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Full text of "Archiv für slavische Philologie"

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ARCHIV 

FÜR 



SLAVISCHE PHILOLOGIE. 



UNTER MITWIRKUNG 



VON 



P.DIELS, F.FORTÜNATOV, K.JIRECEK, L.MILETIC, ST.NOVAKOVIC, 

BRESLAU, ST. PETERSBURG, WIEN, SOFIA, BELGRAD, 

G.POLl'VKA, M.RESETAR, W. SCHULZE, A. SOBOLEVSKIJ, 

PRAG, WIEN, BERLIN, ST. PETERSBURG 



HERAUSGEGEBEN 



V. J A G I C, 



FUNFUNDDREISSIGSTER BAND. 



530874 

BERLIN, "^ '^^^ 

WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG. 
1914. 



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Inhalt. 

Abhandlungen. Seite 

Das neugefundene altpolnische Ezdrasfragment, von E. Hani seh ... l 
Bis zu welchem Maße bestätigen die kroatisch-glagolitischen Breviere die 

Annahme einer vollständigen Übersetzung der hl. Schrift durch den 

hl. Methodius, von Jos. Vajs 12 

Das Martyrium des Basiliscus, von W. Liidtke, 44 

Das Verhältnis der altkirchenslavischen Übersetzung zu diesem Texte, 

von V. Jagic 51 

Slavisch (j'jii^ro, (y)Ms/ro, von V. d. Osten-Sacken 55 

Zur Bezeichnung der serbokroatischen Betonung, von M. Re setar ... 66 

Zum ältesten slavischen Alphabet, von M. Re setar 62 

Über die Iteration v. Synonymen im Russischen u. in anderen Sprachen, 

von Chris tiani-Schultheiss 68 

Der kroatische Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. der Aufstand von Brine, 

von T. Matic 73 

Phonologie d^es Görzer Mittelkarstdialektes. Erster Teil: Vokalismus, 

von K. Strekelj 130 

Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslavischen Literatur, von I. 

Franko (I) 150 

Die Särospataker altpolnische Bibelhandschrift (sogenannte >Sofienbibel«) 

und die Lemberger Ausgabe vom Jahre 1S71, von E. Hanisch 179, 477 
-e und -p in den Endungen der slavischen Deklination, von P. Diels . . 321 
Zum Schicksale der Halbvokale im Slowakischen, von F. Di eis .... 324 

Zur slovenischen Dialektforschung, von R. Franc6 329 

Einige Worterklärungen, von P. S kok 337 

Beiträge zur ukrainischen Wortforschung, von R. Stock i 349 

Studien über slav. c7(, von H. Peters so n 355 

Einige Bemerkungen zur Geschichte des Schrifttums in Kroatien, von 

Fr. Fancev 397 

^Die Interpunktion in d. slavischen Übersetzungen griechischer Kirchen- 
lieder, von R. Ab ich t 413 

Relkovic' -Sa<«r in Ragusa, von T. Matiö 437 

Urkundliches über einige kroatische Schriftsteller, von T. Mati(5 . . . . 443 
Wechselbeziehungen zwischen L. N.Tolstoj und der deutschen Literatur, 

vonH. Halm 452 

Zur Visio Tundali, von V. Ja giö (altkroat. Übersetzungsfragment) . . . 501 

Kritischer Anzeiger. 

Jagic, Entstehungsgeschichte der kirchenslavischen Sprache , angez. von 

Fr. Pastrnek 202 

Korzeniowski, Zapiski z rekopisöw, angez. von Croiset V. d. Kop . . . 226 
Jirecek, Staat und Gesellschaft im mittelalt. Serbien, angez. v. V. Jagic 252 
T. Matid, Statut der Poljica (deutsche Übersetzung), angez. v. V. Jagic . 262 
Bolte-Polivka, Anmerkgn. zu Grimms Märchen (B.I.), angez. v. V. Jagid 269 
Miller-Speranskij, Kirejevskijs russ. Volkslieder (russ.), angez. v. V. Jagid 273 
Gleye, Zu mittelgriechischen Sprichwörtern und Kasumovid, Serbokroa- 
tische Sprichwörter (kroat.), angez. von V. Jagic 280 

Boehme, Memoiren der Kaiserin Katharina, angez. V. V. Jagic 285 

V. Löwis, Held im deutsch, u. russ. Märchen, angez. von G. PoHvka . . 287 

Corovic, Serbokroat. Grammatik, angez. von M. Re setar 296 

Die Namen Wiens, angez. von M. R esetar 296 

Hruby, Vergl. Grammatik d. slav. Sprachen, angez. von E. Hanisch . . 298 
Staroslovan. Vierteljahrschrift, angez. von E. Hanisch 30O 



IV Inhalt. 

Seile 

Obnorskij, Die Sprache der Efremov Kormcaja. angez. v. V. Jagic. . . 302 
Endzelin, Slavisch-baltische Studien (russ.), angez. von Norbert Jokl . 307 

E. Cosquin, Drei folkloristische Beiträge (franz.), angez. v. Q. Polivka . 514 
Seliscev, Havliceks Ansichten über Rußland (russ.), angez. v.G. Polivka 524 

A. Noväk über Jan Nerudajcech.), angez. V. 0. Donath 526 

J. V. Noväk u. A. Noväk, Übersicht der böhmischen Literaturgeschichte 

(cech.), angez. v. 0. Donath 530 

F. Väsa, Katechismus der böhm. Literaturgeschichte (cech.), angez. v. 

0. Donath 539 

Böhmische Literatur des XIX Jahrb., 2. Aufl. (cech.), angez. v. O.Donath 541 

Jakubec u. Noväk, Geschichte d. cechisch. Literat, angez. v. 0. Donath 545 

I. Mikkola, Türk.-bulg. Jahreszählung (russ.), angez. v. K. Jirecek . . . 548 

Spina, Altcech. Katharinenlegende, angez. V. E. Smetanka 553 

Milcetic, Glagolitische Bibliographie (kroat.), angez. v. J. Vajs 558 

Ilesic, Die Aussprache des Slovenischen (sloven.), angez. v. M. Resetar 560 

^apras, Rechtegeschichte d. Krone Böhmens (cech.), angez. v. E. Mucke 562 

Scerba, Bemerkungen auf die Rezeiision Thomsons 563 

Thomsons Gegenbemerkungen auf Scerbas Bemerkungen 574 

Tunickij, Der hl. Klemens, slov. Bischof (russ.), angez. v. V. Jagic . . . 577- 

Hordynskyj, Ein südruss. Psalterfragment (klruss.), angez.v.I. Pankewycz 585 

Schulausgaben tschech. Schriftsteller, angez. V. B. Vyb oral 589 

Lambertz-Pekmezi, Albanisches Lehr- und Lesebuch, angez. v. N. Jokl . 594 

Jensen, Montenegros Ehrenkranz (schwed.), angez. V. 0. B roch .... 598 

Kleine Mitteilungen. 

Nochmals das Schlagwort *rHu.!io!l: sanaat', von W. Christiani .... 317 

Hlapsl = Knieriem, von V. Jagic 318 

Florianer Psalter 103, 26: r(>kama, von E. Hanisch 319 

Ein^polnisches geflügeltes Wort, von W. Christian! 319 

Zu Zukovskijs Gedicht yrpo Ha ropi, von Paul Diels 320 

Berichtigung, von Nik OS Ve es 320 

Dibra. von K. Treimer 601 

Zur Entdeckung des »Glagolita Clozianus«, von I. Milcetic . . ^. . . . 603 
Zur Bibliographie der kroatisch-kajkavi sehen Literatur, von B. Surmin 606 

Zur Reduplizierung der Präposition 57,, von L. Pintar 608 

Zur slovenischen Ortsnamenkunde, von L. Pintar 610 

Ein Zusatz zu Archiv Bd.XXIII, S.409 (mittlerer Absatz), von L. Pintar 611 
Der neue Lehrstuhl für Slavistik an der Universität Leyden, von A. 

Brückner 612 

Bibliographische Notizen zu Petar Petretic, Ivan Ivanisevid und Jeronim 

Kavanin, von V. Öorovid 614 

Zu den altpolnischen Texten des Vaterunser usw., von P. Di eis . • . . 615 
Zwei Briefe an Kopitar u. Vier Briefe an Th. Paviovic, von T. Ostojiö . 617 

Gogols Sujet für den Revisor, von V. Jagic 620 

Das älteste Heilands-Ikon, von H. Krebs 621 

Eine wissenschaftliche Frage Dr. V. Oblaks, brieflich gestellt an Stojan 

Novakovic, von St. No vakovic 622 

Lexikalische Lesekörner, von W. Chris tiani 622 

Glämoc, von L. Pintar 623 

MoroBapii H KaxajiaHu, par St. No vakovid 624 

Notiz von einem bosnischen Kalender, von Thallöczy 625 

Nekrologe: Prof Dr. Anton Malecki, von W. Bruchnalski 625 

Vsevolod Fedorovic Miller, von V. Jagic 631 

Sach-, Namen- und Wortregister, von 0. Donath 634 



Das neu gefundene altpolnische Ezdrasfragment. 



I. 

Im Jahre 19 OS entdeckte der Bibliothekar des Särospataker refor- 
mierten Kollegiums, Herr Harsanyi, ein neues Fragment der in der dor- 
tigen Bibliothek aufbewahrten altpolnischen Bibelhandschriffc (der sogen. 
»Sofienbibel«). Es fand sich als Einband einer Chronik, die ein früherer 
Bibliothekar der Hochschule, J. Cs^csi, verfaßt und unter dem Titel: 
»Memoria Rerum Quarundam Belli, Hungarici Adversus Domum Austria- 
cam Anno MDCCni Suscepti« im Jahre 1709 hatte erscheinen lassen. 
Wir haben es daher nur mit einem einzigen Blatte zu tun und zwar, der 
Größe des eingebundenen Buches entsprechend , auch nur mit der ziem- 
lich genauen oberen Hälfte dieses Blattes. Da das Buch 1709 erschie- 
nen ist, haben wir dieses Jahr als den frühesten Termin für die Entfer- 
nung des Blattes aus dem Kodex zu betrachten, während das Jahr 1751 
der bekannten Inschrift auf der Innenseite des Einbandes, welche die 
auch heute noch vorhandene Blätterzahl angibt: »Nunc habet 1S5, 
15 May 1751« als spätester Termin anzusehen ist — vielleicht hat 
Csecsi selbst diese, für einen Bibliothekar allerdings besonders eigen- 
artige Tat vollbracht. 

Herr Harsanyi, der selbst nicht Slavist ist und auch kein slavisches 
Idiom praktisch beherrscht, erkannte bald an dem Schriftcharakter, der 
Schreibung in zwei Kolumnen und aus einigen ihm als polnisch bekann- 
ten Wörtern, daß das Bruchstück der ältesten polnischen Bibel angehören 
müsse. Aber auch für die Einreihung des Blattes in den Zusammenhang 
der erhaltenen 185 bot sich ihm eine Handhabe. Schlägt man nämlich 
den Kodex auf, so findet sich vielfach in der Mitte des oberen Randes 
des linken Blattes in roter Schrift die eine Hälfte, gegenüber dann rechts 
die Ergänzung der Buchitberschrift des auf diesen beiden Seiten ge- 
gebenen biblischen Textes, also: Gene — sis. So zeigt z.B. das Blatt 129, 
wo der noch erhaltene Teil von Paralipomenon I. erst mit Kap. V Vers 2 
beginnt, nur die Ergänzung : pomenon auf der recto-Seite. Ganz ebenso 
finden wir nun auf unserem Fragment recto : sowi, verso : Ezdra. Durch 
dieses »Ezdra sowi« ist der Text mithin als Bruchstück aus Ezdras ge- 
kennzeichnet. Und zwar enthält das Fragment Ezdras I cap.VI 20 — 22, 

Archiv für slavische Philologie. XXXV. j 



2 E. Hanisch, 

VII 1 ; 7 — 1 1 ; 14 — 18 1). Da nun das heutige Blatt 157 noch den Para- 
lipomenontext gibt, mit InS aber Ezdras I Kap. VII 2S anfängt, so ist 
das neugefundene Bruchstück zwischen beide Blätter als 15 Sa einzu- 
schalten, auf das das heutige 158. also unmittelbar folgte. 

Der Text der beiden vorderen Kolumnen ist vielfach recht schwer 
zu lesen, da die recto-Seite die Außenseite des Einbandes bildete und 
mithin sehr hart mitgenommen wurde. So ist es nicht zu verwundern, 
daß bei der Lesung der vielfach undeutlichen Buchstaben der Finder und 
erste Herausgeber, Herr Harsanyi, zumal ihm, wie erwähnt, slavistische 
Kenntnisse nicht helfend zur Seite standen, das Eichtige mehrfach nicht 
getroffen hat. Er gab den Text im 4. Kapitel seiner Abhandlung 2): A 
Särospataki lengyel biblia s ujonnan fölfedezett harmadik töredeke (hä- 
rom hasonmässalj« mit photographischer Wiedergabe des Fragments 
heraus 3). Die Anzeige der Schrift durch Asböth in »Nyelvtudomäny a 
Magyar Tudomauyos Akademia« III (1910) p. 59 — 67 brachte nur we- 
nig Besserungen. Erst K. Kitsch hat im »Rocznik Slaw'istyczny« III 
(1910) p. 174 — 177 wesentliche Verbesserungsvorschläge gemacht oder 
Vermutungen geäußert, die sich vielfach bestätigen. Mit Berücksich- 
tigung dieser Arbeiten habe ich bei meinem Aufenthalte in Särospatak 
(1912)*) noch einmal das Fragment genau studiert und meine Lesungen 
zur größeren Sicherheit noch mit Herrn Harsanyi eingehend besprochen, 
so daß der im Folgenden gebotene Text den tatsächlichen Zustand des 
Originales wiedergibt. 

II. Der Text. 

Recto 
a b 

fowi 

ifrahelfkich yffinow kaplanf ki- 
ck ylTinow nauczonich ylpyeva 
kow yzwrotnich yzNatinneycz 



czifcyeny kaplany ynavczeny ge 
den iako drvgiz mrjß ywßitci 
f(vcz czifcy ku obyatowanyv ba 



1) Harsanyi gibt p. 60 fälschlich 15—18 an. Doch die Worte: »wt- 
wey r^ce< geben das Ende des V. 14 (>in manu tua«), wie Nitsch bereits be- 
merkt hat. 

2J Erschienen als Sonderabdruck und in der Zeitschrift: Magyar Künyv- 
szemle (>Ungarische Bücher-Rundschau«) Budapest 190Ü. 

^J Die übrigen Kapitel der Schrift besprach ich: »Zur Geschichte der 
Särospataker altpolnischen Bibel«. (Halle 1913.) 

*j Über meine Kollationierung der Särospataker Hs. mit Maleckis Aus- 
gabe berichte ich im nächsten Hefte dieser Zeitschrift. 



Das neugefundene altpolnische Ezdrasfragment. 



ranka wyelykonocznego wßi 
5 tkim finom iryczftwa ygych bra- 
totom ykaplanom yfobye. y. gedly 
finowye ilrahelfci giß ly(> bily 
wrocyly zir^czftwa ywßitci. kto 
rzi fyfJ l^czily otpokalenya naro 

10 dow zemfkich knym abi ßuka 
ly paria boga ifrahelfkego. y 
czinyly fwj^^to przefnycz zafyedm 
dny wvyfyelyv. bo bil ge bog 
obradowal abil obrocyl fyerce 

15 Afyerowo knym abi gym poma 
gol dzalacz domv pana boga 
POtich flo vn ilralielfkego 
wyech wkrolewftwye 

19 Arta]serla krolya perfkego Ez- 



fkich lyata lyodmego krolya 
5 Artaxarse aprzifly do ierufale 
ma myelyrjcza py^tego to geft 
lyata lyodmego krolyowanya 
gego. bo pyrwi dzen myefy^icza 
pyrwego pocz^ly gydz zbabylo 

10 na apyrwego dnya myefyocza 
py^tego przifly do ierufalema 
przes r^ko dobr^ boga IVego 
nad fobr^ Tedi Ezdras przipra 
wyl l'yerce fwe abi l'cygal za 

15 kon bozi abi vczil ifrahela przi- 
kazanyv bozemv yf^dom.aten 
prz[epis lijftu wirzeczenya 
giß dal ^k]rol Artexerfes Ezdra 

19 Ibwy kaplanowy amj'ftrzowy 



Kolumne a Z. 1 . Vor cziscyeny sieht man ein eigenartiges Zeichen 
y, welches Nitsch als lesen will (ocziscyeny). Doch dagegen spricht 
die für ein ungewöhnliche Form und die Schreibung vor Anfang der 
Zeile. Die Zeilen beginnen alle in dem gleichen Abstände vom Rande, 
der gewöhnlich durch eine senkrechte Linie dem Schreiber gekennzeich- 
net war. Da vor dem czi- kein Raum für ein o ist, haben wir es mit 
einem jener Zeichen zu tun, wie sie gelegentlich auch sonst im Kodex 
sich finden, so ist z. B. einige Blätter später, Blatt 170 recto a, am Rande 
eine Hand gemalt (gelb), deren Daumen und Zeigefinger auf den Text 
(nach rechts also] hinweisen. Ob diese und andere Zeichen eine beson- 
dere Bedeutung haben, kann ich nicht sagen. Sprachlich ist für das 
»purificati« des lat. Textes die Form ocziscyeny vielleicht vorzuziehen, 
wie auch die Zahl der Belege bei Babiaczyk mehr für das Compositum 
als das Simplex spricht. Das »czi-« ist übrigens so eng geschrieben, 
das es fast wie cy- aussieht, doch ist an czi- festzuhalten (vgl. Z. 3 
czifcy). Z. 2 drvgiz nicht drugiz , wie Harsänyi 1. c. las. Z. 3 frjcz, so 
schon Nitsch richtig gegenüber Harsänyi, der socz gibt. Z. 5/6 brato- 
tom. Wir haben hier eine jener dittographischen Verschreibungen , an 
denen die Handschrift sehr reich ist. Die Ausgabe Maieckis hat in die- 
sem wie in andern Punkten den Text stark normalisiert. In bratotom 
liegt also nur Verschreibung für das übliche bratom vor. Die Lesung 
ist unzweifelhaft, wie jetzt auch Herr Harsänyi anerkennt, der »brato- 
lom« las (Nitschs und Asböths Lesungen erledigen sich damit ebenfalls). 
In diesem Teile der Hs. (Blatt 96 — 185) finden sich zahlreiche Verschrei- 



4 E. Hanisch, 

buDgen aller Art, so z. B. Blatt ISO recto a allein sieben Korrekturen. 
Z. 6 y. gedly, nicht ygedly (Hars. n. Kitsch). Ebenso steht Z. 8 ywszi- 
tci. kto/rzi ein Punkt vor kto-, wie Nitsch bereits aus der photogra- 
phischen Wiedergabe gegenüber Harsanyi bemerkt hat. Z. 11 schließt 
mit ifrahelfkego. y, in Harsänyis Ausgabe ist infolge Druckfehlers (p.60) 
die Zeilentrennung nicht bemerkt, ebenso wie sie dort Z. 1 4 hinter syerce 
ausgefallen ist. Z. 12 fwy^to (so schon richtig Nitsch) nicht swirjto (Har- 
sanyi). Z. 14. Deutlich: obradowal (»laetificaverat«), wie schon Asböth 
und Nitsch bemerkt haben, gegenüber otratowal (Harsanyi). Das obrocyl 
derselben Zeile, welches schon Nitsch für Harsänyis -tyl verbessert hat, 
weist über dem c einen kleinen Eindruck auf, der es dem t sehr ähnlich 
macht, doch ist c zu lesen. Z. 15, Asyerowo, von Nitsch mit Frage- 
zeichen versehen, ist sicher, ebenso Z. 15/lG die Verschreibung pomagol 
für -gal (so las Harsanyi). Gänzlich mißverstanden hat man bisher 
Z. 17/18. Harsanyi las: »Gych Eloim israhelskego / (.) wyech« , was 
Nitsch bereits angezweifelt hatte. Bei der Lesung dieser auf dem Blatt 
etwas verwischten Stelle ging ich von der Wahrnehmung aus, daß das 
Harsänyische > Eloim« deutliche Spuren roter Farbe aufwies, wie ja bei 
Kapitelanfängen der Hs. eben der erste Buchstabe eines Kapitels und die 
Kapitelzahl gewöhnlich mit roter Farbe geschrieben sind. Da nun viel- 
fach, wenn von dem vorhergehenden Kapitel nur ein, zwei Worte übrig 
sind, diese hinter die erste Zeile des neuen Kapitels treten , getrennt nur 
durch die in roter Farbe gemalten Zahlzeichen des Kapitels, so ging ich 
bei der Deutung der Stelle von dieser Tatsache aus. 

Wir haben z. B. einen derartigen Fall: Blatt 153 recto b (= Mal. 

276): 

Potem apota xxxu gest 
key 

oder: Blatt 155 recto b (= Mai. 279): 

Voszmy xxxini gego 

In beiden Fällen gehört gest und gego dem vorhergehenden Kapitel 
an, wie hier eben auch israhelskego; das »im« Harsänyis ist rot und bedeutet 
die Kapitelzahl vn = VH. Das angebliche G von Gych ist ein großes 0, 
da der zweite Buchstabe des Kapitels vielfach groß geschrieben und gelb 
ausgemalt ist (von der gelben Farbe ist aber nichts mehr zu sehen). 
■Ganz außer acht hat Harsanyi den auf der photographischen Wieder- 
gabe auch noch deutlich wahrnehmbaren, den Anfang der ersten und 



Das neugefundene altpolnische Ezdrasfragment. 5 

zweiten ^) Zeile, wie üblich ausfüllenden Buchstaben P gelassen. Mithin 
erhalten wir die obige Lesung: pana boga israhelskego = Domini Dei 
Israel als Schluß des Kap. VI 22, und als Anfang von VII 1 : Potich 
slo/wyech (»Post haec autem verba«), wie z. B. Blatt 107 verso b 
(= Mal. 195b 35): Potich slow/yech (»Post verba haec«). Bei Zeile 19 
ist der Anfang zerstört , also Arta- zu ergänzen. Von den Buchstaben 
dieser Zeile ist nur die obere Hälfte erhalten, doch deutlich lesbar. 

Diese Spalte recto a enthält also I. Ezdras VI 20— 22 und VII 1. 

V 

Kolumne b. Z. 2/3 yspyevakow (»et de cantoribus«) über der En- 
dung -kow findet sich eine eigenartige Korrektur, die, da dieser Teil des 
Frgm. gelitten hat, sich nicht klar deuten läßt. Über der ersten Hälfte 
des w sehen wir nämlich einen Buchstaben, der m. E. sowohl ein v wie 
ein p bedeuten könnte. Herr Harsänyi hält diesen Buchstaben eher für 
ein p. Meinem Dafürhalten nach könnte es vielleicht auch eine über- 
schriebene Verbesserung für den ersten, vielleicht etwas undeutlichen, 
Teil des w sein 2). Die Korrektur hat Ähnlichkeit mit dem v im Worte 
fame'*' = samemv auf Blatt 2 recto a (= Mal:. 3 a 35), wo, wie mehrfach 
gerade am Zeilenschluß, der Schreiber abkürzt, während die Lemberger 
Ausgabe samemu gibt. In Z. 3/4 deutlich yzNatinneyczf kich , wie 
Nitsch bereits gegenüber Harsänyis Lesung : y zNatinue- richtig hervor- 
hebt. Der Name auch in verso b 1 1 . Z. 5 ist Artaxarfe nicht Arta- 
xerse (so Hars.) zu lesen, vgl. demgegenüber Z. 1 8 und a 1 9. Mit Nitsch 
ist Z. 10 myefyocza (gegen Hars.: myesy^^-) zu schreiben. Derselbe 
Fehler, o für ^, liegt vor Z. 12 przes r^ko dobr^. Diese etwas undeut- 
liche Stelle las Harsänyi fälschlich : przes voly^ dobr^^, Nitsch verbesserte 
das in: rrjk^i (»iuxta manum Dei bonam«), Z, 12 schließt mit fwego, in 
der Transkription des Textes ist in der Harsänyischen Ausgabe hinter 
swego und ebenso hinter dem folgenden nad sob^ ein Trennungsstrich 
versehentlich angegeben. Z. 15/lG las Harsänyi przikaziliwv, was As- 
böth in przikazaniow verbesserte. Nitsch setzte richtig dafür przika- 
zanyv, was auch tatsächlich noch recht deutlich in dem Original zu er- 



1) So erledigt sich bei Harsänyi: (.) wyech, denn es fehlt eben hier in der 
zweiten Zeile kein Buchstabe. — Übrigens zeigt das von Wierzbowski heraus- 
gegebene Jeremiasfragment die gleiche Schreibweise beim Beginn des 14. 
Kapitels, vgl. das Faksimile in: Prace filologiczne IV (1893) p. 296. 

2) Eine solche nur teilweise Korrektur eines Buchstabens kann ich aber 
aus den übrigen Teilen der Bibelhs. nicht belegen. 



6 



E. Hanisch, 



kennen ist (»doceret in Israhel praeceptum«]. In Z. 17 ist bei prz[epis 
lijftn das Frgm. beschädigt, daher sind die eingeklammerten Buchstaben 
hier sehr undeutlich. Das letzte Wort dieser Zeile las Harsanyi vyrzeczen- 
ya, Nitsch wyrz-. Das Frgm. zeigt aber deutlich wirzeczenya. [K]rol 
Z. 18 beschädigt. Der Name des Königs heißt hier deutlich: Artexerfes 
(so schon richtig Nitsch gegenüber Hars. : Artax-°) vgl. oben Z, 5. 
In recto b lesen wir I Ezdras VII 7 — 11. 



Verso. 
Ezdra 



wtwey r^ce abi nyofl frzebro s 
fob^ yzloto goß krol ygego racz- 
ce dobrr^ volyr; bogu ifrahelf kemv 
obyatowaly gegoß wierufalem 

5 geft otpocziwadio awszitko ßrze 
bro yzloto ktore naydzeß wewßi 
tkey wlolcy babylonfkey. alyvd 
h(jdze\j chcyecz obyatowacz obya 
ti akaplani giß dobrowolnye o 

10 ffyerowaly domv boga fwego 
geß geft wienilalem fwyebod 
nye wezmy arpylnofcyr; fticli pye 
ny^dzi kupy cyelce fkopi barani 
ypaly(5ce obyati. aofyeruy ge na 

15 oltarzu wkofcyele boga twego 
ktori geft wierufalem. aczfokolybi 
fy^ lyvbylo tobye ytwey bracy 
zoftatnego frzebra yzlota abifcye 

19 vczinyly vczincye podle voley bo 



a az do fta lagvycz oleia. Ale sol 
abi bila dana przes myari. w 
ßitko czfo przif luße kfliißbye 
boga nyebyef kego fpylnofcy(^ 

5 b^dz dano do domv bozego abi 
fnad nyeroznyewal przecyw 
krolewftwu krolyowu yfynow 
gego. Przeto wam davami 
nafwyadomye zewßech kapla 

10 uow ynanczonich yfpyevakow 
ywrotuicb y Natinneow yf lug 
tego bozego domv abi nyemye- 
ly moczi bracz mita auy dany 
any vrokow nanych Ati tak Ez- 

15 draßv podle mridrofcy boga twe- 
go gen geft wtvey r^^ce vftaw 
ff^dze iwlodarze. abi vczily lyvd 
kako mair; zywy bicz a^^dzrj 

19 wßemv lyvdu gen geft za 



Die verso-Seite ist, wie oben bereits bemerkt, viel besser erhalten, 
daher bestehen auch hier kaum Zweifel au der Lesung der einzelnen 
Worte, a 2 muß es yzloto heißen (so schon Nitsch, Harsanyi: y zloto); 
Z. 4 ist, durch Versehen des Setzers, bei Harsanyi byatowaly anstatt des 
(deutlichen) obyatowaly zu lesen. Z. 5 ist mit Nitsch awszitko (Harsa- 
nyi : awszytko) zu schreiben. Z. 1 3 fk"pi ist o nachträgliche Korrektur 
des Schreibers wie i in ktor^ Z. 16. 

Verso a gibt den Text von I. Ezdras Kap. VII 14 — 18, nicht erst 
von 15, wie ich schon oben erwähnt habe. Verso b Z. 2/3 las Harsanyi 
to/ szitko, was bereits Asboth und Nitsch richtig gestellt haben. Z. 10 
muß man yfpyevakow (Hars. yspyeuakow) schreiben. Z. 11 las Harsä- 



Das neugefundene altpolnische Ezdrasfragment. 7 

nyi Natiuneow, was Asböth und Nitsch schon verbessert haben, vgl. 
recto b 3, 

In Z. 14 der Transskription Harsänyis (p. 61) steht irrtümlich: Ati 
Ez- also mit Auslassung des ganz deutlichen tak, Z. 1 S muß es af(^dz(j 
(»iudicent«) heißen. Harsiinyi las das am Ende beschädigte Wort: 
afj^dzi ... Es ist aber bei genauer Prüfung am Ende nicht i, sondern ("^ 
zu schreiben , wie aus der deutlichen Rundung des Buchstabens und dem 
Reste des senkrechten Striches (der Punkt eines i unterscheidet sich da- 
von ganz wesentlich!) hervorgeht. Durch die zu ergänzende Rundung 
(rechts!) ist auch der Raum der Zeile ungefähr ausgefüllt. Übrigens ist 
in der Handschrift mehrfach das Ende der Zeilen nicht immer dort, wo 
der abgestrichene Rand des Blattes beginnt (im Gegensatz zum Zeilen- 
anfang, wie ich nochmals wegen verso a 1 bemerke) : es wird gelegent- 
lich darüber hinausgeschrieben oder es bleibt auch ein kleiner Raum. 
So würde auch das (^ am Ende die Zeile eben nicht völlig ausfüllen, ohne 
daß aber deswegen etwas zu ergänzen ist. Z. 19 hat Harsänyi fälsch- 
lich niszemv , was aber schon Asböth und Nitsch richtig in wszemv ver- 
besserten. Auch verso a und b zeigt die Z. 19, wie ebenso die recto- 
Seite, nur die obere Hälfte der Buchstaben. 

Die Kolumne verso b bietet I. Ezdras VII 22 — 25. 

III. 

Es bleibt jetzt noch übrig, den Gewinn, welchen uns das neue Bibel- 
fragment bringt, zu verzeichnen. Bereits Asböth hat kurz die bemerkens- 
werten Worte zusammengestellt. Außerdem würden noch die sehr zahl- 
reichen Abweichungen des polnischen Textes aus den lateinischen Vari- 
anten zu erklären sein. Leider läßt sich hier nur die Abweichung des 
Textes im Einzelnen vermerken, während nur gelegentlich, auf Umwegen, 
einzelne dieser Varianten durch lateinische Lesarten zu belegen sind, da 
die Vulgataausgabe von Sabatier (Paris 1751) gerade zu Ezdras I alte 
Lesarten nicht gibt, also keine erhalten sind. Auch Vercellones Werk 
läßt sich hier nicht heranziehen, da es nicht bis Ezdras durchgeführt ist. 

Indem ich jetzt versweise vorgehe, konstatiere ich die wichtigeren 
Varianten und hebe das Beachtenswerte hervor. 

Kap. VI. Vers 20. 

Vulg. Levitae quasi unus = r. a. 1/2 navczeny geden iako drvgiz 
m^ß. »levita« ist in der Särospataker Bibel durch sluga koscielny, uczo- 
uy, nauczony wiedergegeben. Vgl. auch Ezdr. IX 1 (= Mai. 2S5b 36): 



E. HaniBch, 



kaplany a nauczeny = sacerdotes et Levitae zu der Stelle unseres Frag- 
mentes. 

Vulg. ad immolandum pascha: r, a. 3/4: ku obyatowanyv baranka 
wyelykonocznego. Bei Babiaczyk Lexik, s. v. ist bisher nur einmal 
obiatowanie belegt: IV. Reg. 23,5: ad sacrificandum = ku obyato- 
wanyv (Mal. 229a 11, wo aber ungenau obyatowanyu geschrieben ist). 
Auch die Form mit e ist in diesem Worte nur einmal aus der Bibel zu 
belegen: obyetowanya (71a 26). Nur in dem Fragment ist auch wieli- 
konocny belegt, sonst wielkonocny (einmal) : wyelkonocuego cyelcza 
(192b 18) = vitulum pascualem I Reg. 28, 24, mit einem Fehler, den 
auch, wie L. Malinowski Prace Filol. IV (1893) pp. 160 u. 161 1) gezeigt 
hat, ein alter czechischer Text (Zablockischer Kod.) aufweist. Als Sub- 
stantiv ist wielkanoc neben wielikanoc im Texte bezeugt. 

Vulg. transmigrationis = r. a. 5: ifjczftwa, so auch Z. 8. Bei 
Babiaczyk steht für i^cstwo nur die Bedeutung »captivitas« , »ergastu- 
lum« verzeichnet. Es ist auch völlig ausgeschlossen, daß hier i^czstwo 
= transmigratio sein sollte. Ich nehme mit Bestimmtheit an , daß hier 
die lat. Vorlage der slavischen Übersetzung »captivitas« las. Ich kann 
das auch durch eine andere Stelle wahrscheinlich machen. Im Jeremias- 
fragment (Prace Filol. IV 293 ff.) lesen wir: Przenyesyon gest wszitek 
dom Judzski przenyesyenym swyrzchowanim (p. 300) = Vulg. Jerem. 
XIII 19: translata est omnis Juda trausmigratione perfecta. Hier ist 
der Vulgatawortlaut auch im poln. Text zu spüren. Aber gerade zu 
dieser Stelle heißt es alt: translatus est omnis Juda captivitate perfecta. 
Also hier haben wir eine Lesung »captivitas«, die wir durchaus auch für 
unser Fragment als Variante in Anspruch nehmen dürfen, wenn sie eben 
auch zufällig gerade nicht belegt ist. Zugleich lehrt damit diese Stelle 
wiederum, wie peinlich und sorgfältig der slavische Übersetzer bei der 
Wiedergabe jedes einzelnen Wortes des heiligen Textes verfuhr , um nur 
ja den lateinischen Ausdruck durch die wortgetreueste slavische Über- 
setzung in jedem einzelnen Falle wiederzuspiegeln. 

Vers 21. Vulg. se separaverant. = r. a. 9 sj^^i Ir^czily. Dieses Ver- 

*) >Oba teksty oddajfj lad. vitulum pascualem, co zuaczy »cielca pas- 
tewnego« przez welikonocznieho« — »wyelkonocnego«, a to wskutek bled- 
nego odczytania lad. pascualem, pascalem, jako paschalem«. Ich nehme an, 
daß die lat. Vorlage hier wirklich pascalem las, also nicht einen Fehler aus 
Unkenntnis ! 



Das neugefundene altpolnisehe Ezdrasfragment. 9 

bum ist sonst in der Bibel nicht vorhanden. Heute heißt iaczyc > ver- 
binden, vereinigen«. Im Czech. hat louciti se, je nachdem die Bedeu- 
tung »sich trennen« und »sich vereinigen«. Beide Bedeutungen waren 
auch im Altpolnischen ^j vorhanden, die Bedeutung »sich trennen« auch 
jetzt noch dialektisch 2). 

Vulg. : a coinquinatione = otpokalenia 9. Im Lexikon von Babia- 
czyk sind mehrere Belege für pokalanie »Makel«, nur einmal (326a 12): 
na pokalenye {= in pollutionem«), wozu mit Recht czech. pokälenie 
verglichen ist. Unsere Stelle ist also der zweite Beleg für diese Laut- 
gestalt. 

Vers 22, Vulg. cor regis Assur: lyerce Afyerowo. Im Lexikon hat 
Babiaczyk, der, wie er sagt 3), die Eigennamen und die davon gebildeten 
Adjektiva nicht vollständig aufzählt, nur die Form Asyrski, einmal 
(I17b 36) Assyrzkey belegt. Diese letzte Schreibung kann vielleicht 
durch das darüber stehende z von nalodzach hervorgerufen sein: ich 
werde derartige Beeinflussungen bei meinem Kollationsbericht mehrfach 
zu erwähnen haben, da das Auge der Schreiber vielfach abirrte. Eine 
andere Form, Asurski, hat Babiaczyk nicht notiert: 218b 4 krol Asur- 
ski. Schwankungen bei Volksnamen sind garnichts Seltenes. Ich will 
nur zum Belege dafür auf S. 191 verweisen, wo wir die vier Varianten 
finden: fylystinske, fylystinowye , fylysteyskey, Fylysteowye, und alle 
auf nur einer Seite! 

Kap. VII. 

Vers 7. Vulg. et de filiis Sacerdotum et de filiis Levitarum = yf- 
finow in beiden Fällen, recto b 1^ 2, d. h. also: i z synöw, vgl. Z. 3: 
yzwrotnich, yzNatinneyczfkich. In ylpyevakow haben wir, wie öfter in 
der Handschrift vor Sibilanten, das z nicht geschrieben. 

Vers S. Vulg. ipse est annus septimus regis: to geft lyata fyodmego 
krolyowanya gego (r.b. 6 fl'.). Hier liegt oflenbar wieder eine Variante vor, 
zu der sich uns aber ein Anhalt bietet durch die Lesart des Kap. VI 1 5 : 
qui est annus sextus regni (sie !) Darii regis. 

Vers 9. Vulg. coepit, venit: poczjvly, przifly r.b 9 und 11. Daß 
der Numerus in dem polnischen Texte gegenüber der Vulg. sehr oft ab- 
weicht, hat Semenovic reichlich belegt^). Doch in lateinischen Bibel- 



1) Linde s. v. l^czyc u. leksza. 

2) L. Malinowski in Prace Filol. IV (1893) 657. 

3) In der »Einleitung« p. 8. 

4) Prace Filol. VI 478. 



j E. Hanisch, 

handschriften fanden sich derartige Schwankungen überaus häufig, wes- 
halb die amtlichen »Correctiones biblicae« bei ihnen besonders wichtig 
erscheinenden Fällen ausdrücklich warnend sich vernehmen lassen. So 
z. B. I. Ezdras I. 5 bemerken die Correctiones Romanae: »Ut ascende- 
rent ad aedificandum, Retinendum est Plurale: ascenderent, non mu- 
tandum in singulare: ascenderet^).« Diese Stelle ist wiederum Beweis 
genug, daß der slavische Text auch hier nicht aus Willkür oder Unkennt- 
nis abwich, sondern den Anschluß an die lateinische Vorlage aufs engste 
wahrte. 

Vers 10. Vulg. ut investigaret legem Domini: abi fcigal zakon bozi 
(r. b. 14/15). scigac bei ßabiaczyk nur in der Bedeutung »persequi«, 
»verfolgen« belegt. Bei Linde s. v. finden sich dagegen Beispiele für 
»in den Spuren wandeln« = nasladowac (= »investigare«). 

Vers 1 1 . Vulg. exemplar epistolae edicti : przepis liftu wirzeczenya. 
In dem Lexikon von Babiaczyk ist przepis (= exemplar) nicht notiert 
und wyrzeczenie nur einmal belegt in dem Sinne »beschlossene Ansicht« : 
276a 13 wirzeczenym (decernente sententia). Hier also der zweite Be- 
leg mit der Bedeutung: edictum. 

Vers 15. Vulg. sponte obtulerunt = verso a 3/4 dohrrj voly^ oby- 
atowaly. Sonst entspricht dem sponte nur eine präpositiouale Verbin- 
dung (s. Babiaczyk s. v. wola), also : z dobrey woley u. ähnl. Im V. IG 
lesen wir in gleicher Bedeutung: dobrowolnye (Z. 9), also das Adverb, 
was auch sonst noch in der Bibel vorkommt. — Die Form obyat- ist hier 
wie Vers 16 (zweimal: verso a S und 14) belegt. So hat das Fragment 
nur diese Lautgestalt, vgl. auch Kap. VI Vers 20, während im Lexikon 
die e-Form mindestens die gleiche Zahl der Belege aufweist wie die a-Form. 
Dagegen ist also in unserem Fragment nur die Form ofier- belegt, näm- 
lich verso alO, 14, während für die andern Teile der Bibel Babiaczyk 
ofier- und ofiar- mehrfach bezeugt. 

Vulg. Deo Israhel, cuius in Jerusalem tabernaculum est. Hier ist 
»tabernaculum« mit dem nur au dieser Stelle in der Bibel belegten: ot- 
pocziwadlo wiedergegeben, das bereits Asboth richtig als Trausskription 
aus dem Czechischen erklärt hat: czech. odpocivadlo »Ruheplatz«, 
»Ruhestätte«, vgl. das polnische odpoczywac »ausruhen«, »rasten«. 



1) Diese Stelle ist im SArospataker Text nicht erbalten. Darauf kommt 
es ja auch hier gar nicht an, sondern lediglich auf das Prinzip des Über- 
setzungsverfahrens ! 



Das neugefundene altpolnische Ezdrasfragmeüt. 1 1 

Vers 17. Vulg. libere accipe : fwyebodnye wezmy. Jetzt schreibt 
man nur: swoboda und swobodny. Das Wort kommt in dem Bibeltext 
nur hier vor. 

Vers 23. Vulg. irascatur: roznyewal (verso b6). Neben rozgniewac 
ist auch bei Babiaczyk mehrfach rozniewac belegt. 

Vers. 24. Vulg. Vobis quoque notum facimus : Przeto warn dawami 
nafwyadomye; swiadomie findet sich bei Babiaczyk bisher nur einmal: 
"wswem swyadomyv (316a 12, Mal. schreibt: swyadomyu) in der Be- 
deutung »Gewissen«. Hier also: »zur Kenntnis geben«. Zu swiadomie 
ist zu vergleichen czech. svedomi. 

Vulg. ut vectigal et tributum et annonas non habeatis potestatem 
imponendi super eos: abi nyemyely moczi bracz mita any dany any 
vrokow nanych (verso b 12 ff.), myto also hier = »vectigal«, sonst nur 
noch einmal bezeugt: lila 13 mito (Vulg. pretinm) lest zaslvsbr> (Mal.za 
slusbrj), vgl. deutsch: Maut. — vrokow, d. i. also: uroköw = annonas. 
Mit Recht hat Babiaczyk uroki (nicht wroki) gelesen und das czech. 
liroky dazu verglichen: nur möchte ich in dem Belege 231a 2 vloszil 
vroki nazemye (Vulg. imposuit mulctam bzw. multam terrae centum ta- 
lentis argenti etc.) nicht mit »Geldschätzung«, wie Babiaczyk, sondern, 
auf Grund unserer jetzigen Stelle und gestützt durch das Czechische wie 
auch durch den Sinn mit »Jahresabgabe« übersetzen. 

Vers 25. Vulg. ut iudicent omni populo, qui est trans fliimen, bis 
videlicet, qui uoverunt legem Dei tui, sed et imperitos docete libere: 
abi vczily lyvd kako mai^ zywy bicz afridzrj wßemv lyvdu gen geft za . . . 
(verso b 17 — 19). Der polnische Text weicht also hier stark von der 
heutigen Vulgata ab ! 

Beuthen O.S. E. Hanisch. 



Bis zu welcliem Maße bestätigen die kroatiscli-glago- 
litisclien Breyiere die Anualime einer yollständigen 
Übersetzung der hl. Schrift durch den hl. Methodius. 

I. 

In dem Artikel, betitelt »Die kroatisch-glagolitisclieii Bre- 
viere und das Officium der abendländischen Kirche vom 
VI. — X. Jahrhundert« i) habe ich eine Mutmaßung ausgesprochen^ 
mittels welcher ich den Sinn der Worte der pannonischen Legende vom 
hl. Methodius in bezug auf die Übersetzung der hl. Schrift zu erklären 
mich bestrebe. Die daselbst ausgesprochenen Gedanken kann man un- 
gefähr in folgende Worte zusammenfassen : So wie es sichergestellt ist, 
daß im Anfange der mährischen Mission der hl. Cyrillus teils allein^ teils 
gemeinschaftlich mit seinem Bruder bei der Übersetzung der hl. Schrift 
durch die liturgischen Texte der morgenländischen Kirche 
beeinflußt wurde, so scheint es, daß der hl. Methodius gegen das 
Ende seines Lebens biblische Texte übersetzte, insofern es dieselben 
für die liturgischen Bücher des abendländischen Ritus be- 
nötigte. Im ersten Falle entstanden neben dem Psalter ein Evangeli- 
arium (Aprakos) und Parömienbuch (Paremejnik), im anderen Falle die 
Texte der abendländischen Liturgie (lectiones de scriptura occurente per 
anni circulum). 

Diese Annahme sprach ich nicht a priori aus, sondern auf Grund 
der Texte^ von denen ich bewiesen hatte: 1. daß sie aus der Zeit der 
mährischen Mission und nicht aus der Zeit Simeons , Kaisers von Bulga- 
rien, herstammen; 2. daß sie die Grenzen des Parömienbuches über- 
schreiten. Zu diesem Ende studierte ich die in kroatisch-glagolitischen 
Brevieren enthaltenen Texte und beschränkte mich absichtlich auf die- 
selben. 

Die cyrillischen Texte berücksichte ich nur insofern^ soweit es sich 
um die gegenseitigen Beziehungen des cyrillischen zum glagolitischen 
Texte handelte, eventuell soweit ich die Anziennität des glagolitischen 
Textes beweisen wollte. 

Selbstverständlich ist es, daß mir die Behauptungen und Beweis- 



# 



1) Cfr. Arch. f. slav. Phil. Bd. XXXIV, S. 483-496. 



Die kroat.-glagol. Breviere n. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 1 3 

führungen des Professors der Petersburger geistlichen Akademie Jevse- 
jev, der die Worte der pannouischen Legende in betreff der Übersetz- 
ung der hl. Schrift gern wörtlich nehmen möchte und deshalb von 
einer vollständigen methodianischen Übersetzung spricht, nicht 
gleichgültig bleiben konnten. 

Trotz der Schwierigkeiten, die ihm bei dieser Annahme begegnen 
— er wird nämlich genötigt, zu einer zweiten Hypothese, daß ein über- 
wiegender Teil der Übersetzung verloren ging, Zuflucht zu nehmen — 
ist es freilich sonderbar, wie er einerseits in der Übersetzung des Buches 
Daniels die Bestätigung der Worte der pannouischen Legende sehen 
und andererseits behaupten kann, daß der hl. Methodius an dieser voll- 
ständigen methodianischen Übersetzung (insoweit es das Buch Daniels 
betrifft) keinen persönlichen Auteil gehabt hätte ^j. Mir 
wenigstens kommt es vor, daß er sich schon da widerspricht; es wird 
seine Aufgabe sein, diesen Gegenstand näher zu beleuchten und zu be- 
weisen. 

Uns handelt es sich nur darum, welches Verhältnis zwischen den 
beiden angeführten Annahmen bestände, zwischen der Annahme Jevse- 
jevs und der meinigen. Ich lasse mich auf diese Frage ein, da ich dazu 
aufgefordert und durch Umstände sozusagen genötigt wurde. Ich gestehe, 
daß die Resultate der Forschungen Jevsejevs mich keines- 
wegs wankend gemacht haben. Hier will ich nur darauf hin- 
weisen, was gegen seine Annahme von den glagolitischen Denkmälern 
vorgebracht werden könnte. 

Prof. Jevsejev ist gezwungen zu erklären, daß eine ganze Reihe von 
den übersetzten Texten »der vollständigen meth. Übersetzung« ver- 
loren gegangen sei, daß wir dieselben entweder nicht kennen, oder daß 
sie vollständig verloren gingen. 

Worüber aber man sich dabei wundern muß, ist, daß die unbe- 
kannten Bruchstücke der methodianischen Übersetzung bereits im 
XIII. Jahrhunderte selbst den kroatischen Glagoliten un- 
bekannt waren, welche dieselben ohne Zweifel in ihre Breviere auf- 
genommen haben würden , so wie sie die parömeischen Perikopen auf- 
genommen haben, da sie derselben bedurften, und in deren Ermangelung 



^) Knnra üpopoKa Aaniu.ia Et ÄpeEiie-CvTaBaHCKOMt nepeEOÄ^- MocKsa 
1905. Cip. XXIX. Vgl. Archiv f. sl. Phil. XXVII, S. 449—454.; 



14 Jos. Vajs, 

— - wie wir weiter unten sehen werden — bloße Paraphrasen zu 
Hilfe nahmen. 

Dieser Umstand ist um so verhängnisvoller und beachtungswürdiger, 
da Professor Jevsejev über den Ort, wo die vollständige metho- 
dianische Übersetzung entstanden sein mochte, sprechend, 
ihren Ursprung irgendwohin nördlich von Bulgarien — tiach 
Kroatien verlegt (1. c. p. XXVIII). 

Meine Behauptung will ich beweisen durch Analyse einiger Kapitel 
(XXXVII — L) der Genesis, wegen deren Eigenart und Wichtigkeit. Wenn 
die Glagoliten nicht einmal eine vollständige Übersetzung der Genesis 
hatten, ist schwer nur einigermaßen wahrscheinlich anzunehmen, daß sie 
die Übersetzung anderer oder gar aller Bücher der hl. Schrift gehabt 
hätten. 

Größerer Verständlichkeit wegen schicke ich einige bekannte Daten 
voraus. Wie Professor Michajlov ^) gezeigt hatte, wurden aus der Ge- 
nesis im Parömienbuch nur die ersten 9 Kapitel (mit kleinen Auslas- 
sungen) und das L. Kapitel erhalten; von den übrigen Hauptstücken 
wurde in das Prophetologium entweder sehr wenig (z. B. aus dem 
Kapitel X., das 32 Verse zählt, nur 2) oder gar nichts aufgenommen. 
Ganz weggelassener Hauptstücke gibt es im Teste des Parömienbuches 
22; für unsere Analyse ist das bemerkenswert, daß es unter anderen die 
Kapitel XXXII— XLII, XLIV, XLVH— VIU sind. Soviel kennt man 
aus den slavischen Parömienbüchern. 

Die kroatisch-glagolitischen Breviarieu enthalten — wie schon Prof. 
Michajlov bemerkt — vor allem jene 9 ersten Kapitel (mit einigen ge- 
ringen Weglassungeu) und das letzte (L.) Kapitel. Weiter wurden in 
guter, auf griechischem Original aufgebauter Übersetzung gerade jene 
Stücke erhalten, die man im Parömienbuch findet; für unsere Analj^se 
sind von Bedeutung besonders: XLIII. 25 — 31, XLV. 1 — 16, XLVI. 
1 — 7, XLIX. 1 — 2, 8 — 12, 33. Die Übereinstimmung des Parömien- 
buches mit den glagolitischen Brevieren ist nicht zufällig. Auch die 
sprachlichen Eigenheiten geben Zeugnis davon, daß die Übersetzung der 
oben angeführten vollständigen Kapitel sowie dieser Teile aus dem Pa- 



1) A. B. Miixaii-ioEX, Kt Bonpocy o jm-repaiypnoMi. uaci^j^iu cbb. Kupujja 
II Meeo;[iH ex r.iaro.i. xopBaTCKuxi. Mucca.iaxx u öpeDiapiuxi. BapuiaBa 1904. 
Crp. 53. 



Die kroat.-glagol. Breviere n. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 15 

römienbuche in die kroatisch-glagolitischen Breviere hertib ergenommen 
worden sei. (Siehe Michajlov 1. c. p. 61 — 62.) 

Aber auch die übrigen Bruchstücke aus der Genesis , also auch die, 
welche im Parömienbuche nicht enthalten sind, sind für unsere 
Thesis sehr wichtig. Wir haben da wieder zuerst die Übersetzung 
einiger Kapitel, an der zwar der Einfluß der Vulgata sich bemerkbar 
macht, die aber im Grunde doch eine alte nach griechischem Originale 
hergerichtete Übersetzung ist (Kap. XXXVII. 2 — 22). Wir haben da weiter 
eine Paraphrase des übrigen Textes der Genesis, welche Paraphrase 
durch ihren sprachlichen Charakter wieder auf einen guten 
Kenner der altkirchenslavischen Sprache und was besonders 
bemerkenswert ist, mit griechischer Phraseologie hinweist. 

Auf dem Blatte 176c — 177b Cod. c. r. bibl. Aulicae Vindobonen. 
N. 3 haben wir eine treue Übersetzung des Kapitels XXXVII. 2 — 22, 
welche — wie wir weiter zeigen werden — die Spuren einer nach grie- 
chischem Originale gemachten Übersetzung trägt, die jedoch in dem 
Parömienbuch nicht vorkommt; den Inhalt der Erzählung bilden die 
Begebenheiten aus dem Leben des ägyptischen Josefs. 

Von da folgt die Paraphrase mit einigen apokryphischen Zugaben, 
z. B. von dem Wehklagen Josefs am Grabe seiner Mutter Rachel, von 
der Freundschaft Josefs mit dem Weibe Putiphars bis zum Blatt 179b 
V. 14; der folgende Teil (fol. 179 b 14 — 179c 22) ist die getreue im 
Parömienbuche enthaltene Übersetzung; der weitere Text fol. 179c 23 
— 180a 25 ist wieder nur eine Paraphrase, nach welcher wieder eine 
getreue auch im Parömienbuche enthaltene Übersetzung fol. ISOa 22 
— 180d 7 folgt. 

Nach einer kurzen Paraphrase (ISOd 8 — 17) haben wir wieder eine 
dem Parömienbuch entnommene Übersetzung 180d 18 — 18 la 19; ähn- 
lich kommt nach einer Paraphrase (fol. 181 a 20 — 18 Ic 20) wieder eine 
getreue mit dem Parömientexte übereinstimmende Übersetzung fol. 181 c 
21 — 181d 17. Mit einer wertvollen Übersetzung des letzten (L.) Ka- 
pitels fol. 181 d 22 — -182d 13 endet der Text der Genesis auch in den 
glagolitischen Brevieren gleich dem Parömienbuche. 

Ich halte es für zwecklos hier erst beweisen zu wollen, daß der 
glagolitische Text der vorerwähnten Perikopen der Kapitel XLIU, XLV, 
XLVI, XLIX, sowie auch des ganzen letzten Kapitels L nur Echo des 
Textes des slavischen Parömienbuches sei; dies bewies schon zur Ge- 
nüge Prof. Michajlov (1. c. S. 87—95). 



16 Jos. Vajs, 

Schweigend kann ich jedoch nicht jene Stellen übergehen, in welchen 
der Text des Breviers Veit's nicht nur über die cyrillischen, sondern auch 
über die glagolitischen Texte hervorragt. 

Solche Stellen sind: 

a) mit lexikalischen Eigenheiten : 

caAHH ISld 26, KparpT». iSOc 25, EpaTpura lS2d 1, B'wra 

180c 27, IKHTCAk lS2b S, 0B/\0KH3dTH ISOc 2S, ISld 24, ;RTpC»Bd 

179c 16. 

b) Mit morphologischen Eigenheiten (Archaismen): 

a) mit nominalen Eigenheiten: nom. pL: K3i4UJiv/i,'iiJfH lS2b 
25, norp-kB'ium ib. 26—27, SAa^k 182c 4 — 5; dat. pl. : napaOHO- 
KCiiii' (cHAHHy') lS2a 6; 

ß) mit verbalen Eigenheiten: 5- Aorist: ßjrkce 17Üb 15, no- 
rptcf 182b 18—19, 182d 13; cA-Aorist: p'&me 179b 24, c 12; 

starker Aorist: OKp-kTiw ISlb 10, lS2a 7, KkS^BHrOY 
181a 8, U3HJi,oy lS2 3i 20,hl; npn^OY ISOd 5, np-Kii^OY 182a 4. 



Mehr jedoch ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich die übrigen 
Texte, d. h. solche, die in dem ParÖmienbuche nicht enthalten sind. 
Es ist vor allem die Übersetzung des Kap. XXXVII 2—22, 29—33; 
und weiter die Paraphrase des übrigen Textes bis zum Ende des 
Buches, insofern sie in den oben angeführten Texten nicht enthalten sind. 

Der Text des Kapitels XXXVII ist eine nach griechischem Muster 
gemachte Übersetzung, die später nach der lateinischen Vulgata stark 
umgearbeitet wurde; nichtsdestoweniger findet man daselbst noch Spuren 
des griechischen Ursprungs. Und dies vor allem 

a) in den Eigennamen BaabAH (gen. sing. BdXXag, lat. Balae), 
OcHnii ([loorjfp, Joseph), Po^KHiuik (Poiißii^i^ a,xic]x'Povßiu^ "Fovßeii-i, 
Rüben) i), Go^Y*'^'^ i^^/Jl-h Sichem); 

b) wichtige Stellen im Texte ^ die auf griechischen Ursprung hin- 
weisen : 

1. HE 0\fKHlJHrji' ^\iiif (ro, V. 22, Sept. ov narä^of-iev 
avTov eis ^vyJiv^ Vulg. non interficiatis animam eins! 

2. SB'kpe AWTOJ noTAkTH ... V. 20 ^rjQior TtovriQov -/.ax- 



1) Cfr. The Old Testament in Greek by A. Brocke and N.Mac 
Lean. Cambridge 1906. I. 



Die kroat.-glagol. Breviere u. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 17 

ecpayEV ctvröv^ Vulg. fera pessima; dasselbe weiter unten v. 33; 
die Vnlgata hat auch hier: fera pessima. 

Auf den alten Ursprung der Übersetzung weisen c) einige lexika- 
lische Eigenheiten hin: AOyHd ((TfA^vjj) v.9; CfAO {jtEdlov) vv. 7, 15; 
fTfpb {vio) V. 15; rpfA^l" [eQxetai) v. 18; 

d) einige morphologische Archaismen: nom. adj. AWTOt (Sß'fepf) 
V. 20, 33; acc. part. K/\c>y;i,fLpi^ (OBp'kT« mi h MOY^Kk ertp' kao\'- 
^EijJii Ha CCA'R, Vulg. Invenitque eum vir errantem in agro v. 15). 

Nicht minder wichtig ist der sprachliche Charakter der darauf fol- 
genden Paraphrase ; da handelt es sich wieder um einen alten Text grie- 
chischen Ursprungs. 

Es kommen hier bemerkenswerte Eigenheiten vor : 

a) lexikalische: Eigennamen, wie Pa\'HAiv f Pa//}A) ; Po^BHIUlii 
{'Povßi^i); npo^i,pc>iuiK [rtQÖÖQo^iog] 177d 16; naTpHKHH {TtarQiy.tog) 
178a 11, b 11, d 24; naTpHKHH H 17Sa 18, 179a 7; tTtfih [rig] 178a 
12, b 17, po>K^EHHi€ 179a 18; np'RAiCKH CTKOpHTH 178a 20. 

b) morphologische Eigentümlichkeiten: 

a) nominelle: instrum. sing. u,pEBOM' (noKfAlvHH6lui') 178b 16; 
gen. plur. lUiHorh, 17Sc 15, TOifHHk 17Sd 2, KpacHk ib., X'^^VA'^ 
ib. 3, A<^^P<^<^^P^^3Hk ib. 5, X'^VA'» ib. 6, MHOroocHAkHk ib. 10, 
HfCKOYA"*» ib. 10 — 11, MHcrocKO^A"*^ H TAa^Hk ib. 12 — 13; 
dat.pl. raa^HOLr (aIvTOm') 179a 13. 

ß) verbale: 3 plur. imperf. iiiHMC»rp£A'R'S\-c>Y 177c 5; aor. 3 
plur. BHHAOV 179a 14, ocptTOy 179dll, 180a 18, OTH^oy ISOd 
9; 1. sing. OKpIvTk 181b 10; part. oyTlvUj'iiJf I78a 3 — 4, ocraßAk 
179a 25, b 2; BSBpaijJkuik cc 179a 26, CTBop'ma 179 d 17, OBpaqj'- 
me Cf 180d 8—9, OBpaqj' ce ISlb 24, CTBop' 181c 17. 

c) syntaktische: npo^am« h na cpfKp'HHU.'RY' 177c 13 — 14 
erinnert an die Satzfügung im Evangelium Cod. Marianus 97, 22: MO- 
jKaui« KO ce Mrpo npoAanc» k^uth na luikHOSt; ibid. 366, 14 
— 15 npo/k,aHO K'kicT'K Ha t n-kH/ÄS'k. — tiKO mw^hth ce bcSm' 
I77d 21 — 23 {wäre cum inf.); 1iKC» f;i,HHOMOY bhth OK'kUJfHO\' 
a Apc»YroMOY b can' cboh npkBH bhhth 176b 24 — 26; -kKOiKf 
CHaKAtiTH ikhto 17Sd 17 — 18. 

Auf Grund der vorangeschickten Analyse gelangen wir zu folgen- 
den Schlußfolgerungen : 

1 . Es ist augenscheinlich, daß die kroatischen Glagoliten den Pa- 

Arcliiv für slavisclie Philologie. XXXV. 2 



18 Jos. Vajs, 

römientext (nebst den 9 ersten Kapiteln) des letzten (L.) Kapitels bei der 
Hand hatten zugleich mit Perikopen der Kapitel XLIII, XLV, XL VI, 
XLIX, welche sie ebenfalls in ihre Breviere aufgenommen hatten. 

2. Die Übersetzung des Kap. XXXVII 2 — 22 setzt eine ursprüng- 
liche Übersetzung aus dem Griechischen voraus, die später 
nach der Vulgata verbessert wurde. 

3. Die Paraphrase, welche die Lücke zwischen Kap. XL — L erfüllt, 
ist gi'iechischen Ursprungs. Die Analyse weist auf einen Autor, der 
einesteils guter Kenner der kirchenslavischen Sprache, 
anderenteils ein Stilist nach griechischem Muster war; die 
lexikalischen Eigentümlichkeiten verraten, daß er den ältesten Arbeiten 
slavischer Übersetzung nahe gewesen sein mußte. 

Diese drei Punkte führen uns zu dem Schlüsse, daß den kroati- 
schen Glagoliten der ursprüngliche Text des Parömien- 
buches bekannt war, den sie auch in ihre Bücher herüber- 
genommen haben, nicht aber der vollständige Text, da sie 
sich sonst kaum mit Paraphrasen geholfen hätten, und dies 
um so mehr, da die Paraphrasen mit apokryphischen Epi- 
soden vermengt sind, die im Bibeltexte überhaupt nicht 
vor kommen. 

Wie sollen wir jedoch die Übersetzung, (nicht eine bloße Para- 
phrase) des Kapitels XXXVII 2 — 22 erklären? Es ist eines von 
den Stücken, die immer im Systeme der biblischen Lesun- 
gen nach dem abendländischen Ritus gelesen zu werden 
pflegten. Somit liegt darin wieder eine Bestätigung meiner 
Annahme vor, daß der hl. Methodius am Ende seines Lebens die 
Übersetzung der hl. Schrift aus liturgischen Gründen in Angriff nahm, und 
zwar diesmal nach dem abendländischen Ritus. Die Möglichkeit ist 
nicht ausgeschlossen, daß er selbst mit seinen skoropisci auch die 
Paraphrasen minder wichtiger Texte besorgt hatte. Wieder nur ein 
neuer erleichternder Standpunkt in der Auslegung der Worte der metho- 
dianischen pannonischen Legende. 

Somit hoffe ich, bewiesen zu haben, daß die kroatischen Breviere 
keineswegs der Hypothese Jevsejevs günstig sind , scheinen vielmehr für 
meine Annahme zu sprechen, die ich durch gegenwärtigen Artikel dar- 
gelegt habe. 



Die kroat-glagol. Breviere u. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 19 

II. 

Textus libri Genesis (cap. XXXYII— L) codicis glag. c. r. 
bibliothecae Aulicae Yindobonensis N. 3. 

Fol. 176c. Gen. XXXVII. 

2 OcHHk }K.( irji,4\ B'kUJE lUCC- 5 

THMa^eceTe A'kTk na- 
cUme CTa^iJ ci^ cpaT- 

HfW CBOfK» Ol^Je OrpOHf CH. 
11 B'KllIE Ch. CHbMH RaA'AH 

H 3fA'nH iKfH (-|- superscr. aua) ouia CBO- lo 

erc. Oy<>V'^h ^* kpthk» c- 

BOio oy c>u,a rp'kYOiui' ro- 

P'ujhm'. 3 HsAk oyBO aioBAauje 

OcHna nane CHOßk cßC»H\*' 

Tcro pa^H 'bKO ß crapoc- 15 

TH po^HA' ce fiuiOY K'Ruie. Gt- 

BOpH >K£ «MOY CO\fKHK> C^KP^^IU- 

«Hoy ßEA'MH AOKacaKMjjoY c- 

E JiL,A}K.( J\,0 3M6. 4 IiHAO\'llJe JK- 

E KpaTH'E ErO, 'tKO OlJta BElji- 20 

E BCky' CHOB' AKtßAaUJE c- 

E, HEHaßHA'SV^V «rO, HH lUlO^K- 

ayoY fiuio^* meco MHpcTßop'Ha 
r/\aTH. 6 Peme ike OcHnk kpth- 

H CßOEH : CAHlJJ'kTE CkHk MOH 25 

HIKE BHA'SY'; 7 K'KY'^Mk MH CK- 
Hpat<M[JE CHOnH Ha CEA't H b'- 

craH'SiiJE cHonk moh h CT(a) 

2* 



20 Jos. Vajs, 

l?Ol.l76d. yjj^ BaiiiH Hie CHOnH OKpbCT' 

cToei|jf noKAdHa^oy ce c- 

T 

Honoy MOEM^Y. 8 OßEifjaBiiiEH;- 

E BpTH'fe ero p'kuif emioy : e^,- 

A TH i;pk Hamk boy^euih, hah 5 

MH nOßHHEM Ce BAaCTH T- 
BOfH. Gh'S BHCTHH0\" p'kMk 
CkHk TOAH CAOBECK RO^'H- 
t (sie) BH BpTHH fPO B HEHABHC- 

t' fMoy. 9 yijPoyrH jk« naKH ckhk 10 

TaKOJKA« BH^t H>Kf Bk3B- 

-kipae BpTHH ptH« : bh^'S^' n- 

CHOy A'kKH CAKHU,E H A Oy H 0^ 

H cA"MöVHaAfC£ (sie) SB-tSAC^V n- 
cKAanaTH a iuihIc. 10 OrA*» ik« 15 

CH CkHk Ol^Oy CBOtMOY H BpTHH 

BkaBtcTH, Honp-kTH fMOy 0- 
i;k H p(Hf : Mto TfB't npocn-t- 

«t' CkH' TBOH, H;K£ BHA'^^M^ 

€CH MEA»?; «A^ <*3k H MATH T- 20 

KO't H BpTH'k TBCk ROKAOH- 

HM CS TfB-K Ha 3MH. 11 SaBHA" 

'Sy^V ^* ^"^"^V EpTH-s «ro a ou^k 

pliHk A't^f^^V i^'^i^^f pacina- 

Tpame. 12 6rAa Hif BpTH'k «rc» 25 

nactyoy cTaAa oijfa cb- 

oero RptBHBaYOY b Goy^tM- 

'K; 13 pfMf K HEiuioy H3/\k : Bp^H'k 



10 



Die kroat-glagol. Breviere n. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 21 

Fol. 177a. ^ß^^ nacoyT' oß^« ß OovX'" 

fM-K noHAH nouJAic K HHMb (sic). 

Oh JKf oßeniaßi. ptMt: 14 roT- 

OBk fCM'. HsAk h;« piM« (MOV : 

HAH H bhh;a"^ a^^^ ^^^ "P^^' ^ 

n-KlUHa COVTI* KpaTHH TRO- 

(H H ct^a'^K' " npHUJiiA' ^^- 

Sß-feCTH MH-k MTO TßOpHT' 

C6 HH^'. IloCAaH >KJ Ol^fMI^ 

l AOAa tKpOHCKdro npHA« 

B Oovv«"'; 1^ oKptTf h;« h my- 

JKIi eT«p' KAOVA^H*«^ "'^ ^^^~ 
-K H ßnpOCH H MfCO hckaa' kh. 

16 Oh :k( oßfUJAßK p«M£ «moy • ^P" 

dTH£ MO« HMJOY, ßkBß-KCT- 
H MH{'k KJAt HdCO^TI^ CTAA-». 

T 

17 PjM« JK« tMOV MOVJKK Th. : OCT- 

o\fnniu« M-KcTA cero, cah- 
lUAX '/Kf e TAtonie : ha'Sm' ß J\^- 

TAHh. IIa« ^« OCHHI^ HO KpA- 
THH CBOfH H OKp-feTe « ß \^- 

TAH-K. 18 Ohh >k6 ovap-Riue h 3 A" 

AAJKA npHJKA« "«^^ npHUl- 

a' kh K HHM', nOMHCAHUJt OYK- 

HTH trO H OTAH PAd^OY : CC 

cbHHHKK rpfA«T^' 20 noHAtre 

AA OYKHfMk H H BAOJKHM' H B M- 
HCTtpHOY BfT'pY H pJMtW' : 



15 



20 



25 



22 Jos. Vajs, 

Fol. 177b. 

3B'fep£ AWTOW (sie) AK»TC>« nO- 
TAkTH H, H TOrA'i 'feBHT C(, 

MTO npccn-tA' KC»v%v,eT' eu- 

oy cbH' fro. 21 G/\HiuaB JKf ch« 

Po^KHll' YOT'tlUt HBCaßH- 5 

TH pO^Kh. HX"'^); Hf Oy RH 'S HM J<L,Ult 
«rO 222) HH npOAHKdHLl' KpkKH J- 
rO Ha ßAOJKHTC H B MHCT- 

epHoy CHK> 'fe'^f fCTk B noy- 

CTHHH CfH^ pO\,'KH >K« BaUJ« 10 

Cb.KAIC»AHT£ HfROpOHHH. 

Gf h;( ri\MUi x'otc h3k- 

dBHTH H pO\j'KK H^' HM Bk3B- 

paTH (superscr. th) h Kb. oi^oy cBoemioy. 

(sequitur responsorium vv. 15 — 25.) 
233) OpHrnaA luov iKf OcHHoy 

K KpTHH CBOfH H U,- 

tAOBaB'moY e kah- 



1) Textus graecus addit : y.cd elneu. 

2) Textus glagoliticus omittit comma : dnev 6'i avToXg Pov^r-v. 

3; Incipit paraphrasis vv. 23— 33. Cap. XXXVIII, in quo fornicatio 
Thamar describitur, omittitur. 



Die kroat.-glagol. Breviere u. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 23 



Fol. 177c. 



Heiui' ou,a, BpaTH-fe }K( (Uiu- 

i H, H KCaA"lUC H K HHCTf- 

pHoy no rAoy pc^EHMORoy; t- 
c»Y jKf 6M0Y coij'njoy cj Hs'yaAH- 

TH iuiHiuic»rpeA't'^\'<>V- Hw^v,- 5 

a :Kf peM£ k KparHn cbo- 
m : ce HsiuiaAHTH hühmop- 
p«A'2>VT''^ noHA'tTe j>^& npo- 
^aäuik H Hük H poVKH Haiue H« n- 
CCKpoyHtT et, T'Kao (superscr. lui) oyso 10 
EpaTh. Haiuk (CT'. Ha a(superscr.)KH£ 

H3Bf A U^* " Hl{JHCT(pHH OT- 

aH PoYBHiuia npo^aiuf h II 3'- 

MaAHTOim' Ha cpeKp'HHnlv\-'. 

PcYBHM EO HHKoeroHif 3aa 15 

CTBCpUTH fMOr ll3BC»AHa' 

K'tmr, np'fe'/KAf kc> Y'^'T^iM^m' 

oyKHTH ero ch. wt npucTa 

CBtT'k, no Tom jk« mhot- 

npocfLpoy i nc»coKb.cTBO- 20 

Baillf fMO\-, Ha HHMTOJKf 

oycn-t. Hko OTaH iro tipoA- 
a^^^ujE (sie) H, pH3c»\' ero HyoyiiJ 

C OY CCB£ K>»tE CBAKKAH B- 

'KYOY >K' HfrO. Po\fBHM JKe H- 25 

A« K MHCTtpHlJ BHA'feT- 

H h; h« OEp'fcTb ^6 ero np'kA- 

P'fi PH3H CBOe H UlhA'^' 1^' ^P" 



24 Jos. Vajs, 

• aTHH piHf : orpoMt m '6b- 

H Ce MH'K, A3K KdMO HA^'V^ 

Ohh 7K( (rj!k,A npc»;\,auiE ii, om- 

OHHUjf pH3oy ero b Kp'ii' ko- 

SAHifja H nccAaiiiE Kb oi^OY 5 

TAhMlJe : CHIO OEp'feTOM' f- 

A<* KAKC> cHa TBoero kt'? 

OÜ^k BHA'kBb PH30Y 0- 

CHnOBOY np1iAplv pH3H c- 

BOe C n/\aM(M' H pfMt: SKtL- 10 

pe AKtTce norakTH cHa lui- 

c»fro OcHna. HsMaAHTH (sie) 

»;f HH^E KO^nHiut OcHna, 

H/i,'kYO\' R rioyT' cbc»h uj h- 

hm'; npHUJkA'uiEM iVit hm' k M'b- 15 

CToy llpcApOMa, H/k,tJKe 

B'k norpEBEHa Pa^HA' u- 

ATH «ro, Ham naanaTH 

OcHnb H pH;i,aTH s'feAO h- 

apHi^ae Hin« Pd^Hi\^^ uat- 20 

fpe CEO» 'kKC» HOy^HTH 

C( BCklU' bh^eijjhm' £ro, 

II TAATH 'kKO MapH H'KKHE 
TBCpHTk H MapOA'tHUk (CT'. 

BnpamaYOY 7K( ii o paSAHM- 25 

HH)C' p'kHf)^' J\,A nOBtCT' 
hm' paSOyMHO C> MHC»3'R\'k. 

Oh ^« HcnoBt^t hm' o b'- 



Die kroat-glagol. Breviere u. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 25 
Fol. 178a. c'^^\ HH\'iKf BnpamaYoy h, 

rp-kBCHa tcTh. Ohh jKe o^t- 

'tm'UJE H CAOBECH BATHMH 

H OBEljJaß'mE EMOY HHKOf^KC p- 5 

aBOTH CTßOpHTH Ha naM- 

( aWEBtHt: AWBHTH H H B- 

«A'^^Y^V H Cb COBOW. npHlUKA'- 

U1(U }K( HM' ß' BlOHTk BH/\,t- 

l\l( H MH03H A"B'^'*X'*''*V ^^ "^P" 1^ 

acoT-fe ero. IlaTpHKH H;e 
fTfp' MkCTHHY' MOtf^i* nap- 

aOHOB' BH/l.'KBb H Ji, K fi <:> C> - 

BpaSliH' COYUJIi KO^HH H CTBO- 

p' i;'tHOY C npOA'JKMiiHMH H. 15 

H nocTaBH h crpoHTea- 
a ^OMOY CBoero, /Ktna ^( 
narpHHHa (sie) :K«i\'tKM|jH nac- 

HTHTH C6 KpaCOTH OCHH- 

OBH H BCJCOT'k np'KAlOBH C- 20 

TBOpHTH m HHM', OcHHOy }K- 

t HfpaMHBUJOY CTBOpHTH 

no BEsaKOHHK» le. Gh-K npcr- 

H'KßaBUJH C£ Ha HK OKACB- 

era h k' mo^^kio cBOfMoy pa 25 

WHJH : -kKO paBK tboh Ochri^ 
HC rocnoJK;i,K> ctB'fe Ha np- 

tAK»KC»A'tHi;OY IUI« ^OT'k HM^TH. 



26 Jos- "Vajs, 

FoLlvSb. JIj TkKMC» JKf CAOBfCH CH- 

MH AkH^HHMH rAilUJC Ha Hb, Hk 
pHSCy «rO KA3MU(, lOJKf o\-- 

no^OTt t( ckbp'hhhe hciia'- 5 

HHTH, Il-R KO paSkJKHSaf- 
Ma 3pEL|JH KpaCOTH fPO; c- 

fro pa^H x^OT-b-kme a^ "- 

aMf OYim»?PHTk H mCyjKk ({ Hf- 

jKt paa'Hi'/KHsaaa (sie) et kh 10 

SpCljJH Ha Hk. üarpHKN jk« 
H« YOT-K 0>fllilOpHTH H, Ha fMk 
BCaAH H ß TkMHHU,<?\% K HfM- 
OyjKf no TCIUl' K-RCTa H Aß- 

a CAOY^KHTfAa u[pfBa ß- 15 

cajK^eHa noBfA'6HHs(ü' superscr.) U,pe- 

bom' 3a fTepo\' bhho\-. 

lijKe KHAa K'kujfTa e^"- 

Hk YA-kKap' a aP^^V" MkßkHk- 

HH; BH^'KBlUEMa }K( Hivia 20 

paSAHHkHk CkH' H HOBtA''^- 

Biua OcHHoy, OcHnk cßa- 
sa Hiuia pa3AHMH£ cHa 

'RuifHOY' A Apo\'roMO\- B can' 25 

CßOH npkBH BHHTH. PsHf HC- 
E OcHRk K' \'OTflJJC»YIUIO\' BHH- 
TH B can' CBOH : homehh iui- 



Die kroai-glagol. Breviere u. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 27 



Fol. 178 c. 



Mf (sie) trji,A TfK-R ^\,OKpo KoyA- 
(T H Bk3ß1iCTH napacHoy 

J^A HSBfTb (sie) U( C(( OY>KHHU,f 

1vK0 TaA'^KH'fe BSfTK eciuik 

H Ck/l.'K HEBMH'Hk B'nO\fL]JE- 5 

Hb ecM'; TpH o\fE(:> oijie a'"" c- 
oyTk no HH^JK« BcnoiuifHn'' 
CAcyniKH TBOf napaoHb h 

BhSBfA^'''' T'f n*^ CTentH' 

AP'Kbhh : Tkr^a romehh U(. lo 

GeiuioY JKf Bk3BeAf"*^V khb'- 
luoY no TAOY ocHnoBoy Ha c- 
Te(3uperscr.nf)H' aP'^khh kaiosh a np- 
M» caH bha'Kth; BnpamaB' 

JKC lUlHOr' paSAP'KlJUHTH Ck- 15 

Hk frO H H« OEp'kTk IIEMaAkH' 
KHCH! GAOY^HT'f'^'* '*^« 

ero HJKe Kt: H3Eiji,tHh. h- 

C TkMkHHl^f ROimeHOlfB Oc- 

Hna Bk3ß1vCTH eMO\f Hl- 20 

Mk H KaKO B'kujE cKasa- 

Ak CkHk ero H CkHk AP^V^~ 

A ero, t/KJ Cf H SKHCTa 

HMa. U,pk H^E CAHLUaBk C- 

HE OcHH'S pa^l^ KH H HO- 25 

CAaBk nOBEA'k H npHBE- 

CTH k' CEB1v HC TkMHHl^E, 

H ROB'RA'^ f^'^^y CkHk CB- 



28 Jos. Vajs, 

Fol. 178a. ^^ j,^j . ßH^^t^K ßOAk 36- 

TOyHHk H KpaCHb AP'^V"'^" 

H CEA^HIO JfOYA'^ KOAk R- 

0/KHpaCMH. II KAaCk TaK- 

OHCA« •^- A*5 ßP^^KP'*3Hk 5 

APOvroyK» Ä MHK> V'^VA'^ ^- 
AacK noH;Hpa£iuiH. Gah- 

LUaB /KE OcHnk CkHk l^pCBk 

H Bk3B'kCTH KHTH -öS- All- 

Tk MHOrOOBHAkHk H HCCKCy- 10 

A'Hk, Ho CHX" >K« AP^^V'^V'^ '^^ 

A'tTk MHOrO CKOYA"'* " ^' 

AA^Hk. ÜEMaAkH }¥i( BHBk 

L^pk cEMk ßnpocH OcHna, 

HTO nO^OBaAC KU TBOp- 15 

HTH. OCHR JK« CB-kTOBa- 

UJ( H 'tKOH^f CHaEA'^TH :K- 

HTO. lJ,p^ >Ke pasoifWliBk 0- 

CHRA 'SKO MKk MOYAP*^ " ^^'^- 

BOHBk KTk ROCTaBH H 20 

CTpOHTfAa HaA«»^ ßCflO 3- 

(MAEIO CBOCK) H BCAAH H 

Ha KOAfCHHi;OY CBOIO. 

ßHA'tB Hif CR« RATpHKRH 

BcaARßi^H ero Bk tiuihh- 25 

u,c>\f cyBok c« 3'Sao h uikA' 

K JKfH't CRC TpfRfTOMk b'- 
SB'KCTH (R KAKO^ CABOy 



Die kroat.-glagol. Breviere n. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 29 

lol. 179a. npH-KT' OcHnk o i^pa. Gh'S 'A{( 
oyTOAH H noB'^A'^'^^iP" fMoy 
AOKpoTOY ocHnoBoy h Boro- 
KOHHoy iuiovaP*5ct' ero h naKO 

B(3 KHHH CK/\fBfTa H K HEMOy. 5 

T 

OcHnk TKt npHfM' BAacT' n- 

apaoHa h« oMkCTH naTpHKH- 

to Hk nane mhos'Sy' awBAa- 

me H (sie). Crpctme jKe Ocnn' ßca 

AOBp-k H CHaBA'S M0\-Apc»c- 10 

THW CBOfK» MHOJKkCTBO JK- 

IlpHUJkA'ujEM >Kc raa^HOM' A- 

'kTOM' BHHAC»\f BpaTH-K OC- 

HnoBa B' GwnkT' ko^hmt' jk- 15 

HTA H npHiiJkA'mc K Heiuioy nc»3- 

HaHH BHUJE hm' HC n03HaiC)l|IE cpo; 

BnpamaEMH jk« hm' poM^^CHHe (sie) 

CH cKasamc h ou,a oijje h ep- 

ara ch hmo\'I4JE RcHH'^MHHa. 20 

OcHnk iK( cAHiuaB' cma h 

RcHH'kMHHa SAP^Ba CO\'HJ- 

a pa/i,k EH 3lvao. IIoBea- 

t JK6 HMk npHBCCTH ReHH^- 

MHHa GfMHOHa OCTaBAk 0\' 25 

C(K(. OhH H;E B3BpaL|JkUJ£ 

c£ Kk oi^o\' noB-S^ame jmo\' 



30 Jos. Vajs, 

Fol. 179b. g^^^ ^^^^ ^^ ^,^^ noKfAli h- 

lUl' OCTdBA' GflUlHOHa npHK- 

fCTH BjHH'kMHHA. Oll,k IKf R- 

OyCTH Ht rO/l,0\f6 HTM ÜJ HHM- 

H RfHHtiMHHa. PfHf JKf HMk 5 

ßkSHiltTf COVA*>V ^ ^'^' 

MH A^^P" " HA'tTf (supeiscr. K tahhoy) 3M( h 

(rjli,A OEpflJJfTe H nOKAOH- 

BO lUlOH CTBOpH H KAM MC- 10 

THß', A** BHnO\'CTHA' KH 

ctro KpaTA BAUifro c' 

KAiuiH H OHoro croH^t A9^- 

>kht' ßb c»\f3AY'. 1) Geii.XLm25 Ohh h;« npH- 

lillvAUJE Kh. 6K»nkT' KHlvCC 15 

OcHnoy A^^P" ^ A'^^' "^^ W 
Hiui-kx-ov K po^Kay' cßony', 

H nOKAOHHlUf Cf fMC\' A<^ 3- 

EME. 26 KnpocH :ke e Ocnnk 

n\E : A*2>KP'S AH SAP-JEH 20 

ECTE H 3AP^^K A" *CT' 

oi^h. Baujk cTapku,ii etojk- 

E nOBlvA'*^^'^* 1^" <^4^^ ^- 

o\f4Ja. 27 Ohh >ke ptuJE a^^^P'^ 

3AP<*ß"^ fCT' H OL(JE JKHB' 25 

ECT paBk TBOH OH,k HAUJk 

H A'^Kp'b BAP'^Bk ECTk. 

1) Cf. Cod. S. Simeonis ed. M. Steininger, p. 21; sequitur textus pro- 
phetologii. 



Die kroat.-glagol. Breviere u. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 31 
Fol. 179c. pj^j jj-j OcHRk : KAtth. KUh MKb 

TA. Ohh iKt naA^^f O'*'^" "- 

OKAOHHLUE C£ eMO\- J^O SM«. 

28 IlbSp-kß JK£ OMHMa OCHIIK 

BHA'S BfHH-KMHHa KpaT- 5 

a CKoero co\'i[ja H3' e- 
^HHOf yaTip« m hhiui' h 
ptMf hm' : ce AH ecT' Kpar' 

Kam' lUlkHUJH HflUl/Kf noK- 

'KA^c't* mhU, f^o^Ke h 10 

p-Ry' Baiiii' npHKfCTH k' m- 
Ht? Ohh TVie ptme emoY : «h th 

Cf fCT'. OcHRk /K6 EAKH H 

rat : b^ bakh h romoyh t- 

E Hf;i,o; 29 cMO\'HJaüje bo cf (- 15 

MC>\" o^TpoBa ero o Bpar- 

'K cbojm' h HCKaiuc naaK- 

aTH cf. Ii3bm';i,mf (sie) b ao- 

JKHHHO\f HAABa (sic) Ct TO^; 

30 O^IUIHB JK6 CH AHU.C HSH^C 20 

E.hHK K BpaTHH HO\-Af C£ 3- 

AP'jKaTH Ce CAk3k 1) H H- 

£ MO»;auj£ ce 3AP'JKaTH 
3pe BCty' Kparii cboh- 

^k. FOCTHB JKE « A"" H'SKH- 25 

£ noBEA-b A'*'*'" mm' -/KH- 
Ta eahbo:ke yot-Rx-o^-; 

i) Explicit textus prophetologii ; sequitur paraphrasis continens vv. 31 
—34 cap. XLIII, cap. XLIV, v. 1 cap. XLV. 



1 

1 



32 Jos. Vajs, 

J^ Ol. 179 a. noBfA-k jk« h HaiuKoy kaojk- 

HTH Bli Bp'tTHljJt ReHH'KM- 

HHOBO 'kH;c (superscr.) HapHi^amc ce KoH;i,d 

Y0T6 OyCTaBHTH C\- CfK- 

i BEHH'bMHHa. Geiuio\' :ke E- 5 

I 

HB mo^* oncycTH e hth h no- 

C/\a B CAt^' 

hy' HC bat' MAUJKH H C»\' HEro- 

H;e OepELflETk (!) K» npHBE^O^/-- 

Tk (!) H K HEIUIO\^. IIOCAAHH HiE 10 

HAHkh'UJE HCKATH OBp'kTO\' 

K» Bh. Bp-kTHUlH BEHHliMHH- 

CB-R H EM'uIE BE^liV^^V " ^^ 

OcHHO^f. RkSBpaTHUJE IKE 

CE BpdTHiv ErO B CA'fe^N,' 15 

ErO H MHOrO TAAUJE HA Hk C- 

EM' MHEl|JE H CHE CTBOp'lUA. 

Ho TOM HIE MAYO\' OcHHA 

A4 E;i,HHoro HH\' oy-^p'jKH 

t' CErC }KE OnoyCTHT' HT- 20 

H Kk Oi;0\f; rAA\'0\' KO 'SKO Ol^k 
ErO BEAMH AWBHTh. 

(sequitur responsorium vv. 23 — 28) 



Die kroat.-glagol. Breviere u. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 33 
Fol. 180a. Ilp-K^KA« ^f cfro 

rAaAk Et Po^RHUij' 5 

k' Kpt\THH c(superscr.)BOfH pr- 

KH: J!i,A AH Hf P'^Yk K- 
AM' H8 MOStTf CKP- 
P^UJHTH KK OrpCl^-S H H- 

c CAOYmacT« im«; c« k- 10 

PHH(!) trO ß3HCK0y£T Cf. 
Hk H BCH rAAAH K-b^Oy pfK- 

oyni« : ;k,0CT0H'k (sie) ch'S rp^nii- 

Mk, 'kKO ckrp'feujHYOim' b Kpa- 

Tlv HLUfiuik; BHA0\'i4Je TO\*r- 15 

c»Y ji,iui ero frA<i npoiuaujc 

HH Hl cAO\'iiiaYoiui', Toro pa- 

AH OEp'feTO\" HH CKP'bH CHf. 

OcHHk }K.( MCp'/l,OBaB' E- 

paTHK> CBOK» pfM« HMk : RpH- 20 

BAHJK-kT« et Kk lUIH-K. IIpHEA- 

H^KUJELI Cf hm' K H{M0\* PAA H- 

Mk : aSk ECMk OcHHk EpaTk 

Baujk jrojK« BH npoA^vc- 

T( Bk GionkT'. Gen. XLV 2^) G( JKf pfKk H- 25 

cnoycTH TACk c pa./VOc- 

THK» H C nAAHfM'; CAHUJA- 

HO jKe EH BCKiui' ewn'qiaHO- 



1) Incipit textus prophetologii (Gen. XLV 2 — 16). 



Archiv für slavische Philologie. XXXV. 



34 Jos. Vajs, 

°* M' H OifCAHlUaHO KH ß A'^'^^V 

napaoHOB'k. [BparH-t :kc o- 

CHnoBa Ht MO^Ka^OY Oßfuj- 

aTH OcHRoy OBO :k( pa^oc- 

THK» "Kko noBHauie h, obo jk- 5 

( crpa^oM' 'kKO npo^amt h.] 

5 PfHf :K< hm' OcHRk : H£ CKp'Kt:- 
Tf HH H^tCTOKO BaiUl' 'KBA- 

AH c( -kKO npo^acTt mc cIj- 

MO, B 2KHB0T' BO HOCAa ME 10 

Ell np'K^i, BaMH; 6 et ko BTopoe 
AtTO raa^i* «ct' Ha 3mh, 
H oip« npoMHy' n«Tk a-Rtk b' 

HHY>KE H'kCTIi OpaHHli HH JKf- 

TBH. 7 lik >Kf B HCTHHOy HOC- 15 

Aa ME np'fe/k, BaMH ocraB- 
HTH BaM' ccrantK' na 3mh 

H np'kRHT'KTH BaM' OCTa- 

HaK' Bf ah; 8 he bh rocaac- 

TE ME CKMO HIi Bk H CTBOpH 20 

ME tkKO OL^a RapaoHoy H ra 

BCEMOY A^MOy ErO H KHE3- 

a BCEE 3ME GlCRkTa. 

9 nOTblJiaBUJECE oyKO b'3- 

HAliTE Kh CU^OV HLUEMO\f H p'- 25 

l^-kTE EMOXflCHl^E TAETK 

CHW TBOH OcHHk : CTBOpHA' 

ME ECT' Bk ra BCEE 3ME 



Die kroat.-glagol. Breviere u. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 35 
Fol. 180c. d^tiiTa; chhah cyK^ k»^ mh-S 

H Hf OCraHH 10 H ßCfAHlUH C- 

c B 3MH HapHnafM-k 'ht- 
cHiuit k' BwnT-s, EOVA^iu" ^- 

( KAH3' MH-S TH H CH0B6 5 

TBOH H CHOBt CHOBk TBO- 

H^' H OBU,t TBO£ H HOyTA 

TBCS H «AHKO ICT' TBOf- 

ro 11 H np'KRHT'kK» T( Toy. 0- 

i|je KO '£b- AtTb TAa^a c- lo 

«rO fCT'. rioAkSH-K« >K- 

E TH tCT' CHHTH Kh. MH'fe H- 

€h;6 hctahth c( rA&ji,o- 

MK H TfB-k H MfA^^^*' TBOHM' 

H BCkM' COyilJtM' TBOHM'. 15 

[Gt H;« pfKk PAA HMk] : 12 C( OMf- 

Cd BAUIA BHA«T' OyCT- 

A MOtC TAAUJA (!) K BAM'; BIi3- 

B'kcT'kTf o^KC c»i;o\* HmMO\' 

BCO\' CAABO\f MOK» COyilJOY 20 

b' BnT-K (!) H fAHKO BH/k.tCTf. 
IIoTklllABUJC Hie C( HH3B(A'^- 

Tf c>u,A Hujfro ckMO. 14 Ge 

ptKk HAHA/^E HA B H 10 ßcHH- 

'KMHHA BpATpA CBOffO H 25 

HAAKA et TOy. [BfH'-tMHH' Hi« 

HAAKA C( HA BHH fPO] 15 H k'- 

A0KH30Ye OcHHk BCO\" Bp- 

3* 



36 Jos. Yajs, 

Fol. 180a. ^rJ,^^^^ cboio n/xana et o hh\'\ 
Ho cfiui iKt B'srAame Epar- 
H'k ero K HfMOY; 16 ii npoiuiKMf ce rn- 
ack K ^^omoAf napaoHCK'K pa- 
E : npH^oy KpaTHli ocHnoß- 5 

a. Rspa^oßa TKt et nap- 
aoHK H Bc« cao\'rn eroi). 
BpaTHt 'A'x( ocHnoBa ok- 
paLiruiE cf 0TH/k,0Y no racy* o- 

CHROBOY H H^tvyOY Kk ou,o\- c- 10 

BOfMOy H npHlLlk^UJf K HfMOY B- 

SB-kCTHQJf CIUIO\f OcHR'K, 

H KaKO nOBfAlC CHHTH fMOV' 

K' CtK'k Ca BCfeMH COlfUJHI^H 

irO. Ouk JKf CAHluaBk 15 

OcHnt B3paAC»Bt» cf pa- 

AOCTHIO BfAHfK» 3liAC». 

Gen. XL VI 12) H bsa^ht c( cam' h Bca c- 
BO'fe H npH^e Ha CToyAfH'^U' 

KAfTBkHH H nOIKp'R TO^ JK- 20 

p'TBOy B0\- CIXA CBO«rO Hc- 

aKa, 2 Gahuia jke h 30BOV- 

IjJk C( HOLjJHIO Bk CH'b rAHM|Jk 

eMOY : liKOBf, liKOBt; oh JKe 

OBCLjJa EMOY rA£ : CE EClUk. 25 

3 PfM£ Htf «luioy ßli : Hs' ecMk 
Kp'knkK' Kk ciu,A TBOjro; m k- 

OH et, H CHH4,H Bk 6nTk (!) b' p- 



1) Explicit textus prophetologii; cfr. cod. S. Simeonis, p. 21— 22. Se- 
quilar paraphrasis complectens vv. IT — 28 einsdem capitis. 

2) Cfr. cod. S. Simeonis p. 22—23; repetitur textus prophetologii i. e. 
vv. 1 — 7 capitis XLVL 



Die kroat.-glagol. Breviere u. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 37 



Fol. 181a. 



10 



OA«^ Bf AH CTßOpOV T« K HfMh.; 
4 a3 Hif CHHAOV C TOKOW TAMO, 

H ask TOVA^V npHß«A<>V '^^^ 
Bh3ßpai|jaicnJA cf. H Ochh c- 
uHk TßOH bsaoh^ht' povu'k c- 

BCH HA OHH TBOH. 5 ßcTAß' 
JK6 'ElKCBIi CTOVAfHU.^^ 1^'^^- 
TßkHArO H BkSABH'^'^V C"" 
0B6 -kKOBAH HsTvA OH,A CB- 
OfrO H JKfHH CBOe HA KCAfC- 
HHU,AX' 'kKOJKC nOCAA OcHR' 
BkSABHrHOVTH CK KCtlUlk 

cTtn^AHHEM' (ro. Ehha« ^- 

f 'BkOBK B BwRKT' CK BCÜmiK 

HMtHHtim' CBOHim' fJK6 CT«- 15 

JK« (sie) B 3UU jfAHAH'kHCU'K H BC- 

E ckime tro m hhuji', 7 chobc «rc 
H cHOBf cTiOB «ro, A^ipfp" 
tro H A«4^^P" AfiPfP"»^ *'''^^)- 
Bt >Ke H)^' dP H -Sh- c poAfipHM- 
H ce b' BionT-K o Ochra. Gtb- 

OpH Hif OCHRK AWKKB' KO\f 0^^- 

OAHOY CK oiTesm' ch h ck bco\- m- 
fAAAHio fro pAA^V^ ^^ ^ ""X- 

H BCfAH i b' Bm-RT-S B 3MH 25 

HApHU,A«IUlt "KfCHMli:. OkHT- 
A B HCTHHOV liSAK B BlORT-fi 
B' 3MH HApHU.AtM'fe lifCHM- 



20 



1) Explicit textus prophetologii; sequenti paraphrasi continentur omnia, 
quae capitibus XLVII et XLVIII narrantur. 



38 Jos. Vajs, 

* t H ßAaA<»TH noMt fw; pac- 
naoAH JK« ce h mho:kh ce ßt- 

a'MH H >KH ß H«H ÄS. AtTh. 

GxßopeHH h;c co^t' bch a"- 

H H;HBOTa ero b- h •>• h oS- a- 5 

tTk. 6rA<» >K6 BAHJKHTH C- 
C BH/k.'feUJe A"»^ OVMp'THt C- 

ßojro npH3BA CHA cBoero 

OCHRA. PtHf JK£ K HfMO\- : Aljl- 

E OEp'kTk liier' np-KA ^«H«- 10 

MK TBOHM', nOAO^H pO\'KO\- T- 

BOK> noA' KfAP*^V '^*^'^ " ^" 

JI 
TBOpHLUH Cbk MHOW LlCTIv. 

H m rp-kBAH ma (!) b GtonTü, i\w 

Aa CRAK» Ck OUH c(superscr.)BOHiuiH hs'- 15 

HCCH U( H3' 3111« Cff H CKp- 

HH MC B rpOK-fe BfljJKUJHYki). 

OCHH JKf OBfLjJAB' 011,0^ CB- 

OfMO\" pCHf : A3k CTBOpO\' C- 

^Kf nOBfAtA' (CH MH-R OMf. 20 

Oh JKf p(Mf fIUlC»\- : KAkHH Cf B H- 

CTHHOy MH'K. 6mOV' JKf KA6B'- 

ujoy ce noKAOHH et H3Ak rct\'. 

Obpaijj' C( K AC»>KA 3'rAA- 

BHK». Ocnn >Kt OTHA«. GhM- 25 

H }Vi (MHH0VBUJHMH2) Bk3B'S- 

qjfHO BH OcHROy 'RKO MASA- 

uit et (?) c^K tro. Oh m;j nofiuik 



1) Vulg. condasque in sepulchro maioncm meorum (XLVII 30). 

2) Vulg. His ita transactis (XLVIII 1). 



Die kroat.-glagol. Breviere a. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 39 

Fol. 181c. ^ß^ j"fj„ cBO'fe MaHacHK) h 

6np'kMa no^e (sie) k h«mo\-. PtHtHO 
:Kf KH CTap'i^oy : c« cHk tbo- 

H OcHnk rpiAfT' K TfK'S. 

Oh }Ke o^Kp-kRH ce h ct^f H'* 5 

AOJK'fe. H BUJb^UJCV K HEiuioy 0- 

CHnO\" peMf : Bli BCEMCTH 1i- 

BH Cf MH-k B 3MH ]C'»H<*H1v- 

HCl^'K, BABH }Ki M£ H 0m( : 4- 

3li Tf npHBaBAK) H O^MHOMi- 10 

K> H CTBOpoy T( B AK>/l,H B- 

fAH«, ;i,aM JK« (th superscr.) 3MK> CUM» H 

CbMEHH TBOeUO^f nO TfK'b 

Bli OKAACT' B'KHH0\'I0. 

BaBH JKe llKOBK CHH OCHR- 15 

OBa ManacHK» h Bnp'kima c- 

BO't CTBOp'. 'fejKt H KlvCT- 

a no OcHR'K crap'feHiija n- 

AEMEHH CH. Gen.XLIXli). H npHSBaBk 'Hk- 

OBI^ BC£ CHH CBOC pCM£ 20 

HMk : 2 nc)CAO\'UjaHTE cTioBE 

•kKOBAH CAOBrCk HsAA 

oi^a Baujfro. 8 [lK';i,a >Kf ch- 

E MOH, TIE( BC^BaAtTk 

KpaTH-fe TBCb; po\'H,'fe TBO- 25 

h Ha nA«nja\'' Bpar' tboh^', 

H noKAOHfT ce Tee1v cho- 

Be ou,a TBoero. 9 GKOvwfHk 



1) Cfr. Cod. S. Simeonis p. 23; cap. XLIX vv. 1—2, 8—12, 33. 



40 Jos. Vajs, 

Fol. 18 Id. ^^i^ß^ß,^ Hw^a o A'kTopa- 

CAH CHI MOH K3HA« ß'3- 

Air'. Ilocna 'Kko Ah.Kh. » t.K- 

CKOYMKH' AfckBOBI»; KTO b'S- 

KOYAHTK H? 10 He OCKO\-A'ß«T' K 5 

Hf3' HhJAM "M KAA^HKa 

BfApH ero, A*^"Af^* npH^- 
jt' nH;e noiuAHM' «ctl, h tr 
KO\f;i,eT' noHiHAAHH« Hapc»- 

J^h. 11 lIpHBISd« AOSt JKptB- 10 

( CBOf H p0^fMH^H AC»3'S OC- 

AfTf CBOtro; HcnepfTk 
bhhom' oa^JK^k» cboio h Kp- 

BHK» rpo3A<>ßoV <»A'Shh* ^- 

BC»6. 12 Kpam'ujH kta omh tr- 15 

BHHa H 30BH (sic) 1) «PO MA'kKa 

cB'bTA'kHiuH2). 33 IloHMaHMaH- (sie) 
hmh3) JKf sanoB-kA'"^" 'Kko- 
Bk HMHH^E cynaiuf CHH npo- 

CTpk H03li CBOH Ha AO/Kt 20 

0\'Mp'k H npHAOJKIH' BH K AIO^- 

fM' cbohm'. Gen. L. 1 Hana^i^ JKt Oc- 
HRiw Ha AHU,f oua CBOfrO 

nAAMf H OBAOBHSa H. 2 SdR- 

OBtA'^ >Ke OTpOKOM' CBO- 25 

hm' EaAHM' A<* mact'mh n- 

CMaSAAH KHUJ« Oll,A CBO- 

tro; 3 HMHJKf sanoB-kA" "c- 



1) Ol oJovTef. 

2) Explicit textus prophetologii ; seqnentem v. 33 prophetologion iungit 
capiti L, cfr. cod. S. Sim. p. 23. 

3) Vulg. Finitisque mandatis (XLIX 33). GKK^HksaHHAAH? . . . 



Die kroat.-glagol. Breviere u. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 41 

Fol.l82a. HAiiHawijiHiuiHi) hsha^^V '^' A""> 
CHi^k KO HpaBd K'bme Tpo\|^nk n- 
omasaHHY'. FI/xaKa tks tro 6m>- 
HkT' dP A""- 1 ^''A'* *'*^* nptHA- 
c>\' A"H HAaMa raa Ocunk k c- 5 

hahhm' napaoHCtßoy' rae : a- 
ilje okp'Rt' mct' npIvAii anu^- 
ein' BaujHM' ra'tTf Eh o^uih n- 
apaoHa raiciije : CHi;e ratTh. 
OcHnii : 5 oi^k moh saKae ui ra- lo 

( : ce o\-MHpaK>. B rpoB-K ikc iuic>- 
eiui' HC« (!)2) HCKona^' b 3MH ya- 
KaH'kHcu.'E norpEBH me; » um 
c\'BO no^'CTH Hilf A<* ia^i^A' "'5- 
rpfBO\- OL^a tuioerc» h ßpaiijc^ 15 

cf. 6 P(Hi 'iKi napaoH' OcHno\' : 

B3HAH nOrpfBH OU,A TBO- 

7 H BSHAf OcHHk norpscT' 

oi;a cBOEro h b'3ha<?V ^^" 20 

t m hhm' bcm orpcmi napao- 

HOBH H BC6 CTap'KUJHHH ,\<>- 

MOY^frO; BCf JK£ CTap-tLUHH- 

H 3Me eWRTbCKHf, 8 H BCH ^0- 

MOBHHl^H OCHHOBH H BpaT- 25 

Ht: ero Toan BkCk a*^"^' »^lii- 
a iro m hhm'. OcraBHiue ;k- 

( POA«^ H CKOTH TOaH HO\fTa 



1) Vulg. Quibus iussa explentibua transierunt quadraginta dies. (L 3). 

2) recte hjke: Vulg. quod (sepulcrum) fodi mihi; cod. B !£'»' xw fxvTSfXBUo 






42 Jos. Vaja, 

B 3UH eicnkcut: (ae). 9 Hsh^ov »;e 

UJ HHU' KOACCHHl^E H CHOVSHHl^- 

t UH^rHC [corr. t H KH n^'K' ß«i\H B'SAO. 

10 W^wm'xuii 'AHi Ha rovLiHo" araroßo, e^K« ec- 

T' OK OHk noAk lip^aHa Bkna'- 

CTKRUii cro naaMfu' beahe- g 

U k 31EA0 H CTBOpHUJE EMOV HA- 

aMk -Ä- ^HH H iö HOipH 11 Kh^'S- 

KLUE JKE JKHTEAH 3UE yaH- 

aHtlHCKHE HAaMk BEAH Ha T- 

OlfMHli TCU p-feUlE : RAaMK REA- 10 

H KT Eicnr'fcHELi' Ha roruHlk 

araTOB'K, CEro pa;i,H nap- 

•fcUJE HUE UtkCTOy Touoy [Ia- 

aMk EicnTkCKH ect' OK oh' noA' 

lip;k,aHa. 12 Gteophuje ovko iu- 15 

Oy TaKO CHRE ErO, HKO'/KE 3- 

anoRU^i,"*^ HUk. 13 IIphhecüje h 
R 3U» Y'JM'iHli^HCKOV Rorpt:- 

C E H K REipEpli COVroyKtH W- 

»:e KOvriH flRpaau' r cte/K- 20 

cJHHE rpoKa BnpoHa y^teh- 
cKciro K XerpohIv npl!MO A\- 

aUKpHH. \i fjkr^r'.pjTH >t'.E Cf 0- 

cHrik r' fiwriTK h KparHlc «ro 

M KCM K?, kijj k ,v' m f H iij hhm' n- 25 

orpECT oii.a Ero norpEKiii- 

t M KäKpaTHIHE CE. 15 FiHAIJK'- 

ijjE ;f.« KpaTHlJ ocHnoBa 



Die kroat-güigol. Breviere n. d. Übers, der hl. Schrift durch Method. 43 



FoLlS2c 



•SKO C'VUp'K CIJ.I1. H\' p'KUJ« B CfK- 
•t ; l^A KJKC BCnCUtHJT Oc- 
HRK SACE^V* HlüOy H B3AJHH«U' 
BSAJCT' HJUk BCa 3k.\J- 

•t 1;;k« CTBopH\-ou' tuev. 5 

16 II npHlUk4,lU£ Kk OCHHOV p-tUJf (U- 
eV : OU.k TBCH 3.\KAf Ti RptLH;- 

;i,i Hf^K« o\*up1i r,\s : 17 chu.« p'- 
u.'feTe OcHnov : öaJ'+^a' H«npa- 

B4,H H\'" H rp'S\'H M\*'. "K^KS 3k.\- 10 

d CTBCpHLUf TtB'k: HHHE C\'K- 

npHUH H£npjBA,H paEk Ea pa- 
^H cu,a TBOtro c«: ^K« uh t- 
BCH paEH. n.\aKa ^Kf ce Och- 

nk CH r7\ hMjJ f U HUk K HfUCV. 19^) H p«M- 15 
{ hu" : Hf BCHTf CS. E^H EC iCUh. 

a3k: ^O BH cBfijjacTf c> uh'S b* 
3.\c. Ek :Ki cBfijja UHt: b A'^- 

EpC. A'i ECV'AfT" •^KO H AH^'k^ np- 

tnHT'^HH Ecv'AC'V'r ak^ah u- 20 

H03H. 21 II TAa HUk ; Hl E0HT6 Cf. a- 

3k np'fenHTlih? BH H A"^un B'^- 

UJf H crT^KlUH ( H TAA HUk B Cpk- 

HH. '22 II ;KHTk ÜCHHk A-^Tk b- H S-I 

23 BHA'ti :Kf A'feTH fnp-^UCBH 25 

AC TpfTarc pcAAi CH0B6 ;k- 

t Uap\'HpCBH CHa UaHaCHHH- 

a pCAHLUf c( Ha crtrHcv cch- 
1) V. IS om. 



44 J- Vajs, Die kroat.-glagol. Breviere usw. 

Fol. 182d. n^^B^y 24 II pfMC Ochrk BpaTpHH c- 
BOfH rAJ : a3k o^MMpa (sie); nocfeiiie- 

HHJIUI JK« nOC'tTHT' ßACh Rk 

H BkSBfA^T'' KH 3Ü( Cd Ha 

3MK» fWJKe KMT Ci oi^eiui' Ha- 5 

iuhm' Kh aspaaMOBk h HcaKOBK 

H 'feKOB/X'. 25 II SaKAE OcHRk CHH 

H3T\BH rae : b nocSipsHM hmhjk- 
e nockTHTk bh rk bI^ b3h«c- 

•kT« KOCTH lUlOf COV^OV* C B- 10 

aMH. 26 II oYMpt: Ocnnk bhb b h 

■'S- A'kTk. IloAO^KHIiJE H B pa- 

u,% norp'kcE h b' 6H>nT'R. 

Prag, 27. März 1913. Dr. Jos. Vajs. 



Das Martyrium des Basiliscus. 

Von W. Lüdtke. 



Das Martyrium des Basiliscus hat wegen der genauen Ortsangaben, 
die es enthält, als Quelle zur Topographie des Pontus auch für den His- 
toriker einiges Interesse. Schon Cumont i) hat hierauf hingewiesen und 
bedauert, daß der griechische Text noch nicht gedruckt sei. Der latei- 
nische Text, der in den Acta Sanctorum unterm 3. März (T. I p. 237flf.) 
nach einer Handschrift von S. Maximin gedruckt ist, ist ausführlicher 
(Bibliotheca hagiographica latina No.l021). In ihm nennt sich Eusignius 
als Verfasser, der in dem griechischen Texte und dem aus ihm geflosse- 
nen Codex Suprasliensis gar nicht vorkommt. Auch die topographischen 



1) Franz Cumont et Eugene Cumont, Voyage d'exploration arch^ologique 
dans le Pont (Stiidia Pontica. 2) Bruxelles 1906 S. 247 f. 



Das Martyrium des Basiliscus. 45 

Angaben stimmen in den Texten nicht überein i). Die Paragraphen- 
Zahlen aus den Acta Sanctorum habe ich in meiner Ausgabe an den 
Rand gesetzt. 

Der Codex Monacensis gr. 366, nach dem ich den Text abdrucke, 
ist von Ehrhard (Römische Quartalschrift für christl. Altertumskunde 
und für Kirchengeschichte 11, 1S97, S. 123 — 127) beschrieben worden. 
Martin Crusius hat ihn 1577 in Tübingen kopiert und sich auf Fol. 240 
eingetragen; die Tübinger Abschrift hat die Signatur Mb. 12: vgl. W. 
Schmid, Die griechischen Handschriften der Universitätsbibliothek in 
Tübingen, Tübinger Progr. v. 1902, S. 2 9 f. Ehrhard ist geneigt, den 
Kodex ins Ende des 9. Jahrhunderts zu datieren. Aber dieser Ansatz ist 
vielleicht doch etwas zu hoch. Mir ist nur eine griechische Handschrift 
bekannt geworden, die denselben Text enthält. Kirsopp Lake, The 
early days of monasticism on mount Athos, Oxford 1909, S. 110 führt 
aus dem Handschriftenschatze der Laura unsere Passio mit etwas ab- 
weichendem Initium an: zaza rovg y,aiQovg Tfjg ßaoiXelag Ma^i- 
{.iiavov . , . Nicht zugänglich war mir die Bibliotheca bagiographica 
graeca^ No. 241 zitierte neugriechische Übersetzung (Agapios, Ka?.o- 
xaiQivif], Venedig 1780, S. 62 — 65). 

Die Münchener Hs., ein Lese-Menäum für den Mai, hat Basiliscus 
unterm 22. Mai, während er nach dem Suprasliensis am 5. März, nach 
dem lateinischen Kodex am 21. Juni gefeiert wird. In meinem Abdruck 
habe ich nur einige unwesentliche Kleinigkeiten nicht notiert; den Zir- 
kumflex der Hs. in Baatllaxog habe ich beibehalten. Vom Supra- 
sliensis habe ich nur die wichtigsten Varianten angegeben. 

(Fol. 101a) Iß' Mrjvl tö) civrip x/i' f.ic<QTVQLOV xov ayiov 
ficcQTVQog BaaiXioy.ov. 

Kaz' Ikslvov top y.aiQov Tijg ßaaiXslag Ma^tj-iLavoü rjl^s 1 

diüdoxog JäaKli]7tiod6Tov eregog fjyefuov uvöuavi ^Ay^innag 

5 xai aTtfiEL^) sig ttjv äraroXfArjv y^öjqav aQ^ai rovg ;^(>fc(JT<«- 

vovg rov Trsi&eip ILgxe &vsiv avrovg rolg d-eolg. b de i^ia- 

■AccQiog BaoüdOY.og rjv Iv Tfj cfvlaxi] -/.kakov y.cu TtQ0O8v%6- 

1) Die Verwirrung ist darauf zurückzuführen, daß man das Doxi Xovuicclc 
= Omala (9 km nördlich von Komana) in der Nähe von Amasia suchte und 
unsern Basiliscus in Beziehung zum hl. Theodor brachte ; vgl. Delehaye , Les 
legendes grecques des saints militaires. 1909. S. 202— 213: S. 42. 

2j Ratid anr]Q%ETO. 



46 W. Lüdtke, 

fievog 'Jial UycüV 'Kvqu^) i.tvria&r]Tl fiov /.al cpaveqav rrV 
kfiriv yiXfjaLP 7T0ir]00V, Yva /.li] xf^oQiaS^w twv ayiiov ctvdqwv. 
•/.al d(pd-elg avrcp b -/.VQtog elTtev ^'Ei.ivrja0^r]v oov /mI %yqa\pa 
oov To bvoua TtQO^) TÜv Gvv ooi i-iaQTVQiov GV de 6Xv7trjd-i]g, 

5 ort eayÜTtog lxlri^r]g; ttoXIüv rtQoä^sig- all' aneld^iov ovvra- 
^ai rotg avyyevsai oov /.al IXd-iov [laqrvqEi IvKo^iävaig' /.al 
(Fol. 101b) [Cr] cpoßrid^fig ivxalg ßaoävoig f.n]öe riTzrj^fjg Iv talg 
ansÜMlg^ oti eyio eifti fiera oov' auX ov ^irj oe dör/.rjoei (pößog 
avd^qioTCov^ xoi b BaoiXloxog avaorag rcgoor^vlaro /.al eßlsTie 2 

10 rag d^vqag Tfjg (pvXaKfjg ävEq)y{-iEvag. ojg öh OQ^-Qog eyeveto, 
avaorag TiaQS/äleL rovg cpvXaoaovrag avrov ozqaruorag Xe- 
yiov 'z/or£ f.iOL evöooiv^) «wg oXlyiov fjiiieQtop, OTtiog ajieX&iov 
övvrä^w(.iaL rolg ovyyeveai f.iov Iv rtp xoiQuo Xov(.uaX(öv' xai 
ro XoLTiov (fd^doco TtQog rov aXiqd-ivöv (.lov ovyyevia rov xi)- 

15 QLÖv {.lov 'irjoovv XQioröp.' ol öh OTQaruoraL ecprjoav^] avrcp' 
Zfi b AVQLÖg oov, ei /.li] eq>oßov[^ie&a, /a; (^ieXXi]g ovvröi.icog 
eTTitrjrüod^aL^) Ttaga rov aq^ovrog, artsXvouev av oe.' b öh 
äyiogBaoiXlo/og aiTtev avrolg'^zlEVTE ovv ädeXcpol f^iov, arckX- 
&iüfiev bfiov jTQiv IX&elv eig Ko^iävav^) rov fjy€i.i6va' ol öh 

20 orgaraorai ovvfiX&ov rip ayiio BaoiXto/o) y.al a/teXd^övreg 
efieivav ovv avrcp ev rcp or/oj avrov. y.al Idiov"^) rovg adeX-Z 
(povg '/al rr]v fir^reQa uirov TCaq^/äXei Xiywv avrovg' ^^E(.i- 
^eivare Iv rfj Ttiorsi rov XQiarov y.al rrgooev^aoS-E Ttqog 
y.VQiov ttsqI ef.iov, OTtwg rEXeicod^ä) Iv rf] b^ioXoyia ravrj}' 

25 lyM yaq arCEi^n acp' vf-itov, /al ov/iri oipeod-e /<£ y.ara odQy.a. 
ccTteXd^iov de rtQog /vqlov Ttqeoßevoo) vtcIq vf-iiov /al vrteg 
oXov rov ed-vovg rCov %QLOrLavCov^ 'iva ro Xoittov Ttavorjrai rj 
eiöioXoXarQeia rcop äaeßiov yal eXO-i] fj xäqig rov Xqiorov 
eig Ttäaav rf^v yfiv^ 

;^0 'O de r\ye[dov'AyqlTi7tag eloeXd^MV eig rr^v ^A^iaoetov nö- 4 

Xlv ovve/äXeoe rovg itqürovg rfjg TtöXewg. rjv de vabg dqxalog 



*) Rd. Bvxi 

2) Cod. nqiLW 

*] Rd, elnoi'. 

6) iniC^Tsla&at am Jld nachgetragen. 

*) Der Akzent über o radiert. 

■J) siö'üiy. 



Das Martyrium des Basiliscus. 47 

'/.alovi-uvog Ilizaaog ytal ereqog ^eqaitLiov ey/LOxa avrov' 
xcu ^vGiav eftiTsleoag KrjTec tovg deafuüvag %QiGTiavovg. 
körjlüid^r] de avT(p ra tibqI tov uyiov BaoiXiGAOV milevae 
öe 6 r^yef.uov TraQaGTrjvai avrov -/.ul rovg aXXovg deGf.uorag 

5 eig Ti^v TCÖXiv Ko(.i(xvav^) y.al l-/.el auvovg y.QLveGd-ui kiycov^ 5 
iavTov räy^iov^) e/.7toQev£Gd-at ajib ^^f^iaoelag' slTtev de 6 
fiye/.uüv Tcp (Fol. 102a) ^layiGTQiavcp /.cd rolg GTQarabraig' 
^^eG(.iLov avTov ^laGTi^avTsg äyccyere.' ol de cciteX&övxeg eig 
Xov/.iiala'^) Gvvelaßor top ayiov BaGillG/ov y.ai örjGavreg 

10 ÖvgIv aXvGBGiv ejtoirjGav avrcp vrcoör](.iaTa -/.cu rjXovg ö^elg 
IvknijQav eig rovg Ttööag avrov /.ai i.iaGrL^avreg avrov eitl 
roGOVTOV 7]?.avvor Loore ra aif-iara avrov rrjv yfjv TtXrjQto- 
Gai**) ecog rCov ÖGrecov avrov. roiavrag yaq rag naqayyeXiag 
eiyov ol anoGraXivreg Traget tov f]ye^iövog Ttqog avröv. 

15 MTtayöfxevog de ö iiäqrvg rov XgiGrou a7to Xovj-iiaXiöv 7 

ercl rrjV Kof.iävav Iv TtoXXfj ßaaävo) wv rJQ^aro ipdX?.ojv b 
ayiog Xiycov "Eav^] 7taQarci^r]rai t/i' e^ie Trage^ißoXrj, ov 
(poßrjd^ijGeraL 'fj -/.agdiu f.iov. (Ps. 26. 3) v.vqiog e^ioi ßor]d-6g, 
y.äyiü ert6ipof.iai rovg Ix&Qovg /.lov (Ps. 117. 7) KVQie b ^ebg 

20 owGÖv fie Ix Grö^iarog Xeövrcov (Ps. 21. 22] -/.ai cpvXa^öv ^le 
^erä rCüv ayitov gov.' riQOGev^a^ievov de avrov rjyyiGav eig 8 
XCOQiov ^a-KotäqoJV x&qlv rov ccTtoG/iäGai iiiv.q6v rj de deG- 
TtOLva rov x^^^Qiov '^EXXrjvlg tqv, fj ovof-ia Tgouivr]. k^eviGe de 
rovg avdqag rovg TraQeiXrjfpörag rov ciyiov BaGiXiG/.ov ovrag 

25 TiXeiio dey.arqelg' avrCov de eG&iövrcov ev rfj oiaia TtQOGedrj- 
Gav rov ayiov Inl devdqov TtXarävov ^rjqov. e^ay/.oviG^itvog 
u)V rjv^aro e^tl tioXv , -/.al oyXog Gvvrjx^^] nqbg avröv /.al *) 
ev&eiog eyevero GeiGf^ibg xal r^y/jg wGre avaTtrjdfjGai rovg rtaq- 
eiXr]q)6rag^) avrov Ix rov cpößov. eX^övrcov de rü)v oxXiov IQ 

30 TCQog avrov Ttävreg l^evitovro ßXeTtovreg ro devdqov (pvXXoig 



1) Akzent auf dem letzten « radiert. 

3) Akzent auf i radiert und nicht wieder gesetzt. 

4) nh,Qü>aui- die Nägel aber gingen hinein euis Svpr.; et intraverunt 
clavi usque ad ossa pedum perforantes Lat. 

5) Hd. si'XV- 

^) Kd. nuqa'kaßoyxttg. 



48 W. Lüdtke, 

Y.ofxtüv^), OL TtQOByivcooy.ov avTo ttqo tcoXXov ^ijqöv yial Ttrjyr] 
vöarog avfjXd^ev etog Trjg rj^iegag tavtr^g. ^etooi^oavTeg de ol 
o^Koi TU d-uvi-iäaiu rov -/.vqiov ovvtd-lißov dlh]?Mvg, rig av- 
Tov aipsrai^) rov y.Qaaiteöov. iöovaa^} öh fj öeortoiva rov 
5 ywQiovto yeyovbg e/tiarevas rcj) y.VQio) avv ol(o rcp oiv.oi ca'rijg. 
T^VEyv.av 61 -/.al daiuoviL.of^itvovg v.cu Id-eqcinev&riGav v.al 
TColXa oriiula irtolEi^ /.aX Tiävteg eöö^a^or rov ^söp. aal ol 
rov fjysi.i6vog eTtiorevoav reo '/.vqio) -/.al eXvoav avTov rCov 
ÖEGi-iCüv. (Fol. 102b) ev-9-iiog öe rjXS^ev dyeXrj ßoCov tz tov oqovg w 

10 y.(u TtQoaezvpr^aav avtip. 

TleQiitciTOVVviov de avrwv ev rf] bötp Iv Ttavrl tötio) eyl- 
vovro ai]uela öia rov ayiov BaoüJoy.ov 7tQoaevxof.iepov zai 
Xeyovtog' "Ev Ttavrl rörcco Tfjg deoTioriag avvov evXoyei f] 
ipvxrj f^tov TOV yvQiov.' (Ps. 102. 22) TcaQayev6(.ievoL de ev tlvl 12 

15 7W(>/m TjS-eXov yevoaGd-aL yal MyovoLv auröj' '0dye, idov 
yciQ TQirt] i]i.ieQa eariv, äcp^ tjg ovöevbg eyevaco^ b de /.lay.d- 
Qiog elnev 'TD.rjQrjg eif.u^) d&avdTwv ßQiof.idTCüv ymI ovk 
oQeyoj-iaL^) d^vt]rü)v edeG{.idrtov^). vf-iäg TQecpei dgrog, ef.ie de 
Xöyog d^eov' vfiäg evcpQaivei oivog, e/^ie de i] xdQ^g rov dyiov 

20 TtvevfiaTog' vf.ic(g eviaxvsi TQOfprj^ e/^ie de Xquorög' v^iäg x^Q- 
TaLet y.Qea, ef.ie de euxar vf.iäg diavaTcavet ^Coa, Ifik de ö 
XqiGTÖg' v{.ic(gayJ7rei iz-idvia, efie dh drA-aioaviny vf.ielg dydX- 
Xeo-d'e yelcüTi, eyco de Tfj ipaXf.icpdla'^)' v^ielg Teg/teo-d^e XQ^~ 
Gcß^ eyu de Xqlgt(o^)' vnelg TcqoGdoy.ÜTe idelv dqxovra tcqög- 

25 y.aiQov eyco de TtQOGdoy.Co ßaGi'Aea auoviov ovra' eqel^) b 
y.ÜQiög f-iov devre ol evXoyr]i.ievoL tov Ttargog fxov, y.Xr]Qovo- 
^itjoare Trjv r^TOiLiaGf.ievriv Vf-ilv ßaGiXeiav aTto KaraßoXijg 
y.ÖGiWv' (Matth.25. 34.) 

O&aGdvTcov de avTWV tT] ercavQLOV eig tyjv Ko(.idvav XL 

30 1Y/.0V0V TtaQa TtoXXCov rag Tii.icoQiag, dg euoiei b f]yej.iiov Tolg 

I) xojuiöi'iK, die letzten vier Buchstaben halb ausradiert. 

2j Jid. hnilaßETcu. 

3) Bidovaa. 

*) Md. i 71 u(i •/(]}. 

5) Rd. ovx kni&vuü). 

ß) Rd. tQOCpüJl'. 

7) xpcd/xoyö'ice ausradiert. 

8j eyw öe Xinazo) am Rd. nachgetragen. 

9) Rd. Xe'yei. 



Das Martyrium des Basiliscus. 49 

XQiOTiavolg. slael^iov de ö iiaytatQiavbg rrQogrovi]ys{.i6va eiprj 
TtccQElvaL TOP BaGtXlGxov. y.cu lx€?.evasv b fiyeiuov eiaay- 
d-fjvai avTov eig tov vaov tov ^ircölliovog v.ai &vGai' si de 
fii] ^eX^G}], Gvvt6(.i(i) ^^avccTi^ avaXCoGai avröv. e^eXd-övteg öe 
5 y.(XL Tvnxovxeg avxuv eXeyov '^EiGeXd-iov eig rov vaov S^voov. 
exeXevGe yaq 6 riye(.uov i) d^vGavrä oe uTcaXXayfivai fj /o) S^iJ- 
oavTÜ oe y.ay.(ög ccTCoS-avelv. Gxeipca ouv y.ad-^ layrov, ^iva /.irj 
Tiaxiög ccTiod-civjjg äxQirwg^) mGrevcov eig rov (.li] bqio^ievov 
-d-eöv^ b ayiog (.läqTvg eircev "Eyto olda ort b ei.ibg S-ebg Jtäv- 

10 Toxe bqäxai Aal ecpoQä xovg a^Lovg avxov dovXovg. et de xd- 
ycü GLyr]GCü, vrceq ei.iov eircäxioGav xa ^avi-iocGia xov d-eov 
{.lov a eiüQcr/.aGiv (Fol. 103a) ev xf] bSq» ol ayayövxeg iie.^ ol öh 
l.iex^ avxov GXQaxuoxat elitov ' iJXijd^Cog [.leyäXag övvä^ieig 
el8oi.iev /<£r' avxoü ovxeg.' 

15 Tovtcor öe yevoaevcov e^tjX&ov ol xtjg xd^ecog y.al eio- 15 

riveyyiav xov BaGiXlay.ov Ttqog xov f^yei-iöva, y.al Xeyei avxo) b 
■fiyeiubv '2v et BaGiXlGAog b 7teQifpi]fiog'j' b aytog eircev 
'^Eycb eii.u.^ b rjyei^uov eircev '^Jia xi ovv ov ^veig v.axa xo 
ßaGcXfA-ov rtQÖoxayi-ia-/ b ayiog BaoiXlGy.og eircev 'Tig goc 

20 eircev oxt ov Mco', eyio rcävxoxe d^vco xco ^eco d^volav alve- 
Geiog.^ (Ps. 49. 14.) o de v^yei-iLov äyovGag exaQ>j '^al eircev 
'XaQig xolg eif^ieveGi S-eolg.^ yal eyyiGag b BaGcXlGy.og xcp 
ßcoficp eircev xolg leqevGLV 'TL xo ovoiia xov S-eoü vficdv,' 
OL de elrcov '^JircöXXcov.^ BaGiXLGy.og eircev "^H rcQOGr]yoQla 

25 xov d-eov V(.udv xrjv drccoXeiav^) xCov rccGxevövxcov eig avxov 
Gri^ialver rcäg yaq b rcLGxevtov eig avxov arcoXelxat eig xov 
aiCovaJ' b fjyeadjv eircev ' ^JIolov ovoi.ia ey^ei b d^eog ov elrcag 
S^vetv^ BaGiXlGyog eircev "'0 e^ibg debg ave/ApqaGcög eGxi 
yal ayaxäXrjrcxog, ärceQLv6t]xog, äveydu yqxog yal aÖQaxog. b 

30 fiyefiitjv eircev '^Tl ovv, ovofia ovy eyei b debg ov elrcag &v- 
eiv^ BaGiXlGyog Xeyet' "^Ta ev xfj S-ela ygacpf] e^upeqo^ieva 
dvöf-iaxa xov ■&eov uov, ei yeXeveig, Xeyio.^ b v^yeiitov eircev 
'udeye dcpößcogJ' BaGiXlG/.og eircev ^IlaxljQ yaXeXxai yal rcav- 
xoyqäxcoQ yal y.vQiog yal debg yal rca^ißaGiXevg y.cu y.vQiog 



1) axexfjac — «xpiTWi- om. Supr. 

2) anöX'kü} Nebenform von hnoXlviu: Vogeser, Zur Sprache der grie- 
chischen Heiligenlegenden, Diss. München 1907. S. 1". 

Archiv für slavische Philologie. SXXV. 4 



50 W. Lüdtke, 

^aßaiod- -Aal Jäöcopa'i^) /.ul oiorrjQ /.cd eÜGTtlayxvog -Kai oix- 
'viQi.ivjv Kai kX£ri(.uov yial f-iaKQÖd-vnog /.cd iroXveXeog. tovzm 
lyio d-iiLo ^voLCiv alviasiog.^ b fiyei-iiop UTtEV * OYct) ^eXecg 
^ecpj i-iövov S^vaov -/.ul uitciXlc('§ov fjinäg tr]Tr]i.iaTog. ov yccQ 
5 e/lrjd^r^g cptloaog)elr.' Baaillazog elTtev ^ÜQÖaexs Tt^v d^v- 
oiav i^iou.' -/.cd öiaTtetdaag zag /«r^ag sig rov ovqavhv eircev 
''02) d-ehg b 7iavToy.qäzcoQ b f.iuvog uyad-og /.ul eva/tlccyxvog, 
b ircay.ovLov Ttävrcov rCov Iv ah^d^eia ool dovXevdvriov^ öel^ov 
■/al sig 6/<f, TOP uvü^lov öovIöp aov, TrjV oijv aycid-6Tr]Ta, b 

10 Ttoirjoag rov ovqccvov^) v.al /.lOQcpioocig avthv eiy.oi't ayicx aov, 
b E(.iTtvEvoag fif.ilv 7ivev(.ia ayior aou y.vQie 'lt]aov Xqiaze, 
eTCÜy.ovoov tf^g cpiorfjg f^iov xal y.iviqoov rov avciiGd-rjTOv yal 
v.io(pov uvÖQidpva rovrov '/.cd Qfj^or ccvrov y.cd ovvrqupov y.ai 
SiaayÖQTCiaop ccvröjv ttjv f.iic(Qäp d-vaiav^ yal dsl^ov avrolg 

15 OTL oh ei ^ebg ^löpog, cpavtqcoGov (Fol. 103b) eig e^ie Trjp dvva- 
f.iiv rfjg d-eÖTYiTÖg aov iv rfi äqcx tuvvri^ yal eu-d-icog Ttgoaev- 16 
^ccf^iipov avTOV /.ccTfi},d-e tvvq ovqavöd-EV yal epsTCvqiae top 
vc(up ycd TOP ipsvöiowj-iop avrüp S-eov Ertoir]öEP cogeI ipuf-i- 
liop Ietitöv. idtov^) Öe b fjyEiitüp scpvyEP e^co, yal Ttäoa f] 

20 Tcö}.ig ETuqäyßi] utto rov cpößou rov yspouepov. e^ielpe Öe egco 
b aytog ipct'/.lcop yal kEytop' ^JäpaGTrirco b -S-EÖg, ycd dic(G/oq- 
TTiGd-^TCooap Ol iy&qol ctvrov /cd rpvyETcoaap ano TtqoGÖiJiov 
avrov OL fiiGovvTEg avröp. (Ps.67.1.) nvq Iviuttwp ccvtoü Jtqo- 
TtoqEVGETcii yal (ployiel yv/lco rovg ex^qovg uvrov." (Ps.96.3.) 

25 ycd eIuev b riyEf.uov rov utcogteIXcu GTqaruorag /cd t/ßakelp 
avrop £■/ rov paov • ETtay^d-wg yaq Eßqvxs rovg odovrccg yccr' 
avToü. /cd eItcev Ttqog avröp' '^MTtoPEVorif.iEPE y.cd isqöovls 
yal 7täGt]g rijg riov d^eCbp EUj-iePEiag cV/.körqiE, ötu ri alXcog 
ElTtag yal aXXcog ETTolrjaag', sleyEg d^VELV yal uvrl rfjg S-vGiag 

30 T^ (.layeici gov itvq nqoorjPEyyag rcp pacp ^) yal rov S-eop r^xdiv 
EPETtvqiGag. yal eI /.li] )]g {.läyog^TtccvTcog log r^j-iäg av ro nvq yar- 
EcpAE^ev eI /f/; ecpvyo^iEP^), /al ge er/s yavoai svdop {.lEipapra ' 



1) xcd yldioi'uC om. Siqjt: 

2) Rd. Ev-xi. 

3) ovquvoy] Menschen Supr. 

5) TOllll! J'«Ol||l|l|. 

C) ecpvywf.iEi'. 



Das Martyrium des Basiliscus. 51 

aX)! e^ieivag üTtad^r^g (vdov u)v tov rcvQÖg. vvv bf.inX6-/r^G6v ^loi 
T« Ttegi rfjg (.layeiag aov /.al TtqoöEkd-tov d-voov y.cd mcoXvto 17 
öe. Ei de ov ^Elr]g, ovi>t6u(i> d^uvärdj TtuQctöidCi) ae/ 6 aytog 
BaoUlo/.og eiTtev ^ Ov d^vio y.ißörjXoLg zcu dipvxotg, uX)M rcp 
5 S^ecp i-iov Tcp £v rolg ovqavolg d-voiav alveoeiog. ra dh or^(.iela 
tov TivQog uTceq eidsg xal aXla jtXsiova noiCo iv övö(.iaTi 
rov TtatQog -/.al vlov '/.al aylov Ttvevi.iarog!' 

Qv^i(o&£ig de o fjy£f.uop exslsvoev avrhv uitoY.EcpuXia- 
d^fjrai,. u/tfjyayov dh e^co Trjg nüXuog y.cu aTC£y.e(pc'cXiaciv av- 

10 TOP ') eig xÖTtov Xeyöfiei'ov zlLOOyMqov. b de fjyeficüp eKiXsvas 19 
ro oüf.ia avrov Qirpfjvat slg tov 7torai.i6v. tovto öl eXaßov 
OL GTtovduloi xQiaviarol Tiaqa tov GTrexovXuTOQog öeöco-AÖTsg 
avTc^ TQidy.ovTa xQvalvovg, xal or/odöiu^oe to f.iaqTVQLOV ccv- 
Tov Maolvog xig yQiotiavog iv Kof^iüvaig. yivovTai öh dvi^d- 

15 i-Uig TtoXXcu Iv Tio TÖTto) l'/.sivo), /.cd Ttäi'Teg ol drcoXavovTeg 
TÜiv oi]f.i6Uüv öo^dtovGt 7iaTeQu -/cd vlov /cd ayiov jxveviia' 
vvv /cd del /al eig tovg alCovccg tCov cdc'ovcov di-iriv. 

Das Yerhältnis der altkircheiislaYischen Übersetzung 
zu diesem Texte. 

Da wir, dank sei es dem Interesse des Herrn Bibliothekars Dr. W. 
Lüdtke, in der Lage sind, abermals einen griechischen Beleg für den so 
wichtigen Codex Suprasliensis zu liefern (vergl. Arch. XV. 321 — 337, 
XVI. 140—153, XVm. 138—192), so möge mir gestattet sein, auf das 
Verhältnis der slav. Übersetzung zu dem hier abgedruckten griechischen 
Texte etwas näher einzugehen. Im Ganzen muß man sagen, daß die 
slavische Übersetzung wirklich aus einer griechischen Vorlage, die die- 
ser griechische Text sehr genau wiedergibt, geflossen ist. Die Über- 
setzung stimmt zumeist ganz wörtlich mit dem hier gegebenen griechi- 
schen Text überein. Kur selten begegnen kleine Abweichungen, die 
meistens aus kleinen Auslassungen im slavischen Texte bestehen. Noch 
seltener sind Verschiedenheiten in der slavischen Wiedergabe des grie- 
chischen Textes , wobei wenigstens an einer Stelle die slavische Über- 
setzung eine richtigere Lesart voraussetzt, als sie der hier gedruckte 
griechische Text bietet. Bei der nachfolgenden Kollation lege ich den 
kirchenslavischen Text der akad. Ausgabe Severianovs zu Grunde, wo 



1) hinter aiTof eine halbe Zeile radiert. 

4* 



52 "V^- Jagic. 

fol. der Handschrift und die Zählung der Zeilen gegeben ist. Darnach 
steht der slavische Text auf fol. S (das erste Blatt des zweiten Quater- 
nions) bis fol. 12. 

fol. Sr. 18: Mrirl tm aurcp y.ß' : WkcMl^A lUiapTa KT»- r;l,fHb. 
Ausgelassen ist in der Übersetzung i^iaQTVQog. 

fol.Sr. 20 — 21: Jioy.hj/tuedÖTov : kt^ acKAHnHW/i,a M'Sctc». 

fol. Sr. 23: aq^ai rovg xQtGTLavovg tov jreid-Eiv ügte d^VELV '. 
npUBfCTH KpkCTHßH'kl JKph,TH. 

fol. 8v. 1 — 2: 7TQ0 rCov ovv aol iiaqrvQiov : C'K c;riijthTmh 
Ck TOKOKR npkKOie lUlJRHf HMKU (scheint richtig zu sein, griechisch 
etwa so: iiEza tiop ovp ool TtqötEQOV oder nqCoxov ovtcov ftaQrvQcov). 

fol.Sv. 4: TtoVuov TtQoae^sig : uix MH03liYT^ CTap'feH K;F»^emH. 
Freie Übersetzung, das zweite lautet nc»yc>AHBT\ ca. 

fol.Sv. 7: [.ir]de fjTT)j&j]g Iv aTteÜMlg: diese Worte sind in der 
slavischen Übersetzung ausgelassen. 

fol.Sv. 10: to'ccarag 7tQoai]'0^aTo: das erste Wort fehlt in der 
Übersetzung. 

fol.Sv. 17: Zf] b y.vQLÖg aou: die Worte fehlen in der Übersetzung. 
» » (i /<^ hpoßovfieO^a: in der Übersetzung als unab- 
hängiger Satz KOHiui'K ca. 

fol.Sv. IS: luj ^lü^h^g auvToi-iwg €7titif]T£lG-d-ai 7taQcc rov aq- 
Xovtog'. slav. Übersetzung anders: ijs^ä B'kCKop'S HaMbH;f^ HCKaTH 
TfGf (HaMKM;^ steht hier wohl für HankHA^TT».); HaHkH;i^T'K HCKa- 
TH TfK6 ist aktive Ausdrucksweise für /</) i^ie?yh]g eiti'CrjTela&ai; der 
Ausdruck Ttaqa rov aq^ovrog ist in der Übersetzung ausgefallen, eben- 
so der ganze Nachsatz: airelvonev av ae. 

fol. 9r. 9: ^e^arcitov \ Gfpa4>niun\, die griech. Worte h/yiora 
avrov beziehen sich auf ^EQaTtiwr, die slav. Übersetzung aber bringt 
OH'k 7\{t EAH3'K i€ro mit d-voiav IniiElf-oag in Zusammenbang. 

fol.Qr. 10: nach ICrjtEi : HCKaaiiiE, fehlen in der Übersetzung die 
Worte Tovg öeoi-uoTag xQioriavovg, lörfLto&i^ de avTco ra tteqI tov 
aylov Ba(7i/j'o/.ov, es steht nur t'Rli ßacHAHCKa, wo der Ausdruck 
TlvM nicht ganz klar ist. 

fol. 9r. 13 — 14: yltyco^' tawov rcr/iov ly.rroQSVtod^aL : yCT'kiiJf 
RO CKOpo OTHTH (als Wäre es im Griechischen IßovlsTO yccQ r. ly.Ti.). 

fol. 9r. 17: eig Xovf^iialü ist in der slavischen Übersetzung weg- 
gelassen. 



I 
I 



1 



Das Verhältnis der altkirchenslav. Übers, zu diesem Texte. 53 

fol.Dr. IS: nach ö^aavrsg : CKßASAß^iut fehlt in der Über- 
setzung das folgende dvolv aXvaeoLV. 

fol. 9r. 19: im Griechischen ist viioöri(.icczc(, im Slavischen Singular 
OHO^iUT/i;, und im weiteren Verlauf statt hirciqqav eig tovg rcööag 
avxov steht in der Übersetzung: ß'KHOSHiiia BT», ohoylut;r, also 
sig TU vitodrif.iata-^ nun folgt in der Übersetzung: H CKCYin* h (also 
y.al VTtedrjaav avTÖv, das im griechischen nicht vorhanden ist). 

fol. 9r. 22: für Tth]Qidoca steht im Slavischen ein präziserer Aus- 
druck nOAHiiJTU. Der im Griechischen nachfolgende Satz ew^^ rüi^ 
öarecov avvov lautet in der Übersetzung vernünftiger: rBOSA""' KO 
ßTs>HH;i,C>iiJa ;\0 KOCTH icrc» , d. h. rjXoi yc<Q dorild^ov 'kog tüv ÖG- 
rhov avToD. 

fol. 9r. 26: ä/io Xavi-iialiov ist unübersetzt geblieben. 

fol. 9v. 4: fehlt in der Übersetzung der Name z/cr/.o'CäQcov. 

fol. 9v. 10: für i/tl devdqov TtlaTc'd'ov lautet die Übersetzung: 
;i,;i^B'R aBopoBti, also depdqov wird durch a^gt* und itlchavog durch 
aBOpi». wiedergegeben. 

fol. 9v. 10 — 11: das Partizip e^ayxovia^ievog üv wird verdeut- 
licht durch onaKTki n;£ ct»j CKBasaHT*, umgekehrt steht 17 für zwei 
griechische Worte (fvlloig '/.oi^iCov der eine slavische Ausdruck okahct- 
BkH'kB'ivUia (sc. A'^Ka). 

fol. 9v. 18: Ttiqyi vdarog: in der Übersetzung nur TcTOMi%HHK'k 
(bc^'ki ist ausgelassen). 

fol. 9v. 19: vor ecog xrig fji.ieQag ravvrig steht im Slavischen lecTT^ 
',i\( H {eOTt de '/.eil). 

fol. 9v. 22: statt rov y.qaOTzidov steht in der Übersetzung K'k 
ffmov (d. h. avTov). 

fol.9v. 24: für ro yeyovbg steht iu der Übersetzung BikiB'LiiJEie 
MOVfAO (d. h. zugefügt noch or^i.islov). 

fol. 9v. 26: \i?i.(t\i dciuiovi'Coi^ih'ovg (b'^cäuitä/ä ca) folgt in der 
Übersetzung noch K'K HfiuiOV' (d. h. itQog avtöv). 

fol. 9v. 28: bei ol rov r^yei-idvog steht in der Übersetzung noch 
CAOYr"Ki [uireQiTCd oder didycoroi, dovXoi). 

fol. lOr. 6: zrijg deoirotiag fehlt in der Übersetzung. 

fol. 10 r. 13: fehlt die Übersetzung der Worte: -/.cd ovy. dQiyoi.iat 
d^tn]zCüv lÖ€a/.ic(Tcov. 

fol. 10 r. 18: im Griechischen nnv X^iarög, in der Übersetzung 



54 V. Jagic, 

fol. lOr. 24: aWoviov ovra : die Übersetzung gibt B'KHkHaaro 
(also Tov auoviov). 

fol. 10 r. 27: das Zitat hat im Griechischen noch die Worte aiio 
'/.ataßoXfig y.öo^iov, die slavische Übersetzung des Zitates bricht vor 
diesen Worten ab. 

fol. 10 V. 6: im Griechischen e^el^övreg, in der slavischen Über- 
setzung H3E(j!i,^iut (d. h. e^ayay6vT£g). 

fol. 10 V, 10: dxQiTwg TriOTSVco)', die slavische Übersetzung nur 
B'kpcvfA. 

fol. 10 V. 14: ä^iovg avrov dovlovg, das letzte Wort in der Über- 
setzung weggelassen, im nächstfolgendem Text ist v;teQ If^iov richtig 
auf unävioouv bezogen, in der slavischen Übersetzung dagegen auf 
(ji.yr]ocü : noMAkMA^ C(K( pa^M. 

fol. 10 V. 19: ^isT avTov orrsg . in der Übersetzung Ck liUWh. 
H/V^iLLiTf (d. h. EQ%6nevoi). Im nächstfolgenden steht tovviop de yt- 
vofxipiov, in der Übersetzung aber CHiu' iKf rAaro/\;¥»iiJTfrjnv (also 
Tovvcov de leyövTcor). 

fol. lOv. 20: e^fiXd-ov oi Trjg Ta^ecog /«} uoi']veyy.m> tov Baoi- 
Xloy.ov TCQog tov fjy6i.iöva, in der Übersetzung anders: npHUJE^'kUJE 
no/MiJÄ cacHAHCKa h BhB(;i,omÄ h k'k KoieBO^'fe. 

fol. lOv. 23: 6 ayiog: in der Übersetzung CH'K JKf, ebenso ib. 25. 

fol. 11 r. 1: Tip ß(.o(.i^} : K'K Kpa^'S, bezeichnende Übersetzung. 

fol. llr. 13: dem Infinitiv ^veiv entspricht Präsens JKkp;5\. 

fol. llr. 19: ist /ml Jiidcovai in der Übersetzung ausgelassen. 

fol. llr. 21: in der Übersetzung fehlt der Ausdruck für /.cd tto- 
Iveleog. 

fol. llr. 23: nach ■i.SE;?;^" h^^ct^ {ccTTcclla^ov fji,iäg) ist die Über- 
setzung von tt]Ti]naTog ausgeblieben. 

fol. 11 V. 2: ist in der Übersetzung CTj.TBOpHß'KiH HACßliKa rich- 
tiger als in dem griechischen Text 6 Tioirioag tov ovqavöv (wahr- 
scheinlich in der Abbreviatur mit avd-qiOTtov verwechselt), der nach- 
folgende Satz zeigt, daß hier vom Menschen, nicht vom Himmel, die 
Rede ist. 

fol. 11 V. 3: 6 ei^iTtvsvaag wurde als Aorist dg tviirv. aufgefaßt 
und durch HHif B'K.a.Sh;^ übersetzt. 

fol. 1 1 V. 21 : Tovg ex&Qovg avTOV ist nicht richtig wiedergegeben 
durch Bpar'Ki cboa, statt Bpar'Ki i€ro, so lautet das Zitat aus dem 
Ps. 96. 3 in allen alten Texten der kirchenslav. Übersetzung. 



Das Verhältnis der altkirchenslav. Übers, zu diesem Texte. 55 

fol. 1 1 V. 25: fehlt die Übersetzung von y.ai hgöaule. 

fol. 12r. 1: nach f.idyog : batiJCBT\ folgt im Griechischen der un- 
übersetzt gebliebene Ausdruck TtavTcog. 

fol. 12 r. 3: für th/e y.avoaL lautet die Übersetzung einfach: Gid 
nO/KfrATv und in der nächsten Zeile ist arta&rig umschrieben durch 

HHHIiCO^K£ npHJ€MTv ßp^t^^a. 

fol. 12 r. 8 — 9: ist ciyiog vor Baoilioy.og unübersetzt geblieben. 
Das Adjektiv y.lßSr]?^og wurde als Substantiv durch KO^MMpiv (Dativ 
KOYrmHpfyk) übersetzt und das nächste Adjektiv uipv^og ohne y.al da- 
mit verbunden (UfSAC'V"''^"'*''"'^''^)- 

fol. 12 r. 12 — 13: nach TrAs/oj/a : KOAbUiH folgt in der Über- 
setzung noch cn\"K [rovvcov)^ und statt noiCo steht in der Übersetzung 
das Futurum CT\TKOp;R. 

fol. 12 r. 19: das Adjektiv a/rovdaloi, das vor xQiariavoi steht, 
wurde unübersetzt gelassen. 

fol. r2r. 21 : das griech. Wort to (.laQxvQLOV im christlichen Sinne 
für die Stätte der heil. Reliquien gebraucht wurde durch u,p'KK'Ki (Ak- 
kusat. upTvK'Kßf) übersetzt. 

Ich will noch erwähnen, daß die Zitate aus der heil. Schrift mit der 
vorhandenen alten Übersetzung nicht immer wörtlich tibereinstimmen. 
Abweichungen fand ich Ps. 117. 7 in alten Texten ß'KSbpJÄ Ha Kpariü 
MOi/Ä, hier fol. 9v. 1 oyskp/^?; Bpariü mO/ä; Ps. 102. 22: ßk ßkC'KX'T». 
MlvCT'lvYT». »€ro KAarocACKfCTKHTT». A'^V"^'* ''•'*^'^ rocnoA«» 
fol. lOr. 6 — 7, dagegen in alten Psalmentexten: Ha ßkCKKOMk m-kCTt 
KaaA'kiHkCTiu i€rc> BaarocAOßfCTßH ji,. u. r.; Ps. 93. 3 ornk 
np'K^k HHiin», j^A noH;i,fTTv fol. llv. 20, in alten Texten: crHk 
np-k^'k HHMk np-k^-kHAfTTv. Endlich Matth. 25. 34 npH^'STf: 
hier H/i,'kTf, Hac/X'^^OYKTe (oder Haca'bA"T'0- l^ier npHiLiliTf. 

V.J. 



Slayiscli (j)utro, (j)ustro. 



Die Tatsache, daß neben gemeinalavisch-- w^ro, /«f/'o »Morgen« 
vereinzelt auch Formen vorkommen, die ein ustro^justro repräsentieren 
(abg. za iistra = za utra > morgens«, bulg. dial. zasfra »morgen«, poln. 



56 V. d. Osten-Sacken, 

alt j'ustrzenka »Stella matutina« usw.), ist, wie Berneker Et. Wb. s. v. 
j'utro hervorhebt, von den Etymologen meistens nicht beachtet worden. 
Es ist darum auch begreiflich, daß man vielfach aus lautlichen Gründen 
daran Anstoß nahm, utro, juiro mit lit. auszrä, lat. aurora »Morgen- 
röte« usw. zu verbinden und anderweitige Anknüpfungen für das Wort 
suchte, die teilweise a priori auch ganz annehmbar erscheinen. Anders 
aber gestaltet sich die Sache, wenn man der zwar seltenen, aber doch 
nicht weg zu interpretierenden, Nebenform mit -str- die gebührende Auf- 
merksamkeit schenkt. Der Kernpunkt der heute zulässigen Frage- 
stellung ist der: wie erklärt sich das Nebeneinander von utro und ustro ? 
Daß letzteres zur Sippe idg. *awe5- »leuchten« gehört, kann kaum bezwei- 
felt werden und wird hier im folgenden als Tatsache, die keines Beweises 
bedarf, angenommen werden. Ebensowenig kann man den Zusammen- 
hang der beiden Formen miteinander leugnen. 

Bevor ich meine Ansichten über die lautliche und psychologische 
Entstehung der beiden Formen darlege, möchte ich vorausschicken , daß 
ich die Doppelheit w-, ju- im Anlaut für bedeutungslos für die Etymo- 
logie halte. Man könnte ja daran denken, nur u- für den lautlich be- 
rechtigten Anlaut zu halten , und das ju- dem Einflüsse der zwiefachen 
Lautgestalt der Partikel ju^ u »schon« oder des ebenfalls mit utro, 
j'utro von mehreren Forschern verbundenen abg. Jug'b »Süden« zuzu- 
schreiben; aber die Einmischung solcher Worte erscheint mir doch un- 
nütz. Man kann ebensogut unabhängigen Sandhi annehmen. Der älteste 
Anlaut ist ti- aus cm-. Bernekers frühere Ansicht in I. F. X, 156, daß 
u- auf *ö^j?- und jM- Siui ^cm- zurückgehe, ist mit den Ablautsverhält- 
nissen der Sippe unvereinbar und scheint auch von Berneker selbst auf- 
gegeben worden zu sein. 

Als Grundform von ustro setzt Berneker Et. Wb. *aus-ro- an, wie 
er auch abg. hystr^ »verschlagen« ksl. »schnell, rasch« (s. v.) auf uridg. 
*h]ms-ro- zurückführt, während er I. F. X, 15G als zu erwartende Ent- 
sprechung von lit. auszrä, ein slav. *uchrOj *juchro angenommen hatte. 
Ich würde in historischer Zeit für '^ausro eine Form *uro erwarten mit 
einer allerdings wahrscheinlichen Zwischenstufe *uc/iro. 

Die beiden Beispiele uatro und bystr^ genügen m. E. nicht, den 
Lautwandel von uridg. -sr- zu slav. -sir- nach denjenigen Lauten, die 
vor Vokalen ein ursprüngliches -s- in slavisch -r/i- wandeln, im ge- 
ringsten wahrscheinlich zu machen. Bei hystr^ ist es, da Bernekers 
Etymologie durchaus nicht die einzige mögliche ist. nicht einmal sicher, 



Slavisch [J]utro, {j]ustro. 57 

daß ursprüngliches postvokalisches -s- oder sogar tiberliaupt vorsla- 
visches -s- vorliegt, wenn letzteres allerdings auch wahrscheinlich ist. 
Da slav. -str- die verschiedensten uridg. Lautgruppen repräsentieren 
kann, stehen zur Erklärung von hijstro Tor und Tür offen. Es könnte 
z. B. '^bhüd-sro-^ *bJmd-tro, *b/nid-stro- zu abg. h^deti »wachen«, 
h^dr^ »munter« usw. oder *bJmg-stro-, bJmk-stro- zu lit. bü-gstu bügti 
»fliehen«, baugsztüs »scheu, furchtsam«, buldüs »listig, schlau« vor- 
liegen; bei Anerkennung von Bernekers Etymologie kann i!ro-Suffix an- 
genommen werden. 

Nach fo, 2i, ^, y, u, S aus /-Diphthongen, r, k ist -s-, soweit Bei- 
spiele vorliegen, nur vor Verschlußlauten erhalten, vgl. z. B. x\\%^. pry~ 
skai' »spritzen« neben ksl. prychanhje »das Schnauben« ; sloven. pesta^ 
'poln. piasta »Stämpfel« neben czech. jySchoi-ati »stampfen« ; abg. krasta, 
russ. horösta »Krätze« zu mndd. liarst »Rechen, Harke«; abg. bhtvo 
»Flucht« aus *heg-stvo zu bSgnoti »fliehen, laufen«. 

Vor Nasalen liegen uns die beiden Worte abg. 6r^n^ »schwarz« = 
preuß. kirsnan ds. und abg. luna »Mond« = preuß. lauxnos »Gestirne« 
vor, aus denen wir schließen können, daß diejenigen Laute, die ein 
antevokalisches -s- in -cli- wandeln resp. mit dem -s- zusammen zu -cli- 
werden, auch dann, wenn auf das -s- ein Nasal folgt, den dentalen 
Sibilanten nicht intakt gelassen haben. Sie dürften ihn zunächst in der- 
selben Richtung wie vor Vokalen verschoben haben und haben ihn dann 
an den Nasal assimiliert mit nachheriger Vereinfachung der Geminata. 
Ob dieser aus -s- verschobene Laut vor seiner Assimilation dem histo- 
rischen -cIl- phonetisch nahe stand , wird sich kaum feststellen lassen. 
Da Gutturale außer in besonderen Fällen [prysnqti »spritzen« aus 
*prgsknoti^ tSsm »eng« aus *tesJcm usw.) vor Nasalen erhalten bleiben, 
können wir vielleicht denken, daß der betreffende Laut eher ein Hauch- 
laut als ein gutturaler Spirant war. Der Einfachheit halber können wir 
diesen Laut -ch- schreiben , Avie auch Berneker s, v. öwm für urslav. 
*dh7'm die Vorstufe *dbreIino annimmt, denn um ein ideelles -c/i- han- 
delt es sich jedenfalls. 

Vor Liquiden scheinen Beispiele für die Behandlung des -s- nach 
den betreffenden den Wandel zu -c/i- veranlassenden Lauten zu fehlen. 
A priori ist es unwahrscheinlich, daß diese Behandlung derjenigen des 
-6- vor Verschlußlauten gleich gewesen sei im Gegensatze zu der Be- 
handlung des -s- vor Nasalen. Ohne zwingende Beweise kann man, 
scheint es mir, die erstgenannte Möglichkeit ablehnen. Auch das ist 



58 V. d. Osten-Sacken, 

unwahrscheinlich, daß -sr- schon zu -str- geworden war, bevor die Ver- 
schiebung des -s- nach -c/i- hin einsetzte. Denn die Anfänge des letzt- 
genannten Wandels waren zweifellos uralt, und sie werden ja auch von 
vielen Forschern mit dem arischen Wandel von -s- zu s in Verbindung 
gesetzt. Es ist kaum zu denken, daß der dentale Sibilant in den be- 
treflfenden Stellungen noch intakt war zu der Zeit, als das sonstige -sr- 
zu -sir- wurde, ein Lautwandel, der zwar urslavisch ist, aber mit der 
gleichen Entwicklung in einzelnen anderen idg. Sprachen schwerlich et- 
was zu tun hat. 

Also ist anzunehmen, daß ein *ausro- zunächst zu *uchro mit 
ideellem -ch- und dann weiter zu *i(7to, *uro geworden wäre^). 

Die Form ustro kann m. E., wenn sie überhaupt eine ursprachliche 
Form fortsetzt, lautlich nur auf *cmstro- zurückgeführt werden. Die 
Existenz eines ursprachlichen fe?-^ /r-Formans neben dem in lit. cniszro, 
griech. ayxauQog »dem Morgen nahe«, ai. tisrä-h »rötlich, morgend- 
lich« usw. klar vorliegenden r-Formans scheint bei unserer Sippe durch 
lat. allster Gen. ausin »Südwind«, aisl. cmstr »Ost«, ahd. östar »ost- 
wärts« usw. festzustehen, wenn auch die Abgrenzung der beiden For- 
mantien gegeneinander nicht immer leicht ist. Die Substantiva in der 
Bedeutung »Frühlicht, Morgenröte, Morgen« von unserer Wurzel schei- 
nen allerdings nur ursprgl. -7~o-^ nicht -tro- zu enthalten. Vgl. Walde 
Et.Wb.s. V. aurora^ aiisier. Es ist also vielleicht am ansprechendsten, 
eine vorslavische oder vielleicht auch erst urslavische Umgestaltung von 
*aus7'o- durch Einfluß von *mfsiro- »östlich, Ostwind« anzunehmen. 

Was nun die Entstehung von ufro anbelangt , so scheint mir mehr 
als ein guter Kern in Bernekers jetzt in Et. Wb. von ihm selbst verwor- 
fenem und auch schon gleich zu Anfang als »etwas gekünstelt« bezeich- 
netem Eventualvorschlag in I. F. XI 56 zu stecken, wonach ufro laut- 
lich auf ein unursprüngliches *ucIifro zurückgehe. Der bei der Schaffung 



ij Daß nach anderen Lauten, als denjenigen, die s in ch wandeln, ein 
ursprüngliches -s- geschwunden sei, erscheint mir nicht recht plausibel trotz 
abg. zila »Ader« = urbalt. *gi)isla; nach -n- würde ich unbedingt Bewahrung 
des -s- erwarten; denn nicht -s- schwindet, sondern ein aus -s- nach -ch- hin 
verschobener Laut, der aber nach -»- überhaupt nicht entstehen konnte, Für 
den Schwund eines -s- fehlen im Slavischen Analogien. Ich möchte zila über 
*z>chla auf urslav. oder vorurslavisch *g'islä zurückführen, das seinerseits 
durch Haplologie aus einem *gilslä entstanden sein kann ; auf *gilslä kann 
auch urbalt. *ginslä durch Dissimilation zurückgehen. 



