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Full text of "Archiv für österreichische Geschichte"

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Archiv 



für 



österreichische Geschichte. 



Herausgegeben 



zur Pflege vaterländischer Geschichte aufgestelhen Commission 



kaiserlichen Akademie der Wissensehaften. 



EinuiicIvIerzifiTster Band. 



WIEN. 

Aus der kaiserlich-königlichen Hof- und Staatsdruckerei 
1869. 



Inhalt des einondrierzigsten Bandes. 



Seite 
I. Zur Geschiclite und Genenlo;;!!» iler Preniyslnlisflien Hor/.ojje von Troppau. 

Von Franz Koppt/. ky 1 

II. Versuch einer fiesthichte iles ;(Ilen niederöslerrcicliisclien Landhnuses bis zu 

seinem Umlmue im Jahre 1837. Mit Benützung urkundliclier Quellen von 
dem w. M. Dr. F^eop. Jos. Kitzinger. (Mit einem Grundrisse des alten 
l.iindhanses und Erläuterungen zu demselben von A. Ritter v. Camesina) 113 

III. Statuten des Metropoliten vnn Prag, Arnost von Pardubitz, für den Bischof 

und das Capitel von Olmüt/, um das Jahr 1349. Von Dr. B. Dudi'k, 0. S. B. 193 

IV. Gabriel Salamanoa's Grafen zu Orlenburg Gesandtschafts-Berichte über seine 

Sendung nach England im Jahre 1327. Mitgelheilt von J. V. Goehlert . 219 

V. Zur listerreichisrhen Miin/.kundo des XIII. und XIV. Jahrhunderts. Ein kri- 

tischer Versuch von lir. Arinild 1, u s c h i n , Adjunct am steier. Landesar- 
chive. (Mit 2 Tafeln.) 241 

VI. Die diplomatische Correspundenz des Grafen Johann Wenzel Gallas, kaiser- 

lichen Gesandten in London und Haag während des spanischen Succession.s- 
krieges. Nach den in Prag und in Friedland aufgefundenen Arcliivalien zu- 
sammengestellt und der philos. -historischen Classe der kais. Akademie der 

Wissenschaften vorgelegt von C. Höfler 29t 

Vir. D.is Archiv der Stadt Eger. Ein Bericht von Dr. Franz Kürschner. . . 313 
VIII. Der türkisch-polnische Feldzug im Jahre 1620. iNacli gedruckten und hand- 

sciiriftliclien Quellen dargestellt von Dr. Xaver Liske 3S3 

JX. Documenta historiae Forojuliensis saeculi XIII. et XIV. ab anno 1300 ad 1333. 

Sunimatim regesta a P. Josenho ßianchi L'tinensi. fSchluss.) 399 



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Inhalt der ersten Hälfte des einundvierzigsten Bandes. 



I. Zur Geschichte und Genealogie der Pfemyslidischen Herzoge von Troppau. 

Von Franz Kopetzky 1 

II. Versuch einer Geschichte des alten niederösterreichischen Landhauses bis zu 
seinem Umbaue im Jahre 1837. Mit Benützung urkundlicher Quellen von 
dem w. M. Dr. Leop. Jos. Fitzinger. (Mit einem Grundrisse des alten 
Landhauses und Erlüuterungen zu demselben von A. Ritter v. Camesina) 113 

HI. Statuten des Metropoliten von Prag Arnost von Pardubitz für den Bischof 

und das Capitel von Olmütz um das Jahr 1349. Von Dr. B. Dudi'k. 0. S. B. 195 

IV. Gabriel Salamanea's Grafen zu Ortenburg Gesandtschafts-Berichte über seine 

Sendung nach England im Jahre 1327. Mitgetheilt von J. V. Goehlert . 219 



ZUR 



GESCHICHTE UND GENEALOGIE 



DER 



PREMYSLIDlSCHEiN HERZOGE VON TROPPAÜ. 



FRANZ KOPETZKY. 



Archiv. XLl. 1. 



Einleitung. 

Oeitdem Ens im Jahre 1835 sein „Oppaland" herausgab, lag dieses 
Feld der schlesischeii (ieschichte scheinbar brach; noch jetzt ver- 
mag das Herzogthurn Troppau kein anderes Werk aufzuweisen und 
steht in dieser Hinsieht seinem Nachbar, dem Teschner Lande, offen- 
bar nach. Und doch war diese Unthätigkeit nur scheinbar, denn ab- 
gesehen von den dankenswerthen Arbeiten D'Elverts und Dudiks, 
hatte sich auch in Trojijiau »in Manu gefunden, welcher der heimat- 
lichen (ieschichle mit Eiftr nachforschte und der, hätte ihn nicht 
ein früher Tod der Wissenschaft entrissen, schon längst ein allen 
Anforderungen »'utsprechendes Geschichtswerk geschaffen haben 
würde. Es ist Franz Tiller, Beamte in Troppau (-j- 1856), der von 
dem (iriMidsatzc ausgehend, dass das urkundliche Materiale die 
Grundlage bieten müsse. Jahre lang mit rastlosem Eifer aus ver- 
schiedenen Quellen den Stoff für die Geschichte Troppaus sammelte. 
Leider kam der verdiente Mann nicht dazu, die Früchte seiner Be- 
mühungen zu ernten; ausser einigen kleinen Abhandlungen, die Tiller 
in den Schriften der historisch-statistischen Section veröffentlichte, 
blieben seine Samndungen unbenutzt und sind erst seit kurzem (1865) 
durch den hohen schlesischen Landesausschuss, der sie für das 
Landesarchiv erwarb, zugänglich und nutzbringend geworden. 

Noch ehe mir Tillers Nachlass bekannt wurde, hatte ich eben- 
falls den Entschluss gefasst, das gesammte Materiale für die Ge- 
schichte des Hcrzogthums Troppau zu sammeln, vorerst nur für die 
Zeit des Mittelalters. Die erste Frucht meiner Bestrebungen ist die 
vorliegende Abliandlimg, die einen noch wenig behandelten Theil der 
Geschichte des Herzogthums, besonders die genealogischen Verhält- 
nisse seines ältesten Fürstenhauses ausführlicher, al§ es bisher ge- 
schehen, darlegen soll. Die Troppauer Herzoge sind wohl schon früher 
auch besprochen worden, so hat Ens die Herzoge von Troppau und 
Jägenulorf, Minsberg') die von Leobschütz , Weltzel^) die 



von 



Geschichte der Stiidt Leobschütz. Neisse 1828. 
*) Geschichte der Stadt Ratibor. R-itibor 1861. 



Ratiboi- besonders behandelt, aber es fehlte bis jetzt eine Arbeit, 
welche die Pfemyslidischen Herzoge von Troppau etc. in ihrer Ge- 
sammtheit und im Zusammenhange dargestellt hätte. Die Geschichte 
des Landes konnte dabei — da sie von der Geschichte der Fürsten 
oft abweicht — natürlich nicht so ausführlich besprochen werden, 
als es der Gegenstand erfordert und zulässt. Die Schwächen, die 
meiner Arbeit anhaften, fühle ich nur allzugut, allein die Unzuläng- 
lichkeit des Materials zwang mich oft, zu Hypothesen meine Zuflucht 
zu nehmen, die vielleicht, sobald die Quellen in grösserem Umfange 
vorliegen , sich als unhaltbar ergeben werden. Oft ist durch neues, 
bisher unbekanntes Material eine Lücke geschlossen, das bisher nicht 
genügend Erklärte in einen bessern Zusammenhang gebracht worden, 
aber ebenso oft sind dadurch neue Lücken entstanden, bisher unbe- 
kannte Beziehungen und Thatsachen , zu deren hinreichender Er- 
klärung auch das neue Material nicht auslangte. 

Was meine Quellen betrifft, so habe ich vor allen anderen das 
Landesarchiv in Troppau zu nennen i), von geringerer Bedeutung 
ist das Stadtarchiv und die Urkundensammlung des Museums in 
Troppau. Manchen erwünschten Beitrag verdanke ich dem k. k. geh. 
Haus-, Hof- und Staatsarchiv, dem deutschen Ordensarchive in Wien 
und dem Stadtarchive in Leobschütz, von dessen Urkunden mein ver- 
ehrter Freund Herr H. Kleiber mir einige Copien besorgte. Es er- 
übrigt mir nur noch die angenehme Pflicht, allen denen, welche 
meine Bestrebungen auf dem Gebiete der heimatlichen Geschichte 
gefördert haben, den ergebensten Dank auszusprechen, besonders 
fühle ich mich dazu dem hohen schlesischen Landesausschusse gegen- 
über verpflichtet, der mir mit grösster Liberalität die Benützung des 
Landesarchives gestattete, meinem lieben Freunde Dr. Franz Kürsch- 
ner in Eger , dem Herrn Gymnasiallehrer H. Kleiber in Leobschütz 
und allen, die mich durch Rath und That unterstützten. 

Möge dieser Erstlingsversuch jene Nachsicht in der Beurtheilung 
finden, der er, wie ich mir wohl bewusst bin, in mehr als einer 
Richtung bedarf. 



1) Ich erlaube mir in dieser Beziehung auf meinen Aufsatz : Das Troppauer Laudes- 
archiv , in der Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Aiterthum Schlesiens VIII. 
p. 414 zu verweisen. 



Herzog Nikolaas I. 

1280— 1309. 

Obwohl der Ursprung der Pfemyslidisehen Herzoge von Troppau 
nicht in das Dunkel der Vorzeit, sondern in ein Jahrhundert fällt, 
von dem wir sonst verhältnissmässig gut unterrichtet sind , nämlich 
ins dreizehnte , so lauten doch die Nachrichten über die Entstehung 
des Herzogthums und dessen ersten Herzog unbestimmt und sich 
widersprechend — es ist daher unsere Kenntniss darüber höchst 
lückenhaft. 

Es ist bekannt, dass König Otokar während seiner Ehe mit 
Margarethe mit einem Hoffräulein Agnes aus dem österreichischen 
Geschlechte der Kunringe mehrere Kinder Erzeugte. Der erstge- 
borene — unser Nikolaus — erblickte 1236 das Licht der Welt und 
für ihn errichtete 1261 der Vater das Herzogthum Troppau, bisher 
ein ßestandtheil Mährens. 

So lautet die gewöhnliche Ansicht, gegen die, obgleich die Nach- 
richten so spärlich sind, sich Mehreres einwenden lässt. 

Es ist schon viel darüber gestritten worden, wer die Mutter 
unseres Herzogs gewesen«). Auffallend ist es, dass wir von einer 
Kunringerin Agnes in jener Zeit sonst gar nichts wissen 2), dagegen 
aber Otokars natürliche Tochter Agnes einen Kunring, Heinrich den 
Marschall von Österreich, heirathete. Es ist daher die Vermuthung 
gestattet, dass diese letztere zu der Behauptung Anlass gab, Otokars 
Geliebte sei eine Kunringerin gewesen. 



1) Fräst hat in Hormayrs Archiv 1819 Nr. 126 zu beweisen versucht, dass Otokars 
Geliebte keine Kunringerin gewesen, dagegen hat Meinert in den Wiener Jahr- 
büchern für Literatur, 22. Bd., Anzeigeblatt p. 34, an dieser festgehalten. 

2) Vgl. die Stammtafel der Kunringe in der Abhandlung Herrn v. Meillers : Die Herren 
von Hindberg, im 8. Bde. der Denkschriften der kais. Akademie. 



6 

Das Jahr 1256 als Geburtsjahr ist ebenfalls willkürlich ange- 
nommen. Die einzige Angabe , welche einen wenn auch nur wahr- 
scheinlichen Sehluss auf Nikolaus* Geburtsjahr zulässt, ist die, dass 
er 1273 vom Vater, als dieser im Kriege mit Ungarn bis Raab vor- 
drang, nebst 50 anderen zum Ritter geschlagen wurde «). 

Da nun der junge Knappe gewöhnlich im 20. oder 21. Jahre 
den Ritterschlag erhielt, so würde dies, auf Herzog Nikolaus ange- 
wendet, 1252 — 1253 als Geburtsjahr ergeben. Indess ist dieses 
Resultat unsicher, da bei Fürstenkindern die gewöhnlichen Bestim- 
mungen wohl nicht immer beobachtet werden s). 

Acht Jahre bereits war Otokar verehlicht, ohne dass er einen 
Erben seiner Siege und seiner Macht erhalten hätte. Der Versuch, 
den unehelichen Nikolaus vom Papste legitimiren zu lassen, um ihn 
im Nothfalle zum Thronerben zu erklären, gelang nur theilweise. 
Der Papst Alexander IV. befähigte Nikolaus wohl zur Annahme welt- 
licher Ehrenstellen und Würden 3) , erklärte aber in einer zweiten 
Bulle vom 21. October*), dass es nicht seine Absicht gewesen sei, 
die unehelichen Kinder zur Thronfolge zu berechtigen. Des Vaters 
Sorge musste einen anderen Ausweg suchen, um seinem Kinde eine 
ehrenhafte Stellung zu geben. 

Otokar soll daher 1261 Troppau von Mähren getrennt und es 
zu einem für Nikolaus bestimmten Herzogthum erhoben haben. 

Für das Jahr 1261 spricht, da wir keine urkundliche Nachricht 
darüber haben, eben nur der Umstand, dass Otokar bald nachdem 



^) lllic siiniliter omnes niuiiiciones machinis et pugna fortissiraa usque in Rab rex 
suo dominio subjugavit ihique 50 milites cum filio regis Boemie gladio sunt ac- 
cincti. Cont. Vind. Pertz, Mon. Xh 703. — Unter filius regis kann hier offenbar 
nur Nikolaus gemeint sein , da Wenzel (H.), geboren am 27. Sept. 1271, damals 
erst 2 Jahre alt war. 

~) Fräst hat a. a. O. aus der übrigens unechten Bestätigungsurkunde des Iglauer 
Bergrechtes von 1248—49 Wenzels und Otokars (Cod d. Mor. III. 117) heraus- 
lesen wollen, dass Letzlerer schon damals einen Sohn gehabt, der Niemand an- 
derer gewesen sein könne, als unser Nikolaus. Schon Meinert a. a. 0. hat nun auf- 
merksam gemacht, dass sich die Worte una cum filio nostro nicht auf Nikolaus, 
sondern auf Otokar beziehen. — Vgl. über die Urkunde Chlumecky, Regesten 
der Archive Mährens p. 10. 

") Urk. vom 6. Oct. 1260 im Cod. d. Mor. 111. 283, 

*) Ibid. in. 289. 



er die päpstliche Legitimation seiner Kinder erhalten, für diese be- 
dacht gewesen sein werde. 

Allein sicher ist diese Angabe nicht i) , vielmehr differiren die 
Meinungen älterer und neuerer Schriftsteller darüber sehr bedeutend, 
1234 — 1273 2). So viel aber kann als ausgemacht gelten, dass Niko- 
laus Troppau vor 1269 erhielt, denn in diesem Jahre erscheint er 
bereits als dominus Opavie unter den Zeugen in den Urkunden seines 
Vaters s). 

Eine andere Frage ist die, ob Nikolaus das Troppauer Land als 
Herzogthum, als Lehen der böhmischen Krone, — oder als Appanage 
nach Art der früheren Theilfürstenthümer erhalten hat. 

Gegen die erstere Ansicht, dass Nikolaus Troppau als Herzog- 
thum erhalten, lässt sich die später noch zu besprechende Thatsache 
anführen, dass Wenzel IL, des Nikolaus Halbbruder, diesen in sei- 
nem Besitze angriff und Nikolaus jahrelang sein Herzogthum meiden 
musste, und dass er selbst in seinen Urkunden nie von einem duca- 
tus, sondern nur von der terra oder provincia Oppaviensis redet. 
Und doch spricht Karl IV. in der goldenen Bulle vom 7. April 1348*) 
neben andern Privilegien von der donatio clare mcmorie illustris et 
excellentisprincipis doininiOttakari secundi quondamBoemie regis. .. . 
dum terram Moravie dividens ducatum et principatum Oppauiensem 
creavit ex novo, .... deren Originale von einigen Fürsten, dem 
Bischöfe Johann von Oiniiitz, Johann von Mähren und Nikolaus (II) 
von Troppau ge[»riift worden seien. 

Warum hat Nikolaus I. von dieser Urkunde nicht gegen Wenzel 
Oebrauch gemacht, der sie denn doch hätte berücksichtigen müssen? 
warum spricht Nikolaus II. 5), als er 1318 mit Troppau belehnt wird. 



') Obgleich Boc'ek in seiner Abhandlung: Mähren unter Rudolf (. Prag 183ö, p. 33, 
Anni. 70 sagt, es gehe darüber verliissliche und urkundliche Daten. 

-) Das .liihr 1234 gibt eine im vorigen Jahrh. für das Liehtensteinische Haus abee- 
fasste Schrift an. (Dudik. SteUung des H. Troppau zu Mähren p. 2ö3. Beil. XV). 
Dlugoss, lib. II und nach ihm Mathias de Miechovia und Cromer nehmen das .lahr 
1273 an. 

3) Urk. Otok. vom 4. .luli 1269 im Cod. d. Mor. IV, 27. 

*) Cod. dipl. Mor. VII, 564. Der betreffende Passus geht dann auch in andere Ur- 
kunden staatsrechtlicher Natur über, so in die des Markgrafen Johann von Mähren 
von 1350. (Sommersberg, I, 976.) 

*) Urk. vom 3. .luli 1318 (Cod. dipl. Mor. VI. 108) : contulerit in perpetuum terrara 
seu ducatum s u u m Oppauiensem. 



8 

von diesem als dem König Johann gehörig? Es scheint also, dass 
diese Schenkungsurkunde Otokars 1348 erst geschaffen wurde») — 
ein Vorgehen, das nicht vereinzelt dasteht und in der persönlichen 
Zuneigung Karls IV. zu Nikolaus II. , abgesehen von politischen 
Gründen, seine Erklärung findet. Es dürfte daher die Annahme die 
richtige sein, das Nikolaus Troppau zur Appanage erhielt; die Idee 
eines böhmischen Fürstenstandes, wie sie sich unter Karl IV. zeigt, 
war unter Otokar noch nicht vorhanden a). 



Nikolaus wurde am Hofe des Vaters erzogen, er begleitete, wie 
schon erwähnt wurde, denselben auf dem Zuge nach Ungarn 1273, 
erscheint 1278 7. Februar noch in Prags) und begab sich endlich 
mit dem Vater zum letzten Kampfe desselben, in den Krieg gegen 
Rudolf. 

In der Schlacht am Marchfelde 25. August 1278 wurde Niko- 
aus, der seinem Vater kräftig beistand, gefangen und nach Ungarn 
geführt, von wo er erst nach 2 Jahren zurückkehren sollte *). 

Nach dem Siege im Marchfelde brach König Rudolf auf und 
drang in Mähren ein, um nach Böhmen vorzurücken. Der Sohn des 
gefallenen Otokar, Wenzel II., war erst 7 Jahre alt, und nun entstand 
ein Streit um die Vormundschaft zwischen der Mutter, der Königin 
Kunigunde, und dem Neffen Otokars, dem Markgrafen Otto von Bran- 
denburg. 

Die Erstere wollte mit Rudolf einen Vertrag schliessen und ihm 
die Vormundschaft übertragen s). Derselbe ging darauf ein, ver- 



*) Es wurde ja damals auch die Belehnungsurkunde Richards von 1262 bestätigt, 
deren Authenticität ebenfaUs zweifelhaft ist. 

2) Ich verweise auf die weiteren Ausführungen bei Dudik a. a. 0. p. 18 ii. 236. Doch 
ist zu beachten, dass Dudik die Urkunde der Herzoge Boleslaw und Heinrich von 
Breslau vom Jahre 1311 nach dem schlechten Abdruck im Cod. dipl. Mor. V, 133 
in das Jahr 1302 setzt und daraus seine Schlüsse zieht. — Vgl. ferner Ficker, 
Vom Reichsfiirstenstand, Innsbruck 1861, p. 125. 

3) Baibin, miscellanea VIll. 158, 

*) Simon de Keza: filius vero ejus (sc. Otokari) dux Nicolaus in Hungariam dedu- 
citur captivatus, bei Endlicher, Mon, Arp. St. Gallen 1848. p. 121. 

5) Am 29. September 1278 ist der Gesandte Kunigundens, Jerozlaus von Krawaf, bei 
Rudolf, vgl. Bocek, Mähren etc. p. ö3. 



9 

sprach die Regierung zu übernehmen und wies der Königin ein Leib- 
gedinge von 3000 Mark auf die' Troppauer Provinz an (Herbst 
1278) 1). 

Dagegen rüstete nun Otto und die meist ihm anhangenden Ba- 
rone, doch kam es, da auch Rudolf neue Streitkräfte aus Osterreich 
und Steiermark an sich gezogen hatte, zu keiner Schlacht, sondern 
zu dem Vertrage von Czaslau, nach dem Otto die Vormundschaft 
auf S Jahre , Rudolf auf eben diese Zeit Mähren erhielt. Was hin- 
sichtlich Kunigundens bestimmt wurde, ist unbekannt, doch scheint 
die frühere Übereinkunft derselben mit Rudolf hinsichtlich ihres Leib- 
gedinges bestätigt worden zu sein. 

Allein der abgeschlossene Friede wie die darauffolgenden Hoch- 
zeitsfeierlichkeiten zu Iglau vermochten dem Lande nicht die nöthige 
Ruhe zu geben. 

Nach dem Abzüge König Rudolfs erschien Markgraf Otto und 
bemächtigte sich Prags, de» königlichen Schlosses und der Familie; 
Kunigunde wurde am 25. .länner 1279 Nachts nach der Burg Besig 
gebracht. 

Die Haft, in der Kunigunde sich nun befand , scheint denn doch 
nicht so streng gewesen zu sein 2), da die Königin schon am 12. Fe- 
bruar 1279 von Prag aus den Johannitern in Gröbnik bei Leobschütz 
ein Privilegium ertheilte a). Im Frühlinge aber floh sie, nachdem ihr 
die Gefangenschaft imerträglich geworden, nach Mähren und kam 
nach Brunn, wohin die Macht des Markgrafen nicht reichte. Anstatt 
aber gegen letztern zu ziehen, wie es die sich um Kunigunde sam- 
melnden mährischen Barone beabsichtigten, zog es diese vor, sieh 
in die ihr zugewiesene Troppauer Provinz zu begeben*), wo sie 
wahrscheinlich im Sommer (Juli) anlangte, begleitet von vielen 
Waffengefährten ihres Gemals wie Herbord von Füllstein, der sich 
in der Schlacht am IMarchfelde hervorgethan, Benesch von Beneschau, 
der 1253 Troppau gegen die Polen und Russen vetheidigt hatte — 
vielleicht aber auch schon von Zawisch von Falkenstein. 



') Ibid. p. '67. vgl. Chronicon Colraar. bei Böhmer, Fontes M. 63. 

') Vgl. Palacky II. 1. p. 329. — Bocek, Mähren, p. 24 spricht von „strenger deut- 
schen Hut". 

«) Cod. dipl. Mor. IV. 221. 

■*) Et arrepto itinere cum deberet venire in Moraviam, divertit gressus suos in Opa- 
viam .... Cont. Prag. Cosmae, Pertz, Mon. XI. p. 200. 



10 

In Grätz bei Troppaii nun hielt die Königin Hof und herrschte 
als „Herrin des Landes" durch das ganze Jahr 1279 <) — während 
Nikolaus noch in der ungarischen Gefangenschaft schmachtete. 

Es ist hinlänglich bekannt, was nun folgte, dass Kunigunde an 
dem schönen Zawisch, dessen Bekanntschalt mit der Königin wohl 
nicht aus der neuesten Zeit datirte , Gefallen fand, sich mit ihm 
beinilich vermählte, und einen Knaben gebar, dem sie nun das ihr 
als Witthum überlassene Land zuwenden wollte. Allein der gefangene 
Nikolaus, der so um sein Recht betrogen werden sollte, fand einen 
einflussreichen Freund, den Bischof Bruno von Olmützs). Er war 
es , der sich bei dem deutschen Könige für ihn verwandte und nicht 
nur Verzeihung, sondern auch das W'rsprechen Rudolfs erwirkte, für 
Nikolaus bei dem Könige von Böhmen und überall, wo er seiner Ver- 
mittlung bedürfen sollte, eintreten zu wollen 3). 

Nikolaus wurde nun aus der Gefangenschaft befreit und von 
Bischof Bruno wahrscheinlich im Mai 1280 nach Troppau geführt*). 
Ob dies auf gewaltsame Weise geschah, wissen wir nichts), sicher 
ist nur, dass Kunigunde sich noch 1281 (Februar?) in Leobschütz 
aufhielte), nachdem sie Ende 1280 in Prag gewesen, wo sie mit dem 
Markgrafen einen Vertrag geschlossen hatte , der ihr einen Jahres- 
gehalt von 1200 Mark sicherte. Nikolaus war nun Herr des Landes •), 
allein nicht unbestrittener, denn er fand Opposition in diesem selbst 



1) Die betreffenden Urkunden finden sich Cod. dipl. Mor. IV. 229, 230, V. 272, in 
Boceks Mähren etc. 

2) Bocek, Mähren, p. 34 und nach ihm Palacky, l\. 1. p. 341 nennen Bruno den 
Vormund des Nikolaus,, ohne dafür eine Quelle anzugeben. 

^) Bodmann, Cod. epist. 219, und Bocek, Mähren p. 72. 

*) Wenigstens befand sich Bruno mit vielen Edlen Mährens und Troppaus am 10. Mai 
in Katscher, 2 Meil. v. Troppau. Bocek a. a. 0. p. 73. 

^) Bocek a. a. 0. p. 34 sagt zwar, dass die Einsetzung des Nikolaus in Troppau mit 
Waffengewalt geschehen sei. Allein die einzige Quelle dafür ist der Welehrader 
Anonymus, den ich wegen seiner Zweifelhaftigkeit lieber bei Seite Hess. Vgl. 
Wattenbaeh, Geschiehtsquellen, 2. Aufl. S36. 

«) Cod. d. Mor. IV. 264. Die Urkunde hat kein Tagesdatum, eine Abschrift, die sich 
im Troppauer Landesarchiv befinden soll, hat III. Idus Februarii. — Auffallend ist 
das Jahr 1281. Palacky hat dieselbe Urkunde in seinen Formelbüehern zum Jahre 
1279 — so lang aber aus dem Original nicht dargethan wird, dass die Jahreszahl 
falsch ist, wird man daran nicht zweifeln dürfen. 

'J Schon am 16. April 1281 wird er dux Oppaviensis provinciae genannt. Excerpt 
bei Tiller. 



11 

und bei seinem Halbbruder, König Wenzel II. Die Hauptstadt des 
Landes Troppau widersetzte sieh dem neuen Herrn. Es scheint die 
Ursache nicht darin gelegen zu sein, dass Kunigunde die Städte für 
sich gehabt und Herzog Nikolaus den Adel zu sehr begünstigt, denn 
Jägerndorf nahm Nikolaus — wie es dieser selbst gesteht'), — als 
seinen natürlichen Landesherrn auf und unterstützte ihn im Kampfe 
mit seinen Gegnern. Man wird also einen principiellen Widerstand 
der Städte nicht annehmen können, wenn es auch wahrscheinlich ist, 
dass einzelne wie Troppau von Zawisch gewonnen waren. Im J. 1284 
endlich, nachdem durch den harten Kampf das Land unendlich gelit- 
ten, schlössen die Troppaner mit Herzog Nikolaus Frieden 2) und ge- 
lobten ihm treu anznhangen und impulsationem domini ac fratris 
nostri et dei gratia heredis regni Hohemie et mardiionatus Moravie, 
si ((uam erga nos habere eeperit, quod non credimus, non magis 
quam alie nostre civitates ... zu beachten. 

Man ersieht daraus, dass die Feinde unsers Herzogs von König 
Wenzel unterstützt wurden, und dies fülirl uns zu seinem Verhältniss 
zu seinem Hallibrnder. 

Sein Lainl hatte Herzdg Nikolaus zwar gewonnen, aber die Be- 
stätigung und die Genehmigung seines Besitzes von Seiten seines 
Königs hatte er noch nicht erreicht. Am Hofe Wenzels — eines 
minderjährigen Knaben — war eine wichtige und unserem Herzoge 
nichts weniger als günstige Veränderung vor sich gegangen. 1283 
wurde Kunigunde wieder an den Hof gezogen und im folgenden Jahre 
die Hochzeit mit Zawisch mit grossem Prunke gefeiert, der nun 
immer grössern Einfluss über den — wenn auch früh gealterten — 
königlichen Knaben erhielt. Nachdem er in Böhmen die Ordnung 
hergestellt, führte er 1280 den König nach Mähren, wo er in Brunn 
m Jänner eintraf. (Jleicbzeitig war auch Herzog Nikolaus dahin ge- 
kommen und schloss mit König Wenzel als Markgraf von Mähren 
endlich einen WalYenstillstand, Ende Jänner (?) 1286. Über die 
vorangegangenen Unterhandlungen wissen wir nichts s), hat sich 



1) Urkunde von 1281. Cod. d. Mor. IV. 265: propter nierita devotionis eorum , qua 
se gratos nostre reddiderunt celsitudini et acceptos in eo, quod nobis ad terram 
nostram Opavie venientilius nos domiuuoi eorum recognosceutes esse naturalem, 
pie susceperunt etc. 

») Am 3. April 1284. Cod. d. Mor. IV, 285. 

») Nur 1285. 26. Jänner . als der König mit dem römischen Könige in Eger zusam- 



12 

doch das Friedensinstrument nur in einer höchst ungenauen Form 
erhalten i)- 

König Wenzel sicherte dadurch Nikolaus das Herzogthum Trop- 
pau auf 3 Jahre, doch solle diesem dadurch kein neues Recht er- 
wachsen. Dagegen wolle er ihn in seinem Besitze gegen die Angriffe, 
von welcher Seite immer sie kämen, schützen» Die endgiltige Ent- 
scheidung sei dem Könige Rudolf ühertragen, Herzog Nikolaus habe 
während der 3 Jahre volle Sicherheit für seine Person — widrigen- 
falls der König dem Banne der Prager und Olmützer Bischöfe ver- 
falle; endlich werden zu Schiedsrichtern in etwa zwischen den bei- 
derseitigen Unterthaiien entstehenden Streitigkeiten Herzog Heinrich 
von Baiern und Markgraf Heinrich von Meissen ernannt. 

Man sieht aus dem Vertrage, dass Herzog Nikolaus in seinem 
Herzogfhume noch manchen Gegner haben mochte, dass aber Zawisch 
es nicht wagte, ihm jedes Recht abzusprechen und ihn gewaltsam 
zu verdrängen. Einstweilen sollte Nikolaus das Herzogthum besitzen, 
ob er sich Zawisch gegenüber werde halten können, war eine andere 
Frage; man konnte ja bei König Rudolf in einem dem Herzoge un- 
günstigen Sinne wirken! Dadurch aber, dass man dem deutschen 
Könige die Entscheidung übertrug, hatte Herzog Nikolaus eine Hand- 
habe gewonnen, der er sich, wie später wird gezeigt werden, auch 
bediente. 

Die Entscheidung des römischen Königs scheint weder innerhalb 
der 3 Jahre noch auch später gefällt worden zu sein , da Nikolaus, 
wäre sie ihm ungünstig gewesen, nicht nach 1289 als Herzog von 
Troppau hätte auftreten können, wie es thatsächlich der Fall war; 
andererseits hätte König Wenzel bei einem dem Herzog günstigen 



menkaiD , war auch Herzog' Nikolaus dort anwesend und bei der feierlichen Ein- 
weihung der Minoritenkirche betheiligt (ad missam vero prelibatam presens ad- 
stitit in vestitu deaurato dominus Nicolans dux Oppauiensis). — Nach Mittheilung 
meines Freundes Dr. Kürschner in Eger. 
^) Formelbuch des Hehiricus Italieus, herausgegeben von Voigt im Archiv f. Kunde 
österr. Geschichtsquellen, 29. Bd. p. 76. Da Herzog Nikolaus schon am 28. Fe- 
bruar in einer Urkunde Wenzels als dux Opauie vorkömmt, so muss der Ab- 
schluss des Waffenstillstandes in die zweite Hälfte des Monats Jänner oder in den 
Anfang des Februar fallen. Auf dieses Datum weisen auch die in der Urkunde er- 
wähnten chronologischen Angaben, so festum s. Georgii proximo venturum etc. 



13 

Urtheile diesem nicht cc. 1296 Troppau entziehen können oder im 
Gegentheile sich auf den Entschied Rudolfs herufen. 

So war endlich Herzog Nikolaus in seinem Erbe unbestrittener 
Herrscher, wie dies die von ihm in dieser Zeit (1286 — 94) ausge- 
stellten Urkunden beweisen i). Im Jahre 1289 Hnden wir H. Nikolaus 
in Prag bei seinem königlichen Halbbruder-), der sich von Zawisch 
inzwischen wieder abgewendet und denselben hatte gefangen nehmen 
lassen. Herzog Nikolaus würde auch wohl kaum nach Prag gegangen 
sein, wenn er nicht die Zawisch abgeneigte Stimmung des Hofes 
gekannt hätte. Nikohius hatte, wie es scheint, gegründete Ursache, 
bei Wenzel gegen Zawisch zu wirken. Letzterer hatte nämlich die 
Herausgabe der ihm von Kunigunde überlieferten königlichen Güter 
und Schätze verweigert und verlangte als Gegenleistung die Abtre- 
tung einer Provinz in Mähren für seinen Sohn Jessek, eine Forderung, 
von der Zawisch selbst nach zweijähriger Gefangenschaft nicht ab- 
stand. Man wird nun kaum irren — obwohl man hier nur auf Ver- 
muthungen angewiesen ist, — wenn man annimmt, dass Zawisch 
Troppau im Auge gehabt; es erklärt sich dann der Elfer, mit dem 
Nikolaus, die Vollmacht des Königs benützend, seinen langjährigen 
Gegner vor Frauenberg hinrichten Hess, 24. August 1290»). 

Herzog Nikolaus scheint nun die Gunst seines königlichen Bru- 
ders genossen zu haben, denn er begleitete diesen auf dem Zuge 
nach Polen 1292, auf dem Wenzel Krakau und Sendomir erlangte*); 
im folgenden Jahre wird Nikolaus Marschall von Böhmen s), und noch 
im Juni des .lahres 1294 finden wir Nikolaus als Herzog von Trop- 
pau 6). Von 1294 — 1298 wissen wir über Herzog Nikolaus gar nichts 



1) Abgedruckt im Cod. dipl. Mor. IV. Bd. 

*) H. Nikolaus ist Zeuge bei der Unterwerfung Herzog Kasimirs von Oppeln und 
Beuthen, 10. Jänner 1289 (Sommersberg I. 882). Ob diese Zusammenkunft mit 
dem Brünner Waffenstillstände zusammenhängt? 

*) Vgl. Cent. Vind. Pertz, M. XI. 716. Palacky II. 1. 360, und Lorenz, Deutsche Ge- 
schichte II. p. 504. 

*) Nikolaus ist Zeuge in eiuer Urkunde Wenzels vom 9. October 1292 in Sieradtz. 
Fiedler, Archiv für Kunde österr, Geschichtsq. XIV. p. 172. Vgl. Röpell, Gesch. 
Polens p. 690. 

*) Er nennt sich marsajcus Boemie in der Urkunde vom 13. Mai 1293. Cod. dipl. 
Mor. IV. 402. 

6) Urkunde vom 14. Juni 1294. Cod. d. Mor. V. 6. 



14 

und Troppau erscheint wieder im Besitze Wenzels i). Was die Ur- 
sache von Herzog Nikolaus* Vertreibung gewesen, ist ganz ungewiss, 
vertrieben aber wurde er; dies beweisen seine späteren Schritte und 
die Äusserungen Wenzels 2). Ob sich die Barone, unzufrieden mit 
seiner Herrschaft, empört, wie dies uns bei seiner zweiten Vertrei- 
bung erzählt wird, bleibt Unentschiedens), Oder hat sich vielleicht 
Nikolaus selbstständiger und unabhängiger stellen wollen? Wie wir 
früher gesehen, hatte er sein Land nicht als Lehen, sondern nur als 
Appanage erhalten, es lag aber in der Natur der Sache, dass sich 
bei Nikolaus das Streben entwickeln musste, sich zum selbstständigen 
Herzog zu machen; die Nachbarschaft Schlesiens wirkte in dieser 
Beziehung gewiss auf ihn. 

Wo sich Nikolaus von 1294 — 98 aufhielt, ist, wie gesagt, ganz 
unbekannt, in dem letzt genannten Jahre aber scheint eine Annähe- 
rung zwischen den feindlichen Brüdern herbeigeführt worden zu sein. 

Am 12. Februar 1298 fand in Wien die grosse Fürstenver- 
sammlung statt, der König Andreas von Ungarn, Wenzel von Böh- 
men, Herzog Albrecht von Sachsen u. a. beiwohnten und die unter 
dem ostensiblen Zweck der Verlobung des böhmischen Kronprinzen 
mit der ungarischen Prinzessin Elisabeth über den Sturz Adolfs von 
Nassau und die Erhebung Albrechts von Österreich verhandelte. 
Dieser wohnte auch Herzog Nikolaus bei *) und bei dieser Gelegen- 
heit scheint er sich mit Wenzel versöhnt zu haben. Man kann dies 
daraus schliessen, dass Herzog Nikolaus zwar Troppau nicht zurück- 
erhielt, dafür aber Statthalter in Polen wurde, wo er 1301— 1305 



Dessen erste Urkunde für Troppau ist vom 18. Dec. 1296. — Ibid. V. 36. 

2) In der Urkunde Wenzels für das Kloster Kamenz vom 23. März 1298 (Cod. dipl. 
Mor. V. 84) heisst es : villam nostram Trebenowitz , sitam in terra nostra Opa- 
vie, que quidem terra per alios occiipata tunc temporis tenebatur, religiosis 

viris donassemus, nuper post revoeationem diete terra ad 

manus nostras . . . daraus. Unter den alios sind wohl nicht, wie Dudik a. a. 0., 
p. 20 meint, Kunigunde und Nikolaus zu verstehen, sondern nur der letztere, 
Wenzel einem gewissen Günther von Troppau zur Belohnung der einst der Königin 
Kunigunde von Böhmen treu geleisteten Dienste ein Dorf in der Troppauer Pro- 
vinz anweist. (Formelbuch des Heinricus Ital. her. v. Voigt. Archiv XXIX. p. 79.) 

') Hieher scheint die Nachricht Pulkawas (Dobner, Mon. III. 231) von der Vertrei- 
bung des Herzogs zu gehören, der sie irrig zum J. 1290 setzt. 

*) Cont. Vind. bei Pertz, M. XI. 720. 



15 

sich aufgehalten zu haben scheint i)- Allein Nikolaus mochte einsehen, 
dass König Wenzel ihm t'reiwillig sein Erbe nicht werde zurückgeben 
wollen; er wandte sich daher an den römischen König Albrecht, 
1303. Die politische Lage war diesem. Schritte sehr günstig. Albrecht 
war sowohl über den Machtzuwachs Böhmens, das 1300 Polen er- 
warb und bald darauf Ungarn an sich zu bringen suchte, als über 
dessen Bündniss mit Frankreich besorgt, die Situation zwischen dem 
Wiener und Prager Hofe war daher sehr gespannt. Ende des Jahres 
1303 forderte König Al])recht die Herausgabe Ungarns, Polens und 
anderer Gebiete, darunter auch T r o p p a u, von König Wenzel 2). 
Der unglückliche Zug Albrechts, sowie der bald erfolgende Tod 
Wenzels (21. Juni 130.SJ führten zu einem Frieden (5. August 1305), 
in dem Albrecht von seinen Forderungen abstand. Dadurch aber war 
Herzog Nikolaus um eine Hoffnung ärmer geworden. Nachdem er sich 
den Feinden des Königs angescblossen, durfte er kaum noch hoffen, 
je wieder sein Herzogthum zu betreten. Da kam die Katastrophe, 
welche Böhmen traf, Herzog Nikolaus zu Hülfe. Nach etwas mehr 
als einjähriger Begiening wurde König Wenzel Hl. am 4. August 
1306 ermordet und so der böhmische Thron erledigt. In den darauf 



') 1301, Jiini, ist er in Posen (Nanisczewicz VIII. 75), 130ö, 8. Jänner in Pysdra 
laut der Urkunde, in welcher er als capitaneus regni Polonie befiehlt, dass dem 
Kloster Lad der Besitz des Dorfes Kossuty g^esichert werde (Muczkowsky und 
Rzyszezewski, cod. dipl. Poloniae 1. 163), vgl. Caro, Geschichte Polens p. 6. 
') Dies meldet Otokars Reinichronik (Pez, III. 701) : 

Er empot im auch mer 

Im het Klag getan 

Herzog Lukat von Polan, 

Daz in in het entwert 

und mit Gewalt pehert 

zwayer seiner Land 

die im zu erb waren penannt 

Zudmer, Krakaw; 

Und das Land zu Troppaw, 

das het er neulich abgetan 

seinem Bruder Herzog Niklan 

Mit Gewalt und an Recht. 
Die anderen Quellen, so das Chron. aulae regiae (Dobner, Mon. IV. 141) reden 
Ton Troppau allerdings nicht, dies darf aber kein Grund sein, an der Angabe des 
Reimchronisten zu zweifeln. Vgl. Kopp, Geschichte der eidgenössischen Bünde 
HI. 2. 346. Lichnowsky, Geschichte des Hauses Habsburg V. 238. 



16 

folgenden Wirren, in denen auch die böhmische Herrschaft in Polen 
zusammenbrach, gelang es unserm Herzog, sein Land wieder zu er- 
langen. Die Städte schlössen sich diesmal offen dem Herzoge an, der 
am 18. December 130G seinen 4 Städten Troppau, Leobschütz, 
Jägerndorf und Freudenthal aus Erkenntlichkeit, dass sie sich seiner 
Herrschaft neuerdings unterworfen, als dux, dominus et verus heres 
terre Opavie die Privilegien bestätigte i). Leider ist uns über diesen 
letzten Abschnitt der Regierungstbätigkeit des Herzogs Nikolaus wenig 
überliefert, zwei Urkunden aber aus den Jahren 1307 und 1308 
geben uns die Gewissheit, dass er bis 1308 in seinem Herzogthume 
ungehindert herrschte 2). Allein es war ihm nicht beschieden, fried- 
lich bis zu seinem Tode sein Erbe zu beherrschen. Die Barone des 
Landes — so wird uns erzählt — unzufrieden mit den Massregeln 
des Herzogs, widersetzten sieh ihm und zwangen ihn, seinem Her- 
zogthume zum zweitenmale den Rücken zu kehren, wahrscheinlich 
1309 3). 

Wohin sich Nikolaus begab, wissen wir nicht, wohl nach Brunn, 
wo er im Juli 1318 starb, arm an Gütern, reich an Tugenden, wie 
Abt Peter von Königssaal sagt*), durch mannigfache Schicksalsschläge 
geprüft. Es mochte sein Ende versüssen, zu erfahren, dass er nicht 
vergeblich gekämpft; kurz vor seinem Tode wurde sein Sohn Niko- 
laus H. mit dem Herzogthum Troppau belehnt. Sein Leichnam wurde 
in der Kirche der Minoriten in Brunn beigesetzt. Über die Gemahlin 
Herzog Nikolaus' ist nichts bekannt, nicht einmal ihr Name ist uns 



•) Cod. dipl. Mor. V. 209. Nikolaus sagt darin auch: Et ut predictorum civium 
nostrorum fidelis devotio, qua se nostro dominio commiserunt, aliaruin terrarum 
incolis ad nostram ditionem transeundi patulum sit exemplura etc. Diese Äusserung 
zeigt , dass Herzog Nikolaus sich in seinem Besitze sicher fühlen musste, wenn er 
andere Länder auffordern konnte, sich seiner Herrschaft zu unterwerfen. Vgl. 
Dudik a. a. 0. Beil. XVHl. p. 261. 

3) 1307, 29. Mai (Cod. dipl. Mor. Vi. 6) und 1308 (Schutzbrief für die Johanniter 
in Gröbnig. Ibid. VII. 793). 

*) Chron. aulae regiae (Dobner, V. 270) : insurrexerunt autem quidam barones de 
ducatu Oppavie contra Nicolaum duceni verum ipsorum dominum, qui frater ex- 
stitit domini Wenceslai regis Bohemie, fundatoris aule regle, et ipsum ducem 
expulerunt. 

*) Dobner, V. 368: ipse hoc anno satis pauper rebus sed dives virtutibus in Brunna 
moritur et in ecclesia fratrum minorum ibidem circa festuni beati Jacobi sepelitur. 



17 

aufbewahrt; ich vermiithe, dass sie Jiistiiia geheissen i)- Er hinter- 
liess zwei Söhne, Nikolaus und Wenzel, die uns später mehr beschäf- 
tigen werden. 

Das Interregnum 
von 1309—1318. 

Die Gegner des Herzogs wandten sich nun, nachdem ihnen 
dessen Vertreibung gelungen war, an Herzog Boleslaw von Breslau 2). 
Er war der Gemahl Margarethens , einer Schwester König Wen- 
zels ni. von Böhmen, und wenn dieser Umstand auch den Ausschlag 
nicht gegeben hat, so war er doch von grosser Bedeutung s). Sowie 
in Böhmen Heinrich und Johann gleichsam durch die Hand einer pre- 
myslidischen Prinzessin Ansprüche erhalten, so scheinen auch dieTrop- 
pauer Barone auf diese Verwandtschaft des Boleslaus ein Gewicht 
gelegt zu haben. Sie unterwarfen sich ihm, der andererseits die 
Gelegenheit benützte, für die seiner Gemahlin zugesagte Mitgift, die 
aber noch nicht ausbezahlt war, ein Pfand zu erlialten. Im Jahre 
1309 scheinen die Unterhandlungen mit den Troppauer Baronen be- 
gonnen zu haben, da wir erfahren, dass Herzog Boleslaw sich 1309 
in Troppau aufhielt*), wo er sich durch bedeutende Summen wahr- 
scheinlich Anhänger zu werben suchte. Die erste mir bekannte Ur- 
kunde, in der sich Boleslaw und sein Bruder Heinrich Herzoge von 
Troppau nennen, ist vom 28. März 1310 5) — die erste Urkunde 
derselben, die Troppau betrilTt, ist vom 2ü. Jänner 1311, in welcher 
sie dem deutschen Orden das von Herzog Nikolaus verliehene Patro- 



') Eine Notiz vom J. 1308 in Tillers N.'icliliiss im Tropp. Landesarchiv sagt, dass die 
Äbtissin von St. Clara in Troppau einen jälirliclien Zins von 3 Mark kaufte od 
kniezny Justiny na miestnnich Opawskych. 

') Die Nathricliten über die Herrschaft des Boleslaw über Troppau sind äusserst 
dürftig; das Beste findet sich noch bei Klose, Briefe über Breslau I. Bd. 

*) Freilich nicht in dem Sinne, wie üudik a. a. 0. p. 260 meint, wenn er sagt, dass 
nach dem Aussterben der Pfemysliden 1306 die weibliche Descendenz des Stammes 
Ansprüche auf Troppau erhielt! Warum hat dann Boleslaus erst 1309 Ansprüche 
erhoben? und wie kommen dann seine Brüder dazu? Warum aber nur Troppau 
und nicht ganz Böhmen? Wir wivssen nichts von einem besonderen Bechte Mar- 
garethens auf Troppau. 

*) Rechnungsbücher der Stadt Breslau (Cod. dipl. Sil. IH. 27): item domino nostro 
duci in Troppowe 300 marc. proniptorum. Dieselben erwähnen eine Reise des Bo- 
leslaw nach Troppau auch 1310 (ibid. 111. 29) und 1311 (IM. 31). 

5) Klose, I. 604 und Thebesius, Liegnitzische Jahrbücher II. 142. 
Archiv. XLl. 1. 2 



18 

natsrecht über die Pfarrkirche in Jägerndorf bestätigen i). Bis dahin 
scheinen die Herzoge Boleslaw und Heinrich Troppau innegehabt zu 
haben, ohne sich um die Bestätigung von Seiten des böhmischen 
Königs, der doch über Troppau zu gebieten hatte, zu kümmern. 
Allerdings hatte der damalige König Heinrich von Kärnten mit Sor- 
gen ganz anderer Art zu kämpfen, so dass er um das kleine Troppau 
sich nicht kümmerte; als al)er König Johann und mit ihm eine kräf- 
tigere Regierung in Böhmen auftrat, wurde auch das Verhältniss Bole- 
slaws und seines Bruders zu Troppau geregelt. 

Als König Johann im Frühjahre 1311 nach Mähren zog, kam 
auch Herzog Boleslaiis zu ihm nacii OlnüUz und versprach gegen 
Zahlung von 8000 Mark nicht nur Troppau herauszugeben, sondern 
auch auf jede weitere Mitgift seiner Gemahlin zu verzichten 2), ferner 
alle Kastellane in Grätz schwören zu lassen, nach Auszahlung des 
Geldes Grätz sogleich zu übergeben. Die Herzoge Bernhard und 
Heinrit'h von Fürstenberg gaben dazu ihre Einwilligung. Darauf er- 
folgte am 16. Juni die Huldigung der Städte Troppau, Jägerndorf 
und Leobschütz sowohl dem Könige Johann, als auf sein Geheiss den 
Pfandherren 3). 

Lange scheinen die Breslauer Herzoge Troppau nicht besessen 
zu haben. Schon im Olmützer Vertrage scheint es festgesetzt worden 



1) Iirig^ rait dem Üatum 1302 gedruckt im Cod. d. Mor. V. 133; ich bemerke, dass 
im Original (vgl. Beil. 1) das Wort quoadam fehlt und dass daher der Beweis 
Dudiks p. 20, dass Nikolaus 1302 nicht Herzog gewesen, in nichts zusamraenfällt. 
Übrigens durfte das qiiondam nur von verstorbenen Personen gebraucht werden, 
und 1311 und umsomehr 1302 lebte Nikolaus noch. 

2) Chron. aule regia (Dobner V. 270) : In premissa vero coucordia rex duei pro- 
misit, dare et solvere in certis terminis marcarum argenti Vlll milia ; promisit 
autem hanc pecuniam rex non solum ob hoc, ut terram Opavie dux resignet, sed 
ut de cetero de regno Bohemie domine Margarethe uxori sue dotalitium dux ilie 
non exigat vel requirat. Vgl. Palaeky 11. 2. 101. Die Verzichturkunde vom 11. Juni 
1311 Boleslaws und seiner Brüder findet sich im Cod. dipl. Mor. VI. 39, und Som- 
mersberg 1. 840. Das Original (im k. k. geh. Haus-, Hof- und Staatsarchiv) hat 111. 
idus Junii, nicht Julii, wie es im C. d. M. steht. 

5) Die der Stadt Troppau, ausgestellt XVI kal. .lulii von Albertus judex, ist gedruckt 
im Cod. dipl. Mor. VI. 36 (mit dem unrichtigen Datum XVII kal.). Die von Jägern- 
dorf, ausgestellt von Petrus judex, und Leobschütz, von Johannes judex, sind beide 
von demselben Datum und stimmen mit der Troppauer wörtlich überein. Die Ori- 
giniile im k. k. geheimen Staatsarchiv. 



19 

zu sein , dass über die Auszahlung der 8000 Mark verhandelt und 
dazu beiderseits Commissäre ernannt werden sollten ')• Die Auslösung 
seheint denn auch schon Ende des Jahres 1311 erfolgt zu sein, denn 
es findet sich keine Urkunde mehr, welche die Herzoge für Troppau 
ausgestellt; die letzte, in der sie sich noch Herzoge von Troppau 
nennen, ist vom 15. August 1311 2), im folgenden Jahre erscheint 
der ducatus Opavie nicht mehr in ihrem Titel a). 

Von 1311 — 18 war Troppau wieder mit Böhmen verbunden 
und unterstand dessen Könige, der in der erwähnten Zeit mehrere 
landesherrliche Verfügungen traf, die es unwiderleglich machen, 
dass das Herzogthum Troppau nicht mehr den Breslauer Herzogen, 
sondern dem Könige Johann gehorchte. So ])estätigte er ein Privileg 
des Städtchens Kranowitz im Trojijjauer Gehiele am 4. August 
1313 *), befreite die Leute des Klosters Welehrad, das im Troppaui- 
schen begütert war, von der Gerichtsbarkeit seiner Beamten am 
2. März 1315 5), und bestätigt der Stadt Jägerndorf einen Jahrmarkt 
am 2. Juli 1316«). 



Schon früher war Schlesien, besonders Oi)ersclilesien. mit Böh- 
men in eine nähere Verhindung getreten. Es ist bekannt, in welchen 
Beziehungen König Otokar II. zu den schlesischen Fürsten stand. 
Später waren es die oberschlesischen Herzoge, welche ihr Land 
von König Wenzel II. zu Lehen nahmen, und hätte dieser, statt um 
die polnische Königskrone zu kämjjfen, die Erwerbung Schlesiens 
angestrebt, dieses wäre um ein Menschenalter früher der böhmischen 
Krone einverlciht worden. König Johann war nun derjenige nicht, 
der das begonnene Werk hätte fallen lassen, er unterhielt denn auch 



') In der Uuldig^ungsurkiinde vom 16. Juni n. a. 0. heisstes: eis et eorum cuilibet 
servienius et obedienter suberimus tarn diu fideliter, quousque ipsis dicta octo 
iniiia marearum de cerfa illonim, qui ad hoc ex utraque parte deputati 
sunt, scientia ex integro persolvantur. 

2) Klose a. a. O. I. 607. 

3) Ks ist demnach irrig, eine von l."?!! — 18 ununterbrochene Herrschaft der Bres- 
liiuer Herzog-e anzunehmen, wie es noch Dudi'k p. 23 und D'EIvert, Verfassung und 
Verwaltung von österr. Schlesien p. 63 thun. 

*) Cod. dipl. Mor. VI. UZ. 
') Und. VI. Ol. 
«) ll)id. VI. 74. 

2» 



20 

Bezieluingcn mit Schlesien, deren Zweck die endliche Erwerhnng 
des Landes war. Desshalh wohl kam er auf den Gedanken, das Her- 
zogthumTroppauzu erneuen und es seinem getreuen Anhänger, Herzog 
Nikolaus IL, zu verleihen. Dadurch war an der Grenze Schlesiens ein 
getreuer Wächter seiner Interessen eingesetzt, der die ihm ergebene 
Partei verstärkte, denn der von ihm erhobene Herzog von Troppau 
unterschied sich im wesentlichen nicht mehr viel von den Herzogen 
Schlesiens, die sich ihm bereits unterworfen hatten i). Dies mögen 
wohl die Beweggründe gewesen sein, die König Johann veranlassten, 
den Herzog Nikolaus IL am 3. Juli 1318 mit dem Herzogthume zu 
belehnen. Es spricht für diese Ansicht der Umstand, dass König 
Johann Troppau nach der Einlösung von Boleslaw nicht mit Mähren 
vereinigte; in der bereits erwähnten Urkunde des Königs für Wele- 
hrad vom 2. März 1315 ~) heisst es nämlich in terra Morauie quam 
Opauie, man unterschied also schon damals Troppau von Mähren — 
ein Resultat der Regierung Nikolaus' I. 

Herzog Nikolaos IL 

1318-1300. 

Zeigt die wechselvolle Regierung Nikolaus' I. , dass die neue 
Schöpfung, das Herzogthum Troppau, nur langsam und theilweise 
gegen den Willen des böhmischen Königs Wurzel fasste und dass 
erst spät dieselbe vom Könige anerkannt wurde, so bietet die Regie- 
rung des Herzogs Nikolaus IL ein entgegengesetztes Bild. Der Trop- 
pauer Herzog ist beim Könige angesehen und beliebt und erhält durch 
dessen Gunst das Herzogthum Ratibor — also einen bedeutenden 
Machtzuwachs. Durch die Vereinigung desselben mit Troppau aber 
tritt letzteres aus dem kleinen Kreise hervor in die Gemeinschaft der 
schlesischen Fürstenthümer, Troppau wird von Mähren mehr abge- 
zogen und die Vereinigung mit dem nördlichen Nachbarlande an- 
gebahnt. 

Herzog Nikolaus IL aber tritt vom Schauplatze als Freund seines 
Lehensherrn , Karl IV., und als einer der angesehensten Fürsten 
Schlesiens. 



1) Vgl. Griiiihiigeii, Divslaii unter den Piaslen. 
^) Cod. d. Mor. VI. ßi. 



21 

Xikolaus If. war um das Jahr 1288 geboren i), über sein Vor- 
leben wissen wir sebr wenig; dass er am Flofe zu Prag erzogen 
wurde, wie viele bebaupten^), scheint mir nicht wahrscheinlich, 
weil der Vater von der ihm feindlichen Gesinnung Wenzels II. zu 
deutliche Beweise hattet). 

Wir erfahren von Nikolaus II. nichts, als dass ei'1312 mit 
andern mährischen Grossen vom Könige Johann Verzeihung dafür er- 
hielt, Riiiiherei und Faustrecht ausgeübt zu haben und den Eid der 
Treue leistete*). Vielleicht hatte die bisherige Haltung ihren Grund 
in der Gesinnung des Vaters; Nikolaus I. mag es gewesen sein, der 
den Sohn bewog, sich ge^en den König und die Landesgesetze zu 
erheben. Die persönliche Liebenswürdigkeit und Stattlichkeit des 
jungen Nikolaus 5) mögen im Verein mit den früher entwickelten 
politischen Gründen König Johann bewogen haben, Nikolaus am 
3. Juli 1318 zu belehnen«). Als neuer Landesherr bestätigte von 
Brunn aus Herzog Nikolaus den Baronen und Edlen seines Herzog- 
thums dieselben Recht»' und GewoluiluMien, welche die Herren und 
Edlen des Königreiches Biihmen und der Markgrafschaft Mähren be- 
sitzen, am 19. Juli 1318, und in einer zweiten an demselben Tage 
ausgestellten Urkunde verspricht er, dass er alle Privilegien unver- 
brüchlich halten wolle 7). Es scheint als ob das erstere Privileg auch 
den Zweck gehabt, den Mährern jeden Vorwand zu einer Klage über 
die Entfremdung Troppaus zu benehmen. Der neue Herzog scheint 



«) Das Chroii. aule rejjie (Dohiier, V. MiS) s:igt , er sei 1318 beiliiufig- 30 Jahre alt 
{gewesen. 

2J So Kleiber, Geschichte der Stadt Leohsthiitz ((i)m(iiisial|.n.<^rainin von 1800, p. 11), 
Weltzel, Geschichte der Stadt Ratihor. Ratibor 1861, p. 73. 

*) Ich will damit nicht sagen, dass Nikolaus II. sich gar niclit am böhmischen Hofe 
aiifg-ohalteii, nur möchte ich dies für die Zeit bezweifeln, in der der Vater von 
Wenzel II. Troppaus beraubt war. 

*) Cod. dipl. Mor. VI. 383, vgl. Palacky, II. 2. p. 102. 

*) Das Chronicon aule regle (Dobner, V. 368) nennt ihn einen elegans juvenis. 

*) Die Urkunde, in der Nikolaus erklärt, von Johann Troppau als Lehen erhalten zu 
haben, ddo. Prag, 3. Juli 1318, ist oft gedruckt. Cod. dipl. Mor. VI. 108, Som- 
mersberg, 1. 840. Das Orig. im k. k. geheimen Staatsarchiv. Über ihre staats- 
rechtliche Bedeutung vgl. Dudik a. a. 0. p. 30, 

'j Die Originale befinden sich im Troppauer Landesarchiv ; beide sind gedruckt als 
Transsurapte in der Urkunde von 1339, 8. Juli, im Cod. dipl. Mor. VII. 176. 



22 

die Gunst des Königs in hohem Grade besessen zu haben »); er war 
in seiner Begleitung, als Johann, der mit seiner Gemahlin Elisabeth 
in Zwist gerathen war, gegen Prag zog, wohin sich die Königin be- 
geben hatte, um die angeblichen Rebellen zu unterwerfen, 1319 2); 
darauf folgte Nikolaus dem Könige in die Lausitz, auf die Johann 
nach dem ^'ode des letzten Askaniers Waldemar von Brandenburg 
theilweise Ansprüche erhob und von der er auch Budissin erhielt 3). 
Die nächsten Jahre scheint Nikolaus in Troppau seinen Aufenthalt 
genommen zu haben*). 

Allein schon im Jahre 1323 erscheint Nikolaus wieder in Be- 
gleitung des Königs und in dessen Angelegenheiten selbst thätig. Er 
ist bei Johann in Göding, als dieser am 18. September 1323 durch 
Vermittlung des ungarischen Königs mit den Herzogen von Österreich 
Frieden schlösse), und Nikolaus scheint auch in dem Gefolge des 
Königs verblieben zu sein bis zu dessen baldiger Abreise aus Böhmen 
im Oktober 1323«). 

Dieser freundschaftliche Verkehr macht es unwahrscheiidich, 
darin ein Zeichen des Uebehvollens des Königs gegen unsern Herzog 
zu sehen, oder gar an eine Entziehung des Herzogthums zu den- 
ken '), wenn Johann im Vertrage zu Müntzilles ») am 2. Juli 1324, 
den er mit Heinrich von Kärnten schloss, um die Vermählung seines 
Sohnes mit dessen Tochter Margarethe zu Stande zu bringen, davon 
spricht, er wolle seinem Sohne geben: Mähren, dazu das Land 



1) Der König erhob Nikolaus damals zum Kämmerer des Königreichs Böhmen. Chron. 
aule regia (Dobner, V. 368). 

3) Chron. aule regle (Dobner, V. 378): Porro Nicolaus dux Oppavie , Heinricus 
de Lypa et fere omnes regni nobiles in Castro erant cum rege, qui omnes con- 
suluerunt, quatenus rex se deberet de illis rebellibus civibus acriter vindicare. 
Vgl. Palacky, II. 2. p. 133. 

8) Am 22. September 1319 ist Herzog Nikolaus in Castro apud Oelsnitz. Köhler, cod. 
dipl. Lusatiae superioris. I. 23S u. 236. 

4) Am 28. Mai 1322 ist Nikolaus in Beneschau. Cod. dipl. Mor. VI. 134. 

5) Urkunde bei Kurz, Österreich unter Friedrich dem Schönen, p. 479. V^gl. Palacky, 
II. 2. p. 132. 

6) Am 28. September 1323 ist II. Nikolaus in Prag beim Könige. Cod. dipl. .Mor. VII. 
818. 

^j Wie Kleiber, Geschichte von Lcobschütz a. a. 0. p. 13. 
8) Cod. dipl. Mor. VI. 200. 



23 

Troppau mit all' den Rechten als wir es inne haben, das Land 7ai 
Glatz und Biidissin. 

Dass König Johann berechtigt war, seinem Sohne einige Länder 
als Lehen zu übertragen, steht fest; eben so, dass Johann damals 
Troppan inne hatte — nämlich als Lehensherr; desshalb ist hier der 
Zusatz — als wir es inne haben — beigefügt, der bei den dem 
Könige unmittelbar unterstehenden Lehen fehlt. 

Die vielen Reisen und Verbindlichkeiten hatten die Folge, dass 
sich Herzog Nikolaus nicht nur Geldverlegenheiten aussetzte «)» son- 
dern auch sich um sein Fürstenthum nicht in wünschenswerther 
Weise bekümmern konnte. Diese Rücksiciiten bewogen ihn wohl, 
nun eine längere Zeit im Lande zu bleiben; bis zum Sommer des 
Jahres 1334 scheint Herzog Nikolaus sein f^and nicht verlassen zu 
haben 2), 

Erst 1330 finden wir ihn bei König Johann in Regensburg, wo 
er den WalTenslillstand , den dieser mit Kaiser Ludwig schloss, als 
Bürge unterschrieb s). Den Grund zu dieser Reise kennen wir aller- 
dings nicht, doch wird man — wenn eine Vermuthung liier am 
Platze ist — vielleicht niclil irrt'u, d;iss es die Erbfolge in Ratibor 
gewesen sein mag, die den Herzog zu dieser Reise veranlasste. 

Herzog Nikolaus war nämlich der Schwager des letzten piast^ 
scheu Herzogs von Ratibor, Lesko, der denn auch im folgenden 
Jahre 1330 starb*). Da derselbe ohne Erben dastand, musste natür- 
lich Herzog Nikolaus als Agnaten und Nachbarn ganz besonders 
daran gelegen sein, die Successionsfrage in einem ihm günstigen 
Sinne gelöst zu sehen, umso mehr, als auch die andern Nachbarn 
Leskos ein unzweifelhaftes Gelüste auf das Erbe an den Tag legten. 



') Wir hören von einer neldinalinun-,' einifrcr Prag-er Bürger , die :iller(iin<,'-s in eine 
spätere Zeit fällt, da Nikolaus bereits Herzog von Troppau und Ratibor genannt 
wird. Jacobi, cod. epistol. Job. reg. Bob. Berlin 1841. .\r. 10. p. 8, und Cod. d. 
Mor. VII. 904. 

2) Die Urkunde vom 22. Mai 1334, cldo. Prai^-, ist verdäcbti-j; sie ist uäinliih nur in 
einer Abschrift von 1670 erhalten. 0. d. M. VII. 12. 

3) Am 10. September 133ä. Cod. d. Mor. VII. 04. Vgl. Biibtner, Regesten König 
.Johanns Nr. 208, Palacky, II. 2. p. 219. Anm. 271. 

*j übiit Serenissimus princeps et dominus Letztko, dux Italilioiien.sis et Oppolliensis 
(1330). Raliborer Chronik in der Zeitschrift des Vereins fiir (iescli. u. Alterthum 
Schlesiens. IV. IKi. 



24 

Der Umstand , dass Herzog Nikolaus' Ehe auf diese Art eine 
politische Bedeutung erlangte — die seine zwei nachfolgenden Ehen 
ebenfalls in Anspruch nahmen — macht es nothwendig, über diesel- 
ben ausführlicher zu reden. 

Bald nach seiner Erhebung zum Herzoge, wenn nicht früher i), 
heirathete Herzog Nikolaus Anna, die Tochter des Herzogs Pfemysl 
von Ratibor (f 1306, 7. Mai). Ihre jüngere Schwester Eufemia 
nahm 1313 in dem von ihrem Vater in Ratibor gestifteten Domini- 
kanerinnenkloster den Schleier«); als daher Lesko 1336 die Augen 
schloss, war Anna, Herzog Nikolaus' Gemahlin, die letzte vom Stamme 
der Ratiborer Plasten. Allein die andern oberschlesischen Fürsten, 
wie Kasimir von Teschen, Wladislaw von Beuthen, Bolko von Fal- 
kenberg, Albert von Strehlitz und Johann von Auschwitz glaubten 
als Anverwandte Leskos ein näheres Recht auf das Erbe zu haben; 
stammten sie doch alle aus einem Geschlechte — und die Erinnerung 
daran War noch nicht erloschen; — für sie sprach ferner das polni- 
sche Recht, das in Ermanglung von Söhnen den Anverwandten mit 
Ausschluss der Töchter das Erbe zusprach »). Andererseits mag 
Herzog Nikolaus — der Sohn eines unebenbürtigen Prätendenten und 
seit kurzem erst aus der Dunkelheit gehoben — gar viele Neider 
Älter den Nachbarn gehabt haben, die dem Parvenü das reiche Erbe 
missgönnten. Allein Herzog Nikolaus scheint von König Johann eine 
bindende Zusage erhalten zu haben, da dieser den Herzog für seine 
Verdienste belohnen wollte*). Nikolaus wurde wahrscheinlich Ende 
1336 mit Ratibor belehnt 5). Damit aber gaben sich die oberschle- 



^) Darauf weisen die Worte des Chronicon aule reg. (Dobner, V. 368): Nicolaus 
itaque junior ducatum suscipit Opavie , ducitque filiani ducis de Ratibor legi- 
tima pro uxore. 

2) Weltzel, Geschichte der Stadt Ratibor. p. 63. 

^) Biermann, Geschichte des Herzogthums Teschen. Teschen 1863. p. 138. 

*) Im .1. 1328 hatte sich Nikolaus für Johann bei Heinrich von Kärnten für 40.000 Mark 
verbürgt. Cod. dipl. Mor. VII. 852. 

*j Über die Zeit, wann Nikolaus Ratibor erhielt, sind wir im Dunkeln, da wir den 
Todestag Leskos nicht kennen; jedenfalls vor dem 13. Jänner 1337, an welchem 
Tage sich Nikolaus schon Herzog von Ti'oppau und Ratibor nennt (Pelzel, Karl IV., 
I. 72). Merkwürdigerweise erscheint aber Lesko noch in einer Urkunde vom 
J. 13.39 (Sommersberg, l. 773. vgl. Grünhagen im Cod. dipl. Sil. MI. 90. Anm. 4). 
Es ist die Urkunde, in welcher K. Kasimir von Polen erklärt, dass er auf alle 



25 

sischen Fürsten nicht zufrieden; als König Johann im Jahre 1337 
auf seinem zweiten Zuge nach Litlhauen in Breslau anlangte, wurde 
ihm der Streitfall zur Entscheidung vorgelegt mit der Bitte, er möge 
dem Herzoge Nikolaus Ratihor entziehen und ihnen als Lehen das- 
selbe übergeben, da sie nach polnischem Rechte nähere Ansprüche 
hätten. Es war gewiss nur eine Komödie, dass Herzog Nikolaus sich 
anscheinend erzürnt entfernt, weil König Johann sich für das polnische 
Recht erklären zu wollen schien, und dass Letzterer nur durch des 
Nikolaus Freunde besänftigt wurde: der König wollte offenbar die 
oberschlesischen Fürsten durch ein zu rasches Eingehen auf die For- 
derung des Troppauer Herzogs nicht beleidigen. 

Am 14. Jänner 1337 erhielt Nikolaus die Zusicherung seines 
neuen Besitzes gegen Abtretung von Kosel und Gleiwitz i) und die 
Versicherung, dass er nicht nach polnischem, sondern nach deutschem 
Lehensrechte Rede stehen solle 2). So hatte Herzog Nikolaus ein 
neues Herzogthum dem alten hinzugefügt, und er konnte sich dazu 
gewiss Glück wünschen; allein die Nachwehen blieben nicht aus: 
einige der zurückgewiesenen Rivalen scheinen zu den Waffen ge- 
griffen zu haben, so Bolko von Falkenbergs), der durch keine Ver- 
mittlung zum Frieden bewogen werden kdunte, und den sich Herzog 
Nikolaus, wie später gezeigt werden wird, erst durch die Verehe- 
lichung mit dessen Tochter Jutta vom Halse schaffte. 

Vielleicht steht aber mit der Erwerbung Ratibors auch im Zu- 
sammenhange, was kurz darauf, nachdem wir den Herzog in voller 
Gunst beim Könige gesehen haben, vorfiel. 



schlesischen Fiirstenthiimer verzichte. — Dieser Urkunde aber lag offenbar der 
Trentschiner Vertraff von 1333, wo Lesko mit Recht erwähnt wurde, zu Grunde^ 
und so erklärt sich der Irrthum, dass der 1336 verstorbene Lesko 1339 noch als 
lebend aufgeführt werden konnte. 

«) Das Wladislaw von Kosel erhielt, der es 1334 an Lesko verpfändet hatte. Weltzel, 
Geschichte der Stadt etc. Kosel. Berlin 1866. p. 64. 

2) Urkunde des Königs im Cod. dipl. Sil. VI. p. 180 u. 182. 

S) Ich schiiesse dies aus den Worten der päpstlichen Dispensationsbulle für Nikolaus 
vom S. Juni 1360 (Theiner, vetera mon. Polon. et Lithuaniae I. S9ä): quod olim 
sedandum gravia guerrarum discrimina, que inter duces predictos et eorum se- 
quaces dudum per multa tempora viguerant et vigebant, ex quibus erant hominum 
strages, depopulationes, incendia et alia mala plurima subsecuta et que per uiuitos 
principes super hoc laborantes sedari hactenus nequiverant — . 



26 

Es wird gesagt, dass sich die Barone über die IJeliandliing von 
Seiten des Herzogs beklagt, dass König Johann demselben sein Le- 
hen nehmen wollte und dass Nikolaus nur durch Karls Fürbitte ge- 
reitet wurde, doch musste er den König durch Abtretung von Zuek- 
manlel und Hermannstadt zu besänftigen suchen »). 

Man hat dies aus der Urkunde entnommen, in der Herzog Niko- 
laus die zwei Privilegien vom Jahre 1318 bestätigt und den Baronen 
seines Landes das Recht einräumt, im Falle der Rechtsverweigerung 
an den König von Böhmen zu appelliren 2) — da eine andere Quelle, 
die auch davon berichtet, die vita Caroli, keine Ursache angiebt 3). 
Mir scheint der Grund des Zornes, den König Jobann gegen seinen 
früheren Freund und Rathgcber plötzlich an den Tag legt, tiefer zu 
liegen, als in der UnzulViedenheit der Troppauer Barone; vielmehr 
war diese vielleicht nur eine Handhabe für den König, um Herzog 
Nikolaus zu demütbigen. 

Karl IV. gab später im Jahre 13G1 dem Herzoge die abgetre- 
tenen Besitzungen zurück*) und sagt, dass König Johann ihm die- 
selben entzogen ad suggestionem sinistram emulorum tuorum. Unter 
diesen aber dürften wohl kaum die Troppauer Barone zu verstehen 
sein, wahrscheinlicher die Herzoge von Falkenberg, Teschen etc., die 
1337 dem Herzog Nikolaus hatten weichen müssen und in der Unzu- 
friedenheit der Barone — die nicht zu läugnen ist — ein bequemes 
Mittel fanden, den Herzog zu verläumden^). Dabei dürfte noch ein 
anderer Umstand zu berücksichtigen sein. 



Cod. dipl. Mor. VH. 177. So Weltzel, Geschichte von Uatibor 74, Kleiber, Gesch. 
von Leobschütz p. lä. Ens, Oppaland I. 48 verinuthet, dass Herzog Nikolaus über 
die Geldforderungen des Königs unzufrieden war. 

2) Ddo. Olmütz, 8. Juli 1339. Cod. d. Mor. VII. p. 176. Orig. im Troppauer Landes- 
archiv. 

') Deinde pater meus processit versus Moraviam volens destruere Nicolaura ducem 
Opavie et Ratmarie (Ratibor). Quem patri meo vi.x reconciliavi; dedit tarnen 
patri meo castra et pecuniam multam. Vita Caroli. Böhmer, Fontes T. 238. 

*) Cod. dipl. Sil. VI. 187. 

*J Dass die emuli die wegen der Belehnuog Nikolaus' mit Ratibor unzufriedenen Her- 
zoge waren, geht auch daraus hervor, dass Johann dem Herzoge Nikolaus nach 
seiner Aussöhnung den Besitz Ratibors neuerdings bestätigte, 9. Juli 1339. (Cod. 
dipl. Sil. VI. 184), was durchaus überflüssig gewesen war , wenn nicht eben diese 
Angelegenheit im Spiele gewesen wiire. 



27 

Wenn man bedenkt, dass Markgraf Karl den Vater mit dem 
Herzoge aussöhnte und ihm später die in der Stunde der Bedräng- 
niss abgetretenen Besitzungen zurückgab, so wird man zu der Ver- 
muthung gedrängt, dass Markgraf Karl bei der Sache vielleicht nicht 
unbetlieiiigt war i). 

Wir finden denn auch, dass in diesem Jahre eine Entfremdung 
zwischen Johann und seinem Sohne eingetreten war, da Ersterer sich 
mit Kaiser Ludwig versöhnte, sogar auf dem Reichstage zu Frank- 
furt die Reichswürden und seine Länder zu Lehen nahm, ohne — wie 
es Karl mit Ludwig stipulirt — des Ersteren Wissen und Willen. 
Karl eilte denn auch zum Vater und erklärte den Vertrag von Frank- 
furt für erschlichen 2). 

Es ist wohl leicht möglich, dass die oberschlesischen Herzoge, 
die das Aufblühen des Parvenü mit scheelem Auge sahen, die Freund- 
schaft des Nikolaus mit Karl — neben der schon erwähnten Unzu- 
friedenheit der Troppauer Barone — benützt haben werden, um 
Ersteren beim Könige zu verschwärzen. 

Die drohende Gefahr ging indess an Herzog Nikolaus noch glück- 
lich vorüber. In Folge der Vermittlung Karls begnügte sich Johann 
mit der Abtretung der genannten Besitzungen, unter denen die Gold- 
bergwerke bei Zuckmantel den geldgierigen König besonders mögen 
gereizt haben, und mit der Zusicherung, die Nikolaus den Bjironen 
ertheille. Zum Zeichen der Versöhnung sicherte Johann am 9. Juli 
1339 i\cn Besitz des Herzogthums Ralibor und wiederholte die Ver- 
sprechungen von 1337, alles mit Einwilligung und Bestätigung des 
Markgrafen Karl s). 

Die folgende Zeit verfloss ruhig bis zum Jahre 1345. Nikolaus 



1) Wann Herzog Nikolaus zuerst mit Karl zusammentraf und Freundschaft schloss, ist 
mir unbekannt. Wir finden ihn schon 1334 als Freund Karls in gemeinsamer Unter- 
stützung lies Olmützer Bischofs Johann VI. (Wolko). Vgl. Chron. aule regia a. 
a. 1334. Richter, series episcoporum, p. 103. 

2) Palacky, II. 2, p. 23S, vgl. Böhmer, Regesten K. Johanns, i\r. 256 und Fontes 1. 
2Ö8. 

3) ich stelle das hier über den Zwist des Herzogs mit König Johann Gesagte nur als 
Vermuthung hin, zu der ich mich durch die ungenügende Erklärung dieser That- 
sache gedrängt füiilte. 



28 

hielt sich meist in seinem Herzogthiime auf, iiui' bei besonderen Ge- 
legenheiten verliess er dasselbe »)• 

Das Jahr 1345 brach zwar friedlich an, die politischen Bezie- 
hungen zwischen Böhmen und Polen aber, vor Kurzem noch die 
freundlichsten, hatten ein Gewitter heraufbeschworen, das sich zu- 
erst über Troppau entlud. Die Versuche Johanns, den Herzog Bolko 
von Schweidnitz, den Neffen Kasimirs von Polen, zur Anerkennung 
der Oberherrlichkcit Böhmens zu bewegen, hatten nebst anderen 
Ursachen Kasimir von der Allianz mit Böhmen abwendig gemacht. 
Als nun Johann im Frühling des Jahres 1345 Bolko in Schweidnitz 
belagerte, weil dieser Karl in Kaiisch hatte gefangen nehmen las- 
sen s), trat Kasimir, nachdem er zu Kaiser Ludwig übergetreten war, 
feindlich auf. Er fiel in das Herzogthum Troppau ein und belagerte 
das Städtchen Sohrau, Juni 1345»). 

Der Herzog bat den König Johann um Hilfe*), der denn auch 
eilends herbeikam und Kasimir bis Krakau zurückdrängte. Dass Ni- 
kolaus selbst dem polnischen Könige widerstanden, könnte man da- 
raus entnehmen, dass dieser 1346 am 15. Februar mit Herzog Wla- 
dislavv von Beuthen einen Vertrag schloss , nach welchem dieser 
keinen Feind des Königs, namentlich nicht den König von Böhmen und 
dessen Söhne oder den Herzog Nikolaus von Troppau begünstigen 
und in seine Festungen aufnehmen solle*). Der Krieg war bald 



*) 1341 war Nikolaus in Prag:, als Kasimir von Polen Johann in Prag' besuchte, vom 
13. Juli (Dogiel, Cod. dipl. Pol. I. 5) bis 24. August (Cod. dipl. Mor. VII. 248). — 
Im folgenden Jahre 1342 ist Nikolaus in Breslau, wohin Karl gekommen war, der 
in diesem Jahre die Regierung Böhmens vom Vater übernahm. Hier in Breslau er- 
klärte Nikolaus nebst mehrern anderen schlesisehen Fürsten nochmals, dass sie 
ihre Länder von Böhmen als Lehen erhalten hätten (Sommersberg, I. 788, Stenzel, 
Bisthumsurkunden, p. 349). — Im J. 1343 erscheint Nikolaus ebenfalls in Prag; 
er ist Zeuge, als sich die Herzoge Wenzel und Ludwig von Liegnitz zu Vasalleu 
des böhmischen Königs erklären, den 30. Juli 1343 (Cod. dipl. Mor. VlI. 362). 

2) Vgl. Palaeky, II. 2. p. 2S9. 

^) Vgl. vita Caroli bei Böhmer, Fontes I. 267. Franciscus Canon. Prag, bei Dobner, 
Mon. VI. 294. — Caro, Geschichte Polens p. 269. 

*) Nicht unerwähnt will ich es lassen, dass die böhmischen Barone nicht nach Trop- 
pau ziehen wollten, als König Johann zu Kuttenberg sie dazu aufiorderte, weil sie 
nicht verpflichtet wären — ausser Landes zu ziehen! Also rechneten sie Troppau 
nicht mehr zu Mähren! Es ist Schade, dass Dudik diesen Umstand nicht beachtet 
hat. 

5) Urkd. bei Doggiel, Cod. dipl. Pol. I. Ö38. Vgl. Caro a. a. 0. 274. 



29 

wegen des Mangels an Lebensmitteln beendet und Herzog Nikolaus 
begleitete seinen König nach Breslau '). 

Die überstandene Gefahr hat Nikolaus noch mehr an das Haus 
seines Lehensherrn, besonders an Karl IV. geknüpft. Als dieser daher 
am 11. Juli 1346 zu Rense zum römischen Könige gewählt wurde, 
war es Herzog Nikolaus, auf den die Wahl Karls fiel, mit dem Bisehofe 
Ernst von Prag dem Papste in Avignon die geschehene Wahl zu noti- 
ficiren^). — Am 26. November desselben Jahres war Herzog Niko- 
laus bereits wieder in seinem Herzogthume s), wo er indess nicht 
lange verweilte, da König Johann am 26. August 1 346 in der Schlacht 
bei Crecy gefallen war und Karl nach längerem Verziehen in Prag 
gekrönt werden sollte. Der Krönung, die am 2, September 1347 statt- 
fand, wohnte Herzog Nikolaus bei*); er blieb auch bei Karl, in dessen 
nächster Umgebung er sieh befunden zu haben scheint, als dieser zu 
einem entscheidenden Feldzuge gegen Ludwig aufbrach. Selbst als 
die Kunde vom Tode des Kaisers eintraf und Karl sein Heer entliess, 
blieb Nikolaus und begleitete den König nach Nürnbergs). Ob er der 
stetige Begleiter Karls blieb, ist ungewiss, doch wahrscheinlich, da 
er am 7. April 1348 wieder in Prag erscheint«). An diesem Tage, 
dem Stiflungstage der Pragt'r Universität, gab Karl jene goldene 
Bulle, die das staatsrechtlielie Verhältniss Mährens und seiner Theile 
des Bisthums Olmiitz und des Herzogtluims Troppau zu Böhmen 
regelte. 

Das Verhältniss Troppaus zu Mähren und Schlesien erfordert 
eine Besprechung für sich, die einer Geschichte des Troppauer Her- 
zoggesehlechtes fernliegt; allein so viel dürfte doch feststehen, dass 



1) Urkunde vom 11. August 1343 bei Jacobi a. a. 0. p. 107. Nr. ;Jil. 

2) Mox principes electores niittunt suos solemiies ambassiatores videlieet venerabileni 
in Christo patrein dominum Arnestum sancte Pratensis ecciesie ari-hiepiseopum 
primum et ma^nificum principem dominum Nicolauin ducem Oppavie et Ratiborie 
cum decreto electionis ad summum pontificem in oivitatem Aviniensem. Bene.sch 
von Weitmül bei Dobner, Mon. IV. p. 30. 

"} Urkunde im Cod. dipl. Mor. VII. SO.;. 

*j Am 1. September ist er bereits in Prag , Urkd. bei Somiuersberg, I. 733. Vergl. 

Palacky, 11. 2, p. 2Sl. 
*) Urkunde Karls vom 2t. November 1347. Cod. dipl. Mor. VM. 344. 
»>) In den verschiedenen Bestätigungen Karls von jenem Tage ist Nikolaus Zeuge. 

Cod. dipl. Mor. VII, 553 etc. 



30 

durch die Bulle Karls IV. Troppau ein unmittelbares Lehen IJüli- 
mens, der Herzog von Troppau also von Mähren unabhängig wurde, 
wenn auch das Landreeht in Troppau seine Belehrungen in Olmütz 
und Brunn nachsuchte i). 

Es ist daber entschieden zu bestreiten, dass mährische Be- 
schlusses) für Troppau gültig gewesen wären. Mähren gegenüber 
erscheint jetzt Troppau coordinirt s), durch die Verbindung mit Ra- 
tibor wird es zu Schlesien gezogen, wobei nicht zu übersehen ist, 
dass, wenn die Vereinigung beider Herzogtbümer in Einer Hand von 
längerer Dauer gewesen wäre, die Verbindung mit Schlesien viel 
früher, als es thatsächlich der Fall war, erfolgt sein würde. 

Das Band, das bisher Karl IV. mit unserem Herzoge verknüpfte, 
wurde 1350 dadurch fester geknüpft, dass Karls Bruder Johannn 
Heinrich nach seiner Scheidung von Margarethe von Tirol sich mit 
der gleichnamigen Tochter des Herzogs Nikolaus verniäblte*). Letz- 
terer blieb eine Vertraucnsperson Karls IV., er erscheint 1351 s) und 
1353«) in Angelegenheiten des Letztern in Breslau, im Jahre 135S 
zog er zur Kaiserkrönung Karls nach Italien ") und begleitete diesen 



1) Dass dies beim Bisthumo Olniiitz nicht geschehen konnte, erklärt sich daraus, dass 
des Bisthums Besitzungen nicht compact waren. Dass aber die Bischöfe an eine 
vom Markgrafen exemte Stellung dachten, zeigt die Geschichte des Jahres 1608, 
in dem der Cardinal Dietrichstein erklärte, die bischöflichen Güter seien ein un- 
mittelbares Lehen der böhmischen Krone, der Bischof brauchte daher, wenn Mäh- 
ren an Mathias abgetreten werde, desshalb von Rudolf nicht abzufallen. Vgl. Bei- 
träge zur Geschichte Schlesiens, II. Heft. Troppau 1866. p. 4. 

2) Wie Dudi'k a. a. 0. p. 46 sagt. 

') Das bestätigt auch der Revers des Markgrafen .Johann von Mähren von 1349, 
26. December (Sommersberg, I. 976). 

*) Vgl. Benesch von Weitmül (Dobner , IV. 33). Wenn aber Albertus Argentinensis 
(ürstisius, II. lo7) sagt: Joannes autem frater regis filiam ducis Polonie, quam de 
Tropowe norainant, iuscio rege traduxit uxorem, de quo utique rex perturbatur, 
dass der König seinem Bruder desshalb gezürnt, so dürfte dieser Zorn eben nur 
der Heimlichkeit der Sache gegolten haben. 

*) Rechnungsbücher der Stadt Breslau, Cod. dipl. Sil. 111. 78. >'ikolaus befand sich 
unter den Gesandten Karls; was diese aber 1331 und 13S3 dort beschäftigte, weiss 
ich nicht anzugeben. Nikolaus war noch am 7. October 1331 in Breslau. Cod. 
dipl. Sil. VIU. 34. 

^) Palacky, Formelbücher, p. 363. 

'') Ludewig, reliquiae. V. 474. 



31 

auf der Rückkehr bis Regensburg i). Von nun an liess sich Nikolaus 
nur noch 1361 in Prag sehen, wo ihm Karl die im J. 1339 an König 
Johann abgetretenen Besitzungen zurückstellte 2). 

Das Alter hatte ihn denn auch schon übermannt und machte ihm 
das Reisen beschwerlich. Von diesem Jahre an blieb Nikolaus in 
seinem Lande, in dem er am 8. Decem])er 136S starb 3) mit dem Be- 
wusstsein, das Werk des Vaters erst recht begründet und gesichert 
zu haben, und beweint von seiner Gemahlin Jutta und einer zahl- 
reichen Nachkommenschaft. 



Es ist schon früher erwähnt worden, dass Herzog Nikolaus drei- 
mal verheiratet und dass jede seinerEhen zugleich von politischer Be- 
deutung war. Von seiner ersten Gemahlin Anna, der er das Herzogthum 
Ratibor verdankte, ist bereils gesprochen worden. Wann sie starb, 
ist unbekannt, sicher vor 1340, da in diesem Jahre Nikolaus von ihr 
wie von einer Verstorbenen spricht*). Sie hinterliess ihm einen Sohn 
Johann und mehrere Töchter. Eine, iMargarethe, heiratete, wie schon 
erwähnt wurde, den Markgrafen Johann Heinrich, dem sie drei Söhne 
und drei Töchter gebar 5). 

Eine andere, Eufemia, vermählte sich circa 1345 mit Semowit 
von Masowienß), der mit ihr zwei Söhne, Janusch und Semowit IV., 



1) Nikolaus ist Zeuge in Urkunden Karls für Eg-er vom 23. und 28. Juli 13;io. Nach 
einer freundlichen Mittheilung Dr. Kürschners. 

2) Cod. dipl. Sil. VI. 187. 

3) Weitzel, Gesch. von Ratihor p. 78. Die letzte mir bekannte Urkunde Nikolaus" II. 
ist von) 30. April 136ö, in der er dem Nonnenstift zu St. Clara in Troppau eine 
Mark jährlichen Zinses und das Gut Romslow schenkt. — Ungedrucktes Regest 
im Nachlasse Ens' im Trepp. Museum. 

*) Ac quondam consortis nostre karissime domine Anne. Cod. dipl. Sil. 11. 144. 

^) Vgl. Richter, Das Testament des Markgrafen Johann, im Notizenblatt der kaiserl. 
Akademie. 1831. p. 19o. Da der Markgraf 1364 schon wieder zu einer andern Ehe 
schritt, so rauss Margarethe vor diesem Jahre gestorben sein. 

6) Das Dispensationsscbreiben des Papstes Clemens VI. vom S. Janner 1347 (Theiner, 
Mon. vet. Pol. I. oOl) spricht schon von einer Nachkommenschaft. In welchem 
Verwandtschaftsgrade Semowit und Eufemia standen, weiss ich nicht, man müsste 
höchstens das als Ehehinderniss betrachten, dass Semowits Grossvater ßoleslaw II. 
eine Tochter Wenzels II. von Böhmen, Anna, zur Gemahlin halte und Eufemias 
Grossvater Nikolaus 1. des Wenzel Halbbruder war. Vgl. die Stammtafel bei Caro 
a. a. 0. p. 289. 



32 

erzeugte <). Im Jahre 1359 besuchte Nikolaus II. seine Tochter, deren 
Todesjahr unbekannt ist 2). 

Wann Herzog Nikolaus zu seiner zweiten Ehe schritt, wissen 
wir nicht; seine Wahl fiel auf Hedwig, die Tochter Konrads I. von 
Oels und Kosel 3), die von ihrem Vater 2500 Mark zur Mitgift er- 
hielt, wegen deren dann die Söhne unseres Herzogs mannigfache 
Weiterungen hatten. Aus dieser Khe entsprosste ein Sohn, wie der 
Vater Nikolaus genannt; ob und welche Töchter Hedwig hinterliess, 
ist unbekannt, ebenso die Zeit, wann sie starb. 

Im Jahre 1300 schritt Nikolaus zu einer dritten Verbindung, die 
den langwierigen Streit mit Bolko von Falkenberg beenden sollte*), 
Herzog Nikolaus, bereits hoch an Jahren, heiratete Bolkos Tochter 
Juttas); Papst Innocenz VI. bewilligte auf Bitten Karls IV. und 
König Ludwigs von Ungarn die nöthige Dispens, da beide durch 
Nikolaus' erste Gemahlin im dritten Grade verwandt waren, am 
5. Juni 1360«). Des Herzogs Unterhändler beim Papste war wahr- 
scheinlich der Ratiborer Sladtpfarrer Johann Dzecko, den der Herzog 
im Jahre 1364 dafür belohnte ■?). 

Auch diese Ehe war noch mit Kindern gesegnet, Wenzel und 
Pi-emko; wenn man aber unserm Herzoge noch Töchter aus dieser 



1) Dlugoss, üb. X. a. a. 1381. 

2) Urkunde Zemowits vom 12. Febr. l.'Jiig, unter deren Zeugen sich 11. Nikolaus be- 
findet. Muczkowski und Rzyezczewski, I. 21(i. 

3) Weltzel, Gesi-hichle d. Stadt Kosel. p. 78. 

*) Über diese Beziehungen des Troppauer Herzogs zu dem von Falkenberg sind wir 

noch gar nicht aufgeklärt. Vgl. oben S. 25. Anni. 3. 
*) Dass diese die dritte Gemahlin des Nikolaus gewesen, erhellt daraus, dass Jutta 

1377 noch urkundlich vorkommt, während Hedwig 1374 schon todt war. 
«.) Theiner a. a. 0. 1. 593. Die Verwandtschaft war folgende: 
Wladislaus von Oppelii 
f 1283 



Primislaus von Ratibor ßoleslaus von Oppeln. 

I I 

I Bolko von Falkenberg 

Lesko. Anna. , ,, 

Jutta. 

') Der Herzog spricht in einer Urkunde vom 30. Nov. 1364 von den grossen Dien- 
sten, welche .Johann Dzecko ihm besonders bei dem apostolischen Stuhle 
geleistet. Vgl. Weltzel, Gesch. v. Ratibor p. 331. 



33 

Ehe zuschreibt'), so ist dies eiitschietlen unrichtig. Herzog Nikolaus 
hinterh"ess nämlich noch drei andere Töchter, Elisabeth, Agnes und 
Anna: da diese aber schon 1340 genannt werden, so ist klar, dass 
sie von Anna, der ersten Gemahlin, abstammen. Sie traten alle drei 
in das Dorainikanerinnenstift in Ratihor, wo sie 1340 das erstemal 
als Nonnen genannt werden 2). Elisabeth kommt urkundlich 1386 
4. December das letztcmal vors), Agnes wird noch 1404 2S. Jän- 
ner erwähnt*), Anna aber heiratete, naclidem sie das Kloster ver- 
lassen, 13Ji4 den (iiafen Rurchard von Maidburg und Ilardek^). 

Des [lerzogs Nikolaus Bruder, Wenzel, tritt gegen erstem ganz 
zurück; er erscheint höclistens einigemal in den Urkunden desselben 
als Zeuge. 

Die vorniDodschnftliche Regierung Jolianns I, 

130.'; — i377. 

Es ist uns niclit Ix'kannt, ob Herzog Nikolaus II. vor seinem 
Tode eine Heslimmuiig über die Nachfolge in seinem Herzogthume 
gelroffen; wahrscheinlich ist es nichts), denn es entstand jetzt zwi- 
schen den Brüdern Johann und Nikolaus III. — die zwei jüngeren waren 
noch unmündig — ein Streit wegen der Thcilung. So viel war klar, dass 
auf Kalibor nur Johann, der Sohn der eigentlichen Erbin, Anspruch 
halte, und in diesem vSinne entscliied denn auch Karl IV., an den als 
den Freund iiires Vaters sich die Brüder wandten. Am 30. Jänner 
1366 belehnte er den Herzog Johann mit Ratihor^), nachdem des 
letztern Oheim, Wenzel, Nikolaus' H. Bruder, auf alle ihm etwa zu- 
stehenden Rechte zu dunsten .luhanns resignirt hatte»). — Hinsicht- 



') VVeltzcl a. ii. (). |). 78 s:ig:t, dass Nikninns .ins dieser dritten Ehe 5 Töchter g-e- 

haht hahe. Uies ist miriehti},', Nikolaus halle im (ian/.eii ö Töehter. 
i) Cod. dipl. Sil. 11. 140. 
3) Ihid. 11. 2T.i. 
*) Ibid. U. \8ä. 

5) n>id. II. 1 ;;.">. 

«) D'Elvert, Verlas-simg und Verwaltun;,- j.. (i!> , nimmt an, dass Nikolaus die Naeh- 
l'olge bestimmt habe: „Hie Söhne", heisst es, „waren reit der vom Vater ge- 
machten Theilung unzufrieden" — aber ohne Quellenangabe. 

7) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 31). Die Itestätigung König Wenzels von demselben Tage, 
ebenda Nr. 36. 

8) Cod. dipl. Sil. VI. Nr 37. vom 30. Jänner 1366. 

Archiv. Xl.l. I. 3 



34 

lieh des Zwistes mit Nikolaus wurde von K:ii'l, dem Herzog Ludwig 
von Brieg und Piemko von Teschen — auf welehe die beiden Brü- 
der eompromittirt hatten — am 28. Februar 13G7 entschieden, dass 
Herzog Nikolaus den vierten Theil von Troppau und das Ehegeld 
seiner verstorbenen Mutter Hedwig erhalte; dem Herzog Johann da- 
gegen fällt Hatibor zu, ebenfalls ein Viertel Troppaus und die Vor- 
mundsehaft über die jüngeren Brüder Wenzel und Premko '). 

Gleichzeitig scheint — worüber wir allerdings keine urkund- 
liche Nachricht haben — hinsielitlieh der Witwe Nikolaus' H., Jutta, 
bestimmt worden zu sein, dass ihr [jeobsehütz als Leibgedinge ange- 
wiesen werdet). Diese letztere Verfügung war vielleicht getrotTen in 
Folge der Fehde, die Herzog Bolko, der Vater Juttas, gegen Johann 
und den Herzog Preudco von Teschen begonnen hatte und die jetzt 
zu Prag ebenfalls von Karl IV. beigelegt wurde sj. 

Endlich fanden die beiden Brüder ihren Oheim Wenzel ver- 
tragsmässig dadurch ab, dass sie ihm jährlich 200 Mark verschrieben 
und mit ebensoviel seine Schulden zahlten*). Johann, der Herzog 
von Batibor und Vormund der Herzoge von Troppau, war wahrschein- 
lich in dem ersten Dritteides 14. Jahrhunderts geboren s). Das erste- 
mal begegnet er uns 1354 am Hofe des Vaters zu Ratiborö^, im fol- 
genden Jahre 1355 ') als Zeuge in einer Urkunde Karls IV., an dessen 
Hofe er sich lange aufhielt, zu einer Zeit, in der, wie wir wissen, sich 



•) SommorsbiTü^ I. 843. Jolianii sollte die Nikolaus zugesprochene Summe in 4 Raten 

abzahlen oder dieselbe nach dem gewöhnliehen Zinsfusse mit 10 Perc. verzinsen. 

Im Falle, dass Nikolaus stürbe, trete Herzog Konrad von Oels als nächster Agnat 

in dies Ueeht des Nikolaus. 
") Ich vermuthe dies, weil — damit ganz analog — damals auch Wenzel, Nikol. II. 

Bruder, abgefunden wurde, und weil Johann in der Urkunde vom 9. Miirz 1.371 

(Sommersberg I. 844) Leobschütz nicht erwähnt. 
3) Am 2. März 1367. Cod. dipl. Sil. VI. p. 189. Warum Bolko von Falkenberg gegen 

Premko von Teschen Krieg führte, weiss ich nicht; wahrscheinlich weil er 13ö5 

bei der Kosol-Beuthener Krbschafl ebenso abgewiesen wurde, wie 1337 bei der 

Ratiborer. 
*) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 41. 

^) Über sein Geburtsjahr ist uns gar keine Nachricht überliefert. 
*) Weltzel, Geschichte von Ratibor p. 7(5. 
'') Am 27. September 13S;j. Schriften der historisch-statistischen Section in Briinn. 

f. p. 66. 



35 

der Vater vom kaiserlichen Hofe mehr zurückzog; bis zum Jahre 
136 I scheint er an demselben verblieben zu sein «)• In diesem Jahre, 
also noch zu Lebzeiten des Vaters, vermählte sich Johann auf den 
Rath Karls IV. mit Anna, der Tochter Herzog Heinrichs von Glogau, 
der er 2000 Mark als Aussteuer verschrieb und der der Vater eben- 
so viel mitgab -). 

Nun nach den in Prag abgeschlossenen Vergleichen und Verträ- 
gen herrschte Johann fast allein als Herzog in beiden Fürstenthiimern, 
da Nikolaus gar bald gegen ihn zurücktrat. Was galt auch der Be- 
sitzer des vierten Theiles von Troppau gegenüber seinem mächti- 
geren Bruder? 

Wir besitzen aus jener Zeit von Nikolaus HI. nur eine einzige 
Urkunde, vom 13. December 1372, und in dieser erscheint er neben 
Johann»); ja der Letztere trifft allein Verfügungen, die den Herzog 
Nikolaus ebenfalls betrafen, ohne dass man von einer Zustimmung 
desselben etwas erfährt. So gibt Herzog Johann und bestätigt am 
26. Juli 1373 den Städten des Landes das Recht volle Gerichtsbai*- 
keit auszuüben*), 1371, 13. December der Stadt Troppau das Mag- 
deburger Recht 5). 

Nikolaus IH., der eine weichere Natur gewesen zu sein scheint, 
fand wohl einen Rückhalt an seinem Oheim, H. Konrad II. von Oels. 
Im aber aus dem uiiatigenehmen Verhältnisse zu seinem Bruder 
herauszukommen, that Nikolaus endlich einen entscheidenden Schritt: 



* ) Mit wenigen Ausnahmen; am 8. December 1358 war Johann in Ratibor beim Tode 
seiner Tante Eufemia. (Cod. dipl. Sil. II. 160.) 

*) Vertrag vom 20. Jänner 1361 bei Sommersberg 1. 843. Johann verspricht darin, 
wenn es n()thig sein soUte, die päpstliche Dispens zu erwirken. 

') Johann und Nikolaus bestätigen der Stadt Troppau alle Privilegien und Freiheiten, 
besonders den Gebrauch des Magdehurgischen Rechtes. Copialbuch im Trop- 
pauer Museum, fol. 22. — Dass, wie Kleiber, Gesch. von Leobschütz p. 19, ver- 
mulhet, zwischen den Brüdern eine Übereinkunft zu Stande gekommen sei, wor- 
nach sie bis zur Mündigkeit ihrer Brüder das Land gemeinschaftlich regieren 
sollten, halte ich nicht für wahrscheinlich. Johann urkundet eben für drei Viertel 
und Nikolaus für ein Viertel Troppaus. Überdies spricht eine Urkunde Johanns vom 
16. August 1373 dagegen. In dieser bestätigt er die Gründung einer Kapelle in 
der Troppauer Pfarrkirche in seinem und seiner Brüder Namen, „quorum curam 
provisionis gerimus". Orig. im Tropp. Stadtarchiv. 

*) Vgl. Beilage II. 

*) Copialbuch im Museum zu Troppau, fol. 21 . 

3* 



36 

er ccdirte seinen Antheil au Troppau seiiieiii Oheime Koiirad vdii 
Oels circa 1373 ') in der Absicht, das l^and zu verlasseu. In Folge 
dessen kamen am 1. März 1374 Johann und Konrad H. von Oels in 
Teschnau zusammen und vereinbarten, dass, wenn Herzog Nikohuis 
sterben sollte, Konrad dessen Antheil, „den er zu verwesen liat," 
dem Herzog .lohann und seinen nrüdern ausliefere, mibeschadet der 
2500 Mark, der Miltrill Hedwigs, die in diesem Falle Konrad H. ge- 
hören sollten '). Ol) Herzdg Nikolaus Hl. das [jaud verlassen und wo- 
bin er seine Schritte gelenkt habe, ist ganz unbekannt. Er kommt 
erst 1377 wieder zum Vorschein; Herzog Johann aber blieb bis zu 
dem genannten Jahre der einzige Beherrscher des Landes, obgleieb 
sieb jetzt ein Fremder eingedrängt. d«'r sich später mit Erfolg mehr 
geltend machen konnte. 

Im Jahre 1377 endlieh scheinen die jetzt mündig gewordenen 
Brüder Johanns auf eine Theilung gedrungen zu haben und Nikolaus HI., 
der seit 1374 verschwindet, erscheint ebenfalls wieder. Wahrschein- 
lich war auch Jutta um diese Zeit gestorben, da ihrer in den jetzt 
folgenden Verträgen nieht cedacbt und über Leobscliütz anderwei- 
tig verfügt wird a). 

Die Theilung \\nr(le auf folgende Art vorgenommen: die Herzoge 
Jobann nn<l Nikolaus wählten vier N'ertrauensmänner, Benesch von 
Krawai' auf Krumau, Nikolaus von Malenowitz, Kämmerer des Land- 
rechtes von Troppau. OtloStoscb und Alschik von Herrlitz, und ebenso 
die beiden jüngeren Herzoge Wenzel und Premko, nämlich Dirslaus 
von Krawal- auf Fulnek, Heinrieb von Füllstein, Wythe von der Wei- 
tenstadt und Bohusch von Orahofiisch. Diese acht Herren theilleu am 
18. April 1377 das Herzogthum Troppau vorerst in zwei Theile*): 
den Herzogen Johann und Nikolaus III. fiel Jägerudorf, Leobschütz, 
Freudenthal, Zuckmantel und Deutsch -Neukircb zu mit dem Sitz in 
Fürstenwalde und Etlelslein s). also der nordwestliche Tlieil ; die 



') Üa Nikolaus 1372. 13. Oec. noch mit .Toliami mkim.iet und Anfangs 1374 bereits 
seinen Antlieii ipilirl hat, so wird die Abtretung desselben wohl in das .lahr 1373 
fallen. 

2) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. Ö3. 

*) Am 27. Jänner urkundel ,lutta noch über den Verkauf der Stadlvogtei. (Minsberg- , 
Gesch. der Stadt Leobschiit/. p. 281.) Vgl. Kleiber a. a. O. p. 20. 

*) Cod. dipl. Sil. VI. p. 19S. 

6) Ibid. VI. p. 197. 



37 

Herzoge Wenzel und Premko aber erhielten Troppau, Landec-k, 
(lultschin, Fulnek und Odrau mit dem Sitz in Grätz •), den südöst- 
lichen Theil. Während die jüngeren Brüder das ihnen zugefallene 
Land gemeinschaftlich zu regieren gedachten, theilten Johann und 
Nikolaus III. nochmals; die acht Schiedsrichter wiesen dem Letztern 
am 21. April 1377 Zuckmantel , Leobschütz und Deutsch-Neu- 
kirch zu 2). 

So war das Herzogthum Troppau in drei Theile getheilt, und es 
sind demnach drei Linien zu unterscheiden; da aber Nikolaus III. 
ohne Erben starb, und sein Krbtheil Leobschütz an das Herzogthum 
Troppau fiel, wird es besser sein, eine Ralibor- Jägerndorfer Linie, 
deren Stammvater Johann I. ist, und eine Troppau- Leobschützer, 
die sich von Pi-emko herleilef, zu unterscheiden. 



|> Cod. di|.i. Sil. VI. |i. iy:>. 

J) Ibi.l. VI. |). -ioo. 



38 



A. Die Troppau-Leobschützer Linie. 
Herzog Preniko <). 

1377—1433. 

Ueber die Irüheren Scliicksale der beiden jungen Herzoge von 
Troppau, Wenzels und Pi'emkos, ist uns gar keine Nachricht über- 
liefert worden. Wir wissen nicht, wann sie geboren wurden, noch wo 
sie sich aufgehalten haben und erzogen wurden. 

Nach der Theilung vom 18. April 1377 zogen die Brüder nach 
Prag, um vom Könige sich mit ihrem Theile belehnen zu lassen. Dies 
geschah auch am 17. Juli 1378 durch König Wenzels), der auch 
die Bestimmung traf, dass, im Falle einer der Herzoge ohne Mannes- 
erben stürbe, das Erbe an den Bruder und dessen männliche Nach- 
kommen fallen sollte. 

Die Herzoge verweilten nicht lange in der böhmischen Haupt- 
stadt — Karl IV. lag gerade todlkrank darnieder — , sondern kehr- 
ten in ihr Herzogthum zurück, wo wir sie schon am 18. August 
1378 finden 8). 

Aus der Zeit der gemeinschaftlichen Regierung Wenzels und 
Premkos sind uns wenig Nachrichten erhalten, wir erfahren nur, dass 
sie im Jahre lo80 bedeutende Sunnnen „für ihre Notlidurft" aus- 
liehen, für deren Zurückerstattung sich die StadtTroppau verbürgte*); 



1) Die ersten Jalire von 1377 — 1381 logierte Proniko nicht iillein, sondern mit sei- 
nem Bruder Wenzel I. ; dieser tritt aber gegen den jüngeren Premito zurück, auch 
starb er bald. 

2) Vgl. Beilage IV. 

^) Grätz, 16. Aug. 1378 Urkunden sie, dass Peczo und Kunze von der Wartha in 
Hultschin einen Altar errichtet. Ungedruckte Urkunde im Orig. im Tropp. Stailt- 
archiv. 

*) In zwei Urkunden vom 10. Mai 1380 erklären die beiden Herzuge, von dem Juden 
Salomon in Ratibor 117 Mark und von Peschke Nebowyt von Ostrau 200 Mark 
entlehnt zuhaben. Die erste befindet sich im Museum, die zweite im Stadtarchiv 
zu Troppau. 



39 

zu welchem Zweeke dies geschah, wissen wir nicht anzugehen. 
Schon 'im folgenden Jahre dürfte Herzog Wenzel I. gestorben sein, 
wie es scheint unvermählt i)- 

Gemäss der Gesammtbelehnung von 1378 fiel nun sein Erbe an 
Premko , der von nun an Alleinherrscher des Herzogthums Troppau 
war. Dessen erster Regierungsact nach dem Tode des Bruders ist die 
Bestätigung der Privilegien der Stadt Troppau am 22. März 1382 2), 
besonders des Magdeburger Rechtes mit dem Rechtszuge nach 
Breslau. 

Dorthin, nach Breslau, reiste Herzog Premko noch in demselben 
,Iahre, wahrscheinlich um den König Wenzel zu begrüssen , dessen 
Aufenthalt in der schlesichen Hauptstadt durch den sogenannten Pfaf- 
fenkrieg bekannt ist »). 

Das ,Iahr 1383 aber scheint ein ziemlich stürmisches für unsern 
Herzog gewesen zu sein — obgleich man die Ursache nicht kennt. 
Wir erfahren nämlich, dass Herzog Premko seine Burg Grätz, den 
allen Herzogssitz, an Wok von Krawar auf Neutitschein und Laczek 
von Krawar auf Helfenstein verpfändete*), das ihm verpfändete Kie- 
ferslädtel dem Herzog Ladislaus von Oppeln um 1 1.000 Mark zurück- 
gab ^), ja dass seihst über den Anfall Troppaus an den Markgrafen 
Jüst verhandelt ^\ urde «). 

Damals wahrscheinlich kam Pi-emko auch um Landeck und llult- 
schin, das er seinem Bruder Nikolaus JH. seheint überlassen zu 
haben. 



«) Sein Todesjahr ist ungewiss, die letzte mir bekannte Urkunde ist die vorhin er- 
wähnte vom 10. Mai 1380. Am 22. Miirz 1382 urkundet l'femko schon allein. 
*) Ungedruckte Urkunde im Copialhuch im Tropp. Museum, fol. 23. 

3) Pelzel, Wenzel, I. p. 122, und Griinhagen, Wenzel und der l'faffenkrieg, im Archiv 
f. österr. Gesch. XXXVII. Bd. p. 231. 

4) Beide Herren versprechen der Stadt Troppau, diese Feste keinem Fremden zu iiher- 
geben. 16. März 1383 Titschein — Abschrift in Tillers Nachlass; das Orig. be- 
findet sieh nach seiner Angabe im fürstlich Lichnowsky'schen Archiv zu Kuchelna. 
Eine beglaubigte Abschrift findet sich auch im Tropp. Museum. 

5) 10. Nov. 1383. Cod. dipl. Sil. VI. p. 201. Wann und auf welche Art kam l'rcmko 
zum Besitze dieser Herrschaft? 

«) Jost erklärt ddo. Troppau 1383, 9. April, dass er die Herren Wok und Laczek 
von Krawar und andere Herren und die Stadt Troppau von ihrem „gelubde" löse, 
das sie ihm wegen H. Pi-emkos Geldschuld gethan, „ob sulclie lande vnsers lieben 
ohem herczog Przemken . . . an vns geuielen, noch lute vnd behaltnuzze sulcher briefe, 
die wir haben von .lemscll.en vnscrn lieben ohem". Urig. im Tropp. Stadlardiiv. 



40 

Allein auch die anderen IJriider waren in grosser liedriingni>s. 
Vielleicht schon 1384, sicher aher im Anfang des Jahres 1385, nuis>le 
Nikolaus III. seinen Oheim Konrad H. von Oels ersuchen, lür ihn 
Bürgschaft zu leisten, und versclzle ihm dafür sein ganzes Ik-rzog- 
thum •). Ebenso verkaufle oder veri»l'ändete damals Herzog Johann 11. 
von Kalinor Jiigerndorf dem Herzoge Ladislaus von Opiieln^j mit 
nachlrägliciier Bewilligung König Wenzels sj. 

Wie soll man diese aulVälligen Tlialsachen, deren Gleichzeitig- 
keit gewiss nicht ohne Ursache ist, erklären? Vielleichl dürfte der 
damals wülhende Krieg zwisciien den Markgrafen Josl und Prokop 
die Veranlassung dazu gegehen hahen, ohgleich man den näheren 
Zusammenhang niclit anzugehen im Stande ist. Die Ruhe nämlich, 
die unter Karl IV. Böhmen genoss und die in den ersten Jahren Wen- 
zels nicht gelrühl wurde, wich hald einem anarchischen Zustande, 
als sich 'Wenzels Begierungsunläliigkeit zeigte. In Mähren war es 
Markgraf Prokop, der sich gegen das Bisthum Olmütz erhöh, einmal 
schon als Anhanger Clemens' Vll., während Wenzel und seine Län- 
der — also auch Olmütz — Urban VI. anerkannten, besonders aber, 
weil sein Vorhaben, seinen Bruder Johann Soheslaw zum Bischof von 
Olmütz zu machen, misslungen war. 

Sein Vorgehen scheint in Troppau, das zur Olmützer Diöcese 
gehörte, und in Schlesien Nachahnier gefunden zu hahen. Zu diesen 
geiiörle auch Nikolaus von Leobschülz, der 1391 endlich durch einen 
Schiedsspruch des Markgrafen Jost mit dem Olmützer Capitel ver- 
glichen wurde*). 

Dieses Auftreten der mährischen und schlesischeiL Herren scheint 
denn auch dem Breslauer Bischof Wenzel Besorgnisse eingellösst zu 
haben, er schloss daher 138U zu Uotzenplotz mit dem Bischöfe von 
Olmütz, Nikolaus, ein Bündniss zur Erhaltung des Landfriedens und 



') Konrad H. uud Koniad III. versprechen am 4. April 1385 dem H. Pfeniko alles her- 
auszugeben, wenn er sie von der Bürgschaft , die sie für Nikolaus geloht, lösmi 
würde. Cod. dipl. Sil. VI. Nr. TO. 

*J [)erselbe erscheint schon ani ZI. IVhr. l 3»ö als Herr >on Jiigermlurf. Er hestätigl 
den Verkauf des Dorfes Nieciertürniant/. an den .liigerndorrer Slailtrath. -- Abschrilt 
in Tillers Nachlass. 

3) Cod. dipl, Sil. VI. Nr. 69, 

*) VVdlny, Excommunication des Markgr. Prokop , nn VIII. Bd. des Archivs für Kunde 
österr. Gesch., p, 186. 



41 

zur Beslralung von Räubereien, dem sich Ludwig von Brieg, Ladis- 
laus von Oppein, Pi-emko und Semowit von Teschen, Konrad von Oels, 
Heinricii von Brieg, Ruprecht von Liegnilz. Heinrich von Glogau, 
Konrad der jüngere von Oels, Heinrich von Freistadt, Bolko von Op- 
pein, Nikolaus von Leohschütz und unser Herzog Pfemko von Troppau 
anschlössen «)• Wie viel dies Bündniss momentan bewirkt, weiss 
man nicht; allein dass einer der Mitunterzeichner des Vertrags, Her- 
zog Nikolaus von Leobscliütz, wie wir gesehen, seihst demselben zu- 
widerhandelte und mit dem Olmiitzer Capitel in Streit gerieth, zeigt 
klar, dass das Bündniss wohl auch für den Augenblick nicht dem 
Übel abhalf; wir erfahren, dass der Streit später stärker als je los- 
brach. 

Im Jahre 1394 rief eine traurige Ptlicht unsern Herzog nach 
LeobscluUz: Herzog Nikolaus III. lag auf dem Krankenbette, von dem 
er nie mehr aufstand; er starb am 9. Juli 1394 2), wie es scheint un- 
vermählt, sicher kinderlos. Seine Rechte, die er auf das verpfändete 
Leobschülz hatte, übertrug Nikolaus dem Herzoge Premko, der sich 
schon am Tage nach dessen Tode Herzog von Troppau und Leob- 
schülz nennt"). Ob die Raliborer Linie keine Ansprüche erhob, 
wissen wir nicht; Herzog Johann H. hielt sich vielleicht damals in 
Böhmen auf, wo er bald eine traurige Berühmtheit erlangen sollte. 

So hatte Herzog Premko mit Ausnahme Jägerndorfs — das seit 
1390 dem Markgrafen Jost von Mähren gehörte, — das gesammte 
Herzogthum wieder in einer Hand vereint. 

Es muss bei Herzog Pi-endvO bemerkt werden, dass er, ungleich 
seinem Vater, sich gar nicht oder wenig am königlichen Hofe auf- 
hielt. Allerdings waren auch die Verhältnisse an demselben nicht ein- 
ladend, und andererseits fand Iremko in der Heimat hinreichende 
Beschäftigung. 



1) VVoliiy a. a. 0. p. 183. 

2) Am 10. Juli urkundet H. Pfemko über einen Altar, den Nikolaus gestiftet, und er- 
wähnt dessen Tod. Vgl. Beilage V. 

S) Ibid. — Leobsehiitz fiel also nicht, wie Ens 1. 53 und D' Elvert a. a. O. p. 69 
wollen, an Nikolaus von der Ratiborer Linie und ebenso wenig wurde es damals 
mit Jiigerndorf vereint; dies geschah erst unter Barbara. — Es scheint, dass 
Nikolaus schon früher seinen Bruder zum Erben bestimmte, da er, wie wir aus 
der erwähnten Urkunde ersehen, die Zustimmung Pfemkos einholt zu allen seinen 
Verfiis'iinffen. 



42 

Als Herzog Ladislaus von Oppelii, Herr des Landes Dobryn, die- 
ses Land dem deutschen Orden verpfändete, veranlasste dies den 
König Wladislaw von Polen die Herausgabe des Landes vom Oppler 
Herzoge zu fordern; abgewiesen fiel er 1395 in das Herzogthum 
Oppeln ein '). Pi-emko fand hier ein Feld für seine Thätigkeit: im 
Vereine mit Bischof Wenzel von Breslau und Konrad von Oels ver- 
mittelte er am 5. August 1396 vor Oppeln einen Friedens). 

Die früher erwähnten Kämpfe des räuberischen Adels, des An- 
hanges Prokops, gegen das Olinülzer Bisthum beschäftigten unsern 
Herzog noch fort und fort. Nicht nur dass Herzog Johann H. von Ra- 
tibor sich zu den Feinden des Bislhums geschlagen hatte, zu diesen 
gehörte auch eine dem Herzoge nahestehende Persönlichkeit, Herzog 
Semowit von Masowien, sein Neffe. 

Da die Beeinträchtigungen des Bisthums immer stärker wurden, 
griff die Kirche endlich zum äussersten Mittel: der päpstliche Be- 
vollmächtigte Abt Heinrich von den Schotten zu Wien sprach über 
Markgraf Prokop , über Johann von Ratibor, Semowit von Masowien 
und alle andern Anhänger desselben den Bann aus am 4. März 
1399 3). 

Nun bemühte sich Herzog Premko auch hier zu vermitteln, und 
scheint sich besonders für Semowit von iMasowien verwendet zu 
haben, um dessen Befreiung vom Banne zu erlangen*). Mit welchem 
Erfolge, ist nicht bekannt. 



1) Dlugoss lil). X. a. a. ISl»«. Vgl. Weltzel. Gesell, von Kosel, p. «7. 

2j Dogiel I. 539, und Sominersberg 1. 1009. 

3) Wolny im Archiv für österr. Gesch. VIII. p. Is». Vgl. auch desselben kirchl. To- 
pographie von Mähren. Brunn 1855. I. p. 178. 

*) Dafür zeugt das folgende bisher ungedruckte — leider undatirte Schreiben im 
Tropp. Landesarchiv: Honorabiles viri et amici carissirai. Rogamus vos valde dili- 
genter, quatenus ad absolutionem domini Semaczkouis ducis Mazowie, prout do- 
minus episcopus vobis de hoc plenius scribit, vestrum consensum dignemini pre- 
bere et literam vestram ad dominum abbatem delegatum causarum vestrarum darc, 
qui offert se ad satisfaciendum secundum domini episcopi edictum. et pro hoc nos 
domino episcopo duximus promittendum ; in quo nobis magnam amicitiam osten- 
detis. Datum Cremsir dominica ante festum sancte Margarite. — Przemko dei 
gracia dux et dominus Oppavie, Erhardus de Cunstat, Petius et Laczko de Cra- 
warn, Albertus de Czimburg et alii domini. — Honorabilibus viris dominis capi- 
tuli ecelesie Olomuceiisis amicis nostris carissimis. 



43 

Stand Herzog Pfemko in dieser Angelegenheit auf Seite der 
Kirche, so zeigte er sich doch andererseits, sobald er sein gutes 
Recht zu vertheidigen glaubte, dem Klerus gegenüber nicht nachgie- 
big. Wir erfahren nämlich, dass im Jahre 1399 zwischen dem Her- 
zoge und dem deutschen Orden Differenzen entstanden, wie es scheint, 
wegen einiger streitiger Landesgebiete. Herzog Pi-emkos Schreiben 
an den Hochmeister, er wolle dem Orden gern lassen, worauf dieser 
ein sicher begründetes Recht habe, zeigt uns Herzog Pfemko in 
einem ihm gewiss günstigen Lichte. Er forderte zugleich den Hoch- 
meister auf, einen Bevollmächtigten zu senden, um die Sache zur 
Entscheidung zu bringen, da dem Landescomthur die Streitfrage 
ganz unbekannt sei. Der Hochmeister schrieb darauf sowohl Letz- 
terem als dem Herzoge, 9. Oclober i), in dieser Angelegenheit; ent- 
weder kam aber kein Vergleich zu Stande oder schob derselbe einen 
Entschied nur hinaus, denn die Streitigkeiten brachen 1402 wieder 
aus. Wir ertahren, dass es sich jetzt auch darum handelte, dass Herzog 
Pi-emkü von Ordensgütern Zins erhob; da jedoch der Orden in Folge 
des Streites bereits bedeutende Kosten gehabt, so war derselbe jetzt 
zur Nachgiebigkeit bereit. Auch Piemko erbot sich zu einem Aus- 
gleich, der bald daraufscheint abgeschlossen worden zu sein 2). 

Indessen waren die Ereignisse in Rühmen immer verworrener 
und die Kämpfe zwischen den feindlichen Brüdern immer verderb- 
licher geworden. Welche Stellung nahm nun Herzog Pfemko ein? 

Als im Jahre 1400 am 20. August König Wenzel von den Kur- 
fürsten abgesetzt wurde, schwur sein Vetter Markgraf Jost, der in 
Prag zugegen war, als Wenzel jene Nachricht erhielt, er wolle die 
ünthat rächen, oder kein Haar in seinem Barte behalten. Allein als 
Wenzel in die ungeheuren Forderungen seiner Verwandten nicht 
eingehen wollte, trennte sich Jost gar bald von ihm und einigte sich 
mit Hilfe des Herrenbundes mit König Ruprechts)^ 

Trotz dieses unbrüderlichen Vorgehens scheint Jost in Mähren 
noch mehr Anhang gehabt zu haben als Prokop. Der Herzog Pfemko, 
der Olmützer Bischof, und andere hervorragende Barone Mährens ver- 



'j Ddo. Graudeiu, Donnerstag an Üionys 1399. 

*) Vgl. Voigt, Gescliiclite der BaUei deutschen Ordens in Böhmen. Denkschriften der 

kais. Akademie, XH. Bd. p. 104. 
3) Palacky III. 1. p. 126. 



44 

binden sich nämlich am 4. Juli 1401 zu Gunsten des Jost gegen 
Prokop '). Die Spitze des Bündnisses war allerdings nicht gegen 
Wenzel, sondern gegen Prokop gerichtet; da aber dieser nacli eini- 
gem Schwanken noch 1401 sich für Wenzel erklärte, kann man in 
dem Bündnisse vom 4. Juli doch nur eine dem böhmischen Könige 
feindselige Handlung erblicken. 

Um so auftallender ist es daher, Herzog Premko im folgenden 
Jahre 1402 unter den erklärten Anhängern Wenzels zu erblicken. 
Am 16. Juli 1402 schlössen nämlich Bischof Wenzel von Breslau, 
Premko von Troppau, nebst den Herzogen von Oels, Liegnitz, Oppeln, 
Löwen, Brieg, Glogau und Auschwitz und den Städten Breslau, Neu- 
markt und Nanislau ein Bünduiss zu dem Zwecke, bei Wenzel getreu- 
lich auszuharren, Buhe im Lande zu schaffen und die Bäuber zu ver- 
tilgen 2^. 

Was hatte Premko vermocht, sich der Partei Wenzels anzu- 
schliessen? Dieser hatte inzwischen die ganze Begierung in Böhmen 
seinem Bruder Sigmund übergeben, 4. Februar 1402, bald aber brach 
unter den beiden ein Zwist aus, der schliesslich dahin führte, dass 
Wenzel am 6. März 1402 verhaftet und gefangen genommen wurde. 

In diesem Ereignisse , das in Böhmen selbst grosse Erbitterung 
hervorrief und neuen Bürgerkrieg zur Folge hatte, wird man wohl 
die Ursache der veränderten Parteistellung Pi-emkos suchen dürfen; 
mit dem Schritte Sigmunds war Premko gewiss nicht einverstanden, 
verhielt sich doch der ihm befreundete Jost damals ruhig 3). Von nun 
an scheint Premko getreu bei König Wenzel ausgeharrt zu haben, 
welcher, der Gefangenschaft entfliehend, 1403 wieder die Begierung 
übernahm. Als er 1404 nach Breslau kam, um sich mit Wladislaw 
von Polen gegen seinen Bruder Sigmund zu verbinden, belehnte er die 
Troppauer Herzoge, Pi-emko von der Troppau -Leobschützer, Jo- 
hann II. und Nikolaus von der Batibor-Jägerndorfer Linie, zugesamm- 
ter Hand, so dass für den Fall, dass die letztere aussterbe, Pi-emko 
und seine Nachkommen erben sollten *). 



•) Woliiy im Archiv für österr. Geschichte, VlII. 20h 

2) Sommersberg 1. 1006. 

3) Palacky Hl. 1. p. 144. 

*j Soinmershory 1. 84:>. Toil. .iinl. Sil. VI. Nr. 103 



43 

Dieser hier ausgesprochene Grundgedanke scheint zu weitern 
Verhandlungen zwischen heiden Fürsten geführt zu haben, die den 
Erhvertrag vom 30. November 1407 zur Folge hatten i)- Welclie 
Motive sowohl Johann II. von Ratibur als Premko bewegen konnten 
denselben abzusehliessen, ist umso weniger einzusehen, da Premko 
bereits zwei erwachsene Söhne hatte, die mit dem Vater zugleich 
die bezügliche Urkunde ausstellten , und Johann gerade in diesem 
Jahre zur Ehe mit Helena von Litthauen schritt 2). 

Nach diesem V'ertrage sollen die Besitzungen des einen nach 
dem Aussterben der Linie (ohne Rücksicht auf weibliche Dcscendenz) 
an die andere Linie fallen. Jeder leistet dem andern in Kriegszeiten 
Hilfe, doch trägt derjenige, der sie in Anspruch ninnnt, die Kosten. 
Jeder darf verpfänden und versetzen, was er will, mit Ausnahme der 
Feslungen. Streitigkeiten sollen durch ein Schiedsgericht ausgetragen 
werden. Nach einer Nachriebt trat ab(M' Johann 1416 und Piemko 
1422 von dem Vertrage zurück a), und doch wäre die hier ange- 
bahnte Vereinigung der beiden llerzogtiiümer in der Folge für beide 
Theile von Nutzen gewesen. 

Herzog Premkos Bestreben war auch dahin gerichtet, die V^er- 
bindlicbkeiten, die sein verstorbener Bruder Nikolaus III. einge- 
gangen, zu bisen. Erzählte daher 1417 ÖOO Mark an Herzog Konrad 
Kanthener von Gels und Kosel wieder ab, der dafür am 23. Septem- 
ber den Herzog Premko und die Städte Troppau und Lcobschütz, die 
sich !ür ihn verbürgt hatten, frei und ledig sprach *). 



>) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 112 u. 113. 

•-) Weltzel, Gesch. von Uatibor, p. 87, iiniiclitlg zum J. 1404. üass IltTzog Nikolnus, 
der Bruder Johanns II., dahei betheilig-t war, ist aus der Urkunde nicht zu ersehen. 

3) Dlugoss lib. X., und nach ihm Weltzel a. a. 0. p. 87. 

*) Irrig zum Jahre 1317 abgedruckt bei Minsberg, beschichte von Leohschiitz, p. Iö7. 
Vgl. Beilage Vll. Leolischütz und Lolieustein hatte Herzog Premko bis dahin sicher 
schon ausgelöst, wie seine Urkunden bezeugen; über Lobenstein verfügt er 1420, 
24. März: er bestätigt den Tausch, den llertel Tnekel, Burggraf von Lobenstein, 
und Adam >on Krug eingegangen, indem ersterer die Erbrichterei in Lobenstein 
letzterem gegen ein Vorwerk in Dobeschau überlässt (Abschrift im Tropp. Museum 
und in Tillers Nachlass). Neukirch war 1413, wie die mir vorliegenden Urkunden 
ergeben, noch unter Oelsiseher Herrschaft, ebenso Hultschin, das bis zu Ende des 
lä. Jahrh. bei Kosel blieb. Vgl. Weltzel, Gesch. von Kosel. p. 92. — Wann aber 
wurde Zuckm;intel ausijelö.st? 



46 

Einen Tlieil des 1385 Verpliiiitlelen brachte so Pi-emko an sieh, 
ein anderer Theil, Kranowilz und Hultschin, blieb unter der Herr- 
schaft der Herzoge von Oels-Kosel. 

Die Zustände in Böhmen waren mittlerweile immer drohender 
geworden. Die grausame Hinrichtung des Hus hatte einen Sturm 
hervorgerufen, der lange nicht nachlassen wollte. Als Wenzel am 
16. August 1419 starb, empfing Sigmund zwar die Huldigung der 
böhmischen Stände zu Hriinn (Dec. 1419), und bald darauf die der 
schlesischen Fürsten zu Breslau , wo auch Herzog Piemko sich 
einfand'). Allein sein Vorgehen — die auf seine Anregung vom Papst 
erlassene Kreuzzugsbulle und die offen kund gegebene Absicht, der 
Ketzerei in Böhmen gewaltsam entgegenzutreten — rief in Böhmen 
eine Bewegung hervor, der Sigmund erst nacii langem Kampfe Herr 
wurde. 

Im Jahre 1420 zog er gegen Prag und in seinem Heere befand 
sich auch Herzog Pi-emko, der mit seiner Schaar dem böhmischen 
Könige gegen ein .l.dirgeld diente a). Seine Stellung beim Könige 
benützte nun Herzog Pi-emko, um auch hier im friedlichen, vermit- 
telnden Sinne zu wirken. 

Ein Glied des ihm befreundeten Geschlechtes der Krawafe, Pe- 
ter Herr auf Straznitz, hatte sich der Bewegung angeschlossen; es 
hiess, dass er sogar die extreme Partei der Taboriten unterstützte s). 
Im Jahre 1421 überzog jedoch der königliche Feldherr Pipo von Flo- 
ren/, die Güter der Krawai-e mit Krieg und sein Vorgehen veran- 
lasste nicht nur die anderen mährischen Herren, sondern auch Peter 
von Straznitz sieh zu unterwerfen. Der letztere wandte sich an un- 
sern Herzog mit der Bitte, beim Könige für ihn Gnade zu erwirken*). 

Als Anhänger Sigmunds schloss sich Pi-emko dem Landfrieden an, 
den ersterer in Mähren am 17. November 1421 mit den Ständen verein- 
bart hatte, um gegen die Hussiten die ganze Kraft wenden zu können &). 



1) Klose a. a. 0. II. p. 336. 

2) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 161. 
S) Palacky 111. 2. p. 213. 

*) Palacky III. 2. p. 264. Vgl. Meynert, Mährische Urkunden des U. und IS. Jahrh 

in Hormayrs Archiv 1833. Urkundenblatt p. 32. Nr. 7 ii. 8. 
5) Palacky, Archiv cesky III. 234. 



47 

Dazu fand sich bald Gelegenheit. Schon im Jahre 1423, nach der 
Versöhnung der streitenden Parteien zu Konopischt, zog ein Schwärm 
der Hussiten unter des Diwisch von Miletnik Führung nach Mähren, 
wahrscheinlich um die Union der mährischen Herren, bei der, wie 
wir wissen, sich auch Pi-emko befand, zu hindern, sich dem grossen 
Kreuzzuge, den Sigmund vorbereitete, anzuschliessen. Herzog Pfemko 
vereinigte seine Streitkräfte mit denen des Bischofs Johann von 01- 
mütz und stellte sich den Hussiten bei Kremsir entgegen. Der Kampf 
blieb lange unentschieden, endete aber mit dem Siege der Hussiten; 
sie besetzten am folgenden Tage die Stadt. Pi-emko zog sich wahr- 
scheinlich zur Beschützung seines Herzogthums zurück, während 
Bischof Johann bahl darauf mit frischen Truppen Kremsir zurück- 
eroberte <). 

Bis dahin blieb das Troppauer Herzogthum noch von deuDrang- 
salen des Krieges verschont. Die erste Mahnung, dass der Friede, 
wie ihn bisher das Land genossen, geflohen sei, war der Durchzug 
von 1)000 Polen, die König Wladislaw, unzufrieden, dass Prinz Kory- 
bul sich neuerdings nach Böhmen begeben hatte, Sigmund zu Hilfe 
schickte, um nicht in den Verdacht eines Einverständnisses mit Korybut 
zu kommen 2), 1424. Bald aber kam die drohende Gefahr näher, denn 
seit 1426 machte es Prokop zu einem Grundsatze, die Gegner durch 
Angriffe auf deren eigene Länder zum Frieden zu zwingen. 1427 zo- 
gen die Hussiten zum ersten Male in die Lausitz und nach Schlesien, 
von wo sie mit grosser Beute heimkehrten »j. 

Im März des Jahres 1428 kam ein Theil eines hussitischen 
Heeres, das aus Oberungarn zurückkehrte, nach Mähren, und zog 
nordwärts gegen Troppau. Dem Herzoge Pfemko stand sein ältester 
Sohn Wenzel bereits zur Seite. „Und da floh man vor Schrecken aus 
den Städten Polnisch-Ostrau, Katscher und Hotzenplotz", sagt ein 
Chronist*); „Herzog Wenzel aber ergab sich gutwillig mit der Stadt 
Leobschütz und Grätz" (der Herzogsburg bei Troppau). 



1) Chronicon vet. colle^. Pragensis bei Höfler, Geschichtsschreiber der hussitischen 
Bewegung, in den Fontes rer. austriac. I. Abthlg. II. Bd. p. 86. Vgl. Palacky HI. 2. 
p. 336. 

2) Dlugoss lib. XI. a. a. 1424. Vgl. Palacky a. a. 0. p. 354. 

3) Martin von Bolkenhain (Scriptores rer. Lusaticarum I. 356) : den ailirersten czog, 
denn die Müssen toten yn dys landt Slezia, der geschach 1427. 

*) Tunc timore territi fiigiiint de civitate Polska Ostrawa , Ketrzie, Ossobioha civi- 



48 

Dieses Verlialtcn llcMv.og- Wenzels - er scheint mit den lliissiten 
früher einen Vertrag abgeschlossen zu haben ij — ist allerdings auf- 
fallend, da es mit der Stellung, die der Vater in dieser Angelegen- 
heit einnahm, durchaus nicht übereinstimmt. Denn llei'zog Premko 
schloss sich, nachdem die Ilnssiten in Schlesien eingedrungen und 
bis nach Neumarkt gekommen waren, jenen schlesisciien Fürsten an, 
die im April 1428 Zurüslniigen machten, um die Böhmen im Felde 
anzugreifen. Es war besonders der Breslauer Bischof Konrad, der in 
Neisse die Rüstungen betrieb 2 j. 

Es scheint aber, dass der Erfolg den Erwartungen der Verbün- 
deten nicht enlsj)rach; wir erfahren nur, dass die meisten sclilesi- 
schen Fürsten und unter ihnen auch Pifmko es vorzogen, sicli mit 
den Hussiten zu vergleichen »). 

Die Folge aber aller dieser gegen die Hussiten*) gemachten 
Anstrengungen war, dass Herzog Premko zu VerpHindungen und An- 
leihen gezwungen wurde, deren Tilgung er seinen Söhnen überlassen 
musste 5)' 

Das Ende der Uegieruiig Piemkos war noch von einem grossen 
Unglücke begleite!: am 31. Juli 1431 brannte die Stadt Troppau ab 
und mit ihr zugleich die iillesten Landesbücher, die — ein unersetzlicher 
Verlust — so für die Landesgeschiclitezn(irunde gingen ej. ImAnfang 

talibus et ilux Wenceslaus Oppnviensis cum civitnte Hlupscliicz et Hradocz suhdidit 
se beuivole eis. Chion. vet. coU. Prag, bei [löfler a. a. O. Fontes U. 90. 
*) Mailin von Bolkenhain (Scr. rer. Lus. I. 362) sagt: do scbiekten sy sieh vnde 
ezogin wedir aus vnde quomeu durch Merhern viide neichirten sich dem lande kei- 
giu Troppe, wen ne das her mit en f rede h al te, do ezogin sy vorbas kegin 
Scliuigast. — — — Herzog Wenzel scheint daher, dem Beispiele anderer Fürsten 
folgend, den Abzug der Hussiten durch eine Geldsumme erkauft zu haben. 

2) Vgl. Palacky III. 2. 402. 

3) Pal.acky a. a. 0. 464. 

*) Sie durchzogen 1430 nociimuls, wahrscheinlich das letztemal, das Troppauer Ge- 
biet. Palacky a. a. 0. p. S03. 

*) Am 1. Mai 1428 erklärt er, 4 Mark jiihrl. Zins verkauft zu haben in usus defen- 
sionis r.ostri ducatus adversus Wiklelitas seu Hussilas (Hegest in Ens' Naehlass im 
Tropp. Museum) ; am 6. Nov. 1429 verkauft er 6 ',4 Mark jährlichen Zins für 63 M. 
in usus nostros ac pro defensioue ducatus nostri a Wikleffistis (sie) seu Hussitis 
(Orig. im Stadtarchiv in Troppau) u. a. m. 

*) „Po neczesty ohnye a wyhorzeny miesta Oppawi, gienz se stalo ten vteri po swatem 
Jacubie apostolu boziem, a tu y zemske knyhy stare y nowe gsu shorzely" heisst es 
in der Laadtafel I. fol. 1., abgedruckt bei Sembera , desky zemske w Morawe a 
w Opawsku im Casopis ceskeho Museum. 1846. p. 713. 



des Herbstes 1433 erkrankte Herzog Pfemko und starb am 28. Sep- 
tember <), nachdem er zuvor am 18. September sein Testament ge- 
macht. Er ermahnte seine Söhne, das Land nicht zu theilen — er 
selbst hatte ja erfahren , welche Folgen dies habe ; — den älte- 
sten, Herzog Wenzel, sollten sie als ihr Haupt ansehen, so lange die 
hussitischen Unruhen dauern. Ihren Bruder Nikolaus sollten sie zu 
keiner Feste oder einem Landestheil zulassen. Zum Leibgedinge seiner 
Gemahlin Helena 2) bestimme er die Burg Wigstein. Ihre Schwestern 
sollen sie redlich halten, sowohl die, welche sich dem geistlichen 
Stande gewidmet, als auch die, welche dann später heiraten sollten. 
Die Schulden, die er zur Vertheidigung des Landes habe machen 
müssen, sollen sie richtig bezahlen. Das Testament schliesst mit der 
Bitte: Und, liebe Söhne, vergesst nicht unserer Seele, wie wir uns 
dessen wohl von euch versehen »). 

Herzog Pfemko, der durch 56 Jahre sein Land regiert, gehört 
zu jenen Fürsten, die, entgegen der Art der meisten Herzoge, ihr 
Augenmerk nicht auf eine glänzende Stellung bei Hofe richteten, son- 
dern die in der Begierung des ihnen anvertrauten Ländchens ihre 
Befriedigung fanden. 

Preniko hinterliess bei seinem Tode fünf Söhne, Wenzel, Niko- 
laus, Wilhelm, Ernst und Pfemko, nebst vier Töchtern, Agnes, Katha- 
rina, Gutha und Hedwig, sämmtliche *) von seiner ersten Gemahlin 
Katharina, der Tochter Bolkos HI. von Münsterberg, die am 23. April 
1422 starb 5). Er heiratete dann später eine Helena, deren Abkunft 
ungewiss ist und die ihn überlebte »). 



<) Auf dem Eiiibiinde des 1. Landtalelhuclies heisst es: Anno domini millesimo qua- 
driiigentesimo trigesimo tertio ferin II. die sti. Wenceslai obiit dux Przemko. — 
Vgl. Seiiibera a. a. 0. p. 71;>. 

2) Sie heisst im Testamente Bosenska, was das bedeuten soll, weiss ich nicht; an 
Bosnien zu denken , wie es Cod. dipl. Sil. VI. Nr, 187 geschehen , ist unwahr- 
scheinlich, eine bessere Erklärung ist aber schwer zu finden. 

S) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 187. 

*) Ob die Töchter auch von Katharina stammen , kann ich aUerdings nicht behaup- 
ten, sicher aber ist es von den Söhnen, da Helena Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 188 ihre 
Stiefmutter genannt wird. 

*) Nekrologium von Heinricimu in der Zeitschrift des Vereins für Geschichte und 
Alterth. Schlesiens. IV. p. 288. 

*) Henel, Silesiog. lib. Vlli. p. 294 nennt Pfemkos Gemahlin Anna, die Tochter Bern- 
hards von Oppelii, di( s ist jedenfalls unrichtig. 

Archiv. XLI. l. 4 



so 

Die vier erstgeniitinten Söhne Premkos sollen später behandelt 
werden, hier eiwähnen wir nur die Geschichte des jüngsten, Pfem- 
kos i), der sich dem geistlichen Stande widmete. In Wien gebildet, 
befliss er sich mehr der Studien als der Politik, er trat daher in den 
geistlichen Stand und wurde Canonicus zu Breslau. Im Jahre 1464 
gerieth er in Streit mit seinem NefTen Johann von Leobschütz wegen 
Fulneks — eine Angelegenheit, die besser bei der Geschichte des 
letztern erwähnt wird. Im Jahre 1467 candidirte er um die Würde 
eines Bischofs von Breslau, allein Rudolf, Bischof von Lavant und 
päpstlicher Legat, war sein bedeutender und auch glücklicher Neben- 
buhler. Pfemko blieb Canonicus in Breslau. Welche Umstände ihn 
endlich bewogen, dieses zu verlassen, ist mir unbekannt; er ging 
1479 nach Wien, wo er Domdechant und Pfarrer zu Mödling wurde. 
Er starb 1493 am 17. Februar 2). 

Von Pi'cmkos Töchtern heiratete Agnes den Herrn Johann von 
Krawar und Neutitschein, der ihr 1432 Fulnek zum Leibgedinge 
verschrieb s). Gutha vermählte sich mit dem Grafen Georg von 
St. Georg und Pösing, als dessen Gemahlin sie 1441 ihr Erbtheil 
von den Brüdern fordert*); sie starb bereits vor 1446. Katharina 
wurde die Gemahlin Johanns von Cimburg. Hedwig endlich nahm den 
Schleierund wurde Äbtissin zu Strehlen^). 

So zahlreich auch die Nachkommenschaft Premkos war, das 
Schicksal hatte es bestimmt, dass seine Enkel die letzten ihrer Linie 
sein sollten und dass mit Ausnahme Wenzels die Väter ihre Kinder 
zum Grabe führen mussten. 

Die Gesammtregieraog der Söhne Herzog Premkos. 

liS.'i — 1464. 

Getreu den Ermahnungen des sterbenden Vaters übernahmen 
die Herzoge Wenzel, Nikolaus, Wilhelm und Ernst vereint die Regie- 
rung ihres Erbes. 



',) Vgl. über ihn Henel a. a. 0. lib. Vlll. p. 294. 

*) Vgl. Keiblinger in Chmels Geschichtsforscher, H. p. 23; also nicht, wie Henel a 
a. 0. sagt, 1478, um diese Zeit mag er Breslau verlassen haben. 

») Tropp. Landtafel I. fol. 14. 

*) Orig. im Landesarchiv zu Troppau. 

*) Von den beiden letztern ist mir nicht mehr bekannt geworden, als was Sommers- 
berg und Ens nach Henel darüber sagen. 



51 

Die beiden erstem erscheinen schon 1407 in den Urkunden 
ihres Vaters *), müssen demnach damals schon ein reiferes Alter er- 
reicht haben, während es von Ernst feststeht, dass er 1433 noch 
nicht mündig war. Herzog Wenzel, der, wie wir gesehen, später 
gegen die Hussiten mit wenig Glück gefochten, scheint bereits vom 
Vater mit diplomatischen Aufträgen betraut =i) und mit gewissen Ein- 
künften versehen worden zu sein sV 

Nach dem Testamente des Vaters sollte Wenzel als Ältester der 
F'amilie eine hervorragende Stellung einnehmen — und diese hat er, 
wie es scheint, auch behauptet, denn er urkundet und verfügt oft 
allein, selbst dem Landrechte gegenüber, wenn er auch manchmal 
mit den Brüdern zusammen Urkunden ausstellt*). 

Herzog Nikolaus — von dem wir nur wissen, dass schon sein 
Vater Avegen seiner in Schulden kam s) — muss sehr streitsüchtiger 
Natur gewesen sein, wie er denn auch in dem Testamente des Vaters 
nicht in dem besten Lichte erscheint. 

Kurz, der Versuch, die Gesammtregicrung aufrecht zu erhalten, 
scheiterte schon nach einigen Monaten, und nachdem es zu heftigen 
Erörterungen zwischen den Hrüdern gekommen war, beschloss man, 
Herzog Nikolaus durch eine Theilung zu befriedigen. 

Die zwölf gewählten Herren erklärten am 2. Februar 1434, dass 
nach ihrer Übereinkunft dem Herzog Nikolaus Zuckmantel und Leob- 
schütz zufallen solle 8). 

Über die folgenden Schicksale des Nikolaus sind wir völlig im 
Unklaren. Schon im folgenden Jahre nämlich erscheint Herzog 



1) In dem Erhvertrag Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 113. 

') Im J. 1424 wolinte er der Verm.ihlungsfeiiT Wladislaws von Polen in Krakau bei 
Vgl. Klose 11. 1. 37 0. 

3) 1416, 28. Sept. erklärt er der Stadt Leobschütz 500 Mark schuldig zu sein, die er 
entlehnt wegen einer Reise in fernes Land (nach Konstanz?), und weist die Bürger 
auf seine Renten, „die wir haben zu Leobschütz". Minsberg p. 136. 

*) Schon am 4. Oct. 1433 geben alle vier Herzoge ihren Städten das Münzrecht (Co- 
pialbuch im Tropp. Museum, fol. 25). Am 16. Dec. 1433 befiehlt Wenzel, die Be- 
sitzungen des Fulneker Klosters in die Landtafelbücher einzutragen. (Troppauer 
Landtafel. I. fol. 17.) 

5) 1426, 7. October erklären Premko, Wenzel und Nikolaus wegen des Letzteren 
„Notdurft" von den Städten Troppau und Leobschütz 50 Mark entlehnt zu haben. 
Dobner IV, 4l.'>. 

6) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 188. 

4» 



52 

Wenzel als Herr von Leobsehiitz, während Nikolaus ganz ver- 
schwindet 1). Wir wissen nicht, wann und wo er gestorben ist. 

Bald darauf müssen die drei Brüder getheilt haben — leider 
ist die Theilungsurkunde nicht vorhanden — , denn es erscheint nun 
Wenzel als ausschliesslicher Herr von Leobschütz und einem Theile 
Troppaus, Wilhelm und Ernst erhielten ebenfalls je einen Theil des 
Herzogthums 3^. Jeder von ihnen urkundet einzeln, aber auch alle 
drei wieder zusammen, sohald die Verfügung das gesammte Gebiet 
betraf s). 

Wenn auch die Hussitenstürme sich bereits gelegt, so war die 
Zeit noch immer aufgeregt und unruhig. Herzog Wenzel trat daher 
zur Sicherung seines Landes sowohl dem Landfrieden bei, den Her- 
zog Albrecht von ()sterreich als Markgraf von Mähren zu Brunn mit 
dem Bischöfe von Olmütz und Anderen schloss am 3. März 1434*), 
als auch im folgenden Jahre (21. September l435) dem, welchen 
die schlesischen Fürsten auf Geheiss Sigmunds schlössen s). 

