a festo nativitatis citra pena 
X librarum receptanti et venienti X tractarum funis et quolibet possit 
predicto amisare (?) et . . . quartam partem dictarum X librarum; et si 
qui reperirentur venisse .... dicta civitate. 

Conclusio ottentiva: . . . pro evitando morbi: fiat bannum quod quicum- 
que receptaret aliquem venientem de terra morboso mereret penam X li- 
brarum tarn receptans quam receptatus et ultra dictam penam receptatus 
habeat de facto quatuor tractos funis et qui amisaret contra funentes, 
habeat medietatem diete pene et quilibet sclavus seu Albanus qui ve- 

nisset iatuc a Kalendis Juniis citra, debeat dis orasse civitatem sub 

dicta pena. 

Die II junii Consilio etc. 

Secundo de provisione fienda contra pestem. Ser Leopardus dei no- 
mine invocato .... supra provisione pestis dixit quod per d[ominos] 
p[riores] eligatur et constituatur locus extra civitatem ad quem omnes 
sclavi et Albani morbo infecti in civitate Recanati deferantur et consti- 
tuantur ibi custodes et curatores qui debeant perscruptari diligenter per 
civitatem et infectos referre dominis prioribus sub aliqua pena. 

Jacobus Janini super provisione pestis dixit quod primo inveniatur 
locus et quod hospitale sancte Lucie extra portam maris esset locus 
ydoneus et quod illuc deferrantur sclavi et albani infecti et ibi curentur. 

Ser Antonius Politi dixit ut supra dixerat Jacobus, sed de hoc ha- 
beatur colloquium cum d« episcopo. 

Gaspar Jacobi dixit super provisione pestis quod hospitale sancte 
Lucie de quo supra dictum est non est locus aliquo modo ydoneus cum 
ibi per singulos dies et horas conversatur prope accessum ad sanctam 
Mariam de Varano quapropter queratur pro alio loco. 

Petrus Jeronimi dixit super facto pestis prout supra dixit Ser Anto- 
nius Politi hoc addito remictuntur custodes ad portas prout erant prius 
et deputentur eis salarium expensis comitatinis. 

Petrus Thome dixit ut supra dixit Petrus Jeronimi hoc addito quod 
recludantur alique dictarum portarum. 

Ser Johannes Francisci de iufectis dixit ut supra dixerunt alii hoc 
addito quod de cetero non dimictantur intrare in civitatem albani neque 
sclavi. 

Reformatum fuit et conclusum Constituatur locus pro infectis videlicet 
hospitale sancte Lucie ut supra dictum est in quo deputentur curatores 



l 



Slav. Fragm. aus d. Bibliothek S. Giacomo della Marca in Montepiandone. 85 

infirmorum quibus sit cura diligenter curare infinnos et constituatur aro- 
inatarius a quo accipiantur necessaria pro dictis infirmis sumptibus comi- 
tatinis et omnes Albani et sclavi infecti illuc deducantur. Item remictan- 
tur custodes ad portas prout erant prius cum salario sibi persolvendo 
de pecuniis coraunis extrahendis de mundinis proxiinis et hoc pro tempus 
duorura luensiura. ' 

Ludwig v. Thallöczy. 

Der Inhalt der beiden an die Buchdeckel angeklebten Pergament- 
blätter cyrillischer Schrift ist uns in so kümmerlicher Weise zugänglich, 
das3 es derzeit kaum möglich ist, etwas Näheres über denselben zu 
sagen. Die beiden Blätter sind ja mit je einer Seite ihres Textes an die 
Deckel angeklebt und vor ihrer Loslösung von den Deckeln zunächst 
für uns so gut wie nicht vorhanden. Ob es bei Anwendung der grössten 
Vorsicht möglich wäre, die Blätter von den Deckeln so loszulösen, dass 
der Inhalt der jetzt zugedeckten Seiten gelesen werden könnte, das ver- 
mag ich nicht zu sagen. Aber auch die oberen, unseren Augen und 
dem Licht des Photographen zugänglichen Seiten haben in doppelter 
Weise gelitten. Einmal findet man den Text der linken Kolumne an 
vier Stellen durch Lederspangen so beschädigt, dass überall mehrere 
Buchstaben für uns verloren gehen. Nicht überall ist es möglich, die 
Lücken durch sichere Konjekturen zu ergänzen. Dann aber wurde 
auch die rechte Kolumne durch den Lederumschlag des Einbandes in 
ihrem grösseren Theil so zugedeckt, dass sie für unser Auge und auch 
für den Photographen nicht erreichbar ist. Es hat sich also von den 
acht Kolumnen des Textes dieser zwei Pergamentblätter nicht einmal 
der vierte Theil (d. h. zwei Kolumnen) vollständig erhalten. 

Und doch gestattet uns selbst dieser kümmerliche Rest allerlei Be- 
trachtungen anzustellen. Vor allem könnte man dem grossen Bedauern 
Ausdruck geben, dass die Ungunst der Zeiten und der religiöse Eifer 
der mönchischen Missionäre so unglimpflich mit den Denkmälern der 
slavischen literarischen Thätigkeit umgingen. Doch trifft den Fra Ja- 
cobus de Marchia keine grössere Schuld den bosnischen Denkmälern 
gegenüber, als sie in Böhmen und Polen den Eiferern für die Reinheit 
des katholischen Glaubens und die sprachliche Einheit (Latein) vorge- 
worfen werden kann. Also sentimental soll man nicht sein, es würde ja 
auch nichts nützen. Aber das dürfen wir schon sagen, dass der Verlust, 
den unsere Einsicht in die bosnische mittelalterliche Literatur durch 
diese Schädigung und Zerstörung erleidet , in der That sehr gross ist. 



86 



V. Jagic, 
Fragra. A. 




miLH 




..^ f f tiiii^ tlN ffi 1 nrnn 















HäaSS^ 




Es handelt sich nicht etwa uiu n-eudwelche Bestandtheile der Bibel, 
die wir ja auch sonst haben und kennen, sondern um Texte homiletischen 
oder katechetischen, vielleicht gar bogomilischen Inhaltes, die einzig da- 
stehen und in keiner Weise ersetzt werden können. Und zwar gestatten 
uns diese zwei kümmerlichen Ueberreste von zwei Handschriften zu reden, 
weil jedes Blatt eine andere Hand und ganz verschiedene Schriftzüge re- 



Slav. Fiagm. aus d. IJibliotbek S. Giacorao della Marca in Montcpraudo.if. 87 

Fragm. B. 


















präsentirt. AUerdmgs ist das Format der beiden Codices imgefähr gleich 
gross gewesen, auch die äussere Ausstattuug (in zwei Kolumnen) ganz 
gleich gehalten, so dass am Ende auch an zwei verschiedene Schreiber 
derselben Handschrift gedacht werden könnte. Nichts hindert uns je- 
doch anzunehmen, dass das zwei kleine handschriftliche Büchlein 
waren, in kleinem Format geschrieben, in der Art, wie das noch spater, 



, 



88 V. Jagic, 

als die Drucke aufkamen, gerade bei den ältesten bosnischen Büchlein 
katholischen Inhalts und cyrillischer Schrift sehr üblich war. 

Dass diese Ueberreste Bosnien (eventuell nördliche Theile von 
Dalmatien inbegriffen) angehen, dafür spricht die Orthographie und 
Sprache, von der Graphik gar nicht zu reden. Das Blatt A macht durch 
seine Schriftzüge, die ganz auf alter Unciale beruhen, entschieden älteren 
Eindruck, als das Blatt B. Dennoch möchte ich beide Blätter, nach 
sonstigen Merkmalen, in das XV. Jahrh. versetzen, und zwar eher in 
die erste als in die zweite Hälfte desselben. Auf beiden Blättern hat 
der Buchstabe K noch die übliche Gestalt, ß noch nicht die spätere 
Quadratform; in beiden ist h noch schalenförmig; in beiden fungirt 
ausschliesslich H, kein "i; in beiden vertritt den u-Laut das Zeichen ^: 
in A findet man K> zweimal, in B zwar auch K> zweimal, doch auch das 
blosse S, z. B. ßOiiS CBOK», Ai?,i,n (für ak«,i,h), -R steht für a : H3 pa'k, 
(C BacKpriiufHUlv (3 mal so), 'KKO B, ^HliBO (wohl Aa oder eine an- 
dere Casusendung zu ergänzen) A; es bleibt auch ein unjotirtes a: po- 
AHTfAa (A), norÖKAaTf (B); ebenso c tCH, ecT. Auch kein w, son- 
dern nur h: khth (statt kkith), th (statt tki), kh (statt kwh), H(- 

KfCKH, CHHOK(f) A, KH (für BkICTk), TH (für TW), KH^' (für BKI^k), 
THAKHHIir (für -HKlMh.) B. 

Beachtenswerth als Tradition der volksthümlichen Schreiberschule 
ist das Fehlen des schwachen Vocals: BEpHaAa;^,, cnantaa, ^\,HUJ,Haui, 

HlTcHY, HCnORH,i,aiU, HfKfCHY, IKHBOT (A), CRpH;jH, C HfKa, BH\-, 

Bac Bauj Tpö^k,, THAfCHHM', B anoKaAHncHH, TfAfc, Haii.r, pasSM, 
^UJOM (B). Nur als Abbreviatur liest man in B dreimal k: AV^^ anAb 
und c\'k (wahrscheinlich HC^k). Der Ersatzlaut a ist nachweisbar in 
Bac (für BkCk), BacKpHLUCHH'k (dreimal), Ba BcaKO Bpne (A), 3f- 
MaAHa (B). 

Der Dialekt ist entschieden ikavisch, weist also nach Nordwest- 
bosnien mit Einschluss des nördlichen Dalmatien hin. Man vergl. hao- 
BHMf, ;i,HiiJ für A'Si€11Jh), hmhk> (für h LI 'S h? oder HM'SK'Tk), rpH 
(wohl die erste Silbe von rpH)C etc. und die Kasusendungen TfBH. 

C«KH, HEECCHY (in A), AHTHHCTBi>f, CKpOSH, BaCKpHUIEHHt: (3mal), 

THA6CHHM', THAfCA (allerdings einmal auch Tf AfC), pasÖMHHT«, npH( 
(wenn für np'feJKAf ?) in B. Die volksthümlichen Wendungen haben 
vor den kirchenslavischen Sprachformen und -Wendungen den Vorzug : 
KH, KO statt HJKf, i€>Kf, CKpoSH KÖ, 3 /i,iiJ<tM als lustrum. neben boaS 



Slav. Fnigui. aus d. Bibliothok S. Giacomo della Marca in Montepiandoue. 89 

CBOic (wenn letzteres für BOAieic ckoi€io), Genit. Tora ßAJi,» und 
vielleicht einmal (Mojfra. In der Konjugation: K^A*» HMa, ,i,huj, 
HcnoBH;i,i\iiJ, npaßH, c8 (für ci>Tk); die Form ;k,HTHHCTK8e könnte 
auch Particip sein. In B ist hto deutlich, daneben vielleicht auch 
aan, doch ist diese Lesart unsicher. Kirchenslavisch klingen die For- 
men: KS^XfUJH, noBH^aiUH (in A) und tKO, wenn es Konjunktion ist 
(in B). 

Auf den Inhalt kann ich hier (in Abbazia), entblösst von allen 
Hilfsmitteln, nicht näher eingehen. Er erinnert an ähnliche Sachen in 
der kroatischen glagolitischen Literatur. Wenn es eine üebersetzung 
ist, so lässt sich die lateinische Vorlage voraussetzen, worauf auch das 
Citat KaKO npaßH cth BepHaaa^v, hinweist. Im ersten Fragment ist 
deutlich der Sinn, dass das menschliche Leben nach dem Vorbild und 
Willen des himmlischen Vaters eingerichtet werden soll: C> naOKHHf. 
Ka;i,a th ^y\ui- om« Haiu kh «ch Ha HeptcHy h HcnoKH;V,auj ^a 
HMaujH pct^HTf/xa Ha HtBECHY BaKO <^^ä, h Ka,\a noBH;i,aujH 

CfKH- HMHK>, Ji,H, Ol^a Ha HEBECHJC, HOKa^H HCBfCKH '^KHEOT H 
yOTfHf (nicht ganz sicher) OU^a. Diesen Passus kann man in gutem 
Zusammenhang lesen. Was vorausgeht, ist schon lückenhaft; noch 
mehr, was folgt. Im zweiten Fragment wendet sich ein Sprechender an 
das Volk (Tora pa^H Ai>^i,H paaSMHHTe), es ist von der Auferstehung 
die Rede, wird zwischen der Vertreibung des Teufels aus dem Himmel 
und des Menschen (» A"") aus dem Paradies eine Parallele gezogen. Der 
anonyme Autor citirt die Apokalypse, erwähnt auch einmal einen Apostel 
(ungewiss welchen, wohl Paul?). Der Inhalt dieses Blattes könnte eher 
etwas Bogomilisches enthalten, als das Blatt A; dafür sprechen auch 
die Schriftzüge des B-Fragmentes, die in ihrer schmalen Gestalt ent- 
schieden bogomilischen Charakter verrathen. Dieser Ansicht ist mein 
Freund, der serb. Akademiker Ljubomir Stojanovic, dem ich das Facsi- 
mile der beiden Blätter zeigen konnte. Leider kann man auf B nicht 
einmal so viel im richtigen Zusammenhang herauslesen, wie auf A. 

Um den Text genau zu veranschaulichen, geben wir ihn nach der 
von einem Photographen (C. Cameli in Sambenedetto del Tronto) ge- 
machten Aufnahme in genauer Reproduktion wieder. Fragm. A lese 
ich so: 

Ka HaKC npaBH _ _ _ 

CTH BfpnaaaA kh •• • 



90 



V. Jagic, 




Ra KcaKO lipiuie 


KpH • • 


KO TfKH BS^f ß 


ßac • • 


^AHC> HA cnaH;a 


rpHC 


HHf HMa KHTH 


baSa 


HO TfRH 


TAH H 


KÖ^^IU" 


H BH H 


cnajKaa o maok 


yOAH H 


HMf KaAa TH ;k, 


HHJC BO 


HUJ Sh( HAUl KH 


lUiapTH 


KH HKCHY H HCnO 


aSH 30 


üH^aiu j\,A HMa 


fra H 


(ujH p)0AHTfaa h 


HlUaHH 


(a HfJKecHY KaKO 


c\'Hfr 


oi^a H KaA^» ncKH 


HacS 


/k.aUJH CCBh HMH 


0B6 OA 


10 AH ou^a Ha hcee 


caHO B 


CH^ nOKa^KH H( 


AHliBO 


EfCKH /KHBOT 


CHHOBE 


H \-CTfHe oi;a a 


CS OHH 


npHTH 


A8k? 


Im Fragm. B : 


- - - - 


h OBaaA 


AX^ KT 


(AJ'J'AiJ tKO 


npaBACHH 


3a boaS cb 


pa3SM a H 


OK« CBpJKtH- BH C Hf Ba • 


HA^Tf • OH 


a TH H3 pa'k AHTHHC 


• 3 A^l^^^M 


TBSE ß(M MHCMa BH 


anAk TOt 


\ : Moraa' cKasarn CO 


npHE 0(Hi 


BaCKpHUlfMH-k M KW 


KOAOBapH 


3A BoaS 


UJH HEOH^H 


CKp03H 


Aa n8cTH 


kS HorSB/xa'i'E Bac • 


Mp •• 



Slav. Fnigiu. aus d. Bibliothek S. Giacomo della Maica in Montepraudone. 91 

H A^^M pasÖMHHTf : ,\-- 3aM-. 

(D BacKpHUJtHH'k-^iiic •aa ona 

H C»l|Jf npaKHT« ,\A Cf 3 '"TA 

(ob«) Ji,UlA THAfCHHIUl' A TfUlKa 

• • • • ^\A HTO npaß «Ha KacKp 

H K anoKaaHncHH he .A^BHan a 

BECa H THAECa'SCMaa 0Kp3a H H 

Ha H 3aT0 npaKMTf h pa3BoaH 

KaCKpHUJCHHlv TfAfC" C^l* TaKH 
J\,A KHCTf HaMpa3i>llil AflUI B,A,aT 
{A,)Uii HfK« ____<. 

A^M • • • • 

Ich fühle mich angenehm verpflichtet, dem Herrn Sections-Chef 
V. Thallöczy für das Interesse, das er diesen zwei Fragmenten ent- 
gegenbrachte, öfifentlich den Dank auszusprechen. V. Jagte. 



Die grossrussisclie Dialektologie in den letzten fünf 
Jahren (1897-1901)*). 



In dieser kritischen Uebersicht will ich über die Erfolge der 
gross russischen Dialektologie (die kleinrussische berühre ich nicht, 
die Weissrussische nur bibliographisch, ohne auf Vollständigkeit An- 
spruch zu erheben) seit dem Erscheinen des Buches Sobolevskij's »OnwT'B 
pyccKOH AiajieKTOjroriii« (1897) berichten. Sobolevskij verwerthete in 
seinem bedeutenden Werke beinahe das ganze bis dahin erschienene 
Material, darüber aber nochmals zu reden wäre überflüssig. Dagegen 
seit 1897 machte die grossrussische Dialektologie grosse Fortschritte. 
Im Jahre 1896 wurde in der russischen Abtheilung der kaiserl. Akade- 
mie der Wissenschaften als Fortsetzung der einstigen IIsBicTin eine 

*) Dieser wertvolle Beitrag musste leider zu lange auf Ausgabe warten, 
so dass jetzt schon Nachträge wünschenswert wären, auf die wir auch rechnen. 

V. J. 



92 N. Durnovo. 

Dreimonatschrift »JlsBicTia 0Tji,i,Äema pyccKaro nsLiKa n cjroBecHOCxn 
Ibmep. ÄKa^. H.« gegründet, die gleich von Anfang an der russischen, 
zumal der gross- und Weissrussischen Dialektologie verhältnissmässig 
viel Raum gönnte, Dank sei es der Energie des Akademikers A. A. 
Sachmatov und dem Eifer des Professors Ev. Th. Karskij in Warschau 
und des Professors Evg. Th. Budde in Kazan. Alle drei Herren sind 
als hervorragende Kenner der russischen Dialekte rtihmlich bekannt. 
Im Jahre 1S96 erschienen in der besagten Zeitschrift zwei ausführliche 
»Programme« zum Sammeln der Eigenthümlichkeiten der russischen 
Volksdialekte, das eine für nord-, das andere für südgrossrussische 
Dialekte im 1. u. 3. H.). Beide waren vom Akad. A. A. Sachmatov 
zusammengestellt (mit Hilfe anderer Gelehrter). Ihr Vorzug war die 
ausführliche Behandlung der Fragen aus der Phonetik, die morpho- 
logischen und syntaktischen Fragen traten dagegen zurück, die Wort- 
bildung fehlte gänzlich. Die Programme waren auf Personen mit ge- 
ringen Vorkenntnissen und unerfahren im Sammeln des dialektologischen 
Materials berechnet. Daher eine ausführliche Anleitung in der Vorrede. 
Das 3. Programm betreflfs des Weissrussischen Dialektes erschien erst 
im Jahre 1S97 (im 2. Heft), doch war es ganz entsprechend den beiden 
anderen, nur etwas ausführlicher abgefasst: hier giebt es mehr Fragen 
über die Betonung und auch ein Abschnitt über die Wortbildung felilt 
nicht. Lexicalische Fragen sind kürzer ausgefallen. Es war beabsichtigt 
noch ein 4. Programm über die kleinrussische Dialektologie zu publi- 
ciren, doch der in Aussicht genommene Herr Michal'cu k führte bis 
jetzt die ihm anvertraute Aufgabe nicht aus. Diese Programme trugen 
zur Belebung des russischen dialektologischen Studiums wesentlich bei. 
Kein einziges der früheren Programme ' fand eine so grosse Verbreitung 
und konnte so ausführliche Beantwortung hervorrufen. Die russische 
Abtheilung versendete mit grosser Bereitwilligkeit ihre Programme 
nach allen Richtungen, so dass im Jahre 1S99 kein Exemplar mehr 
übrig blieb und es musste eine Neubearbeitung des Programmes unter- 
nommen werden (vgl. Avchiv XXIII, S. 579 — 581). 

Als Beantwortung der in den Programmen aufgegebenen Fragen 
langte ein eine Reihe Mittheilungen von Volksschullehrern, Priestern, 



1; Sie sind aufgezählt in dem Aufsatz F. K. Simoni's: PyccKiii >i3hkt, b-l 
ero Hapiiiax'B h roBopax-L I. (HsBicxifl etc. I. 1. 173 — 178). Die besten darunter 
waren — das Kolosov's bei Simoni Nr. 1Ü7) und Sachmatov's (Simoni 
Nr. 108), sie bezogen sich hauptsächlich auf den o-Dialekt Nordrusslands. 



Die f!:rossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jaliren '1S97 — 1901). 9;^ 

Zöglingen geistlichei- Seminare, Studenten der geistlichen Akademien 
und der Universitäten, die Gelegenheit hatten, einen Theil des Jahres 
im Dorf zuzubringen, ja auch von Gutsbesitzern u. s. w. Selbst solche 
Einlaufe, wo man sich auf das Unterstreichen der in den Programmen 
angeführten Beispiele beschränkte, vermochten unsere Begriffe von 
den grossrussischen Dialekten bedeutend zu erweitern, da sie die Mög- 
lichkeit boten, über die Verbreitung dieser oder jener Erscheinung ein 
Urtheil zu gewinnen. Bis 1901 incl. erschienen in den »IIsBtcTia« 48 
solche Mittheilungen (zwei über Südgrossrussische Dialekte führen die 
Nebenzahlen 41^ und 422;), darunter sind 5 den a-, die übrigen den 
o-Mundarten gewidmet. Eine noch grössere Anzahl von Einlaufen liegt 
bis jetzt ungedruckt, obschon sie viel Interessantes enthalten (vergl. die 
Vorrede zum 1. Heft des IL Bandes des russischen Wörterbuches, das 
jetzt im Erscheinen begriffen ist, und die Sitzungsprotokolle der russ. 
Abtheilung in den IIsB^cxiH und im CßopHiiK'L Band 65, 66 und 67). 
Der günstige Einfluss der akademischen Programme gibt sich auch in 
den nicht in den akademischen Schriften gemachten Publicationen dieser 
Art kund, vergl. die Mundarten des Gouvernement Kostroma in »^CnBaa 
C'rapHHa« (beschrieben von Th. Pokrovskij) und in PyccKiH $HJEo;iorH- 
necKÜl B'£cTHiiKi> die Beiträge Rezanov's, Karaulov's, des Refe- 
renten und A. Nikol'skij's. Das Buch Sobolevskij wurde abgefasst, als 
noch nicht alle Einlaufe gedruckt waren, darum konnten in seinem 
OntiT'B nur die ersten 28 verwerthet werden — meistens nur als Er- 
gänzungen. 

Neben den »HsBicTiHt« pflegten die russ. Dialektogie, wie auch bisher, 
noch folgende periodische Zeitschriften : »3CirBafl CTapHHa« und »PyccKiS 
'T'Hjro.iornyecKiil BicTHHKi.«. Die dialektologischen Beiträge in einer jeden 
dieser Publicationen tragen ihren besonderen Charakter. Während in 
den »IIsBicTifl« mehr oder weniger umfangreiche Antworten auf die 
Programmfragen, ohne Beifügung des rohen Materials (Aufzeichnungen 
der Texte) und des Lexicons vorliegen, liefert )^yKHBafl CTapima« bald 
kurze Charakteristiken der Mundarten, bald eingehende ethnographische 
Beschreibungen mit beigefügtem lexicalischem Material, zuweilen nur 
das letztere und andere Volksprodukte (Erzählungen, Lieder, Sprich- 
wörter u. a.). Im Pycc. ^Hjiojor. BicTHHKTi werden ausführliche Abhand- 
lungen der Specialisten, mit Excursen in das Gebiet der Sprachgeschichte, 
mit Vergleichungen anderer Dialekte u. ä. publicirt; dann und wann ist 
auch lexicalisches und anderes Material beigegeben. Sehr werthvoll 



94 N. Durnovo, 

sind die Beiträge zur grossrussisclien Dialektologie Professor E. Th. 
Budde's von seiner Reise in das Gouvernement Tula (in IlaBicxifl 1898, 
B. III, Heft 3 u. 4). Der vor kurzem erschienene 6S. B, des CöopHHKTB 
ist fast ausschliesslich der Dialektologie gewidmet. Hier sind neben den 
Charakteristiken der Mundarten viele Volkslieder, Volkserzählungen 
u. a. m. und 4 lexicalische Idiotika abgedruckt. Ausschliesslich rohes 
Material (Lieder, Erzählungen u.a.; erschien von Zeit zu Zeit in 3tho- 
rpa<i>HyecKoe Oöosp^Hie und sonst. Es war mir für diesen Aufsatz nicht 
möglich, das in verschiedenen Provinzialausgaben zerstreute dialekto- 
logische Material zu verwerthen, obwohl dann und wann in solchen Publi- 
cationen Werthvolles steckt. Z. B. mir ist nur aus der Recension in der 
»yKnBaa CTapima« (1899, Heft 2) das 1898 in Petrozavodsk erschienene 
Büchlein »KnatcKoe napime BejiHKoryöcKoä oöjracTH« (53 Seiten) be- 
kannt. 

Unter dem Material der mehr oder weniger phonetischen Aufzeich- 
nungen von Liedern, Erzählungen, Legenden u.a. aus dem Bereich 
der südgroäsrussischen Mundarten verdienen die vortreflflichen Mit- 
theilungen V. N. Dobrovol'skij's aus verschiedenen Gegenden der 
Gouvernements Smolensk und Kaluga (in 'JKiiBaB. CxapHHa) hervorge- 
hoben zu werden , sie sind nach demselben Plan und mit derselben 
Sorgfalt ausgeführt, wie sein ausführlicher »Cmoji bhcküI 9THorpa*HyeeKi5 
c6opnHKi«. Diese Mittheilungen beziehen sich auf: I. Die Zigeuner 
von Kiselevka (Gespräche mit ihnen, ihre Erzählungen, 'JK. Cxap. 
Jahrg. 1897, H. I, S. 3 — 36, Kiselevka liegt im Bezirke Smolensk); 
II. Dialectproben aus dem Bezirk Zizdrinsk (im Gouvernement 
Kaluga, Räthsel und Lieder, 3C. Cxap., Jahrg. 1898, H. 3 — 4); IIL Das 
Dorf Tereben (desselben Bezirkes, die Bauernnamen, ib.); IV. Erzäh- 
lungen aus dem Leben der Polechen des Bezirks Zizdrinsk (yK. Cxap. 
1899, Heft I, 4—22, II 151 — 166). Hier ist eine ausführliche Erzäh- 
lung eines Bauernweibes mitgetheilt. Den Text dieser merkwürdigen 
Erzählung verwerthete M. Karaulov in der Abhandlung »FoBop na.i'Sx 
^HBApuHCKaro yi3;i;a« (vgl. unten) und A. Nikol'skij ; V. Tod-, B egräb- 
niss- und Klagelieder (nach den Worten von Bauern aus dem Gouv. 
Kaluga, yK. Cxap. Jahrg. 1900, H. 1—2). — V. J. Öernysov publi- 
cirte in der jK. Cxap. einige Erzählungen , die im Gouv. Kaluga (in 
Mescovsk, Borovsk) von den Bauern selbst niedergeschrieben waren, 
auch einige geistliche Lieder (von ihm im Smolensker und Moskauer 
Gouvernement aufgezeichnet) ^. Cxap. Jahrg. 1900, H. 1 — 2. 



Die grossniss. Dialektologie in den letzten fünf Julncn (1897 — 1901). 95 

In den IIsBicTia der russ. Abtheilung der kaiserl. Akademie für 
das Jahr 1898 (B. III, H. 4) ist das von Prof. E. Th. Biidde im Gouv. 
Tiila gesammelte Material (Gespräche, Volkslieder) erschienen , in ge- 
nauer phonetischer Wiedergabe, und im Jahrg. 1900, H. 3 das von dem 
Referenten aus dem Munde eines Bauernweibes aus dem Gouv. Tambov 
(Bezirk Sack) niedergeschriebene Material (Lieder und Erzählung). 

In dem PyecKiri <I>iuo.ior. E'£ctiihk1) erschienen die von V. Re- 
zanov im Gouv. Kursk (Bezirk Obojan) und von K. Filatov im 
Gouv. Voronez gesammelten Texte iT. $. B. 1897, B. 38, H. 3 — 4; 
1898, B. 40, H. 3—4). 

Der 68. Band des akademischen Sbornik (S.Ptbg. 1901) brachte 
die von V. J. Cernysov in einigen Dörfern des Moskauer Bezirkes auf- 
gezeichneten Lieder und Erzählungen. 

Noch kann man auf eine kleine Sammlung der grossruss. Hoch- 
zeitslieder und Klagelieder aus dem Gouv. Saratov verweisen, die im 
Jahre 1898 von M. E. Sokolov in Saratov gedruckt wurde. Einige 
Lieder sind phonetisch wiedergegeben, der Dialekt ist akavisch. 

Aus dem uordgrossrussischen Dialekte erschienen in denselben 
Publicationen folgende Texte. 

In der aCiiB. Cxap. (1897, Heftl, S. 112—123) Erzählungen, auf- 
gezeichnet von Balasoglo im Gouv. Olonec. — Im P. <I>h.i. B. (B. 40, 
1898, H. 3—4, S. 3ü— 37) : Volkslieder, aufgezeichnet von K. Filatov 
aus dem okavischen Dorf Novyj Kurlak (im Bezirk Bobrovsk, Gouv. 
Voronez) und einige andere, aufgezeichnet von N. Karinskij im Bezirk 
Novgorod des Gouv. Novgorod (an dem Flusslauf Luga und Oredez), 
ib. S. 116, 121 — 124. — In BTnorpa*. Oöospime: 1) Die unter dem 
Namen »Sbiruski« (soheissen kurze vierzeilige Lieder) ') bekannten Lieder 
aus dem Bezirk Cerepovec, Gouv. Novgorod, gesammelt von der Frau 
Kl. M. Gardner (B. 33, 1897, Nr. 2, S. 104—113, phonetisch, der 
Dialect spricht c für t); 2) Die im Gouv. Vologda in der Gemeinde 
Dvinsk des Bezirkes Kadnikov gesammelten kleinen Lieder von Pr. Di- 
laktorskij (ib. B. 40—41, 1899, Nr. 1—2, S. 339—343); 3) Drei 
epische Lieder (Bylinen) im Gouv. Perm, aufgezeichnet von E. N. Kos- 
vincev (der Dialekt verwechselt c und /• : 4) Die grossruss. Hochzeit 
im Gouv. Vologda von Mich. Kuklin, IV. — Im akademischen »Sbornik« 

1) Das Versmass dieser Lieder ist vier- oder sechsfüsslge Jamben oder 
Trochäen. Anderswo heissen diese kleinen Lieder: castuski, pvibautki, ta- 
rantnski u. ä. 



96 N. Durnovo, 

sind erschienen ausführliche Beiträge (Lieder, Räthsel, Erzählungen), 
aufgezeichnet von V. G. Bogoraz in Sibirien (in dem Rayon der Jakuten), 
theilweise phonetisch genau. 

Unter den Einzelausgaben erwähne ich : 

1) Die Bylinen vom Weissen Meere (EijroMopeKia ölijehhii), auf- 
gezeichnet von A. Ma,rkov, Moskau 1901, XUI4- 1 + 618. Diese 
umfangreiche Sammlung enthält 216 Bylinen und einige andere Lieder, 
in sorgfältiger Redaction, mit Bewahrung aller Eigenthümlichkeiten der 
localen Aussprache. Unter den dialektischen Eigenthümlichkeiten ver- 
dient das fricative y statt des gewöhnlichen g der grossruss. Dialekte 
und die stark erweichten Affricaten c und c hervorgehoben zu werden. 

2) Die Neuausgabe des Kirsa Danilov : CöopHmcB KHpmir /l^aHH- 
jiOBa. Publication der Kaiserl. Oeffentlichen Bibliothek unter der Re- 
daction P. N. Scheffer's. S.Ptbg. 1901, 8«, II + XL VI + 284. Be- 
kanntlich ist die Handschrift zu Ende des 18. Jahrhunderts geschrieben. 
Dank der Ungeübtheit des Schreibers in der russischen Orthographie 
treten manche phonetische Züge des Dialektes oder seiner Vorlage 
recht deutlich hervor. Manches weist auf die Entstehung der Hand- 
schrift in Sibirien hin, folglich werden auch einige Züge der Sprache 
in dem localen sibirischen, d. h. nordgrossrussischen Dialekte ihren 
Grund haben. Doch neben dem harten t in der 8. Pers. sing, der Verba, 
neben den Formen tbök, eeÖH, neben eno, öoraTona u. s.w., werden auch 
Charakterzüge des a-Dialektes, die Genitivformen Mene, xeöe, ceöe 
(Vorrede S. XI — XIII) hervorgehoben, was der Herausgeber so deutet: 
»Auch in Sibirien kommen a-Dialekte vor . . . man darf nicht ausser 
Acht lassen, dass bei Demidov auch Schreiber aus der Gegend von 
Tula, wo er bekanntlich seine Fabriken hatte, anwesend sein konnten 
(S. XXV Anm. 2). In dieser Ausgabe sind alle Eigenthümlichkeiten der 
Handschrift aufs sorgfältigste bewahrt und reproducirt. 

Der lexicalische Theil der russischen Dialekte ist in der Abhand- 
lung Sobolevskij's ganz bei Seite gelassen. Die Aufzählung der lexi- 
calischen Hilfsmittel der russ. Sprache bis zum Jahre 1896, gegeben von 
P.K. Simoni in Hsb^ctih 1896, B.I, ist nicht vollständig. Vollständiger 
ist das bei dem 4. Heft des von der russ. Abtheilung der kaiserl. Akademie 
herausgegebenen Wörterbuchs (1896, Vorrede). Seit 1896 erschienen 
dialektisch -lexicalische Beiträge in der ^HBan CrapHna, im PyccKÜl 
<I>Hjio.iorKiecKiH BicTHHKX, in den Il3BicTifl und im CöopiiHKi,, ferner 
in den Beilagen zu einzelnen Publicationen des ethnographischen Ma- 



Die grossruss. Dialektologio in den letzten fünf Jahren (1807—1901). 97 

terials. Grosse Bedeutung für den lexicalischeu Theil der russ. Dialekte 
wird dem von der russ. Abtheilung der kaiserl. Akademie herausge- 
gebenen Wörterbuch zukommen. Nach dem Plan der gegenwärtigen 
Herausgeber des Werkes soll es ein vergleichendes Wörterbuch des 
ganzen grossrussischen Dialektes darstellen, in dasselbe werden nicht 
nur die Wörter der Literatursprache, sondern auch alle in irgend einem 
grossrussischen Dialekte nachweisbaren Ausdrficke aufgenommen, mit 
Angabe ihrer Verbreitung im allgemeinen oder in einer bestimmten 
Bedeutung. Leider trägt das Wörterbuch diesen Charakter erst vom 
IL Band, d. h. vom Buchstaben E an, während der Herausgeber des 
I. Bandes sich ausschliesslich auf den Wortvorrath der Literatur- 
sprache beschränkt hatte. Bei der Grösse der Aufgabe ist der Abschluss 
des Werkes in weite Ferne gerückt. Seit 1897 erscheint jedes Jahr ein 
Heft, jetzt ist man bei dem Buchstaben 3. 

Als mundartliche Idiotika seit dem J. 1897 kenne ich folgende 
Publicationen: Das Wörterbuch des Dialektes von Olonec (CjOBapt 
oöjiacTHoro OjiOHeii,Karo napigia bx ero ötiTOBOM'L h 3THorpa*H- 
^lecKOMT. npHM'feHeHiH, coöpajn. na MtcT'& 11 cocTaeHJix V. II. KyjiHKOB- 
CKiii. CIIö. 1898). Dieses von der II. Abtheilung der kais. Akademie 
der Wiss. herausgegebene Wörterbuch Kulikovskij's übertrifft an 
Umfang das bekannte Wörterbuch des Dialektes von Archangelsk von 
Podvysockij. — In dem 3TiiO't>pa*HqecKoe 06o3piHie vom Jahre 1899, 
Buch 40 — 41, Nr. 1 — 2 gab derselbe Verfasser noch Nachräge zu sei- 
nem Werke (etwa 120 Wörter). — In der Zeitschrift »^HBaa CTapnHa« 
erschienen mehrere kleine Idiotika, und zwar fürs Südgrossrussische 

1 . Eine Zusammenstellung von Idiotismen aus dem Rjazaner Gonv. von 
Dittel, ungefähr 900 Wörter (einige phonetisch niedergeschrieben), in 
K. Cxap. VIII, Heft 2, 1898. Dieses Idiotikon wurde im J. 1860 ge- 
sammelt, leider ist die Provenienz einzelner Wörter nicht genau ange- 
geben, neben dem reinen südgrossruss Gebiete wurden auch einzelne 
in dialektolog. Beziehung gemischte Kreise des dialektisch bunten Rja- 
zaner Gouvernements herbeigezogen. Fürs Nordgrossrussische: 

2. Als Beilage zur Abhandlung Pokrovskij's: Ueber die Volksdialekte 
des nordwestl. Theils des Gouv. Kostroma {'M. Cxap. 1898^ Jahrg. VII, 
Heft 3 — 4) — etwa 200 Wörter. 3. Lexikographisches Material aus 
den Novgoroder Mundarten von M. K. Gerasimov (MaxepiajiLi jibkch- 
Korpa*HTiecKie no HoBropoACKHMt roBopaMi. M. K. TepacHMOBa) , etwa 
230 Wörter und 121 Namen ans Cerepovec: und von N. Kedrov 

Archiv für »lavische Philologie. XXVII. 7 



98 N. Durnovo, 

Wörter ausLadoga (CjiOBa ja^oatCKia), ungefähr 273 Wörter (yK. Cxap. 
1878, Jahrg. VIII, Heft 3 — 4). Beide Sammler berücksichtigten haupt- 
sächlich den in der Literatursprache ungebräuchlichen Wortvorrath. 
4. P. K. Simoni gab in H. Crap. 1898, Jahrg. Vm, Heft 3—4, zwei 
alte dialektologische Wörterbücher des XVIII. Jahrh. heraus, Wörter 
aus der Gegend von Gross-Ustjug und Vjatka. 5. V. Sevljakov 
gab eine Anzahl von Wörtern des localen Gebrauches der Stadt Tot'ma 
(Gouv. Vologda, gesammelt im Jahre 1859, im Ganzen nur 19 Wörter, 
:aC.CTap. 1899, Jahrg. IX, Heft 1). 6. Als Beilage zur Abhandlung 
über den Dialekt des Kreises Cuchloma des Gouv. Kostroma erschien ein 
Beitrag von etwa 100 Wörtern von Th. Pokrovskij. 7. A. Balov 
sammelte aus dem Dialekt des Ljubimer Kreises (Gouv. Jaroslavl') etwas 
über 100 Wörter in ^K. Cxap. 1900, Jahrg. X, Heft 1—2. 8. A. Fo- 
min (A. 9omhhi) gab eine ältere Sammlung (vom Jahre 1787) heraus: 
Pocnnet ojiob'b h piqsHiä h31> ocTaxKOB'B ApeBHiiro pocciäcKaro nsuKa 

BT. /^BHHCKofi CTpaH^ COÖpaHHfclX'L H HO HWH'imHeMy OÖpaSOBanilG HST.- 

HCHBHHHxx— nur 36 Wörter (^K.Cxap. 1900, Jahrh. X, Heft 3). 9. Als 
Beilage zur Abhandlung D. Z elenin 's: lieber die dialekt. Eigenthüm- 
lichkeiten der Bauern des südöstl. Theiles des Gouv. Vjatka {'JK. Cxap. 
1901, Jahrg. XI, Heft l) erschien auch ein Wörterbuch, umfassend ca. 
500 Wörter. — In dem Warschauer PyccKiil ^mtojrorH^iecKin B'Scthhk'l 
ist lexikalisches Material bei folgenden dialektologischen Abhandlungen 
enthalten: 1) RSzanov, Zur Dialektologie der grossrussischen Mund- 
arten: die Eigenthümlichkeiten der Volkssprache im Kreise Obojan, 
Gouv. Kursk (südgrossrussisch, B. 38, Jahrg. 1897, Nr. 3 — 4). 2) Pro- 
vinzialismen des Distriktes Mozdok des Kozakengebietes von Terek, ge- 
sammelt von M. Karaulov (B.44, Jahrg. 1900, Nr. 3— 4, S. 86— 114), 
etwa 500 Wörter (südgrossruss.). 3) In der Abhandlung Karinskij's: 
Ueber einige Dialekteigenthümlichkeiten im Flussgebiet Luga-Oredez, 
Gouv. Novgorod (B. 40, Jahrg. 1898, Nr. 3—4), ca. 200 Wörter und 
darüber. 4) P. Sein gab zu dem Bande der Erzählungen und Ueber- 
lieferungen des Samara- Gebietes, gesammelt und verzeichnet von Sadov- 
nikov, ein Wörterbuch von mehr als 400 Wörtern (B. 41, Jahrg. 1899, 
Nr. 1 — 2, S. 47 — 70). — In den »HsB^cTiii OTA^jeniH pyccKaro HSLiKa 
H cjOBecHOCTH« erschion : 1) Von S. K. Bulic Material zum russischen 
Wörterbuch (B. I, 1896, Heft 2, S. 294 — 334), 2) von Prof. E. Th. 
Budde Wörter, gesammelt im Gouv. Tula und Kaluga (als Beilage zur 
dialektologischen Abhandlung desselben Verfassers, B. III, 1898, H. 3, 



Die grossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897—1901). 99 

S. 846 — 898), ungefähr 690 Wörter, mit genauer Angabe des Ortes und 
der ganzen Phrase. 

Viel lexikalisches Material enthält der 68. Band des akademischen 
CßopmiKt, StPtbg. 1901. Man findet hier zwei südgrossrussische Wör- 
terbticher, und zwar 1) in der Abhandlung V. Th. Solovjov's: Oco- 
öeHHOCTH roBopa AOHCKHXt KaaaKOB'B (als Nr. 2), 451 Wörter, und 2) in 
der Abhandlung A. I. Sacharov's : Hsmk^ kpbctbhh'b II.!Ilhhckoh bo- 
jiocTH EcixoBCKaro yis^a, Op.iioBCKOH ryöepHin (als Nr. 5), ca. 1000 
Wörter. Ferner 3) Wörter, gesammelt von V. I. Öernysov im Kreise 
von Moskau ,;als Nr. 3), ca. 1000 Wörter (der Dialekt stellt den ge- 
mischten Typus, abweichend von dem reinen südgrossrussischen, dar), 
endlich 4) ein nordgrossrussisches Wörterbuch, gesammelt von V. G. 
Bogoraz in Kolym: OÖJiacTHoä cüOBapt KojitmcKaro pyecKaro Hapi&- 
^ia (als Nr. 4) mit mehr als 2000 Wörtern. 

Der Ausgabe A. Marko v's » Bi.ioMopcKia ötMHHLi« ist ein Wörter- 
buch der Idiotismen und Archaismen aus den vorliegenden Bylinen bei- 
gefügt. Ebenso ist der Neuausgabe des Kirsa Danilov ein Wörterbuch 
der darin vorkommenden Idiotismen (ca. 460 Wörter) beigelegt. Auch 
jedem Bande von A. I. Sobolevskij, BejiHKopyceKifl Hapo;iHtiK h'^chh 
Bd.I — VI, StPtbg. 1895 — 1900) folgen Indices der Idiotismen u.a. nach. 

Ein Mangel vieler der genannten Wörterbücher ist, dass sie meist nur 
Wörter bieten, die bei V. I. Dal' (To.ikobhh cjroBapL acHBoro BeiHKopycc. 
asLiKa) nicht verzeichnet sind oder die dem Sammler auffallend vor- 
kamen. Zweck solcher Wörterbücher ist nicht, den Interessen der 
Dialektologie zu dienen, sondern den schon gesammelten Wortvorrath 
zu vervollständigen , weshalb es auch auf Grund derselben schwer ist, 
über den lexicalischen Bestand irgend einer Mundart oder über die Ver- 
breitung der gewöhnlichsten Wörter, wie z.B. nsöa und xaTa, aomx und 
;tBopi, U.S.W, zu urtheilen. 

Ich gehe nun zu den der Beschreibung einzelner Mundarten ge- 
widmeten Forschungen über. Da ich bei meiner Uebersicht Sobolev- 
skij's OntiTt pyccKOH Aia-ieKXOjioriH zum Ausgangspunkte nehme, so 
will ich ihn vorerst charakterisiren. Hier ist auf lOS SS. in 8" nach 
Möglichkeit alles gesammelt, was von den gross- und Weissrussischen 
Dialekten in der russ. wissenschaftlichen Literatur bis 1897 bekannt 
war. Gruppirt wird das Material folgendermassen : I. Grossruss. Dialekt 
mit A. dem Stidgrossruss. oder Akavischen und B. dem Nordgrossruss. 
oder Okavischen, wobei noch beim letzteren die Untermundarten 1. das 

7* 



100 N. Durnovo, 

Nicht-Cokavische und 2. das Cokavische unterschieden werden; II. Das 
Weissrussische mit seinen 1. eokavischen und 2. nicht-eokavischen 
Mundarten. Die Vorführung des Materials bei einer jeden Gruppe ge- 
schiebt nach den Gouvernements und den Bezirken. Das Ziel des Buches 
war nach den Worten des Verfassers, »die hauptsächlichsten Eigenheiten 
der russischen Mundarten in Lauten und Formen auf Grund von fast 
ausschliesslich gedrucktem Material zu zeigen« (S. 3), daher auch nur 
das meist Charakteristische und das Auflassen alles Uebrigen in seinem 
Buche. Accent und Lexicon der einzelnen Mundarten werden nicht be- 
rücksichtigt. Phonetische Feinheiten, die sich durch das gewöhnliche 
Alphabet schwer wiedergeben Hessen, werden ausser Acht gelassen. 
Nach Möglichkeit werden folgende Züge in jedem Dialekte festgestellt: 
der Grad des a- oder o-Sprechens; die Diphthongirung; 'e für '«; u für v 
[v und 10 werden nicht unterschieden) und f. 7; // (d. i. y] und g; das 
ÄSBKaHLe. iioKaHbe und ii,0KaHLe (das dz-^ c- und c-sprechen);yfür chv 
und umgekehrt; A' f. k und /für Jc\ die Aussprache der Zischlaute; die 
Intonation der Rede; beiden Formen: die Vermischung der Declinationen 
und Casus; die Endung des gen. sing, der Adjectiva und Pronomina; die 
Formen der persönlichen Fürwörter; die Endung der 3. Person bei den 
Verben; die zusammengezogenen Formen der Adjectiva und Verba; die 
Endungen der Verbareflexiva; von den syntaktischen Eigenthümlichkeiten 
nur der Gebrauch des Artikels und die Vermischung der Genera. Hie und 
da werden auch einige andere Züge angemerkt, wenn sie die Quellen 
boten uud sie für die Mundart charakteristisch sind. In dieser Weise 
ist Sobolevskij's Buch für die Wissenschaft sehr nützlich: es zeigt, was 
für diese oder jene Mundart bereits gethan worden ist, und es gibt so- 
zusagen eine dialektologische Karte von Gross- und Weissrussland, in- 
dem es zwar kein vollständiges, jedoch immerhin annäherndes Bild von 
der Verbreitung der wichtigsten dialektologischen Merkmale bietet. Das 
Buch ist demnach auch ein Wegweiser, was zu thun noch aussteht. So 
sehen wir z. B. daraus, dass im Jahre 1S97 das Südgrossrussische viel 
weniger erforscht war, als das Nordgross- und Weissrussische : ausser 
den Abschnitten über die Mundarten der Gouv. Rjazan und Kursk ist 
alles Uebrige über die südgrossruss. Dialekte im OnLixi. fragmentarisch 
und lückenhaft. 

Der Behandlung der einzelnen Mundarten eines jeden Haupt- und 
Nebendialektes geht eine allgemeine Ciiarakteristik der letztern voran. 
So steht anfangs die Charakteristik der Moskauer Literatursprache, 



Die grossruBS. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897 — 1901). IQl 

welche »massig akavisch« genannt wird; dann folgt die Charakteristik 
der südgrossruss. »stark akavischen« Mundarten; ebenso wird das 
Nordgrossrussische im Vergleiche zum Moskauischen und Südgross- 
russischen, schliesslich das Weissrussische charakterisirt. Dies Letztere 
ist nach Sobolevskij »nichts anderes als ein dritter, westlicher oder 
akavisch- dzekavischer Nebendialekt des Grossrussischen, und zwar 
am nächsten den südgrossruss. stark akavischen Mundarten«. Als ein 
Verdienst muss man dem Verfasser anrechnen, dass er die Moskauer 
Sprache getrennt von den übrigen südgrossruss. Mundarten behandelt, 
mögen auch spätere Forschungen über die Mundarten des Moskauer 
Gouvernements, wie mir scheint, klar gelegt haben, dass das Charakte- 
risiren der südgrossruss. Mundarten als »stark akavisch« zum Unter- 
schiede vom Moskauischen nicht ganz genau ist. Im nördlichen Theile 
des Moskauer Gouvera. kennen wir Mundarten, die mit ihren lautlichen, 
formalen und lexicalen Eigenthümlichkeiten der Moskauer Literatur- 
sprache sehr nahe stehen, dabei jedoch nicht massig, vielmehr stark 
akavisch sind. Der Art sind die Mundarten, die von mir theils be- 
schrieben, theils erwähnt werden im » Onncaiiie rosopa AepenHH IIap*e- 
HOKT. PyscKaro yis^a«, ebenso auch die Mundarten, die V. J. Cernysov 
in »Cßi^iiHiii HapoÄnLixi> roBopaxi> iiiKOToptixt cejreHiä MocKOBCKaro 
yi3;i;a« vorführt. Anderseits gibt es südgrossruss. Mundarten mit dem 
A-sprechen Moskaus, obwohl sie sich sonst vom Moskauischen eben 
durch ihre südgrossruss. Züge unterscheiden, wie z. B. y für das Mos- 
kauer g, f in der Endung der dritten Person der Verba für Moskauer t 
(hart), gen.-acc. mene, telJe f. Mosk. ihenä^ t'ehä: schliesslich ist auch 
ihr Lexicon der des Südens (cKopo^HTt, ^eKa, xaxa u. s. w.). Solche 
Mundarten werden »MimaHCKie« genannt. Jedoch wenn man auch das 
massige A-sprechen der sog. Bürgermundarten durch den Einfluss der 
Literatursprache erklärt, so trifft die Charakteristik jener Mundarten 
als stark akavisch er nicht zu, wo neben cadü^ Üarü, vad'i, niisi u. s. w. 
vydä, bidä, nisei^ vilat' vorkommt. Uebrigens werden Mundarten 
dieses Typus in der allgemeinen Charakteristik der südgrossruss. stark- 
akavischen Mundarten in Sobolevskij's OnLiTt gar nicht berücksichtigt, 
obwohl sie dem Verfasser bekannt waren. So werden allen südgrossruss. 
einige für den südgrossruss. Dialekt nicht besonders charakteristische 
Züge zugeschrieben, z. B. die harte Aussprache der Endlabiale und der 
Doppelzischlante in, [ss] und zz (ich kenne südgrossruss. Mundarten mit 
weicher Aussprache aller Zischlaute; anderseits ist hartes ss, zz, auch 



102 N. Durnovo, 

den nördlichen Mundarten gut bekannt), weiches h nach weichen Con- 
sonanten (was sporadisch sowohl in südlichen als auch in nördlichen 
Mundarten vorkommt), nichtorganisches j vor u (es taucht in südl. und 
in nördl. Mundarten beim Singen auf, doch nirgends beständig; ob es 
auch in der Umgangssprache erscheint, dafür gibt es kein glaubwürdiges 
Zeugniss). Nicht ganz genau ist auch, dass »r vor Vocalen oft oder 
sogar regelmässig als li ausgesprochen wird«. Richtig ist nur das 
letztere: jene Mundarten, wo mau g hört, sind gemischte. Zu den von 
Sobolevskij aufgezählten Eigenthümlichkeiten des südgrossruss. Dia- 
lektes könnte man noch hinzufügen : ein häufigeres (als im Nordgross- 
russischen) Mischen der Conjugationen mit dem Präsensthema auf -e 
und -i, wenn die Endungen unbetont bleiben (z. B. liiha^ luhüt') ; accus, 
sing. fem. der Adjectiva auf ~aju (ohne Betonung) oder -üj'a u. a. ; im 
Lexicon : cKop6;i;HTB, ^e^Ka, Kopen;'i), xaxa, poraqt u. a. statt nordgross- 
russ. öopoHOBaTfc, KBamiia, KOBmt, nsöa, yxBaTt u. a. ^). 

Ich verweilte bei diesem Theile von Sobolevskij 's Oiilit'b deshalb 
etwas mehr, weil der Charakter des Nordgrossruss. uud Weissruss. im 
Jahre 1897 besser festgesetzt werden konnte, als der Charakter des 
Südgrossruss. ; aber auch deshalb , weil das dialektologische Material, 
das seit 1897 veröffentlicht wurde, am meisten unsere Kenntnisse über 
das Südgrossrussische bereichert hat. Dazu gehören die Arbeiten von 
A. A. Sachmatov, E. Th. Budde, V. J. Cernysev, K. Filatov, Rezanov, 
Karaulov, Kalmykov, A. A. Nikol'skij, V. N. Dobrovol'skij. 

Eine besonders gute Berücksichtigung fanden in letzterer Zeit die 
Mundarten des Gouv. Kaluga und des benachbarten Theiles des Gouv. 
Smolensk. Der unermüdliche Ethnograph V. N. Dobrovol'skij sammelte 
hier ein überaus grosses Material von Liedern, Märchen, Legenden, Er- 
zählungen aus dem Bauerleben u. a. Der Sammler bemühte sich, die 
locale Aussprache wiederzugeben , ohne dabei zu einer complicirteren 
Transscription der Laute Zuflucht zu nehmen. Die Aufzeichnungen aus 
dem Gouv. Smolensk sind in der umfangreichen Ausgabe »CMOjreHCKiii 
BTHorpa^HgecKiä cöophrnct«, theilweise auch in der yRnBan CTapnHa 
abgedruckt, wo auch das Material aus dem Gouv. Kaluga zur Veröffent- 
lichung gelangte. Das werthvolle dialektologische Material in den Aus- 
gaben V. N. Dobrovol'skij 's lenkte, abgesehen von Sobolevskij's Ontixt, 



1) Anzeigen von Sobolevskij's Onbiii. pyccKofi ÄiajreKiojioriH s. von Sach- 
matov !i. Karskij in den HsBicTia 1897, II, S. 1157 — 64. 



Die groBsruss. Dialektologie iu den letzten fünf Jahren (1897 — 1901). 103 

die Aufmerksamkeit noch anderer Gelehrten auf sich. So legte Akad. 
Sachmatov die Aufzeichnungen aus El'na im Gouv. Smolensk einer 
phonetischen Studie zu Grunde (die erste Hälfte von »SByKOBtifl oeo- 

ÖeHlIOCTH EjIbHHHCKHXI. H MoCaJtBCKHXl. rOBOpOBt im PyCC. $HJI0.1. 

BicTHHK'B 1896, Nr. 3 — 4. S. 66 — 99). Er unterzog die genannten 
Aufzeichnungen derselben kritischen Analyse, wie eine alte Handschrift, 
d. i. trachtete zuvörderst zu bestimmen, worin sich der Einfluss der üb- 
lichen Orthographie und die Unkenntniss, diesen oder jenen Laut wieder- 
zugeben, zeigt. Die Eigenthümlichkeiten der Mundart des Bezirkes von 
El'na gestatten nach der Ansicht Sachmatov's nicht, sie der weissr. dia- 
lektolog. Gruppe zuzuzählen ; nach den lautlichen Zügen gehört diese 
Mundart zusammen mit den benachbarten Mundarten des Gouv. Kaluga 
zum Südgrossrussischen. Im zweiten Theile der Abhandlung (Pyc. $Hjr. 
BicT. 1897, Nr. 3 — 4) stellt Sachmatov die Lautlehre der Mundarten 
des Kreises Mosal'sk im Gouv. Kaluga dar (er grenzt an den von El'na 
an) und zwar auf Grund eigener Beobachtungen. Da er die Geschichte 
der einzelnen lautlichen Erscheinungen vorführt, so konnte nur ein ge- 
ringer Theil der Lautlehre der Mundarten von Mosalsk zu Worte 
kommen: über unbetontes und betontes a, o, e; über «/, e, «", die o, e 
anderer Mundarten entsprechen; über die reducirten und nicht redu- 
cirten y, ^<, i. Die Mundarten von Mosal'sk und El'na gehören danach 
zu den südgrossruss. , wobei einige ihrer Züge auch an die weissruss. 
erinnern. 

Prof. Budde konnte im Jahre 1897 auf seiner Reise im Gouv. Tula 
zufälligerweise auch von ein Paar Frauen die Mundart des Kreises 

V 

Zizdra im Gouv. Kaluga kennen lernen (cf. n^feKOToptixt napo^Htixt 
roBopaxt Wh TyjiLCKoil ii KajiyaccKOH ryöepHiaxi) in den HsBicxia 
OTA. pyc. 33. H CJIOB. HAH. 1S98, Heft 3, S. 842—845). Die Mund- 
arten desselben Kreises behandelt M. Karaulov (FoBop na^iix /Kns/ipHH- 
CKaro yi&3;i;a Ka.ziyjKCKon ryö. im Pycc. <S>hji. B'i&CT. 1900, Nr. 1 — 2, 
S. 218 — 230). Die Quelle für ihn bildeten ausschliesslich die Aufzeich- 
nungen V. N. Dobrovol'skij's. Schliesslich ist die umfassende Arbeit 
A. Nikol'skij's (Hapo;i,Hfcie roBopti yRasApHncKaro yis^a KajryatcKoä 
ryö. im Pycc. $11.10.1. BicT. 1901, Nr. 1—2, S. 269—277 und Nr. 3 
bis 4, S. 235 — 249; Fortsetzung folgt) zu nennen. Zu Grunde liegen 
eigene Beobachtungen (es werden über 30 Dörfer aufgezählt), aber auch 
das Material Dobrovol'skij's und Budde's. Bisher erschien erst die 
Vocallehre. Das Material ist reichha:ltig. Die Darstellung systematisch. 



104 N. Durnovo, 

nicht selten werden wissenschaftliche Erklärungen verschiedener mund- 
artlicher Erscheinungen gegeben und Vergleiche mit andern Mundarten 
angestellt. 

Die Arbeiten M. Karaulov's und besonders A. Nikol'skij's sind sehr 
wichtig, einerseits weil man bisher über die Mundarten des Kreises von 
Zizdra fast nichts gekannt hatte, anderseits weil sich diese Mundarten, 
wie überhaupt das ganze Volksleben dortselbst, durch grosse Alter- 
thümlichkeit auszeichnen, dabei aber auch viele eigenthümliche Züge 
aufweisen, die vielleicht durch die Nachbarschaft der nördlichen Klein- 
russen und der Weissrussen hervorgerufen worden sind. Unter diesen 
letzteren Zügen ist besonders charakteristisch der Mangel der voll- 
ständigen Erweichung der Consonanten vor e (nach der Ansicht Budde's 
und A. Nikol'skij's ein kleinrussischer Zug). Die gleiche Aussprache 
bemerkte Budde auch im Gouv. Tula, ich selbst kenne es aus dem 
Kaluger Kreise im Gouv. Kaluga und aus dem Kreise Skopin im Gouv. 
Rjazan. Das Akanje der Mundarten von Zizdra gleicht dem von Kal- 
mykov für das Don'sche Gebiet (/l,0HCKaÄ oöJiacTt; s. unten) und dem 
im 3THorpa*HqecKiH CöopHHK'L Bd. V für den Kreis von Obojan im 
Gouv. Kursk beschriebenen. 

üeber die Mundart der Stadt Mescovsk im Gouv. Kaluga veröffent- 
lichte ausführliche Angaben V. J. Cernysov in zwei Aufsätzen (CBiAinifl 
Meni,0BCK0MT, roBopi, IIsBicTia II ota. 1898, kh. 3 und ^ono.iHeHia 
Kl. CBiA^HiHMi, roBopi V. MemoBCKa, CdopHnKT, II OTA. Bd. 68, Nr. 6, 
36 S. CII6. 1900). Nach ihren lautlichen Eigenthümlichkeiten stimmt 
die Mundart von Mescovsk mit den übrigen Mundarten des Gouv. Kaluga 
überein, die nicht dem Typus von Mosal'sk oder Zizdra angehören. 
Durch die Aussprache des u anstatt v oder lo nähert sich die Mundart 
von Mescovsk einer ganzen Reihe südgrossrussischer Dialekte (wie die 
Mundarten des Orlover, eines Theiles des Tuler und Rjazaner, Voro- 
nezer u. a. Gouvv.). Zu bemerken ist auch eine ziemlich geschlossene 
Aussprache des a vor dem Tone und die Laute y und e vor i in einigen 
Declinationsformen der Adjectiva und Pronomina, was, wie es scheint, 
fast dem ganzen Gouv. Kaluga zukommt. 

Ueber die Mundarten des Tuler und theilweise Kaluger Gouv. 
(der Kreis von Lichvin) brachte neue und werthvoUe Nachrichten die 
schon erwähnte Reise Prof. Budde's. Darüber handeln zwei Aufsätze 
in den IIsBicTia II ot^. (0 H'iKOTopBixT& HapoAHBixT& roBopax'B bt. Ty.ib- 
CKOH H KajryatcKOH ryöepmax^B, Hsb. 1898, kh. 3, S. 823 — 904 und 



Die grossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897—1901). 1 05 

HapoÄHMxt roBopax'L bt. TyjiLCKoii ryÖepiuH. ib. kh. 4, S. 1273 — 
1330). Prof. Budde bietet keine ausführliche Beschreibung der Mund- 
arten, die er kennen gelernt hatte, weil er dazu zu wenig Material be- 
sass, doch er gibt ihre charakteristischen Züge an und stellt auf Grund 
dessen drei Hauptgruppen der Tuler Mundarten auf: 1) die Mundarten 
des Typus von Zizdra (s. oben); 2) die Mundarten des üblichen süd- 
grossruss. Typus mit starkem Akavismus und 3) die Mundarten des 
Moskauer Typus mit massigem Akavismus und anderen Moskauischen 
Zügen. Seine Thesen illustrirt Budde am Material: Liedern und Bruch- 
stücken von Gesprächen. Diese Aufzeichnungen sind streng phonetisch 
durchgeführt, obwohl hie und da darin auch Fehler und Ungenauig- 
keiten vorkommen, die bei der Eile, mit der die Aufzeichnungen ge- 
macht wurden, begreiflich sind. 

Sehr ins Detail geht die Arbeit eines jungen Warschauer Gelehrten 
Kosmas Filatov (OiepKX Hapo^Htixi. roBopost BopoHeatcKoii ryöepHiH, 
Pyce. $HJioj. BicTHHKi> 189 7 und 1898). Gleich Budde erforscht hier 
der Autor die Mundarten eines ganzen Gouv., mit denen er sich im Jahre 
1896während einer Bereisung des Gouv.bekannt gemacht hatte. Ausser- 
dem nahm er alles bis dahin gedruckte dialektologische Material aus 
dem Gouv. Voronez durch. Die Grundlage der Untersuchung bilden 
K. Filatov's eigene Beobachtungen. Danach stossen im Voronezer Gouv. 
Mundarten verschiedener russischer Dialekte zusammen: den grösseren 
Theil des Gouv. nehmen die südgrossruss. Mundarten, sodann nord- 
grossruss. und kleinruss. ein. Die südgrossruss. theilt er in 3 Gruppen: 
1) die stark akaisirende Mundart der Bauern, 2) die massig akaisirende 
der Kleinbürger und 3) die cokavische. Indem er nun die übrigen Mund- 
arten in allgemeinen Zügen charakterisirt, beschreibt er sehr ausführ- 
lich die stark akaisirende Bauernmundart ^). 

lieber die übrigen südgrossruss. Mundarten haben wir seit 1897 
keine so ausreichenden Nachrichten. Ueber eine Mundart des Orlover 
Gouv. spricht A. J. Sacharov (HsbikI) KpecxtflH'B IIjilhhckoh bo.iocth 
BojxoBCKaro yia^a OpjiOBCKoil ryöepHin, CII6. 1900, 48 S. im Cöop- 
iiHKt OTA. Bd. 68, Nr. 5). Den grösseren Theil der Abhandlung nimmt 
ein ziemlich umfangreiches Lexicon ein ; was die eigentliche Beschrei- 
bung anbelangt, so ist sie sehr unvollständig und gibt keine klare Vor- 

*) Eine Anzeige über Filatov's Untersuchung a. von A. Sobolevskij im 
3THorp. 06o3p. 1898, Nr. 4. A. Sachmatov nennt sie »npenpacHoe iiscjiiÄOBaHie 
(Oxiert npiicyacft. JIomohoc. npeiaiH b 1899 r.). 



106 N. Durnovo. 

Stellung von dem Charakter der Mundart. Es wird nicht einmal gesagt, 
ob dies eine akaisirende Mundart ist und was für einem Typus sie an- 
gehört, wie die Formen für die dritte Person praes. und g {y oder g) aus- 
gesprochen wird. Betreffs des Akavismus könnte man noch vermuthen, 
nach den Wörtern mit A, obwohl die Bezeichnung bei Sacharov im all- 
gemeinen unphonetisch ist, ausserdem nach Beispielen wie pamoTKa, 
pmuexo; die übrigen Eigenthümlichkeiten lassen sich einigermassen 
voraussetzen 1) auf Grund der geographischen Lage der Mundart, 2) des 
Akavismus, 3) der bei Sacharov angemerkten Aussprache des u anstatt 
V und umgekehrt, der Prothese des w vor u und o, 4) einzelner Wörter, 
wie KymHHx, poMHtiH, 0TKLi;i0Ba, TbBiTi.. Man kann dafürhalten, dass 
die Mundart mit anderen im Gouv. Orel übereinstimmt, was auch aus 
dem Lexicon ersichtlich ist. 

Eine sehr gute Beschreibung einer Mundart des Gouv, Kursk 
lieferte V. Rezanov (Kt ^iajieKTOjioriH BeJHKopyce. napi^ä. OcoöeHHOcxH 
a^HBoro Hapo;i;Haro roBopa OöoaHCKaro y. KypcKoä ryö., Pyce. $h.io.i. 
BicTHHKi, 1897, Nr. 3—4). 

Weiter ist da zu erwähnen ein kleiner Beitrag des Verfassers 
(SaMixKa roBopi UlanKaro y. TaMÖoBCKoä ryö. , IIsBicxia 11 ot;i,. 
1900, KH. 3, S. 921 — 955). Obwohl die behandelte Mundart eine 
Mischmundart ist (nördl. Züge sind die sog. lispelnde Aussprache der 
Sibilanten und Zischlaute, g anstatt des südgrossruss. ;' u.s. w.), dennoch 
überwiegen die südgrossruss. Züge (darunter auch im Lexicon). Im 
OntiTt Sobolevskij's waren die Angaben über die Mundarten des Gouv. 
Tambov äusserst dürftig. Das vom Autor aufgezeichnete Material be- 
stätigte die Vermuthungen B. Ljapunov's ^s. ^HBaa CxapHHa 1S94). 

lieber die Mundarten des Don'schen Gebietes bietet der Ontixt 
einige Angaben hauptsächlich in den Zusätzen. Nach dem Jahre 1897 
handelten über diese Mundarten zwei Aufsätze: 1) M. Kalmykov, 
/[^OHCKaa oöitacxb, nepBLiii ^ohckoh OKpyrx., lopx'i. KoqexoBCKoä Cxa- 
HHi^ti (IIsBicxia II ox;i;. 1898, kh. 3, npuJioa:. S. 109 — 129) und 
2) V. Th. Solovjov, OcoöeHHOCXH roBopa aohckhx'l KaaaKOB^, CII6. 
1900, 521 S., CöopHHKX II orji. Bd. 68, Nr. 2). Die von M. Kalmykov 
beschriebene Mundart stimmt sehr überein, wenn sie nicht identisch ist 
mit der südgrossruss. Mundart der TynAopoBCKaa cxaHHii,a, worüber bei 
Sobolevskij im Ontixt S. 102 gesprochen wird. Danach würde sie zu 
dem am meisten verbreiteten Typus südgrossruss. Mundarten gehören. 
Jedoch der fein beobachtende M. Kalmykov merkt noch einige weitere 



Die grossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897 — 1901). 107 

Züge an, die im Ohlitx 1. c. nicht erwähnt werden. So wird unbetontes 
'rt vor dem Tone nur vor der Silbe mit betontem u oder / (und y?) ge- 
hört, hingegen hört man vor der Silbe mit den übrigen betonten Vocalen 
nach einem weichen unsonantischen Laute nur /. Ein solcher Akavis- 
muä erinnert an den von Zizdra und Obojan (s. oben). Ausser dem 
Akavismus findet man y und e aus altem y vor { u. a. 

Die Beschreibung V.Th.Solovjov's ist bei weitem nicht so ausführ- 
lich und genau, dafür umfasst sie aber den ganzen Don'schen Kreis 
(oKpyri,), wobei der Verfasser 3 Hauptmundarten unterscheidet: 1) eine 
obere (BepxoBtiä ronopTb), 2) niedere (hhsoblih) und 3) cerkassische 
(yepKaccKiS). 

Die Eigenthümlichkeiten der oberen Mundart sind: ein starker 
Akavismus, ein hartes ss, die Erweichung des k nach weichem un- 
sonantischem Laute [tnalacK-ä u. s. w. , das Gerundium auf -msi u. a. ; 
die Eigenthümlichkeiten der niederen Mundart sind ausser dem Akavis- 
mus: u anstatt r, und umgekehrt, Formen der ersten Person praes. 
chadii, nam, pram u.s. w. und einige Kleinrussismen; die cerkassische 
Mundart stimmt mit der vorhergehenden niederen überein, zeichnet sich 
aber durch die Aussprache der Sibilanten anstatt der Zischlaute aus. 

Das Ter'sche Gebiet am Kaukasus ist die südlichste Gegend, die 
vom südgrossruss. Stamme besiedelt ist. Mit einer Mundart dieses Ge- 
bietes beschäftigt sich M. Karaulov (s. oben: roBopi. cTaHHii;'i> ötiBmaro 
Mo3;i;oKCKaro nojKa TepcKaro KasaibHro BOHCKa, Pyec. ^hjoji. BicximKi. 
1900, Nr. 3—4, S. 66—115; S. 86—115 bieten das Lexicon). Der 
Aufsatz ist schon deshalb interessant, weil aus dieser Gegend im OnLiTi. 
fast nichts verzeichnet ist. Nach ihren Eigenthümlichkeiten gehört 
die von Karaulov beschriebene Mundart zu dem am weitesten ver- 
breiteten Typus südgrossruss. Mundarten (sie gleicht der zweiten Gruppe 
der Tuler Mundarten). 

Die nördlichsten Mundarten des südgrossruss. Dialektes sind die 
südgrossruss, Mundarten des Gouv. Pskov. Auf sie beziehen sich in den 
MaxepiaJLi A-^a Hsy^ema seJiHKopycc. ronopoBt , in den IIsBicxia 
U ot;i,. : 1) E. A. Artenijev, FoBopi. ^epeBHH Ey^aeBO IIcKOBCKon ryö. 
OcxpoBCKaro y. Cohhhckoh bojiocxh (HsBiexiÄ 1898, kh. 1, Nr. 33, 
S. 1 — 6); 2) J. Zamotin, FoBopt cejia AjxyH'B IIckobckoS ryö. Hobo- 
paieBCKaro y. (ib. Nr. 3 9, S. 43 — 45) ; F. Beljavskij, üoroexi. JTyKHHO 
IIcKOBCKOH ryö. Be.iHKO.iyi];Karo y. (IIsb. 1899, kh. 1, Nr. 45, S. 8 — 17). 
Da diese Mundarten stark akavisch sind und in der dritten Person sinsr. 



108 N. DurnoTO, 

und plur. die Endung i! (wenn sie nicht abfällt) zeigen, so kann man sie 
zum Südgrossrussischen rechnen; doch kommen neben diesen Zügen in 
ihnen das explosive a (wenigstens in der Mundart unter 3; die Berichte 
Nr. 32 und 39 sprechen über die Aussprache des g und y sehr unklar) 
und noch andere nordgrossruss. Züge vor, z.B. gen.-acc. der Personal- 
pronomina mand, iaÖd, der Cokavismus, die Aussprache kuksyn (== 
südgrossruss. kusij?i)^ instr. plur. = dat. plur., nördliche Betonung und 
Lexicon u. s.w. Das alles weist darauf hin, dass es sich hier um Misch- 
mundarten handelt. Ein charakteristischer Zug dieser Mundarten, den 
sie mit südgrossruss. Mundarten der Gouvv. Kaluga und Smolensk und 
den nordgrossruss. des Gouv. Olonec gemein haben, ist die Aussprache 
des e statt o anderer Mundarten in einigen Pronominal- und Adjectiv- 
formen vor {. Dieselben Züge werden in Sobolevskij's Ohlit'l (S. 29 
— 32) auch aus anderen Gegenden des Pskover Gouv., den Kreisen von 
Pskov, Cholm und Velikie Luki erwähnt. Demnach bieten die oben 
genannten Beiträge wenig neues und bezeugen nur die Gleichartigkeit 
der neu beschriebenen und der schon früher bekannten akavischen 
Mundarten des Pskover Gouv. 

Auf Grund des bisher Vorgeführten isehen wir, dass sich unsere 
Kenntnisse über die südgrossruss. Mundarten seit dem Erscheinen des 
OnLiTx pycc. Aia-i- bedeutend vermehrt haben. Es erschienen ausführ- 
liche und in wissenschaftlicher Hinsicht hoch stehende Beschreibungen 
von Dialekten nicht nur einzelner Punkte, sondern auch ganzer mehr 
oder weniger umfangreicher Gebiete: erforscht wurden die Dialekte der 
Gouvv, Tula,Voronez nnd eines bedeutenden Theiles des Gouvv. Kaluga; 
ergänzt wurden unsere Nachrichten über die Mundarten der Gouvv. 
Kursk und Tambov und des Donschen und Ter sehen Militärgebietes, 
schliesslich auch über die Mischmuudarten im Gouv. Pskov. 

Die Dialektologen richteten jedoch ihre Aufmerksamkeit endlich 
auch auf die Uebergangsdialekte vom Nord- zum Südgrossrussischen. In 
dieser Beziehung war besonders V. J. Cernisov thätig, der bereits oben 
bei Gelegenheit der Besprechung von Arbeiten über die Mundarten des 
Gouv. Kaluga erwähnt wurde. Doch über ihn mehr weiter unten. 

Ich gehe nun zu den Mundarten des Gouv. Moskau über. Eine 
Mundart im Süden des Moskauer Gouv. berührt eine ganz kleine Auf- 
zeichnung in /KnBaa CxapHHa (1901, b. II; D, Hapo;i;Hi.iu roBop-E na 
Moeä po^HHi [bt. cejii BocKpeceHCKOMTi Mockob. ryö. KojoMeHCKaro 
y.]). Angemerkt werden da Formen der dritten Person sing, mit Be- 



Die grossrnss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897 — 1901). 109 

tonung auf nichtletzter Silbe ohne die Endung f'' und in geringem Masse 
das C-sprechen. 

Im allgemeinen stimmen die Mundarten des südlichen Theiles des 
Moskauer Gouv., d.i. die Mundarten im Süden des Kreises von Ruza und 
die der Kreise von Podol'sk, Vereja, Bronnicy, Kolomna, Mozajsk, Ser- 
puchov und theilweise Bogorodsk mit den Mundarten der benachbarten 
Kreise der Gouvv. Smolensk, Kaluga und Tula überein und werden zu 
den Südgrossrussischen gezählt. Was die Mundarten der übrigen Kreise 
des Moskauer Gouv. (den Kreis von Moskau, den nördlichen Theil des 
Kreises von Ruza, die Kreise von Zvenigorod, Klin, Volokolarask, 
Dmitrov und einen Theil des Kreises von Bogorodsk) und dazu die be- 
nachbarten Kreise der Gouvv. Tvef, Vladimir und Rjazan betrifft, so ent- 
halten diese Mundarten neben einem A-sprechen verschiedenen Grades 
eine ganze Reihe nordgrossruss. Eigentliümlichkeiten in der Laut- und 
Formenlehre und im Lexicon. Ein solcher Charakter der Mundarten 
des Moskauer Gouv. wurde von den Gelehrten schon längst erkannt, 
leider kannte man da gut nur die Mundart Moskaus selbst, während die 
Mundarten des Gouv. Moskau fast ganz unbekannt blieben. Erst in 
letzterer Zeit wurde diese Lücke theilweise von V. J. Cernisov, welcher 
von der 11. Abtheilung der kaiserl. Akademie der Wissenschaften den 
Auftrag erhalten hat, die Mundarten des Moskauer Gouv. zu studiren, und 
durch den Verfasser des vorliegenden Aufsatzes ausgefüllt. Bevor ich 
jedoch von den Arbeiten V. J. Uernysov's über die Moskauer Dialekte 
sprechen werde, will ich einiges über diese interessante Persönlichkeit 
selbst mittheilen. 

Vasilij Il'jic Öernysov wurde im Pokrover Kreise des Gouv. Vladi- 
mir geboren. Er absolvirte das Lehrerseminarium i ! in Kirzac (in dem- 
selben Gouv.) und war dann lange Zeit Volksschullehrer in einem Dorfe 
des Kreises Zarajsk im Gouv. Rjazan. Darauf legte er die Prüfung für 
Kreisschullehrer ab und bekam eine Stelle als solcher in der Kreis- 
schule von Mescovsk im Gouv. Kaluga, wo er ungefähr 4 Jahre verblieb. 
Als die Kreisschule in Mescovsk in eine Bürgerschule umgebildet wurde, 
wurde er Kreisschullehrer in Borovsk im selben Gouv. Hier hielt er 
sich nicht lange auf. da man von Seiten der zweiten russischen Ab- 
theilung der Akademie der Wissenschaften bereits auf ihn aufmerksam 
wurde und er wurde Dank den Bemühungen des Akademikers Sach- 



1) Zur Heranbildung von Dorfschullehrern. Bürgerschullehrer müssen 
ausserdem noch das Lehrerinstitut besuchen. 



110 N. Dnrnovo, 

matov nach Petersburg tibersetzt, wo er noch jetzt an einer Bürger- 
schule als Lehrer wirkt {AH;i;peeBCKoe ropo;];cKoe y^iHJiHme). 

Die Bildung, welche die russischen Lehrerseminarien bieten können, 
ist verhältnissmässig sehr dürftig. An die Volksschule gebunden, haben 
die Lehrer selten Zeit und Kraft, sich geistig weiter zu entwickeln, da 
ein beträchtlicher Theil des Tages auf den Unterricht in der Schule, 
das Abfassen von Rechenschaftsberichten und die Wirthschaft aufgeht. 
Desto auffälliger sind die von V. J. Cernysov erzielten Erfolge. Seine 
wissenschaftliche Thätigkeit begann damit, dass er aus Mescovsk der 
zweiten Abtheilung der Akademie der Wissenschaften umfangreiche 
Anmerkungen und Ergänzungen zum ersten Bande des akademischen 
Wörterbuches übersandte. Die genannte Abtheilung drückte ihm ihren 
Dank aus und schickte ihm zugleich das Programm zum Sammeln süd- 
grossruss. dialektologischer Eigenthümlichkeiten ein. Als Antwort er- 
folgte von ihm »cnHCOKi. cjIObi. iiopxHOBCKaro nstiKa« und eine ausführ- 
liche und sorgfältige Beschreibung der Mundart von Mescovsk mit Hin- 
zufügung eines umfangreichen Wörterbuchs. Obwohl V. J. Cernysov 
sagt, dass er bis zur Uebersendung des akademischen Programms nicht 
einmal eine Ahnung hatte von der wissenschaftlichen Bedeutung dialek- 
tischer Studien, so beweisen dennoch seine Arbeiten, dass ihn die 
Eigenthümlichkeiten der Volkssprache schon sehr früh interessirt haben. 
In der Beschreibung der Moskauer Mundarten und der von Mescovsk 
finden sich Hinweise auf Eigenthümlichkeiten der Mundarten des Kreises 
von Pokrov (im Gouv. Vladimir) und Zarajsk (im Gouv. Rjazan), die 
ihm aus eigener Anschauung bekannt waren. 

Noch in Mescovsk dachte er, wie gut es wäre, eine Grammatik der 
Sprache desselben zu verfassen. Mögen ihm auch die Aufgaben der 
Dialektologie bis 1896 noch unklar vorgekommen sein, sein Interesse 
für die Sprache und damit zusammenhängende wissenschaftliche Fragen 
tauchte bei ihm früh auf. In Mescovsk und Borovsk war V. J. Cer- 
nysov unter den Lehrern der einzige Leser des nichtofficiellen Theiles 
des Journal des Minist. :*^nr Volksaufklärung und aufmerksam arbeitete 
er den ersten Band des akademischen Wörterbuchs durch. In seiner 
ersten Arbeit, der Beschreibung der Mundart von Mescovsk, zeigt er 
schon schöne, für einen einfachen Lehrer sehr gründliche Kenntnisse 
von der russischen Sprache und Literatur. Aus seinen Hinweisen sieht 
man, dass er ins Detail Sobolevskij's ».leKi^iH no ncxopin pyccKaro 
HBBiKa« und Buslaev's historische Grammatik und einige andere durch- 



Die grossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897 — 1901). H 1 

studirt hatte; überdies kennt er genau die Werke vieler russ. Schrift- 
steller. In seinen schon genannten Cßijifkma. o roBopi ropo;;a MemoBCKa 
ist eine sehr detaillirte und, so weit es ihm möglich war, genaue Dar- 
stellung der Lautlehre jener Mundart. Nicht minder werth ist darin 
das Capitel »OcoöenHOCTH Meii;oBCKaro y^tapenia, KaKt loacHOBejiHKO- 
pyccKaro Booöme«. Die Eigenthümlichkeiten der Betonung in der Mund- 
art von Mescovsk fasst er als stidgrossrussisch überhaupt auf auf Grund 
seiner Studien über den Accent in den Gedichten Kol'cov's (geb. im 
Gonv. Voronez) und den von Zarajsk, sowie Pokrov, welchen letzteren 
er als nordgrossrussischen zum Vergleiche heranzieht. Seine allgemeinen 
Resultate im genannten Capitel sind folgende: 

I. Die südgrossruss. Betonung ist nicht so beweglich (no;i;BH2KHo), 
wie die Moskauische und nordgrossruss. ; II. In den Gedichten Kol'cov's 
gibt es gar nicht lautliche und grammatische Unebenheiten. Das letztere 
Resultat ist unbedingt werthvoU; das erstere ist nicht ganz genau, da 
Cernysov die nordgrossruss. Betonung zu wenig kennt. Die Eigenthüm- 
lichkeit der südgrossruss. Betonung liegt nicht nur in der Cnbeweglichkeit 
(HenoABHacHOCTi)) : ein vahi-vöris, fassü-tössis u.a. ist auch südgross- 
russ. ; anderseits lässt sich auch ein nordgrossruss. üica-tücu, päsna- 
päh'iu, sösna-sosnu u. a. durch einen Hang zur Tonunbeweglichkeit er- 
klären. Immerhin unterscheidet sich die nordgrossruss. Betonung stark 
von der südgrossruss. Cernysov's Beobachtungen über die südgrossruss. 
Betonung und sein Versuch, die allgemeine Tendenz im Südgrossruss., 
welche den Accentwechsel bedingt, herauszufinden, bedeuten für die 
russ. Accentologie einen Schritt nach vorwärts. 

Nicht so vollständig wie die Phonetik , dennoch genug ausführlich 
ist die Morphologie der Mundart von Mescovsk behandelt. Mit süd- 
grossruss. Morphologie hat man sich überhaupt bisher wenig be- 
schäftigt. Cernysov gibt mehr als seine Vorgänger; er theilt einige 
flüchtige Notizen über die Wortbildung mit, bringt ganze Paradigmen 
einiger Declinationsarten; die Conjugation ist sehr kurz. Im syntak- 
tischen Theile untersucht er die üebereinstimmung des Subjectes und 
Prädicates, den Gebrauch des sing, coli., den Genuswechsel, die An- 
wendung der Gerundia und Casus und den Gebrauch der Präpositionen. 

Um kurz zu sagen, diese Dialektbeschreibung gehört ungeachtet 
der geringen wisseschaftlichen Vorstudien des Verfassers zu den besten. 
Bemerkenswerth ist seine Vorsicht und Beobachtungsgabe: Cernysov 
unterscheidet die Sprache der Städter und Bauern, merkt den Unter- 



112 N. Durnovo, 

schied zwischen der Sprache der Greise und Kinder an und verallge- 
meinert nicht für den ganzen Kreis Eigenthümlichkeiten, die er an 
einem Orte feststellte, dabei benutzt er jedoch zum Vergleiche ziemlich 
geschickt seine Beobachtungen über andere Mundarten. Noch interes- 
santer stellt sich die Arbeit Cernysov's dar durch Heranziehung auch 
der Sprache der Schriftsteller. Es giebt wohl unter den Erklärungen 
dieser oder jener Erscheinungen einige gröbere und unwissenschaftliche, 
aber solchen Fehlern entgingen nicht selbst viel besser vorbereitete Leute. 

Cernisov's zweite Abhandlung (^onojiHeHifl ki. CBiji^inmm, u. s. w.) 
bietet nebst Berichtigungen auch einige neue Beobachtungen, z.B. dass 
unbetontes o, welches in der Mundart von Mescovsk in a übergegangen 
ist^), nicht so klar ausgesprochen wird als, sagen wir, in den Mund- 
arten von Rjazan. In ähnlicher Weise konnte ich im Gouv. Kaluga con- 
statiren, dass in den Mundarten der Kreise Medyn, Peremysl' und Me- 
s6ovsk (hinter dem Fluss Ugra) unbetontes a (sogar unmittelbar vor dem 
Tone) etwas geschlossen, den Lauten der palatovelaren Reihe sich 
nähernd oder aber ein volares a ist; daneben kommt manchmal ein 
labialisirtes, in o übergehendes a vor (neben Labialen und Gutturalen).- 
Das in Aufzeichnungen nicht ganz schriftkundiger Leute (Schüler) vor- 
kommende für a deutet da aaf ein geschlossenes a hin. 

Der Theil, der über Wortbildung handelt (er fehlt meistentheils 
bei den Vorgängern Cernysov's) , beschränkt sich nicht mehr bloss auf 
Eigennamen, sondern ist bedeutend ergänzt. Bei den Suffixen wird 
leider nicht immer deren Bedeutung dargelegt; die Suffixe -euHtiä und 
-ymiii werden ungenau Superlativ-, statt Augmentativsuffixe genannt. 

Bedeutend vervollständigt ist auch der Theil über Syntax. Zu 
Ende werden einige glücklich ausgesuchte Wörter angeführt , die als 
dialektische Merkmale dienen können: CKopo;iHTi), saKyTa, aarneTa, 
^eata, Kopei^x u. a. Nach ihnen kann man in der That die Zugehörig- 
keit einer Mundart zu diesem oder jenem Dialekt bestimmen. 

Nach seiner Uebersiedelung nach Petersburg stellte Cernysov auf 
Auftrag der II. Abtheilang der Akademie zunächst ein umfangreiches 
Programm zur Sammlung von Eigenthümlichkeiten grossruss. Mund- 
arten (statt der früheren zwei) zusammen, worüber einige Worte später 
unten. Ausserdem machte er ein Paar Reisen ins Gouv. Moskau und 
die benachbarten Gouv., um die grossruss. Uebergangsdialekte zu 
Studiren. Darüber handeln vorläufig zwei Abhandlungen: 1) KpaxKia 

') Richtiger wäre gesagt unbetontes a aus altem a und o. 



Die groBsruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897 — 1901). 113 

CBijiimfi HiKOTopLixT. roBopax'B /I^MHTpoBCKaro, Eoropo;i;eKaro h Ero- 
pteBCKaro yiaAOBT. (IIsBicTin der II. Abth. 1900, kh. 2, üpHJiOK. 
Nr. 46, 8. 1 — 21) und 2) CBiA^HiK o HapcAHtixt roBopaxx iröKoxopi.TX'B 
ceüeiiiil MocKOBCKaro yis^a (CII6. 1900, II + 174 aus dem CöopHHKT. 
der II. Abth. Bd. 68, Nr. 3, CIIö. 1901). 

Diese »CBiA^Hiii« brachten manches neue. Es zeigte sich, dass 
okavische, d. i. rein nördliche Mundarten in solcher Nähe von Moskau 
vorkommen, wie man bisher nicht einmal vermuthet hat, so z. B. in 
einigen Dörfern des Moskauer Kreises selbst. Von den Mundarten, die 
in der ersten Broschüre vorgeführt werden, sind einige okavisch, z. B. 
im Dorfe Tal'niki des Kreises Dmitrov i), wo südgrossruss. Züge, wie 
es scheint, gar nicht vorkommen (Cernysov sieht unrichtigerweise das 
Akanje in psanica), aber IY2 Werste von hier spricht man schon a; 
im Dorfe Vanisova des Kreises Bogorodsk hat sich das Okanje noch be- 
wahrt, aber in einer Art Uebergangsstadium zu Akanje (für südgross- 
russ. kann man hier auch das Wort hrumika mit k und nicht g u. a. 
halten), während im Dorfe Ontonova desselben Kreises südgrossruss. 
Züge noch nicht bemerkbar sind. Unter den akav. Mundarten an der 
Grenze des Kreises Jegorjevsk im Gouv, Rjazan und auch weiter 
drinnen finden sich Mundarten des Moskauischen Typus vor (mit con- 
trahirten Verbalformen, der Endung der 3 pers. praes. auf hartes t^ der 
Aussprache der explosiven g u.a.). Daneben gebraucht man das süd- 
grossruss. cKopoAHTL. Auch das Akanje ist stärker als das Moskauische. 
Interessant ist das Cokanje in einigen Dörfern der Kreise Bogorodsk 
und Jegoijevsk. 

Cernysov's Aufzeichnungen sind etwas dürftig ; man sieht, dass er 
sich nur sehr kurze Zeit dort aufhielt. Sie sind jedoch von Interesse, 
weil sie annähernd die heutige Grenze zwischen dem Nord- und Süd- 
grossrussischen zeigen und Beiträge zur Geschichte des Uebergangs- 
dialektes zwischen den beiden, welchen ich mittelgrossrussisch nennen 
möchte, liefern. 

Cernysov's zweite Abhandlung ist umfangreicher und besser. 
Ausser einer kurzen, aber schon nicht mehr so flüchtig, wie in dem 
vorhergegangenen Aufsatze, ausgefallenen Beschreibung der Mundarten 
eines jeden einzelnen Dorfes, wo Cernysov war, kommt hier das von 
ihm gesammelte Material (18 Lieder und 7 Märchen) und ein Wörter- 

1) Der grösste Theil des Kreises von Dmitrov gehört zum Nordgross- 
russischen. 

Archiv für slavische Philologie. XXVn. ■ g 



114 N. Durnovo, 

V 

buch (ca. 1000 Wörter) zum Abdruck. Das alles sammelte Cernysov im 
Verlaufe von nur 10 Tagen. Die Dörfer, die er besuchte, befinden sich 
im Norden des Moskauer Kreises (ungefähr 40 km nördlich von Moskau). 
Die Mundarten sind dort grösstentheils akavisch. Der Grad des Akanje 
ist verschieden, angefangen vom gemässigten Moskauischen bis zu einem 
sehr ausgeprägten, fast Rjazanischen. Die übrigen Eigenthümlichkeiten 
der Phonetik, Morphologie und des Lexicons sind jedoch Moskauisch, 
d. i. eher nördlich als südlich, wonach sich auch diese Mundarten als 
mittelgrossrussisch erweisen. In einigen Dörfern hat sich noch das 
nördliche Okanje erhalten, doch meistentheils nur in der Sprache der 
Greise. Interessant ist, dass Cernysov in einem Dorfe eine harte Aus- 
sprache der Consonanten vor e und i (S. 31 — 32) hörte. 

Zu derselben Gruppe von üebergangsmundarten oder mittelgross- 
russ. Mundarten gehört auch die Mundart, die von mir in OnHcaiiie 
roBopa ;iep. IIap*eiiOKT. PyscKaro y. Mockob. ryö. (PyccKÜl: $H.i[Ojior. 
BicTHHKT, 1900, Nr. 3— 4, S. 153—216; 1901, Nr. 1—2, S. 227— 268 
und Nr. 3—4, S. 128— 151; 1902, Nr. 1—2, S. 119— 151; 1893, Nr. 1—2, 
S.297— 321,Nr.3— 4, S. 285—297) behandelt wurde. Die Haupteigen- 
thümlichkeit der lautlichen Seite dieser Mundart imVergleiche zu der Mos- 
kauer Literatursprache ist ein stärkerer Akavismus, woneben die übrigen, 
sowohl nordgrossruss. als südgrossruss. Züge in Lautlehre, Morphologie 
und Lexicon die des Moskauer Dialektes sind. Da mir noch eine Reihe 
anderer Mundarten in den nördlichen Kreisen des Moskauer Gouv. und 
in einem Theile des Tverer Gouv. mit mehr oder minder ausgeprägtem 
A-sprechen, jedoch mit Bewahrung der übrigen lautlichen, formalen 
und lexicalen Zügen des Moskauer Dialektes bekannt sind, so möchte 
ich alle diese Mundarten unter der Bezeichnung mittelgrossrussische 
zusammenfassen, da mir diese Kennzeichnung genauer und passender 
vorkommt, als die Bezeichnung Mischmundarten (cMimaHHtie roBopti). 
Zu dem Typus mittelgrossrnss. Mundarten gehören auch einige Mund- 
arten des Gouv. Tula, und zwar jene, die Prof. Budde zur dritten 
Gruppe (s. oben) gezählt hat. 

Dem Nordgrossrussischen wurden in den letzten fünf Jahren nicht 
so grosse Studien gewidmet wie dem Südgrossrussischen, dafür wurden 
jedoch viele kleine Beschreibungen von Mundarten, hauptsächlich 
einzelner Punkte, veröffentlicht. Einige davon sind ziemlich eingehend 
und zeugen von grosser Beobachtungsgabe. Bloss in den IIsBicxiH der 
II. Abtheilung wurden 14 Antworten auf das Programm gedruckt (an- 



Die grossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897—1901). 1 15 

gefangen von Nr. 29). In der /Kubüh CrapHiia und im PyccKiii '^uäoäot. 
BicTUHKi. gibt es auch Mittheilungen über nordgrossruss. Mundarten, end- 
lich ist eine solche im 68. Baude des CöopuHK'B der II. Abtheilung. Alle 
diese Materialien berichtigen wenig unsere bisherigen Kenntnisse über 
das Nordgrossrussische, dafür aber erweitern sie dieselben in bedeuten- 
der Weise. 

üeber die Mundarten des Gouv. Novgorod handelt nach dem Jahre 
1S97 (ausser den oben aufgezählten lexicalischen und anderen rohen 
Materialien) nur ein Aufsatz N. Karinskij's, H^KOTOpLixt roBopaxx 
no Te^iemK) piKt Zyrn h Ope^eaca^) (Pycc. <I>HJio.ior. BicTHHix'L 1898, 
Nr. 3 — 4, p. 92 — 124). Interessant sind hier die Beobachtungen Ka- 
rinskij's über den Einfluss der Literatursprache auf den localen Volks- 
dialekt. Dieser Einfluss wird durch die Nähe von Petersburg besonders 
dadurch hervorgerufen, dass die Bevölkerung dieser Gegend oft nach 
Petersburg auf Erwerb zieht; ausserdem miethen Einwohner von Peters- 
burg nicht selten Sommerwohnungen in Dörfern , die an den genannten 
Flüssen gelegen sind. Die von Karinskij beschriebenen Mundarten sind 
nicht cokavisch und kennen i für i. 

üeber die Mundarten des Gouv. Olonec bietet schon Sobolevskij's 
OnLiTT. ziemlich vollständige Nachrichten. Darunter wird auf einen 
Zug derselben hingewiesen, den man bisher als den Nordgrossrussen 
nicht eigen hielt, nämlich die Aussprache des friccat. y [h] im gen. 
sing. m. und n. der Pronomina und Adjectiva und anstatt des allge- 
meinruss. explos. g ; ebenso ist auch schon dort der Hinweis auf einen 
anderen Zug: die Aussprache des e ohne Erweichung der vorhergehen- 
den Consonanten vor/ oder i anstatt (aus altem y) anderer nördlicher 
und südlicher nordgrossruss. Mundarten. Dieser Zug ist bisher ebenfalls 
fast nur aus südgrossruss. und weissruss. Mundarten bekannt; im Nord- 
grossruss. kommt er ausser den Mundarten des Gouv. Olonec nur spo- 
radisch in einigen pronominalen Formen vor. Die neuen Materialien 
aus verschiedenen Kreisen des Gouv. Olonec in den IIsBieriH (Nr. 29 
u. 30 in KH. 1 für 1897; Nr. 34 in kh. 1 für 1898 und die Berichti- 
gungen zu Nr. 22 in kh. 2 für 1898) bestätigen nur die früheren Kennt- 
nisse. Ausserdem wird in Nr. 29 (1. c. S. 232 — 244) noch ein südlicher 
Zug der Mundart von Olonec erwähnt: das weiche -t in der dritten 
Person praes. (im Plural?). In Nr. 34 wird aus dem Zaonezje (die Kreise 



ii Luga und Oredez fliessen durch den Kreis von Novgorod u. a. 

8* 



116 N. Durnovo, 

Petrozavodsk und Vytegra 1. c. S. 7 — 9) ein charakteristischer laut- 
licher Zug- der dortigen Mundart mitgetheilt : der Uebergang des 
Accentes auf die erste Silbe des Wortes mit Umwandlung des unbe- 
tonten in einen betonten Diphthong oa, und des e in ia oder ija (z. B. 
kwijäty ^ vodda, poasia^)). Die morphologischen und syntaktischen 
Eigenthümlichkeiten der Mundarten von Olonec, aber auch der Accent 
sind nordgrossrussisch. 

Die Mundarten des Gouv. Archangel'sk betrafen in den IIsBi- 
exiji in den letzten fünf Jahren nur die sehr eingehenden Aufzeich- 
nungen Verjuzskij's aus dem Kreise Onega (Nr. 41, Hsb. 1898, kh. 3 
npHJioai. 49 — 59). Die hier beschriebene Mundart steht der im OnMX'L 
dargethanen nahe, unterscheidet sich jedoch auch davon. Der Be- 
obachter merkt hier c, aber sehr seltenes c (weich) an, ausserdem im 
gen. sing m. und n. der Pron. und Adj. -ooo {-oyo'?)^ aber im Worte 
karavöd — v. A. D. Grigofjev und A. V. Markov hörten in einigen 
Mundarten des Gouv, Archangel'sk den Laut y im gen. und auch anstatt 
g anderer nördl. Mundarten. 

üeber Mundarten verschiedener Orte im Gouv. Vologda handeln 
in den HsBiexia zwei Beiträge (Nr. 31 in kh. 1 für 1897 und Nr. 36 
in KH. 1 für 1898), ausserdem in der ^HBaa CxapHHa (1898, b. 3 — 4) 
ein Aufsatz N. Cernavskij's, 06i> ocoöeHHOcxHxt astiKa bi. r. Yexiori 
H yexroatcKOM'L yisA^ Bojioro;i;cKOH ryö. Gegenüber dem Ontixt, der 
schon genügend Material über diese Mundarten darbietet, erfahren wir 
aus den genannten Beiträgen nichts wesentlich Neues. 

Die Mundarten des Gouv. Vjatka betreffen in den HsBicxia 4 Mit- 
theilungen (Nr. 35 den Kreis Kotel'nic in kh. 1 für 1898, Nr. 37 den 
Kreis Orlov ibid., ebenso Nr. 42 den Kreis Orlov in kh. 1 für 1899 und 
Nr. 38 den Kreis Malys ib. wie Nr. 35); ausserdem ist in der ^HBan 
CxapHHa (1901, b. 1) eine interessante Mittheilung D. Zelenin's über die 
Mundarten der Kreise Sarapul' und Jelabuga. Das viele neue Material, 
das da geboten wird, bestätigt nur die Darstellung der Mundarten von 
Vjatka im Ontixi. 

Für die Mundarten an der Wolga finden wir in den IIsBicxia we- 
niger Material vor. Unsere Kenntnisse über die Mundarten des Gouv. 
Kostroma ergänzen bedeutend zwei Abhandlungen Th. Pokrovskij's in 
.^Chbek CxapHHa (1898, b. 3 — 4: HiKOxoptix'L roBopax-B ciBepo- 
sanaAHOH ^aexH KocxpojicKOH ryö. und 1899, b. 3: napoAHOMx. 

1) Wahrscheinlich : voqda, poasia mit steigender Betonung auf oq. 



Die grossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897—1901). 117 

rOBopi ^yxjioMCKaro yii3Aa KocTpoMCKcii ryö.). Die Abhandlungen 
sind das Resultat eigens vorgenommener Studienreisen im Gouv. Kostroma 
und berühren nicht einzelne Punkte , sondern entwerfen das dialekto- 
logische Bild eines bedeutenden Theiles desselben (die Kreise Soligalic, 
Buj und Öuchloma). Sie sind die Fortsetzung der Beschreibung der 
Kostromer Mundarten, die Th. Pokrovskij schon im Jahre 1895 begonnen 
hat (über den Kreis Buj). Beigegeben sind ihnen kleine Idiotica. Ausser 
Mundarten (sowohl lispelnden, als auch nicht lispelnden) mit rein 
nordgrossrussischen Zügen weist Th. Pokrovskij auf das Vorhandensein 
stark akavischer Mundarten in einem Theile des Kreises Soligalic und 
im grossen Theile des Kreises Cuchloma aber mit Spuren des Okavismus 
und anderer nördlicher Züge hin. Interessant ist das Vorkommen des 
südgrossruss. niene, teUe in den akavischen Mundarten des Kreises 
Cuchloma (in Wahrheit selten, nur hier und dort), aber daneben kommen 
das nördliche g, das harte t in der dritten Person der Verba und sogar 
solche nördliche Züge vor, welche in den Mundarten des mittelgrossruss. 
Typus nicht anzutreöen sind (z. B. Ueberreste des 0-sprechens, Accente 
wie sös7ia u. s. w., das Wort JciiMin u.a.). 

lieber die Mundarten im Gouv. Jaroslavl' scheint nichts neues er- 
schienen zu sein. Die in yKuBaa CxapHHa (1899, b. 1) von A. Balov 
abgedruckten MaTepia.iti no Hapo;i;HOMy nstiKy, coöpauHLie et. Ilome- 
xoHCKOMx yis^i üpocjiaBCKOH ryöepmH bestehen aus einigen Redens- 
arten u. ä. in unphonetischer Aufzeichnung. 

Weiter erfahren wir aus den IIsBicTia (1897, kh. 2, Nr. 32) von 
dem Vorhandensein einer Mischmundart im Kreise Alatyf des Gouv. 
Simbirsk mit südgrossruss. Zügen. Nicht gross, aber bemerkenswerth 
durch streng phonetische Wiedergabe der Laute ist die Mittheilung 
N. P. Demidov's über die Mundart von Samara (HsBicTia 1898, kh. 1, 
Nr. 40). Interessant ist hier unter Anderm das Vorkommen des e in 
Adjectivformen statt y und ?', z. B. suchei u. a. Im Pycc. ^'ujiojor. 
BicTHHKi. (1899, Nr. 1—2, S. 30—70) ist ein Aufsatz P. V. äejn's zur 
Dialektologie des Gouv. Samara: K-l AiaJieKTOjioriH BBJiuKopycc. napi^. 
HsB-ie^ienia uat cJOBHinca CKaaoK-B n npeAamil CaMapcKaro Kpaa, 
coöpaHHtix'L H sanncamiLix'B ^. H. CaAGBrniKOBtiMt (den grösseren 
Theil, S. 47 — 70, nimmt ein Wörterbuch ein). Merkwürdigerweise gibt 
es in den beiden zuletzt genannten Beiträgen keine directen Hinweise 
auf das Lispeln (mene.iflBOCTb) der Mundart von Samara, von welcher 
Dal' in HapimHxt pycc. üBLiKa spricht (er führt die spöttische Redens- 



118 N. Durnovo, 

art an, mit der die Frauen von Samara geneckt werden: IIIaMa maiviapKa, 
uiapa*ainb m oöopKoil). Demidov betont, dass »ti und ii, völlig klar gebort 
werden«; in den von ihm angeführten Beispielen mit Zischlauten und 
Sibilanten vertreten diese Mitlaute einander nirgends. Auch die Bei- 
spiele einer Vertretung der Sibilanten durch Zischlaute, die Sejn aus dem 
CöopHHKrB Sadovnikov's angibt, bezeugen nicht die inene.MB0CTB der 
Aussprache. Im Oni.iTr& pyce. Äia:ieKTOJiorin steht über die Mundarten 
des Gouv. Samara fast nichts. 

Ueber die nordgrossruss. Mundarten des Gouv. Voronez sprach, 
wie es scheint, der erste K. Filatov in OiepiCB napoAHtix'L roBopoB% 
EopoHeatcKoii ryö. (im Pyce. <I>iijiojror. B'Scthhk'b 1S98, Nr. 1 — 2). Im 
OnuTh findet man über die okavischen Mundarten des genannten Gouv. 
nichts. Die Einwohner sind da grösstentheils aus anderen Gouv. ange- 
siedelt ; wahrscheinlich sind demnach auch die okavischen Mundarten 
dahier durch Colonisation aus nordgrossruss. Gouv. zu erklären. 

Endlich sind über nordgrossruss. Mundarten Sibiriens in letzter 
Zeit folgende Aufzeichnungen erschienen: 1) P. M. Vdovcenko, Toöojit- 
cKoä ryö., ToöojiLCKaro OKpyra, ^eMLmicKaa BOjrocTb (IIsBicTia 1899, 
KH. 1, npnjioa:. Nr. 43, S. 3 — 5). Die Mundart gehört dem gewöhn- 
lichen nordgrossruss. Typus an, ist nicht cokavisch, spricht i statt i 
vor weichem Consonanten und unterscheidet sich überhaupt nicht viel 
von den im Ontixt dargelegten Mundarten des Gouv. Tobol'sk. — 
2) V. G. Bogoraz, 06 jacTHOÖ cjosapt KojMMCKaro pycc. Hap'£mn. CII6. 
1901, S. 346 (CöopHHKi der IL Abtheilung Bd. 68, Nr. 4). Der Kreis 
von Kolymsk liegt im Gebiete von Jakutsk. In der Vorrede zum 
Wörterbuche und der Sammlung von Liedern und Märchen gibt 
Bogoraz auch eine kleine Beschreibung des Dialektes von Kolymsk. 
Darin weist er auf den starken Einfluss der Fremdvölker, besonders der 
Jakuten, auf denselben. Den ganzen Dialekt von Kolymsk theilt er in 
den von Mittel- und Niederkolymsk. Beide sind nordgrossruss. okavisch 
und dabei lispelnd (alle Zischlaute werden mit Sibilanten verwechselt). 
Als Unterschiedsmerkmal des Dialektes von Niederkolymsk erscheint j 
anstatt r und l und zwar nicht nur des weichen, sondern auch des 
harten , übrigens nicht immer ; ausserdem sind die Consonanten vor e 
und (aus altem e) hart geworden u. a. Cf. im OnLixt S. 65 und 
67 — 68. 

Alle seit 1897 veröffentlichten Mittheiluugen über die nordgross- 
russ. Mundarten ändern im Allgemeinen zwar wenig an dem dialekto- 



Die grossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897—1901). 119 

logischen Bilde, welches von Sobolevskij im OnuTi gezeichnet worden 
ist; dafür erweitern und vervollständigen sie bedeutend unsere Vor- 
stellungen vom Charakter des Nordgrossrnssischen und seiner detail- 
lirteren Eigentbümlichkeiten , von der Verbreitung dieser oder jener 
Einzelerscheinungen, über die uns die kurzen Berichte im Ohliti. nichts 
sagen. Dadurch ist es nun möglich geworden, auf Grund dieses neuen 
Materials und jener umfangreichen Forschungen, die in letzter Zeit den 
Süd- und mittelgrossruss. Mundarten gewidmet wurden , einen näheren 
Vergleich zwischen den beiden grossruss. Hauptdialekten ziehen zu 
können. 

Die weissruss. Dialektologie will ich nicht im Detail vorführen. 
Ich bemerke nur, dass auch hier ein grosser Fortschritt zu verzeichnen 
ist, hauptsächlich in Folge der Bemühungen des Warschauer Professors 
E. Th. Karskij, unter dessen Redaction in den IIsBicTia 18 eingehende 
Nummern Material zur weissruss. Dialektologie als Antwort auf das von 
Karskij zusammengestellte Programm (s. oben) veröffentlicht worden 
sind (1897, kh. 2; 1898, kh. 3; 1899, kii. 3 und 4). Ausserdem be- 
treffen 4 Nummern nordkleinruss. Mundarten und Uebergangsmundarten 
zwischen dem Weiss- und Kleinrussischen (Polesje; 1898, kh. 4). Im 
Pycc. 4'n.iio.ior. BicTiiiiKt erschienen folgende hierher bezügliche Auf- 
sätze : N. Cudovskoj , MaTepiajiLi p^Äsi Hsy^ieHiü 6i.iopycc. roBopoBi, 
Cryi^KiS roBop-B (1898, Nr. 3 — 4, S. 53 — 91); E. Karskij, SaMiTKH 

OTHOCHTejrtHO ÄH^TOHTOB-L BX HapO^HOMt TOBOp^ CBJra EaCIOBI^eB^ H }!,. 

ILoß.Äicha. Cjiyi^Karo y. Mhiickoh ry6. (ib. 325 — 327); id., SaaiiTKH 
no öiJopycc. roBopasit (1901, Nr. 3—4, S. 275 — 281). 



Abhandlungen zur Geschichte und Vergleichung grossrussischer 
Mundarten sind in den letzten fünf Jahren nicht viele erschienen. 
Akad. A. I. Sobolevskij, von dem eine Reihe hervorragender Arbeiten 
über die historische Dialektologie der russischen Sprache herrührt, die 
allen späteren Studien anderer Gelehrten zur Richtschnur wurden, ver- 
öffentlichte im letzten Fünfjahr einige Aufsätze, die nicht der Geschichte 
der Mundarten, sondern verschiedenen anderen Fragen der Geschichte 
der russischen Sprache gewidmet sind. Nur in einigen von ihnen wird 
volksmundartliches Material herangezogen. Derart sind seine Be- 
merkungen »Ilax iisTopin pyccKaro asHKa« im ^ypiia.ix Mhhhct. 
HapoA. IIpocB. (2 Serien: 1897, Mai und November, I — XIX und 1901, 
Oktober, I — VIU). In dem Abschnitt III aus der ersten Serie macht 



1 20 N. Durnovo, 

Sobolevskij unter Anderm die Bemerkung, dass der üebergang weicher 
k und ^ in ^ und d^ der in den heutigen grossruss. Mundarten nicht 
selten ist, wie es scheint, eine Eigenthtimlichkeit der Sprache Kievs des 
XII. — XVI. Jahrb. gewesen ist, und er vermuthet, dass der alte Dialekt 
Kievs den heutigen Mundarten der Gouv. Orel und Kursk nahe ge- 
standen sein mag. Jedoch war er nach der Ansicht Sobolevskij's kaum 
rein grossrussisch, sondern entweder ein Uebergangsdialekt zum Klein- 
russischen oder ein Mischdialekt, wenigstens für das XV. — XVI. Jahrh. 
Die tibrigen Bemerkungen handeln mehr über Einzelfragen, darunter 
auch über die Geschichte einiger Erscheinungen, die uns in den gegen- 
wärtigen russ. Mundarten begegnen. 

Das umfangreiche Material, welches in letzter Zeit gesammelt 
worden ist, veranlasste Prof. E. Th. Budde und Akad. A. A. §ach- 
matov die Frage über die Entstehung und Verschiebung russischer Dia- 
lekte von neuem aufzustellen und durchzusehen. Prof. Budde drückte 
in seiner Doctordissertation (Kx ncxopin BCJiHKopycc. rosopoB'L. Onwxi 
HCTopHKo - cpaBHHTejtHaro H3Cj[iA0BaHiii napoAHaro roBopa Bt Kacn- 
MOBCKOMi, y. PHsaHCKOH ry6. Kasant 1896, S. 377 -f- II) den Ge- 
danken aus, dass die Principe, die der Eintheilung der russ. Sprache in 
Dialekte zu Grunde liegen, unwissenschaftlich sind, und schlug vor, 
die russ. Mundarten in drei dialektische Gruppen zu theilen: auf «luene- 
JBBaTtie« (d. i. Mundarten mit Mittellauten — die ältesten), »nojry- 
mene.ireBaTtie « (die nur die Mittellaute zwischen c und c haben, also 
cokavische und cokavische) und »He menejieBaTLie« (die einer dialekti- 
schen Gruppe entstammen, welche die Laute c und c, k und 5, i und z 
u. s. w. unterschied, oder in urrussischer Zeit die Mittellaute verloren 
hatte, s. S. 29S). Die Unhaltbarkeit dieser Eintheilung bewies Akad. 
Sachmatov in seiner herrlichen Recension über Budde's Buch (im 
OriLiT-L npiicyjKAemH ./ToMOHOcoBeKoii npeMin bt. 1897 r. CIIö. 1898, 
S. 25 — 73, gedruckt im 66. Bande des CöopHHKt der II. Abth. Nr. 2, 
CIIÖ. 1900). Als stichhaltig erwiesen sich einige andere Schlüsse 
Budde's und zwar, dass die Mundarten des Kreises Kasimov in be- 
deutendem Grade gemischte, nicht reine Mundarten sind, dass die Ein- 
wohner Autochthonen des Rjazan'schen Gebietes sind, die einen starken 
Einfluss durch die benachbarten südrjazanischen Mundarten erfahren 
hatten. Demnach sind die Mundarten von Kasimov in ihrer Grundlage 
nordgrossrussisch, wurden jedoch durch südliche Mundarten beeinflusst. 
Ihr Akanje ist eine spätere Erscheinung, die vom Süden hereingetragen 



Die grossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897 — 1901). 121 

worden ist. Endlich erwies Budde, dass die genannten Mundarten in 
nächster Verwandtschaft zu den von Vjatka stehen •). 

A. A. äachmatov ging in seiner Recension der Dissertation Budde's 
noch weiter und meint, dass man mit der Zeit mit vollem Grund das 
ganze Gebiet von Rjazan dem Nordgrossrussischen wird zuzählen können. 

Der Kampf mit der Steppe und der tatarische Einfall drängten die 
alten Stämme der ursprünglichen Ansiedler gegen Norden und Nord- 
osten, ihre Stelle aber nahmen die vom Süden und Südosten verdrängten 
Stämme ein, deren Bewegung den Fall Kievs und die Uebertragung des 
Centrums des russischen Lebens in das Bassin der Oka zur Folge hatte 
(S. 6S). 

Etwas früher wurde vom Akad. Sachmatov eine andere Abhand- 
lung zur Geschichte des grossruss. Dialektes gedruckt, nämlich die 
schon erwähnten 3ByK0BtiH ocoöeHHocTH EjilhhhckhxI) h MocaJtcKHX'B 
roBopoBi., wo Sachmatov im zweiten Theile (1897) auf Grund von süd- 
grossruss. und weissruss. dialektologischen Facten über die Entstehung 
des südgross- weissruss. Akanje und über das Schicksal des alten 
schwachen ^ und irrationalen y (d. i. ti) im Gross -Weissrussischen 
spricht. Das Akanje ist nach der Ansicht Sachmatov's in der Epoche 
der südgross -Weissrussischen Einheit aufgekommen, hervorgerufen 
durch die Umwandlung der exspiratorisch- musikalischen Betonung 
in eine rein exspiratorische , was der Grund war, dass die betonte 
Silbe vor den übrigen stark hervortrat, die übrigen Silben aber ge- 

1) Gegen den letzten Schluss sprach sich entschieden Prof. V. Th. Miller 
aus in seiner sehr strengen Recension über Budde's Buch im Sinorpa*. OöospiHie 
1897, Nr. 1 , S. 164— 171 . Nach der Ansicht V. Th. Miller's sind die den Mundarten 
von Vjatka und Kasimov gemeinsamen dialektischen Züge gar nicht derartig, 
dass man auf eine genetische Verwandtschaft derselben schliessen müsste. 
Auch sonst stimmt Prof. Miller mit den Ansichten Budde's vielfach nicht 
überein. Einigen seiner Einwendungen kann man jedoch schwer beistimmen. 
So spricht er sich auf S. 166 f. gegen das Vorhandensein des Lautes ö in dem 
Vocalismus der russ. Sprache aus und bemerkt, dass sich ö gegenwärtig in 
keinem slavischen Dialekte vorfindet; dabei wirft er den russ. Linguisten 
vor, dass sie nicht die Bedingungen erforscht haben, welche in einigen leben- 
den Sprachen den Laut ü hervorgerufen haben. Mir ist nun in der russischen 
Sprache aus den Mundarten von Kaluga secundäres ö aus e nach erweichtem 
Consonanten vor harter Labialis (d. i. in analoger Stellung, in welcher nach 
der Meinung des Akad. Ph. Th. Fortunatov und seiner Schule das ü im All- 
gemeinrussischen und theilweise schon im Allgemeinslavischen aufgekommen 
ist) bekannt. 



122 N. Durnovo, 

schwächt wurden. Jedoch in Worten, wo dem Accente einige Silben 
vorausgingen, bewahrte die vortonige Silbe einigen Ton. Die ver- 
schiedenen Arten des Akanje rtihren von der Verschiedenheit des 
Charakters der nachfolgenden Laute her, sowie von der Wechselbe- 
ziehung zwischen der Aussprache des unbetonten Vocals in verschie- 
denen Stellungen. Das Schicksal des allgemeinslavischen z in der russ. 
Sprache stellt Sachmatov folgen der massen dar. Das allgemeinslavische ^ 
ging ins ürrussische als 5 oder o über; vor i wurde es schon im ür- 
russischen zu einer Art y (irrational). Im Allgemeinrussischen fiel ~o in 
jeder Stellung aus, worauf statt seiner in jenen Fällen, wo eine für die 
Aussprache unbequeme Consonantenanhäufung stattfand, ein neues ir- 
rationales y aufkam. Dies y hatte dann in den einzelnen Dialekten der 
russ. Sprache dasselbe Schicksal, wie das y vor ?', d. i. in einigen Mund- 
arten fiel es mit altem o in einem Laute 0, wenigstens unter dem 
Accente, zusammen, in andern behielt es sich als irrationales y, welches 
danach in y, ö, e (ohne Erweichung des vorausgehenden Consonanten) 
überging. 

Im Jahre 1899 erschien ein neuer Aufsatz des Akad. Sachmatov: 
Kt Bonpocy o6t> oöpasoBamn pyccKHXX napiinH h pyce. HapoAHOCTeH 
(^ypnajii, Mhhhct. Hapo^n. IIpocBn;^. 1899, April und im S.-A. S. 63). 
Gleich gut sowohl mit der russischen Sprache (im Besonderen mit der 
Dialektologie), als auch mit der russischen Geschichte bekannt, benutzt 
Sachmatov in meisterhafter Weise das ihm zugängliche Material und 
verknüpft die Entstehung der russischen Dialekte und ihre spätere Ge- 
schichte mit der Bewegung der slavischen Stämme, welche Russland be- 
wohnten. Bei dem von ihm gezeichneten Bilde geht er von dem Ge- 
danken aus, dass die in der altrussischen Chronik vorkommenden Namen 
russischer Stämme den wirklich vorhanden gewesenen Stämmen ent- 
sprachen, die sich nicht nur in den Sitten, sondern auch in der Sprache 
von einander unterschieden: ein Gedanke, den in seinen Forschungen 
auch Akad. Sobolevskij durchführte. Die Hauptresultate, zu denen 
Sachmatov im genannten Aufsatze kommt, sind folgende : Die russische 
Sprache zerfiel schon in ältester Zeit in drei dialektologische Gruppen, 
welche auch den Stammgruppen des östlichen Zweiges der Slaven ent- 
sprachen: diese Gruppen kann man eine nördliche, mittlere und südliche 
nennen . . . Die mittelruss. dialektische Gruppe theilte sich in eine 
westliche und östliche, die südruss. aber in eine nördliche und südliche 
Hälfte . . . Die Ereignisse im Süden und der ungleiche Kampf der 



Die grossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897 — 1901). 123 

ruhigen russischen Bevölkerung mit den Steppenhorden (Pecenegen, 
Polovcen, Tataren) rief eine Bewegung und neue Gruppirung der rus- 
sischen Stämme und Dialekte hervor. Der tatarische Einfall zwang die 
Bevölkerung, sich in drei (neue) politische Gruppen zu einigen und 
wirkte förderlich auf die Bildung dreier Nationalitäten ein. Im Süd- 
westen führte die Vereinigung des Landes, welche theihveise schon von 
Roman erreicht wurde, mit der Zeit zur Einheit der Nationalität, die 
also auf diese Art aus den beiden Hälften der südruss. Stamm- und 
Dialektgruppe entstand. Im Nordwest einigte sich das Land zu Anfang 
des XIV. Jahrb., und die weissruss. Nationalität vereinigte die west- 
lichen Stämme der mittelruss. Gruppe, sowie Süd- und Nordrussen, die 
sich diesen im Süden und Norden assimilirten. Die Einigung des Landes 
im Nordost begann schon zu Ende des XII. Jahrb., wobei schon da- 
mals die grossruss. Nationalität ihren Anfang genommen hatte; sie 
setzte sich aus nordruss. Stämmen, sowie Stämmen beider Theile der 
mittelruss. Gruppe — dem westlichen (Vjatici) und dem östlichen (Se- 
verjane) — zusammen. Die Sprache bewahrte jedoch mit besonderer 
Beharrlichkeit ihre Individualität: nur in Moskau und in einigen Grenz- 
gebieten , sowie neu colonisirten Ortschaften bildeten sich Misch- 
dialekte; im Allgemeinen kann man aber das grossrussische Volk bisher 
nach der Sprache in zwei Gruppen eintheilen — eine nordgrossrussische, 
welche der alten nordrussischen entspricht, und eine südgrossrussische, 
die westliche und östliche Dialekte der mittelruss. Gruppe vereinigte . . . 
So sind an Stelle der drei alten dialektischen Gruppen — der nörd- 
lichen, mittleren und südlichen — vier neue, eine nord- und südgross- 
russische, eine weiss- und kleinrussische getreten. 

Hinweisen muss mau auch auf Sachmatov's Aufsatz «PyccKiH 
ii3LiKX« im SimHKjroneAHyecKÜl ciosapL Brockhaus' und Efron's (5 5. Halb- 
band, Columne 564 — 581, CIIö. 1S99), wo Akad. Sachmatov in ge- 
drängter Kürze seine Schlüsse über die Entstehung und den gegen- 
wärtigen Stand der russ. Sprache uud ihrer Dialekte darlegt. 

Der Geschichte des Moskauer Dialektes sind die letzten Abhand- 
lungen Prof. Budde's im iKypHa.ii. Mhhiict. Hapo^H. üpocBim. und im 
lOßH-ieiiHLiii CöopmiKx bt. ^leext B. 0. Miu-iepa gewidmet. Schon in 
seiner Doktordissertation setzte Budde fest, dass die Mundarten von 
Kasimov Mischmundarten sind ; Akad. Sachmatov bekräftigt (in der Re- 
cension der genannten Dissertation und des OnLiTt pycc. AiajreKTOJioriii 
Sobolevskij's, hauptsächlich aber in der oben vorgeführten Abhandlung 



124 N. Durnovo, 

«K-B Bonpocy oöxioöpasoBamH pycc. Hapima u. s. w.) dieselbe Ansicht 
auch hinsichtlich des Moskauer Dialektes, wobei er glaubt, dass die 
Vermischung nord- und mittelrussischer Züge im Moskauer Dialekte 
sehr früh, vom Anfange der Erstarkung Moskaus an begonnen hat und 
dass die Grundlage dieses Dialektes eine nordrussische Mundart bildete, 
welche den südgrossruss. Vocalismus angenommen hatte. Zu ähnlichen 
Schlüssen kommt auch Prof. Budde. Er behandelt die Geschichte des 
Moskauer Dialektes hauptsächlich in folgenden Aufsätzen: HicKO.ibKO 
sasröTOK'L no ncTopin pycc. asMKa (^MHIIp. 1898, März), H3% HCTopin 
pycc. jHTepaTypHaro asBiKa Kornea XVIII h Ha^iajra XIX b. (ib. 1901, 
Februar) und HiKOTopLie bliboaw hs-l noBAHiiinraxt xpyAOBi. no bb- 
jiHKopyec. Aia.TeKTOJioriH (IOöhji. CöopHHKt bi, tibctI. B. 6. MHJuepa, 
CII6. 1900). Im ersten Aufsatz macht Budde auf Grund eines Studiums 
der Sprache Lomonosov's, Sumarokovs und Trediakovskij's und ihrer 
gegenseitigen Polemik über die Sprache sehr scharfsinnige (hie und da 
übrigens etwas gezwungene) Bemerkungen über die Sprache (vor Allem 
die Aussprache) der Moskauer in der Mitte des XVIU. Jahrh. unter 
anderm weist er für die Mitte des XVIII. Jahrh. in Moskau die nord- 
grossruss. Aussprache der Comparativformen {cmiÄSie u.a.) nach, was 
später durch die südgrossruss. Sprechweise (cMi.iie u. ä.) verdrängt 
wurde. In dem letzten der genannten Aufsätze drückt er die Ansicht 
aus, dass man in Moskau im XIII. — XIV. Jahrh. eher okavisch, als 
akavisch sprach ; die heutigen nordgrossruss. Züge der Moskauer Mundart 
gehörten ihr von jeher an, das Akanje wurde aber hierher später vom 
Süden oder Westen hereingetragen, üeberhaupt waren die Südgrenzen 
des nordgrossruss. Dialektes jener Zeit bedeutend südlicher, als jetzt. 

Hierher gehört theilweise auch meine Onncame roBopa ;iep. 
Ilap^eHOKi. (s. oben), welches einer mittelgrossruss. Mundart gewidmet 
ist. Ohne hier die Frage über die Entstehung des mittelgrossruss. 
Dialektes lösen zu wollen und ohne welche Epochen in dessen Ge- 
schichte aufzustellen , stellte ich mir nur zur Aufgabe auf Grund einer 
ausführlichen Analyse der Laut- und Formenlehre und des Lexicons 
genauer das Verhältniss der behandelten Mundart zu den übrigen gross- 
russ. festzustellen. Dabei stellten sich die Wechselbeziehungen der 
nord- und südgrossruss. Elemente in dieser Mundart, sowie überhaupt 
im Mittelgrossruss. heraus, und es bestätigten sich noch einmal die An- 
sichten Sachmatov's und Budde's, dass dem Moskauer Dialekte eine 
nordgrossruss. Mundart zu Grunde liegt. 



Die grossruss. Dialektologie in den letzten fünf Jahren (1897 — 1901). 125 

Einen Versucli, die Gegenwart mit der Vergangenheit zu ver- 
knüpfen, findet man auch in der Abhandlung K. Filatov's OuepHi. na- 
poAHLix'L roBopoBT& BopoHBaccKOH ryö. Leider sind seine Excurse in 
das Gebiet alter Handschriften oft sehr schwach, üebrigens gelang es 
Filatov, zu bestimmen, dass schon im XVII. Jahrh. im Gouv. Voronez 
das Südgrossrussische vorhanden war. 

A. Kikol'skij vergleicht in seiner Beschreibung der Mundarten des 
Kreises Zizdra (s. oben) deren lautliche Erscheinungen mit solchen 
anderer nordgrossruss. Mundarten und streift auch die Geschichte dieser 
Erscheinungen. 

Schliesslich habe ich das Erscheinen zweier neuer Programme zum 
Sammeln der Eigenthümlichkeiten grossrussischer Mundarten zu er- 
wähnen. Das eine wurde von der zweiten Abtheilung der Petersburger 
Akademie für russische Sprache und Literatur an Stelle der vergriffenen, 
im Jahre 1896 von der Abtheilung veröffentlichten ersten zwei Pro- 
gramme 1) herausgegeben. Das neue Programm wurde von V. J. Cer- 
nysov in ganz befriedigender Weise zusammengestellt. Bedauern könnte 
man, dass keine Fragen über Wortbildung aufgenommen sind, während 
in dem Programm für die weissruss. Mundarten, welches Cernysov vor- 
lag, ein solcher Abschnitt vorkommt. Es gibt auch einige kleinere 
Mängel. Dem Umfange nach übertrifft das Programm bedeutend die 
früheren , und das ist theilw'eise das Unangenehme daran , da es 
Sammler abschrecken kann, obwohl anderseits die Ausführlichkeit der 
Fragen , die Fülle der Beispiele u. s. w\ die Arbeit des Beobachters er- 
leichtern und die Antworten vor zu groben Fehlern, Verallgemeine- 
rungen, Ungenauigkeiten u. ä. schützen. 