Slavisch lj;U(ro, {j]ustro. 59 

von *uchtro vorliegende psychologische Vorgang braucht dabei nicht 
direkt als Kontamination von tistro mit einem ^uchro aufgefaßt zu wer- 
den. Die induzierenden Worte können auch andere cA-haltige Formen 
der Wurzel '^mj.es- »leuchten« gewesen sein. Der Kernpunkt der Sache 
ist der, daß der als charakteristischer Wurzelauslaut der Sippe emp- 
fundene Laut -cJi- sekundär in ein Wort eingeführt wurde, das in interner 
Entwicklung kein -ch- erzielt hatte, das mit seinem ^us- innerhalb der 
Sippe *uc]i- »leuchten« isoliert dastand, wenn auch die Zusammen- 
gehörigkeit noch gefühlt wurde. Im Slavisch en scheinen geeignete 
Worte in historischer Zeit nicht mehr vorhanden zu sein, doch enthalten 
viele der außerslavischen Worte der Sippe das -s- in solchen Stellungen, 
wo wir -eil- erwarten würden; s. Beispiele bei Walde Et. Wb. a. a. 0. 
So kann es nicht Wunder nehmen, wenn -ch- als Wurzelauslaut empfun- 
den wurde. 

Genau in derselben Weise, wie ich mir die Entstehung von "^ucTitro 
denke, ist vorpoln. oder urpoln. "^knclda^ »Bröckchen« entstanden; vgl. 
Verf. I. F. XXIV 24 6 ff. und auch Berneker Et. Wb. s. v. kncha, der 
diese Auffassung zu teilen scheint. Weniger sicher kann man ein urslav. 
*D€rchti »dreschen« heranziehen; vgl. Leskien Gram. abg. Spr. 56. In 
bezug auf die Natur des ch gilt hier dasselbe, was oben bei dem für 
*dbrchm, *luch?ia postulierten -ch- erwogen worden ist, nämlich, daß 
es dem historisch bezeugten ch nicht notwendig phonetisch gleich ge- 
wesen zu sein braucht. Es war derjenige Laut, der zu der betreffenden 
Zeit der Reflex des ursprünglichen s nach zt usw. war. 

Daß aus *uchtro die Form ufro werden konnte, hat seine Parallele 
an apoln. h^ta aus *knchta (Verf. a. a. 0.). Allerdings handelt es sich 
in letzterem Falle vielleicht um einen urpolnischen Lautwandel, während 
in ersterem Falle gemeinslavische Assimilation und Geminaten Verein- 
fachung angenommen werden muß. Eine weitere Parallele ist die Be- 
handlung der Lautgruppe -ht- in pei^ »quintus« usw. 

Mitau. IV. Frhr. v. d. Oste7i-Sacken. 



60 M. Resetar, 



Zur Bezeiclmiing der serbokroatisclien Betonung. 



Prof. Drechsler hat im HrvatsJco Kolo^ Band VII (Agram 1912), 
S. 356, darauf aufmerksam gemacht, daß Sime Starcevic in seiner Nova 
Ricsöslovica iliricskä (Triest 1812) als erster und noch vor Vuk die 
vier sbkr. Akzente festgesetzt und ganz genau bezeichnet habe, was inso- 
fern richtig ist, als tatsächlich dieser Schriftsteller zuerst den fallenden 
vom steigenden Akzent auch in kurzen Silben unterschied, während der- 
selbe Unterschied in langen Silben schon dem Grammatiker B. Kasic 
(1604) bekannt war. Da also dieses Werk des Starcevic für die Ge- 
schichte der sbkr. Akzentbezeichnung von Wichtigkeit, aber nicht leicht 
zugänglich ist, so empfiehlt es sich, seine Ausführungen wiederzugeben, 
die lauten, wie folgt: »Ako malo protrösesh glasove besidah, vidi chesh 
bärzo, da se u uashem jeziku samo csetiri nahode: jedan je posve krätak 
'ka.o: pas, neho^ did, drügi je malo uzdignut pak bärzo spushtan kao : govu- 
ritij toltko ^ griJiota^ trechi je malo potegnüt na dugljc kao: kärärn^ 
pitäm, vcxem, a csetvarti je posve raztegnüt kao: käzati^ vezati,pisati 
(S. 113).« Auf den Seiten 114 — 117 gibt Starcevic einige Regeln für 
die Anwendung der Akzentzeichen, woraus ich nur erwähnen möchte, 
daß er aufS. 1 14 ausdrücklich erwähnt, der »kurze« Akzent werde durch 
ein eigenes Zeichen nicht bezeichnet, da jede unbezeichnete Silbe »kurz« 
[na kratko) auszusprechen sei, ferner, daß der Autor auf S. 116 darauf 
aufmerksam macht, in dem Buche, besonders in den ersten Bogen seien 
die Akzentzeichen häufig unrichtig oder überhaupt nicht gesetzt worden, 
weil die Setzer ungeübt, der Vorrat an Akzenten in der Druckerei ein 
geringer gewesen und manches auch seinem Auge entgangen sei. In 
der Hauptsache aber hat Starcevic gewiß das Richtige getroffen , denn 
aus der von ihm gegebenen Definition seiner vier Akzente sowie aus der 
Art und Weise, wie er seine Akzentzeichen anwendet, ist mit vollkom- 
mener Sicherheit zu schließen, daß er den kurzfallenden Akzent (Vuks " ) 
unbezeichnet läßt, dagegen den kurzsteigenden (Vuks ^) mit dem Zirkum- 
flex, den langfallenden (Vuks ^) mit dem Gravis und den langsteigenden 
(Vuks ') mit dem Akut bezeichnet. Ebenso sicher ist es aber, daß Star- 
cevic nicht nur die langfallend betonten, sondern auch die unbetonten 
Längen mit dem Gravis bezeichnet, so daß er auf diese Weise mit der 



Zur Bezeichnung der serbokroatischen Betonung. 61 

Bezeichnung der Betonung auch eine solche der Quantität verbindet, was 
übrigens die meisten vor ihm und bekanntlich auch Vuk selbst tat, der 
— ganz wie Starcevic — für fallend betonte und unbetonte Längen ein 
und dasselbe Zeichen C^) anwendet. Auf diese Weise gebraucht Star- 
cevic den Gravis schon bei seinen typischen Beispielen für den lang- 
fallenden Akzent: liäräm ^ pltäm, vexem = karäm^ pitäm^ vezem; 
weitere Beispiele finden sich auf jeder Seite des Werkes, so daß es voll- 
kommen überflüssig wäre, noch welche anzuführen, obschon nicht gesagt 
werden kann, daß Starcevic die unbetonten Längen konsequent so be- 
zeichnet; im Gegenteil, außerhalb der (tatsächlich oder nach seiner An- 
nahme) langen Endsilben geschieht dies ziemlich selten. Noch wichtiger 
ist es, daß Starcevic nicht nur die fallend betonte Kürze — seiner Be- 
zeichnungsart entsprechend — unbezeichnet läßt, sondern dies in der Regel 
auch bei einer steigend betonten Kürze tut, so daß der Zirkumflex bei ihm 
ziemlich selten vorkommt, besonders in dem Falle, wenn einer steigend be- 
tonten Kürze eine unbetonte Länge folgt, so daß er z.B. im Paradigma von 
zena (S. 31) folgende Formen anführt: Nom. sg. Ooa [XenaJ, Gen. sg. 
ÖDe {Xe7ie), Dat. sg. Ovo/ [Xetii), Nom. pl. Ove {Xene), Dat. pl, Ovim 
[Xe?iam), also lauter Fälle, wo wir auf der ersten Silbe den Zirkum- 
flex erwarten würden. Überhaupt kommt bei ihm selten der Fall vor, 
daß auf einem und demselben Worte der Zirkumflex und der Gravis 
stehen, z. B. Riesa slovniku ^ liicsösldväcah 113, putuväuje 114. Es 
finden sich dagegen nicht selten Beispiele, wo eine kurzbetonte Silbe 
vor einer unbetonten Länge ein eigenes Zeichen bekommt, aber dann 
scheint es, daß Starcevic sich als Regel gestellt hatte, auch die betonte 
Kürze mit dem Gravis zu bezeichnen, während — nach seiner Bezeichnungs- 
art — in diesem Falle eine fallend betonte Kürze ohne jeden Akzent 
sein und eine steigend betonte Kürze den Zirkumflex haben sollte; auf 
diese Weise bezeichnet z. B. der Gravis den kurzfallenden Akzent in 
hesidah., driigi^ trecM 113, sväkö 114 usw., und den kurzsteigenden in 
o«o, potribitiih (= potribitijih) , sädä 113, razümi^ kädä, dvi., vechi 
114 usw.; die Beispiele sind so zahlreich, daß man sie kaum alle auf 
Rechnung der Setzer stellen könnte, weswegen ich hier an eine allerdings 
allzuhäufige Ungenauigkeit in der Akzentbezeichnung des Starcevic denke, 
die geeignet wäre, seine richtige Auffassung der kurzen Akzente in 
Zweifel zu ziehen, wenn wir nicht sehen würden, daß er dort, wo er Bei- 
spiele für bestimmte Akzente anführt (auf S. 1 13 — 117), fast ausnahms- 
los das Richtige trifft; als wirkliche Ausnahme könnte ich nur tele 114 



62 M. Resetar, 

(=: tele) anführen, das er unter den Beispielen für den glas Jcratki^ 
d. h. für den kurzfallenden Akzent erwähnt. 

Die von Starcevic zum Ausdrucke gebrachte Betonung ist ohne 
Zweifel die seiner Heimat, nämlich der Lika in Kroatien, wo Katholiken 
und Orthodoxe den reinsten sVo-Dialekt mit neuerer Betonung sprechen, 
so daß in letzterer Beziehung seine Aussprache prinzipiell mit derjenigen 
Vuks vollkommen übereinstimmt. Selbstverständlich werden regioneile 
Eigentümlichkeiten gewiß zu konstatieren sein, doch dies kann nur 
jemand genau feststellen, dem eben der Likaer Dialekt gut bekannt 
ist. Ein Plus dürfte aber von Starcevic hineinspekuliert worden sein, 
so z. B. das Gesetz auf S. 115, daß das -ga aller Adjektiva lang 
ist: clohrogä^ velikogä usw., was vielleicht durch ein tatsächlich vor- 
handenes fögä^ onogä, ovogä veranlaßt wurde, oder das weitere Gesetz, 
daß die Endsilben aller Personen des Präsens lang sind: govorim^ go- 
voris/i, govori, govonmd, govorite, govore. Doch wenn man von diesen 
und ähnlichen kaum begründeten Behauptungen, sowie von den früher 
besprochenen ungenauen Akzentbezeichnungen absieht, verbleibt nichts- 
destoweniger die Tatsache bestehen, daß Sime Starcevic zuerst die beiden 
sbkr. Akzente auch in kurzen Silben prinzipiell genau unterschied und 
mit den erwähnten Abweichungen, auch bezeichnete. 

31. Resetar. 



Zum ältesten slavisclien Alphabet- 



Als solches kann das glagolitische Äbecenarium hulgaricum be- 
zeichnet werden, das spätestens in das XII. Jahrhundert gehört, leider 
aber für uns nunmehr vollständig nur in der Reproduktion in Kopitars 
Glagolita Clozianus, Tafel I, zugänglich ist, da die betreffende Pariser 
Handschrift verschollen ist (vgl. Enzyklopädie der slav. Philologie, 
Heft 3, S. 136). Zu dem, was über dieses Alphabet bis jetzt, besonders 
von Sreznevskij (^penii. r.iarojiH'i. naMüTHiiKH, S. 16ff.), Geitler 
(Die alban, u. slav. Schriften) und Jagic (o. c, S. 135 — 137) gesagt wor- 
den ist, möchte ich noch einige Bemerkungen hinzufügen. Zunächst 
glaube ich, daß man ohne weiteres annehmen soll, daß der Schreiber 
(Abschreiber) des Alphabets kein Slave war, denn bei der Wiedergabe 
der Buchstabennamen mit lateinischen Lettern hätte ein Slave für sJovo 



Zum ältesten slavischen Alphabet. 63 

kaum cslüuo und auch für huk'ovi wohl nicht hocohi geschrieben; wenn 
er aber kein Slave war, so dürfte er am ehesten ein Grieche gewesen 
sein, wofür der Umstand zu sprechen scheint, daß er für mysUfe, mit 
sekundärem t zwischen s und /, muftlite schreibt, was am leichtesten bei 
einem Griechen vorauszusetzen ist •); vielleicht ist auf denselben Grund 
auch der weitere Umstand zurückzuführen , daß das v von buk^vi mit b 
[böcobi), sowie in farcnie das d von ^r^vb und in fa das s von sa mit s 
wiedergegeben wird, da bekanntlich die Laute 6, 6, s dem Neu- 
griechischen fremd sind, obschon bezüglich der Laute <? — s und noch 
mehr bezüglich des z von zielte (geschrieben giuete) auch ein Romane 
oder Germane hätte zu dieser Zeit in Verlegenheit sein können. Wenn 
wir aber an einen Griechen als den ursprünglichen Aufzeichner unse- 
res Alphabets denken wollen, so könnte man daraus folgern, daß das 
uns vorliegende Alphabet eine Abschrift, und zwar von einer (in be- 
zug auf die Buchstabennamen) griechischen Vorlage ist, was uns auch 
die UnVollständigkeit und teilweise Unkorrektheit des Alphabets erklären 
würde. 

Au zweiter Stelle möchte ich hervorheben, daß die mehrsilbigen 
Buchstabenuamen in der Regel akzentuiert sind, und zwar zumeist auf 
der ersten Silbe: böcoli^ uedde^ glägoU^ dobro ^ giuete^ zello^ zemia 
ife^ ifei^ cäco, lüddie^ pöcoi, cßöuo\ auf der letzten Silbe betont sind 
reci, faraue, peller, wozu auch hieft und Jtier gerechnet werden könn- 
ten; auf der vorletzten Silbe betont ist nur muftlite^ während tordo und 
eventuell die drei letzten Namen hiet^ iufz^ hie unbetont sind. Diese 
Betonung stimmt nur zum Teil mit derjenigen überein, die heutzutage 
bei den orthodoxen Slaven üblich ist ufid im Grunde die seit sehr alter 
Zeit in Rußland übliche Betonung darstellt, denn gegenüber den anfangs- 
betonten Formen des Abec. bulg. hat man im Russ. rjiaroiEi., ;i;o6pö, 
2C H B 'i T e , 3 '£ .1 6 , 3 e M .1 fl , n K 6 il ; es ist aber schwer zu sagen, ob 
die Betonung des Abec. bulg. etwa auf einer älteren südslavischen Ak- 
zentuation beruht, da sich in bezug auf die Buchstabennamen eine alte 
Südslavische Tradition nicht erhalten hat; doch ist es sehr fraglich, ob 
eine Betonung zemia^ pocoi auch im Südslavischen alt sein könnte. 

Die Mängel des Abec. bulo-. wurden schon längst konstatiert und 



11 



So haben wir in dem von Banduri herausgegebenen mit griechischen 
Lettern geschriebeneu slavischen Alphabet ebenfalls aS-'Z-ößia für slovo; es ist 
daher möglich, daß das cj'louo des Abec. bulg. aus stloun verschrieben ist. 



64 M. Eesetar, 

zumeist auch erklärt; es verbleiben aber nocli immer einzelne Punkte, 
die einer Erklärung bedürfen; ich möchte daher einige Bemerkungen 
vorbringen, die den Gegenstand allerdings lange nicht erschöpfen. Bis 
zum Buchstaben T geht allerdings alles in Ordnung, wenn man davon 
absieht, daß das Zeichen a? (cyrill. 1s) fehlt; aber mit dem darauffolgen- 
den Buchstaben beginnen die Schwierigkeiten; das Zeichen, das einem 
glagol. T ziemlich gleich ist und den Namen liic trägt, wurde von Sre- 
znevskij (S. 1 9) ganz einfach als u (glagol. a») gedeutet, obschon der Buch- 
stabe im Slavischen sonst OYK'K heißt und im griechischen Alphabet 
Banduris an derselben Stelle ?;'/, also nach neugriechischer Aussprache 
ih steht; mit viel größerer Begründung hat daher Geitler (S. S9) dieses 
Zeichen als eine Abart des glagol. Zeichens für das griech. v aufgefaßt, da 
hier im griech. Alphabet tatsächlich das v zu stehen kommt. Es ist 
nämlich leicht möglich, wie Geitler richtig vermutete, daß erst später im 
Doppelzeichen » (cyrillisch oy) der zweite Bestandteil sich von dem selb- 
ständigen Zeichen für griech. i' differenzierte und daß dann das Doppel- 
zeichen das einfache Y verdrängte (S. 173); zur Bekräftigung dieser Ansicht 
kann die Tatsache angeführt werden, daß die ältesten cyrillischen alphabe- 
tischen Lieder nach dem mit dem Buchstaben T anfangenden Verse einen 
solchen aufweisen, der mit v (l'nc»CTaci%) beginnt, was nicht eine bloße 
Nachahmung des griech. Alphabets sein dürfte, da diese Lieder sonst 
streng die Reihenfolge der slav. Buchstaben befolgen, wobei sie sogar für 
das glagol. h\ einen Platz haben, indem hinter den beiden /-Zeichen in 
dem einen Liede ein Vers mit reOHKi anlautet, also mit demjenigen 
griech. Laute, der glagolitisch eben durch av wiedergegeben wurde, wäh- 
rend im zweiten an dieser Stelle ein ohne Zweifel verdorbener mit i\6- 
THTT».!) anlautender Vers steht (vgl. Sobolevskij in CöopiiiiKi. pyccK. 
otä^Ji. Bd. 88, S. 13 und 9), was den besten Beweis dafür liefert, daß 
diese alphabetischen Lieder ursprünglich glagolitisch geschrieben waren; 
jüngere Lieder dieser Art, die nicht von einer glagol. Vorlage stammen, 
haben hinter dem t tatsächlich ein u (vgl. z. B. bei Sobolevskij o. c. 
S. 31. 34). Man kann somit mit gutem Grund vermuten, daß das xVbec. 
bulg., welches kein besonderes oy-Zeichen hat und hinter dem T ein ein- 



1) Ea ist Interessant, daß auch in der Moskauer Handschrift des be- 
kannten Aufsatzes Cbrabrs, der ebenfalls auf eine glagol. Vorlage zurück- 
geht, das Zeichen a« durch ein cyrill. a vertreten ist (vgl. Abicht im Archiv f., 
slav. Phil. XXXI, 213). 



Zum ältesten slavischen Alphabet 65 

faches y-Zeichen folgen läßt, den Zustand des ursprünglichen glagol. 
Alphabets bewahrt hat. 

Hinter dem \j'-Zeichen steht im Abec. bulg. unter dem Namen ot ein 
Buchstabe, der bis jetzt gewöhnlich als w gedeutet wurde ; erst Jagic 
(S. 136) hat wegen der einem besonderen glagol. \'-Zeichen sehr ähn- 
lichen Form des Buchstabens einen Irrtum des Schreibers angenommen, 
der den Namen des W dem \' gegeben habe. Letztere Annahme dürfte 
kaum richtig sein, denn dann müßte man auch annehmen, daß das Abec. 
bulg., da das gewöhnliche glagol. \'-Zeichen, allerdings verstellt, hinter 
dem üJ unter dem Namen liier steht, zweimal das \' enthalte, wie dies in 
dem sogleich zu erwähnenden cyrillisch-glagol. Alphabet tatsächlich der 
Fall ist. Es ist daher die Erklärung Geitlers (S. 125) wahrscheinlicher, 
»daß einmal bei gewissen glagolitischen Schreibern ein bestimmtes h be- 
stand, das dem ot anderer Schreiber zum Verwechseln ähnlich war oder 
wurde«, wodurch es sich auch erklärt, daß im Psalt. sinait. an einer Stelle 
(pag. 176) ein y durch ein ganz wie ein gewöhnliches W aussehendes 
Zeichen ersetzt ist. 

Doch, wenn man auch zugeben will, daß das Zeichen des Abec. bulg., 
das den Nameu ot trägt, eigentlich ein ^ ist, so bleibt es dennoch fest, 
daß der Schreiber an dieser Stelle ein W setzen wollte, bezw. in seiner 
Vorlage hatte. Diese Konstatierung ist wegen des darauffolgenden Buch- 
stabens wichtig; dem ot folgt nämlich unter dem Namen yje ein glagol. l^, 
weswegen man auch bis jetzt allgemein dachte, pe stehe für ce. Die 
Sache dürfte aber nicht so einfach sein, denn auch in der Handschrift 
Chrabrs der Moskauer Geistlichen Akademie, die aus einer glagolitischen 
Vorlage geflossen ist, folgt in der Reihenfolge der nach dem griechischen 
Alphabet gebildeten Zeichen: H n'fe, \i\'h,^ TT», worin Jagic (Ilscjii- 
ÄOBanifl I, 317) die sehr mangelhafte Wiedergabe der drei dem glagolit. 
Alphabet fremden griechischen Buchstaben )/', ^, !} sah, während Abicht 
(Archiv für slav. Phil. XXXI, 211 — 212) auch für diese drei Zeichen die 
Reihenfolge des griech. Alphabets annimmt und sie als d-^ §, ijj deutet. 
Ob ip oder ^, die Tatsache bleibt bestehen , daß auch in dieser Hand- 
schrift dem ot ein pe folgt! Da es sich aber um eine evident verdorbene 
Stelle handelt, möchte ich der Sache keine allzugroße Wichtigkeit bei- 
legen, wenn sie nicht auch in den schon erwähnten, auf glagolitische 
Vorlagen zurückgehenden alphabetischen Liedern eine Bestätigung finden 
würde: in beiden nämlich steht zwischen dem mit W und dem mit 
U, anlautenden Verse ein solcher, der mit n anlautet (njMaAb, bezw. 

Archiv für slavisclie Pliilologie. XXXV. 5 



66 M. Resetar, 

n'bCHbMH). Und auch im cyrillisch -glagolitischen Alphabet, das von 
Jagic (o. c. S. 137) erwähnt wird und in einer lateinischen Handschrift 
spätestens aus der ersten Hälfte des XII. Jahrh. nachher eingetragen 
wurde, folgt im cyrillischen Teil dem w ein Zeichen, das von Jagic mit 
einem latein. fi verglichen wird, das aber auf der photographischen Re- 
produktion ganz wie das (auf seinem Platze stehende) cyrill. n aussieht 
und von welchem es sich nur dadurch unterscheidet, daß der horizontale 
Balken links etwas hervorragt und der rechte vertikale Balken unten mit 
einem nach rechts hervorstehenden kleinen horizontalen Strich abge- 
schlossen ist, so daß an der Identität der beiden Zeichen nicht zu zwei- 
feln ist; in dem glagol. Teile folgt dagegen dem )^-Zeichen ein Buchstabe, 
der von Jagic irrtümlich mit dem besonderen, schon erwähnten Y-Zeichen 
(welches sich genau unter dem ersteren, aber in der folgenden Linie be- 
findet) als ein Zeichen zusammengenommen wurde; dieser Buchstabe, 

v , 
etwa wie @ , ist wahrscheinlich als W zu deuten und steht vor einem 

A ' 

Zeichen, das einem glagol. m ähnelt und sich somit dort befindet, wo in 
den oben erwähnten Denkmälern pe, n1v, n steht. 

Das sind recht auffallende Erscheinungen, die zur Vorsicht mahnen 
und das pe des Abec. bulg. in ganz anderem Lichte erscheinen lassen : 
wenn das Abec. bulg. hinter ot ein pe und eine Handschrift Chrabrs 
hinter WT ein n1i folgen läßt, wenn zwei in keinem inneren Zu- 
sammenhange stehende alphabetische Lieder hinter w die gewöhn- 
liche alphabetische Reihenfolge durchbrechen und dem W ein n folgen 
lassen, wenn das cyrill.-glagol. Alphabet hinter dem cyrill. W wiederum ein 
n und hinter dem wahrscheinlich als glagol. W zu deutenden Buchstaben 
ein besonderes Zeichen hat und nicht das an anderer Stelle vorkommende 
i\i, so ist es kaum anzunehmen, daß dieses merkwürdige Übereinstimmen 
von fünf ganz verschiedenen, ihrem Ursprünge nach glagolitischen Denk- 
mälern durch bloßes Versehen herbeigeführt worden sei. Wenn man 
aber nach einem Grunde sucht, so ist er schwer zu finden; jedenfalls 
dürfte es auch kein Zufall sein, daß dieses rätselhafte pe dort auftritt, 
wo nach dem gewöhnlichen glagolit. Zahlsystem die ohne Zweifel erst 
später entstandene Ligatur i|J (800) ihren Platz hat, nämlich zwischen 
W (700) und 1^ (900). Es muß also hier im ursprünglichen glagol. 
Alphabet etwas anderes gestanden haben, aber was? Vielleicht doch ein 
y\^, das im griech. Alphabet in der unmittelbaren Nähe des co sich befindet, 
allerdings vor und nicht nach ihm und mit anderem Zahlwert (700); dann 
müßte man annehmen, daß spätere (glagolitische) Abschreiber der beiden 



Zum ältesten slavischen Alphabet. (37 

alphabetischen Gebete das ungewöhnliche ?/^ eliminierten (wie auch im 
ersteren das ungewöhnliche ac von den späteren, cyrillischen, Abschreibern 
eliminiert wurde] ; vielleicht stand hier eine Form von vjraAlun», und dann 
könnte das (i'kCkHlUlH des zweiten Liedes eine Übersetzung davon sein. 
Relativ leicht läßt sich die Sache in bezug auf das Abec. bulg. erklären: 
der Abschreiber hatte (wie die beiden alphab. Gebete!) dieReihenfolge ot^ 
pe^ ce vor sich und hat, da er das zweite als überflüssig betrachtete, dessen 
Namen mit dem dritten Zeichen verbunden. Daß aber an Stelle des vor- 
ausgesetzten i|J in allen diesen fünf Denkmälern der Buchstabe n (»pe«, 
n1v usw.) genommen wurde, steht vielleicht damit im Zusammenhange, 
daß der Laut /j ja der erste Bestandteil des ip (= /jä) ist. 

Und da wir im Abec. bulg. auch das älteste slavische Alphabet mit 
ausgeschriebenen Buchstabennamen haben, so möchte ich zuletzt noch 
erwähnen, daß es kaum richtig sein dürfte, daß — wie vielfach ange- 
nommen wird — die slavischen Buchstabennamen erst geraume Zeit nach 
dem Entstehen des slav. Alphabets selbst aufgetreten sind ; ich bin viel- 
mehr der Ansicht, daß Kyrill selbst auch die Namen der Buchstaben ge- 
schaffen hat: er stand allzusehr unter dem Einflüsse der griechischen 
Gelehrsamkeit, als daß er sich hätte denken können, daß man die Buch- 
staben anders als mit vollemNamen bezeichnen könnte; aus dem Umstand 
nun, daß er den slav. Buchstaben zumeist auch slavische Namen gab, 
ergibt sich eine treffende Parallele zur Tatsache, daß er sowohl in bezug 
auf die Gestalt als auch bezüglich des Zahlwertes der glagolit. Buchstaben 
seinen eigenen Weg ging. Man darf somit das Zeugnis Chrabrs, der wohl 
noch Zeitgenossen der beiden Slaveuapostel gekannt haben dürfte, nicht 
einfach ignorieren, da er ausdrücklich sagt: whh (die Griechen) oyco 
dA^a a CK (Kyrill) d3k; jedenfalls waren schon zu Chrabrs Zeiten die 
slav. Buchstabennamen geläufig, denn er dekliniert sie auch: IVT &3A 
HaM/ÄTb WROie; Ende des IX. oder spätestens Anfang des X. Jahrh. 
waren also die slav. Buchstabennamen schon da, sie sind somit bedeutend 
älter als die ältesten slav. Schriftdenkmäler! M. Re^etar. 

Nachtrag. — Dr. Kidric hat m Nävi Zapiski^\\ 145 ein vorwiegend 
cyrillisches Alphabetwn Sclaiiorum aus einer latein. Hft. des XVI. Jhs. in der 
Wiener Hofbibliothek veröffentlicht, in welchem an Stelle des w drei Buch- 
staben mit dem Namen »ob«, »od« und »ho< stehen: die zwei ersten sind ganz 
phantastisch, der dritte dagegen einem cyrill. w ziemlich ähnlich; darauf folgt 
unter dem Namen »pi« ein Zeichen, das als cyrill. ijj oder griech. rp gedeutet 
werden kann, und vor »si (n)« und >zers (h)« steht. — Cyrill. i|j zwischen w und 
u, findet man im cyrill. Alphabet in einer griech. Hft. der Wiener Hof bibliothek 

(Kopitar, Glagol, Cloz. XXIX). 

5* 



68 Christiani-Schultheiss, 

Über die Iteration you Synonymen im Enssisclien 
und in anderen Sprachen. 



Die Iteration von Synonymen erwähnt Vondräk Vergl. Slav. CTramm. 
IL 540/1 ganz kurz. Zu den von ihm angeführten, Boyer und Speranski's 
Manuel entnommenen wenigen Beispielen aus dem Russischen bemerkt 
er, die Iteration von Synonymen sei überaus häufig. Die im Manuel 278 
verzeichneten Beispiele sind nur gering an Zahl. Einige andere folgen 
hier. 

Wir begegnen im Russischen erstens der Verknüpfung von begriffs- 
ähnlichen Substantiven. Man kann sie einteilen in Konkreta und Ab- 
strakta. Konkreta sind: KOBtijiB-TpaBa, iieBOibiiiiK'B-noATiopeMLU.HK'B, 
oTeu;i.-6aTiomKa, cyn^iyKX-japeui'B (»Oxonpy h cyHAyKH-Jiapi^i.i ko- 
BaHH«). Aus einem der in Trachtenbergs »EjiaTHaH MyatiKa« Peters- 
burg 190S, abgedruckten »ocTpo^Kiitia n'Sciiii« (S. 93, Z. 6 v. u.), nyxL- 
ÄopoatKa (»Mhmo btofo OKOiuKa .leaciixi. nyxfc-AopoatKa, KaKi no 3xoii 
no ÄOpoacK'i MHoro H;i;yxx-iAyxx«. Ebd. S. 9S, Z. 7/S v. o.), xoprt- 
6a3apx> (»TaKOBa h yy^a-Anna hb iiaxa^HBajix. , KaKt Hamojrt h ^lyAo- 
AHBO BO rpaA^ KicB^: CpeAH xopry-öaaapy , cepsAB njioiii,aAH« Ebd. 
S. 85), xyqa-6ypK (Kol'cov, Jlicx) i^apL-rocy^apt (vgl. ii;apcxBO-rocy- 
AapcxBO, Kol'cov >ypa«). — Abstrakta sind: BtiKynxi-BtipyyKa, nopa- 
BpeMH, nopa-BpcMii^iKO, npaBAa-iicxima, ^yAO-AHBO. Bei Kol'cov finden 
sich u. A. : rope-nyacAa (»Cx xoit nopti n ci. ropeM'L-Hy^KAOio IIo ^ly- 
3K.HMX yrjraMx, cKHxaiocfl. «), ropecxt-neyajiL (»Bx aojroxoe BpeMH Xaii- 
jiBMX Ky^pii bbioxch; Ci. ropecxn-ne^iaJiH Pyctiii ciKyxcH«.), pa^ocxt- 
BecejiLe (»Cx pa^ocxH-Bccejitfl XM'fejieMx Ky^pn BtK)xc;i. «), CKyna-ro- 
pecxL und .iioöoBL-xocKa, ebenfalls ein Synonymenkompositum, da beide 
Komponenten Gefühlsbegriffe sind, wie Liebe und Sehnsucht. 

Nicht nur begriffsähnliche Substantiva werden verknüpft, sondern 
auch Verba z. B. ÖHXfc-KasniixL, öy^y-cxany, Kpajin-BopoBajiH, xocko- 
Baxb-ropeBaxt i). 

Diese Art der Ausdrucksweise ist vor allem der dichterischen und 



1) Einige Beispiele aus den »ocxpoiKutia nicHU« : »Yaci. Kant Kpa.iii-Bo- 
poBaju Äoopw MojoAUtK (Trachtenberg 86); mbi sa to ero ÖBeMt-KasHuiii. (Ebd. 
87); He Be.m MeH-i KaauuTL-ElniaTu« (Ebd.). 



über d. Iteration v. Synonymen im Eussischen u. in and. Sprachen. 69 

der Volkssprache eigen. In den Bylinen wird man viele Beispiele finden, 
die gesammelt zu werden verdienen. Die Verbindung von begrififsähn- 
lichen Wörtern scheint mir eine Eigentümlichkeit des Russischen zu sein. 
Für die vergleichende Syntax wären Beobachtungen über diese Erschei- 
nung in den anderen Slavinen erwünscht. 

Ob es durch die folgenden Ausführungen von Herrn Schultheiß 
wahrscheinlich gemacht werden kann, daß die Erscheinung der alier- 
ältesten Stufe des Slavischen nicht fern gelegen hat, möge der Leser 
selbst beurteilen. 

Posen. TV. Christiani. 

* * 

* 

Die Richtlinien , in denen sich die Geschichte dieser sprachlichen 
Erscheinung als einer allgemeinen nach sprachpsychologischen Gesetzen 
bewegen kann , sind besonders deshalb schwer nachzuzeichnen , weil die 
sie ermöglichenden Faktoren auf Gebieten liegen, die mit ihr an sich 
nichts zu tun haben. Darum wird es manchem scheinen, daß den im 
Folgenden aufgesuchten Beziehungen in Wirklichkeit die ihnen beigelegte 
Bedeutung nicht zukommt. Denn die Möglichkeit der Verknüpfung von 
synonymen Begriffen ist selbstverständlich in jeder Sprache vorhanden, 
und erst die Beschränkung auf gewisse Kategorien ermöglicht uns die 
Aufstellung eines Stammbaumes , die Aufzeigung eines historischen Zu- 
sammenhanges. 

Das Japanische, das ursprünglich alles Auszudrückende als einen 
äußeren oder inneren Verlauf begreift, während z. B. für das Indogerma- 
nische die Tätigkeit, für das Georgische die Ortsbeziehung das Wesent- 
liche ist, kann sich zur Veranschaulichung der sinnlichen Eindrücke der 
Synonymenanhäufung bedienen. So wird das Japanische , um ein Bei- 
spiel für den äußeren Verlauf eines Geschehens zu geben , zur Veran- 
schaulichung eines Durchdringens [osoku-irimashi) naturgemäß zwei 
Ausdrücke gebrauchen, und ebenso könnte in dieser Sprache der innere 
(seelische) Verlauf etwa des Aufgeregtseins in derselben Weise durch 
zwei Synonyma gegeben werden. Für diese Auffassung sind z. B. Natur- 
ereignisse wie Sturm, Regen, Hagel, die wir unter die Kategorie der Sub- 
stantiva einreihen , Arten eines Verlaufes , wogegen Begriffe von ganz 
gegenständlichem Charakter , wie Kraft oder Liebe , der Iteration nicht 
unterliegen können. Diese Urstufe, die zum Ausdruck von Urteilen 
ihrem Wesen nach unfähig ist, hat das heutige Japanisch natürlich längst 
überschritten. 



70 Christiani-Schultheiss, 

Die nächste Stufe der Entwicklung liegt da vor, wo es gilt Gefühls- 
eindrücke besonders hervorzuheben. Hierher gehören Ausdrücke, wie 
russ. ciiJia-Momb, ujao-ahbo , paAocTb-Bsce.ite , 0Tei];i>-6aTK)mKa, Kpa- 
.iH-BopoBajiH. Sie können bereits auf dieser Stufe gebildet werden. 

Ein Unterschied zwischen der ersten Stufe und der zweiten besteht 
darin, daß in jener die Begriffsiteration mit der Iteration des ganzen Ge- 
dankens zusammenfallen kann. Jetzt handelt es sich nämlich um einen 
Gefühlsausdruck, der der Verdeutlichung bedarf und dadurch aus der 
Umgebung des ganzen Gedankens (Satzes) als ein maßgebender Teil her- 
ausgehoben wird. Wenn man will, kann man auch hier noch eine Ge- 
dankeniteration sehen wollen, wie ja überhaupt der Ausdruck des Gefühls 
(des Subjektiven) die nächstliegende und ganz entsprechende Entwick- 
lungsstufe nach der (objektiven) Verlaufsdarstellung ist. Auf dieser Stufe 
spielt die Bedeutung des Gefühlsausdruckes als eines im Sinne der Logik 
geltungtragenden Faktors noch keine oder eine sekundäre Rolle; darum 
kann der Gefühlsausdruck, wo auf ihn ein Ton gelegt, die Aufmerksam- 
keit des Hörers auf ihn gelenkt werden soll, nicht durch die logischen 
Mittel der Voranstellnng oder etwa einer betonenden Partikel verstärkt 
werden. Ein weiterer Grund liegt darin, daß die Verstärkung des Ge- 
fühlsausdrucks naturgemäß und zunächst wieder durch einen Gefühls- 
a,u3druck gesucht werden wird : der symbolische Charakter des Sprach- 
äußeren bringt es ja mit sich, daß zur Veranschaulichung des volleren 
Inhalts ein volleres Lautsubstrat gewählt werden wird. Dem Bewußt- 
sein der Verschwommenheit bei den Bezeichnungen für Gefühlseindrücke, 
das auch für die höheren Stufen der Sprachentwicklung gilt, muß hier 
ebenfalls ein nicht geringer Einfluß beigemessen werden. Zu weiterer Aus- 
dehnung wird aber das Prinzip der Sj^nonymenkomposition nur in Spra- 
chen gelangen können, deren scharfe rhythmische Gliederung im all- 
gemeinen eine solche verkürzte Sprechweise erleichtert. Denn als das 
primum movens möchten wir das Streben nach Verkürzung ansehen, 
welches den Sprecher veranlaßt, das , was er in mehrere Ausdrücke (Ur- 
teile) zerlegen könnte, in einem Synonymenkompositum niederzulegen. 
Man beachte, daß das Türkische, das wir vorwiegend hier im Auge haben 
müssen, die Partikel und nicht nur zwischen Sätzen (was nicht beispiel- 
los wäre), sondern auch zwischen beigeordneten Satzteilen zu unter- 
drücken liebt, wodurch unstreitig sowohl rhythmisch wie logisch die 
innere Einheit solcher Begriffe ganz besonders plastisch zum Ausdruck 
kommt: osm. usaqlar hir dihiiq^ hir qaJnceh getiirsünler 'die Burschen 



über d. Iteration v. Synonymen im Russischen u. in and. Sprachen. 71 

sollen eine Pfeife, einen Kaffee bringen\ Ein Beispiel, nach dessen 
Analogie sich der Leser leicht den ganzen Umfang dieser Erscheinung 
wird ausdenken können, wäre aus dem Türkischen: dürlemek toparla- 
maq 'zusammenpacken\ Das Gefiihlsmoment liegt hier in der Vorstel- 
lung der Eile. 

Die dritte Stufe soll durch das Chinesische veranschaulicht werden. 
Wir haben' auf ihr zu unterscheiden eine Kategorie der Komposition 
a) von synonymen Verben und b) von synonymen Substantiven. Für die 
verbale Kategorie gilt in dieser Sprache das Prinzip der begrifflichen 
Teilung in Verba der Bewegung und Verba der Richtung, — ein dem 
Sinologen wohlbekanntes grammatisches Prinzip. Die Entstehung der 
ersten Kategorie aus der am Türkischen gezeigten Stufe haben wir uns 
so vorzustellen, daß das Gefühlsmäßige zurücktritt und jede Bewegung 
durch ein Kompositum ausgedrückt werden kann. Ebenso können wir 
uns aber auch die erste Stufe als Ausgangspunkt denken, so daß dann 
die zweite und dritte als in der Entwicklung gleichstehend erscheinen 
würden. Wir müßten dann annehmen, daß der erste Teil des eine Be- 
wegung ausdrückenden Kompositums mehr die Bewegung, der zweite die 
Richtung zu bezeichnen begann. Aber der Unterschied braucht nicht 
ganz deutlich gefühlt zu werden. So würde man es sich zu erklären 
haben, daß wir auf derselben Stufe zugleich einer reichen Produktion 
an solchen Verknüpfungen auf substantivisch-abstraktem Gebiet begegnen, 
wo ein solcher Unterschied in der Bedeutung beider Komponenten prin- 
zipiell nicht aufgestellt werden kann. Ist erst einmal das Prinzip vor- 
handen, so findet es reiche Nahrung im dichterischen, logischen und rhe- 
torischen Bedürfnis, d. h. im Streben nach Ausschmückung, nach Ver- 
deutlichung oder nach Mannigfaltigkeit des Ausdrucks. Vieles wird 
stereotyp, geht in den Vokabelschatz über, besonders (wenn auch nicht 
ausschließlich) deshalb , weil der Reichtum der Sprache an abstrakten 
Grundwörtern zu gering ist, um ohne Wurzelkonglomerationen auszu- 
kommen. Wie weit ein Bedeutungsunterschied zwischen den einzelnen 
und den verbundenen Wurzeln oder ihren Teilen gefühlt wird, ist gleich- 
gültig. ^ 

Wir haben bis jetzt bei der Untersuchung unseres Problems still- 
schweigend angenommen, es gelte durch die Verknüpfung von Syno- 
nymen einen auf ihnen ruhenden Nachdruck zu bezeichnen. Hat nun 
aber eine Sprache in ihrer Entwicklung die Möglichkeit erlangt, den 
Nachdruck durch andere Mittel zu bezeichnen, so beginnen die Kompo- 



72 Chris tiani-Schultheiss, 

Sita an Gewicht zu verlieren, ihre Bedeutung im Sprachleben tritt zurück. 
Finden sie sich daher als vereinzelte Rudimente noch in dieser oder jener 
Sprache, so kann auf ihre genauere Klassifikation zunächst kein beson- 
derer Wert gelegt werden. 

Daß solche Rudimente auf einen größeren Reichtum in früherer 
Zeit hinweisen , zeigt bereits folgendes Beispiel aus dem Armenischen : 

asxarh gite^ ddka mer darderin daph sahman 'die ganze Welt weiß, 
nicht gibt (es) unserer Schmerzen Maß-Grenze'. An diesem Beispiel ist 
eigentümlich und deutet auf eine spätere Entwicklungsstufe , daß hier 
ein negativer Gedanke zum Ausdruck gelangt: man sieht sofort, daß zu 
einem solchen Ausmalen eines Mangels die Synonymenkomposition ein 
ungemein wirksames Mittel sein kann, dessen Anwendung zu untersuchen 
wäre. Der positive Gebrauch dieser Ausdrucksweise kann dem gegen- 
über mehr zurücktreten und die negative Anwendung allein übrigbleiben. 
Wir nehmen dies für das Armenische an, da wir aus demselben keine 
Fälle für den positiven Gebrauch zu finden vermögen. 

Im weiteren Sinne gehören auch die in der klassischen Philologie 
längst anerkannten Kategorien Hendiadyoin, Tautologie, genitivus expli- 
cativus, genitivus africanus hierher. Vergl. endlich die für das Sächsi- 
sche charakteristischen komischen Verlegenheitsbildungen wie »An- 
schauungsstandpunkt«, »Akzentbetonung«; »sofort momentan augen- 
blicklich«; »fortwährend egalweg«; »es kommt dann also demgemäß 
auf den Fall drauf an«. Man kann sich nicht wundern, daß ein Dialekt, 
in dem eine solche behagliche Breite des Ausdrucks Platz gegriffen hat, 
mit einer gewissen Vorliebe immer wieder auf derlei Häufungen zurück- 
kommt; auch der gebildete Sachse verrät sich gelegentlich durch Neu- 
schöpfungen dieser Art. Thüringisch ist (aus dem Ende des 17. Jhdt.): 
»nebst andern Instrumenten musikalischer Gesänger«. Solche unge- 
schickte Häufung in der Wiedergabe ungegliederter Eindrücke ist für die 
Darstellungsweise der Ungebildeten beinahe typisch. 

Das geistige Band, welches die aus dem Russischen gesammelten 
Belege zusammenhält, ist schwach, und schon dieser Umstand läßt uns 
vermuten, daß hier nur spärliche Überreste eines ehemaligen Reichtums 
vorliegen. An eine Übernahme aus dem Türkischen vermögen wir nicht 
recht zu glauben, da zwischen den in beiden Sprachen zu belegenden 
Ausdrucksweisen eine weite Lücke klafft. 

T. Schultheüs. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kubacevic u. d. Aufstand v. Brine. 73 

Der kroatische Schriftsteller M. A. Kuhacevic und 
der Aufstand von Brine. 

VonT. Matic. 



I. 

Als Ende des siebzehnten Jahrhunderts die Macht der Türken soweit 
gebrochen war, daß die Länder der Habsburger Monarchie türkische In- 
vasionen in Zukunft nicht mehr ernstlich zu befürchten hatten, brach 
insbesondere für die Grenzgebiete eine neue Zeit an. Die militärisch 
organisierte Grenze, deren Bevölkerung in immerwährenden Kämpfen mit 
dem Feinde zu einem Soldatenvolk par excellence geworden war, verlor 
ihre eigentliche Daseinsberechtigung. Da es der Staat aber im eigenen 
Interesse für ratsam hielt, diese erprobten Krieger nicht ohne weiteres 
gänzlich zum Pfluge zurückkehren zu lassen, schritt man in der ersten 
Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts an eine Reorganisierung der Militär- 
grenze, deren Zweck es war, aus der Bauernmiliz eine reguläre Armee 
zu bilden, die, da sie nun in der Heimat entbehrlich war, anderswo den 
Interessen des Reiches dienen sollte. Die Reform stieß in der Bevölkerung 
auf entschiedenen Widerstand, der stellenweise in bewaffneten Aufstand 
umschlug. Die Staatsgewalt setzte doch ihren Willen durch und schuf den 
auch unserer Generation noch wohlbekannten, jetzt im Aussterben be- 
griffenen Typus des Grenzers, der in seiner sprichwörtlichen und uner- 
schütterlichen Kaisertreue von Schlachtfeld zu Schlachtfeld wanderte, 
ohne zu fragen, ob das vergossene Blut auch seinem Lande und seinem 
Volke je einen Nutzen bringen sollte. 

In die Übergangszeit, in der man bestrebt war, die alte Militärgrenze, 
die so lange an der Scheide der zwei Machtsphären, der christlichen und 
der ottomanischen, Wache stand, umzubilden, fällt das Leben des kroati- 
schen Schriftstellers Matesa Ante Kuhacevic. Noch vor vier Dezennien 
wußte man von ihm so gut wie gar nichts. Durch die Abhandlung Kukule- 
vic' Hrvati za naslednocja rata (Rad 38) auf ihn aufmerksam gemacht, 
gab Prof. M. Magdic 1878 die in einer Handschrift , welche sich damals 
im Besitze Jakov Kuhacevic' in Zengg befand , erhaltenen Gedichte 
Matesa Ante Kuhacevic' heraus (Zivot i djela Senanina Matese Ant. pl. 
Kuhacevica. Seii 1878.). Die lateinische Autobiographie des Dichters, 



74 T. Matic, 

die in derselben Handschrift enthalten war, veröffentlichte er nicht, was 
sehr zu bedauern ist, weil dieselbe jetzt unerreichbar zu sein scheint i). 
Auf Grund dieser Autobiographie, die bis zum Jahre 1765 reicht, erzählt 
Magdic in der Vorrede zur genannten Ausgabe in kurzen Zügen den Lebens- 
lauf Kuhacevic'. Die Familie war eine angesehene Patrizierfamilie von 
Zengg, in welcher Stadt auch Matesa 1697 geboren wurde. Früh ver- 
waist, kam er ins Haus seines Onkels Luka, eines Geistlichen, welcher 
der Erziehung des Neffen sehr viel Sorgfalt widmete. Der junge Kuhacevic 
studierte zunächst im Jesuitenkollegium in Fiume, absolvierte nachher 
philosophische und juristische Studien zu Graz und befaßte sich als ab- 
solvierter Jurist mit technischen Studien an der Militärakademie in Wien, 
Bereits als junger Mann wurde er von seiner Vaterstadt mit der Ver- 
tretung ihrer Interessen am kaiserlichen Hofe betraut. In den öffentlichen 
Dienst eingeti-eten, war er zunächst ageus iuratus bellicus, beteiligte sich 
als Kommandant eines Zengger Schiffes am sogenannten polnischen Erb- 
folgekriege, bekleidete nachher das Amt eines Syndikus in der Lika und 
kam während des bayerischen Erbfolgekrieges mit den Karlstädter 
Grenzern als Auditor nach Bayern. Bald nach seiner Rückkehr in die 
Heimat brach die durch die Reorganisation der Militärgrenze unter 
Prinzen v. Hildburgshausen hervorgerufene Unzufriedenheit der Grenzer 
in einen offenen Aufstand aus, der in der Geschichte als Aufstand von 
Brine und der Lika bekannt ist. In dieser kritischen Zeit (1746) begab 
sich Kuhacevic als Abgesandter der Stadt Zengg nach Wien, wurde aber 
dort als einer von den Anstiftern des erwähnten Aufstandes eingesperrt, 
nach Karlstadt als Gefangener gebracht und in Untersuchung gezogen. 
Der Prozeß dauerte volle drei Jahre und endete mit Verurteilung K's 
zum lebenslänglichen Kerker und Verlust der Ehre und des Vermögens. 
Bis zum Jahre 1756 war K. auf dem Spielberge, von da an bis 17 72 in 
Graz eingesperrt und wurde 1772 im Gnadenwege aus dem Gefängnisse 
entlassen. Es war ihm aber nicht mehr beschiedeu, die Heimat zu 
sehen: er starb nach seiner Freilassung in Grazil. 



1) Meine Bemühungen, von den jetzt in Triest lebenden Mitgliedern der 
Familie Kuhacevic eine sei es positive, sei es negative Antwort über die 
Existenz und den gegenwärtigen Aufbewahrungsort der Handschrift zu er- 
langen, blieben erfolglos. 

-, Magdic nahm nach einer in der Familie K. erhaltenen Tradition an, 
daß Matesa im Juh 1772 in Agram gestorben sei. Cf. die Abhandlung Fächers 
in Nastavni rjesnik XII, 6. 



Dor kroat. Schriftsteller M. A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Briiie. 75 

Kuhacevic hatte entschieden viel vom freien und kühnen Geiste 
seiner Heimat, der Uskokenstadt Zengg, die der kaiserlichen Regierung 
und der Republik Venedig so viel zu schaffen gab, geerbt. Doch seine 
Zeit, die Zeit der fortschreitenden absolutistischen Zentralisation, verlangte 
eine absolute Unterordnung und Einschränkung der Individualität: 
K. wollte sich nicht fügen und wurde ins Verderben gestürzt. Im Ge- 
fängnisse griff er zur Feder und schrieb eine Autobiographie und ein 
Bändchen Gedichte, zum großen Teile Episteln an Verwandte, denen er 
sein trauriges Los klagt und im innigen Vertrauen an Gott für sie und 
sich selbst Trost sucht. In der kroatischen Literatur, die an autobio- 
graphischen Werken und Memoiren ohnehin nicht viel aufzuweisen hat, 
ist K, eine interessante Erscheinung, jedoch entschieden interessanter 
als Mensch denn als Schriftsteller. 

Um für die Kenntnis Kuhacevic' und seiner Umgebung reichere 
Quellen aufzuschließen, als es seine erhaltenen Schriften sind, habe ich 
das im Wiener Kriegsarchive vorhandene Material, insbesondere die Akten 
über den Aufstand von Brine und der Lika studiert und werde versuchen, 
die Resultate dieser Studien zusammenzufassen. 

n. 

Die erste Erwähnung Kuhacevic' in den Akten des Archivs fällt 
ins Jahr 1725 : am 23. März dieses Jahres wurde der innerösterreichischen 
Kriegsstelle ein »Anlangen des Mathiae Kuhatsewitsh umb die Carl- 
städterische Auditoriat-Stelle« ^) abgetreten. Diese Bewerbung hatte 
offenbar keinen Erfolg, denn bereits im Januar 1726 wird ein Gesuch 
Kuhacevic' »umb Erlaubnus die Ingenieur -Academie frequentiren zu 
derfen« an Grafen von Starhemberg geleitet: » . . . der wolle ohnschwehr 
verordnen, daß derSupplicant invermelte Ingenieur- Academie zu frequen- 
tiren admittiret werde« 2) 

Kuhacevic stand also bereits an der Schwelle des Mannesalters, als 
er nach absolvierten juristischen Studien den Entschluß gefaßt hatte, 
in die technische Militärakademie einzutreten. Über seine Wiener 
Studentenzeit finden wir nur eine einzige Notiz und diese bezieht sich 
auf sein flottes Studentenleben. Es handelt sich um eine Eingabe einer 
gewissen »Sallerin Coecilia ca H. Antonium Kuhaschewitsch Artillerie- 



1) 1725 Reg. Prot. 322. 

2) 1726 Exp. Prot. 94. 



76 T. Matic, 

Scholarn«, av eiche bittet »womit ihr ex capite deflorationis et impraeg- 
nationis auf des Beklagten bey dem Schneidermeister Schatz in depositum 
gegebene 1 7 1 f. ein ghrt. Verbott dann bis zu Erörtterung der bey Einen 
Lob. Wiennerischen Consistorio zwischen ihr und den Beklagten hangen- 
den Strittsach ob summum in mora periculum in den würkhlichen 
Personalarrest ver williget werden möchte« ^). Am 4. Juni beschloß der 
Hofkriegsrat, diesem Begehren nicht stattzugeben: »Widernmh hinaus- 
zugeben, und wan wegen ingebettenen Verbott- und Arrests-Bewilligung 
an den kay. Hof-Kriegs-Rath die gewöhnliche Requisitoriales von dem 
hiesigen Erz-Bischöfflichen Consistorio, allwo dise Klagsach bereits 
anhängig gemacht worden ist, ergehen werden, folget fernrer Bescheidt« i). 
Da dieses Mädchen »ob summum in mora periculum« um Arretierung 
Kuhacevic' angesucht hatte, dürfte sie eine Veranlassung gehabt haben zu 
befürchten, daß K. Wien zu verlassen gedenke. Wohl waren seine Studien 
bereits zu Ende, denn in den ersten Monaten des Jahres 1729 finden 
wir K. zwar in Wien, doch wird er nicht mehr als Student bezeichnet, 
sondern tritt im Namen der »Communität zu Zeng« mit der Bitte auf, 
»damit ihre verarrestirte Richter gegen der angebottenen Caution des 
Arrests entlassen werden möchten«. Der Beschluß, den der Hofkriegs- 
rat in Beantwortung dieses Ansuchens am 18. Februar 1729 gefaßt 
hatte, ist sehr scharf gehalten und spricht K. rundweg den Charakter 
eines Ablegaten ab: »Widerumb hinauszugeben mit dem Bedeuten, es 
seye dem kay. Hof-Kriegs-Rath von einem alhier seyn sollenden Zenge- 
rischen Ablegato nichts bekhant, indeme die hier geweste dasige Depu- 
tirte auf Ihro K. M. Allergdsten Befelch zuruckhzugehen schon vor 
einiger Zeith beordret worden, allwo sie mit der übrigen Zengerischen 
Communität sowohl über invermelte als andere bey dem kay. Hof an- 
hängig gemachte Angelegenheiten die ausfallende Allergnädigste kay. 
Resolution in gezimbender Submission, Gehorsamb und Ruhe abzu- 
warthen haben« 2j. Offenbar war die Stadtgemeinde Zengg beim Hof- 
kriegsrate in Ungnaden. 

Im nächsten Jahre beAvarb sich K. zu wiederholten Malen — als 
Techniker und als Jurist — um Anstellung im Staatsdienste, jedoch 
ohne Erfolg. Im Februar 1730 erstattete der innerösterreichische 
Ki-iegsrat einen Bericht ȟber das . . . Ansuchen des in architectura 



1) 1728 Just. Prot. 218. 

2) 1729 Exp. Prot. 255. 



Der kroat. Schriftsteller M. A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Briiie. 77 

militari erfahrenen so genanten Kuliaschewisch umb zu Zeug in seinen 
Vatterland employret zu werden« ^j. Als Erledigung dieses Gesuches 
wurde K. mitgeteilt, er »könne die i-ö. Meergränzen sambt der Licca 
und Corobavia cum suis dependentijs abmessen und entwerfien, wo man 
sodann bey eraignenden Aperturen auf selben reflectiren werde« ^). Auch 
die Bewerbung Kuhacevic' um die Stelle eines Feldschreibers zuOgulin blieb 
erfolglos 3). Als ihn Dapp darauf im Juli zur interimistischen Versehung 
der Syndikusstelle in der Lika vorgeschlagen hatte, äußerte sich der 
innerösterreichische Kriegsrat in einem an den Hofkriegsrat gerichteten 
Berichte gegen diesen Vorschlag »beyfügend die Ursache, warumben er 
Kriegs-Rath aber solchen hierzu anzustellen vor Herrn-Dienst nicht 
thuenlich zu seyn erachte« *]. Welche Bedenken der innerösterreichische 
Kriegsrat gegen Kuhacevic geltend gemacht hat, können wir, da der 
Akt selbst nicht erhalten ist, aus dem Texte des Protokolls nicht ersehen. 
Es scheint aber, daß K. durch seine innigen Beziehungen zur Stadt- 
gemeinde Zengg und das Eintreten für die alten Sitten und Rechte seiner 
Vaterstadt gegen die Neuerungen der Militärverwaltung das Vertrauen 
des Kriegsrates verspielt hatte. Auch kurz vor dieser abfälligen Be- 
urteilung seitens des innerösterreichischen Kriegsrates hatte K. — ■ 
wieder »im Nahmen der Communität zu Zengg« — gegen die von 
Teuflfenbach »beschehene Inhibition, daß die Convocirung erdeüter 
Communitet durch den Glockenschlag nicht beschehen solle« ^) vor dem 
Hofkriegsrate Klage geführt und um Aufhebung dieses Verbotes au- 
gesucht. Solche Proteste, mag es sich auch um Kleinigkeiten gehandelt 
haben, wurden von den Militärbehörden gewiß nicht gerne gesehen. — 
Erst gegen Ende des darauffolgenden Jahres gelang es Kuhacevic, ein 
stallum agendi als Kriegsagent »fiirnemblich in Erwegang der von 
demselben besitzenden Kundigkeit deren Croatischen und Illirischen 
Sprachen« 6) zu erlangen. 

Obwohl sich K. zur Zeit des polnischen Erbfolgekrieges unter den- 
jenigen Bürgern von Zengg befand, die auf der Seite Kaiser Karls VI. 



1) 1730 Exp. Prot. 2G1. 

2) 1730 Reg. Prot. 245. 

3) 1730 Exp. Prot. 695 und 1730 Reg. Prot. 306. 

4) 1730 Exp. Prot. 1348. 

5) 1730 Exp. Prot. 942. 

6) 1731 Just. Prot. 6S4. 



78 T. Matic, 

mit ihren SchiflFen französische, spanische und sardinische Schiffe ver- 
folgten i), wurde dennoch sein zu dieser Zeit (1734) eingereichtes Gesuch 
»umb als Auditor zu Zeng angestellet zu werden« ^) nicht berücksichtigt. 
Im Jahre 1735 scheint er vom Schiffskommando bereits zurückgetreten 
zu sein, denn im Juni dieses Jahres verfügte der Hofkriegsrat, daß K. 
»Musquetier-Plaz in der Fortezza ob Ottoschaz entweder persöhnlich zu 
vertretten oder aber gar zu resigniren angehalten werden wolle« ^). 

Um diese Zeit geriet Kuhacevic mit dem Generalobersten von Karl- 
stadt, Stubenberg, in einen Konflikt, mit dem sich auch der Hofkriegsrat 
zu befassen hatte. Trotzdem K. von der obersten Militärbehörde als 
Kriegsagent bestellt war, wurde ihm von Stubenberg — aus welchen 
Gründen, wissen wir nicht — verboten, dieses Amt auszuüben. K. be- 
schwerte sich gegen das eigenmächtige Vorgehen des Generals, der ihm 
nicht gestattete » für die Partheyen Memorialien zu verfassen und für selbe 
zu agentiren«. Der Hofkriegsrat nahm Kuhacevic' Rechte in Schutz und 
beschloß »Stubenberg zu bedeuten, daß er dem supplicirenden Kuhasche- 
vich in seiner zu Carlstatt und dorthiger Orthen treibenden Agentie keine 
Hinternuß machen solle«*). 

Alsbald sollte sich aber den deutschen Kommandanten im Karl- 
städter Generalate eine Gelegenheit bieten, den von ihnen nicht gerne 
gesehenen Kuhacevic schärfer anzupacken. Die innerösterreichische 
Kriegsstelle erstattete im Januar 1736 an den Hofkriegsrat eine Anzeige, 
die nichts weniger besagte, als daß K. die unzufriedenen Zengger 
zur Rebellion zuverleiten trachte, was aus zwei Briefen Kuhacevic' 
hervorgehe, die bei einem aus einer Zengger Familie stammenden Sol- 
daten gefunden worden seien: »I. Ö. Krgs-Stelle zeiget an, wasgestalten 
bey einem aus invermelten Ursachen in Graz verarrestirten Soldaten 
Nahmens Peter Stauber von Zenckh beykommeude 2 Original- Schreiben 
von dem Agenten Kuchachevich gefunden worden, woraus erhelle, wie 
besagter Agent eine Irritung (sie) und Complot deren Malcontenten, ja 
obged. Stauber Selbsten anzuleithen erweckhe und gegen den tit. Raunach 
ingemelte Beschwärden vorbringe, worüber also von dem Carlstätteri- 
schen General eine Inquisitionscommission nacherZeng abgeordnet, wovon 

1) 1734 Reg. Prot. 308, 929, 1049 und 1751. Cf. Vanicek, Spezial- 
geschichte der Militärgrenze, Bd. I, S. 365—368. 

2) 1734 Reg. Prot. 603. 

3) 1735 Reg. Prot. 962. 

4) 1735 Reg. Prot. 1383. 



Der kroat. Schriftsteller M.A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 79 

die einkommende Acta sie überschicken werden; fragen sich aber an, 
wie sie sich respu obbenanten Kuchachevich zu verhalten hätten« ^). Der 
Hofkriegsrat zog Kuhacevic unverzüglich zur Verantwortung: » . , . daß 
wider ihne verschiedene Innzüchten, daß er eine Irritirung und Complot 
deren Malcontenten zu Zeng gegen den Raunach formentiret (sie) und zu 
solchem Ende verschiedene Adhaerenten an sich zu bringen gesuchet 
und wider ihne Raunach aufgehezet habe, alhier angebracht worden 
seyen, solle sich dahero sothanner Mtisshandlungen halber verant- 
worthen« 2). Von der Einleitung des Verfahrens gegen Kuhacevic wurde 
auch die Kriegsstelle verständigt 3), die nun ihrerseits weiter nach Be- 
weisen suchte, um K. des ihm imputierten Verbrechens der Aufwieglung 
gegen die vom Kaiser eingesetzten Militärkommandanten zu überführen, 
und sendete im März desselben Jahres dem Hofkriegsrate »das wider 
den Commendanten zu Zeng mit sehr ehrenrührischeu Expressionen an- 
gefüllte, ihnen zugekommene doch ohne Nahmens-Unterschrift verfaste 
Schreiben, der aber hierbey in copia von dem tit. General-Obristen von 
Stubenberg angelegten Nachricht nach müsse gedachte Schrift von dem 
Agenten Kuchechevich aus invermelten Anzeigen verfasset worden seyn ; 
dahero das erforderliche vorzukehren seyn möge, womit gegen den Ver- 
fasser eine scharfe Remonstration aus angezogenen Ursachen vor- 
genohmen werde« ^). Gleichzeitig berichtete die Kriegsstelle auch über 
die von der eingesetzten Kommission geführte Untersuchung, deren 
Resultat für Kuhacevic sehr ungünstig sei : » . . . wasmassen sich bey 
der angeordneten Inquisitionscommission in pcto einer von dem Krgs- 
Agenten Kuchachevich angestiften Irritirung und Complot unter einigen 
in Zeng befündlichen Malcontenten gegen den aldasigen Commendanten 
tit. Raunach nach genauer Untersuchung die wider gedachten tit. 
Raunach angezogene Imputata unwahrhaft befunden haben, mithin aus 
angezogenen Umbständen und Ursachen ged. Kuchachevich als Haubt- 
instrument solcher gefährlichen Aufwicklungen zu gebührender Straff 
gezohen und zu Verhüthung ferner dergleichen Unruhen das behörige 
vorgekehret werden möge«^j. Unter solchen Umständen war es kein 



1) 1736 Exp. Prot. 89. 

2) 1736 Reg. Prot. 130. 

3) 1736 Reg. Prot. 141. 

4) 1736 Exp. Prot. 410. 

5) 1736 Exp. Prot. 415. 



80 T. Matic, 

Wunder, daß am 8. März 1736 Daun vom Hofkriegsrate beauftragt 
wurde, er »solle den Kriegs-Agenten Mathiam Antonium Kuhacevich 
mit aller Praecaution und Stille arretiren und die bey selben etwo be- 
findende Schrififten obsignieren lassen, fehrner aber deßwegen die be- 
hörige Anzeiige erstatten« '). 

Diese Angelegenheit, die für Kuhacevic schlimm zu enden drohte, 
nahm plötzlich eine andere Wendung, ohne daß man aus vorhandenen 
Protokollen (die Akten sind nicht erhalten) den Grund erfahren könnte. 
Wahrscheinlich hat sich der Hofkriegsrat aus den inzwischen vorgelegten 
Akten überzeugt , daß die Schuld Kuhacevic' von der Untersuchungs- 
kommission und der Kriegsstelle stark übertrieben wurde, denn am 
27. März erhielt Daun Auftrag, den Kriegsagenten Kuhacevic aus dem 
Arrest zu entlassen 2). Auch der Beschuldigte wurde mittels eines be- 
sonderen Erlasses des Hofkriegsrates davon in Kenntnis gesetzt: »cum 
annexo, daß er sich künfi'tighin von seiner anzüglichen Schreibarth in 
denen führenden Correspondenzen enthalten solle 3). Wenn der Hof- 
kriegsrat glaubte, daß K. sich mit der Wiedererlangung der Freiheit und 
der Ermahnung, sich in Hinkunft in seinen Briefen zu mäßigen, be- 
gnügen würde, so hat er sich gründlich getäuscht, denn kaum in Freiheit 
gesetzt strengte Kuhacevic gegen den Kommandanten von Zengg einen 
formellen Rechtsstreit an: »Kuchacevich Mathias Antoni, Kriegs- Agent, 
bittet umb gnädigste Communicirung der wieder ihne denuncirten Incul- 
pationen zu seiner weithern Verantworttung, dann auch gnädiger Ver- 
heißung zur billichen Satisfaction wieder die Denuucianten, mit A incl. 
L«4j Es ist schade, daß die so reichlich mit Beilagen versehene Ein- 
gabe nicht erhalten ist, denn sie hätte uns einerseits einen inter- 
essanten Einblick in die gespannten gegenseitigen Beziehungen der 
Bürger von Zengg und des dortigen Kommandanten gewährt und an- 
derseits manchen wertvollen Beitrag zur Kenntnis des unruhigen, nicht 
so leicht einzuschüchternden Kuhacevic geliefert. — Der Kommandant 
von Zengg, Freiherr v. Raunach, wollte natürlich nicht zurückbleiben : 
er ersuchte ungefähr um dieselbe Zeit (im April 173G) den Hofkriegsrat 
»ihme wegen des von den Kriegs-Agenten Mathias Antoni Kuchacevich 



1) 1736 Reg. Prot. 320. 

2) 1736 Reg. Prot. 413. 
3j 1736 Reg. Prot. 428. 

4) 1736 Just Prot. 285; cf. auch 1736 Exp. Prot. 423. 



Der kroat. Schriftsteller M. A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 81 

verübten Unfugs die billiche Satisfaction zu verschaffen« i) und ging so 
weit, daß er an den Hofkriegsrat mit der Bitte herantrat »dem Kriegs- 
Agenten Kuchacewiz ohne weitherer Nehmung (?) wegen deren wieder 
ihne begangenen Vermessenheiten ex ofifo zu bestraffen und daß von 
selben die schuldigste Parition geleistet werde« 2). Der Hofkriegsrat ging 
darauf nicht ein, sondern verwies Raunach auf den von der Gerichts- 
ordnung vorgezeichneten Weg. Kuhacevic verlangte wieder seinerseits 
unablässig, Raunach soll ihm durch die Mitteilung der gegen ihn »denun- 
cirten Inculpationen» die Verteidigung ermöglichen, welcher Meinung 
auch der Hofkriegsrat beitrat 3). Der Streit mit Kuhacevic scheint 
Raunach endlich sehr unangenehm geworden zu sein, denn im September 
1736 bat er den Hofkriegsrat, ihn von den von K. »machenden Unruhen 
zu befreyen« 4). Aber auch der Hofkriegsrat selbst hielt es für ratsam, 
diesen Streit in kurzem Wege zu erledigen und richtete an Kuhacevic 
ein Schreiben, in welchem er »geanthet« wird, »daß selber über dessen 
von den Hof-Kriegs-Rath vor einiger Zeit alhier beschehene Arretirung 
einen Rechtsstritt gegen den Raunach anzufangen sich anmaßet«^). 
Nach diesem Erlasse des Hofkriegsrates wird der Rechtsstreit Raunach- 
Kuhacevic nicht mehr erwähnt. Es ist aber für K. charakteristisch, daß 
er sich inmitten dieses von ihm gegen den Kommandanten von Zengg 
angestrengten Prozesses um die in derselben Stadt erledigte Syndikus- 
stelle bewarb^). 

Durch die Konflikte mit den in der Stadt Zengg verhaßten Komman- 
danten und durch sein mannhaftes Auftreten gegen diese unbeliebten 
Fremdlinge hat sich Kuhacevic Sympathien seiner Landsleute erworben. 
Als er sich im Jahre 1737 um das erledigte Syndikat in der Lika 
bewarb'^), traten sämtliche Capitaines zu Zengg bei der inner- 
österreichischen Kriegsstelle für ihn ein und schlugen ihn für die 
erledigte Stelle vor. Die Kriegsstelle ging auf diesen Vorschlag nicht 
ein, worauf die Anhänger Kuhacevic' vor dem Hofkriegsrate gegen die 
innerösterreichische Kriegsstelle Beschwerde führten: » . . . daß solche 



'} 


1736 Just. 


Prot. 


286. 








•') 


1736 Just. 


Prot. 


344. 








3) 


1736 Just. 


Prot. 


350, 491, 


577 


und 1186. 


') 


1736 Exp. 


Prot. 


1788. 








S) 


1736 Reg. 


Prot. 


1289, 








f^) 


1736 Exp. 


Prot. 


1277. 








'} 


1737 Reg. 


Prot. 


1410. 








Arch 


iv für slavische Philologie. 


XXSV. 





82 T. Matic, 

den von ihnen zu den liccaner Syndicat vorgeschlagenen Mathias 
Kuhacevich verworffen«, und baten, »solchen dahin ohne weithers an- 
zustellen« i). Die Kriegsstelle wich von ihrem Standpunkte natürlich 
nicht ab und stützte sich darauf, »daß bis anhero ungewöhnlich ge- 
wesen seye, obged. Krieger als Auditorn zu Graz in derley Fällen zu 
vernehmen noch minder der Concurrenten Memorialien denen liccani- 
schen Capitaneaten und Volck alda zum Vorschlag hinauszugeben* ^). 

Noch während dieses Kampfes um die Syudikusstelle in der Lika 
berichtete im April 1738 die Kriegsstelle an den Hofkriegsrat über die 
unbefugte Entlassung eines gewissen Konikovic aus dem Arrest und 
verlangte für die dabei beteiligten Baron Hallerstein und Syndikus 
Kuhacevic eine Bestrafung 3]. Der Hofkriegsrat hat auf Grund dieser 
Anzeige K. auf zwei Monate ab officio suspendiert. Kuhacevic wird also 
zu dieser Zeit bereits als Syndikus bezeichnet, — wahrscheinlich ist 
er inzwischen provisorisch mit der Leitung des Zengger Syndikates be- 
traut worden, denn im Juni 1739 wird ein Gesuch Kuhacevic' »umb die 
Confirmation in der Syndicatstelle zu Zeng mit Beylegung des Auditor- 
tituls« erwähnt*). 

Die Beziehungen Kuhacevic' zum neuen Kommandanten von Zengg^ 
Obersten Lumaga, waren alles eher als freundschaftlich : Lumaga hat 
ihn 1740 — aus uns unbekannten Gründen — ganz einfach des Dienstes 
enthoben. Doch wegen dieser Entlassung geriet Lumaga in Konflikt 
mit dem Verwalter des Karlstädter Generalates, Herberstein, der somit 
für K. eingetreten zu sein scheint^). K. hat es natürlich seinerseits nicht 
unterlassen, sein Recht vor dem Hofkriegsrate auch selbst zu vertreten, 
und hat (im Mai d. J.) eine Bittschrift eingereicht, »vermöge welcher in 
das Zengerische Castell-Gerichts-Syndicat widerumb restituiret zu werden 
anlanget« ^). Die innerösterreichische Kriegsstelle hätte eine Bestätigung 
der Entlassung Kuhacevic' nicht ungern gesehen, denn Herbersteins und 
Lumagas in dieser Angelegenheit erstatteten Berichten hat die Kriegs- 
stelle als ihre »gutachtliche Meinung« beigefügt, daß den Kommandanten 



1) 1738 Exp. Prot. 213. 

2) 1738 Exp. Prot. 1901. 
3j 1738 Exp. Prot. 1183. 

4) 1739 Reg. Prot. 1226; cf. auch 1739 Reg. Prot. 2115. 

5) 1740 Exp. Prot. 2334. 

6) 1740 Exp. Prot. 2357; cf. auch 1740 Exp. Prot. 2374 und 2379 sowie 
1740 Exp. Prot. 779. 



Der kroat. Schriftsteller M.A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 83 

von Zengg »die Authorität einen Syndicum abzusezen nicht wider- 
sprochen werden könne« '). Und doch entschied der Hofkriegsrat zu- 
gunsten Kuhacevic'. Dem Kommandanten Lumaga wurde als Erledi- 
gung des Hofkriegsrates mitgeteilt: » . . . daß der zu Zengg befindliche 
Syndicus Kuhascevich aus denen angezeigten Ursachen von seiner 
Charge übersezet worden, seye Unrecht beschehen«, und es wurde ihm 
aufgetragen, »solche (die Charge) demselben sogleich widerumb einzu- 
raumben und den statt seiner aufgenohmenen Hreglianovich zu entlassen ; 
annectendo , daß selber die in Herrndienst vorfallende Bericht immediate 
dem Herberstein und der Kriegs- Stolle, allenfalls kein periculum in mora 
obhanden wäre, abzustatten habe «2), Es ist begreiflich, daß Lumaga 
schon um seines Ansehens willen alles aufbot, um den von ihm ein- 
gesetzten Syndikus gegen Kuhacevic zu halten. Zu diesem Zwecke 
richtete er an den Hofkriegsrat ein Gesuch, »womit der von ihme zu 
Triest (sie) statt des Kuacevich in die dasige Syndici Stolle eingesezte 
Hrelianovich qua talis bestättiget werden möge« 3). Doch der gewünschte 
Erfolg blieb aus, denn der Hofkriegsrat verfügte: »es habe sein Ver- 
bleiben, daß der Kuacevich in die ihme zu Triest (sie) abgenohmen 
wordene Syndici StöUe nach ehevoriger Entlassung des Hrelianovich 
ohne weithers einzusezen seye; committendo, die gegen demselben 
habende Beschwährden bey der I. Ö. Kriegs-Stölle anzubringen« *). 
Lumaga reichte tatsächlich gegen K. bei der innerösterreichischen 
Kriegsstelle eine Klage ein, und mit der Untersuchung der vorgebrachten 
Beschuldigungen wurde der Grenzauditor Widmann betraut. Auf Grund 
des Berichtes über die durchgeführte Untersuchung war die inner- 
österreichische Kriegsstelle der Meinung, daß »ihme Syndico (sc. 
Kuhacevic) nicht nur seine Function beizulassen, sondern gründlich zu 
untersuchen wäre, in was Criminal-Causis ged. Obriste Lumaga einige 
Geld-Straffen dictiren lassen, umb es allenfalls gegen ihne zu anthen«^). 
Als nach dem Tode Kaiser Karls VI. Bayern und Preußen in den 
Krieg gegen Maria Theresia zogen, wurde Kuhacevic als Auditor mit 
den Karlstädter Grenzern im Januar 1742 6) auf den Kriegsschauplatz 



1) 1740 Exp. Prot. 2357. 

2) 1740 Reg. Prot. 2098. 

3) 1740 Reg. Prot. 3140. 
*) 1740 Reg. Prot. 3142. 

5) 1741 Exp. Prot. 1273—1274. 
6j Magdic, Zivot i djela II. 

6* 



84 T. Matic, 

nach Bayern gesendet. Im Sommer desselben Jahres bat K. »augestelter 
Auditor bey denen bei der Armee in Bayern stehenden Carstätter (sie) 
Gränizern . . . umb das Confirmationsdecret und Conferierung des Leuth.- 
Tituls« ^), was ihm unmittelbar darauf vom Hofkriegsrate auch bewilligt 
und seinem Kommandanten Herberstein mitgeteilt wurde: ». . . sonsten 
seye auch dem Zenggerischen Syndico Mathiae Kuhachevich das Auditor- 
und Leuth.-Decret verwilliget worden, des lezteren Character jedoch 
nur ad honores . . .« 2). Mit der Armee zog Kuhacevic von Bayern nach 
Böhmen, dann nach Elsaß und durch die Rheiupfalz wieder nach Bayern 
und Böhmen 3j. Leider sind über die Eindrücke, die der Aufenthalt 
im Auslande auf K. gemacht hat, keine Nachrichten erhalten. Vielleicht 
war in der Autobiographie auch darüber etwas enthalten, was in Magdic' 
kurzem Auszuge vor der Ausgabe der Schriften Kuhacevic' nicht er- 
wähnt wurde. 

Im Februar 1744 war Kuhacevic bereits nach Zengg zurückgekehrt, 
wie es aus einer in diese Zeit fallenden Notiz hervorgeht: »Kuhacevich, 
Auditor und Leuth. zu Zeng, langet an, ihme den Haubtmannscaracteur 
heyzulegen« '^). Nach Magdic^) wäre Kuhacevic bald darauf, Ende 1745, 
in den Ruhestand getreten, was nach den Protokollen des Hofkriegsrates 
nicht richtig ist, denn im September 1746 berichtete General Hildburgs- 
hausen, der von der Kaiserin mit der Reorganisation der Karlstädter 
Grenze betraut war, ȟber das untern 26. Aug. beschehene hofkriegs- 
räthliche Insistiren wegen Endigung deren von dem Priester Pasquale de 
Valeriis wider den Zengerischen Corsaren Cognikovich formirten Klag 
und remonstriret, warumben diser Process bisanhero nicht zu Ende ge- 
bracht worden, wie und warumben hieran unter anderen haubtsächlich 
der Obristwachtmeister Portner und Auditor Kuhachevich die meiste 
Schuld hätten, folglich auch was die Ursach seye, daß die Cognikovi- 
chische Haabschafften nicht sequestriret worden, und wie alle bisherige 
Unordnungen zu Zeng dahero entstehen thätten, weillen dise zu einer 
Freystatt erhoben worden, auch solche nicht cessiren würden, bis nicht 
■die Statt wider der Militär- Jurisdiction untergeben seyn wird« ''). Diese 



1) 1742 Exp. Prot. 1804. 

2) 1742 Reg. Prot. 1387. 

3) Magdic 0. c. 11. 

4) 1744 Exp. Prot. 554. 

5) Magdic 0. c. 12. 

6j 1746 Exp. Prot. 2335; cf. auch 1746 Reg. Prot. 2008. 



Der kroat. Schriftsteller M. A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brit'ie. 85 

Notiz über den Bericht Hildburghausens verrät schon den Willen, mit 
den Zenggern endgültig abzurechnen. Offenbar paßte das kleine, der 
Militärverwaltung so abgeneigte und auf seine Privilegien sehr eifer- 
süchtige Städtchen ganz und gar nicht in die Pläne des kaiserlichen 
Generals, der ins Karlstädter Generalat mit der Mission entsendet war, 
eine im zentralistisch-absolutistischen Geiste entworfene Reorganisation 
des Generalates durchzuführen. 

Das ganze Generalat teilte Hildburgshausen in vier Regimenter ein, 
die mit den ebenfalls neuformierten vier Husareneskadronen ungefähr 
18 000 Mann stark waren. Die neuen Formationen wurden einheitlich 
organisiert, alle bisherigen Sonderrechte aufgehoben, die einheimischen 
Knezen abgeschafft und die höheren Offizierstellen (einschließlich der 
Hauptmannsposten) mit Fremden besetzt. Ursprünglich war die Hälfte 
der Mannschaft zur Verwendung außerhalb des Landes bestimmt, doch 
bald darauf wurde der Ausmarsch in drei Touren eingeführt^). 

Die neue Einrichtung wurde in der Umgebung von Brine und bald 
darauf auch in der Lika mit einem Aufstande beantwortet. Man ver- 
langte mit Ungestüm die Wiedereinführung der alten Einrichtung und 
bedrohte insbesondere die neuernannten Offiziere als Repräsentanten der 
neuen Ordnung. Zu blutigen Zusammenstößen der Aufständischen mit 
den kaiserlichen Truppen kam es nicht, weil die ersteren vorgezogen 
hatten, eine Deputation nach Wien zur Kaiserin zu entsenden, um auf 
diese Weise die Wiederherstellung ihrer alten Rechte durchzusetzen 2), 

III. 

Nach allem, was wir bisher über die Beziehungen Kuhacevic' zu 
den Vertretern der Militärgewalt im Karlstädter Generalate wissen, ist 
es nicht schwer zu erraten, auf welcher Seite seine Sympathien waren. 
Wir könnten uns Kuhacevic im Augenblicke, wo die durch Reformen im 
Volke hervorgerufene Unzufriedenheit zu wachsen und bestimmtere 
Formen anzunehmen begann, als einen gleichgültig imd müßig beiseite 
stehenden Zuschauer gar nicht denken. 

Als sich Ende August 1746 3) aus den aufrührerischen Gebieten des 
Karlstädter Generalates eine Deputation nach Wien begeben hatte, um sich 



1) Vanicek, Spezialgeschichte der Militärgrenze, I. Bd., S. 499. 

2) Vanicek, ib., I. Bd., S. 5uO— 506. 

3) Vanicek, o. c, I. Bd., S. 504. 



86 T. Matic, 

bei der Kaiserin gegen die neuen Reformen zu beschweren, wurde der Hof- 
kriegsratspräsident Graf Harrach beauftragt, über die eingereichten Be- 
schwerden eine genaue Untersuchung einzuleiten. Um die Untersuchung 
zu vereinfachen, wurde eine besondere Kommission eingesetzt, die im 
Hause des Prinzen von Hildburgshausen die Deputierten »mit aller 
Accuratesse und Punctualität« verhört und über deren Verhör dem Hof- 
kriegsrate einen ausführlichen Bericht vorgelegt hat. Auf Grund dieses 
Berichtes hat nun auch der Hofkriegsrat die Deputierten einvernommen, 
die alles, was sie in den früheren Verhören ausgesagt hatten, vollauf be- 
stätigten 1). 

Als Ergebnis dieser Voruntersuchung wurde der Kaiserin berichtet : 
» . . . dass theils die Zengnianer, theils einige Commendanten, beson- 
ders der Obristwachtmeister Baron Gall zu Brindel (allwo die Auf- 
ruhr angefangen) nebst seiner Ehe-Consortin, einer gebohreneu 
Zengerin, und theils der Auditor Kuhasevich, ebenmäßig ein 
Zengnianer, die wahre und fürnehmste Urheber des ganzen 
Aufstandes seyen«^). Die Zengger hätten den Verlust ihrer Stipendien 
für eine Folge der neuen Einrichtungen gehalten und sich der Hoffnung 
hingegeben, nach der Abschaffung dieser Einrichtung ihre Stipendien 
von der krainischen Landschaft wieder zu erlangen. »Hiernechst hat 
ihnen Zengnianereu die eingelegte tetitsche Garnison, wo- 
durch denenselben ein Zaum angeleget und haubtsächlich 
das unbeschränkte Contrabandiren verhindert wird, über 
die Massen in die Augen gestochen, dahero selbe eine so andere 
Emissarien ausgeschicket und dem Volckh alles Übel von der Einrich- 
tung, wie nemblich ihnen die Mondur bloß zu dem Ende, um sie zu obli- 
gaten Soldaten zu machen, ausgetheilet würde, daß sie solche bezahlen 
müsten , auch daß die versprochene Besoldungen nur ein Blendwerk und 
kein Fundus darzu bej^handen wäre; und sonsten alles, was sie zu Ge- 
hässigmachung der Einrichtung und Aufwieglung des ohnehin arg- 
wöhnischen Volcks nur immer erdenken können, beybringen, ja endlichen 
dasselbe gar animieren lassen, daß es sich auf Zeng begeben und mit 
ihnen die teütsche Garnison von dannen vertreiben helflfen 
solte, welches leztere jedoch pur und allein aus Furcht nicht unter- 



1) Bericht des Hofkriegsratspräsidenten an die Kaiserin dd. 24. Dez. 
1746 (Akt: 1747 Jan. 610). 

2) Ibid. 



Der kroat. Schriftsteller M. A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Briiie. 87 

nohmen worden« ^). Der Kommandant von Brine, Baron Gall, und seine 
Gemahlin »haben beede vor entstandener Aufruhr sich mit dem Auditor 
Kuhasevich, nach aydlicher Aussage seines eigenen mit ihme hier an- 
wesenden Cammeradens, des llaubtmanns Chiolich (welches auch, und 
was noch ferners hiernach folget, von denen übrigen Deputirten eben- 
fals aydlich bestättiget worden), zu villen Stunden unterredet, und 
gleich darauf, da die Tumultuanten schon würkhlich ohnweit Zeng 
gelaagert waren, die Br. Gallin sich dahin nacher Zeng verfüget, al- 
da mit dem Kuhasevich auf das neue Unterredung gepflogen und nicht 
allein die Brindlerische Deputii'te (wie sie es nachher© dem Matte 
Sertich Selbsten geoifenbaret) an den schon damahls als Zengerischer 
Deputirter ernennt gCAvesten Kuhasevich bestens recommandiret, son- 
dern auch, daß er selbigen, um die neue Einrichtung zu praecipitiren 
und die alte Gewohnheiten wider emporzubringen, an Hände stehen solle, 
gebetten« ^). 

Kuhacevic hatte sich als Deputierter der Stadt Zengg im August 2) 
nach Wien begeben und soll mit der Grenzerdeputation gleich nach ihrer 
Ankunft in Verkehr getreten sein : » . . . wie aber die Brindler Deputirte 
alhier in Wienn kaum angelanget, seynd von ihme denenselbeu allerhand 
gefährliche Anschläge an Ilande gegeben und sogar in dem ersteren be- 
reits verfertigt gewesten Memorial eine sehr bedenkhliche Clausul einge- 
fliket worden , so ganz handgreiflich aus deme erhellet, daß die übrige 
Handschrifft sothanen Memorials in guter teütscher Sprache, diser An- 
hang aber in vollkommenen Croatisch-Teütschen beygesezet seye. Und 
hat er weiters ihnen Brindleren bey ihrer lezteren Anherokunfft den 
Vorschlag, daß Sie ihn vor ihren Agenten eigens begehren solten, 
wonach er schon alles in die Wege richten und das Steüer-Ruder führen, 
sofort ihnen den Endzweck in Beybehaltung der alten Gebräuchen zu 
erlangen trachten wolle, gemachet; ja sogar, als er in ihren Punctis ver- 
merket, wie selbe die Mundirung anzunehmen sich erkläret, sie in fol- 
genden Terminis: daß sie sich durch Annehmung der Mondur auch der 
neuen Einrichtung unterwerffen thäten, wo alsdan alles verlohren und es 
um ihre Freyheit gethan seyn würde, — sothanen Punct auszulassen auf 
das nachdrücklichste ermahnet, sich annebst erfrechet, die vh. (?) be- 
rührte Deputierte, da von Euer Kay. König. Mtt. ihnen die 



1) Ibid. 

2) Magdic, Zivotidjela, S. 12. 



88 T. Matic, 

Stunde zur Audienz bereits gegeben wäre, davon abzuhalten 
und selbe zu überreden zu suchen, ehender die Audienz nicht zu 
nehmen oder einige Klag-Puncten zu überreichen, bis nicht 
vor allem er Kuhasevich ihnen qua Procurator zugeordnet 
seye. Dasjenige aber, so dessen geführtes böses Absehen am 
allermeisten bestärket, hat sich in seinen intercipirten 
Schrifften geäusseret: angesehen darinnen verschidene Correspon- 
denzen, wo er nicht allein dem Feldt-Marschalllieut. Gr. v. Herberstein 
dan denen Malcontenten in bedeuckhlichen Terminis zugeschriben und 
seine Freude über die schon eingebildete Umbstttrzung der neuen 
Einrichtung entdecket, sondern auch mit denen Zeugnianern darüber 
Briefe gewechslet sich vorgefunden, unter welchen forderst von einem 
Zenger Correspondenten ein Schreiben vorhanden, woiinnen er sich 
rühmet, wasgestalten sein Antrag gewesen, sich der teütschen 
Garnison bey ihrer Ankunfft mit gewaffneter Hand zu 
wider sezen, selber angegen von seinen Cammeraden (die er gleich- 
sam als zaghaffte Gemüther anklaget) hiereinfahls nicht secundiret wor- 
den seye. 

Nebst disen hat man ein von ihme Kuhasevich aufgeseztes Coucept 
einer sogenanten Synoptischen Information gegen die Einrichtung 
gefunden, welches alleinig genug und hinläuglich ist, ein derley Feuer, 
wie in dem Generalat entstanden, anzustellen. Dise Information ist mit 
dem lateinischen unter oben allegirten Beschwärdten befindlichen, nach 
Anzeige derer Deputirten in dem Generalat gefasten Pro memoria 
sowohl in substantia als auch in stylo völlig gleich und mit 
denen nemblichen Unwahrheiten gegen die Einrichtung, wie sie dem 
Volck in dem Generalat beygebracht und deren Ungrundjezo von ihnen 
Deputirten schon angezogenermassen einhellig erkennet und bekennet 
worden, angefüllet; woraus dan eine grosse Einverständnus zwischen 
ihme und denen Rebellen abzunehmen ist. Er hat auch in solcher die 
abscheulichsten Argumenta, wordurch einem jeden, welcher von dem 
wahren Systemate nicht unterrichtet ist, die allergehässigste Idee von 
selbigen inspiriret werden mag, hirfür gesuchet und darüber noch in 
erdeüter Schriift unverschämbt angeführet, daß würkhlich über4000Lic- 
caner der Einrichtung halber emigriret wären, wo doch nach eigenem 
Bericht des verstorbenen Obristens de Pozi (der ganz gewiß kein Freund 
der Einrichtung gewesen) nur einigwenige wegen der eingerissenen 
Hungers-Noth, keinerdings aber wegen der neuen Einrichtung, auch bey 



i 



Der kroat. Schriftseiler M. A. Kuhacevic n. d. Aufstand v. Brine. 89 

weitem nicht so ville Hundert, als er von Tausenden redet, aus dem 
Land gezohen seind« . . . ^), 

Die Synoptische Information, die Kuhacevic so sehr belastete, 
wird auch in seinen Schriften als Hauptgrundlage der gegen ihn er- 
hobenen Anklage und des in der Folge gefällten Urteiles bezeichnet: 

Ovdi ces rec: »Pismo je ti vrat slomilo, 

koje je otajno tvo pero slozilo. 
Cisto si pred sudom rekal i valoval, 

prot znaiiu i dusi da s' ga pod pero klal.« 
To j' istina, vindar 'z nega ne izhodi, 

puntarskoj da podah zrok kakov prigodi. 
Pismo anda ni mi moglo vrat slomiti 

i kako puntara na smrt odsuditi, 
sto s' u nem uzdrzi star stalis krajine, 

nov red i zrok, da se ov slaksa il zdigne, 
jer daprem novi red jest vec neg potriban, 

vindar da j' sadasni opcini skod|ivan. 
Opcinskoga dobra iz prave lubavi, 

sto znah i cuh, pero na hartu postavi. 
Svidok je Bog mili, po dusi i znafiu 

iipucene podah u tom dugovanu. 
Da pak odoh na se, sto me na to spravi? 

Evo ti, poslusaj od toga zrok pravi : 
tvoja od muk grozna, ovo j' uzrocilo 

bogolubna sudca nespodobno dilo. 
Jer kadgod ue rekoh, sto si zelil znati, 

groznju od muk morah na pleca pobrati. 
K tomu i ufaiie, ako pojdem na se, 

da morebit stignem polaksane za se; 
jer ostrocu resta, s kojom me drzase, 

iz tela mi dusu silom izganase^). 

So spricht Kuhacevic in seinem List na sudca od Korane (Sendschreiben 
an den Richter von der Korana) und erklärt in einer Fußnote, daß unter 
»pismo« die Synoptica informatio circa vetus et novum regula- 
rtientum generalaius Carlostadiensis gemeint ist. Diese Schrift wurde 
von Kuhacevic dem Beichtvater der Kaiserin übergeben ^j. Im Berichte 



1) Bericht des Hofkriegsratspräsidenten an die Kaiserin dd. 24. Dez. 
1746 (Akt: 1747 Jan. 610). 

2) Magdic, Zivot i djela, S. 65—66. 

3) Bericht des Hofkriegsrates an die Kaiserin dd. 10. Juli 1749, Blatt 35 
(Akt: 1749 Okt. 549). 



90 T. Matic, 

des Hofkriegsratspräsidenten vom 21, Dezember 1746 wird, wie wir ge- 
sellen haben, ausdrücklich gesagt, Kuhacevic' Stjnoptica informatio sei 
»mit dem lateinischen unter oben allegirten Beschwärdten befindlichen, 
nach Anzeige derer Deputirten in dem Generalat gefasten Pro memoria 
sowohl in substantia als auch in Stylo völlig gleich und mit denen 
nemblichen Unwahrheiten gegen die Einrichtung, wie sie 
dem Volck in dem Generalat beygebracht und deren Un- 
grund jezo von ihnen Deputirten schon angezogenermassen 
einhellig erkennet und bekennet worden, angefüllet.« lu den 
Akten des Kriegsarchivs befindet sich weder dieses Pro memoria noch 
Kuhacevic' Information: es sind überhaupt nur die dienstlichen Berichte 
der Instanzen, die sich mit dem Aufstaude von Brine zu befassen hatten, 
erhalten, während das übrige, sehr interessante Material (Protokolle über 
die Verhöre, konfiszierte Korrespondenzen und Papiere der Beschuldigten 
u. dgl.) ausgeschieden und ohne Zweifel veruichtet wurde, Kach dem 
erwähnten Berichte des Hofkriegsratspräsidenten hat Kuhacevic in der 
Synoptica informatio gegen die neue Einrichtung im ganzen und großen 
dieselben Beschwerden vorgebracht wie die von den Grenzern nach Wien 
gesendete Deputation. Die Beschwerden der letzteren sind in demselben 
Berichte in zwölf Punkte zusammengefaßt und jedem Punkte seitens der 
üntersuchungskommission eine Widerlegung beigefügt. Da nun diese 
Beschwerden einerseits nicht nur bei der Beurteilung der Beteiligung 
Kuhacevic' an der Protestbewegung sondern auch als Ausgangspunkt 
der im Karlstädter Generalate ausgebrochenen Unruhen sehr in Betracht 
kommen, anderseits aber deren Widerruf vor dem Hofkriegsrate das 
klägliche Scheitern der Aktion der Deputierten und in der Folge des 
ganzen Aufstandes grell illustriert, wollen wir sie in ihren Grundzügen 
kennen lernen, 

»Nun bestehet — heißt es im Berichte^) — der erste Punct ihrer 
teutschen und lateinischen Beschwährungsschriflft in deme, daß sie ehe- 
dessen mit ihren Grundstücken und dem Holzschlag nach Gefahlen ge- 
schaltet und gewaltet hätten, nunmehro aber verbotten seye, die 
Terrains weder vergrösseren, noch verkaufen, noch ver- 
hypotheciren oder per testamentum etiam ad pias causas 
leg Iren, wie auch in denen Waldungen nicht mehr nach Belieben Holz 



1) Bericht des Hofkriegsratspräsidenten dd. 24. Dez. 1746 (Akt: 1747 
Jan. 610). 



Der kroat. Schriftsteller M.A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 91 

schlagen zu können». Diese Beschwerde suchte man hauptsächlich durch 
Hervorhebung des Umstandes zu entkräften, daß »die Grundstücke 
ihnen Gränzeren nur zu ihrer Nuzniessung, nicht aber als ein freyes 
Eigenthum, und zwar mit dem ausdrückhlichen Beding, daß sie davon 
ihre Militärdienste praestiren müssen, aus allerhöchst kay. Gnaden ver- 
lihen worden». Bemerkenswert ist es, was im Anschlüsse darauf über 
den Zeitpunkt sowie die Art und Weise der Ausrottung der Wälder im 
kroatischen Küstenlande gesagt wird: »Es erinneren sich noch Leüthe 
gar wohl, daß hiebevor die ganze Meer-Seithen mit dem schönsten Ge- 
hölz versehen, und da andurch der starke Bora-Wind angehalten wurde, 
auch die Menge guter Baufelder alda zu finden gewesen; nachdeme aber 
die Gränizer seithero sich vorbemelter Freyheit ohnerlaubter Weise ge- 
brauchet, 'so ist nunmehro durch sothane Unordnung nicht nur das er- 
wachsene Stammholz daselbsten völlig ausgerottet, sondern auch das 
Erdreich dem gewaltsamen Bora -Wind dergestalten losgestellet , daß 
anjezo an dem ganzen Lido nichts als der pure rauhe Felsen zu sehen 
ist». — »Angehend den zweyten Beschwärungs-Punct, daß die Zenger 
Haubtmannschaift anstat derer ehehin zu stellen gehabten 4 Compag. zu 
Fuss und 1er zu Pferdt dermahlen 9 Compag. formiren müste», wird 
vom Berichterstatter eingewendet, daß die Lage der armen Bevölkerung 
dadurch gar nicht verschlechtert sei, denn früher habe man die Reichen 
ungerechterweise vom Militärdienste befreit. Der dritte Beschwerdepunkt 
bezog sich auf die Aufhebung der früheren Bestimmung, nach welcher 
eine Witwe, die im Hause keinen »streitbahren Mann» hatte, drei Jahre 
von der Stellung eines Ersatzmannes befreit war. Diese Beschwerde 
sollen die Deputierten selbst als unbegründet fallen gelassen haben, 
» . . . selbe erkeneten aber die jezige Einrichtung vill besser zu seyn, 
da nemblich die Wittiben, weillen sie die Grundstücke genüsseten, auch 
gleich denen anderen ihren Mann beyzuschaffen haben, um so mehr als 
sonsten diesfältiger Abgang die anderen zu hart betreffen würde». 
»Viertens wird als ein Gravamen von ihnen angeführet, daß zur Zeit 
der Ablösung, da die Helfte derer Regimenter im Feld 
stünde und die andere Helfte dahin marchiren solte, die 
Häuser lär, folgsamb die Haus- und Feld-Arbeiten erligen 
bleiben müsten . . .« »Fünfftens seynd sie Deputierte über die wegen 
Praeterirung derer nationalen Kneesen und Porkulaben, dan 
wegen Anstellung frembder Officiers führende Klagen ebenfahls 
befraget, von selben aber geantwortet worden, wie ihnen von einer 



92 T. Matic, 

deiiey Klage nichts bekant seye und vilmehr das Gegentbeil sieb er- 
weise, da einige Kneesen würkblicb promoviret, die andere hingegen in 
ihrer Würde und anbey in dem Genuß ihrer Poschasbinen gelassen . . . « , 
»Über den 6. Punct, daß die Gränizer zu 20 und 30 Officiers in einem 
Haus leiden müsten, haben sie Deputirte die Erläuterung gegeben und 
seynd sogar in folgende Formalia herausgebrochen: daß dise Be- 
schwärdte nur eine leere Vorstellung und des Teüffels Gedanken ge- 
wesen seye, der solches hineingeschriben habe: . . .«. »Respectu des 
siebenden Beschwährungs-Puncts, daß die sogenante Venturiner, welche 
keiue Gründe besizen, jedannoch im Feld dienen oder Contributionen 
bezahlen müsten, ist auf weiteres Verlangen von ged. Deputirten die 
Auskunfft erstattet worden, wasmassen sie von keiner Contributions- 
Anlaag wisseten oder vernehmen hätten . . .« Daß es so viel Venturiner 
gebe, sei die reichere Bevölkerung, besonders aber die Zengger schuld, 
die den Grenzern »mit unbeschreiblichem Wucher« auf deren Gründe 
Geld geborgt hätten, »bis sie selbige nach und nach an sich gerissen 
haben«, ohne jedoch die mit dem Grundbesitze verbundenen Pflichten zu 
erfüllen. »Achtens: erscheinet zwar aus ihrer schrifftlichen Klage in 
Angelegenheit derer Stipendien, daß solche theils gänzlich aufgehoben, 
theils dergestalten , daß weder Infant, noch Cavall. dabey bestehen 
könte, herabgesezet worden wären«, während in der Tat die äußerst 
seltenen Fälle der aufgehobenen von der Zahl der neuverliehenen Stipen- 
dien bei weitem tibertroffen wtirden; außerdem komme auch die gegen- 
wärtige regelmäßige Auszahlung der Stipendien im Vergleiche mit der 
bisherigen Unordnung den Grenzern sehr zustatten, so daß infolgedessen 
auch eventuelle Verminderungen der Stipendien bloß scheinbar seien. 
Die Deputierten sollen, nachdem sie in diesem Sinne aufgeklärt wurden, 
diesen Beschwerdepunkt mit Bedauern als unbegründet zurückgezogen 
haben: » . . . und haben hierauf dieselbe sich darvor bedanket, auch 
entschuldiget, daß sie aus Mangel hinlänglicher Wissenschafft zu diser 
Beschwärde von anderen verführet worden seyen. Ein gleiches haben sie 
— neuntens — wegen der Mondur beygebracht: daß sie nur von an- 
deren, absonderlich von denen Zengeren, wie es der Catalinitsch und 
Biundich unter ihnen ausgestreüet , tiberredet und zu glauben verleitet 
worden wären, daß selbe die empfangende Mondur wtirden bezahlen 
müssen«. — »Auf die Beschwehrde, daß — zehntens — alt erlebte und 
tiber 60-jährige Leüthe in das Feld zu ziehen gezwungen wären, zeiget 
sich gerade das Widerspiel . . .« »Eilfi'tens haben sie Deputirte nicht 



Der kroat. Schriftsteller M.A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 93 

minder bekennen müssen, die Praestation der Robath, Vorspann und 
das Saum-Treiben nicht nach der neuen Verfassung, sondern nach dem 
vorhinigen alten Gebrauch beschehen zu seyn. In gegenwärtiger Ein- 
richtungs-Norma ist ausdrückhlich vorgesehen, daß das Saum-Treiben 
ausser Landes, ingleichen daß Robath vor die Officiers gänzlich abge- 
stellet und einerseits ohne Vorweisung einer Anschaffung vom Commando 
niemanden einige Vorspahu verabfolget, andererseits aber solches nicht 
umbsonst, wie vorhin, genohmen, sondern nach der ausgeworffenen Tax 
bezahlet werden solle«. — »Anbetreffend — zwölfftens — die wegen 
deren nach Ottoschaz zu geben habenden Ordonnanzen geregte Be- 
schwärten, hierauf haben sie Deputirte gemeldet, daß selbe nicht so vill 
über die Ordonnanzen sich beklageten, sondern nur die Gemüther derer 
Brindleren mehrer denen Zengeren als Ottoschanern geneigt wären, an 
welchem lezten Ort folgsam, wan die Zenger von dem Militari ausge- 
schlossen worden, die Officiers zu stehen, somit auch die Ordonnanzen 
dahin abzuschicken kommen«. 

IV. 

Als Kuhacevic die Mitglieder der Grenzerdeputatiou zu überreden 
trachtete, ihre Beschwerden nicht allein vorzubringen, sondern zu ver- 
langen, daß er ihnen als »Agent« oder »Prokurator« beigegeben werde, 
hat er wohl gewußt, daß sie, sich selbst überlassen, ein Spielballen in den 
Händen derjenigen sein werden, die bestrebt waren, die Beschwerden 
der Deputation möglichst zu entkräften. Die Deputierten waren ja ein- 
fache, ungebildete Leute, die es wohl verstanden haben, zu Hause Lärm 
zu schlagen und zu drohen, die aber weder die nötige Intelligenz noch 
den Mut hatten, ihre Klagen vor hohen Würdenträgern des Staates zu 
vertreten. Was Kuhacevic befürchtet hatte, traf auch ein: die Deputierten 
ließen sich einer nach dem anderen von den Mitgliedern der kaiserlichen 
Kommission belehren, daß ihre Beschwerden ganz und gar unstichhältig 
und grundlos seien: »In der ersten bey Hof-Kriegs-Rath beschehenen 
Vorberufung derer dreyen Deputirten haben dise bey Verlesung ihrer 
Klag-Puncten mehrere theils die Achslen geschupft, theils selbige gar 
geläugnet und dem Schrifften-Steller dessen die Schuld beigemessen, 
theils vor pure Unwahrheiten erkennen zu müssen erkläret, — ja, daß 
sie es schon untereinander Selbsten gesprochen und der alte 90-jährige 
Mann mit Nahmen Pajan seinen Cameraden gleich nach der Audienz mit 
folgenden Worten: »Hab ichs euch nicht allezeit und schon zu Haus ge- 



94 T. Matic, 

sagt, daß wir mit lauter s. v. Lügen anhero kommen» zugeredet zu haben 
von frej'en Stucken gestanden. Von denen übrigen ist in denen Special- 
Verhören das nembliche fast bey jedem Punct erwehnet und nur jeder- 
zeit gegen die Zenger, so sie verführet, und andere, welche ihnen 
das gute von der Einrichtung nebst allem, was zu ihrem Trost und 
Nuzen dabey gereichet, verborgen und verheelet, im Gegentheil aber dem 
Voick so villen bösen Argwohn beygebracht, sich beklaget worden« ^). 

Nachdem also die Untersuchungskommission zur Überzeugung ge- 
langt war, daß die Beschwerden der Deputation gar nicht begründet 
seien, sondern daß »die Supplicanten villmehr revoltiret und eine ordent- 
liche Aufruhr erweket haben, als wurden die siben Abgeordnete den 
6. Novembris ejusdem anni allhier arrestiret praeliminariter, wegen der 
entstandenen Aufruhr examiniret und drey darvon, nemlich der Mathe 
Sertich oder Suaka, Radivoy Marichich und der alte Jure Dumenchich 
nebst des Quicciardischen Infanterie-Regiments Leuth. und Auditor 
Matthia Anton Kuhacevich , welcher ohne Erlaubnuß seiner vorgesezten 
Oberen als Deputirter von der Statt Zeug anhero sich begeben und die 
entstandene Aufruhr in allweeg zu unterstützen gesuchet hat, ge- 
schlossener nacher Carlstatt zur weiteren Inquisition abgeschiket, die 
übrige vier: Jure Drassinovich , Ossip Vukelich, Miho Buttoraz und 
Nicola Bayen aber des Arrests entlassen« -). 

Seine Verhaftung führte Kuhacevic auf eine vom Zengger Bischof 

V 

Vuk Colic Freiherrn v. Löwensberg an einen hohen kaiserlichen Würden- 
träger gesendete Denunziation zurück. Nach Magdic — der diese Nach- 
richt wohl aus Kuhacevic' Autobiographie schöpfte — soll derBischof ge- 
schrieben haben, daß der Aufruhr in der Lika und dem Küstenlande 
gleich aufhören würde, sobald Major Gall, Major Portner und Auditor 
Kuhacevic verhaftet seien 3). Im Sendschreiben an seinen Vetter Frano 
sagt Kuhacevic: 

Toti (sc. in "Wien) me niki duh, Bog se znaj ke vire, 
razpisa, kot da bih uzrok puntarije*) 

und bemerkt in einer Fußnote, daß unter diesem duh (Geist) »od 
primorskih stran vladika» zu verstehen sei. Da der Zengger Bischof im 



1) Akt: 1747 Jan. 610. 

2) Bericht des Hofkriegsrates an die Kaiserin dd. 10. Juli 1749, Blatt 
(Akt: 1749 Okt. 549). 

3j Magdic, Zivot i djela, p. 13. 
4) Ib., p. 49. 



Der kroat. Schriftsteller M. A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Briiie. 95 

kroatiachen Ktistenlande der einzige Bischof war, kann Kuliacevic nur 
an ihn gedacht haben. Anspielungen an den dah und lukavi dtih^ der 
Kuhacevic durch Anzeige zugrunde gerichtet haben soll, begegnet man 
noch einigemale in seinen Sendschreiben *). In den Akten des Kriegs- 
archivs wird das Einschreiten des Bischofs von Zengg gegen Kuhacevic 
mit keinem Worte erwähnt: alsGrund der Verhaftung Kuhacevic' wird viel- 
mehr — wie wir gesehen haben — nur das Resultat der gegen ihn und die 
Deputierten in Wien durchgeführten Voruntersuchung augegeben. In 
dieser Untersuchung ist auch ein Bruder des Zengger Bischofs, Haupt- 
mann Matija Colic, der mit Kuhacevic als Deputierter der Stadt Zengg 
nach Wien gekommen war, verhört worden und hat unter Eid ausgesagt, 
daß Kuhacevic mit Gall und dessen Gemahlin den Aufstand vorbereitet 
und gefördert habe 2). Vielleicht hat diese belastende Aussage des Haupt- 
mannes Colic Kuhacevic Anlaß gegeben, an ein Einschreiten des Bischofs 
Colic, dessen Bruders, zu denken? Nach Fächer 3) hätte Kuhacevic 
gegen den Bischof eine Satire geschrieben, weshalb ihn dann der Bischof 
aus Rache angezeigt hätte. Magdic, der Herausgeber der Werke 
Kuhacevic', hat in Zengg den Text eines angeblich von Kuhacevic 
stammenden gegen den Bischof Colic gerichteten Pamphletes erhalten ; 
bis in unsere Tage sogar soll sich in Zengg die Tradition erhalten haben, 
daß Kuhacevic' Satire gegen Colic Mädchen im Kolo gesungen hätten^]. 
Meinem Wunsche, darüber näheres zu erfahren, kam mit der größten 
Bereitwilligkeit H. Stadtsenator Dr. Dobrila entgegen , doch seineu Be- 
mühungen, unter den alten Zenggern irgendwelche Erinnerungen an Ku- 
hacevic oder seine Satire zu finden, waren erfolglos. 

Sowohl für die Behandlung der Deputierten in der Untersuchung 
als auch für die Stimmung in den höchsten Kreisen ist die Stelle charak- 
teristisch, wo der Hofkriegsratspräsident in dem erwähnten, der Kaiserin 
vorgelegten Berichte seine Ansicht über die weitere Behandlung der am 
Aufstande beteiligten motiviert: »Da ist das vergnüglichste, daß durch 
den einzigen daselbst erschollenen Ruf, daß die Deputirte alhier mit 
Arrest beleget, zum Verhör beruffen und mit einiger Schärfe angegriffen 
worden, in dem Generalat und bey denen Aufwieglern von Brindel und 
Zeug die Unruhe völlig dergestalten wider beygelegt worden seye , daß 



1) Ib., p. 32—33, 44, 45, 53, wohl auch 17. 

2) Akt: 1747 Jan. 610. 

3j Nastavni vjesnik XII, p. 8. 
*) Nastavni vjesnik XII, p. 8. 



96 T. Matic, 

alle bishero widerspenstig sich bezeigte Orthschafl'ten nicht nur allein um 
die Monduren geschiket und selbe abheilen lassen, sondern auch sich 
zum Ansmarche ganz williglich selbsten erbothen haben, also zwar, daß 
die vollkommene Einrichtung des Carlstädter Generalats würklich zu 
seiner Consistenz gelanget und nun an deme ist, daß durch ihn Prinzen 
Hildburghausen diejenige Battaillonen, welche von dem ersten in Welsch- 
land angetragenen Quanto zurukgebliben ad motum gebracht und denen 
anderen nachgesendet werden. Wie nun aber aus disem Vorgang die 
Erfahrnus lehret, daß mit derley Leüthen weit mehrer durch 
Schär ffe als mit der Euer kay. könig. Mtt. angestambten Milde zu 
richten ist, welches sich aus deme leicht abnehmen lasset, daß, als 
das erstere Decret auf dero allerhöchsten Befehl durch mich Kriegs- 
Praesidenten denen Deputirten zugestellet und sie dabey mit aller Ge- 
lassenheit und gelinde tractiret worden, ein solches die Tumultuanten 
nur desto insolenter gemachet und auch mehrere, so vorhin mit ver- 
meintlichen Beschwärdeu zurukgehalten haben, damit hervorgebrochen 
seynd, hingegen die von beschehener Arretirung gedachter Deputirten 
ihnen eingelangte Nachricht selbe alsobald in Forcht und endlichen zur 
Ruhe gebracht habe, also erachtete man auch weiters nur allein gegen 
die Aufwigler oder Rädelführer sothaner Empörung mit der schon eben 
an Hände gegebenen Inquisition auch gebührender Schärfe durch reale 
Bestraffung fürgehen zu lassen, damit die Leüthe daran sich spieglen 
und von ferneren derley Unternehmungen abgeschröcket, der Ruhestand 
aber desto sicherer alda beybehalten und bevestiget werden möge.« 
Die Kaiserin setzte dazu ihr »placet<: mit dem Vorbehalte »daß, ehe als 
der Proces und die Bestraffung vorgehet, selbe hieher zu meiner Ein- 
sicht geschickt werde und ad aprobandum« ^). 

Die Beschuldigten durften sich keinen rosigen Hoffnungen hingeben, 
am allerwenigsten aber Kuhaoevic, der nach den Ergebnissen der in 
Wien durchgeführten Voruntersuchung als einer von den Anstiftern des 
Aufstandes galt und mit Rücksicht auf sein Vorleben alles eher als Milde 
und Entgegenkommen seitens der Militärbehörden zu erwarten hatte. Er 
war sich seiner kritischen Lage auch vollkommen bewußt: denn nur als 
eine Verzweiflungstat kann mau sich den aussichtslosen Fluchtversuch 
erklären, den Kuhacevic trotz der milden Behandlung, die ihm während 



1) Akt: 1747 Jan. 610. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brifie. 97 

seiner Überführung nach Karlstadt i) nach eigener Aussage zuteil wurde, 
in der Nähe von Rudolfswert unternahm. Im Sendschreiben an Frano 
Kuhacevic sagt er darüber selbst: 

Donikle na putu goscahu kot brata 

pa cic moga biga pratise kot tata 

und bemerkt dazu in einer Fußnote: »Nedaleko od Novoga mesta vas 
smucen skocih iz hintova i stavih se u trk za pobignut«, worauf man ihn 
dann »vezana« (gefesselt) weiter nach Karlstadt führte, wo er am 
21, Januar 1747 eintraft). 

In Karlstadt wurden 36 Personen in Untersuchung gezogen, die 
nahezu drei Jahre dauerte. In dem wiederholt erwähnten Sendschreiben 
an Frano Kuhacevic erzählt unser Gefangener, welche unsäglichen Qualen 
er während dieser Zeit auszustehen hatte: 

Bacihu u turan skoro kot lupeza, 

zacupase noge u tarna zeleza, 
vrh nih pak z manimi na kriz okovase, 

za da j' tuznom srcu jedno malo lakse. 
Tu med strazom lezah kot pan odsiceni .... 
Strasna opaz na me, dvze za visc'aca; 

strah je, da poletim, ne bude zapaca. 
Stoga ostra straza dan i noc cuvase 

i z golim oruzjem sploh uza me stase .... 
Obuzdani bihu svikolici udi 

a zivot privezan, — sad vrh toga sudi. 
Ne smidu se oci pomolit na stakla 

samo za povirit, je 1' se magla makla. 
Usi zatvoreni ne cuju 'zvan zvone 

al na mostu buku, kad se kola gone. 
Nos namesto zraka, namesto mirisa 

davi se s patuhom vodenoga plisa. 
Jezik u procipu: smis potribna reöi, 

pak drz' prst na usti, ak' se nes opeci. 
Euki meja stavna, nima testir nujna 

'zvan obroka drzat noza ni piruna. 
Noge u skripeli, zelezna povlaka 

ne da Jim ucinit jednoga koraka. 
Puca na njih koza, tuzue skriplu kosti, — 

ni mila ni draga, da od muk oprosti. 



1) K. wurde von Wien am 12. Januar 1747 unter militärischer Bedeckung 
nach Karlstadt abgeschoben (Magdic, Zivot i djela, p. 49). 

2) Magdic, Zivot i djela, p. 49. 

Archiv für slavische Philologie. XXXV. 7 



98 T. Matic, 

K ovomu prilozi, straza ne da spati, 

a okov ne pusca iz loznice stati. 

Ni knig, ni zabavi, mane pogovora, — 
npitaj, pitane nima odgovora*). 

Nach neun Monaten wurde Kuhacevic aus diesem Turme in einen Keller 
des Generalspalastes und dann krankheitshalber in eine Kammer des- 
selben Gebäudes überführt, wo es ihm kaum etwas besser ging 2). im 
Prozesse selbst soll der Untersuchungsrichter durch Androhung der 
Tortur Kuhacevic zu unwahren Selbstanklagen gezwungen haben: 

Nac ja i ne mislih, htihu 'z mene znati; 

ako Jim ne povis, grozna od muk prati ... .3) 
.... morah jim rec, da je istina, 

ca eiste znah, da ni nego neistina .... 
I to ne za drago 'zvan za ne cut büke 

i groznu veliku, kad tajah, od muke*) 

Insbesondere soll Kuhacevic unter diesem Drucke vor dem Gerichte er- 
klärt haben, daß er die Synoptica informatio gegen sein besseres Wissen 
und Gewissen (»prot znanu i dusi«) geschrieben habe^). 

Unter den unmittelbaren und aktiven Verschwörern wird 
Kuhacevic nicht erwähnt. In der Untersuchung soll »hinlänglich 
erhoben« worden sein, daß der Kommandant von Brine, Major 
Gall, und seine Gattin, dann Leutnant Holevac, Feldwebel Ive Vukelic 
Mali, Knez von Jezerani Mate Sertic, Korporale Miho Sodic und Jurko 
Sertic sowie der gemeine Husar Mate Sertic den Aufruhr »angesponnen 
und zum voraus, wie selbe anzufangen und auszuführen seyn möchte, 
concertiret haben« 6). Die geheimen Besprechungen fanden zu Brine im 
Schlosse des Majors Gall statt. Unter anderem sei auch beschlossen 
worden: » . . . die neu avancirte Officiers, welche einheimisch, 
zu degradiren, die fremde aber fortzujagen, ... die teütsche 
Guarnison aus Zeng zu verjagen« ''). 

Das Kriegsgericht von Karlstadt hat dreizehn Angeklagte, die 



1) Magdic, Zivot i djela, p. 50 — 51. 

2) Ibid., p. 52, 55—56. 

3) Ibid., p. 53. 

4) Ibid., p. 54. 

5) Ibid., p. 65—66. 

6) Bericht des Hofkriegsrates an die Kaiserin dd. 10. Juli 1749, Blatt 9 
(Akt: 1749 Okt. 549). 

7) Ibid., Blatt 10. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brlne. 99 

»confeasi aut convicti aut utrumque« waren, zum Tode verurteilt. 
Gegen Kuhacevic wurde vorläufig kein Urteil gefällt, denn 
er gehörte zur Gruppe der Angeklagten, von denen das Kriegsgericht 
meinte, »daß, obschon selbe zum Theill des criminis perduellionis 
confessi et convicti, das factum principale et atrocius, nemblich daß sie 
die Rebellion angestiftet und excitiret haben, aber dannoch beständig 
negiren, insolang, bis die 13 vorhergehende Maleficanten vom Leben 
zum Todt hingerichtet worden seynd, nicht, sondern allererst, wann der 
Mathe Sertich oder Suaka und Miho Sodich ihre ratione des geheimen 
Conspirations-Complot wider sie gethanne Aussage mit ihrem Todt 
bestättiget haben werden, nach denen vorgeschribenen Criminal-Rechten 
und Kriegs-Articuln abgeurteillet und bestrafet werden sollen« i). 

Das Ergebnis der vom Karlstädter Kriegsgerichte geführten Unter- 
suchung wurde samt den gefällten Urteilen dem Hofkriegsrate vorgelegt, 
von diesem einer Revision unterzogen und über die Revision der Kaiserin 
Bericht erstattet: »Der gehorsambste Hof-Kriegs-Rath, welcher die ohn- 
gemein voluminöse Inquisitions-Acta erstlich commissionaliter genau und 
allen Fleises hat durchgehen lassen, sodan in consilio abermahlen aus- 
führlich durchgangen hat, befindet, nachdeme die procedirte 27 Personen 
des criminis perduellionis, consequenter laesae Majestatis, theills aber 
zugleich veneficii sich theillhaftig gemachet haben, an deme keinen An- 
stand, daß nicht allein die 13 beraits abgeurteillte, sondern auch die 
meiste von denen übrigen Inquisiten poenä Ultimi supplicii beleget zu 
werden gar wohl verdienet haben; nachdeme aber doch dieselbe nicht 
alle in pari gradu gesindiget, sondern einer mehr als der andere an der 
Rebellion Anteill hat, einige auch derenselben nur in etwas überzeiget 
seynd, als hat er jeglichem a proportione seines Verbrechens die Straffe 
ausgemessen« 2j. Die gegen die einzelnen Angeklagten in der Unter- 
suchung festgestellten belastenden Momente wurden zusammengefaßt 
und auf deren Grund gaben die Votanten des Hofkriegsrates ihr Votum 
ab. Kuhacevic galt als einer von den Anstiftern der Rebellion: »Matthias 
Anton Kuhacevich, Leutenant und Auditor von dem Quicciardischen 
Infanterie-Regiment, ist eben wie der vorhergehende Carl Joseph Portner 
indiciret, massen er nicht allein wider die Subordination in deme, daß 
er ohne Wissen und Willen seiner Oberen die Deputation von der Statt 



1) Ibid., Blatt 12—13. 

2) Ibid., Blatt 14. 



100 T. Matic, 

Zeng auf sich genohmen, derselben mit einem Ayd sich verpflichtet und 
anhero nacher Wienn die neue Militär-Einrichtung zu impugniren sich 
begeben, sondern auch in deme namhaft sich vergangen hat, daß er 
Euer kay. könig. May. Beichtvatter eine sogenante informa- 
tionem synopticam übergeben und alda, um nur die publicirte 
Militär-Einrichtung hinwiderumen aufheben zu machen, ville Ohnwahr- 
heiten fälschlich vorgestellet, unter anderen Ohnwahrheiten aber haubt- 
sächlich wahrscheinlich zu machen gesuchet hat, als ob eine namhafte 
Anzahl deren aldasigeu Landes-Insassen wegen sotaner Militär-Einrich- 
tung in das Turcicum beraita emigriret wären, dan daß nicht allein der 
Bassa zu Vakup sondern auch ville andere Orthschaften, als Vinodol und 
Fiume, in die entstandene Rebellion sich einmischen und mithalten 
weiten; übrigens, wo er immer Gelegenheit gehabt oder können hat, die 
Revoltanten durch sein Solicitiren und Zuschreiben in ihrem 
Vorhaben solchergestalten zu unterstützen und ihr Vor- 
haben zu beförderen gesuchet hat, daß er de rigore poenä mortis 
abgestraffet zu werden gar wohl verdienet habe ; allein, da nun derselbe 
ratione dessen, daß er ein Mitglied des geheimen Consprirations-Complot 
seyn solle, nicht überzeiget werden kan, als hat das zusammengesezte 
Kriegs-Recht sein End-Urtheill gleichwie respectu des Portner dermahlen 
suspendiret und geglaubet, vorhero die Execution deren beraits ab- 
geurteillten abzuwarten, um zu sehen, ob er des geheimen Complots nicht 
überwisen werde« ^). Außerdem soll der eigentliche Leiter aller Vor- 
bereitungen für den Aufstand, Major Gall von Brine »mit dem inquirirten 
Leuth. und Auditor Matthia Anton Kuhacevich, da er hier in Wienn als 
Deputirter von der Statt Zeng gestanden ist und die neue Militär-Ein- 
richtung zu hintertreiben gesuchet hat, Brief gewechslet, nachmahlen 
aber, da er nacher Carlstatt beruffen worden ist, seiner Ehe-Consortin, 
daß sie sotane von dem Kuhacevich empfangene Briefe verbrennen solle, 
zugeschrieben« 2) haben. 

Hinsichtlich der wider Kuhacevic zu verhängenden Strafe waren die 
Votanten des Hofkriegsrates nicht einig. Die Räte Seppenburg und 
Schloissnig vertraten die Ansicht, daß Kuhacevic »in Ansehung dessen, 
daß er bey seiner allhier beschehenen Ankunft gleich bei seinem vor- 
gesezten commandirenden Generalen Prinzen zu Sachsen Hilburgs- 



1) Ibid., Blatt 34—35. 

2) Ibid., Blatt 26. 



Der kroat. Schriftsteller M.A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 101 

hausen als Deputirter sich angemeldet und derselbe ihme gleichsam 
connivendo verstattet hat, dan daß er sein vorrecensirtes Verbrechen 
durch den langwührigen, und zwar seith den 6 Novembris 746 in Eysen, 
mithin über dritthalb Jahr hart erleidenden Arrest beraits in etwas ab- 
gebüsset habe, simpliciter et reservato honore zu cassiren seye«. Dieser 
milden Affassung trat Feldmarschall Löwenwolde ganz entschieden ent- 
gegen und beantragte unterstützt von Dreyling, daß Kuhacevic: »um 
willen er nicht allein die Subordination übertretten, sondern auch durch 
seine informationem synopticam Euer kay, könig. May. ville Ohuwahr- 
heiten vorgestellet, wie auch ansonsten die entstandene Rebellion in 
allweeg zu beförderen und zu unterstützen gesuchet hat, cum infamia 
cassiret, alsdan aus allen Euer May. Erb-Königreichen und Landen gleich- 
wie der Carl Joseph Portner abgeschaflfet werden solle . . .« i). 

Als dritte Instanz, die das Ergebnis der Untersuchung nochmals 
zu überprüfen und auf Grund dessen hinsichtlich der wider die An- 
geklagten zu verhängenden Strafen den endgültigen Antrag zu stellen 
hatte, wurde von der Kaiserin ein aus vier Generalen bestehendes iu- 
dicium revisorium unter dem Vorsitze des Hofkriegspräsidenten Grafen 
V. Harrach eingesetzt. In diesem Richterkollegium kam nun eine viel 
strengere Auffassung der Schuld Kuhacevic' zur Geltung. Nur ein ein- 
ziger General, F M L. Cordoua, trat der von Löwenwolde und Dreyling 
vertretenen, also strengeren Ansicht des Hofkriegsrates bei 2). Der 
strengste war Graf Daun: »Der Obristwachtmaister Gall und Auditor 
Kuhacevich wären nach seinem Befund solchergestalten aggraviret, daß 
beede mit dem Schwerd vom Leben zum Tode hinzurichten« wären ^j. 
Daun wird wohl seit der aufrührerisch gefärbten Affäre, in der er 1736 
gegen Kuhacevic einzuschreiten beauftragt war, von unserm Angeklagten 
eine sehr schlechte Meinung gehabt haben, die nun seine Beurteilung 
der Mitschuld Kuhacevic' am Aufstande von Brine in einem für diesen 
ungünstigen Sinne beeinflußt haben mag. Mit Stimmenmehrheit wurde 
die Ansicht der übrigen zwei Generale (FM. Hohenems und F ZM. Molke) 
und des Hofkriegspräsidenten angenommen und als Beschluß des iu- 
dicium revisorium der Kaiserin vorgelegt. Danach sollten Gall und 



1) Ibid., Blatt 35—36. 

-) ProthocoUum commissionis 28va Julii et SaAugusti 1749 habitae, El. 12 
(Akt: 1749 Okt. 549). 
3) Ibid., Blatt 17. 



102 T. Matid, 

Kuhacevic »cum infamia . . . cassiret, jedoch . . . leblänglicli in einer 
entfernten Vöstung gefänglich gehalten« werden, während für die übrigen 
zwei Offiziere (Portner und Holevac), die in den Aufstand verwickelt 
waren, insoferne eine mildere Strafe vorgeschlagen wurde, als ihnen die 
infamia nachgesehen werden sollte. Außerdem beantragte das iudicium 
revisorium für alle diese vier Angeklagten die Konfiskation des Ver- 
mögens und sprach sich gegen eine eventuell im Gnadenwege in Aus- 
sicht genommene Nachsicht der lebenslänglichen Gefäagnisstrafe mit 
aller Entschiedenheit aus: » . . . weillen dise Gefängnuß nicht so wohl 
zur Straf als zur Sicherheit des Generalats und um hierdurch alle nach- 
teillige, durch derenselben Beyhilf in widrig besorgliche Unternehmungen 
abzuhinderen, wider sie also verhenget und anzuordnen für nöthig be- 
funden worden«. Die Kommandanten der Festungen, wo die Verurteilten 
ihre Strafen abzubüßen hatten, sollen beauftragt werden »wegen deren 
genügsamen Verwahrung, auch Abschneidung aller Correspondenz« die 
nötigen Vorkehrungen zu trefl'en^). 

Gegen Kuhacevic wurde also dieselbe Strafe verhängt wie gegen 
Gall, der nach den Ergebnissen der Untersuchung als kaiserlicher Offizier 
die Vorbereitungen für den Aufstand leitete und in dessen Hause die ge- 
heimen Zusammenkünfte der Verschwörer stattfanden. Es wurde sogar 
Leutnant Holevac, welcher nicht nur der unmittelbaren Teilnahme am Auf- 
stande, sondern auch des Mordes überfuhrt war, weil er durch Vergiftung 
eines Komplizen die Entdeckung der Anstifter der Verschwörung zu ver- 
hindern gesucht hatte, milder abgeurteilt als Kuhacevic. Die Gründe, von 
denen sich die Mitglieder des Revisionsgerichtes bei der Anwendung dieser 
außerordentlichen Strenge gegen Kuhacevic leiten ließen, sind wohl am 
besten in dem Zusatz gekennzeichnet, den FZM. Molke seinem Votum 
hinzufügen zu müssen glaubte und in dem er verlangte, daß Kuhacevic 
»auch aller Briefwechsl und Correspondenz . . . abzuschneiden 
wäre, um ihme als einem sehr gefährlichen Menschen alle Ge- 
legenheit zubenehmen, durch seine Schreiberey in publico 
mehreres Ohnheill zu stiften <-2). Die Furcht vor der scharfen 
Feder und Agitation des rührigen Mannes, der in seiner Heimat als Vor- 
kämpfer gegen die absolutistischen Übergriffe der Militärverwaltung und 
ihrer dem Volke meistens fremden Vertreter Sympathien genoß, diktierte 



1) Ibid., Blatt 21—22. 

2) Ibid., Blatt 15. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic n. d. Aufstand v. Brine. 103 

gegen Kuhacevic eine Strafe, die ihn für immer unschädlicli machen 
sollte. 

Der Antrag des Revisionsgerichtes wurde von der Kaiserin bestätigt 
und somit auch das Schicksal Kuhacevic' besiegelt. Auditor Jenko, der 
die Untersuchung gegen die Aufständischen in Karlstadt geleitet hatte 
und auch in den Sitzungen des Revisionsgerichtes, in denen diese An- 
gelegenheit verhandelt wurde, anwesend war, traf am 6. November 1749 
»mit samentlichen Inquisitions- Acten des gewesten Tumults-Process« in 
Karlstadt ein. Gleich darauf sollte »die Sentenz nach allerhöchst k. k. 
Vorschrifft eingeleitet, sodan publiciret und ad executionem mit aller 
Vorsichtigkeit gebracht werden« i). Das Urteil wurde am 20. November 
1749 in Karlstadt öffentlich vor dem Generalatspalaste (»prid dvorom pod 
bubau«) verkündet 2) und am 4. Dezember wurde Kuhacevic mit einem 
Bauernwagen unter starker Bedeckung von Karlstadt nach Brunn ab- 
geschickt, wo er auf dem Spielberge seine Strafe abbüßen sollte ^j. Sein 
ganzes Vermögen, das nach dem Ausweise der »in Inquisitions- und Con- 
fiscations-Sachen angeordneten Commission« gegen zweitausend Gulden 
betrugt), wurde eingezogen und größtenteils zur Deckung der Kosten der 
»Arretirung, Alimentirung, Exequirung, Verschickung und Convoyrung« 
sowie der Schulden Kuhacevic' verwendet. 

V. 

Am 7. Januar 1750 traf Kuhacevic auf dem Spielberge ein. Das be- 
rüchtigte Staatsgefängnis machte auf ihn — im Vergleiche mit dem Karl- 
städter Gefängnisse - — einen beruhigenden Eindruck: 

Na sedam jenuara na Spilberg dojdosmo, 

povo]niie mesto, neg drzah, najdosmo. 
Neg stupib iz koli kmetskoga hintova, 

zeh poses zatvora za m' popri gotova. 
Dase 8va potribna, nis mi se ne skrati 

'zvan jednoga pera, za ne moc pisati. 
Vidivsi ovn sprav pak sprav od Korane, 

omah se zaprise sve me stare rane; 
pozabih tegoce, ke poda Korana, 

zadobih bo|i zrak, neg bi ondi hrana. 



1) 1749 Just. Prot. 1075. 

2) Magdic, Zivot 1 djela, p. 56. 

3) Ibid., p. 57. Cf. auch den Bericht des Generals Scherzer dd. 5. Dez. 
1749 (Akt: 1749 Dez. 333). 

4) Akt: 1750 Dez. 523. 



104 T. Matic, 

Krv pokoj dostignu, pamet se razibra, 

petit se otvori, srce se razigra. 
U sam sebi rekoh: »Boze, tebi hvala, 

ki nie oslododi koranskoga hala! 
Tebi hvala budi, ti iz zla ucini, 

da se zlo u dobro 'z nenade promini, 
jer da j' po naravi, kü sam muku trpil, 

bil bi se odavna u prah priobratil.« 
U negve se po tom bacih sasvira rnke, 

pih casu samoce prez ikakve muke. *) 

Am schwersten drückte ihn die wider ihn verhängte Infamie, die ihn als 
eine Art moralischen Aussatzes von jedem Verkehr mit den übrigen Ge- 
fangenen ausschloßt). 

Sein Onkel Luka Kuhacevic, Domprobst und Pfarrer zu Zengg, hatte 
schon während der Untersuchung im Oktober 1749 an den Hofkriegsrat 
ein Gesuch gerichtet, in welchem er die Bitte vorgebracht hatte »seinen 
Vetter, den Carlstätterischen Generalats- Auditor Mathias Anton Kuhace- 
vich aus dem schwähren Arrest zu Carlstatt zu entlassen oder demselben 
wenigst zu erlauben, daß er über die ihme beygebrachte Imputationes 
denen Rechten nach sich gewöhnlich mündlich oder schriflftlich verant- 
worthen und defendiren könne 3). Zu dieser Zeit nahte der Prozeß bereits 
seinem Ende. Die strenge Strafe, die wider den Neffen verhängt wurde, 
muß auf den alten Mann einen vernichtenden Eindruck gemacht haben. 
Das Geld und die Wertsachen des Verurteilten, die bei ihm deponiert 
waren, mußte er dem Fiskus ausfolgen 4). Jede Hoffnung gab er docli 
nicht auf und wurde nicht müde, um Begnadigung seines Neffen ein Ge- 
such nach dem anderen einzureichen. Im Jahre 1750 begab er sich mit 
der Schwester des Matesa, Klara Vudragovic, sogar persönlich nach Wien, 
wurde von der Kaiserin empfangen und feierte sein fünfzigjähriges 
Priesterjubiläum in Schönbrunn, — eine Begnadigung des Matesa er- 
wirkte er aber nicht ^). Um wenigstens einen Teil des konfiszierten Ver- 



1) Magdic, Zivot 1 djela, p. 58 — 59. 

2) Ibid., p. 56 und 59. 

3) 1749 Just. Prot. 993. 

4) Akt: 1749 Dez. 536. 

5) Magdic, Zivot i djela, p. 41. — In der Vorrede (p. 17 — 18) sagt 
diö, die Kaiserin habe bei dieser Gelegenheit versprochen, unserem Matesa 
den früheren Rang (>ca8t«) eines kaiserlichen Auditors wiederzugeben, was 
auch tatsächlich am 20. Mai 1752 geschehen sei. — Magdic dürfte die betref- 
fende Stelle der Autobiographie mißverstanden haben, denn den Auditorsrang 



Der kroat. Schriftsteller M. A.Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 105 

mögens zu retten, trat er mit Geldforderungen gegen Matesa auf ^). Im 
November 1751 reichte er -wieder ein Gesuch ein: »womit ihme das se- 
questrierte Vermögen seines Vötter des cassirten Auditor Kuhatschevich, 
da er auf die Erziehung dessen Sohns^) sehr villes verwendet, ausgefolget und 
die wider solchen verhängte nota infamiae widerumb aufgehoben werden 
möchte«. In der Erledigung wurde auf »die dem Supplicauten in Sachen 
widerholt schon ertheilte Verbscheidungen mit dem Beysatz« hingewiesen, 
»selber habe bey der hierinfahls zu Laybach angeordneten Commission 
seine Nothdurflft anzubringen« 3). 

Durch die Mißerfolge entmutigt, scheint er die Hoffnung auf die Be- 
freiung des Verurteilten und Rettung seines Vermögens aufgegeben zu 
haben, so daß er sich in Hinkunft vor allem bemühte, wenigstens die 
Aufhebung der Infamie zu erwirken. Im Mai 1752 legte der Karlstädter 
General Scherzer dem Hofkriegsrate ein an die Kaiserin gerichtetes Ge- 
such des Domprobstes Luka Kuhacevic, in welchem dieser bat, seinem 
Neffen, »damit selber mit denen anderen sich auf dem sogenanten Spiell- 
berg befindlichen ehrlichen Arrestanten sprechen und dem Gottesdienst 
verrichten möge, dem vorhin geführten ehrlichen Nahmen anwiederumen 
allermildest zu ertheillen«^). Der General verwahrte sich in seinem Re- 
ferate zunächst entschieden gegen die Zumutung, daß er um des Ver- 
urteilten selbst willen für ihn eintreten wolle: »Diesen gefährlichen Mann 
völlig zu adgratiiren, kan und wird niemahlen von mir angerathen werden. « 
Doch mit Rücksicht auf den alten Geistlichen, »so auf dieses unglück- 
lichen Staats-Gefangenen Auferziehung vieles, obschon sehr übel, an- 



erhielt Kuhacevic nie zurück: am 29. Mai 1752 wurde ihm — wie wir gleich 
sehen werden — nur ein Dekret eingehändigt, mit welchem ihm die »Ehre« 
wiedergegeben d. h. die Infamie aufgehoben wurde: 
Dvajstdeveti maja od vojske tanaca 

dobih dekret, da nis zivom od zapaca, 
postene vazeto da mi se povrace, 

za da sam opeta brez truha i mac'e (ib. 59). 
1) 1751 Reg. Prot. 905. 

-) Das Kind Kuhacevic' war zu dieser Zeit nicht mehr am Leben, 
denn bei der Durchführung der Konfiskation des Vermögens anderer Verur- 
teilten wurden die Kinder berücksichtigt, während bei K. keine erwähnt wer- 
den. Wenn er noch welche am Leben gehabt hätte, hätte er sie in seinen 
Sendschreiben gewiß nicht mit Stillschweigen übergangen. 

3) 1751 Just. Prot. 805. 

4) Akt: 1752 Exp. Mai 303. 



] 06 T. Matic, 

gewendet«, stelle er den Antrag, die Kaiserin möge die über Kuhacevic 
verhängte Infamie aufheben, »damit derselbe doch die Zeit seiner lebens- 
länglichen Gefängnuß mit andern Arrestanten und alldaselbst Comman- 
dirten einen Umgang haben und nicht zur äußersten Kleiumüthigkeit 
verleithet werden möge«^). Trotz dieser vorsichtigen Stilisierung des 
Antrages, waren der Hofkriegsrat und das Generalkriegskommissariat 
über diesen Vorschlag Scherzers geradezu empört: »Die Sentenz, so wider 
disen Delinquenten ausgefallen, ist ohnedeme mehr nach der Milde als 
nach dem Rigor deren Gesäzen geföhlet worden, indeme sein Delictum so 
groß wäre, daß er das Leben ohne allen Anstand verwürkhet. Man hätte 
dahero niemahlen vermuthet, daß Baron Scherzer, welcher alstätts auf 
die Bestraffung derley Müssethättern zu halten für nöthig ermessen, zu 
einer so übermässigen Guade aurathen solte; zweiflet auch, ob selber, 
wan von hier aus dise Suppliqne umb sein Gutachten wäre geschicket 
worden, sich so leicht in der Sache würde haben finden lassen; vor- 
mainte also, dass der treulose Delinquent anderen zum Bey- 
spill noch längerhin so wie dermahlen in seiner Ehren- 
Schmach belassen und keiue neue Gnade ihme zu Theill werden 
solte« 2j. Und doch hob die Kaiserin die Infamie auf. Die Mit- 
teilung dieser kaiserlichen Entscheidung 3) begrüßte Kuhacevic als Er- 
lösung und Rückkehr zu neuem Leben: 

Na 'v 86 glas probudih, uova krv pristupi, 

sasvirn stari Adam od mene odstupi. 
Udi se digose, svak tanac izvodi, 

srcu cast podase kot jednom vojvodi . . . 
Po tom mi se zivot jos bo^e pojavi, 

sad sprovajam vrime prez svake zabavi*). 

Noch einmal vor seinem Tode versuchte Luka K. — auch diesmal 
ohne Erfolg — die Freilassung des Matesa zu erwirken^). — Als im 
Jahre 1756 infolge des Ausbruches des siebenjährigen Krieges kaiserliche 
Truppen nach Böhmen und Mähren eingezogen waren, wurde derBrünner 
General Hinderer vom Hofkriegsrat beauftragt, die Gefangenen Malaczky, 
Portner, Kuhacevic und Radosic nach Wien zu schicken. Daß diese Maß- 



1) Ibid. 

2) Akt: 1752 Exp. May 394. 

3) 1752 Exp. Prot. 901. 

*) Magdic, Zivot i djela, p. 59 und 60. Cf. auch p. 29. 
5) 1755 Prot. Publ. 924. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brifie. 1 07 

regel auf das Mißtrauen, welches die oberste Militärbehörde gegen diese 
Gefangenen hegte, zurückzuführen war, sieht man aus dem hinzugefügten 
allgemeinen Auftrage: »auch diejenige Arrestanten, denen nicht recht 
zu trauen, ferrers (sie) anhero zu bringen« ij. Zur Kriegszeit pflegt man 
ja unverläßliche Elemente weiter ins Innere des Landes zu schicken, und 
so beschloß dasHofkriegskommissariat am 30. Oktober 1756 »die weitere 
Abführung nacher Graz deren von Brunn hieher gebrachten Staats- 
gefangenen Malazky, Portner und Kukaczowiz« 2]. In den ersten Tagen 
Dezembers war Kuhacevic noch in Wien und ist gegen Weihnachten nach 
Graz abgeschickt worden, denn am 29. Dezember berichtete General 
Kheul, daß Gefangene, darunter auch »Kuhacevicis«, »in Vestungsarrest 
nacher Graz richtig eingetroffen« 2). 

Nachdem Luka Kuhacevic am 9. August 175S in hohem Alter ge- 
storben war, bemühte sich nun die Schwester des Matesa, Ivlara Vudra- 
govic, dessen Begnadigung zu erwirken. Im Jahre 1763 langte beim 
Hofkriegsrate ihre Bittschrift »mit des Kriegs-Praesidenten Feld-Mar- 
schallen Leopold Grafen von Dann Nahmen Allerhöchst eigenhändig be- 
mercket« ein und wurde auf Grund eines von Jenko erstatteten Berichtes 
in der Sitzung am 27. Juni 1763 in Verhandlung gezogen. Der Referent 
wies darauf hin » daß Ihro Maytt. nicht nur allein auf öftere seinerwegen 
eingereichte Gesuchs -Schrifften ihme Kuchachevich keine Gnade an- 
gedeühen zu lassen entschlossen, sondern auch allerst bey der vor zweyen 
Jahren fürgewesten Gnadens-Zeit und allermüldest ertheilten General- 
Pardon diesen Arrestanten ausdrücklichen hievon ausgeschlossen haben«, 
und weil von Kuhacevic »als einen sehr verschmüzten Kopf zu 
keiner Zeit etwas guthes anzuhoffen, dessen Befreyung auch 
von üblen Beyspill und Folge seyn dörffte«, wurde beantragt 
»daß selber noch ferners in dem rechtlich zuerkenten, wohl verdienten 
Arrest aufzubehalten« sei*). 

Im Jahre 1765 wird in den Protokollen des Hof kriegsrates wieder 
erwähnt, daß Witwe Klara Vudragovic um Freilassung ihres Bruders ein- 



1) 1756 Prot. Publ. 2008. 

2) 1756 Prot. Publ. 2380. 

3) 1756 Prot. Publ. 2823. — Nach Magdic' Vorworte wurde K. am 
15. September vom Spielberg nach Wien und am 18. Dezember von Wien nach 
Graz abgeschickt, wo er nach drei Tagen eintraf. (Zivot i djela, p. 18). 

*) Protocollum Consilij Aulae Bellicj in Judicialibus dd. 27. Junij 1763, 
Blatt 1—2 (Akt: 1763 Just. Exp. Jnnij 1025). 



108 T. Matic, 

gereicht hat *). Wohl auf ein solches Gesuch ist das Handbillet zurück- 
zuführen, das die Kaiserin an den Hofkriegsrat mit der Anfrage richtete, 
ob nicht Kuhacevic und einigen anderen Gefangenen, die »auf ewig zu 
Graz sizen, sich alle ruhig aufführen sollen und alt seyen«, »Gnade ge- 
geben werden« könnte 2). Es war ein fataler Zufall (oder vielleicht war 
es auch kein Zufall), daß mit dem Berichte über Kuhacevic wieder Jenko, 
sein Untersuchungsrichter von Karlstadt, betraut wurde, und so »schien« 
es dem Hofkriegsrate auch diesmal, »daß gedachtem Arrestanten 
als einen in Land sehr gefährlichen und arglistigen Men- 
schen ohne offenbahrer Gefahr eines mehrmaligen derley 
landesverrätherischen Beginnens gahr keine Gnade an- 
zugedeyhen, sondern er in den wohl verdienten Arrest durch seine 
noch übrige Lebens-Zeit zu belassen seye«^). Auf diesen Bericht hin 
gab die Kaiserin zu, daß »zwar weder der Holliewacz noch der Kohatsche- 
wiz auf freyen Fuss gestellet und noch weniger ... in ihr Vaterland 
zurückgelassen werden« können, »da aber diese Leute schon gegen 
20 Jahr das harte Gefängnüß ertragen, sehr alt sind und sich ganz ruhig 
betragen, so will Ich ihnen ex special! gestatten, zur Tagszeit außer 
ihrem Gefängnüß in der Festung herumzugehen, doch aber sollen sie zur 
Nacht wie dermalen allzeit versperrter schlafen«^). 

An diesem Glauben, Kuhacevic sei ein äußerst gefährlicher Manu, 
hielt man fest und ging so weit, daß man sogar den eigentlichen 
Urheber des Aufstandes von Brine, den ebenfalls zum lebens- 
länglichen Kerker verurteilten und in Kufstein seine Strafe abbüßenden 
Major Gall begnadigte und in Freiheit setzte, unseren 
Kuhacevic aber auch weiter im Gefängnisse behielt. Auf 
diesen wirklich auffallenden Umstand berief sich auch Kuhacevic, als er 
im Jahre 1767 mit seinem Leidensgenossen Holevac um Begnadigung ein- 
reichte: ». . . sie führen zur Beweg-Ursach an und bitten um Arrest- 
Befreyung, weil auch der geweste Major Baron v. Gall, obwohlen er als 
Urheber dieser Aufruhr gewesen, samt seiner Ehe-Consortin vor bey- 
läuffig 2 Jahren aus seinem Arrest zu Kuflfstein, wozu er lebenslänglich 
condemniret gewesen, befreyet und nach seinem Vatterland entlassen 



1) 1765 Prot. Publ. 545 und 1159. 

2) Protocollum Consilii Aulae Bellici in Judicialibus dd. 30. Aug. 1765, 
Blatt 1 (Akt: 1765 Just. Exp. Aug. 710;. 

3) Ibid., Blatt 3—4. 

4) Ibid., Blatt 11. 



Der kroat. Schriftsteller M. A.Kuliacevic u. d. Aufstand v. Brine. 109 

worden.« Mit dem Referate wurde wieder Jenko betraut. Nachdem er 
die agitatorische Tätigkeit Kuhacevic' zur Zeit des Aufstandes hervor- 
gehoben hatte: ». . . der Kuhachevich als gewester Auditor des Otto- 
chaner Regiments hat das Volck durch seine Schrifften und Reden auf- 
gehezt, um sich der damaliligen Militär-Einrichtung oder Regulirung der 
Graniz-Regimenter durch eine Zusammenrottirung und Verjagung teutscher 
Officiers zu widersetzen«, führte er gegen Kuhacevic ein angeblich gegen 
ihn gefälltes, in den Akten des Kriegsarchivs — meines Wissens wenig- 
stens — nicht nachweisbares Todesurteil ins Treffen: », . . und wie be- 
sagte beede Arrestanten (sc. Kuhacevic und Holevac) durch das gehaltene 
Kriegs-Recht zum Todt verurtheilet, auch nur aus allerhöchsten Gnaden 
beede sogleich bey publicirtem Todtes-Urtheil zur lebenslänglicher Ge- 
fängnus abgegeben worden, so könte von Seiten des allergehorsamsten 
Hof-Kriegs-Raths zu einer zweyten Begnadigung um so weniger an- 
gerathen werden, als der geweste Auditor Kuhachevich als ein 
gebohrner Zenger im Lande noch viele Bekante und Be- 
freündte hat, daher o von ihme als einen verschmitzten Kopf 
nach seiner Entlassung nichts gutes zu erwarten . . .«^). Auch 
ein im nächstfolgenden Jahre eingereichtes Gesuch der Schwester Kuhace- 
vic' scheiterte wieder an einem von Jenko erstatteten Berichte : » , . . daß 
von dem Kuhachevich als einen gefährlichen Menschen in dem Generalat, 
wo er gebürtig, nichts gutes zu hoffen . . . « 2) 

Als Klara Vudragovic wieder im Jahre 1772 um Begnadigung ihres 
Bruders eingereicht hatte, fand sich endlich ein Referent, der den durch 
eine sechsundzwanzigjährige Haft gebrochenen fünfundsiebzigj ährigen 
Greis nicht mehr für staatsgefährlich hielt. Auf Grund eines von Schmelte 
erstatteten Berichtes wurde vom Hofkriegsrate die Begnadigung Kuhace- 
vic' beantragt: »Obwohlen zwar der Bittstellerinn Bruder sich nicht allein 
der in dem Karlstädter Generalat sich geäußerten Aufruhr mitschuldig 
gemachet, dann denen Übelgesinnten mit Rath und That an Händen ge- 
gangen, sondern auch als ein Deputirter von Zenck zerschiedene wider die 
Granitz-Einrichtungen auf Meütereyen abzielende Schriften verfasset . . , 
so wird jedoch von Euer Majestaet vordringenden Milde alleinig abhangen, 
ob Allerhöchst dieselbe ihm Kuhachevich in Rücksicht seines aufhaben- 
den sechs und sieb enzigj ährigen Alters, dann daß er sich während dieses 
durch so lange Zeit befahrenen Arrests stättshin ruhig und geduldig be- 

1) Akt: 1767 Publ. 46 Sept. 465. 

2) Akt: 1768 Justiz 46 Febr. 538. 



110 T. Matic, 

tragen, die dermalen noch befahrende Festungs-Einschränkung gänzlich 
nachzusehen allergnädigst geruhen wollen« i). Die Kaiserin setzte ihr 
»placet« bei und Kuhacevic wurde am 19. Juni 1762 in Freiheit gesetzt. 
Rührend ist das Schreiben, das er zwei Tage nachher an seine 
Schwester gerichtet hat und in dem er ihr für ihre Bemühungen um seine 
Freilassung dankt. 

Za ov dar, i ne mal, kü cete jabuku? 

Srebrna je slaba, zlate ni na ruku. 
Ni triba pitati: sam sehe darivam, 

od mene bo|ega sad ja dara nimam. 
Uzmite me k sebi, s manom zapovite, 

prez najmane pitat: »Koju art umite?« 
Ni arti, kü ne znam (nauci nevo|a 

s onim vetrom jadrit, s kojim ne bi voja), — 
ni arti, kü ne znam: kuhar sam i pecar, 

vrtlar, pet|ar, zidar, krojac i poatolar, 
ditinski ucite|, preceptor prez mita, 

gospodar i sluga od svakoga zita. 
Znam postej nacinat, sude prat, mest kucu, 

evaki posal cinit i krpat obucu. 
Znam mucat kot osal, kad s' tepe al psuje, 

znam i rec istinu, kad s' Bog uvridnje. 
S vrimenom obiino znam jisti i piti, 

ma i znam s vrimenom glad, zeju trpiti. 
S vrimenom znam vesel i znam tuzan biti, 

s vrimenom znam plesat i znam bugariti. 
Sve znam, — zapovite, cagod vas je voja, 

mä sluzba od vase bit ce misli boja. 
Bit cu vam pokoran u svem do oltara, — 

nadaje se ne smi, jer Bog nima para^). 

Jedoch sein innigster Wunsch, die letzten Tage bei der Schwester 
in der Heimat zuzubringen, ging nicht in Erfüllung. Er dürfte unmittelbar 
nach seiner Begnadigung so erkrankt sein, daß an die Reise in die Heimat 
nicht mehr zu denken war. In dem erwähnten, zwei Tage nach der Frei- 
lassung verfaßten Sendschreiben wird von einer Krankheit noch nichts er- 
wähnt, Kuhacevic gibt sich vielmehr der freudigen Hoffnung hin, seine 
Schwester bald zu sehen : 

Sad sam prost i secem, kamo j' meni drago, 

spoznivam, da j' slobod' nad kamene drago . . . 



1) Akt: 1772,98, 289. 

2) Magdi(5, Zivot i djela, p. 85, 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Briiie. 1 1 1 

S tim vas Bog veseli, stojte dobre voje, 

na sastanku nasem bit ce vrime bojei). 

Dieser sehnlichste Wunsch ging — wie gesagt — nicht in Erfüllung: 
Kuhacevic starb in Graz in den ersten Tagen des Monates September 1772 
und wurde ferne von der Heimat, auf dem seit 1783 aufgelassenen Fried- 
hofe beim Franziskanerkloster begraben 2). 

VI. 

Wenn die von H. Fächer erwähnte Tradition über die Satire, die 
Kuhacevic gegen den Bischof von Zengg Vuk Colic geschrieben 
haben soll, verläßlich ist, und wenn der Text eines solchen Pamphletes? 
den H. Magdic seiner Zeit abgeschrieben und an Jakob Kuhacevic ge- 
sendet hat, wirklich von unserem Kuhacevic stammt 3), so wäre diese 
Satire das einzige in kroatischer Sprache verfaßte literarische Produkt 
Kuhacevic', dessen Entstehung mit Gewißheit in die Zeit vor der Verhaftung 
des Autors zu verlegen wäre. Die Verläßlichkeit dieser Tradition entzieht 



1) Ibid., p. 84 und 86. 

2) Die in der Familie Kuhacevic bis auf unsere Zeit erhaltene und von 
H. Magdic (Zivot i djela, p. 18) mitgeteilte Tradition, Matesa sei im Juli auf 
der Rückreise in Agram gestorben, ist bereits von H. Fächer (Nastavni vjes- 
nik XII, p. 6) richtiggestellt worden, der auf Grund einer Notiz in den Zenger 
Pfarrmatrikeln festgestellt hat, daß K. am 7. September in Graz starb (»1772, 
7i3ar. Dojde glas, da priminu na 7. ovoga u Gratzu Gdn. Auditor Mattessa pl. 
Kuhacevich od let 76«). Dank dem freundlichsten Entgegenkommen Herrn 
M. ^ubsas in Graz kann ich hier die unseren Kuhacevic betreffende Stelle aus 
dem Liber mortuorum (tom. XV, p. 144) der Grazer Stadtpfarre zum Heil. Blut 
mitteilen: 

Sept. 1772. 
Dies (obitus seu sepulturae) : 9. 

Sepeliens: i ^ ^ Gerardus Rietmiller. 

Provisus: J 

Mortui: Hr. Mathias Goiazewitsch, gewester Auditor von Zenckh 

Religion: Cath. 

Coemeterium : PP. Francis : Freydthof. 

Locus [mortis] : Stadt Herrngasse. 

No.: 142 sub Mag. 

Annorum: 78. 

Mensium: — 

Dierum: — 

3) Nastavni vjesnik XII, p. 8. 



1 j 2 T. Matic, 

sich allerdings völlig unserer Beurteilung. Auf die immerbin nicht zu 
übersehende Tatsache, daß von einer Anzeige des Bischofs, die aus Rache 
für die Satire erfolgt und für Kubacevic" Verhaftung entscheidend ge- 
wesen sein soll, in den Akten des Kriegsarchivs nicht die geringste Spur 
zu konstatieren ist, habe ich gelegentlich bereits hingewiesen. Im übrigen 
aber würde diese Satire, die den Bischof wegen seiner dem geistlichen 
Stande wenig entsprechenden Lebensweise gegeißelt haben soll, ganz zu 
dem passen, was uns über Kuhacevic aus der Zeit vor seiner Verhaftung 
bekannt ist: er war ja ein kampflustiger Mann, der seine Angriffe gerne 
gegen die Vertreter der Autorität richtete. 

Unter dem furchtbaren Eindrucke der Untersuchung und der Ver- 
urteilung zum lebenslänglichen Kerker vollzog sich in der Seele Kuhacevic' 
ein Wandel : eine ruhige, tief empfundene Religiosität wurde der hervor- 
ragende Zug seiner Persönlichkeit. Der zähe, unbeugsame Kämpfer von 
einst schimmert auch jetzt hie und da — insbesondere im Sendschreiben 
Na suclca od Korane — durch, jedoch statt der trotzigen Kampfes- 
stimmung tritt uns hier Resignation und Ruhe entgegen. Irreligiös war 
K. auch früher nicht, jedoch — Avie er selbst in der Autobiographie ge- 
steht ^) — bestand seine Religiosität in äußeren Handlungen ohne tiefere 
innere Grundlage. Das Unglück, welches über Kuhacevic hereinbrach, 
zeitigte in ihm dieses psychologisch erklärliche Erwachen und Erstarken 
der Religiosität, das sich auch im seelischen Leben des weltbekannten 
Spielberger Gefangenen Silvio Pellico vollzog, der — ebenfalls ein Opfer 
der Vaterlandsliebe — ein halbes Jahrhundert nach Kuhacevic' Tode in 
das berüchtigte Brünner Gefängnis gebracht wurde. 

Wäre Kuhacevic nicht als Gefangener auf den Spielberg gekommen, 
hätte er sich wahrscheinlich nie mit der Schriftstellerei befaßt. Im Gegen- 
satze zu Pellico war er nicht literarisch veranlagt. Wenn er vor seiner 
Verhaftung zur Feder griff, so geschah es im Kampfe , wo das ge- 
schriebene Wort für ihn nichts weiter als eine gegen Gegner gerichtete 
Waffe war [Synoptica informatio und allenfalls die Satire gegen 

V 

Colic). Der Brennpunkt seines Interesses war das öffentliche Leben. Er 
begnügte sich aber nicht mit einem ruhigen Studium und der Beobachtung 
dieses Lebens, sondern griff mit dem seinem Temperament eigenen Feuer 
in dasselbe aktiv ein. Hätte er zu einer anderen Zeit und nicht zur Zeit 
des fortschreitenden zentralistischen Absolutismus gelebt, so hätte er sich, 



1) Magdic, Zivot i djela, p. 16—17. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Knhacevic a. d. Aufstand v. Brine. 113 

seinem ausgesprochenen Interesse für die öffentlichen Angelegenheiten 
folgend, wohl einen anderen Platz im Leben und nicht das Spielberger 
Gefängnis errungen. Das aktive Eingreifen ins öffentliche Leben war zur 
Zeit Kuhacevic' ein äußerst gefährliches Spiel. Sein Onkel Luka scheint 
das Treiben des Neffen nicht gebilligt zu haben. Der in der Schule des 
Lebens ergraute Mann fürchtete, daß man — wenn sich sein Matesa auch 
keinen Fehltritt zu Schulden kommen ließe — vor keinen Mitteln zurück- 
schrecken würde, um den unangenehmen Mann unschädlich zu machen. 
Als Gefangener erinnerte sich Kuhacevic der Ratschläge seines Onkels 
und bedauerte, dieselben nicht beherzigt zu haben: 

Da slidim hegov svet, ki mi je veckrat daval, 

ne bi se vikovnom sad u koeu ka^al. 
Govorase cesto: »Ni me strah, da c fallt, 

krivo svidocanstvo neg da de t' oparit« i). 