Im folgenden Jahre suchten die Herzoge die bisher durch die 
Ereignisse verhinderte Belehnung vom Kaiser nach und erhielten sie 
auf dem Binge der Altstadt in Prag«). 



V) 1437, 15. Oct. wird er noch erwühnt (Cod. dipl. Sil. VI. 193). wenn hier nicht 
ein Irrthum unterlaufen ist. 

'^) Herzog Viktorin von Troppau wurde einmal wegen des Dorfes Gilsehowitz (bei 
Troppau) angeklagt (nngedruckte — leider undatirte Urkunde im Landes-Archiv). 
Der Kläger beruft sich auf die Privilegien und fahrt dann fort: kniezata g. m. 
kniez Waczlaw, kniez Mikulass, kniez Wylem a kniez Arnosst , kniezata a pany 
Üppawsczi g. m. gsucze bratrzie nedielny spoleeznie dali list na dwuor a na rich- 
tarstwie Kylessowske — ■ — yako diedyczowe nedielny, potora gegich mi- 
losti po kratku czasu dielny gsucze kniezata g. m. kniez Waczlaw 
a kniez Arnosst mladssy bratrzie gsucze spuolu a dyely swa dwa spuotu drzi- 
cze — — — . 

ä) H. Ernst bis circa 1440 mit Wilhelm, wohl weil er noch sehr jung war; dahin 
deutet der Ausdruck im Titel der Beiden: bratfi nedelni, vgl. die vorige Anmer- 
kung. 

*) Schriften der hist.-stat. Section. IV. 176. 

5) Breslau 1435, 21. Sept. Sommersberg I. 1019. 

*) Tehoz leta prigal ciesaf manstwie od kniezat SIezskych Opawskych na rynku sta- 
romestskem. Stari letopisow^ in Script, rer. ßoh. her. von Palacky, III. p. 97, 
Nr. 242. 



Ö3 

Noch in demselben Jahre aber entbrannte der Kampf, den Wen- 
zel durch seinen Beitritt zu den Landfrieden hatte verhindern wollen, 
in unmittelbarer Nähe. Sein Gegner war Herzog Nikolaus von Rati- 
bor. Die Ursache des Streites ist uns unbekannt; man darf vielleicht 
vermuthen, dass finanzielle Fragen den Anlass dazu gaben. Wir er- 
fahren nämlich aus dem Theilungsvertrage der Ratiborer Fürsten 
Wenzel und Nikolaus von 1437, 15. October i), dass diese den Trop- 
pauer Herzogen Geldsummen schuldeten. 

Herzog Nikolaus überfiel in der Nacht des 25, Novembers 1436 
Leobschülz und nahm es einsj. Herzog Wenzel aber blieb die Ant- 
wort nicht schuldig, er Hess durch Puklitz, seinen Befehlshabers), 
Sorau einnehmen. Ein Vergleich muss indessen bald stattgefun- 
den haben, da Herzog VA^enzel schon am 20. Mai 1437 wieder für 
Leobschütz urkundet*). 

Bald aber kam eine drohendere Gefahr für unser Ländehen 
heran. Kaiser Sigmund war am 9. December 1437 gestorben und 
nun erfolgte eine zwiespältige Wahl in Böhmen. Dem von der katho- 
lischen Partei erwählten und von Sigmund designirten Albrecht von 
Österreich stellte die utraquistische Faction Kasimir, den Bruder 
Wladislaws von Polen, entgegen. 

Nachdem der erstere am 29. Juni 1438 gekrönt worden war, 
fiel Wladislaw mit seinem Bruder in Schlesien ein, um von diesem 
die Anerkennung des letzteren zu erzwingen und König Albrecht zu 
hindern, aus Schlesien Vortheile zu ziehen. Ein polnisches Heer fiel 
in das Herzogthum Oppeln ein und zog plündernd und raubend bi.» 



•) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 19o. 

2} Dux Nicolaus Katiboriensis acquisivit civitatem Lupsitz post medium noctis in die 
sancte Katherine virginis (25. Nov.) et eodem anno Puklitza similiter interceperat 
Zar cum consensu et de mandato ducis Wenceslai de Grecz. (Ratib. Chronik, 
Zeitschrift des schles. Vereins, IV. p. 117.) — Nach den Annales Leobschützenses 
fol. 17 (einer handschriftlichen Quelle des 16. Jahrh.) plünderte Nikolaus Leob- 
schütz und führte eine grosse Glocke etc. fort und zwar bis Zülkowitz. Die Glocke 
fiel vom Wagen und wurde wieder heimgebracht. (Mittheilung des Herrn Gymna- 
siallehrers Kleiber in Leobschütz.) 

3) Dieser Puklitza stammte wahrscheinlich aus einem mährischen Geschlechte, 1434 
erscheint ein Jan Puklitz von Stramberk auf dem Briinner Landfrieden, 1437 ver- 
kauften die Czimburge einige Dörfer einem Wilhelm Puklitz von Pozofitz; vergl. 
darüber Wolny, Topog. von Mähren, l. 338. 

*) Urkunde hei Minsberg. Gesch. von Leobschütz, p. 258. 



54 

Troppau; ein anderes war ins Herzogthutn Oels und Breslau einge- 
fallen i). Die rohe Art der damaligen Kriegführung rief Repressalien 
von Seite des erl)ilterten Volkes hervor; viele wurden von demselhen 
in den Wäldern und Strassen heimlich und offen getödtet und be- 
raubt 2). 

Wenzel und seine Brüder erkannten König Albrecht als ihren 
Oberberrn an , im Gegensatze zu andern oberschlesischen Fürsten, 
die sich dem polnischen Prinzen zuneigten»). 

Die kurze Regierung Albrechts aber und die darauf folgenden 
Wirren Hessen keine gedeihliche Entwicklung aufkommen. Die 
Schlesier hielten nach Albrechts Tode an seiner Witwe Elisabeth, 
die ihnen auch den Leonard Assenheimer als Hauptmann sandte ; da 
sie aber ohne Macht w^ar, konnte sie das landesherrliche Ansehen 
nicht aufrecht erhalten und das Raubritterthum machte das Land 
wieder unsicher. Spiessgesellen wie Zirn, Opitz u. A. fanden Unter- 
stützung selbst bei Fürsten, so dem Herzoge Boiko von Oppeln, der 
sich auch früher den Hussiten angeschlossen hatte. 

Diese Jahre des Krieges und der Unruhe kosteten auch unsern 
Herzogen viel: wir hören schon 1438 von Anleihen, die Herzog Wen- 
zel machte*); im Jahre 1441 setzt er die jährliche Steuer der Stadt 
Leobschütz auf 100 Mark herab, weil dieselbe in den letzten vier 
Jahren mehr als billig für ihn gethan und viel gelitten habe s). 

Die bitterste Folge aber dieser unruhvollen Zeiten war, dass 
Herzog Wenzel sich genöthigt sah, die Burg Edelstein mit Zuck- 
mantel für 800 Schock Gr. dem Herzog Bolko von Oppeln zu ver- 
pländen«), ein Schritt, der für seine Nachkommen manche unange- 
nehme Folge hatte. 



1) Dlugoss lib. XII. Vgl. Klose II. 1. p. 426. 

2) Multi Poloni, Litwani, Ruteni etc. capti fuenint et oceisi aliquot oentena in silvis 
in viis secreto modo et etiam manifeste et spoliati. Ratib. Chronik, Zeitschrift etc. 
IV. 116. 

3) Ein Beweis dafür ist, dass König Albrecht dem Herzog Wenzel verbietet, die ßres- 
lauer zu befehden (Lichnowsky, Regesien V. Nr. 4431, und Klose II. 441). Die 
Ursache dieses mir sonst ganz unbekannten Zwistes war Puklitz, der uns vom 
3. 1436 bekannt ist; inwiefern aber, weiss ich nicht anzugeben. 

*) Vgl. die Urkunden Wenzels vom 1. Mai 1438 bei Minsberg a. a. 0. p. 260, vom 

23. Jänner 1440 im Cod. dipl. Sil. VI. 203. 
*) Am ö. März 1441, bei Minsberg p. 137. 
S) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 203. 



55 

Um diese Zeit tritt Herzog Wilhelm bedeutender hervor als 
bisher. Gleich seinem Bruder Ernst war er bis jetzt in seinem Her- 
zogthume verblieben. In den nach König Albrechts Tode folgenden 
Wirren fand er ein weites Feld für seine Thätigkeit. Wilhelm war 
damals ein Feind jenes Raubgesindels, das die Strassen unsicher 
machte, das aber wegen seines Gewinnes selbst Männer wie Herzog 
Bolko von Oppelu und den Breslauer Hauptmann Leonard Assen- 
heimer anzog. 

Das kraftvolle Auftreten des Herzogs Wilhelm lenkte die Augen 
der seit 1429 im wesentlichen herrenlosen Münsterberger — Her- 
zog Johann fiel in dem genannten Jahre im Kampfe gegen die Hus- 
siten ') — auf ihn, und am 8. April 1443 erklärten ihn und seinen 
Bruder Ernst die Landleute und Städte des Herzogthums zu ihren 
Herzogen 2). 

Ansprüche konnte Herzog Wilhelm in doppelter Weise erheben, 
einmal als Sohn Katharinas, der Tochter Bolkos HL von Münsterberg, 
die eine „ungesunderte Fürstin" war, dann als Gemahl Salomenens, 
der Tochter Putas von Czastalowitz, des nachmaligen Inhabers des 
Herzogthums. 

Nach dem Tode des letzten IMünsterbergischen Herzogs Johann 
nämlich verlieh König Sigmund das Fürstenthum nebst andern Besit- 
zungen in Schlesien dem Pula von Czastalowitz am 13. August 
1429 3). 

Als Puta im Jahre 1435 starb*), ohne männliche Nachkommen 
zu hinterlassen, vermählte sich seine zweite Gemahlin, Anna von 
Kolditz, mit Herrn Hynek Kruscbina von Lichtenburg, der die sämmt- 
lichen Besitzungen der Czastalowitz von den Vormündern der hinter- 
lassenen Töchter kaufte. Eine aber, Katharina, protestirle und ebenso 
Herzog Wilhelm als Gemahl einer anderen Tochter, Salomenens. Letz- 
terer hatte den Erfolg für sich, denn er wurde, wie gesagt, 1443 Her- 
zog von Münsterberg, wenn auch sein Recht ein bestrittenes war, da 
Hynek Kruscbina seine Ansprüche nicht aufgab s). 



1) Rossitz a. a. 1429, bei Sommeisbeig I. 73. 

2) Sommersberg I. 855. 
Sj Palaeky IH. 2. p. 472. 

*) Stari letopisowe' bei Palaeky, Script, rer. Boh. lU. p. 91. 
5) Vgl. Palaeky IV. 1. p. 351. 



56 

Als Herzog von Münsterberg hatte Wilhelm bald Gelegenheit, 
sein erprobtes Schwert gegen die Landesheschädiger zu ziehen '). 
Das Ansehen aber, das er dadurch gewonnen, führte ihn noch im 
Sommer desselben Jahres zu einer andern ehrenvollen Stellung. Die 
Breslauer, müde der Plackereien, die sie von Seite des räuberischen 
Adels zu dulden hatten, schlössen mit einigen umliegenden Städten 
und dem Herzoge Wilhelm ein Bündniss, durch welches er ihr Haupt- 
mann wurde. Unter seiner Anführung eroberte man die verschiedenen 
Raubnester, wie Warkotsch, Karpenstein, Neuhaus 2) etc. 

Im Jahre 1445 aber sehen wir Herzog Wilhelm eine ganz ver- 
änderte, gerade entgegengesetzte politische Stellung einnehmen. 
Bischof Wenzel von Breslau resignirte 1444 gegen eine jährliche 
Pension von 1000 ungarischen Gulden auf sein Bisthum, nachdem er 
dieses mit Schulden belastet hatte. In andern Zeiten würde die nun 
folgende Vacanz ohne Nachtheil für das Capitel geblieben sein, unter 
den damaligen Verhältnissen gereichte sie demselben zum grössten 
Verderben. Die schlesischen Fürsten sahen die bischöflichen Güter 
als herrenloses Gut an und dieser Versuchung konnte auch Wilhelm 
nicht >\iderstehen. 

Er verband sich mit denen, die er bisher mit tapferer Hand be- 
kämpft hatte, mit Czetris, Opitz, Zirn, Nikolaus von ßladen, Georg 
Stoss auf Olbersdorf, und anderen Feinden des Bischofs und — des 
Landfriedens. Sie überfielen die Kirchengüter, plünderten und ver- 
wüsteten dieselben und führten ihre Beute nach Münsterbergs). Die 
Verweser der Kirche thaten Herzog Wilhelm nebst seinen Bundes- 
genossen desshalb in den Bann am 23. März 1445. Die Städte, die es 
mit ihnen hielten, wurden mit dem Interdict belegt. Allein das Capitel 
war zu schwach, dem Banne Nachdruck zu geben, und so wurde end- 
lich durch Vermittlung Herzog Heinrichs von Glogau und des Bres- 



1) Im August 1443 zieht er mit H. Nikolaus von Ratibor, Pfemko von Teschen und 

Heinrich von Glogau gegen die Räuber und zwar gegen Ottmachau, das diese 

eingenommen hatten. Klose II. 2. p. 124. 
*) Eoiiem tempore dux Wilhelmus dominus Monsterbergensis obtinuit fortalitium 

Warkotz etc. Rossitz, bei Sommersberg I. p. 80. Vgl. Klose 11. 1. p. 434. Heiiel, 

Münsterbergische Chronik, bei Sommersberg I. 180. 
') Rossitz, bei Sommersberg 1. 82 : dux Wilhelmus . . Zirna . . . Stoss cum compli- 

cibus eorum invaserunt bona eeclesiae Wratislaviensis sine causa et spolianles 

multas villas in districtu ßregensl et Grotkoviensi. 



57 

laner Rathes am 8. Juli 1445 ein Vergleich geschlossen i), durch den 
Herzog Wilhelm verpflichtet wurde, dem Capitel Stadt und Schloss 
Ziegenhals, das er durch einen Handstreich genommen hatte, zu- 
rückzugehen. 

Bald darauf scheint Herzog Wenzel gestorben zu sein, denn 
wir haben von ihm keine einzige Urkunde nach 1443»). Ich weiss 
wohl, dass man seinen Tod in das Jahr 14ö2 setzt, allein man hat 
hier, wie mir scheint, die Regierung Wenzels und seines bisher un- 
bekannten Sohnes Hanusch zusammengeworfen. 

Herzog Wenzel war mit Elisabeth vermählt, deren Abstammung 
mir unbekannt ist s), und hatte zwei Söhne, Johann den spätem Herzog 
von Troppau und Leobschütz, auch Johannes pius genannt, und 
Hanusch, der stets nur Herzog von Troppau genannt wird*). Ausser 
diesen wird noch eine Tochter erwähnt, Anna, die Herrn Johann 
Sagicz von Hasenburg heirathete. Über den Charakter Wenzels lässt 
sich schwer etwas sagen, da wir von ihm viel zu wenig wissen, um 
darüber urtheilen zu können. Es wirft aber kein gutes Licht auf ihn, 
wenn man erfährt, dass gegen ihn, den Herrn des Landes, die richter- 
liche Hilfe angerufen wird wegen 22 Goldgulden, welche für ihn ein 
Unterthan einem Israeliten zahlen musste und wegen deren die Witwe 
und die Waisen des Ersteren in Schaden gerathen waren s). 

Dass der obenerwähnte Hanusch ein Sohn Wenzels war, geht 
daraus hervor, dass er der Sohn Herzog Wenzels genannt wird und 
dass Johann (pius) denselben seinen Bruder nennt. 



«) V^M. Zeitschrift des Vereins etc. V. p. 1Ö3. Rossitz bei Soinmersberg I. 82: in die 
sancti Kiliani concordatum fuit capitulum Wratislaviense cum duce Wilhelnio .... 
et eorum coraplicibus. Klose II. 1. p. 476. Henel, Silesiog. I. 787. 

2) Die letzte vom 7. März 1443, abgedruckt bei Kleiber, Gesih. von Leobschütz p. 24 
und Minsberg p. 143. — Wenzel starb wahrscheinlich 1446, da Johann 1447 als 
Herzog von Leobschütz erscheint. 

3) Sie erscheint mit Wenzel und ihrem Sohne Johann in der Urkunde vom 7. Juni 
1443, vermöge welcher sie ihren Zins von 1 l/g Hüben und einen Hof beim .laktar- 
thore für 60 Mark verkaufen. Copie in Tillers Nachlass. — 1434, 2. Juli (Mins- 
berg 269) wird sie schon als verstorben erwähnt. 

*) Sommersberg führt in seiner Stammtafel noch einen andern Sohn Wenzels auf, 
ebenfalls Wenzel genannt, dessen Existenz scheint mir aber unwahrscheinlich, da 
er in keiner einzigen Urkunde erwähnt wird. 

5) Tiller, Zur Geschichte der Landrechte der Fürstenthümer Jägerndorf und Leob- 
schütz, in den Schriften der hist.-stat. Sectio« in Brunn 1836. IX. Bd. 



S8 

Ersteres geschieht in einer Urkunde von 1462, 26. Septem- 
ber i); dass man sich aber unter dem hier genannten Hanusch nicht 
H. Johann denken könne, wird dadurch klar, dass von ihm als einem 
bereits Verstorbenen die Rede ist, während Johann noch bis 1482 
(circa) lebte. Dadurch wissen wir also sicher, dass Hanusch ein 
Sohn Wenzels war; daraus folgt von selbst, dass er ein Bruder 
Johanns sein müsse, wenn es auch nicht ausdrücklich gesagt wäre, 
wie es in der Urkunde von 14S9 2) der Fall ist. 

Der ältere Johann erhielt nach meiner Vermuthung Leobschütz, 
Hanusch aber den Troppauer Antheil; damit stimmt es, dass bis zu 
dem Tode des letzteren, der vor 1459 erfolgt sein muss — M'ie es aus 
der Urkunde Johanns von diesem Jahre hervorgeht, — die Urkunden 
des Johannes pius sich nur auf Leobschütz beziehen , nach diesem 
Zeitpunkte aber H. Johann auch als Herzog von Troppau erscheint 
und als solcher Verfügungen trifft. 

Das Herzogthum Troppau hatte nun wie früher 3 Herzoge, näm- 
lich Hanusch, Wilhelm und Ernst, nur dass Leobschütz, das früher 
unter Wenzel mit Troppau vereinigt war, jetzt ebenfalls einen Her- 
zog, Johann, hatte. 

Von Hanusch erfährt man wenig, es sind mir nur 6 Aufzeich- 
nungen bekannt, die theils von ihm herrühren, theils ihn betreffen. 
Dass er sein Herrscherrecht in Troppau ausgeübt, geht daraus her- 
vor, dass er 1447, 1. März, beim Landrechte dem Heinrich von Die- 
hilow sein Recht auf Pustkowetz gab ») und unter ihm nebst Wilhelm 
und Ernst (circa) 14S0 bestimmt wurde, dass die Ratiborer hin- 
sichtlich des Lehenrechtes Rechtsbelehrungen bei dem Troppauer 
Landrechte ansuchen sollen *). 



») Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 239. 

2) Vgl. Beilage Nr. XI. Wenn man es auffällig finden wollte, dass zwei Söhne Wen- 
zels denselben Namen tragen, so erinnere ich an analoge Fälle. Von den Söhnen 
Georg Podebrads hiess der eine Heinrich , der andere Hynek, unter den Herren 
von Kolowrat finden sich in der zweiton Hälfte des iS. Jahrh. ebenfalls ein Hanusch 
und Jan (.lohaun). Vgl. Hulakowsky, Über böhmische Familiennamen. (Casopis 
ceskeho Museum. 1860. p. 153.) 

3) Tropp. Landtafel. II. fol. 3. 

*j Ungedruckte und undatirte Urkunde im Landesarchiv. 



59 

Wir erfahren ferner, dass er Ansprüche auf Fulnek erhob und 
zwar, wie es seheint, mit Erfolg, da er 1448 als Erbherr von Fulnek 
erscheint •). 

Wie oben erwähnt wurde, hatte sein Vater, Herzog Wenzel, im 
Jahre 1440 an Bolko von Oppeln Edelstein und Zuckmantel ver- 
pfändet. Herzog Hanusch bemühte sich nun, diese Besitzungen aus- 
zulösen; die Verhandlungen scheiterten aber trotz einer persönlichen 
Zusammenkunft beider Fürsten zu Glogau an den hohen Forderungen 
Bolkos2). 

Dieses wenige ist alles , was ich von einem Fürsten erfahren 
koimte, dessen Existenz bis jetzt unbekannt war. Herzog Hanusch 
muss bald gestorben sein»); ob er vermählt gewesen oder nicht, ist 
zweifelhaft. 

Vorhergegangen war ihm im Tode sein Oheim Wilhelm, nach- 
dem er 1451, vielleicht im Vorgefühle des nahenden Todes, inTroppau 
das Franziskanerkloster gestiftet. Er starb zwischen dem April 1452 
und dem Juni 1453*}. 

Seine Gemahlin Salomene überlebte ihn noch lange, sie starb 
erst 1489 *). Einige Jahre blieb sie noch in Troppau, da ihr im Jahre 
1453 Herzog Ernst, der nun der Vormund der Kinder Wilhelms 
wurde, daselbst 200 Schock jährlichen Zinses zum Leibgedinge 
anwies «). 



•) Vgl. Beilage Nr. Vül. 

2) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 239. In welchem Jahre diese Verhandlungen stattfanden, ist 
unbekannt, weil die darauf bezügliche Notiz aus dem Jahre 1462 stammt. 

3) Schon 14ö4, 2. Juli erwähnt Johann einen verstorbenen Bruder (Minsberg, p. 269). 
Möglich, dass Hanusch damit gemeint ist, da aus der Zeit nach dem genannten 
Jahre sich keine Urkunde von ihm mehr vorfindet. 

*} Die letzte mir bekannte Urkunde Wilhelms ist vom 23. April 14J>2 (Bestätigung 
einer Altarstiftung in der Tropp. Pfarrkirche. — Ungedrucktes Original im Tropp. 
Stadtarchiv); am 11. Juni 14ö3 erscheint H. Ernst schon als H. von Münsterberg 
(Henel, bei Sommersberg I. 181) und am 13. August als Vormund der Waisen 
(Orig. im .Museum zu Troppau. Vgl. Anmerk. 6). — Herzog Wilhelm starb wahr- 
scheinlich um Maria Himmelfahrt — dann also 1452 — , da nach diesem Tage im 
Dominikanerkloster sein Anniversar gefeiert wurde (Dominikaner Chronik. Mss. 
saec. XVIll. im Tropp. Museum, p. 71). 

*) Sommersberg I. 770. 

*) Urkunde Herzog Ernsts vom 13. August 1433. Orig. im Museum. Vgl. Beilage 
Nr. IX. 



60 

Herzog Willielni soll vier Kinder gehabt haben i), Wenzel und 
Friedrich, von denen der erste an Gift starb, der zweite früh 
ins Grab sank, Katharina und Hedwig, von denen die erstere sich 
mit Herzog Johann von Sagan vermählte und 1505 starb, die andere 
ins Kloster zu Trebnitz ginga). 

Da bald nach Wilhelms Tode auch Herzog Hanusch gestorben 
sein muss, so übernahm Herzog Johann von Leobschütz den seinem 
Bruder gehörigen Theil Troppaus, während Ernst zwei Theile ver- 
waltete und gleichzeitig dem Bruder in Münsterberg folgte. 

Die Herrschaft der Premyslidischen Herzoge in Troppau aber 
ging ihrem Ende entgegen. Von Ernst wissen Mir zu wenig, um das 
Urtheil, das über ihn als einen Verschwender und Wüstling gefällt 
wurde 3), würdigen zu können. Was von ihm bekannt ist, ist Fol- 
gendes; 1455, als König Ladislaus Breslau besuchte, erschien 
er ebenfalls in der Hauptstadt Schlesiens gleich anderen Fürsten *). 
Wahrscheinlich im folgenden Jahre verkaufte er seinen Antheil und 
den, der einst Herzog VV ilhelm gehörte, dem Herzog Bolko von Op- 
peln für 28000 fl. sj. Derselbe erscheint auch bereits 1457 als Herr 
von Troppau «). Wohl gleichzeitig entledigte sich Herzog Ernst seines 
anderen Besitzthumes, indem eriVlünsterberg dem Georg von Podebrad 
überliess'), der schon im Jahre 1454 alle Güter, die einst Puta von 
Czastalowitz besessen, von Wilhelm Kruschina an sich gebracht hatte. 

Herzog Ernst soll 1454 in äusserster Dürftigkeit im Kloster 
Leubus gestorben sein^^). Diese Angabe ist durchaus unrichtig, da 
derselbe 14G2 in Prag unter dem Gefolge König Georgs erscheint») 
und 1464 noch urkundet <o). Wo er gestorben sei, und ob er eine 
Nachkommenschalt hinterlassen habe, ist gänzlich unbekannt '»). 



') In den Urkunden weiden sie nie namentlich aufgeführt. 

^) Sominersberg I. 769. 

3) Ens, Oppaland, I. 68. 

*) Rossitz, bei Sommersberg I. 87. Vgl. Palaeky IV. 1. p. 377, Klose 11. p. 486. 

^) Ens I. 68 gibt nach Dlugoss 40.000 fl. als Kaufsumme an, dass aber 28.000 fl. 
die richtige Angabe ist, erhellt aus Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 248. 

«) Vgl. Beilage Nr. X. 

') Palaeky IV. 2. p. 42, Änm. 23. 

®) Ens I. 68 und nach ihm D'Elvert, Verfassung und Verwaltung, p. 70. 

») Cod. dipl. Sil. VI. 261. 
<0) Vgl. Beil. Nr. XII. 
") Henel und nach ihm Sommersberg I. 771 schreiben ihm eine Tochter Sophie /.u. 



Ol 

König Georgs Bestreben war, nachdem er durch Erwerbung 
der Czastalowitz'schen Güter, des Herzogthums Miinsterberg etc. be- 
reits festen Fuss in Schlesien gefasst, dahin gerichtet, die ihm wider- 
strebenden Fürsten zu unterwerfen oder für sich zu gewinnen. Zu 
den ersteren scheint Herzog Nikolaus von Oppeln gehört zu haben, 
der nach dem Tode seines Bruders Bolko 1460 i) die Begierung über- 
nahm. König Georg forderte nämlich von Herzog Nikolaus die Ab- 
tretung des gesammten Landes, das durch ßolkos Tod an ihn beim- 
gefallen sei. 

Eine Handhabe gegen Nikolaus boten die Ansprüche, welche die 
Kebsfrau Herzog Bolkos und Herzog Johann von Auschwitz auf Op- 
peln erhoben. Um Nikolaus seinen Forderungen geneigter zu machen, 
soll Georg die Zebraken oder die Brüder, eine in Schlesien herum- 
ziehende Bande von Räubern und Wegelagerern, in Herzog Nikolaus' 
Land geschickt haben a). Am 15. August 1460 wurde nach manchen 
Verhandlungen beschlossen, dass Herzog Nikolaus niclit nur die zwei 
Antheile an Troppau, sondern auch, was Bolko 1440 erworben hatte, 
Edelstein nnt Zuckmantel etc. herausgebe, dagegen Oppeln be- 
halte 3). 

In Troppau herrschten nun Herzog Johann von Leobschütz und 
ein königlicher Hauptmann*). 

Die Art und Weise, wie König Georg mit dem Herzoge von Op- 
peln verfahren war, zeigte zu deutlich die Absicht desselben, das 
ganze Troppau zu erwerben, und gab zugleich den Fingerzeig, dass 



die in Böhmen geheiratet habe. Ersterer weiss noch von ihr, dass sie vitae impu- 
dicae gewesen sei. 

1) Das Todesjahr H. Bolkos von Oppeln ist schwer sicher zu stellen, da am lö. Aug. 
1460 (Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 248} Bolko schon als todt erwähnt wird und 1461 
derselbe in der Troppauer Lan. Itafei II. fol. 10 noch als knieze Opolske a O paw- 
ske erscheint. 

2) Eschenloer, herausg. von Kuniseh. Breslau 1827. I. p. 171. 

8) Cod. dipl. Sil. VI. 249. Vgl. Dlugoss lib. XIII. Die Verhandlungen scheinen aber 
damit nicht abgeschlossen worden zu sein , da Nikolaus diesen Vertrag erst am 
22. August 1463 bestätigt. (Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 273.) Idzikowsky, Geschichte 
der Stadt Oppeln (Oppeln 1863) p. 90 u. 91 bietet gar nichts über diese Beziehun- 
gen ßolkos zu Troppau. 

*) In einem Tropp. Ladungsbuch (im LandesarchivJ heisst es: Dass ein Edelmann 
sein Ausbleiben vor dem Landrechte entschuldigen möge przed kniezi milosti 
kniezem .lanein a przed haytmanem kralowskim . 



62 

es besser sei, sich dem Könige nicht zu widersetzen. Von dieser An- 
sicht geleitet, verkaufte Herzog Johann von Leobschütz seinen An- 
theil an Troppau im Jahre 1464')» wahrscheinlich freiwillig, da 
dieser Besitz auch von anderer Seite gefährdet war. Herzog Premko, 
Canonicus in Breslau, erhob nebst anderen Forderungen auch An- 
spruch auf den Theil Troppaus, der Herzog Johann gehörte. Ehe 
dieser denselben seinem Oheim abtrat, zog er es vor, gegen eine Ab- 
findimgssumme denselben dem Könige zu überlassen, der am 16. De- 
cember 1405 seine Söhne damit belehntes). 

Herzog Johannes pins von Leobschütz. 

1447 (?) — 1482 (?). 

Nachdem so das Stammland der Premyslidischen Herzoge, 
Troppau, an den böhmischen König gekommen war, behielt Herzog 
Johann, der letzte Sprössling der Troppauer Linie, nur noch Leob- 
schütz sammt Gebiet, 

Die frühere Geschichte desselben ist bereits erwähnt worden, 
wir haben nun noch seine Schicksale nach 14G4 zu erörtern. Fassen 
wir zuerst seine Stellung zu Fulnek und den Krawarzen ins Auge. 

Wir haben scbon früher gesehen, dass sein Bruder HanuschErb- 
berr von Fulnek war s). 

Nach dem Tode Johanns von Krawaf, des Gemahls der Agnes, 
einer Tochter Pi-emkos, traten nämlich die Herzoge Wenzel und Ernst 
gegen ihre Schwester Agnes klagbar auf und erhoben Ansprüche auf ihr 
Erbe Fulnek und Wagstadt 1437*). Bald darauf scheint auch Ag- 
nes gestorben zu sein und Laczek von Krawar, der Bruder Johanns, 
nahm Fulnek in Besitz. Wiederholt klagten die Troppauer Herzoge 
Wenzel, Wilhelm und Ernst wegen ihrer Ansprüche beim Troppauer 



1) Die Urkunde ist nach Dudi'it a. a. O. öl. Anm. 3 im Maltheser Archiv in Prag. 

2) Palacky, Urkundliche Beiträge zur Geschichte Böhmens im Zeitalter Podebrads, 
Fontes rer. Austr. H. Abthlg. XX. Bd. p. 372. Auffallend ist es, dass hier König 
Georg seine Söhne nur mit dem dritten Theile der Stadt Troppau belehnt. 

») Vgl. oben Seite 59. 

*) Ladungsbuch im Trepp. Landesarchiv. Kniez Waczlaw a kniez Arnosst po haniegy 

kniezny Angnessky sestri swe z Fulneka stoho zbuozie wssieho Fulneczskeho y 

Bieloswskeho napodu sweho sprawedliweho . 



63 

Laiulrechte, Laczek verschmähte es, den Troppauer Herzogen Rede 
zu stehen und trotzte seinen Schwägern '). Diese scheinen endlich 
nachgegeben zu haben und waren bereit, ihr Recht auf Fulnek durch 
Geld (16.000 Schock Groschen) ablösen zu lassen. Herzog Wenzel 
vererbte nun seine Ansprüche auf Fulnek auf seine Söhne, und so 
kam es, dass Herzog Hanusch nicht nur auf Fulnek Anspruch er- 
heben, sondern sogar erfolgreich durchsetzen konnte. 

Nach dessen Tode scheint nun Herzog Johann beabsichtigt zu 
haben, seinem Bruder auch in Fulnek zu folgen 2); ob mit Erfolg, ist 
unbekannt. 

Wir erfahren nur, dass im Jahre 1464 sowohl Herzog Johann 
neuerdings, dann aber ;iuch Herzog Piemko, der Canonicus zu Bres- 
lau, darauf Anspruch machte; letzterer berief sich auf seine Schwester 
Agnes und protestirte, dass der derzeitige Besitzer Krumschin von 
Leschan es verkaufe s), da er offenbar in widerrechtlichem Besitze 
sei. Beide, sowohl Herzog Johann als Premko, compromittirten auf 
den König, der insofern keinem Recht gal). als er sich von Zdenko von 
Postupilz, der indessen von Krumschin Fulnek erworben hatte, das- 
selbe gegen eine gewisse Summe abtreten Hess. So waren beide Prä- 
tendenten mit ihren Ansprüchen abgewiesen *}. In diesem Jahre hatte 
Herzog Johann noch einen andern Streit, der, wenn auch von gerin- 
gerer Bedeutung, sich doch bis in das Jahr 1467 hinzog. 

Herzog Johann war nämlich mit Herzog Nikolaus von Oppeln 
wegen des Dorfes Pommerschwitz in Streit gerathen. Herzog Bolko 
hatte dasselbe käuflich an sich gebracht, es aber nicht nach der Lan- 
desordnung des Herzogthums als seinen Privatbesitz in die Landtafel 
eintragen lassen. Nun beanspruchte nicht nur Herzog Johann als Lan- 
desherr sondern auch Nikolaus als Bruder Bolkos den Besitz des Dorfes. 
Die Sache wurde sonderbarer VV^eise nicht von einem schlesisehen 
Gerichte, sondern von dem mährischen Landrechte entschieden. Her- 



1) In demselben Rechtsbuche heisst es zum J. 1440 21. Sept. : Kniez Waczlaw, kniez 
Wilem a kniez Arnosst opowiedagi, ze pan Laczek moezi bez prawnye drzy napad 
giegich diediozny zhuozie Fulneczskeho a na prawie dosti myety nechcze any ku 
prawu staty. Zum J. 1441 Decemb. : Przisud przirczen kniezatoro na pana Laczka 
XVl tissicze hrziwen na Fulneczskem y na Oderzskem zbuozy a nato przisud knie- 
zata dali . . . 

2) Er nennt sich Herzog^ von Leobschütz und Fulnek, 2. Juli 1434 (Minsberg 269). 
*) Aufzeichnung: vom 20. Feber 1464 im Ladungsbuche im Tropp. Landesarchiv. 

*) Wolny, Topog. von Mähren. I. p. 121. 



64 

zog Johann wandte sich nämlich, da Leobschütz zum Troppauer Land- 
rechte gehörte, an dieses, dessen Entschied uns nicht bekannt ist. 
Entweder holte dieses eine Belehrung von dem mährischen Land- 
rechte ein oder appellirte der Kläger an dasselbe, kurz im Beginn des 
Jahres 1464 entschied das Briinner Landrecht, dass, wenn Herzog 
Bolko das Dorf nicht nach Troppauer Recht eintragen Hess, dasselbe 
dem Herzog Johann gehöre '). Das Landreciit in Troppau setzte nun 
einen Termin an, zu dem Herzog Nikolaus den Hans Stosch von Two- 
rosk, Peter Voyt von Oppeln 2), Herzog Johann den Toman von Ko- 
walowitz, Christof Barut von Roben, Nikolaus Sweborowsky und Hi- 
nek von Zioppau bevollmächtigte s). 

H. Nikolaus aber verwarf die Entscheidung der mährischen 
Herren und nun sollte die Sache vor den König kommen. Da lief 
beim Landrechte in Troppau ein königliches Schreiben ein des In- 
halts, es solle den streitenden Parteien neuerdings ein Termin anbe- 
raumt, und die Sache so entschieden w erden, dass sie erst nicht ihm 
übertragen werde*). 

Der Landeshauptmann Bernhard Berka von Nassidel lud nun 
beide Parteien auf den nächsten Quatember, den 19. September, 
wieder ein s). Beide Fürsten ordneten nun wieder ihre Bevollmäch- 
tigten ab, wie es scheint dieselben, wie früher«). Die Entscheidung 
fiel aber auch diesmal nicht anders aus, und als H. Nikolaus neuer- 
dings protestirte. berief sich H. Johann auf den König'). Welchen 
Verlauf der Process im folgenden Jahre nahm, wissen wir nicht; es 
scheint aber, dass die Sache wieder an das mährische Landrecht 
verwiesen wurde, denn dieses entschied am 2. Februar 1466, dass, 
nachdem es Gewissheit erhalten, dass Herzog Bolko das Dorf Pom- 
merschwitz seinem Bruder nicht nach Troppauer Recht übergeben 
und verschrieben habe, dasselbe dem H. Johann gehöre ^). 

1) Ddo. 20. März 1464. Orig. im Tropp. Landesarchiv. 

2) Orig. vom 6. Mai ebenda. 
*) Orig. vom 21. Mai ebenda. 
*) Orig. vom 27. Juli ebenda. 

^) Sein Schreiben vom 13. September — leider ohne Jahresaiigabe — ebenda. 

«) Wenigstens H. Johann ; sein Bevollmächtigunsschreiben vom 17. Sept. (Orig.) 

ebenda. Von H. Nikolaus dagegen ist im Landesarchive keines vorhanden. 
') Schreiben Johanns ddo. dominica die, der Protest des Nikolaus ddo. Opol, feria V. 

ante Thomas ebenda. Beide ohne Jahresangabe. 
*) Orig. ddo. Olmütz, nedieli den oczistieny matky bozie (Maria Reinigung) , ebenda. 



65 

Nachdem nun noch über die Ersetzung der Kosten, die Herzog 
Johann beanspruchte'), verhandelt wurde, sprach das Troppauer 
Landrecht am 26. Februar 1467 dem H. Johann das Dorf nebst Zu- 
gehör nach Recht des Troppauer Landes und dem Urtheil der mähri- 
schen Herren zu 2). 

Dies war aber nicht der einzige Gegenstand , wegen dessen 
Herzog Johann mit dem Oppler Herzoge in Conflict gekommen war. 

Nach dem Tode seines Bruders Hanusch, der wie oben erwähnt 
mit H. Bolko wegen der Auslösung Zuckmantels unterhandelt, nahm 
Herzog Johann noch zu Lebzeiten ßolkos — also vor 1460 — die 
Sache in die Hände. Wir wissen darüber allerdings nur wenig. Der 
Zwist entbrannte desshalb, Meli Bolko auf die verpfändeten Güter — 
Edelstein war abgebrannt und von ihm neu aufgebaut sj _ viel vt-r- 
wendet und II. Jobann die Moliorationskosten nicht ersetzen wollte. 
Man schritt zu den Waffen und das mächtige Geschlecht der Herren 
vonBladen bekriegte auf Bolkos Gebeiss den F^eobschützer Herzog*). 
Durch Vermittlung des Herrn Georg von Olbersdorf kam eine Zu- 
sammenkunft in Glogau und ein Vertrag zu Stande s). Als aber Bolko 
1460 starb und Nikolaus von König Georg stark bedrängt wurde, da 
scheint H. Johann neuerdings seine Ansprüche erhoben zu haben, 
allein vergeblich, denn wie wir wissen, musste Nikolaus die Trop- 
pauer Besitzungen dem Könige abtreten und 11. Johann erhielt von 
Letzterem die Antwort, die Güter gehörten dem Könige und nicht 
dem H. Nikolaus, habe er Anspruch darauf, so möge er denselben 
bei ihm und nicht bei II. Nikolaus geltend machen «). 

Es blieb unserem Herzoge nichts übrig, als auf die verpfändeten 
Güter und Kleinode zu verzichten, vielleicht steht aber der oben be- 
sprochene Streit um das Dorf Pommerschwitz mit diesen Verhält- 
nissen im Zusammenhang. 

Die nach König Georgs Tode folgenden Wirren und Kämpfe 
Messen auch Herzog Johann nicht unberührt. Wir wissen allerdings 



') Aufzeichnung vom 17. Decemher 1466 im Tropp. Ladungsbuch im Landesarchiv. 

'*) Ebenda, ddo. ctwrtek przed nedieli Oculi. 

») Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 482. 

*) Ebenda Nr. 299. 

*) Wann und welchen Inhalts, ist unbekannt, da wir über diese Verhältnisse nur 

durch einige spätere Urkunden aus den Jahren 1470 — 80 unterrichtet werden. 
«) Cod. dipl. Sil. VI. p. 214. 
Archiv. XLI. 1. S 



66 

nicht, welche I'arlei derselbe ergrilT; da aber die oberseblesisclieii 
Fürsten sieh insgesammt dem VVIadislaw zuneigten <}, wird man wohl 
nicht irre gehen, dasselbe von Herzog Johann anzunehmen. Als nach 
langem Hader endlich 1479 zu Olmiitz der Friede geschlossen wurde, 
demgemäss Mathias von Ungarn Mähren und Schlesien erhielt, er- 
kannte auch Herzog Joliann denselben als seinen Oberherrn an am 
12. August 1479 2). 

Herzog .loliann lebte nun noch in seinem Herzogtbiim bis 
1482-}. nach welchem Jahre er starl». Er Mar mit Katharina von 
Meklenburg vermählt*), hinterliess aber keine Kinder 5). 

Es überlebte ihn nur seine Schwester Anna, welche Herrn Jo- 
haim Sagicz von Hasenburg geheirathet hatte. Derselbe machte luin 
für seine Si'thne, als die nächsten männliciien Anverwandten des Her- 



') Dliif^joss lil». XMI. Pal;icky V. 1. 47. 

2) Paliicky. Archiv cesky V. 387. 

^) Am 12. August 1482 werdeu noch st'ine GesancUen von Hischof .Johann von ßresistu 
•»rv^ühnt (Cod. di|>l. Sil. VI. Nr. 343). Sein Todestag Ist nicht zu hcstimmen, 
variren doch die Angaheii seines Todesjahres von 1470 — 80. Vgl. Soinmersherg I. 
768. 

*) Vgl. Henel. Siiesiog. e. VIII. |». 296. Auf sie scheint sich die in den Mon. Luhensia 
V. Wattenhach. p. 41, zum 12. März angegebene Notiz zu beziehen: Obiit Cathe- 
rina ducissa Oppaviae. 

*) lienel sagt (Siiesiog. lih. III. p. 276). dass er keine Kinder gehabt, nach andern 
(Minsberg p. 33) sollen diese vor dem Vater gestorben sein. Eine sonderbare An- 
sicht, die ich als Curiosum erwähne, hat Meylandsky in seiner Geschichte von 
Leobschütz 1720, p. 42 aufgestellt, ßrünhagen vermuthet (Regesten zur schles. 
Geschichte, Cod. dipl. Sil. Vil. p. 129), dass vielleicht hinter Meylandsky der 
berüchtigte Hoseniann stecke. Dies dürfte der Chronologie halber nicht angehen; 
sicher aber ist, dass sein Werkchen (c. 80 Seiten) sich auf Hosemann und Nach- 
richten desselben Werthes stützt. Da diese Geschichte von Leobschütz selten ge- 
worden ist, so führe ich den hieher bezüglichen Passus an. 

(P. 42.) Nach diesem (sc. Johann) ist Leobschütz wiederumb in dessen Herrn 
Bruders Sohn Ernestum Primislaura, Troppauer Herzogen, und von diesen auff des- 
sen Sohn .Toannem gekommen, unter welchem a. 1476 an Festtag Laurentii die 
Stadt abermal, biss auff die Pfarr Kirchen, den Pfarrhoff und 4 kleine Häusel ab- 
gebrunuen, weil aber auch dieser Fürst im J. 1480 ohne Hinterlassung eines Leibs- 
erhen auss dieser Welt reisete, mithien als der Let/.te dieser Linie des Hauses von 

Ascanien (sie) — ist das Lehen dem König in Böheim zugefallen. 

Über den Werth oder Unwerth dieser Notiz noch Worte zu verlieren, ist über- 
flüssig. Von einer Nachkommenschaft des Herzogs Ernst wissen wir ebensowenig, 
wie von der H. Johanns. 



67 

zogs Johann, Ansprüche auf das Herzogthuni Leobschütz. für sich 
verlangte er 1000 fl., die seiner Gemahlin als Mitgift wären ver- 
sprochen worden, für seine Frau das Geschmeide, das einst Herzog 
Wenzels Gemahlin, der Mutter seiner Frau, gehörte i). Seine Forde- 
rung fand aber bei König Mathias kein Gehör, sondern dieser befahl 
seinem Hauptmanne von Oberschlesien, Johann Belik von Kornitz, 
das Ländchen für ihn zu besetzen. 



') Soramersberg I. 1082 und Ludewig, reliquiae VI. 7I>. 



«8 



B. Die Ratibor-Jägerndorfer Linie. 
Herzog Johann I. 

1366— 1379 (?). 

Die Geschichte Johanns I. ist grössteiilheils schon besprochen 
worden, wir haben ihn, den ältesten der Söline Herzog Nikolaus' II., 
als Vormund seiner Brüder gesehen. Im Jahre 1377 bei der Theilung 
des Erbes erliielt er mit seinem Bruder Nikolaus (III.) Jägerndorf, 
Leobschütz, Freudenthal, Zuckmantel und Deutsch-Neukirch <). Wäh- 
rend Premko und Wenzel ihr Erbe gemeinsam regierten, theilten Jo- 
hann und Nikolaus nochmals — ein Beweis dafür, dass das Verbält- 
niss der Beiden kein besonders freundliches gewesen sein muss. Da 
Herzog Nikolaus (III.) Zuekmantel, Leobschütz und Neukirch er- 
hielt s), so blieb unserm Herzoge noch Jägerndorf und Freudenthal. 
Da aber Herzog Johann Ratibor ganz allein besass, so war er mäch- 
tiger als jeder seiner Brüder. Lange aber erfreute sich Johann nicht 
mehr der Herrschaft, denn er starb zwei Jahre nacb der Theilung mit 
seinen Brüdern, wahrscheinlich Ende 1379^). Ehe Johann die Augen 
schloss, hatte er noch den Kaiser besucht, und denselben auf seiner 
Reise nach Paris begleitet*). Vielleicht waren die dabei aufgewen- 
deten Kosten die Ursache, dass Herzog Johann dem Herzog Premko 



') Cod. dipl. Sil. VI. p. 197. 

2) Ibid. p. 200. 

^) Sein Todestag und -Jahr sind ungewiss; die letzte mir bekannte Urkunde Jobauns 
ist vom 31. Juli 1379, in der er der Stadt Jägerndorf die Erricbtung einer Bleiehe 
gestattet (Copie in Tillers Nachlass). — Weltzel, Gesch. v. R.-«tibor p. 81 setzt 
seinen Tod in das J. 1382, dagegen spricht, dass aus der Zeit von 1379 — 1382 
keine Urkunden von ihm sich finden. — Die Angabe bei Ems I. öS, der seinen Tod 
1378 ansetzt, wird durch die vorerwähnte Urkunde widerlegt. 

*) Monat.schrift des böhm. Museums 1828 p. 21ö. 



69 

von Teschen das Städtchen Solirau um 4500 Mark verpfändete, 
1378«). 

Herzog Johann war, wie schon früher erwähnt wurde, mit 
Anna, der Tochter Heinrichs V. von Glogau vermählt. Sie überlebte 
ihren Gemahl und scheint eine Art Vormundschaft über den nachfol- 
genden Johann II. ausgeübt zu haben 2). Sie hatte ihrem Gemahl 
vier Kinder geboren, Johann und Nikolaus, nebst zwei Töchtern, von 
denen die eine, Margarethe, sich mit Herzog Bolko von Teschen ver- 
mählte 3J, die andere, Anna, Gemahlin Herrn Peters von Sternberg 
wurde*). Diese letztere erscheint 1305, in welchem Jahre ihr Mark- 
graf Prokop einen Schutzbrief für ihre Güter in seiner Fehde mit 
(It'Mi Markgrafen Jost gab sj. Sie starb nach 1398, da sie in diesem 
Jaiire ihr Testament machte, in welchem sie Laczek von Krawar zu 
ihrem Erben erklärte e). 

Henois; Johann II. 

i:{T'.l(?)— 14U3. 

Es ist kein erfreidiches Bild, das sowohl die Hegierun«; als die 
Persönlichkeit dieses Fürsten bietet. Die Schmälerung des Landes auf 
der einen Seite, der Mord am Karlstein und das Verfahren im eigenen 
Lande auf der andern Seite zeugen von keinem verständigen, seiner 
vStellung bewussten Fürsten. 

Auch Johanns H. Geburtsjahr ist uns unbekannt. Da er urkund- 
lich 1377, 24. Juni^), das erste Mal nehen seinem N'ater erscheint, 
so dürfte er wohl in den fünfziger Jahren des 14. Jahrhunderts das 
Licht der Welt erblickt haben. 

Es sind besonders zwei Punkte in der Regierung Jobanns II., 
die eine nähere Besprechung erfordern: die Verpfändung Jägerndorfs 
und sein Verhältniss zu König Wenzel. 



') Am 8. .länner. Cod. d. Sil. VI. Nr. 61. Vgl. darüber Biermann, Gesch. v. Teschen, 
p. 140, Anm. 4. Schon I37ö, 14. April hatte H. Johann Pless und Nikolai dem H. 
I.adislaiis von Oppeln verkauft. \g\. Beilag-e. 

2» Nach VVeitzel, Ratibor, p. 81 starb sie erst 1405. 

^1 V^l. Bierraann, Gesch. v. Teschen, p. 160. 

*l Hobner, Mon. IV. 372. 

*) Palacky, Archiv cesky I. 139. 

8) Ibid. I. 142 und bei Dobner, Mon. IV. 392. 

') Heyne, Geschichte des Bislhums Breslau (1864) 11. p. 843. vgl. auch Weltzel, 
Ratibor p. 332. 



70 

Jägerndorf" war, wie früher erwähnt wurde, 1377 an Herzog Jo- 
hann I. gefallen und blieb in dessen Besitz, Im Jahre 1384 oder An- 
fang 1385 verpfändete oder verkaufte Johann II. dieses Herzogthum 
— aus welchen Beweggründen und unter welchen Umständen, ist 
gänzlich unbekannt — dem Herzog Ladislaus von Oppeln i), nach- 
dem er nachträglich von König Wenzel die Erlaubniss erhalten 
hatte, sein Land einem, der ihm gleich geboren sei, zu verkaufen«). 

Bis zum Jahre 1422 war Jägerndorf in fremden Händen und 
hatte während dieser Zeit nicht weniger als sechs Herren. 

Von seinem Verhältnisse zum königlichen Hofes) erfahren wir 
erst spät. Wahrscheinlich wurde Herzog Johann von dem Markgrafen 
Jost, der seit 1390 Nachbar des Herzogs wurde (da er Jägerndorf 
erwarb), an den Hof und dessen Umtriebe gezogen. Es scheint aber 
nicht, dass er dort vor 1390 Eintluss und Bedeutung erhielt. In die- 
sem Jahre liess er sich als Werkzeug von dem schlauen Jost zu einer 
That gebrauchen, die ihn für immer betleckte. Es ist der Mord am 
Karlsteiii am 11. Juni 1397*). Aus Allem geht hervor, dass wahr- 
scheinlich Markgraf Jost der Anstifter dieser Greuelthat war und 
desshalb hören wir auch nicht, d^ss Herzog Johann für sein Ver- 
brechen gestraft worden wäre 5). Er blieb zwar nicht lange Oberst- 
hofmeister — was er kurz vorher gev\orden, — erhielt aber als Er- 
satz für die ihm entzogene Würde die Hauplmannschal't der Graf- 
schaft Glatz und Frankenstein ^j. 



1) Dessen erste, mir bekiinnte Urkunde für Jägerndorf ist vom 27. Februar 138ö, ied 
Bestätigung, dass .leschke C^elro das Dorf Niedertürmantz „unsern lieben ge- 
treuen den Riithniannen" der Stadt Jägerndorf verkauft habe. (Copie in Tillers 
Nachlass.) 

3) Cod. dipl. Sil. vi. Nr. 69. 

^) Ganz unbekannt ist mir, warum Johann mit dem Bischöfe Johann von Krakau 1391 
Krieg führte. Vgl. Böiime, Beiträge I. 63. 

*) Vgl. Palacky III. 1. p. 101. Der Chronist in den Stare letopisowe in den Script, 
rer. Boh. III. p. 7 sagt naiv, dass die Cechen mit diesem Ratiborer Geschlechte 
kein Glück hatten : Cechowe neniagicze stestie k tomu rodu Ratiborskemu , geho 
se potom sstitili a warowali. 

^) Dagegen Jost, er wurde aus Böhmen verwiesen. Palacky a. a. 0. 

6) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 83. Johann selbst nennt sich am 16. Nov. 1397 „von 
kuniglicher Gewalt der Cron von Beheim hauptmann zu Glatz". — Sommersberg I. 



71 

Dieselbe behielt Herzog Joluiiiii bis circa 1420, da er noch 1419 
sich Oberlaruleshauptmann von Glatz nennt »). Zwar gab König Wen- 
zel schon 1401 dem Markgrafen Prokop das Recht, die Grafschaft 
von Herzog Johann einzulösen 2), aliein es scheint Prokop von diesem 
Rechte keinen Gebrauch gemacht zu haben, und zwar umsomehr, da 
Herzog Johann schon seit 1399 auf des Markgrafen Prokop Seite 
getreten war. Dies ergibt sich aus der Tlieilnahme unseres Herzogs 
an den Kämpfen des Markgrafen gegen das Olmützer Bisthum, von 
denen früher die Rede war s). Es ist schon erwähnt worden, dass 1399 
am 4. März der Markgraf nebst anderen — worunter auch Herzog 
Johann sich befand — von dem päpstlichen Bevollmächtigten, dem 
Schottenabt Heinrich zu Wien, in den Bann gethan wurde*). — Was 
Herzog Johann bewogen, zu Prokop überzugehen, also auf Seite des- 
sen überzutreten, der mit wenigen Ausnahmen damals König Wen- 
zel beistand, ist nicht klar; seil dieser Zeit aber steht Herzog Jo- 
hann stets auf der Seite seines Königs. Nur so nämlich kann der 
Umstand erklärt werden, dass König Sigmund im folgenden Jahre 
1400 Ratibor durch aciit Tage belagerte und das Land ver- 
wüstete ^). 

Kimig Wenzel war damals von den Kurfürsten abgesetzt wor- 
den und hatte seinen Bruder Kimig Sigmund und dm Markgrafen Jost 
zu einer Zusammenkunft eingeladen, um über die Mittel zu beralhen. 
wie die dem Luxembuigischen Hause durch Wenzels Absetzung 
widerfahrene Schmach zu tilgen sei. Allein das uiiliniderliche Be- 
nehmen Sigmunds und seine unmässigen Forderungen veranlassten 
Wenzel, von Sedletz, dem Orte der Zusammenkunft, ohne Abschied 
weirzureiten. 



«) Heyne a. a. 0. U. 794. 

2| Falacky UI. 1. |). I'i". WeUxel, Katihor, p 86 irrt dulicr. w.'iin er desslialb aii- 
niiiiint. dass H. Jiili;iiiii nach 1401 nicht mehr Haiiptiiiaiin \oii (iliit/. '4( «eseii sei. 

S) Vgl. oben S. 42. 

*) Wolny im Archiv für Kunde östeir. (iesch. VIU. p. tbS. — Wann II. Johann vom 
Banne befreit wurde, ist unbekannt. 

5) Item anno 1400. feria VI ante üinuinni sauctoruni (29. OctoberJ rex Sln:i.smundu8, 
rex Ungarie, circunivaMavit cum Ungaris civitatem Ratibor, sed non fuit tante au- 
dacie, quod intrasset sepes ante civitatem et sie per totam octavam jaeuit in terra 
li;itiboriinsi et cremavil. R.iliborer Chronik. ZeitsciiriCt des Verein.^ etc. IV. 
p, IIG. 



72 

Sigmund aber wandte sich nun gegen das Herzogthtiin Kalihor, 
dessen Herzog seinen Einfluss in einer dem ungarischen Könige un- 
günstigen Richtung geltend gemacht und dadurch die Rache Sig- 
munds herausgefordert haben mag. 

Daliegen blieb Herzog Johann in Wenzels Gunst, dem er auch 
hinsichliicii des Charakters ähnlicli gewesen zu sein scheint. Im Jahre 
1404, als König Wenzel nai h seiner Flucht aus der Halt in Wien nut 
seinem Bruder Krieg f'ührle und sicii desslialb an Wladislaw von 
Polen wandte, war Herzog Joliann der Gesandte Wenzels, der die 
Zusammenkunft der beiden Herrscher in Breslau verabredete '). 

Nach Wenzels T«de erkannte Herzog Johann Sigmund als 
seinen Oberherrn an; er huldigte ihm zu Breslau am 6. Februar 
1420") und schloss sich ihm, der einst sein Land verwüstet, näher 
an. Damals hatten die Hussitcn aul" dem Landtage zu Kuttenberg 
1421 beschlossen, die Krone Böhmens nicht Sigmund, sondern dem 
Grossfürsteii Alexander Witold anzutragen, nachdem der polnische 
König Wladislaw dieselbe ausgeschlagen hatte. Eine Gesandtschaft, 
bestellend aus den Herren Wilhelm Kostka von Postupitz, Hlas von 
Kanicnitz, Wenzel von Jtnstein und Waniek Pawlikowetz von Prag, 
die an den lithauischen Fürsten abgesandt wurde, nahm ihren Weg 
über Schlesien und kam in der Mitte des Septembers 1421 nach Ra- 
tibor. Hier wurde sie von den Bürgern angehalten und gefangen ge- 
nommen 3). Es geschah dies otTenbar auf Geheiss des Herzogs, der 
andererseits wahrscheinlich auf Befehl oder den Wunsch Sigmunds 
handelte. Dies geht schon daraus hervor, dass Herzog Johann die 
Gefangenen dem Könige auslieierte; es sieht aber auch wie eine Be- 
lohnung für diesen Signuind erwiesenen Dienst aus, wenn letzterer 
im folgenden Jahre dem Herzoge Jägerndorf zurückgibt. 



') Dlugoss lib. X.: Ubi ad illum Joanne duce Oppavie nomine prefati Venceslai . . . 
veniente et invitante ad convenienduin , eonventio apud Wratislaviam pro feste 
saneti Jacobi apostoli accepta est. Vg^l. Palacky III. 1. p. 204. 

2j Ascbbach, Geschichte Sigmunds II. 460. Weltzel, Geschichte von Ratibor p. 88. 

*J Eodem anno Zizka cum Pragensibus niiserunt nuncios ad regem Polonie dominum 
nempe VVilhelmum Kostka, dominum HIosa , dominum Waniek et ejusdem domini 
Waniek filium, dominum PawHk equestris Status. Hi dum Ratiboriam pervenissent, 
Nicolaus (sie) filius magistri Hauuss , qui Carlsteinii proceres occidi fecit, eepit 
illos et regi Hungarie in Spimberg (Spielberg?) tradidit. — Cont. Pulkawae bei 
Dobner, Mon. IV. 161 ; vgl. auch die Stare letopisowe, Scr. rer. Boh. 111. p. 47. 



7:1 

Die Geraiigeiiiialiiiie der böhiiiiseheu Gesandten nuiclite allerorts 
viel Aufsehen und erregte dem Herzoge viele Feinde, besonders in 
Polen und Böhmen. 

Der Kiinig von Polen schickte sofort eine Gesandtschaft an Her- 
zog Johann ') und der Grossfürst VVitold ebenfalls eine an die Rati- 
borer Standes). 

Der Neffe des Letzteren, Sigmund Korybut, richtete ausserdem 
ein drohendes Schreiben an den Herzog mit der Aufforderung, die 
Gefangenen sofort zu entlassen, sonst sei sein „völliger Untergang 
und der schwere Zorn des Königs und des Grossfürsten" die sichere 
Folge »). 

Eine im October nach Prag geschickte Gesandtschaft Witolds 
sollte die Prager zum Kriege gegen den unpatriotischen Fürsten 
aufreizen*). 

So zog sich ein Gewitter über dem Haupte unseres Herzogs 
zusammen, dem er dadurch aus^^ ich, dass er seine Gefangenen dem 
Könige Sigmund übergab und so die Verantwortung für ihr Schick- 
sal von sich abwälzte ^). 



<) In seinem Schreilieii :iii J(ili;imi dilo. Cosynicze loco venalionum nostranini feria 
sexta proxim:» anle Miilliei ii|>o.stoli (19. Sept.) lieghiubigt K. Wladisliiw nobilein 
Nikoliuim SlokH de Capschow militen> ef Seslrziiiknncm Bandz'nsky nostros fide- 
les — -. l!ei(lisr-.-i;i.sliatiirl.uih v..ii 1418— 143:5 im k. k. {^eh. H. U. und 
Staalsarchiv. lol. li. 

2) Wilold schreibt (dat. in Castro nostro Trotky feria II. in crastino Mathei »postoli, 
12. Sept.) magnifiels, strenuis ac noliililius viris dominis terre Ratiboriensis baro- 
nibus et terrigenis und beglaiibi>;f seineu Sekretär ßnrlholoinäus. Ibidem. 

') Sigmunds Schreiben ist datirt Ausst feria IV in «pialuor temporibiis (17. Sept. ). 
In demselben heisst es: Quod factum (die Gefangennahme) et improvisionem ve- 
stram pio doleo ex affectu, nam exinde et per hoc aliud non restat, nisi vestra 
destrtietio et tinalis eversin el predictoium doniinonini leuis et diicis niagni gra- 
vissime indignationis incursio etc. Ibidein. 

*j Item fer. V ante Simonis (23. Üctob.) ambasiata ducis magni sciücet Witoldi 
Pragam pervenit, optans ex parte ducis, ut se Pragenses preparent cum majori 
quo possunt exerctu et Sigismundo ducis Witoldi consanguineo usque ad territo- 
rium ducis Joaniiis Oppariae occurrant, qui legatos Pragensium ad ducem prelac- 
tum directos capiens vinculavit, ut siniul juncti enndem devasteut et destruant et 
sie »uos liberent captivos. Ex hac tamen legatione nondum aliquid factum est, sed 
capti Sigismundo regi Hungarie per ducem Oppavie presentati. — Laurentius d« 
Brezina, Höfler, Geschichtsschreiber etc. Foutes rer. austr. I. Ablh. II. p. 499. 

*) Die Gesandten wurden nnth Trentschin abgeführt, das Gefolge in Briinn ent- 
hauptet. Vgl. Palacky III. Z. p. 2ö8. 



74 

Es war daher denn auch nur recht und billij^, dass Herzog Jo- 
hann für die Sigmund geleisteten Dienste belohnt werde, besonders 
wenn man bedenkt, dass Herzog Johann, wie später gezeigt wird, 
durch seine Gemahlin mit dem litlhauischen Fürstenhause verwandt 
war. Dies geschah durch die Belehnung mit Jägerndorf am 15. März 
1422 1). Herzog Johann bestätigte am 13. September der Stadt 2) 
und am 20. September den Ständen s) die Privilegien und kam somit 
wieder in den Besitz des Herzogthums. 

Jägerndorf hatte, nachdem es von H. Johann verpfändet oder 
verkauft worden war, sehr oft seinen Herrn wechseln müssen. Her- 
zog Ladislaus von Oppeln gab es seinem Schwiegersohne Herzog 
Heinrich von Glogau*), 1388. Wie lange es in dessen Besitz geblie- 
ben und auf welche Art es in die Hände seines Nachfolgers, des 
Markgrafen Jost kam, ist mir unbekannt 5), Im J. 1390 finden wir 
Jägerndorf im Besitze des Markgrafen, der es bis zu seinem Tode 
1411 behielt. Nach seinem Ableben kam es an König Wenzel e) und 
von diesem an König Sigmund^). Dieser bedurfte des Geldes — 
damals mehr als je — und verpfändete Jägerndorf dem Herzoge 
Ludwig von Brieg, 1421 »). Als imn wahrsclieinlich dem H. Johann 
Jägerndorf als Preis zugesagt ward , löste Sigmund dasselbe von H. 
Ludwig aus und belehnte damit unsern Herzog»). 



1) Die Urkunde ist {gedruckt in „Acteiimiissige und rechtliche Gegeninform:ition . . . 
über das rechtsg^eg-rüiidete Eigenthum des Churhauses Brandenburg etc." 1741. — 
Beilage II. 

2) Copie in Tillers Nachlass. 
^) Orig. im Landesarchiv. 

*J Die Bewilligung Wenzels dazu ddo. 2S. Juni 1388. Cod. dipl. Sil. VI. p. 204. 

*) Ich erwähne nur den Umstand, dass die Gemahlin des Markgrafen Jost, Agnes, eine 
Schwester Ladislaws von Oppeln war (Chlumecky, Regest, der Arch. Mährens p. 18, 
Nr. 4.i). Aus dem Unistande, dass von Heinrich v. Glogau gar keine auf Jägern- 
dorf bezügliche Urkunde vorhanden ist, liesse sich vielleicht der Schluss ziehen, 
dass derselbe die Herrschaft über Jägerndorf gar nicht antrat, sondern das Her- 
zogthuin seinem Verwandten, dem Markgrafen überliess. 

6) Wenzel bestätigt der Stadt die Privilegien am 21. März 1411, Prag (Copie in Til- 
lers Nachlass). Die Bestätigung der ständischen Privilegien siehe in Beil. VI. 

^) Er bestätigt die Privilegien der Stadt am 2S. Jänner (Copie in Tillers Nachlass), 
die der Stände am 19. Mai 1420 (Orig. im Landesarchiv). 

*) Dessen Privilegienbestivtigung für die Stände am IS. Juli, für die Stadt am 16. Juli 
1421. (Erstere im Orig. im Landesarchiv, letztere in Copie in Tillers Nachlass.) 

^) König Sigmund versetzte desshalb 100 Groschen jährl. Zins von der Stadt Olmüt' 



75 

Nicht lange mehr freute sich Johann der Wiedervereinigung 
seines ererbten Landes. Er starb schon 1423 und wurde im Kloster 
der Dominikanerinnen in Ratibor bestattet i). 

Die Persönlichkeit des Herzogs ist keine liebenswürdige gewesen, 
wenn auch Johann nicht, wie DIngoss sagt, in amentiam versus wara)- 
Er war in Vielem seinem königlichen Herrn, Wenzel ähnlich. Der 
Mord am Karlstein befleckt stets sein Andenken und doch lastete nicht 
nur dieser auf seinem Gewissen. Auch in seinem Lande liess er, 
gleich König Wenzel, den Pfarrer Konrad von Sohrau und Mathias 
von Kreutzdorf 1390 aus unbekainiter Ursache ertränken»). 

Fand er zu Hause oder am Hofe nicht die ihm zusagende Be- 
schäftigung, so eilte er in die Ferne ; so focht er 1414 gleich andern 
ihm ähnlichen schlesischen Herzogen im Heere des polnischen Königs 
gegen den deutschen Orden *J. 

Schon dieser Umstand, sowie dass Herzog Johann es nicht ver- 
absäumte, die Zusammenkunft König Sigmunds mit Wladislaw von 
Polen in Ofen zu vorlierrlirJuMi 1412 i), zeigt uns, dass er eine 
Neigung für Pttien halle, die noch deutlicher aus dem Schreiben er- 
hellt, das die im [lolnisclien Heere fechtenden Herzoge dem Ordens- 
meisler, der sie aulgefnrdert, ihr Schwert lieber für den Orden zu 
ziehen, gaben ; sie wüssten längst, dass der Orden keinen Frieden 



für 1000 Schock Gr. «len Herren lliniiis Küchinmcisler von R^ifistein und Witko von 
Wilrisdoif „durch die ablösung vnd freyhun» der st;it Jeger<lorff willen", der Rath 
der Stadt verkauft desshalb 1443 9. Dee.' "> Schock Gr. für äO Schock dem Bürjjer 
August Nyderle von ülniül/.. Entti;ilten in einem Viilimiis von I4i»2 im Tinppaiier 
Museum. 

1) Die An-jaben iihi-r den Tod .lolnuins schwanken; die Ratiborer Chronik (Zeit- 
schrift etc. IV. llt)) f;iht li'V.i an. dag:egen sprich! , dass Joliann noch der am 
5. März (Esto Mihi) 1424 in Krakau s(atlfindeiiden Krönui.gfsfeier der Königin 
Sophie von Polen beigewohnt haben soM. wie Olugoss I. XI u. A. erzählen, und 
doch liess dieser Johann schon 141 !> sterht-n ! Ich kann daher Ens I. 61 und Welt- 
zel, Ratibor p. ti9, die 1424 annehmen, nicht beistimmen. 

2) Dlugoss lib. XI a. a. 1419. 

^) Katlborer Chronik (Zeilschrilt des Vereins IV. 115). Dagegen ist aber das, was 
Ens I. 60 und Weltzel, Ratibor 86 von dem Mordanschlage auf Pfemko von Teschen 
erzählen, unrichtig, da dieser 1400, in welchem Jahre H. Johann ihn soll haben 
ermorden lassen, noch lebt, sogar 1409 noch vorkömmt. Vgl. Biermann, Gesch. 
von Teschen p. 130. Anm. 2. 

*) Dlugoss lib. Xr a. a. 1414. Vgl. Voigt, Geschichte Prenssens VII. p. 246. 

*) Am 3. Juni, Dlugoss lib. XI. 



76 

wolle. Diese Hinneigung zu Polen bewirkte sowohl seine Verwandt 
schalt mit dem litthauischen Fürstenhause, als die damalige Haltung 
Sigmunds •). 

Herzog Johann war nämlich mit Helena, der Tochter Korybutsa) 
vermählt, die ihm 1407 am 3. April vom Bischof Peter von Krakau 
zugeführt wurde ^). Er verschrieb ihr 3000 Mark Groschen als Mitgift*j. 

Helena überlebte ihren Gemahl, dem sie zwei Söhne gebar, 
1409 Nikolaus und später Wenzel s). Von seinem Bruder Nikolaus, 
der schon früher gestorben war, ist wenig zu melden. 1405 theilten 
sich die Brüder in die Stadt Freudenthal e). Nach einigen Angaben 
soll er 1414 gestorben sein '). 

Die gemeiaschaftlirhe Regierong der Herzoge Nikolaus und \fenzcl. 

1423-1437. 

Nach Johanns H. Tode übernahm die Witwe desselben, Helena, 
die vormundschaftliche Regierung, denn der ältere Sohn, Nikolaus, 
war erst 14 — 15 Jahre alt»), und diese scheint sie bis 1428 behalten 
zu haben, denn erst in diesem Jahre erscheinen die Brüder als re- 
gierende Herzoge »). 

Da Wenzel noch sehr jung war, wurde eine Theilung des Erbes 
nicht nöthig, da Nikolaus, nachdem er mündig geworden, doch der 
eigentliche Regent war. Als Wenzel zu Jahren kam, war diese Re- 



1) Asohhach, Gesch. Sigmunds II. 23it. 

^) Dlugoss lib. XI sagt nur „filia Coributi et nepte Wlailislai regis". Auch die Rati- 
borer Chronik (Zeitschrift IV. 116) berichtet nichts von ihrer Abstammung. 

'') Auffallend ist, dass H. Johann so spät hcirathete, denn er muss 1407 doch c. 
öO Jahre all gewesen sein. Oder war Helena seine zweite Gemahlin? 

*) Sommersberg 1. 931, und die Bestätigung Wenzels vom IS. Mai 1407. Somniers- 
berg II. 87. 

^) Auch eine Tochter hatte Johann II., Margarethe, die erst Kasimir von Auschwitz, 
dann Seinowit v. Masowien heirathete. Vgl. Dlugoss lib. XI. 

«) Cod. dipl. Sil. II. 48. 

') So Ens IV. 7 u. D'Elvert p. 69 ohne Quellenangabe. — H. Nikolaus stand auch in 
Beziehung mit Herzog Wilhelm v. Österreich; am 10. Mai 1399 erklärt H. Pfemko, 
dass er und Herzog Albrecht v. Österreich den Streit zwischen beiden wegen des 
„Glefenryenens" (?) beigelegt. Orig. im Staatsarcb. 

®) Je nachdem man 1423 oder 1424 als Todesjahr Johanns 11. annimmt. Nikolaus' Ge- 
burtsjahr 1409 steht fest (Ratiborer Chronik, Zeitschrift IV. p, 116). 

») Cod. dipl. Sil. VI. 177. 



77 

gierungsform allerdings unhaltbar. Im Ganzen genommen ist also 
ährend der Zeit der gemeinschaftliehen Regierung nur Herzog Ni- 
kolaus die wichtige und bedeutende Persönlichkeit. 

Auch Herzog Nikolaus' Thätigkeit war durch die damaligen Hus- 
sitenstiirme in Anspruch genommen. Er war einer derjenigen, die mit 
dem Feinde nicht pactirten, und seinem Vetter Herzog Wenzel von 
Leobschütz in dieser Hinsicht nicht ähnlich. 

Als nach dem Abzug der Hussiten die von ihnen besetzten Orte 
wieder von den Schlesiern eingenommen wurden, zog man auch ge- 
gen die, welche es mit den Hussiten gehalten hatten. Unter diesen war 
Herzog Bolko von Oppeln einer der hervorragendsten i). Er hatte in 
Prag studirt, dort Huss gehört und Neigung zu dessen Lehre ge- 
fasst. Ais die Hussiten 1429 von Mahren aus in Schlesien einbrachen, 
schloss Bolko sich ihnen an und zog mit ihnen „gleichwie ein an- 
derer Ketzer." 

Nun aber Gel man über den Hussitenfreund her, und als nach vor- 
angehendem diplomatischen Streite Herzog Bolko in das Gebiet des 
Herzogs Nikolaus einfiel, zog ihm dieser entgegen und schlug ihn am 
13. Mai 1433 bei Ribnik derart, dass der Oppler Herzog sein Heil 
in der Flucht suchen musste und Beuthen. das Bolko im Bunde mit 
andern Hussitenfreunden 1430 erobert hatte, in die Hände des Sie- 
gers fiel 2). 

Die Absicht, die Ruhe im Lande herzustellen, veranlasste Her- 
zog Nikolaus, auch dem Landfrieden, den die schlesischen Fürsten 
auf Geheiss König Sigmunds schlössen, beizutreten, 21. September 
1435 3). Es ist schon aus der Geschichte Herzog Wenzels von Trop- 
pau und Leobschütz, der ebenfalls dem Landfrieden beigetreten war, 



1) Martin v. ßolkenhain (Scr. rer. Lus. l. 362) : 1429 schloss sich Bolko den Hus- 
siten an, „wenne das herczog Bolke von Oppeln sieh czu en gap vnd czu en trat 
vnde czoch auch mit en yn dem here alzo eyn ander ketzer". 

2) Dlugoss lib. XI. a. a. 1433. : Odiis rixisque ferocibus inter Bolesiaum Oppoliensem 
ab «na et Nicolaum Ratiboriensem duces partibus ab altera exortis, dum Boleslaus 
Oppoliensis dominium hostis sui Nicolai Ratiboriensis invadens illud vastaret, a 
Nicoiao Ratiboriensi ante oppidum Rybniki congressu facto vietus atque prostra- 
tus fuga sibi salutem quaesivit et Nicolaus Ratiboriensis dux oppidum Bithoiii 
(Beuthen) cepit. Rossitz (Sommersberg I. 76) redet irrig von einer Schlaiht bei 
Trebnilz. Vgl. Klose II. 1. 398. 

8) Sonimersberg I. 1019. 



78 

bekannt, dass dieser die beiden so nahe verwandten Fürsten nicht 
hinderte, sich 1436 zn bekriegen, indem Nikolaus Leobschütz überfiel. 
Herzog Wenzel aber datür Sohrau wegnahm «). 

Indessen war Herzog Nikolaus' Bruder, Wenzel, grossjährig ge- 
worden, und wenn er auch urkundlich immer mit dem Bruder er- 
scheint, so mag doch sein Antheil an der Regierung bis jetzt ein 
geringer gewesen sein. Zu Streitigkeiten zwischen den Brüdern kam 
es indessen nicht, sondern Herzog Nikolaus, der in dem der Theilung 
vorangehenden Streite seiner Troppauer Vettern 1434 ein warnen- 
des Beispiel sah, willigte gutwillig in die Theilung a). Die Herren 
Hanns Kosirz von Seitendorf, Bielik Ton Kornitz auf Oderberg. Paul 
von Zator, Peter von Kucbelna, Landeshauptmann von Jägerndorf, 
Jessek von Rakau, Ratiborer Hauptmann, Paul von Lichten, Nikolaus 
von Lestschin. Hanns Klema von Elgot und Janek von Biela, von den 
Herzogen gewählt, theilten am 13. October 1437 zu Ratibor das Land 
derart, dass Herzog Nikolaus Jägerndorf, Freudenthal, Plesss), Rib- 
nik. Loslau und Bauerwitz erhielt, dem Herzog Wenzel dagegen Ra- 
tibor zufiel*). So theilte sich die Nachkommenschaft Johanns H. in 
zwei Linien, die Jägerndorfer, deren Fürsten sich aber nie Herzoge 
von Jägerndorf, sondern wie die Ratiborer Herzoge von Troppau und 
Ratibor nennen — und die Ratiborer, von denen die letztere alle an- 
dern Linien überlebte. 

Die Jäserndorfer Linie. Herzog >ikolaas- 

1437—1452. 

Von der Regierung des Herzogs Nikolaus nach der Theilung ist 
wenig zu berichte»; abgesehen von dem schon erwähnten Einfalle 
der Polen 1438, der auch Jägerndorf wird getroffen haben s), ist nur 



•) Vgl. obeu s. 53. 

2) Dazu berechtigt die Ermahnung der zur Theilung gewählten Herren , in brüder- 
licher Liebe, die sie bisher bewahrt, zu verharren. 

ä) Wann wurde Pless wieder eingelöst, da Johann I. es 1373 dem Ladislaus von 
Oppeln überlassen hatte? Vgl. Beil. 111. Wohl noch vor 1391, da H. Johann U. in 
dem genannten Jahre dem Krakauer Bisehofe einige Dörfer in districtu Plessnensi 
überlässt. Vgl. Böhme I. 63. Dudi'k im Archiv für österr. GeschichtsqueUen. 39. Bd. 
p. 43. 

*) Cod. dipl. Sil. VI. 193. 

'») Vgl oben S. 33. 34. 



79 

noch zu berichten, dass Herzog Nikolaus 1447 der uz Krakau Ende 
Juni stattfindenden Krönung des Königs Kasimir von Polen bei- 
wohnte 1), nachdenri er am 7. Februar vorher im Vereine mit seiner 
Mutter Helena, seinem Bruder Wenzel und andern oberschlesischen 
Fürsten dem Frieden mit Polen beigetreten war, durch den die schle- 
sischen Fürsten den zwischen den beiden Ländern gestörten Frieden 
herstellten und versprachen, alle Feinde des Königs zu verfolgen 
und ihnen den Durchzug durch ihr Land zu verwehren, andererseits 
der polnische König versprach, ihre Feinde, die sich nach Polen 
flüchten würden, auszuliefern 2). 

Er starb 1432 am 22. Decembers), und hinterliess seinen Er- 
ben einen langjährigen Streit. Er hatte nämlich 1437 unter anderem 
auch Bauerwitz erhalten, ein Gut, welches die Dominikanerinnen in 
Batibor beanspruchten. Es war freilich der xMühe werth, gegen die 
Besitzergreifung von Seite des Herzogs zu protestiren, denn die jähr- 
lichen Einkünfte des Gutes betrugen gegen 600 ung. Goldgulden*). 
Der Streit zog sich noch lange hin und noch im Jahre IS 10 klagt die 
Priorin des Stifts gegen die Herren von Schellenberg, die nachmaligen 
Besitzer Jägerndorfs, beim Hauptmann von Schlesien, Herzog Kasimir 
von Teschen 5). 

Herzog Nikolaus war zweimal vermählt. Die erste Gemahlin 
Margarethe stammte aus dem im Lande ansässigen Geschlechte 
der Klema von Ellgot«). Sie gebar ihm zwei Söhne, Johann, zum 
Fnterschiede von seinem Vetter der Ältere genannt, Wenzel und 
mehrere Töchter, Barbara") und Machna«). Erstere tritt später be- 



1) Üliigoss Hb. XIII. a. a. 1447. 

2) Ibid. — Sommersberg I. 1011. 

«J Die Ratiborer Chronik (Zeitachritt IV. 118) gibt den 22. Dec. an, während Rossitz 
(Sommersberg I. 84) nur das Jahr angibt, in welchem mehrere Kirchenfeinde, 
darunter auch Nikolaus, gestorben seien. Dlugoss 1. XIII. a. a. 1452 lässt ihn am 
13. September sterben. 

*) Cod. dipl. Sil. II. p. XXII. (Vorrede.) 

5) Ibid. 11. 218. 

«) Ein Hanusch von Klema erscheint 1437 (Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 193) und 1439 
(ibid. Nr. 202). Später ein Jan von Klema 1482 (Cod. dipl. Sil. II. p. 203) etc. 

') Nach Dlugoss 1. XIII. a. a. 1432. 

8) Sie nennt sich selbst eine Tochter des Nikolaus in der Urkunde von 1482, 12. Aug. 
(Cod. dipl. Sil. VI. 342.) 



80 

doiitend auf, letztere aber heirathete Herzog Kasimir von Auschwitz 
und Zator und erscheint urkundlich noch 1499 i). 

Die zweite Gemahlin, die er erst zu Anfang des Jahres I4S1 
heirathete, war Barbara, die Witwe eines Krakauer Bürgers aus dem 
Geschlechte Rokenberga). Auch von dieser erhielt Herzog Nikolaus 
noch einen Sohn, ebenfalls Nikolaus genannt, doch starb dieser früh 
und wurde in Krakau begraben 3). 

JohaDQ der ältere nnd Wenzel. 

US2— 1483. 

Herzog Nikolaus hatte vor seinem Tode keine Bestimmung we- 
gen der Nachfolge getroffen, und nun war die Frage, wer die Vor- 
mundschaft über die noch unmündigen Kinder desselben überneh- 
men solle. 

Beansprucht wurde dieselbe von Herzog Wenzel von Ratibor, 
dem Bruder des Verstorbenen, und der Witwe des Letzteren, Barbara. 
Für diese sprach das Präjudiz, dass ja auch Helena, die Gemahlin 
Johanns H., über ihre Kinder Nikolaus und Wenzel Vormünderin ge- 
wesen. Dies wollte aber dem Ratiborer Herzog nicht einleuchten; er 
mochte in seiner Schwägerin, der Krakauer Bürgerswitwe, nichts se- 
hen als den Eindringling in eine Familie, die sich mit nicht geringem 
Stolze von Otokar herleitete*). Natürlich musste die hilflose Frau 
der Macht des gewaltthätigen Wenzel weichen, der in der That 
schon 1453 als Herr von Jägerndorf erscheint s). 

Barbara zog sich nun nach Pless zurück in der Erwartung, dass 
ihr und ihren Stiefkindern wenigstens der andere Theil des Erbes, 



') Biermann, Gesch. v. Tesrh. p. 18S. 

*) Diix Nicolaiis Ratiborieiisis duxit legittime discretam dominam Barbaram de Cra- 

oovia iixorem quondam cuiusdam Wilhelmi et postmodum Orientli sie dicti, eon- 

civis de Cracovia , et duxit eam in Plesnam de Cracovia ante earnis privium. 

(Hat. Chronik, Zeitschrift IV. il8.) 
^) Dass Nikolaus 3 Söhne hatte, geht hervor aus der Urkunde im Cod. dipl. Sil. II- 

194; — Machna aber zur Tochter der zweiten Gemahlin zu machen, wie Dlugoss 

a. a. 0., dürfte der Chronologie halber nicht ang^ehen. 
*) Dass in unserer Herzogsfamilie die Meinung^ herrschte, sie stamme von Otokar und 

Kuniprunde, sei also die legitime Nachkommenschaft, zeigt die Urkunde H. 

Wenzels von Leobschiitz von 144S, 7. iMärz (Minsberg p. 143). 
*) Er bestellt Hans von Zossen zum Vormund über die Kinder des Pefer von Herrlitz, 

14".3. Jäffernd. Land^afel 1. fol. 41. 



81 

Ribnik etc. werde gelassen werden, 14o4. Allein auch diesen Theil 
verlangte Herzog Wenzel : Barbara versuchte es, ihm Widerstand zu 
leisten; da belagerte der Herzog Pless eine Woche hindurch. Barbara 
zog es nun vor, der Gewalt zu weichen, um die Stadt nicht ins Un- 
glück zu stürzen, sie einigte sich mit Wenzel, auf welche Weise ist 
unbekannt i). Seit dieser Zeit ist also Jägerndorf mit Ribnik, Pless 
und Sohrau in der Hand Wenzels, der auf diese Art den Besitz der 
Gesammtlinie von Ratibor- Jägerndorf vereinigte. Diese Verbindung 
war aber von kurzer Dauer. Herzog Wenzel starb bald darauf am 
29. October 1456 und sofort eilte Barbara mit ihren Kindern — wo 
sie bis jetzt gewesen, ist unbekannt — in ihr rechtmässiges Erbe, 
als dessen Beherrscherin im Namen ihrer Mündel sie nun erscheint 2). 

Leider sollte sie an diesen nicht viel Freude erleben. Der Alteste, 
Johann, der schon 1461 als regierender Herzog auftritt sj, überwarf 
sich mit seiner Stiefmutter, wesshalb wissen wir nicht. Barbara 
scheint sich Pless als VVitwensitz ausbedungen zu haben, und dieses 
erstürmte Johann der Ältere am 12. Juni 1462, indem seine Truppen 
theils in Weiberkleidern, theils als Landleute, die zum Markte kämen, 
in Pless eindrangen*). Barbara wurde frei entlassen, sie verliess das 
Land, wo ihr von den nächsten Verwandten so viel Leid war zuge- 
fügt worden. wSie ging nach Krakau, und seitdem versehwindet sie aus 
der Geschichte. 

Ihren Bruder Hieronymus aber nahm man gefangen. 

Die beiden Brüder scheinen nun nach Verdrängung ihrer Stief- 
mutter gemeinschaftlich regiert zu haben, dann später aber — wann 
ist nicht bestimmt, wohl aber nach 1464 5) — muss eine Theilung 



1) Item eodem anno (1434) ducissa Orienthen recaicitravit et opposuit se duei Wen- 

ceslao et noluit eum intioinittere in Plesnani et dominus dux jaeuit cum magno 

exercitu ante opidum una septimana, post inierunt concordiain (Ratiborer Chronik, 

Zeitschrift IV. 118). 
•) Die erste mir bekannte Erwühnun": Barbaras als Herzogin v. Jägerndorf ist vom 

14. Juni 14.')7 in der Jägernd. Landtafel I. fol. 42. 
^) Am 3. März 1461 verschreibt er vor dem Jägernd. Landrechte das Dorf Rosumilz 

und einen Hof in Drschkowitz dem Johann von Woistow. Jägernd. Landtafel I. 

fol. 43. 
*) Ratiborer Chronik (Zeitschrift des Vereins etc. IV. p. 121). 
5) Im J. 1464, 9. April entscheidet H. Pfemko v. Teschen einen Streit der beiden 

Brüder mit Margarethe von Ratibor, in welchem beide stets zusammen genannt 

werden. Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 268. 
Archiv. XL!. 1. 6 



8Z 

stattgefunden haben, in Folge welcher Herzog Johann der Ältere 
Jägerndorf und Loslau erhielt, dem Jüngeren, Herzog Wenzel, aber 
Ribnik, PJess und Sohrau zufiel. 

Der Letztere zeigt ganz besonders die Entartung der letzten 
Pfemyslidischen Herzoge. Er war ein Wüstling und Versehwender, 
der es durch sein eigenes Verschulden dahin brachte, im Kerker en- 
den zu müssen. 

Beide Herzoge scheinen eine Neigung für Polen gehabt zu ha- 
ben i), die ihnen in dem um diese Zeit ausbrechenden Kampfe zwi- 
schen Georg von Podiebrad und Mathias von Ungarn verderblich 
wurde. Herzog Wenzel, der bei allen Nachbarn, selbst seinen Ver- 
wandten wegen seiner Wildheit verhasst war, scheint den Plan ge- 
habt zu haben, sein Ländchen den Polen in die Hände zu spielen 2). 
Als daher König Mathias befahl, den ihm feindlich gesinnten Her- 
zog zu bekriegen, fand Herzog Wenzel mehr Gegner, als er wohl 
vermuthet hatte. Herzog Premko von Tescheii, Viktorin von Münster- 
berg, und seine Verwandten Johann v. Ratibor wie Johann von Leob- 
schütz überfielen 1473 den Herzog und belagerten Ribnik 3). Dieses 
wurde nach dreimonatlicher Belagerung genommen und nun Sohrau 
belagert. Da sah Herzog Wenzel ein, dass er seinen Gegnern nicht 
gewachsen sei und schloss durch Vermittlung des Jakob von Dubna, 
Kanzlers von Polen und Starosten von Krakau, am 6. Juni 1473 einen 
Waftenstillstand *), dahin gehend, dass Sohrau einstweilen dem pol- 
nischen Kanzler, das eroberte Ribnik einem Dienstmanne Herzog 
Wenzels, Cropatsch, übergeben werden sollte 5). Würde aber Herzog 
Wenzel die Bedingungen des Waffenstillstandes nicht halten, müsse 
Sohrau den verbündeten Fürsten überlassen werden. Man sieht, nur 
das Dazwischentreten Polens, das seinen Anhänger nicht wollte fal- 
len lassen, rettete diesmal Herzog Wenzel vom Verderben. Allein er 



1) Wenzel begleitete den König Wladislaw von Krakau nach Prag 1471. Dlugoss 
lib. XIII. Palacky V, 1. p. 47. 

2) So hatte 1443 H. Wenzel von Teschen Siewierz an den Bischof von Krakau ver- 
kauft. Vgl. Biermann, Gesch. v. Teschen p. 163. 

') Dlugoss lib. XIII., der darüber sehr ausführlich berichtet, nennt als H. Wenzels 
Gegner noch Nikolaus v. Oppeln, Bischof Rudolf v. Breslau u. A.; die oben er- 
wähnten erscheinen urkundlich. 

4) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 292. 

*) Dlugoss lib. XIII. a. a. 1473. 



83 

war durch die Gefahr nicht klüger geworden und scheint seine bis- 
herigen Raubzüge auch jetzt fortgesetzt zu haben. Besonders er- 
bittert war gegen ihn Herzog Heinrich von Kosel- Münsterberg; als 
Wenzel seine Raubzüge nicht einstellte, griff Herzog Heinrich zu den 
Waffen und belagerte Pless 1474. Wenzel wandte sich merkwür- 
digerweise an König Mathias, der damals nach der vergeblichen Un- 
terhandlung in Troppau (1473) zum Kriege gegen Kasimir von Po- 
len und Wladislaw von Böhmen rüstete. Er befahl dem Hauptmanne 
von Oberschiesien, Johann Bielik von Kornitz i), dem Herzog Wenzel 
beizustehen. Indess aber reute es letzteren, sich auf die Seite des 
Mathias gestellt zu haben — er floh nach Auschwitz zu seinem 
Freunde Jakob von Dubna. Als Johann Bielik kam und das treu- 
lose Spiel Herzog Wenzels sah, belagerte er Pless und nahm es ein. 
Bei dieser Gelegenheit wahrscheinlich oder bald darauf wurde Herzog 
Wenzel gefangen und nach Glatz gebracht, wo er 1479 starb 2). 
Seine Länder wurden zersplittert, Sohrau brachte Herzog Johann 
der Jüngere von Ratibor an sich, indem er es für 1400 Dukaten von 
Jakob von Dubna, dem es verpfändet war, auslöste s). Pless aber fiel 
an Herzog Heinrich und kam später in den Besitz der Herzoge von 
Teschen*). Ob Herzog Wenzel vermählt gewesen, ist unbekannt. Er- 
ben hinterliess er nicht. 

Indessen war auch sein Bruder, Johann der Ältere, von einem 
gleichen Schicksale ereilt worden. Auch er wollte sich dem strengen 
Regimente des ungarischen Königs nicht fügen und wurde von die- 
sem am 30. August 1474 seines Herzogthums beraubt. König Ma- 
thias rückte nämlich Anfangs August 1474 von Mähren her nach 
Schlesien, zerstörte die Raubschlösser des Sigmund Stosch und 
Georgs von Olbersdorf und kam endlich vor Jägerndorf. Herzog Jo- 
hann musste Jägerndorf, Freudenthal, Lobenstein und Bauerwitz 



1) Dies ist wohl der Jacobus Bielik Slesita des Dlugoss lib. XIII. a. a. 1474. 

2) Nach Dlugoss lib. XIII. — Sein Todesjahr 1479 gibt Hessus und Henel bei Som- 
mersberg I. 764. — Leider ist das Datum in der Ratiborer Chronik (Zeitsehritt IV. 
123) nicht vollständig angegeben. 

3) Post cuius mortem acqiiisivit Zar princeps Johannes Ratiboriensis datis XIV cen- 
tenis aureorum domino Jacobo Dubensky, cui prefatus dux invadiaverat. Ratiborer 
Chronik a. a. 0. — Das Recht, das Wenzels Schwester Machna darauf hatte, über- 
trug sie 1482 ebenfalls auf H. Johann von Ratibor. Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 342. 

*J Ratib. Chronik a. a. 0. Vgl. ßiermann, Gesch. v. Teschen p. 18S. 

6* 



84 

herausgeben. Nur Loslau behielt der so streng bestrafte Herzog, der 
dort, gleichsam internirt, 1483 starb ')• Kr wurde im Kloster der 
Dominikanerinnen zu Ratibor, der Grabstätte seiner Ahnen, begraben. 
Loslau aber fiel nach seinem Tode an den König >). 

Auf so klägliche Weise endete der eine Zweig der Ratibor- 
Jägerndorfer Linie in seinen letzten mänidichen Gliedern. 

Herzogin Barbara. 

1490— lölO. 

Jägerndorf nebst den andern dazu gehörigen Besitzungen fiel 
nun an den König und stand unter der Verwaltung seines Haupt- 
mannes in übersehlesien, Johann Bielik von Kornitz. 

Die Stadt Jägerndorf erfreute sich mehrerer Privilegien, die sie 
vom Könige Mathias erhielt und die seine Herrschaft über Jägern- 
dorf bezeugen s). Es scheint aber, dass der König der Schwester des 
letzten Herzogs Johann des Alteren, Barbara, versprach, dass nach 
seinem Tode Jägerndorf an sie fallen solle. Dies erhellt aus der Ur- 
kunde, die Barbara mit ihrem Gemahle Herzog Johann von Auschwitz 
1491 am 12. August den Jägerndorfer Bürgern ausstellte, worin es 
heisst, dass nach dem Abgange seiner königlichen Majestät das Land 
gemäss dem Versprechen derselben an sie fallen solle. Nun nachdem 
König Mathias (G. April 1490) gestorben sei, hätten ihnen die Bür- 
ger Jägerndorfs sofort das Schloss übergeben und sie als ihre rechten 
Herren anerkannt; in Folge dessen bestätigen nun beide der Stadt alle 
Privilegien und Rechte*). 



1) Vgl. die Ratil)orer Chronik (Zeitsch. IV. 123), Eschenloer (Klinisch II. 302), Pa- 
lacky V. 1. p. 107. Die Übergabsurkunde vom 30. Aug. 1474 ist abgedruckt in 
Palackys Archiv cesky IV. 338. Dass Johann noch den Olraützer Vertrag vom 
12. Aug. 1479 unterzeichnete (Arch. cesky V. 387), ist nach seiner Unterwerfung 
ohne Bedeutung. 

2) Ratib. Chronik a. a. 0. zum Jahre 1483. 

8) Mathias bestätigt ddo. Korneuburg 8. Jänner 1478 die Stadtprivilegien und ver- 
leiht der Stadt das Recht mit rothem Wachse siegeln zu dürfen (aus einer Privi- 
legienbestätigung von 1608 im Tropp. Landesarchive). — 1485, 21. März, Haia- 
burg, verordnet der König, dass, wenn Jemand ohne Testament stürbe, dessen 
Habe der Stadt anheimfalle (ibidem). 

*) Deutsche Copie in Tillers Nachlass : nachdeme der allerdurchleuchtigste fürst und 
herr, herr Mathias könig zu Hungarn löblicher gedechtnuss dem durchleuchtigen 



85 

Diese Barbara war wahrscheinlich die ältere Tochter Herzog 
Nikolaus' und hatte circa 1480 den Herzog Johann von Auschwitz 
und Gleiwitz geheirathet '), der nun durch seine Gemahlin Herr 
von Jägerndorf wurde. 

Mit diesen Vorgängen war aber König Wladislaw, der Nachfol- 
ger des Mathias, durchaus nicht einverstanden. Er sah Jägerndorf 
als heimgefallenes Lehen an — weil der männliche Stamm aus- 
gestorben sei — und belehnte endlich 1493 am 3. October seinen 
Kanzler und Rath, Johann von Schellenberg, mit Jägerndorf und 
Czwilin (Lobenstein) 2). 

Allein wie so viele Befehle und Verfügungen dieses schwachen 
Königs war auch diese Belehnung ohne Folgen; Barbara und ihr 
Gemahl blieben ruhig in dem Besitze des dem Kanzler verliehenen 
Landes 3). 

Die Sachlage änderte sich auch nicht, als Herzog Johann circa 
1496 starb*), vielmehr regierte nun Barbara allein; sie, die schwache 
Frau, konnte dem Könige von Böhmen und Ungarn trotzen bis 1498; 
erst am Neujahrstage dieses Jahres erklärte sie, sie wolle König 
Wladislaus als ihren Herrn anerkennen und ihm huldigen s). Nun 
war sie erst die rechtmässige Besitzerin des Landes, und daher 



fürsten Johaiinsen hertzogen ziiTroppau, Rattibor und .lägerndorf guter g-edenk- 
nuss, uiisern lieben schwager und bruder, als derselbige mit ettlich seinen feind- 
ten zu thun gehabt hat, in stehenden hnnndlungen die stadt Jägerndorf, 
unser von recht und billigkeit wegen zustehende erbschaft, 
erobert und eingenobmen, auch uns als rechte e rb en, damit wi r desto 
gewisser und eigentlicher nach ihrer königlichen Majestät 
tödtlichem abgang, solcher unser anwartenden erbschaft und 
gerechtigkeit desto gewisser seyn sollen, allergnädigste Versiche- 
rungen gethan 

'J 1483 wird sie und ihr Gemal das erstemal urkundlich genannt. Cod. dipl. Sil. VI. 
350. 

2) Actenmässige etc. Gegeninformation Nr. 3. 

^) Dies beweisen die Urkunden Barbaras aus jener Zeit vom 28. Oct. 1493 (Cod. dipl. 
Sil, VI. Nr. 423); am 18. Sept. 1493 gibt sie und ihr Gemahl das Dorf Kobile dem 
Burian von Kobile. Jägernd. Landtafel 1. f. 34, 

*) Nicht 1498, wie Biermann, Gesch. von Teschen (Stammtafel) angibt, da Barbara 
am 21. Febr. 1497 von ihm als bereits verstorben spricht. (Cod. dipl. Sil. VI. 430.) 

5) Sommersberg I. 1062. 



8(5 

mag es kommen, dass sie jetzt erst die Privilegien der Stände bestä- 
tigte am 8. März 1498 i). 

Die Übereinkunft mit König Wladislaw ist uns unbekannt — es 
scheint aber, dass dieselbe in dem Plane lag, den Sohn Johanns von 
Schellenberg, Georg, mit der Tochter der Herzogin, deren Name uns 
unbekannt ist, zu verehelichen. 

Zu dieser Annahme berechtigen zwei Umstände: einmal eine Ur- 
kunde Barbaras vom 9. März 1498, in welcher sie erklärt, dass die 
Stände von Jägerndorf verpflichtet seien beizusteuern, wetm sie eine 
Tochter verheiratheu würde, und zwar von jedem Lahn im Flachlande 
mit 16 Groschen und von jedem Lahn im Gebirge mit 8 Groschen. 
Da sie aber in bedrängter Lage sei, verlange sie von jedem l^ahn im 
Flachlande ein halbes Schock und von dem im Gebirge 16 Groschen 
und verspreche zugleich, dass dies ihren Privilegien nicht schaden 
und kein Präjudiz für die Zukunft sein solle -). 

Daraus geht denn doch unstreitig hervor, dass Herzogin Bar- 
bara Töchter hatte und eine derselben um diese Zeit heirathete. 

Ein zweiter Beweggrund zu dieser Annahme ist, dass König 
Wladislaw 1506 von Georg von Sehellenberg sagt, er habe sich mit 
den Herzogen von Troppau und Ratibor versippt, indem er deren 
Schwestertochter geheirathet habe sj. 

Dies ist aber nur möglich, wenn er eine Tochter Barbaras, der 
Schwester der letzten Herzoge von Jägerndorf, heirathete. 

Wir besitzen aber überdies die ausdrückliche Erklärung^ 
dass Georg von Schellenberg der Eidam der Herzogin Barbara ge- 
wesen *). 

Wann die Verehelichung ihrer Tochter mit Georg stattfand^ 
wissen wir nicht, wohl nach 1498. Dadurch aber war sowohl das 
Recht der Herzogin als das der Schellenberge gewahrt. 



') Orig. auf Perg. im Tropp. Landesarchiv. 

-) Ddo. Krnowie, w patek przed nedieli genz slowe Reminiscere. Orig'. auf Perg. im 

Tropp. Landesarchiv. 
3J Sommersherg I. 1040. 
*) In der Urkunde Kasimirs von Teschen hinsichtlich des Streites um Bauerwitz vom 

27. April 1310 (Cod. dipl. Sil. H. p. 218): dieweil dan die obgemelte furstin fraw 

Barbara vnd her George ir aydem etc. 



87 

Barbara und Georg von Schellenberg theilten sich nun in die 
Regierung des Landes; erstere lebte noch bis 1510 *) — aus spä- 
terer Zeit ist uns keine Notiz bekannt. 

Die Geschichte Jägerndorfs unter den Schellenbergen liegt 
aber bereits ausserhalb der Grenzen unserer Arbeit. 

Die Ratiborer Linie. Herzog Wenzel. 

1437—1456. 

Herzog Wenzel, der Bruder des Nikolaus, hatte bei der Thei- 
lung vom 15. October 1437 Ratibor erhalten. Gleich nachdem er 
die Regierung übernommen, hatte er die Last seiner Würde zu 
fühlen. 

Der gegen Albrecht von Österreich zum Gegenkönig aufge- 
stellte Kasimir von Polen fiel in Schlesien ein und verwüstete Ende 
October 1438 das Herzogthum Ratibor. Es scheint daher Wla- 
dislaus von Polen und Kasimir den zweimaligen Versicherungen 
Herzog Wenzels, dass er Kasimir als König von Böhmen anerkennen 
werde, sobald dieser gekrönt sei 2), nicht recht getraut zu haben; 
es ist sonst nicht recht erklärlich, wesshalb die Polen Herzog Wen- 
zel so feindlich behandelten. 

Die weitere Geschichte, insoweit sie hier in Betracht kömmt, ist 
bereits bei der Geschichte der Jägerndorfer Linie erzählt worden. 
Wir wissen schon, dass er nach dem Tode seines Bruders 1452 
Jägerndorf in Besitz nahm und die Witwe desselben auch aus Pless 
und Ribnik verdrängte. 

Zu diesen Zügen, die zu dem Schlüsse auf Habsucht und Ge- 
walttbätigkeit berechtigen, stimmt auch, was von Herzog Wenzel 
zum Jahre 1448 gemeldet wird: er nahm alle Bürger seiner Stadt 
Ratibor mit wenigen Ausnahmen auf dem Schlosse daselbst gefangen 



1) Vgl. die vorangehende Anmerkung. Da ihr Name in dem Münzvertrage von 1511, 
15. April (Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 475) nicht mehr erseheint, wohl aber Georg 
von Schellenberg, so dürfte ihr Tod doch in das Jahr lölO zu setzen sein, 

*) Die erste Urkunde stellt Wenzel aus am 6. October 14.38 im Vereine mit den Her- 
zogen von Oppeln und Boleslaus von Glogau in campo ante Strelcze (Strehlitz) 
(Dogiel. Cod. dipl. Pol. I. 8); die zweite allein am 18. Octob. zu Ratibor (Som- 
mersberg I. 1010). — Dass Ratibor verwüstet wurde, berichtet die Ratiborer Chro- 
nik, Zeitschrift des Vereins IV. 116. 



88 

und gab sie nur gegen ein willkürlicli geschätztes Lösegeld frei ') — 
ein Stück mittelalterlicher Finanzkunst. 

Herzog Wenzel starb 14o6 am 29. Octobers) und wurde bei 
den Dominikanerinnen in Ratibor beigesetzt. Er war vermählt mit 
Margarethe von Schamotuli, der Tochter Dobrogosts von Schamo- 
tuli s), der Witwe Herzog Kasimirs von Masowien, die er 1445 ehe- 
lichte. Als Witthum verschrieb ihr Herzog Wenzel Schloss und 
Stadt Ratibor und einige Besitzungen des dortigen Jungfrauen- 
stiftes*). 

Bei seinem Tode hinterliess er ausser seiner Gemahlin, die erst 
am 5. November 1464 starbt), einen Sohn Johann, genannt der 
Jüngere zum Unterschiede von seinem gleichnamigen Vetter in 
Jägerndorf, und drei Töchter: Katharina, später vermählt mit Wla- 
dislaus von Domoborz, Kastellan von Nakel, Helena, die Gemahlin 
Johanns von Ostrorog, Ka.stellan von Miedzirczecz, und Anna, Aebtis- 
sin in Trebnitz, die 1478 alle noch als lebend erwähnt werden«). 

Herzog Johann der Jüngere. 

1456—1493. 

Herzog Johann war bei dem Tode des Vaters jedesfalls noch 
unmündig, da seine Mutter Margarethe jetzt die Regierung über- 
nahm, die sie auch bis zu ihrem Tode behalten zu haben scheint. 

Vielleicht in Folge der Einwirkung seiner Mutter hatte auch 
Herzog Johann eine Neigung zu Polen, die ihm gleich seinem Vetter 
Wenzel von Ribnik gefährlich sein konnte. Kurz nach dem Tode sei- 
ner Mutter am 9. Mai 1465 finden wir ihn in Krakau bei der Taufe 
der Prinzessin Elisabeth '): Herzog Johann begleitet später 1471 den 



1) Ratiborer Chronik. Zeitschrift IV. 118. 

'^) Ibid. — Diugoss lib. Xlll. gibt den 31. Oet. 1457 an, dies ist unrichtig, da sein 
Sohn schon am 4. März desselben Jahres eine Urkunde ausstellt. Vgl. Weltzel, 
Ratibor p. 99. 

") Ihr Bruder ist Petrus von Schamotuli. Kastellan von Posen und Capitän von Gross- 
polen. Cod. dipl. Sil. II. p. XXIV. 

*) Ibidem, 

^) So Dlugoss lib. Xlll. zum genannten Jahre. 

«) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 306. Es ist daher die Angabe Sommersbergs I. 763, dass 
Anna am 7. Dec. 1469 gestorben sei, irrig. 

f) Dlugoss lib. Xlll. a. a. 146.".. 



89 

König Wladislaw von Krakau nach Prag, wo er dessen Krönung bei- 
wohnte i) : im Jahre 1474 nimmt dagegen Wladislaw bei dem Ver- 
trage mit Mathias von Ungarn unsern Herzog in den Friedenstractat 
aufs) — alles Anzeichen, dass Herzog Johann gleich den meisten 
oberschlesischen Fürsten auf Polens Seite stand. 

Dass er 1473 gegen seinen Vetter Wenzel von Ribnik kämpfte, 
wie oben berichtet wurde, kann durch persönliche Verhältnisse er- 
klärt werden; es lag eben in aller Interesse, einen Störefried wie 
Wenzel unschädlich zu machen. Sicher ist, dass Herzog Johann noch 
1474 auf Seite Wladislaws stand, wobei es nur auflallig ist, dass 
der Herzog der Rache des ungarischen Königs entging, der gerade 
in diesem Jahre seine Verwandten so tief demüthigte. Wir sind dar- 
über allerdings nicht unterrichtet, allein es scheint, dass auch un- 
serem Herzoge etwas .Ähnliches in Aussicht stand; ich schliesse dies 
aus der Urkunde vom 1. Februar 1475, vermöge welcher Herzog 
Victorin von Troppau und Herzog Heinrich von ^lünsterberg und 
Kose! die Mannen, Landleute undBürger des HerzogthumsRatibor von 
der Huldigung, die diese ihnen in Folge eines Vertrages mit Herzog 
Johann geleistet hatten, lüsen, da dieser nicht zu Stande gekom- 
men sei 3^. 

Daraus erhellt so viel, dass Herzog Johann sein Land den Söh- 
nen Podebrads, die damals auf Seite des Mathias standen , abtreten 
wollte — vielleicht um dem Zorne des Königs zu entgehen. Durch 
wessen Vermittlung und auf welche Art die Aussöhnung mit Mathias 
erfolgte, ist unbekannt. V(»n jetzt an aber hält es Herzog Johann mit 
dem ungarischen Königt-, er beiludet sich in der Gesandtschaft des- 
selben, die ^\^iS' Königs Hraut Beatrix von Neapel abholt*), und unter- 
schreibt 1479 den Olmützer \ ertrag»). 

Von Bedeutung für die Zukunft aber war die Heirath Herzog 
Johanns— er ehelichte Magdalen,i, die Tochter Herzog Nikolaus' von 
Oppeln, 1478 — durch den bei dieser Gelegenheit abgeschlosseneu 
Erbschaftsvertrag. Ausser den öOOO Gulden Mitgift erhielt nämlich 



») Ratibnier Chronik, Zeitscliiift IV. 122. Dlugross il.id. — Vgl. Palacky V. 1. p. 47. 

2) Palacky a. a. 0. p. 1'2.">. 

5) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 298. 

*) Weltzel, Gesch. v. Ratibor \>. 10.3. 

5) Palacky, Archiv cesky V, 387. 



90 

Herzog Johann noch 2000 fl., wofür er. versprach, dass im Falle 
seines kinderlosen Absterbens Ratibor an die Brüder seiner Gemah- 
lin, die Herzoge Johann und Nikolaus, fallen solle. Sollten aber diese 
ohne Erben abgehen, so solle Oppeln an Magdalena und ihre Nach- 
kommen fallen i). In Folge dessen huldigten am 23. Februar 1479 
die Herren und Edelleute des Fürstenthums Ratibor den beiden Opp- 
1er Herzogen a). 

Von Magdalena hatte Herzog Johann, der im Jahre 1493 
starb s), drei Söhne, Nikolaus, Johann und Valentin. 

Die letzten Przemysiiden. 

1493—1321. 

Beim Tode Herzog Johanns waren alle Söhne desselben noch 
unmündig, als Vormünderin finden wir bald darauf die Mutter Herzo- 
gin Magdalena, der ja vermöge des Heirathsvertrages von 1478 halb 
Ratibor als Leibgedinge zufiel *). Sie führte die Vormundschaft bis 
zu ihrem Tode 1501, doch tritt schon 1496 Nikolaus der Erstgebo- 
rene 5) neben der Mutter auf 6). Mit ihren Brüdern in Oppeln finden 
wir Magdalena in einem steten aber eigenthümlichen Verkehr — sie 
entlehnt von ihnen Summe auf Summe, so 1494, 1496 und 1497, so 
dass dann der jüngste ihrer Söhne, Valentin, die respectable Summe 
von 10200 ung. Gulden den Herzogen von Oppeln schuldete"). 



1) Cod. dipl. Sil VI. Nr. 306. bestätigt von MalhiHS am 11. Juli 1478, ibid. Nr. 311. 

2) Ibid. Nr. 317. 

3) Die letzte Urkunde desselben ist vom 18. Febr. 1493. Cod. dipl. Sil. IL 211. 
Dudi'ks Angabe p. 271, dass Johann um 1489 gestorben sei. ist daher unrichtig. 
Am 27. Jänner 1494 wird schon der Vormund der Kinder erwähnt. Cod. dipl. Sil. VI. 
Nr. 415. 

*) Auffallend ist es, dass am 27. Jänner 1494 Johann Albert König von Polen als Vor- 
mund der Söhne Johanns erscheint (Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 415). Magdalena tritt 
erst am 20. Mai d. J. als Vormünderin auf (ibid. Nr. 417). 

^) So nennt er sich in der Urkunde vom 18. Juni 1496, in der er neben der Mutter 
erscheint (ibid. Nr. 426). 

*) Magdalena muss zwischen dem 25. Febr. und 16. Juli 1301 gestorben sein. In 
einer Urkunde vom 25. Febr. erscheint sie noch neben Nikolaus (Weltzel, Ratibor 
p. 106), am 16. Juli sprechen Nikolaus und Johann bereits von dem Tode ihrer 
Eltern (Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 449). 

') Schuldschein Valentins vom 27. Jänner 1309 (Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 467). 



91 

Nach dem Tode der Mutter übernahmen nun Nikolaus und Johann 
die Regierung und die Vormundschaft über ihren unmündigen Bruder 
Valentin. Über deren Regierung ist weiter nicht viel zu berichten, als 
dass sie in ärmlichen Verhältnissen lebten. Die Hauptstadt Ratibor, 
deren Steuer sonst das Haupterträgniss war, brachte nicht viel ein, 
da sie 1488 und 1489 abgebrannt war i). Sie waren daher gezwun- 
gen, ihre Kammergüter zu verkaufen und Gelder aufzunehmen. 
Vielleicht irrt man nicht, wenn man die Verlobung des Herzogs 
Nikolaus von dem Standpunkte auffasst, dass Letzerer dadurch 
seine zerrütteten Finanzen verbessern wollte. Er verlobte sich 
1504 mit Anna, der Tochter des Sbigneus von Tanczin, Unterkäm- 
merers von Krakau, die ihm eine beträchtliche Mitgift zubrachte 2). 

Im Jahre I0OG erscheint nun auch Herzog Valentin neben seinen 
Brüdern •'), wie uns berichtet wird, körperlich missgestaltet — er hatte 
einen Höcker — aber geistig geweckt und verständig. 

Die Regierung der drei Brüder war von keiner langen Dauer, 
da noch in diesem Jahre sowohl Nikolaus als Johann starben 4). 

Der letzte Przemyslide Valentin nimmt noch eine verhältniss- 
mässig bedeutende Stellung ein; er wusste es einzuleiten, dass sein 
Besitz verdoppelt worden wäre, hätte ihn nicht ein früher Tod vor- 
zeitig weggeraiVt. 

Diese Angelegenheit, welche die ganze Regierungszeit Valen- 
tins ausfüllt, ist die Erbverbrüdernng mit seinem Oheim Herzog 
Johann von Oppehi. 

Schon seine Brüder waren mit diesem in Verbindung geblie- 
ben 5) und es war ganz natürlich, dass der Neffe bei der Kinderlosig- 
keit des Oheims hoffen durfte, denselben zu beerben. 

Die Unterhandlungen begannen im Jahre 1511, indem man als 
Grundlage den Erbvertrag von 1478 annahm und nun auch von König 
Wladislaw bestätigen liess«). Bald aber nahm eine Persönlichkeit 
an diesen Verhandlungen Antheil, die nicht nur für Ratibor, sondern 



1) Weltzel, Gesch. von Ratibor p. tOö. 

2) Cod. di|.l. Sil. VI. Nr. 4Ö8 und 464. Die Heirath fand erst si.äter 1306 (?) statt. 

3) Ibid. Nr. 462. 

*) Nikolaus starb am .3. Nov. 1Ö06, nach Math, de Miechovia IV. 83; — der Todestag 

Johanns ist unbekannt. 
5) Sie bürgen für ihren Oheim 1498. Cod. dipl. Sil. VI. 443. 
«) Früher hatte ihn König Mathias bestätigt. 



92 

für ganz Schlesien von Bedeutung wurde — Georg Markgraf von 
Brandenburg, 

Georg der Fromme, Markgraf von Brandenburg-Ansbach (gebo- 
ren 1484), war ein Netfe des Königs VVIadislaus von Böhmen und 
Ungarn und stand bei demselben in hoher (iunst. Er erhielt durch 
ihn die Hand der reichbegüterten Beatrix, der Tochter des Johannes 
Hunyady, wurde Herr des Warasdiner Comitates und erlai\gte leicht 
vom Könige die Erlaubniss, sich auch in Schlesien ansässig machen 
zu dürfen. 

Auf welche Art aber der Markgraf nun in die Verhandlungen 
zwischen Johann von Ojipeln und Valentin von Ralibor hineingezo- 
gen wurde, ist unbekannt. Im Jahre 1512 aber waren die Unterhand- 
lungen so weit gediehen, dass am 11. October zu Ofen vor König 
Wladislaw festgesetzt wurde; Herzog Johann und Valentin schlies- 
sen eine Erbverbrüderung, doch bedingt sich ersterer 40.000 fl. zu 
freier letztwilliger Verfügung aus; sollte Valentin vor Johann ster- 
ben, so falle Ratibor an ihn; nach seinem — wennkinderlosen — Tode 
aber an den Markgrafen Georg i). 

Dadurch waren die Pbäne des Letztern in weite Ferne gerückt, 
denn starb Herzog Johann, so erbte Valentin und umgekehrt. Er 
wusste daher den Herzog Valentin dahin zu bringen, dass in einem 
bald darauf am 31. October geschlossenen Separatvertrage letzterer 
dem Markgrafen für den Fall, als Herzog Johann kinderlos stürbe, 
zugestand, dass beide das Erbe theilen sollten, nur was Johann 
durch Kauf oder Pfand erworben, sollte Valentin allein zufallen. 
Stürbe Valentin vor Johann, so solle erst dieser, dann Georg erben 2). 
Beide Verträge bestätigte Wladislaus, an dessen Hofe sie abge- 
schlossen wurden, am 2. November 1512 3). Damit war die Erb- 
schaftsfrage geregelt. Wenn man dieselbe nach dem natürlichen 
Laufe der Dinge betrachtete, so konnte man Herzog Valentin als den 
muthmasslichen Erben betrachten, denn Herzog Johann war ja der 
Oheim Valentins, 

Allein diesem letzten Sprössling des Przemyslidischen Hauses 
war kein langes Leben beschieden, schon 1517 müssen Anzeichen 



1) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 482. 

2) Ibid. Nr, 483 und die beiden Zusatzartikel von 1318 und 1519. ibid. Nr. 301 und 
503. 

3) Ibid. Nr. 484. 



9a 

bemerkt worden sein, dass doch auch der entgegengesetzte Fall ein- 
treten könne, denn in dem genannten Jahre iiess sich Herzog 
Johann von seinem Neffen (2. Nov. 1517) die Erklärung geben, 
dass er diesem nach seinem kinderlosen Abgange in seinem Herzog- 
thume Ratibor nachfolgen solle i). 

Indessen schien es besonders dem Markgrafen Georg wünschens- 
werth, den Vertrag von 1512 dadurch zu vervollständigen, dass den 
voraussichtlichen Erben, ihm und Valentin, die Erbhuldigung ge- 
leistet werde. W^as Herzog Johann bewog, diese hinauszuschieben, 
ist unbekannt, soviel aber ist ersichtlich, dass Markgraf Georg nicht 
in dem Grade seine Gunst besass, wie Valentin. In Folge von Er- 
mahnuiigsschreiben von Seite König Ludwigs, dessen Gunst sich 
Georg erfreute, kam es 1521 zur Erneuerung des Vertrages. Am 
30. April wurde zu Oppeln bestimmt, dass Valentin und Georg die 
Erbhuldigung geleistet werden solle; nach Herzog Johanns Tod soll- 
ten beide in gleicher Weise erben, nur Kosel, Gleiwitz und Beuthen 
erhalte Valentin allein s). Damit erklärten sich die beiden einver- 
standen s). Ob es aber zur Ausführung dieser Bestimmung hinsicht- 
lich der Erbhuldigung kam, ist unbestimmt; durch den frühen Tod 
Valentins am 13. November 1521*) wurde die Erbhuldigung jedes- 
falls überflüssig. Statt des Neffen erbte nun der greise Oheim das 
Land des Letzteren. Ratibor kam an Herzog Johann, den letzten 
Sprossen jenes Piastengeschlechtes , das vor den Przemysliden Ra- 
tibor besessen hatte. An die Stelle der abtretenden Geschlechter 
kommen neue, welche sich in die betretTendeu Länder theilten — die 
Habsburger und Hohenzollern. 



>) Cod. dipl. Sil. VI. .\r. 497. 

2) Ibid. Nr. JJ06. 

8) Ibid. Nr. 507. 

*J Sommersberg I. 766. Vgl. Weltzel, Gesch. von Ratibor p. 111. 



UA; 



Beilagen. 



13il, 26. Jänner. Liegnitz. 

ßoleslaus und Heinrich Herzoge von Schlesien, Troppau und Herren 

von Breslau und Liegnitz bestätigen den Brüdern des deutschen 

Ordens das denselben von Herzog Nikolaus I. verliehene Patronats- 

reolit über die Pfarrkirche in Jägerndorf. 

In nomine domini amen. Nouerint vniuersi presentem litteram 
inspecturi, quod nos Boleslaus et Heinricus dei gracia duces Slesie, 
Oppauie et domini Wratislauienses ac de Lignicz, inspecto priuilegio 
fratrum ordiiiis Jerosolimitanorum super jure patronatus ecclesie in 
Jegrdorf, ipsum inuenimus non viciatum, non cancellatum, sed legit- 
time confectum in hec verba, que presentibus sunt subscripta. Nyco- 
laus dei gracia dux Oppauiensis vniuersis in perpetuum. Quoniam, ut 
ait scriptura, elemosina a morte liberal et non sinit diu in penis ani- 
mas detineri, noscat igitur tarn presens hominum etas quam futura, 
quod spe premiorum eternorum inducti libere et plenissime ob hono- 
rem dei omnipotentis et ipsius genitricis Marie virginis gloriose, et 
pro remedio anime bone memorie patris nostri Otahari (sie) ineliti 
regis ßoemie, et pro salute nostra omniumque progenitorum nostro- 
rum contulimus et donauimus in perpetuum fratribus hospitalis sancte 
Marie Teuthuniei Jerosolimitani jus patronatus ecclesie siue parro- 
chie in Jegrdorf cum omni jure ad nos spectante, assignando et re- 
nunciando predictis fratribus quasi possessionem prefati juris patro- 
natus. Volentes igitur in perpetuum hanc nostram donacionem inuio- 
labiliter obseruari, precipimus vniuersis, ne quis predictos fratres in 
premisso jure patronatus predicte ecclesie in Jegrdorf audeat ali- 
quatenus molestare. Vt autem hec nostra donacio perpetue firmitatis 



95 

existat, presentem litteram in sigiiuin collacionis perfectissime si- 
gilli nostri munimine cum testibus subscriptis jussimus roborare. — 
Considerantes igitur prefati ducis iustam honestam intencionem sua- 
dente iusticia, moti predictorum IVatrum precibus predictam dona- 
cionem, sicut legittime facta est, approbamus, innouamus et eciam 
presentibus confirmamus. Actum et datum Lignicz sub anno domini 
millesimo trecentesimo XI", in die beati Policarpi martiris atque 
pontificis, presentibus nostris fidelibus domino Gunthero de Byber- 
steyn nostro prothonotario, Johanne de Schiltperg et Jobanne nostro 
capellano. 

Orig. Urkunde im deutschen Ordensarchive zu Wien. An rothen Seiden- 
fdden hängt das Wachssiegel, es stellt den Herzog dar, stehend ohne Helm mit 
lockigem Haar, in der Kecliten das Schwert, in der Linken den Schild, worauf 

ein linksblickender Adler, haltend. — Leg.: -J- Sig. Boiezlai di gra dvcis Sie 

Die Urkunde ist fehlerhaft und mit dem irrigen Datum in die octava Polycarpi 
abgedruckt im Cod. dipl. Mor. V. 133. — Vgl. das Regest ibid. VIL 800. — Die 
hier inserirte Urkunde vom 19. September 1281 findet sich ebenda IV. 259. — 
Ausser den Zeugen, die hier nicht angeführt sind, zeigen sich auch sonst manche 
Auslassungen. 

11. 

1373, 26. Juli. Troppau. 

Herzog Jobann von Troppau und Ratibor überträgt seinen Städten 
die Gericiitsbarkeit. 

Wir Johans von gotis gnaden von Troppaw vnd Rathbor her- 
czoge beitennen olTinlüch in dem brife, daz wir allin vnsern stetyn 
volkumen gewalt gegebin babyn vnd babin si daz gebeysin, daz si 
richten sullen czu allin vngerechtin leuten, wo si di gehabin mogin, 
vf im lande ader yn stetyn, vude vnser hauptman vnd vnser anwalden 
si nicht doran hindern sullin. Mit vrkunde dis brifes vorsigilt mit 
vnserm anhangindem ingesigil geben czu Troppaw an nestin tage 
noch sant Jacobstage noch gotis geburt tausint dreyhundert iare in 
dem dritten vnd sibinczigsten iare. 

Orig. Urkunde auf Pergament im Troppauer Stadtarchive. An einem Per- 
gamentstreifen hängt ein Wachssiegel mit emem nach links blickenden Adler. 



96 



III. 

1375, 14. April. Brunn. 

Herzog Ladislaus von Oppelii nimmt Pless und Nikolai, die er von 

Herzog Johann von Troppau und Hatibor gekauft, vom Kaiser Karl IV. 

zu Lehen. 

Nos Ladislaus dei gratia Opuliensis, Welunensis et Russie dux 
notum faeimus tenore presencium vniuersis, quod cum illustris prin- 
ceps dominus Johannes dux Opauie et Rathiboriensis, sororius i) no- 
ster carissimus, alias nobis castrum, eiuitatem seu opidum et distric- 
tum Plessnensem nee non eiuitatem seu opidum et distrietum Miku- 
layowicensepi cumpossessionibus, villis et bonis eorum, nee non qui- 
busdam villis et bonis aliis rite et racionabiliter vendiderit siib reemp- 
cionis tytulo pro certa pecunie quantitate, prout in literis dicti domini 
ducis Johannis desuper confectis plenius continetur, nobis quoque, 
heredibus et successoribus nostris serenissimus princeps ac noster 
dominus generosus dominus Karolus quartus diuina fauente clemen- 
cia Romanorum Imperator semper augustus et Roemie rex, tamquam 
rex Roemie auctoritate regia Roemie, castrum, ciuitates seu opida, di- 
strictus, villas et bona huiusmodi concesserit tenenda et possidenda in 
pheodum ab ipso, heredibus et successoribus suis Roemie regibus, 
regno Roemie et Corona omni modo et forma, quibus dictus dominus 
dux Johannes ea tenuit hactenus et possedit, nos pro nobis, heredi- 
bus et successoribus nostris predictis non improuide neque per erro- 
rem, sed animo deliberato et de certa nostra sciencia promittimus 
presentibus bona fide sine omni dolo, quod nos, predicti heredes et 
successores nostri de dictis ciuitatibus seu opidis, districtibus, villis 
et bonis domino nostro imperatori prefato tamquam regi Roemie, he- 
redibus et successoribus suis Roemie regibus obedire intendere vo- 
lumus et debemus fideliter in omnibus et parere, prout dictus dux 



•) Sororius hat hier wohl kaum die Bedeutung Schwager, sondern scheint überhaupt 
nur im Conventionellen Sinne gebraucht worden zu sein. Das Verwandtschaftsver- 
hältniss zwischen Ladislaus und Johann ist folgendes. Des Letzteren Schwester 
Eufemia, die Gemahlin Semowits von Masowien, hatte eine Tochter, Offka , die 
H. Ladislaus ehlichte. — Wie willkürlich man überhaupt mit den verwandtschaft- 
lichen Verhältnissen verfuhr, darüber vgL Cod. dipl. Sil. VL 342. 



9T 

Johannes et progeiiitores siü hactenus fecisse dinosciintur. In casum 
etiam quo castrum, ciuitates seu opida, districtus, villas et bona pre- 
dicta nos seu heredes et successores nostros contingeret altcri ven- 
dere in futurum, pro simili quantitate pecunie, proutin dicti ducis Jo- 
hannls literis est expressum, ex tunc nos, heredes et successores 
nostri dicto domino nostro imperatori, heredibus et successoribus suis 
Boemie regibus ydonee cauere tenebimur, quod hü, qui per talem 
modum castrum, ciuitates seu opida et bona ement huiusmodi, tam- 
quam fideles et vasalli regni Boemie et corone obedire debeant simi- 
liter dicto domino nostro imperatori, heredibus et successoribus suis 
Boemie regibus fideliter in omnibus et parere, quemadmodum memo- 
ratus dominus Johannes dux et progenitores sui de ipsis fecisse di- 
noscuntur. In cuius rei testimoniuni sigillum nostruni presentibus est 
appensum. Datum Brunne anno domini millesimo trecentesimo sep- 
tuagesimo quinto die XIIII. mensis Aprilis. 

Orig. auf Pergament im k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv. An einem Per- 
gamentstreifen ein kleines rothes Siegel. 

IV. 

1378. 17. Juli. Prag. 

König Wenzel belehnt die Herzoge Wenzel und Premko mit dem 
Ilerzogthum Troppau. 

Wir W'enczlavv von gotis gnaden Römischer kunig, zu allen Zei- 
ten merer des reichs vnd kunig zu Beiieim, bekennen vnd tun kunt 
offenlich mit diesem brietV allen den, die yn sehen oder boren lesen, 
das für vns quamen zu Präge die hochgebornea Wenczlavv vnd 
Prziemke brüder, herczogen zu Troppaw, vnser lieben sweger vnd 
fursten, do wir sassen in vnser kuniglicher maiestat, geczieret mit 
sulchen wirden vnd Schönheit, als sich das von rechte geburet, vnd 
hatten vns tleissiclichen, das wir als ein kunig zu Beheim yn zu einan- 
der vnd zusammen ir herczogtum vnd furstentum zu Troppaw mit 
iren furstenlichen vnd herlichen rechten, gerichten, zollen, lehen, 
manschafften, eygenschafften, stetten, slossen, landen, leuten, gutern 
vnd mit allen iren zugehorungen geruchten gnedielichen zu vorleihen. 
Des haben wir angesehen ir redlich bete vnd auch nucze vnd getrewe 
dienste, die vns vnd dem kunigreiche zu Beheim die vorgenanten 
vnser sweger getan haben vnd tun mugen in künftigen Zeiten, vnd do- 

Archiv. XLI. 1. 7 



98 

uon mit wolbedachtem mute, rechter wissen vnd kuniglieher macht 
haben wir den egenanten herczogen Wenczlawen vnd Prziemken 
das herczogtum vnd furstentum zu Troppaw mit seinen fürstlichen 
vnd herlichen rechten, gerichten, zollen, lehen, manschafften, eygen- 
schafften, steten, slossen, landen, leuten, gutern vnd mit allen iren 
zugehorungen, wie die mit sunderlichen namen genant sein, gne- 
diclichen vorliehen vnd gereicht, vorleihen vnd reichen yn die zu 
eynander vnd mit einander mit cralTte dicz hriefes, vnd dieselben 
vnser sweger haben vns zu derselben ezeit geloht vnd gesworen als 
eynem kunige zu Beheiin, vnsern erben kunigen vnd der crone zu 
Beheim getrewe vnd gehorsam zu sein, vnsern fromen zu werken vnd 
vnsern schaden zu wenden, als das gewonlichen vnd billichen ist. 
Vnd wer getan, das der egenanten bruder der herczogen zu 
Troppaw, vnser sweger, einer ahgienge vnd stürbe vnd nicht 
erben mannes gesiechte enliesse, so sal das egenante herczogtum 
zu Troppaw mit seinen furstentum, manschefften, vesten, steten, lan- 
den vnd leuten, wie das begriffen ist vnd genant sein, an den an- 
dern bruder vnd seine erben mannes gesiechte geuallen vnd das be- 
siczen an allis hindernisse vnd Widerrede. Dorumb gebieten wir allen 
vnd ygliciien mannen, rittern, knechten, hauptluten, steten vnd allen 
andern, in welcherleye adel, eren, wirden oder Mesen die sein, die in 
irem herczogtum zu Troppaw wonhafftig vnd gesessen sint, ernst- 
lich vnd vesticlichen bey vnsern hulden, das sie sich an die obge- 
nante vnsere sweger vnd an nyemanden anders halden vnd yn als 
iren rechten, ordenlichen, natürlichen erbherren gehorsam vnd vnder- 
tenig sein, vnd auch hulden vnd geloben vnd sweren, als das billichen 
vnd gewonlichen ist, vnd sich dowider nicht seczen mit Worten oder 
werken in dheine weis. Mit vrkunt dicz briefs vorsigelt mit vnser 
kuniglichen maiestat insigel, der geben ist zu Präge nach Crists ge- 
hurt dreyczenhundert iar dornach in dem acht vnd sibenczigsten iare 
an dem nechsten Sunnabend vor sand Marie Magdalene tage, vnser 
reiche des Behemischen in dem sechtczehenden vnd des Römischen 
in dem dritten iare. 

Orig. Urkunde auf Pergament im Landesarchiv zu Troppau. Auf der Falte: 
de maiestate domini regis Martinus ean. Luthomicensis. Auf der Rückseite: 
R(egistravit) Wenceslaus de Jenicow; — An schwarzgelben Seidenfäden hängt 
■das Majestätssiegel mit Contrasiegel. 



99 



1394, 10. Juli. Leobschütz. 

Herzog Pf emko bestätigt eine Altai-stiftimg in Leobschütz, die sein 
verstorbener Bruder Herzog Nikolaus gegründet. 

In gotis namen amen. Wir Przimco von gotis gnaden herczog 
vnd herre czu Troppaw vnd czii Lubschicz thun kunt ynd bekennen 
olTiiitlich mit diesem keginwortigen priffe allen den, dy yn nu vnd 
ewiclichen zehen adir boren lesen, daz vnser bruder der bochge- 
borne furste herczog Niclas , dem got gnade, gestifftet vnd gegebin 
hat bey seym lebindem leybe vnd mit viiserm willen vnd wissen vnd 
seiner eidisten, eyn zele gerete seyner zele vnd seiner vorfahrnden, 
daz ist eynen alter in sant Johannes des teuters vnd sant Sigmimdes 
ere czu Lubschicz in der pfarre; czu dem zeihen zele gerete vnd czu 
dem alter der vorgenant hocligeborne furste herczog Niclas, dem got 
gnade, gestifTtet vnd gemachet vnd gegeben bat mit vnserm willen 
vnd wissen czehen marg swerer, vor ydy mark czu czelen fir vnd 
zecbczig groschen, ierlichs czinses vff der stat czu Lubschicz alle 
iar ierlichen czu vordem vnd czu hebin czu den ratlewten doselbist 
czu Lubschicz, dy iczunt seyn ader hernoch komen nu vnd ewicli- 
chen, fumlT marg vff sant Miehelstag, der nu neste czukumftig wirt, 
vnd funiff marg vff saute Jorgentag, der auch doriioch der allirneste 
czukumftig wirt, also alle iar ierlich czu nemen vnd czu hebin nu vnd 
ewiclichen. Üenzelbin alter vnd zele gerelhe der obgenant hochge- 
borne furste, herczog Niclas vnser bruder, dem got gnade, gelehen 
vnd gegebin hat mit vnserm wissen vnd willen seynem caplan, hern 
Symon, durch got vnd durch der heiligen ere, in der^namen der alter 
geweyt ist. Nu hatte vnser bruder, dem got gnade, dy stiftunge vnd 
zelgerete bey seym lebinden leybe nicht bestetigt noch vormacht mit 
seiner eygen vormachunge, des habin wir vorgeschrebener herczog 
Przemke angezehen dy benuemung vnd stifftunge des alters vnd zel- 
geretis , das vnser bruder, dem got gnade, benuemet vnd gestifftet 
hat vnd gegebin halte hern Symon seynem caplan, vnd bestetigen 
das mit vnser bestettigunge, das das von vns vnd vnsern erbin vnd 
von allen vnsern nocbkomeliiigen stete vnd gancz, worhaftig vnd vnezu- 
brochen nu vnd ewiciich gehalden sal werden, vnd wir obgenanter 



100 

herczog Przemko leyhen vnd gebin den zelbin alter vnd zelgeretlie 
hern Symoii in alle der mose, als ob geschreben vnd begriffen ist, 
durcb got vnd diirob der heiligen ere, in der nainen der alter ge- 
weit ist. Auch weysen wir herczog Przemko denselbin hern Symon 
vnd alle seine nochkomelinge an dy czinse vlT vnser stat Lupschicz 
alle iare ierlichen czu vordem vnd czu bebin an vnsern ratlewten do- 
selbist czu Lupschicz, di iczunt synt ader hernoch werden nu vnd 
ewiclichen, l'uniff marg swers vff sant Michelstag, der nu neste czu- 
kumftig wirt, vnd fumtT niarg swers (loriioch vtT sant Jorgentag, nu 
vnd ewiclichen vnd also, das herre Symon vnd alle seyne nochkome- 
linge alle Wochen vff dem alter fir messen haben vnd lesin sullen czu 
hulfte vnd vorscheyne vnsers bruders herczog Niclas zele vnd alle 
vnsern vorvarnden zele vnd auch also, daz wir herczog Przemco vnd 
vnser erben vnd alle vnsern nochkomelinge das leben vnd das ge- 
bin des alters vnd zelgerethis nu vnd ewiclichen czu leyhen vnd czu 
gebin sullen habin, dowider nymant redin noch seyn sal nu vnd ewic- 
lichen in keynerley mosse. Czu orkunde habin wir vnser gros inge- 
segel an disen brifF lassen beugen vnd vnser kleyn ingesigel mit grue- 
nem wachse binden doryn lassen drucken. Der gegebin ist czu Lup- 
schicz noch Crists gehurt tawsint dreyhundert iare dornoch in dem 
firden vnd newnczigsten iare an dem nesten Freitag vor sant Marga- 
rethentag, vnd an dem nestln Donirstag dot'ur noch mittemtage ist tot 
das tewer edil blut herczog Niclas, dem got genade. 

Orig. auf Pergament im Tropp. Museum. Das Siegel, das an rothweissen 
Scliniiren liing, fehlt. 

VL 

1411, 22. März. Prag. 

König Wenzel bestätigt die Privilegien der Stände des Herzogthums 
Jägerndorf. 

Wir Wenczlaw von gotes gnaden Romischer kunig, zu allen 
czeiten merer des reichs vnd kunig zu Beheim, bekennen vnd tun 
kund olfenlichen mit diesem briue allen den, die in sehen oder boren 
lesen, das wir durch fleissiger bete willen, als vns Niclas Slibicz von 
Roben vnd Sigmund Czelni von Brandestorff, vnsere liben getrewen, 
von iren vnd aller ander manne, lantluten, rittere vnd knechte wegen 
in vnserm lande zu JegerdortT gesessen, gebeten haben mit wölbe- 



101 

dachten mute, gutem rate vnd rechter wissen, dieselhen manne, rittere 
vnd knechte des landes zu Gegerdorff, das nach tode ettwenne des 
hochgehoren Jostes marggrauen zu Brandemburg vnd zu Merhern, 
vnsers vettern, dem got gnade, an vns recht vnd redlichen komen vnd 
gefallen ist, mit diesen nachgeschrieben gnaden begäbet vnd begnadet 
haben, begaben vnd begnaden sie domitteincrafft dicz briues vndkunig- 
lichermachtzu Beheim, cziim irsten, dassie aller derrechte,die vnsere 
manne vnd lantlute vnsir marggrafschafFt zu Merhern haben, genissen, 
vnd der gebrawclien sollen vnd mögen, als sie ouch in denselben rech- 
ten vonaldersher gesessen sein, von vns, vnsern nachkomen kunigen zu 
Beheim vnd marggraffen zu Merhern vnd sust allermeniclichen vnge- 
hindert. Item so globen wir allen egenannten vnsern mannen zu Je- 
gerdorff mit crafft dieses briues bey vnsern kuniglichen worten, das 
wir sie, alle die weile wir leben, von vns vnd der cron zu Beheim 
nicht vorgeben, scheyden, vorweisen noch empfremden wollen noch 
sullen in dheinwis, sunder sie dobey als vnsere üben getrewen gne- 
diclichen behalden ane alles geuerde vnd argelist, vnd doworten, das 
die egenannten manne , lantlute, rittere vnd kneche (sie) zu .Teger- 
dorff bey iren gnaden, freiheit vnd rechten, die sie von vns, vnsern 
vorlarn redlieli herbracht vnd erworben haben, gerulichen vnd 
vngehindert bleiben mögen. So globen Avir vnd vorheissen in craift 
dicz briues bey vnsern kuniglichen worten, das wir in keinen fursten 
zu einem hauptmanne vnd vorweser geben noch seczen sollen noch 
wollen in dheinwis, sunder einen gmeynen man, ritter oder knecht, 
der vns vnd dem lande doselbest nuczliche vnd fugliche sein wirdet, 
der ouch doselbist alle leben, geistliche vnd werltliche, von vnsern 
wegen leyhen sol, vsgenomen doch gesampte leben, vormundeschafft, 
anfeile vnd leibgedinge, die er mit vnserm wissen vnd willen vor- 
leyhen sol vnd nicht anders. Mit vrkund dicz briues vorsiglet mit 
vnsir kuniglichen maiestat insigle. Geben zu Präge noch Cristes ge- 
bort virczenhundert iar vnd dornach in dem eylefften iare an dem 
sontage als man singet Letare in der vasten, vnser reiche des Be- 
hemischen in dem acht vnd virczigisten vnd des Romischen in dem 
fünf vnd dreissigisten iaren. 

Orig. Urkunde auf Pergament im Tropp. Landesarchive. Auf der Falte: 
Ad relacionem Nicolai de Wozicz, Johannes de Bamberg. — Auf dem Rücken: 
R(egistravit) Caspar de Lcwbicz. — An einem Pergamentstreifen und in einer 
Ilolzkapsel eingeschlossen, hiingt das Majestälssiegel. 



102 



VII. 

1417, 23. September. Neisse. 

Herzog Konrad Kanthener von Oels etc. bekennt, vom Herzoge 

Premko von Troppau 500 Mark als Wiederkauf eines jährlichen 

Zinses von 50 Mark erhalten zu haben. 

Wir Conrat Canthener genant von gotis gnaden herczog in Sle- 
sia, hirre czur Olssin etc. bekennen olTinbar mit dem brife allen den, 
die en ansehn adir boren lesen, das der hochgeborne forste herczog 
Przimko hirre czu Troppow, vnsir hirre vnd liebir sweher, vns gancz 
vnd gar beczalethat fumfhiindirt niarg Pragischer groschin Polanischer 
czal, die do gestanden haben of fumfczig marg jerlicher czinse of 
eyner wedirkawf vnd komen her entzwenne von den irlauchten 
ffursten herczoge Nicioson von Troppow, birren czu Lubschicz seliges 
gedechtnis, der sulchin czins vm dy obgenante summa geldis bey 
den geczeiten etzwenne des irluchtin fursten herczoge Conrad des 
andern, vnsirs liben aldirfaters auch selegls gedechtenis, of sich vor- 
saczt hatte, jerlich of das ratbus czur Olssen czu antworten. Dersel- 
ben fumt'hundert marke vnd auch der czinse sagen wir den obgenan- 
ten herczoge Przimken, vnsirn lieben hirren vnd sweher, vnd dorczu 
Troppaw vnd Lubschicz seyne stete in craft desis brifes queitt, ledig 
vnd los, also das wir, vnser erben, eliche nocbkomen vnd vnsir stat 
Olssen keyne manunge vnd nochrede dorumme haben wellen vnd ülle 
die brife, die dorobir besagen, sullen machtlos sein nv vnd ewiglich. 
Vnd wir burgermeister, ratmanne, aldisten, scheppin vnd hantwerg- 
meister, gesworne, die gancze gemeyne der stat czur Olssen bekennen 
auch offinbar mit desim brife, das der obgenante hochgeborne fFurste 
herczog Przimke vnd seyn stete Troppaw vnd Lubschicz vns gar vnd 
gancz abekawft habin fumfczig mark groschen Polanischer czale jerli- 
ches czinses, die sie vns jerlich of vnsir rathaws czur Olssen geantwort 
haben, vmbfumthundirt mark obgenanter muncze vnd czale, die sie vns 
ganczbeczaletvndvsgericht haben, des vns ymmer wolgenugit, vnd sa- 
gen des den egenanten hochgebornen ffursten berczog Przimken vnd 
seyne stete Troppaw vnd Lubschicz der fumfhundirt mark vnd auch 
der fumfczig mark czinses qweit, frey vnd los. Vnd ab hernochmols 
ymmir brife vorquemen, die ekler weren , denne deser qweitbrif ist, 



103 

vnd besagiten keyiiii" hande czinse, die do sprechen of Troppaw vnd 
ofLubschicz, dy sullen keyne craft noch macht haben nv vnd ewig- 
lich. Do vor globe wir vorgenantir herczog Conrat mit vnsii* stat 
Olssin do von czu brengen ane schaden bey vnsirn trewen vnd eren. 
Czu oi-kunde habe wir herczog Conrad Canthener genant mit vnsir 
stat Olssen an desen briff vnser segil gehangen. Gesehen czur Neise 
am nesten Diinerstage vor Michaelis noch Cristi geborte tawsint vir- 
hiindirt vnd in dem sebenczenden jare. 

Orig. auf Perg. im Stadtarchive zu Leobschütz; an Pergamentstreifen das 
Siegel des Herzogs, das in seinem oberen Theile einen Adler, im unteren Theile 
einen Schild, worauf derselbe Adler zu sehen ist, zeigt. Legende: S. Conradi 

ducis Olsinn (et) Coslov. — Das Siegel der Stadt Oels ist abgerissen. — 

Mit dem Datum 1517 abgedruckt bei Minsberg, Geschichte der Stadt Leobschütz 
(Neisse 1828) p. 137. 

VIII. 

1448, 14. Juli. Fulnek. 

Probst und Convent des Augustinerklosters in Fuhiek erneuern dem 
Hanusch, Richter von Aldenstadt, das Privileg über das Richteramt. 

In nomine domini amen. Nos Augustinus prepositus, frater iMar- 
tinus senior et sacristanus totusque conuentus canonicorum regu- 
larium sancte trinitatis in Ffulnec Olomuczensis diocesis ad cuncto- 
rum tam presencium quam tuturorum hominum noticiam presentis 
nostre littere tenore cupimus peruenire, quod, dum nos dudum iusto 
empcionis titulo ad veram et perpetuam hereditatem emerimus villam 
dictam Aklenstat sitam prope ciuitatem Vocenstat cum iudice et 
Omnibus incolis eins et cum omnibus et singulis redditibus, censibus, 
fructibus et generaliter cum pleno iure et dominio, iiulio penitus ex- 
cepto, nee sibi aliquid iuris ibidem reseruato, a nobili viro domino 
Laczkone de Crawar alias de Helfenstein pro certa pecuniarum summa 
sibi per nos plene persoluta, prout in libro terre ducatus Oppauien- 
sis inscriptum manifeste continetur, nosque eandem villam Aldenstat 
cum omni iure et dominio pluribus iam annis pacifice et inconcusse 
possedissemus et tenuissemus et nunc possidemus et tenemus vsque 
ad datam huius littere, venit ad nos fidelis et dilectus nobis Hanussko 
modernus iudex dicte viile Aldenstat, ad quem ex hereditaria progeni- 
torum suorum successione deiiolutum est idem iudicium, consulens et 



104 

petens nos instancius, vt dignaremur sibi de priuilegio autentico super 
eodem iudieio prouidere, eo quod originale priuilegium progenitoruin 
suorum super eodem iudieio sit in conbustione ciuitatis Oppauiensis 
ignis voragine consuniptum i). 

Nos igitur prepositus et conuentus supradictus recordatis serui- 
ciis iudicis nostri nobis exhibitis et in luturum exhibendis ad preces 
eius inclinati diligenti inter nos facta deliberacione et de maturo ami- 
corum et fautorum nostrorum eonsilio prouida habita prius discus- 
sione et inquisicione cum senioribus laieis incolis predicte ville de 
juribus et libertatibus ad ipsum Judicium ab antiquo pertinentibus, et 
iuxta protestationem approbamus omnia iura et libertates ad ideni 
Judicium ab antiquo pertinentibus (sie), quas eciam libertates et 
jura in biis seriptis renouamus, coneedimus et donanuis ipsi Hanussio 
iudici nostro et beredibus ae successoribus suis, scilicet Judicium in 
predicla villa nostra Aldenstat liereditarie possidendum cum medio 
laneo libero pro ipsius aratro et aüos duos laneos ipsi iudici censua- 
les, prout nobis soluitur, et duo parua molendina cum duobus ortis eis- 
deni adiacentibus molendinis, de quibus voluntarie submisit se dare 
annuatim duos grossos ecclesie ibidem. Et coneedimus sibi 
habere tliabernam et quod bis in anno potest libere ceruisiam 
propinare adducendo aiiunde, in patrocinio sancti Jacob! apo- 
stoli et in dedicatione ecclesie ibidem et a dedicatione vsque ad 
quadragesimam. Coneedimus eciam ipsi tercium denarium om- 
nium culparum emergencium cum aucuperacione et venacione in 
eisdem bonis nostris et alia iura et libertates, quas circumsedentes 
iudices dinoseuntur habere; de quo quidem iudieio tenebitur ipse iu- 
dex nobis omni anno censuare duas marcas grossorum, sexagintaqua- 
tuor grossos computando pro marca, da estum sancti Georgii vnam 
marcam et ad festum sancti Wenzeslai vnam marcam, ad festum na- 
tiuitatis domini decem pullos et ad festum pasche quatuor sca- 
pulas valentes et venaciones nobis impartire debebit. Cupientes autem 
quod omnia et singula suprascripta debitum sorciantur etFeetum et 
immobiliter obseruentur, rogauimus serenissimum principem ac do- 
minum dominum Hanussium dueem Oppauie et hereditarium domi- 
num in Ffuhiek, qui graciosius annuens nostris precibus sigillum suum 
in robur et firmamentum premissorum dignatus est appendere, sed et 



1) Die Stadt Troppaii brannte 1431 nb. 