Um nicht Sammler zu schrecken nnd in dem Wunsche schneller 
Nachrichten über die hauptsächlichsten Eigenthümlichkeiten verschie- 
dener Mundarten zu erhalten, veröffentlichte auch Akad. Sobolevskij in 
der yKasaH CTapHHa (1901, b. 1) eine kurze »üporpaMMa a-iä couHpaHia 
CBiAiHÜi BBjiiiKopyccKHXTE) TOBopaxi.« (S. 112 — 113). Für den Werth 
derselben bürgt der Name des Verfassers. 



1) S. die Eecension darüber im Archiv f. slav. Philol. Bd. XXIII. 
Moskau, 15. (28.) Dec. 1901. N. Durnovo. 



Kritischer Anzeiger. 



Stanisiaw Ciszewski: Ognisko. Studyum etnologiczne. WKra- 
kowie, naktadem akademii umiej^tnosci, 1903. S. VII + 238. (Der 
Herd. Etlinologisehe Studie. In Krakau, Verlag der Akademie der 
Wissenschaften, 1903.) 

In den slavischen Literaturen gehören solche Werke, die das reichlich 
vorliegende, jedoch allerorts zerstreute Material über das allgemeine Völker- 
leben nach Gebühr ausnützen und systematisch behandeln, zu merkwürdig 
seltenen Erscheinungen. Der Mangel an wissenschaftlicher Verarbeitung 
macht sich da mit jedem Tage in dem Grade fühlbarer, als auf der anderen 
Seite die Zahl der Publikationen , die direkt ans dem Munde des Volkes 
schöpfen, immer stärker zunimmt. Gerade unlängst lasen wir diesbezüglich 
eine bittere Aeusserung. Die Vorwürfe, die Herr E. Majewski in der Wisla 
1903, XVII. 760 ff. den polnischen Folkloristen macht, dürften sich mit leich- 
tem Gewissen weit über die polnischen Grenzen hinaus anwenden lassen. 

Schon auf Grund dieser Erwägung müssen wir die obengenannte Publi- 
kation der Krakauer Akademie freudig begrüssen. Sie gab da ein Werk des 
durch seine umfassenden Studien erprobten und durch seine bisherigen 
Sammlungen bekannten polnischen Gelehrten Stanislaw Ciszewski heraus, 
der sich darin die Aufgabe gestellt hatte, die Bedeutung des Feuerherdes 
(ognisko) im Völkerleben zu untersuchen. Das gegen 8 Seiten starke Quellen- 
verzeichniss klärt uns über den geographischen Umfang auf, innerhalb dessen 
der Verfasser sich bewegte. Die weitaus grösste Anzahl der Quellen gehört 
der deutschen und der russischen Literatur an, während von anderen Litera- 
turen noch die böhmische, serbokroatische, französische und polnische heran- 
gezogen wurden. 

Herr Ciszewski wollte offenbar alles in seine Studie aufnehmen, was 
immer mit dem Gegenstande vom Standpunkte der allgemeinen Ethnographie 
in Zusammenhang stand. Er beschränkt sich nicht auf ein einzelnes Volk 
oder eine bestimmte Völkergruppe. Der Feuerherd und seine Bedeutung für 
die Menschheit überhaupt — das ist die Aufgabe seiner Studie. 

Sie zerfällt in zwei Theile, von denen der erste den elementaren, der 
zweite den socialen Kult des Herdes behandelt. 



Ciszewski über Ognisko, ethnologische Studie, angez. von Pivko. 127 

Der häusliche Herd bildet mit dem auf ihm flammenden Feuer zusammen 
einen Gegenstand des Kultes. Mit diesem allgemeinen Satze leitet der Verf. 
den ersten Theil seiner Schrift ein. Nun werden kurze Berichte über die 
Hochachtung und Verehrung des Herdes bei den Albanesen, Armeniern, Kir- 
gisen. Kleinrussen, alten Persern, Scythen und Osseten angeführt. Diese eth- 
nographischen und historischen Quellen entnommenen Berichte darf man, 
sagt der Verf., in die Zahl jener Beweise zählen, die die Existenz und Allge- 
meinheit des Herd- und Feuerkultes bestätigen. Zum Glück, fährt der Verf. 
fort, fehlt es aber auch an anderen noch specielleren ethn. bist. Daten nicht, 
durch deren geordnete Zusammenstellung wir ein vollständiges Bild dieses 
Kultes in seinen verschiedenen Formen erlangen. Die psychologische Ana- 
lyse aller dieser Formen werde dann zum Verständniss jener Grundideen 
leiten, auf denen der ganze Herd- und Feuerkult sich aufbaut (S. 12). 

Der Verf. meint also, dass die Existenz des Herd- und Feuerkultes durch 
eine Anzahl anderer, dem Leser schon bekannter Beweise hinlänglich er- 
wiesen sei, — dass er infolgedessen nur zur Erinnerung einige Zeugnisse an- 
zuführen brauchte. Nun folgen jene »specielleren Daten«. 

Vor allem werden die Anrufungen des Herdes und des Feuers in Be- 
tracht gezogen. Dem Herde und dem Herdfeuer werden öfters Epitheta or- 
nantia beigelegt. So rief die preussische Braut beim Abschied aus dem 
Elternhause dem Herde zu : »Theure, heilige Jungfrau ! « So nennen Lithauer 
stellenweise das häusliche Feuer »heilig«, also ganz wie der alte Römer seine 
Göttin Vesta, die Personificirung des Reichsherdes, nannte. So betiteln 
ferner die Kleinrussen das Feuer: »Theurer Gast!« 

Auch durch Abziehen der Fussbekleidung, durch Niederknien, durch 
Verbeugungen, durch Küsse u.s.w. wird dem Herde Ehre erwiesen. Am besten 
hat sich die Ehrenbezeugung in der Form von Verbeugungen erhalten und 
zwar hauptsächlich in den Hochzeitsgebräuchen der Völker. 

Der Mensch, der dem Herde einerseits auf jede mögliche Art Ehrerbie- 
tung zollt, derselbe Mensch wird sich auf der anderen Seite wohl hüten, den 
Herd zu vernachlässigen oder ihn vielleicht gar zu beleidigen. Vielerorts ist 
es nicht erlaubt, dem Herde beim Stehen oder Sitzen die Kehrseite zuzu- 
wenden ; beim Vorbeigehen darf die schuldige Verbeugung nicht unterlassen 
werden, nie darf ferner der Fuss auf den Herd gesetzt werden u. s. w. Auch 
die Kette, an der der Kessel über dem Herde hängt, spielt eine hervorragende 
Rolle. Bei den Wotjaken darf diese Kette nur im Falle des äussersten Fa- 
milienunglückes herabgenommen werden, da sie (als Amulet) im Stande sei, das 
drohende Unglück abzuwenden. Sehr interessant ist die Bemerkung, in wel- 
chen Ehren eine solche Kette bei den Osseten sich befindet. In der gericht- 
lichen Klage eines Osseten heisst es nämlich charakteristisch: »Nicht genug, 
dass N.N. mir den Sohn erschlagen hatte, — er warf mir sogar meine Haus- 
kette hinter die Thüre«. 

Auch durch unhöfliche Reden könnte sich das Feuer beleidigt fühlen, 
falls solche in seiner Nachbarschaft geführt werden (Weiss- und Kleinruss- 
land u. s. w.). Das Feuer ist ferner zu heilig, als dass es den Kindern zum 
muthwilligen Spiele überlassen werden dürfte. Was jedoch diesen letzten 



128 Kritischer Anzeiger. 

Punkt anbelangt, so darf man auf die Art der Warnungen der Eltern kein so 
grosses Gewicht legen, wie der Verf. es thut, da die Kinder eher aus anderen 
natürlicheren Gründen vom gefährlichen Spiele zurückgehalten werden 
müssen. 

Der Mensch verehrt nicht nur den Herd an und für sich, sondern über- 
haupt alles, was mit diesem in näherer dauernder Berührung steht. Der Be- 
griff des Kultes des häuslichen Herdes müsse daher, so meint der Verfasser, 
um ein Bedeutendes erweitert werden, da in denselben der Kult aller mit dem 
Herde in dauernder Berührung stehenden Gegenstände aufzunehmen ist (S. 18). 

Darum wird zuerst das Fernhalten scharfer und spitziger Gegenstände 
und Werkzeuge vom Herde besprochen. Das Schüren mit solchen Werk- 
zeugen wird bei sehr vielen Völkern als eine strafbare Handlung angesehen. 
Bei den Mongolen und Burjaten ist es nicht einmal erlaubt, in der Nähe des 
Herdes Holz zu hacken. Dass solche Arbeit in der Nähe lebender Wesen ge- 
mieden wird, ist natürlich und ganz verständlich. Einen leblosen Gegenstand 
jedoch wie den Herd können wir uns kaum einer Verwundung ausgesetzt 
denken. Oder hätte der ursprüngliche Mensch seinen häuslichen Herd viel- 
leicht in die Kategorie der lebenden Wesen gezählt? — Vor der Beantwortung 
dieser Frage zieht der Verf. noch einige andere Eigenschaften des Feuers in 
Betracht (S. 20). 

Zwei Momente scheinen dem Menschen beim Feuer am meisten aufge- 
fallen zu sein, aus denen er schloss, dass das Feuer 1. die Gabe der Sprache 
besitze und 2, der Nahrung bedürfe, welche zwei Eigenschaften sonst nur 
lebenden Wesen zukommen. Wenn daher der ursprüngliche Mensch dem 
Feuer diese Eigenschaften beilegte, so musste er es noth wendiger Weise 
unter die lebenden Wesen gezählt haben. Daher scheute er es auch, in un- 
mittelbarer Nähe des Feuers seine Arbeit mit scharfen Werkzeugen zu ver- 
richten. 

Wie war der Mensch zu der Ueberzeugung gelangt, dass das Feuer ein 
lebendes Wesen sei ? Die verzehrende Kraft des Feuers erweckte im Men- 
schen die Vorstellung von der Unersättlichkeit, vom Hunger. Das Knistern 
des verschwindenden Holzes, das Lecken der Flamme, das Aufsteigen des 
Rauches, das Sprühen der Funken — alle diese Erscheinungen mussten im 
Auge des Menschen als Lebenszeichen angenommen werden, wogegen ihm 
das allmähliche Auslöschen des Feuers als der Tod des Herdes erscheinen 
mochte (S. 24). — Die Vorstellung des lebenden Herdes wird oft noch weiter 
ausgeführt, da sich der Mensch jegliches Leben am leichtesten in ausgepräg- 
ter plastischer Gestalt denkt. Bei sehr vielen Völkern findet man die Per- 
sonification des Feuers uni den Glauben an die Feuergeister in menschen- 
ähnlicher Gestalt (S. 24—32). 

Im zweiten Abschnitt des ersten Theiles will uns der Verf. mit ethno- 
graphischen und geschichtlichen Zeugnissen die Existenz des allgemeinen 
Glaubens in die natürliche ideale Reinheit des Feuerelementes beweisen. Der 
alte Hindu hütete sich, nasses oder übelriechendes Holz auf den Herd zu 
legen. Viele Völker halten Thiere, die in ihren Augen als unrein gelten, vom 
Herde fern. Auch der menschliche Leichnam sowie alles, was vom Menschen 



Ciszewski über Ognisko, ethnologische Studie, angez. von Pivko. 129 

herrührt, Speichel, Urin, Haare, ja sogar der Athem ist im Stande, den Herd 
zu verunreinigen. Ebenso sind die Wöchnerinnen in Anbetracht der jung- 
fräulichen Reinheit des Feuers unrein. — Natürlich müssen auch hier alle mit 
dem Herde in dauernder Berührung stehenden Gegenstände dem Herde 
gleich vor Verunreinigung geschützt werden, wie z. B. die vorn erwähnte 
Kette (S. 50). 

Der Glaube an die angeborene Reinheit des Feuers und des Herdes und 
der Gedanke an die Möglichkeit der Entweihung derselben gaben Anlass zu 
besonderen Ceremonien, die bei der Reinigung und neuerlichen Einweihung 
des Herdes vorgenommen werden. Solche Reinigungen fanden bei den 
Parsen, Indern, Griechen und Römern statt. Am weitesten gingen hierin 
wohl die Römer, die die Bewachung des Reichsfeuers im Heiligthum der 
Vesta den vestalischen Jungfrauen überliessen. Logisch schlössen sie, dass 
der Jungfräulichkeit des heil. Feuers nur die allerreinsten Wesen dienen 
dürfen. — Es bleibt jedoch immerhin merkwürdig, dass unter den Alten 
einzig und allein die Römer auf den Gedanken gekommen waren, Vestalinnen 
einzusetzen. 

Die Ueberzeugung von der idealen Reinheit des Herdes und des auf ihm 
brennenden Feuers führte zu dem Schlüsse, dass das Feuer als ein ausge- 
zeichnetes Mittel zur Tilgung der Makel an entweihten Wesen und Sachen 
dienen könnte, dass es sich vorzüglich zur Reinigung eigne. Dass in der 
That viele Völkerschaften diese Kraft des Feuers ausnützen wollten, davon 
gibt uns die ungemein starke Verbreitung der Feuerreinigungsmethoden den 
besten Beweis. Solche Reinigungsgebräuche existiren bis auf unsere Tage 
(S. 57). 

Mittels Feuers ist man im Stande, ansteckende Krankheiten von Leuten 
und Thieren abzuwenden. Die Kraft des Feuers als Reinigungs- und Ver- 
sicherungsmittel gegen die Krankheit ist so gross, dass oft nur die Anwesen- 
heit des Feuers vollständig genügt, um dem Uebel den Zutritt zu den Men- 
schen zu verwehren. Viele Völker sind der Meinung, dass z. B. im Wochen- 
zimmer ohne Unterbrechung ein Feuer unterhalten werden muss, um die 
Mutter und das neugeborene Kind vor bösen Geistern zu schützen. Femer 
lässt das Feuer am Herde das Einschlagen des Blitzes nicht zu. 

Dieses Vermögen wurde bisher dem Herde als dem Ganzen zugeschrie- 
ben. Infolge der Idee der sympathischen Vererbung jedoch und vielleicht 
auch gewisser praktischer Rücksichten wegen dehnten einige Völker diese 
Kraft auch auf Theile des Herdes im weitesten Sinne des Wortes aus, so auf 
Asche, Kohle, schliesslich auch auf Kesselruss und Kaminthon (S. 68). Diese 
Vererbung der Reinigungskraft kann noch weiter verfolgt werden. Der Verf. 
zeigt nämlich in vielen Beispielen, dass Fackeln, Kohle und Asche die vom 
Herde vererbte Kraft auch anderen Dingen mittheilen können, wie z. B. dem 
Wasser. 

Bei primitiven Kulturvölkern werden Verbrechen und Vergehen eben- 
falls mittels Feuers gesühnt, da in den Augen solcher Völker der Begriff des 
Verbrechens mit jenem der Unreinheit unzertrennlich verbunden ist. Einem 
Verbrecher müsse man womöglich aus dem Wege gehen und den geselligen 

.Vrchiv für slavische Philologie. XXVU. 9 



130 Kritischer Anzeiger. 

Verkehr mit ihm bis zur Wiedererlangung der Eeinheit, die durch die Ver- 
mittelung des unbefleckten Feuers am ehesten zu bewerkstelligen sei, gänz- 
lich einstellen. So kommt es, dass dem Herde und dem Feuer in den soge- 
nannten Gottesurtheilen, in Schwüren und in allerlei Betheuerungen und Be- 
schwörungen eine so wichtige Rolle zufiel. Dies ist jedoch im Grunde ge- 
nommen nur eine besondere Abart der allgemein verbreiteten Feuerreinigungs- 
methoden. Hier stellt der Verf. einige Zeugnisse über Betheuerungen und 
Schwüre im Namen des Feuers zusammen, mit denen viele Stämme die Wahr- 
heit der Aussagen bekräftigen wollen (S. 78). 

Im dritten Abschnitt beschäftigt sich der Verf. mit der Sammlung der 
Zeugnisse über die Nothwendigkeit einer steten und ununterbrochenen Pflege 
des häuslichen Herdes — der einfachsten Form des elementaren Feuerkultes. 
Die Pflege des Feuers besteht hauptsächlich aus der Sorgfalt, mit der man 
wohl bei allen Völkern mit dem Feuer umzugehen sich bestrebt (Zusammen- 
fegen der Glut, Zudecken derselben u. s. w.). Man scheut es, das Feuer aus- 
zulöschen. Die Beschüttung der Glut mit Asche erscheint dem Verf. aus ur- 
alten heidnischen Kultgebräuchen zu stammen, während er die Beschüttung 
mit Salz und Kümmel (Hessen) als einen viel später eingedrungenen Gebrauch 
bezeichnen möchte, der auf rein christlichen Ursprung hindeute. — 

Bei der Existenz des allgemeinen Prinzips der sorgfältigen steten Pflege 
des Feuers kann man sich jene Vorschriften, die die entgegengesetzte Hand- 
lungsweise verbieten, leicht erklären. Hierher gehört das Verbot des Aus- 
einanderschürens und des Feuerlöschens mittels Wasser, welch' letzteres 
mehrere Erklärungen zulässt. Jene Völker, bei denen das Feuer und das 
Wasser als einander völlig entgegengesetzte Elemente gelten oder als zwei 
Brüder zueinander im Verwandtschaftsverhältniss stehend angesehen werden 
(Parsen, Armenier u.s.w.), lassen keine Berührung beider Elemente zu, da es 
einem Brudermorde gleichzustellen wäre, falls das Feuer unter Wasser 
stürbe. — Noch öfters treffen wir das Verbot des Feuerlöschens überhaupt 
an, da man hierdurch das Feuer des Lebens beraube, was dem Prinzip der 
Feuererhaltung und Feuerverehrung widerspricht. (Das Zudecken mit Asche 
ist kein Löschen, vielmehr Streben zur Erhaltung des Feuers S. 87.) 

Das Zulegen von Holz bildet die eigentliche Erhaltung, gleichsam Fütte- 
rung des Feuers. Das Holz, das der Mensch den Flammen zum Verzehren 
vorlegt, ist Gabe und Opfer zugleich — wohl die einfachste Opferform, die 
der Mensch dem Feuerelement darbringt. Die Idee, dem Herde vollkommenere 
Opfer in der Form von Speise und Trank zu widmen, muss man mit der Vor- 
stellung des personificirten lebenden Herdes in Verbindung bringen, die die 
einfache Abspeisung mit Kolz als ungenügend finden musste (S. 95). 

Im zweiten Theile bespricht der Verf. die socialen Funktionen des Her- 
des, um uns in das Wesen des gemeinsamen Herd- und Feuerkultes einzu- 
führen. Der Herd ist ein vereinigendes sociales Centrum. Personen, die zu- 
sammen einen gemeinschaftlichen Herd besitzen, befinden sich infolgedessen 
zu einander im Solidaritätsverhältniss und heissen Herdgenossen. In erster 
Linie muss die Familie als eine solche Gruppe genannt werden, sowohl die 
engere als auch die erweiterte, sog. patriarchalische Familie. In den Kreis der 



Ciszewski über Ognisko, ethnologische Studie, angez. von Pivko. 131 

Herdgenossen treten ferner noch Schutz suchende Personen, Sklaven, Diener- 
schaft, Lehrlinge, ja sogar Hausthiere. 

Dieselbe Rolle des vereinigenden Centrums übernimmt der Herd in 
grösseren Gruppen der Geschlechter und Stämme. 

Die Aufnahme in die Genossenschaft geschieht stets unter besonderen 
symbolischen Ceremonien. Selbst die der Genossenschaft entsprossenen 
Personen müssen sich als Herdgenossen symbolisch legitimiren, da ihre 
Genossenschaftsrechte durch Geburt allein nicht gesichert sind. Fast überall 
treffen wir in den Geburts- und ganz besonders in den Hochzeitsgebräuchen 
solche Legitimirungen, die heute vom Volke meistens nicht mehr verstanden 
werden. — Fremde, von aussen kommende Personen müssen einen zweiten 
Weg zur Erlangung der Herdgenossenschaftsrechte betreten, den der Adop- 
tirung. Auf diesen Abschnitt hat der Verf. ganz besonderen Flelss verwen- 
det und ihn viel reichlicher mit Zeugnissen belegt als die übrigen Theile. 
Hier möge der kurze Hinweis genügen (S. 99 — 159). 

Der ursprüngliche Mensch dachte sich das jenseitige Leben ganz dem 
hiesigen analog. So kommt es, dass er der Meinung war, dass sich die Seelen 
der Ahnen in den elyseischen Feldern geradeso wie ihre lebenden Nachkom- 
men auf Erden nach Herdgenossenschaften gruppiren. Die Bedürfnisse der 
Todten sind natürlich ganz menschlicher Art, vor allem müssen sie essen und 
trinken. Sie werden befriedigt, wenn man ihnen auf den Herd Speisen wirft 
und Tropfen der Getränke giesst. Der Herd vertritt hier die Stelle des Al- 
tars, übt also die Funktion des Vermittlers zwischen der irdischen und jen- 
seitigen Herdgenossenschaft aus. 

Vom Herde ist schliesslich das ganze Geschick der Herdgenossenschaft 
abhängig, sein Leben sichert dieser ein gutes Gedeihen, während sein Tod 
(beim Erlöschen) das Absterben der ganzen Gruppe zur Folge haben müsste. 

Stark angewachsene Genossenschaften unterliegen dem natürlichen 
Spaltungsprocess. Vom Muttergeschlecht lösen sich neue Flügel ab, von der 
grossen patriarchalischen Familie trennen sich neue Familien des gewöhn- 
lichen Typus und aus dem Stamme treten einzelne Kolonistengruppen heraus 
u. s. w. Mit diesen Spaltungen hängen sehr interessante Ceremonien zusam- 
men, bei denen der Herd und das Feuer eine wichtige Rolle spielen. Dem abwei- 
chenden Flügel wird etwas Glut aus dem mütterlichen Familien-, Geschlechts- 
oder Stammesherde mit in die neue Heimat gegeben, damit sich die neue 
Gruppe ein festes neues Centrum schaffe. Der alte Herd verleiht Glück und 
Wohlergehen. Damit hängt auch die Meinung zusammen, dass durch die 
Entwendung des Feuers aus dem Herde der Genossenschaft zugleich das 
Glück entwendet werde. Viele Völker weigern sich deshalb, fremden Per- 
sonen das Feuer herauszugeben. Dieser Glaube herrscht selbst bei den vor- 
geschrittensten europäischen Nationen. 

Der gemeinsame Herd- und Feuerkult hat überall in der allgemeinen 
socialen Evolution der betreffenden Stämme seinen Grund. Mit diesem Be- 
weis und mit einem Anhang über den Namen des Herdpatrones bei den Os- 
seten, Safa, schliesst die Schrift (S. 238). 

Hiermit habe ich den reichen Inhalt der Studie nur in den allgemeinsten 

9* 



132 Kritischer Anzeiger. 

Zügen angedeutet. Eine jede der aufgestellten Behauptungen wird durch 
zahlreiche, lose aufeinanderfolgende Zeugnisse beleuchtet. Mit dieser Me- 
thode des Verf. können wir uns nicht ganz befreunden. Er gelangt wohl zu 
schönen Resultaten, doch sind diese durch einen aus zusammengewürfelten 
Steinen verschiedenster Art zu Stande gekommenen künstlichen Aufbau er- 
zielt. Der Verf. hat nämlich in seiner Studie der Herbeiziehung von bist, und 
ethnogr. Zeugnissen keine Grenzen gesetzt und auf Grund seiner Sammlungen, 
die zwar sehr mannigfaltig sind, aber keineswegs auf irgendwelche Vollstän- 
digkeit Anspruch erheben können, gleich eine Gesammtdarstellung der Be- 
deutung des Herdes im Völkerleben zu geben unternommen. Daher kommt 
es, dass die Schwierigkeiten, die bei der Abfassung ähnlicher Werke stets 
auftreten, selbst durch den ausserordentlichen Fleiss des Verf. nicht beseitigt 
werden konnten. Die Studie ist unvollständig, wie es bei diesem Plane 
anders nicht sein kann. Ausserdem lässt seine Schrift nicht erkennen, auf 
welche Vorarbeiten er sich dabei stützte. In dem Gebotenen war er gezwungen , 
sich einen jeden einzelnen Baustein selbst zu holen. Dabei bekommt man 
öfters den Eindruck, dass er von seinem Bestreben nach Allgemeinmensch- 
lichem geleitet in wildfremden Gebieten herumstreift, ohne vorher das ein- 
heimische, näher liegende Material gehörig ausgenützt und erschöpft zu 
haben. Fast alle Völker sind in der bunten Studie vertreten, das eine mehr, 
das andere weniger, je nach dem Glück, welches den Verf. auf der Suche 
nach Zeugnissen begleitete. Aber wir sind nicht in der Lage, uns nur ein 
einziges vollständiges Bild zu machen, woraus der ganze Werth und die 
wahre Bedeutung des Feuerherdes bei irgendeinem Volke klar zu ersehen 
wäre. Man wird jetzt wohl an Specialuntersuchungen in kleinen festen 
Grenzen denken müssen, um auf solcher Grundlage der Bedeutung des 
Feuerherdes im allgemeinen Völkerleben sichere Stützen zu liefern. Bevor 
dies nicht geschieht, wird jeder derartige grosse Versuch gewagt sein. 

Aber selbst die als Quellen angeführten Werke wurden in der vorliegen- 
den Studie nicht immer ganz ausgenützt. Ueber Altserbien besitzen wir — um 
ein Beispiel anzuführen — ein in ethnographischer Beziehung grundlegendes 
Werk von I. S. Jastrebov, Oöbi^an h nicHU lypeuKuxt CepöoBi., IItö. 1S86 (Ge- 
wohnheiten und Lieder der türkischen Serben, Ptb. 1886), dem wir nur we- 
nige ähnliche Arbeiten zur Seite stellen können. H. Ciszewski führt dieses 
Werk unter seinen Quellen an und erwähnt es an 4 Stellen der Studie. Wie 
viele Stellen, die den Herd betreffen und die wenigstens ebenso wichtig sind 
wie die angeführten, wurden da gänzlich unberücksichtigt gelassen! 

Auf der anderen Seite hat der Verf. Exkursen, die gar nicht in das 
Werk gehören, Raum geboten. Auf S. 42 spricht er von der Entweihung des 
Herdes durch die Anwesenheit einer Wöchnerin. Dieser Punkt gibt ihm zu 
einer breiten Darstellung Anlass, in welcher er (auf beinahe 10 Seiten) den 
Beweis zu erbringen sucht, dass viele Völker das Weib allgemein und zu 
gewissen Zeiten für besonders gefährlich und unheilbringend halten. Das 
Werk ist ja aber »Ognisko« betitelt ! 

Dessenungeachtet fesselt die grosse Fülle von interessanten geschicht- 
lichen und ethnographischen Daten und der leichte erzählende Ton den 



Surmin's Wiedergeburt, angez. von V. Jagic. 133 

Leser im hohen Grade. Auch wird die Studie bei weiteren Forschungen auf 
diesem Gebiete ein gutes Hilfsmittel abgeben und als solches begrüsseu 
wir sie. Ludwig Pivko. 



V 

Hrvatski preporod. Napisao Büro Surmin (Die kroatische 

Wiedergeburt von Universitätsprofessor Gjuro Surmin) I. Od godine 

1790 do 1836. Zagreb 1903. 8^. VII. 203, 043. II. Od godine 

1836 do 1843. Zagreb 1904. 8«. 287, 040. 

Die russische und polnische Literatur hatten sich früher mit der unter 
dem Namen des Illyrismus bekannten kulturpolitischen Bewegung befasst, 
als zu Hause selbst, in Kroatien, dieser wichtige Abschnitt des Kulturlebens 
seinen Bearbeiter gefunden. Ueber die betreffenden Werke Kulakowskij's 
und Zdziechowski's wurde im Archiv, B. XVII, S. 304— 306 und B. XXV, 
S. 317 — 320 kurz berichtet. Um so mehr ist es jetzt die Pflicht der Zeitschrift 
auch das Hauptwerk, das bereits zwei Bände umfasst und bis zum Schluss 
des Jahres 1842 reicht, einer Besprechung zu unterziehen. Es war in der 
That schon beim Erscheinen des ersten Bandes ein berufener Referent in Aus- 
sicht genommen, dessen andauernde Krankheit leider sowohl unsere Zeit- 
schrift um einen kritischen Beitrag, aber auch den Verfasser des Werkes um 
verdiente Anerkennung gebracht hat. Das Werk Prof. Surmin's beabsichtigt, 
wie es auch anders kaum möglich wäre, das ganze geistige Leben der Kroaten 
in der Periode zwischen 1790 und 1850, in welche Zeit der Kampf um die 
Rechte der Sprache und Nationalität und um die politische Sonderstellung 
innerhalb der Länder der ungarischen Krone fällt, in zusammenhängender 
Erzälung zu schildern, abwechselnd bald das Bild der politischen bald der 
literarischen Zustände uns vorzeigend. Die zur Pflege und Sicherung der 
Nationalsprache verlangten Garantien, durch die nationale Bewegung der 
Magyaren zu Gunsten ihrer Sprache hervorgerufen, nahmen früher eiuen 
politisch-nationalen als literarisch-kulturellen Charakter an. In Agram und 
Pressburg kamen zuerst in den politischen Versammlungen der Stände diese 
Fragen zur Sprache. Die Kroaten als die Schwächeren wehrten lange Zeit 
den aggressiv auftretenden Magyarismus so ab, dass sie sich hinter die 
Schutzmauer der althergebrachten Herrschaft der lateinischen Sprache ver- 
krochen, wobei die Abneigung vor Concessionen an den dritten und vierten 
Stand nicht die letzte Rolle spielte. Der Illyrismus war nur ein späterer Ein- 
schlag in dieser Bewegung, seitdem sie beinahe unbewusst eine demokratische 
Richtung annahm. Freilich verschaffte gerade das der ganzen Bewegung 
eine grössere Tragweite, eine neue Idee bemächtigte sich ihrer, die den 
Kämpfern um das natürliche Recht der Nationalität festeren Boden gab und 
zahlreiche Kampfgenossen zuführte. Die Idee kulminirte nicht in dem Auf- 
sehen erregenden Namen, wenn auch dieser am heftigsten bekämpft wurde. 
Der Bureaukratismus hatte sich wieder einmal gewaltig getäuscht, wenn er 
mit dem Verbot des Namens auch die Idee glaubte eonfisciren zu können! 



134 Kritischer Anzeiger. 

Die Idee verfolgte sprachlich-literarische Einigung der bisher in provinzieller 
Isolirtheit vegetirenden Theile des Ganzen, worunter man zanächst an Kro- 
atien, Slavonien nebst der Militärgrenze und Dalmatien dachte, die kühner 
dem Flug ihrer Phantasie folgenden gingen auch weiter und rechneten das 
österreichische Illyrien dazu, ferner Bosnien und selbst Serbien, Montenegro 
und sogar Bulgarien. Die Hauptverfechter dieser Idee, die Provinzialkroaten 
mit Agram an der Spitze, hatten dabei allerdings ein in der slavischen Welt 
selten begegnendes Opfer der Selbstverläugnung gebracht, sie entsagten 
ihrem seit zwei Jahrhunderten literarisch gepflegten Localdialect zu Gunsten 
der sie umgebenden Majorität, wobei ihnen namentlich das hohe Ansehen der 
einstigen Republik Ragusa mit ihren klassischen Dichtern vorschwebte. Aber 
anders ging es nicht. Nur um dieses vernünftige Opfer war das schöne Ziel der 
literarischen Einigung erreichbar. Als Entschädigung dafür bekamen sie nach- 
her, nachdem sich die Verhältnisse geklärt hatten, statt des todten ihren leben- 
den ethnischen Namen zurück, mit einer kleinen Aenderung in der Form: die 
raagyarisirte Benennung Horvat, horvatski wurde durch den einheimischen 
Namen Hrvat, hrvatski ersetzt. Wenn man jetzt an der Hand der beiden 
Bände des Werkes Surmin's die gewaltigen Schwierigkeiten sich vergegen- 
wärtigt, die sich von innen und aussen kommend gegen die dem Illyrismus 
zu Grunde liegende Idee aufthürmten und doch glücklich überwunden 
wurden, so wird man ohne Uebertreibung sagen dürfen, hier habe einmal die 
innere Wahrheit der Sache zum Siege verholfen. Ja wie so zum Siege , wird 
man sagen, da ja der Illyrismus vom Schauplatz verschwunden, höchstens 
vielleicht noch in der k. und k. österr.-ungar. Marineakademie zu Fiume als 
Lehrgegenstand fortlebt. Das ist allerdings richtig und doch fühlt es jeder 
unbefangene Beurtheiler jener denkwürdigen Epoche, dass mit der Beseiti- 
gung des Namens das Wesen der Sache selbst keinen Schaden erlitten hat. 
Ja das gewonnene Resultat steht so fest, mit jedem Decennium fester, dass 
es selbst Bürgschaften für die weitere Evolution jener Idee in sich schliesst. 
Doch kommen wir zum Werk ^urmin's. Ich halte es für eine sehr zeit- 
gemässe, dankenswerthe und im Ganzen wohlgelungene Publikation, die 
namentlich der heutigen jüngeren Generation viel Belehrung zuführen dürfte, 
die sie aus keinem anderen Werk in gleicher Ausführlichkeit schöpfen kann. 
Einiges zur Sache hatte allerdings der 80. Band des Agramer akademischen 
»Rad« geliefert. An das dort Gebotene wird auch hier angeknüpft. Soll ich 
von diesem Gesichtspunkte ausgehend einige Worte über die Leistung 
Surmin's sagen, so muss ich ihm die Anerkennung zollen, dass er mit grosser 
Gewissenhaftigkeit das ihm zugänglich und bekannt gewesene Material ver- 
wertet und unter Abwägung aller Umstände ein möglichst treues, objectiv 
gehaltenes Bild der Thatsachen und Verhältnisse zu entwerfen bemüht war. 
Es ist damit nicht gesagt, dass er überall die Ereignisse erschöpfend be- 
handelt. Er scheut sich nicht, öfters selbst auf die Lücken in unseren bis- 
herigen Kenntnissen der Thatsachen und Motive hinzuweisen. Neue Quellen, 
neue Documente, die gewiss noch in Ungarn und Oesterreich in nicht geringer 
Zahl stecken mögen, werden mit der Zeit die eine oder andere dieser Lücken 
auszufüllen helfen. Schade, dass man hinzufügen muss, dass auch von den 



Surmin's Wiedergeburt, angez. von V. Jagid. I35 

dem "Verfasser zugänglich gewesenen Archivalien und autobiographischen 
Aufzeichnungen oder Memoiren viele noch immer das Licht der Oeffentlich- 
keit zu scheuen scheinen. Oder soll ich die Epigonen der Indolenz anklagen, 
dass sie sich um die monographische Behandlung solcher Fragen, aus denen 
ein Werk wie das Surmin's hervorgeht, gar nicht kümmern? Niemand wird 
auffallend finden, dass der Verfasser in den Partien seines Werkes, wo 
Gegensätze der magyarischen und kroatischen Auffassung hervortreten , den 
kroatischen Standpunkt einnimmt. Er ist unbefangen genug in vielen anderen 
Punkten, die nicht die Magyarisirungstendenzen betrafen, der energischen 
Vertretung der constitutionellen Rechte seitens derselben Magyaren volle An- 
erkennung zu zollen. Vielleicht hätte man hier und da ein näheres Eingehen 
auf die Argumentation der Gegenpartei erwarten können, um den Lesern 
auch die Kehrseite des Bildes zu zeigen. Es ist mitunter sehr belehrend, den 
Gesichtspunkt des Gegners zu kennen. 

Um auf den Inhalt einzelner Kapitel näher einzugehen, möchte ich be- 
treflfs des ersten die Bemerkung mir erlauben, dass in diesem die schwäch- 
liche Vertretung der kroatischen politisch-nationalen Individualität zwischen 
1790 und 1830 viel zu kurz behandelt wird. Es scheint fast, als ob der Ver- 
fasser hier auf die Wiedergabe der Ansichten Anderer (z. B. Smiciklas) sich 
hätte beschränken wollen. Ich befürchte, dass so manchem jüngeren Leser 
des Buches das ganze Bild der jämmerlichen Zustände jener vierzig Jahre 
nicht klar genug vor die Augen treten wird. Und doch wie wichtig waren die 
Ereignisse, die sich während jener Zeit abspielten. Die Einflüsse des Jose- 
phinismus, die französische Herrschaft, die Reaction. War man in Kroatien 
so stumpfsinnig, dass alle diese Ereignisse an Zeitgenossen wirkungslos ab- 
prallten? Das zweite Kapitel, das parallel zum ersten die literarischen Be- 
strebungen jener Zeit zur Sprache bringt, befriedigt mehr, und doch fällt es 
auf, dass der Verfasser keinem einzigen Slavonier dieser Zeit eine gleiche 
Aufmerksamkeit schenkte, wie den kajkavischen Schriftstellern. Ein Krm- 
potic, Lanosovic, Cevapoviö u. A. werden gar nicht erwähnt, ein Katancic, 
Reljkovic, Maudic, Nagy nur ganz kurz. Das dritte Kapitel, das mit dem 
politischen Leben während der Jahre 1830 — 1835 uns vertraut machen soll, 
bleibt ebenfalls hinter dem nächstfolgenden literarischen Bild derselben Zeit 
weit zurück. Ob die Ueberschrift , die ihm der Verfasser vorlegte : »Hrvati 
odlucuo braue stara svoja prava« wirklich gerechtfertigt ist, will ich dahin- 
gestellt sein lassen. Einzelnen Namen, wie Graf Janko Draskovic oder Derkos, 
die mit politischen Broschüren die Gesellschaft zur Vertheidigung ihrer natio- 
nalen Rechte aufrütteln wollten, steht die Energielosigkeit vieler Anderer 
gegenüber,um von verblendeten Vertheidigern des gegnerischen Standpunktes 
in der Art eines Salopek gar nicht zu reden. Das Hauptgewicht des ersten 
Bandes fällt auf das vierte und letzte Kapitel, das die literarische Thätigkeit 
zwischen 1830 und 1835 behandelt, auf S. 114— 223, also die Hälfte des ganzen 
Bandes umfasst. Die Ausführlichkeit dieses Kapitels erklärt sich daraus, 
dass hier der Hauptheld der ganzen Bewegung, Ljudevit Gaj, und zwar zu- 
nächst mit seinen Jugendjahren zur Darstellung kommt. Wenn wir auch 
nicht viel neues erfahren, sind die biographischen Daten doch hübsch gruppirt 



1 36 Kritischer Anzeiger. 

und die Eindrücke, die der schwärmerische Jüngling aus seinem lebhaften 
Verkehr mit Landsleuten und anderen Slaven auf seiner Studienreise gewann, 
recht anschaulich dargestellt. Allerdings möchte ich mich auf seine auto- 
biographischen Notizen nicht ganz verlassen, Gaj liebte seinen einzelnen 
Schritten und Entschlüssen poetische Verklärung beizulegen oder sie in 
einem höheren Lichte erscheinen zu lassen. Ich erinnere mich einer Er- 
zählung seiner Freunde, wie er einmal in Zagorien bei einem trostlosen Weibe, 
dessen Kind gefährlich krank war, die Rolle des Heilandes spielen wollte, 
doch versagte der Erfolg. Er mag öfters, halb unbewusst, solche Rollen ge- 
spielt haben, die vielleicht auch seinen Fall zuletzt mitverschuldeten. Das 
Buch ^urmin's, ohne gerade in einen Fanegyrikus auf Gaj auszuarten, lässt 
ihm volle Gerechtigkeit widerfahren. Ich rechne ihm das hoch an. Er legte 
keinen einseitigen Massstab auf die Beurtheilung dieses merkwürdigen 
Mannes an: weder als Schriftsteller, noch als Gelehrter, noch weniger als 
Dichter leistete Gaj Bedeutendes. In jeder von diesen Beziehungen waren 
ihm einzelne von der Umgebung weit überlegen. Und doch war er etwas, 
was allen anderen fehlte, er war ein zur Führung geborener Geist, ein wenn 
man will höherer patriotischer Agitator, in welchem die fascinirende Kraft 
der poetisch angehauchten Beredtsamkeit mit dem praktischen Blick für die 
wahren Bedürfnisse des nächsten Augenblickes glücklich gepaart war. Man 
muss die übrigen Kampfgenossen persönlich gekannt haben, um zu begreifen, 
wie sie ganz und gar nichts ohne Gaj in der grossen Aufgabe, das nationale 
Bewusstsein in allen Sphären des Lebens zu erwecken und zu Thaten auf- 
zurütteln, hätten erreichen können : der tiefsinnige Dichter Iv. Mazuranic war 
im hohen Grade schwerfällig, um nicht zu sagen indolent; Demeter hatte nur 
viel Sinn fürs Theater; A. Mazuranid und V. Babukic waren brave, pflicht- 
getreue Vollführer fremder Aufträge; St. Vraz fühlte nicht den festen Boden 
unter Füssen, er zog vor, sich ästhetischen Betrachtungen und ethnographi- 
schen Interessen hinzugeben. Allen zusammen ging praktischer Sinn, Be- 
geisterung, Ehrgeiz und Rührigkeit Gaj's gänzlich ab. Er verstand andere 
für sich arbeiten zu lassen. Ich erinnere mich noch der Erzählung, die einst 
A. Mazuranic zum besten gab über die Schwierigkeiten, die das Redactions- 
comite zu überwinden hatte um den bekannten »Oglas« zu Stande zu bringen. 
Bis tief in die Nacht waren sie damit beschäftigt um die richtigen Ausdrücke 
zu finden. Selbst solche Worte, wie narod, erregten Bedenken. Wie schade, 
dass der alte Mann, der in den letzten Jahren seines Lebens einem wandeln- 
den Schatten glich, solche Scenen nicht niederschrieb ! Mit der Proklamation 
des lUyrismus für die Sprache, Literatur und die ganze nationale Bewegung, 
die für den Anfang des Jahres 1836 angekündigt wurde — einzelne Stimmen 
der Illyrier aus verschiedenen Gegenden hatten sich schon früher gemeldet 
— beschliesst der erste Band des ^urmin'schen Werkes. Ich hätte hier seitens 
des Verfassers eine Auseinandersetzung der Motive erwartet , die Gaj und 
seinen Kreis veranlassten jetzt mit dem proklamirten lUyrismus anzufangen. 
Der ganze zweite Band, der an Umfang um etwa 60 Seiten stärker ist, 
als der erste, ist den äusseren und inneren Begebenheiten des lUyrismus 
während eines Zeitraumes von sieben Jahren (1836 — 1842) gewidmet. So 



Sarmin's Wiedergeburt, angez. von V. Jagid. 137 

reichhaltig sammelt sich der Erzählungsstoff an, wenn man tief in die dama- 
ligen Zeitströmungen und die Geisterrichtung der Gesellschaft eindringt. 
Warum der Verfasser diesen reichen Inhalt nur in drei Kapitel eingetheilt, 
warum er z. B. nicht aus dem fünften Kapitel, das die Jahre 1836 — 1839 um- 
fasst, in der bisher beobachteten Weise zwei getrennte Kapitel, ein kultur- 
politisches und ein literarisches, gemacht hat, das entzieht sich meiner Ein- 
sicht. Hat er ja doch den nächsten Zeitraum, nämlich die Jahre 1839 — 1842, 
in der That wieder in zwei Kapiteln behandelt, deren erstes (das jetzige 
sechste) über die politischen Angelegenheiten dieses Zeitraumes, zweites (das 
jetzige siebente: über die literarisch -kulturellen Angelegenheiten referirt. 
In ähnlicher Welse hätte es sich empfohlen aus dem fünften Kapitel die 
Schilderung der politischen Situation in Ungarn und Kroatien während der 
Zwischenzeit der beiden Reichstage, des im Jahre 1836 geschlossenen und des 
im Jahre 1839 eröffneten, dann die Bemühungen des immer bewusster auf- 
tretenden lUyrismus durch Gründung von Lesevereinen und mittelst der 
theatralischen Vorstellungen den Regungen des nationalen Individualismus 
entgegenzukommen, endlich die Bekämpfung der illyrischen Richtung seitens 
der wenigen Vertreter des engen Provinzialpatriotismus, wobei leider die 
Einmischung Kopitars keine schöne Rolle spielte, — alles das als ein eigenes 
nichtliterarisches Kapitel herauszuheben, um den literarischen Erzeugnissen, 
die allerdings fast ausschliesslich in der »Danica ilirska« zum Ausdruck 
kamen, ein entsprechendes parallelgehendes Kapitel zu überlassen. Doch 
diese Desiderata berühren Nebensächliches. Wichtiger ist es hervorzuheben, 
dass die Darstellung des Verfassers sich durch ruhige Auffassung auszeichnet, 
dass sie Thatsachen sprechen lässt und dem Leser überlässt, wenn er will, 
ein schärferes Urtheil auszusprechen, als er es selbst thut. Das gilt sowohl 
über das Verhältniss der Slovenen zu dem Illyrismus wie über das der meisten 
Serben. Man kann die Ruhe des Verfassers gegenüber diesen beiden dem 
Illyrismus abhold gewesenen Tedenzen nicht genug loben. Für jene Zeit 
konnte ja der Illyrismus weder in sprachlicher Beziehung noch nach ästheti- 
schem oder wissenschaftlichem Werth seiner Leistungen auf solche Literatur- 
producte hinweisen, die den skeptischen und befangenen Beobachtern dieser 
Bewegung von rechts und links Bewunderung eingeflösst hätten. EinVrazwar 
zu schwach, um die Mehrzahl der Slovenen mit sich zu reissen, dagegen ein 
Presern reichte hin, um die neue Richtung zu hintertreiben. Dass der Verfasser 
dennoch sein Bild in das Werk aufnahm (zur S. 60 — 61), zeugt von seiner milden 
Beurtheilung; eigentlich gehört es nicht hinein. Ja man könnte vielleicht 
sagen, dass selbst Vraz nicht den richtigen Weg damit eingeschlagen, dass er 
die Pflege des Slovenischen gänzlich aufgab. Dadurch konnten ja seine 
Landsleute nur zurückgeschreckt werden, zumal die Krainer, denen es doch 
nicht so leicht war ihren Dialect aufzugeben, wie den Provinzialkroaten, die 
sich mit den sto-sprechenden Slavoniern in einem fort berührten, mit ihnen 
politisch und kirchlich vereinigt waren. Wenn man so von Wünschen eines 
Jarnik oder Mursec hört, da muss man von neuem den praktischen Scharf- 
blick Gaj's bewundern, der auf die gewünschten Compromisse nicht einging. 
Um den Preis einiger grammatischer Formen waren ja die Slovenen so wie so 



138 Kritischer Anzeiger. 

nicht zu haben und Gaj hätte riskirt seine schöne Idee selbst bei Slavoniern, 
Dalmatinern und anderen Sto-sprechern kalt zu stellen. Noch lehrreicher sind 
in dem Werke Surmin's die Aeusserungen über den von den Serben gegenüber 
dem Illyrismus eingenommenen Standpunkt. Mit Eecht geht der Verfasser 
darauf mit Sorgfalt ein. Es sind ja seitdem ungefähr siebzig Jahre verflossen, 
die befruchtende Kraft der dem Illyrismus zu Grunde liegenden Idee hat den- 
noch nicht aufgehört fortzuwirken. Sie modificirt sich in der Form, aber ihr 
Wesen bleibt aufrecht, sie hat noch heute mit inneren und äusseren Wider- 
sachern zu kämpfen, allein sie macht Fortschritte und das spricht für ihre 
Berechtigung, für ihre Wahrheit. Auf die Fülle des Erzählungsstoifes der 
beiden letzten Kapitel will ich gar nicht näher eingehen. Wer sie durchliest, 
wird mit Befriedigung das Buch niederlegen, selbst wenn im Einzelnen 
manches nachgetragen werden könnte , namentlich nach Aeusserungen in 
fremden Literaturen, politischen Broschüren, periodischen Zeitschriften u. s. w.. 
die ich für dieses Werk fast gar nicht herangezogen finde. Das wird übrigens 
nachträglich geschehen können, wenn die Aufmerksamkeit des lesenden 
Publikums, wie man es erwarten sollte, den Verfasser zu neuen Auflagen auf- 
muntert. Da ich den Plan der weiteren Darstellung nicht kenne, so weiss 
ich auch nicht, ob sich der Verfasser in bisheriger Weise mit der fortlaufen- 
den Erzählung an dem Faden der aufeinanderfolgenden Ereignisse begnügen 
wird, oder ob in seinem Werke auch gewisse Ruhepunkte eintreten werden, 
die er dazu benutzen könnte, uns eine Charakteristik der Hauptrepräsen- 
tanten der ganzen Bewegung zu liefern. Ich würde das entschieden wün- 
schen. Es ist ja nicht genug an dem, dass vor dem Leser eine ganze Reihe 
von Namen theatralisch einherschreitet, er möchte mit einigen Worten auch 
den Charakter der Träger jener Namen geschildert sehen. Z. B. im zweiten 
Band des »Preporod« kommt Banus Vlasic einige Male, aber immer nur 
nebenbei zur Sprache, und doch ist die Rolle, die die Baue seit jeher in 
Kroatien gespielt haben, keine unbedeutende. Wer kann sich nun nach den 
abgerissenen Bemerkungen über Vlasic in diesem Buche ein anschauliches 
Bild schaffen? Ob wir von Haller, Haulik u.v.a. mehr erfahren werden, 
weiss ich nicht, und doch wäre das ebenso wünschenswerth, wie eine zu- 
sammenfassende Charakteristik der Männer aus der nächsten Umgebung 
Gaj's. Ich empfehle dieses Desiderium der freundlichen Erwägung des Ver- 
fassers. V. J. 



Zur Phonetik des Dialectes von Polstrau, von Prof. Dr. K. Ozvald. 
Im 54. Jahresberichte des k. k. Staatsgymnasiums in Görz. 1904. 

S. 1—16. 

Einen willkommenen Beitrag zur Kenntniss der slovenischen Dialecte 
Steiermarks hat uns heuer Herr Dr. K. Ozvald geliefert. Schade nur, dass 
solche oft recht wertvolle Beiträge bei der Unzugänglichkeit der Gymnasial- 



Ozwald, Dialect von Polstrau, angez. von Grafenauer. 139 

Programme, die im Buchhandel gewöhnlich nicht zu finden sind, meist unbe- 
achtet gelassen werden und der Vergessenheit anheimfallen*). 

Der Polstrauerdialect ist desshalb interessant, da sich bei ihm Erschei- 
nungen der steierischen Dialecte mit den äussersten Ausläufern jener Er- 
scheinungen verbinden, die dem Jaunthalerdialecte in Kärnten eigenthümlich 
sind. Ersteres ist der Ersatz des Halbvocales durch e auch an unbetonter und 
schwachbetonter Stelle, die Behandlung des t als mittleres l ausser im Part. 
Perf. IL, dieses die eigenartige Behandlung des w vovj: "fwa, prcV'ß ko"j, dem 
im Jaunthalerdialecte dasselbe entspricht: svija {i für nasalirtes i) kuhtja, 
zaklfjeti u. 8. w. Auch die Aussprache des starkbetonten a als o (Ozvald 
schreibt a, dessen Aussprache von der eines offenen o um nichts abweicht) 
ist neben mehreren steierischen Mundarten dem Jaunthalerdialecte eigen. 
Interessant ist es auch, dass sich der Dialect von Polstrau in Bezug auf a an 
die Kärntnerdialecte mit ihrem offenen e anschliesst, das dem offenen Nasal- 
vocale des Jaunthalerdialectes entsprechend wohl aus offenem Nasale f zu 
erklären sein wird. Das o (<h) hat aber schon theilweise in die Bahnen des 
etym. o eingelenkt : mos roka (enges o) — döga mbski. 

Der Accent ist exspiratorisch wie in den meisten steiermärkischeu 
Mundarten; die westliche Grenze dieser Betonungsart ist das Miessthal in 
Kärnten (Jaunthalerdialect), das sich hierin ganz an die benachbarte Steier- 
mark anschliesst, während westlich davon in ganz Kärnten und zwar schon 
auf den das Miessthal westlich abgrenzenden Hügeln (St. Daniel, Strojna) der 
musikalische Accent herrscht. Der Herr Verfasser hätte wegen des exspira- 
torischen Accentes die Quantität mehr berücksichtigen sollen, über die er 
uns so ziemlich im Unklaren gelassen hat, da uns die Bemerkung, nur betonte 
Silben könnten lang sein (S. 2), unmöglich genügen kann. Auch die Fixi- 
rung der Laute ist etwas zu allgemein und ungenau, denn die Erklärung: »f 
ist ein enger zwischen e und i liegender Laut, i ein enger zwischen i und e 
liegender Laut« (S. 3) kann uns auf keine Weise zufriedenstellen. Eine Ein- 
heitlichkeit der Lautzeichen zu phonetischen Studien im Slovenischen wäre 
dringend erwünscht. Dass wir nur nicht zu lange darauf warten müssten ! 

Doch verschwinden diese kleinen Mängel dem Ganzen gegenüber ; die 
kleine Abhandlung ist sehr lesenswerth und gibt in einer kurzen, abgerun- 
deten Darstellung manches Bemerkenswerthe. Möge der Herr Verfasser es 
nicht versäumen uns recht bald auch mit der versprochenen Morphologie 
seiner heimathlichen Mundart bekannt zu machen und seiner folgenden Ab- 
handlung auch einige Sprachproben beizufügen. Ivati Grafenauer. 



*) In diese Klage kann auch die Redaction einstimmen, da selbst der Ver- 
fasser es nicht der Mühe werth gefunden , sie von der Existenz seiner Ab- 
handlung in Kenntniss zu setzen. -A. f. sl. Ph. 



140 Krit. Anzeiger, Breyer, bio- u. bibliogr. Beiträge, angez. von Resetar. 

M. Breyer, Prilozi k starijoj knjizevnoj i kulturnoj povjesti hrvat- 
skoj. Agram 1904, Selbstverlag. 8», 203 S. Preis 3 Kronen. 

Herr M. Breyer, Buchhändler in Agram, hat seine in verschiedenen 
Journalen zerstreuten Aufsätze biblio- und biographischen Inhaltes zur 
älteren serbokroatischen Literatur- und Kulturgeschichte, welche schon ein- 
mal von ihm vor einigen Jahren in einem Hefte herausgegeben worden waren 
(Nesto gradje staroj hrvarskoj knjizevno-kulturnoj povjesti, Kreutz 1898, 80, 
76 S.), nunmehr zum zweiten Male edirt. In dieser zweiten Ausgabe finden 
wir mehrere neue durchwegs interessante Beiträge, worunter eine sehr aus- 
führliche Lebensbeschreibung (S. 107 — 157) des aus Budva in Dalmatien ge- 
bürtigen bekannten Hochstaplers des XVIII. Jahrh. Stephan Zanovic , dann 
eine (bisher wenig bekannte) Biographie des Lexikographen Voltiggi (Voltic) 
und neue, ungedruckte italienische Gelegenheitsgedichte des Mathematikers 
Boskovic. Von den älteren Aufsätzen wurde derjenige über den Buchdrucker 
Boninus de Boninis vervollständigt, indem es Herrn B. gelang zu erweisen, 
dass dieser (neben Paltasic von Cattaro) älteste südslavische Buchdrucker 
nebenbei auch als Emissär der venetian. Regierung thätig war, wofür er als 
Belohnung zuletzt das einträgliche Dekanat von Treviso erhielt, wo er noch 
im J. 1526 lebte. Dadurch ist auch erwiesen, dass das in einer Kirche auf der 
Insel Lagosta (bei Ragusa) , der Heimath des Boninus, aufbewahrte Bild, 
welches die Inschrift trägt: ». . . Boninus de Boninis decanus Tarvisinus aere 
suo f. f. MDXVI.c, wirklich von ihm gewidmet wurde, wovon bis auf den 
heutigen Tag die Tradition auf der kleinen Insel sich erhalten hat. Dagegen 
hätte in dieser neuen Auflage der kleine Aufsatz »Nepoznato djelo Tome 
Baseljica, Dubrovcanina« ausbleiben sollen, denn das von B. diesem Bischof 
von Stagno auf Grund einer alten handschriftlichen Angabe zugeschriebene 
Werk »Historia illustrium Romanorum a Jano usque ad captam a Gothis 
urbem. Jampridem edita per Fr. Thomam . . . (Romae 1510)« hat nicht diesen 
Ragusaner, sondern den Director der vatikanischen Bibliothek Fr. Thomas 
Ochsenbrunner zum Verfasser. M. R. 



Kleine Mitth eilungen. 



Der Ausdruck bicaä's in altkirchenslamschen Denkmälern, 

In der vita Methodii ist der Brief des Papstes Hadrian an die Fürsten 
Rostislav, Svatoplk und Kocel enthalten. In diesem Brief kommt folgende 
Phrase vor : ame k-bto ffi ci.öi.paH'EiHX'B Baait oyinie^iB h gennomiix'B caoyxTH h w 

HCTHH-H WBpamaiOmHX'L Ha 6;iÄaH HaqtHGTB ÄBpBHOyB'L HHaKO paSBpamaTH ETI 

rasA KEHrra Msiana Bamero , ja öoyAext OTtJioy'ieH'L ne xxkxmo Excoysa 
Ht u upKBG ÄOHÄC CA ucnpaBHTB. Die im Druck hervorgehobenen Worte 
müssen offenbar so gelesen werden statt der handschriftlichen Ueberlieferung 
des Uspenskischen Sbornik saec. XII und anderer Handschriften, wo es heisst : 
Hl. TXK1.M0 Btcoysa HB HpKBe. Somit gewinnen wir in der Vita Methodii einen 
Beleg für das Wort B-BCmat in der Bedeutung communio, das wir aus den 
Kijewer und Wiener Blättern kennen. Es ist wichtig hervorzuheben, dass 
der Brief des Papstes Hadrian lateinisch geschrieben war, darnach ist auch 
hier Btc&jt Uebersetzung des lateinischen Wortes communio. Denn auch 
das Missale der Kijewer Blätter war im Original lateinisch geschrieben. Es 
ist mir übrigens fraglich, ob b-lcaäi» unmittelbar aus dem lateinischen Wort 
communio geflossen ist,vielleicht ist es wörtliche Uebersetzung des griechischen 
Wortes tyxQiai;-. Warum tyxQiais bei der Uebersetzung aus dem Lateinischen 
das Wort communio ersetzte, das ist mir nicht klar. Das sollten die Byzan- 
tinisten erklären. Wenn aber b-bcaät. eine unmittelbare Uebersetzung aus 
dem griechischen tyxqiai; darstellt, dann könnte man daraus folgern: 1. dass 
dem Verfasser der Vita Methodii das Schreiben des Papstes Hadrian in 
griechischer Uebersetzung vorlag, und 2. dass auch das glagolitische Missale 
in gleicher Weise auf die griechische Uebersetzung des lateinischen Originals 
zurückzuführen sei. 

Auf jeden Fall ist durch das Wort BtcAa-B der Zusammenhang zwischen 
der Vita Methodii und dem Texte der Kijewer und Wiener Blätter herge- 
stellt, da man bisher aus anderen slavischen Denkmälern das Wort nicht 
kennt. ^, 

April 1904. A. Sachmatov. 

Der verehrte Verfasser dieser werthvollen Notiz geht von der Ablei- 
tung des Wortes BtcmÄi. von c&;i;t. und b-b aus. Ich habe immer den Ausdruck 
von dem Adverbum Bi.Ciii;ioy (ubivis ubique) abgeleitet: das was überall ist, 
ist auch allen gemeinsam. So dachte ich mir die wenn auch nicht ganz rich- 
tige Auffassung des lateinischen Ausdrucks communio seitens desjenigen 



142 Kleine Mittheilungen. 

Slaven, der für KOMtKaxH, KOM-BKaHHie (communicare) einen alavischen Aus- 
druck setzen wollte. Dass tyxgiais wörtlich zwar durch BtcAai. wiedergegeben 
werden könnte, das ist wohl richtig. Doch ist die Bedeutung lyxgiais, so weit 
ich sie aus Wörterbüchern kenne, weit entfernt von dem lateinischen com- 
munio, und auch das einmal in der heil. Schrift vorkommende Verbum eyxqi- 
fsa&cci wird einfach durch c&ähtu übersetzt (2. Cor. X, 12. Wer an meiner 
Ableitung festhält, für den entfallen die Schwierigkeiten, wie die einer 
griechischen Vorlage des Schreibens des Papstes Hadrian oder gar des Mis- 
sais der Kijewer Blätter. Beides gewiss im höchsten Grade unwahrschein- 
lich! Dagegen kann der Zusammenhang der vita Methodii mit den Kijewer 
und Wiener Blättern, durch diesen Ausdruck angeknüpft, auf den Verfasser 
der vita Methodii bedeutsames Licht werfen und seine für mich schon lange 
feststehende, ganz verschiedene von dem Verfasser der vita Cyrilli Indi- 
vidualität neu bestätigen. V. J. 



Ein Nachtrag zu Bd. XXVI, S. 571. 

Professor E. Sievers hatte die Freundlichkeit, die Redaction der Zeit- 
schrift darauf aufmerksam zu machen, dass er bereits in der Leipziger Philo- 
logenversammlung, die im Jahre 1872 stattfand, für die slavische Imperativ- 
form pmu (rBci) auf die Erklärung kam, die jetzt Prof. M. Resetar, ohne eine 
Ahnung davon gehabt zu haben, von neuem vorgetragen hat. Es ist aller- 
dings auffallend, dass von der Erklärung Siever's keine Notiz in die Werke, 
die sich mit der kirchenslav. Grammatik abgaben, gekommen ist. Weder bei 
Miklosich, noch bei Leskien, oder in irgend einem russ. Werke geschah 
dieser Erklärung Erwähnung. Wir citiren die betreffende Stelle aus den Be- 
richten über die Verhandlungen der Versammlung, Leipzig 1872, S. 192, nach 
der uns freundlich zugekommenen Anführung von Prof. Sievers selbst. »Auch 
für die besondere Neigung der palatalisirten Gutturale, die ihnen vorauf- 
gehenden Vocale heller zu färben, kann ich aus den slavischen Sprachen eine 
Analogie beibringen. Im Altbulgarischen behalten nämlich alle eiufachen 
Präsensstämme mit dem Wurzelvocal e diesen in dem auf i ausgehenden Im- 
perativ unverändert bei (z. B. von nesa nesi, von veda vedi u. s. w.}, mit Aus- 
nahme der auf einen Guttural ausgehenden Wurzeln, welche das e der Wurzel 
vor dem durch die Endung i palatalisirten Guttural zu t schwächen: j-eka nci, 
peJca pici, teka tici; ähnlich bildet zega die 2. sg. präs. zizesl, den Aorist 
zize u. s. w. (s. Schmidt, Zur Gesch. des indog. Vocalismus, S. 25).« 



Ljudevit Stur's slovakische Monatshezeichnung . 

Mit dem Monate August des Jahres 1845 begann Ljudevit Stur die Zeit- 
schrift »Orol Tatränski«ij in Pressburg herauszugeben und zwar slo- 
vakisch. 



1) Als Unterhaltungsbeilage zu seinen »Slovenske Noviny«, die ich 
jedoch nicht zur Hand bekam. 



Kleine Mittheilungen. 143 

Beim Durchblättern derselben fand ich nun eine Monatsbezeichnung, 
die Miklosic in seiner Abhandlung über die Monatsnamen (DenkschriftenXVII) 
nicht berücksichtigt hat. 

Die Monate heissen da: vel. secen (Jänner), maly secen (Februar), brezen 
(März), duben (April), kveten (Mai, , lipen (Juni), cervenec (Juli), klasen (Au- 
gust), maly rujau (September;, vel. rujan (Oktober), listopad (November), 
prosinec (December). 

Unter diesen Namen fällt vor allem die Bezeichnung des Jänners und 
Februars auf. Secen heisst der Jänner oder Februar im Südslavischen, im 
Böhmischen kommt dieser Name dem Monate Juli zu, »sie. et mor. Alit. = 
Augustus« (Juugmann und nach ihm Miklosic). Stur's Benennung dieser Mo- 
nate weicht also von der gewöhnlichen cecho-slavischen ab und nähert sich 
der südslavischen. 

Aus dem nämlichen Grunde fällt der Name des Juni lipen auf, der dem 
südslavischen lipanj entspricht. Unter lipa führt Miklosic überhaupt nichts 
Cecho-slavisches an, Jungmann aber sagt unter lipen: »siez. = cervenec« 
(also Juli). 

Aehnlich verhält es sich mit der Bezeichnung der Monate September 
und October. Für das cechische zari und rijen (»ehedem September, jetzt 
October«, Miklosic; haben wir da maly und vel. rujan. Bei §tur sind also die 
alte und neue cechische Bedeutung des Wortes rujan [rijen] gewissermassen 
verknüpft und kommt der Name beiden Monaten zu mit der Unterscheidung 
durch maly und veliky. Gleichzeitig muss erwähnt werden, dass diese ehe- 
malige cechische und in einem ätur'sche Benennung des Monates September 
auch südslavisch ist : serbokroatisch rujan = September. 

Auch klasen = August soll hervorgehoben werden. Jungmann hat das 
Wort überhaupt nicht. Miklosic führt klasen als Aehrenmonat (lunius) aus 
Ev. Tirn., Jambr., Saf. Gesch. der südsl. Lit. II. 322, 367 an, also südslavisch; 
jetzt kann man noch eine südslavische Belegstelle anführen: der älteste bis- 
her bekannte kroatische Kalender aus dem Jahre 16531) nennt den Monat 
Juni klaszan. 

Die nämliche Monatsbezeichnung wie bei Stur findet sich auch im Ka- 
lender »Domovä Pokladnica«, den Daniel Lichard seit dem Jahre 1847 her- 
ausgegeben hat; nur hat dieser für den Monat Mai die Benennung traveti, die 
ebenfalls mit dem Südslavischen übereinstimmt und die auch Miklosic kennt 
(»träven cech. Malus, bei den Mährern und Slovaken lunius«). 
* * 

Anfangs dachte ich, dass diese zum Südslavischen neigende Monats- 
bezeichnung bei den Männern der slavischen Renaissance unter den Slovaken 
ein Kunstproduct sei und etwa den Sympathien entspringe, welche man 
dort zu den Slaven der südlichen Länder der Stephanskrone hegte. 

Namentlich fiel es mir auf, dass der maly secen dem veliky folgt und 



^] Besprochen in der Agramer »Prosvjeta« 1904, H. 1, pag. 30 — 31, von 
E.Laszowski; auchBelostenec kennt diesen Namen des Monates; desgleichen 
Körnig, Kroat. Sprachlehre, 1795; vgl. auch Danica 1837, p. 6! 



144 Kleine Mittheilungen. 

nicht umgekehrt; ich dachte da an (slovenisch) inali traven = April, veliki 
traven = Mai , malt srpan = Juli , veliki srpan = August , an (altböhmisch) 
maly cerven, cerven mensi = Juni , cerven veliky = Juli V . Allein dieser Ge- 
danke trat bald in den Hintergrund, da sich auch Fälle von der entgegen- 
gesetzten Reihenfolge zeigen: es kommen da nicht so sehr der südsl. veliko- 
inesnjak (August) und 7na/omesw;aÄ (September) in Betracht, die dem Gross- 
und Kleinfrauentag entsprechen, als vielmehr: die heutigen böhmischen 
Monatsnamen cerven = Juni, cervetiec = Juli, klr. majik = September (also 
nach dem Mai), it. giugnetto = Juli (kleiner Juni); namentlich fällt aber da- 
bei ins Gewicht der bulgarische golem secko = Jänner, malki secko = Februar, 
desgleichen der nlaus. vuiki rözk = Jänner, dem der ?na/j/ rözk folgt, vgl. 
grosser und kleiner Horning (Erben im CCM, 1849, 162), vgl. auch klr. Ij'utyj 
und paJjutyj. 

Zu beachten ist dabei, dass sich in der Monatsbenennung ^tur's neben 
der Aufeinanderfolge veliky — maly secen die umgekehrte ??2a/j/ — veliky ruj'an 
befindet. Leicht begreiflich finden diesen Wechsel diejenigen, die beim Worte 
seceti an das Schneidende der Kälte denken , beim rujan aber ganz unglaub- 
würdig an das südsl. rujno (vince) — wie Erben, der zari wirklich als maly 
rujan erklärt (CCM. 1849, 152)2). 

An eine künstliche Erfindung der Benennungen veliky — maly secen 
durch Stur kann nicht gedacht werden. Das bezeugen positive Zeugnisse. 

In der Zeitschrift »Slovenske Pohl'ady« 1891, pag. 507 wird berichtet, 
es sei in den vierziger Jahren (des XIX. Jahrhunderts) in dem Trenciner 
Komitate gehört worden, wie jemand einfache Leute verlachte, weil sie 
sprachen: vel'ky secen, maly secen; d. h., wer da spricht: vel'ky secen, maly 
secen, spricht »ungebildet«, »januär«, »februär« ist »gebildet« (vzdelane). 

In der Sammlung «Slovenskä pHslovi, porekadla a üslovi« von 
A. P. Zäturecky (Praha 1896) findet sich das Sprichwort: Maly secen protivi 
sa vel'kömu (= im Februar ist die Kälte ärger als im Jänner). Herr Jos. §kul- 
tety, der Redacteur der Zeitschrift «Slovenske Pohl'ady«, dessen Liebens- 
würdigkeit ich diese letzten Daten verdanke, berichtete mir, Leute hätten 
ihm erzählt, dass sie das Sprichwort gehört haben: Maly secen posmieva sa 
vel'kemu. Nach dem nämlichen Berichte sei in Dechtice (Pressburger Ge- 
spanschaft) das Sprichwort: Keby maly secen mal take prävo, ako hruby 
secen, zamrazil by v krave tel'a. 

Hiermit ist es wohl erwiesen, dass dem Namen secen für Jänner-Februar 
slovakische Autochthonität zukomme. Hat ja auch Lo o s in seinem »S4ownik 

1) Auch gibt die Erklärung der veljaca von velij dem Februar das Epi- 
theton veliky, und nicht dem Jänner; vgl. übrigens Relkovi(5(Kucnik, uOseku 
1796): »Dobri Ijudi razlozno provode poklade: po starinski mad sobom 
velj'aj'u, sto od davna il od skora znaju; obtud, mislim, da veljaca posta«. 

2) Als maly gilt übrigens der September im Verhältniss zum October 
gewissermassen auch bei der Erklärung der Namen züri und rijen von rjuti; 
denn »nach Brehm fängt die Brunstzeit des Hirsches mit Eintritt des Monates 
Septembers an und dauert bis Mitte October« (bei Miklosic) ; vgl. zarev^ An- 
fang des BrüUens. 



Kleine Mittheilungen. 1 45 

madarskej, nemeckej a slowenskej reci« (Pest 1869 — 1871) im deutschen 
Theile für Jänner: Januar, ladon, secen; im slovakisch-majryarisch-deutschcn 
sowie im magyarisch-deutsch-slovakischen Bande ist sece7i nicht angeführt, 
was wohl von der geringen Uebliclikeit dieser Bezeichnung zeugen dürfte. 
Für Februar hat Loos neben dem lat. Namen bloss tinor. 

Im nämlichen Lexicon ist im slovakisch-magyarisch-deutschen Theile 
lipe?l als Juli angeführt, was Jungmann als schlesisch bezeichnet. 

Im slovakischen Volksmunde bleibt mir vorläufig der Monatsname 
klaseii unbelegt. 

Dagegen finde ich bei Loos im deutschen Theile für Juni neben cerven 
auch zuzen ; vgl. damit das zweifellos als Monatsname anzusehende zviren, das 
im CCM. 1848, II. 329 genannt ist; V. Dusan Lambl veröffentlicht da einen 
»Slovnicek slovensky«, den er aus den Schriften Kollärs, Sturs, Hurbans und 
anderer Slovaken, namentlich aber aus eigenen Aufzeichnungen während 
einer Reise durch die Slovakei im J. 1846 angelegt hat; Lambl spricht da 
von der Tatra und sagt; »Tatry liptovskö jsou nad miru pamätne v prirod- 
nim ohledu: onyt' obsahuji nejkräsnejsi rozmanitost iitvarü geologickych v 
nejblizsim sousedstvi vedle sebe ... A tak se i Kvetena i Zvifena 
objevuje: ve slujich pod Poludnici zkameneliny pfedpotopni, na Choci nej- 
bujnejsi, nejvzäcnejsi rostlinstvoi). . . .« 

In den slovakischen Kalendern des XVII. und XVIII. Jahrh. finden sich, 
wie mir Herr Skultety berichtet, nur lateinische Monatsnamen. Das gewöhn- 
liche Volk gebrauchte aber gewiss seine slavischen Bezeichnungen, und hier 
setzten die Wiedererwecker des slavischen Volksthums unter den Slovaken 
in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhundertes ein. . . . Allein nach dem Jahre 
1848 blieb man bei den lateinischen Monatsnamen. 



Durch die Erweisung der slovakischen Volksthümlich- 
keit der besprochenen Monatsnamen wäre ein neuer Zusam- 
menhang der nordslavischen Dial ectengruppe mit dem Süd- 
slavischen dargethan (vgl. Archiv XXL 212, XXIL 494). 

Allein hiermit gewinnt nicht etwa die kühne Klassifikation Dr. Czam- 
bel's, der in seinem Buche »Sloväci a ich rec« (Budapest, 1903) die Slovaken 
einfach zu den Südslaven wirft. 

Hiermit ist nur neuerdings die Thatsache bestätigt, dass die Slovaken 
einstei^ß (vor dem Einbrüche der Magyaren) in einem ununterbrochenen Con- 
tinuum mit den Slaven Pannoniens und des südlichen Ungarns wohnten und 
die dialectische Verbindung zwischen den heutigen Südslaven einerseits und 
den Cechen und Polen andererseits herstellten. 

Ljublj ana. Dr. Fran Hesic. 



1) Der nämliche Lambl führt aus Dalmatien (oder dem kroat. Küsten- 
lande) gospin tnesec = August an (CCM. 1851, 22); vgl. bei Miklosic gospojnik, 
gospodinstak. 

Archiy für slavisclie Philologie. XXYII. 10 



146 Kleine Mittheilungen. 

Nochmals Klagenftirt-Celövec^). 

In der Streitfrage, die sich über die Erklärung der beiden Benennungen 
der Hauptstadt Kärntens (deutsch: Klagenfurt, slovenisch: Celövec) ent- 
sponnen hat, dürfte es nicht unpassend erscheinen, dass auch ein Angehöriger 
des Kronlandes selbst das Wort ergreift und seine Meinung an dieser Stelle 
zum Ausdruck bringt. Ich sage mit Betonung »an dieser Stelle«, weil es an- 
derwärts bereits geschehen ist, aber wegen — sagen wir zu geringer Ver- 
breitung der betreffenden Zeitschrift keine Beachtung gefunden hat. Zuerst 
hat Dr. Richard Müller in der in Klagenfurt erscheinenden »Carinthia I., 
Mittheilungen des Geschichtsvereines für Kärnten, redigiert von Simon La- 
schitzer, 83. Jahrg., 1893«, S. 179u.ff., über den Namen Klagenfurt gesprochen, 
jedoch so, dass ihm nicht beizustimmen ist. Durch Müller's Aufsatz angeregt, 
veröffentlichte ich in ebenderselben Zeitschrift (gegenwärtig redigiert von 
A. R. V. Jaksch) vom Jahre 1901 auf S. 21 einen toponomastischen Beitrag 
zur Erklärung von Klagenfurt und Celövec, worin ich beide Namen in Be- 
ziehung zu einander zu bringen versuchte. Er soll weiter unten ausführlicher 
reproduciert werden. Vorerst sollen die bisherigen Versuche, diese Ortsnamen 
zu erklären, auf ihre Haltbarkeit geprüft werden. 

Zuerst Müller's Aufstellung als des der Zeit nach ersten wissenschaft- 
lichen Erklärers. Dr. R. Müller's grosses Verdienst ist es, die Gleichung 
Klagenfurt = Glaufurt , die von Megiser aufgestellt bis in die neueste Zeit 
gegolten hat, endgiltig aus der Welt geschafft zu haben. Wir wollen seine 
diesbezüglichen Ausführungen in Kürze wiedergeben. Ein direktes urkund- 
liches Zeugnis für die Umgestaltung Klagenfurts aus Glanfurt (Furt an der 
Glan) gibt es nicht; zu belegen ist nur die Glanfurt, ein im Süden der Stadt 
befindlicher Abfluss des Wörther Sees allein, der im früheren Mittelalter auch 
als Lanquart in den Urkunden auftritt. Die Stadt tritt am Ende des XII. Jahr- 
hunderts unter ihrem heutigen Namen auf (mittelhochdeutsch Klagenvurt . 
Sehr viel älter wird sie auch gar nicht sein. Nach dem »liber certavum his- 
toriarum« des Abtes Johann von Viktringl. I. c. 5. zum Jahre 1256 wäre Her- 
zog Bernhard (1202 — 1256) der Gründer; und wie man zu seinerzeit ihren 
Namen verstand, ergibt sich aus der von ihm angefügten lateinischen Über- 
setzung: Querimoniaevadum. Ganz genau ist diese Angabe über die Gründung 
der Stadt freilich nicht zu nehmen, sie kommt schon in der Epoche vor der 
Alleinherrschaft Bernhards vor. In einer St. Pauler Urkunde, deren Datierung 
in die Zeit von 1181—1199 zu setzen ist, kommt forum Chlagenuurt vor (Ur- 
kundb. von St. Paul, S. 102, Nr. 30 = Fontes rer. austriac. II. 39). Eine andere 
Form des Stadtnamens ist nicht zu erbringen. Glanvurt für die Stadt ist un- 
erhört. Nun, meint Müller weiter, wäre immer noch die behauptete Differen- 
zierung (Klagen — aus Glan) aus Gründen der Zweckmässigkeit denkbar, 
d. h. es konnte sich im Munde der Ein- und Umwohner, als die Stadt aufzu- 
blühen begann und häufiger genannt ward, gleichsam von selbst diese Schei- 
dung beider Örtlichkeiten (Stadt Glanfurt und Wörtherseeabfluss Glanfurt) 



1) Vergl. Archiv XXVI, S. 63.5—640. 



Kleine Mittheilungen. 147 

vollziehen. Die hier in Betracht kommenden lautlichen Vorgänge k für g, 
gn aus n lassen sich im Allgemeinen nachweisen. Doch ist urkundlich diese 
angebliche Grundform nicht zu finden und von allem Anfange setzt bereits die 
angebliche Umdeutung Klagenfurt ein. Weiters ist zu bedenken, dass (und 
dies ist nach meiner Meinung entscheidend) in der Umgebung Klagenfurts 
nicht nur der keltische Flussname Glana (die reine, lautere?) unangetastet 
bleibt, sondern auch die mit ihm gebildeten Ortsnamen Glandorf, Glanegg, 
Glanhofen. Alle drei sind aus alter Zeit überliefert: 979: Glanadorf (v. Jaksch, 
Mon. bist, ducatus Carinthiae III., Nr. 149, S. 62), 1142: Glandorf (ebenders. 
III., Nr. 749, S. 293), 1233: Glandorf (Ankershofen, Reg.), 1136: Walther von 
Glanekke (Ank. Reg.), 1190 : Hartmrdo de Glanecke (v. Jak. 1. c. III., Nr. 1370, 
S. 515), 1070 — c. 1080: Glanahouen (id. III., Nr. 384, S. 152), 1216: Glanhouen 
(id. I., Nr. 459, S. 351;. Aus keinem von diesen hat sich ein Klagendorf, 
Klagenegg, Klagenhofen entwickelt, warum also gerade bei Klagenfurt? 
Es ist nicht zu erklären, wie ein Lautvorgang in einem Falle eingetreten 
sein soll, in 3 anderen aber nicht und dies in einem Umkreis von wenigen 
Stunden. 

Nachdem nun Müller sich so freie Bahn gemacht, trägt er seine Meinung 
vor. Er sagt, Klagenfurt ist als echte und ursprüngliche Form anzusehen und. 
aus sich selbst zu erklären. Er verweist auf Ortsnamen, die auf ähnliche Weise 
mit Abstrakten gebildet sind, so Riuwental, die Heimat Neidharts von Reuen- 
tal (= Thal der Betrübnisse oder Thränen), ferner die allegorischen Namen 
Siuftenhein (= Seufzerheim^, Sorgenrain (Rain der Sorgen), Siuftenecke 
(Seufzereck); dann die wirklichen Ortsnamen Freudenthal in Schlesien, Freu- 
denstadt in Württemberg, Seligenstat, Paradies u. s. w. Wenn also, schliesst 
Müller, ein Thal der Reue möglich ist, warum nicht auch eine Furt der 
Klagen? 

Diesen Ausführungen MüUer's ist entgegenzuhalten, dass die Zahl der 
mit Abstrakten durchgeführten Ortsnamenbildungen eine sehr beschränkte 
ist, die noch dadurch eine Verminderung erfährt, dass der eine oder andere 
dieser Ortsnamen eine andere Erklärung zulassen dürfte. So führen sicherlich 
die in Kärnten sesshaften Ritter von Paradies i; nicht deshalb diesen Namen, 
weil ihr kärntisches Stammschloss Pregrad in einer paradiesischen Gegend ge- 
legen war, sondern weil sie die silberschillernde Schlange des Paradieses, 
drei Ringe schlagend, mit Ohren und langem Spitzrachen im Schilde führten 
(vgl. A. Weiss: Der Adel Kärntens bis zum Jahre 1300, Wien 1869, W. Brau- 
müller, S. 109], ähnlich wie die Ritter von Hollenburg. Die mit Freuden- zu- 
sammengesetzten Ortsnammen sind Bildungen mit dem althochd. Personen- 
namen Fridun, wie Fürsteman II. 531 lehrt: Freudenbach aus Fridunbach, 
folglich auch Freudenberg, Freudenthal aus Fridunberg, Fridunthal. Abgesehen 
davon ist zu bemerken, dass wir, wie Dr. Müller selbst zugibt, den Sinn einer 
solchen Ortsuamenbildung nicht einsehen, sondern nur raten können. Und so 
stehen wir vor einem neuen Rätsel, die eine zu erklärende Unbekannte wird 
durch eine zweite ersetzt und unsere Erwartung ist nicht befriedigt. Mit 



') Nach ihnen ist in Klagenfurt die Paradeisergasse benannt. 

10* 



148 Kleine Mittheilungen. 

der Erklärung der slovenischen Bezeichnung Celövec beschäftigt sich Müller 
nicht. 

Zu dem, was Pintar gegen Baudouins Ableitung des slovenischen Celövec 
von cviliti einwendet, möchte ich bemerken, dass die etymologische Ver- 
wandtschaft beider Wörter nicht desshalb zurückzuweisen ist , weil ein aus 
diesem Zeitwort gebildetes Substantiv nach slovenischem Sprachbewusstsein 
und Sprachgefühl nur einePerson, nämlich einen Winseier bezeichnen kann. 
Warum sollte denn nicht der Name einer Person zur Bezeichnung eines Ortes 
dienen? Es ist doch nicht nöthig, hier auf die Bildung der Ortsnamen aus 
Personennamen hinzuweisen. Im Gegentheil, wenn die Bedeutung passt, haben 
wir sofort zuzugreifen. Doch hierin liegt das Hindernis, das mich abhält, der 
geradezu bestechenden Aufstellung Baudouins zuzustimmen. Cviliti ist ein 
onomatopoetisches Verbum, das eine gewisse Art von lautem Geschrei nach- 
ahmt. Der Slovene sagt, pes cvili, svinja cviii (wenn es abgestochen wird), 
otrok cvili (wenn das Kind ein den genannten Thieren ähnliches Geschrei er- 
hebt). Im Deutschen entspricht noch am besten die Bedeutung winseln, wie 
auch Pintar das Wort übersetzt. Vergleichen wir damit das deutsche Klagen, 
so können wir nicht behaupten, dass beide Zeitwörter sich hinsichtlich der 
Bedeutung vollkommen decken. Denn während cviliti den sinnlich wahr- 
nehmbaren Laut, die Art des Geschreies bezeichnet, bezieht sich klagen auf 
den Inhalt, klagen ist kein winseln. Es hat auch, wie wir gesehen haben, Abt 
Johann von Viktrlng die erste Hälfte des Wortes Klagenfurt mit querimonia 
übersetzt, was doch nicht mit Gewinsel oder cviljenje wiederzugeben wäre. 
Wie ich später zu zeigen versuchen werde, hat der gelehrte Abt nicht weit 
von der Wahrheit fehlgegriffen. Ferner ist zu fragen, ob denn der Begriff 
cviliti ein zur Bildung eines Personennamens passender ist, ich möchte dies 
verneinen. Endlich muss noch betont werden, dass es sehr misslich ist, auf 
irgend eine einzelne, beschränkte Dialektform der Gegenwart (Cvilövec) eine 
solche Annahme zu gründen. Denn es drängen sich bei einem solchen Vor- 
gange sofort Fragen auf wie: wie alt ist diese Dialectform? warum hat sie sich 
in Tolmein und nicht irgendwo anders, z. B. in Kärnten selbst, entwickelt? 
ist es nicht möglich, dieselbe auf andere Weise zu erklären z. B. durch das e 
der Stammsilbe in Celövec? oder ist sie nicht eine dialectisch corrumpirte 
Form? Ich halte sie für eine gelungene Volksetymologie, wie Blekövec für 
Velikovec. Die schriftliche Fixirung des W^ortes Celövec reicht allerdings 
nicht weit zurück. Gutsmanns »Evangelie in Branje ali Pisme u. s. w.« sind ge- 
druckt 1T80 »v'Zelouzi« und sein Wörterbuch aus dem Jahre 1789 enthält die 
Form »zelovez und zelouzhan (= ein Klagenfurter)«. Doch dürfen wir von 
dieser in ganz Kärnten einzig und allein bekannten Schriftform zu Gunsten 
eines auf einen ganz kleinen Umfang sich beschränkenden Dialektwortes 
nicht abgehen, so lange wir mit ihr unser Auskommen finden können. Dass 
dies möglich ist, soll später gezeigt werden. Es sei also hier zusammenge- 
fasst: Celövec kann nicht von cviliti abgeleitet werden, weil sich die Bedeu- 
tungen der beiden Zeitwörter klagen und cviliti nicht decken, weil die bei 
weitem überwiegende Mehrheit der Slovenen, in Kärnten ausnahmslos, nur 
die Form Celövec kennt, weil die Dialektform Cvilövec nicht unbedingt auf 



Kleine Mittheilungen. 149 

cviliti zurückzuführen ist, sondern sich aus dem e der Stammsilbe entwickelt 
haben kann, endlich weil es im vorhinein nicht zulässig ist, die Erklärung alt- 
bezeugter Ortsnamen auf moderne Dialectformen zu stützen. 

Ich komme zu den Ausführungen Pintars. Es ist seit Müllers Beweis- 
führung jetzt selbstverständlich, dass die Latinisirungen Claudiforum oder 
Claudiforium, Claudenfurtum, vadum querimoniae nicht in ernste Erwägung 
gezogen werden können. Sie gehören in die Gruppe der sogenannten ge- 
lehrten Erklärungen der Klöster, deren es gerade in Kärnten eine ziemliche 
Anzahl gibt, z. B. Gentiforum = Völkermarkt, St. Maria de victoria = 
Viktring, ad mille statuas = Mills tatt, St. Maria in solio = Maria-Saal, villa 
ad aquas = Villach, vallis rosarum = Rosenthal u. s. w. Zu diesen Etymologien 
wurden die Motivirungen erfunden in Gestalt von Sagen oder sonstigen cha- 
racteristischen Zügen, so in Viktring die Sage von einem siegreichen Zwei- 
kampfe, in Millstatt von der Umstürzung von 1000 heidnischen Götterstatuen, 
in Maria-Saal von dem Bilde der Muttergottes »in solio« = auf dem Throne 
usw. Ebenso ist. wie bereits bemerkt, die Gleichung Klagenfurt = Glanfnrt, 
die auch Pintar verwirft, von Müller abgethan. Wenn Pintar gegen Baudouin 
ausführt, dass bei den Orten mit Furt gewöhnlich nicht der Name des be- 
treifenden Wassers im Furtcompositum enthalten ist, dass wir also kein Gera- 
furt, Leitafurt, Mainfurt, Oderfurt haben, sondern nur Ebenfurt, Erfurt, Frank- 
furt u. s. w., so ist dies nicht richtig, wie wir später an den Furtorten genauer 
nachweisen werden. 

Was nun Pintars eigene Erklärungen anlangt, so erblickt er in der ersten 
Hälfte des deutschen Namens das Collectiv «Gelache«, das sich aber in der 
Schriftsprache meines Wissens nicht belegen lässt. Daraus hätte sich auf 
dem Wege dialectischcr Differenzirung Klage — entwickelt. Ich habe schon 
oben das principielle Bedenken geäussert, wie misslich es ist, auf moderne 
Dialectwörter, deren Vorkommen häufig nur auf einzelne Ortschaften sich er- 
streckt, Erklärungen von Ortsnamen zu bauen, besonders dann, wenn die 
ihnen beigelegte Bedeutung mit der wirklichen nicht übereinstimmt. Dies ist 
in unserer Sache der Fall. Es kommt allerdings in Klagenfurt in den unteren 
Volksschichten ein aus Gelache stammendes Wort vor; dieses lautet aber 
nicht Klage, sondern Gläck (aus Geläcke) und bedeutet nicht lagunenartiges, 
mooriges Terrain, das in Kärnten Moos heisst, sondern schlechtes, verdor- 
benes, zusammengeschwemmtes Getränke, was auch mit Ksüf = Gesöffe und 
Kschwemm (Geschwemm) und G'schlader bezeichnet wird; der gemeine Mann 
sagt »dös Bier is a Gläck« und will damit sagen, das Bier ist schlecht, abge- 
standen oder aus mehreren Resten (Noaglan) zusammengeschüttet. Dass ein 
solches der Kneipe eigentümliches Dialektwort der Gegenwart die Grundlage 
für einen bereits Ende des 12. Jahrhunderts ohne Schwankung präcis festge- 
legten Ortsnamen abgeben soll, ist nicht bloss unwahrscheinlich, sondern 
geradezu unmöglich. Dazu gesellen sich nicht geringe sprachliche Schwierig- 
keiten. Der Uebergang der gutturalen Media im Anlaute in die Tennis muss 
viel besser belegt werden als durch Beispiele, die sämmtlich wieder Dialect- 
wörter sind und nicht die Probe aushalten; denn für Geländer hört man in 
Kärnten (auch in Klagenfurt selbst) Glander sprechen statt Klander und 



150 Kleine Mittheilungen. 

ebenso Gleger für Kleger. Da ferner das schriftdeutsche Wort Lache im 
Dialecte, wie Pintar selbst bemerkt, Läggen (nicht Lägge) lautet, was man 
eben so gut Lacken schreiben kann, so sollte nach dem dialectischen Laut- 
processe aus Gelachenfurt wohl ein Gläckenfurt, niemals aber ein Klägenfurt 
hervorgehen. Denselben, wenn nicht grösseren Schwierigkeiten begegnet 
Pintars Ableitung der zweiten Worthälfte — fürt. Trotz aller Klarheit und 
Durchsichtigkeit des Wortes verwirft er die Bedeutung Furt = üebergangs- 
stelle, und dessen Ableitung von fahren. Er behauptet, fürt sei in diesem 
Falle identisch mit Werd, Werder, Wörth, Wurd und bezeichne »einen mitten 
im Fluss, See, Sumpf gelegenen etwas erhöhten Platz mit reicher üppiger 
Vegetation, eine Au mit Kiedgras u. s. w.« Im Jahre 891 heisst Maria-Wörth 
(slov. Otok): in loco, qui Uueride vocatur (Zahn, cod. dipl. I. 24); a. 1168: 
Werthse (Meill. 114) und 1285: praepositura in Wertse (Über decimationis 
S. 16). Ich habe diese Stellen ausgeschrieben, um zu zeigen, was aus dem 
alten Weride werden kann: Werth und heutzutage Wörth, wobei der Umlaut 
durch den Ausfall des nachfolgenden i vollkommen gerechtfertigt ist. Wollten 
wir Pintar folgen, so müssten wir annehmen, dass aus Weride auf einem so 
kleinen Territorium sich zwei verschiedene Wörter Furt und Wörth ent- 
wickelt haben und das eine sei bei der Bildung des Ortsnamens Klagenfurt, 
das zweite bei der von Maria-Wörth thätig gewesen. Auch die Einmüthigkeit 
der Ueberlieferung, die schon Müller nachdrücklich hervorgehoben hat, fällt 
schwer gegen Pintar ins Gewicht. Vor mir liegen 21 urkundliche Schreibungen 
aus der Zeit von rund 1200 — 12t)0. Davon haben 12 die Form -fürt, 1 -furtt, 
2 -uurt, 2 -fort, 1 -vurt, 2 -vort und 1 -wart. Und gerade die letzte nur einmal 
erscheinende Schreibung verwendet Pintar, um der sprachlich so gewagten 
Annahme fürt = Weride auch einen urkundlich beglaubigten Halt zu ver- 
leihen. Dies ist um so weniger zulässig, als der im Jahre 1245 erwähnte 
Liepardus de Clagenwart in einer im J. 1246, also nur um 1 Jahr später ver- 
fassten Urkunde ganz correct Liphardus de Ciagen fürt genannt wird. 

Ist somit die Ableitung des deutschen Ortsnamens nicht stichhaltig, so 
fällt mit ihr zugleich die Uebereinstimmung mit der ebenfalls von Pintar ge- 
gebenen Erklärung des slovenischen Celövec. Für dies nimmt er nämlich als 
Etymon das Appellativ stvoli» = Pflanzenröhre, Kohrstengel an, leitet davon 
ein nicht nachweisbares stvölovtc ab, woraus durch gewisse dialectische Ab- 
schweifungen das heutige Celövec hervorgegangen sei. Um diese Form aus 
jener zu erhalten, hat man mit Pintar zuerst den Uebergang des anlautenden 
st in c (Cvölovec), denn die Verrückung des Accentes auf die folgende Silbe 
(Cvolövec), weiters den Ausfall des v (Colövecj und endlich die Abschwächung 
des stammhaften o (C'lövec) anzunehmen, ein Process wie er complicirter 
nicht gedacht werden kann. Und das alles ohne irgend eine historische Be- 
glaubigung durch Urkunden oder andere schriftliche Zeugnisse. Ortsnamen 
aber wie Zoll, Zollfeld u. ä. dürfen schon gar nicht damit in Verbindung ge- 
bracht werden. Diese nämlich gehen auf einen deutschen Personennamen zu- 
rück. Maria-Saal heisst a. c. 1050: in loco, qui dicitur Zol (Ank. Reg). Zol 
ist bajuvarisches Eigenthum. Es bedeutet nach Schmeller (Bayr. Wörtb. 
S. 115) 1. einen cylindrischen Klumpen, 2. einen Klotz, Baumklotz, 3, einen 



I 



Kleine Mittheilungen. 151 

Klotz von einem Menschen, d. h. einen Lümmel, welche Bedeutungen auch 
in den deutschen Theilen Kärntens allgemein gang und gebe sind. Zollfeld 
ist eine sogenannte Zusammenrückung zweier Begriffe ohne gegenseitige Ab- 
hängigkeit. Wir finden; auch bei Förstemann S. 1371 die Personennamen 
Zol, ZoUi und ZoUo. Doch dies nebenbei. Nach all dem Vorgebrachten kann 
man auch den Aufstellungen Piutars nicht beistimmen. 

Ich habe im Eres II. (1892) S. 640 der Vermuthung Raum gegeben, dass 
Celüvec mit selo in Verbindung zu bringen sei und man ein ursprüngliches 
Selovec anzunehmen habe. Schon damals äusserte Jagid seinen Zweifel an 
dieser Erklärung. Mir schwebte eben der Name eines Berges an der kärntisch- 
steirischen Grenze vor, der Selovec lautet. Durch ein Schreiben D. Trsten- 
jaks jedoch belehrt, dass der Bergname Zelovec und nicht Selovec lautet, 
dem der Stamm zel = grün zu Grunde liege (daher auch in den Karawanken 
die Zelenical, kam ich von dieser Aufstellung ab und schloss mich an die 
Ausführungen Trstenjaks an. In der Carinthia I. Jahrg. 1901 S. 21 veröffent- 
lichte ich eine neue Erklärung sowohl des deutschen Klagenfurt als auch des 
slovenischen Celövec. Da diese Erklärungen bisher, wie ich sehe, den Weg 
in die breitere Oeffentlichkeit nicht gefunden haben, was wohl aus dem Still- 
schweigen Baudouins und Pintars zu schjiessen ist, so mögen sie mit gütiger 
Erlaubniss der Redaction mutatis mutandis nochmals gegeben werden. 

Das Appellativ Furt bezeichnet eine üebergangsstelle über einen Fluss, 
Bach, eine Brücke über ein Gewässer und dient sehr häufig zur Namengebung für 
Oertlichkeiten. Daher die vielen Furt und Fürth. Noch viel häufiger erscheint 
Furt in solchen Ortsnamen, welche Zusammensetzungen darstellen. Förste- 
mann allein hat in seinem altdeutschen Namenbuche (I. Aufl. S. 539) nicht 
weniger denn 73 Ortsnamen, in denen Furt als zweites Glied der Zusammen- 
setzung erscheint. Eine Musteriang von Ritters geographischem Lexikon 
(12. Aufl.) ergab eine noch grössere Zahl. Betrachtet man die zusammen- 
gesetzten Bildungen genauer, so kommt man bald zur Einsicht, dass sie in 
drei Gruppen zu gliedern sind. 

1. Nehmen wir Namen wie lUfurt, Pachfurt, Querfurt, Wipperfurt, Burg- 
steinfurt, Wegfurt. Was bedeuten diese? lUfurt im Elsass ist die Furt an 
der 111, Pachfurt = die Furt am Bach, Querfurt (urk. Quirnifurt) = Furt an 
der Quirn in Sachsen falthochd. quirn = die Mühle, also Quernbach = Mühl- 
bach und Querfurt = Furt am Miihlbach), Wipperfurt = Furt an der Wupper, 
also Furt an irgend einem Wasser. Daher ist Pintars Behauptung, dass bei 
den Furtorten gewöhnlich nicht der Name des betreffenden Wassers im Furt- 
compositum enthalten ist, unhaltbar und der Zufall hat ihm einen bösen 
Streich gespielt. Denn ich erinnere mich im J. 1903 in den öffentlichen Blät- 
tern gelesen zu haben, dass die deutsche Gemeindevertretung von Piivoz in 
Mähren um die Aenderung des cechischen Namens in Oderfurt bei den Be- 
hörden eingekommen sei und die Bewilligung dazu erhalten habe; was können 
die Gemeindeväter von PHvoz mit Oderfurt anderes gemeint haben, als Furt an 
der Oder? Wegfurt ist die Furt am Wegp, Burgsteinfurt ist die Furt beim Orte 
Burgstein. Es gehören somit in diese Gruppe alle jene Zusammensetzungen, 
die eine Furt an einem Wasser, bei einem Orte, Wege u. s. w. bezeichnen. 



152 Kleine Mittheilungen. 

2. Eine zweite Gruppe erhalten wir durch Ortsnamen, wie Breitenfnrt 
(bei Ritter 4 mal), Breitfurt, Ebenfurt, Hohenfurt, Niederfurt, Oberfurt, Sand- 
furt (Sandforde, Sandfort), Steinfurt (6 mal), Steinforde, Steinfort (4 mal), 
Schmalförden, Schneüfurt, Tiefenfurt (= an der tiefen Furt), Tiefurt (= Tief- 
furt), Trockenerfurt u. s. w. Diese Namen sind durchsichtig und erklären sich 
selbst. Das Grundwort ist bei ihnen durch ein Adjectiv oder substantivisches 
Bestimmungswort differencirt: die breite, ebene, hohe, niedere, sandige, 
schmale, schnelle, steinerne, tiefe, trockene Furt. 

3. Betrachten wir nun Ortsnamen wie Dietfurt, Erfurt, Frankfurt, Tau- 
benfurt, so müssen wir sofort erkennen, dass der erste Teil der Zusammen- 
setzung ein Personenname ist. Dietfurt ist die Furt oder Fähre, an der sich 
ein Diet (althochd. Thiuto = Dieto) niedergelassen hat. Ebenso ist Erfurt die 
Furt eines Erfo (Erbo, Arpo), denn die urkundlichen Belege lauten Erpisford, 
Erfesfert, Erfesfurt (s. Förstemanu II. S. 102 u. f.); Frankfurt = die Furt der 
Franken, urkundl. Franconofurt; Adolzfurt aus Adolandesfurt also Furt des 
Adoland. Schlagend wird die Zusammensetzung von Furt mit Personen- 
namen erwiesen durch den Ortsnamen Taubenfurt in Mähren. Da der Ort in 
einer gemischtsprachichen Gegend liegt, trägt er auch die cechische Bezeich- 
nung: Holubice. Nun sind im Bümischen die auf -ice gebildeten Ortsnamen 
von Persenennamen gebildet. Also Holubice Ort des Holub und damit stimmt 
Taubenfurt d. i. Furt des Taube vollkommen überein. Die Zahl der in diese 
Gruppe gehörenden Ortsnamen ist eine sehr bedeutende und ist namentlich 
die Thierwelt vielfach vertreten, als Eselsfurt, Hengstforde, Hassfurt (= Hasen- 
furt), Katzenfurt, Krebsförde, Ochsenfurt (vgl. engl. Oxfort, im Englischen ist 
die Zahl der mit -ford gebildeten Ortsnamen Legion), Eabenfurt, Schwein- 
furt, Straussfurt, Wolfsfurt, sämmtliche hier vorkommenden Thiernamen 
lassen sich als Personennamen belegen. 

Es entsteht nun die Frage, in welche der angeführten Gruppen wohl 
unser Klagenfurt einzureihen wäre. In die erste (Furt an der Glan) sicher- 
lich nicht; das hat, wie wir gesehen haben, Dr. R. Müller zur Gewissheit dar- 
getan. Auch in die zweite nicht. Wohl aber in die dritte, sobald wir uns 
eutschliessen, in der ersten Hälfte des Ortsnamens Klagen fürt einen Per- 
sonennamen zu erblicken. Vom althochdeutschen Stamm chlag — lässt sich 
ein Personenname Klago recht wohl denken, wenn ich auch vorläufig nicht in 
der Lage bin, das Vorkommen desselben belegen zu können. Könnte ich das, 
dann wäre diese Vermuthung evident. Als Parallele ist das von Müller ange- 
führte wahrscheinlich bayrische Clagedorf zu verzeichnen, das um 1140 an 
das Kloster Prüfling vergabt ward. Im Nordischen finden wir ein Klagerup 
und Klagstorp. Im Nordisrhen bedeuten die Wörter auf -torp, -trup, -drup, 
-ruf Dorf. (Vgl. L. Herrig's Archiv f. d. Stud. d. neuer. Sprachen u. Lit. 
XXXIV. Bd. S. 203 u. ff. «Nordische Ortsnamen nach den Sprachforschern 
N. M. Petersen u. Lyngbye. Von Gh. Beissel.«) So bedeutet Torstrup = Dorf 
des Thor, Frörup = Dorf der Freya, Bjolderup und Bylderup = Dorf des 
Baidur (vgl. Bulletin de la societe de geographie. Troisieme s6rie. Tome X. 
Paris, 1849, S. 217 — 231: Sur la limite meridionale de la monarchie Danoise 
et sur l'etymologie de noms geographiques du Slesvig et de la Normandie. 



f 



Kleine Mittheilungen. 153 

Par M. Etienne Borring S. 224). Nach dieser Auffassung wäre die erste Hälfte 
unseres Ortsnamens nicht der Genetiv plur. vom Appellativ die Klage, sondern 
der Genetiv sing, des Personennamens Klago in schwacher Biegung, eine 
Ortsnamenbildung, die sich in Kärnten reichlich belegen lässt, z. B. Berndorf 
= Dorf des Pero; Pernegg = Eck des Pero; Eppeudorf = Dorf des Eppo; 
Frankenstein = Stein des Franko; Arndorf (2mal) = Dorf des Arbo (Aribo); 
Gunzenberg = Berg des Gunzi ; Ratzendorf = Dorf des Razo u. s. w. Und so 
wäre ich bei Abt Johann von Viktring und seinem vadum querimoniae oder 
querimoniarium angelangt, nur mit einer kleinen Abweichung von seiner 
Deutung. Klagenfurt ist nicht vadum querimoniarum = Furt der Klagen, 
sondern vadum Queruli cuiusdam = die Furt, an der ein gewisser Klago ein- 
mal gehaust hat. Dabei ist zu bemerken, dass Furt nicht bloss eine seichte 
Stelle, sondern auch einen Zugang, Uebergangsstelle auf einer Brücke oder 
auf trockenem Wege durch sumpfiges Land bedeuten kann. Das passt auch 
für die Lage des Ortes. Bis auf den heutigen Tag haben wir das Weidmanns- 
dorfer Moos im Süden der Stadt, das noch zu Beginn des 19. Jahrh. einen viel 
grösseren Umfang hatte und erst im Laufe der dreissiger Jahre halbwegs 
trocken gelegt wurde. Auch im Norden und Nordosten verursachte die Glan 
vor der Regulirung, die erst in allerjüngster Zeit erfolgt ist, durch regel- 
mässiges Austreten in der Herbstregenzeit Ueberschwemmungen und Ver- 
sumpfungen. Die Stadt selbst liegt gleich einer Insel auf festem und trockenem 
Terrain, aber nicht im » Gelache «, mitten in dieser Moor- und Sumpf landschaft. 
Und hier setzt die slovenische Bezeichnung Celovec ein. 

Cell, entspricht nach Mikl. Etym. Wb. S. 28 dem deutschen ganz = integer, 
asl. celizna = ungepflügtes Land, nsl. celina = Brachfeld, polnisch : celc und 
calec = hartes Erdreich, somit eine Bedeutung, wie wir sie mit Rücksicht auf 
die örtliche Beschaffenheit nicht günstiger und passender wünschen könnten. 
Was nun das Suffix — ovec betrifft, so bemerkt Pintar vollkommen richtig, 
»dass die mit demselben gebildeten Adjektiva angeben, woraus etwas gemacht 
oder gebildet ist, woraus es besteht, woraus es sich zusammensetzt (Materie), 
wie brinovec = brinovo zganje, kruhovec = Brotbrei, auch Mehl zum Brot- 
backen«. Pintar führt weiter correct aus, dass es zahlreiche Ortsnamen gibt, 
die analoge Bildungen aufweisen, und bringt eine Reihe solcher Ortsnamen 
vor. Sie bezeichnen alle eine von der betreffenden Baumgattung (cer, dob, 
dren, lipa u. s. w.) bewachsene Gegend, ein aus solchen Bäumen sich zu- 
sammensetzendes Wäldchen, wie die deutschen, von Gehölzen entnommenen, 
mit der Kollektivendung -ach gebildeten Ortsnamen, wie Erlach, Tannach, 
Pirkach u. s. w. Wir brauchen also gar nicht auf die Suche nach einem neuen 
Etymon auszugehen, um aus demselben mit Hilfe problematischer Lautpro- 
zesse unser Celovec zu gewinnen, sonderü wir können ohne Skrupel mit cel 
= integer zufrieden sein. Mit Hilfe des erwähnten Suffixes bekommen wir 
Cel-|-ov-[-ec in der Bedeutung terra integra = festes, trockenes Land, auf 
dem eine Ansiedelung entstehen konnte, im Gegensatze zur Moorumgebung. 
Derselben Anschauung verdankt auch das in der Nähe der Stadt liegende 
Otoce (deutsch Weidmannsdorfj seine Entstehung, es bedeutet das Inseldorf 
mitten in der rings sich ausbreitenden Sumpf landschaft, auf welche auch das 



154 Kleine Mittheilungen. 

benachbarte Blace (deutsch Fiatschach) hinweist. Ich fasse das Ergebniss 
meiner Ausführungen folgendermassen zusammen: Der deutsche Ortsname 
Klagenfurt ist zusammengesetzt aus dem Personennamen Klago und dem 
Appellativ Furt, also Furt des Klago fvadum Queruli cuiusdam) und das slo- 
venische Celovec ist abzuleiten von cel = fest, ganz, trocken und bedeutet 
durch die Verbindung mit dem Suföce -ovec: terra Integra = festes, trockenes 
Land, was slovenisch auch mit celina bezeichnet werden kann. 

Klagenfurt, 15. Oktober 1904 J. Scheinigg. 



Kollär's Antheil an politischen Broschüren. 

Herr Dr. Fran Ilesic veröflfentlichte im Archiv XXVI. 159 die Erklä- 
rung Kollär's in der »Pester Zeitung« (vom 29. September 1848), die in dessen 
Lebensabrissen bisher nicht berücksichtigt wurde. 

In den Biographien Kollär's hat man die Erklärung Kollär's in der 
»Pester Zeitung« Nr. 788 (vom 29. September 1848) zwar nicht erwähnt, aber 
bekannt ist sie. 

Diese Erklärung und dann die Polemik Kollär's mit Havlicek 
waren im Leben Kollär's zwei heikliche Punkte, die man nicht gerne be- 
rührte. Es ist merkwürdig, wie heftig Kollär von Havlicek im »Slovan« an- 
gegriffen wurde ; Havlicek hatte kein Verständniss für die schwere Stellung 
Kollär's, dem der Minister Bach sogar ein Gönner war. Bach hat es gegen 
Miklosich durchgesetzt, dass »Staroitalia slavjanskä« in der Staatsdruckerei 
gedruckt wurde; es war Bach's Verdienst, dass Kollär neben anderen Gelehr- 
ten mit einem Orden ausgezeichnet wurde — aber in politischer Hinsicht war 
für den geistigen Vater des gefürchteten Panslavismus der Boden in Wien 
gerade so heiss wie in Pest. Seine politischen Gutachten, die ich eben in 
der cechischen Akademie veröffentlichte, fielen ins Wasser; man hat sie in 
Wien für zu radikal gehalten und gegen Ungarn getraute man sich doch 
nichts Ernstes zu unternehmen. Ich überging in meinem Aufsatze »Jan 
Kollär ve Vidni« (Sbornik Jan Kollär) diese Controverse zwischen dem streit- 
süchtigen, aber festen Havlicek und dem schon kampfesmüden Professor der 
Archäologie, Kollär, der damals hauptsächlich in seinen slavischen Alter- 
thümern lebte, mit Bedacht, und berührte ihn der Vollständigkeit wegen 
bloss mit einem einzigen Satze. 

Aehnlich verhält sich die Sache mit der angeführten Erklärung 
Kollär's. 

Man wollte diese peinliche Erklärung — die de facto die allgemein be- 
kannten Grundsätze Kollär's umstiess — nicht erörtern in Anbetracht der 
ganzen schwierigen Situation, für die jedermann Rücksicht und Verständniss 
haben müsste, namentlich jeder Biograph, welcher in seinem Autor immer 
mehr oder weniger einen Helden sieht. 

Aber bekannt war sie in Böhmen. Wie mir Dr. Jan Jakubec mittheilt, 
schrieb darüber Havlicek in seinem »Slovan« 1850, S. 1485, obzwar er dort 



I 



Kleine Mittheilungen. 155 

irrthümlich von »Kossuth Hirlap« spricht. In der letzten Zeit beschäftigte 
sich damit Dr.Jakubec in Rozhledy 1894 auf S. 508 in einem Artikel »Poli- 
ticke a socialni näzory v Kollärove poesii«, wo er auch diese Erklärung ab- 
druckte. 

Im Jahre 1848 musste KoUär in Pest mehrere schwere Stunden verleben, 
worüber er in seiner Autobiographie, die ich in cechischer Uebersetzung (1893) 
veröffentlichte und die nun auch im deutschen Original herausgegeben 
wurde, manches erzählt. 

Es scheint, dass mit der Erklärung KoUär's bald darauf die Pester 
Slaven nicht zufrieden waren. Es wäre interessant, zu erfahren, worauf sich 
eine Erklärung der Pester Slaven, die in »Kvety« 1848 erschienen ist, bezog. 
Mir ist die Zeitschrift nicht zugänglich, aber sie musste in ziemlich heftigem 
Tone gehalten sein. Andrej Lanstjäk sagt davon: »Avsak co tyka sa toho 
ohiasu .pestianskych Slovanov' z r. 1848 v ,Kvetech' vysleho, musim vy- 
znat', ze nebolo tak myslene, jako bolo pisan6. KoUär säm uznal ho neskorsie 
za prehnane ! « 

In der Vorrede zu den Gutachten Kollär's erwähne ich, dass KoUär den 
Conte Medo Pucic (Pozza) auf das »vorzügliche Büchlein« »Politische Memo- 
rabilien aus Oesterreich neuer Zeit« aufmerksam machte, dessen Autor mir 
unbekannt war. Ich sprach die Vermuthung aus — die Broschüre kam mir 
bis jetzt nicht in die Hände — , dass Kollär an ihrer Verfassung irgend wel- 
chen Antheil hatte. In Gedanken bezog ich auf diese Broschüre die Worte 
Kollär's zu Soltis, welche Krizko im Sbornik (S. 22) veröffentlichte: »Nepria- 
telia nasi po mene auktora apologie pätrajü, ale nebojte sa, budeme se 
bränit «. 

Dieser Satz Kollär's bezieht sich jedoch auf eine andere politische 
Broschüre, die im Verzeichnisse Pypin's (Historie literatur slov. I, S. 198) 
nicht citirt ist. Krizko hat mich nämlich irregeführt, da er »apologia« klein 
schrieb. Es ist eine selbständige Broschüre, die »Apologia« heisst, und 
im J. 1841 in Budapest erschien. Der Titel lautet: Apologia | to geft: | 
Obrana, kterau fe odrodilci, | genz | od fve närodnofti Slowanfke odftu- 
pugj I bräniti chtegj, | ti pak kterj w nj ftogj | pofilniti fe mohau: Sepfanä | 
od I Ondfiflawa z Prawdomluwic. | W Budjne [ tiffteno literami Jana 
Gyuriäna a Mart. Bagö. 1841. S. 40. 

In den vierziger Jahren ist eine bedeutende politische Literatur ent- 
standen, die sich auf die magyarisch-deutsch-slavischen Reibungen bezog; 
man bekommt eine so ephemäre literarische Erscheinung, die damals viel- 
leicht grosses Aufsehen erweckte, jetzt sehr schwer oder nur zufällig in die 
Hand. Die ganze hierher einschlägige Literatur ist nicht einmal in der Schrift 
»Les Serbes de Hongrie« (Prag und Paris, 1873) vollständig angeführt. 

Als ich im August d. J. 19ü3 in Cilli, dem Geburtsorte Oblak's, weilte, 
besuchte ich auch die slovenische Bibliothek (Narodna citalnica), um die 
slovenische Literatur auf Grund des dortigen Materiales näher kennen zu 
lernen. Zu meinem Erstaunen fand ich hier eine wunderbare Sammlung von 



156 Kleine Mittheilungen. 

allen möglichen Slavica, besonders aus der ersten Hälfte des XIX. Jahrh. ; 
hauptsächlich waren die böhmisch-slovakfschen Schriftsteller (Kollär, Tomsa, 
Wocel, Burgerstein, Hanka's Orthographie, Prostonärodni biblioteka von 
Dr. ßadlinsky und Podhradsky, Nitra von Hurban), dann die Repräsentanten 
des Illyrismus, Jordans Jutnicka, Zeitschrift für slav. Literatur, Kunst und 
Wissenschaft, Jahrbücher (1844—46) vertreten. 

Sehr interessant war auch die Sammlung von mehreren politischen 
Broschüren. Ich forschte nach den ehemaligen Besitzern der verschieden- 
sprachigen Bücher; es waren Zuza, ein Bergwerksbesitzer, der erst dieses 
Jahr in Var-Palota bei Pest starb, und Andrej Pirnat, ein Bergbaubeamter 
in Tüchern (bei Cilli), der in früheren Jahren (1845 — 46; in Schemnitz unter 
den Slovaken gelebt hatte und als intelligenter Slovene für die damalige Be- 
wegung unter den Slovaken Sympathie hegte. Er war auch schriftstellerisch 
thätig; im J. 1845 verüflfentlichte Bleiweiss in »Novice« sein Gedicht »Kme- 
tovac«. Iz St'avnice (Semnic) na Ogerskim. 

Unter diesen Broschüren interessirten mich z. B. »Petitionen der Serben 
und Slovaken vom Jahre 1561« (Wien, Gorischek, 1S62, S. 31) und das hoch- 
wichtige Büchlein »Protestantismus, Magyarismus, Slawismus«, 
welches für die damaligen Zustände besonders charakteristisch ist. Der 
Untertitel lautet: Als Antwort] auf die gegen den | Grafen Carl Zay, | 
Generalinspector der evangelischen Kirchen und Schulen A. C. in Ungarn, | 
erschienene Schrift. | Vom jaller Menschen Freunde, nur der Finster- 
linge Feinde. I Leipzig, 1841, Verlag von Georg Wigand. S. 78. 

Diese Broschüre enthält die Antwort auf ein »Libell«, wahrscheinlich 
»Apologie« betitelt. 

Der kurze Sinn der Vertheidigung Zay's liegt in den erlösenden Worten -. 
»Die Magyarisirung aller Nationalitäten Ungarns«; die Forderung »Ungrische 
Armee« lief nur nebenbei. Es sei heilige Pflicht der Slaven Ungarns, »die 
Magyarisirung ihres Vaterlandes auf's eifrigste zu befördern«, »so wird denn 
unser Vaterland nur dann gross und glücklich, wenn es magyarisch wird«. 
An einer Stelle (7) spricht er von der »jugendlichen, eine grosse, ruhmvolle 
Zukunft verheissendeu Nation«. 

In dieser Broschüre sind interessante Nachrichten über die Lehrkanzel, 
resp. Aufhebung des slavischen Lehrstuhles des Professors Falko wich 
enthalten. 

Die Polemik endet mit den Worten: »Der alte Gott der Magyaren, er 
lebt ja noch, und segnet König und Vaterland!« 

Dann folgen einige Beilagen, wie sich Graf Zay um Gleichberechtigung 
der Protestanten, Nicht- Umrten und der Juden mit den Katholiken eingesetzt 
habe — , »wo das ganze constitutionelle Europa in der Eatwickelung unserer 
Sprache und Nationalität den treuesten und kräftigsten Wächter und Kämpen 
seiner Freiheit erkennt«, lautet ein Satz. 

Aus der Biographie des Grafen erfahren wir, dass er in Odenburg (in 
der Umgebung wohnen die Kroaten) geboren wurde ; seine Feinde haben ihn 
daran erinnert, dass seine Mutter eine Schlesierin war und er ein Halbslave — 
aber er vertheidigt sich dagegen. 



Kleine Mittheilungen. 157 

Die Professoren des Leutschauer evangelischen Lyceums wollten die 
Einfälle des demokratischen Grafen nicht recht begreifen und waren im 
Tärsalkodö Nr. 92 einer anderen Anschauung. Das hat den Grafen Zay »mit 
traurigem Gefühl und Kummer erfüllt«. 

Sein letzter Rath kulminirte in diesem Satz: »Unsere slavischen Brüder 
mögen fernerhin aufhören, ihre geistigen Kräfte zwecklos ') zu verschwenden «. 

Zum Schlüsse droht er mit Repressalien »im Sinne der Gesetze und der 
Befehle der Regierung«, wenn seine »herzliche Zurede erfolglos bleiben« 
sollte (24. November 1810). 

Die Professoren von Leutschau, wo damals ein reges geistiges Leben 
blühte, haben sich gegen Zay vertheidigt, ja sogar ein »so gelehrter und ver- 
dienstvoller Mann«, wieCaplovic(Czaplovics) hat sich der slovakischen Sache 
in Szäzadunk Nr. 3 angenommen. 

Czaplovics rüttelt unbarmherzig an der magyarischen Logik Zay's, 
dessen circulus vitiosus sich in dem bekannten Satze und dessen Variationen : 
»die Magyarisirung des Vaterlandes« bewegt. Er nennt seine Ideen »über- 
spannte magyarische Tiraden« und zu der Bedeutung der Ungarn in Bezug 
auf die Künste bemerkt er bissig: »die Slaven hätten im Bereiche der bilden- 
den Künste von den Magyaren im Verlaufe von neun Jahrhunderten kaum 
etwas Anderes gelernt, als die Kunst, Knöpfe zn stricken und aus Dünger 
Brennholz zu bilden«. 

Czaplovics fordert den Grafen auf, er möchte ihm folgende Zeilen er- 
klären: »die magyarische Sprache ist das Nährelement der Freiheit, der In- 
telligenz, des Protestantismus«, sowie auch diese: »Die slawische Sprache 
ist nicht mehr die Sprache der Freiheit, des Protestantismus«. Unter An- 
derem fragt Czaplovics den Zay, ob er vielleicht nicht zu den magyarischen 
Slawen gehöre«. 

Die Antwort desGrafenZay (Pressburg, im Jänner 1S41) ist sehr schwach 
ausgefallen. 

Sein Gedankenkreis ist mit dem Grundsatze : Magyarisirung von ganz 



') Die Slavisten und Leute der Wissenschaft wird es interessiren, was 
für eine hohe Meinung dieser Chauvinist von ihrem ernsten Studium hatte 
(S. 3): »Philologische Forschungen sind wohl an sich selbst ein eben so un- 
schuldiges als verdienstliches Unternehmen; allein wird dabei nichts Höheres 
bezweckt, so sind sie eine bedauernswürdige Verschwendung zu etwas Heil- 
samerem geschaffener Kräfte; sollen jedoch jene als Beförderungsmittel der 
Intelligenz dienen, so kann ja dieser heilige Zweck nicht nur mit Hilfe der 
slavischen, sondern auch mit jeder andern Sprache erreicht werden . . . näm- 
lich mittelst der magyarischen. Vergleichen wir die slawische Literatur 
Ungarns mit der der Magyaren und fällen wir ein unbefangenes Urtheil. Der 
Inbegriff jener ist vorzugsweise belletristisch und streng wissenschaftlich; 
die magyarische Literatur hingegen verhandelt die heiligsten Interessen der 
Menschheit, nämlich die religiösen und staatsrechtlichen Verhältnisse sammt 
vielen anderen Lebensfragen, was auch insbesondere von der magyarischen 
Journalistik gilt«. -^ 



158 Kleiae Mittheilungen. 

Ungarn erschöpft; wo er aber mit logischen, wissenschaftlichen und humanen 
Gründen operiren soll, dort verräth seine Argumentation auffallende 
Schwäche. 

Ich habe mich bei dieser Broschüre länger aufgehalten, weil dieser 
merkwürdige Broschürenkrieg dem allgemeinen Vergessen verfallen ist, ob- 
zwar er manch' wichtige kulturelle und literarische Momente enthält. 

Kollär wusste bald, wie gefährlich für die Slovaken die Thätigkeit des 
evangelischeu Generalinspectors sei. Er beklagt sich über Zay in seinem 
Gutachten über die protestantische Kirche (meine Ausgabe, S. 64 :) — »nur 
auf diese Art (Auflösung einer solchen aufrührerischen Synode) wird es 
möglich sein, dass künftighin ein Kossuth oder Zay eine beispiellose Ty- 
ranay in der protestantischen Kirche ausüben können, welche oft mit 50 Ju- 
raten und anderen unberufenen jungen Leuten in den Conventsaal der 
Kirchenversammlung hineinstürzten und einmal den ehrwürdigen Superin- 
tendenten Jozeflfy gröblich insultirten . . .« 

Die schon früher angeführte »Apologia — ti pak kteri v ni stojl, po- 
silniti se mohou« (1841) ist eine Gegenschrift gegen eine andere »Apologia, 
tojest: Obrana, kterau se odrodilci . . . bräniti chteji «. 

Auf dem Landtage in Pressburg 1840 (wo keine Slovaken anwesend 
waren) wurde beschlossen anzuordnen, »dass die Bewohner Ungarns magya- 
risch sprechen sollen«. Irgend ein Magyarone hat ein Büchlein geschrieben, 
wo er nachzuweisen trachtet, was für Vortheile für die Slovaken entstehen, 
wenn sie sich magyarisiren werden. Jedes Kapitel endete mit den Worten : 
»Giz geft darmo« — »Es ist schon vergeblich«, das heisst, alles ist verloren, 
wehret euch nicht, es ist besser und opportuner für euch, Slovaken, wenn ihr 
euch magyarisirt. 

Als Antwort darauf erschien die im slovakischen Sinne geschriebene 
»Apologia« 1841. Der Verfasser führt die Titel von neun Kapiteln an und 
trachtet die magyarische Argumentation durch die Gründe aus der Bibel, 
aus der Natur zu entkräftigen. Die Folgerung, dass alle in Ungarn wohnen- 
den Völker sich magyarisiren müssen, Verstösse gegen göttliche und natür- 
liche Gesetze, gegen die Humanität und gesunde Vernunft. Zuerst werden 
historische Beispiele angeführt, die für die Gleichberechtigung der Völker 
in der Slovakei sprechen. Dann geht es kapitelweise weiter. Der Autor ver- 
räth, dass er in der Bibel gründlich belesen ist; man fühlt bald heraus, dass 
es ein protestantischer Priester ist, in dessen Feder manche Phrasis aus der 
»brüderlichen« Bibel stecken geblieben ist. Die Sprache ist ziemlich rein 
cechisch; man erkennt aus dem Stil und der verhältnissmässig guten Schrift- 
sprache, dass Kollär diese Broschüre nicht verfasste. Aber aus der ganzen 
Beweisführung und der Kenntniss der slavischen Literatur — viele Gründe 
der »Apologia« sind der >Wechselseitigkeit« KoUär's entnommen, — haupt- 
sächlich aber aus dem warmen Tone der Broschüre lässt sich schliessen, dass 
ihr Verfasser zu der Umgebung KoUär's gehörte. Wir werden daher nicht 
fehlgehen, wenn wir annehmen, dass — nach dem früher angeführten Citate 
bei Krizko — Kollär geistiger Beistand bei dem Werkchen und 
Soltis dessen Schreiber war. 



Kleine Mittheilungen. 159 

Kollär war in der polemischen Literatur schon bewandert; er schrieb 
für Zschokke's »Ueberlieferungen« »Etwas über die Magyarisirung der Sla 
ven in Ungarn«, und nach Marko: »Sollen wir Magyaren werden« und »Hi- 
KOJtHKO pi^ifi TOMt, KaKO ce CjiaBeHH y BeurepcKofi Mal)apH3Hpaio « (Spomen- 
Cviede und meine KoUdrova dobrozdäni XVII). Er hat mehrere Gründe für 
die Vorzüge der slavischen Kultur in der »Wechselseitigkeit« ins Treffen 
geführt. 

An einer Stelle in der » Apologia« (S. 26 — 27) werden einzelne Schrift- 
steller citirt, die sich der Bekämpfer ihrer Muttersprache schämen würden ; 
angefangen mit Hus bis zu Dobrovsky, Nudozerin, Tranovsky, Bei, Tablic, 
beide Nejedly, Puchmajer, Samuel Hruskovic, Elias Mlinarovych, Joachim 
Kaiinka, Jiri Zäbojnik. 

Besonders interessant ist die Ueberschrift des siebenten Kapitels; es 
ist ein Citat aus der genannten magyarenfreundlichen Broschüre, das in dem 
Kapitel widerlegt wird: 

»In der magyarischen Nation (närod) werden wir alle frei und unter- 
einander gleich sein, und dadurch entstehen für uns goldene Zeiten in Un- 
garn. Es ist schon vergeblich«. 

Dem Ganzen wird die Krone durch das bekannte Citat Kollär 's auf- 
gesetzt: 

»Säm svobody kdo hoden, svobodu znä väziti kazdou: 

Ten kdo do put, jiinä otroky, säm je otrok. 
Necht' ruky, necht'by jazyk v okovy sve väzal otrocke : 
Jedno to, neb neznä setfiti präva jinych«. 