Im Gefängnisse war es Kuhacevic anfangs nicht erlaubt zuschreiben. 
Während der Untersuchungshaft (1746 — 1749) war selbstverständlich 
jede Korrespondenz verboten, das iudicium revisorium aber beantragte, 
dieses Verbot für Kuhacevic und seine Leidensgenossen auch nach der 
Fällung des Urteils aufrecht zu erhalten 2). Das Verbot wurde nach dem 
Eintreffen Kuhacevic' auf dem Spielberge gewissenhaft befolgt: 

Dase sva potribna, nis mi se ne skrati 

'zvan jednoga pera, za ne moc pisati^). 

Wahrscheinlich wurde nach der Aufhebung der Infamie (1752) auch 
dieses Verbot zurückgezogen. Die Sendschreiben Kuhacevic' sind — 
abgesehen von dem nach der Entlassung aus dem Gefängnisse an seine 
Schwester Klara gerichteten — nicht datiert, jedoch die beiden ersten 
{Na svoga Gna strica popa Luhu K. und Na popa Franu K.)^ die 
auch chronologisch an die Spitze der Sendschreiben zu setzen sind, er- 
wähnen die Aufhebung der Infamie bereits als eine vollzogene Tatsache 4) 
und speziell eine Stelle des Sendschreibens Na popa Franu K. weist 
darauf hin, daß dieses nicht lange nachher verfaßt wurde: 



1) Ibid., p. 77. 

2) Prothocollum Commissionis 28>'a Juli! et 5^ Augusti 1749 habitae, 
Blatt 22 (Akt: 1749 Okt. 549). 

3) Magdic, Zivot i djela, p. 58. 

4) Ibid., p. 29 und 59. 

Archiv für slavische Philologie. SXXV. 8 



114 T. Matic, 

Po tom (d.h. nach der Zurückziehung der Infamie) misezivot Jos bojepojavi, 
sad sprovajam vrime prez svake zabavi'). 

Die schriftstellerische Tätigkeit Kuhacevic' fällt somit in die Jahre 
1752—1772. 

Unstreitig das interessanteste und charakteristischeste unter den Ge- 
dichten Kuhacevic' ist Nm-ikovane staroga Sena vrh mladoga Sena po 
vili Slovinkini^), in welchem der Dichter die Sitten, die in seiner Vater- 
stadt herrschen, tadelt und den Landsleuten ihre Vorfahren als nach- 
zuahmendes Muster vorhält. Wann dieses Gedicht entstanden ist, läßt 
sich nicht genau bestimmen. Eine Stelle könnte vielleicht auf den ersten 
Blick in dem Sinne gedeutet werden, daß das Narikovane noch zur Zeit, 
als Kuhacevic in seiner Vaterstadt weilte, also vor dessen Verhaftung 
entstanden sei: 

Ne znam kuda, kamo, komu se uteci, 

za ne gjedat tuzan u gradu hal veci. 
Kudgod oko bacim, ogni su i meci, 

ovivicu: »Bodü«, oni zdravi: »Peel!« 
Ak tegnem okrenut moj plac na kuntradu, 

rec ce mi, ne hajem za tu sedu bradu . . . 
Dam pogled na zide, ulice i place, 

cut 6u da govore: »Pust' norca da place!« 3) 

Meines Erachtens dürfen diese Worte nicht buchstäblich so aufgefaßt 
werden, als ob Kuhacevic dieses Gedicht tatsächlich in Zengg nieder- 
geschrieben hätte. Gegen solche Auffassung spricht schon die in den an- 
geführten Versen enthaltene Anspielung an den grauen Bart des Dich- 
ters. Als Kuhacevic im August 1746 seine Vaterstadt für immer ver- 
lassen hatte, war er noch nicht volle 49 Jahre alt und stand somit im 
besten Mannesalter. Hätte er also das Gedicht vor seiner Verhaftung ver- 
faßt, so hätte er sich wohl nicht Graubart oder etwas weiter einen elenden 
alten Krauskopf genannt: 

Pober' BS od ovud, j adna kustro stara, 
tvä stara navada neg srce umara^). 

Auch die religiös gefärbten Ermahnungen, die er an die Mädchen 
von Zeng richtet, und der in demselben Geiste gehaltene Schluß des Ge- 



1) Ibid., p. 60. 

2j Ibid., p. 97-105. 

3) Ibid., p. 101. 

4) Ibid. p. 104. . 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhaceviö u. d. Aufstand v. Brine. 115 

dichtes ^) sprechen ebenfalls dafür, daß das Gedicht im Gefängnisse ent- 
standen ist. 

Der Tadel des Dichters richtet sich vor allem gegen den aus der 
Fremde eingeführten Luxus, der alte Sitten und Traditionen der Vater- 
stadt Kuhacevic' untergraben und in der Bevölkerung die rücksichts- 
loseste Geldsucht wachgerufen habe, die die bürgerlichen, von Vorfahren 
geerbten Tugenden zu vernichten drohe. 

Ungefähr um dieselbe Zeit nahm noch ein kroatischer Schriftsteller, 
M. A. Relkovic, den Kampf gegen die Sitten seiner Landsleute auf. 
Relkovic hatte mehr Glück: sein Satir fand im Volke in Slavonien eine 
außerordentliche Aufnahme, während Kuhacevic' ISarikovane erst hun- 
dert Jahre nach dem Tode des Autors aus dem Staube ausgegraben und 
veröffentlicht wurde, um für alle Zeiten auf den engen Kreis der Leser, 
die der Geschichte der kroatischen Literatur ein Interesse entgegen- 
bringen, beschränkt zu bleiben. Trotz des den Werken der beiden 
Autoren gemeinsamen Grundgedankens, gegen die nach ihrer Ansicht zu 
tadelnden Sitten der Landsleute zu kämpfen, sind Satir und Narikovane 
doch zwei grundverschiedene Werke, weil auch die Denkweise ihrer 
Autoren eine durchaus verschiedene war. Der temperamentvolle, impul- 
sive Kuhacevic ist im Vergleich mit Relkovic, dem ruhigen Sohne der 
slavonischen Ebene, ein echtes Kind seiner Heimat, des von der Sonne 
abgebrannten, im Meere sich spiegelnden Steinnestes Zengg. Mit seiner 
ganzen feurigen Seele hing Kuhacevic an den ruhmreichen Traditionen 
seiner Vaterstadt, während Relkovic in seiner Heimat kaum etwas finden 
konnte, was seine Brust mit Stolz und Begeisterung erfüllen würde. Die 
nahezu zweihundertjährige türkische Herrschaft hat den alten Ruhm 
Slavoniens, an den Relkovic fest zu glauben schien, völlig vernichtet. 
Kein Wunder also, daß die neuen Bestrebungen der Staatsgewalt, parallel 
mit der militärischen Einrichtung Slavoniens auch die ökonomische Wieder- 
geburt des arg verfalleneu Landes und die Bildung des vernachlässigten 
Volkes zu fördern, von Relkovic mit Begeisterung begrüßt wurden und 
an ihm einen eifrigen Anhänger und Mitarbeiter gewannen. Relkovic 
nahm keinen Anstoß daran, daß die Träger der Reformen, die seiner 
Heimat eine neue, bessere Zukunft bringen sollten. Fremde waren und 
daß in der reorganisierten slavonischen Militärgrenze — denn auch diese 
wurde in den ersten Regierungsjahren der Kaiserin Maria Theresia einer 



1) Ibid., p. 101 und 104. 

8* 



116 T. Matic, 

Reorganisation unterzogen — die höheren Stellen und somit auch die 
führende Rolle Fremden zufielen. Im Gegensatze dazu war Kuhacevic 
ein erbitterter Gegner der Fremden, die als Kommandanten in seine 
Heimat eingezogen waren, so daß er sich — nach den Untersuchungs- 
akten — nicht scheute, für eine gewaltsame Vertreibung fremder Sol- 
daten aus Zengg Propaganda zu machen, und auch der Aufstand, der 
infolge der Durchführung der Reorganisation ausgebrochen war und in 
den K. verwickelt war, richtete sich ganz entschieden gegen die neu- 
importierten Offiziere. Seine Ideale und das Heil seines Vaterlandes 
suchte Kuhacevic nicht in der Fremde : in ihr selbst, in ihrer Vergangen- 
heit soll die Uskokenstadt, die seine Heimat war, die Kraft der eigenen 
Wiedergeburt und die Wege zur besseren Zukunft suchen. Während 
Relkovic nie müde wurde, seinen Landsleuten unbedingten Gehorsam 
sowie vorbehaltlose, dankbare Anerkennung der von der Kaiserin ge- 
schaffenen Einrichtungen zu predigen, und es ihm nie einfiel, diese In- 
stitutionen einer Kritik zu unterziehen, hielt Kuhacevic, als er bereits auf 
dem Spielberge hinter Schloß und Riegel saß und vor seiner Seele nur 
die düstere, hoffnungslose Perspektive des lebenslänglichen Kerkers lag, 
noch immer an der Ansicht fest, daß es nicht strafbar sei, aus Vater- 
landsliebe an öffentlichen Einrichtungen Kritik zu üben. Er verteidigte 
sich nur gegen die Beschuldigung, seine Synoptica ijiformatio habe den 
Aufstand hervorgerufen : 

vindar z nega ne izhodi, 

puntarskoj da podah zrok kakov prigodi . . . 

Opcinskoga dobra iz prave Jubavi, 

sto znah 1 cuh, pero na hartu postavi^). 

Das Milieu der Vaterstadt Kuhacevic', die in der Vergangenheit 
unter den kroatischen Städten durch ihren ausgesprochenen Freiheitssinn 
hervorragte, — die im Vergleich mit Relkovic höhere Intelligenz Kuhace- 
vic' , insbesondere seine aus westlichen Quellen geschöpfte politische Bil- 
dung (Machiavelli und Mazarin erwähnt er in seinem fünften Sendschreiben, 
und H. Fächer, der handschriftliches, mir nicht zugängliches Material 
zur Verfügung hatte, sagt ausdrücklich, Machiavelli sei — nach eigener 
Aussage Kuhacevic' — sein Lieblingsschriftsteller gewesen , dessen be- 
rühmtes Werk II Principe er sehr gern gelesen, weil die Tendenz dieses 



Ibid., p. 65. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 117 

Werkes seinen Ansichten am besten entsprochen habe i), — alle diese 
Momente mußten Kuhacevic zu einem von Relkovic grundverschiedenen 
Manne erziehen. 

Dementsprechend stehen auch die Gedanken des Narikovane im 
entschiedenen Gegensatze zu Relkovic' Satir. Die an Heldentaten reiche 
Vergangenheit seiner Vaterstadt zieht die Blicke Kuhacevic' zu sich, — 
daß diese Zeiten entschwunden, erfüllt sein Herz mit Kummer : 

' Bubni se ne cuju, barjak se ne vije, 

zastave prez boje, dusmanin se smije. 
Vojvode odose, glavari pomrise, 

od Sena se drugo 'zvan ime ne pise^). 

Von der Gegenwart verspricht er sich nichts gutes: 

Na mestu je Sen grad, gdi su negva dila, 

kä su od postena svemu gradu bila? 
Gdi ^ubav bratimska, vez dobra svakoga, 

kä slaze i miri z bogatim uboga? 
Gdi je nosua gradska, gdi prvane ruho, 

koje veselilo i oko i uho? 
Gdi postena kola i prez truha tanci, 

veseje, pivane i od mira danci? 
Gdi stara pravica, lik bolnu cloviku, 

gdi slog i jedinstvo po krvi i mliku? 
Gdi slavno oruzje, zastave, barjaci, 

vojvode, glavari, od boja junaei? 
Gdi najzad lipi glas, s kirn Seilane zvahu, 

da nih za sokole posvuda drzahu? 
Nis toga nij' vidit, sve se prikopiti, 

slava i cast senska pod noge se hiti^;. 

Allen Neuerungen steht Kuhacevic mißtrauisch gegenüber, weil diese an 
den alten Sitten, den Grundlagen, auf denen der Ruhm Zenggs aufgebaut 
war, rüttelten: 

Nikoji gradani zadobu kre^uta, 

odstupe obisni od staroga puta, 
inostransku modu, vrutak od pakosti, 

u moj grad upe|u, — Bog nim grihe prosti ... 
Od ovuda pompe, gosc'ena, gospodstvo, 

pace razsap kuce i smisno ubostvo*). 



1) Nastavni vjesnik XII, p. 7. 

2j Magdic, Zivot i djela, p. 99. 

'*] Ibid., p. 97—98. 

4) Ibid., p. 100. 



118 T. Matid, 

In dieser Liebe zu den althergebracliten Sitten geht Kuhacevic so weit, 
daß er den Niedergang der Stadt dem Verfall der alten kriegerischen 
Gesinnung und dem Handel, auf den sich seine Mitbürger mit Eifer ver- 
legt hatten, zuschreibt : 

Nika pako dica slaba, ma bahata, 

drzed biti bozi, odstupe od rata. 
Prez razgrist poslidna, militar odhite, 

trgovske za klobuk postave si kite. 
>Vivat«, zavapihu, »trgovina nasa! 

Svak od nas u gradu bit ce kot cel pasa. 
Blazeni ml sada i nasi porodi, 

plivat demo svigdar kot u^e na vodi.« 
Po tom dignu glavu, kot kad groce puran, 

stahu babilonski z mislom gradit turan. 
A Bog, kl sve vidi, sve zna i sve cuje, 

sprzi prut, za da se 'zabran ne otruje, 
slog dice pomrsi, put gradi suspeti, 

blazenstvo nihovo skrblami oprti. 
Pripusti gradane radit polak yo]e, 

za da budu sami zrok svoje nevoje. 
ükroti orlove, da se onim mole, 

ke nikad drzahu za osle i volei). 

Kuhacevic ging somit vom Gedanken aus, daß die Zengger, wenn sie — 
statt sich mit dem Handel zu befassen — an den Heldentraditionen ihrer 
Vorfahren festgehalten hätten, nicht so leicht ein Spielballen in den Hän- 
den der neuen, ihrer Stadt gar nicht freundlich gesinnten Militärverwal- 
tung geworden wären. Ähnlich hat auch Kochanowski, als er ungefähr 
zwei Jahrhunderte vor Kuhacevic die Schattenseiten des polnischen Adels 
in seinem Satt/r geißelte, auf den Niedergang des alten Heldengeistes 
und die Beschäftigung mit der Landwirtschaft als Hauptursachen des 
politischen Verfalles hingewiesen. 

Diese allzu schwärmerische Begeisterung für die vergangenen Zeiten 
verdunkelte Kuhacevic' Blick und ließ ihn der herannahenden neuen 
Zeit nicht mit der nötigen Seelenruhe in die Augen blicken. In dieser 
Beziehung unterscheidet sich Relkovic wesentlich von Kuhacevic: R. 
faßte mit Ruhe und Nüchternheit alles, was er um sich sah, ins Auge und 
von allerlei Gaben, die die neue Zeit in ihrem Schöße brachte, bot er 
seinem Volke, was er fürs beste hielt. Die gefährlichen Momente des 
neuen Systems, die die Individualität seines Volkes zu untergraben drohten, 



1) Ibid., p. 100—101. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 119 

schien er nicht zu merken oder merkte sie in der Tat nicht, — auf jeden 
Fall stürmte er gegen sie nicht los. Jede Erscheinung beurteilte er ohne 
Schwärmerei nur vom Standpunkte des Fortschrittes des Volkes. Relko- 
vic wäre überglücklich gewesen, wenn er unter seinen Landsleuten eine 
auf die Hebung des Handels hinsteuernde Bewegung bemerkt hätte, und 
nie wäre es ihm eingefallen, diese Bestrebung als Zerstörerin des alten 
Ruhmes zu brandmarken. Auch in der Beurteilung der bald nach ihnen 
so sehr gepriesenen Volkssitten und Volkslieder gehen Kuhacevic und 
Relkovic wesentlich auseinander. Während Relkovic den Nationaltanz 
Kolo als Zeitverlust und aus moralischen Gründen verwerflichen Überrest 
aus der Zeit der Türken verurteilt und gegen die Volkslieder, die den 
Nationalhelden Kralevic Marko feiern, loszieht, wirft Kuhacevic seinen 
Landsleuten erbittert vor, daß sie sich dem Kolotanz und dem Volksliede 
entfremden: 

Gdi postena kola i prez truha tanci, 

veseje, pivafie i od mira danci? . . . 
kolu nij' traga, tanci su po noci, 

kä vrata odpire svake vrsti zlocii). 

Für Kuhacevic war der Kolotanz — ebenso wie später für den berühmten 
Katancic, der diese Volkssitte gegen Relkovic' Satir in Schutz nahm — 
eine Überlieferung unserer Vorfahren und deshalb schon an und für sich 
unantastbar, über jede Kritik erhaben. Um aber gerecht zu sein, darf 
man auch den Umstand nicht aus den Augen verlieren, daß Relkovic, als 
er den Satir schrieb, noch ein junger Mann und somit neuen Ideen zu- 
gänglicher war als Kuhacevic, der sein Narikovane in einem Alter ver- 
faßt hat, in dem man schon von Natur aus hinneigt, ein laudator tem- 
poris acti zu werden, auch wenn man nicht alle Zukunftshoflnungen auf 
eine so furchtbare Weise begraben hat, wie es bei Kuhacevic der 
Fall war. 

Neben dem Narikovane dürften die Sendschreiben Kuhacevic' das 
meiste Interesse in Anspruch nehmen. Es gibt deren acht, jedoch nur 
sechs stammen ganz von Kuhacevic, weil das vierte und sechste Send- 
schreiben — von seinen Bekannten an ihn gerichtet — von ihm nur 
versifiziert und mit den eigenen Sendschreiben zu einer Sammlung ver- 
einigt wurden. 

Das erste Sendschreiben ist an den Erzieher und Onkel des Dichters, 

1) Ibid., p. 98. 



120 T. Matiö, 

den alten Domprobst Luka Kuhacevic gerichtet: Na svoga Gna strica 
popa Luku Kuhaöevica , plotana , kanonika i prepozita katedral- 
crikve senske und wurde — wie wir bereits gesagt haben — wohl nicht 
lange nach der Aufhebung der Infamie (1752) verfaßt. Das Sendschreiben 
zeigt uns Kuhacevic von einer Seite, von der wir ihn bisher nicht ge- 
kannt haben. Es ist rührend, mit welch zarter Liebe und Ehrfurcht der 
schwer geprüfte Mann an seinem Wohltäter hing : 

Poklon, pozdrav]ene, gospodine strice, 

srea flastar moga i oka zinice! 
Znam, tuga i zalost da Vam dusu ko^e 

i srce da hnce cic moje nevo|e, 
jer Jubav, s kom ste me z ditinstva ravnali, 

s kom na noge digli i na skule dali, 
nadhaja ocinsku . . . *) 

Kuhacevic, der ins tiefste Elend gestürzt war und selbst so sehr des 
Trostes bedurfte, tiberwältigte seinen Schmerz und wollte den Greis, der 
durch das entsetzliche Schicksal des Neflfen, den er an Vaters statt von 
der zarten Kindheit an auf erzogen, gebrochen war, trösten: 

Vas plac, Vasa zalost cuda me vec muce 

neg kalez, koji pih ocito 1 muce. 
ä Prez odmaka anda odiacih kripiti, 

za dignut Vam suze al makar otriti. 
To j' moj cij jedini; ufane mi pravi, 

da 6vL ga dostignut od Vase Jubavii). 

Die bitteren physischen und seelischen Leiden, die er seit der Ver- 
haftung ausgestanden hat und die im zweiten, an seinen Vetter Frano K. 
gerichteten Sendschreiben in ihrer vollen Grausamkeit geschildert sind, 
verschweigt er dem Onkel und sucht sein Schicksal in milderem Lichte 
zu schildern. Jeder Mensch habe sein Kreuz, und deshalb möge sein 
Onkel, der im Leben von manchem, vielleicht auch schwereren Schick- 
salsschlag getroffen worden sei, den Blick zum Gekreuzigten heben und 
sich ins Unvermeidliche fügen, um so mehr als das Schicksal seines 
Neffen nicht so schrecklich sei, wie es auf den ersten Blick vielleicht er- 
scheinen könnte. Für die Seelenstimmung des Gefangenen sind die vielen 
Zitate aus der Bibel und den Kirchenvätern charakteristisch, an denen 
nicht nur dieses Sendschreiben — etwa mit Rücksicht auf den geistlichen 
Stand seines Onkels — sondern seine Gedichte im allgemeinen reich sind. 

1) Ibid., p. 25. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 121 

Über die Bemühungen des Onkels, ihn aus dem Gefängnisse zu be- 
freien , war Kuhacevic wohl unterrichtet. Er hebt insbesondere die dem 
Onkel zuteil gewordene Ehre hervor, daß er sein fünfzigjähriges Priester- 
jubiläum im kaiserlichen Schloß zu Schoubrunn feiern konnte, und fügt 
hinzu : 

S tim vese|em htiste da me oslobode; 

vrag skolnika svoga, da smete, podbode. 
• I smele. U kom bi ufaiie velo, 

ta spod ruke ze|no prikopiti deloi). 

Wer war nun dieser Schüler des Teufels, auf den man große Hoff- 
nungen setzte, der aber den Erfolg heimlich (»spod ruke«) vereitelt hat? 
Den Zengger Bischof, den Kuhacevic für den Urheber des über ihn herein- 
gebrochenen Unheils hielt, erwähnt er auch in diesem Sendschreiben als 
den Geist, der den Onkel und ihn ins Elend gestürzt hat, und sagt in 
einer Fußnote ausdrücklich, daß er unter diesem Geiste den Bischof ge- 
meint hat 2). Hätte er ihn auch unter dem Schüler des Teufels verstanden, 
so hätte er wohl daraus kein Hehl gemacht. Gegen diese Annahme spricht 
auch der Umstand, daß der Onkel auf diesen »Schüler des Teufels« hin- 
sichtlich der Befreiung Kuhacevic' große Hoffnungen baute. Es wird sich 
hier wohl um eine dem Hofe oder dem Hofkriegsrate nahegestandene 
Persönlichkeit handeln, die unser Dichter nicht nennen wollte, sondern 
sich mit einer unklaren Anspielung begnügte, die der Empfänger des 
Sendschreibens, sein Onkel, ohnehin verstand. 

Viel aufrichtiger schilderte Kuhacevic sein Schicksal im zweiten 
Sendschreiben Na popa Franu Kuhadevica'. 

Zdravo, brate Frane! Evo knige na te: 

i zalost i radost sobom nosu za te. 
Srce ml povida tvoje zeju voje, 

da bi nid znat prohod od moje nevo^e. 
Provan si prijate] kot skroz ogan zlato, 

ne pita svidoka moje pero na to. 
Ne mogu od mane, brate, prijate]u, 

neg da (ma u suku) tvoju 'zpunim zeJu. 

Und nun beginnt die Schilderung der unsäglichen Qualen, die Kuhacevic 
seit der Verhaftung in Wien bis zur Verurteilung zum lebenslänglichen 
Kerker und während der Internierung auf dem Spielberge ausgestanden 



1) Ibid., p. 41. 

2j Ibid., p. 32 und 33. 



122 T. Matic, 

hat. Die Untersuchungshaft in Kaiistadt schildert Kuhacevic in düster- 
sten Farben, so daß er die nach der Beendigung des Prozesses erfolgte 
Überführung auf den Spielberg und die Behandlung in diesem berüch- 
tigten Gefängnisse als Erlösung begrüßte. Auf diese Stellen des Send- 
schreibens hatte ich schon Gelegenheit hinzuweisen. Als 1752 die Infamie, 
die ihn von jedem Verkehr mit den übrigen Gefangenen ausschloß, auf- 
gehoben wurde, schien sich Kuhacevic mit seinem harten Schicksale so 
ziemlich versöhnt zu haben; eine stille Hoffnung, doch noch einmal als 
freier Mann zu leben, tröstete ihn in den schlimmsten Stunden: 

Z laka Bog 'z ovoga przuna izbavi. 
Ufane ne vara: pohodi cid zloce, 

cic dobrote svoje oslobodit hoce. 
Kra|icino srce on drzi na dlanu, 

cinit ce da ona moju 'zlici ranu, 
i to sve vec, budnc ona po uaravi 

nagnnta da bolne, kad more, ozdravi. 
Ma kada de, velis, ota rados priti? 

Makar'kad tegnedu zlotvori umriti. 
Grisi me i oto, vindar srce gori: 

vidit cemo Boga, kad nas smrt umori*). 

Den im August erfolgten Tod seines Onkels erfuhrKuhacevidaus einem 
Schreiben seines Vetters Frano, welches er in Verse gebracht und unter 
eigene Sendschreiben aufgenommen hat [List öetvrti. Od popa Fratie 
Kuhadevica na svoga hratuSeda u vikovnom przumi naliodecega). 
Die Antwort Kuhacevic' auf dieses Schreiben ist dem Andenken an den 
Verewigten gewidmet und mit Gefühl und Wärme geschrieben [List peti. 
Odgovor na 6etv7'ti.). Er gedenkt mit Dankbarkeit der opferfreudigen 
Liebe seines Wohltäters: 

Sirotu odhrani, na skule odpravi, 

za svrsit moj nauk svoju moe postavi. 
Sve vrime nauka nis mi ne suskrati, 

sva za me potribua posteno izplati. 
Po nanku pako prije me u kucn, 

blagodarno poda hranu i obucu; 
stogod ga zaprosih, iz srca nakloni, 

nis svoga od mene nikad ne ukloni. 
U ovqj nevo|i ca on ne namini, 

ki korak pod starost za me ne ucini! 
Nakani za sebe cisto ogoliti 

za mene opeta slobodna viditi. 

1) Ibid., p. 61. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevid u. d. Aufstand v. Brine. 123 

Ne mognc doc ci|u (tak Bog hti imati), 

cid mene zalosc'om svoj zitak suskrati. 

Hoc vece Jubavi, hoö vrucija posla, 

hoc milije smrti neg je ova dosla? ^] 

Er weiß wohl, daß sein Onkel ein einfacher, aber makelloser, 
herzensguter und edler Mensch war: 

Ni bil politicus, ni stal Machiavella, 

8 tim priprosta bihu sva negova dela. 
Ne bise statista, ni stal Mazarina 

nit znal cinit vidit, da j' brdo dolina . . .2) 
Ne bi od nauka, ni bil philosophus 

al ki od sadasne feie theologus. 
Bil je glagojita (Jerolime sveti, 

glago^ite nisu sad vec za prijeti — 
glago^ite puni med sobom |ubavi, 

pod kimi grad cvase i bise u slavi, 
glago^ite zitkom svomu pelda stadu, 

u svakoj prigodi lip miris svem gradu) . . .3) 

Man sieht, wie sehr die schlichten Glagoliten Kuhacevic am Herzen 
lagen: sie gehörten ja auch zu den Traditionen Zenggs, die er so sehr 
liebte. Diesen in Kuhacevic' Persönlichkeit stark hervortretenden Zug, 
ich meine die hingebungsvolle Liebe zur heimatlichen Scholle und zu 
den Konnationalen, rühmt unser Dichter auch seinem dahingeschiedenen 
Onkel nach: 

Nagnut domovini, nitkom ne naskodi, 

mnogoga s umicom od zla oslobodi. 
Pun opcinska dobra, kad grad sto zadobi, 
vesel, a zalostan, kada sto izgubi*). 

Im Hause des Onkels wurden wohl auch ins Herz des jungen Kuhacevic 
die ersten Keime dieser Ileimatsliebe gelegt, die sich dann in der Folge 
mächtig entwickeln und für sein ganzes Leben entscheidend werden 
sollte. Es ist aber charakteristisch, daß die Liebe Kuhacevic' vor allem 
seiner Vaterstadt, dem grad gewidmet war. 

Die zwei folgenden Sendschreiben beziehen sich auf den Tod des 
wiederholt erwähnten Frano Kuhacevic. Ein Landsmann des Dichters 
teilte ihm den Tod des Verwandten mit, welches Schreiben Matesa in 
Verse brachte und mit einem Sendschreiben {List sedmi. Odgovor na 



1) Ibid., p. 72. 

2) Ibid., p. 74. 

3) Ibid., p. 73. 
*) Ibid., p. 75. 



1 24 T. Matid, 

sesii) beantwortete, in dem er den Verewigten als treuen, verläßlichen 
Freund beweint. Nacli dem Tode des alten Luka war Frano Vertrauens- 
mann unseres Gefangenen. Bereits im Sendschreiben, mit welchem Frano 
ihm den Tod des Onkels mitteilte, versicherte er Matesa, er werde ihm 
an die Hand gehen: 

U ostalom ne dvoj, na ruku cu t' biti 

i kot pravi tvoj brat za te cu skrbiti. 
U dein cu 'zkazat Jubav, ka me veze, 

da mi tvoji krizi usrid srca leze*). 

Diese Worte können nur so aufgefaßt werden, daß Frano nun, da 
der Onkel verschieden war, die Aktion zur Befreiung des Gefangenen 
zu leiten gedenke. In diesem Sinne hat ihm auch Matesa gedankt: 
Metimtoga, brate, hvalim na Jubavi, 
kü mi izkazujes u ovoj drzavi. 
Hvala na kripjenu i na dobroj vo|i, 

kü imas za meni pomoc u nevo]i . . . 
Cin' za me, sto mores, — Bog ti bil na ruku, 

on stostruko platil vas tvoj trud i muku. 
Ako tegnem izac, poznat ces u cinu, 

da nisi jednoga vezal opacinu^). 

Frano wird wohl der Schwester des Matesa bei den Schritten, die sie, 
um Begnadigung ihres Bruders zu erwirken, nach dem Tode des Onkels 
unternommen hatte, als Berater zur Seite gestanden sein. 

Den Namen des Landsmannes, der ihm den Tod des Frano ge- 
meldet hat, hat Matesa wohl absichtlich verschwiegen. Dieser Anonymus 
muß eine Vertrauensperson der beiden Vettern gewesen sein, denn er 
erwähnt in seinem Schreiben ein bei ihm deponiertes pisttio (Brief, 
Schriftstück) des verstorbenen Frano und fragt Matesa, was er damit 

tun soll: 

Pokojnoga pismo i sad je pri meni; 

sto sam istim cinec, zapovite meni 3). 

Im Antwortschreiben beauftragte ihn Matesa, dieses pismo zu ver- 
brennen : 

Veran si, ne dvojim: sto pitas, izgori*). 

Ein vom verstorbenen Frano für Matesa hinterlassener Brief, kann 
es nicht gewesen sein, denn in diesem Falle hätte ihn Matesa wohl nicht 



1) Ibid., p. 70. 

2) Ibid., p. 78. 

3) Ibid., p. 80. 

4) Ibid., p. 83. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 125 

verbrennen lassen. Es fällt auch auf, wie vorsichtig der Gefangene 
seinen Auftrag ins Sendschreiben eingeflochten hat, so daß man bei 
flüchtiger Lektüre gar nicht merken würde, um was es sich eigentlich 
handelt. 

Sein letztes Sendschreiben [List osmi. Na gospu Klaru Vuclra- 
govic) schrieb Kuhacevic nach seiner Freilassung an die Schwester, die 
sich so viel bemüht hat, um seine Begnadigung zu erwirken. Sonderbar 
muß es dem nach sechsundzwanzigjährigem Gefängnis freigelassenen 
Greis ums Herz gewesen sein, als er sich zwar frei, aber alt und gebrochen, 
ohne Hab' und Gut, nur auf die Hilfe der Schwester angewiesen in der 
Welt sah. Er freut sich der wiedererlangten Freiheit, dankt innigst der 
Schwester für ihre Güte, doch zwischen den Zeilen dringt eine gewisse 
Bitterkeit, die Kuhacevic angesichts seiner Hilflosigkeit empfand. 

Eine Stelle für sich nimmt das dritte, Na sudca od Kora7ie be- 
titelte Sendschreiben ein: während die übrigen liebevolle Schreiben an 
Verwandte uud Freunde sind, ist dieses an den Untersuchungsrichter in 
Kuhacevic' Prozesse , den Auditor Jenko, gerichtet und unterzieht einer 
scharfen Kritik, zum Teil auch vom juridischen Standpunkte, das nach 
Kuhacevic' Ansicht unkorrekte Vorgehen des Richters: 

Ti mi proces peja i po tvom naputka 

sada ovdi sidim u vikovnom kutu. 
PeJa, — all kako? Nu 1' kak' zakon kaze? 

Mucim, jer po tuci zvonit ne pomaze. 
Posegni u iiadra, dusa ce ti reci. 

srzbu u tom bozju hoces li uteci. 
Mogucni mogucno prot slabim vojuju, 

ma se i mogucno muce i tuguju. 
Pökle svist zadobih, nit cuh niti sam stal, 

da se j' ovak' proces kot se j' meni pejali). 

Der Gefangene verzeiht ihm, segnet ihn sogar, weil er im Ge- 
fängnisse das unschätzbare, in der Welt verspielte Seelenglück wieder 
gefunden habe. Nach einer juridischen Analyse der gegen ihn ge- 
richteten Beweisführung, kommt Kuhacevic zum Schlüsse, das gegen ihn 
gefällte strenge Urteil sei durch die Ergebnisse dieser Beweisführung 
nicht genügend motiviert, und fragt, warum er eigentlich verurteilt 

wurde : 

Otvor' anda srce, povi za utihu, 

po cem na me smucne oball pregrihu. 



1) Ibid., p. 62—53. 



126 T. Matic, 

Slaba j' moja pamet za ta zrok doseci; 

u dvojbi ostajem, ako ne c'es reci. 
Da recem, da tvoj sud bi jedna osveta, 

fallt du: ni ti zla nit zlu dah suspeta. 
Eecem, da te na to dignu respet svita 

al koja otajna tvoga Jubav mita, 
8 tim cu zabludit, drzim te za sudca, 

ki u svakom vrldnom nima zboru truca. 
A rec, da je uzrok ekspedit Kaife, 

ni testir, jer ta ric ne trpi tarife. 
Ekspedit lipa ric, kad ric bozju slidi, 

ma se to ekspedit malo kadi vidi. 
Sumna je zestoka. Stav' na prsi ruke: 

ni r list Placentinov bil zrok te odluke? 
Ma zaman ti mucis, nee da gres u po^e, 

hoc da SU skroviti tvoje puti voje. 
Muci, — nistar zato, — pokri Piacentina: 

ne daj znat uzroka, za da j' dusa mirna^). 

Wer ist mm dieser Placentinus, dessen Brief bei der Verurteilung 
Kuhacevic' den Richter beeinflußt haben soll? Jedenfalls hat er 
wenigstens in diesem Punkte seinem Untersuchnngsrichter ein Unrecht 
getan, denn wie wir jetzt aus den Akten des Kriegsarchivs wissen, 
wurde das Urteil gegen Kuhacevic auf Grund eines Beschlusses des von 
der Kaiserin eingesetzten, aus Generalen bestehenden iudicium revi- 
sorium gefällt. 

Eine besondere Gruppe unter den Gedichten Kuhacevic' bilden die 
religiösen Gedichte, ausschließlich Paraphrasen der Heiligen Schrift 
[Evan^ele od pozdravlena andehka nach Lukas I, 26 — 3 S) oder ein- 
zelner Gebete [Pater noster^ Ave Ilaria, Salve regina ; 3Iolitva 
nevo\niha u przimu nahodecega ist ebenfalls eine Paraphrase von Ave 
Maria). Diese Gedichte haben somit kein weiteres Interesse für uns, da 
von Kuhacevic nur deren äußere Form ist. Die seelischen Vorgänge, die 
Kuhacevic in den bittersten Stunden seines Lebens zur Religion zurück- 
geführt haben, werden in seinen religiösen Gedichten mit keiner Silbe 
erwähnt. Kuhacevic dachte nicht daran , den Inhalt für seine Verse in 
seinem Innern, in seiner Seele zu suchen. 

Eine Reihe von umfangreichen Gedichten Kuhacevic' befaßt sich 
mit dem siebenjährigen Kriege. Über die Ereignisse des Krieges zeigte 
er sich in Gedichten, besonders aber in den beigegebenen Fußnoten sehr 



1) Ibid., p. 66-67. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 127 

gut unterrichtet. Selbstverständlich waren seine Sympathien auf der 
Seite der kaiserlichen Armee, vor allem aber werden die Heldentaten des 
Generals Luudon gefeiert. Der Ruhm Laudons war für Kuhacevic Ruhm 
Kroatiens : 

Vrat alomil dusmanu austrijanske kuce, 

bil slava i dika hrvacke obuce: 
ova ga porodi, s nom vitestvo stece, 

sve dobro, ko ima, iz ove potece *). 

Laudon, der eine Zierde des kroatischen Volkes sei (»slava hrvacka 
kolina«2jj möge noch größere Erfolge erringen und der Welt zeigen, was 
für Helden es unter den Kroaten gebe : 

Stupil Jos na vise i dal svitu znati 

ke vrsti viteze ractaju Hrvati^). 

Neben diesem für Kuhacevic auch sonst charakteristischen Zuge 
des Patriotismus tritt besonders stark der Gedanke hervor, alle mensch- 
lichen Siege und Niederlagen, alle Freuden und Leiden seien auf Gott 
zurückzuführen, — ein Gedanke, der das Seelenleben des Gefangenen 
beherrschte. Die Mottos der Gedichte sind der Bibel entnommen und 
auch in den Text sind vielfach Stellen aus derselben eingeflochten, — 
naturgemäß paßten zum kriegerischen Inhalte besser Zitate aus dem 
Alten Testamente. Kuhacevic ging sogar so weit, daß er den Text ein- 
zelner Kirchenhymnen seinen Zwecken anpaßte. So hat er die Hymne 
Lauda Sion benützt, um nach der Eroberung der schlesischen Stadt 
Schweidnitz danach ein kurioses Lobgedicht zu Ehren Laudons — in 
lateinischer und in kroatischer Sprache — zu machen: 

Lauda. Schweidnic, nunc Laudonem, j Hvali, Schweidnic, sad Laudona 
lauda novum Gedeonem i novoga Gedeona. 



in tubis et tympanis. Viteskoga hvali pasu, 

Lauda et hoc laudi addo, | hval' cestita arambasu 

quod sit dignus omni laude 
in choris et cymbalis 

etc. 



s cimgod mores, hval' prez sale, 
jer dostojan svake hvale 

etc. <) 



1) Ibid., p. 137. — Laudon, der bekanntlich aus Livland stammte, hat 
nach seinem Übertritt aus dem russischen in den österreichischen Dienst zu- 
nächst als Hauptmann unter Trenk und darauf vom Jahre 1746 bis zum Aus- 
bruch des siebenjährigen Krieges als Major in Bunic im Karlstädter Genera- 
late gedient. 

2j Ibid., p. 118. 

3) Ibid., p. 144. 

4) Ibid., p, 146—147. 



128 T. Matid, 

Seltsam ist auch die Art und Weise, wie Kuhacevic die Worte des 
Psalmisten »Persequar inimicos meos et comprehendam illos et non con- 
vertav, donec deficiant« den Verhältnissen angepaßt und Laudon in den 
Mund gelegt hat: 

Grem Fouqueta nac u sanci, 
pokoja mu ne cu dati, 
tirat cu ga iz svih klanci, 

dok se tegae sam pridati. 
Ja cu sipat smrt i rane, 

dok svojimi na tla pane ^]. 

Der in der kroatischen Literatur des achtzehnten Jahrhundertes 
auch sonst bekannten pseudoklassizistischen Einführung der altklassi- 
schen Gestalten ins moderne Leben begegnen wir auch bei Kuhacevic. 
Seine Vila Slovinkina erfährt Neuigkeiten vom Kriegsschauplatze durch 
den beflügelten Postboten Merkurij : 

Eto Merkurija! Ak' me glas ne vara, 

rozicem odposteveseloudara^) 
oder 
>Merkuriju dragi, glasonose mili, 

kamo tak' veselo? Povi malo vili.< 
»Draga vilo, rece, pusti me letiti, 

grem svoj Europi radost navistiti« 
»Kü radost? Mo|u te, povi ml u kratko, 

ako zelis, vila da pocine slatko.« 
Tad on pun vese]a, prez naprvo iti, 

prionu radostno ovak' bugariti . . .3). 

Für diese mit allerlei Schmuck — auch das klassische »lo Victoria! lo 
Paean! lo Triumphe!« durfte nicht fehlen — ausgestatteten Gedichte 
können wir uns nicht erwärmen. Die an und für sich nicht fesselnde, et- 
was schwerfällige Erzählung Kuhacevic' wird vielfach durch Digressionen 
unterbrochen, die noch weniger geeignet sind, das Interesse des Lesers 
zu wecken. 

Warum hat Kuhacevic diese Gedichte geschrieben ? Waren sie für 
ihn bloß ein Zeitvertreib in der Langweile des Gefängnisses oder ver- 
folgte er dabei vielleicht auch andere Zwecke? Eines fällt mir auf: 
sonst finden wir in den Gedichten Kuhacevic' (von den Mottos sehe ich 
hier ab) keine lateinischen Einschiebsel, — diese begegnen uns nur 



1) Ibid., p. 131. 

2) Ibid., p. 139. 
3J Ibid., p. 131. 



Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic u. d. Aufstand v. Brine. 129 

in den Gedichten über den siebenjährigen Krieg und sind so gewählt, 
daß aus ihnen auch einer, der der kroatischen Sprache nicht mächtig ist, 
auf den ersten Blick ersehen kann, daß die Gedichte der Verherrlichung 
der Kaiserin und insbesondere Laudons gewidmet sind. Es liegt nun 
der Gedanke nahe, daß Kuhacevic vielleicht hoffte, durch diese Gedichte 
die Aufmerksamkeit des Generals und durch ihn auch die Aufmerksam- 
keit hoher, der Kaiserin nahestehender Kreise auf sein bitteres Schicksal 
zu lenken und sie zu seinen Gunsten umzustimmen. Das ist natürlich 
nur eine Vermutung, denn wir wissen nicht einmal, ob unserem Ge- 
fangenen überhaupt welche Wege offen standen, um seine Gedichte an 
Laudon zu senden, und noch weniger, ob er es — falls er auch diese 
Absicht hatte — versucht und ausgeführt hat. 

H. Fächer erwähnt noch ein Gedicht Kuhacevic', welches in der 
von H. Magdic benützten Handschrift nicht enthalten ist und deshalb 
von ihm auch nicht herausgegeben wurde. Das Gedicht hat den Titel: 
Utiha nevohiih u zrcalu od pravde s jednom istinitom peldom u 
nevo\i hivsega rasvijetletm^ po istomu skroz jn'iproste verse na svitlo 
dana*. Der Inhalt der Utiha deckt sich mit dem des Sendschreibens 
Na popa Fra7iu Kuhaöevica: es wird — mitunter mit denselben Worten 
wie im Sendschreiben — der Prozeß und die Gefangenschaft Kuhacevic' 
geschildert, doch dürfte diese Schilderung viel eingehender sein, da die 
Utiha nach der Angabe H. Fächers 1791 Verse gegenüber etwa 300 
Versen des Sendschreibens zählt i). 

Noch weniger wissen wir über Kuhacevic' Memoiren. Sie wurden 
nach dem Jahre 1878 gefunden und sollen Kuhacevic' Aufzeichnungen 
über bedeutendere, in seiner Heimat und im Auslande vorgekommene Er- 
eignisse enthalten 2). Wo sind gegenwärtig diese Memoiren ? Welche Zeit 
umfassen sie? Sind sie in welchem Zusammenhange mit der lateinischen 
Autobiographie, die wir aus dem Vorworte Magdic' wenigstens einiger- 
maßen kennen? Lauter Fragen, auf die ich keine Antwort zu geben 
vermag. 

Daß Kuhacevic seine Schriften nicht für immer begraben wissen 
wollte, zeigt das Gedicht Na stalca^ welches in der Handschrift an der 
Spitze der Dichtungen steht. Aber auch die Handschrift selbst — falls 
sie in ihrer gegenwärtigen Form von K. stammt — weist durch die auf 



1) Nastavni vjesnik XII, p. 20. 

2) Ibid., p. 7. 

Archiv für slavisclie Philologie. XXXV. 



130 T. Matic, Der kroat. Schriftsteller M. A. Kuhacevic usw. 

das Abschreiben und Ordnen der Gedichte verwendete Sorgfalt anf den 
Wunsch hin, sie der Nachwelt zu überliefern. Im Manuskripte der TJtiha 
nevolnih heißt es im Titel sogar ausdrücklich »na svitlo dana«. Hat 
K. in den düstern Tagen der Gefangenschaft vielleicht an eine Veröffent- 
lichung seiner Schriften im Drucke gedacht? Unsere Kenntnisse über 
die erhaltenen Manuskripte und ihre Entstehung sind leider zu gering, 
um dieser Frage näher treten zu können. 

* 
In die Reihen bedeutender Schriftsteller gehört Kuhacevic gewiß 

nicht. Ein Mann von starker Individualität, der so seelenerschütterndes 

erlebt hat, hätte, wenn er ein begabter Schriftsteller gewesen wäre, der 

Nachwelt wohl bedeutendere literarische Produkte hinterlassen. Der 

innere Wert seiner Schriften lockt den Leser wenig; sie interessieren 

uns vor allem insoferne, als sie die Persönlichkeit des Autors beleuchten, 

eines Mannes , der — für seine Zeit bezeichnend genug — als Sohn 

einer bürgerlichen Familie und auf sich selbst vertrauend den Mut hatte, 

gegen die Fremden, die in seinem Vaterlande die Macht an sich gerissen 

hatten, unverzagt aufzutreten, und in diesem ungleichen Kampfe als 

Opfer seiner Gesinnung fiel. 



Plionologie des Görzer Mittelkarstdialektes*). 

Erster Teil: Vokalismiis. 

Von 

Prof. Dr. K. Strekelj. 



Erstes Kapitel. 
Vokal a. 
§ 1. In diesem Kapitel wird jenes a in Betracht gezogen, welches 
im Alt- und gleicherweise im Neuslovenischen entweder den korrespon- 
dierenden Laut teils des idg. d, lit. ö, teils des idg. ö, lit. ö, u (i/o), — 
oder den Ablaut des 'K, 'Kl, 0, 'S, — oder drittens das Produkt der Dehnung 



*) Im Nachlasse des Professors Dr. K. Strekelj fand sich ein hand- 
schriftliches Faszikel vor, das unter dem oben zitierten Titel die zu seiner 
»Morphologie» als Ergänzung geplante Phonologie teils im fertigen fdas hier 



Phonologie des Görzer Mittelkarstdialektes. 131 

des slav. o bei der Bildung der verba iterativa und in der Lautgruppe 
>tort, tolt«, oder der Kontraktion aus aje bei Verben V. 1, oder endlich 
den Reflex des 'k (urspr. e) nach 6^ i, i,y repräsentiert. Weil denselben 
Wandlungen unterworfen, findet hier auch das a der Fremdwörter Be- 
rücksichtigung, mag es nun da als selbständiger Vokal auftreten oder die 
Stellung des ersten Komponenten in Diphthongen einnehmen (ital., frl. 
aii^ ai^ d. a?, e?', eu^ äu, au). Nicht beachtet wurden hier jene Fälle, in 
denen fremdes a bereits in altslavischer Periode durch o vertreten er- 
scheint. 

I. a bleibt a. 

§ 2. Der gewöhnlichste Reflex des asl. wie fremden a ist ein offenes, 
reines (sog. italienisches) a. Es findet sich sowohl als Akzentträger, als 
auch nach der Tonsilbe; vor der letzteren ist es nur m faj'htuöba 
»Feuchtigkeit« anzutrefien. 

§ 3. In der Tonsilbe ist es meistens lang: häla Kugel, Braut- 
ausstattung, cak. bäla fascis lintei, aus ven. lala quantitä di roba messa 
insieme e rinvolta in tela o simil materia ^]. hläna Balken als Faßunter- 
lage, Q:2i^.blänja^ ix\. plague yqvl. pia7ia, id. yärba Pelargonium sp., ven. 
ai'ba und erba : erba rosa geranio rosa, Pelargonium Radula, welches 
als arbaroza auch ins Kroat. eingedrungen ist : y ist in yärba zur Ver- 
meidung des vokalischen Anlautes vorgeschlagen, järit coire (von 
Tieren), yarc Zuchtwidder: Si&X. jar^ amarus, iratus, serb. yara Hitze, 
russ. Hpümh ApaaiiHTi, KHnaTHTb, pasaturaxt noxoTL, öhtb bT) nopi, 
B'B TBUK'i, RpÜMhCR noxoTHn^iaxt, pocTHTLCH (Dalb); ferner vergl. d. 



zum Abdruck kommende) teils im unfertigen Zustande enthält. Die Witwe 
des Verstorbenen hat uns das ganze Material zur wissenschaftlichen Verwer- 
tung überlassen. Die Redaktion hofft neben diesem schon endgiltig ausgear- 
beiteten Teil, der allerdings schon vor längerer Zeit fertig gewesen und später 
nicht mehr durchgesehen worden zu sein scheint, auch das übrige Material, 
mit freundlichst versprochener Mithilfe seines Schülers (Prof Breznik in 
St. Vid bei Laibach) in druckfertigen Zustand bringen und in unserer Zeit- 
schrift, wi3 es auch der Wunsch des verstorbenen Verfassers war, publizieren 
zu können. V. J. 

*) In der älteren Vorlage stand hier in Klammern folgender Zusatz: »Am 
Karst gebt die Braut, wenn sie arm ist, vor der Hochzeit in der Umgegend 
verschiedene milde Gaben, meist Getreide, einsammeln: bere w bälu. Mit ihr 
geht ein älteres Weib herum, häba genannt* Dazu die Randbemerkung: cf. 
serb. ba'iica zensko celjade koje prati nevjestu, pronuba; paraninfa, donna che 
accompagna la sposa. Rjec. 1131. 

9* 



132 K. Strekelj, 

Brunst v. hrenne?i^ ital. caldo geil, essere in caldo bespringen. Im 
cak, auch von Vögeln: ptici se jaru^ üblicher noch ist das Verbumy«r- 
citi^ jarciti se, vgl. das agram, akad. W. s. v. *), wofür slov. parüi se, das 
jedoch nicht nuipara Hitze zurückgeht, sondern auf/)ar, d. Paa?; steh paa- 
ren beruht, mätast dumm, ital. matto. nä en tibi, näte en vobis. näyolin 
Nelke, ahd. nagal, nagul, mhd. nagel Gewürznelke, n'dgelvn Dianthus. 
näpa Rauchfangmantel über dem Herde, auch cak. näpa tabula super 
foco ad imponenda vasa; frl. näpe cappa che sovrasta al focolare, ital. 
nappa. räkla Pfahl zur Stütze von Weinreben und Schlingpflanzen; das 
Wort ist deutsch und ins Slovenische in verschiedenen Formen einge- 
drungen: ragla, raglj'a, raglica, raha, ralila, raja, rajica, rakla, alles 
in der Bedeutung 'Stange, Stecken, Pfahl : mhd. rahe Stange (cf. Kluge 
s. ragen, Rahe, regen); kämt, rägg'l, räk'l f. eine Stange, welche noch 
mit einem Teile der zugestutzten Äste versehen ist, bair. die Rahen, 
Rachen. Kaum richtig leitet Schuchardt 68 das kämt. Wort aus dem 
Slov. ab; beachte jedoch österr. Stägl Stahl, kämt, seg-n sehen, sigst 
siehst usw. Auch ins Cech. ist das Wort eingedrungen als rähno Stange, 
desgleichen ins Friaul. räcli frasca troncone , ramo d'albero co'suoi ra- 
moscelli che si pone a sostegno delle piante scandenti, raclä infrascare, 
plantare accante ai legumi scandenti la frasca. räza Ritz an der Haut: 
vgl. asl. uraziti percutere, nsl. naraziti verletzen, navraziti eine halb- 
verharschte Wunde aufreißen, Wz. rSz. späka Mißgeburt, Teufel: iz- 
pak-a. täpa f. Stück Holz , um damit das Rollen der Fässer oder (beim 
Wagenschleif) die Bewegung des Rades zu hindern: frl. tapp m., id. 
träJtter Ort im Stalle, wo von den oberen Räumen Heu heruntergeschüttet 
wird: d. Trachter. zävor Knüttel, um das Kettenband fest anzuziehen 
und zu sperren, Wz. ver . . . 

§ 4. Schon aus den angeführten Beispielen ersieht man, daß selbst 
ursprünglich kurzes und unbetontes a , falls es durch offenes a vertreten 
wird, in der Tonsilbe lang wird. Kurz ist ofl'enes a nur dann, wenn dar- 
auf ein/, n oder lo mit einem zweiten Konsonanten folgt; die Kürze ist 
demnach abhängig von dem physiologischen Charakter des nachfolgen- 
den Konsonanten, der gleichsam der zweite Komponent eines Diphthongs 
wird und als solcher einen Teil der Länge des a übernimmt. Während 



1) Die Zusammenstellung von Ja;j^ mit jan usw. wird jetzt aufgegeben zu 
Gunsten von Jaro, wo«, vgl. Berneker 440, Walde^GO. Anm. von Dr. A. 
Breznik. 



Phonologie des Görzer Mittelkarstdialektes. 133 

indes diese Erscheinung bei a mit nachfolgendem ii + Kons, ziemlich 
konsequent eintritt, macht sich bei a vor/ oder lo -\- Konsonant häufig 
ein Schwanken bemerkbar, indem dieselben Wörter auch mit langem r/, 
ja andere nur so gesprochen werden. Die Kürze dieses a scheint jedoch 
immer weiter um sich zu greifen und sich neuer Wörter zu bemächtigen. 
Beispiele: bänyr Türpfosten aus d. Wang^ pl. die Wetigei\ vgl. Arch. 
XI. 467; bänk Verk aufs tisch : ital. hanco. hräj'da und hräjda Feld mit 
hübschen Weinreben; cak. hräjda ordo vitium, aus ven. braida^ frl. 
braide, d. Gebreite: 'wie herrlich liegen die schönen, reichen Gebreite 
nicht da', Goethe, Herrmann und Dorothea IV. 186. drzäwnik und 
drzäwnik Reichsratsabgeordneter, yänk Gang , Balkon , Chor in der 
Kirche; auch bei Belostenec I. 776: mesaula med dvema hizama prehod 
ili ganjk. 

ymäjna und ymäjna Gemeindeland: mhd. gemeine Eigentum einer 
Gemeinde, känkor krebsartiges Geschwür, Türangel, aus ven. '■cancaro 
tumore o ulcere', in Triest auch 'arpione, cardine, ganghero'. mänkor zu- 
mindest: frl. mancul almanco. nänkor nicht einmal, Analogiebildung 
nach mänkor aus dem daneben gebräuchlichen nänka: triest. nanca nem- 
meno, neppure, frl. nänghe. parafänk und parafänk aus frl. i)arefäng^ 
ital. parafango cuojo che cuopre le parte anteriore del calesse e la di- 
fende dalla pioggia o dal fango. pränyat stolzieren, spazieren: mhd. 
brangeji.) prangen, tir. prangen geziert aufziehen, kämt, prängin^ 
prangen, stolz tun, geschmückt einhergehen . . , 

§ 5. Nach der Tonsilbe findet sich a als ofi^enes a: 

a) in Wurzelbestandteilen: üöbras Gesicht : obrazx . . . 

b) in stammbildenden Suffixen: a) ar aus arh [ario) im nom. sg., 
während in den übrigen Kasus nach § 17c a auch mit e abwechseln kann: 

mükar wer mit Mehl zu tun hat, gen. mükarja und mükarja 

ß) ast: mutast stumm, ital. muto. yüöbast höckerig, ital. gobbo .... 
y) at: kösmat mit Haaren bewachsen ... ö) bei Verben V.l. zweiter 
Betonungsreihe (cf. Morph. 1 13ff.) : im Infinitiv, 1-Partizip fem. und neutr. 
sg., I. II. III. praes. sg. u. plur., n-Partizip. Über die Abwechslung des 
a mit üf, £ in diesen Fällen vgl. Morph. 111. Ferner im Infinitiv der 
Verba III. 2 ; V. 1. erster Betonungsreihe; V. 2, VI (s. Morph. 102 ; HO, 
111; 119, 120; 121). 

c) in Kasussuffixen: «) im nom. sg. der Substantiva der a-Deklina- 
tion, der femininen Adjektiva, Pronomina, Partizipia und adjektivischen 
Numeralia; desgleichen im nom. sing, einiger maskulinen Eigennamen: 



134 K. Strekelj, 

yä/aJagd: kämt, jag ff f.; Hepa; möja\ tekla] pisana\ prva; lyka 
Lukas ... ß) im gen. s. der t (o)- und o-Deklination , sowie in der En- 
dung ya der pronominalen und zusammengesetzten Deklination: wrdya 
des Teufels, doch buyejmie : dajat b. Almosen geben, aus v hoga ime, 
da durch die Zusammenrückung mit ime resp. jerme der Genitiv nicht 
mehr herausgefühlt wird ; pid'a des Feldes ; neya eius ; yrdya des häß- 
lichen ... j') im nom. dual, der maskulinen Nomons und Pronomens: 

dvä hläpca zwei Knechte; Tiepa\ tista ö) in der Endung öÄ, am, 

{an), ami bei Substantiven, die sich von der nominalen a-Deklination auf 
die Neutra (o-Deklination) und dann auch auf die Masculina (i,-Dekl.) 
und zuweilen auch auf die anderen Deklinationen verbreitete. 

II. a wird vertreten durch a. 
§ 6. Ein häufiger Vertreter des a ist a, ein Laut, den physiologisch 
genau zu bestimmen ich außer stände bin. Er kommt dem i>, Lepsius' 
e nahe, doch so, daß daraus noch immer ein a herausklingt; vom offenen 
a unterscheidet es sich durch geringere Tonhöhe , weshalb ich es in der 
Morphologie 4,5 als »ein gleichsam reduziertes a« charakterisierte. Lang 
kommt es nie vor; sollte es gelängt werden, so wird es sofort durch ä 
abgewechselt. 

§ 7. In kurzen Tonsilben finden wir a durch « vertreten: 
a) bei mehreren einsilbigen Substantiven, Adjektiven und Infinitiven; 
bei den beiden erstgenannten wird es zu ä, sobald diese Wörter durch 
die Deklination um eine oder mehrere Silben anwachsen oder sonst eine 
Änderung erleiden: fatit Knabe, Bursche, \\,^\. fatite, bair. Faiit Junge. 
ylas Glas, yvant mhd. gewant, bair. Gwancl Gewand, kaut mhd. bair. 
^aw^ gerichtliche Versteigerung , frl. p/iaw^ncanto. s Zop schwach, spas 
Spaß;/«^ 7Ki spas frl. lä a spass, triest. andar a spasso spazieren gehen; 
auch ins cak. als spas eingedrungen, vamp dicker Bauch, Rindsmagen, 
nhd. Wampe, Wampen ... Im Gen., resp. im Fem. tritt sofort ä für a 
ein: fänta, släba usw.; cf. Morph. 15, 74, 95 f., 104, 120 f. Die Prä- 
positionen 7ia, nat, za (na, nad, za) erhalten den Akzent («a, nid, zu] 
nur in Gegensätzen; ne na yöri, pöd yöru smo nietlikries. Pa<^ jawohl 
ist ursprünglich zweisilbig ; serb. pä6e und pu6e imo. In allen Formen 
behält sein a nur kaÖ Schlange, das neben käöa gesprochen wird, ohne 
gerade das Männchen einer Schlange zu bezeichnen ; manche gebrauchen 
es nur von einer giftigen Schlange, daher denn auch am Ostersonntag 
Fenchel gegessen wird und man einander zuruft: Jlj, ßj köramad, 



Phonologie des Görzer Mittelkarstdialektes. 135 

*I>« t^ m lüjej pisan kuö. Über rat vgl. Morph. 74. Merke das drei- 
silbige kontrohant^ gen. kontrohänta Kontrebande. 

b) bei einigen mehrsilbigen Wörtern, in denen der Akzent von einer 
folgenden Silbe auf die jetzige Tonsilbe zurücksprang und zwar 

ci) um eine Silbe: Ido auf, interj., tir. allo^ alle^ kämt, allö^ allä 
i^ — \ —^) vorwärts, frisch, frz. allons\ fayl'ai lodern = yörit ku fä- 
yl'a : brennen wie eine Fackel; urslav. betont ^fugljäti. yluHk Gläs- 
chen, gen. ylaska^ urspr. betont glazik^ glaskä. hladn kühl; serb. 
hlädan. kalat an einem Seil in die Höhe ziehen; ital. calare sinken, in 
die Höhe ziehen, triest. calm' acqua attingere: urspr. betont kaläti. 
koladhk kleines radförmiges Gebäck, gen. koladka, aus *koladik, *ko- 
laökä. kraftn, kruftno kräftig aus kraftin. krahk, gen. kralka Zaun- 
könig aus *krarik, kraVkä. mac%k ein Bißchen für ^malnk aus 
*mahce, malce von malo. mama aus d. Matnä, in der nordwestl. Zone 
mäma. masin fett, serb. mästan. mladn lau; cf. serb. mlak id., cak. 
mljädan tepidus. mrad?i dunkel, serb. mräöan. papat essen (Kinder- 
spr.), it. pappare, ([.pappen. 7>)0(5a672 langsam, jörasw staubig, serb. 
präsan. slad^k süß, urspr. sladik, altslav. slächk^ nach der Analogie 
von la/iik, serb. sladak^ russ. cojiödKiü. kam 'aliquis' verdankt 
sein a dem Diflerenzierungstrieb, um das Wort von käs7i 'qualis?' zu 
scheiden. 

ß) um zwei Silben : j^ayb^a^ flattern; n^\. ßafotäti. makolat 
durch allzu zärtliche Behandlung verderben, frl. macolä guastare. pa- 
landrat schlendern, häßlich gehen : cf. halandra herumschweifende Per- 
son, Taugenichts, eig. wandernd, pilgernd; Schnellers Rom. Mundarten 
in Südtirol 110; frl. j!?a/awc/ra/? baggiano , gaglioflfo. p/«/>oZa^ flackern, 
lodern ; nsl. 7J/a/)o/a/^. stramholat beim Tragen ungeschickt bewegen; 
cf. ital. stramho schief, frl. stramboläd strano, strambolött errore qua- 
luuque. Auch facht dürfte hierher gehören, indem das o des ital. faz- 
zoletto, frl. fazzolett erst nach der Entlehnung und Zurückziehung des 
Akzentes schwand, weil ^on^ifecht zu erwarten wäre. 

Überblickt man nun die Beispiele sub b), so sieht man, daß auf die 
Silbe mit « stets eine resp. zwei mit einem nicht palatalen Vokal als Silben- 
akzentträger folgen. Ursprüngliche Lauge hindert natürlich nicht, daß 
a mit a abwechselt, weil zur Zeit, wo diese Abwechslung durch die Ak- 
zentverschiebung vor sich ging, der Slovene längst keine Längen vor der 
akzentuierten Silbe mehr kannte. 



136 K. Strekelj, 

§ 8. In unbetonten Silben vor der Tonsilbe tritt a für a ein, 
wenn der Wortakzentträger ein dunkel gefärbter Vokal ist {a, a, o, iio, 
^, ^). Hierbei kann die a enthaltende Silbe durch eine andere, einen der 
dunklen Vokale a, o, z/, ^, r enthaltende Silbe von der Worttonsilbe ge- 
trennt sein: hcdüöta großer Wurfstein, triest. halota paliotta. hluyü 
Ware, Vieh, mit progressiver Akzentverschiebung, cak. blägo^ hlägo pe- 
cudes, opes. yalänt sanftmütig, bescheiden, ital. galante, matörn träge, 
übelgelaunt; asl. mator- senex. patitah'm Dummkopf, frl. patitalön id.. . 
Dieselbe Erscheinung tritt auch bei tia, jiad, za, raz ein, und zwar 
mögen dieselben als Präfixe oder als Präpositionen [raz wird als solche 
nicht gebraucht) vorkommen : 6^ nusäjat wohin steigen, woher man leicht 
herunter fallen kann; na yoru auf den Berg; razdäjat verteilen . . . 

§ 9. Auch in Wörtern mit hellem Wortakzentträger (/, y, te) tritt 
für a in unbetonten Silben vor der Worttonsilbe a dann ein, wenn die 
Silbe, die dieses a bietet, von der Worttonsilbe durch eine andere, o oder 
u enthaltende Silbe getrennt erscheint: hlayonica einzige, bruderlose 
Tochter im Hause, Vermögenserbin; im nordwestl. Karstdialekt hluyu- 
nica vom Thema hlagoiija von hlago ; cak. hlagar, hlagarica Universal- 
erbe, — in (Novice IX. 158). ipanoliety ipanyoUet Zigarette, frl. sjja- 
gnolett. tcihoUerat intabulieren. tawolin Tischchen, ital. tavolino . . . 

§ 10. Selbst in Silben, die entweder unmittelbar vor einer e ent- 
haltenden Worttonsilbe stehen oder von ihr durch eine andere, a enthal- 
tende Silbe getrennt sind, wechselt a mit a, wenngleich e eher als heller 
Vokal anzusehen ist, und demnach durchgehends der Lautwechsel a—>e 
zu erwarten wäre, der in der Tat im behandelten Dialekte sehr häufig 
eintritt, während in der angrenzenden nordwestlichen Zone nur a herrscht. 
Der Grund kann einerseits in der breiten Aussprache des e (wie ea), 
andererseits darin liegen^ daß die meisten hierher gehörigen Wörter junge 
Entlehnungen sind ; der Kraft der Analogie ist es noch nicht gelungen, 
den den Lautgesetzen entsprechenden Wandel in e an die Stelle des dem 
fremdartigen a näheren a zu setzen, z. B. hacleia neben hedesa dickes 
aufgeputztes Frauenzimmer, Äbtisse: ital. hadessa. havela neb. hevela 
Baumwolle: ital. havella^ frl. havele. materja neb. meterja Straßen- 
schotter: ital. materia. paj'ccpet Brustwehr: ital. parapetto. patent 
Patent. Sakrament Sakrament, saksebe auseinander: vbsak^ sehe; a 
hat sich, abgesehen davon, daß dies eine bloße Zusammenrückung ist, 
wohl durch die Analogie jener Formen des Pronomens vbsako erhalten, 
die a bieten (Morph. 92). testament, tastament und testemetit Testa- 



Phonologie des Gürzer Mittelkarstdialektes. 137 

ment . . . Man merke: mecesn Lärche, wohl für *ma-sosna. po7itspe 
Brustnadel, Brosche; ital. pontapettOi ix\. pontapett. 

§ 11. Folgt auf eine Silbe mit a eine Worttonsilbe mit dunkel ge- 
färbtem Vokal, dem jedoch ein j oder n unmittelbar vorangeht, so wird 
jenes a in einigen Wörtern zu «, häufiger aber, den Lautgesetzen des 
Mittelkarstdialektes entsprechend, zu e. Diese Schwankungen sind wohl 
auf dieselben Ursachen zurtickzufiihren, wie das schwankende Verhalten 
der a enthaltenden Silben vor Worttonsilben mit e (§ 10). Gewöhnlicher 
ist a in: hataljün Bataillon, dacjär Verzehrungssteuereinnehmer, ge- 
bildet von ital. daziere^ triest. dazier gabelliere mit Anlehnung an die 
zahlreichen Substantiva auf är\ doch wird auch dtrjär gesprochen, 
yciJJöt schlechter Mensch; frl. galiott , ital. galeotto. mujuölha || mE- 
Jüölka Trinkgefäß aus Ton: Majolika; im nsl. mijolika, serb. milojha 
scheint eher der Einfluß des ital. mido als des ahd. mtol zu suchen zu 
sein; vgl. über das Wort Mussafia, Beitrag zur Kunde der nordital. 
Mundarten sub mizuol. majuör Major, puiiöka Kommißbrot, triest. 
■pagnoca^ ital. pagnotta. pusjün Leidensgeschichte Christi: lat. passio. 
taljän Italiano. zdajäwo und zdEJäwc Verräter: izdaj'avec . . . Hin- 
gegen ist E gebräuchlicher in: frEj'ün Lebemann: frl. frajön, triest. 
fraion crapulone. pEJiin Strohsack: triest. paion pagliericcio , ital. j^a- 
glione. stEcjim m. : ital. stazioyie^ d. Station. stEJün m. Jahreszeit: 
ital. stagione ^ frl. stagion f. stsnäk m. Schöpfeimer: triest. stagnaco 
secchia, ital. stagnata. — Ähnliche Abwechslung zeigt a in zweitvorher- 
gehender Silbe bei: mErsJün, rtiEjermi neben marajün, majarün'. Ori- 
ganum majorana: frl. majarbn. rriEtErjäl Baumaterial. tEhlcjün In- 
tabulation. 

§ 12. Nach der Worttonsilbe findet sich u für« in folgenden 
Wörtern: kietnara On., ital. Chettinara. körahaö Peitschenstiel, serb. 
korhad^ cech. korahad.^ türk. kerhad. köramad Fenchel : nsl. ko?norac^ 
kroat. komorad ^ morad^ koromaö. pulcmdrat schlendern (§ 7 b, ß). 
roso/?aÄ Schellkraut : russ. poeonacB Name verschiedener Pflanzen, cech. 
rosopastka Roemeria. Hierher gehören auch die femin. Substantiva auf 
arca (Morph. 65^ 66), insofern ihr ar, sei es bloß auf der Analogie des 
Suffixes arh beruht oder sie wirklich durch dieses Suffix auf slovenischem 
Boden gebildet sind; dies gilt, so lange das Kasussuffix kein i ist. Ferner 
wird zu cc das a folgender Suffixe und zwar in dem Falle, daß der Dia- 
lekt in der folgenden Silbe ^ bietet, nämlich bei: a) avhch : diel(xv^c 
Arbeiter neben dieloivc. b) asi^ im gen. sg. nom. acc. pl. der femininen 



138 K. Strekelj, 

und in den diesen Kasus gleichlautendenden neutralen und maskulinen 
Formen: jyiütccsU, yüöbash: nsl. mutaste, c) im nom. pl. der neutralen 
und femininen Form des 1-Partizips und im gen. sg., nom. acc. pl. der 
femininen sowie acc. pl. der maskulinen, und nom. acc. pl. der neutralen 
Form des n-Partizips der VerbaV. 1 zweiter Betonungsreihe, sowie jener 
Yerba V 2 und VI, welche den Akzent nicht auf dem thematischen a 
haben (Morph. 106 ff., 120, 121). 

lU. a wird vertreten durch s. 

§ 13. Ein Charakteristikon des Mittelkarstdialektes ist die Ver- 
tretung des a durch «, das sich vom offenen, stets laugbetonten, von mir 
durch e bezeichneten E-Laute, geradeso wie a vom A-Laute, durch eine 
geringere Tonhöhe unterscheidet, so daß es gleichsam reduziert erscheint 
und etwas dumpf klingt. Es kommt als Vertreter des a nur in kurzbe- 
tonten und unbetonten Silben vor. 

§ 14. In kurzbetonten, 6 für a bietenden Silben mehrsilbiger 
Wörter ist der Akzent nicht ursprünglich, sondern es hat in diesem Falle 
in relativ später Periode die regressive Akzentverschiebung stattgefun- 
den. Der Grund der Wandlung des a in e liegt in der sogenannten 
Vokalharmonie, teilweise auch in der Wirkung der Analogie. Die Vokal- 
harmonie besteht hier darin , daß der a-Laut durch einen nachfolgenden 
betonten hellen Vokal (?', y, le) oder durch nachfolgendes y, w, /'in seiner 
Artikulation der Artikulation dieser Vokale, resp. Konsonanten näher 
gebracht wird. Aus asl. ^gradisth^ nsl. gradid, cak. gradic urbicula 
ward zunächst yj-edic und nach der Akzentverschiebung yredic. Häufig 
ist jedoch diese Wandlung nur durch die Wirkung der Analogie erklärbar. 
Wie entstand z. B. /tlep^e junger Knecht? Nach § 13 ist £ kein ganz 
heller Vokal, wie i, ?/, ?e; folglich muß der Grund der Wandlung des a 
in £ anderswo gesucht werden. Nsl. lautet das Wort hlapde, gen. hlcqj- 
6eta usw. Diese letztere Form und überhaupt die Casus obliqui müssen 
in unserem Dialekt für nsl. e ein ?e' eintreten lassen, infolge davon muß 
aber in diesen Kasus das a durch £ abwechseln: hhpöieta usw. Dieser 
Wechsel ward nun mit der Zeit auch in den Nominativ übertragen, wo- 
rauf die Akzentverschiebung stattfand, hhpöe^ /lUpde. Die regressive 
Akzentverschiebung geht auch hier (cf. § 7 b, /5, § 12) bisweilen um 
zwei Silben zurück: skhiddet Bettwärmer, gen. skendsPieta: ital. scal- 
daletti: das a der beiden ersten Silben erscheint durch £ vertreten durch 
die Wirkung der Analogie der übrigen Kasus. Diese Erscheinung der 



Phonologie des Görzer Mittelkarstdialektes. 139 

Wandlung des a in e ist konsequenter im mittleren als im nordwestlichen 
Karstdialekt durchgeführt, indem der letztere das a meist nur durch u 
vertreten läßt. Der Einwirkung des letzteren und anderer Nachbar- 
dialekte sind denn auch einige Schwankungen im Mittelkarstdialekte zu- 
zuschreiben. Beispiele: mti, in Krain anti etwa doch? aus a-no-ti. 
fmtic uoben. fctntic^ fente noben yants Bürschchen: bair. Fant, yebrc 
gen. yehrica Pn. : nsl. Gabrid. Ji^'hstic kleine Eiche: asl. *chvrastistb. 
Jhjce Ei; russ. niiufi. kelic kleine Viehtränke: cak. kalic lacunula. 
klendic kurzer Weg zwischen zwei Mauern: nsl. Manec. ÄTe/2c Zaun- 
könig: nsl. kralU. mede Kätzchen; nsl. made. pr mhmi bei der Mama. 
mestit neben niastit zertreten (cf. Et.W. 185: maza-2). mlhcUc das 
Junge; cak. mlacUc iuvenis ; pomledit^ nsl. pomladiti. mletic Dre- 
scher; cak. mlatic. s^ mreöit neb. mru6it Dämmern, pllö^k aus 
*2)al'ÖT>k von päl'ca aus palica. polij-hit verderben; asl. chabiti pes- 
sumdare, paßt nicht zu russ. noxaÖHTL; Pletersnik schreibt pohäbiti^ 
pohäbim. pozlhtit, nsl. pozlatiti] pozUcen nsl. pozlaÖen. prhsit neb. 
p7'(xsit stauben ; nsl. prasiti. ridic Cichorium intybus : triest. radicio ; 
ital. radicchio. redi nom. pl. masc, nsl. radi gern, rhhl'at neben 
rahl'at lockern; Wz. räch : rahel locker, rikl'at aus *raJkTäti, d. rei- 
tein, smo semi wir sind allein, in Krain samt; ne semin, na samSmh 
= 7ia samoti. skhkl'at neben ikakl'at hüpfen, nsl. skaklati. slebit 
schwächen, nsl. slabiti. teskid Männchen des Rotkehlchens: nsl. taidi- 
ca, das etymol. dunkel ist. vhhtic Gabe am Allerheiligentage: vähte, 
vähti aus d. Weichtag Weihtag. vth neb. vcde gen. vsUeta Valentin. 
Auch toshki neben wsaki paßt nicht zur urspr. Betonung: cak. säki, serb. 
svaki, russ. vsjäkij. Auch na, za, da unterliegen diesem Gesetze; dhbi, 
dhb ut: da bi. nhjt, nhj'dem, nljdi: russ. iiaäTii. he dni am Boden 
(Morph. 43). zejt, zhJdEm'. russ. saHTH. 

§ 15. Desgleichen wird in einigen einsilbigen Wörtern gekürztes 
a Yorj, n durch e vertreten, solange sie einsilbig bleiben: chjt Zeit gen. 
cdj'fa. klj was, nsl. kaj. krhj Ort. 7iej nsl. naj aus nehaj. pej et, 
vero, autem; nsl. ^;a, im Idrijcatale ^Jty, cak. joa. sf/" nsl, 5^;' doch, 
wohl, ja. skrb'i Rand, Kante, Spitze, gen. skreiia und skräha\ cf. 
cak. skränj tempus asl. nkranija, cech. skran. zdsj, nsl. zdaj : shda. 
Ferner ist zu merken Imper. dej\ nsl. daj, wonach auch dljmo, deße 
gebildet ward. 

§ 16. Unbetontes a vor der Tonsilbe findet sich durch e ver- 
treten, wenn die Tonsilbe einen hellen Vokal enthält. Die a bietende 



140 ^ K. Strekelj, 

Silbe kann der Tonsilbe entweder unmittelbar vorangehen oder davon 
durch eine oder mehrere solche Silben getrennt sein , die r oder e zum 
Silbenakzentträger haben. Haben mehrere Silben vor der Tonsilbe den 
Vokal a, so wird, wenn keine Silbe, die nicht r oder s zum Silbenakzent- 
träger hat, dazwischensteht, das a sämtlicher Silben zu e. Abweichungen 
von diesem Gesetze sind sehr selten; mir ist nur adij'o ital. addio und 
pcdudin ein Ochsenname, frl. paladhi aufgefallen, wo wohl noch die 
Wirkung der fremden Sprache den Lautwandel verhinderte. Beispiele : 
hEdierat Acht geben; frl. hadd^ ahadä, ven. hadare; vgl. ni^ta ne badira 
bei Marjanovic 130. belin ven. halin de le sbochie, borela; frl. halvn 
palla piccola che serve di lecco nel giuoco alle palle, ed a cui i giuoca- 
tori fanno di accostarsi colle altre palle. fe7Üela^0Qk\ tr'iest. Ja?iella 
flauella, frl. fanele panno lano di tessitura poco serrata, se ne fanno per 
lo piü le camiciuole ; aus dem Ital. ist das Wort mit ausgestoßenem / ins 
Türkische übergegangen; das / also nicht auf türkischem Boden ausge- 
fallen, wie Miklosich lehrt (Die slavischen etc. Elemente im türk. Sprach- 
schatze 25). yelieta Seidenraupenkokon; triest. ven. galeta , frl. gu- 
lete id. yhvedica Art Trauben mit dicken Beeren: cf. nsl. glavada Dick- 
kopf. Ä'fi/fWiVa Magnet, Blitzableiter; ital. calamita. Ä-£r€^?e7Fäßchen; 
frl. caratell, ital. caratello. ktsiela Kirchenstock: frl. casselle, ven. cas- 
sella^ lat. capsella. kesetin Schublade: frl. cassettin. Jcevelter Seiden- 
raupe : triest. cavalier bacco. khnica Holzscheit, aus klanica Wz. kol : 
klati. mesma Schuhfleck; misit nsl. masiti stopfen, flicken: die Wort- 
gruppe ist etymol. dunkel. pElxer Straßenaufseher: bair. PäJier: ital. 
parliere, pesiet Maßstab; ital. passetto halber Stab (als Maß); frl. pas- 
setto braccio. plträer Korb aus Weidenruten, am Kopfe zu tragen: 
triest. pianer paniere; wegen des pia-^ pla- für j^a vgl. Mussafia, Bei- 
trag z. K. d. nordital. Mundarten sub piädena, wozu jedoch nun die 
Selbstkorrektur Miklosich's im Et.Wb. 248: pladütii und auch nsl. p/a- 
denj zu stellen ist, das auch im Westen vorkommt, rtmpin Haken; 
frl. ramp)n^ triest. rampin gancio, rampino, uncino per pescar robe 
cascate nei pozzi ecc. pJtznica eine der beiden Handhaben am Pfluge, 
nsl. plaznica. reselika Prunus Mahaleb ; serb. raseJjka id. Schnchardt 
76 führt als Slavismus in der Sprache der Italiener von Lesina, »rasselca 
Mahalebkirsche « an; am Karst kommt der Riedname iv resietkah vor. 
skeviec aus ven. scavezzo, frl. sghavezz vino allungato con acqua. spe- 
cekemifiar Rauchfangkehrer ; ital. spazzacamino. spsyleta Schnur; 
ital. spaghetta cordellina. tehin Tabinstoflf: ital. tabino. Das gleiche 



Phonologie des Görzer Mittelkarstdialektes. 141 

Schicksal erleidet unter gleicher Voraussetzung das proklitisch stehende 
wa, za^ da : W£ 7'iix)i\ nsl. na nivi. ze nimi^ nsl. za nimi\ de pride^ nsl. 
da pride. Das Suffix arija [arh -\- ija) wird natürlich e^'ij'a : kurherija 
Hurerei. ivosUriJa Eselei; das Thema auf arh kommt nicht vor, vgl. 
d. Schelmerei^ kämt, öslarei Eselei , doch scheint ivufiyerija wegen im 
direkt aus dem ital. Ungheria Ungarn entlehnt zu sein. — Über das 
Schwanken zwischen a und £ für a vgl. oben §§ 10, 11. 

§ 17. Unbetontes a nach der Tonsilbe findet man durch e 
vertreten : 

a) wenn der Silbe mit a ein j\ w, /', c [sc] vorangeht: lörjeö Hof 
gen. borJä6a\ ich halte Oblak's Vermutung (Archiv XIV. 227), daß das 
Wort aus frl. bajärz, beärz (mlat. bayarzium) entlehnt sei, für richtig: 
aus bajarz und bejarz [beärz] ward zunächst *boJär6 und ^bejärS^ dar- 
aus aber durch Metathese , die in Fremdwörtern nicht befremdend ist, 
horjäö und berjäd^ welch letzteres ich in Görz neben herjeö gehört habe. 
An nsl. obor Einfriedung (Duino), cech. obora ist nicht zu denken, Aveil 
das Suffix ja6 unerklärt bliebe. brsl'En Hedera helix, neben wbbrsls,n\ 
nsl. serb. brsljan^ cak. brsljän. plJEn betrunken : pijan. pUcela 
Pfeife, Unterschenkel: aäl. jns iah. .. In enkst emmal: näl. e^ikrat scheint 
s nicht direkter Vertreter des a, sondern des ^ zu sein, das für r eintrat; 
enkrat, enkrt, enkht., enkat (in Innerkrain); dasselbe gilt von dväk^t^ 
triket, teket : takrat. Das Suffix njak [hn-jak^) wird zunächst nek., 
woraus weiter durch Einwirkung des Suffixes nik^.^ auch nik hervor- 
gehen kann: kijrhek neben kyn'iik Hühnersteige: nsl. kurnjak. wüöhcet 
f. beruht betreffs des £ nicht auf aj (cajt), sondern geht, wenn nicht 
schon auf mhd. höchztt^ wenigstens auf eine dialektische d. Form, die 
kein a kennt, zurück, etwa kämt. hoacJtzef. 

b) wenn dem a ein /, w, /', c [sc] nachfolgt : kosten nsl. köstanj\ 
cak. kostänj. naUs absichtlich aus ^nuhsc.^ nsl. navlas6. pipsn dem 
Pipan (Pn.) gehörig. sÄ-ore/ beinahe : nsl. skoraj\ cak. sköro. spärenya 
aus sparanga\ ital. sparago. wtüiery : vhdera^ wdterm hesternus : 
*vhderanh. toösten Peitschenstiel, gen. loostäna mit Suffix aii für das ge- 
wöhnliche h7l^ [osthtih)., wahrscheinlich nach kosten., kostäna. zdäwnej\ 
asl. izdavhna. zdyrEj'c On. aus '^zagradhch. Hierher gehören auch 
andere, ziemlich häufige Adverbia auf nsl. aj, in früherer Zeit a : vleko- 
mej. Ferner trifft dieser Lautwandel das unbetonte thematische a des 
Imperativs, der HI. plur. und des Verbalsubstantivs von Verben V. 1, 
zweiter Betonungsreihe, V. 2 und VI. (Morph. 113 ff.): dUJej., dlelejmo^ 



142 K. Strekelj, 

diehjte^ diehju^ dielme — von welchen Formen sich das e auch auf 
solche ausbreitet, wo dem unbetonten thematischen a kein / nachfolgt 
und eigentlich f/, a zu erwarten wäre (vgl. Morph. 111). 

c) auf dem gleichen Grunde wie der sub b) behandelte Lautwandel 
beruht auch der Wandel des« in e bei unbetontem Suffixe fl??>,nsl.or, wenn 
dasselbe durch ein thematologisches oder morphologisches Suffix erweitert 
wird, d. h.y wieder zum Vorschein kommt: mükar^ mükerja^ mük^rjow 
(Morph. 3 2, 85). Dieser noch schwankende Wandel trat zunächst wohl nur 
dort ein, wo die nächste Silbe ein ?', \j enthält (dat., loc. sg., nom.pl.); von 

j begünstigt verbreitete sich t auch in andere Formen und Kasus, ja sogar 
in den nom. sg. ; denn sluösEr ist wohl zunächst nsl. slöaar^ biiosner 
auf nsl. bösnar^ rümsr auf nsl. römar, dann erst auf das fremde Vorbild 
desselben zurückzuführen: d. Schlosse?-, bair. Forstner (bei Belostenec 
schon saltuarius lug<4r, ybs/2ar I. 1076, gruarius yos/iwr, lugar I. 616), 
ital. romero. Man beachte, daß das Friaul. stets ar für arius und auch 
der deutsche Dialekt Kärntens die Endung ar beibehalten haben ; cf. 
Pirona XXXIV. und Lexer VIII. sub e. Auch lilmtr Zahl verdankt sein 
£ der Analogie der übrigen Kasus: lümerja etc., frl. lümar und nümar. 
Das gleiche gilt von yäsp&r, ital. Gasparo, kämt. Gasc/iper. 

d) Der Lautwandel a in £ tritt in unbetonten stammbildenden Suf- 
fixen vor einer nachfolgenden i enthaltenden Silbe ein: a)jan [janim] : 
TrzäÖBni und durch Anaglogie darnach Trzddens aus TrzäÖane (Morph. 
12, 13). ß) UV {av^) : smrkotv, nsl". smrkov rotzig, nom. pl. masc. 
smrksvi (Morph. 79, 85). y] arca (aus arh-ira oder arb-bca) im dat. 
loc. sg. büöbnerci von büöbfiarca. d) arka (aus arh-'bkd]'. dat. loc. 
sg. hciSerki von hvi'darka. e) eist : nom. pl. masc. ytibesti, my- 
/£5^< : nsl. gobast, mutast. t) ava : zästava Wolkensäule, dat. sg. 
zästevi neb. zästavi\ pönava, asl. pony, dat. loc. pönEvi. rj) themat. a 
der Verba III. 2, V. 1 zweite Betonungsreihe, V. 2, VI. in jenen Formen 
des I- und n-Partizips, in denen die nächste Silbe ein ^ enhält: diehliy 
diehni, diehnih^ nsl. delali, delani, dSlanih. 

e) Merkwürdig sind: vanüöyref Weinberg, gen. vanuoyrada; russ. 
BHHorp:'iAT> und ka/oivret Spinnrad (Morph. 38). Man muß annehmen, 
daß £ im loc. sg., nom. pl. [vanüöyredi, kalöwrsti) eine so große Assi- 
milationskraft gehabt habe, daß das zu erwartende « beim ersteren Worte 
im nom. sg., bei letzterem aber durchgehends in £ gewandelt wurde. 



Phonologie des Görzer Mittelkarstdialektes. 143 

IV. a wird vertreten durch e. 
§ 18. Bisweilen erscheint a vertreten durch e^ welches stets lang 
betont ist (§ 13). Dieser Lautwandel ist geradeso vor sich gegangen, 
wie der Lautwandel a— >£, nur tat hier der Dialekt noch einen Schritt 
weiter und längte das b. Die hierher gehörigen Wörter zeigen fast durch- 
gehends regressive Akzentverschiebung, gewöhnlich um eine, seltener 
um zwei Silben. Neben Formen mit e findet man noch vielfach solche 
mit 6 (in der nordwestlichen Zone mit a), was zugleich als ein Zeugnis für 
das geringe Alter der in Rede stehenden Erscheinung gilt: dejat neben 
däjat geben: r. AaBiixi, asl. dajati betonen die Russen dajäti. dostejat 
neben dostäjat erhalten; r. AOCTanaTt; ebenso zastejat zurückbleiben 
(im Gehen), felü neben felif und fcdit fehlen; bair. /o/e??, mhd. välen^ 
ital. fallare, nsl. im Isonzotale faUt. frence^ in Krain france^ gen. 
franceta : Franz. yesit neben ylsit und ycisit löschen : r. racHTL serb. 
gäsiii. yledit^ yVkdit^ yladit und ylädit glatten : nsl. gläditi neben 
gladiti. s^ ylesii neben ylhsit, ylusif, yläsit einen Laut von sich geben : 
serb. gläsiti. yredit^ woyredit umzäunen : serb. gräditi. hUdit^ hfe- 
ptt, lüadit kühlen : russ. xoj[o;i;nTt, serb. hluditi. jermolin ÄTßnkose 
aus triest. armelin albicocca, durch die Zwischenstufen: '^jarmeUn^ 
*Jer7neUn^ Jhrnielin^ Jlunolm. kedit^ khdit^ kadit rauchen; serb. kd- 
diti, r. KaAUTL. /cezit^ khzit^ kazit verderben, r. Ka3iiTfc. meyEzn neb. 
meyszin Magazin, mertn gen. mertiiia, mrtina : Martin, cak. martin. 
pertit^ pertif^ pärtit teilen ; ital. pariire. s^pomledii^ pomlldif^ potn- 
ladit sich verjüngen; serh. pomlädüi se. presSic,presw junges Schwein; 
cak. prascic. ^res?» Schwein; nsl. ^:>rßse. s e di t, shdit, sadit T^ü&nzen', 
r. ca^HTt. skelit, skalit trüben; r. KajiiiTB. s^ icsmredit^ icsmrhdii, 
lüsmradit zu stinken anfangen, in Fäulnis übergehen; nsl. smraditi., 
smradim. te-steri die alten Leute im Hause, d. h. der Großvater nebst 
der Großmutter : nsl. start : tu stari. tejit^ tajit leugnen; r. xaHXb. 
veje7i, vaj'en gewohnt : nsl. vaj'en. velit, valit wälzen, zvelit Junge 
werfen, r. BajiHTt. vel'at^ vd'äm : ital. valere, woraus vaJjäti^ serb. 
valjati. Auch in Präfixen, resp. Präpositionen und Konjunktionen: wr/, 
nad^ za^ da wird a bisweilen durch e vertreten : nebrzn On. aus nsl. 
na-hrezini\ zunächst schwand das Kasussuffix «', wodurch man eine 
mask. Form erhielt, während das Ital. noch an der ursprünglichen Form 
festhält: Nabresina. 7ie-dni nehen ne-d/it, nadni am Boden. ?iaf/ wird 
nur in Gegensätzen Jied: ü si biw pöd-nin^ jest ned-nin du standest 
unterhalb, ich oberhalb desselben, neönt^ naönt beginnen, anschneiden, 



144 K. Strekelj, 

anzapfen, nsl. dial. naöniti für asl. naÖeti mit Anlehnung an das Prä- 
sens, neynt neigen, r. narHyxi. nepnt anziehen ; nsl. dial. napniti für 
asl. napeti nach Analogie des Präsens, nerdit machen ; r. HapHAi'iTfc ; 
nerJEH^ nsl. narejen. zeönt beginnen, nsl. dial. zadnitiiüv 2i'&\. zaÖqti 
nach dem Präsens, zcpt't zumachen ; nsl. zapreti. 

Nicht in der Vokalharmonie begründet ist die Vertretung des a 
durch e in: delö weit, in Krain daleÖ ^ serb. daleko. mres Kälte (nur 
nom. sg.). 5/;eJfl^ absetzen, ausverkaufen, neben sjoat^a?': ital. spacciare, 
ven. spazzar, frl. spazzä. tehJc Helleborus sp. : nsl. talog. Jest ego asl. 
az^^ jazh, nsl. j'est aus jaz-ti verdankt sein e dem Einflüsse des voran- 
gehenden j. 

V. a wird vertreten durch o. 
§ 19. Die Abwechslung des a durch o findet man bei Fremdwörtern 
bekanntlich bereits im Altslovenischen ; diese alten Fälle sollen deswegen 
bei der Behandlung der Schicksale des o in betracht kommen. Jüngeren 
derartigen Vertretungen begegnet man nicht bloß vor oder nach der Ton- 
silbe, sondern auch in dieser selbst. Sie sind zurückzuführen teils auf 
den dumpfen Klang des a in der fremden Sprache [ao)^ aus welcher die 
Wörter stammen, teils auch auf die Assimilationskraft gewisser Konso- 
nanten. 

§ 20. In der Tonsilbe wird a durch o vertreten: 
a) in Fremdwörtern, die meist dem bairisch-österreichischen deut- 
schen Dialekte entnommen sind, wo a bekanntlich häufig wie Brücke's 
ao lautet. Dieses o ist meist lang betont; wenn/ oder /' folgt, ist es ge- 
wöhnlich kurz: ajznpön Eisenbahn, höh Speckseite des Schweins; ahd. 
hacho^ pacho Speckseite, mhd. hache Schinken, geräucherte Speckseite, 
tir. hächen, cech. hoch id. dy'ot Draht, dröhant und drbhant Gerichts- 
diener; mhd. drahatit, trahant Fußsoldat; auch drahant wird gespro- 
chen, ybio^ gen. yöla : smeti ybw der hl. Gallus. hblt^ interj d. haltl 
woraus ital. alto ; hbltolä mit Anlehnung an hblt aus frl. alto-lä. klöftr 
Klafter, ^ro/" Krapfen, löyr Soldateulager. Ibjin Leiter, bair. Laite7\ 
?;?o/,s/r Meister, bair. Maister. nörc Narr; znörit närrisch werden, pöca 
Ruten, Schlag auf die flache Hand, tir. hätzen^ kämt, patze id. wöd- 
Vi7it Adventzeit. Ob kUf Ohrfeige, klbfnt, klbfat ohrfeigen hierher zu 
zählen ist, bleibt dahingestellt; vgl. nsl. klofilta Ohrfeige, klöfniti, klo- 
fäti, cech. klofcoväni das Ohrfeigen und vgl. lat. colapha^ colapJiizare; 
aber auch Entlehnung aus d. klopfen^ resp. die Annahme einer einhei- 
mischen onomatopoetischen Neubildung wäre nicht unmöglich. 



Phonologie des Görzer Mittelkarstdialektes. 145 

b) vor w, mag dieses auf w, v oder l beruhen: föws falsch, ylbiona 
titio; asl. glavhnja. löwrs^ röichk Laurentius. pdtohk Paulas, daneben 
päiül. proxo ^ asl. pravh. röwiia Ebene: ^ratwia'y röwnat das Ge- 
treide reinigen, züchten, nähren : nsl. ravnati. söwdan Schiefer ; ital. 
terra saldana^ frl. saldäm sorto di roccia siliceo-calcare, arenacea, fria- 
bile. shbicna und skäwna Vertiefung im Felsen, ausgehöhlt durch an- 
gesammeltes Regenwasser: nsl. shälhina. ipröwh Sprache, Spruch. 
zmöwc Kot scheint trotz des Bedeutungsunterschiedes auf d. Schmalz 
zu beruhen; vgl. mhd. smalzen^ schmelzen, zerfließen; zmöwc wird da- 
her ursprünglich als »Schneewasser« zu denken sein, zöw leid : asl. 
zah. Hierher gehören ferner die einsilbigen /-Partizipia im masc. sg., 
falls sie kurz betont sind und im Nsl. auf al ausgehen (Morph. 95, 99, 
120, 121). Hbwt Gestalt hat in der Deklination ä : ^täivta. 

§ 21. Nicht minder häufig ist die Vertretung des a durch o vor 
der Tonsilbe: io(/?7 Stechspaten; cak. hacWj] ital. hadile: das Volk 
lehnte das Fremdwort an hosti^ hoclem pungere an. Kolcmdär^ ital. 
calendario. komiela neben ksmiela Kameel ; frl. camele, ven. camelo. 
kondrieya neben kendrieya Sessel ; cak. kandrega^ kantrlda ; istrorum. 
cantrida [candridä), canh-igä, oberital. cadrega, ven. carega, cariega, 
frl. ghadree; vgl. Schuchardt 37. kopäc fähig; ital. capace. kowcieta 
Strumpf; ital. calzetta. lowrenc Laurentius. mojstrija Meisterschaft 
beruht auf mdjstr. mortiär Seemann, cak. mornär aus ital. marinaro. 
norica Närrin beruht auf 7iörc. posäm neben joasam, Inf. pasat vorbei- 
gehen; ital. passare. posiet neben pesiet Maßstab ; ital. 2^<^ssetto halber 
Stab (als Maß), povliha ein Schimpfwort für einen dummen Menschen, 
von päwl Paulus, roivnica beruht auf röwna. soläta Salat, Häuptel- 
salat; triest. salata latucca, frl. saläte id. ital. insalata. soUtr Sal- 
peter, d. Saliter (15. Jhrh.) aus Salniter. sowtär Flurschütz; ital. sal- 
taro. tohäk Tabak; vgl. indessen auch d. Tohack. tokvin Geldtasche; 
frl. tacuin, ital. taccuino. wohrihtat abrichten (Soldaten). icohrW A.'^xil 
mhd. dbrille^ frl. ven. avrll. wokänc^ Ferien, ital. vacanze. womär 
Kasten; lat. armarium. womtrija das Ave -Marialäuten , mit Aus- 
stoßung des ve von ave\ im Görzschen omarija. wopälta Tabaktrafik; 
d. Abalde, ital. appalto Pacht, ven. apalto. loopHi Militär-Abschied. 
woräpci die Araber, wordjän neben wrdjän Flurschütz , frl. uardiän. 
Auch hier begünstigt ein nachfolgendes iv die Vertretung des a durch o, 
wie man aus dem Präfix, resp. Präposition na und za ersieht: zowretn 
neben zöwrsm beginne zu sieden, nsl. zaivrhn; zoiorielca kahmiger 

Archiv für slavische Philologie. XXXV. 10 



146 K. Strekelj, 

Wein: zavr^lo vino. noiväihnem gebe ein, erleuchte, noiopik senkrecht : 

nsl. navpiJc. noiodil ohne Ziel weiter : navdil' . . . 

§ 22. Nach der Tonsilbe ist a durch o vertreten in: ändoht 

Andacht, feierlicher Gottesdienst, fäjmostr Pfarrer : Pfarrmeister, fä- 

ros Pfarrhaus könnte auch auf mhd. hüs beruhen, aber nsl. färovz 

spricht dagegen, känkor Türangel, Krebs (§ 4). 7iäsot neben ndsaf, 

gen. näsoda und näsada Lage zum Dreschen, püslof Buchstabe ; bei 

Belostenec pusiuba. wadrzoJi Ursache, zämoh und zämah Verschluß. 

ia/ro^ Sakristei; ital. sagrato, frl. sagräd^ segräd cimitero. Das gleiche 

tritt ein: bei den Suffixen avhcb, av^ka, av^ca (Morph. 35, 40), 

dann beim Suffixe av^ im nom. sg. (Morph. 78, 79, 83, 84), sowie im 

masc. sg. des /-Partizips der Verba I., II. 2, V. 1, 2, 3 (Morph. 99; 

103; HO). 

VI. a wird vertreten durch ^. 

§ 23. Diese Vertretung kommt vor in; näp^k unrichtig (durch An- 
lehnung an Adj. a,ui^k): na opak^^ ferner beim fem. und neutr. plur. 
des /-Partizips der Verba III. 2, V. 1 zweiter Betonungsreihe, V. 2, VI., 
dann, wenn in der nächsten Silbe wieder ein ^ folgt und diese bei- 
den Silben der Tonsilbe nachfolgen: slihh, dwhh, mäz^h, v1erv^h. 
Das gleiche gilt von denselben Verben im sg. gen. des fem., plur. nom., 
acc. des Fem. und Neutr. des ;?-Partizips, dann von den gleichen Formen 
der Adjektiva auf av^^ ast^, sowie von den gleichen Kasus der Sub- 
stantiva auf ara, arca : j^^^'^^^'^^''^ dEklieth geputzte Mädchen, p>i^'^^^T' 
riftb eines bunten Kopftuches, kihv^ d^kUetb ungelenke, verschlafene 
Mädchen : kilav. müt^st^ zem der tauben Frau, s k^etn^r^ von Che- 
tinara. milkhrc^ der Mehlhändlerin. Diese Assimilation des a an das 
^ der folgenden Silbe ist wohl durch die Vermittlungsstufe a vor sich 
gegangen {a-a-^)^ das sich noch immer neben ^ erhält, gestützt auf die 
übrigen Formen, wo a und a gesprochen wird. Es beruht demnach auch 
^ für a auf dem Gesetze der Vokalharmonie. 

VII. a wird vertreten durch i. 
§ 24. Ein i vertritt das a in äwzlih d. Aufschlag^ Zoll, vielleicht 
mit Anlehnung an hritih^j'esih, miedih. Für den Ausgang asl. nak^ 
findet man neben hek auch nik infolge der Anlehnung an das Suffix 
n^k^, das sich im Mittelkarstdialekte seinerseits betreffs des n dem nak^, 
resp. nek anschloß und stets palatales w aufweist: kiltnik dens molaris, 
serb. kutnjak. tcritmk Fußtritt in den Hinteren, cak. trUnjuk ictus 



Phonologie des Görzer Mittelkarstdialektes. 147 

calcis . . . tniökin^ midkn, midkano klein dürfte direkt aus dem Italie- 
nischen — miccichino sehr wenig, miccinino ganz klein wenig — ent- 
lehnt oder zumindest durch die genannten italienischen Wörter, sowie 
andere ähnliche Bildungen (frl. pitinin, ital. piccinino\ am nordwest- 
lichen Karst wird auch mitikin gesprochen) in der Entwicklung aus nsl, 
mäjhen für maljahen gefördert worden sein; beachte das tolmeinische 
m?7m, aus mejhn^ maj'hn wie M für klj\ käj\ ferner nsl. mijolka (§11) 
und nibrdelj aus najholjdelj [najboljdlje]^ die längste Weile (Janezic, 
slovar^ 212), sowie cak. mici parvus, micalian parvulus, wo c auf frem- 
den Ursprung deutet: Skrabec schreibt stets majhin majhina^ wohl auf 
den Dialekt seiner Heimat sich stützend. Dunkel ist /e, welches prokli- 
tisch dem Imperativus adhortativus beigefügt wird: lidej-ya gib ihm nur, 
nur fest auf ihn los ! U-vrz-ya wirf ihn nur. Nsl. lautet die Partikel le^ 
woneben Miklosich Et. Wb. 162 auch le, nur, nur zu schreibt. Wenn 
diese Partikel nicht auch im Cech.,Poln.Klr. (allerdings in etwas anderer 
Bedeutung) gebraucht wäre, könnte man an Entlehnung aus dem südd. 
lei denken, einer »aus gleich, glei verkürzten Füllpartikel, die nicht 
eigentümlich kärntnerisch ist, wie Lexer vermuthet« (Schöpf 380/81), 
sondern auch in Bayern und Tirol gesprochen wird, in den meisten 
Fällen unübersetzbar ist und "^nur, bloß, gerade eben, gar' bedeutet. Die 
Entwicklung des U aus d. lei d. i. laj ginge dann etwa so vor sich, wie 
die von ki aus kaj. Daß das / schwinden und le das Piesultat bilden 
kann, zeigt das le von tä-le dieser da, aus glej\ vgl. c. hie: tamhle, 
tuhle usw. 

VIU. Sonstige Vertreter des a. 

§ 25. a) Durch te erscheint a vertreten in: drieta Schusterdraht; 
wahrscheinlich ist vom Plur. Drähte auszugehen. 6ien6a Geschwätz, 
Schwätzer : frl. ciancis Geschwätz, ital. ciancia, ven. cianzar schwätzen : 
daneben danöat, dandäm. 

b) Durch üö, das auf der Mittelstufe nsl. 6 beruht, erscheint a ver- 
treten in: hüöynar d. Wagner, mudssr, müösar ein Gefäß, mit welchem 
Wein geschöpft wird: bayr. Maser Trinkgeschirr, züötlar Sattler. 
hüötr, büötra Gevatter, Gevatterin, muß wohl von k^motr^ und Com- 
puter geti-ennt werden, b für f [v] spricht für die Entlehnung aus ahd. 
gevatero, mhd. gevater, gevatere m. f. 

c) Durch w, wobei gleichfalls ö die Mittelstufe bildet, erscheint a 
vertreten in: kümba, nsl. kämba Krummholz am Joche, mhd. kambe 
(vgl. Archiv XI. 461). läntvsr Landwehr, luntkäria Landkarte, mit 

10* 



148 K. Strekelj, 

Anlehnung an das betonte lant in lünlVE7\ psjimtar Beamter, pü- 
ylowc Knirps : nsl. päglavec. punysniet neben panyEtiiet Bayonnet : 
bayr. Bangenet. Merke kükr nsl. köker für kakor. Das ii in inajarün 
usw. beruht auf dem frl. o: majarön (§ 11). 

§ 26. Wie die dem Slavischen mißliebige Gruppe tart., talt^ tant 
gemieden wird, wird bei der Darlegung der Schicksale des r, ^, w gezeigt 
werden. [Metathesis trat ein in: ramcida neb. armäda^ ven. armada 
Armee, ramünka Harmonika, raz^näl neb. arzhnäl Arsenal, romär 
neben lomar und ivoniär setzt schon ormar voraus: lat. armarium. 

Svarabhakti-a findet sich in sarahat^ gen. saraJa^a Waldrebe; 
cak. skrahotdvina, nsl. srabot, srobot und in saräj'at neben Arafat 
sprechen, d. schreien. Es ist indes unsicher, ob a hier nicht für o (cf. 
sörohot im Görzschen), resp. für e (cf. upitie non serai bei Skalar 275b) 
steht, welch beide Laute nach den Gesetzen der Vokalharmonie in a 
übergehen müßten. 

IX. a im Anlaute. 

§ 27. Im Anlaute hat sich a nur in Fremdwörtern erhalten: ädam 
Adam. ä)ia, änca Anna, älitat achten; ähteriya Achtung, Achtsam- 
keit, ämbo Ambo im Lottospiel, casärska äkwula Reichsadler : ital. 
aquila. äjer Luft, ital. aere, frl. äjm-^ ajer. äks m. die Achse, äles 
Alexius, gen. äJesa neb. alesa (Klanec). älmozna Almosen. änyVc 
angelus. ära Drangabe. äivzlih Aufschlag. Ferner findet sich a im 
Anlaute bei deutschen Lehnwörtern, bei denen die anlautende Spirans h 
geschwunden ist : äntvel'a Handtuch : mhd. ]ia7it - twehele. äntverh 
Handwerk, äwtman neben yäxotman Hauptmann. Als a findet sich 
anlautendes, unbetontes a in: amerka Amerika neben merka. akördo 
gleichgestimmt, handelseins, ital. accordo. afär Geschäft, ital. affare. 
antun neben ntün Anton. Einigen Entlehnungen wird j vorgeschlagen: 
jermolin Aprikose : triest. artneUn. Die gleiche Erscheinung findet sich 
bei einheimischen Wörtern und alten Entlehnungen; sie ist allgemein slo- 
venisch: jäpno Kalk, jäpko Apfel : asl. ahhko malum AbeUicum. 
jäyhe Lamm usw. — Über den Schwund des anlautenden a vgl. § 29. 

X. a im Auslaute. 

§ 28. Auslautendes a vertritt durch Anlehnung an andere einhei- 
mische fem. Substantiva die fremden Suffixe der Lehnwörter, bes. mhd. 
nhd, frl. e, oder ist eine Zugabe zu konsonantisch auslautenden Suffixen: 
jäya Jagd kämt, die Jagg. ylihenya Vergleich : *mhd. gelichung Glei- 



Phonologie des Görzer Mittelkarstdialektes. 149 

chung . . . Bisweilen tritt a an Maskulina, so daß ein Geschlechtswandel 
eintritt: püna Faustschlag aus ital. pugno^ frl. pwjn. paiäfa Ohrfeige; 
triest. pataf wl. ceffata. pedöca große Laus; triest. pidocio, ital. pi- 
docchio. petröJJa^ patrölja Petroleum; ital. petrolio. razolja ital. 
rosolio. spdya Spagat, it. ven. spago. täpa frl. tapp m. (§ 9). — In 
Adverbien ward auslautendem a durch Einfluß von Formen mit verstär- 
kendem i (Et. Wb. 94: i 1) ein/ angefügt, durch dessen Wirkung der 
Lautwandel von a in £ eintrat: vieko7nej\ zdij (§ 15, 17 b). 

XL Schwund des a. 
§ 29. Der Schwund des a ist bemerkbar: 

a) im Wortanlaut von Fremdwörtern; doch kann derselbe nicht 
stets mit Sicherheit bezeugt werden, da häufig schon die Sprache, aus 
welcher entlehnt wurde, dialektisch den Schwund aufweist. Solche un- 
sichere Fälle sind: hedesa dickes Frauenzimmer, ist wohl ital. dial. ha- 
dessa^ frl. hadesse und nicht ahhadessa. ineza *^Agnes', ital. Agnese^ 
frl. Gnese^ kämt. Neas, ptolimia n. palima ApoUonia, ven. Polona^ 
Polo7iia. töne Anton, frl. ital. d. To7ii\ lojze Alois, d. Loisl. mälja 
Amalie; d. Malchen\ peiik k.'^'^^Wi^ frl. piticc. re'^^ Arrest, frl. rest 
neben arest ''avanzo''; cak. rest. rost Braten, ital, arrosto^ triest. rosto. 
sesrn Straßen räuber, ital. assassino^ ven. sassin, frl. sassi?i. rmya 
Häring, d. dial. Renge, frl. renghe. vanc, vancat Best, Ersparnis, er- 
sparen, frl. vanzar, ital. avvanzare. vezierat avisieren, triest. avisa, 
frl. Visa. 

Auf dem Boden des Karstdialektes ist a geschwunden in: merha, 
merkänski Amerika, amerikanisch, pälta neben wopalta 'Abalde', 
Tabaktrafik, tastat Zeugnis, ital. attestato. vcmtüör der Kunde, ital. 
awentore, ven. avventor. lookät Advokat, ital. avvocato. In läntus, 
auch svieto oder hözje driewct genannt, schwand der Diphthong aj : 
AilantJms. 

In Gruppen a7it, art schwand a in: ntün Anton, ndrejc Andreas, 
rcnija Arznei, mhd. arzenie. 

b) im Wortanlaut von einheimischen Partikeln: nti aus aiüi, anoti^ 
wenn es proklitisch ist: ^ti 72e? 'wohl nicht'. // aus ali, wenn es enkli- 
tisch ist : ti li wön 'du oder er'. 

c) In Gruppen tart, trat, tant, talt: diese Fälle sind bei r, resp. «, 
/ behandelt. 

d) Vereinzeltes : 7iäp6'bivb aus*?ia o/iaJwz?. 'verkehrt, falsch'; aus 7iao- 



150 I- Franko, 

pah^ ward zunächst durch Anlehnung an Adjektiva auf ^h nap^k und das 
Wort dann so behandelt, als enthielte es von allem Anfang an Stelle des a ein 
^,'h. Auch im /-Partizip von dMati. wenn es dreisilbig ist, kann a ausfallen, 
wobei natürlich die im § 23 angeführte Abwechslung vorausgegangen 
ist: diehh, daraus ward zunächst dielh und in Anlehnung daran dann 
auch dzelli, diella. Eine ganze Silbe mit a ist geschwunden in ivopasa 
aus *upasa für it. uva passa 'Weinbeerlein, Zibeben^, frl. iwe passe. 
Schwund zeigen auch die Fremdwörter : paspört Reisepaß , Vorzimmer, 
ital. passaporto. mazlän Art Stoff, ital. mezzalana^ frl. mezeJane., 
miezelane^ wenn nicht eine dial. Form mit u zugrunde liegt, cf. c. me- 
zulan. In xoödrt schlagen, prügeln aus udriti ist kein a ausgefallen; 
udriti ist eine Neubildung zum Imperativ udri (im Serb. wird nach Vuk 
meist nur der Imperativ gebraucht) , als ob dieser zu einem Verbum der 
IV. Klasse (wie moli, prosi) gehörte und nicht aus u-dhr-i (zu dbrq, 
dr^ti) entstanden wäre. Im Karstdialekt erhält die Neubildung imper- 
fektive Bedeutung, während dieselbe im Serbischen perfektiv ist. 



Kleine Beiträge 
zur Geschichte der kirchenslavischen Literatur. 

Ich habe mir vorgenommen, in den Publikationen der Sevcenko-Ge- 
sellschaft der Wissenschaften in Lemberg eine Reihe mehr oder weniger 
wichtiger kirchenslavischer Texte mit mehr oder weniger ausführlichen 
Studien zu veröffentlichen als eine Vorarbeit zu einer breit angelegten 
Literaturgeschichte des südrussischen (ukrainischen) Volkes. Die Texte 
sollen vorwiegend den in Lemberg befindlichen kirchenslavischen Hand- 
schriften entnommen Averden, wobei es jedoch nicht ausgeschlossen ist, 
daß auch andersweitig publizierte Texte reproduziert, respektive kritisch 
bearbeitet werden, je nachdem sich die Gelegenheit darbietet, ihnen eine 
mehr oder weniger wichtige literarische oder historische Erkenntnis zu 
entnehmen, welche bisher entweder ganz unbekannt, oder nicht allgemein 
bekannt, bezweifelt oder bestritten wird. Ich habe mir keinen detail- 
lierten Plan aufgestellt und wurde zu dieser Arbeit nur durch den Reich- 
tum und Mannigfaltigkeit der handschriftlichen Schätze bewogen, welche 
eine reiche Ausbeute für die literatur - historische , sprachliche und ge- 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 151 

schichtliche Forschung versprechen und bisher verhältnismäßig nur 
wenig ausgenützt wurden. 

Aus dieser meiner Absicht erwuchs naturgemäß auch der Vorsatz, 
die wichtigsten Resultate meiner Studien und Forschungen auch einem 
breitereu europäischen Publikum in möglichst knapper und präziser Form 
mitzuteilen, in der Hoffnung, hiermit zu den allgemeinen slavistischen 
Studien, für welche auch außer der Slavenwelt in wissenschaftlichen 
Kreisen vielfache Interessen sich regen, manches beizutragen*). 

I. Konstantins »Alphabetisches Gebet«. 

Dieses kleine Denkmal der kirchenslavischen Sprache, schon fast 
ein ganzes Jahrhundert lang bekannt, mehrfach herausgegeben, aber 
doch zu wenig beachtet und nicht immer richtig behandelt und geschätzt, 
verdient wohl seines Inhalts, seiner Form und seines Verfassers wegen 
an die Spitze des kirchenslavischen Schrifttums gestellt zu werden. Es 
ist meines Erachtens nicht nur das erste literarische Produkt der kir- 
chenslavischen Sprache — schriftliche Produkte in dieser Sprache können 
ihm manche vorangegangen sein, — es ist ein Gedicht von ausgesprochen 
reiner und kunstvoller Form, von hohem poetischen Wert und von einem 
mächtigen religiösen Gefühl getragen; es ist überdies, was man bisher 
nicht ganz grundlos, aber doch aus Mangel an tieferer Erkenntnis über- 
sehen hat, das Produkt des ersten Lehrers der Slaven, Konstantin des 
Philosophen. 

Zum erstenmal wurde dieses Gebet in der russischen Ausgabe des 
Werkes von Joseph Dobrovsky über Cyrill und Method in zwei Versionen, 
gewiß ohne Wissen und Willen des Verfassers veröffentlicht i). Beide 



*) Wir gönnen gern Raum diesen >kleiuen Beiträgen« des verdienstvollen 
Forschers auf dem Gebiete der altkirchenslavischen Literatur, wobei selbst- 
verständlich den Lesern, die den einzelnen hier angeregten Fragen oder Deu- 
tungen näher stehen, frei gestellt werden muß zu den Resultaten oder Kom- 
binationen des Verfassers Stellung zu nehmen. So gleich beim L Beitrage 
wird nicht jedermann die Überzeugung teilen, daß diese alphabetisch geord- 
neten Verszeilen vom ersten Begründer des slavischen Schrifttums, Konstan- 
tin, herrühren sollten. Auch die Rekonstruktionsversuche , um regelmäßige 
dekasyllabische Verszeilen zu gewinnen, sind nicht immer überzeugend. 

V. J. 

1) Kupii.i.it u MeeoÄiir, c.iOBeHCKie nepBoyquie.'m. IIcxopuKo-KpiiTiiqecKoe 
usc.iiaoBaHie locu'i-a ^oöpoBCKaro. IlepeBOÄt ct, HiMCUKaro. MocKBa. Bx Tiino- 
rpa<i.ii CeMena Ce.3HBaHOBCKaro 1825. 4-to, S.VII-f- 150 + 4 unpaginierte. Die 
Vorrede ist gezeichnet von Michael Pogodin. 



152 I. Franko, 

Texte, aus russischen ziemlich späten Handschriften, sind in prosaischer 
Form abgedruckt, der erste S. 109, der andere S. 151. Zum zweiten- 
mal wurde es aus einer bedeutend älteren Handschrift veröffentlicht von 
Joseph Bodjanskij in seinem Werke über den Ursprung der slavischen 
Schriftzeichen S. LIX — LX^). Ebenfalls einen altertümlichen Text (vor 
dem Jahre 1300) veröffentlichte I. Sreznevskij im J. 1SG3 in der Chresto- 
mathie, welche seiner Kompilation »/tpesHie naMüTiiHKn pyccKaro nstiKa« 
einverleibt wurde 2). In der neuesten Zeit machte sich Prof. A. Sobo- 
levskij mit diesem Gebete viel zu schaffen. Er veröffentlichte es im 
J. 1S84 in der Monatsschrift »PyccKiii ^I^iJio.ioriniecKin; BicTHiiKi.«, im 
J. 1S92 in der Zeitschrift »En6jiiorpa*Tb«, im J. 1900 in dem »CöopiiHKi. 
3a Hapo;i;HH yMOTBopeHHa, nayKa h KimyKimHa« (Kit. XVI ii XVII S.314 
— 324) in Sofia in Bulgarien 3) und schließlich im J. 1910 in seiner 
Publikation »MaxepiajiM n nscji^AOBaniH b-l oöjacTH cjaBHHCKoä *hjio- 
.lorin H apxeojroriii« (CöopiiiiK'B OTß^ijiemE pyecKaro asLiKa ii cjio- 
BecHOCTH Hmh. AKa^eMin HayKTi t. LXXXVIII, S. 9 — 10). Die 
Publikationen von Bodjanskij, Sreznevskij und Sobolevskij sind sämtlich 
in versifizierter Form gedruckt. Noch eine Version dieses Gebetes ver- 
öffentlichte ich aus der Handschrift der »Ila-iea To.iKOEaa« des Basili- 
anerklosters in Krechov in Ostgalizien im ersten Bande der Publikation 
»IlaMHTKH yKpaiHCLKO-pyetKoT mobh i jiTTepaxypH« , Lemberg 1896 
S. LV. Dieser Text, welcher sich den Versionen des Dobrovsky am 
meisten nähert und um zwei Zeilen ärmer ist als die anderen Varianten, 
wurde auch in Prosaform gedruckt. Was die handschriftlichen Quellen 
anbelangt, aus welchen diese Werke genommen wurden, so ist Dobrovskys 
aus einem papiernen Chronograph aus dem J. 1494, damals Eigentum 
des russischen Kanzlers, Grafen N. P. Rumjancov, der zweite aber aus 
einem handschriftlichen Azbukovnik des Volokolamschen Klosters, un- 
bestimmten Datums genommen, der Text des Bodjanskij aus einer hand- 
schriftlichen Paläa aus dem XVII. Jahrb., der des Sreznevskij aus einer 
pergamentenen Sammlung der Predigten des Johannes Chrysostomus, 
der des Sobolevskij aus einer nicht näher bezeichneten Pergamenthand- 



1) 0. EoÄflECKifi, EpeMenii npoucxoHCÄenia ciaBaHCKuxt nucBMent. Co- 

UHHCHie et 19-TBIO CHHMKaMH. MocKBa 1855. 

2) H. CpeaHeBCKifi, ^pesHie naMHXHHKH pyccKaro nnctMa ii asiiKa (X — 
XIV BiKOBt). Oömee nospeMeHHoe cöospinie. C. IleTepöyprt 1863 S. 191. 

3) A.n. CoöoJieBCKiM, HepKOBHOciaBaHCKiiTi crHXOTBopeHH/i b^ IX — X 
BiKt H TixuoTO suaieHUG 3a 'lepKOBuocjiaBaHCKHK eaiiKT., S. 314 — 320. 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 153 

Schrift der Moskauer Synodalbibliothek aus dem XII — XIII Jhd. (Cöop- 

HHK'B 3a Hap. yMOTB. S. 3 1 5). 

Trotz der, wie wir sehen, ziemlich zahlreichen bisherigen Publika- 
tionen läßt der Text des Gebetes noch Manches zu wtinschen übrig, be- 
sonders darum, weil die Herausgeber den Text aus ziemlich fehlerhaften 
Kopien meist sklavisch getreu wiedergaben, oder sich Besserungen und 
Transkriptionen der Abkürzungen erlaubten, welche dem Urtexte nicht 
immer entsprachen. Es muß aber hervorgehoben werden, daß das Ge- 
bet wegen seiner poetischen Form und des Akrostichons, in welchem die 
Buchstaben des cyrillischen Alphabets zu Versanfängen verwendet wur- 
den, an die Sprache und die Betonung der Wörter ganz bestimmte For- 
derungen stellt, die, wenn sie richtig erkannt werden, zu einer rich- 
tigen Rekonstruktion des Urtextes behilflich sein können. An eine 
solche Rekonstruktion mit Zuhilfenahme aller bisher bekannten Varianten 
wurde aber von russischen Gelehrten bisher nicht gedacht, obwohl Prof. 
Sobolevskij in seiner letzten Ausgabe vier Verse mit Sternchen bezeich- 
net, welche von ihm rekonstruiert, nach seiner Meinung aber dennoch 
verschiedene Zweifel erwecken (MaTepiajiu S. 9). 

Von den russischen Gelehrten hat sich nur Prof. Sobolevskij mit 
der poetischen Form des Gebetes Konstantins befaßt, und hat über das 
Metrum dieses Gedichtes eine Ansicht ausgesprochen, die mir auf einem 
Mißverständnis zu beruhen scheint. Diese Ansicht, die er in seiner bulga- 
rischen Publikation (op.cit.S. 314 — 315) ausführlich entwickelt hat, möge 
hierin deutscher Übersetzung unverkürzt folgen: »Die byzantinischen 
Griechen hatten große Lust zum Verseschreiben. Wie bekannt, sind unsere 
Kirchenlieder in griechischen Originalen nichts anderes, als Gedichte in 
verschiedenen Versmaßen abgefaßt. Es gibt eine große Zahl auch nicht- 
kirchlicher griechischer Gedichte vom verschiedenartigsten Inhalt und 
verschiedener Größe aus der byzantinischen Periode. Wir haben sehr 
lange Gedichte, ganze Chronographe in Versen. Sogar die großen Kirchen- 
väter Gregorios Theologos und Theodoros Studites verachteten die Be- 
schäftigung mit Versemachen nicht. Byzantinische Gedichte erscheinen 
nicht selten mit einem Akrostichon in dieser oder jener Form. Eine 
ziemlich große Anzahl hat ein alphabetisches Akrostichon, d. h. die An- 
fangsbuchstaben der Verse oder der Distichen oder der Strophen be- 
ginnen mit den Buchstaben des griechischen Alphabets in seiner gewöhn- 
lichen Reihenfolge.« 

»Das byzantinische Versmaß, bekannt unter dem Namen politischer 



154 I- Franko, 

Vers [aTi'xog TCoXiVLy.6g) hatte verschiedene Formen. Eine von den- 
selben war die Folge des iambischen Trimeters der altgriechischen Dich- 
ter, welcher uns aus den Tragödien des Sophokles und Euripides bekannt 
ist. Die griechische Sprache in der byzantinischen Epoche unterschied 
nicht mehr die Längen und Kürzen der Vokale , darum war auch der 
politische Vers etwas den jetzigen französischen oder polnischen Versen 
Ähnliches: er war nur auf der Silbenzahl gegründet. Man kann be- 
merken, daß in dem politischen Vers, so wie in dem klassischen Jambus 
die Zäsur gewöhnlich nach der fünften Silbe lag, und was das Wichtigste 
ist, die vorletzte Silbe des Verses mußte eine Betonung haben. Freilich 
manche byzantinischen Dichter wichen von dieser Regel ab, es waren 
aber die gelehrtesten Männer ihrer Zeit, welche echt griechisch zu schrei- 
ben versuchten ; ihre Verse sind nicht geAvöhnliche politische Verse jeuer 
Zeit, sondern klassische Jamben, und zwar, soviel es möglich war, mit 
allen ihren Besonderheiten.« 

»Einige von den ersten slavischen Schriftstellern, welche sich der 
kirchenslavischen Sprache bedienten (für uns ist es gleichgültig, ob sie 
Griechen waren, welche sich mit der kirchenslavischen Sprache gut ver- 
traut machten, oder Slaven, welche sich griechische Bildung aneigneten) 
hatten eine ebensolche Vorliebe für das Versemachen, wie die Byzan- 
tiner. Die Zahl der kirchenslavischen Gedichte, welche auf uns gekommen 
sind, ist ziemlich groß. Ich sage dies besonders von den alten Gedichten, 
welche noch jener Epoche der Geschichte der kirchenslavischen Sprache 
angehören, in welcher die Zeichen 'b und t noch als Vokale galten und 
Silben bildeten, was man nicht später über das X. Jhdt. hinaus an- 
setzen darf.« 

> Es versteht sich, daß diese kirchenslavischen Gedichte nicht in Ori- 
ginalen oder Autographen ihrer Verfasser auf uns gekommen sind, son- 
dern in Abschriften aus früherer oder späterer Zeit, in welcher i, und h 
oft weggelassen wurden und die Sprache überhaupt sich erneuerte. Dar- 
aus entsteht das Bedürfnis, diese Texte zu rekonstruieren, was gar nicht 
schwierig ist. Man muß nur an manchen Stellen die alten i. und t wie- 
der einsetzen , an die Stelle der aro, yMy, mmi. usw. in der Endung der 
Adjektiva ältere Formen aaro, yyMy, lihmT) usw., anstatt axi>, ixi> u. ä. 
in den Endungen der Imperfekta ältere Formen aaxi, , iaxi. usw. ein- 
setzen, und dies auch nicht immer, und die Rekonstruktion ist fertig. « 

Diese Ausführung des Prof. Sob. ist kurz, aber ungenau. Vor allem 
darf als bekannt vorausgesetzt werden, daß die ältesten christlichen 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. ] 55 

Dichter, Gregorios von Nazianz (330 — 390), Synesios (geb. um 370), 
Methodios vom Olympos (gest. 311) und Ephrämos Syros (gest. 373) 
kaum zu den Byzantinern gezählt werden können, da sie vorwiegend in 
Kleinasien oder Syrien gelebt haben und noch zur antiken Literatur- 
geschichte gezählt werden. In der Dichtung des Gregorios überwiegt 
noch das antike Versmaß, Hexameter, jambische Trimeter und das Ana- 
kreontische. In Hexametern ist auch die fast 2000 Verse umfassende 
Autobiographie des Dichters abgefaßt. Doch sind unter seinen Ge- 
dichten zwei Lieder (das Abendlied und die Ermahnung zur Jungfrau- 
schaft) in neueren, freien Versmaßen verfaßt, deren Grundlage nicht die 
Quantität, sondern die Betonung der Silben bildet. Diese neue Dichtungs- 
art kam wahrscheinlich in Ägypten auf, da wir bereits am Schlüsse der 
kleinen Schrift des Klemens Alexandrinos Tlaidayioyüg einen in freien 
Versen abgefaßten Hymnus besitzen. Ähnliche Hymnen schrieb auch 
Synesios. In Syrien begann eine ähnliche Richtung in der christlichen 
Poesie unter dem Einfluß der hebräischeu Psalmen, und zwar in syri- 
scher Sprache ^). 

Von den späteren byzantinischen Dichtern, welche Verse mit Akro- 
stichen geschrieben haben, nennen wir Nilos, Elias Synkellos, Ignatioa 
Diakonos, Leo den Weisen, Konstantin den Sizilier, Simeon Metaphrastes, 
Nikiforos Uranos, Theodoros Prodromos, Kyriakos den Metropoliten von 
Chonä und den Nikiphoros Kallistos Xanthopulos. Von den Gedichten 
des Theodoros Studites sind die meisten Epigramme und Epitaphien, 
in klassischen Distichen verfaßt ^j. 

»Es versteht sich von selbst« — lesen wir weiter in Sobolevskij's 
bulgarischem Text — »daß man solcherweise nicht alle Verse restituieren 
kann. Für einige Verse müssen größere oder kleinere Verbesserungen 
gemacht werden , aber solche Verse werde ich nicht benützen und lasse 
sie bei Seite. « Dieser Passus bezieht sich auf die Benützung der Verse 
zur Rekonstruktion der altkirchenslavischen Betonung, welche trotz der 
hier angedeuteten Vorsicht, aber deshalb, weil seine Auffassung der 
kirchenslavischen Versifikation und speziell des Versmaßes des alphabe- 
tischen Gebets nicht richtig- ist, wie wir weiter sehen werden, nach meiner 



1) Wilhelm Christ, Geschichte der griechischen Literatur bis auf die 
Zeit Justinians. München 1905 S. 937— 8. 

2j K. Krumbacher, Geschichte der byzantinischen Literatur, 2. Aufl. 
München 1897, S. 717—18. Über das politische Versmaß ebenda S. 650— 52. 



156 I. Franko, 

Ansicht auch verfehlt erscheint. Ich lasse hier noch den Schluß der 
Ausführung des Prof. Sob. folgen: 

»Das Versmaß der kirchenslavischen Gedichte ist der byzantinische 
politische Vers von 12 Silben; seine Theorie muß auch byzantinisch 
sein. Dieselbe Zäsur nach der fünften Silbe, welche bei den Byzantinern, 
wenn auch nicht immer, obligat ist, ist auch bei den Slaven üblich. Dar- 
um muß auch vorausgesetzt werden, daß die Betonung des letzten Wortes 
in jedem Verse auf der vorletzten Silbe für die Slaven ebenso obligat war, 
wie sie für die Byzantiner gewesen ist.« Diesen letzten Satz gibt Prof. 
Sobolevskij in Kursivschrift, offenbar weil er ihm eine große Wichtigkeit 
zuerkennt; leider zeigt er sich, wie wir gleich sehen werden, in vielen 
Fällen unrichtig. 

Nachdem wir diesen Ausführungen des Prof. Sob. bis hierher ge- 
folgt sind, wollen wir nun die überlieferten Texte des alphabetischen 
Gebetes näher betrachten. Da den meisten Lesern dieser Zeitschrift die 
oben zitierten Werke unzugänglich sein dürften, so scheint es mir zweck- 
mäßig zu sein, hier alle drei in Prosa veröffentlichten Texte, sowie einen 
in Versen in jener Form zu setzen, wie sie publiziert wurden. Ich be- 
zeichne diese Texte: Dj, D2, B (Bodjanskij), S (Sreznevskij), Sb (Sobo- 
levskij bulgarische Publikation), Sp (Sobol. Petersburger PubL), Sob. 
(Sobolevskij beide Texte), F (Franko). 

Dl. B A-b^ S. T. r. KOHCTATHMT». OhAOCO^^T». HapHSCMUH 

Khpha'K CTßopHATv rpaiuoTX,' CACBfCHKiMTv (wahrscheinlich cao- 

EtHbCKI^rJI'k) IdaklKOlUlli FMUS AHTHU,W BO Ji,l\h MH\'dH l^pA 

FpfMKaro H BO jü,hh kh3/ä Ak»ph HoBropo/k,CKa, tro^KTv chcmt». 

PSCKAA 3(MA/fV npni^f. Gl) rpAMCTlJ. FpfHCKÖlO rpdMOT\' 
CTBOpHlUa 3. MV^KTi : [laAHMH, KaMHAHCJH, GilHOHTk, QnH- 
yapJH, /^HWHH. GHU,f peM£ CTWH RmPHAT^: »flsTi CHMTk CAO- 
BOMTk MAM» li\'. hf BCea TSapi SHJKHTeAK», BHfJiaa H HfBHMaa. 

Fa AXA nocAH H^HBCYHJaro, ;i,a b^o^hct^k mh b cpi^AU,* 

CACBO, f/Ke BO\f/l,fT'K Ha ÖCRg BCf >KHBOVl|JH B3anOBf;i,f TH. 
S. KO ( CB-feTHAHiK JKH3HH. 3aK0 TBOH CBtTTi CTf3Ay'T*, HJKC 
HiptTT». fl'ACKa CAOBa H npOCHT'K Mfi^ TBOß npHlÜTH CAO- 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 157 

BEHCKOE nA£M/f^. Ko Kpi|JHitO BO IVBpdTHliia CA BCH AICE TBOH 
HapfljlH )C0l4Jf, MATH TBOfd \'OHJf Bf. Hd MHt: HH't PpO- 

crpaHO CAOBO noA^VHJKe ivn'k h ch-S h CTeMiv A^'t, npocA- 

IjJHMlv nOIUI01|JH CO T{B£. P\fi;H CBOH BkICnpk BOS^^X^ npHO CH- 
AOy npHraTH H IUI\-APO CC TtB«, TW BO Ji^AdliH A*^HHKiMli CH- 
aS, CynOCTACb >KC BC/AKSiO Hl^'kAHllJH. OapdWH/ft M/\ 3A0BKI 
H3KdBH, \-fpOYBHyiiCKyiO MJ MKICAb H ^yWK Ji,AH'AU, \K> MTHdia 
H npTda TpU,£. IlfMaAk M0K> Ha paCTk npfAOJKH, l^'fcAOMy- 

ApfHO ji,A HaMH\' ncark Mwca TBoa npcAHBHaa 3fAC>. Ulfc- 

TOKpKIAATW CHA\' HpiKMli. ClUfCTBÖW HOCAt^^V ©V^'*''^'*' ^^^ 
HMCHH i H A'^^<>V nOCAfA^V^? ^^'^ CT».TB0piO tlTAKOe CAOBO, 
YBAAy B03A<iA npT'RH TpU,H BO (AHHOMTk llJKTB'b, K>7K( 
nOfTTv BCiÄKa B03paCTh. WHTv H CTapi». CTBOHyk pa30YIUlOM'K, 
M3W HOBT». \'BaA\- B03A^'3 Wl^K» H CH\^ H CTM^ AV^» ^^\' 

HTb H cAABa \Xi maa TBapH h A'^V^^"''^ BHEnpEBpeAHMKira 
E^k^ aMH-« 

Der zweite Text (D2) wird hier nach dem ihm beigefügten Alphabet 
nicht per extensum, wie im ersten Drucke, sondern jeder Vers besonders 
gedruckt : 

*ü. fl3'K CACBOWK CHMTv MOAWCA Br^*. 
B. Ii>Ke BCf/Ä TBapH 3H^KHTfAK», 
B. BHAHMKlifV H HEBHAHMKI/iV, 

r. Fha aV^ nocAH jKHBÖi|jarc», 

A- Aa BAOX'HfT'K B Cpi;H MOfM'k CAOBO, 

6. Bnce BÖA^T'k Ha oYcn-kYii. Bcfewk 
/K. /KhbSljjhm'k b 3anoB'feAfY''^ TBonyk. 

S. S'feAO BO C^'TL OyCH'kUJHH KTi >KH3HH. 

H. Hjk« HHjeTTk {iraMrcACKa CAOBa, 



158 I- Franko, 

I. I AlvTk TU KC» HH'k CAOßfHkCKO nAtM/Ä^) 

K. Kti B03HfCmi»02) OKpATHllia KCH, 

A. AwAif TBOH Hap£L|JHCk Y"2>TAipf, 

M. Math tkoca BjKf npocATi». S'kAO. 

H. No lUIHli HH'K npOCTpAHHO CAOKO J\,AH7K(, 

0. Omc h Gne h bcectkih Aiue, 

n. npOC/ÄllKM^* nHl|Ja OY TfBf. 

P. Pyi^'S CBOH BKICnpk B'KSA'felO npHO, 

G. Gha8 npi/ÄTH H M8/l,pOCTk CD TfBf. 

T. TkI BO ;l,d£LiJH ^OCTOHHKiyT* CHAÖ, 

Ol/". OlfnOCTACK >Kf BCK> U,'6AHUJH. 

<1). OapaCHA M/Ä 3A0EW HSBABH, 

X. XfpSBHMCKÖ MH MkiCAk H OXfWK nO^^H }K(, 

T 'c ~ 

(x). Gl) MTHd/Ä H BCfCTaA TpOHUf, 

ÜEMaAK lUIOK» Ha pa^OCTK np£AOH;H; 

1^. l^liAOyYAP*"*^ HAMHÖ HHCaTH 

M, 4K»/^fCa TBOA npiJi,HßHAA. 

111. lUeCTOKpWAT». CHA8 B-KCnpiHMT». 

1|1. lllfCTBi« TBOpA nOCAÖH^H ÖHHTtAK», 

Tl. ÜMtHH fro H ^-kAÖ nocA'kA^'*^ 

ZI. Mß'fe CkTBOpM» (iraHrfAbCKOC CAOBO, 

h. H YBAAS B'K3A<*1« TpOHU,H B'k BjKTB'fe, 

'S. MjKf nOfTTi BC/ftKli B'KSpaCT'K 

H). IOht^ h cTapii cBOHiUTk paaöiuioiui'k, 

M. MSKIKT». HOBTi ^B^^^^ B'kSA'»''^ npHO 



1) In einer anderen Handschrift: I A-krur-K rc cm cMRiatiCM nAfMA. 

2) In einer anderen Handschrift: K-k KpniitHiw. 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenelav. Literatur. 159 

Q. (x)n,ö H CHÖ H BCeCTMÖ AXV) «MÖJKe MKTk II 
J\(fi}K.AßA H CAAKA HG CCCA TBapH H ;\,kl)C^Hira 
B-K BC/A B-kKhJ H Ha B'kKhJ. 

Hmhhk.« 

Die Vergleichung dieser beiden Versionen ergibt in der ersten viele 
Merkmale einer nordrussischen, in der zweiten aber noch mehr Merk- 
male einer südrussischen Redaktion, wobei es nicht schwer ist zu be- 
merken, daß die zweite bedeutend korrekter ist, als die erste. Süd- 
russischer Redaktion ist auch jener Text, welcher von mir aus der 
Handschrift der Krechover »Tolkovaja Paleja« (XVI. Jhdt.) veröffent- 
licht wurde. Auch dieser Teil bildet einen Teil des kleinen Artikels 
>Gi) rpaMOTli« und lautet: 

»ÜBT». CHIUl CAOBOM MOAtO B^. BjKf BCf A TBapH SHHiHTfAlO 
BH/l,HMIÜ/{V H H£BH^HIUIkl<ft, Va JS^^A ROCAH H^UB/AllJarO, J^A 
BAO^HtT LIH KT». C(iJi,U,6 CAOBO, f^KE By^fT Ha dfCn-fe^T». BCkllil'k 
;KHB\'LpHllil'k B 3anOBlx/l,f\- TM. S. EO 6 CB-tTHAHHKT». ^H3HH. 
SaKOHT». TBOH Cß-kT CTtS/ÄMTi lUlOHM'k. H^Kf HljJfTIi eirrAhCKa 
CAOBfCa H npOCHT Ji,Aßhl TBO/Ä HpiATH CAOBJHCKO HAEM/fV K^k 
KPHJEHIK» KCl WBpaTHUJ/!V BCH, AlC>/l,l6 TBOH HapEL|JM Y<>T/Äl|Jf, 

Math tboe/A y*^''''^4'* Gjkc. No mh'R hh'S npocTpaHHO no- 

;k,a>Kk CAOBO, QmE H GhE H CTWH J^lUt, npOC/Äl|JEIl)l\' nOMOLjJH 
(D TEEf, TkI EO ^aeUlH /l,OCTOHHh.iy CHAV/-, 0\'nocTack >KE 

BC/i^KYi<> i^'kAHmH. ^apaoH/Ä ma saoetv.i hseabh, Xepybhu- 

CK\f lUIH MklCAk H O^yii A^^A"»? ^ MCTHA/Ä H RpTaA Tpi^E, 

ÜEHaAk luioK» Ha pa/VOCTk rpeaojkh, U,'kAoiiiiAP"<^ hamhy nHca- 

TH HlO^ECa TBO/Ä npE^HBHa/«^ S'tAO, UlECTOBpHAaTkiy CHAY 

npiHiii'k G'kUJECTBYio no caK^V o^htaa moeto, Hmehh ero h 
A'feA\f nocA'b/k,y/Ä, Mb-K cTBopw eirrAkCKOE caoeo, X^^'^V ^'^^~ 

Ji,AA npT-feH Tpi;H BO eAMHOIUI B>KTBlv, K)jK£ n06T BCAKA 
KOSpaCTTv, 0\'H'k H CTap'k CTs. TBOHM pa3\f MOIUI, Hf^klirk HOBTv 



160 . I- Franko, 

YßaA\- ß03A<»'«^ WU,\0 H CHV H CTM\- AVV» ^^\' ^^^ " CAdBd 
lÜ BCeA TBdpH H A'^X'^"'<* ^ HfnpeBpf^OMKia Bl^KM amiHHIi«!). 

Von den Texten, welche in der Form von Versen veröffentlicht 
wurden, gebe ich hier nur den Text Bodjanskij's; der Text des Sreznev- 
skij steht ihm ziemlich nahe. Der Text Bodjanskij's hat eine ausführ- 
liche, sehr bemerkenswerte Inschrift: 

»npcAcn^ w Xt cKKaaaHHia ctto e\iA\\Kr(AH\a, ck- 

TBOpfHlk K0CTAHTHHTs.Mb, HML^KE H np'K/\OJK«HHI€ 
ETvICTK OTTi rpkMkCKa raSTüKa B'K CAOB'SHkCK'k TO- 

rojKA^ cKKasdHHra i€BanrfAh,CKaarc.« 

flSTv CAOBOMfck CHLlk MOAIO CA Roy : 
BT BCfra TBapH H 3H/KAHTf'^'^ 
ElHAHMKIHMIi H H{BH;i,HMklHMnk, 

Fa JS^^a nocKAH /KHBOYHJaaro, 

JS^A ß'KJi,'K\mTh B'K cpR^kL^C HIH CAOBO, 

16h«« BoyA*'"''^ ^^ oYcntjCTs. Bkckiui'h. 
üvHBOYMJHHM'k B'K 3anc>B't;A"*X''^ 'TH. 

S'feAO BO l€CTL CK'kTHAkHHK'K ^KHBHH 
SaKOHTv TBOH H CßliTT^ CTkaaMT^. 
H^KE HljJETb eBHTEAkCKa CAOBA 

H npocHTk A^^P''^ TBora npHraTH, 

AfTHTb BO H'KIH't H GaOB'feHkCKO nA«M/Ä, 
Kl», KpkUJeHHK» OBpaTHlUa CA BkCH, 
AWA"*^ TECH Hap{l4JH C/Ä Y*^TAHJe, 

Mhaocth TBOiera Re npocATk s'bAO, 

H'K Ll'kH't H'KIH-k npOCTpaHO CAOBO A^^A*»» 

Ose, Ghc h np'fecT'KiH J^iu(, 



1) HaMATKU yKpaiHCLKO-pycBKoT MOBu i JiiTepaTypu, t. I., ct. LV — LVI. 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 161 

üpOCAljJOYOYMOY nOMOlJJH (D TtKf. 

Foyi^'k KO cßOH rop'k B'kSA'feK» npHCHO, 
Ghaov npHraTH h mo\'aP<>^'*''* ^V t«k<- 
Ttü bo AaieuJH A'^^t'^m^'^mti. cHAoy, 

\fnOCTaCli >Kf BkCABOyK» l^'kAHUJH, 

. Oapaoma ma s^kaobu H3BaBH, 

XtpOBliCBOy MH MTüCAIi H 0\fU'h. A^^A^^j 

Q HkCTbHara, np-Kcrara TpoHi;«. 
n-kMaAk MOK» Ha pa^ocTb np^bao^KH, 
U,'feAC>Mo\'AP'^"*^ A** HaMkHOY niicaTH 
MK»/k,(ca TKora np'b^^HBKHara sI^ac». 

llIfCTkKpHAaT'k CHAOAf B'h.CnpHHM'k 
lllkCTBOYlO HTklH'K nO CA'fe/l.OY OyMHTfAlO, 

Hmehh \eK> H /k.'kAOY nocA-k^oyia, 

Mü'k CKTBOpK» 6BaHhrfAkCK0 CAOBO, 
XbAAOY KTiSA^ira Tpi^H et». BH;h.CTB'fe, 
lO^Kf nOI€Tk Bh.CifVK'kH BTiSAP^CTTk 
IOhI» H CTap'K, CBOHMh. pa3C»YM0IUIIi, 

MskiKii HOBTi, YB^'^^^V B'kaA'ira npHCHO 
Qi^oY, Gnoif H np'bcTOYOYMo\' Ay^Vj 

I€MO\fJKf MkCTk H ^pk'^aBa H CAABa 

Ot'k Bcera TBapH h ai^X''*""'^ 

Rtv BCA K-RKTvI H Ha B'kK'KI, aiUlHHli.« 

Auch dieser Text gehört nach seinen sprachlichen Eigentümlich- 
keiten zu der südrussischen literarischen Tradition. Er weist, wie wir 
sehen, weder deutliche Bulgarismen, oder Serbismen, noch Großrussismen 
auf, obwohl auch er, wie wir sehen werden, im Vergleich mit dem zu er- 
reichendem Urtexte zahlreiche Veränderungen erlitten hat. 

Bei der Rekonstruktion des Textes auf Grund der bisher bekannten 

Archiv für slavisclie Philologie. XXXV. ] 1 



162 I- Franko, 

Varianten muß vor allem die poetische Form des Denkmals in Betracht 
gezogen werden. Im Texte Bodjanskij's, sowie auch in allen übrigen 
bisher in Versform veröffentlichten hat das Gedicht 40 Verse, während 
die Zahl der im Akrostichon verwendeten Buchstaben nur 32 beträgt; 
die im späteren cyrillischen Alphabet gebräuchlichen Buchstaben § und 
\|r fehlen hier ganz; dies kann als ein Zeichen dafür betrachtet werden, 
daß sie dem Verfasser des Gebetes noch nicht bekannt waren. Andere 
Buchstaben ('S, ivi, Kl, 'K und k) konnten im Akrostichon darum nicht 
verwendet werden, weil sie nirgends am Anfange eines Wortes stehen, 
obwohl sie im Texte des Gebetes vorkommen. 

Was die Versform des Gebetes betrifft, so halte ich das vom Prof. 
Sob. Gesagte über das zwölfsilbige Versmaß des Gedichtes nicht für stich- 
haltig. Von den 40 Versen des Gedichtes haben in den Texten des Sob. 
nur 6 die von ihm geforderte Zahl von 12 Silben, dagegen sind 10 Verse 
11-silbig, 14 10-silbig, 4 9-silbig und 3 nur 8-silbig. Im Texte Srez- 
nevskij's, welcher vor dem J. 1300 geschrieben wurde, haben nur 6 
Verse je 12 Silben, 10 je 11, 7 je 9 und 9 je 8 Silben. Nimmt man 
noch in Betracht die Bemerkung Sobolevskijs , daß einzelne Vokale, wie 
a, 0, y, H im Notfalle auch doppelt gelesen werden können, so ist die 
Bestimmung des Vermaßes als 12-silbig ganz fiktiv, da man bei solchem 
Verfahren in keinem Verse die Silbenzahl genau und zuverlässig be- 
stimmen kann. 

Es sei noch hinzugefügt, daß auch die vom Prof. Sob, gegebene 
Bezeichnung dieses Vermaßes als »politischer Vers« ungenau ist, weil 
die von ihm angegebene und charakterisierte Versform von 12 Silben 
mit der Zäsur nach der fünften Silbe wohl auf den antiken tragischen 
Trimeter iambicus, nicht aber auf den byzantinischen politischen Vers 
paßt. Prof. Sob. konnte schon im ziemlich alten und in Rußland wohl- 
bekannten Werke des Kalajdovic *) ein Specimen des politischen Verses 
finden. Es ist ein kleines Gedicht des Philippos Solitarios über die 60 
Bücher des alten und neuen Testamentes, welches ich hier folgen lasse: 

Tb TIvev[.ia rb Tcaväyiov — eaöcfias IlQocprjTag 

Tfi ETtiTCvoia Tji avTov — reo törs äQiörj?.cog' 

Tovg JiTtoarökovg rtäXiv 61 — oixoiiog ixez^ e-Aslrovg. 



1) KoHCiaHTuui. KajaiiaoBU'n., loanui. EKcapxi. EojirapcKiii. ITs- 
c.iiÄOBaHie, oöxflCHfliomee HCiopiio cJOBencKaro asLina ii jiUTepaiypti IX u X cto- 
jiiTiik. MocKBa. 1824. S. 95. 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 163 

Kai oocpio&evTsg Ttaq' avrov — Kccy^elvoc re xai ovtol 
^Eviqxri&evTeQ Eyqaxpav — v.al eircov arteg siTtov, 
'Of-iov Tcc övvcc{.i(p6TBqa — e^äxiOTa BißUa: 
Trjg üalaiäg rgidyiovra — xal xqia Ircl xo'ÖTOig, 
Tf^g Nsag de ye uy.0OL — /.al enra Ttqog tolg aXkoig' 
Kai ravta dieGTtccQrjaav — eig TtöXsig re xat /w^ag, 
^Ev cclg Xqlotov to 6vof.ia — övof.MterciL Ttdvrcog. 

Die Striche in der Mitte jedes Verses sind von mir mit Absicht ge- 
setzt, um die Zäsur zu markieren. Aus diesem Beispiel ersehen wir, daß 
die von Prof. Sobolevskij gegebene Definition des politischen Verses 
nicht stimmt, da ja jeder Vers aus 15 Silben besteht, welche regelmäßig 
durch die Zäsur in zwei Teile zu je acht und sieben Silben geteilt wer- 
den. Die Probe Prof. Sobolevskijs , die Zäsur in slavischen Versen zu 
markieren, kann nicht als gelungen gelten. In der bulgarischen Publi- 
kation (op. cit. S. 315) lesen wir über das Alphabetische Gebet folgendes: 
»Der Verfasser ist ein Schüler des Cyrill und Method. Er ist wohlbekannt 
mit der byzantinischen Theorie des Versbaues und hält streng die Zäsur 
nach der 5ten Silbe: 

flSTk CAOKOMk — CHMk MOAK>C/Ä BoPy : 
BoJKf ßkCf/Ä — TßapH H 3hm;aht(aio, 
ElH;i,HMklHMli — H HtBHAHMWHM'K.« 

Wenn man aber das Kirchenslavische in gewöhnlicher Weise liest, 
so daß die Halblaute nicht als volle Laute gelten — und so soll man 
nach meiner Meinung mit wenigen Ausnahmen diesen Text lesen — , so be- 
merkt man, daß bei der vom Prof. Sobolevskij angegebenen Teilung die 
Zäsur regelmäßig nicht nach der fünften, sondern nach der vierten Silbe 
zu stehen kommt. Und dies ist auch richtig, weil das Versmaß dieses 
kirchenslavischen Gedichtes keinesfalls dem byzantinischen politischen 
Vers nachgebildet ist, sondern einen ganz regelmäßig herstellbaren tro- 
chäischen zehnsilbigen Versbau aufweist, den Versbau, welchem wir in 
den schönsten epischen Volksliedern der Bulgaren, Serben und Südrussen 
begegnen. Von dieser metrischen Voraussetzung ausgehend, lasse ich 
jetzt meine Rekonstruktion des Gedichtes nach allen mir vorliegenden 
Texten folgen. Die Bezeichnung der Texte habe ich schon oben ge- 
geben. 

11* 



164 I- Franko, 

V. 1. Di: CHMTi caokom'k; Sb. und Sp.: moaij^ ca; D^ By, 
D2 Eir^*, B. und S.: Boy, Sb. und Sp.: Bor\*. Der metrische Bau des 
Verses verlangt, daß das i^ in dem ersten Worte als eine besondere Silbe 
gelesen werde. Also wird dieser erste Vers in der Transkription in la- 
teinischen Lettern klingen wie folgt (ich lese das Tv nach der Analogie 
der kleinrussischen Aussprache als kurzes 0) : Azo slovom sim molju 
sja Bogu. 

V. 2. D^: Bf, D2 Bh^i, B und S: Bf, Sb und Sp: BoJKf ; D^ : BCfa, 
D2: ßC«A, B und S: ßcfia, Sb: BkCf/fv, Sp: Bkcci^; Di: TRapi, S: 
TBapHH; B und Sb und Sp: h 3HJKAHTfAK>; D, , D2, F: 3h>kh- 

TIAW ohne h. Aus diesen Varianten ergibt sich der Text dieses Verses 
in lat. Umschrift: Boze, vseja tvari zizditelju. 

V. 3. Di: BH^Hiuiaa h H(BH;i,HMaa, D2: Bh;v,hmiüa h hjbh- 
;i,HMy<ft, B, S und beide Sob.: Bhahmkihmii h hebhahmkihm'K. 

Die Konstruktion im Zusammenhang mit dem vorhergehenden Verse er- 
fordert oflfenbar einen Genitiv sing, fem., wie es die Varianten D und F 
haben, also: Vidimyja i nevidimyja. 

V. 4. Dl, S, B: Pa, D2: Fha, Sb und Sp: TocnoAa; Di: jkh- 
Boyiparc», D2 iKHBSijjaro, B und S: ^KHEO^iliaaro, Sb und Sp: :kh- 

B;^L|jaro, F: H^HB/^iparo. Das erste Wort dieses Verses, mag es klingen 
Focno^a oder rocnO;l,H/Ä, bietet eine Schwierigkeit für die Reinheit des 
Metrums, weil der Vers dadurch um eine Silbe länger wird. Diese Schwierig- 
keit weiß ich nicht zu beseitigen; das kleinrussische Focn^a, wie es in 
der Eile ausgesprochen wird, würde sie heben oder fast unhörbar machen. 
Das letzte Wort des Verses, trotzdem es in allen früheren Varianten > jkh- 
B\'ijJaro« klingt, scheint mir in meinem Texte eine bessere Form er- 
halten zu haben, da JKHB\'i|iiH nur lebendig, :KHB/ftqjHH dagegen leben- 
spendend, belebend bedeutet. Und so nehme ich für diesen Vers folgen- 
den Klang an: Gospda ducha posli zyvjastago. 

V. 5. Dl, Do: B,\,ctYHtT'K, B, S: BTiAT^Y"f'ri^, Sb, Sp: bt^at^Y" 

HfTTi; Di: MH BCp^K^lHf, ^2' ß Cp,\lJ^H MOfMT»., B und S: BTi cpk- 

Ji,h.u,( MH, Sb ebenso, Sp: k'K cp'K^\kU,f. Aus der Zusammenstellung 
dieser Varianten ziehe ich den Schluß, daß B'K^'kX'Hn'b dreisilbig, 
cpd^ku^c aber nur zweisilbig gelesen werden müssen, so daß der Vers 
in lateinischer Umschrift lauten wird: Da vodochnet' v serdce moje slovo. 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 165 

V. 6. Dj: BOVAfT'K, D2: KÖAtT'k; B, S: BOY^CTk, Sb, Sp: 
k;»rA*t"'^; Di: Ha Scnf^ ßctY» ^2- oycntYii bcSm'k, B, S: oYcn-kyii 
KbCivM'K, Sb, Sp: \'cn'KY"^? F: cyctU^t»- Diese letzte Variante, 
obwohl vereinzelt, ist bemerkenswert durch eine Vorhersage der Popu- 
larität des Gedichtes ; wegen ihrer Vereinzelung lasse ich sie doch bei- 
seite bei der Rekonstruktion des Textes. Da aber der überlieferte Text 
in allen Varianten für den Versbau um zwei Silben zu kurz ist, so scheint 
es mir nicht unangemessen zu sein, am Schlüsse des Verses noch das 
fehlende Hauptwort AK»/k,fli;n% hinzuzufügen. So erhalten wir den Text 
dieses Verses: Jeze budet' na uspech vsem Ijudem. 

V. 7. Dl : /Khbovujh, Dj: iKHBSiiiHyK, B, S: /KhboyuJHHM'k, 
Sb, Sp: /KHB;RijJHmui'K; Dj: B3dnoBfA*Y th, D2: b sanoBt/i.fY'k 
TBOHyT», alle übrigen: kt^ sanoB'k^kY'k th. Das Metrum dieses 
Verses erfordert, daß das B'K in der zweiten Hälfte als eine besondere 
Silbe gelesen werde, und so erhalten wir den Wortlaut: Zivustiim vo 
zapovedech ti (oder Zivustiim v zapovedech tvoich). 

V. 8. Di: s. BO i CB'kTHAHiK, Do: S'feAO BO c^Tb. ovcn-biiJHH 

KTk, B, S, Sob.: lecTT», ck'KthakhhK'K. Hier scheint mir der ein- 
zige Text Do die richtige Lesart aufbewahrt zu haben , und so rekon- 
struiere ich diesen Vers: Zelo bo sut' uspesni ko zizni. 

V. 9. Dl! 3aK0H TßOH CEfTTk CTfSAM'K, Do vac, B, S: 3a- 

KOHTk TECH H CB'feT'K CrkSaiUlTk ; Sob.: CTkS/ÄM'K, F: CTfS/ftMTk 
MOHM'k. Die letzte Variante vervollständigt diesen Vers sehr natürlich, 
während die Lesart aller Varianten in Verbindung mit dem vorher- 
gehenden Verse statt des sing. SaKOHT* ein plural 3aK0HH fordert. 
Der so rekonstruierte Vers lautet: zakoni tvoi svet stezjam mojim. Die 
einzige Anomalie dieses Verses bildet die Zäsur nach der fünften und 
nicht nach der vierten Silbe. Verse mit solcher Zäsur haben wir aber 
auch in der Volkspoesie, vergleiche das ruthenische Volkslied: 

Oh BHÖnpajia, nepeönpajia, 
HeMa TaKoro hk h ro Maaa, 

Mit diesem Verse schließt meines Erachtens die allgemeine Einleitung 
des Gedichtes, in welcher sich der Dichter an Gott wendet und ihn um 
Beistand bittet für ein großes und folgenschweres Werk, welches für 
viele Menschen heilbringend sein soll. Was weiter folgt, ist die Charak- 



166 I- Franko, 

teristik des slawischen Volkes, welches sich aus der Finsternis , in der es 
bisher gelebt hatte, dem belebenden Worte und der Taufe zudrängt. 

V. 10. D: HHJfT'k, B, S: HiptTk, Sob.: HHJer^k; F. CAOBtcd. 
Dieser Vers bietet keine Schwierigkeiten dar, da die letzte Variante 
offenbar ein Mißverständnis ist; er lautet also: Ize istet' jevangelska 
slova. 

V. 11. D], Sb, Sp: npocHTTk, B, S: npocHTk, Dj vac. Dieser 
Vers bietet auch keine Schwierigkeiten (bis auf die Zäsur) und lautet; I 
prosit' dary tvoja prijati. 

V. 12. Von diesem Verse hat Dj nur die Worte: CAOßfHCKoe RAf- 
MA, D2 dagegen: 1 A'kTk th ko hh'K, GAOKfHkCKO UAtfA/fi und die 
Variante aus einer anderen Handschrift: I AliTHTlv KO CHf Gaa- 
BEHkCKO RAtM/Ä, B, S: AtTHTh BO HKIH'b H GAOß'tHkCKO RAf- 
MA, Sb, Sp: AeTHT'K. Der Vers bietet einige Schwierigkeiten. Die 
alphabetische Ordnung der Anfangsworte fordert hier den Buchstaben I, 
also ist das Wort AfTHTk, welches die älteren Texte haben, hier unzu- 
lässig. Außerdem ist der Vers für den normalen Bau der Zeilen zu lang, 
da er um eine Silbe zu viel und einen anderen, nämlich den jambischen 
Rhythmus hat. Aus der Verlegenheit hilft uns hier D2, wo wir statt 

HUHt: ein kürzeres Wort AH^"») wenn auch in'tümlich geschrieben CH«, 
sowie das Bindewort I am Anfang des Verses finden. Der so rekonstru- 
ierte Vers dürfte nun lauten: I letit' bo dnes Slovensko plemja (oder: I 
letit' nyne Slovensko plemja). 