105 

sigilla nostra prepositure et conuentus in euidens testimonium omiiium 
et singuloriim suprascriptorum sunt appensa. Datum in Ffulnek anno 
domini milessimo quadringentesimo quadragesimo octauo, die mensis 
Julii quarta decima. 

Orig Pergamenturkunde im Tropp. Museum. An Pergamentstreifen zwei 
runde Wachssiegel, das erste (rothes Siegellack) des Herzogs, das zweite (gel- 
bes Wachs) des Klosters, das mittlere fehlt. 

IX. 

"1403, 13. Aug. Troppau. 

Herzog Ernst von Troppau erklärt, dass die Stadt Troppau der Her- 
zogin Salomene 200 Schock Gr. als Leibgedinge verschrieben habe. 

Wir Arnst von gotes gnaden herczug zu Troppaw vnd Mon- 
sterberg mit herczug Willialms weysen, bekennen offintlichin mit 
desim vnserm prifTe vor allin, dy en sehen, boren adir lesen, als denn 
dy erber weysen burgermcyster, ratmannen, eldisten vnd dy gancze 
gemeyne der stat Troppaw vf den czween teylen herczug Wilhalms 
vnsers liben bruders zeliges gedcchtnus, vnsere getrawn Üben, vor 
vns vnd vor dy weyzen globet vnd sich vorschrebin habin ken der 
hochgeboren furstynne fr.iwen Salomene, berczugynne zu Troppaw, 
vor czwehundirl schokgroschen iarlichs czinsse rechtes leipgedinges, 
als das der hewptprirt', den wir irer gnaden vbir soliche czinsse ge- 
maclit vnd geben habin, clerlicher awsweyset vnd besaget, doran aucli 
dy obgenanten vnser libin getrawn ir ingesigel angehangin habin 
neben andern vnsern borgen, welche czwehundirt schok groschen 
iarlicher czinsse dy vorgenanten ratmanne vnd eldisten vf den obge- 
melten czween teylen von vnsern vnd der weyzen erbczinsen, ge- 
schossern vnd renten gebin vnd richten sullen von yare zu yare, also 
terre dy gereichin vnd gelangen mögen. Vnd derselben czwehundirt 
schok groschen an den obgemelten vnsern vnd der weyzen erbczinsen 
vnd renten etc. wir siegeqweyt vnd qweien, frey, loz vnd ledig sagen 
von vns vnd von den weyzen in cralTt vnd macht desisprifTes, so lange 
bis zu der obgenanten furstynne lebtagen. Vnd ab dy erbczinsze, ge- 
schosser vnd renten so hoch vnd so ferre nicht konden gereichen, 
also das sy dy czwehundirt schok groschen der vorgenanten 
lurstynne douon folkömlichen nicht konden richten noch beczalen, 
was denn doran wurde feien vnd gebrechin, das gioben wir by vnsern 



106 

fürstlichen Worten mit den weyzen von den andern vnsern genissen, 
fruchten vnd zugengen, dy vns vnd dy weyzen angehören, als von 
dem maczgelde von den molen vnd von der foytey etc. zu dir follen 
vnd folkomlichen awsrichten an arig (sie), also das dy ohgenanten 
ratmannen, eldisten vnd dy gancze gemeyne of den obgemelten 
czween teylen vmbe soliche czinsze vngemanet, vngekrod vnd vnbe- 
twungen, geruglichin mögen bleibin. Des zu einem bekentnusse vnd 
grosser Sicherheit will e habin wir vnser fürstlich ingesigel an desin 
priff lassen beugen. Der geben ist zu Troppaw am montage vor as- 
sumpcionis Marie noch Christi gebort tawsent firhundirt vnd in dem 
dritten vnd fumlTczigistem yare. 

Orifj. Pergamentui'kiinde im Museum in Tioppau. An einem Pergament- 
streifen das in gelhes \yach8 gedrückte rothe Siegel, das einen in zwei Hälften 
gespaltenen Schild und darüber einen Helm zeigt. Leg.: sigillum ducis Arnesti 
Oppawie. 

X. 

1457, 27. Juni. Oberglogau. 
(Pondieli przed swatim Petrem a Pawlem etc.) 

Bolko Herzog von Oppeln und Troppau (z bozy milosti knieze 
Opolske a Opawske) erklärt, dass vor ihm Nikolaus von Lubies- 
sow, Sohn des Jechin von Zubrzicz (iMicolass z Lubiessow, Jechin- 
kow syn z Zubrzicz) übergeben hat dem Hanusch von Zubrzicz, 
seinem leiblichen Bruder, und dessen Erben den Theil von Zubrzicz, 
den er nach des Vaters Tode bekommen sollte. Würde aber Nikolaus 
ohne Nachkommen aus dieser Welt scheiden, so soll niemand anderer 
als Hanusch ihn beerben. 

Zeugen: Harnisch v. Stolzmütz (Tliistomost), Waniek v. Liptau 
(z Liptauie), Stanislaw Brzezinka, Trnawka v. Kitlitz, Jan v. Die- 
chowitz und der Priester Johann Leuss, unser Schreiber, dem der 
Brief befohlen war. 

Copie des i5. oder Beginn des 16. Jahrltunderts im Troppauer Landes- 
archiv. 



107 



XL 

1459, 13. Juli. Grätz. 

(Fei'ia sexta in die Margarethe virginis.) 

Johann Herzog von Troppau und Leobschütz erklärt, dass vor 
ihm sein Diener Jan Pastorek z Gezernycze erklärt hat, dass einst 
Fürst Harnisch unser Bruder (ze sie stalo gedneho czassu, ze kniez 
Hanuss slawney pamiety, bratr nass z Oppawy przigiew rozprawiel) 
seliger Gedäehtniss gesagt, wie wir den Hrahinern mehr Recht auf 
den Berg und Teich zuerkennen i). — Zum Zeichen, dass dies so 
gewesen, drücken er und die Zeugen, die damals dabei gewesen, ihre 
Siegel auf den Brief, nämlich Benesch von Liederau und Odrau 
(z Liderzowa a z Oder), Jan Czappek von Cromyessin und Waltier- 
zowitz, die Zeit Starost in Grätz, .lau von Lichten, Nikolaus Nyed- 
widek von Jakubschowitz. 

Orig. Urkunde auf Papier. Die Siegel waren aufgedrückt, sind aber ahge- 
fallon. — Landesarchiv in Troppau. 

XIL 

1464, 8. Juli. Glatz. 

(Den swateho Procoppa.) 

Ernst Herzog von Troppau erklärt, dass einst der alte verstor- 
bene Dyetoch, damals Landeskämmerer, zum Vormund seiner Kinder 
Bernhard von Zierotin ohne sein Wissen und Willen ernannt habe. 
Nach Dyetochs Tode habe er und sein verstorbener Bruder, Herzog 
Wilhelm, da sie diese Einmischung Bernhards wegen seiner feind- 
seligen Gesinnung nicht dulden wollten (y take pro gine zassczi, kte- 
rez gest on proti nam czinil, branym , patenym y ginu rozlicznu nena- 
bitu zahubu nassleho knyezetstwie a lidich nassich wssiech poddanich 
a nemagicze knam any k nassim lidem zadnu wynnu) und weil die 
Witwe des Dyetoch klagte, dass er alles auf sein Schloss Zierotin 



^) Es hcindelt sich hier um einen Streit, iiher den im Landesarchive mehrere Urkun- 
den vorhanden sind, ob ein Eichenwald und Teich zu dem Dorfe Stettin oder 
Sucholasetz gehöre. 



108 

bringen lasse, die letztere zur Vormünderin bestimmt, wie es in der 
Landtafel verzeichnet sei. Später aber hätten sie die Vormundschaft 
dem Jan Hrot übertragen, der sich keine Verkürzung der Dyetoch'- 
schen Kinder habe zu Schulden kommen lassen, als er die eine Toch- 
ter verheirathete, denn dies sei mit seinem Willen und Wissen ge- 
schehen, 

Orig. auf Papier mit aufgedrücktem Siegel im Tropp. Landesarciiiv. 



109 



XIII. 



STAIOITAFEL 



DER 



PRZEMYSLIDISCHEN HEKZOGE V0\ TKOPFAÜ ETC. 



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113 



II. 

VEESUCH EINER GESCHICHTE 

DES 

ALTEN MEDER-ÖSTERREKIIISlilEN LANDHAUSES 

BIS ZU SEINEM 

UMBAUE IM JAHRE 18:J7. 

MIT BENÜTZUNG URKUNIM.ICIIER QUELLEN 

VON ULM W. M. 

Dr. LEOP. JOS FITZINGER. 



(MIT EINEM GRUNDRISSE, ANGEFERTIGT NACH JOSEPH NAGEL'S GENAUEM PLANE DER 

INNEREN STADT VOM JAHRE 177Ü UND ERLÄUTERUNGEN ZU DEMSELBEN VON A. RITTER 

VON CAMESINA.) 



115 



Vorwort. 



Der von den nied. österr. drei oberen Herren Ständen beschlos- 
sene Umbau des alten, durch so viele geschichtliche Erinnerungen 
denkwürdigen nied. österr. Landhauses und die hierdurch unver- 
meidlich gewordene Vernichtung so mancher ehrwürdigen Denkmale 
desselben'), haben mich veranlasst, durch eine gedrängte, aber 
möglichst vollständige Geschichte dieses Gebäudes und seiner Denk- 
male das Bild des alten Landhauses und seiner Schicksale auch 
für die Zukunft dem Gedächtnisse zu erhalten. 

Die mir in meiner Stellung als Beamter der nied. österr. Herren 
Stände frei gestandene Benützung der in ihrem Archive und ihrer 
Registratur aufbewahrten Originalakten, so wie des aus denselben 
zusammengestellten Codex provincialis, hat mich in den Stand ge- 
setzt, die meisten und wichtigsten Angaben auf urkundliche Quellen 
zu begründen, die ich durch sorgfällige Benützung aller übrigen mir 
zu Gebote gestandenen, theils ungedruckten, theils gedruckten 
Schriften und Notizen über d;ts Landhaus, in einen fortlaufenden 
Zusammenhang zu bringen bemüht war, so wie jene Lücken auszu- 
füllen, welche die mir zugänglich gewesenen urkundlichen Nach- 
weisungen zurückgelassen haben. 

Eine wesentliche Erleichterung verschatTten mir hierbei die von 
dem eifrigen Geschichtsforscher Alois von Berge nstamm 
grösstentheils aus Archiven gesammelten handschriftlichen Notizen, 
von welchen ich eine Abschrift besitze, so wie eine mir zufällig vor- 
gekommene, gleichfalls meist auf Urkunden gestützte Handschrift, 
welche mit dem Namenszuge F. v.M. 2) unterzeichnet war und wovon 
ich mir gleichfalls eine Abschrift genommen habe; ferner eine aus 
legalen Quellen zusammengestellte Arbeit des vormaligen ständischen 



*) Die Stände waren zwar bemüht, die alten gescliiclitlichen Denkmale des Land- 
hauses, in soweit dies eben möglich war, bei diesem Umbaue zu erhalten und sie 
entweder an ihrer ursprünglichen Stelle zu belassen, oder dieselben, wenn eine 
Übertragung ausführbar war, an einem anderen geeigneten Orte im Innereo de» 
Gebäudes aufzustellen. 

*) Joseph Freiherr v. Mayenberg, n. öst. stand. Verordneter. 

8' 



11 ß 

Buchhalters P lisch, weU'lie als Mariiiscripl hei den med. österr, 
Landständen in ihrer Buchhaltung aufbewahrt wird, und mehrere 
Notizen aus dem Stift-Schotten'schen Archive, welche ich der güte- 
vollen Mittheilung des hochwürdigsten Herrn Abtes Sigismund 
Schult es verdanke. 

Von gedruckten Schriften war ich leider nur auf eine sehr 
geringe Anzahl beschränkt: und zwar auf einen im Jahrgänge 1824 
von Hormayrs Archiv unter dem Titel „Zur Geschichte des n. österr. 
Landhauses" abgedruckten, mit der ChifTre F. bezeichneten Aufsatz, 
der grösstentheils auf Bergens tamm'schen Notizen beruht und als 
dessen Verfasser ich mich selbst bekenne; lerners auf die in Hor- 
mayrs „Geschichte Wiens" enthaltenen, auf das Landhaus bezug- 
nehmenden Daten, welche meist aus jenem Aulsatze entlehnt sind 
und sich somit ebenfalls grösstentheils auf Bergen stamm" sehe 
Notizen gründen; so wie auf einige wenige Angaben in Geusau's 
„(leschichte der Stiftungen. Erziehungs- und Unterrichts-Anstalten 
in Wien" und seiner „Geschichte derllaupt- und Residenzstadt Wien". 

Ausserdem waren es nur einige wenige Hormayr'sche Daten, 
welche ich im Jahrgange 1823 seines Archivs autTand; eine Ab- 
handlung von J. V. Czermak „Über das Denkmal der zwey Ritter 
im nieder-österreichischen Landhause in der Herrengasse, über 
das ursprüngliche Wappen der österreichischen Regenten und der 
Residenzstadt Wien" im Jahrgange 1837 der Wiener-Zeitung;und ein 
Aufsatz „Der grosse Saal im ständischen Landhause zu Wien und 
einige Festlichkeiten, welche in demselben veranstaltet worden" im 
.lahrgauge 1837 von Kaltenbaecks Österreichischer Zeitschrift, 
welche das Landhaus berühren und die ich anzuführen nicht versäumte. 

Da ich in meiner Zusammenstellung alle benützten Quellen ge- 
treu citirt habe, wird man leicht ersehen, wie wenig hiervon auf 
meine eigene Rechnung zu stellen ist, und ich habe daher an der vor- 
liegenden Arbeit kein anderes Verdienst, als dasjenige gesammelt 
und zusammengetragen zu haben, was über das nied. österr, Land- 
baus theils in auitlichen Akten, theils in Hand- und gedruckten 
Schriften zerstreut stand, und fühle mich iür meine Arbeit genügend 
belohnt, wenn es mir gelungen wäre, durch dieselbe das alte nied. 
österr. Landhaus, eines der ehrwürdigsten Denkmäler Wiens, der 
Vergessenheit entzogen zu haben. 

Wien am 15. August 1838. 



17 



In den ältesten Zeiten, wo die Stände von Nieder-Österreich nocli 
keinen bestimmten Ort für ihre Zusammenkünfte gewählt histten, 
hielten sie ihre Versammlungen l)ald im Hause ihres Landmarsehalls 
7A\ Wien, bald auf dem Lande'); doch zogen sie es immer vor, 
dieselben ferne von der Hauptstadt und den Augen derjenigen abzu- 
halten, welehe sie so gerne meiden wollten, und wählten selbst im 
tlaehen Lande meist lieber kleinere Ortschaften, als Städte für ihre 
Zusammenkünfte -) , am liebsten Häuser von Privaten 3); wie dies 
die berühmten und berüchtigten Landtage und Zusammenkünfte zu 
Tulln, Triebensee. Iladersdorf, Kggenburg, St. Polten, Hörn u. s. w. 
genügend beweisen*). 

Der erste ilirer Landlage wurde zu Wien gehalten, der zweite 
am (j. September 1108 unter Markgraf Leopo Id IV. dem Heiligen, 
in Gegenwart Kaiser Heinrichs zu Tulln. 

Herzog Leopold VI. bestimmte hierauf Klosterneu bürg, Mautern 
und Tulln zur Abhaltung der Landtheidungen (Landtage). 

1251 während des Interregnums fand der berüchtigte Landtag 
zu Triebjensee statt; — 1252 durch Ottocar der bekannte zu 
Klosterneuburg, Mautern und Tulln; — 1276 jener zu Korneuburg, 
wegen der Belehnung Ottocars mit Böhmen, durch Kaiser Ru- 
dolph I. am 2ö. December; — 1451 jener zu Wartberg und Wul- 
dersdorf (WuUersdorf) wegen der Befreiung Ladislaus' aus der 
Gefangenschaft KaiserFriedrichsIV.; — 1452 und 1453 die Land- 
tage zu Wien, unter dem Vorsitze von Ladislaus; — 1458 eben- 
falls zu Wien, unter dem Vorsitze der Herzoge Friedrich und 



') Bergenstaram, Mscpt. — F. Gesch. d. Lnndh. in Hormayrs Archiv 1824 S. 113. 

'^) Hormayr, Gesch. Wiens. 

3) F. Gesch. d. Latuih. 

*) F. Gesch. d. Lan.lh. 



118 

AI brecht und ihres Vetters Sigismund; — 1494 der Landtag 
zu Wien, wiegen der Erbhiildiguiig Maximilians I. ; — 1319 zu 
Wien, wegen Übernahme der Regierung nach dem Tode Maxi- 
milians bis zur Ankunft seiner Enkel aus Spanien; — und 1520 
zu Klosterneuburg, wegen der Huldigung Karls V. und Ferdi- 
nan ds l. '). 

Erst im sechzehnten Jahrhunderte wählten die nied. österr. 
Stände einen bestimmten Ort für ihre Zusammenkünfte in Wien, und 
die Entstehung eines eigenen nied. österr. Landhauses lässt sich 
geschichtlich erst zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts er- 
weisen 2), wiewohl selbst schon früher einige Häuser zu Wien, 
welche vielleicht zeitweise zum Versammlungsorte der Stände ge- 
dient haben mochten, den Namen Landhaus führten. So das vormals 
bestandene alte Pragerhaus am Kienmarkte hinter der St. Ruprechts- 
Kirche gegen die Krebsgasse und den Fischmarkt, einst Kaiser 
Wenzels Gefängniss und vieler österreichischer und fremder Fürsten 
Absteigequartiers) (späterhin durch viele Jahre das Salz- und Wald- 
Amt, einst Nr. 1, dann Nr. 196), welches dermalen demolirt, unter 
der Nr. 462 erbaut und theil weise zu einer Stiege verwendet ist, 
welche vom Kienmarkte gegen den Fischmarkt führt, das aber, wie 
Freiherr von Hormayr*) mit Recht vermuthet, als ein landes- 
fürstliches Haus sehr wahrscheinlich nur uneigentlich und zufällig 
den Namen Landhaus führte. 

Ebenso der ehemalige Marolteiger-Hof in der St. Johannesgasse 
(einst 1011, später 1039), welcher in der ersten Taxirung der 
Herrenhäuser (Freihäuser) vom 5. Mai 1543 „im KärneF-Viertel" 
als „altes Landhaus" erseheint und ein Eigenthum des Dr. Georg 
Enzianer war*), aber im Vergleiche der drei oberen Stände mit der 
Stadt Wien vom 12. Januar 1552 wegen der Freihäuser als „des 
Jungen Enzian Hauss, so zuvor des M arw alte igers war" , im 
Kärntner- Viertel aufgeführt ist e). Wahrscheinlich ist dieses Haus 



*) Bergeiistamm, Mscpt. 

^) Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

3j F. Gesch. d. Landh. — Hormiiyr, Gesch. Wiens. 

*) Gesch. Wiens. 

*) Bergenstumm, Mscpt. 

") Cod. provinc p. 647. 



119 

der vormalige „Täublhof" , worin sich 1766 die Kupferstecher- 
Akademie befand. 

In einem alten Häuserverzeichnisse von 1S50 erseheint Johann 
Enzian er als Besitzer des „alten Landhauss" *), welches der Ver- 
fasser der Geschichte des n. öst. Landhauses s) aber irrigerweise 
mit dem Pragerhause, das ebenfalls einst den Namen Landhaus führte, 
verwechselte. Endlich soll auch, einer Überlieferung unter der 
Bürgerschaft Zu Folge, das zu den Schotten dienstbare, dermalen 
Fach n er von Eggen st orff'sche Haus Nr. 1133 (früher 
Nr. 1 200) am Graben , Eckhaus in die Roth-, nun untere Breuner- 
Strasse, das alte Landhaus gewesen sein s). 

Der Grund zu einem eigenen nied. üsterr. Landhause wurde 
erst 1513 gelegt, indem die Stände unter dem Landmarschalle 
Wilhelm Herrn von Puchaim das Freihaus der Gebrüder 
E r a s m u s, W o 1 f g a ii g und B e r n li a r d Herren Liechtenstein 
von Nicolsburg laut Kaufbriefes vom Montag nach St. Georgy- 
Tag 1513*) behufs der Errichtung ihres Landhauses an sich 
kauften. 

Weiskerns) nennt irrigerweise Erasmus und Georg 
Herren von Liechtenstein zu Steuer eck als die früheren Be- 
sitzer des Landhauses. 

Dieses Haus soll sich von der Hochstrasse, nun Herrengasse, 
bis zum dermaligen Gitterbrunnen, also ungefähr bis zur Mitte des 
alten Landhauses erstreckt haben «) und durch ein schmales Gässchen, 
den sogenannten Zwinger, welches auf den Minoriten-Freythof und 
zum Kaiserspitale führte und zum Durchtragen der Leichen bestimmt 
war 7), vom Hause des Herrn Hans Wilhelm Freiherrn zu 
Rogendorf, nachmaligen Landmarschalls (später fürstl. Trau t- 
sohn'sches Haus, Niederländer- und Italienische Kan- 



') F. Uesch. d. Landh. 

2) Hormayrs Archiv. 1824. 

') Hormayr, Gesch. Wiens. 

*) Cod. Proviiic. p. 986. — F. Gesch. d. Landh. — Czerinak, in der Wiener Zeitung 

1837, Nr. 86. 

*) Topographie, B. III. S. 140. 

«) F. Gesch. d. Land. — F. v. M. Mscpt. 

') F. V. M. Mscpt. 



120 

zelley, dermalen Polizei- Holstellej geschieden gewesen 
sein i). 

Dieses von den H erre n von Li echte n stein an die Stände 
verl<aut'te Haus war mithin das erste nied. österr. Landhaus und be- 
fand sich auf derselben Stelle, wo später in weit grösserer Aus- 
dehnung, durch Ankauf angrenzender Gründe und Gebäude, das 
alte Landhaus erbaut wurde und dermalen das neue aufgeführt wird. 

Ursprünglich war der Grund des heutigen Landhauses wohl 
durchaus nur Garten und Friedhof der Minoriten, welcher sich noch 
1458 so weit ausdehnte, dass er selbst den Raum einnahm, auf 
welchem später die Gebäude der Staats-Kanzellei und Regierung er- 
richtet wurden 2). In den Tagen Maximilians l. hingegen war er 
theils Liechtensteinisch, theils Minoriten-Garten 3j. 

So warder Grund neben diesem von den Herren von Liech- 
tenstein erkauften Hause von der Herrengasse bis zum Minoriten- 
Platze, mithin der ganze Hofraum des ehemaligen alten Landhauses, 
ein zum Minoriten-Kloster gehörig gewesener Garten, in welchem 
sich der dermalige Gitterbrunnen befand, und soll in den I530ger 
Jahren an die Stände verkauft worden sein*). 

Über den Beginn des Baues des alten Landhauses und seine 
Ausführung liegen eben so wenig Urkunden als Pläne vor; v. Ber- 
genstamms) setzt den Anfang des Baues auf das Jahr 1516, unter 
dem Landmarschalle Caspar H e r r n v n W 1 k e r s d r f. 

Diese Annahme gründet sich auf die an der Hauptfronte gegen 
den Minoriten-Platz neben einem Fenster des grossen Saales ange- 
brachte Jahreszahl 1516, welche offenbar nur auf den Beginn des 
Baues deuten kann, da zu jener Zeit dieser Trakt noch nicht ge- 
standen haben konnte und selbst der Grund, auf welchem er sich 
befindet, damals noch zum Minoriten-Garten gehörte. Ohne Zweifel 
wurde aber der Bau des alten Landhauses mit dem linken Flügel, 
und zwar mit dem ehemals Liechtenstein' sehen Gebäude begon- 
nen, wovon nur ein Theil zum Baue verwendet wurde. 



*) Bergeiistamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landli. — F. v. M. Mscpt. 

2) Hormayr, Gesch. Wiens. 

8) Hormayr, Gesch. Wiens. 

*) F. Gesch. d. Landh. 

5) Mscpt. 



121 

1518 scheint er schon im Zage gewesen zu sein, denn in die- 
sem Jahre wurde besclilnssen , die Landschafts-Privilegien und 
Schriften in ein eigenes Gewölbe zusammen zu bringen i), wodurch 
somit der Grund zum ständischen Archive und der viel später er- 
richteten ständischen Registratur gelegt wurde. 

Das Landhaus erscheint als solches erst nach der ersten tür- 
kischen Belagerung 1529, und bestand geschichtlich erwiesen, sohin 
zwischen 1531 und lo343); denn 1534 verordneten die Stände, 
dass der Landmarschall, damals Wilhelm Freiherr von Pu- 
chaim, die Schlüssel zu den Zimmern des Landhauses zu ver- 
wahren habe und dass die Gemächer desselben den Landesherren auf 
Verlangen geöffnet werden sollen, so oft sie selber bei Hochzeiten 
oder sonstigen Gelegenheiten bedurften; machten es aber zur Bedin- 
gung, dass die Zimmer desselben nicht an Fremde vermiethet wer- 
den. Auch befahlen sie, die „Steinbutte" (wahrscheinlich eine Garten- 
Grotte) in eine Stube umzugestalten, welche für des Landmarschalls 
und der Landesherren Diener bestimmt war. urul legten die Herstel- 
lung jeder [{escliädiguiig dem Ijandmarschalle aufa). 

Am 25. Februar 1534 verlangten die Eiimehmer (Verordneten) 
w'eder einen tauglichen Wirth im Landhause und erboten sich, von 
einem Thore und von einer Stiege zur anderen einen Weg pflastern 
und den Garten im Landhause mit Gängen und Planken versehen 
und zurichten zu lassen, welcher vom f^andmarsclialle benützt und 
erhalten werden sollte*). 

Der Landmarschali erhielt daiiei- auch die Schlüssel zum Gar- 
ten 5) und der Wirth die Oldiegenlieit, lür die Absteigquartiere der 
Landherren zu sorgen und ihre Hochzeiten auszurichten, was häufig 
geschah ß). 

1539 erkauften die Stände laut Kaufbriefes vom 14. Mai einen 
Gartengrund von H a n n s v o n F ü n f k i r c h n e r '='), Besitzer des nach- 



') Coil. proviiic. p. 1511. 

2) Honnayr, Gesch. Wiens. 

3) Cod. provinc. p. 2329. — Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

*) Cod. provinc. p. 2;{29. — Bergenstainin, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. — Hc 

niayr, Gesch. Wiens. 
*) Bergenstaniin, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 
ß) F. Gesch. d. Landh. — Honnayr, Gesch. Wiens. 
'') Cod. provinc. p. 9S6. 



122 

maligen kleinen Landhauses, noch unter demselben Landmarschalle. 
Bei diesem Ankaufe erhob sich ein Streit wegen der Scheidemauer 
zwischen seinem und dem nunmehr ständisch gewordenen Garten- 
antheile, so wie wegen der Lichtfenster in seiner Behausung, bei der 
beabsichtigten Verbauung dieses Grundes. Die Stände verglichen 
sich jedoch gegen einen Erlag von 300 Gulden an Fünfkirch- 
ner, dass die Scheidemauer bestehen und der beabsicl)tigte Bau 
auf diesem Grunde ausgeführt werden könne «). 

Dieser von Fünfkirchner erkaufte Gartengrund dürfte sich 
vom Minoriten-Pl-.itze bis an die Herrengasse längs des ständischen 
Gartens erstreckt haben, mithin jene Stelle des alten Landhauses 
eingenommen haben , auf welcher der nur zur Hälfte ausgebaut ge- 
bliebene rechte Flügel errichtet wurde , nebst dem ihm in gleicher 
Richtung entsprechenden Theile des ehemaligen eingegitterten Hofes 
gegen die Herrengasse, nächst dem gräflich Kinsky' sehen (vormals 
Po 11h ei m' sehen) Hause. 

Leider mangelt hierüber jedes urkundliche Datum; doch ist 
diese Annahme sicher wahrscheinlicher als die Vermuthung ande- 
rer 2), dass dieser Gartengrund auf jener Stelle zu suchen sei, welche 
der linke Flügel des alten Landhauses vom Gitterbrunnen bis zum 
Minoriten-Platze einnimmt, da jene Strecke, worauf der rechte 
Flügel erbaut wurde, unmittelbar an den Fü nfkirchner' sehen 
Besitz (das nachmalige kleine Landhaus) angrenzte , bei entgegen- 
gesetzter Annahme aber der Fünfkir chner'sche Besitz durch den 
ständischen, vormals Minoriten-Garten, welcher sich bis an den 
beutigen Minoriten-Platz erstreckte und worauf der mittlere Theil des 
Quertraktes mit dem Saale errichtet wurde, geschieden gewesen 
sein müsste. 

Am 16. November 1545 beschlossen die Stände unter dem 
Landmarschalle Christoph Freiherrn von Eitzing, ihrem 
Secretäre eine Wohnung im Landhause zu geben imd Hessen zu 
diesem Behufe ein Zimmer ober des Ofenheizers Wohnung neben 
der damaligen Rathsstube erbauen 3), welche Wohnung Secretär 
Leopold Schweibermair erhielt *). 



') Bergenstamm, Mscpt. 
2) F. V. M. Mscpt. 
^) Cod. provinc. p. 2330. 
4) Cod. provinc. p. 1694. 



123 

1546 erkauften die Stände unter demselben Landmarseballe, 
laut Kaufbriefes vom 26. Julius, das bei den Minoriten zwischen den 
Häusern des Herrn von Rappach und Hanns Koller gelegene 
Freihaus des Hanns Ungnad Freiherr von Sonneghi). vor- 
mals ein Eigenthum des Trojan von Auersbergs), welches aber 
keineswegs, wie einige vermuthen s), gegen die Herrengasse gelegen 
war und zum Baue des alten Landhauses verwendet wurde, sondern 
von den Ständen zur Unterbringung der von ihnen 1546 errichteten 
adeligen Landschaftsschule erkauft wurde und zwar auf jener Stelle 
des Minoriten-Flatzes gestünden hatte, wo sich dermalen das fürstlich 
Li echtenstein 'sehe Gebäude befindet*), 

Dass dieses Haus nicht in der Herrengasse gestanden haben 
konnte , geht schon aus der urkundlichen Nachweisung hervor, dass 
es zwischen den Häusern des Herrn von Rappach und Hanns 
Koller bei den Minoriten gelegen sei, mithin am Kloster, nicht 
aber auf dem Minoriten-Freythof, der sich früher bis an die Herren- 
gasse erstreckte; sowie der Umstand, dass die beiden Häuser des 
Herrn von Rappach und Hanns Koller nicht wohl in der 
Herrengasse gelegen sein konnten, da zwischen dem ursprüng- 
lichen alten Landhause (dem vormals Liechtenstein" sehen Hause) 
und dem damals schon bestandenen Po llheim'schen (dermalen 
gräflich Kinsky' sehen) Hause das Haus der Gebrüder Auer stand, 
der übrige Raum aber durch den ständischen Garten eingenommen 
wurde; diese Häuser auch bei der nachmaligen Arrondirung des 
Landhauses hätten eingelöst werden müssen, wovon dui-chaus nichts 
in den Akten aufzufinden ist. Sehr wahrscheinlich sind das Rap- 
pach' sehe und Koller'sche Haus an jener Stelle des Minoriten- 
Platzes zu suchen, wo sich dermalen das Baran of sky'sche und 
Stahrn herg'sche Haus befinden. Auch in dem Vergleiche der drei 
oberen Stände mit der Stadt Wien vom 12 Januar 1552 wegen 
der Freihäuser erscheinen beide ständische Häuser als seibststän- 
dige, abgesonderte Gebäude im Schotten-Viertel, und zwar das eben 
im Baue begriffen gewesene, vormals Liechtenstein' sehe, als 



1) Cod. provinc. p. 986. 

') Geusau, Gesch. d. Stiftungen p. 219. 

3) F. V. M. Mscpt. 

*) Geusau, Gesch. d. Stiftungen p. 219, 



124 

„der dreyen Stände von Prälaten-, Herrn- und Ritterschaft Hauss, 
genannt das Landhauss i)", und das Ungnad'sclie, als „der dreyen 
Stände von Prälaten-, Herrn- und Ritterschatft Hauss, so Sie von 
H a n n s e n V n g n a d erkaufft" 2). 

Am 20. April 1551 fassten die Stände unter eben diesem Land- 
marschalle den Beschluss , den grossen Saal , welchen sie in einem 
Quertralite gegen den Minoriten-Freithof herzustellen beabsichtigten, 
mit einer gewölbten Decke versehen zu lassen 3). 

1562 wurde unter dem Landmarschalle Joachim Herrn 
von Schönkirchen der linke Flügel des alten Landhauses von der 
Herrengasse bis zAim dermaligen Gitterbrunnen vollendet*) und am 
16. August dieses Jahres mit dem Nachbarn Hanns Wilhelm 
Frei her rn zu Rogendorf das Übereinkommen getrolFen, dass 
zwei Zimmer seines Hauses, welche an das Landhaus (vormals 
Liechtenstein'sche Haus) anstiessen und über das Gässchen, den 
sogenannten Zwinger, gespannt waren, gegen eine Entschädigung 
von 400 Gukbni demolirt wurden, welche der ständische Einnehmer 
Hanns Moser an Freiherrn von Rogen dorf zu erfolgen 
hatte 5). 

Am 6. April 1564 wurde hierauf mit Rogendorf der Ver- 
gleich geschlossen, dass die Stände von ihrer neuen Rathsstube 
ein Gewölbe über das Gässchen (Zwinger) zum Rogen dorf 'sehen 
Hause, und Rogen dorf ein Gewölbe herüber, an die Mauer des 
Landhauses bauen können e). 

Am 31. Mai 1566 fassten die Stände unter dem Landmarschalle 
Hanns Wilhelm Freiherrn zu Rogendorf den Beschluss, 
dass nur die Verordneten, die Secretäre, der Einnehmer und die 
Officiere (Reamten) der Stände im Landhause wohnen dürfen, unter - 



^) Cod. piovinc. p. 630. 
2) Cod. provinc. p. 649. 
*) Cod. provinc. p. 1615. — Bergenstamm, Mscpt. — Kaltenbaecks Österr. Zeitschr. 

1837, Nr. S3 (mit der irrigen Angabe, dass in diesem Jahre der Saal wirklich 

gewölbt wurde). 
*) Bergenstamra, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. — Hormayr. Gesch. Wiens. — 

F. V. M. Mscpt. 
^) Akt. d. stand. Registratur. — Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. — 

F. V. M. Mscpt. 
^) Akten d. stand. Registratur. — Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. — 

F. V. M. Mscpt. 



125 

sagten mit Strenge das Wohnen trenuler Parteien in demselben und 
genehmigten die Transfei-irung der Landkanzlei in das neue Ge- 
bäude »). 

Aus Anlass einer Beschwerde, welche die Stände bei Hof vor- 
brachten, dass ausländische Personen in das Landhaus eingeführt und 
daselbst bequartirt wurden, erfolgte am 17. December 1566 die 
Resolution des Kaisers, dass dieser gegen sein Wissen und seinen 
Willen Statt gehabte Vorgang abgestellt sei und in Zukunft weder 
im Landhause, noch in den ständischen Freihäusern fremde Personen 
einquartirt werden sollen ^). 

Am 4. Julius 1568 ertheilte Kaiser Maximilian IL den Stän- 
den die Bewilligung, zwei Freizeichen über den Thoren des Land- 
hauses anbringen zu dürfen, kraft welcher jeder Ruhestörer (Ru- 
niorer) vom Landmarschalle in Verhalt zu nehmen und dem Hof-Pro- 
fosen, oder in dessen Abwesenheit dem Regierungs-Profosen zur 
weiteren Haft und Bestrafung zu übergeben war, worüber den Stän- 
den im September 1568 eine eigene Urkunde ausgefertigt wurde s). 

1570 wurde der Brunnen, welcher schon im alten Minoriten- 
Garten gestanden haben soll, mit einem sehr künstlich verfertigten 
Eisengitter versehen, auf welchem man die Jahreszahl 1570 liest*). 

1571 wurde noch unter dem Lfindmarschaile Hanns Wilhelm 
Freiherrn zu Rogendorf der Bau des alten Landhauses nach 
dem ursprünglichen Plane vollendet, der linke Flügel vom Gitter- 
brunnen bis zum Minoriten-Platze aufständischem Gartengrunde fort- 
geführt, der unausgebaut gebliebene rechte Flügel auf dem Fünf- 
kirch ner'schen Gartengrunde vom Minoriten-Platze bis zur Hälfte 
des Hofraumes gegen die Herrengasse hergestellt und die Haupt- 
fronte gegen den Minoriten-Platz, welche den grossen mit einem 
Marmorboden versehenen Saal enthält, auf theils Fünfkir oh- 
ne r'schem Grunde, theils auf dem daran gestossenen ständischen 
Gartengrunde, zwischen beiden Flügeln gezogen , worin sich noch 
gegenwärtig das Hauptthor mit einem herrlichen , im gothischen 
Style erbauten Schwibbogen befindet 5). 



') Cod. provinc p. 2331. 

') Cod. pi-ovinc. p. 653. 

^) Cod. provinc. p. 977. 

*) Bergenstamm, Mscpt. — F. Gescli. d. Laiidh. — Horniayr, Gesch. Wiens. 

*) Hormayr, Gesch. Wiens. 



126 

Die Angabe, dass die Hauptfnmte gegen den Minoriten-Plalz 
erst 1693 vollendet wurde') und 1371 an ihrer Stelle nur eine 
Schlussmauer mit dem Thore und Schwibbogen gestanden haben 
soll 3), ist offenbar unrichtig, da geschichtlich erwiesen der Saal 
schon i621 und i631 zu grossen Festlichkeiten benützt wurde; und 
wir werden später auf die Ursache kommen, w eiche zu dieser irrigen 
Annahme die Veranlassung gab. 

Ebenso unrichtig ist die Behauptung s) , dass 1571 nur der 
Theil vom Portale nächst dem Gilterbrunnen bis gegen den Mino- 
riten-Platz dem alten Lieeht enstein'schen Hause zugebaut und 
dasselbe gleichzeitig erneuert wurde. 

In das Jahr 1571 scheint auch die Aufhebuug des ständischen 
Gartens zu lallen *), zum mindesten des grösseren Theiles desselben, 
welcher zum Hofraume des alten Landhauses verwendet wurde, und 
die Herstellung der Schlussmauer gegen die Herrengasse mit dem 
zweiten Hauptthore, wie das ober diesem Thore 1571 errichtete 
Freizeichen zu beweisen scheint. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass 
ein kleiner Theil des ständischen Gartens auch ferner noch in seiner 
früheren Eigenschaft benützt wurde, und zwar jener Theil, welcher 
dem rechten, nur bis zur Mitte des alten Hofraumes fortgeführten 
Flügel des alten Landhauses in gleicher Richtung bis zur Herren- 
gasse entsprach, nächst dem zu jener Zeit noch bestandenen Über- 
reste des alten Li echt enstein'schen Hauses, an dessen Stelle 
erst 1674 das noch 1837 bestandene isolirte Gebäude in der Herren- 
gasse errichtet wurde. 

Mittelst Resolution vom 20. Februar 1571 aus Prag verkündete 
Kaiser Maximilian II. dem Landhause das Burgfriedens!- Privi- 
legium 5). 

Zu diesem Andenken w urde über dem Portale gegen die Herren- 
gasse und am Minoriten-Platze eine Steintafel mit nachstehender 
Warnungsschrift angebracht : 

„Der Rom. Kay. Mayst. unsers Allergnädigsten Landesfürsten 
„Ernstliche Meinung und Befelch ist, dass sich Niemand, Wer der 



*) Bergenstamm, Msept. — F. v. M. Mscpt. 

2) F. Gesch. d. Landh. 

') Czermak, in der Wiener Zeitung 1837, Nr. 86. 

*) F. Gesch. d. Landh. 

*) Cod. provinc. \>. 978. — Hormayr. Gesch. Wiens. 



127 

„auch sein mag, unterstehe, in oder vor Disem befreyteii Landhauss 
„die Wöhr zu blossen, oder Balgen und zueschlagen, noch zu 
„rommorn, Welche aber freventlich darwider handien, dass die- 
„selben Verbrechen an Leib und Leben nach Ungnaden gestrafft 
„werden sollen. Actum in 1571. Jahr". 

Unter derselben das alte und neue österreichische Wappen, mit 
Farben übertüncht, über derselben eine Hand mit entblüsstem 
Schwerte »). 

Maximilian IL verwahrte den leider jeden Augenblick ge- 
störten Frieden des Landhauses durch die schwere Rüge des Ab- 
hauens der frevelkühneu Hand ~). 

Freiherr von Hormayr sagt zwars): „das bedrohende 
Gemälde verschwand erst in unseren Tagen vom Landhausthore" ; allein 
diese Angabe scheint ofl'enbar auf einem Irrthume zu beruhen, denn 
die Hand mit dem Schwerte bestand am Thore gegen die Herren- 
gasse bis zur Abtragung des Gebäudes in der neuesten Zeit und ist 
am Thore gegen den Minoriten-Platz noch dermalen vorhanden, und 
die Thore selbst waren nach der Aussage selbst unserer ältesten Zeit- 
genossen nie mit einem anderen Gemälde versehen als den beiden 
österreichischen W^appen. 

Das Portal im Hofe neben dem Gitterbrunnen, am Aufgange zum 
Raths-Saale, welches mit Säulen von salzburgischem Marmor geziert 
und mit einem vorragenden Kupferdache gedeckt ist, wird durch eine 
eiserne Thür geschlossen, welche das Gemälde des neuen österrei- 
chischen Wappens enthält, und verdankt seine Enstehung, wie die 
hierauf befindliche, mit römischen Ziff'ern bezeichnete Jahreszahl 
beweiset, ebenfalls dem Jahre 157L 

Auf dem Frontispiz desselben sind zwei Ritter zu Pferde ange- 
bracht, mit dem Markgrafs-Hute auf dem Haupte, welche sich die 
Hände bieten; der eine den alten österreichischen Schild (ein rothes 
Feld mit einem weissen Querbalken), dessen sich die letzten Baben- 
berger bedienten, der andere den neuen, von Herzog Rudolph IV. 



ij Bergenstamni, Mscpt. — F. <iesch. d. Landh. — F. v. M. Mscpt. 

2) Hormayr, Gesch. Wiens. 

3) Gesch. Wiens. 



12« 

eingerührten üsteiTeicliisohen Wappeiischiltl (ein blaues Feld iiiil 
iünl" goldenen Adlern) über dem Rücken '). 

Über die Deutung dieses Hautreliels bestehen verschiedene 
Meinungen. Einige wollen hierin ein Turnier, andere die bildliche 
Darstellung einer V^ersöhnung zweier feindlich gesinnt gewesenen 
Brüder oder Herzoge erkennen 2), 

Offenbar ist es aber nur ein Denkmal der von Kaiser Maxi- 
milian II. den Ständen vergönnten freien Religionsübung, insbe- 
sondere auf die Vereinigung der katholischen und evangelischen 
Stände deutend, und die den letzteren unterm 14. Januar 1571 
ertheilte Bewilligung, ihren (Gottesdienst ungestört halten zu dür- 
fen s), wofür sie in Anerkennung dieser Gnade dem Kaiser eine 
Summe von 990.000 Gulden zur Disposition stellten*). 

Kaiser Maximil ian II. hatte den Protestanten-Ständen schon 
unterm 13. Mai 1570 mittelst Resolution aus Prag die Bewilligung 
ertheilt, den Gottesdienst nach Augsburgischer Confession in ihren 
eigenen Schlössern, Häusern und auf ihren Gütern, doch ausser den 
kaiserlichen Städten und Märkten ausüben zu dürfen 5), wogegen 
die evangelischen Ritter einen Revers ausstellten ß) , und unterm 
14. Januar lo71 erfolgte hierüber eine zweite Resolution des Kaisers 
aus Prag"). 

Durch diese Begnadigung mit freier Religionsübung bewirkte 
Maximilian IL die Vereinigung der sich höchst feindselig gegen- 
übergestandenen, bisher getrennt gewesenen beiden ständischen Reli- 
gionsparteien. 

In jenen beiden Rittern sind diese ständischen Religionsparteien 
versinnlicht und der freundliche Darbot ihrer Hände deutet auf deren 
Versöhnung und Vereinigung, so wie das ganze Denkmal auf die 
Herstellung des inneren Friedens»). 



1) Bergenstamm, Mscpt. — Hormayr, Archiv 1823. — F. Gesch. d. Landh. — 
Czermak, in der Wiener-Zeitung 1S37, Nr. 86. 

2) Czermak, in der Wiener-Zeitung 1837, Nr. 86. 

^) Bergeustamm, Mscpt. — Hormayr, Archiv 1823. — F. Gesch. d. Landh. — Hoimayr, 
Gesch. Wiens. — F. v. M. Mscpt. — Czerniak, in der Wiener-Zeitung 1837, Nr. 86. 
*) Bergenstamm, Mscpt. 
*) Cod. provinc. p. 2122. 
8) Cod. provinc. p. 2125. 
') Cod. provinc. p. 2130. 
8) C^ermak, in der Wiener-Zeitung 1837. Nr. 86. 



129 

Czermak will aber auch in den beiden Wappensebildern, 
welcbe diese Ritter auf dem Rücken tragen, eine Andeutung auf jene 
frühere Trennung der Katholiken- und Protestanten-Stände erkennen 
und nimmt an, dass eine Partei in dem Babenbergischen, die andere 
aber in dem Rudolphinischen Schilde vorgestellt sei , da man es 
nirgends finde, dass die Stände zwei Schilde geführt hätten i). 

Seine Angabe, dass dieses Hautrelief erst i790 in Farben ge- 
setzt und die Adler hierbei vielleicht nur irrig vergoldet wurden, 
scheint auf einem Irrthume zu beruhen, da 1790 nur eine Reno- 
vation der früheren Malerei Statt fand und erwiesenermassen das 
Rudolphinisehe Wappen goldene und nicht schwarze Adler enthält. 

Von dem Portole, welches jene Ritter enthält, führt eine Treppe, 
an deren Wänden drei kleine, ans Stein gehauene Figuren ange- 
bracht sind , welche auf Vertrauen, Sorgfalt und Macht deuten , zu 
einer Vorhalle im ersten Stockwerke des linken Flügels, zu deren 
rechten sich die Raths-Stube (Raths-Saal), links aber die Bürger- 
Stube (seit langer Zeit das Einreichungs-Protokoll) befand. 

Die Errichtung der Bürger-Stube fällt in das Jahr 1571, wie 
man aus der auf der Thür gegen die Vorhalle angebrachten Jahres- 
zahl ersieht 2). 

Sie ist mit einer künstlich getäfelten Holzdecke versehen und 
zwei mit reichlichem Holzschnitzwerke gezierten Thüren, über deren 
einer (gegen die Vorhalle des Raths-Saales) der kaiserliche Adler 
angebracht ist s). 

Die Vorhalle des Raths-Saales gehört unstreitig zu den geschicht- 
lich merkwürdigsten Denkmälern des Landhauses. 

Auf ihrem gothischen Gewölbe, welches den Religionshass 
bildlich darstellt *), sieht man noch heut zu Tage die Überreste der 
ursprünglichen Malerei *), welche ihre Entstehung dem Jahre 1572 
verdankte), und mancherlei lutherische und katholische Sinnbilder 
enthält, welche auf den Religionszwist und die heftige Abneigung 



1) Wiener-Zeitung- 1837, Nr. 86. 

-) Bergenstamm, Mspt. — F. Gesch. d. Landh. 

S) F. Gesch. d. Landh. 

*) Hormayr, Gesch. Wiens. — Czermak, in der Wiener Zeitung 1837, Nr. 86. 

5) F. Gesch. d. Landh. 

ö) Bergenstamm, Mscpt. 

.Archiv. XLL 1. 9 



130 

der Katholiken gegen die an Macht iiml Anzahl weit fiherlegenen 
Protestanten-Stände deuten i). 

Dieses Gewölhe zerfällt gleichsam in zwei Hallten, wt-lche 
wieder in melirere Felder getheilt sind. In der Mitte ist das kaiser- 
liche nehst den heiden Landos-U'jippen (das Bahenhergische an der 
Seite der hitherischen , das RutlolpliiMische an der Seite der katlio- 
lischen Sinnbilder, ersteres von Löwen, letzteres von Greifen gehalten,) 
angebracht, an den Seiten des Gewölbes die Wappen der dama- 
ligen beiden Herren- und Ritterstandes-Verordneten , an den Seiten- 
wänden aber jene der damaligen beiden Prälatenstandes-Verordneten. 

Alle Felder des Gewölbes sind mit vielerlei Sinnbildern und 
Arabesken geziert und es kann bei genauerer Betrachtung nicht 
entgehen, dass diese Sinnbilder auf den in jabrhundertalte Ent- 
zweiung und so viele blutige Händel, ja in Bürgerkrieg entarteten 
Religionshass der Stände deuten, wobei die Protestanten als damals 
die stärkeren, ja eine Zeitlang alleinherrschenden, stets angriflfs- 
weise verfuhren, wie das bekannte Treiben der Jörger in Hernais 
genugsam beweiset und die in eben diesem Landhause gehaltenen 
Predigten des MÜthenden Dr. Opitz 2). 

So ist die eine Hälfte dieses Gewölbes gegen die Ratbs-Stube 
zu mit Sinnbildern versehen, welche aufdieBlüthe des Landes unter der 
katholischen Regierung zu deuten scheinen, als einem Christuskinde, 
Weinlauben, Blumen, Früchten u. s. w., während die andere Hälfte, 
gegen die Bürger-Stube zu, allerlei Sinnbilder enthält, welche auf 
den vermeintlichen Verfall des Lichtes und der Sitten unter den 
Katholischen Bezug nehmen , als Schweinsköpfe mit Rosenkränzen 
über dem Rüssel, welche gegen ein umstrahltes, zwei Laternen in den 
Händen haltendes Kind gerichtet sind, Cypressen mit Menschenköpfen 
auf den Wipfeln, einen entfalteten Pfau u. s. w. s). 

Den Eingang in die Ratbs-Stube bildet ein Säulen-Portal aus 
salzburgiscliem Marmor, in welchem einige kleine Marmor-Statuen, 
die Sorge für Wohlstand und die Unterthansliebe darstellend, ange- 
bracht sind. 

Über diesem Portale befindet sich rechts das ungarische, links 
des böhmische Wappen, von Löwen gehalten. 

1) Hormayr. Gesch. Wiens. 

~) F. Gesch. d. Landh. 

2J F. Gesch. d. Landh. — Hormavr, Gesch. Wiens. 



131 

Das Frontispiz enthält ein schlecht gearbeitetes Marmor-Haut- 
relief, die Natiirgiebigkeiten und Cultur des Landes vorstellend. 

Unter demselben befindet sich eine Marmortatel mit folgender 
Inschrift: 

Austria Caesaribus felix et patria Regum 
ArchiducunKjue domus regno populisque beata, 
Dives opum quas terra parit, largitur opimis 
Et cererem in campis et Bacchi in collibus uvas, 
Unde et vicinis populis alimenta ministrat. 
Den Eingang in die Bürger-Stube bezeichnet, diesem Portale 
gegenüber, ein ähnliches, ebenfalls aus salzburgischem Marmor, an 
dessen Seiten rechts der Rudolphinische, links der Babenbergische 
Schild, und über beiden der österreichische Adler in den Marmor 
eingegraben ist. 

Über demselben befindet sich das vereinigte österreichische 
Wappen, von zwei mit Füllhörnern versehenen weiblichen Figuren 
gehalten, und von einem Lorbeerkranze umschlossen; darunter eine 
Marmortafel mit folgender Inschrift: 

Gens vetus Austria dum nee dura nee aspera eultu, 
Gens, cui tarn virtus cordi quam vivida hello 
Dextra, gerit clypeo haec armorum insignia : gratam 
Tu Dens et priscam gentem cum Caesare serva 
Augusto, et regni et gentis decora alta tuere «). 
Die innere Herstellung des Raths-Saales fallt ebenfalls in das 
Jahr 1572. 

Die aus Holzgetäfel bestehende Decke desselben, welche in der 
Mitte das kaiserliche und an den Seiten die beiden österreichischen, 
das ungarische und böhmische Wappen in Holz geschnitzt und mit 
Farben geschmückt enthäll, ist ebenso wie das von Karyatiden ge- 
tragene, mit dem kaiserlichen Wappen und den Reichs-Insignien 
gezierte Portal reich mit Gold geschmückt und beweiset, auf welcher 
Stufe die Holzschnitzkunst damals gestanden. Am Rande der Decke 
sind ringsum die gleichfalls aus Holz geschnitzten und bemalten 
Wappen (zehn an der Zahl) der übrigen Erbländer angebracht =) 
und zwar: von Ober-Österreich, Croatien, Mähren, Bosnien und 



V F. Gesch. (1. Landh. 
-) F. üesch. .1. Land. 



132 

Rama, Ober- und Nieder-Schlesieii, Kärnten, Burgund , Steier- 
mark, Krain und Gürz. 

Diese kunstvolle Decke Hessen die Stände durch einen Kupfer- 
stich verewigen, welcher in der ständischen Registratur aufbewahrt 
wird i). 

Merkwürdig ist hier auch die künstliche, von beiden Seiten zu 
öffnende Thiir gegen die Vorhalle, welche Georg Haas im Jahre 
lo72 verfertigte 2) , und deren Mechanismus ihrem Verfertiger zur 
Ehre gereicht, da er sich schon durch mehr als zwei und ein halbes 
Jahrhundert erprobt hat. 

Die Seitenwände des Raths-Saales sind mit gestickten nieder- 
ländischen Tapeten geziert 3), welche mancherlei Figuren in Lebens- 
grösse enthalten. 

Zwischen der Bürger-Stube und der ebenfalls noch im linken 
Flügel des Gebäudes belindliehen Prälaten-Stube, (welche bis in 
die neueste Zeit zu den Sitzungen dieses Standes bestimmt war,) 
befindet sich eine gothische Vorhalle, welche wegen ihrer akustischen 
Wölbung bemerkt zu werden verdient *) , indem sie den leisesten 
Schall höchst vernehmbar und in ganzen Wortsätzen von einer Ecke 
zur anderen leitet. 

Diese Halle ist ebenfalls ein Denkmal aus dem Jahre 1571 und 
wird schon seit geraumer Zeit nur als ein Vorgemach für die Amts- 
diener verwendet. 

Die Prälaten-Stube war, ebenso wie die Bürger-Stube, ursprüng- 
lich mit einer Hoizdecke aus Tafelwerk versehen 5) und mit kirsch- 
rolhen Damast-Tapeten geziert. 

Im rechten Flügel des Gebäudes (gegen das dermalige kleine 
Landhaus) befanden sich die Herren- und Ritter-Stube (Herren- 
stands- und Ritterstands-Saal), in welchen noch in neuester Zeit die 
Sitzungen dieser Stände gehalten wurden. 

Die Herren-Stube war schon seit ihrem Entstehen mit gestick- 
ten, lebensgrosse Figuren enthaltenden Niederländer-Tapeten ge- 



^) Beigenstainm, Mscpt. 

23 ßerg-enstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

8) F. Gesch. d. Landh. 

*) Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

*) Cod. provinc. contin. p. 369. 



133 

schmückt»), ihre Decke aber 2), so wie jene der Ritter-Stube mit 
Holz ausgetäfelt s), ähnlich jener der Prälaten- und Bürger-Stube *). 

An der Aussenseite des Gebäudes verdienen zwei aus Ziegeln 
künstlich verfertigte Rauchfänge bemerkt zu werden, welche sich 
auf dem unausgebaut gebliebenen rechten Tracte des Gebäudes be- 
fanden und deren Entstehung in die Periode der Vollendung dieses 
Baues, nämlich in das Jahr 1571 fällt. 

Der eine, grössere derselben, welcher noch dermalen besteht, 
befindet sich am Saume des Daches , gerade über einer Vorhalle 
zwischen der Herren- und Ritter-Stube, und stellt eine von Karya- 
tiden getragene Fratze vor, welche die Zunge blockt und an der 
linken Seite der Brust den Babenbergischen Schild trägt; — viel- 
leicht ebenfalls ein Schmähbild gegen die Katholiken-Stände. 

Der andere , nun bereits demolirte , befand sich am äussersten 
Ende dieses Tractes, gegen die Herrengasse zu, am obersten Giebel 
des Daches, in der Form eines eckigen Bechers (Kelches?), aus 
dessen oberstem Rande an den Ecken vier Drachenköpfe hervor- 
ragten. 

1Ö71 nacli Vollendung des Baues hatte das alte Landhaus, mit 
Hinwegrechnung einiger späteren Zubaue, deren wir in der Folge 
erwähnen werden, jene Gestalt bekommen, in welcher wir es bis in 
die neueste Zeit erblickten. 

Es bildete nändich ein langgezogenes Viereck, mit einer Haupt- 
fronte gegen den Minoriten-Flatz und zwei Seitenflügeln, von denen 
der linke bis an die Herrengasse, der rechte aber nur bis zur Hälfte 
des entgegengesetzten Tractes geführt war und von da durch eine 
Mauer, welche den ständischen Garten umzäunte, mit dem Über- 
reste des allen , vormals nur aus einem einzigen Stockwerke bestan- 
denen und gegen den Hof zu mit einer Sonnenuhr geziert gewese- 
nen 5) L i echten st ei n'schen Hauses in Verbindung stand, woran 



1) F. Gesch. d. Landh. 

2) Cod. provinc. contin. p. 367. 

3) Cod. provinc. contin. p. 369. 
*) Cod. provinc. contin. p. 369. 

5) Eine ziemlich gelungene, in Kupfer gestochene Ahbiidung des alten Landhauses, 
welche aus dem Jahre 1671 rührt und sich in dem bekannten seltenen Werke über 
des Grafen Franz von Nadasdv Criminal-Process befindet, enthält ein ge- 



134 

sich die gegen die Herrengasse gezogene Quermauer anreiiite, welche 
beide Flügel vereinigte und den ständischen Besitz abschloss. 

Im Hintergrunde des weiten Hofraumes war zu beiden Seiten 
ein thurmähnlicher Vorsprung mit drei Stockwerken angebracht, an 
welchen sich jederseits eine breite, mit Kupfer eingedeckte frei- 
stehende und an der Hofseite mit Glasfenstern versehene Treppe 
lehnte , welche sich weit in den Hof erstreckte und einen grossen 
Theil der nur aus zwei Stockwerken bestandenen Seitenflügel 
deckte, während die Hauptfronte gegen den i\Iinoriten-Platz nur den 
hohen Saal enthielt und über demselben ein kleines Blechthürmchen 
in der Mitte des hohen Ziegeldaches und zwei metallene Kugelspitzen 
an den beiden Ecken des Giebels; wie ;iuch eine ähnliche Kugel- 
spitze an der Ecke des linken Flügels gegen die Herrengasse, an 
der Firste des Daches angebracht war. 

1573 wurde das Terrain des Landhauses abermals vergrössert, 
indem die Stände, ebenfalls noch unter dem Landmarschalle Hanns 
Wilhelm Freiherrn zu Rogen dorf, das auf dem ehemaligen 
Minoriten-Freithofe gelegene Freihaus der Gebrüder Hiob, Phi- 
lipp und Leonhard Au er von Herrenkirchen laut Kauf- 
briefes vom 31. Januar loT-i an sich kauften »). 

treues Bild von der damaligen Gestalt des Landhauses, welche sich seit 1571 bis 
dahin — somit während eines Zeitraumes von einem vollen Jahrhunderte — wohl 
nur wenig- verändert haben mochte, so wie denn dieses Gebäude überhaupt, mit 
Ausnahme einiger wenigen, nur höchst unbedeutenden Veränderungen, sieh bis in 
die jüngste Zeit in seiner ursprünglichen Form erhalten hat. (Man vergleiche 
diese Abbildung mit dem vortrefflichen, von Christian Wilder radirten Blatte, 
welches das Landhaus im Jahre 1826 darstellt.) Jene Abbildung kann daher füg- 
lich als Conterfei des Urbildes betrachtet werden und zeigt uns deutlich die 
Überreste des alten L i e c h tens t e i n'schen Hauses mit der an demselben ange- 
bracht gewesenen Sonnenuhr. Über die Gestalt des alten Li echten ste in'schen 
Hauses oder ursprünglichen Landhauses lässt sich leider nichts mit Bestimmtheit 
sagen, da keine Abzeichnung desselben auf unsere Zeiten übergegangen ist. So 
viel ist indessen gewiss , dass es zur Zeit seines vollkommenen Bestandes zu den 
ansehnlichsten Gebäuden Wiens gehört haben musste, wie dies aus einer Stelle 
in Cuspinians „Austria" (lö27) hervorgeht, welche das alte Landhaus mit 
folgenden Worten schildert: „Est autem haec domus tarn egregie, tamque mag- 
„nifice extructa , ut licet sint pleraeque domus Viennae, quibus possit princeps 
„aliquis inhabitare, tarn haec omnes alias longe superet, ut jure possit regia dici, 
„utpote secunda post burgum: tanta arte est polita. Necdum est ei extrema manus 
„addita, ob bellicos regis tumultus: adeo insignis extat doraus." 
1) Cod. prov. p. 986. 



135 

Über die Lage dieses Hauses liegen eben so wenig urkund- 
liche Nachweise vor, wie über jene der übrigen zum Landhause ver- 
wendeten Gründe; doch ist es wahrscheinlich, dass es jene Stelle 
des alten Landhauses eingenommen habe, welche zunächst des 
gräflich Kinskyschen (vormals Pollhei m'schen) Hauses, den 
grösseren Theil des eingegittert gewesenen Hofes gegen die Herren- 
gasse bildete und an das kleine Landhaus (damals Fünfkirch- 
ner'sches Haus) anstiess. 

Nach dieser Annahme setzen Bergenstamm«) und alle, 
welche die Geschichte des Landhauses berühren ä), das alte Auer'sche 
Haus in die Herrengasse ; nur beging der V^erfasser der Geschichte 
des Landhauses dt'u Irrthiim, dasselbe mit jenem, nur aus einem 
Stockwerke bestandenen kleinen (iebäude für identisch zu halten, 
welches sich zwischen dem Landhausthore und dem vergitterten 
Hofraum e in der Herrengasse iiefand, in einem von dem alten Land- 
hausgebäude durchaus abweichenden Style erbaut war und welches 
Anfangs als Wohnung für den Syndicus, später zu den Wohnungen 
für die Herrenstands-Verordneten verwendet wurde, offenbar aber 
späteren Ursprunges war. 

Die Ansicht über die angegebene Lage des Auer'schen Hauses 
scheint sich auch durch den Umstand zu bestätigen , dass man beim 
Beginne des Baues des neuen Landhauses gerade an dieser Stelle 
auf bedeutende Fundamente eines früher daselbst gestandenen an- 
sehniichen Hauses gestossen, welche sogar die Ausmauerung einer 
viele Klafter tiefen Grube erforderten. 

Jenes lö73 angekaufte Haus erscheint im Vergleiche der oberen 
drei Stände mit der Stadt Wien wegen der Freihäuser vom 12. Januar 
15o2 als „der Gewerken Auer's Hauss" im Schotten- Viertel s). 

Nachdem es in ständisches Eigenthum übergegangen war, 
wurde es demolirt und wahrscheinlich zur Vergrösserung des stän- 
dischen Gartens verwendet. 

Schon um das Jahr 1560, nicht aber wie die meisten Geschichts- 
forscher, welche das nieder-österreichische Landhaus berühren, an- 



<) Mscpt. 

*) F. Gesch. d. Landh. — Hormayr, Gesch. Wiens. — F. v. M. Mscpt. (Nur durch 

eine Verwechslung' im Ausdrucke heisst es in dieser Handschrift statt Minoriten- 

Freithof, Minoriten-Platz). 
^) Cod. provinc. p. 630. 



136 

geben, im Jahre 1578, wurde im Erdgeschosse des linken Tractes, 
gegen das Gässehen am Roge ndorfsehen Hause (dermalen Poli- 
zei-Hofstellej eine lutherische Betstube (später das Rait-Collegium, 
dann alte Registratur i), und zuletzt Expedit) errichtet s), bei welcher 
Dr. Josua Opitz (Opitius), Johann Tettelbach (Teitel- 
barchus) und Michael Hugos), nebst Paul Sessarus*) 
Prediger waren. 

Dr. Josua Opitz und seine Nachfolger und Collegen Johann 
Tettelbach und Michael Hugo erbitterten im Landhause das 
zahlreiche Publicum so, „dass so oft die leit von seiner predigt gangen, 
„sye allemal lust gehabt, die päpstischen, so er jederzeit als ab- 
„götterer verdambt und dem teyfel ybergeben, mit bluetigen hendten 
„zu zerreissen, darunter auch khayner froinen und christlichen 
„Obrigkeit verschont, sondern dieselbe, so viel als an ihm, verhasst 
„machen wollen, dass allbereit etliche rohe Gesellen öffentlich sagen 
„derffen, sy wollen mit ihrer confession lieber bei thyrgen als an 
„denen orten seyn , da die römisch katholische 1er gehalten werde". 

Nebst der evangelischen Retkirche im Landhause bemächtigten 
sich die evangelischen Stände 1S6() auch der Minoriten-Kirche, und 
ihre Priester — der Convertit Friedrich Nauser an der Spitze 5), 
— bezogen mit Weib und Kind einen Theil des Klosters. Den Mino- 
riten blieb nur der Chor und die kleine St. Katharina-Kirche. Die 
Begräbnisse wurden ohne Kreuz und Licht, Gesang und Begleitung, 
gegen das Herkommen abgehalten und durch viele kleine Umstände 
eine schnöde Verachtung des zarten Andenkens an die Verstorbenen 
au den Tag gelegt, wogegen am 11. März 1572 die erste Ermah- 
nung, zumal von der Hochschule erginge). 

Geusau '') berichtet, dass die Stände den Predigern Opitz, 
Tettelbach, Hugo und Sessarus 1555, nachdem die adelige 
Landschafts - Schule aufgehoben worden , dieses Gebäude — näm- 
lich das von den Ständen zur Unterbringung dieser Schule im 



') Bergenstamm, Mscpt. 

-) Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. — F. v. M. Mscpt. 

S) Berg-enstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

*J Geusau, Gesch. d. Stiftungen S. 220. 

5) Geusau, Gesch. Wiens. 

*) Hormayr, Gesch. Wiens. 

') Gesch. d. Stiftungen, S. 220. 



137 

Jahre lö46 von Hanns Ungnad Freiherrn von Sonne gh er- 
kaufte Haus auf dem heutigen Minoriten-Platze, wo sich dermalen 
der fürstlich Liechtenstei n"sche Pallast hefindet, — zur Wohnung 
einräumten, bis dieselben wegen ihrer Umtriebe genöthiget wurden, 
am 21. Junius 1578 Wien noch vor Sonnenaufgang zu verlassen. 

Auf dem gothischen Gewölbe dieser ehemaligen lutherischen 
Betstuhe im Landhause bemerkt man noch heut zu Tage einige mit 
Farben übertünchte Hautreliefs , als eine Madonna mit dem Kinde 
an der Brust, St. Johann mit dem Kreuze, einige Engel und das 
Babenberger- Wappen. Das Rudolphinische (wenn es anders je hier 
bestanden, was jedoch noch zu bezweifeln ist) soll im Laufe der 
Zeit herabgestürzt sein. 

Über der Thür befindet sich das Bahenberger-Wappen aus 
Holz geschnitzt und darunter folgende Inschrift auf einer Holztafel: 
Sit pax hoc nostrum subeunti liinen amico 
Et discedenti sit decus atque salus. 

Aus den Hautreliefs zu schliessen, scheint diese lutherische 
Betstube in eine katholische Capelle umgewandelt worden zu sein i), 
doch lässt sich diese Vermuthung nicht urkundlich erweisen. 

Im Jahre 1578 entstand neben dem grossen Tliore gegen die 
Herrengasse die kleine Thür, durch welche zu jener Zeit die evan- 
gelischen Stände, weim sie ihren Gottesdienst halten wollten, durch 
den Thorwärter eingelassen wurden, wobei das grosse Thor ge- 
sperrt war-). 

1580 wurde neben der lutherischen Betstube, ebenfalls im 
Erdgeschosse gegen die Herrengasse zu, eine evangelische Buch- 
druckerei s) und Buchhandlung*) errichtet (zuletzt das Locale der 
ständischen Credits-Buchhaltung) , bei welcher Elias Freytag, 
der durch seine Proselytenmacherei und rastlosen Umtriebe bekannt 
geworden ist 5), Buchführer war«). 

In das Jahr 1580 fällt auch die Errichtung einer eigenen stän- 
dischen Registratur, indem die vorher theils in der Registratur des 



1) F. Gesch. d. Landh. 

'^) Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

^J Bergeiistamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. — F. v. M. Mscpt. 

*) Bergenstamm, Mscpt. 

5) Hormayr. Gesch. Wiens. 

^) Bergenstamiii, Wscpt. — F. Gesch. d. Landli. 



138 

Landinarschall-Gerichtes, theils uiitei* der Sperre einzelner Landes- 
Mitgliedcr verwahrt gewesenen Acten gesammelt und besonders ver- 
wahrt wurden '). 

Am 1. Mjirz 1585 fassten die Stände und zwar ebenfalls noch 
unter dem Landmarschalle Hanns Wilhelm Freiherrn zu 
Rogendorf den Beschluss, nur den Verordnelen und ihren Secre- 
tären, sowie dem Thiirhüter Wohnungen im Landhause einzu- 
räumen 2). 

1Ö93 wurde unter dem Landmarschalle Sigmund Freiherrn 
von Lamberg ein Quertract nächst dem Fü nfkirchner'schen 
Hause (kleinen Landhause) vom Ende des unausgebauten rechten 
Flügels des Landhauses bis an das Pollheim'sche (nun gräflich 
Kinsky'sche) Haus, im ständischen Garten (zuletzt einj^egitterten 
Hole), in einem vom alten Landhausgebäude durchaus abweichenden 
Style errichtet s), welcher aus einem einzigen Stockwerke bestand. 

Dieser in den Acten nur sehr oberflächlich als Zubau zum 
Tracte unter der Uhr bezeichnete Bau hat alle, welche die Geschichte 
des nied. österr. Landhauses bearbeiteten, verleitet, ihn mit der 
Hauptl'ronte gegen den iMinoriten-Platz zu verwechseln, so wie eine 
falsche Angabe des Jahres der Ausführung desselben in dem Ber- 
genstamm'schen Manuscripte, welche gerade um ein volles Jahr- 
hundert dilferirt, alle späteren Bearbeiter zu der durchaus irrigen 
Angabe bewog, dass die Hauptfronte gegen den Minoriten-Platz erst 
1693 vollendet wurde*) und lo7t daselbst nur eine Schlussmauer 
gestanden haben soll, auf welche 1693 ein Stockwerk aut'gesetzt 
wurde, welches den grossen Saal enthält 5). 

Oflenbar konnte aber in jener Zeit nur von der Sonnenuhr auf dem 
alten, einstmals Li echtenst einschen Gebäude die Rede gewesen 
sein, da die Fronte gegen den Minoriten-Platz, auf welcher sich das 
schon (liunals mit einer Uhr versehen gewesene Blechthürmchen be- 
findet, samnit den beiden Seitenflügeln bereits vollständig ausgebaut 
war und zu einem Zubaue hier keine Stelle mehr erübrigt hätte. 



<) Cod. provine. p. 1311. 

3) Cod. provine. p. 2331. 

^) Acten d. stand. Registraüir. 

*) Beigenstamm, Mscpt. — F. v. .\1. .Mscpt. 

■*) F. Gesch. d. Landh, 



139 

Dieser Quertract wurde daher theils auf dem 1339 von Fünf- 
kirchnei- erkauften Gartengrunde, theils auf dem 1573 von den 
Gebrüdern Au er erkauften Hausgrunde geführt. 

Bei diesem Baue wurden Mauerbänke auf die Fünfkirch- 
ner'sche Gartenmauer aufgelegt, welche abermals zu Streitigkeiten 
Anlass gaben '). 

Am 27. October 1595 erklärten sich aber die Stände in Folge 
dieses Zwistes gegen Fünfkir ebner durch Ausstellung eines 
eigenen Reverses, dass ihm dieser Bau weder an dem Mauerwerke, 
noch an der Luft nachtheilig sein solle 2). 

Auch hierüber enthält die Bergens tamm'scbe Handschrift die 
durchaus widersprechende Angabe, dass dieser Vergleich erst 1699 
zu Stande gebracht worden sein soll. 

1621 nach dem Siege am Weissen Berge bei Prag machte 
Ferdinand II. den Umtrieben der Protestanten und ihrer Stände 
ein Ende und an die Stelle der evangelischen Betkirche trat die 
katholische Capelle s). 

Zur Feier dieses am 29. October 1620 von den kaiserl. Kriegs- 
völkern über den Churfürsteii Fri ed ri ch von der Pfalz erfoch- 
tenen Sieges in der Iterühmten Schlacht am Weissen Berge bei Prag 
beschlossen die Stände unter dem Landmarschalle Seyfried 
Christoph Freiherrn von Breuner, in ihrem grossen Saale 
ein Fest mit Mahl und Tanz zu geben und den Kaiser selbst hierzu 
zu laden. Ferdinand II. bestimmte zur Abhaltung dieses Festes 
den 24. Januar 1621 und versprach bei demselben zu erscheinen. 
Der Abt von ;iamming, welcher von den Ständen ebenfalls zu dieser 
Festlichkeit geladen war, sandte auf ihr Ansuchen die edelsten Fische 
für die Tafel aus dem Lunzer-See und die Verordneten ordneten 
dieses Fest, welches Ferdinand durch seine Gegenwart verherrlichte*). 
Ungefähr gleichzeitig brach im Landhause Feuer aus, welchem 
jedoch durch die thätige Hilfeleistung des städtischen Unterkammer- 
Amtes und vieler Freiwilligen bald Einhalt gethan wurde. Vorzüg- 



') Acten der st.nnd. Registrat. — Bergenstamm, Msept. 
-) Acten der stand. Registrat. 
2) Hormayr, Gesch. Wiens. 

*) Cod. provinc. p. 1613. — Berg-enstamm, Mscpt. — Kaltenbaecks Österr. Zeitschr. 
1837, Nr. ÖD. 



140 

lieh zeichnete sich hierbei ein Student und der Stadt-Unterkämmerer 
Melchior Prigl aus, deren ersterer unterm 8. Februar, letzterer 
unterm 26. Juli von den Ständen mit besonderen Belohnungen be- 
theilt wurde. Schon im Februar und März wurde die Herstellung des 
abgebrannten Theiles eifrig betrieben '). 

Unterm 1. März 1621 besehwerten sich die Stände gegen den 
Minoriten-Quardian Fr. Clemens Wibmer, dass er ein Schmied- 
gebäude zu nahe an das Landhaus baue, und beschlossen mit dem- 
selben wegen Fjulösung dieses Häuschens zu verhandeln ~). Dieser 
Ankauf kam Jedoch nicht zu Stande. 

Am 2. Februar 1631 sprach der Hof unter dem Landmarschalle 
Hanns Balthasar Freiherrn von Heyes bei den Ständen den 
Wunsch aus, den Landhaus-Saal zur Abhaltung einer Comödie auf 
kurze Zeit benutzen zu können, welche gelegentlich der Vermählung 
König Ferdinands mit Maria Anna Infant in von Spanien 
am 20. Februar gegeben wurde, und fügte das Ersuchen bei, diesen 
Saal zu jenem Zwecke räumen und einen Gang durchbrechen zu 
lassen, in welchem der Hef von der Burg aus dahin gelangen 
konnte s). 

1636 wurde unter dem Landmarschalle Sigmund Adam 
Herrn von Traun beschlossen, die ständische Registratur und 
Buchhaltung in der \\'ehnung der Bitterstands- Verordneten im Land- 
hause unterzubringen, wogegen der Bitterstand unterm 12. August 
1636 seine Pretestation einlegte*). 

Im Todesjahre Ferdinands H. 1637 entstand unter dem 
Landmarschalle Hanns Franz T r a u t s o h n Grafen zu Falke n- 
stein im Landliause das sogenannte „grüne Stübel-' (Herren-Arrest), 
ein standesgemässes Gefängniss für Herren und Ritter*), mit Crimi- 
nal-Privilegium«) . welches Ferdinand HI. den zwei oberen poli- 
tischen Ständen am 3. December 1637 verlieh'); (seit langer Zeit 



') Slift SehoUen'sches Arcliiv. 
-) Stift Schotten'sches Archiv. 
2) Cod. prov. p. 1014. — ßeigenstanini , Mscpt. — Kalteiibaecks Österr. Zeitschr. 

1837, Nr. 55. 
*) Cod. provinc. p. 2334. 

^) ßergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. — Hormayr. Gesch. Wiens. 
<*) ßergenstainm, Mscpt. — F. Gesch. d. Laudh. 
'') Cod. provinc. coiitin. p. 13. 



141 

ein Theil der Wohiiung des ehemaligen Bauschreibers, späteren Ge- 
bäude-Inspectors, gegen den Minoriten-l*latz) '), 

Dieser Herren-Arrest wurde in der Folge in das Erdgeschoss 
zur Linken nächst des Schwibbogens unterhalb des grossen Saales 
verlegt und daselbst bis zum Beginne des Baues des neuen Land- 
hauses 1837 belassen. 

Auch scheint in jene Zeit, als ein eigener Herren-Arrest ent- 
standen, die Errichtung des sogenannten Justiz-Thrones zu fallen, 
eines reich mit Gold verzierten Thronhimmels, der sich noch in der 
letzten Zeit in der Ritter-Stube befand. 

1643 am 17. October beschlossen die Stände unter dem Land- 
marschalle G e r g A c h a z G r a f e n und Herrn v o n L o s e n s t e i n, 
dass der Syndicus eine Wohnung im Landhause erhalten solle 3), und 
sicherten den -Ritterstands-Verordneten für die Zukunft eine Woh- 
nung daselbst s). 

1044 wurde der Landhausthurm so baufällig, dass auf dessen 
Abtragung und Herstellung eines neuen, aus Stein zu erbauenden 
Thurmes angetragen wurde, der über dem vorderen Thore ange- 
bracht werden sollte. Da diese Herstellung aber die Aufführung eines 
neuen Tractes des Gebäudes bedingt hätte, dessen Kosten auf 9000 
Gulden veranschlagt waren, so wurde beschlossen, den alten Thurm 
abzutragen und die Thurmuhr einstweilen aufzubewahren*). 

Am 13. September 16o0 wurde den Ritterstands-Verordneten 
die Zusicherung einer Wohnung im Landhause erneuert s), und 
unter demselben Landmarschalle beschlossen , sobald die nöthigen 
Mittel vorhanden wären ein Hauptgebäude im Landhause aufführen 
zu können, dasselbe zur Gewinnung einer Wohnung für die Ritter- 
stands-Verordneten mit einem neuen Baue zu erweitern «). 

1651 wurde unter dem Landmarsch;ille Ernst zu Abensperg 
und Traun von den Ständen der Beschluss gefasst, den schon lange 



1) F. Gesch. d. Landh. 

2) Cod. provinc. p. 2334. 

8) Cod. provinc. contin. p. 871. 
*) Stift Sehotten'sches Archiv. 
^) Cod. provinc. contin. p. 871. 
6) Cod. provinc. p. 2335. 



i 



142 

projectirten Bau eines neuen Thunnes für die Landhausuhr bis auf 
das nächste Frühjahr hinauszusehieheni). 

1659 wurde in Folge ständischen Beschlusses vom 26. April 
unter dem Landmarschalle Ernst zu Abensperg und Traun die 
erste katholische Capelle im Landhause mit einem Kostenaul'wande 
von 1952 Gulden 12 Kreuzer erbaueis), und zwar am linken Flü- 
gel des Gebäudes gegen den Minoriten-Platz, als Gewölbe über das 
Gässchen (Zwinger); so dass das Fundament des Bogens auf dem 
damals fürstlich Trautsohn'schen Hause (später Italienische 
K a n z e 1 1 e y , nun zur P o li z e i-H o f s t e 1 1 e gehörig) ruht s). 

Nach Erbauung der Capelle wurde vom Herren-Arreste (dem 
sogenannten grünen Stübel) aus ein kleines Fenster in die Capelle 
durchgebrochen, um den Gefangenen die Gelegenheil zu verschaffen, 
von ihrem Gelangnisse aus dem heiligen Messopler beiwohnen zu 
können. Dieses kleine, wohl vergitterte Fenster befindet sich noch 
dermalen hoch über dem Eingange der Capelle. 

1666 flüchteten sich einige Diener des spanischen Botschafters, 
welche von der Sladt-Quardia (Stadt-Wache) verfolgt w urden , ins 
Landhaus, woselbst wegen des grossen Zusammenlaufes des Volkes 
die Thore gesperrt werden mussten. Da der spanische Botschafter 
mit seinen übrigen Dienern hierauf einen AngrilT auf das Landhaus 
machte und die Thore mit Gewalt ausheben und erbrechen lassen 
wollte, führten die Stände unter demselben Landmarschalle, obwohl 
dieser Versuch misslang, beim Kaiser Beschwerde und suchten um 
Vermittelung an, worüber unterm 22. December 1666 die vermit- 
telnde kaiserliche Entscheidung erfolgte*). 

Am 17. December 1668 bewilligten die Stände unter dem Land- 
marschalle Ferdinand Max Grafen von Sprinzenstein zur 
Herstellung des Altars und der Paramente für die katholische Capelle 
im Landhause eine Summe von 1000 Gulden 5). 

Der marmorne, reich mit Gold verzierte Altar, so wie er noch 
gegenwärtig besteht, wurde in eben diesem Jahre errichtet, der 



*) Stift Schotten'sches Archiv. 

^) Cod. provinc. p. 984. — Bergenslamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. — F. v. M. 

Mscpt. — KaUeubaecks Üsterr. Zeitschr. 1837, Nr. 33. 
3) F. V. M. Mscpt. 
*) Cod. provinc. p. 981. 
^) Cod. provinc. p. 984. — ßergenstamm, Mscpt. 



143 

Fussboden der Capelle mit >Iarmor ausgetäfelt und die Wände mit 
gelben Damast-Tapeten geziert. 

Das Altarblatt, die Opferung Mariae diirstellend , ist ein ge- 
schätztes Kunstwerk i) und, wie man aus dem darauf angebrachten 
Namen des Künstlers ersieht, eine Arbeit des Malers Johann 
Spilnberger, eines geborenen Düsseldorfers 2) und Schülers des 
G wo e rt F 1 i n c k. Ein zweites, für die Fastenzeit bestimmtes Altar- 
blatt enthält ein einfaches Crucifix mit der trauernden Magdalena. 

1671 wurde unter demselben Landmarschalle der Rebell 
F ranz Graf von Nadasdy, Ungarns oberster Reichs-Ritter, als 
Herr zu Pottendorf im grünen Stübel im Landhause in Haft gehalten 
und abgeurtheilt, bis er zur Vollziehung des Urtheiles dem Stadt- 
gerichte übergeben wurde s). Seine Entadelung geschah in der 
Ritter-Stube durch den Untermarschall, worauf er vom Stadt-Quardia- 
Hauptmanne Arnold in einem geschlossenen Wagen, unter den Ver- 
wünschungen des Volkes auf das Rathhaus gebracht und am 30. April 
1671 daselbst in der Rürger-Stube (dermalen Registratur) enthauptet 
wurde*). 

Am 13. Sei)teml»er 1674 fassten die Stände den Eiitschhiss, im 
Landhause einen neuen Rau zu führen , welcher zur Unterbringung 



1) F. Gesth. d. Landh. 

") Spilnberger wurde 1619 gebi>ren und starb 1090. 

') Bergenstamni, Msopt. — Hormayr, Gesch. Wiens. 

*) Hormayr, Gesell. Wiens. — Noch heut zu Tage sieht man im Locale der Registra- 
tur des Wiener Magislrats-Gebäudes, im Erdgeschosse des Tractes mit der Uhr, 
zur Erinnerung an jene traurige Begebenheit eine eingemauerte Steintafel, in 
welclie folgende Inschrift eingegraben ist: „Im Jahr 1671 am 30. April ist der 
HuDgarische Rebell G r af Fr an z i sku s Nadasti allda mit dem Schwerdt vom 
Leben zum Tod hingerichtet worden". — Über den Process selbst, welcher gegen 
den Grafen Franz Nadasdy und seine Mitversehworenen, die Grafen 
Peter Zriny und Franz Christoph Frangepan Statt gefunden hat, 
sowie über ihre Verhaftung, Aburtheilung und Hinrichtung gibt eine besondere, 
sehr seltene Schrift „Aussführliche und Warhafftige Beschreibung wie es mit denen 
Criminal-Processen und darauff erfolgten Executionen wider die drey Graffen 
Frantzen Nadasdi, Peter von Zrin und Frantz Christophen Frangepan eigentlich 
hergangen", welche 1671 zu Wien in 4". erschien, die umständlichsten und ge- 
nauesten Aufschlüsse. Diese Schrift ist mit ziemlich gelungenen Kupfern ausgestattet, 
welche die Hauptmomente in jener Process-Angelegenheit versinnlichen und deren 
eines die Darstellung der Hinweggeleitung Nadasdy's aus dem Landhause zwischen 
11 und 12 Uhr in der Nacht des 27. April enthalt. 



144 

für (las HeiTenstandes-Archiv und üie Wohnung des Syndieus be- 
stimmt war, und traten zugleich die Anordnung, dass das Archiv mit 
eiserneu Thüren und Balken versehen und in demselben die Wappen 
des damaligen Laudmarschalls Ferdinand Max Grafen von 
Sprinzenstein und des Grafen Siegmund Ladislaus Her- 
be rst ein gemalt werden »). 

Nach diesem Beschlüsse entstand aus dem Überreste des alten 
Liechte n ste i n'schen Hauses, wahrscheinlich blos durch Umbau, 
das isolirt gestandene und mit einem einzigen Stockwerke versehen 
gewesene Gebäude nächst der alten Thormauer in der Herrengasse, 
zwischen der vormaligen vorderen Schlussmauer und dem einge- 
gitterten Hofe, welches in einem vom alten Landhausgebäude gänzlich 
abweichenden Style erbaut war (Anfangs die Wohnung des Syndieus, 
zuletzt jene des Herrenstands- V^erordnelen), und welches der Ver- 
fasser der „Geschichte des Landhauses" 2j irrig j'ür identisch mit 
dem von den Gebrüdern Auer angekauften Hause hielt. 

Am 16. September 1680 gestatteten die Verordneten unter dem 
Landmarschalle Hanns Balthasar Grafen von Hoyos der 
Maria Magdalena Terz, Besitzerin des zwischen dem Landhause 
und der Minoriten-Kirche gelegenen kleinen Häuschens (vormals eine 
Schmiede des Franz Bonvenuti, später Reich elsh ei m'sches, 
dann Bachmayer'sches Haus, nun Hu ber'schesHaus zum goldenen 
Fasan genannt), ihr baufällig gewordenes Haus zur Vermeidung aller 
Vorrechts-Ansprüche gegen Einlegung eines von ihr und ihrem Gatten 
Johann Baptist Terz ausgestellten Reverses vom 13. September 
neu erbauen zu dürfen, stellten aber in der Folge diesen Bau ein, da 
die Besitzerin ihrem Hause ohne die Bewilligung der Stände ein Erd- 
geschoss zubaute, das sich über ihren Grundbesitz hinausdehnte und 
beinahe an das Landhaus anschloss, bis sie endlich am 17. März 
1681 die fernere Fortführung des Baues gegen dem gestatteten, dass 
sich die Hausbesitzerin Maria Magdalena Terz nebst ihrem 
Gatten durch Ausstellung eines neuen Reverses verpflichteten, den 
Zubau nicht höher zu führen und denselben, wenn es von den Stän- 
den für nöthig erkannt werden sollte, wieder zu demoliren; welcher 



1) Cod. provinc. p. 766. 

2) Hormayrs Archiv 1824. 



145 

Revers am selben Tage ausgefertigt und grundbücherlich vorgemerkt 
wurde '). 

Am 29. Januar 1689 intimirte Kaiser Leopold I. die Stände 
unter dem Landmarschalle Franz Max Grafen vonMollarth, 
dass er mit dem türkischen Gesandten eine Conferenz im Landhause 
zu halten gesonnen sei, zu welcher die Stände dem Kaiser die Herren- 
und Ritter-Stube überliessen 2). 

Die Audienz selbst fand in der Ritter-Stube unter dem dort noch 
in neuester Zeit befindlich gewesenen Thronhimmel statte). 

An» 6. Mai 1698 fassten die Stände den Beschluss, ihr Archiv 
einrichten und eine Standes-Matrikel herstellen zu lassen, und über- 
trugen die Ausführung dieser Anordnung , unter dem Präsidium des 
Landniarschalles Otto Ehrenreich Grafen von Abensperg 
und Traun, nnd der Obsorge der Verordneten Alexander Abt zu 
Neustadt, — Ferdinand Probst zu St. Dorothea, — Gott ha rd 
Helfried Grafen von VVelz, — Johann Wilhelm Grafen 
von VV^ urnibrand, — Carl von Ha ekel b er g und Arseni 
Franz von Wellenstein, — nebst Zuziehung des Syndicus 
Ludwig von Gillich, den Ingrossisten jedes einzelnen Stan- 
des*). 

Am 15. September 1698 beschlossen die Stände, die Ritter-Stube 
mit gestickten niederländischen Tapeten zu zieren, und erkauften 
solche Tapeten, welche die bildliche Darstellung verschiedener 
Figuren in Lebensgrösse enthielten, für einen Betrag von 1000 
Gulden ^). 

Im Jahre 1699 wurde das Gässchen (Zwinger) zwischen dem 
Landhause und dem fürstlich Trautsohn'schen Hause (Polizei-Hof- 
stelle) aufgehoben und von beiden Seiten abgeschlossen. Die vor- 
dere Hälfte wurde den Ständen zugewiesen und hatte den Eingang 
von der Herrengasse, die hintere, breitere Hälfte wurde dem Für- 
sten Trautsohn überlassen und hatte den Zugang von dessen 



^) Acten d. stand. Registratur. 

-) Cod. provinc. p. IGOo. 

^) Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

*) Cod. provinc. p. 89. 

*J Cod. provinc. p. 1605. — Bergenstamm, Mscpt. 

Archiv. XLI. 1. 10 



146 

Hause. Beide Antheile wurden durch einen Schupfen geschieden, 
welcher den Ständen angehörte i). 

1699 wurde auch den Ständen die Anzeige erstattet, dass im 
fürstlich Trautsohn'schen Hause (Polizei-Hofstelle), dem ständi- 
schen Raths-Saale gegenüher, und ebenso über dem ständischen 
Schupfen im Gässchen (Zwinger) ein Fenster ausgehrochen werde; 
wesshalb die Stände eine Beaugenscheinigung anordneten, die aber 
wegen der eben eingetretenen Pfingsttage verschoben und späterhin 
nicht mehr vorgenommen wurde ^). 

Am 31. Januar 1703 erhielt die ständische Capelle von Anton 
Grafen von Harrach, Bischof zu Wien, die Bulle oder das Breve, 
vermöge welcher die Messe, mit Ausnahme der hohen Festtage, nur 
für die im Landhause wohnenden Personen giltig wars). 

1708 wurde die im Landhause befindlich gewesene Eisgrube 
auf Kosten der Stände gefüllt und beschlossen, den Landes-Mitglie- 
dern das Eis unentgeltlich zu verabreichen *). 

Zwischen die Jahre 1706 und 1710 fällt die Einrichtung des 
ständischen Archives s). 

1710 wurde auch der grosse Saal im Quertracte gegen den 
Minoriten-Platz, noch unter dem Landmarschalle Otto Ehrenreich 
Grafen von Abensperg und Traun neu hergestellte), und die 
Kosten der gesammten neuen Herstellung, bestehend in Stuccatur- 
Arbeit, Malerei und Vergoldung, betrugen nach dem Contracte vom 
9. October 1710 mit Anton Beduzzi, nur 2400 Gulden^). 

Die herrlichen Fresco-Gemälde auf der gewölbten Decke sind 
nach der Angabe des Grafen von Comozzo, vom kaiserlichen 
Theatral-Ingenieur Anton Beduzzi ausgeführt»). 

In der Geschichte des Landhauses s) erscheint der Name des 
Malers unter der irrigen Schreibart Potuzzi, während der Verfasser 



1) Acten d. stand. Registratur. — F. v. M. Mscpt. 

2) Acten d. stand. Registratur. — F. v. M. Mscpt. 
^J Cod. provinc. p. 984. — Bergenstamm, Mscpt. 
*) Bergenstamm, Mscpt. 

5) Cod. provinc. p. 89. 

*) Cod. provinc. p. 1614. — Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

') Cod. provinc. p. 1614. — Bergenstamm, Mscpt. 

^) Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

9) Hormayrs Archiv 1824. 



147 

des Aufsatzes „Der grosse Saal im ständischen Landhause zu Wien 
und einige Festlichkeiten, welche in demselben veranstaltet wor- 
den" '), diesen Namen in Peluzzi verwandelt. 

Die Mitte des Gewölbes enthält eine allegorische Darstellung 
der zur V^orsehung flehenden Austria, nicht aber, wie der Verfasser 
der Geschichte des Landhauses zu deuten erachtete , die Huldigung 
derselben 2), und zwar in dem Acte, wie sie den Markgrafs-Hut 
empfängt. 

Durch die auf dem übrigen Räume der Wölbung angebrachten, 
von Genien gehaltenen Insignien, Kronen und Fürstenhüte der zum 
österreichischen Besitze gehörigen Länder ist die weit ausgedehnte 
Herrschaft Österreichs angedeutet, so wie nicht minder durch die iu 
den vier Ecken des Saales vertlieilten allegorischen Darstellungen 
der vier Welttheile und die Flussgötter, welche die vorzüglichsten 
Flüsse der österreichischen Länder versinnlichen, und über den 
acht, aus künstlichem Marmor verfertigten Wandsäulen des Saales 
angebracht sind. 

Zwei allegorische Figuren, die Ehre und den Ruf (nicht aber, 
wie der Verfasser der Geschichte des Landhauses vermuthet , zwei 
Famen) vorstellend, verkünden in Posaunen blasend, das Lob des 
Landes. 

Übrigens ist der ganze freie Raum des Gewölbes reich mit Gold 
verziert und in der Mitte der Wölbung sind an den beiden öster- 
reichischen Wappen, deren eines irrigerweise goldene Lerchen statt 
der Adler enthält, zwei grosse, aus Messing gegossene Armleuchter 
frei an Seilen aufgehangen. 

Unter den Flussgöttern liest man folgende Inschriften, welche 
die weite Ausbreitung der österreichischen Länder versinnlichen: 

Rhenus sylvestrem lambit Austriam. 

Savus austriacis hostibus saevus. 

Tagus Austriacis aureus. 

Albis Bohemiae clarus unionibus. 

Rivus argenteus qui Indes austriacos ditat. 

Sebethos in magnitudine non exiguus austriaca. 



1) Kaltenbaecks Österr. Zeitschr. 1837, No. öS. 

2) Hormayr* Archiv 1824. 

10' 



148 

Danubius vix non totus austriacus. 

Eridanus austriacos claudit Insubres. 
Bei den erwähnten, an der Decke angebrachten allegorischen 
Figuren der Honor und Fama, bei ersterer : 

Imperium sine fine dedi, 
bei letzterer: 

Nee metas rerum nee tempora pono. 
Sämmtliche Inschriften sind vom Grafen von Comozzo»). 
Über diese Fresken enthält der Codex provincialis 2) folgende 
Erklärung des Grafen von Comozzo in lateinischer Sprache: 

„Der erste Eintritt in das nieder-österreichische Landhaus zu 
„Wien ist der Saal, wo den Besuchern ein Bild der österreichischen 
„Grösse vor Augen zu stellen ist, damit das Geinüth im Wege der 
„Sinne zur Achtung eines Volkes erhoben werde, welches vor ande- 
„ren in Europa und Asien durch Ansehen und Macht blühenden Völ- 
„kern schon lange hervorragt, denn mehr Land besitzen die öster- 
„reichischen Könige im westlichen Amerika, als das römische Reich 
„in der übrigen Welt einstens erlangte; daher es ohne österrei- 
„chische Schätze und Kräfte dahin gekommen wäre, dass die höch- 
„ste Majestät der Kaiser schon längst aus ihrer Höhe berabge- 
„stürzt läge". 

„Im höheren und weiteren Räume der Wölbung, welche im 
„Angesichte liegt, soll die Vorsehung in Gestalt einer in Wolken 
„thronenden Königin gemalt werden, nach der Lehre des Psalmisten : 
„„Seine Tugend ist in den Wolken". Ps. 67. — Die Vorsehung ist 
„aber nicht blos eine Tugend, sondern die erste der Tugenden, weil 
„sie nach den Philosophen der wirksame Theil der Klugheit ist-. 

„Auf der Krone ihres Hauptes sollen an der Stelle der Edel- 
„steine sieben Augen erglänzen, denn nach dem Propheten Zacha- 
„rias cap. 4. sind diese sieben Augen die Augen des Herrn, welche 
„die gesammte Erde durchlaufen. — Die gesammte Erde durchlaufen 
„deutet aber auf die alles leitende Vorsehung und von dieser, nach 
„der Apokalypse cap. 5. „Die sieben Geister Gottes habe ich gesandt 
„in die ganze Welt zur Aufsicht der Dinge , und diese Geister waren 
„wie die Augen am Kopfe des die Weisheit andeutenden Lammes", — 



*) Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Laiidh. 
2) p. 1609. 



149 

„daher folgerecht auf die sieben Augen habende Vorsehung Gottes, 
-welche die sieben Geister des Herrn sind". 

„In den Händen trage die Vorsehung ein Scepter, welches auf 
„gleiche Weise an der Spitze ein Auge habe, nach dem Gesichte 
„des Jeremias, welcher sagt cap. 1: „Ich sehe eine wachsame 
„Ruthe;" und dass diese Ruthe der Vorsehung gebühre, liest man 
„in den Worten des antwortenden Gottes : „Du hast gut gesehen, 
„weil ich überwachen werde." Die Wachsamkeit ist nach den Philo- 
„sophen ein integrirender Theil der Vorsehung". 

„Zu den Füssen der Vorsehung muss die Austria im Markgrafs- 
„mantel gemalt werden, mit gebeugten Knien und in einer huldi- 
„genden, den Markgrafshut nehmenden Stellung, welcher durch ein 
„geflügeltes Kind, nach der Sitte auf einem seidenen Kissen dar- 
„gereicht wird; ein anderes Kind trage die Ehrenzeiciien üster- 
„reichs (versteht sich Lerchenj im Schilde eingegraben; und es 
„wird auch nicht unpassend sein, den Mantel mit gestickten Lerchen 
„zu zieren, wie es dem Geschmacke des Malers gefallen wird »)." 

„Auch sind in der Luft zwei Genien anzubringen, einer, wel- 
„clier die erzherzoglichen roth- und weissen Insignien, der andere, 
„«elcher den rtunischen Adler auf einer Fahne entfaltet; immerhin 
„die grösseren Geschenke der Vorsehung für Österreich." 

„Die markgrätlichen Insignien sind vor dem Schmucke der Erz- 
„herzoge, Könige und Kaiser zu halten, weil Österreich natürlich an 
„die Grenze Deutschlands gegen Ungarn gestellt ist; Österreich ist 
„ein (irenzzeiehen, was im Deutschen March genannt wird, und was 
„in Natur besteht, muss jenem vorgezogen werden, was wir durch 
;, Wissenschaft erlangen, oder was durch Zufall erreicht wird." 

„In den zwei kleineren, seitlichen Räumen desselben Gewölbes 
„werden die Ehre und der Ruf, in Posaunen blasend, abgesondert 
„gemalt, und es werde bei der Fama auf das Posaunentuch ge- 
„schrieben : 

„Ich setze keine Grenze der Dinge, noch der Zeit", 
„und bei der Posaune der Honor werde gelesen: 



1) Nach der offenbiir irrigen Meinunp^, dass Herzog^ H ii d o I f IV. die von Ortillo, 
Cuspinian und Lazi u s auf einer Fahne der unter Marcus Aurelius um Wien 
gelegenen, römisch-deutschen Legion gesehene Lerche in seinen österreichischen 
Schild aufgenommen habe. 



loO 

„Ein Reich habe ich gegeben, ohne Ende," Aen. L. I. — welche 
„Worte f»ei Virgil zu lesen sind , wie Jupiter der göttlichen Mutter 
„das römische Reich für die Nachfolger des Aeneas verspricht." 

„Damit wir den Österreichern nicht zu schmeicheln scheinen, 
„sind in den vier Ecken des Gewölbes die vier Welttheile : Europa, 
„Afrika, Asien und Amerika anzubringen, welche mit dem Finger 
^auf Landkarten auf jenes zeigen, was von den Österreichern in der 
„Wirklichkeit, nicht fabelhaft besessen wird; und weil sie kein Reich 
„in Asien besitzen, so zeige dieses auf das gestürzte Kreuz, und er- 
„tlehe sich, in Ketten gefesselt, von österreichischen Kräften die 
„Freiheit, und dass nicht Syrien, welches das Vaterland Gottes, des 
„Menschen und unserer rechtgläubigen Religion ist, in der Sklaverei 
„der Rarbaren verbleibe." 

„Weil man aber auf den Karten von Europa, Afrika und Ame- 
„rika die österreichischen Länder nicht herausheben und unterschei- 
„den kann, wird es deutlicher sein, wenn die übrigen Räume des 
„ganzen Gewölbes mit fliegenden Knaben ausgefüllt werden, welche 
„Kronen und Hüte der Fürsten und Könige in den Händen zeigen, 
„und auf jeder einzelnen der Name des Reiches oder des Landes 
geschrieben wird, welche wirklich der österreichischen Herrschaft 
„unterstehen." 

„Kronen reichen: Ungarn, Croatien, Slavonien, Dacien, Deutsch- 
„land, Italien, Spanien, Castilien, Aragonien , Valentia, Catalonien 
,,u. s. w. Hüte reichen: Schlesien, Mähren, Steyermark, Tyrol, 
„Belgien oder Burgund u. s. w.". 

„Der Saum des Gewölbes, welcher den ganzen Sa;il umgibt, 
^ werde der Sitz der vorzüglichsten Flüsse, welche die österreichi- 
„schen Besitzungen durchströmen: 

„Der Silberfluss, welcher die österreichischen Indien be- 
„reichert." 

„Der Tajo, welcher den österreichischen Königen Goldsand 
„zuführt." 

„Die Donau, welche beinahe ganz den Österreichern angehört". 

„Der Rhein, welcher das waldige Österreich an den Elsassischen 
„und Tyrulischen Grenzen bespült." 

„Der Po in den Mayländischen Staaten , welcher das österrei- 
»chische Insubrien schliesst." 



151 

„Die Elbe, welche in Böhmen Bäche sammelt, aus denen Per- 
lten gefischt werden." 

„Die Save, wo sich die österreichischen Waffen durch Kriege 
^berühmt machten." 

„Der Sebethos ') , der bei Neapel fliesst und nur unter den 
„Österreichern sich der Ruhe erfreut." 

„Diese einzelnen Flüsse jedoch werden durch eigene Kennzei- 
„chen unterschieden werden." 

Aus dieser Erklärung ersieht man, dass die ursprünglich vor- 
geschlagenen Inschriften bei ihrer Ausführung hie und da eine Än- 
derung erlitten haben. 

Gleich nach Vollendung der neuen Herstellung dieses Saales 
1710, gaben die geheimen Räthe und Kämmerer in demselben einen 
Maskenball und Tafel, wobei Kaiser Joseph I. nebst der Kaiserin 
und den Erzherzoginnen erschien und lange Zeit auf einer Tribüne 
verweilte 2), und woran der Kaiser, nachdem sich der Hof entfernt 
hatte, in der Maske »^ eines österreichischen Grenadiers*) später 
selbst Theil nahm. 

1711 wurden in diesem Saale abermals einige Veränderungen 
und zwar in Bezug auf die Verzierung der Seitenwände vorgenom- 
men. Die Verkleidung der Wände mit künstlichem Marmor kostete 
laut Contract vom 28. März mit Balthasar Hegenmüller 
1100 Gulden; — die Bildhauerarbeit auf und zwischen den zwölf 
Pfeilern, nach Contract vom 15. Mai mit Marcus Brodi, 100 Gul- 
den; und die Vergoldung der Stein-Capitäle, vier Eckstücke, der 
Köpfe und des Laubwerkes auf den Gesimsen, nach Contract vom 
18. September mit dem Maler Peter Andreas Koch, 312 Gul- 
den 5). 



*) Sebeto, auch Fiume deUa Madalena, ein kleiner Fluss am Fusse des Vesuvs, wel- 
cher den unteren Theil von Neapel in einer Wasserleitung durchfliesst. 

2) Cod. provinc. p. 1615. — Bergenstamm. Mscpt. — Kaltenbaecks üsterr. Zeit- 
schrift 1837, Nr. Sä. (Mit der abweichenden Angabe, der Hof habe sich unter die 
Gäste gemengt und bis gegen Mitternacht verweilet.) 

*) Cod. provinc. p. 1615. — Bergenstamm, Mscpt. 

*) Bergenstamm, Mscpt. 

5) Cod. provinc. p. 1614. — Kaltenbaecks Üsterr. Zeitschr. 1837, Nr. 5S. (Vermengt 
aber diese späteren Arbeiten mit der neuen Herstellung des Saales vom Jahre 1710 
und nennt irrig den Namen H a g m ü 1 1 e r statt H e g e n m ü 1 1 e r.) 



152 

Am 11. Junius 1712 fassten die Stände unter dem Landmar- 
schalle Otto Ehrenr eich Graf von Abensperg und Traun 
den Beschluss, den rechten Flügel des Landhauses, worin sich die 
Ritter-Stube befindet, bis zur Herrengasse zu verlängern, das 1674 
aufgeführte Gebäude, worin sich die Wohnung des Syridieus befand, 
zu demoliren und dadurch den Hof des Landhauses zu egalisiren, 
und bei dieser Gelegenheit die beiden Thore desselben gerade ein- 
ander gegenüber zu richten >). 

Allein diese Herstellung kam nie zu Stande und der rechte Flü- 
gel blieb daher unausgebaut. 

1710 endlich erkauften die Stände unter dem Landmarscballe 
Aloys Grafen von Harracii, laut Kaurbriefes vom IG. October 
1715, das ehemals Hanns von Fünfkirchner'sche Freihaus (klei- 
nes Landhaus) am Minoriten-Platze, zwischen dem alten Landhause, 
dem Ingerl'schen (nun Holgerschen) Hause, zum „schwarzen 
Thor" genannt, und dem Po II heim'schen (nun gräflich Kinsky'- 
schen) Hause, vom (irafeu Maximilian Sigmund von Trautt- 
mannsdorff, welcher zu diesem Verkaufe am 28. September 1714 
die Bewilligung erhielt, für eine Summe von 40.0U0 Gulden 2) sammt 
dem dazu gehörig gewesenen kleinen Gärtchen am Minoriten-Platze, 
jenem Räume, der später vor dem kleinen Landhause mit Ketten ein- 
geschlossen war 3). 

Die meisten geschichtlichen Xachriehten über das Landhaus *) 
enthalten die unrichtige Angabe, dass dieses Haus schon 1714 von 
den Ständen erkauft wurde, wozu offenbar das Datum der Verkaufs- 
bewilligung die Veranlassung gegeben hat. 

Dieses Haus erscheint im Vergleiche der oberen drei Stände 
mit der Stadt Wien wegen der Freihäuser vom 12. Januar lö52 
als: Herrn Hannss Fünfkircher s Hauss im Schotten- Viertel 5). 

Seit dem Ankaufe dieses Hauses wurde das alte Landhaus „das 
grosse Landhaus" , das neu angekaufte Gebäude aber „das kleine 
Landhaus" genannt. 



1) Cod. provinc. p. 2339. 

*) Cod. provinc. p. 986 und 1998. — F. v. M. Mscpt. 

') F. V. M. Mscpt. 

*) Beigenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. — Hormayr, Gesch. Wiens. 

*} Cod. provinc. p. 630. 



153 

Die alte Nummer des grossen Landhauses war 23, später 39, 
zuletzt 30 ; jene des kleinen Landhauses 29 , später 45, dermalen 
36 1). 

Am 13. April 1716 errichteten die Stände zur Feier der Geburt 
des Kronprinzen Erzherzog Leopold vor dem Landhause eine 
Triumphpforte (Lustgehäu) , wobei das Landhaus unter dem Schalle 
von Trompeten und Pauken durch drei Nächte hindurch mit Fakelu 
beleuchtet war 2). 

Am 6. Julius 1717 wurde beschlossen, das ständische Archiv 
unter die gemeinschaftliche Sperre der Herren Präsides des Prälaten-, 
Herren- und Ritterstandes zu geben s). 

Am 11. Februar 1721 wurde noch unter dem Landmarschalle 
Aloys Grafen von Harrach der Beschluss gefasst, das isolirte 
Gebäude, worin sich die Wohnung des Syndicus befand, abgeson- 
dert zu belassen und dasselbe wieder in guten Stand zu setzen*), 
wodurch es von dem 1712 projectirten Fortsetzungsbaue am rechten 
Flügel des alten Landhauses sein Abkommen erhielt. 

Am lö. September 1723 wurde dem Besitzer des kleinen, zwi- 
schen dem Landhause und der Minoriten-Kirche gelegenen, vormals 
Terz'schen Hauses, Reichl, die ohne Vorwissen der Stände und 
gegen den auf dem Hause hartenden Revers begonnene Erhöhung des 
auf fremdem Grunde stehenden Erdgeschosses eingestellt und der- 
selbe genüthigt, diesen Zubau in den früheren Stand zu setzen»). 

Am 25. September 1723 wurde unter eben diesem Landmar- 
schalle beschlossen, die Herren-Stube statt der alten Holzdecke aus 
Tafelwerk (Täfer) mit einem Stuccatur-Plafond und neuen Thüren zu 
versehen und die über derselben befindlich gewesene Herrenstands- 
Wohnung zu reparirenß). 

« Am 27. September 1723 fassten die Verordneten den Beschluss, 
auch die ständische Kanzellei (zuletzt Credits- Buchhaltung) mit 
einer neuen Stuccatur-Decke zu versehen und darin die Wappen der 



1) F. Gesch. d. Landh. 

2) Cod. proviiic. p. 67ö. 
^) Cod. provinc. p. 89. 
*) Cod. piovinc. p. 2339. 

5) Acten d. stand. Registratur. 
8J Cod. provinc. contin. p. 367 



154 

damaligen Verordneten, nebst drei grossen besonderen Wappen 
malen zu lassen i)- 

1724 am 30. Mai wurde die Herstellung eines marmornen Ofen- 
fusses in der Herren-Stube angeordnet und die Verkleidung der Wand 
zunächst des Ofens mit künstlichem Marmor, wozu eine Summe von 
iOO Gulden festgesetzt wurde 2). 

Nach dieser neuen Herstellung der Herren-Stube erhielt die 
Decke derselben jene zierlichen Basreliefs s) , welche sich noch ge- 
genwärtig auf derselben befinden, und die reich mit Gold verzierten 
Thüren, welche den Geschmack des damaligen Zeitalters beweisen*). 

Am 1. September 1724 wurde die schon 1723 beschlossene 
Reparatur der Herrenstands- Wohnung mit einem Kostenaufwande 
von 724 Gulden 24 Kreuzern genehmigt 5). 

Die neue Herstellung der Herren-Stube bewog die Stände unterm 
13. April 172o zu dem Beschlüsse, auch die Prälaten- und Ritter- 
Stube in einen ähnlichen Stand zu setzen und statt der Holzdecken 
Stuccalur-Plafonds herstellen und diese Säle mit neuen Thüren und 
Öfen versehen zu lassen, wornach unterm 26. .lunius 1725 mit den 
Handwerksleuten die Contracte abgeschlossen wurden«). 

Auf diese Weise entstanden die schönen Basreliefs, welche den 
Plafond der Ritter-Stube zierten •?) und die Aufmerksamkeit verdien- 
ten 8), und jene vortrefflichen, die drei göttlichen Tugenden vorstel- 
lenden, auf der Decke der Prälaten-Stube »), so wie die reich mit 
Gold verzierten Thüren in beiden Sälen »<»). 

Wahrscheinlich wurde zu gleicher Zeit auch die ständische 
Capelle mit jenem schönen Stuccatur-Plafond versehen, welcher die 
Himmelfahrt des Propheten Elias in einem sehr schönen Basrelief 
enthält und noch dermalen in derselben besteht. 



^) Cod. provinc. contin. p. 368. 

2) Cod. provinc. contin. p. 368. 

3) F. Gesch. d. Landh. 
*) F. Gesch. d. Landh. 

^) Cod. provinc. contin. p. 368. 
«J Cod. provinc. contin. p. 369. 
') F. Gesch. d. Landh 
^) Hormayr, Gesch. Wiens. 

^) F. Gesch. d. Landh. — Horm.iyr, Gesch. Wiens. 
* j F. Gesch. d. Landh. — Hormayr, Gesch. Wiens. 



13S 

In diese Periode dürfte auch die Herstellung des Bildnisses 
Kaiser Karls VI. fallen, welches, den Kaiser in Lebensgrösse dar- 
stellend, seit lange her in der Ritter-Stube und nur sehr kurze Zeit 
auch in der Herren-Stube aufgestellt war i) , so wie die Anschaffung 
einer mit Zinn und Holz eingelegten grossen Stockuhr für den Rit- 
ter-Saal von Daniel Quare aus London. 

Am 8. Januar 1726 ertheilte Papst Benedict XIII. der stän- 
dischen Capelle im Landhause auf Ansuchen der Stände eine Bulle, 
kraft welcher daselbst täglich, mit Ausnahme der hohen Festtage, 
eine für die ständischen Deputirten und Beamten giltige Messe ge- 
lesen werden durfte 3). Der Wortlaut dieser Bulle ist folgenders): 

„Benedictus P. P. XIH.« 
„Ad futuram rei memoriam. Exponi nobis nuper fecerunt dilecti 
„filii domini domus provincialis Austriae inferioris, quod, cum aliquot 
„dictae provinciae a corpore principum, ecclesiasticorum, comi- 
„tum, liberurum baronum , et equitum iilustrium deputati in quo- 
„dam palatio in civitate Viennensi sito, quod domus provincialis voca- 
„tur, pro tractandis publicis et oeconomicis negociis dictae provin- 
„ciae congregari consueverint, in dicta vero domo quaedam capella 
„reperiatur, in qua nonnullis abhinc annis de ordinarii licencia 
„sacro-sanctum missae sacriüciuni celebratur, ipsi exponentes pro 
„securitate eorum conscienciae missae hujusmodi celebracionem 
„continuare posse summopere desiderant. Nobis propterea humiliter 
„supplicari fecerunt, ut sibi in praemissis opportune providere, et, 
„ut infra, indulgere de benignitate apostolica dignaremus. Nos igitur 
„dictos exponentes specialibus favoribus et graciis prosequi volentes, 
„et a quibusvis excommunicacionis, suspensionis et interdicti, aliisque 
„ecclesiasticis sentenciis , censuris et poenis a jure vel ab homine 
„quavis oecasione vel causa latis, si quibus quomodolibet innodati 
„existunt, ad effectum praesentium dumtaxat consequendum harum 
„Serie absolventes et absolutos fore censentes, hujusmodi suppli- 
„cacionibus inclinati, eisdem modernis et pro tempore existentibus 
„domini.s ac deputatis ejusmodi domus provincialis Austriae inferi- 



^) Gesch. d. Landh. 

^) Cod. provinc. coiitin. p. 393. 

^) Cod. provinc. coiitin. p. 393. 



156 

„oris, ut ipsi in privata domus, in qua congregari solent, ut profer- 
„tur, capella ad hoc decenter muro extructa et ornata, seu extru- 
„enda et ornanda, ab omnibus domesticis usibus libera, per ordi- 
„narium loci prius visitanda et approbanda, ac de ipsius ordinarii 
„Hcencia ejus arbitrio duratura, unam missam pro unoquoque die 
„per quemcunque sacerdotem al) eodem ordinario approbatum saecu- 
„larem, seu de superiorum suorum licentia regulärem, sine tarnen 
„quorumciinque jurium parochialium praejudicio, ac Paschatis, Resur- 
„rectionis, Pentecostes et Nativitatis domini nostri Jesu Christi, 
„aliisque solennioribus anni festis diebus exceptis, in sua ac eorum 
„officialiuni, et ministrorum illisque inservientium dumtaxat praesen- 
^cia celebrari facere libere et licite valeant, authoritate apostolica 
„teuere praesentiuin concedimus et indulgemus,non obstantibus con- 
„stitucionibus et ordinacionibus apostolicis, caeterisque contrariis 
„quibuscunque. Volumus autem , quod alii praeter supradictos ibidem 
„missae hujusmodi interessentes ab obligatione audiendi missam in 
„ecclesia diebus festis de praecepto minime liberi censeantur". 

„Datum Romae apud S*"" Petrum sub annulo piscatoris die 
„VIII. Januarii MDCCXXVI. pontificatus nostri anno 2'^°.« 

„J. Card. Oliverius." 
In Folge dieses ihnen gewordenen päpstlichen Zugeständnisses 
schlössen die Stände am I. April 1729 unter dem Landmarschalls- 
Amtsverwalter Otto Christoph Grafen von Volkra mit dem 
Minoriten-Convente einen Vertrag, nach welchem die Priester dieses 
Conventes gegen Verabreichung eines Pauschales von 200 Gulden 
verbunden waren, in der ständischen Capelle, mit Ausnahme der in 
der päpstlichen Bulle vorbehaltenen Tage, täglich eine Messe mit 
der Intention 7aiv Aufnahme und Erhaltung des geliebten Vaterlandes, 
an den ausgenommenen Tagen hingegen jedesmal um 11 Uhr in der 
Kirche ihres Conventes zu lesen i), wofiir ihnen zur Heitzung ihrer 
Kloster-Sakristei ein Beitrag von jährlichen 28 Gulden bewilliget 
wurde 2), 

Am 2. Junius 1729 wurde das kleine Landhaus, welches Graf 
Johann Joseph Philipp von H a r r a c h zu R o h r a u in Bestand 
genommen hatte, demselben gekündet und mittelst Contractes vom 



1) Cod. provinc. contin. p. 394. — Pusch, Repertor. Mscpt. 

2) Piiscli, Repertor. Mscpt. 



187 

27. Junius 1729 an Ernst Joseph Grafen von Brenner gegen 
eine jährliche Miethe von 1600 Gulden auf drei Jahre vermiethet i). 
1730 befand sich über dem Gewölbe des grossen Saales noch 
eine Rüstkammer von Flinten, Kürassen 2) und Pulverbüchsen, wahr- 
scheinlich aus einer früheren Kriegs-Epoche herrührend , wo die 
Stände Lieferungen für das Militär in natura zu leisten hatten. 

In eben diesem Jahre wurden für die Arbeiten im Landhause 
eigene Landschafts-Professionisten ernannt s). 

Im Januar 1732 wurde den Verordneten die Anzeige erstattet, 
dass im fürstlich Traiitso hn'schen Hause (Polizei-Hofstelle) einige 
in den Zwinger gerichtete Fenster vermauert werden sollten, ohne 
das Vorrecht sie wieder zu eröffnen *). 

Der Einsturz eines Gewölbes im kleinen Landhause, welcher 
sich am 18. März 1732 während der Nacht ereignet hatte, bestimmte 
die Stünde am 28. April 1732 eine Haupt-Reparatur in diesem Ge- 
bäude anzuordnen '^). 

Auch beschlossen sie am 2. April 1732 die Decke der linken 
Hauptstiege im grossen Landhause zu erneuern «}. 

Am 0. Mai 1732 schlössen die Verordneten mit dem bürger- 
lichen Gross-Uhrmacher Franz Karl Eisen mann den Vertrag zur 
Herstellung einer Thurmuhr für den Landhausthurm in der Mitte 
des Quertractes gegen den Minoriten-Platz, wßlche Stunden und 
Viertelstunden schlagen sollte, gegen Erlegung einer Summe von 
320 Gulden 0- 

Das Zifferblatt dieser Uhr wurde sowohl gegen den Minoriten- 
Platz, als gegen den Landhaushof mit den beiden Landes-Wappen 
geziert. 

Am 11. Julius 1732 gelangten die Verordneten zur Kenntniss, 
dass der im kleinen Landhause bestandene Gang (nächst dem rechten 
Flügel des alten Landhausgebäudes) und der in demselben befind- 



1) Cod. provine. contin. p. 397. 

2) Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 
') Cod. provine. contin. p. 401. 

*J F. V. M. Mscpt. 

^) Cod. provine. contin. p. 397. 

*) Cod. provine. contin. p. 369. 

') Cod. provine. contin. p. 369. — ßergenstaram, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 



158 

lieh gewesene Brunnen vom Besitzer des gräflich Kinsky'schen 
Hauses als ein Gemeingut angesprochen und henützt werde, wess- 
halb dieselben beschlossen, den Gang zwar olTen zu lassen, aber 
über die Mitte des Brunnes ein Eisengitter zu ziehen, welches diesen 
Gang abtheilen und das Einsteigen in den ständischen Besitz ver- 
hindern sollte; die Einsetzung einer Bohre in diesen Brunnen jedoch 
von ständischer Seite zu verschieben '). 

Am 27. August 1732 tassten die Stände den Beschluss, den 
Quertract im hinteren Theile des kleinen Landhauses, worin sich die 
ständischen Schupfen befanden, zu repariren, ihn aber keineswegs 
zu erhöhen und dem anstossenden Wohnhause gleich zu machen, so 
wie auch demselben seine alte Widmung zu belassen 2). 

Am 24. Januar i733 erstattete der Landschafts -Advocat die 
Anzeige, dass sich wegen des streitigen Brunnens im kleinen Land- 
hause mit dem Grafen von Kinsky einProcess entsponnen habe s). 

Am 5. Mai 1733 schloss Joseph Ignaz Graf von Paar, 
Oberst-Hofmeister der verwitweten Kaiserin Amalia, mit den Stän- 
den im Namen der Kaiserin den Vertrag, ihr das kleine Landhaus 
gegen eine jährliche Miethe von 1700 Gulden auf drei Jahre für 
ihre Edelknaben zu überlassen *). 

Am 6. November 1733 beschlossen die Stände zur Vermeidung 
von Diebstählen und Einbrüchen zwei bis drei Laternen im Land- 
hause zu errichten s). 

1734 meldete der Landschafts-Advocat, dass die Stände den 
Process wegen des streitigen Brunnens im kleinen Landhause gegen 
den Grafen von Kinsky gewonnen haben e). 

1736 wurde der Contract wegen Vermiethung des kleinen Land- 
hauses für die Edelknaben der Kaiserin erneuert'). 

Ein Einbruch, welcher 1737 in die ständische Registratur Statt 
gefunden hatte, nöthigte die Verordneten unterm 3. Julius zu dem 
Beschlüsse, die Registratur sowohl von Seite des Raths-Saales, als 



*) Cod. provinc. contin. p. 398. 

^) Cod. provinc. contin. p. 397. 

3) Cod. provinc. contin. p. 309. 

*) Cod. provinc. contin. p. 398. — Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

5) Cod. provinc. contin. p. 369. 

8) Cod. provinc. contin. p. 509. 

') Cod. provinc. contin. p. 398. 



159 

der an ihrer entgegengesetzten Seite gelegenen Stiege aus, durch 
eine verbesserte Sperre gegen künftige Einbrüche zu sichern i). 

Am 13. April 1739 bestimmten die Verordneten den Uhrmacher 
Johann Vel lauer gegen eine Bestallung von jährlichen 15 Gulden 
zur Besorgung der für ihre Raths-Stube angekauften Stockuhr von 
John Bush man aus Londons). 

In eben diesem Jahre wurde der Miethvertrag bezüglich des 
kleinen Landhauses, welches den Edelknaben der Kaiserin als Woh- 
nung diente, abermals erneuert 3j. 

Im September 1740 beschlossen die Verordneten das Rent-Amt 
(Buchhaltung) im zweiten Stockwerke des linken Flügels des Ge- 
bäudes, welches bisher nur durch hölzerne Scheidewände abgetheilt 
und nicht zum heitzen eingerichtet war, durch Mauerwände abtheilen 
und zur Heitzung einrichten zu lassen, wozu für die Bauarbeit 271 
Gulden 36 Kreuzer und für die Zimmermannsarbeit 138 Gulden 35 
Kreuzer bewilliget wurden*). 

Am 9. Februar 1741 genehmigten die Stände nach dem Wun- 
sche der Kaiserin Elisabeth, dass in dem von der k. k. Hofkammer 
für ihre Edelknaben auf weitere drei Jahre um den Betrag von 1700 
Gulden '^) gemictheteii kleinen Landhause statt des ständischen 
Thorslt'hers ein kaiserlicher zu wohnen halte«). 

Am 13. März 1741 wurde das Landhaus zur Feier der an dem- 
selben Tage erfolgten Geburt des Erzherzogs Joseph Benedict 
prachtvoll beleuchtet und vor demselben ein Ehrengerüste nach der 
Angabe des königlichen Tlieatral-Zeichners Altomonte errichtet, 
wobei zwei Musik-Chöre unter dem Schalle der Trompeten und 
Pauken bis spät in die Nacht die Feier dieses Tages verkündeten '), 

Am 23. und 24. April 1741 wurde dieses Ehrengerüste zur 
Feier des glücklich überstandenen Wochenbettes der Kaiserin aber- 



1) Cod. provinc. contin. p. 370. 

2) Cod. provinc. contin. p. 401. 
') Cod. provinc. contin. p. 398. 

*) Cod. provinc. contin. p. 370 et 603. 

5) Cod. provinc. contin. p. 869 et 1334. 

*) Cod. provinc. contin. p. 1334. 

') Cod. provinc. contin. p. 466. 



160 

mals beleuchtet, und die Herstellung desselben betrug mit Einscbluss 
der Beleuchtungskosten 4160 Gulden»). 

In Folge eines am 2. Mai 1743 unter dem Landmarschalle Leo- 
pold Graten von Her berstein an die Stände erstatteten Gut- 
achtens wurde am 20. März 1744 beschlossen, die damals im Land- 
hause bestandene Eisgruhe nicht mehr auf Kosten der Stände zu füllen 3). 

Im April 1744 erging unter dem Landmarschalls-Amtsverwalter 
Karl Anton Grafen von Harrach vom Landmarschalls-Gerichte 
an die Verordneten die Erinnerung, dass die bei dem Landhause 
bisher bestandene Bierschenke abgestellt werden solle, wogegen die 
Stände unterm 18. Junius bei Hof einschritten, dass ihnen dieses 
altherkömmliche Privilegium , welcbes sich besonders in den Assen- 
tirungs-Tagen als zweckmässig bewiesen, belassen werden möge, 
und worauf unterm 27. Julius die Hof-Entscheidung erfolgte, dass, 
nachdem auch die Bierschenke in der kaiserlichen Burg aufgehoben 
wurde, ebenfalls jene im Landhause aufgehoben werden müsse. Es 
wurde demnach am 31. Julius dem Thorwärter die Ausübung dieses 
Geschäftes gänzlich untersagt s). 

1744 wurde der Miethvertrag hinsichtlich des kleinen Land- 
hauses als Wohnung für die Edelknaben abermals erneuert*). 

Am 14. März 174S fand unter dem Landmarschalls-Amtsver- 
walter Franz Jakob Grafen von Brand is gelegentlicb der am 
1. Februar erfolgten Geburt des Erzherzogs Karl Joseph eine 
glänzende Beleuchtung des Landhauses und der vor demselben nach 
der Angabe des ersten königlichen Theatral-Architekten Giuseppe 
Gallo Bibiena errichteten Ehrenpforte statt, deren Kosten 4500 
Gulden betrugen s). 

Am 28. October 1745 wurde das Landhaus unter dem Land- 
marschalle Ferdi n and Grafen von Harrach zur Feier der am 
27. October erfolgten Bückkunft des am 4. October zum römischen 
Kaiser gekrönten Grossherzogs von Toskana, Franz von Lothringen, 
abermals auf eine prachtvolle Weise beleuchtet und zu diesem Behüte 



1) Cod. provinc. contin. p. 467 et 468. 

2) Cod. provinc. contin. p. 1496, 1504 et ISIO. 
') Cod. provinc. contin. p. 179. 

*) Cod. provinc. contin. p. 1334. 
*) Cod. provinc. contin. p. 471. 



161 

ebenfalls eine Triiimphpforte nach der Angabe des k. k. Theatral- 
Ingenieurs und Architekten Giuseppe Gallo Babiena vor dem- 
selben errichtet, welche einen Kostenaufwand von So2ö Gulden er- 
forderte '). 

In diese Zeit scheint auch die Herstellung des Bildnisses der 
Kaiserin Maria Theresia zu fallen, ein trefflich gemaltes Knie- 
stück, welches ursprünglich in der Raths-Stnhe aufgestellt war, seit 
vielen Jahren aber die Bürger-Stube (Einreichungs-ProtocoU) ziert a). 

1740 wurde unter dem Landmarschalls- Amtsverwalter Fried- 
rich Grafen von Harrach den Verordneten die Anzeige er- 
stattet, dass Philipp (iraf von Kinigl. welcher das fürstlich 
Trautsohn'sche Haus (Polizei-Hofstelle) bewohnte, in einem im 
ständischen Zwinger gelegenen Gewölbe, im Erdgeschosse, ein mit 
Ziegeln verlegtes Fenster zur Gewinnung eines Luftzuges ausbrechen 
lasse, wogegen er sich über Protestation der Verordneten unterm 
30. Julius 174G reversirte, aus dieser Wiedereröffnung kein Vor- 
recht abzuleiten "). 

1747 wurde der Miethvertrag liinsichllich des kleinen Land- 
hauses als Wohnung für die Edelknaben der Kaiserin nochmals er- 
neuert*). 

Am 24. December 1748 erfolgte über Ansuchen iler Kalhe- 
r ina von Reich eis heim, Besitzerin des zwischen dem Landhause 
und der Minoriten-Kirche gelegenen kleinen Hauses (dermalen zum 
goldenen Fasan genannt), und das hiernach gemachte Einschreiten 
der Stände bei der Kegierung, unter dem Landmarscballs-Arntsver- 
walter Joseph Grafen von Brenner die Entscheidung, dass 
die Begräbnisse der im kaiserlichen Hof-Spitale Verstorbenen in 
Zukunft nicht mehr auf dem Kaiserspitals -Gottesacker hinter dem 
Landbause und dem Reiche I sheim'schen Hause am Minoriten- 
Platze staltzutinden hätten, sondern die Leichen im Freilbofe des 
Abten de Monte Serratd vor dem Schottenthore (bei den Schwarz- 
Spaniern) beerdiget werden sollen s). 



1) Cod. proviiic. contiii. p. 47(5. 

2) K. Gesch. d. Laiidli. 

3) Cod. provinc. contin. p. 603. — F. v. ,M. Mscpt. 
*) Cod. provinc. contin. p. Iöö4. 

^) Coil. provinc. contin. p. 387. — F. v. M. .Mscpt. 
Archiv. XLI. {. 



162 

In das Jalir 1748 scheint auch die Aufhebung der über dem 
grossen Landhaus-Saale befindlich gewesenen Uüstkanimer zu (allen, 
da die Stände mit dem Landtags-Postulate vom 14. Junius 1748 von 
der Leistung der Montur-Lieferungen in natura enthoben wurden »). 

Am 30. Julius 1749 beschlossen die Stände unter dem Land- 
marschalls-Amtsverwaller Friedrich Grafen von Harrach, in 
dem abgesonderten Tracte im grossen Landhause, in w'elchem sich 
die Wohnung des Syndicus befand, eine Haupt-Reparatur vornehmen 
zu lassen, deren Kosten auf 1000 bis 1200 Gulden veranschlagt 
wurden ^). 

Am 29. Januar 1751 wurde den Ständen, unter dem Land- 
marschalle Karl Grafen von Königsegg Erps, von Seite der 
Hofkammer die Miethe des kleinen Landhauses als Wohnung der 
Edelknaben der Kaiserin gekündiget, wornach dieses Gebäude mit 
Georgy 1751 wieder den Ständen zur eigenen Benützung anbeim 
fiel 3). 

Die Stände beschlossen daher unterm 8. Julius 1751 auf Antrag 
der Verordneten, das kleine Landhaus in Zukunft nicht mehr zu ver- 
miethen und dasselbe den Verordneten des Prälaten- und Ritterstan- 
des als Wohnung zu deren eigenen Benützung einzuräumen*). 

1754 gestatteten die Stände auf Ansucben ihres Landmarschalls 
J h a n n W i 1 b e 1 m F ü r s t e n von T r a u t s o h n, welcher zugleich 
Oberst-Hofmeister war und als solcher in der Hofburg wohnen 
musste, dass von seinem Hause (dermalen Polizei-Hofstelle) ein ge- 
mauerter Gang in das Landbaus geführt und auf ständische Kosten 
bergestellt werde, damit er mittelst desselben von seiner Behausung 
ohne Umwege durch den Zwinger in das Landhaus gelangen könnte, 
worüber er unterm 9. Januar 1754 einen Revers ausstellte, nacb 
welchem der Eingang in das Landbaus wieder vermauert werden 
sollte, sobald er eine oder die andere seiner Amtswürden nicht mehr 
bekleiden Avürde s). 

Während der Fastenzeit 1759 wurden in dem grossen Saale 
des Landhauses zum ersten Male und zwar 14 musikalische Akade- 



1) Cod. provine. contin. p. 71ö — 718. 

^) Cod. provine. contin. p. 603. 

^) Cod. provine. contin. p. 870. 

*) Cod. provine. contin. p. 871 et 1354. 

5) Cod. provine. contin. p. G04. — F. v. M. Mscpt. 



163 

mien abgehalten, wobei die berühmtesten Virtuosen mitwirkten und 
welchen selbst der Hof und der höchste Adel i) beiwohnte. 

In demselben Jahre 1759 wurde die ständische Capelle im Land- 
hause neu hergestellt 2) , und am 25. Julius, am Tage des heiligen 
Apostels Jacob, auf Ansuchen des Landmarschalls Johann Wil- 
helm Fürsten von Trautsohn und nach erfolgter päpstlichen 
Dispensation aus Rom, in Anwesenheit des Kaisers Franz L , der 
Kaiserin Maria Theresia, des Erzherzogs Joseph und der Erz- 
lierzoginnen Mar i a Anna und Maria Christ i na, vom Cardinale 
und Fürst - Erzbischofe von Wien Joseph Christoph Grafen 
von Migazzi mit grosser Feierlichkeit, jedoch ohne Abhaltung 
von Musik, suh titiilo „IJeatissimae Mariae Virginis oblatae" (Maria 
Opferung) zur öffentlichen Kirche eingeweiht s). 

Der Verfasser des Aufsatzes über den Landhaus-Saal*) berich- 
tet hingegen, dass nur Erzherzog Joseph und die Erzherzogin 
Maria Christina dieserEinweihung in der Prälaten-Stube beiwohn- 
ten, der Kaiser und die Kaiserin aber, nebst der Erzherzogin Maria 
Anna erst nach beendigter Einweihung sich in das Landhans ver- 
(ügten, wo sie von dem Landmarschalle und sechs ständischen 
Üeputirten am Fussc der grossen Stiege unter Trompeten- und Pau- 
kenschall empfangen wurden und sodann zwei Messen beiwohnten, 
die von den Abten zu Göllweig und Lilienfeld nacheinander in der 
neu geweihten Capelle gelesen wurden. 

An dieser Feierlichkeit nahmen ausserdem noch die Oherst-Hof- 
meisterin der Kaiserin, Gräfin von Paar, die Oberst-Ilolnieisterin 
der Erzherzogin Christi na, Gräfin von Vasquez, Graf und 
Gräfin Uhlefeld, Landmarschall Fürst von Trautsohn sammt 
Gattin, F ü r s t und Fürstin v o n A u e r s p e rg, G r a f F e r d i n a n d 
von IIa r räch sammt Gattin, Graf und Gräfi n vonKheven- 
hüller, GrafCamillo von Col loredo sammt Gattin, die Feld- 
niarschalls-Gattin Gräfin von Dann, die Grafen Losi, Rei- 
schach und Trautsohn, und von ständischen Mitgliedern der 
Abt zu Göttweig, Probst zu St. Dorothe, Abt zu Lilienfeld, Graf 



1) Kaltenbaecks Osten-. Zeitschr. 1837, Nr. öö. 

2) Bergenstamm, Mscpt. — F. Gesch. d. Laiidh. 

^) Cod. provinc. coiitin. [>■ 337. — Bergenstamm, Mscpt. — Pusch, Repertor. Mscpt. 

— F. Gesch. d. Landh. — Kaltenbaecks üsterr. Zeitschr. 1837, Nr. .So. 
*) Kaltenbaecks Österr. Zeitschr. 1837, Nr. öö. 

11' 



164 

Fei-diiKtnd von Lamherp;- und Graf Wenzel von Brenner 
Theil 1). 

Bei dieser Gelegenheit erhielt die ständische Capelle vom Fürst- 
Erzhischote von Wien Cardinal Joseph Christoph Grafen von 
Migazzi die Bulle oder das Breve vom 25. Julius 1759,\vornach sie 
zu einer öffentlichen Kirche und die in derselben gelesene Messe für 
das ganze Jahr und für alle Personen ohne Ausnahme giltig erklärt 
wurdet), welche Bulle zum Andenken an diese Feierlichkeit in der 
Capelle in einem vergoldeten Rahmen unter Glas öffentlich aufge- 
hangen wurde. 

Nach beendigter Feier besichtigte der Hof die einzelnen Loca- 
litäten des Landhauses s), nämlich die sämmtlichen Rathszimmer, die 
Buchhaltung, Registratur, das Rait-CoUegium und die Landtafel- 
stuben*). Die Kaiserin begab sich hierauf in die Herren-Stube, welche 
zu ihrem Empfange aufs prachtvollste möblirt worden war, und der 
Kaiser besichtigte noch das Ober-Einnelimeramt und das kleine 
Landhaus s). 

Den Schluss maclite eine Tafel von 29 Gedecken, welche im 
grossen Saale Statt fand und an welcher der Hof nebst den vorge- 
nannten Personen Theil nalim ß) und bis 5 Uhr Abends bei derselben 
verweilte "), 

Der vom Feldmarschalle Grafen Leopold von Dann am 
21. November 1759 gegen den König Friedrich von Preussen bei 
Maxen erfochtene glänzende Sieg, bei welchem 120 preussische 
Fahnen erobert wurden und 14.000 Mann das Gewehr strecken 
mussten, bestimmte die Kaiserin Ma ria Theresia, da die Land- 
haus-Capelle der Opferung Maria geweiht war und jener Sieg gerade 
an diesem Festtage errungen wurde, der ständischen Capelle am 



1) Pusch, Repertor. Mscpt. 

-) Bergenstamm, iMscpt. 

"») Cod. proviue. contin. p. 3ö7. — Pusch, Repertor. Msept. 

4) KaUeiibaecks Österr. Zeitschr. 1837, Nr. 3ö. 

*) KiiUenbaecks Österr. Zeitschr. 1837, Nr. 33. (Mit der irrigen Angabe, der Kaiser 

habe das im kleinen Landliause befindlich gewesene Tabakamt besucht, welches 

erst 1763 dahin kam.) 
6) Pusch, Repertor. Mscpt. — Kaltenbaeeks Österr. Zeitschr. 1837, Nr. 33. 
') Cod. provinc. contin. p. 337. — Pusch, Repertor. Mscpt. 



105 

10. Decembei'17ö9 eine jener eroberten Fahnen zu widmen >), welche 
auch über dem Altare aufgesteckt wurde. 

Zum Andenken an diese Schenkung verfasste der ständische 
Secretär Franz von Sclieyb folgende Inschrift 2), welche gieich- 
faiis in der ständischen Capelle in einem vergoldeten Rahmen unter 
Glas aufgehangen ist. 

M. Theresia Aug. 

P. F. Bellipotens 

a Leop. Com. a Dann 

Exerc. Aiist. Duce Invicto 

XIV Millibus Borussorum 

in Acie Maxensi 
ad arma deponenda coactis 
ex CXX Trophaeis Hoc 
fpiod vides 
Eqiiitinn llosliliiim liisigne 
l'acis PraehidiiiMi 
in 
I). F. 0. M. 
Honorem 
Arnioruni gloriiini 
P. P. Pat. Solatium 
Majorenujue Felicitatis Publicae Spem 
Hoc in templo suspendi jussit 
ut 
B. iM. V. Praesent. 
Anathema Hat Marianum 
Cujus Die festo tarn feliciter 
Pugnabatur. 
IV Idus Üecemhris MDCCLIX 3). 
Am 14. October 1760 wurde zur Feier der am 6. October er- 
folgten Ankunft und stattgefundenen Vermählung der Infantin M. 
Isabella von Bourbon mit dem Erzherzoge Joseph ein glänzendes 
Festim grossen Saale des Landhauses veranstaltet. 



') Cod. provinc. contin. p. ö37. — Bergenslamiii, .Alscpt. 
*) Cod. provinc. contin. p. i>!5~. 
"^J Cod. provinc. contin. p. 337. 



166 

Der Marmorhoden wurde behufs dieses F'estes mit Brettern 
überlegt und näclist der Prälaten-Stube ein Orchester errichtet, wel- 
ches ausser den sechs ständischen Trompetern und dem Piiuker für 
sechzig Personen berechnet war, die durchaus in Roth mit Silber 
gekleidet worden waren. Die Wände des Saales wurden mit gemal- 
tem Gebüsche, Obst und Blumen verziert und eine grosse Anzahl 
von Lustern sowohl an der Decke als an den Wänden des Saales 
angebracht. 

Zu dieser Festlichkeit wurde der gesammte in Wien befindlich 
gewesene in- und ausländische Adel im Namen des Landmarschalls 
und der drei oberen Stände geladen, bei 400 Herren und Damen des 
höchsten Adels, 14 Gesandte mit ihren Frauen und Kindern, 24 Hof- 
damen, 5 Stiftsdamen u. s. w. Alles musste in der sogenannten Lust- 
tracht, d. i. im weissen Domino, die Damen aber ohne Reifröcke 
erscheinen. Gegen 7 Uhr Abends kamen der Kaiser und die Kaiserin, 
das hohe Brautpaar , zu dessen Ehre dieses Fest gegeben wurde, 
mehrere Erzherzoge und Erzherzoginnen, durch einen von der kai- 
serlichen Burg bis in das Landhaus erbauten hölzernen Gang und 
durch die Prälaten-Stube unter dem Orchester in den Saal. Erzherzog 
Joseph und seine Gemahlin Lsabella eröffneten den Ball, bei 
welcbem französische, englische und deutsche Tänze bis 10 Uhr 
wechselten, wo sich der Hof sodann in die Herren-Stube begab und 
daselbst ein Souper einnahm, welches die Gemahlin des Landmar- 
schalls Johann Wilhelm Fürsten von Traut söhn für die 
zwölf Mitglieder des Erzhauses aufs geschmackvollste geordnet hatte. 
Zwölf Edelknaben nebst vielen Hofbedienten besorgten unter der Lei- 
tung des erzbischöflichen und fürstlich Trautsohn'schen Haushof- 
meisters die Bedienung der Tafel. Während derselben standen nur 
der Landmarschall und Graf von Lamberg Ihren Majestäten zur 
Seite und die Fürstin von Traut söhn kam zuweilen, um die 
Kaiserin zu bedienen. 

Die übrigen Gäste dieses Festes wurden an acht grossen Tafeln 
im Landhause bewirthet, wobei jedoch nur die Damen sitzen konnten. 

Die Speisen wurden in den benachbarten Herrschaftshäusern 
zubereitet, da es im Landhause selbst an Localitäten hierzu gebrach, 
und die Herrschaften hatten ihre eigenen Hausofficiere zur Bedie- 
nung mitgebracht, welche nach aufgehobenen Tafeln in der Raths- 
Stuhe ebenfalls reichlich bewirthet wurden. 



167 

Bei dieser Belustigung verweilte der Hof bis Mitternacht, der 
übrige Adel aber bis 4 Uhr Morgens. 

Die landschaftlichen Bedienten, welche über die Beleuchtung 
von oOOO Stück Wachskerzen zu wachen hatten, waren alle in 
Galla-Livreen gekleidet und 48 Arbeitsleute allenthalben mit dem 
nöthigen Feuerlöschgeräthe vertheilt , um jede Gefahr hintanzu- 
halten i). 

1761 entstand zwischen den Verordneten und dem Bevollmäch- 
tigten der gräflich Kinsky'schen Vormundschaft, Grafen Chri- 
stoph von Cavriani, ein Streit hinsichtlich des Rechtes zur Ver- 
grösserung der Fenster im Erdgeschosse des grätllich Kinsky'schen 
Hauses gegen den ständischen Garten des Syndicus (zuletzt der ein- 
gegittert gewesene Hof), welche der Miether des gräflich Kinsky'- 
schen Hauses, Joseph Graf von Czober, zur Gewinnung des 
Lichtes bereits begonnen , über Protestation der Verordneten aber 
wieder in den vorigen Stand gesetzt hatte, und wornach Graf von 
Cavriani als gräflich Kinsky'scher Vormund unterm 7. März 1761 
sich reversirte, dass weder durch die begonnene Ausbrechung und 
angetragene Vergrösserung dieser Fenster, noch durch die Einstel- 
lung dieser Arbeit einem oder dem anderen der streitigen Tlu'ile 
ein Vorrecht erwachsen solle-). 

Am I. Januar 1763 wurden die Gewölbe des kleinen Land- 
hauses im Erdgeschosse der k. k. Tabak-Pacht-Compagnie bis 
Georgy 1764 unentgeltlich zur Benützung überlassen s). 

Am 6. November 1763 sprach der Hof diese Gewölbe von den 
Ständen zur Unterbringung der Registratur des Landmarschall-Ge- 
richtes, gegen Überlassung des damaligen Locales desselben an die 
Stände, an. welches Verlangen unterm 22. Januar und 24. Februar 
1764 wiederholt wurde, ungeachtet die Verordneten schon am 
11. Januar 1764 erklärt hatten, für die Unterbringung der Regi- 
stratur des ständischen Rait-Collegiums selbst Sorge zu tragen*). 

Am 7. Mai 1764 wurde das bisher bestandene Ausschuss-Ver- 
ordneten- und Rait-Collegium sammt den Viertel-Ober-Commissären 



1) Kaltenbaecks Österr. Zeitschr. 1837, Nr. 56. 

3) Cod. provinc. confin. p. 60i. 

"') Cod. provinc. coiidii. p. 872 und 1.")ü4. 

*_) Cod. provinc. contin. p. 872. 



168 

aufgehoben, das Personale des Rait-Collegiums in die ständische 
Buchhaltung- eingetheilt und ein neues Verordneten-Collegium, be- 
stehend aus sechs ständischen Verordneten, errichtet'), welches 
seine erste Sitzung unter dem Landmarschalle Johann Wilhelm 
Fürsten von Trautsohn am 7. Junius 1764 im Raths-Saale 
des Landhauses hielt 2), 

1764, nach der Krönung Josephs zum römischen Könige, 
Hessen die Stände die Bildnisse der Kaiserin Maria Tlieresia und 
Josephs, letzleren im Costüme als römischer König, für die Ritter- 
Stube malen, zwei ausgezeichnet schöne Kniestücke, weiche erst in 
der neuesten Zeit in die Prälaten-Stube und von da, während des 
Baues des neuen Landhauses, in das Arbeitszimmer der Verordeten 
(vorher Registratur) üherli-agen wurden. 

1765 gestatteten die Stände der Staats-Kanzellei, gelegentlich 
des Baues der niederländischen Kanzellei, zur Sicherung des Ar- 
chives in derselben, sechs Bögen über den Zwinger an die Mauer des 
Landhauses spannen zu dürfen, wogegen die Staats-Kanzellei zur 
Vermeidung jeder Ableitung eines Vorrechtes einen besonderen 
Revers einlegte 3). 

1767 hätte bei Aufsetzung eines zweiten Stockwerkes auf die 
italienische Kanzellei der Dachstulil der ständischen Capelle, welcher 
in das Mauerwerk derselben eingriflf, abgenommen und geändert wer- 
den müssen, wenn nicht die Staats-Kanzellei aus besonderer Rück- 
sicht für die Stände und ohne Untersuchung ihres rechtlichen An- 
spruches den Bau so eingerichtet hätte, dass an der Kuppel der 
Capelle nichts geändert werden durfte*). 