Gerade dieses Kapitel ist besonders charakteristisch für die damals 
hochgehenden Wogen des politischen Lebens in Ungarn, unter dem aber auch 
die Literatur zu leiden hatte. Ich führe einige markante Stellen (31—32) in 
der Uebersetzung an : 

»Die Magyaren lieben nur sich und suchen die Freiheit nur für sich 
selbst und ihr Volk: dagegen wollen sie den Slovaken noch grössere Knech- 
tung aufzwingen und grösseres Joch auferlegen. Am letzten Kongresse in 
Balasch-Gyarmot*) am 12. Mai 1841 wurde darüber öffentlich diskutirt: »dass 
die Jugend nichts aus dem Slovenischen lernen solle, die Theologen sollten 
nicht slovakisch predigen und andere Abhandlungen schreiben; dass man 
den ungarischen Slovaken verbiete, mit anderen slavischen Gesellschaften 
und gelehrten Vereinen, und zwar nicht nur mit den russischen, polnischen, 
sondern auch mit den cechischcn, zu korrespondiren«. Siehe, das ist die ma- 
gyarische Liberalität ! Die Magyaren dürfen ihre Gesellschaften haben, aber 
für die Slovaken etwas Aehnliches nem szabad. Ist das eine Freiheit! Junge 
Slovaken haben einen Almanach unter dem Namen »Nitra«^) angekündigt: 



1) W Baläs-D'armotech. Da ich das Werk des Prof. Niederle über die 
slovakische Topographie nicht bei der Hand habe, kenne ich nicht die offi- 
cielle ungarische Benennung. 

2) »Nitra« von Hurban ist im J. 1842 in Pressburg erschienen und wurde 
dem Caplovic gewidmet. Der zweite Jahrgang dieser Zeitschrift concentrirte 



\ ßO Kleine Mittheilungen. 

einige Magyaren verlangten, man solle diesen Titel verbieten: das ist die 
magyarische Freiheit ! Die Magyaren wollen die Evangelisten mit den Cal- 
vinisten gewaltsam vereinigen (wie der Simson die Füchse mit den Schwän- 
zen), damit sie leichter die Slovaken magyarisiren könnten; ist das eine 
Freiheit ! Sie wollen eine neue magyarische Religion bilden, wie Tärsalkodo 
schreibt: »Seien wir weder Juden, noch Christen, weder Katholiken, noch 
Orthodoxe, noch Protestanten, sondern — Magyaren!« (d. h. wahrscheinlich 
Heiden). 

Kollär erinnert sich dieser Worte in der »Apologia« und wiederholt sie 
auch in seinem Gutachten (31): . . . »nach dem bekannten kossuthischen 
Grundsatz: Seyen wir nicht Katholiken, nicht Protestanten, nicht Griechen, 
nicht Christen, nicht Juden, seien wir nur Magyaren«. 

Der Herausgeber der Nitra, Miloslav Jos. Hurban, bemerkt über ver- 
schiedene Schwierigkeiten (S. 293) folgendes: »Nevime pak sobe docela vy- 
svetliti, kterak i nepfätel nasich toto nevinn6 predsevzeti pozornost, jako- 
vousi kfivozämernou vzbuditi mohlo natolik, ze se jim zachtelo kvetinku 
tuto, jakoby v korunce jeji jester jedovaty di-imal, pred rozvinutim se jejim 
poslapati. Ano jakovysi pamphletista präve v tom jmene .Nitra' cosi podiv- 
neho nalezä, a proto verejne näm radil, abychom spisek tento radeji ,Kar- 
pathus' anebo .Släva' etc. pojmenovali, ne moha se prenadiviti, proc präve 
Nitrou jsme därek tento vlastensky nazvali«. 

Der erste Jahrgang wurde » Janu Caplovicovi z Jasenovi, . . vlastenci 
slovenskemu dalece povestnemu, spisovateli slavn6mu, närodu slovenskeho 
ctiteli a zästupci neohrozenemu« mit einem begeisterten Gedicht gewidmet. 
Die letzte Strophe der von Hurban verfassten Dedikation lautet : 

»Posvecenät' jsi. Nitro, jiz Slävovi, 

Jehoz jmena släva Tatrou poletuje 

Jdiz ku statnemu Tater Obhajcovi *) 

A On te CO dceru Nitry zamiluje«. 
Ob Kollär auch irgend einen Antheil bei der Verfassung der »Politischen 
Memorabilien« (Leipzig 1843) hatte, kann ich nicht angeben. Jedenfalls wer- 
den die Biographen von nun an mehr die politische Wirksamkeit KoUär's 
betonen müssen; die von mir herausgegebenen »Gutachten Kollär's und seine 
Autobiographie aus dem J. 1849« (Böhmische Akademie, IJI. Klasse, 1903) 
srehören zu den wichtigsten Schriften Kollär's auf diesem Gebiete. 



alle für die slovakische Literatur ;im Gegensatz zu der böhmischen) begei- 
sterte Schriftsteller. 

1) Wir begreifen jetz';, warum Caplovic als Vertheidiger genannt wurde. 
Wien, Dezember 1903. Dr. Josef Karäsek. 



Beri^chtigung zu S. 135, Z. 30. Ich habe übersehen, dass Cevapovic 
im Buche Surmin's erwähnt wird, aber erst B. IL 26, und zwar nebst Georg 
Feric, beide als — illyrische Zeitgenossen, der »Danica«, was doch gelegent- 
lich berichtigt werden müsste. V- J- 



Zur glagolitischen Schrift. 



Die folgende Betrachtung hat nicht den Zweck, den Ursprung 
des glagolitischen Alphabets zu untersuchen oder seine Geschichte 
zu behandeln, sondern will nur einen Beitrag geben zur Beant- 
wortung der Frage, wie und warum den Buchstaben der Lautwerth, 
den wir in der Ueberlieferung finden, beigelegt ist. Dabei sind 
freilich paläographische Erwägungen nicht zu umgehen , und bei 
den stark verschiedenen Ansichten über die Entstehung der glago- 
litischen Schrift muss man einen bestimmten Standpunkt ein- 
nehmen, um überhaupt auf die gestellte Frage eine Antwort geben 
zu können. 

Aus den bisherigen Untersuchungen über die beiden Schrift- 
gattungen des Altkirchenslavischen stehen mir folgende Sätze fest: 

1. Von den beiden Alphabeten ist das glagolitische das ältere. 

2. Die Aufstellung dieses Alphabets ist das Resultat der gelehrten 
Thätigkeit einer bestimmten Person. Es ist gleichgiltig, ob man 
schon frühere Versuche zur Herstellung einer slavischen Schrift 
vermuten will; es kommt hier nur darauf an, dass das fertige 
Schriftsystem, wie die Ueberlieferung es darbietet, das wohl über- 
legte Werk eines Mannes ist. 3. Der Hersteller dieser Schrift war 
Konstantin (Kyrill), und sie war bestimmt für den Dialect, in dem 
er seine slavischen Schriften abfasste. 4. Das glagolitische Alpha- 
bet beruht auf der griechischen Minuskelschrift des IX. Jahr- 
hunderts, und zwar in allen seinen Bestandtheilen. Die Versuche, 
glagolitische Buchstaben aus orientalischen Alphabeten , aus einer 
albanesischen Schrift oder aus der lateinischen abzuleiten, halte 
ich für verfehlt. Es ist richtig, dass die bisherigen Untersuchungen 
noch nicht jeden glagolitischen Buchstaben auf griechische Schrift- 
zeichen zurückführen konnten, dass über die Herkunft einzelner 
Buchstaben, d. h. welchen griechischen oder welcher Verbindung 
griechischer Zeichen sie entsprechen, Zweifel bestehen. Aber trotz 
dieser Zweifel und selbst, wenn man dabei bleiben sollte, dass 

AicMt für slaTische Philologie. XXVII. \\ 



162 A. Leskien, 

einzelne glagolitische Zeichen — es kann sich nur um wenige han- 
deln — aus dem Orient stammen , so hat das für die hier vor- 
liegende Frage wenig Bedeutung. Man mag immerhin annehmen, 
dass die dem Konstantin zugeschriebene Kenntniss orientalischer 
Sprachen und ihrer Alphabete nicht bloss legendenhaft sei, aber 
man muss doch erkennen, dass ihm nur sein lebendiges Griechisch 
und seine mit der byzantinischen Gelehrsamkeit nothwendig ver- 
bundene Ausbildung in griechischer Grammatik die Richtschnur 
geben konnten für die Bestimmung der Laute seines slavischen 
Dialects und für die Aufstellung eines Schriftsystems. 

Die nächste Aufgabe ist, zu bestimmen, wie das älteste glago- 
litische Alphabet beschaffen gewesen ist, d. h. welche Zeichen es 
besessen hat. Nach den Untersuchungen von Jagic halte ich es für 
sicher, dass es sämmtliche aus der Gesammtheit der glagolitischen 
Handschriften sich ergebenden Zeichen besass ausser « = e , dass 
es vielmehr für e nudj'e nur das eine Zeichen 9e gab. Auf diesem 
Standpunkt stehen Psalt. sin. und Kiev. Bl. , Nachwirkung des 
alten Zustandes zeigt noch die weiter entwickelte Schrift des Zogr. 
und Mar., indem sie 3€ nur im Wort- und Silbenanlaut, nicht nach 
Consonanten {n Im. s. w.) setzen. 

Steht das fest, so ist zu fragen, welche Laute hat das Alphabet 
ausdrücken sollen. Es war nach meiner Meinung für Konstantin 
selbstverständlich, dass er den Lautwerth der für seinen slavischen 
Dialect aufgestellten Buchstaben nach Lautwerthen griechischer 
Buchstaben bestimmte, d. h. nach den Werthen, die diese im 
Griechischen des IX. Jahrhunderts hatten; und es dürfte nicht 
überflüssig sein, das glagolitische Alphabet von diesem Gesichts- 
punkt zu betrachten. 

Von den Consonanten konnten ohne Abweichung über- 
nommen werden ß = v "is, ^ = 2öj, x = Ä^, 1 = l a, (ohne Berück- 
sichtigung des Unterschiedes von palatalem und nichtpalatalem /), 
[x = m'9s,i/ = n-p (wie bei /), jt =p f, q = r b (wie bei ti, l), 
(7 = 52, z = t m, ■^^= ch h. Von den nur in griechischen Fremd- 
wörtern möglichen q)z=f^^ t9- =^ ♦, a« =^ ist hier abzusehen. 
Der Umstand, dass griech. x und x nicht überall den gleichen Laut 
darstellten, da sie wie im heutigen Griechisch, vor e- t-Lauten eine 
palatale Färbung haben konnten, störte nicht, da ja k ch' in dem 
slavischen Dialect überhaupt nicht vorhanden waren, sondern schon 



Zur glagolitischen Schrift. 163 

urslavisch dafür c s eingetreten war. Nicht so einfach lag die 
Sache bei griech. d und y. Diese Zeichen drückten im IX. Jahr- 
hundert wie heute je zwei ganz verschiedene Laute aus, die Spi- 
ranten Ö 5 (so im Anlaut und zwischen Vocalen) und die Medien d g 
nach Nasalen: öivöqov = ^endro^i^ ayyaqEia =z angarid). Da aber 
für den Slaven in seinem Dialect die Spiranten gar nicht vorhanden 
waren, konnten ohne Weiteres 6 Sh und y % vü. der Geltung reiner 
Mediä aufgenommen werden. Auch die starke Palatalisirung des y 
vor palatalen Vocalen, agos aj'os = aytog konnte für das Slavische 
gleichgiltig sein, da hier ein g nicht vorkommt, sondern bereits ur- 
slavisch durch {d]z vertreten wird. Die Möglichkeit, einen griechi- 
schen Buchstaben mit an sich mehrfacher lautlicher Geltung in das 
slavische Alphabet mit einheitlicher Geltung aufzunehmen, musste 
dagegen bei h versagen; das griech. ß hatte zwei verschiedene 
Werthe: v im Anlaut und zwischen Vocalen, b nach Nasal [lafxßavo) 
= lambano). Dem ß = v entspricht der slavische Laut t?, und ß v 
ist für diesen Spiranten festgelegt; für das rein mediale h musste 
also eine Auskunft gefunden werden, und ich meine, Jagic hat 
Recht, wenn er das glagolitische b e für eine Ligatur aus griech. 
f.iß hält. Man muss dabei berücksichtigen, dass die Gruppe mb 
im Slavischen gar nicht vorhanden war, also ohne Schwierigkeit 
für einfaches b verwendet werden konnte. 

Für die im damaligen Griechisch nicht vorkommenden Conso- 
nanten und Consonantengruppen hat das glagolitische Alphabet 
griechische Buchstaben umgeformt oder combinirt: z ac, dz ^, 
c «v, c^, s uj, k'8. Für diese ist das griechische Alphabet nur 
zeichengebend, nicht oder wenigstens nicht direkt Laute ver- 
mittelnd gewesen. Wie im einzelnen die Adaptirung vorgenommen 
ist, muss weitere paläographische Forschung entscheiden. Im 
ganzen kann man sagen, dass für die Consonanten keine so grossen 
Schwierigkeiten bestanden, dass ein grammatisch geschulter Ge- 
lehrter sie nicht passend lösen konnte. 

Bei den Vocalen waren die Umstände ungünstiger. Die 
griechische Schrift bot an Vocalzeichen: a = a\ € ai = e] rj loistv 
= i\ o u) = o\ ov = u; die diphthongischen Verbindungen av, sv 
kommen nicht in Betracht, da sie bereits av ev (vor tonlosen Con- 
sonanten af ef) waren, also in den betreffenden Silben nur das 
vocalische Element a e darstellen. Dass im glagolitischen Alphabet 

11* 



1 64 A. Leskien, 

die e-Zeichen oc ei v unberücksichtigt blieben, erklärt sich einfach 
daraus, dass den Aufsteller der slavischen Schrift keine Kücksicht 
auf Ueberlieferung oder Etymologie band. Die beiden einfachen 
/-Zeichen /j l kehren wieder in s und t (mit der Variante s). Wie 
weit bei dieser an sich überflüssigen Doppelheit oder Dreiheit doch 
Berücksichtigung gewisser lautlicher Verhältnisse des slavischen 
Dialects mitgewirkt hat, lasse ich hier ununtersucht. Die Zeichen 
für a, e, o, u {a, €, o w, ov) konnten ohne Weiteres übernommen 
werden. 

Das glagolitische Alphabet besitzt an Vocalzeichen (die latei- 
nische Umschreibung soll hier keine genauere Bestimmung geben, 
sondern nur zur nächsten Verdeutlichung dienen) : + = a , 3 = e, 
s «p (s) = /, 3 = 0, » = w, »e = % (dazu die Combination css cst [.««] 
= 'y]j -6 := h, & = e (ja), fp =ju, s€ = ^, 3€ = e, ^a€ =jq. Zu den 
durch o6, oQV, -8, A, §€, 3€,'»€ ausgcdrücktcn Vocalen hatte der 
griechische Lautbestand keine Entsprechungen, die Buchstaben 
sind daher aus Zeichen des griechischen Alphabets umgebildet 
oder combinirt. Merkwürdig ist nun, dass auch von den Zeichen 
für solche Vocale, die an sich lautlich im Griechischen und Slavi- 
schen übereinstimmten, eigentlich nur zwei ganz gleiche Verwen- 
dung gefunden haben, o ä = o^ ov f» = u. Dagegen bedeutet 3 so- 
wohl e wie je (im Silbenanlaut), in derselben Weise s (t s) i wie 
Ji. Für ja im Silbenanlaut und an Stelle des kyrillischen i e dient 
das gleiche Zeichen a, 3€ dient für e und silbenanlautendes y^. Die 
Lautverbindung yw aber wird von u regelmässig durch ein von » u 
unterschiedenes Zeichen jp gegeben, und ebenso regelmässig y^ 
durch %e, unterschieden von 9e q. Warum, wird man fragen müssen, 
hat jemand, der im Ju^Jq besondere Zeichen nöthig hielt, nicht 
dasselbe Verfahren bei/e gegenüber e, bei/« neben i eingeschlagen? 
Wer eine Combination von Zeichen iür Ju^ Ja ersinnen kann, wird 
nicht in Verlegenheit sein, auch für andere entsprechende Laut- 
verbindungen denselben Weg einzuschlagen. Es müssen daher 
innere Gründe für die Unterlassung vorhanden sein, und diese 
können nur liegen in einer Eigenthümlichkeit des altkirchenslavi- 
schen Dialects. 

Wenn sowohl /a wie der Vocal, der im kyrillischen Alphabet 
einen von m verschiedenen Buchstaben i e hat und dort sicher einen 
e-Laut bezeichnet, glagolitisch durch dasselbe Zeichen a aus- 



Zur glagolitischen Schrift. 165 

gedrückt wird, so kann das nichts anderes bedeuten, als dass ur- 
sprüngliches ja und ursprüngliches e in der Aussprache einander 
so nahe lagen, dass ein Zeichen für beide genügen konnte. Sie 
brauchten darum nicht identisch zu sein, und waren es auch nicht, 
denn während ein dem urspr. ja vorangehender Consonant, der ur- 
slavisch palatalisirt war, mit dem Erweichungszeichen ^ versehen 
wird oder versehen werden kann, >%v^ = hona^ geschieht das bei 
A = urspr. e nicht: ■PA'sffcs. Wie das so verwendete a gelautet hat, 
kann man völlig genau nicht bestimmen, man wird aber richtig 
vermuthen, dass das a in/a und der dem e entsprechende Laut die 
Färbung eines sehr offenen e [ä] angenommen hatten. Man konnte 
also für das ä in altem ja und für das ä aus altem e denselben 
Buchstaben anwenden. Es liegt in der Wiedergabe des Vocals 
also keine Unvollkommenheit, sondern in der Wiedergabe eines 
diesem Vocal vorangehenden palatalen Consonanten [n u. s. w), 
wenn dieser nicht mit ^ versehen wird, wie etwa .■'§•? a statt ^i-PA. 
Ganz auf derselben Linie steht der Gebrauch eines und desselben 
Zeichen 3 für e und/e, s (t «) für i undy/, 3€ für e und/^, nach 
palatalen Consonanten. Dass man so verfahren konnte, muss seinen 
Grund in der Sprache selbst gehabt haben. Die Grammatik der 
slavischen Sprachen ergibt sicher, dass nirgends urspr. j [t] nach 
Consonanten erhalten geblieben ist; entweder es geht mit den Con- 
sonanten eine diese zugleich verändernde Verbindung wie : kj — c, 
gj — dz [z] u. s. w., oder der Consonant geht von der nicht pala- 
talen Lage zur palatalen über (w, /', r). Bekanntlich neigen nun die 
slavischen Sprachen dazu, die Palatalisirung weiter zu führen, in- 
dem auch die palatalen Vocale [e- /-Laute) palatale Verschiebung 
vorangehender Consonanten bewirken. Ich möchte dazu bemerken, 
die Frage , ob diese Art der Palatalisirung bereits urslavisch be- 
standen habe, ist eine Doctorfrage, denn es gibt wohl überhaupt 
keine Sprache, in der die Organstellung der Consonanten vor 
harten Vocalen (a, o, u] genau dieselbe wäre, wie vor den weichen 
(e, *), z. B. ein w, ^ in ta to tu, na no nu lautet immer anders als 
in te ti , ne ni. Es kommt nicht auf die Palatalisirung überhaupt 
an, sondern auf deren Stärke, und diese kann sehr verschieden 
sein. Nimmt man nun an — wie ich es annehme — dass im alt- 
kirchenslavischen Dialect eine Erweichung der Consonanten durch 
e-^-Laute in wahrnehmbarem Grade bestand, so muss man doch 



166 A. Leskien, 

daneben behaupten, dass sie graduell verschieden war von der 
durch urspr. j bewirkten, denn es kann wohl z. B. s-a-ps^os = 
konerm, doch niemals ^3 = ne geschrieben werden. Dieser Unter- 
schied des Grades der Erweichung ist aber bei der Aufstellung der 
Schrift unberücksichtigt geblieben , so gut wie bei a = ä. Lässt 
man diese Auseinandersetzung gelten, so erhebt sich die weitere 
Frage, warum irnje^ß^Jh^Je im Silbenanlaut kein besonderes 
Zeichen gebraucht wurde. Der Ansatz eines silbenanlautenden 
ji {(i), j'h {ih) ist von dem eines /, h bei prononcirter i-Stellung der 
Organe überhaupt so gut wie identisch und besondere Zeichen waren 
daher unnöthig. Bei e und § liegt die Sache natürlich anders, da 
die Ansätze von e und ie, e und i§ wohl unterschieden sind. Hier 
ist der Umstand entscheidend, dass es überhaupt kein silbenanlau- 
tendes e, e in der Sprache gab, sondern nur ?'e, ie. Es konnte daher 
bei der angenommenen palatalisirenden Wirkung des e, e auf vor- 
angehende Consonanten , die man recht gut auch durch ie, i§ be- 
zeichnen kann, das Zeichen für e 3 und das für e 3€ auch als je, je 
im Silbenanlaut verwendet werden. Ganz anders lagen aber die 
Verhältnisse heij'u, 'u, jq, 'q: es gab silbenanlautende /w und u, j'q 
und q, nicht palatale und palatale Consonanten vor u und q, die 
ihrerseits an sich vorangehende Consonanten nicht palatalisiren. 
Hier konnte also, wenn die Schrift nicht ganz unvollkommen 
bleiben sollte , eine Unterscheidung nicht entbehrt werden , daher 
der allgemeine Gebrauch der Zeichen p- und ^. Was deren Ent- 
stehung betrifft, so scheint mir fpju eine directe Uebernahme des 
griech. to oder, mit Vereinfachung, des lov zu sein (vgl. kyr. lo). 
Die erste Hälfte des ^ ist meines Wissens bisher unerklärt. Ueber- 
legt man, dass im ältesten glagolitischen Alphabet € nicht an sich 
Vocalzeichen ist, sondern nur die Nasalität des o § in »€, das e 3 in 
3€ bezeichnet, so muss auch in dem Theile ^ des ja der eigentliche 
Vocal stecken. Die Gestalt dieser ersten Hälfte des Buchstaben 
sieht in den ältesten Denkmälern so aus ^ Q, und ich glaube 
man darf annehmen, dass in ihr enthalten ist das o-Zeichen § mit 
einem darüber gesetzten diakritischen Zeichen "", dass dann aus 
der Verschlingung der beiden Bestandtheile die überlieferte Form 
entstanden ist. Die älteste Anwendung des '^ wäre darnach hier 
zu suchen, später wurde es als Erweichungszeichen, also eigentlich 
im selben Sinne wie hei j'q, über palatales n, I, r und gelegentlich 



Zur glagolitischen Schrift. 167 

sonst gesetzt. Ich lasse es dahingestellt, ob das Zeichen ^ nicht im 
letzten Grunde auf griech. i zurückgeht. 

Schwierig ist die Frage, was die Zeichen c8 *, -e % eigentlich 
ausdrücken sollen. Jagic meint, <« sei aus dem o -Zeichen s mit 
diakritischem Beistrich, ■& aus dem e'-Zeichen 8 mit demselben an- 
gefügten Element hervorgegangen. Das würde stimmen zu der 
allgemeinen Vorstellung, dass ^ einen o-w-artigen, h einen 2-e-artigen 
Laut enthält. Aber mir erscheint die Annahme unwahrscheinlich. 
Thatsächlich sehen die Buchstaben, wenn man die Ansätze, bei ^ das 
CN, bei h das >- abzieht, in der handschriftlichen Ueberlieferung ganz 
gleich aus, auch die Variationen sind bei beiden gleich, man 
kann bei beiden sowohl ein deutliches o -Zeichen § wie ein mehr 
oder minder dem s i gleichendes herausfinden, und ich komme 
nicht darüber weg, dass dies gleiche Element so aufzufassen ist, 
wie das € in se ^, 3€ ^, d. h. eine bestimmte Nuaneirung des eigent- 
lichen Vocals, der in der ersten Hälfte des Buchstaben ausgedrückt 
ist, bezeichnen soll. Darnach wäre also in den Beistrichen «^^ >- 
der eigentliche Vocal zu suchen, in dem gleichartigen Zusatz die 
Modificirung. Bei der Frage , woraus dieser Zusatz entstanden ist, 
muss man auch die Bezeichnung des y heranziehen. Das y war 
sicher kein diphthongischer Laut, es hatte so wenig wie ^fbim 
griechischen Lautsystem eine Entsprechung, und es bleibt doch 
auffallend , dass der Aufsteller des Alphabets dafür kein einheit- 
liches Zeichen gefunden hat, sondern zwei Buchstaben, <«8 [oqt, <««) 
zusammenstellt. Im Princip ist das genau wie die Anfügung des € 
bei »€ q und 3€ e; das dem "Q beigegebene e-Zeichen muss also be- 
deuten ein dem ^ sich näherndes os. Dabei kommt in Betracht, dass 
y als die dem ?> entsprechende Länge auftritt ; lange oder irgendwie 
gedehnte Vocale sind aber in der Regel geschlossener als die ent- 
sprechenden Kürzen, so dass bei y eine ziemlich starke Annäherung 
an ^ empfunden werden konnte; es geht ja thatsächlich früh in i 
über. Wendet man den Satz, dass die zweiten Hälften der zu- 
sammengesetzten Buchstaben die Modification eines durch die 
ersten Hälften bezeichneten Vocals ausdrücken sollen, nun auf «« 
und -8 an, so scheint es mir möglich, dass in dem Ansatz o^ von c:8 
das o -Zeichen, in dem Ansatz >- von -8 das e-Zeichen verwendet 
ist, und dass in dem zweiten Theile 8 das e'-Zeichen steckt. Durch 
die Anfügung des i wäre dann der ö-artige Laut des ^ aufgefasst 



168 V. Gardthausen, 

als eine nach i hinneigende Modification des o, der e- artige Laut 
des h als eine nach i neigende Lautung des e. 

Nach den vorgetragenen Ansichten erscheinen die Buchstaben 
8€ 3€, c85, cö flj d. h. die nicht durch ein einfaches Zeichen aus- 
gedrückten Vocale, nach einem einheitlichen Princip gebildet; die 
erste Hälfte enthält die eigentliche Vocalbezeichnung, die zweite 
deren Modification. Zu dem zusammengesetzten Vocalzeichen ge- 
hört noch » u\ hier liegt die Sache aber anders, da auch das 
Griechische das Doppelzeichen ov hat, und ich meine, es liegt in 
dem glagolitischen Buchstaben nichts anderes vor als die Stilisirung 
der griechischen Buchstaben Verbindung. A. Leskien. 



Eine alt-russische Schrift. 



Dass die Russen mit dem Christenthume ihre Schrift von den 
Byzantinern erhalten haben, ist eine unbestrittene und unbestreitbare 
Thatsache. Aber dabei wäre es doch wenigstens denkbar, dass einige 
Theile oder Volksstämme dieses gewaltigen Reiches in alter Zeit sich 
zunächst einer anderen Schrift bedient hätten, bis auch bei ihnen das 
allgemein-russische Alphabet den Sieg davon trug. In der That glaubte 
ein Akademiker in S. Petersburg eine derartige Entdeckung gemacht 
zu haben: 

Origine syrienne des lettres russes primitives. 

M. Fraehn, savant orientaliste, a trouv6 dans un auteur arabe, Ibn- 
abi-Yakoub-el-Nedim , qui ecrivait en 987, un passage constatant qu'ä 
cette 6poque les Kusses possedaient dejä Tart d'ecrire. Cet auteur nous a 

meme conserv^ un modele de l'ecriture russe du dixieme siecle. Ces 

caracteres ne ressemblent ni ä l'alp habet grec, ni aux rhunes des peuples 

scandinaves ces anciens lettres russes, si difförentes de 

tout autre aiphabet, ont la plus grande analogie avec les inscr. non encore 
expliquees, tracöes sur quelques rochers entre Suez et le mont Sinai. 

s. Annales de philos. chretienne pp. Bonnetty N. S. 13. Paris 1836, p. 80. 

Sowohl in dem dort citirten Journal des Ministeriums i. Volksauf- 
klärung, wie in den Schriften der S. Petersburger Akademie hat der 
Entdecker dieser wunderbaren Thatsache von seinem Funde berichtet : 



Eine alt-russische Schrift. 169 

Ch. M. Frähn, Ibn-abi-Jakub-el-Nedims Nachricht von der Schrift 
der Russen im X. Jahrh. n. Chr. — s. M^m. de l'acad. Impör. des scien- 
ces de S. Petersbg. VI S. Sciences polit. etc. t. 3. S. Petersbg. 183G. 
S. 507. S. 513 Text, Uebersetzung u. Facsim. (das unten nach einer 
Durchzeichnung wiederholt ist). 
Die Uebersetzung lautet: 

Die russische Schrift. 

Jemand, dessen Worten ich trauen darf, erzählte mir, dass einer von 
den Koenigen des Berges Kabk (d. i. des Kaukasus) ihn an den Koenig 
der Russen geschickt habe ; und er nahm davon Veranlassung zu der 
Bemerkung, dass diese eine Schrift hätten, die auf Holz eingekerbt 
werde. Dabei zog er ein Stückchen weisses Holz hervor, das er mir 
hinreichte. Auf demselben waren Charactere eingeschnitten, die, ich 
weiss nicht, ob Wörter oder isolirte Buchstaben darstellten. Hier ihre 
Nachbildung (siehe unten). 

Von befreundeter Seite wurde mir mitgetheilt, dass man den ara- 
bischen Text und das dazu gehörige Facsimile jetzt besser findet in der 
neuen Ausgabe Kitäb al-Fihrist, hg. v. Flügel. Lpz. 1871. Bd. 1 
(Text) S. [20]. 

Frähn schliesst an diesen ganz verständigen Text seines arabischen 
Gewährsmannes einige Bemerkungen, welche diese interessante That- 
sache illustriren sollen und vergleicht S. 5 1 7 diese wunderbare russische 
Schrift mit sinaitischen (d. h. nabataeischen) Characteren, welche zum 
Vorbild gedient haben sollen. Ohne auf die Bedeutung der Zeichen 
einzugehen, malt er orientalische und russische Zeichen untereinander 

russische Schrift 

sinaitische Schrift 

und behauptet dann, die einen seien aus den andern abgeleitet. Frähn's 
Erklärung ist viel auffallender, als die Behauptung seines arabischen 
Gewährsmannes. Die Russen waren im X. Jahrhundert durch die 



170 V- Gardthausen, 

Tartaren des heutigen Südrusslands, das Schwarze Meer, Kleinasien und 
Syrien vom Sinai getrennt, durch eine Reihe von Völkern, die eine 
eigene Schrift hatten, und es ist kaum denkbar, dass sie sich das 
Vorbild ihrer Schrift von den Ufern des weit entfernten Rothen Meeres 
geholt hätten; namentlich im X. Jahrb., in dem nach der gewöhnlichen 
Annahme die heutige Schrift der Russen bereits erfunden war. Und 
wenn man näher zusieht, so ist die Aehnlichkeit der Schriftzüge keines- 
wegs so gross, wie Frähn behauptet; und selbst wenn sie grösser wäre, 
als sie ist, so würde jeder verständige Beuitheiler dennoch die weit- 
gehenden Folgerungen ablehnen , die Frähn daraus ziehen wollte ; bei 
der Art und Weise, wie der arabische Schreiber ihm fremdartige Schrift- 
arten wiedergibt, würde man eher an eine flüchtige Nachbildung oder 
an eine irrthümlicheVertauschung unverstandener Schriftproben denken, 
die entweder dem Verfasser, oder dem Abschreiber passirt wäre. Ich 
weiss nicht, dass Frähn^s wunderbare Hypothese jemals widerlegt ist, 
glaube aber annehmen zu dürfen, dass es heutzutage Niemand gibt, der 
es wagen wird, sie zu vertheidigen. 

Wie bereits gesagt, ist das Wunderbare und Unglaubliche erst 
durch Frähn in diese Controverse hineingetragen, der arabische Text 
ist durchaus verständig und verständlich, wenn wir ihn nur so wörtlich 
wie möglich fassen. Die »Schrift, die auf Holz eingekerbt« wird, muss 
man nämlich als Kerbholz-Schrift^) auffassen. 

Als Rest einer schriftlosen Zeit findet sich das Kerbholz fast bei 
allen europäischen Völkern 2]. In Deutschland 3) hat es sich bis ins 
XIX. Jahrh. gehalten und ist vielleicht, auch jetzt in abgelegenen 
Theilen noch nicht vollständig verschwunden. Auch bei den skandi- 
navischen Völkern sind vielfach Runen als Kerbholz-Zeichen verwendet. 
»Selbst die im Gebiete des russischen Gouvernements und ehemaligen 
Königreiches in Asien, Casan, wohnhaften heidnischen Völker, die 
Tscheremissen, Tschuwaschen und Wotiaken, nehmen bei Schuld-Ver- 
schreibungen zwey Kerb-Stöcke, die sich ineinander passen, und schnei- 
den auf dieselben so viele Kreutze oder Striche, als die Summe des 



1) Sam. Stryck, Dissertation, juridicarum vol. III, Francof. 1743, p. 219 : 
De bacillis fissis vulgo Kerb-Stöcken. 

2) Kerbholz, niedersächsisch Karvstock, schwedisch Karfstock, mittel- 
alterl.- lateinisch bacillus fissus, tessera lignea, französisch Taille, Oches; 
Krünitz, Encykl., s. u. 

3) Grimm, Deutsches Wörterbuch 5. 562 u. d. W. Kerbholz. 



Eine alt-ruBsische Schrift. 171 

Geldes in Griwen oder Kopeken beträgt. Ein jeder, der Gläubiger und 
Schuldner, schneidet auf seinem Kerb-Stocke zu Ende, wo die Kreutze 
und Striche aufhören , sein angenommenes Zeichen statt der Hand- 
schrift. Die Zeichen sind z. B. <^, ^, 6, X, H u. dergl. , wie es 
einem jeden in den Sinn kommt, dergleichen zu wählen, dessen er her- 
nach bey aller Gelegenheit, wo Unterschrift nöthig ist, sich zu bedienen 
pflegt. Darauf werden die Kerb-Stöcke gegen einander ausgewechselt, 
und sind bey ihnen so gültig, als bey uns die kräftigsten Verschrei- 
bungen. Doch geht solches nur in Geldsummen, die nicht über 10 Rubel 
sich belaufen, an. Müllers Samml. russ. Geschichte 3. St. Petersbg. 
1758, S. 363 f.((i). 

In unseren Museen findet man garnicht selten Kerbstöcke mit 
Runen oder runen-ähnlichen Zeichen und der von Frähn so weit weg- 
geworfene Gedanke, dass die Runen das Vorbild dieser altrussischen 
Schrift gewesen, wird jedenfalls der Wahrheit näher kommen, als seine 
eigene ganz unglaubliche Hypothese. Auf das Lesen und Erklären im 
Einzelnen wird man allerdings bei diesem Facsimile verzichten müssen; 
da die Schriftproben der europäischen Völker im Fihrist vom Verfasser 
sowohl wie von seinen Abschreibern unverstanden nachgemalt und viel- 
fach entstellt sind. Aber vielleicht führt der Querstrich, der in so auffallen- 
der Weise fast das ganze Facsimile durchzieht, auf die richtige Spur. 

In seiner ausgebildeten Form bestand das Kerbholz nämlich aus 
zwei gleichen aneinanderpassenden Holzstäben , von denen der eine 
sich in den Händen des Käufers befand, der andere aber in denen des 
Verkäufers (beide Ausdrücke im weitesten Sinne des Wortes). 

Beim Abschliiss eines Geschäftes legte man beide Stäbe anein- 
ander; der eine der Contrahenten schnitt auf seinem Stabe eine Kerbe, 
deren Bedeutung beiden bekannt war, die sich auch auf dem zweiten 
Stabe fortsetzte. Die Fuge zwischen Stäben ist also für diese Art der 
Kerbholz-Zeichen besonders wichtig ; sie muss in einer Nachzeichnung 
auf Papier als ein Quersti'ich erscheinen, der die Zeichen durchschneidet, 
welche sich zu beiden Seiten meist rechtwinklig an diesen Querstrich 
anschliessen. Gerade dieser Querstrich tritt aber in der Nachzeichnung 
des orientalischen Schreibers (s. o.) ganz besonders deutlich hervor, so- 
wohl auf der rechten (wo er etwas geschwungen ist) wie auf der linken 

1) Krünitz, Oekonom.-technologischeEncyklopaedie u. d. W. II. Aufl. 37. 
Berl. 1794. S. 2—3. Vgl. Fr. Krauss, Ztschr. f. Ethnologie 18. 1886. S. (384) 
Botenstöcke b. den Slaven (m. Abbild.). 



172 V. Gardthausen, Eine alt-russische Schrift. 

Seite, Er sollte eigentlich natürlich gerade durchlaufen; in der Mitte 
müssen wir ihn uns also natürlich ergänzen. Ich denke mir die in der 
orientalischen Handschrift entstellten Kerbholz-Zeichen der Russen also 
ungefähr so: 



f^%n<-ß-i^pj^ 



Wenn wir das Facsimile von diesem Standpunkte aus betrachten, 
so scheinen die Zeichen des obern Stabes {A) ausgebildeter und mannig- 
faltiger zu sein als die des unteren {B); man sieht dort 3+1 + 1 
gerade Striche, die von A nach B durchlaufen, die aber nur auf A mit 
einem kleinen Kreise oder Punkte ansetzen, die stets auf der anderen 
Seite fehlen; sie sind also wahrscheinlich das Kennzeichen der Partei A. 
Von den Zeichen <^ ^ <|^ X H , die von Krünitz (s. o.) als Marke der 
Personen angeführt werden, erkennt man im mittleren Theile <^; dass 
wir in dem ersten Zeichen links ein verstümmeltes ^ zu erkennen 
haben, erscheint doch nicht recht wahrscheinlich. 

So schwinden also auf der einen Seite die vermeintlichen Spuren 
einer alten orientalisch-russischen Schrift und verwandeln sich vielmehr 
in Reste der uralten Kerbholz-Zeichen, die bei fast allen europäischen 
Völkern und ins Besondere auch bei den Russen gebraucht wurden. Bei 
den Deutschen wurden sie im Volke noch angewendet in einer Zeit als 
eine wirkliche Schrift längst Allgemeingut geworden war; es ist also 
durchaus nicht auffällig, dass das russische Volk diese primitiven popu- 
lären Zeichen beibehielt, als die russische Kirche sich bereits des heu- 
tigen, aus dem Griechischen abgeleiteten Alphabetes bediente. 

V. Gardthausen. 

Anm. Der russ. Akademiker Baron Rosen hatte die Freundlicheit, 
meine Aufmerksamkeit auf das wohlbekannte Werk Harkavy's (CKasaHifl My- 
cy.ai>M. nacaTejieä o cias. u PyccKHXi.. ClXöri. 1870) zu lenken, wo S. 241 — 244 
einige, jetzt allerdings zun Theil schon veraltete Bemerkungen zu Fraehn zu 
finden sind. Das Buch »CiBepHtiii pfonoii Ka-ieHjapi.« von Vjac. Sreznevskij 
(SPtbg. 1874) berührt die Frage über die angebliche alte Orient, russ. Schrift 
gar nicht, es beschränkt sich auf den Runen-Kalender. Selbstverständlich 
hält auch Baron Rosen die Ansicht Fraehn's für verfehlt, dagegen die von 
Prof. Gardthausen eingeschlagene Richtung nicht für aussichtslos. Freilich 
sei die Ueberlieferung der Zeichen ganz verzweifelt. F. J. 



173 



Le prix normal du ble ä Constantinople pendant le 
moyen äge et le Code de Stephan Dnsan empereur 

des Serbes. 



Quand je m'occupais (1898) de la seconde Edition du Code de Ste- 
phane Dusan, j'ai ränge le manuscrit du Code dösignd Rakovacki ä la 
fin de la Serie des copies qui nous ont conserv^ le mieux ce monumen- 
tum aere perennius de l'empereur serbe. 

Le manuscrit Rakovacki contient une douzaine d'articles du Zako- 
nik qui ne se trouvent dans aueune autre des copies. Le copiste a pos- 
sede un manuscrit plus ancien, appartenant evidemment ä la seconde 
eathegorie des textes (comprenant, selon moi, les changements d'une 
revision du XV siecle), qui s'est malheureusement perdu. Est-ce que la 
douzaine d'articles, uniquement conserve'e dans le Rakovacki, appartient 
ä cette revision ulterieure du Zakonik ou est-ce qu'elle n'appartiendrait 
plutot ä la redaction premiere ? Ce sont les questions auxquelles nous 
ne pouvons r^pondre que par des suppositions. Au lieu de nous y 
^garer, tächons de mieux connaitre ce qu'il y a dedans. 

L'article 198 (de mon edition 1898) appartient ä la douzaine sus- 
mentionn^e et a le texte suivant: 

/I^oxoäbkl i];apcKLiH, coKie h naMext h apaqt, ^a Aasa BLcaKb mjio- 
BiKL — KLÖtjib KHxa, nojOBHHa qucTaa a no^iOBHua npinpocxa, bojim 
nepnepB ;i;HHapMH, a poKt xoMoy jkhxoj /i;a ce oycnna na MnxpoBb 
;i;i)HL, a ApoyTUH poKB Ha Pea^^texBO XpHCXOBO, etc. 

II y a une chose qui se deduit de ce texte, c'est l'equivalence pos^e 
entre le kböBjIl aciixa et entre le nepnept AHiiapjiH. Dans les expli- 
cations de cet article (p. 265 Edition 1898) j'ai dömontre que le kböbüb 
est la meme chose que le mbxl — modius. 

L'equivalence du perper et du modius de bl^ au XIII — XIV siecle 
peut etre constatee aussi dans les traites de l'Empire Byzantin avec la 
Röpublique de V^nise. 

Dans le traite du 8 juin 1265 l'empereur Michel Paleologue fixe la 
regle : Et habeant Veneti libertatem extrahendi frumentum de terris Im- 
perii mei et ponere illud ubi volent, salvo quam in terris inimicorum 



174 St. Novakovic, Le prix normal du ble ä Constantinople etc. 

Imperii mei. Verum quando frumentum venditur a quinquaginta 
yperperis supra centenarium in Constantinopoli, quod tunc ipsi non 
possint entere pro transportando ipsum ('Orav de TrwXf^rat t6 /.ev- 
TrjvaQiov 6n:ey.etva tOjv TtevTrjycopra VTteQTraQcov, ov fj.i]v l^covcovrai 
avTÖv). 

La meme stipulation se trouve plus clairement exprimee dans la 
rdnovation du meme traitö le 15juin 1285 sous l'empereur Andronique : 
Item habebunt libertatem Veneti emendi frumentum et extrahere ipsum 
de Imperio nostro cum navibus eorum seu lignis, aut forinsecorum, et 
quocumque voluerint portare predictum frumentum excepto ad terras ini- 
micorum Imperii nostri, quandocumque centum modia frumenti volue- 
rint yperperorum centum et infra; et si ultra valuerint, quam centum 
yperperorum centum modia frumenti^ non possint extrahere de Im- 
perio nostro sine licentia Imperii nostri. (Tafel u. Thomas, ürk. z. 
alt. Handels- und Staatsgeschichte d. R. Venedig. III, 74, 85, 331). 
Les memes traitös furent renouvel^s encore: le 11 novembre 1310, le 
25 mars 1342 et le 9 septembre 1349 (Thomas, Diplomatarium veneto- 
levantinum 1300—1350. Venetiis 1880, p. 82, 257, 341). 

II est donc clair que le prix normal du ble dans les etats balca- 
niques du moyen äge etait un perpere par modius et que cette stipula- 
tion du Code Dusan selon le texte Rakovacki se confirme par d'autres 
documents contemporains. 

Kuokkala (Finlande), le 7/20 aoüt 1904. 

St. Novakovic. 



175 



CoKK et coKajiBHHKB dc la Scrbic du moyen äge. 



C'est presque tonte ma vie que j'ai pass^e ä lire et ä refeuilleter 
des documents serbes du moyen äge. Je dois reconnaitre que j'ai eu 
recours tres rarement aux documents byzantins contemporains. L'ete 
passö, ayant eu un peu plus de loisir, je me suis mis ä prendre en con- 
sid^ration le diplomatarium balcanique de son cote byzantin. L'effet de 
cet essai a 6t6 tres interessant, J'emportais l'impression qu'on doit 
avoir quand on lit un original apres en avoir longtemps lu seulement 
les traductions. J'avais devant moi une fois aussi les modeles qui 
avaient servi ä nos logothetes. Certaines cboses s'expliquaient qui me 
tourmentaient depuis longtemps. Je communiquerai ici ce que m'ont 
inspire les lectures mentionnees sur les deux termes serbes du moyen 
äge insuffisamment expliqu^s — sur le cokk et sur le coKajtHHKt. 

I. 

L'explication du cokk a et6 tentee il y a döjä trente ans par 
Miklosich et Daniele. Dans son PjeynHK h3 KH.H^eBHHX cxapHHa 
cpncKHx Daniele sous cohL explique ce terme comme 6tant provenu du 
latin medi^val soca, socagium et dit qu'il signifie tributum frumenta- 
rium. A la fin des citations il le met en correspondance avec le mot 
coKaJbHHKB , indiquant par lä la meme provenance des deux termes. 
Cette explication se retrouve chez Miklosich dans son Lexicon palaeo- 
slovenico-graeco-latinum. Quant au coKajiLHHKi. nous lisons chez 
Miklosich que ce terme indique le »colonus qui tributum cohb dictum 
pendere debebat, mlat. socamannus«. 

La premi^re objection qu'on est force de faire ä ces explications 
consiste dans ce qu'elles ne tiennent aucun compte des institutions 
byzantines. Toutes les citations du feu Daniele nous portent dans les 
pays de la Serbie centrale ou Orientale qui n'ont jamais öte sous le 
regime des feodaux d'occident. Or ces pays-ci ont souvent change le 
regime byzantin contre le regime slave, et on sait depuis longtemps 
d^jä que ces changements n'etaient rien autre que des changements de 
personnes dans la haute administration. Sauf les changements provenant 
(probablement encore sous le regime byzantin) des circonstances locales, 
le Systeme administratif etait toujours celui qui fut inaugure une fois 



176 St. Novakovid, 

pour toutes par les autorit^s imperiales de Constantinople. Le grand 
centre ne perdait jamais son prestige legislatif, ne cessait presque Ja- 
mals de legif^rer pour la Presqu'ile Balcanique toute entiere meme 
alors quand eile etait demembr^e en plusieurs etats. Et comme il est 
incontestable que Vordre administratif dans l'Empire Byzantin differait 
de celui des etats europöens occidentaux, malgr^ la base romaine iden- 
tique, il y a peu de chance qu'on puisse maintenir l'explication pure- 
ment occidentale du terme cokk chez Miklosich et chez Danicic. Iiie- 
vitablement , on doit chercher une explication qui se rapproche des 
institutions byzantines et de l'ordre qui provient de celles-ci. 

Toutes les citations qu'on pourrait actuellement compulser sur 
eoKie DU cofeB comportent que c'6tait une contribution imperiale et 
regalienne. Nous nous bornerons ä ne citer que le bon texte du Code 
Dusan, l'article 42 de 1349 qui dit: II öauiTHHe Bi.ee Aa coy cboögahc 
OTt Bi.cix:L paöoTB H no^antKL uaptcTBa mh, pasBi ^a Aaio coioe, h 
BOHCKoy Aa BOioio no saKOHoy. Tous les patrimoines, contre le Service 
militaire obligatoire, ^taient, par cet article, exempts de toutes les cor- 
v^es (dont le role 6tait tres grand dans les etats mddi^vaux) et de toutes 
les contributions de l'Empire except^ le cokk et le Service militaire. 
L'article 198 (provenant malheureusement des copies tardives inter- 
polees) nous apprend que cokk consistait dans un modius du ble ou 
dans un hyperpere en argent. Les autres sources nous informent que 
c'etait une dime d^stinee ä l'usage de l'autorite centrale, c'est-ä-dire de 
la couronne. II y a beaucoup de cas oii les souverains, en cedant aux 
monasteres certains villages ou terres, se desistaient de cette contribu- 
tion obligatoire pour tout le monde , en faveur des ^glises. C'est une 
confirmation par les faits de l'article sus-mentionn6 du Code Dusan. 

L'excellente dissertation de H. Geizer Die Genesis der byzantini- 
schen Themenverfassung (Leipzig 1899) mentionne ä la page 122 ce 
qui suit: Wichtig ist Ibn Hordadbehs Bemerkung, dass der im ganzen 
Reiche in natura erhobene Getreidezehnten in erster Linie dazu diente 
die grossen Proviantmagazine der Kaiserlichen Armee zu füllen. Les 
documents byzantins du XI. siecle nous permettent d'entrevoir les roua- 
ges de l'administration byzantine ä Constantinople. D'apres les chryso- 
bouUes de l'empereur Michael VII. Ducas (1071 — 1078) de l'annöe 
10741) on voit que Tadministration ä Byzance ^tait partagee en diS6- 



1) Fr. Miklosich et Jos. Müller, Acta et diplomata medii aevi I, 134. 



CoKK et coKajBHHKB de la Serbie du moyen äge. 177 

rent3 0€aq€tov. Ces aexgerov devraient correspondre ä ce qu'on 
appelle actuellement le ministere. On en mentionne: ro oexgerov tov 
ysviyiov loyod-itov\ ro OEy.Qerov tCov oi'/.Eia-/.Cov (pour lequel 
M. L. Petit dit qu'il d^signait le bureau Charge d'administrer la fortune 
particuliere de l'Empereur. ILiBtcTin PyccK. Apxeo.iorHy. Oum,ecTBa 
B-L KoHCTaHTHHonOjii, VI, 51); lo G8'^Q€Tov Tfjg aayiiXXrjg; ro 
ot'/.qixov TOV oi'/.ovoi.iiov rüv Evay(bv o'iy.iov. ro aexQSTov tov 
orqciTuoTi/.ov XoyoS'erov. Le chrysobouUe et ses Privileges furent 
enregistres dans tous ces OE-AQeTd. Quand la meme chrysobouUe fut 
confirmee par l'empereur Nicöphore III Botaniate (1078 — 1081) on 
jugea utile d'indiquer comment, sous quelle date eile avait et6 enre- 
gistree dans le aey.qirov T\g oay.ü.hrjg et aussi dans le oe/.QeTOv tov 
fieyaXov oaxelXagiov ^]. Le meme empereur, voulant exempter le 
monastere de St. Jean Prodrome cctto re tCov /mtu y.aiQovg cayella- 
gitov Tü)v iTtl Tfjg r^i^iETeqag aa/Jlkrjg yal tov ßeoTiaQiov confere au 
dit monastere une chrysobouUe en aoüt 1079 ^j. L'enregistrement d'une 
autre exemption semblable ev tm GEyqeTio Tfjg aaye?J.rjg est mentionnö 
dans les chrysobouUes de l'empereur Alexius I. Comnene en 1088, 
destin^es aux moines de l'ile de Patmos^). Dans une sceau de plomb 
de la meme annee lOSS on lit l'inscription: 6 ßaailiy.bg voTaqiog tov 
OEyQETou tov oay.eX?.aQiov y.QiTrjg /.cd avuyqacpEvg tGjv Kv/.Xccdiov 
vrjGiüv*]. Une autre exemption sous l'empereur A, Comnene du juillet 
1099 fut aussi enregiströe Iv Tcp OEy.QExo) Tf^g ßaailiyf^g GayeXXr^g^]. 
Sous l'empereur Manuel Comnene, en 1145, au mois de mars fut en- 
registree une exemption pour les moines de l'ile de Lere (Cyclades) Iv 
T(o GEy.QETcp Tf^g ßaGiXiTifjg GaxEXkrjg^), avec indication de la date de 
l'enregistrement. 

II est tout-ä-fait clair que le GEy.QETOv Tf^g ßaGiXi/.f^g Ga-KskXrjg 
etait la grande caisse imperiale qui exigeait la taxe prescrite de tout le 
monde, qui avait ses organes et ses fonctionnaires partout dans l'empire 
et qui devait etre saisie officiellement de chaque exemption imperiale 
pour que celle-ci püt etre eflfectuee. Tb gev.qetov rfjg ßaGiXr/.f}g 
GayiXXr^g ä Constantinople fonctionnait donc comme aujourd'hui le 
tresor ou le ministere des finances. D'apres un prostagma de l'empereur 
A. Comnene, de l'annöe 1094, qui nous apprend que l'empereur etait 



1) Acta et diplomata graeca V, 138. 2) Acta VI, 21. 

3) Acta VI, 49, 53. *) Acta VI, 57. 5) Acta VI, 94—95. 6) Acta VI, 105. 

Archiv für slavische Philologie. XXVII. 12 



178 St. Novakoviö, 

autorise de conferer au patriarcat la nomination t(^ (.leyaho oiy.ovöuo) 
— T(^ l-ieyüXo) oa'/ieX'kaqidj — T(p aeyaXo) oy.£vo<f)v?yay.i — y.ai r^ 
oay.eX'kiov on voit que le meme rouage administratif fonctionnait aussi 
au patriarcat i). L'institution me rappelle les mots russes Kasna, Kaseu- 
Htiä et KaseHHoe le fisc, le tresor; fisc et tresor, qui non seulement 
remplacent completement les termes byzantins t] ßaaiXiKr] aaxeXXrj et 
rfjg ßaaiXr/.rig oaziXXrjg^ mais semblent y etre calquös entierement. 
Je n'entre pas dans l'explication etymologique de mots Kasna et 
KaseuHBiil. 

Et c'est sur ces bases que j'oserai hasarder mon explication du 
COKK en Serbie. 11 me parait que aa/JXXr] (prononcee cahe.iii) et cokk 
correspondent aussi completement qu'il est nöcessaire. Tous les x« grecs 
devenaient regulierement en serbe he. On peut trouver dans le diction- 
naire de Daniele toute une coUection de mots medievaux oubli^s, avec 
d'autres qu'on parle encore aujourd'hui: he^ipb, heJiHM, he<i>ajiHH, heuTH- 
HapL, hHBOT, hepaMHAa, hupiiua, etc. A l'occasion des conquetes de 
provinces qui alternaient tantot au profit des uns et tantot au profit des 
autres, on changeait les fonctionnaires serbes contre les fonctionnaires 
byzantins et vice versa, mais la contribution rjjg aaxiXXrjg restait teile 
quelle et changeait seulement sa forme grecque contre la forme serbe 
ou reciproquement. 

II. 

L'^ancien terrae de la Serbie du moyen äge coKajitiiuKb n'a rien de 
commun ni avec lat. socamannus ni avec le m. -serbe coKie. 

J'ai ddjä Signale une explication differente de celle de Miklosich 
et de Danicic' dans la deuxieme Edition du Code Dusan ä Tarticle 107 
du Code oii le mot coKajibHUKt est employe^). Selon les donnees y men- 
tionnöes j'ai mis en avant que coKa.i[i>HHKi> ne signifie pas une classe 
particuliere des contribuables, mais un artisan, un cuisinier ou un bou- 
langer ou peut-etre le ma^on qui se connaissait dans la constraction des 
ätres ou des fourneaux de l'dpoque. Comme la chose a trait aux usages 
du moyen äge, on doit prendre en consideration la diflf^rence des con- 
structions memes servant aux besoins indiques qui, surtout dans la 
Presqu'ile Balcanique, echappe aux observations plus precises. Je 
reviens ä cet objet d'abord ä cause de la connexion d'idees chez 



1) Byz. Zeitschrift III, 19. 

2) SaKOHHK Cie^aHa /lymana. Beorpa;i; 1898, pag. 211. 



CoKK et coKa;itiiuKB de la Serbie du moyen age. 179 

Miklosich et Daniele, et aussi parce que 9a se dövoile tres clairement 
par les comparaisons des textes byzantins et des traductions slaves. 
L'explication erron^e de Miklosich et Daniele a donnd lleu ä beaucoup 
de combinalsons essayant de dömontrer quelle etait cette claase du 
peuple Serbe qui s'appellait coKaJibimi^H, qul, certainement, s'ecroulent 
d'elles-memes aussitot qu'on fait voir que coicajibHHKh n'ötait qu'un 
simple artisan. 

Nous commencerons notre enquete par les lols byzantines. 

Le recuell de M. Viastar dans le oroixelov v. (edltion athenienne 
Rhalli, p. 313) contient la loi du Procheiros Nomos eh. 38, p. 17: 
OvTE cpovQvoVy ovxe eariav ev rw l7ti-/.oiv(o toIxm övvar ai rig 
TTOLElv. Le traducteur serbe de Viastar du XIV siecle, contemporain 
de St(§phan Dusan, reproduit le meme texte en slave par les mots: 
Hnace neuiTt , HHJKe coKajii.HHi],oy bb oöbuitsh ct^h^ hb Moacexb kto 
TBopHTH. La meme loi a ete traduite encore une fois pour la Serbie au 
commencement du XIII siecle dans la KpLMfcqaM du St. Sava oü le 
meme paragraphe se trouve dans le Procheiros Nomos — rpaAbCKLiH 
3aK0Ht. Le texte grec du Procheiron contient une phrase supplementaire, 
rendue aussi dans la traduction slave. Le texte du Procheiron est le 
suivant: Ovre. cpovQvov, avve nvQY.a'Cav ev rcp eTtiy.oivco rolyji) 
dvvarai rtoiElv^ iv ih tbi^ iTtiy.otvov roly^ov viib xov Jivqog v.cxTa- 
ß)M7tTsad-ai. Ce qu'on a traduit par les mots slaves: Hh nemTH, hh 
noBapLHHu;e npisb bahrs wöbuiToy ct^hs hb MoacBXb HHKbxo^B 

TBOpHTH, HMbaCB OÖbmTJsK) CT^HOy OrbHb BpijKAaKTb 1). 

On voit donc que les mots grecs eoria ou 7tVQ%aläy le feu, le 
foyer, sont traduits en slave une fois (au XIV siecle) par coKajibHHua 
et une autre fois (au XIII siecle) par noBapbUHi^a. 

Dans la chrysobouUe du roi Miloutine (Stephan Uros II) de 1322 
on remarque que coKajibinma prenait quelque fois la forme masculine. 
On lit dans cette chrysobouUe: II cinoKomb mxo le kochjio KpajiKBbcxBO 
MH, HiiavB coKa.ibHHKa, H cb sbmjIbh) u'Xb xora ciHOKoea npaso ÄOJiOMb 
ropi c xiMHSH HHBaMH Ha apxHKHHCKoynoBO cxaHHmxe h ujxb xoy rope 
oy no;ie2). II parait que le texte veut parier d'une construction k 
fourneau ou au foyer public. On ne peut pas 1 expliquer avec plus de 



1) TjiacHiiK 2or OÄ. VIII. Apx. H. ityquha KpMiuja Mopa^Ka, p. 116. Nous 
avons remplace la lecture erronee numm par neiuxu. 

2) Miklosich, Mon. serbica, 563. 

12* 



180 St. Novakoviö, Cokk et coKajtHHKb de la Serbie du moyen äge. 

precision sans une connaissance exacte du mode des constructions de ce 
genre au XIV siecle. 

Un extrait d'un manuscrit de la Bibliotheque Nationale de Beigrade 
No. 60, f. 159 contient le texte qui montre la meme signification du mot 
coKajitiiHi^a : Et eoKajiBHHi^H .ih re coyxt nocxaBHJiH, noMemi öarpeiu- 
TBK HJiH M^At KOBoynixeie, H2Ke HomTL HKO AtHt coBptmaiomTe et 
ü/rHieMt öopoyinTe ce h BjacTii noKapaiouiTe ce, wtl KHest cToy- 
acaKMH. 

Par tout ceci se trouve confirme l'article 107 du Code Dusan: 
Kto ce HaHÄ© otöhbl coy^HHa coKajiBiuiKa h.ih npHCTaea, Aa ce n.iiiiH 
H Aa Moy ce B'Ece oysMi niTO ima. II parait qu'on a vite oublie le mot 
et la signification de la coKajiBHHiia apres le XIV siecle, car les textes 
du XV siecle interpolent dejä noctJifcHHKa au lieu de coKajitHHKa. 

Et on voit clairement que coKajbHHKt n'etait autre chose que 
l'homme prepose aux cuisines et aux foyers ou un artisan qui construisait 
ce qui y ^tait necessaire. L'insuffisance de nos connaissances sur la 
construction des foyers et des cuisines nous empeche de nous prononcer 
plus precisement. Le Procheiros Nomos dans son chapitre ne menti- 
onne pas des cheminöes qui n'existaient pas jusqu'au XII siecle. Le 
paragraphe suivant, le 20, dans le chapitre XXXVIII du Procheiron, 
nous aide un peu k entrevoir ce qu'on faisait des foyers et de leurs 
fumee dans les maisons. ^Eäv rig Ttoirja}] rvQsipelov, l| oii xaTtvog 
k-A7tEi.i.7iö{.ievog AaraßlccTiTei rovg Iv rolg vipr^lorsqoig oi/iovvrag, 
övvavTai y.axa vöiioug ol ßlaTtTÖf-isvoi '/iloIvelv avTov sigTref-ineLV 
Tov -/.ajtvov. Le mot TVQEipslov ne se trouve ni cbez Sophocle ni chez 
Deheque ou Legrand. La traduction slave nous rend le texte precedent 
comme il suit : Amxe kxo cLXBopnxt oKLHLi^e, irxt Hieroace AUMt ncxoAe 
naKoext XBopnxb npintime atiiBoyuixHMt jioroyxL naKocxt npHKMjrio- 
mxen BLSLÖpaHHXH bm« no saKOHOMt ne BLcnoymxaxn AHMa. Le typique 
de St. Sava pour le monastere Chilandare nous apprend qu'on chauffait 
les cbambres de Tbopital par une aroula de bronze, un rechaud ou 
plutöt un brasero portatif {(xay/.dlt, mangal) encore en usage ä Con- 
stantinople et dans l'intörieur de la Presqu'ile Balcanique. 

Ce que les coKa.ii>HimH vivaient aussi dans les villages nous 
empeche de d^terminer leur metier qui avait trait en tout cas ä la 
cuisine ou au foyer d'apres la construction ou d'apres l'occupation. On 
doit renoncer totalement ä les considörer comme une classe particuliere 
de la Population ou des Colons. Quand on examine les lois qui les con- 



L. K. Goetz, Die Echtheit der Mönchsreden des Kyrill von Turov. 181 

cernent dans les chrysoboullea des monasteres, on voit qu'ila etaient 
partout traites ä la fagon des autres artisans auxquels on faisait aussi 
la mesure de la corväe agricole plut petita en röcompense de leurs pre- 
stations d'artisans — im traitement partout usite dans la vie feodale de 
l'ancienne Serble. St. Novakovic. 



Die Echtheit der Mönchsreden des Kyrill von Tnrov. 

Von Leopold Karl Goetz-Bonn. 



In der kurzen Vita des cb. KHpHJiJit TypoBCKiä, f Ende des XII. 
Jahrhunderts, die im cjiaBiHio-pyccKiä npo.ior^ unter dem 28. April 
mitgetheilt ist (vergl. Cepriä: MicHUiecjcoB'L II, 110, Ausgabe von 1876, 
abgedruckt in TBopeiiiü cb. oxi^a iiamero KHpHjr.!ia enncKona TypoB- 
cKaro et npe/tBapHTejiBHHM'B oiiepKOMt Hcxopia Typona h TypoBCKOH 
iepapxin äo XIII siKa, HBAaide npeocB. EBrenin. KieBt 1880, p. 296, 
nnd in IIoHOMapeB'S : üaMHTHHKH ApeßHe-pyccKOH u;epKOBHO-y^iHTejB- 
HOH jraTepaxypLi, IV. Band : CjraBflHO-pyecKÜl npojior'B. C. üeTepöypr'B 
1898, p. 74), findet sich folgende Mittheilung über die Lebrthätigkeit, 
die Kyrillus von Turov als Mönch entfaltete: »II MHoraMi, na no;iL3y 
ßticT'L, y^ia H noyii];aK MonaxH Bt noKopcHin h noc^ymamH 6hth ko 
iiryMeHy h xoro hm^xh hko Eora h bo bccm'b big nocjiymaxH. ^ep- 
Heu,x 6o, H^e hg HM^ex-L nocjiymaniH ko HryMeny, hko ^e oöimacH, 
He Moatex-B 6tiXH cnaceni.« (IIoHOMapeB'B : üaMKXHHKH IV, 74). 

Dem Wortlaut dieser Stelle, dass Kyrill speciell zum Gehorsam 
gegen den Abt gemahnt habe, entsprechen auch in der That einige 
unter seinem Namen gehende Mahnreden an Mönche. Es ist auch wohl 
anzunehmen, dass der Autor der im Prolog enthaltenen Vita des Kyrill 
diese fragliche Stelle auf Grund seiner Kenntniss eben dieser Mahn- 
reden an die Mönche niedergeschrieben hat. 

Der Schlusssatz der Vita ist ein Gebet um Befreiung von feindlicher 
Herrschaft: »Mojihmch 'm.q xe6i, Majraa cia c^OBeca npHHOcame, mojih 
[sei. Kyrill] o iiacL BceAep^Hxe.;iH, Ewy 5Ke Htint npeACXonrnn co 
AepsHOBeHieMT. , oxrB Hacxomii;!?! naMt ö^am HSÖaBHXHca h ox-l 6e3- 



182 L. K. Goetz, 

6o2CHiix'L ArapaHT., npncHO MyiiamHxi. nacB . . . h t. a-« (IIoHOMa- 
peBi.: IlaMflTHHKH IV, 75). Mit Rücksicht auf diese Bitte wird die Ab- 
fassung der Vita in die Zeit der Mongolenherrschaft verlegt (IIoHOMa- 
peEt: üaMHTHHKH I, 89), $HJiapeTi.: Oösopt pyccKoil AyxoBHOH .raxe- 
paTypti. 3. Aufl. C. IleTepöypr'B 1884 verlegt sie speziell in die Zeit 
des Chmboh'b en. TBepcKiä, f 1289. 

Die im folgenden zu besprechenden Stücke des Kyrill sind, mit 
den alten Titeln, wie sie in der Ausgabe von en. EBreniä p. XCV ver- 
zeichnet sind, diese drei, die ich weiterhin kurz mit A, B, C be- 
zeichne: 

A: CKaaaHLe o TiepHopHSL^bCTtMi, tinny ott. BfcTxaro aanoiia u 
HoBaro, onoro oöpast Hocnma, a cero a^Jibi exBtpmaioma, abgedruckt 
bei KajraHAOBim. : naMüTHHKH PocciScKOH CjiOBecHoeTH XII B^Ka. 
MocKBa 1821, p. 102 — 116, bei CyxoMJHHOB'L: PyKonHCH rpa*a ysa- 
poBa. T. IL C. üeTepöypri. 1858, p. 89 — 98, in russischer Uebersetzung 
bei EBremit op. cit. p. 90 — 102. 

B: IIoBicTB K-L BacH.iiK) Hryjieuy: npiixya o 6ijiO'^u3u,i nejio- 
Biii,i, H MHHUibCTBi, H AyuiH H noKaHHiH, abgedruckt bei Kajaä- 
j[,OBTvrh p. 117 — 131, bei CyxoM.iHHOB'L p. 79 — 89, bei EBreniH 
p. 103—115. 

C : üocjiaHie H^Koero cTapu;a kt. 6oro6.iaaieHHOMy BacHJiiio apxn- 
MaHApHTy, cKHMi, zucrst edirt von ropcKiH in üpHÖaBJieHia kx tbo- 
peniaM'L cb. 0Ti];eB'i.. Kasant 1851, t. X, p. 346 — 357, in russischer 
Uebersetzung bei EnreHiä p. 115 — 120. 

Ich citire im folgenden A und B nach KawiaHAOBH^i., C nach EB- 
reniä. A und B behandeln in allegorisch-symbolischer Darstellung und 
Deutung das Mönchthum und seinen Vorzug vor dem Weltleben, A 
trägt keine bestimmte Adresse, B ist nach der Ueberschrift gerichtet an 
den Abt BacHJiiil des Kiever Höhlenklosters, der 1 182 zum Abt gewählt 
wurde (Hnax. JliT. 2 p. 424, siehe Goetz: Das Kiever Höhlenkloster etc. 
S. 97 flf., in dem Aufsatz: »Kieso-IIeyepcKaa ./laBpa« in KisBCKaa 
CTapHHa 1886 wird seine Abtszeit mit 11S2 — 1197 angegeben). C ist 
eine Antwort an diesen Abt Baciuiil auf dessen Frage, ob er (Bacn- 
jdS) das Gelübde der mönchischen Vollkommenheit (ßejiHKiil h cbhtoh 
oßpasT. cxHMLi) ablegen solle. Auf den Inhalt dieser Stücke im einzel- 
nen, ihre Beurtheilung als Literaturdenkmäler, die in ihnen sich finden- 
den Entlehnungen brauche ich nicht näher einzugehen, da es sich im 
folgenden nur um die Frage handelt, ob sie wirklich dem ihnen gegebe- 



Die Echtheit der Mönchsreden des Kyriil von Turov. ] 83 

nen Titel, resp. der ihnen gegebenen Adresse entsprechen, also um die 
Frage : ob sie wirklich von Kyriil stammen, wann und für wen sie ver- 
fasst sind. Zur allgemeinen Beurtheilung von A, B und C vergl. ausser 
den schon genannten Werken noch Il3BicTifl II. Ota^jI. AKa^eM. HayKt 
Bd. V, 241 SS.: MaKapin: Cb. KnpHJiJi^ TypoBCKiä, KaK'L nHcaxejib, 
ferner MaKapiil: IIcTopin PyccKOH i^epKBH^. C. IIeTep6ypr'i>188S,T.III, 
p. 146 SS. und ro.iyf)HiiCKiH : llcropia PyccKOH i^epKBH 2. MocKBa 1901, 
T. 1\ p. 808 SS. 

tpHJiapeT'B op. c. p. 36 hält alle drei für echt, d. h. für Werke des 
Kyriil, EBreniH op. c. p. LXIX ^ hält A für unzweifelhaft echt, von B 
und C sagt er: »mli pasA^-ifleMt MHinie xixx, Koxoptifl npHSHaioTt 
nocj^AHia Asa co^HHeHiu HecoMHiiiuo ii.iii BectMa BipoaTHO npHna^-ie- 
jKamHMH iiamsMy KHpH.j[jiy«; ähnlich nimmt auch IIoHOMapeB'L : Ila- 
MflTHHKH I, p. 98 A für sicher, B und C für mehr oder weniger wahr- 
scheinlich echt an; rojiyÖHHCKifi op. c. I^ 810 hält nur A für sicher 
dem Kyriil gehörig, von B sagt er: »Hiiyero neÄhsa. cKasaTfc othoch- 
xe.itHO Toro, npniiaAJiea^HT'i hjih ue npHHaA-ieaciix'L 3xo ciobo Kh- 
pn-oy«, über C äussert er sich dagegen bestimmter: «noc.iaiiie kt> Ba- 
CH.iiiD HryMGHy üeiiepcKOMy ycBOHSXcfl KHpHJi.iy TypoBCKOMy npsA- 
no.i03KHxejibHO, HO BÄBa Äu cnpaBeA-iHBO «. 



A gilt also allgemein als ein sicher dem Kyriil zugehöriges Stück, 
wie schon MaKapiS op. c. III, 147, Anm. 232 bemerkt: »eme bx Kopin- 
nen XIII b. CKasanie o iiepHopHSCKOM'B ^mni noMiiu,eHO no^t iiMeiieMt 
,KHpH-ijia emicKona TypoBtcKaro'. Cji^a- no^JinHHoext CKasania hg 
MoatexT, no^jeacaxt coMHiHiio. He ynoMiiHaeM'L o nosAHÜlmHxi. cnn- 
CKaxt H X. A.« 

Von diesem allerseits getheilten Urtheil über A aus wird nun durch 
Textvergleichung nach Möglichkeit die Frage zu beantworten sein: ge- 
hört B dem Kyriil an, ist es in der That an den Abt Bacioia gerichtet 
gewesen, ferner: gehört das nach seinem Eingang unzweifelhaft an Abt 
BacH.iiH des Höhlenklosters gerichtete Antwortschreiben C wirklich dem 
Kyriil an. 

Dass ro.iyÖHHCKiH meint, die Autorschaft des Kyriil an B lasse 
sich nicht sicher bestimmen, habe ich eben angeführt. Was die 
Adressirung von B an Abt BacH.iiH betrifft, sagt ro.iyÖHHCKiS op. c. I^ 
810 B sei nicht an BacHjin und nicht an das Höhlenkloster gerichtet 



184 



L. K. Goetz, 



gewesen, »a öpaTCTsy KaKoro-TO ^pyraro HeHSBicxHaro MOHacTBipa«. 
Auf die Gründe, die er dafür anführt, werde ich später zurückkommen. 



Die erste Frage, die bezüglich A und B zu stellen ist, lautet also: 
ist B gleichfalls wie A ein echtes Werk des Kyrill ? Darauf glaube ich 
antworten zu dürfen: »Ja«, und zwar auf Grund dessen, dass eine An- 
zahl von Stellen in A und B so vielfach, in materieller wie in formeller 
Hinsicht, übereinstimmen, dass man eine innere Einheitlichkeit von A 
und B annehmen kann, die auf einen Autor, einen Zuhörerkreis, 
einen Zweck für A und B hinweist. 

Ich gebe nun zunächst das Beweismaterial für die inhaltliche, 
materielle Uebereinstimmung von A und B, d. h. führe die Stellen von 
A und B an, an denen Kyrill ihm, wie es scheint, besonders liebe Ge- 
danken vorträgt. 

So empfiehlt er den Mönchen vor allem den Gehorsam, den Ver- 
zicht auf den eigenen Willen : 



KajiaHAOBH^ii, p. 103. To^lk) 
äo MaHacTwpK HÄrää cbok) bojiio; 
no BxcnpiflTtH jkb oöpasa Bcero 
coöe noBbpsH bt. noKopenieHH Majia 
CBOBBOjitcTBa yTaS b-l cepAi;« tbo- 
eMx, ^a HB yMpemt Äyuieio. 

KajraHAOBHTi'E p. 107. Ila^e 
BBcero KT& roenoAy HMyiii,a jrio- 
ÖOBB, H K^ HryMeny nocjiymaHie, 
H Kt öpaTiH 6e3jio6ie, pasyMx 
HMyiu,a öoatecTBbHfcixx ÜHcaHiH, 
H T'^Mb iiacTaBJifliou^a kx Eory na 
Heöeca iiAyui,aH. Tony npeAaacAb 
ceöe, aKLi XajieB% IcycoiiH, blck) 

CBOK) OTCiK'L BOJIIO. 

Ka-iaHAOBHM^ p. 113. ^a h 
TLi, MHHme, noacpH cbok) bojk), h 

Chy&hyKU rpiXH H3.IHTbeML XenjBIX'B 
CJBS'B. 



B. 

KajiaHAOBHi[T> p. 122. Bny- 
Tpeniä ace BspTen'i, ycTaBt, rja- 
rojK), anocTOJiLCKaro npeAania h 
Ke.ieHHaro acHTejitcxBa, b-b iieM^ce 

HHKT0»:e CaMOBOJIBCTBO HMaXB, HO 

BciMx BCH o6iu;a cyxB, cyxB 6o bch 
no^t IlryMeHOM-B. 

KaaaHAOBHiirB p. 128. 06aqe 
Bca cjrya^öa ArrejibCKaa h MHHmb- 
CKaa e^HHO ecxB, ohh 6o bck) cboio 
ocxaBHBme bojik), ho Bo2Kiio h Hry- 
MeHK) noBHHyioxoi noBe^iiHiiG. 



Die Echtheit der Mönchsreden des Kyrill von Turov. 



185 



Anderswo spricht er über die Kleidung des Mönches. 



A. 

KajraHÄOBH^t p. 105. Phsbi 

3Ke HB CJaBHH H MflKtKLI JIIOÖH, 

iiapacxyma [in einem anderen Text 
»HX pacxyma« vielleicht »iio iia- 
pacxyma«] cnpi^ifc MHortiMH nomn- 
Baa 3an;iaTaMH, AOHAeate kt. ropi 

ÖOrO.IIOÖHBIX'L ÄOÖpOA'feTejiiH äoh- 
ÄBUIH. 



B. 

KajiaHÄOBHyx p. 123. A iia:e 

xyAWMH odoji^sHT. pyÖM, ce öeci. 

npHT^H CAOBO HMBiiyeTt: B^raca- 

HHi^a H cyKHHHafl OAeat^a, h ot% 

KOSLEXt KOaKL OÖOJnieHBfl; BCHKa 

6o Aoöpa pH3a h njioTCKoe yicpaine- 
nie yioaKe bctb HacToaxBjfl h bcbfo 
MHHUiBCKaro ycxaBjienia. 



Auch gegen die Unruhestifter im Kloster richtet er seine Mahnung. 



B. 

KajiaHAOBHyi. p. 130. Hb 
npoAaAHMx Eoacia cjicea na ji»:h: 
Kpa^yme, rpa6fliii;B, göhaaiUiB, na 
HryMBHa sjiob MticjiHmB h 
KjiflXBoio onpaBAaiomB. 



KajiaHAOBnyi> p. 108. Chxx 
6o paAH npHxoAHTb rHis-L Eoacin 
Ha CBiHLi npoxHBHBia, cnp^yt Ha 

MHHXLI, 0XM6Xai0ni,a CBOH oöixx. 
HMH :as.e [so im Original und Korm- 
caja; in einem anderen Text: »h 
MAXBacx«] Bx ManacxLipH cxBa- 
paioma. 



Im Allgemeinen betrachtet Kyrill das irdische Leben und die 
weltlichen Geschäfte als bedenklich und gefahrdrohend für das 
Seelenheil. 



KaJiaHAOBHM'B p. 104. Zm^h 
Ha CBOBMB yM^: qero pa^n paay- 
MHaro Eionra, Mipa, oxöiraBuiH? 
HJiH oöin^aHaro xh I^apcxBa a:6- 
jiaa, JiH AtHBOJifl rpixoBHBia pa- 

60XBI HB XOXa, JIH atHxiHCKÜ HB- 

najLu HB Aio6a, oxt HBaacB h^cxb 

n0.I3BT, XOKMO AyUIH nOrHÖBJIb, JIH 
aCBHOK) H A^XMH CMymaBMX ■? 



B. 

KajcaHAOBHit p. 126. A xop- 
ryiomHM'B BFAa Kyn.ia C'BA'^BaBXca, 
xy H rpixx CBBspuiBBaexca, h hhbi 
BCa JKHXiäsKBia BBmH, B-B HHui,axi 
a:B H öoraxcxBi, cnony HMyxB ki. 
cnacBHiio cbmbio h aomx. 

KajiaHAOBHTi'B p. 128. Ch- 

pi&qB AOHABJKB qBJIOBiKX HB OCXa- 

HBXca xijrecHBixT. noxoxiä h äh- 
xBHCKBix'B nB^ajiiH, Ayuia Bro cb 

EorOMT) CMipHXHCa HBMOaCBXB. 



186 



L. K. Goetz, 



Auch die folgende Stelle sei noch angeführt, in der über die grosse 
Neigung der Laien zum Mönchthum gesprochen wird. 



Ka.iaHAOBHyL p. 105. II 
CTapi^a, aee h öciamaro, yate yMb- 

piTH XOTHma nOAOÖaeTb OCTpH^H 
Bt MHHmtCTBO xoTain,a. 



B. 

Ka-iaHAOBH^n. p. 127. ChxT) 
pa^H oöimaHiä bcakx XpiiexiaHHiit 
HjAHTCfl noHecTH apeMT, rocno- 
AeHB, CHp^qt HHoybCKfciH oöpast 

na ca. B3flTH. 



Es ist selbstverständlich, dass die angeführten Gedanken nicht 
ausschliessliches geistiges Eigenthum des Kyrill sind, es sind allgemeine 
so zu sagen Mönchsideen; aber immerhin darf man auf die Ueberein- 
stimmung von A und B in diesen Anschauungen und auch in ihren 
Wortwendungen hinweisen. 



Auch in formeller Hinsicht findet sich an einzelnen wichtigen 
Stellen eine weitgehende Uebereinstimmung zwischen A und B. Und 
das zwar besonders da, wo Kyrill bescheiden, jeweils am Schluss der 
betrefifenden Mahnrede, von seiner Arbeit spricht, dass sie nicht von 
ihm selbst stamme, sondern aus den heiligen Schriften entnommen sei, 
dass er ein ganz einfacher Mensch sei und dergleichen. 



A. 

Ka.iaH^tOBHyB p. 116. Ch 
rjiarojia mh^ o cnx'i oxi. KHHn>, a 
He co6i CKaaaBiny. Ame h^kto 
MjßT^'h, TiS HHaKO npoTOJTKyexb, 
Mbi npoTHBy HB B^maeMt, nicMb 
6o aceHbi^H, ho K.iacoc'LÖHpaTe.iH, hh 
xHTpei];H KHHraMT.; mh, rpyßaa 
naAb, na^e Bcero oxt cTapiHiuHHb- 
CTBa Bamero xpcöyeMi. CBHTbia 

MOjIHTBBT. 



B. 

KajiaHAOBHU'B p. 125. Cni^e 
5Ke CHMi. cKaBaHbiM'b H npoyee öes-L 
pasyjia Aa ne ocTaHBT-i ; ne jih 6o 

CHMt nOBiCTCMb TBOpi^H, HO 0T1> 
ÖOJKeCTBeHblXl, B-LSeHJHGUlie HH- 

caniH. 

KajaHÄOBH^t p. 131. Cia 
2ce r.iaroaio ne Be.iHyaflCfl, ho ce6e 
xima, OTt Hepasysiia r.iaroJiio, ^e- 
.iOB']&Kb 6o ecMb rpiment, KajieH'b 
yA'b HMia MOH flSbiKT) ; aui,e 6o bx 
rjiyÖHHy Eoacinx-i. bhhaoxt. khht^, 
HO rpyßbiM'b paayMOMb npocTbiä 
hshouik) rjtacL. 



Die Echtheit der Münchsreden des Kyrill von Turov. 1 87 

Auch hier ist zu sagen , dass diese Selbstverdemüthigungen so zu 
sagen zum allgemein üblichen Stil und zum eisernen Bestand der 
Mönchsphraseologie gehören, siehe Goetz: Kirchenrechtliche u. kultur- 
geschichtliche Denkmäler Altrusslands, Stuttgart 1905, S. 388 f. So 
drückt sich z. B. Nestor in /Kiixie iipen. OTua ÖeoAoeia an mehreren 
Stellen ähnlich aus : ÜKOBJieB'B : IlaMHTHHKH PyccKOH JiHTepaTypbi XII 
H XIII BiKOBt. C.IIeTepöypr'L 1872, p.LV: hb BtSMory rpyötin chii 
n iiepaayMiiyeii'L und p. LXIII : rpyöx cbih h iiSBiatAa. >lKOBJieBi> in 
/tpeBHe-KieBCKifl PejiHrio3HMfl CKasanifl, Bapinana 1875, p. 69 bemerkt 
richtig hierüber: »Sto aBTopcKoe cMMpenie, xaKt pacnpocTpaHeHHoe 
BT} ApeBHB pyccKoil .iHTepaxypi BOo6iu,e, yxo piAKiä naMaxHHKi. ea o6- 
xoähxch öes'B 3Toro Mi&exa Bt Ha^ajii hjh Bt kohu,^, ecxb noApaacaiiie 
rpeqecKHMi xpHcxiaHCKHMX nHcaxejHMi.tf. Immerhin sind die Stellen 
aus A und B in ihrer Uebereinstimmung dadurch ausgezeichnet, dass 
ihr Autor beidemale eigens die heil. Schrift als seine Quelle angibt, aus 
der er die Autorität für seine Wahrnehmungen schöpft. 

In gleicher Weise hat A wie B den Gedanken, dass der Autor für 
die einfacheren, nicht für die klugen Zuhörer spricht. 



A. 

KajraHÄOBHTH. p. 114. Ame 

6o H BGH B'^AflX'I. CeMt HO a31> 

M-iaAUx-B paAH H HepasyMHMXT. 
HanHcaio. 



B. 

KajiaäAOBHyi. p. 118. 3ä'£ 
CJIOBO nocxaBJibme iia npe^pe^eH- 
HaK BTbSBpaxHMCH , paspimalome 
npnxiH QT>K)3T>, ycntxa pa^n npo- 

CX'feHUIHX'L, a ÖLICXpin yMOM'B H 

npeacA© CKasaiiia ch Bi^axTb. 



Die Zuhörer von A wie B sind Mönche. Indess redet Kyrill in A 
fast durchweg seine Zuhörerschaft in der Einzahl an; xbi Monaxi., 
ßpaxx, HiiOKi), während in B fast immer die gesammte Brüderschaft 
apostrophirt wird: bli, o hiiokii, öpaxie. Dass auch in A die Zuhörer- 
schaft nicht nur ein einzelner Mönch, sondern die ganze Brüderschaft 
ist, geht daraus hervor, dass, wo Kyrill von einer rituellen Handlung 
des Mönchslebens spricht, er an die Kenntniss seiner Zuhörerschaft 
appellirt mit den Worten: ii ca^in Bicxe (KajiailAOBHyt, p. 114). Auch 
■weist es vielleicht auf eine grössere Zuhörerschaft hin bezw. ist viel- 
leicht mit Rücksicht auf eine solche gesprochen, wenn Kyrill am Schluss 
von A gewissermassen seine Zuhörer auffordert, es besser zu machen: 
(Ka^aHÄOBH^T, p. 11 6) ame h^kxo My^p'B, xxh nnaKo npoTOJiKyexL, Mti 



188 L- K. Goetz, 

npoTHBy He BimaeiwB. In gleicher Weise bittet Kyrill auch in A wie B 
zum Schluss um das Gebet der Zuhörer. 



A. 

KajiaHAOBH^'L p. 116. Mti 
rpyöaü ^aa^, na^e Bcero ot-b cTa- 
piäiuHHbcTBa Bamero TpeSysMi. 

CBflTLia MOJIHTBH. 



B. 

KajaHÄOBHui. p. 131. Mene 
a:e aKt nca, mojiio bli , hg npe- 

3pHTe, HO H 3Ai Bt CBüTUXX CBOHX^ 

noMKHixe MOjraTBaxt. 



Und dem Worte cxapiHuiHHbCTBO in A entspricht in der parallelen 
Schlusswendung von B oxe^beTBo; beide Ausdrücke auch in ihrer 
konkret-persönlichen Form finden wir sonst sowohl für die Gesammtheit 
der Brüderschaft, besonders ihrer älteren Hälfte, wie als Anrede für 
den Abt allein angewendet. 

Aus der Textvergleichung scheint sich mir also, bei der materiellen 
wie formeilen vielfachen Uebereinstimmung von A und B, zu ergeben, 
das3 B wie A das Werk des Kyrill ist. Gleichzeitig haben wir aber 
auch ersehen, dass, wie der Autor derselbe, so auch der Zweck seiner 
Mahnrede derselbe und endlich auch die Zuhörerschaft die gleiche ist. 

Die zweite Frage, die mit der Beantwortung der ersten im engsten 
Zusammenhang steht, lautet nun: hat die alte Ueberschrift von B 
Recht; ist B an den Abt BacH.iiä des Höhlenklosters, sei es an ihn 
allein oder mit an die Brüderschaft des Klosters, wirklich gerichtet ge- 
wesen? Darauf glaube ich antworten zu dürfen: »Nein(f, die Empfänger 
bezw. Zuhörer von B sind die gleichen wie die von A, die Brüderschaft 
des Klosters, dem Kyrill selbst angehörte. Welches dieses Kloster war, 
lässt sich allerdings nicht sicher bestimmen. In einer Handschrift der 
Gebete des Kyrill wird er Mönch des Klosters des heil. Nikolaus in 
Turov genannt (EBreHÜt p. LXXX). Andere denken sich das Boris- 
und Glebkloster, das Residenz der Bischöfe war, als Aufenthaltsort des 
Kyrill (EBreniä p. LVI, Ka-ianAOBmix p. XXI, roryönncKiä I^, 630) 
oder ein anderes bekanntes südrussisches Kloster, z. B. das zu Zarub, 
aus dem K.iHMeHTx Cmojjüth^'l hervorging (noHOMapoBi., üaMHTHHKH 
I, 95). 

Dass B nicht an BacHjriS im Höhlenkloster, sondern an die Brüder- 
schaft eines anderen unbekannten Klosters gerichtet sei, hat auch Fo- 
jtyÖHHCKiä op. c. I^, 810 gesagt, und als Grund für seine Meinung an- 
gegeben: »h6o bx 3aK.iK)yeHie cjiOBa [sei. B] asTop-L o6pan;aeTCfl hb 



Die Echtheit der Mönchsreden des Kyrill von Turov. 189 

KT. OAHOMy JiHity, a ko mhofhm'b (Bauie oxe^ecxBO, saiuH AyuiH. Baiiii, 
iiokoh) h BHuie roBopHTx üeyepcKOM'L MOiiacxtipi bt. KieB'6 KaKTb o 
TryatoMT) h nocxopomieMt ajih axitsTb MHoraxx jiHi^Tb«. Er spricht auch 
im Vorübergehen die Vermuthung aus, der Text von B, der uns heute 
bekannt ist, könnte interpolirt sein, geht aber nicht näher hierauf ein. 

A ist unzweifelhaft an die eigene Brüderschaft des Kyrill gerichtet, 
das besagen ganz klar kurze Wendungen, wie : xti »:e ne po^tcxBOM'B 
co6e npHHecx 3Ai (Ka-ianAOBiiTi. p. 102) und dafür, dass die Zuhörer- 
schaft von B die gleiche ist, wie die von A, darf, ausser der schon an- 
gestellten Textvergleichung, auch noch die folgende Stelle aus B ange- 
führt werden, bei der Kyrill offenbar sich und seine Mitbrüder im Auge 
hat: a^^e öwxom'B oö^x-l nocxpHsama namero ctxpaHHJH (KajiaHAO- 
BHqx p. 129). 

Es ist auch richtig, dass, wie ro-üjÖHHCKiä bemerkt, in B von dem 
Höhlenkloster als von einem den Zuhörern ferne stehenden Orte 
gesprochen wird. Mir scheint, dass hier eine klar erkennbare und 
abgrenzbare Interpolation vorliegt. Die fragliche Stelle lautet (Ka^iaä- 

AOBH^Il. p. 126 S.): HHOKH HB MOHaCXtipt CJiaBHLI XBOpHXt, HO AOßpaA'fe- 

xejiL MHHmLCKaa h Monacxtipt cjiaBeH'B XBopHXi,. 

H ce Hßih ecmh formj ßeodocia nenephCKaio MiyMena, uowe 
e^ Kueen ipadn, Hana.iHUKa o6meMy oKumiw, noueotce ne- 
AUneMnpHO MHumhcmeoea, e^3AK)6ue^ Eoia u öpamiw ceom, 
HKO C80H ydw, mihMowe u Eoih ehSJiwSu u, u mncmo eio padu 
npocjiaeu nane ecnxi, uowe e^ Pycu Mouacmupee^. 

Cia BHyxpeHfla AoöpoAixejH cbüxbixt. mhhxobx a:Hxie, naye MipLCKoM 
BJiacxH ciaiox'B qiOAecLT, h xtx'B pa^n MHpLCKtia BejiMoa:a cbok) noKJO- 
HHioxi) rjiaBy mhhxomx .... 

Das eingerückt und in Schreibschrift (cursiv) gesetzte Stück halte 
ich für Interpolation. Kyrill sagt vorher: »Die Mönchstugenden machen 
ein Kloster berühmt« und dieser Gedanke wird nach der Interpolation 
logisch eng weitergesponnen: »und wegen dieser Tugenden kommen 
auch die Grossen dieser Welt zum Kloster«. Das Zwischenstück ist 
eine später eingefügte thatsächliche Einzelbezugnahme auf ein be- 
stimmtes Kloster, das dem Interpolator geistig und wohl auch körper- 
lich räumlich nahe lag, während Kyrill ganz allgemein redete. Zu der 
mehr abstrakten These des Kyrill hat also der Interpolator ein Beispiel 
aus dem praktischen Leben bezw. der Geschichte eines Klosters gefügt. 



1 90 L. K. Goetz, 

Und zwar scheint mir möglich anzunehmen, dass der Interpolator 
nicht den Text selbst verändern wollte. Er las die Stelle, vielleicht 
beim Abschreiben, »die Tugend der Mönche macht ein Kloster be- 
rühmt«; erinnerte sich, dass gerade das Höhlenkloster in Kiev von 
ganz kleinen Anfängen an durch die Wirksamkeit des heiligen Theo- 
dosius berühmter als alle anderen russischen Klöster wurde und notirte 
sich dann die Nutzanwendung und diesen Beweis aus der Geschichte 
für die Richtigkeit der Behauptung des Kyrill mit den Worten h ce aßi 
ecTt: »Die Richtigkeit der vorstehenden Worte des Kyrill ergibt sich 
uns aus folgendem geschichtlichen Beispiel u. s. w. « Ein späterer Ab- 
schreiber hat dann diese Nutzanwendung als ein Stück des Textes mit 
niedergeschrieben. Die Adressirung von B an BacHJriä mag dann viel- 
leicht so entstanden sein, dass B und C von einem Abschreiber mit ein- 
ander abgeschrieben wurden und von dem Empfänger von C, BacHjiiii, 
ausgehend, und bei der in B vorhandenen Bezugnahme auf das Höhlen- 
kloster, der Abschreiber eben auch B an BacHJiiH gerichtet sein Hess. 



Die dritte Frage, die zu stellen ist, lautet: wann sind nun A und 
B von Kyrill verfasst bezw. gehalten worden? 

Sein Vita sagt uns ja, dass er als junger Mönch eine eifrige Lehr- 
thätigkeit im Kloster entwickelte ; es liegt also nahe , dieser Lebens- 
zeit des Kyrill A und B zuzuweisen. Andererseits wird angenommen, 
dass Kyrill vielleicht das bischöfliche Amt, das er nach seiner Mönchs- 
zeit bekleidete, vor 1182 niederlegte und dann noch bis zum Ende des 
Jahrhunderts lebte. Es wäre also auch möglich, dass er A und B nach 
1182 als alter Mann verfasst hat. Die Annahme, Kyrill habe nach 
Niederlegung seines Bischofsamtes vor 1182 noch längere Jahre gelebt, 
gründet sich auf die andere Annahme, dass Kyrill wirklich C, den 
Brief an Abt BacHJiiH des Höhlenklosters geschrieben habe. Nämlich bei 
der Weihe des Abtes Baciuift wird unter den Theilnehmern an der 
Einkleidung des Bacimä zum Mönch auch der Nachfolger des Kyrill, 
der Bischof JlaBpeHTiH von Turov genannt (IlnaT. JiTon. ^ p. 126). 
Aus C ergibt sich aber unzweifelhaft, dass BacH.mi, als er diesen Brief 
erhielt, schon einige Jahre Abt im Höhlenkloster war, denn in C ist die 
Rede von dem Bau einer steinernen Mauer nm das Kloster, der das 
Werk des BacH.iiH sei, und der doch sicher längere Zeit gewährt haben 
wird. Ferner schreibt der Autor von C, dass BacH.iiH, nachdem er 
schon als Mönch bezw. als Abt ein srottgefälliges Leben geführt habe. 



Die Echtheit der Münchsreden des Kyrill von Turov. 191 

nunmehr cxhmiihki. werden wolle, setzt also gleichfalls voraus, dass 
schon einige Zeit seit der Abtswahl des Jahres 1182 verstrichen ist. 

Mir scheinen nun einige Stellen von A und B dafür zu sprechen, 
dass er als junger Mönch und ehe er selbst Bischof wurde, A und B 
verfasst habe. 

Darauf, dass Kyrill als junger Mönch A und B gehalten hat, 
scheinen mir die oben angeführten Stellen hinzuweisen, in denen er 
sich bescheiden über seinen Vortrag äussert, in denen er versichert, 
dass viele seiner Zuhörer das, was er sagen will, schon wissen, dass 
wohl manche unter ihnen es besser machen könnten, vor allem aber 
auch die Anwendung der Worte cTapülumiibCTBO und oreiiLCTBO, die 
im Munde eines jungen Mannes natürlicher klingen, als in dem eines 
schon Bischof gewesenen Greises. 

Darauf, dass er also A und B vor seiner bischöflichen Zeit ver- 
fasste, scheint mir aber ganz besonders die folgende Stelle hinzuweisen. 
KajiailAOBHui> p. 114: TaKoace h IlryMenoM'B , et nojiHi];eH) cjiyjKa- 
in,HMx, cBHHMaTH MaHOTKy ci> njiBUK). IIoAOÖaeTt jKe H Majiy h nejiHKy 
HryMeny cb nojiHi];eio cjiyatHTH h hb npocHTH xoro y EmicKona, to 6o 
ecTfc MHHxy, EnncKony ysae qi05Ke, a IlryMeHOMX CBoe : na n.3aTHi 6o 
^HCTi AepatHTCH B'tyA'B, a HB no BJiacTH cana; a h eaMH Bicxe, H/Kb hb 
EnHCKon'B bcImi. hhokomi. MajiyK) MaHaxiio BT.s.iaraBTb na njiBmH. 

Wir haben hier eine ziemlich unumwundene Vertheidigung ge- 
wisser ritueller Rechte der Mönche bezw, des Abtes, die, wie es 
scheint, von den Bischöfen den Mönchen streitig gemacht oder we- 
nigstens nur den Aebten der grossen Klöster concedirt, jedenfalls aber 
von der Erlaubniss des Bischofs abhängig gemacht wurden. Mir 
scheint es wahrscheinlicher, dass Kyrill so deutlich antibischöflich sich 
äusserte, ehe er Bischof wurde, als dass er, nachdem er selbst das 
Bischofsamt schon bekleidet hatte, sich in diesem, wie es scheint, 
streitigen Punkt auf Seiten der Mönche gegen die Bischöfe stellte. 



Aus dem angeführten scheint sich mir also für A und B zu ergeben : 
beide Stücke sind Mahnreden, die Kyrill als junger Mönch, ehe er 
Bischof wurde, für die Brüderschaft seines Klosters gehalten hat. B ist 
später durch einen Zusatz vermehrt worden und in dieser Form an Abt 
BacHJiiä des Höhlenklosters als Empfänger adressirt worden, vermuthlich 
weil es in einer Handschrift mit dem an BacHjtiii gerichteten Brief C 
verbunden war. 



192 L. K. Goetz, 

Dagegen, dass A und B Mahnreden sind, spricht es durchaus 
nicht, dass Kyrill in A gelegentlich sagt, er schreibe seine Ausfüh- 
rungen: »HariHcaio« Ka.iaiiAOBH^'L p. 114, das ist eine Redewendung, die 
ihm beim selbstverständlichen schriftliclien Ausarbeiten seiner Rede in 
die Feder geflossen ist. Der ganze Wortlaut von A und B wie auch der 
öftere »cii rjiarojia mhJ« KajaHAOBHii) p. 116 und ähnliche Wendungen 
bekunden A und B als Reden. 



Die letzte Frage lautet: gehört das an Abt BacHjiiä des Höhlen- 
klosters gerichtete Schreiben C wirklich dem Kyrill als Autor an? Zur 
Beantwortung dieser Frage bietet C selbst wenig sicheres Material, 
so dass ich eine entschiedene Antwort nicht zu geben wage. 

Aehnlich wie oben A und B spricht ja auch C von der Gering- 
schätzung, die man für das irdische Leben gegenüber dem ewigen 
Leben haben soll. Aber die Stelle EBremii p. 117: saöoxii o BeMHOM-B 
cfflTaä noA'fe.iieM'i , h BcerAa ncKHCH, no npaBHjy CBoero oöira, o 
2CH3HH neöecHOH, enthält doch einen den Mönchen zu allgemeinen Ge- 
danken, um einen bestimmten Schluss aus ihr zu ziehen. 

Aehnlich wie in A und B stehen auch am Schluss von C die Selbst- 
verdemttthigungen des Autors; EBreniä p. 119: hb nnraS ko mh^ 
Bpaac;];Li 3a to, tito Hanncajii. ki. re6i 3to hb ot-b y>ia, ho otb ÖBsy- 
Mia CBOBro, aber wie oben schon bemerkt, sind diese Schlussphrasen 
Gemeingut aller schriftstellernden Mönche. 

Mehr Gewicht glaube ich aber auf die folgenden zwei Ueberein- 
stimmungen zwischen A, B einerseits und C andererseits legen zu 
dürfen. A wie B bekunden ihrem ganzen Wortlaut nach die Vorliebe 
des Kyrill für die Anwendung von Gleichnissen zur Erklärung des 
Wesens und der verschiedenen Seiten des Mönchthums. Diese Vorliebe 
bekundet auch C und zwar in bewusster Weise, sagt doch der Autor 
von C: »yKaacy xeöi na npnxTy« (EBreniil p. 116). 

Vollends auffallend ist die Uebereinstimmung von C mit A B 
darin, dass der Autor von C gleichfalls sich auf die heiligen Schriften 
als auf die autoritative Quelle seiner Darlegungen beruft; EBremä 
p. 116: II H öy^y roBopnTt xeöi o cbhtoh cxHMt hb oti> cb6h, ho 

OT-L CBHIIi;BHHtIX'I. KHHri. HJIH jy^HüB OTt C-IOBt CaMOFO XpHCTa. 

Mehr Material kann ich in C selbst nicht finden. Wenn ich also 
auch nicht mit Sicherheit mich darüber aussprechen kann, ob Kyrill als 
Autor von C anzusehen sei oder nicht, scheint es mir doch auf Grund 



Die Echtheit der Mönchsreden des Kyrill von Turov. 1 93 

der zaletzt angeführten Uebereinstimmungen ziemlich wahrscheinlich, 
dass Kyrill den Brief C an Abt BacH^iä geschrieben hat. 



HeBOCxpyeßX in ^peBiie PyccKia IIoy^eHifl h IIoc.iaHifl oßt hiio- 
MecKofi acH3HH. KaptKOBt 1862, S. 12 ss. hat ein Stück edirt, das er 
dem Kyrill zuzutheilen geneigt ist. Und zwar hat er es aus einem 
Pergamentmanuskript des Öudovklosters des XV. Jahrh. entnommen, 
wo es den dritten Theil von A an Stelle des von Ka-iaHAOBHix p. 114, 
115 mitgetheilten Textes bildet. Im Allgemeinen äussert sich Ne- 
vostruev zu der Frage, ob das von ihm edirte Stück wirklich dem Kyrill 
zugehöre und einen Bestandtheil von A gebildet habe, in folgender 
Weise, p. 12 ss. : »Bt noyiisHiH, dem von Nevostruev edirten Stück, 
KaKT. H Bi> CjiOBaxi. KnpHJiJia TypoBCKaro rocnoACTByeTt TyBcxBO 
aBTopa H BOOöpaatBHie, ne cto.jbko sa^cl rojLixx MticjieH h iiasH^ia- 

TBjItHOCTH, CK0.1bK0 yBJieUBHifl npeAMBTOMI) H TaK1> CKaSaTb n033iH, 

qacTO ynoTpeÖJiHioTCii oöpasti h cpaBHenifl h pasBHBaiOTca nojratifl 
KapTHHti .... To ^e opaxopcKoe, oökülhob h njoxHoe HSJoateiiie cb 
pa3HLiMH «tnrypaMH piin, xüx-l ace atiiBoä h oöpaöoxaHHLifi hsbik-l, 
Kaici y KnpHjja TypoBCKaro (f. 

Was Nevostruev hier sagt, ist natürlich rein subjektive Empfin- 
dung, die nicht Jeder zu theilen braucht, wie ja derartige Beurthei- 
lungen alter Autoren oft in ganz entgegengesetzter Richtung sich be- 
wegen. 

Der Grundzug resp. das Grundthema von Nevostruev's Stück ist: 
der Mönch soll sein Kloster nicht verlassen und in die Welt zurück- 
kehren, ein Thema, dem ich in dieser Ausführlichkeit und Intensität 
der Behandlung keine Parallele aus A und B zur Seite stellen kann. 
Innerhalb dieses Rahmens behandelt dann Nevostruev's Stuck das be- 
liebte Thema mönchischer Autoren: den Gegensatz von klösterlichem 
und weltlichem Leben. Auch hier finde ich, obwohl A wie B ja auch 
diesen Gegenstand berühren, keine wirklich verwandten Stellen, im 
Gegentheil Nevostruev's Stück scheint mir weit stärker als A und B 
das irdische Leben gänzlich zu verdammen und bewegt sich dabei mit 
Vorliebe in einem Gedankenkreis, den ich bei A und B vergebens ge- 
sucht habe, der Gegenüberstellung und Vergleichung der irdisch- 
materiellen und der klösterlich-himmlischen Reichthümer. 

Ebenso scheint mir, was Nevostruev an direkten Parallelen 
zwischen seinem Stück und A und B anführt und worauf es doch be- 

Archiv für slavische Philologie. XXVII. - JQ 



194 



L. K. Goetz, 



sonders ankommt, gar nicht beweiskräftig zu sein. Nevostruev führt 
folgende Parallelen an: 



HeBOCTpyeBT. p. 16. Toro 
pa^H Bort qejiOBiK'L ölictb, Aa mm 
CLiHOBB Ero öyACMi). 



KajiaHÄOBHq'L p. 124. Cbihi. 
BoadS ciuBÄt CB neöece h Bxnjio- 
THCH cnacenia pa^n namero h öwcti. 
ye^iOBiKB, Aa ^e.iOB'SKa oöoacHTt. 



Einen derartigen, allgemeinen christlichen Grundgedanken kann 
man doch nicht als Parallele ausgeben ! 



HeBOCTpysB'B p. 16. He 6o 
HjÄHTB Hacx Eon. ßjiarHMTi 6bith, 
naTKe BejiMTi. HaMT> ajiBiM-B 6bith, 
HO nate kto ce6e ^lecxH hjih 6e- 

meCTilO nOBHHHa CXBOpHTB, TO B'B 

BOJiH ero ecTB. 



KajiaHAOBH^'B p. 121. Hh- 
Koro 6o XpHCTOcB HyacAeK) kx no- 
Kaaniio B.ieqeTB, ho BemBMH pa- 
syiWB AaexB, Aa ottb t^x^ no3HaB- 

UIHM^ ero H BX HBÖeCHOe BBGAeXB 

ItapeTBO. 

Hier liegt doch gerade das Gegentheil einer Parallele vor, denn 
bei KajiaHAOBHTi'B heisst es im Gegensatz zu HeBocxpyeBi., dass Christus 
uns mit einer Art milden Zwanges zum Guten führt. 



Ka.iaHAOBHqT. p. 103. Cßima 

ÄK eCXB, XOKMO AO ItepKOBHBIX'B 

ABBpiä B'B CBoeä bojih 6yAH, h o 
xoMB He paoiaxpaä, KaKO ii iihxt. 
tä noxBapÄexB. 



HeBocxpyeB-B p. 19. Oöpas'B 
6o BBi HB cnacexB, amB a^-ibi au- 
rBJiBCKBi HB yKpacHxecH. ErAa 6o 

B'B HHO^IBCHOB BXOAflIUiB, XOrAa CBÖi 

CBin^a B-BacHsaexe, Mae^io CBi- 
iu,aMX B'B ManacxBip'fe XBpnamB Ky- 
hhxb; CB^ma 6o Bipa bcxb, Macjro 
ate AoöpBia A^xejrH. 

Hier handelt es sich doch nur um rein äusserliche zweimalige An- 
wendung eines Wortes, von einer Einheitlichkeit der Gedanken kann 
nicht die Rede sein. Und auch in der folgenden von Nevostruev 
noch angezogenen Parallele liegt doch nur das vor, dass beide Stellen 
von dem Ritus der Ueberreichung einer brennenden Kerze bei der Ein- 
kleidung des Mönches, dereinen allgemein bekannten symbolischen 
Sinn hatte, ausgehen, und diesen allen Mönchen vertrauten Sinn, ohne 
dass in A der Ritus der Kerzenüberreichung überhaupt erwähnt wurde, 
zur Deutung verschiedener Stellen benutzen. KajrailAOBHyB p. 111: 
Chmb oöpaaoMB h mhhx'b, XBopenieaiB saKona n AoßpBix'B a^J'b, cbob 
TiÄO cKHniio CBHXOMy Äy^y CBXBapaexB h JKUBy ^BpxBy co6i rocno- 



Die Echtheit der Mönchsreden des Kyrill von Turov. 195 

^eBH npHHOCHTb OT-L yHCTa yjia, hko MyKy MOjiHTBy roeno^eBH npH- 
Hoca : Bi Mac.ia m^cto c.ib3ti, bx ea;ia m'Jcto BtSABixanie ott. cepAu;a. 

Die von Nevostruev angeführten Parallelen kann ich also durchaus 
nicht für beweiskräftig halten. 

Dagegen finde ich in formeller Hinsicht zwischen Nevostruev's 
Stück und A und B einen ständigen Unterschied. A und B reden die 
Zuhörer immer da mit dem allgemeinen Wort «Mönch« an, sei es in der 
Einzahl oder Mehrzahl. Nevostruev's Stück braucht stets »BtBjnoöJSH- 
hIh«, das ich bei A und B nicht finde. 

Demnach, scheint mir, ist dieses Stück nicht dem opus A des 
Kyrill zuzuschreiben und in den Handschriften, wo es sich als Schluss- 
theil von A findet, nur durch Fehler des Abschreibers hineingekommen. 

Aber ich kann Nevostruev, der schliesslich selbst an der Richtig- 
keit seiner Annahme zweifelte, nur beistimmen, wenn er sagt p. 13: 
»KaKi) ÖBi TG iiH 61.1.10: noyyeiiie cie, o^ibbhaho, pyccKoe h othochtch 
Kl. ApeBHewy Bpejieim(f. 



Zum Accente im Gailtlialerdialekte. 



Vorbemerkungen. 

Der Dialekt von Brdo (Egg) ist der am meisten nach Westen vor- 
geschobene Theil des Gailthalerdialektes. Dieser wird im südwestlichen 
Kärnten im Gail- und Kanalthale gesprochen, und zwar reicht der 
Gailthalerdialekt von Podkloster (Arnoldstein), wo die Vermischung mit 
dem Rosenthalerdialekte beginnt, bis in die Nähe von Hermagor einer- 
seits und ins Kanalthal, unterbrochen von deutschen Sprachinseln, bis 
Pontafel anderseits, er umfasst also geographisch das untere Gailthal 
bis zur Mündung der Gailitz (Ziljica) in die Gail (Zilja), das Gebiet der 
Gailitz und ihrer Zuflüsse, und das Thal der Fella (Bela) bis zur 
Grenze Italiens. 

Die speciell als Gailthalerdialekt bezeichneten Mundarten, die 
keineswegs gleichartig sind, reichen von Arnoldstein bis gegen Hermagor 

13* 



196 Ivan Grafenauer, 

und zwar theilen sie sich in folgende Gruppen: die Feistritzer Gruppe 
am rechten Ufer der Gail, umfassend die Pfarren Gorje (Göriach) und 
Feistritz (Bistrica), die St. Stefauer Gruppe im Terrassengebiete am 
linken Ufer der Gail vom Dobrac bis gegen den Pressegger See (Pa- 
zrisko jezero) umfassend die Pfarren Cace (Sack), ät.Jurij (St. Georgen), 
St. Pavel (St. Paul), §t. Stefan (St. Stefan) und Borlje (Förolach), die 
Vordernberger Gruppe, umfassend die Pfarre Blace (Vordernberg) am 
rechten Ufer der Gail gegenüber St. Stefan. Bis dahin umfasst das slo- 
venische Gebiet die ganze Breite des Thaies. Westlich davon erhebt 
sich mitten im Thale ein Hügelkomplex in der Richtung von Westen 
nach Osten, der das Gailthal in zwei Theile theilt, in einen südlichen, 
durch welchen die Gail ihren Lauf nimmt, und einen nördlichen, der 
als eine Fortsetzung des (deutschen) Gitschthales betrachtet werden 
kann und den der Vellacherbach (Bela) durchfliesst. Der Hügelkomplex 
reicht im Westen bis zum Durchbruche der Göstring, welche aus dem 
Gitschthale kommend, am Markte Hermagor (deutsch) vorbeifliessend, 
dort am linken Ufer in die Gail sich ergiesst. Dieses Hügelgebiet ist 
der westlichste Theil des slovenischen Gailthalerdialektes und umfasst 
die Pfarren Melvice (Meilweg) und Brdo (Egg). Der im Norden dieses 
Hügelzuges gelegene Theil des Gailthales (Gemeinde Mitschig [Micice]) 
ist deutsch bis dahin, wo die Bela den Pressegger See bildet, wo die 
südlich vom See gelegene Ortschaft Pazrije (Pasriach) slovenisch, das 
nördlich vom See liegende Dörfchen Pressegg (Preseka) deutsch ist. 
Auch die am nördlichen Rande dieses Hügelzuges gelegenen Dörfer 
Borovnica (Brannitzen), Ob.- und Unt.-Vellach (Zgorna, Spodnja Bela) 
sind deutsch, durch einen Wald (Egger Forst, Dobrava) vom sloveni- 
schen Sprachgebiete getrennt. Die westlichste slovenische Ortschaft ist 
Potoce, welche sich um den an die Gail anstossenden Rügelzug herum- 
zieht und so in zwei Theile getheilt ist, von denen der östliche ganz 
slovenisch, der westliche, am Aussenrande des Hügelzuges gelegene 
Theil aber gemischt, doch tiberwiegend deutsch ist. Das nur durch die 
Gailbrücke davon getrennte Möderndorf (Modrinja vas) ist aber schon 
ganz deutsch. — Die Pfarre Melvice (Spodnje vasi), um 800 Einw., 
umfasst die Dörfer Melvice, Dole (Dellach), Napolje gespr. Näpale 
(Nampolach), Rut (Raut), Loce gespr. Ocane, w Ocah (Latschach), und 
Kozlöz (Grafenau); die Pfarre Egg (Brdo), um 1200 Einw., umfasst Brdo, 
Velika vas (Micheldorf), Limace (Fritzendorf), Potoce Potschach;, Go- 
cina (Götzing), Mele gespr. Melane w Melah (Mellach) und Moste (Brugg). 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. J97 

Die Sprache dieser letzten Gruppe liegt den folgenden Ausführungen 
zugrunde. 

Erklärung der Lautzeichen. 

Zur Fixirung des Lautbestandes des Dialektes von Brdo gebrauche 
ich folgende Zeichen: a, J, c, c, d, e, ?, %, ßa, e, ä, 9,f, g, x> ^5 hJ, k, l, 
i (w), w, w, 0, 0, ?^j, 0«, ö, 0, /?, r, 5, is, f, e< (w), v, w, z, z. 

a, w, i sind die sonst im Slovenischen üblichen Laute (Bell-Sievers 
a^, u\ i^). d ist der unbestimmte Vokal (Halbvokal, reduzirter Vokal). 
Die Artikulation ist die mit niedriger palatal-velarer Zungenstellung. 
Die Zunge wird nur sehr gering aus ihrer Ruhelage nach rückwärts 
verschoben bei der Lippenstellung wie beim engen e. e ist das offene e 
(Brückes e^^ Sievers ce^)\ e das enge e (Bell-Sievers e^)\ ig ist die Ver- 
bindung des i mit a, wobei auf dem ersten Bestandtheil der Hauptnach- 
druck liegt ; ea ist die Verbindung von offenem e mit a, e hat den grössten 
Nachdruck ; e ist meist reduzirtes i am Ende der Worte, in der Aussprache 
nähert es sich kurzem e\ ö kurzes offenes e am Schlüsse der Worte, klingt 
ähnlich kurzem offenen e ; ist offenes o (Brückes 0^, Sievers 0^) : g enges 
(Bell-Sievers 0^); u^ ist eine Verbindung von wund 9, wobei das m stärker 
hervortritt; Op ist die Verbindung von offenem mit a, wobei der erste 
Vokal stärker hervortritt; 6 meist reduzirtes ti am Schlüsse der Worte, 
ähnlich klingend einem kurzen g ; o kurzes offenes am Schlüsse der 
Worte. 

Die Konsonanten c, c, d, f, g, j\ k, m, n, p, r, s^ s, f, z, z haben 
die im Slovenischen übliche Aussprache, l ist das mittlere / und ver- 
tritt das l' und das mittlere / vor e und /; / wird gesprochen wie ein 
nichtsilbiges u [ti) und ist das l vor Konsonanten und vor a, 0, u dem 
Halbvokal, und am Ende der Worte, b ist kein ausgeprägter tönender 
Verschlusslaut, sondern eine tönende labio-labiale Spirans, die sich von 
v nur dadurch unterscheidet, dass die Reibung bei b grösser ist. Im abs. 
Auslaut und vor tonlosen Konsonanten sind i, d^ g stimmlos (Sievers 
Z>, d^g). V ist eine tönende labio-labiale Spirans, nicht wie in den slavischen 

V V V 

Sprachen und in der Mehrzahl der slov. Dialekte labio-dental. Es wird 
gesprochen vor ^ und e, iv wird gesprochen wie unsilbiges 21 (m, ^), und 
erscheint vor Konsonanten, vor a, 0, u, dem Halbvokal und am Ende der 
Worte. / ist gutturale Spirans nur im absoluten Auslaut, h ist ein Hauch- 
laut wie deutsches /i. r, /, m, n können auch silbenbildend auftreten. 



198 Ivan Grafenauer, 

Betonung. 

Die Betonung im Dialekte von Brdo ist in den Grundzügen gleich 
der musikalischen Betonung der slovenischen Dialekte Krains, die der 
Isovenischen Schriftsprache zugrundeliegen. Den Hauptunterschied 
bildet der kurze Accent des Gailthalerdialektes. In der slovenischen 
Schriftsprache ist bekanntlich der kurze steigende Accent ganz ge- 
schwunden, der kurze fallende aber nur in einsilbigen Worten und in 
Worten mit Ultimabetonung erhalten (vgl. M. Valjavec : Glavne tocke o 
naglasu knizevne slovenstine im Rad jugosl. akad. Band 132, S. 118). 
Der Gailthalerdialekt hat aber beide. Wo im Gailthalerdialekte der 
kurze fallende Accent in einsilbigen Worten und in der letzten Silbe 
vorkommt, deckt er sich mit der Schriftsprache, daher ich diesen Accent 
nur gelegentlich erwähnen werde. Der Gegenstand der vorliegenden 
Arbeit ist daher die Darlegung des Hauptunterscheidungsmerkmales der 
Betonung des Gailthalerdialektes um Brdo gegenüber der slovenischen 
Schriftsprache, des kurzen Accentes in nichtletzter Silbe. 
Dieser scheidet sich in den älteren kurzen Accent, der aber nur kurz 
steigend ist (cak. vodä — stok. vdda — schriftslov. vöda — gt. wögäa] 
und den jüngeren, der sowohl steigend als auch fallend ist und eine 
neue Weiterbildung im Gailthalerdialekte bedeutet. 

Der ältere kurze Accent. 

Dieser entspricht dem kurzen steigenden Accente in den serbo- 
kroatischen Mundarten mit jüngerer Betonung (ich bezeichne sie der 
Kürze halber mit st. = stokavisch), er kommt also meist in Worten mit 
ursprünglicher Endbetonung vor, welche im Cakavischen (c.) und Rus- 
sischen (r.) noch erhalten ist. In den slovenischen Dialekten herrscht 
darin keine Einheitlichkeit. Es gibt Dialekte, welche diese Endbetonung 
in zweisilbigen Worten ganz konsequent noch erhalten haben, so der 
Rosenthalerdialekt in Kärnten, während in dreisilbigen Worten dort die 
drittletzte Silbe den Ton trägt, andere Dialekte zeigen wenigstens theil- 
weise die ursprüngliche Betonung wie der Dialekt des Resiathales und 
einige Theile des Oberkrainerdialektes, so im Veldeser Becken, wo ich 
in Zirovnica voda aufgezeichnet habe (vgl. damit Preseren's Krst pri 
Savici in der 15. Stanze: vodä razgräja). In der grössten Mehrzahl 
der musikalisch accentuirenden slovenischen Dialekte aber haben wir 
den langen steigenden Accent in der vorhergehenden Silbe bei o und e, 
die Endbetonung bei Halbvokalen in der vorletzten Silbe. 



I 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 199 

Der kurze steigende Accent bei e« und o« (aksl. f, o) im 

Thema. 

Für das Schriftslovenische formulirte M.Valjavec bei den Stämmen 
mit e und o die Regel folgendermassen : Hatte das Wort den Accent 
ursprünglich auf dem Halbvokale am Ende des Wortes in der letzten 
Silbe und steht in der vorhergehenden Silbe der Vokal e oder o, so 
wird der Accent nach dem Ausfalle der letzten Silbe unverändert auf 
die vorhergehende jetzt die letzte event. einzige Silbe zurückgezogen, 
falls das Wort früher nur zwei Silben hatte, und bleibt auf dem 
e oder o auch dann, wenn das Wort wieder eine Endung 
bekommt und zwar als ', besser gesagt: wenn ' als ' von 
der letzten Silbe auf die vorletzte zurückgezogen wird 
(Rad B. 132, S. 167). Dasselbe geschieht auch bei mehrsilbigen Wörtern 
mit ursprünglicher Endbetonung, wenn die letzte Silbe nicht wegfällt 
(Rad B. 132, S. 176). In allen jenen Fällen also, wo hier das Stoka- 
vische kurzen steigenden Accent hat, ist im Schriftslovenischen das 
ursprünglich kurze e und o gedehnt und offen. Doch ist diese Dehnung 
nicht überall und in allen Dialektgruppen durchgeführt. Dr. Sket in 
seiner Slovenska slovnica betont z. B. vöda^ gora^ was wir aber wohl 
als exspiratorische Kürze auffassen müssen, da sich Dr. Sket hier wohl 
nach den exspiratorischen Dialekten Steiermarks gerichtet hat. 

Im Gailthalerdialekte von Brdo haben wir in diesen Fällen den 
älteren kurz steigenden Accent. Beispiele sind : 

Substantiva. Einsilbige Maskulinstämme: 

Sgl.-Nom.-Akk. blejc, Gen. bUaka^ Dat. hlejcö, Lok. hlehö^ Instr. 
hleajkan. Plur. Nom. hlejie^ Gen. hle„köw^ Dat. hUnkan^ Akk. hUgCe^ 
Lok. hUaCdx^ Instr. hle(,Jcame. Dual ist nur Nom. Akk. hlejca erhalten. 
Schriftslov. (sl.) hlek^), bUka\ c. biek, blekä; im Rosenthalerdialekt 
(rst.) blaJ^, blaJ^a\ — boab, böaba (auch bdabo)\ sl. bob^ böba; st. bdba\ 
c. boba\ r. öoöä; — boaX-, ^^J^a; sl. boh^ böha\ — cveak, cveaka\ sl. 
cvek^ cveka\ rst. cva^a\ Q.cvek, cveka\ — ceap, ceapa\ sl.cejt?, cepa. st. 
cep^ cepa\ c. cepa\ — co«/, cdafa\ sl. co/", cöfa aus dem Deutschen 
»Zopf«. — droak, dreaka\ sl. drek^ dreka\ rst. dra^ä] c. drekä; — 
goazd, gdazda; sl. gozd, gözda; — groab, grbaba\ sl. gröb^ gröba; 



1) Um Zweideutigkeiten auszuweichen, gebrauche ich auch im Schrift- 
slovenischen für den kurzen fallenden Accent das Zeichen «, nicht Pleters- 
nik's ». Sonst lasse ich alle diakritischen Zeichen Pletersnik's unverändert. 



200 I^an Grafenauer, 

li. grob, grdba\ c. grobä] r. hat hier abweichend rpö6a; — koap, 
kbapa, das i des Mop ist hier ganz mit dem ersten Theile des Oa ver- 
schmolzen; sl. klop, klöpa\ — knoafi kndafa\ al. knof, knöfa\ — 
koaS^ kdaSa\ sl. kos, kösa\ st. kos, kdsa\ c. kosä; r. Koma; — krd„f, 
kroafa', sl. krof, kröfa; — plßaXi P^^Jia; sl. pleh, pleha; c. pleh, 
plehcl; — poad, pdada\ %\. p>od, pöda; l. pod, podä; Vuk aber hat 
pod, poda; Mazuranic jedoch j9oc?a; — poaSt, pdaSta; sl. posf, pösta: 
st. nach Mazuranic pösta, nach Vuk posta\ c. posta\ — roaC, rbgfia; 
sl. roh, Val. röca, PI. roca; daneben kennt Pletersnik auch rohe, röcca. 
aus letzterem wird wohl auch roaC zu erklären sein, sonst wäre uns das 
c ein Räthsel; — snoaP, snöapa; sl. snop, stiöpa; st. snop^ sndpa; c. 
snopa, r. ciionä; — speaX, speaha; sl. spe/i, speha; c. spe/i, speha; — 
toaf, togfu, Batzen, Fladen; — zoji, zd„ka, Sack; sl. zök, zöka] c. 
Zok, zokci. Vgl. Rad B. 132, S. 167 ff. 

Abweichend ist dügr, dü^ra', sl. dvor, dvöra; c. dvor, dvora; r. 
;iBopä; st. hat aber dvor, dvöra, wozu die Form des Gailthalerdialektes 
^her stimmt. Andere recht interessante Abweichungen sind auch: koi, 
ko^a; sl. koi,köla\ — mol mö^ia; sl. mol, mala; — stoi, stö^a; sl. 
stoi, stöla, st. stöla, c. stola, r. cxojia; — wol, toö^-^a; sl. voi, völa; 
st, völa, c. vola, r. BOjia. Die Klangfarbe des i = w (w) hat bewirkt, 
dass das vorhergehende Oa nicht mehr offen als o« ausgesprochen wird, 
sondern eng geworden ist [o], was seinerseits wieder bewirkt hat, dass 
der Accent, der auf diesem Vokale ruhte, und der ursprünglich kurz 
war, gedehnt wurde. Die Kürze des Accentes ist also in allen diesen 
Fällen an den bestimmten Klang des offenen e„, o« gebunden und wird 
verändert, d.h. gedehnt, sobald dieser bestimmte Klang des e„, Oa ver- 
ändert wird. Dies wird uns noch klarer, wenn wir diejenigen Formen dieser 
Ausnahmen betrachten, bei denen wir nichts, sondern /haben. Dort haben 
wir nämlich den älteren kurzen steigenden Accent. Nom. Fl. lautet 
nämlich nidje, kdje, stöje, xcöjie, Akk. PL mdj.^, kd„U, stdjs, wöjb. 
Eigenthümlich ist auch die Behandlung von koiif: kiiojn, ktiojnja. 

Mehrsilbige Maskulina mit derselben Betonung auf der Endsilbe 
sind nicht zahlreich: ropo„t, rdpd„ta; s\. ropdf, ropöta; — trdak, 
trbaka, Instr. trüiCe', sl. otrok, otröka; c. otrok, otrokä; — z9wo f, 
zdwd(,ta', sl, zivot^ zivöta; c. zivota, r. sKHBOTa. 

Auch im Nominativ-Akkusativ Singular haben kurzen steigenden 
Accent jene Maskulina mit dem Vokal e oder o in der Stammsilbe, wel- 
che in der Ableitungssilbe einen ursprünglich betonten Halbvokal be- 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 201 

sitzen, von dem der Accent auf das vorhergehende e oder o zurückge- 
zogen wurde: cef,pdc, cegpca; si. cepac, st. cij'epac, c. cepoic\ im 
Thema ist hier zwar t, doch ist es schon vor der Zurückziehung des 
Accentes so gekürzt worden, dass es dann wie einfaches e behandelt 
werden konnte ; ccasn^, ceaSvka, durch Analogie gebildet aus sl. cesan ; 
st. cesan, c. cesan ; — hddögbdc^ hadö„hca ; sl. hudöbac^ hudöbca ; — 
kd„tdc^ köafca, ein Verschlag im Stalle meist für junge Hausthiere und 
die Mutterthiere, besonders für Pferde und Schweine; sl. k6t9c\ st. 
kötac\ — köutö^ kdatla\ ^X.kötal] st. kötao^ h.kotäl] — nöaVC, nOaTca; 
sl. nörsj] — ?id(,sc, nO(,hca\ sl. n<)zic\ st. ndzic, c. nozic] das i wurde 
hier wie ein Halbvokal behandelt; — ^^d„pi, "ö„y??a; sl. ogenj\ st. 
bgan^ c. ogan\ r. oront; — "oaSö, ^ögsia] sl. ösai] st. osao, c. osäl; 
r. ocejx; — Meaprc, Iie„prca, Flurname; sl. rebrdc; — pegwc, pcawca, 
sl. pevac] st. pijevac\ r. niBeui:,; davon gilt das oben bei ceup9c Ge- 
sagte; — sdaköj seakia\ sl. sokoi, soköla\ st. soko^ sokdla\ r. coKOJit, 
eoKOJia ; der Genetiv und alle übrigen Formen sind analog nach dem 
Nominativ gebildet; — stdde„7ic^ stddeanca\ die Aussprache nähert 
sich öfters geradezu stdd-änc^ st9d^änc\ sl. studendc^ st. studenac 
(' statt ' wegen studenca^ Rad 132, S. 178); c. studenac] — Uapac, 
tcapca [tcap^cdw sl. tepde\ — tbark^ tö„rka\ tördk^ c. torak\ — 
zgöanc^ zgdanca\ s\.zvön9c] G.zvojiäc; — zre„h6^ zre(,hio\ s\. zrebalj] 
zreblja ^]. Als hierhergehörig können wir auch he,jzdöwc^ bdazdöwca 
betrachten, wenngleich in den übrigen slav. Dialekten diesem e nicht c, 
sondern Halbvokal entspricht; sl. hazdg. Pletersnik hat das Wort in 
seinem slovenisch-deutschen Wörterbuche nach Jarnik. Die Betonung, 
die er angibt, ist aber nicht richtig, da man im Rosenthale, woher die 
von Pletersnik angeführte Form [bdzovdc) wohl stammt, nicht aus dem 
Gailthale, wie dort angegeben ist, bdzowc spricht. 