V. 13. Dj: Ko KPL|J£H'|K> KO WKpaTHlUd CA BCH, Do: Kt». B03- 

hecehIk* OBpdTHUJd C/A BCH, in einer anderen Handschrift: Ktv 

KpjljJfHiK», B: K'K Kpiil|JfHHK> OBpaTHUJA C/Ä BkCH, S: Kls. Kß(- 
LpEHHK), Sb: Klk KpkllJfHHW OBpdTHllJ/Ä CA, F: KpL|J(HIKi BO. 

Dieser Vers bietet auch insofern eine Schwierigkeit, als er auch wenig- 
stens um eine Silbe zu lang ist. Die Konjektur KpcTOy statt KpEijJCHilO 
scheint mir diese Schwierigkeit aufzuheben, um dem Verse sogar eine 
tiefere und allgemeinere Bedeutung zu geben, und so nehme ich für 
diesen Vers den folgenden Wortlaut an: Ko krestu bo obratisa sja vsi 
(oder ohne Präposition: kresten'ju bo obratisa sja vsi). 

V. 14. D^: AK»f TBOH HapcijJH \*oijjf, Do: Aw^'^ tboh ha- 
pCLjJHCk X'<>TAi|Jt, alle übrigen Texte: awa»«« tboh HApfqJH CA 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 167 

yOTAllJf. Der Vers bietet eine bedeutende Schwierigkeit wegen seiner 
Länge, welche in den ältesten Varianten zwölf Silben beträgt. Die ab- 
gekürzte Form des Textes D2 »HapfiiJHCk« scheint mir nicht ursprüng- 
lich zu sein. Da ich keine Möglichkeit sehe eine Abkürzung zu bewerk- 
stelligen, so lasse ich diesen Vers in seiner überlieferten Form stehen. 
Es sei noch hinzugefügt, daß seine Zäsur ebenfalls anormal nach der 
fünften Silbe ist, und der zweite Halbvers eine anormale rhythmische 
Form - v^ I - ^ ^ I - ^ I aufweist. Man könnte etwa lesen: Ljud'je 
tvoji naresti s hotjaste. 

V. 15. Di: ruiACTH recta x^mf Eie, D2: Math TßOfA IiJKf 
npocATTk, alle übrigen Texte: Mhaocth TßOiera, B«, npoc/ÄTK 
3'kAO. Das letzte Wort in diesen Texten ist offenbar überzählig, da der 
Vers ohne dasselbe voll und gut gebaut ist und einen guten Sinn gibt. 
Die Zäsur ist etwas ungewöhnlich, weil sie nicht nach der vierten, son- 
dern nach der dritten Silbe kommt. Natürlich entsteht die Frage, ob 
das überzählige Wort 3'tAO mit dem anormalen Bau dieser zwei Verse 
nicht in irgendeinem Zusammenhange steht. Es ist zu bemerken, daß 
der Text Dj auch ein anderes Zeitwort, und zwar im Singular, Y'^'iiifT'k 
statt npocATK aufweist. Dieses YOiytT^K fordert nun im vorher- 
gehenden Verse ein Hauptwort auch im Singular, also z. B. AW;i,'k 
TßOH statt AK>;i,Hi€ TBOH. Wenn man diese Variante und auch die 
Form HapEijJHCk gelten lassen wollte, so hätte man den Vers 14 in der 
Form: AW^'k tboh HapcL^HCk y^^t^^^lM^ 3'kAO, und beide Verse in 
Lateinschrift: Ljud tvoj narestis' chotjaste zelo, Milosti tvojeja chostet' 
(oder prosit') Boze. 

Diese sechs Verse bilden , wie wir sehen , einen besonderen Absatz 
des Gebetes, welcher die Charakteristik des slavischen Stammes in seiner 
Bereitschaft zur Annahme des Christentums enthält. 

V. 16. Dl : Ha lUiH'fe HH-k, D2: Ho, alle übrigen Texte: H'K 
mi'KH't; D: hh-K, B, S: irhJH'k, Sob.: hmh'K; D2: npocrpaHHO, 
alle übrigen: npocTpaHO; Di: caobo noA<iH>Kf, D2. A^»^(, alle 
übrigen: ^ajKAi^, F: no/l,a>Kii caobo. Der Vers bietet nur scheinbare 
Schwierigkeiten, welche durch die Verschiedenheit des Wortes ji,A}Kßi,h, 
no;i,a>K^b, ;i,an/K« und no;i,aH;Kf, sowie durch die Stellung dieses 
Wortes am Ende des Verses verursacht werden. Durch die Annahme 
der einsilbigen Form und ihre Umstellung auf den vorletzten Platz des 



168 I- Franko, 

Verses, wie in dem Texte F, werden diese Schwierigkeiten behoben und 
wir bekommen diesen Vers in der wünschenswerten Regelmäßigkeit: No 
mne nyne prostrano dazd' slovo. 

V. 17. Dl.- CÜLit H CHt H CTfiui'K A^K, Dj : Omj h Gut 
H EcecTWH J^uit, B, S: Om«, Gut h np'bcTkiH j^int, Sob,: Oti».- 
Hf, GkiHt H IIp'kCBATbdH ^0\'UJ(. Der Vers bietet keine Schwierig- 
keiten und dürfte im Urtext geklungen haben: Otce, Syne (vielleicht 
eher Synu?) i pr^svjatyj Düse. 

V. 18. Di: npoc/ftqjHM'K, D2: npoc/Äijjfiui\', B, S: üpoC/ÄifiOY- 
cyMOV, Sob.: np0C/Äi|J\'\^M\-; Dj: (C, D2: nnnJd o^, Sob: OTT».. 
Die altertümliche Form des Partizipiums: npocAipoifOV'^^V; welche 
die drei altrussischen Texte aufweisen, erscheint durch den Versbau des 
Gedichtes ausgeschlossen, und wird füglich der später üblichen kirchen- 
slavischen Form: npoC/ÄHJfMOY weichen müssen. So bekommen wir 
den Wortlaut dieses Verses: Prosjastemu pomosti et tebe. 

V. 19. Di: Pvi^H, D2: P\fu,% B, S: PcY^% Sob.: 9;f.u,% D: 
CBOH, alle übrigen: KO cboh; Di: BKicnpk BOSAfK», D2: B'KSA'Sk», 
B: rop'k b'ksa'^m», S: bosa'^'O, Sb: ropt b^ksa^»*, Sp: rop'fe 
BT^SAlvi*; D: npcHO, alle übrigen: npHCHO, F fehlt dieser Vers. Die 
Texte D haben für diesen Vers offenbar einen älteren, ursprünglichen 
und der Versform entsprechenden Wortlaut aufbewahrt, als die älteren 
Abschriften, und so lese ich diesen Vers: Ruce svoji vyspr' vozdeju pris- 
no (oder wenn man vyspr' zweisilbig liest: vzdeju prisno). 

V. 20. Di: CD TtKf, B, S: oy TfKf, Sob.: \f T(Kt, F fehlt. Dieser 
Vers bietet eine gewisse Schwierigkeit, da er in der allen Varianten ge- 
meinsamen Lesung elf Silben aufweist. Die Schwierigkeit könnte viel- 
leicht dadurch behoben werden, daß man in dem Verbum npHiaTH statt 
des Infinitivs Supinum setzt: npHraTT*. So bekäme der Vers, auch mit 
Ausschluß des älteren aber weniger richtigen o^ TfEf statt (ü TfKf, 
folgenden Wortlaut: Silu prijat i mudrost' ot tebe. Freilich darf man 
nicht übersehen, daß bei der Annahme des Supinums statt des Akkusa- 
tivs der Genitiv stehen sollte. Darum ist es vielleicht doch einfacher, 
beim Infinitiv zu bleiben und die Konjunktion i auszulassen, d. h. die 
beiden Akkusative asyndetisch zu nehmen : silu prijati, mudrost' ot tebe. 

V. 21. D und F: a^'CTCHhwm'K; alle übrigen: a^^^'^*^""*^'^''*- 

Ob die Form A^^TCHHOMTv im Dativ pluralis an dieser Stelle richtiger 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 1 69 

ist, als die der zusammengesetzten Deklination AOCTOHHkiMi*, wage 
ich nicht zu entscheiden, ziehe aber in meiner Rekonstruktion die von 
drei Abschriften überlieferte Form ; AOCTOHHKIMTsl vor, und lese diesen 
Vers so: Ty bo dajesi dostojnym silu. Die Zäsur steht nach der fünften 
Silbe. 

V.22. Di,F: o^nocTack, D2,B,S: ynocTack, Sob.: V^nocrack; 
Dj: bcakSw HL^'kAHiUH, Do: ßcw i^'kAHLUH, B, S: biiCAKO\'io, Sb: 
bt^C/Ak;?;»^,. Sp: BkC/ÄK;^l7R. Der Vers bietet keine Schwierigkeiten 
und das im Anfangsworte stehende große V (izica) verdient entschieden 
den Vorzug vor dem in anderen Texten überlieferten \' oder 0\', da es 
ja dem griechischen Worte VTtÖGtaaig (Wesen, Geschöpf) angehört. So 
lautet denn dieser Vera wie folgt: Ypostas ze vsjakuju celisi. 

V. 23. D: OapaoH/Ä, F: C>apawH/Ä, B, S: <I>apacuLia, Sob.: 
<I>apaoiiiA; D, F: saokw, alle übrigen: a'KAOCki. Der Text dieses 
Verses lautet also: Faraonja (oder Faraosa) mja zloby izbavi. 

V. 24. Dj: Y^P^V'^"'^"^^'^^'^? Da: XtpSEHMCKÖ, F: ^fp^BHiii- 
CK\f, B, S: XfpoBkCKOY, Sob.: XfpORkCK;^; D^ : luii, D2, B, S, Sob., 
F: mh; D^: ;i,aHJKf, D2: noAi>H>Kf, alle übrigen: ;i,a/KA'*- 

Die Form »XfpoBkCKOY«, welche alle drei altrussischen Texte auf- 
weisen, beruht offenbar auf einem alten Schreibversehen. Die vollstän- 
digste Form des D^ ist die richtigste, und so lautet denn dieser Vers: 
Cheruvimskuju mi mysl' i um dazd'. Die Zäsur in diesem Verse ist wie- 
der anormal nach der fünften Silbe, wirkt aber bei dem Vortrag des 
Verses gar nicht störend. 

V. 25. Di: H npcTaa, Dji h BCfCTaA. Die altrussischen Texte 
haben hier die richtige Lesung: cestnaja, presvjataja Trojce. 

V. 26. B: n-RMaaii; Sob.: mckr; D^ : npf^'^'^HiH. Diese Vari- 
anten ausgenommen, bieten alle Texte eine richtige Lesung: Pecal' moju 
na radost' prelozi. 

V. 27. D: l^'KAOMyAPf"«^, B, S: l^1i/\0M0\fAP»^"*5^ Sob.: l^-k- 
AOM;^/i,piiHO; D, : a^ HanHy, D^: HaMH\', B, S: A'* HaMkHOV, Sob.: 
Ad HaMkH;^; D^: ncaTh, Dj: nncaTH, B, S, Sob.: nkcaTH, F: a<* 
fehlt, HHcaTH. Das Metrum des Verses verlangt, daß das erste Wort 
viersilbig und das letzte dreisilbig ausgesprochen werde ; dies entscheidet 
bei der Wahl der Varianten, und so wird dieser Vers lauten : Celomudrno 
da nacnu pisati. 



170 1- Franko, 

V. 28. Di: HK>/i,ca TßOd, D2: Hio^jca tboh, B, S: TKora, 
Sob.: tboa; Di: npE/k^HBHaa 3fA0, Dj: npi^HBHaA, B, S: np'k- 

/k^HBkHara 3'tAO, Sob.: np'KA"ß'^n^'^ SliAO. Das Metrum des Ver- 
ses verlangt, daß das vorletzte Wort dreisilbig ausgesprochen werde, 
und so wird der Vers lauten: Cjudesa tvoja predivna zelo. Die Zäsur in 
diesem Verse fällt auch nach der fünften Silbe. 

V. 29. D^: mfCTOKpwAaTiüY, D2: IJJfCTOKphJA'K, B, S: llIfCTik- 

KpHAaTTi, Sob.: llIfCTOKpHAaTh.iYT^; D^: npiMyk, D2: B'KcnpiHM'k, 

alle übrigen: B'KcnpHMM'K. Das Metrum des Verses verlangt, daß das 
erste Wort viersilbig und nicht fünfsilbig ausgesprochen werde, also 
bleibt die alte substantivale Form uifCTOKpHAaT'k. Als das vorletzte 
Wort dieses Verses muß nach Analogie des Verses 27 die Partikel /i,a 
eingesetzt werden , da dieser Vers offenbar eine poetische Parallele zu 
jenem bildet. Und so wird dieser Vers lauten : Sestokrylat silu da vos- 
priim (oder ohne da : Sestokrylatych silu vospriim). 

V. 30. D^: ciu£Ctb8k5 nccAfA*2»V o^hta/A Motro, D2: IUk- 

TBie TBOpA nCCA^'H^H ÖMHTfAK», B, S: llIkCTBOyK» HKIH'K HO 
CA'kA^V O^HMTfAM», F: CklUeCTB^^K» no CA'k/l,\* OVHTA/ft luiofro, 
Sob.: UlkCTBoytÄ . . . yMHTf AK». Dieser Vers, zusammen mit dem fol- 
genden, vielleicht der wichtigste in dem ganzen Gedichte, weil er bisher als 
entscheidend bei der Bestimmung des Verfassers betrachtet wurde, bietet 
sowohl in Hinsicht auf seinen anormalen Bau, als auch in Hinsicht auf 
die Varianten besondere Schwierigkeiten, ein Zeichen, daß schon in alten 
Zeiten manches an ihm gebessert oder verdorben wurde. Die traditio- 
nelle Lesung der altrussischen Texte (B, S, Sob.) bietet hier einen Dualis 
»OY^HTtAW«, also zwei Lehrer, deren Namen und Werke der Verfasser 
des Gedichtes nachfolgen will. Dies war der Grund, warum die älteren 
Slavisten, von Safarik angefangen (Das Aufblühen des slavischen 
Schrifttums S. 20) dieses Gebet einem Schüler des Konstantin und Method, 
Konstantin dem Bulgaren zuschrieben. Schon Bodjanskij hat dagegen 
bemerkt^), daß diese Stelle eine logische Kontradiktion enthält, da ja 
ein Mann wohl Schüler von zwei Lehrern sein kann, der beiden Namen 
aber nicht nachfolgen kann. In der ältesten bekannten Liste der Schüler 



^) 0. EoÄHHCKiä, BpCMeHH npOHCXO^ÄCHlH CJaBHHCKHIT. EUCBMeHT. 

S. LXI. 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 171 

des Konstantin wird ein Konstantin nicht genannt. Konstantin der Bul- 
gare selbst in seiner Übersetzung des OßaHrtAi« yMMTeAkHOe nennt 
nur Methodius als seinen Lehrer (CoöojeBCKiä, MaTepia.«,! h mcÄi- 
ÄOBanifl S. 128). Die beiden Varianten D sowie die Lektion F haben in 
diesen Versen einen Singularis , wie es Bodjanskij postuliert hat. Der 
Text des Sreznevskij hat in dem folgenden Vers, inkongruent mit dem 
vorhergehenden Dualis oy^HTfAio den Singularis: HlUlfHH I6ro, wäh- 
rend B und Sob. : I6m» haben. Das Wortmaterial, welches diese zwei 
Verse in den bekannten Varianten aufweisen, erlaubt es vielleicht aus 
den zwei Versen drei zu rekonstruieren. Aus den Worten des D2, zu- 
sammengestellt mit dem, was die anderen Varianten enthalten, wäre der 
Vers 30 also zu gestalten: lllfCTBHie TBopA nc»CA\'JK\- HUH-ß. 
Vers 31 würde dann mit einem 8 beginnen und also lauten: J^mht«aw 
MOI€MOY 110 CA'RA'^'V- 

V. 32. D: ero, B: i€K> , S: i€ro, Sob.: lew; D^: nocAfA^V^» 

D2: nocAtA^'«^, B, S: nocA-feA^V^j Sob.: nocAtAV'^- ^^^^ ^^^ 
oben Gesagten würde dieser Vers lauten: Imeni jego i delu posleduja. 
Er wäre also anormal, da er zwölf Silben enthält und die Zäsur nach 
der fünften Silbe hat. Doch läßt sich diese Schwierigkeit durch ein 
ziemlich einfaches Mittel beseitigen, indem man das strittige Wort I€l0 
oder lero entfernt, wodurch der Sinn des Textes nicht nur nichts leidet, 
sondern im Gegenteil klarer und ausdrucksvoller wird. Diese Rekon- 
struktion bringt mich auf den Gedanken , daß die letzten Worte des vor- 
hergehenden und das letzte Wort dieses Verses ei^entli^^h eine Tauto- 
logie enthalten, von welcher der Urtext vielleicht frei war. Der Ge- 
danke liegt sehr nahe, daß in dem vorhergehenden Verse am Schluß 
statt der Worte no ca'Ra^Y ursprünglich der Name jenes Lehrers ge- 
standen hat, welcher dreisilbig gewesen sein muß, also weder Konstantin 
noch Methodius gelautet haben kann. Am wenigsten kann er KvpHAAA 
gelautet haben, — was rhythmisch zulässig wäre — , da ja Konstantin 
diesen Namen nur 50 Tage vor seinem Tode getragen hat. Das Nächst- 
liegende und Natürlichste ist hier, den Namen Hico^Cd oder XpHCTOCd 
zu setzen , was sowohl dem Sinn und der Tendenz, als auch der poeti- 
schen Form des Gedichtes am besten entsprechen würde, weil ja Kon- 
stantin als Christ und Lehrer sowohl dem Namen, als auch dem Werke 
des Christus nachgefolgt ist. 

V. 33. Dj! fvrACKOE, D2: GrdHrfAi^cKO«, B, S: fßdHrfAkCKC», 



172 I- Franko, 

Sob. : EßaHrcAkCKO. Der Vers bietet keine Schwierigkeiten, da die ad- 
jektivalen Formen der beiden Texte D aus metrischen Gründen den 
älteren substantivalen in dem Worte eKaHrf/\kCKC» weichen müssen; und 
so lautet dieser Vers : Jave stvorju jevangelsko slovo. 

V. 34 — 35. Dj: YKaA\f ß03A<»'^, Di" H yBaaS ß'k3A<»K', B: 
XßaAoy B'KSA'ira, S: XBaay, Sb: XBaa;^ BivSAa/Ä, Sp: Xßaa;^ 
Ei».3ji,&a; Di: npcT'RH rpoHi^H, D2: TpoHi;H B'K Bh^ctb'S, B, S: 
Tp^H B'K KJKfckCTß-R, Sob. : TpOHU,H BTv BOJKkCTBli. Dieser Vcrs 
ist wieder überzählig an Worten und Silben, wenn er aber mit D^ zu- 
sammengestellt wird, wo nach dem Worte TpOHmi noch zwei Worte: 
BO f^HHOMT», folgen, welche dogmatisch sehr wichtig sind und in dem 
Urtexte des Gebetes gewiß nicht fehlen durften, so bekommen wir mit 
einer kleinen Ergänzung, welche jedem mit dem kirchenslavischen Stil 
Vertrauten selbstverständlich erscheinen wird, zwei Verse mit folgendem 
Wortlaut: Chvalu vozdaja presvjatej Trojci Vo jedinom bozestve sla- 
vimej. 

V. 36. Dj: K»>Kf, D2: Mh;«, B, S: K)>Kf, Sob.: K^M^e; Dj: kca- 

Ka B03AP<*CTk, D2: BCAKT». BT^SpaCTT»,, B, S: BkCiaKklH BT^a- 

ApacTTk, Sob.: BkC/AKbJH B'k3AP^»CT'k. Dieser Vers in allen Vari- 
anten ist um zwei Silben zu kurz, wahrscheinlich darum, daß am Ende 
durch irgend ein Versehen das Wort HTUHt: weggelassen wurde. Von 
den beiden Formen des Wortes B'k3AP«*CT'K und B'ka^l.paCTk ziehe 
ich die zweite, vielleicht ursprünglichere, jedenfalls seltenere Form vor, 
und so lautet dieser Vers in meiner Rekonstruktion: Juze pojet' vsjaka 
vozdrast' nyne. 

V. 37. D2: [OhTi H CTapTi CBOHMHhk paSÖMCMTi, D^ : CTBO- 

HMTk, F: o^fHT». CT». TKOHMTv, alle übrigen Texte: CBOHluik pa3C»\f- 
MOMk. Dieser Vers bietet insofern eine Schwierigkeit, daß alle Vari- 
anten einen zu kurzen, nur achtsilbigen Vers darbieten. Die hand- 
schriftliche Tradition weist einige Unsicherheiten auf, welche beweisen, 
daß der Text im Laufe der Zeit nicht intakt geblieben ist. Dies erlaubt 
uns, eine ziemlich einfache Remedur an dem Verse vorzunehmen, welche 
ohne Beifügung eines neuen Wortes den rhythmischen Bau des Verses 
vollständig herzustellen erlaubt. Diese Remedur besteht darin, daß wir 
statt der Einzahl die Mehrzahl der Hauptwörter annehmen, wodurch wir 
die Form erhalten : Juni, stari razumy svojimi. 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 173 

V. 38. Dl und F: Das Schlußwort npHCHO vac, Dj: npCHO; B, 
S: MsTJK'k, Sob.: AsKlKTk. Der Vers bietet keine Schwierigkeiten 
und lautet: Jazyk nov, chvalu vozdaja prisno, wobei die Zäsur lieber 
nach der dritten, als nach der fünften Silbe zu setzen ist. 

V. 39. Di: WUKJ H CH\f H CTM\- A)C^> ^2' ^U^ " G"^ " 

Bc«ctm8 AV^» B) S: Oiiov, Ghov h np-kcrovoVMOV AV^V» 
Sob.: Orknw, Guhov h Ilp-kcß/ÄTVMV AVXV- ^^^ ^®" 

lautet, den einfachsten Varianten folgend: Otcu, Synu i svjatomu 
Duchu. 

V. 40. Dl und F: tfJiy MCTk H C^ARA, D2: fMÖJKf HfCTk H A«P- 

jKaRa H CAaea, B, S: IBmov^kj mkctk h aP"^^'»»^ " cAdßa, Sb: 
I6M\'/Kf . . . A>^P^<^B<*) Sp. : 6M\-JKf . . . j!L,Q'K7KäE.A. Die natür- 
lichste Rekonstruktion auf Grund dieser Varianten wird lauten: Jemu ze 
cest', slava i derzava. 

V. 41. Dl : (C Bcera TBapH h a»^Y'*"'<*) ^2: kcia . . . A^^V^" 
Hira, B, S: Ot'k Kcta TßapH h a^^V^^hh^, Sb: ßkCfA . . . A'^Y'*" 
HH/Ä, Sp: ßiicciifv. Der Vers bietet weiter keine Schwierigkeiten und 
lautet: Ot vseja tvari i dychanija, wobei die Zäsur nach der fünften 
Silbe denselben in zwei gleiche Hälften teilt. 

V. 42. Di: ß HcnpEep^AHMkira ß'S'^ aiuiH, D2: ßi». ßCA ßl:- 

Klü H Ha ß'KKlü. HMHHb, B: Rl». ßC/fi ß'kKU H Ha ß'KKKi, aMHH'k, 

S: BCA ß-kKiJ H Ha ß'feK'ki. aMMHii, Sob. : ßKCA, F: H Hfnpt- 

BpEA<^Miüa ß'bKU aiuiHHk. Dieser letzte Vers liegt uns in zwei Vari- 
anten vor, welche beide den Erfordernissen der metrischen Form ent- 
sprechen. Bei meiner Rekonstruktion ziehe ich den Wortlaut des Dj vor, 
welcher durch F unterstützt wird, und zwar wegen des seltenen und von 
dem Verfasser des Gedichtes wahrscheinlich nach dem Muster des Grie- 
chischen konstruierten Wortes Htnp'bßpEAOMMH, welches wir etwas 
später, in dem altbulgarischen Lobgedicht auf den Zaren Simeon wieder- 
finden, wahrscheinlich als eine gelegentliche Anleihe. In dieser Variante 
würde dieser Schlußvers lauten : V neprebredomyja veky, amin ; in der 
von anderen Handschriften überlieferten Form lautet er: Vo vsja veky i 
na veky, amin — eine zwar regelrecht gebaute, aber doch mit einer 
Tautologie behaftete Form. 



174 I- Franko, 

Auf Grund dieser Analyse lasse ich nun den Text des Gebetes in 
der von mir rekonstruierten Form in lateinischer Schrift folgen ^). 

Azo slovom sim molja s^ Bogu: 
»Boze, vseje tvari zizditelju 
Vidimyj^ i nevidimyj^, 
Gosp'da Ducha posli ziv^stago, 
Da vodochnet' v serdce moje slovo, 
Jeze badet' na uspech vsem Ijudem 
Zivastiim vo zapovedech ti. 
Zelo bo sat' uspesni ko zizni 
Zakoni tvoji, svet stezjam mojim. 

Ize istet' jevangelska slova 

I prosit' dary tvoje prijeti, 

I letit' bo dnes', slovensko plemf, 

Ko krestu (oder kresten'ju) bo obratis^ s^ vsi, 

Ljud tvoj narestis' choteste zelo, 

Milosti tvojeje prosit' Boze. 

No mne nyne prostrano dazd' slovo, 
Otce, Syne i presvetyj Düse, 
Prosestumu pomosti ot tebe, 
Ruce svoji vyspr' vozdeja prisno, 
Sila prijfti, mudrost' ot tebe. 
Ty bo dajesi dostojnym sila, 
Ypostas' ze vsjakaja celisi. 

Faraonj^ me zloby izbavi, 
Cheruvimskaja mi mysl' i um dazd', 
cestnaja, presvetaja Trojce! 
Pecal' moja na radost' prelozi, 
Sestokrilat sila da vospriim, 
Sestvije tvorj^ posluza nyne 
Ucitelju mojemu Christosu, 
Imeni i delu posleduje. 

Jave stvorja jevangel'sko slovo, 
Chvala vozdaje presv^tej Trpjci 



^) Die Anwendung der Nasalzeichen rührt von mir her. V. X 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 175 

Vo jedinom bozestve slavimej, 
Jf^ze pojet' vsjaka vozdrast' nyne, 
Juni stari razumy svojimi, 
Jezyk nov, chvala vozdaje prisno 
Otcu, Synu i sv^tomu Duchu, 
Jemuze cest', slava i derzava 
Ot vseje tvari i dychanija 
V neprebredomyj^ veky, amin'. « 

Ich werde vielleicht nicht überflüssige Arbeit leisten, wenn ich 
für ein mit der kirchenslavischen Sprache weniger vertrautes Publikum 
dieser meiner Rekonstruktion des ältesten slavischen Gedichtes eine 
möglichst getreue, dem Wortlaute Vers für Vers folgende deutsche 
Übersetzung anschließe. 

Ich mit diesem Worte bete Gott an : 
»Gott, Erzeuger aller Lebewesen, 
Der sichtbaren und der unsichtbaren, 
Schicke den Herrn Geist, den Lebensspender, 
Daß er in mein Herz ein Wort einhauche 
Welches allen Leuten nützlich sein wird. 
Welche leben in deinen Geboten. 
Sehr fruchtbringend sind ja in dem Leben 
Deine G'setze — Licht für meine Pfade. 

Nach dem Wort des Evangeliums suchend, 
Deine Gaben zu empfangen bittend, 
Flieget heute das Volk der Slovenen ; 
Denn zum Kreuze wendeten sich alle 
Und begehrend sich dein Volk zu nennen, 
Von dir, Gott, erbtiten deine Gnade. 

Mir gib aber heut ein Wort, ein starkes, 
Gott, Vater, Sohn und Geist allheil'ger. 
Welcher Hilfe sich von dir erbittet. 
Meine Hände heb' empor ich immer, 
Kraft und Weisheit von dir zu empfangen ; 
Denn du kannst dem Würd'gen Kraft verleihen, 
Jeglichem Geschöpf Genesen geben. 



176 I- Franko, 

Rette mich vom Zorne des Pharao, 
Gib mir Sinn und Wissen der Cherubim, 
ehrwürd'ge und allheil'ge Dreiheit! 
Meinen Kummer wandle du in Freude, 
Daß ich herzensrein heb' an zu schreiben 
Deine so sehr wunderbaren Werke. 

Der Sechsflügeligen Kraft empfangend 
Möcht' ich mich aufmachen, heut' zu dienen 
Meinem Lehrer, dem Herrn Jesus Christus, 
Seinem Namen und dem Werke folgend, 
Kund zu tun das Wort des Evangeliums, 
Lob zu spenden der allheil'gen Dreiheit, 
Die in einer Gottheit wir verehren, 
Welche heut' besinget jedes Alter, 
Jung und alt nach jeglichem Verständnis, 
Neues Volk, Lob spendend immerdar dem 
Vater, Sohne und dem heil'gen Geiste, 
Welchem Ruhm gehört, Gewalt und Ehre 
Von alldem, was Leben hat und Odem 
In unabgehbare Zeiten. Amen. 

Daß der Verfasser unseres Gebetes nicht Konstantin, der Bruder 
des Method, sondern Konstantin der Bulgare gewesen ist, mutmaßte 
schon Safarik (Aufblühen des slavischen Schrifttums S. 20), welchem 
auch bekannt war, daß dieser Konstantin zur Zeit des bulgarischen 
Zaren Simeon Bischof in üpicJiaBa, der Hauptstadt des bulgarischen 
Reiches war und um das Jahr 906 auf Wunsch des Zaren Simeon eine 
polemische Schrift des Athanasios von Alexandrien gegen die Arianer 
aus dem Griechischen übersetzte (Bodjanskij op. cit. S. LX). Prof. Sobo- 
levskij widmet der literarischen Wirksamkeit dieses Konstantin einen 
kleinen Exkurs u. d. T. : »F^'i acHJii. KoHCTaiiTuii'L BojirapcKin? (Ma- 
Tepiajiti H H3CJiiA0Banifl S. 127 — 9), in welchem er zu begründen sucht, 
Konstantin habe in Solun oder in der Nähe von Solun gewohnt. Von 
seinen literarischen Arbeiten spricht er etwas ausführlicher nur von 
seinem »Lehrhaften Evangelium«, welches um das Jahr 894 aus dem 
Griechischen übersetzt wurde, als Konstantin noch Presbyter war. Diese 
Übersetzung, nach den Worten eines russischen Forschers, des Metro- 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 177 

politen Antonins ^!. »zeichnet sich dmxh Ivlarheit. Einfachheit. Allgemein- 
verständiichkeit aus«. 

Hatte das lehrhafte EvaDgelinm des Konstantin des Bulgaren eine 
Vorrede? Prof. Sobolevskij wirft diese Frage gar nicht auf. da es ihm 
genügt, das versifizierte Gebet des Konstantin eben als die VoiTede zu 
dieser Übersetzung zu betrachten. Nach meiner Meinung ist es ganz 
statthaft diese Frage aufzuwerfen, obwohl die auf uns gekommenen Ab- 
schriften dieses Werkes, welches, soviel mir bekannt, bisher noch nicht 
veröflfentlicbt wurde Prof. Sobolevskij spricht op. cit. S. 127 von einer 
altrussischen Handschrift aus dem XH. — Xlll. und zwei altserbischen 
aus dem XIII. — XIY. Jahrh. . wie es scheint, keine Vorrede besitzen. 
I. I. Sreznevskij hat in seinem Werke > JpeBffie naM^TraincH pyecKaro 
iiHCBMa n asLiKa« 1S63 S. ly 1 — 2 imAnschluE an das versifizierte Gebet 
des Konstantin aus derselben alten Handschrift noch die folgende prosa- 
ische Vorrede herausgegeben, welche nicht nur durch ihre Form, sondern 
auch durch ihren Ton. Charakter und Inhalt von dem Gebete gnindver- 
schieden ist. Hier ihr Text : 

ßKOIKf piM£ fTfpTh, Hs>C.\C«BkLI,K TpHrOpiv. H > Rk SaKCH-fe FhH 

noc>v;H.\Tn cns ,\Hh H HoijjKc. raKo;Kf pfHf npcpoK-K. H jp.\3- 
BUA'^ pf'^f: 'IJf ncTan\"K mh.\c>ctm tbck^m hm ncTHMki tbo- 

Kr.ra OTIv C'li.KOp.\ M'h.HvMW. H ß-KSBl^llJC V HM,-!S TBOH; Ep.\THH 
MCKr.H. nCCpli^k ;K£ LJ.pKBf BT^CYBJ.MC T.^<-. 

»OfrO p.\AH H '^31», C>V*ü.\.\H:.HhJH Kc«CTaHTf1 Hlk KTi B.\M't,. 

KparuH; uc[j. iV'nn :k6 h chckj, M\\i n rpi^R-fe. h-k ycljjc>v; 

Ua.\0 B£C-K,A,v''K.\TH. H H( 3.\3k^MiTi MTsHt;, U'Ept;TahJ EC> H U'Ck- 
.\J B.».\aaU.\ra HH-KTA-i npCr.VJB'KLU.i SAMtiCKl^Mtv r.\.\C'KMh,. H 
K.»M6H6 COV;\'.\ BO.VOV' MCTC>MkLlL\ IKJI-KK^Lp H H M Tv. BTi3Bf.\H- 

SHiija KO Cn> A'^'Va Fh.a bk bcIj^Tv. rRyk :Kf h cv'HHHk;K£- 



^] M H T p n j H n> A u t o h i ä . ll.^:s nciopüi xp h : : i :■. ^ ; :-; ; :": .- ■: : r. ; ; 5 ; z. II.^s. 
2-oe. Caö. 1S95. 

AkWt f&t slarischd Philglogie. SXS.T, 12 



178 I- Franko, 

HHi6 M0I6 O^B-^Ht^EHO BMB'klllE B'KphHhJHMM {Tfpkl MABKM Ck- 

KasaHMiB cTaaro tEaHrAHra np-kAOH^HTH ott». rpkMbCKa msKiKa 

BT», CAOß'KHkCK'K, 0^6013^1^ '^i CA HA^ATH, CTp^Kn-KTkNOlB 
CaOBECk BH/l,'bB'k KhllUl tit^OC'\'lA'^HH\ä 11 CHAkI rJIOI6» CO^Lpr 
HTs. naKKl CTvMpkTH 3kpA KO\'A<^VMJ'"^ ^'^ WCAC»\'UJaHHI€, Ha- 

HaY'K Hj BkCEro Morki nanHcaTH, ht». c\'CTaBAi€Hara Hf/i.'kAk- 
Hara i€BaHrAHa h,, npocA iiioahtbtvi Y"^AWBhu,k Bkck^'k ha 
nocn-RuiEHHie, j^a cno^OBHTk M/A vubiiijjhh Iitv h Fk HaiiJk 

Ic\' Xt». A*2> KC»HkU,a CTs.BpkUJHTH WB'&liJaHHie BT». CAaBC>\' Ba 

(C'Ha, cHa H nptcTro aX^^- ^^i^h"»»« 

Hier die deutsche Übersetzung dieses Gebetes: >Gut ist von Gott 
anzufangen und mit Gott zu enden <• , wie der Gregorius Theologos sagte, 
und »Im Gesetze des Herrn sich unterrichten Tag und Nacht«, wie der 
Prophet sagte, und > Die Worte des Herrn austeilen an bedürftige Seelen«, 
wie auch David sprach: -»Deine Gnade und deine Wahrheit hab' ich 
nicht verheimlicht vor der großen Menge, und deinen Namen werde ich 
verkünden meinen Brüdern, und in der Mitte des Tempels werde ich 
dich verherrlichen. « 

Deswegen will auch ich, demütiger Konstantin zu euch, meine Brü- 
der, Väter und Söhne, ein Weniges, wenn auch ungebildet, reden. Nehmet 
es mir nicht für ungut, denn ich finde, daß auch der Esel Balaams einst 
mit Menschen-Stimme redete, und der trockene Stein Wasser ausließ den 
Durstenden. Denn ruhmvoll geworden sind die Werke des Herrn an uns 
Allen. Deshalb wurde auch meine Wenigkeit durch einige gläubige 
Menschen veranlaßt, die Erzählungen des heiligen Evangeliums aus der 
griechischen Sprache in die slavische zu übersetzen. Doch ich fürchtete 
anzufangen [sehend], daß die Schwierigkeiten der Sprache mein Wissen 
und meine Kräfte überstiegen. Andererseits aber den künftigen Tod 
sehend für den Ungehorsam, begann ich, da ich nicht alles aufschreiben 
konnte, nur die vorgeschriebenen 50 Sonntags-Evangelien, und bitte alle, 
welche Christum lieben, für mich um seine Beihilfe zu beten, damit unser 
gemeinsamer Gott und Herr, Jesus Christus mir vergönne das Ver- 
sprochene zu Ende zu führen zum Ruhm Gottes des Vaters, des Sohnes 
und des allheiligen Geistes. Amen.« 



Kleine Beiträge zur Geschichte der kirchenslav. Literatur. 179 

Aus dem Texte dieser Vorrede merkt man gleich einen unselbstän- 
digen Geist, welcher auf fremde Veranlassung in einer relativ friedlichen 
und ruhmreichen Zeit eine nicht sehr bedeutende, und nur sprachliche 
Schwierigkeiten darbietende Arbeit unternimmt. Die Stellung des bul- 
garischen Bischofs Konstantin, welcher nur Übersetzungen hinterließ und 
kein Apostelamt ausübte, wie sein Vorgänger, Konstantin der Philosoph, 
ist hiermit sehr gut charakterisiert. 

(Geschrieben 24. Dez. 1911 bis 5. Jänner 1912, umgearbeitet im 
März 1913.) Dr. Iwati Franko. 



Die Särospataker altpolnische Bibelhandsclirift 

(sogenaniite »Sofienbibel«) und die Lemberger Ausgabe 

vom Jahre 1871, 



I. Allgemeine Darlegung des Verhältnisses der Ausgabe zur Handschrift. 

Der Glaube an die unbedingte Zuverlässigkeit der Lemberger Aus- 
gabe der Särospataker altpolnischen Bibelhandschrift ist, nach anfäng- 
licher Überschätzung ihrer Treue, in neuerer Zeit immer mehr ins Wanken 
geraten. Besonders hat v. Rozwadowski unlängst seinem Zweifel ganz 
unverhohlen öffentlich Ausdruck verliehen i). 

Und in der Tat genügt es, die der Ausgabe beigegebenen Faksimiles 
mit dem gedruckten Text zu vergleichen, um diese Zweifel nachdrück- 
lichst begründen zu können. Ich habe darauf bereits in meiner Schrift: 
»Zur Geschichte der Särospataker altpolnischen Bibelhandschrift« 2) hin- 
gewiesen 3) und will hier vollständiger die Unstimmigkeiten zwischen 
Druck und Faksimile verzeichnen : 



1) Materialy 1 Prace komisyi jezyk. Ak. Umiejetn. w Krakowie IV 435: 
»A przyznam zie, iQ brak scislosci, jaki okazali nasi historyci i prawnicy, 
usposabia dose pesymistycznie taMe np. co do wiarygodnosci wydania Biblji 
krölowej Zofji, zrobionego jak wiadomo na podstawie podobizny, dokonanej 
przez Piekosiilskiego ; sq tam bardzo dziwne rzeczy«. 

2) Als Sonderabdruck und in der Festschrift für Alfred Hillebrandt, 
Halle 1913. 

3) S. 6. 

12* 



IgO E. Hanisch, 

I. Fakaimile: avszrzal, yvczynyl, avkasz, nyebeskyem, temv; Druck: 
la 9 A uazrzal, a 12 u. 15 y uczynyl, a 21 a ukasz, b 23 nyebeskym 
(bei Babiaczyk nicht verbessert), 2a 9 temu. 

IL Faksimile: vznamyonal, przybliszay^^cz, knyemv, Nalyasllysm; 
Druck: 41a 6 uznamyonal, a 7 przyblyszay^cz , a 8 k nyemu, a 8 Na- 
lyasllysm (das »ysm« soll wohl gesperrt sein, Babiaczyk gibt diese 
Schreibweise des Druckes, nicht die richtige des Faks. im Lexikon wieder, 
also scheint er sie für handschriftlich gehalten zu haben!) 

Das IIL Faksimile und der Druck S. 54 a 13 ff. stimmen tiberein. 

IV. Faksimile: ywy^iczszich, asymom; Druck: 83a 2 y w^czszich, 
a 7 a synom. 

V. Faksimile: panv, vrosly, gvslicz, anadvmarlimi , nyebodzecze, 
dazu l'ata; Druck: 84a 26 panu, a 28 urosly, a 30 guslicz, a 33 a nad 
umarlimi, a 34 nye b^^dzecze, a 27 lata. 

VI. Faksimile: vmarl, vkradla, wdomv, dann : przekrila und Ataly^; 
Druck: 21 Ib 27 umarl, b 31 ukradla, b 35 w domu, b 34 przekrila und 
Ataly^. 

Ich will dabei von vornherein ganz davon absehen, daß die Zu- 
sammenschreibung und Trennung der Wörter in der Ausgabe nicht der 
Handschrift entspricht, da in der Vorrede i) der Herausgeber ausdrück- 
lich bemerkt, daß er die Schreibweise der Hs. hierin nicht beibehält. 
Ich halte es allerdings nicht für angemessen, daß man, während mau 
in jeder andern Beziehung die Schreibweise der Handschriften möglichst 
getreu wiederzugeben sucht, in der Wortzusammenschreibung ganz will- 
kürlich von den Anschauungen moderner Rechtschreibung ausgeht. Ich 
habe in meiner Schrift: »Die Zusammenschreibung von Wörtern in älte- 
ren polnischen und czechischen Handschriften« 2) zu zeigen gesucht, daß 
aus der Zusammenschreibung und Trennung der Wörter doch auch man- 
ches gelernt werden kann. 

Wenn ich also von diesem Punkte absehe, so ist es doch recht will- 
kürlich, wenn das v = u der Hs. durch u wiedergegeben wird, wenn die 
Korrekturen der Hs. (Ataly^) im Druck nicht angemerkt sind, wenn auf- 
fallende Zeichen (przekrila) unbeachtet bleiben oder gar eigenmächtige 
Verbesserungen (vgl. nye b^dzecze!) vollzogen werden. So erhält man 
also allein schon aus den Faksimiles recht bedenkliche Zeichen für die 



1) S. XXXIX. 

2) Beuthen O./S. 1913. 



Die Särosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. 181 

Treue der Ausgabe. Auf Grund solcher Tatsachen und der bei eingehen- 
der Beschäftigung mit diesem Sprachdenkmal sich immer mehr ver- 
größernden Bedenken gegen die Ausgabe beschloß ich , durch eine Kol- 
lation der Hs. mich von dem wahren Sachverhalte zu überzeugen. 

Diese Vergleichung von Hs. und Ausgabe, die ich im Juli 1912 
vornahm 3] täuschte meine Erwartungen nicht: die Lemberger Ausgabe 
entspricht nicht den philologischen Anforderungen, die man zu stellen 
berechtigt ist. Es sind nicht nur, wie schon der Vergleich der Faksimiles 
oben zeigte, ganz beliebige Änderungen vorgenommen worden , sondern 
es sind auch Fehler und Versehen aller Art mit untergelaufen. Das 
Schlimmste aber ist doch m. E., daß es in der Ausgabe an der einheit- 
lichen Durchführung der für die Herausgabe angenommenen Grund- 
sätze völlig fehlt. Ich werde weiterhin zeigen, daß alles, was als grund- 
sätzlich für die Ausgabe gelten könnte, fast ausnahmslos durchbrochen 
wird. Aber gerade durch diesen Mangel an Konsequenz kann der Ein- 
druck der Genauigkeit erweckt werden. Ich wüßte kaum eine Fehler- 
kategorie, die sich in der Ausgabe nicht nachweisen ließe : selbst Druck- 
fehler, die nicht berichtigt sind, werde ich zu verbessern haben. 

Dieser Zustand der Ausgabe muß natürlich für den verhängnisvoll 
werden, der darauf ein Speziallexikon des polnischen Bibeltextes auf- 
baut. Herr Babiaczyk, der das getan hat, erklärt zwar in der Einleitung 
zu seinem arbeitsreichen Werke, daß »der Name des Herausgebers« für 
die Korrektheit der Ausgabe bürge ^), doch darf man nicht übersehen, 
daß der Herausgeber hier nicht zugleich auch der Abschreiber der Hs. 
war, die durch ihre Länge an den Kopierenden die höchsten Anforderungen 
stellte. In dieser Arbeitsteilung lag von vornherein 2) eine bedenkliche 
Gefahr und die größte Fehlerquelle. Und so mußte eben auch die müh- 
selige Arbeit des Lexikographen, wenn er sich nicht einer Kollation der 
Hs. unterziehen wollte, vielfach Unzuverlässiges geben, weil eben aut un- 
zuverlässigem Texte beruhend. Und wenn ich jetzt, auf Grund meiner 
Vergleichung, das Speziallexikon des Herrn Babiaczyk betrachte, so 



1) Ich möchte auch hier noch das Entgegenkommen, dessen ich mich in 
Särospatak zu erfreuen hatte, hervorheben und besonders der steten Bereit- 
willigkeit des Bibliothekars, Herrn Harsänyi, gedenken. 

-) Im >Lexikon zur Altpolnischen Bibel 1455 (Sophienbibel)« S. 11 der 
Einleitung. 

3) Zumal der Herausgeber die Hs. nie gesehen hat. 



Ig2 E. Haniscb, 

kann ich das vielfach beanstandete Urteil ^) v. Rozwadowskis und f^os' 
nicht für so ungerechtfertigt erklären. 

Wenn ich sagte, daß die Ausgabe in der Zusammen Schreibung und 
Trennung der Worte nicht der Hs. folgt, so ist auch dieses Prinzip durch- 
brochen. So lesen wir 9a 7 : ygego, wie in der Hs., statt des erwarteten: 
y gego, oder auch 49b 2: stoysze — und gerade hier trennt einmal die 
Hs. die Worte in: stoy sze! Wer sich nun nicht die Mühe nimmt, die 
Prolegomena der Ausgabe zu lesen — und ich fürchte, daß es deren 
viele geben wird, da ein rascher Durchblick über den Inhalt durch das 
Fehlen von Kapitelüberschriften recht erschwert ist — der kann natür- 
lich auf Grund solcher Versehen zu der Annahme verleitet werden , daß 
der Druck auch in der Zusammenschreibung der Hs. folgt. Und doch 
ist hier mit der wundeste Punkt der Ausgabe 2). 

Aus den Faksimiles geht hervor, daß für das v = u der Hs. immer 
u gedruckt werden sollte. Trotzdem lesen wir 179a 30: vswytnye (»illu- 
cescat«); das dem Texte beigegebene Lexikon enthält aber das Wort: 
uswit, so daß also hier im Verbum doch ebenfalls das v = u gelesen 
wurde 3). Völlig rätselhaft ist es aber, wenn 113a 4 zu der Schreibung: 
vsile bemerkt wird: »v tu znaczy u, wiec usile«^). Man wird sich diese 
eigentümliche Bemerkung kaum erklären können, zumal wenn man sich 
noch einmal blos die erste Seite der Ausgabe und ihr Faksimile vor 
Augen hält! Das v = u der Hs. ist in den einzelnen Teilen des Textes 
nicht durchgehend , so ist z. B. in dem zweiten Abschnitt (S. 4 1 bis 
78) v = u viel seltener als etwa im vierten, wo v so häufig ist, daß 
ein u (sehr dem »n« ähnlich!) geradezu auffällig wirkt. Im fünften Teile 
scheint es nach y, i, dann überhaupt nach Vokal bevorzugt zu werden, 
z.B. 173b 32: knaszemu gymyenyv oder 176b 24: ktwemu lyvdu. Eine 
genauere Bemerkung hätte 156a 30: v vszu vertragen; zwar wird es 



>) Im Roczü. Slawist. I (1908) S. 173flf. u. 176 ff. 

2) Ich verweise auf meine Bemerkungen in meiner > Zusammenschreibung 
usw.^ S. 13 ff. 

3) Anders verhält es sich z. B. in: vroki, welches Malecki als: wroki 
las (vgl. das Lexik, d. Ausgabe S. 348). Das Richtige bei Babiaczyk in seinem 
Lexikon s. v. uroki, vgl. auch meine Bemerkungen zum Ezdrasfragm. Archiv 
XXXV S. 10. 

4) Man vgl. dazu 133a 16 u. 143b 15: usilu (Hs. vsilv): hier also, wie es 
eben in der Absicht der Ausgabe lag, ist das v bemerkungslos durch u wieder- 
gegeben, wie auch an allen übrigen Stellen. 



Die Särosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. 183 

durch nebengesetztes : uszu glossiert, doch hat die Hs. wszu, eine Schreib- 
art, die für unsere Hs. sehr auffällig und doch mit Fällen wie 104a 23; 
nyewsrz^ (= uzrza) nicht gleichzusetzen ist. Fälschlich ist das v der Hs. 
durch wiedergegeben im Druck S. 92a 18 u. 20: copysz und vor allem 
179a 10: y ostal bil für »ustal«. Die Stelle lautet: yvstal bil lyvd 
przelys barzo = Vulg. I. Reg. XIV 3 1 : Defatigatus est autem populus 
nimis. Das y = et wird durch den griechischen Text gerechtfertigt 
{■/.al ly.o.rlaoev 6 Xaog ocfodga). Dem defatigatus kann ein ostal nicht 
entsprechen, und in der Tat hat Babiaczyk s. v. ostac nur diesen einen 
Beleg für diese Bedeutung angeführt. Man wird aber dem lateinischen 
Texte sofort gerecht, wenn man ustac dafür einsetzt, was auch in der 
Hs. tatsächlich steht; man vergleiche nur die zahlreichen Belegstellen, 
die s. V. ustac angeführt sind! So muß also (Jiese Stelle im Speziallexikon 
s. V. ostac gestrichen werden. 

Da die Ausgabe keinen Unterschied zwischen v (= u) und u machen 
wollte, so wäre auch die Unterscheidung der beiden, im fünften Teile 
der Hs. auftretenden Zeichen für y nicht notwendig gewesen, weil beide 
Zeichen nebeneinander auch in den andern Hs. jener Zeit auftreten, 
ebenso gut hätten die beiden Arten des s und des r angemerkt werden 
können; gerade so wenig wie bei letzteren beiden (und dem v = u), ist 
m. E. auch in der Verwendung der beiden »y« ein tiefer begründeter 
Unterschied anzuerkennen, wie ihn Matecki Prolegom. XLVHI annimmt, 
es waren eben Buchstabenvarianten, wie sie auch jedes moderne Alpha- 
bet kennt. Bemerken will ich aber doch, daß auch hier die konsequente 
Vermerkung dieses Buchstaben fehlt, so ist 175b 3 zgYj | n^li, 196b 25 
pacholr^k, u. a. m. mit -/j nicht mit y, was die Ausgabe hat, geschrieben, 
während 21 Sa 27 w Samary mit dem bekannten y zu schreiben ist, wäh- 
rend die Ausgabe hier tj bietet. 

Daß auch das ^ in der Ausgabe gesetzt ist, wo die Hs. nur o hat, 
ist anfangs schon aus den Faksimiles belegt worden, auch bei der Wieder- 
gabe des durchstrichen en a wäre an den einzelnen Stellen manches zu 
erwähnen gewesen, was ich im speziellen Teile dieser Abhandlung tun will. 
Die Ausgabe setzt gewöhnlich a für dieses Zeichen. 

Die zahlreichen Dittographien der Hs. sind im Druck beseitigt 
worden. Ob das: prawim pravem wyecznim 90b 34 als Dittographie 
aufzufassen ist, ist zweifelhaft, man kann in »prawem« ebenso gut eine 
Korrektur des pravim sehen, dessen Interpunglerung (zum Zeichen der 



184 E. Hanisch, 

Nichtgeltung) nur vergessen worden ist^). In der Vulg. heißt es Levit. 
24, 8 auch nur: foedere sempiterno, entsprechend der Septuaginta und 
dem masoretischen Texte. Hat die Ausgabe hier die Hs. getreu wieder- 
gegeben, warum ist das nicht in andern Fällen derart geschehen? Es 
kommt ja freilich für den Text zunächst nicht in Frage, ob es z. B. Sb 33 
drus I gego drugego heißt oder nur einfaches » drugego « steht. Aber für 
die Beurteilung der ganzen Hs. ist es doch von Wert, ob man weiß, daß 
derartige Versehen häufig sind — und das ist in unserer Hs. der Fall — 
oder ob mit peinlicher Genauigkeit geschrieben wurde; im letzteren Falle 
wird man viel vorsichtiger mit Konjekturen sein müssen. Bedenklicher 
ist es aber doch schon , wenn IIb 10 ein handschriftliches : zyw swego 
wyeku | wyeku swego in der Ausgabe einfach in: zyw wyeku swego 
zusammengezogen ist. Die Stellung des poln. Pronomens durfte dabei 
natürlich in keiner Weise ausschlaggebend sein für die Wahl der Lesart. 
So hätte man doch auch solche Dittographien nicht beseitigen sollen wie : 
sino I nowye, was 235a 32 in sinowye verbessert wurde. Durch solche 
Änderungen wird der Charakter einer Hs. doch nur völlig verwischt. 

Aus diesem Grunde mußte auch durchaus jede der zahlreichen 
Korrekturen der Hs. im Druck notiert werden. Wenn also 10b 15 in 
der Hs. steht: Krwye waszych zywotow brj; dr> pozywal poszr^dal sroky, 
so durfte weder das pozywal beseitigt noch die Verbesserung s r^ky ein- 
gesetzt werden. Das »pozywal*, durch Unterstreichen vom Schreiber 
getilgt, entstand wohl als Nachhall des diktierten: zywotow, kontaminiert 
mit: poszr^dal, ist also m. E. eine Unterstützung der Tradition, daß wir 
in diesem Bibelkodex einen diktierten, nicht einen bloß abgeschriebenen 
Text vor uns haben. Unzulässig ist auch z. B. die bemerkungslose Wieder- 
gabe der Korrektur: udzalal 250.1. 30. In der Hs. steht vdzal'^ und am 
linken Rande der Hs, ^al, d. h. ursprünglich war haplographisch vdzal 
geschrieben worden, der Schreiber merkte das bald und schrieb hastig 
und daher fehlerhaft : la darüber, das wurde wieder zu tilgen gesucht 
(doch deutlich ist es sichtbar geblieben) und am Eande nun das richtige 
»al« nachgetragen. 

Die Abbreviaturen sollten wohl auch nicht in der Ausgabe beibe- 
halten werden, und so sind in der Regel, aber nicht einheitlich, die Worte 
ausgeschrieben. Statt der zahlreichen: ge'^ (gego), get (gest), pote (potem) 



1) In einem Glossar des XV. Jahrh. ist prawym prawem die Übersetzung 
von iure hereditario. 



Die Särosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. 185 

usw. amEndewiein der Mitte derZeile, hat die Ausgabe die vollen Worte*). 
Ich will gleich hier bemerken , daß die einzelnen Teile der Hs. sich hier 
verschieden verhalten ; der älteste Teil z. B. bringt nur wenige und nur 
auf bestimmte Worte beschränkte Abkürzungen und meist am Zeilenschluß. 
Auch in den, die Doppelung der Buchstaben bezeichnenden Strichen ist 
in der Ausgabe keine Konsequenz. Wir finden also z. B. 295a 28 w 
vynnyczach statt wvynyczach der Hs., dagegen 291b 21 polstruney (der 
Hs. entsprechend mit dem Strich über dem o), was auch daher Babiaczyk 
s. V. anmerkt, aber das get derselben Seite (a 4 und 11) ist als »gest« 
in der Ausgabe voll wiedergegeben. Wo sich freilich die Abkürzungen 
derselben Art häufen, da hat auch die Ausgabe die Kürzungen beibehalten. 
Man vergleiche etwa S. 330b 2 2 ff. das si^ = sina^). Doch ist auch auf 
dieser Seite das get (b 30) und do' (b 34) als gest und domu gedruckt. 
Solche Willkürlichkeit der Wiedergabe kann natürlich im Einzelfall ein- 
mal auch zum Irrtum verführen. Wenn man z.B. 296b 14 Nabucho- 
donozor in der Ausgabe findet, gegen Nabuchodo?^ der Hs., so wird man 
das aus dem Grundsatze der Ausgabe heraus verstehen können 3). Was 
soll aber wenige Seiten vorher, 283b 19, Nabuchodonor*, wo der Heraus- 
geber durch den beigefügten Stern die Wortform hervorheben will? 
Denn auch hier hat die Hs. als Abbreviatur NabuchodonoT, ebenfalls, 
wie oben , am Zeilenende. Vielleicht bat man hierin mehr ein Versehen 
des Abschreibers der Hs. als des Herausgebers zu erkennen. Jedenfalls 
wären diese (und zahlreiche andere) Fehler nicht untergelaufen , wenn 
Herr Maiecki die Hs. mit eigenen Augen gesehen hätte. 

Und so gibt es eine große Reihe von Ungenauigkeiten und Fehlern, 
die offensichtlich dem Kopisten, nicht dem Herausgeber zur Last zu legen 
sind. Vor allem sind hierher die vielen Auslassungen zu rechnen. So 
ist z. B. 33 b 18 eine ganze Zeile ausgelassen worden. Die Ausgabe hat: 
to wszitko szry bil Jacob w gymyenye przesylne, in der Hs. heißt es aber: 
to wszitko azfj do- ] stalo Jacobowy. Yrozplodzyl sz^ bil | Jacob wgy- 
myenye przesylne. Daß hier ein Versehen des Herrn Piekosinski vor- 



1) Im speziellen Teile werde ich die Abkürzungen jedesmal anmerken, 
auch ob sie am Zeilenschlaß oder in der Zeilenmitte stehen. 

2) Ich will hier auf das: syna der Hs. hinweisen (also mit Strich über ,n'), 
was der Druck 40a 25 ohne jede Bemerkung als: syna gibt. 

3) Freilich ist auf derselben Seite in dem bald darauffolgenden Katalog 
das häufige: synow durch Sy"", wie in der Hs., abkürzend wiedergegeben 
(b 29 ff.)! 



186 E. Hanisch, 

liegt, ergibt sich aus der Bemerkung, die der Herausgeber zu dieser Stelle 
(bei wszitko) macht: »Tu wypuszczone 3 wyrazy znachodzace sie w Wul- 
gdcie, przez nieuwage tJömacza«. 

In dem speziellen Teile dieser Abhandlung werde ich auf die sonsti- 
gen Auslassungen der Ausgabe aufmerksam machen, hier will ich ja nur 
auf diejenigen Ungenauigkeiten und Fehler hinweisen, die für das Ver- 
hältnis der Ausgabe zur Hs. typisch sind. Da stimmen z. B. die Kapitel- 
überschriften der Hs. nicht mit denen der Ausgabe überein. So steht 
294a nicht das Zahlzeichen V sondern : py^te, und zwar, wie es in den 
Handschriften überhaupt üblich ist, bunt, hier rot, gemalt. Ebenso stimmt 
es mit der Zahl Xin S. 14b nicht; die Hs. schreibt: trzeczyenaszczye 
capitula, ferner fehlt S. 12 b hinter der XI das Wort kapytula, welches 
die Hs. enthält usw. 

Daß an einer Stelle der Ausgabe, 13ob, eine falsche Markierung 
der zu vergleichenden Vulgatasteile in der Ausgabe vorliegt i), hat be- 
reits Herr Babiaczyk Einleitg. S. 46 notiert. Wenn nun Herr Babiaczyk 
(ibid.) wünscht, daß bei einer zweiten Ausgabe des Werkes »die Ein- 
teilung der Kapitel auch nach Versen, der Vi. entsprechend, erfolge, da- 
mit die Übersicht über das Sprachmaterial einfacher und der Vergleich 
mit der VI. leichter erreichbar wäre«, so ist das ein Verlangen, welches 
ich sicherlich teile und in der von mir geplanten Neuausgabe auch würde 
durchzuführen suchen. Doch ist dabei nicht zu vergessen, daß eine 
recht prinzipielle Frage hier zu stellen ist: nämlich welche Vers- und 
Kapiteleinteiluug? Es kann Herrn Babiaczyk bei seiner Arbeit nicht 
entgangen sein, daß mit der heutigen Verseinteilung dem polnischen Texte 
an sehr vielen Stellen garnicht beizukommen ist. Das liegt eben daran, 
daß unsere heutige Einteilung der Verse und Kapitel von der in den 
Vulgataausgaben des Pariser Buchdruckers Robert Etienne (Stephanus) 
eingeführten abhängig ist, d. h. aus der Mitte des sechzehnten Jahr- 
hunderts stammt. Ursprünglich war der Text ja nur in Bücher geteilt, 
Hieronymus hatte dann durch Kola und Kommata eine eingehendere 
Gliederung in Sätze geschaffen. Eine den praktischen Bedürfnissen des 
Zitierens entsprechende Kapiteleinteilung und eine weitere Gliederung in 
Verse (allerdings eine rein zufällige, nämlich nach den Zeilen seines 
Handexemplars) gab Hugo von St. Caro im dreizehnten Jahrhundert; diese 



1) Das Blatt 7 7 der Hs. beginnt nicht mit Deuteronom. XVII. 16, son- 
dern schon mit Vers 2. 



Die Särosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. 1 87 

kam auch allgemein in Brauch, bis sie eben durch die Neueinteilung des 
Stephanus im sechzehnten Jahrhundert ersetzt wurde. Daher wird also 
eine Einteilung nach der heutigen Weise bei älteren, zumal stark variie- 
renden Bibeltexten immer auf Schwierigkeiten stoßen. Das hat ja schon 
der Herausgeber unseres Sprachdenkmals merken müssen, als er die Ein- 
teilung der Kapitel in der heutigen Weise durchführen wollte : es stimmte 
eben nicht überall. So z. B. beginnt Malecki S. 60 b nach der heutigen 
Weise: Exodus XVI. In der Hs. gehört aber der heutige Vers 1 dieses 
Kapitels noch zu XV und erst mit heutigem XVI 2 beginnt 6 1 a 4 der 
neue Abschnitt ^j, der in der Hs. dui'ch Zeilenabsatz und (rote) Kapitel- 
zahl in der üblichen Weise angemerkt ist. Dagegen ist in der Ausgabe 
an anderer Stelle auf diese Verschiedenheit der Kapiteleinteilung nicht 
hingewiesen worden; z. B. 47a beginnt nicht, wie die Ausgabe hat, 
Exodus Vn in der heutigen Weise, sondern schon mit den Worten: Imo- 
wyl gest pan (a 15) = heutige Vulg. VI 29. An anderen Stellen, wo in 
der Hs. eine Kapitelzahl fehlt, z. B. 37b, ist in der Ausgabe nach der 
heutigen Weise eine Zahl, XXXUI, darüber gesetzt; die Hs. fährt aber 
in der Zeile fort, ohne Absatz: Potem Jacob, wobei noch zu bemerken 
ist, daß das P gelb ausgetuscht ist, aber die bei Kapitel anfangen übliche 
rote Ausmalung fehlt ^j. Bemerken möchte ich auch noch, daß der 
Absatz im Druck 304 b 26/27 nicht begründet wird durch die Verhält- 
nisse der Hs. Vielmehr heißt es ohne Absatz : pana boga israhelskego 
Apote I gdi usw., also ohne jede Unterbrechung. Malecki sagt: »W 
przekiadzie Leopolity i Budnego, z ktörymi te ksiege poröwnywam, 
nie majac jöj w lacinskiej Wulgacie: w tem juz miejscu poczyna sie 
rozdzial VIU. « Ich bemerke dazu , daß auch die lat. Vulgata hier bei 
TTT . Ezdras das achte Kapitel beginnt: Et post hunc regnante Arta- 
xerxe usw. 

Indem ich also die zahlreichen einzelnen Abweichungen hier über- 
gehe, da ich sie späterhin richtig stellen werde, will ich nur noch hervor- 
heben, daß natürlich auch gar manches im Speziallexikon sich jetzt 
ändern muß. Schon oben lag ein solcher Fall vor (ustac st. ostac). Aber 
nicht nur, daß einzelne Belege fortfallen, nein, es müssen auch manche 



1) Malecki hat das S. 61a unterm Text richtig angemerkt. 

2) Vielleicht handelt es sich um ein Versehen der Hs., denn im ganzen 
weiteren Verlaufe dieses Kapitels fehlt ein Absatz oder eine Bezeichnung 
eines neuen Kapitels. Das beginnt erst 3Sb, und zwar als XXXIV.! 



188 E. Hanisch, 

Worte des Lexikons ganz gestrichen werden, soweit es sich dabei um 
Hapaxlegomena des Textes handelt. Es muß also fallen das jedy 300a 3 S, 
da nicht gedi, sondern mit unzweifelhafter Deutlichkeit nur gdi in der 
Hs. steht, dann wicina, denn die Hs. hat vycyamy, nicht, wie die Aus- 
gabe, vycynamy 328b 7. Es ist mithin von dem auch sonst bekannten 
Worte wie auszugehen. Bedenken erregte mir auch von vornherein, wegen 
des »comportant« des lateinischen Textes, das: svosz^ wodj^ 152a 5 
der Ausgabe. Ich fand auch, meiner Erwartung entsprechend, in der 
Hs. ein deutliches: snoszr^, womit zugleich auch der einzige Beleg für 
»swozic« des Speziallexikons — vor »w« wäre doch wohl nur zwozic zu 
schreiben! — beseitigt ist. Ebenso ist das auch sonst noch auffällige 
chroszlyna des Druckes (2b 28) in chr^szlyna der Hs. gemäß umzuwan- 
deln. Ich möchte hierzu das Chrostlino der »Bulla z r. 1136« ver- 
gleichen 1]. 

Wenn ich anfangs sagte, daß auch Druckfehler noch die Unsicher- 
heit des in der Ausgabe gebotenen Textes erhöhen, so bin ich dafür noch 
Belege schuldig. Nur als Druckfehler kann ich mir erklären: gwazdi 
293b 32 (Hs. gwyazdi), 53a 27 debidczy^tha (Hs. dobidczy^tha), 308b 38 
gzechi (Hs. grzechi), 316a l przes to dobr^ (Hs. przes t^ dobr^), denn 
sonst würde der Herausgeber, wie anderwärts, so auch hier, diese auf- 
fälligen 2) (wenn auch freilich nach Ausweis der Hs. falschen) Schrei- 
bungen durch einen Stern hervorgehoben haben , wie z. B. das Juerusa- 
lema* 273 a 11, was in der Kopie der Hs. gestanden haben muß. Die 
Hs. selbst hat auch hier das zu erwartende : ierusalema. Ebenso muß ein 
Fehler der Kopie sein s przistrzeszo*, 309b 2, von Maiecki also durch 
einen Stern hervorgehoben und von Babiaczyk im Lexikon so notiert. 
Die Hs. hat hier richtig: sprzistrzesza. Schließlich sei noch das poczny 
293b 35 erwähnt. Die Vulgata hat an dieser Stelle (Nehem. IV 22 3)); 
et sint nobis vices und die Ausgabe : a b^Jdzcye nam poczny. Maiecki 



1] Vgl. V. Rozwadoweki in der Ausgabe dieser Bulle : Mat. i Pr. Kom. 
J(?z. w Krak. IV S. 447. 

2) Herr Babiaczyk hat glücklicherweise nicht alle dieser falschen Formen 
verzeichnet. 

3) Dieses Kapitel wird verschieden eingeteilt: teilweise werden nämlich 
die Verse 1 — 17 der offiziellen Vulgatazählung zu Kap. III genommen als III. 
33—38^ wozu noch hinzukommt, daß Vulgata III. 30 dabei in zwei Verse (30 
u. 31) zerlegt wird. Eine solche Einteilungsdifferenz hat z.B. die Polyglotten- 
bibel von Stier u. Theile in allen vier Texten (griech., hebr., deutseh, lat.). 



Die Särosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. 189 

hat hinter »poczny« ein Fragezeichen gesetzt, weil ihm die Stelle auffällig 
schien, also stand es so jedenfalls in der Kopie der Hs. In der Hs. selbst 
lesen wir aber für das verschriebene »poczny« ein verständliches: po- 
moczny, so daß auch die Erörterung Babiaczyks s. v. poczac hinfällig 
wird. Das »pomocen« ist noch einmal belegt, wenige Seiten später: 
305b 35 ktorekoly b^drj tobye pomoczni (= quaecunque tibi sub- 
venerint). 

Schon für die Textgeschichte interessant ist es, wenn wir erfahren, 
daß 186b 6 in den Worten: Ale gdisz slunce wesczdlo, das czechische 
slunce eine Korrektur am Rande ist, also erst nachträglich hingeschrieben 
wurde. Noch lehrreicher scheint mir aber eine in der Ausgabe ebenfalls 
nicht vermerkte Konjektur 308b 26. Der Druck hat: cziudzokraynow. 
Die Hs. las nun aber ursprünglich »czidzokraynow« ; dieser Czechismus 
wurde bald erkannt, so interpungierte man das >i« und schrieb v (d. i. 

V 

also u) darüber: czidzokraynow. So zeigt die Hs. schon in ihrer äußeren 
Gestalt die Richtigkeit der Annahme Jireceks^): »prichäzime k resultätu 
nezäpornemu, ze nejvetsi cäst polskeho textu neni nez zpolsteny prepis 
cesköho prekladu«. Und zwar nicht nur für den ältesten Teil dieser 
Handschrift. 

n. Die Handschrift. 

Malecki hat in den Prolegomena der Ausgabe die Beschaffenheit 
der Handschrift eingehend geschildert. Seitdem hat sich nichts geändert, 
wie auch der Bibliothekar des Särospataker Reformierten Kollegiums, 
Herr Istvän Harsänyi, in seiner Schrift: A Särospataki Lengyel Biblia s 
ujonnan fölfedezett harmadik töredöke ^) zeigt. So kann ich hier auf diese 
Darstellungen verweisen. Bemerken will ich aber noch, daß es vielfach 
sehr schwer ist, die Zahl der aus dem Kodex herausgerissenen Blätter 
anzugeben; man wird das am besten nach dem Umfange des fehlenden 
Textes abschätzen. 

Man hat nach den Ausführungen der Prolegomena meist angenom- 



1) In Öas. C. M. 1872, 310. 

2) Budapest 1909 als Separatabdruck u. im XVII. Bande der ungarischen 
Zeltschrift: »Magyar Könyvszemle«. Das Wichtigste dieser Schrift ist die 
Wiedergabe des von Herrn Harsänyi gefundenen Ezdrasfragmentes S. 59ff. 
mit photogr. Reproduktion. 



190 E. Hanisch, 

men ^), äaß unser Bibeltext in den Zeiten der Königin Sofie begonnen 
wurde, und spricht daher gewöhnlich auch von der »Sofienbibel«. Dem- 
gegenüber hat Herr Harsänyi die ältere Annahme wieder aufgefrischt, 
indem er unsere Handschrift bis in die Zeit der Königin Hedwig hinauf- 
rückte. Ein strenger Beweis ist für keine der beiden Hypothesen er- 
bracht, ebensowenig auch, daß unsere Bibel ursprünglich für den Ge- 
brauch des Königshauses überhaupt bestimmt war; mir scheint die an 
manchen Stellen doch recht bedenkliche Flüchtigkeit eher dagegen zu 
sprechen. Jedenfalls muß ich betonen, daß aus der Bibel selbst kein 
Anhalt für irgendwelche Besitzerliste ^j gegeben ist. Nur das erscheint 
mir sehr wahrscheinlich, daß der Kodex etwa von Beginn des zweiten 
Viertels des XVH, Jahrhunderts ab in der Bibliothek des Särospataker 
Reformierten Kollegiums sich befindet, weshalb ich auch den Namen 
»Särospataker Handschrift« für den allein richtigen halte 3); jeder andere 
Name entbehrt der historischen Berechtigung und stützt sich lediglich 
auf vorläufig nicht bewiesene Annahmen. "Wie man also nicht mehr vom 
»Margaretenpsalter« redet, sondern seit Nehring vom »Psalter von 
St. Florian«, so sollte man auch in unserm Falle die hypothetische Be- 
nennung beiseite lassen. 

Das Wichtigste erscheint mir also, daß etwa seit 1627 das Refor- 
mierte Kollegium Besitzer der Handschrift ist. Damit ist eine weitere 
Hypothese hinfällig geworden, die ebenfalls seit dem Erscheinen der 
Ausgabe wohl allgemeine Annahme gefunden hatte, nämlich, daß Come- 
nius, als er von Lissa (in Posen) nach Särospatak im Jahre 1650 zum 
Rektor der dortigen Schule berufen wurde, diese Bibel nach Särospatak 
mitgenommen hätte. Das hatte bereits Jirecek in der Anzeige der 
Maleckischen Ausgabe angezweifelt*): »k tomuto domneni Malecköho 
nelze pristoupiti, jednak proto, ze se kodex dostal kollegiu saryspotoc- 
kemu darem Jiieho Räköce, 1. 1648 zemreleho, jednak ze naprosto neni 



1) Ich muß hier manches kurz wiederholen, was ich eingehender in 
meiner Schrift: »Zur Geschichte der Särospataker altpolnischen Bibelhand- 
schrift« (Sonderabdruck und in der Festschrift für Alfred Hillebrandt. Halle 
1913) ausgeführt habe, weswegen ich hier auf diese Abhandlung zur genaueren 
Kenntnisnahme verweise. 

2) Herr Harsänyi stellt eine solche auf in seiner Schrift S. 5S, vgl. auch 
>Zur Geschichte der Särosp. altp. Bhs.« S. 21 f. 

3) Vgl. »Zur Geschichte usw.« S. 5 f. 

4) Öasop. Cesk. Mus. 1872 S. 305 f. 



Die Särosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. 191 

domyslitedluo, co by Komynskeho bylo k tomu primelo, abi bibli staro- 
polsküu byl s sebou vozil, jda za ücelem eiste paedagogickym do über«. 
Trotz dieser durch ihre Einfachheit schlagenden Einwendung hatte die 
Comenius-Hypothese ziemlich allgemeine Annahme gefunden, so bei 
Nehring, Altpoln. Sprachdenkm. S. 116, und mit einigem Vorbehalt auch 
in Brückners »Geschichte der polnischen Literatur« (1901) S. 23. Doch 
schon in »Literatura religijna w Polsce sredniowiecznej* II (1903) S. 65 
gab Brückner zu bedenken: »Zeby ja (Biblia) Jan Komensky z Leszna 
do Szarosz-Pataku wywozii, gdy go na rektora kollegium Kakoczy 
r. IG 50 powolywai, nie myslimy, pocözby sie on ax; do Wcgier z takim 
niepotrzebnym i niepoczesnym ciezarem, wozil? Inny tu jakis zaszedi 
przypadek nieznany«. 

Ich habe die Ausführung hier vorausgeschickt, um eine Vermutung 
meinerseits hier zu wiederholen, die ich auch bereits in meiner Schrift 
»Zur Geschichte usw.« S. 13 f. ausführlicher vorgebracht habe. Es war 
nämlich Herrn Piekosinski offenbar entgangen, daß der obere Rand des 
Blattes 13G verso außer der üblichen, den Inhalt der beiden Textkolumnen 
angebenden Überschrift Paralyp auch noch folgende Buchstaben in dieser 
Gruppierung enthält: 

Paralyp 
L. I. C. S. P. 

Herr HarSc4nyi hat in seiner genannten Schrift S. 1 5 als erster darauf 
aufmerksam gemacht, ohne sich aber mit einer Deutung der Buchstaben 
zu befassen. Da nun nach Tinte und Form diese Buchstaben dem 
XVII. Jahrhundert zuerteilt werden müssen, so glaubte ich sie auffassen 
zu können als: Legi lohannes Comenius Saros-Patakini. Daß Comenius, 
der selbst doch Slave war, diese nach Särospatak verschlagene Hand- 
schrift dort eingesehen hat, ist mir unzweifelhaft. Die Deutung, die mir 
Herr Harsanyi mündlich gab: Leopolita Jan Csiadz Scholae Pater (oder 
Saros Patakini) erscheint mir schon aus graphischen Gründen nicht 
möglich 1). 

Wenn man nun fragt, warum diese Buchstaben gerade an dieser 
Stelle stehen, so scheint mir das nicht aus dem Grunde zu sein, weil 
Comenius nur gerade bis dahin die Handschrift benutzt hat, sondern, weil 



1) Ich teile hier noch eine sehr einleuchtende Deutung dieser Buchstaten 
mit, die Herr Prof. Brückner mir erst kürzlich brieflich gab: »über iste Col- 
legii Saros Patakini <. 



192 E. Hanisch, 

zu seiner Zeit dort etwa die Mitte der Handschrift war , d. h. also : der 
Kodex enthielt damals etwa noch die Psalmen. 

In diese späte Zeit des XVII. Jahrhunderts weisen noch zwei Spuren 
der Benutzung unserer Handschrift. Ich habe in meiner genannten 
Schrift 1) darauf verwiesen, daß S. 104b 13 der Ausgabe zu der Stelle: 
Ale robota wasza^) ein auffallendes Glossem zugeschrieben ist: dzatiky. 
Das »robota« des polnischen Textes ist, wie Babiaczyk gezeigt hat, die 
Herübernahme eines czechischen robata (z. B. in der Olmützer Bibel). 
Da dem Übersetzer dieses Wort unbekannt war, so übernahm er eben, 
um nichts Falsches für diesen ihm fehlenden Begriff einzusetzen, wie in 
zahlreichen anderen Fällen, so auch an dieser Stelle den czechischen 
Ausdruck. Nun, im XVII. Jahrhundert also, hatte jemand diese Bibel 
in den Händen, der hinreichend polnisch verstand, um den Text lesen 
zu können, zugleich aber auch das Wort »robota« im richtigen Sinne, 
also als Czechismus, erfaßte. Es scheint mir ganz evident, daß das in 
Särospatak eben nur ein einziger Mann jener Zeit imstande war: Come- 
nius. Und so schreibe ich diese Glosse ihm zu; Tinte, Buchstabenform 
und allgemeine Erwägung scheinen mir hier das gleiche Resultat zu 
ergeben. Es bleibt aber doch übrig, die Schreibweise dzatiky zu erklären. 
Man würde doch dzatki oder dziatki erwarten. Ich glaube nun, daß 
Comenius, dessen sprachliche Studien bekannt sind, hier eine antikisie- 
rende Form schaffen wollte, und so künstlich aus czech. deti und poln. 
dziatki, vielleicht unter dem Eindruck der vielen Czechismen des polni- 
schen Textes, einen Kompromiß schuf. 

Die zweite Spur dieser späten Benutzung findet sich 184 a 34. Die 
Ausgabe hat hier nur : Tedi Mycol wsy^wszi geno drewno y poloszila 
na loszu. Das »drewno« ist hier == statuam der Vulgata und Babiaczyk 
hat darauf hingewiesen, daß Leopolita an dieser Stelle obraz liest. Nun 
ist über di'ewno von viel späterer Hand ein Zeichen ^ und am Rande die 
Glosse: obraz eingetragen. Ob nun jemand, der den späteren Leopolita- 
text kannte (oder gar kollationierte?), die Glosse hingeschrieben hat, 
oder ob etwa auch diese Eintragung von Comenius herrührt (die Schrift- 
charaktere und die Zeit würden ja stimmen), das wage ich nicht zu ent- 
scheiden. Herr Harsänyi, den ich auf diese späte Glossierung aufmerk- 



1} S. 13. 

-] Die Lemberger Ausgabe zeigt hier nur: wasz, die Hs. hat aber: wasza; 
es ist zwar das zweite a etwas verblaßt, aber ganz deutlich lesbar. 



Die Särosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. 193 

sam machte, hält dafür, daß auch sie von Comenius stammt i), was auch 
mh" das Wahrscheinlichere ist. 

Sehen wir also hier wirkliche, echte Glossen einer späteren Zeit, so 
finden wir auch sonst noch im Text das Eingreifen eines Korrektors und 
zwar besonders im fünften Teile der Handschrift. Wenn ich sage im 
fünften Teile, so wende ich mich damit zugleich gegen die bisherige Auf- 
fassung, die von Malecki-Piekosinski herrührt 2), und den fünf Teilen der 
Handschrift auch fünf Schreiber entsprechen läßt. Dem ist nun aber nicht 
so. DieEinteilungMaieckis ist: I.Blatt 1 — 21 (=S. 1 — 40 der Ausgabe), 
n. Blatt 22—40 (= 41—78), HI. Blatt 45—47 (= S. 78—83), 
IV. Blatt 48—95 (= S. 81—171), V.Blatt 96—185 (= S. 171—335). 

Es ist nun aber ganz unzweifelhaft 3), daß der erste Teil nicht von 
einer Hand, sondern von zweien herrührt. Der erste Schreiber schrieb 
Blatt 1 — 20 recto in deutlicher, ebenmäßiger Schrift. Ganz unvermittelt 
setzt nun Blatt 20 verso, also bei den Worten splaczyem swyelykym 
(die Ausgabe hat ungenau 38a 4 s placzem s wyelykym), eine ohne 
jeden Zwang sehr zusammengedrängte Schrift ein, die sich ganz auffällig 
von der Hand des vorhergehenden Schreibers abhebt. Allerdings treffen 
wir die gleichen Schriftcharaktere und dasselbe orthographische System, 
so daß also dieser zweite Schreiber ohne längere Unterbrechung dem 
ersten zeitlich unmittelbar folgen muß. Von ihm stammt nur noch 
Blatt 21, das Übrige ging verloren, denn mit dem wuchtigen »Gessen«, 
dem ersten Worte des heutigen Blattes 22 (= S. 41 der Ausgabe), be- 
ginnt der nunmehrige dritte Schreiber (der zweite Maleckis). Ebenso 
muß ich die Einheit des fünften Teiles in Zweifel ziehen. Man begegnet 
nämlich, von Zeit zu Zeit wechselnd, in diesem Abschnitt immer wieder 
den gleichen Eigentümlichkeiten der Schrift, so daß man den Eindruck 
bekommt, daß dieser Teil von zwei sich abwechselnden Schreibern ab- 
gefaßt wurde. Die einzelnen Teilabschnitte voneinander zu sondern, 
würde freilich sehr schwierig sein; ich konnte mich, schon aus Zeit- 
mangel, nicht eingehender damit befassen. 

Nach Lage der Dinge kann also an der bisherigen Fünfteilung fest- 
gehalten werden, freilich in dem Sinne, daß man darunter fünf nach Zeit 
und System scharf voneinander geschiedene Abschnitte versteht, deren 



1) Ich will hier bemerken, daß weder dzatiky, noch obraz in der Aus- 
gabe vermerkt sind. 

2) Prolegomena S. XXIV und XLIVff. 

3) Vgl. »Zur Gesch. d. Särosp. altpoln. Bibelhs.« S. 10 ff. 

Archiv für slavische Philologie. XXXV. 13 



194 E. Hanisch, 

erster von zwei aufeinander folgenden, deren letzter von zwei einander 
ablösenden Schreibern herrührt •). 

Namentlich im letzten Teile, der durch zahlreiche Abbreviaturen und 
Verschreibungen usw. einen flüchtigeren Eindruck macht, begegnen wir 
nun aber mehrfach noch der Hand eines Korrektors, der oflfenbar gleich- 
zeitig mit den Schreibern ist und ihre Arbeit noch einmal durchsah, ohne 
freilich in allen Fällen die zahlreichen Versehen richtig zu stellen. Man 
erkennt diesen Korrektor an der viel schwärzeren Tinte; allerdings sind 
auch manchmal die Korrekturen der Schreiber etwas schwärzer als der 
übrige Kontext, daher kann man im Einzelfalle manchmal zweifelhaft 
werden, ob die Verbesserung von dem Schreiber selbst oder von dem 
Korrektor erst nachträglich vollzogen wurde. Solche spätere Korrekturen 
des fünften Teiles sind z. B. die Punkte unter 229a 8: apobral apobral 
gych, wo der Korrektor die Dittographie erkannte, oder 2 3 (3a IS: spo | 
kolenia Israhelowa Isacharowa, das interlinear nachgetragene ch am 
Ende von koscyelni'^'^ 247b 25, das vo in israhelo^'' 248a 14, das w in 

W 10 

wsyadeczstwye 248a 22, das ro in awprocech 248a 30, das (^ in 


atrzsai(ic 249a 9, das r in ysrzebne 251a 1, das v in wogny^ 254a 28, 

das y in swy^jtichysi nowye 256a 6, das w in ^stala 2G2b 25, das 

obyati y 

obyati 264 a 12: zszone panv |, das 1 in amya^ 268a 6, das y in krola 

p 
276b 1, das p in apoysal 281b 13, andere Fälle sind strittig, z. B. 

31 8b 4 iakon; hier ist das n radiert und am rechten Rande sauber kon 
korrigiert, so daß also iako kon gelesen werden soll, m. E. ist kon von 
anderer Hand verbessert, Herr Harsänyi ist nicht dieser Ansicht. Jeden- 
falls aber steht fest, daß wir außer den Verbesserungen der Schreiber 
selbst auch die nachbessernde Hand eines Korrektors (der vielleicht der 
Übersetzer des Abschnittes war?) zu unterscheiden haben. 

Auch in früheren Teilen der Handschrift treffen wir schon auf eine 
solche nachträgliche Korrektur, z. B. S. 83 b 29: rzeptay^czy. Das aus- 
lautende y dieses Wortes ist auf der Rasur eines vorherigen m geschrie- 
ben, der rechte lange senkrechte Strich des y ist dann von späterer 



1) Auch an dieser Stelle will ich, wie >Zur Geschichte usw.« S. 11 Anm. 1 
ausdrücklich hervorheben , daß meine Ansicht hinsichtlich der Zahl der 
Schreiber jetzt auch von Herrn Harsänyi, nachdem er in seiner erwähnten 
Schrift S. 13 den Angaben Maleckis gefolgt war, geteilt wird. 



Die Scirosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. 195 

Hand oben nachgebessert, wie man aus der viel schwärzeren Tinte er- 
sehen kanni). 

Auch hinsichtlich der bei einzelnen Buchstaben des letzten Ab- 
schnittes stehenden Striche ^j ist die Lemberger Ausgabe durchaus nicht 
zuverlässig, wie ich im speziellen Teile an den betreflfenden Stellen zeigen 
werde. In der Ausgabe sind die fehlenden Ausmalungen der Kapitel- 
initialen angegeben, doch fehlt die Angabe einer eigentümlichen Rand- 
malerei 306 a = Blatt 170 recto a. Hier ist am Rande eine gelb gemalte 
Hand, deren Daumen und Zeigefinger nach rechts, also auf den Text, 
hinweisen. Es zieht sich diese Randverzierung etwa von a 1 6 bis a 1 9 
hin. Der Vollständigkeit wegen will ich noch hier anführen, daß an 
einigen Stellen der Handschrift dort , wo im Kodex ein Kapitelanfang 
nach der heutigen Vulgata unbezeichnet war, dieser mit Bleistift in 
römischen Zahlen vermerkt ist, z. B. S. 39b und 40b. Ich bin zu der 
Annahme geneigt, daß diese Bleistiftnotizen von Herrn Piekosinski her- 
stammen, jedenfalls sind sie aber ganz jungen Datums. 

III. Die Abweichungen der Ausgabe von der Handschrift. 

Im folgenden wende ich mich jetzt zu der Feststellung der einzelnen 
Abweichungen des Druckes von der Hs. Ich gehe dabei , zur leichteren 
Orientierung, nach den Seitenzahlen der Ausgabe, die ich durch Dr. 
(Druck) abkürze. Um nicht zu weitläufig zu werden, bringe ich nur die 
wichtigeren Abweichungen 3) , aber alle Abbreviaturen, Dittographien 
und Korrekturen der Hs. Ferner werde ich auch alle Zeichen , die man 
als diakritisch deuten könnte, erwähnen. Doch werde ich auch mehr- 
fach die Übereinstimmung von Hs. und Dr. hervorheben, wenn der Fall 
von einiger Bedeutung erscheint ^j. 

I. Teil. Erster Schreiber S. 1 — 38a 4 der Ausgabe. 

S. la — , b 23 Dr. nyebeskym, Hs. nyebeskyem, vgl. das Faksimile, 
bei Babiaczyk nicht richtig gestellt. — S. 2a 6 Dr. und Hs. rodzay^^. 
b 18 Dr. chroszlyna, Hs. ch;|r(jszlyna. — S. 3a 1 Dr. w obliczye, Hs. 
woblyczye. a 35 Dr. samemu, Hs. same^j. Also Abbreviatur am Zeilen- 
schluß, a 38 Dr. wszitka. Die Hs. hat hier kein klares »a« ; das »a« 



1) Vgl. »Zur Gesch. usw.« S.12. 

2) Von Malecki erwähnt in Prolegom. S.XLVII. 

3) Ich notiere also für gewöhnlich nicht, wo für u ein v in der Hs. steht 
n. ähnl. 

*) Also besonders dann, wenn Malecki etwas zweifelhaft war. 

13* 



196 E. Hanisch, 

hat deutlich die Form eines o, dann ist daraus ein a gemacht worden, 
das aber einen Querstrich (a) hat. Es liegt hier wohl ein ursprüngliches, 
doch gleich im Schreiben bemerktes Versehen (o statt a) vor; das vorher- 
gehende Wort geht nämlich auf (^ aus (szemy^) und mit dem folgenden 
zwyerz(j; ta schließt die Zeile, b 11 Dr. u. Hs. semye. b 26 Dr. u. Hs. 
goroczszy. — S. 4a — . b 7 Dr. nyeprzyazn, Hs. nyeprzyyazn. b 12 Dr. 
poczy^czya*. Das a der Ausgabe entspricht dem mit einem Längs- (vgl. ^) 
und Querstrich (vgl. 3a 38) versehenen a der Hs. (ä). — S. 5a 26 Dr. 
smarscza*. Das aiu der Hs. wie 4 b 12/13. a33Dr. precz, Hs. przecz, doch 
ist das erste z verblaßt, vielleicht vom Schreiber schon getilgt? b 5 Dr. glos 
twego brata, Hs. dittographisch : glos twego twego brata. b 24 Dr. znamy^^ 
na Kaymye. In der Hs. ist die Präposition darüber geschrieben : zna- 

na 

my(^ Kaymye. b 35 Dr. Mawyela a Mawyel, Hs. deutlich manyela ama- 
myel, also n und m! — S. 6 a 10 Dr. sestrze, Hs. szestrze. all Dr. 
Y rzekl, Hs. Yrzel. b 22 Dr. gest, Hs. gt |, also Abbreviatur am Zeilen- 
ende, b 31 Dr. Malalael, Hs. Malael, aber b 26 Dr. und Hs. Malaleel, 
b 34 Dr. und Hs. Malael, b36 Malaeel. — S. 7a 17 Dr. Matuzale, Hs. 
Natuzale, a 9 u. 19 Hs. u. Dr. Matuzale, ebenso all Matuzaela Hs. und 
Dr. a 24 Dr. Lamech, Hs. lamet. b 10 Dr. m^szowye, Hs. moszowye. 
b 12 Hs. und Dr. syn boszy. vgl. b 3. — S.8a Dr. A konce, Hs. Akouce^). 
b 5 Dr. gednego, Hs. gendnego. b 19 Dr. gemu, Hs. ge^, Abbreviatur 
in Zeilenmitte, b 33 Dr. myesz^cza drugego, Hs. dittographisch: mye- 
sz^icza drusjgego drugego. — S. 9a 28 Dr. nad zemy^, das in der Hs. 
am Zeilenanfange steht (nadzemy^^). Die Zeile der Hs. (wie auch hier 
gerade im Druck a 28) schließt mit wszitky; der Anfang der nächsten 
Zeile, also unter nadzemyrj, beginnt wieder in der Hs. nadzemy^j gori, 
Dr. a 29 nur gori. b 1 Dr. und PIs. nyebyesky (rechts darüber steht 
robaky. Einfluß?). — S. 10a 1/2 Dr. gol^bek, Hs. golobek. a2 Dr. 
sz;>, Hs. szo. a 9 Dr. sest a pyrwe lato, so auch Hs. sesta pyrwe lato 2). 
b 15 Dr. h^d^ posz^idal s r^ky, Hs. b^d(^ pozywal posz^jdal sroky (vgl. 
oben Abschnitt I). b 29 Dr. wyelikyemu, Hs. wyelikye''|, also Abbre- 
viatur am Zeilenschluß, b 32 Dr. und Hs. mnogi. — S. IIa — , b4 Dr» 
a bjidz, Hs. abodz. b 10 Dr. zyw wyeku swego dzewy^dzset, Hs. zyw 
swego wyeku | wyeku swego dzewy^dz set, also Dittographie und auf- 

*) Vgl. meine »Zusammenschreibung von Wörtern in älteren poln. und 
cech. Hs.« S. 22. Daselbst auch über: okono (9 b 25). 

2) Zu sesta vgl. meine »Zusainmenschreibung usw.« S. 21. 



Die Särosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. 197 

fällige Trennung des dzewy^dz set i) ! b 1 6 Dr. u. Hs. Potek. b 3 1 Dr. kro- 
lewstwa w Babylony. In der Hs. scheint ursprünglich am Zeilenschluß für 
krolewstwa wbabys | etwas anderes gestanden zu haben, was getilgt wurde ; 
diese Worte wurden dann in gröberen Buchstaben über die Rasur geschrie- 
ben. — S. 12a 35 Dr.Decla (wieVulgata), Hs. deda. b4 Dr. podlug, Hs. po 
dlug2), b 5 Dr. und Hs. yrjzyku. Genet. Sg., Einfluß des vorhergehenden 
rodu, vgl. auch Babiaczyk s. v. j^zyk. b 10 Dr. nur die Kapitelzahl XI, 
die Hs. hat noch (in Rot): kapytula. b 13 Dr. und Hs. nalazu, vgl. Ba- 
byaczyk s. v. nalesc. b 19 Dr. wisok^, Hs. wisoko. b 22 Dr. sst^pyl, 
Hs. sj'stopyl, — - S. 13 a 22 Dr. und Hs. dwye szczye lat y dwa roky. 
Ich erwähne das, wegen der Bedenken von Semenovic Archiv IX 546. 
b 7 Dr. Melche, Hs. Malche, dagegen b 6 Dr. und Hs. Melcha. b 12 Dr. 
u. Hs. zon^ Aabramowa. — S. 14 a 4 Dr. a gydze, Hs. ygydze. a 9 Dr. u. Hs. 
tujto. a25 Hs. u. Dr. przy. a31 Hs. u. Dr. schalyly. b 1 1 Dr. als Kapitel- 
überschrift XIII. Das steht nicht in der Hs., sondern die ganze Zeile heißt 
hier: czsosz gymyal trzeczyenaszczye capitula. Die letzten beiden Worte 

als Kapitelüberschrift, in Rot. b20 Dr. Betelem. DieHs. hat hier eine Kör- 
te 
rektur: bedlem, also »te« über d verbessert, das »d« aber nicht getilgt. — 

r 

S. 15a 10 Dr. Yordana, Hs. mit Korrektur: yodana. a 30 Dr. moczne* 
twego* syemy(>, Hs. ebenso bis auf twego, wofür man twege lesen kann, 
allerdings ähnelt das e (am Ende) etwas einem o. a 33 Dr. und Hs. 
wswyedzawszy, vgl. Babiaczyk s. v. wzwiesc. a 35 Dr. gest u Ebron, 
Hs. get I webron. Also auch Abbreviatur am Zeilenschluß (letzte Zeile 
von 8 verso a). b 3 Dr. aChadorlaomor, Hs. Achador aomor. b 5 Dr. Bara, 
Hs. Baza. b 20 Dr. w Sabye, Hs. wsobye. b 20 Dr. Chariathaym, Hs. chana- 
cHaym^j. Also beim h rechts ein Strich (vgl. dann im V. Teile!), b 26 Dr. 
w Azonthamar, Hs. w azon thamar. b36 Dr. glribokich, Hs. globokich. — 
S. 16a 27 Hs. und Dr. krolowye, dann a 37 dage gest. b 10 Dr. u. Hs. 
Oddyelyo. b 14 Dr. przemyn^lo, Hs. przemynolo. b 23 Dr. u. Hs. mnogy. 
b 27 Dr. ly^jdzwy, Hs. lyodzwy. — S. 17a 18 Dr. u. Hs. wtrzy zemye. 
a 34 Dr. und Hs. zaluby (nicht zasluby). b 15 Dr. poy^^wszy, Hs. po=| 
y^y^vwszy. Diese Dittographie wurde gemerkt und daher das erste, die 
Zeile beginnende y^- zu tilgen gesucht, doch ist es noch ganz deutlich sicht- 



1) Vgl. >Zusammenschreibung< S. 13ff. 

2) Vgl. »Zusammenschreibung« S. 19. 

3) Es ist vielfach sehr schwer ch und th zu unterscheiden. 



198 E. Hanisch, 

bar. b 20 Dr. und Hs. swu und rzekl. b 31 Dr. angyol, Hs. angyrjl. — 
S. 18a 1 Dr. angyol, Hs. angy^^l. b 28 Dr. und Hs. mnogi. — S. 19a 14 
Dr. po nyem, Hs. powyem. a 20 Dr. ustawy(^), Hs. vstawy (gerade dar- 
über rosplodzy). b 1 Dr. y czudzoszemczi, Hs. yczudzoszenczi; vorher geht: 
zakupyenczi. — S. 20a 9 Dr. u. Hs. Dopyoro. a 19 Dr. ot^d*, Hs. 
ot=|t^d. a 21 Dr. przeczyw, Hs. prze czyAv^). a 34 Dr. wolanye, Hs. 
mit Korrektur wola°^^, vgl. a 35 wolya. b 2 Dr. napeinyly to, Hs. na- 
pelnyly ly to. b 7 Dr. sprawyedlywego z nyesprawyedlywim. In der Hs. 
ist die Präposition darüber geschrieben, also Korrektur -wego^ nyespraw-. 
b 10 Dr. odpuszczysz, Hs. od puszczysz, also Trennung 2). b 15 Dr. nye 

y 
przyslussa, Hs. nyeprzslussa, also darüber y korrigiert. — S. 21a 15 Dr. 

przestal s* mowycz, die Hs. hat hier kein »s«, es ist ein verschriebener 

Buchstabe, den ich (und Herr Harsänyi) für »1« halte (Nachhall m. E. 

von »przestal«). Es liegt also (gegen Babiaczyk 1. c. Einleitung S. 31) 

keine Textverderbnis vor, sondern einfache Verschreibung. a 25 Dr. 

nogi wassze, Hs. dittographisch nogi wawassze. a 33 Dr. y mlodzy, Hs. 

1 
mit Korrektur ymodzy. b 1 6 Dr. wpuszczyly, in Hs. zwischen w und p 

ein Raum frei für einen Buchstaben, der getilgt wurde und wohl i (nicht 
y) war, also wipuszczyly ursprünglich, b 26 Dr. wolya*. Das a ist also 
wieder das durchstrichene k (vgl. oben S. 5a 26). — S. 22a 28 Dr. 
alisz, Hs. alysz. b 33 Dr. gemu, Hs. ge^ |, also Abbreviatur am Zeilen- 
schluß. — S. 23a 3 Dr. poczy^lasta, Hs. poczy^ila sta, also eine auf- 
fällige Trennung (vgl. »Zusammenschreibung« S. 20). a 23 Dr. A 
wwszako, Hs. aw;|szako. b 29 Dr. Otocz, Hs. mit bemerkenswerter 
Trennung o tocz. — S. 24a 27 Dr. und Hs. igrita. a 28/29 Dr. und 
Hs. kasz dzewce vgl. Babiaczyk s. v. kazac. b 23 Dr. gemzeto, Hs. 
genze to. Also n, nicht m. Ich will hier bemerken, daß in diesem Teile 
der Hs. das enklitische -to gewöhnlich selbständig geschrieben wird. 
Das ist wohl entweder als persönliche grammatische Erkenntnis dieses 
Schreibers zu betrachten, oder als Tradition der Schreibschule, aus der 
er hervorging (vgl. »Zusammenschreibung« S. 17 ff.), b 35 Dr. Abi- 
melech, Ils. abi malech, also getrennt und a statt e. — S. 25a 14 Dr. 
und Hs. drzewa. a 1 9 Dr. rzekl, Hs. dittographisch rzekl rzekl. a 2 Dr. 
und Hs. comu. a 23 Dr. z mey rriky, Hs. zmey roky, a 26/27 Dr. und 



1) Vgl. »Zasammenscbreibung usw.« 8.19. 
-) Vgl. »Zusammenschreibung usw.« S.lOf. 



Die Särosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. J 99 

Hs. zalubyla (nicht zaslubyla, vgl. oben 17a 34 und Babiaczyk s. v. 
zalubic). b 21 Dr. ogen, Hs. ogem. b 25 Dr. a ogen, Hs. yogen (also 
hier n, vgl.b21 m). b37Dr, rrjky. InderHs. ist das (> etwas undeutlich, 
so daß man auch o lesen könnte. — S. 26a S Hs. wie Dr. to yze ge vgl. 
Babiaczyk, Einleitung S. 42. a 18 Dr. y grodi, Hs. ygrodi, wobei aber 
das g aus ursprünglichem d (Einfluß der zweiten Silbe) korrigiert ist. 
a 19 Dr. b^^dzesz, Hs. bodzesz. a 20 Dr. und Hs. posegnano. b 7 Dr. 
Ath*, die Hs. Ath, wobei das th, wie oft, dem ch ganz ähnlich ist (Vul- 
gata Heth), ebenso liegt es b 10, dagegen b 17 Dr. und Hs. Eth, b 25 Dr. 
und Hs. Heth. b 30 Dr. y s t^ yaskyny^i, Hs. ysto yaskyny^. — 
S. 27 a 6 Dr. za czczokoly, Hs. zaczczy koly. Also Trennung und y 
statt 0, gerade darüber steht das y von zawazy (a 5). a 22 Dr. y s t(i 
yaskynyr:^, Hs. ysto yaskynyrj (vgl. oben 26b 30). a 25 Dr. gemu, Hs. 
ge^l, also Abbreviatur am Zeilenschluß. bl5 Dr. und Hs. sonrj. — 
S. 28a 1 Dr. ktor^sz, Hs. ktorosz. a 7/8 Dr. na pleczoma, Hs. naple- 
czomu. a 17/18 Dr. wylbl^dom, Hs. wyelblodom, dasselbe in der Hs. 
(gegenüber dem Dr.) a 21, doch stimmt Hs. und Dr. a 25 wyelbl^idowye. 
b 4 Hs. und Dr. prawdrj czyst^. b 1 8 Dr. wyelblr^dow, Hs. wyelblodow 
ebenso b 23 Dr. wyelblrjdi, Hs. wyelblodi. b 22 Dr. A wwyodl, die Hs. 
schreibt Aw w^'odl (vgl. dazu »Zusammenschreibung« S. 19). — S. 29a 2 
Dr. gemu, Hs. ge^|, also am Zeilenschluß, a 15/16 Dr. Tedi przyszedl, 

sm 

Hs. mitKorrektur: Tedi przyszedl. a24 Dr. wyelblr^dom, Hs. wyelblodom 
a 3 1 Dr. A ona, Hs. Aom, also m, nicht n, und kein a. b 1 Dr. czso, 

s 

Hs. mit Korrektur: czo. b 18 Dr. pana twego syna, die Hs. pana sy 
(das »sy« ist dann als Verschreibnng bemerkt und durchgestrichen) twego 
syna. b 20 Dr. Abramow usliszal. Die Hs. hat Abramow vczynyl 
vsl; I szal. Also in der Ausgabe fehlt vczynyl und dann ist vslszal zu 
schreiben, b 25 Dr. uczyniwszy, Hs. vczywszy. — S. 30a 28 Hs. und 
Dr. hrjd^ rod. b 5 Dr. ly^iknye, Hs. lyoknye. b 22 Dr. Panem twim 
gegosm ostawyl. Die Hs. hat vstawyl (allerdings nähert sich die Gestalt 
des »V« dem »o« etwas, so daß die Verwechslung leicht war, vielleicht 
lag auch ursprünglich eine Verschreibung vor). Damit stimmt auch der 
Vulgatatext Genes. 27, 37: constitui. Der Beleg bei Babiaczyk unter 
»ostawic« ist also (der einzige für »constituere« !] zu streichen und zu 
»ustawic« zu zählen. Ich wiU hier auch darauf verweisen, daß es dann 
weiter heißt (b 23/25) nach der Hs. (und dem Dr.): y nadwyele wyna 
yoles I yu gestm gi panem ustawyl. Also wieder ustawj^I, wozu hier die 



200 E. Hanisch, 

Vulgata (Genes. 27, 37) heute liest: frumento et vino stabilivi eum. Für 
»vino'< gibt es aber eine Variante: oleo. — S. 31a 2 Dr. zolostni*, Hs. richtig 
zalostni. a 32 Hs. (und Dr.) kulabanowu (es folgen noch vier Worte auf 
-u). b 10 Dr. syostr(>, Hs. syostro| am Zeilenschluß, darüber endet die 
Zeile Ysmahelo; wrj. b 37 Dr. A Irjkl, Hs. Alokl. — S. 32a 11 Hs. 
und Dr. czy^/szczy. b 25 Dr. gemu, Hs. ge""! Zeilenende! — S. 33a 29 
Dr. wy^cey, Hs. wyocey. a 30 Dr. gemu, Hs. ge^ | Zeilenschluß! b 19 Dr. 
wszitko szr^ bil Jacob w gymyenye przesylne. Dazu Anmerkung: »Tu 
wypuszczone 3 wyrazy znachodzace sie w Wulgacie, przez nieuwage 
tlömacza«. Hs. wszitko 8zr> do;|stalo Jacobowy. Irozplodzyl szr^ bil | 
Jacob wgymyenye przesylne. — S. 34 a 2 Dr. gemu, Hs. ge^' | Zeilenende! 
a 8 Dr. a pzredwczorayszym, Hs. aprzed wczorayszym. b 4 Dr. otjrjl, 
Hs. otyol. b 13 Dr. und Hs. strzecz. — S. 35a 6 Hs. und Dr. wnrjkow. 
b 14 Dr. yaczyem wszitky skodi, Hs. yaczyem skodi wszitki | skodi. 
b 31 Dr. gest, Hs. gtl, Zeilenende! — S. 36a 18 Dr. und Hs. myecz 
mee ] (Zeilenende), b 21 Dr. ku gednemu, Hs. kugedne^ |, Zeilenende! 
b 35 Dr. brata mego Ezau, Hs. brata ] mego mego Ezau. — S. 37a 6/7 
Dr. kooz dwy* ssczye, Hs. deutlich kooz dwye ssczye. a 9 Dr. wyel- 
blj^dow, Hs. wyel-|blodow. b 20 Dr. temu, Hs. te'' |, Zeilenende, b 21 
Dr. wy [dzyal] gesm. Die Hs. hat hier tatsächlich die Maieckische Ergän- 
zung, nämlich ganz deutlich: wy-|dzal. b 30 Im Druck ein Kapitelab- 
satz, der in der Hs. nicht ist. Es folgt vielmehr in derselben Zeile fort- 
fahrend auf das: szmyerczy unmittelbar: Potem, wobei noch hervorzuheben 
ist, daß das P schwarz geschrieben ist, nicht, wie bei Kapitelanfängen 
sonst, rot. b 33 Dr. swemu, Hs. swe^ ', Zeilenende! 

Zweiter Schreiber S. 38a 4 bis S. 40 der Ausgabe. 

S. 38a 4 Dr. s placzem, Hs. splaczyem. a 9 Dr. slugr^, Hs. slugo. 
a 26 Dr. gemu, Hs. hier im Zeileninneren ge'''. a 26 27 Dr. Ezau: 
Podzmi pospolu, Ha. Esa: v. Podz mi sso pospolu. Also das »v« in Ezav 
steht auf der nächsten Zeile und eine (durchgestrichene) Verschreibung : 
SSO. b 7 Dr. gest, Hs. gt |, Zeilenende, b 10 Dr. Mezopotamyey, Hs. 
Mezopotanyey, also n, nicht m. bil Dr. myasta y kupyl to polye. In 
der Hs. sind die Worte ykupyl to polye an dem rechten Rande nachge- 
tragen. Bei myasta zeigt ein liegendes Kreuz x den Nachtrag am Rande 
an. b 22 Dr. swemu, Hs. am Zeilenanfange hier die Abbreviatur swe^. 
b 35 Dr. gemu, Hs. ge^, im Zeileninnern. — S. 39a 29 Dr. und Hs. 
dzewkye. b 10 Dr. zwy^zawszy, Hs. zwyozawszy. b 18 In der Aus- 
gabe ist die Kapitelzahl XXXV gesetzt, die in der Hs. ursprünglich nicht 



Die Särosp. altpoln. Bibelhandschr. u. die Lemberger Ausgabe. 201 

8teht^ eine ganz späte Hand (Piekosinski?) hat hier die Zahl XXXIIII 
mit Bleistift (dünn und klein) hingeschrieben, b 34 Dr. na wszitka, Hs. 

w 

mit Korrektur* naszitka. — S. 40a 1/2 Dr. w zemy, Hs. wzemye, doch 
ist das e am Ende verlöscht (aber noch deutlich), a 5 Dr. Dosbora*, Hs. 
Dolbora, das 1 ist deutlich, a 7 Dr. temu, Hs. te", im Zeileninnern. 
a 13 Dr. gemu, Hs. ge^, im Zeileninnern. Es mehren sich also hier beim 
zweiten Schreiber schon die Abbreviaturen im Zeileninnern, man ver- 
gleiche dazu den ersten Schreiber ! a 1 7 Dr. ktorom* dal, Hs, ktor^m. | 
dal. Vulgata (Genes. 35, 12) terramque, quam dedi. a 22 Dr. odt^rjd, Hs. 
trennt od t^rjd. a 25 Dr. syna, Hs. syna, also ii! a 28 Dr. gemu, Hs. am 
Zeilenanfang hier ge^. a 33 Dr. To, Hs. kto, hier ist das k entweder 
absichtlich ausgewischt oder im Laufe der Zeit verblaßt, doch ist das k 
noch deutlich erkennbar, b 2 Dr. nye moglo utagycz , Hs. nyeniogla 
vtagycz, es ist aber das a in mogla etwas weniger deutlich als sonst die 
a der Hs. b 8 Dr. Syno* Zelphe, Hs. Syno; | zelphe. b 20 Dr. hat die 
Kapitelzahl XXXVI. In der Hs. ursprünglich keine Kapitelüberschrift, 
doch hier (wie vorher 39b) von ganz später Hand (Piekosinski?) mit 
Blei XXXV. Im ersten Worte des Kapitels Tocz ist das T, wie üblich bei 
Kapitelanfängen, rot. 

(Fortsetzung folgt.) 
Beuthen 0. 'S. Erdmann Hanisch. 



Kritischer Anzeiger. 



Entstehungsgeschichte der kirchenslavischen Sprache. 

Neue berichtigte und erweiterte Ausgabe von V. Jagic. Berlin, 

Weidmannsche Buchhandlung. 1913. VIII + 540 SS. in 8^. 

Die vorliegende Neuauflage des rühmlichst bekannten Werkes unseres 
Altmeisters blieb dem bewährten Plane der ersten, im Jahre 1900 (in den Denk- 
schriften der kais. Akademie der Wissenschaften, philos.-hist. Kl., Bd. XLVII) 
erschienenen Ausgabe treu und rüttelte auch nicht an den festen Ergebnissen 
in den einzelnen Fragen, welche in ihrer Gesamtheit das Problem über die 
Entstehung der ältesten slavischen Schriftsprache und über Umfang und 
Charakter der ersten Übersetzungen darstellen. In dieser Beziehung enthielt 
das Werk schon in seiner ersten Fassung die Summe der Ansichten, zu denen 
der Verfasser im Verlaufe seiner langjährigen Arbeit auf dem Gebiete der 
altkirchenslavischen Philologie gelangt war und durfte als endgültige For- 
mulierung derselben gelten. Die Neuauflage ist zugleich ein Beweis, daß die 
wissenschaftliche Diskussion des eben verflossenen Dezeniums, soweit sie die 
historischen Ereignisse im IX. Jahrhundert betraf, nicht imstande war, an den 
Darlegungen des Verf. Änderungen hervorzurufen. Dieser Teil des Buches 
dürfte wohl für eine lange Reihe von Jahren den festen Ausgangspunkt für 
jegliche weitere Forschung bilden. Ohne Änderung blieb ferner der Teil des 
Buches, welcher gewissermaßen die innere Geschichte des Problems im 
Schöße der slavischen Philologie vorführt. Zu einer Umarbeitung dieses 
Teiles fehlte jeglicher Anlaß. Denn was über die Frage nach der Heimat der 
altkirchenslav. Sprache von den Hauptvertretern unserer Wissenschaft, von 
Dobrovsky, Kopitar, Vostokov, Safarik, Miklosich gelehrt und schließlich 
von dem Verf. selbst bereits im Jahre 1870 (im I. Bde dieser Zeitschr.) und 
später in Vorlesungen und gelegentlichen Abhandlungen dargelegt wurde, 
war in der Tat bereits in der ersten Auflage so klar und trefflich, so plastisch 
und eingehend kritisch erörtert worden, daß eine der Sache besser angepaßte 
Fassung kaum möglich erscheint. Dagegen erfuhr der dritte, der lexikalische 
Teil des Buches eine sehr wesentliche Erweiterung. In diesem Abschnitt ist 
die vorliegende zweite Auflage gänzlich umgearbeitet und bietet eine neue 
Grundlage für weitere Untersuchungen und Beiträge. Für diesen Zweig der For- 
schung brachten nämlich die eben verflossenen Jahre eine reiche und ergiebige 



Jagic, Entstehungsgesch. d. kircbenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 203 

Literatur. Der Verf. selbst hatte inzwischen seine neuen Arbeiten über den 
Psalter veröffentlicht (Einleitung zu dem Werke >Die Miniaturen des serbi- 
schen Psalters« von Josef Strzygowski, Wien 1906, Denkschr. ; Psalterium 
bononiense, Berolini 19Ü7,, es hatte ferner Prof. B. Conev die Analyse eines 
mittelbulgarischeu Evangelientextes (Dobrejsovo cetveroevangelie, Sofia 1906) 
und Prof. S. M. Kulbakin eines solchen Aposteltextes (des Ochrider, Sofia 
1907) publiziert und zahlreiche andere Spezialarbeiten von Pogorelov, Mi- 
chajlov, Jevsejev, Nachtigal, Vajs über einzelne Bücher des Alten Testamentes 
ergaben eine solche Fülle neuen lexikalischen Materials, daß eine Heran- 
ziehung desselben notwendig zur Umarbeitung der einzelnen Stichworte und 
in der Folge auch zu mannigfacher Berichtigung früher gefaßter Ansichten 
führen mußte. Der Fortschritt gegenüber der ersten Auflage ist in dieser 
Beziehung ganz besonders hoch anzuschlagen. Erst jetzt sind wir imstande, 
uns über jene charakteristische Evolution, welche früher als lexikalischer 
Dualismus bezeichnet wurde, eine etwas richtigere Vorstellung zu bilden. 
Der Verf. selbst trachtet, wo dies nur einigermaßen möglich ist, zu bestimmen, 
in welche Schichten die einzelnen lexikalischen Varianten zu versetzen und 
welchem lokalen Hintergrund sie zuzuweisen wären. Weiteren Spezialunter- 
suchungen dürfte es vorbehalten sein, die in diesem lexikalischen Teil des 
Buches niedergelegten reichhaltigen Bemerkungen näher zu prüfen und daran 
etwaige Korrekturen anzubringen. Gegenwärtig darf es wohl als ausgemacht 
gelten, daß dieser glänzende Abschnitt der vorliegenden zweiten Auflage 
einen gewaltigen Schritt auf dem Wege zur systematischen Zergliederung des 
reichhaltigen, in den altkirchenslav. Quellen niedergelegten lexikalischen 
Materials bildet und als eine würdige Fortsetzung in der Reihe der Unter- 
suchungen des Verf., die mit der Analyse des Assemanianus im Jahre 18G5 
begannen, sich darstellt. 

Nach diesen einleitenden Bemerkungen gehe ich an die Besprechung 
der sehr zahlreichen Zusätze, Erweiterungen und Umarbeitungen, welche die 
neue Ausgabe charakterisieren, indem ich dabei die Reihenfolge beobachte, 
wie sie im Buche selbst vorliegt. 

In dem ersten, dem geschichtlichen Teile (Kap. 1 — 52) sind die Zusätze 
und Änderungen ganz kurz gehalten. Der Verf. beschränkt sich darauf, mit 
wenigen Worten den Standpunkt anzudeuten, welchen er gegenüber den Er- 
gebnissen neuerer Publikationen in diesen Fragen einnimmt. Da es sich hier- 
bei durchwegs um wichtige Bemerkungen handelt, hebe ich die einzelnen 
Fälle hervor. 

Anlaß zu verschiedenen Deutungen bietet gleich das Entstehungsjahr 
der slavischen Schrift. Nach der Darstellung der sogenannten pannonischen 
Legenden ergibt sich dafür das Jahr Sü3. Dagegen scheint die Nachricht des 
Mönchs Chrabrx zu sprechen, der ausdrücklich das Jahr 6363 als solches be- 
zeichnet. Nach der üblichen Weltära (550S) ergäbe dies das Jahr 855 und 
demgemäß wurde z. B. von Lamauskij u. a. dieses Jahr als das Entstehungs- 
jahr angenommen. Doch die Rechnung nach der Weltära 5500 ermöglicht es, 
auch bei Chrabrx die Jahreszahl S63 zu finden und dieser Berechnung stimmt 
diesmal der Verf. ausdrücklich zu S. 14). 



204 Kritischer Anzeiger. 

Eine gewisse Schwierigkeit bildet bekanntlich die Deutung der Reise 
der beiden slavischen Missionäre nach Venedig, worüber die Konstantin- 
legende so ausführlich berichtet. Es ist nicht recht klar, welchen Zweck 
dieser Aufenthalt und die daselbst stattgehabten Disputationen gehabt haben. 
Prof. W. Novotny (Ces. cas. histor. XVII, 1911, 272fg.) versuchte die Sache 
so aufzuklären, daß die Brüder von Venedig aus nach Konstantinopel sich 
begeben wollten. Der Verf. teilt diese Meinung nicht und verweist mit Recht 
darauf, daß die Reise nicht aus Mähren, sondern aus Westpannonien unter- 
nommen wurde. »Die gastliche Aufnahme, die sie (die beiden Missionäre) bei 
Kocel fanden, der kurz vorher mit Salzburg sehr enge Beziehungen hatte, 
widerspricht entschieden der Annahme, daß sie jetzt noch an Konstantinopel 
gedacht haben und nicht vielmehr an die nächste Nachbarschaft, also etwa 
Aquileia — Venedig, wo nicht Rom« (S. 26). 

Von Interesse ist es auch daraufhinzuweisen, daß die ziemlich scharfe 
Polemik gegen die Jugendschrift Prof. Goetz' > Geschichte der Slavenapostel 
Constantinus und Methodius« (Gotha 1S97) in der Ausdrucksweise wohl ge- 
mildert (vgl. S. 33— 36,61), in der Sache jedoch aufrecht gebalten wird. Die Er- 
klärung dafür bringt die Anmerkung auf S. 61, wo auch eine briefliche Mit- 
teilung Prof. Götz' selbst zitiert wird, worin derselbe ohne weiteres zugibt, in 
seiner »Geschichte der Slavenapostel« ohne genügende Ausrüstung einen 
sehr schwankenden Grund betreten zu haben. 

Auf S. 41—42 lesen wir einen Zusatz, welcher den in der slavischen 
Vita Methodii enthaltenen Brief des Papstes Hadrian IL betrifft. Prof. Von- 
dräk ist bekanntlich der Ansicht, daß dieser Brief nicht authentisch ist [vgl. 
Bd. XX, 141 fg. dieser Zeitschr.). In der vorliegenden Auflage wird nun eine 
Mitteilung Prof. Vondräk's zum Abdruck gebracht, aus welcher hervorgeht, 
daß er nicht so weit gehen möchte, dem Urheber der Legende (das ist nach 
seiner Ansicht bekanntlich — Klemens) eine absichtliche Fälschung zuzu- 
schreiben, sondern eher an eine verschiedene Darstellung denkt, bei welcher 
unwillkürlich Gedanken aus dem Briefe Johanns VIII. vom Jahre 880 einge- 
flochten wurden. Der Verf. fand keinen Anlaß, zu dieser mildernden Auf- 
fassung Stellung zu nehmen. Dagegen widerlegt der Verf. den hauptsäch- 
lichsten Grund, welchen Dr. Fr. Hybl (Ges. cas. bist. XIV, 1908) gegen die 
Echtheit des Briefes Hadrians II. ins Feld geführt hatte, mit folgenden Er- 
wägungen: »Er (Dr. Hybl) findet hauptsächlich Anstoß daran, daß in diesem 
Brief die Bewilligung , die Messe in slavischer Sprache zu lesen, nicht aus- 
drücklich ausgesprochen sei. Mir scheint im Gegenteil gerade darin ein Be- 
weis der Echtheit eines solchen Briefes (wohl nicht in wörtlicher Wiedergabe, 
sondern nur seinem wesentlichen Inhalte nach) zu liegen. Der Papst hielt 
sich an die uns auch sonst bekannte Tatsache, daß Methodius nach dem 
leuchtenden Beispiele seines verstorbenen Bruders mit der Übersetzung und 
auf Grund derselben mit der Erklärung aller auf den gottesdienstlichen und 
rituellen Brauch bezugnehmenden Schriften in die slavische Sprache mit 
Billigung des Papstes beschäftigt war. Der Zweck dieser Tätigkeit wird aus- 
drücklich auf die Ausübung der Messe und des Taufritus ausgedehnt. Nur 
bezüglich der Messe folgt die Einschränkung, die durchaus nicht gerade aus 



Jagic, Entstehungsgesch. d. kirchenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 205 

der gleichen Einschvänkuug des Papstes Johannes VIII. herübergenommen 
sein muß. Hätte ein Fälscher, der offenbar diesen Brief zugunsten der slavi- 
schen Liturgie fabriziert hätte, so vorsichtig, mit solchen Klauseln, die Auße- 
rimg des Papstes ausgestattet? Nein, gerade die Zurückhaltung in der 
Sprache dieses Briefes gegenüber einer neuen, weite, noch unbekannte Fol- 
gen in sich enthaltenden Tatsache spricht stark für die Echtheit des Briefes 
in seinem wesentlichen Inhalt« (S. 42). 

Die sogenannte pannonische Legende vom hl. Method spricht bekannt- 
lich von einem »mährischen König«, der Zeuge war des Streites zwischen 
Methodius und den deutschen Bischöfen. Man nahm vielfach an, daß dabei 
an König Ludwig den Deutschen zu denken sei (Dümmler, Dudik, Goetz u.a.). 
Der Verf. pflichtet dagegen der Ansicht bei, daß der »mährische König« nie- 
mand anderes als Svetoplxkx sein könne, wie dies schon Racki angenommen 
und in neuerer Zeit besonders B. Bretholz (Mitteilungen des Instituts für 
österr. Geschichtsforschung, Bd. XVI, 1895, 342 fg.) dargelegt hat, welcher 
Deutung ich (Dejiny slov. ap., 101) und auch Prof. W. Novotny (Ceske dejiny 
I, 348) zustimmte. 

Ein schwerwiegendes Ereignis im Leben Methods bildet das im Jahre 879 
von Papst Johann VIII. erlassene und durch den Legaten Paulus von Ancona 
überbrachte Verbot, die Messe in slavischer Sprache zu lesen. So sicher es 
ist, daß dieses Verbot dem Methodius eingehändigt wurde, ebensowenig kann 
bezweifelt werden, daß dieser dem Befehle des Papstes nicht nachkommen 
konnte. Von Seiten der katholischen Kirchenhistoriker werden immer wieder 
Versuche unternommen, dieses Verhalten Methods zu rechtfertigen, allerdings 
mit wenig Erfolg. Die älteren Ausführungen Racki's (Viek i djel. 299) wies 
der Verf. schon in der ersten Auflage zurück, während die Ansichten von 
Fr. Snopek (List. pap. Hadriana IL, Olmütz 1896) einfach verzeichnet wurden. 
Das letztere geschieht diesmal mit dem neuesten Versuch Dr. S. Ritigs (Povijest 
i pravo slovenstine u crkv. bogosl.. Agram 1910), der das Verhalten Methods 
gegenüber dem Befehle des Papstes Johannes VIII. auf das jus remonstrantiae 
zurückzuführen sucht. 

Eine wichtige Tatsache wird auf S. 57 und besonders S. 64 — 65, 68 hinzu- 
gefügt, nämlich die von Erich Caspar (Studien zum Register Johannes VIII. , 
im NA. der Ges. für alt. d. Geschichtskunde, XXXVI, 1910, S. 79—156) erfolg- 
reich durchgeführte Beweisführung, daß die im XL Jahrhundert in Monte 
Cassino gemachte Abschrift der päpstlichen Regesten, worin bekanntlich auch 
der Brief vom Jahre 8S0 enthalten ist, das Originalregister der Briefe Jo- 
hannes VIII. als ihre Vorlage voraussetzt. Die Zweifel an der Echtheit dieses 
päpstlichen Dokumentes (jetzt abgedruckt MS. Epp. t. VII, 222 n. 255), das 
die feierliche Anerkennung der slavischen Liturgie ausspricht, dürften nun 
verstummen. Vgl. auch die zustimmenden Äußerungen der böhmischen Histo- 
riker Prof. Novotny (Gas. pro mod. filol. I, 1911, 74—75) und Prof. K. Krofta 
(Ges. cas. hist., XVIL 1911, 257). 

Beachtenswert ist die Berichtigung auf S. 65, welche sich auf die Worte 
desselben päpstlichen Briefes vom Jahre 880 bezieht, wie man sie früher all- 
gemein las: coram positis fratribus vestris. Von diesem Wortlaut ging auch 



206 Kritischer Anzeiger. 

der Verf. in der ersten Auflage aus. Nun zeigte es sich , daß diese Lesart 
nicht richtig ist. Deshalb die notwendige Berichtigung. »Da in dem Original 
nicht fratribus vestris, sondern fratribus nostris steht, so entfallen alle Kom- 
binationen darüber, wer von den dem Methodius nahegestandenen Bischöfen 
oder aus den mit ihm benachbarten Gegenden dabei hätte sein können. Es 
sind wohl hauptsächlich römische und italienische Bischöfe gemeint gewesen, 
möglicherweise allerdings auch der Erzbischof von Salzburg , wie es Racki 
(V. i d. 329) vermutete«. 

Mehrfache Änderungen erfuhr der Abschnitt, welcher von der Taufe 
Borivojs durch Methodius handelt (S. 70 — 73). Zunächst wurde das Zitat aus 
Marignola, als historisch wertlos, ausgeschieden und nur die Darstellung be- 
lassen, welche die mährische Legende bietet, wobei ausdrücklich bemerkt 
wird, daß diese Quelle nach den Forschungen Prof.Pekars als älter anzusetzen 
sei (in die zweite Hälfte des XIL, spätestens in die erste Hälfte des XIIL Jahr- 
hunderts), als Dobrovsky meinte (ins XIV. Jahrhundert). Dazu kam nun die 
Christianlegende, als neu erforschte Quelle, die von Prof Pekar für älter als 
Kosmas erklärt und ins X. Jahrhundert versetzt wird (vgl. dessen aus- 
führliche Abhandlung: Die Wenzels- und Ludmilalegenden und die Echt- 
heit Christians. Prag 1906). Der Verf billigt allerdings diese Chronologie 
nicht, sondern findet, daß die »Ausschmückung im Gegensatz zur schlichteren 
Darstellung in der mährischen Legende, der auch die Translatio bekannt ist, 
wofür Christian ganz kuriose Dinge erzähle, nicht für das von Prof Pekar der 
Legende Christians zugeschriebene sehr hohe Alter (X. Jahrhundert) spreche« 
(S. 71). Vgl. auch die Anmerkung auf S. 103. Die merkwürdige Nachricht 
des sogenannten Dalimil — diese altböhmische Eeimchronik stammt bekannt- 
lich aus den Jahren 1308—1318 — blieb auch in der neuen Auflage ohne 
Änderung. Dagegen schließt der ganze Abschnitt mit folgenden Worten, 
die neu hinzugefügt sind: >Die neiiesten Geschichtsschreiber verhalten sich 
zur Frage über die Taufe Borivojs verschieden. Neben Wattenbach und 
Dümmler, die entschieden dafür waren, sind die neueren deutschen Geschichts- 
schreiber dagegen, während die slavischen durchwegs an der Darstellung der 
böhmischen Quellen und der slavischen Wenzelslegende festhalten. Vgl. die 
Übersicht der einschlägigen Literatur bei Pekar S. 2u0 — 2U4 und V. Novotny 
I, 1, S. 381 — 385. Die Nichterwähnung Borivojs in der Vita Methodii ist zwar 
auffallend, die Taufe könnte aber als eine intime Sache, die sich am Hofe 
Svatopluks abspielte, aufgefaßt worden sein, wovon man als einem einzelnen 
Akte nicht gerade Erwähnung machen mußte« (S. 73). Aus dieser Schluß- 
bemerkung scheint hervorzugehen, daß der Verf. nicht mehr so starr an dem 
ablehnenden Standpunkt der ersten Auflage festhält. 

Die Nachricht der slavischen Vita Methodii von einer Reise des Apostels 
zum Kaiser (nach Koustantinopel) wird jetzt allgemein als geschichtlich an- 
genommen. Vgl. die Zustimmung bei Dr. Hybl (Ces. cas. bist. XIV, S. 409 — 
412), bei Prof. Jirecek (Gesch. d. Serben. I, 1911, 176) u. a. 

Einen bezeichnenden Satz lesen wir als Zusatz im Text auf S. 81: 
»Brückner lacht sie aus«. Nämlich die Erzählung der Legende von dem Zu- 
sammentreffen Methods mit den Magyaren an der Donau, dessen Möglichkeit 



Jagic, Entstehungsgeach. d. kirchenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 207 

hervorragende Historiker, wie Dümmler (Meth. 198) nnd Racki (Viek i djel. 
361 — 362), zugaben. Auch der Verf. verzeichnet die Nachricht, ohne an ihrer 
Tatsächlichkeit zu zweifeln. Der Standpunkt Prof. Brückners ist bekanntlich 
ein anderer. Seine Beurteilung der slavischen Legenden als historischer 
Quellen ist in vielen Punkten grundsätzlich ablehnend. Der obige Satz zeigt, 
wie scharf der Gegensatz zwischen den Ansichten des Verf. und denen Prof. 
Brückners in dieser Beziehung ist. Es ist unter solchen Umständen begreif- 
lich, daß der Verf sich nicht entschließen konnte, in die Neuauflage seiner 
> Entstehungsgeschichte < eine fortlaufende Polemik gegen die einzelnen im 
XXVIII. Bd. dieser Zeitschr., S. 186— 229, veröffentlichten »Thesen« Prof. 
Brückners aufzunehmen. Soviel ich merke, wird weder früher noch später 
von Prof Brückner im Texte gesprochen. Eine Erklärung dafür geben einer- 
seits die Worte der Vorrede: »Innerhalb der zwölf Jahre, seit dem Erscheinen 
derselben (der ersten Ausgabe der vorliegenden Schrift), sind allerlei neue, 
nicht nur mit meiner Darstellung, sondern auch untereinander kaum verein- 
bare Ansichten laut geworden, deren Bekämpfung und Widerlegung mir 
widerstrebte« (S. VII) , anderseits die Anmerkung auf S. 94, in welcher es 
heißt: »Die Thesen Brückners stehen bei allem Scharfsinn seiner Kritik dieser 
merkwürdigen Kulturerscheinung gegenüber auf einem Standpunkte, den ich 
nicht teilen kann. In die Polemik sich einzulassen, wäre um so weniger an- 
gezeigt, als ja unsere beiden Standpunkte ganz unvereinbar sind.« 

Mehrfache Änderungen erfuhr der Abschnitt (S. 81 — 83), welcher über die 
Nachricht der slavischen Legende handelt, daß Method mit Hilfe zweier schnell- 
schreibender Priester »alle Bücher« (sc. der heil. Schrift) »mit Ausnahme der 
Makkabäer aus der griechischen Sprache in die slavische im Verlaufe von 
sechs Monaten« übersetzt habe. In der ersten Ausgabe stand der Verf auf dem 
Standpunkt, daß »diese Notiz im vollen Wortlaute gewiß nicht genau sei«, 
und daß man »bei den sehr ungenauen Resultaten der bisherigen Forschungen 
nicht den Eindruck gewinne, daß gerade das ganze Alte und Neue Testament 
zu Methods Zeiten bereits übersetzt war, oder daß Method das ganze Alte 
Testament übersetzt habe«; »viel wahrscheinlicher klinge es, zu sagen, daß 
Methodius entweder bloß das sogenannte Parömienbuch übersetzte, worin 
Lektionen des Alten Testamentes aus verschiedenen Büchern enthalten sind, 
oder etwa die Hauptteile des Alten Testamentes, z. B. den Pentateuch oder 
die Propheten«. Es darf als erfreuliches Ergebnis der Spezialforschungen 
über einzelne Bücher des Alten Testamentes, worüber später (im lexikalischen 
Teile) gehandelt wird, gelten, daß der Verf diese Ansichten vielfach geändert 
hat. Der gegenwärtige Standpunkt des Verf.s ließe sich etwa folgendermaßen 
definieren. Die Nachricht der Legende, daß Konstantin in Gemeinschaft mit 
Methodius zunächst das Evangelium, den Apostolus, den Psalter und eine 
Auswahl der Kirchenoffizien übersetzte, dürfte wohl richtig sein. Als sehr 
wahrscheinlich kann weiter angenommen werden, daß darauf, gewissermaßen 
als weitere Etappe in der Übersetzungstätigkeit, das sogenannte Parömien- 
buch, worin Lektionen des Alten Testamentes aus verschiedenen Büchern 
enthalten sind, sei es von Konstantin, sei es von Methodius, aber in seinen 
früheren Jahren, übersetzt wurde. Den Abschluß des Werkes, der in den 



208 Kritischer Anzeiger. 

letzten Lebensabschnitt des Methodius fiel, bildete dann die Übersetzung der 
Hauptteile des Alten Testamentes. Das Ergebnis dieser eifrigen Tätigkeit 
war somit, daß im großen und ganzen die Übersetzung der Bibel schon zu 
Lebzeiten des Methodius zu Ende geführt wurde. Vgl. jetzt die Ausführungen 
von Prof. Resetar (Bd. XXXIV, 234 fg. dieser Zeitschr.) und von Dr. Vajs 
(ebd. 483fg.). Mit der weiteren Notiz der Legende, daß Method (gegen das 
Ende seines Lebens) auch den Nomokanon und den Paterik übersetzt habe, 
kann man sich, sagt der Verf., ganz einverstanden erklären. In bezug auf den 
Nomokanen sind keine neueren Forschungen zu verzeichnen. Dagegen hat 
Prof. Sobolevskij (Sbornik LXXXVIII, Beil. Nr. 3, 1910, S. 1 1 1) die Vermutung 
ausgesprochen, daß unter denOttcBskyje k-Lnigy derLegende der sogenannte 
Paterik rimskij (Besedy papy Grigorija Velikago) zu verstehen sei. Doch 
fehlen noch nähere Untersuchungen, um diese Annahme zu stützen. Diese 
ganze Frage liegt, sagt der Verf., noch sehr im Dunkeln, wie auch die Frage 
nach den griechischen ra naxeniy.ä (Krumbacher, Byz. Literaturgesch.2 188). 

Eine vielseitige Beachtung beanspruchen die Kijever Blätter, welche 
der Verf. mit Recht als einen sicheren , sehr alten Beleg dafür ansieht, daß 
entweder Method selbst, oder die zunächst auf ihn folgende Zeit bereit war, 
den ganzen Ritus der römischen Kirche entsprechend einzurichten (S. 88). 
Gegenüber den zuletzt namentlich von Prof. Vondräk (0 püvodu Kijevskych 
listü, Prag 1904) und Prof. Sobolevskij (zuletzt in Sbornik a. a. 0. S. üOfg.) 
vertretenen Theorien über Ursprung und Schicksale dieser Fragmente beharrt 
der Verf. auf seinen mehrmals dargelegten Ansichten, daß die jetzige Form 
der Bruchstücke mährischen Einfluß verrate, während die erste aus dem 
Lateinischen geflossene Übersetzung des Werkes weiter unten im Süden, im 
Bereich der pannonischen Slovenen oder Kroaten entstanden sei (S. 89). Die 
Einbeziehung der »Kroaten« ist hier neu. Vgl. die betreffende Stelle im 
XXIV. Bd. dieser Zeitschr., S. 263. Ohne Zweifel richtig ist ferner die Be- 
merkung, daß die Kijever Blätter ein Beweis seien für die schon in jener alten 
Zeit (IX. — X. Jahrhundert) bestehende Existenz der Laute c, z im Altmähri- 
schen, und daß an dieser Tatsache die Theorien Prof. Vondraks nichts zu 
ändern vermögen (S. 218), Später formuliert der Verf. — man sieht eben, 
welche überaus wichtige Rolle diese Blätter spielen — seine Meinung noch- 
mals in folgendem Zusatz: »Auf der Balkanhalbinsel ist für dieses Denkmal 
sowohl sprachlich wie auch inhaltlich kaum so leicht einen Platz zu finden, 
wo man es unterbringen sollte. Sprachlich läßt es sich von dem böhmisch- 
mährisch-slovakischen Sprachgebiet nicht leicht trennen. Inhaltlich ist es 
ein Bruchstück eines auf lateinischer Vorlage beruhenden Sakramentariums, 
dessen Übersetzung außerhalb des alten Schauplatzes der slavischen Liturgie 
(Mähren-Pannonien) nur noch in Böhmen im Norden und in Kroatien im Süden 
hat stattfinden können« (S. 24(i). 

Der Brief des Papstes Stephanus V. (vom Jahre 885, von "Wattenbach in 
Heiligenkreuz entdeckt) verursacht bekanntlich große Schwierigkeit. Der 
Verf. nahm in der ersten Auflage den Standpunkt ein, daß dieser Brief in 
seinem Inhalte verdächtig ist. In der vorliegenden Neuauflage wird dieser 
Standpunkt festgehalten, insbesondere gegenüber Dr. Hybl (Ges. fcas. bist. 



Jagic, Entstehungsgesch. d. kircheuslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 209 

XIV, 190S), und außerdem durch den Hinweis unterstützt, daß der Brief nach 
dem echten Dokumente vom Jahre 880 verfaßt wurde (S. 9J, 93), wobei auf 
die zu gleichem Resultate führenden, jedoch von anderen Erwägungen aus- 
gehenden Erörterungen Dr. Eitigs (a. a. 0. S. Iü2; hingewiesen wird. Mit 
Nachdruck wird ferner hervorgehoben (S. 90, 911, daß der Brief den Methodius 
noch am Leben voraussetzt, obwohl er faktisch schon tot war. Auf die Worte : 
Anathema vero pro contemnenda catholica fide qui indixit, in caput redun- 
dabit eins, legt der Verf. nun weniger Wert, da die Kirchenhistoriker erklären, 
so was könnte auch vom toten Methodius ausgesagt werden (Eitig a. a. 0. 
S. 100). 

Sehr bald nach dem Tode Methods begann die Leidensgeschichte seiner 
Jünger. In Übereinstimmung mit Eacki (V. id. 371) setzt der Verf. dafür 
das Jahr 8S6 an und diese Zeitbestimmung findet nun eine Bestätigung in der 
Vita des heil. Naum von Ochrid, welche Prof. Lavrov ans Licht gebracht hat 
(Izvestija XII, 1907, Heft 4, S. 1—51). Die Nachrichten dieser neuen Quelle 
werden sorgfältig verzeichnet (S. 96). 

Die grundlegende Bedeutung der slavischen Legende vom heil. Wenzel 
für die Geschichte der slavischen Liturgie in Böhmen war bereits in der ersten 
Auflage richtig gewürdigt. Die auf S. 102—103 (Anm.) besprochene neuere 
Literatur über diese Legende vermochte die Darstellung im Texte nicht zu 
ändern. 

Über die Chronologie der ersten christlichen Fürsten von Bulgarien und 
der Wirksamkeit des nachmaligen Bischofs von Velika, Klemens, gibt jetzt 
Aufschluß eine längere Anmerkung auf S. 113 — 114, welche von Prof. Zlatarskl 
herrührt. Daraus ergibt sich, daß Klemens schon um das Jahr 885 — 886 seine 
Lehr- und Missionstätigkeit in der mazedonischen Gegend, die Kutmicevica 
hieß, begonnen hatte. Wenn diese Zeitbestimmung, gegen welche der Verf. 
Bedenken hat, richtig ist, dann muß man die Vertreibung der Jünger aus 
Mähren unmittelbar nach dem Tode des Methodius (6. April 885) ansetzen. 
Klemens wird bekanntlich als Autor mehrerer Homilien »episkopt slovenBskx« 
genannt; darauf gründet der Verf. die ansprechende Vermutung, daß der in 
der griechischen Kiemensiegende vorkommende Ausdruck ßovlytcqo) ylwaat, 
ein Ersatz sei für das ursprünglichere, ältere ad^Xoßeyixiö (S. 116). Was die 
Sprache der zum größten Teile erhaltenen Werke Klemens' betrifft, so ist von 
Wichtigkeit zu betonen, daß sie >mit den ältesten Texten des Neuen Testa- 
mentes identisch« ist. Als Beleg führt nun der Verf. mehrere Ausdrücke aus 
den von Prof. Stojanovic (Sbornik LXXX, Nr. 1) veröffentlichten Homilien, 
die dem ältesten kirchenslavischen Wortvorrat angehören (S. 119). Daß 
Klemens die glagolitische Schrift in Mazedonien durch die cyrillische ersetzt 
hätte, ist wenig wahrscheinlich und kann durch die spätere, wenig verläßliche 
Legende nicht glaubhaft gemacht werden. Auch die Entdeckung einer cyril- 
lischen Inschrift am Ostufer des Sees von Prespa im westlichen Mazedonien, 
die das genaue Datum 993 trägt (vgl. Bd. XXI, S. 543 — 557 dieser Zeitschr.), 
kann, wie der Verf. hier mit Nachdruck betont (S. 124;, nicht zum Beweise 
dienen, daß um jene Zeit die cyrillische Schrift in Mazedonien die herrschende 
war. Ihre Verwendung auf dem Grabsteine, den der bulgarische Zar Samuel 

Archiv für slavische Philologie. XXXV. 14 



210 Kritischer Anzeiger. 

seinem Vater Nikola, seiner Mutter und seinem Bruder aufgestellt hat, bringt 
der Verf. mit dem Gebrauch der Unzialschrift in Parallele, neben welcher in 
Büchern die glagolitische Schrift, gleichsam als die Minuskel angewendet 
wurde [ebd.). 

Über die Verbreitung der glagolitischen Schrift bis nach dem nördlichen 
Rußland bietet nun die Entdeckung der glagolitischen Inschrift in der Sophien- 
kathedrale von Alt-Novgorod sichere Beweise [vgl. V. Scepkin, Novgor. nad- 
pisi Grafitti. Moskva 1902;. Weitere Belege für glagolitische Einstreuungen 
in cyrillischen Handschriften fand Prof. Lavrov (S. 127). Auch der Münch 
Chrabrt dürfte insbesondere, wenn er in Mazedonien lebte, die glagolitische 
Schrift vor Augen gehabt haben (S. 129). 

Die Anpassung der ursprünglichen slavischen Texte an lateinische Vor- 
lagen in Kroatien geschah frühzeitig. »Wenigstens betreffs des Psalters hat 
Valjavec (Rad, Bd. 98 — 100) den Nachweis geliefert, daß die Hauptände- 
rungen, die nach der lateinischen Vorlage fVulgata) gemacht wurden, einem 
Anonymus aus recht alter Zeit zuzuschreiben sind« (S. 137). Diese Ände- 
rungen blieben dann in allen späteren Abschriften stehen. 

Zu Gunsten des hohen Alters der glagolitischen Schrift pflegte man sich 
früher allgemein, insbesondere seit Dobner dieses aus Assemani geholte Ar- 
gument zur Geltung brachte, auf den angeblichen Schreiber eines glagoliti- 
schen Psalters vom Jahre 1222, namens Nicolaus Arbensis, zu berufen. Nun- 
mehr wissen wir aus der Abhandlung des Verfassers (vgl. Bd. XXXIII dieser 
Zeitschr.), daß dies alles eine Fälschung war, und deshalb scheidet dieser 
Name wohl für immer aus der Diskussion über den kroatischen Glagolitis- 
mus ;S. 139). 

Dobrovskys und Kopitars Ansichten über die hier behandelten Fragen 
waren bereits in der ersten Ausgabe auf Grund ihrer umfangreichen und 
äußerst gehaltvollen Korrespondenz erschöpfend dargelegt worden. Es fehlte 
jeder Anlaß, an diesem von berufenster Hand entworfenen Bilde Änderungen 
anzubringen. So finden wir denn in der Neuauflage nur einzelne, sozusagen 
feiner abgeschliffene Wendungen, welche frühere, etwas schärfer gefaßte Ur- 
teile mildern. So z. B. las man im Anschluß an den Wunsch Dobrovskys,^ 
die orthodoxen Serben mögen sich ermannen und etwas für die kirchen- 
slavische Sprache tun, den tadelnden Satz des Verfs: »Ich brauche nicht hin- 
zuzufügen, weil es bekannt ist, daß der Wunsch Dobrovskys bis auf den 
heutigen Tag nicht in Erfüllung ging« (I, 75). In der Neuauflage lesen wir 
jedoch die milden Worte: »Ich brauche nicht hinzuzufügen, weil es bekannt ist, 
daß der Wunsch Dobrovskys nach Maßgabe der bescheidenen Kräfte und 
Mittel allmählich in Erfüllung gebt« (S. 142). Ähnlich gemildert ist das urteil 
über die Vorarbeiten zur Geschichte der kirchenslavischen Bibelübersetzung. 
Der Verf. anerkennt, daß Dobrovsky, bei ganz beschränkten Hilfsmitteln, eine- 
solche Arbeit, wie das später durch Gorskij und Nevostrujev geschah, über- 
haupt nicht hätte leisten können. Anderseits ist der scharfe Tadel über die 
russischen Leistungen, die auf die südslavischen Vorbedingungen entweder 
gar nicht (z. B. bei Gorskij und Nevostrujev) oder nur ungenügend (z. B. bei 
Voskresenskij) Rücksicht nahmen (I, 77), abgeschwächt und lautet jetzt ganz. 



Jagic, Entstehungsgesch. d. kirchenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 211 

sanft: »Allerdings hätte bei ihm (sc. Dobrovsky) , wenn er überhaupt diese 
Fragen in Angriff genommen hätte, die Bearbeitung eine andere Gestalt be- 
kommen, da er sich nicht so, wie Gorskij und Nevostrujev, auf die Quellen 
russischer Provenienz beschränkt hätte« (S. 145). Vgl. auch die geänderte Stili- 
sierung des Satzes, der davon sprach, daß »wir in den letzten dreißig Jahren 
dieses Jahrhunderts« die von Safarik geforderte Vertiefung »des Studiums 
der Übersetzungen unseres Cyrills ehrlich befolgt haben« (II, 19), dahin, daß 
nunmehr ganz allgemein bemerkt wird, »man habe seit jener Zeit (seit Safarik) 
bis auf den heutigen Tag die genannte Forderung mit mehr oder weniger 
Glück und Erfolg befolgt« (S. 191). Als einzige Spezialarbeit in bezug auf 
das Verhältnis zwischen Dobrovsky und Kopitar wird Prof N. M. Petrovskijs 
Abhandlung verzeichnet (Kopitar i Institutiones Dobrovskago, SPb. 1911), 
doch ohne Eingehen auf ihre Einzelheiten (S. 148), Unter den Germanismen 
der altkirchenslavischen Sprache, auf deren »Pannonität« Kopitar ein so 
großes Gewicht legte, ist wichtig das Wort *ci.n.ky; ein entsprechendes got. 
*kirika ist nicht belegt. In der ersten Auflage (I, Si) beschränkte sich der 
Verf auf die Feststellung dieser Tatsache. Um Mißverständnissen vorzu- 
beugen wird nun ausdrücklich anerkannt, daß ein got. *kirika wohl anzu- 
nehmen sei (S. 15.!)). Indessen sind die Meinungen über diese aus dem Ger- 
manischen entlehnten Worte geteilt, wie die Abhandlung Dr. S. Mladenovs 
(Starite germ. elementi v slavjanskite ezici, Sofia 1910) und auch Prof. Von- 
drüks Äußerungen (Aksl. Gramm.2, Berlin 1912) zeigen. Mit den Ergebnissen 
der Untersuchung Mladenovs ist der Verf nicht immer einverstanden (S. 150), 
sie lösen noch nicht endgültig die Frage, aus welchen Zeiten die Entlehnungen 
herrühren (S. 176). Der Hinweis auf den Versuch Prof. Vondraks (Cas. ces. 
mus. 1900, 29 fg.), aus dem slavischen Reflex für das got. 5 ein Kriterium der 
Zeitbestimmung abzuleiten , ist in der Neuauflage nicht mehr enthalten (vgl. 
S. 176). 

Safafiks Ansicht über die Autoren der beiden »pannonischen« Legenden 
war die, daß er die Vita Constantini zugleich mit der Lobrede dem nach- 
maligen Bischof Klemens zuschrieb, während er die Vita Methodii für das 
Werks Gorazds ansah. Diese letztere Ansicht wurde meist mit Stillschweigen 
übergangen, da in der Tat dafür kein Anhaltspunkt vorhanden sei, sagte der 
Verf. in der ersten Auflage (II, 13), unterdrückte jedoch diese Bemerkung in 
der Neuauflage. Was die erstere Vermutung Safariks betrifft, so verzeichnet 
der Verf nunmehr einfach , daß Prof. Lavrov und Prof. Vondräk dieselbe 
billigen (die zustimmende Form des Ausdrucks »mit Erfolg verfechten« ist 
bei Seite geblieben), wendet sich jedoch gegen die Behauptung der genannten 
Forscher, daß demselben Klemens auch die Vita Methodii zuzuschreiben sei 
(S. 180). 

Auf einzelne Unrichtigkeiten in den ältesten slavischen Übersetzungen, 
die eine mangelhafte Kenntnis des griechischen Textes verraten, wurde von den 
Vertretern der pannonischen Heimat der Sprache (Kopitar, Safarik) ein großes 
Gewicht gelegt. Der Verf führt solche Mißverständnisse an, bemerkt jedoch, 
man dürfe ihnen jedoch keine große Bedeutung beimessen, zumal sie nicht 
gerade von Konstantin oder Method herrühren müßten (S. 185). Auch die 

14* 



212 Ej-iÜBchef Anzeiger. 

angebliche Beeinflussung durch lateinische Vorlagen, die Kopitar im Kalender 
des Ostromir. Ev. entdeckte, wird zunächst als ungelöste Frage in Schwebe 
gelassen (S. 172, 184). 

Eine beachtenswerte Erklärung über die ursprüngliche Heimat des 
Wortes krhsH wurde auf S. 203 eingeflochten. Sie lautet: »Was kp^ct-k anbe- 
langt, so ist das Wort, von ■/Q'-'^^ö; abgeleitet, in doppelter Bedeutung als 
Kreuz und Taufe, bei den Slaven der Balkanhalbinsel wohl schon vor dem 
Auftreten der Slavenapostel bekannt und im Gebrauch gewesen. Der Aus- 
druck wird den beiden Männern, als sie ans Werk gingen, noch unten in ihrer 
Heimat zur Kenntnis gekommen und von ihnen mit der Sprache nach Mähren 
gebracht worden sein. Das magyarische kereszt fand in gleicher Weise Auf- 
nahme nicht erst oben im Zentrum oder Westen Pannoniens, sondern im Süd- 
osten«. Es mag hier bemerkt werden, daß Prof. Berneker, offenbar wegen k 
und 5, an der Entlehnung des Wortes Kp^cr-h aus dem Althochdeutschen fest- 
hält (Slav. etymol. Wörterb., Lief. 8, S. 634). 

Am Schlüsse der Erörterungen über die glagolitische Schrift (S. 209) 
verweist der Verf. auf sein inzwischen erschienenes, großes Werk: Glagoli- 
ceskoje pistmo, im 3. Hefte der Enzyklopädie der slavischen Philologie 
(St. Petersburg 1911), wo in eingehendster Weise: 1. über die Erforschung 
des Gegenstandes, 2. über die erhaltenen Denkmäler, 3. über die paläogra- 
phische Entwickelung der glagolitischen Schrift gehandelt wird (S. 51 — 262) 
und wo auf 36 Tafeln alle Erscheinungsformen zur Darstellung gelangen. 
Aus diesem Werke stammt auch die Anmerkung über das Verhältnis Srez- 
nevskijs zur glagolitischen Schrift und insbesondere zu den glagolitischen 
Buchstaben in der griechischen Urkunde vom Jahre 982 (S. 243). Auch über 
eine besondere Abart der glagolitischen Schrift, die man als bosnisch bezeich- 
nen könnte, bietet das genannte Werk nähere Aufschlüsse (S. 257). 

Zu den Belegen und Erklärungen über die beiden Ortsnamen Pest und 
Varazdin bringt die neue Auflage beachtenswerte Zusätze. Betreffs des 
ersteren Namens wird auf den Nachweis eines ehemaligen Ortsnamens Pest 
bei Ilok inSyrmien, außerdem auf die weiteren Bemerkungen Dr. Melichs 
(Bd. XXXII, S. 102-103 dieser Zeitschr.) und Prof. Äsböths (Izv. VII, 4, 
247 — 249) verwiesen (S. 221, Anm.). >Was aber den Ortsnamen Varazdin an- 
belangt, so ist seine Lautgruppe zd gar nicht slavisch, da die magyarische 
Form des Namens varasd von dem bekannten Substantiv vcU-as (jetzt vüi-os) 
und dem Deminutivsuffix d abgeleitet wird ; der Zusatz m rührt von der lati- 
nisierten Form Varasdinum her (vgl. Bd. XXXII, S. 104 dieser Zeitschr.). Die 
Kajkroaten sprechen noch heute nicht varos, sondern varas.< So lautet jetzt 
die Erklärung, die auf S. 222 hinzugefügt wurde. Auf die abweichenden An- 
sichten Prof. Äsbüths über die magyarischen Eeflexe des slav. st im Anlaute 
und Inlaute (Izv. VII, 4, 249 — 261) lenkt 'der Verf. später nochmals die Auf- 
merksamkeit (S. 231). 

Als ein weiterer, sehr charakteristischer Beleg dafür, daß der Verf. jeg- 
liche Schärfe der Polemik, die in der ersten Auflage Platz fand, bei der neuen 
Umarbeitung sorgfältig beseitigte (vgl. das oben über die gegen Prof. Goetz 
gerichteten Bemerkungen, weiter über die serbischeu und russischen Arbeiten 



Jagic, Eütstehungsgesch. d. kirchenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 213 

Angeführte), mag gelten, daß der gegen (den im Texte nicht genannten! Prof. 
Murko (II, 40) gemünzte Passus einfach unterdrückt wurde, und daß in der 
Neuauflage ruhig darauf verwiesen wird, die Auseinandersetzungen desVerf s, 
die das im Jahre 1876 Vorgebrachte wiederholten, mit den späteren Ansichten 
Dr. Oblaks (Bd. XV, S. 363 fg. dieser Zeitschr., aus dem Jahre 1893) zu ver- 
gleichen (S. 229). 

Einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des Euchologium Sinaiticum 
bringt der in den Text eingeflochtene Zusatz auf S. 252 — 253. Es wird darin 
gezeigt, daß auch »spätere cyrillische Texte (in diesem Falle serbischer Re- 
daktion) mit jenen des Euchologiums auf eine uralte Übersetzung, auf ein 
selbst über den Text des Euchologiums hinausgehendes Prototypon zurück- 
gehen, wobei nur gewisse Änderungen im lexikalischen Ausdruck und einigen 
grammatischen Formen vorkommen.« Auf die Belege folgt eine Probe der 
Textvergleichung dieser aus der Grigorovicschen Sammlung des Rumjancev- 
Museums stammenden Fragmente mit dem Euchologium, deren Ergebnis ist, 
daß in diesen späten Sprachdenkmälern mancher ursprüngliche Ausdruck und 
manche richtigere Lesart sich erhalten hat. Ähnliche Gebete aus cyrillischen 
Handschriften teilte Prof. Sobolevskij mit (Sbornik LXXXVIII, Nr. 3, 100—104). 
Auch diese sind im wesentlichen mit jenen des Euchologiums identisch. 
Welche Bedeutung dem Umstände beizumessen sei, daß diese Texte in den 
betreffenden Handschriften hinter den aus dem Lateinischen ins Kirchen- 
slavische übersetzten Reden des Gregorius Dialogus stehen, bedürfe noch 
näherer Prüfung (S. 253). 

In dem Kapitel, welches über »die neuesten Forschungen des Altkirchen- 
slavischen« handelt (S. 257 — 262) werden sorgfältig die Arbeiten verzeichnet, 
die im Verlaufe des letzten Dezeniums erschienen sind; Prof. Vondräks Ab- 
handlung über die Kijever und Prager Fragmente (Prag 1904) und dessen 
Altkirchenslav. Gramm, in 2. Aufl. (Berlin 1912, Weidmannsche Buchh.), Prof. 
Lavrovs Studien über die Werke des bulgarischen Klemens und über seinen 
Mitarbeiter Naum (Izv. III, VI, XII), Prof. Sobolevskija Veröffentlichungen 
über Klemens, Grigorij, über Texte, die auf lateinischer Grundlage beruhen 
(Izv. VIII— XI), Prof. Stojanovic' über Klemens (Sbornik LXXX) u. a., beson- 
ders die Studien über mittelbulgarische Sprachdenkmäler Kulbakins,Iljinskijs, 
Conevs u. a. Das gleiche geschieht auch im folgenden, der Übersicht »der 
Iexikalischen< Erforschung gewidmeten Kapitel, wobei insbesondere die 
neueren Untersuchungen von J. E. Jevsejev über die Propheten Jesaias und 
Daniel, V. Scepkins über die Savvina kniga, V. Pogorelovs über den Psalter 
und dessen Kommentar genannt werden. Daran schließen sich im Kap. 52 
allgemeine Erörterungen an, die dartun, daß schon auf dem mährisch-panno- 
nischen Boden gewisse lexikalische Varianten aufgetaucht sind. Doch der 
Inhalt dieser drei Kapitel erfuhr in der zweiten Ausgabe keine wesentliche 
Änderung. 

Es folgt nun als 53. Kapitel (S. 270—281) die Charakteristik der altkirchen- 
slavischen Sprache nach Lauten und Formen, wobei auch die Syntax heran- 
gezogen wird, zu dem Behufe, um ihren mazedo-bulgarischen Ursprung dar- 
zutun. Dieses Kapitel stimmt mit dem 58. der ersten Auflage im wesentlichen 



214 Kritischer Anzeiger. 

überein. Doch gibt es auch beachtenswerte Zusätze, welche Zeugnis ablegen 
von der unermüdlichen Aufmerksamkeit, die der Verf. allen Erscheinungen 
auf diesem Gebiete widmet. Für die einheitliche Aussprache des glagol. A 
als ä im Südostbulgarischen bietet jetzt die Studie Prof.Miletics, Die Rhodope- 
mundarten (Schriften der Balkankomm. X, Wien 1912), reichhaltige Belege; 
für den fortwährenden Wechsel zwischen c und «0 die Abhandlung desselben 
Verfassers Das Ostbulgarische (ebd. II, 1903). Im Sinne dieser Forschungen 
wird nun die Darstellung des Lautes durch Oblak als '^a bei Seite gelassen 
(S. 272). Mit Rücksicht auf die Ansichten des Prof. Conevs über die Alter- 
tümlichkeit des Vokalismus in den Rhodopemundarten (Bxlgarski Star. I, 
28 — 31) und auf die vorerwähnte Studie Prof. Miletics wird die Reihe der laut- 
lichen Merkmale um die beiden Vokale t. und i. erweitert, als einer Erschei- 
nung, welche entschieden nach dem Süden, in das bulgarische Sprachgebiet 
führt (S. 273 — 274). Bei der syntaktischen Eigentümlichkeit, die sich als 
dativus adnominalis äußert, fügt der Verf. einige neue Belege hinzu, welche 
ein Schwanken zwischen Gen. und Dat. dartun, z. B. Matth. 13, 39 K'fHKHdNHt 
B-kKv>\- Zg., aber ßi-Ka Mar. (S. 280). 