Am 24. Junius 1769 fand im grossen Saale des Landhauses 
eine doppelte Festlichkeit statt, welche der französische und spa- 
nische Botschafter zur Feier der am 27. Junius 1769 durch Pro- 
curation zu Wien vollzogenen Vermählung der Erzherzogin Maria 
Amalia mit dem spanischen Infanten Ferdinand L veranstal- 
teten 5). 



1) Cod. provine. contin. p. 700 et 1095. 

2) Cod. provine. contin. p. 711. 

'J Akten d. stand. Registrat. — F. v. M. Mscpt. 

*) Akten d. stand. Registrat. — F. y. M. Msept. 

5) Bergeustamm, Msept. — Geusau, Gesch. Wiens 



169 

Am 8. Mai 1770 schlössen die Verordneten mit dem Uhrmacher 
Joseph Bauer zu Molk den Vertrag, dass er eine neue Uhr für den 
Landhausthurm herstellen und ihm dieselbe nach dem Gewichte mit 
50 Kreuzern für das Pfund bezahlt werden solle '). 

Am 9. October 1770 wurde diese neue Uhr in den Thurm ein- 
gesetzt s) und auf dem ZifTerblatte, so\\ohl gegen den Minoriten-Platz 
als gegen den Landhaushof zu, die Jahreszahl der Renovation 1770 
angebracht s). 

Am 9. December 1773 erging unter dem Landmarschalle Anton 
Grafen von Pergen vom Hofe der Befehl, dass eben so wie in allen 
Hofgel)äuden, auch in den ständischen uiul sonstigen Freihäusern, 
mit einziger Ausnahme der Ministerwohnungen , die Polizei- Wache, 
welche im October 1775 errichtet wurde*), frei und ungehindert 
ihre Aufsicht und Functionen üben könne '). 

1777 suchte der Besitzer des vormals Bei chelshei m'schen 
Hauses nächst dem Landhause und der Minoriten-Kirche (jetzt zum 
goldenen Fasan genannt), Bachmayer, die Bewilligung an, das an 
das Landhaus angrenzende Erdgeschoss, gegen den auf dem Hause 
haftenden Re\ers, dennoch erhidien zu dürfen, wurde aber am 6. März 
1777 mit dieser Bitte abgewiesen«). 

Nach der unterm 17. März 1782 erfolgten Aufhebung der Ca- 
pellen beschlossen die Verordneten, dass in der ständischen Capelle 
im Landhause, vom Ostersonntage 1782 angefangen, nicht so wie 
irüher täglich, sondern nur aul" besonderes \ erlangen der Stände 
Messe gelesen werden solle *). 

Mit Georgy 1782 miethete die bestandene k. k. Tranksteuer- 
Commission das kleine Landhaus für einen jährlichen Zins von 
000 Giddens). 

Am 7. April 1782 wurde den Ständen bekannt gegeben, dass 
der Kaiser beschlossen habe, das ständische Verordneten-Collegium 



Cod. provinc. contiii. p. 44)S. 

-) Cod. provinc. contin. p. 44». 

S) F. Gesch. d. Landh. 

*) Bergenstamm, Mscpt. 

*) Cod. provinc. contin. j). 410. 

«) Akten d. stand. Registrat. 

') Cod. provinc. contin. p. 377. 

*) Cod. provinc. contin. p. 373. — Ber-^onstanini, Mscpt. 



170 

mit der nieder-österreichischen Landesregierung unter dem Vorsitze 
des Landmarschalls Anton Grafen von Pergen zu vereinigen <), 
daher die Stände die Ritter-Stube im Landhause zur Abhaltung der 
Sitzungen und die ehemalige Syndicatswohnung in dem abgesonderten 
Traete gegen die Herrengasse zur Wohnung für ihren Landmarschall 
bestimmten 2). 

In demselben Jahre wurde auch die k. k. Polizei -Direction in 
das kleine Landliaus verlegt 3j und zur Herstellung ihrer Kanzellei 
unterm 18. Junius 1782 eine Summe von 319 Gulden angewiesen*). 

Zu Michaelis 1782 wurden die Schupfen und Stallungen im klei- 
nen Landhause an den Landmarschall für jährliche 60 Gulden ver- 
miethet^). 

Am 14. November 1 782 wurde zur Einrichtung der Kanzelleien 
für das Personale der Regierung eine Summe von 2073 Gulden an- 
gewiesen 6). 

Am 14. April 1783 suchten die Verordneten beim erzbischöf- 
lichen Consistorium zu Wien die Erlaubniss an , die ständische Ca- 
pelle im Landhause Mieder eröffnen und in derselben für die Mit- 
glieder der Stände und ihre Dienerschaft, so wie für sämmtliche 
ständische Reamte und die im Landhause wohnenden Personen, an 
Sonn- und Feiertagen Messe lesen lassen zu dürfen, worüber unterm 
18. April 1783 die Rewilligung erfolgte^). 

In das Jahr 1783 scheint auch die Errichtung einer zweiten 
katholischen Capelle im Landhause zu fallen , welche in der Woh- 
nung des Landmarschalls in dem abgesonderten Traete gegen die 
Herrengasse als Hauscapelle benützt wurde und nebst mancherlei 
Heiligenbildern an den Seitenwänden, einen kleinen Altar aus rothem 
Marmor enthielt, der mit einem Altarblatte, den heiligen Johann von 
Nepomuk , und einer kleinen Statue aus weissem Marmor , die 
Empfängniss Maria vorstellend, geschmückt war, und zu welchem 
die Paramente von Seite des Herren-Standes angekauft wurden. 



^) Cod. provinc. confin. p. 103. 

~3 Bergenstamm, Mscpt. 

^) Bergeiistamm, Mscpt. 

*) Cod. provinc. contin. p. 371. 

5) Cod. provinc. contin. p. 373. 

*) Cud. provinc. contin. p. 371. 

') Cod. provinc. contin. p. 377. 



171 

Mit Georgy 1784 ging die Miethe des kleinen Landhauses von 
Seite der bestandenen k. k. Tranksteuer-Commission 7a\ Ende <) und 
wurde dieselbe aus dem Grunde nicht mehr erneuert, weil die Trank- 
steuer schon unterm 7. Julius 1783 aufgehoben worden war 2). 

Am 4. April 1784 wurde den Ständen eröffnet, dass die Ver- 
einigung des Verordneten-Collegiums mit der Regierung mit 1. Mai 
1784 in Wirksamkeit zu treten habe aj. 

Am 14. October 1789 wurde das Landhaus zur Feier der Er- 
oberung von Belgrad festlich beleuchtet*). 

In die 1780ger Jahre fällt auch die gänzliche Aufhebung des 
ständischen Gartens im Landhause und wurde derselbe in einen Hof- 
r;ium umgestaltet (zuletzt der eingegittert gewesene Hof nächst dem 
gräflich Kinsky sehen Hause in der Herrengasse). 

Am 8. Mai 1790 wurde den Ständen noch unter dem Landmar- 
schallc Anton Grafen von Per gen von Kaiser Leo pol d II. ihre 
alte Verfassung wieder gegeben, die Regierung von dem Verordneten- 
Collegium getrennt und dieses in seiner alten Form wieder hergestellt 5). 

Am 14. Junius 1790 wurde unter dem Landmarschalls-Amts- 
verweser Grafen Leojxdd von Schallen barg die Räumung 
der von dem Personale der Regierung lienützten Localitäten im 
grossen und kleinen Landhause genehmigt e) und eine Zusammen- 
tretung der Regierung mit dem ständischen Verordnefen-Collegium 
angeordnet, um die Räume zu ermitteln, welche in Zukunft von der 
Regierung statt des damals inne gehabten Landhauses eingenommen 
werden könnten , wornacli das nieder-österreichische Landhaus nach 
und nach noch in demselben Jahre von den Ämtern der Regierung 
geräumt wurde und wieder ausschliesslich den Ständen zur eigenen 
Benützung anheim fiel '?). 

Zur selben Zeit wurde auch das nieder-österreichische Land- 
recht, welches seit lange her seinen Sitz im Landhause hatte , in 
ein anderes Gebäude verlegt. 



1) Cod. provinc. conlin. ji. 46.'i. 

2) Cod. provinc. contiii. p. 387. 
*) Cod. provinc. contin. p. 1. 
*) ßergenstamm, Mscpl. 

5) Cod. provinc. contin. p. UJ. 

*) Cod. provinc. contin. p. 20 und 4.')2. 

') Cod. provinc, contin. p. JKJ. 



172 

Bei dieser Geles^enheit wurde das kleine Landhaus ausschliess- 
lich zur Wohnung- für die Ritterslandes-Yerordneten hestimnit , die 
Wohnung des Syndicus (seit 1782 Landniarschalls-Wohnung) in 
dem abgesonderten Tracte gegen die Herrengasse den Herrenstandes- 
Verordneten, und die von denselben bisher benützte Wohnung im 
zweiten Stockwerke des rechten Flügels des alten Landhauses dem 
Syndicus als Wohnung zugewiesen i), dem ßauschreiber aber, dem 
Heitzer, einem Portier, dem Hausknechte und dem Feuerknechte 
(dem ehemaligen Thür^\ärter) wurden freie W^ohnungen im grossen 
Landhause, und einem zweiten Portier eine freie Wohnung im 
kleinen Landhause belassen 2). 

Seit jener Zeit wurde die kleine Haus-Capeile in der ehemaligen 
Landmarschalls-W^ohnung, welche ausschliesslich zur Benützung l'ür 
den Landmarschall bestimmt war, nicht weiter mehr benützt. 

In demselben Jahre fand auch eine Renovation des Portales 
nächst dem Gitterbrunnen im grossen Landhause, welches das be- 
kannte Denkmal der Vereinigung der Katholiken mit den Prote- 
stanten-Ständen enthält, und der Gemälde der Wappen auf den Tho- 
ren des Landhauses Statt, wobei aus den fünf goldenen Adlern des 
Rudolphinischen Wappenschildes, nach der von Kauz vertheidigten 
Meinung, fünf Lerchen geworden sinds). 

Am 20. September 1790 wurde die Erbsteuer, wie bei ihrer 
ursprünglichen Einführung 17o9, wieder der Verwaltung einer eige- 
nen Hof-Commission unter dem Vorsitze des Landmarschalls und der 
Beiziehung der ständischen V^erordneten übertragen, welche mit 
1. November 1790 in Wirksamkeit zu treten hatte*), und zu ihrer 
Amts-Localität das Landhaus bestimmt. 

Am 19. November 1790 beschlossen die Stände auf Antrag des 
Landmarschalis-Amtsverwesers Grafen Leopold von Schallen- 
berg, dass in der ständischen Capelle wieder täglich Messe gelesen 
werden sollet), und dass statt der in Antrag gebrachten Erneuerung 
des unterm I.April 1729 mit dem Minoriten-Convente geschlossenen und 



1) Bergenstamm, Mscpt. 

2) Cod. provinc. coutin. p. 93. 

3) Czermak in der Wiener Zeiluiig- 1837, Nr. 86. 
*) Cod. provinc. contin. p. 177. 

5) Cod. provinc. contin. p. 4G1. 



173 

bis 1784 bestandenen Vertrages mit den Vorstehern der dermaligen 
italienischen National-Kirche (vormals Minoriten-Kirche), das zur 
Lesung der heiligen Messe in der ständischen Capelle bestimmte 
jährliche Pauschale von 200 Gulden einem hierländig gebürtigen 
Weltpriester als Stipendium zugewiesen werde i), wornach unterm 
20. December 1790 die Ernennung eines eigenen Beneßciaten für die 
Capelle im Landhause erfolgte 2). 

Zu jener Zeit Avurde auch eine kleine, aus Holz geschnitzte 
Statue, den heiligen Johann von Xepomuk darstellend, in die stän- 
dische Capelle gestiftet. 

Am 21. November 1790 fand eine ganz einfache Beleuchtung 
des Landhauses zur Feier der am 20. November erfolgten Rückkunft 
Leopolds II. von der am 9. October zu Frankfurt a./M. vor sich 
gegangenen Kaiser-Krönung und der am 15. November zu Pressburg 
erfolgten Königs-Krönung Statt, da die Stände die Kosten eines 
bei solchen Feierlichkeiten sonst üblich gewesenen Freudengerüstes zu 
einem wohlthätigen Zwecke, und zwar zur Ausstattung von vierzig 
armen, älternlosen Landmädchen verwendeten, deren jedes mit 
200 Gulden betheilt wurde, und von denen zehn auf einen der vier 
Landeskreise kamen 3j. 

Am 30. December 1790 wurde zur Reinigung der Capellen- 
Wäsche, Bestreitung des Opferweines und des Ministranten ein jähr- 
licher Betrag von 30 Gulden, der in der Folge auf 70 Gulden erhöht 
wurde, bewilligt*) und am 27. Januar 1791 zur Anschaffung von 
Kirchen-Paramenten ein Betrag von 120 Gulden ^j. 

1791 wurde der Raths-Saal unter dem Landmarschalle Franz 
Anton Grafen von Khevenhüller mit dem Bildnisse des Kaisers 
Leopold IL, einem trefflich gemalten Kniestücke, geziert"), und das 
früher hier aufgestellt gewesene Bild Maria Theresia' s in die 
Bürger-Stube (Einreichungs-Protocoll) übertragen. 

Am 19. August 1792 wurde das Landhaus wegen der am 
17. August erfolgten Rückkunft Franz II. von der am 14. Julius 



1) Cod. provinc. contiii. p. 106. 

2j Cod. provinc. contiii. p. 107 u. 462. 

2) Geiisau, Gesch. Wiens. 

*) Cod. provinc. contiu. p. 106. 

5) Cod. provinc. contin. p. 106 et 462. 

8) F. üesch. d. Landhauses. 



174 

stattgehabten Kaiser-Krönung zu Frankfurt a./M. und der am 9. Au- 
gust vor sich gegangenen Königs-Krönung zu Prag, ohne besonderen 
Prunk-Aufwand beleuchtet i), und ebenso am 20. und 21. April 
1793, zur Feier der am 19. April erfolgten Geburt des Thronerben 
Erzherzog Ferdinand, und am 20. Mai zur Feier des glücklich 
überstandenen Wochenbettes der Kaiserin -j. 

1797, während der feindlichen Bedrängniss des Landes durch 
die Franzosen, beschlossen die Stände noch unter dem Landmar- 
schalle Franz Anton Grafen von K h e v e n h ü 1 1 e r, über Antrag 
ihres Syndicus Leopold von Fillenbaum, nach dem Beispiele 
des am 6. April durch Franz Grafen von Saurau in's Leben 
gerufenen allgemeinen Aufgebotes und noch vor dem am 17. April 
erfolgten Ausmarsche desselben, die Errichtung eines eigenen stän- 
dischen Frei-Corps und erliessen schon am 13. April eine Proclama- 
tion, wornach mit dem 14. April die Werbung im grossen Saale des 
Landhauses begann und der Oberst-Lieutenant Freiherr von 
Kölbl die Organisirung des aus 450 Individuen bestandenen stän- 
dischen Corps übernahm, welches jedoch schon am 26. April 1797, 
in Folge des mittlerweile zu Stande gekommenen Friedens, wieder 
aufgelöst wurde 3). 

Am 18. Mai 1797 wurden die Stände in Kenntniss gesetzt, dass 
der Kaiser den Mitgliedern des ständischen Frei-Corps gestattet habe, 
zur Erinnerung an jenes Ereigniss eine goldene Schliesse mit dem 
Bande und der Inschrift: 

Denkmal der Treue 
der n. öst. Stände gegen 
Kaiser und Vaterland. 797. 
tragen zu dürfen, Avelche Zeichen der Erinnerung am o. Sep- 
tember 1797, gerade am Geburtsfeste des Erzherzogs Karl, mit 
grosser Feierlichkeit und in Anwesenheit der Erzherzoge Anton, 
Johann, Rainer und Rudolph und einer grossen Menge von 
Zuschauern, um 9 Uhr Morgens vom Erzherzoge Anton im grossen 
Saale des Landhauses, unter Trompeten- und Paukenschall, bei offe- 
nen Thüren an die einzelnen Mitglieder des ständischen Frei-Corps 



') Geusau, Gesch. Wiens. 
~) Geusau, Gesch. Wiens. 
^) Akten der stand. Registrat. — Bergenstamm. .Mscpt. 



175 

vertheilt wurden i)» worauf eine eigens aus diesem Anlasse verfasste 
Cantate von J. Karl Ungar, in Musik gesetzt von Ignaz Sauer, 
abgesungen wurde 2). 

Am 7. Februar 1799 bescbloss das ständische Verordneten- 
Collegium unter dem Landmarschalle Ludwig Graten von Ca- 
vriani, die noch vom ständischen Aufgebote vorhanden gewesenen 
346 Stücke Feuergewehre in das k. k. Armaturs-Zeughaus zu über- 
tragen, was auch bald darauf geschah sj. 

Am 19. Februar 1799 überliessen die Verordneten der Finanz- 
Flofstelle, über deren Ansuchen vom 15. Februar, den grossen Saal 
im Landhause zur Abhaltung der ersten Ziehung der Banko-Lotterie 
vom 1. April angefangen *), und unterm 25. April 1799 genehmigten 
die Stände diesen Beschliiss des Verordneten-Collegiunis und das 
fernere Ansuchen der Finanz-Hofstelle vom 11. März, den ständi- 
schen Saal auch für die Zukunft zur Abhaltung der Ziehungen dieser 
Lotterie gegen Vergütung der K(»sten benützen zu können 5j. 

Zu diesem Beluife wurde in dem Saale eine mit den Landes- 
farben (Roth und Weiss) gezierte Barriere hergestellt, welche den- 
selben im hinteren Drittel seiner Länge der Quere nach theilte. 

1799 wurden zur Beleuchtung des grossen und kleinen Land- 
hauses 22 Laternen verwendet, die theils an der Aussenseite des 
Gebäudes, theils in den Hofräumen, in den Gängen und auf den 
Treppen vertheilt waren s). 

Am 16. September 1800 beschlossen die Stände unter dem 
Landmarschalle Karl Grafen von Zinzendorf und Potten- 
dorf, für die bisher vom ständischen Ober-Einnehmer-Amte abge- 
sondert bestandene Liquidatur einen eigenen, jedoch nur aus einem 
Erdgeschosse bestehenden V'ordertract im kleinen Landhause gegen 
den Minoriten-Platz zu erbauen, welcher sich an die Hauptfronte des 
alten Landhauses nächst dem rechten Flügel anschliessen und mit 
dem in derselben beGndlich gewesenen Ober-Einnehmer-Amte in 



') Akten der stand. Registiat. — Bergenstainm, Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. 

2) Akten d. stand. Registrat. 

^) Cod. provinc. contin. p. 1446. 

*) Cod. provinc. contin. p. 97 et 433. 

5J Cod. provinc. contin. p. 97, 98 et 434. 

^) Cod. provinc. contin. p. 102. 



17() 

Verbiiulung stehen sollte, und bewilligten /Air Herstellung dieses 
Baues die auf 2670 bis 2700 Gulden veranschlagte Kostensumme i). 

[n demselben Jahre genehmigte das Verordneten-Collegium, 
über Ansuchen der italienischen Hofkanzellei vom 24. Octnber 1800, 
die Aufsetzung eines Rauchfanges im Gebäude der italienischen Hof- 
kanzellei im liinteren Theile des Zwingers gegen Ersatz der Kosten, 
welche die Wiederherstellung einer Rinne erheischte, die bei dieser 
Gelegenheit im grossen Landhause abgenommen werden nuisstes). 

Am 19. Februar 1801 wurde der Bau des Yordertractes im 
kleinen Landhause für die ständische Liquidatur in Angrift' genom- 
men s). 

Am 1(5. November 180ö wurden unter dem Landmarschalle 
Franz Grafen von Säur au die für das im Jahre 1797 errich- 
tete ständische Frei-Corps bestimmt gewesenen Fahnen, wegen des 
unterm 13. Noveuiber erfolgten Einmarsches des franzijsischen Hee- 
res, im Landhause verbrannt*). 

Am 10. December desselben Jahres wurde die ständische Casse, 
welche nebst der städtischen und Bankal-Casse während der feind- 
lichen Invasion in Wien zurückgeblieben war, von den Franzosen 
auf Abschlag der von ihnen bei den Ständen und der Stadt Wien 
gemachten Geld -Requisition von 32 Millionen Francs in Beschlag 
genommen s). 

Am 22. November 1807 feierte der ständische Beneticiat Gil- 
bert Arnold — welcher seit 5. Junius 1798 dieses Beneficium 
genossen hatte e) — unter Assistenz der beiden ständischen Verord- 
neten, Abt zu Seitenstetten und Probst zu Klosterneuburg, seine Se- 
cundiz in der ständischen Capelle, bei welcher Gelegenheit ein Te 
Deum vom Capellmeister Joseph Eybler, und eine Litanei vom 
ständischen Buchhalter Maximilian U 1 b r i c b im grossen Saale und 
bei geöffneten Tliüren der sich an diesen Saal anschliessenden Prä- 
laten-Stube abgesungen wurde '). 



1) Cod. provinc. contin. p. 100 et 456. 

-) Cod. provinc. contin. p. 96. 

^) Bergenstamm. Mscpt. — F. Gesch. d. Landh. — Hormayr, Gesch. Wiens. 

*) Bergenstamm, Mscpt. 

*) Geusau, Gi'sch. Wiens. 

6) Cod. provinc. contin. p. 107. 

'') Bergenstamm, Mscpt. 



177 

Zur Ei'iniieruiig an diese Feier stiftete der Beneficiat seinen Pri- 
miz-Kranz in die ständische Capelle, welcher sich noch dermalen in 
derselben, in einem Glaskästchen aufgestellt, befindet i). 

1807 schenkte auch der ständische Secretär Alois von Ber- 
gen.stamm ein grosses Ölgemälde, die Belagerung Wiens durch 
die Türken im Jahre lö29 vorstellend, und der ständische Verord- 
nete Franz Freiherr von Prandau die bildliche Darstellung des 
feierlichen Einzuges Kaisers Franz II. vom 16. Januar 1806 in 
seine Residenz, in die Bürger-Stube (Einreichungs-Protokoll) , wo- 
selbst ersteres Gemälde bis 1830, letzteres aber nur bis 1812 auf- 
bewahrt worden war, in jenem Jahre aber in die Herren-Stube über- 
tragen wurde, wo es bis zum Beginne des Baues des neuen Land- 
hauses aufgehangen war. 

Nach der unterm 9. Junius 1808 stattgefundenen Errichtung 
der österreichischen Landwehr wurden unter dem Landmarschalle 
Johann Nepomuk Grafen von Trauttmansd o rff im gros- 
sen Saale des Landhauses 5000 Überröcke, Patrontaschen, Gurten, 
Riemen und Hutschilde au die Mannschaft der Wiener Landwehr 
vertheilt 2). 

In eben diesem Jahre wurde im Ritterstands-Saale auch die 
erste Sitzung der k. k. Landwirthschalts- Gesellschaft unter dem 
Vorsitze des Erzherzogs J h a n n Baptist abgehalten 3). 

Während der reindlichen Invasion der Franzosen im Jahre 1809 
wurde im grossen Saale des Landbauses ein Mehl- und Korn-Magazin 
behufs der Betlieilung der Bewohner Wiens mit den nöthigsten 
Lebensmitteln errichtet *). 

Bei der Beschiessung der Stadt durch den Feind in der Nacht 
vom 11. auf den 12. Mai 1809 blieb das Landhaus, ungeachtet 
mehrere Haubitz-Granaten in den Höfen desselben platzten, von 
jeder Beschädigung verschont. 

Am 12. Mai, schon frühzeitig des Morgens, versammelte sich 
im Herrenstands-Saale eine ständische und städtische Deputation, 
welche sich um 8 Uhr früh zum Kaiser Napoleon I. nacb Schön- 



1) Bergenstamm, IVJscpt. 

-) Bergenstaiiiin, Mscpt. 

•'') Bergenstamm, Mscpt. 

*) Bergenstamm, Mscpt. — K. (iescli. il. l.ainlli. 

Anhiv. XLI. 1. 12 



178 

bi'iuin verfügfe, um demselben in leierlieher Weise die (^stpitiilatioa 
der Sladt zu überreichen, worauf schon am 13. Mai der Einzug des 
französischen Heeres in Wien erfolgte, und sowohl die ständische 
Casse, als die in Wien zurückgebliebenen Staats- und Stadt-Cassen, 
mit einer ßaarschaft von ungefähr 12 Millionen Gulden in Beschlag 
genommen wurden. 

1809 wurde auch die in der ehemaligen Haus-Capelle in der 
Herrenstands-Wohnung befindlich gewesene Statue aus weissem 
Marmor, die Empfängniss Mariae vorstellend, in die ständische 
Capelle übertragen *). 

Am 11. März 1810 wurde unter dem Landmarschalle Joseph 
Karl Grafen v on Di etrich stein, zur Feier der an eben diesem 
Tage durch Procuration stattgefundenen Vermählung der Erzher- 
zogin Maria Ludovica mit Napoleon I., auch das Landhaus 
glänzend beleuchtet. 

Am 16. .Tunius 1814 wurde zur Feier des an jenem Tage Statt 
gehabten Einzuges Kaisers Franz I. von Österreich in seine Resi- 
denz ein prachtvolles, nach der Angabe des kaiserlichen Architekten 
Ludwig von Remy vor dem Laiidhause errichtetes Ehrengerüste, 
dessen Kosten bei 36.000 Gulden betrugen, unter Trompeten- und 
Paukenschall glänzend beleuchtet a). 

Zur Erinnerung an dieses feierliche Ereigniss wurde die Ori- 
ginal-Zeichnung jener Ehrenpforte im Herrenstands-Saale aufge- 
hangen, woselbst sie bis zum Baue des neuen Landhauses belassen 
wurde. 

im September 1814 fand in der Herren-Stube die Vertheilung 
der Eintritts-Karten zu den während der Congress-Zeit gegebenen 
Hof-Festen durch eine eigene Hof-Commission Statt 3). 

1814 Hessen auch die Stände das Bild Kaisers Franz L von 
Österreich durch den Maler Zetter in Lebensgrösse für die Herren- 
stands-Stube malen*). 

In demselben Jahre wurde endlich noch eine allgemeine Reno- 
vation des Landhauses vorgenommen *), wobei der Altar in der einst- 



'J Akten d. stand. Registrat. 

-) Akten d. stand. Registrat. — Uergeiistanini. Mscpt. 

') Akten d. stand. Registrat. 

'*) Akten d. »tänd. Registrat. 

*J Akten d. stand. Registrat. 



179 

maligell Haus-Capelle in der Herrenstands-Wohnung abgebrochen 
wurde und an die Stelle der auf den Landhausthoren seit dem Jahre 
1790 angebracht gewesenen unrichtigen Wappenschiide mit fünf 
Lerchen das Rudolphinische Wappen mit fünf goldenen Adlern 
trat. 

Im Junius 1815 wurde in dem grossen Saale des Landhauses 
die öffentliche Prüfung der Zöglinge des Blinden-Institutes abge- 
halten '). 

1816 kauften die Stände eine von dem berühmten Bildhauer 
Marchese zu Mailand verfertigte colossale Büste Kaisers Franz l. 
von Österreich aus carrarischem Marmor-), welche in einer mit 
künstlichem Marmor verkleideten Nische, auf einem Postamente aus 
Granit, in der Herrenstands-Stube aufgestellt und mit folgender, vom 
ständischen Verordneten Max Grafen von Cavriani verfassten 
Inschrift geziert wurde, die mit metallenen Buchstaben auf einer 
Platte von weissen» Marmor an der Vorderseite des Postamentes an- 
gebracht ist : 

Franz I. Kaiser von Österreich ! 
Ruhe gabst Du, Friede und Einigkeit 
Allen Völkern, Deinem Staate. 
Nieder-Österreichs treue Stände 
Zollen Dir dafür im Bilde 
Ihre ewige Dankbarkeit. 
MDCCCXVI 
Als Herr Joseph Graf von Dietrichstein 
Landmarschall gewesen s). 
Bei dieser Gelegenheit wurde das Ölgemälde Kaisers Franz aus 
der Herren-Stube in die Ritter-Stube und das Bild Kaisers Karl VL 
aus der Ritter-Stube in die Herren-Stube übertragen, bis 1819 das 
erstere dem Wiener Grosshandlungs-Gremium überlassen*) und das 
letztere an seine frühere Stelle wieder übertragen wurde. 

1818 machte der Landmarschall Joseph Karl Graf von 
Dietrichstein als Gouverneur der schon am 1. Junius 1816 ge- 



•) Akten d. stund. Rpg-istrat. 
-) Akten d. stand RegistnU. 
^) F. r.esch. d. Landh. 
*) Akten a. stand. Registrat. 

12» 



180 

gnindeleii ÖsteiTeicliischeii National-l»ank den Stünden den Anfrag, 
das kleine Landhaus der National-Bauk zur Einbeziehung in den von 
diesem Institute beahsichl igten Bau eii»es eigenen Bank-Gebäudes zu- 
nächst des Landhauses käuflich zu überlassen, welchen Antrag die 
Stände aber abzulehnen sich bestimmt landen i). 

Im Jahre 1819 wurden die alten Damast-Tapeten sowohl in der 
Frälaten-Stube, als der ständischen Capelle, ihrer Schadhaftigkeit 
wegen abgenommen, die besser erhaltenen Stücke der kirschrothen 
Damast-Tapeten der Prälaten-Stube zurAussj)alieriing der ständischen 
Capelle verwendet und die Prälaten-Stube mit einem neuen Spalier 
aus gelben Papier-Tapeten versehen 2). 

1820 wurde der grosse Saal zur Aulbewahrung eines Theiles 
der Akten der ständischen Registratur bestimmt und die in demselben 
seit 1799 bestandene Barriere abgebrochen. 

1822 wurde das für die ständische Capelle Itestandene Geld- 
pauschale von 70 Gulden für Wäsche, Opferwein und Bestreitung 
des Ministranten aufgehoben und dagegen beschlossen, diese Aus- 
gaben nach Bedarf zu leisten ^). 

Der Schaden, welchen die Dachungen des Landhauses im Laufe 
der Zeit erlitten hatten, erforderte im Jahre 182ö die Vornahme 
einer Haiipt-Reparatur derselben *). 

Am 9. April 1826 fand unter dem dermaligen Landmarschalle 
Peter Grafen von Goess zur Feier der Wiedergenesung Kai- 
sers Franz eine glänzende Beleuchtung des Landhauses Statt 5). 

1827 wurde die Ritter-Stube zur l^nterbringung der neuen Ca- 
tastral-Mappen bestimmt e). 

Am 12. Februar 1828 wurde zur Feier des sechzigsten Geburts- 
festes Kaisers Franz vor dem Landhause ein prachtvolles Ehren- 
gerüste nach der Angabe des Architekten Joseph Korn hau sei 
errichtet, das bei einbrechender Nacht mit grossem Pracht-Auf- 
wande beleuchtet wurde ^). 



1) Akten d. stand. Registrat. 
') Akten d. stand. Reg^islrat. 

2) Akten d. stand. Regisfrat. 
*) Akten d. stand. Reg^istrat. 
*) Akten d. stand. Registrat. 
6) Akten d. stand. Registrat. 
'') Akten d. »tünd. Registrat 



18t 

1829 imisste der kuiKstvolie Stuccatiir-Pialoiid in der Prälaten- 
Stube seiner bedeutenden Schadbaftigkeit wegen abgenommen wer- 
den. Dieses Geniacb wurde sonacb mit einer neuen, jedocb ganz ein- 
facben Decke verseben und an die Stelle der bisber dase'bst be- 
standenen Papier-Tapeten trat prunkJose Malerei '). 

Vom Jabre 1814 angefangen bis zum Jabre 1836 wurde der 
grosse Saal des Landbauses bäufig zur Abbaltung von Concerten, so 
wie auch zu den Ziehungen der Staats- und Güter-Lotterien in An- 
spruch genommen, und 1825 sogar dem berühmten Taschenkünstler 
Conus zu seinen angestaunten Productionen überlassen 2). 

Unter den vielen daselbst stattgefundenen und bäufig von dem 
höchsten Hofe, so wie auch von fremden Fürsten besuchten musika- 
lischen Akademien, selbst der berühmtesten Virtuosen, — welclie 
diesen Saal seiner akustiscb-vortheilhaften Bauart wegen allen übri- 
gen in Wien bestehenden Sälen vorzogen, — vei'dienen vor allem 
die Concerte der berühmten Catalani (1820), und der Virtuosen 
Rnmberg, Boucher, Drouet und Legnani (1822) genannt 
zu werden, so wie die von Gebauer 1819 gegründeten, dann 
von Piringer und hierauf von Lannoy, Holz und Tietze fortge- 
setzten, so beliebt gewordenen Concerts spirituels, welche seif 1825 
regelmässig während der Fastenzeit und zuletzt sogar mit Verwendung 
einer grossen Orgel daselbst gegeben wurden. 

Eine fernere Benützung des grossen Saales im Landhause von 
Seite der Stände selbst fand schon seit einer langen Reihe von Jah- 
ren jederzeit bei Gelegenheit der Erbhuldigungen Statt, wo sich die 
gesamnifen Stände in demselben versammelten, um von da aus in 
die Kaiserburg zu ziehen und den Monarchen zur kirchlichen Feier 
in die Metropolifan-Kircbe nach St. Stephan zu geleiten, wie dies 
zuletzt am 14. Junius 1835 bei der Erbhuldigung Kaisers Fer- 
d i na nd I. geschah. 

Eben so wurde auch der Herrenstands-Saal seit dem Jahre 
1813, als die Landwirthschaffs-Gesellscbaft wieder neu in's Leben 
trat, alljährlich zu den Gesammt-Sitzungen derselben, und zwar ur- 
sprünglich unter dem Vorsitze Seiner kaiserl. Holieit des Erzherzogs 
Jobann Baptist, später aber Seiner kaiserl. Hoheit des danialigen 



') Aklen d. stiiiid. I{ej;istrat. 
-) \ktcii il. släiid. Keiiistiiit. 



182 

Kronprinzen Erzherzog Ferdinand, und in der letzteren Zeit auch 
zu den landwirthschaftlichen Discussionen verwendet. 

Am 4. October 1827 erneuerten die Verordneten das von den 
Ständen schon am 11. Junius 1712 gemachte Project, den rechten 
Flügel des Landhauses, in welchem sich die Ritter-Stube befand, bis 
zur Herrengasse zu verlängern, und das 1674 hergestellte Gebäude 
— einst Wohnung des Syndicus, seit 1790 aber Wohnung der Herren- 
stands-Verordneten — zu demoliren, und fügten diesem Projecte den 
weiteren Vorschlag bei , beide Flügel gegen die Herrengasse mit 
einem Quertraete, der die Hauptfronte bilden sollte, zu verbinden. 

Hierauf beschlossen die Stände am 17. October 1827 die Bil- 
dung eines eigenen Comite's zur Erhebung der Local-Bedürtnisse 
bei dem beabsichtigten Umbaue des Landhauses , welches aus den 
Ausschussräthen Abt zu den Schotten, Freiherrn von Barten- 
stein, Freiherrn von Knorr, und den Verordneten Abt zu Sei- 
tenstetten, Grafen von Collored o-Mannsfeld und Freiherrn 
von Mayenberg bestand und zu welchem auch der Architekt 
Joseph Kornhäusel beigezogen wurde. 

Nach dieser Berathung beschlossen die Stände unterm 17. Oc- 
tober 1828, den Bau des Landhauses nach dem Plane des Archi- 
tekten Kornhäusel in Ausführung zu bringen, das kleine Landhaus 
zu demoliren, zwischen dem Landhause und dem gräflich K i n s k y'schen 
Hause eine neue, von der Herrengasse auf den Minoriten-Platz füh- 
rende Gasse zu eröffnen , auf das ganze Gebäude ein drittes Stock- 
werk aufzusetzen, und hinsichtlich eines zum gräflich Kinsky'schen 
Hause gehörig gewesenen ebenerdigen Stalltractes , welcher in die 
Area des Landhauses eingriff und über dessen rechtmässige Her- 
stellung kein Beweis geführt werden konnte, mit dem Grafen von 
Kinsky einen Vergleich zu schliessen. 

Dieser Vergleich kam durch Vermittelung des Verordneten 
Freiherrn von Mayenberg in den Jahren 1829 und 1830 auch 
zu Stande, in Folge dessen dem Grafen von Kinsky, gegen Ab- 
tretung jenes Stalltractes an die Stände, von denselben auf ihre Kosten 
ein Entschädigungsbau in gleicher Linie mit dessen Hause hergestellt 
werden sollte. 1830 wurde sonach der Architekt Joseph Korn- 
häusel beauftragt, auch den Plan zu diesem Entschädigungsbaue 
zu entwerfen, welchen derselbe zu Anfang des Jahres 1831 über- 
reichte, worauf von den Ständen unterm 2. März 1831 der Beschluss 



183 

gefasst wurde, diese F^läiie Seiner M:ijeslät dem Kaiser zur aller- 
höchsten Genehmigung vorzulegen. 

Im Verlaute dieser Verhandlungen wurden den Ständen unterm 
18. Julius 1832 von Hof aus neue Pläne für den beabsichtigten Bau 
des Landhauses mitgetheilt, welche der Hof-Baurath entworfen hatte. 

Hiernach ordneten dieselben unterm 17. October 1832 die Er- 
ötTnung einer Concurrenz in Bezug auf die Pläne der Fa^ade an, in 
Folge welcher der Architekt Ludwig Pichl den Ständen noch in 
demselben Jahre ein neues Bau-Project überreichte, nach welchem 
ein grosser Theil des alten Gebäudes beibehalten, die ehrwürdigen 
Denkmäler in demselben grossentheils erhalten und das neue Ge- 
bäude mit dem alten unter einer bedeutenden Kosten-Ersparung in 
übereinstimmende Verbindung gebracht werden konnte. 

Am 17. November 1832 wurde Architekt Pichl durch das 
Bau-Comite aufgefordert, seine Pläne umständlich auszuarbeiten, und 
unterm 25. Februar 1833 legte er dieselben nebst einer plastischen 
Darstellung des projectirten neuen Gebäudes — welche ursprüng- 
lich im Ritterstands-Saale, und erst beim Beginne des Baues im Raths- 
Saale aufgestellt wurde, — sammt den Kostenüberschlägen vor. 

Das Bau-Comite schenkte dem Projecte P i c h 1 s , theils wegen 
der möglichsten Erhaltung vieler alterthümlichen Denkwürdigkeiten, 
theils wegen der sich ergebenden bedeutenden Kosten-Ersparniss den 
\'orzug, theilte die Ausführung des Baues auf fünf Jahre ein und 
legte unterm 3. April 1833 diese neuen Pläne nach Hof vor. 

Die inzwischen höchst fühlbar gewordene Baufälligkeit des ab- 
gesonderten Gebäudes, worin sich die Herrenstands-Wohnung be- 
fand, dessen Erhaltung mit Einschluss der übrigen im Landhause 
nöthig gewordenen Beparaturen einen Kostenaufwand von 12.846 
Gulden erfordert hätte, bewog die Stände unterm 20. October 1833 
den Antrag zur Abtragung dieses Gebäudes zu stellen, welcher An- 
trag unterm 5. März 1834 nach Hof vorgelegt und unterm 12. Mai 
1834 genehmiget wurde. 

Bei dieser Gelegenheit wurde den Ständen durch die k. k. ver- 
einigte Hof-Kanzellei die Mittheilung gemacht, dass Seine Majestät 
der Kaiser beschlossen habe, die Verhandlungen des Landhausbaues 
im Wege der k. k. vereinigten Hof-Kanzellei ihrem Ende zuzuführen. 

Wegen Dringlichkeit des Gegenstandes wurde mit der Demo- 
lirung des Herrnstands-Tractes schon im Junius 1834 begonnen und 



184 

Ai'i'hitekt Piclil erwiikte in iler Zwischenzeit auch die Bewilligung 
zur Anbohrimg einer städtischen Wasserleitung behufs der von 
ihm beabsiehtiglen Herstelhing eines fortwährend tliessenden Quell- 
und vielleicht sogar Spring-Briinncns im neuen I^andhausgebäude. 

Die lange Verzögerung, welche bei diesen Bau-Verhandlungen 
eingetreten war, hewog das Verordueten-Collegium, unterm 13. No- 
vember 1834, im Namen und nach dem Beschlüsse der Stände vom 
17. Oclober 1834, um deliiütive Ertheilung der Bau-Bewilligung bei 
Hof einzuschreiten. 

Nachdem aber von Seite der k. k. vereinigten Hof-Kanzellei 
unterm 23. Februar 1836 neue Anstände gegen die Herstellung eines 
Gebäudes mit drei Stockwerken erhohen wurden, überreichte das 
Verordueten-Collegium derselben unterm 9. Mai 1836 ein abge- 
ändertes Bau-Project, nach welchem das neue Lamlhausgebäude nur 
zwei Stockwerke erhalten sollte. 

Um die neuerlichen Hindernisse, welche der Hof-BauratJi nach 
der Hof-Intimatiou vom 8. September 1836 auch gegen dieses Pro- 
ject erlioben hatte, schnellmiiglichst zu beseitigen, beschlossen die 
Stände unterm 1, October 1836 eine commissionelle Berathung mit 
der k. k. vereinigten Hof-Kanzellei, welche am 16. Januar 1837 bei 
dieser Hofstelle zwischen dem Hof-Baurathe, einigen ständischen 
Deputirten und dem Arckitekten Pichl wirklich Statt fand und in 
Folge welcher unterm 22. Januar 1837 die Genehmigung des frühe- 
ren Projectes zur Herstellung eines Gebäudes mit drei Stockwerken 
von Seite der k. k. vereinigten Hof-Kanzelleier folgte und den Ständen 
unterm 5. August die allerh(')chste Entschliessung Seiner Majestät 
des Kaisers vom 31. Julius bekannt gegeben wurde , dass der Bau 
des neuen Landhauses nach dem von den Ständen genehmigten 
Plane vorgenommen werden könne, die Ausführung der Fa§ade 
gegen den Zwinger aber einstweilen zu sistiren sei. 

Es wurde sonach beschlossen, den ganzen Bau in drei Abtliei- 
lungen zu führen, die Ausführung desselben dem Baumeister Leo- 
pold Mayr unter der Leitung des Architekten Ludwig Pichl, und 
die Ober-Aufsicht einem kunstverständigen Bevollmächtigten der 
Stände, Herrn Ferdinand Ritter von Mitis, zu übertragen. 

Vor allem war nun aber die Räumung mehrerer Amts-Locali- 
täten und die Dislocation der einzelnen Ämter nöthig. Die Akten der 
ständischen und Erbsteuer-Registratur wurden in dem grossen Saale, 



185 

in wt'iclieni sich bereits das Buchhalterei-Arcliiv befand, luul die 
Sfaiides-Archive samint dem Haupt-Archive in dem kleinen Land- 
hause untergebracht, den Beamten dieser Ämter aber wurde die 
Prälaten-Stube zugewiesen, welche seither Arbeitszimmer der Ver- 
ordneten war. Das Steuer-Departement der ständischen Buchhaltung 
wurde anfangs in den Ritterstands-Saal, und später in die Ritter- 
stands-Wohnung, das Landes- und Credits-Departement der Buch- 
haltung in die ehemalige alte Registratur unterhalb des grossen 
Saales im Erdgeschosse zur Linken verlegt und die bisherige neue 
Registratur nächst dem Ralhs-Saale im ersten Stockwerke des lin- 
ken Flügels des Gebäudes zum Arbeitszimmer für die Verordneten 
bestimmt. 

Am 18. September IS37 wurde der Anfang des Tnibaues mit 
der Erdaushebung gemacht und am 7. Oetober 1837 mit der Grund- 
steinlegung begonnen, welche ohne Gepränge um 1 L'hr Nachmittag 
in Gegenwart der Verordneten Jacob Rutten stock, Probst zu 
Kloster neuburg , Joseph Freiherru von Jlayenberg und 
Ignaz Ritter von Mitis, dann des Sy!:dicus, der drei Secretäre 
und sämmtlicher Amtsvorsteher, in Abwesenheit t\<:> IltiiMi L;;iiil- 
marschalls und der beiden Verordneten Sigismund Schuhes, 
Abt zu den Schütten, und Friedrich Egon Landgrafen zu 
Fürstenberg, durch den Verordneten Grafen Ferdinand 
von Col I ore do-Ma n nsfel d vorgenommen wurde und welche 
lediglieh darin bestand, nachstehende Urkunde und die damals im 
Umlaufe gewesenen verschiedenen Münz-Sorten, vom Ducaten ab- 
wärts — welche in eine Glas-Kapsel eingeschlossen wurden — in 
eine Nische des zuerst gelegten Steines einzumauern, der sich an 
der äussersten Ecke der neu zu erötYnenden Gasse, gegen die Herren- 
gassc zu, im tiefsten Grunde beiludet. 

Diese Urkunde enthält eine kurze Aufzählung der von den 
nieder-österreichischen Ständen angekauften und theihseise zum 
Laiulhausbaue verwendeten Gründe, eine gedrängte Darstellung der 
Veranlassung zum neuen Baue und der seit 1827 in dieser Ange- 
legenheit gepflogenen Verhandlungen, und schliesst mit tolgenden 
"Worten: 

„So wurde denn dieses, den n. öst. Herren Ständen angehörige 
„Landhaus nach den Plänen des Erzherzoglichen Architekten Alois 
„Piclil nach einer vorausgegangenen zehnjährigen Verhandlung im 



186 

„Monate September 1837 unter der Regierung Kaisers Ferdi- 
„nan d I. von dem Baumeister Leopold Mayr zu hauen angefangen 
„und dieser erste Stein hiezu unter dem dermaligen Herrn Landmar- 
„sclialle Peter Grafen von Goess von den Landesverordneten 
„J aeobRuttenstock, Probst von Klosterneuburg, undSigismund 
„Scbultes, Abt zu den Schotten, vom Prälaten-Stande; Ferdi- 
„nand Grafen von C olloredo -Mannsfel d und Friederich 
„Egon Landgrafen zu Fürstenberg, von dem Herren-Stande; 
„Joseph Freyherrn von Mayenberg und Ignaz Ritter von 
„Mitis, von dem Ritter-Stande, im Beysein des Landschafts-Syndi- 
„cus und Kanzellei-Directors Franz Nehammer, der ständischen 
„Secretäre Franz Wasshuber, Ignaz Castelli und Carl 
„Edlen von Schreyber, des Landscbafts-Buchhalters Joha nn 
„Baptist Geissler, des ständischen Vice-Buchhalters Joseph 
„Chalupsky, des ständischen Ober-Einnehmers Michael Wag- 
„ner, des ständischen Controlors Joseph Frey berger, des 
„ständischen Registraturs-Directors Johann Wasshuber, des 
„ständischen Expedits-Directors Joseph Hannusch und des stän- 
„(iischen Gebäude-Inspectors Emanuel Edlen von Fillenbauni, 
„heute am 7. October des Jahres Eintausend achthundert siehen 
„und dreyssig in die Erde gelegt." 

„Gott erbalte den Kaiser, 

„Das Vaterland, 

„Die Stände 

„und dieses Haus." 

Die in dieser Urkunde enthaltene Angabe über die zum neuen 
Landhause verwendeten Grundstücke weicht jedoch vor der in der 
vorliegenden Arbeit gelieferten Darstellung in einigen Punkten ab, 
indem in derselben das von den Ständen im Jahre 1573 angekaufte 
Auer'sche Haus als gegen den Minoriten-Platz gelegen bezeichnet 
wird, was keineswegs der Fall war, und sogar das von denselben 
im Jahre 1546 durch Kauf erworbene Ungnad'sche Haus, welches 
als in der Herrengasse gelegen angegeben erscheint , als zum neuen 
Landhause verwendet vorkommt, während dieses Haus doch erwie- 
senermassen nicht in der Herrengasse, sondern auf dem Minoriten- 
Platze und zwar an derselben Stelle sich befand, welche gegen- 
wärtig der fürstlich Liechtenstein'sche Palast zwischen dem 



187 

Minoriteii-Plittze, der vorderen Scheiikeiistrasse und der Löwelstrasse 
einnimmt. 

Auch zwei von den in dieser Urkunde genannten Verordneten 
waren bei der Grundsteinlegung nicht zugegen, da sie verhindert 
waren bei derselben zu erscheinen, nämlich Sigismund Schut- 
tes, Abt zu den Schotten, und Friedrich Egon Landgraf 
zu Fürstenberg. 

Während der Erdaushehungen beim neuen Baue des Landhauses 
wurden viele alt-römische, theils Kupfer- theils Silbermünzen, eine 
griechische Kupfermünze und auch einige Münzen des Mittelalters 
und der neueren Zeit aufgefunden. 

Unter den römischen bemerken wir Münzen von den Kaisern 
Domitianus, Trajauus, Hadrianus und seiner Gemahlin Sa- 
bina (Silber); von Marcus .\urelius, dessen Gemahlin Fau- 
stina Junior, und seinem Mit-Regenten Lucius Verus; von 
Septimius Severus (Silber), seiner Gemahlin Julia Domna 
(Silber), und Soaemias, der Mutter des Kaisers Heliogabalus 
(Silber); ferner von den Kaisern Severus Alexa n de r (Kupfer und 
Silber), T r a j a n u s I) e c i u s, (i a 1 1 i a n u s. D i o c I e t i a n u s, M a x i- 
m i a n u s , Claudius (i o t h i c u s , C o n s t a n t i n n s Magnus, sei- 
nem Sohne Constans, und dem Kaiser Gratianus. 

Die griechische Kupfermünze stammt von Ph i I i ppus und ist 
ein Gepräge aus V'iminacium (Widdin?), die Silbermünze des Mittel- 
alters rührt von Johann L König von Böhmen. 

Unter den neueren endlich erwähnen wir einer Silbermünze von 
Theodor von Bernings hausen, Abt von Corvey, aus dem Jahre 
1607, von Sigmund IIL von Polen aus dem Jahre 1622, und von 
Erzherzog Leopold, Stifter der jüngeren tyrolisehen Linie, vom 
Jahre 1624. 

Schliesslich verdienen noch zwei kupferne nieder-österreichisch- 
ständische Rechenpfennige aus den Jahren 1557 und 1567 {bemerkt 
zu werden, welche auf dem Averse das Rudolphinische, auf dem 
Reverse das Babenbergische Wappen und neben diesem die durch das 
Wappen getheilte Jahreszahl enthalten, die auf der älteren Münze aber 
sonderbarerweise verkehrt angebracht ist und 5751 lautet. 

Die ältere dieser Münzen enlhält auf dem Averse folgende Rand- 
schrift: AINER-ERSA-LAND-DITZ-ERTZ-OSTERREIC, — auf dem 
Reverse: VNDER - DER - ENS- HERN- VERORXD-RAITPHE. Die 



188 

iieiiero hingegen auf dem Averse die in der Selireibai-t etwas abwei- 
chende Randschnft : AINER-ERSA-LAND-DITZ-ERTZ-ÖSTEHRKI, 
— auf dem Reverse : VNDER-DER-ENS-HKR-VERORENI) RAITPHK ; 
offenbar in der Vervollständigung: Einer ehrsamen Landschaft die- 
ses Erzherzogthums Österreich unter der Enns Herrn V^erordneten 
Raitpfennig. 

Der Rau wurde mit dem vorderen Tracte gegen die Herrengasse 
begonnen und demselben der rechte Tract gegen die neue Gasse zu 
angereiht, Melcher, nachdem die ganze Raufiihrung dem neuesten 
Reschlusse zu Folge in zwei wSectionen eingetheilt worden war, bis 
zum Ritterstands-Saale fortgeführt und bis zu Ende Novembers 1838 
so weit gebracht wurde, dass mit der Aufsetzung des Dachstubles be- 
gonnen werden konnte. 

Die Verlängerung des rechten Traetes bis zum Minoriten-Platze, 
die Herstellung der Hauptfronte gegen denselben und des linken 
Traetes von da bis zur Herrengasse, ist für die zweite Rau-Section 
bestimmt. 

Am 28. Februar 1838 wurden mancherlei Veränderungen in 
der inneren Einrichtung des Gebäudes, welche die Redürfnisse er- 
heischten, genehmigt und am o. März 1838 beschlossen, über die 
Attica den Rudolphinischen Wappenschild mit dem österreichischen 
Erzherzogshute, von der Austria gehalten, und an dessen Seiteji den 
Ister und Genien mit Füllhörnern anzubringen, deren Ausführung dem 
berühmten Bildhauer Directur Joseph Kl i eher anvertraut wurde. 



190 







191 



Erläuternngen 



EU ilom neht*nstehenden Plane, nach den Nummern desselben, ^eto^en aua 

dein magistralischen Grundbiiche (M. G.) , jenem der Schotten (S. G.) und 

dem der Minoriten (MI. G.). 

Zasammengettellt durch 

Albert Ritter Ton Camesina. 



Nr. 29. S. G. IL 222. Caspar von Rojrendorf Vs Haus 1479. 
Nr. 30. Von Liechtenstein 1451 — 1460. 

Nr. 30 mit 31 zusammen :S. G. VII. 40. b. Hanns Bernliart P'iinfkir- 
ehen ao 1604. 

S.G. VII. 198. Andre Thonradl Freyherr auf Themberg 'halb 
Haus auf der Hoehstrass 1614, wurde als Re- 
bellen guet vmb 10.000 fl.' verkauft an: 
„ VII. 3Ö6. Gundacker zu Polhaimb I62I. Wurde getlieilt 

und zwar nach 
„ X. 267. erhielt Nr. 30. Dorothea von Polhaimb 1679 «/^ 
Haus. Dieser Theil ist laut Veräusserungs-Con- 
tractvomS. May 17 16 'mit denn. ö. Verordneten 
zu dem Wiener Landhaus verwendet und ver- 
baut.' 
Nr. 31. S. G. VIII. 115. Hans Reichait von Polhaimb 1627, 1/4 Haus. 
„ X. 262. Achilles Polhaimb 1629. Wird darnach Frei- 
haus. 
Nr 32. M. G. D. 13.b. Anton Greul 'zenagst weilent Hainrich von 
Zelking haus'. Erkaufte es von der Stadt 'vmb 
140 a:. aö 1446.' 
^ n. 22o. Hanns Perr a?i 1454. 
„ I). .S32. Symon Perr aT. 1472. 



Nr. aa. M. (j. J). 14.1». Aiiloii (Jituil 1447. 

„ I). 2;>4. .lorg von Kiiiiacli 1451. 

„ I). 225. Hans P.MT 14I>4. 

„ F. 251. Wollgang Ober 1533. 

. F. 303. Michael Puchlei- 1534. Zwischen Wolfgaiig 

Madtseber nnd Valentin Huetenperger. 
„ H. 141. Kathrina Khathauser 15:;5. 
„ „ „ Stefan Frank 1558. 
„ H. 387. Hanns Arthöier 1570. 
„ J. 130. Georg Fnk 1580. 
« L. 326. Lorenz Beittler 1634. 
„ N. 208. Ludwig Graf von Sinzendorf 1(;()9. 
Na-, 34' IM. G. 0. 207. Hainrich Smauzz 1447. 

„ „ 209. Hanns Hasenwasser 1449. 

„ „ 267. Hanns Hasenwasser, Alhreoht von \\^n' vnd 

Egkl Fntrer 1472. 
„ E. 124. Mathe Sleinpeck 1482. 
„ „ 247. Leonhart Reisner 1492. Wurde ermordet. 
„ „ 724. Georg Tordinger 1516. 

„ G. 118''. Valentin Ruetenperger 1539 'genant das Haws 
da die fnnIT Mord geschehen' vergl. oben zum 
Jahre 1492. 
„ G. 378. Franz Hayden 1550. 

„ 378". Hanns Rekhendorffer 1550. 
„ H. 395. Barbara Rekendorfer 1571. 
„ J. 210. Georg Wibmer 1587. 
„ K. 222. Reiuharl Haslinger 1615. 
„ M. 205. Johann Virich 1645. 
„ „ 540. Jacob Häffer. 

„ N. 30. Ferdinand Graf von Harrach 1670. Von da an mit 
Nr. 34. zusammen unter gleichen Besitzern. War immer Freihaus. 
Ausser den unten aufgezählten können noch als Besitzer 
genannt werden: 1485 Einer von Eyczing; 1516 Georg von 
Eyczing; und 1612 Ein Freiherr von Herberstein. 
M. G. N. 607. Philipp Emanuel Fürst Longeual 1696. 
„ P. 119. Hainrich Hertzog von Schlesien zu Munster- 
berg 1720. 
„ W. 89. Karl Fürst von Auersperg 1794. 



193 

Nr, 34. M. G. X. 22(). Wilhelm Fürst von Auersperg 1803. 
„ Z. 77. Karl Graf von Zichy 1809. 
„ Z. 81. Niclas Fürst Eszterhazy 1809. 
„ Z. 230. Ferdinand Liebman 181 1. 
„ Nr. I. 167. Fürst Moritz von Liechtenstein 1816. Von 
1820 an mit Nr. 33 und 32 zur National- 
Bank umgebaut. 
Nr. 35MVII.G. D. 50. Leopold Krugeldorfer 1545, erkaufte es vom 
Kloster der Minoriten. 
„ D. 55. Christof Kugler 1570. 
„ D. 71. b. Caspar Muschart 1594. 
„ D. 82. b. Cristof Musebart 1612. 
„ I). 84. Wulff R(.sell 1612. 
„ 6. Barbara llelmben 1614. 

„ 9. Wenceslaus Dobrossowsky von Dobrossowa 1622. 
„ 16. Philipp Ziprer 1652. 
Nr. 35. MI.G. I). 50. Leopold Krugeldorfer erkaufte es vom Kloster 
der Minoriten 1545. 
„ 0. 55. Cristof Freydenstainer, R. K. M. Sumelier 1579 

(d. i. Sommelier, Kellermeister). 
„ 7. IJeinricb Kugler 1616. 
„ 10. Zacharias Rotbmayer 1625. 
„ 13. b. Johann Fassy 1642. 
„ 16. Philipp Ziprer 1652. 

„ 17. Zacharias Adam Paiier 1658. V^on nun an mit 35' als 
Nr.35 im selben Besitze, 'zum schwarzcnTlior. Waren 
früher zweyHeuser.wurden 1660 zusammen verbaut". 
„ 33. Hieronimus ßleihinhaus 1686. 
„ 58. Ferdinand Bleibinhaus 1714. 
„ 60. Johann Jugerl 1717. 
„ 66. h. Ferdinand Jugerl 1734. 
„ 83. b. Joseph Ferdinand von Holger 1765. 
„ 167. b. Joseph Ferdinand von Holgerische Erben 1790. 
Nr. 36. SG. (. 678. h. 'Erliart und Wilhalm gepruoder von Zelking 
ain Haus gelegen auf der Hochstrasz zenagst 
der von Liechtenstain von Nieolspurg haus, 
das mit gemecht von weilen StetTan von Czel- 
king an sie komen ist 1451'. • 

Aiehiv. .VIJ. 1. i;{ 



194 

Nr. 36. SG. I. G88. b. 'Walther Zohiiif^ei- von Kraiiichperg' 1451. 

„ I. 709. 'Niclas Drugsecz zu Stetz' 1 4ö3. 

„ I. 825. 'Kristof von Möi-spergk' 14()0 'zunagst der von 
Liechtenstein von Nicolspurg und Hanns von 
Fern heuser gelegen 1460'. 

„ II. 346. h. 'Bertlmevon Morsperg 1492 zunagst der von 
Liechtenstein und weilend Synion Perrn lieuser 
gelegen 1492'. 

„ II. 3 75. b. 'Rittei- Veit Funfkirchen 1493'. 

„ V. 66. 'Ritter Hanns Funfkircher zu Stainapruu vnd 
Valkhenstein 1565'. 

„ VI. 146. Hanns Bernhart Funfkircher 1592'. 1604 
wurde das Haus getheilt. 

„ VII. 40. h. Eiisabet von Althan, halbes Haus neben dem 
Landhaus gegen der Minoriten kirohen werts, 
der hinter tail. 1604'. 

„ Vlil. 307. Isahella Freyin Vnuerzagt. 1636. 

., VIII. 390. Maria Breynerin. 1639. 

„ I\. 54. 'Maximilian Graf zu Trathmanstorf 1643'. 
Nr, 37. MI.G. I). 81. 'Franz Benuento, Hofschmidt, erbaut ein Haus 
auf einem lehren Plalz. 1607. Erhielt 1610 zu 
noturft Seins gewerbes noch einen Platz vnge- 
fehr sechs Schrite lang, alda vor Zeiten der 
offne durchgang der kirchen gewesen. Peter 
Bemelin 1665. Magdalen Terzin geb. Remelin 
1680. Ehrenreieh Freyherr von Oppel 1697. 
Fridrich von Lamprecht 1701. Elnureich Rei- 
chel von Reichelsheimb 1745.' 



195 



III. 

STATUTEN 

DES 

METROPOLITEN VON PRAG 

AIINOST VüNPARDÜBlTZ 

FÜR DEN BISCHOF UND DAS CAPITEL VON OLMÜTZ 

UM DAS JAHR 1349. 

VON 

Dr. B. DUDIK. 



13 



107 



J-/iiit1i die Bulle des Papstes Clemens VI. vom 25. Aus^iisl 1344 
wurde der Hischof von Prag aus dem Verbände des Mainzer Erz- 
bischoles losgesagt und zu einem selhststäridigen Metropoliten für 
Böhmen und Mähren erhohen. Seine Suffragane Avurden der Bisehof 
zu LeitomysI in Böhmen und jener zu Olmütz in Mähren. 

Damals sass auf dem Prager Stuhle Arnost von Parduhitz, 
Fi-('uu(l und Rathgeher Kaisers Karl IV., und auf jenem zu Olmütz 
Johann, zugenannt Wolek. Der Erste regierte von 1343 bis 13B4 
und der Andere von 1334 bis 1351. 

Die Errichtung einer neuen Metropoütan-Kirche und die Los- 
zählung von einem fast 400jährigen Bande — Prag stand seit 973 und 
Olmütz seit 1063 unter dem Metropoliten von Mainz — machten 
unterschiedliche Verordnungen und Anstalten nöthig, um den so 
notlnvendigen hierarchischen Organismus wie in die Capitel, so in 
den Diöcesan-Klerus hineinzutragen Wie dies der hochbegabte neue 
Erzbischof, Arnost von Parduhitz, that, habe ich in einzelnen Um- 
rissen in dem durch die kais. Akademie der Wissenschaften heraus- 
gegebenen 37. Bande des Archivs für Kunde österreichischer Ge- 
schichtsquellen unter dem Titel: „Statuten der Prager Metropolitan- 
Kirche vom Jahre 1350" qiiellengemäss angedeutet. Die grosse Pro- 
vinzial-Synode vom November 1349 und die Metropolitan -Statuten 
von 1350 neiist Anweisungen für den Landklerus waren die Mittel 
hiezu. 

Um aber solche durchgreifende Reformen, wie sie die Synodal- 
Beschlüsse vom Jahre 1349 bedingen, nicht nur din-clizuführen. 
sondern ihr Substrat auch nur kennen zu lernen, dazu war dem 
neuen Erzbischofe die eigene Autopsie nöthig, und wolilweise 
haben daher die Päpste stets darauf gedrungen, dass Erzbischofe. 
bevor sie auf Beformen antragen, zuerst ihren Metropolitan-Sprenge! 



198 

oder ihre Kirchenprovinz bereisen müssen. Mit, anderen Worten : 
Jeder neu ernannte oder erwählte Erzhiscliof war verpfliehfet, vor 
der Abhaltung der Provinzial-Synode eine General- Visitation der zur 
Metropole gehörigen SufTragan-Kirchen zu veranstalten. 

Auch Erzbischof Arnost unterzog sich dieser Pflicht und visi- 
tirte die ihm unterstehende Olmützer Kirche. Den Recess über diese 
Visitation besitzen wir in einem von dem Olmützer Capitel geführten 
ämtlichen Buche, aber leider! ohne Datum. Indess , wenn man be- 
denkt, dass schon im November 1349 die erste Provinzial-Synode 
stattfand, dass 1350 für das neucreirte Bisthum in LeitomysI 32 
mährische Pfarreien ausgeschieden wurden, was doch eine Bespre- 
chung voraussetzt, und dass der Bischof von Olmütz, Johann Woiek, 
unter welchem die General-Visitation vor sich ging, bereits im Sep- 
tember 1351 starb, so wird man kaum irren, die General-Visitation 
und folglich auch ihren Recess vor oder in das Jahr 1349 zu setzen. 
Das Pallium und mit demselben alle Metropolitan-Rechte, zu denen 
auch das ius visitandi gehört, erhielt Erzbischof Arnost bereits mit 
der Bulle vom 25. August 1344. Es fällt demnach die Abhaltung der 
General-Visitation zwischen 1345 und 1349. 

Der Codex, in welchem sich dieses merkwürdige Stück vor- 
findet, hat seine eigene Geschichte. 

Es war nämlich nicht nur Sitte, sondern Befehl, dass in Kloster- 
und Kathedral-Kirchen ein sogenanntesTodtenbuch, ein Kalendarium, 
Nokrologium angefertigt werde, in welches die Namen der verstor- 
l)cneii Mitglieder, der Wohlthäter der Kirche und der zu ihrer Con- 
fraternität Gehörigen eingezeichnet wurden, um selbe im Capitel 
vorzulesen, sie dem Gebete anzuempfelilen und die für sie gestifteten 
Anniversarien zu begehen. Ein solches Bucli hatte öffentliches, ämt- 
liches Ansehen und wurde zugleich zur Eintragung wichtiger, auf 
die Kirche Bezug nehmender Documente verwendet. Was im Nekro-- 
logium stand, galt als authentisch. 

Ein solches Buch ward für die Olmützer Kirche im Jahre 1263 
durch den Doindechant Bartholomäus angelegt, welches sich im Ar- 
chive des Olmützer Melropolitan-Capitels bis zur Gegenwart im Ori- 
ginale auf Pergament in gr. Fol. erhalten hatte. Bartholomäus selbst 
drückt den Zweck desselben also aus; „Anno M.CC.LX.III. regnante 
Przycmislone seu Ottakaro illustri, quinto rege Bohemie ... et pre- 
sideute eodem tempore Olomucensi ecclesie domino Brunone, vene- 



109 

rabili patre episcopo XVII. , viro magni consilii . . . depositus est 
iste liber „Kalendarium" in ecclesia Olomuceiisi, in quo tarn vivoi'uni, 
qui fraternitatem in Olomiicensi ecclesia reeeperiint, quam etiam 
fidelium defunctoruin, familiarium et benefactoruin eiusdem ecclesie 
inscripta nomina continentur, ubi etiam statuta capituli, seil ah'a me- 
morie commendanda per ordinem poterunt annotari. El ego Bartbo- 
lomeus, Olomucensis decanus, donator et instaurator huius libri, 
statuo iirmiter observandum, ne aliquis, pretextu prave consuetu- 
dinis hactenus presumpte, audeat manum extendere ad aliquid in hoc 
volumine conscribendum, nisi tantunimodo ille solus, qui ad hoc 
üiricium per decanuni et per capitulum fuerit deputatus, et si quis- 
piani , qiiod absit, secus presunii)sei'it, ipso facto sententiam excom- 
municationis incurrat". 

Und in diesem Codex, welcher bis ins 16. Jahrhundert zu wich- 
tigen Eiuzeichnungen diente, findet man von 8. 19 bis 26 die vom 
Prager Metropoliten nach vollendeter General-Visitation für die 01- 
mützer Domkirche entworfenen Statuten. Sie sind in zwei Columnen 
auf mit Tinte gezogenen Linien, 37, 38 und 40 auf der Seite, in 
einer ziemlich grossen, deutlichen und eleganten Schrift, wie sie die 
Olmützer Schreibschule damaliger Zeit unter dem Bischöfe Bruno 
(1231—1281) nachweist, geschrieben. Mit Mennig sind nur die 
Titel der einzelnen Absätze angesetzt und vom Corrector im Texte 
die grossen Buchstaben roth angestrichen. Eine andere Farbe wurde 
nicht angewendet. 

Gedruckt erscheinen diese Statuten mit Ausnahme der Einlei- 
tung und der dem Bischöfe zukommenden Ptlichten noch gar nicht. 
Die Einleitung ist zu lesen bei Fasseau: „Collectio synodorum et sta- 
tutorum almae dioecesis Olomucenae in IV. partes distributa". Re- 
czii 1766, fo!., und zwar Pars I. p. 11; doch, wie gewöhnlich bei 
diesem Verfasser, abermals mit sinnstörenden Fehlern. So, um nur 
etwas aiizuführen, wird dem Bischöfe die Ptlicht auferlegt „ad re- 
parationem fabrice in tectis, campanilibus, campanis, vitris ac minis". 
Fasseau liest: „in tectis campanalibus . . . ac ruinis-*. Der Bischof 
hat 18 Stein Wachs zu bestimmten Zeiten der Kirche zu geben. 
Fasseau liest: „Item ecclesiam ipse suam in cera illuminare tenetur, 
dando octodecim lapides cerae, quorum decem diebus ante festum 
Paschae, et quatuor an!e festum Purifieationis Mariae ministrare 
teneatur". Für: „Item ecclesiam ipsam suam in cera illuminare te- 



200 

nelur, darulo XVIH lapides cei*e, qiiorum decem oeto difbus ante 
festum pasche, et (juatiior ante festum nalivitatis Doniiiii, et qiiatuor 
ante festum purificationis Marie ministrare teneatur". 

Dass zwischen diesen und den von mir im XXXVII. Bande des 
Archivs für Kunde österreicliischer Geschichtsquellen auf den Seiten 
411 — 455 gleichfalls zum ersten Malei) publicirten „Sta- 
tuten der Prager Metropolitan-Kirche vom Jahre 1350" in manchen 
Punkten eine gewisse Ähnlichkeit vorkommen muss, daran trägt die 
Gleichförmigkeit des Gegenstandes die Schuld. Ein und derselbe 
Verfasser, ein und dasselbe Object, ein und derselbe Zweck fordern, 
wenn nicht dieselbe, so doch eine gleichartige Durchführung. 

Was nun den Inhalt jenes Visitations-Recesses anbelangt, so 
erstreckt er sich auf zwei Punkte, auf die Pflichten der zur Dom- 
kirche gehörigen Würdenträger: Bischof, Dechant, Probst, Archi- 
diakon, Custos und Scholasticus, und dann auf die Gerechtsame 
der Capitularen und Vicarien und auf ihre Pflichten dem Chore ge- 
genüber. 

Dem Bischöfe werden die Tage ins Gedächtniss gerufen, an 
denen er in seiner Domkirche zu pontificiren habe. Die Ordination, 
die Consecrirung des Chrisma, die Fusswaschung müssen in der 
Domkirche vor sich gehen. Ein Kirchen- und Bisthums-Inventar soll 
in der Sacristei vorliegen. Die Baulichkeiten und die Beleuchtung 
der Domkirche gehören dem Bischöfe zu. Unter die Bauobjecte wer- 
den auch die „minae ecclesiae" gezählt, ein Beweis, dass damals 
die Olmützer Domkirche eine befestigte, eine sogenannte Kirchen- 
burg war, denn minae sind die „partes murorum pinnatae, quae ad 
emissionem sagittarum fenestratae sunt". Ein Official, der Dom- 
flechant, die erste Würde im Capitel, ist im Nothfalle des Bischofs 
Stellvertreter, er hat das „Directoriuni divini officii" abzufassen und 
für dessen pünktliche Befolgung zu sorgen. Ihm gebührt das Recht 
das Capitel einzuberufen , die Neuerwählten zu installiren und über 
die Glieder der Domkirche eine Art von Jurisdiction auszuüben. 

Der Probst braucht nicht Domherr zu sein, er ist der Anwalt 
der Kirchenleute und hat dieselben, falls sie vor das Cudengericht 



') Dahin ist zu conigiren , was die Sitzungsberichte der philosophisch-hisloiischen 
Classe der kais. Akademie , Jahrgang 1867, S. 67 über die Statuten von 13ö0 
referirt Iiaben. 



201 

geladen werde» sollten, stets vor den eigenen Richter zu fordern, 
er hat demnach für die Aufrechthaltung der durch König Otakar im 
Jahre 1207 der Olmützer Kirche ertheilten Immunitäten zu wachen. 
Die körperliche Einführung der Domprälaten und Kanoniker in ihre 
Beneficien steht ihm zu. 

Der Archidiakon ist das Auge des Bischofs und dient ihm 
beim Pontifical-Amte. Er ruft die zu Ordinirenden in der Landes- 
sprache auf, und muss sein Archidiakonat einmal im Jahre visitiren. 
Das Correctionsrecht über den Landklerus seines Archidiakonates, 
auch über die verheiratheten Kleriker, gebührt ihm allein. Also noch 
unter Bischof Johann Wolek im XIV. Jahrhunderte gab es legitim 
verheirathete Pfarrer in Mähren. 

Der Custos ist nicht, wie die Vorigen, ein Kirchenprälat, liat 
daher weder ein Stallum in der Kirche, noch eine Stimme im Ca- 
pitel; er ist einfach ein minister ecclesiae, und wie sein Name zeigt, 
der treue Hüter des Kirchenschatzes, namentlich des Grabes des 
hl. Christinus, Conpatrons der Domkirche, wesshalb ihm auch die 
Pflicht obliegt, ein ausführliches Inventar des Kirchen- und Sacri- 
stei-Schatzes anzufertigen; für die Instandhaltung der Glocken und 
Glockenschalen und der hiezu nöthigen Stricke, Riemen und Seile 
u. s. w. hat er zu sorgen. Da freilich muss uns die grosse Anzahl 
der Campanarii, der Glöckner, bei der Olmützer Domkircbe klar wer- 
den, wenn nicht blos geläutet, sondern auch auf Glockenschalen 
mit hölzernen Stöcken, baculis. geschlagen werden mussle. 

Auch der Scbolasticus hat, wie der Custos, blos ein „ofH- 
ciuni simplex", und ist daher ohne Stimme im Capitel und ohne 
Stallum im Chore. Er ist der Capitelschreiber und Leiter der Dom- 
schule und der darin gehaltenen Lehrer und Schüler, und soll für die 
Verbesserung und Vermehrung der Scholaren Sorge tragen. 

Als Recht des Capitels wurde hingestellt : die Wahl des Dechants 
und des Probstes und die Verleihung der Kanonikate und der Prä- 
benden und die Provision der beständigen Vicarien mit Ausnahme 
zweier königlichen Präbenden, zweier bischöflichen und zweier Ar- 
chidiakonal-Vicarien; ferner das Recht des Kaufes und Verkaufes 
und das der Wahl und Aufnahme der Domherren. Nur in wichtigen Fäl- 
len sollten die auswärtigen Canonici einberufen werden; zu den 
Peremtorien aber in festo cathedrae s. Petri et s. Hieronymi mussten 
Alle erscheinen. Wie es mit der täglichen Distributio und mit den 



202 

Obedienzen zu halten sei, und d.iss das Capitel-Siegel unter vier- 
fachem Verschlusse aufbewahrt werden solle, wurde gleichfalls fest- 
gesetzt. Die Brodvertheilung war damals nocli üblich, aber nicht 
mehr der Communtisch, 

Den Vicären legt der Metropolit vor Allem das öffentliche Chor- 
gebet ans Herz, und warnt sie mit Strafandrohung vor den tlieatra- 
lischen und lärmenden Aufzügen, die sie am Vorabende und am Feste 
des hl. Stephan in den Weihnachtsfeiertagen zur Ehre des Anniver- 
sars des neuerwählten Bischofs zu halten pflegten. Weiter sollen sie 
binnen drei Monaten die Statuten und Gewohnheiten der Olmützer 
Kirche, dann ihre Einnahmen und Jene der Prälaturen, Präbenden 
und Vicarien zusammenschreiben und ein so verfasstes Buch an der 
Kette in der Sacristei öffentlich aufstellen. Zu den Vicären ward der 
Schulmeister gezählt, der kein Stallum hatte, aber bei der Dom- 
kirche residiren musste. Über die Präbendaten stand dem Scholastieus 
die Jurisdiction zu. 

Mit der Auseinandersetzung der Pflichten der Domvicäre enden 
die eigentlichen Visitations- Statuten. Sie enden auf der rechten Co- 
lumne der Seite 25 auf 35 Zeilen, die 36. Zeile der Seite ist leer 
gelassen worden. 

Unmittelbar mit der nächsten Columne beginnt ohne jegliciie 
Aufschrift ein Corrections- und Reformations-Statut: „Cum creatura" 
etc. für den bei der Olmützer Domkirche angestellten Klerus, wel- 
cher im Besuche des Gottesdienstes und des kanonischen Stunden- 
gebetes sehr lässig zu werden anfing. Ihn auf einen besseren Weg 
zu bringen, ward jenes Statut erlassen. Es ist von gleicher, doch 
nicht derselben Hand, wie die Metropolitan- oder Recess-Verordnungen 
des Erzbischofs Arnost, aber mit einer andern Tinte geschrieben, 
und da in demselben von Altaristen gesprochen wird, deren im Re- 
cesse keine Erwähnung geschieht, glauben wir, dass dieses Stück 
nicht mehr zu unseren Arnostinischen Bestimmungen gehört, sondern 
eine „litera correctionis" eines der Nachfolger des Bischofs Johann 
Wolek ist, und zwar höchst wahrscheinlich des Bischofs Nikolaus, 
welcher die Olmützer Kirche von 1387 — 1397 regierte. Wir stützen 
diese Vermuthung auf eine durch Fasseau in der genannten Collectio 
synodorum Part. I. pag. 14 veröffentlichte Entscheidung des Officials 
und Vicars in geistlichen Dingen des Bischofs Nikolaus, mit Namen 
Johann, ddto. Olmütz am 12. August 1389. In dieser Entscheidung 



203 

finden wir last wörtlieii die dem ülniülzt'i- Klerus iit dem Correctioiis- 
Briefe zur Last gelegten Ausschreitungen mit der ausdrücklichen 
Clausel „quod dominus Nicolaus episcopus Olomucensis ex debito 
pastoralis sui officii processus certos fecerit, in quibus moneri man- 
davit preiatos, canonicos, vicarios et alios beneficiatos ipsius ecclesie 
Olomucensis, quos in officio divino esse remissos audivit et negli- 
gentes, ac in festivitatibus maioribus non venire ad ecciesiam et nun 
Stare in stallis suis, sed currere per ecciesiam et insistere fabulatio- 
nibus et cachinis** etc. Und da dieses „Canonicale" auch in unserem 
Codex sich unmittelbar an das Corrections- und Relormations-Statut 
pag. 26 anschliesst, sind wir um so fester in unserer Ansicht be- 
stärkt, dass dasseli)e nicht mehr zu den Arnostinischen Visitations- 
Verordnungen gehören könne. Zum Beweise dessen schliessen wir 
das „Canonicale", wie es auch bei Fasseau 1. c. vorkommt, bei. 

Der Text der Statuten, mit Auslassung'der ungleich gebrauchten 
grossen Buchstaben und mit Ansetzung der Unterscheidungszeichen, 
lautet wörtlich also: 

In nomine Domini amen. 

Nos Arnestus, Dei et apostolice sedis gracia sanete Pragensis 
ecclesie archiepiscopus, universis, quos infra scripta contingunt seu 
contingere poterunt in futurum, salutem. Super solium pastoralis pre- 
eminencie, licet inmeriti, superna tamen disposilione vocati, curis 
sollicitamur, ut importunis subditorum incominodis opportune visita- 
tionis et reformationis remediis succurramus, ipsosque ah erroris 
invio, quantum nobis ab alto concessum fuerit, in viam rectitudinis 
reducamus. Proinde cum ex officii iniuncti nobis nuper in ecciesia 
Olomucensi aucloritate metropolitica peregissemus vi si talionis 
officium, quedam, que correetione, emendatione, moderatione, 
reformatione et declaratione indigent, ex ipsius inquisitionis serie, 
et ex depositione testium tam clericorum quam etiam laycorum, nee 
non ex reformationibus antecessorum nostrorum invenimus, ad quo- 
rum meliorationem nostre intencionis oculum convertentes , diuina 
nobis fauente dementia ea, prout subsequentur, corrigenda, dis- 
ponenda, ordinanda et in melius duximus reformanda, precipientes 
ea sub obtestatione diuini iudicii, et sub penis inferius eontentis, per- 
petuis teniporibus lirniiter obseruari. 



204 

Et primo a principali capite, scilic.et a vencrahili in clirisU» 
patre et domno, domiio loliaiine, Oloimiceiisi episcopo, IVatre iiosln» 
can'ssimo, qui mcdiatoris Dei et horninum persoiiam gerit precipiiain, 
principium facientes, ordinamiis, dispoiiimus et etiam reformanius, 
quod ipse episcopus, qui nunc est vel pro tempore fuerit, ad lauden^i 
et gloriani Dei, aquo cuncta bona procedunt, sueque matrls vir- 
ginis gloriose, nee non sanctorum patronorum ipsius ecciesie, perso- 
naliter, si fieri potest, vel per alium episcopalem cooperatorem suum, 
seu aliquem ex abbatibus, in omnibus testiuitatibus Cbristi et glori- 
ose virginis matris sue, nee non in dominica palmarum et cene Domini 
cum duöbus diebiis sequentibus inmediat(% in festivitatibus sanctissi- 
morum patronorum Wenczeslai atque Christini, in anniversario dedi- 
cationis eiusdem ecciesie Olomucensis et omnium sanctorum et in 
commemoratione animarum Christi lidelium in ipsa Olomncensi eccle- 
sia, que aliarum ecciesiarum ipsius dyocesis mater esse dinoscitur et 
magistra, teneatur sollemniter celebrare. Item iam dictus episcopus 
et sui successores crisma per se, si fieri potest, in ipsa Olomucensi 
ecclesia, et non alibi, nisi necessitate summa prepeditus, in quo 
snam conscientiam oneramus, del)et conficere et etiam ordines cele- 
brare et de oleo et balsamo pro crismate prouidere. Item in cena 
Domini, imitando saluatoris nostri exemplum, mandatum perse, si 
fieri non potest, tunc per alium episcopum seu prelatum maiorem 
ipsius ecciesie, cum cantu solito , locione pedum et sennone latino 
ad clerum deuote in medio ecciesie peragatur, et tunc omnibus pre- 
latis de capitulo et canonicis prebendatis nee non vicariis perpetuis, 
ad mensam paratam ad hoc in suo ordine et religione recumbeutibus, 
oblatas, vinum scilicet et pisces assos et alia, ministrare teneatur, 
prout in ipsa ecclesia per predecessores suos bactenus est seruatum. 
Item, cum ecciesie ipsius sit precipuus gubernator et rector, ad 
reparationem fabrice in tectis, campanilibus ac campanis, vitris ac 
minis tenetur episcopus , qui pro tempore fuerit, ipsi ecciesie proui- 
dere. Item ecclesiam ipsani suani in cera illuminare tenetur dando 
XVIIl. lapides cere, quorum decem ocio diebus ante testum pasche, 
et quatuor ante festum nativitatis Domini, et quatuor ante festum puri- 
ficationis Marie ministrare teneatur. Ordinamus insuper et mandamus, 
quatinus infra quatuor mensium spacium a dato presentium, successor 
vero infra idem tempus a tempore consecrationis sue, inventarium de 
omnibus rebus ecciesie mobilibus facere teneatur, de rebus vero in- 



20S 

mobilibus et ad mensam suam speetantibiis, redtlitibus, censibus et 
aliis, quociiiique iioinine censeantiir, iiifra sex raenses ipse et succes- 
sores sui , prout premittitur, inventarium in uno libello facere tene- 
antur. Eundem libellum in sacristia eiusdem ülomucensis eeclesie 
debent reponere, ne eadem bona in obliuionem quoquo modo valeant 
deuenire. Insuper quando episcopum synodum celebrare contigerit, 
nihil omnino ab absentibus in pecnnia recipiat, nee eis det propter 
pecuniani licentiani abeundi. Decens etiani arbitraniur et congruum, 
ut olTicialis episcopi, qui pro tempore fuerit, apud ipsam Olomucen- 
sem ecclesiam, tamquam matricem , residere personaliter et ins po- 
scentibus reddere teneatur. 



De officio docuni. 

Et quia , pi'out ex premissis invenimus, decanus, qui pro tem- 
pore fuerit, ipsius eeclesie maior prelatus post episcopum in ecciesia 
esse censetur, et hoc apparet ex eo, quia primam vocem in eapitulo 
et stallum in cboro obtinet, ad offertorium precedit alios, et in pro- 
cessionibus episcopum sequitur tamquam prior: ordinamus et man- 
damus, quod, ciun episcopum in maioribus festiuitatibus celebrare 
non contingeret, ipse decanus per se, vel si tbrsan impeditus exi- 
steret, per alinm canonicum missam debeat celebrare. Ad ipsum quo- 
que decanum pertinet officii diuini dispositio nocturni pariter et 
diurni in habitu et tonsura, aliarumque negligentiarum circa illud 
correctio taliter, qimd canonicos per privationem dislribntionnm et 
suspensioncm porlionum et panum usque ad quatuor menses, tarnen 
prout plus et minus culpa exegerit, corrigere poterit. Penain vero 
grauiorem, scilicet privationem distributionum et suspensioncm porti- 
onum, que predictum tempus excederet, canonico deliuquenti eciam 
circa diuinum olticium non intligit, nisi de scitu et consensu capituli. 
Vicarios vero et alios ministros circa diuinum officium vel alias delin- 
quentes modis omnibus, quibus convenit, corrigit et compellit. Co- 
gnoscit quoque de iurgiis et causis vicariorum et ministroruro, et si 
quid ardui inter eos emerserit, duos aut tres ex canonicis pro asses- 
soribus sibi iungit. De questionibus quoque et causis canonicorum, 
ciuilibus tamen, cum eapitulo cognoscere poterit et debebit; quod si 
capitulum concortlare nequiuerit, debet ad episcopum recursus haberi. 
Debet quoque apud ipsam ecclesiam pei'sonaliter residere, cum ad 



2(k; 

ipsani i-esi(Ientiarn ex «'onsnetiulinc ipsiiis ecclesie plus aliis sit astrie- 
t(is. Quod si ipsiun ex aliqua legitima causa ab ecclesia longo tem- 
pore, hoc est ultra spatium unius mensis , abesse contigerit, tiinc de 
consensu capituli aiiquem ex prelatis, seu capituli prebeiulatis, sub- 
stituat, qiii vices suas gerat in omnibus, sicut ipse persooaliter inter- 
esset. Si vero modico tempore, id est unius mensis, absens fuerit, 
tunc etiam irrequisito capitulo aiiquem vice et nomine suo substituat, 
prout superius est expressum. Et infra annum a die confirmationis 
sue in presbyterum ordinari debetur. Etiam ipse decanus debet in 
causis necessariis et utilibus capitulum conuocare, ad cuius mandatum 
et vocationem canonici venire tenentur sub virtute prestiti iuramentl. 
Conuocato quoque capitulo vota omnium seniorum canonicorum et 
postmodum iuniorum secundum suum ordinem sigillatim et singula- 
liter, prout de iure fieri consuevit, requirantur, et proposito negocio 
tunc instanti tractetur et discutiatur per omnes voces habentes tunc 
in capitulo existentes, et tunc id, quod a toto capitulo, vel a maiori 
parte rationabiliter factum fuerit, vigorem ohtineat firmitatis. Quod 
si predicta forma seruata non fuerit, quidquid ibidem actum seu ordi- 
natum fuerit, nullius decernimus esse momenti. Tractentur quoque 
negocia in capitulo cessantibus omnibus rancoribus, redargutionibus, 
vituperationibus, insultibus exclamationibusque fratrum et concano- 
nicorum obreptionibus, prout hactenus, proch dolor! factum fore 
dinoscitur in fame talia presumentium dispendium et in vituperium et 
scandalum proximorum, cum non sit verbis, sed ratioiie utendum. Si 
quis vero premissorum contemptor exstiterit, pena pecuniali pro 
fabrica ecelesie per decanum cum capitulo iuxta qualitatem delicti 
taliter puniatur, quod aliis cedat in exemplum. Decani quoque offi- 
cium est installare in ecclesia, cum promoti fuerint, prelatos, cano- 
nicos et ministros. Ab installato nihil exigere poterit, recipere autem 
poterit, si quid sibi fuerit mera liberalitate collatum. Tenetur etiam 
ipse decanus, postquam confirmatus fuerit et resederit, infra tres 
menses, assumptis sibi duobus vel tribus canonicis, de rebus mobi- 
libus ipsius ecelesie inventarium facere et in archis ecelesie reseruare. 

De officio prepositi. 

Prepositus vero, quamvis secundam vocem in capitulo et stallum 
in choro post decanum nbtiueat, etiam si canonicus non existat, nul- 



207 

lam tarnen iurisdictionem in ecciesia noscitur obtinere. Extra ve.ro 
ecclesiam, ut iuxta mandatum domiuicum alter alteriiis onera suppor- 
tet, prelatos et canonieos de nouo creatos in eorporalem possessionem 
beneficiorum suorum per se vel alium introducit, bona quoque eccle- 
sie et homines bonorum ipsorum defensare tenetur, sed et cognoscit 
insuper de causis hominum ecclesie, si qua questio inter canonicorum 
vel ministrorum homines oriatur; sed si alieuius solius prelati vel 
canonici sint homines, inter quos versetur controuersia, ad ipsum 
primo, cuius sunt homines, iudicium et examinatio cause ipsius per- 
tinet. Qui si negligens fuerit et remissus in iusticia exhibenda, tunc 
per prepositum demum eiusdem cause finis debitus imponatur. Tene- 
tur etiam homines ecclesie, qui ad iudicium seculare, quod vulga- 
riter Cuda dicitur, citantur, ad suum iudicium requirere et procu- 
rare remitti. Insuper si ipsum prepositum pro defensione vel disbri- 
gatione bonorum ecclesie extra civitatem Olomucensem contingeret 
pioficisci, quod tamen, prout ex depositionibus constat, raro contingit, 
tunc expensis congruis cum ducentis et sui indigentis procurari 
debehit. 

De officio arcbidiaconi. 

Archidiaconus vero, qui oculus episcopalis esse censetur, in 
ecciesia nullam iurisdictionem obtinet, tamen tertiam vocem in capi- 
tiilo et slallum habet in choro. Tenetur quoque episcopo celebranti 
diuina assislere, et ad sacros ordines per se vel per alium pronuntiat 
de vernacula ordinandos. Tenetur etiam ipse et alii omnes arcbidia- 
coni diocesis Olomucensis a die possessionis paciGce archidiaconatus 
infra annum in diaconatus ordinem promoueri. Possunt eciam arcbi- 
diaconi et tenentur archidiaconatus suos per se vel per alium visitare, 
nisi necessitas aliud exegerit, semel in anno, et cum per se visitavit, 
in expensis et cvectione servent formam concilii generalis; si vero 
per alium vel alios, tunc eisdem moderate procurentur expense, et 
cum süli per se visitant, procurationem tamen recipiant a locis visi- 
tatis et non ab aliis , quocumque colore quesito. In visitatione autem 
ijisa specialiter inquirant de hereticis et suspectis inGde, de usu- 
rariis, concuhinariis, sortilegis et censure ecclesiastice contemptori- 
biis, et, si quos tales invenerint, episcopo aut eins officiali denuntient 
punicndos. De causis vero criminalibus, criminaliler vel ciuiliter 



208 

iiitemptatis (interpretatis) matrimoiiialibus vel etiam iisiiranirn cognos- 
eere iiequeunt, sed causas leuiores et coiitractuum possiiiit inter suos 
subditos diriinere et fine debito termiiiare. Ad ipsum etiam pertinet, 
ecclesiarum rectores, et universaliter omnes clericos, eciani coniu- 
gatos, in suis arehidiaconatibus deservientes eeclesiis, collegiatarum 
ecclesiarum clericis duntaxat exceptis, pro negligentiis et culpis, 
puta circa custodiam eukaristie , crismatis, olei sacri, vasorum et 
vestimentorum sacrorum et similium commissis, vel etiam perpe- 
tratis, et clericos etiam tVequeiites tabernarios. taxillorumque luso- 
res ac tonsuram et habitum debitos noii ferentes corrigere, et per 
penas infra scriptas et non alias, videlicet suspensionis ab ingressu 
ecclesie, a perceptione fructuum beneficiorum ad modicum tempus, 
scilicet trium mensium , ieiuiiiorum , oratiotium, psalteriorum et ali- 
arum corporalium iatigatioiium, districtione preuia, cohercere '), 
salutari tamen. Quod si quos clericos seu presbiteros, parochiales 
ecclesias noii habentes, infames vel alias suspectus esse congnouerint, 
eos de arehidiaconatibus expellere ipsisque archidiaconatuum suorum 
ingressum poterunt inhibere, qui si post congruam monitionem incor- 
rigibiles fuerint, vel mandatis ipsorum noluerint obedire, eos deti- 
nere ac captiuare poterunt et carceri episcopi preseiitare. Hoc ipsum 
tenelur facere in omnüms saciilegis, talsariis, homicidis el maiiilestis 
aliis ('riiniiH)sis. 



De officio cQstodis. 

Custos vero prelatus in ecelesia non existit, nee habet vocem 
in capitulo, neque stallum , sed simplex tenet officium, et inter mi- 
nistros ecclesie computatur, et ut nomen rei consonet, tenetur ad 
custodiam omnium rerum ecclesie et clenodiorum conseruationem 
fidelem, et propter hoc necessario apud ipsam ecclesiam deberet 
personaliter residere; sed quia pro nunc questio super residentia 
custodis in romana curia pendet, ordinamus et reformamus, quod. 



') Im Text steht: „ad ipsum etiain pertinet per eeclesiiinim lectoies et universaliter 
per onines clericos . . . pro neg'ligentiis et enipis . . . deI)itos non presentes, 
possunt et d e I) e n t corrigere per penas infrii scriptas . . . disirictione preuia 
cohercere, salva tamen." Hier sind oHVnliir Fcliler nnterlaufen Wir ^jlaiilitcn sie, 
wie oben, 7,u verbessern. 



209 

postquam ipsa causa finita fiiorit, ciistos, qiii de oetero isto die 
preerit, teneatur apud ecciesiam personaliter residere. Tenetur 
etiam ad omnia minuta in eccicsia refonnaiitla et de nouo etiam 
ixtcienda, videlicet in fiinibiis ungendis campanaruin, iiaculis, corri- 
giis, tyntinabulorum patellis, carhoiiihus, vasculis pro aqua, seris, 
ampullis plumheis seu stanncis pro vino et aqua ad sacrificium, tliure 
et mirra, aldutione, reformatioiie, eonservali«Mie ornatuum et lihi-orum 
umnium eeelesie ligatura ac seopis ad purgandum ecciesiam, propter 
hoc habet certos redditus deputatos. Et (piia, pront premittitur, cu- 
stodia oniniuin rerum eeelesie, et precipue sepulchri sancti Cristlni, 
ad ipsum et ad sacristanum (perlinet), qui suo et eeelesie nomine 
res eeelesie custodire tenetur in tantum, quod si (|uas ex reinis ipsius 
eeelesie per eonim culpam seu negligentiam deperire, destrui vel 
deformari contingeret, ad restaurationem et relormationem ipsarum 
totaliter sunt astricti. Ad hoc autem, ut de ipsis rebus melius con 
stare possit, mandamus et ordinamus, quod custos seu sacrista, qui 
pro tempore fuerit, infra tres menses a temjtore promotionis sue, 
quilibet ipsorum, seu ambo pariter, coram aliquibus canonicis inven- 
tarium facere sint astricti, et cina preniissa, ne aliqua frans \el 
negligentia conmilti valoiil , inventarium ipsum, retenta sibi copia, 
sub sigillo suo decano et capitnlo tradere teneatur sub pena suspen 
sionis a beneficiis tain diu, donec predicla onmia non inipleverit, ut 
prel'ertur, nullamque rem seu clenodium eeelesie alicui extra eccie- 
siam comodare vel mutuare valeat, nisi de scitn decani vel qui eins 
locum tenuerit, et hoc faciat cum testimonio, et pro ij»sa re, quam 
comodat, dato Inco sign! bono pignore vel etiam cautione. Nullus 
insuper prelatorum seu canonicorum seu aliorum quorumque de ec- 
clesia rem aliquam, nisi modo premisso, recipere valeat, et precipue 
pecuniam, que in sacrislia pro aninia alicuius, vel pro aliquo alio usu 
est deposita, in nullo (modo) contingere vel recipere audeat sub pena 
exeommunicationis late sententie, quam in contrafacientcs profe- 
rimus in bis scriptis; pecuniam quoque depositam convertant, quan- 
to cicius poterunt, in eum usmn, ad quem extitit deposita. Ad custo- 
dis etiam ollieium spectat, eum episcopus missani celebrare voluerit, 
eidem indumenta sacra prius aptata congrue personaliter ministrare, 
et ab eo, pcracto nfllicio, suscipere et sacristc tradere conseruanda. 



210 



De officio scolastici. 

Scolasticus vero, sicut et custos, simplex habet officium. Caret 
voce in capitiilo et stalio in choro, tarnen tenetur per se, vel si eum 
ex causa rationahili abesse contigerit, per sufficientem notarium 
quaslibet literas capituli scribere, legere et etiam expedire. Corrigit 
etiam niagistrum scole et clericos scolares tarn in choro quam in 
scolis et etiam in processionibus, et ad disciplinam et niodesliam ser- 
uandam intra ecclesiam et extra salutaribus monitis et exhortationi- 
bus anionet et inducit. Magistrum quoque scolarum propter insuf- 
licientiam seu culpam amouere poterit, prius sua insufficienlia seu ne- 
gligentia (et) culpa decano et capitulo nuntiata. Licentiat etiam sco- 
lares de scolis ante festa, pront est solitum et consuetum; sed quia 
de collatione scole in dubium vertitur, nos, huiusmodi eonturliationem 
sopire vo.lentes, moderamus, disponimus et ordinamus, ut, cum sco- 
lam ipsam vacare contigerit, scolasticus, qui pro tempore fuerit, 
duas aut tres personas idoneas, scientia et moribus approbatas, de- 
cano et preposito et capitulo presenlare teneatur, et ex illis tribus 
scole preficiatur, quem totum capitulum vel maior pars capituli 
dnxerit approbandum; scolas vero veteres in toto vel in parte retbr- 
mare, et nouas de nouo delieimtibus veteribus construere teneatur, 
quod si per capitulum monitus infra terminum competentem adimplere 
neglexerit, ex tnnc ab iu.iressn ecclesie sit ipso facto suspensus. 

De cnpitnio. 

Ad capitulum vero pertinet decani et prepositi electio, et ca- 
nonicaluum et prebendarum collatio, vicariarum perpetuarum pro- 
visio, duabus prebendis regalibus et duabus vicariis episcopi, nee 
uon duabus vicariis archidiaconi duntaxat exceptis. Ad alienationes 
quoque et electiones canonicorum vel reeeptiones, vel si aliquod ne- 
gotium arduum et inconsuetum in ipsa ecciesia vel extra emerserit, 
absentes canouicos vocari decreuimus , exceptis duobus generalibus 
eapitulis, scilieet in kathedra sancti Petri et sancti leronimi , quibus 
onuies canonici secunduni antiquam ecclesie consuetudinem sine alia 
qiudibet vocatione interesse tenentur. Quod si canonici vocati fuerint, 
tt capitulo per se vel (per) procuraiores suos, prout eis a iure per- 



211 

mittitiir, Interesse noluerint, presentes canonici, eorum non obstante 
contnmacia , ad disponendiim et finiendam , quod congruit , eis 
amplins irreqnisitis , procedere poteruiit et flnire, prout eis videhitur 
expedire. Non potest quoque capitulum statuta vel consuetudines 
ecciesie laudabiles sine scitu et consensii episcopi inmutare, nee noua 
statuta irrequisito episcopo statuere, exceptis solummodo minoribus, 
qua personas eorum tantummodo concernere videntur, quod si contra 
factum fuerit, statuta ipsa vacua et irrita presentibus nuntiamus. Hor- 
tamur insuper ipsos canonicos, ut diuiuis officiis frequenter intersint 
in religione debita , et non in caputiis, sed in mitris vel biretis, sub 
pena duorum grossorum pro vice qualibet prebcndatis clericis depu- 
tandis. De quotidianis vero distributioni!>us. que assidue in ecciesia 
per cireulnm anni distribui consueuerint, taliter ordinamus, quod 
nulli (lentur absenti sed presenti, nisi residens et infirmus fuerit. 
Quod si quis easdem distributiones abscns rt'ceperit, dans et reci- 
piens, si statim eas non restituerit. pena dupli die sequenti restituere 
tcneiitur, quam si non sohierit infrn sepletn dies proxime conputan- 
dos, statitn elapsis eisdem octo diebus sit ei ipso facto ingressus 
ecciesie interdictiis. Distributiones vero ipse falitfr dividantur, ut 
ilie distribuliones, que pro anniuersariis vel riimrahbus debentiir, 
non dentur alicui. nisi in rnissa saltein ad clciialioneni corporis 
Cbristi fuerit defiincloruni. Alie vero consucte distributiones feriali- 
bus diebus dentur iliis, qui eeclesiam inlVa diiiinuni officium visila- 
verint quandocunque : diebus quoque dominicis et in maioribus 
festis nouem lectioimni dentur illis, qui interfuerint misse maiori, 
eciam si venerint quandocunque, dunimodo ante eleuationem corporis 
Cbristi, jjroiit premitlitur. Volumus eliani et mandanius, ut ipse distri- 
butiones dentur vicariis episcopi integralifer de ouuiibus etiam pro- 
ventibus, que dicuntur excreuisse de novo. De distributione vero 
panum sie disponimus: qui maiorem obedientiam teiiuerit, sit solli- 
citus et intentus , quod omni die panes canoiiieis et vicariis sub ea 
forma et (jualitate, proportione et decore, prout antiquitus consuetum 
fuerat , sollicite ministrentur. Qui si remissus vel negligens fuerit, 
et panes ipsos omni die, prout premittitur, nou distribuerit, (et) statim 
negligentiam suam sequenti die vel postremo tertio integraliter 
(non correxerit), penam sex grossorum Pragensium pro qualibet (vice) 
ipso facto incurrat. Et si penam ipsam inl'ra tres dies immediate se- 
quentes una cinn panibus non solutis bis. quibus sublracli vi'j deno- 

14 ' 



2\Z 

gali luerant, non diixorit intofjfraliter porsoluendam, ab iiif^ressu 
ecciesie sit co ipso suspeiisiis, nee ante absolui valeat, donec de 
premissis, quorum interest, fuerlt plenarie satisfaetum, nee sibi 
repromissionem aliquam per eos, quos tangit, in aliquo volumus 
suffragari. Predicta vero maior obedientia inIVa duos annos per 
totum capitulum uni canonieorum, qui ad hoc aptiis videbitur, seu 
vicario vel vicariis, quibus expediens fueiit, conferatur, qui ipsis 
annis transactis eandem obedientiam in manus capituli resignare sine 
difficultate qualibet teneatur, et tunc capitulum, prout sibi visum 
fuerit, de ipsa obedientia eisdem vel aliis poterit prouidere. Damus 
etiam licentiam specialem eisdem canonicis de capitulo, ut, si (orte 
persona de ecclesia canonici siue vicarii vel alterius ad sullVrendum 
ipsius obedientie onera aptus non fuerit, alteri persone, etiam laico 
ciui vel alteri mediocri, tarnen pro melioratione ecciesie et ipsius 
utilitate, locare ipsam obedientiam potuerint, qui ipsius onera expleat 
dcbita et consueta, prout per eos fuerit concordatum. De silua com- 
muni idem per omnia duximus ordinandum. De aliis vero obedientiis 
disponimus et ordinamus, quod deinceps plures obedientias teuere 
non valeat, et si deinceps cuiquam plures collate fuerint, collationem 
ipsam deceniimus non teuere; sed si alique obedientie sint tenues et 
exiles, tunc ipsas simul coniungat, ut pro una de cetero reputentur. 
V^olentes in lioc canonicis residentibus prerogatiuam facere specialem 
et ad tollendum omne dissidium inter fratres decernimus, quod, sicut 
canonici residentes in prebendis, sie etiam in obedientiis, cum vaca- 
verint, babeant optionem. Quia vero ob susteutationem pauperum 
quam plures obedienlias prandiales pia fidelium devotio eidem eccie- 
sie sua largitione donauit, que omnes obedientie, prout pro certo 
eognouimus, in pecuniales distributiones sunt redacte: non volentes 
predictorum piam et salubrem negligere voluntatem, mandamus et 
reformamus, ut prebendatis et clericis aliis, nee non infirmis in 
bospitali ac etiam leprosis et aliis Christi pauperibus certa portio 
deputetur, prout hactenus est consuetum. Et (si) quis eandem 
portionem pauperum, prout premittitur, dare neglexerit vel impedi- 
mentum prestiterit, penam dupli incurrat, et si infra mensem eam non 
süluerit, sit ei ex nunc prout ex tunc ecclesiasticus ingressus inter- 
dictus. Canonici vero habentes suos homines non exactionem, nee 
ab eis plus repetant sine licentia decani et capituli, quam vel solvere 
eonsueiierint. Quod si fecerint et plus more solito exegerint, a diui- 



iiis otlifiis sirit ipso facto siispensi, a qua suspensioiie absolui noii 
possiiit, iiisi pleiie hiis, a quihus ultra debitum extorserant, per eos 
fuerit salislactuni. Nee in prebendis innioderatas exactiones recipiaiit; 
et (si) quis canonieorum prebendam suam per exactiones vel alias 
<|Uüquo modo sua culpa destruxerit, optandi aliam prebeiulani, quani- 
diu sua reiiite^rata totaliter neu fuerit, nuliam iiaheat facultateui. 
Sij^illuM» (juoque capituli sub (fuatuor clauibus debct lideliter custo- 
diri, (jiiarum unaui decauus, qui pro tempore fuerit, seeiiudam ver(» 
j)repos!tus siue archidiaconus, tertiam thezaurarius, et (|uartani uuus 
de senioribiis canouicis ex commissione capituli seruare debeiit uec 
:di(|iiani literaiu sifiillare, iiisi de scitu totius capituli vel maioris et 
saiiioris partis ipsiiis niaudatnni fuerit vel iniuuctum. 

De officio ficariorum. 

Vicarii quoque, (jui prepetui fore noscuiitur, assidui et coiitiuui 
debent esse in omtiibus horis canouicis nocturnis |)ariter et diurnis, 
(juos decanus vel vices eins gerens ad hoc debet compellere et penis 
debitis cohercere, et si non omnes, saltem tres vel quatuor tempore 
vicis sue, prout sibi videbitur expedire. Specialiter tanien vicarii, 
qui ebdomadarii dieuntur, videlicet qui missam beate virginis, defunc- 
torum et missam de die celebrare tenentur, in matutinis tempore 
sue ebdomade interesse debent, occasione qualibet procul niota, nisi 
ex eis alifpiem iufirmilatis vel euidentis necessilatis arliculus excii- 
saret, et eo casu aliuu» vicarium eque idoueum subrogare debebit sub 
pena unius grossi pro vice qualibet per decanum vel alium, qui locuui 
suum teuuerit, puuiendus, et pena ipsis prebendatis clericis interes- 
sentibus erogetur. Eisdeni etiam vicariis et ministris, presertim dia- 
conibus et subdiaconibus, districte maudamus, quod in secundis ve- 
speris gloriosi natalis domini nostri lesu Christi et die sequeuti sancti 
prothomartiris Stephani, cum electi per eos episcopi anniia peraguiit, 
nullis laruarum monstris seu quibusuis hidihriis voce aut gestu inor- 
dinatis utaiitur, sed tunieis et dalmaticis, ut consuetum est, induti 
cum animi disciplina oflicium illis sacris diebus congruum, nocturnuni 
pariter et diuruum, reverenter et devote compleant. Scriptum euirn 
est: domum Domini decet sanctitudo, Mandamus insuper et ordi- 
nanuis, ut eapitulum unum vel duos ex se vel ministris eligat, qui 
nomine ecclesie testamenta, legata, relicta vel alias quocumque modo 



214 

alieiiata sine dilalioiie qualibet repetere nori obmitlant, iiisuper ut ' 
oimiia statuta et eoiisuetiidiries laudahiles, ac reddilus et proventus 
prelalurai'um, prebendaruiii, vieariarun», ac omiies et singulos pro- 
ventus ecclesie inlVa triuiii incnsium spatium a publicatione presen- 
tiuin in unum libellum coiiseribant, quem catbenatum in sacristia 
reponaiit in patulo, ut possil ab onuiibus legi et videri, quibus iuerit 
opportunum, sub pena decem marcaiunn pro necessitate labriee depu- 
tandarum. Magister vero scole, si in sacro ordine non t'uerit, ordi- 
namus, quod stallum babere non debeat, ipse quoqiie personaliter 
residere teneatur. Et si eum durante (?) visitatione intirmari vel 
alias grauiter impediri contigerit, loco sui substituat personani ido- 
neam et diseretam, si vero idonea non l'uerit, tunc per scolasticum 
persona idonea modo quo supra suhstitualur. De prebendatis quo- 
que clericis ad eum spectat dispositio et correctio eorundem, qui 
debent assidui et continui Iioris omnibus interesse tarn nocturnis pari- 
ter et diurnis, qui si negligenles fuerint, magister eos corrigere et 
emendare tenetur, et si inuliles t'ucM'int, eis amotis plus utiles debet 
subrogare. Scolares etiaui notus in scolis et in eeclesia babeat , de 
quibus nulla mala suspicio |»ossit suboriri. 

Cum creatura non Iiabcat, (juid digne respondeat creatori, equum 
et salutare reputamus Deum laudare in l'actis suis, eo quidem devo- 
tius et ferventius piis afTeclibus, quo donis naturalibus et gratuitis, eo 
quidem fidelius et diligentius bonis operibus, (quo) se quisque noverit 
ampliori gratia prosecutum, ut fideles et deuoli, opera videntes bona, 
Deum glorificent omnium, qui est in secula benedictus. Sane usque 
modo in eeclesia vestra Olomucensi quidam invaluit usus potius re- 
prebensibilis quam laudabilis, quo quidam prelati, canonici et vicarii 
et ministri ipsius in precipuis festiuitatibus ad ecclesiam non veniunt, 
alii tardius veniunt et statim recedunt, alii inl'ra diuina vagantur per 
ecclesiam instabilitatem mentis ostendentes, alii stant extra cboruni 
tamquam ad spectacula publica baurientes visu vanitates, alii dum 
deberent ofTerre sacriGcium laudis et tVuctum labiorum suorum in 
puritate conscientie sue, et (in) anime deuotione horas canonicas 
dicere, eas sincopant et transcurrendo legunt sicut gallus transit per 
carones (sie), alii, dum debent (?) cogitare et claudere pectus con- 
tra adversarium, ut soli Deo intenderint, fabulis insistunt et cacliinis, 
negotia tractant peregrina , et aliquando sie verba convertunt in cla- 
niores, quod divina celebrantes errores patiuntur, et siniplices 



215 

astantes scaiiilala siistiiient, nomen Domiiii blasphemantes. et ut plu- 
rimurn recedunt, quod vix duo aut Ires in choro inaiieant, qiii alle- 
hiia cantare possint et transire ad offertorium, quod cum magna sol- 
lemnitate fieri consuevit, que singula in oflFensam cedunt divine ma- 
iestatis et in pernicieni salutis animarum. Verum nos diligentes de- 
corem donuis Domini, quos eius comedit zelus, hunc morbum cupi- 
entes congrua curare medicina , statuimus et ordinanius , quod de 
cetero in precipnis festiuitatibus nnstri salvatoris ac beate Marie vir- 
ginis, palronorum et aliorum sanctorum. in quoriim bonorem cappe 
portari consueuerunt , dimissis predictis abusionibus et perversis 
moribus, quos lex et ratio persequuntur, prelati, canonici et vicarii 
et altariste primis vesperis et missis diei sequentis usque ad eleua- 
tionem inclusiiie interesse debeant, stando eontinue in stallis suis ac 
in spiritu bumili et contrito deuotas altissimo olTerre orationes. in 
odore suavitatis psallentes in cordibus Domino in psalmis , ympnis 
et canticis spiritualibus, et leuantes in celum puras manus cum gra- 
tiariim actione semper pro omnibus in nomine domini nostri Ihesu 
Cbristi, nisi aliquem mouerit rationabilis (causa), quam douiino de- 
cano et in eius absentia seniori canonico exponere teneatur. Si quis 
vero in preniissis negligens et remissus inventus fuerit, non inter- 
essendo vesperis et missis dictarum festiuitatum, ut superius expres- 
satur, prelatus vel canonicus eiusdem diei portionibus dunitaxat ipso 
facto sitprivatus, vicarius vero in uno grosso et altarista in niedit» 
grosso puniantur. 

fanonicale 

lobannis vicarii in spiritualibus et officialis reuerendi in Christo 
patris doinni Nicolai episcopi Olomucensis. 

Quamvis alias venerandus in Christo pater et doninus noster, 
doniims Nicolaus, episcopus Olomucensis, ex debito pastoralis officii 
Processus certos fecerit, in quibus moneri mandauit prelatos, cano- 
nicos, vicarios et alios beneficiatos ipsius ecclesie Olomucensis, quos 
in officio divino esse remissos audiuit et negligentes, ac in festiui- 
tatibus maioribus non venire ad ecclesiam et non stare in stallis suis. 
sed currere per ecclesiam et insistere fabulationibus et cachinis, ut 
peramplius se in diuino cultu et officio exhiberent studiosos et dili- 
gentes, ac in precipuis festiuitatibus , in quibus cappis uti consue- 
uerint, ad primas et secundas vesperas ac missam summam venirent. 



216 

et in eis«l<'iii in olioro vA shillis suis, nisi niissHs legercnt vel ad inis- 
sam ininisti-arciit , (tnant'i'fnlj, ali<M|uin nionitione oanonica preinissa 
in ornnes etsingulos, (|iii prernissa nttn aditriplrrent, excotnniunicationis 
sententiain tulit in scriplis ; tanicn cum [lerulente inonitione eiusdein 
pi'ucessus (licti canonici Olunincensj's , capitulum tacientes, coram 
uobis hurniliter piuposiierunl, (|uotl parati essent parere eisdem pi'O- 
cessibus, sed tinierent verisimiliter, quod non possent salua con- 
scientia eosdeni pntcessns ad unguem seniare et adimplere propter 
exconimnnicaliüuis scntentiarn in ipsis [»rocessibus latain , unde pos- 
sint incurrerc periciiluni in futurum: nobiscum debita instantia suppli- 
cauerunt, quatinus, cum idem duimius Nicolaus, episcopus Olumu- 
«eiisis, ad presens nun esset in diocesi Olonmcensi nee alibi in pro- 
pinqno constitutus, quod pro eo possent eins accedere presentiam 
personalem, dictum processum et eins monitionem adhuc pendentem 
in totuiu tollere et exccut(M-il)Us pro eo datis committere, quod a tali 
monitione per ipsos facta ie<'edeicnt, ac novum processum facere 
secundum statutum per ipsum capitulum pro eo factum et confirma- 
tuni sub penis in eodem positis et expressis dignaremur. Nos ipsorum 
proposilioni et pelitioni taniquam iustis et rationabilibus annuentes, 
dictunt processum et eius monitionem adhuc pendentem in totum sus- 
tulimus et in totum toliimus, in bis scriptis mandantes in virtute sancte 
übedienlie et sub excommunicationis pena vobis ad sanctum Petrum-, 
ad beatani virginem et ad sanctum Mauritium Olomucensiurn ec- 
desiarum rectoribus, quatinus a monitione per vos sie facta in 
ecciesia Olomucensi antedicta donmis prelatis, canonicis, vicariis et 
beneliciatis , quam nos toliimus, sicut ab ipso processu statim re- 
cedatis et per amplius eius executioni non insistatis. Et nihilominus 
eosdem domnos prelatos , canonicos , viearios et beneficiatos Olo- 
mucensi» ecciesie moneatis canonice, quos et nos presentibus mo- 
nemus, ut, sicut in predicto statuto prouide statutum est, domni pre-^ 
lati, canonici, vicarii et altariste predicti de cetero in precipuis festi- 
uitatibus nostri saluatoris ac beate Marie virginis, patronorum ac alio- 
rum sanctorum, in quorum honorem cappe portari consueuerint, di- 
missis abusionibus et pervcrsis moribus, primis vesperis et missis diei 
sequentis usque ad eleuationem inclusive intersint et continue ma- 
neant in stallis suis, nullatenus de stallis et choro exituri, nisi ratio- 
nabilis causa subsit, quam domno decano aut in eius absentia seniorl 
canonico exponei"e teneantur. Alioquin quilibet ipsorum, qui in pre* 



217 

missis negligens et remissus inventus fuerit, noii iiiteresseiido ves- 
peris et missis dictarum festiuitatum, ut superius expressatur, pre- 
latus vel canonicus eiusdem diei dumtaxat portionibus ipso facto sit 
privatus, vicarius vero in uno grosso et altarista in medio puniantur, 
prout in prefato statuto continetur. Datum Olomucii anno Domini 
millesimo trecentesimo octuagesimo nono die duodecima mensis 
Augusti. 



219 



IV. 

GAJIRIEL SALAMANCA'S 

GRAFEN ZU ORTENBUHG 

GESANDTSClIAFTS-BElilCHTE 

ÜBER SEINE 

SEi\l)lK m\\ E.\I.Ll.\fl l\l JIIIHE Ml. 

,mitgi:thkii,t 

VON 

J. V. GOEHLERT. 



m 



EINLEITUNG. 



IVaum liiillo Fenliiiftiid I. nach des ungarischen l\(ini|j;s Ludwig Flel- 
denlodc die llerrseliafl in Ungarn übernommen, als ihm der durch 
einen Erhverlrag zug<!sicherle Besitz dieses Reiches von zwei Seiten 
sl reitig gemacht wurde. Wälirend der Woiwode von Sieltenhüruen, 
Johann Zapolya (gewöhnlich derWaida genannt), sich zum König in 
Ungarn aiilwarl' und als solchen zu Stuhlweissenhurg krönen liess, 
dränglen die Tiii-ken nach der gewonnenen Schlacht hei Mohacs un- 
aufhaltsam die Donau anfwärls, hesetzten die Königshnrg zu Ofen 
und drohten sogar mit einem Hinfalle in die deutschen Krhiande. 

Ferdinand, welcher sich mit seiner Hansmacht allein zu schwach 
fühlte, den andringen<len Feind abzuwehren und gegen denselben 
seine Rechte und Lan<le zu vertheidigen, sah sich bei dem Umstände, 
als von deutscher Seite der eingetretenen Religionssireiligkeilen 
wegen, so wie von seinem kaiserlichen Bruder Karl \ ., <ler damals 
gleichfalls in Krieg verwickelt war, ueiiig Hilfe zu erwarten stand, 
gezwungen, bei auswärtigen Potentaten Unterstützung zu suchen. 
Seine Wahl fiel auf Englands König, Heinrich VIH. , den Verthei- 
diger des christli«'hen (ilanhens, von dem zunächst er eine wirksame 
Hilfe wider die Türken zu erlangen verhoiVte. Er sendete desshalb 
zu Anfang des .lahres 1Ö27 seinen vertrautesten Rath, Gabriel Sala- 
manca Grafen zu Ortenburg, nach England mit dem Auftrage, bei 
dem Könige und seinem mächtigen Minister, dem Cardinal V¥olsey, 
eine kräftige Hilfe zum Widerstände gegen seine Feinde zu erwirken. 

Das Ergehniss dieser Sendung ist in den nachfolgenden drei an 
den König PVrdinand gerichteten B<;riehlen Salamanca's enthalten, 
«leren Originale sich im Ai'chive des Ministeriums des Innern in Wien 
belinden. * 



2^:^ 



1. Bericht. 

Als der Kliuiiijfi- von meiner ankhiinfTt gehiirt. hat Er •lineii (Ira- 
ven, ainen Ritter viul »iiien Doetor, all drey seine Rät, drey ennglisch 
m<'y]en entgegengesnhickht, es ist auch der kayserl. Mt. potschafft 
bey zway ennglisch meylen entgegen khomnien, die dann E. k. Mt. 
211 Eren mich in die Stat Lundres gefuert haben. Sopald Ich in meine 
herberg khummen, hab Ich durch hcrrn bansen von Silberberg E. k. 
>It. Ratsamptdeinziiegeordtneteii Ereiihold zu dem Cardinal geschickht 
viid anzaigen lassen, deniiiaeh Ich im namen E. k. Mt abgeferttigt vnd 
mit Sr. hochw. Gnaden zuhandlen hab, sey mein beger, Se. hocbw. 
Gnaden welle mir künde sezen, damit Ich E. k. Mt. bevelh anzaigen 
muge. Also ist mir ernennt worden der li. Marcij zu der newnten 
Stund. Auf demselbigen tag bat der Cardinal zwen kunigliche Rät 
verordnet, die mich zu scbilTin sein bebausung gefuert haben vnd als 
Ich zu dem Cardinal khommen, hab Ich Ime E. k. Mt. Credenzhrief 
vberantwurt vnd E. k. Mt. genaiglen willen erzelit, darauf E. k. Mt. 
Rat Doetor Johann Fabri den liiertrai: thuen lassen. Darauf der Car- 
dinal seines mitlaiden von wegen gemaiuer Cristenhait aine lange 
red gethan vnd entlich beschlossen, dieweil die obristen heubter der 
ganzen Cristenhait dermassen in khrieg mit vnd gegen einander 
stuenden, khundte vnd möcht Er nit finden, das dem Turckhen durch 
E. k. Mt. oder yemandt andern ain widerstand gescheen möciit, wo 
auch nit ain gemainer frid gemacht wurde, wollt sein Kunig all seine 
macht wider dem Turckhen darstreckhen. Wol wäre war, sein Kunig 
hett sich auf das höchst diser Sachen beladen vnd frid zumachen 
vnderstanden , deswegen auch potschafft von der bebstlichen heilig- 
khait, der kayserlichen Mt., dem Kunig von Franckhreich u. den 
Venedigern zugegen weren, aber nach vil mue vnd arbait were noch 
nichts beschlossen. Es wollt aber doch die nolturfft ervordern, das 



223 

iVid gemarlit wurilt, damit mit ainhelliger maynung dem Turckhen 
widerstand gescheeii viid E. k. Mt. geholffen werden möcht. Dieweil 
aber das Mert-ntail an der kayserl. Mt. gestanden, wisse sein Kunig 
vnd Er niemanden , der heKYeii sollt, dann E. k. l\It. , deshalb wer 
sein will vnd beger, das E. k. Mt. tretTenlicIi anhielt bey Irem herrn 
vnd brueder, damit t'rid gemacht werden mücht vnd wir als die Ge- 
sandten sollten bey dem kayserl. Ml. Orator vnd sonst auch raten vnd 
helffen, damit ain gemainer frid aufgericht. 

Darauf bab Ich geantwurt, E. k. Mt. sey dise widerwärtigkhait 
alwegen laid gewesen, habe auch an disem klirieg vnd vnfrid gar 
khain schuld, sey auch derselbigen nie vrsach gewesen. Es bab E. 
k. Mt. bey Irem kayserl. brueder vmb frid trewlich angehallten, so 
hab auch der Khunig von Francklireich desselben guet wissen vnd 
sich bekhennet, das E. k. Mt. h;indliing Ime zu guetem erschossen 
sey vnd stee auch nochmals in Vibuiig, sovil an E. k. Ml. gelegen 
die Sachen zu frid zubringen. Dieweil die not gegen den graussamen 
Veind so gross, solle pillich E. k. Mt. des nit entgellen, sonder mer 
gefurdert werden. Auf soliches hat mir der Card, angezaigt, es mug 
sein, glaub auch, E. k. Mt. habe vmb frid bey kayserl. Mt. angehalten, 
aber nicht durch ansehnlich sonder junge personell vnd vermaint, 
E. k. Mt. solle ansehnlich personen, ob es auch ain lurst wäre, zu 
der kayserl. Mt. schickhen vnd auf dns höchst die sncheii zu geinai- 
nem frid furdern. Darauf hat der Card, anfangen zuerzellen, wie es 
in Ualia nit nach viiserm willen stee, dann 4000 Spanier seyen in 
Mayland vnd wellen nit hinaus, treiben allen muetwillen, dann sy 
seyen reich worden; so seyen die Teutschen, so in Italien khommen, 
arm. blos vnd erfroren, auch widerwillig worden, vnd nach langer 
handlung habe Duca de Borbon 15.000 Ducaten vnd sovil par schuech 
vnd huet in ir Leger verordnet vnd wiewol sy auf Florenz gezogen, 
werden sy doch nichts schatYen, dann es wol besezt seye. Es seyen 
auch etlich mit gewaltigem zug auf den fuessen, inen nachzuziehn; 
so sey der Vicere mit seinem volckh auch zertrennt vnd hab sich in 
etliche Stett gethan, aber der Babst ziehe auf Neapel mit gewaltigem 
zug vnd die vnderthanen in Neapl seyen ganz vnwillig. So habe 
sich Duca de Ferara wider gewendt, dann der Babst Im aine seiner 
basen zu der Ee versprochen hab. Soliches alles sey seinem Khiinig 
aus Rom zuegesch rieben, daraus Ich wol abnemen muge, wie vnsre 
Sachen steen, darzue werde die IJga ainander nit verlassen. Das 



224 

aber alles vnaiigesehen, so welle noehmals sein KhuniGj vrid Er die 
Sachen dahin bringen, damit kayserl. Mt. ain erlieher herichl gernaeiit 
vnd insonders damit die gueten vnd frummen zween Khunig ans 
Franckhreieh , so zu goisel in Hispanien seyen, geledigt vnd frid 
gemacht werden , nanilich wo nit Land , das doch gelt auf ain oder 
doch zwo Millionen goll bezalt wurden. So möchte mit Maylaml, die- 
weil dasselltige verderbt, auch ain mittl gefunden werden, das Duca 
de Borbon, so er villeicht dem Khnnig von Franckhreich nicht ver- 
trawen wollt, zum Vicere in NeapI vnd der Vicere zum kayserl. 
Hofmaister gemacht wurde, das auch Mayland dem vorigen Herzogen 
])leiben vnd dagegen kayserl. Mt. 100.000 Ducaten, dem Herzogen 
von Borbon 30.000 Cronen jarlich bezalt, darzue auch all seine lan<l 
in Franckhreich zuegestellt werden sollen. 

Diss vnd anders wollt Er vns angezaigt haben, das wir seines 
Khunigs vnd seine Maynung wissen möchten, auch bey kayserl. Mt- 
Orator vnd sonst furdern , damit in der ganzen Cristenhait airmial 
frid gemacht werden möcht, mit vermeldung. wo die kayserl. Mt. 
die 100.000 Ducaten vnd 30.000 Cronen gegen das Her/.ogthnmb 
Mayland nit anemlich, verholVt Er, sein Khunig wurde bey den andern 
der Liga Verwandten sovil erlangen, das dasselbe Herzogthumb Ime 
als zu der dritten band zuegestellt, bis mit recht erleutert wurd, ob 
der Herzog von Mayland solch Herzogthumb verwirckht hab 
oder nit, 

.4uf soliches hab Ich angezaigt, E. k. Mt. habe an disen vnfrid 
khain schuld, wollt auch gern frid haben vnd wiewol Ich deshalben 
khainen bevelh von E. k. Mt. empfahen , yedoch wolle Ich mit 
kayserl. Mt. Orator reden vnd das peste bandlen, doch sonst in 
khainerlay handlung einlassen. Aber dieweyl E. k. Mt. obligende not 
khainen vorzueg erleide, sey vnser beger, das wir zuerst gehört 
vnd wol zu E. k. Mt. abgeferttigt werden. Darauf hat der Card, haben 
wellen, das all potschaften, so zugegen wären, berufft wurden, 
damit Sy vnsern furtrag liören möchten. 

Das hab Ich aber alspald widersprochen, dann Ich nit zu den- 
selben, sonder zu dem Khunig in Engelland geschickht sey, aber 
kaysl. Mt. Orator möchten wir wol bey solcher Audienz leiden ; vber 
das hat der Card, widerumb zu zwayen oder dreyen malen haben 
wellen, das die andern potscliafften auch bey vnsern furlrag sein 
sollen. Ich aber darein khaineswegs willigen wollen , angesehen das 



225 

des Babstes, Khunigs von Franckhreich viul Venediger Oratores vns 
widerwärtig seyen. 

Diss vnd dergleichen hat sich zuegetragen vnd bis in die dritte 
stund gewert, aber also entlich hingeschaiden, das mich der Card, 
khainer hilf vertrösten wollt, es wäre dann ein gemainer frid aufge- 
richt, doch ist vns von Ime der 14. Marcij zu der Audienz für den 
Khunig gesezt worden , also sein wir dissmals von Ime abge- 
schaiden. 

Als Ich bey dem Card, vormittag gewesen, hat mich der kaysl. 
Orator nachmittag haimgesuecht vnd allerlay mit mir geredt, auch 
ist Er meiner maynung gewesen, das die andern Oratores khaines- 
wegs zugegen sein sollen. Deshalb hab Ich Dr. Job. Fabri zu dem 
Card, wider geschickht vnd Ime lassen anzaigen, demnach Ich zu 
dem Khunig von Engelland vnd nit zu den andern Oratoren abge- 
ferttigt, auch E. k. Mt. bisher disen praucli nit gehabt, wenngleich 
andrer Potentaten potschaft zugegen, derhalben muge Ich anstatt 
E. k. Mt. auch nicht leiden, das yemand anderer dann allain der 
kaysl. Orator in diser Audienz seyn solle. Darauf der Card, geant- 
wurt, essolle dabey bleiben, doch nicht gewollt, das der kaysl. 
Orator mit mir, sonder für sich selbs gen Hof khommen soll, dann 
die Ere auf denselben tag nit Ime sonder vns anstatt E. k. Mt. 
von seinem Khunig bescheen soll. Soliches, acht Ich, sey darumb 
gescheen, dann als mir der kaysl. Orator entgegen geritten vnd zu 
mir khummen ist, hab Ich In in die Mitte zwischen mich vnd den 
Graven, so von dem Khunig mir entgegen geschickht, genommen; 
doch hab Ich die rechte seyten behalten. 

Auf gestern den 14. Marcij sein der Graf, Ritter vnd Doctor, 
so mich erstlich emphahen, zu mir in die herberg khommen zu ross 
vnd in des Khunigs schiff gen Hof gelait. Daselbs an dem wasser, 
auch an des Khunigs hof ain merckhlich anzal Volckh gewesen, mit 
grossem pomp der Trabanten vnd andern herrn geistlichs vnd welt- 
liehs Stands für den Khunig gefuert vnd nach geburender Reverenz 
hab Ich dem Khunig den Credenzbrief in eigne band überantwurt u. 
E. k. Mt. grues vnd freuntlich erbieten erzellt, auch zulezt begert, 
das der Khunig den übrigen beveih gnedigiich welle von Dr. Job. 
Fabri vernemen. 

Also hat Se. Mt. den brief selbs aufgethan, den Card, vor den 
Räten denselben lesen lassen vnd mir anzaigt, den übrigen furtrag 
Archiv. XLI. 1. lä 



226 

welle Er gnediglich hörcMi viid sich in Iren mit gold hedeckhten 
khunigl. Stuel gesezt vnd vns dagegen über ain Stuel gestellt, darauf 
wir gesessen. 

Also hat vor Sr. Mt., dem Card., Prälaten , Graven vnd andern 
herrn von Adl auf anderthalb stund Dr. Fabri den furtrag gethan, wie 
wir vns dann deselben zuvor veraint haben. Vnd als diser beseheen, 
hat der Khunig durch ainen Secrelari antwurt geben, welche dann 
zuvor gefasst ward. Dann drei tag darvor hab Ich die Capita vnsers 
furtrags dem Card, auf sein begern zuegestellt. Dise antwurt ist auf 
nachvolgende maynung: es hab I. Mt. vns als Gesandte gern gesehen, 
auch gehört, vnd durch vns vernommen des graussamen Turckhen 
furnemen vnd sonderlich was sich vergangnes Jars in Hungarn zue- 
getragen, habe I. Mt. mit grossem mitlaiden verstanden vnd solichen 
sovil muglich fürzukhummen, were I. Mt. bisher genaigt gewesen, 
auch noch, aber Sy mug vnd khunn bey Ir selbs nit erfinden, das 
disem veindt ain rechter widerstand gescheen mug, es sey dann zu- 
vor, das die cristlichen heubter' in gemainen frid vnd ainigkhait 
khummen, vnd sich mit ainander vergleichen, Avie sie ain yeder nach 
seiner macht dem Turckhen widerstand thuen wellen. 

Se. Mt. habe bisher vil in solcher sach gehandelt, weil aber 
der mertail an der kaysl. Mt. gelegen sey vnd nyemandt pilliger bey 
derselben sovil vnd mer dann E. k. Mt. als derselben brueder ver- 
mug, darum in disen aignen nöten E. k. Mt. bey Irem herrn vnd 
brueder anhalten soll, damit gemainer frid in der ganzen Cristen- 
hait aufgericht wurd; dann on das werde vnd welle S. Mt. khaines- 
wegs ainich hilf thuen, wo aber alle cristeniichen heubter frid mit ain- 
ander machen vnd sich verainigen, das Sy dem Turckhen ainen wi- 
derstand thuen wellen, alsdann well Er sich als ain liebhaber des 
cristeniichen glauben erzaigen , das E. k. Mt. vnd andre cristenliehe 
heubter on zweifl bekhennen werden, S. Mt. hab sich wol erzaigt. 
Vnd wiewol Engelland von natur mit seinen inwonern sich des Turckhen 
macht wol erweren muge , auch noch weyt von inen gelegen, welle 
Er doch nit der wenigste sein, aber on gemainen frid nichts thuen. 

Dieweil nun in solcher antwurt abermals der frid angezogen, 
hab Ich nit vnterlassen zu berichten, wie E. k. Mt. bisher in disen 
Sachen trewlich gehandelt vnd nicht allain durch E. k. Mt. Oratores 
sonder auch durch andre personen bey der kaysl. Mt. vmb frid an- 
gehalten. Dieweil daon E. k. Mt. dises vnfridens zwischen den cri- 



227 

»tenlichen heubteni nit vrsaehe seye, war nicht pillicli, dfts in disen 
nöten E. k. Mt. niciit soll erhört werden. 

Der Khunig hat sich vnter anderm vernemen lassen, wie der 
Wayda sich gegen Franckhreich, dem Babsten, auch Ime erbiet, das 
Er grosse ding wider den Turckhen ausrichten welle. Darauf Ich 
geantwurt, es sey sich zu Im nichts Guets zuversehen, dann Er es 
sey, der den Turckhen on zweifl in's laiid gebracht vnd auf den heu- 
tigen tag mit Im practic habe, vnd ee Ich die red ganz volpracht, ist 
mir der Khunig mit disen Worten begegnet: audiatur et altera pars; 
darauf Ich nach der lengs bericht gethan , wie E. k. Mt. mir bevol- 
hen. Hat mir der Khunig anzaigt, der Wayda sey zum Khunig in 
Hungarn erwellt; hah Ich geantwurt, S. Mt. muge gedenckhen, was 
das für aine wal gewesen, so den Wayda wider des Khunigreichs 
Ordnung etlich seiner anhänger mit Ime gen Stuelweissenhurg 
gefuert vnd so der zehendt tail, so zu der wal stimmen haben, nit 
zugegen gewesen, sich zum Khunig lassen ausschreyen. Aber nach- 
volgendt sey ain Rakusch gehalten vnd nachdem dises Khunigreieh 
nyemand andern, dann E. k. Mt. zuegehi»rt, sey E. k. Mt. nach des 
Reichs Ordnung zum Khunig erwellt worden. Hat der Khunig repli- 
cirt: omne regnum in se divisum desolabit vnd weyter angefuert, 
wie Im nit zu raten sey, das Er gelt ausgeb, das man den nechsten 
mit demselben in Italien ziehen vnd ainen cristenlichen fursten ver- 
treiben sollt; darauf Ich geantwurt, die maynung soll es nit haben, 
sonder E. k. Mt. möge leiden, dieweil I. Mt. potschaft zu hofbey 
E. k. Mt. seye , das dann die hilf oder das gelt zu derselben banden 
verordnet werd, dasselb khainer andern gestalt, dann so der Turckh 
zuezieh vnd es die notturft ervorderl zuegebrauchen, so dann der 
Turckh nit kumbt, mug I. Mt. das gelt behalten oder wider zu Iren 
banden nemen. Auf solchen furschlag hat der Khunig gesagt. Er well 
sich deshalb mit seinen raten vnderreden vnd also bin Ich hinlangc- 
treten ; hat I. Mt. den Dr. J. Fabri hey sich behalten vnd allerlay 
reden des Luthers vnd dessen anhang, lere vnd buecher halben ge- 
than vnd wie Dr. Fabri mir erzellt, allerlay Artickhel der Buecher, 
so von dem Khunig vnd seinen Bischoven vnd gelerten in Engelland 
ausgangen, gar gnediglich gesprochen. Dieweil Ich mit dem Card, 
allerlay geredt vnd zulezt auch angefuert, das E. k. Mt. erbieten 
seye, das dieselbig nit beger, dises gelt andrer gestalt zuhaben 
oder zubrauchen, dann wo der Turckh einfallt. Auf soliches hat mir 

15" 



228 

der Card, anzaigt, das Ich samht meinen zuegeordtneten wider zu 
Im khumnien solle. Er welle sich weyter mit vns besprechen. Ich 
wisse wol, solch sachen wären alweg anfenckhlich etwas schwerer 
dann villeicht in dem end. Vud wiewol Er sich vernemen lies, das 
auf morgen Sambstag soliches bescheen sollt, hat Er mir doch bey 
dem Ernhold entpoten, die zwen tag muesse Er bey dem Khunig 
sein, aber auf Montag welle Er mich wissen lassen, ob es sein khunn, 
des will Ich also erwarten vnd E. k. Mt. verner berichten. 
Lunders," am 15. Marcij. 

2. Bericht. 

Am Montag, den 18. Marcij hat der Card, nach mir geschickht 
vnd als Ich samht meinen zuegeordneten Dr. Fabri vnd herrn Hansen 
von Silberberg dahin khommen, hat Er vermaint, der kaysl. Orator 
solle auch zugegen sein, war aber durch die diener versaumbt, 
Nichtsdestominder hat Er mich ad partem gezogen vnd mir aine 
lange red vnd vil furgehalten, das der Khunig von Engelland nit 
möcht oder wollt ainieh hilfthuen, es wäre dann das zuvor ain ge- 
mainer frid gemacht war, alsdann wollt Ersieh nach seinem höchsten 
vermugen erzaigen. Darauf Ich geantwurt, wie vormals E. k. Mt. 
vernomen, nemlich das dieselbig solchs vnfrids khain vrsach sey, 
auch bisher das pest gethiin vnd Iren kaysl. Brueder fleissig ange- 
suecht, damit solcher gcmaiiier frid aufgericht werde. 

Also hat sich in red vnd widerred schier auf aine stund verlaufen, 
das Ich khain andern beschaid von dem Card, hab erhalten mugen, 
vnd als Ich E. k. Mt. entschuldigung des vnfrids, cristenlichen ge- 
muets, des Turckhen graussame macht, auch den Tittel des Khunigs 
von Engelland vnd dergleielien vil angefuert vnd der Card, solches 
alles gehört, darzue das Icli mit beschaidenhait mit Ime gehandelt, 
hat Er auch Dr. Job. Fabri vnd herrn von Silberberg mit langen vnd 
gnedigen Worten dise maynung eröfTnet. Nach der Audienz hab sich 
sein Khunig besprochen dergestalt, das I. Mt. vns gern gehört vnd 
dise not, so E. k. Mt. durch den Turckhen zuestund, sey Im von 
herzen laid vnd find khain grösser beschwerd, dann den Vnfrid zwi- 
schen den cristenlichen heubtern, darumb sey sein beger, das E. 
k. Mt. Im trewlich helfen vnd die sach zum frid furdern soll. Darauf 
hab Ich angezaigt, wie das E. k. Mt. zu vilenmalen gescliriben, auch 



229 

geschicklit vud yetzo zu mereren ansehen sey Dr. Joh. Fabri zu 
kaysl. Mt. abgefertigt, zu wolfart der ganzen Cristenhait vmb ainen 
gemainen t'rid zu bitten. Der Card, hat dise schickhung zu hohem 
gefallen angenommen, von stundan in Franckhreich gen Paris vmb 
ainen gelaitsbrief gesehickht vnd vns weyter enldeckht, das sein 
Khunig bedacht, wie E. k. Mt. sey Im von gepluet vnd sonst ver- 
want, trag auch zu E. k. Mt, vonwegen Irer tugend vnd insonders, 
das E. k. Mt. sich bisher so tapfer wider die kezereyen erzaigt vnd 
yetzo wider die vnglaubigen seye, darumb so well, khunn vnd muge 
sein Khunig E. k. Mt. in disen nöten nit verlassen. Er der Card, be- 
ger auch, das wir E. k. Mt. anzaigen sollen, wie Er so trewiich han- 
dien wolle in E. k. Mt. sachen, als ob es seinen Khunig selbs betreff. 
Vnd als wir soliches mit freuden zu danckh angenommen, hab Ich 
angehalten vmb weyti'e erclerung, dann sollte solche hilf erst ge- 
scheen, so frid gemacht wurde vnd dasselbig sich verlengern mücht, 
derTurckh inzwischen fortfaren wurde, alsdann dise hilf nit vil er- 
sehiessen oder zu giieten khommen muge. Darauf Er geantwurt, das 
sey seines Khunigs maynung. Er welle sieh vmb den frid bemuen 
vnd wann frid gemacht werd, so welle sein Khunig E. k. Mt. desto 
statliclier zu hilf khommen vnd von stundan werben vnd anhalten 
auf das höchst bey der bebsllichen Heiligkhait vnd bey dem Khunig 
von Kr.inckiireicli viid andern cristenlichen heubtern, das diesel- 
bigen auch coulribuiren vnd E. k. Mt. lielfen muessen. Er der Card. 
verniMg noch oOO.OOO Ducaten aufzubringen vnd ee das Er welle, 
das E. k. Mt. nit sollt geholfen werden, welle Er dieselben zusam- 
menbringen, Kriegsvoickh darumben werben vnd das Kreuz selbs in 
die band nemen vnd vorziehn , das soll sich E. k. Mt. entlich zu Im 
versehn, dann er hör sovil guets von E. k. Mt. , das E. k. Mt. so aiu 
friimer cristenlicher fürst sey, das er E. k. Mt. deshalb nicht ver- 
lassen wolle. Sein Khunig erwege auch, das Er ain beschirmer des 
beil. Glaubens sey, so Er wider die kezer geschriben vnd schreiben 
lassen, auch noch teglich thuc vnd solang Er leb zuthuen furge- 
nommen, sich vnd sein Reich bisher von kezereyen vnd aufruern ver- 
huet, well Im nit geburen, das Er wider den Turckhen sovil Im mug- 
iich den cristenlichen glauben nit beschirmen solle. Er der Card, 
welle vns im vertrawen sein herz erötfuen, von jugent auf vnd gen 
18 jar an ainander im khuniglichen Stat habe Er den Khunig er- 
khennt vnd Ime das pest gethan, In auch alwegen zur erhaltung des 



230 

cristeiilicheii glaubeiis getiaigt fiiiideii, auch darzue gewiseti ; so Er 
alt werde, gedenckh Er Inie kliaiii pessres Testament gegen Gott vnd 
der weit zutluien, dann das Er seinen Khunig daran weise vnd Er es 
selbs auch thue, damit der eristenliche glaub nit also vntergedruckht 
werde, mit langer erzellung, wie Er aulkhommen, sich mit dem 
Khunig gehalten, wie Er geregiert, wie auch teglich sein Khunig 
drey Mess vnd wann Er Predig hör, das heil. Sacrament emphahe 
vnd khaine kezerey aufkhummen lasse. Darumb Er vnd sein Khunig 
dafür haben, Gott der herr hab Inen baiden vnd dem ganzen Reiche 
noch bisher allerlay gnaden bewisen vnd vor widerwärtigkhait be- 
huet. Aus diser hoffnung werden Sy diserzeit E. k. Mt. nit verlassen. 
Sc. kaysl. Mt. nenne In seinen Vater, hab Im auch in seinen nöten 
väterlich gethan. 

Aul" dismal haben noch die Franzosen khaine antwurt erhalten, 
ob sein Khunig dem Franzosen seine tochter geben welle oder nit, 
also welle Er sich gegen E. k. Mt. auch halten vnd ain Vater sein. 
Aber wievil sein Khunig thuen werde, muge yezt nit bestiinbt wer- 
den, bis das man seh, ob t'rid gemacht oder ob man khriegen muess. 
Er welle handien mit seinem Khunig, dieweil wir angezaigt ainen 
khünftigen von der hilf wider den Turekhen zuhalten, das Er zu der 
vorigen potschaft noch aine andre schickhen, damit dieselbig E. k. Mt. 
trösten vnd beystand thun möchten, darzue mit etlichen Chiirfursten 
ad partem handien, das Sy E. k. Mt. helfen sollen, dieweil Er der 
Khunig so weyt entlegen. Solche handlung hat sich zu vnsrer freud 
gar nahezu 4 stunden verzogen, dann sich der Card, so gnedig 
freuntlich gegen vns verhalten vnd seines regieren sovil angezaigt, 
das mir nit wol muglich alles zuschreiben, vnd haben entlich disen ab- 
schid gemacht, das Ich soll E. k. Mt. solchs vnd insonders des Card, 
gueten willen zueschreiben, vnd nicht destominder so well Er des Kay- 
sers Orator nechsten Mittwoch zu sich beschaiden, auf denselbigen 
tag auch Ich widerumb mit meinen zuegeordneten erscheinen. 

Aus disem meinen schreiben khönnen E. k. Mt. ersehen, wie 
der Khunig vnd öftermal der Card, insonders in disem gesprech 
nichts haben vertrösten wellen, dann allain in der gemain vnd so 
frid gemacht wurd vnd nachvolgend von dem Card, ain andres er- 
öffnet. VVarumb diss gescheen, mag Ich nit wissen, es sey dann, das 
Sy vnsre geduld haben wollen probiren oder villeicht so Sy vernom- 
men, das E. k. Mt. frid zu machen bemuet ist vnd dise kunigliche 



231 

hilf nit anders begei", dann wann es die not ei'vordere. Als der Card, 
vernommen, wie streng wir vmb die hilf angehalten, hat Er gefragt, 
wievil vnd welche hilf wir doch begern, hab Ich geantwurt, E. k. Mt. 
beger, das der Khunig von Engelland von IS. 000 bis 20.000 Mann 
bescdde, so lange diser khrieg weren wnrd. 

Diss ist die handlung vnd abschid, so sich gestern ziiegetragen. 
Lunders, am 19. Marcij. 

3. Bericht. 

Auf den 20. Marcij hat der Card, den kaysl. Orator zu sich be- 
schaideti vnd gewollt, das Ich auch zugegen sein sollte. Wiewol Ich 
dissmals nit wenig kranckh gewesen, damit Ich aber nichts ver- 
saumb, hab Ich mich sambt den baiden Räten erhebt vnd gegen des 
kaysl. Orators herberg Ime zu eren geritten, ist Er vns auf dem weg 
begegent vnd sind mit ainander zu dem Card, geritten. Der Card, 
hat dem Orator vnsre handlung vnd was Er vns vertröst, anzaigt 
vnd abermals auf das iiöchst vmb gemainen frid angehalten mit be- 
ger, das Ich bey E. k. Mt. getrewlich anhalten welle, damit E. k. Mt. 
Iren kaysl. brueiler vermöchte, dieweil so erliche Conditionen vor- 
handen, das kaysl. Mt. den abfal der ganzen Cristenhait vnd des 
Turckhen not zu herzen nemen vnd iicsen seinen Khunig also aiti 
mitler sein, damit ainnial in der ganzen Cristenhait frid wurde vnd 
in disen obligenden nöten E. k. Mt. statlich helfen möchten, das 
wurde nyemands zu mer guetem dann E. k. Mt. khonmien. Es wären 
aller andrer widerparteyen potscliaflen mit genuegsamer gewalt (\vs- 
hidben zugegen. Darauf Ich geantwurt, das E. k. Mt. solchen frid 
zu furdern in steter V'bung gewesen vnd noch sey mit merer erzel- 
luiig vnd vnter andern, das Ich mit kaysl. Orator sovil mir gebiirt, 
geredt viul gehandelt, das Er anstatt derselben kaysl. Mt. beuielle 
ConditioruMi aiinemen welle. 

Darauf hat der Card, den Orator ad partem genonmien vnd mit 
Ime allerlay reden von handlung des frids gehalten, vnter andern die 
Sachen dahin gestellt, dieweil sein Khunig also guetwillig gegen 
E. k. Mt. sich erpiet, solle pillich kaysl. Mt. die sachen beherzigen 
vnd des gemainen frids wolfart vnd seines Khunigs wegen aiu kbiiu 
ding nit ansehen. 

Nach solichem gesprech hat der Card, mit vns disen abseliid 
gemacht, Er welle sich zu seinem Khunig verfliegen vnd vmb am 



232 

entliche antwurt vnd beschaid viis verhelfen, auch zuwisstMi thueii, 
wann wir khommen vnd dieselbig anlwurt emphahen sollen. 