Der Accent in den Worten roddowc^ wddoioca\ '-ows, ^pwsa; sl. 
vd6v9c, st. udbvac, r. B^OBeux; sl. övds, st. ovas. r. OBecL ist kurz 
wegen der folgenden Konsonantengruppe, da er sonst wegen o statt Oa 
lang sein müsste. 

Nur im Nominativ- Akkusativ haben kurzen steigenden Accent jene 
männlichen Substautiva mit Endbetonung, bei denen der nunmehr auf 
das oder e zurückgezogene Accent ursprünglich nicht auf dem Halb- 
vokale am Ende des Wortes ruhte, sondern auf der letzten dem Halb- 



1) Vgl. dazu Rad 132, S. 178 flF. 



202 Ivan Grafenauer, 

vokale vorangehenden Silbe im Gegensatze zur vorhergehenden Gruppe, 
wo ursprünglich der Halbvokal am Schlüsse des Wortes betont war. In 
den übrigen Kasus bleibt der Accent auf derselben Silbe, wo er ursprüng- 
lich war als lang steigender Accent, da der Accent im Slovenischen nicht, 
wie im Stokavischen, auch von nichtletzter Silbe zurückgezogen wird. 

chaVak^ C9veka\ sl, clövek^ cloveka\ st. covjek, covjeka; c. 
clovek^ cloveka] r. iie.iOBforB, ^ejoB^Ka; — jkacman^ J9cmena\ sL 
j'ecmen^ Jecmena\ l,t. j'ecam, Jäcmena; — jealan^jdl'ena\ s\.jele?i, 
jeVena\ \i. jelen^ jele7ia\ r. ojieHi>, ojtena; — JeaZdk^Jdzika\ sl.ye- 
zik^ jezika\ \i. jezik^ jezika\ c. zafik^ zaflka\ — koaZdXi kazüha: 
sl. közuh^ kozüha\ st. kozuh^ kozuha; r. KOyKyxt, Koatyxa; — 
meadvad, m9dveda\ %[.medved^ medveda] st. med'cjed, medvjeda: 
c. medved, medveda\ r. MeABi/it, Me^BiAa; — '^Oagrad^ wdgräda: 
sl. ograd, ogräda\ — ^OaVay^^ wdreha; sl. örqh, oreha\ st. orah^ 
oraha\ c. oreh^ or%ha^ r. optxi., optxa; — pealan^ pdlina\ sl. jt)e- 
Zm, pelina\ st. pelm, pelina; c. peltn, pefifia; r. nejLiH'B; — pa- 
tealn, pdtdlitia ; sl.petelm, peteltJia; — p dakr özv , p & kr 6^^' a; sl.pö- 
krov, pokrov, pokröva; lt. pdkrov, pdkrova', r. noKpoBi., nOKpoBa; — 
pdatak, patöka', s\. pötok, potok^ potgka', st. pdtok, pdtoka', c. po- 
tok, pofdka; r. hotok'B, noxoKa. — Auch kd^hok, k9hüka\ sl. klo- 
hük klöhuk^ klohiika., st. klöbük^ klohüka; c. klohük, klobükä, r. kjo- 
6yK^, KüOÖyKa ist hier anzuführen, wenn es auch streng genommen 
nicht zu den obigen Beispielen gehört wegen der ursprünglichen Suffix- 
betonung; seakö und wo^sc sind in die vorhergehende Gruppe durch 
Analogie übergegangen und sind oben angeführt worden. Vgl. dazu 
Rad B. 132, S. 141 und 179. 

Jene einsilbigen Substantive der o/o- und e'-Deklination, welche im 
Thema ein durch ursprünglichen fallenden Accent gedehntes e oder o 
haben, zeigen im Lokal Singular theilweise kurzen steigenden Accent 
auf der Stammsilbe : drügb, lo drdabö; sl. drgb^ v di'öbu; — nü^s. 
w ndaSd\ sl. ngs, nösu u. s. w. Aber dieser Gebrauch ist schon stark 
geschwunden vor der in diesen Fällen üblicheren Betonung wie 
V drü^bö^ 719 mü^stö u. s. w. Konsequent kurzen steigenden Accent 
haben im Lok. Sgl. nur: ww^c, sl. wpc; pd ndgce', s\. po nöci\ — sü 
(aus su^l\ sl. sql\ w sdje, sl. v söli\ — nd skr e Je von sh%l Ofen- 
decke. Pletersnik hat nach Zalokar für Krain in derselben Bedeutung 
skril (nicht skrei) skrili: na skrili (= na pedi) lezäti. 

Zahlreich sind diese Beispiele bei den femininen a-Stämmen . wo 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 



203 



diese Art der Betonung durch Analogie auch in der Deklination stark 
um sich gegriffen hat. Ich führe daher vorher ein vergleichendes De- 
klinationsschema an : gd„ra^^\.göray %\.gdrci, c.gorä, r. ropu, rst. Ziora: 



Singular. 



Gailtd. (Brdo). Schriftsl. 



Nom. 

Gen. 

Dat. 

Akk. 

Lok. 

Instr. 



Nom. 

Gen. 

Dat. 

Akk. 

Lok. 

Instr. 



goara 
gdaVS 
göave 

gÖaTO 

go„re 

[neb. gd„re) 
gdrö 



gdlrS 

gu,r 

gbgi'an 

göaTi 

goarax 

gdrame 



gora 
göre 
göri 
goro 
göri 

gorö 

Plural. 
göre 
gor 

goräm [göram] 
göre 

gor ah [gor ah) 
gorämi 

Dual. 



Rosentd. 


Russisc 


(n.Scheinigg in Kres 11,428). 




horä [hora) 


ropa 


höre [höre] 


ropLi 


hör hora) 


rop^ 


horö [horo) 


ropy 


hör'' [ho7'9) 


ropi 



horö [horö) 



höre (höre) 
hiier (küjr) 
hör am [hör am) 
höre (höre) 
horäh [horah] 
horärn [horämd) 



ropoK) 



ropw 

rop-B 

ropaM'L 

ropti 

ropäxi. 

ropaMH. 



Nom. -Akk.: go„re^ sl, gorl:. Die übrigen Kasus des Dual sind 
durch den Plural ersetzt. Es ist also die Behauptung Oblak's in seiner 
Abhandlung »Zur Geschichte der nominalen Deklination im Sloveni- 
schen«(SA.S.204), dass die Kärntnerdialekte den Unterschied zwischen 
Dual und Plural festhalten, nur theilweise richtig. Auch die von Oblak 
nach Scheinigg citirte Form Dat. Instr. Du. Upama im Rosenthale ist 
sehr zweifelhaft, da Scheinigg diese Form (Kres II, S. 428) nur bei lipa 
anführt, nicht aber auch bei horä^ vodd^ und da er in der Anm. 1 auf 
derselben Seite sagt, der Dual gehe in der Volkssprache verloren, da 
selbst mit dba^ oba (ausser im Nom. -Akk.) Pluralformen gebraucht 
werden. Die Formen Kpama^ hväpcama^ miestama, misama (1. c.) 
beruhen wohl mehr auf Spekulation als auf Wirklichkeit. 

Was den kurzen steigenden Accent bei diesen Formen im Gail- 
thalerdialekte (um Brdo) anbelangt, so entsprechen die Formen des Nom. 
Dat. Lok. Sing, ganz den entsprechenden Formen der Dialekte, welche 



204 Ivan Grafenauer, 

der sloveniscben Schriftsprache zugrunde liegen, ebenso sind auch der 
Dativ und Lokal Plur. (Dual) lautlich aus den entsprechenden Formen 
der Schriftsprache zu erklären, wenn man auch beinahe mit Gewissheit 
annehmen kann, dass bei diesen Formen, welche in der Schriftsprache 
die Endbetonung noch bewahrt haben, der Accent im Gailthalerdiaiekte 
später zurückgezogen wurde als bei den ersteren. Zu dieser Annahme 
bewegten uns die Formen des Substantivums röka^ sl. röka^ r. pyKa, 
wo sich die Formen N. röka^ G. röce^ D. röc^^ L. röc^ u. s. w. und 
rhkax^ rdkan gegenüberstehen. Die Betonung der Formen des Gen. 
und Akk. Sgl., Nom. Akk. des Dual und Plural ist durch Analogie 
nach den übrigen Formen entstanden, ebenso die Endung Nom. Akk. 
Dual golre statt ghlri^ (sl. göre) durch Analogie nach der Mehrzahl der 
a-Stämme, um die Dualform vom Plural zu diflferenziren. 

Beispiele sind: kdubg^pla kdnöf^ple\ sl. konoplja^ r. kohohjih, aber 
st. kbnoplja\ — kd(,pa kdap^\ sl. köpa, resiad. Äojoa, c. kopa, r. Konä : 

— kdaSa, kdaSd\ sl. kösa^ rostd. ^"osa, st. kösa^ c. kosa^ r. Koea; — 
köaZa, köaZ^^ slov. köza^ rtd. ^oza\ st. köza, c. kozä^ r. K03a; — mö„- 
sna mdaSn^, sl. mösfij'a, resiad. mösna, c. mohijä, r. MomHa; — 
meatla meatU', sl. metla^ st. metla\ rtd. matia, c. metla, r. Msxjia : 

— nd„sna nöasne\ sl. nöbija] — röaSa rdaSe\ sl. rosa] st. 
rosa^ rtd. rosa^ 6. rosa, r. pocä; — scastra seaSträ; sl. sestra, st. 
sestra, rtd. saslrä; c. sesträ, r. cecxpa; — wdada, wdadö', sl. vöda, 
st. vöda, rtd. voda, c. vodä, r. BO^iä; — icöazna wd„hi^\ sl. vöztij'a. 
st. vdznja\ — zdainla, ze„mlp.\ sl. zemlja\ st. zemlja, rtd. zamlä] c. 
zemlja\ r. sbMjIä; — zeana, zeanS; sl. zeV^a, st. ze?ia, rtd. zawa, c. 
ze^^a, r. atenä. — Hierher gehört auch '•^daca, sl. dce, r. OTei^t; dieses 
Wort, das ich nur im Singular gehört habe, deklinirt folgendermassen : 
Nom. "o^m, Gen, Dat. Akk. Lok. '^dacö, Instr. ^dacan. Küzmics hat 
auch den Genetiv oce wie vode u. s.w. Die Form oca ist nach Oblak's 
Annahme die ältere und kommt [otfcha] in der Klagenfurter Hand- 
schrift und deu Schriftstellern des XVL und XVU. Jahrh. allein vor 
(aber kein oce). Der Akk. oco [othfcho), welcher in der K.H. sich 
findet, ist regelmässig nach der a-Deklination gebildet (Oblak, Zur Ge- 
schichte S. 240 ff.). Die Form y<öac6 aber ist nicht auf dieselbe Stufe 
zu stellen mit dem Akk. Sgl. der a-Stämme, da das ö des Suffixes eng 
ist, wir haben hier wohl mit einer Analogiebildung nach der Deklination 
der 2/-Stämme zu thun, da das 6 am Schlüsse der Worte im Gailthaler- 
diaiekte die Entsprechung für u ist. 



Zum Accente im Gailtbalerdialekte. 205 

So werden betont feiner auch alle Worte auf -b,iba (sl. -öha) und 
-data (sl. -öta)^ z. B.: grdöaba, grddah&\ sl. grdöba^ c. grdoha\ — 
hdddaba^ hdddahS in der Bedeutung Teufel wie hdddahdc\ sl. hu- 
döba, st. hudoba, c. hudobä] — u. s. w. Ipöata Ipdati] sl. lepöta^ 
st. lepota, c. lepotä, r. .lenoxa; — slpOata, slpdate\ sl. slepöta, st. 
slepöta, r. citnoxa, u. s. w. Einige mit dem Suffix -ote gebildete Sub- 
stantiva sind aber wohl durch Analogie nach dem ehemaligen Akkusativ 
(nach M. Valjavec, vgl. Rad 132, S. 177) in der slovenischen Schrift- 
sprache lang fallend betont: dobrota^ gorkgta^ sirota. Im Gailtbaler- 
dialekte um Brdo ist ddbriata, idpü^ta (sl. toplota) ebenso betont, aber 
wir haben nur SQrd^ta aber Akk. sarü^to. 

Der kurze, steigende Accent ist nicht vorhanden vor j\ l und lo. 
Der offene Vokal o« wird vor diesen Konsonanten geengt zu p und ge- 
dehnt; j und w [l] haben nämlich im Dialekte von Brdo die Eigen- 
thümlichkeit, dass sie in nominalen Bildungen intervokalisch zwischen 
gewissen Vokalen, wil) zwischen e-ö, e-a, a-a^ a-o, g-a, o-o\ — /zwi- 
schen e-a, e-o, a-e, a-^, p-^, o-e, reducirt und dann gleich behandelt 
werden, z. B. : kräa [kräva], vidaa [videla], wo das zweite a in etwas 
höherer Tonlage gesprochen wird als das erste ; ze-a, ze-o wird so ge- 
sprochen wie ddze-a, ddze^Ö. Auf dieser Eigenthümlichkeit, glaube ich, 
beruht auch die Behandlung des Accentes in den hierhergehörigen 
Fällen. 

daze^a; sl. dezela\ — me-a^ sl. meja^ st. meda^ c. mej'a^ r. 
Mea:a; — nog^i sl. nöga^ st. nöga^ c. noga^ r. iiorä; — smg^a^ sl. 
smöla^ st. smdla, l.smola, r. CMOjä; — so"«, sl. söva, c. sovä, r. eoBa, 
st. aber sova] — ^-gwca, sl. övca, st. övca, c. övcä, r. OBi^ä. 

Das unmittelbare Aneinanderrücken der beiden Vokale ist wohl 
der Hauptgi'und gewesen, dass der diphthongische Vokal, der der 
Träger des kurzen steigenden Accentes ist, zum einfachen Vokal wurde, 
und dass der Vokal, weil er so in offener Silbe steht, gedehnt wurde. 
Bei Oa, das zu g geworden ist, ist dies allerdings nicht der einzige 
Grund der Dehnung, es ist hier auch die Verengung des Vokales von 
Bedeutung, bei e, das nicht verengt worden ist, ist dies ganz sicher der 
Hauptgrund: ddzeaia-ddzeaa-ddze^a. — Bei ngga, nggo ist uns dieser 
Zusammenhang nicht so klar, da hier nicht/ oder ^ü, sondern^ vor- 
liegt. Es liegt hier Analogie nach den übrigen Kasus vor: Sgl. N. ngga^ 
Gen. wd"^ aus noj^, Dat. wö"e aus noji^ Lok. wd"e aus tioji (neb. nöz^)^ 
Du. Nom. Akk. nö^i aus noJi\ Plur. Nom. Akk. wd"d aus 7ioje. Bei 



206 Ivan Grafenauer, 

'^gwca ist das o eng wegen des nachfolgenden w, der Accent aber ist 
kurz wegen der folgenden Konsonantengruppe. 

Wo aber das /, das dem e, o nachfolgt, als l wieder zutage tritt, 
haben wir kurzen steigenden Accent: smq^-a^ Gen. Sgl. smoje, Dat. 
Lok. smoje] — dBze^a, Gen. Sgl. dazeje, Dat. ddzeje, Lok. ns dazeje. 
Nom. Akk. Du. ddzeJe', Nom. Akk. Plur. ddzeJe. So auch in zwei 
Formen von ngga: Dat. PI. nbagan^ Lok. ndaga%. 

Die neutralen o-Stämme mit ursprünglicher Endbetonung und 
dem Stammvokal o oder e gehören mit dem ganzen Singular zu dieser 
Gruppe: Nom. Akk. ^öokno^ Gen. ^^ojcna^ Dat. Lok. y^daknö^ Instr. 
y^öaknan^ sl. öi^wo, ökna^ stokno, rst. o^'?id, r. okho; — biadro, bead7-a, 
sl. bedrg, bedra; st. bedro, r. 6eAp6; — ^^Caklo^ ^akla\ &\.Jeklo,jekla\ 
rst./fl^^o; — pUace^ pUaca] s). plece, pleca; %t. plece; rst. place: 
c. plece, r. njTeqo; — pscano, pseafia] s\. psetig^ psena] — regbro, 
reabra\ sl. rebrg^ rebra] c. rebro^ r. peöpo; st. aber rebro\ — r^sdato, 
r^seja; sl. resetg, reseta\ Itreseto, r. pemexo; — ^rmea?icö,^rmeanca; 
Pletersnik hat hier unrichtige Betonung rumhice; — scadiö, sdadia: 
sl. sedig, sedla; st. sedlo; rst. sadio\ c. sedlo, r. ciA-i6. — Bei ce^o, 
sl. ce7o, st. celo, rst. ca/o, c. celo, r. ^lejio haben wir die schon oben 
bei smo^a ddze-a betrachtete Erscheinung, der Lokal Sgl. aber hat 
kurzen steigenden Accent nd cej^, r. iia yejii. Von den konsonanti- 
schen Stämmen ist nur der Nom. Akk. Sgl. tCfiU zu erwähnen ; sl. tele. 
st. tele\ rst. tale: r. tbm. 

Adjektiva. Ursprünglich auf dem Suffix betonte Adjektiva, 
welche in der slovenischen Schriftsprache den Accent auf ein vorher- 
gehendes e oder o zurückgezogen und dieses gedehnt haben, falls es 
nicht in der einzigen oder vorletzten Silbe des Wortes steht, in welchem 
Falle kurzer fallender Accent in der slovenischen Schriftsprache, wie 
auch im Gailthalerdialekte eintritt, haben im Gailthalerdialekte kurzen 
steigenden Accent : brbd„k, brboaka, brbögko ; sl. globok, globoka. 
glohökg\ st. dübok, duboka, c. dubok, duboka] der kurze steigende 
Accent ist durch Analogie in allen Formen durchgedrungen ausser Nom. 
Akk. Sgl. mask., wo Endbetonung herrscht: sdroak, hröaka, hröako: 
sl. sirok, siröka, sirökg\ st. sirok, siroka; c. strok, sirokä; — vasdak, 
vasoaka, vdsoako; sl. vüok, vtsöka, visökg\ st. vlsok, visöka] c. visok., 
visoka. — Auch im Nom. Akk. Sgl. haben den Accent von der letzten 
Silbe zurückgezogen: 'rman, ^'meana, h-meano\ sl. rimien, rumena. 
rumeng] st. rümen, rumena] c. 7'umen, rufnefiä, und zejan, zdlcana. 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 207 

zdle„no\ sl. zelen und zelen, zelefia, zeleno\ st. zelen^ zel<ma\ v-zelen, 
zeletia. — Zu bemerkeu ist dazu, dass der kurze steigende Accent nur 
der unbestimmten Form des Adjektivums eigen ist, die bestimmte Form 
hat langen fallenden Accent: zdlijne, zali^na^ zdU^no u.s.w. Denselben 
Unterschied zwischen bestimmter und unbestimmter Form haben wir 
auch im Rosenthalerdialekte und im Dialekte von Resia : zalanä ist das 
r. 3e.iena, zeloeiia aber das r. sejieiiaK (vgl. Baudouin de Courtenay, 
OiitiT *0H. Pes. roBopoB. S. 75). Für das Schriftslovenische vergleiche 
Rad B. 132, S. 154. Bei 7idw, ?i6y^a, ng^o] sl. nov, növa', — gof^ ffQ^a, 
go^o\ sl. gol^ göla ist der Accent lang steigend wegen tv \i). 

Ausser im Nom. Akk. Sgl., wo der Accent ursprünglich auf der 
vorletzten Silbe ruhte, in allen Formen haben kurzen steigenden Accent : 
döhdr^ döuhra^ doabro; sl. döba?', döbra] st. dobar^ dobj'a, c. dobar, 
dobra; rst. dora^ doro\ Endbetonung ist im Gailth. erhalten in dro = 
doro (wohl, ja); — möhdr^ möakra, mbahro\ sl. mökdr^ 7n6kra\ st. hat 
hier auch im Fem. Nom. moh'a\ — töpö^ td'apia^ tdapio\ sl. aber 
auch im Nom. Mask. töpdi^ töpla. 

Mit allen Formen gehören hierher: mbacn^ möacna^ mdacno\ sl. 
möcdn^ möcna, möcnq\ — nöaSn, 7idaS7ia^ W()«swo; sl. nösdn^ 7iös7ia^ 
7iös7io\ — i'boSTi^ röaSfia, rd(,s7io\ sl. rös97i^ 7'ös7ia^ rös7io\ — pbatti^ 
pöatna^pöatno\ ?\. pötd7i, pöt7ia^ potnq neben potm, pot?ia, pofTiq. — 
Ferner zwei Adjektiva mit i in der Stammsilbe: sve^tö^ svcatia, 
sveatio\ sl. svetSi, svetlä, svetlo; — tcaS7i, teaS7ia^ teaS7io\ sl. tes^hi, 
tesTia^ testiq. Das Adjektivum boi^/i, boina, bgino hat g wegen des 
i, kurzen Accent wegen der nachfolgenden Konsonantengruppe; rst. 
boldn. 

Nur im Nom. Akk. Sgl. mask. haben kurzen steigenden Accent auf 
dem e oder o der Stammsilbe einige Adjektiva, welche im Schriftslove- 
nischen im Nom. Sgl. mask. zweifache Betonung haben, die ursprüng- 
liche auf der letzten Silbe und die jüngere auf der vorletzten: böagat\ 
sl. bögat und bogdt; st. bögat^ c. bogat] — Jcd(,smat\ sl. kösTnat und 
kosmat] st. kösmat^ c. kosmat\ — das oben erwähnte ze„la7i\ sl. zelen 
und zeren\ st. zele7i\ rst. zalan, c. zelen; — vej9k, sl. velik und 
celtk. 

Numeral e. Kurzen steigenden Accent hat in allen Formen ^ead7ij 
^eana, ^eanö] sl. [edon] e«, ena, eno\ \i. jedan^ jed7ia^ jedno\ rst. adn^ 
anci, a7iu[ano)^ e. jedan^jedna^jediid; r. oahhx, OAHa, 05116. — Bei 
den Ordinalzahlen haben diese Betonung die Lokale : pootd^, ü.petih; — 



208 Ivan Grafenauer, 

seaStdyiy sl. sestih\ — seadmdyi^ sl. sedmih\ — '^da.smdXi sl- ösmih\ — 
ddiüe^td^i, sl. devetih] — ddse^tdx^ sl. desetih. 

Pronomen. Pronomina, welche in diese Kategorie gehören, sind: 
der Gen. Dat. Akk. Lok. Sgl. von ti und vom Reflexivum sehe: teabS, 
scahi't sl. tebe tebe^ sehe sehe und teUi tebi, seb'i sebi; rst. tabe, sabe; 
st. tebe, tebi', sehe, sebi; c. tebe, sebe; r. tböh, xeöt; ceöa, ceöi. Im 
Gail- und Rosenthalerdialekte ist hier die Endung des Dativ-Lokal (i) 
herrsehend geworden, nicht wie man anf den ersten Blick annehmen 
könnte, des Genetiv-Akkusativ [e], denn wir haben vom Pronomen der 
ersten Person im Gailthalerdial. Gen. Dat. Akk. Lok. mhi^, im Rosen- 
thalerdial. mdtie [mena], was deutlich auf aksl. Mtni im Gegensatze zum 
Gen. (Akk.) .Meue hinweist. Dieser Gebrauch ist schon alt, denn wir 
finden ihn schon in der Handschrift der slovenischen protestantischen 
Gemeinde von Gorice ob Arnoldstein im Gailthale aus dem XVII. Jh.. 
von welcher Oblak Bruchstücke im Archiv f. sl. Phil. B. XV, S. 459 flf. 
veröffentlicht hat: kar fi ti mene dobriga fturil, S. 462; — oflfer, kateri 
ieft tebe . . pernefom, ebenda; — offram fe febe dones . . ebenda, u.s. w. 
— Ferner haben wir "ö„wa '^-öano; sl. öna öno, st, ona öno, c. ona o7io\ 
ncaga neben ne^a, nenmö\ sl. njega njem/ü, njega njemu; rst. njaha, 
njomh; ^^i. njega njemu; g. njega tijemü; r. ero, esiy. — Beim Possessiv- 
pronomen mqj tvqj svoj ist im Gailthalerdialekte Kontraktion wegen des 
reducirteny eingetreten und ist daher die Accentuation eine andere ge- 
worden: aus mb,Ja wurde mioä, aus twd„Ja ^erau.s.w. — In der Dekli- 
nation tritt aber der kurze steigende Accent öfters wieder zutage, wenn 
auch nicht in seiner charakteristischen Form. Der Klarheit halber 
führe ich das Deklinationsschema an : 

Singular: 
Mask. Nom. Akk.: m'^oj tiooj swoj; Neutr.: mwö tioö swö 

Gen. -Akk. : m^o^ega t^o'-ega s^^ö-ega 
Dat. Lok.: my^of^amö f^'c^amö s^ö^-amö (neben mwämö 

twdmö swdmö] 
Instr. : mwän twän swdn 

Femin. : 



Nom.: 


mwä iwd svö 


Gen.: 


mioe twe swe 


Dat. Lok.: 


m}ibU t^oH s^ö^e 


Akk. Instr.: 


mioö twö swö. 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 209 

Plural: 

Nom.: Mask. m-o*e t^^i^e s^^'o^e\ Fem. Neutr. : mice tice swe 



Gen. : mrcäli twäh sicäh 

Dat. : mtcän twän swän 

Akk. : i7iice twe swe 

Lok. : mioäh ticäh sioali 

Instr. : mwäme twäme swänie. 

Dual: 
Nom. Akk.: Mask. mwä ticä sicä; Fem. Neutr. : m"o^e t^d-e s'^ö^e. 
Die übrigen Kasus wie Plural. 

Das unbestimmte Demonstrativum ^-dne ^dnä ^^anö »jener gewisse« 
hat im Gen. Akk. Mask. ^hne^a aus -Ca.ga^ Dativ Lok. -a?2(?„wö ; das Frage- 
pronomen kdö (Gt. tüj)^ Gen. Akk. kbaga^ Dat. Lok. kouniö. — wtsy 
sdaffct, seafnö^ sl. vsega^ vsemü] st. svega, svemu\. c. sega^ semü] r. 
Bcerö, BCOMy. 

Verb um. Die Verhältnisse sind bei den verschiedenen Verbal- 
klassen ungleich. Von der L Verbalklasse haben die Verba mit ur- 
sprünglicher Endbetonung kurzen steigenden Accent auf dem e^ oder 
Oa des Stammes im Infinitiv, Imperativ, ferner im umschreibenden Par- 
ticipium Perfecta auf -/, -/a, -lo und im Part. Perf. Pass. in allen For- 
men ausser Sgl. Maskul. 

Infinitiv: zd-boaSte, sl. böaii, st. l/osti, r. öocTii; — grcahate^ 
<\. grehsti^ st, grepsti, r. rpecxn; — pd-mea^te^ sl. menti^ st. mesti^ 
r. mbcth; — neaste^ sl. neati, st. nesti, r. iiecTii; — pUaSte, sl. plesti^ 
iit.plesti, r. nJBCTH; — tcapste, sl. tepdi, Ittepsti, r. tccth. Eigen- 
thtimlich ist es, dass bei Verben der 4. Gruppe das e vor e verengt wird 
zu ej\ während es in den Dialekten die der Schriftsprache zugrunde 
liegen, offen ist: Vejct^ sl. Jehi^ st. leci^ r. jiequ; — p^jce, sl. peci, st. 
peci^ r. nequ; — ^'^Jce^ sl. reci, st. reci, r. peqa; — tejce, sl. teci, st. 
teci^ r. Teqn. 

Der Imperativ dieser Verba lautet : gi-ej>e,^\.grehi, st.^rei?', Q.greln^ 
r. rpeöii; — zd-hoade^ sl. hödi^ st. bödi, r. öoau; — vldaze t>e, sX.Uzi] — 
pd-meade^ s\.?nefi, ht.mefi^ c. meß, r. MCTii; — ndaSe, sl. fiesi, st. nest, 
c. ?ief>t, r.HBCH ; — za-pleade, sl.p/ett, ht.plefi, r. njiexii; — teape, sl. tepi, 
st. tepi, Y. Tenu. Mit Halbvokal: 'rce', sl. ren, st. rm, r. peKii; — pdce, 
sl. /»ec/, st. 2^ßct\ c. jOßc«, r. neicii. — ^a<5<?, sl. ^ecV, st. ieci, r. tbkh. — 

Archiv für slavische Philologe. XXVII. 14 



210 Ivan Grafenaiier, 

Ebenso betont ist auch der Imp. Plur. 1. und 2. Ps. durcli Analogie 
nacli dem Sgl.: nCaSBioa nea&^ta^ sl. aber neswa nealta. — Das Partie. 
Perf. auf -l^ -la, -lo dieser Verba lautet: bödö, böadia, höadlo. 
höadle^ u. s. w., hödla^ hödlo\ — g^'ehö^ grcabla^ grcahlo u. s. w. : 
sl. grehlcij greblo u. s. w. ; st. grehla^ grehlo u. s. w. ; c. greblu^ greblo : 
r. rpeöjiä, rpeöjro ; — p9meadia\ sl. metla, mela\ — icUagla^ sl. legla. 
st. legla^ c. legla, r. Jier.ia; — ncasla, sl. tiesla, st. nesla^ c. nesla, r. 
iiecjia; — pejila, &\.pekla^ It.pekla, c.pekla, r. nsKJiä; — z9-pleadla\ 
&\. pletla plela, lt. plela, c. plelcl, r. njiejä; — reuHa, sl. rekla^ st. 
rekla, c. re/da, r. peKJia; - — teakia, sl. iekla, st. iekla, c. fekla, r. xe- 
laa; — icapia, sl. ^e/j/a, st. ^e^/a. — Partieip. Perf. Pass. : pr-bd- 
deaii, -bddkgna^ -hddeano u. s. w., sl.pre-boden, bodena, bodeno u. s.w. ; 

— grboaii, grbeaua, grbeano\ sl. greben^ gr-ebena, grebeno\ h.grebe7i, 
grebenoj grebmo; c. greben, grebena, grebeno\ r. rpeöeiiä, rpeöeno: 

— tepi'ji^ tdpeana^ t9pean'ü\ sl. tepen, tepena^ tepeno\ st. tepen, te- 
pena, tepeno, c. tepen,, tepena^ tepeno\ — ebenso niddcana^ nsseaiia, 
pdinddeaUa, pd6i\,na u.s.w. Im Singular Mask. ist, wie wir sehen, nach 
Analogie der übrigen Formen kurzer steigender Accent statt des fallen- 
den eingetreten. 

Alle diese Verba haben im Schriftslovenischen auch im Präsens 
den Accent zurückgezogen : nesem., dieses, tiese, ?ieseva, 7ieseta, ne- 
semOj nesete^ c. nesen, neses, nese^ neaeind, nesete. Im Gailthaler- 
dialekte ist dies nicht der Fall. Das Präsens lautet hier: ndsen, nd&es. 
ndse\ 7idseva,nesesta\ ndsemo, 7i9seste, 7id^ö u. s.w. Vgl. Scheinigg, 
Narodne pesni koroskih Slovencev 39: Kaj mi lipca prevetujes — Der 
mi sadja ne nesös. Im Rosenthalerdialekte : nascmi^ 7iasas^ 7iase aber 
7iasava u. s. w. 

Kurzen steigenden Accent hat auch der Imp. und das Part. Perf. tau 
-l (nur Sgl. Mask.) von prp9g7iUe, sl. pripog7iiti\ prpOagTie, pipdagtfva^ 
p7'pdag7v'7}io\ s\. pripög7n ahev p}'ipog7iiva ; prpd„gnö^ ^\. prip6g7iii. 

Von der dritten und vierten Verbalklasse gehören hierher 
jene Verba, welche das e {a) resp. i in -eti, -iti betonen und in der vor- 
bergehenden Silbe den Vokal e oder o haben, und zwar haben sie den 
kurzen steigenden Accent im Imperativ, im Supinum und im Part. Perf. 
auf ^ Sgl. Mask. : gorete: gdgre, gda7'^te\ goaT^t] göj-6l\ Bl.göri, göret, 
g6rel\ \X.göri,go7'io\ l. göret, go7'el\ — bdlete: bbjöl, '^.bölei; böalt, 
sl. bölet\ — Itete: Uate, sl. Uti, st. leti, r. .neTii; lejöl, sl. Utei, 
st. letio\ — Pzäte: IcgZe, sl. leH, st. lezi, r. .iea:ii; IcgZöl, sl. lezai, 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 21 1 

st. lezao^ c. lezcd^ r. jieKajii.; IcaZat^ sl. Uzat^ c. lezat, u. s. w. — ir- 
dite: broade^ sl. Jrö^//, r. öpoAH, st. ^rwc;?^; bröadö^ hrögcl't^ sl. hrödil^ 
hrödit\ — hddite: hoade^ sl. Äorfe, r. xo^ii; höadö, sl. Ä(?(^«7, st. Äoc?«o, 
r. xo^Mt; so auch von lomite (sl. lotnüi): zidaine, U„m^t, zldamö; — 
mddite {s\. modifi) : zmd,^dc, möa^'t, zmbj:ö\ — skodife: sköade, sköa- 
66 \ — lodzite [voziti]'. tcöaZe^ wögZ't^ zicöaZö\ — zdniU [zeniti): 
zcane, zeaiif., ^'9ze,{)iö\ u. s.w. Vom Imp. Du. Plur. ^'^'^ie^w/fe gegenüber 
sl. zenUe gilt das schon oben Gesagte. Die hier angeführte Participial- 
betonung ist aber bei den Verben der IV. Klasse mit betontem l (sl. f 
des Inf. nur dann der Fall, wenn das i der Konjugationsendung im 
Präsens nicht betont ist, sonst ist die Betonung anders: zohrin^ zdhrltc 
govorim^ govoriti): zdhü,rd. 

Aehnlich ist es auch bei der V. Verbalklasse. Jene Verba, welche 
ein e oder o in der dem betonten -ä-ti vorausgehenden Silbe haben, 
betonen kurz steigend den Imperativ Sgl., durch Analogie auch Plur., 
das Supinum und das Part. Pf. auf -l im Sgl. Mask. : 09 säte [desäti) : 
deaSej] SeaS^va,JeaS^ta, deaS^mö, dcaS^tö; SdaSat; dc'aSöi; sl. dest\ desat, 
6esai\ st. 6esi^ öesat^ aber öesao (r. qeeajra,); — klpäte [klepäti): 
kleaple,kleaplte\ kUapat, kUapöl] ü.klep1Ji,klepat,klepal\ &t.klepaj\ 
klrpaf, klepao ; — kaniäte [kondäti] : kö^,n6öl^ sl. köncal (die anderen 
Formen habe ich nicht gehört); — kr säte [kresäti): kreaSat, krcasoi; 
sl. kresatj kresal\ — nidtäte [metäti): zmea^Ie] meafat, mcatoi; 
sl. 7ne6i, metatj metal\ — pdläte ' peljäti): peje^ pejat, pejöl^ sl. 
pelji., peljat^i peljal\ — pdslate [poslati): pöaSU, pöaSlöl\ jJÖsK, pö- 
slal\ — kdpäte [kopäti) (graben): köapU, köapat, köapöl] sl. köplji^ 
köpat^i köpaf. — Jene Verba aber, welche mehr als dreisilbig sind, 
haben Endbetonung: trpdtät^ [trepetäti): trpatej\ trpatol] sl. trepeöi.^ 
trepetal\ — kö}^ati hat im Infinitiv zurückgezogenen Accent wegen il\ 
welches das o verengte, daher auch ko^^'ej, ko^^'af, ko^'-^öi. — Jene Verba 
dieser Klasse, bei welchen im Infinitiv und Part.Perf. auf -l der Stamm- 
vokal schwindet, betonen kurz steigend nur den Imperativ: brate: 
beoTe, sl. Jen, st. 5m, r. 6epji; — driate: ddare, sl. deri, st. de7'i, 
r. AepH 5 — kläte'. zd-köale^ sl. köJj'i., st. kö/j'i, r. KOJii; — mU^te : 
rndje, sl. me/j'i, st. melji^ r. mcih ; — präte: pe^re^ sl. peri\ — sräte : 
pase^re se, sl. serj'i; — pd-stläte: p9siejej s\. postelJi\ — gnäte: 
zdane., sl. ze)ii\ ■ — zrijte: pszcare., sl. zrl. Jene dieser Verba, welche 
im Präsens ursprünglich Endbetonung haben, die im Schriftslovenischen 
auf das e oder o zurückgezogen wurde, haben wie ähnliche Verba der 

14* 



212 Ivan Grafenauer, 

I. Klasse im Gailthale Endbetonung : hdi'en^ hdres^ hare u. s. w., sl. Le- 
rem^ heres, here\ rosentd. hartim^ baras. 

Halbvokal oder reducirter Vokal im Tliema. 

Der Halbvokal ^jh ist im Gailthalerdialekte in dreifacher Weise 
behandelt worden. In jenen Fällen, wo er gedehnt worden ist, haben 
wir offenes e (denselben Laut, der auch der regelmässige Vertreter des 
Ä im Gailthale ist), in den übrigen Fällen ist er entweder ausgefallen 
oder als Halbvokal erhalten geblieben. Da der Halbvokal naturgemäss 
kurz ist, haben wir in jenen Fällen, wo der Accent auf einen Halbvokal 
von der folgenden Silbe zurtickgezogen wurde, kurzen steigenden 
Accent. Dasselbe gilt auch von reducirten Vokalen, da sie lautlich 
gleich sind den alten Halbvokalen, und vom silbenbildenden r. In den 
Dialekten Krains haben wir in diesen Fällen fast durchwegs die End- 
betonung erhalten. 

Substantiva. Im Thema ist ein Halbvokal: pbs phsa pd&ö pd&a 
P&SÖ phsan ; p9sa; pase pii söiv pa sati pdse pdSdx p^satyie; sl. pds psä ; 
lt. pas psa\ — sds sdsa; sl. sas sasa; — söw (dieses a wird wegen 
des 10 wie ö gesprochen) so^^'a; sl. Sdv^ iava, ivä; st. säv svä] — 
ddz?i ddznj'a aus daz dazj'a; sl. daz dazjä, r. Aoac^TB, Aoac^a. Die Be- 
tonung ist also ganz analog der Betonung einsilbiger Maskulina mit dem 
Stammvokale e/o und ursprünglicher Endbetonung: boab, höaha u. s.w. 
Ebenso betonen Maskulina mit ursprünglich betontem halbvokalischen 
Suffixe, nur dass hier auch der Nom. Sgl. kurzen steigenden Accent 
hat: lakdt iakta u. s. w., sl. lakät^ -kta neben /a^a^, -kta (Valj.-Rad). 
— pekö^ pekla, sl. paTicl^ pakla\ st. päkao^i c.pakaJ., pak/ä; — 
6tahar^ atabra; sl. staba7\ stabra; c. stabai\ stah'a. — Feminina und 
Neutra mit ursprünglicher Endbetonung und mit halbvokalischem Stamm 
haben kurzen steigenden Accent auf dem Halbvokale in allen mehr- 
silbigen Kasus: daska ddsö^ d^de dasko dasde dasko\ dds6e\ dasdS, 
dask, ddükan dasdö, daakah daskame\ sl. daska daske wie göra\ st. 
däska^ c. da.ska, r. ^ocKa;. — magla möglö; sl. mdgla, st. mägla, c. 
7nagla\ — mazda^ sl. mazdu (pio-d-ög); — sfazda, sl. sfaza, st. stäza, 
c. i,taza^ V. cTBsa; — ta7na^ sl. tamu, ftJia, st. täma; — sa?ice, sl. 
satice; — sl. stablo lautet aber stebio. 

Im Thema ist silbenbildendes r: lirhat^ Jirbta, sl. hrbet, hrbta] 
st. hruat aber Iirpta; — datrtak, datrtka\ sl. detrtakj 6etrtka\ st. 
6etvrtaky S. detrtuk, cetrtka, r. ^lexBepTOKt, qeTBepxKa ; — ^rja^ "^'J^y 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 213 

sl. rjil rdja^ st. rdja, c. rja\ — msta V)'sf(*, sl. vrsta, vrstä, i: Bepexä 
uud ähnliche. Nur im Nom. Sgl. drv9d, gen. drvica, sl. drvid, örviöa. 

Im Thema ist ein zu Halbvokal gekürzter Vokal : j'dgla^ J^gU 
Deichselnagel sl. igla im PöUauerthale in Oberkrain jdgla (fallend) ; 
st. nßa^ c. igVä^ r. Hr.ia; — J^spa^ sl. izbu neben izba (Plet.), st. izba^ 
r. nsöa; — khpdc khpca^ sl. kupifc kupca^ st. küpac^ r. Kyneu;^; — 
m'dstwo^ sl.tnostvq; — papar^ phpra^ ^\. pöpar^ pöpra; h. popar\ — 
schio sekna^ sl. suknq sükng; st. dükno, r. cyKHo; — zhistica von 
zanstwo] sl. zenstvq nnd ähnliche. 

Adjektiva. Im Thema ist ein Halbvokal. In allen Formen ist 
kurzer steigender Accent bei : mddö mddia m'Jdid^ sl. mdddi mddla'. 

— idödk Idhka idhko^ sl. hgtk Idhdk^ hJika^ c. lagak\ — thrndn 
tdmna tdmno\ sl. tarndn tamjiä; — tandk tdnka thnko, sl. tandk 
tdnka aber st. fdnak. In allen Formen ausser Nom. Sgl. Mask. : {dsc 
ids6a tdsco, sl. tasdii, st. aber tasta. — Im Thema ist r: mrtö^ 
mrfwa mrtwo] sl. mrtdv mrtva\ st. mrtav mrtva, c. mrtäv, mrtva; 

— shidn shii'na schläfrig; — 6rn örna 6rno\ sl. 6rn 6rna 6rno\ st. 
crna^ c. craä, r. ^lepna; — grd grda grdo, sl. grd grda; c. grda^ r. 
ropAa; — trd trda trdo^ sl. tfd irda\ st. tvrda^ c. tvrda. Im Thema 
ist gekürzter Vokal. In allen Formen ': krdak krka, krko, sl. 
krätak krätka krätko^ c. kratdk'. — madak^ mhhka^ mahko] sl. 
mehak, mehka, mehko; — m'astn^ mastna^ masfno', s\.mas{an,mdstan, 
mastna, mästna ; — p^sn, prsna, prsno^ sl. praPan., präsan^ prasnd, 
präsna^ c. p7'asdn, prasftd; — s-lddak, siadka^ sladko] sladak slä- 
ddk^ sladka slädka] c. sladak sladka; — stfsn strsna strsno; strasan 
strdsati, sirasnd sträma. — Nur im Nom. Sgl. Mask.: daböl dabe^a, 
sl. debal debela. 

Vom Pronomen gehört zu dieser Gruppe das schon erwähnte mane 
und nasce^ sl. nihM. Von den Adverbien vane^ sl. vne. 

Verba. Die Imperative: />3(^6', 'r(5e, tace, s\. pect, 7-eci, ^ece habe 
ich schon oben erwähnt. Von der IL Verbalklasse gehören hierher 
einige Verba mit Halbvokal in der Silbe vor dem charakteristischen 
Infinitivsuffixe, welches betont ist. Sie haben bei ursprünglicher End- 
betonung kurzen steigenden Accent im Imperativ Sgl. Du. und Plur., 
im Supinum und im Part. Perf. auf -l im Sgl. Mask. : dahnite [dahniti): 
daJvie, dalmawa^ daJmamö^ dahnt^; daJmt] daJinö\ sl. dalirit^ dhhnU^ 

— pr-maknxte [pre-makniti): pr-makne^ pr-makiü^ pr-maknö\ 
sl. mahn, mahiU; — pahnite {pahniii): paJme^ pahnt^ pahnö: 



214 Iv&n Grafenauer, 

sl. pahni, pd/mii: — sa/mife [sdhniti): söhne, shlüit^ sdJmö; sl. 
vsahm, vsdhnU', — spd-tdkräte [spo-tdh.nite): spotakni^ ^'thknt^ spd- 
t9knö\ sl. spotdknl^ spotdknll. Von der V.Klasse erwähne ich: sdsäte, 
sl. sdsäti: sdsöl^ %\.sdsal; iagate [Idgäti^ lagäti): iagej\ hgol aber id- 
gat\ sl. läzi, idgai^ lagat. — Gekürzten Vokal hatjac/e und jdU^ sl. 
idi i<n, iti ifi, silbenbildendes ?' : tvrnUe {vrniti) : pd-whie, pdwrnt. 
patorjiö. 

In allen diesen Fällen ist also der kurze steigende Accent dadurch 
entstanden, dass der Accent von der folgenden Silbe auf die kurze halb- 
vokalische vorhergehende zurückgezogen wurde. Die gekürzten, zu 
Halbvokalen gewordenen vollen, langen Vokale mussten vorher gekürzt 
worden sein, bevor der Accent zurückgezogen wurde, denn sonst könn- 
ten wir uns nicht erklären, warum der lange Vokal zu einem Halbvokal 
gekürzt worden ist. Der Prozess also, der im Dialekte von Brdo ganz 
konsequent durchgeführt ist, dass alle Vokale vor der betonten Silbe 
wie Halbvokale ausgesprochen werden, musste früher durchgeführt 
worden sein, bevor in diesen Worten der Accent zurückgezogen wurde. 
Der Prozess des Zurückziehens des Accentes musste daher bei o und e 
früher durchgeführt worden sein, als bei den Halbvokalen und den re- 
ducirten Vokalen. Diese Annahme wird, glaube ich, auch durch den 
Umstand bestätigt, dass im Schriftslovenischen im Gegensatz zu o/e, auf 
welche der Accent fast durchwegs von der folgenden letzten Silbe des 
Wortes, falls sie ursprünglich betont war, zurückgezogen wurde, beim 
Halbvokal in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die ursprüngliche 
Endbetonung beibehalten wurde. 

Der jüngere kurze Accent. 

Während wir in den bisherigen Fällen den kurzen Accent als den 
älteren bezeichnen konnten, da er ganz dem kurzen steigenden Accente 
des Stokavischen entspricht [vöfjda — toda, magia — mägla), und da der 
ältere kurze Accent (st. krava) im Slovenischen in nichtletzter Silbe 
zu lang steigendem oder fallendem geworden ist, tritt in einer Reihe 
von Fällen im Gailthalerdialekte ein jüngerer kurzer steigender oder 
fallender Accent auf, der sich aus langem Accente entwickelt hat, und 
zwar vor Konsonantengruppen in geschlossener Silbe, 

M. Valjavec hat im Rad jugosl. akad, B. 132, S. 120 u. 149 darauf 
hingewiesen, dass der im Serbokroatischen und Slovenischen aus nrspr. 



Zum Accente im Gailthalerdiaickte. 215 

steigendem Accente entstandene kurze fallende Accent im Slovenischen 
in nichtletzter Silbe verschieden behandelt wurde, je nachdem die be- 
tonte Silbe offen oder geschlossen war. Im ersten Falle entstand langer 
steigender Accent, im letzteren lang fallender, z. B. : ruk, rä-ka^ rü-kov 
u. s. w., dagegen: riik-ca^ hU-ka, st. Vltka^ krüs-ka, st. kruska n.s.w. 
Als geschlossen fühlte aber damals die Sprache Worte, wo der Scbluss- 
konsonant zum Stamme gehört, und die folgende Silbe ein mit einem 
Konsonanten beginnendes Suffix ist. — Silben jedoch wie ce-sta^ di-sta 
galten als offen. 

Die Kürzung dieses langen, fallenden oder steigenden Accentes im 
Gailthalerdiaickte hat ihren Grund darin, dass die Sprache nicht nur 
Silben wie hit-ka^ hrui-ka als geschlossen fühlte, sondern auch solche 
wie cesta, disfa, die sie ces-ta, dis-ta zu trennen begann. Ein Theil der 
Dauer des Vokales wurde auf den nachfolgenden, zur selben Silbe ge- 
zählten Konsonanten übertragen, so dass der Vokal kurz zu werden be- 
gann, bis er heute als kurz gefühlt wird: ce-sta — ces-ta. Es ist dies 
derselbe Prozess, der sich auch in der deutschen Sprache in der Ent- 
wicklung vom Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen abgespielt 
hat: mhd. hrähte — nhd. brachte, mhd. dähte — ix'kd.' dachte, kläfter 
— Klafter, höchzit ■ — Hochzeit, höchvart — Hoffart, herlich — 
herrlich: u. s. w. Vgl. Paul, Mittelhochdeutsche Grammatik s, S. 14. 
Sievers, Phonetik &, S. 304, § 849. 

Der gekürzte steigende Accent. 

Ursprünglich steigender Accent wurde im Slovenischen zu kurzem 
fallenden umgewandelt, blieb aber kurz und fallend nur in letzter Silbe 
und in einsilbigen Worten. In nichtletzter Silbe aber, wenn sie als offen 
gefühlt wurde, entstand daraus langer steigender Accent, unter dessen 
Einfluss e und o geengt wurden vgl. Rad 132, S. 120), ebenso im Gail- 
thalerdiaickte : präg präga, r, nopöri, nopora, st. präg praga ; kräa, 
sl. kräva, r. Kopona, st. c. krava. In den Fällen jedoch, wo die betonte 
Silbe als geschlossen gefühlt wurde, hat der Gailthalerdialekt die lange 
betonte Silbe gekürzt und wir haben kurze steigende Betonung. 

Substantiv. Einsilbige Maskulina in allen Kasus ausser Nora. 
Sgl., wo kurzer fallender Accent erhalten ist: chit centa; sl. c'cnta ; — 
flnt,fünta\ %\. funt Junta; — grlnt, grünta, ^\. grünt grünta; — 
gwant, gxoänta, a\. gvä?tfa; — gcmk gänka, ü. gänka; — kramp. 



216 Ivan Grafenauer, 

krämpa^ sl. krämpa'. — pänk (Analogie nach den übrigen Kasus), 
pänka^ s,\. pd?ikrt, mhd. bcmchart; — pmit^ pänta; ü.pänta\ — pari, 
j}ärta\ sl. /Jar^a; — prrst jirsta^ s\. prsia; — prt prta\ &\. prta\ — 
stomf (das m ist labiodental wie/*), stümfa\ sl. strümfa\ — üjmf 
tümfa] »Tumpf«; — - trbmf^ trümfa^ »Trumpf«; — wamp wämpa; sl. 
vämpa. — Mehrsilbige Maskulina in allen Kasus: äntKury^^ änt- 
varha^ Handwerk, äntvarhar, mhd. antwerc\ — lürtay., Schürze, »Vor- 
tnch«; hädrar Lumpensammler von hadra Fetzen; — händö Streit- 
handel, »Handel«; — lähray^ der Waldtheil, der zum Bauernbesitze 
gehört, wohl »Laubreche«; — mäjraf, Stadel, »Maierhof«; — pdlpaz 
ein dummer roher Kerl ; — pülpay., eine Art Pech (von Tannen) ; pän- 
katar^ pänkatarca^ der Vater (Mutter) eines unehelichen Kindes, von 
mhd. hancliart\ — zämpr^ mit gehacktem Fleisch gefüllter Schweins- 
magen, und andere, besonders Fremdwörter. Einheimische Maskulina 
mit dieser Betonung sind nicht zahlreich: küsöar küs6arja\ sl. küsder, 
st. guster; — li,snjak Ußnjaka^ sl. l'esnik^ st. lesnik] — Jiotdsödc von 
ndtösdk^ vgl. nätan^ sl. näton\ — ^akolsödö, ein kleiner Garten vor dem 
Hause; — piskr piskra^ %\.insk9r\ — r^käwösö^ sl. rokävöid] — 
s?7irkJ; sl.smrkalj, st. smrkcd/, Türk Ttirka. sl. Türdk Türka, c. Tn- 
rak (%i.Türak). — /-Deklination: äntvart äntvatie] »Antworte; - — 
päprat päprate^ sl. präprot\ st. paprat\ — prse^ sl. p'rsi^ st. prsi. 

Die grösste Anzahl von Worten mit diesem jüngeren kurzen stei- 
genden Accente bietet aber die «-Deklination: cesta ceste ceste u.s.w., 
sl. cesta, st. cesta \ — cthija cünj^, sl. cwija, st. cunja; — dcöia 
Mädchen, c?«?^^/a Magd, decle, dekU\ sl. dekla, st. d^xkJa^ djekla: — 
gonja gonjS^ sl. gönja\ — gösca gösdl'^ sl. gösda, st. gusta\ — grinta 
grmt^\ sl. grinta »Grind«; — grmoivla, grmbiole, sl. mrävlja\ — kd~ 
Udlca kdUdlc^ 1. Heuschrecke, 2. Fieber; sl, kohilica^ st. kobilica] — 
krästa kräsfe; sl. krdsta, st. krdsta, r. Kopocxa; — fänkwada, ünter- 
krain. länkei; mhd. lcmcwit\ — lästahca (das h aus labialem v wegen c) 
iästabc^, sl. lästavica, st. lastavica ; — lenda lendä ; sl. leda; — mrka, 
mrlw, sl. mrha, st. mrha\ — novcsta )i9vest^\ sl. nevesta^ It.nevjesta, 
c.nevesta, r. HeBiexa; — pälcapälce; ü.päh'ca^ %i.pdlica. — presta 
preste^ sl. presta ; — pi^ga prg^^ sl. pö'ga, st. prga, klr. nepra, r. aber 
nepra; — skränja, skränj^j sl. skräfrfa; — srenda srenS^, sl. sreda: 
st. sreca: — skrba,lskrbä, sl. skrba, st. skrba; — sprätija spränß. 
sl. ipränja ; — wähte f. [nd wähte prite zum Kirchweihfest als Gast 
[wahtiik waht7ikd\ kommen). Pletersnik kennt vähte f. pl. vähti m. pl. 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 217 

Allerheiligen ; — vidh' PI. fem., sl. vile^ st. tile^ r. bu.ili ; — vidice, sl. viJice^ 
ItvUica ; — woina, sl. völna, st. vüna ; — zingrada » Sinngrün « bedeutet 
Preisseibeeren. So aucli 7to/ra, sl. hUra^ skorja und ähnliche. Dass 
der Accent wegen der folgenden Konsonantengruppen kurz ist, sieht 
man besonders deutlich dort, wo der ursprüngliche Nasalvokal im Gail- 
thalerdialekte in seine Bestandtheile zerlegt worden ist. Der Vertreter 
des Nasälvokals ist im Gailthalerdialekte beinahe durchwegs lang: 
möka^ röka^ '^eza u. s. w., sobald wir aber statt e (a) en haben, ist der 
Accent kurz: lenöa^ srenca {leöa = Unöa). Interessant für den Kon- 
sonantismus des Gailthalerdialektes ist es auch, dass die Verbindung 
7ij\ rj ebenso Kürze des Accentes bewirkt, es ist dies eben kein er- 
weichtes w, r, sondern n -\-j\ r -\-j. 

Neutra: Grdisde Flurname, sl. gradtsSe, c. g7-adls6e\ — g'^'io, 
gfla\ sl. grlq^ st. grlo, r. r6p.io; — gmidUsde^ grmdl\s6a\ sl. mrav- 
IJisce^ c. mravlfUce^ vgl. gmöxola. Entstanden ist diese Form wohl 
durch Volksetymologie in Anlehnung an das Verbum grmaJete wim- 
meln. — juiro^jütra^ adv.ziifra; sl.jütro, zjidraj\ \,{.jutro mtra; — 
mäsio mäsia-, sl. mäslg^ st. mclslo; — mcstb, sl. mestg, st. mfesto\ — 
pdrißlo^ &\.povreslo\ — pdvesnw^ pdvesma\ ^l.povesmo, c. povestno^ st. 
pÖDjesmo] — srej'sde &rejs6a\ sl. sräjca\ — stmisöe sfrnisda; sl. 
st)-msde, st. sfrniste. — Hierher gehört auch eine Anzahl von Wörtern 
auf -f/Zo gegenüber südslavischem / aus tl: hdbidlo^ hdculla\ hdcidlce^ 
hddidlca^ üeberzug über das Kopfkissen, sl. ohlacüg^ ohla6iIce\ — 
krsädio, krsädia; sl. h'esälg, b. kresadlo', — mstdvidlo^ mdtavidia: 
sl. motovilg^ c. motovllo, st. motovilo, b. motovidlo ; — st9p)ädio^ 
stdpädia^ sl. stopälg^ c. stopalo^ st. stdpalo; — sidlo, sidia\ sl. m7o, 
st. 6■^7o, b. sidlo; — sidlc^, skllca\ — zedio, zedla\ sl. zeig. — Die- 
selbe Betonung müssten wir auch bei hadidio (r. KaAHJio) annehmen, 
welches in den Volksliedern bei Strekelj vorkommt, das ich aber aus dem 
Dialekte von Egg (Brdo) nicht belegen kann, da es hier vom Lehnworte 
viaTdli^ mhd. vnrouch^ verdrängt worden ist, ebenso wohl auch bei kro- 
pidlo^ das ich um Egg nicht gehört habe, das aber bei Strekelj mit kadidlo 
in Verbindung (Slovenske narodne pesmil. 433) dreimal vorkommt. Das 
Wort kadilo hat sich im Dialekte von Brdo nur in einem Gebetsverslein 
erhalten, aber als kadiio^ nicht als kadidlo'. nSvete tri^a kräle — so 
zütra zgujda stäU — so Jezasa hskäle — trinejst dni n irlnejst nöi 
— so Jezdsö 6ut gfr pmcasle: — miro, kddiio., cisto ziätov.. Es ist 
dies der Rest eines Volksliedes, das sich anderswo erhalten hat, und 



218 Ivan Grafenauer, 

zwar scheint das Lied von einer anderen Dialektgruppe ins Gailthal ge- 
langt zu sein. — Dieselbe Erscheinung haben wir auch dort, wo ur- 
sprünglich langer steigender Accent nicht gekürzt wurde und im Slove- 
nischen (und Cakavischen) langer steigender, im Stokavischen langer 
fallender Accent erscheint: möjstdr^ sl. möjstdr^ st. mäJstor\ — 
grbzdje^ sl. grozdj'e, st. grozcte ; — listje^ sl. listje^ st. lisce^ c. lisce ; 

— qlje^ sl. ölje^ \i.ülje\ — 2;t'/;e, sl. z'elje^ st. zelje. Einige haben aber 
auch kurz fallenden Accent: trnje^ sl. trnje^ st. trnje u. einige andere. 

Adjektiva. In allen Kasus ausser Xom. Sgl. Mask. : 6'^ht^ öista, 
disto U.S.W., sl. Slst 6ista Sistg, st. d^'ist ölsta. — In der letzten Silbe 
ist ein Halbvokal: nizdh, niska, nisko u. s. w., sl. nizdk^ nizJca, nizko^ 
st. mzak\ — öz3k^ öska, osko, sl. gzdk, gzka, özkg\ st. uzak. — Bei 
der Mehrzahl der so gebildeten Adjektiva ist aber auch im Nom. Sgl. 
Mask. der kurze steigende Accent durchgedrungen in Anlehnung an die 
übrigen Formen und Kasus, und wir haben durchwegs kurzen steigen- 
den Accent: gVdddk gVddka glhdko^ sl. gläddk glädka glädkg\ st. 
gladak [a zu Halbvokal geworden wegen l)\ — glinddk aus dem Deut- 
schen, indeklinabel; — limojtn^ hmojtna, hmojtno^ mhd. gemeit\ — 
jäsn^ jäsna^ Jäsno\ sl. jäsdn^ jäsna^ jäsng\ st. jäsan\ — srentn^ 
srencna., sren6no\ sl. sriicdn^ sreöna, sre6ng\ st. srefan', — mli^dii, 
mliydna, mli^dnö; sl. mleddfi, mleS?ia, mUöng: — fff'hSHj grijsna. 
grijno; sl. gres97i, gresna^ gresng\ st. grjesan^ grljesan^ und andere 
ähnliche. Adjektiva mit den Suffixen -ji^ -ski^ -ov {-ev), -ast, welche 
ursprünglich steigenden Accent in nichtletzter Silbe hatten, haben im 
Gailthal er dialekte um Brdo kurzen steigenden Accent in allen Formen 
und Kasus, falls dem betonten Vokale mehrere Konsonanten folgen: 
kojnsöe^ köjnska^ kojnsko] sl. kgnjski^ kgnjska^ kgnjskg\ st.kd7ijski: 

— crcsuöw^ dresnaa^ 6resnd^o\ sl. öresnjev^ drehy'eva^ öresnjevh ; 
st. tresnjev\ — kü,zjc^ kiigzja^ k'ii3ZJo\ sl. kgzji^ kgzj'a, kgzje\ st. 
kozjl, r. kogIü; — krempast^ krempasta, krempasto von krcmpate, 
hinken; — P^sje^ P^sj<i, pesjo\ sl. päsji., pö,sja^ pö,sje\ st. pdsj'l^ r. 
neciil; — sdtenje^ sl. slovenski\ tiimpast, tümpasta, tümpasto\ — 
^'owdj'e, V.oic6Ja^ "owdj'o; sl. gvdj'i, aber st. btijt. — 

Zahlwörter, welche hierher gehören, sind: dvcjste^ sLdväj'set; 

— f7']ste = sl. fridesef, gebildet analog nach dvefste] — sirte^ sl. detrti, 
st. detvrti, r. ^leTBepTLiil ; — sesie, sl. scsti; — sedme^ sklmi\ — osme. 
sl. gsmi. — Vom Pronomen: täksn^ käksn, sl. tdks9f7, kdks9n. Ad- 
verbia : doisan herunter, dblta hinunter, grsan herauf, grta hinauf. 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 219 

aus ^oy seni^ gor ija\ movka nachhause; sönJca heraus, tdnka hinaus, 
soDiie herausen, tf}v7ie draussen ; zwrha [züarlia] oben. — 

Verbum. Die Verba der ersten Klasse: {^\.) Jesti^ sedi, sesti, 
vredi haben im Gailthalerdialekte um Brdo aus langem Accente ge- 
kürzten steigenden Acccnt im Infinitiv und im Part. Perf. auf -/, -^a, -/o 
ausser im Sgl. Mask.: J'^^te^ jedlo^ jedl'b\ sl.j'esii^ j'edia, jedlo\ st. 
jesti,jela\ — sejöe^ seJda^ seklo\ sl. seöi, sekla^ seklg\ st, sjeci, sje- 
kla\ — seste, sedia^ sedio; sl. sestt\ sedia, sedig ; st. sj'estt, sj'ela; 

— tcrde, icrgla^ icrglo] sl. vre&i^ vrgla^ ®^V^?j ^*' '^^'c'/, vrgla. — 
Diese Verba haben also den Stammvokal e (f), und nur diese werden 
gekürzt, während ursprünglich ganz gleich betonte Verba mit anderem 
Stammvokal den langen Accent bewahren trotz der auf den betonten 
Vokal folgenden Konsonanteugruppe : kräste^ krädla, sl. krautig krädla : 
st. krasti\ krdia ; — päsfe, pädia ; griste^ grizla ; stride^ strigla u. s. w. 

Von der II. Verbalklasse betonen Verba mit ursprünglich kurzem 
Vokal oder Halbvokal im Thema die Stammsilbe mit gekürztem Accente 
durch das ganze Präsens, der Infinitiv betont das ^ des Infinitivsuffixes : 
pr-pdgnite^ prpbgnan^ prpognas, prpqgnü u.s. w., sl. Valj. pripögnem^ 
pTipogniti, Flei. ^) pögnifi, pn'pggnem^ iit. pdgnem; — pr-mdknlti^ pr- 
meknan ; sl. pre-mdknitii pre-mäknem ; st. mäknuti^ maknem ; — 
^'^^dgnlte^ ögnan\ sl. ognitl^ ggnem\ st. ognem\ — pahnite^ pehnan\ 
ü. p9Jmiti^ pälinem\ h. pa/i?ie}7i', — sd/mUe\ seJma7i\ sl. S9ntii, säh- 
?iem; st. sa!inem\ — spd-tdknUe^ spd-tekna7i\ sl. spo-tdkniti^ spo- 
täknem ; st. taknem ; — zdshnUe^ zdeJman ; sl. vzddhniti^ vzdähnetn ; 
st. daluiem. — Im Infinitiv, Imperativ und im Part. Perf. smf -i, -ia, -io 
zeigen gekürzten steigenden Accent: zignte, zigne, zignö, zigtfia. 
ztgiv'lo^ sl. vzdigniti^ vzdigni^ vzdignii] st. dtgnuti, dlgni^ dtgmio: 

— zmrzfite, zmrzne, zmrztw, zmrzniti, zmrznij zmrznil', st. smrznuti^ 
smrz7ii^ srrirznuo ; — plüs7iU, plüs7ie^ plüs7iö^ sl. pljüs7iiti^ pJji'iS7ii, 
pljüs7iil\ h,. pljus7iuii\ — prä-mte^ präs7ie, p7-äs7iö ; %\. ■p7'äs7iiH, präsni, 
prdsiiii', lt. p7^äs7iuti; — prdTite, jJvdne, pt^dtiö; sl. p7'rl7iitZj prd7ii, 
pfdnii\ 6i. prd7iuti\ — söipiite^ scipne^ s6ip7i6\ vs6ip7iiti^ ■vs6ip7ii^ 
vsdip7iil\ st. sßp7mti', — sk7-}p7ite, sk7']p7ie, skiupnd\ sl. sk7'ip7iiti^ 
skrip7ii, skripnil', lt. sk7'muti; — st\s7ite^ stis7ie, süs7iö; s\. sits- 
Tiiti, stis7ii, stiSTiii; st. stls7iuti\ — vkhite, vedTie, vednö\ sl. ved- 

1) In solchen Fällen hat Pletersnik die zurückgezogene, jüngere Be- 
tonung, während Valjavec die ursprünglichere, ältere Betonung bevorzugt. 
Ich richte mich hier nach Valjavec. Vgl. Ead B. 132, S. 144. 



220 Ivan Grafenaucr, . 

niti, vqdni^ vedmi\ st. venuti; — sSisnte, sdistie, s6isnö\ sl. kisniti, 
kisni, kisnii\ st. Uhnuti. — So auch: ömrkute^ jemanden heftig auf 
den Boden werfen [yicmrka)^ dregnte^ pd-6ednti^ fimfnte einen Stoss 
versetzen, mläsnte^ mignte^ zibnte =^ zginiti^ zehnte^ zmeknte = 
6m)-knte u. s. w. Im Präsens haben diese Verba kurzen fallenden Accent. 

Interessant ist die Infinitiv- und Präsensbetonung bei einigen Verben 
dieser Klasse, welche im Infinitiv ursprünglich das i des Suffixes be- 
tonten, deren Stammvokal aber lang war. In diesem Falle geht nämlich 
im Gailthalerdialekte der Accent vom ursprünglich betonten Suffix auf 
die vorhergehende lange Silbe über, so auch in der IV. und V. Verbal- 
klasse: kddUe, ndsite ■ — ■ dräzte, ciepHe\ mdtäte^ kdpäU — söipate^ 
skäkate. — Die Präsensbetonung dieser Verba wäre wegen des stok. " 
im Sloveuischen ' (vgl. Rad 132, S. 160), das auch Valjavec verzeich- 
net, im Gailthalerdialekte von Egg haben wir aber kurzen fallenden 
Accent. Es hat also Analogie nach der Gruppe zmrztite^ zmrznan u.s.w. 
durchgegriffen: spläknte^ spiäknan; sl. splakniti (Valjavec), splähiiti 
(Pletersnik); spläknem (Valj.), spläknem (Pletersnik), st. splakniti, 
spldknem\ — st('gnte,stegna7i\ seknte^seknan. Aber: lürnUe^ivrnan, 
sl. vrniti, vrnem. Die Verhältnisse sind bei spiäknU ursprünglich die- 
selben wie bei icrnite. Die verschiedene Behandlung rührt daher, dass 
r schon sehr früh als kurze Silbe gefühlt werden mnsste, daher die 
Anlehnung an die Gruppe makmte, meknan und nicht an die Gruppe 
zmrznte, zmrznan. 

Dieselbe gekürzte Betonung wie zmrznte u. s. w. haben von der 
vierten Verbalklasse: sölstaie {sdutn, s6tstds^ sd'iste], sdiste, sdistö; 
s\. izSistiti, izöisti, izöistil] st. dtstiti, dlsti^ dlstio] — '^^9-prtdte, 
'"^aprte^ ^"dprfö; sl. o-prtiti, oprti, oprtii\ h. prtiti: — jezd9te,je- 
zdöy sl.j'ezditi. — Im Präsens hat kurzen steigenden Accent: pdstUe 
se, pbstn se^ pöstds^ poste u. s. w., sl. posiiti, pqstim aber st. pöstim. 

V. Verbalklasse. Der Infinitiv ist ursprünglich auf dem Suffixe 
betont, das Präsenssuffix ist -jem [-Jan) : dri^mate, di^mlan^ dri^mlas, 
drlsmU u. s. w., sl. dremäU., dremlj'em^ st. drijemati, drljemJjem\ — 
joskäte,jds6an\ &\.iskäti, is6em\ 'utiskati, Istem; — klpäie, kleplan; 
sl. klepäti, kl'epljem.\ st. kUpati^ klepljem; — &räte^ serJan, ü.sräte, 
serjem\ st. serem\ — skripate^ skr) plan; sl. skripäti, skripljem; st. 
skrlpljem ; — söipate^ s6\plan, sl. sSipdti, sHpljem ; st. süpljem. Auch 
im Infinitiv haben gekürzten Accent: henjate, henjati, lienjas u. s. w., 
'^. j'enjam.. Vi. jenjäm; — püiöate, piisöam., sl. püsdam^ st. püstätn ; 



Zum Accente im Gailthalerdialckte. 221 

— mi^njaU^ m\}njan\ sl. mcham^ st. mijevjän. Imperativ und Part. 
Perf. auf -/, -la^ -lo dieser Verba: hcrijej\ henjöl\ 2iüs6ej\ pmdeßd^ 
pusd(Jl\ mijnjej^ nti^njöl'^ d\irjaU^ (Dgrjan, (l/igrjej\ di^rjol rennen. So 
auch die im Präsens nicbfjotirten Verba: dürhate durchgelien, laufen; 
fentaU pfänden, ßedraU aus dem Dienste entlaufen, ßobxite flattern, 
Jiäwlate bellen; lömhate läuten, türdate zusammenstossen, ein Spiel 
mit den Ostereiern, und andere. Im Präsens fallenden Accent hat: 
irgatcj sl. trgati, st. i/rgati] — it'9y\ t''9'^i-i sl. trgaj\ trgal\ Präs. aber : 
trgan, irgas, trga u. s.w., sl. trgam. Von der VI. Klasse hat in allen 
Formen gekürzten steigenden Accent auf der ersten Silbe: pestowate, 
sl. pestoväti, pestovaii. Präs. pestdwati, pcstawas u. s.w. Imp. peatd- 
icej\ Part. Pf. II. pe&tdwöl^ Part. Pf. Pass. pesidwan^ Sup. pestdwat. 

Denselben Prozess, den wir bei ursprünglich steigendem Accente 
auf derselben Silbe im Gailthalerdialekte beobachtet haben, sehen wir 
auch, falls der Accent von der darauffolgenden Silbe auf einen ur- 
sprünglich langen Vokal zurückgezogen wurde. Gewöhnlich haben wir 
im Gailthalerdialekte denselben langen steigenden Accent, der auch 
sonst im Slovenischen in diesem Falle eintritt: hräda., sl. bräda, r. 60- 
poAa; — düsa, sl. düsa, r. Ayiuä; — sriadci^ sl. sreda^ r. cepeAa; — 
zinia^ si.zima^ r. 3HMa; — greda^ %\.greda^ r. rpaAa; — möJca, ^X.möka^ 
r.MjKa. Vgl. Rad 132,S. 183 ff. Kurzer steigender Accent aber erscheint 
unter denselben Bedingungen, wie in der eben besprochenen Gruppe. 

Mit dem Zurückziehen des Accentes ist im Gailthalerdialekte auch 
eine Erscheinung verbunden, welche als Doppelaccent bezeichnet wird. 
Diesen hat für den Gailthalerdialekt schon V. Oblak konstatirt, vgl. 
Arclüv B. XVIII, S. 257 ^). Der Doppelaccent im Gailthalerdialekte 
stimmt in zweisilbigen Worten und in Worten, welche die vorletzte 
Silbe betonen, lautlich mit der Definition übereiu, welche Prof. Resetar 
im § 3 seiner Schrift »Die serbokroatische Betonung südwestlicher Dia- 
lekte« feststellte, die erste Silbe ist stärker, die zweite, ursprünglich 
betonte, höher betont. Diese Erscheinung, welche einUebergangsstadium 
von der ursprünglichen zur jüngeren Betonungsweise ist, kann aber im 
Gailthalerdialekte nicht mehr als üebergangsform betrachtet werden, 
denn sie ist keineswegs nur auf Worte mit ursprünglicher Endbetonung 



1) Oblak ist dort ein Versehen unterlaufen; er gibt als Beispiel für den 
Doppelaccent im Gailthale unter anderem auch giiddamö {gl§d). Es ist dies 
wohl eine Kontamination zweier Formen: gth. gödam'ö [gqd) und jaunth. gtq- 
damo, gth. gledamo [glfid], das aber fallend betont ist. 



222 Ivan Grafenauer, 

beschränkt, sondern hat weitere Kreise gezogen. Ursprünglich auf 
Fälle beschränkt wie röka, bräda^ wo der Doppelaccent auf lautlichem 
Wege entstanden ist, ist er auch auf die übrigen Fälle des steigenden 
Accentes ausgedehnt worden: z. B. bäha, st. baha^ Mäce^ st. Made. 
verUj st. vj'era^ süsä, st. susa u. s.w., wo er nicht lautlich erklärt wer- 
den kann, sondern durch eine Inklination des Sprachgefühles, weiches 
dieser Form des steigenden Accentes, sie analog verallgemeinernd, den 
Vorzug gab. So ist heute der Doppelaccent die einzige Form des stei- 
genden Accentes im Gailthale, nur dass die Exspiration des Neben- 
accentes beim kurzen Accente schwächer ist als bei langem. Aehnlich 
ist es auch in mehrsilbigen Wörtern, bei denen der Hauptaccent auf 
einer Silbe vor der vorletzten Silbe ruht. Bei diesen Wörtern trägt 
immer die zweite, dem (steigenden) Hauptaccente folgende Silbe einen 
schwächeren aber höheren, kurz fallenden Accent : zmr/rada, vevarcä 
{veverica), läkatnca [la/cotnica]^ sMkate, pestdicclte u. s. w. Wegen 
der Regelmässigkeit dieser Erscheinung bezeichne ich den Neben- 
accent nicht. 

Gekürzter, von der folgenden Silbe zurückgezogener, steigender 
Accent : 

Substantiv. Maskulina. Es sind dies meist Wörter, weichein 
der letzten Silbe einen Halbvokal haben, die aber theilweise wie ein- 
silbige Wörter gesprochen werden: cvinc^ cv)nca, sl. svinac, svmca\ r. 
CBHnei];'i>; — kiänc^ Mänca\ sl. Mändc^ st. klänac, c. Tdänac\ — 
KräJnCj Kräjnca^ sl. Kränjdc^ st. Kränjac^ c. Ki'änjac\ — s)rh, 
s\rka\ shstrdk, IX.sijerak, c. siruk\ — rä7ik, ränka [virani)'^ vgl. sl. vrä- 
nec^ st. vränac, c. vränac; krücl Eiszapfen, sl. krcelj\ räskiad Acktx- 
beet, Pletersnik hat nach Jarnik räsklad\ sl. rttzklad. Feminina der 
a-Dekliuation : bi^äzda, bräzde u.s.y^., sl.brdzda, ht.bräzda^ c.bräzda, 
Y. öoposAa; — p}zda, s\. jnzdo, c. plzdä', — itzda, sl. lizda, st. zizda, 
r. ysAa, aber c. uzda] — zvi^zda, sl. zvezda, st. zvijezda, c. zvezda, 
r. 3Bi3/i;ii; kl),sö6, sl. klesde, st. klijcste^ r. KMemii; — slotcza^ sl. 
solza, c. suzä. Dazu kann auch das schon oben aufgezählte slhzba hin- 
zugezählt Averden. 

Neutra: äpno, äpna u.s. w., sl. väpng, st. väptio, c.j'äpno, klr. 
Baniio, r. aber Banuo; — gni^zdo, sl. gnezdo, st. gnijezdo, c. gtiezdo^ 
X. TYAijifi; — V^two^ sl. dleto^ st. dlijeto^ c. dleto, r. ao-ioto; — tisf/S, 
sl. Ustje, st. lisce, c. Itsöe; — k7'uUÖ, sl. krilg, st. krilo, c. krllo, r. 
KpHJio; — trüpio, sl. trüphj c. tniplo) — üst^, sl. üsta, st. i'ista^ r. 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 223 

ycTci ; — pvu fj'r, sl. vpifje ; zgänjo^ sl. zganje. Dazu können noch gezählt 
werden die schon oben erwähnten Neutra: 7)idsHco, sshiö, zhnstico. 

Adjektiva: gost^ gösta, gösto, s\. gost, ggsta, gosto', st.güst, 
güsta; r. rycTi, rycTa, rycTo: — pusf, püsta, püsto, 9\. püst, 
jjHsta, st. püst^ püsta^ r. nycTi, nycTa, nycTO. — du^zn^ dti^zna, 
dü^zno^ sl. döizdn, c. duzan; ■ — gi'hsn, grtjtia, gfi^sno] sl. grehn^ 
('. gresan\ — möin, mbtna^ sl. m()t9n^ c. mütun\ — /p/i^ö, pVdwa\ — 
r))d9k, rijdka^ sl. reddk, redka\ c. rcdak\ ^V^f/;?, ^"iUjdna\ sl.v7'ed9n, 
vredna, c. vredä/i, und andere ähnliche. 

Pronomina: nehte^ sl. ?iekdn', nejkc^ sl. nehje. 

Vevbum. Bei der ersten Verbalklasse sind die Betonungsverhält- 
nisse nicht bei allen Formen gleich. Der Infinitiv hat gewöhnlich, falls 
die Stammsilbe den Ton trägt, trotz der folgenden Konsonantengruppen 
langen steigenden Accent: meste^ sl. mesti^ st. mesti, r. mhctii; — 
räste^ sl. rästi, r, pocxii; — zebste, sl. zebsti, r. 3h6cth; — ireste^ sl. 
(rcsti, r. TpHCTii. Ausgenommen sind nur die Verba mit en für 
e (a): n9pren6e^ sl. na-preH^ klr. npHiii, und dasenöe^ sl. do-seci^ r. 
AOCH^H. Dagegen im Präsens : nicht nur pr-senzan^ pr-senzas u. s. w., 
sl. prisezem\ ndprenzan^ sl. naprezem^ r. sanpaaceuit; Unzan^ sl. /(?- 
zem^ sondern auch rästan^ sl. rästem^ r. pocTemB. So auch im Impe- 
rativ: -prhnze^ sl. -pr'ezi^ -senze^ sl. S(?i?*, raste, sl. ms^/, r. pocTii. Im 
Part. Pf. auf -/«, -^ sind die Verhältnisse wieder dieselben wie beim 
Infinitiv: räsia^ räsio u. s. w., sl. räsla, räslo, r. poexjia, pocxjro; — 
media, medio\ stri^gla, stri^glo u. s.w. Aber: -prengla, sl. -pr'egla, 
X. Hanpfltrjiä; sengia, lengia. 

Bei den übrigen Klassen sind die Verhältnisse einfacher, kurzer 
Accent tritt ein vor mehreren Konsonanten. Im Infinitiv: spiäknte, sl. 
splakniti, st. splähttUi] mahnte, sl. mähniti, st. mähnuti; stegnte, 
sl. stegniti, seknte, sl. sekniti u. s. w. ; — räwnate, sl. ravnäti, st. rar- 
?^ö^^ U.S. w. Präsens: rävman, rawnas, rävna u.s. w. Die hierherge- 
hörigen Verba der II. Klasse aber maJinatixi.i.v:. — Imperativ: mahne, 
sl. mähni, r. MaxHii; spiäkne, sl. spläkni; sekne, sl. vs'ekni; von wrnite, 
sl. vrniti, icrne, sl. ?'/•«?, r. sepHii. — Weiter: raxcnej; skMle von 5^-«- 
knte, skäclan u. s. w. Part. Perf. auf -/, -la, lo: mahnö, mähti'la, 
mähn^lo, sl. mähnil, mahnxla, mahnilo. spläknö u. s. w., sl. splä- 
knil; u. s. w. 

In jenen Wörtern, wo ursprtinglich fallender Accent auf nichtletzter 
Silbe ruhte, trat dieser im Slovenischen von dieser auf die folgende Silbe 



224 lyan Grafenauer, 

des Wortes über, welche gedehnt wurde, falls sie kurz war, und wir 
haben langen fallenden Accent auf der folgenden Silbe. Vgl. Rad 132, 
S. 191 ff. Das Stokavische hat den ursprünglichen fallenden Accent, 
nur dass die folgende Silbe, falls sie geschlossen war, gedehnt wurde : 
sl. (^ospgd, kokgSj gorq^ lt. gdspöd, kokös^ goru. Im Gailthalerdialekte 
haben wir aber meist langen steigenden Accent auf der Silbe, auf der 
ursprünglich der Accent war: kokds^ öko, sl. okg u. s. w. Es hat auch 
die Analogiebildung insbesondere in der a-Deklination diese spezifisch 
slovenische Betonung stark verwischt, ebenso bei der Deklination der 
einsilbigen ■b/o-Stämme, wo der Nominativ Sgl. auf die übrigen Kasus 
einwirkte, so: 7nüi>st, mösfa und tnüiSta. Die Regel ist hier doch immer- 
hin der steigende Accent. 

In jenen Wörtern mit dieser Betonung, deren Stamm auf mehrere 
Konsonanten endigt, erwarten wir im Gailthalerdialekte in den mehr- 
silbigen Formen kurzen steigenden Accent, doch ist dies bei den (im 
Nom. Sgl.) einsilbigen Wörtern nicht immer der Fall, z, B. mäst^ mäste, 
sl, mäst, masti, st. mästi', — 7nüfSf, mösta neben mü^sta, sl. mf)st, 
mostü, st. mosta. Kurz sind : pest, peste, sl. pesf, pesti, st. pesti und 
Substantiva mit r im Stamme: brv, brve, sl. bfo, brvi, r. öposn; — 
kriy Irve, sl. h^vi, r. KpÖBH u. s. w. Die Neutra der Adjektiva posf, 
ffdsto, sl. ffosto, r. rycTO ; pilsto, sl. pustu, r. nycxo habe ich schon 
oben kurz angeführt, es ist dies Analogie wohl nach dem Femininum, 
das ursprünglich endbetont war. So auch grdo, sl. (/rdg, r. r6p;i;o, 
frdÖ, sl. trdoj r. TBep;i,o. Hier mag ich auch erwähnen, dass im Gthd. 
das Adv. nicht gleich ist dem Nom. Sgl. Neutr. des betreffenden Ad- 
jektivs, das Adjektiv hat im Neutr. Sg. die Endung o, das Adverbium 
ö, die Betonung ist dieselbe. 

Bei mehrsilbigen Substantiven ist die Betonung regelmässiger, lang 
bei einfacher Konsonanz : kökds-kokgs, pöma6-pomq6, kurz vor meh- 
reren darauffolgenden Konsonanten: öblak, oblaka u. s. w., sl. oblak, 
ohlaka, st. obläk, resiad. bblak (fallend?), r. oöjiaKt; — obrand, sl. 
obrgö, st. obrUd, r. ööpyut, bulg. ööpi.Ti'L; — öinlada die Zeit, da 
der Mond aufnimmt (vom Neumond bis Vollmond) ; östara die Zeit vom 
Vollmond bis Neumond; — mqzyane, sl. mozgani, st. mozdäni; — 
podlaka, sl. podl?)ka ; — preklade Pluraletant fem. Gen. ; Pletersnik 
betont es prckladi und stellt es unter das Schlagwort pi'eklad. Er 
hätte es besser unter prekliida stellen sollen, das etwas Darübergelegtes, 
speciell auch die Dachstuhlfette bezeichnet, was mit der Bedeutung 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 225 

von prekiade Tenndecke stimmt. Der Akkusativ ist auch preklade'. 
rds preklade Je pädö^ vgl. auch Kres III. 474. Gen. lautet aber pre- 
kladöw, also nach der ö/o-Deklination. Ebenso: pograde Pluraletant. 
fem., Schlafstelle über dem Ofen; — otracc Pluraletant. fem.; Ple- 
tersnik kennt otrohi und otrova^ was wohl ein und dasselbe Wort 
ist. Es ist ein alter Plur. auf -y und ist theils zur ^-, theils zur o-De- 
klination übergegangen. Im Gailthalerdialekte lautet der Gen. ''^dtrvi, 
also nach der «-Deklination ; — drozj^^ sl. drozj?; u. s. w. Ganz ähn- 
lich verhält es sich mit den Wörtern auf -äva: döbraa^ sl. dobräva; 
mznjaa^ &\.mzäva; vwnjaa, sl. visäva] HrnjaUj sl. sirjava\ bliznj'aa^ 
sl. blizava] delnjaa^ sl. daljäva. So auch pöxoadn^ i\. poviodenj\ st. 
pövodanj. 

Der gekürzte fallende Accent. 

Er ist gekürzt worden aus slovenischem langen fallenden Accente 
meist in jenen Fällen, wo dieser aus ursprünglich steigendem Accente 
entstanden ist, und zwar unter denselben Bedingungen, wie der ge- 
kürzte steigende Accent. 

Feminina mit einem Suffixe, das mit einem Konsonanten beginnt 
und an den mit einem Konsonanten schliessenden Stamm angefügt wird. 
Die Beispiele sind der Mehrzahl nach Feminina: lergia^ VergU, sl. 
berglja] — britwa, britlca^ sl. britoa, st. brifva; — caganka^ sl. ci- 
ganka\ — 6l,kla^ sl. kikla Kittel; — clkla Thiername; — godla, sl. 
godlja; — hruska, sl. hrüska^ st. kruska\ — kasta^ sl. kasta\ — 
kl etwa, sl. kletva\ — idznlwka, sl. ldzmvka\ — maöka, sl. maöka, 
st. ma6ka\ — ndthka, sl. oüska\ — parnS (Plur.), %\. pdrna\ — 
pj'anka, &\. pijä7ika\ — pUmnÖQca, ^\. plamnka, planmdica] — pd- 
setwa, sl.posetva; — rania, al.ränia', — regia, sl. reglja; — rejta, sl. 
rajta; — rogia, al.rogla; — signca, 'sX.senca, h..sjenica\ — sprikla, 
sl. sprikJja ; — zvizgla, sl. zvizglja u. s. w. Hierher gehört auch das 
Neutrum sonce, sl. soince, ferner die neutralen KoUektiva und Abstrakta 
auf -Je, die Neutra auf -stcg und die Verbalsubstantiva von Verben der 
3., 4. und 6. Klasse, gebildet vom Part. Perf. Passivi : BriiZjS, sl. 
Brezje, Wallfahrtsort in Oberkrain; grmqxoj^, sl. grmq'oj^; Inje, sl. 

ivje; piarj^, i\. perje; smigtje, sl. swe^'e und smetje; smori^öj^, sl. 
smredje; snirrinj'^,i[.smrlmjc' woUJi aus lobUa, %\.JeUJe aus Jeiia; 
zgiüwjä, sl.pod-zgldvje ; zdräwje, ül. zdrävje ; zrnje, sl. zrnje u. s. w. — 
bdgastwo, sl.bogästvg; pjanstwo, a].pijänstvg; pastMwo, il.po/nstvg; 

Archiv für slavische Philologie. XXTII. 15 



226 Iv^ii Grafenauer, 

zrianstwo »Bekanntschaft«, sl. znanstvo u. s. w. — 6dsanj^^ '^.6esanje\ 
klöanje^ sl. kle6änje\ Uzanj^^ sl. lezanje\ k9pwanj6, sl. kupovänJe\ 
zd-pdftsnji^ ■A.potcnje [zdpdtlßijii bedeutet »Arznei«); znanj^^ sl. 
znänje und viele andere. 

Bei den männlichen Substantiven der */o-Deklination tritt im Slo- 
venischen fallender Accent auch im Nominativ Sgl. auf bei den Suffixen 
-9c, -dk. Dieses Suffix hat ausser im Nominativ-Akkusativ Sgl. konso- 
nantischen Anfang, daher fallender Accent zuerst in den obliquen Kasus, 
analog auch im Nom.Akk.Sgl. Im Gailthalerdialekte haben wir, da der 
Halbvokal auch in den obliquen Kasus nicht oder wenigstens nicht 
spurlos schwindet, langen fallenden Accent, wofern nicht die vorher- 
gehende betonte Silbe mit mehreren Konsonanten scliliesst: j'azhdc^ 
Jiizbdca^ s\. jäzb9c, it. j'azavac, doch: /ili^bdc, hlijjsca, sl. /ilebdc; 
brt,mac, 5r?jW9C(7, sl. bremac ; zlü^mdk^ zlü^m^ka, sl. zlomek, u. s. w. 
Kurz betont sind: paic, päica, s\. pähc, pälca, lt. palac; — kälc, 
kaha; sl. tkaifdc, tkalca\ st. fkalac. — Tritt aber zu dem ersten 
Suffixe in den Wörtern mit langer Betonung noch ein zweites hinzu, 
wodurch der Halbvokal des ersten Suffixes schwindet, so haben wir 
kurzen fallenden Accent: Jdt,bdc: hTiabödd] — brt,m9c: bri^mdad; — 
klindc'. kT%ncd6\ krajdc: krajdd6\ petelindc: pdldVlnödö., vim9c, vi- 
maca : virndad, u. s. w. Kurze Betonung haben auch ctlntrar, mr/iar 
und ähnliche, dagegen hribar, glazar u. s. w. 

Bei den Adjektiven haben wir im Gailthalerdialekte kurzen fallen- 
den Accent in Bildungen mit dem Suffixe -j'i {-{/'), das ursprünglich wohl 
lang steigend betont war, {/'aus tjt, was im Slovenischen in der vor- 
hergehenden Silbe langen fallenden Accent bewirkte (vgl. Rad 1 32, S. 1 54), 
und in der unbestimmten Form im Gailthalerdialekte gekürzten stei- 
genden Accent haben: babj'e, sl. babji\ kadje, sl. kä6Ji\ krawji!, sl. 
krävj'i] kurje., sl. kürji\ mUje., sl. misj'i; rlbje, sl. ribji; fl^Je., sl. 
'pti6ji\ hsidje, sl. Usiöji u. s. w. — Ö'^iste., dlsfa, ölsto^ sl. 6isti\ — 
crne, örna^ 6rno, sl. 6rni\ — gosU, gosta\ grde., grda\ iasde, iahka; 
madlSy madia; mdtne, mbtna:, nisde, niska] osde^ oska; ptitve^ 
prUwa] sll^^Se, sü^dka, u. s. w. 

Pronomina: fiste, ßsta, fisto durch alle Formen, sl. üsti. 
Numeralia: petnejst.^ sl. petnajst\ s'i^stnejsf, sestnajst\ petred^ 
^ijstredj fünfzig, sechzig; täwzni, tausend; jyrve, sl. pfvi\ dicqjne, 
trojne^ sl. dvojni, trgjni. Adverbia: tuka, &\.tükaj\ tukaU, sl. tü- 
kajle\ tanU^ sl. tämU\ znd^, anderswo; — pttjle, poslej) pgtlej',jliträ, 



Zum Accente im Gailthalerdialekte. 227 

sl.JütrL Präposition: zUfpa?'^ ä\. zojydr. Konjunktionen: Ää/tar, 
k9ddr, sl. käkor, kddSr. 

Verbum. Von der I. Klasse haben kurzen fallenden Accent: 
wrzan^ sl.vrzem, ivrzas, vrzi'u.B.w.j wrffö, i[.vrgal\ tcrzan^ %\.vrzen. 
Ferner das Part. Perf. auf -/ und das Part. Perf. Pass. von : Unzan^ sl. 
lezem: Tengo^ sl. Icgdl^ st. Vegao] lenzan, sl. tqzen] — prende, sl. 
prqdi. prengö^ ü. pregal; st. näpregao; — prenzan^ sl.prezen; — 
-sende, sl. -sedi: sengöj sl. segdl, st. dosegao] z9prsenzan, sl. zapri- 
sezen] zräste, sl. zrästi: zrasöati, sl. zräsöen. II. Verbalklasse: Im 
Präsens Singular durch Analogie auch Dual und Plural und im Part. 
Perf. Pass. auf -en haben kurzen fallenden Accent (über den fallenden 
Accent im Slovenischen in diesen Fällen vgl. Rad 132, S. 155 ff.): 
zignte^i sl. vzdigniti: ztgnan, zignas, zlgn^', u. s. w., sl. vzdigneni: 
ztgnjan, sl. vzdlgnjen\ — znirznte, sl. zmrztiiti: zmrznan, sl. 
zmrznem, h. zmrztietn; z?nrzt7jan, sl.zmfznj'en', — plüsnte: plüsnan., 
sl. plüs?iem; — präsnte: prasnan, s\. präs?ietn, st. prasnem ; praspj'an, 
sl. prasnj'en; — prdnte: prdnan, i\. prdnem, htjjrdnetn; —^ sSipnte: 
äö^ipnan, ü. i6ipnem\ prs6\pnjan, %\.pres6ipnjen\ — sknpnte: skrip- 
nan, sl. skripnem; skripnjan, sl. skripnjen\ — süsnte: sfisnan, sl. 
silsnem, st. sfisnem ; sßsnjmt, sl. süsttjen ; — vedfite: vednati, sl. ved- 
nem, st. venem; vednjan, sl. vednjen\ — s6\snte: sd^isnan, sl. skis- 
nem, st. Msnem\ sdls7ijan, sl. sk%snjen\ — so auch: pdkleknte, sl.po- 
kl'ekniti: pdkTeknan\ — prmbknte.^ %\.premökniti'. prnioknan; ebenso 
dmyknte^dregjite, padednte, finfnte, mläsnte, mignte, z\hnt'ef zmeknte 
U.S.W. Von der IV. Verbalklasse haben diese Betonung das Präsens der 
Verba: jezddte: fi^zdn, fijzdos u. s. w., s\. jezdim] — grezddte s^'. 
gri^zde sS me es ekelt mich; Pletersnik; hat nach Janezic groziti, grozi 
se mi, nach Erjavec aus Dreznica pod Krnom greziti se: grezi se mi\ 
vgl. r. rpesHTtcfl. Von der V. Verbalklasse haben einige diese Betonung in 
allen Formen : nQgävjate, sl. nagänjatij Sup. ndganjat\ Präs. ndganjan^ 
ndga7ijas,ndganja^ ^. ganjam\ lmp.?idga?2jej\ ndgattjej'ica, naganjejmöj 
ndganjejle, sl. naganjaj\ Part. Perf. auf -/: ndglhy'öl^ sl. naganjal; 
prgänjan, sl. pregänjan; — hrncate werfen etwas, dass es schwirrt: 
drnkate schnurren (von der Katze); Vmgate baumeln; menkate, sl. 
manjkati\ 7i9sianjate.i sl. vaslanjati, pumrate laut klopfen (an der 
Thüre); rancate ein Spiel auf der rdncala] das ist ein etwa drei Meter 
langes Brett, das in der Mitte auf einer Seite eine Höhlung besitzt, dass 
es auf einen massig hohen Pfahl aufgesetzt werden kann. Die beiden 

15* 



228 Ivan Grafenauer, Zum Accente im Gailthalerdialekte. 

Spielenden setzen sich auf je ein Ende des Brettes und drehen sich auf 
dem Brette im Kreise um den Pfahl, auf dem das Brett in der Mitte 
ruht. — rinkate, zdpisnjate, sl. zapenjati. Zu erwähnen sind dann noch 
die Verbindungen des ne mit den Verben hom und 6em : rieJÖn^ nejdes 
u. s. w. ich will nicht; tieghn, nejbds u. s. w. ich werde nicht. 

Wenn wir das Resultat dieser Ausführungen zusammenfassen, so 
sehen wir, dass der Gailthalerdialekt in Bezug auf den kurzen Accent 
einerseits den älteren Zustand des Slovenischen bewahrt hat, dort wo 
der Accent von der ursprünglich betonten Silbe auf eine vorhergehende 
kurze Silbe (insbesondere bei e und 6) zurückgezogen wurde, — langen 
steigenden Accent hat in diesen Fällen nur die Vordernberger Mundart 
bei offenem einfachen e und o, — anderseits aber in der Lautentwick- 
lung dem Slovenischen vorausgeeilt ist, indem er die Kürzung geschlos- 
sener Silben beinahe ganz konsequent durchgeführt hat. Dies liegt 
zwar schon in der allgemeinen Entwicklung der Sprachen, doch kann 
die Nähe des deutschen Sprachgebietes und die Einflussnahme der deut- 
schen Sprache den ersten Anstoss zu dieser Entwicklungsrichtung ge- 
geben haben. 

Ivan Grafenauer. 



Die slavische Vertretimg von indogerman. o. 



Im Slavischen sind indogerm. a und o unterschiedslos durch o ver- 
treten. Die von Brugmann (Grundriss P, 146) vorgetragene Lehre: 
»0 blieb in der Zeit der balt.-slav. Urgemeinschaft o, weiterhin auch im 
Allgemeinen im Slavischen, während es im Baltischen zu a wurde«, 
dürfte die herrschende Anschauung wiedergeben, wenn auch vielleicht 
nicht allgemein anerkannt sein. Ich selbst habe jedenfalls Einleit. in 
d. Geschichte d. griech. Sprache S, 111. 115 eine andere Ansicht ver- 
treten, wonach idg. o im Slavischen wie im Baltischen zuerst zu a ge- 
worden und dadurch mit idg. a zusammengefallen, dann später gemein- 
sam mit diesem in das schon in den ältesten slavischen Texten vor- 



Die slavische Vertretung von indogerman. o. 229 

liegende o übergegangen ist. Folgendes Schema veranschaulicht den 

Vorgang : 

idg. a o 

\/ 
balt.-slav. a 

/\ 
balt. a slav. 0. 

Ausgesprochen hat die Ansicht, dass »jedes slavische o aus a entstan- 
den ist«, schon Mahlow, Die langen Vokale S. 7 f., sie aber lediglich 
mit der Analogie des baltischen Wandels von o zu a begründet: da im 
Litauischen ev ^ ov ^ av geworden sei, so könne auch aksl. synove 
nicht direkt auf *süneves zurückgehen, sondern habe ein *sünaves zur 
Vorstufe gehabt. 

Diese Folgerung ist natürlich nicht zwingend und hat deshalb, wie 
es scheint), keinen Eindruck gemacht. Das Baltische allein beweist 
nichts fürs Slavische : mag man die Uebereinstimmungen beider Sprachen 
auch noch so hoch einschätzen, so gibt es doch auch zahlreiche Abwei- 
chungen zwischen ihnen, und die Behandlung von idg. o könnte zu 
diesen gehören. Andererseits aber muss betont werden, die Ansicht, 
dass idg. o im Slavischen sich unverändert erhalten habe, ist genau so 
wenig bewiesen, wie jene andere Anschauung. Wir haben es mit zwei 
an sich gleichwerthigen Möglichkeiten zu thun: die erste er- 
scheint vom rein slavischen Standpunkt aus als die einfachere, die 
zweite empfiehlt sich vom Standpunkte des Lituslavischen aus. 

Es fragt sich nun aber, ob sich zwischen diesen beiden Möglich- 
keiten nicht doch eine bestimmte Entscheidung treffen lässt. — Mich 
leitete bei meiner Auffassung der Verhältnisse erstens die Erwägung, 
dass nicht bloss die Balten, sondern auch die übrigen westlichen und 
östlichen Nachbarn der Slaven, die Indoiranier mit ihren europäischen 
Verwandten, den Skythen, und die Germanen den Wandel von o zu a 
vollzogen haben, während die lUyrier (Albanesen und Messapier), die 
ihn ebenfalls haben, aus nordöstlicheren, den Slaven benachbarten Ge- 
genden in ihre späteren Sitze gelangt sein mögen. Die Slaven wären 
also in dem grossen Gebiet von Indien bis Germanien das einzige Volk, 
das die Entlabialisirung des idg. o unterlassen hätte, während sie selbst 
ihre nächsten Verwandten, die Balten, vorgenommen haben. 

Ein zweiter Wahrscheinlichkeitsgrund ist folgender. Idg. oi ist 
wie at im Slavischen zu ^ geworden. Nun ist zwar der üebergang von 



230 Paul Kretschmer, 

ai in e phonetisch begreiflich, weil e in der Mitte zwischen a und i 
liegt, und hat zahlreiche Parallelen in anderen idg. Sprachen, im Indi- 
schen, im boiotischen Dialekt des Griechischen, sowie im Neugriechi- 
schen, im Albanesischen, Umbrischen, Romanischen, Niederdeutschen 
u. s. w. Dagegen ist unmittelbarer Uebergang von oi in e nicht glaub- 
lich, er setzt vielmehr eine Zwischenstufe ai, mithin Wandel von oi in 
a?', also auch von o in a voraus. Man könnte dieser Folgerung nur durch 
die Annahme entgehen, dass oi über einen ö-Laut zu e geworden sei: 
vgl. lat. poina~^'poena~^pena, foedus^\i2\. fedo. Die Entrundung 
von ö zu e müsste aber im Slavischen in relativ späte Zeit fallen; denn 
die Monophthongirung von o?, ai ist bekanntlich nicht sehr alt, jeden- 
falls jünger als der Wandel von ^-e^ slav. 6e, da koi, kai durch slav. ce 
vertreten sind. Nun fällt aber auch die slavische Labialisirung von a 
zu in jüngere Zeit, wie die Lehnworte aus dem Griechischen, Latei- 
nischen und Germanischen lehren : aksl. moloiru = i.iaQa-9-Qov, po- 
lata = palatium, olütari = lat, altZire^ popü = got. papa, ahd. 
p/iapho, TtaTtäg, koülu = got. katils, osilü = got. asilus u. s. w. ; vgl. 
J.Schmidt Vocal. IL 170 Anm. Ferner hat das einem ö analoge 'Kl 
keine Entlabialisirung erfahren. Das spricht alles gegen die Annahme 
einer Entlabialisirung von ö zu e und einer Zwischenstufe ö zwischen 
oi und e. 

Zu diesen Wahrscheinlichkeitsgründen kommen aber noch that- 
sächliche Zeugnisse für einen Wandel von idg. o in slav. a. Allerdings 
bieten schon die ältesten kirchenslavischen Texte durchgehends o für 
idg. und a, aber ältere Belege slavischen Lautbestandes, nämlich die 
slavischen Eigennamen bei den frühmittelalterlichen Autoren, zeigen 
dafür noch a. Auf solche Namen hat bereits Zeuss, Die Deutschen und 
die Nachbarst. S. 68 f. Anm., hingewiesen, aber zu seiner Zeit, wo man 
dem europäischen a und o noch idg, a zu Grunde legte, konnte man in 
dem a dieser slavischen Namen natürlich nur das postulirte idg. a er- 
blicken. Anders hat dann Safailk, Slav. Alterthümer IL 35 f., diese Fälle 
beurtheilt, er erklärte sich das a für aksl. o durch Lautsubstitution, durch 
ungenaue Wiedergabe des slavischen o- Vokales. J. Schmidt endlich hat 
Vocal. IL 169 fif. theils aus jenen sogleich namhaft zu machenden slav. 
Namen, theils aus der Wiedergabe von lat. a durch aksl. o in christ- 
lichen Termini wie poroda = paradit,us, olütari = altare den Schluss 
gezogen, dass das o im VII, — VIII. Jahrb. bei den norischen Slaven 
noch ein dem a sehr nahe liegender Vokal, etwa schwed. ä, gewesen 



Die slavische Vertretung von indogerman. o. 231 

sei. Auch damals hatte diese Folgerung noch nicht die Bedeutung, die 
sie heute hat, da die Existenz eines idg. o noch nicht erkannt war und 
der Wandel von idg. o in slav. a daher nicht angenommen werden 
konnte. Nach der grossen Wendung aber in der idg. Vokalforschung, 
die zu dem Ansatz eines idg. a, e, o führte, scheint man jene Zeugnisse 
ganz vergessen zu haben — auch Mahlow erwähnt sie nicht. Die we- 
nigen Fälle indessen, die Zeuss und J. Schmidt citiren, lassen sich noch 
bedeutend vermehren. Ich stelle sie im Folgenden zusammen. 

^QÖciyuaros, Theophyl. Sim. (VII. Jahrh.) I 7, 5. VU 7, 1. 
0, 1 cod. Vatic, JivÖQaydazn) vulg., Theophan. p. 254 (v. 1. J^vÖQa- 
yäorq), Ji/vöoayuao)), 270. 271 de Boor. Das zweite Element des Na- 
mens ist aksl. gosfi = lat. //ostis, also mit idg. o; das erste scheint 
verderbt (aksl. radu 'libens'? odrü 'Bett'?), geht aber vielleicht auf 
Stammvokal -a <^ idg. -o aus. 

IIsiQdyccaTog, Theophyl. Sim. VII 4, 13. Hr^Qäyuorog Theo- 
phan. p. 27 5. 276 [Tlr^QiyaoTog codd.), nach Safarik = Pirogosü aus 
pirü 'Trinkgelage, Gastmahl' -j- gosVi. 

KelayuGtög, Menand. ed. Dindorf p. 5 (VI. Jahrb.), = Ceh- 
(josU aus 6elo Stirn (vgl. delesmü 'praecipuus')? + cjostt. 

/IctßQay e'Cag^!J4vTrig avriQ^TU^iaQyog: Agathias III 2 1 (p. 18b, 
1 1 Bonn.), VI. Jahrh. /tußqa- = Dohro-. Safarik setzt ^aßqayetag 
= Dohrogosü^ doch ratisste dann der zweite Bestandtheil stark ent- 
stellt sein. Wenn dobrü^ ndl. dapper^ engl- dapper^ ahd. tapfar zu 
lat. paelign. yaZ'e;' gehört (Planta, Osk.-ümbr. Gramm. I 468. Brug- 
mann, Idg. Forsch. XVI 499), so handelt es sich in der ersten Silbe um 
idg. er, in der zweiten jedenfalls um idg. o. 

Jctoyaur^oög Theophan. p. 497, 17 (Arch. f. sl. Ph. XXI 609) 
= Dragomeru mit a = o im Stammvokal des ersten Elements. Vgl. 
Dragamer Raeki Mon. bist. Slav. merid. VII 383 (c. 850— 896 n.Chr.) i). 

Der Name der Slaven selbst, aksl. sloveninü adj., wird bei 
Byzantinern und allen abendländischen Völkern mit a geschrieben. 
Das älteste Zeugniss für Iv.Kavr^voi findet sich nach Müllenhoff, 
Archiv f. sl. Ph. I 294 f., bei Pseudo-Caesarius um 525 n. Chr.; '^A.'ka- 
ßr^voi Prokop., Sclaveni Jordan., 2y.XäßoL Maurik. Strateg., 2-/.Xüßoi, 
2y.Xavivoij ^ycXaßivot Theophan., Slavi, Sclavi, Slavefii, Sclaveni, 



*) Dagegen enthält der griechische Ortsname JaqyuuiaTo (Atollen) im 
ersten Theil wohl aksl. draga Thal, bedeutet also 'Thalstadt'. 



232 Paul Kretschmer, 

Sclavonia, Sclavanicus u. s. w. bei den lat. schreibenden Autoren des 
Mittelalters. ^d-loßiqvoL erst in späterer Zeit (einer der frühesten Be- 
lege wohl in der Vita Clementis) und immer seltener als die Form mit 
a. Diese hat sich bei Byzantinern und Abendländern forterhalten, auch 
als die Slaven selbst den Namen längst schon mit o sprachen. Die 
Namensform ^/.kaßrji/oi, Slavi u. s. w., hatte sich also bei den nicht- 
slavischen Nationen schon eingebürgert, ehe im Slavischen a in o über- 
gegangen war, und ist ihnen so bis auf den heutigen Tag geblieben. 
Ob es sich hier um idg. a oder o handelt, ist zweifelhaft, da der Name 
bekanntlich etymologisch noch nicht erklärt ist. Die Ableitung von 
slovo = xlefog hat schon Safaiik bestritten. Möglich bleibt jedoch, 
dass sekundäres ov aus ev zu Grunde liegt. Die kürzere Form ^yJ.äßoi 
{29-ldßoi), über die Miklosich (Etym.Wtb. 308) sein Befremden aus- 
drückt, ist vielleicht auf griechischem Boden in der Weise entstanden, 
dass 2y,Xaßrivol nach Analogie von Uegyaur^vög , ^aaipay.rjvög, 
Kv'Cixrjpög, J^Qrayrjpög u. s. w. als adjektivische Ableitung aufgefasst 
und dazu gleichsam als substantivisches Stammwort ^y.laßoi gebildet 
wurde. 

^dy.avov. Konstantinos Porphyrogennetos gebraucht das Wort 
zweimal im Sinne von 'Sitte, Gewohnheit', wo er von den Petschenegen 
und Chazaren spricht, aber wie ein griechisches Wort. Die admin.imp. 
c. 8 p. 73, 18 ff. : ors ftoir^oovair ol narCivccyilrai nqbg rov ßaai- 
liybv zovg oQy.ovg y.arh to. Ca/ara ccvrCov. c. 38 p. 170, 14 f.: ov 
y.al aQxorra y-ara to tCov Xaud:Qtov ed-og y.al udy.ccrov TtSTtoir]- 
xaot. Er setzt also die Kenntniss des Wortes bei seinen Lesern voraus, 
und dieses muss daher zu seiner Zeit im Griechischen schon eingebürgert 
gewesen sein. Es begegnet auch bei Suidas s. v. öaröv^ jedoch in einer 
von Gaisford als Interpolation ausgeschiedenen Stelle. Das Wort kann 
also zu einer Zeit aufgenommen worden sein, als die Slaven noch a für 
o sprachen, udyavov = aksl. zakonu ist ein Compositum von honu^ 
das sich zum Verbum 6%nq verhält wie o-pona zu pmq von Wurzel 
{s)pe?i-. Es handelt sich also vermnthlich um idg. mit e ablautendes o; 
doch ist auch idg. a nicht ausgeschlossen. Im heutigen Griechisch lautet 
das Wort tayövi (Du Gange Uay.övwv). Die südlichen Griechen haben 
wohl das Wort später als die Byzantiner aufgenommen oder an die sla- 
vische Form angelehnt, als diese bereits in der zweiten Silbe mit o ge- 
sprochen wurde. 

yaQaadoeidrig. An einer sehr bekannten Stelle, De themat. 



Die slavische Vertretung von indogerman. o. 233 

p. 53f., erzählt Konstantinos Porphyrogennetos, dass zur Zeit des Kon- 
stantinos Kopronymos, als die Pest wüthete (746 n. Chr.), ganz Hellas 
und der Peloponnes slavisirt worden sei; der berühmte Gelehrte Euphe- 
mios habe daher einen Mann aus dem Peloponnes, der sich auf seinen 
Adel viel einbildete, mit jenem zu einem geflügelten Wort gewordenen 
Jambus verspottet : 

yagaadoeidrjg oipig sa-0^?MßcofX€vrj. 
Dieser Mann verrieth also durch den slavischen Typus seines Gesichtes 
seine unhellenische Abkunft. Mit besonderer Absicht ist hier offenbar 
das hybride Compositum yaQaadosidr^g 'schlau aussehend' aus aksl. 
gorazdü '^ pev'itns,^ -\- gr. -eidrjs gewählt, um die ungriechische oder 
halbslavische Abkunft des Peloponnesiers zu kennzeichnen. Aksl. go- 
razdü hat Miklosich auf ein unbelegtes got. Adjektiv *garazds 'mit 
Rede begabt, viel redend' aus Präfix ga- -\- razda 'Sprache' zurück- 
geführt, später freilich (Etym.Wb. 73) diese Herleitung wieder in Zweifel 
gezogen. Die Bedeutung von aksl. gorazdü spricht kaum dagegen, da 
sie nach cech. horazditi 'schelten', vgl. magy. garäzda 'zänkisch', 
russ. dial. gorazdü 'sehr' u. a. sicherlich nicht die Grundbedeutung dar- 
stellt. Ist die Etymologie richtig, so handelt es sich in der ersten Silbe 
um german. a, das zur Zeit der Aufnahme des von den Slaven entlehn- 
ten Wortes ins Griechische im Slavischen noch nicht zu o geworden war. 

gaycctiov. In den Schollen Gu zu Euripides, die Dindorf auf 
Thomas Magister zurückführt, sowie in der Editio princeps von 1534 
findet sich zu Orest v. 146 folgende Bemerkung : dövat, y.dlauog Xertzog 
ev Tolg eXeoL q)vöf.iEvog. zivhg de ipaoi to iduoTLvSog lEyöf-ievov 
Quyd^iop, ou '/.a?Mg ?JyovTeg' ov yaq airb tovtov avQiyi yivsTai. 
Ngr. qayä'Qi 'Gebüsch, eine Art Gras' (G. Meyer Ngr. Stud. II 53) aus 
aksl. rogozü, serb. rogoz u. s. w. 'Riedgras'. Daneben gibt es wie bei 
L,ä/.avov — L.ay.6vt im Ngr. auch die jüngere Vokalisation: epirot. ^o/- 
yöi:^og^ ZwyqdcpeLog Jäywv I 50, der Flussname 'Poyöupog in Thessa- 
lien, vgl. aksl. rogozi?ia. 

In den erst aus dem heutigen Griechisch bekannten slavischen 
Lehnwörtern, die zuletzt G.Meyer Ngr. Stud. II gesammelt hat, ist slav. 
o in der Regel durch o wiedergegeben. Eine Ausnahme macht y.a- 
qovva 'Trog' = aksl. koryto^ Meyer S. 30, dazu die Ortsnamen Ka- 
QOVTsg und Kaqovvia in der Eparchie Doris. Daneben kommt die 
jüngere Form -/.ovQvra^ tsakon. korita vor, die auch in der zweiten 
Silbe jüngere Vokalisirung zeigt. 



234 Paul Kretschmer, 

TtuyavLÖ, 'Verfolgung (von Räubern z.B.), das Treiben von Wild'. 
Ortsname Ilayavea bei Gythion: vgl. Ttayavala 'Ort, wo man jagt, 
Wald', G. Meyer Ngr. Stud. II 49. Zu serb. pogona 'Verfolgung' (aksl. 
nicht belegt). Meyer will die Vokaldifferenz durch Anlehnung an Tta- 
yavog oder aus dem Vlachischen erklären, aus einem vorauszusetzenden 
rumän. *poffoanä, doch befriedigt keine dieser beiden Vermuthungen. 
/cayavög = lat. paganus liegt doch begrifflich sehr weit ab. Also a 
Vorstufe von slav. o = idg. o, Aa. pogona zu aksl. ze?iq 'treibe', Iterat. 
goniti gehört. 

Anderes, was man könnte hierherziehen wollen, bleibt als unsicher 
besser bei Seite: so das nur bei Somavera belegte rcaaräßt 'pezza di 
ißSinno^ == aksl. postavü, aber epir. Ttoaräßi ZcoyQcccp. Jäy. Ibl, tzovg- 
Tccßt 2v?J.oyos XIV 216b (Meyer a.a.O. 52). kayy,6g, lay/.ccdi, lay- 
xdda 'Schlucht, Thal', das G. Meyer S. 37 zu aksl. Iqka 'palus, sinus' 
stellt, erklärt Amantos, Die Suffixe der ngr. Ortsnamen 25 f., besser 
aus Verschränkung von kayiov X ay/.og (oder a/xw?-'), vgl. Xayyövi. 
Nur ?.ovyyiu ^ayoog jiaoaTCoräf.iiog' mag auf das slavische Wort zurück- 
gehen. — Tsakon. ygäßcc 'Höhle, Loch' ('^ ygcovi], 7i^xqa -/.oilri^ ßa- 
^vA,r] xoiXÖTT], TQVTta' Oixopöfiov rQuiiii. T. toa/.. dtaX. 67) kann 
zwar nicht aus dem erst spät dem Deutschen entlehnten neuslov. graha 
'Graben' herstammen, wie Thumb (German. Abh. f. Paul 253) für mög- 
lich hielt; eher könnte man an aksl. grobü 'Grube, Grab' denken wie- 
der mit a = urslav. a aus o. Indessen verdient die Annahme von 
Loewe K. Z. 39, 285 f., dass das Wort das entlehnte germ. graha sei, 
entschieden den Vorzug, einmal wegen der üebereinstimmung des 
Genus, ferner weil das Wort, wie Thumb und Loewe entgangen ist, 
schon bei Hesych in doppelter Bedeutung bezeugt ist: y^aßäv ay.a- 
rptov. ßöd-QOv. Diese beiden Bedeutungen 'Grabscheit' und 'Graben' 
vereinigt auch das germanische Wort; bezeugt sind sie freilich aus ver- 
schiedenen Dialekten: got. graha 'Graben' und ahd. graha 'Grabscheit. 
Spaten'. Darin irrt Loewe jedoch, dass er annimmt, yqäßa existire 
nur im Tsakonischen und müsse daher aus der Sprache in Lakonien 
angesiedelter Germanen entlehnt sein, yqäßa ^rgc'oyXif wird von ^ra- 
uariädr^gj ^ainiay.d V 35, auch für Samos bezeugt, und bei unserer 
unvollständigen Kenntniss des Wortschatzes der neugriechischen Dia- 
lekte lässt sich niemals sagen, ob ein Wort nicht auch in andern Gegen- 
den vorkommt. 

Neben den Lehnwörtern sind es, und zwar in weit grösserer Zahl 



Die slavische Vertretung von indogerman. o. 235 

als diese, die Ortsnamen, in denen die Slaven Spuren ihres dauernden 
Aufenthalts auf griechischem Boden hinterlassen haben. Auch die sla- 
vischen Ortsnamen des modernen Griechenlands zeigen grösstentheils o 
für slav. 0, sei dies nun aus idg. a oder o entstanden; z. B. FaüI^ilov 
(Messeuien), role/.iiov [Lokvis, Olympia), rolefirj (Eparchie Naupaktia, 
Patras) zu aksl. (joUmu 'gross'; Kö'Qlov (Lakonien), KoQua (Gythion), 
Kotiroa (Naupaktia) von aksl. koza 'Ziege', Adj. kozij\ Flöyoßa 
(Gortynia), rioyoßiraa von aksl. ffloffii 'Weissdorn'; IIodoloßiTOa 
(Eparchie Vonitsa) zu aksl. podolükü 'Saum'; ToTZÖlia (Theben, Par- 
nassis), ToTtoXiavd (Eurytanien), Tojculoßa (Patras) zu aksl. topoU 
'Pappel'; ToTCOQiora (Gortynia): aksl. ^o/?om^e 'Hackenstiel' ; ^0{.i- 
rtOTivä (Naupaktia) zu bulg. serb. lohoda 'Melde'. Daneben gibt es 
aber auch Ortsnamen, in denen a dem slavischen o entspricht. 

Neben rogirCa in Epirus, FovQiTGa in den Eparchien Parnassis 
und Trichonias (letzteres mit nordgriechischer Vokalisirung aus Fo- 
qizou) steht Faglrau auf Korfu = slav. Gorica. FaqävxLa in 
Messenien (vgl. FaQavTUvov in Arkadien) erinnert an slav. Goranci 
in Krain (nach Miklosich, Die slav. Ortsnamen aus Appellativen I 24). 
Auch der Bergname FctQovvci sowie der Dorfname Fccqovpuc auf Korfu 
gehören wohl hierher und sind mit slav. Goryni zu vergleichen, vgl. 
kleinruss. Horyn (Miklosich a. a. 0.). Neben Zayöqi in Epirus, Za- 
yoqä in Thessalien liegt ZayaQÜ in Böotien, Zayäqaiva in Messenien. 
Es fragt sich, ob das in diesen Ortsnamen steckende slav. gora 'Berg' 
idg. oder a enthält. Die verwandten lit. gire 'Wald', skr. giri-, avest. 
gairi- (Nom. PI. garayo) 'Berg' entscheiden die Frage nicht. Für o 
spräche aber das von Livius 45, 29 genannte, vielleicht mit dem Ber- 
mion in Makedonien identische Gebirge Bora., wenn dieser Name mit 
slav. gora gleichzusetzen ist, sowie gr. ßoQsag, falls es ursprünglich 
»Bergwind« bedeutete; vgl. Prellwitz Etym.Wb. u. ßoqiag, Pederseu 
K.Z. 36, 319, der alban. malijE 'Nordwind', eig. 'ßergwind' und ital. 
tramontana vergleicht. 

FaoTovvr] in Elis dürfte slav. Gostgm vertreten (vgl. den Namen 
des Ortes Gosty?i bei Lissa in Posen) und dann zu gostt gehören, für 
welches lat. Jiostis idg. o erweist. Dieser Fall reiht sich also den früher 
genannten Personennamen auf -yaozoo, an *). 



^J Nicht beweiskräftig ist TvQuußo; oder TovQvußog, wie zwei thessa- 
lische Ortschaften (bei Larissa und Trikkala) heissen, neben Tvqvoßov (im 



236 Paul Kretschmer, 

Eine weitere Durchforschung des in Betracht kommenden Mate- 
riales, besonders aber der noch so wenig untersuchten slavischen Orts- 
namen des modernen Griechenlands, wird vielleicht die Zahl dieser 
Belege für gr. a = slav. o noch vermehren. Es fragt sich, welche Be- 
weiskraft ihnen für unsere Frage zukommt. Wie bereits erwähnt, er- 
klärte Safafik das gr. a = slav. o aus ungenauer Wiedergabe des sla- 
vischen Lautes, während J. Schmidt auf einen dem a sehr nahe liegenden 
Vokal, etwa schwed. «, schloss. Beiden Gelehrten war es aber unbe- 
kannt, dass auch das griechische o (o, w) ein durchaus offener Laut ist 
und schon zur Zeit der Aufnahme der slavischen Wörter war: dies folgt 
aus der Wiedergabe des geschlossenen italienischen o und des lat. ö 
durch gr. ov (s. darüber Byzantin. Zeitschr. X 586). Gr. o (w) wäre 
also zur Wiedergabe eines offenen slav. o sehr geeignet gewesen, und 
wenn statt seiner gr. a verwendet wurde, so muss der slavische Vokal 
mehr nach a als nach offenem o hin gelegen haben, d. h. er war ent- 
weder reines a oder höchstens ein ä mit minimaler labialer Färbung. 
Nun wird ja thatsächlich, wie wir erwarten, in der Zeit, wo die Slaven 
schon sprachen, dieses immer durch gr. o wiedergegeben, und nur in 
den ältesten Belegen slavischer Namen und Wörter im Griechischen 
findet sich dafür a. Daraus folgt mit Sicherheit wenigstens das eine, 
dass im Slavischen ein Vokalwandel stattgefunden hat, der sich in der 
Richtung von a nach o hin bewegte ^). 



heutigen Xo/ub^ ElqvTciviag), Ttqi'oßu (in demselben Nomos und in Lokris), 
sowie bulg. Trnova (Tarnova auf einer latein. Urkunde vom Jahre 994, Eacki 
S. 23), poln. Tarnovo, auf deutschem Boden Tornow, Tarnow (Buttmann, Die 
deutschen Ortsnamen S. 97), d.i. aksl. frt'itiovü, trunova, trünovo 'spinosus' von 
irunü 'Dorn'. [Sonst erseheint in griechischen Ortsnamen vielfach -oPjo, -oßa 
für slav. -ovo, -ova, z. B. }jQä%o3(e, FäßQoio Berg in Atollen (= bulg. Gabrovo), 
r?.6yoßa, riukoßa [n^^l.jalova fem. 'unfruchtbar';, TonöXoßa, BtQ^oß«, Jeqi- 
xoßo, '£yx'/.ii'oß(( u. 8. w.] In Tvqvußog kann jedoch auch die slav. Endung -avu 
vorliegen, wie iuKiaußo; dem moderneu Namen des Ossa, der wohl von serb. 
Jiisa 'Regen', bulg. kisa 'nasses Wetter' (zu aksl. kysnqti 'nass werden') = gr. 
y.iGa 'regnerisches Wetter' (aus Thrakien bezeugt, G. Meyer Ngr. Stud. II 30) 
abgeleitet ist, also slav. a aus « enthält. Thatsächlich begegnet fem. Tmava 
als Ortsname wiederholt in Kroatien, als Flussuame auch in Böhmen und im 
westlichen Ungarn. 

1) Nicht unerwähnt lassen will ich, dass man bei ^«x«ror und yccQaa- 
d'oEi&rjg auch an Assimilation von o an das « der Nachbarsilbe denken könnte. 
Indessen ist die Assimilation von o an « im Ngr. so selten (vgl. Hatzidakis 



Die sliivische Vertretung von indogerman. o. 237 

Nächst dem byzantinischen Reich ist es Dalmatien, wo uns sla- 
vische Eigennamen aus verhältnissmässig früher Zeit überliefert sind. 
Das Material ist uns neuerdings durch Jirecek's so lehrreiche Abhand- 
lungen über die Romanen in den Städten Dalmatiens während des 
Mittelalters (Denkschriften d. Wien. Akad. IS. und 49. Bd., 1901 — 4) 
näher gebracht worden. In den lateinischen Urkunden Dalmatiens vom 
X. bis ins XIII. und den Anfang des XIV. Jahrh. weisen die slavischen 
Eigennamen in ihrer lateinischen Form vielfach ein a an Stelle von 
slav. auf. Ich stelle die Fälle aus Racki, Mon. spect. bist. Slav. merid. 
VII, und den Sammlungen bei Jirecek ^namentlich II. Theil S. 65 ff.) 
zusammen. 

X)a^ra = slav. Z>oira in Urkunden vom Jahre 1076 — 80 und 1078, 
Racki S. 125. 121, aber auch noch 1260, 1273, 1289: Jirecek II 69. 
Daneben Dobra seit 119S. — Dabro 918 n. Chr., Racki a. a. 0. 19; 
940 — 46, Racki 20; 986: Racki 22; zahlreiche Belege aus dem X. — 

XIII. Jahrh. bei Racki Regist. S. 502. Jirecek II 69. Auch Dahriis 
Racki 128 ff. vom J. 1080. Daneben Dobro seit 1034. — Dabre (Gen. 
Dabrete) 1282, Jirecek a. a. 0. — Dabriza 1032, Racki 41 u. ö. Da- 
bricha 1196 neben Dobriga 1279, Jir. a. a. 0. — Dabraza = slav. 
Dobraöa 1080, Racki 130 u.ö. Dabrazze 1124. — Dabrisius = slav. 
Dobriga 1248. — Dabrosa = slav. Dobrusa 1198, Jir. a. a. 0. — 
Dabralis = slav. Dobrali 1085, Racki 141 u. ö. Bei dobrü handelt 
es sich vermuthlich um idg. a (s. oben S. 231). 

Balislaua, auch Ballislaua = sl. Boleslava in Ragusa im XIII. — 

XIV. Jahrh., Jirecek II 66, neben Boledragus schon 892, Racki 
S. 16. Ob aksl. bolijz 'grösser' idg. a oder o enthält, ist zweifelhaft; 
%kr. bala-m 'Kraft', \a,t. de-bilis 'kraftlos' entscheiden nichts; gr.ßelTe- 
Qov 'besser' spräche, wenn es verwandt wäre, für o. 

Gatjslauus, Fem. Gaysclaua = sl. Gojslav, -slava, Kurzform 
Gaya, Gaiussa neben Goülauus, Goya im XIII. Jahrb., Jirecek II 72. 

Pradanus im J. 1080, Racki 135, Micha Pradani 1144, Jirecek 
II 74, sonst Prodanus. Aksl./jro- = gr.TVQÖ, lat.^ro-, also mit idg. o. 

Pauersenus 1190, Pauergenus 1255 — 61 neben Pouergenus 1279 
= slav. Povrizen 'Projectus' von povresti 'projicere', Jirecek a. a. 0. 
Aksl. po^ lit. pas zu lat. osk. umbr. pos^ also idg. o. 



Einleit.S.331), dass diese Erklärung nichts Befriedigendes hätte, zumal dann 
jene Fälle von den anderen analogen getrennt werden müssten. 