»Der letzte Teil des Buches, der die lexikalische Charakteristik der alt- 
kirchenslavischen Sprache in ihrem ersten und ältesten Entwickelungsstadium 
bietet, wurde für die neue Ausgabe einer gründlichen Umarbeitung unter- 
zogen, die jetzt beinahe die Hälfte des Gesamtumfanges (S. 281 — 479) ein- 
nimmt und hoffentlich nicht nur eine Erweiterung nach äußerem Umfang, 
sondern auch eine Vertiefung in die Frage selbst, mit neuen aus der Verglei- 
chung der ältesten Denkmäler untereinander sich ergebenden Beobachtungen 
und Anregungen gewährt.« So urteilt der Verf. selbst in der Vorrede (S. VIII 
über die gestellte Aufgabe und ihre Lösung. 

Wie äußert sich die Erweiterung, wie die Vertiefung? Bei der Analyse 
des lexikalischen Materials blieb der Verf. auch in der neuen Ausgabe dem 
Grundsatze treu, zunächst den Wortvorrat des Neuen Testaments (der Evan- 
gelien, der Episteln und der Apokalypse), ferner des Psalters ins Auge zu 
fassen und denselben in drei Gruppen zu zerlegen. Die I. Gruppe umfaßt 
nunmehr: »Abweichungen bei der Ableitung von derselben Wurzel«, jetzt 
ungefähr unter 124 (S. 282-299), früher unter 102 Stichworten [S. 61— 63); die 
II. Gruppe: »Unübersetzte Ausdrücke und ihr Ersatz«, jetzt ungefähr unter 
129 (S. 299—322), früher als III. Gruppe unter 124 Stichworten (S. 69—70); 
die III. Gruppe: »Abweichende slavische Ausdrücke bei der Wiedergabe des- 
selben griechischen Wortes«, jetzt ungefähr unter 38G (S. 323 — 421), früher als 
II. Gruppe unter 309 Stichworten (S. 63—68). Die Gesamtheit der Stich- 
worte war demnach früher ungefähr 535 und ist jetzt auf ungefähr 640 ge- 
stiegen. Die Vermehrung äußert sich also nicht so sehr in der Zahl der neu 
aufgenommenen Stichworte (die hauptsächlich aus Apostelgeschichte und 
dem Psalter stammen) , obschon auch diese Bereicherung ansehnlich ist, als 
vielmehr in ihrer ausführlichen Bearbeitung, in der genauen und vollständigen 
Anführung der Quellen, in zahlreichen neuen Belegen und Hinweisungen, 
ferner in Berichtigungen aller Art. In der ersten Ausgabe waren es eben zu- 
meist bloße Stichworte mit literarischen Hinweisungen, die einander gegen- 



Jagic, Entstehungsgescli. d. kirchenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 215 

übergestellt waren; diesmal haben wir vor uns kleine Abhandlungen über 
jeden einzelnen Ausdruck, über sein Vorkommen, seine Bedeutung und seine 
mutmaßliche Provenienz, mit einem Worte, Grundlagen eines Speziallexikons 
der ältesten kirchenslavischen Sprachechichten. 

Es ist nicht leicht möglich, die ganze Fülle der in diesem fortlaufenden 
Kommentar niedergelegten neuen Erklärungen und Bemerkungen vorzu- 
führen. Ich begnüge mich, ein Bild davon in der Weise zu entwerfen, indem 
ich die neue Zutaten, nach gewissen Gesichtspunkten geordnet, andeute. 

Als neue Stichworte erscheinen in der I. Gruppe, das an erster Stelle 
angeführte Wort als das ursprüngliche aufgefaßt: Ke^aKonne {at'o/jtec] Ev. Ap. : 
KtiaKöHtHKe ; KAdroß'kcTOKdTH {EvccyyelH^EaO^cii) Ev. Ap. : KAaroB'kcTiiCTKCiBdTH; kc\-h 
(^wfJOi) Ev. : Kv^\-raK•K; BapHTH [noocp&äacti] Ps.: np-kAT^ßapHTH; BikZEpaTHTH [uno- 
axosipai] Ps.: 'fT'hBpaTHTH; btiZ.wacth ca und ckmacth ca [TaQcc/^^jt^ai) Ev. Ep. 
Ps.: B-KZA»;siTHTH CA, c'ka\;kthth; rA^sKHNa [ßa&os') Ps.: rAiiRHHa; i,\i K-KPAa, fA<* 
KaKO [ui,nojE\ Ps.: ,\& »i Kor^a; zhahhisi [ol yrixiaxoi) Ps.: ZHai6A\HH; HcraaB-h [rcixsis) 
Ps. : pacrarüK-K; hcthnkhtv {(<).r,()-rjs) Ev. : HCTOBii; amiCtk, A\KUJTtHH£ (fxt)V'z»7<Tijr) Ps. : 

OTTiAMillJTtNHE ; A\ACTH Ps. : A\SiTHTH ; CA-fch (l'XßiO»') Ev. : IMH] OHpivUJTf odeF 

«HpTiUJTK (ffxrrw^t/a) Ps.: cfA»; nAOA^ßHTTi (/«oTro^Jooof) Ps. : nAOA^HOCkHii; noci»- 
TCBdTH [nEf&slu] Ps.: «ckroBaTH; npaBKAa [EvO-VTrjg] Ps.: npaK^CTk, npaßiiiHH ; 
np'fcA\HA«cTHB'K [tioXveXbo;] Vs.'. A\HorcA»HA«cTHB'K ; ccA« [ay.Tjvüifxa] Ps. : cfAienHie; 
covfiUHA'j [(povyiop) Ps. : cii)^AK, HCKX'Aii; c;s^A'ii [/.olfxa) Ps. : co\fAi»Ka; TBapK [7ioi?]U(t 
Ps. : TsoptHHf; TOKTi qvaii] Ev.: tcm^hhe; TpKn-kAHKTv [ncc/.q6&vtj.os) Ps.: AiM^ro- 
Tp^n-kAHRii; o\wh. o^ikackh-k 'ty.aTaais] Ps.: oy^tacK. 

Berichtigungen in der Aufstellung der älteren Form findet mau in der 
I.Gruppe bei folgenden Stichwörtern: B-K^dATiKaTH [neivcio)] Ev. Ps.: b-kzaa- 
KaTH, AAKaTH, früher umgekehrt unter AacarH; A«HAe»:E (fwf) Ev. : A^HhAfn:«, 
früher umgekehrt ; a<>\'\'<>th (TiJ'iw) : a'w\'»th, früher umgekehrt; ^eAVKH-h, ztAiAhH-h, 
diese Formen werden als ursprünglich angesehen, obwohl das Stichwort 
^cAMvCK-K blieb; dagegen wird HCKeckCK-K als ältere Form angesehen, nach wel- 
cher erst ^eamvck-k, 5eA\AKCK'K umgebildet wurde; ka^hth Ißvi'ovxiCett')'- HCKa^HTH 
CA {Evvovy^ia&T;i'ai)] iipoKa^a und nf^K.ä;Kt»\\i [ItTTQa] ohne Unterschied; p-wKapK 
[aXiEvs] und pTsiKHTB-h wechsclu ab; MAOB-fcH^ und MAOB-kqKCKii wechseln ab. 

Anderwärts eingereiht wurden einige Stichworte, die ursprünglich in der 
I. Gruppe waren: HeKtcKCK-K erscheint jetzt unter zfAthCK-K, wie oben angemerkt 
wurde; nc^HfHie, die Konjunktion, ist jetzt in der III. Gruppe; noB-kA^TH ist 
jetzt unter ynoB-fcA'tTH zugleich behandelt; xKAra {ßnüais) ist jetzt in der 
III. Gruppe; dagegen erscheint nun in der I. Gruppe Bii^K-fccTHTH 'Jcnuyytllüi), 
abwechselnd mit H'jB-fcA'tTH, das früher in der IL (jetzt III.] Gruppe eingereiht 
war; auch ik^tk erscheint später, in der III. Gruppe. 

Genauere und richtigere Erklärung des gegenseitigen Verhältnisses und 
der Bedeutung lesen wir bei folgenden Stichworten der 1. Gruppe: Bbc-fcK-h 
(77 fV), wird später durch bivck ersetzt, allerdings geschieht dieser Ersatz meistens 
nur in bestimmten Fällen, z. B. in Verbindung mit einem Substantiv Ps. 9. 26 
Ha BKctKo BpliA^A [ly nai'zi y.aiQÜ) Sin. Bon., dagegen ha Bck Bp-fcAtma Pog. ; 
A^Ba [nand-ii'Oi] in der Bedeutung virgo immer in dieser Form in Ev. und Ap., 
auch im Psalter, A'^ßH^a dagegen ist -AOQÜaioy puella, dieser Unterschied wird 



216 Kritischer Anzeiger. 

in alten Texten streng beobachtet; ^anoB-feA-krH — ^jncR-kA'iTH, n^K-fcA'tTH — 
nC'K'kAdTH: eigentlich sollte der Unterschied in der Aktionsart liegen iind das 
ist in alten Texten wirklich der Fall, während spätere Denkmäler, ohne Rück- 
sicht auf Aktionsart, den Formen -<iTH den Vorzug geben ; KouiKHHua (anvQt^) 
wird in alten Texten von k^muk {xötfiyo^-) auseinander gehalten, doch steht 
auch in letzter Bedeutung KoiuKiiHHa, z. B. Zg. Mt. IG. 9; ah\-o ist nEQiaaov, 
,\Hm6 TTEQiaaoTSQoi', doch kann ahujc auch für den griechischen Positiv stehen, 
z. B. Joh. 10. 10, Mar. Ostr. ; a\h,vk r-kith: die Bemerkung der 1. Ausg., daß 
dies vielleicht der ursprünglichere Ausdruck sei für a\hi\ccp'ka«'R<jth [an^ccy- 
xriuad-ai), findet sich in der 2. Ausg. nicht mehr; ctipüriiahth — ijnpdRKAdTH 
[6ixca6w) : der Unterschied war in der Aktionsart, wurde jedoch später nicht 
beachtet; otath und r-k^ath («?'^w, >.«ßEiy) werden gleichmäßig gebraucht, 
ohne daß man darin irgend ein Kriterium erblicken könnte; nontAT». — ntneA-K 
(arrocToir) : die Bemerkung der 1. Ausg., die erste Form sei mehr cordwest-, 
die zweite südslavisch, wurde diesmal nicht mehr wiederholt; npk-H^AHx-d — 
np-feH^AHüje: eigentlich ist das letztere ein Komparativ, der Unterschied ist 
später verwischt, z. B. im Ostr. ; nhpta [(^iloi'Eiy.iic) : an einer einzigen Stelle des 
Evangeliums wird es durch pdcnkpra ersetzt, das übrigens die älteste Übersetzung 
in der Bedeutung ay/iau« kennt; cAiiimaTH — cAo\"iiidTH («xoi'w): überall in dem 
evangelischen Text wird der Unterschied beobachtet, daß die letzte Form in 
der Bedeutung »hören auf etwas und folgen« angewendet wird; cA»*KOKKHHHd 
[avx7], der Baum) — eA\*Kiii {avy.ov, die Frucht): die ältesten Evangelientexte 
beobachten diesen Unterschied ganz genau; \-pdA\'K (otxoi,- olxia) wechselt ab 
mit xP'>'"HHd, beides schon in den ältesten Denkmälern nebeneinander. 

Auch in der IL Gruppe sind zahlreiche neue Stichworte hinzugekommen. 
Zunächst die Benennungen der Monatsnamen und der kirchlichen Festtage, 
die aus den Kalenderangaben in den Aprakosevangelien (Assem., Sav., Ostr., 
Trn.) geschöpft sind. Die Übereinstimmung in den Ausdrücken zeigt, daß 
die Benennungen südslavischen Ursprungs, zumeist uralt sind. So die Namen 
der Monate: ^apsb-k (August), Rp-fc^oK-h, Rpi^c'^oA-K (April), np^cHHhu,k (Januaf, 
cTcvA'H-h (Dezember) , mp-krkhtv (Juli), HioKTi (Juni), Tp-kEknii (Mai), cchj'\"1jih 
(März), rpoYA'iH'K (November), AHCT'MiJA'h (Oktober), pkihht». (September), c-fcMKH-h 
(Februar). Daneben finden sich, besonders im Ostr., auch die ursprünglichen 
(fremden) Benennungen. Dasselbe wiederholt sich bei den Namen der Fest- 
tage. Zahlreiche Benennungen blieben unübersetzt, andere führen dagegen 
frühzeitig slavische Namen, so z. B. R^jr^ftaEAieHHie [O-EOfpäi'Eia oder IniopavEia)^ 

AA/ÄCOnOYCTTi [hnÖy.^EiOg]^ ORp-kzaHHie [tIEQITOII?;], UR^iTKNAUl HtA'tAtJl {y.VQlCtXJ] TWJ' 

ß(uwi') u. a. >Man ersieht aus dieser Zusammenstellung«, sagt der Verf. (S.301), 
>daß man sich nach keinen bestimmten Grundsätzen richtete, sondern man- 
ches übersetzte, manches auch nicht«. Es waltete dabei häufig der Zufall, 
z . B. lesen wir im Ostr. für die Stadt KovaxavTivovno'kig eine doppelte Be- 
nennung, bald Kl^cTAHTHHB odcr koct/athhw rpAAA, bald i;pd rpdAA, jedesmal im 
G enitiv. 

Außerdem sind neue Stichworte: AHa<>fA»A [avüO^Ena] A.t^.: np^KAAT-K; ah- 
THRdT'K J(t'&v7i(iiog] Ap. : MdA\'kcTKHHKTi ; raurpfHA [Y(<yyQ«it'(i) Ap. : KpKTcpwk; 
P'^HT -K j'o^i-) Ap.: «^dp(^A'kH^H; saammkcka (IAAt^j'/?) Ev. Gal. , Ap. Christ. , sonst 



Jagic, Entstehungsgesch. d. kirchenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 217 

regelmäßig n^^^dH•KlHH; HAOA^Aarpii {EMüiXoläTQT]^-] Ap., Apok.: H,\,oAo»;kpKu,K und 
andere Ausdrücke; HAOA^AarpHia (6/(f(t)yloÄ«T()£/«) Ap.: kci\'-a\h)ka\'k cAo\,-roEaHHie 
und andere Ausdrücke; kahoh-k [xaycljy) Ap.: hpakhao; ahto^-pph« [XEixovqyia) 
Ev., Ap.: CAo\';KhRA, cAw/-:KfHHi€ ; THTTiAT». [xhlos] Ev. : spät atiChhua; Tpanf^d 
(TOftTieC«) Ev. : AiifKd, jedoch nur an solchen Stellen, wo von Zöllnern die Eede 
ist und wo damit Bretter, die an offenen Plätzen aufgestellt zu werden 
pflegen, gemeint sind; ^»a^c^^-^. [cpi'/.öoocpoi] Ap.: np-feA^;RApiii\-K Karp.; «jjha«- 
ca^Hxa [(pi).oao(pia) Ap. : xhiTpocTKi« Christ. Ausgefallen ist hier das Stichwort 
AC'XTvTop'K — Kp-hAtd, doch erscheint es in der III. Gruppe; dagegen ist entfernt 
KHH-Kc-K — .\&\\w ; ferner chkaphh, bei welchem überhaupt keine Übersetzung an- 
geführt wurde. 

Berichtigungen und nähere Erklärungen finden wir bei: AHHdph (cF7?r«- 
Qiov) Ev., das zumeist durch n-kHA^K wiedergegeben wird, erst später durch 
cptKpTvHHK-K; AHiaBOATi ((Ff ßjioAoiT), dagegen neiipHia^HK [6 noy/jQÖ^] Ev., Ap. ; ahh- 
KCH-K [ö'idxot'Os): cAov,-rd, cAoy/KHTiAK, doch wird eine Bedeutungsunterscheidung 
beobachtet; fuHCKon-K [tniaxonog] als terminus technicus für den kirchlichen 
Würdenträger unübersetzt; khphm [xei^la] Ev. Karp., Nikol., Hval. : ovkp«h, 
doch zweifelhaft, ob wirklich der unübersetzte Ausdruck ursprünglich ist, 
oder ob nicht, wie unter npaKTcpii [TiqäxTüyQ) bemerkt wird, in die Denkmäler 
Nikol., Hval., Karp. dieser konservative Zug erst nachträglich eingeführt 
wurde; 0A0KdK'KT0A»dT'K (bXoxccvi(.o/uc() Ev. : die Übersetzung B'KCfC'KjKdrAieAA'ii ist 
jedenfalls sehr alt; napAKAHTii [nc(Qax?,7;Tog) Ev. : x-cia^tah, jedoch in anderer 
Bedeutung; pabbh (^«,.9i<) Ev.: schwerlich wäre es richtig zu behaupten, daß 
ursprünglich das Wort an keiner Stelle übersetzt war durch ciYMMTfAi«; x-HT^n-k 
iXiTojy) Ev. : ph^a, doch wurde gewiß ein Unterschied gemacht. Formale Be- 
richtigungen erfuhren die Stichworte: a^mch-k [öni/noyioy], früher a'^-wch-k; 
tp^cHBH [sQvaißrj), früher (qicirh; Hnoh-pHTi» [vnoxqiTt]s), früher ■.ynoKpHT'K; Kpo- 
Tdtjj'h [xQOTntpoi]^ früher kpot««!)!»; naponcHAA [naooxpis], früher naponcHAii; ptAi», 
ptA"» [Qt<S«)i früher ptAi^, P^At»!; cattv [ac'aoy), früher catti, cata; co<J)ohht'k, coYKTi- 
4>HTTi [av^(pvTos)] <j)Hi3iAb [(p i(cXr)^ frühcr 4'"'>'^'>- 

Am größten ist die Anzahl neuer Stichworte in der III. Gruppe, die früher 
als zweite galt: Kf^EOAKH-K [aw^^og] Ev. : Kt^AiimvH'ii, möglicherweise durch ein 
Versehen aus dem richtigen entstanden; K£^ci\fA\hHii [uTaxiog, uopQOiv) Ap.: 

KeiUTHHkHTv («TftXTOi), Später HJC'KAlTdCAIiH'K [uCpQüJt']; KfZTi C;KA\KH'fcHHI<I [ayuyjlQQi- 

T(t)g) Ap.: Kt^k Ko-fc^HH, doch alt Kf^-K «r-KB-krA; Kf^j-KACRHB-K Ap. Karp., wohl 
spätere Änderung für aysSlxcixog, das die älteren Texte origineller, wenn auch 
freier übersetzen durch TpKn-fcAHB-K ^•kacim'k; Gt^A^ATiBK c-ktbophth Ap., alte 
Übersetzung des griechischen xaTttffre'A^.et»'; KtujTHCAhH-h {uniQceyTog] Ap., später 
RCCKOHkMb.H'K ; K£c-feA^B<»TH (für na^axvyxäyij}) Ap. , später npHAo^'HATH CA u.a.; 
EtujTkCTHie [uTi^ula) Ap.: A*CAJKA«HHje; KAArcB-kcTHTH [Evayyekiaaa^at) Ev., in 
mittelbulgarischen Texten ersetzt durch nponoB-fcAATH ; KAAroAHMHTH ca (bvttqo- 
aionijaai) Ap. , später vielleicht nur mißverständlich KAArcBtAHMATH ca; EAAr«- 
«EpA^HKCTBo {Evaxi;fioavyr]) Ap. Christ., die andere Ausdrucksweise kaap«- 
KcvujTKHKCTBo Sis., Karp. scheint origineller zu sein; k^ai« {n):Eloy), auch naMc, 

BAUlTf, AMvH^HIAte; EpAlUhll» {ß^üjjua, ßQloais) Ev., Ap.: laAli Ochr. ; BeAliA»H [icog 

ffqpöd'^rt) Ps., später a» ^'fcrta; BtctAHi« («/«AAtKfftf), paa^ctk {xccqü), ursprünglich 



218 Kritischer Anzeiger. 

auseinandergehalten, später verwechselt; Biv^AdrdTH [Inn'iO^r^ui, auch einfach 
Tld-rj/Lii) Ev., doch schon in ältesten Texten B-hCKAdA-iis^T-h. Mt. 23. 4, an anderen 
Stellen Varianten, die jedoch gleich ursprünglich zu sein scheinen; K-KAara- 
AHUJTe {ß(iXafTiot') Ev., später HAx-kHHie; B-KAdtaTH CA [iaacci'i^ead-ai) Ev., dafür 
frühzeitig nörpsiJKaTH ca u. a. Umschreibungen; B-hNHAvarH [nooaixEii'] Ev., 
dafür kawcth; btiCKovphth ca [•/.ani'lCouai] Ps. : btv^a'W'Whth ca; B-KCx-OT-krH [Ini- 
S-vLiiw) Ps.: B'K>j:Ae'\'fcTH, schon in den ältesten Texten; AßHJtuHHie {y.ii'i]aig) Ev., 
später BTiZA»;RuiT£HHie; AP'Jf'K [rinLog] Ps., nachher Hi^cTKH-h; xkyw [naiöia] 
wechselt ab mit otpomata in den ältesten evangelischen Texten; tA-fc iiihb-k 
[t]^i&av7]s) Ev., später fAßa hihb-k; niHA'JBHH-h {'lovöalo^-) ist origineller als Hh>AfH, 
das jedoch in den älteren Texten allein üblich ist; niHTfAh. [noViTrig], v(i&-a-^,\wi 
{noXlzai], in evangelischen Texten, dazu h;hb;k [nolnEvouni), wofür später 

MiHTeAKCTBOBATH; }KAA<>TH {änpäiü) Ev. , RUCh JKfA-kTH ; ^dE-kTTw [Siad-t'jXI]) UUd 

laB-fciuTaTH, für dieses einmal im Ps. Pog. ^anoB-kA<>, doch wohl nur aus Un- 
genauigkeit; 7acT;Rni»HHKT\ {ayTih]nrit}o) Ps.: zaujTHThLHHKii , P'JaioujtiiHhk'k; 
lawiTH [kfxcfoüaaui] Ps., in jüngeren Texten ^arpaAUTH; ^Harn [yivbjay.u)) wechselt 
mit B'fcA'tTH [oWa] Ev., Ps.; zt^aoea [y.ay.iu, Tioyi]oia) wird im Psalter auch für 
xa/.ovnyic< verwendet und in dieser Bedeutung später durch ^'KACA'kHCTBo er- 
setzt; das Adj. ZTiACEHBTi {n0in,0Ev6j^l£l'0g) V&., SOUSt Az-RKas-K, A;RKdBKH'K; H\l 

(onov) Ev., vi. ha£h;«, HJKAf, im Ps. auch andere Ausdrücke; H^ßA-kmTH: part. 

HZBATkKTi Ps., später HCTpKrk; HCKOHKHaTH CA (JxAf/TTüj) Ps., dafür auch OCK;RA'feTH, 

welchem Verbum vielleicht die Priorität gebührt; HcnA-krH — Hcna-kBA; (av?.- 
Xiyco] Ev.: B-hZKKparH; Hcn>>\-cTHrH {a(p[T]/ui) Ps. : C'craBHTH, ein älterer Ausdruck 
dürfte oTnovcTHTH sein; HüJT£ZH;?iTH {(tcpco'zog- yiyyoiAdi] Ev., später H£bhaha\'k 
R-wcTT»; KpacoTa [shnQineia] Ap., Ps., daneben A-knora, BeAkA-kn^ra, später KAar«- 
A-knHj; h'p-knocTK (xQaiKt'üJua) Ps. : APi^^+^'^Ka; Ao\j-na [aekri'/;) und AxlcAUh iurp') ur- 
sprünglich auseinandergehalten, erst später auch vertauscht; Ai-^;^ in Zu- 
sammensetzungen, wie B-KA-kz;*^ {l/ußccli'ü}), HZAkz;si [tUo^oaat], chA-kz* (y.caa- 
ß(uino) Ev. : in späteren Texten dafür häufig ha^r in Zusammensetzungen; 
AVATvMaHHie (fff j'/;) Ap. : KfZA\A'hBHi6 ; A\p'kH:a [ö'lyTvo)') und ckrK {rxccyig), später ver- 
wechselt, auch fürHfBCATi {GC(yi]i't]) später Avp-knia; a\;s^hhth [ßaaaviCta, xolacpi^w) 
Ev., im Ps. nur einmal anstatt hckcvchth, wohl infolge eines lapsus calami; 
HaHHHaHHi« [kniTrjdEv/Lta] Ps. allgemein, an einer Stelle (80. 13) steht jedoch für 
x«ra T« iniT>]ö'evuc(rc< no nopTfAvi». Sin., Pog., Bon., was erst nachträglich ge- 
ändert wurde in n» Ha'iHHaHHio Sof., Buc; HtnACAiJ (ffTeto«) Ev., Ps., vereinzelt 
später AAOBHi^a Ps. Toi. ; «g-krTi {ev/O Ps. neben AvoAHTBa, das im Ev. und Apost. 
angewendet wird; okpo'ihth [avt^xM]: «kp^mat-k Zg., dafür ccaa^tt» Mar. und 
später auch andere Ausdrücke; C'cokk ixojQig) Joh. 20. 7, dagegen cokk cahh-ki 
[xKT i&iay /uot'ovg) Marc. 9.2, wofür cn'krAo jahhki in Nik. ; «ckcTH {7TEQii%co] Ps. 
21. IT ursprünglich, dafür später auch «api^^iith Mon. ; «-TpacAk HCBa, auch h«bo- 
pacAh. (to vEÖcpvxoi') Ps., später HOBOHacajKA«m»H'> Mon.; on'kcTHTH ca ((pvXc'aao/LKti) 
Ps. Pog., Bon., ursprünglicher als cKx-paHBR ca Sin.; nancHTh '}'Oju),) Ev., Ps., da- 
neben nacTBHHa, dann auch hcmpt»; rhbo [noatg) Ev.: nHTHe; hac^ahth ca [nh;- 
i>r»'w) Ps., später avHCHuint et Mon.; noKHTH in pass. Anwendung noRntcH-h ktii\"k 
Ps. : npHCBAH,T.)^'K, ci\|'tazBAi€H'K ; norcvKHTH {dtacpl^EiQü}) Ps. 77. 38. 45, später pacTK- 
A-kxH; noAoiKHTH und nocTasuTH werden ursprünglich auseinandergehalten, 



Jagic, Entstehungsgesch. d. kirchenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 219 

später finden sich auch Verwechselungen, z. B. Ps. 106. 33, Mon.; ncHejKf (tnel, 
i7iEC(fi,), dafür später auch ^atu, hamiHu; nocpaAinTH {yMiaiax^^^)i dafür Ps. 43. 8 
n^Tp-kRHTH Sin., Pog., Sof.; npurEO^AHTH Ps. 21. 17 für b()vaa(x), jüngere Texte 
HCKondTH; npHZhp-fcTH [nQoaixm') Ps. für das sonst übliche e-khath; hphct^rmth 
(iyyi^to) Ps. nur ausnahmsweise, sonst npHKAHHiHTH ca ; np«^bp-kTH {nQOK^Eiy) Ps. 
138. 3, später hpckhaIvTh ; np^^cr-K ktiIth [((voQO-oi^ai) Ps. 19.9, später hciipaehth 
ca; iipi-A-K [h'iönioi'] Ev., Ap., Apok., doch Ps. 9. 25 np-kA'K ah^camv iro [tfiönioi' 
nviov), wofür spätere Texte npi'Ak iiHA\k haben; np-kKovTHTH [neQixoa/uia}) Ps., 
dafür np-tcvK-pdCHTH ; np-kHfAiardHHie A'^VP oder A^yuiA [oXiyo^pvxi^f) Ps. 54, 9, da- 
fürspäter A»dA'>A'>VLUHie ; oATA {niioi'a), dagegen kuetv [nreQyKTfxö^) Ps., in ande- 
ren Texten auch np-kAkiurtHiiie; pdzra vi. pozra (xA^-jW«), später ao^a; pa^rop-fcTH 
CA [ixxavd^Tii'ai] Ps., dafür andere Verba, wie E-K^rcp-krH ca, pah;a£ujth ca u. a. ; 
pd^APdHiHTH CA für ('.ycißc'dXo/^cei Ps. 77, 21, sonst für na^o^vreiy; (i&t^ap^\-uihth 
für x(cT(cyaysiy Ps. 58. 12, erst später hh^aohchth, dafür sonst HH^-KsecTH; pa^hth 
CA — pdZHA<^ caPs., dafür pACTiinATH, pACTCHHTH, pAzniHATH ; pAZd^Av-kTH [yiyywaxw) 
und iic^HATH werden ursprünglich auseinandergehalten, später jedoch auch 
verwechselt; phza [l/uchtoy] und «a£J«a*> [(/.lazia^ös) werden später vertauscht; 
cfA-fc als Adv. in den Verbindungen a« c'A-fc, ottv ctA-k Ev., Ap., Ps., doch in 
diesem Texte (Ps.) auch «t-k H-hiH-k; cTAp-kHuiHHA als erster Teil eines synt. 
Ausdruckes entspricht dem griech. ciqyi- am Anfang oder -kqxvs am Schlüsse 
eines Kompositums, z. B. cTAp-fcnmnnA cratht£A£a\t». ((qxi^q^^'S' (in den alten 
Texten allerdings zumeist unübersetzt apjfHiep-kH), oder cTAp-fcHiuHHa rpaAA noXi- 
Tc'tQX'ii-: erst spätere Texte bilden Komposita, wie rpAACHAHAAhHHKii u. dgl.; 
c-kAdrATH {av/nß('(?J.(i)) Luc. 2. 19: cTiK'KKci\'nA'fcisiilJH in einem mittelb, Text; ckta- 
ZATH [Ctjxicü] Joh. 16. 19 allg., doch EiinpAiiJACTc CA Sav. und mittelb.; ckH« (xöq- 
Tog) und Tp-fcEA vi. TpAKA [xöoTog] werdeu synonymisch gebraucht; tbophth 
[iQyäCofxca) Ps,, dafür später a'^aath; TsphA* [((acpaXüys) Ap., dagegen ck^-pahivH'» 
Ev. neben TBpKA'b u.a.; Tpk\"KTii [Ietitoi') Ev., dann auch A\-kAi^MHi;A, hata; 

Tp-kEA vi. TpABA [x'^Öt]] WCChSClt ab mit ZAAKTv; TC>\'»;AfnA£A\eHhHHK'K [uXXöqjvXos) 

Ps. 151. 6 ursprünglicher als khoiia{a\£hkiihk'k; xhAra ßqüais, ff?-*,), dann MpiiKiv 
[ars) und a\oak; t;r'ia [ofißoog] Ev., Ps., später auch at^hiaii Ps., Mon.; ovaaphth 
[oani^w] Ev., später auch zao\"iuhth. dijpazhth; ci\'A\AiHHTH [vnoxäaaoj] Ps. 17. 48, 
wohl ursprünglich, dafür später U'>bhh;rth (ca) ; cvhtiibath [GTvyväCoi] Ev. scheint 
ein später Ausdruck für api^^ciaobath zu sein; c>\,-ctat'k [y^maaüx^r^s] Ps. 139. 12, 
dagegen le^wMkHk Ps., Mon.; c>\-ctpaujhth ca [<^eiIicio}) und ci\'RoraTH ca scheinen 
Synonyma zu sein; v^vKpAllJfH'K [xExaV.ionianivos) Ps. 143. 12 in allen alten 
Texten, dagegen ovA'JKpfnw Mon.; o\-tch;kth in Mar. 8. 32: o^ToncujA, dagegen 
i>\i'A\piiiiA Ostr., Karp., Nik., nach dem griech. hnid^arov; ovrpkHeKdTH [oqOqICü)) 
Ps. ist eine Neubildung, freier und schöner paho npH)(OH;AA\';R Ps. 77. 34 ; oyTAii- 
cT-kTH (Zogr.,Gal.) oder vielleicht richtiger oTATiCT-kTH (Mar.), scheint ursprüng- 
licher zu sein (Mat. 13. 15), als ovAERfA-fc Ap.; \-AASirA [cpQcty/uog) Ev., Ap., dafür 
auch onA^TTi, 'jrpAAA, rpAA-K, dieses Wort wohl in seiner uralten Bedeutung ; 
XAdATv [ai'Qci) Ps. 106. 29, thujhha Mih., Mon.; \-pAAnv [ö'm/uk] Ev.: KA-kTK Trn. 
(Luc. 5. 19); lUTHT-h [bnXoy) wechselt ab mit oq^'a-mc, lAA'b [ixöf^syog] Ps., 
später KAH^K. 

Anderwärts eingereiht sind die Stichwörter : sii^K-kcTHTH in der I. Gruppe; 



220 Kritischer Anzeiger. 

BTiHKiHTH Unter K'KA\tTdTH; £,\nn«' untcF ccoKh ; jKe.\iHHi€ Unter MOjfC'Th Und auch 

KliCX-C'T'kTH ; KA-fcTK bei X^M-h. UUd \-pdA\Ts,; K^BhHHKfi Unter K«RTv; KC'VP'K Und AAJKdW 

unter KCKumh; Aior-fc unter rope; A;RKaRii unter t^-ka'k und Henpiira^HK ; HeB^AT^ 
unter A\p'fc:KA; h;r5Kaa unter HfKOA«; orpa^-k unter ckaa^k; iicR-fcA-fcTH unter ß-K^R'fc- 
cTHTH in der I. Gruppe; pact^hhth unter pazhth ca; co\-i6TkH-k unter RezoyAVKHii. 
Gänzlich ausgefallen sind nur die Stichworte: a\£tath, p,fiKA, TAT^cT-krH und 

0\'A\'hlTH. 

Kichtigere Ansetzung des älteren Ausdrucks und Erklärung des gegen- 
seitigen Verhältnisses beobachtet man bei folgenden Stichwörtern: R£^dK«nK- 

HHKTi, adj. EfZAKOHhH'K [(Cl'OfJO^) UUd ZAKOHOIip-tcT;RnhHHK'K, adj. ZAKCHCnp-fccT-RnKH-h 

[nufiäyo/uof) , werden ursprünglich auseinandergehalten, ebenso Re^AKc^HKie 
[afofiia] und idKC>H'>iip'fccT;RnA£HHi€ [naoavouin); RAar-K (/o'/ffrof), allgemein, 
dagegen au^ah^ Ant. Pand. beruht auf einer Verwechslung von yor^aTÖs und 
•/qiaios; KAar^A'kTKHArii und RAAr^A-fcTtAhHAra {xEX«oiio)j.Uyri) Luc. 1. 2S, das 
spätere «kpaa^kaham ist dem griech. Worte angepaßt; ka;rahth — npi-AkcTHTH : 
beide Ausdrücke sind schon in der ältesten Übersetzung nachweisbar und 
werden mit richtigem Verständnis angewendet; KOA-k^Hh — HJA^r-h, beide Aus- 
drücke schon in den ältesten Texten; KAdAtiKa [^sanöxr^g, r^ye^ü»') — K-hHA^K 
(«();^(ijr), früher umgekehrt; ep-kt-k, ßp-KTKn-h, Bp'liTl^^pdA'^ [y.i.nog], alle drei 
Ausdrücke in den ältesten evang. Texten; Ri-AKH-K — Rp-kAi^Hii, früher umge- 
kehrt; rpAA^ — beschränkt sich auf die Formen des Praesens, Imperativs 
und des Partiz. praes., während Imperfekt- und Aoristform von ha;'^ im Ge- 
brauch sind, so wenigstens im Evang. und Apost. ; A«'A\'h [olxla, olxog], dagegen 
jfpaAVTi, wo vom Gotteshaus die Rede ist, dem gegenüber scheint x-paA\HHa eine 
gewisse peiorative Bedeutung zu haben, später allerdings tritt ein Schwanken 
ein; a\xahth — avo^ahth {•/Qorl^o}] ist wohl älter als K-KCH-krH, mag auch dieses 
Verbum schon in den ältesten Texten vorkommen; HenpHra^NK (o noi'r-QÖg] im 
Sinne von o crtß/JoÄos-, dagegen ^t^a-kh (o 7ioy>jQug) in gewöhnlicher Bedeutung; 
HHiTi, HHzc>v und A«'^^T ('««rw) sind synonyme Ausdrücke ; nAAT-h {qüxo^), aber 
np-hTTi {Xiyoi'), für letzteres auch nAar-h (Ass.), akh-k (Trn.); n^R-kAHTH [ytxrjacei) 
Ev., Ap., Apok. , dagegen Rom. 3. 4 np-fcuhpHiuH [vixr^aEig\ da es sich ums Ge- 
richt handelt, daher sehr passend; n«rpM;jn,'RTH Marc. 4. 37, dazu als Variante 
noTUH;RTH, früher war dieses Verbum an erster Stelle angeführt; npHHHCTH, ktv- 
M-kHHTH, HmKiuTeBATH (für Xoy 1^,0 1.1 Cd) slud ursprünglich; paHa und "fc^Ka (la^Ba 
■nh]yTj) wechseln ab in den ältesten Texten; ;KTpcEa — Mp'fcßo [xoiXia]: Mp-feßo 
wird jetzt vom Verf. für ursprünglicher angesehen. 

Auf genaue Kenntnis der griechischen Vorlage und auf ein feines slavi- 
sches Sprachgefühl der ersten Übersetzer wurde in der ersten Ausgabe wohl 
hingewiesen (II. 48); in der zweiten Ausgabe wird dies jedoch ganz besonders 
bei zahlreichen Stichworten dargelegt. Gelegenheit bot hier das Material der 
III. Gruppe und finden wir diesbezügliche Bemerkungen bei: npi-AKCTHTH in 
dem pass. Ausdruck: a<> h' np-kAhujTJHH E;RAfT£ Luc. 21. 8 und np-kAKiurmH KiJCTf 
Joh. 7. 47 für nXccyäouai, welches sonst durch ka;rahth übersetzt wird (S. 327); 
HAAB-K für 'Aevxög, wo von hhbtü die Rede ist Joh. 4. 35, während sonst RiiAT» in 
der Bedeutung ktvxög erscheint (S. 329); E-hAHBarH für ßaV.w bei dem Objekte 
BHHo und B-KcaAHTH für dasselbe griechische Verbum, wo von dem Ein- 



Jagic, Entstehungsgesch. d. kirchenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 22 1 

stecken ins Geiängnis gesprochen wird (S. 333); Hcnrt-fcßfAi'h (avXXi^ojfAey) Mt. 
13. 28, wo vom Ausjäten die Rede ist (S. 352); HtnpHi-jjHii. (o Tioyi]Q6g)^ wenn 
damit der böse Geist (Teufel) gemeint ist (S. 369); chHhM-K oc-fcAf a\a Ps. 21. 17 
für nEQiix(o; hciio\,'cthth mit dem Objekt to nysi/fu« Mt. 27. 50 für cccprjxs, das 
sonst durch ot-krovcthth wiedergegeben wird (S. 377); nrtOAHTH ca Ps. 143. 13 
für nXrj&vyco ; np-knivpHiiJH für vixr^asig Rom. 3. 4, wo es sich ums Gericht han- 
delt (S. 379); »iHBtujH, iKHK-kamj Joh. 1. 39. 40 für ^ivM (S. 3S1); iiopTK für iti- 
'/■run in der Ausdrucksweise ■m-'k no\-oTH ha-ktiicktü, orii no)fOTH rt\;KJKKCK'w Joh. 
1. 13 (S. 384); npoHOCHTH Marc. 1. 45 für diag)rj/^nCo/ur(t (S. 380); pa7K-krH;RT'K ca 
Marc. 14. 27 für ö'taaxoQnl^ouai, wo von Schafen die Rede ist (S. 39o); hcto- 
MkHHK-K Kp-KKt Marc. 5. 29 und hctomkhhk-k EOATii Joh. 4. 14 für nr^y/j, das sonst 
durch cTc>\-,\fHKi;K [(pQian) oder KAaAAZK übersetzt wird (S. 397); ckktüth ca an 
zahlreichen evangelischen Stellen für n?./;nov/uKi (S. 399); chX'paHHTH {(pvläTru)), 
cKKAwcTH {TrjQtco , avfxr^Qiu}), cTp-kiuTH dcm Siuuc nach auseinandergehalten 
(S. 402— 4U3); T-fcrto {auj/xu] und nA-KTk (ffapl) genau geschieden (S. 407); hhiutk 
(rrrw/o'i-) und ^vKorii (eigentlich niyrjs) werden gut angewendet (S. 40S); »vf^p-fc- 
iiHTH mit dem Objekt cp-KAi^i,«, besser als o\-TBpkAHTH {(nrjQiCw) im Psalter 
(S. 411); TiiAMiHHu,d von cTpajKA (beides (pvh(y.r;) richtig unterschieden (S. 414); 
der Ausdruck M£uj;5iTii ca\ok'kbh Luc. 6. 44 für avX'/Jyw, ein altslavischer ter- 
minus technicus des Landlebens (S. 416). Daraus ergibt sich wohl, wie der 
Verf. später zusammenfassend bemerkt (S. 422 — 423), daß der Übersetzer des 
griechischen Evangelientextes (und überhaupt der ersten Bücher, auch des 
Apostolus und Psalters) ein sehr feiner Kenner der slavischen Sprache war, 
der in seinem Bestreben, eine genaue Übersetzung der griechischen Vorlage 
zu liefern, den slavischen Sprachgebrauch nicht außer acht ließ, sondern nach 
Möglichkeit geltend machte. Bei dieser Gelegenheit möge es mir gestattet 
sein, daraufhinzuweisen, daß ich im XXV. Bd., 1903, S. 390 dieser Zeitschr. 
nachdrücklich von der Vorzüglichkeit der ersten Übersetzungen biblischer 
Texte gesprochen und dies an einigen sehr bezeichnenden Ausdrücken des 
Psalters dargetan habe. Konstantins wahrhafte Kunst in der Übersetzung 
der Evangelien zeigen auch die von Prof. Berneker (IF. XXXI, 1912, 399— 
412) gesammelten und erläuterten Beispiele, die sich zum Teile mit den im 
Vorstehenden aus der »Entstehungsgeschichte« herausgehobenen Belegen 
decken. 

Ungemein wichtig sind die gelegentlichen Bemerkungen über den 
lokalen Hintergrund einzelner Ausdrücke. Auf diesen Punkt wurde schon 
in der ersten Auflage gebührend Rücksicht genommen, in der vorliegenden 
zweiten Ausgabe geschieht dies jedoch viel eingehender und systematischer. 
Es dürfte sich empfehlen die Belege nach diesem lokalen Gesichtspunkt zu 
gruppieren. 

In die mährisch-pannonischen Gegenden wird die Heimat zahlreicher 
Ausdrücke verlegt, wobei die nähere Bestimmung allerdings verschiedenartig 
formuliert wird: aakath, das Simplex, das eine Eigentümlichkeit des Zogr. ist 
und auch im Psalter wiederkehrt, könnte man >als pannonische Modifikation 
des aus dem Süden gekommenen AAiiKdTH erklären» (S. 284); ß-kp^^ iath »lebt 
noch jetzt im slovenischen rer;'eft-tJe?ja?«e?H< (S. 285); A'iJKf a« («;^o«) »gilt für 



222 Kritischer Anzeiger. 

älter als aoh^j a«*: dm-i do ist cakavisch, dort do stokavisch (S. 286;; nkcarH 
»ist ein mährisch-pannonischer Zug der Sprache , der auf dem südslavischen 
Gebiete der Form nHcarH weichen mußte' (S. 294); dK-w »könnte man fast als 
einen Slovazismus bezeichnen« (S. 298); »bei Neutris auf -kctk« und -kcTEHt 
ist zu bemerken, daß die böhmische Sprache noch heute Neigung zu den Bil- 
dungen auf -stii (alt -stoie) zeigt, während das Slovakische gleich den süd- 
slavischen Dialekten den Auslaut -stvo vorzieht« (S. 299); p-kcHora, p-kcHOTHKkH-h 
wurde »gewiß erst später, auf dem pannonischen Boden« hier und da einge- 
fügt für HCTHHa,- HCTHHKH-K {(dr;x^sicc, uh]'yt]i), besonders häufig im Psalter 
(S. 352); HCTA^dTH Joh. 21. 12 »erinnert durch die Wortwurzel und Bedeutung 
an das böhmische o^acAa u. ä. (S. 353); cnpuHa, cKpHHHi^a »verrät südwestslavi- 
schen Ursprung« (S. 355); kokoujii — KvypHua, »diese beiden Ausdrücke schei- 
nen südslavische und nordwestslavische Sprachsphären zu charakterisieren« 
(S. 355); KpHHiK erscheint »nur in den westslavischen Denkmälern katholischen 
Charakters< (S. 356); a«;kahth ist »für die westslavischen Beziehungen des 
ältesten Kirchenslavischen charakteristisch' (S. 365) ; hcpcahth »klingt noch 
nach im altböhmischen neroditi (nolo) (S. 370); «arapii (ifvaiaaxt'^Qioy) »ein 
lautredendes Zeugnis der westlichen Beeinflussung der altkirchenslavischen 
Sprache« (S. 372); aujwT-h »das Auftreten dieses Wortes im Psalter spricht 
für dessen mährisch-pannonischen Ursprung, womit auch die böhmische 
Sprache übereinstimmt« (396); cTo\-AfHKij,h »scheint der westlichen, KajA^'^^i' der 
östlichen Hälfte der slavischen Sprachenwelt näher gelegen zuhaben« (S. 398); 
A-kK-hi darf man »als eine spätere pannonische oder kroatische Einschaltung 
ansehen« (S. 418). Die Zahl dieser »mährisch-pannonischen« Spuren im alt- 
kirchenslavischen Lexikon ist allerdings nicht groß. Es kommen dazu noch 
die Ausdrücke wie c'KHhA\'K, die Präposition B-hi- (S. 264 — 265), ferner A\aAij- 
AtoujTh Evang., das noch jetzt im Böhmischen und Slovakischen als malomoc, 
malomocny, malomocenstvi lebt (S. 269), ferner das vereinzelt dastehende 
npax-MtH'h der Sav. Kn., dem slovakisch-böhmische Ausdrücke jn-ucJinef, präck- 
nivet\ prachnivy (morsch, faul) am nächsten liegen (S. 26S), weiter aus den 
Parömien die Worte: KA(nhii,h, das im Slovakischen und Böhmischen fortlebt 
(klepec Falle), ferner can-h oder canK (öcpig), wozu das slovakisch-böhmische sah 
(Drache, Lindwurm) eine vortreffliche Parallele bietet (S. 268), endlich das im 
Cudover Psalter, im Galiz. Evang. und in Prophetentexten vorkommende Ad- 
verbium ^anATh ((V^m«, illico),zu dem im Böhmisch-slovakischen u ;:«^je^i Pa- 
rallelen vorliegen (S. 268). 

In Zusammenhang mit diesem in die mährisch-pannonischen Gegenden, 
beziehungsweise überhaupt nach dem Westen weisenden lexikalischen Wort- 
vorrat empfiehlt es sich die Spuren derjenigen Ausdrücke zu verfolgen, welche 
unmittelbar aus dem Lateinischen stammen können. Der Verf. bezeichnet als 
solche mehrere Worte, deren Ursprung aus dem Lateinischen allerdings in 
verschiedener Weise angedeutet wird: bei A\HA«cp'hA'T»^ (o/xT/(),«wr) »könnte 
man an misericors denken« (S. 289); ahbpa {lixqa) Joh. 12. 3 und 19. 39, Zg., 
Ass., Nik. »dieser Form scheint das lateinische libra zugrunde zu liegen« 
(S. 313); pH^Aia in den ältesten glagolitischen Texten anstatt Aw-po: »das 
ist wohl nicht die Übersetzung von xQ>'^!'"i ^^ dieses durch noA\a^aHHie 



Jagic, Entstehungsgesch. d. kirchenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 223 

wiedergegeben wird (Job. 2. 20. 27) , sondern die lateinische Anwendung 
des cbrisraa dürfte damit zum Ausdruck kommen« S. 313); o,\£h , cA-kH 
»ist wobl nicht die Wiedergabe des griechischen f).r.ioi', sondern des lateini- 
schen oleum« ;S. 314); AiKtua, >aus dem lateinischen missa«, ist beschränkt 
auf Denkmäler, wie die Kijever Blätter, kommt auch in den pannonischen 
Legenden vor« S.364). Besonders schwerwiegend sind solche Belege, welche 
eine direkte Abhängigkeit von lateinischen Vorlagen dartun sollen. Als solche 
finden wir angeführt: iidAi»H£RhH'hiH {Inioiaiog], vom uQxog (panis quotidianus) 
im Vaterunser gebraucht, erscheint im Zg. (und auch Trn.), dafür A'HfRhHiJH in 
Sav. Kn.: »ob nicht dafür das lateinische quotidianus maßgebend war?« S.367); 
KTkZK'fccH CA [id'r^yzctio] Matth. 27. 5, Zg., Mar., Archang., Karp. »kommt dem 
lateinischen se suspendit sehr nahe und ist möglicherweise durch die Ein- 
sichtnahme in den lateinischen Text zu erklären (S. 263); besonders aus dem 
Psalter 104, 42 i-a\i HAvfc (quod habuit); 118. 130 pa^ovi-Ax-K Mn-h. (intellectum dat; ; 
67. 28 KTi ov"A\-fc o\f}KdciiH'k (in mentis excessu, tv ixataaei), diese drei Beispiele 
auf S. 249, außerdem 9. 25 np-tAi^ ahucmk «ro [h'wniov ahzov , in conspectu 
eius), eine auffallende Übereinstimmung (S. 387). 

Dem gegenüber finden sich nnr wenige Belege, bei denen auf den bul- 
garischen Hintergrund eines Ausdruckes hingewiesen wird. So bei B-h^dA-K- 
KdTH, das mehr »altbulgarischen Klang« habe, als B-K^AdKATH (8.283); umpaz- 
AKH-K [tyxvos), »ein noch Jetzt im Bulgarischen in diesem Sinne gebräuchliches 
Wort« (S. 369); ccThN-h, ein Bulgarismus, bekannt aus den Übersetzungen des 
Job. Exarchus (S. 382); CiÄXh für pfMt, aufgekommen in der frühesten bulgari- 
schen Periode (S. 404). 

Ein großes Gewicht wird in der vorliegenden zweiten Auflage auf solche 
Spuren gelegt, welche zeigen, daß zwischen den Perikopentexten des Evan- 
geliums und dem vollständigen Tetroevangelium ein gewisser Unterschied in 
lexikalischer Beziehung zu merken sei. Solche Beobachtungen finden sich an 
zahlreichen Stellen: K-himr-KHHH erscheint Matth. 23. 13. 15. 23, Mar., Zg., diese 
drei Stellen sind jedoch im ältesten Evangeliarium nicht vertreten (S. 289); 
B-fecTKUHK-K für dHTvrfA-K Luc. 7. 24, Mar.; 9. 52, Mar., Zogr., diese beiden Stellen 
fehlen im Evangeliarium (S.302); onond [■/.aianiTaaua] Marc. 15. 38, Mar., Zogr., 
an einer Stelle, die im Evangelarium nicht enthalten war, während sonst das 
griechische Wort unübersetzt blieb; AtoujKHd [niou) Matth. 10. 10, Mar., Zogr., 
Bp-kxHiiJTe Luc. 10. 4, Mar., Zogr., an zwei Stellen, die im Lektionarium nicht 
vertreten sind, während sonst das griechische Wort unübersetzt blieb; bosbcaa 
[axocarjyös] Luc. 22, 4, Mar., Zogr., die Stelle ist nicht im Lektionarium; mw^- 
PH16 [aiyiaXog) Matth. 13, 2, Zg., Mar., im Lektionarium nicht vertreten, sonst 
Kp-fer-h.; HfHKUJTeBdHHf [noöcpaais] Marc. 12. 40, Mar., Zg., Karp., in den Lektio- 
narien ist die Stelle nicht vorhanden (S. 329); BpH^TKn-K [anr,)Mioi') Matth. 21.13, 
Marc. 11. 17, Luc. 19, 46: diese drei Stellen sind in den Lektionarien nicht ent- 
halten (S.331); HCKOYiufHHe [nEuncaiuös] Luc.4.13, 11,7: diese beiden Stellen sind 
in den Lektionarien nicht enthalten (S. 252); goyktibh Luc. 16, 6, 7, Mar,, Zog., 
jedoch nicht in den Evangeliarien (S. 357); AdAHH, die Stellen, bis auf Job. 0. 
17, sind in den Evangeliarien nicht enthalten (S. 358); nendAk [Ivnr;) kommt im 
Evangelientexte nur an Stellen vor, die in den Evangelistarien nicht enthalten 



224 Kritischer Anzeiger. 

sind ; die einzige Stelle Job. IG. 21, wo im Ostr. lUMdAH für d^Xiipeu); angewendet 
wird, findet sich im Assem. nicht (S. 394); nnp-K [doxv) Luc 14. 13; diese Stelle 
ist in den Lektionarien nicht vertreten. Für die Texte des Apostolus liefert 
das Wort HtoEp-fc^dHHie [(y.qoßvaiia) Eom. 4. 9. 10. 11. 12, Christin., da diese 
Stellen in den Perikopen nicht vorkommen, ein Beispiel (S. 301). Der Verf. 
bedauert S. 479; auf diese Unterschiede nicht größeres Gewicht gelegt zu 
haben, um sie im Zusammenhange zu behandeln. Es würden sich vielleicht 
für die Charakteristik der Ergänzungsarbeit bei der Übersetzung des vollen 
Evangelientextes gegenüber den schon früher übersetzten Perikopen gewisse 
gemeinsame Züge herausfinden lassen. 

Nachdem auf diese Weise der Wortvorrat des Neuen Testamentes und 
des Psalters aufs eingehendste analysiert wurde, schreitet der Verf. an die 
lexikalische Durchforschung der Bücher des Alten Testamentes. Das Vor- 
gehen ist nun ein anderes, wie es eben durch die Unzulänglichkeit der Hilfs- 
mittel und den Mangel an Vorarbeiten bedingt ist. Vorsichtig werden die 
einzelnen Bücher des Alten Testaments in Verhandlung gezogen und ihr 
Lexikon wird an den früher gewonnenen Ergebnissen auf seine Altertümlich- 
keit hin geprüft, wobei immer wieder an den drei Wortgruppen festgehalten 
wird, nach welchen die betrefi"enden Belege angeführt werden. Dieser Vor- 
gang wurde bereits in der ersten Auflage eingehalten und zunächst die Über- 
setzung des Propheten Isaias auf Grund der Studie Iv. Evs. Jevsejevs unter- 
sucht; als Resultat der nunmehr erweiterten lexikalischen Erforschung 
erscheint, daß der Text der im liturgischen Parümienbuche enthaltenen Lek- 
tionen gegenüber dem vollen Texte des Propheten als älter anzusehen sei 
(S. 425). Zu demselben Ergebnis gelangt der Verf. bei der sprachlichen Ana- 
lyse des Propheten Daniel, die an der Hand der neuen Publikation Jevsejevs 
über dieses Buch (1905) vorgenommen wird. Für die weiteren Propheten 
lieferten die Untersuchungen Dr. Nachtigals (1902) und Dr. Vajs' (Oseas 1910, 
Joel 1908) neues Material, das vom Verf. in gleicher Weise ausgebeutet und 
nach den drei Wortgruppen systematisch eingereiht wurde. Auch hier zeigt 
es sich, daß in dem Texte der glagolitischen Prophetenperikopen noch die 
älteste Überlieferung sich erhalten hat, die auch in den ältesten cyrillischen 
Parömien wiederkehrt (S. 445). Daran reiht sich die Vergleichung des ersten 
Buches Mosis, der Genesis, auf welches zum Teil bereits in der ersten Aus- 
gabe Rücksicht genommen wurde. Der Verf. konnte nun die neuere Publi- 
kation Prof. A. V. Michajlovs (1904) heranziehen, dagegen dessen jüngste 
Ausgabe des Parümientextes der Genesis (1912; nicht mehr benützen. Die 
lexikalische Analyse, abermals nach den drei Verzeichnissen angeordnet, 
bringt reichhaltige Belege für die Annahme, daß in der Tat die Übersetzung 
der ältesten Bestandteile des Liber Genesis, die in dem Parümienbuche ent- 
halten war, sich in den Überlieferungen des ältesten kirchenslavischen Sprach- 
typus bewegte (S. 457). Für die übrigen Bücher des Alten Testamentes gibt 
es nur wenige geeignete Vorarbeiten. Die Monographie Lebedevs über den 
Propheten Josue (1890) war schon in der ersten Ausgabe herangezogen wor- 
den. Nun kamen hinzu die Beiträge von Dr. Vajs über das Buch Ruth (1905), 
über das Buch Job (1903), über Proverbia (1910), Ecclesiastes (1905), Eccle- 



Jagic, Entstehungsgesch. d. kirchenslav. Spr., angez. v. Pastrnek. 225 

siasticns (1910), die Studien Dr.Nachtigals (1902) und Prof. M. S. Poprnzenkos 
(1S94) über die Libri Regum. Die Lücken suchte der Verf. wenigstens einiger- 
maßen auszufüllen , indem er den glagolitischen Text bei Bercic zum Ver- 
gleiche mit dem Paremejnik Grigorovics (leider sind davon bisher nur die 
ersten drei Hefte erschienen) heranzieht, um Belege auch für die übrigen 
Bücher des Alten Testamentes (für Exodus, Deuteronomium, Paralipomena, 
Esdra, Tobias, Judith), wenigstens ganz kurz, hinzuzufügen. Zum Schlüsse 
wird auf die umfangreichen Studien Vas. Pogorelova über den Psalter und 
besonders über den Kommentar desselben (1901 — 1910) verwiesen und einige 
Ergebnisse derselben kritisch berührt, nicht ohne Ausdruck des Bedauerns, 
daß dieses wichtige Material erst spät zur Hand war (S. 471). Doch wird der 
in den beiden Ausgaben Pogorelovs enthaltene Wortschatz in dem altkirchen- 
slavisch-griechischen Wörterverzeichnis verwertet, welches dieser zweiten 
Ausgabe der »Entstehungsgeschichte« beigefügt ist (486—514), als unentbehr- 
liche Ergänzung des in der ersten Ausgabe schon vorhandenen, nunmehr 
jedoch erweiterten griechisch-slavischen Glossars (S. 515 — 540). 

Als Hauptergebnis dieser Einzeluntersuchungen über die Bücher des 
Alten Testamentes — mit Ausnahme des Psalters — die allerdings noch lange 
nicht abgeschlossen sind, darf gelten, daß wenigstens die im ältesten Parö- 
mienbuche enthaltenen Lektionen bereits in der ersten Periode des kirchen- 
slavischen Schrifttums übersetzt wurden. Ob auch die Ergänzung zu voll- 
ständigen Texten noch in die erste Periode fällt und im Sinne der Legende 
von Method und seinen Mitarbeitern stammt, das läßt sich aus den bisherigen 
lexikalischen Forschungen mit Bestimmtheit noch nicht folgern. Immerhin 
bleibt es beachtenswert, daß der Verf in dieser zweiten Ausgabe die Nach- 
richt der Legende, daß Methodius mit Hilfe zweier schnellschreibenden Prie- 
ster alle Bücher (der heil. Schrift), mit Ausnahme der Makkabäer, übersetzte, 
nicht mehr so entschieden verwirft, wie dies in der ersten Ausgabe der Fall 
war. Dieses aus erneuerter Prüfung des Gegenstandes geschöpfte Ergebnis 
ist in vielfacher Beziehung wichtig und wurde von mir bereits oben, bei der 
Besprechung des historischen Teiles des vorliegenden Werkes verzeichnet. 

Schließlich mag hervorgehoben werden, daß die in der ersten Auflage, 
gleichsam als Anhang, veröffentlichte Polemik gegen Georg Volf (II, 81 — 84) 
diesmal mit Eecht gänzlich ausgefallen ist. Aus dem neuen Buche ist somit 
jegliche unfruchtbare polemische Bemerkung, wie dies oben bereits vermerkt 
wurde, mit ruhiger Hand beseitigt worden. 

Die vorliegende Neuauflage der »Entstehungsgeschichte der kirchen- 
slavischen Sprache« ist somit ein Werk, das die festbegründeten und wohl- 
bewährten Ansichten des Verf.s mit den Ergebnissen der Forschungen des 
letzten Dezeniums zu einem Ganzen verbindet und das die Fragen, die sich 
an die Anfänge des slavischen Schrifttums knüpfen, in erschöpfendster Weise 
behandelt. Kein slavischer Philologe kann sich rühmen, zur Aufhellung 
dieser Fragen und zur historischen Kenntnis des Altkirchenslavischen mehr 
beigetragen zu haben, als der verehrte Verf. des Buches. Seit dem Jahre 1863, 
wo die erste diesbezügliche Studie in der Tisucnica erschien, sind fünfzig Jahre 
verflossen, Jahre der emsigsten und von reichstem Erfolge gekrönten wissen- 

Archiv für slavisclie Philologie. XXXV. 15 



226 Kritischer Anzeiger. 

schaftlichen Arbeit, welche in erster Reihe dem Studium der illtesten slavi- 
schen Schrift und Sprache gewidmet ist. So darf das vorliegende Buch förm- 
lich ein Jubiläumswerk genannt werden, in welchem in der Tat die Ergebnisse 
dieser ganzen, unermeßlichen Arbeit in ihren Resultaten niedergelegt sind. 
Und außerdem erfüllt das Buch auch eine intime Sendung. Der Verf. widmet 
es »seinen lieben Freunden, Fachgenossen und Schülern zum Andenken«, 
gewissermaßen als Dank für den ihm zu Ehren anläßlich des siebzigsten Ge- 
burtsjahres dargebrachten »Zbornik u slavu Vatroslava Jagica« (Berlin 190S, 
Weidmannsche Buchhandlung). 

Prag. Fr. Pastrtiek. 



Jözef Korze7iioivski\ »Zapiski z R^kopisöw Cesarskiej 

Biblioteki Publicznej w Petersburgu i innych Bibliotek 

Petersburskich.« 

Sprawozdanie z podrozy nankowych odbytych w 1891—1892 

i w 1907 R. Krakow 1910, 8» maj., XLI + 407 Seiten. 

Als elfter Band des von der Krakauer Akademie der Wissen- 
schaften herausgegebenen »Archiwum do dziejow literatury i 
oswiatywPolsce« erschien im Jahre 1910 der erste Teil der Arbeit Jö- 
zef Korzeniowki's: »Zapiski i wyciagi z rekopisöw bibliotek 
polskich i obcych, do polski sie odno sz^cych«, welcher die aus 
polnischen Bibliotheken stammenden Handschriften St.-Petersburgs, in erster 
Reihe die, welche sich in der Kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek 
befinden, behandelt. 

Die wiederholten Plünderungen der polnischen öffentlichen sowohl wie 
Privatbibliotheken infolge der Kriege mit Rußland und Schweden, das Hin- 
überschaffen am Ende des XVIII. Jahrhdts. vollständiger polnischer Archive 
und Bibliotheken nach St.-Petersburg und weit nach dem Innern Rußlands 
hat eine massenhafte Anhäufung polnischer und anderssprachiger aus pol- 
nischen Bibliotheken herkünftiger Handschriften im Zarenreiche veranlaßt, 
welche, sowie auch die in den schwedischen Bibliotheken befindlichen, für 
die Kenntnis der polnischen Geschichte und der polnischen Kultur im Laufe 
der Jahrhunderte vom größten Wert sind. 

Nur wenige haben sich bis jetzt um diese Schätze gekümmert i); verschie- 
dene Umstände traten obendrein dem Studium der Dokumente hemmend in 
den Weg, nicht am wenigsten diese, daß die Handschriften sich über vielen 
Stellen verbreitet befinden, das Zusammengehörige manchmal getrennt ist 
und die Handschriften entweder gar nicht oder mangelhaft, oft sogar fehler- 
haft verzeichnet sind. Die Notwendigkeit einer sachkundigen Beschreibung 



1) Die Krakauer Akademie der Wissenschaften hat im J. 1911 eine Ex- 
pedition zur Registrierung der in schwedischen Bibliotheken befindlichen 
Hdn. veranstaltet, von deren Ergebnissen ein offizieller Bericht jedoch noch 
nicht vorliegt. 



Korzeniowski, Zapiski z rekopisöw, angez. v. Croiset v. d. Kop. 227 

dieser Handschriften wurde schon längst lebhaft gefühlt; eifrig bemühte sich 
um diese Frage Jözef Korzeniowski, der Bibliothekar der Jagelloni- 
scheu Bibliothek zu Krakau, der im Jahre 1S91 bei der Krakauer Aka- 
demie der Wissenschaften darum anhielt, daß er durch ihre Bemühung das 
Stipendium »Sniadecki* aus der Stiftung D. S. Galezo wskis zu dem ge- 
nannten Zwecke benutzen dürfe. J. Korzeniowski hatte dabei vor allem 
die polnischen und lateinischen historischen Handschriften 
der St.-Petersburger Kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek im 
Auge, zielte auch auf das aus polnischen Quellen stammende handschriftliche 
Material der Bibliothek des Hauptstabes zu St.-Petersburg ab 
und dachte ebenfalls an die in Schweden, hauptsächlich in Stockholm 
befindlichen aus Polen stammenden und sich auf Polen beziehenden Hand- 
schriften. Die Erfüllung seines Wunsches durch die Krakauer Akademie 
der Wissenschaften und die Unterstützung, welche die Historische 
Kommission der Akademie obendrein verlieh, ermöglichten dem Herrn 
Korzeniowski in den Jahren 1891 und 1892 einen längeren Aufenthalt in St.- 
Petersburg und erlaubten ihm auch einen Anfang zu machen mit seinen 
Untersuchungen in Stockholm. Nachdem J. Korzeniowski im J. 1907 noch 
einmal in St.-Petersburg war um in der Kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek 
seine früheren Aufzeichnungen mit den von ihm benutzten Handschriften zu 
vergleichen, veröffentlichte er im J. 1910, wie vorhin angegeben, das Resul- 
tat eines Teiles seiner Untersuchungen. 

Der Band '■Notizen und Auszüge aus den Handschriften 
polnischer und fremder, auf Polen sich b eziehender Biblio- 
theken« [SOmaj., XLI -|- 377 Seiten nebst Namensregister] umfaßt die Be- 
schreibung von 491 Handschriften, von welchen die NN. 1 — 415 der Kaiser- 
lichen Öffentlichen Bibliothek, die NN. 425— 460 der Bibliothek 
des Hauptstabes [heutzutage Haupt- und Generalstabes], die 
NN. 461 — 470 der Bibliothek der Römisch-Katholischen Geist- 
lichen Akademie angehören und die NN. 41G — 424 und 471 — 491 sich mit 
den Autographen- und Dokumentensammlungen der K. Öffentlichen 
Bibliothek befassen. 

Unter den untersuchten Handschriften der zuletztgenannten Bibliothek 
befinden sich 260 lateinische, 101 polnische, 34 verschiedenspra- 
chige, 4 deutsche, 1 spanische und 15 italienische. Format und 
Signatur dieser, so wie aller anderen beschriebenen Handschriften , sind auf 
S. XXXV — XLI verzeichnet worden. Dieser Aufzählung geht auf S. XXI — 
XXXIV eine Inhaltsübersicht der genannten Handschriften voran , worin die 
Gruppen, zu welchen die einzelnen gehören, in alphabetischer Reihenfolge 
aufgeführt worden sind. 

Über die verschiedenen Wege, die man bei der Beschreibung von Hand- 
schriftensammlungen einschlagen kann, spricht der Autor sich auf S. VIII 
der Einleitung zu seiner Arbeit aus und zeigt darauf hin, wie er bei dem um- 
fangreichen, nicht einheitlichen Material sich nur zur Zusammenstellung einer 
Art von » catalogue raisonne « bestimmen konnte. 

Es folgt darauf [S. IX — XV] eine Aufzählung der verschiedenen St.- 

15* 



228 Kritischer Anzeiger. 

Petersburger Bibliotheken, die aus Polen herkünftige Handschriften zu ihren 
Sammlungen zählen, eine flüchtige Übersicht über das, was sie daraus er- 
hielten und eine kurzgefaßte Geschichte der reichen polnischen Bibliotheken, 
die erbeutet und zerstückelt wurden, wozu die Geschichte der polnischen 
und litauischen »Metryki<, der so wichtigen Archive des König- 
reichs Polen und des Großfürstentums Litauen gehört. Hieran 
schließt sich eine Angabe der meisten derer an, die sich in einer oder anderer 
Weise mit den polnischen Handschriften der russischen Biblio- 
theken befaßt haben. 

Auf diese lehrreiche Darstellung folgt [S. XV — XVIII] eine kurze In- 
haltsangabe des Bestandes der K. Öffentlichen Bibliothek zu St.-Petersburg 
am Ende des Jahres 1909 und ein Verzeichnis der Sammlungen, die bis zum 
Jahre 1850, als in der Geschichte der Verwaltung der Bibliothek eine neue 
Periode eintrat, infolge von Kriegen, Ankäufen oder Konfiskation ihr Eigen- 
tum wurden. Den Grundstock bildet bekanntlich die Bib liothek J. Zalu- 
ski's , die am Ende des XVIII. Jahrhunderts aus Warschau hinübergeschafft 
wurde. 

Danach gibt der Autor [S. XVIII — XIX] eine kurze Aufzählung der von 
ihm untersuchten Handschriften, nach den Jahrhunderten, aus welchen sie 
stammen, geordnet, und spricht [S. XIX — XX] einen Augenblick über den 
Bestand der Bibliotheken des Hauptstabes und der Katholischen 
Geistlichen Akademie, von welchen erstere die aus der Gräflich 
Czartoryski'schen Bibliothek zu Pulawa herstammenden Hand- 
schriften besitzt, worunter 18 Bände der sogenannten Portefeuille [Tek] des 
Naruszewicz, 23 Bände statistischer Beschreibungen polnischer Kirch- 
spiele, Tagebücher der polnischen Landtage, unter welchen das bis zur Zeit 
von J. Korzeniowski's Untersuchungen unbekannte des Landtages vom 
Jahre 1590/1591. 

Unter den Handschriften der Katholischen Geistlichen Aka- 
demie ist wohl die interessanteste der schöne Kodex: die Werke des Georg 
von Trapesund, der im Anfange des XVI. Jh. dem Humanisten J. S. 
Am ata, Professor der Krakauer Universität, angehört hat. 

Nach der inhaltsreichen Einleitung folgt dann die Beschreibung der 
einzelnen Handschriften. Hierbei geht der Autor in folgender Weise vor: 
nachdem die Sprache, in welcher der Text gehalten ist, das Format und die 
Signatur der Handschrift angegeben sind, folgt die Erwähnung, ob diese eine 
Pergament- oder Papierhandschrift ist, die Angabe ihrer Größe in mm, ob sie 
von einer oder mehreren Händen geschrieben wurde und in welchem Jahr- 
hundert, die Anzahl ihrer Seiten und, wenn nötig, einiges über den Einband. 
Es folgt der Titel, wenn dieser verzeichnet worden ist, und eine Übersicht 
des Inhaltes. In kleiner Schrift ist darunter die Geschichte der Handschrift, 
so weit diese bekannt ist, und die Literatur über sie, insoweit der Autor 
diese kannte, mitgeteilt. 

Bei der Größe des Materials und der Verschiedenheit des Inhalts der 
Handschriften ist es selbstverständlich , daß umfangreiche Manuskripte nicht 
detailliert beschrieben werden konnten und z. B. die Bände der »Tek Na- 



Korzeniowski , Zapiski z rekopisöw, angez. v. Croiset v. d. Kop. 229 

ruszewicza« bloß chronologisch verzeichnet wurden. Ebenso begreiflich 
ist es, daß in den Literaturangaben Lücken sind, die den, der sich mit der 
einen oder anderen von J. Korzeniowski beschriebenen Handschrift be- 
fassen will, zur Vorsicht mahnen. 

Vorsicht gebietet gelegentlich auch die Inhaltsangabe der Handschriften. 
Als Beispiel führe ich zwei Handschriften an, die ich mir, veranlaßt durch eine 
Frage des Herrn Professors "W. Sobieski zuKrakau, näher ansah; es sind dies 
die Handschriften der St.-Petersburger K. Ü. Bibliothek, verzeichnet als Pol. 
F. IV No. 111 und Pol. F. IV No. 11 9 1). Bezüglich der zuerstgenannten Hand- 
schrift gibt J. Korzenowski für S. 40^ — 491^ an: »Akta sejmikow odbytych 
1600 r. w Proszowicach i Nowem Miescie Korczynie<. In der Hdschr. jedoch 
finden wir auf S. 40"^ zu Ende der Aufschrift: »Instructia na seymik . . . do 
Proszewic ... y na generalny do Korczyna ...» die Jahreszahl MDCV ge- 
schrieben, und auf S. 491j die Datierung 23. Febr. 1606 nebst der Bemerkung : 
»Pisan w Nowym Miescie KorczjTiie na Seymiku Glöwnym.« 

In der Beschreibung der Hds. Pol. Fol. IV No. 119 verzeichnet der Autor 
unter Buchstabe d~) »str. 283 sqq. Mowy poslöw, grawamina, odpowiedz 
krölewska na sejmie warszawskim 1606 r.«, worauf unter Buchstabe e folgt: 
»Str. 625 sqq. . . .« Unter d sind also — muß man annehmen — die Seiten der 
Hds. 283 — 625 verzeichnet; über den Warschauer Reichstag vom Jahre 1606 
ist aber nur bis auf S. 343 die Rede ; die weiteren Mitteilungen bis auf S. 625 
beziehen sich auf die Reichstage zu Ste^yc, Lublin und andere. 

Nebenbei sei bemerkt, daß ein Teil der Berichte über den Warschauer 
Reichstag in dieser Hds., nämlich der Inhalt von S. 295— 305: »Grawamina 
stanu rycerskiego . . .«, ebenfalls in der Hds. Pol. F. IV No. 111 vorkommt, 
nämlich auf S. 76 ff. 

Am Ende seiner Beschreibung der Hds. Pol. F. IV No. 119 gibt sich 
beim Autor eine kleine Verstimmung kund gegen J. Zaluski, aus dessen 
Bibliothek die beiden genannten Hdss. stammen, und der über dem Anfange 
der zuletzgenannten verzeichnete : » Sigismundi Terti j Regis Poloniae et Sueciae 
Rerum gestarum Tomus Tertius Andreas Lisiecki.« Der Autor übersah aber, 
daß Zaluski in diesen Worten bloß wiederholte, was in dem gelben Leder der 
alten Einbanddecke der Handschrift eingedruckt war und noch deutlich zu 
lesen ist. Zaluski fügte in Klammem hinzu: »ab anno 1605 ad A. 1614«; 
nicht »A.D. 1614«, wie Autor angibt. 

Mit diesen Bemerkungen meinerseits ist aber nicht im geringsten ge- 
meint herabzusetzen den Wert der mühsamen, fleißigen, von vielen Kennt- 
nissen zeugenden Arbeit des Herrn J. Korzeniowski, der Alle, die sich 
dem Studium polnischer Handschriften widmen, zu großem Danke ver- 
pflichtet hat. Denn sein Werk ist die erste systematische Katalogisierung 
polnischer Manuskripte und hat obendrein das Verdienst, auf das Schicksal 
der reichen polnischen Bibliotheken und auf die Schätze, die diese enthielten, 
aufmerksam gemacht zu haben, wodurch hoftentlich mancher angeregt werden 



1) S. 224/225 und 226/227 J. Korzeniow ski's Beschreibung. 
2j S. 227. 



230 Kritischer Anzeiger. 

wird, sich dem näheren Studium der polnischen Kultur vergangener Jahrhun- 
derte zu widmen. 

Mir sei es gestattet eine kleine Ergänzung zu seiner so nützlichen Arbeit 
hier mitzuteilen. 

Mich zeitweise in St. -Petersburg aufhaltend und mich bei meinen Stu- 
dien über die polnische Kultur des XVI. — XVII. Jahrhunderts und ihren Ein- 
fluß auf die russische des XVII.— XVIII. Jahrhunderts*) mit Dank auch der 
obengenannten Arbeit J.Korzeniowski's bedienend, lenkte ich meine Auf- 
merksamkeit auf die polnischen Handschriften der Bibliothek des 
Haupt- und Generalstabes. 

In der Einleitung zu seinem Werke, auf S. XIX, weist der Autor auf die 
Herkunft und die Wichtigkeit dieser Handschriften hin und fügt hinzu, daß 
nicht alle in jener Bibliothek befindlichen Handschriften, die im gedruckten 
Katalog-) aufgezählt sind, ihm zu der Zeit, als er darüber arbeitete, zugäng- 
lich waren. Die, von welchen er Kenntnis nehmen konnte — 36 Nummern — 
beschrieb er auf S. 333—350 seines Buches. 

Als nun vor kurzem einige dieser Handschriften mich besonders inter- 
essierten und mir mit größter Bereitwilligkeit die Gelegenheit gegeben war, 
in der Bibliothek des Haupt- und Generalstabes zu arbeiten, war 
meine Enttäuschung groß, als gerade die von mir zur Einsicht gewünschten 
Handschriften sich als nicht mehr vorhanden herausstellten. Die übrigen 
ließen sich unter andern als die von J. Korzeniowski verzeichneten Num- 
mern vorfinden. 

Überzeugt, daß niemand mehr als der Autor selber es bedauern wird, daß 
er bei seinem letzten Aufenthalte in St.-Petersburg im Jahre 1907 die Gelegen- 
heit nicht benutzt hat, um sich zu überzeugen, ob die von ihm angeführten 
Handschriften in der Tat noch in der Bibliothek des Haupt- und Gene- 
ralstabes vorhanden seien, glaube ich sowohl ihm selber als allen, die sein 
Buch bei ihren Studien benutzen, einen Dienst zu erweisen durch die Mit- 
teilung des Eesultates meiner Nachforschungen in genannter Bibliothek. 

In erster Reihe seien die Nummern verzeichnet, unter welchen die vom 
Autor beschriebenen Handschriften heutzutage in der Bibliothek des 
Haupt- und Generalstabes aufgeführt sind. 

Nummern, unter welchen die H d s s. sich vorfinden 
beiJ.Korzeniowski[No.425 — 460 im heutigen Bestände derBiblio- 
seines Buches^: thek: 



No. 37.5291) [77— 1,2— 1] 2) 



No. 217—1 — 1 [Achtzehn Bände des 
sogenannten »Tek Naruszewicza*]. 



1) Vgl. ASPh., Bd. XXX, S. 57—89. 

2) »CucxeMaTuiecKiM KaTajTortBuöJiioTeKurjiaBuaroIIlTaöai 
qacrtll, CnÖ. 1880, No. 37529— 37561. 

3) Nummer des gedruckten Katalogs. 

*) Standnummer der Handschriften in der Bibliothek. 



Korzeniowski, Zapiaki z r^kopisöw, angez. v. Croiset v. d. Kop. 231 



No. 37531 [79—2—4]. 
No. 37533 [61—4—5]. 

No. 37537 [87—3—16]. 
No. 37538 [43 — 1—10]. 
No. 37543 [17a— 2— 36]. 

No. 37545 [156-3—2]. 

No. 37553 [15—6—18]. 
No. 37555 [17—6—8]. 

No. 37560 [144a— 1-41] 

No. 37561 [146^—1—1]. 
No. 37571 [146a— 1—2]. 
No. 37723 [92—7—21]. 

No. 37724a [82—2-11]. 



No. 286— 2— 35 [Dokumente, die sich 
auf die Konfederation von Bar be- 
ziehen]. 

No. 287—1—8 [Tagebuch der Wahl 
und der Krönung des Königs Michail 
und Abschriften von Briefen und 
Dokumenten aus den Jahren 1669 — 
1670]. 

No. 287 — 1—24 [Handlungen der pol- 
nischen Artillerie -Generäle vom J. 
1756 und Rechte, der Artillerie ge- 
geben]. 

No. 286— 2— 21 [Abschrift des Brief- 
wechsels des polnischen Gesandten 
J. N. MaiachoicsJd in Dresden 1789 
—1792]. 

No. 286—2—5 [Vortrag, abgehalten 
in der literarischen Abteilung der 
Gesellschaft der »Freunde der Wis- 
senschaft< im J. 1805, über das po- 
litische Gleichgewicht]. 

No. 216—1—7 [Rapporte der Inge- 
nieurschulen der Jahre 1790 und 
1791]. 

No. 286—2—8 [Beschreibung der Be- 
lagerung Wiens im J. 1683]. 

No. 216—2—4 [Tagebuch der Reise 
31. K. Badziwiih durch Europa im 
J. 1677]. 

No. 216—2—24 [Dokumente, die sich 
auf Schulangelegenheiten in Polen 
und Litauen der Jahre 1809—1824 
beziehen]. 

No. 216—1—1 [Statistische Beschrei- 
bung der polnischen Kirchspiele der 
Jahre 1784-1786]. 

No. 216—1 — 5 [Liste der kirchlichen 
Einnahmen im Krakauer wojewod- 
ztwo]. 

No. 287 — 1 — 20 [Beschreibung der 
Rigaer Unruhen vom J. 1521; in 
deutscher Sprache]. 

No. 286— 1—9 [BornhacJis Erzählung 
vom Aufruhr zu Danzig 1522—1526]. 



232 



Kritischer Anzeiger. 



No. 37725 [60—2—3], 
No. 37731 [153^—1 — 14]. 

No. 37800 [58—2—1]. 
No. 37801 [56—2—9]. 

No. 37802 [56—2-8], 

No. 37806 [56—2—6]. 

No. 37808 [56—2-11]. 

No. 37810 [56—2—10], 

No. 37812 [149—7—31]. 
No. 37814 [146^—1—24], 
No. 37817 [56—2—7]. 

No. 37S33 [71—2—15]. 



No. 287—1—3 [S. Grau's Danziger 
Geschichte und andere Aufsätze in 
deutscher Sprache]. 

No. 216—2—27 [Abschriften von Brie- 
fen Albrechts von Preußen an die 
Bischöfe J. Danti/szka, T. Griese 
und S. Hosius], 

No. 287—2—10 [Italienische Doku- 
mente aus dem XVII. Jhd.]. 

No. 2S7— 2— 12 [Italienische Doku- 
mente , die sich auf das Konklave 
vom J. 1655 beziehen]. 

No. 287—2—17 [Italienische Doku- 
mente, die sich auf die Papstwahl 
Innocenz X. beziehen]. 

No. 287—2—15 [Italienisches Doku- 
ment vom J. 1652: Mitteilung des 
Venezianischen Gesandten ä. Giusti- 
niano]. 

No.287 — 2 — 13 [Abschrift einer Samm- 
lung von Vorschriften Gregors X V. 
und Urhans VIII. für die päpst- 
lichen Gesandten]. 

No. 287 — 2 — 14 [Sammlung von Vor- 
schriften der Päpste Imiocenz X. u. 
Alexajider VII für ihre Gesandten]. 

No. 45 — 8 — 46 [Mitteilungen Venezia- 
nischer Gesandten aus d. XVII. Jh.] 

No. 2 1 6 — 2 — 2 [Sammlung italienischer 
Dokumente aus dem XVII. Jh.] 

No. 287—2-16 [Mitteilung des Vene- 
zianischen Gesandten in Eom vom 
J. 1647]. 

No. 286—2—7 [Abschriften von Do- 
kumenten, die sich auf Kurland und 
Livland beziehen, aus dem XVI., 
XVII. und XVm. Jh.l. 



Die Handschrift No. 37530 [82—1—8] , polnische politische Doku- 
mente der Jahre 1585 — 1606 und ein ungedrucktes polnisches Gedicht enthal- 
tend, hat bis jetzt die alte Signatur No. 82— 1— S behalten; man glaubte sie 
schon verloren, fand sie aber in den Vitrinen wieder. 

Wie aus dem Vergleiche der oben vorgeführten Liste mit den von J. 
Korzeniowski verzeichneten Handschriften ersichtlich, sind von diesen 
letzteren die folgenden nicht mehr in der Bibliothek vorhanden : 

No. 37532 [89— 1— 6] = Korz. No. 428 [Chwalczewski's Chronik, 



Korzeniowski, Zapiski z r^kopisöw, angez. v. Croiset v. d. Kop. 233 

Fragmente von Tagebüchern der Landesversammlnngen der J. 1548 und 1550, 
Polnische Gedichte, das Testament des Krakauer Bischofs Maciejowski 
und andere Dokumente. 

No. 37534 [18—1—36] = Korz. No. 430 [Tagebuch der polnischen 
Landesversammlung zu Grodno im J. 1784], 

No. 37542 [89—2—1] = Korz. No. 433 [Sammlung ursprünglicher Briefe 
des Königs Jan III.]. 

No. 37544 [96—2—102] = Korz. No. 435 [Dokumente der Jahre 1696 
— 1718, die sich auf die Geschichte Polens beziehen]. 

No. 37724b [85— 2— 10] = Korz. No. 444 [B ornb ach' s Erzählung des 
Danziger Aufruhrs, geschrieben im J. 1587]. 

No.37728[89— 2— 12] = Korz. No.446 [S.Grunau's »Chronik Preußens« 
in gekürzter Form]. 

No. 37807 [96— 2—101] = Korz. No. 452 [Auszüge aus Dokumenten, 
die sich auf Spanien beziehen und abgedruckt sind in De Lamberty: »Me- 
moires pour servir ä Thistoire du XVHIieine siecle]. 

No. 37809 [93—4 — 7] = Korz. No. 454 [Drei Briefe eines italienischen 
Diplomaten aus dem Anfange des XVIII. Jhs.]. 

No. 37815 [82— 3—4] = Korz. No. 458 [Mitteilungen Venezianischer 
Gesandten und Verträge Veneziens , mit italienischen Fürstentümern ab- 
geschlossen]. 

Von diesen ist die Handschrift No. 37534 [18a — 1 — 36] nicht mehr aufzu- 
finden und muß also als verlustig betrachtet werden. Die andern Hand- 
schriften sind bei Gelegenheit der Feuersbrunst im Gebäude des Haupt- und 
Generalstabes vom Jahre 1901 leider verbrannt. Unica, wie die Chronik 
Chwalczewski's, ungedruckte polnische Gedichte, historische Dokumente 
sind dabei vernichtet worden. Vor dem Untergange bewahrt ist die oben- 
genannte Handschrift No. 217—1—21 =No. 37724* [82—2—11] bei J. Korze- 
niowski; sie hat aber durch den Feuerschaden sehr gelitten, auch ist der 
Einband verkohlt. Verbrannt ist ebenfalls der Einband der Handschriften 
No. 287—1—24 = Korz. No. 37537 [87—3—16] und No. 287—1—20 = Korz. 
Nor. 37723 [92 — 7 — 21]; die zuerst genannte dieser beiden Handschriften ist 
obendrein vom Rauche geschwärzt; von der zuletzt genannten sind die letzten 
Seiten vom Feuer verzehrt worden. Verbrannt sind leider auch die folgen- 
den fünf von Korzenowski nicht erwähnten, aber im gedruckten Katalog 
der Bibliothek verzeichneten Handschriften : 

No. 37536 [95 — 2 — 18] [Tagebuch der Landesversammlung, im Jahre 1764 
in Warschau abgehalten, in 40]. 

No. 37539 [3la — 2—14] [Kozlowski's Geschichte des ersten, später 
neunten Regimentes des Fürstentums Warschau, in 4°]. 

No. 37541 [80—1—18] [Dokumente der Jahre 1503—1613, die sich auf 
die Geschichte Polens beziehen, in folio]. 

No. 37550 [30a— 2— 64] [Statistische Tabelle des Kalischer Departements, 
in SO]. 

No. 37554 [82—1—90] [Abfahrt des Moskauer Zaren Dimitrius nach 



234 Kritischer Anzeiger. 

Moskau mit G. Mniszek, Wojewoden von Sandomir und anderen Edelleuten 
im J. 1604, in folio]. 

Weitere zwei der dort angeführten Handschriften : 

No. 37552 [75—1 — 1] [im Katalog angeführt unter dem Titel »Teki Krö- 
lewieckiej« 1413 — 1524, 16 Bände in 8»] 

und No. 37557 [165—1 — 12] [Sammlung origineller Dokumente und Briefe 
in polnischer Sprache, in folio] 

sind nicht mehr aufzufinden und müssen also als dem Bestände der Bibliothek 
nicht mehr angehörig betrachtet werden. 

Diesen großen "Verlusten gegenüber steht aber ein erfreulicher Zu- 
wachs; ich fand nämlich in der genannten Bibliothek eine Reihe von Hand- 
schriften, die im gedruckten Katalog größtenteils gar nicht vorkommen und 
im handschriftlichen Verzeichnis öfters unrichtig aufgeführt sind. 

Ihre Beschreibung lasse ich hier folgen: 

I. 
No. 216— 2— 5. — Papierhandschrift, 195 mm bei 155 mm, von einer Hand 
im XVII. Jh. geschrieben, 654 numerierte Seiten, broschiert, besonders gut 
erhalten. 

Bemerkung: z Archivum Zolkiewskiego Sobieskich. — Auf der 
Innenseite des Umschlags ex libris: Wappen äerüadziiviUs mit der gedruckten 
Unterschrift: »Ex Bibliotheca Radiviliana ducali Nesvisiensi«; es folgt dar- 
unter eine kleine Vignette mit der Inschrift: Loc.V, No. 25. 

Titel: >Peregrinacie jasnie wielmo^ne je'' Mci Pana Jakuba Sobi e- 
skiego, woiewody ziem ruskich, po roznych cudzoziemskich panstwach; 
taHe drogi do Baden z krulem Wiadyslawem IV odprawione y krotkie opi- 
sanie«. 

Anfang: »Anno Domini 1607, Wyiechalem ja z Krakowa do Franciey 
do Pary^a . . . <; 

Unten am Titelblatte ist mit verbleichter Tinte geschrieben : »Ta xionszka 
lest mi darowana od krolewicza Jme Konstantego anno 1719«. 

Es ist die Originalhandschrift der Beschreibung der beiden Reisen Ja- 
kob Sobieski's, des Vaters des Königs Jan III. , durch Europa. Der 
Krakauer Kastellan reiste 1607 von Krakau über Frankreich, Belgien, Holland, 
Deutschland nach Italien, war 1613 in Krakau zurück und fing 1638 von dort 
aus seine Reise nach Baden mit dem Könige Wladyslaw IV. an (Hds. S.539ff.). 

Auf S. 539 der Handschrift sagt der Autor, daß er seine Erinnerungen 
im Jahre 1642 in polnischer Sprache schrieb. 

Unter dem Titel >Dwie podrö^e Jaköba Sobieskiego, ojca 
kröla Jana III, po krajach europejskich w latach 1607 — 1613 i 1638« gab 
Edw. Raczynski Sobieski's Reisebeschreibung heraus; erste Ausgabe 
Mröwka pozn. 1821, zweite Poznan 1833. 

IL 
No. 216—2—19. — Papierhandschrift, 240 mm bei 190 mm; von einer 
Hand im Anfange des XIX. Jhs. geschrieben, nicht paginiert, in braunem 



Korzeniowski, Zapiski z rekopisow, angez. v. Croiset v. d. Kop. 235 

Lederband, worauf in vergoldeten Buchstaben : »0 ziemiorodztwie Kar- 
patöw«; darüber auf einem grünen Lederstreifen die Nummer 4742. Unter 
dem allgemeinen Titel in kleineren, ebenfalls vergoldeten Buchstaben: »Opi- 
eanie woyskowe Karpatöw miedzy Wegrami j Galicya. 

Die Seiten nur an einer Seite beschrieben; in der Handschrift sind hie 
und da mit Bleistift Korrekturen angebracht. 

Die Beschreibung der Karpaten zerfällt in drei Teile. Am Ende isi^i 
von einer andern Hand geschrieben: »w Wiedniu, w Grudniu 1810«; und fol- 
gende Bemerkung: >przerobione z niemieckiego. Original znayduie si^ w 
Kollekcyi planöw i rysunköw lit. C, no 53«. 

Diese Handschrift enthält die zum Drucke vorbereitete genaue Abschrift 
der Originalhandschrift des Stanislaw Staszic: »0 ziemiorodztwie 
Karpatöw i innych gor i rownin Polski«, die im Jahre 1815 in War- 
6 chau mit Hinzufügung eines Atlasses herausgegeben und dort im folgenden 
Jahre [1816] noch einmal gedruckt wurde. Die Unterzeichnung der Abschrift 
ist ohne Zweifel die des Staszic selber, der 1810 in Wien war. 

IIL 

No. 206—1—8. — Papierhandschrift aus dem XIX. Jh., 320 mm bei 
200 mm, broschiert, 373 Seiten, von welchen die fünf ersten nicht paginiert; 
die hierauf zunächst folgende Seite ist als die 29. verzeichnet. Die Handschrift 
hat durch nicht sorgfältige Aufbewahrung gelitten. 

Auf der ersten Seite ist [später] in russischer Sprache geschrieben: 
»^HecHUKT. ccHMa Jlio6.iiiHCKaro et. anoxy coeÄHHCHiH uapcTBa 
ndLCKaro ex BejEHKUMt KHKKecTBOMt jiHTOBCKHM'B»; darunter von 
einer andren Hand: »Tresc rekopismu bibliotheki J. Wo Tadeusza Cza- 
ckiego^. Auf der Kehrseite befindet sich eine kurzgefaßte Nachricht über die 
Lubliner Union, worunter nachfolgende Bemerkung: »tresc wypisal Lukasz 
Golebiowski«. Es folgt [S. 3 — 5]: »Dyariusz Seymu Unii, czyli 
ziednoczenia Korony Polskiey z W. Xiestwem Litewskim w 1569 
roku«; es ist dieses das Inhaltsverzeichnis, von L. Golebiowski unter- 
zeichnet; das Tagebuch fängt mit der 30. Seite an. Sowohl diese wie die 
373. Seite stammt von einer andern Hand her. 

»Dyariusz Lubelskiego seymu Unii r. 1569« wurde von T. A. 
Dzialynski im Jahre 1856 in Posen als dritter Band der »Zrodlopisma 
do dziejöw Unii Korony Polskiej i W. X. Litewskiego« heraus- 
gegeben. »Dzialynski kannte die obengenannte Handschrift nicht. 

Im Jahre 1869 [St-Petersburg] besorgte M. 0. Ko^i.üobiii'b die Heraus- 
gabe des »ÄueEHnKt JIioöjiHHCKaro ceÜMa 1569 roÄa« für die Ärchäo- 
graphische Kommission und benutzte dabei, wie er in der Einleitung sagt, 
eine Handschrift der Bibliothek des General- (Haupt-) Stabes, 
dort mit der Nummer 7731 verzeichnet, die — wie er meint — die späteste 
Abschrift des genannten Tagebuches ist und im XVII. Jh. geschrieben sein 
soll. Wo diese Handschrift sich befand bevor sie der Bibliothek des Haupt- 
und Generalstabes einverleibt wurde, erwähnt Koh.iobuh-i. leider nicht. 



236 Kritischer Anzeiger. 

IV. 

No.165 — 1—11 1). — Papierhandschrift aus dem Ende des XVI. und dem 
Anfange des XVII. Jhs., 330 mm bei 210 mm, gebunden [später], 59 nicht 
numerierte Seiten. Die Handschrift hat Feuerschaden erlitten [die Ränder 
der Seiten sind geschwärzt und links oben fehlt ein Paar cm^ großes Stück 
der Handschrift über ihre ganze Dicke]. 

Auf der Rückseite des Einbandes ist russisch verzeichnet: »CoÖpaHle 
noÄJiHHHHXT> nac ewh li ÄCKpeiOB'i.BpeMeHtKopo.üflCurHaMyHaall 
Asry CTa«. 

S. 1—2: Brief vom Jahre 1570 des Wojewoden von Minsk, Gabryel 
Hornostay, an Mik. Krzyszt. Radziwill. 

S. 3—4: Brief vom Jahre 1569 an denselben. 

S. 5: Brief vom Jahre 1510 [die Adresse ist nicht erhalten geblieben]. 

S. 6—7: Fragment eines Briefes an M. K. Radziwill vom Jahre 1570. 

S. 8 — 9: Brief an denselben vom Jahre 1568. 

S. 10: Brief an denselben ebenfalls vom Jahre 1568. 

S. 11 — 12: Brief an denselben im Auftrage des Königs Sigismund II. 
August. 

S. 13—14: Brief an denselben im Auftrage des Königs vom Jahre 1569. 

S. 15—16: Brief des Gabriel Grabowski an den Wojewoden von 
Troki vom Jahre 1551. 

Neben der Adresse ist später verzeichnet worden: No. 13 Fase. 128 
Publicznych. 

S. 16—30: Panegyrici zur Gelegenheit der Heirat Sigismund II 
August und Sigismund III. 

Es ist dies die Abschrift der 1605 im Verlage der Witwe Jac. 
Siebeneycher in Krakau gedruckten Broschüre. 

S. 31 — 32: »Dekret miedzypanem starost^ Zmoydzkym a panemHliebo- 
wiczem« vom Jahre 1563. 

S. 33 — 34: Ein lateinischer Brief vom Jahre 1557, wobei verzeichnet 
ist: No. 224 Fase. 13 Publicznych. 

S. 35— 36: »Przywilej na Prawo Maideburskie miastu Wilens- 
kiemu < , in lateinischer Sprache. 

Am Ende ist verzeichnet: No. 3 Fase. 109 Publicznych. 

S. 37—40: »Kopija przywilegii kröla Zygmunta Augusta na Statut 
W. X. Litewskiego, dan w Breczku 1564^. 

S. 41—42: Ein nicht zu Ende geführtes lateinisches Schreiben vom 
Jahre 1663. 

S. 43—50: Abschrift eines Dekretes Sigismunds II August, auf die 
innere Verwaltung Polens sich beziehend, wobei verzeichnet ist: No.233 Fase. 
13 Publicznych. Die Abschrift wurde 1663 in Wilno fertiggestellt, 

S. 51 — 52: »Kopija z przywileju Inflanckiego na unija im danego«, 1569. 

S. 53—59: »Minuta listöw wielkich<. Es handelt sich hier um Überein- 
künfte, welche polnische Gesandte zur Zeit Sigismunds II August mit 



1) Diese Nummer ist die des > Katalogs der Vitrinen«. 



Korzeniowski, Zapiski z r^kopisöw, angez. v. Croiset v. d. Kop. 237 

dem Moskauer Großfürsten abschließen. Verzeichnet ist am Ende: No. 9 
Fase 4 Publicznych. 

V. 

No. 216—1—4:. — Papierhandschrift aus dem XVI. Jh., 320 mm bei 21mm, 
gebunden [viel später , 96 Seiten. Die Handschrift hatte gelitten durch nicht 
sorgfältige Aufbewahrung; die beschädigten vergilbten Blätter wurden später 
beigeklebt. 

Die Handschrift ist in westrussischer skoropis' des XVI. Jhs. geschrie- 
ben; sie enthält 38 Originalbriefe in westrussischer Sprache, von denen der 
letzte nicht zu Ende geführt ist; vom 19. Briefe fehlt der Anfang. 

Auf der ersten leeren Seite ist von einer alten Hand folgendes verzeich- 
net: »Listy po rusku pisane in materia woyny z Moskwq. roku 
1573 do Senatoröw y Ead uaznaczonych od kröla y rzeczypospolitey, od 
osoby, ktörey imienia niemasz; znac, ie to byl posiel albo poslanik polski«. 

Über dem Anfange ist in noch älterer Zeit verzeichnet worden: »Listy 
Stare po rusku pisane od roznych P. P. xi^^at dygnitarzöw 
W.X.Litewskiego do P.P. Sapiehow, Chodkiewiczu w, Hlebowi- 
czüw y innych . Ein Verzeichnis der Briefe geht diesen voran. 

Der 4., 13., 14. und 20. Brief ist an »ITaHi. TpouKÜi« gerichtet; der 9., 
15., 16., 27. und 31. an den Wojewoden; der 12. an den »Focysapi. KopojiB«; 
der 17., 18., 21., 22, und 28. an die Katsherren des Großfürstentums 
Litauen. 

VI. 

No. 411—3—26. — Papierhandschrift vom Ende des XVIII. Jhs., 340 mm 
bei 195 mm, von verschiedenen Händen geschrieben, broschiert, 174 Seiten. 

Die Aufschrift lautet: »Tabella miast, wsiöw y osiadlosci 
wonychwprowincyiW.X. Litewskiegoznayduiqcychsiezklas- 
syffikacyq tychze jakiey sa natury oraz y glöw z taryff 

lustratorskich wyci^gniona«. 

S. 1 — 8 : TaryfFa miast y wsiöw w wojewodz. Wilenskim bed^cych z wy- 
raieniem ich osiadlosci y dystynkcy^ ni^ey w rubrykach wyra:?ona z taryffy 
podymnego. Eoku 1775 ulo^ona. 

S. 9 — 21 : Taryffa miast y wsiöw w powiecie Oszmanskim. 

S. 22— 29: Taryffa miast y wsiöw w powiecie Lidzkim. 

S. 30— 40: Taryffa miast y wsiöw w powiecie Wilkomierskim. 

S. 41—45: Taryffa miast y wsiöw w powiecie Braslawskim. 

S. 46 — 53: Taryffa miast y wsiöw w wojewodztwie Trockim. 

S. 54— 63: Taryffa miast y wsiöw w powiecie Grodzienskim. 

S. 64 — 68: Taryft'a miast y wsiöw w powiecie Kowienskim. 

S. 69 — 74: Taryffa miast y wsiöw powiatu Upitskiego. 

S. 75 — 95: Taryffa miast y wsiöw w xiestwie Zmudzkim. 

S. 96 — 105: Taryffa miast y wsiöw w wojewodztwie Polockim. 

S. 106 — 123: Taryffa miast y wsiöw w wojewodztwie Nowogrodzkim. 

S. 124—129: Taryffa miast y wsiöw w powiecie Sloninskim. 



238 Kritischer Anzeiger. 

S. 130—133: Taryffa miast y wsiöw powiatu Wolkowyskiego. 

S. 134 — 137: Taryffa miast y wsiöw powiatu Orzanskiego. 

S. 138 — 151 : Taryffa miast y wsiöw w wojewodztwie Brzeskim. 

S. 152 — 157: Taryffa miast y wsiöw w powiecie Pinskim. 

S. 158 — 169: Taryffa miast y wsiöw w wojewodztwie Minskim. 

S. 170—171 : Taryffa miast y wsiöw w powiecie Moiyrskim. 

S. 172—174: Taryffa miast y wsiöw w powiecie Rzeczyskim. 

VII. 

No. 216—1 — 3. — Papierhandschrift vom Anfange des XIX. Jhs., 350 mm 
bei 230 mm, von einer Hand geschrieben, gebunden in grünem Lederband, 
121 Seiten und sechs kolorierte Handzeicbnungen. 

Der Titel lautet: »Naukapraktycznafortyfikacyipodziemney 
czyli o podkopach do u^ytku kompanij minieröw polskich 
z naynowszych autoröw wyieta i na oyczysty iezyk przelozona 
przez M. Eouget«. 

Die Handschrift wurde im Jahre 1815 in Warschau geschrieben und ist, 
wie die erste Seite bekundet, dem Großfürsten Konstantin Pavlovic ge- 
widmet worden: >Jego Ces. Xi^^(?cey Miosci Konstantemu Pawlowiczowi 
W. X. Rossyiskiemu, naczelnemu dowodzey woyska polskiego«. 

VIII. 

No. 287—2—5. — Papierhandschrift aus dem Ende des XVII. Jhs., 
330 mm bei 210 mm, von verschiedenen Händen geschrieben, gebunden in 
grünem Lederband ; die Seiten sind nicht numeriert ; die Handschrift ist 1 50 mm 
dick. Auf der Rückseite des Bandes ist in vergoldeten Ziffern auf einem Leder- 
Btreifen die Nummer 2896 verzeichnet. Der Titel lautet: »Historicus de 
tumultuGedanensi et dimissioneD. AegidiiStrauchii«, Anno 1674. 

Commentarius fideliter conscriptus ab Arnoldo ä Bobari. Nach 
einigen unbeschriebenen Seiten fängt der Text in deutscher Sprache an; alle 
sich auf die Unruhen und.die Entlassung St rauch 's beziehenden Akten, Bro- 
schüren, Mitteilungen, sei es in deutscher oder in lateinischer Sprache, sind in 
den Text eingefügt; größtenteils ist auch das handschriftliches Material, 
vereinzelt kommt gedrucktes vor; die spätesten Dokumente sind 1681 datiert. 
Dem Ende der Handschrift sind die Abdrücke zweier Gravüren beigegeben, 
Abbildungen des Feuerwerks in Danzig zur Krünungsfeier Johann III. zum 
König von Polen im Jahre 1G76. Verfertiger des kunstvollen Feuerwerks war 
der durch sein in vielen Sprachen übersetztes Buch über die Artillerie be- 
kannte »Artillerie-Haubtman« Ernst Braun. 

Die Handschrift ist ungedruckt geblieben. 

IX. 

No. 287-2—2. — Papierhandschrift aus der 2. Hälfte des XVIIL Jhs., 
390 mm bei 240 mm, gebunden [später], 195 Seiten. 

Die Handschrift enthält Abschriften von Briefen und offiziellen Doku- 
menten aus den Archiven des polnischen Königs und einiger Privatpersonen. 



Korzeniowski, Zapiski z rekopisöw, angez. v. Croiset v. d. Kop. 239 

S. 1— liJ: 31 lateinische Briefe an den Pabst Urban VIII. von welchen 
30 vom Könige Sigismund III. herstammen und einer von seinem Sohne 
Wladyslaw. Am Ende ist das Jahr 1624 verzeichnet. 

S. 17 — 19: Über dem Anfange ist verzeichnet: Ex. Ms. Arch. Radz. 
Nesv. Brief des Herzogs Friedrichs von Lifland und Kurland an 
die Senatoren des Großfiirstentums Litauen: »Fridericus ad Ordines M. D. Litt. 
Hom. congregatos scribit pro restituendo Ducat. filio Wilhelmi fratris ßui«, 
datiert Frawenburg 24 Nov. 1624 und unterzeichnet: Friedericus dei gratia 
Livoniae, Curlandiae ac Semigaliae Dux. 

S. 20: Oben an der Seite: Ex Epis. Ms. Lubien. in Arch. St an. Aug. Regia. 
Brief Stanislaus Lubienski's, Kardinals de Torri, vom 
3. Dez. 1624. 

S. 21—211': Ex Ms. Biblioth. Zalusc. No. 398. 

Literae summi Pontificis UrbaniVIII adVlaisIaum, Poloniae 
Principem Romam venientem, A» 1624, 28. Nov. 
S. 22-33b: Ex. Ms. Arch. Radz. Nesv. 

Capita summaria Sueticae commissionis habitae sub Area Dahlensi, 
19. Maji 1624. 

S. 34 — 36: Ex tom V Hist. Pruss. per Lengnichum. 

Responsum Consiliariorum terr. Prussiae ad legationem Sigis- 
mundi III regis Poloniae, 30 Maji 1624, Marienburg. JEs ist dieses Gottfried 
Lengnich: »Geschichte der Lande Preußen, Kön. Polnischen An- 
teils, seit d. J. 1606 bis auf das Ableben Königs Sigismundi III«, 
Danzig 1727, pars V, documenta (No. 4S).; 

S. 37: Ex Epis. Ms. Lubien. in Arch. Stan. Aug. reg. 

Stanislaus Lubienski Francisco Cardinali Barberino, 
7 Junij 1624.— 

S. 38—411': Ex tom. V Hist. Pruss. p. Lengnichum. 

Responsum consiliariorum terr. Prusssiae ad legationem Sigis- 
mundi III, reg. Poloniae, 11. Junij 1625, [Es ist dieses Docum. No. 49.] 
S. 42—43: Ex Ms. Arch. Stan. Aug. reg. 

Respons. J. K. Mci P. X. Eustachiuszowi Wollowiczowi, bis- 
kupowi Wilenskiemu, Januszowi Skuminowi Tyszkiewiczowi, woje- 
wodzie Mscislawskiemu, yKrzysztofowi Zawiszy, poslom konwok. Wi- 
leüskiey, 14 Julij 1624 w Warszawie. Das Dokument ist in polnischer Sprache 
verfaßt. Am Ende ist folgendes verzeichnet: scrip. Mi. Kalinowski. 
S. 44- -44'- Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 398. 

Copia literarum ducis Radivily ad Pontum, 20 Julij 1624. 
S. 45 — 45b: Ex Epist. Ms. Lubien. in Arch. Stan. Aug. reg. 

Stanislaus Lubienski duci Curlandiae, 30 Julij 1625. 
S. 46 — 4&b: Occasio apologiae inter Komorowskie et Rylskie, 
Julij 1624. 

S. 49— 49b: Ex Ms. Arch. Stan. Aug. reg. 

Brief der schwedischen Senatoren an die des litauischen Goßfürsten- 
tumes vom 11. August 1624. 



240 Kritischer Anzeiger, 

S. 50 — 51: Ein Brief der genannten Senatoren an die Litauens vom 
2. August 1624. 

S. 52 — 54: Ex. Ms. Arch. St an. Aug. reg. 

Brief des Joh. Albertus, Koadjutors des Bischofes von Razeburg 
an den König vom 7. Sept. 1624. 

S. 55—57: Instructio venerabili Remiano Koniecpolski, sacrae 
regiae majestatis secretario, ad sanct. dominum Urbanum VIII internuntio, 
Varsavia 1624. 

S. 58—60: Ex Ms. Arch. Stan. Aug. reg: 

Instructio gen. Samueli Targowski, s^e i^e maj. secretario, 
ad Gabrielem Bethlem Transylvaniae principem nuntio, Varsavia Sept. 
1624. 

S. 61— 62b: Ex Ms. Arch. Stan. Aug. reg. 

Instructio gen. Petro Szykowski, s^e r" maj. aulico, ad 111. princ. 
Guilhelmum sac. Rom. Imp. archicamerarium et electorem in Prussia ducem 
nuntio, Varsavia 1624. 

S.63 — 64b: Kopialista do Zygmuntalll, polskiego yszwedzkiego krola, 
od Sultan Amurata, cesarza tureckiego, przez Abdylzausza przy oddaniu 
y potwierdzeniu pakt wi^cznego przymierza z Chrysztophem Sereb- 
kowiczem, przyniesione w Warszawie 1624. 

Die Abschrift ist in polnischer Sprache geschrieben. 

S. 65 — 65 b; ExMs. Arch.Comitii Joan.Tarnowski, Gast. Konarski Lecz. 
Joannes Hagenawa Moravia ad Sigismundum III, 1624, 

S, 66 — 69b: Kopia listu od Sultan Murada, Achmedowego syna, do 
krola Zygmunta III o wst^pieniu na cesarstwo, o kupach i gromadzieniu sie 
woyski polskich i o zatrzymaniu Mechmet czausza; 1633. 

Die Abschrift ist in polnischer Sprache geschrieben; am Ende be- 
findet sich nachfolgende Bemerkung: »Ta kopia przepisana z originalu pa- 
pierowego po turecku pisanego, na ktörym z drugiey strony przetlumaczenie 
znajduie 8i§ po polsku, roku panskiego 1785, 23 Nov«. 

S. 70: Ex Ms. Ossolens. 

Lateinischer Brief ohne Unterschrift. 

S, 71 — 73b: Kopia listu do krola od cesarza tureckiego przy od- 
dawaniu y potwierdzeniu pakt przymierza wiecznego z korona polska; z Kon- 
stantynopola roku 1624, 

S. 74— 75b: Ex Ms. Bibl. Zal. No, 398. 

Responsum Srmi Regis ad Imperator. Turcarum [in latei- 
nischer Sprache], 

S. 76 — 83b: Pacta przywiezione przez P, Krzysztofa Serebkowicza 
y Abdy Cansza, oddan. w Warszawie 7 Mali 1624 [in polnischer Sprache]. 

S, 84—86: Ex Ms, Bibl. Zal, No, 398, 

Copia literarum a Srmo Rege ad Imperat. Turcarum post obla- 
tionem pactorum, 20 Aug. 1624 [in lateinischer Sprache], 

S, 87 — 90: Instrukcya urodzonemu Krzysztophowi Kielczew- 
skiemu, sekretarzowi y posiancowi kröla do cesarza tureckiego, Sultan 



Korzeniowski, Zapiski z rekopisöw, angez. v. Croiset v. d. Kop. 241 

Amur ata, dana w Warszawie dnia 21 kwietnia 1624 [in polnischer Sprache]. 
S. 91—93: Ex Ms. Arch. Stan. Ang. reg. 

PoselstwoodShahingereja Hana Tatarskiego do Zygmuntalll 
kröla; 1624 [in polnischer Sprache . 

S. 94 — 97 b; Propozjxj'a krola na Seymie koronnym Warszawskim przez 
xiedza kanclerza podana w rokii 1624 [in polnischer Sprache'. 
S. 9S: Ex Epis. Ms. Lubien. in Arch. Stan. Aug. reg. 
Stanislaus Lubienski 

Cosmo de Torres. 
S. 99 — 101: Ex tom V Hist. Pruss. per Lengnichum. 

Instructio consiliariorum terr. Pruss. data nunciis eorum ad comitia 
Varsaviensia missis, 24 Jan. 1624 [dieses ist Docum. No. 4-5]. 
S. 102 — 104: Ex tom V Hist. Pruss. p. Lengnichum. 

Responsum consiliariorum terr. Pruss. ad legationem regiam, 24 Jan. 
1624 [dieses ist der zweite Teil vom Docum. No. 46]. 
S. 105 — 10.51': Ex orig. Archiv. Alex. Lubom. 

List J. K. Mci Zygmunta III do P. Koniecpolskiego, hetmana 
polnego, 8 Febr. 1624 [in polnischer Sprache]. 
S. 106—1061': Ex Ms. Bibl. Zaiuscy. 

Instructio commissariis ad tractandas inducias cum Sveticis data, 
27 Febr. 1624. 

S. 107 — 107^: Ex orig. Arch. Alex. Lubom. 

List J. K. Mci do P. hetmana polnego, 29 Febr. 1624. 
S. 108 — 1U9: Kopia listu PoutusowegodoP. woiewodyMscisIaw- 
skiego y do P. Wenden, 9 Martij 1624. 

S. 110— 111'^: Ex orig. Arch. Radziw. Nes. 

Instrukcya woiewodstwa Nowogrodzkiego. Wypis z knih Horod- 
zkich zamkowych wojewodstwa Nowohrodskoho, 1624. 
S. 112— 114b: Ex. Ms. Arch. Stan. Aug. reg. 

Responsum sacr. reg. maj. illustri et gnoso dom. Gasparo Hor- 
warth etadmodum rndo dom. archidiacono Vratislaviensi oratoribus sacr. 
cesareae mjtis, Varsavia 24 Martij 1624 [in lateinischer Sprache]. 

Am Ende befindet sich die Bemerkung: scrip. Mi. Kalinowski. 
S. 115—116: Ex Ms. Archiv. Radziw. Nes. 

Laudum woiewodstwa Brzeskiego, 26 Maji 1624 [in polnischer 
Sprache]. 

S. 117: Ex Epis. Ms. Lubien. in Arch. Stan. Aug. reg. 

Stanislaus Lubienski Joanni Baptistae Lancelloro, 
30 Martij 1624 [in lateinischer Sprache]. 

S. 118 — 125: Pacta Ser. Sigismundi III Poloniae et Sweciae regis cum 
Sultan Amurate, imper. Turcarum, anno 1624 in Martio. 

S. 126—127: Ex. Epist. Ms. Lubien. in Arch. Stan. Aug. reg. 
Stanislaus Lubienski 
Carolo episcopoVratislaviensi nomine praepositiMiecho- 
viensis, 8 Apr. 1624. 

Archiv für slavische Philologie. XXXV. 16 



242 Kritischer Anzeiger. 

S. 128— 12Sb: Ex Epist. Ms. Lubien. in Arch. Stan. Aug. reg. 
Stanislaus Lnbienski 

Armenio Agnelini, 12 Apr. 1624. 
S. 129 — 131b: Ex tom V Hist. Pruss. p. Lengnichum. 

Eesponsum consiliariorum terr. Pruss. ad. legationem regiam, 23 Apr. 
1626 [dieses ist Docum. No. 50]. 

S. 132— 134b: Ex Ms. Arch. Radz. Nesv. 

Protestacya poslow koronnych y Litewskich, uczyniona po seymie 
w roku 1624. 

Wypis z knych hospodarskich z zamku naszoho wojewodztwa 
Nowohrodskoho. 

Am Ende die Bemerkung: Pawel Piasecki, pisarz. 
S. 135 — 137: Ex tom V Hist. Pruss. p. Lengnichum. 

Responsum consiliariorum terr. Pruss. ad legationem regiam, 24 Apr. 
1624 [dieses ist Docum. No. 47]. 

S. 138— 138b: Ex. Ms. Bibl. Zalusc. No. 398. 

Copia literarum a commissariisSueticis ad commissarios regni Polo- 
niae, 4 Maji 1624. 

S. 139 — 142: Copia literarum a commissariis regni Sveciae ad commis- 
sarios regni Poloniae, magn. duc. Lithuaniae, 8 Maji 1624. 
S. 143—145: Ex Ms. Bibl. Zaiusc. No. 398. 

Puncta conventa commissariorum nostrorum, 8 Maij 1624. 
S. 146: Ex Ms. Lubien. in Arch. Stan. Aug. reg. 
Stanislaus Lubienski 

Cosmo Cardinali de Torres. 
S. 147 — 148^: Apologia pro libertate reipublicae et legibus regni Polo- 
niae contra callidos novi juris repertores posterior auctior et correctior, to 
iest powod iasny z historyi z zwyczaiow z spraw z statutow y konstitucyi 
koronnego. 

S. 149— 149b: Ex Specim. Eccl. Ruth. Kulczyn. 

Literae Josephi Rutski, archiep. Russiae, ad cardinalem Octa- 
vium Bandinum, protectorem Russiae, 27 Jan. 1624 [J. Kulczynski: 
»Specimen ecclesiae Ruthenicae«, Romae 1733, 1759, 1859]. 
S. 150 — 150^: Ex Specim. eccl. Ruth. Kulczyn. 

Sacrae congregationi de Propaganda fide episcopi Ruthen! Uniti, 
30 Jan. 1624. 

S. 151: Ex Ms. Bibl. Zaiusc. No. 398. 

Decretum summ, pontificis Urbani VIII in congregatioue de Pro- 
paganda fide habita die 7 Febr. 1634 de transitu Ruthenorum Unitorum a 
Graeco ad latinum ritum. 

Am Ende befindet sich die folgende Unterzeichnung: Oct. Cardinalis 
Bandinus. 

S. 152: Ex Ms. Bibl. Zaiusc. No. 398. 

Rescriptum Urbani VIII Papae in congregatioue de Propaganda 
fide habita die 7 Febr. 1624 ad episcopi Kijoviensis petitionem. 



Korzeniowski, Zapiski z rekopisow, angez. v. Croiset v. d. Kop. 243 

Am Ende befindet sich nachfolgende Unterzeichnung: Oct. Cardinalis 
Bandinus. 

S. 153— 153b: Ex Specim. eccl. Ruth. Kulczyn. 

Sigismundo III regi Poloniae Urbanus P.P. VIII, 10 Febr. 1624. 
S. 154— 154b: Ex Ms. Bibl. Zalusc. No.398. 

Copia literarnm summ. Pontificis Urbani VIII ad Srmum regem in 
causa Unionis Ruthenorura, 10 Febr. 1624. 

S. 155— 155b: Ex Specim. eccl. Euth. Kulczyn. 

Josephi metropolitae Russiae decretum, 11 Febr. 1624. 
S.156— 15Gb: ExMs. Arch. Radziw. Nesv. 

Summa instrukcyj P. poslom wojewodzstwa Wolynskiego daney 
26 Martii 1624. 

S. 157: Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 398. 

Decretum congreg. de propag. fide 30 Apr. 1024. 
Am Ende befindet sich die nachfolgende Unterzeichnung: Oct. cardi- 
nalis Bandinus. 

S. 158: Ex Specim. eccl. Ruth. Kulczyn. 
Octavius cardinalis Bandinus 

Prefectus s. congr. de prop. fide, 4 Maij 1624. 
S. 159: ExMs. Bibl. Zalusc. No.398. 

Literae cardinalis Bandini ad archiepiscopum Kijovien- 
sem, 4 Maij 1624. 

S. 160: Ex Specim. eccl. Ruth. Kulczyn. 
Josepho metropolitae Russiae 

Oct. cardinalis Bandinus, 4 Maij 1624. 
S. 161 — 161b: Ex Specim. eccl. Ruth. Kulczyn. 
Sigismundo III regi Poloniae 

Urbanus P.P. VIII, 11 Maij 1624. 
S. 162: Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 36S. 

Decretum congr. de prop. fide 31 Maij 1624. 
Am Ende befinden sich die nachfolgenden Unterzeichnungen: Oct. 
card. Bandinus und Fran. Ing. secret. 
S. 163: Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 398. 

Decretum summ, pontificis Urbani VIII in congr. de prop. fide 
31 Maij 1624. 

Am Ende befindet sich die folgende Unterzeichnung: Oct. card. Ban- 
dinus. 

S. 164: Decretum 7 Julij 1624. 

S. 165 — 166b: Instructio secreta ven. Remiano Koniecpolski sacr. 
reg. majest. secretario ad sanct. dom. Urbanum VIII internuntio, data Var- 
saviae 15 Sept. 1624. 

S. 167: Ex Ms. Arch. Stan. Aug. reg. 

Brief der polnischen und lithauischen Ratsherren an die schwedi- 
schen, datiert aus Warschau, 23 Oct. 1 624. 

S. 168—169: Ex Ms. Bibl Zalusc. No. 398. 

Copia literarum aRigensibus ad duc. Radivilium, 15 Nov. 1624. 

16* 



244 Kritischer Anzeiger. 

S. 170— 170b: Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 398. 

Urbanus VIII ad duc. Zbarawski, castell. Cracoviensein, 1624. 
S. 171 : Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 398. 

Urbanus VIII ad srmum regem, 1624, 
S. 172: Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 398. 

Urbanus VIII ad episc. Luceoriensem, 1624. 
S. 173: Ex Ms. Bibl. Zalusc. N. 398. 

Urbanus VIII ad episc. Premisliensem, 1624. 
S. 174: Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 39S. 

Urbanus VIII ad episc. Kijoviensem, 1624. 
S. 175: Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 398. 

Urbanus VIII ad episc. Vilnensem, 1624. 
S. 176: Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 398. 

Urbanus VIII ad episc. Chelmensem, 1624. 
S. 177: Ex Ms. Bibl. Zalusc. No. 398. 

Urbanus VIII ad episc. Camenecensem, 1624. 
S. 178: ExMs. Bibl. Zalusc. No.398. 

Urbanus VIII ad duc. Zbarawski regi stab. praefectum, 1624. 
S. 179 — 179b: List Szahingiereja do x. Zbarawskiego, 1624 

[in polnischer Sprache]. 
S. 180—1821^^: Ex Ms. Arch. Stan. Aug. reg. 

List X. Zbarawskiego, kaszt. Krakowskiego, do kröla Jmsci, z 
Myslemic 16 Sept. 1624 [in polnischer Sprache]. 
S. 183 ist leer geblieben. 

S. 184 — 186: Instrukcyia domowego kumtora w Toruniu do xia^f^t i pa- 
nöw w kraju niemieckim. 

S. 187 und 188 sind leer geblieben. 

S. 189: Komp. pieniedzy y rozchodow. 

S. 190— 191b: Ex Ms. Arch. Stan. Aug. reg. 

Rosprawa szczesliwa z Tatary P. Stanislawa Koniecpolskiego, 
hetmana polnego koronnego na Podolu pod Szmankowcami w roku 1624, 
6 Febr. 

Am Ende befindet sich nachfolgende Bemerkung: scrip. Mi. Kali- 
nowski. 

S. 192: Ex Ms. Arch. Stan. Aug. reg. 

Znaczne zwyci^stwo P. Stanislawa Koniecpolskiego nad 
Kantymirem Baszq Bialogrodzkim, ktöry z wielkim woyskiem tatar- 
skim pod Przemyslem u Medyki stanqwszy, ai ku Wisle y Krakowu 
wojowal, otrzymane dnia 20 Junij 162-5 roku pod Haliczem. 

Unterzeichnet ist das Dokument von Lukasz Miaskowski. 
Am Ende nachfolgende Bemerkung: scrip. Mi. Kalinowski. 
Wie aus dieser detaillierten Beschreibung hervorgeht, ist die Hand- 
schrift No. 287 — 2 — 2 von großem Werte für die Geschichte des für Polen so 
bedeutungsvollen Jahres 1624; alle darauf sich beziehenden Dokumente mit 
Angabe der Fundstellen sind in ihr zusammengetragen. 



Korzeniowski, Zapiski z rekopisöw, angez. v. Croiset v. d. Kop. 245 

X. 

No. 280—2—1. — Papierhandschrift aus dem XVIII. Jh., 290 mm bei 
180 mm, 412 nicht numerierte Seiten. Die Handschrift ist aus dem Einbände 
herausgerissen und hat Beschädigung erlitten. Die durcheinander geworfenen 
Hefte nnd Seiten sind von mir nach den angegebenen Jahreszahlen geordnet 
worden. 

Wie das Nachfolgende bezeugt, haben wir es hier zu tun mit einem Teil 
des Staatsarchivs des Großfürstentums Litauen, worin die vom Herrscher ver- 
liehenen und unterzeichneten Akten eingetragen wurden. 

a) Regestr xiegi krola Zygmunta I Augusta y Zygmunta I od 1522 
de 1527 roku przywilejow. 

b) Regestr xiQgi krola Zygmunta I od 1528 do 1534 röinych spraw. 

c) Liber copiarum aliarumque rerum necessario inscrip. ab 1532 ad 1534, 
reg. Alexandri. 

d) Regestr xiegi spraw s^dowych y przywilejow krola Zygmunta I od 
1533—1535. 

e) Teil eines Registers der Jahre 1534 — 1535, sich beziehend auf gericht- 
liche Privilegien. 

/) Metryki W. X. Litt^xiega za krüla Zygmunta Augusta roku 1544 ; 
uchwal na seymach W. X. Litt» a^ do Unij Lubelskiey. 

g) RöinychlegacyiyposelstwxiegazakrolaZygm. Augusta y Stefana 
od roku 1545, gdzie tak^e znajduia sie granice dobr Smolenskich. 

h) Liber sec. actorumjudiciariorum curiae ser. princ. dom. Sigismundi 
Augusti, reg. Poloniae, 1545. 

e) Regestr xiegi krola Zygm. Aug. roku 1545 popisu zamköw ukrain- 
skich. 

k) Regestr spraw ab 1546 ad 1549. 

l) Regestr xiegi krula Zygm. Aug. röinych spraw ab 1547 do 1548 roku. 

nt) Liber decretöw ab 1547 ad 1550. 

n) Regestr ksiegi wojewodztwa Wilenskiego spraw s^dowych ab 1549 — 

1551 Sigismundi Augusti. 

o) Regestr xiegi metriki W. X. Litt« za kröla Zygmunta Aug. od 1551 
do 1552. 

p) Regestr xiegi metriki W. X. Litt« za krola Zygm. Aug. od 1551 do 

1552 spraw rö^nych. 

r) Regestr xiegi kröla Zygm. Aug. roku 1552, zawieraiaca w sobie opi- 
sania zamkow ukrainych. 

s] Regestr spraw 1552 — 1553. 

t) Regestr xiegi krölowey Bony od 1552 — 1555 rö:^nych spraw. 

ti) Regestr xiegi krula Zygm. Aug. od 1552—1561 przywilejow. 

u") Metriki spraw r6:Jnych, 1623. 

x] Regestr zebraney xi^szki 1774. [Kommissya rozgraniczenia mi^dzy 
Roslawiem a Branskim]. 

y) Regestr xi^gi dekretow, 1774, ohne Ende. 

z] Ohne Jahreszahl: liber decretorum causarum Podlachowiensium. 



246 Kritischer Anzeiger. 

aa) Ohne Jahreszahl und ohne Anfang: ein Register von Privilegien 
Litauens. 

bh) Ohne Jahreszahl: Regestr xiegi z szpargaiöw, zloioney krölöw 
Wladyslawa y Zygmunta III, spraw rö^nych. 

DieseHandschrift ist ein herausgerissener Teil der Handschrift No.216 — 
1 — 2, die aus 13 Bänden besteht und deren Beschreibung hier unten folgt. 
Die Handschrift No. 268—3 — 1 bildet in dieser Serie zum Teil den dritten 
Band, der unvollständig erhalten geblieben ist. Wie aus der Inhaltsangabe 
hervorgeht, sind Seiten des 1. Bandes und sogar Seiten des 7. und 13. Bandes 
in diese Handschrift hineingeraten. 

XI. 

No. 216— 1—2. —Papierhandschrift aus dem XVIII. Jh., 290 mm bei 
180 mm, 13 Bände, von welchen die meisten unpaginiert sind und alle heraus- 
gerissen aus dem braun ledernen Einband; 12 ihrer sind darauf unbefestigt 
wieder in die Einbände hineingelegt. Auf der Rückseite des Einbandes ist auf 
einem grünen Lederstreifen die Nummer 26942 verzeichnet. Die Handschrift ist 
von verschiedenen Händen geschrieben worden. Im Katalog der Bibliothek 
des Haupt- und Generalstabes ist die Handschrift verzeichnet als: »Chhcoki. 

MeipHiieCKUII) CBHÄiTejIBCTB'iB. K. JIuTOBCKarOBOBpeM/IUapCTBO- 
BaHifl CurH3MyHÄa, Kopojrü nojiLCKaro, 1530^ «, aber auf der ersten Seite 
des ersten Bandes ist der richtige Titel verzeichnet: »Summaryusz xiag 
metryki W. X. Lito« und in Bezug auf die ersten Bände ist hinzugefügt : 
»pod krolami, to lest xia^.etami litewskiemi, krölem Kazimierzem, Alexan- 
drem, Zygmuntem I y krolowy Bony, poczawszy od roku 1500 a^ doroku 
1553 bed^cych«. Es folgt von derselben Hand die Bemerkung, daß der 
» Summaryusz« im Jahre 1747 geschrieben worden ist. 

Auf einem Einzelblatte ist von einer andern Hand Nachfolgendes eingetra- 
gen worden: >Te dwie xiegi pod N™ 1 y 2, ka^.da na 245 stronicach, oznaczaia 
dwa jednostayne exemplarze i zawierai^ w sobie summaryusz dokumentow 
na dobra ziemskie w Litwie polo^onych, ktore w pewnych fascykulach i pod 
literami ulo^one byly, lecz gdzie takowe fascykuly z dokumentami obröcili sie, 
w teraznieyszych metrycznych aktach nieznayduie sie naymnieyszey wia- 
domosci. 

Na pocz^tkowych dwoch stronicach umieszczone s^ nastepne wyrazy : 

10. R. 1386 pod tytulem oddanie wiernosci Bazyliusza, xiecia Pin- 
skiego, krölowi Wlady slawowi i Jadwidze, mali^ce Jego. 

20. Pod tytulem wiernosc Swidrygailowa, xiecia Litewskiego, Wia- 
dystawowi, krulowi Polskiemu i elektorowi kr61estwa W*?gierskiego i 
bratu Jego rodzonemu Kazimierzowi i caley radzie korony polskiey i 
ruskiey. 

30. Titulo wiernosc Korybutowa, xiecia Litewskiego, krolowi Wia- 
dyslawowi, bratu swemu milemu, krölowey Jadwidze i Ich potomkom w 
koronie polskiey. 



Korzenlowski, Zapiski z rekopisow, angez. v. Croiset v. d. Kop. 247 

40. 6939 od stworzenia swiata, titulo Swidrygal. Listy ruskie Swi- 
drygaiia, xi^cia litewskiego, ku wyczytania trudne pod pieczeci;\ — sub 
litera E — sequens nastepuie woiewodztwo Wilenskie dobra. 

(Darunter) Poswiadczam: Stefan Kozielt, metrykant litewski. 

(Band I.) Über dem Anfange ist 'später] geschrieben worden: »Peterz- 
burski No. 1*. Fängt an mit a: Xiega metryki W. X. Lit^ od xia^t Litew- 
skich y inszych kroluw na dobra rozdane ante Unionem y insze listy röfnych 
lat pokrotce wzmiankowane sub No. lo et 2o, alias Eegestr. 

Es folgt: sub No. 30, Regestr xiegi metriki W. X. Lit^za krölöw Kazi- 
mierzay Alexandra, w ktorey konnotowano, iako wMetrykule iakie komu 
dobra dano, ale bez daty, krotkie, dwoma wierszoma, nie wyra:^ai^c gdzie 
si^ te wioski znayduia. Takowe, nie niepewne konnotacye ida ai do karty po 
lacinie notowaney folio 55. Kok w przywileiu krola Jmsi Kazimierza wy- 
raiony 6958 alias wedtug racbunku od stworzenia swiata. 

b) Regestr xiegi krola Alexandra roku 7013, arendi. 

c) Regestr xiegi za krula Alexandra pod rokiem 1500. Sub. No. 6. In 
margine Bemerkung von späterer Zeit: »Peterzburski lest No. 5«. 

d) Regestr xiegi W. X. Lit» za Zygmunta I spraw röinych poselskich 
tak^e zapisow od roku 1506 do r. 1513. Sub. No. 7 [Peterzburski No. 7]. 

e) Regestr xiegi W. X. Lito za krola Zygmunta I rö^nych spraw od 
r. 1506 2ii do r. 1513 metryki wielkiey. Sub No. 8. 

/) Regestr xiegi krola Zygmunta I metryki wielkiey W. X. Lit^ ab anno 
1508 ad annum 1523. Sub No. 12 [Peterzburski No. 10[. 

g) Regestr xiegi kröla Zygmunta I od roku 15 IS do roku 1523 roinych 
spraw. Sub No. 13 [Peterzburski No. 11 [. 

h) Regestr xiegi metryki W. X. Lito przywilejow za krola Zygmunta I 
od r. 1522 do r. 1529. Sub No. 15 [Peterzburski lest No. 12^. 

Am Ende befindet sich die Bemerkung: »Ten regestr zakonczony, 
S. H.« und dazu die Unterzeichnung des Revisors L. J. C. 1750. 

i] Liber conservationum terminorum curialium, qui ad mandatum regiae 
Majestatis in conventione generali Petricoviensi, anno D. 1526. Sub No. 4. 
Oben an der Seite ist geschrieben: Sub No. 18 [Peterzburski No. iest 5]. 

h) Regestr xiegi krula Z ygmunta I roku 152S. — 

(Band II) fängt an mit «): Regestr xsi<?gi krola Zygmunta I od 1535 
do 1536 roku ro^nych spraw. Es folgen: 

h) Regestr xsiegi krola Zygmunta I metryki W. X. Litf^ ab anno 1536 
ad annum 1 539. 

c) Regestr kröla Zygmunta I roku 1542 y roznych lat przywilejow. 

d) Metryki W. X. Litt'', xsiega za kröla Zygmunta I. 

Granic Inflantskich z wielkim xiestwem Litewskim roku 1542. 

e) Xsiega statutöw kröla Zygmunta I, zawieraiqca w sobie artykuly 
prozby, odkazy od K. Jmci na seymieBrzeseskim uezynione w roku 1544, ktöre 
krotko spisaug. 



248 Kritischer Anzeiger. 

/) Regestr xsiegi metryki W. X. Litt<5 od 1548 do 1549 za krölowey Bony 
listöw y przywilejow y innych roinych spraw. 

g) Regestr ksif^g dwoch krölowey Bony; jedney ab 1549 ad 1553, drn- 
giey ab 1552 ad 1555. 

Am Ende befindet sieh nachfolgende Bemerkung: »Te xsiegi rewi- 
dawal w roku 1782 Stefan Niemierzycki«. 

?i) Xsiegi metryki W. X. Litt» za krola Zygmunta I od roku 1513 löi- 
nych spraw y dekretow. 

Am Ende ist in anderer Tinte verzeichnet: L. J. C. 1750. 

i] Regestr xsiegi spraw sadowych, dekretuw y niektorych przywilejow 
kröla Zygmunta I metryki W. X. Litt« pod rokiem 1500 do 1523. 

Am Ende befindet sich^ nachfolgende Bemerkung: »Ten regestr 
zakonczony d. 10 martij anno dni 1747;« mit andrer Tinte ist darunter ver- 
zeichnet: 1750, L. C. — 

A) Regestr podwierzenia krola Zygmunta I, gdzie dekreta naywiecey 
znayduia sie; akta poznieysze pierwey polo^one; od roku 1536 do 1540. 

l) Regestr xsiegi krola Zygmunta I od r. 1540 do r. 1543 rö^nych spraw. 

m] Regestr xiegi metryki W. X. Litt« za krola Zygmuntal y syna jego 
röinych spraw sadowych w niey sie zawieraif^cych od r. 1546 do r. 1548. 

»?) Actum Wilnae feria Dominicam Rogationum , anno 1546. 

o) Xiega metryki W. X. Litt» legacyi y poselstw za krola Zygmuntal 
roku 153S.— 

2)) Regestruni libri electionis, episcopi Rig. summo pontifice con- 
firmationis, donationis, approbationis c. lim. ab anno 1292, in annos varios 
dispositi. 

r) Regestrum actorum et appellationum terrarum Podlachiae ad sacr. 
reg. majest. provenientium, anno 1538. 

s) Regestr xsiegi spraw Podolskich za krola Zygmunta I, roku 1541, 

(Ban d III) ist verzeichnet unter den Nrn. 286—2—1 (s. oben). — 

(Band IV) umfaßt 298 unbroschierte Seiten, die durcheinander geraten 
sind. In der Bibliothek, der dieser Band früher angehörte, war er mit der 
Nummer 43 verzeichnet. Revidiert wurde die Handschrift im Jahre 1750 von 
einem, der seinen Namen mit den Buchstaben J. P. angibt. 

Die Handschrift umfaßt: 

ä) Regestr xiegi metryki za krola Zygmunta Augusta od 1551 — 1562 
röinych spraw. 

h) Regestr xiegi przywilejow od 1561 — 1566. 

c) Regestr xiegi przywilejow od 1561 — 1567. 

d) Regestr xiegi metryki od 1562 — 1565 rö:^nych spraw. 

e) Regestr xiegi metryki od 1562—1566. 

/) Regestr xiegi spraw si^dowych od 1563 — 1570, 

ff] Regestr xiegi metryki roku 1563, w ktorey sie znaydui?\ ograniczenia 
powiatöw. 

/() Regestr xi<;gi spraw sadowych od 1566 — 1571. 



Korzeniowski, Zapiski z rekopißöw, angez. v. Croiset v. d. Kop. 249 

{) Regestr xi^gi przywilejöw od 1566 — 1572. 

Je) Regestr xi^gi dekretow od 1566 — 1572. 

l) Regestr xiegi spraw s^dowych od 1566 — 1572. 

7«) Regestr xiegi przywilejöw i listöw od 1569 — 1570. 

n) Regestr xiegi metryki od 1566 — 1571 roznych spraw. 

o) Regestr spraw wszytkich do tey metryki wpisanych za kröla Zyg- 
munta Augusta od 1566 do 1572. 

p) Regestr xiegi przywilejöw od 1566 do 1574. 

r) Regestr xiegi roku 1567 samych arendöw. 

s) Regestr xiegi rö^nych listöw od 1567 do 1569. 

t] Regestr xiegi listöw samych od 1569 do 1571. 

m) Regestr xiegi przywilejöw i listöw od 1570 — 1571. 

tc) Regestr xiegi kröla Stefana od roku 1575 do 1578. 

x) Metryki W. X. Litt" xiega, w ktörey ani kröla ani roku niewyraia, 
zawieraif\ca w sobie expedycyie y poselstwa. 

Auf der letzten Seite der Handschrift sind allerhand Notizen zu- 
sammengetragen. 

[Band V) umfaßt 309 unbroschierte Seiten, die durcheinander liegen; 
der Titel ist folgender: »Summaryusz xsi^g metryki W. X. Litew- 
skiego od r. 1574 do r. 1605«. 

Die Handschrift enthält u. a. »Ksiega poselstw, ktöre siq odprawo- 
waly za kröla Stefana, w ktörey tei znayduia sie granice miedzy Inflantami 
a Moskwc-j w roku 1581« und »Granice miedzy carem Moskiewskim a 
niektöremi dobrami XaLitewskiego«. 

(Band VI) war in der Bibliothek, der er früher angehörte, mit der 
Nummer 6 verzeichnet; er umfaßt 230 Seiten, die durcheinander geraten sind. 
Die Handschrift enthält u. a. 'Regestr xiegi spraw Inflantskich od 
r. 1589 dor. 1614c. 

(Band VII) ist nicht paginiert, 60 mm dick; in der Bibliothek, der er 
früher angehörte, war er mit der Nummer 7 verzeichnet. 

Die Handschrift enthält u. a. a: Inventarz Horbowiczki, staro- 
stwa Mohilowskiego, spisany z prowentöw od r. 1591 do r. 1592 za Zyg- 
munta lU. 

b) Ksiega przywilejöw Inflantskich zakröla Zygmuntalllodl 596 — 1606. 

c) Regestr xiegi spraw od 1596 — 1598. 

d) Regestr xiegi metryki od 1596—1598 przywilejöw. 

Am Ende dieses Registers ist mit andrer Tinte der Name » Sebas. 
Haökiewicz« verzeichnet. 

e) Regestr xiegi dekretow od 1596 do 1600. 

/) Regestr xiegi spraw rö^nych od 1596 do 1601. 

g] Regestr xiegi przywilejöw od 1599 do 1606. 

h] Regestr xi^gi przywilejöw i dekretow od 1600 do 1602. 

i) Regestr xiegi dekretow od 1608 do 1612. 



250 Kritischer Anzeiger. 

k) Regestr xiegi dekretöw i spraw od 1609 do 1616. 

l) Regestr xi^gi przywilejow od 1609 do 1617. 

m) Regestr xiegi przywilejow od 1616 do 1622. 

7i) Regestr xiegi dekretöw od 1616 do 1622: dekreta banicyi y inne 
transakcye. 

o) Regestr xiegi dekretöw od 1622 do 1623. 

P) „ „ „ „ 1623 do 1631. 

r) „ „ „ „ 1631 do 1632. 

Revidiert wurde die Handschrift im Jahre 1750 zum Teil von dem, der 
sich L. J. C. unterschreibt, zum Teil von J. Puzyna. 

(Band VIII) war in der Bibliothek, der er früher angehörte, mit No. 8 
verzeichnet; die Handschrift ist nicht paginiert, 50 mm dick und umfaßt: 
>Summaryusz xiag metryki W. X. Lit» pod krölami Wlady- 
slawem IV y Janem Kazimierzem od r. 1633 do r. 1668 b^dacych«. In 
diesem Bande sind die Dekrete verzeichnet bis zum Jahre 1618; die zunächst 
folgenden befinden sich im 

(Band IX). Dieser war in der Bibliothek, der er früher angehörte, mit 
der Nummer 9 verzeichnet; die Handschrift ist nicht paginiert, 60 mm dick und 
umfaßt Dekrete vom Jahre 1616 bis zum Jahre 1668. 

(Band X) ist nicht paginiert worden, 70 mm dick und enthält: >Sum- 
maryusz xsi^g metryki od r. 1633 do r. 1695«. 

Die Handschrift ist ebenso wie die vorhergehenden geschrieben 
worden im Jahre 1747 und im Jahre 1750 von denselben Personen revidiert 
worden wie Band VII. 

(Band XI) ist nicht paginiert worden, 60 mm dick und umfaßt: » Sum- 
ma ryus z xiag metryki W. X. Lit^ pod krölami Mi chalemy Janem 
od 1669 do 1690«. 

Die verschiedenen Abteilungen seien hier verzeichnet: 

a) Regestr xi^gi dekretöw spraw Maydeburskich r. 1669. 

h] Regestr xiegi banicyi, sublewacyi y relaxacyi od 1673. 

c) Regestr Maydeburskich dekretöw assessorskich za krölaMichalana 
seymie w Warszawie r. 1672. 

dj Regestr dekretöw ziemskich r. 1671. 

e) Regestr dekretöw ziemskich r. 1672. 

/) Regestr xi^gi przywilejow, konfirmacyi, konsensöw, cessyi, libertacyi, 
quietacyi etc. etc. za kröla Jana III od r. 1676 do r. 1690. 

g] Regestr xiegi dekretöw od 1677 do 1689. 

h) Regestr xiegi banicyi, eadöw assessorskich na seymie w Grodnie 1679 
aktykowanych i wydanych do r. 16S3. 

i] Regestr spraw ziemskich na sadach zadwornych assessorskich kröla 
Jana III w roku 1680. 



Korzeniowski, Zapiski z r^kopisöw, angez. v. Croiset v. d. Kop. 251 

k) Regestr spraw Maydeburskich r. 1680 rö^Dych dni y miesiecy w War- 
szawie s^dzonych. 

/) Eegestr spraw s^dzonych w Warszawie r. 1681. 
m) Regestr spraw s^dzonych w Wilanowie r. 1685. 
n] Regestr dekret6w y spraw ziemskich r. 16S2. 

0) Regestr xiegi dekretow, sadöw kröla Jana III assessorskich ziem- 
skich y Maydeburskich r. 1678 — 1679. 

;)) Regestr xiegi dekretow od r. 1676 do r. 1678. 

r) Regestr xiegi dekretow i banicp r. 1 685. 

5) Regestr dekretow spraw ziemskich w s^dach zadwornych assessor- 
skich w Grodnie, Wilnie y Warszawie sadzonych. 

t) Ksiega banicyi na roku 1691 i na r. 1692. 

Am Ende letzteren Registers ist Nachfolgendes verzeichnet: »Na 
koncu tey xiegi znayduia si^ dekreta, ini do xiqg wpisane dawnieyszym 
czasem, ktorych tu nie kladzie sie regestr«. Es folgen: 

u] Regestr xiegi banicyi z szpargalöw zloiony za kröla Jana III 
roku 1654. 

tv) Regestr xiegi banicyi za kroIa Jana III pod rokiem 1689. 

x) Regestr xiegi banicyi roku 1685. 

y] Regestr xiegi banicyi roku 1679. 

(Band XII) ist 30 mm dick; die Seiten sind unpaginiert geblieben. Die 
Handschrift umfaßt: 

a) Regestr xiegi metryki za kröla J an a III röinych Supplik po banicyie 
wydanych od 1693 do 1696. 

1) Regestr xiegi metryki W. X. Litt'' ro^nych przywilejöw, gleytöw, 
konsensüw, spraw potocznych i wieczystych za kröla Augustall roku 1697. 

c) Regestr xiegi przywilejöw od 1699 do 1703. 

d) Regestr xiegi dekretow od 1699 do 1710. 

e) Regestr xiegi przywilejöw od 1699 do 1710. 

/) Consensa na ast^pienie arendowanie ab anno 1712. 

g) Akta metryki kancellaryi mnieyszey W. X. Lit«, zawieraiace w sobie 
urz^dy senatorskie, ziemskie y ^olnierskie za kröla Augusta II r. 1712. 

h) Regestr xiegi przywilejöw do r. 1721. 

») Reskrypta listy kommissye gleyty przyznania y nadania przywilejöw 
ab 1712 ad 1722. 

k] Regestr xiegi przywilejöw ab 1724, 

/) Regestr xiegi przywilejöw od r. 1731 do r. 1733. 

m] Regestr xiegi metryki od r. 1736 do r. 1740, 

«) Reskrypta od r. 1699 do r. 1710. 

In diesem Bande befinden sich einzelne losgeratene Seiten aus den 
vorher genannten Teilen der Handschrift No. 216—1—2. 

(Band XIII) ist 20 mm dick; die Seiten sind nicht paginiert worden. 
Die Handschrift umfaßt auf 115 Doppelseiten: Regestr xiegi dekretow y 
innych spraw roku 1720, r. 1722, r. 1724, r. 1729, r. 1730, r. 1732, r. 1735, r. 1738, 
r. 1739, r. 1740, r. 1744, r. 1748, r. 1750 i r. 1751. 



252 Kritischer Anzeiger. 

Die Bände habe ich numeriert nach der Datierung der in' ihnen ent- 
haltenen Register; die kurze Angabe ihres Inhaltes erhebt keinen Ansprach 
auf Vollständigkeit; die aus den Einbänden herausgerissenen Hefte und Seiten 
sind wirr durcheinander geraten und es bedürfte eines speziellen Studiums 
der einzelnen Teile, um diese zu ordnen und insoweit dieses möglich ist, in 
Übereinstimmung zu bringen mit S. Ptaszycki's vorzüglicher Beschreibung 
der noch vorhandenen Bücher und Akten des litauischen Staatsarchivs : * OnH- 
canie Knurt u aKxoBi. ^üuiobckoS mctphku«, Cn6. 1887. 

Die vorliegende Handschrift bringt in die Rekonstrution der Geschichte 
des litauischen Staatsarchivs, nämlich in die der polnischen Um- 
schreibung desselben, eine neue Note hinein, worauf bis heute keiner von 
denen, die in der Gelegenheit gewesen sind sie zu ihren Studien zu be- 
nutzen, acht genommen hat. Es ist nämlich im Titel des ersten Bandes 
verzeichnet und am Ende des zweiten Bandes deutlich gesagt worden, daß 
das Register der zwei ersten Bände am 10. März des Jahres 1747 beendet 
wurde und die Revision im Jahre 1750 von einem, der seinen Namen mit den 
Buchstaben L. C andeutete, stattfand. Im weiteren Verlaufe der Handschrift 
ist an verschiedenen Stellen von jenem selben L. (J.) C. und von J. Puzyna 
unter Hinzufügung der Jahreszahl 1750 verzeichnet worden, daß sie den In- 
halt der einzelnen Hefte revidiert haben, folglich wurden auch diese um 1747 
herum geschrieben, ob noch in Wilno oder schon in Warschau ist leider nicht 
angegeben worden. 

Die Bücher und Akten der sogenannten Litauischen Metrika« werden 
heutzutage, insoweit sie erhalten geblieben sind, im Archiv des Justiz- 
ministeriums zu Moskau aufbewahrt; mit ihrer vollständigen Herausgabe 
hat die Archäographische Kommission zu St.-Peterburg schon einen Anfang 
gemacht [PyccKa;i HcxopuiecKaa Bnö^iioTeKa, t. XX und XXVIP; bei ihren 
weiteren Arbeiten auf diesem Gebiete wird es unumgänglich sein, die Hds. 
i\o. 28G— 2— 1 und No. 21G— 1— 2 der Bibliothek des Haupt- und 
Generalstabes zu Rate zu ziehen, die für die genauere Kenntnis des ur- 
sprünglichen Bestandes des genannten Staatsarchivs einen wichtigen Beitrag 
liefert. 

Über die weiteren in dieser Bibliothek befindlichen, nicht vonJ. Ko- 
rzeniowski genannten, Handschriften beabsichtige ich ein anderes mal zu 
referieren. -i. C Croiset van der Kop. 



Staat und Gesellschaft im Mittelalterlichen Serbien. Studien zur 

Kulturgeschichte des XIII. — XV. Jahrhunderts. Von Konstantin 

Jirecek. Wien 1912, 4o (SA. aus den Denkschriften B. LVI als 

Abh. Nr. 2 u. 3). Erster Teil 83 Sp. Zweiter Teil 74 Sp. 

Als vor zwei Jahren der erste Band der Geschichte der Serben von Prof. 
C. Jirecek erschienen war (s. Archiv Bd. 33, S. 279—285), bewunderte man mit 
vollem Rechte die reiche Fülle der kritisch geprüften und beglaubigten Daten 



Jirecek, Staat u. Gesellsch. im Mittelalt. Serbien, angez. v. Jagic. 253 

betrefifs der äußeren, politischen, Geschichte Altserbiens (von ältesten Zeiten 
bis 1371), die in dieser Vollständigkeit noch in keinem Werke zur Darstellung 
gekommen war. Allein beim Lesen, das einige Anstrengung kostet, des in- 
haltsreichen Werkes konnte man sich nicht des Eindrucks erwehren, daß 
diese glänzende wissenschaftliche Leistung dem Leser nur über eine Seite 
des Lebens in Altserbien Auskunft gibt, über die äußere Geschichte, die zu 
allen Zeiten am meisten in die Augen fällt und dem Gedächtnis der Nachwelt 
vor allem durch Memoiren, Geschichtswerke und Jahrbücher überliefert wird, 
daß aber die inneren Zustände und Lebensverhältnisse des Volkes, seine ge- 
sellschaftlichen, staatlichen und kirchlichen Einrichtungen dabei gänzlich 
verhüllt bleiben, daß wir den schöpferischen Geist, der sich in mannigfaltigen 
Werken des Friedens kund gibt, noch gar nicht erkennen. So regte sich wohl 
bei vielen der Wunsch, daß uns der gelehrte Verfasser, falls er schon aus 
äußeren Gründen, wegen des vertragsmäßig einzuhaltenden Umfangs, nicht 
in der Lage war den Gang seiner Erzählung an passenden Stellen zu unter- 
brechen und durch Einschaltung von Kapiteln über die inneren Zustände seine 
Darstellung zu beleben, möglichst bald in einem parallel mit seiner Geschichte 
der Serben laufenden selbständigen Werke alles das erzählen möchte, was 
man sonst über das Leben des Volkes in Altserbien weiß und was niemand 
so, wie er, imstande ist, auf Grund seiner erstaunlichen Belesenheit in den 
Quellen und der ganzen Literatur zn einem Gesamtbild zusammenzustellen. 
Viel früher, als man hätte hoffen dürfen, geht dieser Wunsch in Erfüllung. 
In den zwei oben angeführten recht ausfürlichen akademischen Abhandlungen, 
denen noch eine dritte folgen wird, bietet der Verfasser, wie er sich selbst 
ausdrückt, >Studien zur Kulturgeschichte des XIIL — XV. Jahrhunders«, sie 
drehen sich wesentlich um Altserbien, doch verstand der Verfasser aus der 
reichen Fundgrube seines Wissens viele Parallelen aus den übrigen Mittel- 
alterlichen Ländern, am meisten aus dem byzantinischen, dann venezianischen 
und ungarischen staatlichen und gesellschaftlichen Leben zur Beleuchtung 
beizubringen. Man sieht es diesen Studien an, daß sie aus jahrelangen Samm- 
lungen des weit zerstreuten, vielfach noch ungedruckten Materials hervorge- 
gangen sind, unter kritischer Benutzung aller Vorabeiten, die über einzelne 
hier zur Sprache kommende Fragen vorhanden waren. Dabei ist die Darstellung 
immer sachlich knapp gehalten, nicht an allgemeinen Gesichtspunkten, sondern 
an realem Inhalt, an der Aufzählung von Einzelheiten ungemein reich. Viele 
treffende Charakteristiken zeichnen die Darstellung aus, sie ist frei von jeder 
Voreingenommenheit, bietet in scharf gekennzeichneten Umrissen die Ergeb- 
nisse aus den mitgeteilten Tatsachen. Schon im Vorworte, das wie ein Resum6 
klingt, findet man einige Sätze, die kurz die Tatsachen präzisieren, wie: »Die 
Einrichtungen des mittelalterlichen serbischen Staates unterscheiden sich in 
ihren Grundzügen nicht von denen der meisten europäischen Staaten dieses 
Zeitalters«, oder »Serbien besaß in seinem Gebiet alte Stadtgemeinden 
romanischen und griechischen Ursprungs, aber auf dem ursprünglichen serbi- 
schen Territorium gelangte das Städtewesen nie zur vollen Entwicklung«. 
>Es war ein reiches Land . . . besonders in der Periode 1282—1355 den ver- 
fallenden Nachbarn, dem byzantinischen und bulgarischen Reich, weit über- 



254 Kritischer Anzeiger. 

legen<. Das hinderte selbstverständlich die verfeinerten Byzantiner nicht, 
über den Mangel Serbiens an allerlei Kulturkomfort zu klagen. Bezeichnend 
ist die Wahrnehmung, daß »das mittelalterliche Serbien . . . kein altertümlich 
konservativer Staat< war, und daß erst »nach der Erwerbung zahlreicher 
Provinzen des griechischen Kaisertums der Einfluß byzantinischer Muster 
immmer stärker« wurde, «gefördert auch durch die kirchliche Verbindung mit 
Byzanz«. Bedeutsam ist die richtig hervorgehobene Tatsache, daß der serbi- 
sche Staat nicht imstande war >auf seinem Gebiete alles einheitlich zu regeln«, 
und daß »besonders die früher byzantinischen Provinzen und das romanisch- 
albanesische Küstenland« manche Eigenheiten behalten haben. Also die Idee 
der serbischen einheitlichen Staatlichkeit konnte nicht überall durchdringen: 
»der gebirgige Westen war stets konservativer als der Osten, mehr autono- 
mistisch (»und patriarchalisch« fügt der Verfasser hinzu, was ich nicht sagen 
möchte) in seiner Gesinnung. Wichtig ist die Behauptung des feinen Beob- 
achters des Gesamtzustandes Altserbiens, daß die serbische Herrscherfamilie 
(der Nemanjiden) »nicht wenige begabte, zielbewußte und weitblickende Re- 
genten« aufzuweisen hatte, daß aber >unter dem Adel sehr auffällig der Mangel 
an Sinn für die Schaffung und Erhaltung eines starken Staatswesens« gewesen. 
Die Folge davon war auch, daß nach Stephan Dusans Tod »Serbien binnen 
wenigen Jahren infolge des kurzsichtigen Egoismus seiner Magnate ganz 
untergraben wurde«. 

Doch ich möchte von der Reichhaltigkeit dieser kulturgeschichtlichen 
Schilderungen eine genauere Vorstellung geben, darum gehe ich den Inhalt 
des Ganzen, soweit es bis jetzt vorliegt, nach einzelnen Kapiteln durch. 
Vorausgesetzt muß werden, daß diese Schilderung vornehmlich für die Periode 
der Nemanjiden (1171 — 1371), also für einen Zeitlauf von nur 200 Jahren gilt, 
doch liegt es in der Natur der Sache, daß der Verfasser hier öfter, als es in 
der äußeren Geschichte nötig war, aus dem Rahmen Serbiens heraustrat und 
die gleichartigen oder auch abweichenden Erscheinungen der unter der vene- 
zianischen oder ungarischen Oberhoheit befindlichen ethnisch gleichen Nach- 
barländer in den Kreis seiner Betrachtungen zog. Darum ist diese Leistung 
wertvoll für den ganzen serbokroatischen Volkstamm, dessen Einheit unge- 
achtet der politischen Zersplitterung sowohl durch die Sprache wie durch 
mancherlei volkstümliche Institutionen aufrecht erhalten wird. 

Das erste Kapitel betitelt sich »Staatsrecht und Staatsverwaltung. Der 
Herrscher und sein Hof«. (S.l — 23.) Hier kommt zuerst die Benennung 
des Landes im Ganzen und in seinen Teilen, sowie die Titulatur der 
Herrscher zur Sprache. In fremden Quellen spielt der allgemein lautende 
Name ISxlaßiviu, Kf-laSlvot, Sclavonia, ganz verschiedene Rollen, bis er zu- 
letzt jenem Teil Kroatiens anhaften blieb, der sich zwischen Drave, Save und 
Kulpa erstreckte, zum Unterschied von der engeren Benennung Croatia für 
das südlich von der Kulpa sich ausdehnende Land. »Eine ständige Haupt- 
stadt . . . hat der altserbische Staat nie gehabt«. (S. 6.) Betreffs des Namens 
Stephan liest man (ib.), daß »seit Stephan Nemanja alle serbischen Herrscher 
Stephan, in der Regel noch mit einem nationalen Namen daneben« heißen. 
Wir hätten gern auch etwas über den Namen Uros gehört, der sich bekannt- 



Jirecek, Staat u. Gesellsch. im Mittelalt. Serbien, angez. v. Jagic. 255 

lieh ebenfalls vielfach wiederholt und wohl fremden Ursprungs ist (vgl. magyar, 
Ur der Herr). Den Titel Kralj nahmen die serb. Herrscher nach dem Vorbilde 
der ungarischen Könige an, deren Kiräly natürlich slavisch, doch nicht süd- 
slavischen Ursprungs ist. Die Benennung »svetorodnyj« möchte ich nicht 
gerade befremdend finden (S. 10), da man schon dem Ausdruck »sveto mi 
carstvo« öfters begegnet, darnach bedeutet »svetorodnyj « nichts anderes, als »na 
sveto carstvo rozdenyj«. Die Ausdrucksweise »carstvo mi« für die Person des 
Kaisers und viele ähnliche Titulaturen sind ganz dem byzantinischen Zeremo- 
niell nachgebildet. Mit Recht lehnt der Verfasser (S. 13 Anm. 8) die verfehlte 
Zusammenstellung des Kaznict mit kaziti, kazenikt ab, aber auch die erste 
Alternative (S. 14), daß kazuLci. mit kazni. (Strafe) etwas gemeinsames hätte» 
muß abgelehnt und nur an fremdem Ursprung des Wortes fest gehalten werden 
(vgl. Radloflf Versuch eines Wörterbuches der Türk. Dialekte. Bd. II, S. 385 
s. V. KasHÜ, KasHauu = Kasuaiibi). Interessant ist die Bemerkung auf S. 14, wo 
von verschiedenen Hofwürden die Rede ist, daß der Name Ban in Kroatien, 
Bosnien, Ungarn und der Walachei, nie aber in Serbien erwähnt werde; der 
Ausdruck ist wohl avarisch. Fremd ist wahrscheinlich auch der in kroatischen 
ebenso wie in serbischen Urkunden begegnende Hofwürdenausdruck tepcij, 
er hat wohl mit tepa (schlagen) ebenso wenig zu tun, wie mit dem dazu- 
gehörigen tepac (vgl. potepati se — potepuh). Ich finde im Türkisch-mongo- 
lischen tapuk (Ergebenheit, Dienst) und tapukci (Diener, Page) bei Radioff 
a. a. 0. III. 951. Vielleicht steht damit tepcij in irgend einem Zusammenhang. 
»Die südslavischen Fürsten waren keine absoluten Herren, sondern abhängig 
von der Zustimmung ihrer Ratgeber und der Volksversammlungen« (S. 21), 
dieser Satz führt den Verfasser zur kurzen Besprechung der verschiedenen 
Arten und Benennungen der Volks- oder Ratsversammlnngen und damit 
schließt das erste Kapitel. 