Nachvolgend als der Card, am 23. Marcij zu dem Khunig auf 
ain schloss, 12 englische meyl von Lunda entlegen geritten, hab Ich 
auf Sonntag den 24. diss monats den Ernhold zu dem Card, ge- 
schicklit vnd durch denselbigen bey Ime angehalten, das Er (der 
Card.) vnser nit vergess, sonder verhelf, damit wir von dem Khunig 
entliche antwurt vnd gueten abschid erlangen vnd wider zu E. k. Mt. 
haimziehen mugen. Zwischen 8 vnd 9 Vr in der nacht hat der Khu- 
nig vnd der Card, den Ernhold abgefertigt vnd bevolhen. Er soll 
reyten vnd vns sagen, das als morgen den 25. d. M. wir bey Sr. Mt. 
zu dem Ambt vnd bey dem Card, zum fruemal sein sollten. Also ist 
der Ernhold gegen den tag zu zwayen vren friie khommen vnd mir 
des Khunigs bevelh vnd maynung angezaigt. Darauf Ich die pherd, 
so Ich zu E. k. Mt. Eeren mit mir über das mer gefuert, zurichten 
lassen vnd den weg vnternommen. Nachdem aber Ich etlich tag Nast 
kranckh gewesen, mir spat angesagt vnd der weg weyt, bah Ich nit 
mugen zu volligemAmbt, sonder erstzuend vnd dieweil der Khunig vnd 
der Card, in der bet-Capelln gewesen, khommen. Deshalb dann der 
Khunig vnd darnach der Card, vns gnediglich emphahen vnd als Ich 
Sr. Mt. angezaigt, wie E. k. Mt. Credenzbrief vnd bevelh Ich bette 
der Khunigin zu vberantwurten vnd ainen grues zusagen, also hat 
der Khunig mit gewohnlichen Ceremonien mich zu der Khunigin, so 
in ainen andern Sal gewesen, gefuert. Derselbigen hab Ich nach 
geburender Reverenz E. k. Mt. brief vberantwurt, derselben grues 
gesagt vnd E. k. Mt. vnd derselben Gemahel mainer gnedigsten 
Frawen wesen vnd zuestand angezaigt , auch warumb E. k. Mt. mich 
nach Engelland abgefertigt, erzeilt vnd gepeten, das Sy in diser 
Sachen gemainer Cristenhait das pest reden, furdern vnd handien 
welle. Darauf Sy den brief gelesen, vns den grues gedanckht vnd 
angezaigt, das Sy sich ob E. k. Mt. vnd derselben Gemahel gesund- 
hait nicht wenig erfreyen thue, Ir auch dise widerwärtigkhait vnd 
des Turckhen furnemen vom herzen laid sey, vnd wiewol Sy sich 
diser sachen nie beladen noch angenommen , so welle Sy dannoch 
Iren herrn vnd Gemahel den Khunig bitten, das Er E. k. Mt. das 
pest thuen wolle, vnd dieweil es also spat, auch das essen auf dem 
tisch gestanden, hab Ich vrlaub genommen. 



233 

Darauf hat mich vnd meinen zuegeordiieten der Card, in ainen 
Sal gefuert, daselbst angefangen zuerzeüen, S. Gnaden habe mer- 
malen vmb gemainen frid in der Cristenhait mit mir red gehalten, 
damit man dem Turckhen desto pesser widerstand thuen moeht. Dar- 
auf Ich geantwurt, das E. k. Mt. soliches zutliuen bisher getlissen, 
des zur anzaigung, als sich langezeit zwischen dem Aloscowltter vnd 
Khunig von PoMn schwere khrieg gehalten, habe E. k. Mt. durch 
Ire treffenlich handkmg sovil zuwegen pracht, das ain funfjariger 
anstand zwischen dem Khunig von Polin vnd dem Moscowitter ge- 
macht, so hab E. k. Mt. mir auch bevolhen, das Ich dem Khunig 
anzaigen soll, wie der Turckh gewaltiglich in anzug sey, die Cron 
Hungarn vnd die österreichischen land zu vberziehen. Als man das 
essen auftragen, hat der Card, des Babstes potschaft neben vnd vns 
zu Im an den tisch lassen setzen vnd angefachen von gemainen frid 
zureden, in welichem sich begeben, das vnter andern des Babsts 
potschaft den Babst entschuldigt vnd wie Er Khunig Ludwig seligen 
des vergangnen jars 80.000 Ducaten zum widerstand gegen den 
Turckhen geschickht, angefuert. Das hab Ich, sovil mir gehurt, mit 
pestem fueg declarirt, damit wir aber nit in weyter Disputation diser 
Sachen, so villeicht Widerwillen vnd E. k. Mt. nachtail bringen möch- 
ten, khommen, hab Ich mit Dr. Fabri, so bey mir gesessen, geredt 
vnd gesagt, wir wellen vns diser Sachen halben in khain Disputation 
einlassen vnd ander Materj , nemlich des Luthers schriften vnd der- 
selbigen ausiegung angeluert. Nach dem essen hab Ich dem Card, 
sonderlich des Turckhen halben, den Wayda vnd die 25.000 Du- 
caten betreffend anfachen erzellen. Darunter hat der Khunig nach 
dem Card, geschickht vnd von stundan zu Im zukhommen begert. 

Als der Card, mich nit weyter hören khunnle, hat Er vns anzaigt, 
der Khunig werd vns entlich antwurt geben vnd vor demselben mug 
Ich das furtragen. Auf das sein wir zu dem Khunig gefuert worden, 
hat der Khunig allain die newe zeitung des Khunigs von Polin, 
Moscowitter vnd anzug des Turckhen von mir gehört, darauf abermal 
hoch vnd streng den gemainen frid der Cristenhait anzogen mit 
langer anfuerung. Er khunne E. k. Mt. nit wol helfen, dieweil Er 
wisse, das die Lutherey so weyt erwachsen vnd das gemaine Volckh 
also verfuert habe, wo der Turckh khum, so werden sy ee zu dem 
Turckhen fallen, den Kayser, E. k. Mt. vnd alle cristeniichen Fürsten 
vertreiben, dann das sy verhelfen den Turckhen schlagen; so das 



234 

geschee, muesste Er sich alsdarui des Tiirckheu viid der Ijullieraner 
erweren. Darauf Icli geaiitwiirt, wann das ye gescheen sollt, so sey 
danrioch pesser, I. Mt. helfen E. k. Mt. , ee dann der Turckh den 
teutschen Landen oder Lutheranern so nahend khume; hat der Khu- 
nig mir fin-gehalten, E. k. Mt. haben fnr vnd für in Italien Volckh 
geschiekht. wann E. k. Mt. dasselbige wider den Turckhen gewendet, 
stuenden die sachen änderst. Darauf Ich geantwurt mit pestem fueg, 
das kaysl. Mt. E. k. Mt. herr vnd brueder sey, das auch E. k. Mt. nit 
mynder in Crobaten vnd an der grenizen ain grosse anzal V^olckhs zu 
behuetung derselben, auch des Khunigreichs Hungarn geschiekht vnd 
soliches Volckh nicht ains sonder 7 jar her mit geschuz vnd aller 
andern khriegsnotturfft vnterhalten habe. Hat der Khunig weyter 
angezogen, das der Wayda zum Khunig in Hungarn recht erwellt 
vnd gecrönt sey, welle In dannoch E. k. Mt. vertreiben, der erpiet 
sich auch, vil wider die Turckhen zuthuen; h;ib Ich geantwurt, 
dieweil der Wayda den Turckhen nach Hungarn gefuert, den Khunig 
vnd sein Volckh verlassen vnd noch Practic mit Im liab, sey sich 
von der Cristenhait nichts guets von ihm zuversehen. Ist mir der 
Khunig in die red gefallen, der Khunig in Hungarn sey ain junger 
Khunig gewesen vnd hab den Wayda mit seinem Volckh aus stolz nit 
wollen erwarten, den sieg vnd ere allein wellen haben, darumb sey 
es Im also ergangen. Darauf Ich erzellt, was der Wayda vnd sein 
brueder für aine meuterey über den Khunig (Ludwig) gemacht, wie 
Er über seinen willen die schlacht habe annemen muessen, darzue 
gezwungen sey, wie nahend auch der Wayda mit seinem Volckh ge- 
legen, wie auch der Tnrckh durch des Wayda Land on schaden ge- 
zogen, wie Er ainen Rakusch wider des Khunigreichs Ordnung durch 
seinen anhang gen Stuelweissenburg gelegt, daselbst sich crönen 
lassen, das auch die ersten Standespersonen nit zugegen gewesen, 
die aber nach Ordnung des Khunigreichs auf ainen Rakusch, so die 
Khunigin vnd der Palatin ausgeschriben, E. k. Mt. zu Irem rechten 
Khunig erwellt haben. 

Hieraufhat der Khunig geantwurt, Er seye aines andern bericht; 
darauf Ich gesagt, es solle I. Mt. mich dafür haben, das Ich mich hart 
Schemen wollt, das Ich vor I. Mt. etwas anzaigte, das nit die volle war- 
heitwäre, vnd wo yemandandersolch mein reden widersprechen wollte, 
Ich das vor I. Mt. verantworten. Vnd als der Khunig soliches vnd wie ernst- 
lich Ichs angezogen, verstanden, hat Er gesagt. Er glaube mir wol. 



:i35 

yedoeli sey der Wayda Khuiiig vud in besiz; hab Ich wider zu 
beschaid geben, Se. Mt. muge gedenckhen, ob das vom Wayda 
wol vnd erlich gebandelt sey oder nit. So hab bey nechster post 
E. k. Mt. mir bevnlhen, I. Mt. als derselben Brueder die gerech- 
tigkhait, so E. k. Mt. zu dem Khunigreich Hungarn haben, zu erzel- 
len , das Ich darauf E. k. Mt. bevelh gethan hab. Nemlich am ersten 
nach vermugen aines Vertrags zwischen Kayser Maximilian vnd Khu- 
nig Ladislaus autgerichtet inhaltend, wo Khunig Ludwig on manlich 
leybserben mit tod abgieng, das Khunigreich hochgedachter kaysl. 
Mt. oder derselben Eniekel vnd nyemand andern zuesteenvnd ervolgen 
soll, das auch solch vertrag von den ansenlichsten im Khunigreich 
confirmirt sey. Für das andre , obschon solicher vertrag nicht war, 
dennoch E. k. Mt. Gemahel, Khunigs Ladislaus Tochter vnd Khunigs 
Ludwig Schwester, sey zu disem Kunigreich der nechste vnd rechte 
Erb. Vnd als sich der Khunig verwundert, das dises Khunigreich auf 
die töchter als frawenpild auch fallen soll, hab Ich angezaigt, es war 
nit das erstemal vnd zu merern glauben hat sich Dr. Fabri erboten, 
wann S. Mt. das beger, nit nur allain mit ainer sonder mer gedruckh- 
ten Cronickhen zubeweysen, das mer dann ainmal sich begehen, das 
diss Khunigreich auf töchter gefallen sey. Für das dritte so sey 
E. k. Mt. nach des Khunigreichs Ordnung vnd altem löblichen her- 
khommen mit rechter wal zum Khunig in Hungarn erwellt worden. 
Hierauf der Khunig anzogen, das diss Khunigreich nach vermugen 
obberuerten Vertrags der kaysl. Mt. zuesteen soll, angesehen, das sich 
I. kaysl. Mt. des Titels solches Khunigreichs gebraucht vnd Khunig zu 
Hungarn geschriben hat; hab Ich angezaigt, das L kaysl. Mt. nit 
allain vormals durch ainen vertrag, so zwischen I. kaysl. Mt. vnd 
E. k. Mt. aufgericht, sonder auch yezo nach absterben Khunigs 
Ludwig all derselben I. kaysl. Mt. Gerechtigkhaiten zu disem Khunig- 
reich vberliefert vnd sich derselben genzlich begeben hat. Als soli- 
ches der Khunig verstanden, hat Er anfachen gar gnediglich sagen, 
wir sollen solch Disputation nicht für vbl annemen , dann sy allain 
vonwegen erkhundigung der sachen gescheen sey. Verner hab Ich 
den Khunig auf E. k. Mt. bevelh angelangt, das S. Mt. die 25.000 
Ducaten dem Wayda nicht lifern lassen, sonder E. k. Mt. sambt 
ainen mereren zuestellen welle; hat der Khunig mir anzaigt, sein 
Orator habe 25.000 Ducaten halber ainen wechsl mit dem Hoch- 
stetten gemacht, aber denselben widerumb abgeschatlen, also das 



23(5 

in des Oralors nuicht nicht stee, (iieselltcii weyler (lern NN'.-iydit oder 
yemand andern ztiezustellen. 

Auf soliclies iiab Ich weyler angeruelTt, damit I. Mt. bey dem- 
selben Orator verfuegen welle, das Er von K. k. Mt. nicht verriickh, 
sonder bey derselben bleiben solle; das hat der Khiinig bewilligt- 
Auf dieselbe bewilligung hab Ich ain sehreiben an gedachten Orator 
zu meinen banden begert, vnd wiewol mir solcii sehreiben bewilligt, 
ist es doch darnach vber etlich tag, als der Card, gen Lunda khommen 
vnd Ich solchen brief sollicitirt hab , widerwendig worden vnd mir 
angezaigt, bemelter Orator solle an die grenizen oder gar in das 
Khunigreich Huiigarn ziehen vnd sich alda erkhundigen des Turckhen 
furnemens, wie die sach gestalt sey. Vnd als Ich gedacht hab, das 
solch Wendung durch des Babstes, Khunigs von Franckhreich vnd 
Venediger Oratores Practic beschee, hab Ich dasselb widersprochen 
mit beger, das I. Mt. bemelten Orator von E. k. Mt. weyter nicht 
khommen lassen solle. Auf soliches ward nach langer Disputation 
beschlossen, das der Orator mit E. k. Mt. vorwissen vnd rat handien 
solle. Darauf hab Ich ainen schriftlichen bevelh an denselbigen 
Orator begert, der mir dann zuegestellt vnd Ich E. k. Mt. vbersend. 

Aber zu entlicher antwurt auf vnsre Werbung zaigte der Khunig 
vns an, dieweil E. k. Mt. Im nit schlechterweis sonder in vil weg geliebt 
sey, als nemlich vonwegen der gesellschafft des St. Jörgen-Ordens, 
vonwegen seiner Gemahel vnd zwiefach von dem gepluet, dann das 
E. k. Mt. sich bisher so wol vnd cristeidich gehalten vnd so tapfer 
wider die verdampfen Kezereyen des Luthers gestritten, habe Er 
sich entschlossen. Er als ein brueder, Vetter, Verwanter vnd Be- 
schirmer des glaubens welle in diser Turckhennot E. k. Mt, nicht 
verlassen, aber vonnöten sey, das gemainer frid in der Cristenhait 
gemacht werd. Darauf sey sein beger, das wir in seinem namen 
E. k. Mt. ermanen, dieweil frid vnd vnfrid ye in kaysl. Mt. band 
stee, das E. k. Mt. als ein brueder vmb gemainen frid auf das aller- 
trewlichst anhalten welle. Wann dann gemainer frid also gemacht, 
so sey Er entschlossen, zum widerstand der Kezer vnd Vnglaubigen 
nicht nur hilf, sonder sein Khunigreich an Volckh vnd Guet darzu- 
streckhen, auch seinen aignen leyb vnd bluet nicht anzusehen. 

Hab Ich hingegen anzaigt, ainen gemainen frid in der Cristen- 
hait zumachen, hat man vil jar versuecht vnd möchte sich noch ver- 
lengern, das inzwischen der Turckh E. k. Mt., auch andre cristen- 



237 

liehe Potentaten vertreiben möclit. Darauf der Khunig geantwurt: 
E. k. Mt. soll mit furderung des frids furfaren vnd das pest tliuen, 
nichts destomynder, ohsciion nit frid gemacht werd, so welle Er 
dannoch, so der Turckh khomm, E. k. Mt. nit verlassen, sonder 
dcrmassen helfen, das man befinden soll, das Er ain cristenlicher 
Fürst vnd E. k. Mt. mit freuntschaft verwant sey; hab Ich vnter 
andern angezaigt, es wisse aber E. k. Mt. noch wir als die gesandten 
nit, was vnd wie vil hilf E. k. Mt. sieh vertrösten mug. Darauf der 
Khunig anzaigt. Er habe sich furgenommen, ain ansehnlich potschaft 
zu E. k. Mt. zuschickhen vnd Inen zubevelhen, das dieselbige bey 
E. k. Mt. vonwegen der newen Khunigreich glückhwünschen, vnd 
den welle Er auch allen beschaid der hilf in bevelh geben; hab Ich 
nit vnterlassen noch verner anzuhalten , dieweil wir so weyt gezogen, 
wollten wir gern zu E. k. 31t wol allgefertigt mit ausgedruckhter 
hilf khommen. Hat der Khunig zu antwurt geben, wir mugen ge- 
denckhen, dieweil Er gemalte potschaft schickhen woll, damit dann 
dieselben desto frölicher khommen mögen, yezo fueglicher das, das 
wir S. Mt. zusagen, dasS. Mt. zuhelfen willens, vnd Sy (die potschaft) 
solch hilf ausdruckhlich zu E k. Mt. bringen sollen, wie Sy dann in 
bevelh haben vnd Ihuen werden; hab Ich gefragt, wann aber die 
potschafl't abgefertigt werde. Hat der Khunig anzaigt, Sy seyen ge- 
ordnet vnd wollt auch leiden, das Sy von stundan sich erheben; so 
sy sich aber auf die raiss auch ruesten muessen, acht Er, sy werden 
in 20 oder 30 tagen aufsein vnd abgefertigt werden. 

A'if solichen des Khunigs be^chlus hab Ich begert, das S. Mt. 
mir solche antwurt an E. k. Mt. in schrift geben welle. Darauf der 
Khunig den Card, zu sich geruffen, mit Im vnterredt vnd mir zur 
antwurt geben , das solches nicht nothig sey , sonder weyl wir von 
E. k. Mt. allain Credenzbrief vnd khainen schriftlichen furtrag pracht 
haben , das vns auch der Khunig nur Credenzbrief geben vnd wir 
darauf E. k. Mt. die antwurt nach lengs anzaigen sollen. 

Als der Card, nach Lunda khommen, hab Ich mich von stundan 
zu Im verfuegt vnd vmb den beruerten Credenzbrief angehalten, 
welchen Er mir zuegestellt vnd daneben abermals hoch vnd streng 
den gemainen frid angezogen mit meidung, das sich ausser solichs 
frids wenig hilf bey seinem Khunig zuvcrsehen; darauf Ich geant- 
wurt, das bisher all vnser anlangen gewesen, wo nit frid gemacht, 
das nicht destomynder sein Khunig E. k. Mt. hilf thuen solle, des 



238 

sich dann I, Mt. in gegebner antwurt gnediglich bewilligt hab. Als- 
dann bat Er geantwort, wes sieb sein Kbunig bewilligt, dabey soll 
es bleiben, vnd mich ad partem genommen vnd anzaigt, das Er vns 
in zweifl solcber hilf halben laiten wollen, bah Er darumb gethan, 
das wir E. k. Mt. destomer zur furderung des frids ermanen, auch 
E. k. Mt. das zuthuen desto genaigter sein sollen, vnd mir vnter 
andern entdeckht, das der kaysl. Mt. widerwärtigen (Oratores) vns 
nicht wenig Verhinderung bey seinem Kbunig gethan, durch Ir an- 
zaigen, das E. k. Mt. derselben aigen gelt in Italien wider die Cristen 
verkbriegt vnd nun von andern hilf wider die Turckhen begert. 

Darauf Ich abermals geantwurt, das kaysl. Mt. E. k. Mt. herr 
vnd brueder sey vnd wiewol E. k. Mt. derselben Volckh in Italien 
geschickht, habe nichtmynder E. k. Mt. auch bey dem Kbunig in 
Hungarn in jungst gescheener schlacht Volckh vnd geschuz gehabt, 
des zu anzaigung sey solch geschuz verloren worden, vnd nit allain 
in solcher schlacht, sonder davor 7 jar nach ainander jarlichen ain 
treffenlich anzal Volckhs mit geschuz vnd anderer notturft in Hungarn 
vnd Crobaten vnterhallen. Zum andern zaigt Er auch an, das die 
vorgemelten widerwertigen Oratores sich hören lassen, wo E. k. Mt. 
ainich gewiss hilf bewilligt wurde, E. k. Mt. gemainen frid bey Iren 
herrn vnd brueder destomynder soUicitiren. Doch hat der Card, 
dahin beschlossen, das Er E. k. Mt. nit allain vonwegen wolfart ge- 
mainer Cristenhait, sonder auch das Er von der potschaft, so sein 
Kbunig vor zwayen jaren bey E. k. Mt. zu Nürnberg gehabt, sovil 
guets von E. k. Mt. gehört hab, zu dienen ganz genaigt sey, welle 
auch mit höchstem vleis bey seinem Kbunig vmb die hilf, so vns 
zuegesagt ist, sollicitirn vnd handien; wo sein Kbunig nicht helfen 
wurd, wollt Er den rockh vom leyb verkhauffen , dann das E. k. Mt. 
verlassen sey, auch weil Er mit mir geredt, welchermassen gelt aus 
disem land zusammenkhommen möcht. 

Darauf Ich anzaigt, das solch gelt leicht von hinnen bis gen 
Mechell geschickht, alda wollt Ich Ordnung geben, damit dasselb 
furter E. k. Mt. zuepracht werde. Darauf der Card, bevolhen, Ich 
sollt mit meiner gnedigsten frawen Margarethen abreden vnd hand- 
ien, wo ainich gelt von seinem Kbunig in teutsche land geschickht 
vnd zu I. f. D, banden geantwurt wurd , das I. f. D. Ordnung geben 
wollt, damit dasselb fürs des Khunigs Orator, so bey E. k. Mt. ist. 



239 

ziiegeschickht wurde. Des hab Ich mich zuthuen guetwillig erpoten 
vnd also mit vleisigem Danckhsagen meinen abschid genommen. 

Aus solchen haben E. k. Mt., was bisher durch mich alhie ge- 
handelt vnd ausgericht, wie hart auch solches aus obberuerten vr- 
sachen zuegangen ist, gnediglich zuentnemen , von welchen allen 
E. k. Mt. von derselben rat Dr. Johann Fabri merern vnd weytern 
bericht emphahen werden. 

Diinn vonwegen aines anlehen vber obberuerte verwilligung zu- 
begern, hat der kaysl. Orator noch nicht diserzeit für guet ansehen 
wellen, aus vrsachen, die Ich E. k. Mt. bey meiner ankhunft daselbs 
berichten will. 

Datum Duwer am mer, 7. April 1527. 



241 



V. 



ZUR 



OSTERREICHISCHEN MÜNZKUNDE 

DES XIII. ü\D XIV. JAHRHÜM)ERTS. 



EIN KRITISCHER VERSUCH 



Dr. ARNOLD LUSCHIN, 

ADJUNCT AM STEIER. LANDESARCHIVE. 



(Mit 2 Tafeln.) 



Archiv. XLI. 2. i6 



243 



Vorbericht. 



Der Übersichtlichkeit wegen hielt ich es für angemessen, meine 
Arbeit nicht mit mehr Anmerkungen zu beschweren , als es eben die 
Beweisführung an den betretVenden Stellen erheischte. Ich habe da- 
her den Inhalt einiger anderer, welche zumeist die von mir gebrauchte 
Terminologie betreffen, lieber zu einer Art Vorbericht zusammenge- 
zogen und nach Schlagwörtern geordnet der eigentlichen Abhand- 
lung vorangestellt. 

Gepräge, Prägeweise (letype, la fabrique). Bekannt ist 
jedem Sammler mittelalterlicher Münzen, wie oft die Erzeugnisse 
verschiedener Prägestätten untereinairaer in der Prägeweise eine 
solche Übereinstimmung zeigen, dass man sie als unter einem ge- 
meinsamen Einflüsse entstanden sich denken muss. Dieser Einfluss 
(ich erinnere beispielsweise an den Strichelrand der norddeutschen, — 
den Perlen- und verzierten Band der schwäbischen, — die viereckige 
Gestalt der Schweizer Brakteaten) ist manchmal nur der örtlich herr- 
schenden Mode, zuweilen der gemeinsamen Schule der Stempel- 
scheider oder — wie bei den gewinnsüchtigen Naehmünzungen — 
der weiten Verbreitung einer bestimmten Münzgattung zuzuschrei- 
ben. Er äussert sich durch eine mehr oder minder grosse Überein- 
stimmung des Äussern oder einzelner Factoren desselben. Gerade 
dies gibt dem Numismatiker Gelegenheit, Eintheilungsgründe für 
sonst nicht leicht zu bestimmende Münzen zu suchen und auch zu 
finden. Indem man das ursprüngliche oder das Gepräge der Haupt- 
münzstätte als Bezeichnung annimmt, gelangt man dazu, grössere 
Classen aufzustellen, die als das kölnische, brandenburgische 

16* 



244 

.... Gepräge bezeichnet werden. So können dann unter einem 
Sammelnamen die Münzen vieler bekannter und unbekannter Präge- 
stätten begriffen werden, und so haben wir auch in unsern deutsch- 
österreichischen Provinzen (Böhmen und Mähren abgerechnet) wäh- 
rend des 13. Jahrhunderts eine Anzahl verschiedener Gepräge, näm- 
lich Münzen nach Aquilejer, Friesacher, steirischem, tirolischem 
und niederösterreichischem Gepräge. Nur letztere bilden den Stoff 
dieser Studie. 

Gewicht, Grösse, Feingehalt. Als das bequemste, weil 
allgemeinste empfahl sich das metrische System; das Gewicht ist 
also in Grammen (500 = 1 Zollpfund), die Grösse in Millimetern 
angesetzt. Der Feingehalt dagegen ist sowohl nach Tausendsteln 
(1000 = 1 Zollpfund) als nach Lothen (16 auf die Wiener Mark) 
bestimmt. 

Von der rechten — von der linken Seite. Ich weiss 
sehr wohl, dass man in neuerer Zeit das französische kurze tete ä 
droite, ä gauche durch Kopf nach rechts u. s. w. wiederzu- 
geben gesucht hat, allein da hierüber, wie man die Bezeichnung zu 
nehmen habe (ob heraldisch, von der Münze — oder ob vom Beschauer 
aus), noch keine Einigung erzielt ist, so zog ich es vor eine weitläu- 
figere, aber allen Zweifel beseitigende Ausdrucksweise anzuwenden. 
Aus ähnlichem Grunde unterliess ich es ebenfalls die heraldische 
Terminologie in den Münzbeschreibungen strenge durchzuführen. 

Vierschlag (quadratum supercusum), ein durch Hammer- 
schläge auf dem Schrötlinge vor dessen Ausmünzung erzeugtes un- 
regelmässiges Viereck, Da der Vierschlag bei österreichischen Mün- 
zen vom XIII. — XV. Jahrhundert regelmässig wiederkehrt, so wird 
in der folgenden Beschreibung der einzelnen Stücke dessen aus- 
drückliche Erwähnung unterlassen und nur das Fehlen desselben, 
soferne es vorkommen sollte, bemerkt werden. Ebenso ist, wo nichts 
weiter angegeben ist, stets eine viereckige Form des Schrötlings mit 
mehr minder abgerundeten Ecken zu verstehen, weil diese die weit- 
aus vorherrschende ist. 

Vorder- und Rückseite. Gewisse Eigenthümlichkeiten der 
österreichischen Gepräge bewogen mich , statt der verbreiteteren 
„Avers und Revers" die Bezeichnungen „Vorder- und Rückseite" 
anzuwenden. Ich nehme dabei die eine mit wechselndem, aber 
meistens sehr deutlichem Gepräge versehene Fläche als die Vorder- 



245 

oder Hauptseite des Stückes, als die Rückseite die andere, welche 
eine aus zarten Umrisslinien gebildete Darstellung leider gewöhnlich 
nur fragmentarisch zeigt. Zwar lässt sich nicht läugnen, dass gerade 
die von mir als Rückseite bezeichete Fläche auf einzelnen Münzen, 
namentlich auf ottokarischen, Bild und Schrift trägt, die dem Averse 
zukommen, allein wie viele Stücke wird man zur Hand nehmen müs- 
sen, um erst einen solchen Avers vollständig anzutreffen. Um daher 
in der Beschreibung der Unzukömmlichkeit, fortwährend sagen zu 
müssen: Avers verwischt, leer u. s. w. , und erst dann mit der 
Beschreibung der erhaltenen Seite zu beginnen, auszuweichen, griff 
ich zur angeführten Hezeichnungsweise. Was hilft schliesslich die 
moralische Überzeugung, dass alle diese Stücke auch zweiseitig 
geprägt vorkonnnen, wenn man auf zehn oft erst eines mit Spuren und 
nicht auf hundert eines mit völlig deutlicher Darstellung der Rück- 
seite antrifft. Da muss man denn doch die regelmässig vorhan- 
dene Seite als die Vorderseite gelten lassen und dies umsomehr, als 
die JVIünzer offenbar auf deren genaue Ausprägung das Hauptgewicht 
gelegt hatten. Denn die „Setzmeister" hatten zu schwüren, die Pfen- 
ninge so auszumünzen, „das das pregkh daran gesehen werde (vgl. 
Kaltenbaeck, Wiener Münzrecht v. .1. 1450, S. 11). 

Das meiner Arbeit zu Grunde gelegte Münzmateriale entnahm 
ich, soferne kein weiterer Nachweis gegeben ist, regelmässig der 
Sammlung des steir. landsch. Joanneums zu Graz. Bei der Zeich- 
nung der Tafeln , die ich selbst besorgte, erlaubte ich mir nach 
Strebers Vorgange (böhm. pfälz. Münzen) mangelhafte Gepräge 
aus mehreren Exemplaren zu ergänzen. Ob ich gleich mich hüthete, 
dabei meiner Einbildungskraft freien Lauf zu lassen, so glaubte 
ich doch diese Zusannnensetzungen als solche kenntlich machen 
zu müssen und habe daher den betreffenden Abbildungen ein klei- 
nes Sternchen (*) beigesetzt. 

Der ganzen Anlage nach sollte übrigens das hier Veröffentlichte 
nur eine Studie über das österreichische Münzwesen sein, bestimmt 
die von mir bei Beschäftigung mit diesen Münzen gewonnenen Re- 
sultate weiteren Kreisen und der allgemeinen Prüfung zugänglich zu 
machen. Auf Vollständigkeit verzichtete ich von vorneherein, habe da- 
her auch manche wohlbekannte Münze absichtlich übergangen. Was 
frommte es z. B. die Anzahl der Ausdeutungen jenes Wenzeslaus 
und Juta zugeschriebenen Pfennings durch neue zu mehren, was Hypo- 



246 

thesen über das Aussehen der Münzen aus den behandelten voran- 
gehenden oder nachfol^^enden Perioden aufzustellen, wenn man nur 
äusserst unsichere Anhaltspunkte hat? Soll Klarheit in dieses dunkle 
Gebiet mittelalterlicher Numismatik kommen, so ist vor allem jetzt 
die Sammlung und Veröffentlichung von einschlägigem Münzmate- 
riale nothwendig. Ich bin bereit auch in dieser Richtung mein Schärf- 
lein beizutragen, indem ich die Veröffentlichung eines im Jahre 1866 
zu Marburg gemachten Münzfundes übernommen habe. Allein gerade 
hier reicht die Kraft des Einzelnen nicht aus; daher bitte ich An- 
dere den gleichen Weg zu beschreiten , mich aber bei meinem Vor- 
haben durch einschlägige Mittheilungen zu unterstützen. Ich ver- 
sichere sie dafür schon im voraus meines besten Dankes. 
Graz, im November 1868. 



247 



I. 

„Nicht leicht dürfte eine historische Aufgabe mit mehr Schwierig- 
keiten verknüpft und in Ansehung der Ausbeute undankbarer sein, 
als eine Untersuchung über die ältesten österreichischen 
Münzen. So wenig es an Versuchen auf diesem Felde gefehlt hat, 
so allgemein schien das traurige Resultat: Nichts Haltbares sei hier- 
über festzusetzen. Doch dürfen einige Andeutungen nicht fehlen, 
sollten es auch nur schwache Vermuthungen sein , die sich vielleicht 
später bei anderer Gelegenheit und in erweitertem Plane begründen 
und ausführen lassen." 

Es sind an 43 Jahre, seit Alois Primisser in seiner Abhandlung 
über das älteste österreichische und Wiener Münzwesen >) vorstehende 
Worte als Einleitung niederschrie)). Trotzdem hat sich die Lage 
seither so wenig verändert, dass man die Gültigkeit des Gesagten 
noch unbedingt anerkennen muss. Zwar sind inzwischen einige Be- 
schreibungen und Abbildungen sogenannter „Baben berger Pfen- 
ninge" hinzugekommen, zwar haben Karajan's und Kaltenbaeck's 
Forschungen auch münzreclitliclies Materiale geliefert, allein der 
Versuch einer wissenschaftliehen Bearbeitung dieses Gebietes wurde 
bisher meines Wissens noch nicht gemacht, so sehr die mittlerweile 
geschehenen Münzfunde hiezu aufforderten. Ursache dessen waren 
die ausserordentlichen Schwierigkeiten diese scheinbar ganz regel- 
losen Pfenninge unter sicliere allgemeine Principien zu bringen, 
Schwierigkeiten, welche selbst Leute abschreckten, denen die jeder 
Arbeit zu Grunde zu legenden Münzen in Fülle vorlagen. Man be- 
nützte daher in der Regel das Allerwelts-Handbuch Welzl, und wem 
dessen uml Appel's krause Bestimmungen doch zu gewagt erschienen, 
der bestimmte auf gut Glück und legte den Rest als „unbestimmbare 
Babenberger" ein. Auch mir ging es antanglich nicht besser , nur 
hegte ich schon seit geraumer Zeit gewichtige Zweifel gegen alle 
von Welzl selbst herrührenden Zutheilungen , zog es daher vor. 



1) In Baron v. Hormayrs Geschichte Wiens (II, p. 206 fj. 



248 

Stücke solcher Art zwar nach Österreich, aber ohne alle nähere Be- 
zeichnung zu legen. 

Im Frühjahre 1866 wurde bei Marburg in Steiermark ein be- 
deutender, an 1700 Stücke zählender Fund mittelalterlicher Münzen 
gemacht und dem Münz- und Antikencabinette am steierm. land- 
schaftl. Joanneum zur Bestimmung übermittelt. Ich wurde aufge- 
fordert, die wissenschaftliche Veröffentlichung dieses Fundes zu über- 
nehmen und unterzog mich in Folge dessen den nöthigen Vorarbeiten. 
Doch je weiter ich eindrang, desto klarer wurde es mir, dass ich, 
um zur Bestimmung dieser Münzen zu gelangen, welche grösstentheils 
aus sogenannten „Babenberger Pfenningen" bestanden, auch andere 
wenn gleich im Funde nicht vertretene Prägen derselben Gattung her- 
beiziehen müsse. Ich that es und kam so schliesslich zu einigen 
Gesichtspunkten, welche, wenn nicht die ganz genaue, so doch eine 
annähernde Bestimmung ermöglichen. Weil sie neu sind und daher 
mancherlei Berichtigungen und Zusätze seitens Fachgelehrter erfah- 
ren dürften , beschloss ich sie noch vor Vollendung der Arbeit über 
den Münzfund selbst zu veröffentlichen, um seinerzeit für dieselbe 
die Resultate der Kritik mit verwerthen zu können. 

Theils zur Rechtfertigung, theils zur Würdigung des von mir 
eingeschlagenen Weges muss ich mit einer Charakterisirung jener 
Schwierigkeiten anheben, welche sich bisher einer wissenschaft- 
lichen Bearbeitung dieses Gebietes hartnäckig entgegengestellt haben. 
Keine der geringsten ist die kärgliche Literatur, die trotz man- 
cher Namen, die sie zählt, noch keine einzige grössere Zusammen- 
stellung, sondern nur die Beschreibung oder gar die erklärungslose 
Abbildung vereinzelter Stücke enthält. Im vorigen Jahrhunderte be- 
schäftigten sich Hanthaler i) und Herrgott 3) mit diesem Gegen- 
stande. Von Münzen des Mittelalters brachten sie nur wenige mit- 
unter höchst abenteuerlich bestimmte Stücke; wichtiger ist das in 
dem letztgenannten Werke gesammelte Quellenmateriale. Köhler's 
Münzbelustigungen enthalten an österreichischen Geprägen vor dem 
XV. Jahrhundert nichts. Erst Maders) leitete auch auf diesem Felde 



1) Verzeichnung der Wienerischen Schau-, Denk- und Taufmünzen. Linz 1743, 4'. 
mit l Taf. 

2) Monumenta aug. domus austriacae T. II, 1, 2. >'umotheea. Friburgi 1732/33. 

3) Kritische Beiträge II. u. s. w. 



249 

eine wissenschaftliche Bearbeitung ein, allein sowohl ihm als dem 
in seine Fussstapfen tretenden Primisser waren die Münzen in so 
spärlicher Menge zugemessen, dass sie keine Arbeiten von grösserer 
Bedeutung liefern konnten, wie schätzbar auch einzelne der von ihnen 
gemachten (namentlich die kritischen) Beobachtungen sind. Appel's ») 
V'^erdienst beschränkt sich darauf , dass er zuerst eine grössere 
Sammlung dieser Räthselmünzen vereinigt und durch den Stich be- 
kannt gemacht hat. Hätte er sich nur nicht verleiten lassen sie auch 
bestimmen zu wollen! Ganz das Gleiche gilt von Welzls) und 
Hammer-Purgstall s). Bringt man noch die im Jahrgang 1837 
der Numismatischen Zeitung auf Tafel HI und IV jämmerlich gezeich- 
neten Stücke in Anschlag, die ein noch immer unbeantwortetes 
Fragezeichen sind, und sieht man von den vereinzelt in Dr. Kenne r's 
Fundchronik*) abgebildeten Stücken ab, so erübrigen Karajan"s5j 
und Kalt enbaeck's 6) Arbeiten über die Münze Wiens, Berg- 
mann' s über die ältesten Münzstätten Innerösterreichs'), und alle 
Literatur ist erschöpft, wenn wir noch Blumberger's Aufsatz über 
den Gehalt des österreichischen Pfennings im XIV. Jahrhundert 8) 
hinzufügen. Becher's Werk über österreichisches Münzwesen be- 
handelt blos die neuere Zeit vom Jahre 1526 ab 9). 

Ist eine so zerstreute und dabei geringe Literatur schon an sich 
ein missliches Hinderniss, so steigert sich dasselbe, sobald man zu 
dem Vorwurfe derselben, den österreichischen Münzen des Mittel- 
alters übergeht. Kleist ohne Aufschrift, von roher und unvollständiger 
Präge, sind sie in der Regel so schlecht erhalten, dass man noth- 



') Piepeitorium zur Münzkunde des MittelaUeis und der neuen Zeit II, 1. 

~) Verzeiehniss der Münz- und Medaillen-Sammlung des Hofraths Leopold Welzl von 

Wellenheim II, 1. 
*J Fundgruben des Orients VI, Tai", j. 
*) Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen. Bd. XXIV, XXIX, XXXIII. 

5) Beiträge zur (leschichte der landesfürstl. Münze Wiens im Mittelalter (Chmel, Ge- 
schichtsforscher I; auch als Separatabdruck). 

6) Das Wiener Münzrecht von 14S0. Wien 1846. Ghelen. 

7) Wiener Jahrb. d. Literatur. Bd. CXI. 

8) Arch. f. Kunde österr. Gesch. -Quellen Bd. VIII. 

^) Erst während des Druckes meiner Abhandlung kam mir die tüchtige Arbeit des 
leider zu früh verstorbenen Dr. Heinrich Friedrich Sailer über „N i e- 
derösterreichische Münzwerthe im XIV. Jahrhunderte" zu. Sie ist 
abgedruckt in den Blättern des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich. 
Neue Folge III, Nr. 8, 9 (August 1869), S. 111 — 131. 



250 

wendig viele Stücke einer Gattung zur Verfügung haben muss, ehe 
man zu einer ungefähren Idee des darauf Dargestellten gelangen kann. 
Dieses selbst ist aber wieder so mannigfach und regellos in den ein- 
zelnen Bildern, dass die blos auf denselben fussenden Erklärungsver- 
suche nur mit sehr grosser Vorsicht benützt werden können. Hat 
doch ein Hammer-Purgstall in seinen Fundgruben des Orients (VI. Bnd. 
Tafel 5) an 60 Stücke dieser Pfenninge als „Templer Münzen" 
abbilden lassen und in den Darstellungen den Graals-Becher (Binden- 
schild), die „Mete" und andere berüchtigte auf den Baphoinetsdienst 
bezügliche Symbole entdecken wollen! Doch zur Sache. 

Die älteste Münzgesehichte Österreichs ist begreiflicherweise 
mit der bayerischen innig verbunden , tlieilt daher mit dieser das 
gleiche Loos der Dunkelheit. Denn so viel auch in neuerer Zeit auf 
letzterem (Gebiete gearbeitet wurde, ein jsrosses Stück desselben — 
die Zeit von der Mitte des XII. bis zum Ausgange des Xlll. Jahrh. — 
ist meistentheils noch unaufgehellt, das einzige bedeutendere Werk 
der alte Obermayr. Gerade in diesen dunklen Zeitraum müssen wir 
den Beginn des selbsiständigen österreichischen Münzwesens setzen. 
Im September 1156 auf dem Reichstage zu Regensburg wird die ver- 
grösserte Ostmark von Bayern abgelöst und dem Markgrafen Heinrich 
Jasomirgott als erbliches Herzogthum übertragen. Ich kann hier ein 
näheres Eingehen auf den Inhalt der damals ertheilten Privilegien ganz 
gut unterlassen und mich mit dem negativen Ergebnisse begnügen, 
dass das Münzregale in dem als echt aufrecht erhaltenen soge- 
nannten Privilegium minus nicht unter den dem Herzoge verlie- 
henen Rechten erscheint. Obwohl wir nun auch sonst von keiner 
besondern Verleihung dieses Rechtes aus früherer oder späterer 
Zeit Kunde haben, so dürfte doch die Ausprägung eigener öster- 
reichischer Münze um jene Zeit ihren Anfang genommen haben. 
Heinrich Jasomirgott scheint dies Regale als ihm von der Zeit seiner 
Herzogschaft in Bayern zuständig — somit keiner besonderen Ver- 
leihung oder Bestätigung bedürftig — aufgefasst zu haben. Gewiss 
ist, dass uns schon im Jahre 1166, also unter seiner Regierung, 
Wiener Pfenninge (quadragintadenarios Viennensis monetae) als jähr- 
liche Abgabe von einem an der Fischa gelegeneu Hofe der verwit- 
weten Markgräfin Chunegund von Steiermark genannt werden i) und 

*) Fröhlich, dipl. sacr. Styr. I, 154. Chuiiegundis, Witwe des Markgrafen Ottokar VI 
von Steiermark, bestätigt mehrere Stiftungen ihres seligen Mannes, darunter dem 



251 

dass unter seinem Nachfolger dem Herzoge Leopold V. dem Tugend- 
haften (1177 — 1194) das österreichische Münzwesen bereits seine 
vollständige Organisation erfahren hatte. Letzteres ersehen wir aus 
dem Wortlaute einer Bestätigungs-Urkunde König Rudolfs vom 
Jahre 1277'), welche angibt , dass die zahlreichen darin aufgeführ- 
ten Begünstigungen der Münzmeister-Genossenschaft „von erst . . 
von dem durchleuchtigisten Lewpolten, ettwen herczogen zu Oster- 
reich, der en ist gewesen des durchleuchtigen herczogen Freidreich" 
ertheilt seien. Den Münzmeister an der Spitze werden darin die dem- 
selben untergeordneten Hausgenossen , welchen die Besorgung der 
einzelnen „Güsse" oblag, sowie die „versuecher des silber genannt 
die prenner" (erstere in der hohen Zahl 68) angeführt und dann 
unter anderm eine merkwürdige Verfügutig über die Ausprägung der 
Münze getroffen, die da lautet : „Item oh der lannde fürst die Wienner 
phennig schüff mit aym ainfoltigem eysen zu veriiewn 2), so wellen wir 
das sy allain zu der Newnstat vnd zu Enns mit vleis der hausgenossen 
sullen behut werden: vnd in chainer statt des gantzen landts tzu 
Österreich nur allain zu Wien die dy vordrist vnd liaupt statt ist 
desselben lanndts sol die munns vernewt werden". 

Indem ich mir vorbehalte diese Stelle späterhin ausführlicher 
zu würdigen, genügt es für jetzt auf die darin erwähnten Präge- 
ställen zu weisen. Ausser Wien werden noch Wiener-Neustadt 
und Enns als solche angeführt und wir finden in der That für letz- 
tere auch anderweitige urkundliche Belege aus dieser Zeit s). Da- 
gegen wird einer vierten Münzstätte, der zu Krems, hier nicht ge- 
dacht, wiewohl in Urkunden mehrfach auf dieselbe hingedeutet wird. 
So in einer Tradition des Klostors Garsten von unnefähr 1180*) und dann 



stifte Ssckau : curtim umun iuxta amnem Viscach ex his emerunt tali videlicet 
coiiditione, ut inde annuatim jus forense quod vulgo burchrecht appellatur quadra- 
ginta denarios Viennensis monefae dando filio nostro persolvaiit .... 

•) Karajan a. a. 0. Se|>ariitabdruck S. 11.'). 

2) In einer späteren Bestiitigrung K. Albrechts I. dd. 1291, 11. .Juni, Hainburg, lautet 
dieser Satz: ob der fürst des lanndes schuff die vernewnten Wienner pfennig zu 
slahen mit aynein aiiitmltigen eysen . . . (ibid. p. 124 mit 118). 

') In einer Urkunde vom .1. 1191 heisst es: Acta . . . apud Anasum in interiori domo 
Rivvidi i|ui tunc temporis raonetam tenebnt. (Kuiz. Oltokar und Albreclit I.. Bd. II 
63.) 

*) Notum esse volumus omnibus Christi nostrisque fidelibus tarn praesentibus quam 
futuris qualiter domnus Marquardus abbas Garstensis comparaverit vineam Chre- 



252 

in jener vielfach anbezogenen Urkunde vom Jahre 1196, laut welcher 
Herzog Friedrich 1. dem Propste von Osterhofen für dessen Stift 
Mauthfreiheit gewährt i). Wegen der darin vorkommenden Zeugen 
Dietricus et Pernoldus mutarii et monetarii eo tempore de Chrembs . . 
Leopoldus Wechsler . . wurde dieselbe lange Zeit als der älteste 
Anhaltspunkt für das österreichische Münzwesen betrachtet. Obwohl 
noch 1223 ein Eberhardus incisor unter den Zeugen einer Kremser 
Urkunde ist 2), so scheint doch diese Münze bald — vielleicht um 
die Wende des XII— XIII. Jahrhunderts — eingegangen zu sein und 
niemals die Wichtigkeit der erstgenannten erlangt zu haben. 

Frühzeitig wurde es nöthig, Bestimmungen zum Schutze dieses 
herzoglichen Regals zu treflfen. Die oben Ijeriihrte Verordnung Her- 
zog Leopolds enthält schon Strafbestimmungen für gewisse Über- 
tretungen. 1192 musste derselbe Herzog den Regensburgern Silber 
in Österreich anzukaufen verbieten und in dem zuerst von Ludewig 
im 4. Bande seiner Reiiquiae manuscriptorum und später von Meiller 
im 10. Bande des Archivs für Kunde österreichischer Geschichtsquel- 
len abgedruckten Landrechte, welches jedenfalls der Zeit vor 1246 
angehört, findet sich Art. XLV. folgende bezeichnende Stelle 3j: „So 
soll auch nieman phennig slahen nach des landesherren münsse, 
damit ihm die munss nit gefelschet werd. Wer es darüber tuet, da 
sol man vber richten als vber ain velscher, den man dez mit der 
hanthaft vberschumpt vnd mit der leut gewizzen". 

Unter Leopold V. Regierung fällt die für die staatliche Ent- 
wickelung Österreichs so wichtige Vereinigung dieses Landes mit der 
Steiermark, die auch auf münzgeschichtlichem Felde von Einfluss 
werden sollte. Denn die steirischen Herrscher zählten aus noch nicht 
hinreichend aufgeklärten Gründen bereits vor ihrer Erhebung zu 
Herzogen Münzmeister unter ihren Beamten *), wiewohl bisher keine 



niese a quodain Cadellioho monetario et uxore sua viginti (luinque talentis et di- 
midio eiusdem civitatis inonetae . . . cuius rei testes sunt . . . RImunt inoneta- 
rius . . (Urkdb. des Landes ob d. Enns I, 182, Nr. CXCVII). 
V) Monuinenta boica XII, 363. 

2) Urkdb. loco pit. I, 611. 

3) Das Citat ist nach dem von Meiller verbesserten Abdrucke gegeben, da Ludewig'» 
Text vielfach verstümmelt und sinnlos ist, und entspricht dort dem L. Artikel. 

*) Z. B. 1166 Eberhardus monetarius, 1184 Ortliel) de Viscah monetarius; wahr- 
scheinlich überkamen sie bei dem Aussterben der Grafen von Formbach-Pütten 



253 

Münzen bekannt sind, die man ihnen zutheilen könnte. Dagegen 
finden vvii- Verhandlungen zwischen Herzog Leopold VI. und dem 
Erzbischofe Eberhard II. von Salzburg, welche die Ausübung des 
Münzrechtes zu Pettau ») betrellen , und jene Denare Friesacher Ge- 
präges mit der Aufschrift DVX LIV-POLDVi, welche Mader trotz 
aller seiner Bemühungen nicht zu Gesicht erhalten konnte s), sind 
höchst wahrscheinlich in Folge der gedachten Übereinkunft (also 
zwischen 1222 — 1230) geschlagen worden. 

In eine so frühe Zeit lassen sich die streng österreichischen 
Münzen noch nicht mit Sicherheit zurückversetzen. Zwar wenn man 
den Angaben Welzl's von Wellenheim und Appel's trauen wollte, 
so gäbe es einseitige Blechmünzen und Halbbrakteaten , die Leo- 
pold V. (1177 — 1194) und seinen Nachfulgern zutheilbar sind, nebst 
einer grossen Menge „unbestimmter Münzen aus der babenhergischen 
Periode". — Leider entbehren fast sämintliche daselbst (Welzl II, 
1, Nr. 6486-6552, Appel II, 1, Nr. 1—33, Seite 935 —941) 
aufgezählten Stücke der Schrift, und die Bestimmungen der vorge- 
nannten Gewährsmänner zu prüfen und nach ihrem ganzen Werthe 
oder vielmehr Unwerthe darzulegen, das ist eben der Zweck meiner 
Studie. 



IL 

Betrachtet man vorerst die von Welzl als „babenbergische* 
bezeichneten Stücke, so findet man selbst aus deren ungenauer Be- 
schreibung die grosse Verschiedenheit der hier unter einen Hut ge- 
brachten Münzen unschwer heraus. Nr. 6486 — 6504 sind ohne 
Zweifel in engem Anschlüsse an das bayerische Gepräge des XII. Jahr- 
hunderts, ja es hätte um dies zu errathen nicht einmal der gelegent- 
lichen Hinweisung auf Obermayr bedurft. Wir haben es liier mit 
unregelmässig runden oder eckigen, zweiseitigen Münzen zu thun, 
auf deren einer Fläche sich meist ein durch wiederholte Hammer- 



(1138) mit deren Ailodialbesitze um Putten, auch das Münziecht zu Neunkirchen 

(vgl. Bergmann a. a. 0. S. 20). 
1) 1222, 13. Jänner Lateran. — Ich behalte mir vor, die nähere Begründung des hier 

Ausgesprochenen in einem besondern Aufsatze auszuführen. 
3) Krit. Beiträge II, 38, 39. 



2U 

sehläge eiitstanJenes Viereck beliiulet. Die Grösse isl bedeutend, 
9 — 11 Wiener Linien (22 — 25 Millimeter), das Gewicht zwischen 
7 — 16 Gran, das Gepräge l'einlinig, ol't nur auf einer Seite deutlich, 
die Darstellungen mannigfach. 

Die zweite Partie Nr. 6505 — 6524 enthält kleinere , theils 
runde, theils eckige Münzen verschiedener Gattung, welche trotzdem 
ein der ersten gleiches Gewicht haben, also dicker sein müssen. 
Kennzeichnend ist bei vielen der auf einer Seite im Sternenkreise 
vorkommende Hirsch. Die Zutheilung dieser Stücke, die sich nicht 
leicht unter einen Gesichtspunkt bringen lassen, ist vorläuüg noch 
ungewiss. 

Mit Nr. 6525 beginnt eine dritte Classe. Die Münzen sind an- 
geblich einseitig, viereckig, bei ungefähr gleichem Gewichte bedeu- 
tend kleiner als die vorhergehenden (sie messen nur 6 — 7'" oder 
14 — 16 Millim.j und mit sehr verschiedenen Darstellungen versehen. 
Im otienbaren Anschlüsse stehen dann die von Nr. 6553 ab folgenden, 
welche Kaiser Friedrich II., dem Bühmerkönige Ottokar und den ersten 
Habsburgern zugeschrieben werden. Da diese Stücke in Wirklich- 
keit den Kern jeder grösseren Sammlung österreichischer Münzen 
des Mittelalters bilden, so sende ich dem genauem Eingehen eine 
kurze Charakteristik derselben voraus. Dass sie meist stumm seien, 
wurde schon vorher bemerkt, weil aber diese Münzen überdies den 
österreichischen ßindenschild nur sehr vereinzelt, wohl aber die 
mannigfachsten andern Darstellungen (Köpfe, Reiter, Löwen, Ele- 
phanten, Hasen, Drachen, Vögel, Blumen u. s. w.) zeigen, so lag 
und liegt die Versuchung nahe, die Bilder hin und wieder als W'appen- 
figuren aufzufassen. Daher galten gar manche dieser Stücke für 
Böhmer-, Schweizer-, Templer Pfenninge u. d. m. und wurden dann 
als solche ganz ungehörig in die betreffenden Specialsammlungen 
eingereiht. Allein die vergleichende Methode der Forschung, welche 
sich auch in der Numismatik Bahn gebrochen hat, lehrt uns das 
Augenmerk vorzüglich auf die Prägeweise (la fabrique) der Mün- 
zen richten, indem durch zahlreiche Beweise dargethan ist, dass 
jede Münzstätte, sie hätte es denn auf eine sklavische Nachmünzung 
fremder Typen angelegt, ihren Producten einen eigenthümlichen 
Charakter aufzudrücken pflegte. Glücklicherweise ist die Prägungs- 
art der österreichischen Münzen des XIII. Jahrhunderts so bezeich- 
nend, dass man sogar bei Absanffdes bestimmenden Bindenschildes — 



einige Übung vorausgesetzt — in der Zutheilung selten irren wird. 
Ein paar dieser Merkmale wurden vorher angegeben; die Stücke sind 
meist unregelmässig viereckig (seltener rund , ausser wenn sie 
Häiblinge einer bestimmten Zeit sind) und 14—16 Millimeter ins 
Gevierte haltend. Das Blech ist im Verhältnisse zum Durchmesser, da 
wir ein mittleres Gewicht von 0-600 — 0-700 Gmm. zu verzeichnen 
haben, ziemlich dick und zeigt, sehr seltene Fälle ausgenommen, aut 
einer Seite ein durch vier Hammerschläge entstandenes Viereck. 
Dies ist nahezu das wichtigste Kennzeichen und es gebührt Mader 
das Verdienst zuerst auf diesen „Vierschlag" als auf etwas den 
österreichischen und bayerischen Münzen Eigen thümliches auf- 
merksam gemacht zu haben. Seine mit Weitläufigkeit begründete An- 
sicht'), dass derselbe vnr der Aufsetzung des eigentlichen Präge- 
stempels erfolgt sei, wird durch das eben nicht seltene Vorkommen 
noch ungeprägter Schrötlinge, die bereits diesen V^ierschlag zeigen, 
zur Genüge bestätigt 3). Was man damit bezweckte, das ergeben 
spätere Verordnungen, die auf die frühere Zeit umsomehr Anwendung 
linden, als man den gleichen Vierschlag wie auf Münzen dt-s Xlll. 
so noch des XV. Jahrhunderts antrilVt. — In dem jMünzbuche Albrechts 
von Eberstorf heisst es von den Schrotmeistern s): „Item von erst 
Süllen sy gleich stukchelen weder hin hintten noch hin für, damit das 
gelt gleich gestukchelt werd vnd das es nicht vber eilt werd. Auch 
sulle sy der abschrotten nicht zeuill machen vnd das die abschrotten 
rain sein vnd nicht mit kütt hinwider geben werden dem haus- 
genossen. Es sol auch das gelt truck^-ben gepraitt werden vnd sol 
darnach beslagen werden als man das von alter gear- 
b a i 1 1 h {( t, das es g e r o t u n d w e r tl ". 

Wir erfahren daraus, das es Aufgabe des Schrotmeisters war, 
das von den Zainmeistern auf die gehörige Dicke ausgeschlagene 
Silberblech (den Zain) in gleiche Stücke zu theilen (ein Verfahren, 
das beispielsweise noch jetzt in Japan üblich ist, vgl. Ausland 1867, 
Seite 1171 fgd.). Hiezu bediente er sich, wie alte Abbildungen leh- 
ren, einer Blechschere, und um die durchs Schneiden aufgebogenen 



ij Krit. Beilrüg^e II, 98. „Über die Prä^^eart iler hayrischen (und österreichischen) 

Halbbrakteaten". 
-) Im Marburg^er Funde kamen deren 24 Stücke vor. 
*) Dem XV. Jahrb. angehörig-: tgl. Karajan a. a. 0. p. 9o, XXXVI. 



256 

Ecken, welche das Aufschlichten der Münze verhinderten, zu beseitigen, 
erfolgte dann der von Alters her gebräuchliche Vierschlag. 

Wie sclion erwähnt, sind die Darstellungen auf diesen Pfen- 
ningen von äusserst mannigfacher Art, aber auch von so roher 
Zeichnung und Ausführung, dass die ungarischen und böhmischen 
Münzen der gleichen Periode davon verhältnissmässig als Muster von 
Zierlichkeit abstechen. Nur selten ist das Dargestellte von einem 
einfachen breiten und regelmässigen Kreise eingefasst, in der Regel 
umgibt dasselbe ein aciitlos aufgeworfener Rand, der durch das Auf- 
setzen des kleineren Stempels auf den Schrütling verursacht wurde. 
Da in Österreich die Sitte des V^errufens von Münze in voller Übung 
stand und wir noch in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts 
3 Münzstätten (zu Wien, Wiener-Neustadt und Enns) in Thätigkeit 
sehen, so darf uns die Mannigfaltigkeit der Stempel nicht Wunder 
nehmen, selbst wenn wir eine spätere Bestimmung des österreichi- 
schen Münzrechtes (1450) nur darauf deuten wollen, dass der Eisen- 
graber (Stempelscheider) dafür zu sorgen habe, dass die gehörige 
Anzahl gleicher Stempel für die Münzung vorhanden sei i). 

Obwohl die österreichischen Pfenninge der so eben 
beschriebenen Gattung meist nur eine Seite und auch 
diese in Folge des Vier Schlags häufig mangelhaft zei- 
gen, so dürfte doch die Thatsac he feststehen, dass sie 
mit zwei Stempeln, also zweiseitig ausgeprägt wurden. 
Freilich wird man oft viele Stücke derselben Gattung durchsehen 
müssen, ehe man auf eine kenntliche Rückseite oder Spuren einer 
solchen stösst, allein die Durchsicht einer grossen Anzahl dieser 
Münzen wird Jedermann, wie mich, von der Wahrheit des Ge- 
sagten überzeugen 2). Das Gepräge der Rückseite ist eben viel feiner 
gehalten als das der Vorderfläche, es gibt Contourzeichnungen mit 
schmalen Linien, wo diese förmliche Basreliefs zeigt, und enthält mit- 



*) Kalteiibaeck a. a. 0. p. 12 : „Der ersengraber ayd. Item der ersengraber sol die 
eysen ornndlich grabn vnd sol auch der puntzn vnd der gegraben ej-sen vleissig- 
lich hüten das die nyndert zu fremder band kuramen, vnd sol auch der rountz der 
eysen ein genug geben damit die muntz nit gesaumbt werd". 

*) Sowohl Kaltenbaeck's Wiener Miinzrecht als das von Kar^an a. a. 0. herausgegebene 
Münzbuch Albrechts von Eberstorf schreiben dem Setzmeister vor, darauf zu achten, 
„das an den pfenningen . . . das pregkh wol daran gesehen werde" und dass keine 
Fehlschläge durchgelassen würden. 



257 

unter eine die Münze näher bestimmende Wappenfigur (einen Adler, 
Bindenschild, steirischen Panther u. s. w.). 

Aber wie verhält sich dies zu der oben angegebenen Verord- 
nung Leopold V. „ob der lannde fürst die Wienner phennig sehüff 
mit aym ainfoltigen eysen zu vernewn«? Über den Ausdruck ainfoltig 
wurde schon viel gestritten, namentlich hat Primisser diesem Worte 
die Bedeutung „gewöhnlich" unterlegen wollen. Mir scheint Kara- 
jan's Auslegung, der den Ausdruck durch „einseitig« wiedergibt, die 
richtigste. Er meint, dass man lediglich von Zeit zu Zeit die Präge- 
eisen einer Seite änderte, während die der andern Ibrt beibehalten 
wurden; diese Erneuerung dürfe nur zu Wien geschehen, doch soll- 
ten dann Wiener-Neustadt und Enns die Hauptniederlagen der neuen 
Münze werden. 

Zu besserem Verständniss des so eben (besagten ist es nöthig 
etwas näher auf die Werkzeuge zur Ausprägung von Münzen, 
welche während (\es Mittelalters üblich waren, einzugehen '). Alte 
Abbildungen, z. ß. das Siegel der Kuttenberger Münzer-Hausgenossen 
an einer Urkunde des kgl. sächsischen Staatsarchivs zu Dresden, zei- 
gen uns den Münzarbeiter in seiner Werkstätte, vor sich den Amboss, 
welcher den Stempel zur Rückseite enthält. Auf diesen hat er den 
Schrütling gelegt, darauf den Oberstempel aufgesetzt und schwingt 
nun den Hammer zum Schlage. Das Münzen geschah also aus freier 
K;ind und die wesentlichsten Werkzeuge der Präge selbst waren, 
vom Hammer abgesehen, der Amboss imd der aufzusetzende Ober- 
stempel. Ersterer lief nach unten in einen zugespitzten Fortsatz aus 
und war mittelst desselben in einen Stock eingelassen, somit wäh- 
rend der Münzung unbeweglich. Der Oberstempel dagegen, in das 
untere Ende eines starken, mehrere Zolle langen Eisencylinders, 
welcher mit der linken Hand gehalten wurde, eingravirt, musste für 
die Ausprägung jedes einzelnen Stückes besonders aufgesetzt wer- 
den. Beide Theile zusammen hiessen in der damaligen Bezeichnungs- 
weise die .,eysen" und begreitlich musste sich die dem Oberstempel, 
welcher in der Regel die Hauptseite enthielt, zugekehrte Fläche des 
Schröllings um desto besser ausprägen , als hier einerseits die Ge- 
walt des Schlages unmittelbarer und wuchtiger wirkte, andererseits 
die Gravirung im Gegensatz zur flacheren Rückseite tief gehalten 



^) Vgl. Müller, Deutsche Münzgescliichte I, 210. 
Archiv. XLI. 2. 



258 

war. Dies vorausgeschickt, kann uns die Auslegung der tVagliehen 
Stelle keine Schwierigkeit mehr machen. Der Stempelweehsel, von 
dem sie spricht, geschah gewiss nur bei Gelegenheit der Verrnfung 
alter Münzen , welche dann zur UniMechslung gebracht v erden 
mussten. Um die neuen Pfenninge von den alten zu unterscheiden, 
änderte man, und zwar möglichst aulT;i!lend, das Gepräge der Haupt- 
seite, also den beweglichen Oherstempel; den festen üntersteinpel 
dagegen, der nur eine höchst unvollkoaimen sichtbare Darstellung 
enthielt, die sich zudem, wie ich später zeigen Averde, vermuthlich 
auf die Münzstätte selbst begog, behielt mau bei, \\e:\ diesen zu 
vertauschen kein Grund vorlag, man „vernewte- also thatsächlich 
die Münze mit einem „ainfoltigen eysen." 

Die Riclitigkeit dieser Erklärung angenommen, müssten sich 
auch österreichische Münzen nachweisen lassen, welche auf einer 
Seite gemeinsame, auf der andern verschiedene Vorstellungen zeigen, 
und wir finden deren in der That. Ohne der späteren Beschreibung 
A^orgreifen zu wollen, verweise ich ich hier auf die von Mader in 
seinem 2. kritischen Versuche (Tafel I, Nr. 7, 8 und o, 6) gegebenen 
Abbildungen. Nur insoferne wird Karajan zu berichtigen sein, als er 
meint „der Revers sei bei gleicli bleibendem Averse geändert wor- 
den". Wie ich so eben ausgeführt, geschah es gerade umgekehrt. 

Gehen wir auf die Münzen dieser Art zum Zwecke ihrer Be- 
stimmung des Nähern ein, so werden wir uns vorerst an die „reden- 
den" halten müssen. Deren gibt es, Mie schon gesagt, nur Menige, 
besonders wenn man ausgeschriebene Namen erwartet. Welzl führt 
in den Nummern 6486 — 6352 nicht eine solche an. Ich kann daher 
auch vorausschicken, dass, jene schon ob^en angeführten Pfenninge 
mit der Aufschrift DVX LIV-POLDV? ausgenommen, die aber als dem 
Friesacher Gepräge angehörig hier nur nebenher erwähnt Murden, bis- 
her keine redenden Münzen der babenbergischen Herzoge bekannt sind. 

Nr. 1. Als älteste Schriftmünze des Wiener Gepräges sind uns 
Denare erhalten, die auf der Hauptseite einen von einem breiten 
Rande umgebenen einköpfigen und gekrönten Adler zeigen , auf 
dessen Brust die österreichische Binde ersichtlich ist. Die Rückseite 
enthält in einem Kreise zwischen zwei Ringelchen oder Punkten ein 
F und die Umschrift: 4- IMPAöCK. Ausserdem erscheint regel- 
mässig auf einer oder der andern Seite der schon besprochene Vier- 
schlag. Die Gestalt dieser Münzen ist bald rund, bald viereckig mit 



259 

abgestumpften Ecken. Das Durchschnittsgewicht beträgt Ü-670 Gramm 
(7 gewogene Stücke hatten: 0-300, 0-620, 0-6Ö0, 0-680, 0-690, 
0-700 und 0-800 Gramm), die Grösse lö Millimeter. Der gemachten 
Feuerprobe nach halten diese Stücke 0-690 oder 11 Loth fein. (Vgl. 
Mader a. a. 0. Tf. I, Nr. 5, Welzl II 1, Nr. 6553). Taf. I, Nr. 1. 

Die Zutheilung dieser Münze ist nicht schwer, es sind dies 
Pfenninge, welche Kaiser Friedrich II. für Österreich ausbringen 
Hess; der Reichsadler, welcher die seit l'^oO für Österreich zur 
Wappentigur gewordene Binde auf der Brust trägt, zeugt dafür. 
Der Zeit nach können dieselben blos während der Jahre 1236/7 und 
1246 — 1230 geprägt sein, indem nur dazumal Österreich unmittelbar 
unter dem Reichsoberhauptestand, das erste Mal in Folge der Ächtung, 
die der nach Italien ziehende Kaiser über Herzog Friedrich den 
Streitbaren ausgesprochen hatte (Juni 1236, Lechfeld), das andere 
Mal, da das durch die Schlacht an der Leitha des Herrschers be- 
raubte Land dem Reiche als erledigtes Lehen heimgefallcn war. 

Die grössere Wahrscheinlichkeit lässt uns die Münzen der letz- 
teren der angeführten Perioden zuschreiben, weil diesmal, abgesehen 
von deren längerer Dauer, auch die Besitzergreifung viel vollständiger 
wiw als l'rüher. Z\\arwi!d uns auch zum Jahre 1237 die Einsetzung 
einer kaiserlichen Verwaltung in Österreich gemeldet, allein es ist 
bekannt, wie rasch dem nach Wiener-Neustadt zurückgedrängten 
Herzoge Friedrich nach des Kaisers Abzüge die Wiedereroberung 
seines Landes gelang. Als dagegen am 13. Juni 1246 mit dem gegen 
die Ungarn gefallenen Herzoge Friedrich II. das Herrschergeschlecht 
der ßabenberger erloschen war, da schickte der Adel Österreichs 
selbst an den Kaiser Gesandte, damit dieser dem Lande einen neuen 
Herrn gebe. Kaiser Friedricii H. liess durch einen schwäbischen 
Grafen den Eid der Treue entgegennehmen und bestellte sohin den 
Grafen Meinhard von Görz zum Landesverweser, welcher diesem 
Amte, weil er die Verwaltung sorgsam fü hrte , unter allge- 
meiner Zufriedenheit bis zu dem Ausgang 1230 erfolgenden Tode 
des Kaisers vorstand i). 



1) S. die Cliroiiik des Joannes Victoriensis (Böhmer, Fontes rer. Germ. 1, 2ö3J . . . 
Mayniiardum comitein Tyrolis virum speetabilem destinavit, qui in eadem adinini- 
stratioiie usque ad imperatoris obitum persistebat omnibus gratus et acce ptus quo 
niam omnia solerter et provide gorebat. 

17* 



260 

Es ist bekannt, wie es nach einem Interregnum endlich dem 
Böhmei'künige Ottokar II. im Jahre 12öl gelang, das herrscherlose 
Österreich, so wie später noch Steiermark, Kärnten und Krain mit 
seinem Reiche zu vereinen und durch eine Reihe von Jahren zu be- 
haupten. Dass er ein bedeutendes Verwaltungstalent besass, ist un- 
bestritten, daher erklärt es sich auch, dass er seine Aufmerksamkeit 
dem Miinzwesen eifrig zuwandte. Sind uns gleicli keine von ihm 
ausgegangenen Münzverordnungen erhalten (vereinzelte Cbroniken- 
angaben abgerechnet), so erweisen dies die ziemlich zahlreichen 
Münzen, die man ihm sicher beilegen kann. Solches stimmt dann 
sehr gut mit einer in dem gleichzeitigen Rationarium Austriae ent- 
haltenen Notiz, aus welcher hervorgeht, dass die im Umlauf befind- 
liche Münzmenge über 14.(IÜ0 Pfd. betrug, so wie dass die Münz- 
erneuerung jährlich um die Zeit der Sommersonnenwende in den 
drei österreichischen Münzstätten Wien, Wiener-Neustadt und Enns 
zu erfolgen pflegte '). 

Wenden wir unser Augenmerk den redenden Münzen Ottokars 
überhaupt zu, so werden uns zunächst dreierlei Hauptgepräge, ent- 
sprechend den Ländern Bidimen, Österreich und Steiermark, autYal- 
len. Münzen der erstgenannten Art sind meistens leicht zu erkennen. 
In Böhmen herrschten damals die Brakteaten vor, eine Münzsorte, 
die in den beiden andern Ländern nie durchgritT. Wir werden 
daher alle mit dem österreichischen Bindenschilde be- 
zeichneten Brakteaten des 13. Jahrhunderts, wofern 
nicht zwingende Gründe etwas Anderes erheischen, 
dem B ö h m e r k ö n i g e 1 1 o k a r IL für die Zeit seiner Regie- 
rung von 1253 — 1276 zuschreiben müssen. Österreich war 
ja der Haupterwerb , durch den er seine Macht vergrösserte, es ist 
somit erklärlich, dass er dessen Wappenschild auch auf eigent- 
lich böhmischen Münzen anbringen liess 2). 



*) Hinc notantur ledditus ducis Austriae quomodo, qualiter et undecumque hal)eant 
provenire. Et notandum quod prirao ponenda sunt officia magna, videlicet nioneta, 
mutae et judicia civitatum per terrain Austriae. Moneta per Austriam debet sin- 
gulis annis circa festum beati Johannis baptistae in Wienna, in Nova civitate et in 
Anaso renovari. Cursus monetae major est quatuordeciin miilia talentorum et hoc 
quando terra est in statu pacifico et quieto vna cum aliis terris adjacentibus. 
(Rauch, Scriptores rer. Austr. II, p. 3.) 

^) Aus späteren Jahrhunderten sind uns kleine Brakteaten mit dem Bindenschilde und 
dem daneben gesetzten Buchstaben T bekannt. Man nahm sie früher (so noch Pri- 



261 

Sclnvieriger gestaltet sich die Frage nach den unterscheiden- 
den Merkmalen des steirischen Gepräges. Es scheint, als ob man sich 
zuweilen gar nicht die Mühe gegeben hätte für eine andere Unter- 
scheidung, als die durch das Wappenbild, zu sorgen, wenigstens sind 
mir Münzen aus dieser Zeit bekannt, welche bei österreichischer 
Prägeweise auf der Rückseite das Pantherthier zeigen, aber freilich 
auch die Deutung gestatten, dass sie zu gemeinsamem Gebrauche 
von den österreichischen Münzern geschlagen worden seien. Im All- 
gemeinen lässt sich sagen, dass die steirischen Münzen von grösse- 
rem aber dünnerem Bleche, von feinerem und flacherem Stempel- 
schnitte sind, und dass deren Rückseite , wenn auch schwach, so 
doch weit öfter und deutlicher als bei den österreichischen Pfennin- 
gen sichtbar und erkennbar ist. 

Als redende Gepräge der von König Ottokar II. für ()sterreich 
geschlagenen Münzen linden wir folgende zu verzeichnen '): 
2. Vorderseite: der österreichische Bindenschild von zwei aus- 
wärts gestellten, mit dem Kopfe zurückgewandten Löwen be- 
seitet 2). 



misser, Appel u. s. w.) uiihedenklicli lU's Wappens lialher n\> österreicliisclie Münz- 
clien an und deutele das T auf eine Münzstätte „Tulln". Ich werde später zei- 
gen, dass die Annaiune einer eigenen Münzstätte TuUn auf einem Missrerstiindnisse 
beruhte. Die in Frage stehenden Brakteaten dagegen sind, wie es Dr. H. Meyer 
in seiner Abhandlung über Schweizer Brakteaten und Denare nachgewiesen hat 
(a. a. 0. p. 94 fgd. T. I, .32 u. s. w.), von der im heutigen Grossherzoglhume Ba- 
den befindlichen ehemalig österreichischen Münzstätte Tot In au für die s. g. vor- 
deren Lande ausgemünzt worden. 

Man kann aus diesem Falle recht klärlich almehinen. wie fehlerhaft es sei, iiei 
der Bestimmung von Münzen das Ilau|>taugeninerk (wie es die liisherigen Bear- 
beiter österreichischer Münzen leider zumeist gethan haben) ausschliesslich auf 
die Wappenfigur zu legen und darüber d;is Entscheidendere, die ganze Prägeweise 
des Stückes, zu vernachliissigeii. 

^) Auf das vom österreichischen ganz abweichende Gepräge jener zu Kyselowitz in 
Mähren gefundenen Pfenninge (Berliner Blätter für Münz- und Siegelkunde III. 
p. '68, 1866) kann ich nur nebenher, soferne es zur Vergleichung dient, eingehen. 
Im Allgemeinen unterscheiden sich die dort gefundenen Pfenninge von den öster- 
reichischen hauptsächlich dadurch, dass sie eine vollkommenere Rundung haben, 
und dass ihnen der Vierschlag fehlt. Sie sind den österreichischen Hälblingen der 
Form und Grösse nach sehr ähnlich, haben aber beiderseits ein deutlicheres Ge- 
präge als diese. 

^) Analog dem von den französischen >'umismatikern gebrauchten Ausdrucke flanque 
gebildet. Vgl. auch Reinhards Wappenkunst §. 63. 



ZQ2 



Rückseite: f f>VX OTHA . . GR. In einem Kreise ein kur- 
zes gekröntes Brustbild von vorne. Tal". I, Nr. 2. 

Gr. 16 Mm., wiegt einzeln 0-600, 0-700, 0-710, 0-740 Gmm. 
9 Stück zusammen 6-'i30 Gmm., also durehselHuttlich 0-690 
Gmm.; hält nach der Feuerprobe 0-800 oder 12 Lotli 14 Grän 
fein. (Vergl. Appel II, 2, p. 937, Nr. 10, Primisstr Nr. 6, 
Welzl 11, 1, Nr. 6581.) 

Vorderseite: Sechs Lilienscepter in einen Kreis gestellt. 
Rückseite: Der mehr oder minder vollständige Name Otto- 
kars als Umschrift i). In der Mitte der biihmische Löwe von 
der rechten Seite. Abgeb. Taf. I, Nr. 3. 

Gr. 15 Mm., wiegt einzeln 0-650, 0-680, 0-730, n-750 Gm. 
20 Stück zusammen = 14-500 Gmm., oder durchschnittlich 
0-725 Gmm., hält nach der Feuerprobe 0-710 oder 11 Loth 
6 Grän fein. 

Vorderseite: OTÄ — KdR. Gekröntes Brustbild von vorne. 
Rückseite: Zwischen zwei einfachen Kreislinien ein Kranz(?) 
von Rosetten. In der Mitte von drei Rosetten begleitet ein 
Schild mit dem Buchstaben T. Taf. I, Nr. 4. 

Gr. 17 Mm., w. 0-640, (1-680, 0-730, 0-750 Gmm. K. k. Münz- 
cabinet, Wien, Appel II, 2, p. 941, Nr. 32, Primisser Nr. 10, 
Mader, Brakteaten I, Nr. 9, 10, dessgl. 2. Beitrag p. 158, Nr. lO' 
Hergott's Numotheca I. proleg. XII, Welzl II, 1, Nr. 6577. 
Dessgleichen als Hälhling. 

Gr. 14 Mm., w. 0-450. 0-480, 0-520 Gmm. rund. K. k. Münz- 
cabinet, Wien. 

Vorderseite: Der ßindenschild, über welchen der Kreuz- 
scepter emporragt, von zwei aufgerichteten und auswärts ge- 
stellten Löwen beseitet. 

Rückseite: In einer dreibögigen (?) mit Kleeblättern in den 
Winkeln verzierten Einfassung ein V(takar)2). Taf. I, Nr. 5. 



^) Das Miinzcabinet am steir. landsch. Joanneuni zu Graz besitzt einen Fund von über 
260 Stücken dieser Sorte , deren keines eine auch nur halbwegs vollständige 
Umschrift zeigt. 

-) Das Abweichende in der Schreibweise darf uns umsoweniger befremden, als es 
Brakteaten mit dem ausgescliriebenen ^Samen VTAKAR gibt, woriii!er Mader's Ver- 
such über Brakteaten, Taf. I, Nr. 5, 6, S zu vergleichen ist. 



263 

Gr. 16 Mm., wiegt 0-710, 0-770, 0-840 Gmm. Welzl II, 1, 
x\r. ö64;j*. * 

Die beschriebenen Gepräge Nr. 2, 3, 6 bedürfen keiner wei- 
teren Erklärung, die Löwen bezielien sich auf das böhniisehe Wap- 
penbild, dagegen ist über Nr. 4 und 5 Einiges zu sagen. Man deutet 
dieses T der Rückseite als den Anfangsbuchstaben einer Münzstätte 
„Tulln", was, wie schon oben bemerkt, unrichtig ist. Einer solchen 
Münzstätte wird weder in Urkunden noch im Rationarium gedacht, 
obwohl gerade letzteres zu der nämlichen Zeit sämmtliche Regalien 
des Landesfürsten verzeichnete. Wohl aber finden sich für die Zeit, 
da Rudolf L Österreich verwaltete, ein paar urkundliche Angaben, 
die falsch ausgelegt den besprochenen Irrtbum erzeugen konnten. 
Als nämlich Rudolf l. das Frauenkloster Tuln im Jahre 1280 zur 
Erinnerung an den auf dem Marchfelde über Ottokar errungenen 
Sieg gründete und ausstattete, da wies er demselben unter andern 
auch die Einkünfte von lOO 3Iarken Wiener Münze an, und befahl 
in einer späteren Urkunde (1281, 1. Juni) dem österreichischen Kam- 
mergrafen und dem Wiener Münzmeister für die Priorin jährlich 
60 ^lark Pfeiuiinge ohne Abzug des Schlagschatzes auszuprägen <), 
also vermuthlich gegen Lieferung des Rohmaterials , oder, weil der 
Handel und .Ankauf von Silber mannigfachen Beschränkungen unter- 
worfen war, gegen Ersatz der vermünzten Metalle, ^^'ären die be- 
treffenden Münzen nicht mit dem Namen Ottokars, sondern mit dem 



') 1281, 1. Juni .... Rudolplms . . . comiti camerae per Austriain et magisho mo- 
netae Wiennensis aut officiali Aiistriae . . . qiiod priorissae et eonventui sancti- 
monialiuin nionasterii sanctae crucis in Tiilna singulis annis sexaginta mareas de- 
naiiorum Wiennensium, videlicet in festo sancti .lacobi triginta mareas et in festo 
sancti Aegidii totidem sine requisitinne juris quod slaschaetz dicitur fabricetis . . . 
que in ipsorum privilegiis exprimitur . . (Hergott, Mon. Austr. T. II, p. 2j3, >'r. V) 
und ibid. T. ', p. 214.)- Noch deutlicher ergibt sich dies aus einer Urkunde 
ddo. 1368, 18. Febr. Wien, welche die eingeschaUete Bestätigung der Klosterpri- 
vilegien durch Herzog Albrecht I. (ddo. 1287, 21. Mai Wien) enthält und in wel- 
cher es heisst: Dar zu hat der fürst (Rudolf I.) hochgeporen disen vravn verlie- 
hen daz man der priorin vnd dem conuent dez vorgenannten closters alle jar sech- 
czig marekch alter Wienit er pfenning, dreizzig markch vmb sand Jacobstag 
vnd dreizzig markch vmb sand Giligentag an allen slagschacz vernewen mag vnd 
new geslagen .... Es scheint daher das Ganze auf eine einfache Auswechslung 
alter Münze gegen neue hinauszulaufen und das Vorrecht des Klosters nur darin 
bestanden zu haben, ilas« ihm die sonst den Wechslern zu bezahlenden Gebühren 
erspart blieben. 



3S4 

RndldAl^ Tosektt^ «der küttte das Fn««*kl««ter tm Toiik s«W(k i^ 

■a^ Jaiis nsiaiA es hier ouifr $«klw* Pieau^^ za tknit kiW^ die 
zw BOi dar Wöener Wnue, aWr imr das El«$ter Tal» »i^eaiazt 
ond da&er auf der Riekseile nit eiM» T liezekket vecdes seieo. 

ISileöm da heäde ir«ra«ss«lz«^:i«,. wie s« el«ai gcze^l^ in^ swd^ se- 
ist es andk der daravs al^ddittete Sr&kss^ nd ditf Riefc^eite dies«» 
Pfeaioiia^ lAnlt qdbsw mie s» TÖeiie ajsdef«, T^rÜBig^ bm^ eis Rätfcse-l. 
S<}. diEJt#iD^ döe Amsiteale aa redeadea Nianai Olt«ftars ii-t^ sie 
«t^iit iß<A ^m^ iesle Aakdtsfaakte, £e bei Eatwi^da^ z« 
i&iea r<}«ise«|igeaiea g:ar »aag be a staimra Pfeaai^ erfc£ireB kdfea. 
T«ir aieiB! sei eäier Miaze aas den sciMi Tttrenrihatea Kysektwitzer 
Faade «edadkt. die. «Iigüefieh aieht «isterracAisebea Gefn^es. '^•^^ 
zur EffÜlairaiD^ auderar stammea M inzea l^äzatra^e« Terma^. 
TiL V9*rderseitte: ii«krii>Qiter K^fi des KÄa£«s roa der reehcea 
Seiten üiiiiscÄirilft: EX ÜTAtARV. 

Riekseite: Rras£&i]id des Kü«^ T#a der reefatea S^e oüt 
S««f«er aad ReBdbsatpTei Aft^ek Ta£. I, Xr. i. 

Gr. 14 Mn , «ieft ^3m GinnL la iseiaer SasBkftg. 
DaaiiBt Tesvjleielae msum z 
7. T«rderseite: Wie die Rielseifee des «araagiebeadea Stiekes 
1\ BUDT sttattii des S&t^ews mm S^kwerL 

Räekseite: la eiaer sedkslN»§^:eB Eim&ßsm»^ eia sekröBtes 
Ikapt miiir ftieffalN&iBg:eaideiii Hsareii. Taf. L Xr. 7. 

Gr. »u^ Xm.. mare^Bässrl^ raad, w. 0-709 (2 Stiefce) 
^19^ Gianaiat Dnrelk das an%eseUageae Viereek keüLSzeieiaet 
^^ dies Stiek aSs dem «sleffreidüsefcea G«^räge, dnrek die 
TOffit der Rmdbesfie des rerlieigefceadea Stiekes ^fideke Türder- 
iSieke ak Olta4ar aa^kSr^. 

Icek rräke dshsaa jeae Sfiieke, die, ekw»M «kae sdmUüeke 
Rezdi^mnBBg, daiek aas aadera Gef«%saiefknafiea dem BSkober- 
kr»')ii!Bge säeker ZHzawressea äad, Baodiiek s^ke, aaf wekkea 
mtk^ dai Riadeaschaide aaek der kckiaiiseke L«»ire ersekeiat 
Su V*«rderseitte: Der «ekrmitt»' kilbaüs^^ke L^ire atü zi^ewaad- 
teiB Gesöekf t«« der ffiakea Seite ^^ , in; der erkxkaieDt recktea 

OL. s_ w. 



205 

HQek««ite; In dn««» glatt«« , am«»*;«» u,,, .■^\.',r)A:keM r^mm'-' 

Gr. «V,j Min^ w, O'TS'* (Smiou ; in memtur Sstmm\Uu^ 

iJher <Aem»*:lhett der ßiuäetm^M'i'L 

h()%m ein waehjenKiler Jidlier, Muter d^ 

Tfaier fWoJf?) voa der link«© S^äl-e- TM. l :S-i. b- 

Gr. ISMffi-, njod <H3ere«k%'; »-je«t0'«70, O'iS^.O'TIOGfluiL 
10. N' Order feeite: Der ra»j Sirdt ^tru^hUit Lynr« mS «ssapKMv 
lidbtrii^ihUißi Hü der SpÜLt ^aihtiHUm Seliwieäf« «Knaii ditr ÜÜmk«« 
>eit«, den Bitufensebild avf der Terdeekten ItBiken VnjrderprsiuDike, 
irrj Felde ei« Krenzehe». 
K ü e k « e i te : Unter eine«) aiit zwei SeitemV 
KirchengiebeJ ei« «iebrejteßde« TJiler fein Wvji '?^ * w 
k*?M iSeite, «(ber dei» Rueken de«*eJbeii eiu Steini. D*- . 
jmpht eine fein*- Krthlima. Taf. I, Xr 10- 

Gr- Js/i.'. Mm., miegt 0-680. 07 10, O-TSO GraarjoiL 

fJa der Löwe i» den letzten z«rei Pallle« oagekrSnt ä*t »« kÄmiüite 

rnarj in d*-' " . " «rjn erikeMueau 

Dem •»id'r; _ ^ i'"?''' Xr f 0, 

«*fiderer*.ejls der tia*'i^<iJ<i, oa^^. ir • ;k 

den augebracliteü BiiidettsebJJd > . _ . . , ea 

sind « gleiebe «od aiinjielie DarsteUon^en rturkmamtm '). Eämt Betlie 
anderer Gründe wird sieb aus dem weiteren G*' : - "^ ^V 

fabrang ergeben. 

Wenden wir uits zm der gr*»««en Jl«nge • .^«i 

dieser Zeit, m dmftu wir den aJlgemeiu bei Bc' -1- 

aliermüiizeii uuj^ftumtimtu^iu Satz, da.** M. .'e^ 

weise, wekbe zum* Tbeii ■^tmnmAnnc Dar^ ; c. , . . ^ . ^ .. . . - . ^ . . - ;iie 
nieht gewiebtige Grunde dagegen «preeben, dem Baüistiie «md der 
Zeit naeb zusammen geb^Srig seien, bier ebenjfails au« enden. IIa l{aUt 
deun Tor aM«»!! da.s Büd eine« Jugendlieben Onigski^iHres mit 



') ^'2"'- f*riiaiis««-r a. a. O- Jfr, Ä, 



266 

dem Haare auf, das sich ganz genau an jenes der Rückseite einer 
schon oben (unter Nr. 2) beschriebenen Münze anschliesst, 

11. Vorderseite: Stehende geharnischte Figur von der rechten 
Seite mit gezücktem Schwerte und vorgehaltenem Bindenschilde. 
Rückseite: Ober einem mit Seitenthürmen vei'sehenen Bogen 
ein wachsender Adler, unter dem Bogen ein gekrönter Kopf. 
Das Ganze umgibt eine feine Kreislinie. Taf. I, Nr. 11. 

Gr. 13 Mm., rund, wiegt 0-430, 0-440 Gramm. (Hälbling.) 

12. Wie Nr. II, aber viereckig und die Vorderseite von roherer 
Zeichnung. 

Gr. «Vti Mm., wiegt 0-680 Gramm. (Pl'erming.) In meiner 
Sammlung. 

13. Vorderseite: Der gekrönnte Kopf mit her.'ibwallendem Haare 
von vorne. 

Rückseite: Lnter einem mit SeitenlliiiniiL-hen versehenen 
Bogen (?) ein gekrönter Kopf. Taf. I, Nr. 13. 

Gr. 12 Mm., rund; wiegt 0-4ö(i 2, 0-400/2 Gmm. (Hälbling.) 

14. Vorderseite: Ober einer Verzierung der gekrönte Kopf. 
Rückseite: In einer feinen Kreiseinfassung ein gekrönter 
Drache (?) von der linken Seite. Taf. I, Nr. 14. 

Gr. 13 Mm., rund; w. ö20, 0-540 (2 Stücke), 0-o50 Gmm., 
hiilt nach der Feuerprobe 0-650 oder 10 Loth 7 Grän fein. 
(Hälbling.) 

15. Wie Nr. 14, nur viereckig und grösser. Taf. I, Nr. lö. 

Gr. iVi5 Mm., wiegt 0-800 Gramm. (Pfenning.) In meiner 
Sammlung. 

16. Vorderseite: Ober zwei Lilien ein gekrönter Kopf. 
Rückseite: Wie bei Nr. 14. Taf. I, Nr. 16. 

Gr. 13 Mm., rund; wiegt 0-530, 0-550 Gramm. (Hälbling.) 

17. Wie Nr. 16, nur viereckig und von gröberer Zeii-imung. Taf. I, 
Nr. 17. 

Gr. "*,i7 Mm., wiegt 0-720 Gramm. (Pl'enning.) In meiner 
Sammlung. 

18. Vorderseite: In einer blätterigen Einfassung ein frei schwe- 
bendes Kreuz. 

Rückseite: In einem feinen Kreise der gekrönte böhmische 

LöAve (mit einfachem Schweife) von der linken Seite. Taf. I,Nr. 18. 

Gr. iVi5 Mm., rund, w. 0-510, 0-550 (2 Stücke) Gmm. (Hälbl.) 



267 

Betrachtet man die Mfinzen Xr. 11 , i3, 14, 16. 18, die sich 
nach Gewicht iintl Grösse als Hälhlinge erzeigen, etwas genauer, so 
sind sie sämnitiich von zierlicherem Gepräge, meist ganz rund oder 
doch der runden Gestalt weit näher als die Hauptmasse der übrigen 
sogenannten Babenberger Pfenninge. Die Darstellung der Rückseite 
ist in der Regel von einem feinen Kreise umschlosseis. Zu eisiigen 
dieser Hälhlinge gibt es auch ganze Pfenninge (vgl. die Nr. 12, 15, 
17). Ist es nun erlaubt aus der Übereinstimmung in Arbeit und Vor- 
stellung des gekrönten Kopfes auf Nr. 2 und 4, verglichen mit Nr. 1 1, 
13, 14, auf gleichen Ursprung zu schliessen, so wird man nicht um- 
hin können, auch die hier unter Nr. 11, 13, 14, 16 und 18 beschrie- 
benen Münzen Ottokar zuzuweisen und wird dabei um so weniger fehl 
gehen, als die Rückseite des letztgenannten Stückes einen gekrönten 
Löwen zeigt, den man ganz gut für den böhmischen erklären kann. 
Das Gleiche gilt auch von den Pfenningen Nr. 12, lö, 17 trotz ihres 
auf der Vorderseite mitunter entschieden gröberen Gepräges um so 
mehr, als die Rückseiten sowohl der Hälhlinge als der Pfenninge mit 
den gleichen Stämpeln geprägt zu sein scheinen. Da es aber 
ausser den aufgezählten noch eine ganze Reihe sol- 
cher von gleicher Präge weise gibt, so nehme ich kei- 
nen Anstand, dieselben, und so ferne entprechende 
Pfenninge v o r k o m m e n, a u c h d i e s e 1 1 o k a r z u z u w eisen. 
Ausserdem finden sich auf den fraglichen Münzen noch einige wei- 
tere Andeutungen , welche meine Zntheilung rechtfertigen werden, 
so auf Nr. 19 der gekrönte böhmische Löwe, auf Nr. 22 der ge- 
krönte Königskopf u. s. w. Beispielsweise mögen daher noch einige 
nun als ottokarische erkannte Münzen folgen. 

10. Vorderseite: Der ruhende böhmische Lthve von der rechten 

Seite mit rückgewandlem gekriuilem Haupte und eingezogenem 

Sehueile. 

Rückseite: Undeutlich; ein wachsender Adler ober (?). Taf. I, 

Nr. 19. 

Gr. 13 Mm,, rund: wiegt 0-470, O-öOO Gramm. (Hälbling.) 

(Ein drittes Exemplar hatte bei gleicher Grösse fast die Schwere 

eines Pfennings, nämlich 0-620 Gramm., vgl. übrigens Nr. 20.) 
20. Vorderseite: Ein sich umsehender und gekrönter Drache 

von der rechten Seite mit zuriickgeringeltem Schweife. 



268 

Rückseite: Der österreichische Biiideiischild von einer Bliit- 
terverzierung umgehen. Taf. I, Nr. 20. 

Gr. 13 Mm., rund; wiegt 0-t)20 Gramm. (Hälhling.) 

21. Wie der vorstehende Hälhling al)er viereckig. Taf. I, Nr. 21. 

Gr. 15/16 l^I'Ti-, wiegt 0-720 Gramm. (Pfenning.) 

22. Vorderseite: Sechseckiger Stern mit einem zweiten klei- 
neren und vertieften in der Milfe. Zwischen den äusseren Stern- 
spitzen Kleehlätter. 

Rückseite: In einem Kreise, der aussen mit kleinen Stern- 
chen heselzt isi. das gekrönte Haupt wie auf Nr. 7 und 13. 
Taf. U, Nr. 22. 

Gr. 13 Mm., rund; wiegt 0-550 Gramm. (Hälhling.) 

23. Vorderseite: Ähnlich der vorhergehenden , allein der Stern 
zeigt hier einen von einem vertieften Ringe umgehenen Punkt. 
Rückseite: In einer aus vier Winkeln und vier Bögen gehil- 
deten Einfassung (Vierpass) ein einfacher rechts sehender 
Adler. Taf. II, Nr. 23. 

Gr. 15 Mm., w. 0-810, 0-830 (3 Stücke) Gmm. (Pfenning): 
hall nach der Feuerprobe 0-663 oder 10 Loth 1 1 Gl-än fein. 

24. Vorderseite: Brusthild eines rechts sehenden Adlers, üher 
demselhen ein sechsekiger Stern ober einem Halbmonde. 
Rückseite: Ein Baum, an dessen Fusse zu beiden Seiten je 
ein Adler erscheint. (?) Taf. II, Nr. 24. 

Gr. 13 Mm., rund; wiegt 0-510, 0-540 Gramm. (Hälhling.) i). 

25. Ebenso ein Pfenning und daher viereckig. 

Gr. i*/,4 Mm., wiegt 0-630, 0-720, 0-760 Gramm. 



*) Die Darstellung der hier unter Nr. 24, 2ä beschriel.enen Vorderseiten findet sich 
auch auf gleichzeitigen ungarischen Münzen (vgl. die Münze Ladislaus des Kuma- 
niers 1272 — 1290, hei Rupp, Nummi Hungariae Taf. IX, Nr. 235 mit der Auf- 
schrift REX LAOISLAI und einer Lilie im Av.). Überhaupt haben die ungarischen 
Münzer zu wiederholtenmalen ihre Darstellungen österreichischen Pfenningen ent- 
nommen, wie solches gleichfalls umgekehrt geschehen sein dürfte. Ich erinnere 
hier an die Rückseite von Rupp's Nr. 219. 220 auf Taf. VIII, welche in oflenbarer 
Anlehnung an das von mir unter Nr. 2 beschriebene Stück gefertigt ist. Trotzdem 
sind selbst die netteren ottokarischen Hälblinge von den ungarischen Denaren zu 
unterscheiden, weil nicht nur diesen der die <)sterreichischen Münzen auszeichnende 
Vierschlag fehlt, sondern auch deren Gepräge ein durchwegs deutlicheres und 
zierlicheres ist 



269 

Ausser den schon beschriebenen gibt es iioeh eine grosse An- 
zahl solcher Hälblinge mit den wechselndsten Darstellungen. Bald 
sind es schreitende Vögel, bald vierfüssige Thiere, bald auch halbe 
Figuren u. s. w. Da ich jedoch hier keine vollständige Aufzählung 
derselben zu geben liabe, so genüge diese kurze Andeutung. Wer 
mit meiner bisherigen Ijeweist'ührung einverstanden ist, der kann sie 
alle, und ebenso die etwA dazu passenden Plenningsgejiräge uiibe- 
deiiklich den Münzen Ottokars anreihen. Schwieriger gestaltet sich 
die Frage rücksichtiich der grossen Menge von Pfenningen, welche 
zwar von gleicliei" Prägeweise sind, zu denen sich aber keine Hälb- 
linge nachweisen lassen. Die mannigfachsten Bilder, Menschen- und 
Thierliguren (Münchs-, Nonnen- und Bauernköpfe, Reiter, Einhörner- 
Steinbocks- und Widderhäupter, Fische, Drachen. Vögel ....), 
Arabesken, Blumen u. s. w. theils in Verbindung mit, theils ohne 
den Bindenschild treten uns hier entgegen. Zu deren Bestimmung 
kann ich nicht viel mehr als die subjective Überzeugung beibringen, 
die sich mir beim Durchforschen dieser Stücke gebildet hat, dass 
nämlich die Mehrzahl derselben ebenfalls Oftokar, und der Rest den 
Allfangsjahren der habsburgischen Regierung anzugehören scheine. 
Killige dürftige Anhaltspunkte wird übrigens noch der weitere Ver- 
lauf meiner Untersuchung ergeben. 

Ottokar stand auf der ilöfe seines Glückes, als ihm in der Per- 
son des am St. Michelstage 1273 zum deutschen Könige gekürten 
Grafen Rudolf von Habsburg ein verderblicher Gegner erstand. Ich 
kann alle näheren Ausführungen als ohnehin bekannt übergehen, 
genug an dem, dass Ottokar in dem Frieden vom 26. November 
1276 seine Neuerwerbungen und im Jahre 1278 bei dem Versuche 
sie wieder zu gewinnen auch sein Leben verlor. Da sich Rudolfs 
Thätigkeit sogleich der Sorge diese Länder seinem Hau>e zu er- 
werben zuwandte, so kann es uns nicht aulTallen, dass er sehr bald 
Verfügungen über die Wiener Münze erlässt. V^om 10. Februar 1277 
besitzen wir eine Urkunde, in welcher er die Bürger von Wiener- 
Neustadt auf den Schlagschatz der Münze zu Wien weist <)» i"id ^om 
gleichen Jahre datirt der grosse Freiheitsbrief der Hausgenossen, — 
eine Bestätigung des ihnen vom Herzog Leopold V. im XIL Jahr- 
hunderte gegebenen Privilegs, das eine vollständige Regelung der 



•) Böhmer, Kaisenegesten, Rudolf Nr. 315. 



Angelegenheiten der Münzergikle, sowohl nach innen als nach aussen 
enthält 0- 

Weitere und soviel mir bekannt noch nicht veröft'entlichte Ur- 
kunden-Angaben, die das (')slerreichisehe Münzwesen dieser Zeit be- 
treffen, bieten die 1281 und 1282 von König Rudolf und Graf 
Albrecht mit dem österreichischen Landschreiber Chunrad von Him- 
berg gepflogenen Abrechnungen über die von diesem bezogenen 
Einnahmen und bestrittenen Ausgaben, die sich im Archive des 
kaiserlichen Ministeriums des Innern zu Wien befinden. Laut Ur- 
kunden vom 1. und 2. Juni 1281 Linz schuldete König Rudolf dem 
Letzteren noch 12.436 Pfund Wiener Pfenninge und 606 Mark Sil- 
ber und verpfändete dafür diesem und drei andern Gläubigern Münze, 
Mautli und die Einkünfte der Gerichte von Österreich ^i); die von Graf 
Albrecht am 19. October 1282 beurkundete Verrechnung dagegen 
enthält ein paar Daten, m eiche sich auf den Gehalt der österrei- 
chischen Münzen bezieiien. Einmal werden darin Wiener und Regens- 
burger Pfenninge gegen einander gerechnet und SOO Pfund der erste- 
ren einem Betrage von 41 oy^ Pfund Regensburgern gleich gesetzt "); 
ein andermal Wiener Münze unmittelbar mit Silber verglichen und 
hiebei 2400 Pfund Pfenninge nach gerechter Schätzung auf 1600 
Marken Silbers veranschlagt*). Letzterer Angabe würde ein Fein- 
gehalt von ungefähr IU-/3 Loth entsprechen. 



1) Kaiajan a. a. 0. p. 113, LVl. 

2) . . . pro quibus eidem magistro C. officia noslra i)er Austriam, icilieet monetas, 
iiiiitas et jiidicia/ assig'iiauimus et obligauimus possidendas et pacifice retiiieadas 
tarn diu ab ipso magistro C. uel suis heredibus, quousque predicta debita conse- 
quaiitur et aliis etlam creditoribus nostris sciUcet Friderico Polliei ciiii Ratispo- 
nensi, Jacobo de Hoy ciui Wienuensi et Jacopo Metensi de ipsorum debitis satis- 
faciat .... 

ä) . . . item in denariis Ratispoiieiisihus qiiadringenta et tredecim taienta cum dimi- 
dio pro quiugeiitis taientis deuariorum Wiennensium computata .... 

*) . . . Praeterea licet serenissimus pater noster et dominus postquam recessit ab 
Austria eidem magistro Chvinrado propter fidem et meritasuaduo millia et 
quadringenta taienta denariorum Wiennensium de minore muta in Stein per- 
cipienda . . . ordinasset, idem tarnen raagister Chunradus liberaliter et libenter 
huiusmodi donationi renuncians eandem pecuniam ad raille sexcentas m a r- 
casjustaaestimationeredactam de praefata argenti summa sibi voluit et 
petiit defalcari .... 



271 

Eine dritte Nachnclit bezieht sich auf die Münze zu Enns. indem 
König Rudolf dieselbe dem oftgedaehten Chunrad für den ausge- 
wiesenen Betrag von loOO Pfund Pfenningen in der Art verpfändete, 
dass die Tilgung aus sämmtlichen Einkünften dieser Münzstätte er- 
folgen solle. Dieselben scheinen aber nicht besonders gross gewesen 
zu sein, da schon in der Urkunde die Fälle vorgesehen werden, wenn 
Meister Chunrad vor erfolgter Tilgung sterben oder ins Kloster gehen 
sollte, indem bestimmt wird, dass dann die Einkünfte der Münze bis 
zur Begleichung des Restes dem Anwalt der Wiener Miinze Johannes 
und dem Meiner Bürger Chunrad Dorst zuzufallen hätten i)- 

Was nun die unter Rudolfs Verwaltung ausgegangenen Münzen 
betrifft, so werden wir dieselben zunächst in engem Anschlüsse an 
die Ottokarische Prägeweise zu suchen haben. Folgende Stücke 
lassen über die Bereclitigung dieses Verfahrens keinen Zm eifel zu : 

26. Vorderseite; Gekrönter Helm mit herahwaileiulem Feder- 
buscli zwischen den Buchstaben R — V. 

Rückseite: Nicht erkennbar. Taf. II, Nr. 20. 

Gr. 14-15 Mm., wiegt 0Ö70. O-690, 0-750, OTOO, 0-800 
Gramm: hält nach der Feuerprobe 0-584 oder Loth Ü Grän 
fein. 

27. Vorderseite: Gekrönter Kopf von der linken Seite. 
Rückseile: In einem Kreise ein grosses R. Taf. II. Nr. 27. 



') 1282, 14. Üeceinber Aug^sburg^. Nos Rudolfus <lei grafia Ronianorum rex semper 
iiiigustus ad universorum notitiam volunius pervenire, quod de oiiiiiihus dehitis, in 
quibus mag'istro Cliuiirado scrihao Austriae tenebainur, eidein adhuc in niille quin- 
geiilis talentis denariornni Wiennensium existimus obligati . pro quibus sibi in o- 
II et am nostram in Anaso eiiin omnibiis suis proveiilibiis obligamus peroi- 
piendain et colligendam tani diu, quo usque praedictani suininani peciiniae plene 
rollegerit et peiceperit de eadem. Praedictani vero inonetani pro ceititudine ani- 
pliori ad instantiam memorati niagistri Chunradi ad inanus houesti viri .lohannis 
notarii monetae Wiennensis et Chunradi dicti Dorst civis de Stain vel aliorum quos 
idem majiister Chunradus ad hoc duxerit deputandos liberaliter assignamus ita, 
quod iideni, licet saepedictum magistruni Cbunradum moii quod absit configeiit» 
vel vilam in melius commutare, priusquam plene fieret solutio memoiata. dietam 
monetain sine turbatione qualibet usque ad solutiouem plenariain percipere de- 
beant noraine dicti niagistri Chunradi libere et quiete. In cujus rei testimoniuin 
praesens scriptum exinde eonscribi et majestatis nostrae sigillo fecimus comrauniri. 
Datum Augustae XIX. Kalend.is .lanuarias MCC*'LXXXI1'* regni vero anuo X". 



272 

Gr. «V,6 Mm., wiegt 0-600, 0-620, 0-630, 0-710 Gramm; 
im k. k. Münz- und Aiitikencabiiiette. (Vgl. auch Archiv fiii- K. 
(isteiT. Gesch. Quellen XXIX, 292, Nr. 33, Fig. 42. j 

Da das Gepräge dieser Stücke weil roher als das der nach- 
gewiesen ottokarischen ist, wir zudem unter Rudolf auch eine 
ganz neue Gattung von Münzen auftauchen sehen, so gelangen 
M'ir zu der Wahrscheinlichkeit, dass die gewöhnlich als Babenberger 
bezeichneten Pfenninge, welche sich den unter Nr. 2 — 27 beschrie- 
benen Geprägen als gleichartige anreihen, soferne sie von zierlicherer 
Arbeit sind (und diese bilden die Mehrzahl), unter Otlokar, im klei- 
neren Reste mit roherem Stempelschnitte aber unter Kiuiig Rudolf I. 
geschlagen worden seien. Dass trotzdem die Zutheiluiigen in den 
einzelnen Fällen höchst verschieden sein können und werden, ist er- 
klärlich, weil das so eben gewonnene Merkmal selbst subjectiv schwan- 
kend ist, und man sich hier wirklich mehr auf einen glücklichen Taet 
als auf eine objective Regel verlassen muss. Desshalb habe ich auch 
weiter oben das so eben Ausgesprochene nur als meiner Überzeugung 
gemäss, keineswegs aber als streng bewiesen hingestellt. 



Die schon erwähnte zweite Gattung der von Rudolf I. ausge- 
gangenen Münzen, die nun auf eine Zeit lang die herrschende wird 
und zu den Geprägen des XIV. Jahrhunderts vermittelnd überleitet, 
ist von der bisher beschriebenen stark abweichend und vergleichs- 
weise viel seltener. Auch hier ist die Rückseite charakteristisch, sie 
zeigt fast immer einen einfachen Adler, umschlossen von zwei Kreis- 
linien, deren Zwischenraum von Sternchen und 0-artigen Zeichen 
(Ringelchen) erfüllt ist, sowie meistens den Vierschlag, der sonst vor- 
zugsweise auf der Hauptseite erscheint. Zuweden ündet man auch 
die Rücktläche von verschlungenen Perllinien und dazwischen ge- 
streuten Sternen allein ausgefüllt. Die Form der Stücke ist in der 
Regel viereckig, mit stark abgestumpften Ecken, so dass sich ein- 
zelne Pfenninge der Rundgestalt nähern. Die Grösse beträgt im 
Mittel 16—17 Millimeter, das Gewicht im Durchschnitte von 0-710 



273 

bis 0-760 Gramm i). Als hieher gehörige und sicher zu bestimmende 
Münzen sind anzuführen: 

28. Vorderseite: Innerhalb eines geperlten äusseren und eines 
glatten inneren Kreises das gekrönte Brustbild des Königs im 
Vollgesicht. Umschrift RVB-OLF. 

Rückseite: Innerhalb zweier feiner Kreise ein einfacher Adler 

(schwach sichtbar). Taf. II. Nr. 28. 

Gr. ts/,^ Mm., wiegt 0-Ö50, 0-680 Gramm. (Vgl. Primisser 

Taf. II, Nr. 11, Appel II, 2, p. 941 Nr. 32.) 

Münzen dieser Art kamen in dem an 400 Stücke mit 2o Typen 
zählenden Münzfunde von Völgyifalu (Zaiaer Comitat) zusammen mit 
unzweifelhaft ottokarischen Pfenningen steirischen Gepräges mehr- 
fach vor. 

29. Vorderseite: Innerhalb einer doppelten Kreiseinfassung der 
Buchstabe R, über demseihen zwischen zwei Rosetten und zwei 
Punkten ein gekrönter Kopf. 

Rückseite: Der Adler innerhalb zweier mit Ringelchen er- 
füllten Perlenkreise. Taf II, Nr. 29. 
Gr. i5/,g Mm., wiegt 0-600 Gramm. 

30. Vorderseite: Innerhalh einer Kreiseinfassung der Buchstabe 
R zwischen zwei Zinnenthürmen, oberhalb desselben ein von 
zwei Rosetten beseitetes Brustbild. 

Rückseite: Spuren einer Darstellung wie bei Nr '>8 Taf II 
Nr. 30. 

31. Vorderseite: Innerhalb der zweifachen Kreiseinfassung ein 
gekrönter Doppelkopf. 

Rückseite: Wie Nr. 28, der Adler umgeben von einem durch 
zwei feine Kreislinien gebildeten Gürtel, welcher Ringelchen 
enthält. Taf. II, Nr. 31. 

Gr. i6/,6 Mm., wiegt 0-7o0 Gramm (2 Stücke). 

32. Vorderseite: Doppelte Kreiseinfassung, in derselben der 
aufgerichtete leopardirte Löwe Böhmens von der linken Seite. 
Vor demselben zwei, hinter ihm drei Kügelchen über einander' 
Rückseite: Wie Nr. 3 1 . Taf. II, Nr. 32. 



1) Von 36 Stücken, die ich in 3 Abtheilungen zn 12 Stück wog, waren die Gewichte 
8-300, 8-900, 9-130 Gramm, also durchschnittlich der Pfenning zu 0-710 0-740, 
0-760 Gramm. 

Archiv. XLI. 2. 



18 



274 

Gr. iV,7 Mm. wiegt 0-700 und 0-820 Gramm bei sclieinhar 
gleich guter Erhaltung i). 
Ferners : 

33. Vorderseite: Doppelte Kreiseinfassung, in derselben ein 
schreitender Adler (?) von der linken Seite, hinter demsel- 
ben ein Mann mit erhobenen Händen. 

Rückseite: Wie Nr. 31 , nur ist hier der Kreis aus Punkten 
gebildet. Tat". U, Nr. 33. 

Gr. 16/17 Mm., wiegt 0680, 0-720 Gramm. Hält nach der 
Feuerprobe 0-864 oder 13 Loth 15 Grän fein. 

34. Ein Hälbling mit gleicher Vorstellung wie der Pfenning Nr. 33. 
Taf. H, Nr. 34. 

Gr. 13/13 Mm., w^iegt 0-250 Gramm. 

35. Vorderseite: In doppelter Kreiseinfassung einschreitender 
Hahn von der linken Seite, hinter welchem ein Thurm empor- 
ragt. 

Rückseite: Sieben sternförmig vereinigte Rosetten in einem 

Strichelkreise, Melchen aussen eine einfache Kreislinie und ein 

Kranz von Rosetten umgeben. Taf. II, Nr. 35. 
Gr. 16/16 Mm., wiegt 0-750 Gramm. 

Obwohl in der Darstellung der Rückseite von den hier ver- 
öffentlichten abweichend, reiht doch die Prägeweise dies Stück un- 
mittelbar an die Nr. 28 — 34 aufgezählten an. 



1) Nr. 32'. Der Pötschacher Fund (vgl. Dr. Kenners „Chronik der archäologischen 
Funde IX. Fortsetzunn: im 38. Bande des Archivs für Kunde österr. Geschichts- 
quellen Seite 207, Nr. 15) enthielt Stücke mit völlig gleicher Vorderseite, auf deren 
Rückfläche das gekrönte Brustbild des Königs"mit zwei geschulterten Sceptern vor- 
zukommen scheint. 





Grösse ^'/iT Mm., wiegt 0-820 Gm. Hauptmann Kuppelwieser in Esseg; auch in 
meiner Sammlung. — Obgleich die 0- und +artigen Zeichen keine Buchstaben 
sind, es daher unstatthaft ist, aus ihnen den Namen Ottokar herauszulesen, da sie 
nur gemengt mit Rosetten eine Verzierung bilden, so macht doch die Art der rück- 
seitigen Darstellung wahrscheinlich, dass wir es hier mit einem ottokarischen Ge- 
präge zu thun haben. Somit erfährt meine über Nr. 32 entwickelte Ansicht einige 
Beschränkung. Schade, dass in diesem Funde keinerlei redende Münzen vorkamen. 



275 

Wenden wir nun die durch unsere bisherige Forschung gerecht- 
fertigte Methode bei Bestimmung dieser Gattung von Münzen an, 
(denn unschwer Hessen sich, würde es nicht die Grenze meiner heu- 
tigen Aufgabe überschreiten, noch Beschreibungen einer ganzenMenge 
hieher gehöriger Pfenninge hinzufügen,) so erklären sich die Nr. 28, 
29 ganz leicht, sie sind offenbar von König Rudolf, also seit dem 
Jahre 1276 geprägt. Schwieriger stellt es sich mitNr.32; das Wap- 
penbild weist nach Böhmen, und so nahe es zu liegen scheint, ich nehme 
trotzdem Anstand diesen Pfenning Ottokar ohne weiters zuzuweisen. 
Rudolf hat bekanntlich seinen Feldzug gegen Letzteren mit keinem 
Überflüsse an geprägter Münze angetreten '), es musste daher seine 
Sorge sein, alsbald nach der Besitzergreifung Geld schlagen zu 
lassen. Die unter Nr. 26, 27 beschriebenen Pfenninge weisen, was 
auch sonst wahrscheiidieh war, unwiderlegbar nach, dass dies in 
engem Anschlüsse an das unter Ottokar übliche Gepräge (z. B, Nr. 7, 
15, i7, 23) geschah. Nimmt man dagegen den Pfenning Nr. 32 als 
ottokariscli an. so geräth man in V^erlegenlieit, zwar nicht wie man 
Nr. 28 und 29, wohl über wie man die Prägeweise von Nr. 26 und 
27 damit in Einklang bringen soll. Denn gehörte Nr. 32 damals, als 
Rudolf die Regierung der dem Reiche zurück gewonnenen Lande 
übernahm . bereits zu den von Ottokar her umläufigen Geprägen, 
so ist nicht einzusehen, warum er auf einen offenbar schon ver- 
lassenen Typus wieder zurückgriff, da es kaum glaublich ist, dass 
Münzstätten desselben Landes gleichzeitig so verschiedene Präge- 
weisen beobachtet hätten. Alle diese Schwierigkeiten schwinden, 
wenn man , wie ich später begründen werde, diese Münze ebenfalls 
der Zeit nach dem Jahre 1276 zuschreibt. So wie Rudolf in allen 
Gebieten der Verwaltung Österreichs wirksam eingriff, so mochten 
sich auch beim Münzwesen Gründe herausgebildet haben , welche 
eine Änderung der bisher üblichen Münzgattung wünschenswerth er- 
scheinen Hessen. Die Urkunde vom Jahre 1277, welche den Münzer- 



•) In den von Böhmer (Fontes II.) herausgegebenen Annales Colmarienses findet sich 
zum Jahre 1276 folgende Anekdote verzeichnet. Als Rudolf mit seinem Heere bis 
Mainz gekommen war, fragte ihn der Herr von Clingin : Domine quis est custo 
vestri thesauri? Respondit rex: Non habeo thesaurum nee pecuniam quam quinque 
solidos debilis monetae. Tum dixit ei dominus de Clingin : Quomodo ergo vulti 
vestro exercitui providere? Tunc respondit ei rex: Sicut mihi dominus semper 
providit, sie et in hoc itinere mihi deus poterit providere (a. a. 0. p. ö3). 

i8* 



276 

Hausgenossen zu Wien ihre liery;el»rachten Rechte und Freiheiten 
bestätigte, kann so ziemlich den Beginn der neuen Münzsorte be- 
zeichnen, die wir, da sie einen ofTenbaren Übergang zu den Ge- 
prägen des XIV. Jahrhunderts, den Münzen von Herzog Friedrich 
dem Schönen (1308 — 1330) ab, bildet, keineswegs auf Rudolfs 
Regierungszeit zu beschränken haben. Abgesehen davon, dass er 
sich nie als eigentlichen Landesherrn von Österreich , sondern nur 
als den Mandatar seiner Söhne Albrecht und Rudolf betrachtete, sind 
uns von diesen, obwohl sie seit dem Jahre 1282 mit dem Herzog- 
thume belehnt waren und erwiesenermassen prägen Hessen — Her- 
zog Albrecht bestätigte z. B. der Wiener Hausgenossenschaft das 
ihr von seinem Vater gefestete Privilegium, ausserdem werden uns 
mehrere Münzmeister von Wien und Wiener-Neustadt für diese Zeit 
benannt i) — noch keinerlei, also auch nicht redende, Münzen be- 
kannt. Es berechtigt somit nicbts zu der Annahme, dass die erst 
kurz zuvor aufgekommene Prägeweise neuerdings umgestaltet wor- 
den sei. Wir haben daher den Pfenningen Nr. 28 — 35 den Zeitraum 
von ungefähr 1277 bis wenigstens 1308 anzuweisen und innerhalb 
desselben nach Kennzeichen zu suchen, welche etwa eine genauere 
Bestimmung gestatten. Aus den vorausgeschickten Gründen würde 
ich den Pfenning Nr. 30 , da dies Stück aller königlichen Abzeichen 
bar ist, nicht dem Könige, sondern einem Herzoge Rudolf zu- 
schreiben, deren es für die in Rede stehende Periode zwei gibt, 
Rudolf 11. und HI. Da sich aber der erstere meistens ausserhalb des 
Landes aufhielt und von den Ständen nur bedingungsweise auf vier 
Jahre anerkannt worden war, ja sein Vater selbst mit dem Gedanken 
umging, ihm statt Österreich ein anderes Fürstenthum zu verschaffen, 
so bleibt für Rudolf III. die grössere Wahrscheinlichkeit. Dieser 
hatte schon 1298 Österreich von seinem Vater Albrecht, Avenn gleich 
zusammen mit seinen Brüdern, so doch unter der ausdrücklichen 
Bestimmung zu Lehen empfangen, dass er Landesherr und sie ihm 
unterthänig sein sollten 2). Späterhin, nach der Ermordung des letz- 
ten Pfemisliden Wenzeslaus III., wurde er zum König von Böhmen ge- 
wählt. Dieser Umstand bestimmt vielleicht nicht nur den zweifelhaften 



*) Vgl. Piimisser a. a. 0., ferner Böheira, Chronik von Wiener-Neustadt I, p. 74 

166. 
") Vgl. Böhmer, Kaiserregesten p. 497. 



277 

Pfenning mit dem böhmischen Löwen Nr. 32, dessen ich schon frü- 
her gedachte, sondern auch Nr. 31, da sich der gekrönte Doppel- 
kopf ganz ungezwungen auf ihn als König von Böhmen und seinen 
königlichen Vater ausdeuten lässt. Beide Stücke müssten daher in 
die Zeit vom 22. August 1306 bis zu seinem am 4. Juli 1307 erfol- 
genden Tode verlegt werden. 

Über die Bedeutung des Adlers, der gewöhnlich die Rückseiten 
dieser Stücke bezeichnet, behalte ich mir vor am Schlüsse ein Meh- 
reres zu sagen. 

IV. 

Die nunmehr folgende Periode des österreichischen Münz wesens, 
mit welcher ich für heute abschliessen muss , umfasst die Regierun- 
gen Herzog Friedrich des Schönen, seiner Brüder und wenigstens 
auch Rudolf IV. , in runden Zahlen etwa die Jahre 1310 — 1365. 
Will m;in den Umstand, dass der erstgenannte Regent den Münzern 
von Wien im Jahre 1316 die hergebrachten Rechte und Freiheiten 
bestätigte*), mit der Abänderung des früheren Münztypus in Ver- 
bindung bringen, dann mag man dies Jahr als den Anfangspunkt 
für die nun zu beschreibende Münzgaltung annehmen, jedenfalls 
charakterisirt sich dieser Zeitraum durch zweierlei: einmal durch 
ein überhandnehmendes Eindringen fremder Münze und dann durch 
den allmäligen Übergang zur Goldwährung. Zwar wurde letztere 
keineswegs so wie am Rheine während des XV. Jahrhunderts herr- 
schend, nichts destoweniger gibt es schon vom Herzog Albrecht II. 
(f 1358) Goldgulden mit genauem Anschlüsse an die Florentiner 
Vorbilder , die durch den Bindenschild als österreichische erkennt- 
lich sind und die Aufschrift DVX ALB-ERTVS zeigen a). Beiläufig 
sei bemerkt, dass man um diese Zeit den Goldgulden auf ungefähr 
1/4 Mark Feinsilbers rechnete 3). 



1) Karajan a. a. 0. p. 12o, Nr. LXU. 

') Primisser a. a. 0. p. 233. In der Steiermark dagegen waren die Goldgulden um 
1340 schon landesübliche Münze. So verkauft z. B. 1342 Walther der Top- 
penauwaer dem Propste von Seckau eine Mühle um „z wain tzich gulde in ge- 
meiner lan twerung". Urkd. d. Joann. Arch. Nr. 2213. Derselbe Ausdruck 
kehrt in einem Kaufbriefe von 1343 wieder (Nr. 2267). 

3) Die Einkünfte der 1326 durch den Papst dem Kloster St. Lambrecht einverleibten 
Pfarre Weissenchirichen in Obersteierraark werden veranschlagt: cuius redditus 



278 

Die Sill)erniünze dieses Zeitraums bietet uns glücklicherweise 
redende Prägen zweier Regenten, weiclie so ziemlich die Endpunkte, 
bis zu welchen die jetzt zur Beschreibung folgende Münzgattung 
reicht, bezeichnen. Der Vierschlag und die einem Vierecke mit abge- 
stumpften Ecken sich nähernde Form des Schrötlings sind geblie- 
ben, während der Durchmesser bei verringerter Dicke und Schwere 
(das Gewicht übersteigt in der Regel bei mittelmässiger Erhaltung 
nicht O'öSO, bei vortrefTlicher nicht ü-700 Gramm.) um 1-2 Milli- 
meter zugenommen hat. Mit dem Leichterwerden des Schrots hängt 
die Verschlechterung des inneren Werthes der Münze zusammen. 
Während man noch 1298 1-6 Pfund oder 400 Pfenninge der Mark 
feinen Silbers gleichsetzte i) , verschlimmerte sich das Verhältniss 
unter König Friedrich dem Schönen so weit, dass man schon 1317 
2 Pfund oder 480 Pfenninge auf die gleiche Silbermenge rechnete. 
Schon im Jahre 1327 bestand dasselbe Verhältniss nicht mehr, und 
1340 hatte eine neuerliche Entwerthung Statt gehabt, da, wie Blum- 
berger (a. a. 0. p. 123) ausführt, in damaligen Rechnungen 540 
oder 3 Pfund Pfenninge auf die feine 3Iark veranschlagt wurden. 
Trotzdem hatte man während der ersten Hälfte des XIV. Jahrliunderts 
eine vergleichsweise gute Münze, desto gründlicher wurde der Ver- 
fall in der Folgezeit 2). 

Wegen des dünneren Bleches und des auf der Vorderseite ])e- 
findlichen erhabeneren Gepräges, das sie den Hohlmünzen ziem- 



et proventus triginia duarum marcaruin argenti vel ceiitum Iriginta duoruin flore- 
norum auri valorem anmium ut asserit non exccdunt. (Urkunde 1968 des Joann. 
Aieli.) 

*) Herzog AIhreclit von Österreicli verpliiiidet die Hurg zii St. I'eter iu der Awe u. 
s. w. an Bischof Enicho von Freising „. . . des wirt zesauinien vherai au Pfennin- 
gen sechshundert pfunt vnd zehen pfunt Wienner pfenning . . . dieselben pfenning 
wurden angeslagen an dreihundert march vnd sechs vnd sehtzich march silhers . '" 
(Meichelbeck H, 2, p. 132, Nr. 206), also 610 Pfund Pfenninge = 366 Mark Sil- 
ber oder 1 Mark == 6IO/366 = 1*6 . . . Pfund = 400 dl. 

^) In einem bisher ungedruckten alten Urbar und Rechnungsbuch des Bisthums Frei- 
sing aus dem XIV. Jahrhundert findet sich fol. 41 die Angabe zum Jahre 1317: 
„. . . item mutuauit ... XII Pfd. veterum Wiennensium pro vj marcis argenti puri 
quos soluet super purificationem beate virginis . ." also 1 marca pura = 2 Pfd. dl. 
1327 schreibt König Friedrich an den Richter und die Hällinger in Aussee betreffs 
der Ausgleichung einiger Forderungen des Klosters Rein „. . . vmb fumtzich march 
Pfenning dafür wir ew abschlachen fünf vnd zwaintzik marck lotigs Silbers . . ." 
(Urk. Nr. 19»6' des Joann. Archivs), also 50 Pfd. dl. == 23 Mark lotigen Silbers, 



279 

lieh nahe Imngt, werden solclie Pfenninge nicht selten ..österrei- 
chische Brakteaten« genannt. Die Bezeichnung ist irrig, denn es 
lassen sich auf sehr vielen Exemplaren Spuren eines rückseitigen 
Gepräges, wenn auch nur hei sorgfältiger Nachforschung, auffinden, 
so dass die Annahme nicht ungerechtfertigt erscheint, dass für alle 
diese Stücke ebenfalls die Ausprägung mit zwei Stempeln Regel und 
Absicht war. Überdies ist im Verhältniss zum Durchmesser die Me- 
talldicke immerhin noch zu stark und das Gepräge zu flach, um obige 
Benennung zu rechtfertigen. 

Die Darstellungen der. Vorderseite sind wieder sehr mannig- 
faltig, schliessen sich zuweilen auffallend genau an Muster aus einer 
früheren Zeit an und erscheinen gewöhnlich in einem breiten , hoch 
aufgetriebenen Ringe, den aussen ein mehr minder erkennbarer Per- 
lenkreis umgibt. 

Bestimmte Münzen dieser Galtung sind: 
3(i. Vorderseite: Das mit dem Herzogshute bedeckte Brustbild 

von vorne gesehen, zwischen den Buchstaben F — R. 

Rückseite: — Taf. II, i\r. 36. 

Gr. 18/,^ Mm., wiegt 0440 (ein zweites stark mil Metallrost 

bedecktes Stück OTTO) Gramm. 

Diese Münze ist Herzog Friedrich dem Schönen von Osterreich 
(1308-1330) zuzutheilen. Da derselbe bekanntlich in der Folge 
zum römischen Könige gewählt wurde, so Hessen sich die Buchsta- 
ben auf F(ridericus) R(ex) ausdeuten, allein in Analogie mit den 
folgenden Stücken Rudolf IV. empfiehlt sich die Leseart FRfide- 
ricus). 

Vorderseite: Kopf des Herzogs von der rechten Seite mit 
kronenartigem, geschlossenem und in ein Kreuz endigendem 
llerzogshute, von welchem ein langes Band nach rückwärts 
herabwallt. Zu beiden Seiten die Buchstaben R - V(dolphus). 
Rückseite: ^^ Taf. II. Nr. 37. 



37. 



oder I gesetzlich legi,- te Mark = lO^O, =oö pf^,. ,||. = 480 Pfenningen. 
Die lotige Mark aber war schon i313— 1314 nur mehr IO2/3 IÖU.ig, denn in dem 
oben angeführten Urbar finden wir fol. 30 „. . Item ponderis Wiennensis XII mar- 
cas pro viii marcis argenti puri" und fol. 30' „. . item in ascensu usque Frisingam 
assignati sunt Laurencio pro offertorio (?) ad viara vj marcae ponderis Wiennensis 
facientes in puro argento iiij marcas« - also 6 lölhige Marken = 4 feinen oder 
1 lüthige Mark = 2/3 Mark fein = 10% Loth. 



280 

Gr. »Vi 7 ^^' ' wiegt im Durchschnitte 0-560 Gramm. (30 
Stücke zusammen = 17 Gramm., einzeln 0*470, 0526 — zwei 
Stücke — 0730 Gramm). Hält nach der Feuerprobe 0-650 oder 
10 Loth 7 Grän fein. 

38. Vorderseite: Gekrönter Stechhelm von der linken Seite mit 
dem österreichischen Pfauenwedel und Helmdecken. An der 
Seite die (zuweilen von Punkten und Ringelchen begleiteten) 
Buchstaben R — V. 

Rückseite: ^^ Taf. II, Nr. 38. 

Gr. 1^17 Mm., wiegt im Durchschnitte 0-620 Gramm (9 Stück 

= 5-52 Gramm, einzeln 0-400, 0630 — 0-820 Gramm). Hält 

nach der Feuerprobe 0-672 oder 10 Loth 13 Grän fein. 

Da beide Stücke in engem Anschlüsse an den Pfenning Fried- 
richs des Schönen gefertigt sind, so sind sie gemäss der von mir 
zuvor gemachten Ausführungen um so sicherer Rudolf IV. (f 1365) 
und keineswegs einem der früheren Regenten dieses Namens zuzu- 
schreiben (vgl. Nr. 30 — 32), als die Zeichnung des Helms und 
Kleinods auf Nr. 38 mit den Siegeln Rudolfs IV. völlig übereinstimmt. 

Diesen bestimmten Münzen reihe ich einige andere gleicher 
Prägungsart an, welche näherer Kennzeichen entbehren i): 

39. Vorderseite: Brustbild des Herzogs von vorne mit geschul- 
tertem Schwerte, in der emporgehobenen Linken den Reichs- 
apfel. Neben dem Schwerte zwei Ringelchen. 
Rückseite: In einem aussen von Rosetten umgebenen Per- 
lenkreise der aus Perlenlinien gebildete Bindenschild. Taf. II, 
Nr. 39. 

Gr. iy,9 Mm., wiegt 0-680 Gramm. (3 Stücke zusammen = 
2 Gr. oder durchschnittlich 0-666 Gramm). 

40. Vorderseite: Gekrönter Kopf von vorne zwischen zwei nach 
abwärts gekehrten Fischen. 

Rückseite: Spuren eines feinen Gepräges. Taf. II, Nr. 40. 
Gr. 18/18 Mm., wiegt 0-550, 0-740 Gramm. 



*) Der schon weiter oben erwähnte Völgyifaluer Fund, von dem ich erst nach Vollen- 
dung dieser Arbeit Kenntniss erhielt, hat in mir Zweifel gegen die Zutheilung der 
nun folgenden Münzen Nr. 39 — 44 erregt. Dieselben könnten vielleicht auch. 
Steiermark und der 2. Hälfte des XIII. Jahrhunderts angehören. Ein Näheres wird 
sich erst, wenn einmal ein kritischer Bericht über diesen Fund vorliegen wird^ 
sagen lassen. 



281 

41. Vorderseite: Zwischen zwei aufwärts gestellten Fischen eine 
Lilie; neben derselben unten zwei Ringelchen. 
Rückseite: -^ Taf. II, Nr. 41. 

Gr. 'Vis Mm., wiegt 0-Ö60 Gramm. 

42. Vorderseite: Brustbild eines aufgerichteten Löwen von der 
linken Seite, unter der linken Vorderpratze den schief gestellten 
Bindenschild. 

Rückseite: Spuren eines feinen Gegräges. Taf II, Nr. 42. 
Gr. i8/,8 ^Im.» wiegt 0-350, O-ÖOO, 0670 Gramm. 

43. Vorderseite: Zwischen zwei Ringelchen ein Hirschkopf von 
vorne, der mit dem Geweihe den Bindenschild umschliesst. 
Rückseite: Spuren eines feinen Gepräges. Taf. II, Nr. 43. 
'9/is Mm., wiegt 0-730 Gramm. Hält nach der Feuerprobe 
0-8Ö4 oder 13 Loth 12 Grän fein. 

44. Ähnliche Vorstellung, aber von roherer Zeichnung ohne Ringel- 
chen und Spuren eines rückseitigen Gepräges. Taf. II, Nr. 44. 

Gr. 'V,7 Mm., wiegt 0-360, 0-4 10, 0-o40 Gmm., 2 Exemplare, 

(II Stücke zusammen = 5-17 Gramm oder im Durchschnitte 

0-470 Gramm). 

Die nähere Zutheilung der unter Nr. 39 — 44 beschriebenen 
Münzen ist für jetzt nicht möglich, da uns noch zu wenig sichere 
Anhaltspunkte dafür geboten sind. Vielleicht rechtfertigt es die Fol- 
gezeit, dass man die kleineren roher gezeichneten und leichteren 
Stücke Rudolf IV^. zuweise. 

Mit diesem Regenten muss ich vorderhand den Kreis meiner 
Untersuchungen über das österreichische Münzwesen abschliessen. 
Es unterliegt zwar keinem Zweifel, dass auch von dessen Nach- 
folgern bis zum Beginne des XV. Jahrhunderts, von wo ab wieder 
sichere Münzen bekannt sind, fleissig gemünzt wurde, denn es sind uns 
eine ziemliche Menge von Urkunden erhalten, die sich auf das 
Münzwesen dieser Zeit beziehen, allein es fehlen bisher Münzfunde, 
die das nöthige Materiale an Pfenningen gebracht hätten. So wich- 
tig Münzfunde bei der Untersuchung schriftloser Münzen überhaupt 
sind, für das österreichische Münzwesen sind sie es doppelt, weil man 
hier oft eine merkliche Anzahl von Stücken derselben Gattung, selbst 
derselben Art bedarf, um für die feineren Merkmale des Gepräges 
emplindlich zu werden, zuweilen gar um nur über das Wesen einer 
einzelnen Darstellung ins Reine zu kommen. Indess ergibt die ge- 



282 

nauere Betraclitmig der von mir liier hesproeheneii Münzen, so ge- 
ring deren Zahl vergleichsweise ist, noch einige ungelöste Fragen, 
so z. B. iiher die Bedeutung der Bilder auf den Vorder- und 
Rückseiten u. s. w. Ich will dieselhen kurz durchgehen und 
glauhe durch einige Unterscheidung dem Ziele — der Klarheit — 
bedeutend näher zu rücken. 

Sehen wir vorerst die Vorderseiten an, so linden wir auf den- 
selben die mannigfaltigsten Gestalten der belebten und todten, der 
wirklichen und der Phantasiewelt. Als Wappenfiguren werden wir 
nur wenige aulVassen köimen, den Bindenschild, einige Male den 
böhmischen Löwen, endlich auf den von Kaiser Friedrich 11. ausge- 
gangenen Münzen den Adler. Vielleicht, aber nur sehr unwahrschein- 
lich haben die Fische auf Nr. 40. 41 Bezug auf die von Herzog 
Albrecht II. erworbene Grafschaft Plirt. Ich sagte unwahrscheinlich, 
weil Fische, z. B. zwei Stück nach aussen gekehrt einen Thurm be- 
seitend 1) u. s. w. schon auf österreichischen Pfenningen vorkommen, 
die nach den von mir oben entwickelten Eintheilungsgründen dem 
XIII. .I;ihrhundert angeboren. Menschliche Figuren und Theile der- 
selben haben zuweilen einen Bezug auf die Fürsten, welche die Mün- 
zen prägen Hessen (so z. B. Nr. 6, 7, 11, 13—17, 27—31 u. s. w.): 
in den weitaus meisten Fällen bin ich jedoch geneigt, den Vorstel- 
lungen der Vorderseiten gar keine oder doch nur eine solche Bedeu- 
tung beizulegen, die zu localer oder zeitlicher Natur war, als dass 
wir sie noch ergründen könnten. Ich stehe durchaus nicht allein mit 
dieser meiner Veimuthung. Posern-Klett in seinem Werke über 
Sachsens Münzstätten im Mittelalter spricht es ebenfalls aus, „wie 
„unzureichend Wappen und andere besondere Vorstellungen seien, 
„um daraus allein auf einen bestimmten Prägeort schliessen zu 
„wollen, da in der Wahl der Gepräge sicherlich grosse Freiheit ge- 
„herrscht habe" (Seite 216), und beschreibt dann einen Brakteaten 
der thüringischen Stadt Weissensee aus der ersten Hälfte des XIV. 
Jahrhunderts, dessen Abbildung auf Taf. XX, Nr. Sl eine Darstellung 
zeigt, welche völlig mit dem von mir unter Nr. 41 gebrachten 



') Berstiitt in seiner Miinzgesehiciite des Elsasses 43, Taf. VI, Nr. 114 will eben dieses 
Stück der beiden Fische wegen entweder nach Pfirt — etwa dem Grafea 
Ulrich II. (-j- 1324) — oder nach Mömpelgard weisen, allein es ist zweifellos 
österreichisch. 



283 

Pfenninge übereinslininit. Wer aus diesem Einerlei auf einen gemein- 
samen Urspi-ung beider Stücke sciiiiessen wollte, der wird durch die 
Verschiedenheit der Prägeweise (Fabrik) widerlegt, und wir haben 
hier einen recht augenfälligen Beleg für die Richtigkeit der oben auf- 
gestellten Behauptung. Einen Erklärungsgrund für die grosse Mannig- 
faltigkeit der vorderseitigen Darstellungen lernten wir aus der ange- 
führten Notiz des Rationarium Austriae kennen, welche besagt, 
dass in Österreich die Münze alljährlich um St. Johann des Täufers 
Tag (24. Juni) in sämmtlichen Münzstätten zu Wien, Wiener-Neustad t 
und Enns vernei;t, d. h. gewechselt zu werden pflegte. Dies war eine 
sehr bekannte und verbreitete Finanzspeculation des Mittelalters, 
man zog die Münze vom vorhergehenden Jahrgange ein und gab neue 
dafür aus. Dabei mussten die „alten" Pfenninge gegen die „neuen'- 
umgetauscht werden, und der Gewinn lag im Wecbsel, welcher gegen 
ein Aufgeld erfolgte, das in der Regel eine kurze Frist hindurch nur 
i — 2Vo betrug, siiäterhin aber sehr bedeutend, mitunter bis auf 
2o % sich erhitbte <). Zugleich drohten strenge Straten demje- 
nigen, der die Verneuung seines Geldes unterliess. Die Natur dieser 
Massregel brachte es mit sich, dass man für untersclu-iilende Merk- 



1) V}jl. ScIiüiKMii.inii, Zur v;(teiiÄiidis.clieii Miiii/kiiiiile. Wolfeiihiittel 18.j2. p. "".• iiiiil 
Itmle, >liiiizwesen Nii-deisaclist ns §. 10. Sailer in seiner sehr verdieiistlicliin Al<- 
lianduii^ über niederösti'ireichisclie iMüiizwertlie des Mittelalters entwiikelt S. 117 
f;,'de. eine jranz falsciie Theorie von der FLrneuerung der Münze. Er meint, die 
iirs|)riinglich unvollkommene Prägetechnik dürfte dazu liei^etragen haben, dass 
man die rasch abgenützlen Pfenninge jährlich durch neue ersetzen musste. All- 
miilig sei line Ver.schlechterunj; der Münze eingetreten und die (ieldheiiürftigkeil 
der IJi'genten , zumal des neuen Herrschergeschlechtes, habe dahin geführt, dass 
der Ausdruck „monetam renovare" speciell für Österreich den NebenbegrilT 
iler Münzverringerung erhielt. Tiiatsache sei es, dass der österreichische Pfenning 
vom Jahre 1258 — 1.300 fast zwei Neukreuzer am Werthe verloren habe. Sailer's 
Irrthum hesteht darin , dass er das ni o n e t a m renovare als eine Art Recht 
des Herzogs, durih Verseblechterung der Münze sich zu bereichern, betrachtet, 
und dabei übersieht, dass die Haupteinuahme des Regals aus den Wechselbänken 
floss. wiewohl er S. 119 selbst eine darauf bezügliche sehr interessante Stelle 
beibringt. Eine Notiz der kleinen Klosterneuburger Chronik aus dem XIV. .Jahr- 
liiindert besagt nämlich: „und ehe wan der danz fein Volksfest zu Klosterneuburg) 
ein endt het, so khumben die Wechsler mit neuen pfenning und wurffen die autf. 
so was die gemain da und zukht sie auff, und schaueten des raarkh; wer fürbasser 
mit ander niüncz ambgin^. es wer wenig oder vill, der was dem herzog verfallen 
leihs und guets". (S. 31.) 



284 

male der im betreffenden Jahre neu ausgegebenen Münzen von den 
bisherigen zu sorgen hatte. Wo nun eine Wappenfigur bei einer 
Münzgattung ständig blieb, da geschah solches durch Beizeichen — 
und wir haben dafür an den ßrakteaten der Stadt Braunschweig das 
schönste Beispiel i) — , wo dies nicht der Fall war, da musste man 
die ganze Vorstellung ändern. So z. B. in Ungarn, vornehmlich aber 
in Österreich. Mochte das eine Jahr die Ptenningssorte mit dem 
Kopfe des Landesherrn cursirt haben, so folgte im andern die Vorstel- 
lung einer Blume, dann die eines Drachen u. s.w. Erwägt man ferners, 
dass wahrscheinlich jede Münzstätte alljährlich von den übrigen ver- 
schiedene Münzen vielleicht selbst mit mehreren Stempeln schlug , so 
wird sowohl begreiflich, dass, wie schon angeführt, eine so grosse An- 
zahl von Geprägen in einem verhältnissmässig kurzen Zeiträume ange- 
fertigt wurde, als auch, dass es in den meisten Fällen vergeblich sei dem 
Dargestellten eine plausible Deutung geben zu wollen. Man gewinnt 
volle Überzeugung davon, sobald man sich Nachforschungen darüber 
ergibt, woher wohl die Muster für die einzelnen Prägen genommen 
sein könnten. Ich habe zwar meine Untersuchungen dieser höchst 
interessanten Frage noch nicht abgeschlossen, aber indem ich mir 
die Beibringung von Beweisen und eine weitere Ausführung für 
ein ander Mal vorbehalte, wage ich schon heute es zu behaupten, 
dass die Typen unserer Münzen nicht selten bloss ein Ausfluss jener 
das mittelalterliche Kunstleben beherrschenden Phantasie sind, welche 
uns deren genaue Vor- und Abbilder in den Steinen und Gemälden, 
Geräthen und Gewändern der Kirchen und Klöster hinterlassen hat. 
Über die Darstellung im einzelnen Falle entschied das Bedürfniss, 
etwas vom vorhergehenden Jahrgange Verschiedenes zu bringen, 
die Laune und der Witz des Stempelschneiders , es ist daher grosse 
Vorsicht nöthig, wenn man bei einer oder der anderen Münze mehr 
dahinter suchen will'^). 



1) Schönemann a. a. 0. Taf. VII, IX und X, iNr. 13—24 und Nr. 1 — 70. 

2) In Grote's Münzgeschichte ßaierns, die seither im VIII. Bande seiner Münzstudien 
erschienen ist, finde ich den gleichen Gedanken ausgesprochen (p. 40), „die Wahl 
der Typen auf den hischöflichen Münzen (Deutschlands während des X. u. XI. Jahr- 
hunderts), mögen diese den Namen des Königs, des Bischofs oder des Stiftshei- 
ligen enthalten, ist eine rein zufällige und willkürliehe , die von dem Gutdünken, 
dem Geschmacke und der Einsicht der Fabriksarbeiter abhing, welche bei dieser 



285 

Ganz anders verhält es sich mit den Bildern der Rückseite, 
iwar sind dieselhen, wie schon bemerkt, nur selten erkennbar, aber 
emungeachtet weit mehr mit einander übereinstimmend , als die 
'Orderseiten. Ich mache hier auf die Nr. 14 — 16, 13 und 22. 
8 — 33 aufmerksam, und füge bei, dass sich die Rückseite von 
fr. 23 noch auf mehreren mir bekannten Pfenningen dieser Gattung 
ndet. Es waren daher offenbar für die Feststellung der rückseitigen 
lepräge andere Gesichtspunkte massgebend als die unmittelbar 
orher entwickelten, welche gerade Mannigfaltigkeit in der Haupt- 
arstelhing bedingten, und ich verweise auf das gleich anfangs 
her die „verneuung" der Münze mit einem einfoltigen eysen Ge- 
agte. Dadurch wird uns nahe gelegt in den Geprägen der Rück- 
eite mehr minder ausgesprochene Beziehungen auf die Münzstätte 
:u suchen, von der die Pfenninge ausgegangen sind. Zumal mit dem 
4dler, der sich so oft wiederliolt, dürfte es eine solche Bcm andtniss 
laben. Bekanntlich war derselbe bis ungefähr 1231 das Wappenbild 
ler österreichischen Herzoge, da ihn erst Friedrich der Streitbare 
nit dem Binden- (richtiger wohl Balken-) Sehilde vertauschte. Der 
luf der Münze Kaiser Friedrichs 11. (Nr. 1) erscheinende Adler mit 
]em Bindeiischilde mag, da er auf der Hauptseite und gekrönt vor- 
cömmt, immerhin als der Reichsadler aufgefasst werden, aber für 
len auf den ottokarischen Münzen muss eine andere Deutung gefun- 
len werden. Wie wäre es, wenn man in ihm das Zeichen der Präge- 
;tätte Wien erblicken wollte. Nach den gründlichen Untersuchungen, 
tvelche in neuester Zeit über das Wappen von Wien gepflogen wür- 
fen •), zeigen die Siegel dieser Stadt bis zum Beginne des XIV. .lalir- 
lunderts einen einfachen reclitssehenden Adler, also eine Darstellung, 
kvelche mit den Rückseiten der fraglichen Pfenninge völlig überein- 
stimmt. Erst von da ab erscheint das Kreuz theils als selbständige 
^Vappenfigur, theils in Verbindung mit dem Adler in dem Stadtwap- 
3en, ohne dass letzterer, einköpfig und jeder weiteren Beigabe bar, 
[larum aus den städtischen Siegeln ganz verschwunden wäre. Viel- 
Tielir scheint er so bis in die Zeiten Friedrichs V. (des nachmaligen 



Wahl nie etwas anderes meinten, als was damals Jedermann unhewusster Weise 
meinte — nämlich: dass es darauf gar nichts ankomme". 
') Dr. Karl Lind, „Das Wappen der Stadt Wien" (Mittheil, der k. k. Central-Com- 
mission z. Erf. d. Baiidenkm. XI. Bd., XI. (g. Wien 1866). 



286 

Königs iitid Kaisers) fortgedauert zu haben , wie dies aus dem Ge- 
gensiegel des städtischen (irundsiegels hervorgeht, das sich auf 
Grundbuchsurkuiiden der Jahre 1374 — 1429 vorfindet. 

Der gUMchen Ausdeutung unterläge der Adler auf den unter 
Rudolf [. und seinen Nachfolgern bis ungefähr 1308 geprägten Pfen- 
ningen. Die Münzen Friedrichs des Schönen entbehren dann begreiflich 
dieser Figur, entweder weil mittlerweile das neue Wappenbild — 
das Kreuz — aufgekommen war, oder weil man eine Änderung der 
die Rückseite bestimmenden Grundsätze beliebte. Diese Vermu- 
thungen würden der Gewissheit sehr nahe gerückt, wenn es gelänge 
die Zeit eines von mir besessenen Pfennings mit Sicherheit zu bestim- 
men, der auf einer Seite einen betbürmten Elephanten von der 
linken Seite, auf der Rückseite zwei Binden- und zwei Kreuzscbilde 
ins Kreuz gestellt zeigt; vielleicht hilft hier noch ein glücklicher Zu- 
fall. Nur nebenbei sei erwähnt, dass jene Wiener Pfenninge mit dem 
Kreuzschilde und den Buchstaben H — L, die Welzl dem Münz- 
meister Leopold von der Hochstrasse (1275 — 128o) zuschreibt»), 
sicherlich nicht von diesem, sondern viel später gesclilagen sind. 