238 Paul Kretschmer, 

Der Stammvokal -o- erscheint in der Compositionsfuge als -a- in 
Dedasclava = Dedoslava^ Jirecek II 68. Dahrasclauus = Dohro- 
slav 1169, 1195, 1199 und noch im XIII. Jahrh., Jirecek II 70; Ba- 
hr amusclo == Dobromysli^ 850 — 96, Racki 383. Dragauiti =^ Dra- 
(jovit^ 1069, Racki 76 f.; Dragamer 850 — 96, Racki 383; Dragabuth 
1076, R. 110; Draganegus, Dragadet 1080, R. 128. 134; Draga- 
mosus 819, R. 322; Dragaslaua 1282 u. ö., Jirecek II 71, Mirasclaua 
= Miroslava 1282, ebd. 74; Miramuscle ^^ Miromysli 850 — 96, 
Racki 383. Negamire^ slav. NSgomir^ Jir. 74. Radasclauus = Ra- 
doslav 1247, ebd. 75. Uitadrag XI. Jahrb., Racki 166, sonst Uito- 
drag u. s. w. 

Die Endung -ota erscheint als -ata in Bell ata = Belota 1018, 
Racki 33 u. ö. ; Cernata = Crtnota, lOSO, Racki 133; Velcata = 
Vlukota 1195, Jirecek II 79. Vgl. auch den Ortsnamen Dahrat = 
Dohrota bei Cattaro, Jir. I 98. Der Ausgang -oiia als -ana in Bu- 
bana^ Bubcmna^ Bubogna = Bubona: Berzana = Brizona^ Jirecek 
II 67; Dabrana = Dohrona [hjz.JoßQCiJvctg), ebd. 70; Peruan7ia = 
Prwotia, ebd. 75; Uilcana = Vlnkona, Zuuerana = Zverona. 
ebd. 79. 

Diesen zahlreichen Schreibungen mit a stehen aber in derselben 
Zeit, oft in derselben Urkunde solche mit o gegenüber ^). Dieses 
Schwanken wird kaum aus der offenen Aussprache des slav. o zu er- 
klären sein, die die romanischen Notare theils mit a, theils mit o aus- 
gedrückt hätten. Den Romanen ist offenes o nicht fremd, sie hätten es 
gewiss ebenso von a geschieden, wie die Slaven selbst, die es schon vom 
IX. Jahrh. ab konsequent mit o bezeichnen. Auch hier dürfte das a auf 
Tradition aus einer Zeit beruhen, in der die Slaven noch reines a oder 
höchstens ein ä mit geringfügiger Lippenrundung sprachen. Dabra- 
sclavus in Dalmatien wird man schwerlich anders beurtheilen dürfen, 
wie z/aßqayfCag bei Agathias. Dass die lateinische Kanzleisprache 
ältere Lautformen fremder Eigennamen bewahrte, ist nicht verwunder- 
lich und kann man ähnlich auch anderwärts beobachten. 

Safarik a. a. O. führt auch deutsche Belege für die Wiedergabe 
von slav. o durch a an. Für unsere Frage möchte ich jedoch diesen 



1) Im Laufe des XIV. Jahrh. verschwinden die Schreibungen mit a für 
sl. o (Jirecek I 98), was sich nach Jirecek daraus erklärt, dass damals in Dal- 
matien an die Stelle der früheren geistlichen Notare italienische Juristen 
traten. 



Die slavische Vertretung von indogerman. o. 239 

Fällen keine grosse Beweiskraft beimessen. Wenn der Name des sla- 
vischen Gottes in Retbra, Radogost, bei Adam von Bremen (MGH. 
VII 312) Rcdigost, bei Helmold (MGH. XXI 13) Radigast lautet i), so 
kann hier recht wohl Umformung des slav. gosü nach deutschem gast 
vorliegen; und dasselbe gilt von den zahlreichen deutschen Ortsnamen 
slavischen Ursprungs siwf-gasf, wie Dobergasf in Schlesien und Sachsen, 
wo schon das o im ersten Element, sl. dobrü, gegen die Annahme 
spräche, dass das a in -gast die offene Aussprache des sl. o wiedergibt, 
Gorgast hei Küsh-'m^ Wolgast in Pommern, Liebegast^ Radegast u.s.w. 
(Buttmann, Die deutschen Ortsnamen mit besonderer Berücksichtigung 
der ursprünglich wendischen in der Mittelmark und Niederlausitz S. 133). 
In Gosda (Kreis Sorau, Kalau, Kottbus, Spremberg), Zschornegosda 
bei Senftenberg ist dasselbe slav. Wort mit o wiedergegeben. Aber auch 
die anderen Fälle, in denen a slavischem o entspricht, z. B. Rogaseti, 
Rog'dsen: poln. rogozina (Buttmann a. a. 0. 110 f.). Garenchen bei 
Luckau zu gora^ GahlenhQi Kalau, Galinchen bei Kottbus: niedersorb. 
gola 'Wald' (Buttmann a. a. 0. 85) u.s.w. sind nicht sehr beweiskräftig 2), 
weil hier in der That die Möglichkeit besteht, dass a auf der offenen 
Qualität des slav. o beruhe, der die geschlossene Aussprache des deut- 
schen nicht entsprach. Mit den griechischen und lateinischen Belegen, 
die überhaupt die slavischen Laute strenger festhalten, können also die 
deutschen nicht auf eine Linie gestellt werden. 

Um zusammenzufassen, so hat sich uns ergeben, dass im Slavischen 
vor und um die Zeit der ersten schriftlichen Denkmäler ein Lautwandel 
in der Richtung von a nach ö stattgefunden hat. Es ist mindestens sehr 
wahrscheinlich geworden, dass slav. o, ob es nun idg. o oder a vertritt, 
die Stufe a durchlaufen hat. Hinter der Ausflucht, dass dieses a doch 
eine leichte labiale Färbung gehabt haben könnte, kann sich der Skep- 
tiker nur deshalb verschanzen, weil wir die Qualität prähistorischer 
Laute immer nur ungefähr zu bestimmen vermögen und daher auch z.B. 
nicht die Möglichkeit bestreiten könnten, dass idg. a ein wenig labial 
gefärbt gewesen sei. Andererseits steht dem Ansatz idg. o^urslav.«^ 
slav. kein Argument entgegen, und für die übliche Annahme, die auf 



V Bei Thietmar ;MGH. HI 812, 7; ist Riederjost neben Riedegast über- 
liefert. 

-; Es verstellt sich, dass von diesen Ortsnamen, wenn sie verwerthct 
werden sollen, zuerst die ältesten urkundlichen Formen ermittelt werden 
müssten. 



240 Paul Kretschmer, Die slavische Vertretung von indogerman. o. 

jeden Fall nur eine Möglichkeit darstellt, dass idg. o im Slavischen un- 
verändert erhalten geblieben sei, ist noch kein stichhaltiger Beweis- 
grund beigebracht worden. 

Wien, 25. Febr. 1905. Paul Kretschmer. 



Einige Hypotliesen über die Sprache der Skythen 
und Sarmaten. 



Die Frage über die Nationalität der Skythen und Sarmaten kann 
im wesentlichen als gelöst betrachtet werden : die einen wie die anderen 
waren iranischen Stammes, mehr oder weniger verwandt mit den heu- 
tigen Osseten. 

Aber nicht alle Einzelheiten sind aufgeklärt und vor allem nicht 
die Frage über das Verhältniss der Sprache der Skythen zu jener der 
Sarmaten. 

Wie bekannt, waren vor dem Beginn unserer Aera die Skythen 
aus Südrussland verschwunden und an ihre Stelle traten die Sarmaten. 
Im Zusammenhang damit unterlagen beinahe alle Flussnamen Südruss- 
lands ümbenennungen. Statt BoQvad-evrjg der skythischen Epoche 
kam JävaTtQig auf, statt Tvqag — Danaster, statt "F^raj'fi? — Vagus. 
Der letzte Umstand veranlasst die Vermuthung, dass die Sarmaten vom 
Norden her nach Südrussland kamen, aus den Gegenden, wo der mitt- 
lere und obere Lauf der besagten Flüsse lag, aus dem Volynischen und 
Kijever Waldland, aus den Bassins der Flüsse Dniepr, Oka, Don, unter 
anderem aus den Gegenden , wo sie in der Nachbarschaft der Slaven 
wohnten — dass sie ihre Flussbenennungen mit sich nach dem Süden 
brachten und damit die älteren skythischen eintauschten. 

Die russische Benennung des alten Täva'ig ist Don [jlfiwh). Man 
kann als sicher annehmen, dass die Russen den Namen von den Sar- 
maten entlehnten und dass er auf die sarmatische Benennung mit dem 
Laute d zurückgeht, vgl. avest. dänu- (Fluss), osset. -don (fluss). Die 
Verwandtschaft zwischen der sarmatischen und skythischen Benennung 



Einige Hypothesen über die Sprache der Skythen und Sarmaten. 241 

unterliegt keinem Zweifel, nur blieb im Sarmatischen im Wortanlaut das 
alte iranische tönende f/, während im Skythischen der tönende Laut 
durch den tonlosen / ersetzt wurde. 

Darnach ist die Annahme gestattet, dass die skythische Sprache 
im Wortanlaute und intervokalisch an Stelle der ältesten 
und sarmatischen tönenden Konsonanten die tonlosen setzte. 

Von dieser Hypothese ausgehend sind wir im Stande, einige sky- 
thische Namen zu erklären. 

Vor allem die Benennung des Flusses Prut nÖQata, bei den Grie- 
chen des Schwarzen Meeres ITvQeTÖg. Die älteste Form der skythischen 
Benennung, die augenscheinlich von den Slaven direkt aus dem Skythi- 
schen ^) entlehnt wurde, kann auf Grund des angesetzten *II'BpyTTb, wo 
y den Diphthong ati ersetzt, wieder hergestellt werden. Die ursprüng- 
liche skythische Form msig pär-cmfa{h) gelautet haben, mit dumpfem ä, 
das im Slavischen durch i., bei den Griechen durch ihr o und v wieder- 
gegeben wurde. Wenn in dieser Form das intervokalische t aus d her- 
vorgegangen ist, so lässt sich der zweite Theil des Wortes leicht mit 
Hilfe des avestischen aodha Gewässer, altind. odatl als Particip f. g. 
quellend, wallend erklären. Im ersten Theil suchte schon MtiUenhoff 
die Wurzel par. Darnach wäre die Bedeutung des skythischen par- 
auta{h) — ein wasserreicher, wogenreicher Fluss. 

Die skythische Benennung eines unbekannten Flusses unweit vom 
Dniepr war — navTi-Ad/tr^g. Herodot erzählt, dass die Benennung 
eines Flüsschens in Skythien in der Uebersetzung ins Griechische igal 
ödoi bedeutete. Darnach haben wir Grund anzunehmen, dass die Sky- 
then dann und wann kleine Flüsse und Bäche mit dem Worte »Weg« 
bezeichneten. Folglich ist der erste Theil des Namens naPTi-'/.(X7rr]g 
möglicherweise in Zusammenhang zu bringen mit dem altind. panthä 
Weg, slav. nATfc id., und der zweite mit dem altind. gahh-lra (tief), so 
dass IIavTL-/Mm]g — bedeuten würde: tiefer Weg. Man vgl. die 
Benennungen russischer Flüsse, die wahrscheinlich von den Sarmaten 
den Slaven übermittelt wurden — Ipuf (Hnyxi. ^epHnr. ryö.), Ikopot 
(IlKonoTi, BojitiHCK. ryö.). 

Die Namen skythischer Gottheiten widerstrebten bisjetzt der Er- 
klärung. Doch mit JäTti (Erde) vgl. griech. artcpä (Väterchen = *abbha) ; 



1) Wir nehmen als die Urheiraath der Slaven die Gegend des heutigen 
Königreichs Polen und des westlichen Weissrusslands an. 

Archiv für slavische Philologie. XXVII. 16 



242 A. Sobolevskij, 

die Bedeutung des Namens wäre — Mütterchen. Mit Taßixi die Göttin 
des Herdes vgl. laX. favilla^ griech. d-vto, altind. dhüma Rauch, slav. 
ABiM'B U.S. w. ; die Bedeutung wäre die »rauchende« (AMMHmaH, AHMHan). 
In der zweiten Hälfte des Wortes J^gyiu-itaGa oder J^QTii^i-Ttaaa 
darf man dasselbe Element suchen, das in der zweiten Hälfte vieler alt- 
persischer Namen wiederkehrt, als : Jigra-ßatog, Oagvcc-ßa^og u, s.w., 
d. h. avest. häzu (Arm), osset. hazug (Ellenbogen). In der ersten Hälfte 
von Olvö-ovQog könnte man ein mit dem altind. veda, avest. vaedha 
verwandtes Wort erblicken ; den zweiten Theil stellt Vsevolod Miller 
(OccBTHHCK. 3TK)Ati III 132) in Überzeugender Weise mit dem altind. 
gura Held, avest. süra (mächtig) zusammen. Der zweite Theil des Na- 
mens der mythischen Vorfahren der Skythen TctQyt-TÖcog erklärt sich 
mit Hilfe des altind. deva, avest. daeva. 

Herodot hat uns zwei skythische Benennungen der Flüsse '^'YTtavig 
und '^YTtccKVQig überliefert. Die erste ist jetzt Bug, die zweite versetz- 
ten die Gelehrten nicht weit vom Dniepr. Die Identität des ersten Theils 
dieser zwei Benennungen lässt es unzweifelhaft erscheinen, dass darin 
irgend ein Appellativum steckt. Das dürfte wahrscheinlich — äpa (Was- 
ser) sein, a lautete ä (dumpf) ; vgl. altind. üp Wasser, avest. ö/s, äpem 
Wasser, altrusss. ape Fluss. Der zweite Bestandtheil der ersten Benen- 
nung — m oder ani (vgl. die Benennung der Stadt Nioaoov Ptolem., 
auf einem unbestimmten Fluss nahe beim Dniepr, wo -oaaov wahrschein- 
lich ebenso ein Appellativum ist, wie in einer anderen Benennung der 
Stadt ^OcpwvöGcc Ptol.). Der zweite Bestandtheil der zweiten Benennung 
— Akäri, mit dem dumpfen ä, ist wahrscheinlich identisch mit der sar- 
matischen Benennung eines unbestimmten Flusses beim Dniepr ^yaqog 
Ptol. oder bei Bug Agalingus Tab. Peuteng. 

Aus dem Vorausgehenden ist ersichtlich, dass wir in der Sprache 
der Skythen ein dumpfes ä ansetzen dürfen. Wahrscheinlich haben die 
alten Griechen dieses a wiedergegeben durch ihr a,o,v, dann und wann 
auch ausgelassen. Auf keinen Fall sollen die Namen der Skythen 
^yioXÖTOi und 2yivd-ai, die uns Herodot überliefert hat, von der alt- 
persischen Benennung derselben Sakä, die sich auf den Inschriften des 
Darius Hystaspes befindet und uns von Herodot überliefert ist (VII 64 : 
.5'axat), auseinander gehalten werden. Offenbar konnte jenes dumpfe ä 
sehr kurz sein, wenn es in unbetonter Silbe stand. 

Zwei sarmatische Flussbenennungen zeigen in ihrem ersten Theil 
unzweifelhaft das Appellativum dana (Fluss). Die Form Danas fr- gibt 



Einige Hypothesen über die Sprache der Skythen und Sarmaten. 24S 

nicht genau die sarmatischen Laute wieder. Die slavische Form *JI,t>- 
H'icTp'B, wo i aus ai, gestattet die Korrektur dätia-isfr-. Vom ersten 
Bestandtheil war soeben die Rede, der zweite — ist ein Eigenname, 
derselbe, wie skythisch "/ffr^oc; (Donau), russ. (von den Sarmaten) Istra 
(ein Fluss im Gouvern. Moskau), vgl. altind. is-ira kräftig, frisch, gr. 
iSQÖg. Die Schreibung z/avaTT^tg wird angesichts des altruss.^i.iiinp'L, 
^i,H']&npi, durch die sarmatische Form dana-ipr wiedergegeben; mit 
dem zweiten Theil vgl. russ. Ibr (Hripi, ein Fluss im Gouv. Volynien). 
Dieselbe Flussbenennung, nur mit einem Suffix versehen — ist russ. 
Neprjadva (HenpaABa, im mittleren Russland), aus *^i.n'5np.i^Li. 

Der erste Theil des sarm. Javovßwg^ Danumiis — ist derselbe 
wie in Danaster ^ //ävajtqLg. Der zweite — ein Eigenname — allem 
Anscheine nach — cwi. Der Kosmograph von Ravenna, aufzählend die 
ins Schwarze Meer mündenden Flüsse, setzt an erste Stelle Avia^ wobei 
er ohne Zweifel an die Donau dachte. Der volle sarmatische Name der 
Donau dürfte gelautet haben: Dätiävi, sowie die skythische Benennung 
des Don Täva'ig, nur mit dem alten d. 

Die sarmatische Benennung des südlichen Bug, die Jordanes als 
Vagus (statt Bagus) bezeichnet, wird wahrscheinlich Baga (mit dumpfem 
a) gewesen sein. Ptolemaeus gibt diese Benennung, mit Anwendung 
auf andere Flüsse, durch die Formen Bvxog, Böy.og wieder. Die alt- 
russ. Denkmäler schreiben Bug (Byrx) und Bog (Bort), letzteres aus 
*6xr'i.; Konstantin Porphyrogen. gibt Boyov. Die Slaven dürften die 
Benennung des Flusses von den Sarmaten zweimal bekommen haben : 
bei der ersten Entlehnung gaben sie Baga durch *6t>v% wieder; bei 
der zweiten, da u schon monophthongisch war, — durch uyrt. Vgl. 
avest. hagha deus, slav. 6ori>. Selbstverständlich ist der Gleichklang 
des westlichen Bug mit der Benennung des südlichen Bug nur zufällig ; 
jener nordwestliche Name ist wahrscheinlich verwandt mit dem litaui- 
schen haugus^ der furchtbare. 

Die angeführten Beispiele gestatten die Annahme, dass die sar- 
matische Sprache ebenso ein dumpfes a hatte, wie die 
skythische, und dass die Slaven, als sie das Gebiet der Sarmaten 
zuerst im mittleren, nachher im südlichen Russland einnahmen und von 
den Sarmaten viele Flussbenennungen überkamen, das sarmatische a sehr 
häufig durch ihr ^ wiedergaben. 

Bei einiger Kühnheit der Hypothesen können verschiedene skythi- 
sche und sarmatische Flussbenennungen durch die Zusammenstellung 

16* 



244 A. Sobolevskij, 

mit Appellativen der altindischen und avestischen Sprache erklärt wer- 
den i). Sie enthalten zum grössten Theil Substantiva mit der Bedeutung 
Fluss, Wasser u. s.w.; in Verbindung mit Adjektiv oder das Adjektiv 
allein. Angesichts der natürlichen Beschränkung der Zahl der nach 
der Bedeutung stimmenden Appellativa müssen sie an verschiedenen 
Orten sich wiederholen. Daher erklärt sich die Nichtübereinstimmung 
der alten Autoren bezüglich der Ortsbezeichnung des einen oder anderen 
Flusses Südrusslands; daher die nicht selten begegnende Identität oder 
nahe Verwandtschaft in der Benennung verschiedener Flüsse des heu- 
tigen mittleren Russlands: Tbsna (avts *Dbsna?), daher lI,Ha. Desna, 
Dis7ia\ Cy.ia; Pi.ct, Pi.ma (daher Orsa, Iria u. s. w.); Cho-rol, Cho- 
moi\ Cho-p'br^ u. s. w. 



1) Ausser den aufgezählten Benennungen kann das skythische Tvqag 
(vgl. russ.TopT. = ♦Ti.p'i., als Nebenfluas des Donec) mit Hilfe des altind. tara 
überwindend, tära rettend, gedeutet werden. 

A. Sobolevskij. 



Cech (qexi») und Cacli (naxt). 



Neben der üblichen ethnographischen Benennung uexx [dec/i) 
kennen die altrussischen Texte auch die Form ^axt [dach). Der Lau- 
rentius-Text der Nestor'schen Chronik vom J. 137 7 hat als Acc. pl. 
^axH (Ausg. 1872, S. 25); auch der Troicker-Text derselben Chronik 
aus dem XIV. Jahrh. gibt dieselbe Form yaxii ib. Der akademische 
Text der Suzdaljer Chronik aus dem XV. JahrLi. kennt den Nom. plur. 
qaxoBB (ib. S. 476). Die Novgoroder erste Chronik, nach dem Text des 
XV. Jahrb., nennt den Todesort Svjatopolk's Meacn qaxH n jkxii (S. 84). 
Gleichartige Formen mit a findet man in anderen Texten verschiedener 
russischer Chroniken aus dem XV. — XVII. Jahrh., unter anderem in 
dem illustrirten Texte der compilirten Chronik der Moskauer Garen aus 
dem Anfang des XVII. Jahrb. Ebenso spricht man in der Urkunden- 
sammlung »KpHMCKia A^-ia« der Moskauer diplomatischen Kanzlei unter 
dem J. 1492: o ^laefeT), MacKofi (sc. Kopcjit), ei. yropcKHMt öhjcä (der 



Cech und Cach. 245 

böhmische König kämpfte mit dem ungariachen, vgl. Ulanickij, Maxe- 
pifljiBi AJiH iwanMiiLixT. OTiiouieiiiil Pocciii, IIo.ibmH u. s. w. M. 1887, 
S. 121). Die stidwestrussische Uebersetzung des polnischen Wislicer 
Statuts kennt qacKy piiqt (cechische Sprache). Unter den Literatur- 
denkmälern werde 'ihxh erwähnt im rassischen Lucidarius nach dem 
Text des XVII. Jahrh. (ed. Tichonravov in seinen JÜTonncH S. 51). Die 
heutige russische Sprache wahrt noch den alten Spruch: Meac^y yaxii 
H Jinxii (Archang. Gouv.) in der Bedeutung: so so, nicht so und nicht so, 
womit in gewissem Grade der lausitzserbische Spruch übereinstimmt : 
to su moje cechi a lechi in der Bedeutung: das ist mein Alles (Wisla 
IX. S. 148). 

Unter den stidslavischen Texten fand ich nur in einem serbischen 
Apokryph des XV. Jahrh. den Nom. pl. yaxoBe (neben ^lext, uemKaa, 
vgl. Tichonravov, IlaM. OTpey. .iiit. II. 441). Die böhmischen Texte 
können meines Wissens keine Variante dach aufweisen, allein ihr einsti- 
ges Vorhandensein dürfte sich aus den bei Gebauer in seinem altböhm. 
Wörterbuch angeführten Ortsbenennungen Cachoo und Cachovici er- 
geben. 

Uns will keine von den bisherigen etymologischen Ableitungen des 
Wortes ^lext [cech) einleuchten. Uns scheint am nächsten zu liegen die 
Annahme, dass das Wort gleichartig gebildet wurde mit dem *jiäx'l 
(neben dem adjecti vischen .lA/ttCKt) und dem russischen nciixi. (zu 
no.iicLe), d. h. das Suffix s [ch) anzunehmen. Das mhochd. kehse con- 
cubina und altnord. hefser Sklave (Kluge) gestatten die Annahme einer 
Form kip&o also ^laxi. aus ^keps'b] und die Zusammenstellung derselben 
mit dem russ. TienaxH, ^anaxn (fangen, aufgreifen), russ. ^lani,, altböhm. 
6ap^ dep (Zapfen), russ. ^eraira, Mentira, pol. czapiga, czepiga (der höl- 
zerne Theil des Pfluges), bulgar. 'ient, yenKa (Zweig), Tienaxt (knorrig) 
u. s. w. 

A. SobolevskiJ. 



246 



Ein Schreiben des Patriarchen Gennadios Scholarios 
an den Fürsten Georg von Serbien. 



Die kgl. Bibliothek zu Dresden besitzt aus dem Nachlass Gühling's 
eine junge Papierbandschrift A 187, die mancherlei merkwürdiges ent- 
hält. Ich habe anderwärts i) gezeigt, dass sie im J. 1600 wahrscheinlich 
auf einer kretischen Besitzung des Sinaiklosters geschrieben wurde. Der 
Sammler hat aber offenbar irgendwelche Interessen an der Kirche Ser- 
biens gehabt. Nicht nur, dass er p. 404 des I. Theils in der Mystagogie 
des Symeon von Thessalonich de sacramentis c. 94 (MSG. 155, 284 A) 
vor den Worten öib xai Iz ds^uop ein Rubrum bietet, das in dem ge- 
druckten Text fehlt : Ol de ^sQßoi Tcoiovat to kvavriov y.al äyvoiovai 
— offenbar auf die Lage des Gottesmutterstücks auf der rechten Seite 
des Diskos zu beziehen — , er hat p. 512 — 516 eine Correspondenz 
zwischen dem Fürsten Georg I. Brankovic von Serbien (1427 — 1456) 
und dem ökumenischen Patriarchen Gennadios II. Scholarios (1453 — 
1459) aufgenommen. Da diese fast noch unbeachtet zu sein scheint 2), 
gebe ich sie im folgenden wieder. 

Dabei bemerke ich im voraus, dass die Zählung der einzelnen Ant- 
worten von mir herrührt: auf Grund dieser einen Handschrift, deren 
Sammler die verschiedensten Quellen bunt durcheinanderwürfelt, wird 
sich nicht mit Sicherheit der Umfang der Correspondenz abgrenzen 
lassen. Es könnte sein, dass ihr nur das erste, sicher interessanteste 
Stück § 1 — 3 angehört. Auf Grund der von dem Erotapokriseisschema 
der sonstigen Quellen unserer Handschrift abweichenden Form, die 
Frage nicht als Frage, sondern als Ueberschrift einzuführen, glaube ich 
aber, dass § 1 — 15 zusammengehören. Die beiden letzten §§ 16. 17 



») Byzantinische Zeitschrift 1905. 

2) Durch eine gütige Mittheilung des Herrn Herausgebers erfuhr ich, 
dass Archimandrit Ruvarac eine serbische Uebersetzung besitzt. (Diese be- 
kam der serb. Historiker durch die Vermittelung des gewesenen serb. Ge- 
sandten in Konstantinopel, Herrn Stojan Novakoviö, von einem serb. Geist- 
lichen, der den Text in einer Handschrift auf Patmos fand, abschrieb und 
übersetzte. V. J.) 



Ein Schreiben d.Patr. Gennadios Scholarios a. d. Fürsten Georg v. Serb. 247 

habe ich nur aagefügt, um nichts auszulassen ; sie gehören wohl nicht 
mehr dazu. 

p. 512 ZrjTrjf^iara /.al egiorrjaeig tov evoeßeCTCcrov öeotcötov 
^SQßeiag kvq recoqyiov TtQog rov itavayaoraznv /.al oi%ov- 
(.levLAOv JtaxQiäqx^v /.vq FsvadLov tov ^%oX6.qlov: — 
drtonQtasig rov TtaTQKXQxov. 
5 (1) ^HqwTrjaag tzeqI Tf]g s^rjyrjaeiog tov &€0(pvlä/tov aQX^~ 
ETCLO-KÖTtov BovlyaQtag. -/.al avrr] loreQX^'^l Ttaqcc Tfjg 
k-AyilrjoLag. ax^dov yccQ ovöhv MyeL Xölov avrov, älla 
Ttavra eIölv äXXcjv ayiiov y,al (.idliatcc rov XQvoooröfiov. 
■/.al 7]v aocphg y.al öqd-udo^og aqxLEQE'Og. ei de evQloy,eraL 

10 ev tolg ßißXioig rolg ^eQßiyiolg tl oiteq 6o'/.ei oti 
ovy. eoTiv vyieg, aTtb rfjg dyvoiag eoxl tov i.ietayXtot- 
tiOavtog t) (.lerayqäipavrog. 

(2) xh de ßißliov xov Bavd-OTtovXoii eoxeqxd^rj Ttaqa xfjg 
ey,ytXr]aiag. f.irj7toxe öe i^iexeylMxxio-d^rj eig xh ^eqßi'/.ov 

15 ov '/alöjg^ lav 6oY.fi '^^ "^^^^ ^^ ytalüg ytal ÖQ'S'CÖg 
XeyeLP. ev yaq xfj rptovfj fji.uüv bXov eoxl xh ßißltov 
ÖQd-odo^ov. 

(3) xa de dLrtXoKax)]xovf^teva ev (.lövaig xalg 7tQnr]yiao[ievaf,g 
p. 513 Xeyovxai, \ xh de dyiaG(.ia xiov aytiov ^eofpavLÜv 

20 Xa(.ißccv6xai Ttqh xov dvxidojqov. 

(4) (eqcüx.) TIeqI xfjg Ttavayiag xfjg /.leydXrjg ite/^ijtxrjg. 
(dTtözQ.) 'H dvacfOQcc xfjg navayiag rj ev xfj /.leydXj] 7tef.i7rxr] 
vipovi-ievr] yivexai /axd xyjv avvfjd-eiav xCov dXXiov 
fifieqüv TiXfjv ev x(p ßf]i.iaxL, ov-/. ev xfj xqajxetrj xfjg 

25 xqocpfjg. dio '/al (pvXdxxexat '/al f.iexaXa(.ißdvexai 
oxe XQ^^^ ^Qo xov dvxidi'oqov. 

(5) {eqibx.) JJeql xov ^lovda. 

[drcÖT/q.) '0 ^lovdag ejtetr]Oe (.lexa xfjv Ttqodoalav 
oXiyov, i'wg ov exeXeod-Tq, o Xeyexai ev t(p ßißXUit 
30 xü)v Ttqd^eoiv. 

(6) {eqö)x.) TIeql ^vGiaaxr^qiov ^ioXvvd-evxog. 

[dTtö-zq.) Th ^vaiaaxriqiov ;cw^ic; xiov avfißdvxiov dt 
OTtola GviiTTxiofxaxa yivexai Ttqwxov dyiaa/j-ög, 



1 — 4 roth. 2 und 3 ^ D. 5 d^BotpiXccxrov D. 

21 4*'. 22 V^'. 



248 E. von Dobschütz, 

elza ^voia. kav ymI T;tooaqäy.ovTa r^^(.uqai /.al 
TtXeiovg TtaQild^iooiv, äve/XTiodiaTwg nal ädia/.QLTtog 
XeiTovQyelTai. 

(7) (Ipwr.) Ilegl hgiiog /.ai /.ogul/.ov TtLvovrog vdwq ev vvtitL 
5 {a7t6y.Q.) Tb lav jt/tj vdcoq b lbqevq kv vv'/.ri, ccTib 

TtolltJv ahiwv eoriv ti f-uv oiiv ölipav Ix tcoAv- 
(paylag auI f.i€^rjg eOTtsQLvfjg eo^ev , ov dvvaxca 
^OiäGaf b de Xal/.bg si TtQo «^ ojqüv ttIj] xb vdioq. 
Tilrjv kS, äod-Bveiag^ dvvarat 'Aa(.ißdveiv tbv evkoyrj- 
IX) (.livov aqrov rjroi rb avrldwQov . 7r/.rjv b Sctve- 
XÖfxsvog ayiaofxov öt ev'/Mßeiav rcXeov vj(pe'K(.lxaL 
rov äyLaLof-ierov, lav /.al rb rv^bv IfiTtöÖLOiia fj. 

(8) {egtoT.) JleQi IsQewg orav fxrj e'kdj} (xerh tüv a).lo)v tegeiov 
röjv TTjV 7tQoaA.of.ii6r]v Ttoir^aävroiv, si övvarai AsitovQyr^aai ; 

15 (ßTTO/t^.) 'O voTEqr]aag hqevg (xerh rrjv TtQoay.oi-iidrjV 
ov dvvarcii ?^£iT0VQyfjaai , et /.ai Tti/^g /.a/cDg 
Ttoiovvxeg /.al avaidCog y.al f^üxQi if^g TtQOJTrjg eloööov 
jiQOOTid-Evtat Y.ul avToi. 

(9) [kgöiT.) TltQL Tov aravQOV. 

20 (aTtö'/g.) Tb axavQL/.bv '^vlov ol keyovreg avalr](pd-^vai, 
eig %bv ovqavöv, ovv. oXdaoLV^ xi Xeyovaiv. 

(10) [eqür.) Hbql aq^LEitta/ÖTiov '/a\ Ttarqiäqxov. 

{aTtöy.q.) Jvvaxai b avd-evrr]g tov tötiov /.al rj avvodog 

ziüv iTVia/ÖTttüv Ttoif^oai aqy^unio-/.07tov /.al Ttaxqtäqyr^v^ 

25 -/.al (J.rj GvvLaxa^iivov xov xötiov, Iv w rjv jiqöxeqov 

j] y.ad^eöqa avxov. b [.irjxqoTtoXlxrjg NavTiäy.xov 

p. 514 y.ä^rixai Iv allrj Tiö'keL \ Ölöxl xb Nav/tw/xav 
yiaxiViy.öv ioxiv /.al ov öi%ovxai avxöv , /.al o^wg 
övo^ätexaL NavTiäv.xov. b '^Pcoalag dvo(xä'!^exuL 

30 /al eaxi Kvißov /al Tiäorjg 'Pioaiag /.al b/j-tog 
■/ädiqxai iv x(^ Mooyoßuo^ ölöxl xb Kvißov eaxi 
.AaxLVL'/bv (y.al) ov ;fw^£t avxbv ovxa öqd-ööo^ov. 
'/al inl aXktüv tvoDmv oxe ly.oaxelxo h Ktovoxav- 



1 TjfiiQus D. 5 anoxQ.a.. R. 13. 15 egan. anöxQ. a. R. 

19 Jpa'x. a. R. 22. 23 eQu^c. anoxg. a. R. 27 tov vavn. D. 

30 xvifxov D^, corr. ßov Ji-. näarj q(aaiag D. 31 xvißov so D. 

32 xtti von mir zugefügt. 



Ein Schreiben d. Patr. Gennadios Scholarios a.d. Fürsten Georg v. Serb. 249 

TivovTtoXtg v/tb ^latLviov ert] s^T^y-ovra rgia, lyivovto 
TtatQLÜQxcd KiovOTavrivovTtöXetog /.ara diadnp]v /.al 
ovriog wvof.iaCovTO '/.al ofxiog iyAd-iqvxo iv rf] Niviaia' 
1/.EI yaQ TÖTE fjp To ßaaikeiov . Tckrjv öttov IgtIv 
5 6 ToiovTog aQyiie7iiO'/.07tog ^ TcaTQiccQxrjg, ov dvvaTai 
elvai k'KBi InLo'KOTiog aXXog yvrjOLog^ aÜJ b evQLO'/.ö}XEVog 
]] f.iEraTid-EtaL Elg aXÄi]v E'/.y.kr]aiav, *) eI /.irj {.likkoi 
yEVEOd^ai TQiaE7cia/.07rog, iöid^Ei diu Tb -/.oivbv av(X(peqov. 

(11) [eq(!ot.) Ei dvvarai sTclayiOTtog rj jtarQL&Qxrig xixyqlg 6ia.v.6vov 
10 XEiTovQyfjaai; 

[a7t6'/.Q.) Jläg iTcioAOTtog dvvarai ^vaiäoat fxövog Aal 
X^Qig öiaxövov eI exec ^vaiaarrjQiov Xöiov Iv tm /.EkkUij 
avTOV y.al idUog ^rjÖEvbg älkov TtaqövTog eI f-irj tov 

VTtrjQETOVVTOg aVTCp. (paVEQWg Ös EV TJ] (.U]TQ0JT6kEL 

lö avTov t] /mI iv Tip iöicf) d^vaiaaTr]Qiq} 7tokkG)v oQiovTiov 
ov övvaTai x^Q^^S dur/.övov kvbg xb skaTTov. 

(12) {eqcot.) üeqI tov aTro'AEiQavTog iavTbv x^Q'^S d-Ekiif-iaTog 
Trjg ov'Qvyov. 

{a7tö-/.Q.) '0 a7to/.Eiqo}v kavrbv ÖEÖEf-iivog yafxio X'^Q^'S 

20 d^Eki](.i.uxog Trjg avCvyov cc(.iaqTävEL. Tb 6e /igöaioTtov Tb 
ajtoYMQEV l^ExäCEi ETtiOKOTCog /.al eI (,iEV ■/.axa nElo\ia 
■/ML (pikovEmiav ä7t£/.dQr], Ttäkiv awÜTtTEi avTb fXETct 
Ttjg ovZvyov ' ei öe /.arä &eIop oy.07t6v ^ ov-/. cctio- 
ßakkEi TO. (.lovaxt'/ä. 

25 (13) (|(»(ür.) nEql (.uav^EVTog ayisvovg. 

{ärtö-AQ.) Tb (.iiavd^EV ay.Evog ei (xev Tif-iiöv eotiv, 
ayiaQETUL, ei öe EVTEkkg, äxQEWvvai. ofj.iog xal 
T(x ßQÖJGLfia äxQEiovvTai av fxiavS-üaiv. 
(14) [eqwt.) UeqI tov E(.iEoavTog eI dvvaTat f-iETakußsiv. 

30 [aTCÖTiQ.) "^0 EfiEoag arjUEQOv övvaTai avQiov (.lETakaßElv. 
eI Öe '/aTETTEiyEi , '/.al tji avTfj fjfisQcc, eccv Tiqbg d^ävaTOV 
vnäqxu V ccod^EVEia /.al ov-/ Ecpd^aas Tiqb tovtov 
f^iExakaßElv . El Öe ToiavTi]v äa^evELav exel Ttg \ 

p. 515 log TO EfiElv (XTtav TO /cqoaka(.ißavöfXEVOV, ovÖEfiia 



5 ncczQtccQ}(rjs: danach aus Z. 9 flf. einige Worte, aber durchgestrichen. 
17. 19 IpüjT. ccnöxQ. a. R. 23 t^? correxi, tov D. 25 tQojz. a. R. 

29. 30 iQ(üT. anöxQ. a. R. 33 ix^iv\ 1. 'ix^i Tis- 34 1. ^ote? 



250 E. von Dobschiitz, 

aövva(.dav rov av^QWTtov avaTtkTqqoi to vaTeQrif.ia 
T^g (.leTalrupscog^ ei Tr]V i-ierävoLav -Kai zrjv l^oj-io- 
löyriOLV ede§aro rov av^QcoTtov. et Se Ix (.ie^r]g 
o b Ifietog Aal ova £§ aa^eveiag /.ai ovöe S-ävarog 
xaTETteiyei ?) yial ev vr^oriixoig fjfi€Qaig ctqywv fjfxigag 
iLvag Jial {.uravoCüv ^ elra /.oivioveirio /.axa rrjv didc/.Qiaiv 
tov ixei^ovog. 
(15) [eqiüt.) Ei xQTj ta ^rjQiößQcoTa iad^iea&ai] 
10 {änö'A.q.) Tä d^r^QLÖßqiora ?} d^rjQiOfpövevTa ov/. sioi 
^vr]ai{j,aia, ovöe ta vno Ttaidtov xTeivöfxeva. yvvaiyibg 
dk cpovevovGr^g ov dal iod-iead^ai. 



(16) [eqüix.) IleQi rov tqItov ovquvov. 

(ccTtoyiQ.] (Oy TQlrog ovQavbg,€igdv fjQTtäyrjo fxax(XQiogIIavlogj 

15 soTii' b XQiTog XQÖTtog Tfjg ^tioQiag rov d-eov. ÜQWTrj yccq 
d-eojQia lazivfjccTrb tCov eiy.6vo)v rov d-sov rjyovvTÜv 7tou]f.iaTcov 
avTov, y.aS^wg b IlavXog avxbg Xtyei^ bxi ra aÖQara 
rov d-eov ocTtb ATiaecog -/.daf-iov öia röJv 7tou]i.idt(ov voov(.ieva 
Y.cc&oQärai naq r^^ilv. JEVtiqa larl voeqo. ffvaiy.rj^ 

20 btav b vovg x^QtCfj kavrbv anb rfjg -d-ewQiag rov y.6ouov 
y,ai rü)v rov -/.oai-iov ymI rüv TtqoGTcad-üv rov aw/u-arog 
'Aal oXog ivaaxoXfjraL rfj (.iskirj] rCov ^siiov y.al aiöiiüv 
y.ara rag VTrorvTicoasig rfjg jciarecog y.al rüv v6f.iiov rov 
^eov. Aal roxi, (pwxi^Exat Ix rov d-eiov (fO)r6g 

25 Aal xiveg TiqoßXiTtovoiv xa f,isXXovxa log ol :n:QO(pfjxai. 
TqLxrj egxIv voeqcc vtveq (pvaiv, öxav b vovg y.axa ^ilrjfxa 
^Eov vxpoi^fi Ttqbg artOAaXvipiv Ttqayfxäxtov ^eioxeqojv 
Aal ovqavLiov [xai] aTTEq r] (.lEXXovoa ccTtOAaXvipEt rj^iqu xolg 
a^loig, Aal tdj) avxa ova ev nlaxEi alX^ kv yvcboEi 'Aal 

30 AaxaXrjipEi. 

JäX?M xb äXtjS-EOXEQÖv EGxtv hxL xQixog ovqavög 
EGxiv, ov Aal jtaqäÖELGOv XEyEt, b E^wxEQiAbg ovqavbg 



9 &riQi6ßo(oxos LXXGen. 44, 10, danach Chrys. de Providentia 12, Greg. 
Nyss. c fornic. = von wilden Thieren aufgefressen ; hier, durch S^^ioqio- 
vBvxa erklärt, nur = von einem Thier getödtet. 13. 14 J^cot. tmoxq. a. R. 
14 o rubr. omissum. 15 i7, 19 J, 26 T, 31 A roth. 28 xai 

scheint getilgt und ist zu tilgen. 30 xaTa^slxpei, corr. m. 1. 



Ein Schreiben dPatr.GennadioB Scholarios a.d. J'iirsten Georg v. Serb. 251 

■/.ai reXsvTaiog. tqeIq yccQ doiv ol ovqavoL' '0 %fi7tvQog 
riyovv b «/w*' xovg ccotiQag, '0 devTsgog b /.gvoräXlivog 
'Iriyovv tu aTsgetof^ia, Tgirog rj ۤ(0 ocpalQa oitov 
dvegxovrai ai ifjuxcd tCov ayiiov /.al acp ov /.aTekev- 
h oovTcci tv rfj öevTSQa TiaQovoLa. eig zb avakaßelv 
rcc ocbfiara ccvaöxiqoöf^iEva töte Yva tEKei(x)d^G)Giv 
vvv yccQ ei y.al ct7Colavovot Tfjg ovQavüv f.ia/.aQt6Ti]Tog, \ 

p. 516 dlV uTSÄelg eiai dia to llXeLneiV avTCJv tcc awf^iaTa. 
b yccQ Ixvd^QioTtog ovxi ^vx^] l^iövov eazip,- älkcc ipvx^ 

10 (.lExa Gi'o(.iaTog, ovöe i^iäTi]v b ^sog Trjv Xoyr/.rjV 
ipvyjjv avvedrjaEV (.ietcc aibf.iaTog 'ivcc y^coQLGd-Eloa ci/ta^ 
firj^ETi Evtod-fi, äXlä öei avTrjv kvwd^fivcti tovtm tvote 
yEVO(.iEV<i} d(pi^ccqto) . e/.eI tolvvv eig top tqLtov '/.al te- 
kEvralov ovqavbv 'Aal vorjTbv TiaqäÖELOov., kv m eiaiv ol 

15 äyyeXoi y.al fj ipvx^ zov Ilavkov fj kiyovoa' ^ETtid^v^ü) 
dvaXvoui y.al oiiv Xqigtm Elvai' y.al tCov aXkcDv ayuov 
TU 7tvEV{.iaTa, EAEl fjQTtdyr] -rj ipvx^ tov Ilavkov 
JiTtOQEl (5t, äqa fXETo. Giü(.iarog r) %w(»tg tov Gijjf.iaTog, 

OVX ^l^t VTtOTtTEVEL (.irjTCOTE y.ttl TO Gw/^ia aVTOV TjQTtdyr] 

20 (.lETct Tfjg ^pvx^fjg eig tov ovqavöv lyivoiGyE yaq oti tovto 
dövvaTov fjv TÖTE, ETtELÖrj Göjfia (pd^oqäg elyßv etl. otuv 
de aff&aQTOV yEvrjTat y.al kka^pqbv y.al kafiTcqbv olov ^v 
TO TOV Xqlgtov (.lETcc TTjv dvaGTaGtv , TÖTE dvaßrjGETai 
yal avxb /.ietcc zrjg ipvxfjg ^ig tbv ovqdvLOV rcagdÖEiGov 

25 og EGTLV TÖTiog TÜv f.iayaqLa)v. dkka dTCoqsl, äqdyE rj 
ipvx^} ExtoQiG^rj TOV Gio(.iaTog Jtqbg yaiqbv yal dcp^xEV 
auTo vEyqbv eiog ov Tidkiv VTteGTqeipe -/.azä ^avfxa t] 
E(.iEVEV ivTbg TOV GCüf.iaTog, fjqTtdyrj de '/.al Eig tov ovqavbv 
y.al fjv bi-iov Iv Tcp Giojj.aTi (pvoiyiog yal ev tio ovqavCg 

3 y.aT IviqyELttv, 'iva drcoyakvcpd^fi tcc fxvGTrjqia twv 
ovqavCbv Eig wcpEkEiav Tfjg oiyovfiEvr]g, ojtEq egtI (.iel^ov 
d-av(.ia TOV TtqoTEqov. 
(17) [eqioT.) TL Gt]f,iaivEc vdqöov JciGTiKt] 7tokvTi^ov\ 

[aTiöy.) Tb Ttakaibv EÖioys Miovofjg tx TEGodqoJV elÖüv yevEG^at, 
Tb f-ivqov Tb keyöfÄEVOv TCokvTifiov, o i]kei,(pe Tovg hqEig 



1, 2 O, 3 T roth. 17 "rjqnttyei D, corr. m. 1. \% M roth. 

33. 34 i^wT. unoxg. a. R. 33 Titel roth. n'iazixT] so hier. 35 EiXr}g)B D. 



252 E. von Dobschiitz, 

anh /.erpalfjg ecog Ttodüv, tteqI ov keyei b Tiqocpiqrr.g Javiö ' 
'wgi-ivQor S7tl yf.ecpaXfig rb -/Mtaßalvov srrl Ttcbyojpa' xal rot e^f^g. 
Ttai ItiI TovToig eoTTjOsv eTiiarrjfiovag oMiovofjgj rovtovg fxövovg 
(Qydtso&aL avrb xa/, rovto sQf^Uivevet rb 7tiOTiy.r]g Tio'kvTiixov 
5 xb £^ ercLOTTK^irig örjlordtt yev6f.i£vov. ta de Eidr] elalv 
ravza- avS-ovg af^ivQvr]g, Kivdfitoi.iog £VfU(5»yg, 'iQetog 
y.aXdixov evibdovg /.al eXatov. 



2 nöyLoi'fi D. 4 niaT'ixrjs so hier D. 5 iTuniaTTjfirjs D. 6i]XXovÖti D. 

Die beiden ersten Fragen bieten das meiste Interesse als Beitrag 
zur Geschichte der serbischen Literatur. 

Leider wissen wir nicht genau, welche Commentare Theophylakts 
gemeint sind, und welches ßißXiov rov Buv^orcovXov. Man denkt bei 
letzterem naturlich zuerst an den vielseitig thätigen Kirchenhistoriker 
Nikephoros Kallistos Xanthopoulos ; es gibt aber auch andere Träger 
dieses Namens i), besonders könnte das Handbuch der Asketik von den 
beiden Brüdern Kallistos und Ignatios Xanthopoulos hier noch in Be- 
tracht kommen. Ebensowenig wissen wir, was die Bedenken der Serben 
gegen diese Schriften erregt hat. 

Bedeutsam ist in der Antwort zunächst der Ausdruck kirchlicher 
Approbation, für den aus der orthodoxen Kirche viel weniger Belege 
bekannt sind, als aus der abendländischen 2). 

Theologisch interessant ist sodann die im ersten Falle beigefügte 
Motivirung: 1) Theophylakt bietet fast nichts eigenes, fast nur Väter- 
exegese. Es ist das gleiche Princip, das wir mit der grössten Deutlich- 
keit bei den Exegeten der karolingischen Periode ausgesprochen finden. 
2) Der Mann selbst war ein orthodoxer Kirchenfürst. 

Charakteristisch für den Stolz der Griechen, mit dem sie auf die 
barbarischen Nationen herabsahen, ist endlich die Art, wie der Patriarch 
von den serbischen Uebersetzungen spricht: der Unkenntniss derüeber- 
setzer traut er alle Fehler und häretischen Entstellungen zu. 

Kenner der serbischen Literatur werden uns sagen können, wie es 
um diese Uebersetzungen bestellt ist. 



1) S. meinen Artikel Nicephorus Call. Xanth. in Hanck's Real-Encyklo- 
pädie 3 XIV 20 f. 

2) Ueber den Gebrauch von aTsgyety acquiescere im Sinne von appro- 
bare zur Zeit des Florentiner Konzils s. Suicer, Thesaurus s. v. 



Ein Schreiben d. Patr. Gennadios Scholarios a. d. Fürsten Georg v. Serb. 253 

Zu der Frage über Theopbylakts Commentare gehört auch die 5. 
über Judas' Ende und vielleicht die 9. über das heil. Kreuzholz. 

Mit der räthselhaften Person des Verräthers hat sich die fromme 
Phantasie immer gerne beschäftigt. Die Frage, ob auch er noch hätte 
Busse thun und das Heil erlangen können, findet vielfache Beantwortung, 
und meist in bejahendem Sinne i). Kedrenos weiss, dass die Apostel ihn 
zur Busse ermahnten 2). Sein Selbstmord wird auf eine besondere Ein- 
wirkung des Teufels zurückgeführt 3). Andererseits haben einige Exe- 
geten, als erster wohl Origenes^), der Reihenfolge bei Matthäus folgend, 
angenommen, Judas habe sich noch vor Jesu Tod entleibt, um dem 
Herrn im Hades zuvorzukommen und dort seine Verzeihung zu erlangen. 
Diese Auffassung wird von Theophylakt in seinem Commentar zu 
Matth.275, nachdem er selbst den Selbstmord als dcaf.iovLCodeg und aus 
Furcht vor der Schande ^) erklärt hat, als die etlicher Exegeten wenig- 
stens angeführt 6). So mag sich die Frage erklären. 



1) Leo I. de passione domini s.I 5 MSL 54, 316; Asterios von Amasciaet? 
(iBTÜpoiau bei Phot. bibl. c. 271; Eus. Alex. s. XVHI = Ps. Chrys in resurr. 
MSG 61, 736 = Sacra parall. frgm. 495 Holl; Christus patiens v. 220 ff. p. 41 
Brambs. 

2) p. 345 le ed. Bonn, erwähnt auch in ep. 17 des Michael Glykas. (s. u.). 

3) Origenes in Joh. tom. XXXII 24, 317 (p.469 Preuschen); Ps. Ignatius 
ad Phil. IV p. 2I818 Zahn (vor Jesu Tod!j ; Ephraem Syr. evang. conc. exp. 
C.20 p.240 Moesinger; Petrus Comestor hist. scol. evang. 162 MSG 198. 1624 f. 
nimmt an, dass der Teufel ihn erst wieder verlassen, und so der dolor die 
Ueberhand gewonnen habe, worauf der Teufel wieder bei ihm eingekehrt sei. 

*) Origenes in Matth. comm. ser. 117 (V 24 Lomm.): cxistimavit enim (Ju- 
das) praevenire in inorte moriturum magistrum et oceurrere ei cum anima 
jiuda, ut conßtens et deprecans misericordiam mereretur. Die koptisch erhal- 
tenen Akten des Paulus und Andreas wissen aber, dass Judas dieser Plan 
misslang: als Christus die Hölle entleerte, wurde er allein zurückgelassen, 
nicht wegen des Verrathes — für den hatte er Verzeihung erlangt — , sondern 
weil er nachher noch dem Teufel als seinem Herrn gehuldigt hatte (Lipsius, 
Apocr. Apostelgesch. I 616;. Aehnliches muss auch Abba Ammonius gelehrt 
haben: bei Christi Ankunft seien wie den anderen so auch Judas die Ketten 
abgefallen, aber nur die Gläubigen habe Christus mit sich aus dem Hades 
hinweggeführt (s. ep. 17 des Michael Glykas). 

5) Dies nach Chrysostomus in Matth. hom. XV 5 MSG 57, 230. 

ß) Tivig da Xkyovaiv ort b'IovSa; cpiXdoyvoog wi' vneXäfj.ßuyey ort ccvtös 
TB XEQ&r]aEi XU ttoyvQccc noo(iovg Xqiazov y.al o Xoiazhg ovx unoxxfcyihi^aBTai, 
üAA« (fiu(pvyt] Tovg'IovStciovs ^s no'kXäy.ig tfiicpvyB' xöxB di idiav avxoy xaxa- 
xoid^iyic. xal rjdrj xaza&ixfcad-tyxa dno&avelv, fXBtBfJ.B}.T]&r] as xov nQayfxaxos 



254 E. von Dobschütz, 

Die Antwort des Patriarchen ist oflfenbar bestimmt durch die land- 
läufige Harmonisirung der Berichte bei Matthäus (27 3_jo) und in der 
Apostelgeschichte (lie— 2o)j wozu dann noch, durch ApoUinaris von Lao- 
dicea in die exegetische Tradition eingeführt, die Papiaserzählung tritt i). 
Die ersten beiden Berichte lassen sich zeitlich noch eng zusammenrücken : 
rupto laqueo putatur post cecidisse et crepuisse — sagt Petrus Comestor 
und fügt ausdrücklieh hinzu: nach den einen am gleichen Tag, nach den 
andern erst nach der Auferstehung 2). Ein lateinischer Exeget, Hilarius 
oder Faustinus oder wer sonst der Verfasser der Quaestiones ist, gesteht 
ausdrücklich, den Tag nicht bestimmen zu können ^l. Im Morgenland aber 
wirkt bewusstoderunbewusst immer noch die 3.Ueberlieferung mit hinzu 
und nöthigt einen längeren Zeitraum zu statniren ^]. Durch diese auch von 
Theophylakt gebotene Harmonistik '^) ist auch Gennadius bestimmt, wenn 
er sich auch nur auf die Apostelgeschichte beruft. Im Gegensatz dazu 
steht der 17. Brief des Michael Glykas an Nektarios, die ausführlichste 



nnnßuvxog naq 'öneo vns'Ad/ußai'E. (ho xrd unrjy^aro, \va TtQoXaßtj tov "Irjanvu 
tv TCO "Jidri xal IxETBvffag acoTT^Qias^ TEvirjTcci. Vgl. Catena Corderii (Toulouse 
1646) zu Mt. 27.5 mit dem Lemma Xqvaoaxonov. Als Meinung von rwis ab- 
gelehnt auch bei Michael Glykas ep. 17. 

1) Catena Oxon. ad Act. apost. ed. Gramer p. 12 f. Vgl. Patr. apost. opp. 
ed. von Gebhardt, Harnack, Zahn I 2, 93 f. ApoUinaris verbindet ausdrück- 
lich Mt. und AG. durch Ineßico y.cu9cciQeO-Eis ttqo xov hnonviyi]ri'.i und fügt 
dann als Erläuterung zu AG. die Papiasstelle ein. — Ganz vereinzelt steht 
die aus Mt. 18 e, geschöpfte Behauptung des Aphraates, Hom. XVII 4, S. 217 
Bert, Judas habe sich einen Mühlstein um den Hals gethan und sich ins Meer 
gestürzt — wie nahe die Verbindung lag, zeigt Adamantius Dial. I 16 p. 34 
V. d. Sande Bakhuyzen. 

2) Petrus Comestor bist. scol. evang. c. 162 MSL 198, 1625 (vgl. act. 9 
ebd. 1649). 

3) Pseudo-Augustin quaest. de Novo et Vet. Test. qu. 94, MSL 35, 2288 
(vgl. über den Verf. Bardenhewer Patrol.410): weil man am Sabbath kein 
Geld tragen darf! 

*) So verbindet schon Ephraem Syr. evang. conc. expos. c. 20 p. 240 
Moesinger das laqueo se suspendit Mt. und cecidit et crepuit medius AG. durch 
die Annahme, dass der Strick riss ; fügt aber hinzu alii dicunt, Judam portani 
o.lausisse et interius obserasse et donec putresceret et totiis venter eins esset dif- 
fusus nemo portam domus aperuit ut interiora videret. Christus patiens V. 1429 f. 
1693 f. verbindet Mt. und AG. 

5) a. a. 0.: nX)^v yc^waxE oxi iS^rjxe fiki' xov xqä)(t]Xoy avxov e<V xijy t<yx^~ 
rrjv ano SivSqov xivos xqEfxt«Jc<s iavxof, xov (ff Stuö^ov xXi&ifXog tnü^rjaE .... 
(paal yao bxc i'oato v&E^ixfi TTEQininxtaxEy . . . (= Papias). 



Ein Schreiben d. Patr. Gennadioa Scholarios a. d. Fürsten Georg v. Serb. 255 

Erörterung im3erer Frage aus der alten Zeit, die in dem Nachweis 
gipfelt, dass Judas iv avrfj rf] dyxöpj] ro rov ßiov rilog Ids^ato i). 

Schwieriger ist die 9. Frage: Der Gedanke einer Entrückung des 
Kreuzes in den Himmel muthet zunächst an wie eine Reminiscenz an 
das Petrus-Evangelium, wo dem aus dem Grabe auferstehenden und gen 
Himmel fahrenden Christus ein Kreuz folgt, von dem aus eine Stimme 
erschallt 2). Direkter Einfluss des Petrus-Evangeliums ist so gut wie 
ausgeschlossen. Vielmehr wird die gleiche Gedankenverbindung mit- 
wirken : als das Zeichen des Menschensohnes bei Christi Parusie (Mt. 
243q) dachte man sich das Kreuz 3). Vom Himmel her sollte es Christus 
voranleuchten. Also musste es zum Himmel entrückt worden sein. 
Diesen Schluss zieht ganz direkt Chrysostomus in seiner 2. Rede auf das 
Kreuz und den Schacher c. 4*). Die Idee entsprach der Tendenz, die 
Himmelfahrt Christi auszudehnen auf die ihm Nächststehenden — daher 
auch für Maria eine Himmelfahrt angenommen wurde ^). Sie entsprach 
der exaltirten Kreuzesverehrung ^). Vielleicht hängt sie auch antithe- 

1) MSG 158, 904: zunächst wird Papias scharf abgelehnt; dann AG. so 
mit Mt. harmonisirt, dass der Strick vielleicht nachtraglich gerissen und 
der todte Judas herabgestürzt sei, so dass die Eingeweide verschüttet wur- 
den. Den Acker habe nicht er, sondern der Hohe Rath gekauft, und nicht 
um Judas zu begraben. Als Autoritäten werden noch genannt Chrys. in Matth. 
hom. 85, Nilus und Ammonius. Dass diese Briefsammlung Glykas und nicht 
Zonaras gehört, s. Krumbacher SB München 1894, 391 ff., LG -^ 383. Woher 
dasCitat Joh.Zonarae ep.46 bei J.Monnier la descente aux enfers 186 stammt, 
weiss ich nicht. 

2) Ev. Petr.39 xcci aiavooi' (ohne Artikel) &xo^ov&ovyTa avxol? (dem von 
zwei Engeln begleiteten Christus) ; 42 xal vtckxotj tjxovsto ano rov aravoov. 

3) [Elias]-Apocalypse p. 161 Steindorff, Daniel-Apocalypse bei E. Klo- 
stermann Analecta 120 no; andere Stellen bei Bousset, Antichrist 154 ff. 

■*) MSG 49, 413: ßovXei /nad-elu tkü^ xcd ßuaiXEucg avfxßoXov h axc'.v^6s\ 
xcel TiüJs OEixyhu zb nQCiyficK iaxiu , ovx ucprjxev uvxoy Eiuai inl X7]s yrjg, aXV 
ayianccaey uvxov xal elg rov ovQuvov uvriyaye. nöO-ey SfjXoi' xovxo \ 
fiEx^ (cvxov uiXXei t^'/^a&ui iv xfj öevxEQa nccoovaU^ — folgt Mt. 24o6— 30. Schon 
lange vor Chrysostomus hatte die Sibylle das Kreuz für den Himmel in An- 
spruch genommen (Orac. Sib. VI 26 — 28): w ^vXov iL fxc.xcQiaxoy, ecp' tu 
^£op ISsxayva&rj, ov^ tgsi ae X^^^i f'^^-' ovqavov nlxou taoipei, r^vixcc ccaxgä- 
xp£i{s) xo ffo»', d-EÖg, tfinvQoy buua. Buch VI ist nach Geffken Texte und Unter- 
suchungen NF VIII J, 31 f. ein Christus-Lied aus häretischen Kreisen und 
wohl älter als das III. Jahrb. Hier wäre also eine Nachwirkung des Petrus- 
Evangeliums möglich, die bei Chrysostomus nicht in Betracht kommt. 

5) S. Lucius, Anfänge des Heiligenkults 1904, 441 ff., 512 ff. 

6) Neben dem Kreuzeszeichen kommen hier die uralten, ursprünglich 



256 E. von Dobschütz, 

tisch mit katharisch-bogomilischer Abneigung gegen den Kreuzeskult 



zusammen 



Die kurz und schroff abfertigende Antwort des Patriarchen ist eben 
in der Verehrung der Kreuzesreliquien begründet. Wie sollte das Kreuz 
zum Himmel entrückt sein, von dem man allenthalben grosse und kleine 
Partikeln besass — soviele, sagt Erasmus, dass man ein ganzes Last- 
Schiff davon bauen könnte 2). Nicht entrückt, sondern vergraben war 
es gewesen, bis die allerfrömmste Kaiserin Helena es wunderbar wieder 
auffand 3), eine Thatsache, deren Gedächtniss die Kirche alljährlich am 
14. Sept. festlich begingt). 

Gennadius würde wohl sehr erschrocken sein, wenn er erfahren 
hätte, dass er mit seinem hochfahrenden ovv. otöaot ri XeyovOi keinen 
geringeren als seinen berühmtesten Vorgänger auf dem Stuhle des heil. 
Andreas abfertigte. Obendrein war damals schon ein anderer Ausweg 
gefunden, die Kreuzauffindungslegende mit dem Gedanken der Kreuzes- 
entrückung zu vereinigen : nach der Weissagung des Methodius sollte 
der letzte christliche Kaiser von Byzanz — und den hatte Gennadius 
erlebt! — seine Krone auf das Kreuz niederlegen, die dann zusammen 
gen Himmel entrückt werden würden, um Christus bei seiner Wieder- 
kunft zu dienen ^). 



gnostischen Gedanken von Kreuzeserscheinungen in Betracht: das Licht- 
kreuz der Johannesakten 98 fp. 199 Bonnet); ein Kreuz leuchtet voraus bei 
der Umweihung eines Tempels zur christlichen Kirche durch die Heiligen 
Florus und Laurus, Synaxar. CPolitanum z. 18. Aug. p. 907 Delehaye. Ein 
Kreuz hebt den Sarg des Apostels Matthäus aus dem Meer (mart. Matth. 26 
p. 255 Bonnet), was sich fast wie eine Illustration zu Ign. ad Eph. 9i liest. — 
Alles dies hat nichts mit dem Kreuzholz zu thun. 

1) S. Zöckler, Art Neu-Manichäer in Hauck's Real-Encycl. 3 XIII 761. 

2) S. Eb. Nestle, de sancta cruce 1889, 126. 

3) S. Lucius a.a.O. 165 ff., 505 ff. 

*) S. Nilles, Kalendarium manuale I^ 274 f., Synaxarium ecclesiae CPo- 
litanae ed. Delehaye p. 43. Die abendländische Kirche trennt die beiden Er- 
innerungen : crucis inventio 3. Mai, crucis exaltatio (= Rückbringung des 
durch die Perser geraubten Kreuzes durch Heraklios) 14. Sept. 

5) Ps. Methodius in den Monumenta ss. patrum orthodoxographa Basel 
1569 p. 98: x«t inai' (pnvrj b vlog x^f f(7i(o?.eic(^, aynßtjtrsTcci b ßnailevs xwu 
^Pco/^ctibjy, Evd-a knccyr} xb SvXovrov axavQov iy roXyod^ei xal xov ixovaiov inlq 
rjfidiv vnsßXTj d^ccvaxov b Ttvqiog tj/^wv 'Ii^aovg X^iaxög, xal aQsl o ßaai'kehs xbjy 
"Pojf^atcay xb axi/n/ua avxov xccl kntß^rjaei avxo tni xov axavQou (ed. axqaxbv) 
xal txnexäaag xag '/elqas avxov eis xbv ovQavov naQadwaei xrjv ßaaiXeiai' xü>v 



Ein Schreiben d. Patr. Gennadios Scholarios a. d. Fürsten Georg v. Serb. 257 

Die rein liturgischen Fragen 3. 4. 6. 13; 7. 8. 14 überlasse ich 
andern zur Erklärung ^). Sie haben immerbin einiges kulturgeschicht- 
liche Interesse zur Charakteristik der sittlichen Zustände in Volk und 
Priesterschaft: Völlerei war offenbar sehr verbreitet. Aehnliches In- 
teresse haben Frage 12 über das Mönchwerden eines Ehemanns ohne 
Einwilligung der Frau, und 15 über den Genuss nicht geschlachteten 
Fleisches: in beiden Antworten zeigt sich eine grosse Geringschätzung 
der Frau. 

Hervorheben möchte ich nur noch die kirchenrechtlich interessante 
Frage 10: die Möglichkeit, einen Metropoliten oder Patriarchen zu 
weihen für einen Bischofssitz, den er nicht einnehmen kann. Es ist ein 
orientalisches Seitenstück zu der abendländischen Praxis, Bischöfe in 
partibus infidelium zu weihen. Die orthodoxe Kirche zeigt auch hier 
ihre konservative Stimmung, indem sie nur ungern den Grundsatz preis- 
gibt, dass der Bischof zu seinem Ort gehört. Die 3 Beispiele zeigen in 
lehrreicher Weise den Einfluss der Lateinerzeit auf die griechische 
Kirche 2). Beachtung verdient der Gedanke freiwilligen Verzichtes des 
niederen Stelleninhabers dicc rb y.oivbv Gvucptoov. Charakteristisch für 
die byzantinische Auffassung ist die dem avd-evTr^g rov tottov, dem 
weltlichen Herrn, eingeräumte Initiative. Dass nicht nur von Erz- 
bischöfen, sondern auch von Patriarchen die Rede ist, wird seine sehr 
akute Bedeutung gehabt haben: Pec, der Sitz des 1346 gegründeten 
und 1375 vom ökumenischen Stuhl anerkannten serbischen Patriarchats 4)^ 
war eben an die Türken verloren gegangen. 1459 — 1557 war der ser- 
bische Patriarchat dann mit dem älteren bulgarischen von Ochrida ver- 
einigt. E. von Dohschiitz. 



Xmaiicivöjv joid-eö} xal naioi. y.ui uvaXr,(pd^GtTui o axuv^ogiv tu ovqayw ufia 
TW arijuaccTi jov ßccac'/.iws' Siöxi b axavoös, if lo exoefiaad-rj o xvqios 7^u(üy'lT]- 
aov; Xoiarhs Siic rt/U Aoivr^v twu itnüvTwv aüirr^qUiv. (cixos fxi'/.).ei cpuipead^cci 
iv xft 7iuqovai(c c.vxov tiunqoaS-Eu avxov eis i'/.ty/ov xüu aniaTiay 'loväc.iüiu. 
Lat. ibd. 112 und aus Bern. A 9. ed. üsinger, Forschungen zur deutschen Ge- 
schichte X 621 ff.; Sackur, Sibyllinische Texte und Forschungen 1898, 93; 
Bousset, Antichrist 156 f. 

1) Zu Frage 7 sachlich vgl. Anast. Sin. quaest. 100 MSG 89, 752. 

~) üeber die Latinität von Kiew hat Loofs in Theo). Stud. und Kritiken 
1898, 165 ff. gehandelt; vgl. auch desselben Symbolik I 120 ff. 

3) Die bei Krumbacher Gesch. der byz. Litt.- 1095 genannte Spezial- 
litteratur ist mir leider unzugänglich. 



Archiv für slavische Philologie. XXVII. 



258 



Eine altbosnisclie slayiscli-griechische Inschrift. 



Im Dezember vorigen Jahres soll in Hodbina, einem hercegovini- 
scben Dürfe, 10Y2l^°^ ^on Mostar entfernt, beim Setzen von Weinstöcken 
in einer ca. 50 — 60cm tiefen, sandigen Schiebt an einer an 30° ge- 
böschten Lehne eine ganze beschriebene Bleitafel ausgegraben worden 
sein, die leider von den Bauern zerrissen wurde, so dass nur fünf kleine 
Stücke davon gerettet werden konnten. Die Angabe aber, dass eine 
ganze Bleitafel gefunden worden sei, ist vielleicht nur in dem später 
zu erwähnenden Sinne richtig, denn aus den erhaltenen Stücken, bezw. 
aus der auf denselben enthaltenen Inschrift muss man sagen, dass we- 
nigstens diese fünf Stücke nicht zu einer Bleitafel, sondern zu einem 
etwas über 5 cm breiten Blei streifen gehörten. Glücklicherweise ge- 
hören die drei kleineren Stücke zusammen und bilden ein zusammen- 
hängendes grösseres Fragment von ca. 7 cm Höhe, während es we- 
nigstens möglich ist, dass auch die zwei übrigen Stücke, in der 
Gesammthöhe von ca. 91/2 cm, einander ergänzen. Nichts sicheres 
lässt sich dagegen über das gegenseitige Verhältniss der beiden 
auf diese Weise zusammengestellten Fragmente sagen; da aber auf 
dem einen der Text ganz sicher zuerst ein griechischer, dann ein 
slavischer ist, während das aus den drei kleineren Stücken gebildete 
Fragment nur einen slavischen Text enthält, so ist es leicht möglich, 
dass das kleinere Fragment die — leider nicht unmittelbare — Fort- 
setzung des grösseren bildet. Wir wollen also das aus den zwei grösse- 
ren Stücken gebildete Fragment mit I, das andere, aus den drei kleine- 
ren Stücken bestehende, mit II bezeichnen, wobei wir uns in Bezug auf 
die ursprüngliche Form der vollständigen Inschrift denken können, dass 
sie entweder einen längeren ununterbrochenen Streifen bildete oder 
aus zwei in der Mitte zusammengefalteten Hälften bestand, somit wirk- 
lich eine Tafel bildete. Letzteres ist schon deswegen wahrscheinlicher, 
weil der eine Rand auf beiden Fragmenten ziemlich stark beschädigt 
ist, während der andere gut erhalten ist, so dass der beschädigte den 
äusseren, der gut erhaltene dagegen den inneren Rand einer Doppel- 
tafel bilden konnte; jedenfalls gehören dann beide Fragmente zu der- 



Eine altbosnische slavisch-griechische Inschrift. 259 

selben, nämlicli zur rechten Hälfte, da auf beiden der rechte Rand be- 
schädigt ist. 

Als ich nun vor einiger Zeit diese Fragmente durch freundliche 
Vermittelung des Herrn Dr. Münsterberg, vom hiesigen kunsthistori- 
schen Museum, zur Entzifferung bekam, bereiteten sie mir anfangs eine 
nicht geringe Ueberraschung : ich sah sogleich ein, dass slavische 
Schriftzeichen mir vorlagen, und doch konnte ich nichts Vernünftiges 
herablesen, obschon die Schriftzeichen sehr deutlich eingeritzt waren: 
ich hatte nämlich zufälligerweise zunächst Fragment I in die Hand ge- 
nommen, das zunächst einen griechischen Text darbietet, welcher aber 
gewiss von einem Slaven geschrieben worden war. Beide Fragmente 
rühren nämlich ganz bestimmt von einer und derselben Hand her 
und sind durchwegs in der slavischen Cyrillschrift geschrieben, und 
zwar in der Cyrillschrift desjenigen Duktus, der sich allmählich in 
Bosnien ausgebildet hatte und zu dessen charakteristischen Merkmalen 
das quadratische D (für B), sowie das Zeichen i» (für c-^} gehört. Dass 
aber auch der griechische Text ebenfalls von einem Slaven (und nicht 
etwa umgekehrt der slavische von einem Griechen!) geschrieben worden 
sei, ersieht man daraus, dass auch im griechischen Text die beiden rein 
slavischen Zeichen k für den silben- und wortschliessenden Halbvokal, 
sowie Ml für die Silbe /m vorkommen. 

Was enthalten die beiden Fragmente? Wir wollen zunächst Frag- 
ment II durchnehmen, weil hier die Erklärung sicherer ist. Zunächst 
gebe ich dasjenige wieder, was gelesen werden kann, wobei zu bemer- 
ken ist, dass die Zeilen 6 — 9 so geschrieben sind, dass die 6. und 8. die 
linke Hälfte des Streifens, die 7. und 9. dagegen, etwas tiefer als die 
6., bezw. 8. stehend, die rechte Hälfte einnehmen; von der ersten Zeile 
sind nur die unteren Striche einiger Buchstaben erhalten, welche sich 
schwer ergänzen lassen ; am ehesten dürfte im Anfange ein CTa (vielleicht 
Abkürzung für CßfTa) gestanden sein. Die weniger sicheren Buch- 
staben stehen in runden Klammern, während mit eckigen Klammern 
die Stellen bezeichnet sind, wo die Tafel abgebrochen ist, so dass dann 
mancher Buchstabe nur zum Theil erhalten und deswegen auch nicht 
immer sicher zu ergänzen ist. Bemerkt sei endlich, dass das erste 
Stück dieses Fragmentes die 5 ersten Zeilen enthält, doch geht die 
Bruchlinie durch die beiden letzten Buchstaben der 5. Zeile, so dass 
deren unterer Theil schon auf dem zweiten Stücke sich befindet, wel- 
ches den weiteren Text bis Zeile 10 inclusive umfasst, aber wiederum 

17* 



260 M;. Resetar, 

so, dass die Bruchlinie durch diese letzte Zeile geht und den unteren 
Theil derselben auf dem dritten Stück lässt. 

Zeile 1 [ ] Zeile 8 WTank 

2 CHÖTklUI^HpHCTf ) 9 HA PHKaMH 

3 MH A «Da1^JAHCT(..) 10 [K]e Wn^OA« CQ^ 36 

4 MapkKOMb HMaTH [....] 11 ma8 ^aHEMaUJk w 

5 k AiJKOIlilk h[w ] 12 [..]acT HHHa /KHTS[..] 

6 (h)uT 13 r hhIhS naiuir' i 



7 h3E 1) C0«TH[€..] 

Also in Transskription: Zeile i [8cKpk]-2cn8THy (d. i. 

uskrs?iutjifn iüT uskrs?m/jem) ^iiHCT[o&H]-^M h •^- (KAHii(MiCT[\i) 

4 MapkKOMk H MaTH((M)-5k, A^KOMk, HW[ßaHCM]-6k H T'HI- 

CBfTHe[Yk]8 wTank^ tt j^- ßUKAU»^'^ K( wnyoAf CßS 3«-^^MA8 

J\,A HEIHaiUk W-^2[k^\J,^cT HH Ha JKHTÖ [HH]13[Ha] hhhS Hall» . ., 

und in deutscher Uebersetzung : (etwa: ich beschwöre dich) «bei der 
Auferstehung Christi und bei den 4 Evangelisten Markus, Matthäus, 
Lukas, Johannes und bei den 318 heiligen Vätern und den 4 Flüssen, 
welche die ganze Welt umströmen, dass du keine Macht haben sollst 
weder über das Getreide, « — die Lesung, daher auch die Deu- 
tung der letzten Zeile, bezw. die Ergänzung des naiuif ist unsicher. 

Fragment I besteht — wie schon erwähnt — aus zwei Stücken, 
deren Bruchlinie ziemlich gut übereinstimmt, da aber keine durch die 
Bruchlinie geth eilten Buchstaben die beiden Stücke sicher vereinigen, so 
mag es dahingestellt bleiben, ob sie wirklich zusammengehören. Das 
erste Stück umfasst die ersten 7 Linien, das zweite die übrigen; im 
ersten ist die erste Zeile nur theilweise erhalten und auch die fünfte ist 
durch einen Riss stark beschädigt, immerhin aber noch ziemlich lesbar ; 
doch das erste Stück ist jedenfalls besser erhalten als das zweite, wo 
manches schwer zu lesen ist. Ich lese also auf Fragment I Folgendes : 



1) Dieses ungewöhnliche Zeichen für cyrill. 1 kommt merkwürdigerweise 
auch im glagolitischen Alphabet vor, das die bosnisch-bogomilische Hand- 
schrift Radosav's enthält (vgl. Archiv XXV, 21. 30); auch eine bukovinische 
Handschrift aus dem XVI. Jahrb. mit einigen Zusätzen in glagolitischer 
Schrift bietet in den letzteren ebenfalls ein ähnliches Doppelkreuz für cyrill. I 
(o. c. 33). 



Eine altbosnische slavisch-griechische Inschrift. 261 

Z. 1 TS[.... \- [ ] Z, 8 TpHHOCk Mn'aTHCK(T..) 

2 WHii HMrapdpk THp[ ] 9 w[t?]okS Kt naHT( ) 

3 WpbrHHEKh TOp(.Ck)[..] 10 rHWHk aiUlHHIv DC»Ck\-p(H?) 

4 K6Hk A"W npOKODH^K») U [T]iW HkCHMk CYHHH(Kk?) 

5 M(HHk fJKSpHHk neT(....) 12 (aOfTJH GOAi>(TK ) 

G TÖapHK» KCHlUHk [A^K) 13 7,<\npH(l\U\Ti{ji, ) 

7 CJMEraAOMapk 14 Mk^KHOHMk KOHfre?) 

15 TKH HEBO H I^EMAS (p . .) 

16 [.... npHfHHT.. Da....] 

In diesem Fragment sind also wenigstens zwei verschiedene Theile 
zu statuiren; der zweite Theil ist slavisch (serbokroatisch) und umfasst 
die Zeilen 13 — 16, vielleicht auch Zeile 12, denn das deutlich lesbare 
hdcaS könnte sowohl ,und den Willen', als auch ,und dem Ochsen' 
sein; sicher slavisch ist der weitere Text, obschon es nicht leicht ist, 
den richtigen Zusammenhang zu finden: in Zeile 13 haben wir ein deut- 
liches H sanpHSiUTa (oder sanpHtiutia) ,und befiehlt, bezw. ver- 
bietet', in Zeile 14 ist vollkommen sicher '<i;HBHtUik koh, so dass das 
vorausgehende Mk etwa zu BOrOMk zu ergänzen w<äre, also ,bei Gott 
dem lebendigen, welcher..', in Zeile 15 ist endlich sehr deutlich HfKO 
H 3EMA^ ,den Himmel und die Erde', weswegen man das vorausgehende 
>KH in ^,pk->KH ergänzen möchte, doch die letzten Buchstaben von 
Zeile 13 lassen sich nicht so lesen. Obschon nun die Deutung dieser 
Zeilen nichts weniger als sicher ist, kann man doch mit voller Bestimmt- 
heit behaupten, dass der Text des Fragmentes I von Zeile 13, vielleicht 
12 angefangen slavisch ist. 

Noch schwieriger ist aber die Deutung des ersten Theiles dieses 
Fragmentes, obschon es sicher zu sein scheint, dass der Text hier durch- 
wegs griechisch ist. So sind sicher griechisch die Zeilen 8 — 10, welche 
den Anfang des zweiten Stückes dieses Fragmentes bilden: -d^Qf^vog 
(.iSTCi zr^g S-EOTÖ'/,ov '/.ai TtavTiov ayicov ai-iriv, was nach neugriechi- 
scher Aussprache und in slavischer Cyrillschrift (also ohne d-, dafüi 
aber mit dem wortschliessenden h) eben ergibt: TpHHOCk UiTA THCk 
TfOTOKÖ KE naHT[WHk aJPHWHk aMHHk. Dagegen ist der übrige 
Text in diesem nichtslavischen Theil schwer zu erklären. Ich habe mich 
diesbezüglich an Krumbacher gewendet, der die Liebenswürdigkeit 
hatte, eine Erklärung für die Worte DOCkYp[H r]tw nHCkHkC^HH in 



262 M. Eesetar, 

Zeile 10 — 12 mitzutheilen ; er liest sie folgeudermasseu : Ttiog yor^ S-£(p 
■TCOLGEiv ia/vp, so dass Zeile 8 — 12 den Sinn geben würden: >' Klage. 
Mit der Muttergottes und allen Heiligen. Amen. "Wie man durch Gott 
Stärke machen muss . . . .« Krumbacher selbst findet allerdings die 
Erklärung des zweiten Satzes sehr unsicher, weil man dabei annehmen 
müsste, dass für Ttiög DOCk anstatt fiOCk und dann, weil iu ttoigbiv 
und löyvv je einmal K für h stehen sollte. Zur Bekräftigung der Er- 
klärung Krumbacher's kann ich aber anführen, dass auch in Frag- 
ment II höchst wahrscheinlich einmal k für H vorkommt , nämlich in 
dem CHSTkM der zweiten Zeile, das ich zu ScKpkCHÖTHn ergänze, wie 
denn überhaupt der Schreiber kein aufmerksamer gewesen zu sein 
scheint, denn er hat sicher den Fehler \'HpHCT.. für YpHCT..., dann 
eßalsfAHCTH für EBaHh'hEAHCTH und vielleicht noch manchen, beson- 
ders im griechischen Theil begangen, dem eben die Schwierigkeit bei 
der Erklärung der Inschrift zuzuschreiben ist. Was aber in den Zeilen 
1 — 7 stecken mag, darüber ist auch Krumbacher im unklaren, der 
allerdings nicht das Original, sondern bloss eine nicht sehr gute Photo- 
graphie und meine Abschrift in den Händen hatte ; letztere war aber 
insofern ein gutes Hilfsmittel, als gerade in diesem Theile die Inschrift 
sehr deutlich ist, somit ein Zweifel über das Geschriebene fast ausge- 
schlossen ist. Nur eines scheint sicher zu sein, dass wir es auch in die- 
sem Theile mit einem griechischen Text zu thun haben ; so könnten wir 
haben: in Z. 3 ein dqyriv, in Z. 4 ein TTQoy.OTtiov (wiederum mit n für 
tt!), in Z. 6 ein tov Jlqiov^ dann vielleicht dö^u und in Z. 7 irgend 
eine Form von i.isyaXof.i(XQTVQ (der heil. Prokopios war eben ein f.ie- 
ya?^OfidQrvQ\). Uebrigens ist auch die Möglichkeit nicht ausgeschlos- 
sen, dass wir es mit einer zusammenhangloseu Folge griechischer Worte 
zu thun haben, welche — vielleicht zum Theil unrichtig wiedergegeben 
— nur dazu dienen sollten, die Zauberkraft der Beschwörung zu er- 
höhen, was bekanntlich sehr oft geschieht ^). 

Wenn auch also die Inschrift, besonders in ihrem griechischen 



1) So kommen in einem Gebete aus einem serbischen Eitual vom J. 1423 
vor dem Segen die Worte xiiHeHEumci». MäHTnct vor (belTichonravov. IlaMHi- 
HUKu OTpe^eHH. pyccK. .lUTepar. II, 357); vgl. auch die lange Reihe willkürlich 
gebildeter Worte, theilweise mit griechischem Habitus, in einem Gebete 
gegen rasende Hunde und Wölfe (Starine X, 278): captcapt, *apB*apB, sHea, 
BUÄiH, cajiarapbi, CMrj;a, rocurÄC*!., Meptrapu, *api>, raiepu, ra.iBMese.m, MHa- 

MecaJU, ÄHKL. 



Eine altbosnische slavisch-griechische Inschrift. 263 

Theil, schwer zu erklären ist, kann mau doch mit ziemlicher Sicherheit 
sagen, dass uns eine Beschwörungsformel vorliegt; der Zweck derselben 
ist bei dem Zustande, in welchem Fragment 11 sich befindet, bezw. bei 
der schweren Deutung von Fragment I nicht leicht festzustellen : nach 
dem slavischen Theil, wo der Passus vorkommt, dass »du keine Macht 
weder über das Getreide haben sollst noch ...» zu urtheilen, könnte 
man vermuthen, dass die Beschwörung vielleicht gegen denjenigen ge- 
richtet war, der gesetzwidrig den Besitz des betreffenden Feldes sich 
aneignen würde, oder gegen den bösen Geist, der den Feldfrüchteu 
schaden könnte ; dagegen wäre die Inschrift, wenn die Deutung Krum- 
bacher's richtig ist, eher als ein allerdings sehr unbequemes Amulet zu 
betrachten, das am Leibe getragen werden sollte, um dem Besitzer Kraft 
zu verleihen. Die Schwierigkeit in der Deutung des eigentlichen 
Zweckes dieser Inschrift wird dadurch erhöht, dass wir im Slavischen 
keine passenden Parallelstücke haben, nach welchen eben die Inschrift 
ergänzt und so auch deren Zweck richtig gedeutet werden könnte ; we- 
nigstens konnte ich keine ähnliche Zauberformel in der mir bekannten 
Literatur finden : inhaltlich steht dem Fragment II noch am nächsten 
ein Gebet in Starine X (S. 277), um die Feldfrüchte vor jeder »teuf- 
lischen Macht« zu schützen. 

Wenn uns auch der direkte Zweck dieser Inschrift nicht genau be- 
kannt ist, so können wir um so sicherer sagen, wo sie entstanden ist: 
ganz sicher in Bosnien (im weiteren, bezw. älteren Sinne des Wortes, 
also die Hercegovina, wo sie gefunden wurde, mit inbegriffen), denn der 
Duktus der Cyrillschrift ist entschieden bosnisch zu nennen und erinnert 
stark an die Cyrillschrift der altbosnischen steinernen Grabinschriften : 
übrigens genügt schon das Vorkommen des ti, um dies zu beweisen. Für 
den bosnischen Ursprung spricht auch der weitere Umstand, dass für ur- 
slav. ^ zweimal ein je {3anpHei|ja Fragm. I,Z. 13, cc6THe\'k Fragm.II, 
Z. 7) und einmal ein i vorkommt (pHK<.\MH Fragm. II, Z. 9), da die 
Mischung dieser beiden Aussprachen eben in Bosnien am häufigsten 
vorkommt. Wir können auch sagen, aus welcher Zeit ungefähr die In- 
schrift stammt: nach der Schrift zu urtheilen, dürfte sie ins XV. Jahrh. 
gehören. Fast gar nichts lässt sich dagegen über denjenigen sagen, der 
die Inschrift auf der Bleitafel eingeritzt hat; jedenfalls muss er aber 
ein »Gebildeter« gewesen sein, d. i. einer, der der Kunst des Schreibens 
und Lesens mächtig war, weil die Schrift von einer sicheren Hand 
zeugt, die ohne Zögern die Messerspitze führte, somit auch einen indivi- 



264 M. Eesetar, Eine altbosnische slav.-griech. Inschrift. 

duellen Charakter verräth ; ich glaube daher nicht, dass etwa ein Hand- 
werker nach einer ihm gegebenen Vorlage die Tafel beschrieben habe. 
Wenn aber die Inschrift ins XV. Jahrb. gehört, so möchten wir gerne 
wissen, ob sie von einem orthodoxen Christen oder von einem Bogumilen 
herrührt. Leider lässt sie uns auch in Bezug auf diesen Punkt im 
Stiche, doch möchte ich eher sagen, dass der Schreiber kein Bogumile 
war; schon der Umstand, dass der Text auch griechisch ist, scheint da- 
für zu sprechen, denn die Bogumilen waren keine »Gelehrten«, welche 
mit dem Griechischen hätten paradiren wollen, es sei denn, dass mau 
— wie gesagt — gerade die unverstandene Sprache zur Erhöhung der 
Kraft der Zauberformel verwendet habe ; aber auch die Anrufung der 
»318 heiligen Väter« (es sind die Theilnehmer an der ersten allgemeinen 
Kirchenversammlung von Nikäa vom J. 325 gemeint) würde in einer 
bogumilischen Beschwörungsformel kaum vorkommen, da die Bogumilen 
die Autorität der organisirten Kirche nicht anerkannten; und wenn da- 
neben auch ,die vier die ganze Erde umkreisenden Ströme' ^] angerufen 
werden, so ist das ein Satz der mittelalterlichen Geographie, der auf 
die biblische Erzählung (Genesis II, 10 — 14} zurückgeht und nicht 
etwa mit irgend einem spezifisch slavischen Glauben oder Aberglauben, 
als deren treueste Hüter und emsige Vertreter die Bogumilen gelten, in 
Verbindung steht. Trotzdem also die vorliegende Inschrift nur zum 
Theil gedeutet werden kann, hat sie einen nicht geringen Werth, weil 
sie — so viel ich weiss — die erste zweisprachige Inschrift dieser Art 
ist, und dann auch deswegen, weil relativ so umfangreiche Inschriften 
auf Metall bis jetzt auf südslavischem Boden nicht gefunden wurden. 
Dass das Material speziell Blei ist, hat wohl keine weitere Bedeutung, 
denn bei dem relativ jungen Alter der Inschrift ist wohl kaum daran zu 
denken, dass bei der Wahl des Materials die altchristliche Abneigung 
gegen dieses Metall hätte massgebend sein sollen. 



1) Bei Tichonravov, op. cit. II, 357, werden iu einem Gebete die vier 
Ströme bei Namen genannt: eucoHi.,. rewut, Turpt, e^paix. 

Wien, I.März IS 05. M. Resetar. 



265 



Polnische Glossen aus dem Anfang des XV. Jahrh. 



Im Przemysler Stadtarchiv wird unter Nr. 248 ein Papiercodex 
aufbewahrt, welcher, der Schrift nach zu urtheilen, nicht später als zu 
Anfang des XV. Jahrh. zu Stande kam. Er enthält lauter juristische 
Materien, worunter auf Bl. 162^ — 163^ auch ein kleines juristisches 
Vademecum, das von dem Verfasser desselben, höchst wahrscheinlich 
einem städtischen Schreiber polnischer Nationalität, mit der Ueber- 
schrift: «Vocabula juris provincialis et feodalis« versehen wurde. Nun 
lässt sich zwar nicht behaupten, dass dieser Arbeit ein bemerkens- 
wertheres sachliches Interesse zukäme, aber in sprachlicher Beziehung 
ist sie insofern von Belang, als sich in ihr auch einzelne polnische 
Glossen finden, die verdienen, bekannt zu werden. Ich gebe sie, um 
den Sinn und die Bedeutung derselben um so wirksamer hervortreten 
zu lassen, genau in dem Zusammenhange wieder, in welchem sie in der 
Handschrift selbst erscheinen. Es sind die folgenden : 

Bannum regium poicxjatli krolewfky (= poiät krölevski). 

ludicium formatum gayony fiand (= gaj'ony sod). 

Interdictum regium zapowyedz kroleiofka (= zapovedz kro- 
levska). 

Talentum, i. e. marca, alias grzywna (= gryvna). 

Vasallus, i. e. seruus, alias poßel [■= posei). 

Vsurpat, alias pofianda (= pozoda). 

e 

Tutor et mundiburdius i) dicitur mwffer, zachoczcza (= zachocca) 
uel opyekadlnyk (= opekadlnik). 

Pi'olocutor, procurator moiocza (= movca). 
Pugil rzecznyk (=^ rec/iik) 2). 
Interlocutorium poradzenye (= poradzene). 
Noxa, alias przezgrzefche (= prezgrese). 



ij Hängt nach Brinckmeier (Glossarium diplom.) mit deutschem »Mund- 
wart« zusammen. 

-j Sonst verstand man unter »pugil« (vgl. Du Gange, Brinckmeier u. a.) 
denjenigen, der für Andere mit Brachialgewalt eintrat. 



266 Kaluzniackl, 

Verandus ^) zachodzcza (== zacJiodzca) mqX ßlupcza (== slupca). 

Pena vy7ia '.== vina). 

Emenda ^JOCM^ [= pokup). 

Solidus duo significat: primo est firmus; alio modo dicitur dena- 
rius, continens in se XII parvos schel^g (= selgg). 

Recompensa glowa {= glova)^ zaplatha (= zapiata) uel satis- 
dacio. — *Recompensa XVIII talenta facit et quodlibet talentum XXX 
solidos*. 

Turpiloquium tiarzeczenye czczy (= narecene cci). 

Alloqucio dothyknyenye czczy {= dotyknene cci). 

QiO-aüicivi?, ffwada [-= zvada). 

Municipale jus powyfcJione prawo (= 2>ovyso7ie pravo). 

Arbitrium, voluntas, consensus, wulgariter wffala {=ufaia), ivola 
(= vola). 

Conventus, i. e. concilium gromada myefka (= gromada meska). 

Tres sclauonicas marcas sloicyenfkye grzywny (= sloienske 
gryvny)^ que faciunt XXXVI solidos. Solidus hie valet XII alenses 
comunis pecunie szelapg (= selog). 

Decreta, alias wstawy (= ustavy). 

Comunitas gmyn myefczky (= gmi7i mescki). 

Emendare pokupycz (= pokupic) . 

Agare konacz prawem {= konac pravem) . 

Fforo infronito na loyxoolanem targu {= na mjvolanem targu). — 
*Fforo infronito, i. e. edicto publico inter quatuor angulos ciuitatis, 
scilicet illo arbitrio, quod ipsa comunitas cum senioribus statuit de con- 
sensu sue comunitatis*. 

Seutencia, i. e. diffinitiva oi'tel. 

Talentum rubel et facit XX grosses argenti puri in sua suma in 
hoc loco. 

Fferiatus dies dicitur domiuicus dies; celebris dies naroczytlii 
dzen (= narocyty dien]. 

Legale impedimentum Jprawyedlyice przegahanye (= spraied- 
live pregahane\. 

Struprum odleganyo dzewftwa (= odlegane dzevstva). 



1) Man würde hier eher »varantus« in der Bedeutung von Gwarant er- 
warten. Uebrigens hängen beide Formen mit dem mittellateinischen weren- 
dare (= wehren, vertheidigen) zusammen. 



Polnische Glossen aus dem Anfang des XV. Jahrh. 267 

Obsidia zafchadzenya (= zasadzena). 

Irruencia domiciliorum xoderzeMjc na dorn (= uderene na dorn), 
gtcalth f= gcalt). 

Ffeodatus, i.e. hereditarius; inde feodum, i.e. domus fchyedlyfko 
[= sedlisko). 

Contubernium Jcupczy ßclad (= kupcy skiad), uel gromoda 
!= gromäda). ' 

Resignacio zvfdange (= vzdane). 

Investitura xoyxoyedzenye (= vyvedzene). 

Qiierimonia zaloha (= zaJoba). 

Arma bellica -woyena fbroya (= voj'ena zhroj'a). 

Scutum bellicum tvoyenne fczyt alho tarcza (= vojenne scyt albo 
tarca). 

Manifestum factum lycze (= lice) uel yaicny wczynyk [=^ javny 
ucynyk). 

Colloquium xoyecze (= iece)^ uel poradzenye (== poradzene). 

ActOY poivod (= povöd) aut gyjczecz {=jiscec). 

Succumbit przepadl icyna (= prepadi vine). 

Ffoedus Wohle panftioo (= volne panstvo) uel icolne dobre 
!= volne dobre). 

Depactacio rugowanye (= rugovane). 

Publica fiscata yawna zaftawa {=^Javna zastava)', ffiscacio 2;«- 
stawa (== zastava] aut zaklad (= zaklad). 

Parafarnalia oczczyfthy pofiag [= occysty posag). 

Arestatus wztrzymany (= vstrymany). 

Simulacio przymylenye (== prymilehe). 

Vargelth (= vargelt) emenda idem sunt. 

Lozu7iga i. e. contribucio. 

Neptimus uel vanus i) przeßkofcli [= preskos., beziehungsweise 
preskos ) . 

Homincus (sie!) paralyfien zabythi [^= piaTalizen zabity). 

Satisdacio, i. e. defensio, wulgariter gica7' (= gvar), zaflubyenye 
(= zaslubene) pro aliquo. 

Omagium, i. e. obsequium regibns halderzfthwo (= Jialderstvo). 

Ueberblickt man nun die vorstehend abgedruckten polnischen Aus- 



1) Dürfte für mittellateinisches vanius in der Bedeutung von vagus 
(= Landstreicher, Vagabund) stehen. 



268 Kaluzniacki. 

drücke, so wird man einräumen müssen, dass mehrere derselben hier 
überhaupt zum ersten Male erscheinen. Es sind dies : dzevsttw, hal- 
derstvo^ lozunga^ odlegane, poradzene, pregabane, preskos, bezw, 
preskoS^ prezgrese^ slupca, vece und vzdane. Aber auch Ausdrücke, 
wie: dotyknene^ glova^Jiscec^ lice^ movca^ nar ebene (sei. cci\ posel. 
povät, pozodatie, povysone pravo, prymilene, ruhel^ rugovane^ sedli- 
sko, tideretle, ufala^ volne panstvo, vstrymanij^ vyvedzerie^ zakiad^ 
zasadzene^ zasluhene und zastava^ dürfen, sofern sie in unserer Vor- 
lage andere als die ihnen sonst zukommenden Bedeutungen bieten, sehr 
wohl noch als eine nicht unerwünschte Bereicherung des altpolnischen 
Wörterbuchs, zumal nach der juristischen Seite hin, angesehen werden. 
Der Rest bietet zu besonderen Bemerkungen keinen Anlass. 

In orthographischer Beziehung stellen die in Rede stehenden pol- 
nischen Ausdrücke den Uebergang von der alten zu der neueren, im 
XV. Jahrh. üblichen Schreibung dar. Demgemäss wird darin o einmal 
noch durch ^, sonst aber durch an und ap ; A-, im Worte pocup, einmal 
noch durch c, sonst aber durch k\ j in der Regel durch 3/, vor einem / 
jedoch durch ^; w im Anlaute regelmässig durch iv, im Inlaute durch 
u\ V m der Regel durch w, seltener durch v wiedergegeben u. s. w. In 
einigen dieser Schreibungen tritt übrigens ausnahmsweise auch das laut- 
gesetzliche Moment in die Erscheinung. So wird ä im Worte gromoda 
in Gemässheit der wirklichen Aussprache durch ; h vor c im Worte 
ßlu/;cza durch p und dz im Worte zachof.3;cza durch c; m im Worte 
paralyßew (instr. sg. m. g.) durch 71 vertreten. In Anbetracht des Um- 
standes, dass Szczerbic, Skarga, Wujek u. a. regelmässig opiekalnik 
schreiben i) , überrascht ferner auch die Schreibung opyeka6?/nik da- 
durch, dass sie noch die Lautgruppe dl bietet. Dies beweist uns also, 
dass die lautgesetzliche Berechtigung dieser Lautgruppe im Polnischen 
zu der Zeit, als die »Vocabula« entstanden, ungleich intensiver empfun- 
den wurde als später. Schliesslich auch Schreibungen, wie : wczynyk, 
na wywolanem targu und woyenne fczyth sind insoferne von Bedeutung, 
als der Wechsel zwischen e und y eine Spracheigenthümlichkeit dar- 
stellt, der man in Ostgalizien auch heute noch bei sehr vielen Personen 
begegnen kann. 

1) Belege bei Linde unter dem Stichworte : opieka. 

Kaluzniacki. 



269 



Die Zeitreclmune; und die Monatsnamen der Hnznlen. 



Wenngleich die auf die Huzulen bezügliche Literatur seit meiner 
letzten Notiz darüber ^) durch so ausführliche Schilderungen, wie die- 
jenigen von B. Kozariscuk2)j R. F. Kaindl^) und VI. Suchevyc*) eine 
namhafte Förderung erfuhr, kann man in unmittelbarem Verkehre mit 
ihnen manches Detail kennen lernen, wodurch das von diesen Sammlern 
Mitgetheilte hier und da berichtigt, eventuell ergänzt werden kann. Ein 
Detail dieser letzteren Art ist nun beispielsweise auch das nachfolgend 
zur Sprache gebrachte. Es betrifft die Zeitrechnung und die Monats- 
namen der Huzulen und bedarf, um klargestellt zu werden, nur einiger 
weniger Bemerkungen. 



1) Archiv f. slav. Phil. XI, S. 625—626, Anm. 

2) Ich habe hier selbstverständlich in erster Linie die hübsche Skizze 
im 'Sinne, die dieser Schriftsteller in der «HayKa« pro 1889 und 1891 unter 
dem Titel: »Hs'i öyKOB. KapnaxcKuxi, ropt« veröffentlichte. Allein auch die 
übrigen Mittheilungen Kozariscuk's, die er in den weiteren Jahrgängen der 
«HayKa« und zum Theile auch in den »EyKOB. BiaoMOCTU« (1895 — 1S99) zum 
Abdruck brachte, sind nicht ohne Interesse. Sie wären noch verdienstlicher, 
wenn Kozariscuk sich hätte angelegen sein lassen, auch den dialektischen 
Eigenthümlichkeiten seiner Materialien die gebührende Eechnung zu tragen. 

3) Ein vollständiges Verzeichniss der hierher gehörigen Arbeiten Kaiudl's 
sammt Würdigung derselben ist in den «SanucKu« der Sevcenko-Gesellschaft 
in Lemberg, Bd. XI, XXI und XLI, sowie im «Lud« IV, S. 95 ff. zu finden. 

*) Ich verweise speciell auf seine mit recht vielem Fleisse und zwei- 
felloser Sachkenntniss geschriebene »ryuy.itmuua«, von der zur Zeit der 
Einreichung dieses Artikels bereits der ganze erste und das erste Volumen 
des zweiten Theils erschienen waren. Ausfuhrliche Besprechung des Werkes 
in der Zeitschrift f. österr. Volksk. VIII, S. 201 ff. Den hier enthaltenen, 
durchwegs sehr zutreffenden Bemerkungen Franko's möcht' ich meinerseits 
nur noch hinzufügen, dass es von Such, kaum richtig war, der Ansicht 
Pol's, wonach uns in den Huzulen »mit voller Kraft der noch unverwischte 
slav. Typus entgegentrete«, so ohne weiteres zuzustimmen. Es ist offenbar, 
dass ihm die einschlägige Partie in der Abhandlung Miklosich's: »Ueber die 
Wanderungen der Rumunen in den dalmat. Alpen und den Karpathen« (Denk- 
schriften der Wiener A. d.W., Bd. XXX) ganz fremd geblieben war. 



270 Kaluzniacki, 

Wie von den übrigen, in ihrer Mehrheit leider noch immer schrift- 
unkundigen Angehörigen des kleinrussischen Volksstammes, so wird die 
Zeit in der kalendermässigen Bedeutung dieses Wortes ^j auch von den 
Huzulen in der Regel nach den unbeweglichen Kirchenfesten, die sie in 
Folge alljährlich sich erneuernder üebung sehr genau, selbst hinsicht- 
lich der Zahl der zwischen den einzelnen Festen liegenden Wochen und 
Tage kennen, berechnet. Es war, oder es geschah dies — sagen sie — 
zwei, drei Wochen vor, beziehungsweise nach den Weihnachten. — 
Am Tage des heil. Nikolaus, des winterlichen (6. December a. St.), wer- 
den es genau vier Jahre sein, als die grosse Feuersbrunst unser Dorf 
vernichtete. — Weihnachten waren, das wisst ihr, heute zwei Wochen. 
Also haben wir bis zu den drei Hierarchen (30. Jänner a. St.) noch 
ganze drei Wochen und bis Christi Darstellung (2. Februar a. St.) noch 
drei Wochen und drei Tage. — Gott sei Lob, dass wir bei Onuphri 
(12. Juni a. St.) sind. In fünf Wochen und drei Tagen ist Elias, und 
da dürfen wir bereits die neuen Erdäpfel essen. — Es gibt drei Paare 
von Feiertagen, die um fünf Wochen und drei Tage, und weitere drei 
Paare, die um zwei Wochen weniger zwei Tage von einander difieriren. 
Die ersten drei Paare sind: Weihnacht und Christi Darstellung; Onu- 
phrius und Elias; Peter und Christi Verklärung. Die anderen drei 
Paare: Onuphrius und der Kräuteriwan (d. i. Johannis Geburt ; Demeter 
und Michael; Michael und Maria Opferung oder Einführung. — Wir 
Rusnaken unterscheiden Frühjahrs-, Sommer-, Herbst- und Winter- 
feiertage. Frühjahrsfeiertage sind, die zwischen dem warmen Olexa 
(17. März a. St.) und dem Kräuteriwan (24. Juni a. St.); Sommerfeier- 
tage, die zwischen dem Kräuteriwan und der Erhöhung des heil. Kreuzes 
(14. September a. St.); Herbstfeiertage, die zwischen der Erhöhung des 
heil. Kreuzes und Maria Opferung oder Einführung (21. Nov. a. St.); 
Winterfeiertage, die zwischen Maria Opferung und dem warmen Olexa 
liegen. — Ach, hätten wir nur einmal Maria Schutz (1. October a. St.! 
hinter uns, dann hätten auch unsere schwersten Arbeiten ein Ende u.s. w. 

Neben dieser, dem Kirchenkalender angepassten, gibt es aber bei 
den Huzulen auch noch eine andere, sich mehr an den bürgerlichen 



1) Ich mache hier absichtlich diesen Vorbehalt, weil es bei den Huzulen 
auch zahlreiche Ueberreste der primitiven, durch kalendarische Rücksichten 
noch nicht beeinflussten Zeitrechnung gibt. Nachdem jedoch diese Ueber- 
reste zu besondern Bemerkungen keinen Aulass bieten, so wurden sie hier 
nicht weiter berücksichtisrt. 



Die Zeitrechnung und die Monatsnamen der Huzulen. 271 

Kalender anschliessende und, was das Auffallendste ist, den übrigen 
Kleinrussen in gleichem Umfange nicht geläufige Art, die Zeit zu fixiren. 
Denn, während die Kenntniss des bürgerlichen Kalenders sich bei dem 
Gros der Kleinrnssen meist darauf beschränkt, dass sie wissen, dass das 
Jahr aus vier Quartalen, beziehungsweise aus zwölf Monaten besteht, 
geht aus den Auskünften, die ich in Sadeu, Mareniceni, Seletin, Wy- 
zenka und anderen, von mir persönlich aufgesuchten huzulischen Ort- 
schaften der Bukowina auf meine bezüglichen Anfragen grhalten habe, 
hervor, dass die Huzulen auch die Anzahl der auf jeden Monat ent- 
fallenden Tage anzugeben im Stande sind. Allerdings sind diese ihre 
Angaben mit den kalendermässigen, präciser: mit den gegenwärtig als 
kalendermässig geltenden Zahlen insofern nicht im Einklänge, als sie 
sich die ersten 11 Monate gleichmässig aus je 30, den letzten aus 33, 
hiermit das Jahr aus zusammen 363 Tagen bestehend i) denken. Als 
der erste Monat im Jahre gilt ihnen der April 2), als der letzte und 
längste der März. 

Beachtenswerth sind übrigens in gewisser Hinsicht auch die Mo- 
natsnamen der Huzulen. So heisst bei ihnen der April, mit dem sie, 
wie soeben erwähnt wurde, das Jahr beginnen, herezenj^ der Mai tra- 
venj\ der Juni Ixnylenj oder zeh)ij\ der Juli hydzenj^ der August hi- 



1) Wieso die Huzulen zu vorstehenden Zahlen gelangt sind, ist freilich 
eine Frage, die nicht so einfach beantwortet werden kann. Am nächsten läge 
wohl anzunehmen, dass sie sich dieselben auf Grund des geltenden Kalenders 
selbst zurechtlegten. Da es ihnen schwer fallen mochte, sich zu merken, 
welchen Monaten 30, welchen 31 und welchem 2S, beziehungsweise 29 Tage 
zukommen, so gingen sie dieser Schwierigkeit eventuell in der Weise aus dem 
Wege, dass sie lauter 30-tägige Monate gelten Hessen und den Ueberschuss 
dem letzten Monat zuwiesen. Wenn aber erwogen wird, dass auch der alte 
babylonische und ebenso der alte iranische Kalender nur lauter 30-tägige 
Monate kannten und die Ausgleichung mit der wirkliehen Dauer des Sonnen- 
jahres annähernd durch Schaltvorrichtungen bewirkten, so Hesse sich sehr 
wohl auch der Fall denken, dass die Huzulen hierin irgend einer älteren 
Ueberlieferung folgten, die sich im Südosten Europas, woher sie gekommen 
zu sein scheinen, auch dann noch gehalten haben konnte, als christliche 
Staaten und Kirchen bereits den durch Julius Cäsar mit Beihilfe des alexan- 
drinischen Gelehrten Sosigenes reformirten römischen Kalender annahmen. 

-) Auch Dienstboten- und andere Verträge werden von den Huzulen 
nicht, wie sonst bei den Kleinrussen, von Weihnacht zu Weihnacht, sondern 
von April zu April oder genauer: von dem einen Georgstage zu dem anderen 
abgeschlossen. 



272 Kaluzniacki, 

ienj^ aber auch Jiopenj\ der September zoidenj ^ der October pado- 
iyst, der November hrudenj\ der December prosynec, der Jäuner si- 
cenj pervyj\ der Februar sicenj druhyj, aber auch lutyj\ der März 
marot ^). Was nun au diesen Monatsnamen zunächst auffällt, ist, dass 
sie mit Ausnahme desjenigen für den Monat März, der römische Pro- 
venienz bekundet, durchaus slavischen Ursprungs sind. Ferner ver- 
dient bemerkt zu werden, dass einige derselben andere, und zwar theils 
spätere, theils frühere Zeitabschnitte 2j bezeichnen als bei den übrigen 
Kleinrussen. Zu den Monatsnamen der ersteren Art gehören : herezenj 
und t7'avenj\ zu denen der anderen Art : zotdenj\ padolyst und hru- 
de7ij. Mehrere dieser Monatsnamen, so namentlich: hnyhnj\ bilenj 
und kopenj\ nehmen unsere Aufmerksamkeit auch dadurch in An- 
spruch, dass sie den übrigen Slaven, die Kleinrussen mit inbegriffen 3). 
nicht bekannt sind: wenigstens wissen die bis jetzt erschienenen Ver- 
zeichnisse slavischer Monatsnamen, unter denen die einschlägige Schrift 
Miklosich's (Denkschriften der Wiener Akademie der Wissenschaften, 
Bd. XVII) obenan steht, nichts davon. Es liegt auf der Hand, dass der 
erste dieser Namen mit Thema gnüu in der Bedeutung faul, fäulniss- 
erregend, der andere mit Thema b&lü in der Bedeutung weiss, weiss- 
lich, der dritte mit Thema kopa in der Bedeutung Schock, hier speciell 
Schock Garben, zusammenhängt. Mnylenj würde sonach obiger Ab- 
leitung zufolge den Monat bedeuten, der wegen der um diese Zeit herr- 
schenden feuchten Wärme die Fäulniss begünstigt; hiienj den Monat, 
der in Folge des sich damals vollziehenden Reifeprocesses den Saaten 



1) Kaindl, Die Huzulen, S. 98 schreibt statt dessen minder richtig: tra- 
loyn, zelyii, bedzyn^hopyn^ zouty, padohst, hmdyn,prosenyc, siczyi'tperivyj, siczyii 
druhyj, berezyn. Die Nameu : hnytenj, hiienj und lutyj sind ihm überhaupt 
unbekannt geblieben. 

2) Es wäre aber gefehlt, wollte man hieraus den Schluss ziehen, dass 
diese Verschiebung erst von den Huzulen etwa zu dem Zwecke vorgenommen 
wurde, um die Monatsnamen in üebereinstimmung mit den in ihren gegen- 
wärtigen Wohnsitzen henacheuden klimatischen Verhältnissen zu bringen. 
Wie zahlreiche kirchenslav. Denkmäler bekunden, waren die in Eede stehen- 
den Monatsnamen in der ihnen gegenwärtig bei den Huzulen zukommenden 
Bedeutung seinerzeit auch den Südslaven und insbesondere den Bulgaren 
geläufig. Die Huzulen sind also auch hierin nur irgend einer älteren Ueber- 
lieferung gefolgt. 

3j Speciell den Kleinrussen ist auch der Name prosynec nicht geläufig. 



Die Sonnwendlieder der westgalizischen Kleinrussen. 273 

ein weisslicbe3 Aussehen verleiht; /i;oy>e;{;" hingegen den Monat, der.die 
Felder mit schockweise geschichteten Garbenhaufen bedeckt. 

In sprachwissenschaftlicher Beziehung wäre hervorzuheben, dass 
alle huzulischen Monatsnamen mit Ausnahme derer für October und 
December und des entlehnten marot mittelst des Suffixes enj (= mij-b] 
gebildet sind. Kaluzniacki. 



Die SomiAveiidlieder der westgalizisclieE Kleinrnssen. 



Es dürfte einigermassen auffallen, dass ich die Sonnwendlieder 
der westgalizischen Kleinrussen aus der Gesammtheit derartiger Lieder 
heraushebe und selbe als eine besondere Gruppe behandle. Selbstredend 
habe ich meine guten Gründe hierfür. Schon der Umstand, dass die 
westgalizischen Kleinrussen ihre Sonnwendlieder nach einer eigen- 
artigen, den ostwärts wohnenden Volksgenossen nicht geläufigen Melodie 
singen und auch den Gegenstand dieser Lieder mit einem fremden, dem 
Sprachschatze ihrer polnischen und slovakischen Nachbarn entlehnten 
Ausdrucke, nämlich mit dem der »sobotka« bezeichnen, lässt dieselben 
als eine folkloristische Extravagante erscheinen, die verdient besonders 
gewürdigt zu werden. Ungleich wichtiger als dieser scheint mir aber 
der Umstand zu sein, dass die Sonnwendlieder der westgalizischen Klein- 
russen auch einen wesentlich anderen Inhalt haben als jene der ostwärts 
wohnenden Volksgenossen. Denn während in den Liedern der letzteren 
Kategorie ^) das eigentliche Merkmal des Festes der Sommersonnen- 



1) Sie sind in besonders grosser Zahl in den »TpyAii 3THorpa<i>.-CTaTucT. 
3KcnejuHiu st aanajHo-pycc. Kpaii« III, 199 — 223 u. 483 — 486 abgedruckt. 
Einiges hierher gehöriges Material ist übrigens auch bei Zegota Pauli »Piesni 
ludu rus. w Galicyi« I, 30 — 31, dann bei Kucyj (ich verweise insbesondere 
auf die Nummern 239 u. 240) und bei A. Pavlovskij I, 30 zu finden. Neuerer 
Zeit sind dazu noch die Beiträge hinzugekommen, welche die Damen J. Mo- 
szynska und Z. Rokossowska, sowie Pater Brykczynski im »Zbior wiadoraosci 
do antropologii krajowejaV, Abtheilung f. Ethnologie S. 2G — 38, XI, 177 — 184 
und XII, 95 — 96 verüfFentlicht hatten. Die zuletzt erwähnten Beiträge bieten 
jedoch vergleichsweise mit dem in den »TpysM« Enthaltenen nur wenig Be- 
merkenswerthes. 

Archiv für slavische Philologie. XXYII. lg 



274 Katuzniacki, 

wende, d. i. das Feuer, fast ganz zurücktritt i) , nimmt es in den ein- 
schlägigen Liedern der westgalizischen Kleinrussrn den ersten Platz 
ein, es ist wie des Festes, so der Lieder Mittelpunkt. 

Leider sind von den uns hier interessirenden Liedern nur einige 
wenige 2), und auch diese in zumeist ganz verstümmelter Gestalt 3) pnbli- 
cirt worden. Um daher sowohl die erwähnten Lücken auszufüllen, als 
eventuell auch weitere, bis jetzt ungedruckt gebliebene Nummern zu 
eruiren, habe ich es für der Mühe werth gehalten, während der Sommer- 
ferien, die ich seit einer Anzahl von Jahren grösstentheils in dem in 
Frage kommenden Gebiete zubringe, mein Augenmerk auch diesem 
letzteren Gegenstande zuzuwenden. Was war nun das Ergebniss meiner 
Bemühungen ? Es zeigte sich, dass in der überwiegenden Mehrzahl der 
von mir aufgesuchten Ortschaften sich in der That nur einige wenige 
Lieder dieser Art, und zwar in Redactionen erhalten haben, die nichts 
weniger als correct sind. Bald fehlt der Anfang, bald wieder das Ende 
des Liedes, oder es werden Bestandtheile verschiedener Lieder ge- 
dankenlos durcheinander geworfen. Glücklicherweise gibt es aber auch 
Ortschaften, wo wir etwas besser daran sind. Dahin gehören insbeson- 
dere die beiden, im Bezirk Lisko gelegenen Nachbardörfer: Rajskie 
und Telesnica Sanna mit Namen. Es lassen sich hier effectiv noch neun 
verschiedene Nummern in Redactionen feststellen, die man als einwands- 
freie bezeichnen kann. 

Mit Rücksicht auf ihren Inhalt dürften von diesen neun Liedern 
die nachfolgend sub 11 und V abgedruckten wohl die bedeutungsvollsten 
sein. Im Liede II gelangt speciell die wunderthätige, Menschen wie 
Thieren gleich zuträgliche Kraft der durch den Flammenschein der 
Sonnwendfeuer versinnbildlichten Sommersonne zum Ausdruck, wäh- 
rend im Liede V der directe Hinweis auf den Umstand vorliegt, dass 



1) Auf einundfünfzig, in den »Tpyati 3THorpa*.-cTaTucT. sKcn. b-b aanajHo- 
pycc. Kpaii« a.a.O. abgedruckte Nummern können z.B. höchstens drei (d.i. die 
Nummern : 2, 38 und 7i>) als solche bezeichnet werden, bezüglich derer dies 
nicht zuträfe. 

2) Mir sind diesbezüglich nur die vier oder, da das mit Nr. 4 bezeichnete 
nicht hierher gehört, nur die drei Lieder bekannt, welche Jakob Golovackij 
in seinen «HapoaHi.iH ntcHH rajiuu. u yropcKoft Pycu« II, 529 — 530 abdruckte. 

3; Um sich hiervon zu überzeugen, genügt es, die von Golovackij a. a.O. 
unter 1, 2 u. 3 abgedruckten mit den Liedern zu vergleichen, die ich unter 
IV, VIII und V vorführe. 



Die Sonnwendlieder der westgalizischen Kleinrussen. 275 

der Sommer zu der Zeit, da die Sonnwendfeuer brennen, bereits seinen 
Höhepunkt erreicht hat und bald, nur zu bald dem rauhen Winter mit 
dessen unzertrennlichem Begleiter, dem »kahlen« Froste, werde weichen 
müssen. Aber auch das Lied VU ist noch insoferne von Bedeutung, als 
daraus hervorgeht, dass selbst in der Gegend, wo man in der gewöhn- 
lichen Rede nicht mehr kupalo, sondern (vgl. Archiv XVI, S. 60 S ff.) 
kopaio spricht, sich ausnahmsweise noch der alte Name und in alter 
Beziehung erhalten hat. "Was dagegen das unter Nr. IV vorgeführte 
Lied anbetrifft, so glaube ich nicht, dass demselben eine mythologische 
Bedeutung innewohne. Die schwarze, beziehungsweise die blinde Katze, 
deren hier Erwähnung geschieht, scheint ihren Grund vielmehr in dem 
Umstände zu haben, dass es factisch schwer war, zu dem Worte »so- 
botka« einen besser passenden Reim zu finden als »kotka«. Hatte man 
aber einmal diesen Reim statuirt, so ergab sich der scherzhafte Inhalt 
des betreffenden Liedes, wonach die Burschen in ihrem Ungestüm eine 
ungesalzene und ungesottene schwarze, beziehungsweise blinde Katze, 
die Mädchen hingegen, die etwas später eintreffen, eine wohlzuberei- 
tete weisse Ente verzehrten, gewissermassen von selbst. 

Da die westgalizischen Kleinrussen, wie oben erwähnt wurde, so- 
wohl das Fest als solches, als auch die aus diesem Anlasse angezünde- 
ten Feuer mit einem aus dem Sprachschatze ihrer slovakischen und 
polnischen Nachbarn entlehnten Ausdrucke bezeichnen, so lag es nahe 
anzunehmen, dass auch zwischen den beiderseitigen Liedern irgend 
welche Uebereinstimmungen bestehen. Auf Grund einer eigens in dieser 
Richtung durchgeführten Vergleichung darf ich jedoch versichern, dass 
dies nicht der Fall ist. Wenigstens habe ich unter den bis jetzt bekannt 
gewordenen polnischen und slovakisch-böhmischen Sonnwendliedern 
nicht eines angetroffen, das sich mit einem der hier abgedruckten klein- 
russischen inhaltlich decken würde. Und ähnlich wie in Bezug auf In- 
halt gehen die beiden Gruppen von Sonnwendliedern auch in Bezug auf 
die äussere Form auseinander. Eine Ausnahme hiervon macht in dieser 
Hinsicht höchstens das in der Umgebung von Krakau gesungene poln. 
Sonnwendlied, das mit den Worten : 

Oj sobötka, sobotecka, 
beginnt 1) und mit den hier abgedruckten kleinrussischen formal inso- 



1) Es ist zuerst im »Tygodnik ilustrowany« pro 1862, Nr. 141, dann noch 
einmal in Kolberg's »Lud, jego zwyczaje« etc. V, S. 295 abgedruckt worden. 

18* 



276 



Ka}:uzniacki, 



fern übereinstimmt, als es mit ihnen das Versmass (den vierfüssigen 
Trochäus) gemein hat. 

Schliesslich bemerke ich noch, dass die Melodie, nach der die in 
Rede stehenden kleinrussischen Sonnwendlieder gesungen werden, die 
folgende ist: 




-£ 



J^ 



Die Lieder selbst haben nachstehenden Wortlaut; 



Oh coöotko, coöotoüko, 

K na Teöe BOJOqH.ia (2) 

M CTeateiiKy xojioyHJia 

Eh to bx ropy, to bi> ;i;o;iHHy, 

To B1. TOJioKoy, to El. ii;apHHy. 

ropH-aci, ropH, coöoToilKO, 
TopH HOHO, noAHHMaii ch, (2) 
Ha yci öoKLi poscBi^aft cn 
Ell TO Bt ropy etc. 

Ta io»:x ropHTt eoöoTOHKa, 
FopHT-L HOHO, najenie, (2) 
Ha ycfe öoKLi fiCKpti cie 
Eil TO Bi. ropy etc. 

Oh coöotko, coöötohko, 
H Ha xeöe BOjio^iHJia (2) 
II cTeateHKy xojioqHJia 
Eh to Bt ropy etc. 

II. 

3anLij[ajia coöoToiiKa, 
CxonH.ia CH iiejfl;;oHKa, 



CxonHiia CH, npnöirae, 
Ta me ApoBeui'L AOK.iaAae. 

CoÖOTOHKa HCHO TOpHTI, 

Hejifl;i;oilKa ntimHO xoähtx; 
CoöüTOHKa Aorapae, 
XoAOÖOHKa npoKBHTae. 

m. 

Oii Ha ropi, na ropöo^Ky 

CK.iajIH A^BKLI COÖÖTO^Ky. 
npHHUIJIH XJ[0ni;H, p03BaJIHJIH, 

Coöi pyKti sacMajiHJiH. 
lOact öy^eTB Tenept snaTH, 

RkT> COßÖTKy p03BaJIflTH. 

HaKT. na ropi, na ropöo^iKy 
ÜKjiajiH xjionnH coöoToqKy. 

npHHmjIH A^BKLI, HB TLIKaJIH, 

T6.ihK0 1) KpacHi 2j 3acniBajiH, 
A coööTKa 3ani>Tjra.ia, 
T^tBKaMT. AO-iK) BimyBa.ia. 

IV. 

/I^o.iimH>iHe, ropiuiHHHe, 
Cxo^bTe CÄ^Ai» HaM'B na co66TKy,(2) 



1) Weiter westwärts hört man: tövko. 

2) Von der Oslawa, einem Zuflüsse San's, westwärts hört man häufiger : 



rapAi. 



Die Sonnwendlieder der westgaliziachen KleinruBsen. 



277 



CneyeMe saMt yopiiy i) KOTRy. 
Hhmt. ch A'^bkli no3uira;in, 
Xjioni;H KOTKy posopsa^ii ; 
HHMt me Ä'iBKBi 31. ropöa söirjiH, 
Xjionun KOTKy ^lopHy^) stijiH, 

Heeo.ieiiy ik HeMaineny 
II i^eöyjiBKOBX iieKpameHy. 
A KOMy ca ne ÄOCTajro, 
Han cn Bti^pe 3x kotkli cajio, 
Haft CH cxoBaxx na nojiHu;K) 3), 
MacTHTH cn KanycTHi],io^). 

ITaKt cfl A'iBKLi nosö'SrajH, 
Eijiy Ka^iKy posopBajiii, 
II cojeHy H Mameny, 
M i^eöy.iKKOB'K saKpameiiy. 



CaiepTb c^ MoposoMi. TaHi],OBaJia, 
Ta 3a Jiope Aecb nornajia. 
Ilom.ira CMepTt codi y Ji']&cti, 
Iloöin. 5) 3a HeBt Moposi. jihchh, 
II CH^iaTx xam-L bi. TeMiioft Hopi, 
3a BO^aMH y KOMopi. 
CMepxe, CMepxe, He BepxaH ca, 
Tii, Mopose, ne 3^HBjrHH ea ; 
ÜHAbxe CH xaMi, ne Bepxaftxe, 
Hacx noacHXKY ne söaBjrailxe; 
Haft HaM-L coHrte Aajtuie rpie, 
jKhxo, apei^'L CKopo spie. 



VI. 

Oh noracjia coöoceHKa, 
SanjiaKajia MapncenKa. 

Ta ne racHH, coööceäKO, 
Ta ne n.3a^iH, MapncenKO. 

3anHjrajia coöoceHKa, 
SacniBajia MapncenKa. 

lOacx ne njiaye, ne pti^ae, 
Eo HBaca oönniviae. 

VII. 

Ha Kyna.ia, xa na üna 
KynaJia ca rpe^ina nanna, 
Kynajra ca, xa Bxanjrajia, 
Ha 6pau,efiKa ch BOJiajia : 
Bbihah, bbihah, Möii 6pau,eHKy, 
Ho^aä, no^aS mh pyyenKy, 
Ho^an eAHy, no^aä o6i, 
Ta npnropHH Mene 'ai> co6i. 
He A^Mx eAHy, ne AaMx. o6i, 
He npHropny xe6e 'ai» coöi. 
Bbihah, bbihah, moh xau;eHKy, 
HoAan, noAaii mh pyiieäKy etc. 
He AaMt eAHy, ne AaMt oöi, 
He npnropny xeöe 'a'b co6i. 
Bbihah, bbihah, MaxepeHKO, 
noAan, noAaä mh py^eäKy etc. 
He AaMx. eAHy, ne AaMx o6i, 
He npnropHy xeöe 'a'b codi. 
Bbihah, bbihah, moh MHAeHBKBin, 



1) Daneben besteht die Variante : cjiinj. 

-] Vgl. die nächst vorangehende Anm.. 

3; Weiter westwärts : no.rauy. 

*) Ebendaselbst: KanycTuuy. 

5) Hier und da hört man auch : nöruay. 



278 Kaluzniacki, Die Sonnwendlieder der westgalizischen Kleinrussen. 



IIoAaä, no;i,a5 mh pyqeHLKti, 
no^aä e^Hy, no^aS o6i, 
Ta npHTopHH Mene 'ai> codi. 
^aM^B TH eAHy, AaM-L th o6i 
II npHropny xeöe ai- co6i&. 

VIII. 

Ha posToiii, Ha noroi^i 
^Ba rojiyÖH BO^y nnjH, 
BoAy HHJiH, 3a>ryTHJ[H 
Taä B3KJIH CH, no-iex^jH. 
TIojieT§jiH Bi> AyöpoBOHKy, 
Ha sejieHy KajiHHOHKy, 
H CTajiH TaMx posBaacaTu, 

HKt ÖLI TOTO AOKOHaTlI 1 ' , 

nJ,o6i> OcTanoB'B IlBacefiKO 

Ta Bateiray ch 3x MapnceäKOB-L. 

TyTKaJIB Ä3B0HH 3aA3B0HHJIH, 

H rojiyÖH TaKt BcyAHJiH: 
By^eMx ^At HjepKBH npn-iiTaTH, 
MaTKy 66aty yMOJiETH, 



HaH OcTanoBi) IlBaceäKO 

Ta BateHHTi. ca ai. MapaceHKOBt. 

IX. 

Bepxi. EecKLiAa sejieHoro 
Ilace Hh'ihk'b kohä cboto 
Ilace, nace, nonacye, 
Ha KOHH'iKa nocBHCTye : 
Eh KOHHiK-y qopHorpHBBiH, 

^OM'B TLI CMyTHLlil, He IirpHBHH ? 
IJ,H TH ^KOAHTX SÖpYH TaH, 

IJ,H maöjiHiiKa cTajreBaa? 
Hh mh ^koaktt söpya Taa, 
Hh maö.iHqKa cTajieBaH, 
IIho mh yK0AHT%, mo He SHaemt, 
nj^o KaTpycK) 3acMyyaeuit, 
A KaTpycH Teöe jhgöht-l, 
UI,Hpe ^AT> cepi];io npnrojiyönT'L, 
Jhhil ÖLI TBi KaTpycK) jnoöny, 
HJ^npe 'a^ cepipo npnroxyÖHy. 