Das zweite Kapitel: »Die Bevölkerung. Geschlechts- und Familienver- 
fassung. Die Grundlagen des Grundbesitzes« (S. 24 — 42) besprichtzuerst die eth- 
nischen Bestandteile der alten serbokroatischen Länder. Neben den Serben 
(und im Westen Kroaten) kommen vor allem die Albanesen, dann die Wlaclien 
und Lateiner, weniger die Griechen in Betracht; die Sachsen als Bergknappen 
werden später besprochen. Bezüglich der Geschlechtsverfassung, in welcher 
der Verfasser einen mehr aristokratischen nördlichen (in Kroatien) und einen 
südlichen demokratischen Typus (in Herzegovina und Montenegro) unter- 
scheiden möchte, glaube ich (sowie wohl auch der Verfasser), daß diese 
Divergenz späteren Zeiten angehört, ursprünglich waren gewiß überall die 
angesehensten Mitglieder der Sippschaften der natürliche Adel (daher auch 
der Zusammenhang zwischen pleme und plemenit), und wenn auf S. 26 gesagt 
wird, daß in der nördlichen (kroatischen) Gruppe fremde Elemente nur 
wenig bemerkbar sind, so bezieht sich das offenbar nur auf das eigentliche 
alte Kroatien, während der nördlicher gelegene Teil (das sogenannte Slavo- 
nien) schon früh sehr stark durch magyarischen Adel infiltriert wurde. Ein- 
gehend wird die Entfaltung einzelner plemena namentlich in Montenegro und 
dem benachbarten Albanien behandelt, wobei der Verfasser sehr schön die 
viel behandelte Zadruga-Frage auseinandersetzt und natürlich die Theorie 



256 Kritischer Anzeiger. 

Peiskers, der in dem byzant. Steuersystem den Keim der Zadruga-Erscheinung 
gefunden zu haben glaubte, als unerweislich zurückweist (S. 39 Anm. 5). 
Gegen diese Theorie spricht ja schon die Tatsache, daß die Zadruga ganz auf 
patriarchalischen Voraussetzungen einer durch Verwandtschaft zusammen- 
gehaltenen Gruppe von Familien und nicht auf fiskalischen Kombinationen 
fußt. Mir will es übrigens nicht einleuchten, warum die Zadruga gerade »mit 
dem Vorherrschen des Hirtenlebens in Verbindung« stehen soll (S. 37). Mag 
auch richtig sein, daß sie »an Grundbesitz nicht gebunden« war, aber in der 
Regel war das doch der Fall, denn sie ist »eine durch gemeinsamen geneti- 
schen Ursprung verbundene Bruderschaft, welche es vorgezogen hat sich nicht 
zu teilen und ihrenBesitz gemeinschaftlich zu verwalten« (S. 37) — so lauten 
die eigenen Worte des Verfassers. 

Ein ganz kurzes drittes Kapitel (S. 42—45) ist dem Adel gewidmet. Da 
lesen wir: »Einen Adel gab es bei den Südslaven ursprünglich ebensowenig 
wie bei den Franken, Langobarden und Norwegern in der älteren Zeit . . . 
Erst seit Ende des XII. Jahrh. kann man in Serbien die Entwickelung eines 
Adels verfolgen« (S. 43). Ist diese Annahme nicht bedingt durch den Mangel 
an Nachrichten? Was waren die Oberhäupter einzelner Geschlechter anderes 
als Adel? Und das schon wohl seit den ältesten Zeiten. Allerdings hat sich 
im späteren Mittelalter der Adelstand weiter entwickelt, unter fremden Ein- 
flüssen, einerseits der romanischen Küstenstädte, anderseits Ungarns. Und 
doch war »der Gebrauch der Wappen, der sich in den dalmatinischen Städten, 
in Kroatien und Bosnien durch italienischen und ungarischen Einfluß ver- 
breitet hat, . . . nach Serbien in dieser Zeit nicht vorgedrungen , ebensowenig 
wie zu den Griechen«. 

Im vierten Kapitel kommt »die Kirche« zur Sprache (S. 45—60), deren 
Macht im altserbischen Staate sehr groß war, aber in nationaler Richtung eine 
wesentliche Stütze der staatlichen Autorität, der Fürsten und Könige, bildete 
daher auch die zahllosen großen Schenkungen der serbischen Könige an die 
Kirchen und Klöster. Die Errichtung der autokephalen serbischen Kirche zu 
Anfang des XIII. Jahrh. galt als eine große nationale Tat, ebensowie später 
die vollständige Trennung von Konstantinopel durch die Errichtung des 
Patriarchates in Pec. Alles das mit einer Menge beleuchtender Einzelheiten 
aus dem Leben der Kirche, ihren Beziehungen zum Staat, ihrer Stellung gegen- 
über dem Volk bildet den Inhalt dieses Kapitels. Auch das Verhältnis der 
katholischen Kirche zu dem im Ganzen orthodoxen Staate wird besprochen. 
Altserbien stand nämlich der katholischen Welt viel näher als das später der 
Fall war, wie das die Ereignisse unter dem erstgekrönten König Stephan zeigten. 
Aber »auch in den Zeiten, in welchen die Katholiken Serbiens gegenüber der 
Masse der orientalischen Christen nur eine kleine Minorität bildeten, wußten 
die serbischen Könige gute Beziehungen zum päpstlichen Stuhle zu pflegen 
und in ihrer Stellung mitten zwischen Abendland und Morgenland Vorteile für 
sich zu finden« sagt der Historiker (S. 53) und fügt u. a. als Beispiel an: »Die 
Rechte des katholischen Erzbistums von Antivari wurden von den serbischen 
Königen stets geachtet« (ib.''. Selbst von einer Schenkung des Zaren Stephan 



Jirecek, Staat u. Gesellsch. im Mittelalt. Serbien, angez. v. Jagic. 257 

Dusan an das katholische adelige Nonnenkloster Santa Clara in Ragusa wird 
berichtet (S. 58). 

Das fünfte Kapitel »Die Städte und Marktgemeinden« (S.6ü — 68) be- 
handelt begreiflicher Weise vor allem die alten römisch-griechischen An- 
siedlangen im Südwesten des Reiches. »Die serbischen Könige waren diesen 
Küstenstädten gegenüber freigebig und gerecht-^; (S. 60). Der kurz skizierte 
Zustand von Skutari, Drivasto, Dulcigno, Antivari, Budva, Cattaro,wie sie im 
XIII. bis XIV. Jahrh. blühten, würde im Verhältnis zur Gegenwart zu allerlei 
Betrachtungen Anlaß geben können, die nur die alte Wahrheit bestätigen, daß 
es nicht genug ist eine Stadt zu besitzen, sondern daß man sich auch um ihr 
Wohlergehen kümmern muß, dazu gehört aber daß man Herz und Sinn für sie 
hat. Von den griechischen Städten, die unter Serbien kamen, werden Janina, 
Kroja, Skopje, Stip erwähnt (S. 64). Gegenüber diesen alten fremdstämmigen 
Städten tritt die Bedeutung der slavischen Niederlassungen stark zurück. Es 
ist bezeichnend, daß das Wort »grad», das ursprünglich nur eine Burg be- 
deutete, nachher auch für die Stadt, die sich ja meistens um die Burg. herum 
ausbreitete, in Anwendung kam. Sonst bediente man sich des magyarischen 
Ausdrucks varos (varas). Und statt trg, das man in alten serb. Urkunden 
noch findet (sowie in den kroatischen), taucht seit der Türkenzeit carsija auf. 
Der deutsche Einfluß, durch die aus Ungarn eingewanderten Berglevite, die 
Sachsen waren, vertreten, spiegelt sich u. a. in dem Ausdruck »purgar« ab, der 
selbst in einer, in Ragusa cyrillisch geschriebenen Urkunde vom J. 13S8 für 
Novo Brdo, die bedeutendste Bergstadt Serbiens, Eingang fand. Der erste 
Herausgeber der Urkunde (Graf Orsat Pucic) druckte das Wort falsch als 
n^vppdpK ab, und Daniele bei der Abfassung des altserb. Wörterbuchs verstand 
es noch nicht, erst später kam er auf die richtige Lesart und war im J. 186S 
hoch erfreut, als uns (Danicic, Matkovic und ich) der damalige Kreisvorstand 
von Ragusa Resetar das Original vorlegen ließ und die Konjektur Danicics 
sich bestätigte, d. h. in der Urkunde stand wirklich nSprapoAVK HOKORpAcu-kAVK 
(Puc. II. 31). Nach den Betrachtungen Jireceks reichten die sächischen An- 
siedler bis Kratovo, wo ebenfalls Bergwerke waren (S. 68). 

Das sechste Kapitel ist betitelt: »Hirten, Bauern und Sklaven« (S.69 — 74), 
es spricht von Hirten, die in etwas späterer Zeit alle ohne Unterschied vlasi 
(Wlache) genannt wurden, während man ursprünglich mit diesem Namen Ro- 
manen und Rumänen bezeichnete. »Die Hirten behielten stets mehr Freiheit 
und Freizügigheit, während die Bauern immer mehr an die Scholle gebunden 
waren« (S. 69). Es galt selbst als Gesetz, daß der Serbe (d. h. der serbische 
Bauer) nicht bei den Wlachen heiraten durfte, d. h. sich seiner Lage als glebae 
adstrictus nicht durch den Übergang zu den freizügigen Hirten (Wlachen) 
entziehen konnte. Der nicht slavische Ursprung dieser ins Gebirge verdräng- 
ten Romanen, die eben dadurch in das Hirtenleben gerieten, wird durch den 
fremden Ursprungs Ausdruck katun, die Hirtengemeinde, charakterisiert; 
auf slavisch hieß der Häuptling der Hirten celnik. Merkwürdig reich ist die 
Benennungsart der Bauern, freien, halbfreien und unfreien. Da kommen 
griechische Ausdrücke vor: parik {nänoixo^], meroTßh(ih.h (griechisch ?),magupLCB 
ifxciyxinos), die slavischen oder längst slavisierten sokalnik, posadnik, psart, vla- 

Archiv für slavische Philologie. XXXV. 17 



258 Kritischer Anzeiger. 

stak, sebrB, kmet, godisiiik, polovnik, otrok, rob, rabotBni. — rabotniku.a. Nicht 
alle diese Ansdrücke sind juridisch determiniert, auch nicht alle hinreichend 
erklärt, z. B. betreffs meropBchi. ist bekannt die Ansicht Safarik's, der diese 
Benennung mit den alten paeonischen Noropes, späteren Meropes im Khodo- 
pegebirge in Zusammenhang brachte (Starozit.2 1. 514). Auch Tomaschek ver- 
wies (Zeitschr. f. öst. G. 1877, S. 447) auf die Provinz Msoon?] im Rhodopege- 
birge. Wenn man den zweiten Teil des Wortes erklären könnte, der erste 
würde auch von ueoo — (aus i;/iisQo — ) abgeleitet werden können, darin würde 
in dem Worte etwas dem Tagelöhner entsprechendes stecken. Die Schreibung 
MiponLxt mit i scheint auf dem Bestreben zu basieren dem Worte ein slavi- 
sches Gepräge zu verleihen. In der Tat könnte man das Wort slavisch als 
Kompositum von Mipa und nixaiii deuten, d. h. Mipontxi. wäre einer der das 
bestimmte Maß (als Abgaben, namentlich Getreide) füllt, leistet. Ich begeistere 
mich für diese Etymologie nicht, muß aber sagen, daß bei der Ableitung von 
Meropes der Auslaut -ptchi. unerklärt bleibt. Sehr geistreich korrigiert der 
Verfasser (S. 71 Am. 6) das in einer Urkunde (Mikl. Mon. serb. 151) begeg- 
nende Bamauu in BJiamauu, während Daniele Bomrauu (Obstgärten) lesen wollte, 
nur findet die Nennung der B.iamauu als Personen mitten zwischen den buho- 
rpaaii, 3eM.ii, jUBajie keinen richtigen Platz. 

Das siebente Kapitel bespricht »Kriegswesen i;nd Heeresverfassung« 
(S. 74—83), beginnt mit den Worten: >Die Serben galten im Mittelalter bei 
allen Nachbarn als ein kriegisches und tapferes Volk« (S. 74). Der Verfasser 
zitiert auch eine einheimische Quelle, die Äußerung Camblaks: dieser rühmt 
die Schönheit und Großartigkeit des Serbenlandes, seine frommen und weisen 
Herrscher und die Eigenschaft des großen und sehr berühmten Serbenvolkes 
durch Heeresmacht andere Völker zu übertreffen«. So konnte man freilich 
vor dem ersten großen Zusammenstoß mit den Türken schreiben, der die 
Überlegenheit der Osmanenkriegsmacht gezeigt hat (1371). Von der militäri- 
schen Organisation des serb. Heeres vermag uns der Historiker wenig zu be- 
richten, es fehlen genaue Nachrichten. >Eine altserbische Kriegsfahne hat 
sich nicht erhalten« (S. 76), nur die Farbe rot und blau wird bezeugt. Über 
die Bewaffnung wird das wenige, was man darüber weiß, auf S. 77 — 78 zu- 
sammengestellt. Auch von Söldnern in serb. Kriegsdienste ist die Rede 
(Türken, Italiener, Deutsche). 

Das achte Kapitel behandelt das »Recht und Gericht» (IL S. 1 — 22). 
Während man für die politische Administration des Reiches, seine Einteilung 
in die Provinzen, für die Stufenleiter der dabei beteiligten Vertreter der staat- 
lichen Gewalt nur sehr unbestimmt lautende Belege finden kann — das dar- 
über berichtende steht im ersten Kapitel — laufen die Nachrichten über das 
Recht und Gericht sehr reichlich, da man hier vor allem auf das Gesetzbuch 
des Stephan Dusan hinweisen kann und auch die älteren Urkunden der serb. 
Könige, sowie die in dem Archiv von Ragusa aufbewahrten Mitteilungen 
sehr ergiebiges Material liefern. Darum ist auch in den »Studien« des Ver- 
fassers gerade dieses Kapitel sehr reichhaltig und übersichtlich. Beachtens- 
wert sind schon die einleitenden Worte: »Serbien stand zu Ende des Mittel- 
alters in seiner Rechtsentwicklung den Staaten von Mitteleuropa viel näher 



Jirecek, Staat u. Gesellsch. im Mittelalt. Serbien, angez. v. Jagic. 259 

als den Byzantinern . . . das altserbische Recht erinnert oft an die Einrich- 
tungen von Ungarn, Böhmen und Polen, ja mitunter an die »leges barbarorum« 
der Völkerwanderungszeit«. Besonders wichtig ist der zwischen Serbien und 
Byzanz in der Rechtsgeltung hervorgehobene Gegensatz: >> Serbien war in 
dieser Periode ein Adelsstaat, mit periodischen, der byzantinischen Staats- 
verfassung ganz fremden Reichstagen, mit verschiedener Behandlung und 
Bestrafung der einzelnen Stände und mit Wahl der Richter aus den Sj:andesge- 
nossen, während im griechischen Kaisertum alle Personen vor dem Gesetz jeder- 
zeit gleich waren«. Und auch in dem Gerichtsverfahren ging Serbien andere, d. h. 
westeuropäisch-mittelalterliche Wege, als Byzanz: »Fremd blieben dem byzan- 
tinischen Recht die in Serbien üblichen Kollegien der Eideshelfer, die Kompo- 
sitionen für Verbrechen durch Geldzahlungen, ebenso die Gottesgerichte mit 
glühendem Eisen . . . die von den griechischen Rechtskundigen als ein Brauch 
barbarischer Völker verworfen wurden«. Nach dieser allgemeinen Charakte- 
ristik geht die Darstellung auf Einzelheiten über, wobei die Beeinflussung des 
serbischen Gerichtswesens durch byzantinische Einzelrichtungen seitder Ver- 
breitung der politischen Grenzen des Reiches in die gewesenen byzantinischen 
Provinzen besonders hervorgehoben wird (S. 5). Zur Charakteristik des Gesetz- 
buches des Kaisers Dusan mögen folgende Worte des Verfassers hier wiederholt 
werden: »Aus byzantinischen Rechtsbüchern stammt nur wenig, obwohl die 
Zahl der Termini griechischen Ursprungs nicht unbedeutend ist«. Diese auf 
jeden Fall auffallende Erscheinung dürfte ihren Erklärungsgrund darin 
haben, daß man in äußeren Formen vielfach die byzantinischen Zustände nach- 
ahmte, aber den Inhalt des Rechtes den volkstümlichen Rechtsanschauungen 
unterordnete. Außerdem darf nicht außer acht gelassen werden, daß neben 
dem Gesetzbuche Dusans noch eine Reihe byzantinischer Gesetze die not- 
wendige Ergänzung des geltenden Rechtes in Serbien bildete, teils durch die 
Einschaltung in den Text des kanonischen Rechtes ;Krmcaja-Nomokanon), teils 
durch besondere Übersetzung 'das sogenannte Gesetz Justinians, die zwei 
Redaktionen des Syntagma von Blastares). Zu den nach dem Gesetzbuch 
geübten Strafbestimmungen erwähnt der Verfasser noch die Rache und den 
Stanak; letztere Institution gehört insofern hierher, als es sich auch hier 
um die Schlichtung von Srtreitfragen handelte, die zwischen zwei oder mehreren 
Personen, die verschiedenen politischen Einheiten angehörten, zu ordnen 
waren, also gewissermaßen ein internationales Forum ausfindig gemacht 
werden mußte. Es ist das also nur eine Abart des üblichen Gerichts- 
verfahrens. Aus diesem Grunde hätte es sich vielleicht empfohlen den 
Stanak vor der Osveta (Rache) zur Sprache zu bringen. Die vom verstorbenen 
Bogisic darüber geschriebene Monographie bereicherte der Verfasser mit 
neuem von ihm ans dem Ragus. Archiv geschöpften sehr lehrreichen Material 
(S. 18—21). 

Das neunte Kapitel ist der »Besiedlung, Landwirtschaft und Gewerbe« 
gewidmet (IL S. 22 — 46). Es handelt sich hier um den Nachweis der Dichtig- 
keit und Bewegung der Bevölkerung und um ihren Lebensunterhalt. Etwas 
davon kam von ethnographischem Standpunkte schon im zweiten Kapitel 
zur Sprache. Es verdient betont zu werden, daß der Verfasser für Altserbien 

17* 



260 Kritischer Anzeiger. 

in den Hirten des Gebirges das kräftigste Element erblickt (S. 23) nnd nachdem 
er die nach verschiedenen Eichtungen in früheren Jahrhunderten wahrnehm- 
bare Expansion hervorgehoben, die durch die türkischen Eroberungszüge 
eine aufgezwungene Richtung gegen Norden und Nordwesten bekam (Ungarn, 
Slavonien, Ostkroatien, Norddalmatien), macht er die Bemerkung: jDas 
XIV. Jahrhundert war im Südosten Europas überhaupt eine Periode des Vor- 
dringens .der Hirtenbevölkerungen« und erwähnt die Wanderungen der Ru- 
mänen und der Albanesen. »Einen Sieg der Hirten über die Ackerbauern 
und Städter bedeute auch der Vorstoß der Türken«. In dieser Beziehung 
möchte ich folgende Stelle zitieren: »Ein venezianischer Beobachter schreibt 
noch um 1 5.59, das Land an den grünen Ufern der Bojana könne mit seinen 
fruchtbaren Saatfeldern und wohlbewohuten Dörfern mit Italien verglichen 
werden ... Im Innern war im XI. — XII. Jahrh. die breite Grenzzone zwischen 
den Serben und Byzantinern, zwischen den byzantinischen Grenzburgen von 
Prizren, Lipljan, Nis einerseits und dem serbischen Gebirge am Lim und Ibar 
anderseits, eine viele Tagereisen breite Einöde. Nach der serbischen Okku- 
pation unter Nemanja (1180 f.) wurde dieses von Natur aus reiche Gebiet, be- 
sonders das warme Becken des weißen Drim und der Sitnica rasch kolonisiert. 
Doch waren die 2ü0 Jahre der Herrschaft des Hauses des Nemanja eine zu 
kurze Zeit, um eine bleibende Veränderung durchzuführen. Nach der Fest- 
setzung der Türken in Makedonien wurden diese fruchtbaren Gebiete wieder 
ein Grenzland und fielen neuerdings dem Verfall anheim. Unter der türkischen 
Herrschaft ging das serbische ackerbauende Element bei Prizren, Pec und 
auf dem Amselfelde unaufhaltsam vor den albanesischen Hirten zurück. Die 
Dörfer dieser Landschaften, ebenso wie der warmen Ebene von Skutari, waren 
im XIV. Jahrhundert größer und zahlreicher als heute« (S. 24). Nun folgt 
die Schilderung der Waldwirtschaft, Viehzucht und des Ackerbaues, reich 
ausgestattet mit vielen Einzelheiten, wobei der Verfasser nie unterläßt die 
termini technici, die bei einzelnen Verrichtungen angewendet wurden, beson- 
ders hervorzuheben. Wir wollen hoffen, daß bei dem dritten Heft ein Wort- 
register diesen reichen Vorrat an wichtigen Ausdrücken für das Nachschlagen 
erleichtern wird. Bei der Erwähnung der Grenzbestimmungen zwischen ein- 
zelnen Dörfern und ihren Grundstücken (S. 35) hätte ich den berühmten 
Razvod aus Istrien vom J. 1325 mit einem Worte erwähnt, mag er auch nicht 
auf das altserbische Gebiet sich beziehen, aber schon der Ausdruck razvod, 
der ebenso in derselben Bedeutung in den russischen Urkunden begegnet 
(vergl. im altruss. Wörterbuch Sreznevskij's, s. v. pobeoät.) reicht als terminus 
technicus in uralte Zeiten zurück und auch die anschauliche Darstellung des 
ganzen Vorganges der Grenzbestimmungen hat ihre Parallelen. Im Weinbau 
(S. 40), bei welchem schon im Altkirchenslavischen c</LinB).ovQy6g mitunter 
durch Kona^iB, KonautMa ausgedrückt wird, gilt das Wort kopac auch als Maß- 
bestimmung, so hörte ich schon in meiner frühesten Jugend, bevor ich noch 
einen Weingarten in natura sah, von »gorice na dva, tri . . . kopaca«. Unter den 
verschiedenen Anlagen des Weingartens war im Westen auch »brajda« (ein 
Fremdwort) wohl bekannt, das Wort dürfte in ragus. Archiv. Quellen ebenso 
vorkommen, wie das slavische pritka (cum pritcis, S.40). Interessant sind die 



Jirecek, Staat n. Gesellsch. im Mittelalt. Serbien, angez. v. Jagic. 261 

noch heute nachweisbaren Überreste der deutschen Nomenklatur im Bergbau, 
wie ceh, turf, sljakna (S. 46). 

Das zehnte Kapitel behandelt »Handel und Geldwesen« (II. S. 46 — 66), 
Den Handel trieben zumeist die fremden Kaufleute, im Vordergrund standen 
die Eagusaner, die durch ihre klage Handelspolitik viele Vergünstigungen 
des serb. Staates für sich zu gewinnen verstanden. Von den strittigen kleinen 
Grenzfragen (S. 4S — 49) würde ich nicht an dieser Stelle sprechen, sondern 
anderswo, da das den Handel zunächst nicht angeht. Was diesen anbetrifft, 
erwähne ich die Bemerkung des Verfassers, daß der Aufschwung des Binnen- 
handels Ragusas mit Serbien dazu geführt hatte, daß »der ältere Seehandel 
durch den Landhandel ganz überflügelt wurde«. Das dauerte bis zu den nach 
dem Tode Dusans eingetretenen inneren Wirren in Serbien und den durch 
das Vordringen der Türken entstandenen Verheerungen, durch die die Eagu- 
saner gezwungen wurden sich von neuem mehr mit dem Seehandel zu be- 
schäftigen. Der Umfang des ragusanischen Landhandels beschreibt unser 
Historiker so: »Über die Narentamündung und Bosnien reichte er bis in das 
südliche Ungarn, in Serbien bis ins Moravatal und zum Sargebirge. In Bul- 
garien . . . werden Eagusaner nur in Vidin öfters erwähnt. Ebenso lag Make- 
donien außerhalb ihres Bereiches, warscheinlich wegen des großen Handels 
der Griechen in diesen Gebieten. In den Archivbüchern von Eagusa aus dieser 
Periode wird kaum Skopje erwähnt; die Namen von Velbuzd (Küstendil), Stip, 
Prilep, Ochrid und anderen Städten kommen dort überhaupt gar nicht vor« 
(49). Auch von den Handelsbeziehungen anderer dalmatinischer Städte mit 
dem Innern der Balkanländer (Bosnien, Serbien) wird kurz das nötige gesagt, 
selbstverständlich durfte Venedig nicht übergangen werden. Neben diesen 
»Lateinern« (d. h. slavisch und italienisch redenden Katholiken) spielten keine 
große Eolle die Juden und Armenier. Es fällt aber auf, daß von Griechen 
keine Rede ist. Sollen sie sowie die Kutzo-Wlachen (Zinzaren) ihr Geschäft 
so still betrieben haben, daß nichts in Urkunden oder dem archivalischen 
Material zu finden ist? Sehr anschaulich schildert der Verfasser die Handels- 
routen und Verkehrsmittel (54 — 55), sowie das Treiben auf den Märkten und 
zählt auf die hauptsächlichsten Handelsartikel des Exportes und Importes auf, 
worunter leider auch die Sklaven keine unbedeutende Eolle spielten (56 — 58). 
Das Kapitel schließt mit der Aufzählung der Maße und Gewichte und den 
Münzen. Unter den auf S. 59—60 aufgezählten Namen für Maße vermisse ich 
A\hH;ci\j-i\ii-^A\c\|-AK (modiolus), den Ausdruck kennen die serb. Urkunden in beiden 
Formen (Daniele s. v.). 

Das elfte Kapitel ist den »Finanzen des serbischen Eeiches« gewidmet 
(S. 66 — 74). Hier ist zunächst von den Finanzbeamten die Eede, die meistens 
Ausländer, aus dem Küstenland (Cattaro) waren. Die Gebahrung mit den 
Einnahmen ist wenig bekannt. Einnahmen bestanden in Steuern (Geld und 
Naturalien) und verschiedenen Dienstleistungen, die durch originelle slavische 
nur zum Teil auch griechische Nomenklatur spezialisiert werden (S. 68 — 70). 
Dem griechischen xanyixoy scheint dymina (dimnina) nachgemacht zu sein. 
Mit der Übersicht der Einnahmen von verschiedenen Zöllen beschließt das 
Kapitel. 



262 Kritischer Anzeiger. 

Das ist nur ein schwaches Bild von dem reichen Inhalt dieser Kultur- 
Btudien, denen vielleicht ein Jurist, ein Nationalökonom, oder ein anderer 
Fachmann hie und da eine andere Form oder Reihenfolge der Darstellung 
geben würde, als es der Historiker tat, aber über die Fülle der hier darge- 
botenen wissenswürdigen Belehrung kann nur eine Stimme der größten An- 
erkennung herrschen. V. J. 



Statut der Poljica. Von Alfons Pavich von Pfauenthal, Tomo Matic 
und Milan Kesetar. Wien 1912, lex. 8« 81 (S.-A. aus »Wissenschaft- 
lichen Mitteilungen aus Bosnien und der Herzegowina«. XII. Band 

1912). 

Als ich im Jahre 1880 in den Publikationen der russischen >Freunde des 
alten Schrifttums« eine kommentierte Ausgabe des Vinodoler Statutes heraus- 
gab, hatte ich den lebhaften Wunsch, in ähnlicher Weise bald darauf das Pol- 
jica-Statut zu bearbeiten. Doch wie leider viel zu oft in meinem Leben blieb 
es auch diesmal beim guten Vorsatz. Der Umzug aus Berlin nach Petersburg 
zeichnete neue Pflichten, neue Aufgaben vor. Volle zehn Jahre später hatte 
ich doch eine sehr erwünschte Gelegenheit bekommen mich auch mit dem 
Statute von Poljica zu beschäftigen. Als der unvergeßliche Racki die Redak- 
tion eines Bandes derMonumenta historico-juridica, in welchem Rechtsdenk- 
mäler in der Nationalsprache (kroatisch) zusammengefaßt werden sollten, in 
seine Hand nahm, überließ er mir die kritische Bearbeitung des in der Tat 
einer neuen Ausgabe dringend bedürftig gewesenen Statutes von Poljica. 
Auf Grund der mir in liberalster Weise nach Wien geschickten handschrift- 
lichen Quellen dieses Statutes brachte ich eine, wie es mir auch jetzt noch 
scheint, ganz einwandfreie Ausgabe zuwege, die im IV. B. der besagten Mo- 
numenta, und auch als Sonderabdruck erschien unter dem Titel: »CiaTyi IIo- 
,t.H<iKH. Ypejuo lipo*. B. Jaruh (Y Barpeöy 189Ü. 80. XXXII. 137). Nach dem 
Plane der Ausgabe in Monumenta war eine Kommentierung des Textes aus- 
geschlossen, ich mußte mich auf ein Glossar zum Texte mit lateinischen Er- 
klärungen der Ausdrücke beschränken. Heute bin ich in der angenehmen Lage 
nicht bedauern zu müssen, daß ich mich damals mit der Abfassung eines Kom- 
mentars zum Poljica-Statut nicht abgegeben habe. Denn viel vollständiger, als 
ich es vermocht hätte, hat diese Aufgabe die oben zitierte Ausgabe erfüllt, die 
eine Kollektivarbeit repräsentiert folgenden Inhaltes: I. Vorwort von Alfons 
Pavich von Pfauenthal, II. Übersetzung des Statutes mit Einleitung und An- 
merkungen von Tomo Matic, III. Münzen im Statute von Poljica von Milan 
Resetar. Ich muß vor allem hervorheben, daß diese ganze Publikation der 
wahrhaft rührenden Liebe und Anhänglichkeit des Herrn k. k. Statthalterei- 
Vizepräsideuten von Dalmatien, Alfons Pavich von Pfauenthal zu seinem hei- 
matlichen Boden — und als solchen betrachtet er eben die Poljica in Dalma- 
tien — ihre Entstehung verdankt. Er hat die Wiederherstellung einer politi- 
schen Gemeinde Poljica zustande gebracht, er hat in Wort und Schrift für 
dieses geschichtlich merkwürdige Gemeindewesen Propaganda gemacht. 



T. Matic, Statut der Poljica, angez. v. Jagic. 623 

Freunde geworben. Und so ist auch die vorliegende schöne Ausgabe einer 
kommentierten Übersetzung des Statutes durch seine Initiative und seine Be- 
mühungen zustande gekommen, sie schließt sich an das an, was er im Glasnik 
desSarajever Museums vom J. 19ü3 als »Priuosipovjesti Poljica« und in deut- 
scher Übersetzung als »Beiträge zur Geschichte der Republik Poljica bei Spa- 
lato< in den Wissenschaftlichen Mitteilungen aus Bosnien und Herzegowina 
vom J. 1907 herausgegeben hat. Auch diese Ausgabe bekam durch die Be- 
mühungen des Herrn Statthalterei -Vizepräsidenten mehrere Illustrationen 
zum Texte, deren einige kunstgeschichtlich interessant sind und von ihm in 
dem Vorworte besprochen werden. 

Doch meine Anzeige bezieht sich auf den Hauptinhalt dieser Ausgabe, 
auf die kommentierte deutsche Übersetzung des Statutes, die Prof. T. Matic 
auf S. 7—74 geliefert hat. Wer die eigentümliche Diktion dieses Statutes 
kennt, die, nicht frei von italienischem Einfluß, doch sehr viel volkstümliche 
Präzision zeigt, die sich bis zur dunklen Kürze steigert, wird die nicht geringe 
Schwierigkeit der Aufgabe, die dem Übersetzer bevorstand, ermessen können. 
Daß er sie glücklich überwunden, kam nicht nur durch das fleißige Studium 
der einschlägigen Literatur und der urkundlichen Parallelen, wie z. B. des 
Statutes von Spalato, zustande, das ihm das Eindringen in den Sinn einzelner 
Bestimmungen erleichterte, sondern auch durch vielfaches Nachfragen bei den 
aus Poljica stammenden oder das dortige Volksleben und den dortigen Dialekt 
genau kennenden Persönlichkeiten. In dieser Weise gestalteten sich seine An- 
merkungen zu einzelnen Punkten oder Paragraphen des Statutes als sehr 
schätzenswerte Beiträge, gleichsam kleine Perlen zur Sprache, zu Sitten und 
Bräuchen des kleinen Ländchens. Nur selten bleibt der eine oder andere Aus- 
druck noch immer dunkel. Das betrifft namentlich das Wort polipa im § 50a, 
das auch die Gewährsmänner Matic" nicht imstande waren zu erklären. Ich 
vermute jetzt, daß polipa eigentlich auf pole pa(ikavisch ausgesprochen) be- 
ruht und daß damit eine »beschmierte« Hütte, oder vielleicht ein Wirtschafts- 
gebäude gemeint war. Sehr nahe stehen die Ausdrücke poln. lepianka, 
nalepa, cech. nalepa, nalepek und nach der Wortbildung am nächsten 
poln. polepa, das nach Karlowicz 1. einen Lehmfnßboden, 2. die Lehmbe- 
kleidung einer Hütte bedeutet. Alle diese Ausdrücke drehen sich um eine 
Wohnstäte, und so mag auch im Statute von Poljica mit polipa irgendeine 
für Menschen oder Tiere gemeinte Wohnstätte gemeint gewesen sein, wie es 
■auch Prof. Matic richtig vermutet. An eine Korrektur des polipa in pojina 
ist gewiß nicht zu denken. Es ist zu beachten, daß polipa nach § 50a zu un- 
beweglichen Sachen gerechnet wird, dagegen nach 50 b wird selbst ein Haus, 
das gomionica heißt, also aus Stein ohne Kalk oder Lehm aufgeführt ist, 
zu den beweglichen Sachen gerechnet. 

Gegen die möglichst wörtlich gehaltene und doch mit nötigen in Klam- 
mern gesetzten Einschaltungen versehene Übersetzung ist selten etwas ein- 
zuwenden und auch das sind entweder Kleinigkeiten oder dunkle Stellen, wo 
verschiedene Auffassung möglich ist. Zur ersten Art würde gehören z. B. § 4 a, 
wo man statt »in was immer für einer Angelegenheit« vielleicht näher an das 
Original sich anschließend »wegen einer Sache« sagen könnte und daher auch 



264 Kritischer Anzeiger. 

unten statt »bezüglich des Landes« entsprechend der gleichen Präposition des 
Originals »wegen des Landes«. Dunkel ist dagegen § 4b, den, wie es scheint, 
schon die alten Abschreiber nicht verstanden haben, da sie statt 'od onogaj 
obroka' sogar 'do ovoga obroka' schrieben. Das Appellationsrecht wird bis 
zum dritten Gerichtstermin ausgedehnt, nun sollte weiter heißen: und wer bis 
zu diesem Termin nicht appelliert, der verliert das Recht nachher zu appel- 
lieren. Dieser Sinn ergibt sich auch aus den Worten: i tko se ne apela 
(sc. do ovoga obroka, diese Worte liest man auch in einigen Texten, nur 
vielleicht an unrichtiger Stelle), nije mu apeo dobar od onogaj obroka. 
Die Schwierigkeit entsteht erst durch den Zusatz: nakomse cinisenten- 
cija. Soll das ganze etwa den Sinn haben: wer sich gleich beim Urteilsspruch 
des Appellationsrechtes begibt, der kann überhaupt nicht mehr von der 
Appellation (also auch beim zweiten oder dritten Termin, Gebrauch machen. So 
etwa könnte man den Text in der jetzigen Fassung interpretieren. Wenn man 
in 5^ die Übersetzung »wenn der Geladene gegen die Tagsatzung nicht Ein- 
spruch erhoben hat« (so übersetzt Matic die Worte: Akoli oni roka ne 
opovi koga pozivaju) gelten läßt, dann muß man stillschweigend hinzu- 
denken »und doch nicht erscheint«, allein diese Worte sind im Texte nicht da, da- 
rum wird opovedeti hier doch nicht »Einspruch erheben«, sondern eher etwas 
anderes bedeuten, d.h. etwa ja sagen, zustimmen im Sinne: ich werde kommen, 
erscheinen. Darum hat auch der Text das zweimalige 'ne opovi' zum dritten- 
mal durch 'ne bude' ersetzt, und die späteren Texte schrieben statt opovi 
das Wort dode. Der Verfasser selbst hat zu § 54a die doppelte Bedeutung 
des Verbums 'opoviditi' hervorgehoben. In § S möchte ich die Übersetzung 
»soll als treulos unserem Herrn und unserem Orte übergeben werden« für 
»da se oda nevirau gospodi nasoj i mistu nasemu« etwas anders 
auffassen, d. h. das odati se, entsprechend dem italienischen rendersi, 
durch ,sich erweisen', , erklärt werden' übersetzen. Die Strafe eines solchen 
Treulosen besteht ja in der Verbannung (da se izrene van), nicht in der 
Übergabe in die Gewalt des Herrn und der Gemeinde. Schon die einfache 
Form des Adjektivs 'ne vi ran' scheint mir dafür zusprechen, ich würde daher 
die Stelle übersetzen »soll als treulos unserem Herrn und unserem Ort an- 
gesehen (oder erklärt) werden«. 

Schwierig ist die Deutung, folglich auch Übersetzung des § 9, wo vom 
Verfall des Pfandes die Rede ist, die ersten Worte sehen wie eine Überschrift 
aus, so daß die eigentliche Bestimmung erst mit den Worten ako tko upade 
beginnt. Die größte Schwierigkeit macht der nach 'od sile' folgende Zusatz 
»sto imenuje zastave«. Prof. Matic übersetzt diesen Zusatz »indem er seine 
Pfänder nennt«, ich möchte lieber so sagen: »Wenn sich jemand vor dem 
Knez und den Richtern wegen einer Gewalttat verpfändet, was man Pfand 
nennt« — allerdings fehlt im Text se bei imenuje, doch auch vor zastavi 
in der ersten Zeile fehlt se, ja man kann vielleicht wirklich ohne das se aus- 
kommen und so konstruieren: i tko zastavi ... od sile . . . zastave, 
»wenn jemand Pfand (oder Pfänder) deponiert«, der Zusatz sto imenuje ist 
entweder so viel wie sto se imenuje (was man nennt) oder ist tko Subjekt, 
also: Wenn jemand vor dem Knez und den Richtern wegen einer Gewalttat 



T. Matic, Statut der Poljica, angez. v. Jagic. 265 

deponiert das, was er Pfänder nennt . . . Ich will nicht sagen, daß auch so 
alles glatt geht. 

Dunkel ist im § 17b der letzte Absatz: >so hat er auf seinem Besitze 
selbsechst seine Unschuld zu beschwören«. Wer ist hier er? Prof Matic meint 
den Beschuldigten, ich würde eher an den Kläger denken, von dem es heißt, 
daß er, wenn der Eid von dem Beschuldigten auf ihn gewälzt wird, nur zwei 
Eideshelfer (d. h. selbdritt) braucht; wenn aber der Beschuldigte gänzlich aus- 
bleibt, so hat er (also auch hier der Kläger) sein Eigentumsrecht mit fünf Eides- 
helfern (selbsechst) zu bekräftigen. In § 25 würde ich den letzten Absatz im 
Sinne der vom Verfasser in der Anmerkung vorgeschlagenen Erklärung auf- 
fassen, d. h. ein Vlah (Hirt) kann nur auf Privateigentum (also nicht in der 
Gemeinde) und zwar unter den mit dem Eigentümer freiwillig eingegangenen 
Bedingungen in Poljica Aufenthalt finden. Im § 33 würde ich in dem ersten 
Absätze eine kleine Änderung in der Übersetzung vornehmen und statt »dem- 
jenigen für den sie bestimmt ist« näher ans Original kommend »jener Person« 
schreiben (onoj glavi); für das »das ihm zugefallene Grundstück«, womit 
»na svojoj zdribnici« richtig umschrieben wird, wäre es vielleicht er- 
laubt das Wort »Los« anzuwenden. Ich weiß auch nicht, ob die Worte »Doch 
jeder darf nur das ihm zugefallene Grundstück besitzen« wirklich das aus- 
drücken, was dieser Zusatz besagen will. Ist mit den Worten nicht vielleicht 
gemeint, daß bei etwaigen nachträglichen Teilungen oder Messungen keiner 
um sein Los (sein ihm zugefallenes Grundstück) kommen soll? Im § 34 möchte 
ich den Ausdruck uzopet, den ich durch iuxta erklärt hatte, jetzt nicht mit 
'parallel' übersetzen, sondern eher mit »in entgegengesetzter Richtung« oder 
»rückläufig«, also »daß der Rechtsstreit sich rückläufig bewege« ; an der Sache 
list selbstverständlich damit nichts geändert. Für »so steht es ihr frei« würde 
man besser sagen »so steht es ihm frei« (d. h. dem Geklagten). Statt »seit 
anger Zeit so gut wie vernachlässigt« könnte man vielleicht sagen: »wegen 
langer Zeit so gut wie in Vergessenheit verfallen«. Im § 35a könnte der Aus- 
druck »zataknuti se« und »zatac« vielleicht durch Aufforderung, auf- 
fordern wiedergegeben werden, vgl. zatka im heutigen Montenegrinischen, 
Schwierig ist die Übersetzung der Phrase »gre uz ruku«. Prof. Matic über- 
setzt; »Die sonstige Schlägerei oder Wunde trifft die Hand«, das ist viel- 
leichtwörtlich richtig, aber dem Sinne nach unklar; die von Matic hinzu- 
gefügte Erklärung lautet »von der sie verschuldet bzw. beigebracht wurde«. 
Doch ist damit das Ausmaß der Strafe noch nicht ausgedrückt, während wir 
sonst überall die genaue Straf bestimmung finden. Vielleicht soll der ganze 
Absatz nur eine Einleitung für die weiter folgenden Einzelfälle bilden, und 
dann würden die Worte »gre uz ruku« ausdrücken: »die sonstige Schlägerei 
oder Wunde richtet sich nach ihrer Art« (vgl. svake ruke, srednje ruke). Hübsch 
hat Prof Matic in § 37 b vor vrazdi das Wörtchen dvi ergänzt, ich erwähnte 
in der Ausgabe die Lücke ohne ihre Ergänzung, die sich aus 41a ergibt. Ebenso 
ist sehr hübsch der § 47 in seiner originellen Diktion beleuchtet. Die Berech- 
nung der im §47 zitierten unklaren Stelle bezüglich der ovni tretintni, die 
der Übersetzer als dreijährige Widder auffaßt, muß ich als mir nicht ganz 
schier auf sich beruhen lassen. Es ist im Texte von 20 Widdern die Rede, dar- 



266 Kritischer Anzeiger. 

nach würde also der Sinn der Stelle nach Matic dahin gehen, daß bei der 
Lieferung von dreijährigen Widdern statt 20 nur 15 zu geben wären. Oder 
soll das vielleicht bedeuten, daß die Widder so groß sein mußten, daß jeder 
von ihnen statt einer Einheit zu vier Drittel gerechnet wurde? Ein dreijähriger 
Widder sollte tretjak (jetzt trecak) heißen, das Adjektiv tretintni. auf 
tretina (dritter Teil) beruhend könnte sich auch auf die Größe, ohne gerade 
die Dreijährigkeit auszudrücken, beziehen. Im § 49 ^ finde ich für prinajde, 
prinasao, nasao in der Übersetzung das Wort 'erwerben', 'hinzuerwerben' 
angewendet. Da einmal neben prinajde die Ausdrücke pribavi und pri- 
kupi, izdvori, das andere Mal zu nasao aie Ausdrücke dobio, pribavio 
folgen, so möchte ich fragen, ob mit prinajde nicht das gemeint war, was 
der gegenwärtige Besitzer des Stammgutes bei seinem Antritt schon als etwas 
von seinem Vorgänger hinzuerworbenes aber doch vom Stammgut abgeson- 
dertes vorfand? Denn prinaitikann wörtlich bedeuten: auf etwas kommen, 
also finden, was als nachträglich und nicht ursprünglich gilt. Diese Erklärung 
würde bedeuten, daß der Erbe eines Stammgutes auch solchen Besitz beerben 
konnte (also ohne sein Zutun bekommen, gleichsam finden), der nicht als zum 
Stammgut gehörend angesehen wurde, daher von dem jetzigen Besitzer auch 
entäußert werden konnte. Im § 51 d würde ich statt »so sollen sie nach Maß- 
gabe der Anteile abkaufen, die ihnen bei der Teilung ihres Stammgutes ge- 
bühren« in näherem Anschluß an das Original so sagen: »dann sollen sie in 
der Weise und nach jenen Anteilen abkaufen, wie sie bei der Teilung des 
Stammgutes vorgehen«. Zu § 52^ will ich bemerken, daß uvit in meinem 
Glossar statt conditio besser durch pactum hätte erklärt werden sollen und 
das würde mit dem übereinstimmen, was jetzt Prof. Matic richtig über das 
Wort sagt. 

Im § 55a übersetzt Prof. Matic die Worte »Ki bi . . . pankao ali se do 
virnosti takao« durch »der . . . böse Verleumdungen oder Verletzung der 
Treue sich zu Schulden kommen lassen sollte«. Hier ist die Verleumdung für 
pankati richtig, aber do virnosti se taknuti kann, glaub' ich, nichts 
anderes bedeuten, als »die Treue anrühren« oder »die Treue angreifen«, darum 
fasse ich die in diesem Paragraphen zur Sprache kommende sehr strenge 
Ahndung etwas anders auf, wobei auch die Worte suproc mistu nasemu, 
wie ich glaube, einen leichter erklärbaren Zusammenhang bekommen, d. h. ich 
übersetze so: Wenn sich jemand finden sollte, wer immer es sei, ein Vlastelin 
oder ein Didic oder ein Geistlicher oder welchen immer Standes Mensch, der 
entweder selbst oder durch einen anderen, sei es schriftlich oder mündlich, 
böse Verleumdungen verbreitet oder die Treue unserer erlauchten veneziani- 
schen Herren oder ihrer Eektoren unserem Ort gegenüber anrührt . . . Die 
Beschuldigung kulminiert also in Angriffen gegen die Republik Venedig und 
ihre Rektoren bezüglich ihres Verhältnisses zuPoljica, in einer ehrenrührigen 
Verleumdung und Auflehnung gegen die Republik wegen ihres Verhaltens 
Poljica gegenüber ... So erkläre ich mir auch die Ausschließung jeder Be- 
gnadigung, selbst wenn sie von den Vertretern der venezianischen Oberhoheit 
in Vorschlag gebracht werden sollte. 

Sehr gut lautet die Erklärung und im Zusammenhang damit auch die 



T. Matiö, Statut der Poljica, angez. v. Jagic. 267 

Übersetzung des § 59 a, auch der Versuch über die Schwierigkeit in § 50b be- 
treffs zastava hinwegzukommen, kann gebilligt werden, obgleich ich einen et- 
was präziseren Ausdruck statt Grundstück vorgezogen hätte, aber welchen? 
vielleicht »Feldstück« oder »Anbau«? Denn zastava muß doch etwas be- 
stimmteres ausdrücken als das gewöhnliche zemja. 

Zu § 61 über istupiti, istup-odstup kann man jetzt das rechts- 
geschichtliche Hilfsmittel »Prinosi za hrvatski pravno-povjestni rjecnik. Na- 
pisao Vladimir Mazuranic« S. 4-17 — 448 zu Rate ziehen, woraus man sieht, daß 
ich den Ausdruck falsch gedeutet hatte und dadurch auch den Übersetzer auf 
fale- hen Weg führte. Es handelt sich um die evictio, cautio expeditoria, de- 
fensio rei venditae. Mazuranic zitiert aus den Acta croatica nach der Ausgabe 
Surmins 'S. ITS) das Beispiel, wo bei einem Kauf die Verkäufer den Käufer 
eicher stellen: »Ako bi ih (d. h. den Mikula i njegov ostanak) hotil u recenom 
imanji briziti, utiskati i usilovati, da hote (sc. die Verkäufer) vlastitim svoim 
trudom i tracenjem n parni i izvan parne braniti i istupiti«. Es gibt noch 
einige Beispiele für das Verbum und auch istupnik für evictor kann belegt 
werden. Vgl. auch Bartal Gloss. mediae et infimae latinitatis regni Hungariae 
s. V. evictio, evictor u. a. Darnach müßte diese Bestimmung des Pol. Statutes 
jetzt anders übersetzt werden. Im ,§ 63b ist die Übersetzung »eine Frist bis 
zum (nächsten?) Gerichtstag« für ,rok na obrok' nicht ganz genau; ich glaube 
die Stelle so verstehen zu müssen, daß man den schriftlichen Beweisen so viel 
Gewicht beilegte, daß man selbst bei dem schon zustande gekommenen letzten 
obrok noch einen neuen Termin zur weiteren Verhandlung gestattete. Dafür 
spricht auch der ganze weitere Text. Im § 65 wäre statt 'Bosheit' vielleicht 
genauer 'Böswilligkeit' (zle volje) zu sagen. 

Im § 68a könnte bei obljubljen auch auf die Beispiele des Verbums 
obljubiti in altserbischen Denkmälern hingewiesen werden, sonst ist 'ein- 
vernehmlich' ein ganz gut gewählter Ausdruck, den man auch durch 'gütlich' 
ersetzen könnte, z. B. gütliche Austragung würde ganz gut klingen. In § 69 b 
ist mit den Worten »zu Hause aufsucht« mehr gesagt, als das Original verlangt, 
wo es nur heißt: »wenn er ihn vom Hause vorladet« (daß der Gläubiger selbst 
ihn zu Hause aufsucht, das steht im Original nicht). In § 71 b könnte man für 
pratez statt des etwas blassen Ausdrucks 'Sache' hier vielleicht auch 'Ware' 
anwenden (doch vgl. § 77). Im § 72b dürfte für p'ohititi se na kucu statt 
'ergreifen' besser sein 'angreifen' oder 'sich vergreifen'; ebenso im § 73 d würde 
ich den Ausdruck 'Beeidigung' entsprechend dem § 73e auch hier durch 
»Eidesleistung« ersetzen. In dem letztgenannten § 73e wäre es genauer den 
Ausdruck s pristavi i zakletvom durch »mit den Pristaven und der 
Eidesformel« (statt 'dem Eide') zu übersetzen, daher auch in § 73= po za- 
kletvi statt 'durch den Eid' würde ich übersetzen »nach der Eidesformel«. 
Klar sieht man, daß es sich liier um die Eidesformeln handelt, aus § 76, wo die 
Eidesformel angeführt ist: »da nije cestan ni vistan<r. Im § 76 statt »daß er 
sie mit dem Kopfe büßen müßte« wäre es besser allgemein auszudrücken »daß 
sie (sc. Schuld) mit dem Kopfe zu büßen wäre-. In diesem Paragraphen hatte 
ich an einer Stelle falsche Interpunktion gesetzt, die Worte »ako li bi se kriv 
ansao« gehören zu dem vorausgehenden Satz »kom no bi oni duzan«, d. h. 



268 Kritischer Anzeiger. 

man muß übersetzen: »so trifft denjenigen, der ihn . . verleumdet, jene Schuld 
und Strafe . . ., die diesen treffen würde, wenn er für schuldig befunden wor- 
den wäre«. Auf diesen Fehler hat M. K. in Mjesecnik pravnickoga drustva 
(God. XXXIX Kn. I br. s. S. 72) aufmerksam gemacht und ich nehme die Be- 
richtigung dankbar an. In § 77 ist die kurze Ausdrucksweise onomu je 
pravda übersetzt durch »so stellt diesem die Rechtsprechung zu«. Ist 
das nötig? Soll es nicht vielmehr heißen: »so hat dieser vor Gericht zu er- 
scheinen« ? In §8015 wäre es besser »auf einem Gemeinde-Grundstück« für na 
opcenom zu sagen, als »auf einem gemeinsamen Grundstücke«. So wird ja 
opceni auch von dem Übersetzer regelmäßig durch 'Gemeinde-' ausgedrückt. 
Darum 'auch in § 96 ucinise opceno bedeutet so viel wie: »sie machten 
einen Gemeindebeschluß«; auch im § 101 würde ich puti opceni ebenfalls 
durch Gemeindewege übersetzen (Matic schreibt »die öffentlichen Wege«), und 
wahrscheinlich kann man auch im § 104 v o da zi va ima biti opcena durch 
»ein Quellenwasser soll der Gemeinde angehörig sein« übersetzen. In demselben 
§ 8üe muß ich 'u miru' nach meiner Auffassung (d. h. von mir nicht von mer a 
abzuleiten) in Schutz nehmen, erstens darum, weil ich keinen Grund für eine 
besondere Abmessung der Anteile finde, diese könnte erst bei einem beson- 
deren, vielleicht recht spät eintretenden Fall stattfinden, und zweitens darum, 
weil im weiteren Texte dieses »Ungestörtsein« motiviert wird dadurch, daß 
der Erbauer bei der Herstellung der Mühle mit einer öffentlichen Arbeit von 
einer gewissen Dauer zu tun hatte, und da man ihn während dieser ganzen 
Zeit in Ruhe gelassen, so soll man ihn auch nach der Fertigstellung in Ruhe 
lassen und die Mühle als zu seinem Anteil gehörig ansehen. Meine Auffassung 
stützt sich übrigens auch darauf, daß ich mir die Mühle als auf einem Gemeinde- 
grundstück aufgeführt vorstelle, Prof. Matic denkt aber an die Teilhaber bei 
einem gemeinsamen Grundstücke, wovon nach meiner Auffassung hier nicht 
die Rede ist. Daher ist die Anm. 4 zu § 80b nach meiner Auffassung über- 
flüssig. Im § 841^ sind die Worte »wenn eine solche entdeckt wird« nicht ganz 
dem Texte »ako se obnajde taj takova« gleichlautend. Hier ist wohl 
zimächst von der Konstatierung des Kindesmordes an sich die Rede, die 
eigentliche Entdeckung und Ergreifung der Schuldigen kommt in nächsten 
Zeilen zur Sprache: »kad ju obociti, ima ju hitati«, d. h. wer sie zu 
Gesicht bekommt, soll sie ergreifen. Im § 92^, 92 1, 107 ^ übersetzt Prof. Matic 
das Verbum razjagmiti durch 'verschleppen'. Endlich und letztlich kommt 
es darauf hinaus, doch zunächst ist an die Wegnahme als Beute, an Konfiskation 
in ihrer primitiven Art zu denken. So steht auch im § 107bzajagmu opceno, 
was wohl »eine Konfiskation zu Gunsten der Gemeinde« bedeutet. Im §94 ist die 
Beseitigung der Grenzzeichen ausgedrückt durch die Verba istukao und is- 
tlacio, man sollte anschaulicher übersetzen, etwa durch 'niederschlagen' und 
'niedertreten', statt der etwas zu allgemein lautenden Ausdrücke »ver- 
wischen«, »vernichten». Der §97 bleibt auch jetzt mir unverständlich. In 
§ 102 finde ich den eingeklammerten Zusatz »in ein anderes Gebiet« eigent- 
lich überflüssig, ich würde nur zwischen 'weiter' und 'in der Richtung' nicht 
'und', sondern 'oder' setzen ;dale . . . ili onuj e). In § 104 im zweiten Absätze 
dürfte voda rvenica ganz einfach ein Brunnenwasser bedeuten, es heißt 



Bolte-Polivka, Anmerkgn. zu Grimms Märchen, angez. v. Jagic. 269 

ja in Psalm 68, 10 der Brunnen (tö (pQtKQ] bei Bercic rvenik. In § 107^ im 
ersten Absatz wäre ich geneigt in razam nichts anderes als die bekannte 
Präposition razve, razme , razmi zu suchen, nur stört das nächstfolgende 
Wort vola, welches dann im Genitiv vole lauten sollte, dann würde razam 
voje bedeuten »außer dem freien Willen«; ich gestehe, die Stelle nicht zu 
verstehen. In § 109, erster Absatz, ist der Ausdruck cira sepostuju etwas 
unklar, doch mit Hinweis auf das parallele Wort pocten (entlohnt) gut erklärt 
von Prof. Matic; es ist nur auffallend, daß hier das Wort mit s geschrieben ist, 
während sonst die ältere Schreibart mit c beobachtet wird. Ein cim sepos- 
tuju wäre auch für iictkiijtc>vk5tk et möglich, doch die Bedeutung dieses Ver- 
bums will zu dieser Stelle nicht stimmen. Auch der letze Absatz, der von 
posoba spricht, bleibt mit unklar. Prof. Matic erklärt für den ganzen Zusatz 
onako da i posobu vazmu als Subjekt das Wort gospoda, das erst 
hinten folgt; es wäre aber nicht unmöglich die zitierten Worte demselben 
Subjekte zuzusprechen, das in postuju vorliegt, d.h. die Gemeinde, und für 
die Herren (gospoda) würde nur die übliche gospodska globa bleiben 
(vergl. § 92a). Doch auch da verstehe ich nicht, was hier posobu vazmu 
bedeutet. Ist damit eine Interventionsgebühr, d. h. eine Entlohnung für die 
Mithelfer bei der Ertappung des Diebes gemeint? Die hier gegebene Über- 
setzung »je nach dem von ihm angerichteten Schaden sollen die Herren auch 
Intervention in Anspruch nehmen« befriedigt mich nicht. Prof. M. K. (Marko 
Kostrencic) übersetzt so: "je nach dem von ihm angerichteten Schaden sollen 
sie (sc. das Dorf »die Einwohner des Dorfes) Ersatz nehmen«, doch posoba 
bedeutet nicht Ersatz. 

Ich wollte mit diesen kleinen Zusätzen zu der vortrefflichen Leistung 
Prof. Matic' mein Interesse für dieses schöne Denkmal an den Tag legen, das 
in der Tat bisher noch sehr wenig studiert worden ist. Mag es auch nach 
seiner Abfassung zu späteren Eechtsdenkmälern zählen, in rechtsgeschicht- 
licher Beziehung hat es viel altertümliches erhalten, wie z. B. die Institution 
der vrazda, der Eideshelfer u. a., und daneben ganz neue venezianische Be- 
stimmungen. Diese Mischung der altslavischen oder frühmittelalterlichen 
Rechtsauffassung mit späteren, aus der venezianischen Herrschaft inDalmatien 
geflossenen Bestimmixngen verleiht eben dem Statut von Poljica einen eigen- 
tümlichen Charakter und Reiz. 

Zum Schluß will ich als eine wertvolle Bereicherung dieser Publikation 
den von Prof. M. Resetar geschriebenen Anhang über den Wert der im Statute 
erwähnten Münzen hervorheben. V. J. 



Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der 

Brüder Grimm. Neu bearbeitet von Johannes Bolte und 

Georg Polivka. Erster Band, Nr. 1—60. Leipzig 1913. 

80. VIII. 556 (Preis 12 Mk.) 

Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm sind ein weltbekanntes 
Buch. Jede deutsche Familie besitzt sie und weit über die Grenzen des deut- 



270 Kritischer Anzeiger. 

sehen Sprachgebietes sind sie verbreitet und beliebt. Die Brüder Grimm sorgten 
gleich anfangs dafür ihrer Leistung nebst dem angenehmen Lesestoffe für Kin- 
der und Erwachsene noch eine tiefere Bedeutung aufzuprägen durch Nach- 
weise von Quellen und Parallelen zu den einzelnen Märchen. So entstanden 
die Anmerkungen, ursprünglich als Anhänge zu den beiden Bändchen der 
Märchentexte in den ersten Ausgaben vom J. 1812 u. 1815, dann in der zweiten 
(1822) und dritten (1856) Auflage als abgesondertes Bändchen. In der dritten 
Ausgabe vom J. 1856 umfaßte dieses Bändchen, als drittes zu den zwei anderen 
die die Märchentexte enthalten, die Anmerkungen zu allen 200 Nummern auf 
270 Sedezseiten, nebst Zeugnissen auf S. 271—282 über die Geltung der Mär- 
chen zu verschiedenen Zeiten und die Literatur (d. h. die ältere Bibliographie) 
auf S. 285 — 414. Diese ist chronologisch-geographisch geordnet, mit Strapa- 
rola, Pentamerone, Gesta Romanorum, Carl Perrault, Gräfin Aulnoy beginnend, 
und über Spanien, England, Dänemark-Schweden, Deutschland, Slawen, Un- 
garn, Griechenland, Orient sich ausbreitend (S. 285 — 351). Seit dem J. 1822 
kamen Nachträge hinzu, auf S. 352 — 360, die W. Grimm so abschließt: »Wie 
einsam stand unsere Sammlung, als sie zuerst hervortrat und welche reiche 
Saat ist seitdem aufgegangen. Man lächelte damals nachsichtig über die Be- 
hauptung, daß hier Gedanken und Anschauungen erhalten seien, deren An- 
fänge in die Dunkelheit des Altertums zurückgingen; jetzt findet sie kaum 
noch Widerspruch. Man sucht nach diesen Märchen mit Anerkennung ihres 
wissenschaftlichen Wertes und mit Scheu an ihrem Inhalt zu ändern, während 
man sie früher für nichts als gehaltlose Spiele der Phantasie hielt, die sich 
jede Behandlung müßten gefallen lassen.« Es folgen noch allgemeine Betrach- 
tungen in dieser Richtung und Wertschätzung avif S. 360 — 414. So sah aus der 
Inhalt des Bändchens aus dem Jahre 1856. Und nun, nach fast sechzig Jahren, 
erscheint eine ganz neue Bearbeitung jener Anmerkungen, die zwei in der 
Märchenkunde wohl bekannte Forscher zu Verfassern bat: den Berliner Gymna- 
sialprofessor Johannes Bolte und den Prager Universitätsprofessor Georg Po- 
Ifvka. Dieses Zusammenwirken zweier gleichen Zielen zustrebender gelehrter 
Kräfte ist eine erfreuliche Erscheinung, die ganz im Sinne der ersten Ver- 
fasser dieser Anmerkungen zu stände kam, da es allgemein bekannt ist, daß 
die beiden Brüder Grimm und namentlich Jakob Grimm die mannigfachen Er- 
scheinungen des slavischen Volkslebens mit besonderer Vorliebe in den Kreis 
ihrer wissenschaftlichen Forschungen zogen. Man wird vielleicht sagen, ja 
das seien die Zeiten der Romantik gewesen. Gut, doch gewiß gereichten diese 
Tatsachen dem Ansehen des deutschen Geisteslebens nicht zum Nachteil und 
sie wurden von ihren östlichen Nachbarn mit aufrichtigem Dank quittiert. 

Welche Bereicherung jene Anmerkungen zu Grimms Märchen durch diese 
Neubearbeitung erfuhren, zeigt schon der bedeutende Unterschied in dem 
äußeren Umfange des Werkes: jetzt umfassen schon die Anmerkungen zu den 
ersten 60 Märchen volle 556 Oktavseiten, während nach der letzlen von den 
Brüdern Grimm herrührenden Bearbeitung für alle Märchen zusammen 270 
Sedezseiten ausreichten. Man darf nach diesem Verhältnis die Berechnung 
aufstellen, daß das ganze Werk in dieser Neubearbeitung mehrere Bände um- 
fassen wird. Schon in diesem Anwachsen des äußeren Umfangs spiegelt sich 



Bolte-Polivka, Anmerkgn. zu Grimms Märchen, angez. v. Jagic. 271 

der mächtige Aufschwang, den die vergleichende Märchenkunde im Laufe des 
letzten halben Jahrhundertes genommen, deutlich ab. Noch mehr spricht da- 
für die innere Behandlung des Stoffes. Kaum wo ist der äußere Umfang des 
Stoffes so angewachsen, wie in den slavischen Literaturen, während hier hinter 
der Sammeltätigkeit die, vergleichende Erforschung stark zurückbleibt. In letz- 
terer Beziehung steht gerade Prof. Polivka unter allen slavischen Zeitgenossen 
obenan, man kann ihn füglich einem Reinhold Kühler, dessen Andenken dieser 
erste Band der Anmerkungen gewidmet ist, an die Seite stellen. Schon durch 
diese Erweiterung nach der slavischen Seite gewinnt die Neubearbeitung der 
Anmerkungen zu den Märchen der Brüder Grimm für die slavische Folkloristik 
die größte Bedeutung, mag auch der slavische Stoff einer fremden Vorlage 
angepaßt sein, d. h. die deutschen Märchen bilden den Ausgangspunkt der 
Vergleicliungen und Parallelen. Daß übrigens selbst bei fremdem Ausgangs- 
punkt die Beziehungen der slavischen Märchen recht lebhaft sind, zeigt die 
Tatsache, daß Prof. Polivka nur bei ganz wenigen deutschen Märchen außer 
Stande war slavische Parallelen anzugeben. Das sind Nr. 8 : Die Hand mit 
dem Messer, Nr. 23: Mäuschen, Vögelchen und Bratwurst, Nr. 27a: Der Tod 
und der Gänshirt, Nr. 30 : Läuschen und Flöhchen, Nr. 38 : Die Frau Füchsin, 
Nr. 41 : Herr Korbes, Nr. 51 : Der Fundevogel. Auf je eine Parallele beschränkt 
sich die Vergleichung bei Nr. 18: Strohhalm, Kohle und Bohne, Nr. 26: Eot- 
käppchen, Nr. 42 : Der Herr Gevatter, Nr. 43 : Frau Trude, Nr. 49 : Die sechs 
Schwäne. Dieser gänzliche oder nahezu gänzliche Mangel an slavischen Pa- 
rallelen bei einigen deutschen Märchen kann allerdings auch nur von einem 
Zufall abhängig sein. Niemand wird behaupten wollen, daß der außerordent- 
lich reiche slavische Märchenschatz bereits vollständig gehoben sei; auch Prof. 
Polivka kann ungeachtet seines weit reichenden Überblicks über die ein- 
schlägige Literatur, dennoch das eine oder andere übersehen haben. Und doch 
wäre es vielleicht schon jetzt nicht unmöglich aus der bald größeren bald ge- 
ringeren Anzahl der Parallelen- die die slavische Märchenliteratur bietet, be- 
stimmte Schlüsse über die Bodenständigkeit einzelner Märchen zu ziehen. 
Selbstverständlich liegt auch außerhalb des Märcheuvorrates, dessen Heran- 
ziehung hier durch die deutschen Vorlagen bedingt wurde, in der slavischen 
Märchenliteratur noch vieles vor, das hier zur Sprache zu bringen nicht mög- 
lich war. Wir dürfen von Prof. Polivka bei einer anderen Gelegenheit eine 
ähnliche Bearbeitung des slavischen Märchenschatzes mit Zugrundelegung 
des slavischen Ausgangspunktes erwarten, was bei dem dritten Teil der sla- 
vischen Enzyklopädie, die der Ethnographie im weitesten Sinne des Wortes 
gewidmet sein wird, der Fall werden dürfte. Daß für eine solche Aufgabe in 
den vorliegenden Anmerkungen ein beträchtliches Stück Vorarbeit bereits 
geleistet worden ist, wer könnte das in Abrede stellen. 

Sehen wir uns die Anmerkungen etwas näher an. Prof. J. Bolte sagt in 
dem Vorworte zur neuen Bearbeitung folgendes: >Da sie (d. h. die Anmer- 
kungen) sich von Anfang an durch ihre Reichhaltigkeit und Zuverlässigkeit 
als ein höchst wertvolles Hilfsmittel der Märchenforschung und der verglei- 
chenden Stofifgeschichte erwiesen haben, ward öfters das Verlangen nach 
einer Neubearbeitung des Werkes laut und schon vor vierzehn Jahren über- 



272 Kritischer Anzeiger. 

gab mir Professor Hermann Grimm zu diesem Zwecke die Handexemplare 
seines Vaters und seines Oheims . . . Sobald es aber an die Einreihung der 
gewaltigen Menge neuer Märchenaufzeichnungen aus allen Ländern der be- 
wohnten Erde ging, zeigte es sich, daß der Bearbeiter in der Anordnung so 
wie in der Bewertung der einzelnen Märchenmotive öfters eigene Wege einzu- 
schlagen hatte, wenn er auch, wo es nur irgend anging, den Wortlaut der 
dritten Auflage beizubehalten suchte.« Aus diesen Worten ist nicht klar zu 
entnehmen, was etwa der Bearbeiter in den Handexemplaren der beiden Brü- 
der vorfand; doch der größte Teil dürfte ohne Zweifel von ihm und seinem 
Mitarbeiter herrühren. Das zeigt schon eine flüchtige Vergleichung des in der 
Ausgabe vom Jahre 1856 gesammelten Stotfes, mit der reichen, ja fast er- 
drückenden Fülle des hier gebotenen Materials. Man könnte fast sagen, daß 
der im Nachlaß der beiden Brüder gebliebene Stoff meistens nur den Kopf 
der Anmerkung zu jedem einzelnen Märchen bildet, während sich der ganze 
übrige Inhalt frei ausdehnt mit nur geringfügigen, dünnen Adern, aus dem 
Reste ihrer Angaben eingeschaltet. Bei jedem Märchen steht an der Spitze 
genaue, zum Teil präziser als in den Grimmschen Ausgaben lautende Angabe, 
wie, wann und woher es in die Sammlung der Brüder Grimm kam. Dann folgt 
die Aufzählung zunächst aller deutschen Varianten, die zwar an das früher 
Gebotene anknüpfen, doch bei weitem mehr bieten, d. h. alle später er- 
schienenen Varianten mit in Betracht ziehen. Selbst die Zahl der Märchen ist 
dadurch vermehrt, daß neben Nr. 6, 8, 22, 27, 33, 54 aus der Ausgabe vom J. 
IS 12 wieder aufgenommen wurden Nr. 6a-: Von der Nachtigall und der Blind- 
schleiche , Nr. S^ : Die Hand mit dem Messer, Nr. 22^: Wie Kinder Schlachtens 
miteinander gespielt haben , Nr. 27^ : Der Tod und der Gänsehirt, Nr. 33^ : Der 
gestiefelte Kater, Nr. 54a : Hans Dumm. Die Reclamsche Ausgabe, die auf dem 
Titelblatt die Bezeichnung »Vollständige Ausgabe« führt, hat diese Märchen 
unberücksichtigt gelaasen. Natürlich auch in den Anmerkungen der Brüder 
Grimm im J. 1856 wurden sie außer Betracht gelassen. Nach der Aufzählung 
der deutschen Varianten, die selbst dort wo sie schon bei Grimm erwähnt 
wurden, hier vielfach genauer und eingehender besprochen werden, folgen zu- 
meist an erster Stelle die Parallelen aus den übrigen Ländern germanischer 
Rasse (z.B. Vlämisch, Niederländisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, 
Isländisch, Englisch), dann in zweiter Reihe die keltischen, romanischen, 
griechischen, albanesischen, romanischen Parallelen. An dieser Stelle greift 
gewöhnlich Prof. Polivka mit seinen sehr reichhaltigen slavischen Zitaten ein, 
wobei auch er nach Maßgabe des vorhandenen Materials eine bestimmte geogra- 
phische Reihenfolge beobachtet; er pflegt zu beginnen mit den südslavischen 
Zitaten (slovenisch, serbokroatisch, bulgarisch), geht dann zu den Nordwest- 
slaven über (»Wendisch«, Slovinzisch, Kaschubisch, Polnisch, Öechisch, Slova- 
kisch) und beschließt mit den Groß-, Klein- und Weißrussen. An die Slaven 
reihen sich dann an die Ungarn, Litauer, Letten, Ehsten, Finnen und andere 
orientalische Volkstämme Rußlands, des Kaukasus und weiter Asiens. Auch 
hier spielte Prof. Polivka, soweit es sich um die Publikationen in russischer 
oder polnischer Sprache handelt, die Rolle eines sach- und sprachkundigen 
Vermittlers. 



Miller-Speranskij, Kirejevskij's russ. Volkslieder, angez. v. Jagic. 273 

Man könnte nicht verlangen, daß in den zitierten Parallelen alle Ab- 
weichungen von den deutschenGrundmärchen einzeln durchgenommen werden, 
das würde ja den Umfang des Werkes ins grenzenlose erweitern. Die beiden 
Bearbeiter mußten sich, mit Ausnahme des deutschen Variantenmaterials, auf 
kurze bibliographische Notizen beschränken, dennoch wird zur Andeutung 
gewisser Verschiebungen in einzelnen Zügen hie und da ein bezeichnendes 
Schlagwort angewendet. Auf die Frage, in welchem Märchenmotive das ur- 
sprüngliche zu finden sei, wird meistens nicht näher eingegangen. Ein gründ- 
licher Märchenkenner wird, wo ihm verschiedene Varianten vorliegen, selten 
in Verlegenheit sein zu sagen, welche Einschaltungen, Erweiterungen oder 
Verschiebungen nachträglich in das eine oder andere Märchen hineingetragen 
worden sind. Das spricht zugleich dafür, daß es nicht immer leicht ist aus 
einem Märchen einen knappen, und doch alles Wesentliche wiedergebenden 
Auszug zu machen. Ich habe vor mehr als dreißig Jahren durch den brief- 
lichen Verkehr mit R. Köhler die Richtigkeit dieser Behauptung erprobt. 
Die Namen der beiden Mitarbeiter an diesem großen Werke gewähren volle 
Bürgschaft dafür, daß ihre Auszüge immer das Wesentliche hervorkehren. 

So möge denn diese reiche Fundgrube der Märchenforschuug der vollen 
Aufmerksamkeit aller Folkloristen, zumal auch im Bereiche der slavischen 
Literaturen, aufs eindringlichste empfohlen werden. V. J. 



IlicHH coöpaniii II. B. luip'i&eBCKaro. HoBaÄ cepia. IIsAanti 06me- 
CTBOM'B JlHDÖiiTejieiiPocciHCKonCjroBecHocTH npii ÜMnep. Mockobcko3ji> 
yHHBepcHxeTi. noAt pe^aKi^ieil ä- '^^- 06. aKaÄCMHKa B. 0. MiLoepa 
H npo*. M. H. CnepaiicKaro. BtinycK'B I. MocKBa 1911. 8^, 10. 
LXXIII. 356. (Volkslieder aus der Sammlung P. V. Kirejevskij. 
Neue Serie, Heft I.) 

Die beiden Brüder Kirejevskij, Ivan und Peter, bilden unter den groß- 
russischen Adelsgeschlechtern der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine 
äußerst sympathische Erscheinung. Zwei reich begabte Naturen, voll des 
edlen Strebens nach einer höheren philosophisch-historischen Bildung, die sie 
zu einem Aufenthalt ins Ausland führte; beide unter einem gewissen Einflüsse 
der Philosophie Schellings stehend als Vertreter ihrer eigenen originell aufge- 
faßten philosophisch-nationalen Romantik. Bei Ivan kulminierte diese in der 
philosophischen Begründung der slavophilen Richtung, bei Peter in einer 
praktischen Betätigung, in der Sammlung der Volkslieder, um auf diese Weise 
der russischen Volksseele und ihren Stimmungsäußerungen näher zu treten. 
Doch über dem Sammeleifer P. Kirejevskijs waltete ein eigener Unstern. Trotz- 
dem seine Sammlungen der russischen Volkslieder einen großen Umfang von 
vielen Tausenden erreicht hatten, erschien während seiner Lebzeiten sehr 
wenig davon im Drucke. Das wichtigste waren eigentlich die 53 Nummern der 
christlichen Legenden die er unter dem Titel »PyccKiH napoÄHBiH nicHu coöpan- 
HtiH neTpoMt KupieBCKHMT.. ''lacTB I-aH : PyccKie uapoÄHBie cxuxu« in den Mos- 
kauer ^IreHia 1848 Nr. 9 herausgab (S. 1—226). Das war jedoch nur ein unbe- 

Arcliiv für alavisclie Philologie. XiXV. 18 



274 Kritischer Anzeiger. 

deutender Teil der Ganzen, man sprach sogar von 800 Legenden, die er schoit 
bis 1832 gesammelt haben soll. Wie viel davon später P. Bezsonov in seiner 
Ausgabe der Ka.iiKu nepexoacie verwertet haben mag, das weiß heute, glaub 
ich, niemand. Ich finde nur in dem XXIII. Volum des Kirejevskischen Nach- 
lasses bei Speranskij zerstreut einen Teil des Textes. Speranskij erzählt (S. 
XLIII der Einleitung), A. V. Markov habe durch die Vergleichung der Aus- 
gabe Bezsonovs mit den Originalen (welchen ?) konstatieren können, daß 
Bezsonov bei weitem mehr als nur einzelne Nummern aus Kirejevskij ge- 
schöpft habe. Das Schicksal wollte es, daß nach dem im Jahre 1856 er- 
folgten Tode Peter Kirejevskijs noch ein bedeutend größerer Teil des 
von ihm gesammelten Materials demselben P. Bezsonov in die Hände 
kam. Als nämlich P. Kirejevskij starb, fiel der handschriftliche Nachlaß 
dem gesetzlichen Erben, Stiefbruder V. A. Jelagin zu, der ihn herauszu- 
geben beabsichtigte und dabei zunächst den Hauptmitarbeiter Kirejevskijs 
bei der jahrelang fortgesetzten Sammlung der Volkslieder, P. I. Jakuskin in 
Aussicht nahm. In der Tat soll Jakuskin bereits innerhalb des ersten Jahres 
nach dem Tode Kirejevskijs (d. h. bis Oktober 1S5T) eine Sammlung der histo- 
rischen Volkslieder zum Druck vorbereitet haben. Warum die Herausgabe 
nicht zu Stande kam, weiß man nicht, und was noch merkwürdiger klingt, das 
ganze handschriftliche Material, samt dem bereits von Jakuskin zum Druck 
verarbeiteten, wurde im Jahre 18(i0 von demselben Jelagin zurückgenommen 
und der bei der Universität bestehenden Gesellschaft OumecTBo .IroöuTCJieM 
PocciücKoft CjioBecHocTii zur Aufbewahrung und eventuellen Herausgabe abge- 
treten, die zu diesem Zwecke nachher aus ihrer Mitte eine Kommission ein- 
setzte, in welche Jakuskin keine Aufnahme fand. Er wurde ganz eliminiert, 
vielleicht auf Grund irgend welcher persönlichen Eanküne. Dagegen erhielt 
P. Bezsonov die Vollmacht das Material im Namen der Kommission, in der 
Wirklichkeit aber nach eigenem Gutdünken und eigenen Grundsätzen heraus- 
zugeben. Man muß der Energie Bezsonovs Gerechtigkeit widerfahren lassen, 
denn er gab in der Tat zwischen 1860 und 1874 in 10 Heften wie es scheint 
den ganzen Vorrat an epischen und historischen Liedern heraus, bei jedem 
Heft ließ er sich die Bevollmächtigung und Zustimmung seitens der Kommission 
ausstellen, so daß alles das, was er an dem ihm vorgelegenen handschriftlichen 
Material Kirejevskijs durch Anordnung, Zusätze usw. änderte, als von den 
Mitgliedern der Kommission gebilligt erschien. Da also seinen weitschwei- 
figen und zum Teil recht überflüssigen Exkursen, mit denen er die Ausgabe 
der Volkslieder belastete, offenbar kein Hindernis in den Weg gelegt wurde, 
so muß man glauben, daß damals die Gelehrsamkeit und Kompetenz Bezsonovs 
in solchen Fragen das große Wort zu führen, von den meisten Mitgliedern der 
Kommission anerkannt, wenn nicht gar angestaunt wurde. Herschensohn, von 
dem in dieser neuen Serie der Kirejevskijschen Sammlung der Volkslieder 
eine sehr hübsch geschriebene Biographie P. Kirejevskijs und Charakte- 
ristik seiner Lebensanschauungen herrührt (auf Seite I— XLII), sagt (auf 
Seite XL) wörtlich folgendes: wenn Kirejevskij aus dem Grabe aufstehen 
und sehen könnte, in welcher Weise Bezsonov seine Volksliedersammlung 
herausgegeben, so würde er wahrscheinlich bedauern, daß sie nicht alle so 



Miller-Speranskij, Kirejevskij's russ. Volkslieder, angez. v. Jagiö. 275 

verloren gingen, wie mau von einem Teil des Materials auf Grund des gleich 
nach dem Tode gemachten Inventars vermutete, daß er in Verlust geraten. 
Darin erblicke ich allerdings eine arge Übertreibung, aber richtig ist es immer- 
hin, daß man gleich nach dem Erscheinen des ersten von Bezsonov besorgten 
Heftes auf das Ungebührliche seines Verfahrens hätte aufmerksam machen 
sollen, wenn man mit ihm nicht einverstanden war. Wie das Verfahren 
Bezsonovs gegenüber dem von Kir^jevskij herrührenden Texte beschaffen 
war, das könnte man jetzt genau angeben, wenn man die Ausgabe der Texte 
bei Bezsonov mit den Originalen vergleichen wollte, die jetzt Prof. Speranskij 
in der Übersicht des ganzen vorhandenen Materials aufzählt, wobei er auch 
die Quellen der Bezsonovschen Ausgabe anführt. So spricht er unter VIII, 
771 — lOSl von den Originalen zu den im Hefte 1, 2, 3, 5 abgedruckten Texten 
der Ausgabe Bezsonovs (das Heft 4 bei Bezsonov scheint überhaupt nichts 
vonKirejevskij herrührendes zu enthalten) ; eben so ist der Inhalt des Heftes 6, 
7 und 8 der Bezson. Ausgabe enthalten in den Kartons XV, XVII, fürs Heft 9 
in den Kartons VI und XXII, für 10 in I, IV, VI, XVIII. Nach diesen also 
noch erhaltenen Vorlagen (dazu vergl. noch die auf S. LXXII erwähnten acht 
Hefte in denen ebenfalls Originale enthalten sind zu den in Heft 1 — 8 heraus- 
gegebenen Texten) würde man am besten beurteilen können, ob Bezsonov 
dem bei der Herausgabe des ersten Heftes gegebenen Versprechen treu ge- 
blieben, wo er versprach die Texte Kirejevskijs unverändert zum Abdruck zu 
bringen. Doch nicht genug an den 10 Heften der episch-historischen Lieder. 
Das reiche Material Kirejevskijs lieferte demselben Bezsonov noch viel Stoff 
für die von ihm im Jahre 1871 herausgegebene Sammlung der weißrussischen 
Volkslieder: > BijiopyccKifl nicuu . . , usÄa.!-!, neipi. BescoHOB^« (M. 1871). Er 
gesteht es ja selbst auf S. X— XI seiner »Erläuterung«, daß bei Kirejevskij 
ein ■ weißrussisches Archiv an Material« vorhanden war und da sich zur Aus- 
beute dieses Materials niemand so aufopferungs willig fand, wie er (Bezsonov) 
selbst, so habe Kirejevskij gern ihm dieses Material abgetreten, wobei er ihm 
auch mit seinen Erfahrungen an die Hand ging, was nach eigenem Geständnis 
Bezsonovs ungefähr ein halbes Jahr in Anspruch nahm. Das weißrussische 
Material fand sich in dem von Speranskij durchgesehenen Nachlaß nicht 
mehr vor, offenbar wurde es von Bezsonov nicht zurückgestellt oder gar 
vernichtet. 

Nach dieser nicht ganz einwandfreien Ausbeute des von Kirejevskij ge- 
sammelten Materials blieb noch immer vieles übrig, was weder er selbst noch 
Bezsonov unter seinem Namen herausgegeben. Jetzt erst erscheint, etwa 
achtzig Jahre nach Beginn der ersten Sammeltätigkeit, eine neue Serie der 
Kirejevskischen Volkelieder, abermals auf Kosten derselben Gesellschaft, unter 
Teilnahme mehrerer Moskauer Gelehrten, deren zwei, der Akademiker Vsev. 
Miller und Prof. M. N. Speranskij, als für die Redaktion verantwortlich anzu- 
sehen sind. Von beiden liegen auch, abgesehen vom Texte der Volkslieder, 
auch noch Einleitungen vor (von Vs. Miller auf S. 1 — 10, von M. Speranskij 
auf S. XLIII— LXXIII). In der Mitte eingeschoben findet man noch den schon 
erwähnten äußerst erwünschten Beitrag von M. Herschensohn (S. I— XLII). 
Während man aus diesen drei Einleitungen über die Bedeutung P. Kirejevskijs 

18* 



276 Kritischer Anzeiger. 

und über die Schicksale seiner Sammlungen sehr wertvolle Mitteilungen er- 
hält, vermisse ich genaue Angaben sowohl über die Beteiligung bei der Arbeit 
zur Fertigstellung dieses ersten Heftes, wie auch über den weiteren Plan der 
fortzusetzenden Ausgabe. Man findet auf S. 3 — 4 wohl einige Grundsätze ange- 
geben, die bei dem Druck des Textes befolgt wurden, darunter wird im 
Punkte 9 betreffs der Betonung etwas gesagt, was nach meinem Dafürhalten 
einer Änderung in peius gegenüber der Originalhandschrift Kirejevskijs gleich- 
kommt, wenn man die auf S. LVII erwähnte Art und Weise der Zubereitung 
des Textes zum Drucke seitens Kirejevskijs selbst in Betracht zieht. Auch der 
Umfang des in dieses erste Heft aufgenommenen Textes gegenüber dem auf 
S. LXII— LXXII aufgezählten Inventar des ganzen handschriftlich erhaltenen 
Materials tritt nicht deutlich genug hervor; von dem Inhalt des nächsten Heftes 
oder der weiteren Hefte erfahren wir schon gar nichts. Ich lese nur (auf Seite 
LXII), ,daß nach den Worten Speranskijs außer dem in diesem ersten Hefte 
herausgegebenen Material, hauptsächlich Hochzeitsliedern, eine große Anzahl 
von lyrischen Liedern noch an die Reihe kommen soll. Welcher Teil des 
ganzen Materials liegt nun in diesem ersten Hefte vor? Augenscheinlich sind 
hier vor allem die zwei »grünen Bändchen« (Aßi 3e.ieHi,iH lerpaÄii), von denen 
auf S. LXII die Rede ist, unter Berücksichtigung des Inhaltes der vier Kar- 
tons, die unter Nr. I genannt sind, für die Ausgabe verwertet worden. Doch 
bei näherer Prüfung der Angaben, die zu den Texten hinzugefügt sind, ergibt 
sich auch die Heranziehung anderer Quellen. So z. B. gleich die ersten 8 Lieder 
scheinen aus dem IV. Karton Bl. 198 — 215 entlehnt zu sein, die Nr. 9—32 aus 
dem Karton V,B1. 300— 382, aus Karton H, B1.61— 62 und vielleicht Karton VI, 
Bl. 521 — 554, usw. Warum das nicht genauer angegeben ist, verstehe ich nicht. 
Man bleibt oft im Unklaren. Z.B. betreffs Nr. 51—56 heißt es nur: von einem 
Unbekannten, nichts weiter. Sind darunter die Lieder aus Karton XII, Bl. 124S 
bis 1250 oder welche sonst gemeint? Oder Nr. 67 — 93 werden nur als von 
einem Sammler herrührend bezeichnet. Sind das die Lieder im Karton II, Bl. 
63—71 und XIV, Bl. 1525—1538? Nr. 94—108 sind wohl aus Karton XX, Bl. 
2267—2279, usw. Betreffs Nr. 124—169, die aus dem verloren gegangenen 
Puskinschen Heft herrühren, wird auf S. XLVI— XLVII referiert, ohne auf 
die betreffenden Nummern der Ausgabe selbst zu verweisen, so fehlt der wegen 
besserer Orientierung wünschenswerte Zusammenhang. Solche Unebenmäßig- 
keiten kommen auch sonst vor, ich erwähne sie nicht aus Nörgelei, sondern 
um bei der Fortsetzung der Ausgabe auf die Vermeidung solcher Lücken auf- 
merksam zu machen. 

Mit Recht wird sowohl von Vsev. Miller wie vonM. Speranskij der große 
Wert dieser Lieder hervorgehoben, deren Aufzeichnung in eine Zeit fällt, da 
das russische Volkstum noch weniger dem zerstörenden Einfluß der Zeit aus- 
gesetzt war als später und sich in primitiveren Anschauungen und Lebens- 
formen bewegte, als in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Das 
später reichlich gesammelte, aber früher herausgegebene gleichartige Mate- 
rial läßt sehr interessante Vergleichungen zu. 

Am nächsten liegt die Vergleichung mit dem reichen Vorrat von gleich- 
artigen großrussischen Volksliedern in der Sammlung BdUKopyGcx ex CBouxt 



Miller-Speranskij, Kirejevskij's russ. Volkslieder, angez. v. Jagic. 277 

nicHHX'i, oöpasaxt. oötiqaHXt u x. n. Maiepia-iLi coöpaHHWo u npHBeÄCHEMe bT) 
nopHÄOKT. IT. B. meiinOM-B«, (Tom-l I, BBin. 1 u 2. Cllön.. 1898—1900). Beide 
Sammlungen sind nahezu nach denselben Gesichtspunkten geordnet, d. h. wenig- 
stens bei den Hochzeitsliedern steht obenan das Prinzip der Gruppierung nach 
den Gouvernements, vom hohen Norden angefangen; nur lagert sich der Stoff 
in umgekehrter Reihenfolge, d. h. die Kirejevskijsche Sammlung beginnt mit 
Hochzeitsliedern und darauf folgen die an bestimmte Festzeiten des Jahres 
fallendenLieder,ferner die Wiegenlieder, die Reigen- und Tanzlieder, bei Sein 
stehen dagegen die Kinder- und Wiegenlieder und Reigenlieder an der Spitze, 
dann folgen die rituellen und Hochzeitslieder. Das in beiden Angaben bei- 
gegebene Verzeichnis von Anfangsversen läßt das Nachschlagen zu, wobei 
man sich oft überzeugen kann, daß gewisse Anfangsverse typisch sich wieder- 
holen, ohne den gleichen weiteren Verlauf des Inhaltes zu bedingen. Und auch 
umgekehrt der sonst gleiche Inhalt variiert gerade in den einleitenden Versen. 
Zuweilen trifft dennoch beides zu. Z. B. bei Kir. Nr. 17 (aus Mezen) und bei 
Sein Nr. 1552 (aus Gonv. Vologda) liest man folgendes Liedchen: 



K. 

He nasyniKa no «EopuKy xo;iH.ia, 
He naBUHoe nepBuuo poHUJia: 
AHHa- To no ropHiiui xoÄUJia, 
HeipoBHa no csiTjoH ryjfl.!ia. 
AHHa Ko niKa-ty no^xcauja, 
HcTpoBHa 3äMKy roBopu.ia : 
Mofi HiMeiiKiü 3aM0KX, otomkhuoi, 
KunapiiCHMH SBepii, oxonpiixecB ! 
PoÄHa MaiyniKa Moa, npoöyÄHca, 
Tbl cysaptiHS moh, npocHHca ! 
Mui HC BiKX ace y Bact BiKOBaxii, 
MhI He roÄi> Hce y Bact roaoBaxu : 
Oany HoieHtKy HOicBaTu! 
He 3Haü : cxoa MHi ee npocxoaxu, 
He 3uaii : CHJKa mh^ ee npocHaiTH, 
He 3Hafi; Jicaca Mui ee npo.jeHvaxii, 
He 3Haü: Bory MHi cxaiL noMO.iuxi.ca, 
He 3HaH : ci. MaxyuiKoä «yiiy Äyiaaxu, 
Gl noÄpyacKaMU piiu roBopmu? 
Vact a KaKT. ace öyay OTCiaBaxu 

Olt poailMOÜ CBOeii CIOpOHKII, 

yjKX KaKt ;Ke 6yÄy a npiicxasam 
Kt lyjKoft, Aa.ii.Heu ko cxopoHKi? 
YacT. KaKT. ace öysy BSBC-m^axH 
R pojuxejeii cbohxt. öoroaaHHtixi.? 
Mui cBeKpa-io KaKrt öyaexi. sBaxu, 
KaKX CBeKpoByniKy nasHBaiu? 



s. 

^Ixo He naBa no cine^KaM'B xojiHJia, 
He naBjHHoe nepte poHa.3a, 
HoJUKceHa no cinaMi. xoaiija, 
BHKxopoBHa no cinaMi. ry.ia^a. 
Ona THxyH) piuB roBopu^ia: 
Oionpuca, saMOKi. oxonpaca, 
KnnapiiCHaa ÄBepB, oxEopuca! 
OxEopiicB, xen.iaa cna.!itHa, oiBopHca, 
Pa3MaxHiici, , uiuxT. - ÖpaHT. nojoatOK'B, 

pasMaxHHca ! 
HpoöyaHca, po^nofi öaxioniKa, npoöyÄiica, 
Tti npocHUca, po^na MaxyuiKa, npocHuca! 
Mni He toäbi y Baci. roÄOBaiu, 
O^Ha HO^Ka y BacB HoqeEaxn, 
Jla, u la Ha MOJUiBi iipocioaxu. 



Man sieht hier, daß die spätere 
Aufzeichnung manches an epischer 
Breite eingebüßt hat. Die ganze Klage 



278 



Kritischer Anzem-er. 



K. 

KaKT, aeEeptuueBT. no'iuxaTH? 
Mui ÜBaua 6yÄeTi> ssaTB ÄpyroMx: 
^pyrx cep;i;ciHLiii, Äpyri. cepaeiHLiä. 



über die besorgnisvolle zukünftige 
Stellung der Frau zu den neuen 
Schwiegereltern ist hier ausgelassen. 



Oder wenn man Nr. 20 bei Kiröjevskij (aus derselben Gegend, in Mezen) 
mit einem Liede des Novgorod. Gouvernement bei Sein Nr. 1712 vergleicht, 
auch da findet man größere Breite bei K., wenn auch sonst die ganze Erzählung 
auf dasselbe hinauskommt. Ich führe nur die Schlußverse an, die altertüm- 
licher in K. klingen, als in S. : 



S. 
yacT. KaKT. Maptyi cxa-ia n^aKaxu: 
Bm He xaiixe jikau ÄOÖptie, 
He caMa k kx BaMt saixa^a, 
oaBesjm mchh kohu Äoöptie, 
^Ixo BacH.;iBfi AeaHacBeBHua. 



K. 

AHHyiuKa cxa.ia n^iaKam: 
He acypuxe Bti, qyacH jiioäii, 
E öorOÄaHHLie poÄureJu. 
He caMa a wh BaMi. Ha ÄBopt npuui.3a. 
He CBoeio n oxotok : 
'^TO 3aBe3X MeHfl caMt ugäoht» kuksb, 
Ha CBOHXt Äa na «oöpiixt koeüx-b, 
Ha ÄOÖpwxT. KOHHXt, HaCTyniuBtixT.. 

K. Nr. 86 aus hohem Norden (Cerdyii in Perm) stimmt hübsch überein 
mit S. Nr. 1763 (aus Gouv. Pskov); ich stelle sie nebeneinander, bemerke nur, 
daß auch hier in K. die ganze Darstellung prächtiger aussieht: 



K. 

Ho cianut., cinu'iKaM'E, 
Ho iiacTbiMT) nepexoÄHiKaMT), 
Tyxi. u xoÄU-ia, ryj[a.ia 
MoJOÄafl öoKpLiHH:, 
CBiit . . . (Doppelname) 
npuxoÄU.!ia, npiiry.!iH;ia 
Kt> KpoBaiKi xecoBeHtKoii, 
Ko nepKHi nyxoBeHBKoir, 
Ko noÄyuiKi KaMqaxHoii, 
Kt oniajij cooojBUHOMy, 
Kl. cBoeMy Äpyry MH.iOMy, 
CBiix Kx . . . (Doppelname) : 
»Yacx TBi CTauB Jiu, moü jacKOBiiü, 
npoÖyÄHCB, npuBixjiHBLiji: 
OxBflaaJicJi TBOÜ Äoöptift kohb 
Oxx ciojöa OTX ÄyöoBaro, 
Otx KOJie^KS. cepeöpeHaro, 
Oix Toro no30J[OieHaro. 
BopsaacH ate xBoii öopsLiS kohb 
BopBa.aca bo 3e.)ieHBiÄ caax; 



S. 
Ho ciHiiMX 6hiJio, no ciHUiKaMX, 
Ho lacTbiMX nepexoiu^iKaMx, 
Ja lyix xoj;uJia, ryjiKJia, 
Tyxx ryjifl.ia KpacHa Ä^BHiia, 
Ona xoÄio^H noryjtuBa.ia, 
ÜBoero ÄpyJKKa noöyacuBaja : 

>AXX TBI BCXaHB-KO, npOCHHCB MOJOÄeiJX, 

npoöyÄHCB Äynia, oTeiiKiii cbihx ! 
OiopBa.3Cfl xBoii Äoöpoii kohb 
Oix xoBO cxojiüa To^enoBa, 
Oxx KOJeiKa cepeöpeHOBa, 
Otx BuxoBa, no30.ioieHOBa; 
Ohx BopBa.;icii Bx sejeHoii ca^x, 
HpiiTonTaJix ohx bx caay ipaByuiKy, 
Bce sejicH^TO MypaByiuKy, 
11 Kajuny co Ma.!iuHOio, 
\IepHy aroÄy CMopoauHy.« 

»Tbi He n.iaqB, mo/T ÄymcHBKa, 
Ecju Borx Hacx noMu-iyeix, 
FocyÄapB nacx no>Ka.iyexx, 



Miller-Speranskij, Kirejevskij's russ. Volkslieder, angez. v. Jagic. 270 

K. S. 

Olli. se.ieuLiii ca^t noBLixonTa^n., HajKiiBeM'B casti zQÄeuhie, 

Oht. CO Ka;iUHoii, co iiaJiuHOM, II KajuHy co MaJiimoio, 

Cx ^epuoii uroÄoii CMopoÄHHoio!« ^epny Hro^y, CMopoAUHy. 

He xyacu, moh yMHafl, 
He neia.iBCH, pasyMHaH I 
EaKX npuaei'B secHa KpacHaa, 
A sa Heil Jiiro len^ioe, 
'^Ito noirayTT) ÄoacÄU ^acTtie, 
Orpacxeri. ;Ke Haiut 3e;ieHi.iu caj;T>, 
Ohx CO Ka^uHoii. co Ma;iuHoio, 
C-h qepuoii flroaoii CMopoAUHoio, 
Oh-l CO rpyiueä co sejieHoio, 
Out, CO HÖ^ioHiio caAOBOH). 

Zu dem bei K. mit verschiedenen Varianten versehenen Lied Nr. 223 
möchte ich noch auf S. Nr. 18G0 verweisen, oder zu K. Nr. 283, mit verschie- 
denen in K. selbst begegnenden Parallelen, auf S. Nr. 1856. Vergleiche auch 
K. 340 und S. 1781. Merkwürdig ist die Parallele K. 347 und S. 1864: die erste 
Hälfte stimmt fast wörtlich überein, doch bei K. folgen dann noch 11 Verse, 
in welchen sich das Mädchen mit der Bitte an den Bruder wendet, er möge den 
Vater und die Mutter durch Glocken aus dem (ewigen) Schlafe wecken. Zu 
dem mit epischer Breite ausgeführten Liede K. 351, das viele Varianten hat, 
vergl. noch S. 1832 eine ganz kurz gehaltene Parallele. Das Lied K. 522 (aus 
Gouv. Orel] hat seine beinahe identische Parallele in S. 1871 (aus Gouv. Tula;, 
also in der Nachbarschaft. Vergl. noch K. 752 und S. 1858, oder K. 1008 (aus 
Glazunovs Liederbuch) und S. 1866. Auch zu den Festtagsliedern gibt es 
^enug Parallelen, vergl. K. 1072 und S. 1131, K. 1073 und S. 1087, K. 1074 und 
S. 1104, K. 1075 und S. 1079, K. 1076 und S. 1111, K. 1077 und S. 1109, K. 1081 
und S. 1104, K. 1082 und S. 114i), K. 1083 und S. 1091, K. 1086 und S. 1105, 
K. 1089 und S. 1092. Noch mache ich aufmerksam auf die Entsprechung K. 
1092 und S. 1213. 

Daß bei vergleichendem Studium solche Parallelen ungemein wertvoll 
sein können, darüber braucht man kein Wort zu verlieren. Darum möge die 
Gesellschaft zielbewußt an dem neu begonnenen Werke vorwärts schreiten, 
der Dank gebührt ihr und den an der Arbeit dieses ersten Heftes Beteiligten 
schon jetzt für dieses schöne erste Heft der neuen Serie. 

Als diese kurze Anzeige bereits niedergeschrieben war, bekam ich von 
Prof. Speranskij, auf dessen Schultern die Hauptarbeit des ersten Heftes lag, 
einige Erläuterungen betreffs meiner oben zur Sprache gebrachten Desiderata, 
die ich auch ihm kurz mitgeteilt hatte. Darnach bestätigt sich meine Vermutung, 
daß der wesentliche Inhalt des ersten Heftes aus den zwei »grünen Heften« und 
den vier unter Nr. I auf S. LXII erwähnten Pappendeckel- Volums besteht. 
Ferner wird ausdrücklich betont, daß die zwischen die Liedertexte einge- 
schalteten Prosatexte durchgehend aus dem Kirejevskijschen Material ge- 
schöpft sind. Auch die Fortsetzung der Publikation sei so gut wie gesichert. 



280 Kritischer Anzeiger. 

Für das nächste Heft habe man unter seiner Aufsicht das auf S. LXXI unter 
Nr. IV erwähnte Material bereits abgeschrieben, es werde etwa 3500 meist 
kurze Lieder enthalten. Er werde, wie er es schon im vorigen Jahre getan, 
seine freie Zeit in den Ferialmonaten ganz diesem Gegenstande widmen. Wir 
können nur unsere Befriedigung darüber äußern, daß auf diese Weise die Ge- 
sellschaft >.IIio6uTe.aeii PocciftcKoii c,!i0EecH0CTu< endlich von ihrer Schuld be- 
freit wird, die sie vor mehr als fünfzig Jahren auf sich nahm, indem sie sich 
moralisch verpflichtete das ihr anvertraute Gut herauszugeben. V. J. 



Hrvatske i srpske narodne poslovice, spram grckih i rimskih poslo- 
vica i krilatica Napisao Dr. Ivan Kasumovic. U Zagrebu 1912, 8<> 
161, 196 (S.-A. aus Ead, B. 189, 191). Die kroatischen und ser- 
bischen Sprichwörter im Verhältnis zu den griechischen und rö- 
mischen. 
Die Moskauer Sammlang mittelgriechischer Sprichwörter von Carl 
Erich Gleye. Leipzig 1913, 8" 36 (S.-A. aus Philologus LXXI). 

Ich zitiere diese zwei Schriften ungleichen Umfanges — die eine ist ein 
umfangreiches Werk, die andere eine kritische Abhandlung — unter einem, 
weil sich ein gewisser Zusammenhang nachweisen läßt, mag auch die vor 
kurzem erschienene Abhandlung Gleyes von der Existenz des Werkes Kasu- 
movic' keine Ahnung gehabt haben, während Kasumovic die Publikation Krum- 
bachers, zu welcher die Abhandlung Gleyes einen berichtigenden Beitrag liefern 
will, sehr wohl gekannt und gewissenhaft benutzt hat. Die ergänzenden und be- 
richtigenden Anmerkungen Gleyes zu der im J. 1900 erschienenen Schrift des 
unvergeßlichen Krumbacher (Die Moskauer Sammlung mittelgriechischer 
Sprichwörter von Karl Krumbacher, S.-A. aus den Sitzungsberichten der K. 
bayer. Akad. 1900, Heft III) beziehen sich weniger auf den griechischen Text, 
den er nach einer photographischen von Krumbacher besorgten Aufnahme des 
Moskauer Originals, die sich jetzt in München befindet, vor sich hatte, mehr 
dagegen gehen sie auf den Sinn, auf die Hermeneia einzelner Sprichwörter 
ein, wobei die von Gleye gelieferten Parallelen und Vergleiche sich über den 
Schatz an Sprichwörtern und Sprüchen der modernen Literaturen, die rus- 
sische nicht ausgeschlossen, erstrecken, also eine Aufgabe verfolgen, die 
nicht gerade im Plane Krumbachers lag. Darum macht die kleine Abhand- 
lung auf den Leser den Eindruck einer gewissen Kälte gegenüber dem unver- 
geßlichen Krumbacher, die ich nicht gutheißen kann. Da der Verfasser dieser 
Abhandlung der russischen Sprache mächtig ist, so muß man bedauern, daß 
er von der schönen Studie Kasumovic', die in dem Organ der Agramer Aka- 
demie erschienen (die erste Hälfte war schon 1911, die zweite 1912 gedruckt), 
keine Kenntnis hatte. Sie wäre ja vielleicht für ihn kein mit sieben Siegeln ver- 
schlossenes Buch gewesen. Er könnte aus dieser Studie noch so manche Paral- 
lele verwerten aus dem Bereiche des serbokroatischen Sprichwörterschatzes, 
selbst auch nach den von ihm berücksichtigten Zitaten aus Altenkirchs Abhand- 



Gleye, Zu mittelgriechischen Sprichwörtern, angez. v. Jagic. 281 

lang, die im 30. Bande des Archivs erschienen ist. Ich will das an einigen Bei- 
spielen zeigen. Zu Nr. 35 bei Krumbacher gibt Gleye auf S. 13 für das Sprich- 
wort Kvciii' (rnev&ovau xvcflk yEvyä einen Beleg aus dem J. Itil'J und einen wei- 
teren (nach Altenkirch) aus dem J. 1712. Kasumovic zitiert unter No. 324 zwei 
ragusanische Sprichwörter aus der bekannten von Danicic herausgegebenen 
Sammlung (deren älterer Teil 1(597 niedergeschrieben wurde), deren erstes ganz 
wörtlich lautet: Kucka presna slijepe rada kucice, das andere modi- 
fiziert: Nagla macka slijepe misice rodi. Kasumovic gibt auch einen 
Kommentar dazu. Oder zu Krumb. No. 41 (bei Gleye S. 14), wo xcciqos' upicyei 
xcci xaiQiK ccv xcnäyei zitiert wird, kann man die bei Kasumovic unter No. 900 
angeführten Sprichwörter heranziehen, z.B. vrijeme gradi, vrijeme raz- 
graduje. Zu No. 61 (bei Gleye S. 22): tkcttjq ^hv 6 d-geipas-, ov /jr^u cfg o yey- 
rT^ffwi- vgl. bei Kasumovic Nr. 224: Hranitelj jekao i roditelj, also dem 
Sinne nach o Q-qixpag nur koordiniert zu o yeyfrjaa;^ nicht höher gestellt. Zu 
Nr. 65 Krumb, (bei Gleye S. 23): zlevxeqa (pvais avyr'j&sia, bei Kasumovic 
Nr. 504: Obicaj je druga narav. Zu Nr. 74 Krumb, (bei Gleye S. 24).: Jv- 
xos' «710 aqi&i.wv oh cpoßelTcn Xc(ßelf bei Kasumovic Nr. 903: 1 brojene ovce 
vuk j ede. Zu Nr. 77 Krumb. (Gleye S. 26), wo schon aus Altenkirch Parallelen 
angeführt sind und wo Gleye auch italienische Parallelen gibt, bei Kasumovic 
Nr. 590: Ko na nebo pljuje, na obraz mu pada, das am nächsten dem 
griech. Text kommt 6 micoy sh tov ov^ayöv z« yeyeiä xov niiei (der zweite 
Teil des slavischen Sprichwortes erinnert an die griech. Redaktion nqos zb 
avTov xaransaely TtQoaconoy). Zu Nr. 95 Krumb. (Gleye S. 28): 'Ev xaiqü aväy- 
XTiS vrjy .läfiiay /utjteqcc xd).ei kann man vgl. bei Kasumovic Nr. 789: Za no- 
vo Iju i krmka ujakom zovnuti. Der Vergleich ist hier auf einen Eber 
übertragen, dem die Rolle eines Onkels zugeschrieben wird. Selbstverständ- 
lich enthält dermittelgriechische Sprichwörterschatz, den Krumbacher zu drei 
verschiedenen Zeiten publiziert hat (1887, 1893, 1900), noch viel mehr Anknüp- 
fungspunkte für die serbokroatischen Sprichwörter und die Heranziehung 
dieses Materials zur Vergleichung bildet eine der Hauptaufgaben der Schrift 
des Dr. Ivan Kasumovic, über die ich jetzt einige Worte sagen will. 

Um das Werk kurz zu charakterisieren, möchte ich es als eine in ihrer 
Art vortreffliche wissenschaftliche Leistung bezeichnen, die ihre Aufgabe, 
nämlich die serbokroatischen Sprichwörter mit den griechischen und latei- 
nischen zusammenzustellen, glänzend gelöst hat. Dem Verfasser sind sowohl 
die Ausgaben der serbokroatischen Sprichwörter, wie die einschlägige Hilfs- 
literatur der griechischen und lateinischen Texte der Sprichwörter genau be- 
kannt und zum größten Teil zugänglich gewesen, er hat alles sehr gewissen- 
haft benutzt und verwertet. Wer sich mit dieser Beschränkung der hier reich- 
lich aufgestapelten Vergleiche und Parallelen zufrieden gibt, wird ohne weiteres 
das Werk Kasumovic' als musterhaft loben dürfen. Eine andere wichtige Frage 
bleibt freilich dabei offen, ob diese Beschränkung auf das griechisch-römische 
geistige Gebiet ausreicht, ob damit wirklich auch die Hauptquellen der Ent- 
stehung der serbokroatischen Sprichwörter angegeben sind. Ja überhaupt die 
Auffindung der Quellen einzelner Sprichwörter — das ist ein sehr schwieriges 
wissenschaftliches Problem, das in vielen Fällen vielleicht ganz unlösbar bleibt. 



282 Kritischer Anzeiger. 

in anderen nicht in der gedachten Eichtung seine Lösung findet. Jedenfalls 
würde ein solcher Lüsungsversuch eine weiter reichende Umschau erheischen, 
als die Berücksichtigung von nur zwei Sprachen, mögen diese noch so wichtig 
sein infolge ihres großen kulturellen und zum Teil auch nachbarlichen Ein- 
flusses. Zu diesem Zwecke wäre vor allem die Ausdehnung der Parallelen auf 
das Neugriechische, dann auf das Albanische und Rumänische, ja selbst auf 
das Italienische von großer Wichtigkeit, weil alle diese Volksstämme mit den 
Serben und Kroaten nachbarliche und wohl auch geistige Beziehungen pflegten. 
Mit den Sprichwörtern dürfte es sich nämlich so verhalten wie mit den Volks- 
märchen, wo geographische Zonen eine viel größere Rolle spielen als die eth- 
nische Verwandtschaft. Nun daß auch die letzte nicht außer acht zu lassen 
ist, wenn sie auch nicht die Begeisterung der Romantiker aus der ersten Hälfte 
des XIX. Jahrhunderts rechtfertigt, das hat der Versuch Celakovskys uns zum 
Bewußtsein gebracht. Die Vereinigung dieser Gesichtspunkte und die Ab- 
messung ihrer Bedeutung ist eine so schwierige Aufgabe, daß sie erst bei vielen 
guten Vorarbeiten eine Aussicht auf Erfolg haben kann. Wo diese fehlen, was 
im gegebenen Fall bei der Abfassung dieses Werkes zugegeben werden muß, 
dort ist die erschöpfende Behandlung mit der Beschränkung des Umfangs auf 
wenige Sprachen jedenfalls einer oberflächlichen Ausdehnung über mehrere 
oder alle einschlägigen Sprachen vorzuziehen. Ich kann also die von Dr. Kasu- 
movic getrofl"ene Wahl der Sprachen und die Beschränkung auf dieselben unter 
gegebenen Umständen nur billigen. Eine dabei übrig gebliebene Lücke, nämlich 
die Nichtberücksichtigung der neugriechischen Sprichwörtersammlungen 
hat der Verfasser selbst (S. 128 der ersten Hälfte = S. 13) so aufrichtig be- 
dauert, daß wir uns ihm nur anschließen und die Hoffnung aussprechen müssen, 
es werde ihm ermöglicht werden bei der Fortsetzung seiner parömiologischen 
Studien in irgendeiner Weise diese Lücke auszufüllen. Dann hätten wir aber 
noch einen Wunsch, daß er, wenn er schon die Rumänen und Albanesen außer 
Betracht lassen muß, doch wenigstens die Sprichwörter der Bulgaren heran- 
ziehen möchte. Freilich für seine aus dem ganzen Werke durchschimmernde 
Tendenz, nicht bloß die Parallellen, sondern auch die Quellen der serbokroati- 
schen Sprichwörter anzugeben, hätten die bulgarischen Parallelen keine so 
große Bedeutung. Doch gerade in diesem Punkte decken sich unsere An- 
sichten nicht vollständig. In der sehr hübsch geschriebenen Einleitung des 
Verfassers (auf S. 116 — 122) unterstreiche ich als sehr wichtig seine Äußerung, 
daß jener Dualismus, von dem man gewöhnlich in bezug auf die Kulturrichtung 
der Kroaten und Serben spricht, in dem Sprichwörtervorrat keinen Widerhall 
findet. Es freut mich konstatieren zu können, daß er eine große Zahl von bei- 
nahe schönsten serbokroatischen Sprichwörtern durch ganz gleiche Parallelen 
aus den Sprichwörtern der Griechen und Römer belegen konnte, der Griechen 
natürlich in viel größerem Umfang als der Römer. Alles das unterschreibe ich 
gern, doch bezüglich der Deutung dieses weit ausgedehnten Parallelismus, den 
der Verfasser mit besonderer Vorliebe als Quelle auf der einen und Entlehnung 
auf der anderen Seite auffaßt, könnte ich ihm nicht immer folgen. Er hat ge- 
wiß recht, wenn er aus solchen Sprüchen, wie weiß wie der Schnee, 
schwarz wie der Rabe, süß wie Honig, nichts weiter ableitet, da 



Kasumovic, Serbokroat. Sprichwörter, angez. v. Jaglc. 283 

solche Vergleiche jedes A''olk für sieh zu schaifen imstande ist, doch scheint 
er mir die Grenze der selbständigen Schaffenskraft manchmal zu eng zu ziehen. 
Um gleich an einem Beispiele das zu zeigen, er möchte nicht zugeben, daß 
das Sprichwort »Gora se s gorom ne sastaje a covjek s covjekom 
vazda« selbständigen, sei es serbokroatischen, sei es slavischen Ursprung 
haben könnte. Warum? Weil er schon in der Sammlung des Michael Aposto- 
lios (aus der Mitte des XV. Jalirh.) eingetragen fand X)Qog oqei ov /ulyviiui, 
(tvS^iyionos d'U'cr&Qojnio. Nun hat aber Altenkirch auch auf andere Parallelen, 
slavische und nicht slavische, hingewiesen, die alle zusammen nicht den Ein- 
druck machen, daß die in diesem Spruch steckende Weisheit oder Lebenser- 
fahrung gerade aus der griechischen Quelle hätte geschöpft werden müssen. 
Auch die Hermenia, die dem griech. Spruch beigegeben ist, begünstigt nicht 
die Annahme der Entlehnung; bei Apostolios lesen wir: et:1 twj' uavuna&w; 
TTQos Tivas dir/.x£i/iiBi'(oi\ Bei uus aber, wenigstens wie ich so häufig das rus- 
sische Sprichwort gehört habe, ist nicht von den feindlich gesinnten Menschen 
die Rede, sondern von der Hoffnung des freundlichen Wiedersehens. Auch 
das zweite Beispiel, das eranführt, Vrana vrani ociju ne vadi, muß nach 
meinem Dafürhalten nicht gerade römischen Ursprungs sein und sonst überall 
die Rolle einer von dort entlehnten Weisheit vorstellen. Dr. Altenkirch hat 
daher wohl mit mehr Recht die beiden Sprichwörter unter den »unentschie- 
denen Entlehnungen« angeführt. Es war darum von Seite des Verfassers viel- 
leicht auch darin etwas zu eng die Grenze gezogen, daß er, wie er selbst sagt, 
nur solche Parallelen berücksichtigte, wo nicht nur derselbe Gedanke, sondern 
auch dieselbe Form, d. h. derselbe sprachliche Ausdruck, vorlag. Gewiß ist 
für seinen Zweck diese Vorsicht sehr empfehlenswert gewesen, doch bei einem 
anderen Standpunkte, wie ich ihn in dieser Frage einnehme, sind auch die in 
der Form etwas abseits stehenden, doch dem ganzen Sinne nach sich decken- 
den Parallelen nicht minder wichtig und beachtenswert. Er sagt ja selbst, daß 
bei mündlicher Verbreitung des Sprichwortes seine Form leicht Änderungen 
unterlag. Übrigens finde ich in seinem Werk doch häufig genug auch die Über- 
tretung dieser von ihm selbst aufgestellten Regel, freilich aus Motiven, die ich 
nicht immer billigen kann. Z. B. unter dem Schlagwort jaz zitiert der Ver- 
fasser Nr. 254 den Spruch Pred njim jazovi, a za njim vukovi. Daß 
dieser Spruch dem griechischen "J\u7i(>o<j,7Ey y.nr^jurög oniaiisi' Ivy.oi genau 
entspricht, das sieht jedermann ein. Es ist mir in diesem Falle auch leicht zu 
glauben, daß die serbokroatische Aufzeichnung (bei Daniele) nicht ganz volks- 
tümlichen Ursprung hat. Allein ich kann mich nicht leicht dazu entschließen 
zu 'glauben, daß gerade jene ragusanische Aufzeichnung solche echt volks- 
tümliche Sprichwörter wie: Ako u seloTurci, ako u goru (vi. upolje) 
vuci ins Leben gerufen hat. Die Zusammenstellung war also, ungeachtet der 
Verschiedenheit in der Form, ganz richtig angebracht, nur das vom Verfasser 
vermutete oder verlangte Abhängigkeitsverhältnis darf in Abrede gestellt 
werden. 

Mit diesem Vorbehalt, den ich durch zahlreiche Beispiele noch weiter 
illustrieren könnte (z.B. selbst den Spruch zezenkasuhladi wäre der Ver- 
fasser nicht abgeneigt ans dem Griechischen abzuleiten! Warum doch?), muß 



284 Kritischer Anzeiger, 

ich die Fülle des herangezogenen sprichwörtlichen Materials und den uner- 
müdlichen Fleiß des Zusammensuchens der griechischen und teilweise auch 
lateinischen Parallelen mit unbedingter Anerkennung hervorheben. Das Buch 
Kasumovic' wird von nun an das grundlegende Werk für jede weitere Forschung 
auf dem Gebiete der südslavischen Parömiologie bilden. Auf diesem Grunde 
läßt sich jetzt leicht weiter bauen. Nach einigen Andeutungen des Verfassers 
selbst zu urteilen, hätten wir die Fortsetzung solcher Studien von ihm selbst 
zu erwarten. Das wäre auch das beste, denn niemand ist bisher so tief in 
diesen Gegenstand eingedrungen wie er mit diesem seinem Werk, dessen 
glänzender Erfolg schon durch den äußeren Umfang gekennzeichnet ist. Unter 
nicht weniger als 975 Schlagwörtern — diese folgen in alphabetischer Reihen- 
folge und sind in der Regel genug bezeichnend — hat er mit Einrechnung 
von Varianten eine fast dreimal so große Anzahl von Sprichwörtern verwertet 
und besprochen und überall auf die griechischen, zum Teil auch lateinischen 
Parallelen hingewiesen. Die ganze Arbeit schließt sehr hübsch und lehrreich 
mit noch zwei Nachträgen. Im ersten wird an einer Reihe von Beispielen ge- 
zeigt, (dazu gehören übrigens noch mehrere Beispiele aus dem 2. Nachtrage), 
wie ein Spruch oder Sprichwort als Quintessenz aus einer Fabel sich losgelöst 
hat; die meisten hieher gehörigen Fabeln leben auch in der serbokroatischen 
Bearbeitung. Man muß auch in der Tat ihre Bekanntschaft im Volke voraus- 
setzen, denn sonst wäre ja der Spruch unverständlich. Im zweiten werden 
einige sprichwörtlich gebrauchte Sprüche auf die Stellen der heil. Schrift zu- 
rückgeführt. Doch hier finde ich schon wieder einige Beispiele, die weder 
auf den Zitaten der heil. Schrift beruhen noch so zu erklären sind, wie es der 
Verfasser haben möchte, z. B. Nr. 7: carska se ne porice braucht wohl 
nicht erst auf den Ausspruch eines fremden Königs (Konrad III.) zurückgeführt 
zu werden, Nr. 13 Kakav pozdrav onakav i odzdrav muß auch nicht auf 
fremder Vorlage beruhen, Nr. ISkupit macku u mijehu wird wohl nicht 
aus dem deutschen »die Katze im Sack kaufen« bis nach Ragusa gekommen 
sein, ebensowenig glaube ich, daß der Spruch Nr. 18 Nova metla dobro 
mete erst aus dem deutschen sich bis nach Ragusa verbreitet hat, oder daß 
Nr. 29 Poglasusepticapozna und Nr. 22Poznajese pticapoperju 
fremd sein müßten, oder daß Nr. 21 Tko prvi u mlin prvi melje nicht 
nach eigener Erfahrung hätte zustande kommen können. Ich halte dieses 
Trachten, überall einen fremden Ursprung zu wittern, für einen Auswuchs des 
großen Sammeleifers, bei welchem dem Verfasser nicht genug daran war eine 
treffende Parallele gefunden zu haben, er wollte seine Freude noch potenzieren 
durch die Behauptung gerade die Quelle entdeckt zu haben. Ich glaube, nicht 
viele werden ihm auf dieser Bahn folgen wollen. Zum Glück schadet das dem 
Werte seiner Forschung wenig, man streift eben das Überflüssige ab. Dabei 
muß ich jedoch ausdrücklich hinzufügen, daß in sehr vielen Fällen die An- 
nahme einer Entlehnung wirklich im hohen Grade wahrscheinlich klingt; die 
Grenzen zwischen einer Entlehnung und einer unabhängigen Entstehung zu 
ziehen ist in der Tat nicht leicht. Der Verfasser mag sich gedacht haben, 
besser etwas mehr als etwas zu wenig. Ich meine aber: Ne quid nimis oder 
wie es dafür unter Nr. 433 steht: Sto je previse nije ni s maslom dobro. 

V.J. 



Boehme, Memoiren d. Kaiserin Katharina, angez. v. Jagic. 285 

Memoiren der Kaiserin Katharina II. Nach den von der 
Kaiserlich russischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichten 
Manuskripten übersetzt und herausgegeben von Erich Boehme. 
Erschienen im Insel-Verlag zu Leipzig 1913, 8". Erster Band 334, 
zweiter Band 370 Seiten. Preis brosch. 12 Mk. 

In der, wie man jetzt weiß, sehr reichen russischen Memoiren-Literatur 
des XVIII. Jahrhundertes stehen was sowohl die soziale Stellung des Ver- 
fassers wie den Inhalt des Gebotenen anbelangt, die Memoiren der Kaiserin 
Katharina II obenan. Von der Existenz ihrer Memoiren wußten einzelne Histo- 
riker, wie Alexander Turgenev und Karamzin, und auch Puschkin, schon zu 
Anfang des XIX. Jahrhundertes. Doch erst 1859 gab Alex. Herzen einen Teil, 
allerdings den umfangreichsten, in London heraus, sowohl in der französi- 
schen Originalsprache (zweimal in demselben Jahre), wie auch in der russischen 
Übersetzung (die später in Leipzig fünfmal aufgelegt wurde). Gleichzeitig er- 
schien auch eine deutsche Übersetzung in Hannover, eine dänische in Kopen- 
hagen, eine schwedische in Upsala und viel später (1886) auch eine polnische. 
Neben diesen als Hauptwerk angesehenen Memoiren kamen noch in russischen 
Zeitschriften Russkij Archiv und Eusskaja Starina, einzelne Stücke, gleichsam 
Zusätze zu den Memoiren, heraus, (z. B. Pyccidfi ApxuBt, 1863. 1865. 1S66. 1870. 
u. a.), ebenfalls aus der Feder der Kaiserin geflossen. Man glaubte, damit sei der 
Vorrat ihrer Beteiligung an den Memoiren über Ereignisse des eigenen Lebens 
erschöpt. Doch war das durchaus nicht der Fall. Einen Wendepunkt in der 
Frage bezüglich der Memoiren der Kaiserin Katharina bildete der hochherzige 
Entschluß des Kaisers Nikolaus II zu gestatten, daß die Kais. Akademie der 
Wissenschaften die versiegelten Pakete des Staatsarchivs und der Privat- 
bibliothek des Kaisers, dann das Material der kais. öffentlichen Bibliothek in 
Petersburg und des Rumjancovschen Museums in Moskau bei der Publikation 
aller Werke der Kaiserin benützen dürfe. Diese Bewilligung wurde im J. 1900 
erteilt und die Kais. Akademie hat mit der Ausgabe ihr Mitglied, den berühm- 
ten Literaturhistoriker Alex. N. Pypin betraut. Die vollständige Ausgabe ist 
auf 12 Bände berechnet, wovon meines Wissens noch der sechste aussteht; 
der letzte, zwölfte, in zwei Halbbänden erschienen im J. 1907, enthält die be- 
sagten Memoiren nach neu eröflneten Quellen; die von A. Herzen herausge- 
gebene Redaktion umfaßt hier die Seiten 197 — 437, dagegen alles Voraus- 
gehende und der größere Teil des Nachfolgenden bringt neue Texte ans Licht, 
die eben in den versiegelten Paketen entdeckt wurden. Auf diesem, im 
12. Band der akademischen Ausgabe enthaltenen Material, dessen französische 
Texte 1907 auch in russischer Übersetzung erschienen sind, beruht die oben 
zitierte deutsche Ausgabe, die mit großer Sorgfalt und gründlicher Sachkennt- 
nis Herr Dr. Erich Boehme zustande gebracht hat. Sie beginnt mit einer Ein- 
leitung (S. 1 — 21), die über die genealogischen Verhältnisse der beiden Haupt- 
personen der Memoiren (Peter III. und Katharina IL), dann über die einzelnen 
Bestandteile des ganzen Memoirenmaterials Bericht erstattet. Dieses besteht 



286 Kritischer Anzeiger. 

nämlich nicht aus systematisch oder chronologisch sich ergänzenden Bestand- 
teilen allein, sondern auch aus parallel nebeneinander laufenden, zu verschiede- 
nen Zeiten abgefaßten und nicht immer genau übereinstimmenden Stücken. 
Die russische akademische Ausgabe unterscheidet sieben Stücke der Memoiren, 
die die erste Hälfte des 12. Bandes bilden (S. 1 — 495) und außerdem umfaßt 
sie verschiedene kleinere Sachen (darunter zwei russisch geschriebene Stücke 
nebst allerlei Briefen, Fragmenten, Notizen, die den Inhalt des zweiten Halb- 
bandes (S. 499 — 701) ausmachen, dazu kommen noch reichhaltige Anmerkungen 
des russischen Herausgebers mit allerlei Zusätzen (auf S. 705—800). Der 
deutsche Übersetzer hat von den sieben Stücken der Memoiren die Nr. 1. 2. 
3. 5. 6. 7 im ersten Band untergebracht, Nr. 4 aber an die Spitze des zweiten 
Bandes gestellt. Diese Eeihenfolge finde ich nach der ungefähren chronolo- 
gischen Berechnung insofern berechtigt, als in der Tat Nr. 4 später abgefaßt 
wurde als Nr. 1. 2. 3. Doch würde es sich empfehlen auch Nr. 5. 6. 7 vor 
Nr. 1. 2. 3 zu stellen, da auf Grund der Erwägungen Koruilovic's (/K. M. h. np. 
1912, Januarheft) wohl keinem Zweifel unterliegt, daß Nr. 5. 6. 7 früher abge- 
faßt wurden als Nr. 1. 2. 3. Man könnte also dem modernen Leser dieser 
Memoiren den Eat erteilen in dieser Reihenfolge vorzugehen : Nr. 5. 6. 7. 1. 2. 3 
und dann erst 4. Dadurch würde der aufmerksame Leser selbst einen Unter- 
schied zwischen der frischen Unmittelbarkeit der übrigen Aufzeichnungen, die 
zwischen 1754 u.1774 fallen, und der tendenziösen Umarbeitung, die nach 1791 
bis 1794 zustande kam, wahrnehmen können. Mit Recht sagt Dr. Boehme: 
am verläßlichsten, weil am intimsten, sind vielleicht die Stücke 1 bis 3, am 
tendenziösesten dagegen Stück 4 (S. 20). Auf diese sieben Stücke der deut- 
schen Ausgabe, deren letztes (4.) die Seiten 1—288 des 2. Bandes umfaßt, 
schließen sich an im zweiten Band die beiden aus dem Russischen übersetzten 
Stücke (291 — 316) und nun folgt der Anhang, der aus der akademischen Aus-, 
gäbe nur eine Auswahl von kleineren Sachen in deutscher Übersetzung wieder- 
gibt. Nach welchen Gesichtspunkten der Herausgeber seine Auswahl getroffen, 
vermag ich nicht zu bestimmen. Man findet in dem Anhang folgende Texte: 
Brief der Kaiserin an Graf Poniatowski (akad. Ausgabe 547 — 555), drei Briefe 
Peters HL an die Kaiserin und drei Briefe Aleksej Orlov's an die Kaiserin 
(akad. Ausgabe 764 — 767, der dritte Brief ist in der akad. Ausgabe nicht ab- 
gedruckt, aber er stand schon im 21. Bande (1881) des Archivs des Fürsten 
Voroncov); dann ein Schreiben der Kaiserin an Potemkin (akad. Ausgabe 
697 — 698), ein Bruchstück der Selbstcharakteristik der Kaiserin lin der akad. 
Ausgabe kann ich es nicht finden), endlich die Grabschrift (akad. Ausgabe 
797—798) und die letztwillige Verfügung (akad. Ausgabe 702-703). Das ist 
der Inhalt des Anhanges. Den Band beschließt ein sorgfältig abgefaßtes 
Namenverzeichnis (S. 343—362), Parallelen (S. 363—365) und die Quellen 
(S. 366 — 3G8). Je sechs hübsch ausgeführte Porträte schmücken jeden Band. 
So sieht der Inhalt der beiden Bände aus, zur Empfehlung derselben muß man 
noch folgendes anführen: der Herausgeber hat als Übersetzer nicht nur die 
schwierige Aufgabe, eine genaue und doch leicht lesbare Übersetzung herzu- 
stellen, mit glücklichem Erfolge gelöst, sondern den übersetzten Text auch 
noch D^it zahlreichen erklärenden Anmerkungen versehen, die über einzelne 



V. Löwis, Held im deutsch, u. russ. Märchen, augez. v. Polivka. 287 

Angaben auf Grund gleichzeitiger Notizen aus anderen Quellen orientieren. 
Diese Ausstattung des Textes mit Anmerkungen verleiht der Ausgabe einen 
großen Vorzug. V. J. 

August vouLöwis ofMenar: DerHeld im deutschen und 
russischen Märchen. Verlegt bei Eugen Diederichs. Jena 1912. 

S. 140. 

Das Buch stellte sich weitere Ziele als die bloße Vergleichung des 
deutschen und russischen Märchens, es sollte alle Momente, die die Entwick- 
lung des Märchenhelden bestimmen, untersuchen, die typischen Züge fest- 
stellen und allerdings auch alle Abweichungen nach Möglichkeit anmerken. 
Das Buch sollte ein Beitrag zur Statistik des Märchens sein. Von diesem 
Standpunkte aus erblickte der Verfasser in vielen Motiven, welche nach der 
Darlegung besonders englischer Ethnologen Überbleibsel uralter, vielfach 
prähistorischer Vorstellungen und Gebräuche sind, nur den Ausdruck eines 
epischen stilistischen Gesetzes: so ist darin, daß der Jüngste die Heldenrolle 
übernimmt, das Obergewicht über seine älteren Brüder erreicht, das Gesetz 
zu erblicken, daß der Schwerpunkt auf die letzte Gestalt einer ganzen Reihe 
gelegt wird (S.ll); daß der jüngste Sohn, das jüngste Mädchen als Aschen- 
brödel auftritt, charakterisiert nach seiner Meinung nur die traurige Lage des 
verachteten Jüngsten, der zu erniedrigenden Diensten gezwungen wird (S. 17, 
19); ,,da3 Motiv der Dummheit dient einmal als Milieuschilderung ... ist aber 
auch ein Mittel der Kontrastwirkung . . ., vor allem aber soll der Aufstieg aus 
niedersten Tiefen zu dem hohen Ehrenplatz auf den Königsthron anschaulich 
gemacht werden und die, wenn auch sprunghafte Entwicklung des verachteten 
törichten Knaben zum ruhmreichen, bewunderten Helden* (S. 50). Dieses 
Verschweigen recht wahrscheinlicher Erklärungen einiger grundlegenden 
Märchenmotive ist wohl absichtlich, doch kaum begründet; des Verfassers Er- 
klärung vom rein stilistischen Standpunkt ist wenig plausibel, desto weniger, da 
eine bewußte stilistische Ausgestaltung der Märchen das Produkt einer langen 
Entwicklung und einer höheren Kulturstufe ist, die viel jünger ist als diese 
in hohes Alter hinaufreichenden Motive. 

Für die stilistischen Zwecke des Verfassers empfahl es sich , zwei 
sehr große und räumlich geschiedene Märchenkomplexe, den deutschen 
und den russischen heranzuziehen und vergleichend nebeneinander zu stellen. 
Er wählte »absichtlich zwei möglichst getrennte Gruppen, denn wenn irgend- 
wo, so mußten sich hier Unterschiede in der Auffassung von Märchenhelden 
zeigen« (S. 4). Er betonte, daß beide Märchenkreise in der Stoffwahl nicht 
wesentlich variieren, der äußere Rahmen also ungefähr der gleiche ist und 
daß dadurch die Möglichkeit gegeben war, die verschiedenartige innere 
Formung des Helden in ähnlichen Situationen und unter verwandten Be- 
dingungen zu untersuchen« (S. 4). Der Verfasser beschränkte sich aus- 
schließlich auf den deutschen und russischen Märchenkreis (großrussischen, 
wie auch weiß- und kleinrussischen, wobei jedoch die galizischen und nord- 
ungarischen Märchen nicht herangezogen wurden, wegen Unzugänglichkeit 



288 Kritischer Anzeiger. 

deren Sammlungen?). Man könnte darin nicht mit Unrecht ein etwas ein- 
seitiges Vorgehen erblicken. Der deutsche Märchenkreis ist nicht ein so 
abgeschlossener Komplex, daß es zu dessen Erklärung nicht der Märchen- 
kreise anderer Völker Mittel- und Westeuropas bedürfte. Zwischen dem 
deutscheu und russischen Märchenkreise sind die westslavischen, besonders 
polnischen und slowakischen eingelagert, in denen man eine ganze Reihe 
Übergänge vom mitteleuropäischen zum osteuropäischen konstatieren könnte. 
Der russische Märchenkomplex ist nicht ganz einheitlich, einige Nüancie- 
rungen in den weiß- und kleinrussischen Fassungen stellt der Verfasser 
selbst fest (S. 129). Daß für die tiefere Erkenntnis des russischen Märchen- 
kreises die Kenntnis der Märchen anderer osteuropäischer Völkerstämme und 
noch weiter nach Osten liegender Völker unbedingt notwendig ist, braucht 
nicht erst betont zu werden. Wir können uns also für die Begrenzung des 
Stoffes, wie es H. v. Löwis für gut befand, nicht erwärmen. Doch wollen wir 
nicht mit ihm rechten, sondern weiter sein Buch lesen, wie er die gestellte 
Aufgabe gelöst und zu welchen Resultaten er gekommen ist. 

Der Verfasser ging von den deutschen Märchen aus, die Grimmschen 
KHM. hatte er zugrunde gelegt, er hatte die Arbeit ursprünglich im kleinen 
auf dieser Basis ausgeführt, und auf diesem Fundament baute er weiter, und 
dieses Fundament reichte nach seiner Meinung für alles weiter hinzukommende 
Material. Er beschränkte sich nur auf die Wunder- und Zaubermärchen, 
nahm höchstens noch einige Schwankmärchen auf, wie vom tapferen Schneider- 
lein, vom Jungen mit der goldenen Gans, vom Bürle, der klugen Bauern- 
tochter u. a. (S. 6]. Gegen eine solche Einschränkung ist wohl nichts ein- 
zuwenden. Er untersuchte zuerst den Helden im deutschen Märchen (S. 10 
bis 69), dann im russischen Märchen (S. 70—124) und zwar nach demselben 
Plane: er beschrieb zuerst Alter und Äußeres, bestimmte dann das soziale 
Milieu, 3. die Verwandtschaftsverhältnisse, 4. Verlöbnis und Heirat, 5. den 
Gesamtcharakter des Helden und einzelne Züge, 6. geistige Fähigkeiten, 
Kenntnisse und Kunstfertigkeiten, 7. die seelischen Antriebe, 8. Taten und 
Erlebnisse, endlich 9. die Nebenfiguren. So konnte der Verfasser eine er- 
schöpfende Charakteristik des Helden, bzw. der Heldin des deutschen und 
russischen Märchens liefern. Er zog ein sehr reichhaltiges Material heran, 
doch selbst betont er, daß er die benützten Sammlungen nicht vollständig 
ausgenützt hat. Auffallend ist es, daß eine Reihe von sehr wichtigen Publi- 
kationen ganz übergangen wurden, besonders die, welche im Zbior wiado- 
mosci do antropologii krajowej und in den Materyaly antropol.-archeolog. i 
etnograf der Krakauer Akademie und im Etnograficnyj Zbirnyk der Sevcenko- 
Gesellschaft für Wissenschaften enthalten sind. 

Wenn wir die genannten beiden Abschnitte näher vergleichen, bemerken 
wir manche Ungleichheiten. Dieser Umstand kommt offenbar daher, daß der 
Verfasser nicht auf stoffwissenschaftlicher Grundlage arbeitete, daß er nicht 
gewisse Märchenstoffe bei den Deutschen und Russen verfolgte und näher 
verglich, sondern die Stellung und Charaktere der Helden ohne Rücksicht 
auf den Stoff untersuchte. Es ist bezeichnend, daß nur sehr wenige Märchen- 
stoffe von ihm ausdrücklich erwähnt werden: vom Fischer und seiner Frau, 



V. Löwis, Held im deutsch, u. russ. Märchen, angez. v. Polivka. 289 

Marienkind, Drosselbart u. e. a. Unserer Ansicht nach wäre es doch viel vor- 
teilhafter gewesen, wenn vorher in den einzelnen Märchenstoffen bestimmt 
worden wäre, wie sich der Held entwickelte, die Umgebung und Verhältnisse, 
in denen er wuchs, sein Ziel erreichte usw., und dann erst auf Grundlage 
solcher Einzeluntersuchungen ein übersichtliches Bild des Helden entworfen 
worden wäre. Daß der Verfasser nicht so vorging, hatte einige Mängel seiner 
Arbeit zur Folge. In den Ausführungen von den Verwandtschaftsverhältnissen 
des Helden im russischen Märchen lesen wir u. a. (S. 90): >Die stets älteren 
Geschwister des Helden sind in der Regel nicht bloße Statisten, sondern am 
häufigsten Gegenspieler, und zwar werden dem männlichen Helden (a) seine 
zwei Brüder ober (b) die verräterische Schwester gegenübergestellt, während 
die weibliche hauptsächlich (c) wider die allzu große, verbotene Liebe des 
Bruders und (d) gegen seine neidischen Schwestern als Nebenbuhlerinnen 
anzukämpfen hat«. Der entsprechende Absatz vom deutschen Märchen (S. 31) 
lautet >Besitzt der Held Geschwister, so sind diese selten bloße Statisten . . . 
sondern entweder Widerspieler oder hilfreiche Nebenpersonen<. Darnach 
würde es scheinen, als ob die bei dem russischen Märchen einzeln angeführten 
Charakterzüge und auch Stoffe dem deutschen Märchen fremd wären. Er 
zitiert zu a) Afan. Nr. 71, 73, 79 usw. d. h. von der Befreiung der Schönen aus 
der Unterwelt und den verräterischen Brüdern des Helden, statt welcher frei- 
lich vielfach hie und dort die wunderbaren Gefährten auftreten; von Brüdern 
in dieser Stellung erzählt auch das deutsche Märchen, so Grimm K. H.M.Nr. 91, 
Wisser HI, 67 Nr. 10. Zu b) wird Afan. Nr. 118 zitiert, d. h. von dem Mädchen, 
welches den Bruder seinem Liebhaber-Räuber u. a. überliefert; das Märchen 
wird natürlich auch bei den Deutschen erzählt, vgl. meinen Kommentar zu 
Kubin Povidky kladske I, Nr. 72. Zu c) werden als Belege angeführt Afan. 
Nr. 65, Oncuk. Nr. 44, 71, Chudak. Nr. 55; diese Märchen (mit Ausnahme von 
Oncuk. Nr. 44) erzählen von der Flucht des Mädchens vor dem Bruder, der es 
heiraten will ; es ist nach meinem Wissen wirklich nicht bekannt in Mittel- 
und West-Europa, vgl. Archiv XXXI, 272 Nr. 71 ; Reste des Märchens wurden 
bei den Masuren von Toeppen 145, Nr. 5 aufgezeichnet, und R. Köhler be- 
merkte (Klein. Schrift. 1, 55), daß er es sonst nicht nachzuweisen vermag; 
Oncuk. 44 erzählt einen anderen Stoff, der zu dem singenden Knochen gehört, 
vgl. Bolte-Polivka Anmerk. Grimm K.H.M. I, 2(38. Zu d) zitierte der Verfasser 
Afan. Nr. 129», 160» zwei ganz disparate Märchenstoffe: das erste (wie auch 
Nr.l29b) erzählt, wie der Bräutigam des jüngsten Mädchens, »Finist jasen sokol«, 
schwer verwundet wegflog, als die Schwestern scharfe Messer ins Fenster ge- 
stoßen hatten; das zweite erzählt von den neidischen Schwestern der Heldin, 
die einen Prinzen geheiratet, als sie ihm versprach goldene Kinder zu gebären, 
ein natürlich auch bei den Deutschen bekanntes Märchen, vgl. Kühler I, 565 
Nr. 12. 

S. 92 schreibt der Verfasser >. . . vor allem hat die weibliche Hauptfigur 
unter dem Oheim zu leiden. In novellenhaften Eingängen einzelner Märchen 
sucht er gewöhnlich seine Nichte, die ihm zur Obhut anvertaut ist, zu ver- 
führen, wird jedoch abgewiesen und verleumdet nun die Tochter bei ihrem 
Vater wegen ihres angeblichen lockeren Lebenswandels . . . Die Erklärung 

Arckiv für slavisclie Philologe. XXXY. 19 



290 Kritischer Anzeiger. 

für diese Rolle des Onkels dürfte in der griechisch-orthodoxen Kirchenordnung 
zu finden sein, die Ehen zwischen Blutsverwandten verbietet . . .< Dieses 
Märchen ist ungemein verbreitet, auch bei Katholiken und sogar bei Moham- 
medanern. Es ist nicht uninteressant zu untersuchen, welche soziale Stellung 
der Verführer und Verleumder des ihm anvertrauten Mädchens einnimmmt. 
Den Oheim der russischen Fassungen finden wir noch in einer lettischen 
Zbiör wiadom. XVIII, 412 Nr. 47, in einer kleinrussischen Kolberg Pokucie 
IV, 46 Nr. 9 und endlich noch bei den mohammedanisierten Bulgaren Cöophhkx 
MKH. IV, 147 Nr. 3. Teilweise noch in einer polnischen aus Posen Kolberg XIV, 
18.5 Nr. 43 und in einer kroatischen Strohal I, 61 Nr. 9, wo der Oheim zugleich 
Geistlicher ist. Heranzuziehen wäre noch eine kleinrussische Fassung aus 
Nordungarn Exaorpa*. 36ipuBK IX, 109 Nr. 59, wo an die Stelle des Oheims 
der Bruder getreten ist, er ist ebenfalls Geistlicher. Ob hier ein engerer gene- 
tischer Zusammenhang dieser stark verstreuten Fassungen angenommen 
werden kann, ist zweifelhaft. Daß dieserVerführer und Verleumder die Stellung 
eines Priesters einnimmt, ist sehr stark verbreitet, so bei den Kleinrnssen 
rpuHueuKo IIsTb ycTt uapo^a 346 Nr. 323, bei den kleinrussischen Kolonisten in 
Südungarn EiHorpa*. 36ipHiiK XXV, 194 Nr. 31, bei den Ljutziner Esten Kallas 
183 Nr. 53, bei den Litauern Dowojna Sylwestrowicz II, 440, Bulgaren Illan- 
KapcBt VIII — IX, Nr. 120, auch im katholischen Westen in Italien Busk 299 
und in Frankreich Pineau Poitou C9 Nr. 8, und noch in mohammedanischen 
Fassungen Eoc. Bu.ia II (1S87) S. 237, Künos Stambul 3S3 Nr. 49, Adakaie 142 
Nr. 23, Basset Cont. pop. d'Afrique 33 Nr. 12. Vereinzelt finden wir diesen 
Mann in anderen Stellungen, als Freund des Vaters des Mädchens lUanKapeEt 
Vin — IX N. 7, als Kaufmannsgehilfen des Vaters /loöpoBo.iBCKiö I, 366 Nr. 13, 
als Lehrer CnpocipaHOB-B 60 Nr. 13 und in einer toskanischen Fassung Cos- 
quin II, 327, als Richter Spitta Bey Cont. arab. mod. SO Nr. 6, als Gemeinde- 
vorstand in der armenischen Fassung Chalatianz 42 Nr. 4. CöopHUKt KasKas. 
XXIV, 3 S. 123 Nr. 12, als pensionierten Offizier Kulda III, 198 Nr. 26, als 
Diener in einer albanesischen Fassung Trnhelka I, 37 Nr. 4; zwei nicht näher 
bestimmte Herren übernahmen diese Rolle bei den Heanzen Bunker 3G1 Nr. 102, 
ein altes Weib CöopuuK-B muh. X, 165 Nr. 2; eigentümlich ist die slowakische 
Fassung Czambel 262 § 141 : da verleumdeten auf dieselbe Weise das Mädchen 
die > Heiden«, welche es wegen seines gottesfürchtigen Lebens haßten. 

Herr Aug. v. Löwis führt noch andere Märchenstoffe an, so schreibt 
er (S. 92) : >Ungefähr die gleiche Rolle wie der Oheim spielt der noch unver- 
heirateten Heldin genenüber auch die Frau des Bruders. Die Motivierung 
ist gewöhnlich die, daß der Bruder seiner Schwester mit wärmster Liebe 
zugetan ist, weshalb seine Frau sich benachteiligt glaubt, und durch die 
schwersten Verleumdungen erreicht, daß die Heldin fortgejagt wird». In dem 
betreffenden Abschnitt vom deutschen Märchen geschieht davon keine Er- 
wähnung, und wirklich ist dieser Stoff auffallenderweise bei den Deutschen 
nicht nachgewiesen, obzwar er wieder in Westeuropa auftritt und bis auf 
die Insel Mauritius und zu den Suaheli vorgedrungen ist; bei den Südslaven 
wurde er bekanntlich zur Grundlage einer Reihe von epischen Liedern, (vgl. 
Bolte-PolivkaAnmerk. Grimm K.H.M.I, 306, 310). Auffallend ist des Verfassers 



V. Löwis, Held im deutsch, u. russ. Märchen, angez. v. Polivka. 291 

Bemerkung (S. 132) »vollständig fehlt R das Drosselbartmärchen»; auf groß- 
russischem Boden scheint es freilich unbekannt zu sein, seine literarische 
Bearbeitung entstand wonl auf westrussischem Boden, doch ist es bei den 
Weiß- und Kleinrussen belegt (Anmerk. Grimm K.H.M. I, 449). Auf S. 117 
schreibt der Verfasser »Verbreitet ist auf russischem Boden nur der Typus 
'der singende Knochen' und scheint hier seit langem heimisch zu sein, während 
die einzige mir bekannte Variante zum Machandelboom (Manzura S. 57) wohl 
auf jüngerem Import beruhen dürfte«. Gewiß mit Unrecht, in der Anmerk. 
K.H.M. I, 419 habe ich einige klein- und weißiussische Fassungen angeführt. 
Bei dem Helden des deutschen Märchens wird »die mehr passive Standhaftigkeit 
und Empfindung8losigkeit< hervorgehoben, »gegenüber dem fürchterlichsten 
Spuk, den der Held in meist drei Proben über sich ergehen lassen muß, um 
dadurch die ihm bestimmte Jungfrau zu erlösen« (S. 40). Von dem Helden 
des russischen Märchens hebt der Verfasser aus der Reihe seiner idealen 
Eigenschaften »Standhaftigkeit und Furchtlosigkeit« hervor, »verbunden mit 
der Fähigkeit, Qualen und Spuk wortlos zu ertragen. In drei Proben wird 
der Held versucht und fast übersteigen sie seine Kräfte, aber im letzten Augen- 
blick kräht der Hahn und die Gespenster oder die zu erlösende leichen- 
fressende Zarentochter sind durch das Dämmern des jungen Tages unschäd- 
lich gemacht« (S. 99). Es würde demnach scheinen, als ob der Märchenstoff 
von der Prinzessin im Sarg den Deutschen fremd wäre, gewiß irrtümlich, vgl. 
neuestens Dr. Hans Siuts Jenseitsmotive 170. — Das auf S. 92 Anm. aus 
Afanasjev zitierte Motiv vom Ausbrüten von Knaben aus Eiern kennt gleich- 
falls die deutsche Volksüberlieferung, so Vernaleken K.H.M. 73 Nr. 15. 
Die Auslegungen des Verfassers vom »Marienkind« (Grimm K.H.M. Nr. 3) sind 
nicht zutreffend (S. 46, 106); er führt bloß eine Fassung an, worin das ver- 
stockte Mädchen vor dem drohenden Tod sein Vergehen einbekennt, nicht 
aber die andere, wo das Mädchen eben durch das hartnäckige Läugnen die 
Gevatterin erlöst, vgl. nun die Darlegung Joh. Bolte's in den Anmerk. Grimm 
K.H.M. 1, 14 und meine bei denMärchen aus Glatz von Kubin (Povidkykladsk^) 
II, 204 Nr. 60 (Närodopisny Vestnik VII Beilage). 

Mit vollem Recht hat der Verfasser (S. 76) die besondere Vorliebe des 
russischen Märchenerzählers für den stilistischen Schmuck seiner Erzählung 
hervorgehoben und als eines seiner beliebtesten Mittel die Namengebung an- 
geführt. Er zählt eine große Anzahl von Namen auf, mit welchen die Helden, 
seltener die Heldinnen, bezeichnet und vielfach auch charakterisiert werden. 
Er erschöpfte zwar nicht das reiche Material, aber führt doch einerseits die 
am meisten gebrauchten und die charakteristischsten an und andererseits sind 
die Namen glücklich nach Ursprung und Bedeutung gruppiert, wie auch richtig 
erklärt, durch gelungene deutsche Übersetzung dem der russischen Sprache 
unkundigen Leser näher gebracht. Der Verfasser besprach gleichfalls die 
Namengebung der deutschen Märchenhelden (S. 15) und berührte hierbei die 
Frage von der Benennung der Helden. Er bemerkte (S. 20): »man wird doch wohl 
zögern müssen, die Namenlosigkeit als eine Forderung des neueren deutschen 
Märchenstils anzuerkennen und in ihr ein Hauptmerkmal zu erblicken, das 
Märchen von Sage scheidet, wie es bisher meist geschehen ist« und stellte die 

19* 



292 Kritischer Anzeiger. 

Fragen: »Sind alle diese Namen Überbleibsel aus einer Zeit, wo jeder oder 
doch mindestens jeder bäuerliche Märchenheld benannt wurde, oder istNamen- 
losigkeit das Prius gewesen? Haben sich aus der Zeit allgemeiner Benennung 
wenigstens die damals allergewühnlichsten Namen (Hans, Peter u. a.) bis in 
unsere Zeit hinein erhalten oder sind auch diese erst verhältnismäßig junge 
Neubildungen?« Am Schlüsse seines Buches kehrt der Verfasser zu dieser 
Frage zurück und kommt zu dem Ergebnis (S. 129), es scheine »nicht als un- 
wahrscheinlich, daß auch die ursprünglich individuell gemeinte Namengebung 
ein altes Stilmittel der russischen und wohl auch deutschen Märchenerzähler 
gewesen sei, das erst im Laufe der jüngeren Entwicklung allmählich zugunsten 
der heute typischen Namenlosigkeit aufgegeben worden ist. Hierbei dürften 
die Namen Johann (Hans) und Ivan als die geläufigsten und besonders auch 
in bäuerlicher Sphäre verbreiteten zuerst aufgenommen oder mit einem Stoff 
von außen hereingetragen worden sein, denen später die nie rastende Er- 
findungsgabe der Professionals weitere hinzu gesellte um dem Unterhaltungs- 
bedürfnis entgegenzukommen . . .«. Dem letzten Satze könnten wir ein Frage- 
zeichen beifügen, unserer Vermutung nach könnten mit mehr Recht die 
typischen Namen, die Namen welche den Ursprung oder die Eigenschaften 
der Helden bezeichneten, für älter und ursprünglich gehalten werden. 

Es ist auffallend, daß der Verfasser bei diesen seinen Untersuchungen 
die Namen der mit übernatürlichen Kräften ausgestalteten Gefährten des 
Helden überging. In den deutschen Fassungen haben sie freilich keine eigent- 
lichen Namen, sondern werden nach ihren Eigenschaften und Künsten be- 
nannt, wie Jäger, Bläser, Laufer (Grimm Nr. 71) Scharfschütz, Schnellläufer 
(Curtze 76), Tannendreher, Felsenklipperer (Grimm Nr. 16ti), Steenklöwer, 
Bretsager, Holtklöwer (Müllenhoff 437), Bergschieber, Baumausreißer, Stein- 
hauer (Jahn 121), selten sindNamen, die schon wie wirkliche Namen umgestaltet 
sind: Blasius Pausback (Simrock D.M. 186), Mülstäan-Hans'l, Hulzhacka-Sepp'l 
(Blinker 298). 

Auch in den russischen Fassungen sind die Gefährten nach ihren Künsten 
und Fähigkeiten benannt, tragen Namen die sonst im Sprachgebrauch geläufig 
sind, doch sind diese Namen größtenteils umgestaltet, daß sie wirklichen 
Namen gleichen. Soz.B.klruss.Sluchälo, Objidalo, Obpyvalo (Pya'ieHKo 
II, 80), Posovajlo, Pojidajlo, Popyvajlo (Nowosielski I, 271); wruss. 
Objidalo, Obpivalo (PoManoBt VI, 261), Abzora, Abpojik {Jioo-poBOJi-h- 
ckIü I, 429), Vodopoj, Prozora (PoMauoBt III, 131). Ähnliche Bedeutung 
hat gewiß auch Devet'pil (OaiyK. 96) etwa , der Neuntrinker'. Dem deut- 
schen Tannendreher u.a. entsprechen die kleinruss. Vernydub, Verny- 
hora (MaHHvypa 43, ^lyöuHCKifi II, 265), Verny voda (^lyouHCKift II, 266), wruss. 
Irvidub, Vjarnihora (PoMauoBi. III, 70), Vjarnikamin (IIIeiiHi. II, 112), 
Vjarnihor, Lomikamjan, Lomizjalezo (PoManoBi, III, 76), auch klruss. 
Vertodub, Vertohor (x^eaH.s I, 69), Eozomnyzelizo, Rospychahora 
Zahatyvoda (ilparoMaHost 1,257), wruss. Zapryhora, (Federowskin,332!, 
Zapryvod (PoMaHOB-i. VI, 320), grruss. Gorokat (OHiyKOBi 96), klruss. Try- 
kamin (IIIyxeBHq91,115),Rozlyjvoda (ib.91), Hnybuk (ib.ll5); wruss.Dov- 
hosost (PoManoB-B VI,261) bedeutet dasselbe wie sonst Skorochod [Aeana- 



V. Löwis, Held im deutsch, u. russ. Märchen, angez. v. Polivka. 293 

ci.eBx3l, 186). Dafür finden wirnochwruss.Hara vi k, Dubavik (Ao6po6ojii,cKiH 
1,430, PoManoBT. VI,35G), Horovik (ib.VI, 273), Dub-Dubovik, Hora-Ho- 
ro vik (ib.VI, 340), neben D üb ovik noch Durovi k (IIIeiiin,lI,8t)), vereinzelt 
grruss. Gornik (AeauacLou-i, I, 176), wruss. Kamjannik (PoMaiioBi. III, 70). 
Kecht häufig sind die Namen Goryha,Dubyha (Dp.icuBeiiHi. 127, XysAKOBt 
11,40), auch als Deminut. Goryhuska,Dubynuska (AeanacieEx 1, 1 76), gleich- 
gebildet sind die vereinzelten Lesiha und Jeleha (von cüb Tanne, ib.), noch 
Dugiha(xoTL KaKoc ÄepcBO TaKiB-BAyry corHeTt Aean. 1, 178). Anders gebildet 
wruss. Horyn, Dubin, Kamin-bohatyr (PoiiaHOB-B VI, 12-5), auch Horun 
(o^HCTHTciL ropi., ib.321). Auch bloße Adjekt. kommen vor: wruss. Horovej, 
Lesovej (PoMaHOBt VI, 137). An einer Stelle (ib. VI, 147) lesen wir statt 
Vernihora den Namen Rasetnikov, wie wäre der zu erklären ? Sehr charak- 
teristisch ist der Name Usyna (Aean. I, 176, Sp-iciiBefiiit 127), Vusyha >mit 
dem einen Schnurrbart hält er den Strom, mahlt auf zwölf Steine, und den 
anderen hält er unter dem Himmel (PoMaHOBt III, 131, ähnlich ^oöpoEo^BCKiä I 
436). Klr uss. heißt dieser Held P r u t y u s > er warf über das Meer seinen Schnurr- 
bart und die Menschen gehen so hinüber« (Manacypa 43), auch Prudyvus 
»mit seinem Schnurrbart hieb er die Gipfel der Bäume ab< (HyöuHCKiii I, 213), 
Kruty vus (itparoManoBT, 256), wruss. noch Zapryüa »er schloß denMenschen 
das Wasser ab und ließ es nicht« (Federowski II, 332). Der Name Zlatovus 
(PoManoB-b III, 70) ist wohl verderbt. Vereinzelt hat der Held den ganz ein- 
fachen Namen Vusac (PoManoBi. VI, 119). 

Außerdem treten im russischen Märchen noch Personifikationen der 
Naturmächte auf: der Wind und der Frost (Nowosielskil, 271, Kolberg Pokucie 
IV, 100), der Frost, der Hunger und die Dürre »Posucha« (AparoManoBt 274); 
der Frost »Moroz« heißt auch Studenec (AeaH, I, 169), oder hat den Namen 
cholobzda (cHiroM na ;i;i!ip xoacy ^lyöuncKiß II, 265, Hrincenko hat nicht das 
Wort in seinem Wörterbuch, es ist vielleicht eine Zusammenrückung von 
cholod- und bzdity , (Ösao bei Hrincenko raati bt. acejyaKi, Birpti). Stellen- 
weise haben die Helden auch Tiernamen: Fliege, Habicht (Nowosielskil, 271) 
Lysyja Mucha (PoMaiiout VI, 261)i). 

Aber hie und da sind die Gefährten des Helden nicht mit besonderen 
Namen bezeichnet, z. B. bei Oncukov 215, 265. Namen dieser Art wie Verni- 
gora, Vernidub, Lomizelezo u. a. sind nicht beschränkt auf die russischen 
Märchen, sondern kommen auch in polnischen und slowakischen Fassungen 
vor, ja sogar die südslawischen, besonders serbischen Fassungen können sich 
mit ihnen ausweisen. Doch von weiteren Ausführungen über dieses Thema 
müssen wier hier ablassen. 