Es könnte vielleicht aulTallen, dass ich scheinbar so wenig Wertb 
auf den verschiedenen Feingebalt der Münzen legte. Den günstigen 
Fall vorausgesetzt, dass wir wie z. B. für Neapel i) eine Reihe von 
Urkunden über das Korn der österreichischen Münze aus so früher 
Zeit besässen, oder dass schon mehrere tleissige Arbeiten gleicb der 
Blumberger's über diesen Gegenstand erschienen wären, hätte man ein 
tieferes Eingehen von mir wohl fordern können. Dem ist nun nicht 
so, ja wir haben sogar vielen Grund zu vermuthen, dass sieb der 
Feingehalt der Stücke bei den einzelnen Prägungen verscbieden 
stellte, von allen andern Ursacben abgesehen, schon darum, weil 
man demselben nicht eine feste Norm, sondern den je- 
weiligen Marktpreis des Silbers z u Grunde 1 egte. So ist 
es von Herzog Rudolf IV., der sich zuerst des Verneuungsrechtes der 
Münzen zeitlich begab, bekannt, dass er 1362 die Prägung von Pfen- 
ningen nach der tewrung des Silbers anordnete s), und wie sehr dies 
in der Wiener Münze gäng und gäbe gewesen sein muss, belehrt 



") II, 1, Nr. 11158. 

2) Berl. Blätter f. Münz- und Siegelkunde I, p. 35—74 u. s. w. (1863). 

3) Blumberger a. a. 0. p. 128. — Rauch, SS. rer. Austr. III, p. 103. 



287 

uns das von Karajan mitgetheilte Münzbuch Albrechts von Eberstorf, 
das nicht nur auf Fol. XLII unter der Rubrik: „Nota das man 
miinswerich sol machen nach der tewrung des silbers , als all 
bri eff lau tten ", die Anweisung enthält, nacli welchem Gehalte 
man die Pfenninge auszubringen habe, wenn die feine Mark 4 Pfund 
Pfenninge gelte, sondern auch ausführliche Gussberechnungen auf 
Fol. XXXVII für den Fall ausweist, wie man, wenn der Goldgulden, 
deren G'/^ den Einkaufspreis einer Mark Silbers waren, zum Curse 
von 170 Pfenningen genommen werde, die Pfenninge 7, G'/, oder 
6 löthig machen solle i). 

Mit dem soeben Gesagten stimmen auch die Ergebnisse der 
Feuerprobe, die ich an mehreren Pfenningen vornehmen liess, ganz 
gut überein. Schwankt ja der Gehalt verschiedener als o 1 1 o k a r i s c h 
nachgewiesener Pfenninge zwischen 10 Loth 11 Grän — 12 Loth 
14 Grän! — Kleinere Abweichungen, wie z. B. bei den Münzen Her- 
zog Rudolf IV^, Nr. 37, 38, wo die Dilferenz nur einige Grän beträgt 
(10 Loth 7 Grän gegen 10 Loth 13 Grän), kann man getrost auch 
den Unvollkommenheiten der dazumal üblichen chemischen Processe 
und Prüfungen zuschreiben, da das Korn nicht an mehreren einzelnen, 
sondern immer an einer grösseren Anzahl von Pfenningen zu- 
sammen probirt wurde, so bedeutende iiingegen können nur bei ab- 
sichtlicher Schwankung im Feingehalte stattfinden. 

Ähnlich verhält es sich mit dem Gewichte, welches scheinbar 
ganz regellos ist. Ungeachtet des grossen Materiales, das mir zu 
Gebote stand, konnte ich in keinem besondern Falle zu festen Re- 
sultaten kommen. Ich gebe daher w e n i g er a u f d i e Sc h w e r e 
des einzelnenStückes, alsaufdas durch dasZusammen- 
wäge.n mehrerer Exemplare derselben Gattung erzielte 
Durchschnittsgewicht, da das ganze Mittelalter hindurch — be- 
sonders in den früheren Zeiten — ein sehr starkes Remedium für die 
einzelne Münze zugelassen war, soferne nur eine bestimmte Menge 
einem durchschnittlich festgesetzten Gewichte entsprach. So berich- 



') Hier niuss ich Bliiml)erger's und Sailer's Ansicht entgregen treten, welche meinen, 
(lass die Pfenninge, seitdem sie nach der Theuernng des Silbers ausgebracht wur- 
den, im Gehalte nicht weiter sich verschlimmert hätten, sondern fortan (1362 — 
1399) sich gleichgeblieben waren . 



288 

tet uns z, B. das schon erwiihnte Müiizbuch •), dass man zu Wien 
die Gewiclitspi'obe in folgender primitiven Weise vorgenommen habe: 
Das von den Schrotmeislern abgelieferte Materiale — die einzelnen 
Schi'ütiinge — wurden in Gegenwart des Münzmeisters und des 
Münzanwalts tüchtig durchgemischt, dann zu fünf Malen je eine 
Aufzahlmark (d. Ir. die Anzahl der Stücke, die aus 16 Loth gesetzlich 
legirten Silbers gejirägt werden sollte,) davon herausgezählt und 
abgewogen. Fehlte es nur um das Gewicht eines Pfennings, so war 
dies die „gnad** (das Remedium), d. h. die Schrötlinge wurden 
nichts destoweniger zur Präge zugelassen; fehlte es aber um mehr, 
so mussten die zu leichten Stücke der Aufzahlmark ausgeschieden 
(ausgesaygert) und zerschnitten, die schweren aber unter die übrigen 
gemischt und der V'ersuch so lange wiederholt werden, bis er ge- 
lang. — Solches Verfahren macht Schwankungen im Gehalte und 
noch mehr im Gewichte der Pfenninge leicht erklärlich, entzieht 
aber auch dem Freunde österreichischer Münzen zwei wichtige Hilfs- 
mittel , durch welche er die Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen 
prüfen könnte. 



Fasse ich zum Schlüsse der leichtern Übersicht halber die Er- 
gebnisse meiner vorhergegangenen Untersuchung kurz zusammen, so 
habe ich zu verzeichnen: 

1. Aus der Zeit der b abenbergischen Herrschaft 
sind bisher noch keine s i cii e r e n Münzen österreichi- 
schen Ge [träges bekannt. Die gewöhnlich als „Babenberger" 
bezeichneten Pfenninge gehören einer späteren Periode an, Appel's 
und Welzl's Bestimmungen sind grösstentheils willkürlich und da- 
her zu verwerfen. 

2. Unter diesen Münzen lassen sich — von einer Anzahl unbe- 
stimmter abgesehen — im Allgemeinen drei Hauptgruppen unter- 
scheiden, die so ziemlich den Regierungsperioden, A. Ottokars und 
Rudolfs I., B. Rudolfs I. und seiner Nachkommen bis auf Friedrich den 
Schönen (1308), C. Friedrich des Schönen bis Rudolf IV. (f 1365) 
entsprechen. 



1) Karajan a. a. 0. p. 77, Nr. Xllf und LXIV. 



289 

3. Als etwas allen diesen österreichischen Münzen Eigenthüm- 
liches erscheint das einer Seite aufgeschlagene V^iereck, der Vier- 
schlag. 

4. Die Münzen der ersten Periode (A) sind entweder: 

«. Von annähernd runder Gestalt mit ziemlich zierlichen Ge- 
prägen auf der Vorderseite und Spuren einer feinlinigen Darstellung 
auf der Rückfläche. Ihr Gewicht beträgt bei einem Durchmesser von 
15— 16 Millimetern durchschnittlich 0-690 — 0-725 Gramm (Nr. 2 
bis 10), oder 

b. Hälblinge von runder Gestalt und nettem Gepräge, 
das oft auf beiden Seiten sichtbar ist. Der Durchmesser beträgt 
13 Millm., das Gewicht ziemlich regelmässig 0-450, 0-55ii, 0-620 
Gramm (Nr. 11, 13, 14, 16, 18—20, 22, 24). 

Häufig findet man auch ganze (viereckige) Pfenninge, 
deren Hauptseite mit den Hälblingen übereinstimmt; diese haben 
einen Durchmesser von 14—15 Millm. und ein Gewicht von fast 
regelmässig 0-720 Gramm (Nr. 12, 15, 17, 21, 23, 25) — 
oder 

c. sie sind von rohem, fast immer nur auf einer Seite sicht- 
barem Gepräge, unförmlich dick, etwa 14 Millm. ins Gevierte haltend. 
Hieher gehören Nr. 26, 27. Die Durchschnittsgewichte dieser 
rohen Münzen schwanken zwischen 0-650 bis wenigstens 0-680 
Gramm. 

Die unter a und b beschriebenen Unterarten von Münzen der 
ersten Periode können mit grösster Wahrscheinlichkeit und beinahe 
ohne Ausnahme König Ottokar von Böhmen (1251 — 12 76) zugewiesen 
werden. Die Pfenninge, auf welche die Beschreibung c passt, dürfte 
von Rudolf I. in den ersten Jahren seiner Verwaltung geprägt sein; 
da jedoch die Bestimmung derselben auf weit unsichereren Merk- 
malen als bei den vorhergehenden Münzsorten « und b beruht, so 
wird man im Zweifel , woferne man es nicht vorzieht sie unbestimmt 
zu lassen, gut thun, auch sie dem Böhmerkönige zuzutheilen, nach- 
dem es erwiesen ist, dass die grössere Anzahl der als „Münzen der 
ersten Periode" bezeichneten Pfenninge von diesem ausgegangen ist. 

5. Die Münzen der zweiten Periode (Nr. 28 — 35), obgleich 
ebenfalls unregelmässig eckig, nähern sich in Folge der besser abge- 
stumpften Ecken weit mehr der runden Form als die vorhergehenden. 
Ihr Durchmesser ist grösser, er beträgt gewöhnlich 16 — 17 Milli- 

Archiv. XLI. 2. 19 



290 

meter , das Einzelgewicht ()-600 — 0-820, das durclischnittliche 
().710 — 0-760 Gramm. Von Wichtigkeit ist die Rückseite, sie zeigt 
fast immer einen einfachen Adler in einem Kranze von Ringelchen, 
Sternchen n. s. w., der seihst wieder von zwei Perlkreisen in- und 
auswendig umschlossen wird. Münzen dieser Gattung dürften (viel- 
leicht mit einer Ausnahme Nr. 32) König Rudolf I. und seinen Nach- 
folgern zugehören, und his an die Zeiten Friedrich des Schönen 
gehen. 

6. Die Münzen der dritten Periode sind ehentals viereckig mit 
etwas abgestumpften Ecken, jedoch von dünnerem Bleche, so dass 
sie trotz des vergrösserten Durchmessers (17 — 19 Millimeter) selbst 
bei vorzüglicher Erhaltung einzeln selten 0-700 Gramm, im Durch- 
schnitte (also wenn mehrere zusammen gewogen wurden) nie 0-600 
Gramm übersteigen. Wegen des erhabeneren Gepräges , das ihnen 
ein brakteatenförmiges Ansehen gibt, ist die Rückseite nur sel- 
ten zu sehen. Diese Münzgattung reicht erweislich wenigstens 
von Friedrich dem Schönen bis Rudolf IV. (etwa 1315 — 1365, 
Nr. 36—44). 

7. Der ungemeine Wechsel in den Darstellungen der Vorderseite 
erklärt sich zum guten Theile schon durch das bei der häufig geübten 
Münzerneuerung entstehende Bedürfniss neue, von den früheren Jahr- 
gängen möglichst abweichende Gepräge zu Schäften, deren nähere 
Auslegung dann oft gar nicht mehr gegeben werden kann. 

8. Der auf den Rückseiten österreichischer Pfenninge häufig 
vorkommende Adler (Nr. 8, 9, 11, 23, 27, 28 ff".) dürfte als das 
Zeichen der Prägestätte Wien zu betrachten sein. 



luschin. Zur ostoir. Miinzkiuule. 




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Luscliiii. Zur ijslen-. Miuizkuii 
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291 



VI. 



DIE 



DIPLOMATISCHE CORRESPONDENZ 

DES GRAFEN 

JOHANN WENZEL GALLAS, 

KAISERLICHEN GESANDTEN IN LONDON UND HAAG WÄHREND DES 
SPANISCHEN SUCCESSIONSKRIEGES. 



NACH DEN IN PRAG UND IN FRIEDLAND AUFGEFUNDENEN ARCHIVALIEN ZUSAMMENGESTELLT 
UND DER PHILOS. -HISTORISCHEN CLASSE DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



VORGELEGT VON 



C. HOFLER. 



293 



Ich glaube der verehrliclieu Classe die Mittheilung einer wesent- 
lichen Bereicherung des Materiales der österreichischen, und damit 
auch der allgemeinen Geschichte machen zu können. 

Es handelt sich um Auffindung eines grossen Theiles der diplo- 
matischen Correspondenz des Grafen Wenzel Gallas, kaiserlichen 
Gesandten in London, im Haag, späteren Vicekönigs von Neapel, Her- 
zogs von Lucera, aus den Tagen K. Josefs I. und K. Karls VI. Einen 
Theil derselben habe ich bereits im Jahre 1865 in Prag, den an- 
dern, ihn ergäuzeiulon im Schlosse Friedkind nach längerem, aber 
glücklichem Nachforschen gefunden. 

Ich erlaube mir zuerst über denjenigen zu berichten, welcher 
sich auf K. Josef und die ersten Jahre K. Karls VI. bezieht, und be- 
halte mir vor, über die Zeit nach Beendigung des spanischen Suc- 
cessionskrieges ein anderesmal weitläufige Mittheilungen zu machen. 

Von dem Antritte der Londoner Gesandtschaft im Jahre 1704 
an haben sich die Rescripte der Hof- wie der Reichskanzlei aus der 
letzten Zeit Kaiser Leopolds und dem ersten Jahre K. Josefs in er- 
wünschter Vollständigkeit erhalten. Diese sind aber nicht blos ihres 
Inhaltes wegen , in BetretT der wichtigsten Verhandlungen des spa- 
nischen Successionskrieges von äusserstem Interesse; sondern da 
die niederländische Republik und die Königin Anna von Grossbritan- 
nien darauf bestanden, zwischen den rebellischen Ungarn und dem 
Kaiser zu vermitteln, so wurden dem Gesandten regelmässig Copien 
der wichtigsten Actenstücke, welche sich auf Ungarn beziehen, mit- 
getheilt, so dass bereits der erste Band für die Geschichte Ungarns im 
Jahre 1705 von ganz ausnehmender Wichtigkeit ist. Eine Vergleichung 
mit den Darstellungen Mailaths und Horvaths hat dies bis zur Evidenz 
nachgewiesen. Nun handelt es sich aber nicht blos um diese officielle 



294 

Correspondenz, sondern von erhöhter Wichtigkeit ist, seit K. Josef I. 
zur Regierung gelangte, die Correspondenz des Grafen mit den kaiser- 
liehen Ministern und Gesandten, Von ersteren müssen besonders der 
Hofkanzler K. Josefs, der Fürst von Salm, und der Graf von Wra- 
tislaw, Vorgänger des Grafen Gallas im Londoner Gesandtsehafts- 
posten, erwähnt werden. Die IJriefe des Fürsten Salm sind schon wegen 
der hohen Stellung des Fürsten und seiner Einsicht in das Ganze der 
kaiserlichen Politik in jenen bewegten Tagen, als Europa unter Waf- 
fen war und es sich darum handelte, der unbegrenzten Herrschsucht 
Ludwigs XIV. ein Ziel zu setzen, von um so grösserer Wichtigkeit, 
je ausführlicher sie sich über die Lage der Dinge aussprechen. Der 
vor mir liegende Qiiartant der sehr rein und zierlich geschriebenen 
Originalbriefe reicht vom 1 0. Juni 1703 bis zum 28. November desselben 
Jahres; vom 3, Februar 1700 bis zum 27. November desselben Jah- 
res; vom 12. Januar bis zum 22. Juni 1707; vom 16. Mai 1708 
bis zum 29. September 1708; vom 12. Januar und 21. Mai 1709 
bis zum 3. Mai 1710. 

Dieser Band, 37 Schreiben enthaltend, verdient, so wie er ist, 
der Publication übergeben zu werden. 

An ihn reiht sich die Correspondenz des Grafen Wratis- 
law vom 15. April und 27. December 1704; vom 11. Februar 1705 
bis 23. December desselben Jahres; vom 16. Januar 1706 bis 
2o. December; vom 5. Januar bis 11. Juni 1707 an. Es versteht 
sich von selbst, dass die in diesen Briefen enthaltenen Mittheilungen 
nicht für das grossere Publikum bestimmt waren, sondern neben per- 
sönlichen Verhältnissen den eigentlichen Kern der kaiserlichen Po- 
litik sowie Geständnisse enthielten, die eben nur unter Vertrauten 
gemacht wurden und gemacht werden können. Von den 87 Original- 
briefen des Grafen Wratislaw fallen nur die ersten 3 auf das Jahr 
1704, 41 auf 1705, 32 auf 1706, die übrigen auf 1707. Sie sind 
grösstentheils französisch, beziehen sich auf die von dem Gesandten 
eingeschickten Relationen, auf die ihm zugeschickten Rescripte, deren 
Tendenz sie erläutern, enthalten Mittheilungen über Ministerconferen- 
zen, die Ausdrücke der Klage wie der Hoftnung in BetretTder Ereignisse, 
und gehören somit zu den genauesten Quellen der Geschichte jener Zeit; 
man liest sie wie Berichte einer wohlunterrichteten Zeitung. Für den 
Gang der Ereignisse in den Jahren 1705 und 1706 sind von beson- 
derem Interesse die Briefe des kaiserlichen Gesandten im Haag, Grafen 



293 

von Goes, an den Graten Gallas. Beide Gesandten werden fortwäh- 
rend an einander angewiesen; beide haben die Mission, auf die See- 
mächt»' einzuwirken; sie führen die Unterhandlungen wegen Flüssig- 
machung der nöthigen Geldsummen, der Organisation neuer Trup- 
penkörper, der Fortführung des Krieges, der Beilegung der unga- 
rischen Wirren. Goes, dem Kriegsschauplatze näher als Gallas, theilt 
demselben regelmässig mit, was er darüber aus seinen zuverlässigen 
Quellen erfährt, so dass seine zahlreichen Briefe vom 25. April 1705 
bis 23. November 1706 eine Geschichte des Successionskrieges ent- 
halten, natürlich im Sinne Österreichs und der Seemächte; für uns 
um so wichtiger, als sie die französischen Berichte ergänzen. Die 
123 Briefe des Grafen Goes — Antworten auf die vom Grafen Gallas 
an ihn gerichteten Schreiben, die leider nicht mehr vorhanden 
sind — ordnen sich so, dass 40 auf das Jahr 1705, die übrigen auf 
das Jahr 1706 fallen. Es ist nicht nöthig weiter auszuführen, wie 
wünschenswerth es sei, dass sie gleich denen Salms und des Grafen 
Wratislaw der Öffentlichkeit übergeben würden. Für das Jahr 1706 
fehlen die Erlässe der Hofkanzlei; der vom Jahre 1707 vorliegende 
Band, welcher übrigens nur bis zum 20. August dieses Jahres reicht, 
erhält durch die Besprechung der schwedisch-polnischen Differenzen 
besonderes Interesse. .Mit Rescript vom 15. März erhielt aber Graf 
Gallas die Weisung, sich an die Stelle des vom Haag abberufenen 
Grafen Goes als Gesandter bei der niederländischen Republik dahin 
zu begeben und den englischen Gesandtschaftsposten dem bisherigen 
Residenten Hofmann, mit welchem sich der Graf nicht vertrug, bis 
auf weiteres zu überlassen; die Rescripte, welche an politischer Be- 
' deutung eher zu- als abnehmen und sich namentlich auf die Pat- 
kul'sche Angelegenheit beziehen, gehen aber tortwährend nach Lon- 
don und reichen bis zum Verluste des Königreichs V'alencia durch 
die Niederlage K. Karls bei Almanza und der Ertheiling des Prädi- 
cates königliche Hoheit an das herzogliche Haus Lothringen. 

Graf Gallas begab sich im August 1707 über Haag nach Wien, 
von wo er erst im Januar 1708 auf seinen Posten nach dem Haag 
zurückkehrte. Die Briefe aus Wien, an seinen Secretär in London ge- 
richtet, sind in banger Erwartung eines Ministerwechsels geschrie- 
ben, von welchem er meint, ohne ein Wunder könne derselbe nur 
verderblich (funesto) sein. Die Verhaftung seines Secretärs Primoli, 
an welchen die interessanten Briefe aus Wien geschrieben sind. 



290 

scheint ihn gezwungen zu haben, nach London zurückzukehren, wo 
unterdessen der Resident Hofmann sich des Gefangenen annahm. 
Primoli wurde auf freien Fuss gesetzt , aher als Gallas im Haag war, 
nochmals gefangen genommen und erst im Februar 1708 wieder aus der 
Haft entlassen. Primoli blieb, als seine Sache, die auf einem falschen 
Verdachte beruhte, beigelegt war, in London und an ihn sind dann 
auch die übrigen Briefe des Grafen in Antwort auf die seinigen ge- 
richtet, welche sich in dem leider sehr verstümmelten Hefte vorfin- 
den. Bei dieser Gelegenheit erfährt man, dass Primoli, ein Mann von 
grossen Fähigkeiten, der Verfasser von Denkschriften war, die zwei- 
felsohne dieselben sind, welche sich unter den Friedlander Acten vor- 
fanden. 

Einzelne Briefe dieser vielfach besprochenen Correspondenz 
reichen noch in das Jahr 1709 hinein. 

Offenbar von diesem sehr talentvollen Manne rühren auch die 
sehr weitläufigen Berichte, welche sich in einem am Anfange und am 
Ende verstümmelten Folianten vorfinden. Sie beginnen mit dem 
20. September 1707 und reichen bis zum 13. Januar 1708. Sie sind 
sorgfältig nach all' den Notizen bearbeitet, die über Spanien, Por- 
tugal , Holland in London einliefen und sind, abgesehen von den Mit- 
theilungeti über den Fortgang des Krieges, auch für die Kenntniss 
der Angelegenheiten Englands von hohem Interesse. Die Berichte 
sind italienisch verfasst. 

In Bezug auf das Jahr 1708 findet sich ein Foliant Rescripte 
der Reichs- und Hofkanzlei vom 1. Februar bis zum 27. December, 
fortwährend an den Grafen als „Abgesandten am königlich engellän- 
dischen Hofe" gerichtet, vor. Wie in den früheren Jahren sind auch 
diese Rescripte mit höchst werthvolien Beilagen, mit Copien und Ori- 
ginalbriefen Kaiser Josefs versehen. Ein eigener Quartant enthält Über- 
setzungen der bedeutendsten Artikel des Daily courrant von 1708 in 
das Französische, aus dem Mercur Galant in das Italienische, von 
Flugschriften etc. Zwei grössere Abhandlungen über den Handel nach 
Indien, die Hebung des englischen Credites, und ein Bericht über den 
finanziellen Zustand Englands im Jahre 1709, erstere ins Italienische 
übersetzt, schliessen sich an diese Aufsätze an. Sie sollten zur 
Orientirung des kaiserlichen Hofes dienen. Vom Jahre 1709 liegt 
auch noch ein Band Rescripte der Hof- und Reichskanzlei vor (2. Ja- 
nuar bis 11. December), um so wichtiger, je bedeutender die Ereig- 



297 

nisse dieses Jahres waren. Zu den catalonischen Angelegenheiten 
gesellt sich die Frage über eine Expedition nach Westindien, Unter- 
handlungen wegen des Vigevanascoetc. Das fortwährende Pochen der 
Ungarn auf die Unterstützung der Seemächte, die Verfolgung der 
irländischen Katholiken, der Tractat mit Rom mit seinen geheimen 
Artikeln vom 15. Januar 1709, die Absicht Sieilien zu erobern, die 
geheimen Friedensunterhandlungen der Seemächte mit Frankreich, 
die Abtretung Minorca's, der Hilferuf der katholischen Irländer an 
den Kaiser, die Berichte des Grafen Dann aus Mailand an den Kaiser 
und das Auftreten des Sch^^ edenkönigs machen diesen Band zu einem 
der interessantesten der Sammlung. Für die letzte Zeit K. Josefs 
fehlen die einschlägigen Bände der Hof- und Reichskanzlei: hingegen 
findet sich eine kleine Sammlung vortrefflicher Briefe des Baron 
Hermes aus dem Haag an den Grafen Gallas voll interessanter No- 
tizen vor. 

Unmittelbar nach dem Tode des K. Josef beginnt eine Reihe 
ausgedehnter italienischer Berichte über den Gang der Ereignisse 
bis zum 11. September 1711 an K. Karl gerichtet und von dem Gra- 
fen Gallas nach Spanien geschickt; für dieses Jahr eine höchst er- 
giebige und ausgezeichnete Quelle, die, so wie sie ist, dem Drucke 
übergeben werden kann. Für das Jalir 1712 finden sicii zwei dicke 
Quartanten Briefe, Berichte, Staatsschriften von grossem Werthe in 
schöner Reinschrift, ein unschätzbarer Beilrag zu den Utrechter 
Friedensunterhandlungen. 

Der Graf Johann Wenzel war im Januar 1712 über Utrecht 
und Frankfurt nach Wien und Pressburg an den kaiserlichen Hof 
gegangen, seine persönlichen Angelegenheiten zu betreiben. Er hatte 
sich durch seine Thätigkeit und seine kenntnissreichen Berichte, 
welche, wie es scheint, nicht ohne Mitwirkung seines geschickten 
Secretärs Primoli entstanden , Anspruch auf die höchsten Ehren er- 
worben, so dass ihm die öffentliche Meinung eine Reihe ausgezeich- 
neter Ämter zuerkannte. Für diese Zeit, den Hof und das Ministerium 
K. Karls gibt nun seine Correspondenz mit Primoli sehr interessante 
Aufschlüsse. Er erhielt, wie er am 15. Juli 1711 Primoli mittheilte, 
den Auftrag, die nach Barcelona reisende Erzherzogin als maggior- 
domo maggiore zu hegleiten, die Würde eines geheimen Rathes, das 
goldene Vliess, ein herzogliches Lehen in Neapel, die Würde eines 
spanischen Granden. 



298 

Es ist gewiss richtig, den spanischen Successioiiski-ieg, vväli- 
rend dessen zwei habsburgische Kaiser, Leopold und Josef, starben, 
Karl III. König von Spanien aber, der Gesammterbe der iiabsbur- 
gischen IMonarchie, nunmehr auch der einzige männliche Sprosse des 
habsburgischen Hauses wurde, als die bedeutendste Krise in der 
Geschichte des Hauses Habsburg anzusehen, welches das Erbe der 
Primogeniturlinie nur mehr getheilt erlangte, das zum politischen 
System erhobene Theilungsprincip nicht aufhalten konnte und im 
fruchtlosen Kampfe um das öifentliche Recht 40 Jahre nach dem 
Tode des letzten Fürsten vom spanischen Zweige erlosch. Nachdem 
man nun in Bezug auf diesen wichtigen Wendepunkt der österrei- 
chischen und europäischen Geschichte vorzüglich auf französische 
Quellen, d. h. feindliche, angewiesen ist, dürfte es denn doch wohl 
angemessen sein, die einheimischen systematisch zugänglicii zu 
machen. Dazu möchte ich nun von der vorliegenden Sammlung fol- 
gende in Vorschlag bringen: 

1. Die Reihenl'ülge der .^lissiven K. Leopolds und K. 
Josefs 1. sammt ihren wichtigen Beilagen. 

2. Die Minis ter-Correspo ndenzen des Fürsten Salm, des 
Grafen Wratislaw, des Grafen Goes, des Baron Hermes. 

3. Die Berichte Primoli's aus Londen vom 20. September 
1707 — 13. Januar 1708. 

4. Die B e r i eil t e d e s G r a f e n G a 1 1 a s an K. Karl von 1711. 

5. Die Materialien für den L't recht er Friedenscon- 
gress von 1712. 

Über das reiche Material für die Geschichte von 1713 an ge- 
denke ich bei einer andern Gelegenlieit Bericiit zu erstatten. Um 
aber den historischen Gewinn, der sich aus den oben beschriebenen 
Materialien ergibt, an einem Beispiele zu zeigen, stelle ich aus den 
Rescripten der Hof- und Reichskanzlei, den Briefen des Fürsten Salm 
und des Grafen Wratislaw die nachfolgenden Regesten für die Jahre 
1704/O zusammen. Die mit keiner Nebenbezeichnung verselienen 
Auszüge sind aus der Sammlung der kaiserlichen Rescripte entnom- 
men; die mit Wr. bezeichneten aus der Wratislawischen Correspon- 
denz, die aus der Salmischen Correspondenz herstammenden Re- 
gesten sind entweder im Contexte als solche bemerkt oder durch die 
Unterschrift Salm bezeichnet. 



299 



Correspondenzen von 1704/5. 

Wien, 12. April 1704. 
Auf Bitten Franz Talts Graten von Carlinford zu Gunsten seines 
Vetters Walter Butler wird dem Gesandten ein Empfelilungsschrei- 
ben an die Königin gesendet, letztere möge Butler in den Besitz der 
ilim aligenonun«uien Güter setzen. 1. 

Wien, 27. Deeemher 17(»4. 
Rathsehliige des Grälen W^ratislaw an den Grälen Gallas über 
sein Verhalten am Londoner Hofe. Er möge sich bei IMarlborough, 
Godollin, llarley kurz fassen, strenges Stillsehweigen beachten, sich 
mit den Gesandten von Holland. Portugal , Savoyen in gutem Beneh- 
men erhalten. Die grüsste Schwierigkeit werde der König von Spa- 
nien bereiten, da Italien eine starke Armee erfordere und die unga- 
rischen „Troublen" zu Ende geführt werden milssten. In militäri- 
schen Angelegenheiten soll er sieh an den Quartiermeister General 
Codogam und Marlboroughs Kriegssecretär Cardonel halten. .,I)ie 
Wighs seiend realiter unsere besten Freunde, weil es dermalen ihr 
Interesse also mit sich bringet". Von den moderirten Tories seien 
viele des Erzhauses Freunde. Die andern seien meistens Jakobiter, 
„welche pro principio führen , dass sie den Prinz von Wallis nicht 
können auf den Thron setzen, ohne Friiiikreich in ihrer Präpotenz zu 
lassen, und da sie sehen, dass die Nation per Universum vor uns und 
nicht vor Frankreich inclinirt, so suchen sie per indirectum ihren 
Zweck zu erreichen, welcher modus um so beschwerlicher und ge- 
fährlicher, als man sub specie justi et plausibilis ihr verkehrtes Ab- 
sehen nicht jederzeit distinguiren kann". Er solle sagen, dass der 
kais. Hof Wighs und Tories für seine Freunde ansehe, der Hofinclinire 
für die hanoversche Suecession ; er sei bereit, sich mit den Ungarn, 



300 

nur nicht auf dern Fiisse der Gleichheit mit den Rebellen, zu verstän- 
digen. Diese Rebellion greife „die innerlichen viscera der H^rbländer 
an, dauere sie lange, würden die Türken Lust bekommen, sich darein 
zu mischen". 

(Description des montres a joyaux.) 2. 

Wien, 10. Januar 1705. 
Auftrag die Sehritte eines Bündnerischen Prädicanten Johann 
Leonhard, der nach Holland und England geschickt sei, zu über- 
wachen. 3. 
Wien, 11. Februar 1705. 

England und Holland wollen durch eine eigene Gesandtschaft 
ihre Mediation zur Beilegung der ungarischen Unruhen anbieten. 
Wollten die Ungarn auf die Vorschläge nicht eingehen, so würde 
man sie als Feinde des gemeinen Wesens behandeln. Prinz Eugen 
werde zur Armee abreisen. 

Gr. Wratislaw an Gr. Gallas. 4. 

Wien, 20. Februar 1705. 
Rescript zu Gunsten des englischen Abgesandten in Wien 
Stepney, Mit einem Postscript in Chiflfern. Vertrauliche Bemerkung: 
Stepney habe in der ungarischen Sache nicht immer Üiscretion ge- 
zeigt, 5. 
Wien, 26. Februar 1705. 

Wien im Carneval durch das Anrücken eines ungarischen Re- 
bellencorps gestört. Churfürst von der Pfalz werde 4000 Mann nach 
Italien senden. Er entsage dem Verlangen, die Oberpfalz zu ver- 
walten. Gf. Wratislaw an G. Gallas. 6. 

Wien, 14. März 1705. 

Graf Sinzendorf Kammerpräsident. Prinz Eugen legte die 
Kriegs-Präsidentenstelle nieder. Hiesiger Hof ist dermalen in einer 
rechten Krisis. Wr. 7. 

Wien, 18. März 1705. 

Schreiben zu Gunsten der Reichsstädte Bremen, Lübeck und 
Hamburg. Mit Beilage. 8. 

Wien, 21. März 1705. 
Wratislaw bedauert die Sympathien der Engländer für die Un- 
garn. Prinz Eugen übernahm die Präsidentenstelle aufs Neue, nach- 



301 

dem er wegen der Aufbringung der nöthigen Gelder versichert wor- 
den. Leopoldstadt und Debreczin verproviantirt, das kaiserliehe Heer 
in Ofen gesammelt. 9. 

Wien, 11. April 1705. 

Die in Wien zu Gunsten der Ungarn gemachten Vorschläge 
beabsichtigten den Hof „dahin zu zwingen", die Armee in Deutschland 
möglichst zu verstärken. So lange die Rebellion dauere, können wir 
nie den Krieg mit Frankreich mit Nachdruck führen. Er wünsche, 
dass die dänischen Truppen nach Ungarn geschickt würden. „5 Wo- 
chen würden bereits die kaiserlichen Deputirten von den Ungarn auf- 
gehalten, ohne einige Antwort ihnen zu geben", was ihre Bosheit 
beweise. Prinz Eugen noch nicht abgereist. Wr. 10. 

Wien, 15. April 1705. 
Kriegsrath abgehalten. Wr. 11. 

Wien, 18. April 1705. 
Schreiben zu Gunsten des von den Franzosen gefangen gehal- 
tenen Freiherrn von Mean, Domdechanten von Lüttich. 12. 

Wien, 18. April 1705. 
Abreise des Prinzen Eugen am 17. Graf Schlick, General der 
Cavallerie, wird als Minister zu Marlborough abgeschickt. Heister in 
Wien erwartet. Der Herzog von Savoyen bittet dringend um Hilfe, 

Wr. 13. 
Wien, 22. April 1705. 

Die Krankheit des Kaisers erregt seit dem 19. Besorgniss. Hei- 
ster in Wien. Wr. 14. 
Wien, 22. April 1705. 

Gallas möge sorgen, dass auch die 3 Hansestädte gleich Eng- 
land und Holland freien Handel mit Frankreich hätten. 15. 

Wien, 25. April 1705. 
Hoffnung auf Besserung bei dem Kaiser. Wr. 16. 

Wien, 29. April 1705. 
Verschlimmerung der Krankheit des Kaisers seit dem 26. Der 
Kaiser ward versehen. Abschied von den alten und confidenten Mi- 
nistern. Jetzt halte man die Gefahr für besiegt. Der Kaiser befahl 
alle Regierungssachen dem Könige (Josef) zu übergeben. Wr. 17. 



302 

Wien, 2. Mai 1705. 
Der Kaiser liofTnungslos. Die Anwesenheit des Fürsten Salm 
werde viel Gutes befördern. Wr. 18. 

Wien. 5. Mai 1705. 
Tod Kaiser Leopolds. — „La perte que nous avons faite, a 
este ä la verite tres deplorable, surtout par rapport au 
pitoyable estat ou le feu Empereur a laisse toutes les 
affaires de son gouvernement de maniere que Ton a tou- 
teslespeines du monde ä les redr esse r; c'est a quoi lem- 
pereur (Josef) s'applique sans reläche depuis son avenement". 

Schreiben des Fürsten Salm an Grafen W. Gallas vom 10. Juni 
1705. 19. 

Wien, 7. Mai 1705. 
Meldung vom Tode des Kaisers am 5. zwischen 3 u. 4 Uhr 
Nachmittags. Wr. 20. 

Wien, 8. Mai 1705. 
Amtliche Notification der Thronbesteigung: der Königin könne 
der Titel Majestät nicht gegeben werden. 

Lat. Schreiben an die Königin und an den Prinzen Georg von 
Dänemark. 21. 

Wien, 9. Mai 1705. 
Wratislaw schreibt über die Exequien des Kaisers. 22. 

Wien, 16. Mai 1705 
Wratislaw schreibt über die Prociamation K. Josefs an die Un- 
garn (Horvath IL P. 345); erklärt aber auch, wenn die Ungarn 
nicht auf die Vorschläge eingehen wollten, sein patrimonium mit 
Waffengewalt zum Gehorsam bringen zu wollen. 23. 

Wien. 19. Mai 1705. 

Der Kaiser habe nach einem Beschlüsse K. Leopolds eine Be- 
satzung nach München gelegt. Man wartein Baiern nur auf eine 
Gelegenheit zu neuer Empörung, fomentire die ungarische Rebel- 
lion und suche solche durch Emissäre auch in Böhmen anzustiften. 

24. 



303 

Wien, 20. Mai 1705. 

Die Churfürstin von Baierii sei schon zu Pontera angelangt, 
„weilen aber dero schädliche intentiones entdeckt worden, hat man 
sie aldorlen zu dato nicht passiren lassen". Wr. 25. 

Wien, 23. Mai 1705. 
Die Abgeordneten aus Ungarn „mit sein* weichen propositionibus" 
angelangt. General Matone in Arrest gesetzt. Wr 

Vergleiche auch das Schreiben vom 31. Mai. 26. 

Wien, t). Juni 1705. 
Ernennung der geheimen Hätlie. Die Liste fehlt. Wr. 27. 

Wien, 7. Juni 170,S. 
Da die Hartnäckigkeit der ungarischen Rebellen mehr zu- als ab- 
nehme, Österreich, Schlesien und Mähren von ihnen bedroht seien, 
könne in das Verlangen, die dänischen Truppen aus der Oberpt'alz 
nach Italien dem Herzog von Savoyen zu Hille zu schicken, nicht 
eingegangen werden. 28. 

Wien, 17. Juni 1705. 
Der Kaiser biete den rngarn General -Amnestie und Haltung 
seiner Versprechungen bei dem Pressburger Landtage an. Bewil- 
ligung des Königs von Dänemark, dass seine Truppen nach Ungarn 
marschiren können. Der Königin von England der Titel Majestät ver- 
weigert , auf Gefahr eines Aufhörens der Correspoiidenz zwischen 
beiden Höfen. Dem Duca di Moles wurden die Geschäfte mit Spanien 
übertragen, ihm assistire der Graf von Waldstein und Baron Seyler, 
für Italien sei der Herzog mit Grafen Martiniz und Baron Seyler, für 
Rom Grimani. Für die Reichsaffairen Graf üttingen, Seyler, Win- 
dischgrätz und Vicekanzler Schönborn, für England, Holland, die 
Liga Graf Sintzendorf und Wratislaw. Für Ungarn Graf Öttingen, 
Kinsky, Seyler, Sintzendorf, Kriegspräsident v. Wratislaw, Fürst 
Salm Hofkanzler participire an allem. Wr. 29. 

Wien, 24. Juni 1705. 

Die Propositionen , welche durch den Secretär des Palatin von 
den Ungarn gemacht wurden, seien so impertinent, dass der Kaiser 
Truppen dahin marschiren lassen müsse. Sie seien nur durch die 



304 

Waffen zur Raison zu bringen. Nichts desto weniger sei der Kaiser 
zum Frieden geneigt, Wr. 30. 

Wien, 24. Juni 1703. 
Hofkanzler Fürst Salm schreibt: der Hol" könne der Folgen 
wegen in den Titel Majestät nicht willigen. 31. 

Wien, 25. Juni 1705. 
Der Gesandte möge Vorstellungen wegen des wohlfeilen Verkau- 
fes des ostindischen ? (Chiffre) in Holland machen. 32. 

Wien, 4. Juli 1705. 
Die Ungarn zeigen keine wahre Lust zum Frieden und die Me- 
diatoren keinen rechten Ernst. Wr. 33. 

Wien, 4. Juli 1705. 
Mittheilung eines Berichtes Marlboroughs über seinen Rückzug an 
die Maas. Gallas soll die Führung des Krieges nachdrücklichst be- 
treiben. 34. 
Wien, 4. Juli 1705. 
Mittheilung des ganzen Vorganges der Unterhandlungen mit 
Ungarn sammt den Actenstücken: 

1. Sehreiben des Palatin an die Stände (12.)? Mai 1705. 

2. Schreiben des Kaisers an dieselben vom 14. Mai. 

3. Bericht des Erzbischofs von Colozza Paul Szeseny über die 
Anforderungen der Ungarn, und Rath nachzugeben. 29. April. 

4. Bericht Stefan Szirmai's über die Friedensunterhandlungen. 
30. April. 

5. Antwort des Kaisers an den Erzbischof vom 15. Juni. 

6. Neuer Bericht Szirmai's vom 10. Juni. 

7. Relation des Stefan Jeszensky, Secretärs des Palatin, über 
den Gang der Unterhandlungen. 18. Juni. 

8. Ablehnende Antwort ßeresany's (ex arce Senthawiensi 
16. Juni 1705). 

9. Kaiserliches Schreiben an den Erzbischof von Colozza. 
5. Juli 1705. 

10. Schreiben der engHschen und holländischen Vermittler an 
den Erzbischof. 

11. Schreiben derselben an Rakozi. 



305 

„Solange die Capi keinen Widerstand finden, fassen sie auch 
keine Friedensgedanken". 35. 

Wien, 8. Juli 1705. 

Schreiben Salms über die Titelfrage : „je ne saurais me persuader 
que Ton ait voulu profiter d'une pretention semblable pour nou 
tenir le pied sur la gorge dans la conjoncture presente". 36. 

Wien, 11. Juli 1705. 

„Unser Hof ist mit dem römischen in einige Streitigkeiten ge- 
rathen und Aveilen unser allerg. Herr in dieser Zwietracht scheint 
nicht weichen zu wollen, sn wird es aldorteii etwa zu unterschied- 
lichen Discursen Anlass geben " 

Ankunft der Dänen. Brodniangel hinderte den Prinzen Eugen 
früher die Adda zu überschreiten. Wr. 37. 

Wien, 18. Juli 1705. 
Man m;iche in England zu viel Lärm daraus, als wenn der Prinz 
Louis Ursache an dem Rückzuge des Herzogs sei. Rechtfertigung des 
Prinzen. Salm. 38. 

Wien, 18. Juli 1705. 

Die ungarischen Deputirten wieder abgereist, um den Häuptern 
der Rebellen neue Propositionen zu überbringen. Der Kaiser befahl 
den Magnaten zusammen zu treten, um Vorschläge zur Pacification 
Ungarns zu machen. Bereits wurden einige Conferenzen gehalten. 

Wr. 39. 
Wien, 22. Juli 1705. 
Nochmal Auseinandersetzung in Betreff des Titels Serenitas für 
die Königin von England. 40. 

Wien, 24. JuH 1705. 
Aufträge zu Gunsten der Hansestädte, 41. 

Wien, 28. Juli 1705. 

Das kais. Cabinet ist gegen einen Waffenstillstand mit den Un- 
garn, den diese nur der Ernte wegen wollen; es bewilligte jedoch die 
dem Krzbischof von Colozza gegebene Antwort. 42. 

Beil. 1. Anerbieten des Baron Szirmay. 

Archiv. XLI. 2. 20 



306 

„Male conteiitoseo tleducere omni studio allaborabit, ut declarent 
se successionis jus noii revocaturos in duhium et a restitutione de- 
ereti Andreae R. se destituros", 24. Juli. 

Beil. 2. Schreiben der Deputirten des Erzbischots an die Media- 
toren. 24. Juli. 

Beil. 3. Schreiben der Mediatoren an die Rebellen, um die Basis 
von Friedensunterbandlungen zu gewinnen. 27. Juli. 

Wien, o. August 170ö. 
Wenn man der Königin den Titel Majestät gäbe, müsste man 
ihn auch den Nordmäcbten und dem Könige von Preussen geben. 

Salm. 43. 
Wien, 8. August 1703. 

Mittheilungen in ßetrelT der Zahlungen der Seemächte. Gallas 
möge dem Vnelli (Gegner des Residenten Hofmann) nicht zu sehr 
trauen. Wr. 44. 

Wien, 15. August 1703. 

„On est fort surpris ä cette cour de voir que le billet du Secre- 
taire d'etat Harley parle d'un concert fait avec cette cour de quel 
on ne s^ait rien". 

„Notre victoire sur les rebelles (bei Pudmeriz) change entiere- 
ment la face de ces aftaires, mais nullement notre Intention poui- ac- 
commoder ces troubles d'une maniere fort raisonnable-. 

Über die Streitigkeiten mit dem Residenten Hofmann heisst es : 
„Vos soup^ons tiennent un peu de Tltalien". Wr. 4o. 

Wien, 22. August 1703. 
Sehlacht an der Adda (16. August). „Nous pouvons dire avoir 
obtenu la victoire". Wr. 46. 

Wien, 23. August 1703. 

Gallas soll eine anticipatioii von 3 — 400.000 Th. ermöglichen, 
da der Hof alle ersinnlichen Mittel anwende, Truppen aufzubringen. 
Die Operationen in Catalonien seien unmöglich, wenn der Feind in 
Italien wieder die Oberhand gewänne. 47. 

Wien, 29. August 1703. 
„Les mauvaises manieres (du prince Louis) donnent lieu d'y 
appuier tout ce que l'on veut. — Le parti qui a pris le roy Charles 



307 

miisste auch eine englisch-holländische Hotte den Winter über an 
den Küsten von Catalonien bleiben. Salm. 48. 

Wien, 5. September I70o. 
Abreise der ungarischer! Deputirten, um für die Mediatoren 
Pässe für den Congress zu erhalten. Wr. 49. 

Wien, 9. September 1705. 
Der Kaiser schrieb an Marlborough, sich nach Wien zu bege- 
ben, um den Operationsplan festzusetzen. Wr. öO. 

Wien, 9. September 170ö. 
Die Königin möge dem Herzog Marlborough die Erlaubniss ge- 
ben, nach Wien zu gehen. Mittheilung der Documente über den 
Unterhalt von 6000 Polen. 

Weitläufiges Schreiben des Kaisers an den Grafen von Weiss 
im Haag vom 9. September mit vielen andern Belegen über die pol- 
nische Sache. 51. 
WMen, 18. September 170Ö. 

Die preussischen Truppen beklagen sich sehr über das Aus- 
bleiben ihres Soldes. Man müsse den Tractat mit dem König er- 
neuern, 52. 
Wien, 19. September 1705. 

Eine Summe von 400.000 Th. müsse bei den Seemächten flüs- 
sig gemacht werden. Verstärkungen nach Italien gehen ab. Zum 
ungarischen Congresse ernannte der Kaiser 5 Deputirte. Wr. 53. 

Wien, 23. September 1705. 
Die kaiserl. Truppen in Ungarn überschritten am 15. die Donau, 
um zur Theiss und nach Gross-Warasdin zu ziehen. Die Ungarn ver- 
langen einen Waffenstillstand. Wr. 54. 

Wien, 25. September 1705. 
Empfehlung des jungen Grafen Türheimb. • Wr. 55. 

Wien, 2Ü. September 1705. 

Mittheilung, unter welchen Bedingungen der Kaiser sich auf 
einen Waffenstillstand einlasse. Der englische Admiral solle den 
Prinzen Eugen in Italien unterstützen. 

Schreiben des Erzbischofs von Colozza vom 1 5. Sept. 1 705. 56. 

20* 



308 

Wien, 26. September 1705. 
Fürst Salm schreibt weitläufig über die Anstrengungen der Re- 
gierung in Betreff des Krieges in Italien und der Paeification in Un- 
garn. Zurückweisung der unbegründeten Klagen Mylord Godolfins. 

57. 
Wien, 30. September 1705. 

Mittheilung eines Briefes des Erzbischofs von Colozza vom 
30. September. 58. 

Wien, 3. October 1705. 

Mittheilung eines Schreibens an Marlborough, dessen Copie 
aber fehlt. Wr. 59. 

Wien, 4. October 1705. 

Mittheilung der Resultate einer Conferenz mit den englischen 
und holländischen Mediations-Gesandten über den Succurs in Italien. 
Mit Beilagen. 60. 

Wien, 7. October 1705. 

Rückkehr der englischen Mediationsgesandten von Tyrnau. Ks 
sei wenig von den Ungarn zu hotfen, wenn nicht die kaiserliche Ex- 
pedition nach Siebenbürgen gelänge. Wr. (il. 

Wien, 10. October 1705. 
Unterhandlungen wegen der 400.000 Thaler. Streitigkeiten mit 
dem Residenten Hofmann. Wr. 62. 

Wien, 10. October 1705. 

Befürchtung eines Einverständnisses Venedigs, des Papstes und 

anderer italienischen Fürsten mit Frankreich zur Vertreibung der 
kais. Armee. Promemoria des venetianischen Botschafters. Anwei- 
sungen desshalb. 63. 
Wien, 17. October 1705. 

Die von England bewilligten 300.000 Thaler sollen direct au 
den Prinzen Eug^n geschickt werden. 64. 

Wien, 21. October 1705. 
Die Pässe für die kaiserlichen Deputirten angelangt. Wr. 65. 

Wien, 22. October 1705. 
Durch den Tod des Bischofs von Lübeck ist Streit zwischen 
Dänemark und dem Herzog von Holstein-Gottorp ausgebrochen. 66. 



309 

Wien, 24. October 1705. 

Hoffnung, dass es in Italien besser gehen werde. Verbindung 
[lit dem englischen und holländischen Gesandten. Schreiben des 
h-zbischofs von Colozza vom 10. October und an ihn vom 22. Oc- 
ober. 67. 

Wien, 28. October 1705. 
Abreise der kais. Commission nach Pressburg. W^r. 68. 

Wien, 31. October 1705. 
Salm gibt den Gesandten Aufklärungen über die Unterhandlun- 
gen mit den Seemächten. 69. 

Wien, 7. November 1705. 
MittheiUing über den Gang der Unterhandlungen mit den Un- 
garn zu Pressburg und Tyrnau. 

Pressburger Protokoll vom 13. November. 
Anbringen der Mediatoren vom 3. November. 
(Sunderlands und Stepney's.) 
Correspondenz mit dem Erzbischof von Colozza. 70. 

Wien, 18. November 1705. 
Kurzer Brief Salms über Marlborough. Salm. 71. 

Wien, 21. November 1705. 
Mittheilung des Auftrages an den Grafen von Goes und der Er- 
klärung an den preussischen Minister. Zustimmung Marlboroughs zur 
etzteren. 72. 

Wien, 21. November 1705. 
Marlborough reise übermorgen sehr zufrieden ab. Gross-Wa- 
i-asdin verproviantirt, die Armee im Marsche nach Siebenbürgen. 

Wr. 73. 
Wien, 28. November 1705. 

Unglücklicher Ausgang des Feldzuges in Italien. (Mauvaise si- 
uation ou nous sommes.) Schuld der Seemächte. Salm. 74. 

Dies ist das letzte Schreiben Salms im Jahre 1705. Das nächste 
st vom 3. Februar 1706. 



310 

Wien, 2. December 1705. 
Seit dem 20. August keiue Naciu'ichten von der Flotte von 
Catalonien. Die holländischen Mediatoren in Tvrnau. V\'r. 75. 

Wien, 2. December 1705. 

Mittheilung eines Schreibens der Königin Anna, sie bevollmäch- 
tige ihre Gesandten in Ungarn (15. Juni 1705). 76. 

Wien, 5. December 1705. 
Negotiation eines Darlehens von 250.000 Pfd. St. 77. 

Wien, 5. December 1705. 
Eroberung von Barcelona. Die Ungarn drohen mit einem Ein- 
brüche. Wr. 78. 
Wien, 13. December 1705. 

„Dans les Conferences avec le Duc de Marlborough on lui a re- 
presente que nous ne sommes plus en etat de continuer la guerre en 
Italic". Wr. 79. 

Wien, 13. December 1705. 

Negotiation, um 100.000 Thaler zu anticipiren. Mit eigenhän- 
diger Nachsciirift Sinzendorfs: „Je me rejouis avec vous de Theureux 
succe en Catalogne; mais le Roi demande des troupes et de Tar- 
gent pour soutenir sa nouvelle conquete. II en est de meme en Italic 
ou il fönt necessairement que nous sachions en quoi nous en somes 
pour les 300.000 ecus.« 80. 

Mittheilungen an Goes. 

Wien, 15. December 1705. 
Klagen über die Verzögerung der Geldsumme. Sieg über die 
Ungarn. Wr. 81. 

Wien, 23. December 1705. 
Sieg über die Ungarn am 11. November, ßellegarde gefangen. 
Nachricht von einem zweiten Siege. Wr. 82. 

Wien, 23. December 1705. 
Mittheilungen über die Conferenzen mit den Ungarn mit Bei- 
lagen. Siegesnachrichten. Unterstützung K. Karls. 

Memoire für die Tyrnauer Conferenz. 83. 



311 

Wien, 23. December 1705. 
Orig. Schreiben K. Josefs an Gallas zur kräftigen Unterstüt- 
zung K. Karls mit eigenhändiger Nachschrift K. Josefs. Schreiben an 
die Königin. 84. 

Wien, 29. December 1705. 
Mittheilung der Negotiationen mit Russland und Polen. Geld- 
nnter?tiitzung. 

Antwort der Ungarn an die Mediatoren vom 20. December. 
Baierische Unruhen. 85. 



313 



VII. 



DAS 



ARCHIV DER STADT EGER, 



EIN BEKICHT 



Db. FRANZ KÜRSCHNER. 



315 



Die ehemalige Bedeutung der Stadt Eger, ihre Lage am Grenz- 
punkte verschiedene!- Gebiete, sowie die mannigfachen Schicksa'e. 
welche sie in den stürmischen Zeiten des Mittelalters zu erfahren 
hatte, brachten es mit sich, dass schon frühzeitig ein bedeutendes 
archivalisciies Material sich daselbst ansammeln konnte. Leider ent- 
ging auch Eger dem gewöhnlichen Verhängnisse der Städte nicht: 
eine um die Mitte des 13. Jahrhunderts ausgebrochene Feuersbrunst 
legte den grössten Theil der Stadt in A>che, und zerstörte auch das 
Stadtarchiv, so dass sich aus der Zeit der Vohburger und der StaulTer 
keine einzige Urkunde mehr erhalten hat '). Hei diesem schmerzli- 
chen Verluste bleibt nur der eine Trost noch übrig, dass das Egerer 
Archiv hiemit dem Glücke seine Schuld bezahlte, und wenigstens 
von ferneren Heimsuchungen dieser Art verschont iiiiei». 

Überdies waren die Verhältnisse und Wechselfälle der Folge- 
zeit ganz darnach angethiin, dass in Eger alsbald wieder die An- 
fänge eines neuen Archivs entstehen konnten, und dass dieses — 
was meist noch wichtiger ist — auch in gutem Gewahrsam gehalten 
wurde. Nach dem Sturze Ottokars fiel bekanntlich Eger sammt 
Gebiet als ehemaliger Besitz der StautTer wieder an das Reich und 
gewann als reichsunmitteibare Stadt an Macht und Bedeutung. Als 
aber nicht lange darnach Eger in Folge der von Kaiser Ludwig 
dem Baier bereits 1314 vorgenommenen Verpfändung an König 
,Ioh ann von Bidimen gelansrte, hatte die Stadt nur um so mehr l r- 



') Die Egerer Chronislen setzen, einer Tradition folgrend. diese Feuersbrnnst in das 
Jahr 1270. Soviel steht fest, dass noch aus dem Jahre 1266 eine Urkunde König 
Ottokars, der damals die Stadt Eger in Besitz jrenommen hatte, vorhanden ist, in 
welcher unter anderem namentlich auf Privilegien des Pfulzgrafen Luilwig und 
Konradins Bezug genommen wird. 



316 

Sache, die ihr auf Grund ihrer zahh'eichen Reichsfreiheileii einge- 
räumte Sonderstellung und die daraus entspringenden Sonderinteres- 
sen zu wahren, zumal in der Folge u. z. schon seit Ende des 
15. Jahrhunderts wiederholte Versuche gemacht wurden, die Stadt 
Eger mit ihrem Gehiete der böhmischen Krone dauernd einzuver- 
leiben. Diese Verhältnisse schärften den politischen Blick der Stadt 
und machten eine fortwährende und genaue Beaufsichtigung des 
Archivs nothwendig. 

Durch den regen V'erkehr, den die wohlhabende, von echtem 
Bürgersinn erfüllte Stadt nach allen Richtungen unterhielt, häuften 
sich nach und nach bedeutende archivalische Bestände auf, die von 
Jahr zu Jahr an Ausdehnung und Bedeutung gewannen, so dass in 
der Folge ein entsprechendes Registratur- und Archivspersonale er- 
halten werden musste, wie dies die städtischen Rechnungsbiicher 
zur Geniige ausweisen. 

Durch den Ankauf der Güter des Deutschen Ordenshauses zu 
Eger durch die Stadtgemeinde erhielt auch das städtische Archiv 
eine ansehnliche Bereicherung, indem mit den Gütern auch das 
Archiv der Ordens-Commende in den Besitz der Stadt ülierging und 
dem Stadtarchive einverleibt wurde ')• 

Erst in neuester Zeit erlitt unser Archiv abermals nicht uner- 
hebliche Verluste. Als nämlich in F'olge der Ereignisse des Jah- 
res 1848 die k. k. Gerichte ins Lehen traten, überliess die Stadt- 
gemeinde Eger ihr geräumiges Rathhaus, in dem sich auch das 
Archiv befand, dem dortigen k. k. Gerichtshofe, und bezog für ihre 
Verwaltungszwecke das zu diesem Behufe erworbene — durch Wal- 
lensteins Ermordung bekannte — Pachelbel'sche Haus. Dieses reichte 
jedoch kaum für die Kanzleien aus, geschweige dass es einem so 
reichhaltigen Archive die nöthigen Localitäten hätte gewähren kön- 
nen. Es blieb daher nichts anderes übrig, als das Archiv partien- 
weise, so gut es ging, in einzelnen Gewölben und auf den Boden- 
räumen zu unterbringen. Nur die Privilegien wurden in zwei eisernen 
Kisten verwahrt, und einige Kästen mit anderweitigem ^laterial, je- 
doch ohne vorausgegangene Sichtung, angefüllt. Bei dieser Gelegen- 
heit wurde durch Unvorsichtigkeit viel verstreut , und so Manches 
mag auch durch unberufene Hände verloren gegangen sein. Trotz- 



') Gegenwärtig hildef es die Unterabtheilung: „Deutscher Ordeo" unter B. 



317 

dem hat sich noch eine so ansehnliche Menge des werthvollsten 
historischen xMaterials erhalten, dass das Archiv von Eger in Hin- 
sicht auf deutsche Geschichte unter den Archiven Böhmens den Vor- 
rang in Anspruch nehmen kann, während es als Stadtarchiv in 
noch weiteren Kreisen seinesgleichen suchen dürfte. 



Einzelne Versuche, die wirr durcheinander liegenden Massen 
der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen, fanden 
wohl im Verlaufe der nächsten Jahre statt, und die Herren Niklas 
von Urhanstädt und Vincenz Pröckl waren in diesem Sinne thätig. 
Aber ihre Bemühungen scheiterten an dem Umfange der schwierigen 
Arbeit, die kein Werk für Mussestunden wai, sondern eine unge- 
tlieilte Kraft erforderte. In richtiger Würdigung des so fühlbar ge- 
wordenen Bedürfnisses fasste die Gemeindevertretung der Stadt Eger 
den Entschluss, eine durchgreifende Neuordnung des Archivs zu 
veranlassen, und es wurde mir nach Beschluss des Bürgerausschusses 
vom 26. September 186Ö die Ehre zuTheil, zu dieser Arbeit be- 
rufen zu werden. 

Ende October ging ich nach Eger ab, um meine Arbeit zu be- 
ginnen, die mich fast 3 Jahre in Anspruch nahm. Ich regte sofort 
bei der Stadtvertretung die Herstellung eines geeigneten Archiviocales 
an, welches denn auch im rückwärtigen Tracte des alten Bathhauses 
ausgemittelt wurde. Es besteht aus drei Gemächern zu ebener Erde 
die stark gewölbt sind und sich schon darum zur Aufnahme des 
Archivs em[)fiihlen. 

Den Anfang machte ich mit Bearbeitung der Privilegien und 
anderer bei der Hand liegenden Pergament-Urkunden, um auf Grund 
derselben den richtigen Ausgangspunkt für die zu entwerfende syste- 
matische Ordnung des Archivs zu gewinnen. Hierauf sonderte ich die 
zahlreichen Stadtbücher aus, die nach einer genauen Durchsicht so- 
fort in das eine zu diesem Zwecke eilig hergerichtete Gemach des 
neuen Arehivlocales übertragen wurden. Da die Stadtbücher einen 
Haupttheil des archivalischen Materials bilden, so wurden durch 
Ausscheidung derselben die zu ordnenden Massen nahezu um ein 



318 

Dritte! vermindert, und ich gewann im eigentlichsten Sinne des Wor- 
tes an Übersicht. 

Nun grilV ich rüstig in die Massen ein, lernte aber erst jetzt die 
Schwierigkeit meiner Arbeit in ihrem ganzen Umfange ermessen: 
Archivalien der verschiedensten Art lagen aus aller Ordnung gerissen 
ohne Zusammenhang da, und nirgends fanden sich deutlichere Spuren 
der früher bestandenen Anordnung. Erst nachdem ich einige Monate 
lang mit Eifer und Anstrengung gearbeitet hatte, fügte sich Ver- 
wandtes zu Verwandtem, und es boten sich nach und nach Anhalts- 
punkte dar, mit deren Zugrundelegung ich die ersten I'mrisse eines 
Systems entwarf. 

Bei der Waltl des einzuführenden Systems leitete mich der Ge- 
danke, mit Festhaltung wissenschaftlichei- Eintheilungsgründe die Zu- 
gänglichkeit des Archivs so leicht als müglich zu gestalten, da doch 
auch für den Fall Vorsorge getroffen werden musste, dass das Archiv 
seinerzeit auch einem mit archivalisehen Einrichtungen minder Ver- 
trauten zur Aufsicht übergeben werden könne. 

Soweit diese Rücksicht mit den Grundsätzen der Wissenschaft 
in Einklang gebracht werden konnte, wurde sie stets beobachtet, wie 
der Kundige aus den nachfolgenden Ausführungen leicht «ersehen 
wird. 

Die Ordnung wurde im Princip nach Matei-ien durchgeführt, so 
zwar, dass alle auf irgend einen Gegenstand bezüglichen Areliivalien, 
als Urkunden, Correspondenz- und Aktenstücke, zu einer Gruppe ver- 
einigt wurden. Dass dabei auch auf die Raumverhältnisse Rücksicht 
genommen werden musste, ist selbstverständlich und bedarf kaum der 
Erwähnung. Wohl aber muss ich bemerken, dass meine persönlichen 
V'erhältnisse mich auf ein verhältnissmässig kurzes Zeitausmass be- 
schränkten, und dass ich daher auch diesen Umstand bei meiner Arbeit 
gleicii von vornherein genau im Auge behalten musste. Es erübrigte 
ja noch immer das nöthigste: die Abfassung eines Hauptkatalogs, 
Avofür ich doch auch wieder einige Zeit in Anschlag bringen musste. 

Dabei unterliess ich es nicht, für eine entsprechende Ergänzung 
der Archivsbestände, soweit die Umstände es erlaubten, Sorge zu 
tragen. So benützte ich einen kurzen Aufenthalt in Wien, um die 
älteren auf Eger bezüglichen Urkunden im kaiserlichen Haus-, Hof- 
und Staatsarchive zu copiren, und leitete hierauf beim hohen k. bai- 
rischen Staatsministerir.m des Innern die nöthigen Schritte ein, um 



319 

mir Zutritt zu den Archiven Baierns zu verschaffen, wobei mich 
Herr Dr. August Schaff 1er in München in zuvorkommender Weise 
unterstützte. Mein Ansuchen fand die geneigteste Aufnahme , indem 
ich unter Einem sorgfältig gearbeitete Verzeichnisse der Egerana zu 
München und Amberg erhielt, und Ähnliches hinsichtlich der Archive 
von Bamberg und Nürnberg in Aussicht gestellt wurde. 



Das gesammte Archivs-Material mit Ausschluss der Stadt- 
bücher, die eine eigene Abtheilung bilden, stellt sich nun in drei 
Hauptgruppen dar, von denen die erste (A.) die allgemeinen 
Stadt- und L a n d e s a n g e 1 e g e n h e i t e n enthält, die zweite (B.) 
das Specielle in Stadt und Land umfasst, während die dritte (C.) 
über die aus war tige n Bezieh unge n sich verbreitet. Das durch 
diese Hauptgruppen repräsentirte Material ist so reichhaltig, dass die 
in den beiden ersten Gemächern des Archivlocalsvertheilten lö Kästen, 
wovon 8 mit je 18 Doppelschubfächern, die Fülle des Stoffes niclit zu 
lassen vermocliten, so dass noch im letzten Augenblicke durch An- 
schiebung eines Schrankes nachgeholfen werden musste. 

An diese drei Hauptgruppen schliesst sich die Abtheilung der 
Stadtbücher an, die allein das dritte sehr geräumige Gemach 
ausfüllen. 

Bevor ins Specielle eingegangen wird, möge hier der bessern 
Übersicht wegen folgender Prospect vorangestellt werden: 

A. Allgemeioe Stadt- und liandesaiigelegenheiten. 

a. Privilegien und andere einscjilägige Urkunden. 

b. Religionsakten. 

c. Staatsrechtliche Akten. 

d. Kriegsakten. 

Kasten A. I — HI. 

B. SpecieUes in Stadt und Land. 

«. Stadtsachen. 

b. Geistliche Stifter. 

c. Königliche Burg („Kaiserburg"). 

d. Egerland und Ascher Gebiet. 

Kasten B. I — V. 



3:20 

C. Auswärtige BeziehaogeD 

a. Böhmen (soweit es nicht schon unter A. c, d enthalten ist). 

b. Sachsen. 

c. Franken. 

d. Baiern. 

e. Deutsche Reichsakten. 

Kasten C. 1 — V. 

Mit Festhaltung dieser Reihenfolge wollen wir nun an der Hand 
des Hauptkatalogs den Inhalt des Archivs im Besondern betrachten 
und das Wichtigste daraus hervorheben. 



321 



A. 

Diese Abtheiluiig wird eröffnet durch Privilegien und andere 
einschlägige Urkunden. Den Hauptbestandtheil bilden hier die Kai- 
ser- und KÖnigsu rkuiiden, an welche sich einige päpstliche 
mit anderen kirchliclien Urkunden schliessen. 

1. Kaiser- und Königsurkunden auf Pergament. Von diesen 
besitzt das Archiv dermal 170 Stück meist im Original, darunter 
drei mit der noch erhaltenen goldenen Bulle. Einzelne nicht mehr 
vorhandene Originalien Messen sich durch ältere von einem benach- 
barten Stifte oder einer Nachbarstadt vidimirte Copien ersetzen. 
Überdies war ich in der angenehmen Lage, während eines kurzen 
Aufenthaltes in Wien von den im kaiserlichen Haus-, Hof- und Staats- 
archive befindlichen, auf Eger bezüglichen Urkunden älterer Zeit 
Abschrift zu nehmen. Ich kann hier nur beispielsweise einige der in- 
teressantesten Urkunden anführen T und wähle ausser den drei gol- 
denen Bullen solche, welche vornehmlich auf die staatsrechtliche 
Stellung des Egerlandes Bezug haben. Ich beginne gleich mit der 
ältesten noch erhaltenen Urkunde. 

1266, 4. Mai, Eger. König üttokar bestätigt den Bürgern von 
Eger alle Privilegien und Rechte, insbesondere ihre Lehen, 
die sie von Kaisern und Königen des römischen Reiches, dem 
Pfalzgrafen Ludwig und Konradin, König Konrads Sohne, 
erhalten haben, und verleiht ihnen Zoll- und Mauthfreibeit in 
seinen Gebieten. — Orig. mit. Wachssiegel. 
1279, 7. Juni, Wien. Rudolf, römischer König, bestätigt den 
Bürgern von Eger, nachdem sie zum Reiche zurückgekehrt 
sind, alle ihre Privilegien, insbesondere ihre Stadtrechte 
in 26 Artikeln, und befreit sie von allen Zoll- und Mauth- 

Archiv XLl. 2. 21 



322 

abgaben im ganzen Reiche. — Orig. mit hängendem Wachs- 

Siegel ')• 
1305, 27. Juni, Heilbronn. Kaiser Alb recht begnadet die Bürger 

von Eger, dass sie vor kein Landgericht ausserhalb ihrer 

Stadt gezogen werden. — Orig. mit Siegel. Eine Copie und 

deutsche Übersetzung noch vorhanden. 
1315, 26. Aug., München. Kaiser Ludwig eröftnet den Bürgern 
von Eger, dass er sie „mit gewöhnlichem Dienst" an König 
Johann von Böhmen verpfändet hat. Orig. mit häng. Siegel. 
1322, 2-3. October, Prag. König Johann von Böhmen verspricht 
den Bürgern von Eger, nachdem sie ihm als ihrem Herrn ge- 
huldigt haben, dass er ihre Rechte wahren, nichts vom Ge- 
richte von Eger entfremden, keine Steuer von ihnen erheben 

wolle, ferner dass sie mit keinem Kämmerer von Böhmen 
sollen zu schaffen haben, sondern nur mit ihm, oder dem 
Hauptmann oder Richter, den er ihnen setzen werde, dass 
die Juden von Eger mit der Stadt dienen sollen, dass er 
die Stadt nicht weiter versetzen werde , und befreit sie 
endlich von Zollabgaben in seinen Landen, wogegen auch 
seine Leute zu Eger zollfrei sein sollen. — Orig. mit dem klei- 
neren Siegel (Secret). Dies die eigentliche Verfassungsurkunde 
Egers. 
1330, 10. Juni, Speier. Kaiser Ludwig verleiht den Bürgern von 
Eger Mauth- und Zollfreiheit im ganzen römischen Reiche. 
— Orig. mit der goldenen Bulle. 
1335, 19. Juli. König Johann von Böhmen erklärt, dass er die 
zwei Märkte Selb und Asch von dem Gerichte zu Eger, wohin 
sie von Alters- und Rechtswegen gehören, nicht trennen 
werde. — Copie. Orig. im kais. Haus-, Hof- und Staatsarchiv. 
Eine analoge Urkunde, nur mit Hinzuziehung von Redwitz, 
besteht noch von 1342, 21. Jänner, sowie von Kaiser 
Karl IV. vom Jahre 1355, 23. Juli. 



^) Bereits mehrfach abgedruckt. Bezüglich des Zusammenhanges des Egerer Stadt- 
rechtes mit dem Nürnberger erlaube ich mir auf einen kleinen Aufsatz in den 
, Mittheilungen des Vereins für Gesch. der Deutschen in Böhmen". Jahrgang VI., 
Heft VII hinzuweisen. 



323 

13ÖS, 23. Juli, Regensburg. Kaiser Karl IV. verleiht den Bürgern 
von Eger wegen der vormals gegen Ludwig den Baier gelei- 
steten Hilfe Freiheit von Zollabgaben durch das ganze römi- 
sche Reich. — Orig. mit der goldenen Bulle. 

1437, 2ö. Jänner, Prag. Kaiser Sigismund bestätigt der Stadt 
Eger alle Freiheiten und gute Gewohnheiten im Allgemeinen, 
und darunter einzelne insbesondere. Goldene Bulle. 

Indem ich von der Anführung weiterer Privilegien absehe, weise 
ich auf den letzten , politisch wichtigen Akt der Egerer Stände hin, 
nämlich auf die Beitrittserklärung zur PragmatischenSanction 
Karls VI. von 1721. 

2. Urkunden der Päpste und Legaten, die in diese Gruppe ge- 
hören, gibt es nur acht, von denen die der Päpste hier angeführt 
werden mögen. 

1414, 26. Üecember. Papst Johannes XXIII. trägt in dem Streite 
der Egerer mit den Forstern von Neuhaus über Appellation 
der ersteren dem Bischöfe von Regensburg die Untersuchung 
und Entscheidung dieser Sache auf. — Orig. 
1451, 4. März. Papst Nikolaus VI. bestätigt der Stadt Eger das 

Privilegium de non evocando. — Orig. 
14ÖÖ, 26. April. Papst Calixtus III. überträgt dem Bischöfe von 
Regensburg die Untersuchung in dem Besitzstreite um ein 
Haus in Eger. — Orig. 
14ö8, 17. December. Papst Pius II. ertheilt den Bürgern von Eger 
die Befreiung von auswärtigen Gerichten. — Orig. 

Das diesbezügliche Mandat vom selben Datum noch vor- 
handen. — Orig. 

Die Bannbulle des Papstes Paul II. gegen Georg von Podiebrad 
vom Jahre 1466 ist nur in einer mangelhaften deutschen Übersetzung 
vorhanden. 

b. Religions-Akten. 

Von besonderem historischen Interesse sind hier zunächst die 
Akten aus der Zeit des Interdicts, 1466— 1472. Dasselbe hatte 
insofern eine vorwiegend politische Bedeutung, als es über die 
stets rechtgläubige Stadt wegen deren — politisch motivirten — VVei- 

21 ' 



324 

gerung, den gegen Georg von Podiebrad aufgestellten Gegenkönig 
Matthias anzuerkennen, veriiängt wurde. Erst der Tod Georgs und 
die Erwälilung Wladislaws befreiten die Stadt von der kirchlichen 
Strafe. J)ie häufigen Rescripte der beiden Könige und der päpstli- 
chen Legaten, sowie zahlreiche Correspondenzstücke verschiedener 
Art sind in 2 starken Fascikeln enthalten. 

Hierauf folgen die reichhaltigen Reformationsakten, die 
sich über die Zeit von looO — 1656 verbreiten und 5 Fascikel fül- 
len. Der Schwerpunkt liegt hier in der von Ferdinand II. durchge- 
führten sogenannten Gegenreformation. 

Unter den weiteren Schriftstücken sind besonders die Akten 
über die Einführung des neuen Kalenders von tieferer Bedeutung, 
weil auch hier wiederholt staatsrechtliche Momente berührt werden. 

c. Staatsrechtliche Akten. 

Diese schliessen ein reiches, für die Geschichte der Stadt 
höchst Avichtiges Material in sich, welches nicht selten Ausblicke auf 
den allgemeinen Gang der Ereignisse gestattet. Dasselbe ist in 43 
Fascikel vertheilt. 

1. Diese lange Reihe eröffnet ein „Wahrhafftiger Bericht, 
wie die Stadt Eger mit ihrem Territorio an die Cron Behem als 
Pfandtschilling versetzt worden" etc. Obwohl aus späterer Zeit 
stammend, kann dieses Schriftstück dennoch auf grössere Bedeutung 
Anspruch machen, weil es die seinerzeit geltenden Anschauungen 
zum Ausdruck bringt. 

Hierauf folgen : 

2. H u 1 d i g u n g s- u n d K r ö n u n g s a k t e n mit den Akten über 
Bestätigung der Privilegien 1354 — 1836. 

Die Huldigungsurkunden von 1354 und 1358 sind nur in Ab- 
schrift vorhanden, da die Originalien im kais. Haus- , Hof- und 
Staatsarchiv liegen. Dagegen ist die nachfolgende Zeit reichlicher 
vertreten. Und da bieten besonderes Interesse die Epochen der Gegen- 
könige, weil gerade bei solchen Anlässen die politische Haltung der 
Stadt Eger, die selbst unter den drängendsten Umständen ihre Be- 
sonnenheit bewahrte, klar hervortritt. So unter Georg von Podie- 
brad und Matthias von Ungarn 1467—1471, unter Ferdinand II. 
und Friedrich von der Pfalz 1620 — 1623, und endlich unter Karl VII. 
und Maria Theresia 1740 — 1744. 



325 

3. Von allgemeinerer Bedeutung sind die Berichte der Egerer 
Abgeordneten vom königlichen oder kaiserlichen Hoflager, denen 
Instructionen und Vollmachten von Seiten der Stände vorangehen. 
Unter die Relationen der Verordneten ist auch der Briefwechsel 
aufgenommen, der sich aus naheliegenden Anlässen zwischen ihnen 
und der Stadt entspann. Diese Berichte gewinnen in der Zeit der 
Habsburger an Reichhaltigkeit und Bedeutung. Dies hängt nicht etwa 
lediglich von der grösseren Schreibgewandtheit der späteren Jahr- 
hunderte oder dem Zufalle der Erhaltung dieser Schriftstücke ab, 
sondern hat vielmehr einen ganz bestimmten politischen Grund. Ob- 
gleich schon in der Zeit König Wladislaws II. von Seiten der böhmi- 
schen Stände das Bestreben auftaucht, die Stadt Eger mit ihrem Ge- 
biete ungeachtet ihrer auf Prvilegien und Vertrag gegründeten Son- 
derstellung in ein engeres Verhältniss zu Böhmen zu bringen, so w^ur- 
den diese Tendenzen mit mehr Energie erst unter den Habsburgern 
aufgenommen und eonsequent im Auge behalten. Um den ihr dro- 
henden Fährlichkeiten entgegen zu wirken, musste die Stadt ihr 
Recht durch zahlreiche Botschaften vertreten lassen, die nach be- 
endeter Mission ihre Berichte dem versammelten Ralhe zu erstatten 
hatten. Einzelne dieser Relationen sind so reichhaltig, dass z. B. die 
in das Jahr 1588 fallenden einen starken Folioband ausmachen. 

Von den älteren Berichten, die mehr die Form brieflicher Mit- 
theilungen tragen, sind die aus den folgenden Jahren enthalten: 
1430, 1432, 1471, 1476— 148Ö, löOO (?), 1509. 
Ihnen entsprechen zahlreiche Instructionen, die meist im Con- 
cept enthalten sind. 

Dagegen sind aus der Zeit der Habsburger von 1551 — 1755 
an 50 derartige Relationen vorhanden, worunter sich auch die reich- 
haltige Correspondenz von den „Hofreisen" nach Prag und Regens- 
burg aus den Jahren 1641 — 1642, sowie auch die interessanten Be- 
richte vom Hortager Kaiser Karls VII. zu Frankfurt von 1742 be- 
finden. 

4. Die Contributionsakten enthalten neben verschiedenen 
königlichen und Statthalterei-Rescripten und Reversen Akten über 
die Steuerverhandlungen auf den Commissions- oder Landtagen zu 
Eger. Das älteste hier eingereihte Document ist eine Quittung des 
böhmischen Oberstkämmerers von 1380 (Oriiiinal-Papier). Von da 
ab reichen diese Akten in 14 Fascikel vertheilt bis zum Jahre 1799. 



326 

Daran schliesson sich noch die Akten über die Wein- und Biertaxe, 
1046—1791. 

Weiter folgen: 

5. Die Landvermessungs- und Revisionsakten 1713 — 1769. 

6. Akten über Zoll und Mauth, 1393—1779 und 

7. Akten über das Münzwesen 1506 — 1804, an deren Spitze 
sogenannte „Münzregister", d, h. Verzeichnisse der betreffenden 
Ausgaben von 1469 und 1485 stehen. 

d. Kriegsakten. 

Wegen ihrer Lage war die Stadt Eger von jeher vielfachen 
Truppcndurcbmärschen und wegen ihrer Festungswerke wiederhol- 
ten Belagerungen ausgesetzt. Diesen Umständen ist das massenhafte 
Material zuzuschreiben, das unter der obigen Bezeichnung 40 dick- 
leibige Fascikel füllt. Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an dürfte 
sich nicht ein Jahr finden, das nicht seine Aktenstücke aufzuweisen 
hätte, und zur Zeit des dreissigjälirigen und des siebenjährigen Krie- 
ges wird das Material so reichhaltig, dass zur Aufnahme der je auf 
ein Jahr fallenden Schriftstücke ein Fascikel kaum ausreicht. Den 
Hauptbestandtheil bilden Musterungsrollen, sowie Verzeichnisse und 
Rechnungen über die von der Stadt besorgten Proviantlieferungen, 
denen die entsprechenden Hof- und Stattbalterei-Erlässe, sowie Re- 
scripte der Commandirenden eingereiht sind. 

Das älteste Stück dieser Gruppe ist eine interessante Musterung 
der Stadtangehörigen von 1395. Daran schliessen sich Musterungs- 
rollen seit 1421 an. Von allgemeinerem historischen Interesse sind 
die Akten zur Zeit des ersten Durchzugs Wallen st eins 1625, 
sowie der bereits theilweise bekannte Bericht über dessen Tod 1634. 
Auch über die Belagerung Egers durch die französischen Hilfstrup- 
pen Karl Alberts findet sich zu den Jahren 1741 — 1743 in 3Fascikeln 
werthvolles Material vor. 



32T 



B. 

a. Stadtsachen. 

Diese Gruppe verbreitet sieh über alles, was auf die Verfas- 
sung und Verwaltung der Stadt, sowie auf das bürgerliche Leben 
überhaupt Bezug nimmt. Zunächst kommen hier in Betracht : 

1. Urkunden auf Pergament. 

Diese scheiden sich in 2 Theile, nämlich in Urkunden, die von 
Bürgermeister und Bath und solche, die von einzelnen Bürgern aus- 
gestellt wurden. Die vorhandenen Pergamenturkunden, an welche 
sich eine grosse Zahl Papierurkuuden — meist Testamente aus dem 
15. und 16. Jahrhundert in 4 Fascikeln — anschliessen, füllen einen 
eigenen Kasten und beziffern sich auf nahezu oOO Stück. Die 
älteste stammt aus dem Jahre 1317 und ist mit dem grossen Stadt- 
siegel versehen. 

In diese Urkunden-.\btheiiung gehört noch ein interessantes 
Urkundenbuch, ein Copialbuch auf Papier in Folio von einer Hand 
aus der Mitte des lo. Jahrhunderts stammend, welches ich aus einzel- 
nen zerstreuten und nach und nach aufgefundenen Heften wieder 
herstellte. Es enthält gemeinwichtige Urkunden vom Ende des 14. 
bis Mitte des lo. Jahrhunderts. Den Anfang macht der bekannte 
Landfriedensbrief von Eger 1389, dem ein Einigungsbrief von 1412 
(wovon auch noch das Original vorhanden), mehrere Urkunden aus 
der Hussitenzeit und unter Georg von Podiebrad, sowie auch einzelne 
Reichstagsakten bis 14ö5 folgen. 

2. Raths- und Rechtsakten. 

In dieser Gruppe nimmt zuviirderst ein altes Stadtgesetz- 
buch — Pergament -Codex mit stattlichem Einband — unsere Auf- 
merksamkeit in Anspruch. Es enthält eine Reihe von Verordnungen 



328 

meist in polizeilichem Sinne von 1352 bis ans Ende des Jahrhunderts. 
Aul" den letzten Blättern sind unter dem.Titel : „Di vrteil von Nüren- 
berg" mehrere Reehtshelehrungen, augenscheinlich von einer Hand 
aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, eingetragen i). — Hierauf 
folgen noch zahlreiche Verordnungen aus dem 15. und 16. Jahr- 
hundert auf einzelnen Papierblättern. Von Wichtigkeit ist noch 
ein Rechtsbuch auf Papier, welches eine Reihe von Rechtsfällen von 
1379 — 1403 enthält. 

Bemerkeaswerth sind die Raths listen, a\ eiche unter der Be- 
zeichnung „Ersetzung vnd Erneuerung eines erharn Raths" etc. in 
beträchtlicher Anzahl vorhanden sind. Die ältesten gehören zu den 
Jahren 1388, 1392, 1410 u. s. f. Die jüngste fällt in das Jahr 
1777. Ferner mehrere Akten über Bürgermeister- und Rathswahl 
und Bestellung der städtischen Beamten 1532 — 1779. 

Unter der Bezeichnung „Westphälische Gerichtsackten" linden 
sich mehrere Vorladungen vor „das heimliche Gericht vnter der Lin- 
den" in Hessen von 1447 — 1492. Damit steht in Verbindung die 
Correspondenz bezüglich der Erwerbung der päpstlichen Bulle de non 
evoeando 1450—1459 und 1473—1482 s). 

3. Hierauf folgen die Urkunden über das sogenannte Forst- 
meisteramt 1340 — 1423, denen die auf die Familie Nothaft be- 
züglichen Urkunden von 1310, 1340, 1358, 1391 u. 1417 voran- 
gehen, weil diese Familie zuvor im Besitze dieses Lehens war. 

4. Aus den nun folgenden Handwerks- und Zunftsachen, die in 
6 Fascikeln enthalten sind, ist iiervorzuheben die Schröterordnung 
von 1403, eine undatirte, ungefähr in dieselbe Zeit gehörende Lederer- 
ordnung und eine Goldschmiedordnung von 1584, sämmtlich auf 
Pergament. 

Die auf das Brauwesen bezüglichen Akten reichen von 1500 
bis 1763. 

5. Die Abtheilung der Personalien enthält Correspondenzen, 
die sich auf die bedeutenderen Familien der Stadt als auch auf ein- 
zelne Personen beziehen, so die Junckher, eine der ältesten Fami- 



ij Dieselben sind für die Geschichte des Euerer Stadtrechts von grosser Wichtig- 
keit, indem sie den innigen Zusammenhang desselben mit dem Nürnberger darlhun. 

*J Die hierauf bezügliche kais. Urkunde wurde den Egerern vom Kaiser Max I. zu 
Worms ertheilt 1493, 4. Mai. 



329 

lien, deren Nachkommen noch heut zu Tage in verschiedenen Theilen 
Deutschlands sich befinden, die F r a n c k e n g r ü n e r, G u m m e r a u e r, 
Puchelberger, Rudusch, die Schlick, denen Kaiser Sigmunds 
Kanzler Caspar Schlick entstammte, die Familie Wann, durch 
wohlthätige Stiftungen zu Wunsiedel und Eger bekannt u. a. Darunter 
befindet sich auch durch einige Schriftstücke vertreten Pankraz 
Engelhard, der erste Egerer Chronist, der um das Jahr 1560 seine 
„Chronica" von Eger schrieb. 

Daran schliesst sich noch eine ganze Reihe von Civilakten. 

Interessant sind ferner die Schriftstücke über die Verhältnisse der 
Judenschaft in Eger 1422 — 1693, womit die betrelYenden Privilegien 
der Stadt unter A. zu vergleichen sind. 

Den Schluss bilden die auf den „Sauerbrunn- bezüglichen 
Akten. 

I). Geistliche Stifter. 

1. D eu tscher Ord e n. 

Das deutsche Ordenshaus in Eger besass ehedem ein eigenes 
Archiv, welches mit den übrigen Gütern der Ordenscommende an die 
Stadtgemeinde gelangte, und nun den grössten Theii dieser Gruppe 
bildet. Ausser den Pergament-Urkunden, welche mit 1317 
beginnen, sind von Interesse die Correspondenzen und Akten über 
verschiedene Streitigkeiten mit der Stadtgemeinde 1471 — 1473, 
und 1580— 1607. Besonders reichhaltig aber sind die Akten über 
den Allkauf der Egerer ürdensgüter, der endlich 1694 zum Abschlüsse 
gelangte. Dazu gehören noch die Pergament-Urkunden vom 25. Juni 
und 2. October 1694, 14. April 1695 und 5. Jänner 1696. Daran 
schliessen sich noch die Akten über die mit den Gütern an die Stadt 
gelangten Lehen des deutschen Ordens 1540 — 1782, sowie auch 
mehrere das Jesuiten-Collegium in Eger betrelYende Schriftstücke 
1029 — 1722. 

iMit den Ordensakten stehen in unmittelbarer Verbindung die 
auf die Pfarre bezüglichen Archivalien, weil diese ehemals wie auch 
jetzt vom deutschen Orden administrirt wurde . Zahlreiche Perga- 
ment-Urkunden über Messenstiftungen seit 1342, sowie Akten über 
Bestellung der Seelsorger, Rechnungen über das Einkommen, über 
Kirchen- und Schulsachen u. dgl. sind hier zu verzeichnen. 



330 

2. St. Clara-Stift. 

Die Pergament-Urkunden beginnen mit 1309. hie früheren 
Urkunden sind seit 1288 durch Abschriften nach den Originalien im 
kais. Haus-, Hof- und Staatsarchive ersetzt. — Unter den Akten und 
Correspondenzen sind zunächst die über die Reform des Klosters 
1463 — 1465 zu erwähnen. Über die verschiedenen Streitigkeiten 
mit der Stadt sind reichliche Akten 1500 — 1776 vorhanden. Da- 
gegen scheinen die auf die Aufhebung des Klosters bezüglichen 
Documente nicht mehr vorhanden zu sein. 

3. Franciscaner. 

Ausser den Pergament-Urkunden sind auch hier die Akten über 
die Rel'ormation des Klosters, sowie über dessen Asylrecht 1465 — 
1476 von einiger Bedeutung. Zahlreich sind die Akten, welche den 
Streit über die Provinzial-Zugehörigkeit des Klosters betrelYen. 

4. D m i n i c a n e r. 

Auch hier sind ausser den Pergament-Urkunden mehrere Cor- 
respondenz- und Aktenstücke bcachtenswerth, welche einen Reform- 
versuch von 1474 betreffen, ferner eine Streitigkeit mit der Stadt- 
gemeinde wegen der sogenannten „vier Artikel" 1502 — 1503, end- 
lich mehrere Inventare 1525 — 1555. 

5. K r e u z h e r r e n - C m m e n d e. 

Zunächst Pergament -Urkunden 1342 — 1480. Hierauf eine 
Correspondenz verschiedenen Inhalts 1400 — 1464; ferner zahlreiche 
Aktenstücke 1538 — 1779, worunter die über den Jagdrechts-Streit 
in Römersreut 1620—1628, und über das Patronatsrecht 1625 — 
1714. 

Endlich sind noch einzelne Urkunden und Akten über die ausser- 
halb der Stadt liegenden Stiftungen St. Jodoc, St. Anna und das 
Bruder h a u s zu bemerken. 

c. Rönigliehc Borg. 

Pergament-Urkunden sind hier verhältnissmässig wenige erhal- 
ten und zwar aus den Jahren 1461, 1502 und 1541. 

Um so zahlreicher sind die anderweitigen Archivalien, worunter 
vorzugsweise zu verzeichnen sind : 

Akten über die Wiedererrichtung des Land rechts 1501 — 
1513, welches auf der königlichen Burg unter dem Vorsitze des Burg- 



331 

grafen abgehalten wurde. Ferner Burgverwaltungsakten u. z. Er- 
nennungen der Pfleger, welche mit mehreren Unterbrechungen von 
1383 bis 1744 reichen. Dessgleichen Akten über die Verpfändung der 
Burg, in deren Besitz die Stadt dureii längere Zeit und zwar in der 
ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erscheint. Endlich verschiedene 
Rechnungen über die Burgeinkünfte. 

Eine weitere Reihe bilden die Akten über die Irrungen mit der 
Stadt 1489 — 1764. Ferner gibt es zahlreiche Aktenstücke über die 
Burglehen und Burgunterthanen. 

Auch in Bezug auf die altehrwiirdige Burgcapelle gibt es mehrere 
Schriftstücke, ob\\ohl aus späterer Zeit löOö — 1730. 

Den Schluss bildet eine reichhaltige Correspondenz der Pfleger 
aus der Familie der Schlick 1450 — 1327. 

d. Egcrlaud und Ascher Oebiet. 

1. Egerland. 

Der allgemeine Theil des hieher gehörigen Materials behandelt die 
Verhältnisse der adeligen Insassen des Egerlandes und deren durch 
Jahrhunderte fortlaufenden Streit mit der Stadtgemeinde. Obgleich 
essichdabeizunächstnur um untergeordnete Punkte localer Natur han- 
delt, so sind diese Akten darum nicht von geringer Bedeutung, son- 
dern es kommen, wie es bei solchen Anlässen insgemein zu geschehen 
pflegt, sofort althergebrachte Rechtsgrundlagen in Frage, wobei nicht 
selten staatsrechtliche Momente mitspielen. Die Akten verbreiten sich 
in 8 Fascikeln über die Zeit 1479 — 1776. 

Der specielle Theil behandelt die verschiedenen Ortschaften des 
Egerlandes, die theils der Stadt, theils der Ritterschaft unterthan 
waren, und enthält in alphabetischer Folge die zu den einzelnen Ort- 
schaften, Edelsitzen und deren jeweiligen Besitzern gehörigen Schrift- 
stücke. Hier kann nur das Wichtigere angeführt werden. 

Haslau. Zahlreiche Schriftstücke der Familien Landwüst, 
Malerzik, Reizenstein und Steinheim (15. — 17. Jahrhundert). — 
Ansehnliche Pfarrakten. 

Höflas. Hier sind die Familien Wirsperg, Rotenhahn und 
Reizenstein durch bedeutende Aktenstücke vertreten. Über Höflas 
und Kropitz wären die sächsischen Lehensakten unter C. b zu ver- 
gleichen. 



332 

Kinsberg. Pergament-Urkunden 1401 — 1581, und Briefe, 
die vormaligen Besitzer betreuend, u. z. Hinezik Pflug 1396, die 
Franckengrüner 1486 — 1487, die von Thein, unter denen uns 
Christoph von Thein, der 1506 Kinsberg erwarb, wegen seines 
bewegten abenteuerlichen Lebens interessirt, lö03 — 1515 i). 

Kunreut. Zahlreiche Urkunden und Akten das Geschlecht 
der Junckher betreffend. 

Liebenstein. Eine Reihe von Pergament-Urkunden 1346 
bis 1547 über das Schloss und die Kirche zu Liebenstein. Die Akten 
der Familie Zedtwitz, die gegenwärtig noch im Besitze von Lieben- 
stein ist, lullen 6 Fascikel. Darunter finden sich interessante Akten 
über die sogenannte Liebensteiner Fehde, 1509 — 1510. 

Seeberg. Pergament -Urkunden 1434 — 1664. Briete der 
Familien Schlick, Junckher und Neidberg, hierauf Aktenstücke ver- 
schiedenen Inhalts 1535 — 1720. 

Wildstein. Urkunden auf Pergament 1418 — 1567. Corre- 
spondenz der Franckengrüner 1415, Rah 1464, Gummerauer 
1484—1511, und des Albrecht Schlick 1528—1529. Hierauf Akten 
der Familie Wirsberg zu Wildstein über die Irrung mit Höflas und 
Altenteich 1539 — 1599, die Wirsbergsche Verlassenschaft 1608 
bis 1615. 

Anschliessend daran weitere Akten der Familie Wirsberg zu 
Wildstein, Hötlas und Altenteich 1489—1581. 

2. Ascher Gebiet. 

Die hieher gehörigen Akten bilden eine abgeschlossene Gruppe, 
weil das Ascher Gebiet durch Jahrhunderte als reichsunmittelbar an- 
gesehen und behandelt wurde, obgleich es ursprünglich einen integri- 
renden Theil des Egeriandes gebildet hatte. Nach dem heutigen 
Stande der Dinge müsste es der weiter folgenden Abtheilung „Böh- 
men"einverleibt werden, hier aber erschien der historische Gesichts- 
punkt als der massgebende. 



In einem alten L'rbarbuche von Kinsberg — in den Händen der gegenwärtigen 
Besitzer — befindet sich von diesem Christoph von Thein eine eigenhändige Auf- 
zeichnung seiner Erlebnisse, aus welcher Prof. J. Wolf in einem der ersten Hefte 
der „Mittheiinngen" des deutschhistorischen Vereins in Böhmen das Interessanteste 
mitgetheilt hat. 



333 

Das Material ist in vier Fascikeln und einem Copialbuch ent- 
halten. 

Coi-respondenz der Zedtwitze von Neydberg, Krugsreut, Asch 
etc. mit Bürgermeister und Rath von Eger 1398—1569. 

Ascher Lehensakten vom 15. Jahrhundert bis 1657, ferner 
i750— 1782. 

Familienakten der Zedtwitze von Asch und Elster gegen die von 
Neydberg 1640—1641. 

Ascher Pfarrakten 1501 — 1640. 



334 



Aaswärtige Beziehungen. 

AVir gelangen nun zu einer Abtheilung, welche ganz besonders 
geeignet seheint, auch in weiteren Kreisen die Aufmerksamkeit auf 
das Archiv von Eger zu lenken. Die Stadt hatte viele und unruhige 
Nachbarn und konnte sich nicht immer dem allgemeinen Strudel der 
Bewegungen ganz entziehen. Auch war sie in Folge ihrer politischen 
Stellung darauf angewiesen, den Gang der Ereignisse genau zu be- 
obachten, um darnach ihre Haltung bestimmen zu können, und Hess 
sich darum durch eigene Agenten Bericht erstatten über die ver- 
schiedenen Vorgänge im Reiche. So findet sich nicht nur reichliches 
Material für die Geschichte Böhmens und seiner deutschen Nachbar- 
länder vor, sondern auch für allgemeine deutsche Geschichte gibt es 
hier des Beachtenswerthen so viel, dass für die deutschen Reichsakten 
eine eigene Abtheilung gebildet werden musste, die in ihrem Be- 
stände ein beredtes Zeugniss ablegt von der ehemaligen Reichsunmit- 
telbarkeit der Stadt Eger. 

a. Böhmen. 

In dieser Gruppe findet sich alles auf Böhmen bezügliche Material 
vereinigt, welches nach Ausscheidung der Akten über die staats- 
rechtliche Stellung des Egerlandes zu Böhmen zurückblieb. Aller- 
dings kommen auch hier noch staatsrechtliche 3Iomente vor, deren 
Einreihung in die staatsrechtliche Gruppe in Folge ihres eigenthüm- 
lichen Zusammenhanges nicht ausführbar war. Es sind hier drei 
Unterabtheilungen zu unterscheiden. 

I. Königsakten. 
Diese enthalten zunächst Rescripte der Könige und der obersten 
Landesbehörden , ferner einschlägige Correspondenzen , die von den 
Zuständen und Vorgängen unter den betreffenden Regierungen han- 
deln. Der vorräthige Schriftenbestand ist höchst reichhaltig, u. z. 



335 

gilt dies zumeist von den Statthalterei- und Kammer-Rescripten, die 
beispielsweise unter Leopold I. zehn dickieibig-e Fascikel füllen und 
in der Folge verhältnissmässig noch zunehmen, so dass sie unter 
der Regierung Karls VI. und der Maria Theresia einen eigenen 
Schrank erforderten. Aber auch in der früheren Periode vor den 
Habsburgern ist das Material recht reichhaltig, da die dahin gehöri- 
gen Königsakten 8 Fascikel einnehmen. Die Reihenfolge ist: 

König Johann. Ein Original-Rescript auf Papier, das Kloster 
Waldsassen betreffend, undatirt, circa 1340. 

Karl IV\ Original-Rescripte auf Pergament von 1349 und 135o 
bezüglich der zerstörten Raubschlösser Königswart, Passeck, Neu- 
markt und Gatendorf. 

Wenzel. Rescripte auf Pergament und Papier aus den Jahren 
1394, 139o, 1397. 1410, I41Ö, im Ganzen 9. Hierauf König 
Wenzels „Rescriptenbuch-* — ein Papierheft in gr. 8. mit Copien 
zahlreicher Rescripte. 

Sigmund. Original-Rescripte von 1417, 1418, 1432. — Eine 
Anzahl von Rescripten, Renditen und Briefen aus der Hussit en- 
zeit 1420—1436. 

König L a d i s 1 a Av und Georg von P o d i e b r a d. 

Zuvor 2 Original-Rescripte , das eine von der Königin Elisabeth 
an den Rath von Eger, undatirt, das andere von den böhmischen 
Landverwesern an Markgraf Joiiann von Brandenburg vom 27. De- 
cember 1438 bezüglich der Schutzgewährung für Eger und Elbogen. 
Ladislaws Rescripte, meist in Originalien 1453 — 1457, sowie 
einige Akten und Briefe aus seiner Zeit. 

Hieran schliessen sich mit Bezug auf Georg von Podiebrad die 
Akten und Correspondenzen über den sogenannten Podiebrader und 
Rakonitzer Bund 1430, und verschiedene Briefe 1450 — 1457. Ferner 
mehrere Rescripte des Gubernators 1456 — 1457. 
Georg von Podiebrad als König. 

Berichte und Briefe über seine Erwählung und Krönung 1458 . 
Seine Rescripte 1458 — 1469, im Ganzen 37 im Original. Verzeich- 
niss über die Ausgaben der Stadt Eger während seiner Anwesenheit 
daselbst 1459. Endlich Correspondenzen aus seiner Zeit 1459 bis 1471. 

Matthias und Wladislaw. Rescripte des Königs Matthias 
und der Legaten 1468 — 1477. Rriefe und Berichte, die Wahl und 
Krönung Wladislaws betreffend 1471—1478. 



336 

VVladislaw und Ludwig. Rescripte Wladislaws 1471 bis 
1516, im Ganzen 130 Stück, wovon 113 im Original; darunter 
einige von 1478 die Fehde des Heinrich von Plauen mit Eger be- 
treffend; ferner 3 Briefe in Copie 1488 — 1489 an beide Markgrafen 
von Brandenburg, die Herzoge von Baiern und an Herzog Georg 
von Sachsen. Rescripte der Statthalter und obersten Landesbeamten 
in Böhmen 1472 — 1473 und 1492 — 1513. Dagegen finden sich in 
Bezug auf König Ludwig nur einige Briefe 1514 — 1522 vor. 

Ferdinand I. Ausser den R.escripten und den Statthalterei- 
und Hofkammer-Verordnungen sind zu bemerken: 

Aufzeichnungen der Vorbereitungen zu seiner Ankunft in Eger 
1543, seines Aufenthalts daselbst 1557, und ein Musterungsregister 
der ihm entgegen reitenden Einholungs-!\Iannschaft 1562. 

Max H. und Rudolf IL Bedeutende Anzahl von Rescripten 
und Statthalterei-Verordnungen. Besondere Wichtigkeit hat folgende 
interessante „Correspondenz mit Herrn Zacharias Ro senberger 
zu Prag, was in -anfang der hohem, unruhe zwischen Ihr. MaVt und 
den Ständen fürgegangen, betreffend" 1609 vom 18. Februar bis 
9. September. Zahlreiche Akten über die von der Stadt Eger zu 
verschiedenenmaien übernommene Bürgschaft für verschiedene kais. 
Anlehen. 

Mathias. Melirere auf ihn Bezug nehmende Briefe, sowie eine 
Correspondenz mit Zacharias Rosenberger in Privilegien- und Con- 
tributionssachen 1613-1614. 

Friedrich von der Pfalz. Akten bezüglich der Vorberei- 
tungen zu seinem Durchzug nach Prag 1619. Von hohem Interesse 
ist die Correspondenz des Zacharias Rosenberger über die kriege- 
rischen Vorgänge in Böhmen 1620, April bis August. Endlich die 
Verhandlungen mit den böhmischen Ständen wegen einer Beisteuer 
1619—1620. 

Ferdinand IL und Ferdinand III. Zahlreiche Rescripte 
sowie Statthalterei- und Appellationsakten. Beachtenswerth sind die 
Prozessakten über die Haltung einzelner Bürger von Eger 1632 bis 
1635. 

Leopold L Ausser reichlichen Rescripten und Appellations- 
akten sind 10 Fascikel von Statthalterei- und Kammer-Verordnungen 
vorhanden. 



337 

Joseph I. Zunächst sind bemerkenswerth 11 Verordnungen — 
davon 7 im Original — /.ur x\.bhaltung von Te Deuni Laudamus für 
die in den Jahren 1706, 1709 und 1710 erfochtenen Siege. Rescripte 
1706 — 1710, den in Eger internirten serbischen Fürsten Georg 
Brankowich ') und den Graten Leopold Sporck 1706 betreffend. 

Karl VI. Mehrere Schriftstücke aus Anlass seiner Krönung 
1723. Ferner Rescripte zur Abhaltung von Te Deum Laudamus für 
die in den Jahren 1712, 1716 und 1717 erfochtenen Siege. Appel- 
lationsakten und Statthalterei-Verordnungen in grosser Zahl. 

Karl Vli. Akten zur Zeit der Belagerung Egers 1741 — 1742. 
Correspondenz mit den an den kaiserlichen Hof nach Frankfurt a. M. 
Abgesandten 1742 2). 

M a r i a T h e r e s i a (Franz I.) und Joseph II. Verschiedene Re- 
scripte und eine grosse Anzahl von Statthalterei-Verordnungen. Akten 
über die Reise Kaiser Josephs II. nach Böhmen und Eger 1766. 

II. C r r e s p n d e n z e n böhmischer He r r e n. 
Die in diese Gruppe fallenden Briefe gehören zumeist dem 

15. Jahrhunderte an, und reichen nicht über die erste Hälfte des 

16. Jahrhunderts hinaus; denn von da ab fanden sich die sämmtli- 
chen Correspondenzen des Egerer Archivs bereits von früherer Hand 
in chronologischer Folge geordnet vors). Die hier in Rede stehen- 
den Briefe sind in 7 Fascikeln vcrtheilt. 

Längere, durch mehrere Jahre fortlaufende Correspondenzen sind 
vorhanden von Jobst von Einsiedel, König Georgs Secretär*), 
von den Herren von Guttenstein auf Breitenstein, ferner von 
Kolowrat und W^olfstein, eine Fehde mit der Stadt Eger be- 
treffend, von den Herren Schlick auf Elbogen uiul Falkenau, 
endlich von denen von Schwamberg, darunter Crussina von 
Schvvamberg. 



ij Diese Documente sinJ bereits verwerthet iu einem diesbezüglichen Aufsatze von 

P. Anton Frind im Programm des Egerer Gymnasiums 1868. 
2j Diese Correspondenz ist in zwei Exemplaren erhalten, wovon das eine den Hul- 

digungsahten unter A. e. beiliegt. 
') Das Nähere darüber folgt weiter unten, wo von der Correspondenz im allgemeinen 

die Rede ist. 
*) Im 39. Bande des von der k. Akademie der Wissenschaften herausgegebenen 

„Archivs für österr. Geschichte" veröffentlicht. 
Archiv. XLI. 2. 22 



338 

Durch einzelne Briefe dagegen ist die Mehrzahl der böhmischen 
Herren vertreten, u. z. Berka von Duba, Boskowitz, Czalta 
von Kamenahora, Hasenburg, Hassenstein (Lobkowitz), Neu- 
hans, Rabenstein, Pernstein, Riese nberg, Rosen berg, 
Rozmital, Sternberg, Weitmühl, Wrzeso wi tz u. a. 

III. „Städtebriefe". 

Indem ich diese im Egerer Archiv gebräuchliche Bezeichnung 
beibehalte, muss ich bemerken, dass diesen Städtebriefen auch die 
von den jeweiligen Vögten oder Amtleuten herrührenden Briefe, so- 
wie auch die betreffenden kirchlichen Schriftstücke beigeordnet sind. 

Durch reichhaltigeres Material sind folgende Städte ausge- 
zeichnet: Elbogen, Falkenau, ßuchau und Luditz, weil sie mit Eger 
in Folge der stadtrechtlichen Verwandtschaft in stetem Verkehr stan- 
den, ferner Königswarf, Pilsen und Tachau. Im Übrigen gibt es 
Schriftstücke von den meisten Städten Böhmens u. z. von Brüx, 
Budweis, Graupen, Joachimsthal, Kaaden, Karlsbad, Klattau, Kom- 
motau, Krumau, Kulm, Kuttenberg, Laun, Leilmeritz, Mies, Petschau, 
Plan (die Herren von Seeberg auf P.), Prag, Saaz, Schlackenwald, 
Schlackenwerth, Taus, Tepl u. s. w., im Ganzen 12 Fascikel. 

Auch aus Mähren und Schlesien gibt es einzelne Herren- 
und Städtebriefe, unter den letzteren die von Brunn, Iglau, Breslau, 
Troppau etc. 

b. Sachsen. 

I. Herzogliche Akten. 

Unter den Pergament-Urkunden sind zunächst von Bedeutung 
die Schutzbriefe für die Stadt Eger aus den Jahren 1440, 1443, 
1444 und 1446. An diese schliessen sich Original-Rescripte der 
Herzoge 1434 — 1538 auf Papier in 1 Fascikel. 

Unter den ferneren Akten, welche 8 Fascikel füllen, sind fol- 
gende hervorzuheben: 

„Neuaufgerichte Erbvereinigung'- mit Böhmen 1587. 

K. Ferdinands I. Mandat, den geächteten Kurfürsten Johann 
Friedrich von Sachsen und den Landgrafen Philipp von Hessen be- 
treffend 1546, 20. Aug. — gedruckt. — Offenes Sendschreiben 
Herzog Johann Friedrichs an die Landstände des Herzogs Moriz 



339 

1546, 22. December. Copie. — Sendschreiben des Herzogs Moriz von 
Sachsen und anderer Fürsten über die Ursachen des Kriegszugs von 
loo2. Copie. 

„Acta der fürstlichen Sächsischen Landtheilung" lö71 — 1572. 
Copialbuch auf Papier in fol. 

Verrechnung der Ausgaben der Stadt Eger bei der Durchreise 
des Kurfürsten nach Regensburg und zurück 1664. 

Lehensakten über die Güter Höflas und Kropitz im Egerlande. 

Akten über verschiedene Geleitsstreitigkeiten 1552 — 1632. 

Geleitsbriefe für die Bürger von Eger zu den Jahrmärkten in 
Leipzig und Naumburg 1453 — 1652, in 4 Fascikeln. 

11. Akten säch sis eher Herr en. 

In Bezug auf Reichhaltigkeit und interessante Details stehen hier 
obenan die Akten der Herren von Plauen. Diesen gehen voran zwei 
Pergament-Urkunden der Vögte von Gera und von Weida von 1314. 
Hierauf folgt die Correspoiidenz der Reusse von Plauen auf Gera, 
Greitz, Schleiz, Lobenstein. Darunter sind von grösserer Wichtig- 
keit die Briefe Heinricii des Älteren von Planen 1415 — 1450, ins- 
besondere aber die bezüglich seiner Fehde mit der Stadt Eger 1452 
bis 1454. Ausser der Fortsetzung der Correspondenz 1457 — 1472 
sind zu erwähnen einige Briefe der Frauen Anna und Margaretha von 
Plauen, ferner eine Reihe von Briefen Heinrich des Jüngeren 1470 
bis 1476 und dessen Irrung mit der Stadt Eger 1476 — 1479. Drei 
Fascikel. 

Daran schliessen sich die Correspondenzen der Herren von 
Reizen stein 1425 — 1527 in 1 Fascikel und der von Tettau 1450 
bis 1523. 

In Betreft' der Thosse zu Adorf und Erlbach ist zunächst die 
Correspondenz seit 1436 zu bemerken, sodann die Akten über den 
an Eberhard Thoss verübten Todtschlag zu Eger 1561. 

Ausser diesen gibt es noch Briefe von verschiedenen anderen 
Familien, unter denen noch hervorzuheben sind: 

Die von Obernitz (Hans und Leutold), Metsch, Landwüst (s. 
Haslau B. c), Cadan, Passeck, Gefeiler von Sachsengrün, die von 
Schönburg, Schwarzburg-Leuchtenberg-Sondershausen, Waidenburg 
auf Wolkenstein etc. 



340 

III. Städtebriefe. 
Hier gilt dieselbe Erweiterung des Begriffes wie in Bezug auf 
die böhmischen Städte, indem auch da verschiedene Akten aufge- 
nommen sind , die anderweitig nicht eingereiht werden konnten. 
Auch hier ist die entschiedene Mehrzahl der Städte, wenigstens durch 
einzelne Schreiben, vertreten. So Adorf, Aimaberg , Brambach, 
Chemnitz, Coburg, Dresden, Elsterberg, Freiberg, Gera. Harten- 
stein, Leipzig, Naumburg, Meissen, Ölsnitz, Plauen, Schönberg 
(Streit des Rathes von Eger mit Conrad von Metsch um das Hals- 
gericht daselbst), Voigtsberg, Weida, Weimar, Zeitz und Zwickau. 

c. Franken. 

Den Hauptbestandtheil dieser AbtheiUmg bilden die zahl- und 
inhaltreichen Schriftenbestände der Markgrafschaft Brandenburg- 
Bayreut und nehmen darum unsere Aufmerksamkeit zunächst in 
Anspruch. Beinahe 2 Kästen werden von den liieher gehörigen Akten 
ausgefüllt. Im allgemeinen Theile treten uns besonders entgegen : 

I. Die fürstlichen Akten, weiche sich folgendermassen ab- 
theilen: 

Pergament-Urkunden, meist Schutzbriefe für die Stadt Eger 
von 1439, 1440, 1442, 1443, 1444, 1445 und 1446. Ferner 
verschiedene Akten über dieses Schutz verhältniss \on 1502 — ISOS. 

Rescripte der Burggrafen von Nürnberg und Markgrafen von 
Brandenburg-Bayreut 1402 — 1530, welche einen Fascikel bilden. 
Darunter befinden sich über 40 Original-Rescripte des bekannten 
Markgrafen Albrecht, genannt Achilles. — Ferner die amtliche 
Correspondenz der Hauptleute auf dem Gebirge 1426 — 1509 in 
einem Fascikel. 

Darauf folgen mehrere bedeutende Aktenstücke, als: Ein 
Verzeichniss der von Burggraf Johann von Nürnberg dem Egerlande 
entzogenen Ortschaften v. J. 1414. — Ein Schutz vertrag des Mark- 
grafen Albrecht 1468. — Eine Erbvereinigung der Krone Böhmen 
mit Albrecht Achilles 1473. Copie. — Endlich zw^ei Verträge der 
Stadt Eger mit dem Hause {Brandenburg 1561 und 1589. 

Eine ansehnliche Gruppe bilden die in 16 Fascikeln vertheilten 
Akten über die langwierigen sogenannten „Markgräfi sehen Dif- 
ferenzien". Es wird hiebei auf Urkunden des 13. Jahrhunderts 



341 

Bezug genommeil und diese liegen in Abschrift bei. Die Reibe be- 
ginnt mit 1231 und endet mit dem Jahre 1779. 

An diesen allgemeinen Theil schliessen sich die Special-Akten 
an. Unter diesen sind zu bemerken die Schriftstücke , welche die 
ehemals zum Egerlande gehörigen vier Dörfer Schönlind, Lauterbach, 
Reichenbach und WiUlenau bei Selb betreffen, 1502—1583. 

Das auf Redwitz bezügliche Material ist so zahlreich, dass es 
allein einen kleineren Kasten füllt. ^lit Übergehung des minder Wich- 
tigen möge Folgendes angeführt werden: 

Correspondenz von Bürgermeister und Rath mit denen von Eger 
1468—1559 in zwei Fascikehi. 

Rathsakten, welche sich zuvörderst auf die Bürgermeister- und 
Rathswahl, ferner auf einen Streit zwischen Rath und Gemeinde zu 
Redwitz beziehen und in die Jahre 1624 — 1766 gehören. Darunter 
befindet sich eine Rathsliste von 1478, und ein Verzeichniss der 
Bürgerschaft nach dem Brande in der Jacobi-Nacht 1540. 

Die Rechtsakten werden eröffnet durch mehrere Vorladungen der 
Redwitzer zum Frei-Stuhl nach Westphalen in Sachen Hermann 
Plerrers 1455. Hierauf folgen Urkiniden über das Halsgericht zu 
Redwitz 1499 — 1511. An diese sciiliesst sich eine ganze Reihe von 
Prozessakten aus dem 16. bis zum 18. Jahrhunderte. 

Nicht ohne politische Bedeutung sind die Akten über die ver- 
schiedenen Übergriffe und Störungen von Seite der markgräflichen 
Beamten 1497—1792. 

Ferner folgen weitläufige Akten über Zoll und Mauth, so über 
den neuaufgerichtelen Zoll zu Dörtlas 1563 — 1757. Endlich Steuer- 
und Mililärakten aus dem 18. Jahrhunderte. 

Die Pfarrakten behandeln zunächst die Stiftung und Dotation 
der Frühmesse zu Redwitz 1442—1650, den Patronatsstreit mit dem 
Kloster Waldsassen 1630 — 1740, ferner Zehentstreitigkeiten 1545 
bis 1603. 

Damit hängen zusanunen die Akten über V^eit von Redwitz zu 
Dürmaul. 

Fränkische Herren. 

Unter diesen sind selbstverständlich die des Bayreutischen 
Territoriums mit einbegriffen. — Correspondenzen aus dem 15. bis 
Anfang des 16. Jahrhunderts gibt es von folo;enden Herren: Auf- 



342 

sess, Egioffstein, Emtmann sbei-g , Eitel Marschalk, 
Ebersteiii, Feiltsch, Forst er von Neuhaus, Fortseh, Hirs- 
berg, Kotzau, Nothaft, Redwitz (Hans v. R.), Sack, 
Schirnlinger, Seeken dorf, Strei tberg, Sparnec k, Wal- 
de u le I s, und W i 1 d e n fe 1 s zu Sehönkirch. 

Interessant sind die nun folgenden Streitigkeiten der Egerer 
mit Paul von Streitberg und mit Probst Sieger zu Berlin. 

Fränkische Städte. 

Der Briefwechsel der Stadt Eger mit den fränkischen Städten 
ist ein überaus reichhaltiger, wie denn Eger überhaupt vorzugsweise 
gegen Westen vergirte, und es wird nicht leicht einen bedeutenderen 
Ort geben, von dem sich nicht einige Briefe vorfänden. IMit keiner 
Stadt aber stand Eger in einem so regen und freundsclr.iftlichen 
Verkehr, wie mit Nürnberg. Waren es doch altererbte Beziehungen, 
die ehemalige Reichsangehörigkeit, das verwandte Stadtrecht und 
gleichartige bürgerliche Interessen überhaupt, welche die beiden 
Städte mit einander verbanden. Auf diesen Grundlagen entstand eine 
überaus reiche Correspondenz, welche von Seite Nürnbergs auf 
dem feinen Nürnberger Pergament geschrieben, bis Anfang des 
16. Jahrhunderts zwei umfangreiche Fascikel füllt. 

Ausser Nürnberg sind es besonders Wunsiedel und Hof, die 
sicli durch einen reicheren Briefwechsel auszeichnen. Daran schliesst 
sich die Correspondenz der Bisehofssitze Bamberg, Eichstädt 
und Würzburg. Im Übrigen sind noch folgende Städte vertreten: 
Arzberg, Bayreut, Berneck, Culmbach, Goldkronach, Horsbruck, 
Kirchenlamitz , Kitzingen, Kronach, Lauf, Pressat , Hohenberg, 
Thiersheim, Thierstein, Weissenstadt u. a. 

Lehensakten. 

Spam eck's che Lehensakten. Vorerst Urkunden und Cor- 
respondenz in Lehenssachen 1429 — 1473. Ferner in 2 Fascikeln 
eigentliche Lehensakten 1424—1608 und 1609 — 1773. 

Notha ft'sche Lehensakten. Correspondenz und allgemeine 
Lehensakten und speciell mit Bezug auf das Lehengut Meusselsdorf 
in einem Fascikel. 



343 



d. Bayern. 

Herzogliche Akten. Rescripte 1409 — 1507 in einem Fas- 
cikel. Darunter befinden sieh mehrere, welche auf die Irrung der 
Pfalz mit Böhmen 1481, und auf die mit Plauen 1497 Bezug nehmen. 

Hierauf folgt die amtliche Correspondenz der Vizdome zu Amberg 
und der pfälzischen Räthe. 

Oberpfalz. 

Die hieher gehörigen Schriftstücke bilden den Haupttheil dieser 
Gruppe, und verbreiten sich zumeist über Gränz- und Gerichts- 
streit-igkeiten, Melche bei den bestehenden eigenthümlichen Ver- 
hältnissen unvermeidlich wurden. Dieselben bewegen sich meist um 
die Interessen des Stiftes -Waldsassen. Das hierauf bezügliche 
Material besteht zunächst aus Abschriften der Privilegien des Klosters 
und aus einzelnen Pergament-Urkunden von 1371, 1399, 1461, 
146o. — Reichhaltig ist die Correspondenz der Abte, welche in 
zwei Fascikein Briefe im Original von 1398—1477 und 1480 — 1S35 
enthält. 

Nun folgen die Akten über ,1 uri sdi c t io ns- und Gränz- 
streitigkeilen, die 12 starke Fascikel füllen. Sie beginnen mit 
1318 und reichen bis 1760. 

Ferner sind hervorzuheben die „Waldsässischen Lehensakten" 
15o8 — 1763, woran sich Akten über die Streitigkeiten zwischen 
Waldsassen und Kinsberg über den Forst bei Kinsherg schliessen. 

Das sogenannte „pfälzische Copiale", welches Abschriften ver- 
schiedener Akten 1604 — 1682 enthält, und ein Protokollbuch über 
verschiedene Gerichtsfälle auf dem zwischen Waldsassen und Eger 
strittigen Gebiete 1729 — 1774 bilden den Abschluss dieser Ab- 
theilung. 

Leuchten berg. 

Pergament-Urkunden von 1388, 1400, 1401, 1408, 1412, 
141Ö und 1602. 

Correspondenz der Landgrafen 1408 — 15l)I. 
Lehensakten 1470— lö94 und 1733— 17ö8. 
Paulsdorfer Lehensakten 1421 — 1771. 



344 

Bayer isclie Städte. 

Am reichhaltigsten ist die Correspondenz der Stadt Regens- 
burg, der auch eiiizehie bischöfliche Akten heigeschlossen sind. Fer- 
ner gibt es Schreiben von den meisten grösseren Städten Bayerns, 
als: Amberg, Dingolfing, Freising, München, Neustadt a. N., Passau, 
Straubing, Weiden, u a. 

c. Deutsche Reichsakten. 

I. Kaiser- und R e i c h s t a g s - A k t e n. 

Bericht des Egerer Abgeordneten Hans Hausner vom Reichstage 
zu Regensburg 1469 (19. Februar — 10. März). 

Verzeichniss der auf dem Reichstage zu Nürnberg 1480 an- 
wesenden Stände. 

Rescripte Kaiser Friedrichs III. von 1475 — 1489, und Maximi- 
lians I. von 1491—1497. 

Akten aus dem Zeitalter der Reformation 1532 — 15o2. 

„Dr. Luthers vnd neben Ime 13 Theologen, was man jn der 
Religion nachgeben vnd worin man nicht weichen könne" 1540. 
Copie. 

Reichsabschied von Speier 1542. 

Schmalkaldner Büiidniss 1536. In Bezug auf den Schmalkaldi- 
schen Krieg ist eine Darstellung von Herzog Heinrichs von Braun- 
schweig Kriegszügen im Herbst 1545 zu bemerken. 

Akten den Landgrafen von Hessen betreffend 1552. 

Unter den Akten über die Reichsmünze ist zu bemerken die 
Münzordnung von Speier vom Jahre 1549. 

Maximilians II. Rescripte über Vorspann und Geleite zu 
seinen Reichstagsfahrten 1570 — 1575. 

Reichstags-Propositionen von 1592. 

Rudolfs II. Einzug in Regensburg am 18. Mai 1594. Ver- 
zeichniss der am Regensburger Reichstag 1 594 anwesenden Reichs- 
stände. Kaiserliche Rescripte über Vorspann und Fuhren zu Reichs- 
tagsfahrten 1580—1599. 

Kaiser Mathias' Krönung — ein Bericht aus Frankfurt vom 
10. Juni 1612. 

Reichsabschied von Speier vom 27. August 1626, — Einiges 
über den Reichstag zu Regensburg 1 664. 



345 

Bericht über die Ächtung der Kurfürsten von Köln und Bayern 
1706 (gedruckt). — Endlich muss hier noch eines interessanten 
Copialbuches aus dem 17. Jahrhundert gedacht werden, welches 
Auszüge aus der Reichsmatrikel enthält. 

II. Deutsche Fürsten und Städte. 

Hier finden sich selbstverständlich nur von jenen deutschen 
Fürsten Schriftstücke vor, die nicht bereits in einer früheren Rubrik 
eingereiht sind. Es kommen daher noch in Betracht die Briefe von 
Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg 1437, Ulrich von Wirtemberg 
ISIO, vom Erzbischof von Magdeburg lolO. 

Von den Städten erscheinen folgende: Augsburg 1466.— Basel, 
Bericht über die Vorgänge daselbst von 1484. Streit des Domcapitels 
mit der Stadt seit der Reformation 1Ö29 bis 1617. —Erfurt 14o0 
bis 1539. - Frankfurt 1482.— Halle 1464bislo06. — Halberstadt, 
Stift 1499bis1537. — Hirsrhau 1492. — Mühlhausen in Elsass 1513. 
— Nordhausen 1532 bis 1541. — Strassburg, zwei Pergament-Urkun- 
den von 1393. — Wien, Schreiben vom Domprobst zu St. Stephan» 
Albrecht von Schauenburg 1458 bis 1460. Neue Instruction des Land- 
gerichts Wien von 1643. — Wittenberg, Universität 1617. — 
Ulm 1458. — Zerbst 1490. 

III. Verschiedenes. 

Nachrichten über Zeitereignisse etc. 

Briefe des Leipziger Stadtschreibers Gerl an Bürgermeister 
und Rath von Eger über Zeitereignisse 1554 — 1556. 

„Zeitung" aus Nürnberg 1552. 

„Zeitungen aus Frankreich" vom 1. August 1569. Gezeichnet 
J. K.. datirt vom 29. August. 

Schreiben eines k. Kammerbeamten an den Egerer Syndicus 
Clemens Holdorf über allgemeine Zeitereignisse, zunächst in Polen, 
1576, 4. September. 

Berichte des Egerer Agenten Conrad Lederer aus Prag 1624 
bis 1626. 

Bericht aus Wien 1606, 15. März. 

Zeitung über die Vorgänge in den Niederlanden 1583. 



346 



Abtheilong der Stadtbücher. 
I. Corresponden z-B ü che r. 

(Copialbücher.) 

Ausser den ia den einzelnen Rubriken bereits namhaft gemachten 
Briefschaften besitzt das Egerer Archiv noch eine für sich bestehende 
Co rresp ondenz, welche, in chronologischer Folge geordnet, einen 
so reichen und mannigfachen Inhalt birgt, dass sie ein allgemein 
historisches Interesse bietet und den Werth des Archivs in hohem 
Grade mit bedingt. Sie besteht zunächst aus einer langen Reihe von 
eigentlichen „Copialbüchern" , welche die Abschriften der vom 
Egerer Stadtrathe ausgefertigten Briefe enthalten. Das Eintragen 
derselben in die dazu bestimmten Copialbücher war Obliegenheit 
des jeweiligen Stadtschreibers, der dies entweder selbst oder durch 
einen Hilfsbeamten besorgte. Demgemäss heisst es in dem Copial- 
buche von 1558 auf der 1. Seite: „Copiae der sendtbrief, so ein 
ernuhester erbar hoch vnnd wolweisser herr burgermaister vnnd radt 
der Stadt allhie zue Eger von dem freittag nach Inuocauif, welcher 
ist der vierte monnatstag Martij anno domini achtvnndfünftzig, bis 
vf denn sambstag nach dem Christtag gemelts jar an meniglich aus- 
gehen lassen etc. Vdalrico Milaeo artium magistro tum temporis 
archigram." etc. 

Diese Copialbücher reichen von 1538 bis 1792 und zählen 
210 Foliobände. Denselben gehen 9 Folianten voran, welche die 
Correspondenz der Jahre 1513 — 1537 theils in Abschrift, theils im 
Concept enthalten. Ferner hat sich noch aus früherer Zeit ein Epi- 
«tolar-Codex 1457 — 1468 erhalten, der mit Hinblick auf jene Zeit- 
verhältnisse nicht nur für die Stadt Eger, sondern für die ganze 
engere und weitere Nachbarschaft von höchster Bedeutung ist. Leider 
steht dieses werthvolle Copialbuch unter den Archivalien des 15. Jahr- 
hunderts vereinzelt da, und lässt in seiner Isolirung nur abnehmen, wie 
viel verloren gegangen sein musste ! Um diese Verluste so gut als 



347 

möglich zu ersetzen, war ich bemillit, die nocli vorhandenen aber 
sehr verstreuten, nicht selten auf kleinen Papierzetteln geschriebenen 
Coneepte zu sammeln und zu Fascilcehi vereinigt einzureihen, so 
dass der zerrissene Faden dieser Correspondenz, wenn auch nicht 
in seiner ehemaligen Continuität hergestellt, so doch wieder noth- 
diirftig zusammengeknüpft erscheint, indem die eingestellten Con- 
eepte bis 1436 zurückreichen, und so die Lücken Menigstens theil- 
Aveise füllen. In dieser Weise stellt sieh die gesammte städtische 
Correspondenz in 220 Folianten und 7 Concept-Fascikeln dar. Sie 
ist, was die Zeit seit Anfang des 16. Jahrhunderts betrifft-, im all- 
gemeinen wohl erhalten, denn es fehlen in der Reihe von etwa 
drittbalbhundert Jahren nur die Jahre 1540-1542, 1531, 1555 
bis 1556, 1579, ferner 1620, 1623, 1629, 1635—1036, 1654, 
1692, 1697—1698 und 1705, 1789-1791. — In gewissen Zeit- 
räumen war die Correspondenz in so regem Gange, dass nicht selten 
auf ein Jahr zwei Bände und beispielsweise auf die Jahre 1561 bis 
1562 fünf, endlicli auf das Jahr 1771 sogar drei starke Bände 
entfallen. 

Diesen Correspondenz-Büchern entsprechen die eingelaufenen 
Originalbriefe, welche in chronologischer Folge in 147 starken 
Fascikeln enthalten sind. Mit Bezug auf dieselben muss hier noch 
einiges bemerkt werden. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts fanden 
sich die den einzelnen Jahren angehörenden Briefe bereits in 
Fascikeln zusammengebunden vor, und da sie in dieser chronologi- 
schen Reihenfolge mit den oben erwähnten Copialbüchern ülterein- 
stimmten, so Hess ich die schon existirende Anordnung bestehen. 
Ich konnte dies um so leichter, als die Copialbiiclier meist mit einem 
alphabetischen Verzeichnisse versehen sind, das auch bei den Jahres- 
fascikeln der Briefe, gemäss der bestehenden Concordanz, die Orien- 
tirung ermöglicht. 

Anders stand es dagegen mit den Briefen vor dem 16. Jahr- 
hundert. 

Diese lagen theils noch zusammengefaltet in kleinen Päckchen 
umher, theils Maren sie bereits von früherer Hand aus dieser ihrer 
ursprünglichen Lage gebracht. Da hier nun gar nichts Orientirendes 
vorlag, eine beträchtliche Anzahl der Briefe aber in die bereits be- 
stehenden Rubriken einschlug, so schied ich dieselben aus und ord- 
nete sie ihren Materien zufolge ein. Auf diese Weise ergaben sich 



348 

grosseiitheils die Gruppen der o])eii atigefiilirten königlichen Rescripte 
und die Correspondenzcn der Herren und Städte der verschiedenen 
Gebiete. Was nicht auf diese Weie eingereiht werden konnte, wurde 
chronologisch zusammengelegt und den bereits vorhandenen Fascikeln 
vorangesetzt. Es ist also von den Briefen bis zum 16. Jahrhundert 
nur der — nach Aushebung der nach ihren Materien in verschiedene 
Gruppen eingestellten Briefe — übrig gebliebene Rest chronologisch 
geordnet, und schliessst sich den folgenden Fascikeln an i). 

XV. Jahrhundert, 8 Fascikel. 

1409— I4G0, 1466—1469, 1470-1471, 1472-1474, 
1475—1479, 1480 — 1489, 1490—1491, 1492—1499. 

XVI. Jahrhundert, 43 Fascikel. 

1500— 1542 ununterbrochen, 1551, 1566 — 1574, 1578, 1580 
bis 1589, 1591 — 1597 und 1599. 

XVII. Jahrhundert, 36 Fascikel. 

1603, 1608, 1620, 1627, 1630, 1632, 1635—1650, 1653 
bis 1660, 1662-1678, 1680—1683, 1685, 1690—1699. 

XVIII. Jahrhundert, 60 Fascikel. 

1700, 1702—1719, 1721, 1722, 1724 — 1726, 1728, 
1730—1741, 1743—1770. 

II. Raths-Protokollbücher. 

(„Stadtbücher.") 

Sie enthalten die Sitzungsprotokolle der gesammten Stadt- 
vertretung, und führen wolil auch darum schlechtweg den Namen 
„Stadtbücher". Dieselben sind eine ergiebige Fundgrube historischen 
Materials, das nicht selten über die städtischen Verhältnisse hinaus- 
ragt und in allgemeine Beziehungen eingreift. Diese Bücher um- 



') Ich verkenne keineswegs das Ung^leichmässig-e dieser Anordnung, mit der weder die 
Freunde der stricteu Eintheilung: nach Materien, noch die der chronolog-ischen 
Folge einverstanden sein dürften. Mir war es aber vor allem um schnelle Zugäng- 
lichkeit dieser Art von Archivalien zu thun, und in dieser Beziehung rechtfertigten 
auch die sofort gemachten Erfahrungen diese Einiichtung. 



349 

fassen mit einziger Ausnahme des Jahres 1750 in ununterbrochener 
Folge — in 139 Folio-Bänden — die Zeit von 1502—1787. 

III. Pro cl ama-Bü eher. 

So genannt nach den Proclamationen oder Verordnungen des 
Stadtrathes an die Bürger und Stadtangehörigen. Diese Bücher sind 
ihrer Natur nach für die jeweiligen Cultur Verhältnisse der 
Stadt von grösster Bedeutung, und es Hesse sich aus ihnen allein 
eine Reihe von Sittenbildern entwerfen. Das älteste derselben be- 
ginnt mit dem Jahre löt)2 und ist ausdrücklich als das erste be- 
zeichnet. Früher scheint man dergleichen städtische Verordnungen, 
welche durch Anschlag an der Rathhauspforte oder an andern 
öffentlichen Orten publicirt wurden, nicht in eigens dazu bestimmte 
Bücher eingetragen zu haben, sondern man behielt von den einzelnen 
Kundmachungen ein Exemplar zurück. Dergleichen finden sich denn 
auch noch aus dem lö. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts 
vor, und sind den „Stadtsachen" beigeordnet. — Besonders wichtige 
Verordnungen hat niau in die Stadt-Gesetzbüciier eingetragen, wie 
dies aus dem noch erhaltenen Pergament-Codex von 1332 unter B. 
a. ersichtlich ist. 

Die Reihe der Proclama-Bücher ist folgende: 

1Ö62-1Ö97, 1608— 1G27, 1627-1648, 1648—1686, 
1686-1708, 1714-1724, 1723—1732, 1732-1738, 1741 
1739—1751, 1753—1756,1757 — 1708, 1759 — 1760, 1761 — 
1763, 1764, 1764—1769, 1771 — 1781, 1782-1787, 1787 
- 1790 

IV. Seh ul d-Prot ko 11 buche r. 

Mit diesem Namen bezeichne ich jene 6 Folianten in Riesen- 
format, in denen Amtshandlungen in Schuldensachen in Kürze ein- 
getragen sind. In Anbetracht ihres beträchtlichen Alters dürften 
diese Büciier von Interesse sein. 

1387 — 1415, 1416-1438, 1439 - 1450?, 1451 — 1470, 
1470—1484, 1484—1496. 

Ferner ist eine Anzahl von Amts- und Gerichts-ProtokoUhüchern 
vom Ende des 16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts vorhanden, die hier 
nicht im einzelnen angeführt werden, weil sie weder bezüglich 
ihres Inhalts noch in Ansehung ihres Alters besondere Beachtung 
verdienen. 



350 

Eine eigene Grnppe l)ilden die Steuer- und Rechniingsbiiclier, 
unter denen zunächst in Betracht kommen : 

V. Die L s u n g s b ü c h e r. 

Diese enthalten die Steueransätze der Bürger, die in der Regel 
mit einem Procent berechnet wurden. — Auf der innern Rückseite des 
ältesten dieser Bücher ist (bigende Geiöbnissi'ormel eingetragen: „das 
du alles, was du hast, sey es an varnter habe oder an kaufmanschaft 
etc. . . recht hast verlosunget" etc. Das erste Losungsbuch stammt 
aus dem Jahre 1390 und führt die Aufschrift: „Losung das erst". Die 
folgenden Bücher bis 1400 sind Jahr für Jahr noch erhalten und die 
weiteren reihen sich an mit wenigen Unterbrechungen bis 1768. 

VI. Klo-Steuerbücher. 

Sie enthalten die Steueranlagen der Landbevölkerung. Die ersten 
Bücher scheinen nicht mehr vorhanden zu sein, und auch das älteste 
noch erhaltene vom Jahre 1394 ist nur in einer Copie des 18. Jahr- 
hunderts vorhanden. Die weitere Reihenfolge ist: i395, 1397, 
1400, 1408, 1409, 1410, 1421 u. s. f. mit wenigen Unterbrechun- 
gen bis 1758. 

VIL Umgeldbücher, welche von 1442 an erhalten sind. 

VIII. Ausgab-Büc her, welche den städtischen Verwaltungs- 
Aufwand verrechnen und von 1441 bis 1768 reichen. — Daneben 
gibt es noch 

IX. A 11 g e m e i ne R e c h n u n g s b ü c h e r, von denen das erste 
in das Jahr 1396 fällt. 

Endlich mögen noch 

X. die zahlreichen Gross- und K 1 e i n r e g i s t e r erwähnt wer- 
den, welche meist Auszüge aus den verschiedenen Rechnungsbüchern 
enthalten. — Die sämmtlichen hier genannten Bücher sind auf Pa- 
pier geschrieben. 

Hiemit findet die Aufzählung des archivalischen Materials ihren 
Abschluss. Es erübrigt mir nur noch zu erwähnen, dass die Stadt- 
vertretung von Eger in richtiger Erwägung, dass ein so reichhaltiges, 
die theuersten Erinnerungen dieser alten Stadt bergendes Archiv 
nicht ohne fernere Aufsicht bleiben könne, die Überwachung und 
eventuelle Ergänzung desselben dem mit den Verhältnissen des 



33t 

Egerer Archivs vvohlvertrauten Gymnasial-Lehramts-Candidaten Herrn 
Anton Riedl übergab. 

Überhaupt bat sich die Stadt Eger durch die hier dargestellte 
Fürsorge für ihr Archiv ein bleibendes Verdienst um die vater- 
ländische Geschichtsforschung erworben , und es gebührt ihr vor 
den übrigen deutschen Städten Böhmens die Anerkennung, auf die- 
sem bisher so vernachlässigten Gebiete den ersten bedeutenden 
Schritt gethan zu haben. 



353 



VIT. 



DER 



TÜRKISCH-POLNISCHE FELDZUG 

IM JAHRE 1620 

NACH GEDRUCKTEN UND HANDSCHRIFTLICHEN (QUELLEN 

DARGESTELr.T 

VON 

Du. XAVER LISKE. 



Archiv. XLI. •> 



355 



rüi" die Verhältnisse des osmanischen Reiches wird das Werk Ham- 
mers, trotzdem dass es bereits seit mehr als 30 Jahren erschienen ist, 
immer noch als Autorität ausgesehen und mit vollem Recht. Die gründ- 
liche Kenntniss der türkischen Quellen, das reichhaltige aus Archiven 
beigebrachte Material, die umsichtige Verarbeitung desselben, durch 
welche sich das Werk auszeichnet, sichern ihm noch für lange Zeit 
einen hohen Werth. 

Doch bei dem grossen Umfange des Stoffes, bei dem ungeheuren 
Gebiete, welches zu bearbeiten und zu bewältigen war, bei dem Man- 
gel an gründlichen Vorarbeiten, welche von dem gelehrten Verfasser 
benützt werden konnten, Hessen sich nicht alle Verhältnisse des os- 
manischen Reiches auf einmal mit gleicher Präcision und mit er- 
schöpfender Benützung des Materials bearbeiten. Ich habe hier vor 
allem die Verhältnisse der Türkei zu Polen im Auge. Bekanntlich 
hatte die Republik während ihrer Existenz durch einen langen Zeit- 
raum zahlreiche Kämpfe mit dem ^Feinde der Christenheit" auszu- 
fechten, welche nicht immer zu ihrem Vortheile ausfielen. Unter 
diese ist auch der Feldzug vom Jahre 1620 zu zählen, der in dem 
berühmten Hammer'schen Werke im IV. Rande S. Sil— 514 in dem: 
Gratiani's Ende betitelten Abschnitte behandelt wird. Die Darstellung 
basirt allein auf der Erzählung des türkischen Historiographen Naima, 
die polnischen Quellen werden nicht berücksichtigt. Da es dem ge- 
lehrten Verfasser vor allem und wesentlich um die Vorgänge in dem 
türkischen Lager ging, so hatte für ihn der Schriftsteller, aus dem 
dieselben am besten zu ersehen waren, auch die grösste Wichtigkeit. 
Doch hieraus folgte eine nicht ganz genaue Darlegung der Vorgänge, 
und wir glauben, dass wir weder dem hohen Werthe des angeführten 
Werkes, noch den grossen Verdiensten seines gelehrten Verfassers 

23* 



35« 

zu nahe treten werden, wenn wir mit Heranziehung aller disponiblen 
gedruckten und handscliriftliehen Quellen diesen Feldzug darzustellen 
unternehmen. 

Vor allem glauben wir einige Worte über die Quellen sagen zu 
müssen. 

Von den türkischen Quellen ist allein die Geschichte Naimas 
heranzuziehen. Naima gibt uns in dem I. Bande seines Werkes 
zwei Darstellungen der Kämpfe auf der Tschotschorischen Ebene 
(von den Polen Cecora genannt), die erste aus den Scbriften des 
Kiatib-Tschelebi geschöpft, die zweite aus einer türkischen Chronik, 
deren Verfasser die Aussagen eines Augenzeugen benützte. Die Aus- 
führungen Naima's sind für die V^orgänge im türkischen Lager, für 
die Feststellung der Kräfte der türkischen Truppen von äusserster 
Wichtigkeit, doch, wie überhaupt die orientalischen Historiographen, 
überschwänglich in der Darstellung und an den Stellen, wo sie sich 
über den Gegner ausbreiten, nur mit äusserster Vorsicht zu benützen. 
Was in dem türkischen Lager vorging, konnte er besser wissen 
als alle polnischen Historiographen, und darin werden w ir auch haupt- 
sächlich ihm folgen. Wir benützen das Werk Naima's in der von Sekowski 
[Collectanea z dziejopisow tureckich (Collectaneen aus türkischen 
Geschichtsschreibern), Warschau 1824, Band I, S. 130—144] 
gegebenen Übersetzung. 

Die polnischen Quellen sind ziemlich zahlreich, viel ergiebiger 
als die türkischen, aber ebenfalls mit Vorsicht zu benützen, da auch 
sie keineswegs frei von Übertreibungen und Überschwänglichkeit 
sind; so werden unter anderem die Kräfte der türkischen Armee und 
ihre Verluste meistentheils sehr bedeutend übertrieben. Wir wollen 
hier in erster Reihe die Quellen aus erster Hand d. h. die Berichte 
der Augenzeugen besprechen. Dazu gehört vor allem der Bericht 
Theophil Szembergs. Szemberg war während des Feldzuges An- 
führer der polnischen Artillerie und konnte also in dieser hohen 
Stellung wohl von allem unterrichtet sein, trotzdem aber darf man 
seinem Berichte nicht durchweg trauen. Als nämlich die Überreste 
des polnischen Heeres in ihre Heimath zurückgekehrt waren, als die 
Expedition ein so unglückliches Ende genommen hatte, da ergoss sich 
ein Strom von Schmähungen in dem Lande auf die Theilnehmer der- 
selben, die Feldherren, die Officiere wurden des Verrathes, der Feig- 



357 

heit beschuldigt. Szemberg als eiiiei- der höheren und durch die 
Verunglimpfungen niitgetroffenen Befehlshaber publicirte nun seinen 
Bericht, um sich und seine Genossen zu reinigen. Daraus lässt sich 
folgern, dass er manches verschwieg oder in einem besseren Lichte 
darstellte, was nicht ganz zu ihrem Vortheile sprach. Da aber zu- 
gleich auch der Bericht sofort nach der misslungenen Expedition 
veröfTentiicht wurde, da sich bei derselben viele der angesehenen, 
mächtigen polnischen Herren starke Blossen gegeben hatten, so folgte 
hieraus ein zweiter Missstand desSzemberg'schen Berichtes: er wagte 
nicht die mäcbtigen Unheilstifter, die angesehenen Magnaten bei 
ihrem richtigen Namen zu nennen und wollte das Unglück lieber dem 
armseligen Tross in die Schuhe schieben. — Etwas kühner und daher 
richtiger ist schon der Brief Szembergs an den Bischof von Posen 
(Handschrift der ßaczyiiskischen Bibliothek zu Posen H, H. a. 1, 
S. 572 — 581). Er ist augenscheinlich früher abgefasst als der 
„Bericht", und da er nur zu einer Privatmittheilung bestimmt war, 
so geht er der Sache etwas schärfer auf den Ktipf , obgleich auch 
hier noch der Verfasser nicht den Muth hat, die lautere Wahrheit 
aufzudecken. 

Höchst wichtig sind ferner die Briefe des polnischen Oberfeld- 
herrn Stanislaw Zotkiewski, die theils kurz vor, theils während der 
Expedition selbst geschrieben sind , so vor allem die Briefe vom 
26. August, 24. September und 6. October 1620, abgedruckt bei 
Bielowski, Pisma Stan. Zol'kiewskiego (Schriften des Stan. Zol'k.), 
und ein Brief vom 6. September (Handschrift der Baczyiiskischen 
Bibliothek zu Posen II, H. a. 1, S. 539—543). 

Von den übrigen Berichten der Augenzeugen wollen wir hier nur 
folgende nennen: Nachrichten aus dem Lager des Hetmans (Handschrift 
der Baczyiiskischen Bibliothek zu Posen II, H, a. 1, S. 543 — 545); 
ein höchst wichtiger und wahrheitsgetreuer Brief aus dem polnischen 
Lager vom 25. Sejitember [abgedruckt bei Szajnocha, Opowiadania 
Krölu Janie III. (Erzählungen von König Johann III.) S. 45 — 46]; 
ein Brief an den Wojewoden von Kiew, geschrieben sofort nach der 
Expedition, und eine ziemlich gleichzeitige Beschreibung derselben 
[beides bei Baliiiski, Studia historyczne (Historische Studien) S. 296 
bis 302 und 308 — 317]; endlich ein Bericht über die Expedition 
bei Wojcicki, Bibl. star. pis. polsk. (Bibliothek alterthüml. polnischer 
Schriftsteller), Band IV. — Dies sind die wichtigeren Berichte; die 



358 

minder wichtigen handschriftlicihen und gedruckten werden wir noch 
im weiteren Verlaufe kennen lernen. 

In zweiter Reihe stehen die polnischen Chronisten; diese sind: 

Joannis Innocentii Petricii Rerum in Polonia ac praecipue belli 
cum Osmano Turcarinii Imperatore gesti finitique Historia Anno 1620 
et 1621, Cracoviae 1637. 

Wassenherg, Gestorum Vladislai IV. Pol. et Svec. Regis Pars I. 
Lib. IL, Gedani 1643, editio II. correctior; schöpft nur aus dem 
Vorigen. 

Kobierzycki, Historia Vladislai Pol. et Svec. Principis, Dantisci 
1655. 

Stanislai Lubienski Opera posthuma : Censura Julii Belii, Ant- 
verpiae 1643. 

Piasecki, Chronica gestorum in Kuropa singularium, Cracoviae 
1645. 

Alle diese Chroniken ziehen wir nur höchst selten herbei und 
beschränken uns , wo möglich, auf die authentischen Berichte der 
Augenzeugen. Die Chronisten haben zum grossen Theile nur den Be- 
richt Szembergs excerpirt und enlhallen nur hin und wieder etwas 
Wichtiges und Neues. 



359 



Der türkisch-polnische Rrieg im Jahre 1620 <) 

Der durch den Hetmaii Zotkiewski am 23. September 1617 mit 
den Türken unter Iskender-Pascha zu Jaruga geschlossene Frieden, 
gewöhnlich der Frieden von Busza genannt, stipulirte folgendes : Polen 
solle die Kosaken von ferneren Verwüstungen und Plünderungen der 
Türkei abhalten; es solle den Tartaren die gewühnliehen jährlichen 
Gaben nicht vorenthalten, wofür diese sich verpflichten den polnischen 
Landen keinen Schaden zuzufügen; endlich solle Polen eine stricte 
Neutralität gegenüber den siebenbürgischen , moldauischen und 
wallachischen Angelegenheiten bewahren-). Es erhob sich ein grosses 
Geschrei von Seiten vieler polnischer iMagnaten, der Zbarazski's, 
Sieniawski's und anderer, gegen diesen Frieden; der greise Hetman, 
der in seinem thatenreichen Leben so viele Beweise der Aufopferung 
gegeben, wurde der Feigheit angeklagt. Die grossen Herren der 
ruthenischen Lande sollten sich nicht mehr in die Angelegenheiten 
der beiden Donaufürstenthümer mischen, das war ihnen ein Dorn im 
Auge. Zolkiewski , der den Frieden geschlossen, weil er in der 
damaligen bedrängten Lage des Landes sein Heer nicht in einem 
Kampfe mit den überwiegenden Kräften des Feindes aufs Spiel setzen 



') Von den in polnischer Sprache geschriebenen Bearbeitungen dieses Themas ver- 
dienen vor aUen anderen erwähnt zu werden: Balinski, Studia Historyczne (Histor. 
Studien) S. 228 — 321 und Szajnocha, Opowiad, o Krolu Janie MI. (Erzähl, von 
König Johann 111.) S. 31 — 61. Der ersteren sonst gründlichen Arbeit Hesse sich 
vorwerfen, dass sie zu unbedingt auf polnischen Quellen basirt. Der kritische und 
geniale Szajnocha behandelt das Thema nur vorübergehend als Einleitung zu den 
Erzählungen von Johann Sobieski, deren Erscheinen aber leider sein für die Wis- 
senschaft allzu früh eingetretener Tod (er ist am 10. Januar 1868 gestorben) ver- 
hindert hat. 