*■) Statt dieser zwei Verse begegnet man hier und da auch der Variante : 

H ciajin CH roBopHTH, 
KoMy-öt Toro nopyiHTH. 

Kaiuhiiacki. 



Kritischer Anzeiger. 



Erstes Decetmium vnssenschaftUcher Thätigkeit der Sevcenko-Ge- 
sellschaft der Wissenschaften in Lemberg. *) 

Die Sevcenko-Gesellschaft d. Wissenschaften in Lemberg hat vor Jahres- 
frist das erste Deeennium ihrer wissenschaftlichen Thätigkeit abgeschlossen. 
Gegründet im J. 1873 von ukrainischen Patrioten aus Russland zur Pflege 
der ukrainischen Literatur, wurde sie im J. 1892 in eine wissenschaftliche 
Gesellschaft umgestaltet und machte sich energisch an die Erforschung der 
Fragen, welche vorzüglich mit der Vergangenheit und der Gegenwart der 
Kleinrussen im weitesten Sinne, also auch die österreichisch -ungarischen 
Ruthenen umfassend) verknüpft sind. Durch eine Reihe weiterer Umgestal- 
tungen sich dem Organisationstypus der Akademien nähernd, wurde sie in 
letzter Zeit de facto eine kleinrussische Akademie, wenn auch ohne Titel, und 
als die gegenwärtig einzige höhere wissenschaftliche Nationalanstalt ver- 
einigte sie in sich die wissenschaftliche Arbeit in kleinrussischer Sprache 
und erlangte eine ungemein wichtige Bedeutung in dem Kulturleben des 
kleinrussischen Volkes. Obwohl nun über ihre wissenschaftliche Thätigkeit, 
wie auch über einzelne Publikationen im »Archiv« wiederholt die Rede war, so 
dürfte doch eine systematische üebersicht aller bisherigen Arbeiten, welche 
sich auf kleinrussisches Land und Volk beziehen , für alle Slavisten will- 
kommen sein. 

Die wissenschaftlichen Publikationen der Sevcenko-Gesellschaft be- 
stehen aus folgenden Serien : 

»Mittheilungen der Sevcenko-Gesellschaft d. W.« (3aniicKH 
HayKOBoro ToBapiiciBa iMenu IUeBqeHKa), eine wissenschaftliche Zeitschrift, 
hauptsächlich der Geschichte, Literaturgeschichte, Ethnographie und Sprache 
des kleinrussischen Volkes gewidmet. Sie erscheinen alle zwei Monate in 
Heften, jedes mehr oder weniger im Umfange von 200 Druckseiten; bis zum 
Schlüsse des J. 1904 sind 62 Hefte erschienen. Hier werden Abhandlungen 
und kleinere Materialien mit erklärenden Anmerkungen publicirt (kleinere 
Notizen und Materialien in der Abth. Miscellanea). Ausführlich und syste- 
matisch wird die Rubrik Bibliographie geführt (in den Abth. Wissenschaft- 

*) Aus Anlass dieser bibliogr. Üebersicht drücken wir den Wunsch aus, 
auch über andere slav. Gesellschaften, die der Pflege einheimischer philolog.- 
historischer Disciplinen oder der Ethnographie gewidmet sind, ähnliche Re- 
ferate zu bringen, wenn man sie uns, so wie es hier der Fall war, in deutscher 
Bearbeitung zusendet. Es ist kaum nöthig hervorzuheben, dass bei derartigen 
bibliogr. Uebersichten die kritische Würdigung der Einzelleistungen nicht 
immer zur Geltung kommen kann. V. J. 



280 Kritischer Anzeiger. 

liehe Chronik und Bibliographie, welche zusammen Vs — V2 des Heftes ein- 
nehmen); hier wird jahraus jahrein der Inhalt kleinrussischer, russischer, 
polnischer, magyarischer und sonstiger Zeitschriften angegeben, welche 
irgendwelche Artikel oder Materialien über kleinrussische Länder bringen 
(in den letzten Jahrg. gegen 70 Zeitschriften) ; alle irgendwie wichtigeren 
diesbezüglichen Artikel und Publikationen finden hier eine kritische Würdi- 
gung oder wenigstens eine Inhaltsangabe, so dass diese 62 Hefte der »3a- 
nucKjj« zusammengenommen eine recht solide bibliographie raisonnöe für das 
Studium Kleinrusslands darstellen, über 3500 Titel diverser Artikel und 
Publikationen. Besonders sorgfältig, wie in keiner anderen ausländischen 
Publikation, wird die wissenschaftliche Literatur Eusslands registrirt und 
besprochen. Von Zeit zu Zeit finden auch systematische Uebersichten der 
Literatur einzelner Fragen Platz, welche nicht unmittelbar mit Südrussland 
verknüpft sind; so wurden in den Jahren 1897 — 99 Uebersichten der Literatur 
zur allgemeinen Weltgeschichte, für die J. 1900 — 2 Uebersichten der west- 
europäischen Literatur über Anthropologie, Archäologie, Ethnologie und 
Folklore gebracht. 

»SaniioKii« sind das Organ der historischen und philologischen Sectionen 
der Gesellschaft. Ausserdem gibt jede von ihnen jährlich einen Band ihres 
»36ipHUK« heraus im Umfange von 15 — 30 Druckbogen; sie sind für umfäng- 
lichere Arbeiten oder systematische Sammlungen kleinerer Aufsätze bestimmt. 
Im »Zbirnyk« der historischen Section wurde meine Geschichte der Ukraine 
(Bde. I — IV und VI — VII des »Zb.«) publicirt, in jenem der philologischen 
Section wurden Sammlungen der folkloristischen Arbeiten Dragomanov's und 
Dykariv's, eine zweibändige Biographie Sevcenko's von AI. Konyskij u. A. 
gedruckt. Bisher sind 7 Bände des historischen und 6 des philologischen 
»Zbirnyk« erschienen. 

Die historische Section gibt ausserdem noch die »Ruth, historische 
Bibliothek« (PyctKa icTopuina 6i6.!iiOTeKa) und die philologische die »Lite- 
ratur-Bibliothek« (yKpaiucLKo-pycBKa 6i6.iiOTeKa) heraus. Die erste begann 
schon in den 80-er Jahren zu erscheinen, unabhängig von der Sevcenko- 
Gesellschaft d. W. und wurde nur später durch die Ges. übernommen zu- 
sammen mit einem kleinen Subsidium, welches der galizische Landtag dieser 
Publikation spendete. Hier wurden meistentheils Uebersetzungen hervor- 
ragender Monographien zur Geschichte Südrusslands gedruckt (von Kosto- 
marov, Antonovyc, Vladimirskij-Budanov u. A.) ; bisher sind 24 Bde. er- 
schienen. Vom künftigen Jahre angefangen soll diese Publikation Materialien 
und systematische Sammlungen werthvoller Artikel bringen, welche in sel- 
tenen galizisch- und uugariäch-ruthenischen Druckschriften zerstreut sind. 
Die »Literatur-Bibliothek« wurde unlängst gegründet für wissenschaftliche 
Ausgaben kleinrussischer Klassiker; bisher sind drei Bände erschienen, 
welche die Werke des bukowinischen Dichters und Novellisten J. Fedkovyc 
enthalten. 

Archäographischen Publikationen sind zwei Serien gewidmet: 
»Quellen zur Geschichte der Ukraine« (/Kepejia so icxopui TKpaiHii-PycH) 
bringen urkundliches Material und »Denkmäler der ukr. Sprache und 



Bericht über die Thätigkeit der Sevcenko-Gesellschaft. 281 

Literatur «(IIaMflTKuyKpai"nci.KoiMOBU i jiTeparypu) — literarische Denkmäler. 
Jährlich erscheint ein Band, abwechselnd bald aus der einen, bald aus der 
zweiten Serie. Von der historischen Serie sind bisher G (I— V und VIIj, von 
der literarischen 4 Bände erschienen; von den darin enthaltenen Materialien 
und sie begleitenden Elnfiihrungs-Studien wird weiter bei entsprechenden 
Themen die Rede sein. 

Ethnographische Materialien erscheinen auch in zwei Serien: 
Ethnographische Sammlung (Eruor'pa'i-iiiiHir 36ipiiHK), hauptsächlich den Pro- 
ducten der Volkstradition (des Folklore) gewidmet und Texte in möglichst 
genauer philologischer Wiedergabe bringend. Von dieser Serie erscheinen 
jährlich zwei Bände; bisher sind 16 Bände erschienen, welche eine ganz be- 
deutende Masse volksthümlicher Ueberlieferungen enthalten. Die zweite 
Serie: »Materialien zur ukrainischen Ethnologie« (Marepuji.iH ao yKpaiHCBKo- 
pycBKoi eiHo.iBor'ii, bisher 7 Bde., erscheint ein Band jährlich) bringen haupt- 
sächlich Beiträge zur descriptiven Ethnographie sowie zur Archäologie 
(Paläoethnologie). 

Die Juridische Zeitschrift (^aconuct üpaBHuia), Organ der juridi- 
schen Commission, wurde nach zehnjährigem Erscheinen (18S9 — 1900, zehn 
Bände) im J. 1900 in eine »Juridisch -ökonomische Zeitschrift« umgeformt 
im J. 1904 ist der Doppelband VI — VII davon erschienen. Wie ihre Vor- 
gängerin wendet auch diese »Juridisch-ökonomische Zeitschrift« die meiste 
Aufmerksamkeit dem obligaten österreichischen Rechte zu, weniger Raum 
den theoretischen Fragen des Rechtes und theilweise der Sociologie er- 
theilend ; ziemlich viel Platz wird der Bibliographie ertheilt. Die den klein- 
russischen Themen gewidmeten Artikel werden weiter unten erwähnt. Als 
eine Ergänzung der »Zeitschrift« dient die »Juridische Bibliothek«, wo um- 
fangreichere Universitätscurse aus dem Gebiete des obligaten Rechtes ver- 
öflfentlicht werden (bisher sind drei Hefte erschienen). 

Arbeiten aus dem Gebiete der mathematischen und naturwissenschaft- 
lichen Disciplinen wurden anfangs in den »Mittheilungen« veröffentlicht, 
welche als allgemeines Organ der Gesellschaft galten; in den ersten Bänden 
der »Mittheilungen« (bis zum XIV.) gibt es ziemlich viel mathematische, 
naturwissenschaftliche und medicinische Artikel. Seit dem J. 1897 werden 
dieselben in der Sammelschrift derSection für mathematische, natur- 
wissenschaftliche und medicinische Disciplinen gedruckt; im J. 19u4 wird der 
zehnte Band erscheinen. In den J. 1898 — 1902 wurde der medicinische Theil 
separat als »Medicinische Sammelschrift« (JIiKapci,KHii 36ipHUK) her- 
ausgegeben (erschienen sind 6 Hefte; ; ausser Abhandlungen und Beobach- 
tungen wurde hier auch der Bibliographie und Terminologie viel Platz ge- 
geben. Gegenwärtig ist sie mit der gemeinsamen Sammelschrift der Section 
vereinigt. 

Ich muss auch die literar-wissenschaftlichen Publikationen der Gesell- 
schaft erwähnen. Bis zum J. 1898 gab sie die Zeitschrift »Zorja« heraus 
1880 — 1897, 18 Jahrgänge); sie erschien zweimal monatlich, wurde für die 
»Familienlektüre« bestimmt, seit 1891 illustrirt (unter den Illustrationen sehr 
viele ethnographische und historisch interessante Abbildungen). Im J. 1898 



282 Kritischer Anzeiger. 

trat an ihre Stelle der »Literarisch -wissenschaftliche Bote« (üiTepaiypHo- 
HayKOBUH bIcthhk), eine Monatsschrift vom Typus der westeuropäischen Re- 
vue, erscheint in Heften, jedes im Umfange von 10 — 12 Druckbogen. Der 
Inhalt zerfällt in Belletristik, den wissenschaftlich-literarischen Theil und die 
Chronik. Die Gründung dieser Revue fiel mit einer starken Belebung des 
kleinrussischen literarischen Schaffens in Galizien und Russland zusammen 
und blieb auch ihrerseits nicht ohne merklichen Einfluss auf dasselbe sowie 
auf die Erhöhung des allgemeinen Niveau's des literarischen Geschmackes 
und der kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft. Der L.-w.B. gibt ein ziem- 
lich vollständiges und lebhaftes Bild der literarischen Bewegung dieser Jahre. 
In seiner literarisch-wissenschaftlichen Abtheilung sowie in seiner Chronik 
wurden eine Menge Artikel und Notizen nicht nur literar-kritischen, sondern 
auch allgemeineren wissenschaftlichen Inhalts veröffentlicht. Wer sich mit 
dem Inhalt dieser Zeitschrift näher befassen möchte, den verweise ich auf das 
unlängst erschienene Inhaltsverzeichniss des L.-w. Boten für die ersten fünf 
Jahre (20 Bände) seines Erscheinens. 

Ein Bild der Wirksamkeit der Gesellschaft, der in ihren gelehrten 
Sitzungen vorgetragenen Arbeiten und ihrer wissenschaftlichen Publikationen, 
geben periodische Berichte (Chronik], welche in kleinrussischer und deutscher 
Sprache seit dem J. 1900 viermal jährlieh erscheinen; früher wurden solche 
Berichte in den »3anucKn« veröffentlicht. Jedes Jahr gibt das erste Heft dieser 
Chronik einen Jahresbericht der Gesellschaft; Nachrichten über den Stand 
der Bibliothek und anderer wissenschaftlicher Hilfsmittel, eine Liste der In- 
stitutionen, welche mit der Gesellschaft ihre Publikationen austauschen u.s.w. 

Nach diesen allgemeinen Bemerkungen komme ich zur systematischen 
Uebersicht der nach Gruppen geordneten Materialien und Forschungen auf 
dem Gebiete der Vergangenheit und der Gegenwart Südrusslands, welche in 
den Publikationen der Gesellschaft enthalten sind. 

Mit der Archäologie beginnend will ich zuerst einige Artikel des 
Theodor Volkov über den bekannten Fundort in Kijev hervorheben: »Vor- 
historische Funde in der Cyrillus-Gasse in Kijev« (Ethnol. Mater. I) — bisher 
nach meiner Meinung die beste Arbeit, welche über diese Funde veröffent- 
licht wurde — und »Der Madeleine-Sdl in der Ukraine« (Zap. 46), eine 
Arbeit, speciell den ornamentirten Stosszähnen des Mammuts gewidmet, 
welche Herr Volkov der Madeleine-Epoche zuschreibt. Im VI. Bde. der Ethn. 
Mater, erschien der Anfang seiner grösseren Abhandlung über die »Vor- 
mykenische Kultur«, jene räthselhafte Kultur, welche besonders durch die 
unlängst gemachten Funde des Herrn Chvojka solches Aufsehen erregt hat 
und bisher in Hinsicht ihres Ursprungs und ihres Verhältnisses zu ähnlichen 
westlichen Funden nicht aufgeklärt wurde. In Verbindung damit stehen »Die 
Funde in den Tumuli zwischen Veremje und Stretivka und bei Trypille«, 
welche von demselben Volkov in einer vorläufigen Notiz (Eth. Mat. III) be- 
schrieben wurden. 

Die frühmetallische Kultur berühren: meine Notiz über bronzene 
Schwerter aus dem Bez. Turka (Ostgalizien, in den Karpathen) — einen der 
wenigen erforschten Funde der mesodanubischen Broncekultur in Galizien 



\ 



Bericht über die Thätigkeit der Sevcenko-Gesellschaft. 283 

(Zap. 33) und mein Artikel über das Gräberfeld beim Dorfe Cecliy, Bez. 
Brody in Galizion (Zap. 31 — 32), einem überaus reichen Bestattungsgräber- 
felde aus der Uebcrgangszeit von der Stein- zur Eisenkultur, welches leider 
durch die Grabungen der unwissenden Leute, denen ihre Führung anvertraut 
wurde, total verdorben worden ist. Die Aufschichtung verschiedener Kul- 
turen und die Ueberreste der Fiirstenperiode beschreibt mein Artikel über 
Zvenyhorod, eine der ältesten fürstlichen Residenzen Galiziens (Zap. ibid.); 
hier wird auch die Streitfrage über die Lage Zwenyhorods behandelt. Einem 
interessanten Funde der Erzeugnisse altrussischer Juwelierkunst im D. Molo- 
tiv zusammen mit den Münzen des XIV. Jahrh. ist mein anderer Artikel ge- 
widmet (Zap. 25). In der Notiz über »die Ohrringe des Kijever Typus bei 
gegenwärtigen Kaukasiern« (Zap. 37) weise ich darauf hin, dass Ohrringe 
dieses Typus, Ajour- Arbeit, mit drei geflochtenen Perlen noch jetzt durch 
eingeborene Juweliere in der Gegend von Vladikavkas verfertigt werden. 

Einige Notizen habe ich auch den altrussischen und byzantinischen 
Bleisiegeln gewidmet, welche in Ostgalizien gefunden werden (Zap. 33). Die 
altrussische Kunst behandeln: meine Artikel über die Arbeiten des Ak. Kon- 
dakov (Zap. 40), über die Miniaturen des Trierer Psalters (Zap. 49) und der 
Marie Hrusevska über die einstige Ausbreitung der ruthenischen Kunst in 
polnischen Ländern — sehr interessante Nachrichten über die in polnischen 
Ländern verlorenen und erhaltenen, von klein- und Weissrussischen Meistern 
des XIL — XV. Jahrh. geschaffenen Kunstdenkmäler (Zap. 51). 

Ausserdem wurde ein allgemeiner Umriss der archäologischen Denk- 
mäler auf dem südrussischen Territorium , der Kultur nach archäologischen 
üeberresten sowie auch der altrussischen Kunst in meiner »Geschichte der 
Ukraine« gegeben, wovon gleich unten. Werthvolle Hinweise und Correc- 
turen finden sich in einigen Recensionen über archäologische Arbeiten, so 
z. B. in Jastrebov's Recension über die »Tumuli der Smila« des Gr. Bo- 
brinskij (Zap. 7), V. Domanskij's Besprechung der archäologischen Karten 
der Gouvern. Volynien und Podolien (Zap. 50) usw. Eine Uebersicht der 
westeuropäischen Literatur über die Archäologie vom J. 1900 bis heute gibt 
Z. Kuziela (Zap. 59). 

Von meiner Geschichte der Ukraine') sind bis jetzt vier Bände 
erschienen, welche die Zeit bis zum Ende des XVL Jahrh. umfassen; die fol- 
genden Jahrhunderte denke ich in weiteren vier Bänden darzustellen. Der 
erste Band beginnt mit der Geschichte des Territoriums — der Uebersicht 
archäologischer Menschenspuren auf dem Territorium von den Karpathen bis 
zum Kaukasus — von der paläolithischen bis zur historischen, graeco-sarma- 

1) »IcTopHH yKpaiHii-Pycii« Bd. I, 1898 (bis zum Beginn des XL Jahrh.), 
IV 4- 496 S. (Sammlung der bist, philosoph. Section, Bd. I); Bd. II, 1899 (das 
XL— XIII. Jahrh.), 403 S. (Samml. Bd. II); Bd. III, 1900 (bis zum J. 1340), 
700 S. (Samml. Bd. III und IV); Bd. IV, 1903 (das XIV.— XVI. Jahrh., poli- 
tische Verhältnisse), 532 S. (Samml. Bd. VI und VII). Die ersten Bände sind 
schon vergriffen und erscheinen in neuer Ausgabe (Bd. 1, 1904. VIII-f-62S S.). 
Im Druck befindet sich eine deutsche Ausgabe, welche von der Firma 
B. G. Teubner in Leipzig besorgt v/ird. 



284 Kritischer Anzeiger. 

tisclien Kultur. Durch die Analyse der Frage über die Urheimath der indo- 
europäischen und speciell slavischen Stämme werden die Ausgangspunkte 
der späteren slavischen Colonisation (inwieweit dies bei den jetzt bekannten 
Thatsachen möglich ist) festgestellt und hernach die nichtslavische Coloni- 
sation des südrussischen Territoriums überblickt: die griechische Coloni- 
sation der Nordufer des Schwarzen Meeres, die iranische Steppenbevölkerung 
(Skythen, Sarmaten, Alanen), die thrakische, zu welcher am ehesten die 
ältesten Bewohner der Karpathen zu zählen sind, die germanische (Bastarnen. 
Gothen) und schliesslich die asiatische, turkofinnische Migration (Hunnen, 
Bulgaren, Chazaren, Avaren, Magyaren, Pecenegen). Das zweite Capitel ent- 
hält eine Skizze der slavischen Besiedelung des südrussischen Territoriums 
— Geschichte der Colonisation und eine Uebersicht der Sitzplätze einzelner 
Stämme auf diesem Territorium; ziemlich viel Platz wurde der Feststellung 
der westlichen und südwestlichen Grenze der kleinrussischen Colonisation 
gewidmet, wo es so viel strittiges und unsicheres gibt; eine Uebersicht der 
Verluste, welche die kleinrussische Colonisation unter dem Andrang der Horde 
der Pecenegen erlitten hat, beschliesst dieses Kapitel. Das dritte Kapitel ist 
der Darstellung der Kultur- und Lebensverhältnisse südrussischer Stämme 
im Zeitpunkte ihrer Festsetzung und Staatenbildung gewidmet, auf Grund 
linguistischer, archäologischer und historischer Daten: Wirtschaft und In- 
dustrie, Lebensweise, Handel, der physische und psychische Menschentypus, 
die religiöse Weltanschauung, Begräbniss- und Hochzeits- Bräuche, das 
Familienleben und die sociale Organisation. Im vierten Kapitel wird die 
Bildungsgeschichte des Russischen (Kijever) Staates dargestellt — die 
Schwächen unserer annalistischen Tradition werden nachgewiesen und hernach 
die Nachrichten über den Beginn der Staatsorganisation unabhängig von der 
Theorie des varägischen Ursprungs der »Rus« zusammengestellt: die ältesten 
Nachrichten über »Rus« sowie Zeugnisse über den Bildungsprocess des Kije- 
ver Staatswesens, woran sich eine Uebersicht seiner Geschichte im X. Jahrh. 
(Oleg, Igor, Olga, Svjatoslav) knüpft. Hierher gehören auch zwei Excurse am 
Ende des Bandes: über die Aelteste Chronik sowie über die normannische 
Theorie in der historischen Literatur (Geschichte und Kritik des Normannis- 
mus). Das letzte Kapitel ist dem Ausbau des Kijever Staatsgebäudes unter 
Vladimir gewidmet. In der zweiten Ausgabe wurde der erste Band bedeutend 
erweitert; manche Kapitel wurden ganz neu geschrieben, z. B. die archäo- 
logische Uebersicht des Territoriums, wo sehr viel neues Material hinzukam ; 
neue Kapitel wurden hinzugefügt über die Familienverhältnisse und die An- 
fänge des politischen Lebens bei den südrussischen Stämmen ; die Literatur- 
nachweise wurden erweitert und vervollständigt. 

Der zweite Band besteht aus zwei Theilen. Der erste (Kap. I — III) gibt 
die Geschichte des Kijever Staates, seiner Auflösung und seines Verfalls bis 
zur Hälfte des XIII. Jahrh. ; der zweite besteht aus Skizzen, welche einzelnen 
kleinrussischen Gebieten gewidmet sind: dem Kijever (im Anhang dazu eine 
kleine Skizze des Gebietes von Turov und Pinsk), dem Gernihover und Pere- 
jaslaver Territorium, ihrer Geschichte, ihrem kulturellen und socialen Leben 
(Kap. IV und V). Das letzte Kapitel ist den Steppen am Schwarzen Meer 



Bericht über die Thätigkeit der Sevcenko-Gesellschaft. 285 

gewidmet, schildert die Ueberreste der kleinrussischen Colonisation in den 
Steppen und die dortige türkische Colonisation (die Pecenegen, Torken, Po- 
lovzen, ihre Colonien in der Ukraine, die Ankunft der Mongolen = Tatarenj. 

Der dritte Band beginnt mit einer Skizze der galizisch-volynischen 
Territorien; ein besonderer Abschnitt, welcher das Interesse völliger Neu- 
heit hat, befasst sich mit Ungarisch -Ruthenien; hier sind Nachrichten der 
ungarischen Urkunden des XK. — XIII. Jahrh. über ungarische, mit Ruthenen 
besiedelte Provinzen gesammelt. Das folgende Kapitel gibt die Geschichte 
des galizisch-volynischen Staates des XII. — XIV. Jahrhunderts (bis zum 
J. 1340\ das dritte schildert die Schicksale der Länder am Dniepr unter der 
Herrschaft der Tataren, welche den völligen Verfall des Staatslebens und der 
Kultur hier herbeiführte. Die zweite Hälfte des Bandes (circa 320 Seiten) 
enthält einen Umriss der politischen und socialen Einrichtungen, der ökono- 
mischen Verhältnisse, der Lebensweise und Kultur der kleinrussischen Län- 
der in der Periode ihres selbstständigen Staatslebens (X. — XIV. Jahrh.) : das 
Staatensystem und die Verhältnisse der Fürsten zueinander, die politische 
Organisation der Territorien, der Fürst und das Vece (Volksversammlung), 
die Administration und die Gerichtsbarkeit, die Kirche und die Kirchenver- 
waltung, die sociale Einrichtung — die Klassen, ökonomische Verhältnisse, 
das Recht als kulturelle Erscheinung, das Privatleben — Familienverhält- 
nisse, die damaligen Laster in der Darstellung der kirchlichen Literatur und 
der Einflnss des Christenthums, das kirchliche Leben, die Kunst, Auf- 
klärung, Gelehrsamkeit und die literarische Production. 

Der vierte Band ist den äusseren politischen Ereignissen des XIV. bis 
XVI. Jahrh. gev/idmet, welche auf die Schicksale der kleinrussischen Länder 
von Einfluss waren und schliesslich zur Vereinigung dieser Länder unter pol- 
nischer Herrschaft führten. Das erste Kapitel stellt die Geschichte derOccu- 
pation kleinrussischer Länder durch das Grossfürstenthum Littauen und das 
Königreich Polen im XIV. Jahrh., sowie ihren Kampf um die galizisch-voly- 
nischen Länder dar. Das zweite wird durch den ungarisch-polnischen Streit 
um Galizien eröffnet und geht hierauf auf die Ereignisse des XIV. und An- 
fang des XV. Jahrh. über, welche auf die Beziehungen Rutheniens, Littauens 
und Polens einen mächtigen Einfluss hatten und ihre Geschichte in den folgen- 
den Jahrhunderten bestimmten: die Union vom J. 1385, den Vertrag über die 
Incorporation der zum Grossfürstenthum gobörigen Länder unmittelbar an 
Polen; die Opposition gegen diese Incorporation im Grossfürstenthum Lit- 
tauen unter Führung des Vitovt ; die Aufhebung jener fast selbstständigen 
Fürstenthümer, aus welchen die kleinrussischen Territorien des Grossf ürsten- 
thums Littauen bestanden und ihre Umwandlung in einfache Provinzen. Das 
dritte Kapitel schildert den Kampf klein- und weissrussischer Fürsten und Bo- 
jaren mit der ihnen feindlichen Politik der littauisch-polnischen Regierung, 
die Conflicte des autonomistischen Programms der littauischen Aristokratie 
mit der centralistischen Politik Polens. Ein besonderer Abschnitt spricht 
von den Schicksalen der Länder am Schwarzen Meere, von der Bildung der 
Horde vonKrym, ihren Beziehungen zum polnisch -littauischen Staate und 
tatarischen Verwüstungen, welche mit dem Anfange des XV. Jahrh. be- 



286 Kritischer Anzeiger. 

ginnen. Das letzte Kapitel schildert den Vollzug der Union und die Ver- 
einigung der übrigen südrussischen Territorien mit Polen. Im pendant zu 
dieser Uebersicht der äusseren Verhältnisse wird der V. Band die sociale und 
kulturelle Evolution der kleinrussischen Länder während der littauisch-polni- 
schen Periode zur Darstellung bringen. Dieser Band ist schon im Manuskript 
fast fertig und wird wahrscheinlich in diesem Jahre (190.5) erscheinen. 

Von speciellen Beiträgen zur alten Periode der Geschichte süd- 
russischer Länder und des Slaventhums hebe ich folgende hervor : Panacovnyj 
über griechische Colonien am Kubangestade (Zap. 2), meine Arbeit über die 
Anten (ibid. 21) ; M. Korduba über das Reich Samo's (ibid. 13) und Z. Kuziela 
Uebersicht der neueren Literatur betreffend die älteste Geschichte des 
Slaventhums und Revision der darin hervortretenden Fragen (ibid. 52, 53;. 
Hier seien noch Dykarivs Arbeiten zur vergleichenden Mythologie erwähnt: 
«Mythologische Fragmente«, »Fragmente aus der griechisch-slavischen My- 
thologie« *) U.A. Zur Geschichte des alten Kijever Staates: Gr. Velycko 
über politische und kulturelle Beziehungen der Rus zu Byzanz — eine tüch- 
tige Kompilation (Zap. 6); M. Korduba über sociale Klassen und politische 
Parteien im Fürstenthum Halle bis zur Hälfte des XIII. Jahrh. — einige in- 
teressante Bemerkungen, welche die Fehler und Trugschlüsse in anderen 
Fällen wettmachen (ibid. 31,; meine Arbeiten über das halicer Bojarenthum 
des XII. — XIII. Jahrh. (der Bildungsprocess einer geschlossenen Bojaren- 
klasse und Ursachen ihrer Macht — ibid. 30; sowie über eine gegen das fürst- 
lich-gefolgschaftliche Regime gerichtete Bewegung in den Stadtgemeinden 
des XIII. Jahrh. (ibid. 1); B. Barvinskyj über die Pressburger Zusammenkunft 
Daniels mit dem König Bela (Zap. 52;, meine kritische Prüfung der Urkunden 
des Fürsten Leo, welche von früheren Forschern als authentisch angesehen 
wurden (ibid. 45). 

Den Versuch einer historischen Chrestomathie, enthaltend die wichtigeren 
Abschnitte aus den Quellen zur kleinrussischen Geschichte des IX. — X. und 
der ersten Hälfte des XI. Jahrh., mit einleitenden Anmerkungen und Erklä- 
rungen gab ich im J. 1895 separat heraus u.d.T. »Ausschnitte aus den Quellen 
zur Geschichte der Ukraine« (schliesst mit Skylitzes-Kedrenos und den 
Sagen). Besondere Abschnitte der Quellenkunde behandeln folgende Ar- 
beiten: Nik. Suchevyc über die Verträge der Rus mit den Griechen (Juridische 
Ztschr.2); K.Levyckyj's Ausgabe der »Ruskaja Pravda« (nach Karamsinschem 
Kodex) mit einer kleinen Einleitung (ibid. 5); meine Forschung über die Chro- 
nologie der halyc-volynischen Chronik — enthält eine allgemeine Analyse. 
Richtigstellung der Daten einzelner Vorkommnisse und einen chronologischen 
Index zur Chronik, auf Grund dieser Analyse zusammengestellt (Zap. 41). 



1) Beide mit anderen analogen Arbeiten Dykarivs, auf Kosten der Ver- 
ehrer des Verstorbenen herausgegeben im V. Bde. der Sammlung der philo- 
logischen Section , welcher ausschliesslich dem literarischen Nachlasse des 
talentvollen Autodidakten-Philologen gewidmet ist, dessen Arbeiten werth- 
volle ethnographische Beobachtungen enthalten, aber vom methodologischen 
Standpunkte Manches zu wünschen übrig lassen. 



Bericht über die Thätigkeit der Sevcenko-Gesellschaft. 287 

Derselben Chronik sind auch einige kleinere Notizen gewidmet (ibid. 8, 
47, 52). 

Zur Geschichte der späteren Jahrhunderte (der littauisch-polnischen 
Periode) haben wir folgende Arbeiten: P. Ivanov über die letzten Romano- 
vicen und den Boleslav Trojdenovic (Zap. 2); Em. Terleckyj über galizische 
Geschehnisse nach dem Tode Boleslavs (ibid. 12); für die Zeit des Vladislav 
Opolskij publicirte ich einige noch unedirte Urkunden (ibid. 51); für das 
XV. Jahrh. meine Notiz über den Charakter der Herrschaft der Kijever 
Fürsten des XV. Jahrh. (zwei unedirte Urkunden des Grossfürsten Kasimir, 
welche die Möglichkeit einer Einmischung des Grossfürsten in die innere 
Administration des Kijever Fürsten involviren (Zap. 31) und eine grössere 
Arbeit des Rudnyckyj über türkisch-tatarische Kriegszüge nach Galizien im 
XV. Jahrh. und die Organisation der Verteidigung (ibid. 31 — 32). Für die 
Geschichte der socialen Verhältnisse — der ökonomischen und juridischen 
Formen jener Zeit wurden von mir edirt: einige Kijever Dokumente des XV. 
und XVI. Jahrh. (Zap. 11), eine Eeihe ältester Inventarien aus dem Ende des 
XV. und dem Beginn des XVI. Jahrh. der podolischen Schlösser (Zap. 9) der 
Starostei von Lemberg (ibid. 12), Peremysl (ibid. 19) und Eatno (ibid. 26), 
sowie zwei bäuerliche Verkaufskontrakte aus dem Anfang des XVI. Jahrh. 
aus der westlichen Marke des galiz. Ruthenenlandes (Zap. 50;. Für die Hälfte 
des XVI. Jahrh. bieten die Lustrationen der kleinrussischen, zum polnischen 
Königreiche gehörenden Domänen eine ungemein wichtige Quelle. In der 
Publikation »Quellen zur Geschichte der Ukraine« (Fontes historiae ukraino- 
russicae) in vier Bänden edirte ich vollständig die Lustration der 1564—1565 
und 1569 — 1570 Jahre, nur einige von der Kijever Archäographischen Kom- 
mission (Prof. Vladimirskij-Budanov und mir) bereits edirten Abschnitte 
bei Seite lassend. Sie umfassen Galizien und die Territorien von Podolien, 
Cholm und Ratno und bieten äusserst wichtige Nachrichten über ökonomische, 
juridische und nationale Verhältnisse dieser Länder. Als Einleitungen zu 
diesen Bänden gab ich Abhandlungen über die ökonomischen Verhältnisse 
des Bauernstandes in den königlichen Domänen Galiziens im XVI. Jahrh. her- 
aus auf Grund jener Lustrationen, sowie zahlreicher Inventarien, welche von 
mir kopirt und für die Edition in derselben Publikation der Gesellschaft vor- 
bereitet wurden. 

Ich erwähne noch meine Bemerkung über die im Archiv der polnischen 
Finanzverwaltung gegenwärtig der Warschauer Finanzdirection) enthaltenen 
Materialien, sowie ausführliche Recensionen über die Beschreibungen der 
kleinrussischen Territorien von AI. Jablonowski (von mir und St.Tomasivskyj, 
Zap. 17 und 51j und einige kleinere Beiträge (ibid. 13, 28, 43 u. A.). 

Kulturelle, religiöse und Privatverhältnisse jener Zeit behandeln die Ar- 
beiten: A. Lotockyj über westrussische Domkapitel (Zap. 9), meine und des 
Dr. Prochaska über die Lage der orthodoxen Kirche in Polen (ibid. 27 und 30), 
eine ausführliche, noch nicht geschlossene Abhandlung des AI. Susko über 
Benedikt Herbest, einen der Vorläufer der Kirchenunion des XVI. Jahrh. mit 
einer allgemeinen Schilderung des Zustandes der katholischen und orthodoxen 
Kirche im XVI. Jahrh. anstatt einer Einleitung (Zap. 53, 55, 61), sowie seine 



288 Kritischer Anzeiger. 

AbhandluDg über die Einführung der Jesuiten in Polen (ibid. 57 und 5S ; Ma- 
terialien und Anmerkungen über das Geschlecht der Bybelskyj, gesammelt 
vomLemberger katbol. Erzbischof Prochnizki, einem Nachkommen der poloni- 
sirten und katholisch gewordenen galizischen Bojarenfamilie (von mir für den 
Druck vorbereitet), sowie Notizen über die Conversion der Orthodoxen zum 
Katholicismus aus dem Samborer Matrikel vom Ende des XVI. Jahrh. iviele 
orthodoxe Kriegsgefangene aus dem moskovitischen Kriege (Zap. 48 und 8) 
und die von A. Susko herausgegebenen Akten der Warschauer S5'node aus 
dem J. 1561 (Zap. 59). Ueber die ökonomische und juridische Lage der ortho- 
doxen Dorfgeistlichkeit meine Arbeit gegründet auf Dokumenten des Sam- 
borer Gebietes, mit Beifügung der Dokumente selbst aus der ersten Hälfte 
des XVI. Jahrh. (Zap. 34), und spätere ähnliche Materialien mitgetheilt von 
Mich. Zubryckyj (Zap. 25 und 34, Sammlung der histor. Section Bd. 5). 

Vieles geben die Publikationen der Gesellschaft für die Geschichte des 
Kosakenthums. Der Aufklärung der Frage über den Anfang und die ur- 
sprüngliche Organisation des Kosakenthums ist mein Artikel gewidmet: Be- 
merkungen zur Geschichte des Kosakenthums Zap. 22) ; dieselbe Frage be- 
rühren meine zwei späteren kleinen Artikel: über die Kosaken vom J. 1470, 
welche im Codex der genuesischen Kolonien erwähnt werden (Zap. 56j und über 
denHetmanBohdanko Rozynskyj (ibid. 16), sowie E. Barvinskyj's über einen 
Streifzug der Kosaken nach Ocakov im J. 1545 (unedirte Dokumente, ibid. 18;. 
Ferner von demselben E. Barvinskyj über die Beziehungen Kaiser Ru- 
dolphs II. und des Papstes Klemens VIII. mit Kosaken 1593 — 1594 (ibid. 10), 
meine Materialien zur Geschichte der Bewegung der 1590er Jahre (ibid. 31 
32) und ein analoges, von B. Domanyckyj edirtes Dokument (ibid. 40). Mit 
dem Bande 60 beginnt eine noch unvollendete ausführliche Studie von dem- 
selben B. Domanyckyj zu erscheinen: Das Kosakenthum an der Grenzscheide 
des XVI. und XVII. Jahrh., wo alles bisher verötfentlichte Material zu diesem 
Gegenstande gesammelt ist. Die Geschichte des Kosakenthums von dem 
Aufstande des J. 1625, bis zum Aufstande 1630 inklusive, behandelt St. Rud- 
nyökyj in zwei ausführlichen Abhandlungen, welche sich durch die Menge 
des gesammelten Materials und die Exaktheit der Methode sehr vortheilhaft 
auszeichnen (Zap. 17 und 31); wenn auch von einem Studenten geschrieben 
würden sie einem auch mehr erfahrenen Gelehrten Ehre machen (zusammen mit 
der weiter unten zu erwähnenden Abhandlung des Tomasivskyj waren dies 
die besten Arbeiten, welche aus meinem historischen Seminar hervorgegangen 
sind). Obwohl sich der Verfasser nur auf edirtes Material beschränkte, 
führte er doch eine Reihe neuer Thatsachen und Details der Geschehnisse 
ein und gab vielen eine neue Beleuchtung. Dem Antheil der Kosaken an 
dem moskowitischen Kriege 1633—1634 ist die Arbeit des Oleg Celevyc ge- 
widmet welche auch einige inedirte Materialen enthält (Zap. 28). 

Vieles wurde gethan für die Geschichte der Epoche des Chmelnyckyj. 
Zum 250 jährigen Andenken an diese grossartigste ukrainische Volksbewegung 
(im J.1898) wurde ein Doppelband der Zapysky (23— 24) ausschliesslich seiner 
Geschichte gewidmet. Hier erschienen: meine Studie über diese Bewegung, 
dann eine ausführliche und sehr solide, auf Grund ganz neuen, vom Verfasser 



Bericht über die Thätigkeit der Sevcenko-Gesellschaft. 289 

selbst gesammelten Materials geschriebene Arbeit des St.Tomasivskyj über die 
Volksbewegungen in Galizien im J. 1648 (in früheren historischen Arbeiten 
wurden diese Bewegungen sehr wenig erforscht; ; eine interessante Arbeit des 
Iv. Franko über zeitgenössische polnische Gedichte von Chmelnyckyj und den 
Vorfällen der Jahre 1648—49; St. Rudnyckyj's Analyse der Nachrichten über 
Chmelnyckyj und seine Epoche in der neuedirten Chronik des Temberski, 
und einige kleinere Notizen und Recensionen. Aus Anlass des 250 jährigen 
Andenkens an die Vereinigung der Ukraine mit Russland wurde ein kleiner 
Artikel von mir im Lit. wiss. Boten (19üO, 1) veröffentlicht. Materialen aus 
galizischen Archiven zur Epoche des Chmelnyckyj, gesammelt von Tomasiv- 
skyj und theilweise (für das J. 1648) von ihm ausgenützt in der erwähnten 
Arbeit, sind von ihm in den J. 1889 — 1901 in zwei Bänden herausgegeben- 
■worden in der Serie »Quellen zur Geschichte der Ukraine«, Bd. IV und V; als 
einleitende Studien wurden von ihm diesen Bänden zwei Abhandlungen bei- 
gegeben : über die Wirksamkeit der galizischen Komitien während der Epoche 
Chmelnyckyj's, und über die Veränderungen, welche diese Bewegung in der 
Kolonisation des nordöstlichen Galiziens (des Lemberger Territoriums) verur- 
sachte. Hier muss auch noch seine Arbeit über die Rolle des Lemberger 
Bürgerthums in der Epoche Chmelnyckyj's und die Lebensverhältnisse dieses 
Bürgerthums erwähnt werden (Zap. 15). 

Die Epoche Chmelnyckyj's berührt auch die interessante Arbeit des 
Em. Terleckyj über die Oceupation der Nachbarterritorien Weissrusslands 
durch Kosaken und über die Ursachen ihres bekannten Conflicts mit der 
Moskauer Regierung (Zap. 14;. Die Vorgänge unmittelbar nach dem Tode 
Chmelnyckyj's schildert D. Korenec in der Abhandlung: »Verhandlungen 
Ivan Vyhovskyjs mit Polen 1657 — 58« (Zap. 38); Vyhovskyj's Fall und die 
weiteren Vorgänge beleuchtet Herasymcuk in der Abhandlung »Ivan Vyhov- 
skyj und Georg Chmelnyckyj« (Zap. 59 und 60). Der Politik des letzten Mit- 
streiters und Trägers der Ideen Chmelnyckyj's ist ein Artikel des Oleg 
Celevyc »Verhandlungen Dorosenko's mit der polnischen Regierung« (Zap. 25) 
gewidmet, eine auf zwar publicirten, aber bisher in der Historiographie der 
Ukraine nicht ausgenützten Materialien gegründete Arbeit. L. C. gibt eine 
allgemeine Uebersicht der durch das J. 1654 geschaffenen Verhältnisse — der 
Gegensätze in den Bestrebungen der ukrainischen Gesellschaft zur Politik 
der Moskauer Regierung feine nicht ganz komplette, aber nützliche Zu- 
sammenstellung des Materials, Zap. 29 — 30J. Frau H.Radakova schildert auf 
Grund publicirter und inedirter Quellen eine der schwersten Naturalleistungen, 
welche die russische Regierung den Kosaken auferlegt hatte — das Graben 
des Ladoga-Kanals (Zap. 12). Ivan Dzydzora gibt auf Grund neuerer Publi- 
kationen eine Uebersicht des Verhaltens der russischen Regierung zur Ukraine 
in den J. 1726 — 1737 (Zap. 61); er stellt auch Beiträge zu den inneren Verhält- 
nissen der Ost-Ukraine zusammen, welche im III. Band der »Beschreibung 
Kleinrusslands" von Lazarevskij verstreut sind (Bd. 58). 

Zur Geschichte der galizischen »Oprysken« (Räuber) wurden herausge- 
geben (richtiger wieder herausgegeben) die Artikel des Jul. Celevyc im XX. 
Bande der »Historischen Bibliothek«, sowie spätere Lieder und Erzählungen 

Archiv für slavische Philologie. XXVII. 19 



290 Kritischer Anzeiger. 

über Miron Stola und andere Oprysken (Ethnogr. Sammlung Bd. V). Zur Ge- 
schichte der »Kolijivscyna« (Gemetzel in ümanj im J. 1768, begann im J. 1904 
die Publikation neuer Materialien : Memoiren und Briefe der Basilianer zur Ge- 
schichte dieses Gemetzels, gesammelt von A. Kryzanovskyj und von mir be- 
arbeitet (Zap. 57], Beiträge über die Antheilnahme der Kijever Mönche an 
Hajdamakenbewegungen, von S. H. (Bd. 59), und ein anonymes polnisches 
Gedicht, mit kritischen Bemerkungen über die zeitgenössische polnische Me- 
moirenliteratur sowie deren neuere Bearbeitungen (Bd. 62). In früheren Bän- 
den erschien eine Notiz des verst. AI. Markevyc über einige unberührte Nach- 
richten von den Häuptlingen der Kolijivscyna (Bd. 45), sowie ein interessantes 
Pamphlet, mitgeteilt von E. Makaruska (Bd. G). 

Den kulturellen und religiösen Verhältnissen Galiziens im XVIII. und 
der ersten Hälfte des XIX. Jahrh. ist der ganze V. Band des SolpHUK der 
histor. Sektion gewidmet. Ich erwähne nur die wichtigeren Artikel und Ma- 
terialien dieser interessanten Sammlung: Materialien zur Charakteristik der 
Lebensweise galizischer Dorfgeistlichkeit im XVIII. Jahrh., gesammelt von 
M. Zubryckyj; über den Kampf der Geistlichkeit mit Volksaberglauben, Ma- 
terialien mit dem Vorwort des Iv. Franko; Materialien zur Geschichte der 
Volksschulen zu Ende des XVIII. und aus der ersten Hälfte des XIX. Jahrh., 
gesammelt von G. Kmit, Iv. Levyckyj und Iv. Franko; Skizze der Entwicke- 
lung des Schulwesens in Galizien von Iv. Levyckyj; über die erste ruthe- 
nische Gesellschaft zum Zweck der Volksaufklärung (in Peremysl 1816 — 1818) 
von Iv. Franko, sowie seine Mittheilung über einige unedirte ruth. Lehrbücher 
aus dem Anfang des XIX. Jahrh. Ausser dieser Sammlung erwähne ich: Ex- 
cerpte aus den Gestionsprotokollen der ruth. Pfarreien aus dem Ende des 
XVIII. Jahrh., mitgetheilt von Iv. Franko (in kultureller oder socialer Hinsicht 
interessante Anordnungen der Behörden, Zap. 27], die galizisch-ruthenische 
Bibliographie 1772 — 1800 von Iv. Levyckyj (Zap. 52); ein Memorial der Dissi- 
denten, präsentirt dem polnischen Landtage vom J. 1791, mitgetheilt von M. 
Haluscynskyj (Zap. 51); schliesslich eine Arbeit des AI. Lotockyj über die 
Lage der säkularen Geistlichkeit in Kleinrussland im XVIII. Jahrh. im Ver- 
gleich mit Russland (Zap. 21). 

Oekonomischen und socialen Verhältnissen des Abschlusses des XVIII. 
und des XIX. Jahrh. sind folgende Arbeiten gewidmet : Iv. Franko über die 
Wirthschaft des Hrymalover Güterkomplexes, an der Ortsgrenze Galiziens 
f Jurid.-ökonom. Zeitschrift Bd. L ; Mich. Zubryckyj über die frühesten Eekru- 
tirungen nach Volkserzählungen und Dokumenten (Zap., Bd. 42), derselbe über 
die Hungerjahre 1846 — 1849 (Bd. 21), sowie seine kleineren Notizen im Bd. 50 
und 58; L. Jendyk's Sammlung von Volkstraditionen über das Frohnwesen 
(Ethnogr. Sammlung Bd. 5) und ein interessanter Artikel des Iv. Franko über 
die Bauernverhältnisse in der Bukowina und den bekannten Deputirteu 
Lukjan Kobylyca (Zap. 49). Derselbe Verfasser lieferte auf Grund polnischer 
Memoiren ein lebensvolles Bild der polnischen Gesellschaft in den ukraini- 
schen Gouvernements während der ersten Hälfte des XIX- Jahrh. ;Zap. 45) 
und widmete einen speciellen Artikel einem Eepräsentanten der polnischen 
Bauernthümelei, Anton Szaszkiewicz (Bd. 57). 



Bericht über die Thätigkcit der Sevceuko-Gesellschaft. 291 

Zur Geschichte des denkwürdigen Wendepunktes im galizischen Leben 
im J. 1S4S gibt es einige kleinere, aber interessante Beiträge i;. Ein Bild 
galizischen Lebens von diesem Wendepunkte anfangend zeichnet (nicht immer 
vollständig, aber interessant) der ausführliche Artikel des verst. Eust. Ter- 
leckyj, aus seinen Papieren herausgegeben^). Es wird durch Portraits einiger 
Repräsentanten der damaligen Literatur und Politik vervollständigt, welche 
von Iv. Franko lebhaft skizzirt wurden (Iv. Naumovic, Ant. Petrusevic, Iv. 
Husalevic — Lit.wiss. Bote 1899 Heft 10—11, 1901 Heft3 und 1903 Heft 8— 11). 
Wichtiges Material zur Kulturgeschichte der galizischen Ruthenen aus der 
Mitte des XIX. Jahrb. geben zwei Briefsammlungen, welche Cyr. Studynskyj 
publicirt hat, nämlich die von Uionys Zubryckyj (Zap. 43) und sehr reich- 
haltige von Jakob Holovackyj, deren erster Theil als VIIL Bd. des philol. 
Zbirnyk erschienen ist. Für die Geschichte der 70 er Jahre gibt viel interes- 
santes die Biographie des Eust. Terleckyj , geschrieben von Iv. Franko 
(Zap. 50 . Kleinere Notizen und Materialien zur Geschichte der letzten Jahr- 
zehnte des XIX. Jahrh. will ich nicht aufzählen; Interessirte können dieselben 
in den Inhaltsangaben finden. Ich erwähne nur den Artikel des Iv. Franko 
über die kulturelle und litterariscbe Bewegung Galiziens in den letzten Jahr- 
zehnten (Lit. wiss. Bote 1901, Heft 7 — 9), sowie meine Artikel über das kul- 
turelle und sociale Leben Galiziens (ibid. 1899, Heft 2, 5 und 11), und eine 
Anzahl Nekrologe der verstorbenen Repräsentanten der kleinrussischen 
Wissenschaft. Eine allgemeine Skizze der nationalen kleinrussischen Wieder- 
geburt im XIX. Jahrh. gab ich in dem öffentlichen Vortrag, gedruckt u. d. T. 
»An der Schwelle des Jahrhunderts« (Lit. wiss. Bote 19ul, Heft 2). 

Mich zur Literaturgeschichte wendend, will ich mit der Reihe 
solcher Arbeiten beginnen, wo die Produkte des südrussischen Schriftthums 
als Bindeglieder in der internationalen Geschichte weitverbreiteter Themen 
der Weltliteratur erscheinen. Hierher gehören einige Arbeiten des Iv. Franko : 
eine ausführliche literarische Geschichte des Romans von Barlaam und loa- 
saph (Zap., Bd. 8, 10, 18 und 20), eine mit eben solchem grossen Apparat ge- 
schriebene Geschichte der Legende vom Klemens Romanus: der Verf. beginnt 
mit den altchristlichen Bestaudtheilen, um mit der Geschichte dieser Le- 
gende in Altrussland zu schliessen; die Arbeit ist nicht zum Abschluss 
gebracht Zap. Bd. 47, 48, 56, 59 und 60) ; eine Reihe Arbeiten über die Apo- 
kryphenliteratur: das Evangelium Pseudo-Matthäi über die Geburt und Klnd- 



1) »Der 1. und 2. November 1848 in Lemberg", offizieller Bericht, mitge- 
theilt von Jul. Levickyj ;Bd. 25); G. Kmit »Das J. 1848 und das Lemberger 
geistl. Seminar« Bd. 40); ders. »Ein Seminarist als Agitator (Bd. 41); ders. 
»Aus den Verhältnissen eines galiz. Dorfes in der Mitte des XIX. Jahrh. 
Bd. 44), s. ausserdem Bd. 52. 57 u. s. w. 

~) Das galizisch-ruthenische Schriftthum in den J. 1848 — 1856 (Lit. wiss. 
Bote 1903, Hefte 6 — 12 und separat u. d. T. : »Das galizisch-ruthenische 
Schriftthum in den J. 1848 — 1865 auf Grund damaliger social-politischer Be- 
strebungen der galizisch-ruthenischen Intelligenz«. Es ist eine Fortsetzung 
der Arbeit desselben Verfassers »Die literarischen Bestrebungen galizischer 
Ruthenen«, deren erster Theil 1892—93 in aCme i Ciobo erschienen war. 

19* 



292 Kritischer Anzeiger. 

heit der Maria (Bd. 35), über alttestamentliche Apokryphen, apokryphe Evan- 
gelien und Apostelgeschichten, — die drei letzten Arbeiten bilden Einleitun- 
gen zu den drei bisher erschienenen Bänden eines grossangelegten Corpus der 
Apokryphen in kleinrussischen Redaktionen gesammelt von demselben Ver- 
fasser ij. Als ein Beitrag zur altkirchenslavischen Literatur muss auch der 
bisher noch nicht abgeschlossene Artikel VI. Kocovskyj's über das Wirken 
Cyrills und Methods genannt werden (Lit. wiss. Bote, 1904, Heft 1 u. 2*. 

Eine allgemeine Uebersicht der zeitgenössischen Studien über die alte 
kleinrussische Literatur gibt ein Referat des AI. Kolessa (Zap. 34". Eine all- 
gemeine Skizze der alten kleinrussischen Literatur findet sich in meiner Ge- 
schichte der Ukraine (Bd. III); ebenda (Bd.I) ist auch ein specieller Exkurs 
der ältesten Chronik gewidmet. Es folgen die Artikel des Bas. Scurat über 
die Bittschrift des Daniel Zatocnik (Zap. 9), meine Notiz über das Wunder 
des heil. Klemens, welches vom Akad. Sobolevskij herausgegeben wurde 
(Zap. 49), Iv. Franko über die »Sage von der Auferstehung des Lazarus», 
in welcher der Verf. ein altrussisches Gedicht über ein apokryphes Thema 
nachgewiesen hat (Bd. 35), sowie desselben Verf. Arbeit über die wun- 
derbare Verwandlung des Wassers in Meth im Chersonesus (Bd. 44 und eine 
Variante Bd. 52). Für das XV.— XVI. Jahrh. — mein Artikel über die Lob- 
rede auf Vitovt, welche in die älteste ruthenisch- litauische Chronik der 
kurzen Redaktion einbezogen wurde, sowie über die Zusammensetzung der 
Chronik selbst (Bd. 6) und die Erklärung aus Anlass der Hypothese, dass das 
erste Litauische Statut gedruckt wurde (sie gründet sich auf einer irrthüm- 
lichen Lesart) (ibid.). Für die polemische Literatur des XVI.— XVII. Jahrh. 
eine umfassende Sammlung polemischer Schriften theils aus alten Drucken, 
theils aus Handschriften herausgegeben von Cyr. Studynskyj (Denkmäler 
Bd. V) — enthält Traktate von Herbest, Zebrowski, St. Zizanyi, Klerikus von 
Ostrog und Meletius Smotryckyj, mit einer Einleitung vom Herausgeber); 
Iv. Franko's Notiz über ein damals gedrucktes Sendschreiben des Ivan Vysen- 
skyj (Bd. 35, 1), Cyr. Studynskyj über Hyp. Potij's Autorschaft des Antirrhesis 
(Bd. 35) und AI. Susko's Bemerkungen über den Text der »Palinodia« Kopy- 
stenskyj's und ihre Umarbeitungen (Bd. 54). Für die poetische Litteratur des 
XVII. Jahrh. M. Favlyk — über Gawwatowicz, den Verfasser kleinrussischer 
Intermedien vom J. 1619 Bd. 35). F. Zyteckyj über die »Ostroher Tragödie«, 
ein versificirtes Poem, verf. um das J. 1630 (Bd. 51), Iv. Franko über anonyme 
Verse eingestreut in die »Dioptra« vom J. 1612 (Bd. 22) und derselbe über ein 
versificirtes Pamphlet des Lemberger Bischofs Sumljanskyj (Bd. 39,, sowie 
die Reihe keinerer Notizen von C. Studynskyj über die versificirten Panegy- 
rika des XVII. Jahrh. (Bde. 8, 12, 50). 

1) Denkmäler der ukrainisch-ruthenischen Sprache und Litteratur. Bde. 
I — IV (1896 — 1902). Die Untertitel dieser Bände lauten: »Apokryphen und 
Legenden aus ukrainischen Handschriften gesammelt von Dr. Ivan Franko«. 
Bd. I, Alttestamentliche Apokryphen ; Bd. II, Neutestamentliche Apokryphen: 
A. Apokryphische Evangelien, Bd. III, Neutestamentliche Apokryphen: B. 
Apokryphe Apostelgeschichten; Bd. IV (in Vorbereitung) wird apokryphe 
Apokalypsen enthalten. 



Bericht über die Thätigkeit der Sev6enko-Ge8ell3chaft. 293 

Zur Geschichte des westruthenischen (galizischen und ungarischen) 
Schriftthums des XVII— XVIII. Jahrh. gab Iv. Franko eine allgemeine Skizze, 
begleitet von der Inhaltsangabe einer ganzen Reihe (25; handschriftlicher 
Codices miscellanei, welche Denkmäler des damaligen Schriftthums enthalten 
u. d. T. »Das karpatho-ruthenische Schriftthum des XVII.— XVIII. Jahrh.« 
(Zap. Bd. 37, 38) — ähnliche Beschreibungen der Sammelbände und einzelner 
galizischer Handschriften sind in den Zapysky auch sonst mehrere erschienen 
(Bd. 10, 19, 37 u. a.). In einem besonderen Artikel befasst sich derselbe Verf. 
mit den Spuren der Legende vom Presbyter Johannes und der Entdeckung 
Tibets in einem karpatho-ruthenischen Texte (Bd. 41). Einige Legenden aus 
einer im Dorfe Chitar befindlichen Handschrift aus dem Anfang des XVIIL 
Jahrh. publicirte V. Hnatiuk (Bd. 16). Derselbe gab auch in zwei Bänden ein 
Legendenkorpus aus der mündlichen Tradition des galizischen Volkes heraus 
(Ethnogr. Sammlung Bd. XII— XIII;. Ziemlich viel wurde auch für die Er- 
forschung der alten Verse und geistlichen Gedichte gethan: mehr oder 
weniger bedeutende Sammlungen auf Grund alter Handschriften und der 
neuzeitlichen mündlichen Tradition wurden von VI. Hnatiuk, Iv. Franko und 
mir publicirti). 

Zur Geschichte der neuen (wiedergeborenen) kleinrussischen Literatur 
übergehend muss ich vor allem die vom verst. Em. Ohonovskyj verfasste Ge- 
schichte dieser Literatur erwähnen, welche ursprünglich in der »Zorja« publi- 
cirt und dann auf Kosten der Gesellschaft separat in sechs Bänden (1887 bis 
1894; herausgegeben wurde 2 . Der erste Band, welcher die Jahrh. XI— XVIII 
umfasst, kompilativ und sehr oberflächlich ausgearbeitet wurde, wurde 
Gegenstand scharfer Kritik und verschaffte dem ganzen Werke eine ziem- 
lich abträgliche Reputation. In Folge dessen wurde seine Literatur- 
geschichte des XIX. Jahrh., welche die piece de resistance des ganzen Wer- 
kes bildet, nicht nach Werth gewürdigt. Es ist richtig, der Verstorbene war 
kein Literarhistoriker von Beruf, ihm fehlen leitende Gesichtspunkte, er zieht 
es vor fremde Erscheinungen zu reproduciren statt eigene Urtheile zu fällen 
und hat sein Buch in zwei Dritteln mit Inhaltsangaben der Literaturwerke 
angefüllt; trotzdem aber hat sein Werk als eine Materialien- und Thatsachen- 
Sammlung einen bedeutenden Wert und bleibt immer noch das wichtigste 
Handbuch für die Kunde der ukrainischen Literatur des XIX. Jahrb., welches 
durch nichts Besseres ersetzt worden ist. Eine allgemeine Skizze der Wieder- 
geburt Galiziens bis zum J. 1870 gab der verst. Eust. Terleckyj in oben er- 
wähnten Artikeln. Eine kurze Skizze der Literaturbewegung des Jahrhunderts 



1) M. Hrusevskyj, Ein Liederbuch aus dem Anfang des XVIII. Jahrh. 
(Zap., Bd. 15 und 17); VI. Hnatiuk, Ungarisch -ruthenische geistliche Ge- 
dichte Zap., Bd. 46, 47, 49 eine grosse Kollektion); derselbe, Sammlung der 
von den Leiermännern vorgetragenen Gedichte (Ethnogr. Samml. Bd. 11, und 
kleinere Publikationen in Bd. 14, 21, 58 u. a. 

-) Bd.I, Jahrh. XI. — XVIIL; zweiter Theil in zwei Bänden ~ die Poesie 
des XIX. Jahrh.; dritter Theil in zwei Bänden — die Belletristik des XIX. 
Jahrh.; der vierte Theil — Geschichte der Erforschung Südrusslands, un- 
vollendet, umfasst die Ethnographie. 



294 Kritischer Anzeiger. 

gab AI. Kolessa im Artikel : »Das Jahrhundert der erneuten ukrainisch-ruthe- 
nischen Literatur« (Lit. wiss. Bote 1898, Heft 11). Unlängst wurde aus den 
Papieren Dragomanovs seine Skizze der ukrainischen Literatur des »Entre- 
aktes« 1866 — 1878 herausgegeben (ibid. 1902, Heft 1—2). Eine allgemeine 
Uebersicht der literarischen Bewegung der letzten Dezennien gab Iv. Franko 
u. d. T.: »Aus den letzten Dezennien« (Lit. wiss. Bote 1901). 

Gehen wir zu speciellen Arbeiten über. Das 100 jährige Jubiläum der tra- 
vestirten Aeneis von Kotljarevskyj im J. 1898 rief eine kleine Kotljarevskyj- 
Literatur hervor. Ausser der oben erwähnten Skizze Kolessa's erschienen im 
Druck die damals während der »Akademie« zu Ehren Kotljarevskyj's gehal- 
tenen Vorträge von Prof. St. Smalj-Stoökyj und der meinige (Lit. wiss. Bote 
1898, Heft 11), weiter meine Notiz über die Ausgaben der Aeneis 'ibid.;, Iv. 
Franko's »Kotljarevskyj in Galizien« (Zap., Bd. 26) und »Der galizische Soldat 
derZauberer«(ibid. 27). Sehr viele Arbeiten wurden demSevcenko, dem Patron 
der Gesellschaft gewidmet. Den ersten Platz in dieser Sevcenko-Literatur 
nimmt die grosse Biographie des Dichters vom verst. AI. Konyskyj ein. welche 
theilweise in denZapysky vom ersten Bande angefangen pnblicirt, und in über- 
arbeiteter Form in zwei Bänden herausgegeben wurde u.d.T. »Taras Sevcenko- 
Hrusivskyj, ('hronik seines Lebens« (Sbirnyk der philologischen Sektion Bd. I 
u. IV, 1898 u. 1901; gleichzeitig erschien diese Arbeit auch russisch in Odessa 
mit einigen Kürzungen). Dies ist die am meisten detaillirte Uebersicht der 
Thatsachen des äusseren Lebens des grossen ukrainischen Dichters, doch mit 
vollständiger Ausschliessung der Entwicklung seiner schöpferischen Thätig- 
keit und überhaupt seines geistigen Lebens. Den Streitfragen über die Chro- 
nologie einzelner Schöpfungen Sevcenko's widmete derselbe Verfasser zwei 
besondere Artikel (Bd. 8 und 9), und ausserdem einige Notizen den Text- 
fragen (Bd. 33 und 39). Den letzteren sind ausserdem die Arbeiten des Jul. 
Romancuk und M. Kr-skyj gewidmet (Bd. 34 und 56). Dem literarischen Stu- 
dium einzelner Werke Sevcenkos sind gewidmet die Arbeiten des Iv. Franko 
über »Die Dienstmagd« (Zap., Bd. 6) und »An die Polen« (Lit. wiss. Bote 1904, 
Heft 4), und des Iv. Kopac über den »Traum« (Zorja 1895) und des AI. Kolessa 
über den Einfluss der Werke des Mickiewicz auf Sevcenko (Zap. 3). Viele 
kleinere Materialien und Notizen über Sevcenko sind in der Zorja. im Lit. 
wiss. Boten und den Zapysky verstreut. Unter der Redaktion des Em. Oho- 
novskyj wurde von der Gesellschaft eine volle Ausgabe sämmtlicher Werke 
Sevcenko's begonnen; diese Ausgabe umfasst bisher vier Bände, ist noch nicht 
abgeschlossen i). 

Der zweite kleinrussische Schriftsteller, für dessen Erforschung von 
der Gesellschaft viel gethan wurde, ist J. Fed'kovyc, der bedeutendste unter 
den älteren Schrifstellern der österreichischen Ukraine. In den Publikationen 
der Gesellschaft erschienen : seine Biographie, geschrieben von AI. Kolessa, 
welche in den Spalten der Zorja, wo sie zuerst erschien, eine lebhafte Po- 
lemik hervorrief (Zorja 1893 und 1894), ferner Erinnerungen an Fed'kovyc, ge- 



1) Eine bessere Textrecension gab die neueste kompakte Ausgabe des 
Jul. Romancuk. 



Bericht über die Thätigkeit der Sevcenko-Gesellschaft. 295 

sammelt von Roman Zaklynskyj (Lit. wiss. Bote 1902, Heft 1 — 2) und eine 
Reihe kleinerer Beiträge. Im J. 1901 schritt die Gesellschaft zur Herausgabe 
einer vollständigen, wissenschaftlich ausgeführten Sammlung seiner Werke; 
bisher erschienen drei Bände, welche seine Gedichte, Erzählungen und von 
ihm übersetzte Dramen enthalten; zwei weitere Bände sollen originelle dra- 
matische Schöpfungen, die Korrespondenz und sonstigen schriftlichen Nach- 
lass, sowie eine Biographie des Dichters umfassen. Mehrere Arbeiten wurden 
dem Kulis gewidmet: seine Biographie, geschrieben von J. Makovej (Lit. wiss. 
Bote 1900 und separat), eine kritische Arbeit von Iv. Stesenko (Zap. 44), sowie 
ein Artikel von V. Scurat über Kulis's letzten Aufenthalt in Lemberg (Zorja 
1897). Mit ihm befasst sich auch hauptsächlich eine ausführliche kritische 
Arbeit des St. Tomasivskyj «Marusia Bohuslavka in der ukrainischen Litera- 
tur« (Lit. wiss. Bote 1901, Heft III— IV). M. Tersakovec gab einiges inter- 
essante Material aus den Papieren des Markijan Saskevyc heraus (Zap., Bd. 58 
— kleinere Ergänzungen und Berichtigungen dazu Bd. 61); Iv. Stesenko schrieb 
einen Artikel über AI. Storozenko (Zap., Bd. 43), und eine ausführliche kri- 
tische Uebersicht der Jubiläumsliteratur über Gogol' (Bd. 57 und 5S). Ausser- 
dem findet man hier eine Reihe kleiner Mittheilungen über Rudanskyj, dessen 
sämmtliche Werke ebenfalls von der Gesellschaft herausgegeben werden (bis- 
her 7 Bände) u. a. m. 

Eine Reihe literarischer Charakteristiken der modernen ukrainischen 
Schriftsteller brachten die bisher erschienenen 27 Bände des Lit. wiss. Boten: 
über Alexandra Kulisva (Hanna Barvinok) von Boris Hrincenko, über M. 
Staryckyj und Lesia Ukrainka von Iv. Franko, über Karpenko-Karyj von 
G. Kmit, über Kobylanska, Cajkivskyj, Hrabovskyj, Bordulak, Kovaliv von 
J. Makovej, über Kobrynska und Semaniuk von mir u. dgl. m. Eine Statistik 
der literarischen Produktion der Ukraine für das J. 1903 gab Iv. Kreveckyj 
(Lit. wiss. Bote 1904, Heft 2). Ueberhaupt stellt die wissenschaftlich-litera- 
rische Abtheilung des Lit. wiss. Boten für das Studium der modernen ukrai- 
nischen Literatur ein förmliches Archiv dar, ebenso wie die letzten Jahrgänge 
der Zorja, wo eine Menge literargeschichtlicher, biographischer und biblio- 
graphischer Notizen zusammengetragen sind. 

Für das Studium der kleinrussischen Sprache und ihrer Dialekte er- 
wähne ich Folgendes : die von AI. Kolessa herausgegebenen Pergamentblätter 
aus dem XII. — XIII. Jahrh. aus der Bibliothek des Basilianer Laura- 
klosters, mit paläographischen und sprachgeschichtlichen Bemerkungen (Zap. 
Bd. 54) ; die Abhandlung des Cyr. Studynskyj über die Lemberger griechisch- 
ruthenische Grammatik Adelphotes vom J. 1591 (Zap., Bd. 7); J. Makovej's 
über die ersten Schritte des wissenschaftlichen Studiums der kleinrussischen 
Sprache in Galizien im XIX. Jahrh. (Zap., Bd. 51 und 54). VI. Ochrymovyc 
veröffentlichte den ersten Theil seiner ausführlichen und sehr interessanten 
Arbeit über die Betonung in der kleinrussischen Sprache (Zap., Bd. 33). 

Sehr viel geben die Publikationen der Gesellschaft zur Dialektologie 
der westlichen, der Karpathen-Territorien; ausführliche Arbeiten desIv.Ver- 
chratskyj über ungarisch-ruthenische Dialekte (Zap., Bd. 27 und 40, 44, 45), 
über den Dialekt der Lemken (Sbirnyk der philol. Sektion, Bd. V), der Nie- 



296 Kritischer Anzeiger. 

derungbewohner oder Dolynianen (bei Peremysl und Jaroslav), sowie der 
Mischruthenen (oaMiuiaHui) im Bogen des Vislok (Zap., Bd. 3.5 und 36) — ent- 
halten ausser einer Uebersicht phonologischer, morphologischer und zum 
Theil syntaktischer Besonderheiten auch Text-Sammlungen und Lexica der 
Idiotismen. Hierzu gesellen sich die Arbeiten VI. Hnatiuk's über die ungarisch- 
ruthenischen Dialekte, speciell über die slovakisch-ruthenische Dialektgrenze: 
»Die ßuthenen derEperjeser Diöcese und ihre Dialekte« (Zap., Bd. 35 und 36,, 
kritische Bemerkungen zu derselben Frage (Bd. 38), welche auch separat u. d. T. 
»Ungaro-ruthenica, 1900« erschien, und »Slovaken oder Euthenen?« (Bd. 42\ 
Eine reiche Textsammluug dazu wurde im IX. Bde. des Ethnographischen Zbir- 
nyk veröffentlicht. Ich erwähne noch desselben Verfassers Notiz über einige 
Besonderheiten des Bojken-Dialektes (Bd. 48). Schliesslich haben auch die 
übrigen Sammlungen der Volksüberlieferungen von Hnatiuk, Jos.Rozdolskyj 
u. a. einen bedeutenden Werth für dialektologische Studien, da sie mit voll- 
kommener Bewahrung dialektologischer Merkmale aufgezeichnet worden 
sind. 

Zum Studium der Volkstradition übergehend muss ich vor Allem die 
(posthume) Sammlung der Arbeiten Dragomanov's zur Literatur und Volks- 
kunde erwähnen, welche von der philologischen Sektion in Angriff genommen 
worden ist (Zbirnyk der philolog. Sektion, Bd. 11 und III). Die beiden bisher 
erschienenen Bände enthalten (in Uebersetzung) die in Russland gedruckten 
Studien; in den folgenden Bänden sollen die in verschiedenen anderen Spra- 
chen veröffentlichten Arbeiten erscheinen. Hieran reihen sich folgende Ar- 
beiten: Iv. Franko »Der Kosak Plachta, ein ukrainisches Volkslied, gedruckt 
in einer polnischen Broschüre vom J. 1625« (Zap., Bd. 47) mit interessanten 
Bemerkungen zur Geschichte des ukrainischen Volksliedes überhaupt; V. 
Hnatiuk über die moderne Volksliederschöpfung, mit einer reichhaltigen 
Sammlung solcher «neuer« Volkslieder (Zap., Bd. 50 und 52); derselbe, Volks- 
lieder über den Räuber Janosik, sowie Erzählungen von ihm (Bd. 31); M. Dy- 
kariv über die Weide in der Symbolik der Volkslieder (Zbirnyk der 
philolog. Sektion, Bd. V); AI. Kolessa über die Elemente der ukrainischen 
Volkspoesie in den Werken des polnischen Dichters Bogdan Zaleski (Zap., 
Bd. 1); Forschungen von Hnatiuk (Ethnogr. Zbir. 2) und Cyr. Studynskyj 
(Zorja 1S94) über galizische Leiermänner, ihr Repertoire und ihr Argot. Sehr 
viele Erzeugnisse der Volkstradition, besonders der galizischen und ungarisch- 
ruthenischen wurden gesammelt und musterhaft, mit voller Beibehaltung der 
ursprünglichen Form und Sprache, sowie mit Literatur- und Parallelen-Nach- 
weisen herausgegeben. Auf dem ersten Plan steht eine Reihe systematischer 
Sammlungen, deren Herausgabe die Gesellschaft in neuester Zeit unternommen 
hat, mit kleinen, oft zufällig zusammengewürfelten Kollektionen, wie sie 
gewöhnlich in verschiedenen ethnographischen Sammelbänden figuriren, sich 
nicht begnügend. So gab V. Hnatiuk in zwei Bänden eine reiche Legenden- 
sammlung (440 NN.), in Galizien aufgezeichnet (Ethnogr. Zbirnyk., Bd. XII— 
XIII), einen Band Volksanekdoten (4700 NN.), ebenfalls in Galizien gesammelt 
(ibid. Bd. VI), einen Band Volkserzählnngen zur Dämonologie (ibid. Bd. XV), 
und begann eine reiche Sammlung der kurzen Lieder sog. Kolomyjki (erster 



Bericht über die Thätigkeit der Sevcenko-Gesellschaft. 297 

Theil Bd. XVII). Iv. Franko begann eine grossartige Sammlung galizisch- 
rutheniseher Sprichwörter und Redensarten — die zwei bisher erschienenen 
Bände enthalten nahezu lu. 000 NN. (sie sind nach Stichwörtern geordnet), 
deren Stichwörter die Buchstaben A bis D umfassen, mit erklärenden Be- 
merkungen und Parallelen zu jeder Nro. (Ethnogr, Zbirnyk, Bd. X und XVI). 
Jos. Eowolskyj gab zwei grosse Sammlungen galizischer Volksmärchen und 
Schwanke (ibid., Bd. VII u. VIII) heraus. Von kleineren Sammlungen hat eben 
solchen einheitlichen Charakter Dykariv's Kollektion der Volkserzählungen 
über Zarenkrönung (ibid., Bd. V), eine Kollektion von Volksanekdoten, ge- 
sammelt von Symcenko (ibid.), eine kleine Sammlung obscöuer Hochzeitslieder 
von Maxymovyc (Ethnol. Mater. I) u. s. w. 

Eine zweite Serie bilden grössere Sammlungen folkloristischen Materials 
aus einer bestimmten Ortschaft: V. Hnatiuk's Aufzeichnungen aus ungari- 
schem Euthenenland in drei Bänden: die beiden ersten enthalten Legenden, 
Schwanke, Märchen, Sagen und Anekdoten, gesammelt hauptsächlich im öst- 
lichen Theile des ungar. Euthenenlands (Ethnogr. Zbirnyk, Bd. III und IV), 
der dritte Band, im westlichen ungar. Euthenenland aufgezeichnet, gibt das 
Material nach Dörfern geordnet, vornehmlich als dialektelogisches Material, 
und dazu die in Backa ruthenischen Kolonien im Komitate Bacs-Bodrog — 
ibid., Bd. IX) ; Iv, Kolessa's grosse Sammlung der Volkslieder aufgezeichnet 
in einem einzigen Dorfe Chodovyci, Bez. Stryj, mit Melodien, welche von 
demselben Sammler aufgezeichnet wurden 'Ethnogr. Samml., Bd. IX). VI. 
Lessevic's reichhaltige Sammlung der Volkserzählungen aus dem Munde eines 
einzelnen Mannes, Kosaken Cmychalo, aus dem Gouv. Poltava aufgezeichnet 
(ib. Bd. XIV). Von kleineren Kollektionen haben solchen Charakter: Dyka- 
riv's Volksmärchen und Anekdoten aus dem Kubangebiete (ibid. II), Prof. 
Kaindls folkloristische Beiträge aus der Bukowina (ibid. V), Volksräthsel im 
Dorfe Polove, gesammelt von J. Mykolajevyc (ibid.) u. s. w. 

Nicht wenig wurde auch für das Studium des Volkslebens geleistet. 
Das Volksleben und die Volkskultur ganzer ethnographischer Gruppen schil- 
dern zwei grössere Arbeiten: von VI. Suchevyc über die Huzulen, diesem in- 
teressantesten und originellsten unter den ukrainischen und vielleicht über- 
haupt unter den slavischen Stämmen — bisher sind vier Hefte erschienen 
(Ethnologische Materialien, Bd. 2, 4, 5 und '), welche ein äusserst mannig- 
faltiges, in jahrelangen Beobachtungen gesammeltes, wenn auch nicht ganz 
wissenschaftlich bearbeitetes Material bieten — eine schöne, mit vielen 
Illustrationen versehene Publikation. Die zweite Arbeit von V. Hnatiuk 
über die Euthenen in der Backa (ruthenische Kolonien an der Donau im 
Komitate Bacs-Bodrog); ihnen widmete er eine ausführliche Arbeit u. d. T. 
Euthenische Kolonien in der Backa (Zap., Bd. 22), eine reichhaltige Sammlung 
der Liedertexte (Ethnogr. Samml., Bd. IX), und behandelt die Frage über ihre 
Nationalität auch in seinen oben erwähnten Artikeln über die Dialektologie ; 
überdies veröffentlichte er eine kleine Chronik von Kerestur, der wichtigsten 
unter diesen Kolonien (Zap., Bd. 53). Leben und Bräuche der ungarischen 
Euthenen schildert in einer kleinen Arbeit Georg Zatkovic, einer der lokalen 
(leider so wenigen) ruthenischen Forscher aus Ungarn (Ethnogr. Zbirnyk, 



298 Kritischer Anzeiger. 

Bd. II). Schliesslich publicirte St. Tomasivskyj eine interessante Forschung 
zur Statistik des ungar. Ruthenenlandes (Zap., Bd. 56). 

Arbeiten über specielle Fragen: VI. Ochrymovyc über die Reste der 
kommunistischen Ordnung unter den Gebirgsbojken (der Titel entspricht 
vielleicht nicht ganz dem Inhalt, doch die Thatsachen der Gebirgswirth- 
schaft selbst sind sehr interessant — Zap., Bd. 31); Iv. Cerkaskj'j über die 
Beerbung nach ukrainischem Gewohnheitsrecht (Jurid. Ztschr., Bd. 9); Iv. 
Franko und Phil. Kolessa Volksglaube im galizischen Pidhirje (Bez. Kolo- 
myja, Stryj und Drohobyc — Ethnogr. Zbirnyk V) ; M. Dykariv's Beiträge zur 
Mythologie, zur Volksbotanik, Volksglaube über den heil. Nikolaus, alle in 
der posthumen Sammlung seiner Arbeiten. In seinem ungemein reichen hand- 
schriftlichen Nachlass hat sich u. a. auch ein Volkskalender aus dem Gouv. 
Voronez, gefunden, welcher im Bd. VI der Ethnologischen Materialien publi- 
cirt wurde. Früher hat derselbe Verf. seine Beschreibung der Weihnachts- 
feier aus dem Kubangebiete herausgegeben (Ethnogr. Zbirnyk Bd. I . Einen 
kleineren Volkskaleuder aus dem westlichen Bojkengebirge in Galizien gab 
Mich. Zubryökyj heraus (ibid., Bd. III,. Die Hochzeitsbräuche aus dem 
Gouv. Cernihov wurden sehr ausführlich und sorgsam beschrieben von 
P. Litvinova-Bartos (ibid.), sowie von Ch. Hrys aus dem Gouv. Poltava (ibid., 
Bd. I). Eine Sammlung huzulischer Zaubersprüche nach verschiedenen Auf- 
zeichnungen gab Iv. Franko (Ethnogr. Zbirnyk V).; Kinderspiele, Kinder- 
reime und Beobachtungen über das Leben der Kinder lieferte M. Derlyca (ibid) ; 
über Zusammenkünfte der Dorfjugend gabDykariv ein Programm mit dem aus- 
führlichen Kommentar (Ethnol. Mater. III) heraus, lieber musikalische Volks- 
instrumeute schrieb der unter dem Pseudonym Bojan sich verbergende Ver- 
fasser Zorja 1894), Ueber bemalte Ostereier aus nordöstlichem Galizien, ihre 
Zubereitung und Ornamentation liegt eine Arbeit des M. Korduba mit einem 
schönen Musteratlas vor (Ethnol. Mater., Bd. I). Für die materielle Kultur: V. 
Hnatiuk über Volksspeisen und Volksküche in Galizien (Ethnol. Mater.. Bd. I), 
und die sehr werthvoUe chemisch-physiologische Analyse der ruthenischen 
Volksspeisen von dem bekannten Physiologen Prof. Iv. Horbacevskyj (Zbirnyk 
der naturwiss. Sektion, Bd. V). Ueber die Einrichtung des Bauernhofes handelt 
eine Arbeit von M. Mohyicenko (Beobachtungen aus dem Gouv. Cernihov) in 
Ethnol. Mater., Bd. I ; über die Schafzucht bei den Bojken eine Arbeit des 
M. Zubryckyj (ibid. VI) ; über die Fischerei der Ukrainer in der Dobrudza 
eine Arbeit des J. Volkov (ibid., Bd. I). Zum Studium der Volksindustrieen 
brachten die Bände I, III und VI derselben Materialien folgende Beiträge : 
M. Mohyicenko über Töpferei in Olesnja, Gouv. Cernikov, M. Eusov über die 
Töpferei in Oposnja, Gouv. Poltava, V. Hnatiuk über die Weberei und Kürsch- 
nerei in Galizien, A. Veretelnyk und M. Rusov über verschiedene Arten der 
Holzindustrie, P. Litvinova, A. Veretelnyk. M. Syskevyc über die Oelpressen 
in Galizien und der Ukraine, Frau O.Radakova über die Bauernjuwelierkunst 
im Gouv. Charkov. 

Ich zählte hier nur dasjenige auf, was mir bei der modernen Richtung 
der historisch-philologischen und ethnographischen Studien am werthvoUsten 
und interessantesten schien. Die Interessirten können nach diesen Hinweisen 



Iljinskij, Ein Fall der gramm. Analogie, angez. von Resetar. 299 

mit Hilfe der jedem Jahrgange der Zapysky beigefügten Indices, sowie der 
auch deutsch publicirten Chronik der Gesellschaft auch selbst das ihnen 
Nötige finden. Wollte ich alles Neue hervorheben, was diese Arbeiten und 
Publikationen für das Studium Südrusslands und des kleinrussischen Volkes 
bieten, so müsste ich natürlich den Rahmen dieser schematischen Uebersicht 
weit überschreiten. Auch so, wie die Sache gegenwärtig steht, in Betreff 
einiger Fragen, z. B. bei einigen Abtheilungen der Geschichte Altrusslands 
und speciell bei der Geschichte Galiziens in ihrem ganzen Umfange, bei der 
Geschichte des Kosakenthums bis zur Epoche Chraelnyökyj's einschliesslich, 
bei der Geschichte der neuen iikrainischen Literatur, bei der ukrainischen 
Dialektologie, dem ukrainischen Folklore überhaupt kann kein Forscher ohne 
genaue Bekanntschaft mit dem von der Sevcenko- Gesellschaft dazu Ge- 
leisteten und Publicirten auch nur einen Schritt vorwärts kommen. 

M. Hrusevsktp. 



HjitHHCKiH, r.A., Oahhi. eüyiaH rpaMMaTH^iecKoä anajorm wh cepö- 
cKOMi. H3BiKi (aus dem Cögphhk'b zu Ehren Lamanskij's). 

Es handelt sich um die Erklärung der räthselhaften serbokroatischen 
Endung -ä im Gen. pl. der nominalen Deklination. Da ohne weiteres zuzu- 
geben ist, dass alle bisherigen Versuche nicht befriedigen können, stellt I. 
eine neue Hypothese auf, wobei er — was von seiner Seite sehr angenehm 
überrascht — in diesem -ü kein Pronomen sieht ; vielmehr nimmt er an, dass 
dasselbe aus der ursprünglichen Endung -bjb der «-Stämme sich entwickelt 
habe und dann auf alle Substantive übertragen worden sei; -yt hätte im 
Serbokroatischen -bi, -bj, dann mit Vokalisation des Halbvokals -aj, endlich 
nach Schwund des wortschliessenden -J (und gleichzeitiger Ersatzdehnung 
des vorausgehenden -a-) ein -ä ergeben. Nach der Annahme I.'s hätte also 
eine und dieselbe Endung -bß im Serbokroatischen bei den i-Stämmen ein -t 
igösü, ndci), bei den übrigen Stämmen dagegen ein -ä [köüä, zenä) ergeben, in- 
dem dort der erste Halbvokal verstummte und die auslautende Silbe Jb zu i 
wurde, hier dagegen das erste & zum vollen a sich entwickelte und das y 
schwand. Diese Divergenz in der Entwickelung einer und derselben Endung 
sucht I. dadurch zu erklären, dass bei den t-Stämmen die letzte Silbe, d.i. der 
letzte Halbvokal den Ton trug, während in den übrigen Kategorien «der Ton 
jedenfalls auf das erste & fallen musste, wodurch dessen Vokalisation erklärt 
wird« 'S. 6); wenn aber bei denselben Stämmen das auslautende/ schwand, 
so erklärt sich das durch »den relativ späten und zufälligen Charakter 
seines Ursprunges, der ihm keine Möglichkeit zuliess, sich zu befestigen« 
(S. 7). Die Sache ist aber damit nicht erledigt, denn zunächst steht es speziell 
für das Serbokroatische fest, dass die 2'-Stämme schon in der ältesten Zeit 
aus der slavischen Endung -bß ihr gegenwärtiges -t entwickelt hatten; in 
historischer Zeit konnten also die übrigen Stämme von den t-Stämmen als 
Endung des Gen. pl. nur ein -l annehmen. Sollte man aber nur für das 



300 Kritischer Anzeiger. 

Serbokroatische an eine noch ältere konsequente Annahme der En- 
dung der «-Stämme von Seiten der übrigen Substantiven denken, so muss 
entschieden betont werden, dass es methodologisch nicht geht, für die ein- 
heitliche Endung -hjb bei den übrigen Stämmen Betonung des vorletzten &, 
bei den i-Stämmen selbst dagegen Betonung des letztens anzunehmen: hätten 
die übrigen Stämme die Endung der «-Stämme angenommen, so hätten sie 
ganz bestimmt auch die dieser Endung anhaftende Betonung angenommen 
(vgl. z. B. prstä, noicdtä, aber prstt, nöJctt nach gdsü, nöct) und dann müsste 
eben auch bei den übrigen Stämmen das urslav. -bjb zum -l werden. Es ist 
ferner sehr fraglich, ob wir für das Serbokroatische als Mittelstufe zwischen 
dem urslav. -hß und dem serbokroat. -i der «-Stämme ein -hi voraussetzen 
dürfen, wie dies II. thut; höchst wahrscheinlich geht nämlich das -i auf die 
Nebenform -iß zurück (mit der bekannten Verlängerung des 6 vor^), so dass 
die von II. vorausgesetzte, in der Geschichte der serbokroat. Sprache gar 
nicht vorkommende Form -hi, bezw. -hj, kaum als Ausgangspunkt für das -ü 
genommen werden kann. Dies dürfen wir um so weniger thun, als die An- 
nahme einer vorhistorischen Endung -y (woraus -«) bei den o- und a-Stämmen 
direkt der schon genügend hervorgehobenen Thatsache widerspricht, dass 
diese Stämme einen Halbvokal an vorletzter Stelle erhalten, bzw. in einer 
auslautenden Konsonantengruppe sekundärer Weise entwickeln: otäcä, 7nä- 
cäkä, bzw. vjetärä, sestdrä ; wenn man aber dem entgegen sagen wollte, dass 
— was gewiss richtig ist — das auslautende -ä erst hinzutrat, nachdem der 
urslav. auslautende Halbvokal verstummt war, daher auch der Halbvokal an 
vorletzter Stelle sich erhalten, bzw. neu entwickelt hatte, so ist darauf hin- 
zuweisen, dass 0- und a-Stämme, wenn sie wirklich die Endung der 
«■-Stämme annehmen, auch in Bezug auf die Behandlung des Halbvokals 
an vorletzter Stelle nach den letzteren Stämmen sich richten (vgl. nokdta, 
inäjäkä, mazdkä, crkävä, bresäkä u. s. w., aber nökü, majki, mäzgt, crkv'i, 
hreskvi u. s. w.). Das -« hat somit mit der Endung -hß der «-Stämme wohl 
nichts zu thun ; woher es aber kam, das ist allerdings schwer zu sagen. 

* M. Resetar. 



Heinrich v. Ulaszyn, Dr. phil., lieber die Entpalatalisirung- der ur- 
slav. e-Laute im Polnischen. Leipzig 1905, 92 SS. 

Die Abhandlung ist ein Theil einer grösseren Arbeit, wie der Verf. im 
Eingange des Vorwortes schreibt, um auf den Umstand hinzuweisen, dass 
der für das Ganze gewählte Titel für diesen veröffentlichten Theil vielleicht 
zu weit ist, da ja in der That nicht alle Fälle der »Entpalatalisirung«, z.B. im 
Anlaut und in den Zusammensetzungen hier behandelt sind. Aber auch dieser 
Ausschnitt zeugt von der grossen Gründlichkeit, mit welcher der Verf., der 
früher schon auf dem Gebiete der historischen Studien gearbeitet hat, jetzt 
in der slavischen Sprachwissenschaft die unternommenen wissenschaftlichen 
Aufgaben erfasst und behandelt, man sieht den Einfluss seiner Lehrer und 



V. ülaszyn, Entpalatalisirung, angez. von Nehring. 301 

Führer, Baudouin's de t'ourtenay, früher in Krakau, der ihn in die slavische 
Philologie eingeführt hat, Jagiö's in Wien und zuletzt Leskien's in Leipzig, 
wo er die letzten zwei Jahre verblieb. Die Aufgabe, die Dr. v. Ulaszyn hier 
sich gestellt hat, betrifft die Erscheinung im Polnischen, dass die Vokale e 
und e, beide weich, vor den harten Konsonanten d t, z s, l n r zu io bezw. 
ia umgelautet werden: wiosna las, vor weichen Lauten oder weichen Nach- 
silben, und vor;?- und A-Lauten dem Umlaute ausweichen und in ihrer Qua- 
lität verbleiben. Dieser Lautvorgang, der in der angegebenen Umgrenzung 
dem Polnischen seit Beginn seines Sonderlebens eigenthümlich ist, war seit 
jeher unter dem Namen Umlaut allgemein bekannt und wiederholt beleuchtet, 
hier aber ist er mit einer wohl unnöthig gewählten neuen Benennung zum 
ersten Male von Grund aus physiologisch und historisch geprüft und sowohl 
in seiner lautgesetzlichen Folgerichtigkeit als auch in seinen Schwankungen 
und Abweichungen, die auch erklärt werden, eingehend behandelt. Aus die- 
sem Grunde ist die Arbeit des Dr. v. Uiaszyn als eine treffliche Einzelunter- 
suchung, — und an solchen fehlt es in der polnischen Grammatik — , mit 
Anerkennung zu begrüssen, und es ist zu wünschen, dass der Verf. auch an- 
dere Eigenthümlichkeiten des Polnischen mit derselben Sorgfalt behandele, 
oder dass andere zu ähnlichen Untersuchungen angeregt werden. 

Im Einzelnen scheint mir in der besprochenen Abhandlung manches der 
Vervollständigung oder Richtigstellung bedürftig zu sein. Zunächst wäre 
der Hinweis auf die Assimilation im Bulgarischen in zelezo und zelezen, vera 
und veren u. ä., und auf den Umlaut des e in e im Eussischen unter gewissen 
Bedingungen: veselyj, bereza am Platze gewesen, — aber freilich, aus dieser 
nur theilweisen Gemeinsamkeit waren für das Polnische keine Schlüsse zu 
ziehen; vielleicht sind nachhaltigere Anklänge im Lausitzischen anzutreffen: 
piscec und piscai, fensi und rany, aber auch diese Anähnlichung ist mit dem 
polnischen Umlaute nicht gleichartig, und der Verf. beschränkte sich mit Recht 
auf das Polnische. Bei dieser Beschränkung vermisse ich bei der Prüfung 
des Lautvorganges, dass die p- und A-Laute den Umlaut aufhalten, den Hin- 
weis darauf, dass diese Konsonanten im Polnischen auch sonst mit weichen 
zusammengehen, die Gaumenlaute mehr, die Lippenkonsonanten weniger: 
wielki nagi st. wielky nagy, wielkiego nagiego; gumien trumien pewien, 
okien bagien; wieku duchu wie koniu u. s. w. ich darf mich begnügen, auf 
diese Neigung des Polnischen hinzuweisen, — aber nicht des Polnischen 
allein, hier möchte man auf grossrussische Dialekte hinweisen, welche nach 
Potebnja (Zürn, minist, nar. prosv. 1874, HI 116) »zur unorganischen Erwei- 
chung der Gutturalen und Labialen inkliniren«, worauf auch, sowie auf 
gleichartige polnische Erscheinungen Jagic im Archiv I, 347 f. hinweist; es 
ist demnach in der Natur der polnischen Lippen- und Gaumenlaute begrün- 
det, dass sie den Umlaut aufhalten. 

Was die einzelnen Erklärungen anbetrifft, so muss ohne Bedenken zu- 
gegeben werden, dass das Fehlen des Umlautes bei dem Worte kobieta 
richtig in dem Umstände gefunden wurde, dass dieses Wort spät in der 
Sprache erscheint, denn erst im XVI. Jahrb. bei M. Bielski in Sejm nietciesci 
im verächtlichen Sinne anzutreffen ist, dasselbe kann aber auch von anderen 



302 Kritischer Anzeiger. 

Wörtern, z. Th. von demselben Typus gesagt werden: zaleta podnieta, das 
letzte folgte auch dem etymologisch homogenen, häufig auftretenden Worte 
niecid, und wich dem Umlaute aus; tasak mag viel älter sein, die Wurzelsilbe 
cies- wird aber durch eigenartigen Ablaut {e:a] sich zu tas und nicht zunächst 
erst zu cias- und dann durch Verlust der Jotation zu tas gewandelt haben. 
Die Wahrnehmung, dass der Vokal e, wenn er den Halbvokal 6 reflektirt, an 
dem Umlaute nicht theilnimmt (pies nicht pios, giezlo-gzlo) ist im allgemeinen 
richtig, aber es konnten solche Abweichungen wie dzionek wioska u. a. er- 
wähnt werden : dzionek Deminutivum zu dzien folgte der Analogie von 
pierscionek, promionek u. a., von Subst. auf -en gebildet, welche der Verf 
S. 66 bespricht, wioska scheint eine unmittelbare Bildung zu sein, ist aber 
vielleicht aus dem regelrecht gebildeten, vorauszusetzenden *wieska ent- 
standen, ein Adjectivum *wieski (wiejski ist doch wohl nach der Analogie 
von miejski aus miestski geformt) mag auch zur Bildung von wioska beige- 
tragen haben, vielleicht existirte auch ein Deminutivum przycioska zu przy- 
cies; an eine Analogie von piosnka, wie man meinen könnte, ist nicht zu 
denken, weil in früherer Zeit, in welcher wioska entstand, das Deminutivum 
zu piesn piasnka war. Mit wioska hängt zusammen wiochna und schliesslich 
auch wiosnianka, wofür ein polnischer Dichter des XVII. Jahrh. willaneczka 
aus dem Italienischen als ländliches Gedicht gebraucht. In chrzest wurde 
der e- Vokal wegen der Flexionsformen chrztu chrzcie und wegen chrzcic als 
ein beweglicher empfunden, aber chrzesny (mit Verlust von t) scheint die 
Sphäre überschritten zu haben und erzeugte die Nebenform chrzasny. An 
dieser Stelle möchte ich die Bemerkung einfügen, dass in den lautlichen Er- 
scheinungen des Polnischen manches an Willkür streift, dass das Polnische 
von einer gewissen Launenhaftigkeit nicht freizusprechen ist ; — man kann 
es auch Hang zur Mannigfaltigkeit nennen — man vergleiche z. B. lesny und 
wezesuy niewczesny doczesny, Adjectiva zu las und czas, dort s hier s, die 
Wörter mögen früher doczesny n. s.w. gelautet haben. In der Erklärung nun 
der Adjectiva mit dem Suffix -tny und -tnik, auch -Bszy möchte ich lieber 
bei dem früher geltenden Satze stehen bleiben, dass bei diesen Bildungen f 
z s und k g ch durch das einst wirksame 6 regelrecht erweicht oder palatali- 
sirt wurden: dzielny, przasny, wieczny u. s. w., dass aber d < und r, auch n 
ehedem den Konsonanten unmittelbar erweichten, die Erweichung aber all- 
mählich einbüssten, so dass kwiet'ny, wier'ny u. s. w. zu kwietny, wierny etc. 
geworden sind; wietrzny entwickelte die weitere Wandlung des r' in ?-r, weil 
es an opatrzny, wnetrzny, in denen die Lautfolge -trzn- nothwendig war, 
gleichsam ein Vorbild und einen Halt fand. Dass sich der Verf auf die Wör- 
ter mit dem Suffix (dem »Formans«) -tni'y) beschränkt hat, ist vielleicht nicht 
richtig, denn auch die Suffixe -Bski und -tstwo verdienten Berücksichtigung: 
rodzenstwo (aus plur. rodzeni), mieszczanski (aus mieszczanin) u. s. w. 

Noch eine Bemerkung. Die zwei besprochenen Umlautsprozesse (e : io, 
e : ia) gehen parallel neben einander, ohne in einander zu greifen, d. h. e geht 
nicht in ia, e nicht in io über, ein Zeichen, dass beide e einst verschieden 
gelautet haben müssen. Daher sindUebergänge in die andere Sphäre äusserst 
selten: piosnka für das ältere piasnka, vom Verf besprochen, wspomionac, 



Trstenjak, Slovenen im Somogy. Koro., angez. von Jagic. 303 

pieczara, kolaska, welches doch wohl den Stamm koles hat, und obiotowac, 
welches einmal im Ps. flor. vorkommt. Nehring. 



Slovenci v somodski zupaniji na Ogrskem. Napisal Anton Trste- 
njak. V Ljubljani 1905. S«. 115. 

Nicht um alle Bewohner slovenischen Volksstammes, die in Südwest- 
ungarn wohnen, handelt es sich iu diesem kleinen Büchlein, das als Sonder- 
abdruck aus dem »Slovenski Narod« vor kurzem erschienen ist, sondern nur 
um die versprengten Reste in dem Somogyer Komitate. Der Verfasser er- 
zählt theils aus Autopsie (Reiseeindrücke), theils nach gedruckten Werken. 
Das erste Kapitel ist einem Dorf Tarany (1 1/2 Stunden Weges von Nagy Atäd 
entfernt) gewidmet, dessen rein slovenische Bevölkerung nach der letzten 
Volkszählung 1597 Seelen haben soll. Die Einwohner sprechen fast alle auch 
magyarisch, namentlich die schulpflichtige Jugend singt nur patriotische 
magyarische, in der Schule erlernte Lieder. Auch die Kirche ist durchwegs 
magyarisch, mit dem Pfarrer an der Spitze. Der Verfasser vergass zu fragen, 
ob die Leute auch magyarisch beichten müssen. Einst, vor mehr als fünfzig 
Jahren, pflegten die kroatischen Franciskaner des Warasdiner Klosters 
hauptsächlich in der Fasten- und Beichtezeit, den ungarischen Pfarrern jen- 
seits der Mur Aushilfe zu leisten. Ob noch jetzt diese vernünftige Toleranz 
geübt wird, weiss ich nicht. Im nächsten Kapitel wird nur ganz flüchtig von 
den kroatischen Dürfern des Somogyer Komitates berichtet. Wichtiger ist 
der Inhalt der weiteren drei Kapitel, der von der einstigen Verbreitung des 
Protestantismus bei den ungarischen, jetzt zumeist magyarisirten Slovenen 
handelt und namentlich auch über den bekannten ugroslovenischen Schrift- 
steller Stefan Kuzmic einige Daten gibt. Zum Schluss werden die Erfolge 
der energisch, um keinen härteren Ausdruck anzuwenden, betriebenen Ma- 
gyarisation in diesen von vielen Kroaten und Slovenen bewohnten Gegenden 
besprochen. Dieses Thema beherrscht überhaupt das ganze Büchlein, wogegen 
ethnographische Schilderung stark zurücktritt, die Charakteristik der Sprache 
fehlt leider gänzlich. Das letzte muss man sehr bedauern. Wir wissen über die 
dialektologischen Eigenthümlichkeiten dieser Slaven so wenig ! Beachtens- 
werth ist nur die auf S. 23 rhitgetheilte Notiz, dass die Bewohner von Tarany 
früher tüdi (also ü für u) sprachen, jetzt aber rein u [tudi] aussprechen. Ist 
das die Beeinflussung seitens der nicht weit abliegenden Kroaten ? V. J. 



Kleine Mittheilungen. 



Beiträge zur Geschichte der slavischen Philologie. 

Briefe Vuk St. Karagid an Ign. AI. Brliö und Andr. T. Brliö. Mitgetheilt von 
Prof. ö. Surmin in Zagreb. 

Herr Dr. V. Brli6, Advocat in Brod a/S. erlaubte mir gütigst, diese 
Briefe mitzutheilen, und ich hoffe, es wird sich manches in diesem brieflichen 
Verkehr für die Entwicklung der slavischen Philologie finden. 

I. 

y Eeqy 6/18 okt. 825. 
iby6e3Hii u MHoronoiuxoBaHH npnjaxe.ijy! 

OjasHo 6h BaM oaroBopiio Ha hhcmo Bame oa 23. pyJHa, a.iu caM cne o^ie- 
KHBao Urtheil, Kao raio cie mh nuca-ra, Äa hy ra ao ocaM aana äoöhtu. Ebo 
caji CHHoh npuMuo u »era. 3a ose saM BejiuKa *a.!ia ! Bp.10 cre Äoöpo yiUHH.ra, 
lUTO Mu Urtheil y opuruaajiy Hnjecie ca« no nomxu nocjiajiu. Ca CeöacTiija- 
HOBüheM rJteÄajxe (F. CKajiHua u sn) KaKO sac Eor y^u: aKO ne anejrupa oh, 
r.3eaajie He öiicxe atx ßapen rJiaBHe HOBiie (x. j. 57 ayKaxa) HniqynaJii, a Haj- 
noc-iHJe II 500 f. W.W. ysiviuie (Eo.te je u nixa, ner' Huraxa — Oa sjia ayacHHKa 
H Koay 6e3 MJtuKa). CaMO, ano ycHpaBUxe Vergleich, neMojxe aa Bac npeBaj)H, 
aa ra HanoBO genaxe, Hero oaMa totobo aa ussaau u aa n-iaxu. Bp^io he aoCpo 
6hxh, aKO öyaexe MorjiH yjarMuxu 10 150 f. oa $epHha; onaa 6hcmo ra Mor.JH 
663 uixexe y ancy paHHXH, aKO He njaxu. SnaM aa F. CKa.3HHa caa pacxe. Oh 
je jora npoteioc Kasao, aa he CeöacxHJaHOBHhy o6yhu ryaaH raoKaiKu, a Kanyx 
aa he My npoaaxu. 

Kanre Koa ce. Ane ja caM y3eo oaaia, KaKO caM npmino hhcmo, ajiu 
HCMa Ocjegana, aa BaM jii noraibeM. CBaKii apyru aan nnxaM Koa npECHora 
nnjexjra 3a OcjeiaHe, na ao caa Heaia HUKora. Jy^e mu Kasanie, aa he obo 
aana HCKaKa 1^3T^)CKa KOJia no.Ta3HiH y Ocujck; saio caM mojiuo T. TupKv, aa 
niixa one, Koju la kqjiz. onpeMajy, h, KaKo mh je oh Ka3ao, mucjihm sa unjejio, 
aa he ce Bame KH>Hre ose He^e-f.e onpaBHxa xaMO. H3 obc Heay.i>e oa Kftuacäpa 
Koa CB. Ane BHanhexe, aa caM ja 22 Kp. njiaxHO mio cy KH>Hre saMoiane, a ne- 
KOJHKe cy BaM Kaare u Maibe aaJin, jcp Kaacy aa cie bu p^Bo pa^iyHajiu. 
Mjioro caM ce Mopao HHaxmu c H>HMa: Hujecy hejin aa BaM ocxase 30 na 100, 



Kleine Mittheilungen. 305 

roBopehu aa cy saM npuje caMo 20 ocxaB.LaJii ; saxo cy roBopH.iH, aa bem na- 
lucM, aKO ue hy laKO npuMiixu; a Kaa caM jum ja Kaaao, aa ucMa BpeivieHa aa 
nHcaibe, OHaa cy ipaaui^iu no npoxoKyjiaMa, u jeasa iiaijy, aa cy bem no 30 
0CTaB.i>a;iii ! 3a Te HCKO^uKe Kifaure, iuto cy EaM Maae aa^H, bh mohcctc ipa- 

5KHTH, aKO MHCJHTe, aa Cy BaM HCnpaBO y^HHIUH. 

$aja BaM ua npeaÖpojniiuHivia! Hero ce qyaHM, uito mu AaaM $u;iiraoBHh 
iiHuiTa HG oaroBopu ! ^a cc ne 6yae pacpauo, luio caM My Bpjio cbojckh nucao? 
To 6ii MU Bpjo acao 6uäo. 

Konurap joni Huje ynpaBO iiauuHuo oiiii cjoBa, nero mh je caMO noKasHBao 
KaKO MUCvin oa npujiuKe; iteroBo 6h h> 6h;io OBaKo tj^ (n u j), a ^ Ij (1 h j); i 
ou MHCJH aa ce ysMC ynpaso c^raBCHCKO, a h h ^ cpncKa, a lu 6h ce Mopa^o 
KaKO Ha^HHHTU, jep Kaate, aa cjiaBeHCKO ne Ba^a, a ac on mhcjih OBaKO x. 
npoiuaBiue je roauHc Hsnuiao Lehrbuch der Windischen Sprache, von 
Peter Dainko. Grätz bey Johann Andr. Kienreich 1824; a oBe je roanne 
usHin.ia MeTCbKOBa (Metelko) KpaacKa rpaMaxHKa y ibyö.Laiiii (Laibach). 
Te o6je Ba.-ba aa HapyiHxc (jep ju osi^e HCMa, a ja 6u BaM ju nociao); h y 
jbHMa uMa HOBH c^EOBa. ÜHOMaaiie mu Kasa Konuxap, aa je ueKaKaB EurJiea 
Bpjo CKopo Ha^uHuo ij^ sa HHaujauiie. Dainko UMa ij^ u ciaBCHCKO i, ajiH je 
Mjecio m yseo 8 ! lo ue Ba.i>a. EyaHie sapaBU ! 

ByK. 

IL 

y Ee^y 6/18 HojeMBp. 825. 
Ä>j6e3iiu u BHCOKonouuxajeMU npujaxe.i>y! 

CuHoh caM npuMHO Banie ii>y6e3H0 nucMO oa 8. Cxy(a)eHa (ujh Cxyaifca?) u y 
ibeMy 40 f. CM. laKO HCMaJTe 6pHre HHKaKe. Tlauac hy nhu y rpaa k cb. Ahh 
sa KftHre, h rjeaahy aa saM u no npBOJ npu.aHniu onpaBUM y Ochjck ua 
Tupuepa. /Kao mu je mxo cy BaM le npsauiibe uenpaBO y Epoa nociaxe; ja 
caM Toöoace muciuo, aa ju xaKO aoöujexe kojh aau npuje, u Kojy Kpajuapy 
je<s>iHHHJe. KaKO 6u 6ujo, aa mu apyru nyx numexe, aa saM KH.nre OB^e 
aaM BesaxH (na 6u ouaa u apMuuuja, mhcium, 6uja Mana)? — SaöaBHUKe 
caM nocjiao y Ilenixy JocH*y MuJOByKy, ue suaM jejiu JH BaMa onpaBHO. Ja 
hy H c OBHM niKOJCKUM KH.nraMa nociaxu BaM 20 3a6aBHHKa (oa kojh asa, mo- 
.1HM, noaajie AaaMy $HJHnoBuhy, koju mh je nucao, u nosapaBuxe ra .työesHo) ; 
na aKO 6u aoin.au u ohu u3 IleniTe, a bu rjieaajxe aa mu jh pacnpoaaxe no 
2 f. W.W. (a HU3ce He). HMa h KajieHaap y H>HMa. üpoaahe ce u no 2 f. 
CBH, jep caM uauixaMnao caMO 1000 enseMn^iapa, a iniaM oko 700 npenyMe- 
paHxa ! — Ebo BaM nia.T,eM jeano o6jaB.T>eHuje o »npoaojiaceHiio« acuBOxa, ue 
aa ce noxnumexe, uero caMO aa ra Buauxe, a Kitury ly bu MOHceie 6o.'be lu- 
laxH ua acMaiKOM jesuKy. 

Ca OBUM uiKOJCKHM KiburaMa noc^ahy saM ueKO-iuKO or.ieaa cb. nucMa 
Ha CpncKOM jesuKy, xe r.ieaajxe ne 6h .lu ju icaKOMe Capaj.iuju npoaaJiu 
(6apeM no 10 npajnapa CM.), aa hoch onaMO sa ^euy — a u sa .i.yae. 

luxe ce xHie CeöaciujaHOBuha rjieaajxe BU xaMO c F. ÜKajuuoM Kano sac 
Eor yqu, a OB^e hy ce ja cxapaxu. 

Archiv für slavische Philologie. XXYII. 20 



306 Kleine Mittheilungen. 

Elenchus vocabulorum Slavicorum magyarici usus ja caM aoöno, h Bpjio 
je Äo6pa KBHra (y cbom poay) nero je ^einio npehepaHo, h. n. deak, 
Erdel, paputs &c. — Ulxa qHHHie bh c rpaMaxHKOM ? Ohe jih cKopo 6hth 
roTOEa? Ja 6h Bpjio ace^iiio ja ce OBl?e mxaMna. 

IIo3/ipaBHTe Mu .iyöesHO TT. IIonoBuha, Paaii^eBHha nony, KyMa Mhj^' 
(h CBHMa juM *a.?ia aa noajpaBy) ; nosüpaBHie mh laKo^ep ii T. Dr. E.iac.ia h 
CoHeHÖepra, a CaHaaKyca KcMaarepa u ocia^e CBe nosnaanKe, a ocoöhto Bame 
CBe aoMahe. KoiuiTapa hy BaM aanac nosapaBara. 

EyÄHie sjpaBH a Bece.iH! C hcthbhm BHCOKonoiHTaanjeM ociajeM 
Bam npajaie.'b 

ByK Cie*. Kapaaah. 

36H.i.a! nosapaBaie Ma a Aija-Cxjenaaa CMa.BaHaha, a aa T. CKajiaay, 
10 ce Bch 3aa. — 



III. 

y Beiy 9. acK. (no Phmck.) 825. 

ibyßesHH a BacoKono^HxajeMH npajaie.-by! 

MacJiBM aa exe aaBHo npaMHja moj oaroBop na iihcmo Bame oa 8ra ciy- 
aena. Kitare caii Bau oaMa Kynao, a.ia ao OHOMaane najecaM Morao yaecaxa 
npajHKe aa a noni.iCM. Caa cy oxBni.!ie y OcajcK na Tapaepa, a oh Ba.ta aa 
Beh 3Ha, mia he aa.te c H>aMa lanaxa. Hs obc aeay.te, ajH Koaxe, Baaaheie, 
Äa caM ja 1 f. 22 fr. CM. Mopao aonjiaxHxa 3a Kaare: oaa Kaacy, aa bh Hajecie 
Äo6po pagyaaJiH (caa Ba paqyaaxe aa hobo); a aa naKOBaibe n;iaiBO caM 36 xr. C.M.; 
a apMaaaje 2 f. 24 xr. — Veltls Sprachlehre acMa ebko y Beiy (aaxa kg 
apyra, ocbm oaa Koa cb. Ahhc, Ciiaje HMaia), a Koa cb. Ahhc ce mxaMna, Kao 
raxo cy H aa kohxh xoj sanacaJiH. — Ca obbm KaaraMa nocjao caM 20 3a6aB- 
HHKa a 20 orjieaa cb. nacMa aa CpncKOM jesany; 3a6aBBHKe, mcibm noKopao, 
c npHJioaceHaM OB^e hbcmom noma.baxe y BaBKOBue T. npo*ecopy Bece.aoM 
(caMO H saBBJie Majio, aa ce ae acKBape); a orjieae rjteaajie aa aaMeiaeTe 
KaKBM CapajjHJaMa, Kao mio caM BaM aacao. Kaa 6a exe Morja KaKBora Ca- 
paj.!iBJy aaroBopaxa, aa y3Me Kojy 100 xaje orjeaa, MaKap My aajia a je*iB- 
Haje, caMo aena a aoca, aa ce qaxajy no Bocaa h no EpaeroBaaa. Bh exe 
Bame SaöaBaaKe Beh mbcjibm npaMB^ia, jep mb Ma.iOByK name, aa BaM a je 
nocjiao. — Illxa qaaHxe ca Ce6aciBJaaoBaheM? UosapaBBie mh r. CKajHay, a 
Bame aoMamae, a a ociajie npajaxe.be a nosaaaHKe. üoaapaB.-ba Bac .i>y6e3HO 
r. Koanxap. ^OK.ie exe aorn^a y aamoj rpaMaxana? Kaa hexe 6axH totobb"? 
HaBajBxe mio 6pace. C bcxbebm BBCOKono^aiaaBJeM 

jecaM Bam c-iyra 

ByK. 

Herrn Ignatz AI. Berlich in Brood 

per Ofen — Essegg. in Slavonien. 



Kleine Mittheilungen. 307 

IV. 

y Beqy 12/24 Jauyapa 826. 

ibyÖeaHU u MHoronouixoBaHu npujaTCby! 

HajaM ce na. exe npHMH.3ii Moje nucMO oä 9. ÄeKCMBpuja h y üeMy Konry 
OÄ mK0.3CKU Kaura, KOJe exe Mopaju xaKoljep oaaBHO npHMHXH. Ja ca.M npuMUO 
Baiue HHCMO OÄ 29. CryÄCHa (aa Jiu je oöuiHHJe cxysiba? Nora.: ciyaaifc, 
PycKH: ciyÄCH)) h y fteiiy 20 f. W.W. Ebo ca;[ uixo caM ja sa Bac nJtaxuo: 

ÄonaaxHO 3a npBe KH>iire — 22 Kp. 
apMuuuje — — 1 f. 33 — 

Äonjaxuo 3a Äpyre KibHre 1 — 22 — 
apMHUHJe — — 2 — 24 — 

lUTO cy aaBHJeHe — — — 36 — 



6 f. 17 xr. CM. 



TaKo npexjeqe Baiuu HOBaiia Koa MeHC 1 f. 43 xr. CM. Joui hy k obom 
ja aojaxH 57 xr., xe hy saM KynHiH Taj'tuJHe njecMe, u no npBHM Ocjeqa- 
HUMa noc.iaxu. IIIxo exe Haui.in MJecio 17 20 saoaBHHKa, lo Ba.La na. caM ja 
2 nocjiao 3a A^aMa $u.iHnoBiiha, a jeaau Baiia sa cKyn-taibe (aecexaK) ; nero sac 
MOJHM, rjieÄajie AaaMa aa HaMHpuxe, jep My u ja caj HeMaM npcKO Kora apy- 
ror Qocjaxu. 

JLo roauHe, aKO Bor aa 3ÄpaB.i>e, rjieaahy, aa 6yae saöaBHHK nyaujn 3a- 
6aBe. ^uiuje Be.tKOBO CByaa iHiajy Hajpaauje, ajiH ^ckojh (ocoöuto KaJiy- 
l^epa) Ha Ka.ieHaap Buiy ao 3.3a Bora, mxo caii ^eKoje CBCije noMcxao CpncKU, 
H. np. BoKiih, CnacoBaaH h. t. a. 

C.iaBOHCKHM Ka./ieHaapuMa, mxo mh 3 oöpuyexe nocjaxu, pajyjeM ce. Oßbe 
HBKO npHJe Kasa, aa je y Byaujiy 3a OBy roanny H3iimao HeKaKaB CjaBOHCKH 
3a6aBHHK noa hmchom Eßpona! He sHaM je jh io HCXHHa? TaKO^ep caM 
qyo, aa ce u HSKaKa CjiaBOHCKa rpaMaxHKa y ByaHMy inxaMna; ho hh xo 
He 3HaM saacia. 3a Bauiy rpaMaxHKy joui HHJecaM Morao pacnaxaxH, nomxo he 
oa npu.3UKe xaöaK aohn 3a 500 KOMaja; ajin hy jaMaino rjieaaxu aa pacnuxa>r 
KOJiHKo je Moryhe ( jep söor ohu KojeKaKU cjoBa, Koja he ce MopaxH naHOBO cjehn, 
He MO/Ke ce ynpaBO Hasuaiuxn). HaBa.Juie bu caMO, xe CBpuiHxe rpaMaxHKy, a 
ociajio he cbc öhih jiacHo. Ja ca.M qyo, aa ce Ka^uhese njecMC y ^yöpoBHiiKy 
HaHOBo uiiaMnajy, a.iH aa cy OB^e y HCHsypu, HHJecaM Morao aosHaiH (npnje 
he 6hxh y 3aapy); a 3a OcMaHuay ^yo caM, aa he je TpjecTancKu yiaxe-t, 
Je*xa üonoBHh (poaoM U3 CpujeMCKU KapjiOBaua), HamuMa ciobume aa aaae 
niiaMnaxH. 

Ulxa yquHHCxe ca CeöacxujaHOBuheM? Ja jeaHaKO Koa anejramije pacnu- 
xyjeM, naK jom neMa Humxa, a u bu mucihm aa 6h mu imca-iu, aa je mxo 
nocjiaHO. Ba.i>a aa cy My onex npoayacu.iu poK 3a anejaijujy. r.!ieaajxe bu 
caMO aa Bac xy ne npeBa2)u, a osaMO Kaa ao^e, Moja he 6nxu 6pura. TjieaaJTe, 
He maJHxe ce, aa ce xu $epuheBH hobhh saapace. üosapaBHxe mu .työesHO T. Cna- 
jiHHy, H r.ieaaJTe, xe paauxe KaKO Bac Bor yiu. 

no3apaBnxe mh npBO CBe Barne aoMaiUH.e, na onaa CBe npujaie.bc u n03Ha- 

20* 



308 Kleine Mittheilungen. 

HHKe ! Bac nosapaB.ia .iyöesHO F. Konmap. Ako ce i)e cacTaHeie c AaaMOM, 
no3ApaBHTe ra .ty6e3HO oä 

Bauiera noKopHor cjyre u 

npiijaTe.Tja Byna. 
n.n. Eto BaM lua.-LCM jejHO oßjaB.'beHHJe o Hochzeitlieder der Serben, 
Koje he ce, mhcjium, o iiayheM üeniTaHCKOM Bamapy jiohH äoöhtu (noKypja- 
^HJiH MB ynpaBO !). Ba.i>a na, hcMO CKopo u lIIa*<i>apiiKOBy HcTopujy jesuKa ir 
JlmepaType CBujy CiaBeHCKn Hapo;ia äoöuth; HajiaM ce, aa he to öhxu suaTHa 
KH>Hra. 

V. 

y Ee^y 29. Janyap (no Hain.) 826. 
.l>y6e3HU npujaTe.-by ! 

Hauia cy ce nucMa onei MHMOiinua. IIo nucMy BameMy oä 26. CjeiH.a 
iua.i>eM BaM Statuten von allgemeiner Versorgungs-Anstalt &c., sa Koje caM 
naaTHO 24 xr. CM. — Weltgeschichte von Schneller, ano noje*THHo ysecuM 
Koa KaKBa aiiiuKBapa, Kynnhy Baw ; .Iuuäob ETHMOJioriiKOH xeiuKO he ce äoöhtu 
OB^e. — KoÄ ^(iBanoBuha 6iio caM ABanyx (jom noaaBHo), aum ce ayro HHJecMO 
MorjiH pasroBapaiH, jep caai ra o6a nyia Hamao y hpkbh ^e qnxa pHmhaHHMa 
II pHinhaHHiiaMa MCiHXBe u pasaaje 6.3arocjiOBe. Omhii hy My joni jeaan nyx, 
u onex hy ra nosapaBuiu oa sac. 

Ja MHC-iHM aa je oh jom (u Mopahe ocxaxii) npaBii lüoKaii. — Ha npe- 
^aiuftera niiCMa Mora Bul)eheie, na, mc hh MaJio HHJecxe yBpHJeaiiJu c jiniii.'be- 
H>eM BaniHM ii onhancKUM o iiojoj Jl&uunu; ajiu onex ja ne ap5KHM, aa je y 
cy^eay o KauraMa vox populi vox Dei. Ty rocnoaapii sapaBH pasyii ti 
HCTHHa, KOJH, «aHac HJiii cjyipa, Mopajy noÖHJeÄiixii. HMa KH>nra, KOJe 
je Hapoa y no^exKy y SBajes^e KOBao, a nocjiHJe cy cbh npn3Hajrii, aa je 
HiiuiTa; a iiMa ii, Ha Koje je Hapoa iis no^eiKa BUKao, a nocjiuje cy u npnsHa.iu 
sa HajaparoujeHHJe cxBapu. Ja nnuiyhu HHKaa He mucjium Ha aanaiUHje iHxa- 
ie.i>e OA npocxoxe, nero Ha KpuxiiKy ii na hoxomcxbo. — IIo npBOJ 
npHJiHmi nocjiahy saM FpaMony rpaMaxuKy, a u Ta.a*UHe njecMe (aKO h Mor- 
6yaeM äoöhxh). 3a CKa-aiiqiiHe ciBapa Hapy^HO caM jeanoMe koä anejianuje, u 
^HHHhy ÄparoBO-tHO, nixo je ro^ Moryhe. FjieaaJTe h bu laMO ca CeöaciiijaHO- 
BiiheM KaKO Bac Eor yqu. — IIosapaBnxe cbc. 

ByK Cxe*. Kap. 

Im Briefumschlag: 
njecMe Ha ILeMa'jKo:\i jesiiKy u FpxiMOBy rpaMaxuKy nocJiahy BaM ca 
SaöaBHHHHMa, jep cy Baiue niKo^iCKe KH>ure cnpeM-iene. IIjecMe npeBda Khii 
Cxa(xc)paxa von Jacob, also Talvj snaqu Teresia a h i h xo Ba.ta aa cy ne- 
KaKa ftCHa UMcna, vj je jaMaqno von Jacob. Ona ce poiiiJia y Pycitjii, u 
xaKO nopea PycKora .lacno je Mor.ia CpncKU HayiuiH. 36ii.La ! ina**apuK, 
npo*ecop y HoBocaacKOJ ruMHasHJii, H3Äao je oöjaB.teHHJe o aeroBOJ Ilcxopiiju 
-iHiepaxype CBujy c.iiaBeHCKii Hapje^HJa. Iliijena äo ÄeKCMBpHJa 1 f. 
30 xr. CM. a nocjuje he 6iixu 2 f. 30 xr. ja 6u BaM jejHO DöjaB-iennje nocjiao. 



Kleine Mittheilungen. 309 

a.m MU je /Kao ja n-iaruxc 14 Kp. BUiue. IIo3Äi>aBUTe iT.y6c3HO Baiue ÄOMahe h 
CBe npHJaTe.T.e. Konuiap Bac nosapaB^a jbyöesHO. — 

Herrn Ignatz AI. Berlich in Brood 

per Ofen — Essegg. in Slavonien. 

VI. 

y Eeqy 12/24 *e6pyapa 826. 

IIpeÄparu npHJaTe.Ly! 

^aaac 15 jana, KaKo caM saM nociao Statuten von allgemeiner Ver- 
sorgungs-Anstalt, H HaaaM ce, «a cie jh hphmhjih; caMo ne snaM, je.;iii iuto 
noMorao Kreutzband, jep ^yjcM, «a ce 0Bi)e cjiaöo Ha to naau (a y TepMaHujir 

je Bp.JO OÖUIHO). 

Jyqe caM npuMuo oä CeöacTHJaHOBiiha obo hhcmo Ha KOJe My ja HHuiTa 
HHJecaM oüroBopao, huth hy My niia OÄroBapaTU, Hero nucMO obo ma.LeM BaMa 
u r. CK&JiuuTi, Äa sHaxe, luia mhmu Ce6acTHJaH0BHh. KaacuTe T. CKajiHUH, Hena 
My Kaace (aKO je nyacHO) , aa ce oa Mene oaroBopy ne Haaa. Ja hc hy aa snaM 
3a Kpa'^yHOBHha ; Hero bh (F. CKajtHua h bii) HaBa.iiuTe, HSKa npoiiec aae cbo- 
JHM nyiCM, aa 6u ce uito npuje CBpinuo. Ako 6u CeöacxHJaHOBHh (nao mio 
cie MH BH Her^e npuje nuca^u) noMOJiuo uapeM 500 f. W. W., CKajiuua UMa 
B.iaci Ha^UHuiu Vergleich; a ano CeöaciHJaHOBHha Mpsu xo noMeayxH CKaAuuu, 
a BH rjieaaJTe, xe oxBopHxe laj nocao npeno KaKBora CeöacxujaHOBuheBa npHJa- 
xe.La; caMO r.!ieaajxe ao6po, aa Bac CeöacxujaHOBuh ne npcBapu, nero aa nojo>KH 
roiOBO (ja MUCJHM aa 6h xo öhjio Hajöe/be u sa Mene h 3a CeöacTHJaHOBuha) ; 
aKO -lu CcoacTHJaHOBHh hc 6yae heo Hainnum xaKOBora Vergleicha, a bh sa- 
Ba.iuxe, aa ce cspum no cyay h no npaBUUH, na hcMO ra aaxBopuxH (nya 
je oxHui^ao jyne, hck uae h J'^kc], a ja sa uuje.io muc;ihm, aa he u y KpuMU- 
Ha.T aohH. 

Ja ce ocjiaibaM na Bac u na T. CKa.iuuy, aa hexe bu xo cBpmuxu, KaKo 
ce 6yae Haj6o.i>e MorJio. Hs nacMa OBora BHan ce, aa je CeÖacxHJaHOBHh yme- 
npx.LHO, na 6h heo c hobom npajesapoM aa ce noMorne. Caa Ba.i>a HaBajHxn. 
Moace 6hih, aa ce oh 6ojh anejtauHJe (a HMa u npaBO mio je ce 6ojh). — 3a 
nociOBe r. CKa^mne Koa anejiaHHJe roBopuo caM c jeanuM, Kao niio caM BaM u 
npnje nncao, a.iu joui HujecaM Humia Morao pasaöpaxu, ocoohio söor pl)aBa 
EpeMCHa, Koje mu, HMa 10 aana, ne aa y rpaa oxnhu; nero öyanxe ■j^jepeHH, h 
BH H OH, aa hy c naJBehoM paaocxH rjieaaxH, miorol) 6yae Moryhe oa Moje 
cxpane. — Ha Koa ''IcBanoBuha 3a one KftHre jom HHJecaM 6ho. — IIo3apaB.-ba- 
jyhu .T>y6e3HO, KaKO sac h Bauie aoMamae, xaKO h T. ÖKajiuHy, ociajeM c 
uciHHHM noiuxanujeM Baui noKopHH cjiyra ByK. — 

VII. 

y Eeiy 13/25 AnpHJtuja 826. 

üpeaparu u MHoronomxoBaHU npHJaie.i.y! 