Am Ende seines Buches (S. 125) hat der Verfasser die Resultate seiner 
Untersuchungen zusammengefaßt und eine allgemeine Charakteristik der 



') Einige wenige dieser Namen sind nach Tupikov CjioBapi. ÄpeBiie-pyc- 
cKHxi, .iHiHtixT. coöcTBeHHtixT. HMeHT. aus ältcrcr Zeit belegt: Vetr 1495, Golod 
1654, Gornik 1601, Gorjun 1565, Dubina 1495 u. a., Dubovik 1661, Moroz sehr 
oft im 16.— 17. Jh., Mucha 1500 u. a., Skorochod 1500 u. a., Usac 1654 neben 
öfteren Us, Usatoj, Jastreb 1577. 



294 Ej-itischer Anzeiger. 

deutschen und russischen Märchen gegeben. In dem Eingange seiner »Ergeb- 
nisse« hob er hervor, wie wichtig für den Volkskundler und Märchenforscher 
der heimlich belauschte Vortrag des Erzählers sei und die Kenntnis der 
Wirkung des Erzählten auf den Ilörerkreis. Unsere Sammlungen lassen hier 
den Forscher fast durchgehends im Stich; am besten sind hier, wie auch in 
manch anderer Hinsicht, die Märchensammlungen Rozdol'skyjs und Hnatjuks, 
aber unserem Verfasser waren sie oflfenbar nicht zugänglich. Was seine Cha- 
rakteristik des deutschen und russischen Märchens betrifft, wird man im 
großen und ganzen mit derselben übereinstimmen können. In Einzelheiten wird 
weitere Forschung manchen Strich umgestalten, verbessern, retouschieren oder 
auch hinzufügen, respektive streichen müssen. Das bleibende Verdienst desH. 
V. Löwis ist, das russische Märchen dem fremden Publikum näher gebracht, 
verständlicher und, wie wir hoffen, auch lieber gemacht zu haben, und be- 
sonders, das betrifft auch unsere heimischen, slawischen gelehrten Kreise, zu 
neuem, intensiveren Studium des Märchens von neuem Standpunkte aus an- 
geregt zu haben. 

Prag, April 1913. G. FoKoka. 



Dr. Vladimir Corovic, Serbokroatische Grammatik. Berlin und 
Leipzig (Sammlung Göschen Nr. 638), kl. 8«, 100 S. 

Diese zeitgemäße Publikation entspricht einem schon lang gefühlten Be- 
dürfhisse nach einer guten, deutsch geschriebenen Grammatik dieser Sprache, 
die insbesondere infolge der allerletzten Ereignisse eine viel größere Bedeu- 
tung und Wichtigkeit gewinnt, daher auch unter den Deutshen von nun an 
voraussichtlich viel mehr wird gelernt werden, als dies bis jetzt der Fall war. 
Da die Grammatik zu der bekannten Sammlung gehört, so mußte sich C. selbst- 
verständlich an den für letztere festgesetzten Plan halten, hat daher eine 
knappe Darstellung der wichtigsten Erscheinungen der Sprache selbst ge- 
geben, die vor allem dem gebildeten deutschen oder deutsch lesenden Publi- 
kum zugedacht ist, ohne den Zweck zu verfolgen, zu gleicher Zeit einen prak- 
tischen Unterricht zu erteilen. Speziell hat der Autor vielfach die Russische 
Grammatik Bernekers berücksichtigt, die als die erste (und bis jetzt einzige) 
grammatische Darstellung einer slavischen Sprache in derselben Sammlung er- 
schienen war; es wird daher auch von C. eher zu viel als zu wenig der slavisti- 
sche Standpunkt hervorgehoben, denn für Slavisten oder Linguisten ist das 
kleine Werk gewiß nicht bestimmt — für Leser dieser Art enthält es allzu- 
wenig! — , und dann sind die wenigen Bemerkungen über das Verhältnis der 
sbkr. Laute zu den »vorslavischen«, »ursprünglichen«, »alten», »einstigen« 
Lauten (S. 9) ganz überflüssig, wie auch die sporadischen Erwähnungen von 
Unterschieden zwischen der Literatur- und Volkssprache (z. B. auf S. 27 über 
HoaceM-HOHcoM) entbehrlich sind. Dagegen wäre es sehr wünschenswert ge- 
wesen, daß der schon bei Berneker sehr knappe dritte Teil (»Das Wichtigste 
aus der Syntax«) nicht noch knapper ausgefallen wäre (im ganzen 12 Seiten!); 
wenigstens die Hauptpunkte in bezug auf den Gebrauch der Verbalformen und 



Corovic, Serbokroat. Grammatik, angez. v. Resetar. 295 

der Satzbildung hätten erwähnt werden sollen, denn dies gehört entschieden 
zum »Wichtigsten aus der Syntax«. 

Somit enthält das Werk in der Hauptsache nur eine Darstellung der sbkr. 
Laut- und Formenlehre, die im Großen und Ganzen erschöpfend und richtig 
ist, was bei einem so guten Kenner der sbkr. Sprache wie C. so gut wie selbst- 
verständlich ist. Allerdings im Detail wird manches bei einer neuen Auflage 
ausgebessert werden müssen, für die der Autor hoffentlich auch die notwen- 
dige Zeit zur Verfügung haben wird, was bei dieser ersten Auflage nicht der 
Fall gewesen zu sein scheint, da die meisten einer Korrektur bedürftigen 
Stellen auf allzuhastige Ausarbeitung (vielleicht handelte es sich um eine 
Terminarbeit!) oder auf sehr schnelle Lesung der Bürstenabzüge zurückzu- 
führen sind. Auf diesen letzteren Umstand möchte ich vor allem die häufigen 
sehr störenden Fehler in der Akzentbezeichnung zurückführen, obschon auch 
falsche Akzentbezeichnungen vorkommen, die nicht auf diese Weise erklärt 
werden können, so z. B. wenn auf S. 23 Hüko (es sollte heißen Hiino] unter 
den Beispielen für den langen fallenden (!) Akzent angeführt wird. Außerdem 
mache ich noch auf einige Stellen aufmerksam: das auf S. 7 formulierte Gesetz, 
daß urslav. e im jekavischen Dialekte, das »vor einem Vokal oder vor den Konso- 
nantenj und (^zu stehen kommt, immer regelmäßig zu jwird«, ist nichtrichtig: 
nur vor (aus silbenschließendem/) und 7 und nur außerhalb der Komposi- 
tion wird e zu i: vidio [videh], grijati[grejati); vor r? bleibt das e erhalten: reiti- 
rj'edi; vjeda-veäa. Bei Anführung der Überreste des Dualis (S. 25) hat C. ge- 
rade auf die gewöhnlichste Dualform vergessen: dta hrata usw.; es ist daher 
nicht richtig, wenn er (S. 57) sagt: »nach dm, mj)ü, nemupu steht das zugehörige 
Substantiv im gen. Sg.«: dca brata ist eben der Nom. acc. des Dualis, eben- 
so dva imetia, wobei die Neutra die Endung -a der Masculina angenommen 
haben; die <;- Stämme hingegen haben in diesem Falle den Dualis durch den 
Nom acc. pl. ersetzt: dvije (ßace (der Gen. Sg. lautet ja (jldve\]. Was aber auf 
S. 26 gegen die Aufstellung von Genusregeln vorgebracht wird, ist vollkommen 
unbegründet, es lassen sich vielmehr sehr einfache Genusregeln aufstellen, 
wobei es nur genügt, darauf aufmerksam zu machen, daß von den im Nom. sg. 
konsonantisch auslautenden Substantiven eine relativ geringe Anzahl weib- 
lichen Geschlechtes ist. Ganz unzulänglich ist, was auf S. 57 über die Haupt- 
zahlen auf -tVa und -ero gesagt wird; zunächst sollte man nach der vorliegen- 
den Textierung meinen, daß für die Zahlen 2 — 4 die entsprechenden Formen 
[dünjica, dvoje usw.) nicht vorhanden seien, dann wird daraus niemand (der es 
nicht schon weiß!) klug, wie und wann man diese Hauptzahlen im Sbkr. an- 
wendet. Schwach im Allgemeinen ist die Darstellung der Bildung der Verbal- 
formen ; zunächst hätte auf den besonders bei den sekundären Verben so wich- 
tigen Unterschied zwischen Präsens- und Infinitivstamm aufmerksam gemacht 
und genau gesagt werden sollen, von welchem Stamme die einzelnen Formen 
gebildet werden; besonders mangelhaft ist die Erklärung der Bildung des 
Aoristes und Imperfektums — dieser beiden Formen, die auch den meisten 
Slaven fremd sind — , dann des Verbalsubstantivs (S. 84) ; wie Ö. die Sache 
darstellt, kann der Lernende nicht wissen, ob z. B. das Imperfekt und der 
Aorist vom Infinitiv zvati, vidjeti, kujiovafi oder vom Präsens zovem, vidim, 



296 Kritischer Anzeiger. 

kupujem gebildet wird. Charakteristisch aber für die Eile, mit der das Buch 
geschrieben wurde, ist der Umstand, daß Ö. (auf S. 60), wohl nach Bernekers 
russischer Grammatik, auch von einem Partizip praes. passivum spricht 
und 'S. 66) bjeh zu den Aoristformen rechnet. Auch das, was über hudem als 
»Futurum< (S. 75), sowie als Hilfszeitwort zur Bildung des zusammengesetzten 
Futurums (S. 77) gesagt wird, müßte gründlich geändert werden, denn sonst 
könnte jemand wirklich glauben, daß >6yjeM Aohu-ich werde kommen« auch 
in Hauptsätzen möglich ist! Dies und noch anderes sollte eben im Kapitel 
»Das Wichtigste aus der Syntax« auseinandergesetzt werden. Ich glaube so- 
mit schon durch diese wenigen Bemerkungen mein Urteil begründet zu haben, 
daß das Buch zu schnell verfaßt und zu flüchtig korrigiert worden ist. 

M. Ri setar. 



Die Namen Wiens (aus den Berichten und Mitteilungen des 
Altertumsvereins zu Wien. Bd. XLV, S. 3—57). 

Der ungenannte Autor sucht die Namen zu erklären, die der Stadt Wien in 
den verschiedenen Sprachen zukommen. Inbezug auf den Namen Vindobona 
akzeptiert er, im Gegensatze zu Grienberger, die schon von Zeuss gegebene 
Erklärung und deutet auch die älteste deutsche Form Vienne als keltisch 
vienne »grabenartige Vertiefung, Wildbach«, womit — was schon von ande- 
ren angenommen wurde — ursprünglich der Fluß Wien und nach diesem die 
Stadt bezeichnet worden sei. Inwiefern diese Deutung des Namens Wien aus 
dem Keltischen begründet sei, sollen andere beurteilen; für unsere Zeitschrift 
ist am wichtigsten die vom Autor gegebene Erklärung der slavischen Namen 
Wiens, wobei er vorzüglich den böhmischen Namen Vi den und den serbo- 
kroatischen Bec berücksichtigt, denn die übrigen (Biiia im Russischen, 
BaeHaim Bulgarischen und Dunaj, eigentlich >Donau« im Slovenischen) be- 
dürfen keiner Erklärung. Während nun Grienberger, nach begründeter Zurück- 
weisung der von Miklosich angenommenen Identifizierung des böhm. Viden 
mit dem Namen des Bezirkes Wieden, an dem slavischen Ursprünge des 
Namens festhält, verteidigt unser Autor sehr eifrig die Ansicht, daß umgekehrt 
der böhmische Name aus dem deutschen Vienne durch Dissimilation des 
->m- zu -dn- entstanden sei. Er sucht diese Ansicht durch den Hinweis zu be- 
kräftigen, daß >das Cechisch-Slovakische eine gewisse Neigung zur Kombi- 
nation dn aufweist (S. 45)«, was entschieden unrichtig ist, denn das ^echische 
nimmt in dieser Beziehung absolut keine Sonderstellung unter den slav. 
Sprachen ein. Überhaupt hat der Autor sehr konfuse Begriffe von slavischen 
Lautgesetzen, so daß sein Mut, über slavische Wortformen zu urteilen, sehr 
befremdet; ich erwähne, daß er z. B. das d in böhm. dlouhy für sekundär 
hält (S. 46), und in den >Nachträgen« als schlagendes Beispiel für die Ent- 
wicklung eines ebensolchen sekundären d vor n cech. prazdno gegenüber 
sbkr. prazno anführt!! In Fragen somit, wo eine noch so bescheidene Kennt- 
nis der slav. Lautgesetze notwenig ist, kann der Autor nicht mitreden; er hat 
somit die Behauptung Grienbergers garnicht entkräftet, daß es viel leichter 
ist, das deutsche Vienne aus dem böhm. Viden durch Assimilation des -dn- 



Die Namen Wiens, angez. v. Resetar. 297 

zu -WM- als umgekehrt Vi den aus Vienne durch Dissimilation des -7in- zu 
•dn- zu erklären. In der Tat dürfte es kaum gelingen aus irgend einer slav. 
Sprache ein Beispiel zu finden, wo auf diese Weise aus -nn- ein -dn- entstanden 
wäre. Man darf ferner nicht vergessen, daß das n im böhmischen Namen pa- 
latal, im deutschen dagegen nicht palatal ist; es ist somit auch von dieser 
Seite wahrscheinlicher, das der deutsche Name aus dem böhmischen geflossen 
ist, als umgekehrt, denn es ist jedenfalls wahrscheinlicher, daß die Deutschen 
das ihrer Sprache fehlende n durch ihr «, als daß die Slaven das aucli im Sla- 
vischen so gewöhnliche n durch ein ü ersetzten. Solange also nicht aufbessere 
Art die Möglichkeit der Entwicklung der böhmischen Form aus der deutschen 
begründet wird, wird man wohl bei Grienbergers Annahme bleiben müssen, 
daß die letztere Form aus der ersteren abzuleiten ist. Ist das aber richtig, 
dann ist dies selbstverständlich ein sehr gewichtiges Argument für die vielfach 
(auch von deutschen Forschern) vertretene Ansicht, daß vor der Besitzergreifung 
Niederösterreichs durch Karl den Großen das ganze Land von Slaven be- 
wohnt war. 

Was ist aberViden? Da wir jetzt wissen, daßWieden sachlich und 
sprachlich in keinem Zusammenhange damit steht, so suchte Grienbergerauch 
dafür ein slavisches Etymon und wollte den slav. Namen Wiens mit slav. 
vedro >Eimer« in Zusamenhang bringen, was aber wenig überzeugend ist. 
Deswegen möchte ich auf eine von Wessely in den Blättern des Vereines 
für niederösterr. Landeskunde Bd. 27, S. 125, ausgesprochene An- 
sicht zurückkommen, daß der böhm. Name direkt auf Vindo bona zurück- 
gehe, indem W. annahm, das ü der altböhm. Form Vieden sei aus slav. f für 
fremdsprachiges iti entstanden. Die Möglichkeit einer solchen Annahme ist 
um so mehr zuzugeben, als es hinlänglich bekannt ist, daß im Slav. aus fremd- 
sprachigem in ein f werden kann (ktnezi. usw.); daß aber speziell die Böhmen 
anch zur Zeit, als sie mit den Deutschen in Berührung kamen, also nachdem 
sie in Böhmen usw. sich niedergelassen hatten, ans fremdsprachigen Laut- 
verbindungen Nasale, bezw. deren böhmische Reflexe entwickeln konnten, 
beweisen uds Beispiele wie Chub bei Kosmas aus deutschem Kamb durch 
Vermittlung von *Chob (vgl. Gebauer, Eist, mluvn. I, 44). Sonst würde die 
Entwicklung der fremdsprachigen Silbe vind- zu böhm. vied- durch Ver- 
mittlung eines ved- keinen Schwierigkeiten begegnen, denn die älteste böhm. 
Form des Namens ist Wyednye (aus der ersten Hälfte des XIV. Jahrb.), 
also nach der neueren Graphik Viedne, d. i. Viedne, worauf sich erst im 
Nom. Acc. sg. die nach Art der i-Stämme gebildete Form Vied eh (gen. fem.!) 
und aus dieser nach dem bekannten böhm. Lautgesetz das gegenwärtige Vi d e ii 
entwickeitel). Da also hinter dem f eine weiche Silbe folgte, so wurde im 
Böhm, aus *Vedna eben Viedne und nicht etwa *Vadna, wie auch z. B. von 
urslav. vedn9ti im Infinitiv im Altböhm, wohl ein vadni'iti mit a vor der 



1) Auf dieser Form Vieden-Videh beruht das poln. Wieden, bezw. 
(wie mich Brückner aufmerksam macht) das altpoln. Vi den, das als Masku- 
linum aufgefaßt wurde, was übrigens auch in böhm. Dialekten Mährens und 
Schlesiens, sowie im Slovakischen geschehen ist. 



298 Kritischer Anzeiger. 

harten Silbe -dnu-, aber in der 2. eg. praes. vednes mit e vor der weichen 
Silbe -dn es wurde. Dadurchistnnr die Möglichkeit erwiesen, das böhm.vied- 
direkt auf vind- zurückzuführen; somit gewinnt auch die Annahme an Wahr- 
scheinlichkeit, daß das ganze Vi e d n e in ultima analysi doch auf Vindobona 
zurückgehen kann; allerdings stehen die beiden Formen ziemlich weit von- 
einander, doch, um ihr Verhältnis richtig auffassen zu können, müßten wir 
zuerst wissen, wie zur Zeit, als die Böhmen auf die Stelle kamen, wo jetzt 
Wien steht, der Name des Flusses, bezw. der Ortschaft (wenn es eine solche 
zu der Zeit gegeben hat !) im Munde der Leute lautete, welche dort von den 
Böhmen vorgefunden wurden, das aber wissen wir eben nicht! Daß aber geo- 
graphische Namen beim Übergehen von Volk zu Volk häufig sehr stark um- 
gemodelt und auch verstümmelt werden, ist eine genügend bekannte Tatsache; 
als ein klassisches Beispiel hierfür kann der Name der römischen Stadt 
Aquae Sextiae in Südfrankreich dienen, der im Französischen zu Aix, 
nach der heutigen Aussprache ciks oder auch nur äs zusammengeschrumpft ist! 
Bezüglich des sbkr. Namens Bec ist der Autor auf den wenig glück- 
lichen Gedanken gekommen, von dem allgemein angenommenen ungarischen 
Ursprünge des Wortes abzusehen, angeblich weil letzteres aus dem Ungari- 
schen nicht erklärt werden könne, und hierfür ein slavisches Etymon zu suchen. 
Was nun die erstere Frage anbelangt, so vergleiche man, was darüber Simonyi 
im Werke Die ungarische Sprache (Straßburg 1907, S. 92) sagt, woraus 
hervorgeht, das Becs als >Wien< mit dem Appellativum becs, das den 
äußersten Teil einer Ortschaft bedeutet, identisch ist. Jedenfalls ist diese 
Etymologie viel sicherer als die vom Autor vorgeschlagene, der Bec mit slav. 
bezati in Zusammenhang bringen möchte, — eine Etymologie, die nur von 
jemand aufgestellt werden kann, der e von e (i) im Slavischen nicht genau zu 
unterscheiden vermag, und zu deren Begründung dervollkommen unbegründete 
Satz garnicht beiträgt, daß die vor der Ankunft der Magyaren in Pannonien bis 
in die Nähe Wiens lebenden Slaven >der Hauptsache nach Kroaten (S. 52)« waren, 
die den (NB. aus bezati gebildeten!) Namen Bec den Magyaren übergeben 
hätten. — Insofern sich also der Autor mit dem slavischen Namen der Stadt 
Wien beschäftigt, bedeutet seine Schrift absolut keinen Fortschritt, denn 
weder hat er die von Grienberger vorgebrachte Ansicht umgestoßen, daß 
Wien aus Vieden, und nicht umgekehrt, abzuleiten sei, noch hat er mit 
sprachlichen oder historischen Argumenten wahrscheinlich gemacht, daß die 
bei den Serbokroaten übliche Benennung Bec einheimischen und nicht ma- 
gyarischen Ursprunges sei. 31. liesetar. 



V. Hruby: Vergleichende Grammatik der slavischen Sprachen. 
Ein praktisches Behelf, alle slavischen Sprachen in Wort und 
Schrift zu verstehen. A. Hartlebens Verlag. 2 Mk. (Ohne Jahr). 

Die bei Hartleben erscheinende >Bibliothek der Sprachenkunde« ent- 
hält Grammatiken und einige Wörterbücher auch der wichtigeren slavischen 
Sprachen. Freilich sind diese von recht verschiedenem Werte, z. B. möchte 



Hruby, Vergl. Grammatik d. slav. Sprachen, angez. v. Hanisch. 299 

ich weder die polnische noch die russische empfehlen: fürs Eussische ist bei 
noch größerer Billigkeit Bernekers kurzes Lehrbuch und seine Chrestomathie 
in der »Sammlung Göschen« eine ungleich bessere Einführung. Besser sind 
die »Grammatik der böhmischen Sprache« von Kunz, obwohl ich das gänz- 
liche Fehlen der Syntax doch für bedenklich halte, dann die Behandlung des 
Lettischen von Brentano. In Hruby's Vgl. Grammatik haben wir, bei manchen 
Einwendungen im einzelnen, ein treffliches Buch, welches seinen Zweck, den 
praktischen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, gut erfüllen wird. 

Der Verfasser hat bereits eine »praktickä rukojet srovnavaci jazykuv slo- 
vanskych« herausgegeben, welche gute Aufnahme gefunden hatte: die »Vgl. 
Grammatik der slav. Sprachen« ist nun eine verbesserte Bearbeitung jenes 
Werkes. H. will nun allen denen ein praktisches Hilfsmittel in die Hand 
geben, welchen es auf das Verstehen (nicht auf das Sprechen) der Slavinen 
ankommt. »Indessen konnte das Bedürfnis der studierenden Jugend, sowie 
das Bedürfnis derjenigen, welche zum Zwecke des Studiums der Slavistik 
einer kurzgefaßten, übersichtlichen Materialiensammlung benötigen, nicht aus 
den Augen gelassen werden. Doch geschieht dies in einer Art, daß der 
praktische Zweck darunter nicht leide«. Diese Bemerkung rechtfertigt die 
Erwähnung des Buches auch im »Archiv f. slav. Philologie«. 

Nach einer kurzen »Einleitung« (pg. 2—6) wird im ersten Abschnitt 
(pg. 7 — 89) die Lautlehre behandelt und zwar zunächst in vergleichender 
Weise (pg. 7 — 32) und dann in Beziehung auf jede einzelne Sprache (pg. 33 bis 
89), nämlich: Czechisch, Polnisch, Serbisch und Kroatisch, Slo venisch. 
Großrussisch, Kleinrussisch. Nur anhangsweise (pg. 168 — 184) ist »Lausitzisch« 
und Bulgarisch abgetan. 

Der zweite Abschnitt (pg. 89—168) enthält im allgemeinen Teil (pg. 89 
bis 99) das Wichtigste aus der Flexion, Wortbildung, sowie syntaktische und 
phraseologische Bemerkungen, während pg. 100—168 die diesbezüglichen Be- 
sonderheiten der einzelnen Slavinen zur Sprache kommen. Kurze prosaische, 
einige poetische Lesestücke dienen zur praktischen Einübung der gegebenen 
Eegeln. Bei der Anordnung des Lehrstoffes ist zu beanstanden, daß in dem 
ersten, die Lautlehre behandelnden Abschnitt »Grammatikalische Vor- 
bemerkungen über Hilfszeit-, Bei- und Fürwörter« (pg. 30—32) untergebracht 
sind, während umgekehrt im zweiten Abschnitt -h und b und ähnliche lautliche 
Dinge (pg. 89 — 92) an der Spitze stehen. Der Grund dieser Prinzipiendurch- 
brechung liegt offenbar darin, daß der Verfasser von der Theorie der Praxis 
zuliebe abweichen wollte. In der Transkription sind gelegentliche Versehen 
unterlauten, ich finde z.B. pg. 11 als polnisch eine Schreibung: zywe, pg. 12 des- 
gleichen ein zyciem und ein zydzieta u. a. m. Im ersten kleinrussischen Lese- 
stück (CjoBiiHw pg. 13) begegnet das e, dessen Erklärung hier aber fehlt. In 
der vergleichenden Tabelle pg. 21 f. ist es doch durchaus unzulässig als 
kirchenslav. Formen zu geben : m-Lch, ottc, pe8T.k usw. aber Ixzl, di.ni., ognt, 
slad-ikt, dtski. usw. Bei Erwähnung des russischen Volllautes (oro, olo, ele, 
ere) pg. 25 hätte die Erklärung, wenn schon auf den Akzent verwiesen wird, 
doch etwas deutlicher ausfallen dürfen, als nur andeutend (und wohl für viele 
Benutzer des Buches rätselhaft) : »bei den Beispielen (sbk., pol., russ.) beachte 



300 Kritischer Anzeiger. 

man den Akzent, weil sich daraus der Grund des Tonwechsels ergibt«. Die 
südslavischen Aorists- und Iraperfektsbildungen sind pg. 129 f. ohne jede Be- 
ziehung zum Ksl. und anderen Slavinen rein deskriptiv dargestellt. 

Manche Redewendungen hätten besser vermieden werden können, so 
z. B. pg. 152 : »Das Russische liebt Komposita« oder gar pg. 140: >Das Slove- 
nische hat gegen den freien Instrumental eine Aversion«. Solche Wendungen 
gemahnen an die Zeiten, in denen der Sprachgeist in den Grammatiken sein 
Wesen trieb — , das schreckhafteste Beispiel dafür ist mir: Szreniawas Wort- 
forschungslehre der polnischen Sprache. Auch ist zu beanstanden: »Unter 
den . . . Voraussetzungen . . . übergehen sie . . . in die weicheren Vokale« 
(pg. 40 u. oft). Allerdings findet man diesen undeutschen, manirierten Ge- 
brauch von >übergehen« jetzt schon recht häufig. Der grammatische Fehler 
auf dem Titelblatt: »Ein praktisches Behelf« müßte in einer Neuauflage, in 
der auch noch einige unbedeutende Druckfehler (die im Verzeichnis nicht alle 
aufgenommen wurden) beseitigt werden könnten, verbessert werden. 

Im ganzen haben wir es aber doch mit einem, seinem Zweck durchaus 
entsprechenden Buche zu tun, welches zur weiteren Verbreitung slavistischer 
Kenntnisse unter den Deutschen recht geeignet ist. »Eine ,slavische Chresto- 
mathie' nebst einem Differenzialwörterbuche soll binnen kurzer Zeit nach- 
folgen« versichert der Herr Verf unseres (ohne Jahreszahl erschienenen) 
Werkes: ich warte schon über ein Jahr darauf, doch hoffe ich, daß das Ver- 
sprechen bald in Erfüllung geht. 

Beuthen 0,S. E. Hanisch. 

Staroslo van. Vierteljahrsschrift zur Pflege der altslavischeu Sprache, 
Geschichte und Kultur. — I. Jahrgang, I. Heft mit einer Beilage: 
1. Bogen des Werkes »Slavische Kunendenkmäler«, Kremsier 1913. 
Druck und Verlag von H. Slovak in Kremsier, in Kommission bei 

Fr. Ilivnac, Prag. 

Das erste Heft dieser neuen Zeitschrift ist am 15. März 1913 erschienen 
und enthält auf den ersten sieben Seiten das Programm, welches mit folgen- 
den Worten beginnt: »In einer unruhigen, waffendröhnenden Zeit, hervor- 
gerufen durch die strebsamen Slavenstämme auf dem Balkan . . . reifte die 
Idee zur Gründung der Zeitschrift und Bibliothek »Staroslovan« (= >Alt- 
slave«). Auch wir treten hier in einen Kampf der Selbsthilfe . . . mit den 
Waffen des Geistes, um den Widerstreit der Meinungen zu nivellieren und 
der Erkenntnis jener aus dem inneren, naturgesetzlichen Werden hervorge- 
gangenen weltgeschichtlichen Tatsachen eine Auferstehung zu erkämpfen, die 
sich aus eigener Kraft nicht zur universellen Geltung emporzuringen vermag. 
Das Kampfobjekt ist hier die Frage: sind die Slaven Stammbewohner in Eu- 
ropa oder nur Einwanderer, d. h. wie soll man sich die schwere Menge sla- 
visch-sprachlicher Belege in Europa aus dem Altertnme erklären, wenn die 
Slaven erst im V. Jahrh. n. Chr. dahin eingewandert wären?« Es wird nicht 
gleich ersichtlich sein, inwiefern die Lösung dieser Frage — wenn man näm- 
lich das eine Frage nennen will — die Neugründung einer Zeitschrift recht- 



Staroslovan. Vierteljahrsschrift, angez. v. Hanisch. 301 

fertigen könnte, zumal auf der letzten Einbandseite vom Verlage ein einschlä. 
giges Buch empfohlen wird: Zunkovic , >Die Slaven, ein Urvolk Europas<. 
Verständlich wird das aber gleich durch das Folgende: »Die Berufswissen- 
schaft dilettiert leider viel zu viel mit ungeprüften Traditionen; das selbstän- 
dige, systematische Nachdenken bildet selten mehr die Grundlage für den 
Aufbau streng wissenschaftlicher Führungsaufgaben, daher es kommt, daß 
ein voreingenommenes, schulmechanisch fortwirkendes Urteil oft umso toll- 
kühner verteidigt wird, je haltloser sich dasselbe gestaltet, nur um sich das 
Umlernen zu ersparen.« In diesen kräftigen Worten liegt die tiefere Begrün- 
dung für die Notwendigkeit der neuen Zeitschrift: es handelt sich nicht allein 
um jene Frage, sondern um einen Kampf gegen die Schlamperei , von der die 
heutige Slavistik ergriffen ist, um ein Eingen nach neuen Grundlagen, um 
einen Feldzug gegen »die Irrlichter dieser geistigen Desorientierung« (S.2) der 
Gegenwart. 

Mit S. 8 beginnen die Abhandlungen, so: »Topische Namen der altsla- 
vischen Wurzel >cer<, »Slavische Glossen in der 'Lex Salica'«, >Slavische Ge- 
schichtsquellen I« (hier handelt es sich um »L. A. Gebhards Vorrede zur 
Geschichte aller wendisch -slavischen Staaten', Halle 1790, die zu Nutz und 
Frommen der Slavistik von Herrn Dr. A. Kovacic abgedruckt und 'erläutert' 
wird, um zu zeigen, »inwieweit sich die Ansichten seither zu Ungunsten der 
Slaven ohne sichtbaren Grund geändert haben«), »die Ratfelstettner Zollord- 
nung«, »die Azbuka in der Edda«, »Schwayxtix. — Ein Schulbeispiel ober- 
flächlicher Forschungspflege«, »Jus primae noctis bei den Slaven«, dazu kom- 
men noch verschiedene Kleinigkeiten. Dabei zeigt sich, daß den Hauptanteil 
an diesen Darbietungen Herr M. Zunkovic hat; er ist der eifrigste Mitarbeiter 
der neuen Zeitschrift, in ihm dürfen wir daher wohl auch den geistigen Nähr- 
vater der neuen Richtung sehen. 

Herr M. Zunkovic ist den Lesern dieser Zeitchrift noch aus Bd. XXXIII 
578 ft'. bekannt, wo Jagiö seinen Versuch, die Grünberger und Königinhofer 
Handschrift für echt zu erklären abwies. Auch die neue Zeitschrift behandelt 
diese längst gelöste Frage S.71 f. im Zunkovicschen Sinne, d. h. also: sie ver- 
tritt durchaus die Echtheit der »herrlichen altböhmischen Dichtungen«. 
Unter diesen Umständen, und wohl doch überhaupt bei der prinzipiellen 
Gegnerschaft gegen die »Berufswissenschaft« ist es nur selbstverständlich, 
wenn Herr Zunkovic in einer längeren Anmerkung S. 56 die volle Schale seines 
Zornes ausgießt über eine Erklärung von 52 Professoren und Dozenten der 
böhmischen Universität in Prag, die am 3L Dezember 1911 diese Hand- 
schriften als zweifellos gefälscht hinstellten. Herr Zunkovic muß diesen 
Herren insofern alle mildernden Umstände für ihre Schuld von vornherein 
versagen, als es sehr wahrscheinlich ist, »daß möglicherweise kein einziger 
dieser Manifestanten je im Leben die »gefälschten« Handschriften selbst 
näher gesehen oder gar eingehend studiert hat«, da nämlich in den letzten 
20 Jahren nur drei, vielleicht vier Personen diese Kuriosa besichtigt haben. 
Man weiß hierbei wirklich nicht, ob dieser Grund der wissenschaftlichen 
Naivität des Herrn Majors Zunkovic entstammt oder für die Unschuld der 
Leser des »Staroslovan« berechnet ist. Sollte wirklich Herr Zunkovic wissen- 



302 Kritischer Anzeiger. 

echaftlich so harmlos sein, daß er glaubt, zur Untersuchung der Echtheits- 
frage einer Urkunde bedürfe es unbedingt des persönlichen Augenscheins? 

Ich erwähne nur noch den Aufsatz: >Schwayxtix. — Ein Schulbeispiel 
oberflächlicher Forschnngspflege«, in dem Herr Zunkovic die streitbare Feder 
besonders gegen Prof. v. Jagic richtet, der »in dem Aufsatze 'Zur slavischen 
Runenfrage' (Arch. f. slav. Philologie 1881) alle seine Autorität einsetzte, um 
über die Rjetra-Altertümer ebenso autokratisch den Stab zu brechen, wie 
späterhin in unglaublicher Verblendung auch über die altböhmischen Hand- 
schriften« (S. 53). Wir sehen: immer wieder taucht die Echtheitsfrage der 
beiden Handschriften auf. So fertigt er ihn und mit ihm die ganze Slavistik 
in Bausch und Bogen kurz ab: »Auf welche Fundamente oder Einflüsse hin 
nun Jagic sein Anathema aufbaute, ist aus nichts zu ersehen und übrigens 
heute bereits belanglos; Tatsache ist aber, daß man sich seit jener Zeit in 
slavenfeindlichen Kreisen trotzdem stets mit großer Sicherheit auf die Ent- 
scheidung dieser 'Autorität' beruft. Sieht man aber auch von der mangelnden 
Gewissenhaftigkeit bei dieser wissenschaftlichen Nachkontrolle im allgemeinen 
ganz ab, so ist es an sich ein Unsinn hier die Möglichkeit einer Fälschung nur 
zu vermuten« usw. 

Der wissenschaftliche Wert der Artikel dieser neuen Zeitschrift ergibt 
sich teils schon aus den Überschriften, teils aus den knappen Andeutungen, 
die ich hier gemacht habe. Wichtiger und beachtenswerter als die Abhand- 
lungen erscheint mir aber der Ton, auf den ich durch die beigebrachten wört- 
lichen Zitate die Aufmerksamkeit der Leser des »Archivs« richten wollte. 

Wenn Herr Zunkovic sich mit den Ergebnissen der heutigen Slavistik 
nicht befreunden kann, so bleibt es ja schließlich sein gutes Recht, in Wort 
und Schrift den Zwiespalt zwischen Wissenschaft und verletzter hyperpatrio- 
tischer Empfindung durch ad hoc zugespitzte Hypothesen zu überbrücken. 
Und findet er bei diesem Bestreben einen willigen Verleger, dann um so besser 
für ihn. Wenn Herr Zunkovic aber von dem Piedestal seiner völligen wissen- 
schaftlichen Bedeutungslosigkeit herab in vielfach ungezogenem, mit törichter 
Überhebung gemischtem Tone über Gelehrte von unbestrittenem Range ur- 
teilt, 80 beginnt die lächerliche Lehrhaftigkeit , mit der er nach der herkömm- 
lichen Art aller Dilettanten veraltete Ladenhüter als neueste tiefgründige 
Weisheit anpreist, einen häßlichen, boshaften Beigeschmack zu bekommen 
und macht es unmöglich, weiterhin auf seine literarischen Machwerke ein- 
zugehen. 

Beuthen O./S. Erdma?in Hajiisch. 

C. n. OÖHOpCKiH. H3tIKi E*peMOBCKOH KOpMiefi XII BiKa. 

CII6. 1912. 4". 86. (SA. aus HacjiiAOBaHifl no pyccKOMy flSLiKy T.III^ 

Btin. luil). 

Zu hervorragendsten Denkmälern des altrussischen Schrifttums zählt die 
altkirchenslavische Übersetzung des byzantinisch-kanonischen Werkes , das 
sich Syntagma in vierzehn Titeln (mit einer oder zwei Vorreden versehen) 
nennt und griechisch in verschiedenen Redaktionen vertreten ist. Die neueste 



Obnorskij, Die Sprache der Efremov-Kormcaja, angez. v. Jagic. 303 

russische Forschung Prof. Benesevic' (KanoHiiqecKiii cöopnuKt XIV Tury^oBi. 
CO BTopoü qeTBcpTu VII uiKa no 883 r. CIIö. 1905) spricht von drei verschie- 
denen griechischen Redaktionen des Syntagma, an die dritte hält sich der 
slavische Text, der sich in der oben zitierten Kormcaja saec.XII erhalten hat. 
Eine lichtvolle Analyse des ganzen Inhaltes der Jefremovskaja Kormcaja im 
Zusammenhang mit den Hinweisen auf griechische Vorlagen gibt die kleine 
aber noch immer klassische Schrift A. S. Pavlovs (Xlepuouaqa.iiHi.iii ciaBAHO- 
pyccKiü HOMOKaHoiix. KasaiiB 186'»). Alles das ist vor kurzem von Benesevic in 
den drei Heften der /[peBHe-ciaBflHCKaa KopMqan XIV THTyjoBi. öea-B tojiko- 
BaHiii (Cnö. 1906—1907, lex. &o, 840) herausgegeben worden, und zwar der 
slavische Text nach der oben erwähnten Kormcaja, ergänzt wo es notwendig 
war nach einer jüngeren Abschrift, und parallel dazu das griechische Original. 
Es war ein vernünftiger Gedanke, daß Benesevic zum leichteren Verständnis 
der slavischen Übersetzung die griechische Vorlage beigegeben hat. Denn 
ohne diese Stütze wäre an vielen Stellen, namentlich dort, wo sich der schwül- 
stige byzantinische Stil in langen, zerdehnten Satzgefügen gefällt, der Sinn 
der slavischen Übersetzung ganz unfaßbar. Die slavische Übersetzung ist 
nämlich nicht eine einmalige Leistung, es gibt Bestandteile, die auf einer 
älteren besseren Übersetzungsarbeit beruhen und auch solche, wo in der Regel 
sehr wenig Rücksicht genommen wird auf die Bedingungen der slavischen 
Konstruktion, wo man sich um die syntaktische Konkordanz der zusammen- 
gehörenden Ausdrücke in Kasus, Numerus und Genus so gut wie gar nicht 
kümmert, sondern die einzelnen Ausdrücke in der sklavisch die griech. Vor- 
lage befolgenden Art wiedergegeben werden ohne auf den nötigen Zusammen- 
hang zu achten. Das erwähnt auch der Verfasser der oben zitierten Schrift, 
nur merkwürdiger Weise nicht am Anfang, sondern gegen Ende seiner Studie 
(auf S. 83). So vermag man denn in sehr vielen Fällen aus der slavischen 
Übersetzung allein gar nicht herauszufinden, welche Beziehungen zwischen 
einzelnen Ausdrücken anzunehmen sind. Als ein abschreckendes Beispiel 
dieser Art kann die Übersetzung des n^öloyos (ed. Benesevic S. 1 — 4) ange- 
führt werden, wo man sehr viel Widersinniges findet, z. B. um nur etwas zu 
erwähnen: /u'j^^t xov TETayfxifov wurde ohne Rücksicht auf die dazugehörigen 
Substantive /lütqov re x«i x^övov als ein selbständiges Neutrum aufgefaßt und 
durch A« n«Kei\'fcHHui wiedergegeben, also ao ncB£i\'fcHHra . . . Ax-kp^i h A-kra statt 
zu sagen: a« nogfAlkHiiiiA . . . M-kp-hi h \\t& oder a* ri^ßtA'kHTiiHjCK . . . A^Hip-w h 
A-fcTd, der dazwischen liegende Dativ rras- xoutvtan uv^eai, der zum Partizip 
TETuyfisyov gehört, sollte in der Übersetzung im Dativ, also TaKCB'MHA\'K K-hs- 
ApACTtAXTi, und nicht im Instrumental stehen. Oder bei den Worten tnexEi^rjau 
Tovg . . . Ixxe&ivxas xi-eongenels' ^avövu; . . . awayccyelv hat der Übersetzer 
wegen der vielen Einschaltungen den Zusammenhang ganz verloren und wir 

lesen: HdHd)^"h C0\j-1|JHHA\'K . . . OT'KAOIKIvUJ£A*'K KCrOA-fcnKHTil KAHOHTvl . . . CKKhpdTH, 

WO doch die beiden Partizipien (deren erstes übrigens überflüssig, zweites 
falsch übersetzt ist) im Akkus, plur. m. gen. stehen sollten, bezogen auf kahök-w. 
Auch die Einschaltung vno xcäy , . . dixa avföifcjf . . . [txxEfhiuxas . . . xayöyas) 
ist ganz unrichtig übersetzt, der Übersetzer bemerkte nicht, daß vno xcöf awö- 
&u)y zu exxEd^iyxa^' gehört, endlich der Dativ des Zweckes oder Grundes enl 



304 Kritischer Anzeiger. 

ßeßceitjaei . . . y.al xoTjatTi SiSa<jy.ali(^c sollte nicht durch den Instrumental h3- 
B-ki|jeHHi6AtK . . . RAriiiAtK o\-H£HHi6A\K übersctzt werdcH, sondern etwa mit der Prä- 
position o: <> H3E-fci|i£HHH . . . H RAa3i£A\k o\'HtHHH. Gaöz falsch uud unverstäud- 
lich ist auch die Übersetzung der Worte: txäaxrig avvod'ov t/} nQoat;yoQi(( tovs' 

aVir^X fj^O^iJ'Wf vnOTld^Elf : KOI€riJH;k,\0 ChROpa Hdp£HEHHI€Alli HA»C\-||lHHA\'h H tlOAC- 

jKHK-h. Wer soll das verstehen? Und so geht es weiter, ein vollständiger 
Wirrwarr, aus dem sich nur das eine ergibt, daß dem Übersetzer dieses Prolo- 
gos bei seiner mühevollen Arbeit nicht eingefallen war, sich die Frage zu 
stellen, ob jemand den Sinn seiner Übersetzung verstehen wird. Übrigens 
scheint er selbst das griechische Original bei der verwickelten Ausdrucksweise 
nicht recht verstanden zu haben, wie das mehrere Beispiele deutlich zeigen. 
Ich muß dennoch ausdrücklich hervorheben, daß nicht alle Bestandteile so 
verzweifelt kopflos übersetzt sind, wie der Prologos und vielleicht die vier- 
zehn Titel: so z.B. die Canones Apostolorum machen einen viel besseren Ein- 
druck, die Übersetzung stimmt auch in einzelneu Ausdrücken hier und in den 
14 Titeln nicht überein, z. B. laixos- lautet hier Ai«>KdMHH'h (auch awahhiv), da- 
gegen in 14 Titel RiAkUK (auch npccTM4,K), 6 nneaßvTEQo^ ist im Canon, apost. 
immer non-h, in 14 Titeln daneben auch npcsR^-Tep-K, o xXr;Qiy.6^ ist in 14 Titeln 
unübersetzt kahphk-k, im Canon, apost. aber übersetzt npHMKTKHHK-K. Diesem 
z. T. recht trostlosen Zustand des slavischen Textes der Kormcaja gegenüber 
verhielt sich der Herausgeber derselben (Prof. Benesevic) ganz passiv, ja er 
trieb seine Gewissenhaftigkeit in der Unantastbarkeit der Übersetzung so 
weit, daß er selbst die sinnlose Interpunktion des Originals unverändert be- 
hielt, wodurch der Text noch mehr an Verständlichkeit einbüßen mußte. 
Auch offenkundige Schreibfehler hatte er nicht den Mut zu beseitigen, z. B. 
S. 69 blieb unangetastet ieAHH«A\'hicTHi€, wo doch jedermann sieht, daß i€ahh«- 
At-wcAHie gemeint war (griech. ofiöyoia); auf S. 83. 16 liest man o cTp'ji6HHH)f'K, 
wo wegen des griechischen tieqI xCii' enhrj&evömcoi' offenbar o crpijteipHHjfK 
gelesen werden muß; auf S. 90.28 muß C'Thhovak schon wegen des griechischen 
ai'n-/o}qr,aovai in othac>\'tk korrigiert werden usw. 

Unter solchen erschwerenden Umständen soll die oben zitierte Arbeit 
ein Bild der Sprache dieses Denkmals geben. Das war ungeachtet des großen 
Fleißes , mit welchem diese kleine Schrift ausgearbeitet wurde, nicht leicht 
zu erreichen, weil eben auf den allgemeinen Charakter der Übersetzung nicht 
hinreichendes Gewicht gelegt worden war, aus welchem sich so manche auf- 
fallende Erscheinung des Textes erklärt, ohne daß sie für die Beurteilung der 
Sprache von irgend welcher Bedeutung wäre. Ich will das an einigen Bei- 
spielen zeigen. Man liest auf S. 10 einen Dativ iiccTdRAi6novi6A\c\,-. Wenn man 
diesem Beispiel, so wie es gedruckt steht. Gewicht beilegen wollte, so müßte 
man darin einen Beleg für die bekannte alte noch nicht assimilierte Zusammen- 
setzung erblicken (vgl. Leskien ^ § 82) und man könnte dem Verfasser dieser 
Arbeit den Vorwurf machen, warum er nicht auf S. "6 das Beispiel zitiert hat. 
Allein wenn man sich die Stelle näher ansieht und die griech. Vorlage, wo 
XsiQod-tPTos steht, heranzieht, stellt es sich heraus, daß der Text hätte gedruckt 
werden sollen nccTaEAJ€H0V|" i6a\ov, weil der Übersetzer auch hier seiner Methode 
treu blieb, daß jedes Wort für sich übersetzt werden kann, ohne sich um den 



Obnorskij, Die Sprache der Efremov-Kormcaja, angez. v. Jagic. 305 

Zusammenhang zu kümmern: neol rov vnoxsiuti'ov wurde übersetzt o hoat»- 
rtjjKanJHHx-K, statt aber ebenso fortzufahren und h nocTaBAmn-hiHjfK zu schreiben, 
hat man bei xccl x^i-QoO^iyTog gar nicht mehr an den früheren Genetiv gedacht, 
sondern faßte diesen letzteren Ausdruck als Genetivus absolutus auf. Oder 
auf S. 12 liest man für u'rj IxävTHif Xdipava die Übersetzung \\i HA\iHM|iHH)f'K 
Moi|iK, das wäre ein sonderbarer Gen.plur. von aaoijjh [xlc Xeixpavu), der auf S.72 
hätte erwähnt werden müssen, wenn man es nicht mit einem einfachen Schreib- 
fehler zu tun hätte, was in der Tat der Fall ist, denn ein neuerer Text schreibt 
das richtige aaoijjVh. 

Die vom Verfasser in der zitierten Schrift gemachten Beobachtungen 
über alle möglichen Eigentümlichkeiten der Graphik und der Phonetik dieses 
Denkmals zeichnen sich im Rahmen der gestellten Aufgabe durch große Sorg- 
falt und Genauigkeit aus. Diese geht oft so weit, daß in beigegebenen Zahlen 
die Gesamtheit aller Fälle zum Ausdruck kommt. Dabei werden auch gewisse 
Eigentümlichkeiten, die sich über einzelne Teile der Handschrift erstrecken, 
genau kontrolliert. Ob man aber daraus gleich auf die Beteiligung verschie- 
dener Hände schließen darf, das ist doch fraglich; es kann ja schon in der 
Vorlage, aus welcher dieser Text geflossen, dieselbe Ungleichheit der Behand- 
lung vorhanden gewesen sein. Da müßte der Einblick in das Original ent- 
scheidend mitsprechen. Zuerst ist von der Graphik die Rede (S. 3 — 16), doch 
würde ich die auf S. 14 gemachte Beobachtung, daß beinahe immer jkk>, ujw, 
MW, i;w, 14JI«, a;,\H> geschrieben werde, als eine phonetische, nicht bloß gra- 
phische Erscheinung auffassen, folglich davon erst auf S. 65 sprechen. In der 
Phonetik sind die Fälle, wo t>. und h genau geschrieben und wo sie ausgelassen 
werden, sehr sorgfältig verzeichnet, man erfährt z. B. solche Tatsachen, wie 
daß KTiTo 191 mal, kto 66 mal geschrieben wurde, oder AA-KHon». 1 17 mal, auiop-k 
164 mal, oder t-kk-kaao 69 mal, t'kka*o 49 mal usw. Im Ganzen bekommt man 
den Eindruck, daß das Denkmal in der Wahrung und richtigen Anwendung 
der schwachen Vokale sehr feinfühlig ist. Schade daß der Verfasser in der 
Anmerkung 2 zur S. 26 nicht alle Beispiele der Schreibart ottvhth, cT-kiarH 
aufgezählt hat, denn gerade diese Schreibart ist gegenüber der älteren «jthth, 
«TATH als etwas sekundäres sehr beachtenswert. Das individuelle Hervor- 
treten der Präposition, sei es als Präfix, sei es selbständig, begegnet in spä- 
teren, namentlich russischen Quellen, immer häufiger. Bei der Besprechung 
der Fälle, wo tv durch o und k durch i ersetzt wird, sind namentlich auffallend 
die Beispiele, die der Verfasser durch die >künstliche Aussprache« zu erklären 
versucht (vgl. S.31), wie z. B. koheua, at>.ah;£hh u. a. Wie ist aber diese »künst- 
liche Aussprache« entstanden? Der Verfasser meint >durch Nachahmung 
der kirchlichen Aussprache« (S. 30). Soll man nicht manches auf die Ungeübt- 
heit und 'geistige Beschränktheit des einen oder anderen Schreibers dieser 
Handschrift setzen? Gibt man diese zu, dann schwindet der tiefere Sinn bei 
so mancher Erscheinung, über die man sich leicht den Kopf zerbrechen könnte. 
Also zu den Defekten der Übersetzung, die der Verfasser ohne weiteres zu- 
gibt, gesellen sich auch noch Defekte der Abschrift. Dieses Geständnis läßt 
manchmal verschiedene Auffassung zu. So z. B. die auf S. 36 aufgezählten 
Beispiele des Instrumentals sing, auf -av-k möchte der Verfasser dem »altslavi- 

Archiv für slavisclie Philologie. XXXV. 20 



306 Kritischer Anzeiger. 

sehen Original< in die Schuhe schieben. Möglich, vielleicht aber auch nicht. 
Das Denkmal wimmelt ja von allerlei Fehlern (vgl. die Anm. 2 auf S. 42), bei 
solcher Sachlage kann man auch als Beurteiler der Tatsachen sehr leicht 
fehlen! Die txrt-Gruppe ist in dieser oder ttrt-Form in russischer Weise die 
bei weitem vorherrschende. Warum aber für ein Denkmal desXII. Jahrh. ver- 
einzelte ort-, ert-, olt-Gruppen unmöglich oder unbegreiflich sein sollten 
(S. 46), will mir nicht einleuchten. Für ein nordgroßrussisches Denkmal (das 
ist diese Kormcaja, wie der Wechsel u-h zeigt) ist auch das Auftreten verein- 
zelter Fälle mit h für -k nichts außerordentliches (S. 50). Beachtenswert ist der 
Durchbruch der Konsonantengruppe ck- unter dem Einfluß der übrigen pho- 
netisch berichtigten Formen, auch vor h in den auf -kck-k auslautenden Adjek- 
tiven, z. B. rtWAKCKHH (S. 51). In den auf S. 55 aufgezählten Beispielen des er- 
warteten Genetivs auf -nh«, wo statt dessen die Nominativform -hhk steht, 
möchte ich nichts anderes suchen als die Nachlässigkeit des Schreibers, ein 
Beweis für die Unbestimmtheit der Aussprache des auslautenden Vokals ist 
damit wohl nicht gegeben. Ähnliche Nachlässigkeit wiederholt sich auch 
sonst recht häufig, z. B. ich erblicke sie auch in Hd T-fcAechH-fcMK HutAieHHie 
613. 9 (statt Hn-kAieHHH). Wer meine Auffassung für pessimistisch halten wollte, 
dem könnte ich mit noch viel weitergehenden Mißverständnissen dienen, als 
sie in der Schrift Obnorskijs zur Sprache kamen. Ich will nur ein Beispiel 
anführen: Auf S. 691 liest man in der Zeile 1 — 2 folgenden griechischen Text 
Tt; xJig vnoaTÜaEwg xal Ttj jov nQoaiönov nQoar-yoQifc ^Qoj/ue&a ovtü) liyot'Tss', 
die Übersetzung davon lautet: cKCT^Bd HdptMfHHta h ahi^a npHieAiAieM-K ahhj rrtwuje. 
Mag auch die ganze Übersetzung sinnlos aussehen, das Wort ahh« vor rAwn« 
ist doch deutlich nur ein Schreibfehler statt cHut, griech. ovrco. Wie viele der- 
artige Fehler mögen sonst noch in diesem Text stecken? Wir erwarten mit 
Ungeduld die versprochene Fortsetzung der Arbeit Benesevic', der uns (auf 
S. I seiner Vorrede) nach der Ausgabe des Textes, die jetzt in den drei Heften 
vorliegt, die Behandlung der Frage über den Ursprung und das Schicksal des 
Nomokanons im slavischen Süden und Rußland in Aussicht gestellt hat, also 
wohl auch über die Beschaffenheit der Übersetzung im Verhältnis zum Original 
etwas sagen wird. Erst nach einer solchen Vorarbeit wird man befriedigende 
Resultate von der Analyse der Sprache des vorliegenden Denkmals erwarten 
dürfen. Soviel man derzeit zu ihrer Charakteristik beibringen konnte, hat 
diese sehr fleißige Studie geleistet, zumal bei der Beschränkung auf die phone- 
tisch-grammatische und teilweise syntaktische Seite der Sprache des vorlie- 
genden Denkmals. Hätte der Verfasser auch noch die lexikalische Seite in 
den Kreis seiner Studie gezogen, dann wäre allerdings die Beschränkung auf 
das eine Denkmal kaum möglich gewesen, dann würde man die so lehrreiche 
Vergleichung dieses Textes mit jener älteren Übersetzung in der kano- 
nistischen Sammlung des Johannes Scholastikos vornehmen müssen, die ja 
auch für die sprachliche Seite nicht unwichtige Aufschlüsse gibt. 

V. J. 



Endzelin, Slavisch-baltische Studien, angez. v. Jokl. 307 

I . BflAsejinH'B, CjiaBflHO-öajiTiHCKie btioabi. XaptKOB'L, 1911. 
80. (VIII, 208 S.) 

Der Frage nach den ältesten gegenseitigen Beziehungen des slav. und 
des halt. Sprachstammes ist die obige Schrift gewidmet, einer Frage, die 
schon im XVIII. Jahrh. von Job. Thunmann (Untersuchungen über die alte 
Geschichte einiger Nordischen Völker, S. 1 ff.) gestellt, in der Frühzeit der 
indogermanischen Sprachwissenschaft von Bopp (Über die Sprache der alten 
Preußen, S. 86) und Schleicher (Allgem. Monatsschr. f. Wissensch. u. Lit. 1853, 
786 f., Öasopis cesk. Mus. 1853, S. 320 ff. und an anderen Lit. Gr. S. 2, Anm. 1 
genannten Orten) durch Annahme einer halt. -slav. Spracheinheit beantwortet 
wurde. Die Lösung des Problems in diesem Sinne stand sichtlich unter dem 
Einflüsse der Stammbaumtheorie. Diese Theorie wurde erschüttert, die wich- 
tigsten Gebiete der idg. Sprachwissenschaft erfuhren eine tiefgreifende Um- 
gestaltung, die Lehre von der balt.-slav. Spracheinheit schien, von einem ver- 
einzelt gebliebenen Einspruch abgesehen (Baudouin de Courtenay, Zum. min. 
nar. prosv. 346, S. 330 f.), unerschütterlich zu sein (cf. Hirt, Die Indogermanen I, 
S. 119). Erst mit Meillets Bemerkungen (Les dialectes indo-europeens, S. 40ff.) 
setzte auch dieser fast zum linguistischen Dogma gewordenen Lehre gegen- 
über die belebende Kraft der Kritik ein. So wie nun Meillets Kritik der für 
die balt.-slav. Spracheinheit vorgebrachten Argumente Porzezinski zu einem 
scharfsinnigen Aufsatze (RS. 4, S. 1 ff.) anregte, der die Frage im wesentlichen 
mitFortunatov bejahend beantwortete, so geht Endzelin in seiner gleichzeitig 
erschienenen umfangreichen Schrift an eine gründliche und allseitige Revi- 
sion des Problems, wobei er nicht nur das gesamte, bisher vorgebrachte Mate- 
rial mit ungewöhnlicher Erudition und scharfer Kritik prüft, sondern auch 
eine Fülle neuen Stoffes herbeischafft, der für die Lösung des Problems 
wesentlich ist, ohne bis jetzt in diesem Zusammenhange die nötige Beachtung 
gefunden zu haben. E.s Werk ist auf diese Weise zu einem reichhaltigen 
Repertorium der wichtigsten Fragen der halt, und slav. Grammatik geworden, 
zu dem jeder wird greifen müssen, der sich mit diesen schwierigen, meist noch 
völlig umstrittenen Problemen auseinander zu setzen hat. Ref. will im fol- 
genden den reichen Inhalt des hervorragenden Werkes skizzieren, soweit dies 
im Rahmen einer Anzeige möglich ist; wenn er in einigen Punkten zu anderen 
Ansichten als der verehrte Verf gelangt ist, so wird dies bei der eben charak- 
terisierten Natur der behandelten Probleme gewiß nicht verwunderlich er- 
scheinen. 

Im ersten Teile der Schrift, der die slav.-balt. Beziehungen aus dem Ge- 
biete der Lautlehre behandelt (S. 3 — 128), untersucht Verf. zunächst die Frage 
der Vertretung der liquida und nasalis sonans (S. 3 — 24). Zwei Ansichten 
stehen an den äußersten Polen der vorgebrachten Lehrmeinungen; es sind dies 
1. die Lehre, die aus der öfter zu beobachtenden Verschiedenheit des die Li- 
quida oder Nasal begleitenden Vokals auf Entstehung dieser Vokalisierung 
in einzelsprachlicher Zeit schließt (so Vondräk, Vgl. sl. Gr. I, 327), 2. die An- 
sicht, die balt. tV, il, im, in, ur, ul, um, un, sl. V, ''l, e, ^r, H, "b mit der kelt., 
germ. [ur, ul, um, im) Vertretung vergleicht und diese Vertretung als einen 

20* 



308 Kritischer Anzeiger. 

dialektischen Zug des idg., ein Indiz für eine bestimmte Gruppierung der idg. 
Dialekte betrachtet (Meillet, a.a.O. S.41 f.). Die erste Ansicht bekämpft End- 
zelin — wie gleichzeitig mit ihm Porzezinski — durch den Hinweis darauf, 
daß auch innerhalb der balt. Dialekte selbst in vereinzelten Fällen ein Unter- 
schied in der Vokalisierung der Liquida oder des Nasals bestehe (niederlett. 
tumsa^ ostlett. timsa usw.), daß aber die weitaus überwiegende Mehrheit der 
Fälle parallele Entwicklung des Vokals in beiden Sprachstämmen zeige. Gegen 
Meillet wendet E. die Verschiedenheit der Stellung des Vokals (kelt. ri, li), die 
andersgeartete kelt. Vertretung der liqu. son. in antevokalischer Stellung (kelt. 
ar, al), die Diversität von Liquida und Nasalis son. in ihren kelt. Vertretungen 
(bei wechselseitigem Farallelismus dieser Vertretungen im balt. und slav.) ein. 
Immerhin ist der Unterschied gegenüber Meillet weniger wesentlich als quan- 
titativ. Denn E. führt nach ausführlicher Ablehnung anderer Erklärungsver- 
suche den Unterschied zwischen balt. ir und ur, sl. ^r und V usw. — mitMik- 
kola, I. F. 16, 99 — auf den Unterschied der Reduktionsstufen von or usw., 
er usw. zurück; auch dieser Auffassung zufolge ist also die Erscheinung nach 
dem ganzen Wesen der Ablautvorgänge zu schließen, uridg., freilich nicht 
gemein-idg., sohin idg.-dialektisch , zumal ja auch E. die Zusammenstellung 
von ai. Fällen wie kulmala - Hals der Pfeilspitze (cf. lt. celsus) , kulmi- 
Herde (: griech. xilog Schar), ÄMw^;a-lahm an der Hand (: lit. Jcumpti 
krumm werden) mit Fällen von i(-Vokalisierung der Liqu. und Nas. son. im 
balt. und sl. gelten läßt. (In Parenthese sei übrigens bemerkt, daß in der i- 
und ««-Vokalisierung der Liqu. son. das alb. gerade in antevokalischer Stel- 
lung mit dem balt. und slav. zusammengeht: alb. hir Sohn, got. baur Ge- 
borener, an. burr Sohn (Pedersen, K. Z. 33, 541), alb. bur Mann : ahd. baro 
Mann, gr. cpiqxBqos [Wiedemann, B.B. 27, 219^). Freilich verweist E. — und 
gewiß mit Recht — auf die weitaus größere Zahl der ur-, uZ-Fälle im balt. und 
slav. und schließt daraus auf einen näheren Zusammenhang dieser beiden 
Sprachstämme. Allein hierbei handelt es sich nicht um gemeinsame Neue- 
rungen, sondern auch nach der von E. vorgeschlagenen Erklärung (s. o.) um 
gemeinsame Erhaltung von Altüberkommenem, nämlich der Phoneme -or-, 
-ol- in ihren Reduktionsstufen. (Zum gleichen Ergebnis gelangt man auch bei 
Brugmanns Erklärung.) Gerade gemeinsam vollzogene Neuerungen sind nach 
einem gewiß unanfechtbaren Leitsatz Brugmanns (Techmers Zeitschr. I 253) 
für die Frage des Zusammenhangs von Sprachstämmen in erster Linie ent- 
scheidend. Und so besteht der Unterschied gegenüber Meillets Auffassung, 
die prinzipiell ohne Zweifel berechtigt ist, eigentlich nur in der Art der Zieh- 
ung der Dialektgrenzen innerhalb des Idg., insofern als bei E.s Auffassung 
balt. und slav. in diesem Belange als eine bereits in proethnischer Zeit näher 
zusammengehörige Gruppe zu betrachten sind. — Eine Reihe anderer, her- 
kömmlicherweise für die b.-sl. Spracheinheit vorgebrachter Tatsachen ent- 
behrt nach E. (S. 24—28) der Beweiskraft, da sie durchwegs auch auf anderen 
Gebieten nachweisbar sind, so die Beseitigung der Geminaten, der Zusammen- 
fall von med. und med. aspir., der Wandel des auslautenden in zu n, der Ab- 
fall von auslautenden d, t, der Schwund von d vor 7«, v, wobei die beiden 
letzteren Erscheinungen erst im Ursl. durch das Streben nach Herstellung of- 



Endzelin, Slavisch-baltische Studien, angez. v. Jokl. 309 

fener Silben hervorgerufen sein können. — Mit besonders liebevoller Ver- 
senkung in die Einzelheiten des halt., die dem Verf. vermöge seiner tief ein- 
dringenden Kenntnis der Dialekte und älteren Denkmäler dieses Sprach- 
stammes reichlich zur Verfügung stehen, behandelt er hierauf die Schicksale 
des idg. s (S. 28 — 78). Während bisher die communis opinio sich im wesent- 
lichen an Pedersen , I. F. 5, 77 anschloß, wonach die Bedingungen des Wan- 
dels von s zu s (das im sl. dann weiterhin zu ch wird), im ar., sl. und balt. im 
ganzen die gleichen sind — nämlich Stellung nach i, v, r, k — , läßt E. zwar 
die Gleichartigkeit der Bedingungen für das ar. u. sl. gelten, weist jedoch dem 
balt. eine Sonderstellung zu. Danach wird im balt. s in der Eegel zu s nach -r-, 
-k-, nach i jedoch nur, wenn k auf das s folgte (Suff. lit. -iszkas, lit. klszkis 
Hase, raiszkus offenbar gegenüber ,r/;vs^j etwas überdrüssig werden); Erhaltung 
des s über diese Grenzen hinaus erkläre sich durch Systemzwang in der Flexion 
oder Wortbildung, nach r auch durch Ausfall eines Konsonanten zwischen r 
und s {ilgsta wird lang, degsms Brandstelle, smarsas Fett, mit dem man Speisen 
abmacht ; got. smairpr Fett), wie denn auch s von den ursprünglich berech- 
tigten Fällen aus weiter gewuchert sei. Nach u sei hingegen im balt. s er- 
halten. Freilich geht es insbesondere bei Begründung dieser letzteren An- 
sichtnicht ohne mancherlei Gewaltsamkeiten ab. Zwar, wenn Verf lit. Ä;/dMsz'' 
Schädel und seine Sippe nicht mit an. äöms id. verbindet — wie dies wohl zuerst 
Joh. Schmidt tat — , sondern als etymologische Entsprechung mitBüga, Aist. 
Stud.I, 28 ai. kbsa- Behälter, Kufe ansetzt, somit das sz des lit. Wortes auf k zu- 
rückführt, so ist dies gewiß durchaus statthaft (cf. auch Weigand-Hirt, D.Wb.^, 
I, 823). Aber um sz nach u in Fällen wie kriuszä Hagel (: ksl. kncha Brocken 
Krümchen), vetuszas alt gegenüber aksl. vet^ch^ zu erklären, muß E. für die 
balt. Wörter Grundformen mit sk ansetzen, wobei er sich auf lt. crüsta und 
vetustus und einen allerdings oft genug za beobachtenden Wechsel zwischen 
-st- und -sk- beruft. Aber gerade in den genannten Sippen findet sich in den 
verwandten Sprachen keine Spur von -sk- , abgesehen von der Möglichkeit lt. 
crusfa in einen anderen etymologischen Zusammenhang als mit Icriuszä einzu- 
ordnen (cf Walde, E. W.2, 204). Und lit. j'tbze Fischsuppe als Entlehnung aus 
a\. j'ucJia hinzustellen, wie dies E. tut, geht nicht an. Denn als Vorstufe von 
sl. ch ist s anzusetzen. Des weiteren ist der Unterschied zwischen »urver- 
wandten Wörtern« und »Lehnwörtern« kein prinzipieller, sondern ein durch 
die jeweiligen Lautgesetze und sonstigen sprachlichen Vorgänge bestimmter 
zeitlicher (Kretschmer, Einl. i. d. Gesch. d. gr. Spr., S. 23). Das Kriterium für 
die Frage »Entlehnung oder Urverwandtschaft«, können also nur Lautver- 
hältnisse (event. zusammen mit kulturhistorischen Erwägungen) abgeben. Die 
Vokalstufe und Intonation, die bei Annahme der Erbworteigenschaft des lit. 
Wortes anzusetzen wären, bereiten keine Schwierigkeit: cf. gr. ^vfirj, ai. 
yüsa-m. Wir haben also objektiv keine Möglichkeit, Jwszt' als Entlehnung aus 
dem sl. anzusprechen (was Pedersen, I. F. 5, 80 mit Recht hervorhebt). Denn 
nehmen wir für einen Augenblick 2Ln,jüsze sei aus dem sl. entlehnt, so könnte 
die Entlehnung doch nur zu einer Zeit stattgefunden haben, da im sl. noch 
die Vorstufe von ch, nämlich s bestand. Wissen wir aber, wie damals der dem 
b1. u zugrunde liegende Diphthong gesprochen wurde? Und war die Mono- 



310 Kritischer Anzeiger. 

phtongierung wirklich schon eingetreten, dann entgleiten uns ja die Kriterien 
für dieFrage: Entlehnung oder Urverwandtschaft förmlich unter den Händen. 
E. möchte nun auf die Entlehnung des lit. Wortes daraus schließen, daß für 
eine Grundform *Jüskic, *jükje kein Anhalt vorliege und daß auch lett. juka 
entlehnt sei. Allein ein solcher Schluß wäre doch nur zwingend, wenn lit. sz 
nach u nur auf ä, sk zurückgehen könnte. Dies ist aber das probandum, nicht 
das probatum. Gewiß ist es äußerst schwierig, in dem Wechsel von lit. s und 
sz nach i, n eine bestimmte Eegel zu erblicken, wie dies Pedersen, I.F. 5, 78 ff. 
zu zeigen versuchte: nach gestoßen betontem i, u sz, nach schleifendem Vo- 
kal Rückverwandlung von dz in s, eine Eegel, die E. S. 5Uf. bekämpft; aber 
leugnen läßt sich sz<C.s nach diesen Lauten nicht. So wird es denn am rät- 
lichsten sein, sich mit der Ansicht Meillets, E. S. 5, 15ö und Rozwadowskis 
ebd. S. 7 und 28 zu bescheiden , wonach wir es mit einer Lauttendenz zn tun 
haben, die vom Osten ausging, das Bnlt. zwar noch erreichte, sich hier aber 
schon in abgeschwächtem Maße geltend machte. Sehr beachtenswert ist auch 
die Bemerkung Eozwadowskis (1. c. 9, 29), der auf die bedeutenden Bevölke- 
rungsverscbiebungen im balt. Gebiet — eine Folge der Eroberung durch den 
deutschen Eitterorden — hinweist. Einen weiteren , diesen Punkt der Laut- 
lehre betreffenden Unterschied zwischen balt. und sl. erblickt E. in der Be- 
handlung von anlautendem ks-, das im lit. in einer Eeihe von Fällen zu sk- 
umgestellt sei, im sl. jedoch ch ergeben habe. Die Erörterung dieser Frage 
gibt dem Verf. Gelegenheit zu scharfsinnigen, über das b.-sl. hinausgehenden 
Ausführungen (so über den Anlaut der Bezeichnung der Sechszahl im idg., 
gr. SiajQi^, die Etymologie von lit. szdltas kalt usw.). Die Beispiele für lit. 

sk- <C. ks im ganzen fünf — : lit. sküsti schaben : gr. ^veir; skiaudcti niesen : 

ai. ksäuti dass.; skühinti beeilen : ai. ksühhyati schwankt, zittert; skalduü spü- 
len : ai. ksälayati wäscht, zeigen ohne Zweifel die Behandlung des Anlauts, 
bis auf das fünfte: lit. skujos Nadeln der Bäume (: r. usw. chvoj id.), da ja sl. 
ch in diesem Wort nicht auf ks zurückgehen muß, vielmehr auch kh reflek- 
tieren kann (Pedersen , Jagic-Festschr. S. 218f.), und Beispiel Nr. 3: skübinii 
findet bezüglich des Anlauts ein wohl sippenverwandtes Analogon auch im 
sl.: skuhn vello, wie dies E. selbst hervorhebt (cf. Brugmann, K. V. G., S. S8, 
Meillet, Einführ. i. d. vgl. Gr. [deutsche Ausg.j, S. 102, Falk-Torp bei Fick, 
Vgl. W.", Bd. 3, S. 470). Zudem handelt es sich ja (Brugmann, Gr.2 I, 867) um 
einen auch sonst nachweisbaren Vorgang. Der Schluß, die linguistischen 
Vorfahren der Slaven hätten häufiger als die der Balten die Anlautgruppe Äs- 
erhalten und dies bedeute einen alten dialektischen Unterschied zwischen b. 
und sl. beruht demnach auf einem zu spärlichen und zu wenig spezifischen 
Induktionsmaterial. Für eine Vergleichung des Schlußergebnisses des Verf. 
mit dem Meillets scheint dieser Punkt nicht unwesentlich zu sein. 

Eine bedeutsame Übereinstimmung zwischen den beiden Sprachstämmen 
ist der Parallelismus hM.jau-, sl.y«, der vom Verf. (S. 78—84) mit erschöpfen- 
der Benutzung der Literatur behandelt wird. E., der nicht geneigt ist, hier 
an zufälliges Zusammentreffen zu glauben, nimmt Entstehung der Lautung aus 
eu und eu an, wobei eu vorerst gekürzt worden sei. Die bei dieser Theorie 
sich ergebende Schwierigkeit in der Erklärung des Hergangs der Palatalisie- 



Endzelin, Slavisch-baltische Studien, angez. v. Jokl. 311 

rung — in altem hetero-syllabischen eu palatalisiert e den vorhergehenden 
Konsonanten nicht (cf. Leskien, Altbulg. Gr. S. 14) sucht E. durch folgende 
Annahme zu beseitigen: im halt, sowohl als im sl. sei das e des Diphthongs 
en offen gewesen ; der Übergangslaut zwischen diesem e [a] und u sei daher 
notwendig a gewesen, das allmählich stärker wurde, während das ursprüng- 
lich offene <>, unsilbisch geworden, schließlich j ergab. Dieser Ausweg ist 
scharfsinnig ersonnen. Doch beruht diese Lösung des Problems eben auf der 
Annahme von der in urbalt. und urslav. Zeit zurückreichenden offenen Aus- 
sprache des e. Denn nur so kann man die Entstehung eines Gleitlauts der 
hinteren Eeihe in en verstehen. Ist aber diese Annalime wirklich zu recht- 
fertigen? Im sl. weist ja bekanntlich nichts auf diese Aussprache hin (cf. 
Vondräk, Vgl. sl. Gr. I, 32), und E. nimmt eine Änderung der ursprünglichen 
Aussprache im sl. an (was natürlich möglich ist). Aber auch die bereits urlit.- 
lett. Palatalisierung von ä, g vor e — eine Tatsache, die E. S. 81 Anm. her- 
vorhebt — läßt sich nur bei hoher Zungenstellung, also geschlossener Aus- 
sprache des e für diese Zeit begreifen, eu >■ tau würde also urbalt. offene 
Aussprache, Palatalisierung von ä, g vor e urlit.-lett. geschlossene Aussprache 
des e ergeben. Es ergäbe sich also folgende Entwicklungsreihe: urbalt. of- 
fenes e, urlit.-lett. geschlossenes e und schließlich halt, einzelsprachlich offenes 
e. Diese Schwierigkeiten sind, wie Ref. meint, zu beheben, wenn man mit 
Mikkola R.S. I, 9ff., Ursl. Gr. 61 und Wiedemann, Lit. Prät. 32, 184 balt.>«, 
sl. ju ausschließlich auf eu zurückführt. Die bei dieser Auffassung anzu- 
setzende Aussprache des e im ursl. m, nämlich ««, ijii stimmt gut zu der auch 
aus anderen Daten zu erschließenden Lautung des idg. e im sl. (cf. Mikkola, 
Ursl. Gr. S. -15). Freilich ergäbe sich dann auch für das Urbalt. eine Schluß- 
folgerung, vor der man aber wohl kaum zurückschrecken wird müssen: auch 
hier käme dem e eine der ursl. analoge diphthongische Aussprache fä, iä zu ; 
während sie sich aber später durch spontanen Lautwandel zu geschlossenem 
e verengte — preuß., lit., man vergleiche den analogen Prozeß in einer Reihe 
von Slavinen — , konnte sich im (ursprünglich) triphthongischen iau, förmlich 
unter dem Schutze der eingegangenenVerbindung, eine Spur des ursprünglichen 
erhalten. Vielleicht ließe sich auch ein anderer Hinweis auf diese Geltung 
des e im lit. finden. — Wichtig für die Beurteilung des Zusammenhanges von 
b. und sl. ist auch die Behandlung von e^', die, wie E. in trefflicher Darstellung 
(S. 84— 104) zeigt, durchaus parallel ist; exi wird zu au (ursl.o?«) nur vor hinterem 
Vokal, bleibt jedoch vor e, i: lit. drevl Höhlung, Bienenstock, lett. drewe; lit. 
devt/ni, lett. dewini neun, sl. drevl'e vormals usw. Und gerade diese letztere 
Tatsache ist dem b. und sl. eigentümlich. Die gründliche Prüfung des für die 
Erscheinung in Betracht kommenden Materials benutzt E. zu etymologisch 
wichtigen Ausführungen über das bisher dunkle drevl'e ( : idg. *dreuos fest). 
Wenn Verf. aber schließlich die Gleichzeitigkeit des Wandels von eii im b. 
und sl. zwar als möglich zugibt, aber auch das Gegenteil, nämlich die Mög- 
lichkeit von bloß zufälligem Zusammentreffen in den Ergebnissen nicht aus- 
schließt, so scheint dies fast zu vorsichtig zu sein; denn die Gleichheit der 
positiven und negativen Bedingungen des Wandels spricht wohl eher für die 
erstere Eventualität. Auf den beiden Sprachstämmen gemeinsamen Schwund 



312 Kritischer Anzeiger. 

von anlautendem ii vor r, l legt Verfasser für die Beurteilung des Zusammen- 
hanges der beiden Sprachstämme mit Ee cht kein Gewicht (S. 104), da diese 
Erscheinung auch lt. und abd. ist. 

Die unter dem Namen des Saussure'schen Gesetzes bekannte Akzent- 
übertragung, die im lit. und sl. unter gleichen Bedingungen auftritt, nimmt 
E. als Instanz für das Vorhandensein sprachlicher Beziehungen der beiden 
Stämme in Anspruch, eine Ansicht, die gewiß Zustimmung verdient, da die 
ihr entgegenstehenden Schwierigkeiten (cf. Vondräk, Vgl. sl. Gr. I, 206) 
keineswegs unüberwindlich sind*). — Den Beschluß dieses Hauptteiles 
bildet die Besprechung der Unterschiede zwischen halt. u. sl. Den Unter- 
schied zwischen halt, a, sl. o beurteilt Verf. mit Recht wie Kretschmer (Arch. 
f. sl. Phil. 27, 228 ff.) als sekundär, nicht ohne auf die gegen diese Lehre 
erhobenen Einwendungen zu reagieren (S. 107). I. F. 26, 293 statuiert 
Pedersen ein Auseinandergehen der beiden Sprachstämme in einem wich- 
tigen Punkte der Lautlehre : -dd[h)- ergibt sl. -s-, balt. -zd-. E. nimmt gegen 
Pedersens Theorie Stellung (108 — 114), seinen Widerspruch besonders auf 
Fälle wie c. hyzd Häßlichkeit [hyzditi tadeln, schmähen, verwerfen) : klr. hyd 
Abscheuliches, Ekel, ksl. gruzdije coli. Erdschollen: gruda Erdscholle, r. 
grömozd'b Haufe unbrauchbarer Sachen, Gerumpel: gromäda großer Haufe, 
Masse, gründend, die auch für das sl. -zd- << -dd[h)- erwiesen. Allein keines 
dieser drei Beispiele vermag eine solche Behandlung der Lautgruppe im 
sl. völlig eindeutig zu erweisen. In den beiden ersten Beispielen kann 
idg. 5-Suffix stecken. Cf. zu hyzd gr. äiwog Schimpf, Schande <C *g"edzh?io- 
*gUedh-s}w- (Boisacq, Dict. et. S. 176 f., Brugmann, Gr.2, I, 659, II/l, 265, 
V. Osten-Sacken, K. Z. 44, 155f). Das Verhältnis des ?a-Suff. des gr. Wortes 
zum rf-Suff. des sl. entspricht den Beobachtungen Meillets, Etud. sur Tetym. 
et le vocab. S. 321. Mit gruzdije läßt sich lt. rf/dus {rddus), -eris zerbröckeltes 
Gestein, Gerolle, Schutt <.glireudos (Walde, I. F. 19, 100, E. W.2, 661) ver- 
gleichen. Und gromäda : ai. gräma- Haufe, Schar, lt. gremium^ (Berneker, 
E. W. 345), mit seinem ganz singulären -ada ist morphologisch unklar, also 
für die Beweisführung wenig geeignet 2). Betreffs des von Pedersen, 1. c. 293 
für seine Theorie verwerteten lit. gramzdyti versenken: sl. greznn unter- 
sinken neigt E. — nach einem äußerst lehrreichen, eine Fülle neuen Materials 
bietenden Exkurs über Brugmanns Lehre vom Wandel lit. id'^zd — zur 
Ansicht, dem b. und sl. Verbum eine Form mit g{h) zugrunde legen zu sollen, 
wodurch er Pedersens Lehre ihre letzte Stütze entziehen will. Aber die 
Ansetzung von g[h] im genannten Verbum läßt sich anderweitig nicht stützen. 



1) Die sl. Imperative wie r. nesi, nesite, die den Akzentwechsel zeigen, 
trotzdem die gestoßene Intonation der letzten Silbe erst sl. ist (s.-kr. ?nn, 
lit. te-veze) können auf akzentueller Angleichung an die Imper. r. terpi, 
smotri, nosi (also der Kl. III/2 und IV nach Miklosich) beruhen, in welchen 
Formen von i, also von ursprünglich gestoßener Intonation (Vondräk, 1. c. 
201, 2U2) auszugehen ist. 

2) Mit r. grömozdz, gromozdiU vgl. man etwa cldamostitb zusammen- 
durcheinander werfen: chlmm Plunder, Trödel, Gerumpel. Bezüglich -si-: 
zd wäre auf das von Endzelin, S. 127 u. Anm. 2 gesagte zu verweisen. 



Endzelin, Slavisch-baltische Studien, angez. v. Jokl. 313 

E. beruft sich für die Etymologie allerdings auf Berneker, E.W. Da er 
aber stammhaftes s ausschließt, (so Berneker an erster Stelle', bleibt für die 
etymologische Erklärung nur das von Berneker mit Zweifel zur Wahl ge- 
stellte alb. kreO- tauche ins Wasser, das G. Meyer, E. W. 204 mit gn-znnti 
unter *greng[h)- vereinigt. Nach Ausweis der alb. Lautlehre ist diese Zu- 
sammenstellung jedoch nicht haltbar. Denn die Lautfolge en -\- Spirant — 
als solcher erscheint idg. g{h) im alb. — gibt alb. j + Spirant: cf. alb. viO-, 
vi&i Ulme: skr. vez Ulme, p. wiqz, r. vjaz^, alb. mis Fleisch <; *?ne«5-: sl. 
mpso usw. Einen weiteren Unterschied zwischen b. und sl. erblickt Pedersen 
in der Behandlung von idg. A7<: sl. ch, b. k. E. schließt sich wenigstens im 
Ergebnis an (S. 114 — 12S), wiewohl er die bisher beigebrachten Beispiele 
noch nicht für zwingend hält. Seine eigene Untersuchung stützt die Lehre 
durch neue, gewiß beweisende Beispiele wie r. chochöh Schopf: lett. zekuh 
Zopf, r. chomjdk-o Hamster: lett. kämis dass. usw. 

Der morphologische Teil bringt zunächst eine Zusammenstellung jener 
Suffixe, die dem b. und slav. gemeinsam, u. zw. ausschließlich gemeinsam 
sind (S. 128 — 131), daher wohl als gemeinsame Neubildungen angesprochen 
werden können. Auf den von Meillet, Etud. 201 bemerkten Unterschied in 
der Wortbildung des b. u. sl. möchte Verf nicht besonderes Gewicht legen, 
da selbst die untereinander so nahe verwandten balt. Sprachen in diesem 
Punkte des öfteren nicht parallel gehen. Wichtig für die Annahme einer 
b.-sl. Epoche erscheint E. hingegen die Bestimmtheitsform des Adjektivs, 
die in beiden Sprachstämmen mit -io- gebildet wird, während das Avest. 
eine umfassendere Verwendung von ya- kennt. Die Entstehung dieser dem 
b. und sl. gemeinsamen Kategorie hat allerdings E. Hermann in einer Pro- 
grammabhandlung »Das Pronomen ios als Adjektivum (Koburg, 1897) als 
Einengung einer ursprünglich weiteren Gebrauchsweise erklärt und auf 
diese umfassendere Verwendung führt er auch die ar. Fügungen zurück. 
Dann aber ist die b. und sl. Bestimmtheitsform durch beiderseitigen Verlust 
ursprünglich vielfältigerer Fügungen (nicht durch gemeinsame Neuschöpfung) 
entstanden, was bei der Wertung der Beweiskraft dieses Punktes wohl zu 
beachten sein dürfte. Eine gemeinsame, dem Gebiete der Nominalflexion 
angehörende Neuerung ist der gen. sing, der o-Stämme (sl. -a, lit. -o) S. 132 
— 138). Freilich hat man diese Bildung auch außerhalb des b. und sl. 
gesucht (im lt. hortö, gr.-delph. foixco). Doch verwirft E. diese communis 
opinio mit Recht, da ja dann im lit. -ü zu erwarten wäre. Der Unterschied 
zwischen dem b. und sl. Ausgang einerseits und dem lt. andererseits wird vom 
Verf. auf verschiedene Kontraktionskomponenten oder-gesetze zurückgeführt. 
Der pr. Genetiv deiivas widerspricht, als Analogie-Bildung nach den ä-Stämmen, 
dem b.-sl. Charakter dieser Formen nicht. — Zu den schwierigsten Streit- 
fragen der b. und sl. Grammatik leitet der Abschnitt über den nom. pl. der o- 
Stämme(138 — 152). Verf erklärt sich gegen die weit verbreitete, auf J.Schmidt 
und Mahlow zurückgehende Ansicht, wonach lit. vilkai eigentlich neutr. pl. (lt. 
quae) sei, eine Ansicht, die notwendigerweise von allen jenen geteilt wird, die 
für die regelrechte Fortsetzung von idg. ai lit. ehalten. Da Endzelin jedoch 
Izv. otd. russk. jaz. XII/1, 40 ff. lehrt, daß lit. e auf ei zurückgeht, auf ai nur 



314 Kritischer Anzeiger. 

dann, wenn dies in unbetonter Stellang zunächst zu ei wird, da er weiter in 
ausführlicher Begründung auch die Intonation devai auf *devdi zurück- 
führt (also Intonationswechsel in auslautender gestoßener Silbe cf. tafp 
zwischen: tdrpas Zwischenraum, fut. aügs : dugti wachsen), so hindert ihn 
nichts, den halt. nom. pl. dem gr. {-oi mit gestoßener Intonation) gleichzu- 
stellen. Gleichsam ein Korollar der Lehre von der ursprünglich neutralen 
Natur des lit. nom. pl. ist Meillets geistvolle Anschauung, daß die gem.- 
balt. Gleichheit der 3. pers. des Verbums in allen drei Nummeri sich aus 
der Verallgemeinerung der Regel t« f(p« TQty,£i erkläre, da sie ja eine Ver- 
allgemeinerung der neutr. Form des pl. zur Voraussetzung hat. Auch diesem 
Folgesatz tritt E. entgegen. Die Stellungnahme zu allen diesen Streitfragen 
hängt im wesentlichen von der Anschauung über die Natur des a«, e im 
lit. ab. Gewiß sind die Anschauungen, gegen die E. polemisiert, noch nicht 
völlig geklärt, und vermögen die Probleme nicht ganz restlos zu lösen. 
Aber auch bei E.'s Lehre: e<iei bzw. <[ unbetontem ai über ei bleibt ein, 
wenn auch nur unbedeutender Rest; denn lit. eszmas Bratspieß zeigt e. 
Nun nimmt E. Izv. otd. r. j. XU/1, 63 zwar in diesem Worte ursprüngliches 
ei an; da aber gr. alx^ii Lanzenspitze sicherlich mit dem lit. Worte verwandt 
ist, bereiten bei E.'s Ansatz die Ablautverhältnisse Schwierigkeiten. Der 
Permissiv te-vez2 hat bei Zugrundelegung von E.'s Erklärung seine gegen- 
wärtige Akzentuierung erst sekundär erhalten (cf. gr. cpi^oi) u. zw. nachdem 
das ursprünglich unbetonte ai zu ei und weiterhin zu e geworden war. Frei- 
lich wäre dann eine nähere Erklärung des Hergangs des Wechsels der Akzent- 
stelle wünschenswert. Im Indikativ und in der anderen Permissivform heißt 
es ja veza, te-veia. Wechsel der Akzentstelle setzt E.'s Lehre auch für die sl. 
Imperative r. nesi, s.-kr. nesi voraus. Denn bezüglich des -oi, -ai Diphthongs 
im sl. Auslaut folgt der Verf. unter Verwerfung der auf Streitberg zurückgehen- 
den Auslauttheorie: schleifendes e>»e usw. der Lehre Hirts, wonach betontes 
-oi, -ai e, unbetontes jedoch i ergibt. Und so ergibt sich für E. die Möglichkeit 
der Zusammenstellung auch des sl. nom. pl. der o-Stämme mit dem lit. Des 
näheren auf alle verwickelten Fragen, die sich an dieseAnschauungen knüpfen, 
einzugehen, würde den Rahmen einer Anzeige weit überschreiten. Aus der 
Erörterung jener Kasus der o-Stämme, in denen die beiden Sprachstämme aus- 
einandergehen (S. 158—170) wäre vor allem hervorzuheben die mit Reserve 
vorgetragene Erklärung des sl. Instr. plur. auf -y, worin E. einen Akkusativ 
erblickt. Der Ausgangspunkt sei die gleiche Verwendung von Akkusativ und 
Instrumental nach den Verben des Wofürhaltens, Zuetwasmachens usw. 
Viel Neues bringt die Erklärung der lit. acc. pl. -ü's > -ws, die Verf mit Zubaty, 
Mikkola und Pogodin unter Zurückführung auf -ös als ursprüngliche Nomina- 
tive faßt. Gegen Streitbergs Lehre idg. -07is >> -ö^s, woraus einerseits lit. -m, 
andererseits pr. -ans und lit. dial. -uns wird eine Reihe chronologisch-gramma- 
tischer Argumente vorgebracht, während die seit J. Schmidt in der sprach- 
wissenschaftlichen Literatur als '/emaitisch bezeichnete Form vilkuns über- 
haupt jeder Gewähr entbehrt. Die in diesem Dialekt vorkommenden Formen 
mit -uns- zeigen ein hier öfter zu beobachtendes nicht lautgerechtes n zwischen 
langem Vokal und s. Bei den ä-Stämmen (S. 171) ist als wahrscheinlich aus- 



Endzelin, Slavisch-baltische Studien, angez. v. Jokl. 315 

schließliche Eigenheit des b. und sl. der instr. sing, auf *-äm zu nennen. Der 
den i- und i<-Stämmen gewidmete Abschnitt (S. 172 — 179) enthält wichtige 
Aufschlüsse über den el. nom. pl. wie gostbje, trbje; die herkömmliche Zurück- 
führung auf das in den klassischen Sprachen und im ai. nachzuweisende -eies 
und die darauf beruhende Regel heterosyll. ei"^ bj bekämpft E., da die weni- 
gen für diese Regel angeführten Formen nach Ausweis des bei slavischer 
Sprachforschung in erster Linie zu beachtenden Balt. auf -le- weisen: lett. tris 
(mit unterbrochener Intonation, daher < *triies, lett. vij'u, lit. dial. *viju (cf. 3. 
pl. vlja. Wolter, Lit. Chr. 400, 25). Die sl. Plurale der t-Stämme können daher 
den lit. auf -j/s, lett. -is, pr. -is bildungsgleich sein. Freilich ist zu beachten, 
daß es sich trotzdem nicht um gemeinsame, sondern auch um selbständige 
Bildungen handeln kann, da ja auch — wie E. übrigens selbst hervorhebt — 
gr. Dialekte -iss, also Verallgemeinerung der schwachen Stammabstufung 
zeigen. Der sl. loc. sing, der «-Stämme auf -ei ist nach E. trotz Brugmann, 
Gr.2, n/2, 176 auch in lett. Dialektformen wie sirdie, üdenie, akmetiie, ferner in 
zem. szall-p >neben« fü.T*szalie-p uach*5za/i wiederzuerkennen. Der instr. sing. 
der i-Stämme: -mi ist dem b. und sl. ausschließlich eigen. Von den Formen 
der Pronominalflexion (180 — 190) vergleicht E. vermutungsweise zem., ostlett. 
mun und sl. (ar.) 7m7ie, das Ostromir mit ^ überliefert, miteinander und möchte 
darin eine gemeinsame b.-sl. Neuerung {Grundform *inunei) erblicken. Die 
schriftlit. und pr. Formen wären dann spätere Bildungen. Doch gibt es für 
den ursl. Charakter von rmne keinen sicheren Anhaltepunkt, weder aus den 
Denkmälern — Zographus hat mbue. Mar. lubne und im?ie, Ostr. ?nöne (cf. Von- 
dräk, Altksl. Gr.2, 450 f.) — noch aus den modernen Slavinen. Es wird also 
vorsichtiger sein, sich für die Zwecke der Statistik der b.-sl. gemeinsamen 
Neubildungen mit einem non liquet in dieser Frage zu begnügen. (Zu dem An- 
sätze ursl. wi^we gelangt auch Hujer, IF. 30, 40 if., wobei er dessen hypotheti- 
schen Charakter hervorhebt, anders Brugmann, ebd. S. 50, Anm. 1). Mit über- 
zeugenden Argumenten werden ferner pr. mie?i, tien od. tin, sien od. sin (als 
mm, im, shi, <^urb. *men, *ten, *sen) mit aksl. nip, te, se (im Anschluß an Les- 
kien) verglichen (181 — 184). Der acc. pl. pr. ivans, aksl. vy), der gen. pl. [*nös- 
söm, *uössbm), der dat. pl. (*«ö??jws) werden als gemeinsame Neubildungen dar- 
getan (185 — 186). Auf die Übereinstimmungen in der Syntax (prädik. Instrum., 
Gen. in negativen Sätzen), ist nicht viel Gewicht zu legen, da diese Erscheinun- 
gen auch in anderen Sprachen nachweisbar sind (S. 190 — 192). Den Beschluß 
macht (S. 192 — 200) eine äußerst interessante Zusammenstellung des beiden 
Sprachstämmen ausschließlich gemeinsamen Wortschatzes, die ihre nahe Ver- 
wandtschaft gerade auf diesem Gebiete in anschaulicher Weise beleuchtet. 
E. zählt 49 Verba, 154 Nomina, und 9 Adverbia, Präpositionen und Partikeln 
auf. Wörter, die nur gemeinsame Bedeutungsentwicklung des b. und sl. zeigen, 
in anderer Bedeutung aber auch sonst vorkommen, sind nicht aufgenommen. 
Daß manche dieser Übereinstimmungen im Wortschatze auch durch Entlehnung 
erklärt werden können, gibt E. selbst zu. 

Zusammenfassend stellt E. die alten Beziehungen zwischen den sprach- 
lichen Vorfahren der heutigen Balten und Slaven so dar: Schon in der Zeit 
der idg. Ursprache unterschied sich das »Slav.« vom >Balt.*, so daß es etwa 



316 Kritischer Anzeiger. 

eine Mittelstellung zwischen >Balt.« und >Arisch« einnahm. Nach dem Ab- 
rücken der >Arier« traten »Slaven« und >Biilten« in eine Epoche des Zusam- 
menlebens, ihre Sprachen bereichern sich durch eine ganze Reihe gemein- 
samen neuen Wortmaterials und sind einer — übrigens nicht bedeutenden — 
Reihe gemeinsamer grammatischer Neuerungen ausgesetzt. Dafür, daß die 
Unterschiede zwischen b. und sl. in die Zeit der Ursprache reichen, wird ins- 
besondere das Nichtvorhandensein von verschiedenen Graden der Verwandt- 
schaft zwischen den einzelnen b. und den einzelnen sl. Sprachen angeführt. 
(Einen anderen Schluß gründet auf diesen Umstand Hirt, Die Indogerm. S. 121, 
s. auch unten). Der erste Teil dieses Ergebnisses ist gleichbedeutend mit der 
Annahme von Unterschieden zwischen dem heutigen Balt. und Slav., die bis 
in die Zeit der idg. Ursprache zurückreichen. Gibt es solche? E. erblickt 
einen derartigen Unterschied in der Behandlung des s, allein gerade in diesem 
Punkte scheinen Ref. seine Aufstellungen zu weit zu gehen (s. o.). Den 
Unterschied in der Behandlung von kh (b. /.-, sl. ch), für den E. zweifellos rich- 
tige Beispiele beigebracht hat, in die Zeit der idg. Ursprache zu verlegen, da- 
für gibt es keinen chronologischen Anhaltspunkt. Die Annahme, daß Ä7( eine 
Zeitlang parallel im b. und sl. bestand und dann in relativ junger Zeit im b. 
mit k zusammenfiel, im sl. ch ergab, läßt sich weder beweisen noch widerlegen. 
(Über eine andere Möglichkeit der Vereinigung von b. k und sl. ch cf. Pedersen, 
K. Z. 38, 391). Für den Unterschied im Instr. sing, der o-Stämme gibtE. selbst 
die Möglichkeit eines Nebeneinanderbestebens der Formen auf -ö und auf -omi 
(S. 165) zu. Auf keinen Fall ist in einem solchen Unterschied der Kasusbildung 
ein trennendes Kriterium zu erblicken, da ja verschiedene Bildungsformen 
eines Kasus bis in die dialekt. Verzweigungen der Einzelsprachen hinein 
nebeneinander bestehen können. Man vgl. ai (klass. Sanskrit) vrkäh Wölfe 
(Suff, -ös) gegenüber ved. asvämh Pferde (Suff, -öses), (Brugmann, Gr.2, II/2, 
211 f.). Die Gemeinsamkeiten der beiden Sprachen zerfallen hingegen in zwei 
Kategorien, solche, die bis in die Zeit der idg. Ursprache zurückreichen — 
in der Annahme solcher wird man Meillet beistimmen müssen — und in solche, 
die jüngeren Datums sind und die wohl kaum in den beiden Sprachstämmen 
unabhängig voneinander entstanden sind. (Man denke an das Saussure'sche 
Gesetz, b. -tau, sl.j'u, die gleichartige Behandlung des heterosyllabischen eii 
u. vieles andere, von E. Beigebrachte.) Demnach: gemeinsamer Ausgangspunkt 
bei Fortbestehen der Gemeinsamkeiten in nachidg. Zeit. Dies ist nun freilich 
ein Ergebnis, das dem, das man bisher herkömmlicherweise mit dem Namen 
der b.-sl. Spracheinheit bezeichnete, gar nicht unähnlich ist, sich hingegen 
von dem von E. aufgestellten durch Streichung der in idg. Zeit reichenden 
Unterschiede unterscheidet. Die Bezeichnung »Spracheinheit« ist nun gewiß 
einerseits prätentiös — angesichts des spärlichen Materials, das der Sprach- 
wissenschaft für Rückschlüsse auf eine so entfernte Vergangenheit zu Gebote 
steht — ; sie ist andererseits irreführend, wie dies E. zum Schluß mit Recht her- 
vorhebt, da sie die Vorstellung von vollständiger Einheit erweckt. E.'s Be- 
zeichnung >baltisch-slavische Periode« ist daher vorzuziehen. Wie erklären 
sich aber, wenn man eine ursprüngliche Sonderung von balt. und sl. nicht an- 
nimmt, die vorhandenen, zweifellos bedeutenden Unterschiede? Für ihre Er- 



Endzelin, Slavisch-baltiache Studien, angez. v. Jokl. 317 

klärung könnte man allerdings versucht sein, auf Meillets Begriff des dialecte 
natnrel (Les dlal. indo-eur. S. 4) zu verweisen, der ja nichts anderes als eine 
Gruppe von Mundarten ist, die durch gemeinsame Isoglossenlinien einge- 
schlossen sind; innerhalb eines dialecte naturel bleibt Eaum genug für be- 
deutende Abweichungen, die sich im Laufe der Entwicklung steigern können. 
Kozwadowski setzt behufs Beantwortung der Frage (R. S. 5,24, 33} zwischen 
die ursprüngliche b.-sl. Epoche und die bis in die Gegenwart sich erstreckende 
Zeit des nachbarlichen Nebeneinanderlebens eine Periode räumlicher Tren- 
nung. Ein abschließendes Urteil über diese Lehre — eine ähnliche wurde 
von Hirt, Die Indogerm. I, S. 120 f. ausgesprochen — können erst eingehende 
Einzelforschungen über die chronologische Interrelation von Gemeinsam- 
keiten und Unterschieden einerseits und die zeitliche Abfolge innerhalb der 
Gemeinsamkeiten, ihre Zerlegung in zwei Schichten, bringen. — Damit sei 
von dem Werke, das Ref. bei wiederholtem Studium eine Fülle von Belehrung 
und Anregung bot, Abschied genommen. Wie tief und nachhaltig das Haupt- 
problem sowohl als die zahlreichen Probleme der b. und sl. Sprachwissen- 
schaft, in die es zerfällt, durch diese hervorragende Schrift gefördert wurden, 
werden die Leser des »Archivs« schon aus dieser knappen Darstellung ihres 
Hauptinhalts ersehen haben. 

Wien. Norbert Jokl. 



Kleine Mitteilungen. 



Nochmals das Schlagwort >ihujioü 3ana^^<. 

Im Archiv XXXI, 318 wurde die Frage nach dem Urheber des russischen 
geflügelten Wortes vom »faulen Westen« aufgeworfen. Aus den dort mitge- 
teilten Stellen geht hervor , daß Sevyrev das Wort geprägt haben kann. Ein 
weiterer Hinweis auf diesen Gelehrten als den Urheber des Ausdrucks findet 
sich in einem vom Redakteur des >E/Kero;iiiHK'i> BlMnepaTopcKuxi. Teaiposic 
Baron Driesen in Lieferung 4 des Jahrbuchs für 1911 veröffentlichten Schrei- 
ben Verstovskijs , des Direktors der Moskauer Hoftheater, an seinen Chef 
Gedeonov in Petersburg. Der >E/KeroaHHKx« ist mir nicht zugänglich, meine 
Quelle ist das Feuilleton »JIhctt. b-l Poccin« von M. Ivanov in Nr. 12 801 der 
»Novoe Vremja« vom 31. 10. (13. 11) 1911. Verstovskij berichtet über die 
Aufnahme Liszts in Moskau im Mai 1843 und schreibt, was folgt: »Hs-b nocjiiÄ- 
HHXT, ÄHeü He npoxoÄUJ:o noiTU hh o;tuoro , itoöbi ue Äasa^H CMy npaaaHHKa, o*h- 
nlajitHaro oöisa hju niiKHUKa. ü, KaK-L ^e.ioBiKi. 0TCTa.3tiü u ct. 3ano3aaBiuHMH 
npH^yaaiviH, He HMi.i'B hm lecTu, hh y;iiOBOJiLCTBiK öhtb hh na oäeomi nax CHit 



318 Elleine Mitteilungen. 

TopacecTBX, ho cjiuma.ji'h, ito euy Besai roEopujiH piiu. T. ILa.Bjion'h (mockobckIh 
jiiTepaxopT.) , aaBHO yace HSBiCTHtiü esponeeii^ , nieBtipest (npo*ecop'i. pyccKoft 
cjOBecHocTu) CO CBOHMt CTHnBiuHMt SanaflOMTi, xaKace h^^ctujihci, bt. cio- 
Bo.« Das Eingeklammerte hat wohl Ivanov (oder Baron Driesen) hinzu- 
gefügt. 

Es wäre dankenswert, wenn jemand in Moskau der von Jagic in unserem 
Archiv a. a. 0. gegebenen Anregung folgen und im >MocKBHTHHUH'i€ nach der 
Urheberschaft Sevyrevs forschen wollte. Aber bei dem in Rußland herrschen- 
den völligen Mangel an Interesse für solche Dinge ist darauf wohl nicht zu 
rechnen. 

Posen. W. Christiani. 

Hlapsl = Knieriem. 

Im >Bozicni Prilog< zum Wochenblatt >Nase Pravice«, das in meiner 
Vaterstadt Varazdin erscheint, las ich in einem Aufsatze »Zadnji spomen izu- 
mrlog starodrevnog hrv. sostarskog zbora u Varazdinu«, den der dortige Dom- 
herr Stjepan Valdec, ein 85 jähriger rüstiger Greis, geschrieben, das Wort 
*hlapsU, das den Knieriem (Knieriemen) bedeutet. Der Verfasser beschreibt 
den >hlapsl< und sagt dann: hlapsl mozda dolazi od rieci *Jilapec<, sluga, jer 
sluzi kod rada sivacu. Diese Wortdeutung wäre dem Anlaut gerecht, doch 
der Auslaut klingt so fremdartig, daß eine solche Verunstaltung des einhei- 
mischen Wortes >hlapec* kaum denkbar ist. Angesichts der Tatsache, daß 
in den mit Ungarn benachbarten Gegenden Kroatiens sehr viele magyarische 
Ausdrücke begegnen, namentlich in einzelnen Gewerken, lag am nächsten der 
Gedanke auch für dieses Wort im Magyarischen den Ursprung zu suchen, wie 
für bickija (bicska), birsag (birsäg), lokozas (lakozäs) u. a. Nur der doppelkon- 
sonantische Anlaut störte. Ohne erst im Wörterbuch nachzuschlagen , fragte 
ich den Freund Prof. Asböth, ob das Wort nicht dennoch magyarisch sei. Er 
bestätigte es mir mit dieser launigen Antwort: Ich glaube, Sie könnten ruhig 
1000 Ungarn der Reihe nach fragen, alle würden Ihnen lachend antworten: 
hlapsl — ungarisch? Nein, das ist rein unmöglich. Fragen Sie aber, wie man 
den >Knieriemen< ungarisch sagt, so ist das Rätsel gelöst, der heißt nämlich 
läbszij; das Wort ist zusammengesetzt aus lab = Fuß und szij = Riemen. 
Wie kam der Kroate dazu dem Anlaut / noch ein h vorzusetzen? Prof. Asböth 
denkt an die Entlehung in einer Gegend, wo man in hladan und ähnlichen 
Wörtern bald reines l bald hl, also eine schwankende Aussprache hört. Das 
wäre möglich, wenn das Wort irgendwo in Baeka — Banat seinen Ursprung 
hätte. Allein bei den Kaj-Kroaten wird hl regelmäßig nach der Etymologie 
ausgesprochen. Darum kann die Frage aufgeworfen werden, ob in hlapsl nicht 
wirklich hlapec das Musterwort abgab, nach welchem man dann ,lapsij' zu 
hlapsij' umgestaltete. Es hat ja der Verfasser des Aufsatzes, wie wir oben 
sahen, wirklich an hlapec gedacht. Bezüglich des auslautenden 1 denke auch 
ich mit Asböth an deutsche Beeinflussung, vielleicht nicht gerade in dem Sinne, 
daß die Kroaten durch das deutsche Medium lapsl (aus dem magyar. läpszij) 
das Wort bekommen haben; es genügt vielleicht zu sagen, daß das Wort als 



Kleine Mitteilungen. 319 

Fremdwort gefühlt wurde und da lagen zur Analogiebildung aus lajysij in 
lapsl, hlapsl solche Wörter vor, wie gimpl, kripl, pudl, stopsl, strufl u. a. 
Übrigens erfahre ich durch Prof. T. Matic, daß auch in Slavonien (Pozega) 
der Ausdruck bekannt ist und läpsan (Genit. lüpsana) lautet. Und auch für 
das Slovakische führt Loos in seinem Wörterbuch die Form lapsik an (Prof. 
Asböth hält die von Skultety u. a. verzeichnete Form lapsik für richtiger, denn 
80 soll die wirkliche Aussprache lauten). F. J. 



Florianer Psalter 103, 26: r^kama. 

Aufs. 251 dieses Bandes habe ich darauf aufmerksam gemacht, daß in 
der Nehring'schen Ausgabe des Florianer Psalters der Text 103, 26 lautet: 
To morze welike y szyrokee r(^kama, daß dem gegenüber das Lexikon s. v. 
reka aber ausdrücklich für diese Stelle die Form r^^koma notiert. Nehring 
gibt auch in den »Corrigenda et addenda« S. 248 über diese Verschiedenheit 
keine Auskunft. Es würde hier der älteste Einfluß von o-Stämmen auf 
rt-Stämme vorliegen, den auch der Grammatiker des Denkmals, Leciejeweki, 
nicht angemerkt hat. Dagegen belegt Nehring's Lexikon die zu erwartende 
Form r(}kama durch 23, 4 und 97, 9, wozu ich noch 105, 40 hinzufügen kann. 
Um nun einen endgültigen Aufschluß über diese Unstimmigkeit zu erhalten, 
richtete ich an die Bibliothek des regul. Chorherrenstiftes St. Florian bei Linz 
eine Anfrage, auf die mir der Herr Bibliothekar umgehend bereitwüligst 
folgende Antwort erteilte: »In unserer Hs. III, 206 (Psalterium trilingue) 
fol. 194 Spalte 2 heißt das angefragte Wort ganz deutlich rj^kama (a nicht o).« 
Auch Dunin-Borkowski hat , worauf mich der Herr Bibliothekar hinwies, be- 
reits die richtige Lesart r(^kama in seiner Ausgabe : >Psalterz kr61ow6j Mai- 
gorzaty« usw., wie man den Psalter damals nannte. 

Beuthen O/S. E. Hanisch. 

Ein polnisches geflügeltes Wort. 

In Büchmanns > Geflügelten Worten« 479 (25. Aufl., Berlin 1912) wird der 
Verfasser des Dombrowski- Marsches »Jeszcze Polska nie zginela« als un- 
bekannt bezeichnet unter Berufung auf die deutsche Ausgabe der »Vorlesun- 
gen über slawische Literatur und Zustände« von Adam Mickiewicz (Lpz. 1843)_ 
Diese noch von Büchmann selbst vor fast 50 Jahren in sein Werk aufgenom- 
mene Angabe trifft seit längerer Zeit nicht mehr zu, sie ist heute völlig ver- 
altet. Den späteren Herausgebern der »Geflügelten Worte« ist es vermutlich 
nicht bekannt geworden, daß über das berühmte Lied der polnischen Legionen 
seit 1894 eine umfangreiche polnische Literatur entstanden ist, die sowohl die 
Person des Dichters als auch die Zeit der Entstehung des Dombrowski-Mar- 
sches betrifft. Als Verfasser des Liedes galt schon früher Joseph Wybicki. 
Daß er es in der Tat gedichtet hat, ist von Professor L. Finkel in Lem- 
berg in der Broschüre »0 piesni legionöw« (Lemberg 1S94. 40 S. S») und 
in der von Kossak illustrierten Prachtausgabe des Dombrowski-Marsches 



320 Kleine Mitteilnngen. 

(Piesn legionöw. Lemberg 1894) nachgewiesen worden. Über die Frage, wann 
und wo Wybicki das Lied gedichtet hat, haben sich Finkel und Korzon in 
Warschau wiederholt geäußert, und zwar Finkel zuerst a. a. 0., dann 1910 in 
der 1910 erschienenen zweiten Auflage der genannten Prachtausgabe und im 
Warschauer >Tygodnik Illustrowany« (1910, Nr. 4); Korzon ebenda zuerst 
1896 (Nr. 10—13), darauf 1911 (Nr. 1). Finkel behauptete anfangs, das Lied 
sei 1797 in Reggio entstanden, dann vertrat er die Ansicht, es sei 1797 in 
Paris gedichtet worden. Dagegen meinte Korzon, Wybicki habe den Marsch 
erst um den 22. Februar 1799 in Italien gedichtet. In der Lemberger >Gazeta 
wieczorna« (1911, Nr. HO u. 127) pflichtete B. Pawlowski Finkel bei, Korzons 
Ansicht wiederholte WaclawOrlowski in seiner Broschüre >Piesn legionistöw. 
Jej powstanie i historya« (Krakau 1910). Im Krakauer >Czas« (1912, Nr. 594) 
gelangte A. Hajdecki in einer beachtenswerten Untersuchung >Jak i kiedy 
powstala Piesii Legionöw?« zum Ergebnis, daß Wybicki den Dombrowski- 
Marsch am 15. April 1797 in Paris gedichtet habe. Vertont worden ist der 
Marsch, wie Hajdecki annimmt, unmittelbar darauf von Fürst Michael Oginski. 
(Dieser galt, nebenbei bemerkt, von jeher als Komponist des Marsches.) 

Endlich hat in der >Biblioteka warszawska« (1913, Februarheft, S. 377 — 
381) Wactaw Orlowski in einem Aufsatz >Dotychczasowe badania nad pow- 
staniem 'Piesni legionöw'« nochmals das Wort ergriffen. Er geht auf die Aus- 
führungen Hajdeckis ein, an denen er manches auszusetzen hat, gibt indessen 
zu, daß aus einem von H. gefundenen Dokument als Entstehungszeit das Jahr 
1797 hervorgeht. Für den Komponisten hält Orlowski nicht den Fürsten 
Oginski, sondern den Dichter Wybicki, der mehrere Opern komponiert hat. 

Posen. W. Chrisiiani. 



Zu Zukovskijs GedicJd Ympo na lopih. 

Zukovskijs Gedicht yxpo Ha ropi vom Jahre 1S19 gilt bisher wohl als 
original, wird wenigstens in den mir zugänglichen Ausgaben (Glazunov, 
10. Ausgabe 1901, Marks 1902, Sytin 1902) so aufgefaßt. Es ist aber, wie ein 
Vergleich ohne weiteres ergibt, eine Übersetzung der ersten beiden Strophen 
von Goethes >Zueignung«. Faul DieU. 



Berichtigung. 

In dem in Bd. XXXIV (1912), S. 298— 304 veröffentlichten Aufsatze: 
»Über einen Kodex der serbischen Königin Milica oder Helena, als Nonne 
Eugenia genannt in den Meteoren« sind einige Druckfehler geblieben. Von 
diesen Druckfehlern möchte ich einen, der gewiß zu Mißverständnissen führen 
könnte, berichtigen: d.h. auf S. 299 Z.6 — 7 statt >dem Ende des XIII. oder 
dem Anfang des XIT. Jahrhunderts« ist zu lesen »dem Ende des XIV. 
oder dem Anfang des XV. Jahrhunderts«. Nikos Vees. 






und -e in den Endungen der slavischen Deklination. 



Bekanntlich stehen dem -e der weichen Stämme (im gen. sing., 
nom. acc. plur. der Feminina, sowie im apl. der Maskulina: duse^ ^'''nj^) 
im Russischen und Slowakischen, und, wie man annimmt, auch im Pol- 
nischen, und vielleicht im Cechischen Endungen gegenüber, die auf eine 
andere Grundlage weisen: auf Grund des Altrussischen pflegt man zu 
vermuten, daß in den betr. Sprachen nicht slav. -e, sondern slav. -e ent- 
stand. Man nimmt demnach an, daß schon in urslavischer Zeit ein Teil 
des slav. Sprachgebietes bei der Bildung dieses Kasus andere Wege ein- 
geschlagen habe, als den, dessen Resultate wir im Altkirchenslav. und 
in den südslav. Einzelsprachen vorfinden. 

Ich brauche auf die Literatur der Frage nicht hinzuweisen , da sie 
von Hujer, Slovanska, deklinace jmennä § 93 ff. zusammengestellt und 
besprochen ist. 

Auf die Frage, wie sich die Entstehung von -e neben -e sprach- 
wissenschaftlich rechtfertigen lasse, sind verschiedene Antworten ge- 
geben worden. Hujer glaubt sie (im Anschluß an Zubaty) durch ein 
Lautgesetz zu lösen , wonach -*{äs im slav. Auslaut ^ -S führt. Die 
Endung des Russischen , Slowakischen usw. würde also auf eine vorsla- 
vische Endung ohne Nasal zurückgehen: eine solche Endung könnte im 
Gen. sing, der Feminina und im Nom. plur. ursprünglich, sie könnte im 
Akk. plur. der Feminina aus -*ißns lautgesetzlich entstanden sein und 
müßte auf den Akk. plur. der Maskulina übertragen sein. 

Ich will hier nicht untersuchen, ob das alles sehr wahrscheinlich 
ist: der Übergang von -*{äs zu -^, während im absoluten Auslaut und 
vor allen andern Konsonanten -*{ä- erhalten bleibt; ferner das Ver- 
bleiben eines solchen -e nach einem doch wohl erweichten Konsonanten, 
die Übertragung der Endung ins Paradigma der Maskulina, wo sie ur- 
sprünglich sicher keine Stelle hatte, die Erhaltung einer nasallosen En- 
dung -äs gerade nur bei den weichen Stämmen (warum nicht auch bei 
den harten?), das schon urslavische Bestehen einer dialektischen Ver- 
schiedenheit in der Flexion. Über all dies würde man vielleicht hinweg- 

Archiy für slavische Philologie. XXXY. 21 



322 P. Diels, 

kommen, wenn sich keine andere Lösung böte. Ich glaube aber, daß es 
eine andere und einfachere gibt. 

Als zweifellos hat man^ wie bekannt, eine von -e verschiedene En- 
dung nur für das Russische und Slowakische angenommen. Das Cechische, 
so wie es vorliegt, läßt sich in beide Gruppen gleich gut einreihen : der 
gsg. dusS usw. kann sowohl auf duse wie auf das vorausgesetzte nord- 
slav. dusi zurückgehen ; das Zeugnis des Öecbischen kommt also nicht 
in Betracht, auch das Sorbische bietet keinen Grund, von dem Ansatz 
duse abzugehen. Das Polnische betreffend hat schon Jagic mit Recht 
daraufhingewiesen, daß die Form ap. di^sze usw. lautgesetzlich, durch 
Verlust des Nasals, aus duie entstanden sein kann: das Recht zu einer 
solchen Annahme geben die in den ap. Denkmälern häufigen, z T. 
regelmäßigen. Formen mie^ cie, sie statt wti?, cie, sie in unbetonter 
Stellung 1). 

So bleibt nur das Zeugnis des Russischen und Slowakischen übrig: 
es kann nicht bezweifelt werden, daß -e in den genannten beiden Spra- 
chen auch im Auslaut -a resp. -'a ergeben muß, das beweist vor allem 
slowakisch so, rnss.-s/ausw., und so, meint man, müsse slowakisch duse, 
Mü6e, altruss. duse, klJudS eine andere Entstehung haben, als das aksl. 
duse^ klj'uöe. Ich glaube aber nicht, daß dieser Schluß wirklich zwingend 
ist. Es ist die Frage, ob man duse, klj'uöe und se ohne weiteres auf eine 
Stufe zu stellen berechtigt ist. 

Ich will nicht davon sprechen, daß -c in duse, kJjuöe erst durch 
Umlaut entstanden ist, im Gegensatz zu allen anderen Fällen von aus- 
lautendem und inlautendem -e. Denn es ist allerdings nicht wahrschein- 
lich, daß dieser Unterschied in einzelsprachlicher Zeit noch lautlich fühl- 
bar gewesen sein sollte. Aber — und das scheint mir das Wesentliche — 



1) s. Leciejewski, Der Lautwert der Nasalvokale im Altpolnischen, pas- 
sim und bes. S. 163, Anm. 2. Die Formen mie, de, sie zeigen, wie sich ein aus- 
lautendes, unbetontes, kurzes-? entwickeln konnte, wenn keine Störungen 
eintraten; die Formen des nom. und acc. sg. der -et- und der -/new-Stämme 
wie dziecip, imip , die in den ap. Denkmälern ziemlich regelmäßig (wiewohl 
nicht immer) mit Nasalvokal auftreten, haben sich vermutlich nicht ganz laut- 
gesetzlich, sondern unter Einfluß der obliquen Kasus entwickelt. Wo die 
Formen wie mie, cie, sie in den ap. Denkmälern fehlen, und nur ??»>, ctf, sie 
usw. auftreten, liegt Ersetzung (vielleicht nur in der Schrift; durch die ortho- 
tonierten Formen vor. Andere Beispiele für die Entwicklung eines auslauten- 
den, kurzen slavischen -f gibt es im Polnischen meines Wissens überhaupt 
nicht. 



e und f in den Endungen der slavischen Deklination. 323 

diese Endungen der -Ja- undyä-Stämme, dusq^ hl'ude^ waren wahrschein- 
lich der einzige Fall^ wo das -e einen stark erweichten Konsonanten 
vor sich hatte: denn in allen andern Fällen im Auslaut (und Inlaut) ist 
q bekanntlich anderer Entstehung (aus ew, em usw.) und hat demnach 
einen nur schwach erweichten Konsonanten vor sich. Daß ein solcher 
Unterschied wohl wirklich bestand, zeigen die Bemerkungen Leskiens 
Archiv f. slav. Philologie XXVII, S. 165: Die (allerdings z. T. unregel- 
mäßige) Setzung des Erweichungszeichens über w, /, r in glagolitischen 
Texten läßt erkennen, daß diese Konsonanten vor allen hellen Vokalen 
palatalisiert waren, daß aber die Palatalisierung vor einem etymol. e,e, ^ 
zweifellos schwächer war als die Palatalisation durch ein etymologisches y 
(+ Vokal), d.h. also im N.sg. part. chvaJq schwächer als etwa im G. sg. 
voTe^ im N. sg. part. zenqi se schwächer als etwa im G. sg. vone usw.; 
dies gilt zunächst für n, l, r] für die Labialen ergibt sich ein gleicher 
Unterschied durch das Fehlen oder Eintreten der /-Epenthese: brSmq 
etwa gegenüber von G. sg. f. zeml'e usw., ebenso muß ein solcher Unter- 
schied für die Dentale vorausgesetzt werden, sowie für die Zischlaute s, 
z. Nur bei den Gutturalen ist ein solcher Unterschied weder orthogra- 
phisch zu fassen noch mit Sicherheit als vorausgegangen zu erschließen, 
d. h. ein Unterschied zwischen dem Palatalitätsgrad von 3. pl. aor. rise 
und G. sg. du^c usw. Es hindert aber nichts, ihn auch hier voraus- 
zusetzen. 

Wenn wir sonach zu der Annahme berechtigt sind, es sei eine durch 
/bewirkte urslav. Konsonantenerweichung in jedem Falle ursprüng- 
lich stärker gewesen, als eine durch die Darauffolge heller Vokale (ohne 
j) bewirkte, so kann man m. E. die Frage nach der Herkunft der alt- 
rnss. und slowak. Formen: duse, kone, kl'ade usw. ohne bes. Schwierig- 
keit in der Weise lösen, daß man annimmt, es sei in den genannten bei- 
den Sprachen nach einem stark erweichten Konsonanten die Weiterent- 
wicklung des ausl. -e in der Richtung auf -a unterblieben oder doch nicht 
soweit fortgeschritten wie nach einem schwach erweichten Konsonanten : 
daher im Slowakischen mede, gegen chlapdu, &a usw., im Altruss. ein 
Laut, den die altruss. Orthographie i) durch -S wiedergibt kJJu6S^ gegen- 
über von sju. 

In diesem Falle enthielte die altruss. Schreibung klj'ucS überhaupt 



1) Die altruss. Formen auf -ja, -a in diesen Kasus erklärt Sobolevskij, 
sicher mit Recht, für nicht echt russisch, Lekciji* S. 153. 

21* 



324 P- Diela, 

keinen Hinweis auf ein slavisches -^, sondern es sollte durch diese 
Schreibung nur etwa ein e-Laut ausgedrückt werden, der dem sonstigen 
russ. S in der Vokalqualität ähnelte , ohne doch mit ihm der Entstehung 
nach auch nur die geringste Gemeinschaft zu haben. 

Wenn das richtig ist — und möglich ist es in jedem Fall — so 
entfallen alle die Schwierigkeiten, die wir bei andern Erklärungen ent- 
stehen sahen. Es handelt sich dann um keinerlei Flexionsverschieden- 
heit in urslav. und vorslav. Zeit, sondern die in den slav. Sprachen be- 
legten Formen der betr. Kasus im Paradigma der weichen Stämme gehen 
alle auf die im Aksl. belegten -(^-Formen lautgesetzlich zurück, diese 
Formen trennen sich von dem sonstigen Schicksal eines auslautenden ~e 
nur in den beiden Sprachen, die ein -<? auch im Auslaut in der Richtung 
auf -a weiterentwickelt haben, und zwar geschieht die Trennung in der 
Weise, daß in den betr. Klexionsformen eben diese Weiterentwicklung 
in der Richtung auf -a unterbleibt, und zwar auf Grund eines Laut- 
gesetzes, das nur in diesen Formen wirken konnte, das daher für uns 
nicht weiter beweisbar, an sich aber keineswegs unwahrscheinlich ist^). 

Breslau, im Juni 1913. Paul Vieh. 



1) Unter den gleichen Bedingungen wie dus^ usw. standen nur die For- 
men des N.Bg. part. prüs. der weichen Präsensstämme, wie (jlagol'r usw. Diese 
Form ist im Slowakiachen bekanntlich nicht mehr vorhanden, die russischen 
Formen wie 3 h a ;i stehen unter dem Einfluß der harten Präsensstämme und 
der Formen wie t e p n a. 



Zum Schicksal der Halbvokale im Slowakischen. 



Im Slowakischen zeigt sich bekanntlich neben o, e, die den mittleren 
Dialekt charakterisieren und deren Verteilung in der Hauptsache dem 
alten Unterschied von ^ : * entspricht, auch ein a als Vertreter alter 
Halbvokale. Da die mir bekannten Darstellungen dies entweder nur 
als Unregelmäßigkeit verzeichnen oder darin einen »Anknüpfungspunkt* 
an das Südslavische sehen — im Grunde bedeutet ja auch dies einen 
Verzicht auf jede Erklärung, — so sei hier darauf aufmerksam ge- 
macht, daß das Auftreten von a sich doch wohl nicht völlig regellos voll- 
zieht. Es handelt sich bekanntlich um einzelne Worte, in denen a als 



Zum Schicksal der Halbvokale im Slowakischen. 325 

Reflex des Halbvokals auftritt: sie sind am vollständigsten zusammen- 
gestellt bei Pastrnek, Beiträge zur Lautlehre der slovak. Sprache in 
Ungarn, S. 96 ff. Es sind: 

haza = c. hez 'Hollunder' (Stamm- und GescMechtswechsel wie 
dialektisch im Südslavischen} ; 

daska neben doska, deska; 
sowie die Maskulina: 

däzd'. neben dezd' und dyst ; 

mach = c. mech, neben moch ; 

raz^ razka neben roz^ rez\ 
sowie mit einem entspr. Reflex des h: 

Tan = e. lefi, neben len. 

Es "Wäre zu wünschen, daß die Abgrenzung der konkurrierenden 
Formen in den Dialekten noch genauer erforscht würde : doch läßt sich 
das Charakteristische dieser Formen vielleicht schon mit dem vorhan- 
denen Material erkennen. Man kann das Gesetz empirisch etwa so for- 
mulieren: a tritt im Slowakischen als Vertreter von 0, h in den Fällen 
auf. wo der Halbvokal (in allen oder den meisten Formen des Para- 
digmas] schwinden sollte 'oder wenigstens im Cechischen und Polnischen 
geschwunden ist), tatsächlich jedoch nicht schwindet: man bemerkt so- 
fort , daß die genannten Worte im Slowakischen vorwiegend oder sogar 
regelmäßig den Reflex des Halbvokals durch das ganze Paradigma durch- 
führen, im Gegensatz zur Behandlung der gleichen Worte im Polnischen 
und Cechischen , sowie zur Behandlung anderer Worte ähnlichen Baues 
im Slowakischen selbst. 

So steht baza gegenüber von c. p. bez, bzit, mit durchgeführtem 
Vokal wie in russ. 602'h usw. 

daska gegenüber von ac. dska, Gen. pl. desk (s. Gebaner, Slovnik 
starocesky I, 349 bi, ebenso gegenüber dem altpolnischen cka^ Gen. pl. 
desk (3. Babiaczyk, Lexikon zur altpoin. Bibel 1455, Breslau 1906, 8. 
V.), mit durchgeführtem Vokal wie in russ. jocKa usw., np. nc. deska. 

däzd', gen. dazd'a 's. Czambel, Rukovät' S. 303) gegenüber von ac. 
desö, dscS '3. Gebaner a. a. 0. I, S, 232b , ap, deszcz, dzdia, adj. 
didzowy (3. Babiaczyk, s. v.), mit durchgeführtem Vokal wie nc. desf, 
deste, russ, äos^jb, ;;oa:ja. 

mach, machu ^s. Czambel, Rukovät' S.320) gegenüber von c. mech, 
mchu (neben mec?iu), p. mech, mchu^ russ, mcxT). Mxa (neben Moxa). 



326 P- I>iel8, 

raz, g. razi (s. Czambel, Rukovät' S. 342) gegenüber von c. rez, 
rzi (neben rezi)^ p. r«?i, riy, r. poa:b, p»:h. 

/aw, g. l'ajiu (s. Czambel, Rukovät' S. 318) gegenüber von c. len, 
hm (neben lenu)^ p. len, Inu, russ. jrent, Jtiia. 

Und die ganze Gruppe der genannten Worte mit erhaltenem Halb- 
vokal steht gegenüber von slowakisch loz, g. Izi (mit Schwund des 
Halbvokals in den obliquen Kasus und o für ^ im Nominativ) , vos : vsi, 
lev : Iva (neben leva), dest': cti, den : dna^ sen : sna (falls dies echt slo- 
wakisch ist), lesi! : Isti^ pen : pna usw. i). 

Noch in einem zweiten Falle tritt bekanntlich im Slowakischen a 
für ehemaligen Halbvokal auf: im G. pl. einiger Substantiva, deren 
Stamm auf eine Konsonantengruppe ausgeht; die Regeln dafür gibt 
Czambel, Rukovät' S. 54flf. Bei den Feminina ist der Einschub von ä 
regelmäßig bei solchen, deren Stamm auf Konsonant -{- Liquida aus- 
geht wie sestd?-, darunter sind viele , in denen überhaupt kein Einschub- 
vokal etymologisch zu erwarten ist: a erscheint also auch hier an einer 
Stelle, wo wir zunächst gar keinen Vokal erwarten sollten. Anders frei- 
lich steht es mit der zweiten Gruppe von Fällen, wo ein ä zwischen t -f- 
k, V -{- k eingeschoben wird: kytka : kyfdk; wie diese sich zu den 
Fällen wie prtslovka : prisloviek verhalten, ist mir in der Tat unklar; 
dasäk hinwiederum stimmt zu den Fällen wie sestär. An die Fälle wie 
sestdr schließt sich auch das Auftreten von d im G. pl. der Neutra, s. 
Czambel a. a. 0., S. 63. 

Obwohl manche Schwierigkeit bleibt, glaube ich auch in diesem 
Falle annnehmen zu dürfen, daß die etymologisch berechtigten Halb- 
vokale in ungestörter Entwicklung nur zu 6 oder ie führen konnten; ba- 



1) Hier reiht sich noch ein vereinzelter Fall an: kotäl neben kotol, g. ko- 
täla, kotola, kotla. kotdl ist freilich keine Form, die wir rechtfertigen können, 
es heißt ja nur ovos, orol, osol, aber in diesen Worten tritt eben in den obliquen 
Kasus keine dreisilbige Form auf. Das Auftreten von a ist also auch hier ge- 
knüpft an die regelwidrige Erhaltung des Halbvokals in den obliquen Kasus. 
Es muß freilich bemerkt werden, daß in andern Fällen, die denen wie inanha, 
daska zunächst gleichartig scheinen, nicht a, sondern e auftritt, so in doere 
'Türe', menej 'weniger' und etwa noch einigen. Hier ist eben offenbar eine 
andere Entwicklung eingetreten: anstatt daß (oder: bevor) sich a entwickelte, 
sind die Formen dvhri, imne einer Analogiebildung nach Formen mit er- 
haltenem Halbvokal unterlegen . wie im Cechischen der Analogie nach dvehni 
und mensi. 



Zum Schicksal der Halbvokale im Slowakischen. 327 

bök^ svatieb usw., und daß ä als Eiuschub vokal vielmehr wie in daska, 
macha usw. das Produkt einer sekundären Entwicklung ist ^). 

Von den Substantiven , die nach Czambels Angaben den G. pl. mit 
dem Eiuschub ä bilden, fügen sich dem ohne weiteres: sestd?; kmotdr, 
perdl, siddl, jedäl^ motoviddl^ sedaddl^ ma&dl^ jaddr^ jutdr^ teddr^ 
stehdu, hrozdn usw., die wenigen, die wahrscheinlich oder sicher aus 
der Reihe herausfallen , d. h. in denen wir einen etymologisch berech- 
tigten Halbvokal vorauszusetzen haben, dürften sich eben der Überzahl 
der andern angeschlossen haben, so hrvno : brvdn (vgl. aksl. br^v'bno)^ 
dno : ddn (aus d^llo) usw. 

Wir müßten dann allerdings annehmen , daß auch in Formen wie 
kytdk das a nicht die direkte Fortsetzung eines Halbvokals ist, sondern 
eine jüngere Entwicklung aus einem älteren *kytkj das selbst wieder 
durch eine Analogiebildung entstanden sein müßte, wie p. pro^b usw. 
Warum diese Analogiebildung: *kyik usw. eben nur bei den Substan- 
tiven wie kyfka^ pletka^ slivka, atovka, zlatocka usw. eingetreten sein 
sollte (während bab^ka : bab^k^ usw. eine lautgesetzliche Entwicklung 
nahmen), das ist allerdings schwer zu sagen; aber eine andere Erklärung 
als die hier gegebene ist kaum denkbar, jedenfalls keine rein lautgesetz- 
liche, denn die von Czambel gegebene empirische Regel: »a wird ein- 
geschoben zwischen fk und vk« hat keinen wissenschaftlichen Wert, sie 
ist ja in der Tat von einer Reihe von Ausnahmen begleitet. 

Meine Meinung geht also dahin : sowohl in den oben genannten ein- 
silbigen und zweisilbigen Worten [daska, baza, mach, raz, ddzd\ Tan) 
wie als Einschubvokal im G. plur. ist a durch eine Entwicklung entstan- 
den, die mit dem Auftreten von o, e, ö, ic für Halbvokale nichts gemein 
hat: 0, e, 6. ie, und nur diese, sind Fortsetzung eines Halbvokals in 



I) Freilich ist zu bemerken, daß in einem ähnlich gearteten Falle als 
Einschubvokal nicht a, sondern o erscheint: im P. prät. niesol, piekol, viedol 
usw., hier dürfte eine Analogiebildung Platz gegriffen haben. Ebenso in den 
Substantiven wie b/azon, kinoior, mysel', smysel, bäsen usw. Es könnten sich 
die Partiz. etwa nach den Worten wie orol, osol, kotol gerichtet haben: im all- 
gemeinen nimmt man ja das Umgekehrte an, weil orol, osol, kotol selbst nicht 
ganz lautgesetzlich erscheinen. Ich möchte aber eher diese Formen für echt 
halten: es könnte sich da um eine Art von Umlaut der Halbvokale handeln 
wie im Aksl. ; dieser Umlaut müßte allerdings im Slowakischen anders ge- 
staltet sein als die entsprechende Erscheinung des Kirchenslavischen, deren 
Gesetze ja durch die Forschungen Leskiens hinreichend bekannt sind. 



328 P- Diels, Zum Schicksal der Halbvokale im Slowakischen. 

> starker« Position, d. h. in der Position, die auch sonst die Halbvokale 
als Vollvokale erhalten zeigt: den., loz, svatieb, zähradök usw. Man 
sollte demnach im N. sg. der oben besprochenen Maskulina o, e erwarten; 
tatsächlich sind ja len, 7'oz, moch als Nebenformen auch vorhanden. Die 
Formen mit a können demnach nicht vom N. sg. ausgegangen sein, son- 
dern müssen ihren Ursprung in den obliquen Kasus haben, d. h. a ist 
Reflex des Halbvokals in den Fällen, wo der Halbvokal nach den all- 
gemein geltenden Lautgesetzen schwinden sollte, jedoch aus Gründen der 
Sprechbarkeit erhalten blieb. Ob der Halbvokal in Fällen wie vncha 
zunächst etwa ganz schwand (wie im Cech. und Poln.) und dann erst 
wieder zur Erleichterung des Sprechens ein reduzierter Vokal ein- 
geschoben wurde, der sich dann zu u entwickelte , oder ob die Entwick- 
lung in diesen Worten überhaupt nicht zum völligen Schwund des Halb- 
vokals führte, sondern nur zu einem reduzierten Vokal, das läßt sich 
mit Sicherheit wohl nicht ermitteln. In Fällen wie sesfdr, motovidäl 
usw. müssen wir jedenfalls Formen ohne jeden Zwischenvokal zugrunde 
legen, auch da wäre zunächst ein reduzierter Vokal entstanden , der sich 
dann im Verfolg zu a entwickelte. 

Einschub eines Vokals in Formen Avie mcha und im G. pl. kommt 
ja außerhalb des Slowakischen auch vielfach vor, auch im Cech. und 
Poln., und mehr noch in deren Dialekten als in der Schriftsprache. Eins 
aber unterscheidet die slowak. Entwicklung von solchen Formen wie 
poln. dial. mech : mecha und von den Genitiven wie poln. rzemiosel] 
poln. mech : mecha kann durch den Einfluß der Nominativform er- 
klärt werden und poln. rzemiosei zu rzemiosio kann als Analogie- 
bildung zu Fällen yfiej'aMko :jabiek usw. erklärt werden. Im Slowa- 
kischen ist beides ausgeschlossen: da kann es sich bei den Formen wie 
macha usw. und motovidäl usw. nur um eine ganz unbeeinflußte Laut- 
entwicklung handeln, nicht aber um den Einfluß irgend einer Analogie. 

Breslau. Paul Diels. 



Zur slovenischen Dialektforschung. 329 



Zur slovenischen Dialektforschunti;. 



I. 

über die au3 Dentalen entstandenen Spiranten der 
oberkrainerisclien Mundart. 

Es ist allgemein bekannt, daß der Oberkvainer für das Scliriftslo- 
venische sladko »stmh/co^ spricht. Bisher begnügte man sich mit kurzer 
Erklärung: »im oberkr. ist -dk- zu -hk- geworden«, ohne daß man das 
ganze in Betracht kommende Material herbeiziehen würde, geschweige 
einen Versuch der Erklärung dieses Wandels unternehmen würde. Ich 
stelle im folgenden typische Fälle des Wandels der Dentale in Spiranten 
zusammen. (Das Material ist entnommen den Dialekten um Smarna gora, 
Bled und seine Umgebung, Bohinj.) 

I. Gruppe: 

1. a) gräfjj 6op, ffospop, stirp, hiip, muäp^ ra^, mep usw. (Bo- 
hinj). — b) zäp^ ospop^ sprep (Bohinj). — c) prffp (HI. sg. präs. ind. 
aet.) (Bohinj.). 

2. a) zis, les (= Eis), Mis usw. — b) mq säbq, spg skäle [s be- 
deutet verlängten Konsonant, oder mit anderen Worten, eine Gemi- 
nata). — c) kiiäa] (II. sg. imp.). (a, b, c in Gorje.) 

In dieser Gruppe wird also absolut auslautendes (/ und dann auch 
das erst sekundär in den Auslaut getretene d zu //, resp. s. 

IL Gruppe. 

1. a) Jcröpke^ dgJiopkoti^ slaphörja^ tvopkrdiiws,^. (Bohinj, Gorje). 
— b) duhosk (nom. plur.) (Boh., Bela). 

2. guähk^^ stiahko, rehk usw.; ferner die Präp. tcöh [ilh), mi>I/, 
püh, näh, prih usw. ; dann noch adv. pi-eh (allgemein oberkrain.), prep 
(Bohinj) ; pres (Ravne bei Wocheinerfeistritz). 

In dieser Gruppe wird slov. -tk- zu -pk- resp. -Iik-. 

Wie schon die Gruppierung lehrt, müssen wir zwei Dialektgebiete 
annehmen und zwar 1. einen Dialekt, wo das t nur vor k spirantisch 
wurde und 2. einen zweiten, wo der Wandel -tk- zu »Spirans + /;« auch 
stattfand, daneben aber auch das auslautende -d zur Spirans verschoben 
wurde. Wo die beiden Dialekte gesprochen werden, ist aus der Angabe 
der größeren Ortschaften bereits genügend zu ersehen. Aus dem eben 



330 R- Franc6, 

Gesagten geht auch klar hervor, daß ich im gewissen Grade die Fälle 
mit h für i und diejenigen mit^ für t identifiziere; sie zeigen, wie später 
ersichtlich sein wird, nur verschiedene Grade in der Entwicklung >Den- 
tal zu Spirant«. Ferner möchte ich noch hinzusetzen, daß diese Er- 
scheinung (also Gruppe II), weil sie eben beiden Dialekten gemeinsam 
ist, älter sei als die sub I, und dadurch überhaupt ein Charakteristikon 
der oberkrainerischen Mundart, während die Gruppe I nur dem Sonder- 
leben des Dialektes einiger Dörfer angehört. 

Über die Fälle sub I hat bereits Baudouin de Courtenay in seinen 
Ot'ibth S. 94, 95, § 54 mit Anm. ausführlicher gehandelt. Ich gehe 
auf seine Erklärung, daß p^ r/i, 7 aus urslav. Ä, </, g (aus idg. ö, t/, </, 
resp. hh^ dli^ gh)^ nicht näher ein, weil die Annahme, daß die slavischeu 
Völker einst für jetzige b, d, g ein ^, </, g sprachen , jeden Anhalts- 
punktes entbehrt. Allerdings ist aber zu billigen seine zweite Erklärung, 
die er daselbst anführt; ich führe sie hier mit einiger Modifikation an. 
Nach dem Abfall des vorslovenischen auslautenden ^ (aus ^^ h) kamen b, 
c?, g (also als Verschlußlaute) in den absoluten Auslaut und mußten 
ihre stimmhafte Natur verlieren; sie wurden zu stimmlosen ^, f^ k. Die 
Artikulation dieser Laute kann nun zwiefach sein: 1. Die Stimmbänder 
nähern sich ganz aneinander und die Stimmritze wird vollkommen ge- 
sperrt [e 0). Die Organe in der Mundhöhle bilden den nötigen Ver- 
schluß. Der ans der Brust kommende Luftstrom zerstört die Kompres- 
sion der Stimmbänder und zu gleicher Zeit tritt auch die Lösung des 
Mundverschlusses ein. So entstehen echte Verschlußlaute j)^ t, k. — 
2. Die Stimmbänder nähern sich einander gar nicht, sondern lassen 
dem Luftstrome freien Durchgang [e 2). Wird nun bei dieser Stellung 
kein Verschluß in der Mundhöhle gebildet, so hört man einen Hauch. 
Wird aber ein Verschluß in der Mundhöhle gebildet, so hört man nach 
der Lösung dieses Verschlusses diesen Laut nach dem durch die Lösung 
hervorgebrachten Laute. Es wird somit ein gehauchter Verschlußlaut 
gebildet: ;/, t\ k\ Dieser Hauch uimmt aber je nach der Stellung der 
Mundorgane nach der Lösung des Verschlusses eine besondere Natur 
auf sich : bei ;/ muß er passieren die geringe Enge (Ritze) zwischen den 
Lippen, die sich nach der Lösung des Verschlusses für p eingestellt hat 
und er wird zu (p ; bei f muß er gehen durch die Enge, gebildet nach 
der Lösung des ^'-Verschlusses zwischen dem Zuugenblatte und dem 
Rande der Oberzähne und wird zu [) und bei /i' muß er passieren die 
nach der Lösung des ^-Verschlusses entstandene Enge zwischen der 



Zur slovenischen Dialektforschung. 331 

hinteren Zunge und dem harten Gaumen und wird zu x- So entstanden 
also aus ;/, /, k' ein pf, fp, /c/, die durch Verstärkung des Hauches zu 
p(p, tp, kx wurden, um schließlich durch Assimilation zu rp, p, x resp. 
noch weiter zu y, s, li zu werden. Dadurch findet seine Erklärung die 
ganze Gruppe I. Eine besondere Unterabteilung b), c) habe ich sowohl 
bei I. 1 als I. 2 annehmen müssen , da ich nicht sicher bin, ob die Fälle 
sub Ib) und 2 b) alt sind und somit unter a) gehören oder aber ob sie 
analogisch entstanden sind und unter c) gehören. Baudouin de Courtenay 
spricht sich für das zweite aus (S. 91). Nun ist das aber nicht ganz 
so sicher. Das slov.-oberkr. zap braucht nicht aus zadi^ einem alten 
Lokal, entstanden zu sein, sondern die Form zad (vgl. aksl. S^iA^^i "'* 
sa^T^, c. zad) repräsentieren. Auch ospup braucht man nicht auf *od- 
is-podi zurückzuführen , sondern man kann in -pop überhaupt keinen 
Kasus eines /-Stammes ^podh mehr sehen, sondern nur eine Analogie 
nach Präp. podo. Dasselbe gilt auch für sprep. Diese Adverbia waren 
ja stets Neubildungen und Analogien stark ausgesetzt, was wir später 
auch betreffs des adv. prep (= prezde) klar sehen werden. 

Ich gehe nun zu unserer II. Gruppe über. Das Gesetz, dessen Er- 
klärung bis jetzt noch niemand zu unternehmen versucht hat, und das bei- 
den Dialekten im großen und ganzen gemeinsam ist, steht trotz der äußer- 
lichen Ähnlichkeit mit dem eben besprochenen nicht im Zusammenhang. 
Es lautet: tk wurde zu pk resp. hk. Das dieses Gesetz nicht etwa 
in die Wirkungssphäre des vorher besprochenen fällt, erhellt daraus, 
daß hier sowohl dk wie tk dem Wandel verfallen sind, während dort 
nur die Media (und auch die nur im abs. Auslaute) die Verschiebung 
erleidet. 

Wie ist nun unsere Verschiebung zu erklären? Ich meine, durch 
fortdauernde Antizipation der Artikulation. Die Zungenspitze bildet bei 
t den Verschluß an der hinteren Fläche der Oberzähne, muß aber dann 
bei der Artikulation des k nach unten gehen und gleich darauf oder zu- 
gleich zurückgezogen werden. Ist nun ein klein wenig die /t- Artikulation 
antizipiert worden, so steht die Zunge entweder nimmermehr so hoch, 
daß sie auf der hinteren Fläche der Oberzähne den Verschluß bilden 
könnte und sie erreicht nur mehr den Kand der Oberzähne, und weil sie 
zugleich nach rückwärts gezogen wird , auch diesen nicht mehr so stark, 
daß ein echter Verschluß stattfinden könnte, so daß nur eine Enge ent- 
steht, durch die der Luftstrom entweichend den Laut p erzeugt (es lautet 
der ganze Lautkomplex also pk)^ oder aber wird durch das Zurückziehen 



332 R- France, 

der Zunge eine ähnliche Ritze an der Hinterfläche der Oberzähne gebildet, 
so daß ein 6Ä entsteht. 

Hat nun schon einmal die Antizipation der Artikulation stattgefun- 
den, so kann es nun bei der neuen Lautung bleiben, oder die Antizipa- 
tion dauert noch weiter fort. Während im Dial. des Nordens vom Veldes 
und im Wocheinertale die Entwicklung hti pk stehen blieb, gingen die 
übrigen oberkr. Dialekte noch um eine Stufe weiter. Sprach man schon 
statt tk ein pk, so konnte — wieder durch Antizipation der Artikulation 
— die Zunge noch mehr nach rückwärts gezogen werden und zwar all- 
mählich so weit, daß überhaupt keine interdentale (resp. dentale) tonlose 
Spirans mehr entstehen konnte. Bei der /c-Artikulation wird aber die 
Hinterzunge gehoben. Nun hat die Zungenfläche bei ihrem Zurück- 
ziehen noch nicht die Stelle des Ä-Verschlusses erreicht als schon eine 
Enge (wegen der Antizipation) entstand und der Luftstrom erzeugt an 
dieser Enge die velare Spirans 7. Die ganze Entwicklung läßt sich gra- 
phisch ungefähr so wiedergeben: fk — pk — pxk—pyk — yk — hk. Da- 
durch finden ihre Erklärung die Fälle sub H. 2. 

Ich habe darunter angeführt auch mehrere Präp. auf ursprüng- 
liches -d und -t. Wenn ich diesen Fall da einreihe, so geschieht das 
aus besonderen Gründen. Wir sehen nämlich, daß ein t vor p, v, l usw. 
erhalten bleibt (z. B, sv^tvo^ m'etwa^ ineüe usw.), die Präp. aber immer 
ein -h aufweist. Wir haben es hier mit ungemein starker Analogie zu 
tun. Weil z. B. die Präp. OT'K in den Verbindungen wie CTT^ KÄ^\e, 
OT'K Kpaid, OT'kK'KJAaTH u. ä. regelrecht zu oIl- werden mußte, wäh- 
rend sie anderswo als ot- blieb, hat die Sprache dann die eine Form ver- 
allgemeinert, und zwar in unserem Falle oh-. (Vgl. die Verallgemeine- 
rung des schrift-slov. od für altes CTTl aus Fällen, wo es vor stimm- 
hafter Konsonanz stand.) Schöne Belege für analogisches opjoh- zeigen 
uns z. B. folgende Formen: tooptie, wo die Präp. loop- erst spät dazu- 
trat, während die regelrechte Form nur tootVe (aus looill) sein kann (ich 
habe sie noch in Wocheinerfeistritz gehört). Ferner noch: icoh tau, 
wohtärgou, (e use ul)p^s^^^ca u. ä. m. Ja, wir haben sogar eine Form, 
die uns deutlich die ungemein starke Macht der Analogie zeigt, da in 
ihr an die Stelle der Präp. (dial. ti) die Präp. OTTi (dial. uh) trat. 
Den Angrifi"spunkt zu dieser Analogie bot der gleichlautende Anlaut: 
uhstäwa = ostaki. Trat nun die Präp. uh <^ OTTv vor stimmhalte 
Konsonanz, so mußte der auslautende Spirant natürlich stimmhaft wer- 
den: u:z^xvÖ7n {odIo?m), ti^dät [oddati] u. ä. Statt g hört man öfters auch 



Zur slovenischen Dialektforschung. 333 

g. Dasselbe, was mit der Präp. OTi^ geschehen ist, geschah in gleicher 
Weise auch mit no^viv, Ha^'k, iipliATi, slov. med (mit d statt/ nach 
den eben erwähnten Präp.). 

Es bleibt uns zu besprechen noch das Adv. preJi^ P'>'?p-, pres. Im 
Aksl. lautet dieses Adv. nplJ/K^\,f, im Schriftslov. ganz regelrecht prej'e 
(mity aus -di-). Unsere Formen können aber absolut nicht auf *perdie 
zurückgehen. Ich betrachte sie für Kontaminationsformen des slov. Adv. 
prej\e) und der etym. dazu gehörigen Präp. pred. Von der Präp. ist 
das auslautende -d in das Adv. geraten, e (aksl. 1j) blieb aber bewahrt (f). 
Und unsere Formen gehen auf ein *pred zurück. Dieselbe Kontamina- 
tionsform hört man auch in Laibach als pret, 

Schwierigkeiten bereitet aber der von mir in ßavne ober Wocheiner- 
feistritz gehörte Inf. vSpt (aksl. ß'kyi.'tTH). Nach Abfall des -i und 
Ausfall des durch Reduktion aus e entstandenen % lautete die Form *vedt, 
die zu *vett werden mußte. Geschah nun hier jetzt dasselbe, was in der 
idg. Grundsprache, wo tt zu tpt wurde {oloO-a, got. loaist <^uoid-tha)^ 
und hier bei uns weiter zu pt'? Ich wage es nicht zu entscheiden. 

n. 

Die »Metathese« von / und v im Slovenischen. 

Im Arch. f. slav. Phil. XXXIV, S. 625, 626 spricht L. Pintar über 
eine sprachliche Erscheinung der slovenischen Dialekte, daß nämlich der 
Fall möglich ist, >daß in demselben Worte die Laute / und v vorkommen 
und daß bei gleichzeitiger Velarisation des l das folgende oder voraus- 
gehende V durch / ersetzt wird«. Dieser Fall muß nach meinem Dafür- 
halten einer Berichtigung unterworfen werden. Pintar spricht nämlich 
von einer Metathese der beiden in Betracht kommenden Laute, was 
durchaus nicht richtig sein kann. Denn, spricht man von einer Meta- 
these, so muß man jede Beeinflussung der fraglichen Lautgruppe von 
außen leugnen und der einzige Grund für das Auftreten derselben müßte 
dann eben in dem Umstände liegen, daß die beiden Laute [l und v) nicht 
weit voneinander vorkommen. Dies ist jedoch nicht der Fall; wir haben 
es hier mit Analogiebildungen zu tun und das Vorkommen von l und v 
nebeneinander spielt im allgemeinen gar keine Rolle. 

Wie schon Pintar erwähnt, hat bereits Mikiosich Fälle vrie hritle, 
mrtli (mit / statt t)) dadurch erklärt, daß sie analogisch nach ^^^.•«^üa, 
gwäle entstanden sind. (Vgl. Gr. I. 338.) Dieselbe Erklärung hat auch 



334 R- Franc6, 

Baudouin de Courtenay gegeben, wenn er darüber in seinem »Eoxhhcko- 
nocaccKiS roEopt« (§ 42) und besonders S. S4, Anm. 2 sagt: »IIpH 
3T0M'B KaKX öy^To 6hl coBepuiHjocb öe3co3iiaTeJibHoe pimenie i^tjiaro 
pa^a nponopmiit et o^hoh HeiiSBicTHoä, hjh, To^inie roBopa, saM^na 
^eTBepxaro ne ^OAXo;^HL^a^o 'uiena noACÖiitixt nponopi],ifi ^tpyrHMTb, 
BnojHi coBnaAaromHMT, et oömnMX xapaKTepojit ;iaHHoä nponopii;iH. 
TaK'B HanpHM']&p'B , Bt nponopi^in : metwa : gwäwa = metle : gwave 
yeTBepTtiS ^iJieHi. gwave c^HTaexcn (KOHeqHO, öescosHarejitHo) necoor- 
Bi&TCTBBHHLiM-i. H noBTOMy saM^HfleTCfl q^ieHOMT) gwale. « Diese Art 
der Auffassung unserer Fälle ist entschieden einzig und allein richtig. 
Unsere Aufgabe ist es nun zu prüfen, ob sich die Formen, die Pintar 
anführt, dieser Erklärung fügen, oder ob sie wirklich mit Notwendigkeit 
auf eine Metathese von / und v hinweisen. 

Man muß mit Nachdruck betonen , daß die fraglichen Wörter, die 
nach Pintar diese Metathese aufweisen, in Oberkrain vorkommen, also in 
jenem Gebiete der slov. Sprache, wo ursprüngliches i (das / vor Vokalen 
hinterer Reihe und unmittelbar vor Konsonanz) zu labiolabialem tv wurde. 
Dieses tv <^ i konnte mit dem ursprünglichen etym. v vermischt werden. 
So wurde die Deklination givava, givave nach der von skawa, skale zu 
gwava, gwale usw. Dasselbe geschah bei den ursprünglichen w-Stäm- 
men. Die Deklination wöku, loölcoe^ ^cökv^, xookvo wurde durch Ein- 
wirkung derselben Analogie zu wöku^ wökle, icökh^ wokvo umgestaltet. 
Da kann man doch von keiner Metathese sprechen; denn wäre dies der 
Fall, dann müßte ein Gen. sg. tcöklc aus lökve entstanden sein, also 
noch zu einer Zeit, wo das anlautende / vor o als i gesprochen wurde. 
Dieses ist aber unmöglich, denn dann fehlt uns ein Erklärungsversuch 
für Fälle wie cerkle, bükle^ britle^ xigmth (= uganitve)^ mrtU usw., 
wo neben dem /, das analogisch wie oben für ursprünglich v eingetreten 
ist, in demselben Worte kein v vorkommt. Diese Fälle sprechen somit 
entschieden dafür, daß wir es hier nur mit einer Analogie zu tun haben. 

Aber auch die anderen von Pintar angeführten Formen lassen viel 
an Beweiskraft zu wünschen übrig. Nach ihm soll für eine Metathese 
von / und v das Wort i>glävten<i. sprechen. Das Wort ist verzeichnet 
von Luzar in Zbornik Slov. Mat. II. 32. Jedoch aus dem dort an- 
geführten ersieht man folgendes. Luzar setzt die Belege unter dem In- 
dex ^glavten^ ; er sagt aber gleich weiter (in Klammern), daß das Wort 
als gvävte7i, gvälten^ gvävtek und gvaltek ausgesprochen wird. Sein 
Index ist somit unter dem Einflüsse des Schriftslovenischen entstanden. 



Zur elovenisclien Dialektforschnnj?. 335 

Allerdings führt er daun noch die Aussprache mit (jl- an: »tisocaka bo 
se lahko glävtek« und »Glavtnez (gov. tudi gvaltnez] je (glävten) clovek, 
hotec sam vse veljati«. Wie man sieht, dürfen diese Anweisungen keinen 
hohen Grad des Glaubens verlangen, da Luzar nicht die richtige mund- 
artliche Aussprache angibt (vgl. noch das später uns noch beschäftigende 
»to naredi glavt, da je ucitelj moral od nas«). Es ist schon von diesem 
Standpunkte aus nicht ratsam, auf ein so unsicheres Material die Erklä- 
rung eines sprachlichen Phänomens zu bauen. Aber nehmen wir trotz- 
dem an, daß das, was Luzar sagt, wahr ist; können wir das nicht anders 
als durch Metathese von l und v erklären? Ich glaube, wohl. Das 
deutsche ■» Gewalt <!.^ das diesen Wörtern zugrunde liegt, mußte in Ober- 
krain zu gvaut werden; regelrechte Entsprechungen sind somit Wörter 
wie gvävten^ gvävtek. Daneben kommt gvolten^ gvältek vor. Das l 
kann hier nicht auf das alte i vor Konsonanz zurückgehen, es kann auch 
durch Metathese nicht ins Leben gerufen worden sein, da hier überhaupt 
nur V vorkam und kein /. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich sage, daß 
hier das Wort noch einmal entlehnt wurde, aber diesmal zu einer Zeit, 
wo das Gesetz »vorkonsonantisches i~^w^ u< nicht mehr wirkte. Einen 
ähnlichen Fall haben wir auch in glävt »(böses, schlimmes) Gerede«. 
Auch hier ist l vor a^ also einem Vokal der hinteren Reihe, geblieben, 
weil das Wort erst später, nach der Wirkung des erwähnten Gesetzes, 
entlehnt wurde (aus deutsch »Gelaut«). 

Nun aber zu glätten statt gväüten. Dieses Wort in dieser Form 
ist wirklich für die Annahme einer Metathese , wie sie Pintar annimmt, 
sehr verlockend. Lautgesetzlich kann es nicht entstanden sein. Ich 
meine vielmehr, daß wir es hier mit einer Kontaminationsform zu tun 
haben, und zwar sind da zusammengeflossen die bereits erwähnten Wör- 
ter gvmit (Gewalt) und glaitt (Gerede). Daß die Bedeutungen nicht so 
sehr voneinander abweichen, daß eine wechselseitige Beeinflussung der 
Laute ausgeschlossen wäre, liegt auf der Hand. Vergleiche z. B. die von 
Luzar angeführten Sätze: »to naredi glavt, da je ucitelj moral od nas« 
und »tak glävt cez koga poganjati«. Das gl- in glävten stammt somit 
aus dem Worte gläct. Für diese Auffassung des •»glävten'!^ scheint mir 
noch ein anderes Moment deutlich zu sprechen. Neben glavtnez (Prahl- 
hans) wird auch (nach Luzar) gvaltnez gesprochen. Das Wort glavtnez 
geht bestimmt auf »Gelaut« zurück, bedeutet also »ein Mensch, der viel 
von sich spricht«. In gvaltnez, was dasselbe bedeutet, haben wir keine 
Metathese von l-v zu v-l mit Notwendigkeit anzunehmen, sondern es 



336 R- France, 

liegt uns da wieder eine Kontaminationsform vor, oder besser gesagt: 
gläütnez ist ganz nach gvalt, gvalten^ gvaltek umgestaltet worden, hat 
aber die Bedeutung beibehalten, dies desto leichter, weil die Bedeutungen 
von gvautjgvalt und glaut einander so nahe liegen. 

Nun geht Pintar bei seiner Metathese von l und v noch weiter. Er 
nimmt sie »auch vor dumpfen Vokalen« an und stützt das auf einen ein- 
zigen Beleg, nämlich auf ■»pralo<(^ statt tpravo«-. Aber da kann man 
ja von einer Metathese gar nicht sprechen, da ja in diesem Worte / und 
V nicht nebeneinander vorkommen. Unser Beispiel spricht somit wieder 
für das analogische Auftreten des /. Weil man [ta) heu, [ta] hciva, [ta) 
bele, {ia) heh sagte und sprach, fing man auch an [ta] praii, {ta) prava^ 
[ta) prale, [ta) prah zu sprechen. Von den Formen, wo l vorkam, ist 
dieses / noch in andere Formen eingedrungen, und an Stelle eines [ta] 
prati, [ta) pravo trat schließlich ein [ta) pral, [ta) pralo. Dieser Fall 
ist somit nichts anderes als ein Beispiel einer doppelten Analogie. 