2) Siehe die beiderseitigen Dooumente bei Bielowski, Pisnia Slan. Zolk. S. 277 u. ff. 



360 

wollte, sah sich genöthigt , sich auf dem folgenden Reichstage öffent- 
lich zu vertheidigen und sein Verhalten in dem gehörigen Lichte 
darzustellen i). Aber der Frieden wurde weder von der einen, noch 
von der anderen Seite eingehalten, die Tartaren plünderten das 
polnische Gebiet, die Kosaken machten so wie früher Streifzüge in 
das türkische. Die Verhältnisse waren trotz des Vertrages auf einem 
höchst gespannten Fusse. Die Lage verschlimmerte sich noch, als 
Sigismund IIL dem österreichischen Kaiserhause eine bedeutende 
Abtheilung der Lisowskischen Kosakengegen Bethlen Gabor (1619) 
zu Hilfe gesandt hatte. Durch diese Einmischung in die siebenbür- 
gischen Angelegenheiten wurde der Vertrag von 1617 wiederum ge- 
brochen und zugleich Bethlen Gabor zu einem unversöhnlichen Feinde 
Polens gemacht. Er wiegelte beständig den türkischen Hof gegen 
die Republik auf, aber ein grosser Theil seiner Briefe wurde von 
dem vor kurzem neu ernannten Hospodaren der Moldau, Graziani, 
aufgefangen und an den polnischen Hetman ausgeliefert 2). Bethlen 
Gabor bekam Kunde davon und wurde desto mehr gegen Polen und 
den Hospodaren erbittert. Die Stellung Graziani's wurde dadurch eine 
höchst kritische. Schon von Anfang seiner Herrschaft an neigte er sich 
vorwiegend zu Polen hin und war in steten Verhandlungen mit dem 
Hetman Zotkiewski; er fühlte sich unter der türkischen Oberhoheit 
nicht sicher und glaubte besser zu stehen, wenn das Land unter 
polnischer Botmässigkeit stünde. Doch wagte er noch nicht offen mit 
seinen Plänen aufzutreten, da er einerseits nicht wissen konnte, ob 
seine eigenen Unterthanen ihm beipflichten würden, andererseits 
noch keine Gewissheit hatte , ob Polen ihn hinreichend unterstützen 
würde. Der türkische Hof, durch Bethlen Gabor und den früheren 
Hospodaren der Moldau, Tomscha, von diesen Umtrieben Graziani's 
unterrichtet, musste in kurzem Verdacht gegen ihn schöpfen und 
beauftragte daher seinen früheren Gönner Iskender-Pascha ein wach- 



1) Siehe seine Briefe bei Bielowski 1. c. S. 281, Nr. 58; S. 287, Nr. 59; S. 294, 
Nr. 62, und seine Rede auf dem Warschauer Reichstage S. 301, Nr. 63. 

*) So schreibt unter anderem Zolkiewski in einem seiner Briefe: „Graziani hat mir 
die Copie eines Briefes des siebenbürgischen Wojewoden an Iskender-Pascha über- 
schickt, in welchem er sich schmeichelt, Wien einnehmen zu können. Diese Schufte 
denken an viel Böses und werden es vollbringen , wenn sie können. Ut jugulent 
homines, surgunt de nocte latrones. Auch wir dürfen die Sache nicht verschla- 
fen". Bielowski 1. c. S. 352. 



361 

sames Auge auf ihn zu haben. Graziani aber verstand es noch lange 
den türkischen Hof über seine Pläne nicht ins klare kommen zu 
lassen, so dass man durch das ganze Jahr 1619 daselbst nicht recht 
wusste, was man von ihm denken sollte. Der Verdacht allein aber 
war schon hinreichend , um die Türken sowohl gegen ihn als die 
Republik Pulen höchst misstrauisch zu stimmen. Der polnische Ge- 
sandte Hieronimus Otwinowski wurde daher in Konstantinopel auf 
eine sehr ungnädige Weise aufgenommen, es wurden ihm sogar die 
einem Gesandten gewöhnlich zugestandenen Ehren versagt. Die Be- 
mühungen Bethlen Gabors und des früheren moldauischen Hospo- 
daren führten endlich zum Ziele, der türkische Hof beschloss die 
Republik mit Krieg zu überziehen i). Schon Anfang Mai 1620 bekam 
der Hetman ZoJkiewski Nachricht davon; obgleich er der erhaltenen 
Kunde noch nicht vollkommen Glauben schenkte, so machte er doch 
sofort Vorbereitungen, um wenigstens irgend ein Heer um sich zu 
sammeln 2). Doch immer häufigere Briefe aus Konstantinopel und 
aus Jassy überzeugten den Hetman in kurzem, dass an einem bal- 
digen Ausbruche der Feindseligkeiten gar nicht zu zweifeln sei. Am 
30. Juni 1620 schreibt er an den König: „Aus verschiedenen Briefen, 
die mir überbracht worden, kann ich schliessen, dass uns der Krieg 
mit den Türken nicht verfehlen wird, aber zuerst verfahren sie nach 
ihrer Weise mehr fraudibus et dolis, als aperta vi gegen die Repu- 
blik s)«. Aber nicht so sehr „fraudibus et doh's" verfubi- der tür- 
kische Hof diesmal mit Polen, denn dem polnischen Gesandten Otwi- 
nowski*) erklärte der Gross-Wesir geradezu, der Kaiser habe be- 
schlossen die Republik mit Krieg zu überziehen; alle Vorstellungen 
des Gesandten fruchteten nicht, es hiess: dies sei der Wille des 



1) Diese Verhältnisse sind zu ersehen aus den Briefen hei Bielowski I. c ; SzajnoiiiR, 
Op. o Krolu Jan. III., S. 33 — 35; Balinski, Stud. hist. S. 232—236. 

-) Brief Zolkiewski's an den König ddto. 3. ]Mai lü20, MS. der Racz. Bibl. zu Po- 
sen, 11. H. a. 1, S. 448—430. 

S) Brief ZoJkiewski's au den König ddto. 3U. Juni 1(;20, MS. der Racz. Bibl. zu Po- 
sen, II. H.a. 1, S. 304. 

*) Otwinowski hatte sich Ende December 1619 nach Konstantinopel begeben. Es 
heisst in einem Briefe Zolkiewski's an den König (MS. der Racz. Bibl. z. P. II. H. a. 
1.) ddto. 16. Januar 1620: „Herr Otwinowski. von E. K. Maj. nach der Türkei ge- 
sandt, hat sich auch schon auf den Weg begeben". Der Brief ist in Zolkiew ge- 
schrieben. 



362 

Sultans und dabei müsse es bleiben. Der Gross-Wesir maebte kein 
Geheimiiiss daraus, dass der Kaiser persiinlicb im künftigen Jabre 
nach Polen ziehen werde, man möge sieb daber dort wobl vorbe- 
reiten. Wolle aber Polen Frieden haben , so möge es sofort alle 
Städte in der Ukraine zerstören und binnen vier Monaten die Kosaken 
aufheben; tbue es dies nicht, so werde es der Kaiser selbst ins Werk 
setzen. Da der Gesandte auf solche Forderungen nicht eingeben 
wollte, so wurde ihm geboten sich sofort zur Abreise fertig zu 
machen. Er verlangte sicheres Geleit bis zur Grenze, aber auch 
dieses wurde ihm versagt, und er beschloss daber sich über Italien 
nach seiner Heimath zu begeben i). 

Doch war der türkische Hof in dieser Zeit noch keineswegs zum 
Kriege vorbereitet, noch im Mai hatte der mit dem Oberbefehl be- 
auftragte Iskender-Pascha nur eine höchst geringe Truppe bei sich, 
und erst um diese Zeit scheint er den Befehl erhalten zu haben ein 
grösseres Heer um sich zu sammeln. Er hielt sich damals in Bender 
(in den polnischen Quellen Tehinia genannt) auf; noch Ende Juli, 
wie aus einem Briefe aus Jassy ersichtlich, hatte sich erst eine 
geringe Macht eingefunden, die Tartaren, welche den Befehl er- 
halten, zu ihm zu stossen, waren noch nicht aufgebrochen, die tür- 
kischen Paschas, die unter seinem Befehle stehen sollten, noch mit 
den Vorbereitungen beschäftigt, aber mit Emsigkeit wurde gerüstet, 
die Ungehorsamen mit Strenge bestraft 2). 



1) Alle diese Umstände entnehmen wir aus Briefen des Gesandten. So sehreibt er am 
25. Juni 1620 aus Konstantinopel: »Der Krieg der Türken gegen E. K. M^'. und 

die Krone ist fest beschlossen und unwiderruflich Ich habe mich mit allen 

Kräften bemüht zu beweisen , wie ung-erecht, mit dem Eidschwur nicht überein- 
stimmend und grundlos derselbe sei, aber nichts wollte fruchten. Ich habe die 
Antwort bekommen , so sei der Wille des Kaisers ; der Wesir selbst sagte palam 
publice, dass im künftigen Jahre der Kaiser persönlich nach Polen marschiren 
werde, seid also bereit . . ." (MS. der R. B. z. P. II. H. c. 8.) Auch der Gesandte 
des römischen Kaisers schreibt aus Konstantinopel an den König ddto. 22. Juni 
1620: „Dubio procul ad benignas S. R. M. Vrae. aures jam pridem perventum 
erit hunc Sultanuin ulla absque rationabili ac legitima de causa regnis et di- 
tionibus S. R. M. Vrae. bellum indixisse". (Ibidem.) — Die übrigen Details ha- 
ben wir aus einem anderen Briefe Otwinowski's vom 13. Juli 1620 (MS. der 
R. B. z P. II. H. a. 1, 315—519) entnommen. 

3) Brief Zofkiewski's an den König vom 3. Mai 1620 (MS. der R. B. z. P. IL 
H.a. 1, 448—450); Brief aus Jassy vom 31. Juli 1620 an Zolkiewski. (Ibidem 
S. 519—520.) 



363 

Auch der Hospodar Graziani bekam den Befehl sich bereit zu 
machen und an dem Feldzuge gegen die Republik Theil zu nehmen »); 
man musste also noch damals in Konstantinopel an seine Treue glau- 
ben oder ihn wenigstens nicht mit Sicherheit unter die Abtrünnigen 
zählen. Erst im August erliielt Iskender-Pascha die Nachricht, dass 
Graziani mit den Polen in einen engeren Bund getreten sei^). Doch 
auch jetzt noch warf der Hospodar die Maske nicht otfen ab; noch 
fühlte er sich nicht sicher, noch sah er keine Hilfstruppen von Polen. 
Mit allen Kräften aber bemühete er sich den Hetman und die Repn- 
blik zu bewegeil, aufs schleunigste ein Heer zu sammeln und in die 
Moldau einzubrechen; er erbot sich sofort die Oberhoheit Polens 
anzuerkennen und mit einem Heere von 25.000 Mann zu den pol- 
nischen Truppen zu stossen. Er wusste, dass die Türken noch nicht 
vorbereitet seien, dass es also besser wäre nicht den Zeitpunkt ab- 
zuwarten, wo sie alle ihre Kräfte gesammelt hätten und selbst in das 
polnische Gebiet eingebrochen sein würden. Er konnte den ersten Stoss 
der türkiseben Macht nicht allein aushalten, wollte also, dass die 
Polen sich so schnell wie möglich mit ihm verbänden. Und wenn man 
die Sachlage genau und mitVerständniss erwägt, so blieb der Republik 
nichts anderes übrig. Der Krieg mit der Türkei war unvermeidlich, 
war sogar schon erklärt; es hiess zwar, erst im künftigen Jahre 
würde der Kaiser persönlich nach Polen marschiren, sollte man also 
diese Zeit abwarten, sollte man warten, bis die türkischen Heere in 
das Gebiet der Republik einbrechen würden? War es nicht besser 
den Kampfplatz auf das feindliche Gebiet zu verlegen und dem feind- 
Uchen Lande die Beschwerden des Krieges aufzubürden? Der Hospo- 
dar, der Adel der Moldau erbot sich, sich mit dem polnischen Heere 
zu verbinden , er bat inständigst um den Einmarsch 3) , was sollte 
man thun? Man hatte keinen Grund, seinen Versicherungen keinen 
Glauben zu schenken. Aber um einen solchen Feldzug mit Erfolg 
führen zu können, um einen so mächtigen Feind bezwingen zu 
können, musste man über eine bedeutende Streitmacht verfügen; 
nur in diesem Falle konnte man Aussicht haben die Moldau unter 
polnischer Botmässigkeit zu bebalten. Diese Meinung theilten damals 



') Brief an Zolkiewski aus Jassy dilto. 'iü. Juni lü'iO (MS. II. H. a. 1, S. '602 — 503). 

**) NiiiiiiH bei Sekowski I, 131. 

■i) Brief aus Jassy vom 31. Juli ItViO (MS. II. H. a. 1, S. oi9 und 520). 



364 

die tüchtigsten Männer Polens; der Gesandte in Konstantinopel, 
Otwinowski, schreibt: ^Um Gottes Willen, wir müssen mit diesen 
Heiden etwas anfangen, dass sie nicht Übermacht bekommen, wir 
müssen ihnen zuvorkommen, den Chan überfallen und nicht zu Hause 
auf ihn warten, zu den Tartaren die Kosaken schicken, die Ufer der 
Donau besetzen ; wo nicht, so müssen wir unterliegen . . . Leicht 
aber ist es am fremden Ufer zu unterhandeln". Auch der greise 
Krieger ZoJkiewski, der 73jährige Hetman, war derselben Meinung, 
auch er hätte lieber gesehen, dass es zu einem so gefährlichen Kriege 
nicht gekommen wäre, er hätte gerne allen Anlass zu demselben ver- 
mieden; da er nun aber fest beschlossen war, da er sich auf keine 
Weise vermeiden Hess, so war auch er der Meinung den Krieg so- 
fort anzufangen und in des Feindes Land zu spielen. „Werden wir 
diesen Krieg in unserem Lande führen, actum est de nobis", schreibt 
er an den König bald nach dem Einmarsch in die Moldau , und in 
einem anderen Briefe: „Wird die Republik, mein geliebtes Vater- 
land, defensivo hello in ihrem Gebiete den Krieg mit dem Türken 
führen, actum est, so sind wir verloren! Werden wir aber mit dem 
Feinde in seinem Lande kämpfen, werden wir ihn dort überfallen, 
non est desperandum de victoria". Der Hetman befürchtete nämlich 
bei einem Einfalle der Feinde in das Gebiet der polnischen Republik 
einen Aufstand der unzufriedenen Kosaken, er rieth daher nicht zu 
warten, bis der Feind fertig sei, sondern mit den anderen christlichen 
Mächten sich zu verbinden und in das türkische Gebiet einzubrechen. 
„Unsere Vorfahren", schreibt er im Juni an den König, „haben sich 
vor dem Kampfe mit den Türken wohl gehütet, und auch ich war und 
bin derselben Meinung. Da nun aber die Sachen bereits so weit 
vorgeschritten sind, dass wir keine Hoffnung hegen können den 
Frieden mit jenen verstockten und nach Christenblut lechzenden 
Heiden zu bewahren, so ist es besser mit fremder Hilfe, als allein 
omni auxilio destiluti mit ihnen zu kämpfen »)". So urtheille Zof- 



') Siehe die Briefe Otwinowski's ddto. Konslantinopel 27. Juni 1620 (MS. II. H. c. 8), 
Zolliiewski's ddto. 6. September 1620 (MS. 11. H.a. 1, S. S39 — S43) und ddto. 
30. Juni 1620 (MS. 11. H. a. 1, S. 504—507). — Die polnischen Schriftsteller (ßa- 
liriski 1. c. S. 237, Sz.ajnocha S. 35, Szujski, Dzieje Polski 111, 215) machen dem 
Könige Sigismund 111. harte Vorwürfe, dass er diesen Krieg bejronuen, sie be- 
haupten , er hätte dies durch österreichische Intriguen bewogen gethan. Uns 
»cheint dieser Vorwurf ganz unbegründet, es blieb lediglich nichts anderes zu 



3(55 

kiewski , aber sein Rathschlag wurde nicht nur von Rücksichten auf 
das öffentliche Wold geleitet, es spornte den im Dienste des Vater- 
landes ergrauten Feldherrn auch die öffentliche Stimme zum Beginne 
des Krieges an. Verläumderische Zungen des unruhigen, nach mol- 
dauischer Beute lüsternen Adels griffen den Ruf des greisen Hetmans 
an, sie konnten ihm den im Jahre 1617 abgeschlossenen Vertrag 
nicht vergessen; solche Verläumdungen schmerzten tief den ergrauten 
Helden, er war bereit jeden Augenblick zu zeigen, wie leicht es 
ihm sei. sein Leben für das Vaterland zu opfern, er dürstete nach 
einer Gelegenheit, um im Kampfe mit dem „Feinde der Christenheit" 
entweder zu siegen oder zu sterben i). Doch durfte er nicht auf 
eigene Hand über den Beginn des Krieges entscheiden, er sammelte 
[laher, um auf jeden Fall vorbereitet zu sein, schon um die Mitte 
des Jahres 1620 Truppen um sich, wandte sich aber zugleich an 
len König um weitere Verhaltungshefehle. 

Die Senatoren, welche darüber berietlien, theilten sich in zwei 
Parteien: die einen, welche um jeden Preis den Frieden erhalten 
sehen wollten, meinten, man dürfe das Heer nicht über die Grenzen 
des Reiches führen, man solle das eigene Besitzthum vertheidigen 
und nicht fremdes angreifen; dem Graziani könne man eine Zuflucht- 
stätfe in Polen gewähren, aber mit einem so geringen Heere sei es 
zu gewagt, in die Moldau einzurücken. Dieser Raihschlag wäre ein 
vollkonmien correcter gewesen, wenn durcli ihn der Krieg mit den 
Türken vermieden worden wäre; da dies aber keineswegs der Fall 
war, da man dadurch nur die Moldau und Graziani geopfert hätte 
und trotzdem die Türken auf den Hals bekam, so führte er zu gar 
nichts. Der andere Theil des Senates, und vor allen der Bischof und 
Unterkanzler Andreas Lipski, rietli den Krieg sofort zu beginnen, 
die Moldau zu occupiren und hier sicii zum weiteren Kampfe vorzu- 
bereiten. Der König pflichtete dieser Meinung bei und es wurde, 
ohne den Reichstag abzuwarten, an Zotkicwski der Befehl ertheiii. 



thun übrig-, als den Krieg , der sieh auf Iceiae Weise vermeiden liess, anzufangen. 
Sigismund entschied sich für ihn erst dann, als er in Konstantinopel fest beschlos- 
sen war. Es Hesse sich nur vorwerfen , dass er mit zu geringen Kräften unter- 
nommen wurde. 
'J Brief Zolkiewsld's an den König ddto, 26. August 1620 Lei Bielowski S. Z7i 
N. SO, bei 15;.liiiski S. 238. 



3B6 

in die Moldau eiiizuiückcn '). Ein solcher Befehl ist mindestens ein 
übereilter zu nennen; dass nämlich der Krieg anzufangen und nicht 
der Angriff der Türken abzuwarten war, haben wir bereits oben 
gesagt, aber ein solcher Krieg musste mit entsprechenden Kräften 
geführt werden; wenn man den Entschluss fasste in die Moldau 
einzurücken, so war es vor allen Dingen nöthig ein mächtiges Heer 
unter den Befehl des Hetmans zu stellen, und wenn man, ohne so 
lange zn warten, den Feldherrn mit den geringen um ihn befind- 
lichen Truppen sofort einrücken liess, so hätte man doch wenigstens 
alle Vorbereitungen treffen sollen, um ihm ein starkes Hilfscorps 
nachzuschicken. Doch dies war leider nicht der Fall , man er- 
Iheilte dem Hetman den Befehl in das feindliche Land zu mar- 
schiren und kümmerte sich dann, trotz seiner Bitte um Hilfstruppen, 
gar nicht um ihn. Der Senat hätte also vor allem seine Bemühungen 
dahin richten sollen, Truppen anzuwerben, wenn solche nicht da 
waren, und die vorhandenen unter dem Befehle des Hetmans zu ver- 
sammeln. 

ZoJkiewski hatte initerdessen alle seine Kräfte angestrengt, um 
eine respectable Macht anzuwerben, er hatte eigene Opfer nicht ge- 
scheut, er hatte Aufrufe an den Adel erlassen, sich unter seine 
Fahne zu scharen; zu Anfang August hatte er sein Schloss zu ZoJ- 
kiew verlassen und sich persönlich ins Lager bei Bar zu den Truppen 
hegeben 2). Aber wie schmählich wurde er verlassen, wie schlecht 
unterstützt. Die ganze Nation war über den Vertrag von 1617 er- 
grimmt, jedermann hätte Vorwürfe gegen den Hetman ausgestossen. 
wenn er den Hospodaren im Stiche gelassen, und als er sich jetzt 
zn einem Kriege anschickte, in dem er wahrscheinlich mit der Macht 
des ganzen türkischen Reiches zu thun haben sollte, da fanden sich 
in dem ganzen weiten Gebiete der polnischen Republik kaum einige 
Tausend Hände, die nach Schwert und Lanze griffen, um sich unter 
der Fahne des Hetmans zusammeln. Und auch diese kleine Schaar hätle 
sieh wohl nicht eingefunden, wenn der Hetman und die mit ihm ver- 
wandten mächtigen Familien nicht aus eigenen Mitteln reichlich bei- 



') Stanislai Lubienski, Epi. Plocensis , Opera posthuma (Antverpiae 164.3): Censiira 

Julii Belli pag. 232. — Petricius pag:. 24 et sqq. 
-) Petricius pag. 24 et sqq. — Kobierzycki lib. IX, pag. 666. — Briefe bei Bielow- 

ski S. 370 bis 374. Nr. 76. 78. 79. 



367 

gesteuert hätten iiiid wenn nicht einige Tausend Kosaken unter seine 
Fahne geeilt wären '). 

Als der Hetnian die kleine Schaar um sich sah und den Befehl 
des Königs zum Beginn des Krieges erhielt, da bemächtigte sich 
seiner ein l)anges Gefühl, er sah seinen Untergang vor Augen; er 
hatte gehotft, dass auf seinen Ruf zaWreiche Truppen herbeieilen 
würden, und nun sollte er mit wenigen Tausend Mann einen so gefähr- 
lichen Kampf heginnen. Doch nicht Furcht konnte in der Seele des 
Helden Platz linden, nur ein unsägliches Leid hemeisterte sich seiner 
über den anarchischen Zustand seines Vaterlandes, über die Prahlerei 
und den Übermuth des Adels, der den Krieg wohl hervorzurufen ver- 
stand, aber wenn es galt an ihm Theil zu nehmen, sich seiner Pflicht 
entzog. Verläumdet hatte man ihn, dass er 1617 mit dem Feinde den 
Vertrag geschlossen, und nun, da er den Kampf von neuem begann, 
da liess man ihn im Stiche. Der greise, in Kämpfen ergraute Feld- 
herr war des Lebens satt, er sehnte sich darnach, im Kampfe für 
Glauben und Vaterland sein Blut zu verspritzen, ihm bangte nur für 
die Zukunft der übermüthigen Republik 2). 

Zu Ende August verliess er mit dem Heere den Sammelplatz 
Har und rückte nach dem Dniestr, der Grenze der polnischen Repu- 
blik; und wie hoch belicf sich die Macht, welche mit dem gefürchte- 
ten Feinde der Christeuheil kämpfen sollte? Kaum 900Ü Mann Trup- 
pen hatte der Feldherr unter seinem Befehl ausser einem sehr zahl- 
reichen Tross, der meistentheils nur die Bewegungen des Heeres 
hinderte und seine Stärke keineswegs vergrösserte «). 2000 Fuss- 



'■) Szajuofha I. c. S. 36. 

-) Siehe den Brief Zorkiewski's ddo. 26. August 1620 bei ßielowski S. 374, Nr 80. 

^) Das polnische Heer zählte mit Sicherheit nicht mehr als die ang'egebene Zahl. — 
Die türkischen QueUen iihertreiben seine Stärke ins iinji^liiubliche: Naima sagt an 
einer Stelle, es habe 53.000, «n einer anderen gar, es habe 60.000 Mann betra- 
gen; Sir Thunias Roe, dessen Angabe Hammer folgt, nimmt an, es habe 40.000 Mann 
gezählt. Wir sind glücklicherweise in der Lage, nach einer gleichzeitigen Quelle 
ins specielle die Beslandtheile des polnischen Heeres angeben zu können. Es 
zählte: 

Hussaren 1500 Mann. 

Ukrainische Kosaken der Fürstin von Ostrog 800 „ 

Soldkosaken 1600 » 

Fürtran . . 3900 Mann. 



368 

ganger und 6400 Reiter sollten den Feldzug mit den Türken be- 
ginnen. Das Commando führte neben Zoikiewski sein früherer Eidam 
Stanislaw Konieepolski, Feldhetman ; die einzelnen Abtheilungen be- 
fehligten: Valentin Rogawski die Lisowskischen Kosaken, Hermann 
Dönhoff die schweren Sold-Reiter, Johann Tyszkiewiez und Alexan- 
der Kalinowski, Starost von Kamieniee, ihre eigenen Regimenter; 
ausserdem hatten hervorragende Befehlshaberstellen der Fürst Samuel 
von Korzec, der Starost Alexander Bataban , der Starost von Halicz 
Michael Strus, Nicolaus Potocki, Sohn des Wojewoden von BracJaw, 
Johann Zol'kiewski, Starost von Hrubieszow, Sohn des Hetmans, 
Lucas Zotkiewski, Neffe des Hetmans, Sienienski, Sohn des Woje- 
woden von Podolien, Martin und Valentin Kazanowski u. a. m. Die 
Artillerie, deren Stärke wir nicht anzugeben wissen, die aber keines- 
wegs zahlreich war, befehligte Theophil Szemberg. Mitglieder der 
angesehensten Familien des Landes waren im Heere, und zwar, was 
für den weiteren Verlauf des Feldzuges von grosser Wichtigkeit ist, 
zum Theil gerade Mitglieder dem Hetman feindlicher Familien, wie 
der Fürst von Korzec und Alexander Kalinowski i). 



Übertrag . . . 3900 Mann. 

Lisowskische Kosaken 1200 „ 

Johann Tyszkiewiez mit seinem Regiment 400 „ 

Alexander Kalinowski mit seinem Regiment 400 „ 

Schwere Sold-Reiter 200 „ 

Reiter von Bar 300 „ 

Fussgänger 2000 „ 

Im Ganzen . . 8400 Mann. 
Dazu kam nun noch ein sehr zahlreicher Tross: jeder sogenannte „Towarzysz " 
in den Hussarenfähnlein , jeder grosse Herr hatte mehrere Mann Tross bei sich, 
die ebenfalls bewaflfnet waren und bisweilen auch am Kampfe Theil nahmen, wenn 
das Heer aus dem Lager zog, zu seiner Vertheidigung zurückgelassen wurden, 
aber grösstentheils nicht zur Kräftigung, sondern zur Behinderung des Heeres 
beitrugen. Der Tross betrug mit Sicherheit wenigstens ebenfalls so viel, wie das 
Heer selbst. (Siehe das Verzeichniss des polnischen Heeres bei Wojcicki, ßibl. 
staroz. pisarzy polsk. Band IV. Wofoskie dzieje etc.) Die polnischen Chronisten 
geben die Stärke des polnischen Heeres ebenfalls übereinstimmend auf SOOO Mann an. 
1) Kobierzycki 1. c. p. 672. — Bericht Szembergs bei Bielowski 1. c. 368 — 383 ; — 
bei K. Niesiolowski : Otia domestica S. 127 u. ff.; — im Przyjaciel ludu, Leszno 
1842 ; — Handschriftlich Racz. Bibl. 11. H. a. 1 u. Ossol. National-lnstitut zu Lem- 
berg Nr. 187. — Baliriski I. c. p, 244. — Szujski 1. c. HI, p. 213. 



369 

Mit dieser geringen Macht verliessen die Hetmaiis am 26. August 
Bar, langten am 1, September in Gruszka auf dem linken Dniestr- 
iifer an, hielten daselbst Musterung, ordneten das Heer und über- 
schritten am 2. und 3. September den Dniestr eine Meile oberhalb 
Soroka , am o. marschirte sodann das Heer und machte drei Meilen 
vom Dniestr am Flusse Kajnary Halt i). 

Doch sehen wir, was unterdessen beim Hospodaren und im tür- 
kischen Heere vorging. 

Der Hospodar hatte Briefe über Briefe an den Hetmaii gesandt, 
um ihn nur zu bewegen, mit den polnischen Truppen in die Moldau 
einzurücken , noch in Bar empfing Zolkiewski die dringendsten 
Bitten von ihm. Aber Graziani's Lage wurde auch mit jedem Tage 
misslicher. An seine Stelle wurde von dem türkischen Hofe der 
wallachische Hospodar Alexander designirt und zugleich an Graziani 
eine Gesandtschaft mit einer Abtheilung türkischer Truppen abge- 
ordnet, die ihn nach Konstaiitinopel zur Verantwortung vor den 
Sultan bringen sollte. Unterdessen hatte Graziani die Nachricht er- 
halten, die Polen seien endlich mit einem bedeutenden Heere (so 
hiess es) über den Dniestr geschritten. Slatt also den türkischen 
Abgeordneten zu gehorchen, rückte er mit seinen Truppen von Jassy 
aus, wo er verweilte , ins Feld, indem er vorgab, erthuees, um 
gegen das polnische Heer zu kämpfen. Sodann lud er die türkischen 
Abgesandten zu sich ins Zelt und Hess sie fesseln. Auf dieses Zeichen 
griffen seine Truppen die türkischen Soldaten, welche mit den Abge- 
ordneten gekommen waren, an und erscidugen sie sämmtlich; es 
sollen ihrer an die 300 gevesen sein. Zugleich metzelte auch das 
Volk in Jassy die daselbst belindlichen Türken nieder; damit war 
der Bruch zwischen Graziani und der Türkei ein vollständiger, ein 
Umkehren war nicht mehr möglich. Doch kaum war die That ver- 
übt, so kam die Nachricht an, dass das anrückende polnische Heer 
kaum einige Tausend Mann betrage; die um den Hospodaren ver- 
sammelten Moldauer verliefen sich nach allen Seiten und statt mit 



') Siehe den Bericht Szenibeigs und den Brief Zolkiewski's ddto. 6. September 1620 
(MS. II, H. a. 1). Szerabeig sagt, das Heer sei am 3. und 4. September über den 
Dniestr gegangen , ZoJiiiewski in seinem bald nach der Überschreitung der Grenze 
geschriebenen Briefe: „er sei am 3. mit dem Reste des Heeres über den Fluss ge- 
gangen". Wir folgen seiner Angabe. 

Archiv XLI. 2. 24 



370 

ihm ins Feld zu ziehen, verkrochen sie sich in Felder und Wälder 
oder liefen zum Feinde über. Da schwankte der Hospodar und wollte 
lieber sein Heil in der Flucht suchen. Er wandte sich nach Choeim, 
doch hier erreichte ihn ein Abgesandter Zotkiewski' s mit dem streng- 
sten Befehl, sofort im polnischen Lager zu erscheinen. Unwillig ge- 
horchte Graziani und langte nur mit einer Abtheilung von 600 Mann, 
zum Theil Bojaren und Adeligen, am 7. September beim polnischen 
Feldherrn an '). 

Iskender-Pascha hatte diese Zeit wohl benützt, um ein stattliches 
Heer zu sammeln. Er selbst hatte anfangs nicht mehr als 1000 Mann 
um sich, nach und nach zog er aber alle Streitkräfte aus den um- 
liegenden Paschaliks an sich. Jusuf- Pascha , der Beglerbeg von 
Runiili, Tscherkes - Husein-Pascha, Ssarimsak - Terjaki - Mohammed- 
Pascha, Sandschak von Nicopolis, Chisr- Pascha, Sandschak von 
Widdin, führten ihm ihre Truppen zu. Endlich wurde auch der 
Tartaren-Chan Dschanibek-Girai mit dem Stamme der Noghai be- 
fehligt. Doch erschien er nicht persönlich, sondern schickte ein 
Heer unter dem Befehle seines Kalghai-Sultan, d. h. seines Statt- 
halters, Dewlet-Girai und seines Neffen Nebrit-Girai, so wie auch 
des tartarischen Helden Kantemir -Mirsa. Auf diese Weise hatte 
Iskender-Pascha ein Heer von ungefähr 25 — 30.000 Mann gesammelt, 
das aus 10.000 Mann Türken und dem Rest Tartaren bestand 3). 



*) Siehe den Brief Zolkiewski's ddto. 6. September 1620 und Nachrichten aus dem 
Lager des Hetmans von demselben Datum (MS. II, H. a. 1, S. 539—543 und S. 543 
bis 545); das Datum des zweiten Documents ist aber nicht richtig, da in ihm von 
der Ankunft des Hospodaren die Rede ist, der am 7. im Lager anlangte. 

') Die Berechnung der türkischen Streitkräfte ist eine äusserst schwierige; die pol- 
nischen Schriftsteller, sowohl Szemberg wie die Chronisten, übertreiben sie eben- 
so wie die türkischen die Stärke des polnischen Heeres. Gewöhnlich wird von 
ihnen angegeben, das Heer der Türken hätte eine Stärke von ungefähr 150.000 Mann 
gehabt. Dies ist augenscheinlich im höchsten Grade übertrieben. Naima seinerseits 
sagt: Iskender-Pascha hätte anfangs nur 1000 Mann gehabt und im Ganzen 10.000 
an sich gezogen ; wenn Naima diese Zahl auf die beim Iskender-Pascha befindlichen 
Türken bezieht, so haben wir nichts dagegen , wir müssen aber noch die Tartaren 
zuzählen. Sekowski (Collectanea 1, 228} berechnet die Kriegsmacht Iskender- 
Paschas auf folgende Weise : Er selbst habe nach Naima's Angaben anfänglich 
1000 Mann gehabt, der Beglerbeg von Rumili konnte aus seinem Paschalik nicht 
mehr als 4000 Mann zuführen, Tscherkes-Husein-Pascha aus einem viel kleineren 
Territorium 2000, die beiden anderen, welche nur Sandschaks, d. h. Kreise ver- 



371 

Da aber das Gerücht ging, dass die Polen mit einem sehr zahlrei- 
hen Heere einmarschirt wären (man sprach in Konstantinopel schon 
m Juli von 30.000 Mann), so zog sich Iskender-Pascha anfangs, als 
ie Nachricht von dem Einmärsche der Polen gekommen war, in der 
lichtung nach Kilia hin zurück; erst als er bessere Kunde eingezogen 
latte, rückte er langsam nach Norden vor*). 

Es wird hier vielleicht passend sein, mit einigen Worten die 
;eographische Beschaffenheit des Landes darzustellen , auf welchem 
ich der Kampf zwischen den polnischen und türkischen Heeren 
ntspinnen sollte. 

Zwischen den beiden Flüssen Dniestr und Pruth, die dem 
^arpathischen Gebirge entströmen, sagt Balinski, zieht sich ein 
chmaler Streifen Landes, der nach der Mündung des einen hin ins 
chwarze Meer, des anderen in die Donau bedeutend breiter wird, 
^eine Grenze nach Süden wird durch den Donaustrom und durch 
las schwarze Meer gebildet. Ein Zweig der Karpathen , eingeengt 
;wischen die Quellen des Dniestr und des Pruth, verlässt den Haupt- 
itock des Muttergebirges und zieht sich durch jenes Land in lang- 
lamer Abdachung nach dem Meere und der Donau hin. Von diesem 
jebirgszweige fliesst zu beiden Seiten eine grosse Anzahl grösserer 
md kleinerer Ströme und Bäche herab, welche an den Ufern der 
)onau beträchtliche, von Bergen umringte Seen bilden. Eine weite, 
lur spärlich bewohnte, von Flüssen, die meistentheils im Sommer 



walteten, ie 1000: hiernach konnte fskender-Pascha iino-efahr 9 — 10.000 türkische 
Truppen bei sich haben. Dazu kommen noch die no^haischen Tartaren, welche 
prewöhnFich, wie aus vielen Stellen der türkischen Annalen klar ist. .'»OOO Mann 
ins Feld stellten, und die Tartaren der Krimm. In der Krimm waren überhaupt nie 
mehr als 10.000 Mann kampfbereit. Zwar wurde die Zahl häufig' versechs- oder 
versiebenfacht, wenn es gralt einen Rauhzuof nach Polen zu unternehmen, denn 
dann znp- alles kopfüber aus, zu einem ordentlichen Kriege aber zocren nur die 
Soldaten aus. Das g-anze Heer Iskender-Paschas konnte also höchstens 23 bis 
26.000 Mann betragen. — Die von Naima angegebene Anwesenheit Dsohanibek- 
fiirai s haben wir übereinstimmend mit Balinski I. c. p. 2ä0 verworfen. Er wird im 
ganzen Verlaufe des Feldzuges nirjrends sonst, weder von den Polen noch den 
Türken, g-enannt, und dies würde doch sicherlich stattgefunden haben, wenn eine 
so wiehtig-e Persönlichkeit, wie der Tartaren-Chan, sich bei dem Feldzuge betheiligt 
hätte. 
^) Balinski I. c. S. 24.i. — Brief Ofwi lowski's an den Hetman Zolkiewski ddto. Kon- 
staninopel den 13. Juli 1620. (MS. II, H. a. 1, S. SIö — 519.) 

24"" 



372 

austrockneten, oder von felsigen Bergen hin und wieder durch- 
scluiiftene Heide nahm in jener Zeit diesen Raum ein. Zahh'eiche 
Tartarenhorden führten hier ilir vages Leben. Schon damals nannte 
man dieses Land Bessarabien; der Pruth schied es von der heutigen 
Moldau, die man noch im XVIL Jahrhunderte gemeinschaftlich mit 
dem weiteren Gebiete mit dem Namen der Wallachei belegte. 

[n dieses Land war Zolkiewski am 2. und 3. September ein- 
marschirt. Vor allem galt es nun einen Plan zu fassen, wohin man 
sich Menden und wie man den weiteren Feldzug führen solle. 

Vor dem Übergange über den Dniestr hatte man allgemein er- 
wartet, dass der Hetman nur eine kleine Abtheilung dem Hospodaren 
zu Mille absenden und seihst mit dem Reste die Grenze gegen den 
Türken vertheidigen werde '). Ein solcher Plan wäre ganz wider- 
sinnig gewesen, denn das polnische Heer war so schon allzu klein 
an Zahl, wozu hätte es also führen sollen, wenn man es i^'etheilt 
hätte? Zolkiewski hatte desshalb beschlossen, mit seiner ganzen Macht 
den Grenzstrom zu überschreiten in der Voraussicht, dass er die 
Türken noch unvorbereitet antreffen und dass der Hospodar mit 
dem versprochenen Hilfscorps von 2Ö.0O0 Mann zu ihm stossea 
werde. Zolkiewski sollte ihn in dem Befreiungskämpfe unterstützen, 
das hospodarische Heer sollte die Hauptmacht bilden; nun aber hatte 
sich das Blatt gewendet, der Hospodar hatte 600 Reiter herbeigeführt, 
welche das ganze Heer auf die höchst geringe Zahl von 9.000 Mann 
brachten. Der Hospodar machte zwar Hoffnung, dass sich die ver- 
laufenen Truppen noch einfinden würden , doch war diese HotTnung 
eine sehr schwache und trügerische. Das so geringe polnische Heer 
konnte in den Moldauern kein grosses Vertrauen erregen, dabei 
raubten und plünderten die polnischen Reiter wie in Feindesland. 
„Gott gebe nur" , sagt ein Brief aus dem polnischen Lager, „dass 
wir sie nicht rapinis abschrecken, denn die, welche auf eigene 
Kosten Truppen gebracht, schicken diese weit auf Raub aus". Als 
der Hospodar in das polnische Lager einritt, brachten allein die 
Leute des Fürsten von Korzec 1500 Hammel ein, entsprechende 
Quantitäten wohl auch die Truppen der anderen Herren. Ein solches 
Verfahren musste einen höchst schlimmen Einfluss auf die Bewohner 
des Landes ausüben, musste sie abschrecken, sich mit den Befreiern 



') Szajnocha 1. c. S. 39. 



373 

zu verbinden , welche wie in Feindesland hausten. Der Hetman that 
alles mögliche, um diesem Unwesen zu steuern, er verbot bei Todes- 
strafe, auf eigene Hand auf Proviant auszugehen, er beschenkte den 
Hospodaren und seine Begleiter auf splendide Weise, er gab sich 
alle Mühe, um sie und die Bewohner des Landes günstig zu stimmen. 
Das Heer murrte über die Strenge des Feldherrn, so wie es schon 
heim Übergange unzufrieden war, dass er alle Weiber aus dem 
Lager vertrieben •)• 

So standen die Sachen, als der Hospodar ins polnische Lager 
kam; die Aussichten waren weder für ihn noch für das Heer 
günstig. Doch übte seine Ankunft einen sehr wohlthätigen Einfluss ; 
das Heer fasste Muth, da es sah, dass der Hospodar und die Bojaren 
im Ernst an eine Verbindung mit Polen dachten. Bisher hatte man an 
ihrer Aufrichtigkeit gezweifelt; auch die geflissentlich verbreitete 
Nachricht von den bei Jassy erschlagenen Türken, deren Zahl wohl 
bedeutend vergrössert wurde, hob den Muth des Heeres. Gleich 
nach der Ankunft Graziani's wurde Kriegsrath gehalten, um mit ihm 
und den Bojaren gemeinschaftlich den Feldzugsplan zu entwerfen. 
Am 8. September wurde beschlossen, in der Richtung nach Jassy hin 
zu marschiren; das Heer sollte in der bei einem früheren Feld- 
zuge von Zamoyski auf der tschotsehorischen Ebene aufgeworfenen 
Schanze Posto fassen, den Hospodaren in Jassy einführen und be- 
festigen, und in dem Standlager so lange warten, bis sich die Moldauer 
um ihn gesammelt hallen und Verstärkungen aus Polen herangezogen 
Avären. Alsdann sollte man sich entscheiden , auf welche Weise der 
Kampf mit den Türken weiter zu führen wäre 2). 

Am 9. September mit Tagesanbruch brach man also auf, über- 
schritt den Fluss Kajnary, setzte im weiteren Y-ormarsch über den 
Fluss Kubülla und machte gegen Mittag am Flusse Reuth Hall. Auch 
die folgenden Tage wurde der ^Marsch fortgesetzt, man überstieg die 
Bergkette, die wir oben erwähnten, und am 12. September um die 
Mittagszeit langten die ersten Regimenter in der von Zamoyski auf- 
geworfenen Schanze auf der tschotsehorischen Ebene am Pruth, un- 
weit Jassy, an s). 

*) Siehe über diese Vorgänge: Nacliricliten ans dem Lag-er des lletmaiis (MS. II, 

H. a. 1, S. »43—543). 
«) Brief Zoikiewski's an den König- ddto. 6. September (MS. U, U. :i. 1, S. ö39— 543). 
') Bericht Szembergs. 



374 

Die Tschotschora, eine bei Jassy gelegene Ebene, die nur auf 
alten geographischen Karten zu finden ist, heut zu Tage ein kleiner 
Flecken, liegt auf den weiten Gefilden, die man mit dem Namen der 
tschotschorischen Felder belegt, auf dem rechten Ufer des Pruth, 
vier und eine halbe Meile unterhalb der Stadt Skulany, zwei Meilen 
von Jassy. Der Fluss Zyzyja, welcher in der Entfernung von einer 
halben Meile parallel mit dem Pruth fliesst und dicht bei der Tscho- 
tschora auf der rechten Seite den P'liiss Baliluj aufnimmt, macht die 
ganze Gegend zu einem mit Schilf bewachsenen Moor, in welchem 
jeder längere Aufenthalt nur nachtheilig für die Gesundheit sein 
kann. Ein Gebirgszweig begrenzt die tschotschorische Ebene im 
Norden, Westen und Süden, im Osten der Pruth. .Auf dieser Seite 
erhebt sich seit undenklichen Zeiten auf einem Berge ein grosser 
Grabhügel, im Norden aber ragt ein felsiger Berg empor, an dessen 
Fuss sich das Deli genannte Thal hinzieht i). Das ist die geo- 
graphische Beschaffenheit des Platzes, in dessen Mitte der Hetman 
mit seinem Heere vorläufig Halt zu machen beschloss. 

Den Feind hatte man bisher weder gesehen, noch irgend etwas 
von ihm gehört. Graziani aber behauptete steif und fest, Iskender- 
Pascha sei vollkommen unvorbereitet, und rieth eine starke Abtheilung 
nach Bender auszusenden und den Feind in seinem eigenen Sitze 
anzugreifen. Doch wollten die polnischen Feldherren , obgleich sie 
ihm nicht misstrauten, auf seinen Vorschlag nicht eingehen, sie fühlten 
sich zu schwach, als dass sie es wagen konnten mitten in das 
feindliche Land vorzurücken, und beschlossen daher in dem be- 
festigten Lager auf die versprochenen moldauischen Zuzüge z« 
warten. Die Aussichten auf dieselben wurden aber mit jedem Tage 
schwächer, und so erklärten moldauische Abgesandte, die am 13. Sep- 
tember im Lager erschienen: sie seien bereit zum Heere des Königs 
zu stossen, dessen Regierung sie sehnlichst wünschten, aber sie 
fürchten um ihr Vermögen, ihr Hab und Gut, ihre Familien; wenn 
sie zum Heere kommen, so fallen die Türken und Tartaren über ihre 
Häuser, ihre Frauen und Kinder her. Aus dieser Erklärung leuchtete 
ein, dass die Bewohner des Landes sich erst dann mit den könig- 



') Diese Schilderung der Tschotschora gibt Baliriski (1. c. S. 254) nach den ihm mit- 
getheilten Notizen des russischen Generals Grafen Kreitz, welcher im Jahre 182S 
in dem Kiiege gegen die Türken auf diesen Feldern persönlich befehligte. 



375 

liehen Truppen verbinden würden, wenn dieselben den Feind besiegt 
haben werden. 

Da bei einer solchen Gesinnung der Eingeborenen an ein wei- 
teres Vorrücken vorläufig nicht zu denken war, so befahlen die pol- 
nischen Feldherren die Wälle und Gräben der Schanze, welche in 
sehr desolatem Zustande Avaren, auszubessern und in Stand zu setzen. 
Graziani scheint aber für seinen Vorschlag , den Feind in seinen 
Sitzen anzugreifen, den grösseren Theil des Heeres, und hauptsäch- 
lich wohl mehrere der höheren, vom Hause aus dem Hetman feind- 
lichen Befehlshaber gewonnen zu haben; denn nur mit Murren und 
Widersetzlichkeit gingen die Truppen an die Arbeit, allgemein klagte 
man, sie wären um zu kämpfen, und nicht um in einem Lager zu 
stehen und an Wällen und Gräben zu arbeiten gekommen. Die beiden 
Feldherren aber, Zolkiewski und Koniecpolski, Hessen sich nicht 
irre machen, das Lager wurde in Stand gesetzt, die Wälle höher, 
die Gräben tiefer und breiter gemacht und die Truppen (ausser den 
Lisovvskischen Kosaken und den Freiwilligen des Chmielecki, welche 
ausserhalb den Wällen ein besonderes Standquartier erhielten) in 
ihm placirt. In kurzem sollte es sich zeigen, dass die Feldherren 
recht hatten den Vorschlag Graziani"s nicht zu befolgen, und dass 
alle seine Betheuerungen, Iskender-Pascha habe nur 300 Mann bei sich 
und die Tartaren seien wegen innerer Zwistigkeiten gar nicht kampf- 
fähig, mit der Wahrheit nicht übereinstimmten, denn schon am 
Donnerstag den 17. September früh vor Tagesanbruch bekam Gra- 
ziani die Nachricht, das feindliche Heer sei in Sicht. Er stürzte so- 
fort in das Zelt Zol'kiewski's, um ihm diese Kunde mitzutheileti, doch 
behauptete er auch jetzt noch, die feindliche Macht könne nicht mehr 
als 10.000 Mann betragen. Auf Befehl des Feldherrn wurden meh- 
rere Kanonen abgeschossen, um die im Felde fouragirenden Tross- 
knechte zu warnen und ins Lager zurückzurufen. Aber sei es, dass 
sie das Signal nicht hörten oder missachteten , nur wenige kehrten 
zurück und der grössere Theil, über 1000 Mann, fiel in die Hände 
des anrückenden Feindes. Die umliegenden Berge verbargen aber 
bisher vor den Augen des polnischen Heeres die feindlichen Haufen, 
man folgerte ihr Annähern nur aus dem Umstände, dass die aus- 
gesandten Fourageurs nicht zurückkehrten. Um also sichere Kunde 
einzuziehen, schickte der Feldherr eine Beiterabtlieilung unter Be- 
fehl Odrzywolski's aus. Kaum hatte dieser die Bergkette überstiegen. 



376 

so traf er mit einer Abtlieihmg- Tarlaren /usammeii und kehrte sofort 
von diesen verfolgt in das Lager zurück. 

Man hatte also nnn den Feind, nach dem man sich so gesehnt 
hatte, vor sich, jetzt galt es den Muth, den man bisher nur mit 
Worten l)ezeugt, auch mit der That zu beweisen. 

Am 18. September Freitags früh mit Sonnenaufgang erschien 
das türkische Heer im Angesichte des polnischen Lagers; auf der 
nordöstlichen Seite die Türken, im Norden die Tartaren. Den rechten 
Flügel nahm Jusuf-Pascha, Beglerbeg von Rumili, ein, neben ihm 
stand Dewlel-Girai mit seinen Tartaren, den linken Flügel bildete 
Kiür-Hüsoin -Pascha, Ssarimsak- Mohammed -Pascha, die äusserste 
Linke Kantemir-Mirsa mit seinen noghaischen Tartaren. Im Centrum 
stand der Oberbefehlshaber Iskender-Pascha. Der alte Chisr-Pascha, 
der den Vortrab führte, stiess zuerst mit den Polen zusammen, seine 
Abtheihing wurde theils zersprengt, theils gefangen genommen, er 
selbst war schon in Feindes Händen. Ssarimsak, der die Gefahr er- 
kannte, machte aber einen kühnen AngrilT und befreite ihn sammt 
seinen Gefährten. Doch kam es an diesem Tage zu keiner allge- 
meinen Schiacht, nur einige heftige Scharmützel fanden Statt, die 
grösstentheils zum Vortheile der Polen ausfielen. Den heftigsten 
Kampf hatte das Lisowskische Regiment zu bestehen , welches ein 
besonderes Lager an den Ufern des Pruth einnahm. Von überlegeneu 
Kräften angegritTen, vertheidigte es sich tapfer, wäre aber unter- 
legen , wenn nicht Hermann DönholT mit seiner und einigen anderen 
Abtheilungen zum Entsatz herbeigeeilt wäre. Es gelang die angrei- 
fenden Tartaren zu vertreiben, doch gab man die vereinzelte Stellung 
des Regimentes auf und brachte die Vorräthe und Geräthschaften 
aus seinem Lager in das grosse Standquartier hinüber. 

Das polnische Heer war mit den Resultaten des Tages zufrieden 
und verlangte von den Feldlierren dringend, so bald wie möglich in 
den Kampf geführt zu werden und dem Feinde eine allgemeine 
Schlacht zu liefern. Die Feldherren hatten nichts dagegen, und es 
wurden daher sofort Vorbereitungen getrolFen, um am folgenden Tage, 
dem 19. September, gegen den Feind in Schlachtordnung auszurücken. 
Die Verluste des 18. waren wohl auf beiden Seiten nicht bedeutend. 
Gefangene wurden beinahe gar nicht gemacht. Erst am Abend be- 
kamen die Polen den ersten ein, welcher aussagte, dass das feind- 
liehe Heer 100.000 Mann betrage. Man glaubte damals dieser über- 



377 

triebenen Angabe im Lager der Polen nicht und schätzte das tür- 
kische Heer auf einige 30.000 Mann. Die Türken ihrerseits müssen, 
da sie bereits am 17. zahh-eiche polnische Gefangene eingebracht, 
sichere Kunde von der Schwäche der Gegner gehabt haben <)• 

Am Sonnabend den 19, September führten die polnischen Feld- 
lierren, nachdem sie im Lager eine starke Abtheilung zurückgelassen 
und auf den Wällen Kanonen aufgepflanzt hatten, das Heer, um dem 
Feinde eine Schlacht zu liefern, ins Feld heraus. Die Schlachtordnung 
der Polen sollte nach dem Plane und den Dispositionen der Feldherren 
folgende sein: der rechte und linke Flügel sollten von zwei vierrei- 
higen Wagenburgen gebildet werden, in der Front und auf der 
liinteren Seite derselben sollten je vier Kanonen aufgepflanzt sein 
und ebenso auf der äusseren Seite einer jeden Burg, neben den 
Kanonen wurde auch leichtes Geschütz, die Schlangen, auf Wagen 
geführt, zwischen den Wagenreihen war die Infanterie aufgestellt, 
innerhalb der beiden Wagenburgen sollte die polnische Reiterei 
Platz nehmen und zwar rechts die Fähnlein Koniecpolski's und Zot- 
kiewski's, links die des Fürsten Korecki, Alexander Kaliuowski's und 
Stephan Chmielecki's. Die Kosaken sollten die Arrieregarde bilden. 
Die W^agenburgen sollten in gleicher Linie mit der Tete der Caval- 
lerie vorrücken und sich aufstellen, und zwar desshalb, damit, wenn 
der Feind die Tete des Heeres, wie man glaubte, hartnäckig an- 
griffe, die in der Front der Wagenburgen aufgepflanzten Kanonen 
gemeinschaftlich das ganze Feld vor der Tete des Heeres bestreichen 
und so der Cavallerie beistehen könnten ; griffe der Feind von der 
Seite an, so konnte jegliche Wagenburg gemeinschaftlich mit den 
auf den Wällen aufgepflanzten Kanonen ihre Seite bestreiclien. Der 
Plan war gut entworfen , das polnische Heer hätte alsdann ein star- 
kes, auf den beiden Flügeln durch die in den Wagenburgen befind- 
liche Artillerie geschütztes Viereck gebildet; doch mangelte dem Plane 
der wesentlichste Umstand, die Ausführung. Die beiden Wagenburgen, 
auf die angegebene Weise hergerichtet, verliessen nämlich zuerst das 
Lager, statt aber nun sofort weit nach links und rechts vorzurücken. 



*) über die Vorgäug-e dieser Tag^e sind zu vergleichen : Bericht Szetiihergs , Brief 
Szemhergs an Opaliriski (MS. II, H. a. 1, S. S72— S81); — Nainia bei St'kowski I, 
S. 134 — 137; — Brief an den Wojewoden von Kiew bei Balinski S. 297; — Woj- 
cicki, WoL Dzieje in BiLI. star. pis. polsk. IV. 



378 

damit sich die Cavallerie zwischen ihnen entfalten konnte, hlieb die 
linke Wagenburg, nachdem sie nur eine kleine Strecke vorgerückt 
war, stehen. In Folge dessen konnte sich die Cavallerie nach der lin- 
ken Seite hin nicht entfalten und sphob die rechte Wagenburg immer 
weiter nach rechts vor, so dass sie beinahe bis an die die Ebene 
umgebende Bergreihe getrieben wurde. Auf diese Weise kam sie 
statt mit der Front mit der rechten Seite den Bergen gegenüber zu 
stehen und wurde nicht nur zu weit vom Lager entfernt, sondern 
entblösste auch auf einer grossen Strecke die rechte Seite der Caval- 
lerie. In Folge ihrer Entfernung vom Lager konnten auch die auf 
den Wällen aufgepflanzten Kanonen, wenn der Feind ihre rechte 
Flanke angriff, demselben keinen Schaden zufügen. Durch jenes Ver- 
sehen standen also die beiden Wagenburgen nicht in gleicher Linie 
mit der Tete der Cavallerie, sondern die linke war zu weit zurück- 
geblieben, die rechte zu weit vorgeschoben, und zugleich die rechte 
Flanke der Cavallerie vollkommen entblösst. Auf diese Weise war 
dem Feinde Gelegenheit gegeben, ohne von der Artillerie beschädigt 
zu werden, nicht nur diese Flanke anzugreifen, sondern auch das 
ganze Heer von der rechten Seite zu umgehen und von hinten an- 
zufallen. 

Das Centrum des türkischen Heeres befehligte Iskender-Pascha 
persönlich, die beiden Flügel nahmen die Tartaren ein, den einen 
Kantemir, den anderen Dewlet-Girai. Iskender-Pascha wollte den 
Prinzen Dewlet-Girai, sei es, dass er seinem Feklherrntalente nicht 
traute, sei es, dass er seinen Ungestüm fürchtete, zur Hut des 
Lagers zurücklassen, aber der Prinz drohte, dass er in diesem 
Falle mit seinen Truppen in die Heimath zurückkehren würde, und 
Iskender war genöthigt, ihn an die Spitze des einen Flügels zu stel- 
len i). Die türkische Armee des Centrums stiess mit den hussarischen 
Fähnlein der Polen zusammen: Husein, Chisr und Ssarimsak-Pascha 
geriethen in nicht geringe Gefahr, die Polen hatten vollkommen die 
Oberhand; da bemerkten die Tartaren den Fehler auf der rechten 
Flanke des polnischen Heeres, sie stürmten in hellen Haufen gegen 
die offene Seite der feindlichen Schlachtreihe und griffen zugleich die 



') über die Vorgänge im türkischen Heere sind die Nachrichten sehr spärlich; das, 
was uns Nairaa gibt (bei Sekowski S. 137 — 139), ist sehr unzuverlässig und zu 
allgemein gehalten. 



379 

in der Nachhut aufgestellten Kosaken an; es entspann sich ein hart- 
näckiges Gefecht auf der ganzen Linie, denn auch die Tartaren des 
linken Flügels griffen die polnische Wagenburg auf der linken Seite 
an. So statt nur in der Tete angegriffen zu sein , was allein möglich 
war, wenn die polnische Schlachtordnung so aufgestellt gewesen 
wäre, wie es die Feldherren vorgeschrieben, mussten die Polen auf 
einmal gegen die überwiegenden feindlichen Kräfte auf allen Punkten 
kämpfen: in der Tete, auf der linken, auf der rechten Flanke und 
in der Nachhut. Das polnische Heer wehrte sich tapfer, die Kosaken 
in der Nachhut hielten die Angriffe standhaft aus, doch die im Cen- 
trum errungenen Vortheile gingen bald verloren, denn ein Theil der 
Hussaren-Regimenter musste sich gegen die im Rücken angreifenden 
Tartaren wenden. Auch der Hetman Koniecpolski wurde sofort den 
Fehler in der Aufstellung der rechten Wagenburg gewahr, er sprengte 
persönlich in dieselbe und befahl sie zurückzuführen, so dass sie die 
rechte Flanke decken könnte, aber es war zu spät. Die die Wagen 
führenden Trossknechte waren voll Furcht entweder geflohen oder 
hatten sich unter die Wagen verkrochen und waren nicht herauszu- 
bringen. Auf diese Weise war die Wagenburg in eine solche Ver- 
wirrung gerathen, dass es nicht möglich war sie von der Steile 
zu bewegen. Sie war ihrem Schicksale überlassen, doch vertheidigte 
sich die Besatzung aufs tapferste, der Feldhetman erschien viermal 
persönlich in ihr und feuerte mit Wort und That die kämpfenden 
Soldaten an, und als er bemerkte, dass sein eigenes Regiment, 
welches im Centrum stand, zu schwanken begann, stürzte er sich 
in die Reihen desselben, erlegte mit eigener Hand zwei Türken und 
rettete das bedrohte Regiment. Doch umsonst waren alle helden- 
müthigen Anstrengungen der beiden Feldherren, der Offieiere und der 
Soldaten, die polnische Schlachtordnung war in solcher Verwirrung, 
dass sie, von allen Seiten umringt, die zahlreichen Schaaren des 
Feindes nicht durchbrechen konnte. Der heldenmüthige Dönhoff an 
der Spitze seines schweren Reiterregiments kämpfte mit beispiel- 
loser Bravour so lange, bis von seinen 200 Mann kaum 16 übrig- 
geblieben Avaren, erst da zog er sich, selbst verwundet, zurück. Grosse 
V^erluste erlitt das Regiment des Hetmans Zolkiewski, die Hälfte der 
Mannschaft war auf dem Schlachtfelde gefallen, die Fahne des 
Regiments war in die Hände des Feindes gerathen. Trotz dieser 
bedeutenden Verluste gelang es dem Feinde nicht die polnischen 



380 

Reihen zu durchbrechen und zu sprengen, nach niehrsl findigem 
Kampfe, von Mittag bis nach Sonnenuntergang, sahen sich die 
Feldherren endlich genöthigt das Signal zum Rückzüge zu geben ; 
die linke Wagenburg zog sich in Ordnung mit geringen Verlusten 
zurück, das Regiment des Feldhetmans deckte mit grosser Bravour 
den Rückzug und hielt eine Zeit lang den Anprall des feindlichen 
Heeres allein aus. Doch die rechte Wagenburg war verloren, alle 
Rettungsversuche waren umsonst, da man sie nicht von der Stelle 
bewegen konnte. Ein Tlieil des Fussvolks war noch zeitig neben der 
Cavallerie ins Lager zurückgeM'ichen , ein anderer Theil versuchte 
sich noch später durchzuschlagen, aber, von allen Seiten umringt, 
wurden die meisten niedergehauen, der Rest wurde sammt der 
Wagenburg gefangen genommen oder niedergemetzelt. Dem Haupt- 
mann Almady, der sich noch, als sich die Cavallerie bereits zurück- 
gezogen, in der Burg aufs tapferste vertheidigte, gelang es, ob- 
gleich zweimal verwundet, sich mit etlichen zwanzig Leuten ins 
Lager zu retten, auch wurden drei Hakenbüchsen mit einigen Wagen 
und zwei leichten Geschützen durch die feindlichen Heerhaufen 
glücklich aus der rechten Wagenburg ins Lager zurückgeführt. 
Sieben grössere Geschütze nebst den übrigen Hakenbüchsen und 
Sehlangen, auch etliche Fahnen fielen in die Hände des Feindes; 
der Befeiilshaber der Artillerie in der rechten Wagenburg, Theopil 
S/.emberg, kam noch im letzten Augenblicke glücklieh davon. 

Die Verluste des polnischen Heeres waren sehr bedeutend. Von 
7(^00 Mann, die sieh etwa an der Schlacht befheiligt, waren über 
800 theils gefallen, theils gefangen genommen, von 400 Mann Fuss- 
volk, die die Besatzung der rechten Wagenburg gebildet hatten, 
waren nur 50 ins Lager zurückgekommen; die Rittmeister von den 
Hussaren Wrzeszcz, Goslicki und Koualkowski waren gefallen, die 
beiden jungen Zolkiewski, DöiiholV, Fahrensbach, Bal'aban, Malvii- 
ski und viele andere nicht leicht verwundet. Doch auch die Türken 
hatten zahlreiche Verluste erlitten, sie sollen, wie angegeben wird, 
an den beiden Tagen, dem 18. und 19., gegen 3ö00 Mann verloren 
liaben. Wenn auch diese Zahl etu as übertrieben sein mag, so nähert 
sie sich doch wohl im allgemeinen ziendich der Wahrheit, die irre- 
gulären tartarischen Haulen mussten bei den Kämpfen mit der disci- 
plinirten und wohlbewafTueten polniseiien Infanterie und Cavallerie 
stärkere Verluste erleiden als ihre Gegner. Doch war dieser Verlust 



381 

nur numensch grösser als der der Polen, denn die türkische Armee 
zählte im Ganzen gegen 30.000 Mann, die polnische kaum 9000, 
wenn jene also auch gegen 3000 Mann verloren hatte, so war sie 
immer noch den Polen sehr überlegen '). 

Die Lage des in das Lager zurückgekehrten polnischen Heeres 
war eine hüchst kritische: durch die Verluste der vorigen Tage hatte 
es sich auf 8000 Mann verringert, auf Entsatz konnte es nicht hoffen, 
Proviant und Munition waren sehr knapp geworden, der keineswegs 
günstige Kampf vom 19. hatte die Truppen sehr kleinmüthig ge- 
stimmt, hatte sie überzeugt, dass sie den an Zahl weit überlegenen 
Feind nicht brechen würden. Alle diese Umstände erwogen die 
Feldherren und beschlossen, in einer grossen Wagenburg den Rückzug 
nach dem Dniestr anzutreten und, um unterdessen alle Vorbereitungen 
in Müsse bewerkstelligen zu können, mit dem Feinde Unterhand- 



1) Für die Darstellung der Schlacht vom li). hahen wir vor .llem benutzt S^embergs 
Bericht und Brief, ferner die beiden Briefe bei Szi.jnoeha 1. c. S. 43 und 45, den 
Brief bei Balidski 1. c. S. 296—298 und die Besehreibung bei Wojcicki I. c. B. IV. 
_ Über die Vorgänge auf dem linken Flügel sind wir wenig unterrichtet, denn 
Szemberg, der doch immer die beste Quelle ist und bleibt, war selbst auf dem 
rechten, konnte also wenig wissen, was auf der anderen Seite vorging. — Die 
Zahl der polnischen Verluste haben wir nach dem Briefe bei Baliiiski angenommen, 
Szembergs Angabe, es seien nur 300 — 330 Mann gefallen , ist sicherlich falsch 
und stimmt mit seinen früheren Angaben selbst nicht überein; von dem Zolkiew- 
skischen Regiment soll nämlich, wie er selbst vorher angegeben, nur die Hälfte ent- 
kommen sein, von den Dönhoffschen Reitern nur 16 Mann , das Koniecpolskische 
Regiment soll ebenfalls schwere Verluste erlitten haben; das allein sind schon min- 
deltens 330 Mann, und wo bleiben die übrigen Verluste? wo bleibt die in der 
rechten Wagenburg niedergehauene und gefangen genommene Infanterie? Die 
Angabe Naima-s (S. i39), es seien 10.000 Polen gefallen , ist ganz widersinnig, 
wie auch die übrigen Angaben wenig zuverlässig. — Von der Betheiligung des 
Hospodaren mit seinen 600 Wallachen am Kampfe lässt sich keine Spur auffinden, 
wahrscheinlich war er also mit dem grösseren Theile des Fussvolkes zur Sicherung 
des Lagers zurückgeblieben; wir haben desshalb angenommen, dass sich ander 
Schlacht von der nicht volle 9000 Mann (da die Verluste der vorhergehenden 
Tage abzuziehen sind) zählenden polnischen Armee nur 7000 betheiligt haben, 
von der Zahl 9000 gehen nämlich ab : 600 Wallachen, 1200 Infanteristen, und die 
Verluste der vorhergehenden Tage, also ungefähr 2000 Mann. In jeder Wagen- 
burg waren nach der Angabe bei Wojcicki nur 400 Infanteristen, also von den 2000 
Man'n, die das polnische Heer an solchen zählte, 800 Mann. Bei diesen Berechnun- 
gen lassen wir den Tross und seine Verluste (am 17. allein über 1000 Mann) ganz 
unberücksichtigt, da er zu der eigentlichen Armee nicht zu zählen ist. 



382 

lungen anzuspinnen. Graziani, welcher, wie es scheint, sich an dem 
Kampfe vom 19. gar nicht betheiligt hatte, fand an diesem Plane, 
dem vernünftigsten, den man überhaupt fassen konnte, keinen Ge- 
fallen. Er hörte von Unterhandlungen und fürchtete, dass die Polen, 
um sich selbst zu retten, ihn den Türken, wenn diese seine Auslie- 
ferung verlangten , preisgeben würden. Er beschloss daher sich so 
schnell wie möglich aus dem polnischen Lager zu entfernen; da dies 
aber für ihn und seine Abtheilung allein nicht leicht auszuführen war, 
so schien ihm das gerathenste auch einen Theil der polnischen 
Truppen für seine Pläne zu gewinnen. Leider gelang ihm dies nur 
zu gut. Die mächtigen Gegner ZoJkiewski's, Kalinowski, Sieniiiski, 
Tyszkiewiez waren bald gewonnen. Man Ong an das Heer gegen die 
Feldherren aufzuwiegeln: die Hetmans wollten fliehen, das Heer im 
Stiche lassen, ihr Plan, an den Dniestr zu ziehen, sei ein wider- 
sinniger, denn mo könnte ein so kleiner Haufen der feindlichen Macht 
auf einem so langen Marsche Widerstand leisten? man hätte schon 
den Tag vorher gesehen, welch' grosse Verluste man in der Wagen- 
burg erlitten, besser wäre es zu Pferde zu steigen und aul"s 
schleunigste bei Nachtzeit über den Pruth zu setzen und längs seinem 
Ufer sich in die Bukowina zu retten. Der Hospodar versprach das Heer 
zu führen, ihm einen sicheren Weg über den Pruth zu zeigen. 

Diese Aufwiegelungen, so verrückt sie waren, fanden leider 
hauptsächlich in der Reiterei allgemein Anklang. Man erwog gar 
nicht, dass man auf diese Weise ungeordnet und zerstreut in die 
Hände des Feindes fallen musste, dass man dadurch alle Verwundeten 
und die ganze Infanterie dem feindlichen Heere preisgab. Was 
kümmerte es die Herren, dass sie durch eine solche Handlungsweise 
Tausende ihrer Landsleute dem sicheren Verderben in den Rachen 
warfen , sie wollten nur sieh retten , um die übrigen kümmerten sie 
sich nicht. Die leichtgläubige Menge Hess sich leicht durch die 
teuflischen Einflüsterungen der Grossen gewinnen, allgemein ver- 
breitete sich der Glaube, dass die Feldherren das Heer verriethen, 
dass sie nur ihre eigenen Personen in Sicherheit bringen und das 
ganze Heer dem Untergange preisgeben wollten. Im Laufe des Tages 
war eine allgemeine Insubordination eingerissen, alles lehnte sich 
gegen die Befehle der Feldherren auf, der überwiegende Theil der 
Reiterei hatte fest beschlossen mit E^intritt der Dunkelheit das Lager 
zu verlassen und auf eigene Hand den Rückzug anzutreten. 



383 

Als daher nach Sonnenuntergang der Trompeter die Parole 
Yerkündete und zugleich den Befehl mittheilte, dass die Truppen auf 
den Wällen die Nacht zubringen sollten, um bei einem etwaigen 
Überfall der Feinde sogleich zur Vertheidigung bereit zu sein, da 
brach eine offene Revolte aus. Graziani mit seinen 600 Wallachen 
stieg zuerst zu Pferde und brach aus dem Lager nach dem Pruth 
aus, ihm folgte Kalinowski, Tyszkiewicz, Sieniiiski , Ijazdowski, 
ja sogar Chmielecki, Odrzywolski, Fürst Korecki mit ihren Abthei- 
lungen. Eine unsägliche Verwirrung griff in dem Lager um sich, 
alles floh und drängte nach den Ausgängen , allgemein verbreitete 
sich der Ruf : die Feldherren fliehen. 

Unterdessen war vollkommene Dunkelheit eingetreten, die Tross- 
buben rissen ihre Herren von den Pferden und bestiegen sie selber, 
andere warfen sich zu den Zelten und Wagen , plünderten und 
raubten alles, was nicht niet- und nagelfest war, andere wieder zün- 
deten die Baracken an , um bei der Helle des Feuers besser rauben 
zu können. Die beiden Hetmans , denen dieser Wirrwarr ganz un- 
verhofft gekommen, stürzten sich zu Pferde, um mit Worten und 
Schlägen die Leute zur Vernunft zu ermahnen, aber umsonst waren 
alle ihre Bemühungen, das Gedränge war so angewachsen, alles 
hatte sich in so dichten Knäueln an den Ausgängen zusammengeballt, 
dass sie unverrichteter Sache zurückkehren mussten, der Gross- 
Hetman in sein Zelt, das unterdessen rein ausgeplündert war, der 
Feld-Hetman mit der Infanterie auf die Wälle , um bei einem 
etwaigen Angriffe der Feinde wenigstens einigen Widerstand leisten 
zu können. 

Da drangen zu den Ohren des in so vielen Kämpfen ergrauten 
Gross-Hetmans , des Helden, der immer gewohnt war auch dem 
zahlreichsten Feinde tollkühn entgegenzutreten, die Rufe: „Die 
Hetmans fliehen". Um zu zeigen, dass dem nicht so sei, Hess er 
unter Fackelbeleuchtung sein Feldherrnzeichen im Lager herum- 
tragen, durchlief persönlich die dichtgedrängten Haufen und ver- 
suchte nocli einmal dem Unwesen zu steuern. Das Avii-kte endlieh : 
die, welche noch zurückgeblieben waren, überzeugten sich, dass 
der alte Feldherr sein Heer nicht verlassen wolle, dass er trotz dieser 
allgemeinen Panik standhaft an seinem Platze ausharre. Alles schaarte 
sich um ihn und sein Zelt: doch umsonst befahler den Reitern von den 
Pferden zu steigen und auf die Wälle zu dem Feld-Hetman zu 



384 

eilen: wie versteinert standen sie da und rührten sich nicht von 
der Stelle. 

Vnd wie war es unterdessen den Ansreissern, dem vorwitzii;cii, 
übcrmüthigen Haufen ergangen? Die einen ertranken in den Wellen 
des Pruth, die anderen wurden von den Tartaren niedergehauen, 
andere wieder geriethen in Gefangenschaft, selten einer kam mit 
heiler Haut davon. Man hörte deutlich im Lager das Säbelgcklirr, das 
Geschrei der angreifenden Tartaren, das Ächzen und Stöhnen der 
Verwundeten und Sterbenden. Es war ein grässlicher Moment; 
hätte der Feind jetzt einen Sturm gewagt, so hätte er mit der 
leichtesten Mühe das Lager eingenommen und das ganze Heer ver- 
nichtet. Doch war der Feind zufrieden mit der reichen Beute, die 
sich ihm im offenen Felde darbot, schrecklich hauste sein Scliwcrl 
in den zerstreuten Haufen der nach allen Seiten Fliehenden. 

Wir können uns den Umstand, dass die Türken in dieser Nacht 
das Lager nicht angriffen, nur daraus ei-klären, dass ihnen selbst 
diese allgemeine Flucht so unverhofft gekommen war und sie über 
den unerwarteten Anblick so bestürzt waren, dass sie vollkommen 
den Kopf verloren und nicht wussten, was dies alles bedeuten solle. 

Graziani war mit seiner Abtheilung glücklich über den Pruth 
gekommen, doch wurde er auf der weiteren Flucht von seiner eigenen 
Begleitung um der Schätze wegen, die er mit sich führte, erschla- 
gen. Kalinowski ertrank in den Wellen des Pruth, Sieniiiski, Tysz- 
kiewicz, Ljazdowski fanden ebenfalls den Tod; von den Angesehe- 
neren entkamen nur Chmielecki und Odrzywolski. Fürst Korecki 
war im Flusse selbst umgekehrt und von Wasser trielend in das La- 
ger zurückgekommen. Über 3000 Mann hatten auf diese Weise 
theils den Tod gefunden, theils waren sie in Gefangenschaft ge- 
rathen, wenige nur kehrten in ihre Heimath zurück i). 

Die ganze Nacht über dauerte diese Verwirrung; welche Ver- 
wüstungen waren angerichtet worden! Das Heer war auf kaum 5000 
Mann zusammengeschmolzen, die Zelte, Wagen und Vorräthe theils 
geplündert, theils zerstört, eine allgemeine Muthlosigkeit und In- 
subordination herrschte noch jetzt in der ganzen Abtheilung. 



') Die türkischen Quellen enthalten über diese Vorgänge nichts, von den polnischen 
sind die wichtigsten die bereits in der vorigen Anmerkung angeführten. 



385 

Die Feldherren hätten jetzt nach Kriegsrecht die Übelthäter und 
Plünderer bestrafen sollen, doch da der übriggebliebene Haufen mehr 
aus Übelthätern, als aus ordentlichen Soldaten bestand, so beschlos- 
sen sie ihre Bestrafung auf eine gelegenere Zeit zu verschieben. Ein 
solches Verfahren hatte aber auch seine sehr üblen Folgen, haupt- 
sächlich als einige der Befehlshaber diesen Beschluss vorlaut dem 
grossen Haufen mitgetheilt hatten. Als diese erfuhren, dass sie die 
Strafe für ihre Insubordination bei der Rückkehr in ihr Vaterland tref- 
fen sollte, da sehnten sie sich selbstverständlich nach dieser Rück- 
kehr gar nicht und benutzten die erste Gelegenheit, um wenigstens 
nicht gemeinschaftlich mit ihren Vorgesetzten daselbst anzukommen. 
Man hätte sie entweder sofort bestrafen oder eine allgemeine Amne- 
stie verkünden sollen. 

Um das im Heere so sehr erschütterte Vertrauen wenigstens 
einigermassen zu kräftigen, sah sich der Gross-Hetman am folgen- 
den Tage genöthigt öffentlich den Schwur zu leisten , dass er das 
Heer zu verlassen weder gedacht habe noch denke. Überhaupt thaten 
die Feldherren alles mögliche, um durch Drohungen und gute Worte 
die Subordination wieder herzustellen. Auch jetzt blieben sie bei 
ihrem früheren Frojeete , das Heer in einer Wagenburg nach dem 
Dniestr vor Mohilew zu führen, und hier an der vaterländischen 
Grenze in einem verschanzten Lager auf Entsatz zu warten. Diesmal, 
durch die traurige Erfahrung des letzten Tages belehrt, ging das 
Heer auf den Wunsch der Feldherren ein und Martin Kazanowski 
machte sich bald an die Herrichtung einer grossen Wagenburg. — 
Um aber in dieser Zeit von dem Feinde nicht gar zu sehr beunruhigt 
zu werden, und um das Heer durch einige Tage wieder vollkommen 
zur Besinnung kommen zu lassen, begann der Hetman Unterhand- 
lungen mit dem Feinde. An das Zustandekommen derselben glaubte 
er selbst nicht sehr und unternahm sie nur, theils um Zeit zu ge- 
winnen, theils um den Wunsch des Heeres zu erfüllen i). 

Schon am 21. war Kantemir an das polnische Lager gekommen 
und verlangte den Starosten von Kamieniec Kalinowski (der in der 
vorigen Nacht ertrunken war} zu sprechen. Die Polen wollten ihm 
nicht sagen, dass er nicht mehr am Leben sei, gaben also vor, er 
sei krank; darauf kehrte er zurück. Das türkische Heer trat in 



Siehe den Brief hei Baliriski S. 299. 
Archiv. XLI. 2. 



386 

Schlaclitordniing vor das Lager, schoss mehrere Male die Geschütze 
gegen dasselhe ab und forderte die Polen zur Übergabe auf, aber 
noch war der Muth des Heeres nicht so weit gesunken, dass es ohne 
einen Sturm sich in die Hände des Feindes ausgeliefert hätte '). 

In den folgenden Tagen setzten die Türken ihre Bemühungen fort; 
der Hetman seinerseits sandte einen Abgeordneten in das feindliche 
Lager mit folgenden Vorschlägen: die Polen hätten den Krieg ange- 
langen, weil ihnen Graziani vorgespiegelt, dass die Tarlaren allein 
die Moldau überfallen wollten, mit den Türken hätten sie in keinen 
Zwiespalt gerathen wollen, da sie den vor einigen Jahren geschlosse- 
nen Vertrag nicht zu brechen gedächten. Da nun aber jetzt der 
Hospodar geflohen wäre, so sei aller Gnnid zu weiteren Zwistigkeiten 
beseitigt, sie erbieten sich also den Türken mehrere vornehme 
Herren als Geissei zu geben, wenn man ihnen als solche den Kante- 
mir-Mirsa und Husein-Pascha senden wolle, welche dann jenseits 
des Dniestrs ausgewechselt werden und jeder Theil mit Sicherheit 
zurückkehren solle. Ausserdem wurden dem Serdar 100.000 Ducaten 
und eine jährliche Abgabe für den Sultan angeboten und zugleich 
versichert, dass die Polen die Bedingungen des Vertrages von Jaruga 
treu bewahren wollten , unter anderem den Tartaren die jährliche 
Gal)e pünktlich einhändigen werden. 

Lskender-Pascha berief einen Kriegsrath , da er allein über die 
Annahme nicht entscheiden wollte. Es wäre sonderbar gewesen, 
wenn die Türken nach den Vorgängen in der Nacht vom 20. auf den 
21. diese Bedingungen angenommen hätten. Sie wussten, dass das 
Heer von Anfang sehr schwach gewesen sei, dass ihre Kräfte viel 
bedeutender waren; nun war es in der Nacht des 20. um mehrere 
Tausend Mann verringert Morden, die Vorgänge dieser Nacht be- 
wiesen, dass in dem Lager die grösste Missstimmung und In- 
subordination herrschen musste, die Türken konnten also jegliche 
berechtigte Aussicht haben, dass sie über kurz oder lang das 
ganze Heer in ihre Hände bekommen würden. Und doch berichtet 
Naima, dass ein grosser Theil des Kriegsrathes geneigt war auf die 
Bedingungen einzugehen, und dass nur die Energie Kantemirs, der 
sich standhaft weigerte als Geissei in das polnische Lager zu gehen, 
die Unterhandlungen abgebrochen hat. Wenn die Erzählung Naima's 



1) Bericht bei Wojcicki 



387 

wirklich mit der Wahrheit übereinstimmt, so müssen die angebotenen 
bedeutenden Summen wohl einen überwichtigenEinfluss auf die türki- 
schen Würdenträger ausgeübt haben. Sei dem wie ihm wolle, so 
endeten die Verhandlungen damit, dass der polnische Abgesandte 
ins Gefängniss geworfen und der Statthalter Graziani's, Botschuk, 
der in der Nacht des 20. in Gefangenschaft gerathen war, ge- 
spiesst wurde «). 

Noch am 27. aber kam Kalghai-Dewlet-Girai-Sultan mit mehre- 
ren Hundert Tartaren an das polnische Lager heran und rief den 
Fürsten Korecki zu einer Unterhandlung heraus. Er verlangte von 
<lem Fürsten ein so bedeutendes Lösegeld, dass dieser darauf nicht 
«inging. Der Sultan entfernte sich unter Drohungen, dass er sie mit 
<lem Säbel herausholen werde 2). 

Damit waren alle Aussichten auf einen glücklichen Ausgang der 
Unterhandlungen für die Polen abgeschnitten, sie waren auf ihr 
Schwert angewiesen. Doch war der Zustand des Heeres ein äusserst 
trauriger. Ein Brief aus dem polnischen Lager vom 25. September 
schildert die Lage mit folgenden Worten: „Schlecht steht es mit 
uns, sehr schlecht. Die Türken und Tartaren haben uns von allen 
Seiten umzingelt, wir sehen unsern Tod, unser Verderben vor 
Augen! Sie haben Schanzen dicht an unserem Lager aufgeführt, 
Schanzkörbe aulgefahren, aus ihren Geschützen fliegen die Kugeln 
in die Zelte des Kanzlers; unser Wall ist sehr niedrig, man könnte 
über ihn wegspringen; an Pulver haben wir Mangel, Pferdefleisch 



1) über diese Verhamllungen berichtet umstiintilich allein Naima (bei Sekowski I. 
S. 140 — 142), doch ist die Darstellung eine sehr ungenaue; so wird unter an- 
derem gesagt, die Polen hätten als Geissei den Neffen des Königs Sigismund 111. 
angeboten, ein Neffe Sigisniunds III. war aber weder im Lager, noch irgendwo in 
der Welt vorhanden. Vgl. Hammer IV, S. 513 und 514. 

2) So in dem Berichte bei Wojeicki. — Sekowski (I, 231) beschuldigt den Hetman 
Zolkiewski, dass er es zu verantworten habe, dass die Unterhandlungen nicht zu 
Stande gekommen seien, er hätte nämlich nicht den Kantemir als Geissei verlangen, 
sondern die Auswahl der Geissei dem Serdar überlassen sollen. Dieser Vorwurf 
erscheint uns ungerechtfertigt, denn die Unterhandlungen wären wohl in keinem 
Falle glücklich abgelaufen, und Zofkiewski führte sie nur, um Zeit zu gewinnen. 
In der bedrängten Lage des polnischen Heeres, von der die Türken wohl sichere 
Kunde hatten, mussten sie solche Bedingungen stellen, auf die die polnischen 
Feldherren nie eingegangen wären und die Entscheidung lieber dem Schwerte über- 
lassen hätten. 

25' 



388 

wird gegessen. Bei jedem Allah! Allah! läuft alles voq den Wällen 
weg. Menschlicher Rath hilft nichts mehr, in Gott allein kann mau 
noch Zuversicht haben. Ich werde E. L. wohl nicht mehr wieder- 
sehen, bete zu Gott für meine Seele, auch die übrigen Verwandten 

mögen beten Grosser Hunger herrscht hier bei uns; — 

Wasser und Fleisch haben wir, sonst nichts. Regen, Kälte, Elend. 
In dem Tumult ist alles zu Grunde gegangen, sicher ist unser Ver- 
derben" <). 

Mit diesem Heere, in welchem eine solche Stimmung herrschte 
und das an allem Mangel litt, sollte der Hetman einen so gefährlichen 
Rückzug antreten, und doch blieb nichts anderes übrig: das feind- 
liche Heer machte sich zum Sturm bereit, die Proviantvorräthe 
waren sehr knapp, das Pulver zum grossen Theile ausgegangen, man 
musste eilen, zum Sturm durfte man es nicht kommen lassen. Der 
Hetman benachrichtigte also am 24. den König von der bedrängten 
Lage des Heeres, bat flehentlich, so wie schon in mehreren früheren 
Briefen, um Hilfstruppen, und versicherte, dass er seinerseits alles 
thun werde, um das Heer zu retten "). Und er hat sein Wort ge- 
halten bis zum letzten Athemzuge. 

Unterdess waren alle Anstalten zum Rückzuge getroffen worden, 
am 28. setzte man fest, dass man am Abend des folgenden Tages 
aufbrechen werde, und es war die höchste Zeit, denn der Feind hatte 
sich zum Sturm bereit gemacht. 

Martin Kazanowski, ein erfahrener Feldoberst, hatte eine grosse 
Wagenburg hergerichtet, 600 Schritte lang, 300 Schritte breit, in 
sieben Reihen waren die Wagen aneinander gekettet, zwischen den 
Reihen marschirte das Fussvolk mit dem Gewehr in der Hand, und 



*) Sziijnoclia I. c. S. 46. 

2) Abgetlruekt bei ßielowski 1. c. S. 379 und bei Szajnocha 1. c. S. 43 u. 44. — Es 
ist wirklich eine Schande , dass Sigisinund III. auch nicht die geringsten Vorkeh- 
rungen getroffen, um dem mit einem so geringen Heere in das feindliche Land 
ausgesandten Feldherrn irgend ein Hilfscorps nachzusenden. Weder der letzte, 
noch die früheren Briefe übten einen Einfluss aus; man blieb ruhig sitzen und 
überliess den greisen Helden seinem Schicksale. Nicht so die Familie des Feld- 
herrn, und vor allen seine heldenmüthige Gemahlin; diese opferte all' ihr Silber- 
geräth, alle Kleinodien, um ein Hilfscorps anzuwerben und dem kämpfenden Gemahl 
nachzusenden. Leider kamen ihre Bemühungen schon zu spät, der Feldzug hatte 
zu kurze Zeit gedauert. 



389 

die Reiter grösstentheils zu Fiiss, da viele Pferde aus Mangel an 
Futter gefallen waren. An den beiden Längenseiten und an der 
hinteren Wand Murden die Geschütze geführt, in der Mitte des 
grossen Vierecks nahmen die Verwundeten und das Gepäck, auf 
Pferden geführt, Platz '). In dieser Wagenhurg vertheilte sich das 
polnische Heer^, nicht volle 5000 kampftahige Soldaten zählend, wo- 
A'on etwa 1600 Mann Fussvolk und der Rest Reiter waren, die aber 
zum Thcil keine Pferde hatten. Die ersten Reihen standen unter dem 
Befehle des Fürsten Korecki und Fahrensbachs, das Centrum be- 
fehligte Kazanowski, die hinteren Reihen und die Artillerie Theophil 
Szemberg; die beiden Feldherren theilten sich in die Oberaufsicht. 

Um die Vesperstunde am 29. September verliess die Wagen- 
burg das Lager; das Ereigniss kam dem Feinde augenscheinlich un- 
verholTt. er umringte die wandernde Burg zwar von allen Seiten mit 
grossem Geschrei, wagte aber keinen heftigeren Angriff, nur die 
Tartaren umschAvärmten das unaufhaltsam vorrückende Heer aller- 
seits und geleiteten es bei dem weiteren Vormarsch die ganze Nacht 
hindiu'ch. Um Mitlernacht musste man das sumpfige Delithal passiren, 
dabei gingen vieIt^ Wagen, Pferde und Menschen zu Grunde, die 
Wagenburg selbst gerieth in Verwiri-ung; der Feind verdoppelte 
seine Anstrengungen, um sie zu zerreissen, aber das Heer schritt 
wie eine eherne Mauer vorwärts und (rieb trotz zahlreiciier Verluste 
mit der grössten Tapferkeit den Feind zurück. Die strengste Sub- 
ordination herrschte in den Reihen der kleinen Armee, man hätte es 
ihr gar nicht angemerkt, dass erst unlängst alle Bande des Gehorsams 
in ihr aufgelöst waren. Alles war den Befehlen der Feldberren blind- 
lings gehorsam. Dieser strengen Subordination hatte man es zu 
danken, dass man am folgenden Tage auch den Pruth glücklich 
passirte und die Angriffe des Feindes so energisch zurückwies, dass 
man sogar durch einige Stunden ausruhen konnte. Bei einem Aus- 
fall an diesem Tage war es sogar gelungen einige Kanonen zu er- 
beuten, die man aber nicht mitnehmen konnte. 

Um die Vesperstunde rückte man wiederum weiter vor, während 
der ganzen Nacht vom Feinde geleitet ; eine Stunde nach Tagesan- 
bruch machte man im Derlethal an einem Teiche Halt, doch nicht um 
Ruhe zu haben, denn kaum stand die Burg still, so griffen die Feinde 



1) Piasecki. Chronica, p. 400 et 401. 



390 

mit aller Macht an. Doch hatten die vorhergehenden Erfolge das 
Heer so sehr gestählt, ein solches Zutrauen zu den Feldherren 
herrschte jetzt allgemein, dass die mehrstündigen Angriffe der Feinde 
mit dem besten Erfolge zurückgewiesen wurden. 

Kalghai-Sultan, der mit seinen Tartaren bisher hauptsächlich 
die Polen verfolgt hatte, sah nun ein, dass er aliein nichts ausrichten 
würde, das übrige Heer aber war, da der Aufbruch der Polen zu 
unverhofft eingetreten war, noch nicht nachgekommen. Er beschloss 
daher mit den Polen Unterhandlungen anzuspinnen und sie dadurch 
längere Zeit auf demselben PLttze zurückzuhalten. Wohl merkten 
die polnischen Feldherren die Absicht des Sultans, als sein Abge- 
sandter bei ihnen erschien und verlangte , man möchte den Christoph 
Druzbicz, der schon vorher sich bei den Unterhandlungen haupt- 
sächlich betheiligt hatte, da er der türkischen Sprache kundig war, in 
sein Lager senden und er würde solche Bedingungen vorschlagen, 
dass mit Sicherheit ein gütliches Übereinkommen zu Stande kommen 
würde. ZoJkiewski also schickte den Druzbicz zu den Tartaren, trotz- 
dem dass er merkle, dass es denselben nur darum ginge Zeit zu ge- 
Avinnen. Er hoffte aber dadurch wenigstens einige Ruhestunden zu 
bekommen , deren das Heer nach so anhaltenden Märschen sehr 
dringend bedurfte i)- Umsonst wartete man aber auf die Rückkehr 
des Abgesandten, der Sultan hielt ihn zurück und erreichte seine Ab- 
sicht vollkommen, denn die Polen blieben dieNacht über ruhig stehen,^ 
und der Rest des türkischen Heeres kam indess angezogen. Doch 
auch die Polen hatten wenigstens einige Stunden ausgeruht und fühlten 
sich am Morgen zu neuen Kämpfen gekräftigt. Umsonst also bedräng- 
ten die vereinigten feindlichen Truppen den ganzen 2. Oetober über 
die polnische Phalanx, alle ihre Angriffe zerstoben an deren Ausdauer 
und Tapferkeit: zwei Fahnen und eine Kanone wurden sogar von 
den Polen erobert. Gegen Abend brach die Wagenburg auf, von 



*) Szemberg in seinem Briefe sagt: am 30. September hätte die feindliche Macht 
wohl mehr als 100.000 Mann betragen, während er selbst bei der Schilderung de» 
Kampfes am 19. Sept. nur von 35.000 Mann gesprochen. W.ihrend des Rückzugs, 
wo die Burg von allen Seiten von Feinden umringt war, wo das polnische Heer 
mit jedem Tage kleiner und kleiner wurde, musste die Macht des Feindes in de» 
Augen der Tag und Nacht Kämpfenden immer grössere Dimensionen annehmen. 
Zählen konnte man die Feinde nicht, man sah das Feld ringsum von ihnen ein- 
genojiimen und sprach von Hunderttausenden. 



391 

allen Seiten wie von einem Kranze von den Feinden umringt, in 
Feuer und Rauch gehüllt, denn die Türken zündeten alle Dörfer, alle 
Scheunen, Gras und Getreide ringsum an, um alle Vorräthe vor dem 
polnischen Heere zu vernichten. 

Nachdem sie die ganze Nacht hindurch marschirt waren, machten 
sie zwei Stunden nach Tagesanbruch in einem langen, engen Thale 
Halt neben einem von den Tartaren angezündeten Dorfe. Die Lage des 
polnischen Halteplatzes war derartig, dass sich die feindlichen 
Truppen in ihrer ganzen Macht nicht entfalten konnten, hauptsäch- 
lich die zahlreiche tartarische Reiterei konnte an diesem Tage an 
dem Kampfe gar nicht theilnehmen. Die Türken allein unternahmen 
mehrere AngritTe, „aber Gott'', sagt Szemberg in dem Briefe an 
Opaliiiski, „hatte uns schon mit einem solchen Muthe gegen sie ge- 
wappnet, dass nicht mehr die Towarzyszen (die adeligen Reiter in 
den Hussarenregimentern), sondern die Trossknechte gegen sie aus- 
fielen und zu Fuss die Reiter weit weg ins Gebirge verfolgten". 
Wiederum wurde eine Fahne dem Feinde abgenommen. 

Von neuem brach das Heer am Abend auf, aber es hatte einen 
schweren Marsch durch Irockene, mit Heuschrecken besäte Felder, 
in einer unerträglichen Hitze, in Staub und Rauch, so dass man 
kaum Athem schöpfen konnte, ringsum von den Feinden um- 
schwärmt. Zu Mittag am 4. October machte es unweit vom Flusse 
Reuth Halt, der Fluss selbst wurde ihm vom Feinde versperrt, es 
musste an einem Platze stille stehen, wo weder die Menschen noch 
die Pferde irgend etwas zu essen oder zu trinken liatten. Hier schien 
der Untergang des Heeres gewiss. In Staub und Rauch gehüllt, so dass 
man weder den Feind , noch kaum die Sonnenstrahlen sehen konnte, 
auf einem öden, verlassenen Platze stand die Wagenburg da, allen 
AngrilTen Preis gegeben. Sofort stürmten die Türken heran, aber 
wohlgezielte Kanonenschüsse aus der rechten Flanke der Burg 
brachten eine solche Verwirrung in ihren Reihen hervor, dass sie 
entsetzt zurückeilten. Sie wandten sich nun gegen eine andere Seite 
der feindlichen Phalanx, wo das Lisowskische Kosakenregiment 
stand , doch auch hier wurden sie von wohlgezielten Musketen- 
schüssen empfangen, einige deutsche Infanteristen wagten sogar 
einen Ausfall und trieben die Feinde weit weg zurück. Doch hatten 
sie sich in allzu grossem Eifer zu weit von ihren Kampfgenossen 
entfernt und wurden, als sie sich nach der Burg zurückzogen, um- 



392 

zillgelt uiul niedergehauen. Noch war der letzte Augenhliek des 
streitenden Heeres nicht gekommen, siegreich ging es aus allen 
AngrilFen der Osmanen hervor. Die Dunkelheit der Nacht machte 
dem Kampfe vorläufig ein Ende, der Feind hatte beträchtlichen 
Schaden erlitten, nur von weitem folgte er dem am Ahend weiter 
marschirenden polnischen Heere, weniger behindert konnte es in 
dieser Nacht (vom 4. auf den '6.) eiliger vorrücken. 

Mit Sonnenaufgang setzte es ohne grosse Schwierigkeiten und 
ohne von dem Feinde bedeutend belästigt zu werden über den Fluss 
Kubolta, und marschirte an seinem Ufer bis zur Mittagszeit, von 
hinten von den Feinden verfolgt und mit Flintenschüssen stark be- 
schädigt. An dem Flusse und an einem Krautgarten, der sofort ver- 
zehrt wurde, machte man um Mittag Halt und traf sogleich Anstalten 
zur Vertheidigung, aber der Feind hatte in seinem Ungestüm be- 
deutend nachgelassen und da die Burg auf einem sehr vortheilhaften 
Platze stand, so Hess er diesmal von einem AngrÜTe ab. 

Wiederum gegen Abend brach man auf und setzte den Marsch 
weiter fort, aber die Lage des Heeres wurde mit jedem Augenblicke 
eine trostlosere. Alle V\)rräthe waren ausgegangen, Hunger und 
Durst quälte die Mannschaft, die Pferde fielen verhungert nieder, die 
Menschen, von Müdigkeit und Schlaflosigkeit geplagt , verfielen die 
einen gleichsam in Wahnsinn, andere stürzten zu Boden und blieben 
schlafend und betäubt liegen, bedeutende Lücken entstanden in den 
die Burg bewachenden Reihen. Ein Marsch von sechs Nächten und 
eben so viel Tagen, ein unaufhörlicher Kampf mit dem Feinde, ein 
quälender Hunger und Durst hatte die Zahl der polnischen Armee 
auf die Hälfte reducirt, von den ungefähr öOOO Mann, die das Lager 
am 29. September verlassen hatten, waren ungefähr nocli 2500 übrig i), 
verfolgt von einemFeinde, dessenTruppen nach allen Verlusten doch 



*) Von dem polnischen Heere waren am 6. October sicherlich nicht mehr als 2ö00 
übii^, diese Zahl gibt auch der Brief des Aug-enzeugen an, welchen Baliiiski 
S. 296—302 abdruckt. Bei ihm steht nur die falsche Zahl öOOO, die richtige findet 
sieh in dem Abdruck: Czasop. Ossolinskich, 1830, S. 34. Dieser Brief gibt auch 
einzig und allein von allen polnischen Quellen die Zahl der Türken auf im Ganzen 
23.000 Mann an. Szemberg behauptet steif und fest, es wären ihrer mehr als 
150.000 Mann gewesen. — Die Nachrichten Naima's über den Rückzug sind äusserst 
kar^ und spärlich. Es ist allein möglich, diesen aus den schon häufig eitirten polni- 
schen Quellen darzustellen, was wir auch gethan haben. 



393 

mindestens noch 20.000 Mann zählten. Dazu hatte der Feind keinen 
Mangel an Proviant, seine Abtheilungen konnten abwechselnd aus- 
ruhen und frische Kräfte schöpfen. Und doch, wenn das Heer in der 
bisherigen Subordination , in dem Gehorsam gegen die Befehle der 
Feldherren ausgehalten hätte, so wäre es glücklich an die Ufer des 
Dniestr vor Mobile w gekommen und hätte dort, aus der Heimath 
mit Proviant versehen, in einem verschanzten Lager auf Entsatz 
warten köinien. 

Am 6. October gegen 10 Uhr griff der Feind noch einmal die 
Burg an , der Angriff war so heftig , dass man Halt machen musste. 
Zahlreiche Verluste erlitt das polnische Heer, aber es vertheidigte 
sich trotzdem mit äusserster Tapferkeit, alle Bemühungen, alle 
Stürme des Feindes waren umsonst, endlich sah er sich gezwungen 
sich zurückzuziehen. Da fing das bis aufs äusserste ermattete Heer 
zu murren an, es verlangte stehen zu bleiben und auszuruhen. 
Zol'kiewski aber wollte auf das Verlangen nicht eingehen. Nicht 
volle zwei Meilen war man vom Dniestr entfernt, man hatte keine 
Nahrungsmittel, kein Wasser, nur einen geringen Vorrath Pulver, 
der Ort, an dem man sich befand, war sehr unvortheilhaft ge- 
legen, wozu sollte man also hier noch weiter bleiben. Je eher man 
an die Ufer des Dniestr und in die Nähe von Moiiilew gelangte, desto 
sicherer Avar man, dort war Aussicht auf Entsatz, auf Nahrungs- 
mittel und Munition, dort gedachte man sich zu verschanzen und 
nach den erlittenen Strapazen auszuruhen. 

Endlich gelang es dem Feldherrn das Heer zum Weitermarsch 
zu bewegen. In diesem Augenblicke wohl schrieb Zolkiewski seinen 
letzten uns bekannten Brief an seine Gemahlin <). So nahe der vater- 
ländischen Grenze hatte er doch keine Hoffnung, dass er glücklich 
ans Ziel gelangen würde, die im Heere wieder erwachte Insubordina- 
tion rief traurige Gedanken in dem greisen Feldherrn hervor. Der 
Feind hielt sich nach dem letzten misslungenen Angriffe in ziemlich 
weiter Ferne, er schien bereits alle Hoffnung verloren zu haben die 
Burg zu zerreissen und das Heer zu bewältigen. 

Langsam marschirte gegen Abend die Wagenburg weiter, aber 
mit jedem Augenblicke stieg in ihr die Verwirrung, immer unge- 
stümer wurden die Bufe stehen zu bleiben, doch standhaft setzten 



Ski 1. c. S. 381. 



394 

die Feldherren den Marsch weiter fort. Da begingen einige der höheren 
OlTiciere den Fehler, dass sie dem Tross, der sowohl am 20, Septem- 
ber wie auch jetzt wesentlich zu der Verwirrung beitrug, zu drohen 
anfingen, es würde bald, wenn sie nur in der Heimath angelangt 
sein werden, die Zeit kommen, wo man diese Unheilstifter bestrafen 
werde. Desto iibermüthiger wurden die Trossknechte: wenn sie dazu 
nach dem Dniestr gehen sollten, um dort bestraft zu werden, so 
wollten sie lieber sich auf eigene Hand davon machen und auf diese 
Weise der angedrohten Strafe entgehen. Da unterdessen die Dunkel- 
heit völlig eingebrochen war, so fingen die in den ersten Reihen 
der Wagenburg befindlichen an zu Pferde zu steigen, die Waagen 
auseinander zu zerren, zu plündern und zu rauben. Durch irgend 
jemanden aus dem Lager wurde Kantemir, der von weitem dem mar- 
schirenden Heere nachfolgte, von der steigenden Unordnung benach- 
richtigt. Sofort wandte er sich an Iskender-Pascha und an Kalghai- 
Sultan mit der Bitte , ihm eine zahlreiche Truppe nachzusenden , er 
werde noch im letzten Augenblicke den Feind bezwingen. Sein 
Wunsch wurde erfüllt, Kalghai-Sultan sandte ihm mehrere Tausend 
Tartaren zur Disposition. 

Mit diesen Truppen griff Kantemir die in der Nachhut mar- 
schirenden Lisowskischen Fähnlein an, welche wohl von der in der 
vorderen AVagenburg bereits herrschenden Unordnung noch kaum 
etwas wussten; jedoch noch einmal wurden die Tartaren mit em- 
pfindlichen Verlusten zurückgetrieben. 

Die Verwirrung in der Wagenburg stieg aber mit jedem Augen- 
blicke. Um Mitternacht begannen die Trosskneclite haufenweise zu 
Pferde sich von der Wagenburg abzusondern und nach dem Dniestr 
zu eilen. Die Herren wurden von den Pferden heruntergerissen, die 
Wagen geplündert, mit dem Raub eilten die Trossbuben hinweg. 
Da, statt standhaft den Feldherrn zu unterstützen , bestiegen einige 
der höheren Officiere, unter ihnen wiederum Fürst Samuel Korecki, 
ihre Pferde und sprengten auf eigene Faust den Ufern des Dniestr 
zu. Dies war das Signal zu einer allgemeinen Verwirrung, dem Bei- 
spiele der Oberen folgten die Unteren , ein allgemeines Rauben und 
Plündern griff um sich. 

ZoJkiewski wollte auch jetzt noch in der, wenn auch ungeord- 
neten Wagenburg weiter marschiren, Kzanowski schlug vor die 
Burg kleiner zu machen und mit der geringen übriggebliebenen treuen 



395 

Mannschaft weiter vorzurücken. Er machte sich auch schon ans 
Werk, da auf einmal hört man heftige Hufschläge , alles glaubt die 
Tartaren griffen an. Erschreckt steigen die meisten, sei es Herr oder 
Diener, zu Pferde und flüchten nach allen Himmelsgegenden. Es 
zeigt sich zwar, dass das Geräusch, welches solche Furcht erregt 
hatte, von der polnischen Reiterei kam, die von einem Ausfall zu- 
rückkehrte, aber ihr auf dem Fusse folgt der Feind, stürmt in die 
nicht mehr vertheidigte Burg und haut alles zusammen, was noch in 
ihr befindlich , andere Abtheilungen zerstreuen sich nach allen Sei- 
ten und machen die Vereinzelten nieder. 

Zotkiewski und Koniecpolski stehen nur noch mit einer Abthei- 
lung von ungefähr 300 Reitern da, rathlos, ohne zu wissen, was sie 
anfangen sollen. Da räth jemand von den Pferden zu steigen, diese 
zusammenzukoppeln und hinter diesem lebendigen Wall sich zurück- 
zuziehen. Es war dies eine beiden Kosaken sehr gebräuchliche Kriegs- 
manier. Dieser Plan findet leider Anklang, ZoJkiewski durchsticht 
sein Pferd, um zu zeigen, er wolle nicht fliehen, seine Begleitung 
steigt von den Pferden. So marschiren sie ungefähr eine Viertelmeile, 
der greise Feldherr gestützt von der einen Seite auf den Lieutenant 
ZJotopolski, von der anderen auf seinen Diener Kurzawski, vor ihm 
der Feld-Hetman und Tarnowski. Da bricht eine Abtheilung Tartaren 
auf die Marschirenden hervor, statt sich hinter den Pferden zu ver- 
theidigen, besteigen die Begleiter Zol'kiewski's dieselben und flüch- 
ten eilig hinweg. Nur 12 Personen bleiben bei dem Feldherrn zu- 
rück. Umsonst beschwören sie den greisen Helden, er möge zu Pferde 
in der Flucht sein Heil suchen, er will ohne sein Heer nicht in die 
Heimath zurückkehren. Endlich aber setzen ihn Ztotopolski und Ko- 
niecpolski mit Gew alt auf ein Pferd, eben trabt eine Reiterabtheilung 
vorbei, ihr schliesst sich der Feldherr an. Was mit ihm weiter vor- 
ging, ist ungewiss, die einen sagen dies, die anderen jenes; das 
ist aber sicher, dass er kämpfend den Tod gefunden. Sein Leich- 
nam wurde später auf dem Schlachtfelde gefunden, mit Wunden be- 
deckt, mit abgehauener Hand, ohne Kopf. Das Haupt des greisen 
Helden wurde auf einer Lanze im türkischen Lager herumgetragen 
und später an den Hof des Sultans als Trophäe abgesandt. 

Das ganze polnische Heer war vernichtet, die einen vom Feinde 
niedergehauen , die anderen in Gefangenschaft gerathen , andere 
wiederum von ihren Führern in die Hände der an den Ufern des 



396 

Driieslr lauernden Moldauer geführt, von diesen ausgeplündert und 
in die Hände der Türken oder Tartaren ausgeliefert, andere endlich 
ertranken in den Fluthen des Dniestr. Der Feld-Hetman Koniecpolski, 
die heiden jungen Zolkiewski , Sohn und Neffe des (jross-Hetmans, 
der Fürst Samuel Korecki, der einer der ersten hei der Flucht war, 
BaJahan, Strus, Fahrensl)ach, Kazanowski, der Sohn des Woje- 
woden von Bractaw Potocki geriethen, theils schwer, theils leichter 
verwundet, in Gefangenschaft. Der tapfere Dönhoff hatte den Tod 
gefunden. 

Von dem ganzen Heere hatten sich nur 200 Fussgänger, 700 
Lisowskische Kosaken und einige Hundert Trossknechte, Kosaken 
und Towarzyszen gerettet. Von Ofticieren waren nur Szemberg, der 
Befehlshaber der Artillerie, Rogawski, der Oberst der Lisowskischen 
Kosaken, zwei Rittmeister und zwei Lieutenants von den Kosaken 
entkommen i). 

So endete diese unglückliche Expedition, hei der einer der 
ausgezeichnetsten polnischen Feldherren, der 73jährige Gross-Het- 
man und Gross-Kanzler Stanislaw Zolkiewski, den Heldentod gefun- 
den und ein zwar nicht zahlreiciies, aber auserlesenes Heer beinalie 
mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden. — Der Leichnam und der 
Kopf des Feldherrn wurde für eine bedeutende Summe von der Witwe 
des Gefallenen losgekauft und in der Kirche des Stammschlosses zu 
ZoJkiew beigesetzt. 

Nicht die Übermacht des Feindes, nicht die Tapferkeit der tür- 
kischen und tartarischen Horden hatte das Heer bezwungen, sondern 
seine eigene Insubordination und Widersetzlichkeit, der Cbermuth 
und Eigendünkel des Adels. Wenn nicht der Übermuth und die In- 
subordination des Heeres die tragischen Ereignisse der Nacht vom 6. 
auf den 7. October herbeigeführt hätte, so wäre der Rückzug der 
Zotkiewskischen Truppe einer der glänzendsten gewesen, welche die 



*) Die Ereignisse des 6. und 7. Octohers finden sich am besten dargesteUt in dem 
Briefe und Berichte Szemberg"s einiges auch in dem Briefe bei Balinski S. 300 — 
302 und in einem Briefe: woloskiej transakcyi, MS. II, H. c. 8 der R. B. z. P. — 
Über die letzten Augenblicke des Gross-Hetraans berichtet sein Gefährte Z?oto- 
polski bei Balinski S. 317 — 319. — Das, was Naima (bei Sekowski S 143 u. 144) 
über die letzten Schicksale des polnischen Heeres erzählt, ist ganz unbrauchbar, 
übertrieben und stimmt mit der Wahrheit nicht überein. 20.000 Mann sollen nach 
Maima am 7. October von den Polen gefallen sein. 



397 

Geschichte aufzuweisen hat. Hunger, Durst, Müdigkeit, Schlaflosig- 
keit, ununterbrochene Märsche, unaufhörliche Angriffe einer über- 
wiegenden feindlichen Macht konnten das kleine Heer nicht bezwin- 
gen, eigene Zwietracht, eigener Ühermuth hat seinen Untergang 
herbeigeführt. 

In einem breiten Strome ergoss sich nun unaufgehalten die tar- 
tarische Macht über die reichen ruthenischeo Gefilde und Aerheerte 
alles mit Feuer und Schwert. 



IX. 

DOCUMENTA 

HISTORIAE FOROJULIENSIS 

SAECÜLl XIII. ET XIV. AB ANNO 1300. AD 1333. 
SUMMATIM REGESTA 

A 

P. JOSEPHO BIAXCHI UTINENSI. 

(Schluss.) 



401 



1328. i4. Januarii. Pag-anus patriareha concedit Bei'tiilo de Sbro- 
lavacca usque ad diios annos facuUateni incidendi de oninibus lignis, 
exceptis quereubiis, in nemorihus Fratfae et Spissulac g'astaldiae s. Viti, 
et in bannis siiperioiibus et inferioribus Cinti gastahliae Medtinae, pre- 
tio libraruni nulle nongentariim parvorum. Insuper concedit cidem 
quod possit facere unnm aedificium segae in flumine Sill, et ipsa sega 
uti per totum dictum tempus; quo tarnen finito eadem sega seu aedi- 
ficium ipsi patriarcbae et ecelesiae Aquilejensi remanere debeat. 

B. M. U. [392.] 

1328. 4. Februarii. Utini. Paganus patriarcba jure recti et lega- 
lis feudi investit d. Nicolussium de Prata de decima noveni mansorum in 
villa de la Mantua gastaldiae Medunae, quorum quinque asserebat se 
emisse, et alios quatuor excidisse dicto d. patriarcbae et ecelesiae Aqui- 
lejensi proptcr rebellionem et enormes cxcessus commissos contra 
ipsum d. patriarcliam et ecclcsiam Aquilejensem per Lauruni de la 
Meduna et iilos de Panigaleis. B. M. U. [593.] 

1328. 10. Februarii. Utini. Druzacius q'". Quirini de Albona cum 
quibusdam suis sequacibus ac colligatis inique et proditorie agentes 
contra fideles Aquilejensis ecelesiae et contra vicinos de Albona sedi- 
tionem fecerunt, volentes dictam terram de Albona depopularc, et 
ipsam in alienis nianibus tradere. At postquam iniquitateni bujusmodi 
nequiverunt explere, de terra ipsa cxpulsi, associatis sibi malefacto- 
ribus plurimis, guerram fecerunt intrinsecis, et eis multa damna intu- 
lerunt. Franciscus de la Turre marcbio Istriae illos ut rebelies et con- 
tumaces exilio multaverat, mandans ut si quis eorum in ejus officialium 
potestatem pervenerit, illico destruatur. At Paganus patriareha volens 
Druzacium ipsum et suos sequaces ad pacem reducerc cum fidelibus 
praedictis, suscepit compromissum a singulis partibus factum, et plu- 
res terminos statuit ad comparendum coram eo, in quibus Druzacius et 
Archiv. XLl. 2. 26 



402 

ejus seqiiaces fnistra expectati eomparere renuerunt. Itaqiie patriareha, 
quamqiiain absentes, sententialiler condemnat dictum Druzaciuni et ejus 
sequaces in rcfectione omniuin damnorum datorum intrinseeis de Albona, 
declarans bona ipsius Druzacii et sociorum ejus esse obnoxia refectioni 
damnorum hujusmodi, et quia non paruerunt ejus mandatis, pronunciat 
eos incurrisse poenam in compromisso appositam. A. N. U. [ö94.] 

i32S. 11. Februarii. Utini. In generali coUoquio Utini celebrato, 
propositis per <1. patriarcham hiis quae tunc erant pertractanda, visum 
fuit astantibus quod eligcrentur septem consiliarii, id est unus pro 
praelatis, et unus pro liberis, tres pro ministerialibus et duo pro com- 
munitatibus, qui simul cum d. patriareha super hiis provideant, ordi- 
nent et disponant, prout melius et utilius eis videbitur; et quidquid 
fecerint, ordinaverint et mandaverint, valeat ac teneat ac si per totuni 
coUoquium factum esset- 

Facta igitur electione, d. patriareha una cum septem electis 
praedictis ascendit palatium, et se traxit in partem in sala parva, ut 
ibi consuleretur et videretur quid esset agendum. 

Et tunc primo provisum fuit super facto impositionis militiae, quod 
illi qui non fuerunt in mostra, sicut illi de Pulcinico, requirantur iterum 
per litteras, ut die dominica Ovorum omnes sint cum elmis et ballistris 
ad faciendam dictam mostram coram d. patriareha, et decennas peditum 
quas miitere voluerint, mittant ad dictum terminum. 

Secundo provisum fuit et firmatum, quod stratae Aquilejae repa- 
rentnr et reaperiantur ita quod currus et mcrcantiae duci valeant, et 
quod civitas illa fortificetur. Ad quae complenda habeantur de massariis 
et hominibus villarum in quantitate illa quae conveniat. Super quo 
electae fuerunt plcbes multae. 

Tertio provisum et firmatum fuit, quod impositio peditum juxta 
decennas fiat, et quod pro qualibet decenna, si unus non sufficeret, duo 
habeantur. A. C. U. [o'9ö.] 

1328. 12. Februarii. Utini. Convenientibus iterum cum d. patri- 
areha consiliariis supradictis et quibusdam aliis in loco et sala prae- 
dieta, provisum fuit et firmatum quod: 

I. Propter propinquum adventum d. ducis Charintliiae et alioruni 
baronum cum suo exercitu maximo, terrae fortificcutur et loca, ubi 
indigent fortificatione, inter quas primo videatur de fortificatione Utini, 
eui majus pondus et periculum imminet, et castrorum Faganeae et s. 
Danielis. 



403 

II. D. Franciscus de la Tiirre se conferat Sacihim et videat de- 
fectus ibidem, et ubi expediet fortilleatio aiit reparatio , ibi fiat. Ad 
quae ag-enda voeentur et habeantur homines villarum quae sunt ultra 
Tulmentum, et d. Odoricus de Cucanea vadat ultra Tulmentum ad ro- 
gandum et requirenduni nobiles et alios universos habentes massarios 
ultra Tulmentum, ut de massariis suis mittant et serviant pro laborerio 
terrae praedietae Sacili. 

III. Cum terra Medunae sit vaeua hominibus et multa indig-eat 
custodia et fortificatione, nam magna pars habitantium est foris et 
dispersi per plura loca, aliqui ultra Liquentiam et aliqui extra Liquen- 
tiam, cxtrinseei primo expulsi redeant, et babitent, ac gaudeant bonis 
suis, postquam illi de Panigali cum sequacibus suis, tanquam proditores 

1 d. patriarchae et ecclesiae Aquilejensis, sunt banniti, et d. Franciscus 
da la Turre cum auxilio illorum de Prata et hominum qui sunt in Gualdo 
I providcat super fortificatione dictae terrae. 

IV. Fiat crida per Aquilejam, Civitateni, Glemonam et Utinum et 
alia loca ubi expediet, quod usque ad festum Resurrectionis Domini cur- 
tinae omnes existentes in Forojulio vacuentur blado, vino et aliis rebus, 
et ad loca tuta et fortiora ducantur, cum hae eonditione quod bladum et 
vinum et res praedictas, finito transitu Theotonicorum et periculo hujus- 
modi sublato, possint extrahere de locis etterris praedictis in quantum 
pro eorum usu suIFecerint, et non ultra, li]^ere,nidlo datio aut muta soluta. 

V. Transacto termino P»esurreetionis, d. Federicus de Savorg-nano 
e( d. jVquinus de Colloreto ibunt cum uno familiär! d. patriarchae ad 
\idendum et reparandum curtinas praedictas, et quidquid in eis inve- 
nerint de blado et vino, dotur et assignetur per ipsos d. patriarchae. 

VI. Dcccnnae invontac sunt duo millia quindecim et media. 

A. C. U. [396.] 
1328. 18. Februarii. Utini. Coram d. Johanne abbate Piosacensi 
et d. patriarchae vicario, et in praesentia Sceni de Mugla, procuratoris 
et sindiei communis et hominum dictae terrae, d. Federicus de la Turre 
protestatus est de damnis, expensis et interesse illarum mille librarum, 
in quibus homines de Mug:la tenebantur eidem pro salario potestariae 
unius anni, quo dictus d. Federicus fuit dictae terrae potestas, nee non 
de injuriis et aliis damnis illatis eidem in dicta terra per homines su- 
pradietos de Mugla. B. M. U. [S97.] 

1328. 4. Martii. Aquilejae. Paganus patriarcha sie respondet d. 
Federico comiti de Vegla. Cum d. Canis satis bene soleat obsequen- 

26» 



404 

tibus sibi retribiiere, dum non sit in indignatione sanctac Romanae 
ecclesiae, nee contra ipsam veniat , contentanuir et coneedimns, ut ad 
ipsius adjiitorium accedatis. I'er terram quoque nostraui cum armis et 
sine fraiisire potestis libere, per quam, si expediret, conducercmus 
vos propria in persona. B. M. U. [098.] 

1IJ28. 8. Martii. Aqnilejae. Ob devotionem et fideni qiias nobilis 
vir d. Isnardus q"'. Federici de Collionibus de Pergamo et ejus proge- 
nitorcs habuerunt semper et servaverunt sanetae Romanae ecclesiae, 
nee non propter grata servitia qnae ipse d. Isnardus novissimo tempore 
impendit ipsi d. patriarchae existenti in partibus Lonibardiae pro ne- 
gotio s. Romanae ecclesiae supradictae: d. Paganus patriarclia dedit 
et concessit in feudum eidem d. Isnardo et ejus filiis et nepolibus per 
liueam maseulinani ex eo legitime descendentibus , eastrum suum et 
ecclesiae Acpiilejensis, quod dieitur de Tallione Pergamensis diocesis, 
cum Omnibus terris, possessionibus , juribus, jurisdictione et honore 
pertinenlibus ad dictum eastrum, quod libere ad ipsum d. patriarcbam 
pervenit eo, quod illi qui ipsum eastrum tenebant in feudum, sibi et 
ecclesiae Aquilcjensi quod debebant facere non feeerunt, ita tamen, 
quod ipse d. Isnardus et filii ejus ac nepotes solvant et faeiant d. pa- 
triarchae et suis successoribus, quae praedieti qui dictum eastrum 
teuere solebant in feudum, faeere et solvere tencbantur. 

A. N. U. [Ö99.] 
i328 Aprilis. Gratiadeus episeopus Parentinus de loco 

s. Antonii Aquilejensis diocesis, quem sibi patriarcha gratiose commi- 
serat, exportavit fraudulenter et malo modo bona et res, et plures 
quantitates pecuniarum a pluribus civibus Aquilcjcnsibus mutuo accep- 
tarum, damnabiliter contra ejus promissa, et in animae suae periculum 
retinuit usque ad obitus sui diem. Quapropter patriarcha vicario et 
eapitulo dietac ecclesiae mandat, quatenus sub excommunicationis poena 
loeo et personis supradietis solvere et satisfaeere dcbeant, assignans 
eis terminum ad tres dies post venturum festum b. lohannis Baptistae. 

B. M. U. [600.] 
1328. 28. Aprilis. Portusgruarii. D. Articus episeopus Concor- 

diensis de gratia special! eommittit d. Henrieo Squarre pro isto anno 
tantum, et ejus nomine, custodiam festi villae suae de Tileo. 

A. C. U. [601.] 
1328. 3. Maii. In Civitate Austriae. D. Paganus patriarcha eligit 
d. Georgium de Caymis et Paulinum de Caureno suos procuratores 



405 

in causa, quam movere intendit d. diici et commnni Venetiarum coram 
conservatoribus sibi a sede apostoliea deputatis. A. N. U. [602.] 

1328. 8. Mali. Utini. Paganus patriareba committit eustodiam 
terrae et castri Medunae et s. Steni d. Biacbino de Camino, et d. Ber- 
nardus de Strassoldo , obligando se ipsum et omnia sua bona, pro eo 
securitatem praestat. A. N. U. [603.] 

1328. 10- Maii. Utini. Homines de Villacco aceedentes ad villam 
bospitalis s. Spiritus de Glemona acceperunt omnia bona massariorum, 
de quibus triginta homines indebite captivatos adhue detlnebant, alia- 
que multa enormia contra ipsos et eorum familias commiserunt. Quare 
patriarclia requirit iudices, consllium et commune dicti loci de Yillacco, 
quod si vohint eorum homines ac concives, qui sunt in Forojulio, esse 
salvos et eorum malefactores puniri, antequam ad aliquem tractatum 
cum eis accedat, homines per eos captos relaxent, et bona accepta 
integre restituant. B. M. U. [604] 

1328. 13. Maii. Ulini. Paganus patriarcha confirmat Privilegium, 
quod antecessor ejus patriarcha Bertoldus concesserat ecclesiae s. Ni- 
colai de Sacilo. B. M. U. [60S.] 

1328. 14. Maii. Utini. Ob grata et devota obscquia, quae Paulus 
Bojani de Civitate patriarcliae et ecclesiae Aquüejensi suis laboribus et 
sudoribus indefessis hactenus impendit, Pag-anus patriarcha, quousque 
altissimus ei vitam praestabit, marchas sexag-inta annuatim eidem Paulo 
solvendas de rcdditibus mensae patriarchalls de speciali gratia depu- 
tavit, obligans ad hoc mutam Civitatis Austriae, et generaliter alia bona 
quaeeumquc ad dictam mensam spectantia. A. C. C. [606.] 

1328. 16. Maii. Utini. Cupiens diligenter intendere fortificationi 
castri sui de Tricesimo d. Paganus patriarcha dedit et concessit Ste- 
phano decano suo de Rivosa tres passus terrae de burgo castri prae- 
dicti, in qua sedimen construat, ibique habitationem, domicilium et 
continuam maiisionem faciat, sicut fidelis et legalis habitator ecclesiae 
Aquilejensis. Pro qua habitantia deputavit eidem quandam silvam sitam 
super blattam. Et quia se fidelem et obsequiosum exhibuit, ipse d. 
patriarcha concessit praefato Stephano decaniam de Rivosa cum omnibus 
utilitatibus et commodis consuetis, ac de Omnibus honorantiis, collectis 
et gravaminibiis, ad quae per gastaldionem Tricesimi compelli posset, 
absolutum reddidit et liberum. ß. M. U. [607.] 



406 

1328. 23. .Mali. Glemonae. Pag-anus patriarcha reforniat senten- 
tiam, qua pacem indixerat intrinscci.s et extrin.seeis de Mugla. 

B. M. U. [GÜ8.] 

1328. 31. Mali. Glemonae. Pag-anus patriarcha concedit IJer- 
nardo de Loch plebano de Nahel liberam faeultatem disponendi, prout 
voluerit, de Lonis sua industria acqui.sitis : ita tarnen quod ecciesia sua 
ab ipsius leg-atis exclusa nullatenus existat. Eusebius. A. N. U. [G09.] 

1328. G. Junii. In castro Tulmetii. Pag-anus patriarcha concedit 
Naximbeno de Scarfadava et ejus sociis, quod possint et valeant facere 
unum furnum ad ferrum faciendum et laborandum cum una aut pluribus 
fusinis ad ipsum furnum necessariis in Carnea, in contrata Avoltoi, ubi 
fuit antiquitus. 

Concedit etiam quod possint reparare domos existentes, et alias 
necessarias pro habitatione ipsorum et familiaruni suarum infra ter- 
niinos eisdem assignandos : nee non unum aut plura molcndina con- 
struere pro blado necessario molendo in aqua quae ibidem labitur, et 
reparare antiquum, et piscare in ipsa aqua, et cum eorum bestiis 
in contrata libere pasculare. Lig-na quoque necessaria eis pro liujus- 
modi aediüeiis et pro fusinis ac furno praedictis, et usu eorum et fami- 
liaruni suarum incidere et Jiabere de Gualdo Luze, et alibi ubicumque 
a Pontetremulo sursum versus Sapadam usque in summo Clevae, et de 
summis montibus usque ad aquam decani; dummodo sibi et successo- 
ribus suis obedientes sint, et solvant sibi annuatim solidos quinqua- 
ginta Venetorum grossorum, et libras mille et quing-entas ferri pro 
equis ipsius d. patriarchae, et pro quolibet molcndino librani unam 
piperis; et non teneantur solvere mutam de victuaübus quae ement et 
ducent pro usu suarum familiarum. A. N. U. [610.J 

1328. 11. Junii. Utini. Paganus patriarcha mandavit Ubicino 
Malamusehae gastaldioni s. Danielis, quatenus propter guerrarum peri- 
cula et alias conditioncs imminentes ad praesens, aut quae possent im- 
minere in partibus Forijulii, iret ad habitandum in domo Federiei q'". 
Blavisii de Forgaria. A. N. U. [611.] 

1328. 19. Junii. In Civitate Austriae. Confessio Bayamontis Teu- 
poli se rccepisse a d. Johanne vicario d. Pagani patriarchae Aquile- 
jensis libras centum parvorum pro soiutione praesentis anni feudi et 
gratiae, quam habere debet ab eeclesia Aquilejensi pro parte sua de 
feudo sibi concesso de speciali licentia sedis apostolicae. 

A. N. U. [Gl 2.] 



407 

1328. 2G. Jiinii. In Civitate Austriae. Paganus patriarcha investit 
jure feudi habitantiae d. Conradum de Ovenstain, maresclialcum Karin- 
thiae, de duabus habitantiis in Treufen, et de omnibus bonis per dictum 
d. Conradum ibidem emptis; A. N. U. [613.] 

1328. 2. Julii. Utini. Pag-anus patriarcha concedit ßondominico 
q*". Bambasini de Bononia licentiam construendi et aedifieandi in flu- 
mine Lisontii veteris penes Flumeselhim in loco, ubi dicitur s. Crux, 
unam segam et unum niolendinum, solvendo annuatim pro dieta seg^a 
mediam mareham denariorum, et pro praefato molendino libras tres 
piperis. A. N. U. [614.] 

1328. 8. Julii. Utini. Pro mille marclus, quas infra annum sol- 
vere debet ecclesiae Piomanae, Paganus patriarclia obligat d. Bertrando 
apostolicae sedis legato g-astaldias Carneae et Tulmini cum fructibus et 
redditibus universis ad eas spectantibus, mutas Aquilejensis ecclesiae, 
gratiam vini quod de partibus Lstriae ducitur, ac censum consuetum et 
debituni quadringentarum et quinquaginta marcliaruni, quas d. dux et 
commune Venetiarum pro juribus et jurisdictionibus lstriae eidem d. 
patriarchae et ecclesiae Aquilejensi singulis annis praestare tenentur, 
ac ctiam fructus, redditus, proventus et census quoscumque Aquile- 
jensis ecclesiae, in quibuscunKiue rebus consistant. 

B. M. U. [61Ö.] 

1328. 8. Julii. Utini. Paganus patriarclia volens sibi et ecclesiae 
Aquilejensi utiles et fideles vassallos acquirere, et Ardemano et Oscal- 
cho fdiis d. Jacobi de Cormono , consideratione patris eorum, qui 
eidem d. patriarchae et ecclesiae Aquilejensi grata et fidelia obsequia 
pertulit, gratis aifectibus complacere, per suum capucium dictos fra- 
tres investit jure feudi habitantiae de loco et habitantia Foraminis cum 
Omnibus bonis, mansis, juribus, jurisdictionibus et dominio. 

B. M. U. [616.] 

1328. 12. Julii. Utini. Ob fidelitatem et devotionem, nee non 
propter grata et devota obsequia, quae Gulielmus et Baldus de Barbe- 
rano de Yincentia impenderunt patriarchae et ecclesiae Aquilejensi, 
Paganus patriarcha concedit eisdem quatuor mansos in villa de Chions, 
et tres mansos cum dimidio in villa Pratimajoris. B. M. U. [617.] 

1328. 23. Julii. Utini. D. Articus episcopus Concordiensis jure 
recti et legalis feudi per fimbriam suae clamidis investit d. Martinum 
de la Turre de quodam manso sito in s. Johanne de Casarsa, qui olim 
fiiit d. Philippi de la Turre. B. M. U. [618.] 



408 

1328. 2f). Julii. Utini. Cum diidiim propter rebcllionem, doro- 
bationes et spolia, homicidia et alia nefarla opcra et intollerabiles ex- 
cessus mnltiplices Bonacursii et qiiondam Pelavicini fratiiirn de Osopio. 
tunc habitatonim d. patriarchae et eeclesiae Aqiiilejensis, d. Pag-anus 
patriarcha, ciipicns juxta suam possibilitatem pravitatcm hiijusmodi 
tollere ac radicem illam pessimam in totiini evellere, stiacque eeclesiae 
ac statiii totiiis terrae et mercatorum transeiintiiim providere qiiieti, 
contra castrum praodiclum et sceleratos praefatos, etiam contra fideni 
eoriim sc esse babitatores dicti loci et eeclesiae Aquilejcnsis dene- 
gantes, tunc obsidionem poni fecerit, non parcendo personarum siido- 
ribiis , siiisque et camerae suae snmplibiis et expensis, per qiiae, 
eoriindcm rebellione prostrata, et ipsorum elTrenata siipcrbia ad fineni 
dediieta, dictum castrum cum ejus pertinentiis ad ipsius patriarcbae et 
Aquilejcnsis eeclesiae manus pervenit ; illudque, supervenicnte recessu 
suo de partibus Forijulii, qui vocatus ab ecclesia Romana in Lombar- 
diam accessit , et tempore longo permansit cum magno expensarum 
onere, usque ad praesentem diem fecerit et faciat custodiri: volens ad 
evitandas expensas incumbentes eidem circa custodiam dicti loci pro 
quiete, securitate et pace libere mercatoribus transeuntibus impen- 
dcnda sibi et nniversis utiliter providere, ac de loco praedicto sibi et 
eeclesiae Aquilejensi fidclem accjuirere babitatorem , idem d. patriarcha 
parteni praefatam dicti casfri, quam tempore rebellionis eorum dicti 
fratres tenebant, ac etiam partcm quae olim fuit Fulchei-ii plebani et 
Fortunati fratrum de Osopio, per ipsum d. pafriarcbam ab cisdem certo 
pretio acquisitam, d. Federieo de Savorg-nano, pro se suisqne haeredibus 
recipienti et ab eis descendentibus tarn masculis quam feminis, tanquam 
bene merito ob remunerationcm obscqniorum multorum eidem d. 
patriarchae et eeclesiae Aquilejensi gratanter et fidelitcr impensorum 
jure feudi habitantiae libere tradidit et concessit, eumque de partibus 
antedictis dicti castri praesentialifer investivit, ita quod idem d. Fede- 
ricus et haeredes sui teneantur et debeant locum praediotum de Osopio 
aperire d. patriarchae et ofTicialibus suis, eosque intüs admittere, ac 
cum incumbat necessitas , de loco praedicto eidem omnem quem po- 
terit succursum et favorem praestare, et juxta posse suum operam dare, 
quod strata mercatoribus et aliis transeuntibus libera permaneat et se- 
cura. B. M. U. [619.] 



40» 

1328. ä. Aiigiisti. Utini. Spontonus portavit Ihteram unam d. 
patriarchae ad Montcmfalconem eo, quod massarii sui recusabant faccre 
carratica ad exercitiim Miig-lae. Ex libr. Camerarii. C. F. C. [620.] 

1328. 27. Aug-iisti. Utini. Receptis certis et idoneis cautionibus 
pro soliitione illariim mille marcbarum, in qiiibiis d. Pag-anus erat papali 
camerae obligatus, d. Bertrandiis Rotundi, decimanim coUcctor et 
apostolicae sedis niintius, mandat d. Johanni abbati Rosacensi, quateniis 
juxta eontinentiam et tenorem litterariim d. leg'ati dictnm patriarcbam 
absolvere debeat a sententiis excommunicationis, suspensionis et intei— 
dicti in eiim diversimode promulg-atis. A. N. U. [621.] 

1328. . . . Civitas nostra Utini, tempore suspieionis belli moe- 
nia ipsius munire volens, plebes sive villas ad hoc peragendum voca- 
bat. Qiiapropter currcnte anno cbristiferae salutis millesimo trecen- 
tesimo vigesimo octavo. snb patriarchatii Pagani de la Turre Medio- 
lanensis, existente gastaldione civitatis nostrae Utini nobili viro d. 
Conrado de Benardigio, ac nobilibus dominis Hectore ac Federico iVa- 
tribiis de Savorgnano ad giiberniiim depiitatis a novo et veferi consilio 
civitatis, et Hermano de Percoto camorario communis, qnidam timor 
surrexit, ne gen(es regtiloruni vicinornm, faventibiis castellanis patriae, 
dictam nrbem aggredi tentarent, ad quam muniendam in ea parte, ubi 
tiirris erat post coenobiuni fratrum s. Dominiei, secinentes villae sive 
plebes fuerunt vocatae, quartim liominibus laborantibns per eamera- 
rium praefatum communis, sie mandantibns d. gastaldione et ad guber- 
nium deputatis, fneriint dati panes qnatiior in die cum dnabus trullis 
vini pro quolibet laboratore et librae diiae carnis : de Pasigliano, de 
Puzzoleo, de Ciissignacco, de Vissantono, de Gallariano, de Orgnano, 
de Tricesinio, de farpeneto, de Selannico et de Nimis. 

Reverendns vero in Christo pater d. Paganus praefatns occasione 
dicti timoris belli cum d. comite de Ortembnrg civitati nostrae impo- 
suit impositionem centum marcbarum solutarum per praedictum Her- 
manum camerarium communis; et dicta civitas fecit apiari murum 
castellanum vetusfale eonsumptum, et illius stipari foramina post eccle- 
siam s. Francisci. Item eustodias imposuit super portis Aquilejae de 
burgo et villae cum duabus ferreis catenis implumbatis pro qualibet 
porta. Idem fuit factum super portis Postcollis de burgo , ubi erat 
magnus lacus sive gurges; Grazani de burgo, s. Lazari de burgo 
(quae porta est a dominis Floriis possessa) , Glemonae de burgo 
(in cujus loco nobile aedificium finmiliae de Toninis est construc- 



410 

tum, nunc per Cartarios possessiim); s. Bartlioloinaei, sive de Civitate 
(nunc posscssa per faniiliam de Maiitieis), niediantc publica recogni- 
tioiie. Alia porta erat, quac Utini dicebatur, ejus locum ncqueo prae- 
cise demonstrare ; credo eg'o ({uod ista porta sit illa turris noviter 
restaurata a Ludovico Manino patricio Veneto. Intrinsecus vcro erat 
porta civitatis, et erat in circuitu arcis antiquae, sive castri, et cre- 
ditur in loco ubi est lurris lioraria; et civitas sive castrum antiquum 
unicani Iial)ebat portani. Nam in quodani codice pervetusto de anno 
salutis niillesimo trecentcsimo vigesimo octavo expensarum factaruni 
per dictum camerariiim communis, conscripto manu Bcnvenuti no- 
tarii communis, ita legitur: „Item die eadem, scilicet quarta Julii, pro 
reparatione serraturae portae civitatis intrinsecus dedi denarios qua- 
tiior". Putei etiam sub monte et fori novi fuerunt optimis funibus aptati 
pro a(|uis hauriendis ad beneficium populi et militiae. 

De mandato ulterius d. gastaldionis et consilii civitatis missae 
illico sunt spiae ad videndum, ubi reperiantur illi de Ovenstain; ob hoc 
eliaiii per octo dies continuos de mandato, ut supra, steterunt ßor- 
donus et Petrus de Postcollo super palatio rev. d. patriarcliae pro 
eflectu pracdicto. Provisum etiam fuit quod filius cujusdam voeati 
Gambelongiae staret die noctuque cum socio supra turrim campanarum 
ad sonandum campanas ad martelluni, casu quo gentes praedietae vel- 
lent venire ad damna nostrac urbis et illius terrilorii, nee non villarum 
cxtrinsecarum. 

Sed quia diversa deerant arma, decretum fuit quod per magistrum 
Aulinum artificem multae deberent construi pillotae et alia artificia ad 
defensionem civitatis. Onus militare de commissione d. gastaldionis 
et consilii fuit impositum popularibus et burgensibus, qui postea de- 
derunt monstram in Campoformio, clamantibus Vintero et Dunello prae- 
conibus communis ad sonum pivae. 

Illi etiam de Sacilo timebant supradictas gentes; ideo civitatem 
nostramhumillimesupplicaverunt de auxilio. QuibusSacilanis de commis- 
sione d. gastaldionis et consilii missi fuerunt quindecim armati pedites, 
quibus pro stipendio unius mensis exbursatae fuerunt duae de viginti 
marchae. 

Diclo tempore novitas est suborta inter liomines terrae Muglae, 
quae multum displicuit civitati nostrae. Quapropter de mandato ga- 
staldionis et totius consilii missi fuerunt in ambaxiatores et nuntios ad 
commune dictae terrae Andreas et Odorlicus Miulite, super eo quod 



411 

dictae civitati multiim displicebat dicta novitas; et etiam pro illa se- 
danda et tollenda, cum nostra civitas magnam seniper liabuerit protec- 
tionem dictae terrae Muglae. 

Hoc interim d. patriarcha cum militia Utinensi ivit Medunam pro 
\isitatioiie illuis loci ; et de mandato d. gastaldionis et eonsilii cum 
dicta militia ivit Nicolussius q". d. Federici Andriottae, qui expendit 
pro vietu dictarum gentium marclias quindecim. 

In suo antiquo splendore nihilominus nostra communitas perma- 
nebat. Nam fecit tunicas praeconibus suis de panno rubeo et viridi cum 
suo cucullario, pro quibus tunicis confieiendis empta fuerunt brachia 
triginta Septem cum dimidio panni. Item factae fuerunt tres banderiae 
de vilg-esio, et tres pinelli ad usum et magnificentiam ipsius. 

Ex scliedis Fontanini. B. S. D. [622.] 
1328. lo. Novembris. Utini. Johannes Petrus et Duringussius de 
Mels, executores testamenti q'". d. Duringi de Mels, eo quod persol- 
vere non curaverint communi Glemonac infra terminum eis assignatum 
mille et triginta libras parvorum, per usurariam pravitatem dicto com- 
muni extortas per supradictum q'". d. Duringum, in omnibus ecclesiis 
excommunicati denuntiaidur. A. N. U. [023.] 

1328. 18. Novembris. In monasterioMosaconsi. I). Uertoldus abbas 
nionasterii Mosaccnsis confert jure feudi ministerialis, quod pertinet 
ad scutiferale officium, Henrico de Protresach decimam, quac colligitur 
in villa quae dicitur Prut, quae jacet apud Cillam, et omnes fructus et 
proventus ejus; ita tarnen quod praefatus Hcnricus pracnominato abbati 
et successoribus ejus (ideliter et legaliter serviat et obediat. 

B. S. D. [024.] 
1328. 20. Novembris. Utini. Paganus patriarcha, ad quem pleno 
jure spectat dare potestatem aut rectorem terrae de Pola, confirmat 
nobilem virum d. Georgium Basilium de Yenetiis in dictae civitatis po- 
testatem ac rectorem de sua licentia electum. A. N. U. [625.] 

1328. 9. Decembris. Utini. Nicolaus de Sorphumberch Investitur 
a domino Pagano patriarcha de bonis, quae Vorlicus patcr ejus et ipsius 
antecessores habuerunt ad rectum et legale feudum ab ecclesia Aqui- 
lejensi, quorum longam in scriptis exhibet seriem. 

A. N. U. [626.] 
1328. 17. Decembris. Guarnerius q". Conradi de Agello habet 
in feudum ab ecclesia Aquilejensi tres mansos in villa de Agello, et 
debet pro praedicto feudo ministerii servire d. patriarchae cum uno 



412 

equo pro somerio, qni portet prncparamenta capellae d. patriarchae, 
quaiulo vadit ad dominum imperatorem pro suis feudis. A. C.U. [627.] 

1328. 30. Dccembris. Aquilejae. Pag^anus patriarcha pcrmittlt 
Sigeboldo plebano Sacili, qui subdiaconatus ordinem susceperat, quod 
obtentu scientlae, in qua proficere cupiebat, usque ad sepfennium ad 
superiores ordines non teneretur ascendere, id est quonsque staret in 
generali studio, et studeret in jure canonico. A. N. U. [628.] 

1329. 17. Januarii. Utini. Paganus patriarcba per unum capu- 
cium, quod in suis tenel)at nianibus, investil Philippum filium Zilii et 
fratres de s. Daniele de (juadam domo et campo, quae sunt de feudo 
ipsius d. patriarchae deputafo ad custodiam carceris et ad portanduni 
litteras. A. N. U. [629]. 

1329. 2. Marlii. Utini. Pag-anus patriardia eonstituit d. Bcrofinum 
de Giraldis ejus procuratorem et nuntium ad petcnduin et reci[)iendum 
a d. Francisco Dandulo duce et communi Venetiarum peeuniani eidem 
d. patriarchae et ecciesiae Aquilejensi debitam pro jiiribus et jnrisdic- 
tionibus Istriac. A. N. U. [630.] 

1329. ily. Martii. Griez. Henricus rex Boheniiae et dux C;irin- 
thiae notifieat Pagano patriarchae, quod Joliannes civis Breume spoliatus 
fuerat per homines ecciesiae Aquilejensis de centum et triginta niarcliis 
arg-enti in strata portus Latisanae, quam ipse assecuraverat : unde in- 
stanter petit, quatenus dicto Johann! res sibi ablatas restitui faciat, alio- 
quin committet Chonrado de Ovenstayn, ejus capitaneo in Venzono, quod 
securitatem hujusmodi debeat retractare. A. N. U. [631.] 

1329. 22. Martii. Utini. Miratur Pag-anus patriarcha, quod Hen- 
ricus rex Bohemiae dicat in suis litteris, se assecurasse vias ecciesiae 
Aquilejensis, cum talis assecuratio ad nulluni pertineat nisi ad ipsuni 
patriarcham et dictam ejus ecclesiam. Displicet quidem dictum Jo- 
hannen! civem de Breume, quamvis non sine ejus culpa, in terris sui 
patriarchatus spoliatum fuisse, immo contra spoliatores praedictos 
asserit se brachium extendisse, et quia se in Spegnimbergum contule- 
rant, contra dictum locum exercitum parasse : verum gens comitatus 
Goritiae et ipsius d. regis, cui ob ejus reverentiam gratiose transitum 
concesserat, per Sclusam intravit ad dictorum rebellium et spoliatorum 
defensionem. Propter quod non valens obtinere intentum suum opor- 
tuit eum cum Ulis pacificari. Videat igitur d. rex, si juste moveatur ad 
ea committenda illi de Ovenstain, quae in suis litteris comminatus est. 

A. N. U. [632.] 



413 

1329. 23. iMartii. Utiiii. Tempore rebellioiiis illorum de Osopio 
l'iii^aiius patriarclia pro obsidione et recuperatione dicti loci magnas et 
gr.ives expensas stistinuerat, qiias aestiniabat fuisse niarchas septingen- 
tas denarionim et ultra. Pro custodia auteni dicti loci et securitate 
stratarum in retinendo ibi custodes et homines plures niagnas adhue 
expensas passus erat. Hinc volens evitare expensas praedictas dedit, 
cessit et traiistulit d. Federico de Savorgnano omnia jura, quae ipse 
liabebat in loco praedicto: ita ut idem d. Federicus et sui haeredes 
habeant de cetero et possideant dictum locum in feudum habitantiae ; 
et boc pretio et foro octingentarum marcharum denariorum. 

ß. M. U. [633.] 

I 1329. 23. Martii. Utini. Paganus patriarcba intendens bonorare 

1 personam d. Tbomasutti de Cucanea, quem inter ceteros fideles eccle- 

siae Aquilejensis promptum scmper invenit et paratum ad defensioncm 

et conservationem ejus jurium et bonorum, quendam locum inbabi- 

tatum et sine ullo aedificio, in quo, ut dicitur, fnit antiquitus castrum, 

' quod dicebatur Feletan, ob cujus castri defeetum strata publica erat 

minus secura et multae robariae et bomicidia perpetrabantur : ut dein- 

I ecps malefactoribus via perpetrandi talia percluderetur et bonor et uti- 

' litas dictae suae Aquilejensis ccclesiae augeretur, conccssit praefato 

d. Tbomasutto et ejus baeredibus jure feudi habitantiae, cumque cum 

uno baculo, quem tenebat in manu, investivit. A. N. U. [634.] 

1329. 19. Aprilis. Aquilejae. Post obitum d. Pertoldi abbatis de 
Mocio prior et monaci dicti monasterii, non obstante rescrvatione facta 
per siimmum pontificcm, eligere sibi in abbatem praesumpserunt quen- 
dam fratrem Martinum de Piipa de ordine praedicatorum , monacbum 
profugum, tabernas frequentantem, eis siniilem in moribus, et, ut di- 
cebatur, adjecto pacto, quod renunciabit, cum ejus promotores voluerint, 
et in eodem monasterio monachus remanebit. Cumque decretum elec- 
tionis praesentatum esset d. Pagano patriarcbae, ut electionem hujusmodi 
confirmare deberet, ipse ob reverentiam sedis apostolicae et igno- 
miniam electi eorum petitionibus annuere recusavit, ejusque appel- 
lationem ad d. legatum cum suis litteris remisit. A. N. U. [635.] 

1329. 26. Aprilis. Aquilejae. Frater Jobannes de Padua cum 
missam conventualem eelebraret in ecclesia fratrum minorum de Utino, 
alta et clara voce inter alias orationes dixit etiam illam, quae de Ro- 
manorum imperatore mentionem facit, non sine murmuratione astan- 
tium propter Bavarum, qui se faciebat imperatorem et persequebatur 



414 

ecclesiam Dci, et ab ca reprobatiis et exconirimiiicatus erat ac de hae- 
resi condomnatus. Unde admonitiis ipse frater Johannes a d. Fag-ano 
patriarclia, recog'novit se male dixisse et fremiiit in semetipso. 

A. N. U. [636.] 

1329. 3. Mail. In Civitate Aiistriae. Electi ftiernnt ad examinan- 
diim, corrig-endum et ordinandum statuta et ordinamenta communis 
tarn sul) d. gastaldione, quam sub advoeato Civitatensi, et ad dandum 
clavos portarum, et ad audiendas rationes officialium communis, domini 
Philippus de Portis, et Henricus q". Petri Fondani provisores com- 
munis, Giiik'lmns mag-istri Walteri, Nicolaus d. TJiliardae, Jacobus 
Johannis d. Ottonelli, et Johannes q'". magistri Jnliani. 