IIpuMUo caM Bauie .i,y6e3HO hhcmo oa 6. OBor MJecena (xpaEfta), laKo^ep 
c' 
H OHO Taapa CKa.iHHe oa 8. Mapxa. Ja caM joui npuje oBora nncMa Bauiera 



310 Kleine Mittheilungen. 

OB^e 6no Ä03Hao, «a je CeöacTHJaHOBHh peKypirpao Ha ane^iauHJy, a mhcjum aa 
je oaaBae seh OTiiniJio Ha TaMoniKH MarHCTpai, aa ce jaBii, no oöH^ajy, KaKO 
Ta CTBap CTOJH. CeöacTHJaHOBHh Mopa jaram u pacxesaxu kojihko je Moryhe, 
ajtH he CBeiay tomc ÄohH Kpaj ; caMo F. CKajHuy mojihm, «a My ce ne Äocaaa, 
na fla naM ce nocjiHJe cbcth h noacMHJCBa CeöacxujaHOBHh; nero HeKa ce apacH, 
u HaBajiHTe, kojihko je Moryhe «a 6h ce Jurotulirung — Tagsatzung jpacao, 
caMO Äa ce je^iaH nyi Ha anejranujy onpaBH. r.iejajxe n bu, mo.thm Bac, le 
noMaacHie T. CKa^HUu y ^oiy öy^e nyacHO u Moryhe. 

Bpjo MH je 5Kao Illxainipajöepa KpaHHa, aJH ce onex paayjeM mxo je ly 
r. EpKHh Äouiao. KaÄ ce ibeuy caMO Äonaja aioj npaBonnc, sa jesHK heMO 
JiacHo: MH hcMO aera yBJepHxn, «a je y BHAaKOBHheBUM (Kao ii y ocxajiHJe, 
KOJH onaKO nHiuy) KanraMa HHKaKaB jcshk; a h mh heivio npu3Haxu aeiviy, 
aa je H y ^eKOJHM luoKaqKHM KiburaMa jesHK Harp^eH ao sja Bora. 
MojHM Bac, nosapaBHie mh .työeano F. BpKuha; Ba.-ba aa je npHMuo oaasHO Moj 
oaroBop Ha nncMO aeroBO oa 10. *c6pyapuja. 

C '"leBanoBHheM caM ce ao6po nosnao, h Bp;ro mc paao npuMa; MO»ce 6hxu 
aa hy ra h cjyipa pano nooauxu. nocbeaan nyi Kaa caM 6ho Koa aera, aao 
MH je 4 Ka^reaaapa nauiera AaaMa $ujunoBuha, oa kojh caM jeaan aao ^Ly- 
öHöpaxnhy (KonHiapy), apyrn PyMHJy, xpehu noaiao ^oöpoBCKOMC, a leiBpin 
yciaBHO 3a ceöe. Ako ^e suauxe AaaMa, noaapaßuxe mh ra .lyöesHO, h *ajia 
My Ha KaJieHaapHMa I Moace 6uxh, aa iiy u ja ueuixo nanucaTH o aeroBoj pe- 
uensHJH nioKuiy, na hy My nociam, (aKO 6yae heo) HCKa mcxhc y Ka.ienaap 
3a roaHHy 1827. 

Ba-ta aa Bch uMaie ina**apuKOBy Hciopujy CjiaBencKora je3HKa h .ime- 
paiype? KaKO BaM ce aonaaa? Ja My ocoöuxo ÖJiaroaapHM, mxo h CjaBonne 
H JajMaiHHne h PsahaHe (nauie, a ho KcKaBue) ysHMa (no npasau) Me^y 
Cp6e, Kao h BouiHiaKe u IIpHoropue. 

nixa ^HHUxe BU c BamoM FpaMaiuKOM ? Kaa MucjiHie, aa he ce no^eiH 
mraMnaiu? ileae HaBajiHie aa 6yae uixo öpace, jep 6h h ja paa aa nnmeM sa 
Cp6e joui jeany (nosehy) FpaMaxHKy, na saxo acejiHM, aa sama Hajnpnje u3H^e, 
aa yBMCM Bani CuHiaKcuc, aa ce ysa^iya ne MyquM oko aera (?). 

Ja hy (aKO Bor aa 3apaB.-be) Hajaa.i>e ao aeceiaK aaaa nohH oaaBae y 
IXemxy, 3äio auo mh mxo ycnuuiexe, usBOJuie nucMO onpasuxH Hä Mu^iOByKa 
(mit Briefen des Herrn Jos. Milovuk in Pesth); lo ucxo, mojium, KaacHxe u 
F. BpKHhy. Ako mh noiu.i.eie Kano nucaMue na F. Ha^a, 6uhe mh Bp.xo mh.io, 
jep hy caa jaMaiHo rjieaaxu, aa ce c ann nosnaM. 

üosapaBUxe mh .'by6e3HO F. GKajiuny. 3a no.aaHiHha npouec pasyMHJo 
caM, aa je (e)xtrairat, ajiH ne 3HaM, Kaa he ce pe*epHpäTH, jep cy anejaHHOHC- 
Räthe roiOBo cbh 6ojrecHu, a Ko3eji je (Kao mxo exe, mhcjihm, qyjiu) nocxao 
Hofrath. ^hhu mh ce aa ce OB^e ciaöo rjeaa Ha Apelations-Beschwerde u 
Ha Apelations-Einrede, Hero na npohec (Acta &c.), na onaa Ha cyaujuH 
Urtheil u na Beweggründe. Saxo bh aKO ycnnniexe Einrede, r.ieaajxe aa 
6yae mxo je Moryhe Kpahc; jep Kaa ce Kojemia naxpna, Kao mxo oöu^ho 
qHHH CeöacxujaHOBuh, onaaj ce c.ia6o h ^uia. — 

F. KonHiap h anpcKxop Joa.1 no3apaB.i>ajy sac .i)y6e3H0. Oa mchc, mojhm, 
nosapaBHie Barne aoMamae, anpCKTopa Bjiacja, F. IIonoBHha ca CBHMa aoMahuM, 



Kleine Mittheilungen. 311 

Hauiera nony, aoKxopa CoHCHÖepra, T. PaÄii^cBiiha, A5H-CMH.i>aHHha h ocia^e 
cse nosHaHDKe h npHJaxe.ie. 

Bam 

noKopHH Myra h npHJaxe.T, 

ByK Cie*. KapauHh. 



VIII. 

y ByaHMy 19/31 Mauja 826, 

jty6e3HH II MHoronoiuTOBaHn npHJaTe.i>y! 

^aHac caM npiiMHO oj T. CKajiHue nucMo same oa 26. OBor MJecena. Bpjo 
BaM ÖJiaroÄapHM na nucMy Ha T. Ha^a. Obo Äana otuKh hy aa ra noTpaacHM. 

— ÜByaa je OHOMaüHe npoiuao laMO naiu aoöpn Fpra HcBanoBHh. Ako saM xy 
ao^e, MOJUM, Äa Me ibOMy u yciMeHO npenopyiHxe. y Eeiy mc cbojckh no- 
lacxHO y CBOMe HaaiacxHi^y. — ^Ccjihm aa Baia ÄHapHJa 6yae 2chb h aapaB h 
cpehaH a geciHi; h aa cboj'hm poaHie.i.UMa 6yae Ha paaocx h na SHKy, Kao h 
BH Bamuiia mxo exe. — F.ieaajxe FpaMaiHKy aa CBpniHie mio öpace. Moace 
6hih aa 6h cie ETHMo.-ioruKOH bh sacaa uovjia h HaociaBHiH? — 

CeöaciujaHOBHhy npunoBHJeaao T. CKa.iuHa cujia.. FjeaaJTe h y Ha- 
npeaaK, iio.ium Bac, u HaBaJiuxe, mxo je Moryhe, aa 6h ce jeaaH nyi CBpmnjo. 

— F.ieaajxe, mojhm Bac, aa mh no obom oöjaB.LCHHJy Hat)exe Kora npeaöpoj- 
HHKa. — nosapaBHxe mh jtyÖesHO F. EpKiiha, a h AaaMa, aKO ra ^e Bnanie ; 
xaKO H ocxajie npHJaie.te h nosHaHHKc, a ocoÖhto Bame aoMamae. — 3a qyao 
MH je, KaKO ina**apHKOBe Hcxopuje HHJecie joni npHMu.in! Ba.i>a aa he BaM 
je caa nooziaiu. — Bam npujaxe.t u no^Hiaici, 

ByK Cie*. KapauHh. 



IX. 

y ByaHMy 26. aBr. (no namaMy) 1826. 
Ilpeaparu n MHoronomxoBaHH npnjaxe.by! 

Exo BaM ma.BeM 4 o6jaB.T>eHHJa o momc 3a6aBHHKy 3a roa. 1827. Uo 
jeano, M0.IHM, noma.T>Hie y ITo/Kery n y FpaaumKy (a.iH KaKUM nosnaEHnuMa, 
KOJH he ce noxpyaHiH aa 6u HamjH Kora npeHyMepama;. HaaaM ce, aa hexe 
MH BH xy CKynnxu npeuyMepaHia 6apeM kojuko u JiaHH. nayheMy UemiaH- 
CKOM Bamapy npenopyquie KaKOMe sameM EpoJjaHHHy, neKa ce npnjaEH Mujo- 
ByKy 3a KH>Hre. IIo3apaB.i)ajyhH KaKo Bac u Bame aoMamae laKo h F. CKajiHuy 
H ociajie iipHJaxe.i.e h no3HaHHKe, ociajeM 

Bam noKopHH cjyra 

ByK Cxe*. Kapaijah. 

Hern Ignatz AI. Berlich in Brood 

per Efsegg. 



312 Kleine Mittheilungen. 

X. 

y Beqy 15/27 okt. 826. 
ilayöesHU H MHoronoiuTOBaHH npnjaTe.i>y! 

Ebo aie caa onei y Beqy. Ca« ano Baai Tpeöa mKOJiCKH Kaiira, sah iuto 
apyro, H3Eo;iHTe mh nncam. He cyMH>aM, aa cie npuMu^iH Moje nucMO ms Ey- 
auivia c oöjaB.tenujaMa o 3a6aBHUKy aa roÄHHy 1827. Ako ctg mh CKynujiH 
IUTO npcHyMepaHxa, ii3B0.aHTe ii hobuc h iiMeHa nocaam OB^e MeHu, jep ce 
OB^e KH>Hra iniaMna. 

Iliicao caM BaM H3 EyÄUMa, aa ce y ^yöpoBHHKy lUTanna roHayjHheB 
OcMaH, Kojera npsa KH>Hra (6uhe CBera ipu KüHre) qyjcM aa je Bch 
muuiJia,; y EyAnny ce nan luiaMna hctu OciviaH h c nauiHM ciOBiiMa (HBjaji' 
ra TpjeciaHCKH yqHTe.t, Je*Ta üonoBHh); ayöpoBa^KOMe je «Hjena 4 f. a Ey- 
ÄHMCKOMe 3 f. C. M. 

JejiH BaMa nosHaia PsaxcKa (e)noneja noÄ umchom Capene, Kojy je nacao 
HnK0.aa (?) 3 p H H> H ? 

Ona je npajc 200 roauna luxaMnaHa y BeHeiiHJH, h jesaH eK3eMn.iap Hwa 
HCKH MujaTOßuh H3 3arpe6a, Kojii je caa oa PujcKe ($iijyMe) y Hotrjbj Ha 
ÄHJeTii. H lIIa**apiiK cnoMHH>e Majio ly CupcHy. 

HaBajiHTe Bh c FpaMaiiiKOM saraoM iuto öpace. 

Obo aaua rjieaähy aa paaöepcM Koa ane^ai^uje, niTa ce paau c nauiuM 
npouecoM. 

IIosapaBiiTe MU .-byöesHO r. CKa.iuuy, h ocTajie nosHauHKe u npHJaTe.te. 
Bac .iiyöeäHo uosapaB.ta T. KonuTap; a ja ocoöuro nosapaB.tajyhz u sac n sauiy 
Focny c ucthhum BucoKonoiuTauujeM jecaM Baui noKopHU ciyra 

ByK Ctc*. Kapauuh. 

NB. IIucMa MU y nanpeaaK HaxnHcyjie : auf der Landstraße N^o 291 im 
Hofe rückwärts im 1. Stock. 

XI. 

MHoronouiTOBauu Focnoauue! 
IIpuMHO caM KaiaHiuheBO cbgto hucmo y 6 Kibura, KOJe ctc mh nocjia.3u 
y uapyi, u BCJiuKa BaM xsajia 3a to. Kaa mh BHuie ue ycTpeÖa, Bpamhy BaM 
ra ca 3axBa.Momhy, a aoTjie ucKa BaM obo HenoAUKO pujequ 6yay CBJeaoqaHCTBO, 
aa cy noMGHyTe KibHre y Meue, 

y Eeiy 2/14 aeKCMspa 846. ByK Cie*. Kapayuh. 

BucoKoyqeHOM rocnoaHHy 

Ah ap uj u EpüHhy y IlasMaHOBHHU. 

XII. 

y Beqy 4/16 JyjiHJa 1860. 
MuoronouiTOBaHU rocnoauue u npHJaTe.i)y! 

Eto BaM uia.icM 66 Mojujex HOBUjex KftUJKima: 60 sa Baute npeuyMe- 
pauTe, a 6 oÖhihh aeceiaK. XBa.;ia BaM ua .i>y6aBH h ua ipyay. 

Ja ce MUCJHM OBaje öaBHTU joui aBHJe ueaje.te aaua. Kaa öucie mh sa 



Kleine Mittheilungen. 313 

xo BpHJCMc Mor.TU HOCJiaTU aMO (y Moj cxapu KBapTup Landstrasse N° 517.) 
uoBue 3a le Kiburc, yiiiHu^iu öHcxe mh bcjhky .työaB; aKO ;iu to ucöyae mo- 
ryhc, a Bu ux noma.mTe y ScMyH Bacu.iujy BacuJHJCBiihy (Basilius Wasilije- 
vits in Semliu). 

yiunuju ÖHCTC Mu .i.yöaB KaA öuctc mu jaBUJiu mio oä Eociie, ocoöiito 
iiiia ce qyjo sa one EomibaKc iuto cy npo.beioc 113 CpöHJe npeöjcrju npeno 
/IpHHe y BocHy: aa PHCiy Jcjuha qyjo ce Äa cy ra Typuii >KiiBa yBaTn;iii, 
a.iu lUTu ÄU jo ÖHito ozn Phctc JoBH^Hha kojh je oko J^yp^cBa Äue ca ueKO 
7 — 8 apyra npeöjerao npcKO ^piine UH2te JIoaeHime? Ako ce obo niicMO c 
KH>iiraMa He sasomm, mojihm Bac Äa öucie mu OÄroBopii;iu na ifa aMO, aKO äü 
ce aaÄOiiHH, a Bu mu numre y Euorpaa. Baui ÄOJaKouiiLU npujaie.L 

ByK Cie*. Kapayuh. 



Spolari — Spolarich. 

Ich erinnere mich aus meiner Jugend des Familiennamens Spolaric in 
«Sveti Ivan na Zelini«, Damals lebte ein Arzt dieses Namens dort, von dem 
man allerlei lustige Geschichten erzählte, z. B. wie er am Pulsschlag eines 
Patienten erkannte, dass er nur — betrunken sei. Er hatte aber den Puls 
seiner eigenen Hand betastet. Nach vielen Jahren, es war in Petersburg, im 
gastlichen Hause des Fürsten Vjazemskij, während einer üblichen Freitags- 
versammlung, kam mir das Buch »CurriculumPhilosophiae Peripatheticae etc. 
Autore R. P. Melchiore Cornaeo« (Herlipoli Anno 1657) in die Hände, auf 
dessen innerem Umschlag ich eine Notiz fand, die mir den oben erwähnten 
Spolaric in Erinnerung brachte. Ich theile sie hier mit: 

Ego Franciscus Spolari natus sum anno 1639 mense novembri tribus cir- 
citer diebus ante festum S. Martini episc. et confessoris. 

Quando igitur fui annorum 11, tunc incepi studere apud S^ura Joannem 
in Zelina meaque ibidem studia inchoavi in anno dmni 1650 in initio mensis 
Agsti. Deinde in anno dni 1652 recte ante festum S. Georgii veni Varaadi- 
num, ibi factus sum maior parvista sub Rndo Magistro Magiaradi. 

Man ersieht ans dieser unscheinbaren Notiz, dass der spätere Familien- 
name Spolaric einmal (um die Mitte des XVII. Jahrh.) noch die fremde Form 
Spolari führte. Nachher war die Slavisirung durchgeführt, das sieht man aus 
einer späteren Eintragung in demselben Buch. Ein Besitzer desselben näm- 
lich, vielleicht ans dem XVIII. Jahrh., trug seinen Namen so ein: 

Fratris Michaelis Spolarich Ordinis Sancti Pauli primi Eremitae Pro- 
fessoris. 

Was für eine Schule in Sveti Ivan im J. 1650 vorhanden war, lässt sich 
schwer sagen, jedenfalls nur irgend eine Elementarschule. Denn der Unter- 
richt dauerte, wie man sieht, nur zwei Jahre. Gleich darauf kam der junge 
Mann nach Warasdin, olfenbar in die dortige lateinische Schule, vielleicht 
bei den Paulanern. Sein Lehrer seheint ein Ungar gewesen zu sein. V. J. 



314 Kleine Mittheilungen. 

Zier Etymologie von »pre^ustvou. 

Schon Kopitar hat über dieses, wie es scheint, nur dem Slovenischen 
eigenthümliche Wort nachgedacht, woher es wohl kommen mag. In seinem 
Schreiben an Dobrowsky vom 7. IV. 1809 heisst es nämlich: »Woher wohl 
unser preshustvati, ehebrechen? Die neueren Bibelübersetzer haben es von 
shesti (sextus) abgeleitet und schreiben preshestvati: aber das wäre ein ku- 
rioses 6tes Geboth auf dem Berge Sinai: 6tens du sollst nicht übersechsten: 
Trüber schreibt preshushtvati, preshushnik, preshustnik«. (Siehe Briefwechsel 
zwischen Dobrowsky und Kopitar, S. 56). — Ich glaube nicht, dass die Ab- 
leitung von shesti die Schreibweise preshestvati veranlasst hätte, bin vielmehr 
der Ansicht, dass die angeführte Schreibweise nur die spätere, jedoch von 
shesti (sextus) durchaus nicht beeinflusste Aussprache wiedergibt, — wenn 
es auch vielleicht richtig sein mag, dass die Ableitung von shesti (6tus) allen- 
falls bei der Katechese der Kinder, wo man sich in die eigentliche Erklärung 
dieses Gebotes begreiflicher Weise nicht recht einlassen kann, also etwa in 
usum delphini ganz willkommen gewesen sein dürfte. Der Grund aber, dass 
das ursprüngliche preshi^stvo mit der Zeit zu preshestvo wurde, ist annehm- 
barer Weise in der eminent starken Betonung der Vorsilbe und die dadurch 
hervorgerufene Enttonung der Stammsilbe zu suchen. In Folge der Tonver- 
Bchiebung ist der volle Vocal der Stammsilbe zum Halbvocal eingeschrumpft, 
während das einfache shustvo, das Trüber noch ganz wohl kennt, wenn es sich 
erhalten hätte, wohl kaum zu shestvo hätte werden können. 

Dobrowsky wusste auf die obige Frage Kopitars momentan — wie es 
scheint — keiue Antwort; aber auch die, die er ihm diesbezüglich nach 
21 Monaten zukommen Hess, konnte diesen bei der (fast möchte ich sagen) 
cynisch-burlesken Auffassung des Wortes wohl kaum befriedigen. Dobrowsky 
schrieb nämlich am 2. I. 1811 an Kopitar: »Ihr preshustvati ist wohl von 
ssaustati, alt ssustati, wetzen reiben — also ein niedriger metaphorischer 
Ausdruck für subo, subare. Die figürlichen Ausdrücke sind gewöhnlich nicht 
am leichtesten zu erklären«. (Briefwechsel, S. 63). — Einen lediglich auf das 
Slovenische sich beschränkenden Ausdruck aus einem xar iSo^v*' cechischen 
»soustati« abzuleiten, das erregt schon an sich einiges Bedenken abgesehen 
von der gar zu derb- sinnlichen Auffassung, die da zu Grunde gelegt wird. 
Kopitar konnte sich mit dieser Naturwüchsigkeit in der erwähnten Etymologie 
Dobrowsky's sicherlich nicht abfinden, doch er schwieg und Hess es auf sich 
beruhen. 

Nun kommt Miklosich in der vergleichenden Grammatik (II, 178) mit 
seiner Ableitung von ched (resp. sid), die Form presestvo zu Grunde legend 
und fasst das Wort als transgressio. Zu dieser Etymologie mag ihn wohl, 
was die formale Seite betrifft, das altslovenische LUkCTBHI€ noQeia und 
lUkCTKOKaTH odevBiy verleitet haben, in semasiologischer Hinsicht aber 
dürfte die bekannte geläufige, aber deswegen noch nicht richtige Deutung 
des lateinischen adulter (quod ad alteram se confert) für ihn entscheidend ge- 
wesen sein, vielleicht auch das russische pacnyxcTBO (Liederlichkeit, Unzucht). 
Es soll noch hervorgehoben werden, dass sich Miklosich die Ableitung nicht 



Kleine Mittheilungen. 315 

mit dem Suffix -Bstvo vollzogen denkt, sondern mit -tvo, wobei er die noth- 
wendige Dissimilation des Dentals d vor t zu s annimmt. Diese Erklärung von 
presestvo wiederholt Miklosich auch noch in seinem etymologischen Wörter- 
buche auf S. 80, obschon sich mittlerweile P. Skrabec auf den bescheidenen 
Umschlagblättern seines »Cvetje z vertov sv. Franciska« (111,4; ganz ent- 
schieden dagegen hatte vernehmen lassen. Die Ausführungen des P. Skrabec 
verdienen, insofern sie die Ableitung von der Wurzel sid zurückweisen und 
das w in der Stammsilbe von preswstvo mit Berufung auf Trüber, Dalmatin 
und Gutsmann in Schutz nehmen, die vollste Anerkennung, denn die Ab- 
schwächung des presustvo zu presestvo ist leicht erklärbar, der Wandel von 
presestvo zu presustvo wäre es jedoch nicht. Die ausschliessliche Verthei- 
digung von presustvo dem presustvo gegenüber und die Annahme einer Wurzel 
sus kann jedoch nicht auf gleiche Anerkennung Anspruch erheben. Wenn 
ferner Skrabec sagt, er wisse nicht, woher Miklosich die Form »sustvo« habe, 
denn ihm sei nur das Wort »zustvo« (Wucher vom mhd. gesouch = usura, Zins 
od. Nutzen von geliehenem Gelde) bekannt, welches nach seiner Vermuthung 
des Reimes wegen mit »presustvo« verbunden in Trubers metrischer Aus- 
legung des Dekalogs sich finde: so ist dieser seiner Aeusserung folgende Er- 
wägung entgegenzuhalten. Es ist zwar richtig, dass in Trubers »Ta celi cate- 
hismus eni pfalmi« &c. sowohl in der Ausgabe von 1584, als auch in der von 
1595 in der "ten Strophe der brevis ac dilucida decalogi explanatio zu lesen 
steht: «Prefhufhtva sAuf htva varuj fe | sa tiga volo Svejt vus Potupil fe | lubi 
Sakon, Vduftvu inu Divizhtvu« &c., — allein dieses »shufhtvo« ist wohl nicht 
zustvo (Wucher), sondern sustvo (Unzucht). Trabers ausführliche Erklärung 
der zehn Gebote ist nämlich so eingerichtet, dass nach der Einleitungsstrophe 
in jeder einzelnen der darauf folgenden Strophen ein Gebot vorgeführt wird, 
und demnach behandelt die Tte Strophe ausschliesslich nur das 6te Gebot, der 
Wucher aber verstösst nicht gegen das 6te, sondern gegen das 7 te Gebot, 
welches bei Trüber in der 8ten Strophe erörtert wird, wo es heisst: »Nekradi, 
shuhaj, nenorri, | dobitak tiga della vus ti sgory, | tuj Kruh dobivaj vfem 
Ludem pres f hkode, | Od shegna delanja tvojga, | vbosim resdeli ga«. (Ver- 
gleiche die entsprechende Fassung bei Luther: »Du solt nicht stelen Gelt noch 
gut I nicht wuchern jemandts Schweiss vnnd Blut« &c.). Es ist zwar sehr 
naheliegend, neben zuhati (fenerari) auch ein zustvo (feneratio) anzunehmen, 
doch in der angeführten Zusammenstellung mit presustvo ist es nicht richtig, 
»sAufhtvoaals feneratio aufzufassen, sondern wir müssen dem Trüber hierin 
einen orthographischen Fehler, d. h. eine Verwechslung des tönenden und des 
tonlosen palatalen Zischlautes imputieren und shufhtvo als sustvo, nicht als 
zustvo lesen. Solche Verwechslungen kommen bei der bekannten Mangel- 
haftigkeit der Truberschen Orthographie häufig vor, ja sie sind beinahe Regel. 
Krell war zwar bemüht, eine strengere Unterscheidung von /und s, von/A 
und sh einzuhalten, doch Trubers orthographischer Wahnkurs behauptete sich 
noch. Das parallele Auftreten von sustvo (Hurerei) neben seinem Compositum 
presustvo (Ehebruch) kann aber noch durch andere Belegstellen bei Trüber 
nachgewiesen werden, in denen die angeführte Bedeutung von sustvo durch 
die entsprechende Übersetzung klar hervortritt. Im Jahre 1562 erschien neben 



316 Kleine MittheiluDgen. 

Truber's »Articuli oli deili te prave ftare vere kerszhanfke« auch die von 
Stephan Consul und Anton ab Alexandro besorgte kroatische Übersetzung 
des genannten Werkes und zwar in zwei Auflagen , in glagolitischer und cy- 
rillischer Schrift. Diese Übersetzung bietet an mehreren Stellen für Truber's 
»Curbarya inu Preshuftuu« die Version «blud i preljubodejstvo«, und ganz 
die gleiche Version geben die Übersetzer an einer Stelle für Truber's »Shu- 
shtuu inu Preshushtuu«, woraus ganz klar der Schluss resultirt, dass »sustvo« 
gleichbedeutend ist mit »kurbarija«, resp. mit »blud« (ka;^^!^). Die be- 
treffende Stelle ist im Schlussabsatze des Artikels »Od zakona ili zenitve po- 
pov« auf der ersten Seite des SO. Blattes zu lesen und lautet: »Obtu to Gofpo- 
fzhino viffoku opominaio, de tako Nezhiftoft, Shushtuu, Preshushtuu ne dopufte 
poiti naprei, Temuzh de Smezhom, fto Jezho inu pregauenem shtrafaio inu 
fubper ftoye«, und in der kroatischen Uebersetzung': »Zato gospodu telesnu 
modno opominaju da takovoj necistosti, bludu, preljuhodejstcu nedadu naprid 
poiti ni rasti , neg da s mecem, z vuzu s tamnicami i prognanjami kastigaju i 
suproti stojen. — In Trubers Catechismus vom Jahre 1567 auf S. 17 lautet das 
6te Gebot: >'Ne Preshußuai inu ne Shußuaiu mit der deutschen Uebersetzung: 
»^icht Ehebreche vnd nicht Unkeusche». (Archiv XXIV, S. 165) und im »Cate- 
hismus 3 dueima islagama« vom Jahre 1575 auf S. 26 wieder: »Ta shefta, Ti 
ne imash Preshuhtuati inu shushtuati«. Noch eine Belegstelle findet sich auf 
S. 470 des letztgenannten Catehismus mit folgendem Wortlaut: »Inu poteh- 
mal ta hudizh ie vfi Boshy praui Ordningi inu poftaui fourash, fufeb timu 
Sakonu, Vdushtuu inu Diuizhtuu, fatu on te ftauuue zhel'tu na nezhiftoft, 

vshushtuu inu PreJ'ushtuu obrazhuie inu naklane« &c. 

Aus den hier angeführten Stellen Truber's geht klar und deutlich hervor, 
dass presustvo als Steigerung von sustvo aufgefasst werden muss, und dass 
das pre- des Compositums nicht bloss die fast rein locale Auffassung von trans- 
gressio (Uebertretung im Sinne der Phrase »über das Büglein treten«, sloven. 
crez ojnice atopati = dem Ehegemahl untreu werden) markiren soll, sondern 
dass es ein Uebertreffen des einfachen sustvo, also ein eminentes sustvo 
ausdrückt. Wir haben es mit der gleichen Function des Präfixes pre- zu thun, 
wie etwa in den aus dem Volksliede bekannten Compositis »joj prejoj « (wehe 
überwehe), »cud' precud'« (wunder überwunder), wie in der Zusammenstellung 
»lek in prelek« (medicamentum efficacissimum, bei Micaglia230 lik priki), wie 
in »prelep« (wunderschön), »precista devica« (die reinste Jungfrau) u. s. w. — 
Es verhält sich also presustvo zu sustvo gerade so, wie AWKO^'traHHie 
noQyela zu np'kAK»K0;i,'6iaHHI€ /hoixeUc Eine analoge Steigerung dieses 
Begriffes lässt sich auch im Deutschen nachweisen. Ich erinnere nur an die bei 
Schmeller I, 11 5S sub voce Huer angeführten Citate: »Fornicatio huer, adul- 
terium uherhuer, incestus sipphuer, stuprum magdehuer« — und weiter: »der 
adulter wird der uberhuor, die adultera die uberhuor'm genannt«. Ich erinnere 
ferner an Matthiae Coleri decisiones Germaniae in lucem editae a Jacobo 
Schultes Elbingensi, Lipsiae 1603, wo wir auf S. 529 den Satz finden: »Das 
heisst man Oberhurerei/, wann sich ein ehelicher Mann zu einer Ehefrawen 
legt«. Desgleichen will ich noch Fiied. Jul. Rottmann, Rituale nupturientium 
S. 395 citiren : »Wenn ein Ehemann mit eines andern Eheweibe sich fleisch- 



Kleine Mittheilungen. 317 

lieh vermischet und Unzucht treibet, ist die größeste schlimmste und böseste 
Art des Ehebruches, dahero es auch insgemein ein doppelter Ehebruch oder 
nach dem Sachsen-Rechte Ober -Hurerei/ genennet wird«. — Dieses Steige- 
rungsverhältniss hat übrigens auch schon Miklosich in der vergleichenden 
Grammatik II, 59 hervorgehoben, wo er sagt: »Ijuby verhält sich zu preljuby 
wie ahd. huorä zu überhuorä«; sonderbar, dass er dabei trotzdem die Ana- 
logie mit sustvo und presustvo nicht wahrgenommen, denn sonst müsste er 
gleichzeitig ja auch die Unhaltbarkeit seiner Etymologie eingesehen haben. 

Nachdem nun aus den bisherigen Darlegungen das Steigerungscompo- 
situm presustvo klar geworden ist, erübrigt uns nur noch das einfache sustvo 
richtig zu etyraologisiren. In Anbetracht dessen, dass sich das Wort pre- 
sustvo auf das Slovenische zu beschränken scheint und in anderen slavischen 
Sprachen nicht vertreten ist, wird man versucht, an Entlehnung aus einer 
fremden Sprache zu denken. Diese Vermuthung hat schon P. Skrabec in 
seinem Cvetje (X, 1) ausgesprochen; er gibt jedoch selbst zu, dass sich seine 
dort gemachte Annahme nicht beweisen lässt. Auch ich habe anfänglich 
unter dem Eindrucke der Form shuf htvo (als iustvo gelesen) an fremden Ur- 
sprung gedacht. Und da ist denn das Wort Sucht (krankhafte Begierde, 
leidenschaftlicher Trieb) mit seinen Compositis Buhlsucht, Mannssucht, 
Weibersucht, Eifersucht, Löffelsucht, Vogelsucht gar so verführerisch. Der 
deutsche Uebersetzer des Trostspiegels von Petrarca (De remediis utriusque 
fortunae) gebraucht in derUebersetzung des Kapitels ,De gratis amoribus' au 
zahlreichen Stellen regelmässig den Ausdruck Sucht; er übersetzt amor, 
delectabilis morbus mit «Liebe, sanfte Sucht« und delectatio mor- 
bum alit, sanus enim fieri respuit, quem delectat aegrotare 
mit folgender Wendung: »der Lust aber zu der Sucht ist der Sucht Mästung« 
und weiter: »Liebe ist gar ein schendtliche Sucht — die Sucht hat kein Ver- 
nunfft — solche Sucht kann niemand heilen dann die Zeit — etliche setzen 
unter dieser Sucht ein Artznei die Ersättigung des Wohllusts« &c. — Und 
bei sustvo mit s im Anlaut drängte sich mit Hinsicht auf Truber's »susterna« 
für Zisterne der Gedanke an Zucht (in Unzucht, Nothzucht &c.) vor. Allein 
da gab es wieder allerlei Bedenken und Schwierigkeiten, die sich nicht ein- 
fach beseitigen Hessen. Das einfache Fremdwort »zuht« oder »suht« kann 
nicht belegt werden, und doch wäre es eigentlich für die weitere Zusammen- 
setzung mit dem Suffix -tstvo unerlässlich. £s muss aber hier das Suffix -hstvo 
(nicht -tvo!) angenommen tverden, wie uns die Ausdrücke ljubodejstvo(ljubodin- 
stvoHabd.), lotrstvo, kurbarstvo, hotimstvo (concubinatus), hotinstvo (pellica- 
tus), priljubodivstvo (= puteni grieh s tujom zenom, Divkovid), ferner vdov- 
stvo (viduitasj, devistvo (virginitas) u. s. w. beweisen. — Ferner Hesse sich 
aus einem angenommenen Fremdwort »suht« bei der Erweiterung mit -hstvo 
nur die Form sustvo erklären, nicht aber auch sustvo, welches, wenn auch 
jene Form häufiger vorkommen mag, dennoch so gut belegt ist, dass man es 
nicht übersehen darf. (Vgl. Truber's Ta celi novi teftament v. J. 1582 S. 17 : 
»kateri fe lozhi od fuie shene [famuzh fa volo Curbarie] ta fturi, de ie ona 
ena preshus/ifniza, inu kateri eno odlozheno porozhi, ta ifti preshu/i^uje«.) 
Wir sind also auch aus phonetischen Gründen gezwungen, uns nach einem 



318 Kleine Mittheilungen. 

andern Stamm umzusehen, aus dem sich mittelst des Suffixes -tstvo die Form 
sustvo (mit s] ableiten Hesse, — die Form sustvo wollen wir erst dann zu er- 
klären versuchen. Den Nominalstamm, aus dem mit der Ableitung'ssilbe BStvo 
unser »sustvo« gewonnen werden kann, finden wir aber in UJOyT^K, nugator, 
Lapp,Cver!iebfer] Narr. Aus sut wird sustvo mitAusfoll des t vor s ebenso ge- 
wonnen, wie aus gospod gospostvo, aus bogat bogastvo. Vgl. das neusloven. 
«bistvo« (die Wesenheit) mit dem asi. KTüTkCTKO fr7T«o^<5- substantia) und 
das serb. npoKjecTBo (Fluch) neben npoK.iexcTBo. Nach den Ausführungen im 
Archiv XXIV, 226 bezeichnen die mit dem Suffix -Bstvo gebildeten Substan- 
tiva einen Zustand, also ist sustvo der Zustand eines löffelnden Buhlnarren oder 
einer mannstoUen Th'örin und buhlsüchtigen Närriti. Um die semasiologische 
Verwandtschaft der Begriffe Buhle und Narr [Thor, Läpp] darzuthun, will 
ich einige Bibelstellen und sonstige Citate anführen. Im IX. Kapitel des 
Ecclesiasticus lesen wir: »Ne fedi per eniga drusiga sheni inu fe shno ne 
obiemli inu ne goftui fe shnio, de fe tuoie ferze k nei ne naklony inu tuio 
pamet neijrenori . . . . leipe shene fo mnogiteriga obnorile« fschüne Weiber 
haben manchen bethürt), «vinu inu shene prenorio te modre« (Wein und Wei- 
ber bethören die Weisen). Auf alte Weibernarren und verliebte Närrinnen ist 
das Sprichwort gemünzt: »Kdor mlad ne nori, pa star znori« (Wer in der Ju- 
gend nicht thvrt, wird oft mit greisem Haupt ein Thor\ Damit zu vergleichen 
der Ausspruch im Jesus Sirah [XXV. Kap.' : »Tri rizhy is ferza fourashim 
inu mi ie flu shal na nih diaine: Kadar ie ta vbogi Offerten, ta bogati rad 
lashe, inu kadar ie en ftar Norez preshushnik«. — Ich erinnere an Ausdrücke, 
wie: »toll verliebt, liebetoll, liebebethürt, mit Mädchen thören und tändeln, 
närrelen = tändelnd lieben, Sinnentand und Liebesgetändel, Lüffelei = Ka- 
ressieren, Löffeler = Mädchenjäger, löffeln = sich tändelnd und läppisch 
(wie ein Läpp oder Laffe) benehmen, Närrin = Geliebte, Bube (opp. Ehe- 
mann) ist ein eitler Geck und wankelmüthiger Windheutier (Garcio vel bofo, 
bub, est vir inutilis, qui sequitur vayiitates)« u. s.w. Erwähnenswerth ist auch 
der wortspielende lateinische Ausspruch: »omnis amans est ametis [in quo, 
respectu obiecti amati, non ratio sed appetitus sensitivus et affectus in amo- 
rem proni, captivä ratione, inordinate dominantur]« und die Epitheta des 
Amor: »stu/tus, pravus, insanus«. »Wan lieb macht läppen, des tregt meniger 
ein jiarrenAappen". — Den schönsten Beleg für die aufgestellte Etymologie fin- 
den wir aber in einem bei Miklosich im Lexicon palaeoslov. S. 1138 sub voce 
lUOYTKAHK'k angeführten, dem russisch-slovenischen Homiliarium Izma- 
ragd entnommenen Citate, worin die nugae amatoriae berührt werden ; es 
lautet: HH HrpaHTf HrpOW, AWKHMH, UJ K»T A H BO W CTv MWJKHMH 
H^fHaMH, HH CT». K0\'Mail1H, HH CK /ÄTpCKMH, HH CHOyaMH HH HAA- 

UJHTf CK HHMH. Eine Stelle im Buche Genesis (XXVI, 8} erzählt, dass 

Abimeleh das wahre Verhältniss des Isaak zu Rebekka, die dieser für seine 
Schwester ausgegeben hatte, an dem Scherzen und Schäkern der beiden er- 
kannte, als er ihnen durch's Fenster zuschaute (loci amatorii). — Error ist 
der Liebeswahn als Gegensatz des concessus amor, und personificirt als !'Vr/; 
(Verblendung, Verstandesverwirrung, Urheberin aller thörichten Handlungen) 
erscheint er bei Ovid (Am. I, 1, 35) mit Blanditiae und Furor vereint im Ge- 



Kleine Mittheilungen. 319 

folge des Amor. Dieser »error« ist unser »blud« (ka;I\^V,'K) und »blazn« 
(BAdSHTi) Wahnwitz, insania, und bei Micaglia: »mahnitost od gljubavi 
(patja d'amore) rabies amoris« = ludost, ludovanje, mamenost. In diese 
Sphäre gehören auch einige Personennamen, die häufig als Zunamen begeg- 
nen, z. B. Blaznik, Blodnik, Grobnik, Praznik, Susnik (Susnik), Suc u. s. w. 
Grobnik von rp;!^^!^^!!! (stultus, ineptus); Praznik von npaBA^^HTi (otio- 
sus), eigentlich der Müssiggänger und dann fornicator, moechus, denn der 
Miissiggang ist aller Laster Anfang, des Teufels Ruhebank, heckt tausend 
Rasereien aus, er ist nach Logau auch ein Agent der Venus; — Susnik scheint 
aus Susnik (sustvtnik) durch eine Art Metathesis der Sibilation entstanden 
zu sein, so wie die bei P. Marcus in seinem «Tu malu besedishe« verzeich- 
neten Formen: i)resushtne, a, u, ehebrecherisch, presushtnek Ehebrecher 
und presushtujem (presushtuvam) ehebrechen; Suc ist aus suttc, wie Muc 
aus mutBC, Buc aus buttc, Trenc aus Trenttc u. s. w. — Die bei Pletersnik 
(II, 639) aufgenommenen Formen »sljuta« (tändelnde Person) und »sljutav« 
(tändelnd' sind auch wahrscheinlich aus »sutlja« und »sutljav« entstanden. 

Nachdem uns die Entstehung von «sustvo« aus «sut« (Narr) begreiflich 
geworden, wollen wir aus dem Compositum »preäustvo« die weiteren Ablei- 
tungen zu entwickeln versuchen, die nominalen (presusttn ehebrecherisch, 
presustnik adulter und presustnica adultera) und die verbale presustvovati 
(moechari). Aus presustvo wird mit dem Suffix tui. das Adjectiv presustvtn 
gewonnen, welches sich zu presusttn verkürzt, analog wie rojsten (Geburts-) 
aus rojstven oder velicasten (majestätisch] neben velicastven — und auf die- 
ses Adjectiv gründen sich weiter die erwähnten zwei Substantiva presustnik 
und presustnica (*presustvi.nik, *presustvi.nica). Andererseits ergibt pre- 
sustvo (Erznarrheit) mit dem Suffix -ova den Infinitivstamm presustvova- ; 
doch das presustvovati (bis terque stultum esse, ein Erznarr sein) wird natür- 
licherweise bald zu presustovati und weiter zu presustvati. Dass dieses 
unter der Wirkung des auf dem Präfix ruhenden Tones, wie oben eingangs 
erwähnt wurde, sich leicht zu presustvati gestalten konnte, ist auch nicht 
schwer zu begreifen. Ja der Vokal der Stammsilbe zum Halbvokal abge- 
schwächt ist später sogar ganz geschwunden, die beiden Zischlaute vereinig- 
ten sich, und das Wort erschien um eine Silbe reducirt. So lesen wir in Joh. 
Nep. Edling's »Isvlezhik tiga velikiga Catehisma« aus dem Jahre 1779 auf 
Seite 67 zweimal die Form »prifhtvo«, d. i. prestvo für presT.stvo — (: »V na- 
zhiftoft all prifhtvu sapejle nefpodobnoft v' gvantnofte ali gvantanju« [Zur 
Unkeuschheit verleitet Frechheit in der Kleidung]:]. Auf Seite 54 des gegen 
Ende des XVIII. Jahrh. in Graz s. a. in mehreren Auflagen erschienenen »Ta 
veliki Katechismus s prashanjam inu s odgovoram« (per Johannefi Kaiferi 
Bukuvefarji] lautet das 6tp Gebot: »Ti nimafh preßvati ali Nezhiftofti fto- 
riti« (sie!). — Diese Kürzung des presustvo zu prestvo hat ihre Parallele in 
der Kürzung der Form »odresitvo« bei Trüber und Dalmatin, welche bei 
Joannes Baptista a Santa Cruce im Sacrum promptuarium als »odrestvo« 
erscheint. — Was schliesslich die Form sustvo neben sustvo anbelangt, so ist 
zweifaches möglich, entweder hat der Zischlaut der ersten Silbe assimilirend 
auf die zweite Silbe eingewirkt, analog der rückwirkenden Angleichung in 



320 Kleine Mittheilungen. 

cvicek neben evicek, zvizgati neben zvizgati &c. oder es ist, wie dem sustvo 
sut, so dem sustvo suc oder suttc zu Grunde zu legen. Vgl. vdovstvo (Wit- 
wenstand) von vdova, aber vdovstvo (*vdovcBStvo) (bei Trüber Cateh. 470 
»vdushtuu«) und vdovistvo von vdovec oder vdovica. — 

Das eine glaube ich bis zur Evidenz nachgewiesen zu haben, dass das 
Etymon dieser ganzen Wortsippe in lilOYT'K (Narr) zu suchen sei. 

Laib ach, im September 1904. L. Fintar. 



Nachtrag zum Aufsatz »Eine altrussische Schrift« (S. 168 — 172). 

Da Prof. V. Gardthausen in seiner oben gedruckten Abhandlung »Eine 
altrussische Schrift« die Aufmerksamkeit auf die Kerbhölzer und auf die 
darauf eingeritzten Zeichen gelenkt hat, wird es nicht ohne Interesse sein, 
die Literatur darüber anzuführen und auf die Werke hinzuweisen, die mit 
den Abbildungen versehen sind. 

Vor allem kommt hier in Betracht die von AI. Petrow in der polnischen 
ethnographischen Zeitschrift »Wisla« angestellte Umfrage über die Bilder- 
schrift, deren Resultate in jedem Bande, vom 2. au bis zum 15. in der Ab- 
theilung »Poszukiwania« veröffentlicht worden sind. Hier ist auch nicht nur 
die betreffende polnische Literatur, sondern auch die anderer Slaven heran- 
gezogen (z. B. L. Krzywicki in »Biblioteka Warszawska«, 1892. X. S. 91, 97 ; 
über die Bulgaren VIL S. 172 u. s. w.). 

Besonders aber wichtig sind die folgenden Stellen, wo ganze, interes- 
sante Abbildungen gegeben werden: Ignacy Matuszewski: V. S. 918 — 921; 
A. P. und Dowojna Sylwestrowicz : VL S. 672—675; ferner V. 431 ; XL 351 ; 
XIII. 680. Zahlreiche Proben der Bilderschrift sind auch bei L. Malinowski 
»Obraz pisma obrazowego« (Materyaly antrop.-arch. i etnogr., XI. S. 351) zu 
finden. Ueber die serbischen Kerbhölzer erwähnt M. J. Milidevic in »^eeot 
Cp6a ce.T>aKa« (Äpyro npepal)eiio h nonyiteHo usÄaite. y Eeorpasy 1894. S. 334;. 
Die ruthenischen sind bei Kaindl: »Huzulen«. Wien 1894. S. 64, und bei Su- 
chevyc: rynyjiBmiiua. IL lacxt (Maiepiajiu äo yKpaiHCi.KO-pyci.Koi exHO.iBorii. 
T. IV). 1901. S. 209, behandelt und abgebildet. Ueber die russischen im eth- 
nographischen Sinne kann ich nichts näheres angeben. 

Endlich sei noch erwähnt, dass die sogenannte Kinder-Bilderschrift, die 
von Säsinek (in »Dejiny drievnych narodov na üzemi terajsieho Uherska«. 
V Skalici 1867. S. 239—240) mit der glagolitischen Schrift in Zusammenhang 
gebracht wird, mit der aufg-^worfenen Frage nichts gemeinsames hat. Uebri- 
gens vergl. darüber Fr. Bartos: Nase deti. V Brne 1880. S. 168, Ö. Zibrt in 
»Cesky Lid« 1898. VII. S. 246—248 (Obrazove pismo-detska hra) und Ö. Lid 
1900. IX. S. 56—57; Ed. Domluvil: Die Kerbstöcke der Schafhirten in der 
mährischen Walachei (Festschrift aus Anlass des 10jährigen Bestehens des 
Vereins f. österr. Volkskunde, hrg.v.M.Haberlandt. 1904. S.206— 210-i-3Taf.). 

Z. Kuziela, 



Die Vokale t, h in den Codices Zographensis 
nnd Marianns. 



Die folgende Untersuchung ist eine Fortsetzung meiner Ab- 
handlung »Noch einmal 1%,, h», Archiv XXVII, S. 1 — 40, verfolgt aber 
ein etwas w^eiteres Ziel. Wenn ich nach den grundlegenden Abhand- 
lungen von Jagic (Arch. I, II), auf die ich mich gegebenen Falles 
beziehen werde, noch einmal den Cod. Zogr. in Bezug auf ii, k be- 
handle, so geschieht es, weil mir einige Punkte noch weiterer 
Aufklärung und schärferer Bestimmung bedürftig erscheinen. Die 
Grammatik des Altkirchenslavischen muss nothwendig auf die 
Frage kommen, ob die Eigenthümlichkeiten der sUdslavischen 
Ueberlieferung der Sprache, wie sie unseren Handschriften vor- 
liegen, Niederschläge von Lokaldialekten der Schreiber und von 
weiter entwickelten Sprachzuständen sind, oder ob einige dieser 
Eigenheiten bereits in älterer Zeit vorhanden wareo, also auch in 
den handschriftlichen Quellen der uns erhaltenen Texte. Es ist 
klar, dass man am ehesten zu einer Entscheidung dieser Frage 
kommen kann, wenn man einen inhaltlich gleichen Text in ver- 
schiedener handschriftlicher Gestalt hat. Das ist der Fall bei dem 
Evangelium in den zwei Tetraevangelien, Zographensis und Ma- 
rianus, und in den beiden Lektionarien, Assemanianus und Savina 
kniga. Zuletzt würde es darauf herauslaufen, ob es möglich ist, 
ein Bild von der sprachlichen Beschaffenheit des ältesten Evan- 
gelientextes der Zeit Konstantins zu gewinnen. 

Zweifellos ist der Cod. Zographensis, wenn auch nicht in allen 
Punkten, die hier in Betracht kommen können, doch in Bezug auf 
die lautliche Seite der Sprache die alterthümlichste dieser Quellen, 
die Betrachtung muss daher von dieser Seite ausgehen. Zeigen 
sich, rein theoretisch gesprochen, bei Handschriften, die nicht eine 
aus der andern geflossen sind, gleichartige Züge lautlicher Ent- 
wicklung, so ist der Schluss gerechtfertigt, dass bereits eine ältere 
Quelle, aus der beide stammen, solche gehabt hat. 

Archiv für slayische Philologie. XXVII. 21 



322 A. Leskien, 

Die folgende Untersuchung ist bestimmt, einen Beitrag zur 
Lösung dieser Frage zu liefern, soweit es die das Tv und h, betreffen- 
den Vorgänge angebt. Dabei beschränke ich mich für den Cod. 
Zogr. auf den sogenannten Umlaut des i». und k, weil die sonstigen 
Schicksale dieser Vokale, Ab- und Ausfall oder Wandlung zu o, f, 
weniger in Betracht kommen und von Jagic genau behandelt sind. 
Bei der Betrachtung des Umlauts gehe ich zunächst von der wohl 
allgemein angenommenen Ansicht aus, dass es sich dabei um einen 
rein vokalischen Vorgang handelt, d. h. der Vokal i». in k, k in Tv 
übergegangen ist. Auf eine andere mögliche Betrachtungsweise 
komme ich am Schluss. 

I. Codex Zographensis. 

A. Wandlung des k in t», vor folgender Silbe mit nich, 
palatalem (hartem) Vokal. Es muss von vornherein auffallent 
dass der Vorgang sehr beschränkt ist; es werden von dem Umlaut 
betroffen: 1. eine gewisse Wortgruppe lautlich gleichartiger Form, 
die Infinitivstämme K-kpaTH, ^i.'kpdTH, 3Tv;i,aTH, n'kpaTH, ct'k- 
AATH (für ursprüngliches KkparH u. s. w.); 2. die Adjektiva auf 
-kHTi., deren altes k vor folgender harter Silbe bald erhalten ist, 
bald als t^ erscheint; ihre ganze Masse bildet ja eigentlich nur 
einen einzigen gleichartigen Fall; 3) eine Anzahl häufiger wieder- 
kehrender, einzelner Wörter zeigen statt k entweder ganz oder fast 
regelmässig!».: KT^^OBa K'k;i,OBHU,a (Smal, im Ind. lect. vor Lu- 
kas, Bl. 129, steht Bk^OBHi^A); M'kS^k.a mit seinen anderen hier- 
hergehörenden Formen (14 mal, Mk3A'» 4 mal, s. Arch. 1,40); TTvMa 
regelmässig (etwa 12 mal, TkMa steht J 12. 35 im Text, aber die 
Lesung ist unsicher); TiviUTa (3 mal), CB'tT'kAO cB'kT'Ka;?» regel- 
mässig (5 mal) ; npaBT^A^ regelmässig (14 mal, cnpaBk4,ai*iuTn 
L 16. 15 ist unsicher). Dazu kommen einige ganz vereinzelte Bei- 
spiele: KHCkpa M 13. 45, b-kcä^^-R b'kc;ra<5V M 1. 45, L 9. 6 
(Bkck und seine Ableitungen haben sonst immer k), ;i,'kHO\' J. 4. 43 
gen. dual, zu A^^nk, das sonst immer k hat (A'*"'^V M 26. 2), ko- 
T'kAor.n», Ma7. 4, ockaa L 13. 15, pacn'k.H;RTT». Ma 15. 15 (sonst 
immer nkH-). Dabei habe ich ausgeschlossen cTivrHa, weil mög- 
licherweise dies neben CTkrHa vorhanden war, a'^^*^'*? '"'eil hier 
Tk als alt anzusehen ist, und Bp'k.T'kn'k (3 mal so), obwohl man 
nach dem russ. BkpTkniv BepTtn-k. das k ansetzen möchte, weil 



Die Vokale -h, b in den Codicea Zographensis und Marianus. 323 

man bei dem etymologiscli dunkeln Worte zweifeln kann, ob nicht 
eine Form auf -TiRTv vorhanden war (vgl. das in anderen Quellen 
vorkommende ßpivTcmv). Vielleicht muss man auch Riv^oßa aus- 
scheiden, weil es nicht sicher ist, ob nicht das i%. schon aus älterer 
Zeit stammt. Vorläufig sind auch die Zusammensetzungen mit 
-km;>r (h3km;i^, BT^aKM;^ u. s. w.) unberücksichtigt geblieben, die 
später zu behandeln sind, weil sie aus den sonst bei t»., k zu beob- 
achtenden Vorgängen ganz herausfallen. 

Gegenüber den ausserordentlich häufigen Fällen, wo einer 
k-Silbe eine andere mit hartem Vokal folgt, ist der Bestand der 
Fälle des Umlautes von k zu 'k ein recht geringer. Warum bleibt 
ausnahmslos das k in mkto, -;Kk,i,o u. ä., in B'SpkH'K und überall 
bei diesen Adjektiven, wenn -kwi». die beiden letzten Silben bildet, 
in -kCK'k und -kCTBO. Es muss also für die Wirkung des Umlauts 
gewisse Schranken geben, und es sind in der That solche und zwar 
ganz feste vorhanden. 

1. Tv, obwohl ein harter Vokal, wirkt nicht auf ein k 
der vorhergehenden Silbe, einerlei ob t», im Wortauslaut oder in 
einer inneren Silbe steht, daher immer B'KpkH'k, ncnaAkHi^, hcth- 
NkHiv, npaßk^i.kH'k, iiik;i,'k ujk;i,'kuja u. s. w., mka'k, npocTkp'k, 

GHCkp'k, HikSAT»,, HaMkNlv HaHkH'klUf, npORkH'kmf , OVMkp'klUk, 
OCkA-k, CB'kTkA'k, /k.kH'k (g. pl. zu AI^HI^lj Ol^kTTv, Orkp^kLUH, 

BkSHkS'k, ^i.'STkCK'k, THTkATi, die Casusformcn der i-Stämme 
wie Tpk]("k, AKJ^kMTv u. s. w. Davou gibt es im ganzen Denkmal 
keine Ausnahme. Wenn man annimmt, dass zu der Zeit, als der 
Umlaut von k zu t^ vor folgender harter Silbe eintrat, die schwachen 
Vokale noch gesprochen wurden, muss man zu der Frage kommen : 
warum wirkt gerade Tv nicht wie andere harte Vokale? Man pflegt 
Ti, k als irrationale Laute zu bezeichnen; ich möchte den Ausdruck, 
bei dem man sich nichts rechtes vorstellen kann, lieber vermeiden 
und sie Ueberkürzen nennen, denn sie hatten, wie die gesammte 
Entwicklung der slavischen Sprachen zeigt, den normalen Kürzen 
gegenüber ein Mindermass von Ausdehnung. Es könnte demnach 
der Satz aufgestellt werden : die Ueberkürze 'k wirkt wegen ihres 
geringen Gewichts in der Aussprache nicht auf ein k der voran- 
gehenden Silbe. Es würde aber dabei zu erwägen sein, dass, wenn 
man in luk^x'kiuf, BlvpkH-k u. s. w. die beiden k-'k-Silben als 
gleich kurz ansetzt, es nicht recht verständlich ist, warum ein über- 

21* 



324 A. Leskien, 

kurzes 'k nicht auf ein ebensolches h wirken kann. Ich bin daher 
der Ansicht, dass noch ein anderer Umstand in Betracht kommt: 
die hier in Rede stehenden, durch t». der folgenden Silbe nicht affi- 
cirbaren i^-Silben tragen entweder den Hochton des Wortes oder 
einen Nebenton; Hochton oder Nebenton haben aber dem h, eine 
der normalen Kürze gleiche oder annähernd gleiche Ausdehnung 
gegeben ; auf ein solches k wirkt dann folgendes 1%. nicht, so wenig 
wie etwa auf ein vorangehendes h oder (. Wo aber vor folgender 
harter Silbe t». statt h, erscheint (ß'Sp'kHa u. dergl.), enthält diese 
Silbe stets einen vollen harten Vokal und das i^ ist in diesem Falle 
ganz tonlos. Auf diesen Umstand gehe ich indess hier nicht weiter 
ein, da er nur durch eine Gesammtbetrachtung der slavischen 
Sprachen begründet werden kann. An dieser Stelle genügt es, die 
Thatsache festzustellen, dass kein t». auf ein k der vorangehenden 
Silbe verändernd einwirkt. Man kann übrigens, was mit dem 
gesagten zusammenhängt, alle oben angeführten Fälle auf eine 
Formel bringen, es sind sämmtlich solche, in denen bei der Weiter- 
entwicklung der Sprache das h nicht ausfallen kann und dann 
auch in vollen Vokal, c, übergeht: EUpcH-k, me^'k uuf^-kuif, 

Tßi^^ AlO^fM'k U. S. W. 

2. Nach den palatalen Consonanten ik h m lur jka ^ 
H A stehendes k bleibt unberührt vom Einfluss harter 
Vokale der folgenden Silbe, z. B. das sehr häufige HkTO, vgl. 
sonst pasAHHkHTviMH, Mkco, HkT;i^T'k, B'tMkH;?»!:»^ (In allen laut- 
lich gleichartigen Formen sehr häufig), KpdMkH'kll/Ä, HdHkH;?iT'k, 
HCA'^^'^MI^'^? -H^k^O, TAIKkKO, B-kSMOJKkHO, CA^^HikK;^, npH- 
AfJKkHO, KpamkHO, npHUJkAA, C'kllJkA'kl, HfMOllJTkHa,TT»-llJTkHO, 

HC»iuTkH;*ibii, pojKAkCTBC (Über -kCTßO im allgemeinen s. u.), 
cu,kTa, orHkH;^, EOAkiua, KO^nakHaaro u. s. f. Es kann also 
k nicht entpalatalisirt werden, wenn es durch einen vorangehenden 
palatalen Consonanten gestützt ist. 

3. Vor palatalen Consonanten, h m lut u, s, h a fin- 
det kein Wandel des k in ii statt. Die Sache liegt hier 
einfach : da jene Consonanten noch = S' s' st' c u. s. w. sind, 
lautet die folgende mit ihnen beginnende Silbe weich an , ihr an 
sich harter Vokal ist daher unwirksam. Ich führe daher auch nur 
einige Beispiele zur Veranschaulichung an: das -km- der präteri- 
talen Participien und das gleichlautende Comparativsuffix bleibt 



Die Vokale i, t in den Codices Zographensis und Marianus. 325 

stets unverändert; bei diesen Formkategorien kommt natürlich zu- 
gleich in Betracht, dass dem k immer auch ein palataler Consonant 
vorangeht; sonst vgl. KOHkna, OBbi|;t^ oßhu,a u. s. w., 0ßkHax"k, 
KOHKMaTH, miiIiit;?;, noAbsa; vor jka kommt kein Beispiel von 
h vor. Ausnahme macht nur das dreimal vorkommende T'kiuTa 
T'KiiJT;*i M 8. 14, Ma 1. 30, L 4. 38 (TkiuTH Index lect. Luc. hat 
folgende weiche Silbe). 

Also palatale Consonanten wirken genau so, wie palatale Vo- 
kale der folgenden Silbe, sie erhalten das ihnen vorangehende k. 
Die Sache liegt ja überhaupt so, daß die Wirkung nicht unmittel- 
bar vom Vokal der folgenden Silbe ausgeht, sondern von dem durch 
ihn beeinflussten vorangehenden Consonanten, z. B. B'fep'kHa kann 
entstehen, weil das h hart bleibt, B'kpkHH bleibt, weil das h durch 
H erweicht ist vdrhhi^ wie KOHkU,a KOHknaTH bleibt, weil = komca, 
ko7ib6ati. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, dass die Palatali- 
sirung durch folgende weiche Vokale denselben Grad der Stärke 
besass wie die der altererbten palatalen Consonanten, ein vSrhhi 
ist verschieden geblieben von etwa koni kohh. Ich bezeichne daher 
die durch palatale Vokale erfolgte Erweichung durch \ 

4. Unverändert bleibt k im Suffix -kCKT».; einzige Aus- 
nahme «AHH'kCKaiuiH L 23. 38 gegen fast 50 Fälle mit k vor fol- 
gender harter Silbe. Das eine -'kck- kann daher nur als eine zu- 
fällige Verschreibung angesehen werden, jedenfalls lässt sich aus 
der Sachlage nicht schliessen, dass der Schreiber oder seine Vorlage 
ein -TkCK- gekannt hat. 

5. Das k von -kCTßo bleibt unverändert mit Ausnahme 
eines Falles, ^•feB'kCTBa L 2. 36; das gesammte Vorkommen er- 
laubt aber keinen ganz sicheren Schluss: npoposkCTBö -HkCTBO- 

BaTH, pO/K/\,kCTBC, MHCJKkCTBO, BAa^XTÜMkCTBO, BfSOMkCTBO, 

c'kB'feA'^TeAkCTBO -AkCTBOBaTH müsseu nach 2. ihr k behalten; 
i^'tcapkCTBO, das häufiger vorkommt, ist nie ausgeschrieben, sein 
p war ebenfalls palatal. So bleiben nur wenig Beispiele : Bora- 

TkCTBO -CTBa, A;RKaBkCTBC>, RklvHkCTBO, BAaCTkTBOBaTH, 

zusammen 6 Fälle; es lässt sich darnach nicht bestimmen, ob js.'k- 
BT^cTEa ein zufälliger Fehler ist oder ob in den 6 Beispielen mit 
k eine ältere Vorlage befolgt ist, dem Schreiber aber eigentlich Tv 
gemäss war. 

Auch wenn man den letztgenannten Fall ausser Betracht lässt, 



326 A. Leskien, 

so zeigen doch 1 — 4, wie stark der Umlaut des k in 'k einge- 
schränkt ist. Will man nun andererseits prüfen, in welchem Um- 
fange dieser Umlaut nach Abzug der Fälle, wo er gesetzmässig 
nicht eintreten kann oder thatsächlich fehlt , wirklich eingetreten 
ist, so bieten sich dazu die zahlreichen Formen der Adjektiva auf 
-kHT», dar. Ich zähle 124 Beispiele, wo -^h- vor folgender Silbe 
mit vollem hartem Vokal zu -'kh- geworden ist (vgl. z. B. das häu- 
fige K'fec'KHa u. s. w., K'feC'KHOBaTH, immer mitii), und zwar kann 
das T». zwischen allen möglichen Consonantenverbindungen stehen. 
Dagegen stehen 34 Fälle , wo in gleicher Stellung -kh- verharrt, 
davon 14 auf ein und dasselbe Wort fallend, no/i,OKkHC> noA^EkHa^ 
alles andere sind vereinzelte Beispiele (s. Arch. II, 261). Wie vor- 
eilig es wäre, aus dem häufigen no^OKkHO no;i,c»KkHa, neben denen 
nur einmal nc>;i,OK'KHO L 13. 20 vorkommt, zu schliessen, die Ver- 
bindung K-H hindere den Umlaut, erkennt man sofort an norplv- 
c'kHOif M 6. 21, JCA-KB-kHadro M 16. 2. 

B. Wandlung von ^k zu k vor folgender Silbe mit 
palatalem Vokal. Es ist zweckmässig, aus den in Betracht kom- 
menden Fällen die Formen ßk ßk.3 der beiden Präpositionen B'k 
ß'KB als besondere Gruppe zu bebandeln und im Anschluss an sie 
die andern Präpositionen. Ich beginne daher mit den andern Vor- 
kommnissen. 

1. Auffällig ist, dass der Umlaut regelmässig nur bei 
einigen wenigen Wörtern auftritt: Kk;i,'kTH (15 mal, nur so), 
BkH'R (10 mal, nur so), A^^ß^ A'^^t»''^'* (13 mal, nur so), 3kAH SkA'k 
(5 mal, STvAli neben 3kA'k J 18, 23). Sonst kommen nur verein- 
zelte Fälle vor: BpoTki^H M 5. 5, npoMkMc M 28. 15, nkXHi^k und 
nkT1v^ik^a L 2. 24, 12. 24, OBkA« Ma 13. 21, L 17. 21, 23, an 
allen drei Stellen in der Parallele ckA^ — oßkA«, wo also sehr 
leicht das ckA^ ein OßkAC statt Oß'kAf uach sich gezogen haben 
kann. Stellt man dies wenige zusammen mit dem sonstigen Vor- 
kommen des gleichen Lautverhältnisses (Silbe mit t». vor folgender 
Silbe mit weichem Vokal), so steht man eigentlich vor einem Räthsel: 
ausnahmslos steht i». in den Formen und Ableitungen von K'kHHra 
(93 mal), in den Casus der «/-Stämme auf --kek --kb« --kbh (45 mal), 
in den Formen von at^iüT'h (24 mal), in B'kS'knHTH (23 mal), K'kAf 
(18 mal), im Präsens ckakr (19 mal), in den Formen und Ableitun- 
gen von KikHASk (17 mal), im Präsens ckoh- mit oYC'kn« oyc^knc- 



Die Vokale -h, h in den Codices Zographensis und Marianus. 327 
HHf (15 mal), KiknHTH (13 mal), a'kikk iVWA^i iVKHiH (l3mal), 

CKTKHHK'U mit C'kT'k CkT-kYT». (13 mal), npHT'kMA -HH -MflA 
(Umal), T'KUJTk -UIT/Ä OT'KUITfTHT'K (6mal), T'kKHfT'K -HfUJH 

-HH (5 mal), Formen von at^^A»^ A'^^A"T" (4 mal), Participia 
saB'kBEH'k, H3- oY-urkKeHT». (5 mal), »bj^^'kuh (3 mal). Dazu 
kommt eine Anzahl vereinzelter Beispiele: /xaKT^Tk (2mal), x^- 
mTHu,a (1), n-kc-kut (1), ckiuitax-;!^ (2), ckcki^a (1), onpHcH'kii,H (2), 

O^CKUlf HCTsLlllfTT», (2), CkHlv (1), KfT'kCH (2), p'kHTj.UJTHT'k (1), 

KTkJKkAO (1), die Instrumentale CAO\f\"kMk, C'kH'kMk, r/xackMk 

(zusammen 4 Beispiele). Das macht in runder Zahl 340 Fälle; 
eigentlich muss man noch dazu rechnen die 35 Beispiele von npH- 
TTvMa -MaYT». -MaMH, da auch hier dem t». eine mit m palatal an- 
lautende Silbe folgt, ebenso p'kn'kiiJT;iiT'k, A'kJK;R A'k/K;siiuTe; 
endlich bleibt in der grossen Zahl der präteritalen Participien auf 
-•KUJ- das T». unverändert (HiiikAt^iuf Ma 9. 30, noc'kAaßkmafrc» 
J 13. 20 können dem gegenüber nur als Fehler angesehen wer- 
den; an den Stellen Ma 6. 44, 8. 3 hat die Ausgabe 'kA''^i"M'Y''^) 
'RA't^^u^'^j die Lesung ist hier unsicher). Wenn man annehmen soll, 
der Schreiber des Codex oder der seiner Vorlage habe in seiner 
Sprache den Umlaut von ix zu k allgemein oder in grosser Aus- 
dehnung gehabt, so würde daraus folgern, dass er hunderte von 
Malen eine ältere Quelle, die noch überall t». hatte, getreulich ab- 
schrieb, aber gerade nur bei KkA'tTH, A'*^'^ A"»^^'^'^^: KkH'fe, 
3kAlv 3kAH uud ciu paar seltenen einzelnen Beispielen in die Art 
seiner Aussprache verfiel , ein schwer denkbarer Fall. Soll man 
andererseits annehmen, er habe den Umlaut zu k nur in bestimm- 
ten Fällen, nicht allgemein vor folgender weicher Silbe gekannt, 
also nur in den oben genannten Wörtern, so ist die Frage nicht zu 
umgehen , warum denn unter den gleichen Lautverhältnissen in 
allen andern Wörtern nicht ? Es muss zunächst untersucht 
werden, ob die Lautbewegung vor gewissen Schranken Halt ge- 
macht hat. 

a) Sicher lässt sich sagen, dass ein k der folgenden Silbe 
nicht auf ^k der vorangehenden wirkt, daher a^'^^^A'») 

AAK'kTk, CkCklUa, T'kUJTk, T'kUJTkHO, AT»,JKK, C'kTkHHK'k, 

KT».}KkAO, acc. wie i;pTs.KT».Kk, instr. wie CAOXfY'kiuik. Es sind 
das die Fälle , wo in der späteren Entwicklung t». nicht ausfallen 
kann und unter Umständen in vollen Vokal, o, übergeht. Der Vor- 



328 A. Leskien, 

gang deckt sich also genau mit dem oben S. 323 besprochenen bei 
dem Lautverhältniss k-Silbe + 'K-Silbe. 

b) Bei einer Anzahl von Fällen, wo in der zweiten Silbe ein 
voller Palatalvokal folgt, kann man annehmen, dass die Stellung 
zwischen Consonanten, die das t». weggedacht, eine schwere 
Gruppe bilden würden, dem Tv eine grössere Fülle und damit 
Widerstandsfähigkeit gegen den Umlaut verliehen hat : die Formen 
von A^^iA^TH , die obliquen Casus von ai^h;ai»^ und at^^A^t"? 
AT^ujTHi^a, HSA'KUJ«, T'KiKAf (Mar. tojka«), t-kiuta, ottvIut«- 

THTH, pTkR'KlUTHTf, 0\f CTi.llJf, H'feC'kl^'fe, OHp'SCH'KUH, T'kKHeT'K 
TI^KHH, ATiJKH. 

Wenn man nun auch diese beiden Gruppen von Fällen als 
normale Erhaltung des t^ abrechnet, bleibt immer noch eine ge- 
waltige Zahl, der gegenüber man vor der Frage steht : warum nie 
etwa KkHHTd, npHTkMa, BkHHTH, vih.,\i, chAm. u. s. f.; wie unter- 
scheiden sich K'kA'^'rHj ß'KH'K von b'khhth, dass jene immer als 
KkA'KTH, KhH'k erscheinen, dies niemals als b^rmth ? Dazu kommt 
noch ein besonderer Umstand: der Codex hat nicht blos die Wand- 
lung von altem 'k in k vor folgender weicher Silbe, sondern lässt 
auch altes h vor solcher Silbe in 'k übergehen, ja diese Fälle sind 
in ihrer Gesammtzahl sogar zahlreicher als jene, in runder Zahl 
50 Beispiele der Wandlung von t». und h (wie ^kK'fe u. s.w., s. S. 326), 
60 der Wandlung von k in ^k. Dabei will ich die mehr oder minder 
vereinzelten Beispiele, wie das dreimalige K'kS'kp'kß'k u. a,, ganz 
ausser Betracht lassen, weil man da vor zufälligen Verschreibuugen 
nicht sicher sein kann. Aber siebenmal liest man TT^Mt: gegen 
viermal TkMli. Man kann das, wie Jagic es Arch. I. 45 thut, er- 
klären durch die Analogie von Ti^Ma, allein man gewinnt dabei 
wenig, denn man fragt sich sofort, wie hier das durch den Umlaut 
von k zu T». neu entstandene T'kima so stark wirken kann, dagegen 
das 36 mal vorkommende j^^'KKA (Arch. 1. 19) nicht dazu geführt hat, 
ein AT^B'Sj dessen t». ein altes ist, zu erhalten. Noch sonderbarer 
ist das Verhalten der "on der Wurzel -kW- abgeleiteten Formen: 
diese behalten gemäss der oben (S. 323) gefundenen Regel ihr k, 
wenn dem im ein i». folgt, daher K'kSkU'k, HSkM'k, c'kHkM'k, OKkin»,, 
B'kSkM'kiiiH (ausgenommen nurc'kH'kM'kMal5. 1 [LI 5.1, Arch. 1.49 
ist Druckfehler], civH'kiui'kUJEM'k L12. 1); in B'k3'kM;RT'k h31i.m;i; 
c'kH'KM'ki folgt eine harte Silbe mit vollem Vokal, daher ist die als 



Die Vokale t, b in den Codices Zographensis und Marianus. 329 

normal angesehene Wandlung eingetreten. Aber dem gegenüber 
beisst es bei folgender Silbe mit vollem weichem Vokal 30 mal 
CTvH'KMHUJTe (mir einmal ckhkmhuitio J 1. 49); die Formen des 
Präsens -km;r (mit k'K3- H3-) haben vor weicher Silbe 20 mal TvI 
B'KS'kM'Ktc, HS'kMfT'K, H3'kMn u. 8. w., nur 5 mal das zu erwar- 
tende K: B'KSkMH ßk3kJlltT'K Kk3kM'kTf, dazu einmal OTkMeTTi. 

(s. Arch. I, 48). Dass hier etwa die Analogie der beiden Präsens- 
personen, die harte Silbe nach der k-Silbe haben, -'km;*^ -TvM;rt'k 
oder das Particip -'kM;siiiJT- gewirkt hätte, wäre doch nur eine 
willkürliche Annahme, und wie sollten diese Formen auf CKHk- 
M H uiTf noch Einfluss gehabt haben ? Das ausnahmslos selbst und in 
seinen Ableitungen mit Tv geschriebene ckpEKpo lasse ich bei Seite, 
weil möglicherweise hier das t». älter ist als die uns beschäftigen- 
den Vorgänge. Dass in dem T'kM'k, ckH'kMHiuTe eine beträcht- 
liche Schwierigkeit für die Umlautstheorie vorliegt, wird man kaum 
bezweifeln. Ich komme unten nach Besprechung der Präpositionen 
darauf noch zurück. 

2. Der Wechsel von ß^k und ßk, ß'k3- und Bk3-. Vor 
folgender Silbe mit weichem Vokal wird so ungleichmässig bald 
ßTv bald ßk, bald ß'k3- bald Kk3- geschrieben, dass die Masse der 
Beispiele, in ihrer Gesammtheit betrachtet, nur den Eindruck eines 
völligen Wirrwarrs macht. Es wäre unnütz, die Fälle der einen 
oder andern Schreibung bei den gleichen Wörtern oder Verbindun- 
gen aufzuzählen und neben einander zu stellen, denn es ist aus den 
Zahlenverhältnissen nichts zu entnehmen. Ob einige Male mehr 

ß'kHHTH oder ßkHHTH, BTvS/ÄTH odcr Bk3/ATH, BT». CA-tAT»^ odcr 

Bk C/\ -6/1,1». u. dgl. vorkommt, kann bei der Möglichkeit, dass der 
Schreiber in jedem Falle auch anders schreiben konnte — in neben 
einander stehenden Beispielen im selben Satze kommen beide Schrei- 
bungen vor — gar nicht in Betracht kommen. 

I. Das Verhalten des bt». Es kommt auch hier darauf an 
zu bestimmen, ob es Schranken für das Eintreten von ßk für bt». 
gibt. Einige lassen sich sicher erkennen: 

a) BTi. vor anlautendem h i€ hÄ ra (-k) wird nie ßk, daher 
nur z. B. bt». hm/ä, ß-k (3tß0, ß-k lAS-kiK-k, ß-k -Km;^. Die Sache 
ist bekannt, man kann sie, wenn man anlautendes h als n fasst, 
so ausdrücken : vor folgendem i [j] bleibt ß-k unverändert. Die 
Erklärung, das Verbleiben beruhe auf einer Art Dehnung des -k vor 



330 A. Leskien, 

i zu einem y-artigen Vokal ist richtig, vgl, die Schreibungen ßiü- 
hh;^ e'ki-hcthh;s^. 

b) Vor einem h der folgenden Silbe, das in der späte- 
ren Entwicklung ausfällt, bleibt KT», ohne Ausnahme er- 
balten; es ist die oben (S. 323) bei der Wandlung des k besprochene 
Erscheinung in ihrer Anwendung auf t^. Es heisst daher ß'ksii- 
P'Rth (22 mal; ich führe es hier mit auf, obwohl ß'ks- darin ent- 
halten ist, weil es nur auf die Lautverbindung ßi»- ankommt), ß^K 
TkMli (TikMli) ßi^ T'kM;!; (8 mal), E'k Hk BTs. Hk^KC (29 mal), ßi». 
MkH-k (luiHt:, m'h'K; 11 mal), ß'kMkHer'k (2mal), ßT^NkSH (Imal), 
vor den obliquen Casus von ai^">^: ^^ A^^hh, bt». a»^m*> ^'^ A^- 
ütX'^ (17 mal), vor den obliquen Casus von ßkck, z. B. bt». ßkcsi 
B'k BkCfH u. s. w. wie vor ßkC'SK'k (15 mal), b^k HkTO. 

Dagegen schwanken die Formen B'k und ßk vor solchem k, 
das nicht ausfallen kann und in der weiteren Entwicklung zu ( 
wird, in derselben Weise wie vor folgenden Silben mit altem vollem 
palatalem Vokal: B'kmk^i.'k mit seinen Formen (10 mal) und ßk- 
ujk;^''^ (2mal), B'k TkiuikHHi^H -u,;s^ (lOmal) und ßk t. (3 mal), B'k 
BkCk (7 mal) und ßk b. (2mal), B'k ^kHk (5 mal) und ßk ji,. (5 mal). 
Das ßk ck ß'KK'k (einmal vorkommend) ist keine Ausnahme, 
denn sicher fiel das k von Ck in solchen Verbindungen nicht ab. 
Die Umlautsregel für B'k ist demnach so zu fassen: B'k wird 
zu ßk nur dann, wenn in der folgenden Silbe ein voller 
palataler Vokal steht, dazu zu rechneu k, das gleich 
späterem e ist. 

Scheidet man die beiden oben behandelten Fälle als regel- 
rechte Erhaltung des btv aus, so ist die übrige Menge einfach ein 
Chaos: vor jedem beliebigen palatalen Vokal der folgenden Silbe 
steht bald B'kn- bald ßkH-, vor jedem beliebigen Consonanteu und 
folgendem palatalen Vokal bald B'k bald ßk; es ist mir wenigstens 
nicht gelungen, hier irgend eine Regel zu finden. Zugegeben nun, 
es sei in allen Fällen ßk vor folgender weicher Silbe in der Sprache 
des Schreibers das normale und die so vorkommenden B'k nur ge- 
treue Befolgung einer älteren Vorlage, so muss sich daran notwen- 
dig die Frage knüpfen, warum gehen die ck, B'k, OT'k u. s. w. vor 
folgender weicher Silbe nicht in ck u. s. f. über. Man sagt wohl, 
solche Fälle kommen auch vor (vgl. Arch. IL 249 fg.): ck kommt 
einmal vor in ckß-fe/i.'kTfÄkCTBOYH J 18- 23, in ck nißict MS. 11 



Die Vokale x, b in den Codices Zographensis und Marianus. 331 

ist die Lesung unsicher, für Ch HfKfce Ma. 11. 30 bat die Ausgabe 
ch, ckKAsaKTkiuk M 27. 2 ist zweifelhaft, CKYO,\,/ÄiiJTk Mal. 10 
und das zweifelhafte ckKOHKnaü^Ti». L. 21. 34 haben die Präpo- 
sition vor harter Silbe und sind offenbare Verschreibungen ; — Kk 
TfK'K M 14. 28, Kk HtMO^ M 13. 36 ist unsicher, vor harter Silbe 
Kk oYMfHHKOM'K L 12. 1 (Lcsung unsicher); — OTk ß'c'kYT». L 21. 17j 
OTk HHyk M 14.52 (zweifelhaft), OTkß'kujTaiU/Sv Ma 8. 4, OTk- 
ß'feujTa M 15. 23, 24 (Lesung unsicher), OTkK'kmTaß'k. L 11. 17 
(ebenso), vor harter Silbe OTk k;^^\'S Ma. 6. 2; — naehrmals steht 
np'K;i,k: np-k^ki^i.eT'k L 1. 17, np1i/i,kiA^uiTa L 18. 39, np'k- 
AikC'kA^*"'^'^ L 20, 46, npk^k AHi^fMk Ma 1. 2, L2. 31, npt^k 
HHMk L 1. 17, 75; 5. 18, npU^k hhmh M 9. 2, dazu dreimal vor 
harter Silbe: np'k^kCTOtAiUTHiM'k L 19,24, np'S/k.knoAardKRT'k 
Ma 8. 6, np'k^k^C'A'ÄiUTa Ma 11. 9, aber dass diese Fälle zu 
einem Wandel von t». in k gehören, ist äusserst zweifelhaft, denn 
es wird neben dem Adverb np-fc^H eine Form npU^k existirt ha- 
ben, vgl. das häufige Vorkommen von np'fe/i,H vor Verben der Be- 
wegung; — OBk steht in OKkfMAMvTi». M 7. 16, OKkbÄTT». J 1, 15, 
vor harter Silbe in 0Kk\-0JK;i,aaiuf Ma 6. 6, OKkCTOHWk L 21. 20, 
es ist aber OKk eine alte Form neben ck'k. Man kann unmöglich 
nach diesem Befunde den beiden Fällen von Kk, ck und den beiden 
OTk gegenüber der Masse von ct\ kt^ ottv irgend eine andere Be- 
deutung zuschreiben, als dass sie zufällige Versehen sind. 

IL Das Verhalten des bt^b- vor folgender Silbe mit 
weichem Vokal. Auch hier gehen die Schreibungen k'ks- und 
ßk3- bei den gleichen Wörtern und vor gleichen Lauten oder Laut- 
verbindungen, die Gesammtheit der Fälle betrachtet, völlig durch- 
einander: ß'kSAWBHTH und ßk3-/\., BT^SHTH Und ßk3-, ßTv3/ATH 
und Bk3ATH, ß'K3B«CTH Und ßk3ß., B'KSB'SCTHTH Und Bk3ß. 

u. s. f. Es wird zunächst zu untersuchen sein, ob irgend ein fester 
Punkt zu finden ist. Mir ftillt auf, dass vor den Präsensformen von 
-hUüx ganz selten ßk3- steht: ßkSkmeTT». (3 mal), ßkSkiuiEM'K 
(1 mal), fikSkUi-kTf (Imal), die sonstigen ca. 20 Fälle mit B'K3- 
(s. Arch. I, 4S). Man trifft hier dieselbe Regel wie oben S. 323: 
ein schwaches k nach der 'K-Silbe wirkt nicht auf i^ ; und man darf 
annehmen, dass die wenigen Beispiele des ßk3- dem Schreiber 
entschlüpft sind, weil er sonst so häufig Bk3- vor folgenden Silben 
mit vollem palatalem Vokal schreibt. 



332 A. Leskien, 

Vergleicht man die bei den Präpositionen beobachteten That- 
sachen mit den Erscheinungen bei den andern Wörtern, so stellt 
sich heraus : die Präposition ktv geht nicht vor folgender weicher 
Silbe in Kk über, dasselbe ist der Fall bei allen andern K'k-Silben: 
KTvHHra K^KH/ftsii K'KA« (s- S. 330). Dieselbe Gleichmässigkeit 
herrscht im Verbleiben der Präposition c'k und den sonstigen ck- 
Silben vor folgender Silbe mit palatalem Vokal, es heisst ohne Aus- 
nahme CKRH- (Präsensstamm zu cknaxH), ckai* ckAfTik, c'kM'tTH 
u. s. f. (s. S. 327), obwohl an sich c vor jedem beliebigen palatalen 
Vokal stehen kann und sehr oft steht, vgl. Ck, cfAO, chaj, cKth, 
CA^/^. Wollte man die Fälle kt^- und ck- in Parallele stellen und 
sagen, k könne überhaupt in der Sprache vor Palatalen nicht stehen, 
es sei stets hart und bewahre daher auch folgendes t». vor dem 
Umlaut zu k ; da ck ebenfalls bleibt, müsse man annehmen, auch 
s sei nicht erweichbar und wo es, wie in cHAa u.s.w. vor palatalen 
Vokalen steht, sei es doch an sich hart gesprochen worden, — so 
käme man dabei mit andern Vorkommnissen in Widerspruch : man 
müsste nämlich demnach auch annehmen, z. B. in sUd^ habe das 
palatalisirte / nicht auf s palatalisirend gewirkt; wie soll man 
dann aber Kk CA'k^'k u.a. erklären? Andrerseits ist auch nicht 
abzusehen, warum bei der Ansetzung einer umlautenden Wirkung 
z. B. des H auf ein Tv einer vorangehenden Silbe nicht ein KkHHra 
= Hhniga hätte entstehen können, denn ein Ä-, wenn auch in älterer 
Zeit nicht vorhandeo, konnte sich ja im gegebenen Falle sekundär 
entwickeln, wie z. B. in Fremdwörtern, Kccapk u. dgl. 

n. Codex Marianus. 

Diese Quelle zeigt in Bezug auf die ümlautsverhältnisse auf 
den ersten Blick nur völlige Regellosigkeit, 'k für k tritt vor folgen- 
den weichen Silben wie vor harten ein, z. B. K'Sc'kH'RfMk wie 
B'KcTvHa, KpaH'KHHH wic KpaM'KHOf, ßkcK wic K'kC'K, ^\s.ww wic 
A'KHH U.S.W. Das braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden, 
da sich jeder nach d3m erschöpfenden Index, den Jagic seiner 
Ausgabe beigefügt hat und nach den Angaben in den ITpH-ioatemK 
dazu (S. 427 fg.) sofort davon überzeugen kann. Die Frage ist für 
mich hier, ob sich hinter dem Gewirr noch Züge entdecken lassen, 
die sich mit denen des Zographensis decken ; und das ist in der 
That der Fall. 



Die Vokale t., b in den Codices Zographensis und Marianus. 333 

A. Umlaut von k zu Tv vor folgender harter Silbe: 
dabei muss bei der Beschaffenheit des Codex z. Th. die Erscheinung 
des Wechsels von t». und k vor folgenden weichen Silben hinein- 
gezogen werden. 

1) Auf K wirkt ein 'b, der folgenden Silbe, das im 
späteren Verlauf dem Ab- oder Ausfall unterworfen ist, 
nicht ein, sondern entweder bleibt k, der seltnere Fall, oder es 
ist bereits, der gewöhnliche Fall, zu ( geworden. Das k ist bewahrt 
in bÄMkHTv, RHCkp'K (3 mal), ;i,kH'k g. pl. (daneben a^ht^)? uii^A^^ 
lUkA'kUJa U.S.W. (15 mal, regelmässig ujjat»^ uiij\,'KiuA), HdMkH'KlUE 
(daneben -HfH'kiuf), nponkH'kiuc (2 mal), HfK-kpkHk (L-hts.), cawa- 
pkCK'k. Die ausserordentlich zahlreichen Fälle, in denen altes k in 
solcher Stellung zu ( geworden ist, zeigen eben, dass hier überall 
in älterer Zeit k geblieben, nicht t». entstanden war. Wenn nun 
abweichend von dieser Regel in dem Codex stehen: KOT-kai». 
(1 mal), A;RKaß'KHTi. (1 mal), HfK'Sp'kHk (1 mal, vielleicht blosse 
Verschreibung für Hgß'KpkH'k) neben öfterem K-kpfHi»., ockat». 
(Imal), oi^TiTT». (1 mal), uitvAT^ (in npum'kA'K, lU'kA'^, uj'kAT^iU'», 
lU'kA'Kmf, also viermal), chat^ht». (1 mal, neben cHAfH-k), c-kin-fe- 
lU'kH'k (1 mal), cHAoyaM'kCK'k (1 mal), T^'p'kCK'k (1 mal), HiTKp'k- 
AkHEBivH'k (1 mal), so sind das weiter nichts als Fehler, d. h, bei 
seiner nicht mehr sicheren Empfiudung für die richtige Stellung 
von Ti und k schrieb der Schreiber in einigen Fällen t^ statt des 
richtigen k oder seines normalen e. Gesprochene Formen sind ko- 
TTiA'k ui'kAT* für ihn, oder wenn er sie schon übernommen hat, für 
den Schreiber seiner Vorlage sicher nicht gewesen, denn man mag 
sich noch so complicirte Lautverhältnisse eines altbulgarischen 
Dialekts zurechtlegen, undenkbar ist es, dass in einer und derselben 
Mundart lautlich gleichstehende Wörter, z. B. CK'tTkA'k und ko- 
TkA'k einmal CK'tTfA'k, d. i. altes -TkAi»., einmal kottvAT». ge- 
sprochen seien. In diesem Punkte deckt sich also der Marianus mit 
dem Zographensis (s. o. S. 323). 

2) Die Regel (s. o. S. 324), dass auf k nach palatalen Conso- 
nanten ein harter Vokal der folgenden Silbe nicht wirkt, zeigt sich 
deutlich bei der Stellung nach a : 64 mal steht c'KB'kA'^'''^^^**c'rß<5j 
-cTßOBATH gegen 2 mal --kctb-, vgl. dazu 3anAkßaiiJ/?k nakBarH 
nAkBaa\';^, KovnAkHaaro, auch orHkH;^»* kann hierhergezogen 
werden; abweichend nur stMATvCKaaro (1 mal). Auf diesen Punkt 



334 A. Leskien, 

kann mau noch weiter eingehen : bei dem Suffix -km- des Compa 
rativs und des Part. prät. akt. scheint der Codex ganz durcheinan- 
der -1S.U1- und -Kiu- zu schreiben, z. B. A^cajKA'^ii^'^} KpkUJTkiue, 

CKpaiUTkUlH, TpOY^A»^UJf, AO^MbUlf und Kp'KUJT'KUJf, B'Knpo- 

iii'hiUHY'K, poJKA'kLUff, AoyMTviuHH u. s. f. Aber eine bestimmte 
Grenze ist doch vorhanden: nach a (dazu zu rechnen auch die La- 
bialen, wenn das /'nach der bekannten Regel nicht eingetreten isf , 
H, p' bleibt k in 68 Fällen: KOAkma u. s. w. 12 mal, ropkma 4, 

AHBklllE CA 1, HSBaBAkLUEMk J, HCnA'kHklUE 1, MkHkUJH\"k Mk- 

HkUJkMH 2, ocraBkiue ocTaBAkuie u. s. w. 10, noKaoHkiii« no- 
KACtHkmaM'k. 2, npHCT;^nkiija u. s. w. 18, pas^'kakiue 1, ckTBO- 
pkiue u. a. 12, OYtSBkUJf 1, -kBAkma 1, ;k,ptBkHHH\"K 2 (das Er- 
weichungszeichen, das im Codex nicht geschrieben wird, habe ich 
der Deutlichkeit wegen eingesetzt); t». ist ganz vereinzelt: ocTa- 
BAikUja, AptB'kHHHMT». (2 mal). Man sieht jedenfalls, dass nach 
a" h p" das k festgehalten wird vor folgender Silbe mit hartem wie 
mit weichem Vokal ; in diesem Punkte herrscht also Uebereinstim- 
mung mit dem Zographensis, d. h. der Schreiber des Marianus hat 
die alten Formen getreu bewahrt, auch wo er das k, wie etwa in 
BOAkUja rop'kma, nicht mehr sprach. Auf die andern palatalen 
Consonanten, mit denen es eine besondere Bewandniss hat, komme 
ich unten. 

3) Anzuknüpfen ist zunächst die Frage, wie es sich verhält 
mit der Bewahrung des k vor folgenden palatalen Consonanten 
(s. 0. S. 324). Gegenüber der sonstigen Gleichgiltigkeit gegen 'k 
und k vor folgenden weichen Silben, z.B. HacA'k.A.'kHHK'k, npaßi».- 
A'fe u. s. w., zeigt sich vor h a p mit grosser Regelmässigkeit das 
alte k: BAHH;kH/ivi>fv (2), BkH-RmTkHff (2), B'kH;i;TpkHfe (3), ji,o- 

lUiamTkHHH -H/SVf/Ä (2), ^•»^MKkH'fearO (1), KpOlUI'tlUTkHIil^liR (3), 
lUlkHHH U.S.W. (12), nC»CA'R;V,kHHH (26), nptAI^Hff U.S.W. (4), 

np-KMkHiT^rT^ (1), nkp'S pacnkp'R c;f»nkp'K (7), ckB/ftakH-k (2), 
TkAt (3), o^TpkHHH (3), 72 Fälle; denen gegenüber mit 'k : 

APfB'kHHHM'k (2), M'kHHH U.S.W. (3), OC'kA"H (1), Oyxp'k.HHH (1). 
B'k-(Bk-)H'KmTkH£« -HHHMk (2), B'kllU'kHliarC» U.S.W. (11), HHJK'k- 

H'Karo -HH\"k (2), also 22 Beispiele (unberücksichtigt ist geblieben 
HCKpTvHHH, weil hier die Schreibung der p^k-, pk-Silben hinein- 
spielt), davon aber 15 mit iut lu jk vor k. Das führt nun zu der oben 
ausgelassenen Betrachtung der Wirkung der palatalen Consonanten 



Die Vokale i., b in den Codices Zographensis und Marianus. 335 

ausser a h p : m jk uit tkjs, u, (s) auf folgendes k. Dies kann nach 
hnen erhalten bleiben und wird in Befolgung älterer Tradition und 
älterer Vorlage geschrieben vor weichen w^ie vor harten Silben, z. B. 
epaH^KA'Ki, K'kMKH'KiH, rpHiuKHHK'K, onKTa u. S.W., cbcnsowohl 
aber auch KKH-kujTTvHff, rpUiu'KHHK'K, A'^-kh^'khh, houjt'khIvH 
U.S. f. Mau kann also zunächst daraus gar nichts schliessen. Nimmt 
man aber eine bestimmte, häufig wiederkehrende gleichartige Wort- 
kategorie, so löst sich die Sache. Ich muss dabei etwas weiter aus- 
holen. Scheidet man aus der Menge der Adjektive auf -khtv 
zunächst einmal diejenigen aus, wo dem -knix ein h jk iut :K,i, 
vorangeht, so zeigt sich bei den übrigen, dass in nur 12 Fällen vor 
folgender harter Silbe k bleibt: BOAkHJ (1), roY^i^no (2), ;\,o- 

BOAKHO (1), A*>'^<^K"^"<^f (l)j 3aK0HkH0M0\f (1), HCTHHKHOf (1), 

npanp;(^yi,kH;i>i7^ (1), ck^P'^"^"^ (^)> c;R/i,kH'KiH (1), tkmkho (2); 
dagegen steht in 170 Beispielen t^, z. B. ka;rat^m*^> ka'Ra'^h^V' 
KP'kMtHTvHOY, H3B'kcT'kHC>, AosikHaaro, norp'tB'kHOY U.S. f. Die 
Beispiele aufzuzählen unterlasse ich; bei der angegebenen Zahl 
kann ich mich um einige Einheiten verzählt haben, darauf kommt 
es nicht an, von dem Gesammtbestande kann sich jeder durch den 
Index überzeugen. Wo nun -kh- ausserhalb der obigen 12 Beispiele 
erhalten ist, steht es jedesmal vor folgender weicher Silbe; die 
Zahl der Fälle ist sehr gross, gezählt habe ich 176, wobei natürlich 
die K vor oder nach a h nicht mehr mit gerechnet sind. Zur Charak- 
teristik führe ich einige Beispiele an: B'tpkH« B'KpkHH, B'kp'kH'ki ; 
A;^KaBkHH, AA^KAB'kHo; noA^BkHH no^OB'kHO -Ha (16 mal nur so); 

CAAEkH-S, CAAB'kHTJ -H'klH)("K; KaMCHkH'kEMk, KaMtH'KH'klY'K i 

paBkHti -HH, paB'kH'ki -Ha -HO. Nimmt man endlich dazu die Fälle, 
in denen vor folgender weicher Silbe -TiH- erscheint, so beweist 
den gegebenen Zahlen gegenüber ihr geringer Bestand, dass es 
sich nur um eineAbirrung handelt; es sind: B'tvC'kH'keMk (1), B'ks- 
raaB'KHHi^H (1 , AO\fX'<>ßT^n'^" (1), nah iuit^hhkt». (2), HacA-K^Tv- 

HMKlk (3), HaCTaB-kHHMf (4), npaßC^'kHHK'k (3), npHCTaBTiHHKT». 

(2), cB-kTHA-kHHK'k (2), cMOKOBiiHHU,a (5; -kHHU,a steht 10 mal), 

C'kpEBp'kHHK'k (1), CkT-kHHKI». (3), TfM'kHHU.H -U,A (2; -kHHl^a 

15 mal), zusammen 30 Fälle. Alles das zeigt, dass der Codex aus 
einer Quelle geflossen ist, die in diesem Punkte genau so beschaffen 
war wie der Zographensis oder dessen Quelle. Ganz anders aber 
wird das Bild, sobald man das nach m :k u. s. w. stehende -kHi». 



336 A. Leskien, 

betrachtet, hier ist auch vor folgender weicher Silbe -'kh- in ausser- 
ordentlicher Ueberzahl eingetreten. Ich stelle alle Fälle zusam- 
men, wobei die als Stichwort gegebene Form zugleich die sonstigen 
Formen des Wortes, wo -'KH- vor weicher Silbe steht, mit bezeich- 
nen soll: KpaM-kHHH (1), KTvHtUJT'KHfe (3), B'WUJ'KHtarO (12), 
K'&M'kH'bEMb (1), rOpWIJJ'KHt (1), rp-KlUlvH-Kf Mb (3), rpUUi'KHHK'k 
(26), A'^''»^^'^""'^'*»^ (5)> K'kHHHiTvHHK'K (41), HHJK'KH'KarO (2), HO- 
H;'KHKI^a (1), HOUIT'KH'SH (1), H;i^»;/^'kHHL^H (1), npHCTpamiiHH 
(2), R'tHAIK'KHHK'K (1), Cß'KUJT'KHHK'k (4), Tp'K:K'KHHK'k (2). 

T'kic;riijt'khhk'k (1), I/AS'kim'khhi^h (1), das sind 109 Fälle; da- 
gegen ist -KH- erhalten: ßT»,3MC»KkH0 (1), ropo\fuJi^HO -Hoy (2), 

rp'feUJKHHK'K (1), A'^T»^^!*"" (U, A'^'*»^^'»^""'^'^ (3), HCTOMKHHK'K 
(2), K'kHHH;h.HHK'K (15), H^A^^'^HHK'k (2), OBElUTkHHl^H (1), npH- 
AtTKhH'kt (1), n'bH/fVH^kHHKOM'k (1), Tp'kJKkHHK'K (2), T'KIC;SiUJTIi- 

HHKTs. (1), Y'kiiijtkhhi;h (2), jjÄS'kiMkHHKT». (2), zusammcu 37 Bei- 
spiele. Vergleicht man einen bestimmten einzelnen Fall, wie ein- 
maliges rp'femkHHK'K gegen 26 mal rp'tiu'kHHKT». und stellt dazu 
das Zahlenverhältniss der -hH- zu -'kh- ausser der Stellung nach 
M u. s. w., so leuchtet ein, dass für den Schreiber des Codex oder 
den seiner Vorlage nach diesen Consonanten 1%. das normale war. 

Das lässt sich noch durch zwei andere Vorkommnisse stützen : 
1) während -hiu- des Comparativs und Particips nach a h p sein 
h behält (s. 0. S. 334), geht es nach m jk u. s. w. in i», über, vgl. 
B'kSBpaiuT'kiu« (5), BksrH'tujT'klueM'K (1), B'ksaon^'kiiJf (1), 

BTkSaOJK'kUJK» (1), BTvnpOllJ'kUJHHY'K U. a. (8), Kp'kUJT'kllJe (1), 
aOVHT».UJH (2), HOLU'kUJ£ (1), CTp'fellJTs>llJa (2), IIOl'lllT'kllJH (1), 
POJKA''^^^ (= P'^^Am 1)j pOJKAT^^lAlf -UiW (2), CTi.KpOYLU'KUUH (1), 

OYK'feH^AT^^iAJ""'^''»^ (1)? YOJKA''»^^'^ (0> 29 Beispiele; dagegen ist 
-km- erhalten: A^^canc^i^uJ« (1), KpkiuTkme (2), aoyHkiJUf (1), 3a- 

CA;^>KAkLU<ftlift -lUHH^Tk (2), OBpaUJTkllJH (1), npHBAHJKkUJIC» (1), 

npHKAWHkiuK» (2), TpoY^Ai^iu« (1), also in 11 Fällen. — 2. Mit 
der beobachteten Erscheinung deckt sich das Verhalten von ur- 
sprünglich auslautendem k nach m n; u.s.w., auch hier der Gegen- 
satz von A H p und den andern alten Palatalen: in über 120 Bei- 
spielen steht nach den a h p" das k, vgl. B-kSBaa-k, BT».3Aic>EA"k, 
AtiAaTfA'k, HcnA'kHk (part.), npHCT;i^nk (= -nA'^k, 19 mal), c'kB'S- 
AliTfAk, c'kTBopk, orHk u. s. f., dagegen t». nur in B'KRA'k (1), 
KopaB'k (4; 15mal KOpack) KopacA'K (1), cphti (2; ISmal orHk), 



Die Vokale i., b in den Codices Zographensis und Marianus. 337 

nacTTüpT». (2 , np-twAOM-K (pait., 1), pasAt^^-K (part, 1], n-kcapTv 
(22mal, 1 2 mal -pk), dessen Häufigkeit sich einfach durch das Hart- 
werden des p erklärt, die bewahrten -pu sind Erhaltung der Schrei- 
bung einer älteren Vorlage, wie das p in ulicaplv ivlvcap^». Sobald 
man aber wortanslautendes k nach m, uj, ;k, ujt, ik/i,, u,, s be- 
trachtet, beginnt das Schwanken mit grossem Uebergewicht von i% 
(270 "K, 94 k): ein -i^k kommt überhaupt nicht vor, Hauj'k ßauiii 
stehen immer so, zusammen gegen 40 mal, vgl. noch ß'ksrAaui'K, 
OKpauJT'K (12mal, OKpauiTk 3mal), ß'kcaiKATv, n-tHAS'k (8mal, 
vgl. zur Härte des s a. pl. ii'kH/AS'Ki], K'KHAS'K (8mal, KT^HASk 
einmal) u. s. w. Es sind also diese Consonanten für den Schreiber 
oder einen seiner Vorlage hart, daher das is.. Wenn öfter noch 
k nach ihnen steht, z. B. M;*;H;k (17 mal), M;iiJK'K (IGmal), so hat 
hier noch die älteste Quelle, die diese Verhärtung nicht kannte, 
nachgewirkt. Die beschriebene Wirkung des m u. s. f. bildet einen 
starken Gegensatz gegen den Zographensis, der sie gar nicht hat. 
Es ist vielleicht nicht nutzlos, da einmal vom Wortauslaut 
die Rede war, diesen überhaupt etwas näher zu betrachten. Bei 
den alten k-Stämmen und den auf k auslautenden Adverbien hält 
der Codex in beträchtlich über 600 Fällen das k fest; sie aufzu- 
zählen, hätte keinen Wert, ich gebe nur einige charakteristische 
Beispiele: 42mal KkCk (Dorf) und Rkck (omnis), 4mal ßkci».; 80 mal 
^kHk (^fHk), 1 mal ;k,eH'k,; 23mal Kat.ifHk, ImalKaMCH'k: ITmal 
uaTfpknurso; 14mal na'kTk, 4mal na'kT'k; 25mal n^Tk nur 
so; 17mal n;^Tk, 4mal n;^^^; 20mal ce^Ok nur so; 13mal 3a- 
noß'S^k, Imal-A'k; 17mal ßaacTk, Imal EAacTi^; lOSmal ck, 
15 mal Ck. Von t». am Ende der betreffenden Formen habe ich 
137 Fälle gezählt, darunter 39 mal rocno;i,'k, erklärlich durch die 
Flexion rocno;4,a u. s. w. (28 mal steht rocnoAk). Die palatalen s 
u. s. f. lassen in diesem Falle meist auch k nach sich bestehen, 
doch nicht ganz: HOUiTk 11 mal, HOiur-k 5 mal, p'tHk 2mal, Imal 
p'kMTk. ^lan kann also sicher sagen, dass eine Tradition verbun- 
den mit dem Bewusstsein, dass diese Wörter einer bestimmten 
grammatischen Kategorie angehören, hier wie auch in andern alt- 
kircbenslavischen Quellen das k im Auslaut der e'-Stämme festge- 
halten hat auch da, wo offenbar der Schreiber, wie hier der des 
Marianus, ebenso gut hätte t». setzen können und es in einer immer- 
hin beträchtlichen Anzahl von Fällen auch tbut. 

Archiv für slavische Philologie. XXVH. 22 



338 A. Leskien, 

3. Die AuseinaudersetzuDg unter 2. habe ich angeknüpft an 
den Umlaut bei den Adjektiven auf -kH^K, um an einem Falle, der 
in so zahlreichen Beispielen vertreten ist, zeigen zu können, wie 
es mit dem Umlaut von k zu 'K vor harter Silbe steht. Es müssen 
noch die Fälle ausser jenen Adjektiven betrachtet werden. Wäh- 
rend im Zographensis -kck- vor harten Silben unverändert bleibt, 
ist das hier nicht der Fall; die Beispiele, in denen 'k steht, über- 
treifen die mit k fast um das Dreifache (45: 17)^ beispielsweise 
raA<»pHHT»^CK;K, «AHH'kCKa, AarHH'KCK'Ki, pHiiiini,cKaMH. Im Gegen- 
satz dazu bleibt -kCK- vor folgender weicher Silbe in der Ueberzahl 
der Fälle unverändert : roMopkcij^lvH (1), fAeoHkcii,1i (4), /\K>,\kcu,Hii 
(4), MopkCT'K (3), CHAoraMkci^'t (1), C(5a«"^'i»cU'S (2), TaBopkt:- 
Akcu,tyk (1), MactßliHkcii,1vrjk (l); t». nur in «AfOH'kcn'k (1), hhs- 
poycaaHU'KCLili (1), Hop^aH'kCL^Ii (2), fifHHcaprr-kci^t (1). Aehn- 
lich verhält es sich mit -kCTßC», die Schreibung schwankt, indess 
steht auch hier von harten Silben 36 mal -'kCTKC, vgl. z. B. ^i^li- 
K'KCTKa, .\;*\Kaß'kCTßO, HacA't^V'k.cTBOYKR, Hfßlip'kCTßO, nur 
9mal k, z.B. nn-knkCTßO, HfßljpkCTßc; bemerkenswerth ist aber, 
dass -kCTßH« fast regelmässig k behält: KoraTkCTßH« (2), ahyoh- 

MkCTßllC (1), HEß-kpkCTßHC (2), OTk(f)MkCTBHf (6), WOZU UOCh 

kommt ii,1icapkCTßHf, das so nie ausgeschrieben ist, dagegen öfter 
als n'ScapfCTBHe d.i. -kCTBHf; die Schreibungen ßaa^'KiH'kCTBHf, 
OT'kM'KCTBHe siud uach der Regel o. S. 336 normal. 

Bei den Formen der Wörter auf -kii,k, ki^f, ki;a herrscht das 
grösste Schwaaken zwischen 'k und k vor hartem wie vor weichem 
Vokal nach i^, wenn auch die Zahl der "k (81) die der k (57) über- 
wiegt. Als Beispiele seien angeführt: rpa;\,ku,A und rpa;k,'ki;/A ; 
M'kiiLns.i;a M'kiLUi<i.u,ci;^; oßki;/Ä (4 mal) c»B'k^/A (18 mal); OTku,a 
-^l<^ -u^iy^k, -n,H (zusammen 7 mal), OT'kii,a -i^n.ik -u,k> -uov; -u,u 
(29 mal); ca'knkna und CA'kll'K^a; cp-k^ku.f cp'k^i.ki^HY'k und 
cpTs.^k,!*!^« cp'k,\'Ku,n\"K. Ich möchtc dies Schwanken nicht auf 
blosse Gleichgültigkeit gegen 'k und k, das in solchen Silben vom 
Schreiber nicht mehr gesprochen wurde, zurückführen, sondern 
annehmen, dass die Erscheinung des 'k zusammenhängt mit der 
Entpalatalisirung des n, wodurch die so anlautende Silbe hart 
wurde. Dafür spricht einmal das oben erwähnte beständige -i^'k 
im Auslaut für altes -ij,k und die so häutigen Fälle von OT'Ki;a, 
Oß'kH/Ä. 



Die Vokale -h, i. in den Codices Zographensis und Marianus. 339 

4. Zuletzt sind uoch die einzelnen Wörter wie TKMa u. s. w. 
und die mit seltenen Suffixen wie -k,\^^ zn betrachten. Dabei muss 
man sicli auf häufiger vorkommende, gleichartige Falle beschrän- 
ken, denn bei der Beschaffenheit des Codex kann man bei mehr 
vereinzelten Beispielen niemals ausmachen, ob eine zufällige Ab- 
weichung oder Befolgung einer Regel vorliegt. Die Infinitivstämme 
von B'i^paTH, AT^P'^TH, nKpaTM, cT'k/\aTH, STvA^^TH stchcn regel- 
mässig so, in runder Zahl zusammen 60 Beispiele, dagegen i% nur 
in c'kKKpauiA, CKKkpaAh., CKKkpa, also dreimal, wohl keine 
Alterthümlichkeit, sondern eine Abirrung des Schreibers; iun»..3A*^ 
in den hierherzuziehenden Formen 13 mal, MkSA^» 3mal; K'kAOßa 
B'kA<^i^Hi|,a 14 mal immer so (doch s. die Bemerkung o. S. 323); 
TT^Ma in den Formen vor harter Silbe 12 mal, und wie im Zogra- 
phensis erscheint auch ttvMIv 7 mal gegen einmaliges tkm'K ; 
npaß'KA^ vor harter Silbe 11 mal, dagegen vor weicher npaßkA^ 
onpaßk^HTH 7 mal (neben je einmal npaß'k/k.'R onpaßT^AHU^H); 
cßliTTvAC» 7 mal nur so. 

Die Vergleichung der Gesammtbeschaffenheit der Handschrif- 
ten ergibt, dass, da Zograph. und Marianns nicht einer aus dem 
andern stammen, beide auf eine Quelle zurückgehen, die: 1. eine 
umlautende Wirkung von 'k auf k der vorangehenden Silbe nicht 
hatte, sondern nur die vollen weichen Vokale (darunter k = späterem 
() so wirken Hess; 2. die den Umlaut hatte a) in den Adjektiven 
auf -kHi».; b) in bestimmten einzelnen Wörtern , sicher in TT^Ma, 
B'K.VCßa, ykSA*», npaß'k.V'») den Infinitiven E'kpaTH, ;k,'kpaTH, 
R'kpaTH, CTTvAaTH, .s'kA'^THj ^^ cß'RT'kAo; ob noch weiter, ist 
aus der Vergleichung des Marianus nicht sicher zu entnehmen; 
3. der Marianus hat einige Erscheinungen, die im Zographensis 
nicht vorkommen oder zweifelhaft sind: a) die Ausdehnung des 
Umlautes auf -kCK- (fehlt Zogr.) und -kCTßO (Zogr. zweifelhaft); 
b) Marianus hat die alte Regel, dass vor und nach palatalen Con- 
sonanten k unverändert bleibt, nur noch bei a h" p", lässt dagegen 
abweichend von Zogr. nach m. jk u. s. w. k in Tv übergehen. 

B. Umlaut von T\ zu k vor folgender weicher Silbe. 
I. Die Fälle ausser den Präpositionen bt». bt%3-. Die Ueber- 
einstimmuugen mit dem Zographensis bestehen in folgendem : 

a) negativ, in dem Unterbleiben der Wandlung der 'k zu k 
nach gewissen Consonanteu und in gewissen Wortkategorien , und 

22* 



340 A. Leskien, 

zwar: 1. Die Präpositionen ktv und ck bleiben unverändert; es 
kommen zwar einige Kk vor, Kk iht».h'6 M 1. 28, Kk Hfiuio^ M 13.2. 
26. 7, L 5. 33, 8. 4, ebenso einige Ck, ckHEiui-k M. 26, 59, ck muh 
L 10. 37, ckHMHLUTa M 6. 2, aber diese bedeuten gegenüber der 
ungeheuren Masse von Ck K'k eben so wenig wie die paar Fälle, 
in denen auch andere auf Tv auslautende Präpositionen k zeigen: 
^\A,^,h. Hk L 10. 37, H3k whocth L 18. 21, np'R;i,k MiHtWK L 9. 52. 
np-S^k HHMH J 12. 37, np-k.vk H^A^uJTfH L 18. 39 (über np'k^.k 
vgl. oben S. 331). — 2. Nach k und c unterbleibt überhaupt die 
Wandlung, daher regelmässig K-kHHra, K'kHAS'k, K'k^e, c'kAi* 
u. s. w., CTkRH-, c'kM'kTH, ckT'lv. Auch hier finden sich einige k 
neben der Masse der 'k: KkHii/KkHHi^H M 23. 27, KkHHr'ki J 10.35, 
19. 37, KkCHHT'k KkCH/ÄUiToy M 24. 48, 25. 5, L 12. 45 (aber 
K'kCH'kauiE Ll,21), KkH<fvSM Ma3. 22, KkHASOv; L 12. 58, KkH/fisiv 
J 12. 42, Kk^e J 20. 13, nockAJTk J 14, 26, ckH-k M 27. 19, die 
Verschreiöung ckC'kU.H L 23. 29. Ein Verzeichniss der Fälle mit 
erhaltenem 'k zu geben, wäre unnütze Papierverschwendung, jeder 
kann sich durch den Text oder den Index vergewissern, wie regel- 
mässig in den betreffenden Wörtern 'k geschrieben wird. Die 
wenigen Beispiele von k stehen auf demselben Boden wie z. B. das 
öfter wiederkehrende luikHor'k, sie sind Abirrungen des Schreibers 
oder Ausfluss einer Stumpfheit gegen die richtige Stellung von 
Tik, k. — 3. In A'kJKk und seinen Formen bleibt 'k; AkH;k nur 
J 8. 44. — 4. Im Participium auf -t^uj- bleibt 'k; davon einige 
kaum nennenswerthe Ausnahmen: LUEAkiiiE M 13. 28, L 17. 14, 
1i.A,kLUTv M 15. 32, nponkHkuif M 27. 35. — 5. ß'k.s'knHTH wie 
B'kRHTH bleiben so, und es kann kein Zweifel sein, dass der Codex 
auf eine Vorlage zurückgeht, die hier 'k hatte: von K'kS'knuTH 
kommen 24, von R'knnTH 12 Fälle mit 1%. vor, mit k nur KknHlvY;^ 
Ma 11. 9, L 13. 21, B'kSknMUJ/Ä Ma 15. 12, BkSknn M 27. 46. — 
6. ^i.'kmTM mit seinen Formen hat nur 'k, obwohl öfter vor- 
kommend. 

Man kann natürlich noch eine Anzahl Fälle aufzählen, in 
denen t». ohne Wechsel mit k steht, wie KfT'kC'k M 9. 16, ,^1^- 
JK^HTTs. M 5.45, HSA'kiuf Ma 15. 37, L 23.46, K'kHfA'k L24.42 u.a., 
es hat aber keinen Werth, da man hier vor dem Zufall nicht ge- 
sichert ist. 

b) Nach der positiven Seite stimmen Zographensis und Ma- 



Die Vokale t, i. in den Codices Zograpliensis und Marianus. 341 

rianiis Uberein in der Wandlung von 'k zu k in folgenden Fällen 
ausserhalb der Präpositionen K'k kt^s): 

;i,kRlv ^v'^^'l^Ma an denselben Stellen in Zogr. wie Mar. M 10. 
29, L 3. 11, 17. 35, J 2. 6 (im Text Zogr. A'»^R''i"*»: die Lesung ist 
unsicher), 0. 7, 9; an den andern Stellen, wo die beiden Formen im 
Mar. mit k stehen, M 5.41, 6. 24, 9.20; 14. 17,19; 18.8,9; 21.28, 
24. 41, Ma 5. 25, 16. 12, schreibt der Zogi*. das Zahlzeichen oder 
AB- A'ß- oder der Passus fehlt ihm; J 1 1. 9 steht eine andere "Wen- 
dung mit ;k,'KKi\. Dagegen ist auch im Mar. x^^<^ die stehende 
Schreibung, vgl. den Index, wo nur einmal ^KKa vorgezeichnet ist. 

3KAlv M 17. 15 (fehlt im Z.), L 3. 19 (Z. ebenso), skah L 11. 13 
Z. ebenso). 

BkHt M 26. 69, Ma 1. 45, 3. 31, 32; 11. 4, L 1.10, 8, 20 (an 
diesen Stellen Z. ebenso; KkH-k J 20. 11 fehlt im Z.); ßkHHf7i.A0V 
M 23. 27, 28 (fehlt im Z.]; KkHUiUTkHfe L 11. 39 (Z. ebenso). 

Formen von Kk^-feTH mit k in Z. und M.: M 25. 13, 26. 38, 
40, 41, Ma 13. 34, 35, 37; 14. 34, 38, L 2. S, 12, 37, 39; 21, 36. 

Beispiele dieser Wörter mit i». bei folgender Silbe mit wei- 
chem Vokal: S'KAH M 12, 34, a-kA-k M 15. 22, L 7, 7, wo Zogr. k 
hat; s-kA-k M 21. 41 fehlt dem Z. — at^kU AT^ß^iMa M 18, 8 
fehlt Z.), M 6, 9, Ma 5. 13, 6. 37, 12. 42, L 14. 31, 16. 13, J 21.8, 
an diesen Stellen Zogr. k; A'»^ß'*^ L 21. 2 (Z, im Text ebenso, doch 
ist das 'k unsicher); an den übrigen Stellen M 5. 12, Ma 6, 38, 41; 
9. 45 hat Zogr. Zahlzeichen oder ^ß-. 

B'kH'kiiJT'kHef Ma 4. 11 (fehlt Zogr.), K'kHtujTkHce L 11. 40 

Z. BkH-). 

Was sonst vorhanden ist, sind einzelne Beispiele: nkTHUH 
M 10. 29 (Z. HTHUH), MkllJM^;F. M 23. 24 (Stelle fehlt im Z.), npc- 
MkHC M 28. 15 (Z. ebenso), ov'MkBfnaina Ma 7. 2 (Z. 'k), TkiuTk 
Ma 12. 3 (Zogr. -k), saKkßfHa L 12. 6 (Z. -k), obka« L 17, 21 (Z. 
ebenso), HrkAHU-t L IS. 25 (Z. t».), p'kn-kuiTHT« p-kiiiiiuT/iiT'k 
J 6. 43, 7. 32 (Z. beidemal 'k), AWKkBk AioKkBe AK>BkBH J 5. 42, 
13. 35, 15.9,10, 13 (Z. nur'k). Die ganz vereinzelten Fälle können 
nicht in Rechnung gezogen werden: das Wort ii'kTHU.a wird ausser 
der angeführten Stelle und ii-kTHU'k L 12. 7 (Z, nkTHU,k) abge- 
kürzt iiTHi;- geschrieben, neben ov'MkBtHaMa steht zweimal ov'M'k- 
BfHaMa, neben TkUJTk dreimal T'kiuTk ('k kann hier nach der 
Ptegel S. 323 überhaupt nicht umgelautet werden), neben OBk^f 



342 A. Leskien, 

zweimal OK'k^e, neben htkahhIv zweimal ht'kahh'S; auch die 
Gleichheit des Zogr. und Mar. in npoMkHf kann ein Zufall sein. 
Dass man endlich nicht weitgehende Schlüsse aus dem -kß- der 
y-Stämme ziehen kann, zeigt einmal AWKkßk (neben awe'KBTv 
L 11. 42), wo 'k sich vor -Bk überhaupt nicht verändern konnte 
(vgl. CKfKpoßk L 12. 53), daneben HeiiAo;i,'kßH L. 1. 36, 23. 29. 

Aus den obigen Zusammenstellungen wird klar, dass beide 
Codices hervorgegangen sind aus einer Quelle, die Umlaut t». zu k 
hatten in Ai^ß'*^ ^kß'feya, 3k/\H SkAt, ßkHlv, Ek;k,1vTH. Der 
Zographensis ist in dem k hier überhaupt konsequent, der Marianus 
nur bei ßkN-K und Kk,\1vTM , die beiden andern Wörter schwanken 
stark. Das kann auf einem Schwanken der gemeinsamen Quelle 
beruhen, das im Zographensis ausgeglichen wurde, kann natürlich 
auch auf üngenauigkeit des Marianus beruhen; das ist nicht auszu- 
machen, sicher nur, daß in der älteren Vorlage ,\hE,'k u. s. w. be- 
standen haben. Tm ganzen ist die Uebereinstimmung der beiden 
Handschriften in dem Umlaut 'k — k nach der negativen wie posi- 
tiven Seite so, dass mir kein Zweifel bleibt, es gehöre die Erschei- 
nung in ältere Zeit. Um so verkehrter wäre es, aus ihr ohne 
weiteres Schlüsse auf den Lokaldialekt eines Schreibers zu machen. 

II. Das Verhalten der Präpositionen ß'k kt^s- vor fol- 
gender weicher Silbe. Hier schwankt der Codex wie der 
Zogr. zwischen ßi». und ßk, ß'ks- und ßks-, aber nicht in gleicher 
Weise, er hat an vielen Stellen ein k, wo Zogr. t». hat. Dennoch 
bekommt man bei genauer Vergleichung den Eindruck, dass beide 
Handschriften aus einer Quelle stammen, die ungefähr an denselben 
Stellen 'k oder k gehabt hat. Den Vergleich durch den ganzen Text 
durchzuführen, würde hier zu viel Raum einnehmen, ich gebe daher 
nur einige längere Stelleu. ]\[an vergleiche z. B. Joh c. 8 — 12: 

übereinstimmend ß'k, R'kh haben Zogr. und Mar. an folgenden 
Stellen: ß'k np'ki\K>KOA'liaHH 8. 4, ß'k T'kyK 8. 12, ß'k rp-kcKY'k 
(bis) 8. 24, 9. 34, ß-k HHpt 8. 26, 9, 5, ß'k Hsro (Z. ß'k Hk) 8. 30, 
ß'k ßtK'k 8. 35. 51. 52; 10. 28, 1 1. 26, ß'k MHp-k 9. 39, 10. 36, ß'k 
npHTopt 10.23, ß'k urkHlv 10. 28, ßk ,i,»^mh U. 9, ß'k ,\w»( 11.9, 
ß'k BHTaHHiÄ 11. 17, ß'k lU/Sv 11. 25. 26, B'kSkUi'kTe 11. 39, ß'k 
H'K (= Hk) 11. 48, B'k3'ky;^T'k 11. 48; — für ßk ßkck UHpk 
11. 27 hat Zogr. ß'k ünp'k; 

übereinstimmend ßk, ßk3-: ßk ntuh 8.44, Bk3/AC<A 8.59, 



Die Vokale £, l in den Codices Zographensis und Marianus. 343 
10.31, 11.41. Rh Hii\"k 0.16, RK3eM/\niiH 19.24. KkHH,\<T'k(bis) 

10. 9, KkCKp'kllJfHHf 11. 25, ßk CfKk 11. 38, Kk3Ke,V,t 11. 41, Kk 

i\(rc< II. 45, Kk3ii,\,;si 11. 55; 

Marianus hat 'k, Zogr. k: R'K3»iiiTiTi 8. 21 (Lesung k in Z. 
unsicher], irkSHtcere 8. 28, R'k H«rc» 9. 3(3, 10. 42. 

Marianus hat k, Zogr. t».: Kk npUAiCKOA'li'JHHH 8.3, Kk rp'kck 
8. 21, Kk Hk 8. 31, KkM'kiiiTaar'k 8. 37. Kk3kMrr'K 10. 18, ßkc- 

KpIvlUfHH« 11. 24, Kk KfCk 11. 30, KkCKpkCHfT'k 11. 24, 

Im Marianus ist ein Ueberschuss von k vorhanden, trotzdem 
stimmt er in der Erhaltung- des 'k bis auf 4 (3) Stellen mit dem 
Zographensis zusammen. 

Selbstverständlich ergeben sich aus andern Stellen andere 
Verhältnisse, vgl. die beiden ersten Kapitel Lukas : 

übereinstimmend im i^ beide Codices an folgenden Stellen: 

KT», ^hH\i 1.5, KTx MHHOr 1. 8, ß'klUf^V'kmW 1. 9, K'KUJf.V'^ 1.28, 
KT». ;K{Ha\"K 1.28, K'k.U.'kCapHT'k 1.33, K'k K-kK'kl 1. 33, K'k KkCfH 

1. 65, K'K Hf3aan/i; 2. 13, Kk ,v,i^nf\'''*^ -• '^^5 

übereinstimmend im k: Kk H/äike 1. 25, Kk cfß'k 1. 29, Kk 
Hp-kK-k 1. 31, 2. 21, RkHH;i,e 1. 40, Kk3Hrpa 1. 41, 44, Kk3KfAH- 

MHA-K 1. 58, Kk3AßHJK£ 1. 6), Kk HH\"k>Ke 1. 78, ßk3H;\6 2. 4, 

Kk HHY'K 2. 9, KkK'kcTf 2. 27; 

Marianus 'k, Zogr. k: K'k Kp-kr.i/A 1. 20, kt». lUfCT'ki 1. 26, K'k 
Hp'kK'k 1. 41, K'k. JKeHay-k. 1. 42, K'kSHtce 1. 52, K'k.3H'kC/Ä 2. 22 
(Z. k zweifelhaft), K'k \huw 2. 25, K'kSHCKaiiRUJTa 2. 45; 

Marianus k, Zogr. 'k: Kk ,i,kHJ\"h. 1. 7, 18, Kk ;i,kHH 1. 25, 
Kk T'kM'k 1. 79, Kk Ahmt 2. 1, Kk TkY'K 2. 49. 

Die Fälle des Plus von k im Marianus sind bis auf Kk T'k\'k 
solche, in denen der Zographensis überhaupt kein Kk haben kann 
(S. 323), und ich komme hier auf die Frage, ob sich aus dem Ma- 
rianus noch beobachten lässt, dass die Regel, nach der vor stumm 
werdendem k der folgenden Silbe kein Wechsel von 'k zu h vor- 
kommt, auch hier gegolten habe. Fälle wie Kk BkCH, Kk Hk (Hk), 

Kk ;i,kHf\"k, Kk T'kUl-k. Kk3kp'kK'k. Kk KkC'kK'k, Kk ükH'k siud 

häutig genug neben Kk ,vt^HH, ^'^ m*, Kk r.i'kH'k, K'k T'kU'k, K'k 
K'KC'kKO u. a. Ich zähle sie hier nicht auf, weil ich meine, es lässt 
sich erweisen, dass die Kk Kk3- an solchen Stellen nicht auf einem 
lautlichen Vorgang beruhen , sondern einfach in der Unsicherheit 
des Schreibers gegenüber 'k und k begründet sind, hier begünstigt 



344 A. Leskien, 

durch die Gewohnheit, das ßh bks- in vielen andern Fällen vor 
folgendem weichem Vokal zu schreiben. Wäre nämlich ein bk 
/k,kHH u. s. w. einmal wirklich vb chni oder vh dni gesprochen wor- 
den, so hätte es bei weiterer Entwicklung te-dni ergeben müssen; 
irgend eine Spur einer solchen Weiterbildung mUsste vorhanden 
sein, es ist aber nie der Fall, vielmehr steht in allen gleichartigen 
Fällen, wo die Quelle dem späteren Lautbestande nachgibt, bo bos-, 
d. h. es ist bt». b'ks- von alter Zeit her erhalten geblieben, t^ nicht 
zu K geworden, z. B. bo BKcei M 6. 29, L 12. 7, bo Bkcnjik J 13. 1, 
BO Bkc1i\"K L 9. 48, BO BkC/Ä L 9. 13, ßo Bkc;s\ M 1. 28, L 2. 3, 

6. 12, BO A>^"H 24. 37, L 6. 12, bo Hk Ma 7. 15, L 8. 30, J 2. 11, 

7, 31 (u. s. w. s. Jagic S. 428), BOSkMH M 9. 7, boch1vKT».uik» (wo 
zu denken ist BOCk-kETviuio) M 13. 6. Wenn die Präposition vor 
k-Silben steht, deren k in der späteren Entwicklung nicht ausfällt 
(zu E wird), kann wie im Zogr. Bk stehen, z. B. Bk A*^"*^ (A^mi*)? 
Bk TkMkHHij|,H (TfMH-). Ich kommc daher zu dem Resultat, dass 
sowohl dem Zogr. wie dem Mar. eine Quelle zu Grundes liegt, die 
eine Wandlung von Tj. zu k vor einer Silbe mit schwachem k nicht 
hatte. 