Die bisher erwähnten Fälle, auf die Pintar seine Meinung der Meta- 
these von / und v stützt, lassen sich somit alle gut durch Analogie er- 
klären und zwar wird diese Erklärung als allein richtig erwiesen durch 
ebenso analogisch entstandene Wörter, wo / und v in demselben Worte 
nicht vorkommen {britle^ prale usw.). Noch weniger sicher dürfen wir 
von allem Anfang an die Personen- resp. Ortsnamen, die Pintar anführt, 
hinstellen. Auch da kann man andere, wahrscheinlichere Erklärungen 
vorbringen. Zunächst besprechen wir den Eigennamen »Lat'/ar«, der 
nach Pintar aus d. Walter entstanden sein soll. Diese Herleitung scheint 
auch mir richtig zu sein , sehe aber in der Form Lavtar noch nicht die 
Notwendigkeit der Annahme einer Metathese. Die Form Lavtar wird 
wohl so zu erklären sein, daß das aus d. Walter in Oberkrain entstan- 
dene Vavtar unter dem Einflüsse der Schriftsprache von Lehrern resp. 
in früherer Zeit von Pfarrern als Lavtar geschrieben wurde und so auch 
dann schließlich gesprochen. Dabei möchte ich auf folgendes aufmerk- 
sam machen. Oberkrainer, die lesen können, ersetzen sehr oft das aus 
l entstandene w durch das / der Schriftsprache. Dabei braucht man nicht 
an mehr gebildete Leute vom Lande zu denken. Ein einfacher Maurer 
aus Lees bei Veldes (Jozef Pernus, S7 Jahre alt), wechselt z. B. sehr oft 
w mit l\ so sprach er z, B. nebeneinander: strwa^ drzäwa, dewal [de- 
lali) und na släm, ruguvilo^ togslaj uddla usw. Dasselbe war gewiß der 
Fall bei den Pfarrern, besonders noch, wenn die aus einer Gegend ge- 
kommen sind, wo das i vor Vokalen hinterer Reihe nicht zu tv, son- 



Zur slovenischen Dialektforschung. 337 

dern zu / wurde. Und so haben sie gemeint, das erste v in dem ge- 
sprochenen Vavtar sei identisch mit dem v in wani (lani), was [las), was 
{läz), w(iS^n [laden) und schrieben es deshalb mit l, Lavtar. Das 
Schriftbild hat schließlich auch über die Aussprache den Sieg davonge- 
tragen. Dieser Name mit dieser Aussprache konnte dann noch Orts- 
namen wie Lavterski vrh beeinflussen. Hier speziell kommen dann noch 
volksetymologische Umgestaltungen in Betracht, weil der Name dem 
Volke seinem Ursprünge und seiner Bedeutung nach nicht mehr verständ- 
lich war (vgl. z. B. » Bajtarski vrh«. für und neben » Valtarski vrh<s. 
(aus dem J. 1584 > Walter sskhiuoi^eh^). (Izv. muz. dr. I. S. 7S). — Auf 
das einmal vorkommende » ]^olscha7'ieherg<^ kann man, solange die Ety- 
mologie dieses Ortsnamens nicht vorliegt, nicht bauen. — Schließlich 
muß ich noch erwähnen das bei den slov. protest. Schriftstellern vor- 
kommende zhiulati^ das nach Pintar »ein interessantes Beispiel für diese 
Konsonantenversetzung« (nämlich von /und -o) sein soll. Das ist wohl ein 
Versehen, das dem Prof. Pintar in Schnelligkeit passiert ist; hier haben 
wir es fürwahr mit einer Metathese zu tun , aber nicht zwischen / und v 
(resp. umgekehrt), sondern zwischen v und h [zhiu- gegen cvib-)^ also 
zwischen zwei labialen Lauten. 

Ich glaube klar genug nachgewiesen zu haben, daß eine »Metathese« 
von l und v keinen festen Anhaltspunkt und überhaupt keinen Boden hat 
und daß zur Erklärung die genannten Formen, welche bereits Miklosich 
und Baudouin de Courtenay gegeben haben, nämlich die Analogie infolge 
der Vermischung des aus l entstandenem w mit ursprünglichem v allein, 
richtig und berechtigt ist. Ra7novs France. 



Einige Worterklärungen. 



1. harzast SiA]. gräulich <^ alb. hard-. 
Die im Ak. Wbch. 1191 angegebene Herleitung von ital. verza, rum. 
varzä <^ lat. vir[i]dia ist schon wegen der Bedeutung unrichtig. Das 
skr. Adj. ist vielmehr identisch mit bulg. harzav^ barziv = siv, sur, sto 
ima bely i crxny vlakna razmeseni, aus Gerov, welches schon Miklo- 
sich Et. Wbch. 8 richtig auf alb. bard- 'weiß' zurückgeführt hat (cf. auch 
alb. baröulör "grau'). 

Archiv für slavische Philologie. XXSV. • 22 



338 P- Skok, 

harzast gehört wohl der Hirtensprache an ; man hat nämlich bar- 
zasta koza (in Serbien und Dalmatien nach dem Ak. Wbch.), = koja 
nije ni bijela ni sarena; bärzilo Bocksname. Das Wort erscheint weiter 
als Ortsname in Bärzilovica (Serbien, Kreis Belgrad) und dann im Spitz 
namen Bärzilovac Ak. Wbch, a. a. 0., lauter Ableitungen von der Bocks- 
benennung barzilo, vgl. jarar, welches als Appellativum, Personenname 
und Ortsname vorkommt, s. Ak. Wbch. IV. 464. 

Auch die im Ak. Wbch. angegebene Bedeutung = fulvus, kao ze- 
lenkast i crvenkast usw. scheint nicht zu stimmen, wie das Angeführte 
beweist. Das Adj. scheint vielmehr 'gräulich' zu bedeuten. 

2. 6bbam sm. <^ ahd. seif -{■ a?i. 

Die Etymologie von asl. chbam sextarius und seinen modern-slavi- 
schen Entsprechungen bezeichnet Berneker, Slav. etym. Wörterbuch 
1908, S. 165 als dunkel. Zubatys Zusammenstellung mit lit. hhnbü 
kibti wird daselbst als nicht sonderlich einleuchtend abgelehnt mit der 
Bemerkung, daß Z.s Meinung auch dem Wechsel von b und v in ab. dh- 
vam nicht gerecht wird. Seitdem hat Mladenov in P<I»B. LXII, S. 260 
bis 262 versucht, dieses Wort mit idg. *Ja'u-b in Zusammenhang zu 
bringen. Die Schwundstufe von dieser idg. Wurzel mit dem Nasalinfix 
liegt bekanntlich in griech. xtJ'^t</^og, lat.-kelt. cumba vor. Nun soll 
nach der Meinung Ml.s, welcher auch Z.s Etymologie ablehnt und auf 
den Wechsel von r und b nicht weiter eingeht, die Quelle von h im slav. 
Worte nicht idg. /, sondern idg. m (nasalierte Schwundstufe) sein. Er 
setzt daher *krnbanos als vorslavische Grundform an. */imb sucht er 
weiter in aksl. dbbzn. 

Dieser Etymologie gegenüber ist aber gleich zu bemerken, daß 
schon in griech. y.vußog, lat.-kelt. cumba die von Ml. geforderte nasa- 
lierte Schwundstufe vorliegt (idg. qumb s. Boisacq, Dict. 6tym. de la 
langue grecque 8. 534). Idg. qumb hätte aber im Slav. etwas ganz 
anderes ergeben. Vor der Schwundstufe ?^ erwartet man bekanntlich 
kein <5. m,~^h auch in diesem Falle anzunehmen, da das einzige Bei- 
spiel hg^k^ nach Brugmann, Kurze vergl. Grammatik § 196 Anm. 2, 
S. 130 noch nicht aufgeklärt ist, muß zumindestens als sehr gewagt be- 
trachtet werden. Aus ^m würde man nach Vondräk, Vgl. slav. Gramm. 
I, S. 337 angesichts von s^to entweder ^ oder angesichts von fynqSta^ ty- 
sqsta e q erwarten. Wie man also sieht, widersprechen der Etymologie 
Ml.s schwere lautliche Bedenken. Es ist daher noch immer am besten, 



Einige Worterklärungen. 339 

an der herrschenden Ansicht festzuhalten , daß in ^hh^r^ eine Entleh- 
nung aus dem Germanischen (s. jetzt Berneker a. a. 0.) vorliegt, wie das 
bei vielen slavischen Bezeichnungen von Gefäßen der Fall ist {c(.k^b'bh, 
kothh usw.). 

Ich halte nun auch dhham für ein germ. Lehnwort. Die Grundlage 
des slav. Wortes suche ich im ahd. srif^)^ welches zunächst in der Be- 
deutung Gefäß vorkommt, vgl. noch nhd. KüJdscIiiße (in der Brauerei) 
= hölzerne Gefäße, in denen man das Bier abkühlen läßt, 3. Grimms 
Wbch. IX, 22, 25 ; ahd. sciphi-= Trinkgeschirr mit breitem Boden, mnd. 
schip = kleines Scheflelmaß für trockene Dinge, Weigand II, 707. Für 
das Verhältnis der Bedeutungen : Gefäß — Fahrzeug vgl. noch ixz.vaisseau 
und Schuchardt, Zeitschrift für romanische Philologie XXXIII, 653. 

Lautlich ließe sich die Sache folgendermaßen rechtfertigen. Germ. 
k vor i ergibt im Slav. verschiedene Resultate: ^, c und (5, die alle in 
slavischen Behandlungen von got. tiJiillings zu finden sind. Vgl. Miklo- 
sich, Die Fremdwörter in den slavischen Sprachen S. 53 und Et. Wbch. 
S. 300 s. V. skle?i,gü^ skülengü. Man hat demnach: \. k: asl. sk^Iez^, 
sklezb neben sihIeg^\ 2. c wie in chrkg, in clez im Statut von Vrbnik, s. 
Afsl.Ph. XXXI, 628 in der Fußnote von Jagic (cf. auch Ak. Wbch. I, 
817); 3. aruss. sdeljag 'Müuzq' im Afsl.Ph. a. a. 0. Wie cak. clez^ 
asl. kl^zh (s. Miklosich Et. Wbch. 300) zeigen, finden wir bei den slav. 
Behandlungen von &killings den Schwund vom anlautenden s wie bei 
dish : lit. skgstas, cipiti zu nkaip, skr. skh'zak, sklizavica neben kli- 
zaii se usw., in Zumberak kopiti neben skr. skopiti^ slov. auch skopiti 
neben kopiti (s. Miklosich Et. Wbch. S. 302 s. v. skopici). Diesen 
Schwund hätten wir auch in dhham von seif. Indessen ist auch bei den 
slav. Behandlungen von seif gleichwie bei denjenigen von skillings nicht 
immer notwendig, diesen Schwund anzunehmen. Wie skr. zdila^ zdjela^ 
slov. zdela^ aus ital. scodella den Schwund von k zeigen, so kann klr. 
zba7i^ poln. dzhan entweder auf *ti[k)ban oder auf *cbcm zurückgehen. 
Sonst zeigen die slavischen Formen tiberall die Angleichung des c an das 
folgende b aus deutsch y, und zwar entweder als i: russ. zbam, £ba- 
niih, ibanok^, klr. zba?i, c. zbä?i^ skr. zban, zban^ wozu ich zbana aus 
Zumberak 2) hinzufüge, oder als f/l: skr. dzbän, westbulg. (Vidin) dziban, 



*) Wegen deutsch />> slav. b s. balla << Fackel, berma, berla, Berneker 
50, unten koba, Ara6e <;ahd. grävio usw., s. Gebauer I, 441/2. 

2) In Bosnien erscheint das Wort in der Bedeutung 'hölzernes Wasser- 
gefäß', wofür daselbst noch andere Fremdausdrücke wie brema, föcija oder 

22* 



340 P. Skok, 

dzubati (s. Mladenov a. a. 0.). Die Angleichung des b an das vorher- 
gehende ö findet statt in abg. dhvam, russ. ^van^, dcanech^), 6 hat sich 
erhalten in cech. dbä^i und der magyarischen Entlehnung csobd?i, cso- 
bäny, woraus in skr. döba/ia rtickentlehnt wurde. 

Was das Suffix -an anbelangt, so ist es gerade bei den entlehnten 
Bezeichnungen von Gefäßen öfter anzutreffen, wie z. B. 1 . bei skr. krbän 
neben cech. krb, krban, krbanS und skr. /crbufa Berueker 568 und alb. 
kerbe (Meyer, Alb.Wbch. 188), aus deutsch Korb: 2. cech. kubana == 
velikä nädoba hlinena zährdlitä na vodu, na mlöko (Kott, Cesko-nemecky 
slovarV], 763), welches ofi'enbar mit kub^ Berneker 636 zusammen- 
hängt. 3. Hierher hat man noch zu stellen slov. skr. bg. kopana, ko- 
panica, daraus entlehnt arum. cupane^ dacorum. copaie 'Trog' (s. Zeit- 
schrift f. rom. Phil. XXXIII, 653), welches schwerlich mit kopati etwas 
zu tun hat, wie Miklosich Et. Wbch. 128 und nach ihm das Ak. Wbch. 
meinen 2). Schon Strekelj, Zur slav. Lehnwörterkunde 81, lehnt die 
Miklosichsche Meinung ab und bringt kopana in Verbindung mit slov. 
kopa 'Trog' 3)^ j^it_ copa^ ahd. chuopha^ cJiuofa^ cJiofa erscheint weiter 
im skr. koba Art Kübel, köbica Ak. Wbch. V, 133, 4. 

Indessen ist seif mit dem Suffixe -il : ahd. scifel cymba , navicula, 
scifelin cymbia, kahnförmiges Trinkgefäß, cf. Schuchardt, Zeitschr. f. 
rom. Phil. XXXIII, 653, in slavische Sprachen eingedrungen. Hierher 
ziehe ich cech. zbel = drevenä nädoba na vodu (vyssi nez putenka) k 
vrchu uzsi (Kott. o. c. V, 784) ; bei Gebauer, Slovnik starocesky I, 160 
dbel', sdbel, worauf daselbst hingewiesen wird, fehlt noch. Von den 
Slaven ging das Wort zu den Magyaren über: csobolyö (oder csobolö) 
Wasserlagel, ein hölzernes Gefäß für Trinkwasser, daraus wiederum slo- 
vak. öobolüy dbola^ s. Miklosich, Slav. Elemente im Magyarischen S. 89, 
wo die Sache anders dargestellt wird. 



vücija gebräuchlich sind. In Bovic (Kroatien) dient das mit zban bezeichnete 
hölzerne Gefäß, wie mir Prof. Simic mitteilt, zum Auffangen von Schnaps beim 
Schnapsbrennen. Zbäiia bedeutet in Zumberak ein größeres aus Dauben ge- 
machtes Gefäß mit zwei Henkeln am oberen Rande zum Aufbewahren von 
Schmalz. Die hölzerne Decke besteht aus zwei Teilen, die ebenso rund sind 
wie das Gefäß selbst. In Warasdin heißt dieses Gefäß hanjica. 

1) Vgl. OS. cvor aus chori,, Mikl. Et. Wbch. 37 s.v. cihrä. 

2) Den bei Broz-Ivekovic I, 560 und im Ak. Wbch. angeführten Bedeu- 
tungen ist noch hinzuzufügen die in Petrovac (Bosnien) vorkommende : höl- 
zerner Löffel mit kurzem Griff zum Schöpfen von Mehl aus den Säcken. 

3) Die irrige Meinung Mikl.s erscheint jetzt noch bei Berneker 563. 



Einige Worterklärungen. 34 \ 

Dagegen hat skr. skip , sAü/pa 'Wasch trog', trotzdem es Mikl. Et. 
Wbch 310 mit ahd. srifin Zusammenhang bringt, mit dem ahd. Worte 
direkt nichts zu tun. Das skr. Wort kommt vor nach den Angaben bei 
Broz-Ivekovic in der Hercegovina und Montenegro in der Bedeutung 
größerer hölzerner Schüssel, was anderswo hurlica genannt wird, in der 
Bocche von Cattaro Waschtrog i). Das Wort ist also auf das Gebiet be- 
schränkt, wo sich der romanische Einfluß am meisten geltend macht. 
Deshalb geht skr. Skip zurück auf abruzz. schifa 'große Butte', sie. 
schifu 'Trog', ital. schifo 'Mörtel-, Kalkmulde'. 

3. Cöjluk. 
Dieser Ortsname ist auf dem skr. Gebiet nicht selten. Doch muß 
man zunächst den Anfangsbuchstaben näher begründen, da es auch 
Öojluk geschrieben wird. Meine Erkundigungen, die ich mir bei den 
glaubwürdigen, die betreffenden Ortschaften kennenden Leuten holte, so- 
wie die neueren amtlichen Publikationen sprechen für c und nicht für 6. 
Ak. Wbch I, 57 schreibt Cöiluk in der Lika bei Udbina^]. Von einem 
gebürtigen Likaner hörte ich den Spruch : 

Ja Bam momak Iz Ööjluka, 
Volim kruva nego luka. 

V 

Ak. Wbch. a. a. 0. kennt noch Cojluk in Bosnien. Popis zitelj- 
stva, Sarajevo 1S95, bringt aus dem Bezirke Krupa zwei gleichnamige 



1) Prof. Dr. Jelic (Zara) teilt mir darüber noch brieflich mit: ^Skip ist ein 
Trog aus einem Stück Buchenholz. Das Stück stellt die Hälfte des Baum- 
stammes im Sinne der Länge dar. Gewöhnliche Länge 0,70. Breite 0,40, Tiefe 
0,30 m. Als wasserdichtes Gefäß dient sldp zu allen möglichen Zwecken so- 
wohl für Flüssigkeiten als für Massen. Daraus kann also eine größere An- 
zahl Personen speisen; den Haustieren wird daraus Nahrung verabreicht oder 
es dient zur Übertragung von Erde, Mörtel und Schutt. Das Gefäß ist gang 
und gäbe in Nin (Nona) und Umgebung, dürfte aber auch in Nord-Dalmatien 
allgemein vorkommen. In der Umgebung von Spalato heißt derselbe Gegen- 
stand masuric.'i (S. über das letzte Wort meinen Artikel Zur Kunde des ro- 
man. Elements in der skr. Sprache, Zeitschrift f. rom. Ph. XXXVI, 651, 14). 
In Nevesinje Herzegowina) ist skip ein aus einem Stück Eschen- oder Birnen- 
holz kahnartig gemachtes und zur Aufbewahrung von Milch bestimmtes Ge- 
fäß. In der Lika (Gegend von Podlapac) dient es zum Waschen von kleinen 
Kindern. In Bosnien (Sarajevo, Banja Luka) und Kroatien-Slavonien scheint 
es nicht mehr vorzukommen. 

-) Desgleichen auch Politicko i sudbeno razdieljenje kralj. Hrvatske 
etc. Zagreb 1895, S. 23, wie auch in der Ausgabe 1903. 



342 P- Skok, 

Ortschaften, dann je einmal aus den Bezirken Jajce, Petrovac und Bu- 
gojno. Auch in dieser Publikation der bosn. -herceg. Landesregierung 
wird nur Coj'luk geschrieben. Ein aus Petrovac gebürtiger Herr sichert 
mir die Aussprache Cdjluk. Diese Aussprache wird neuerlich bestätigt 
im Sarajever Amtsblatt Sarajevski list Nr. 79 (vom 9. April 1912) S. 2, 
Spalte 3, in einer Nachricht aus Bos. Krupa vom 6. April: tezak Luka 
Ciric iz Oojluka blizu Krupe etc. Die neusten Rezultati popisa zitelj- 
stva u Bos. i Herc, od 10. X. 1910, Sarajevo 1912, S. 2S6, bieten eine 
Ortschaft Cojluk in der Dorfgemeinde Vinac bei Jajce. Ein Stadtviertel 
von Virovitica heißt ferner Coluk^ welches sicher hierher gehört. 

Da für die Feststellung von Etymologie von großer Wichtigkeit ist, 
ob c oder d zugrunde liegt, so schien es geboten, bei dieser Frage länger 
zu verweilen. Es ist nämlich bekannt, daß die türkischen Lehnwörter 
im Skr. für ttirk. k immer c zeigen. Unser Ortsname ist auch türkischen 
Ursprungs, wie schon das Suffix ~Iuk vermuten läßt. Cojluk geht zu- 
rück auf türk. köjlük *). köjlük (= seliste) kommt als Ortsname im 
Vilajet Diari-bekir (Kleinasien) vor. Es ist gleich gebildet wie das be- 
kannte Hissarlik (= Gradiste] bei Troja. 

4. {h)üja sf. 'Zorn'. 

Dieses Wort ist in ganz Bosnien sehr gebräuchlich, jedoch bisher 
von keinem skr. Lexikographen, soweit ich sehe, in dieser Bedeutung 
gebucht worden. Ich weiß nicht, ob das angeführte Wort identisch ist 
mit dem im Ak. Wbch. III, 7 29 angeführten, wo gesagt wird huj'a kaze 
se kod ladara stacija, kada se na konjima lada vuce. 

{fi)iija ist meiner Ansicht nach eine Ableitung mittels -Ja vom Adj. 
chud^ schlimm , böse', di ^ J ist auf dem stokavischen Gebiet zwar 
auffallend, kommt aber doch vor, siehe jetzt Resetar, Der stokavische 
Dialekts. 136, §61. 

Zu identifizieren sind mit dem besprochenen Worte Jiuja = mrsava 
kokos, mrsavo celjade; vgl. für die Bedeutungsentwicklung poln. chu- 
dziec, chuj'ec 'unverschnittener Eber, Stammschwein'. Wie man sieht, 
entwickelt sich der Begriff des Bösen, Schlimmen nach zwei Richtungen ; 
erstens nach der Richtung des Schlechten und Minderwertigen , welche 
Bedeutung in /tuj'a : magere Henne, magerer Mensch, dann in hujav = 



1) kyifiylu-h — a place of (so many) villages, Redhouse, Turkish and eng- 
lishlexiconS. 1606. 



Einige Worterklärungen. 343 

bijedan, nevoljan, jadan, /tuj'avdiua = h.ujsLYO celjade, Ak. Wbch. III. 
729, vorliegt; zweitens nach der Richtung des Zornigen, Aufbrausen- 
den, wozu skr. {hyilju "^Zorn', poln. chudziec^ chujec 'un verschnittener 
Eber gehören. 

Dagegen sind zu trennen von unserem Worte uja 'die Rast, Er- 
holung', respiratio, requies; iij'äne 'das Rasten, Ausschnauben ; üjati 
'ausrasten'; tya^e 'heulen' bei Broz-Ivekovic 11, 632; /f?{;a^« 'ausrasten' 
Ak. Wbch. III, 729. Diese Wörter sind gewiß onomatopoetische Bil- 
dungen, von hu^ mit welcher Silbe man das Ausatmen bezeichnet. 

5. kantarljün^ -üna sm. 'Tausendguldenkraut'. 
Dieses Wort ist in Bosnien sehr gebräuchlich, ist aber, soweit ich 
sehe, noch nirgends gebucht worden. Es ist griech. v.EvravQiov, lat. 
centaurea^ centaurium, ceutaurion, centauris (Thesaurus linguae latinae 
in. 812), angeglichen an die Endung -one ~^-un^ welche in ital. Lehn- 
wörtern sehr häufig vorkommt. 

6. kolo7nhoc sm. 'Mais'. 
Nach Ak. Wbch. V, 212 werden in Vasojevici (Montenegro) Mais- 
stelzen (krcamak) so benannt und in der Umgebung von Bar und Ulcin 
Kukuruz selbst. Das Wort wird a. a. 0. noch aus Bocche di Cattaro be- 
legt. Es ist alb. scut. kalamöts 'Mais', kalamhök^ ngr. xaXaf.i7t6/.ij s. 
Meyer, Alb. Wbch. 17 0. 

7. lädciiie sn. 'Land, Dorf', lädänski adj. 'ländlich, bäuerlich, dörflich'. 

Dieses in Kroatien sehr bekannte Wort ist im Ak. Wbch. V, 865 
nur als Name zweier Dörfer im Warasdiner Komitat nachgewiesen. Heut- 
zutage ist es auch in die Schriftsprache eingedrungen i) und hat sein 
einstiges aufs Kajkavische undSlovenische beschränktes Gebiet bedeutend 
erweitert. Es bedeutet 'das flache Land, frz. la campagne' im Gegen- 
satz zu Stadt, z. B. mi ladanski ludi^), na ladaiiu boraviti usw.; im Slov. 
(Pletersnik, Slovar I. 495) = Besitz, Landgut; ladanstvo = Land (opp. 
Stadt). 

Schon Budmani im Ak. Wbch. a. a. 0. hat das Wort richtig als eine 
kajkavische Form des schriftsprachlichen vladane aufgefaßt. In der 



1) Nach einer freundschaftlichen Mitteilung von Prof. Ivsic soll die An- 
nahme bestehen, daß es Miskatovic in die Literatursprache eingeführt hat. 

2) Ladanjska opozicija ist der Titel einer Komödie von Derencin. 



344 P- Skok, 

Bedeutung: »Besitz, Landgut, Land überhaupt (opp. zu Stadt)« ist das 
kajkavische Wort meiner Ansicht nach nichts anderes als eine Über- 
setzung von mittellat. dominium (oder dominicum) i), auch domanium 
(nach dem frz. domaine) Herrschaft über etwas, Eigentum, Gut. Es ist 
dies eine Übersetzung, die noch lebhaft an die feudalen Verhältnisse er- 
innert, an die Zeit nämlich, wo noch der heutige Gegensatz zwischen 
Land und Stadt eigentlich dem Gegensatz von dem unter dem Besitz der 
Adeligen stehenden Lande (dominium) und der von freien Bürgern be- 
wohnten Stadt gleichkam, so daß das adelige dominium gewissermaßen 
als Vertreter des Ländlichen überhaupt galt. Das kajk.-slov. Wort ent- 
wickelt sich demnach von der Bedeutung 'Gut am Lande' zu 'Land, Dorf 
überhaupt\ 

8. Ostrva sf. 
In Montenegro bedeutet es nach Broz-Ivekovic I, 927: kao stuba 
udarena u zemlju (pred kolibom), te se vjesaju puske; in Zumberak (Akz. 
ostrva) dagegen : behauener Baum, wo nur größere Äste gelassen wer- 
den, die kleineren dagegen entfernt, dient zum Kleetrocknen auf dem 
Felde. Der Zusammenhang mit dem Adj. ostr^ ist klar. Ich denke an 
ein Subst. *ostry *ostnve wie svekry, sveknve. 

9. tukati se v. 'mit jem. zusammentreffen, jem. begegnen'' 
ist in Bosnien (Kreis Banja Luka) gebräuchlich und auch von keinem 
skr. Lexikographen gebucht worden. Es ist in Zusammenhang zu bringen 
mit der Wurzel t^k im Slav., skr. tikati, c. tykati, poln. iykac usw., 
hier nur in einer anderen Ablautstufe ; cf. skr. surov und sirov. 

10. Zu den skr. Lehnwörtern aus dem Türkischen. 
Die bei den skr. entlehnten Zeitwörtern so verbreitete Endung -isati 
führt man richtig auf den griechischen Aorist zurück (s. Maretic, Gram, 
i Stil. str. 380). Ganz dasselbe ist bei einigen aus dem Türkischen ent- 
lehnten Zeitwörtern der Fall. Auch da liegt dem skr. Infinitiv kein tür- 
kischer Infinitiv zugrunde , sondern das türk. kategor. Perf. Allerdings 
kommen Fälle vor, wo sowohl der türkische Infinitiv als auch das tür- 
kische Perfekt dem skr. entlehnten Zeitworte zugrunde liegen. Als Bei- 
spiel führe ich an eglendisaii, eglcmisati,jeglenisatiAk. Wbch. III. 23, 



1) Vgl. bei Bartal, Glossarium mediae et infimae latinitatis regni Hunga 
riae I, 227 : dominium = territorium castelli. 



Einige Worterklärungen. 345 

wo fälschlich türk. eßendirmek als Grundlage angegeben wird, was 
schon deswegen nicht richtig ist, weil eghndirmeh ein objektives Zeit- 
wort ist, s. Meniuski I, 20S eg'lendirmek' := ritenere, ritardare, dar trat- 
tenimento. Von egUnisati^ jegUnisati ist vielmehr die Grundlage egHen- 
meh\ von eglendisati dagegen Perf. eg'le?idg^). 

Im Nachfolgenden führe ich noch einige Zeitwörter, die hierher ge- 
hören, bisher aber nicht gebucht wurden, an. 

baildisati *^in Ohnmacht fallen' (Banja Luka) von ttirk. bäjilmak 
svenire, Meninski I, 4S. 

dekfiaati (Banja Luka) 'dulden, ertragen ; jem. belästigen' z. B. cek- 
tisö na me, da bog sacuva, türk. c'ek^ek^ = tirare, stendere, patire, 
Meninski I, 109. 

kuländinati 'gebrauchen' (in ganz Bosnien), türk. kullanmak: faire 
usage, se servir, employer (Zenker); vgl. alb. >lw^awc/m 'behandeln, ver- 
wenden'. Meyer, Alb. Wbch. 212. 

osändisati se 'sich langweilen' (Banja Luka und anderswo in Bos- 
nien): osändisö sam se cekajuci; man kann auch sagen: on me je osän- 
disö; türk. osanmak = aivexQ fastidio. Meninski I, 661. Man versichert 
mir auch die Form osänisati t>e (s. auch Mikl., Türk. Elem., Denkschr. 
38, 7), welche Form demnach auf osan-mak zurückgeht, während osändi- 
sati auf osandy beruht. Vgl. auch kahvendisati und kavenisati. 

Auf dieselbe Art ist zu erklären: kidisati, oder mit Einschub -fi 
Mndisati (s. Ak. Wbch. IV, 954) 'Gewalt, Hand anlegen, töten', von 
türk. kyjma¥ 'töten', nach Meninski tritare, sminuzzare, tagliare in 
pezzi, perdere, rovinare, uccidere. Wegen des d hat Miklosich 34, 331 
nur mit Bedenken kidisati mit kyj'mak zusammengestellt. Wenn man 
an die Perfektform denkt, so ist die skr. Form ganz klar und es ist nicht 
notwendig, auch an kynamak zu denken, wie es Miklosich 34, 332 und 
nach ihm Ak. Wbch. IV, 946 tun. keisati Ak. Wbch. IV, 933, derselben 
Bedeutung wie kulisati^)^ beruht dagegen auf der türk. Infinitivform 



1) Hierher auch sevdisati (schon bei Miklosich, Türk. Elemente usw. 
Denkschr. 35, 156 und Popovic, Istocanske reci 189 erwähnt) nicht direkt von 
sevmek* , sondern vom Perf. Bei dieser Gelegenheit erwähne ich noch das 
schöne Beispiel: Ako sam ga ocim' pogledala, nijesam ga srcem sevdisala 
(Banja Luka). 

2) cbrdisati pessumdare ist wohl eine Vermengung von krdisatixm^ corda 
' Schwert'. 



346 P- Skok, 

kyj-mah^ da bekanntlich der türk. Laut y als ?', ^, a und r erscheint i). 
Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, daß auch /^•)Y/^Äa^^ Vernichten, zu- 
grunde richten^ hierher gehört und nicht zu qyrmak, wie bei Miklosich 
34, 332 und nach ihm im Ak. Wbch. V, 498, da dann auch die Bedeu- 
tung besser paßt; qyrmak bedeutet ja brechen, verletzen. 

1 1 . Zum Lokativ in den serbokroatischen Ortsnamen. 
Schon Jagic hat im Artikel »Die slav. Composita in ihrem sprach- 
geschichtlichen Auftreten« (AfslPh.XX, 520) ganz zutreffend in Cilri von 
Cärigrcid den Lokativ gesehen. Diese Auffassung wird Gewißheit, wenn 
man Cari{gräd)'^) mit Cesargracl^), Namen einer Ruine an der Sutla"*], 



1) Beispiele: l.fiir türk.^/^skr. i: Aiwa 'kleine Hacke zum Faschieren des 
Fleisches' <<A7^"wjo, carne tagliata minutamente Meninskil i4d,kh)ietalitu 'Hack- 
brett, Fleischbrett <^lyjma tahtasy tagliere; kirnet im Beispiele: Taj jede kao 
dömba, ne zna sam sebi kimeta < kymet prezzo, valore, stima Meninski 1454; 
räzl 'zufrieden' << rüzy arab. contento Men. ; 2. für türk. y > skr. e : haterisaii 
'zugrunde richten, vergeuden' (z.B. bateriso je toliki silni mal) <^batyrmaq 
'versinken', von hatmaq; rw^/e, -e^u 'Stück Papier' Ak. Wb. \1 Vlb <ik^uyhyd; 
3. für türk. y > skr. r : hrsum (na nekoga hrsum sasuti, uciniti) <^ c/iy.ih7i pers. 
ira, collera, sdegno, rabbia, Meninskil 150; Är/w(Oc <;/.?/ /y^scimitarra,sciabla, 
Men. I 45a, s. auch Mikl. o. c. 37, 61 ktlic, bei Popovic o. c. S. 124 küidt, 
Ä-rs/vA 'Jungfernschaft' < kyzlyk verginitä Men. 1455, vgl. krzlaraya bei Popo- 
vic S. 12S und Mikl. 34, ;i33 mit Kizlaraga bei Gundulic, krsla 'Kaserne' < 
kesla 'Kaserne', Meyer, Alb. Wb. 189; srklet 'Nervosität', srkletli 'nervös' <C 
seklet 'schwere Angst, Unbehagen', s. Meyer. Alb. Wb. 384 ; 4. für türk. t/> 
skr. a: kaiia Ak. Wb. IV 814, andere Formen: knä, khua Ak. Wb. V lü9 und 
krna Ak.Wb. VG03 balsamina hortensis < %/;« , hy)ia ligustro, colore col 
quäle si tingono le femmine i capelll e le unghie Meninski I 333, 451; kozä- 
mak 'Scharlach', Ak. Wb. IV 9i)9 daneben auch krzämak zu kyz chaleur, feu. 
kyzarmak infocarsi, roventarsi Men I 45.i. Die angeführten zum Teil noch 
nicht gebuchten skr. Wörter sind in Bosnien gang und gäbe. 

2) Carigrad ist auch der Name einer Häusergruppe im Bezirke Prijedor 
(Bosnien) sowie eines Berges und einer Euine auf demselben in Serbien, s. Ak. 
Wbch I. 7()0, s. V. Carigrad. 

3) Vgl. Ccsar grad in Letop. duk|. Ak. Wbch. I, 772. 

*) Die Ruine Cesargrad befindet sich auf dem Berge Cesarsko hrdo (rgl. 
C'esarska ves bei Klaiiec;, 8 Klaic Sutla, in Hrvatsko Kolo VI. 123, ebenda auch 
zwei Abbildungen. Daselbst auch Belege wie Chasar 1399. Kaysersperg 1012, 
arx Chasarvara 16:!0, laater magyarische bzw. deutsche Übersetzungen. Es 
ist nicht zu vergessen, daß die Burg auch in dem ältesten kroatischen Belege 
nur Cesar heißt (in einem Briefe Tahis vom 2S. I. 1562, s. Kuknljevic, Acta 
Croatica S. 327: na dwor gozpodyna bana pod chezarom etc.). Das ist aber 



Einige Worterklärungen. 347 

nicht WQit von inanec inZagorien (Kroatien), vergleicht, wo man inCesar- 
nichts anderes al3 ein mittels -j (n'^capb) gebildetes Adjektiv sehen kann. 
Ferner wird die Erklärung Jagic' auch dadurch bekräftigt, daß das Adj. 
bei den mit -grad usw. gebildeten Ortsnamen gewöhnlich in unbestimmter 
Form erscheint, z. B. russ. JSoDgorod, skr. Beograd, Belgrad (kroat. 
Küstenland), Biograd (Dalmatien) usw., also in i von Carigrad nicht 
die bestimmte Form von rar' gesehen werden darf, auch deswegen nicht, 
weil es kur? ist. Der Lokativ Cari- ist weiter anzutreffen in Carihrod 
(Bulgarien) und Carihrdo (ein Berg) Ak. Wbch. I, 7 59 i). 

Ich will nun weitere Beispiele des alten Lokativs aus den Ortsnamen 
bringen. 

Zunächst gehören hierher viele Vu6ipoh (= Wolfsfeld). Bosnien 
allein besitzt laut Angaben der Resultate von Volkszählungen von 1S95 
und 1910 vier Vtidipo^e, und zwar in den Bezirken l^ubuski, Bugojno 
(im Dorfe Glavica), Zupanac (im Dorf Podgaj) und Mostar (im Dorf Cit- 
luk). In Dalmatien ist der Ortsname auch nicht selten. Das Ortsreper- 
torium der k. k. statistischen Zentral-Kommission in Wien verzeichnet 
dreimal ViiÖipole (in den Gerichtsbezirken Obrovac, Knin und Sin). — 
In Kroatien : Viidipole in der Gemeinde Gracac^). VuSi- ist nichts anderes 
als der alte Lokativ. Der cakavische^) Lokativ im Fem. erscheint Vuöe- 
ravan (Wolfsebene) im Gerichtsbezirke Supetar, welche Ortschaft auch 
Vudjaravaii heißt (Ortsrepertorium S. 13 7). — Ob in Vudikal (Wolfs- 
schlamm, -kot) (Gerichtsbezirk Budva, Ortsrepertorium S. 1 S) der Lokativ 
vorliege oder nicht, soll vorderhand dahingestellt bleiben 4). Dagegen 
ist Vudedraga (= Wolfstal) gewiß so zu erklären wie Vuöeravan. 
Vudedraga befindet sich in der Pfarre Turjake des Bistums von Spalato 
(s. Schematismus des Spalatiner Bistums für das Jahr 1913, S. S5). 

Veli = groß erscheint in alter Lokativform zunächst in Velehrad 
(Mähren, vgl. Miklosich, Slav. Ortsnamen aus App. II, S. 253, 714). 



kein Beweis, daß man in Cesar kein Adj. sehen sollte. Es ist vielmehr derselbe 
Fall wie bei vielen skr. Ortsnamen Novi, wo grad als selbstverständlich ent- 
fallen ist. — Eine Beschreibung dieser Euine sowie eine Geschichte des Ortes 
nebst Abbildungen ist zu lesen auch bei Laszowski, Hrvatske povjesne gra- 
djevine, Zagreb 19ü2, S. 79—84. 

>) Vgl. mit Caribrdo Cesar hrdo, Häusergruppe in der Gemeinde Pisaro- 
vina, s.Politicko i sudbeno razdieljenje kralj. Hrvatske etc. Zagreb 1895, S.86. 

2) S. Polit. i sudb. razdieljenje etc. S. 9. 

3) S. Vondräk, Vgl. slav. Gramm. II, S. 35. 
*] Vgl. Vucitrn in Altserbien. 



348 P- Skok, Einige Worterklärungen. 

Auch in Velebit^), Bergkette in Kroatien, Berg in Bosnien, möclite ich 
nichts anderes als den alten Lokativ sehen. Der zweite Bestandteil wäre 
zu identifizieren mit cech. öyt "^Existenz, Aufenthalt', vgl. auch aisl. büä 
'Wohnung', lit. Z/ei/t/s '^Haus , Wohnhaus', skr. büak 'We&en, ohitavati 
'wohnen'. Der zweite Bestandteil w.äre ferner zu vergleichen mit Hudi 
bitek^ Dorf in der Gemeinde Odra in Kroatien (Komitat Agram). Wegen 
-^ ^ -e vgl. Tpiö'i ^ trijebe (stokavisch-dialektisch). Was eigentlich 
Velebit bedeutet, ist schwer zu sagen 2], da bit sonst nirgends im Skr. 
belegt ist. Es ist aber an die volkstümlichen Erzählungen zu erinnern, 
wonach Velebit als Aufenthaltsort von Vilen gilt 3). Vielleicht bezieht sich 
darauf auch seine Benennung. Eine so benannte Hirtensiedlung wäre 
auch nicht ausgeschlossen (cf. atan 'Sennerei'). 

12. Zetica^i. 'Molke'. 

Die Molke [su[i)rutka) wird in Sarajevo und anderswo in Bosnien 
noch zetica genannt. Das Vorhandensein dieses bisher nicht belegten 
Wortes ist sehr wichtig, weil dadurch die slav. Grundlage des rumän. 
Wortes Jintitä 'gekochte Schafmolke' (s. Tiktin, Rum. -deutsch. Wbch. 
II, 872) gesichert ist. Das skr. Wort wanderte dann, durch rumänische 
Hirten weiter getragen, zu den Nordslaven: slovak. ientica^ poln. ze7i- 
tyca^ ruthen. zetityca (s. Miklosich, Wanderungen der Rumänen, Denk- 
schriften 21) und zu den Magyaren: zsmdicze, zsinczicza (A magyar 
nyelv szotara 6, 1252 nach Miklosich). — Das skr. Wort gehört zu zqti, 
zbtnq. In Warasdin heißt der Holzkübel , in welchen gemolken wird, 
zeiarka. P. Skok. 



1) Die Form Velebic, die gelegentlich selbst in den Urkunden zu lesen 
ist, halte ich für eine gelehrte Angleichung an die ungememein verbreitete 
Endung -ic. Beim Volke ist sie nicht zu hören. Velebit heißt weiter eine 
Landzunge mit dem gleichnamigen Berge in der Katastralgemeinde Vrsi bei 
Nona (Dalmatien, e. auch Jeliö, Hrv. spomenici ninskoga podrucja, I, S. 1). 
Auch dieser Name erscheint in der Katastralmappe und in den mir vom Prof. 
Jelic freundlichst zur Verfügung gestellten urkundlichen Belegen (1530, 1793) 
Monte Velebich. Nach meinen Erhebungen ist diese Form dem dortigen Volke 
nicht bekannt. 

2) Schon Zoranic, Planine, Stari pisci hrv. 16, S. 69 — 71, versucht eine 
Erklärung des Namens, die natürlich wertlos ist, zu geben. 

3) Auf ähnliche mythologische Vorstellungen von Velebit scheint hinzu- 
weisen auch der Name der Bergspitze Sceto Brdo (1753 m) in demselben Ge- 
birge. S. eine solche Erzählung bei Hirc, Prirodni zemljopis Hrvatske I, S. 452, 
Anm. 3. 



Beiträge zur ukrainischen Wortforschung. 349 



Beiträge zur ukrainischen Wortforschuns;. 



babäna, -ny f. 'altes Schaf, welches der Zeugung unfähig ist^; 
< rum. bäbänä, 'altes Schaf, das nicht mehr lammt\ 

bäska, -ky f. 'Schafsname'; < rum. bäscä, 'Vließ, Gesamtheit der 
Scherwolle eines Schafes'; alb. baska. 

batalen, -va m., batalej, -ja m. 'Schlägel im Butterfaß'; < rum. 
bätäläu, 'Schlägel, Bläuel'. 

bäus, -usa m. 'Schnurbart'; poln. bajusy, 'Schnurbart, Backen- 
bart'; < mag. bajusz, 'Schnurbart'. 

bynda,-dy f. benda, 'Band'; < ital. benda, (<^ ahd. binda) 'Binde'. 

bend'iih, -hä; bend'üch, -chä m. 'Eingeweide, Bauch'; < magy. 
bendo, 'Schmerbauch'; böndo, 'Ranzen, Wanst'. 

bybäk, -kä m. 'Krankheit'; < magy. bibe, 'eine kleine Wunde, 
der empfindlichste Teil der Wunde'. 

byrka, -ky f. 'das Schaf"; nsl. birka, 'ds.'; < magy. birka, 'das 
Schaf mit kurzer, krauser Wolle'. 

bJamänka , -ky f. 'Leckereien' ; < mhd. blamensier, blamentschier, 
'eine Art Speise', <^ franz. blanc manger. 

bläna, -lii f. 'Huzulenpelzkleid', rückentlehnt aus rum. blanä, 'Pelz, 
behaarte Tierhaut, Kleidungsstück daraus, Fell'; zu sl. c. blana. 

blymaty, 'blinkein'; blymanka, 'Irrfeuer'; mit Annahme einer Be- 
deutungsentwicklung 'blasen, schwellen' zu 'mehrmals anschwellen, blin- 
kein' — ist die Urverwandtschaft mit norw. blemme, schw. blemma, 
aschwed. blema, 'Pickel, Pustel', anord. blämi, 'bläuliche Farbe', franz. 
bleme, 'blaß, bleich', — die von Falk-Torp E.W. zur idg. Wurzel *bhlei, 
*bhlai, 'blasen, schwellen' gestellt werden, — nicht ausgeschlossen. 

biyndyj, -a, -e adj. 'klug, schön'; < rum. bland adj. 'sanft, mild, 
freundlich'; (lat. blandus). 

blyndä, -dy f. 'starker Hautausschlag'; < rum. bländä, Nessel- 
ansschlag'. 

bl'ich, -chä m. 'das Weißen der Leinwand'; brichnvatj^ 'die Lein- 
wand weißen'; < mhd. bleichen; »hier auf dem Rasen bleicht das Linnen 
gut«. Grimm. Wb. Vergl. kroat. kajk. plajhati. 

bokrejda, -dy f., pokröjta, -ty f. 'künstliche Blume oder Pfauen- 



350 R. Stocki, 

feder als Scbmuck für den Hut'; < magy. bokr^täs, ^mit Federbuschen, 
Blumen buseben verseben^ 

bokör, -ra m. 'Floß'; < magy. bokor, 'Buscb, Stock, Bund'; skr. 
bükor, *^das Büscbel'. 

borduh, -ba; bord'ücb, -chä m. 'Sack, Haut'; < rum. burdiib, burdüf, 
'ganze Haut eines Tieres, in die etwas gebullt wird, Balg, Scblauch'. 

bosörka, -ky f. 'Hexe'; magy. boszorka, boszorkäny, 'Hexe'. 

bosorkün, -nä m. 'Vampyi-, der Tote'; < magy. boszor, 'der Toten- 
kopf'. 

brändza, -dzi f. 'Unkraut'; < rum. bräncä, 'Braunwurz, Bären- 
klau'. 

brendüsa, -si f. 'Crocus vernus'; bryndüsa, -si f. 'Crocus sativus'; 
brandüsi, pl. -iii, Crocus reticulatus, 'Frühlingssafran'; <rum. brändüsa, 
'Herbstzeitlose, Früblingssafrau, Crocus vernus'. 

brytnäl', bretnal', -ä m. <^ Brettnagel. 

büc , -cä m. 'scblecbt gebackenes Brot', bucö, -cä n. 'Apfel': 
buciuka, 'Apfelsorte'; < mbd. bütze, 'Masse, Klumpen, Brot'; »butz am 
Obst, Granatbutzen, Hagenbutzen« Grimm. Wb. 

budzük, -dzkä m. 'ein Stückchen, ein Bruchteil'; magy. buczok, 
'unförmiger Klumpen'. 

bühas, -sa m. 'ungepflegter, verwahrloster Wald'; < rum. buhäs, 
'junge Tanne oder Fichte mit struppigen Zweigen'. Tiktin stellt das 
rum. Wort zu rum. büfnitä, 'Eule, Uhu'; ngr. /.i/rovcfos', pol. puhacz; 
türk. buhäc, und will die neue Bedeutung vom wirren Kopfhaar des Uhu 
ableiten. 

bünkos, -sa m. 'Hammer'; pol. bunkosz, 'grobe Keule, auch grober 
Mensch'; < magy. bunkös, 'keulenförmig, kolbig, Knüttel, Knoteiistock'; 
bunkö, 'der Schlägel, die Keule, der Kolben'. 

burdöj, -ejä m. burdij, -ijä m. 'unterirdische Wohnung, Rauch- 
hütte'; < rum. bordeiu, 'Erdhütte'; 'durch Ausgraben des Erdreichs her- 
gestellter Raum, mit auf der Erde liegendem Dache; dient als Behausung 
sehr armer Bauern'. Vgl. ital. bordello, prov. frz. bordel usw., ursprüng- 
lich : 'schlechte Hütte'. 

busa, -si f. 'zylinderförmiges Gefäß zum Salzen der Fische'; < mhd. 
butsche, 'Salzkufe, Gefäß'. Dazu wird von R. Perusek A. 34 S. 35 
skr. büca, 'Kürbisflasche' gestellt und dabei Schmeller-Fr. I, 312/313 
angeführt: »die butschen, kleineres mit einer Handhabe und Deckel ver- 
sehenes Gefäß, in Form eines abgestutzten Kegels. Ehemals nannte man 



Beiträge zur ukrainischen Wortforschung. 351 

blitschen auch eine Art Gefäß, in welchen von den Salzstätteu aus das 
Salz verführt wurde (rahd. butze, butsche schf. Geftiß, Salzkufe). 

eyngel', -gl'a m. 'Häckchen'; < rum. cinghel, 'Hacken «^ türk. 
ceugel). 

cynhaköra, -ry f., syndyköra, cyndyköra, cinhaköra, 'gürtelartige 
Kleidungsstücke^; < rum. cingätöre, 'Gürtel, Gurt^ 

cyrka, -ky f. 'Bordüre an Bauernkleidern^ ; < mhd. ziere, zier; 
ndd. zire, zir, 'Schmuck, Zier'. 

cöra, -ry f. 'ungeschliflene , ungezogene Frau; Schimpfwort ; < rum. 
ciörä, 'Krähe, Spitzname der Zigeunerin'; vgl. zig. rotwelsch: tschor, 
'Dieb'. 

cüpka, -ky f. 'Kuß'; < magy. cupp, 'der Schmatz, das Schmätzchen'. 

cvy.st, -tu m. 'Zwirnpaar der Webgrundlage'; < ahd. mhd. zwist 
= twist (engl, twist), 'Geflecht, geflochtener Faden, Schnur, Strick; — 
Art Baumwollenstoff aus gezwirntem Garne'. Schade bemerkt, die Wort- 
gruppe wäre am entwickeisten im Sächsischen. 

cabak, -kä m. 'ein Fisch': < türk. (Alt. Tel. Les. Kas.) cabak, 
'kleiner Fisch', Ptadloff Wb. 

cäika, -ky f. 'Stehplatz am Ende eines Diieprflosses'; < türk. 
calkan, 'bewegt werden, hin und her geworfen werden, geschüttelt wer- 
den, von den Wellen hin und her geschleudert werden'. Vergl. russ. 
npH^ia-iiiTb 'landen'. 

capas, -öü m. 'Steg, Pfad'; < magy. csapäs, 'die Spur, die Fährte'. 

cemesyty, 'drücken, kneten'; < magy. csömöszolni, 'knetschen, 
zerquetschen, — zusammenpferchen'. 

cerköty, -iu pl. 'eine Art Sporren mit Schellen, die beim Tanzen 
benutzt werden'; < magy. csorgetö, 'die Klapper, die Schnurre'. 

ceten, -nä m. 'geflochtene Zaunwände, aus welchen die Umzäu- 
nung für die Schafe, der ah6i (zu M.T.E. 6 agel, 'Hürde') zusammen- 
gestellt wird'; < türk. (Alt. Tel.) cedän, 'der Zaun, die Hecke, gefloch- 
tene Umzäunung'. 

cynär, -arä m. 'Platanus'; < türk. (Osm. Kkir. Kur.) cynar, 'die 
Platane'. 

cynceryji pl. -iu, 'die Fesseln'; < magy. csincs^r, 'die Halsfessel, 
Halseisen'. 

cumiu, -m<5va m. 'Tabak in Blätterbündeln'; < magy, csoma, *der 
Sprosse, der Sprößling, der junge Zweig, das Keimpflänzchen'; esomag, 
'der Pack, das Bündel'. 



352 R- Stocki, 

cnvai, -iü m. 'ein größerer Sack'; zuM.T.E. 44 cuval, 'der Sack'. 

dädos, -sa m. 'Haupt einer Zigeunerbande'; < mag. däde, dädö, 
'alter Zigeuner'; zig. rotwelsch: dados. 'Anführer, Vatfer' (Kluge: Rot- 
welsch). 

daräba, -by f. 'Floß'; daräbcyk, -yka; m. 'ein Stückchen'; < magy. 
darab, 'das Stück'; darabos, 'stückig, aus groben Stücken bestehend'. 

döga, -gy f. 'Faßdaube'; < rum. doäga, 'Daube', vergl. serbokr. 
düga. 

facärnyj, -a, -e adj. 'diebisch'; < rum. fätärnic, 'heuchlerisch'. 

faj (im Fluche: »faj by mu!« 'Schmerz über ihn'); < magy. fäjni, 
'schmerzen'; fäjäs, 'das Schmerzen, der Schmerz, das Weh'. 

felel'uväty za koho, 'für jemanden bürgen'; < magy. felelni, 'ant- 
worten, zur Antwort geben, ^ — ^ für etwas verantwortlich sein'; felelos, 
'verantwortlich'. Daraus auch rum. felelui, 'verantworten'. 

ficka, -ky f. 'leichtsinnige Frau ; < magy. ficke, 'lebhaft, munter'. 

fi^ekeu, -eva m. 'junger Bursch'; < rum. fläcäü, mold. flec-, 'junger, 
heiratsfähiger Mensch, besonders aus dem Volke; Bursch, Junge'. 

folösyty sa, 'Glück haben' ; foiösyt' sa menl, 'es glückt mir'; <rnm. 
folös, 'Nutzen, Vorteil'; (zu mgr. (pü.üg für ürpeAog, indem xwcpeXog 
= To löcpelog als ro tpelog verstanden wurde. Tiktin R. D. Wb.). 

gäl'ir, -ra m. 'viereckige Kapuze an der cüha (Pelz)'; < magy. 
galler, 'der Kragen, Halskragen'. 

gard, hard, -du m. 'eine Reihe von Ver- oder Umzäunungen im 
Wasser zum Fischfangen'; rückentlehnt <rum. gard (ksl. grad^), 'Flecht- 
werk aus Zweigen, besonders Weidenruten, Zaun'. 

gäura, -ry f. 'winterliche Lagerstätte des Bären, Schlund, loses 
Maul'; < rum. gäurä, 'Lroch, Grube'. 

gyria, -ly f. 'großes Erdloch, Erdspalte'; < rum. ghörlä, 'Gefäng- 
nis, (Hunde)loch'. 

gogomän, -a m. 'Dummkopf, Schimpfwort'; < rum. gogomän, gu- 
gumän, 'einfältiger, alberner Mensch, Dummkopf, Tropf. Spitznamen 
der Rumänen von den Albanesen beigelegt. 

gorgän, -na m. 'Berggipfel'; rückentlehnt < rum. gorgän (<]^ ukr. 
kurhän <^ türk. kurgan) 'Hühnengrab'. 

gutka, -ky f. 'Auerhenne, Art wilde Ente'; < rum. götcä, 'Hasel-, 
Rot-, Auerhuhn'. 

gropa, -py f. 'Name einer Bergalpe'; rückentlehnt < rum. groäpä 
(ksl. grob-B), 'Grube, Grab'. 



Beiträge zur ukrainischen Wortforschung. 353 

gros, -SU m. "^Herde der trächtigen Mutterschafe'; < rum. gros, 
'dick, trächtig, schwanger' (lat. grossus). 

gurgül'a, -l'i f. 'Knorren'; gurguiät, -a m. 'Name eines Berges'; 

< rum. gurgaiä, 'anschwellen, sich wölben' ; gurguiälä , 'Anschwellung'. 

halahän, -na m. galagän, -nä m. 'alte 4 Kreuzer Münze, über- 
haupt alte Münze'; < rum. gologän, 'Kupfermünze, Zehnbanistück'. 

hal'avaty, 'das Schiff stromaufwärts am Seile ziehen'; < ital. alare, 
'am Seile ziehen'; frz. haier, 'ds.'; altnord. hala, 'ziehen' (Körting Et, Wb. 
4460); norweg. hale, 'ziehen, besonders an einem Tau'; <![ nd. halen, 
'ziehen' (Falk-Torp Et.Wb.). 

haratäty, 'wuchtig schlagen, grob zerschlagen'; < rum. häräti, 
'reizen, necken, — mit jemandem, plänkeln, Scharmützeln'; oder härtänl, 
'zerreißen, zerfleischen, zerfetzen'. 

hacä, -äty n. 'Fohlen'; < rnm. hatäs, 'Pferd, Roß'; ät, hat, 'Pferd'; 
<türk. at, 'Pferd'; atce, 'Fohlen'. M.T.E. 15. 

homök, -mka m. 'Erdhaufen, Hügel'; < magy. homok, 'der Sand, 
der Flugsand'. 

huzvä, -vy f. 'Eisenkette, die den Pflug mit den Rädern verbindet^; 

< magy. hüzvas, 'das Zugeisen'. 

jaläk, -ka m. 'Hundefuttertrog'; < türk. (Osm.) jalak, 'eine Holz- 
schüssel, Hundeschüssel'. Radioff Wb. III, 156. 

kacabäjka, -ky f. kacavöjka, -ky f. 'weibliche, gefütterte Jacke'; 

< rum. cataveicä, 'Pelzjacke mit Stoffüberzug, nicht anliegend, meist aus 
Fuchspelz, von Frauen getragen'. 

käjta, -y m. 'Ochse mit großen Hörnern'; <magy. kajla, 'krumm, 
abwärts gebogen, krummhörnig'. 

kälap , -a m. 'schwarzer Hut, mit breiten, nach unten gebogenen 
Krampen'; < magy. kalap, 'der Hut'; < csurgöra ällö, 'Hut mit abwärts 
gebogenen Krampen'. 

karäzija, -ziji f. 'einfaches Lodentuch'; < magy. karazsia, 'eine 
Art gemeines Tuch, zweimal gewalktes Tuch'. 

karmäk , -ka ; m. 'ein Fischereigerät , zum Fischfängen unter dem 
Eise: eine Schnur mit 5 — 6 Angelhaken. In Dobruca im größeren Maß- 
stäbe angefertigt mit bis 60 Haken'; <tüi-k. (Tel. Alt. Tub. Koib.) kar- 
mäk, 'der Haken, der Angelhaken'. Radioff IL B. 216. 

kap , -u m. 'eine Art Sack, in welchem gebrannte Leinensamen ins 
Butterfaß gelegt werden'; < türk. (Alt. Tel Leb. Schor.) kap, 'der Sack, 
Beutel, Tasche'. Radioff IL B. 400. 

Archiv für slavische Philologie. XXXV. 23 



354 R. Stocki, 

käpiu, -ova; m. 'Jagdhund'; kapövipsy, 'Jagdmeute'*; < mag. kapni, 
'packen, ergreifen, fangen, fassen'; kapö, 'zugreifend'. 

kapus, -sa; m. 'Käfer (Melophagns ovinus)'; <rum. cäpiisä, 'Schaf- 
lausfliege, Schafzecke (Melophagus ovinus)'. 

katlamä, -my; f. 'eine Hirtenspeise'; < türk. (Krm.Osm.) katlama, 
'ein dicker, aus Blätterteig bestehender Pfannkuchen' (Kas.); 'ein spiral- 
förmig gewundener Blätterkuchen aus Sauerteig'. Radloif, Wb. 11, 300. 

kavük, -ka; m.'ein Sack'; < türk. (Osm.) kavuk, 'etwas ausgehöhltes, 
leeres^ besonders die Blase'. Radioff, Wb. II, 4 70. 

kendyryca, -ci; f. 'Kukurudz'; < magy. kenderice, kenderike, 'der 
Hänfling, der Bluthänfling'. 

kysyr, -rjä; m. 'die frischgeborenen Schafe'; < türk. (Osm.) kysyr, 
'unfruchtbar' (Kir. Kas. Osm.-Bosn.) ; 'gelt, nicht geboren habend'. 

konfitüry, pl. -iu, 'Obstkonfekt'; < rum. conföturi, 'Konfekt, Zucker- 
werk'; <^ ital. confetto; ^ ukr. kunfety, kumföty, 'Konfekt'; werden 
eine direkte Entlehnung aus dem Ital. sein. 

kiäka, -ky; f. 'eine Art gemeinsamer Arbeit'; < rum. cläcä, 'Frohne, 
Robott'; <C serb. nsl. tiaka, 'Frohnarbeit'. 

köda, meist im plur. gebraucht: ködy, -iu, f. 'Hutbänder'; <rum. 
cödä pl. Code, 'Schwanz, Schweif, Zopf' (Etym. lat. cauda, 'Anhängsel'). 

koköna, -ny; f. 'Titel der Gutsbesitzerin (bukow.)'; <rum. cocönä, 
'Titel: gnädige Frau'; < griech. ■/.ov.öva. 

konarä, -y; f. Schafherde, die für das Schlachten gemästet wird'; 
<rum. canarä, 'Weide, wohin die alten Schafe zum Fettwerden ge- 
trieben werden'; <^ türk. (Osm.) kanara, 'Ort, wo man das Vieh tötet, 
das Schlachthaus'. Radioff, II. B. 111. 

kondäs, -a; m. 'Schweinehirt'; < magy. kondäs, kondäsz, 'der 
Schweinehirt, der Sauhirt'. 

kuhä, -hy; f. 'Teichpflanze'; < türk. (Ot.) kuha, 'die Binse, 
Binsegras'. 

küzba, -by; f. 'ein Haken, worauf der Kessel hängt, Dreifuß'; 
< rum. cujba, 'Kesselhalter, hölzerne Vorrichtung am Bauernherd: be- 
steht aus einer fixen Säule und einem auf derselben wagerecht befestigten 
drehbaren Stabe, an dessen freies Ende der Kessel gehängt wird'. Das 
rum. Wort ist nach Tiktin aus magy. gusba, 'ds.'; daraus entlehnt (?) serb. 
güzva, 'Flechte aus schlanken Reisern'; und ukr. kuzva, -y; f. 'ein aus 
Zweigen geflochtenes Band, Bindgerte'. Vergl. russ. ryact. 

kurkiir, -l'a ; m. 'Spitzname der ansässig gewordenen, landbebauen- 



Beiträge zur ukrainischen Wortforschung. 355 

den Kosaken am Schwarzen Meer'; < türk. (Osm.) korkul, 'sich fürchten'. 
Radioff, Wb. II. B. 566. 

kuräj, -ajü; m. 'Pflanze als Brennmaterial benützt'; < türk. (Kir.) 
kurai, 'eine Pflanze . 

kurbet, -tä ; m. 'Nachbar, Freund'; < türk. (Osm. < arab.) kurbät, 
'die Nachbarschaft, Nähe, Verwandtschaft, intime Freundschaft'. Rad- 
ioff, II. B. 963. 

kurmej, -ejä; m. 'Strick, Seil'; <rum. curmöiü, 'Strick aus Linden- 
bast'. 

kumän, -nä; m. 'Topf, Pokal'; < türk. (Kir.) kuman, 'Wasserkanne'. 

Hilfsmittel: 
Hrincenko: Slovär ukräjinskoji mövy. Kyjiu 1907. 
Zelechoüskyj : Malorüsko-nimöckyj slovar. L'wiu 1886. 
Radioff: Versuch eines Wörterbuches der Türk. Dialekte I — IV. 
Tiktin: Rumänisch-Deutsches Wörterbuch (A — P). 
Ballagi: Ungar.-deutsches Wörterbuch. Pesth. 1860. 

Leipzig. B. Stockt . 



Studien über slav. eh. 



Der slavische Laut ch, palatalisiert s, ist in vielen Fällen noch 
immer den Sprachforschern eine crux geblieben. Besonders gilt dies vom 
ch im Anlaut. Kaum ein einziges nicht entlehntes Wort mit diesem An- 
laut dürfte eine Erklärung gefunden haben, die von jedem Forscher ge- 
billigt worden ist. In den Fällen, wo c/i seinem Ursprung nach ganz 
klar ist, geht es auf idg. s nach i- und e<- Vokalismus und nach r und q 
zurück. Eigentlich kann also ein s nur in der vierten Stellung als Quelle 
für anlautendes ch in Frage kommen. In abg. chocliti 'gehen', das schon 
im Beginn der modernen Sprachforschung aus der idg. Wurzel ^sed- 
sich setzen' auch 'gehen' (ai. asad- 'hintreten, sich nähern') erklärt 
wurde, ist bekanntlich ch in Komposition mit den Präfixen pri- und u- 
entstanden. 

Das Wesentlichste von dem , was wir über Ursprung und Entwick- 

23* 



356 H. Petersson, 

luifg von slav. ch wissen , verdanken wir Holger Pedersen, welcher den 
Laut in seiner wohlbekannten Abhandlang, Das idg. s im Slavischen, 
IF.V, 33 — 87 behandelt hat. Pedersen hat auch in idg. qh eine zweite 
Quelle des slavischen cli finden wollen. Schon vordem hatte Kozlovskij, 
Archiv f. slav. Phil. XI, 3S3ff. an der Hand einiger aufgestellten Ety- 
mologien slav. eil- mit ai. //, griech. /, lat. //, germ. // gleichgestellt und 
dafür ein ursprachliches 7 angesetzt. 

Die Ansicht Pedersens , daß idg. qh zu slav. cli geworden ist, hat 
von Seiten einiger Sprachforscher Beifall gefunden, so z. B. von Meillet 
MSL. IX, 153, Etudes S. 174, von anderen dagegen ist sie energisch be- 
kämpft worden, trotzdem daß Pedersen KZ. XXXVIII , 388ff. neue 
Gleichungen zugunsten des Lautgesetzes aufgestellt hat und ebenda 
Bd. XL, 173 die theoretische Möglichkeit des Lautwandels durch sehr 
beachtenswerte lautphysiologische Erwägungen und durch zutreffende 
Parallelentwicklungen aus verschiedenen Sprachen talentvoll verteidigt 
hat. Unter den Gegnern Pedersens ist vor allen Uhlenbeck zu nennen, 
der IF, XVII, 9 5 ff. die von Pedersen aufgestellten Gleichungen samt 
und sonders zu beseitigen versucht hat. Das Erscheinen des Uhlenbeck- 
schen Aufsatzes fällt zwischen die beiden erwähnten Abhandlungen 
Pedersens in Kuhns Zeitschrift. Es ist zwar nicht zu bestreiten, daß 
mehrere von den Gleichungen, auf die Pedersen seine Lehre gestützt hat, 
entweder unrichtig oder wenigstens höchst problematisch sind, es bleiben 
aber immerhin einige übrig, deren Beweiskraft zu entkräften meines Er- 
achtens Uhlenbeck nicht gelungen ist. Vor allem gilt dies von Pedersens 
Gleichstellung von abg. socha, po-socha^ russ. sochä '^Hakenpflug'', jjo- 
soch 'Stab' mit lit. szaM, arm. ca.r, ai. clihlm^ neupers. mx 'Zweig, Ast , 
got. hoha 'Pflug'. Uhlenbeck erklärt slav. socha als 'abgeschnittener 
Ast' aus idg. *soksa und zieht es zu aisl. sax^ ags. seax^ ahd. sahs 
'Schwert, Messer', lat. saxum 'Felsenstück' zu lat. secäre 'schneiden 
usw. Hierzu bemerke ich zuerst, daß es doch etwas auffallend wäre, 
wenn die Sippe von ai. Qäkha^ die sich im Arischen, Armenischen, Bal- 
tischen und Germanischen vorfindet, nicht auch in dem zwischenliegen- 
den slavischen Sprachgebiete zu finden wäre. Die aus diesen Sprachen 
verglichenen Wörter sind auch alle klar. Arm. c ist zwar nicht der 
regelrechte Vertreter von idg. Z-, man hat aber auch darum den idg. An- 
laut mit kli- angesetzt. Bartholomae, Studien II, 41. Der Anlaut kh- 
könnte, was das Armenische betrifft, dialektisch gewesen sein, da ja 
sonst Aspirierung von idg. tonlosem Palatal in größerer Ausdehnung 



Studien über slav. eh. 357 

sicher nicht vorgekommen ist. Auch könnte man annehmen, daß im arm. 
cax ein unorganisches 6- vorgelegen hat, da es gut bezeugt ist , daß idg. 
sk zu arm. c wird. Brugmann Grdr.^ I, S. 548. In seinem etymologi- 
schen Wörterbuch der ai. Sprache s. v. ^äkJui bezweifelt Uhlenbeck den 
Vergleich von got. ItöJia, aber warum? Zur Entwicklung des Pfluges 
aus einem einfachen hakenförmigen Aste sind Schrader, Sprachvergl. 
und Urgesch. II2, 208f. und Meringer, IF. XVII, 121 zu vergleichen. 
Zu Uhlenbecks Zusammenstellung von slav. socha mit ahd. sahs ^ lat. 
sazum bemerke ich, daß es nicht untrüglich bewiesen ist, daß die Bedeu- 
tung 'Schwert, Messer' von germ. ^sahsa- eben aus ''schneiden' hervor- 
gegangen ist. Es kann sehr wohl sein, daß germ. ^aahsa- und lat. 
saxum auf ein idg. *tiaks-o- *^Stein' zurückgehen, so daß germ, *sahsa- 
eigentl. ein "^Messer aus Stein' bezeichnet hat. Vgl. die ganz analoge 
Bedeutungsentwicklung bei nhd. Hammer (awnord. hamarr 'Klippe, 
Fels'). Ist aber die Begriifsentwicklung bei germ. *sa/isa- in der er- 
wähnten Weise vor sich gegangen, dann muß der Vergleich mit slav. 
socha wegfallen, da man vom Begriffe 'Stein' unmöglich zu 'Ast, Pflug' 
kommen kann. 

Die Skepsis so vieler Forscher dem Lautwandel idg. qh zu slav. ch 
gegenüber beruht ohne Zweifel darauf, daß das bisher verglichene 
einigermaßen annehmbare Material allzu dürftig geblieben ist. Uhlen- 
beck gibt auch zu, daß er das Lautgesetz anerkennen würde, wenn un- 
zweideutige Beispiele gefunden werden sollten. Wenn der behauptete 
Lautübergang sonst fest stände, würde Uhlenbeck zweifelsohne nichts 
gegen die Gleichung socha : lit. sza/cä, ai. Qükliä nsw. haben. 

Im folgenden will ich einen Beitrag zur Lösung der Frage vom slav. 
ch geben, wobei ich teils neue Beispiele für ch aus qh beibringen will, 
freilich ohne die Hoö'nung zu haben, durch dieselben jeden Zweifelnden 
zu überzeugen , teils auch nachzuweisen versuchen , daß anlautendes ch 
in einigen Wörtern aus durch Metathese entstandenem ks sich entwickelt 
hat. Hierbei ist indessen zu bedenken, daß, wenn der Wandel von idg. 
qh zu slav. ch wirklich stattgefunden hat, man niemals hoffen darf, 
irgend eine größere Anzahl von Beispielen zu finden , da qh offenbar in 
der Ursprache ein verhältnismäßig selten vorkommender Laut war, 
wenigstens im Verhältnis zur entsprechenden Media, und außerdem sind 
es sonst nur vier Sprachen, Griechisch, Armenisch, Albanesisch und 
Arisch, die in bezug auf die Trennung von q und qh ausschlaggebend 
sind. Bekanntlich hat man die Meinung vorgetragen, daß idg. qh zu 



358 H- Petersson, 

lat. li wird. Es liegen aber für diese Entwicklung nur mehr oder minder 
vage Gleichungen vor. Eine derselben ist aber recht bestechend: lat. 
haheo^ ahd. hahen und alb. kam 'ich habe* (aus *khab-7tii). Auch abg. 
chabiti se, o-chahiti se 'sich enthalten*, o-chaha Volles Eigentum* hat 
man verglichen, während andere dagegen hierin Entlehnung aus germ. 
* haben- sehen. Kozlovskij a. a. 0. 386 hat lat. libum 'Kuchen, Fladen* 
mit got. Jilaifs^ abg. chl^b'b 'Brot* zusammengestellt unter Annahme von 
Urformen "^yleibho-^ *yloihho-. Holger Pedersen behält die Gleichung, 
natürlich unter Vertausch von yi mit qh. Walde Etym. Wb.2 S. 428 ver- 
gleicht llbum mit griech. /.lißavog 'Geschirr, in dem man buk* und er- 
klärt Ubum aus idg. *s-khbo-. Im Gegensatz zu Pedersen betrachten 
wohl die meisten Sprachforscher slav. chUb^ als Entlehnung aus germ. 
'^lilaiba-. Die älteren Ansichten bespricht Kluyver Tijdschrift f. nederl. 
taal- en letterkunde VIII , 2 54 ff., welcher zuletzt die Vermutung aus- 
spricht, daß got. hlaifs irgend einer unbekannten Fremdsprache schon 
sehr früh entlehnt worden sei. 

Meillet, Etudes S. 174 hat abg. 7?Zeib 'Glatze*, russ. pUcliänh^ cech. 
plechaty 'kahlköpfig* mit lit. pllkas 'glatzig* zusammengestellt und auf 
Grund von den slavischen ch^ s neben lit. k idg. *ploiqh- : *pliqh- als 
Wurzel angesetzt. Schon Holger Pedersen IF. V, 53 scheint denselben 
Gedanken über die Wörter gehabt zu haben. Meillet meint, daß wir 
darin eine auf das Baltisch-Slavische beschränkte Benennung für 'Glatze* 
haben. Es ist indessen nicht ohne weiteres ausgemacht, daß slav. pUch- 
mit lit. pllkas identisch ist. Lit. pllkas und pllke 'Kahlkopf, nackte 
Ebene*, pllnku, pllkti 'kahlköpfig werden* können nicht von pleikiü^ 
pleikti 'einen Fisch am Bauche aufspalten und dann breit legen*, at-si- 
platk-sti/ti' die Kleider auf der Brust oder Schulter lüften* getrennt wer- 
den. Urverwandtschaft muß ferner bestehen mit lit. ■jy^y^^s 'eben, bloß, 
kahlköpfig*, plijne und plelne 'kahle Ebene*, wozu norw. dial. flein 
'kahler Fleck*, Adj. 'kahl, nackt*, schwed. dial. flen 'nackt*, norw. dial. 
ßein 'kahler Fleck*^ Adj. 'kahl, nackt*, schwed. dial. j^en 'nackt*, norw. dial. 
ßeina 'entblößt, kahlköpfig werden* auch 'die Zähne zeigen, grinsen*, 
schwed. di\Si\.ßina 'grinsen, die Zähne zeigen*. Aisl.^e//??i 'Haken*, ags. 
j^tm 'Pfeil, Wurfspieß* zeigen, daß eine germanische Wurzel *ßi- 'spalten, 
sich spalten*, woraus 'sich öffnen, enthüllen, ofi"en stehen, entblößt sein 
angenommen werden muß. Diesen Begriffen stehen Bedeutungen wie 
'platt sein, ausplätten, ebnen, ausbreiten, zurechtlegen* sehr nahe. Dar- 
um muß auch mnd. vUgen 'ordnen, schmücken*, ags. gi-ßihan ordnen. 



Studien über slav. eh. 359 

passen^, mhd. vUhen *in Ordnung bringen" verwandt sein. Infolge des 
grammatischen Wechsels müssen die Wörter mit lit. phkas und plelkti 
usw. zusammengebracht werden. Die innerhalb der Sippe nachweisbare 
Begriffsentwicklung zeigt, daß die Bedeutung 'kahlköpfig' sehr wohl selb- 
ständig sowohl im Baltischen wie im Slavischen entstanden sein kann. 
Da wir noch zudem eine einfachere idg. Wurzel */j/e{- : *pU- ansetzen 
müssen , wäre es an sich denkbar, daß die slavischen Wörter durch das 
Determinativ -s, bzw. ein -AO-Suffix, daraus gebildet seien, oder es könnte 
auch mit einem vorslavischen *ploiq-so- gerechnet werden. Da wir in- 
dessen mit einem Grundbegriffe 'sich öffnen, sich spalten' rechnen dürfen, 
kann man auch heranziehen griech. rcXioaco 'schreite, ausschreite, weite 
Schritte machen, die Beine auseinander sperren' (Od. VI, 318: ei) de 
jtlloooi'To Ttodeoaiv 'wohl schritten sie zu mit ihren Beinen', von tra- 
benden Maultieren), TcXiyctQ^ -ädog F. 'die Stelle zwischen Hüften und 
Schamteilen, die sich im Gehen reibt', nXiyoo,^ -eog N. 'dass.' (Schol.); 
(avöua) öiaTteTtlixög 'offenstehend', Hippocr. Hierdurch bietet sich die 
Möglichkeit, das von Meillet angesetzte idg. qh auch im griech. x wieder- 
zufinden. Ich glaube darum, daß wir für slav pUch-^ griech. rcliy-, lit. 
plikas, pletkfi, mhd. vll//en usw. tatsächlich eine idg. Wurzel *pleiqh- 
: *ploiqh- anzusetzen haben. 

Russ. say^ 'Schritt', kigäth, sagnüth 'schreiten', klruss. sahati'-wan- 
dern' gehören wohl zu kslav. hga evTQccTrella^ 'scurrilitas', segati, se- 
govati 'iocari', scgav^ [jazykotm) '^evi-ieräßolog yXcooorf, nbulg. Sega 
'badinage, plaisanterie, facetie', segovilrt 'badin, plaisant, facetieux' se- 
guvam se 'badiner, plaisanter'. Die Bedeutung 'scherzen' muß dann aus 
'hüpfen, springen' hervorgegangen sein, wie eben in nhd. scherzen (mhd. 
scherzen 'fröhlich springen, hüpfen, sich vergnügen') zu ai. kürdati 
'springt', griech. oy.aiqw 'springe, hüpfe, tanze', o/.iQvdoj 'hüpfe'. Auch 
lat. scurra 'Spaßmacher, Witzbold, Stutzer', woraus scurrilitas^ gehört 
bekanntlich in dieselbe Sippe. Vgl. noch aisl. leika., schwed. leka 
spielen' zu got. /a«7;aw 'springen, hüpfen', ags. läcan 'springen, fliegen, 
schwimmen', mhd. leichen 'aufspringen', lit. läigyti 'wild herumlaufen', 
ai. rejate 'hüpft, bebt'. Das Russische hat also die ursprüngliche Be- 
deutung treuer als das Bulgarische oder Slovenische bewahrt. Ich ver- 
gleiche nun slav. seg- mit ai. khänjaU 'hinkt', khanja- 'lahm', khah- 
jana- M., khanjarlta- M. 'Bachstelze', air. cingid 'schreitet', ahd. hinkan^ 
nhd. hinken, ags. helle-hinca ' Teufel'. Hiernach geht slav. seg- über 
*ch'eg- auf idg. *q/ie?ig- oder *qhng- zurück. Russ. sag^ aus idg, 



360 H. Petersson, 

*q/ie^ao- {-n-) steht in regelrechtem Ablautsverhältnis zu ai. khanj'a- 
aus idg. *g/iof^ae-. 

Russ. sesf^^ klruss. sost 'Stange^ kommt zwar in keiner anderen 
slavischen Sprache vor. Trotzdem finde ich nichts, was uns hindern 
könnte anzunehmen, daß wir darin ein uraltes Wort haben. Daß es ent- 
lehnt sei, ist nicht erwiesen. Ich glaube darum, daß es zu etymolo- 
gischen Zwecken sehr wohl verwendet werden kann. Ich verbinde sesf^ 
mit ai. khidäti "^reißt, stößt, drückt', kheda F. ^Hammer, Schlägel', wo- 
zu mit übertragener Bedeutung khedayati belästigt, beunruhigt, ermüdet', 
kheda- M. "^Müdigkeit, Erschlaffung'. Hierzu stellt man lit. skedziu 
"^schneide', skedrä 'Span', lett. skaida '^dass.', während ai. chid-^ chi- 
nätti "^spaltet' und av. sid- ""spalten' auf eine Wurzel mit Palatal zurück- 
gehen. Man hat also neben idg. *s-q]teid- eine Wurzel *skeid- anzu- 
nehmen. Griech. oy^iLio ^spalte^, üyj^ri 'Splitter', oxivöalf.i6g 'Schindel, 
Span' stammen zweifelsohne aus idg. *sqlnd-. Lat. sci?ido, -ere 'schlitzen, 
zerreißen, spalten' ist zweideutig. Ich erkläre nunmehr russ. ses/^ über 
*c]ihsU aus dem partizipalen idg. *qMd-to- eigentl. 'Losgerissenes, Ge- 
spaltenes ; losgerissener Zweig'. 

Kslav. po-cliijH 'gekrümmt, gebogen, EV'/.a^iTci]q ^ ETtiyQvrtog^ 
repräsentiert eine über das ganze slavische Sprachgebiet verbreitete 
Sippe: russ. cÄ^7yy 'schwach, schwächlich, welk', c/i'ÄVb 'niederbeugen, 
krümmen', poln. chijlic 'neigen, beugen, bücken', schijl 'Neige', po-cltyly 
'schief, abschüssig, gekrümmt, geneigt, abfällig, niedrig', cech. cliyly 
'geneigt', sloven. liil 'krumm, gebogen', serb.-kroat. alt ä///;'«' 'beugen, 
krümmen, quälen', ^n-/«7 'humilis', bulg. Inlen 'besorgt'. Daneben liegt 
eine verwandte Sippe mit n: russ. dial. chinuthsja 'sich beugen, biegen', 
poln. chynqc 'neigen', po-chynqc 'stolpern und fallen'. Die Hochstufe 
zu slav. chyl- findet sich in sloven. huUti 'biegen, neigen', pri-hüliti ae 
'sich anschmiegen, sich ducken', pri-liüljen 'nach vorwärts gebeugt, ver- 
stellt, tückisch^, cech. chouliti 'winden, neigen' u. a. 

Gustav Meyer Etym. Wb. der alb. Spr. 45 7 f. vergleicht alb. nii^ 
huh 'erniedrige, demütige', unem^ hunem 'bücke mich, beuge mich, de- 
mütige mich', dial. skut. ul^ ul'em 'dass., ulem 'sitze' unter Annahme, 
daß der Anlaut ein idg. 5- war. Nach Holger Pedersen IF, V, 64 war 
derselbe jedoch vielmehr idg. qs oder qh. 

Nach meiner Ansicht sind ferner hier anzureihen cech. sury^ soury 
'schief', poln. szurny 'dass.\ Mit diesen Wörtern kann ai. khora- 'hin- 
kend' (Käty. gr. S. 22, 3, 19, Läty. S, 5, 16, Gaut. 28, 6) zusammen- 



* Studien über slav. eh. 36 \ 

hängen. In bezug auf das Begriflliche ist nichts gegen die Zusammen- 
stellung einzuwenden. Der Begriff 'lahm, hinkend' wechselt häufig mit 
""schief, gekrümmt'. Man vergleiche die Beispiele, die Lid^n KZ. XL, 
262 beigebracht hat. Nach Ausweis des altindischen Wortes wäre also 
eine Wurzel mit dem Anlaute qh- anzusetzen, sofern nicht kJiora- mittel- 
indisch für *ksora- steht, was mir indessen im höchsten Grade unwahr- 

V 

scheinlich scheint. Cech. hü'ij, bourtj geht über *ch'ur^siui idg. *q/iewo-, 
woneben ai. khora- aus idg. *qhotiro- zu erklären ist. 

Cech. .cAwröJü.y 'krank, siech; mager, kränklich' (tZ/wrar^^e 'siechen', 
churaviti'^ahiöiQVL^ churavost^ cÄMroi^ 'Magerkeit'] steht in begrifflicher 
Hinsicht ganz nahe an russ. chvörij 'kränklich', chvoratb 'kränkeln', 
c/worh, chvorosth 'Krankheit', klruss. cJwöryj\ c/^or j/;"krank'; cech. alt 
chvory, heute chory 'siech, kränklich, schwach, krank', chorovaty 'krank 
sein', poln. chöry 'krank', cJtorovac 'krank sein, leiden', ndsorb. chöry 
'krank', polab.cA'MÖVe 'häßlich, garstig, unsauber', cA'w'orac 'böser Feind, 
Teufel'. Daß auch churavy usw. mit dieser Sippe zusammengehören 
muß, ist klar. Indessen ist der lautliche Zusammenhang kein unmittel- 
barer. Matzenauer Listy filologicke a paedagogicke VIII, 6 hat die Sippe 
von russ. chxöryj mit av. :rüara- M. 'Wunde, Verwundung', ahd. sweran 
'wehe tun, schmerzen; eitern', sioero, mhd. aicer 'leiblicher Schmerz, 
Geschwulst', nhd. Geschivür, ScJncäre zusammengestellt. Jedoch ist 
gar nicht einzusehen, warum idg. s- zu slav. ch- geworden wäre. 

Es muß anerkannt werden , daß cech. churavy in bezug auf das 
Lautliche viel näher an sury^ soury steht. Man kann sagen, daß cJcu- 
ravy gewissermaßen eine Mittelstellung zwischen cech. sui-y und russ. 
c/wöryj usw. einnimmt. Abg. cliyra 'debilitas', wozu klruss. cliyryj, 
russ. cliirxjj 'krank, sieclj^, cTärh (prov.) 'die Krankheit, das Siechtum' 
n. a. weisen auf eine Urform, die Schwundstufe sowohl zu cech. churavy 
wie russ. chvöry sein kann. Ich bin auch überzeugt, daß sämtliche diese 
Wörter zusammengehören. Sie können nämlich sehr leicht aus einer ur- 
sprachlichen dreisilbigen Bildung *qheuoro- erklärt werden. Aus der- 
selben entstanden unter verschiedenen Betonungsverhältnissen sowohl 
vorslav. *qJmoro- in russ. cJivöryj usw. als die schon früher angesetzten 
Grundformen *qheiiro- und *qJwuro-. Daß wir hier ein -ro-Suffix an- 
nehmen müssen, braucht kaum bemerkt zu werden. Zum Begrifflichen 
ist auf ags. craiic 'schwächlich, gebrechlich', nhd. krank zu eng. crank 
'Krümmung', crankle 'sich schlängeln', crinkle 'Biegung' zu verweisen. 

Wir können nunmehr von einer idg. Wurzel *qJieue~ 'schief sein 



362 H. Petersson, * 

oder ähnl/ aasgehen. Die reine unerweiterte Wurzel mag vielleicht in 
russ. prov, cliimth (vom Winde) 'das Wasser leicht bewegen, kräuseln^ 
vorliegen. Das Wort wäre dann aus der Schwundstufe *qhü[u)- ent- 
standen. Ich möchte auch fragen, ob nicht arm. xev *^stolto, töricht' ver- 
wandt ist. Es wäre dann aus idg. ^qheuo- eigeutl. "^gedreht, verdreht'. 
Vgl. schwed. mV/ew Verschroben, verrückt' zu v^^Wa 'drehen'. K\. pra- 
hvas 'geneigt, gebogen, demütig' ist, soviel ich weiß, noch unerklärt. Ich 
zerlege es in pra- und -hvas. Ob letzteres Kompositionsglied für -khvas 
steht? Man kann ferner auch daran denken, griech. ;^wAog 'hinkend' in 
die Verwandtschaft hineinzuziehen. Sonst wird es verbunden mit ai. 
hval-, hvärati 'geht schief, strauchelt', av. zharaHi 'geht krumm' (idg. 
glniel-)^ wonach /wAog aus ^xj-ioXög entstanden wäre. Jedoch wäre 
wohl aus ;j/ vielmehr r/) geworden. Mit ai. Ä/l7<ä/a?'e 'strauchelt, geht fehl', 
arm. sxalem 'dass.' kann es nicht zusammengestellt werden, weil zu 
diesen Wörtern notwendig griech. OfpdlXio 'bringe zu Fall', Med. 'täusche 
mich' gehören muß. Es liegt somit diesen eine idg. Wurzel *s-qiihel- 
zugrunde. Dagegen kann xioXog sehr wohl aus einem idg. *q/tö[u]-lo- 
hervorgegangen sein. Das / des Wortes kann mit dem in slav. c/iyl- 
gerade identisch sein. 

Russ. macliäth (Präs. tnachäju oder masü] 'schwingen, schwenken, 
wedeln, sich fächern, winken mit', poln. machac 'schwingen, hin und 
her bewegen', cech. mächati^ nsloven. mahati, mahnoti 'schwingen' 
ziehe ich zu griech. fxäin^iai 'kämpfe' (Hom.), att. i.ia%ovi.ica 'dass.', 
[iciyirj 'Streit, Schlacht', i.iayj]Trjg 'Krieger'. Viele Erklärungen sind für 
die griechische Sippe versucht worden. Man hat vermutet, daß die Grund- 
bedeutung von i^Lciyo(.iai 'schneiden' oder 'hauen' war und hat im An- 
schluß daran Verwandtschaft mit lat. macto^ ^äre 'schlachten ; durch ein 
Opfer verherrlichen' gesucht. Fick BB. III, 162, Froehde BB. VI, 173, 
Wiedemann BB. XXVUI, 66. Es ist indessen zum mindesten unsicher, 
ob lat. macto auf eine Grundbedeutung 'schneiden, hauen' zurückgeht. 
Walde Etym. Wb.2 s. v, sieht darin zwei verschiedene Wörter. Mit 
Froehde KZ. XIV, 454, FickWb.m, 197 vergleicht er macto 'schlachte' 
mit got. mekeis^ aisl. mcekr ^ asächs. maki, ags. 7Jiece 'Schwert'. Man 
vergleiche jedoch Feist, Etym. Wb. der got. Spr. S. 192^\ Griech. f-iä- 
XatQct 'Messer, Schwert' kann unmöglich als Beweis dafür vorgetragen 
werden, daß fiä^of-iai. 'schneiden, hauen' bedeutet habe. fiäyaiQa ist 
gar keine ursprüngliche Bildung, sondern ist erst vom Verbum aus- 
gegangen. Das Wort ist also genau angegeben s. v. a. 'Waffe, womit 



Studien über slav. eh. 363 

man streitet'. Von vielen wird .««X'') ^^^ 'Handgemeng' aufgefaßt und 
zu ah.d. me^^gen^ ags. mengan 'mischen' gezogen. Danach wäre also « 
aus ^ entstanden. Diese Erklärung ist in begrifflicher Hinsicht recht 
ansprechend, vgl. z. B. frz. melee. Die angesetzte Wurzel *mengh- 
schwebt indessen in der Luft, da ahd. mengen zweifelsohne mit lit. mhi- 
kau^ minkyti 'kneten', abg. 7nek^k^ zusammenhängt. Durch Ansatz 
einer Wurzel *7ji€tiqh- kann die Zusammenstellung auch nicht gerettet 
werden, denn zu lit. minkyti usw. gehören auch griech. (.läooio 'knete 
{aus *|(iax-tw), f.iay.aQia' ßgco/iia Iv. Ccof.iov -/.al aX(puov Hesych). 

Fick BB. XXVI, 320 hat bezüglich ^läyof^icu amt xeiQoiiaxai, den 
Namen der Handwerkerpartei in Milet, aufmerksam gemacht. Er deutet 
dieses Wort als 'mit der Hand wirkend' und findet in bezug auf die Be- 
deutung ein Gegenstück dazu in dem homerischen Maxcccov s. v. a. 'der 
Wirksame, der Wirkende'. Hiernach sucht Fick Anschluß an f.ifiXog, 
^T^xccvfi usw. (idg. *mägh-'.*mdgh- 'vermögen, können'). Die An- 
schließung von ysiQoiiäyui dürfte ganz sicher richtig sein und die von 
Maxacoi' jedenfalls höchst wahrscheinlich, die weitere Anknüpfung an 
f-ifixog aber hält nicht stich. Weder aus dem Begriffe 'wirken' noch 'ver- 
mögen, imstande sein' läßt sich die Bedeutung 'streiten, kämpfen' gut 
erklären. Dagegen lassen sich sowohl 'streiten' als 'wirken , tätig sein' 
aus einer Grundbedeutung 'sich heftig bewegen, beweglich sein' ohne 
Schwierigkeit erklären. Man vergleiche für 'wirken' z. B, ai. cestaü 
'sich regen, zappeln; sich abmühen, geschäftig sein, etwas betreiben'. 
Es wird aus der Verwendung von (.lüx^oS^ai hervorgehen, daß es in be- 
stimmten Fällen dem deutschen fechten recht genau entspricht. Es 
wird verwendet vom Zweikampf einzelner Streiter, vom Kampfe zwischen 
einem Menschen und einem Tiere oder zwischen zwei Tieren. Auch 
vom Wettkampf oder dem Faustkampf wird es gebraucht. Vgl. nv^ 
f-iäy^eo&ca (IL XXIII, 621). Ohne Zweifel bezeichnet das Verbum, wie 
man angenommen hat, ursprünglich Handgemeng. In Ausdrücken wie 
7ieXeY.eoaL, xsiQSoaL {.läxEoS-ai 'mit Äxten , Händen kämpfen ist die 
Verwendung des Wortes sicher älter als in TÖ'^oig /.laysad^cu 'mit Bogen 
kämpfen'. 

Das d.Qi\tsche> ftic/iteln (z. B. tnit de?i Armen fuchtel/i) , das mit 
fechten verwandt sein wird, steht der Bedeutung von russ. machdtb ganz 
nahe. Schwed. fiikta bedeutet nicht nur 'kämpfen, streiten', sondern 
auch und ursprünglicher 'fuchteln' (z. B. fiikta med armarna 'mit den 
Armen schwenken, fuchteln'). Russ. machätb bezeichnet immer große 



364 H. Petersson, 

und heftige SchwinguDgen. Es dürfte im Worte sogar ein Anstrich von 
Drohendem oder Feindlichem liegen. Es ist der stehende Ausdruck für 
das Schwingen einer Waffe [vsmachnütb toporöm^ medem). Man kann 
sagen t72ach?iüth ruhöju^ aber absolut nicht machnüth pahcem. Das 
Winken mit dem Finger he\ßt pomänith pahce?)?. 

Wenn meine Auffassung von uüyeGd-ccL richtig ist, muß es also 
eigentlich 'das Schwingen der Waffe^ bezeichnet haben, und der Aus- 
druck TteXi-KBOOL f.iü%eo^aL wäre also mit russ. namachnüth toporöm 
gewissermaßen vergleichbar. Erst nachdem die Vorstellung von Feind- 
lichkeit vollständig in den Vordergrund getreten war, könnte ^icr/ea^ai 
auch von Streit in der Ferne [rö^oig) verwendet werden. 

Man vergleiche zum Begrifflichen noch griech. nöXeuoq 'Krieg* 
neben yT£7.6/</cw 'schwinge, schwenke', >T£/£«</Co,t/ai 'erbebe', rcuklio 
'schüttele, werfe, lose', jta'/.uög 'das Zucken, Vibrieren eines Gliedes'. 
Auch TtcO.aito 'ringe, kämpfe' (Hom.), äol. rr«Ä«;/<t 'dass.', rra/»^ 'Ring- 
kampf* (Find.) gehören natürlich in diesen Zusammenhang. Lat. dimi- 
cäre 'fechten, kämpfen' ist sicher aus *dis-micäre zu micäre in der Be- 
deutung 'zappeln, zucken' entstanden. Waldes Zagen (Etym. Wb.^ s.v.) 
finde ich ganz unberechtigt. 

Aus diesen Beispielen dürfte hervorgehen, daß die Zusammenstel- 
lung von russ. machäth mit f-iay^of^icci in begrifflicher Hinsicht recht wohl 
durchführbar ist. Da auch slav. ch und griech. / unter beider Zurück- 
führung auf idg. qh identifiziert werden können, wird einer, der die 
Sache unbefangen beurteilt, gegen diese etymologische Verknüpfung 
nichts einwenden können. Ich glaube wenigstens noch ein verwandtes 
Wort heranziehen zu können. Npers. mayulan 'sich bewegen, kriechen' 
kann nämlich verglichen werden. Es wird besonders von sich lebhaft 
bewegendem Ungeziefer wie Flöhen und Läusen verwendet. Die ge- 
nauere Bedeutung des Wortes ist also 'zappeln, sich zappelnd fort- 
bewegen und ähnl.'. Paul Hörn, Grundr. der iran. Phil. I, 2 S.66 hat 
betreffs mayulan auf die altindische Wurzel makh- (Dhätüp. I, 136), 
welche der Kategorie der ^rt/a?<- Wurzeln angehört, verwiesen. Man 
kann auch daran denken, ai. makhä- 'lustig, ausgelassen', M. 'Freuden- 
bezeugung, Feier (Preis, Opfer)' heranzuziehen. Damit ist bekanntlich 
griech. /f«/Aog 'geil, üppig' (Hesd.) verglichen worden. Die Bedeutungen 
der beiden Wörter lassen sich unschwer aus dem für uaxof.iai, mac/täfb 
angenommenen Grundbegriff erklären. Andererseits aber könnte es auf- 
fallen, daß die Grundbedeutung in zwei verschiedenen Sprachen so nahe- 



Studien über slav. eh. 365 

stehende psycliologische Begriffe neuentwickelt hätte; denn daß wieder 
bei der fraglichen Wurzel schon in der indogermanischen Ursprache ein 
psychologischer Begriff entwickelt wäre, der ins Griechische und Alt- 
indische hinein fortgelebt hätte, ist recht wenig wahrscheinlich. Vor- 
läufig wenigstens möchte ich deshalb die Frage offen lassen, ob ai. 
makliä- und griech. fiayj.ög tatsächlich der zusammengebrachten Sippe 
angehören. 

Soweit nunmehr das zur Vergleichung zu beanspruchende Material 
zusammengetragen ist, kann man eine idg. Wurzel *mäqh- *^(sich) hin 
und her bewegen, flattern, schwenken, schwingen und ähnl.' aufstellen. 

Russ. po-chäbith Verderben, verwöhnen' gehört einer weitverbrei- 
teten slavischen Sippe an: kslav. chahl'u., r/<aitV/ Verderben', chahem 
'elend', /jo-o/mi^ "^töricht', klruss.o-c/m5?/^t/ Verderben', o-chahlenyj^xm- 
brauchbar; garstig; vermaledeit', bulg./ioi'^,ü-/?a5Werderbe', serb.-krt. 
habam, Aa^a^e 'beschädigen ; ein Kleid auftragen', veraltet /uibifi%e- 
schädigen, verderben', /m5a 'Schaden', sloven. häbwi, //äbifi'^hesch.ä,- 
digen, verderben, schänden', cech. o-clnibiti 'schlaff, kraftlos machen', 
o-chäbnouti 'schlaff werden', ochahly 'mutlos, feige', chahy 'schlaff, 
■welk, feig, matt', po-chaby 'wahnsinnig'. 

Zu dieser Wortsippe ziehe ich griech. y.cocpög 'gelähmt, stumpf, 
stumm', ■/.£-/,a(pr]6Ta [d-vi-iöv] 'verschmachtend, versagend' (Hom.), /e- 
x/^f/)»;»/* r£i9'>^/jx£v (Hesych). Dazu auch 7.j^f/)7jr 'Drohne'. Diese Sippe 
stimmt begrifflich mit der slavischen ganz ausgezeichnet zusammen. 
Lautlich lassen sie sich indessen nur durch den Ansatz einer idg. Wurzel 
*qhebh- : *qhöbh- : *qh9bh- vereinigen. Daß die Wurzel schwer war, 
zeigt natürlich y.ezacpi^ova. Fick hat GGA. 1894, 239 mit den griechi- 
schen Wörtern lat. hebeo^ -ere 'stumpf sein', hebes, etis 'stumpf' (in sinn- 
licher wie geistiger Bedeutung) zusammengebracht. Dabei kann die 
Wurzel mit anlautender aspirierter Media angesetzt werden. Das kurze 
Wurzel-e der lateinischen Wörter steht indessen der Zusammenstellung 
im Wege. Ich möchte nun fragen, ob nicht das kurze e auf analogischer 
Neubildung in der Ursprache beruhen könnte, in dem man die Wurzel- 
form mit e mit den dehnstufigen Formen leichter Basen gleichgestellt 
und demgemäß eine Normalstufe neugeschaffen hat. Ferner kann man 
sich fragen, ob nicht in liebere h aus idg. qlt entstanden ist. Das oben 
erwähnte und in anderem Zusammenhang eingereihte arm. xev 'töricht 
könnte dann auch verglichen werden. Sein v kann sehr wohl auf idg. 
bh zurückgeführt werden. Wir würden also ebenfalls hier eine leichte 



366 H. Petersson, 

Wurzelform *qhehh- haben. In begrifflicher Hinsicht ist die hier vor- 
geschlagene Eingliederung von xev noch viel besser als der Versuch zur 
Erklärung, den ich oben gemacht habe. 

Mit '/.iocpög, chahiti läßt sich auch arm. xuuf (-?', -iv) 'sick, sickly, 
unhealthy, infirm' zusammenbringen. Daraus xautanal "^to be sick, to 
be iir, das zusammengesetzte xaufa-mit 'stupid, foolish, simple, duU ; 
inconsiderate, thoughtless, silly' mit xaufamtu^iun 'stupidity, dullness, 
foolishness, silliness^ Die idg. Grundform von xaut kann ^qlidbh-t- 
gewesen sein, woraus zunächst *qJidpt-. Gewisse Konsonanten, u. a. k 
und /), verwandeln sich mitunter vor verschiedenen Konsonanten in 
vorarm. %, das mit einem vorangehenden a zum Diphthongen au 
wird. Siehe Holger Pedersen KZ. XXXIX, 348ff., Liden Arm. Stud. 28. 
Als Beispiel mag arm. naufi (aus idg. '^näqV^h-t-] zu griech. vrjcpiOj nhd. 
nüclitern genannt werden. Arm. xaul (-^, -ac) %olish, mad, senseless, 
inconsiderate , rash' dürfte auch verwandt sein. Es kann aus idg. 
"^qhdbh-lo- entstanden sein. Bedeutung wie in cech. pochahy Vahn- 
sinnig\ 

Keine ganz überzeugende Erklärung ist bisher für die nachstehende 
Sippe gegeben: abg. chranq r//ra«/// ""behüten, bewahren", kslav. chrana 
'Speise, Nahrung", russ. choröna 'Schutz, Schutzmittel", choronith^ po- 
choronith 'verbergen, begraben", serb.-kroat. Jiräna 'Nahrung", lircinlm^ 
Iircmtti'' nähren^ bewahren", cech. chrana 'Zufluchtsort", o-c/^rawa' Schutz, 
Schinm, Obhut", poln. alt c/irowa 'geschützter Platz", /jo-c/^ro?«« 'Zufluchts- 
ort", chronic 'bewahren, schonen, schützen". Matzenauer und Torbiörns- 
son haben die Sippe zu lit. szeriti., sce'r/'? 'füttern", ^a-62:rtras' Viehfutter" 
gezogen. Diese Kombination läßt sich aber nicht durchführen, weil in 
den slavischen Wörtern der Begriff 'schützen" unbedingt primär ist. Lit. 
szerti gehört, wie bekannt, mit griech. /.oqivvvai 'sättige', 'aö^oc, 'Sät- 
tigung" zusammen, woraur sich eine idg. Wurzel *ker- 'füttern" ergibt. 
Holger Pedersen IF. V, 65 hat chrana mit griech. y^TSQag 'Besitz, Ver- 
mögen", xT€Q£a 'Ehrengaben an die Verstorbenen" verglichen. Auch 
diese Zusammenstellung überzeugt nicht. Die frühere Verbindung mit av, 
haraHe 'behütet sich, bewahrt sich vor", ha'"rya,^fi 'hat acht, behütet, 
lat. servo, -äre "erretten, erhalten" ist wegen der ganz genauen begriff- 
lichen Übereinstimmung viel plausibler. Indessen bietet slav. ch für s 
nicht geringe Schwierigkeiten. Da somit die Frage vom Ursprünge des 
slav. *chorna noch offen steht, mag hier einer Vermutung Raum gegeben 
werden. Im Rigveda gibt es ein an mehreren Stellen belegtes Wort 



Studien über slav. eh. 3g7 

chardis- N. "^Schirm, Schutzwehr^, das noch nicht genügend erklärt wor- 
den ist. Es gibt ein daran anklingendes Wort chadü- 'Decke, Dach' zu 
chädayati "^bedecken', chauna- "^bedeckt', chadman- N. "^Verhüllung, 
Verstellung, Schein, Betrug, Hinterlist^ Graßmann Wb. zum Rigv. 462^ 
drückt die Vermutung aus, daß man chadis- für chardis- zu lesen habe, 
weil an allen entscheidenden Stellen das Wort Kürze der ersten Silbe 
haben muß. Das r sei von spcäteren Redaktoren mißverständlich in das 
Wort eingesetzt. Dieselbe Meinung vertreten Boehtlingk-Roth, Wb. und 
Oldenberg, Die Hymnen des Rigveda, metr. u. textgeschichtl. Proleg. 
S. 478. Dagegen ist Bartholom» für Ursprünglichkeit von chardis- 
eingetreten. In seinen Studien zur idg. Sprachgeschichte II, 58 Anm. 
hebt er hervor, daß chadis- "^Decke, Wagendecke' ganz anders als char- 
diü- "^Schutz' ist. Wo chardis- im Metrum iambisch ist, will er eine dia- 
lektische Form *chaclis- oder *chrdis- (a. a. 0. I, 47) einsetzen. In 
ZDMG V, 312f. gibt ihm später Oldenberg in der Hauptsache Recht und 
meint also, daß man zwischen chardis- und chadis- unterscheiden muß. 
Wackernagel, Ai. Gramm. S. XII, Anm. stimmt hierin völlig bei. 

Nach einer alten Annahme soll chardis- mit got. skildus '^Schild' 
verwandt sein, welche Kombination sowohl Wackernagel wie BartholomjB 
aufrecht erhalten. Doch ist dieselbe ganz unmöglich, weil bei skildus 
der grundlegende Begriff nicht "^schützen' ist. Vielmehr bedeutet das 
Wort ganz einfach ""Brett oder ahn!.' Siehe z. B. Feist, Etym. Wb. der 
got. Spr. s. V. In seinen Arischen Forschungen III, S. 35 stellte Bartho- 
lomse cJiardis mit jav. kdrddus- 'Schutz, Hilfe, Beistand' zusammen, was 
sehr ansprechend scheint. Av. k gegenüber ai. ch ist dann am ehesten 
durch Annahme eines idg. Anlautswechsels q- : qh- zu erklären. Ganz 
unbestrittene Beispiele dafür, wie im Altindischen qh vor e oder i be- 
handelt worden ist, dürften kaum vorliegen, aus der Behandlung von </, 
9)-, (ph in derselben Stellung aber kann man erschließen, daß qJi zu ch 
werden müßte. Vgl. Bartholomse, Studien II, 54 ff., E. Kuhn, KZ. XXV, 
327. Ich erschließe somit aus ai. chardis- eine idg. Wurzel "^'qherd- 
'schützen'. Ferner erkläre ich nun aus derselben urslav. *chortiä^ 
*chormü. Da ein Dental im Urslavischen vor Nasal fällt, kann "^chorna 
folglich aus idg. *c^]iord-nü erklärt werden. Die weitere Bestätigung 
einer Wurzel *q{h)erd- "^bewahren' bleibt abzuwarten. 

Folgende slavische Sippe ist noch unerklärt: kslav. salj'em "^furens' 
[bogomh saljem '^d^eörclri'/.Tog, dsemonio correptus', russ. sah 'Mutwille, 
Ausgelassenheit', salhnöj 'unsinnig, dumm', salith 'ausgelassen sein, 



368 H- Petersson, 

Dummheiten machen^ poln. szal *^heftige Gemütsbewegung, Anfall von 
Raserei; Wüten, Rasen, Toben', szalec Vasen, tollen, wüten, verrückt 
sein', szalic 'verrückt machen', sloven. sala "^Scherz', saliti se *^scherzen', 
salj'iv 'scherzhaft', wruss. sul 'Wut', sal' 'Torheit', sahj 'Possen' u. a. 
Lit. selofi 'wüten', paselhyias 'Tobsucht', sclytia 'den Narren spielen', 
pasela 'Possen' sind slavische Lehnwörter, Brückner, Slav. Fremdw. 
S. 141. 

Ich glaube, daß die Sippe mit folgenden armenischen Wörtern ver- 
wandt ist: .ra/'play, game, recreation, pastime, amusement, sport; joke; 
raillery , pleasantry ; mummery , foolery ; mockery', ocalal 'to play , to take 
diversion, to take amusement, to ridicule, to mock, to deride; to play 
the fool; to go, to move, to spout forth, to leap forth, to descend', xalord 
(-?', -av) 'player, gambler, gamester', xaiarkov 'player', xalarhutiun 
'play, Sport, diversion', xalac 'flowing, travelling; that moves', xalar.umn 
'fountain, spring, source, motion, progress', xalac-U 'movement, progress, 
advance'. 

Begrifflich stimmen die beiden Sippen ganz trefflich zusammen. 
Der Grundbegriff, um den sich die W^örter gruppieren lassen , scheint 
'närrisches Benehmen, narrenhaftes Toben und Umherrasen' zu sein. 
Arm. X- und slav. s- führen auf idg qh. Slav. sal- muß deshalb aus idg. 
*qhel- entstanden sein und arm. xal («-St.) erklärt sich aus idg. *qJt1lu- 
oder *qJidlu-. 

Vielleicht liegt die Wurzel ^qlwl- auch vor in griech. ya'Ki(pqiov 
'unverständig' (Hom.) , y/ikic,' ö (.lEi-trjvcog y.al y.Eya).ao(.iivog zag 
(pQevag (Hesych.), ycOunug 'Bacchantin, herumschweifendes oder aus- 
schweifendes Frauenzimmer', ycüJua' TtÖQvrj. Suidas erklärt das letzte 
Wort aus /«Aaw 'lasse nach' : arco tov ya'/Mo&ai xh avjf.ia äitb /.le^rjg 
i] /.lai'iag, welcher Gedanke offenbar auch dem Hesych. vorgeschwebt 
hat. Andere sehen in diesen Wörtern Ableitungen aus yc'dig' Ir/.Qarog 
olvog. Prellwitz, Etym. Wb.^ S. 501 entscheidet diese Frage nicht. In 
begrifflicher sowie lautlicher Hinsicht läßt sich/cfZ/L,- 'ein Rasender' usw. 
ganz trefflich mit den verglichenen slavischen und armenischen Wörtern 
zusammenbringen. Die Grundform wäre *q//ni- oder *qhdli-. 

Dagegen kann nicht ya'/.cao dazugezogen werden, weil dies einen 
ganz anderen Grundbegriff" voraussetzt. Vgl. ya/Ja' f^ovyia (Hesych.). 
Prellwitz a. a. 0. zieht ya/uao zu ai. hä- 'verlassen, fahren lassen'. 
Diese Zusammenstellung ist unrichtig, weil ai. /m- eine schwere Wurzel 
ist. Die äolische Form yoAccv weist aus, daß eine leichte Base zugrunde 



Studien über slav. eh. 369 

liegt, Äol. tr/olog als 'ruhelos' ist nach Solmsen Rh.M. 1900, 811 aus 
einem */o/l« ""Ruhe"" mit d- priv. gebildet. Zu xccläio gehört meiner 
Meinung nach G^ioliq "^Muße, Beschäftigung in Mußestunden, Vorlesung, 
Schule', Gxolcitu) 'zaudere', äG%oXia ""Beschäftigung', oxolalog ""ge- 
mächlich'. Die Wörter haben also ein unorganisches s. Sonst werden 
sie bekanntlich zu t/w (aus *oex-) gestellt. 

Griech. xalciw mit dazu gezogenen Wörtern vergleiche ich mit 
arm. :ra^a^ "^calm , tranquil, serene, peaceful, indisturbed, mild, quiet', 
woraus xaiahmal *^to be appeased, to become calm, to become tranquil 
or peaceable', xaiaiel "^to pacify, to appease, to calm, to abate, to soften, 
to cause to relent, to conciliate, to reconcile, to accomodate, to adjust, 
to allay', xalalarar "^pacific, conciliating', xalaUk Adv. *^in tranquillity, 
calmly'. 

Wenn diese Zusammenstellung richtig ist, wird man eine Wurzel 
'^qliel- : qhol- 'nachlassen, nachgiebig sein, mild, ruhig sein und ähnl. 
ansetzen können. Es scheint mir ferner, daß Anschließung möglich ist 
von russ. chöHth 'reinlich, sauber halten; putzen, ausputzen; pflegen, 
warten; hätscheln, verzärteln', cliolenh 'Muttersöhnchen', chöJJa 'Pflege, 
Wartung', vy-cholitb 'mit Sorgfalt großziehen, klruss. choJyfy 'putzen', 
choiä 'Zucht, Pflege'. Eine reduplizierte Bildung liegt vor in cech. 
cÄ/acAo/ 'Schmeichelei', cÄ/acÄo/^^^ 'sänftigen, beruhigen, umschmeicheln', 
chläcJioliinj^ clilächolmj 'schmeichelnd, besänftigend'. Der grundlegende 
Begriffist offenbar zärtlich behandeln, mildoder nachgiebiggegenjeden sein 
und ähnl. Begrifilich macht somit die Zusammenstellung keine Schwierig- 
keit. Auch diese slavische Sippe würde also ch aus idg. qli haben. 

In Archiv XXXIV, 377 habe ich kslav. chqpati., clmpati "dqao- 
oead^ai, prtehendere' mit Päli cJuqjaii 'berührt', chupanam 'Berührung 
verknüpft unter Annahme, daß letzteres auf urind. *ksup- zurückginge. 
Slav. chqp- wäre idg. "^qsump-. Diese Auffassung halte ich nunmehr 
für unrichtig. Slav. chqpati hat, wie ich glaube, q aus -om-. Ich ver- 
binde es zunächst mit abg. sqpa 'manipulus' (Bell, troian.), bulg. sepa 
'Handvoll'. Urslav. *sepa steht also in regelrechtem Ablauts Verhältnis 
zu chqpiti. Ich vergleiche die Wörter mit arm. xumh.^ Gen. xmbi.^ Instr. 
xmhiv 'band, troop, party, Company; division, cohort, legion, brigade, 
detachment', xuiyih arnel 'to assemble, to collect together'. L. v. Patru- 
häny IF. XIV, 58 legt xumh in idg. *qhümb]io- zugrunde, indem er An- 
knüpfung macht mit griech. y.vcpog N. 'Buckel, Kufe', y.v(p6g 'gebückt, 
gekrümmt', ai. humhhä- M. 'Krug' usw. Diese Zusammenstellung ist 

Archiv für slavische Philologie. XXXV. 24 



370 H. Petersson, 

alt und ist sclion ven P. de Lagarde, Arm. Stud. S. 68 bestritten, Holger 
Pedersen, welcher KZ. XXXIX, 3S2 ebenso die Erklärung abweist, drückt 
die Meinung aus, daß in xu77ih das u aus o entstanden ist. Über die 
armenische Behandlung von idg. o vor Nasal vergleiche man Lidön 
a.a.O. S, 16 mit Literatur, Idg. -7np- wird zu arm. -mb-. Siehe Lidön 
ebenda S. 44. Arm. xumb kann somit ebenso wie slav. chqpati auf idg. 
*qhomp- zurückgeführt werden. Aus ""greifen, umfassen' kann sehr 
leicht eine Bedeutung 'Schar, Menge' hervorgehen. Vgl. über lat. co- 
hors Walde, Etym. Wb,^ s, v. In diesen Zusammenhang ziehe ich auch 
lit. kümste *^Faust'. Sonst erklärt man das Wort als eine Umstellung 
eines ursprünglicheren ^punkate zu ^kumpste und bringt es demnach 
mit abg, pcsth "^Faust', ahd. füst, ags, fyst dass. zusammen. Nach 
meiner Auffassung beruht lit. kümste vielmehr auf einem idg, "^qJimp- 
sti-, das in derselben Weise wie pqsth \niäfüst,fysf suffigiert ist. Ver- 
gleiche noch ai. gdbhasti- M. "^Vorderarm, Hand' zu lit. gahanä "^Arm- 
voll', göhti 'einhüllen' u. a, 

Russ. chvost^ 'Schwanz , Schweif', wozu u, a, poln, chwosi 'dass,' 
cech, clwost 'dass,', sloven. hvost 'Schweif; Traubenkamm', liost u, hqsta 
'Dickicht, Reisholz, Gehölz, Wald' möchte ich versuchsweise mit griech. 
jiöoS^ri 'membrum virile' vereinigen, das ich somit von rceog 'dass,', ai. 
pasas 'dass.' trenne. Russ, chvosh erkläre ich aus idg, *qhuostJw- und 
griech, nöod^iq leite ich über *cpöo0^iq^ *xf6ad-)] auf idg, *q/tuost//ü 
zurück. Die Bedeutungen von chvost^ und Tiöo&r] können aus 'Rute' 
entwickelt sein. Vgl, eben dieses deutsche Wort in denselben beiden 
Bedeutungen. 

Bisher dürfte keine Erklärung für die nachstehende slavische Wort- 
gruppe gefunden worden sein: russ, s^p^ 'Rosendorn', klruss, sypok 
'Rosenstrauch', cech. sip 'Dorn am Rosenstrauch, Pfeil', Upiti 'stechen', 
Hpek 'Rosenstrauch', serb, iipak 'Rosenstrauch, Granatapfel', bulg. 
Sipka 'Hagebutte, iip^k 'Rose', obsorb, iip 'Pfeil', ndsorb, Sypa 'dass,' 
Man kann sehr wohl annehmen, daß die ursprünglichste Bedeutung ein- 
fach 'Spitze, Stachel' war. Verbal ausgedrückt kann die Bedeutung mit 
'stechen' angegeben werden. Ich vergleiche arm. xaitem 'steche', xait 
'Stechen, Stich', xaitumn 'Stich , Sticherei', ablautend xit 'violent pains 
in the beweis, gripes; colic', xtel (-em, -eci) 'to goad, to incite, to urge 
on, to force to enter', xtan (-«', -av) 'a spur, goad'. Scheftelowitz hat 
BB. XXVIII, 3 1 2 diese Wörter mit lat. ccedo verknüpft, welche Zu- 
sammenstellung daran strauchelt, daß idg. d niemals zu arm. t wird. 



Studien über slav. eh. 371 

Arm. X ist ja regelrechter Vertreter von idg. qh und t kann aus idg. pt 
entstanden sein. Russ. iip^ kann hiernach über ^ch'lj)- aus idg. *qhipo- 
erklärt werden, und arm. xuitem aus idg. *qJi9ipt-, xit- aus *qhipt-. Das 
armenische Verbum mag einer -^fo-Bildung entsprungen sein. 

Abg. c/i?'bbbh 'avx'^i', cervix', russ. chreheth Gen. chrehtä *^Rück- 
grat, Rücken', bulg. Imbet 'Wirbelsäule', serb.-kroat. hrhat., Gen. hrpta 
'Rücken', cech. chrhet^ Gen. chrbeta 'dass.', altCi^r^ 'Berg, Hügel' haben 
neben sich eine Sippe, die auf dem vollstufigen chrib- gebildet sind: 
kslav. chr^b^i^ 'Rückgrat', cJlrib^ 'Hügel', serb.-kroat. hrib 'dass.', slov. 
hrib 'Anhöhe, kleiner Berg', cech. c//r/Z» 'Berg, Hügel', alt hHbet 'Rücken'. 
Berneker, Etym. Wb. S. 404f. vermutet, daß die Wörter mit einigen 
lautnachahmenden Bildungen, cech. chrohak 'Laufkäfer' u. a. in Zu- 
sammenhang stehen. An solchen Ursprung fällt es mir schwer zu glau- 
ben. Meinesteils möchte ich Zusammenhang suchen mit griech. xäqcfio 
'lasse einschrumpfen, dörre', 'AaQcpög N. 'dürres Reisig', ycaQcprj F. 'Heu', 
'/.aQcpriQÖg 'von dürren Halmen', ■/.aQ(pa'kEog 'trocken', lit. skrebiu., 
skrebti 'trocken sein oder werden'. Boisacq, Dict. Etym. S. 41 7 vergleicht 
hiermit russ.^•orö6^Vfc'biegen, krümmen', was ich ganz bestimmt für unrichtig 
halte. Dieses Wort gehört in eine ganz andere Bedeutungskategorie. 
Der Grundbegriff der übrigen Wörter hat offenbar zwischen 'hart' und 
'dürr' gelegen. Nach meiner Vermutung ist die Wurzel als idg. *qhrebh- 
: *qhrbh- anzusetzen. Daß die slavische Sippe in begrifflicher Hinsicht 
vereinbar ist, wird man nicht leugnen können. Ich erkläre clirib'bth.^ 
chrhbht^ aus idg. ^qhreibh- : *qhribh-. Zur Wurzelvariation verweise 
ich auf Wörter wie awnord. bleikr 'blaß', ags. hJican^ meng, bliren 
'bleich werden', lit. bligstu, bVigsti 'aufleuchten' neben griech. cpleyco 
'brenne, entflamme, leuchte'; lat. coi'bis 'Korb' neben awnord. h-ip 'Korb, 
Kasten beim Packsattel, Heukorb'. Vgl. Persson, Wurzelerweiterung 
S. 223 f., Holger Pedersen, Kelt. Gramm. I, S. 175f. Ruthen, chorbüri 
Plur. (verächtl.) 'Knochen; Rückgrat und Rippen' wird auch verwandt 
sein. Zum Suffix vgl. Vondräk, Vergl. Slav. Gramm. S. 433. Das Wort 
weist auf urslav. ^clchrh- hin und ist somit aus derselben Wurzelform 
wie die griechischen Wörter hervorgegangen. Die Wurzelvarianten 
*qhrebh- : *qhr6ibh~ betrachte ich als Erweiterungen der einfachen 
Wurzel *qher- in ai. khara- 'hart, rauh, uneben', kharma- N. 'Rauh- 
heit, Unebenheit', npers. xar 'Dorn', xarci.^ xära 'Fels', griech. y.aq%aqog 
scharf, xa(>;^aAeog 'rauh, dürr'. Dazu stellt sich auch x^Q^' ogyt] ^' 
ÖQyilog (Hesych.). Auch arm xorx 'spoglie di serpente, pelle di porco, 

24* 



372 H. Petersson, 

guscio, scorza' dürfte verwandt sein. Es kann aus idg. ^qliorqlio- ent- 
standen sein. Darin wird man eine gebrochene reduplizierte Bildung 
zu sehen haben. Vgl. Y.ä.qyuqog,. 

Eine Erweiterung mit p haben wir ferner in kslav. chrapa'o% 'rau- 
cus', poln. chropaioy 'holperig, uneben', chropiec "^uneben werden', serb. 
hrape Plur. Fem. 'Unebenheiten', Jirapav 'uneben'. Eine andere Bil- 
dung aus der Wurzel *qher- finde ich in abg. chrich 'rüpes', serb. Jirid. 
Die idg. Grundform ist * qhr-ei-do- oder '^qhr-l-do-. Hier kann das 
i mit dem in chribhU verglichen werden. Die einfache Wurzel *qhere- 
wurde mit hh erweitert und die Form *qher-ei- sowohl mit hh als d. 
Zur Bedeutung von abg. chr^d^ vgl. npers. xärä. 

Russ. särith '(suchend) kramen, wühlen, herumstöbern in etwas; et- 
was durchsuchen; (im Dunkeln) tastend suchen, herumtasten' bedeutet 
offenbar nichts als 'scharren, kratzen und ähnl.'. Man vergleiche lat. 
ruspor^ -äri 'durchforschen, untersuchen', während ital. ruspare 'schar- 
ren' bedeutet und also die ursprünglichste Bedeutung bewahrt hat. Die 
Bedeutung, die wir von lat. ruspari kennen, ist sicherlich nur literarisch, 
in der Volkssprache hat das Wort gewiß nichts als 'scharren' bedeutet. 
Schwed. dryfta 'abhandeln, diskutieren' ist nur literarisch, in der Volks- 
sprache bedeutet es nur 'das Getreide fegen, die Körner aus dem ge- 
droschenen Halme ausschütteln'. Mit k'irith müssen russ. 6'arÄ-a^6 'scharren 
(mit den Füßen), schurren, kratzen, reiben', chörkatb (prov.) 'mit Sand 
scheuern' zusammenhängen. Hiermit vergleiche ich ferner ai. khärjati 
'kratzt, schabt, reibt', khrgala- 'Bürste', hharjü- 'Jucken, Kratzen', 
awnord. harha 'zusammenscharren', harki 'Kehricht', ndl. hark 'Harke'. 
Ich erschließe auf Grund von den hier zusammengebrachten Wörtern 
eine Wurzel *qher- 'kratzen, schaben, reiben'. Daraus erkläre ich russ. 
cliorh 'tlja, molb platjanaja' als 'Reiber, Schaber'. Die Wurzel findet sich 
auch in arm. xaram 'scoria'. Dieses Wort ebenso wie arm. xor 'tief' 
hat L. V. Patrubäny IF. XIV, 57 mit griech. y.siQco 'schere, vernichte', 
ahd, sreran, lit. kifvis u. a. zusammengestellt. Das ist richtig, nur 
wenn idg. '^{s)qer- 'schneiden' eine Variante *qher- gehabt hat. Ob die 
Wurzelformen ursprünglich identisch sind, mag dahingestellt werden. 
Ich bin indessen geneigt_, sie für ganz verschiedene Wurzeln zu betrachten. 
Eher könnte man *qhe7'- 'schaben, scharren' mit der oben besprochenen 
Wurzel *qher- 'hart, dürr' identifizieren. Indessen kann ein Zusammen- 
fall von idg. qher- 'schaben' und *^er- 'schneiden' häufig stattgefunden 
haben. Arm. korem 'kratze', kerem 'dass.' stammen aus der letzteren 



Studien über slav. eh. 373 

Wurzel, zeigen aber die Bedeutung der ersteren. Lat. carro^ -ere 'Wolle 
krämpeln', lit. karnzh)^ Jcafazti 'kämme, krämple', abg. krasla 'Krätze' 
(aus *korüta)j mndd. /mrs^ 'Rechen, Harke' setzen wegen ai. kasati (aus 
^krsati) eine idg. Wurzel *qers- 'schaben, reiben' voraus, die aus qer- 
gebildet zu sein scheint. Jedoch kann *qers- eine ganz selbständige 
Wurzel gewesen sein, oder, wenn auf Grund der Bedeutung Zusammen- 
hang mit *qher- 'reiben, scharren' wahrscheinlich scheint, könnte man 
annehmen, daß qers- eine ursprüngliche Aspiration eingebüßt hat unter 
Beeinflussung von der gleichbedeutenden Wurzel *qes- in lit. kasyti 
'kratzen, krauen, striegeln', y?;asm)!i 'kratzen, jucken , kasü,kästi'graben, 
abg. desati 'kratzen, scharren, kämmen', griech. ^ulrco 'kratze, kämme'. 
Arm. X07' als Substantiv bedeutet 'luogo profondo, il profondo, pro- 
fonditä, fondo; fosso, fossa, vorägine, bäratro, valle, abisso, l'ultima 
parte, l'interiore'. Damit vergleiche ich ai. ä-khard- M. 'Höhle eines 
Tieres'. Vielleicht lag im Indogermanischen ein *qkoi'o- als Bezeich- 
nung für (von Tieren ausgekratzte) Gruben und Höhlen vor. Die zwei 
letzten Wörter bringen mich auf den Gedanken, auch das so oft be- 
sprochene abg. cliranth 'Haus' in den Zusammenhang einzureihen. Von 
den Entsprechungen des Wortes in anderen slavischen Sprachen ver- 
dienen genannt zu werden russ. Plur. F. chorömy 'großes, hölzernes Ge- 
bäude', klruss. choröm 'Korridor, Gang', Plur. cliorönnj 'Hausflur', 
choröma 'Haus, Gemach', clioromxjna 'Haus, Hof, Zimmer', sloven. hräm, 
Gen. /MY/7?2a 'Gebäude, Wohnhaus; Gotteshaus; Zimmer, Kammer', dial. 
'Weingartenhaus; Keller; Speisekammer', hrdm&c 'kleiner Weinkeller', 
poln. alt und dial. chromina 'Hütte, Bauernhaus'. Aus sachlichen Ge- 
sichtspunkten kann nichts eingewendet werden, wenn ich urslav. '^chorrrn 
aus einem idg. *qhor-nio- '(ausgescharrte) Höhle' erkläre. Vgl. ai. grha- 
N. 'Haus' neben av. gd7'dda- 'Höhle als Behausung daevischer Wesen'; 
upers. xän^ xcina 'Haus' zu ai. /l;/y«;^a^^"graben, aufgraben, durchwühlen', 
khanä- M. 'Grube', kha- M. 'Öffnung, Loch', kJiä- F. 'Quelle', khäta- M. 
N. 'Grube, Brunnen, Teich; Höhlung'. Dazu gehört wohl auch khadü F. 
'Höhle; Hütte, Stall' aus *kkndä,. Siehe noch zum Sachlichen Berneker 
Etym. Wb. s. v. cuUv^^ wo Literatur. 

Griech. ;(/j()Of(t(og 'Höhle, Kluft' (Hom.) verknüpft Prellwitz mit 7»^/<f? 
das Gähnen, die Gieumuschel mit klaffenden Schalen', xaG/.co 'gähne, 
klaffe', wofür bekanntlich eine idg. Wurzel *(jhe{i)- : *g/il- anzusetzen 
ist. Jedoch könnte yj]QC(i.iög dehnstufiges e haben und zu x<^Qc<^QC( 'Riß. 
Spalt, Kluft, Gießbach' (Hom.) x^(Qiir] 'Schlacht' u. a. gehören. Diese 



374 H- Petersson, 

Wörter sind vieldeutig, sonst könnte man auch sie anschließen. Archiv 
f. slav. Phil. XXXIV, 380 habe ich sie mit ai. gharsati 'reibt', lit. grendu^ 
grendziu 'reibe', ^rawc/y^t "schaben' u. a. vereinigt. Prellwitz vergleicht 
y^aqäÖQa mit lit. zeriü^ zefti 'scharren , zarstyti 'mehrfach scharren'. 
Lit. i kann entweder idg. g oder gh sein. Eine Wurzel *^er- aber würde 
sicher ohne Anknüpfung bleiben. Dazu kann mit zerii arm. jo7' 'Schlucht, 
Hohlweg' verglichen werden, dessen Anlautskonsonant nur aus idg. gh 
entstanden sein kann. Es könnte somit in arm. Jo?- ein Vereinigungs- 
glied zwischen den griechischen und den litauischen Wörtern gefunden 
werden. Da indessen in griech. yj^adog -aö- wohl aus -y,d- entstanden 
ist, scheint es mir aus formellen Gründen besser, dieses Wort mit lit. 
gre?idu, ags. ^n/i(/aw (idg. "^ qJtr-en-dh-) awnor ä. grioinr, grim?i'^Meeves- 
grund' (idg. *g/ir-)j,-i-) zusammenzuhalten. Wohin die übrigen grie- 
chischen Wörter zu ziehen sind, wird man sicher niemals aufklären 
können, da die drei gleichbedeutenden Wurzeln *qhe7'-, *gher- und 
*ghe7'- im Griechischen zusammenfallen müßten. 

ßuss. iäriib, das der Ausgangspunkt dieser Untersuchungen war, 
erklärt sich aus idg. '^qlier-, 

Russ. seluchä 'die Hülse, Schale' {orecJiovaJa seluchä 'Nußschale', 
ryhhja ieluchä 'die Fischschuppe'), wozu das Verbum seluiit'b 'schälen, 
ausschälen, -hülsen, -kernen' dürfte noch nicht seine Erklärung gefun- 
den haben. Es ist zu allererst ganz klar, daß es mit russ. selupina 
'Hülse, Schale', ruten. solupina 'Hülse, Schale', solupaj'ka 'Schale, Eier- 
schale (skarlupa)' verwandt ist. Dazu das ruten. Verbum solöpath 'stö- 
bern, kramen, grübeln; abweiden, abfressen'. 

Ich vergleiche selupina mit griech. -/.ü.vcpog 'Schale, Hülse', das 
ich somit selbstverständlich aus ^yiKvcpog erkläre. Eine ältere Erklä- 
rung von ■/.kl.vcpoc, suchte Zusammenhang mxiy.uKVTixio 'umhülle'. Sütter- 
lin IF. XXV, 67 vergleicht y.iXvcpog mit ahd. sceliva^ mhd. schelfe 
'Schale, Hülse', indem er eine Alternation idg. *qeleuph- : ^aqelpJt- an- 
nimmt. Auch bei meinem Anschluß von selupina läßt sich der Vergleich 
von scelifa^ Schelfe aufrecht erhalten. Nach meiner Auffassung geht 
also selupina auf die idg. Grundform ^qhelcupliä zurück, und v.eXvcpog 
auf idg. *qhelupho-. Auf letztere Ablautsstufe weist auch ruten. Solö- 
pati hin. Cech. Hupina 'Obstschale, Schelfe' geht über urslav. *hlupa 
auf idg. ^qhllouph-. Da, wie erwähnt, russ. seluchä verwandt sein 
muß, hat man nötig, ein Wortelement '^qheloxi- : '^qhelu- anzunehmen. 
Dasselbe ist in seluchä mit dem Suffixe -5ä ausgebildet worden, während 



Studien über slav. eh. 375 

in •/.iXvrpog, selupina ein form antisches -ph- angenommen werden muß. 
Dieses Formans ist zwar sehr selten, kommt aber in einigen Bildungen 
vor. Man kann an ai. Qopha- M. 'Geschwulst, Geschwür, Beule' zu 
Qväyati 'schwillt an, wird stark' erinnern. Ebenso an ai. gulphä- M. 
'Fußknöchel', das wohl aus der idg. Wurzel *ge^- 'zusammenballen' in 
lat. glomus 'Kloß, Knäuel', ai. gulma- 'Geschwulst am Unterleibe' ge- 
bildet ist. 

Eine aus dem hier erschlossenen *qhelu- mit o-Formans versehene 
Bildung haben wir meiner Meinung nach in ai. khäha- M. 'a kind of 
grain or leguminous plant' (AV., VS., QBr. 14, Kaug., Grhyas.). Das 
Wort bezeichnet gewiß ursprünglich die Hülse der Pflanze. Eine mittel- 
indische Form von khdlva- kann dann vorliegen in ai. khalla- M. a little 
case or cap formed by roUing up paper etc., used for holding any small 
articles of grocery'. 

Unter Voraussetzung, daß idg. qh im Lateinischen zu h wird, wäre 
es möglich, auch lat. lup'inum 'Wolfsbohne' [lupmärius 'Hülsenfrüchten- 
händler') mit selupina und y.eXixpoq zu vergleichen. Man hätte hiernach 
von einem idg. * qldupJio^YiüliQ auszugehen. Dabei wären indessen zwei 
Bedenken zu beachten. Erstens könnte erwartet werden, daß, wenn qh 
zu h wurde, idg. ph zu y übergegangen wäre, zweitens, daß Aspiraten- 
dissimilation stattgefunden hätte, wie in glaber aus "^ahladhro-. Hier- 
zu kann bemerkt werden, daß es doch lautphysiologisch sehr wohl mög- 
lich ist, daß qh eine Entwicklung gehabt hat, die mit der von plt und 
1h nicht parallel war. Man vergleiche Holger Pedersen KZ. XL., 174 f. 
Zwischen der Entwicklung von qJi zu h wäre natürlich ein / anzunehmen. 
Der Übergang von qh zu % könnte aber vor dem Wirken des Aspiraten- 
dissimilationsgesetzes stattgefunden haben. Indessen ist der Anschluß 
von lup'inum höchst unsicher, da andere Möglichkeiten bestehen, das 
Wort aufzufassen. Es kann nämlich verglichen werden mit kslav. lupiti 
'detrahere', nsloven. /w/?i7i 'schälen', /«p/e 'Apfelschalen', olup 'abgelöste 
Rübenschale', cech. loupaii 'schälen', lup 'Schuppe, Blättchen', poln. 
lupic 'schälen, abschälen', lupina 'die Schale, Hülse'. 

Es fragt sich nun ferner, ob es möglich ist, die aus dem Wort- 
element *qheloii- zu erschließende Wurzel *q]iel- noch in weitere Be- 
ziehungen zu stellen, und ob es sich tun läßt, den Begriff 'Hülse, Schale' 
aus einer ursprünglicheren Grundbedeutung zu erklären. Ich bin der Mei- 
nung, daß sich dies tun läßt. In recht vielen Fällen geht der fragliche 
Begriff auf 'spalten und ähnl.' zurück, z.B. in griech. loitög 'Hülse', das 



376 H. Petersson, 

zu X^Ttto 'schäle^ gehört. Ich sehe darum in idg. *qJiel- eine aspirierte 
Variante zu idg. "^qel- : *sqel- ""spalten', die bekanntlich eine außer- 
ordentliche Menge von Wörtern in verschiedenen Sprachen abgegeben 
hat. Dazu gehören z. B. lit. skilti intr., skelti tr. '^spalten', russ. söth 
*^die Ritze, Spalte, der Riß', sdeljäth 'spalten', sJcalä 'Fels; Birkenrinde' 
ruthen. skälka 'Splitter ; Flintenstein', skalina, skalüha^ skalubina 'Riß, 
Spalte'. Der Bedeutung wegen vergleiche man klruss. skaiubka 'Hülse 
einer Larve' neben skalubyna 'Ritze, Spalte, Riß'. Man beachte auch 
folgende Verwandte, ahd. scala^ mhd. sc/m/ 'Hülse einer Frucht, eines 
Eies usw.', ags. scealu, neng. s/mle 'Hülse'. Die Aspiration ist auch 
sonst nicht unbekannt bei der Wurzel *qel- 'spalten'. Vgl. ai. khandä- 
'lückig, zerteilt, mangelhaft'; M. 'Lücke, Bruch, Stück, Teil' neben 
kandana- N. 'das Entfernen der Hülsen, Abfall von den Körnern'. 
Griech. Gxulig^ -iöog F. 'Gabel, zweizinkige Hacke' geht nach meiner 
Überzeugung auf idg. *sqhel- 'spalten' zurück. 

Ich ziehe noch heran russ. seludi M. Plur. 'Grind, Räude', klruss. 
^olud^ soiud'Schori', wruss. soludzi. Das Wort ist meines Wissens 
in keiner anderen slavischen Sprache zu finden. Das u ist darum zwei- 
deutig, insofern es entweder ursprünglich oder aus urslav. q entstanden 
sein kann. Miklosich, Etym. Wb. S. 338a nimmt ^kelud^ als Grund- 
form an. Dies mag richtig sein, da wir dadurch Anschluß an die er- 
wähnten Bildungen aus *qheloii- machen können. Indessen wäre auch 
ein urslav. *hIqd^ aus idg. '^qhelu-nd- in sowohl lautlicher wie for- 
meller Hinsicht sehr wohl möglich. Das Wort bedeutet nach dieser Er- 
klärung 'was sich (von der Haut) abspaltet'. Vgl. lat. Scabies 'Kratzen, 
Schäbigkeit, Räude' zu scabo, -ere 'schaben, kratzen, reiben'; nhd. 
Schorfe dän. skurv, schwed. skorf zu ags. sceorfan 'nagen, ritzen, 
gesceorfan 'schaben, zerschneiden . 

Russ, chrjäpath (dial.) 'husten', cech. alt chrapati 'schnarchen' 
wäre man versucht mit griech. yiqiuTttoiua 'räuspere mich' bes. 'spucke 
zusammenzubringen. Man müßte dann annehmen, daß xQfumouai ur- 
sprüngliches TV hätte, und daß es somit aus ^iqE(.iniof.iUL entstanden 
sei. Sonst wird yqef.iTrTot.iaL zu xqEfier-i'Cio (Hom.), yqeuer-aio 
'wiehere, mache ein Getöse' gestellt. Darnach ist also y^qiiiTiToi-icti aus 
der synkopierten Form *yq€fi-TOfiai. entstanden. xqei-ieTi^to wieder 
muß zu got. gramjan 'aufreizen', ahd. gramizzon^ gremizzon brüllen, 
toben' u. a. gehören. Obgleich russ. chrjäpath und griech. yqk[ntxofiai 
einander begrifflich sehr nahe liegen, ist der Vergleich also sehr unsicher. 



Studien über slav. eh. ^TJ 

Rus3. c/iles/(ifb, chlesniith^voM der Peitsche schlagen', cech. clilostatl 
'mit Ruten schhigen', poln. chlostac *^auspeitschen', cJiJosta 'Hiebe, 
Schläge', sloven. hlcsfiti, Jtlestniti 'schlagen' u. a. erklärt Berneker 
Etym. Wb. S. 388 für onomatopoetische Wörter. Indessen können sie, 
scheint es mir, mit lit. klescziu.^ Mesti 'schlagen, peitschen, stäupen' 
verglichen werden. Wenn die Wörter auf eine und dieselbe urbaltisch- 
slavische Grundform zurückgehen und das ch lautgesetzliche Entwicklung 
ist, wird man schwerlich umhin können, einen ursprünglichen Anlaut 
kh anzunehmen. Man möchte sich ferner fragen, ob nicht ein Wort wie 
ai. khadgä-M.. 'Schwert' (aus idg. *q/ioId-) verwandt sei. Lag einst eine 
zweisilbige Wurzel *qheled- vor, so könnte daraus eine Wurzelform 
*qhled- entstanden sein. Russ. chlesfätb und lit. klesti könnten dann 
von einem idg. ^qliled-to- ausgegangen sein. 

Man könnte vielleicht indessen russ. clilestätb neben klesti so auf- 
fassen, daß ersteres ein unorganisches s gehabt hat, so daß der Anlaut 
ursprünglich skl- war. Es ist eine Tatsache, daß die slavischen Sprachen 
keine alte Lautverbindung skl im Anlaut kennen. Dieselbe ist zwar 
allem Anscheine nach in der Ursprache recht selten vorgekommen, hie 
und da aber trifft man in verschiedeneu Sprachen Spuren derselben. Be- 
kannt ist, daß ahd, sliozzan^ afries. sluta 'schließen' usw. mit lat. claudo, 
-ere 'schließen, sperren' verglichen wird. Idg. sql- im Anlaut gab also 
germ. s/-, während dagegen sqr- unverändert blieb. Letztere Verbin- 
dung bleibt auch im Slavischen; aber was wurde hier aus anlautendem 
idg. sql-7 Ich wage die Hypothese, daß diese Anlautverbindung zu 
slav. cid- wurde und zwar glaube ich, daß sql- zunächst zu vorslav. ksl- 
wurde, da es gewiß undenkbar ist, daß chl- direkt aus sql- habe ent- 
stehen können. Nachdem diese Umstellung vollzogen war, entwickelte 
sich ks- in regelrechter Weise zu slav. ch. 

Das Litauische hat den Anlaut skl- zweifelsohne aus alter Zeit. 
Wenigstens in einem Falle kann man, scheint es mir, das litauische skl- 
mit slav. chl- identifizieren. Ich vergleiche abg. o-chlenqti 'debilem 
fieri , o-clilqdanije 'negligentia' mit lit. sklendzü^ sklendzaü^ sklesti 
'schleudern' intrans. (vom Schlitten) auch 'schweben' (vom Vogel), lett. 
sklanda 'die schräge, glatte Schleuderstelle auf dem Winterwege', pa- 
sklanda 'Ort, wo der Schlitten schleudert', pasklandus 'schiefliegend, 
Schleudern verursachend', sklandis 'abschüssig'. Hiermit hat man ge- 
wiß noch zu vergleichen schwed. slinta 'gleiten', dial. slaiit 'glatt, 
schlüpfrig', norw. dial. sletta 'dingle, hänge, l0st', slitnte 'drive omkring'. 



378 H. Petersson, 

sluntra^ dunta ^dass/, slott 'lediggsenger' (Aasen 703 ff.), schwed. dial. 
slanta^ slunta 'umhertreiben' (Rietz, Dialektlexikon 624 s. v. slinta)^ 
meng, slenten 'schlendern^, nhd. scJdenzen 'dass.^ Es scheint mir nun, 
daß sämtliche Wörter auf eine idg. Wurzel ^aqleiid- : sqlond- zurück- 
weisen, deren Bedeutung etwa "^schlaff sein, schlaff hinabhängen, los 
hangen, gleiten und ähnl.' war. Slav. chled- wäre also über *kalend- 
aus idg. *sqlend- oder *sqhid- entstanden. Die Ablautsstufe *sqIond- 
liegt wohl vor in kslav. chlud-b Virga^, russ. chludh *^Stange, Knüppel, 
Heubaum; Wasserträger', poln. dial. chfed^ chledak, cMad 'Stengel; 
Gerte', cÄ/ao? junge schlanke Tanne , die sich für Zäune eignet'. Zu- 
sammenhang zwischen diesen Wörtern und abg. o-chledanije nimmt 
Berneker Etym. Wb. S. 390 an. Ich bemerke noch, daß auch Berneker 
a. a. 0. S. 388 dieselbe germanische Sippe wie ich zum Vergleich heran- 
gezogen hat (ndd. sluntern 'nachlässig, schlaff sein', nhd. dial. schlunzen 
'nachlässig gehen, schlendern' u. a.). Über das cli- spricht er sich in- 
dessen nicht aus. Vermutlich hat er sich gedacht, daß es aus s- ent- 
standen sei. 

Zu abg. chlehh 'catarrhacta, y.avc(QQ(xy.T)]g, fores' [cJilebi nebesnyjc^ 
gehören folgende Wörter aus anderen slavischen Sprachen, russ. chljabh 
Damm, Öffnung, Schlund', dial. chljäha 'Regenwetter', wruss. chlaba 
Regenguß', klruss. clilahy 'otvör', serb.-kroat. hieb 'Abgrund', hlfeh 
•"Wasserfall, Schleuse'. Sloven. lilcbati 'schlürfen' kann hierher gehören, 
vielleicht ist es jedoch besser dieses mit russ. chlebäth^ cldebnütb 'mit 
dem Löffel essen, löffeln' zusammenzustellen. Man kann darüber un- 
schlüssig seiu, welcher Grundbegriff der Sippe von chlcb^ zugrunde zu 
legen sei. Es will scheinen, als ob mau sowohl mit 'Öffnung, Schlund' 
als mit 'strömen, spülen und derart.' auskommen könnte. Wählt man 
die erste Möglichkeit, kann man Zusammenhang mit kslav. sJclabiti se 
'den Mund aufmachen' vermuten. Dieses Wort beruht auf urslav. *skolb-. 
Dazu wird gehören norw. dial. skolp 'kleiner ausgehöhlter Block, Holz- 
scheide, in die man den Wetzstein legt', awnord. skal2)r 'Schwertscheide', 
dän. skulpe^ skulp 'Schote, Fruchtbalg'. Hier scheint ein idg. *sqelb- 
'spalten' zugrunde zu liegen, das natürlich mit den obigen unter seluchä 
zusammengebrachten Wörtern in Verbindung steht. In cldebh wäre eine 
aus *sqelb- nasalierte Bildung zu finden. 

Nimmt man hingegen für cldebh den Urbegriff 'Strömen, Gießen^ 
an, könnte man an Verwandtschaft mit folgender weitverbreiteten ger- 
manischen Wortsippe denken: mhd. slamj) 'Gelage, Schlampe', ndl. 



Studien über slav. eh. 379 

slemp 'leckere Mahlzeit', slempen 'prassen', nhd. Schlempe Spülicht', 
ScJilumpe^ Schla77ipe 'nachlässiges, unreinliches Frauenzimmer', eng. 
slump 'to fall down into any wet or dirty place', eng. dial. slump 'Teich, 
Pfütze', norw. dial. slump 'plump^ skvulp'. Es ist ganz klar, daß hier 
nhd. Schlempe 'Spülicht' und eng. slump 'Pfütze' den Grundbegriff am 
besten bewahrt haben. Schon vor mehreren Jahren habe ich an Zu- 
sammenhang zwischen chlqh'b und dieser Sippe gedacht. Später, als 
Bernekers etymologisches Wörterbuch so weit erschienen war, habe ich 
gesehen, daß auch der Verfasser dieses Buches an die erwähnte Ver- 
wandtschaft gedacht hat. Wir haben zwar kein direktes Zeugnis davon, 
daß hier germ. sl- aus idg. sql- entstanden wäre. Ich glaube indessen, 
daß wir eine Wurzel Variante mit idg. /; und ohne das anlautende s- haben 
in \\t. kli?npshi, hlmipti'mit deuFüßen einsinken', klampä 'eine sumpfige, 
weiche Wiese', klampüs 'sumpfig', klampyne 'ein Morast'. 

Russ. chlöpath 'schlagen, klatschen, knallen', bulg. hlöpam 'klopfe', 
sloven. hlöpati 'schlagen' könnten mit lat. stloppus 'der Klaps; der 
Schal], der entsteht, wenn man auf die aufgeblasenen Backen schlägt' 
verwandt sein. Im Vulgärlateinischen hat das Wort *scloppus gelautet, 
was aus ital. schiop>po 'Krach, Knall', scJiioppare 'knallen, platzen, zer- 
springen' hervorgeht. An sich ist es gar nicht unmöglich, daß diese 
Form altertümlicher als stloppus ist. Möglich ist, daß die älteste Form 
des Wortes *scldpus war. Mit russ. chlöpath hat Matzenauer (siehe 
Berneker, Etym. Wb. S. 390) meug. slappe, neng. slap 'Schlag, Klaps', 
nhd. Schlappe als urverwandt zusammengestellt. Man könnte in dieser 
Weise vermuten, daß sämtliche Wörter einem idg. *sqlbp- entsprungen 
seien. Indessen kann das Ergebnis der vorgenommenen Vergleiche nicht 
als sicher hingestellt werden, da sämtliche Wörter lautnachahmend oder 
in ihrer lautlichen Entwicklung onomatopoetisch beeinflußt sein können. 

Lund. Herbert Petersson. 



Einige Bemerkungen zur Gescliichte des Schrifttums 

in Kroatien. 

Während das Schrifttum fast aller serbokroallschen Provinzen in 
seinen Hauptzügen mehr oder weniger beleuchici oracheint, hat das 
Schrifttum des heutigen engeren Kroatien abgesehen von den fragmen- 



380 Fr. Fancev, 

tären Untersuchungen Krcelitsi), Miklousics^), Safariks^) wenig Beach- 
tung gefunden. Auch die Bearbeitung Kukulevics ^) behandelt nur eine 
begrenzte Periode dieses Schrifttums und ist heute in vielen Partien ganz 
veraltet^). 

Diese Zurücksetzung dieses Schrifttums in der bisherigen wissen- 
schaftlichen Forschung erscheint zwar erklärlich, vergleicht man seine 
Armut an echten literarischen Erzeugnissen mit den hochentwickelten 
Werken der dalmatiuisch-ragusäischen Literatur. Es besteht ja fast aus- 
schließlich aus Werken, die unmittelbaren praktisch-erbaulichen Zwecken 
dienen sollten, wie z. B. Predigten^ Gebetbüchern^ Evangelarien und ähn- 
lichen. 

I. 

Zur Zeit, wo Nordkroatien während der Regierungszeit Ladislaus 
durch die Einsetzung Almns zum König und Gründung des Agramer Bis- 
tums (1093) vom kroatischen politischen und kirchlichen Zentrum, wel- 
ches bis zu dieser Zeit jedenfalls im dalmatischen Kroatien zu suchen ist, 
losgetrennt wurde, soll der Meinung Tkalcics nach die slavische Litur- 
gie auch in diesem nördlichen Kroatien noch im Gebrauch gewesen sein. 
Es dürfte dies unter anderem auch die Folge der geographischen Nach- 
barschaft mit dem Fürstentum Kocels, wo die Slavenapostel schon früh 
Gefolgschaft fanden, gewesen sein. »Nepobitno jest i to, da je Ladia- 
lava, koji dobro znadija^e, da mu surjak kralj Zvonimir samo radi toga 
zaglavio na hrvatskom saboru na Kosovi, sto je uehajan bio da zaprijeci 
progon hrvatskoga bogosluzja, pak je Ladislava, da si po sinovcu Almu, 
tomu novomu hrvatskomu kralju, ucvrsti lozu Arpadovu, ponukalo to, da 
je biskupiji zagrebackoj postavio za biskupa onoga, koji se slavenskim 
jezikom sluzio u bogosluzju; a to nas joste vecma u tom uvjerava, jer je 



1) Scriptorum ex regno Sclavoniae a saeculo XIV. usque ad XVII. inclu- 
sive collectio . . . Varasdini, 1774. 

2) Izbor dugovanyh vszakoverztneh za haszen y razveBzelenye szlu- 
secheh . . . Zagreb, 1821, 2. Aufl. 1839. 

3) Geschichte der südslav. Literatur . . . IV. (Kroatische Literatur), 
Prag, 1865. 

4) Knjizevnici u Hrvatah iz prve polovine XVII. vieka s ove strane Vele- 
bita . . . Zagreb, 18(i9 (S.A.). 

5) Die kajkavische Literatur am Vorabend der illyrischen Wiedergeburt 
beleuchten »Pabirei po kajkavskoj literaturi« Surmins (Vienac, 189J). Ein- 
zelnes behandeln Drechsler, Dukat, Hajnal, Jagic, Milcetic, Trops. 



Einige Bemerkungen zur Geschichte d. Schrifttums in Kroatien. 381 

Ladislav novoma zagrebaekomu biskupu Duhu dodijello kao vjerovjesnike 
svecenike iz sumedjske i zaladske zupanije, upravo iz glavnoga dijela 
nekadanje Kocelove knezevine, gdje je kako jur spomenuh sv. Method 
imao svoju panonsko-srijemsku nadbiskupsku stolicu sa slavenskim bo- 
gosluznim jezikom« 1). 

Doch in dieser politischen und kirchlichen Abhängigkeit Kroatiens 
und seiner Geistlichkeit von Ungarn und von seiner Geistlichkeit — da 
das Agramer Bistum der Metropole in Kalocsa untergeordnet wurde — 
hat, wie es sehr wahrscheinlich ist, die slavische Liturgie auch ohne Ver- 
folgungen, da solche in keiner Weise nachgewiesen werden können, all- 
mählich zuerst wahrscheinlich in den Städten, wo die Bevölkerung seit 
den ältesten Zeiten stark mit Fremden (so in Zagreb 2), Varazdin) ver- 
mischt war, erlöschen müssen. 

Wie durch die politische Abhängigkeit von Ungarn die Volkssprache 
im öffentlichen Leben unmöglich wurde, gerade so war selbst der Ge- 
brauch der Sprache des herrschenden magyarischen Stammes sehr be- 
schränkt, was ja schon daraus zu ersehen ist, daß aus dem Zeitalter der 
Arpadischen Herrschaft (also bis in das XIV. Jahrh.) nur drei zusammen- 
hängende ungarische Texte 3] nachzuweisen sind. 

Abgesehen davon, daß man den Gebrauch der glagolitischen Schrift 
auch nach Nordkroatien verweist, sind sonst im Gebiete des kaj-Dia- 
lektes, dessen Schrifttum wir hier untersuchen wollen, keine zusammen- 
hängende in der Volkssprache verfaßte Sprachdenkmäler, die in diesem 
Dialekte verfaßt wären, vor dem XVL Jahrh. anzutreffen , denn was uns 
diesbezüglich tiberliefert ist, gehört dem cakavischen Dialekte an. Alle 
Versuche, kajkavische Denkmäler vor dem XVL Jahrh. nachzuweisen, 
sind bisher ergebnislos geblieben; alle Urkunden in den dicken Bänden 
des »Codex diplomaticus regni Croatiae, Dalmatiae et Slavoniae«, hrsg. 
von T. Smiciklas (bis jetzt zehn Bde.), der »Monumenta historica liberae 



1) Slavensko bogosluzje u Hrvatskoj . . . Zagreb 1904. S.73 — 74. 

~) In der Urkunde vom 11. Mai 1 198 führt der kroatische Herzog Andreas 
Ungarn, Lateiner und Slaven als Untertanen des Zagreber Bistums auf; in 
der handschriftlichen »Historia de fundatione Eccles. et Episcop. Zagrab.« 
von R.Levakovic lesen wir über die Zagreber Bevölkerung folgendes: »in qua 
diversarum nationum populi artes varias mechanicas exercent ... (in der k. 
Univ. Bibl. zu Zagreb, SM. 38, D. 9). 

3) Kont, Gesch. d. ungar. Litt.2 S. 6 oder Simonyi, Die ungar. Sprache 
(Straßburg, 1907, S.IOO). 



382 Fr. Fancev, 

regiae civitatis Zagrabiae metropolis regni Dalmatiae, Croatiae et Sla- 
voniae«, hrsg. von J. K. Tkalcic (bis jetzt elf Bde.), der »Monumenta 
historica nob. communitatis Turopolje olim*^ Campus Zagrabiensis' dictae« 
hrsg. von E. Laszowski (vier Bde.), gesammelt, die alle entweder in diesem 
Gebiete entstanden oder für dieses Gebiet bestimmt sind, sind in der la- 
teinischen Sprache verfaßt. Dieses vollkommene Fehlen der kajkavischen 
Urkunden wurde auch schon von Kukuljevic mit den folgenden Worten 
festgestellt: Meni barem nije poslo za rukom naci i jedne hrvatske listine 
pisane latinicom prije druge polovice 16. stoljetja, docim je cirilica, po- 
kraj glagoljice, u porabi bila ne samo u Dubrovniku, nego kod istih naj- 

V V 

starijih i najcistijih hrvatskih plemenah, kao sto bijahu Subici, Karinjani 
i Kukari, koja se u listiuah jur za hrvatskih kraljevah spominju. U 16. 
vieku prodrla je dapace cirilica daleko u sadasnja Hrvatsku, te su ju 
rabili, pokraj Keglevicah i Subicah-Zrinjskih, sudci zupanije zagrebacke, 
plemici turopoljski i napolu pomadjarene porodice Kastelanfi, Kere- 
cenji itd. « ^). 

In den ältesten auf das kaj-Gebiet sich beziehenden Urkunden ent- 
halten nur die Personen- und Ortsnamen einen Bezug auf die Volks- 
sprache, später, d. h. seit dem Anfang des XIII. Jahrh., finden sich in 
den grenzbeschreibenden Urkunden auch viele Namen von Gewässern, 
Bäumen, Bergen, Straßen und dergleichen, welche entweder für sich 
allein, oder mit ihrer lateinischen Übersetzung in den lateinischen Text 
eingeflochten sind 2). 



') Vgl. Monumenta histor. Slavor. merid. kn. I. Listine Hrvatske (Zagreb 
1869) S. VI; dasselbe behauptet auch VI. Mazuranic: Kolilco ja znam, nije nam 
sacuvana nijedna listina izvorna, latinicom a hrvatski pisana, prije pocetka 
XVI. vieka. Ima ipak traga, da se je i prije pisalo hrvatski u Zagrebu, gdje 
se spominju litterati sclavonici, dj'aci, pisci hrvatski (Prinosi za hrv. prav. pov. 
rjec. S. 146 Anm.). 

2) Diese einzigen Spuren des kajkavischen Volksidioms in den ältesten 
Zeiten sind bei uns noch in keiner Weise bearbeitet worden. Wenn sie auch 
in der sprachlichen Untersuchung des kaj-Dialektes, der sonst gar keine zu- 
sammenhängenden Denkmäler vor dem XVI. Jahrh. hat, von sehr beschränk- 
tem, meistens nur lautlichem, viel seltener formellem Wert sind, haben wir sie 
doch gesammelt und sollen in einer Untersuchung des kaj-Dialektes gebraucht 
werden. Die ungarische wissenschaftliche Literatur besitzt diesbezüglich das 
schöne Steph. Szamotas »Lexikon vocabulorum Hungaricorum in diplomati- 
bus aliisque scriptis quae reperiri possunt vetu8toram< . . . (alsSupplementum 
ad Lexicon linguae Hungaricae aevi antiquioris, Budapest, 1902— 19U6J. 



Einige Bemerkungen zur GescLichte d. Schrifttums in Kroatien. 383 

Hier wollen wir einige solche Beispiele anführen : sub arbore que 
den lingua sclavonica nominatur (1209, Cod. dipl. III. 86), ad foveam 
que kalicha in sclavonico nuneupatur (ibid. 87), ad arborem que vulgo 
dicitur graber (ibid. 93), ubi quidam alveus Szaue siruzeht (struzec) vo- 
catus . . . per quem struzeht . . . (122S, ibid. 290), ascendit montem 
sterma pec (1221 , ibid. 200) super montem curtmna hurda (1234, ibid. 
42G), Salix que vulgo dicitur urbicha (vrbica) (1244, ibid. IV. 239), ad 
avborem que vocatur plathanus, sclavonice thopol (1245, ibid 276), pla- 
tani que vulgo dicitur /«tüor (1243, ibid. 210), ad foveam que vocatur 
rupa (1249, ibid. 410), ad arborem que sclavonice dicitur ozcurus (1240, 
ibid. 124), ad arborem que sclavonice dicitur vrech (1252, ibid. 519), 
lacus qui lokeu nuneupatur (1270, ibid. V, 544), adponikeu^ ubi fluvius 
intrat terram qui in wlgari sclavonico dicitur (1272, ibid. VI, 11), ubi 
est via . . . que wlgariter clancli (klanc) dicitur (1284, VI, 468, 596), 
ad lapidem rubeum wlgariter crauaui kamen dictum (1284, ibid. 470), 
ubi est dumus zymbov gurm nuncupatus (1294, VII, 183), ad unum vz- 
nos (1240, IV, 122, auch ad unum meatum znos dictum 1339, ibid. X, 
496) usw. usw. 

Die Spuren der Volkssprache in diesen Urkunden wären sicherlich 
zahlreicher geworden, wenn die Abhängigkeit Kroatiens von Ungarn auch 
in diesen Fällen nicht so stark zutage träte, denn selbst die grenz- 
beschreibenden Urkunden führen unter »vulgo«, »vulgariter«, »in nostro- 
vulgari« ungarische Bezeichnungen ein, wobei der »vulgus« jener Gebiete 
sicherlich nicht ungarisch war. Sehr gewöhnlich sind in unseren Urkun- 
den die folgenden ungarischen Wörter: almafa, bik-, byg-, bykfa (bükk- 
fa), berekene-, berekuna-,