Im Zographensis fanden wir (s. o. S. 328) einige Fälle, wo 'K 
statt k auch vor folgender weicher Silbe steht. Diesen Punkt am 
Marianus ins einzelne hinein zu verfolgen, würde zu nichts führen, 
denn die Handschrift ist hier zu unregelmässig; man kann sagen, 
dass in jedem Falle, wo k in offener Silbe steht und ausfallen kann, 
vor jeder beliebigen Silbe auch ^ vorkommt, z. B. Bivce, B'kck, 
B-kckyk, B'kcer.va, Ai^"^ Ai^"") AT^"*\*t^? AT^h^^i*- A*^"T^A*'*^*' 
ocKAH, S'kpHiiJH, npHS'kpli, co.^Ti.pliaT'K U.S.W. Es ist ja 
offenbar, dass dies nicht ursprünglich so war, sondern beruht auf 
der Stummheit des alten k, auf einer Aussprache ßce, ^Hf, 3p1iTH 
u. s. w., so gut wie die gelegentlichen k für 'k vor folgender harter 
Silbe, z. B. LikHor'k, BkH;i^Tpk, BkK'Kicfe u. dgl. Daraufgehe ich 
nicht weiter ein , nur auf einen Punkt möchte ich zur Beurteilung 
des Verhältnisses von Zogr. und Mar. noch aufmerksam machen. 
Es zeigte sich (s. o. S. 328), dass in der W. -kM- der Zographensis 
auch vor folgender weicher Silbe fast regelmässig k hat; hier ist 
entschieden der Mar. altertümlicher, es kommen vor mit k: bt^b- 
(Bk3-)kMfT'k 9mal, B-kSkiuieiHTv Imal, B'K3-(Bk3-jkM'kTf 7mal. 

B'k3-(B03~, Bk3)kMH 9mal, HSkOfTT». 1 mal, H3kMH3mal, OTk- 



Die Vokale i., t iu den Codices Zographensis und Marianus. 345 

UfT'K linal. also 31 Beispiele; dagegen mit i*: K'K3-(Kk3-]'KMfTTv 
3 mal, K'kS'KMfUJH Imal. ii'K3-(KK3-)kLiH Imal, H3'kMn"K Imal, 
H3'KMH Imal, also 7 Fälle. Noch auffälliger ist das Verhältuiss 
bei CKHkMHiUTe: Zogr. einmal so, ckh'kmhuit« 30mal, dagegen 
Mar. c'KH-(coH-)kMHiiiTf 3Umal, c'KH-(cOH-)'kyHiiiTf 6 mal. Es ist 
klar, dass hier im Zogr. eine Manier vorliegt, die nicht in der älte- 
ren Vorlage bestanden haben kann. Mau kann noch im Mar. die 
Beobachtung machen, dass wenn -kui- vor einer harten Silbe steht, 
regelmässig t». steht: K'k3'KMAi Imal, B'K3-(ßk3-)'kiui;*iT'k 4 mal 
(einmal daneben K'k3u;RT'K), h3t%m;^ 2mal, c'KH'kMaaY;i^ Imal 
^'on CTs>HkMaTH, kein Fehler für ckHHinaTH, sondern -kuaTH ist 
in der Zusammensetzung der regelrechte Infinitiv zu i€Ma;^^); nur 
einmal k in B'kHkiiiaTH M 16, 11. 

Zu erwähnen ist endlich noch, dass im Zogr., wie wir sahen, 
E'K erhalten bleibt vor folgenden i€, k», iwv, ra (-R), m^, h. Marianus 
hat eine Anzahl Fälle, wo auch hier Kk steht: ßk 'Kupfx M 15. 14, 
L 6. 39, Bk f,A,""^ M 20. 6, Ma 16. 2, L 17. 12, J 20. 19, Bk Uc- 
a'SY'k L 2. 7, Bk nK>,\,fiiR L 2. 4, sonst steht b'k, und der Codex 
widerlegt selbst, dass hier Bk lautliche Bedeutung habe, durch 
seine Schreibung btü, vgl. das öfter begegnende B'ki HCTHH;ii(-H'fe), 
B'ki HHA\ u. a. (s. Jagic S. 426). 

Bei der ganzen bisherigen Ausführung bin ich, wie oben er- 
wähnt, von der allgemein angenommenen Voraussetzung ausge- 
gangen, dass es sich um wirklichen Umlaut von k zu t^, von 'k zu 
k handle, d. h. also, dass ein in alter Zeit gesprochenes k in den 
betreffenden Fällen als 'k, ein altes t^ als k wirklich gesprochen 
sei. Aber mir ist es nicht zweifellos, ob die Annahme wirklich zu- 
trifft. Ich möchte die These aufstellen, dass die ganze sogenannte 
Umlautserscheinung auf einem Sprachzustand beruht, wo die 
schwachen Vokale an den Stellen, in denen sie als umgelautet in 
der Schrift erscheinen, überhaupt nicht mehr gesprochen wurden, 
stumm waren, dass vielmehr was uns als Umlaut in der Schrift er- 
scheint, Ausdruck für gewisse Consonantenveränderungen ist, und 
gehe dabei zunächst von folgender Erwägung aus. Die alte Form 
des Infinitivstammes nkca- (nkcaTH, präs. nHiij;si) steht lautlich 
altem Sk^aTH (präs. 3hHvV,^) völlig gleich ; hier heisst es nun im 
Zographensis beständig 3'k,V'^T") dagegen nie*n'KcaTH, der Codex 
kennt nur nca- und n'ca (Arch. I. 41 werden ca. 50 Fälle aufge- 



346 A. Leskien, 

zählt). Jagic, dem das natürlich aufgefallen ist, meint: «offenbar be- 
günstigte die Consonantengruppe nc die Auslassung des dazwischen 
stehenden Vokals «. Die Annahme ist misslich , n c ist eine sonst in der 
Sprache nicht vorkommende Lautgruppe, dagegen bekommt einer, 
der aus 3k^\,aTn das k weglässt und zdati erhält, eine geläufige Con- 
sonantenverbindung (Mk3A**, sb'Ss;»,**? ''ß'^^A'i^), trotzdem schreibt 
der Schreiber immer 3T\,i,aTH, wie auch regelmässig E'kpaTH ck- 
iU\TH, wo ein KpaTH ca^th gar kein Hinderniss fänden. Ferner, 
neben nca- n'ca- kommt 5 mal cna- c'na vor; will man diese Fälle 
nicht als Fehler ansehen, so zeigen sie, dass gerade die Lautgruppe 
nc unbequem war und deswegen umgestellt wurde zu dem geläufi- 
gen cn. Verlegt man den «Umlaut« von S'^A'*'''" in eine Zeit, wo 
der schwache Vokal zwischen 3-^ noch gesprochen wurde, so hätte 
nothwendig auch ein *n'KcaTH entstehen müssen; ich sehe wenig- 
stens nicht ab, wie sich dies Wort hätte dem Umlaut entziehen 
können; das zweimalige nkCCiuiTk M 15.26, Ma7.27 kann dagegen 
nicht geltend gemacht werden, weil es zu vereinzelte Beispiele 
sind (M 7. 6 steht ncoin'k). Mau kann aber einwenden: ein *inv- 
caTH wird existirt haben, nur kommt es für uns nicht zum Vor- 
schein, weil überall schon nca- n'ca geschrieben wird; es lässt sich 
dabei nicht ausmachen, ob k oder 'k ausgefallen ist. Wie man sich 
nun auch dazu stellen mag, es bleibt immer auffällig, dass Jemand, 
der S'K.A.aTH u. s. w. regelmässig schreibt, aus einem nkcaTH oder 
nikCaTH den schwachen Vokal ebenso regelmässig weglässt. Viel- 
leicht liegt die Sache so, dass ein geschriebenes K'kpaTH, 3'kA'^I'" 
neben gesprochenem braii zdati u. 8. w. das Sprachgefühl nicht 
störten, weil in vielen andern Wörtern an zahlreichen Stellen 'k, w 
geschrieben, aber nicht gesprochen wurden, dagegen wohl ein nb- 
caTH oder '"n'kcaTH, weil der Schreiber überhaupt als gesprochen 
nur nncaTH kannte (vgl. das regelmässige nnca- des Mar., der nur 
vereinzelt nca- hat) und an einem nkcaTH oder etwaigem m».caTn 
Anstoss nahm als in keiner Beziehung zu seinem nncaTH stehend: 
er merzte es daher aus und schrieb überall das von ihm so gelesene 
ncaTH (vgl. meine Bemerkung zur Sav. kn. Arch. XXVIL 14). Es 
wird dabei, wie man sieht, von mir eine gewisse grammatische 
Regulirung angenommen, und ich meine, ohne die Annahme einer 
solchen kommt man unsrer Ueberlieferung gegenüber allerdings 
nicht aus. Mir scheint es auch, gegen die Ansicht, die ich noch in 



Die Vokale -h, l in den Codices Zographensis und Miuianus. 347 

meiuem Handbucbe ausgesprochen habe, wahrscheinlich, dass die 
bekannten Schreibungen wie f.iKp'IvTH für Mp'k'rii, K'KAaTH für 
KAaTH, K'KpaTH (Supf., ZU Kopi*) für KpaTH, keine lautliche Be- 
deutung haben, sondern zu einer Zeit entstanden sind, wo man 
brafi zu Kfp;*^ , zreti für 3kp'kTH sprach, aber traditionell likpaTH 
K'KpaTH, SLplvTH u.s.w. schricb, und darnach in die Schrift auch 
Mkp'IvTH, K'KaaTH einführte. Ausserdem ist es mir unzweifelhaft, 
dass wir es häufig mit orthographischen Manieren zu thun haben. 
Im Zographensis wird das alte m-KHori». nach der Aufzählung Arch. 
1.25 gegen 90 mal r.iHor'k geschrieben, ca. 20mal LrkHon»., der 
Schreiber sprach sicher mnog- und ist auf dem Wege, das 'k in der 
Schrift ganz aufzugeben; ähnliche Verhältnisse zeigen sich bei 
MHOHf; M'KHOKR, MHlc MkH'U (Arch. I. 26j Und andern ähnlichen 
Fällen, vgl. dazu die Neiguüg in den obliquen Formen von BkCk 
und in ßkckK-k das k nicht zu- schreiben (ßCH, BCkKO u.s.w., Arch. 
I. 31). Ich kann nun nicht glauben, dass Jemand, der lihop'k für 
iH'KHcr'k sprach, noch ckaaTH und nicht caaTH, noch iHk- 
HliTH und nicht LiHliTH gesprochen habe, weil ich mir keine ge- 
sprochene Sprache denken kann, in der ein und dasselbe Lautver- 
hältniss ganz willkürlich, bald so bald anders, behandelt wird. 
Trotzdem wird beständig CKaaTH und mit einer Ausnahme konse- 
(juent MkHivTH geschrieben (Arch. I, 27, 38). Das Verhältniss von 
UHorTv und r.ikH'kTH u. a. d. A. ist demnach für den Schreiber der 
Handschrift, möglicher Weise schon für einen seiner Vorgänger, 
nur der Ausdruck einer orthographischen Wahl, einer Manier. 

Nimmt man nun an, dass die schwachen Vokale an den Stellen, 
wo sie später ausfallen — im allgemeinen da, wo eine Silbe mit 
vollem Vokal folgt — schon nicht mehr gesprochen wurden, und 
verlegt in diese Zeit die Erscheinung, die uns in der Schrift als 
»Umlaut« entgegentritt, so muss man sich den Unterschied, an 
einem beliebigen Beispiel demonstrirt, also z. B. von B'bp'kHa und 
K'kpkHH folgendermassen vorstellen. Zur Zeit, als die schwachen 
Vokale noch gesprochen wurden, hiess es virhna und verhul 
mit ' will ich die schwache Erweichung des Consonanten durch 
folgenden palatalen Vokal bezeichnen); als das k geschwunden 
war, blieb verhna verhi^ in dem letzten erhält das palatalisirte ?i das 
vorangehende )• in seiner palatalen Färbung, in ceYna dagegen 
wurde }■ durch das folgende harte n entpalatalisirt, es entsteht 



348 A. Leskien, 

vSrna. Jemand aber, der in seiner gesprochenen Sprache veryia 
hatte, kann wohl in Nachahmung seiner Vorlage B'tpkHa schreiben 
und wird das, wenn er getreu abschreibt, sehr oft thun, aber nicht, 
wenn er seiner Sprechweise folgt, dann wird er Bl;p'kHt\ setzen, 
für veriii aber B'SpbHH behalten. Mit andern Worten, für ihn sind 
Tv und K nur noch Zeichen der Härte oder "Weichheit des voran- 
gehenden Consonanten. Es begreift sich darnach auch ohne wei- 
teres, warum nur ß'h. A^^n^ aber nicht ßk A"*"*; dagegen wohl ßh. 
A^Hk (neben ßi^ \h.y\h. aus älterer Vorlage) geschrieben wird. Ver- 
legt man den »Umlaut ' in eine Zeit, wo das b in ßi^ ;k,kHf. ßi». x^y\h^ 
noch gesprochen wurde, so kann die umlautende Wirkung auf t^ 
doch nur ausgehen von der gesprochenen Silbe A"*-- "nd man muss 
sich fragen, was ist denn der Unterschied zwischen ,\\^- in X^^^ 
und in ai*hk, dass es einmal wirkt, das andre mal aber nicht. Ich 
kann mir keinen denken. Ein Unterschied kommt erst heraus, 
wenn man einen späteren Lautzustand einsetzt: vo-dne (weiterent- 
wickelt daraus vo-dne] und v-dui (weiter v-den)^ der eine ist = 

?5?.-(r/we, der andere = ^^ew, d. h. in der Schrift ßT». J^y^wi und ßw 
AbHK (A«Hk), und so in gleichartigen Fällen: X^v.& = dva^ ,\^^'^ 

= dve, s'KAO = c/o, 3kAli = zie u. s. w. Wenn nun beständig in 
KTkHHra, c'KA'kcTH. CKHHT'k U.S.W, uud Überall da. wo dem alten 
•K ein K oder c vorangeht, kein k erscheint, obwohl nach der obigen 
Annahme hniga^ slesü., spit gesprochen wurde, kann das danach 
nicht anders verstanden werden, als dass k und c auch in Conso- 
nantengruppen, deren zweiter Bestandtheil palatal war, hart blie- 
ben. Das ist nicht nothwendig ein Widerspruch gegen ßk caIv^Tv 
u. ä., denn hier stand die Lautgruppe c -|- Consonant von jeher zu- 
sammen, während bei dem Ausfall von 'k nach k, c solche Gruppen 
sekundär entstanden sind, und die Gruppenpalatalisirung später 
nicht mehr einzutreten braucht. Thatsächlich tritt im Zographensis 
k statt altem 'k als eine einigermassen durchgehende Erscheinung 
ja nur auf nach b. v (ok;i,'feTH. ßkH-K, ßk, ßks), nach z (3kAH 
SkA'K), nach d [,\h.^ls. ,i.kßtMa), d.h. die Gruppen h, v, s, c?-|-Cön- 
souanten waren erweichbar. Allerdings wird solche Erweichung 
weiter gegangen sein (s. die andern Beispiele o. S. 326), aber aus 
unsrer Ueberlieferung ist nicht völlig sicher auszumachen, wie 
weit, denn mit vereinzelten oder seltenen Beispielen kann man 
nichts erweisen. 



I 



Die Vokale t., h in den Codices Zographensis und Marianus. 349 

Auf der gegebenen Grundlage lässt sich auch verstehen, wa- 
rum TTvMlv und R'Ka'kM'kTf cTkH'KMHLUTf scheiubar gegen die 
angenommene Umlautsregel geschrieben werden kann; es wurde 
gesprochen ima tmd^ nzfuefe. Sonmiste, d. h. in den Grujtpen tm zm 
nm wurden z, /", w von der Erweichung nicht ergriffen, daher nach 
ihnen geschrieben. 

Ich möchte ausdrücklich noch einmal hervorheben, dass ich 
damit nur eine These zur weiteren Prüfung vorlege. Sie ist mir 
erwachsen aus der Betrachtung aller bei t^ und k in Betracht kom- 
menden Entwicklungen , die mir immer von neuem den Eindruck 
hinterlässt, dass man sich die Alterthümlichkeit unsrer südslavi- 
schen Quellen des Altkirchenslavischen in Bezug auf die Erhaltung 
von gesprochenem 'k, k zu gross vorstellt. Man kann demgegen- 
über natürlich einwenden, dass in den allermeisten Fällen, nament- 
lich im Zographensis, 'h. und k wirklich geschrieben werden, die 
Weglassung hier verhältnissmässig selten ist. Aber hier wirkt 
eben die überkommene ältere Form der Schriftsprache in der Or- 
thographie nach, die überall sehr konservativ ist. Mein College 
Sievers drückte mir das einmal so aus : wie lange muss eine Ver- 
änderung der Sprache schon bestanden haben, ehe sie auch nur 
ein oder einige Male in dem Geschriebenen zum Vorschein kommt. 

A. Leskien. 



350 



Die neuesten Forschungen über den slayischen 
Klemeus. 



Der slavische Klemens (K.in- 
MeHTt cjiOBiHCKiil) und seine lite- 
rarische Thätigkeit fesseln in 
einemfort die Aufmerksamkeit der 
Forscher der altkirchenslavischen 
Literatur, was auch begreiflich 
ist. Denn während man von den 
übrigen Schülern der beiden Sla- 
venapostel sehr wenig, kaum mehr 
als ihre Namen weiss, besitzen 
wir über Klemens zwei Biogra- 
])hien in griech. Sprache, eine 
ausführlichere und eine kürzere. 
Aus der ausführlicheren schöpft 
man eingehende Charakteristik 
seiner literarischen und kulturel- 
len Thätigkeit und die Daten der- 
selben werden durch die zahl- 
reichen noch in verschiedenen 
Abschriften erhaltenen literar. 
Produkte Klemens' sehr gut bestätigt. Das Studium der auf Grund der 
handschriftlichen Beglaubigung unzweifelhaft von Klemens geschriebe- 
nen Werke gibt die Möglichkeit einer genauen Bestimmung ihrer cha- 
rakteristischen Züge in der Darstellung, in dem Aufbau und der Aus- 
führung. Auf Grund der so gewonnenen Resultate ist man dann im 
Stande, weitere Nachforschungen über andere Werke Klemens' anzu- 
stellen, um eine möglichst vollständige Uebersicht aller literar. Produkte 
dieses ersten bei den Slaven selbständigen Verkünders des Wortes 
Gottes zu gewinuen. Diese Vorarbeiten sind noch nicht zu Ende ge- 
führt. Noch vor kurzem wurden mit dem Namen Klemeus neue Texte 
gefunden: eine Lobrede auf 40 Märtyrer, von uns nach einer Chilen- 




Die neuesten Forschungen über den slavisclien Klenieus. 351 

darer Handschrift in den akad. IlsnicTia (III. S. 1086 — 1109) abge- 
druckt; eine Rede auf den Palmsonntag, von L. Stojanovic in einer 
Belgrader Handschrift vom J. 132S entdeckt, sie wird in dem akademi- 
schen Petersburger) CöopimKii erscheinen; eine Rede von der heil. 
Dreifaltigkeit, sie wurde von N. L. Tunicki in IIsBicxifl B. IX, 3. S. 215 
bis 232 herausgegeben. Während bei diesen Texten die Autorschaft 
Klemens' durch die Nennung seines Namens in den betreflfenden Hand- 
schriften gesichert ist, sprechen bei vielen anonymen Reden oder Be- 
lehrungen die inneren und äusseren Merkmale mit grosser Wahrschein- 
lichkeit für Klemens als den Verfasser derselben. Zu solchen gehören: 
eine Lobrede auf den Propheten Elias, herausgegeben von uns in den 
akad. IlaBicxifl VI, 3. 236 — 280, eine Lobrede auf den heil. Irenäus, 
herausgegeben von Sobolevskij in denselben Il3B. VIII, 4. 03 — 66, eine 
andere aufdieKreuzerhebung, von ihm herausgegeben inn3B.IX.2.4 — 9, 
und auf Christi Begegnung im Tempel, ib. 10 — 13, und mit weniger Be- 
stimmtheit eine Lobrede auf das Kreuz, nach zwei Handschriften IIsb. 
VIII, 4. 66 — 71 abgedruckt. Endlich schreibt L. Stojanovic auf Grund 
einer Handschrift der Belgrader Nationalbibliothek aus dem XVI. — 
XVII. Jahrh. (Nr. 479) noch folgende Belehrungen Klemens zu: auf 
Maria Empfänguiss, auf Christi Geburt, auf Christi Taufe, auf Christi 
Begegnung im Tempel, auf das Gedächtniss des Apostels Markus, auf 
die Apostel Petrus und Paulus, auf Christi Verklärung, auf Maria Him- 
melfahrt, auf den Sonntag des Cavniprivium, auf den Sonntag der Butter- 
woche, dann die Rede von dem geistigen Vortheil, die Belehrung vom 
Zöllner und Pharisäus, von dem Verlorenen Sohn, vom Fasten — im 
Ganzen vierzehn Reden, darunter 12 neue. Dieses ganze Material wird 
in dem Petersburger akadem. CöopiiHKi. erscheinen. Und auch damit 
sind noch nicht endgültige Resultate erzielt. Zwei neue Reden haben 
wir gefunden: 1) Lobrede auf den heil. Kosmas und Damian, 2) Lobrede 
auf den Apostel Paulus. 

Diese bisher genannten Bemühungen betreffen die Bereicherung 
des Materials selbst, die Auffindung der Werke Klemens'. Einen an- 
deren Charakter trägt die vor kurzem erschienene Forschung Prof. W. 
Vondräk's, die unter dem Titel Studie z oboru cirkevneslovansk^ho 
pisemnictvl (V Praze 1903) in den Schriften der Prager Akademie der 
Wissenschaften herausgegeben worden ist. Hier handelt es sich um eine 
andere Art der Konstatirung, welche Werke Klemens zuzuschreiben 
sind; ohne neue Texte beigebracht zu haben, versucht Prof. Vondräk 



352 P- A. Lavrov, 

betreffs einer ganzen Reihe früher bekannter kirchenslavischer Literatur- 
produkte den Beweis zu führen, dass sie Klemens zum Verfasser haben. 
Darunter sind solche Texte enthalten, die Prof. Vondräk zuerst Klemens 
zuschreibt, und zwar 1) Ordo Confessionis im Euchologium Sinaiticum. 
2) einige Texte des Glagolita Clozianus. Für einige andere Texte war 
schon früher von anderen Forschern die Vermuthung ausgesprochen, 
dass sie Klemens zum Verfasser haben. Dazu gehören die sogenannten 
pannonischen Legenden, dann einige Reden, wie auf die Geburt Christi 
und Taufe Christi (Klemens zugeschrieben von A. N. Popov und mir). 
Prof. Vondräk bespricht endlich in seiner Schrift auch noch solche 
Denkmäler, wie die Freisinger Fragmente und die Legenda italica. 

Bekanntlich hatte schon Vostokov auf die nahe Verwandtschaft 
des Zweiten Freisinger Fragmentes mit einer Homilie auf einen Apostel 
oder Märtyrer, die man in einer Moskauer Handschrift der geistlichen 
Akademie, und zwar in einem Kodex saec XII, ohne Nennung des Ver- 
fassers, aber zwischen zwei den Namen Klemens tragenden Texten vor- 
fand, hingewiesen. Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, dass auch 
dieser mittlere Text (die Homilie) von Klemens herrührt. Allein über 
das Verhältniss der Homilie zum Freisinger Text sind entweder gar 
keine, oder ganz verschiedenartig lautende Ansichten ausgesprochen 
worden, was den Verfasser vei'anlasste, diese Frage einer nochmaligen 
Prüfung zu unterziehen (S. 5 — 18). Die eingehende Analyse der Texte 
führte ihn zu dem Resultate, dass das zweite Stück der Freisinger 
Fragmente vor der Homilie Klemens' da war, der aus demselben ein- 
zelne Gedanken entlehnte. Der Gedankengang sei in dem Freisinger 
Text konsequenter durchgeführt als in der Homilie, in welcher Stelleu 
vorkommen, die man nur unter der Voraussetzung der Abhängigkeit der 
Homilie von dem Freisinger Texte erklären könne, selbst die Beeinflus- 
sung im Stile und in einzelnen Wendungen sei nachweisbar. Ausserdem 
bemerkt Prof. Vondräk, das Freisinger Stück stehe in Zusammenhang 
mit der Beichte, schliesse daher mit der Aufforderung zur Beichte. 
Wenn man nun dasselbe auch in der Homilie Klemens', die auf den 
Namen eines Heiligen lautet, vorfindet, so sei es klar, dass der Prediger 
die einzelnen Stellen aus den Beichtgebeten, wie ein solches das zweite 
Stück der Freisinger Fragmente darstellt, entlehnt haben muss. Man 
könnte demgegenüber die Frage aufwerfen, ob nicht der unverkennbare 
Zusammenhang davon herrühre, dass Klemens das Gebet, als es noch 
unabhäno-ig von dem ganzen slavischen Officium war, benutzte. Prof. 



Die neuesten Forschungen über den slavischen Klemens. 353 

Vondräk antwortet darauf verneinend. Die allgemeinen Ausdrücke 
weisen auf die Abhängigkeit der slavischen Texte voneinander hin, eine 
direkte lateinische Quelle für Klemens' Belehrung anzusetzen sei aus- 
geschlossen. 

Im nächsten Kapitel weist Vondräk durch Parallelen nach, dass 
die Belehrung auf die Commemoratio apostoli wirklich von Klemens 
herrühre (S. 19 — 22). Gleich darauf folgt die Analyse des Ordo Con- 
fessionis im Euchologium sinaiticum, durch welche Prof. Vondräk den 
Beweis liefern will, dass auch dieser ganze Ordo Confessionis Klemens 
zum Verfasser hatte (S. 23 — 44). Auf die Arbeit Almazov's über dieses 
Denkmal sich stützend und theilweise seine Schlussfolgerungen berich- 
tigend, kommt Prof. Vondräk zu dem Resultat, dass dieser Ordo Con- 
fessionis zum Theil selbständig nach verschiedenen Quellen der östlichen 
und westlichen Kirche bearbeitete Stücke — das erste und vorletzte — 
zum Theil Gebete, die wörtlich aus der griechischen Beichtordnung des 
Johannes des Fasters entnommen sind, enthält. Ein Gebet ist aus dem 
althochdeutschen Original übersetzt, wodurch auch die Behauptung 
Prof. Almazov's, der den griech. Ursprung desselben in Abrede stellte, 
bestätigt wurde. Die Autorschaft Klemens' betreffs der ganzen Beicht- 
ordnung sucht Prof. Vondräk durch die Aehnlichkeit der Gedanken des 
Ordo Confessionis mit anderen "Werken Klemens', durch die Aehnlich- 
keit des Stils und durch die Uebereinstimmung in den Lesarten der aus 
der heil. Schrift entlehnten Citate zwischen dem Ordo Confessionis und 
den Reden Klemens' nachzuweisen. Dabei beschränkt sich in manchen 
Fällen die Verwandtschaft auf einzelne Ausdrücke, wie z. B. npHM'k- 
CHTH C/Ä, npHnd,i,aTH, KfcSMfHH, Hf Hp'KcTaHkHO, noAKHn»., 

nOABHrH;RTH C/A, 0\fK/\OHHTH C/Ä, KTvSAPI^Jt^JTH CA, npHMA- 
CTHTH C/Ä, BOAEI^ Hf ßOAJlTSx, CAOKCMk ^k.'KAOMIi H nOIUl'KIlUAeHH- 

fMK. Alles das sind Wörter und Ausdrücke, die man in jedem beliebigen 
kirchenslav. Texte antreffen kann. Nach unserem Dafürhalten muss 
daher die Frage über Klemens als den Verfasser dieses Ordo Confessio- 
nis, soweit die von Prof. Vondräk angeführten Argumente in die Wag- 
schale fallen, nur als eine Vermuthung angesehen werden. 

Wir übergehen das nächste Kapitel S. 45 — 66), in welchem über 
den Entstehnngsort der Freisinger Fragmente gehandelt wird, und kom- 
men auf die Frage über die pannonischen Legenden (Vita Cyrilli und 
Vita Methodii). Prof. Vondräk hält beide Legenden für das Werk eines 
Autors und als solchen lässt er Klemens gelten. Bekanntlich war diese 

Archiv für slavische Philologie. XXVII. . 23 



354 P. A. Lavrov, 

Ansicht schon früher von anderen vertreten und doch erfreut sie sich 
noch immer nicht der allgemeinen Anerkennung ^j . Prof. Vondrak be- 
mühte sich, das ganze Material zusammenzustellen, in welchem An- 
klänge dieser Legenden an die unzweifelhaften Werke Klemens' ent- 
halten sind, woraus er dann die Autorschaft Klemens' folgert. Wir 
persönlich stimmen der Ansicht Vondräk's bei, auch uns kommt die 
Autorschaft Klemens' betreffs der beiden Legenden wahrscheinlich vor, 
doch für uns hat in dieser Frage die handschriftlich beglaubigte Autor- 
schaft Klemens' betreffs der Lobrede auf Kyrill ausschlaggebende Be- 
deutung, Aus der ausführlichen griech. Vita Ciementis weiss man, in 
wie nahen Beziehungen Klemens zu Method stand. Beides zusammen- 
genommen gibt uns Grund zu der Annahme, dass die Biographien der 
beiden Apostel von ihm geschrieben wurden. 

Hier möchten wir aber der Frage über den Inhalt und Bestand der 
beiden Legenden, namentlich der Vita Cyriili, etwas näher treten. In 
letzter Zeit hat V. I. Lamanskij der letztgenannten Legende eine lange 
Reihe kritischer Bemerkungen in seiner noch nicht vollendeten aus- 
führlichen Studie »CjiaBflHCKoe aciixie cb. KHpiiJija KaKX pejiiiriosHO- 
9nHqecKoe nponsBeAeHie h KaKt HCTopH^iecKiH hcto^hhki« (im Journal 
d. Min. d. Aufkl. B. 346, 190.3 ff.) gewidmet. Lamanskij bezweifelt, dass 
die Legende in unveränderter Gestalt so auf uns gekommen sei, wie sie 
im IX. Jahrh. geschrieben wurde. Er erinnert daran, dass sich die Le- 
gende erst in späten Abschriften aus der zweiten Hälfte des XV. Jahrh. 
erhalten hat. »Wer wagt es zu behaupten, dass in der der Abfassung 
nächstfolgenden Zeit, im X. und XI. Jahrh., die Legende nicht modifi- 
cirt, berichtigt, ergänzt werden konnte und dass der heute bekannte 
Text genau das Original des IX. Jahrh. wiedergibt und nicht jene be- 
richtigte, ergänzte, folglich mehr oder weniger im Laufe der XL — XV. 
Jahrh. umgearbeitete Fassung des Denkmals, das ja bekanntlich in Bul- 
garien, Serbien, Kroatien und Russland vielfach abgeschrieben und ver- 
breitet wurde«. Bei einer solchen Auffassung des Denkmals entsteht 
die Frage, was der ursprünglichen Redaktion angehört hatte und was 
später dazukam. Es ist zwar richtig, dass wir bis heute keinen älteren 
Text dieser Vita kennen, als aus der zweiten Hälfte des XV. Jahrb., 
allein wir sind doch nicht ganz entblösst von Hilfsmitteln, um ihren 
vermuthlichen Umfang: auch für das IX. — XI. Jahrh. zu bestimmen. 



Vergl. nach dieser Abhandlung »Meine Zusätze«. V. J. 



Die neuesten Forschungen über den slavischen Klemens. 



355 



Ein solches Mittel besteht in Folgendem. Wir besitzen bekanntlich die 
Vita Methodii nebst einer Lobrede auf die beiden Glaubenslebrer schon 
in einer Handschrift aus dem Ende des XII. Jahrh. Ihr Original dürfen 
wir, ohne fehlzugehen, wenigstens um die Mitte des XI. Jahrh. setzen. 
Ist das der Fall, dann sind wir in der Lage, für verschiedene Stellen 
der Cyrilli-Legende den Beweis zu führen, dass sie schon damals ebenso 
lauteten, wie wir sie jetzt haben. Die Einleitung dieser Vita stimmt in 
einer Reihe von Ausdrücken mit der Einleitung der besagten Lobrede 
überein. Das zweite Kapitel, das über die Abkunft der beiden Brüder 
handelt, erinnert ebenfalls im hohen Grade an die Lobrede. Leo hat in 
der Lobrede wie in der Vita sieben Kinder, er wird mit Job verglichen. 
Vergl. noch solche Wendungen, wie: HC Toro KOpEHE ß'KCHiacTa 
H3AP'ÄA•»^^'S A'kTCtpacAH in der Lobrede und: h A'^^pa KopfHf 
;i,c»Kpa /VKTopacAh, in der Vita. Die Phrase der Lobrede np'KiuiOY- 
APCtCTh. CfK'K raKO H cfCTpoy CTßopkUja lässt in der Vita die Er- 
zählung vom Traume voraussetzen. Aus verschiedenen Worten der 
Lobrede kann man erschliessen, dass die Vita in der That von der Dis- 
putation bei den Sarazenen und Chazaren erzählte. Der Anfang der 
Erzählung, wo in der Lobrede der Vergleich mit David erwähnt wird, 
ist dem 6. Kapitel der Vita entnommen. Vergl. die beiden Stellen in 
folorender Parallele: 



Lobr. (Bodjanskij,^TeH. 1 865, IL 6) : 
BT». CpaUHH-SYT», }K( H K03A- 

pIv^Tv raBAi%iija CA HEnoB't/k.kHa 
H-K raKOJKf A^^ßHAT«^ HHonae- 

MEHkHHKOV,' HHlvr^a HHS'KAO- 
M^HB-K r'Kp'k^'KlHK' I€r0 RO- 

TpliBH, npooBpasoBaBTv Tpo- 

\i\i,K> TpklUH KaMeHH H CBOHMk 

tMoy MEHkMk ri\aBO\' orckK'k- 



Vita Cyrilli ed. Mikl. 17: 

CBCTkiE TpoHi;« cao\fra h 

OyMEHHKk • • • raKO AP^^V'"'^''*^ 

/i,aBHA4 HOBa tdBHTk Ha Fo- 

M\t3J{,A Ck rpkMH KaMtHkMH 

H noB'S/K/i.kUja. 



Die Ausdrücke der Lobrede cbohmh hmtv KHHraMH h aS'U- 

K'kMk fallen mit den Hinweisen der Vita auf die Reden Mohammed's 
(Kap. VI — XI) zusammen. Die Wirkung der Predigt Konstantin's wird 
in der Lobrede sehr ähnlich den Worten des X. Kapitels der Vita aus- 
gedrückt : 



23* 



356 



P. A. Lavrov, 



Lobr. ib. : 

H H;HAOßkCKC\fK» SAOßOy 
AOY\'OBH'KIHMk LlfMkMk OT- 

c'KK'kiua noTpUKHCTa /äko 
RA'fcBeA'K H nonaAHcra A<>V" 

YOBHOK» KAarO^.aTHK'. 



Vita Cyr. ib. 23 : 

OySpHTk CAOBfCkHOYKt CH- 
AO\f OTk KO^KHie KAarOA'tTH 
»KO H HAaMEHk ropEi(jk Ha 
npoTHBkHkiie. 



Man vergleiche noch diese Parallele 

Lobr. ib. : 
a CAOBO rccnO;i,kHf BikcK- 



lacTa MKC» H nkmfHHi^M» bt». 

Ckp;i,HkH'bMk CEA'k H BkC<ft 
HaCAa;i,MCTa UtA^^TOMH-KIHMH 
CAOBEClvI. 



Vita Cyr. ib. : 
AOCkiTH HacAa;K;L,k Bk- 

CK^k Hkl ME^kBkHklMH CAC- 
BECkl CBETkiyk KHHTk. 



Die Zahl der getauften Chazaren ist in beiden Texten dieselbe. In 
der Vita dankt Chagan dem Kaiser dafür, dass Cyrill CKasa jCpHCTH- 

raHCKOr B'fepOY CAOBOMk H BCljJkMH, CBfTOy TpC»HU|,0\,' H OyB't- 

A'fe\'C»Mk raKo TO i€CTk HCTaid BUpa nnd in der Lobrede heisst 
es: o^KABacra bt». i€;i,HHOMk coynJkCTB'k paBkHkCTB'kiuik cHia- 
HMIja OTku,A H c'kJHa H cBATarc ;k,oy\*a, TaKO la oyaoBHCTa 

raKO H p'kiE'kl CAOBfCkHOW Mp'KJKfK». 

So entnehmen wir aus den Worten der Lobrede, dass ihr dieselbe 
Vita Cyrilli zu Grunde lag , die auch wir noch heute besitzen. In ihr 
stand auch die Erwähnung von der üebersetzung der Disputation Kon- 
stantin's bei den Chazaren aus dem Griechischen durch Method, denn 
die Ausdrücke nonaAHCTa ;i,ov'XC»bhc>k> KAaro;i,aTHK» sind daraus 
entnommen. 

Die Erzählung von der Mission der Brüder zu den Slaven steht 
gleichfalls in der Fassung der Lobrede sehr nahe der Vita Cyrilli. Die 
Worte BkCk L^kpK'KBkH'KiH saKOHTi. Rp'tAOHikiua entsprechen dem 
in Kap. XV Gesagten : BkCKOp'K JK« ßkCk u^pkKOBHkiH MHHk np-fe- 
AOH;k; die Worte Tpkias'KiHkHHKOiil'k S'KAOKOY HMSTkACiKkiua be- 
ziehen sich auf Kap. XVI; MpaKa rp-KyoEkHa orrHaB'Kiija iipo- 
CB'feTHCTa BoyKiiBaMH dürften eine Anspielung enthalten auf die 
heidnischen Aberglauben, von denen im XV. Kap. der Vita die Rede 
ist; die Worte HaoyMkma c>\'MeHHK'ki i^kpKBkHOLiov; MUHoy hc- 
niiAHk beziehen sich auf den Anfang desselben XV. Kap., nur steht 



Die neuesten Forschungen über den slavischen Klemens. 357 

hier statt des Ausdruckes saKOHii. der in der Vita angewendete mmhiv. 
Die weitere Erzählung von der Reise nach Rom und dem Empfang durch 
den ihnen entgegengekommenen Papst berührt sich mit den Worten : 
H^f CBfTHTk cyMEHNKk CBOHY«^ in Kap. XV, mit dem VI. Kap. der 
Vita Methodii und dem Anfang des XVU. Kap. der Vita Cyrilli. Endlich 
zeigt auch die Erzählung von dem Tode Cyrill's in der Lobrede, dass das 
letzte Kapitel der Vita entsprechend dem heutigen Texte lautete. Wenn 
man noch die von Klemens verfasste Lobrede auf Cyrill heranzieht, ge- 
winnt man noch weitere Parallelen. Und zwar den Hinweis auf die Er- 
zählung von dem Streit CyriH's mit den Ikonoklasten und ihrem Anführer, 
dem Patriarchen Jannes, den Hinweis auf die Predigt Cyrill's bei dem 
Volke Phul (es ist OovlXa oder al OovXlot in der Krim gemeint), wovon 
die Vita spricht. Die Erzählung von dem Aufenthalt Konstantin's in 
Cherson wird durch den Brief des Anastasius bestätigt, ebenso durch die 
slav. Uebersetzung der griech. Legende von der Auffindung der Reliquien 
des heil. Klemens. Die Nachricht von der Erlernung der hebräischen 
Sprache findet in gewisser Hinsicht ihre Bestätigung durch die italische 
Legende, die von der Erlernung der chazarischen Sprache spricht. 
Wahrscheinlich sind beide Sprachen gemeint, die von den Unterthanen 
Chagans, den Mohammedanern und den Hebräern gesprochen wurden. 
Das Interesse Konstantin's für die hebräische Sprache kommt auch sonst in 
der Vita zum Ausdruck. Neben der Entzifi'erung einer Inschrift sei auf die 
Gespräche mit einem Hebräer über Christus in Rom hingewiesen, woraus 
sich die nothwendige Voraussetzung der Kenntniss der hebräischen 
Sprache für Cyrill ergibt. Zuletzt ist auch nach der üblichen Deutung 
der slavischen Alphabete, mag nun das glagolitische oder cyrillische von 
Konstantin herrühren, ein Zusammenhang mit der hebräischen oder 
samaritanischen Schrift nicht abzuweisen. Die Erzählung von einem 
grammatischen Leitfaden der hebräischen Sprache wird zwar von V. I. 
Lamanskij in Abrede gestellt und natürlich auch der für die hebräische 
Sprache nicht anwendbare Hinweis auf octo partes orationis. Allein 
diese Einzelheiten werden auch von Lamanskij so aufgefasst, dass sie 
auf der Wiedergabe des durch Vermittelung Method's Gehörten und 
zwar in einer erst in dritter Reihe folgenden Darstellung des Verfassers 
beruhen. In der That kann man in diesem Falle eher an eine Ueber- 
treibung oder ein Missverständniss schon seitens des Verfassers der Vita 
denken, als alles das erst einer späteren Umarbeitung zuschreiben. Zu 
solchen Stellen gehört auch die Erzählung von den auf den christlichen 



358 P- A. Lavrov, 

Häusern gezeichneten Figuren der Dämonen nach der Vita statt der an 
die Häuser angelehnten Holzfiguren des Teufels nach den arabischen 
Quellen. Hier steckt allerdings eine üngenauigkeit, aber anderseits 
auch ein Beweis dafür, dass der Verfasser auch diese ihm vielleicht von 
den Reisebegleitern Konstantin's zu den Chazaren mitgetheilte Erzäh- 
lung nicht ganz übergehen wollte. Ist das der Fall, dann mögen auch die 
Gespräche Konstantin's mit den Sarazenen auf gleicher Quelle beruhen, 
wodurch sich auch ihr Charakter erklärt. Man hat es nicht nöthig, sie 
als urkundliche Aufzeichnung aufzufassen, wovon in der Vita keine Rede 
ist, aber auch die Behauptung, dass sie Auszüge aus polemischen, gegen 
die Mohammedaner gerichteten Schriften des XH. — XIH. Jahrh. enthal- 
ten, müsste erst bewiesen werden. Ebenso wird es kaum einem Zweifel 
unterliegen, dass der Autor der Vita bei der Wiedergabe der Disputa- 
tionen Konstantin's bei den Chazaren eine von Method übersetzte Nie- 
derschrift Konstantin's vor Augen hatte. V. I. Lamanskij findet eine 
solche Arbeit seitens Method's unwahrscheinlich, zumal er als Erzbischof 
keine Zeit dazu gehabt hätte. Allein wenn Method bei dieser Gelegen- 
heit als Erzbischof bezeichnet wird, so ist damit noch nicht gemeint, 
dass er erst in der letzten Periode seines Lebens, da er Erzbischof war, 
diese Uebersetzung zu Stande gebracht. Die Zweckmässigkeit aber einer 
solchen Uebersetzung ergibt sich schon aus der Erwähnung (in den 
Antworten des Papstes auf die Fragen der Bulgaren) von gottlosen 
Büchern, die die Bulgaren von den Sarazenen bekommen haben sollen. 
Der Ausdruck np'kAOH^HTH wird in der Vita von der Uebersetzung der 
gottesdienstlichen Bücher in Kap. XV, in der Vita Methodii Kap. XV 
ebenso betrefifs des Apostolus, Evangeliums und Psalters u. s. w. ange- 
wendet, dagegen steht K£C't;)i,OY nHcaTH fßaHrfAKCKOY nur dort, wo 
es sich um die erste Anwendung der neu erfundenen Schrift handelte. 
Es bleiben somit ohne jede weitere Bestätigung durch auderwärtige 
Quellen nur die Behauptungen der Legende von den samaritanischen 
Buchstaben, von dem Psalter und dem Evangelium mit russischen Buch- 
staben und von dem Lidividuum, das dieser Sprache kundig war. Uu- 
beglaubigt sind ausserdem einige Einzelheiten aus der Jugendzeit Kon- 
stantin's, solche Stellen wie das Kapitel und die Erzählung von der 
Entzifferung des Bechers Kap. XHL V. I. Lamanskij hat gegen die 
übliche Deutung der russischen Schrift und Sprache als gotische sehr 
gewichtige Gründe vorgebracht, die beachtet werden müssen, allein die 
Annahme späterer Einschaltungen in die Vita Cyrilli hat schon wegen 



Die neuesten Forschungen über den slavischen Klemens. 359 

der Gleichartigkeit der Darstellung in allen Texten der Legende wenig 
Wahrscheinlichkeit für sich. Die von V. I. Lamanskij in den Bestand- 
theilen der chazarischen Disputationen hervorgehobenen Ungleichheiten 
können leicht erklärt werden. Die Ausdrücke HW^m und /KH,\,okhh'K 
mit ihren Ableitungen werden auch sonst promiscue angewendet: in 
Kap. IX. X. XI steht HK»^\fH, aber auch Kap. X JKH^OKHH'k und 
Kap. XI npHraTEAEF.ik -.KH;i,OBCKKiMk, iKHAOBCKiü MOAHTBKi. Aber 
auch im Inhalt der Erzählung ist nichts ungleichartiges wahrzunehmen. 
Sie besteht aus mehreren Theilen : aus dem Gespräch Konstantin's mit 
dem ihm entgegengeschickten Mann, aus den Tischgesprächen bei Cha- 
gan, aus dem Disput mit den wortgewaltigen Hebräern, in welchen 
von den Citaten der heil. Schrift häufig Gebrauch gemacht wird, aus der 
Rede in Parabeln, wobei neben den Hebräern auch die Mohammedaner 
als Zuhörer auftreten, die nicht so sehr auf schriftkundige Männer wie 
auf das einfache Volk berechnet war. Abgesehen von dem Disput mit 
schriftkundigen Männern, wo selbstverständlich die volle Aufmerksam- 
keit auf den Büchern konzentrirt ist, alles Uebrige trägt den Charakter 
der Gemeinverständlichkeit, die allerdings in erster Linie dem Verfasser 
der Vita zuzuschreiben ist ; wie es sich damit in der Darstellung Kon- 
stantin's verhalten haben mag, das ist freilich eine andere Frage. Auf 
jeden Fall trägt die Redaktion dieses Theiles der Vita alle Anzeichen 
der Ursprünglichkeit an sich. Wir hatten schon bei der Uebersetzung 
der Vita ins Russische (im zweiten Heft der von Prof. Vinogradov heraus- 
gegebenen Vorlesungen über die Geschichte des Mittelalters) Gelegenheit 
darauf hinzuweisen, dass die Erzählung von verschiedenen Arten der 
weltlichen Herrschaft die damaligen Menschen sehr interessirte, und bei 
Johannes Exarchus bulgaricus liest man in dem Theil, der als originelle 
Arbeit gilt, die bekannte Erzählung, die an die Auseinandersetzung 
Konstantin's in seinen Gesprächen mit dem Chagan der Chazaren erin- 
nert. Wenn dieser Parallelismus zeigt, dass solche Gespräche im IX. 
und X. Jahrh. geführt werden konnten, so ist es gar nicht nothwendig, 
zu der Vermuthung zu greifen, dass in der Vita »alles das aus einer 
späteren slav. Uebersetzung irgend eines noch unbekannten griechischen 
Traktates über die Disputationen mit den Sarazenen und Hebräern ent- 
lehnt sei« und dass »in der ursprünglichen Redaktion der Vita Constan- 
tini, wenn sie zu Ende des IX. oder zu Anfang des X. Jahrh. geschrie- 
ben wurde, solche Auszüge nicht enthalten waren« i). 

1) Ich verweise auf noch eine Quelle, die als Nachweis, dass sich die 



360 P- A- Lavrov, 

Nach unserer Ueberzeugung kann man also die Vita Constantini in 
der Gestalt, wie wir sie kennen, als ein Denkmal des IX. Jahrh. gelten 
lassen, unter Ablehnung der Annahme von späteren Interpolationen ^); 



Vita Constantini in treuer Ueberlieferung erhalten hat, dienen kann. Das 
sind die Lektionen in den Glagolit. Breviarien, von denen die Monographie 
Brcic's (Dvie sluzbe rimskoga obreda za svetkovinu svetih Öirila i Metuda, 
U Zagrebu 1870) handelt. Man vergl. dazu noch meine Bemerkungen in dem 
»Fünften bibliographischen Beitrag« (Anzeiger der philos.-histor. Classe vom 
18. Oktober 1899, Nr. 20), wo ich für den sprachlichen Ausdruck der Vita in 
ihrer ältesten Fassung einige nicht unbedeutende Beispiele lieferte, wodurch 
der Text der Vita Cyrilli demjenigen der Vita Methodii näher gebracht wird. 

V.J. 
1) In der Abhandlung »TojKOBaa IlajicH h JßxonHCB« brachte A.A.Schach- 
matov jene Stellen der Palaea zur Sprache, die in ihr aller Wahrscheinlich- 
keit nach aus der Vita Cyrilli entlehnt sind. Er meint, dass die Disputationen 
der kommentirten Palaea aus den von Konstantin, dem Slavenapostel, mit 
den Hebräern und Sarazenen gehaltenen Disputationen hervorgegangen 
seien. Auf die bekannte Stelle von der Uebersetzung der Disputationen Kon- 
stantin's durch seinen Bruder sich berufend, folgert er daraus, dass Method 
nicht das, was in der Vita Cyrilli steht, sondern etwas anderes übersetzt habe. 
Wir haben in einem am 4. Okt. 1894 in der Archäolog. Gesellschaft zu Moskau 
gehaltenen Vortrag bezüglich einer Chilendarer Redaktion der kommentirten 
Palaea (vgl. die Protokolle zu TpyÄii ciaB. komm. I, S.35) auf zwei Stellen hin- 
gewiesen, die mit der Vita Cyrilli zusammenfallen (es sind dieselben, auf die 
sich Akad. Schachmatov bezieht) und gleichfalls die Entlehnung derselben 
für die Palaea aus der Vita Cyrilli vorausgesetzt. Allein in Ermangelung an- 
derer Berührungen konnten wir an die Disputationen Konstantin's als Quelle 
der kommentirten Palaea nicht denken. In der Vita steht ja deutlich aus- 
gesprochen, dass die Disputationen Konstantin's sein Bruder Method über- 
setzt habe. Wenn also die Palaea die Uebersetzung Method's erhalten hätte, 
80 würden wir in ihr mehrere Parallelen zu dem in der Vita Cyrilli vorliegen- 
den Auszug aus jenem Werke vorfinden müssen. Weiter verweist A. Schach- 
matov auf die Parallelen in dem Kommentar zu den Propheten (nach einem 
KijewerText des Golddachigen Michaelklosters) und meint, dass dieser Kom- 
mentar einen Theil des ursprünglichen Palaeatextes bildete. Allein auch 
dann würden wir volle Uebereinstimmung mit dem in der Vita Cyrilli be- 
findlichen Text erwarten. Diese beschränkt sich jedoch nur auf einzelne 
Stellen. Wir dürfen weitere Aufklärung von neuem Material erwarten, fürs 
erste kann ein gewisser Zusammenhang zwischen dem in der Vita Cyrilli ent- 
haltenen Text der Disputationen Konstantin's und der Palaea sowie dem 
Prophetenkommentar zugegeben werden. Diese Thatsache, da sie nicht so 
gedeutet werden kann, dass die Vita aus der Palaea geschöpft hätte, spricht 
schon wieder gegen die Annahme einer späteren Einschaltung dieser Episode 
in die Legende. 



Die neuesten Forschungen über den slavischen Klemens. 361 

sie kann also mit anderen Texten aus jener Zeit, wozu die verschiedenen 
Werke Klemens' gehören, verglichen und geprüft werden. Doch wollen 
wir auf die von Vondräk vorgenommenen Vergleiche nicht näher ein- 
gehen, es sei unsererseits nur auf die in beiden Legenden wahrgenom- 
mene Liebe zu Antithesen hingewiesen. So lesen wir in der Vita Cyrilli 
Kap. IV EW MaAtyk CACßtcf^i^ bcankk o^mii, Kap. V oysptBK 

$HAOCO$a K"Ha T'KAOMk, A H« ß'^A'^ CTapa 0\'Ma Rk HfMK, 
Kap. XVI TpkHK H CAA^I^KK RAOA^, ib. V Ht AK>AkCKaro OBKiHara 
Api^^KH c( HK BC»/KHH\'K sanoBtA"" 3pH , Vita Meth. Kap. III 

npÜAOHIH SfMKH'Kira TkM'Kl BOAK> HA HtBECkH'kira MIÜCAH, ib. 

Kap. II CAOBfCkHTviia a'^^tjakk» np'tcn'feB'K a A'^TfAkHivira cao- 

K'kMk, ib. CAOBO CHAKHOie H KpOTT»,KOl€, CHAh.HO HA npOTHBk- 

HTjjra a KpoTTi.KOie Ha npHi€MAK>4iAra kasahhic, ib. Kap. IV chh 

/K« MOAHTBOKJ A 4>HA0C0$'k CAOBtCKl. 

Wir kommen zur Frage über die Abkunft Klemens'. Prof. Vondräk 
äussert sich dahin (S. 92), dass er wahrscheinlich aus Macedonien oder 
jedenfalls aus einer Gegend, wo man die Sprache der cyrillo-methodia- 
nischen Uebersetzung der heil. Schrift sprach, stammte. Er sei kein 
pannonischer Slovene gewesen, sonst würde man bei ihm Spuren der 
Sprache der Freisinger Fragmente wiederfinden, er war auch kein 
Mährer, da auch keine Spuren der westsl. Sprache in seinen Werken 
durchschimmern. Er sei fortwährend unter dem Einfluss der üeber- 
lieferungen der griech. Kirche gewesen. Mit den angeblichen Spuren 
des Bogomilismus, welche Voronov in der pannon. Legende von Kon- 
stantin zu finden glaubte, erklärt sich Prof. Vondräk nicht einverstanden 
(S. 93). Während wir die südslavische Abstammung Klemens' sehr 
wahrscheinlich finden, scheint uns die Annahme, dass die Legenden im 
Süden, in Macedonien geschrieben wurden, weniger wahrscheinlich zu 
sein. Wäre das der Fall, so würde man wenigstens irgend welche An- 
spielung an das Land, in welchem der Verfasser schrieb, erwarten. 
Und doch ist in keiner der beiden Legenden auch nur der Name ge- 
nannt, weder Bulgarien noch Macedonien. Wir sprechen gar nicht da- 
von, dass nach unserer Auffassung die beiden Legenden nicht zur selben 
Zeit abgefasst wurden, da die Annahme, dass die Vita Constantini älter 
sei, aus der Natur der Dinge sich von selbst ergibt. Doch nur sehr nahe 
Beziehungen zu den beiden Glaubenslehrern konnten den Verfasser der 
Legenden in die Möglichkeit versetzen, so viele Einzelheiten aus ihrem 
Leben und ihrer Wirksamkeit mitzutheilen. Auch die Vita Methodii 



362 P- A. Lavrov, 

wird durch die Kürze des Umfanges, durch ihre nahen Beziehungen zur 
Vita Cyrilli, wobei die Bekanntschaft mit dem Inhalt dieser Vita voraus- 
gesetzt wird, in eine solche zeitliche Nähe zu jener gerückt, dass man 
ihre Abfassung mit grosser Wahrscheinlichkeit noch in die Zeit des 
Aufenthaltes der Schüler der ersten Glaubenslehrer in Mähren ver- 
setzen darf. Nicht lange blieben sie zwar in Mähren, doch immerhin 
war für die Abfassung dieser Legende Zeit genug vorhanden. Die Auf- 
werfung der Frage, wann die beiden Legenden im Vergleich zu anderen 
Werken Klemens' entstanden sein können, und die Behauptung, dass 
Klemens erst nach der Erlangung einer gewissen Fertigkeit durch die 
Abfassung kleinerer Werke sich auf diese grösseren Leistungen einlassen 
konnte, sollten nach unserem Dafürhalten besser unerörtert bleiben 
(S. 94 — 95). Denn erstens gibt es unter den kleinen Schriften Klemens' 
auch solche, die Prof. Vondräk selbst nach Mähren und Pannonien ver- 
setzt. Dann aber kann die Thätigkeit Klemens' doch nicht auf die Ab- 
fassung selbständiger Belehrungen eingeschränkt werden. Mit gi'osser 
Wahrscheinlichkeit kann man vielmehr auch seine Betheiligung an der 
Uebersetzung der heil. Schrift und der liturgischen Werke in der Eigen- 
schaft eines Mitarbeiters der ersten Glaubenslehrer voraussetzen. Bei 
dieser Gelegenheit konnte er auch die nothwendige Gleichförmigkeit in 
dem sprachlichen Ausdrucke sich aneignen. Dagegen möchten wir den 
grössten Theil seiner Reden der späteren Zeitperiode, da er in Macedo- 
nien als Bischof an der Spitze einer zahl- und umfangreichen Heerde 
stand, zuweisen. Einige Dissonanzen zwischen den beiden Legenden 
möchte Prof. Vondräk durch die schon in eine gewisse Ferne gerückten 
Ereignisse, von denen die Rede ist, erklären. Unsere Annahme der 
zeitlichen Verschiedenheit betreffs der Abfassung der beiden Legenden 
lässt ebenfalls die Nichtübereinstimmungen erklärlich erscheinen selbst 
bei der Voraussetzung eines und desselben Autors der beiden Legenden. 
Dennoch sei uns gestattet, bezüglich der beiden Legenden noch 
einige Bemerkungen zu machen. Ein Umstand fällt auf, der bisher un- 
seres Wissens wenig beachtet wurde. Die Vita Methodii zeigt ungeachtet 
ihrer Kürze eine ganze Reihe von dunklen Stellen. Z.B. im IV. Kapitel 
ist zunächst von Chazaren und von Konstantin die Rede, die Worte 
»OHTv JKf pfK'K raKO rOTOßl». fCMK 3a KpkCTHmHCKOV'K» K'kpOY 
oyiuip'kTH« sollten sich auf Konstantin beziehen, in der That, in der 
Vita Cyrilli Kap. VI, wo von der Mission zu den Sarazenen die Rede 
ist, werden die gleichen Worte so gelesen: ck pa^oCTHio H^'^y 3a 



Die neuesten Forschungen über den slavischeu Klemens. 363 

YPHCTHraHkCKOYK» KlipOX," MKTO BO MH l€CTk CAaiK^KUJf Ha CtlLIK 
CB'tTiv HK 3a CRfTO^K» TpOHU^O^ JKHßO^ KKJTH H 0\'Ilip1vTH. 

Nun heisst es aber in der Vita Methodii als unmittelbare Fortsetzung 
der oben angeführten Worte : He ocAOXfiU'* CA mk^'k caoy/KH raKO 
paK'K MkHKLUOY KpaTO^, diese Worte können nur auf Method be- 
zogen werden, was aber grammatisch so ausgedrückt ist, als würde noch 
immer von Konstantin die Rede sein. Also eine auffallende Satzver- 
bindung. Auch in den Anfangsworten des IV. Kapitels muss die Prä- 
position no vor $HAOCO$a ausgelassen werden oder aber ein ganzer 
Satz, etwa 4,«* "A^Ti*, vor ß^k KOSapivi eingeschaltet werden. Am 
Schluss desselben Kapitels, wo von dem Kloster Polychronos die Rede 
ist, enthalten viel dunkles die Worte: i€MO\f'Kf «ctk c'kM'Kpa K h ;v, 
cncy^Oße saara a c»tku,k obha« o kt». iweuw lecTk. Zum Schluss 
des fünften Kapitels: h Tpkimiv A'KTOM'k HUik^i^Tviiityk ß03ßpa- 
THCTa CA H3 Mopaß'ki, OYHfHHKTvi Hao^Mkiua, lässt der Text alles 
zu wünschen übrig. Wohin kehrten die beiden Glaubenslehrer zurück ? 
Wahrscheinlich muss irgend eine Lücke angenommen werden. Das 
VI. Kapitel beginnt mit der Nennung des Papstes Nikolaus, alles weitere 
bezieht sich jedoch auf den Papst Hadrian. 

Merkwürdig, in der Lobrede, die unmittelbar nach der Vita folgt, 
steht richtig der Name Hadrian's. Auch in der Vita Cyrilli ist diese 
Stelle besser redigirt, dort steht im ersten Falle nicht der in der Vita 
Methodii genannte Papst und weiter wird richtig Hadrian genannt. Es 
gibt noch geringfügigere üngenauigkeiten. So schreiben gleich zu An- 
fang der Einleitung alle Texte lupkTB^K i€CTk, das von den Heraus- 
gebern in MOij';i,pkCTßO\feTk ca berichtigt wird. In Kapitel VIII steht 
minder richtig aH^pHaH'K «nHCKcym». h paß'K eo:khh, während es 
in der Lobrede richtiger heisst: aH^k.pnaH'k niHCKom». paß'K ßkcRMT». 
paßOM'K BOJKHierJlTi. In Kap. IX setzt Miklosich den ausgelassenen 
Namen Svjatopolk nach den Worten iCTep'K ;i,po\j'r'k voraus. Zuletzt 
sei noch die unlängst von Sachmatov so tiberzeugend berichtigte Stelle 
erwähnt: ;i,a ßO\,';i,«Tk OT-kAcyMeHi», h« T'kkmo ß'kcoY^a Hii h 
U,pkKßr, d. h. das Wörtchen HTv des Textes muss in H£ korrigirt wer- 
den. Uebrigens diese letzte Stelle ist wohl nur als nachträgliche, wahr- 
scheinlich durch den verdunkelten Ausdruck ßT^coy^ija hervorgerufene, 
Textverderbniss unserer Abschrift anzusehen. Woher diese vielen ün- 
genauigkeiten in der Vita Methodii an den sonst ihrem Inhalt nach ein- 
fachen Stellen, während in der Vita Cyrilli, ungeachtet ihres längeren 



364 P- ^- Lavrov, 

Umfangs, solche Fälle nicht vorkommen? Einige dunkle Stellen kom- 
men hier nur in der Disputation mit den Chazaren vor, die bekanntlich 
einen Auszug der Uebersetzung aus dem Griechischen bildet. Die 
dunklen Stellen können ebenso in der ungenauen Uebersetzung wie in 
dem ungenauen Auszug ihren Grund haben. Sonst sticht die Vita Cy- 
rilli, obwohl sie nur in späten Abschriften enthalten ist, durch ihre Ge- 
nauigkeit gegenüber der Vita Methodii ab. Soll man die Schäden der 
letzteren nicht vielleicht in den traurigen Verhältnissen, in welchen sich 
die Schreiber des Methodius nach dem Tode des Lehrers befanden, 
suchen ? Der Verfasser der Vita Methodii schrieb dieses Werk unter 
beständiger Voraussetzung der Bekanntschaft mit dem Inhalt der Vita 
Cyrilli. Er vermied die Ausführlichkeit dort, wo schon in der Vita Cy- 
rilli von der Sache die Rede war, doch wo zu dem in der Vita Cyrilli 
Gesagten etwas noch hinzuzufügen war, verursachte das Schwierigkeiten 
und Störungen im Verlaufe der Erzählung, wie z. B. in Kap. IV oder in 
Kap. VI. Merkwürdig jedoch, nachher als die Lobrede abgefasst 
wurde, hat der Verfasser die Unebenheiten der Vita ausgeglichen, 
namentlich die dunklen Stellen derselben wurden einfach ausgeschaltet. 
Wir hätten freilich einer Erklärung derselben den Vorzug gegeben. 
Und doch möchte ich in Uebereinstimmung mit Prof. Vondrak und an- 
deren Forschern gleicher Ansicht an einem Verfasser für beide Legen- 
den festhalten. Denn beide Legenden beruhen auf der Voraussetzung 
griechischer Quelle der ganzen Gelehrsamkeit des Verfassers. Man 
vergl. solche Graecismen wie: afpi». K. XVI, aMHHk K. XI. XVI. III. 
M. VIII, aHarwocTT». M.VI, apH«.M£THKHra K. IV, apx'HicriHCKon'k 
M. II, acHKpHTT4, K. VI, acTpoHOMHra K. VI, ßapBapTv K. XVI, 
BHBAOTHKap'k K. IV. XVII, FfWUlTßHa K. VI, rpaMOTHKHia K. 
VIII, AMi^ß^^'^T»" K- XV. M. I, AH'<i>^<>"'^ M. XIII, jyHaAtKCHKA K. 
IV, A'^MOH'k K. VI, i€BaHreAHi€ K. XVIII. M. VIII. XV, mwcKon-k 
K. XVIL M. VIII, «RHCTCAHra K. XIV. M. XII, »epfCk K. XVI. M. I. 
XVU, HroifMfHTi K. X. M. IV. V, haoa-k K. X. M. I, HieptH K.XV. 

M. I, HKOHa K. XVin, H H AH KTTv M. XVIII, HOnaTOpkCKT». M. XII. 

HHOcrack K. VI, oynocrack M. I, KaHOHii M. VIII. IX, KarcaH- 

KHra M. VIII, KAHpHK-K M. XVII, KAHpOCk K. VUL M. XV, KOp£Hk- 

«^iWMTv K. XVI, AHToyprHia K. XVII, aoro^tT'K K. III, OHAOTk 
M. I, MOHacTkipk K. IV. M. IV, mohhcto K. U, MoycHKHra K. IV, 
HOMOKaHOH'K M. XV, OATApk K. IV. M. VI, naTpHapY'K K. IV. 
M. IV, narpHKHH K. V, noTHpk K. XIII, ncaAcm-k K. X. XVI, 



Die neuesten Forschungen über den slavischen Klemens. 365 

ncaATHpk K. XIII. M. XV, pHTOpHKura K. IV, ckhhh» K. X, 

CTpaTHTT». K. II. III, COrMKOATk M. I, TaAaHT'k K. III, THTAa 

K. XV, <I)aTHM K. XVII, «-fO/ion^ K. III. M. I, «IhiaocccI)!^, ^h- 
AOCO^Hra K. IV, 'O'rMiaM'h. K.X. Die Monatsnamen werden in griech. 
Form gebraucht : MapoTv M. XV, OKTARpk ib., ^'^^P^V'^P'" K-^V. 
Die Völkernamen begegnen in doppelter Form: rpKKOM'k K. XVIII, 

1131». rpkKT». M. V. VI, rpKMkCKKI M. XVII, EAAHHkCK'K K. IV, fA- 
AHHkCKkl K. XVI; pHIHAUHf K. XVII. XVIII, pHMCKTvIH UMICA^'K 
K. XVII, pHMkCKkl M. VIII, AaTHHT». M. VI, AaTHHkCKT». K. XV, 

AATHNkCKTü K. XVI (ancli im Evangelium findet man fAHHT». Marc. 

rpkHkCKkl ib., pHMA'kHHH'k, pHMkCK'kund AATHUkCKkl), arap/AHH 

und cpau,HHH K. VI, jKH^.OBHH'k und iEßtUH'K (ebenso im Evangelium). 
Die Deutschen werden HlvlHkU,H M. V und H'bMkMkCK'k M. X genannt. 
So auch in der griech. Vita Clementis: Ne(.iLT^oi. Vergl. übrigens in 
engerer Bedeutung für das Schwabenland: CBacki. Die Slaven führen 
beständig den Namen CAOß'feHHH'k, CAOK'tHkCK'k K. XVI. M. U.V. VI, 
der Name BA'krapHH'k, KAT^rapcKT», fehlt gänzlich, wodurch sich die 
pannonischen Legenden von der griech. Vita Clementis wesentlich 
unterscheiden. Daraus könnte man auf den macedonischen Ursprung 
Klemens' schliessen, da damals noch der Ausdruck Bulgare, Bulgarisch 
auf Macedonien keine Anwendung fand. Darum wird auch Klemens in 
alten Texten seiner Werke mit dem Epitheton CAOß'RHkCK'k näher 
charakterisirt. 

Bei der Prüfung der sprachlichen Seite der beiden Legenden suchte 
man aus der Wiederkehr derselben Ausdrücke in beiden Legenden den 
Schluss auf die Provenienz derselben von einem Verfasser zu ziehen. 
Prof. Vondräk findet für die Mehrzahl der Fälle diese Beweisführung 
nicht ausreichend (S. 68 — 71). Wir könnten diese Ansicht nicht theilen. 
Uns scheint die lexikalische Identität ebenso bedeutsam zu sein wie die 
Vergleichung der Citate aus der heil. Schrift oder die stilistische Gleich- 
heit. Darum möchten wir einige Beispiele anführen: KfCt^OKaTH 

K. Vn. M. XVI, EEljJHHkE K. XV : ßEl^IHHkH-k M. III, KO\j'KKkl M. VI. 

K. XIV. XV, BAa^kiKa K. VI (vom Herrscher der Saracenen), K. VI 
(vom byzant. Kaiser), M. V (in Anwendung an den Kaiser). XVI (vom 
ugrischen König), rAaroAkUHKi». K. XVI, rAaroAATH sehr häufig, 
z. B. K. X. XI. M. IX, HS'krAaroAATH MOAHTßoy K. III, oiTAaro- 

AATH CAOKKkl K. XIII, A*>CTOHHO M. XVII. K. VIII. IX, ;k,OCTOtaTH 

K. X. XIV. XL M. XVI, AOcn-RTH M. VIIL K. XI, HikAATH mit der 



366 P- A. Lavrov, 

Präposition Ha K. I. M. VIII, HSBkiBaTH K. XVI, hsgkith M. IX.X, 
AaKOMkCTBO M. IX. K. X, MA'Kßa M. III. XV. K. VII. XIII, mho- 

rOlUlA'KKliH'k K. I, lUlHOrOp'kHHB'K K. MHOrOp'kHkH'K M. XVII, 
MpKSOCTk K. XI, MpbS'KK'K M. I, HaAOJKHTH C/Ä Ha lUlOAMTBOy 

M. V. K. XIV (weitere Beispiele fehlen bei Miklosich und Sreznevskij), 

HapHU,aTH HMA FHl M. I : HapEljJH CfK-t HM/Ä K. XVIII, HapEKLUE 

naM/ftTk CTPO KAHiuifHTa ib. X\T:I, HEnkipfBaTH M. XVI. K. VI. 
0CT;RnAfHHie M. XI : ocT;s;nHTH K. VIII, nane^Kk M. XII. II. K. 
XVI. XVII. XVIII, in beiden Legenden auch anocTOAHK'k (sonst in 
dem kirchensl. Lexikon nicht belegt), noraHT». M. XI, norankCK'k M. 
XI. K. XL XVIII, noraHkCTBO M. I K. XIV, nonaAH M. I. K. XV, 
non-K M. VL K. XVI, nonoBkCTKO M. VI. K. IV, nocnty-k M. XV, 
nocnlvUJkHHKTi. M.I, cknocn'kiuHHK'K K.XIV, npHcntTH K.XIV; 
noMHTH PH M. XVII. K. XVIII, npHidTCAk K. XI : npHßTH M. X, 
npoBOAHTH M. XIII : npcKOH;A«HHi€ cktbophth K. XVIII, np-fc- 
AtA'k M. IX. K. X, npUAOJKHTH K. XVIII. M. XV, riptcraBHTH ca 
K. XVm. M. I, novfCTkiHH M. L K. VI, paskiTH ca M. XII. K. IX. 
XI. XII, ptHk in der Bedeutung res K. VIII. XIV, canii K. IV, cao- 

BtCkHla, : -CHAA K. X, CTs.lUI'KICA'k M. I, CkBpkUUaTH M. III, CTv- 
BpkUJHTH M. I : CkBpTvlUHTfAk K. VI, C'kHkM'k M. I. K. XIII, 
CkHkMHHK'k M. I, -C'kCTABHTH KfCS^OV M. V : -CHAkI K. XVIII, 
-HOYA"TH K. IV. M. IV, OY^^'THTH M. I. K. VIII, MMMT». M. IL III. 

VIII. K. IX. X, OKpas'k Ha cjb'K raBAraTH M. IL K. IV. V, wvth ca 
n;RTH K. IX. M. V, no LiaAOY M. IL K. I, B'kCKop'k M. XL K. XIV. 
VIII, (CmlvTaTH K. I : — C/Ä M. X. VIII, AOKsaTH K. XVIII : aok- 

SaHHie ib., IVKAOKkISaTH M. XVI, nOKOH npHMlTH M. XVI. 
K. XVIII, K. XII noTpOYA'^T'" ^'^ io <5ei' Bedeutung »gehen«. 

Wie in allen übrigen Produkten der ältesten kirchenslavischen 
Literatur, so kann man auch in den beiden Legenden einige Worte 
hervorheben, die mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den Eintlass der 
westslavischen Dialekte zurückzuführen sind. In der Vita Cyrilli findet 
man K. I }¥iAjK,AA ha noHaaHic, vergl. HoyoTH Ha KOJKfCTBO ib. XI, 
oder K.X B'kHpccHTf na CT'kSA rocno^^HA B'Sshw^ä [höhm.fazfe 
se na stezky stare^ gr. eQsvvrjaaTe TQißovg xvQiov cdioviovg). Wir 
haben in »KjiHMeHT'L cüOBincKiS« auf die böhm. Beispiele wie zediti se 
na penize hingewiesen. Vergl. K. IV ovcKOf Mopt, böhm. uzke more^ 
K. VI pa^T^ HA'^V — radjdu^ K. VII CBATkiH ^,iy\h, — svaty den^ 
K. VII ro^HHa in der Bedeutung Zeit: /lodina; K. IX Bkce xpo« BT». 



Die neuesten Forschungen über den slavischen Klemens. 367 

MfCTk HMlieTk, vergl. höhm. j'mieti koho ve dsti (Gebauer Staro^. 
slov.), der Unterschied ist nur im Casus, ib. hkcthk'K : dstivy^ ib. X 
HfCTH ^xlvieMTk : d^Je se dest (Gebauer), mit A^^^P"^ A'^'^T" vergl. 
böhm. dohrodejc^^ -ec, dohrodäjnik^ dohrodejstm., dohrodienie u. a. (bei 
Gebauer), K. X oyToprii ca : böhm. utrMi se, K.X npHyRcHTH C/ä : 
höhm. primisiti se k 6emu (Kott); K. VI pa3MlvUiafTe h (sc. e,\HH'K 
KOrii) Ha TpH : böhm. rozmUati] npHKAaAOM'K vergl. höhm. priki ad 
(Kott) und äloY.priklad (bei Miklosich), K. VIII onAfTe ca o HfMk 
(sc. rpa;i,'fe) : böhm. oplesti se okolo deho, bim (Kott), K. IX i4JC,v,pKiH 
rocno^H : böhm. stedry Kristus bei Hus (Kott); K. XII caaTHHa : böhm. 
slatitia, t\i\\\Q'MCTK<:' :höhm.lakomstvi. Sehr häufig begegnet ^OCTOraTH 
in der Bedeutung: gebühren, vergl. böhm. bei Gebauer s.v. dostati; K.XI 
AOcnlCTH : böhm. dospejeme, K. XII OYT'kya : böhm. uUcha\ ib. Ke- 
HCpraTH : böhm. vedere\ ib. CfKHpa : böhm. sekyra, K.VIII ckIvTHAH 
Ha^lk HHMk A^^^"^ M HOiiJb i böhm. svitili nad nim den i noc. Solche 
Worte; wie nancHCk, anocTOAHK'k, paKa K. XVIII kann man ans Mo- 
ravien ableiten. — In der Vita Methodii: imn^iua aus missa XI, K;i^n{- 
Tpa XI, CKOBOA«» iui;¥;jKK XVII : höhm. svohodny pän, khah;he nicht 
bei Gebauer, aber in der Wenzelslegende kommt dieselbe Form vor, die 
Varianten zeigen, dass auch in der Vita Cyrilli diese Form bekannt war 
Font. r. B. I. 1. 5; c'KHi^M'b : böhm. s7iSm, vergl. Vita Cyrilli ct^hk- 
MHHKT»,; paMHTH IV : böhm. raHti\ kawmcaP'^^^i^U,'* VIII: bei Ge- 
bauer y6';2i drzis klide kralovstvie neheskeho\ p'tHh, als res V, ebenso 
in der Vita Cyrill; B'Kc;^ai»> ib., gefunden bisher nur in den Kijever 
und Wiener Blättern; Kpaak, KpaasKTv; H3HHU,a IX vergl. böhm. 
znice; A'I^'^th sprechen : böhm. diti\ pasKfCTM XI : in derselben 
Bedeutung böhmisch; okawkhth, o^aiokhth XIII. XVI, vergl. böhm. 
ohlibiti, ulihiti se. 

In beiden Legenden begegnen einige Eigenthümlichkeiten, die wir 
aus der Evaugelientibersetzung kennen, wie z.B. die Adjektivanwendung 
in solchen Fällen: n;RTH ca acta MopaßkCKaro, yasap^CKaro, 
BT». cfAOYHKCT-tyk ppa^'S, AK«AH MopaßkCKki, vergl. im Apostolus 
m;i^/Kh a^^HHmcTHH, \'a3apkCKara p-Knk: die Angelegenheit der 
Chazaren. Namentlich kehren viele Ausdrücke aus Apostolus in den 
Legenden wieder, z. B. Kf3 pOA^, K63Apc»A'^MT^j GfUJHHkie, Kfi|iH- 
HOßaTH, KfipHHOY, R-feAHTH vergl. Apost. ed. Kaiuzniacki 265, 
KAaAklMkCTBO-ßAaAWHkCTKHie, B'K3ABH3aTH, B'k3M'STaTH 

-njMaAk Vita Cyrilli, -npaX"K apost., rAaroAkHHKTv in Vita Cyrilli aus 



368 P- A. Lavrov, 

Apostolus, vergl. auch o^rAarc^AaTH u. s.w.; roB'kHH'k, ;i,OKpo;k,'KH, 
AOKpOAliraHHie, HSK'RljJfHHie, HCKOYdkHTi vita Cyr. und HCKOy- 
uibH'K apost., HCT'k, a'Khhth C/ä in der Bedeutung zögern: H( 

AtHH CA nOTpOY^HTH CA A*> HHX"K K. XII, HaAOJKHTH CA, 

oehh;rth ca; viele Ableitungen von cbkijjk, cf. OKKUJHHa K., no- 
Kopik und noKopcHHie, noneipH ca K., non'K, nonoBkCTBO, nc- 
cn'EuikHRK'k, noTaraTH ca K., npaßHAO M., npHrKOS^HTH 
vergl. OTTirBOS^HTH K., npHM'KiiJaTH CA, H'KCHk in der Bedeu- 
tung Psalm M. , pasM'KcHTH vergl. paam-kiuaTH K., pii.nTHB'h, 
P'knTaHHie vergl. op'knTHTH M., CACtBcckHik K., cBpkujaTH ca, 

CBphUJHTfAh, C'KMhJCAKH'K, CKHOCn'felllliHHK'K , OYHptAHT"; 
mtJS.ß'KK., nt:ilJk HTM, HHEO, nO^MHHa, CTO^AT*, cTksra, o^TpoEa, 
HKCTHB'K, U. V. a. 

Nach den Legenden unterzieht Prof. Vondräk einer Betrachtung 
die mit ihnen im engen Zusammenhang stehenden Panegyriken auf Cyrill 
und Method (S. 96 — 111). Hier muss man den Panegyrikus auf Cyrill 
und Method zusammen von dem Panegyrikus auf Cyrill allein unter- 
scheiden. Wer die beiden Legenden Klemens als Verfasser zuschreibt, 
der wird auch die Lobrede auf Cyrill und Method ohne Anstand dem- 
selben Verfasser zuschreiben, denn diese ist gänzlich vom Inhalt jener 
abhängig und der Form nach nähert sie sich stark der Vita Cyrilli. Die 
Lobrede auf Cyrill allein wird schon auf dem Titel Klemens zugeschrie- 
ben. Diese Autorschaft ist nach unserer Auffassung schon desswegen 
kaum möglich in Zweifel zu ziehen, weil es in der That recht sonderbar 
wäre, wenn Klemens, ein Schüler der ersten Glaubenslehrer und her- 
vorragender Prediger, als Verfasser verschiedener Lobreden bekannt, 
versäumt hätte auf seine Lehrer Lobreden zu schreiben , deren Ver- 
dienste um die Verbreitung des Christenthums bei den Slaven er wohl 
kannte, eben so wie die von ihnen herrilhrende Begründung der slavi- 
schen Liturgie und des slavischen Schriftthums. Die feierliche Com- 
memoratio der ersten slavischen Glaubenslehrer innerhalb der slavischen 
Kirche wird schon in den ältesten Quellen erwähnt. Nur bezüglich der 
Reihenfolge möchten wir einer andern Meinung Ausdruck geben, als sie 
Prof. Vondräk vertritt. Nach unserem Dafürhalten war zuerst der 
Panegyrikus auf Cyrill verfasst und dann erst, nach dem Tode Method's, 
die Lobrede auf die beiden Glaubenslehrer. Bei der entgegengesetzten 
Annahme müsste man zugeben, dass Cyrill ungeachtet des Bestehens 
des slavischen Gottesdienstes, gelegentlich seiner Erinnerungsfeier lange 



Die neuesten Forschungen über den slavischen Klemens. 369 

Zeit ohne jede kirchliche Glorifikation gelassen wurde. In dem Officium 
auf Cyrill und Method wenden sich an den erstem folgende Worte : 

MOpaKKCKaa CTpaHO BfAHH SaCTO^IVK H CT'KAR'K HM'kra Klk 

Koro\(', TOKOK» npocu'kin«Ha HaoyHH ca B'KcnlißaTH ktv ckoh 
raSKiK'i^ Oi^K H. Wir hatten schon einmal Gelegenheit zu bemerken, 
dass die Lobrede auf Cyrill Spuren der Umarbeitung zeigt. In der älte- 
ren Redaktion kamen die subjektiven Gefühle des Verfassers in stärke- 
rem Grade zum Vorschein. Von den Slaven spricht er in den Aus- 
drücken MOfMoy <^3iüK0Y u. s.w., das von der Predigt Cyrill's erzielte 
Gut ist auch sein persönliches Gut, daher solche Ausdrücke wie: MOHMa 
o^cTHawa, luioeMO^ '^h'A'^V? MOHMa OHHMa, cp'K;i,kMH;i;/8v iuih 
CA'knoT;!^ u. s. w. In der späteren Redaktion ist das Wort moh ent- 
weder ausgelassen oder durch Haiuk ersetzt, nur einmal blieb MOCM^ 
/ftSKiKS. In dieser Lobrede ist auch die Wendung bezüglich Roms, als 
der Stadt, in welcher Cyrill seine letzten Tage zubrachte, und der Kirche, 
in welcher seine Gebeine ruhten, beachtenswerth: Baa^K^; fipliMbCTk- 

HAiA TBO;?. U,PKBK, BT», HfHJKf AfJKHT'K MH0rC»pa30l|'MHklH BOPO- 

raaroAHBKi tbch wpraHk; Baan;eH'K rpa^xT^ tt». npHCMiüH rp«- 
THaro c'KBp'kQiHTeAlv BOHxHfO CMOTpfHHK>. Damit kann man ver- 
gleichen die Stelle des Officiums: no^^i|i;^;i^ ta Blipo;*i h w pai^'K 

CTO;>^HJHYTv TBOerO Ttaa nOM'KHH Raa/K£H£ CBO/A i>H(HHKkl. 

Hier wird die Thätigkeit der Glaubenslehrer stärker mit der apostoli- 
schen verbunden, wie die Ausdrücke zeigen: naBA/A OCTaHKki Ha- 

HAkHlvaUJE, TCW Bp'kyOBHOlO CBtTHAO^' OCTAHkK'k HCHAkH'klifV. 

Zuletzt mag erwähnt sein, dass die Einzelheiten über die Bekämpfung der 
Ikonoklasteu seitens Cyriirs, über die Predigten bei den Heiden Kryms 
verständlicher sind bei der Annahme einer frühen Abfassung der Lob- 
rede, denn diese Episoden aus dem Leben Cyrill's, die in die erste Pe- 
riode seiner Wirksamkeit fallen, treten später ganz in den Hintergrund. 
Alle diese Eigenthümlichkeiten der Lobrede auf Cyrill sprechen nach 
meiner Ansicht dafür, dass sie früher zu Stande kam als die Lobrede 
auf die beiden Glaubenslebrer. 

Wir kommen jetzt zu dem Kapitel über die Beziehungen der pan- 
nonischen Cyrill-Legende zur sogenannten italischen Legende oder 
TranslatioClementis(S. 111 — 117). Prof. Vondräk neigt zu der Ansicht, 
dass der Verfasser der italischen Legende die paunonische benutzte, 
einige neue Daten derselben seien zweifelhaften Werthes, an einigen 
Stellen weiche er als Anhänger der römischen Kirche von den Angaben 

Archiv für slavische Philologie. XXVII. 24 



370 P- A. LavTov, 

der pannonischen Legende ab. Wir stimmen ihm bei, soweit es sich 
um die Bischofswürde Cyrill's handelt, da diese Nachricht ganz ver- 
einzelt dasteht. Doch wird es uns schwer mit Prof. Vondräk für einen 
überflüssigen Zusatz der italischen Legende die Behauptung, dass das 
Gerücht von der Thätigkeit Cyrill's bei den Chazaren zu Ohren Rostis- 
lav's kam, zu erklären. Prof. Vondräk meint, in diesem Falle hätte ja 
Rostislav gleich den Namen Cyrill's nennen sollen. Das ist jedoch nicht 
nothwendig. Rostislav konnte an ihn gedacht haben ohne ihn zu 
nennen, sonst begreift man nicht, wie er aus Konstantinopel einen 
Lehrer , der in slavischer Sprache zu predigen im Stande war, bekom- 
men zu können hoffte. Dagegen wird das begreiflich, wenn die Nach- 
richten von der durch Cyrill begonnenen Evangelienübersetzung und 
der Erfindung des Alphabetes bis nach Mähren drangen. Nach der 
Darstellung der pannonischen Legende ist dagegen die Hoffnung Rostis- 
lav's weniger begreiflich. Wenn man dabei das von Chrabr erwähnte 
Datum S55 betreffs der Erfindung der Schrift in Betracht zieht, wird 
die Darstellung der italischen Legende um so weniger auffallend. Dar- 
nach ist es kaum nötig zu einer solchen Erklärung Zuflucht zu nehmen, 
dass der Verfasser der italischen Legende vom Standpunkte der römi- 
schen Kirche den Satz OTT* Back EC» Ha Ect crpaHki ^ocpKiH 
SaKOHiv HCYC»;i,HTT!L ausgelassen und ihn durch die Erwähnung der 
Chazaren ersetzt habe. In gleicher Weise ist es nach unserem Dafür- 
halten nicht nöthig zu behaupten, dass der Verfasser der italischen Le- 
gende von der Ankunft der Brüder nach Mähren und ihrer Ankunft 
nach Rom unter dem Einfluss der pannonischen Legende gesprochen 
habe. Warum sollten die Mährer über die Ankunft der beiden Brüder 
mit den Reliquien Klemens' und der Evangelienübersetzung sich nicht 
freuen können und nicht ihnen entgegen gegangen sein , um sie feier- 
lich zu empfangen? Nach der Entdeckung des Schreibens des Biblo- 
thekars Anastasius scheint uns wahrscheinlicher die Anuahme des 
Akademikers Jagic, dass beide Quellen, die italische und pannonische 
Legende, unabhängig von einander stehen. Darum ist kaum wahrschein- 
lich die Voraussetzung Vondräk's, dass dem Verfasser der italischen 
Legende ein Auszug aus der Vita Constantini in griechischer Sprache 
vorlag, und dass jener Auszug Klemens zum Verfasser hatte. 

Was die Betheiligung Klemens' an den unter dem Namen des Gla- 
golita Clozianus bekannten Texten anbetrifft (S. 117 — 124), so hat 
Prof. Vondräk schon früher darauf hingewiesen , dass einem Text des 



Die neuesten Forschungen über den slavischen Klemens. 371 

Glagolita Clozianus auf die griechische Spur zu kommen unmöglich sei. 
Jetzt sucht er den Beweis zu führen, dass dieser Text (eine »Rede«) 
Klemens zum Verfasser habe. Die Textvergleiche sind auch im ge- 
gebenen Fall wenig überzeugend, dagegen kann man die Bekämpfung 
der heidnischen Sitten vielleicht besser so erklären, dass man sagt, diese 
Rede sei sehr früh nach der Bekehrung der Slaven zum Christenthum 
zu Stande gekommen und ihr Verfasser sei ein Slave gewesen, ohne 
gerade die Autorschaft auf Klemens zu beschränken. Auch die Ueber- 
setzung einer Rede des h. Epiphanius wird von Prof. Vondräk Klemens 
zugeschrieben. Ohne die Möglichkeit gerade in Abrede zu stellen, 
möchten wir nur folgendes bemerken : Klemens kannte in der That diese 
Rede, doch ob im griech. Original oder in der slav. Uebersetznng, das 
ist eine andere Frage. Eine im Cod. Suprasl. enthaltene Stelle 
scheint er in der Lobrede auf Cyrill nachgeahmt zu haben. Vergl. 
BAdH;;^ PA^IJ^'K TKOH W HWCh4>6, BAaJK;^ OHH TBOH, BAa»;;f; AH^f 

TBOf, E/\a>K;*i pawfe tboh, baa^k;^ rAaB;R tbois^^ Supr. ed. Sever. 
457 — 45S und BAaJK;i% tboh o^cthIv, BAan^EHki wne KypHAf. 
BAAH^;^ AHU,e TBOf, OHH, 3liHHi^H, pA^i^-fc u. s. w. üeberzeugt von 
der Beteiligung Klemens' an dem Euchologium Sinaiticum und Glagolita 
Clozianus, zwei glagolitischen Denkmälern, erblickt Prof. Vondräk 
(S. 124 — 126) darin den Beweis dafür, dass Klemens das glagolitische 
Alphabet gebraucht hatte. Für uns, die wir auf die beiden Denkmäler 
anders blicken, entfällt diese Schlussfolgerung. Kräftiger wäre jeden- 
falls der Beweis, wenn sich wenigstens ein Text Klemens' in der glagol. 
Handschrift nachweisen Hesse, was bekanntlich nicht der Fall ist. 

In einem Kapitel (S. 126—142) stellt Prof. Vondräk die Charak- 
teristik der Werke Klemens' nach Inhalt, Stil und Sprache zusammen. 
Im Inhalt hebt er die fortwährende Aufforderung Klemens' zu der Be- 
thätigung der Barmherzigkeit hervor und erblickt darin den Einfluss 
der Beichtformeln. Daneben vertrete der Prediger die Ideen des Aske- 
tismus. In Bezug auf den Stil wird die Liebe zu Vergleichen, die in 
vielen Reden wiederkehrt, hervorgehoben. Dann werden die sprach- 
lichen Eigenthümlichkeiten behandelt. Dabei charakterisirt er die 
Sprache Klemens' auf Grund solcher Texte, wie das Euchologium Sinai- 
ticum, Glagolita Clozianus und andere nur sehr problematisch dem 
Klemens zugeschriebene Werke. Vorsichtiger wäre es gewesen, sich 
auf die bestimmt von Klemens herrührenden Texte zu beschränken. 
Allerdings sind nur wenige Texte in der Üeberlieferung des XII. Jahrb. 

24* 



372 P- A. Lavrov, 

mit dem Namen Klemens' erhalten, aber aus dem XIV. Jahrh. rühren 
viele her und man darf nicht sagen, dass darin die sprachlichen Eigen- 
thümlichkeiten gänzlich verwischt sind. 

Die Beweise dafür, dass die Belehrungen auf Christi Geburt und 
Taufe — wovon Vondräk im nächsten Kapitel spricht (S. 142 — 151) — 
zu den altkirchenslav. Originalprodukten gehören, hat A. N. Popov er- 
bracht. Er hob auch hervor, dass diese Reden das Dogma filioque 
mit solcher Vorsicht berühren, die nur zu Beginn der Trennung der 
beiden Kirchen möglich war. Prof. Vondräk stellt noch Vergleiche mit 
der Vita Methodii an und behauptet, jene Reden seien vor der Vita Me- 
thodii verfasst worden. Auch wir theilen die Ansicht, dass wenn jene 
Reden von Klemens geschrieben sind, sie ihrem ganzen Charakter nach 
nach Mähren zu versetzen wären. Dafür spricht auch eine Reihe von 
Ausdrücken, die A. N. Popov mit den böhmischen zusammengestellt hat. 

Am Schluss des Werkes kommen noch zwei Beilagen. In der 
ersten (S. 151 — 153) bekämpft Vondräk die Ansicht Suvorov's, dass 
der Ordo confessionis im Euchologium Sinaiticum mit den vorhandenen 
griechischen nichts gemeinsames hat. Er setzt voraus, dass es eine 
ältere Redaction der uy.o'Lovd-ia gab, als die bei Morinus gedruckte, 
und dass ein den bei Morinus gedruckten ähnlicher Text schon zu Ende 
des IX, oder zu Anfang des X. Jahrh. bekannt war. In der zweiten 
Beilage (S. 153 — 166) werden Ordo confessionis und andere von Von- 
dräk dem Klemens zugeschriebene Texte mit neuen von Stojanovic ent- 
deckten Texten der Reden Klemens' zusammengestellt. 

Am Schluss folgen Bemerkungen über die vermuthliche chronolo- 
gische Reihenfolge der bekannten Werke des Klemens. Zu den ältesten 
möchte Prof. Vondräk den Ordo confessionis und von den Reden und 
Belehrungen jene auf das Gedächtniss des Apostels, Ermahnung betreffs 
der Festtage, und auf die Auferstehung und Verklärung zählen. Bei 
seiner Voraussetzung, dass die Legenden über Cyrill und Method und 
die Lobreden auf dieselben in Macedonien geschrieben seien, nimmt es 
uns nicht Wunder, dass er die Hauptthätigkeit Klemens' in dieses Ge- 
biet versetzt. 

Aus der gegebenen Uebersicht kann sich Jedermann leicht über- 
zeugen, wie viel Mühe und Arbeit Prof. Vondräk auf die Aufhellung 
der literarischen Thätigkeit des hervorragenden Repräsentanten der 
Anfangsepoche des kirchenslav. Schriftthums verwendet hat. 

St. Petersburg. P. A. Lavrov. 



Zwei Lobreden, vielleicht von Klemens verfasst. 373 

Zwei Lobredeu, yielleicht von Klemens geschrieben. 

Im Anschluss an die vorausgehende Besprechung der neuesten, 
dem slavischen Klemens gewidmeten Studien mögen hier noch zwei 
Texte folgen, die wir mit einiger Wahrscheinlichkeit Klemens zuschrei- 
ben möchten. Wir fanden sie in der serbischen Cetja Mineja der Mi- 
hanovic'schen Sammlung der südslavischen Akademie in Agram; der 
Folioband auf Papier ist aus dem XVI. Jahrb., er trägt jetzt die 
Signatur III. C. 22. Eine nochmalige Vergleichung der Abschrift mit 
dem Original verdanken wir der Freundlichkeit des Herrn P. A. Za- 
bolotskij. 

Rk TkJKf j!k,Hw no\*Ka CTro naßAa anaa ba'ko kakh. 
ü{\ii k'to au'^V naßixa ßfAHKaaro paH ;k,YOK'HKiH npo30- 

KfTk HAH CK'tTHA'HHKa HapfTk, H( Cß'RHie HCTHHkl AO^Maie 

Kfc1vA0V>€Tk. HciiAkH KO dvAUJE ca^a BH^ßHaro H l^'ß'KTa 
;i,Y<>ß Haaro. koi€ ko katm he oßpEipeiiJH ßk hi€; HCßOHk 
Hs'ßpan'Hk ckcov'4,k ßki Koif, omthk' a ßcaM'cKki, ,\,a TlvMk h 

CTklH ^\\h WKklA'HO ßkCEAH d Bk Hk. H pliKkl BArO;i,1vaHHia 

H3ki;i,oiiJf HS" Hiero, h( mko^kc h3 para Merkipiuiki no^Tki 

TCKSipC, Hk H 3'bAO B0AI6 H3AHßaKM|Ja HO ß'CC ^HkJH, H HE paH 

6AHHk HanaraHMjja CAro.i.'kaHHra, Hk bcK j\,ui( nocASmaKMjJH 
ero. A^* '^U^^ "^ kh cao rp'kB-R hah no\'ßaAa, hiui'jke KkiY<> 
;i,OHHlv no\'BaAHAH ero, HBHaarc» maka h 3EiiikAHaaro arraa; 

KAKO AH MOH;£Mk CKa3aTH CTpTkl CEfO TpkH-KAHßarO CAOßfCE; 
KÖH AH e.3klKk ^OßCAHk l€ CtTO HCHOB'k^l.aTH Be3'U'kp^Hkl6 
B-K^l^ H Kf3* nOKOra K^UHHie, HAH HE HaCklTEljJOY CE STpOBOy, 
HAH H^E^Haa OVCTa HAH HArOTOK« T LI kl M 16 TlvAO, 3HM0IO H 
3H<M€, HAH CD HBlv COyipH^k ßpÄrk HAH Ak^KEL|JEI€ BpATkie 

CHA'HCt; wcTABAK» CETO (Dr'HAHHra H Ha coy^'k nocTaß'Ai€HHra 

H BE3aHHm H CtKAEBETAHHra HO ßCE MaCkI , H ^HEß'Hklie 
CMpTkl, H KaMEHHI6 nOBHI€HHra, H H;E3'AkHHI€ pAHkl H OC'^O- 

'Ai(H»a ;k,Akrara, h 3EMAkHkii€ nanacTH, h luiop cKkie B'K^.ki. 

Kaia TkM'HHU,a nO 3ELrAH Hlv HMAAA CTO, HAH MOpCKAa BAkHA 

naKOCTH H'b ckTBopHaa TonEUJin ero; Bli;i,ki jke npHHiuiaAk ßk 



374 P- A. Lavrov, 

AOMb KpkfJif. ToyHie BAroß'fenJfHHie 4,'liAaiU6. ck nosopHUJf 

C -T^ ~ Jl, ~ ~ ~ 

Bu arrAOiuiiv h MAKCiiik, nocpli ktk hakk croie, sa makki 

Tp8jKai€ Cf H MAf, H Kk KC»\" npHBAH>Kai€ HapO^kl CC^aAHß'tUf l€ 

ce. TaKo BO 16 cHra A^^^ npHidSHHBara. Ht E'k ciuiOTpciiJH, 
Hk BcemS pc»A*>V mahk» caiiik b'S^w AK>Tkii€ h CTpTki npH- 

l€MAI€, a HAKkl (Ü B%l,k HS'BOA^- A*» I^TO CfPO BCAHKAarO H 

B^KBHaa^o iLio^^Ka nsk^Verk A^HHaa h npaßEA"'^'^ CTpoieHHia, 

ra/K£ nO BCE AHKI TBOpaiiJE; Ck BO HM'baiJJE CKp'Bk H ncMaAk 
ßCt L^pKCaYI», H Kk BCbMk MATk H BArOI€ Cpi^«. aijJf K'TO 

noTkKH'Sujf, To naß'Ak likS'BOA-Suif. Bks'üoyiiJaiue ah a Suw 
MHH, naBAk Bksrapaiue. n-kA'Bki pas'AkiMHkiie kto Mo>KfTk 
CKasaTH, hm'h;{ B'kaiiJf Kk koi€ Bp'kMf iioBai€Tk nocaaBfipt 

iJHHTH, H naKkl rapOCTHIO BkCneTHTH, A** "* paCAaBAI€HHI€ük 

norkiBHtTk HH naKkl rapkiMk np1iijimHi€Mk CünaieTk csk«. 

Hk c»BC»i€Mc»\- roA»^ B-tA»»^'", TaKO HcnpäßAtaujf mamckob nA'kr.ic. 

'f ■ — • , 

n<:»E.ls.,\A\e ßk saKOHk h;h paßOMk rHkiMk, ßaacrfMk h BAaAi>- 

L^JHMk, MO\j•^KkCKOY nOAi> H /KJHCKS, pOTfAI€L1k H A'^'^fMk, 
I^HKIMk H H^EHaTklMk, H ßkSpk^KtljJHM' C£ H KpkFJEl{JHMk, H 

npliMo^Api^"'^'*^ H rpSBynik, h nakT'HkiMk h a\'*^^'h>^i^>^- 3a 
ß'ce A^^Kp'RA'JpcT'ßf Ba h lulTxf. oßki ßk ß-KH'i^e h paAO npH- 
3kißai6, a AP'^'^V'^'^ Bf30\-MHkii€ HapHSf. Oßki npoßajKae npa- 
ßkiMk saKOHOOk ^oAtMif, '^ AP^^V*^*^ ßkSßpanjaie 3A'k rp«- 
A8i|jei€. OBora nAanc sa'K rptAC>VMJ") oßora pa\,-i€ ce o oynpa- 
BHßkiiiHY' c« A'^'^P't- oßora TaHHkiH BfAUKkiie raß'Aiaie 
ß'kp'HkiHMk, oßora nocAAK'Araie Hcnpkßa. oßora ßks'ßkiiuaie 
Ck coBow, oBora HJkSAOiuik np-RTHTk. Oßora awkobhk» h 
AX^''^'»^ KpoTKkiMk ck-kiiiaßaieT' c« npHHTH. oBora Bks'ßkiLiia- 

I6T' ce Ck ßklCOKklLiy, OßOra CHHSHT' C£ Ck HHCKkllUIH, ECK anAk 

Ä ... ■? w ^ ~ - 

YOY»;kLlJHH H MkH LUm TBOpamC. C£ /KE raßAßie rAALUE Ka 

ßk CEB'6 raiiia. c'e /KEA^^IU« CklUip'TH \6Tt H3klTH CC MHpa 

CErO, CE JKE Tp-kBUJE nOKa30ßaLilE 6JKE np-RBklTH ßk llAkTH H 

A'Ka'MA. he BO CEB'K A'^^P'^ " nOKOra HCKaiUE, Hk CßOHMk ME- 



Zwei Lobreden, vielleicht von Klemens verfasst. 375 

^oMk HjKf fY/iHi€Mii poA"- ^^ ^0 16 BkCk ^YOß'Haaro npH- 

CTARA H SHEHHra SaKOHk, S^Vit H( CfKlv TkMHM», HK MHOS'bMk 

ME/i^oiuik \e HA noA'sS, Tkra h ciE'k R<iyji,(Th. ha oycn'K. T-kMk 

CMOTpCl|lE naKkl JCUaAfT' C( HEMOljl'Mkl H nfMaa'iuiH, aKkl J^O- 
KpOTIiapklK» KpaCI€T Cf lUipTKOCTHK» AV*^^"*^*^- " liklCOKk l€ 

nakT HkiMH Tpo\^A»^ " A\'*^ß"*^'^^V i"^'^*^K> pa\-i€ C«, Hf^K« 
rpÖKk RH^'kHHieyk, Hh. A'^-^P^ "^ko h cKpos't spku^aao i^psa 
HKHaro, SnoBaie aV*^"^**? " AP'^V^"'^*^ nakxk 0MHi|jai€. hjco- 

M0\' H;E Hkl i^HHTk, Hk ^\,A HE CEAHMaKiM' CE 3EM7\kHklMkl CHMkl, 

~ M 

HH na'TH KOAK» TBopEi^E ^lAJ* norc>\,'Karai€. ßCE 3acToynai€Tk, 

H 3a KCE Ka MAHTk. BCliMkl KOAHTk H 3a BCE HEMET' CE, H 
BkH'k COyilJIHMH 3aK0Ha H Bk 3aK0H'K JKHAOBkCKkl npHCTaß'- 
HHKk. HkiyJKE H AP*^-^*^ ^^^ ^'^^' '!>\'^^ CAUh (CnacTH \ß 
CaaBkl BEAHKkie, HEJKE AH A** ^klH nOrklBHO\j'Tk Bk HEBivHkl H 
T'M'fe. 3'kACt BO \-OTliaUJE npHBECTH l€ Kk KOy H Ji,A O^B'S- 

AETk cBOjero TBop ^a. c'e jke aPi^^hobehhc b-Suje ceb'S ha 
cncEHHe, coyiijTH beahkSio caabS. w BtAHKara luikicAki HBCHaa. 
vö BEAHKara TEHAOTO AV^"'*'*- "^^ ^0 HOApajKaiemH ^a, hh;e 

Bkl 3a Hkl KAET Ba H HaUlE HEMOljJH Bk3Bkl/KE. J!l,A H THH Bk 
0Bpa3k TBÖpE t6 H3rAa, yOTE TkHHK» Ji,A EklUIE Ckl CHCEHH 
BklAH, a HE nOrklHÖAH. H BCa TA SMEHHia pa3'AklMHa TBOpE, 
raKkl JCHTpkl Bpa H U.'feAHTEAk yO^A^^'''^? BCfeMk npOTklBOy GS't 
AUM'Rkl TBOpE. TO 16 A<>Kpa Bpa A'^'^'^j laKOJKE H Tkl TBO- 
PHUJH. OBkl UAE H PAilA«; ^HEHHieililk A'KMHUJH mKOH^E HOBAieTk, 
a AP'^V'''^'^ rapkIMk i>HEHHI6Mk H ^KECTOKklMk. TaKOBaa coyTk 
TBOra 8HEHHlä, A^^^Pi^'i TpoYA'*""^* X^^- '^^^^ "^f Y*^4^^'*''^ 
noYBdAHTH, To toa'ma CE CÜA'^AHTk A^^""'^ no^BaAnTH, 

eVima TKt pa3H0 HR 3EMAra CD HBCk. KAK' BO Tk YOllJETk BkITH 
63klKk, H>KE TE Bk A-fcHOTOY A<^""*^ nO^BAAnTk; Tkl BO BCE 
AORpO HBCH0I6 H HAMCKOie HMaUJH CkBpaBk Bk CEBtl. TO H^E 
b'CE H3pEAH'tl€ BCli. OBaME HE TOTO pa ^BO^BUiE H SMAkKHEMk, 
Hk na TOrO A'^'^'^ rAI€Mk. HEBOHk H CE BEAHKaa \E.AAA l€ 

YBaAHMOMö, era y^«*'^*" " noBlvA<»»€ a*^^P<^I3 a'^'^'* A*^^- 



376 P. A. Lavrov, 

THTHeTK. H CITO Hf A^^cTuiK'Hliie UA^t ßck YKaAk cAaß'H'tf \e. 

MKI :K6 YÖTfl^KH YB'^'^H'T'" A*^KP*2»HhCTHB'KMk aBEAtL npHAO- 

^KHMk BEAHKaaro naß'Aa. h no ctuw Bk piji,w cAOßümt, euoyiKt 

TaKO CkTBOpHMk, KÖHU,'k CAOBECH CfMCy" CAOJKHB'Uif Bk 

no^Baacy h ctro ^'t/xia h OH'tY"*- ciuiorpH n^e KpaTC, noaojKH 

aB«Ak Tp'feBOY Eci\% BArOMkCTklH TBOp'u^A, ^a TlvIUIk H CAO- 
BtTk. Hk M\i( naBAK< Tp'RKOl' npHAOHCHUJH Kk CfH, TÖ KOA'MH 
C( raBHTk KÖAIUIH H Bkim'lilklH. GAkMA EO M HBO SJfilAie. KOlO 

noB'K;i,a xp'RBb, HfKO e^HHa i€. caw bo cobok» no Bce j^nu 
Tp'feBOY' noAarame Bcera, cMpVk npHienAie RAkTHio cKOieio. 

HEBOHk Ha B-Iv^kl ItUlkAk B'Same npHO CO\'liitl€, H CMp'Tk 

npHieMauiE canoY'J'Tkih?. Tano bo ch i€ct'bo nakT'cKoie 

SlUipr'Bkl, raKO HHMHWI'JK« BkITH O^H^UUS HH TKHB-KHUJS BpABk 
3aKC»AI€H'Hkl HA Tp'ÜBHUJH. H« ;1,0B0A'H0 CkTBOpH Hk H BkCk 
MHpk AKKI KpHAATk Op'Ak HA Bijpoy npHBO^« Kk B0\', Hf 
npOCTO HH npas'HO CK\-Ct;V,6, Hk TpkHkll€ rpIvX'OBHOie HCTpk- 

sae, H CAO BAroBtp'Hoie ckcfeBae, npt:Ak Hs'roH« a hcthhoy 

BkBOAC, H MAKkl ATPAkl TBOp«. Hk rAI€lliH np-^AkCTkllO RO- 
rOVBH KAHHk aBCAa. Hk aS' TH MHOrkl CMp'Tkl nOKasa. TOAHKO 
BC H npHI€, 6AHKC» }Vi( H ^HklH JKHB« Bk ;k,0Bp1v B-Kp-fc Ckl. 
aHJf AH H \'öliJfUJH ;i,1vAC>Mk BH^-feTH CkMpfk npHI€MliJa, TO 

BAiCAH, oh' bo cd KaHHa Bpa cBOiero ciuipk npnie, hh ^i^oßpa 
leMoy hh saa ckTBopk. a ck vC» T'^yk o^iuip-K, h^'^k« yoT-kam« 
CP lUiHoraa 3aa HCTpkrHOVTH. h nocrpa mhto tom ai€hhi€ 

npHI€M'AI€. Hk HOI€ AH npaB';k,HBkl CkBpLUCHk Bk pOA'^ CBO- 
l€Mk, e'AHMi* Ck CBOHMH ^-kT'Mkl CHaB'^V,!: C(. Hk Ck CTklH 
BEA'MH BOA'uJÖ nOTOn8 CO^MJ^» HfB'kpkCTBOMk Bk MHpli CfMk 
H Y^Tf^M^V nOTOHHTH HAMCK0I6 HA-RME, HE ^kCKAMkl CkCTa- 
BHBk KOpaBAk, Hk eRHCTOAHIO CAOJKk H MHpk BkCk ÖTAna- 
KMJJk CÜ CpliA«^" R10\fTEl4JH C( BO^k HCTpkPk H HS^BA-feME. HH 
TAKk B'KaiilE KOpaB'Ak Bk M-fe HAABaie, Hk ;i,0 KpaH SEMAkHkl 
AOUlk, BkBO^HTk b'cE H /l,OCEA'k BAPOB'fep'CTBOlUlk. H KOpaB\\k 
HOI€Bk BpaHkl H BAkKkl npHI€Mk, Tkl >KE BpAHkl H BAkKkl 



Zwei Lobreden, vielleicht von Klemens verfasst. 377 

HCnorCTH, H CfKf He OXj'KpOTHßKI. A cL Hl TaKO. viw RAbKKI 
npHI€Mk, Oß'Hf CkTKOpH l€, H RpaHkl H Haß'KKI lipHI€Mk, TO- 

/io\fKki ckTKopH e. H Kcor Koi'ivcTk HAHCKaro lecTßa np-k- 

lUlIvHH H ^\\'Oß'HO\'ICt KpOTOCTk ßkBf^\f. Hk aßpaaMO^ C( HO^- 
^\fTk ß'CH, nOHK-IK« CAkimaKk, H H3ki^\f H3k 3fM'/\ie CKC»l€f, H 

(C» po^\a cBoierö, ocraßn (I'hc'tkc» h ,\OMk, h ^vporrw h o\j'- 

/KHKkl, H 3A ß'ce nOI€ nOßCA'kHHI« RHUIE. H Mki KO Cf TOMk 

Hio^Hiuik K5IUIS. Nk naß'aS k'to boya^''''^ Ton'Hk, lajKc hh 

iÜMkCTBO HH ,\<:>UW HH Cpk,\OBOaklH TkMHM» OCTaßH , Hk H 
BkCk MHpk H BCe IKHTklie Bk H»€, H HfßO HRCHOI€ ICA pa^H. 
Hk eAHHkll€ TkHHIO HCBa AIOBBE \'Bkl, HH HaCTOiei^lHId BO pC 

caaßa, hh rß(j\,^i]ina, hh ßks'ßkiiiieHHe, hh rao^ßkina mo- 
>KfTk Ha (DaShh (C aK)BB£ X""^"^'- "^ aß'paaiuik, peiun, Bk K'k/i,o\' 

Cf BkßpkH^E H CHOBf CBOK; paTkl HS'ßpkJK«. a Ck HH CHOBC 
HH E rpa HH MHpk BkCk HE \ß ßOHHk Hk (U COTOHHHOY pSBO\f 
H3BE. HE CB'SAOMkl HO BCE ^\HU R-^J^^hl npHI€M'ai€. Hk CC EIUI8 
16 BOAUJEie Ji,'^A(:> H B'kH'l^k, e'jKE CHk CßOH A<»TH Ha 3aB0/\l€- 

^ v^ - «? ~ x\ 

HHI6. Hk H npH CEMk naß/\k BOAHH 16, HE BO CHa A^'^'"''^; "1^ 
CaM CE Ha lUIHTkl CMpTkl Bk^aiCTk. IdBOH^E H Hp'tJKE PAa^OMk. 
Hk HtaBOß'AH AH CE Bp'kHOCTkl H TpkR-kHHra HHHHI« HIOTk. H 
B'TO I€ /KECTOKk AKkl BpEIUlkl, HJKE lUlOHiE aBkl HaßAk TßpV 
BkITH; HE BO J^ß-k A-t pABOTa, Hk BCO\f CBOK» ;KH3'Hk U,pKBE p*a 
)fBkl. HE 3H0l€IUIk TOpE A^I^HI^I^I^? "" CTOYA*""»^ HOljJHOK". 
Hk MHOPkl B'kAkI npHI6MAI6, ÖßOra paHki H OBOPa BaililEHHie 

nocHnai€Mk, oßora 3Blvpki np1vAai€Mk, h npno h3' TpH3'HHi|ja 
Hc'Aknaie. h 3'ß'fepEiuik raA*?'^'»^*'' <>ß''M, H3'' rpkTanki HEnpH- 
ras'HkiH'na HcrpkHCE. hh HC»CH4>k nncTk pEiuH CC cß'ßpkn'na 
AtiAA. Hk a3k coym'Hio ce, e,\A h cim-R^-k bo^a^t'*» naß'aa T-kink 

YBaAHTH. ck BO IUIOI|"Kk BEAHBklH HE TkMHW CEPO OMTHCE, Hk 
H npH BCEMk paCHEA' CE BliUJE Rk MHp'k CEMk. HE BO TkHHK» 
CBliTAkl T'kAECk, HW H BCETO HMAHHia TaKO HE BpIvIKAUJE H 

npüOBkiA'kujE, idKOH;E h luiki npkCTki h nE(nE)Aa. hah öko^ke 

MpTBkl Kk MPT'bOMÖ he lUlOJKETk npHCTO\f HHTH , TABOJBE Ck 



378 P- A. Lavrov, 

B'KaUJC T'Bpi%/l,OllilO\f I€CTB8 K0\^0CTK ÖTOAHAb. HW;k,JT d HOBOV* 

ßCH HAb1j,H, A-RnO KO l€, H ECAHKk 16 CTpTOTpi»,n'u,k. lUlO- 

'^ 'c 

>K6T' KO H Kh. naß AOy npHACJKH TpKn1iHH»€Mk H HTOTOW, 

nOHI6H{E H Kh CB'feTfAkCTBÖieTb H(6Mk, Kp-RnO lEMO^ laß'- 

Aiaie H HKt/l.HOlflO nOB't,l,0\'. HK naB'Ak he 11111,« M'HOrkl TAKO 

lUiÖMj cf H TOM« ce npt:BHBaujf, hk MHoraa aIvTa hh np'SnHHOio 
orp'KBaie rHora CC cfBt, hk bk camiaa taa oycra hscto Bknaie 

COTOHHHa, H Cb MHOPKIMH nAKOCTblUlM HOB'kH^aie C{, BCaKOTO 

KaiuiEHt M^KTonaH bki. he \Jö rpe hh CD HETwpe ^k^poyrik, Hk iC 

BCS MAKU HECKpHhJ \-OVAfHHlä H 0l,rK0pH3'HhJ npHI€M'AI€. Hk 
MVVyCHH rAI€LUH BEAHKk 3lvA0. I€ Hit TO TAKO, BEAHKk 16 
MWY'cTh. Hk Ck H TOrO, M'HK», BEip'uJHH Bf AHM'CTKOMk. BEAHKA 
BO l€MOy CO^Tk HHAa A'^^'^? "^ ^^'^ BOAIUE Ckl B'KH'Urk BCkMk 
AUJf CTklH 16, eJK« H3'B0AH nOrklEHOlf'»'" H HS'ßplJljJH 
H3' K'HHPk HM£ CßO«, AljJf l€ HK>AfOMk nC»rO\,'BAI€HOILlk KkITH, 
Hk Ck H3BpaH'HklMH norklKHO\,'TH . Haß'Ak Hf TAKO, Hk A<» BH- 
Ul( H Hki CriCAH, a Ck vUnaAk CAAßkl BECKOHks'Hkie. Oßk Ck 

4>apaoHOMk, a oßk ck AHt^^^*'^*^'''!'^ "*> ^ce a^ki TOMAramt. oHk 

W le^HH-t AlOA't, A Ck 3A ßkCk MHpk TpO^A"^ npiHMAUJe, HE 
nOTOMk Hk KpkßkllO BkCnOAHBAie ^E. üpHAOHIHMk 6L|JE ICA 

Haß'ry'Ha, h caiuiOHAA, h HHkie nppßki. Hk hh, hh ce js,a he 
oyAP'^^"''''* ^^^j "H ^^ ßpkYOß'Hkin/ik np-feHAf^ii^. era ko cki 

BOAklH raßHT" CE Tk, CO AP^V*^ "^ ^^A^ HHKOI€ 6h;e npHi€. 
KTO H;E Ci>Tk BpkyOß'HKIH, pa3B'S A^A** " HAHie, KOie Hif l€ 
H3PEA'H0I€ ;^'^i\0 AB*?; "^ cyfepEHHie ah H AlOBkl Kk Koy H3- 

AH^ara; to kto Tk^'n-KH na naßAOBH ji,uii AioKki ra; Ck ko 

OKOie TO A<5 KOH'l^a Ckßp'lUEH'nO ßk CEB'K HM'fcraUJE. HTO AH 
l€ MIOAHtie HAH6, HJKE HKO 3aKAI0MH BE'aP*?'^'**? " TAAA»^ 
npHBE, H Orn'k C HKCE CBE. he MHK> aSk to, Hk I€>KE 3aBHCTk 
ßk3E nO K3't, ThJ Orn'ra AlOT'feH, Hk aHJf pa301|'M'Sl€llJH 

naßAOßS 3aßHCTk, to toa'ma h bhujh h KOA'uiaa coyiiia 

5 ^ X w v\ 

HAH6, 6AM a 7K( H Ck HH'K RppKk. HHMECO/KE Ck HE Kp-KHCALUE 
npH AlOK'ßkl K^KIH, HH ßHMkll€ ^TBApkl CEI6 16 MHpCKOG, Hk 



Zwei Lobreden, vielleicht von Klemens verfaast. 379 



Ä 



HHOy Hf COyiliy CAOKfCC CkTBOpH, aR\\a\€. HSpCHOyK^ Kk KAL^t 
^Oy. Hh. H'lOaHk pdllH ßtAHKKlH, HTKE ROAKIII 16 liC'k\'k lippKk, 

BCAHHoy APi^^o iioKasa h Hpo^a okah npHO ^\o ciuip'THaro 
j\,m. Hk H ck n{ 6AHHoro HH ^E.'^» , Hk Efc MHCAa Tai^t: 

OKAklHH, IIa JKf H aWTlvHUlf TOPO C^HIf MTAIC, MO TOM' >Kf 
BkC\'0;V,El|J£ Ha HBO, H lipHAOJKHMk H Kk arrAOlUlk. Hk HE 

vV , C 

SaapH HHKTOJK« ^pk3 HOKtHHIC CfMO\". HapHMfT KC» HHHHIC 

Hoana arraa. ^a aL|j£ ccro npHAOH^HMk Kk rop'HkiMk CHAaMk, 

TO Ht HHK0>6*/KE HK». KOI€ >Kf l€ T-fe^k KOAie A'^'^*^! "^ "^^ ^H 

Hs'pf^MO np" ß'cfMk nocASuiaTH ca. taKOJKf h a^A"* nwAf c« 

TATk- CHA'HklH Kp'kMOCTHW TKOpfipEH CAOBO CTO. C6 KO H'fe 
CÖa'lUE HHHEC02KE. TO KO H KA^KH'HKIH TßOpETk H CTklH, HMJK« 
HE OCAOYlUaWT'CE HOBEAliHHra THm HHKaKOJKE. Hk H C( K'feTH 

i€ naß Aa HspE Tßopei|ja. he eo TkMHW CAOßo leiuioy cnaß a'^> 

Hk H nOBEA'kHHie H UHMO n0ßEA'kHH6. H CE ldßAldl€ TAUJE, 
Kara LIH ÖKO KOYA^Tk RilkSa A^ KArOß'SCTE KE3k KpkME. 

KAroß'tipoY HeY'^Hie Y'^*^- ^fcoMoy ce HHOMOif o hü A"ß"T''» 
nppKk; HE hjke ah rAi€Tk, TBopEH arpAki cßoie aX^j " CAÖrw 

CB06 OrHk naAELjJk. Hk H CE HpH RaßA'k l€ BHA'^TH. AKkl j(^h. 
H Or'Hk ßkCEAI€H'HOV>0 OE'TEHE H ßk ß'CEH 3EMAH HC'Tp'tKkl 
BCO\- CK'ßpkHOy AY'^KMklMk RAaMEHEMk. KaKk TH l€ ßk CEMk 
MOyH^H OPHk H HAAMki, KaK' AH 16 MIOA'Hki Ck lUlS^Kk J^A H ßk 
EPEH'h-K T'feAECH Cki, Ck HECHkIMH arPAkl pa\-|€T' CE. Tß<M€ 
HEMaAkl H O^Skl KTO MOJKETk A^^H'^ HCnOß'tA^T'" MTHkl AHAE; 

Kaa KO Tkiui'HHi^a ßk cek1v teke h-R HMaaa cß^kTEipaa; a** ^^^t^ 

MOJKETk TßOI€ CTpTkl H TpOV'AkI HCHOB'tTH, HJKE l€CH ^A ßA 

noAi^>€Ak; A<^Mac'Kk toeok» beahhaict' ce h Ck BclirJik MHpoMk 

liaK'AE. BHA'b EO TE RpHEHOy npHI6M'uJa CB'kTO BEAHKklHMk. 
H p\-Mk npHHMk TH KpkBk, H Tk KpACOyiCT CE H BEAHMai€T CE 
TOEOIO, HTHklH aHAE. Hk H TAp'Ck RaHE BCt pa\-|€T' CE, AK>EE 
H HTE TB0I6 REAEHkl. H Mkl 8E03kl T0E0K5 Y'bAAHM' CE, H ßk 
CHI6 M'tCTO CT0I6 A""^ CkßkKOynHBUJE, BECEA^yieMk TEEt 
pEKOyijJE- Q CiUmE BCEPO MHpa. Tkl EO l€CH CB'tTk RO HCTHHii 



380 P- ^- Lavrov, 

Bcero Hapo^a, TBOie ko SneHHie no bceh 3fMAH hski^,?, ha 

KC»H'u,k KkCfAI€H'HKI6 CAOßfCa ÖCT'Hk TßOH. TKI KpklAaT'lH 
MOV^KCy OCTAK'aIi 3fM'AK«, H BkSA^^X'* " OKAAKKI, H A<5 ^pf- 
THiarC» HKCJ BKUJk, H Bk pAH CkUJk, H CAkiuJABk CAOBfCA HY'jKf 
Hf nCKAI€Tk HAMk CAklUiATH, 64,HHAHt Bk KdA-fe CfMk KAAm- 
KMjlfMk, H TkMHivH CfH /KHSH'kl UkICAkMkl npHAnKfiye. Tkl 
BEAHKklH ARAf, JKfA'^H^^ BC^X"»^ CnCfHHra, MKO;«« Mkl HE MOH^EUk 

nfi4JH ce cBOiemik k'to cnccHkiH. — a^^kP"^" ömhtsaio 

HUJk. W?» CAAA'KWH npABHTfAW BCfe^k MAKkk. W BEAHKklH 

0\'Mf, H ME;1,C*B HAA CAOBECA H CAAKAU. U' BkICTpiH BkCKOp'^ 

T ^ ' '^ 

OK TCKkl BCO\- BkC(AI€HkH0l'IO. W CAAKklH CAABHW, HJKE Bk BCt 

i;pKBA\'k SCBkIH. TBCHMkl KO bHfHIH l|,pKBkl bTBpkIKAICT Cf 

H B-tpA np-Rieiui'AieTk. kto eo cm-KieTk pAs'B'k TBOiero Sm«- 

HHia HAH npHAOJKHTH MTO HAH vC'I^TH ; IV npHldS'HHBklH 
pAKf H ;i,OKpklH nOKOHHHH« THk. Ji,Hh TBOie CTpTkl H CKOH- 
HAHH» HAkTHArO HAMfTk TBOpfipf, pA^HM^Jf H BfCfAfljJf C£ 
rAJ€Mk- pA\-H Cl HfHCnOBtC^VAH HklH HABHf. pA\'HC6 BfAHKkl CAC- 
B'tHf YpTHiaHO, H/Kf CB0I6 H;H3'Hkl HfEp-ferk 3A CB<M€rO TA H 
3A BCC YpTHraHklH J\,Hh. CBOIO TAABS nOKAOHHBk ScKKHOBCHHIÖ. 
IlA>KHk Tk OkMk, HJKf CKp03'k TBOH PpkTAHk npOH;\,f. BABHO 
TO [UI'feCTO, H>Ke TBOW KpkBk npHI€. M'H'S BOV'AH MkHk Tk, Bk 
M-RCTO BCerO BOrATkCTBA H HM-SHHß. H M'HOSW ^pOY3kl HpH- 
nd^ Uif, Kk MlvCTOr TOM H M HK» I^-RAOBATH M H HACkITHTH C( 
yOTfipe AWKOBkllO. — GklH MOl'JKk BpATkll6 BEAHKklH , KCA- 
H CKkl C6 TpOV";i,HBk CBOieMO^ BAU.'fe \'0I,' M Ali, H CKOH HA CB0I6 
CB'feTfAkCT'BO, H Bk pHMkCU,1vlUlk rpA;4,1v CIH'pTk npHI€Mk (U 
HjpOHA IJ^pA. Bk HACk >Kt U,pB0l'IOL|J0y' rO\' HUJfMOY ICk \0y . 
6M8h;C CAABA MTk K ;k,pk»;ABA, Ck B{3HAAHHMk OL^EMk, H 

npcTkiMk ,\,YOMk, HHra h npHO h Bk BKki v • * 

Ml^A HK>AA A ^H CAO H ^ K ^ '^ H C T \- k K «3 Hl k3;i, H kl K k. 

KpOYrOB'HkliUk TEHHI€Mk, OBk\'A^KAI€ TOKk CAHMHklH 
CB'kTAOCTHIO 03ApAJ€Tk BCtPO MHpA. 3eMAkHkl>€ JKf BO H 



Zwei Lobreden, vielleicht von Klemens verfasst. 381 

*JIOTKC»p'HKII€ K'feTKKI llpOBCIlUJC Ha UliA'KOy Hf,V,OV'/K'HKIMK, 
3AäT03ap'HlvH KpaMfKKCHlvH Cß'kTHAiv, KliH'HaLnf ^V, «^"^'^P *-'•''' "^l^*- 

r ^ ß, X 

MOy^VpO KO ,\\'CtKHO .-JaMkH'lUH, KATKIK» nOKHTk Kt.S'MhSH'kH 

CH 3apKi, pfKoy ;k6 iiptKAiKH'Haaro KÖs'Moy H ,\aMHaHa, h 

Btc'u.'kH'HKir.lK K'kH'll,aiK üßiM MHOrOMlÖCH'k PAaii'k l€IO, 

e^'ACKKiMk cAOKOiHK iiplinowca, raKOHie pe bk- KC»A«njei€ ii,'k- 

AHTf, MpTßKIK; ßkCKptiUiaHTf , HpOKa/Kf h'hKIIC OHHljJaHTe, 
K'kCKl HSVOHHTf, TOlfHIC RpHieCT« TO^Hie ^AJ\,HT(. Hk ßKOH^E 
Bk KpiJS'k HBCHliMk 3K't3HaarO AHKa, HHKTOJKC H( MOHxSTk 
HCHHCTH, TaKO H Kk 3eiUl'AkH'kMk Kk3paCT't CtK» MK>Ck HH- 
KTOJKf nOCTHTHCTk H3kMHCTH. CHAA KO ^V'^BM'*'* A**P<* K^H«, 

HanAkH'ujHra u.-kA'ßHkiie iiotokki, »;HBOTk Hauk (0 HkiK» 

HCTOMH. B'kCTa /KE 3paK0Mk H OBAkll€Mk IdKO arTAA B>KHra, 
AWBOKHW H B'SpOK» SKpaiUf H'Ha, /KHTHI€M' TKi HHCTkIMk BklLUE 

HAHA coyqj'cTBa ci>i|ia. raiKe BkcriHTt: h nopo^n np'kHTHaa 
♦eoA^^'n " Bk;i,a la Kk HaKa3anHi€ rnie ykiTpocTH BcaKOH 

ÖMHTHCe. nOHOY;i,H JKf a pkBCHHie B^KHG HA BCaKO A'^'^'^ 
BArO. H BkCKkin-R Bk HklK) ^,i\0h, BpAMEB Hkl