C. M. R. [637.] 

1329. 5. Mai). Utini. Paganiis patriarcha niandat d. Ulvino de 
Pramperch canonico Civitatensi, quatenus sub excommnnicationis poena 
restituat decem armenta, unum runcinum, decem et octo pecudes et 
quatuordecini agnos, quos indebite et injuste abstulerat Johanni de 
Cleri, massario d". Altefloris de Savorgnano. A. N. U. [638.] 

1329. 5. Maii. Utini. Paganus patriarcha ordinavit et statuit, quod 
custos et canonici qui nunc sunt, et qui pro tempore fuerint in eeelesia 
Utinensi, in morte eorum disponere non valeant de fructibus et proven- 
tibus praebendarum suarum, sed solum pro remedio animarum defunc- 
torum ac benefactorum suorum in eorum anniversario quolibet anno 
celebrando dicti fructus et proventus converti debeant, et inter prae- 
sentes dividantur. A. C. U. [639.] 

1329. 7. Maii. Utini. Paganus patriarcha cum uno libro. quem 
tenebat in manibus, investit jure feudi habitantiae Petrum dictum Rubeum 
q"". Guschetti de Aviano de quodam casamento in Castro Aviani apud 
murum castellanum. A. N. U. [640.] 

1329. 11. Maii. Johannes papa XXTI. pro relevandis multiplicium 
expensarum oneribus, quibus camera sua tunc g-ravabatur, fructus, 
redditus et proventus omnium et singulorum beneficiorum ecclesiasti- 
coi'um in diocesi Aquilejensi vaeantium usque ad unum annum sibi 
reservandos duxit, et eius camerae applicandos. A. N. U. [641.] 

1329. 7. Junii. Utini. Infrascripta sunt quae per consiliarios in 

colloquio generali nuper electos et una cum d. patriarcha in sala infe- 

riovi patriarchalis palatii Utini cong-regatos, ordinata et firmata fuerunt. 

I. Stratae sint securae et liberae Omnibus tam mercatoribus, quam 

aliis quibuscumquepersonis cujuscumque conditionis existant. Quicum- 



415 

que stratas ipsas violare, nimpere aiit turbare, ac spolia et deroba- 
tiones super ipsis eommittere praesiimpserit qiioeumqiie modo, sive 
nobilis, sive popularis existat, si haberi aut capi poterit, jnstitia debita 
puniatiir. Si vero haberi aut capi non poterit, sub eadem poena per- 
petuo sit baiiiiitus per universas terras, et a quocumque dominio eeele- 
siae Aquilejensis. De bonis autem malefactoris pracdieti, si qua ha- 
bebit, aut habere poterit, satisfiat spoliato usque ad summam ejus 
quod acceptum fuerit sibi, et stetur sacramento suo. Acccptantes vero 
nialefaetores et derobatores praedietos aut cum re taliter derobata, aut 
sine, et admittentes eosdem in castris, fortilitiis aut domibus suis, si 
scienter fecerint, et ipsos aut ipsum cum spolio et derobationc luijus- 
modi infra tres dies non praesentaverint et assig^naverint d. patriarcliae 
aut offlcialibus suis, siniili poenae subjaceant, et contra ipsos sie per 
dominium viriliter provideatur, ac si per ipsos scelus hujusmodi fnis- 
set commissum. 

II. Militia firmetur juxta taxationem elmorum et ballistarum alias 
unicuique datam, quae duret usque ad unum annum : et litterae more 
solito mittantur univcrsis, qui quam citius possunt parare debeant equos 
et arma, ut quandocumque eos d. patriarcha reqiiisivcrit aut pro mostra 
aut pro alio casu superveniente, nihil eis deficiat. 

III. In casu restituendae dotis terminus conveniens assignetur, et 
ipsa restitutio fiat sine strepitu et (ig-ura judicii. Dominae sive mulieres 
in restitutione hujusmodi cetcris creditoribus praeferantur, et quoad 
haeredes ipsarum modus similis observetur. 

IV. Fortificatio passus seu transitus castri Moscardi hat expeiisis 
hominum et villarum de Carnea apponente d. patriarcha, sicut se ob- 
tulit, partem suam. Ellg-antur proinde aliqui boni homines. qui distri- 
butionem justam et rationabilem faciant inter illos de Carnea, et pecu- 
niam colHg-ant ad perfectionem iliius operis , et gastaldio Carneae 
nullam circa praedicta habeat potestatem. 

V. Super facto d. Hugonis de Duyno, qui multa damna fecerat in 
partibus Istriae ecciesiae Aquilejensi, et praeventus morte restitutionem 
facere non potuerat, provisum fuit, quod non deficiatur d. patriarchae 
per servitores ecciesiae ad recuperandum quod sit sui juris, et facien- 
dum id quod sit honoris d. patriarchae et ecciesiae Aquilejensis. Pro 
quibus et aliis tang-entibus statum totius terrae electi fuerunt duo am- 
baxatores, qui vadant ad doniinam comitissam, videlicet d. decanus 
Aquilejensis et d. Bernardus de Strassoldo. A. C. U. [642.] 



410 

1329. 9. .Iiinii. Utini, Pagaruis patriart-lia restiluit d. Hectori de 
Savorg-nano nmtuatas sibi marclias duceiitas et triginta et Frixaclienses 
nonaginta sex, pro qnibiis ei obligaverat qiiaedain bona sita in villis de 
Carnea de .sul)tus et superiiis, Teypano, Pressinico, Carabello et Cam- 
poformio. A. C. U. [G43.] 

1329. 20. Jiinii. Veiietiis. Franeiscus Dandulo diix Venetiarum 
rog-at d. Paganiim patriarcliam, quateniis Donato Qiiirino civi Venetiarum 
concedat licentiam discedendi cum frtimenlo et blado acceptis sibi 
violenter per potestatem et homines de Marono. Florio. [G44.J 

i329. 22. Junii. Aquileja.'. Post visitationem factam per Guliel- 
miim decanum Aqiiilojensem , Pag-anus palriarcha notificat capitulo el 
ecclesiis de Verona sibi et ecclesiae Aquilejensi immediate subjetis, 
quae circa canonicos et dictas ecelesias reformanda invenerit, vide- 
lieet : 

I. Ficta seu census qniiiqne domorum canonicorum Veronensium 
positarum juxta portam ipsius canonicatus dividantur deinceps aequis 
portionibus inter omnes canonicos. 

II. Possessio, quae dicitur Frixolana, assignata receptis ultra nu- 
merum canonicorum, ex quibus non supererat nisi unus, rcvocetur ad 
manus et canipam capituli Veronae, et superstiti supradicto provldeatur 
per capitulum de competenti stipendio. 

III. Canonicüs permessanus dimittat possessionem legatam ca- 
pitulo, et ab ipso capitulo recipiat aliunde censum aequalls valoris ejus 
quem recipit ex eadem. 

IV. Bernardus domicellus , qui tenet possessiones deputatas ad 
fabricam, faciat statim cooperire ecclesiam et porticum, et magis sit 
soUicitus in hiis quae pertinent ad suum officium, et in reddenda ratione. 

V. Presbyter Bartholomaeus de Mantica septimanam suam continue 
faciat, et melius vadat ad officium, ac infra mensem obligetur quod 
mag-is voluerit ex duobiis altaribus quibus servil, unum aut alterum 
dimittere, nee praesumat de cetero binas in die missas celebrare. 

VI. Nicolaus mansionarius corrig-atur de blasphemiis Dei et sancto- 
rum, de ludis traxillorum et de discursu inbonesto. 

VII. Mansionarii faciant, ut tenentur, residentiam in canonica, et 
in divinis officiis ecclesiae assiduum famulatum impendant. 

VIII. Capellani s. Helenae bis in hebdomada celebrent pro defunc- 
tis patronorum suorum. Massarius inquirat de bonis praebendarum, 
quae si per aliquem invenerit vendita fuisse, ad eorum recuperationem 



417 

intendat. Novem hostiarii resideant in ecciesia, et sl residere noluerint, 
fruetus beneficiorum suorum eisdem subtrahantiir. A. C. U. [645.] 

1329. 29. Jiinii. Junae. Everardus praepositiis Junensis sup- 
plicat d. Pag-ano patriarchae, ut ei indulgcat, si citatus ad instantiam 
presbiteri Ulrici plebani de Vanstrap in termino sibi assig-nato non va- 
leat coram eo personnlitcr comparere, cum feriae lusticae tune instent 
et oporteat illum frug'es recollig-ere, si vuit ipsemet una cum canonicis 
et ejus familia hoc anno sustentari. 

Scquitnr narratio canonicorum Junensium, in qua deferuntur d. 
patriarchae vitia, qnibus dictus plebanus de Vanstrap erat apnd omnes 
diffamatus, nee non excessus per euni commissi non soluni contra nun- 
tios dicti pracpositi, verum etiam contra ejus.personam ; propfer quod 
omnium impetu ag-gressus et tandem captus fuerat in carcerem de- 
trusus. B. M. U. [646.] 

1329. 2. Jidii. In Civitate Austriae. Paganus patriarcha cum uno 
capucio, quod in suis tenebat manibus, investit jure feudi habitantiae 
d. Hectorem Petenati de sedimine posito in Castro Utini, et omnibus 
Juribus ad ipsum spectantibus. A. N. U. [647.] 

1329. 4. Julii. D. Canis obsedit Tarvisium quarto intrante Julio, 
«t die tertia post diem clausit extremum propter disenteriam quam 
habuit, sicut per astrologum quendam praedictum fuit triginta tribus 
annis ante, id est quod d. Canis debebat esse dominus totius marcliiae 
Tarvisinae, et postea debebat in brevi tempore mori, et ita factum est. 
Odoricus a Portunaonis. — C. M. A. [648.] 
1329. S. Julii. In Civitate Austriae. Paganus patriarcha pretio et 
foro ducentarum marcharum emit a d. Conrado de Reyfimberg- decimam 
de terra Muglae in Istria, et conveniunt inter se quod communibus ex- 
pensis rediment de manibus haeredum q*". Albertini Mauroceni de Ve- 
netiis partem dictae decimae quam ipsi detir.ent; et postquam recupe- 
raverint, d. patriarcha, retenta ejusdem partis mcdietate, dabit aliam in 
feudum dicto d. Conrado. B. M. U. [649.] 

1329. 8. Julii. In Civitate Austriae. Aqua Liquentiae, quae labitur 
per Sacilum, adeo excreverat quod pons cecidit in parte, et sclusa, 
sive rosta molendinorum ipsius terrae erat quasi tota destructa, ita 
quod dicta molendina perirent, nisi eis celeriter succurreretur. Verum 
d. patriarcha non habcns ad praesens proniptam pecuniam, unde expen- 
sas ad restaurandam dictam rostam necessarias faceret, concessit Omni- 
bono, qui dicitur Bene de Sacilo, qui expensas hujusmodi facere hac 

Archiv. XLI. 2. 27 



418 

Tice de siio promisit, qiiod in molendino, quod ipse habebat ad livel- 
liim in fliimine ipso appellatiim molendiniim Fiilarirae . pro quo sol- 
vebat anniiatim d. patriarebae viginti quattior staria surg-i, possit et 
valeat tertiam rotam sive molam aedificarc, et nihil aliud deineops sol- 
veret nisi praedictum livclliim vig-inti qiiatuor starioriim surg'i. 

A. N. U. [650.] 

i 329. 20. Jiilii. Avenione. Johannes XXII. pontifex, qui provi— 
siones monasteriorum qnorumeumqne ordinum vacantiiim dispositionr 
sedis apostolicae nsqoe ad suum beneplacitnm duxerat reservandas^ 
intendens per obitiim Bertoldi abbatis s. Galli de Moeio de persona 
novi abbatis dicto monasterio salubriter ac ntiliter providere, praefeeit 
illi in abl)atem, et curam et adminisfrationem tarn in spirittialibiis quam, 
in temporalibns cjusdem monasterii commisit d. Giberto priori prio- 
ratus s. Marg-aritae de Biiclescha Parmensis diocesis. 

A. D. U. [651.] 

1329. 23. .liilii. Utini. Pag-anns patriarelia in g-enerali colloqui» 
Utini eelebrato diias denuntiavit esse caiisas ejus convocationis, videlicet:: 

Prima, ut certae provisiones et ordinationes factae die lunae de- 
cima hujus mensis per ipsum d. patriareham et sex consiiiarios et 
sapientes electos per consilium, et in ejus generali consilio super facto 
bladi, de quo propter malam custodiam tota terra Forijulii passa fuit 
caristiam maxiniani, ne per portus et alia loca exfraduc^ttir ad loca 
extranea, legantur ibidem in pleno colloquio, uti, si placuerint toti eol- 
loquio, firmentur et observentur, ant corrig'antur vel mutentur prout 
pro meliori fuerit. 

Secunda super damnis et g-ravaminibus illatis , et quae continne 
inferuntur per servitores comitatus Goritiae, cum quibus ipse d. patri- 
archa seniper indinattis est habere pacem et bonum amorem, et spe- 
eialiter de novo factis per Petrum de Petrapilosa in partibus Istriae. 
quae ipse d. patriarcha nullo modo potest tolerare, et super quibus 
ex nunc d. patriarcha sub debito fidei et sacramenti, quibus tenetur 
ecciesiae Aquilejensi, requisivit consilium et auxilium ab Omnibus qui 
erant in colloquio et non erant. 

Quibus sie expositis, lectae fuerunt provisiones praedictae editae 
super facto bladi, quae tales sunt : 

I. Officiales d. patriarchae non permittant in portubus, quos ha- 
bent in custodia, bladum transire vel conduci extra Forumjulium ad gen- 
tes extraneas. 



419 

II. Provideatur de personis qnae stent ad custodiam hujusmodi 
bladi non extraliendi, et habeant elaves catenarum et portus, vel ha- 
beant officium aeciisandi qui eonducent bladiim contra inhibitionem 
praemissam. 

III. In villis et terris publice proclametur, quod nullus vendat bla- 
dum forensibus, ne extraducatur contra praefatam provisionem. 

IV. In curtinis blada et vinum non rcponantur nisi solum per 
unum menseni. 

V. Homlnibus de Portug-ruario mandetur, quod observent pro- 
visionem praemissam, et notificetur hominibus de Portu Latisanae, 
quod non emant blada per villas Forijulii, nee empta recipiant in dicta 

' eorum terra, ut conducantur per patriam Forijulii, et scribatur d*''. co- 
j mitissae, quod sibi placeat mandare dictis hominibus de Portu Latisanae, 
I quod praemissa debeant observare propter communcni utilitatem pa- 
triae. 

VI. Nullus rusticus aut mercator audeat pro aliquo forensi 
eniere, aut conducere, vel conduei facere bladum extra terram Fori- 
julii. 

Quibus auditis visum fuit omnibus tam praelatis. quam nobilibus 
et comunitatibus de diclo colloquio, quod praedicfae provisiones xit 
bonae, utiles et necessariae observari deberent, confirmari et approbari, 
ut eandem firmitatem haberent, ac si essent editae per dictum collo- 
quium. 

Super vero aliis propositis per d. patriarcham steterunt cum d. 
decano Aquilejensi, qui consuluit et dixit, quod videbatur sibi, quod cum 
d. patriarcha haberet praedictos sex consiliarios, cum quibus melius 
posset providcre quam cum multis, deliberaret et faceret illud, quod 
melius et utilius, et mag-is bonorificum esset pro d. patriarcha et eccle- 
sia Aquilejensi et statu pacifico totius terrae Forijulii. 

I A. C. U. [652.] 

1329. 1. Aug^usti. Tarvisii. Stephanus q". Virgilii de Civitate 
Austriae manu armata in districtu Tarvisii ceperat Nieolaum de Clavello 

j judicem, et ligatum duxerat et tenuerat in compedibus in Strassolt per 
Septem septimanas, et eum derobaverat et extorserat ab eo in pecunia, 
libris, equis et aliis rebus ultra valorem undecim millium librarum. 

. Quapropter potestas, consilium et commune Tarvisii mittunt ad d. 
patriarcham et generale colloquium ambaxatorem pro relaxatione dicti 
d. Nicolai, et ut pacem et coneordiam tractare possint cum eodem. 

27* 



420 

ofi'eriint sc paratos siispeiidere usquo ad proximas Kalendas Octohris 
repressalcas dicto coriim civi concessas contra omneni liominem de 
Forojnlio. Verci. [6S3.] 

ll{29. 7. Aiigiisti. In castro Sacili. Pag'aniis patriarcha investit 
Franciscum de Canipa de feiido niinistcrii portandi litteras ipsius d. 
patriarcliae, qiiando est in Sacilo, infra Tiilmentiim et Liqiientiam. 

Ensehins. — A. N. U. [654.] 

1329. 7. Angiisti. In castro vSacili. Paganus patriarcha investit 
Odorlicum de Pasqueto et Nicolaum fratrem ejus de tertia parte habi- 
tantiae in Castro Aviani; nee non Franciscum de Aviano et Bellisinum 
ac Jacobum ejus nepotes de alia tertia parte ; et denique ipsos Odor- 
licum et Franciscum pro Thomasino et presbitero Odorlico, eorum con- 
sanguineis, de alia tertia parte, ita quod possint sicut alii habitatorcs 
dicti castri aedificare in cadeni babitantia etiam super ipsius castri 
murum, et facere debeant et servarc omnia, quae feudum babitantiae 
praedictae requirit. A. N. U. [6o5.] 

1329. 16. Aug"usti. Utini. Jobannes Palmae missus fuit Civitatem, 
ut ipsi parati cum armis et equis venirent in auxilium nostrum contra 
illos de Castello. Ex libr. camer. [65G.] 

1329. 1. Septembris. D. patriarcha proclamari fecerat, quod 
omnes subditi Aquilejensis ecclesiae essent armis et equis parati ituri 
in Istriam ad prosequendum vexillum ecclesiae Aquilejensis. 

Benvenutus Not. — A. N. U. [657.] 

1329. 2. Septembris. Utini. Ex parte d. Bertrandi cardinalis 
apostolicae sedis legati pro decimo anno suae procurationis imponuntur 
d. Pagano patriarchae et clero Aquilejensis diocesis mille ducenti 
et triginta floreni auri, et stricte eisdem praecipitur, quod infra duorum 
mensium spatium eos persolvere debeant. A. N. U. [658.] 

1329. 3. Septembris. Utini. Johannes Palmae missus fuit Cone- 
glanum per d. gastaldionem et consilium, ut exploraret, si gens aliqua 
modo nuper veniret Tarvisium; qui portavit unam litteram ex parte 
d. Hectoris Beni de Sacilo , ut ipse eidem nuncio referret novum de 
dominis de la Scala, et si aliqua gens venerit Tarvisium. 

Ex libr. camer. [659.] 

1329. 6. Septembris. Utini. Paganus patriarcha jure reeti et 
legalis feudi investit Tobiam q". Mercadanti de quodam prato quinque 
aut sex sectorum sito juxta Castagnarutum per viam qua itur Lovariam, 

B. M. U. [660.] 



421 

1329. 10. Septembris. Utini. Fransiscus Cerdoni missus fuit Gle- 
monam per d. gastaldioDem et eonsilium com una littera in serritio d. 
Hectoris. ut aaiiliarentar eidein contra illos de Forgraria. 

Ex libr. camer. [661.] 

1329- 11. Septembris. Utini. Franclscos Cerdoni missas fuit 
eam ona littera d. Hectoris ßujatto de Cormons- at caute inqaireret, si 
gens comitatus geotfm aliqaam faceret Tcnire, et si noritatem faeere 
contra d. patriarciLam intenderent. Ex libr. camer. [662.] 

1329. 12. Septembris. Montefaleone. In remunerationem servi- 
tioram. qoae fideliter impendere eoepit et continaare promisit cum 
qoinqoe elmis armigeris osque ad finem norae gaerrae, quam babebat 
com comitatn Goritiae, d- Paganas patriarcha cooe^dit d- Conrado 
dicto Vaquhad gästaldiam terrae de Vipaco a festo s. Georgii proiime 
Tenturo ad unum annum cum omnibus fractibas. redditibus. proren- 
tibas, jarisdictione et garito, promittens eidem in hajusmodi serritio 
existenti, qaod expensas pro eo et eqois suis faceret, sicati et caetens 
suis familianbus, et insaper qood non faceret tregoam nee pacem cum 
comitatn praedicto, quin et ipse in eodem tractatu positus esset; et si 
comitatus ex hae causa contra illom rel ejus bona procederet, et damni- 
ficatus fuerit, resarciet sibi damna ejusmodi. remuneraturas illum me- 
lius, si sibi facultas affuisset, prout ejas serritia continuata exposcent. 

A. X. U. [663.] 

1329- 8. Octobris. In rilla S. Jobannis de Manzano. Cum guerra 
et discordia graris rigaisset et esset inter d. Paganum patriarcham et 
ejus senitores et subditos ex una parte, et magnificum d. AJbertum 
Goritiae et Tirolis comitem et comitatus Goritiae ricarium generalem 
suosque et ipsius comitatus serritores et subditos ex altera : rolentes 
dictae partes , cooperantibus utriusque partis amicis , hujusmodi 
guerrae et discordiae fioem imponere, et compromissum faeere per pro- 
curatores et sindicos partium praedictarum , prudens rir d. Fraaeiscus 
HotariosdeUtino, procurator et sindicns dictid. patriarcbae, ex unaparte, 
et oobilis rir d. Pieolus de Eberstarn, procurator et sindicus d. co- 
mitis ant-edicti, ex altera commiserunt, et se compromiseront in d. Gui- 
donem de Manzano decanum ecclesiae Ciritatensis, et d. Articum de 
Prampergo militem, et d. Grifonem de Reutembergh et Collonem de 
Vlaspergo milites tanquam in arbitros, arbitratores et amicabiles com- 
positores tarn super guerra et discordia antedictis, quam super damuis, 
injuriis, offensionibus, spoliis, praedis, rapinis, captionibus et eapti- 



422 

vonim detentionibus, et quibiiscuinque aliis occasione praedictaeguerrae 
hinc imle commissis et faetis ; dantes eisdem plenam et liberam pote- 
statem componcndi et arbitrandi quomodocumque voluerint usque ad 
proximum festum Nativitatis Doinini, usque ad quod tempus treguae 
faotae sunt inter partes praedietas. Quod si praefati arbitri super prae- 
dictis communKer coneordari non possent, tunc communiter eligere 
possint alium quintum arbitrum, qui cum eis super omnibus et singulis 
antedictis similem habeat potcstatem. Promittentes ex tunc habere 
ratum, gratuni et firmum quidquid per ipsos dictum, factum et diffi- 
nitum fuisset, sub poena trium millium marcharum, hoc tarnen per 
dictujn d. Reulum procuratorem expresse addito, quod si compromis- 
sum hujusmodi, et ea qiiae ordinabuntur et sententiabuntur per arbi- 
tros antedictos, placebiint d. duci Karinthiae, procedant, et aliter non. 

B. M. U. [664.] 
1329. 9. Octobris. Utini. Domini Johannes de Villalta et Fede- 
ricus de Savorgnano jurant ad s. Dei evangelia , prout in Montefalcono 
alii juraverunt, de dando operam juxta eorum posse, quod treguae 
servabuntur inter ipsum d. patriarcham et comitatum Goritiae, subji- 
ciendo se eisdem poenis cum aliis. B. M. U. [665.] 

1329. 11. Octobris. Utini. D. Paganus patriarcha cum quodam 
capucio, quod in suis tenebat manibus, investit Petrum q"". magistri 
Francisci mcdici de Tergesto, pro se et fratribus suis recipientem, de 
habitantia et feudo habitantiae de Castro Veneris, quae olim fuit Henrici 
q'". Johannis de dicto loco, et de qua dictus q"'. magister Franciscus 
pater ejus ab ipso d. patriarcha fuerat investitus, cum omnibus mansis 
et juribus ad ipsam spectantibus. B. M. U. [666.] 

1329. 21. Octobris. Utini. Commune et homines Aviani ad ho- 
norem Dei, b. Mariae virginis et omnium Sanctorum quandam eccle- 
siam apud castrum ejusdem loci sub vocabulo b. Julianae virginis 
noviter construxerant pro eo, quod antiqua ecclesia, quae erat posita 
in Castro, propter ipsius structuram et sepulturam corporum defunc- 
torum, et ad alia necessaria populo non erat capax, unde supplicabant 
d. Pagano patriarchae, ut oblationem novem camporum per eos factam 
benignius reciperet, et eidem ecclesiae assignaret in dotem, ac ipsam 
ecclesiam cum praedicta antiqua uniret : ita quod haberet coemeterium 
et parrochialis existeret communis et hominum praedictorum. Qui d. 
patriarcha totius populi terrae Aviani supplicationibus inclinatus, cam- 
pos sibi oblatos recepit, ipsosque praefatae ecclesiae s. Julianae, 



423 

quam esse deeernit unum corpus cum ecclesia jam dicta antiqua, iu 
dotem suam et instituendae in eisdem personae in sustentationem assi- 
gnavit, deputavit et perpetuo conlirmavit: statuens et decernens, quod 
ecclesia ipsa, sive ecelesiae simul unitae de cetero proprium habeant 
rectorem, praesentandum, quoties tempus ing-ruerit, per commune et ho- 
mines Aviani ipsi d. patriarehae et successoribus suis et per eos insti- 
tuendum in eis: quodque ecclesia s. Julianae parrochialis existat, et 
coemeterium habeat ad sepulturas omnium dictae terrae: sibiquc in 
dotem suam ejusque rectoris sustentationem dictos campos assig-navit. 
Et ut ex nunc ordinatio jam dicta debitum incipiat effectum habere, 
idem d. patriarcha presbiterum Franciscum q". Henrici de Urzago sibi 
per jam dictucn commune et homines Aviani praesentatum in rectorem 
ejusdem ecelesiae, sive ecclesiarum instituit, ipsumque per biretum 
snum praesentialiter de ipsis et omnibus juribus spiritualibus et tempo- 
ralibus spectantibus ad easdem investivit. B. M. U. [067.] 

1329. 22. Octobris. Utini. In g-enerali colloquio Utini celebrato, 
exposita ambaxata ex parte d. ducis Venetiarum per nobilem virum d. 
Johannem Marini Georgii de Venetiis, super certo subsidio bladi, quod 
petebat amicabiliter et de g'ratia, causis pluribus et rationibus assi- 
g:natis: d. patriarcha replicans petitionem praedictam requisivit omnes 
de colloquio, ut consideratis diUgenter et provide omnibus, tam quae 
praesentialiter oceurrunt, quam quae occurrere possunt in futurum, 
videreiit et consulerent, quid esset melius et utilius super petitione dicti 
bladi, et quidquid respondendum esset; addens ipse d. patriarcha ver- 
Lis suis, quod requisitus erat super tiactatu concordii fiendi cum d. 
comite et comitatu Goritiae, super quo scire volebat voluntatem eorum, 
utrum placeret eis, quod tractatus procederet, vel quid consulerent; et 
quia d. Palia de Vaunio (piosdam bailos acceperat euidam mercatori et 
nolebat eos restituere, licet sibi d. patriarcha maiulasset, videretur quid 
agendum super hoc et super aliis derobationibus quae fiunt. Et tunc 
finitis verbis d. patriarehae, surrexit d. ambaxator communis et ho- 
minum de Tergesto, et similem petitionem fecit de blado pro diclo 
communi. 

Et consultum et obtentum l'uit, quod novi consiliarii fiant, cum qui- 
■bus d. patriarcha videat et provideat super praedictis, prout fuorit pro 
meliori tam pro honore ipsius d. patriarehae, ecelesiae Aquilejensis et 
servitorum suorum, quam pro bono statu totius terrae Forijulii, et quid- 
quid fecerint, totius colloquii vigorem habeat. B. M. U. [668.] 



424 

1329. 24. Octobris. D. Paganas patriarcha plg^norat d. Hectori 
de Savorg-nano oinnia bona, quae habet in Carnca de subtus et de supra, 
et in villis de Taypano et Persinieo ; nee non medium mansum in Ca- 
nalutto gastaldiae Trieesimi , et quinque mansos in villa de Campo- 
formio et g-astaldiam Faganeae cum garitu , juribus et jurisdietionibus 
ad eam spectantibus pro trecentis marchis denariorum, pro cvidenti et 
urgent! necessitate, scilicet pro solvendis nobilibus et subditis, qui cum 
eo ac pro eo fuerunt fam in Istria, quam in Montefalcone tempore 
guerrae contra comitem Goritiae. Bellonus. — B. M. U. [669.] 

1329. 12. Novembris. Concessio et venditio nomine iocationis 
facta per d. Paganum patriarcham reddituum, proventuum, introitorum, 
jurium ac jurisdictionum, citra poenam sanguinis, quas idem d. patri- 
archa et ecclesia Aquilejensls habent in villa s. Sirici in marchionatu 
Istriae, dominabus monialibus monasterii s. Johannis de Torcello ad de- 
eem annos, solvendo annuatim libras centum denariorum Venetorum. 

Bellonus. — B. M. U. [670.] 

1329. S. Decembris. Bononiae. Bertrandus Ostiensis et Velle- 
trensis episcopus apostolicae sedis legatus communicat Pagano patri- 
archae litteras Johannis XXII. pontificis de prorogatione reservationis 
ecclesiarum cathedralium et collegiatarum provinciae Aquilejensis. 

B. M. U. [671.] 

1329. 6. Decembris. In synodo facta in festo beati Nicolai 
omnium concordia promissum fuit subsidium d. patriarchae mille du- 
centorum et triginta florenorum auri, quantum ascendit sun»ma provi- 
sionis annuae d. legati, solvendum usque ad primam dominicam futurae 
quadragesimae. 

Item electi fuerunt ad novam extimationem faciendam reddituum 
cleri inferioris pro capitulo Aquilegiensi d. Raynaldus de laTurre; pro 
capitulo Civitatensi d. Guido decanus Civitatensis ; pro religiosis d. vica- 
rius abbas Rosacensis ; et pro plebanis et alio clero d. Meliorantia 
canonicus Utinensis. 

Item fuit data potestas infrascriptis, ut possint esse cum d. patri- 
archa et deliberare nomine totius cleri, si quid addendum est consti- 
tutionibus synodalibus, et alia faciendi et ordinandi, ac si totus clerus 
adesset, pro reformatione et bono statu ecclesiarum, cleri et populi. 

B. M. U. [672.] 



425 

1329. 27. Deccnibris. Mandatum factum nohilibus de Casteüo, 
^tii asserunt jus habere a centum annis hospitandi cum eorum servito- 
ribus in villa s. Pellegrini causa custodiendi festum et mercatum in 
[licta villa, quatenus non faciant nee permlttant fieri ullum gravamen 
uassariis capituli Aquilejensis in Morsano. 

ßellonus. — B. M. U. [673.] 

1330. S. Januarii. Aquilejae. Pro instruetione in facto cujusdam 
appellationis interpositae ab episcopo Terg-estino , Pag'anus patriarcha 
nonnulla Johanni vig'esimo secundo pontifici notificanda esse duxit, quae 
;»d consuetudines ecclesiae Aquilejensis referuntur, et idcirco eidem 
infrascripta submisit. 

Habet ecclesiae Aquilejensis et patriae consuetudo in temporalibus 
causis, iit a sententia lata coram patriarcha ad coUoquium appelletur, 
ita quod aliter appellatio non recipitur interjeeta. 

Habet etiam ecclesiae Aquilejensis et patriae consuetudo, ut in 
temporalibus a colloquio ad imperium appelletur, a quo ecclesia tem- 
poralia obtinet, quod praesertim locum liaberet, si causa feudalis exi- 
steret. 

Habet denique ecclesiae Aquilejensis et patriae consuetudo, ut in 
temporalibus causis a sententia absque intervallo aliquo appelletur, 
adeo quod aliter interjeeta appellatio non recipitur. 

Praemissae consuetudines inveteratae sunt et in legem apud in- 
colas deductae, ita quod nee iiiverti aut mutari possunt. 

A. C. U. [074.] 

1330. G. Januarii. Investitura Nicolai et Leupoldi fdiorum q™. Poldi 
de Tricesimo de habitantia castri Tricesimi cum mansis et Omnibus 
aliis juribus pertinentibus ad eandem. Bellonus. - B.M.U. [G75.] 

1330. IJ). Januarii. Aquilejae. Investitura Conradi q"". Alberti 
de Varmignano de habitantia in Montefalcono cum omnibus bonis, man- 
sis et juribus ad eam spectantibus. B. M. U. [G76.] 

1330. 3. Februarii. Utini. Antonius et Matthiussius fratres et 
Vvirussa et Mussa sorores de Utino renuntiant haereditati q"'. Simonis 
eorum patris super ejus scpulturam pro eo, quod multa debita habebat. 

A. C. U. [677.) 

1330. 13. Februarii. Facta extimatione reddituum cleri infe- 
rioris Aquilejensis diocesis per venerabiles viros dominos fratrem 



426 

Johannem abbatem Rosacensem vicariiim d. patriarchae, Guidonem de 
Manzano decanum Civitatensem, Raynaldum de la Turre thesaurarium 
Aquilejensem, et Meliorantia de Tyenis canonicum Utinensem et pleba- 
num Variani, aestimatores ad haec per ipsum d. patriarcham et ejus sy- 
nodiini deputatos, summa iiiventa est de tribus millibus septing-entis et 
duodccim marchis. Unde dando unicuique soldos decem et pizzolum 
unum pro qualibet mareha, liaberetur summa procurationis d. legati, 
remanentc d, patriarclia in statu suo. B. M. U, [678.] 

1330. 13. Februarii. In Civitate Austriae. Pliilipponus praepo- 
situs, canonici et capituhim Civitatis Austriae audientes, quod nobiles 
viri domini Matthiussius , Asquinus, Bernardus et Vicardus de CoUo- 
reto quandam capellam jiixta eorum assensum illis datum ad honorem 
domini nostri Jesu Christi et virginis et gloriosae matris ejus , nee non 
ad honorem sanetorum apostolorum Andreae et Matthiae extra fossatum 
castri de Colloreto in eorum parrochia de Lauzana aedificaverant, 
ipsamque ex sufficientibus bonis dotaverant, voluerunt et contenti 
fuerunt : 

I. Quod dieti nobiles et eorum haeredes de cetero ad dictam ca- 
pellam praesentare possint personam idoneam ipsi capellae praeficien- 
dam, quae per dictum capituhim institueretur. 

II. Sacerdos hujusmodi de licentia vicarii de Lauzana omnia sa- 
cramenta ecclesiastica libere dare et administrare possit et valeat dictis 
nobilibus, eorum dominabus ac omnibus et sing-ulis eorum servitoribus 
et habitatoribus universis tam masculis quam feminis, infra fossatum dicti 
castri et ejus suburbii commorantibus. 

III. Sacerdos ibidem modo praemisso institutus una cum omnibus 
bonis dictae dotis sit et esse debeat immunis a praestatione et solutione 
qualibet collectarum. 

IV. Yicarius de Lauzana in omnibus honoribus et utilitatibus ac 
juribus parrochialis ecclesiae sit aliis saeerdotibus praeferendus. 

A. C. U. [679.] 
1330. 14. Februarii. Paganus patriarcha investit Concio de Civi- 
tate fornacem de Rubignacco jure ministerii magistrorum lignaminum 
patriarchalis curiae de Civitate. Bellonus. — B. M. U, [680.] 

1330. 13. Martii. Utini. Coram d. Pagano patriarcha in judicio 
sedente Lupoldus abbas monasterii de Obrumburg, ostendens quoddam 
Privilegium, quo Pelegrinus patriarcha dederat ipsi monasterio decem 
massariciasin Budriach et quod continebat sententias anathematis Ananiae 



427 

et Saphirae, petiit illud executioni mandanduni, et jiixta eonstitutionem 
provincialem proeedi debere contra dominos Nieolaum, Rapoltum et 
Odoricum de Budrio, tanqnam oceupatores bonorum ecclesiasticorum, 
propter violentiam per ipsos faetam super bonis dicti monasterii sitis 
in villa de Budrio , super quibus habere volebant advoeatiam. Ig-itur 
juxta sententiam astantium, non eomparentibus illis de Budrio, datus 
fuit ipsi d. abbati nuncius ad accipiendum de bonis praedietorum de 
Budrio ad altressum cum damnis et expensis , et praeceptum fuit illis 
de Budrio, quod de cetero bona dicti monasterii gravare non debeant, 
nee habere super illis aliquam advoeatiam. 

Ex membrana d. de Zucco. [681.] 

1330. 1. Mali. Pacta dominorum de Attems cum vicinis pro exi- 
gendis multis; et electio exactoris multarum et bandorum, ut expendan- 
tur ad utilitatem communis. Bellonus. — B. M. U. [682.] 

1330. 4. Maii. D". Galliana fdia et haeres q'". d. Francisci olim 
Purcilti de Attems vendidit Nicolussio q"'. d. Henrici de Attems totam 
partem ad eam spectantem In bonis dicti Francisci patris sui, tarn in 
Castro novo, quam in vetcri, renuntians quod erat feudum in manibus 
d. patriarchae. Qui, recepta resignatione, cum quodam capucio ipsum 
Nicolussium investivit, recepto ab eodem fidelitatis sacramento. 

Bellonus. — B. M. U. [683.] 

1330. 7. Maii. In Civitate Austriae. Cum inter nobiles \iros do- 
minos Hectorem de SavorgnanO ex parte una, et Johannem Franciscum 
de Castello ex altera quaedam in Civitate Austriae hesterna die rixa, 
diabolo instigante, facta fuerit, ex qua non modica damna eis et amicis 
eorum, ac toti terrae Forijulii parabantur, d. Paganus patriarcha, vo- 
lens damnis et periculis praecavere, vocatis ad se praedictis nobilibus, 
praecepit eis sub poena gratiae suae, quatenus tregnam inter se faciant, 
intendens super quaestionibus inter se vertentibus habere tractatum, et 
omnem materiam ipsarum quaestionum radicitus amputare. Qui no- 
biles, habita deliberatione cum eorum amicis et servitoribus, juraverunt 
in manibus d. patriarchae habere et observare treguas inter eos hinc ad 
festuni s. Michaelis proxime venturum sub poena quingentarum mar- 
charum denariorum. B. M. U. [684.] 

1330. 10. Maii. In Civitate Austriae. Conventio d. Pagani patri- 
archae cum Thomasio de Ancllis de Parma et ejus sociis pro cudenda 
moneta, quam idem d. patriarcha vult facere de novo in Aquileja, sei- 
lieet Frixachensium de unciis quinque et quarteriis tribus et dimidio 



428 

boni et piiri argcnti pro qiialibet marcha ; et de qualibet marcha dena- 
rioriHii, quam fecerit d. patriarcha, habere debeat solidos quatiior par- 
vonim. B. M. U. [68S.] 

13.'{0. 16. Mail. In Civitate Austriae. Cum per dilig-entem inqui- 
sitionem inventum esset, quod plebanus sive ecclesia s. Pancratii de 
Vindisg^ratz de antiqua consnetudine liabet jus cognoseendi in omnibus 
causis hominum et bonorum ejusdem plebis tarn in civiiibus quam in 
criminalibus, praeterquam de damnandis ad mortem, ita quod nuUus 
in ipsis hominibus et bonis nisi eadem ecclesia, sive plebanus facere 
quidquam habet; et insuper inventum esset, quod eadem ecclesia habet 
proprias venationes et piscationes, prout testificati sunt plures clerici 
et laici fide digni: Pag-anus patriarcha eupiens, quod jura ecclesiarum 
sibi comniissarum illaesa serventur, et quod aug-eantur potius, quam in 
aliquo minuantur, jurisdictiones hujusmodi, piscationes et venationes 
praedictas eidem ecclesiae perpetue confirmat, et mandat Pelleg-rino 
dictae ecciesiae plebano, quatenus ipse et successores ejus, qui pro 
tempore fuerint, de eisdem juribus et jurisdictionibus uti libere de- 
beant: interdicens idem d. patriarcha omnibus et sing-ulis, cujus- 
cumque status ac conditionis existant, sub intimatione divini judicii, ne 
in ipsis juribus et jurisdictionibus ipsum plebanum aut ejus successores 
inquietare ac molestare praesumant. 

B. M. U. [G86.] 

1330. 1. Junii. Utini. Cum d. Pag-anus patriarcha teneatur ca- 
merae d. papae, et dominorum sanetae Romanae ecclesiae cardinalium, 
occasione provisionis suae et praedecessoris sui bonae memoriae d. 
Castoni olim patriarehae Aquilejensis in magna pecuniae summa, quam 
solvere nequit ipsi camerae, nisi eam mutuo acquirat, et ad solvendum 
per poenas gravissimas compellatur; eupiens juxta posse saltem in 
parle satisfacere ipsi camerae, habensque a sede apostolica licentiam 
et auctoritatem contrahendi mutuum occasione praedicta usque ad sum- 
mam quinque millium florenorum auri, fecit et constituit suos et eccle- 
siae suae procnratores d. fratrem Johannem abbatem monasterii de Ro- 
saceo et d. Berofinum de Giroldis canonicum Aquilejensem, capellanos 
suos, ad aequirendum hujusmodi mutuum et recipiendum a quibuscurh- 
que personis, communi, collegio et universitate mutuare volentibus. 

B. M. U. [687.] 

1330. 10. Junii. In castro s. Viti. Paganus patriarcha investit 
Simconem q™. ser Otti de Fratta de Sacilo de omnibus feudis et juri- 



429 

biis feudalibiis, quae dictus pater ejus liabebat ab ecclesla Aquilejcnsi 
in contrata de Roiiebis et districtu Frattae. B. M. U. [688.] 

1330. 19. Junii. In Castro s. Viti. Pag-anus patriarcha ad instar 
bonae niemoriae praedeeessoris sui cum iino baculo , quem tenebat in 
manibiis, investit Delardum q'". Big^nucii de Sacilo de feudo habitantiae, 
quam dictus pater ejus habebat ab eeclesia Aquilejensi in Sacilo, et 
pertinentiis, et alibi iibicumque. B, M. U. [689.] 

1330. 24. Junii. In Castro s. Yiti. D. Gerardus de Camino conies 
Cenetensis, pro se et d. Rizardo ejus fratre recog-noscens devote suuni 
et ejus fratris errorem factum in fovendo hostes d. patriarchae et ec- 
clesiae Aquüejensis in terra de Meduna, quam abstulerunt et tennerunt 
rebelliter, reduci supplicavit sc et eundem fratrem suum :id g-ratiam 
ipsius d. patriarchae, promiftens terram ipsam Medunae tradere libe- 
raliter. Qui d. patriarclia praeteritorum oblitus omnem illis injuriam, 
quam sibi et dietae ecclcsiae intulerunt, remisit; et intercedentibus 
astantibus, pro bono pacis et concordiae pactus est cum eisdem fra- 
tribus prout sequitur. 

I. D. Pag-anus patriarcha procurabit fideliter, quod Carlevarius de la 
Turre, nepos ejus, infra annum jungat matrimonio filiam suam Leonar- 
dinam d. Tolberto dicti Rizardi filio ; et ipse d. Gerardus procurabit, 
quod dictus Tolbertns nepos suus praefatam Leonardinam in suam re- 
cipiat sponsam, et d. Rizardus pater ipsius Tolbcrti sponsaübus con-* 
sentiat supradictis. 

IL Idem d. patriarcha dabit praedictis fratribus g-astaldiam Me- 
dunae a festo s. Georgii proxime venturo ad unum annum pro ficto 
decenti juxta consuetudinem gastaldiae. 

III. D. Morandus gastaldio Medunae tradet terram praedictam dictis 
fratribus tanquam gastaldionibus ipsius, cum dies s. Georgii advenerit. 

IV. D. Gerardus pro se et fratre juravit, quod tempore, quo dic- 
tam terram tencbunt, subjectos ipsius gastaldiae et habitatores ipsius 
terrae non gravabunt, sed in suis juribus manutcnebunt ac defendent, 
et dimittent ipsi d. patriarchae terram ipsam Medunae in eo vel meliori 
statu, sicut eam recipient. 

V. Promittit idem d. Gerardus, quod de omnibus quaestionibus et 
"discordiis, quas habent cum d. Biachino de Camino eorum patruo, sta- 
bunt arbitrio, judicio et concordio ipsius d. patriarchae: quodque non 
sustinebunt de cetero ab uno mense proximo in antea bannitos ipsius 
d. patriarchae de la Meduna in terris suis, nee sub potentia sua, nee 



430 

eis praestabiint aiixilium, consilium et favorem. Et carceratos in terra de 
la Meduna a carceribus relaxabiint, et propriae restituent libertati. De 
gratia tarnen idem d. patriarcha voliiit et concessit, quod Nieolaus de Pani- 
caleis, Florimondus de la Meduna, et Varnerius de Laurenzag-a, banniti 
dietae terrae de la Meduna, et rebelies ipsius d. patriarchae, g-audeant 
bonis suis, quae habent in Meduna et distrietu, usque ad annnm pro- 
ximum, ipsis tarnen non nianentibus in terris dictorum nobilium de Ca- 
mino. B. M. U. [690.] 

1330. 1. Julii. In Portugruario. Cum longo tempore inter d. Ar- 
ticum Concordiensem episcopum ex una parte et Articum Squarram de 
Portugruario sive ejus praedeeessores ex altera extitisset quaestio de 
custodia festi de Tileo, idem d. episcopus absque praejudicio suae 
ecclesiae in posterum ac etiam dicti Artici et domus ejus, de speciali 
gratia concessit tempore Titae suae , ut idem Articus Squarra et ejus 
consortes, ad quos spectat dicta concessio, dictum festurn debeant cu- 
stodire, et facere omnia, quae pertinent ad ipsum. 

Ex archivo Concordiensi. [691.] 

1330. 3. Julii. In Castro s. Viti. D, Giubertus abbas monasterii 
de Mocio pro se et eodem monasterio ex una parte, et d. Nicolaus de 
Castello pro se et d. Johanne Francisco ejus fratre ex altera, inten- 
dentes invicem concordare super damnis , tolletis et injuriis datis per 
dictum Johannem Franciscum et suos complices ipsis d. abbati et mo- 
nasterio de Mocio, eleg-it ipse d. abbas ex parte sua Francinum de Vil- 
lanova de Laude notavium, et dictus d. Nicolaus d. Bernardum de Stras- 
soldo, et pro utraque parte d. fratrcm Johannem abbatem Rosacensem, 
in quos compromiserunt, ut videant et aestiment res et bona ablata ipsi 
d. abbati et suis; et de ipsis pronuncient et praecipiant restitutionem 
fiendam per eosdem dominos de Castello, et super damnis et injuria, 
quae passus est idem abbas et sui, et etiam super emendatione, quam 
justam et honestam putarent. B. M. U. [692.] 

1330. 6. Julii. Utini. In generali coUoquio provisum et firmatum 
fuit, quod pax, unio et liga facta inter d. patriarcham et servitores 
ecclesiae Aquilejensis ex una parte, et d. Grifonem de Reutemberch, ca- 
pitaneum comitatus Goritiae, et servitores dicti comitatus ex altera, pro- 
cedat et firmetur per totum coUoquium. Super quo factus fuit d. Euse- 
bius procurator et sindicus ad praedicta. 

Bellonus. — B. M. U. [693.] 



431 

1330. 6. Jiilii. Utini. Paganus patriarcha per fimbriani suae tii- 
nieae investit d. Thomasium de S. Daniele de bonis fendalibus, quae 
ejus domus habuerat ab ecclesia Aquilejensi, et maxime de castro 
S. Danielis cum biirgis, doniealibiis , molendinis, mansis, braidis et 
Omnibus juribus ad dictum castrum pertinentibus. 

A. C. U. [694.] 
1330. 7. Julii. Utini. Cum dominus Pag-anus patriarcha habere 

deberet in proximis Kalendis mensis Octobris a d. Francisco Dandulo 
Venetiarum duee ejusque communi marchas ducentas et vig-inti quinque 
denariorum pro juribus et jurisdictionibus Istriae, et dictus d. dux et 
commune praefatum ex urg-enti neecssitate ipsius d. patriarchae, vide- 
licet pro sanandis debitis aut parte eoriim, in quibus ipsc dominus pa- 
triarcha oblig^atus est camerae d. papae et cardinalium, velint de dicta 
pecunia solvenda ad praesens eidem d. patriarchae g-ratiose et amica- 
biliter complacere: ipse d. patriarcha constituit et ordinavit d. Bero- 
finum de Giroldis et d. Petrum Barog-iam suos procuratores et nuntios 
speciales ad recipiendum ab ipso d. duce et communi praefato pecu- 
niam anfedietam. B. M. U. [69S.] 

1330. 13. Julii, Utini. Pag-anus patriarcha jure recti et leg-alis 
feudi investit d. Bene de Sacilo de quibusdam bonis sitis in Vig-onovo 
et Orzaglis per eum emptis a d. Nicoiao q'". Dyetrici de Sacilo. 

B. M. U. [G9G.] 
1330. lo. Julii. Dominicus patriarcha Gradensis et alii epi- 

scopi ad synodum Gradi convocafi elargiuntur indulg-cntias erog-antibus 
elemosinam ad constructionem ecclesiae s. Johannis Evang-clistae prope 
Valvasonum in dioeeesi Concordiensi. — Ecclesiae YenetaeT. 2. [097.] 

1330. 2. Aug-usti. Utini. Paganus patriarcha propter necessitates 
arduas incnmbentes sibi, et pro deminuendis debitis, quibus multipli- 
citer ag-gravatur, vendit et concedit d. Berofino de Giroldis, Bertholino 
de Utino et Hermano q". d. Matthiae de Carnea gratiam vini, quod de 
partibus Istriae conducitur ad partes Forijulii vigore litterarum d. du eis 
et communis Venetiarum, et mutam Aquilejae cum omni utilitate, commodo 
et juribus ad eam spectantibus usque ad tres annos proxime venturos 
pretio et foro marcharum mille centum et septuag-inta denariorum. 

B. M. U. [698.] 

1330. 6. Aug-usti. In Civitate Austriae. Cum Martinus q"*. Sca- 
pini de Speg-nimberg-o juxta scntentiam d. patriarchae et cum ejus nun- 
cio vellet procedere contra d. Paleam de Varmo, qui violenter acce- 



432 

pcrat eldem qtiemdam mansiim silum in villa de Mussons in perlinentiis 
Modrisii; ipse d. Palea potenter et manu armata invasit eos ita, quod re 
infccta vix pottierunt fug-ere. Quapropter d. patriarcha postquam frii- 
stra dictum d. Paleam in Judicium vocasset, dedit eidem Martino nun- 
cium suum, ut primo poneret cum in tenutam dicti mansi, et deinde 
accipcret de bonis dicti d. Paleae ad trossnm acceptis per cum supra- 
dietum mansum cum banno curiae et damnis et expensis. 

A. C. U. [699.] 
1330. i2. Aug-usti. Utini. Quia d. Petrus archiepiscopus Naza- 

renus plebanus plebis s. Michaelis de Juna , Paulus plebanus plebis 
s. Stephan! prope Cillam , Hernianus plebanus plebis in Nuchlendorf, 
Peregrinus et Ulricus de s. Paterniano, Georgius plebanus in Caimrich, 
Albertus plebanus in Lint, Leibardus plebanus in Richimperg-e et Pere- 
grinus plebanus in inferiori Globonitz Aquilejensis diocesis, semel, se- 
cundo, tertio et peremptorie moniti , collectas sive partes collectarum 
impositas plebibus sive ecclesiis suis de annuis procurationibus d. Ber- 
trandi apostolicae sedis legati solvere non curantes, interdicti, suspen- 
sionis et exconimunicationis sententias in hujusniodi non solventes et 
eorum ecclesias g'eneraliter promulgatas per ipsum d. legatum ineur- 
rerunt: et sie ligati, et in hujusmodi ecclesiis iiiterdictis sententias 
vilipendcntes easdem, non erubuerunt se immiscere divinis in sua ma- 
litia et contumaeia gloriantes; idcirco Johannes abbas Rosacensis et 
d. patriarchae Aquilejensis vicarius, ipsius d. legati in hac parte et prae- 
fati d. patriarchae auctoritate sufl'ultus, sedens pro tribunali ispos et 
ipsorum quemlibet excommunicatos et irreg-ulares sententialiter decla- 
ravit, et eorum ecclesias interdictas. Et insuper, quia hujusmodi senten- 
tias sustinuerunt et sustinent animo indurato, ipsos ecclesiis sive ple- 
bibus jam dictis privavit et ab eis perpetuo ammovit. 

B. M. U. [700.] 
i330. . . . Arbordus de Plovia et Moquardus de Lestans noti- 

ficant Pagano patria.-chae bona, quae habebant in feudum ab ecclesia 
Aquilejensi hac conditione et forma, quod omni hora, qua d. patriarcha 
iret ad curiam, ipsi cum aliis eorum sociis tenebantur ire cum ipso 
cum uno roncino de tribus marchis, et ad serviendum ei ad sedile, 
quando ad otium suum ire vellet. Et hoc facere tenebantur, si eos 
appellare facit , ad suas expensas et victu et vestitu. Et si dictus ron- 
cinus obiret, d. patriarcha tenetur emere eisdem unum meliorem. 

A. C. U. [701.] 



433 

1330. 16. Aiig-usti. Apiul villam Predenioni, super ripa torrentis, 
siib arbore nucis. Cum lites, quaestiones et discordiae diu vertcren- 
tur et versae forent inter d. Bcatricem illustreui coinhissam Goritiae 
et TlroHs, et d. Griffonem de Reutemberg-h dicti comitatus capitaneum, 
subditos, fideles et servitores dicti comitatus ex una parte, ac nobiles 
\iros dominos Serg-ium, Nässinguerram et Fulcheriuni de Castro Polae, 
commune dictae civitatis Polae; maricos, commune et liomines Adi- 
gnani; g-astaldionem , marienm et commune castri de Yalle; capita- 
neum, maricum et commune duorum castrorum; ac potestatom, con- 
silium et commune Altenae ex altera super guerris, homicidiis, dam- 
nis, rapinis, incendiis et spoliis factis hinc inde per partes praedictas 
et servitores earum : volentes dictae partes ad pacem et concordiam 
pervenire, et supev litibus et quaestionibus hujusmodi finem imponi, 
sponte et libere compromiserunt in d. Paganuni patriarcbam Aquilejen- 
sem ibidem praesentem, et compromissum hujusmodi acceptantem, 
tanquam in arbitrum, arbitratorem et amicabilem compositoreni de 
Omnibus litibus et quaestionibus antedictis, damnis, injuriis, incen- 
diis, offcnsionibus, homicidiis et rapinis hinc inde illatis et quocum- 
que modo factis usqne ad praesentem diem super facto spoliationis et 
destructionis murorum, domorum, turris et aliorum bonorum omnium 
existentium in terra Barbanae et locis s. Vincentii, Plagnae et Tabanel- 
li, remanentibus omnibus aliis et sing-ulis in suo statu secundum quod 
ordinatum fuit per dominos Griffonem capitaneum, fratrem Johannem 
abbatem Piosacensem, Guliclmum decanum Aquilejensem et Herma- 
coram marchionem Istriae tempore quo fuerant in partibus Istriae. 

Quo quidem compromisso facto a partibus supradictis et recepto 
ab ipso d. patriarcha, ipse d. patriarcha, cognita voluntate utriusque 
partis, quam exquisivit scgregatim ab utraque ipsarum, et volens illas 
ad plenam concordiam revocare , en ea quae eisdcm praescripsit et 
quae illae observare promiserunt : 

I. Pax bona et concordia duret deineeps perpetuo inter partes. 

II. Domini de Pola et aliorum locorum solvant d. comiti pro re- 
fectione damnorum datorum per eos in terra Barbanae intra ambitum 
murorum turris, et in ipsis muris dictae terrae marchas quingentas sol- 
dorum, de quibus ipse d. patriarcha taxationem faciet inter eos. 

III. Omnia damna data per gentem d. comitis et comitatus prae- 
dicti in terris s. Vincentii, Plagnae et Tabanelli penitus sint extincta 
et totaliter rcmissa. 

Archiv. XLI. Z. 28 



434 

IV. Soltita siipradieta pocunia dicto d. eomiti, nulla penitus rema- 
noat inter ipsas partes occasione praedictorum damnorum actio hinc 
aiit inde, et ex nunc ipsae partes faciant slhi invicem remissionem de 
daninis et injuriis siipradietis. B. M. U. [702.] 

1330. 21. Augiisti. Utini. Pag-anus patriarcha emerat a d. Conrado 
de Rempliinibergh niedietatein decimae de Mug-la, quae olini fuit d. Vol- 
rici de Miinigliano ; Iiinc sindiei et proeuratores cominuiiis et hotninum 
terrae de Miigia coram d. patriarcha constituti promittunt solvere sibi 
hoc anno et deinceps in perpetuum dictam deeimam secundum quod 
solebat solvi antiqiiitiis. B. M. U. [703.] 

1330. 23. Aug-iisti. In Civitate Austriae. Cum hospitale s. Spi- 
ritus prope Glemonam sit membrum hospitalis s. Spiritus in Sassia de 
iirbe, ubi esurientes pascuntur, sitientes potantur, nudi vestiuntur, 
infirmi visitantur, et alia exercentur opera caritatis ; apud quod hospi- 
tale de Gleniona dudum quasi consumptum propter guerras moraretur 
qnidam prior missus per praesidentes jam dicto hospitali de urbe, qui 
et domos reficit et ecciesiam, et alia pietatis opera supradicta exercet, 
quae erant ibidem extincta et quae absque fulelium subsidio consumare 
non potest : Pag-anus patriarcha universis et singulis ecclesiarum recto- 
ribus et ministris mandat in virtute sanctae obedientiae et sub excom- 
municationis poena, quatenus priorem ipsum et fratres seu nuntios, cum 
ad eorum ecclesias venerint, benig-ne recipiant et tractent, parrochia- 
nos suos ad bcneficiendum eisdem quantum poterunt inducentes. 

B. M. U. [704.] 

1330. 2. Septenibris. Glemonae. In causa quae vertebatur inter 
d. Guibertum abbatem monastcrii de Mocio ex una parte, et dominos 
Nicolaum et Johannem Franciscum de Castello ex altera, d. Johannes 
abbas Rosacensis et Francinus notarius arbitri electi, d. Bernardo de 
Strassoldo nolente cum eisdem concordare et toUente se de medio, 
dixerunt, pronunciaverunt et arbitrati sunt pro bono pacis et concordiae 
inter dictas partes, quod dictus d. Johannes Franciscus pro refectione 
damnorum et restitutione rerum ablatarum dare debeat et solvere dicto 
d. abbati centum marchas Aquilejensis monetae, et ipse abbas de Moeio 
pacem secum habeat, et omnem injuriam ei remittat. 

B. M. U. [70S ] 

1330. 8. Septembris. In Rivo de Tolezo. Hendricus q™. Passa- 
rini de Trussig-na pro homicidio, fui-to , incendio et pluribus aliis ma- 
lefieiis captus per familiäres d. abbatis de Mocio atque adductus in 



435 

Judicium, per Tlioniasinum g'astaldionem eoram juratis dicti mona- 
sterii fuit sententialiter ad mortem condemnatus. Unde hominum de 
Mocio et villarum cireumstantium congreg-ata multitudine copiosa, dic- 
tus Hendricus duetus fuit extra territorium Mosacense usque ad locum 
qui dieitur Riyus de Tolezo, ibique gastaldio Mosacensis monasterii 
tradidit eum vicario g-astaldionis Carneae suspendenduni per gulam 
adeo quod moreretur. A. D. U. [70(3.] 

1330. 13. Septembris. Investitura medietatis pro indiviso cujus- 
dam feudi quadring-entarum librarum denariorum parvulorum super 
muta Chisae facta Maladino filio q™. Bayamontis Theupoli Veneti, de quo 
ipse et progenitores sui auctoritate apostolica retroactis temporibus 
investiti fuerunt, et juravit fidelitatem. 

ßellouus. — B. M. U. [707.] 

1330. 11. Oetobris. Investitura d. Guecellonis q"". d. Hembe- 
rardi de la Turre de habitantiis, quas Nicolaus et q™. Jacobus fratres 
de Panigaleis habebant ab ecclesia Aquilejensi in terra Medunae, nee 
non de certis bonis feudalibus et propriis cum omnibus eorum juribus, 
quae propter eorum rebellionem dictae ecclesiae exciderant. 

Bellonus. — ß. M. U. [708.] 

1330. 14. Oetobris. Utini. Cum olim d. Petrus habitator castri 
Utini, dum viveret, de licentia d. Ottoboni patriarchae dotasset de bonis 
propriis in ecclesia s. Mariae ejusdem castri Utini altare per ipsum 
erectum ibidem in honorem b. Petri apostoli; et in ecclesia s. Lau- 
rentii ejusdem castri similiter dotasset altare ejusdem s. Laurentii, et 
voluisset, ut ad ipsa altaria praesentarentur singuli presbiteri, qui missas 
celebrarent pro vivis et defunctis, d. patriarchae qui pro tempore fuerit: 
domini Hector et Federicus de Savorgnano praesentaverunt d. Pag-auo 
patriarchae ad altare s. Petri presbiterum Peregrinum q'". Hendrici 
carpentarii; et domini Foleherius et Bellus pariter de Savorgnano prae- 
sentaverunt ad altare s. Laurentii presbiterum Boniscium de Grazzano. 
Dictus vero d. patriarcha ipsos presbiteros in beneficiatos perpetuos 
dictorum altarium instituit: ita tamen quod quilibet ipsorum obscrvet 
omnia et singula, quae per dictum q'". d. Petrum fuerunt ordinata. 

B. M. U. [709.] 

1330. 20. Oetobris. Investitura d. Aymerici q"". d. Rugerii Pe- 
toye de la Turre de habitantia cum omnibus juribus suis, quam olim 
habebat Nicolaus q'". Morotti de la Meduna in terra Medunae, nee non 

2ö» 



430 

de eerlis suis boiils foiidalihiis vt pro])i'iis alicnatis de licentia ipsius 
d. patriarcliae et propter reljcllioiieiii ejusdem. 

Bellumis. — B. M. U. [710.] 

1330. 29. Octobris. Ulini. Pro nonaginta niari'iiis deiiarionim 
miituatis sibi a dominis Johanne al)bafe Rosacensi, Gidielmo deeano et 
Berofino de Giroldis canonico Aquilejensi , nee non a d. Federico de 
iSavorgnano et Franzolo de la Scala de Mediolano sibi(jiie neeessariis 
pro niitf.endo ad Romanam curiam, ubi Paganus patriarcha tenetiir obli- 
gatiis canierae d. papae et cardinaliiim causa ejus communis servitii 
non sointi: quam quidem pecuniam promittit eis reddere et restituere 
integraliter cum damnis et expensis usque ad venturum festum s. Mi- 
chaelis; ipse patriarcha oblig'at eisdem omnia sua bona et omnes reddi- 
tiis et proventus. B. M. U. [vll.] 

1330. G. Novembris. Aquilejac. Paganus patriarcha investit d. 
Griffoneni de Rentemberg-h capifaneum Goritiae de quibusdam bonis in 
marchia Sclavonica, quae d. dux Karinthiae olini habuerat ab ecciesia 
Aquilejensi et obligaverat eidem d. GrilToni et fratribus ac nepotibus 
ejus. B. M. U. [712.] 

1330. 7. Novembris. Aquilejae. Vacante monasterio s. Petri de 
Insnla Parentinae diocesis, subjecto immediate d. patriarchae Aqui- 
lejensi, per obitum q"\ fratris Mingossii ejusdem monasterii abbatis ; 
d. Paganus patriarcha, ad quem ejusdem monasterii provisio pertinet 
pleno jure, providum virum fratrem Bernardum de Novate, monachum 
monasterii Rosacensis, in abbatem eidem monasterio s. Petri de Insula 
praefecit pariter et institnit : Ipsumque per annulum suum de abbalia 
et reg-imine ipsius monasterii praesentialiter investivit. Qui frater Bcr- 
nardus, habita licentia d. abbatis Rosacensis, flexis g-enibu§ coram prae- 
dicto d. patriarcha provisioni jam dictae humiliter et devote consensit. 

B. M. U. [713.] 

1330. 30. Novembris. Paganus patriarcha constituit d. Oldradum 
de Ponte de Laude et d. Ludovicum de la Turre canonicum Aquile- 
jensem suos procuratores ad solvendum camerae d. papae et cardina- 
lium occasione communis servitÜ et provisionls suae et ejus praede- 
cessoris tria inillia florcnorum auri : nee non ad jurandum de solvendo 
annuatim, usque ad completam solutioneni debiti, mille üorenos auri, 
et ad petendiim humiliter dispensationem cujuscumque excommuni- 
eationis aut irregularitaHs, quas ineurrisset aut eontraxisset dicta de 
causa. B. M. U. [714.] 



437 

1330. 6. Decembrls. Utini. D. Pagaiuis patriarclia iuvestit Heii- 
drlottem de Hendriottis de diiobus sediminibus sitis in eastro Utini 
simul contig-uis cum parte montis dicti castri ad praedicta sedimina 
spectante. B. M. U. [TIS.] 

1330. 9. Decembris. Utini. D. Paganus patriarcha investit Ste- 
phaniim Delobaden de sancto Yito de feiido ministeriali, pro quo servit 
coquinae d. patriarchae. B. M. U. [716.] 

1330. 9. Decembris. Utini. D. Paganus patriarcha investit Hen- 
dricum et Bertulum fratres de s. Daniele de habitantia in Castro s. Da- 
nielis cum curia et hortali sibi contig-uis, ita tarnen quod, quandocum- 
que idem d. patriarcha et successores sui, seu familia sua ad castrum 
s. Danielis accederet, dicta domus sibi aperiatur, et donec ibi per- 
manserit, concedatur. B. M. U. [717.] 

1330. 10. Decembris. Utini. D. Pag-anus patriarcha d. Pergo- 
niam militem de Spignimbergo, recipientem pro se et Bartliolomeo fra- 
tre suo, de Omnibus feudis et juribus feudalibus, quae habent ab Aqui- 
lejensi ecclesia, et de quibus ipsi et prog-enitores sui fuerunt hactenus 
investiti, spectantibus ad domum de Zucola et domum de Spignimberg-o, 
per capucium, quod tenebat in manibus, liberaliter investivit. Qui d. 
Perg-onia juravit ad s. Dei evang^elia, quod semper erit fidelis et obe- 
diens dicto d. patriarcliae et ecclesiac Aquilejensi et suecessoribus suis 
canonice intrantibus. Non erit in dicto aut facto, ubi vitam perdant 
aut membrum, seu capiantur mala captione. Res, jura et honores ee- 
clesiae Aquilejensis et patriarcliarum ejusdem lideliter juxta posse 
suum conservabit et manutenebit. Et si quid senserit tractari aut ma- 
cliinari, quod in periculum seu damnum d. patriarchae, jurium et bo- 
norum ecclesiae Aquilejensis posset quoquo modo converti, illud ob- 
viabit toto posse, et quo citius poterit, d. patriarchae notificare cura- 
bit. Quidquid sibi sub fide et credentia impositum fuerit ab eodem, se- 
cretum fideliter retinebit, et generaliter puram et meram fidelitatem sibi 
et suecessoribus suis reddet, quam fidelis vassallus et ministerialis do- 
mino suo reddere tenetur et debet in omnibus et singulis, quae in 
hujusmodi fidelitatis debito continentur. B. M. U. [718.] 

1330. 10. Decembris. Inter ceteras provisiones et ordinationes 
factas in g-enerali colloquio cclebrato in Campoformio apud ecclesiam 
s. Canciani pro conservatione honoris et status ecclesiae Aquilejensis 
et totius terrae Forijulii, d. Paganus patriarcha una cum consiliariis 
pe'" dictum coUoquium electis firmaverunt inter se per fidem, qua lonenlur 



438 

ecclesiae Aqiiilejensi , qiiod nullani confoederationem, Hgam vel iinio- 
neni facient cum aliquihus personis, nee pacta aliqua seu traetatas 
inibunt, qiiae contraria sint honori et statui ecclesiae Aquilejensis et 
terrae Forijulii, et per quae Status terrae Forijulii valeat vioiari quo- 
niodolibet et corrumpi : statucntes et ordinantes coniniuniter et con- 
corditer, quod examinetur, si qiiis ipsorum aut aliquis alias subditus 
et servitor ecclesiae Aquilejensis praesunipserit modo aliquo facere 
confoederationem, lig-am seu unionem, pacta vel tractatus aliquos con- 
tra praemissa taliter statuta et ordinata, et ipso jure privatus sit feudo 
et proprio, quod habet ab eeclesia Aquilejensi et in partibus dictae ec- 
clesiae subjcctis, et de terra Forijulii et locis dictae ecclesiae sit per- 
petuo bannitus : promittentes communiter eidem d. patriarchae, quod 
asiabunt eidem contra tales delinquentes, et mandantes, quod hujus- 
niodi statutum redigatur in scriptis et totius coUoquii vigorem obtineat. 

A. C. U. [719.] 

1330. 16. Decembris, D. Paganus patriarcha investit ad rectum 
et legale feudum Novellam, Agnetem et Subettam sorores et fdias q"". 
Miculi Cori de Civitate de qnibusdam bonis sitis in villa s. Yiti in con- 
'rada quae dieitur Roja : hoc tamen addito , quod si contigerit ipsas 
puellas nubere velle, nubant servitoribus et subjectis ecclesiae Aqui- 
lejensis, qui statim post hujusmodi connubium de bonis praedictis feu- 
dalibus se per dictum d. patriarcham faciant investire, eique juramen- 
tum fidelitatis praestent. A. M. U. [720.] 

1330. 18. Decembris. Utini. Cum quaestio et discordia diu vi- 
guisset et versa esset inter d. Fedreginum de la Turre capitaneum Gle- 
monae ex una parte, et d. Articum militem et fratres suos de Pram- 
pergo ex altera, occasione quorundam verborum hinc inde habitorum, 
et super quibusdam etiam statum terrae et communitatis Glemonae con- 
tingentibus; d. Paganus patriarcha cupiens quaeslionem et discordiam 
hujusmodi tollere, et partes ipsas ad pacem et quietem reducere, sta- 
tuique pacifico terrae suae de Glemona libenter et utiliter providere, 
vocatis partibus, haec sunt quae observari debere ab eisdem mandavit. 

I. Omne odium, omnis inimicitia, omnisque discordia et conten- 
tio habita inter eos usque ad praesentem diem, sit penitus abrasa et 
totaliter abolita, et omnis amor et dilectio atque Caritas vigeat inter 
ispos. 

II. D. Articus et fratres ire , stare et morari possint in Glemona 
juxta suae beneplacitum voluntatis, ita tamen quod nullam contrahant 



439 

viciiiantiain in dicta terra, nee pro vicinis et de vieinantia terrae et 
conimiinitatis Glemonae liabeantur et reputentur, niilliimqiie locum in 
eonsiiio dictae terrae habcant, nee de numero eonsiliariorum existant, 
inio a tractatibus et consiliis dictae terrae totaliter sint exchisi. 

III. Si contingat rumores aliqiios seu brig-as in dicta terra oriri, 
dicti de Prampergo non debeant per se aut familiäres suos ad dictos 
rumores concurrere, nee de praedictis runioribns seu brigis qiiomodo- 
libet se immiseere, sed soliim illi, qui ad hoc depiitati sunt, jiixta or- 
dinationem factam in terra praedicta. 

IV. Dicti de Pranipergo niillas faciant per plateas et loca dictae 
terrae publice aut oeculte cum hominibus et vicinis ejusdem terrae 
conventiculas et collocutiones, per quas suspicio oriatur et scliisma inter 
homines praefatae terrae Glemonae, et per qtias insurg^ant scandala, et 
brigae possint quomodolibet evenire. B. M. U. [721.] 

1331. . . . Nicolaus nepos q'". Matliiussii de Castello ecclesiam 
quandam aedificavit ad honorem s. Nicolai in loco, qui dicitur campus 
novus, prope Castellum , et pro sustentatione sacerdotis , qui assiduum 
ei famulalum impenderet, quaedam bona assignavit, quae d. patriarchae 
in scriptis dabit. Laudans ille pium propositum et dotem acceptans, 
concessit eidem quod, jure matricis ecclesiae in Omnibus semper salvo, 
ecclesia praedicta s. Nicolai proprium de cetero et perpetuum habeat 
sacerdotem, per cum aut cui postea jus patronatus donaverit, in divinis 
obsequiis statuendum, et quoties tempus ingruerit, patriarchae qui 
pro tempore fuerit antea praesentandum. A. C. U. [722.] 

1331. 3. Januarii. Aquilejae. Cum commune et homines de Yil- 
laco, subjecti in temporalibus episcopo Bambergensi, graves, infestos 
et damnosos se exlübuissent ecclesiae Aquilejensi et terrae totius Fori- 
julii, noientes quod currus venientes cum mercandiis de partibus Ale- 
manniae versus Fornmjulium, aut currus Forijulii duccntes mercandias 
hujusmodi versus Alemanniam transeant ultra Villaeum, sed ibidem com- 
pellentes discaregare mercandias jam dictas, coegissent mercatores 
et ducentes eas ponere super currus ipsorum Villacensium, et huc et 
illuc ducere in ipsorum mercatorum et vecturalium damnum non modi- 
cum et jacturam: Paganus patriarcha de assensu sui consilii mandat, 
quod nullus currus eorum Villacensium oneratus aut non oneratus au- 
deat per terram Forijulii ultra Venzonum aut ultra Glemonam transire, 
neque aliquis mercator supra ipsos currus suas duci facere mercandias; 
sed illas ibidem discaregari faciant, et cum curribus subditorum Aqiii- 



440 

Icjensis ecclesiac biill;ilis biiUa patriavchali, quas biillari praecipit in 
Gieiiiona, faciant ubiciiiiuine voliierint duci. 

B.M. U. [723.J 

1331. 18. Januarii. Determinationes parlaraenti : Quod currus 
tarn de Yillaco quam aliiinde transire possint, et mercantias conducere 
per Foriiinjuliuin, et ire quoeiimque placuerit mereatoribus aut con- 
diictoribtis; et simili modo currus de Forojulio ad partes Villaei et 
ad alia loea possint condiici. 

Item quod nulla fiat violentia, suasio, vel induetio mereatoribus 
vel eonductoribus curruum per illos de Venzono, Glemona, Latisana et 
Aquileja de eundo potius per unam stratam quam per aliam, sed libere 
relinquatur arbitrio mereatorum et conduetorum. 

Item quod muta nova imposita apud hospitale Glemonae, et illa 
etiam exaetio noviter facta in Venzono ex opposito mutae praelatae, 
cesset et non exigatur. Bellonus. — C. P. [724.] 

1331. 14. Januarii. Utini. De transitu felicis recordationis be- 
nedicti et saneti fratris üdorici de Portunaonis in civitate Utini Aquile- 
jensis patriarchatus. 

Anno Domini millesimo trecentoismo trigcsimo primo in crastina 
octavae Epiphaniae anima praedicti saneti benedicta circa horam nonam 
migravit ad Dominum ad g-audia paradisi possidenda. Et cum fratres 
absque solemnitate, et contra contratae consuetudinem, et quasi occulte 
corpus illud sacrum vellent reddere sepulturae, Providentia faciente sci- 
tum fuit in terra seu civitate, et statim per majores civitatis prohibitum 
est, ne ea die sepeliretur. Sequenti die convocatis per proceres civitatis 
clero et fratribus praedicatoribus, dum officium pro ipso fieret, con- 
tinuo coepit coruscare miracuh's; ex qua miraculorum aperta visione 
rumor mag-nus insonuit in civitate ütinensi, et ex boc omnes cives Uti- 
nenses utriusque sexus ad ipsum vidcndum et tang-endum confluere coe- 
perunt, et quilibet beatum se i'eputabat, si aliquid de vestibus et de eo, 
quod Corpus ejus tetig'isset, habere potuisset, barbam et capillos capitis 
evellentes. Et mirabüe dictu : cum quaedam domina sibi ex devotione 
ejus aurem cum fortice occulte praecidere vellet, nunquam fortices 
claudere, quas aperuerat ad praecidendum , nee in aliquo corpus ejus 
laedere potuit, ut evidenter apparuit et ipsamet tcstata est. Visis autem 
multis miraculis cives ipsum usque ad duos dies non permiserunt sepe- 
liri; sed tertia die sepultus est in ecclesia. Iterum die quarta ad pre- 
ces multorum fuit exhumatus et omnibus publice ostensus; et quicum- 



441 

que ex devotione motus ipsiim tetigit, a quacuinqiie fuisset iiifirmitate 
detentus, sanitatem recuperabat. 

Nota. Caecos plures illuminavit, contractos, claiulos et diversis 
infirmitatibiis pressos sanavit, et eontinue sanat ; ita quod opera et nii- 
rabilia, quae per ipsiim facit altissinuis, sunt sole liicidiora, prout in 
praeeedentibus annotata sunt. Quarta enim ipsa die praedicta d. Pa- 
ganus Aquilejensis patriarelia ad ipsnm sanctum visitandum pervenit, et 
cum mag-na devotione genuflectendo ipsum corpus tetigit et osculatus 
fuit. Et certe mirabile, quod tunc habebat ita menibra ductilia et 
moUia, ut habebat dum viveret, et plus, Faciem autem et totum corpus 
habebat melioris et pulchrioris coloris quam dum viveret. Inspiratione 
autem divina faciente, sine alicujus praedicatione vel inductione, subito 
devolio facta fuit in clero et in populo totius contratae. Nam ad cor- 
pus illud benedictum visitandum omnes castellani cum consortibus et 
filiis suis totius Forijulii pro magna parte peditando venerunt: omnes 
nobiles et populäres de cunctis civitatibus et villis cum crucibus et ve- 
xillis illuc accesserunt, et in tanta multitudine, quod aliqua die fuerunt 
ultra sexdecim cruces et vcxilla diversarum villarum et terrarum. Et de 
toto Forojulio et tota Carnea processionaliter venerunt devotione fer- 
venti moti homines se verbcrantes, Deum laudantes et sanctum suum. 
Abbatissa monasterii majoris Civitatis Austriae cum toto suo collegio 
processionaliter omnes peditando de Civitate usque Utinum pervene- 
runt. Similiter illae de Aquileja, et in tantum continuabat concursus 
populorum, quod tota die et nocte ecclesia fratrum minorum plena 
erat semper liominibiis et mulieribus. Comitissa similiter Goritiae cum 
magno comitatu, solemnitate et devotione illuc accessit. Tota Scla- 
vonia et etiam Theotonia incipiebant venire. In Villaco notabile mira- 
culum fecit, quia quaedam nobilis domina, quae terribili detinebatur 
infirmitate in tantum, quod non poterat se movere de lecto, nisi cum 
fune appensa, et in doloribus tantum clamabat, quod totam vicinitatem 
perturbabat et infestabat, ad tactum partis unius tunicae, quae fuerat 
dicti sancti viri , quam lector Villaci portaverat, qui fuerat in transitu 
dicti fratris, statim surrexit sana. B. S. D. [72S.] 

1331. 18. Januarii. Utini. D. Rodulphus q'". d. Nicolai militis de 
Faganea investitus est de omnibus bonis sitis in pertinentiis Faganeae, 
quia ille, qui ea habebat et tenebat a d. patriarcha et ecclesia Aquile- 
jensi ad rectum et legale feudum, nuper decessit nullo haerede masculo 
ex se descendente relicto. A. M. U. [726.] 



442 

1331. 21}. .laruiaril. Utini. Pag-anus patriarcha liortatiir fideles, ut 
elemosinis liberaliter siiccurrant ccclcsiae, qiiae noviter acdificahatur in 
terra Sarcedi diocesis Vicentinae sub vocabulo b. Mariae virginis de 
Vallc viridi, et cuidam liospitali apiid ipsam ecclesiam facto. 

B. M. U. [727.] 

1331. 19. Febniarii. Utini. Paganus patriarcha ejus vicedomi- 
niini Zonfrediniim de Oppreno eonstituit suum procuratorem ad reci- 
piendiim a d. Francisco Dandulo duce Venetiarum marclias ducentas et 
viginti quinque, quas ideni d. dux et commune Venetiarum juxta pacta 
inter cos inita tenentur solvere ipsi d. patriarchae pro juribus Istriae 
in Kalendis Martii proxime vcntnri. B. M. U. [728.] 

1331. 2G. Februarii. A((iiilejae. Juxta comniissionem sibi factam 
per d. Johaniieiii XXH. ponlilicem Paganus patriarcha deputat d. Azzo- 
nem de Corigia, praepositum ecclesiac s. Donnini diocesis Parmensis, 
coadjutoreni in spirilualibus et temporalibus d. Thebaldo episcopo Ve- 
roncnsi, qui seiüo et iiiibecillitate adeo erat gravatus, quod per se non 
poterat conimode pastorale officium exercere ; et mandat ßeroüno de 
Giroldis capellano suo et canonico Aquilejensi, quatenus ad ecclesiam 
Veronensem se personalitcr confcrens ipsum d. Azzonem ab eodem 
episcopo in coadjutorem recipi faciat et admitti, et a capitulo ipsius 
ecclesiac, nee non a clero et populo civitatis et diocesis Veronensis 
eidem coadjutori in hiis , quae ad officium pertinent hujusmodi, intendi 
efficaciter et obediri. B. M. U. [729.] 

1331. 26. Februarii. Aquilejae. Pag-anus patriarcha investit Ja- 
cobum de Privano de medio manso sito in villa de Ivoniz de feudo mi- 
nisteriali portandi litteras d. palriarchae. B. M. U. [730.] 

1331. 26. Februarii. Aquilejae. Paganus patriarcha, interveniente 
consensu pariter et assensu capituli sui ad lioc specialiter convocati, in 
aug-menfum rcddituuni sui patriarchatus cessit quaedam sua bona sita 
in villis de Fellctano et de Agra d. Thomasutto de Cucanea, qui ei de- 
dit in cambium et permutationem qnaedam sua bona sita in villis de 
Stamatanizza, de Passich et de Adrignano. B. M. U. [731.] 

1331. li. Martii. Utini. Cum Bonag-uida procurator abbatis Tusci 
de Florentia cum nuntio dominii pro certis debitis accepisset massariis 
q"\ d. Johannis de Castello de Pozzecco quinque armenta, et secum du- 
ceret, venerunt circa quadraginta homines dictae villae nee non circa 
duodecim niulieres, et cum lapidibus violenter et armata manu dicta 
quinque armenta de manu dicti nuntii acceperunt. Quapropter rursus 



443 

per dominium missiis fuit nuntius praedictiis ad accipiendum ad tres- 
sum de bonis communis villae praedictae, et pro qnolibet eorum, qui 
interfuerunt violentiae jam dictae, denarios quadrag-inta. 

A. N. U. [732.] 

1331. IS. Martii. Utini. Paganus patriarcha affidat et liberos 
reddit et seeuros a se et ab eeclesiae Aqnilejensis subditis omnes et sin- 
g-ulos mercatores et mercationum eonductores de partibus Tbeutonicis 
seu Alemaniae venientes, undecumque sint, et sub quocumque domi- 
nio constitutos; ita quod ipsi cum mercationibus suis usque ad terram 
Glemonae sine contradictione quacumque venire , morari et redire pro 
eorum libito voluntatis libere valeant et secure: mandans universis et 
singulis potestatibus, capitaneis, gastaldionibus et officialibus suis, qua- 
tenus contra praemissa nullatenus venire praesumant, nee eisdem mer- 
catoribus aut conductoribus gravamina inferri quomodolibet patiantur. 

C. C. F. [733.] 

1331. 18. Martii. Aquilcjae. Paganus patriarcba investit Jolian- 
nem et Idelgernm de Pirano de recto et legali feudo, quod Aymerieus 
Dyetmari pater eorum olim babebat ab ecclesia Aquilejensi, id est de 
ecclesia s. Herdili posita in finibus Pirani cum territorio sno et decima 
ipsius territorii. 1}. M. U. [734] 

1331. 20. Martii. Aquilejae. Gibertus abbas monasterii s. Gaili 
de Mocio investit d. Federicum mllitem et consortes de Pramperg-o de 
feudo , quod constabat enm et progenitores suos rationabiliter antiqui- 
tus babuisse a monasterio supradicto: mandans eisdem, quatenus infra 
unum mensem sibi dare deberent in scriptis, quidquid liabebant in 
feudum a monasterio Mosacensi in Sclusa et ejus pertinentiis, et in nionte 
de Moltas, salvo garitto, pontasio et galayto, quae dicebant liabere in 
feudum a d. patriarcba. Penes nobiles de Prampergo. [73S.] 

1331. 8. Aprilis. Paganus patriarcba concedit fraternitati Verbe- 
ratorum de Sacilo licentiam construendi unam ecclesiam apud bospitale 
in burgo Sacili sub vocabulo s. Mariae de Misericordia, in qua sacerdos 
continue resideat, et ibidem divina officia celebret, et cui congruam 
dotem assignaverant; ita tarnen quod idem sacerdos plebano dictae 
piebis debitum lionorem exhibeat, et in festo Nativitatis dominicae ei 
persolvat qiiotannis unam libram tburis. A. C. U. [736.] 

1331. 14. Aprilis. Utini. Ut sustinere possent onera habitantiae, 
quam obtinuerant in s. Vito , Paganus patriarcha concedit fratribus de 
Vituono sex canipos terrae positos in prato braydae s. Viti, bac tamen 



444 

conditione, qiiod solvant anmiatim ipsi patriarchae et ecclesiae Aquilo- 
jensi nomine ccnsus perpetualis diias libras piperis. 

A. N. U. [737.] 

1331. 17. Aprilis. Utini. Paganus patriarclia notificat d. Fran- 
cisco Dandnlo diici Venetiaruni, se accepisse in niandatis a d. Bertrando 
Ostiensi et Yelletrensi cpiscopo, apostolicae sedis leg"ato, ut cum de- 
niintiari faciat excommunicatum per omnes ecclesias prorinciae Aqui- 
lejensis ex causa illius comitis, quam ipse d. dux non ignorat. Ideo 
rogat, ut, cum oporteat illum dicto mandato et aliis Romanae ecclesiae 
obedire, ei non adscribat, quod invite fecit in hac parte; suadens ci 
pleno cordis aüeetu, ut suae et civium suorum providens quieti cum 
eadem sancta matre ecclcsia quantocins concordari procuret, ad quod, 
si aliquid potest, opem et operam, ut mandaverit, ipse patriarcha liben- 
ter dabit. Valde enim ei displieet, quod in indignatione ejus etiam per 
momcntum permaneat. B. M. U. [738.] 

1331. 18. Aprilis. Utini. In colloquio generali, in sala inferiori 
castri et palatii patriarchalis celebrato, in quo interfuerunt more solito 
praelati, liberi, ministcrialcs, communitates et aliae notabiles personae : 
propositis per d. Paganum patriarcliam diligentcr et provide injuriis, 
gravaminibus et oppressionibus, qnae illatae sunt et inferuntur con- 
tinue sibi et ecclesiae Aquilejensi et servitoribus ejusdem, et maxinie 
noviter in partibus Istriae et Polae per illos de comitatu Goritiae 
simul cum Petro de Pctrapilosa, et quorum causa dictum colloquium 
convocaverat, ipse patriarcha requisivit instanter omnes et singulos de 
colloquio sub fide, qua tenentur sibi et ecclesiae Aquilejensi, atque ipsis 
districte niandavit, quatenus super praefatis consulere deberent fideliter, 
ut tenentur, et tanquam fideles servitores et subditi ecclesiae Aquile 
jensis, ut consultum fuerit pro defensione honoris et jurium ecclesiae j 
Aquilejensis, suum sibi praestarent auxilium et favorem. 

Quaesito igitur more solito ab universis in dicto colloquio con- 
stitutis, quid circa praedicta videbatur agendum, et quid consulebant, 
provisum fuit et ordinatum, et firmatum ibidem, nemine discrepante, 
quod, quia salubrius et discretius super talibus consuli potest per paucos 
quam per multos, d. patriarcha habere deberet consiliarios suos ex illis, 
qui erant ibidem; et quod nova fieret electio de duodecim consiliariis, 
scilicet de duobus pro praelatis, de duobus pro liberis, de quatuor pro 
ministerialibus et de quatuor pro communitatibus ; qui duodecim simul 
cum aliis viderent, tractarent, agerent et adiniplerent simul cum 



445 

d. patriarcha omnia et sing-nla, quac utilia et neccssaria essent circa 
praedicta pro honore et statu ecclesiae Aquilejensis et servitorum ejus- 
dem. Qui dnodecim haberent potestatem , quam habet totum collo- 
quium, et quidquid per ipsos fiet, babeat firinitatem et robur, ac si 
per totum colloquium factum esset. A. C. U. [739.] 

1331. 18. Aprilis. Utini. Sub porticu juxta cisternam patriar- 
chalis palatii. 

Precibus d. Simonetti de Cucanea d. Gibertus abbas monasterii 
s. Galli de Mocio de gratia speciali et pro bac vice dedit licentiam 
d. Odorlico patri praedieti d. Simonetti, quod posset nuntium, vena- 
torem sive aucupatorem transmittere ad accipiendum accipitres super 
montes ipsius d. abbatis et monasterii antedicti. A. D. U. [740.] 

1331. 19. Aprilis. Utini. Jacominus notarius de Camino procu- 
rator et procuratorio nomine dominorum Rizardi et Gerardi de Camino 
inferiori, ofTert se paratum praestare securitatem duorum millium mar- 
eharum , quam ipsi doniini de Camino faeere debent ipsi d. patriarchae 
pro restitutione terrae Medunae. Qui d. patriarcha dixit et respondit, 
quod paratus erat recipere securitatem ipsam secundum formam et con- 
tinentiam pactorum initorum inter partes ipsas. A. N. U. [741.] 

1331. 22. Aprilis. Utini. D. Franciscus de Florentia pretio et 
foro quing-entarura marcharum arg-enti vendit d. Federico de Savorgnano 
omnes rationes et actiones, quas habebat adversus serenissimum prin- 
cipem d. Federicum regem Romanorum, ae fratres suos dominos duces 
Austriae, et eorum subditos et mercatores, nomine et causa mille mar- 
charum argenti cum damnis et expensis , in quibus idem d. Federicus 
rex et fratres obligati erant dicto d. Francisco; nee non causa et no- 
mine quarundam reppressaliarum eidem d. Francisco concessarum, seu 
occasione tollettarum sibi super hoc concessarum per d. Paganum pa- 
triarcham. ß. M. U. [742.] 

1331. 24. Aprilis. Utini. Paganus palriarclia et ejus consiliarii 
nomine totius universitatis Forijulii, ex vigore et potestate eis tradita 
in generali coUoquio, fecerunt et firmaverunt confoederationem, ligam et 
societatem cum d. Bernardino de Scannabeccis, potestate Coneglani, 
nuntio ad hoc specialiter misso per dominos Albertum et iMastinum de 
la Seala, civitatum Veronae, Vicentiae, Paduae, Tarvisii, Feltri et Bel- 
luni capitaneos et dominos generales ; et ipse d. Bernardinus nomine 
ipsorum dominorum cum eisdem d. patriarcha, consiliariis et univer- 
sitate praedicta, secundum pacta ordinata et tractata inter eos per d. 



440 

Morandiim de Porcilliis canonicum Aqiiilejensem, si^illata sig-illis dicto- 
nini dominonmi patriareJiae, Alberli et Mastini, quae oninibus ipsis nota 
esse dicebat. B. M. U. [743.] 

1331. 24. Aprilis. Utini. In pactis factis inter d. Paganum patri- 
archam et dominos Gerardum et Rizardum fratres de Camino firmatum 
fuerat inter alia, quod d. patriarcha daret eisdem fratribus ab hodierna 
die iisque ad unum annum g-astaldiam terrae Medunae, et dicti fratres 
darent eidem d. patriarchae decem fidejussores de domibus infrascriptis, 
videlicet de Prata, de Porcileis, de Castello, de Cuchanea, de Spinim- 
berg-o, de Valvasono , de Coloreto et Mels et de Villalta. Verum cum 
praedicti domini de Camino misissent Danielem q™. Zamboche de Ca- 
mino eoruni procuratorem, qui loco fidejtissornm supradictorum propo- 
suit d. patriarchae dominos Preg-oniam de Spinimberg-o, Brizaliam de 
Porcileis, Bartolucium ejus nepotem, Nicolaum de Prata, Rizardum de 
Valvasono, Nicolaum et Guecelonem fratres, Articonum q". d. Pere- 
grini, Gerardum, Franciscum et Gabrielem, omnes de Pulcinico; et 
requisivit, quod securitatem hujusmodi reciperet, et daret sibi gastal- 
diam praedictam. Cui d. patriarcha respondit, quod ipse paratus erat 
recipere fidejussores de illis domibus» quae in memoratis pactis indi- 
cuntur, sed de aliis nulluni recipere intendit B. M. U. [744.] 

1331. 2S. Aprilis. Utini. D. Paganus patriarcha intendens do- 
minis de Camino servare promissa, si et ipsi eidem promissa servabunf, 
quamvis terminus expiraverit, infra quem debebant sibi praestare secu- 
ritates super facto g-astaldiae Medunae, protestatus fuit in praesentia d. 
Morandi de Porcilis g-astaldionis ipsius terrae de Meduna, in cujus ma- 
nibus eadem terra fuit posita tempore, quo facta fuerunt pacta inter 
eundem d. patriarcham et dictos dominos de Camino, et etiam d. Fran- 
cischi de la Mota, qui ambo fuerunt tractatores dictorum pactorum; 
quod omnia ipsa pacta servare vult et intendit, dummodo serventur sibi 
ex parte ipsorum dominorum de" Camino. Et insuper de benig-nitate , si 
adhuc usque ad diem dominicam proximam ipsi domini de Camino prae- 
stiterint ei securitates promissas, dabit eis dictam gastaldiam, ut pro- 
misit, quamvis terminus expiraverit memoratus; alioquin abinde in 
antea faciet de g-astaldia ipsius terrae id, quod videbitur pro meliori 
suo et ecclesiae suae Aquilejensis: inhibens eidem d. Morando expresse 
sub poena fidelitatis, qua sibi et ecclesiae praedictae tenetur, ne dic- 
tam terram tradat eisdem de Camino aut aliquibus aliis absque sua 
licentia speciali. B. M. U. [743.] 



447 

1331. 5. Mail. In g-enerali colloquio celebrato in Campardo Ce- 
netensis diocesis d. Paganus patriarcha ex una parte et mag-nificus 
d. Albertus de la Scala de Verona pro se et d. Mastino fratre suo, civi- 
tatum Yeronae, Paduae, Vicentiae , Tarvisii , Feltri et Belluni domini 
et capitanei oenerales, ex altera firmaverunt invicem et inviolabiliter 
teuere promiserunt, nianuali fide data, puram et caram vicinantiani, 
fraternitatem, amieitiani, soeietatem, lig-am et unionem. Proniittens 
idem d. patriarcha, juxta alia pacta olim habita cum d. Caneg-randi de 
la Scala eorum patruo , claudere et custodire toto suo posse omnes 
passus et introitus ecclesiae Aquilejensis , qui dumtaxat sunt in pote- 
state ipsius d. patriarchae et ecclesiae suae praedictae, ne g-eiis aliqua 
mag-na vel parva cum armis intret partes Forijulii , quae venire vellent 
in damnum ipsorum dominorum de la Scala. Et ad hoc intendit resi- 
stere et prohibere totis suis viribus et potentia. Et si contingat, quod 
aliqua g-ens veniret et intrare vellet per passus praedictos , aut per alia 
loea, ubi ipse d. patriarcha non posset resistere, statim cum hoc sen- 
tiet, illud sig-nificare curabit dominis antedictis , salvo semper in prae- 
dictis d. papae beneplacito et mandato, ac d. leg-ati apostolicae sedis. 
Et versa vice dictus d. Albertus pro se et diclo d. jMastino fratre suo 
promisit eidem d. patriarchae, quod si conting-at ipsum d. patriarcham 
habere g'uerram vel brigam in terris ecclesiae Aquilejensis , dabunt et 
transmittent ipsi doniino patriarchae pro defensione sua et jurium eccle- 
siae Aquilejensis celerem et sulficientem succiirsum, juxta facti qüali- 
tatem et possibilitatem eorum ; salvo semper honore et mandato sacrj 
Romani imperii. Et ut haec invicem promissa per dominos supradictos 
strictius observentur, quidam ex nobilibus utriusque partis juraverunt 
dare operam efficacem, quod una pars contra aliam non veniat, sed 
illa bona fule inviolabiliter observet. 

B. M. U. [746.] 

1331. 9. Mali. In ecelesia s. Jacobi de Prata. Frater Johannes 
abbas Rosacensis et vicarius d. Pag-ani patriarchae nomine et vice 
ipsius d. patriarchae requisivit in praesentia d. Gerardi de Camino ibi- 
dem constituti a d. Morando de Porcilis, qui tenet Medunam ex commis- 
sione dicti d. patriarchae et qui in festo s. Georgii proxime praeterito 
debebat illam assignare diclo d. Gerardo et Rizardo ejus fratri , si 
ipsi dedissent certos fidejussores d. patriarchae de ipsa terra Medunae 
restituenda ei in capite anni , et certa pacta servassent olim inita inter 
eos; quod, cum ipsi fratres eadem pacta non servaverunt, nee dederunt 



448 

fitlejussoros praedictos, ot terminiis sit elapsiis, (erram praedictani liln-ie 
et expedite tradere deljeat patriarcliae praedicto. B. M. U. (747.] 

1331. 11. Maii. In sala castri patriarchalis s. Viti. Tonsiderata 
bonitate Castellini Malacriae habitatoris castri s. Vili , et quod habi- 
tantia, quam habet, non est bene suffieiens, ut deeens est: d. Fag-anus 
patriarcha univit et adjunxit habitantiae ipsius Castellini qiiandam petiam 
terrae positam in territorio s. Viti, ubi dicitur subtus Rivam, solvendo 
laiiKMi omni anno d. patriarcliae libram iinam jjiperis. 

13. M. U. [748.] 

1331, 12. Maii. In loco s. Viti. Qiiia locus de la Fratina situs est 
apud confinia ecclesiae Aquilejcnsis in partibus Forijulii, et per ipsius 
fortificationem tota palria posset sumere pinrinias defensiones, tutelas et 
eommoda: versa vioeautem, si ad aliqiioruni aemulorum praefatae eccle- 
siae nianus pervenirct, ipsa ecclesia multis posset ofl'ensionibus, damnis 
et periculis subjacere: idcirco d. Faganus patriarcha, provida medita- 
lione praemonitus, cupiens eisdeni periculis obviare , et sibi et suc- 
eessoribus suis, suisque subjectis saiubriter providere, dedit, tradidit, 
atque ad perpetuam rei memoriam concessit dominis Hermano ac Ni- 
coiao ministerialibus suis de la Fratina, quod locus ipse de la Fratina 
ab opprcssionibus , impug-nationibus , pig-norationibus et gravaniinibus 
quibuscumque g-astaldionum suorum über sit de cetero totaliter et 
exemptus , reservata in se correctionis emcnda, et excessuum ac de- 
lietorum poena cum debita dominÜ potestate, ita quod quicumque bona 
sua deposuerit ad salvandum in loco praedicto, infra cortinam seu cinc- 
tam aut foveam dicti loci construendas et reparandas, ejusdem cxemp- 
tionis priviU'O'io utatur quoad defensioneni ipsorum bonorum intra exi- 
stentium, sicut doniini de la Fratina praedicti : mandans nihilominus idem 
d. patriarcha suis ministerialibus antedictis, ut ad fortificationem dicti 
loci viriliter et studiose Intendant, ac sollicitcnt et inducant incolas cir- 
cumstantes, ut ad fortificationem praefatam manus adjutriccs apponant. 

B. M. U. [749.] 

1331. 13. Maii. In palatio s. Viti. D. Faganus patriarcha cupiens 
pro utilitate et honore ecelesiae suae Aquilejcnsis ampliare de bonis 
hominibus et plantare dictam suam terram de s. Vito, fecit ipsius ter- 
rae habitatorem Zanninum filium q™ Pitucii de Septimo, assignans ei 
territorium in loco s. Viti, ubi competentem domum construeret, con- 
cedens eidem loco habitantiae quosdam campos in villa de Septimo. 
Qui Zanninus promisit stare et habitare cum familia sua in eadem terra 



449 

s. Viti, et fidclitatom scrvarc ipsi d. patrlarchac et snccessoribus suis, 
eisqne servire, quotics expedierit, cum eqiio et armis, sieut habita- 
torum moris existit. B. M. U. [7ö0.] 

1331. 13. iMaii. In palatio s. Viti. D. Paganns patriarclia investit 
jure liabitantiae Franciscum q"\ Ottoboni de Valvasono de uno manso 
terrae sito in dicta terra s. Viti. Pro qua quidem investitnra ipse Fran- 
ciscns proniisit stare et habitare cnni familia sua in dicta terra s. Viti, 
et jnxta nioreni aliornm habitatornm eidem d. patriarcbae et ecclesiae 
Aquilejensi fideliter servire. B. M. U. [Töl.] 

1331. 13. Maii. In palatio s. Viti. D. Pag-anus patriarcha niedie- 
tatem habitantiae, qiiae haereditario jure pervenerat ad Culacium q". 
Ponsoli de s. Vito, qiiae dcvolnta erat et excisa ad ipsum d. patriarcham 
propter maleficiuni factum per eundem Culacium, contnlit Jacobino q"\ 
Costelli Malacriac de Cnmis, qui babitabat in s. Vito: ita tamen, quod 
idem Jacobinus et baeredes ejusdcm sustineant pro illa medietate ba- 
bitantiae illa onera, quae incumbent facienda, et serviant patriarcbae 
et ecclesiae Aquilejensi secundnm consuctudincm babitatorum s. Viti. 

B. M. U. [7S2.] 

1331. 13. Maii. In loco s. Viti. D. Lanzarotus de Birago, gastal- 
dio s. \'iti, de voluntate et consensu d. Pagani patriarcbae investit Phi- 
lippnni (]'". Bolognini de Vandolis de Massa Fiscbiiliae commorantcni in 
s. Vito de qiiibusdam bonis, quae fnernnt Cozanelli q"". Marcbubruni 
de s. Vito rcbcllis et baiiniti de terra praedicta, et de qtiibus idem Co- 
zanellus propter ejus ncfaria Opera per sententiam jusle et rationabi- 
liter privatus fuerat. B. M. U. [7S3.] 

1331. IG. Maii. In palatio s. Viti. Cum Cozanellus Marcbabruni 
de s. Vito, habitator ipsins loci, suis culpis exigentibus per laudum 
et sententiam exciderit ab omnibus bonis, quae habebat in dicto loco 
s. Viti et aliis partibus subjectis ecclesiae Aquilejensi, et ad ipsam cc- 
clesiam dicta bona sint devoluta, d. Paganns patriarclia, ultra quam de 
quibusdam bonis spectantibus ad babitantiam sancti Viti, investit Bena- 
duxium q". Costelli .Malacriac etiam de aliis tcrris et possessionibus, 
quas dietus Cozanelhis et domus ejus babuerant antiquitus in feudura 
ab ecclesia Aquilejensi. B- ^'- U. [734.] 

1331. 29. Maii. Utini. Pag-anus patriarcha mandat Meliorantiae 

canonico Utinensi, Manfeo Cassinae et Guecello notario, quatenus euntes 

per terras et loea sibi subjecta, miracula, quae altissimus per beatum 

Odorieum ostendere fuil dig-natus, a quibuseumque diligenter et saga- 

Aichiv. XLI. 2. -'-' 



450 

ciler iiujulriuil, iliaqiie fideliter retldant in scriptis. 

Asqiiini vita h. Odorici. [7üo.] 

iSol. 30. Mail. Utini. Ad praesentalionem d. Hcnrici diicis Ka- 
riiithiae in capellamim ccelcsiae s. Aeg-idii de Chlausonstain d. Paganiis 
patriarcha, visis privilegiis bonae memoriae d. Bertoldi patriarehae 
Aquilejcnsis et d. Luypoldi dueis Karinthiae, inrestit per annulum siinm 
Jacobum clerieum de Petovia de dieta ecelesia, ipsamque sibi contulit 
cum oninibus jiiribus et pertinentiis suis. li. M. U. [736.] 

1331. 17. Jiiiiii. In Civitate Austriae. Franciscus q™. Joliannis 
Fiisei de Civitate facit trevuas Conrado niagisfro seolarum Tbeotonico 
in manibns d. gastaldionis usqiie ad octo dies post festiiin s. Micliaelis 
vcnturnm secundum consuetudinem trevuariim. A. N. U. [757.] 

1331. 24. Junii. Utini. D. Zonfredinum de Oppreno, ejus vice- 
dominum, Pag'anus patriarcha constituit suum procuratorem ad petendiini 
et roeipiendum a d. Francisco Dandulo duce et coniniuni Venetiarum 
illas ducenlas et viginti quinque marclias , quas dare tenentur eidem d. 
patriarehae in Kalendis niensis Oetobris proxime venturi pro juribus 
Istriae. A. N. U. [7Ö8.] 

1331. 2S. Junii. In Castro Utini. D. Gulielmus decanus Aqui- 
lejcnsis requisivit humilitcr et instanter a d. Pag-ano patriarcha, ut Con- 
stitutionen! novam ejusdem d. patriarehae sibi decano ac d. decano 
Civitatcnsi transniissam super beneficiis illicite acquisitis, quam idem 
d. patriarcha in suo generali colloquio die doniinico nuper elapso, vide- 
licet vig-esinio tertio praesenlis niensis Junii, publicari fecerat, sibi fa- 
ceret assignari et tradi, ut illam similiter in ecelesia Aquilejensi, sicut 
mandabatur eidem , posset facere publicari et leg-i ad hoc, ut evitaret 
poenas in ipsa constitutione contentas. Alioquin protestabatur et dice- 
bat, quod non remanebat per ipsum, quin adimplcret, quod sibi man- 
dabatur. B. M. U. [7ü9.] 

1331. 27. Junii. Utini. Cum monasterium Fontis s. Mariae in 
Landestrost ordinis Cisterciensis , Aquilejcnsis diocesis, in partibus 
Hung-ariae positum, satis ab olim abundans pro sustentatione abbatis et 
conventus aliarumque personarum ibidem degentium , propter Hunga- 
rorum incursionem et expoliationem quasi continuam adeo erat pro- 
priis bonis expoliatum et possessionibus devastatunij ut e florente for- 
tuna in inlimam descivisset: Paganus patriarcha, ad elevationem ejus- 
dem loci humeros submittens , ecclesiam s. Ruperti juxta Savum prope 
tiurgt'cld, ad ejus provisionem spectantem, cum omnibus juribus suis 



431 

eidem monasterio perpetiio nnnexuit ac univit: ita quod, sustentatione 
presbiteri servientis ibidem et popidi curam g-erentis dediicta, uni- 
versi ipsius ecclesiae friietus, redditus et provcntns in usum abbatis et 
conventiis praedictorum totalitär convertaiitur : injung-oiis tarnen dieto 
abbati et conventiii, iit annuatim pro animabus praedecessorum suorum, 
et speeialiter patriarchae Raymundi qiiondam patriii siii, anniversarium 
solemniter celebrare debeant, et etiani siiiini in die, qua vonerit, sicut 
deeet. B. S. D. [7G0.] 

1331. 27. Jiinii. In Civitate Anstriae. D. Nicolaus de Castello 
et d. Hector de Savorgnano, datis bine inde fidojnssoribus , et sub 
poena quing-entariim marchariim, jurant in manibus d. Pag-ani patri- 
archae observare treguas inter eos factas pro se et eoruin amieis ac 
servitoribus a die lunae proxima ad quindecim dies. 

A. C. U. [761.] 

1331. 1. Jnlii. Utini. Pag-anus patriarcha mandat communi et 
hominibus Adignani, quatenus Bertucio Caprariae de Adignano, quem 
suiim g-astaldionem ibidem constituit, fideliter obediant. 

A. N. U. [762.] 

1331. S. Julii. Utini. ßernardns de Brazzacco inferiori eo, quod 
ejus eonsortes de Brazzacco superiori instigationibns dominorum de 
Castello nun comparuerant cum uno equo de lancoa, itiiri quo d. pa- 
triarcha voluerit, sicut eis pracscriptum fucrat, protostatus est et dixit, 
quod eorum absentia sibi praejudicium ingcrere non debet. 

A. N. U. [763.] 

1331. 1. Augusti. Utini. Jacobus q"". d. Roprcti de Flagonea ven- 
didit d. Nicoiao de Castello omnes possesslones, quas habet in castel- 
lario Flag-oneae, pretio et foro centum marcharum. 

Floridus q". Guarienti de Flagonea vendidit d. Hectori de Savor- 
g-nano partem suam, quam habet in Castro veteri Flagoneae, pro scp- 
tuaginta marchis. A. N. U. [764] 

1331. 1. Augusti. In Civitate Austriac. Frater Franciscus de 
Clugia ordinis minoruni, inquisitor haereticae pravitatis, cum invenis- 
set Paulum Bojani et ejus haeredes de Civitate Austriae inter certos 
Christi fideles circa fidem catholicam et officium inquisitionis beneficos 
et devotos et pugiles speciales, exponentes se omni periculo pro honore 
et favore fidei et officii inquisitionis : eos facit ac constituit officiales of- 
ficii inquisitionis, eisque omnem veniam largitur et indulgentiam. Insuper 
conccdit eisdem licentiam ferendi arma per universas et singulas civitates 

29» 



452 

ac torras snao jurisdietionl siiltjoctas: et si iinquam vcrbo vel facto offi- 
cium iiuiuisitionis ofTciulissont usque ad dicm praesentom, cos absolvit 
atqne absoliitos dinüttit. A. C. C. [76^.] 

1331. 13. Augnsti. In villa de Sclavina. Carlevan'us de la Turre, 
capitaneus exercitiis d. patriarchae Aquilejensis in contrata Arispergi, 
aflulat servitorem Yolvini de Steymbergli, ut veniat ad qiiamdam villam 
longin(|uam ab ejus exercitu per dimidiiim milliare ad faciendam per- 
miitationem unius equi, quem emerat Albertus Raspa, conestabilis et 
stipendiarius dominonim de la Scala. A. N, U. [7 GG.] 

1331. 16. Augusti. Utini. luter montes Cavoreti innumerabiles 
Sclavi venerabant pro Deo quandam arborem et fontem, qui erat ad 
radices dictae arboris, illam impendendo creaturae reverentiam , quae 
ox fidei dcbito creatori debetur. Idco de consilio jiirisperitorum, reli- 
giosoriim et aliorum discretonim viroruni, frater Frauciscus de Clugia 
ordinis minorum,inquisitor bacreticae pravitatis, in solemni praedicatione 
in Civitate Austriae convocatis fidelibus crucem praedieavit, et illam in- 
dnlfentiam, quam ex privilegiis sui officii coneedere poterat, eisdem 
impendit. In tanto pietatis opere ad extirpandos errores praedictos 
nonntdli praelati, clerici et religiosi ei astiterunt consilio et personali 
subsidio, laborando et itinerando non sine periculo usque ad dictum 
locum de Cavoreto, ita ut potuerit arborem supradictam extirpare, 
et fontem lapidibus obruere. Inter eos tarnen, qui personaliter secum 
laboraverunt, singulare ei praestitit auxilium venerabiiis vir d. Vorlicus 
d. Pauli Reyani, canonicus Aquilejensis, cui dietus frater Franciscus 
illam indnlgentiam et absolutionem concessit, quam rigore privilegii ab 
Innocentio pontilice suo ordini concessi impartiri poterat; et absol- 
vens eum, siout buniiliter postulaverat, a sententiis interdieti, suspen- 
siouis et excommunicationis, secum etiam dispensavit super irregulari- 
tatibus, si quas celebrando divina officia contraxisset. 

A. C. C. [7G7.] 

1331. 22. Augusti. Utini. Super facto discordiae , quae verte- 
batur inter d. Hectorem militem de Savorgnano et d. Nicolaum de Ca- 
stello occasione loci Flagoneae, quae quidem discordia erat paritura 
dispendium, damnum et perieulum toti terrae Forijulli, d. Paganus 
patriarcba, convocatis in generali colloquio praelatis, liberis, ministe- 
rialibus et communitatibus in sala inferior! patriarchalis palatii, petiit 
ab eisdem. quid faciendum esset ad evitandiim periculn, et statum pa- 
cilicuni totius terrae servandum; qui statucrunt, quod d; patriarcba 



453 

pones se retincrct alujiios de dicto colloquio, qui secum deliberarent 
super praedictis, et quidquid per eos ordinatum esset, tantum valeret 
ae teneret, ut si per totiuii eolloquium factum esset. 

Electl igitur fiierunt novem ex primoribus de dicto colloquio, qui, 
aliis Omnibus recedeiitil)us, convenerunt in unum cum d. patriarcha ibi- 
que firniaverunf, statuerunt et ordinaverunt concorditer haec, quae se- 
quuntnr : 

I. Pax firmetur et fiat inter d. Hectorem et d. Nicolaum. et g-iuir- 
ninientum factum per utramque partem removeatur et tollatnr. 

II. Castrum vetus Flagoneae cum parte vel partibus illis, de 
quibus est quaestio, ponatur in manibus d. patriarchae et custodiatur 
per quindecim dies, et Interim examinentur et videantur jura utriusque 
partis per ipsum d. patriarcliain et dictos novem, et quod justum fuerit, 
executioni mandetur, 

III. Si alter eorutn contradicens erit, inobcdicns vel rebeliis super 
praedictis vel aliquo praedictorum, ipse d. patriarclia cum dietis novem 
et cum residuo totius colloquii contrarius sit dicto inobedienti ad 
damna et destructionem ejus realem et personalem. 

IV. Si ex defectu aliquo partis et partium, vel alio quocumquc 
modo res non reformaretur praedicta infra dictum tempus quindecim 
dieriim, ipse d. patriarclia debeat funditus diruere et destruere castrum 
ipsum: jurantes et pron.ittentes vicissim, fide manuali data, ita adim- 
plere et executioni mandare, quod firmatum est inter ipsos, ac astare 
eidem d. pati-iarchae viribus et potentia contra illum, qui praedicta ne- 
glexerit adimplere, quae ordinata sunt, vel aliquid praedictorum, to- 
lentes et statuentes, ipiod praedicta taliter firmata vim totius colloquii 
obtineant. 

Quibus sie peractis vocatus fuit d. Hector praefatus ad praesen- 
tiam praedictorum, et lectis sibi capitulis antedictis, et vulgari modo, 
mandatum fuit sibi, quod, sicut lectum est et firmatum, ita faciat et 
compleat; et quod g-entem, quam habet apud castrum Flagoneae, statim 
revocet et removeri faciat. Qui d. Hector respondit et dixit, quod in 
totum paratus erat obedire et complere, quod sibi per dominum suum 
putriarcham et suum consilium mandabitur. A. C L, [TGS.J 

1331. 31. Augusli. In monasterio Mosacensi. Frater Gibertus 
abbas monasterii s. Galli de Mocio, eonvocatis monacliis dicti mona- 
sterii, verbo prolulit infrascripta; 



454 

Notiim Sit ornnil)ii.s vobis, qnod frater Johannes, quem ridttls ante 
me flexis genibus constitutum, fuit conscius et fautor proditionis faetae 
contra me et monasterium Mosacense per fratrem Florimundum et fra- 
tres de Cernelo: et dum cgo essem in capitulo post factam dietam 
proditionem, et in virtute sanctfie obedientiae adjurassem ipsum et alios, 
si fuerant conscii dictae proditionis, et si aliquando conspiraverant 
contra me (ut de aliis omittamus), ipse respondit, quod non. Inlerro- 
gatus etiam, si habuerat de rebus meis vel familiaritim meorum, vel si 
seiebat aliquem habentem, respondit, quod non. Dcmum post paucos 
dies, dum cgo essem Glemonae et idcm frater Joliannes esset in mea 
praesentia constitutus, quia dictum erat mihi, quod omnino ipse fuerat 
conscius illius proditionis, praeccpi sibi in virtute sanctae obedientiae, 
et nihilominus feci cum jurare ad sancta Dei evang-elia, quod de inqui- 
sitis plenam, quam sciret, diceret veritatem. Unde quaesivi ab eo, si 
aliquando ipse conspiravit contra me, vel si sciret aliquos conspirantes 
et non manifestaverit mihi: et si aliquando sentivit de proditione prae- 
dieta, et si derubavit aliqua de meis vel familiarium meorum. Respondit, 
quod de illo tractalu sive proditione niliil seiverat, nisi quod frater Flori- 
mundus dixerat sibi in illa nocte: tu videbis aliqua nova, antequani sit dies 
crastina; et quod nihil habuerat de rebus meis vel familiarium meorum. 

Eadem vero die constitutus coram d. abbate Rosacensi, vicario d. 
patriarehae, suo sacramento dixit et confessus fuit, quod per decem 
dies et ultra ante novitatem factam contra me per illos de Cerneto et 
Johannem Franciscum de Castello scivit debere fieri novitatem prae- 
dictam , quia frater Florimundus revelavit sibi omnia, et fecit jurare, 
quod hoc teneret seeretum, dicendo sibi modum et viam, per quam 
debebant venire ad capiendum me: et quod de rebus meis et familia- 
rium meorum nihil acceperat, sed bene habuerat duos meos vestitos 
datos sibi sub sacramento a fratre Florimundo praedicto. 

Interrogatus inde per dictum d. vicarium, quare uon revelavit 
mihi, quando quaesivi ab ipso in virtute obedientiae et praestiti sacra- 
menti, respondit, quod non fuerat ausus mihi revelare propter timorem 
niei. Propter quae et alia turpia enormia delicta, quae tunc confessus 
fuit, secundum quod plenius constat per scripturam dictae inquisitionis 
factam per manum Francini de Laude, notarii d. patriarehae, d. vica- 
rius et ego damnaviiniis cum, ut deberet stare Glemonae in carceribus 
usque ad uostrae beneplacitum voluntatis. Demum parentum et ami- 
corum suorum dcvictus instantia extraxi cum de dictis carceribus de 



453 

llcentia et prece tl. viearii, et posiii eum in carceribus nionasterii Mosa- 
censis, et praeeepi sibi in virkite obedientiae, quod indo nul!o modo debe- 
ret exire sine mea llcentia. Ipse autem in eonteniptnm mandati raei et 
contra debitum obedientiae fracto careere qiiadam nocte fiig-it, et long-o 
tempore vagando discurrit. Tandem revocavi eum ad claustrum et praeeepi 
sibi in virtiite obedientiae, quod non deberet exire claustrum, et etiam 
poenitentiam eidem imposui pro modo culpae. Ipse vero, tanquam eanis 
ad vomitum redicns, contra mandatum meum et bonum obedientiae in 
nocte fug-it, exivit monasterium et quendam de suis monacbis acriter 
verberavit. 

Dixerat, et idem frater Johannes haec omnia eonfessus fuit et 
publice recog-novit, petens nihilominus juxta litteras d. legati aposto- 
licae sedis, quas eidem d. abbati exhibuit, dispensationem super irre- 
gularitate praediela. Praefatus autem d. abbas, eidem imposita poeni- 
tentia salutari, auctoritate d. leg-ati dispensavit miserieorditer cum 
eodem. A. D. U. [7G9.] 

1331. 2. Septembris. Utini. Ob grata et devota obsequia sibi et 
Aquilejensi ecclcsiae impensa, Paganus patriarcha eontulit ae concessit 
ad rectum et legale feudum Eberardo et Uvizilino sagittariis fratribus, 
habitatoribus in Castro de VVindisgratz, curiam unam sitam sub Castro 
de Windisgratz in autiquo foro et novem agros ad ipsam curiam spec- 
tantes. A. N. U. [770.] 

1331. lö. Septembris. Domini Progna de Zuccula et Bartliolo- 
meus ejus frater, una cum d. Jobanne de Villaita et alia non pauca co- 
mitiva, furtive circa horam matutinam dominorum majoris ecclesiae Civi- 
tatensis per portam leprosorum apposuerunt scalas ad murum burgi 
pontis: et ii, qui primo inlraverunt burgum, fregerunt portas, et re- 
sidui intraverunt: qui statim cepemnt meliores et ditiores de dicto 
burgo, et eos iu turri quondam Salomonis carceraverunt, ipsos prius 
affidantcs. Postmodum veuerunt ad pontem et iiiciderunt dictum pon- 
tem, ponentes vasa versus Civitatem, et ultra pontem fecerunt forii- 
lieium magnum a capite pontis. Et hora matutina homines Civitatenses 
sciveruut haec: et facta die homines Civitatenses et adversarii eorum 
se hinc et inde fortiter ballistabant: et extrinseci ballistabant cum sclopo 
versus terram et nihil nocuit. Porta aperta existente demum plures de 
Civitate ibant super pontem praecipitantes casas, quae positae erant 
super pontem in Natissa, et contra adversarios audacter pugnantes 
et non potuerunt transire ad eos propter pontis fractionem. Circa vero 



456 

horain primae praodieti, qiii eninl in hiir^o, volueniiit comljiircre pon- 
teni , portaiitcs oleiim, stuppatn et slrameii, iit eoinburerciit dietum 
pontom; qnod lioniincs Civilatcnscs sficntes et videntes posueruut sc 
periculo, et violeiiter Iranseiiiites pontem paiici de Civitate, eos in fugam 
vertcnint. Extrinseci vcro videntes vexillum virginis gloriosae slatim 
vcrlcnint, quoriim tres interfeeti fuerunt, ceteri vero vix abierunt. 

Chronicon Juiiani. [771.J 

i331. 22. Scptembrls. In Castro Zuculae. Domini nartholomeus 
et Pregonia fratrcs de Spegnlmbergo, ac d. Jobannes de Villaita pro se 
et eorum sorvitoribns et aniicis, cxcepto Nicoiao q""- Gidlielmi Galan- 
g-ani, fecerunt tregnas d, Pagano patriarcbae et coniniuni Civitatis, eornm 
scrvitoribiis et amicis, cxcepto Philippe de Porlis , qiii non habeat trc- 
giias cum Nicoiao pracdicto quoad personam , sed sie in bonis, usqiie 
ad octavam diem inclusive post festum s. Martini proxime venturuni sub 
poena mille marcliarum. A. N. U. [772.] 

1331. 30. Octobris. In Civitate Austriae. Paganus patriarchanotificat 
universis ac singulis, quod pro se, subditis ac serviloribus suis fecit Ire- 
g-uas cum d. Volvino de Steymberch, ac amicis, subditis et ejus se- 
([uacibus a dato diei praesentis usque ad Epiplianiam Domini proxime 
venturan)^ easque sub sua fide observare promisit. A. N. U. [773.] 

1331. 10. Novembris. In Civitate Austriae. Pro serviliis sibi et 
suae ecelesiao cxhibitis in contrata Arispercli per nobilem militem d. Gu- 
lielmum de Piscatz et damnis passis per eundem, d. Paganus patriarclia 
promittit ipsi dare et solvere hinc ad duos annos proxime futuros mar- 
chas ducentas solidorum. De captione autem et redemptione ipsius non 
intondit aliquid sibi dare, quoniam inordinate et improvide ingressus 
l'uit ad bellum, in quo extitit captivatus. ac eliau) quia castnuu de 
Sclaviua tradidit absque ipsius patriarcbae licentia et beneplacito in 
manus aemulorum ejus. A. N. U. [774.] 

1331. 12. Novembris. Duringussius de Mels et Nicolaus de Los 
ex una parte, et Articus, Phanfinus et Heudricus de Prampergo ex alia, 
faciunt invicem treg'uas ab hodierna die usque ad festum b. Mariae vir- 
ginis de mense Februarii, et eas pro se et eorum amicis ac servito- 
rilius observare promittunt sub poena ducenlarum marcharum. 

A. N. U. [77S]. 

1331. 13. Novembris. Ulini. Raynaldus de la Turre constituit 
Ludvicum de la Turre, canonicum Aquilejensem, et Burinum Nicolai de 
Mediolano ad resignandun» in Pioniana curia cauicrariam ecclcsiae Aqui- 



457 

lejensis, ad quod officium propter aetatis gravitatcm et corporis debi- 
litatem non potest more solito laborare. A. C. U. [776.] 

1331. 17. Noven>Ki-i. Utini. Cum ambaxatores communis et ho- 
minum de Mugia obtinuissent a d. Pagano patriarcha facuUatem eligendl 
potestatem dictae terrae» ipsi, habito inter se consilio et deliberatione, 
eleg-erunt magnificum dominum d. Federicum comitem Yeglae, et eorum 
eleetionem d. patriarcha confirmavit. A. N. U. [777.] 

1331. 17. Novembris. Utini. Petrus q"", Valentini de Civitate ex 
una parte, et Braniver de Tulmino ex parte altera in lioc pacto et in 
hac eoncordia convenerunt , videlicet quod dictus ßraniver debeat esse 
spya dicti Petri, et ire Villaclium ad spyandum aliquos mercatores de 
Villacho in aliqua strata : ita quod ipse Petrus possit eos eapere, aut 
bona ipsorum arripere; et corporaliter juravit dare bonani operam effi- 
cacem et nulli revelare: et dictus Petrus sibi teneatur dare pro dicto 
labore sohios grossorum viginti. A. N. U. [778.] 

1331. 20. Novembris. Utini. Cum Nassinguerra de Castro Polae 
venire personalitcr intenderet pro quibusdam suis negotiis ad terram 
duornm castrorum, Paganus patriarcha mandat gastaldioni, judicibus 
et communi dictae terrae, ut eum benigne recipiant et eidem, in qui- 
buscumque poterunt, amicabiliter serviant, dummodo propter hoc non 
subeant guerram cum Venetis, quod absit. A. C. U. [779]. 

1331. 20. Novembris. Utini. Cum in Aquileja Gidiolmus Johannis 
Picossii de Aquileja, Christophorus q'". Martini de Miirano, Dominicus 
de Maramanis et ßastardinus de Porinzonibus de Medioiano, ac Guido 
de Padua, olim pistor capituli Aquilejensis, ad rixas devenissent et ru- 
mores cum dominis Ottolino de Pergamo, Raynaldino de Zavattariis et 
Tano de Bononia, canonicis Aquilejensibus, et eorum fumiliaribus, ubi 
fuerunt aliqui cum gladiis percussi, et specialiter antedictus d. Tanus, 
ac etiam quidam alii vulnerati, de quibus rumoribus et rixis praesume- 
bafur d. Ambrosiolum de la Turre, canonicum Aquilejensem, fuissc cul- 
pabilem; d. Paganus patriarclia mandavit pracdictis dominis Ottolino, 
Raynaldino, Tano et Ambrosiolo, Gulielmo, Christophoro et Guidoni, 
ut bonam paccm et concordiam vicissim facere deberent et servare sub 
poena quingentarum librarum. Qui omnes statim ad mandatum ipsius 
d. patriarchac, tactis sibi manibus in signum amicitiae, pacem fecerunt 
ad invicem promiseruntque ipsam perpetuo servare. 

Insuper idem d. patriarcha sedens pro tribunali sententiam pro- 
Udit iufrascriptam. 



458 

I. Sint bannlli sub pocna perpetiii carooris de tota torra Forijiilii 
Dominicns de Maramanis et Bastardiniis de Poriiizonibus ; et Doininicus 
exeat tcrram Forijulii infra tertiam diem post rclaxationem a carcere, 
in quo est; et Bastardinus exeat terram praedietam Forijulii infra ter- 
tiam diem, poslquam magister Bonifacius, qui curat, dixerit eum a 
vulneribus lib(M"atum. 

II. Guido pistor sit bannitus de terra Aquilejae et a decem mil- 
liaribus circumquaque sub poena praedicta earceris et oninium bono- 
rum suorum. 

III. Gulielmus Picossii et Cbristopborus de Murano praestent se- 
curitatem, videlieet Gulielmus treeentarum librarum, et Cbristopborus 
ducentarum librarum loco condcmnationis et poeiiae, in quam ineident 
ipso facto, si fecerint rixam, per quam contingat canonicum aliquem 
Aquilejensem aut mansionarium oflendi in persona, sive cum sanguinis 
elfusione: et sc abstineant ab ingressii ecclesiarum et divinis olTiciis, 
quousque meruerint beneficium absolutionis oblinere a d- papa aut ejus 
legato. 

IV^ D. Ambrosiolus canonicus Aquilejensis, cum sit excommuni- 
cafus, noii immisceat sc divinis officiis, quousque sc fecerit absolvi, aut 
se purgavcrit sexta manu sui ordinis personarum bonae famae et opi- 
nionis: et non accedat ad civitatcm Aquilejae sine beneplacito ipsius 
patriarcbae. A. N. U. [780.] 

1331. 30. Novembris. Utini. Pro octo marchis novorum locantur 
fructus, rodditus et proventus primi anni , qui debentur ecclesiae Ro- 
manae pro praebenda Aquilcjensi nuper vacante per matrimonium con- 
tractum per d. Federicum fdium d. Jobannis Andreae de Bononia, olim 
canonicum Aquilejensem. A. N. U. [T81.] 

1331. 30. Novembris. Utini. D. Pag-anus patriarcha fecit, con- 
stituit et ordinavit d. Ludoycum de la Turre , canonicum Aquilejensem, 
Leonardum Gallinam de Mediolano et Petrum de Baono suos procura- 
tores et nuntios specialiter ad visitandum pro eo et ejus nomine Roma- 
nam ecclesiam juxta debitum et reverentiam, qua tenetur eidem, et ad 
faciendimi omnia et singula, quae circa officium visitationis bujusmodi 
requiruntur. B. M. U. [782.] 

1332. 11. Jauuarii. Utini. Guarinus de Arisperch investitur a d. 
Pagano patriarcba de feudis , quae q™. Vorlicus pater ejus habebat ab 
ecclesia Aquilejensi in contrata de Arisperch: videlieet de duobus man- 
.«is sitis in villa de Altendorf, de uno manso sito in villa de Ottocho 



459 

parvo, nee non de iino manso in villa de Ottocho majori et de iina cu- 
ria sita suh Castro de Arisperch, in qua dictus Guarinus habitabat. 

A. N. U. [783.] 

1332. 31. Januarii. Utini. D. Pag-amis patrlarcha concedit d. 
Thomasiitto de Pertinstayn, g-astaldioni suo in loco de Tricesimo, omiie 
jus, quod ecclesia Aquilejensis habebat in nemore de Attems; ita 
qiiod ipse Tliomasuttus possit pro suo libito voluntatis incidi facere 
lig-na dicti nemoris a die proximi carnisprivii usque ad unum annuni, 
et de ipsis lignis facere prout sibi placuerit. Pro quo quidcm com- 
modo et utilitate teneatur dictus d. Tliomasuttus forlificare, reparare 
et construere suis sumptibus et expensis locum et castrum praedictum 
de Tricesimo hinc ad festum s. Martini juxta modimi, formam et trac- 
tatum habitum cum magistro Dominico Marang^ono de Padua et decano 
Rivosae, et hoc sub poena qiiinquaginta marcharum Aquilejensis mo- 
netae. B. M. U. [784.] 

1332. 5. Februarli. In sententia arbitraria dominorum Odorlici 
et Artici de Pramperg-o super differentiis, quae vertebantur inter domi- 
nos Preg-oniam et Bartholomeum de Spenimbergo ex una parte, et do- 
minos Puzardum et Odorlicum q". d. Simonis de Cucanea ex altera, de- 
claratiim fuit: quod praedieti de Spenimbergo ag-ant g-arittum et ha- 
beant jus capiendi, tormentandi et suspendendi latrones, Aires et cu- 
jusvis g'eneris malefaetores in villis s. Georgii , Honseti , Domanins, 
Aviani, Provesani, Putei et aliis villis circumstantibus, sicut habent in 
plebe Cosae et s. Georg-ii. Domini autem de Cucanea, sive de Valve- 
sono liabeant illud idem jus in plebe Cosae a confinibus s. Georgii in- 
erius, in s. Martino, in Pustuncico, in Arzino, Arzinutto et Valvesono 
et eorum confinibus. Bellonns. — C. P. [78S.] 

1332. lo. Februarli. Mandatuni fiendum universis habentibus 
feudum ministerii sartoriae, ut debeant conducere equos ad curiam 
Utini ad cquitandum Aquilejam, prout expediebat. 

Bellonus. — B. M. U. [786.] 

1332. 21. Martii. Utini. D. Pag-anus patriarcha pro se suisque sub- 
ditis et amicis facit treg'uas cum d. Volvino de Steyberch ac ejus sociis, 
servitoribus et amicis a die hodicrna ad proximum festum s. Georg-ii. 

A. N. U. [787.] 

1332. 7. Aprilis. Glemonne. Federiciis de la Turre capitaneus, 
consilium et commune Glemonae rogant d. potestatem, consilium et 
commune civitatis Tarvisii , ut sceuros in bonis et personis una cum 



460 

eonim fainiilis faccrc velint Arthus'uim et Johanncm de Glomona, qiii ad 
eos iniUiintur eaiisa tractandi de rapressaleis per cos perniissis contra 
liomincs Forijidii, et eonvcniendi cum cisden» , qiiod liomines et rner- 
cjitores de Glemona p<n' dislrietuni Tarvisii irc, redire et stare valeant 
iMiin eoriiin büuis et personis liheri et securi. 

Verci. [788.] 

1332. 13. Aprilis. Tarvisii. Antiani et commune Tarvisii re- 
spoiulent d. Federico capitaneo, consilio et communi Glemonae, se non 
posse ad praesens tractare super facto rapressalearnm eo, quod d. Pe- 
trus del Verme, eorum potestas, abcrat a Tarvisio. Caeterum de tollendis 
aut suspendendis rapressaleis non ad illos de Glemona, sed speetat ad 
d. patriarcham Aquilejenscm , cum quo alias convenerant de mittende 
hinc inde ambaxatores et tractatores Sacilum aut Cavolonum, qui rem 
in disceptationem vocarent , et ad optatum finem deducerent; nee ali- 
qui contra eorum expcctationem ex parte dicti d, patriarchae ibidem 
in diclo termino coniparuerunt , ita ut se ab eo ludificatos esse arbi- 
trären tiir. Quodsi per dictum d. patriarcham litterae aut nuntii ad eos 
niittantur, olTerunt se paratos, quod super praedictis rapressaleis con- 
cordia pertractetur. Verci. [789.] 

1332. 24. Aprilis. Tarvisii. Petrus del Verme, potestas Tarvisii, 
niandat universis et sing-ulis maricis, juratis, communibus et hominibus 
vegulorum et locorum districtus Tarvisii et quibuscumque aliis ofTieia- 
libus communis Tarvisii, quatenus, si fuerint requisiti, praestare de- 
bcant auxilium , consilium et favorem Paulino Cartolario ad capiendum 
et detinendum omnes et singulos de Forojulio subjectos d. patriarchae 
Aquilejensi, et eos et eorum res et bona sub fida custodia praesentan- 
dum coram ipso potestate aut ejus vicario, usque ad summam et quan- 
titatem coateutam in rapressaleis cidem Paulino per commune Tarvisii 
concessis. Verci. [790.] 

1332. 1. Maii. Hodie circa horam vespcrorura venerabilis vir d. 
Raynaldus de la Turre, thesaurarius et canonicus hujus Aquilejensis ec- 
clesiae, migrando ad dominum, diem suum clausit extremum: qui pro 
anima sua legavit capitulo fructus praebendae suae intrinsecos et ex- 
trinsecos, et ultra hoc triginta quinque marchas juxta formam testa- 
menti sui; de quibus fructibus et denariis emantur redditus pro suo 
annivcrsario, scptimo et trigesimo singulis annis cum pleno officio 
facieudis, cum oblatiouibus in missa, sine potu in vesperis, et cerimouia 
consueta in die anniversarii tantum. Tres denarii offerantur in missa 



461 

eommnni : tres denarii dcntur tribus sacerdotibiis, qui celebrent sing-uli 
eorum sing-ulas missas pro anima sua, et qiiinqiie denarii dividantur 
inter pauperes clericos semper in anniversario, septimo et trig-csimo; 
qiiibiis diebus capituliim teneatur in vesperis ire ad tumuliim siuim cum 
cruee arg-entea: et qnod niedietas reddituiim, qui emcntur, dividatiir 
in die anniversarii, tertia autem et quinta pars dictorum reddituuin in die 
septimi et trrgesimi. In quorum omniiim divisione reddituiim decanus 
hujus capitiili et canonici sint in portione aequales; et mansioiiarii sint 
in statu consueto, videlicet quod unusquisque mansionarius babeat sicut 
medius canonicus et inedius diaconus. A. C. U, [791.] 

1332. 3. Maii. In Civitate Austriae. De omni lite et quaestione, 
quae vertebatur inter d. Saginum de Zamoreis de Parma, provisorem 
communis Civitatis, et magistrum Omnebonum muratorem q'". Gerardini 
de Cremana de eo, qnod magisler Omnebonus petierat sibi satisfieri 
de lapidibus, circa quos hdjoraverat ad secundum voltum seu arcum pon- 
tis supra Natissam desiipcr primum voUum, et de opere dicti pontis, qui 
fiebat amplior et largior a primis pactis habitis inter cos; et de eo, 
quod pro defensione dicti pontis facta fuerat de suis hipidibus quaedam 
sponda muri ultra dictum pontem versus bospitale s. Martini, et de 
Omnibus aliis compromiserunt in d. Gulielmura q"". magistri Yalteri et in 
d. Jacobum q"'. d. Johannis üttonelli de Civitate. C. G. [792.] 

1332. 5. Maii. In Sexto. D. Ludovicus abbas Sextensis concedit 
d. Francisco de Sbrogliavacca facultatem aedificandi unani ecclesiam ad 
bonorem Dei et b. Mariae virginis ejus malris et b. Joliannis super quo- 
dam campo terrae posito in territorio Sbrogliavacchae , quem ipse d. 
Franciscus assignaverat in dotem dictae ecclesiae, dans et concedens 
cidem omne jus patronatus. A. D. U. [793.] 

1332. 7. Maii. Utini. D. Paganus patriarcha constituit et ordi- 
navit d. Ludovicum de la Turre, canonicum Aquiiejensem, et d. Jacobum 
de Carraria suos procuratores et nuntios ad iniplorandum a d. Jo- 
hanne XXII. pontifice, quod praefatum d. patriarcham a sententia ex- 
communicationis, si qua esset ligatus occasione debiti Ronianae eccle- 
siae aut alia quacumque de causa, dignarefur absolvere, obligando se 
ipsum de recidendo in pristinam excommunicationis sententiam, si in 
torminis per ipsum pontificem praefigendis ipse d. patriarcha non sol- 
veret: nee non ad supplicandum eidem, ut super rcsiduo dicti debiti 
non soluti dignaretur dilationem aliquam concedere. 

A. N. U. [794.] 



402 

i:{32. 10. Mail. Utini, OlTiciiim camorarlae ecclesiae Aquilejcnsis 
cum picht' Pii/.zoli sibi connexa, dominus Paganus patriarcha confert, 
ol)(oiitu incrilorum suoruin, d. Joliannino «i'". d. Muschini de la Turre. 

A. N. U. [79Ö.] 
1332. 18. Mail. Uliiil. Gratia viiii et muta Aquilejae vcnduntur 

ad duos annos d. Federico de Savorgnauo, Henrico q". Mathiae de Car- 
nia, Philippussio q". Rainerotti de Venzono et Bertholino de Urbino 
pro sexccnlis et viginti marchis. li. M. U. [79G.] 

1332. 23. Maii. In eastro Glemonae. Paganus patriarcha invcstit 
Hermanum de Muja, fdium d. Jacobi dieli Fantussii de la Fratina, de ha- 
bitantia in s. Vito et de aliis bonis feudaiibus, quae q". Zaninus de 
Septinio liabuerat ab ecclesia Aquilcjensi, et quae Carismanus q"". Bonus 
ejus consanguineus in manibus d. palriarchae rcfutavit. 

B. M. U. [797.] 
1332 . . . Mense Junii Brixienses inter se discordes. Gibellini 

tractabant dare civitatem capitanco Mediolanensi, sed Welphi propen- 
dcntes pervenerunt et tradiderunt eam dominis Alberto et Mastino de 
Scalis. Sed Gihcllini cum Teutonicis, qui erant pro rege Bohemiae in 
civitate, ei prius per utramquc parlem tradita, hahuerunt recursum ad 
castrum supra civitatem. Tandem pro pecunia non modica restituerunt 
castrum salvis bonis et pcrsonis die sabhati quarto intrantc Julio. 

Odoricus a Portunaono. — C. M. R. [798.] 

1332. 7. Junii. Utini. Conducti fuerunt in broylo d. Federicl de 
Savorgnano lapides causa ponendi eos in cassa Manganellae, quae ibi 
probata fuit qualitcr projiciebat, antequam ducerctur Castellerium, quo 
missa fuit una cum duohus curribus portantibus ballistras, papesios et 
alia necessaria. Et eodem die missi fuerunt nuntii cum duabus litteris 
ad sciondum et requirendum, si per dominam comitissam Goritiae et per 
illum de Duino praeberetur auxilium Ulis de Castellcrio. 

Ex lihris canierariorum. [799.] 

1332. 19. Junii. Utini. Omnes et singulos homines, mercatores 
et subditos d. Henrici purgravii in Weldz venientes in districtura Fori- 
julii causa emendi vel vendendi, seu alia negotia peragendi, d. Paganus 
patriarcha per se et subditos suos in bonis affidat et personis. 

A. C. C. [800.] 

1332. 20. Junii. Utini. Magister Jacobus Marangonus laboravit 
sex diebus ad faciendum scalas domus magistri Manini, super qua fit 



4G3 

consiliiim, et ad segandum scalcrios dictae scalae et pojolnm in capite 
dictarum scalarum. Ex libris eamerarionim. [801.] 

1332. 29. Junii. Utini. Guiriissius manualis laboravit quatnor 
diebiis ad reqnirendam terram et aetandam et implendam foveam infra 
palatium communis et donium consilii. 

Ex lüjris camerariorum. [802.] 

1332. 30. Junii. Utini. Per d. g-astaldionem et homines consilii 
ordinatum fuit, quod cmantur sexag-inta assides occasione faciendi ban- 
eas super domo concilii, qnia non habebant, ubi possent sedere, quando 
faciebant consiliiim. Ex libris camer. [803.] 

1332. 30. Junii. Utini. Rizardus stadcrarius aptavit stateram ma- 
gnam communis, cum qua poudcratur foenum, caseus et alia neeessaria. 

Ex lib. eamer. [804.] 

1332. 8. Julii. Utini. Stcpbanus de Mediolano. Cursor d. patri- 
archae, dedit et assignavit quasdam litteras, quas attnlit de Romana cu- 
ria, in quibus Jobannes XXII. pontifex ordinabat per d. Gospertum archi- 
cpiscopnm Arelatensom et ejus camcrarium, quod de omnibus summis per 
ipsum d. patriarcliam debitis tarn ratione sui communis servitii, quam 
servitiorum familiarium et ofllcialium, praefatus d. patriarcha a die 
sexta mensis Aprilis anteacti in antea continue computando persolvat 
anno quolibet duo millia florenorum auri. Et sie deinceps annis singulis, 
quousque de omnibus praelibatis summis per cum debitis fuerit in- 
tegre satisfactum. 

Quibus distinctc recensis dominus arcbiepiscopus antedictus a 
suspensionis, interdicti et excommunicalionis sententiis, a reatu perjurii 
ac poenis aliis, in quibus dicebatur incurrissc, auctoritate sibi tradita 
d. patriarcbam absolvit. A. N. U. [80ö.] 

1332. 9. Julii. Utini. Paganus patriarcha, receptis litteris abso- 
lutionis, innovavit et confirmavit omnes coUationcs, sententias , pro- 
cessus et actus quoscumque factos per ipsum et vicarios suos in curia 
sua usque ad praesentcm diem, volens ipsos ejusdem roboris ac va- 
loris existere, ac si pracsentialiter fierent. B. M. U. [806.] 

1332. 10. Julii. Utini. Cum Fedreginus de la Turre capitaneus, 
consilium et commune Glemonae ad sanationem debitorum suorum im- 
posuissent quandam collectam, et multi ultra juris debitum et eorum 
possibilitatem gravabantur; d. Paganus patriarcha mandat eidem ca- 
pitaneo, eonsilio et communi, quatenus eligantur sex ex discretioribus 
hominibus dictae terrae, qui sacramcnfo adstricti collectam antedictam 



404 

pro eiijiisqiio vMbus imponant, et si intor cos non fiioriiit concordcs, 
ipsemct palriarclia cos coiiiponet. Et ne saeviant in illos, qiii super liac 
re ad ein« liabiiere recursiini , memiiu'rint illos cum eorum l)onis sub 
siia protoctionc esse positos, A. N. U. [807.] 

133ä. 18. .lulii. Corarn d. Pag-ano patriarcha Aquilejensi d. frater 
Leopoldus abbas monastcrii übremburg-ensis in recompensationem et 
retributionem gratornm obseqtiiorum per d. Johannem de Planehestayn, 
archidiaconiim Seoniae, sibi et dicto nionasterio fidelitcr impensorum, 
dare stctit et promisit eidem, qiioad vixerit, anno qiiolibet in feste 
s. Martini seplnag-inta marchas denarionim. Et d. patriarcha promis- 
sionem eandem laiidavit, ratificavit et confirmavit, suani interponens 
aiictoritatem et jiulicialc decretiini. B. M. U. [808.] 

1332. 9. Augnsti. Utini. 1). Pag-anus patriarcha ad siipplicationcm 
d. Panceriae de la Tnrre capitanei, ac communis et hominum de Monte- 
falcono pro honore et utilitate ipsius terrae et incolarum ejns ac cete- 
rorum adjacentitini locorum coneessit eisdem de Montefalcono merca- 
tum publicum et universalem, faciendum semel in anno in festo s. Mi- 
chaelis de mense Septembris, et per tres dies immediate sequentes ad 
modum nundiflarum prope ipsum loeum de Montefalcono, ubi dicitur ad 
Fontanas, juxta ecclesiam s. Michaelis, quae est monastcrii de Rosaceo; 
statuens et ordinans, quod universi, undecunique existaiit et cujusctim- 
que eonditionis, dum tamen non sint publici latrones aut banniti patri- 
arcliatus Aquilejensis, venientes ad hujtismodi mercatum sive nundinas 
sint salvi et securi cum omnibus bonis et rebus suis, et sub protec- 
tione ipsius d. patriarchae et ecclesiae suae Aquilejensis in veniendo, 
stando et redeundo, non obstanlibus quibuscumque rapressaleis alicui 
personae quacumqiic occasionc, aut sub quavis forma verborum con- 
ccssis. Et ad majorem firmitatem dictus d. abbas Rosacensis, ad cujus 
monasterium pertinet locus praedictus , in quo ordinatum est fieri dic- 
tum mercatum, suo et ejusdem monastcrii nomine consensit. Propter 
quod idem d. patriarcha voluit et ordinavit, ut niassarii ejusdem mona- 
sterii, qui morantur circa ipsam ecclesiam, si aliquo tempore impone- 
returdatium super rebus aliquibus, quae renderentur aut emerenturinipso 
mereato, non teneantur solvere aliquid pro rebus suis, quas ibi venderent, 
aut pro illis, quas emerent pro suis usibus. B. M. U. [809.] 

1332. 9. Aiigusti. Utini. D. Pag'anus patriarcha coneessit d. Pan- 
ceriae q™. d. Napini de la Turre de Mediolano pro se et fratribus suis 
rapressalias contra Florentinos debentes ipsis fratribus et haeredibus 



4ß5 

certas pecuniae summas pro stipendiis dieti q"'. patris sui; super qui- 
bus saepius requisiti et saepius in communi per litteras ejusdem d. pa- 
triarchae, nullam dicti haeredes solutionem potuerunt oblinere. 

B. M. U. [810.] 

1332. 20. Augusti. Utini. In hurgo superiori in canipa cujusdam 
de villis, ac etiam sub monte filiorum d. Federici de Andriottis dice- 
batur esse quidam fons. Idcirco causa inveniendi aquam laboratnm est 
hine et illinc cum duobus paus de ferro per varios dies, et factae 
fuerunt magnae foveae; quinimo ad petitionem quorundam Tuscoriim 
missae fuerunt Florentiam litterae cuidam magistro, ut yeniret, et manu 
et consilio operam juvaret. At cum aquam tamdiu optatam frustra quae- 
sivissent, octo laboratores oecupati fuerunt per quatuor dies ad repor- 
tandam terram et obstruendas foveas bae de causa factas. 

Ex libr. camer. [811]. 

1332. 24. Augusti. Utini. Tbomasinus Tamesarius et Spontonus 
missi fuerunt Tarvisium causa inquirendide novis dominorum de la Scala, 
qui dicebantur velle mittere gentem suam in terram Forijulii, et ordi- 
natum fuit eisdem , quod si aliqua nova scirent, unus ipsorum statim 
Utinum veniret ad narranda praedicta , et alter remaneret ibidem, u, 
posset melius inquirere veritatem. Eadem de causa missus fuit Hen- 
ricus Cursor Cavolanum et Sacilum, et ßordonus praeco Serravallumt 
Ceactam et Coneglanum. Ex libr. camerar. [812.] 

1332. 31. Augusti. Utini. In generali coUoquio Utini in sala in- 
feriori patriarchalis palatii congregato , postquam d. Paganus patri- 
arcba declarasset, qua de causa eolloquium convocaverat et specialiter 
super custodia et defensione terrae Forijulii et locorum ecclesiae Aqui- 
lejensis, propter verba, quae insonuerunt de apparatu et adventu do- 
minorum de la Scala, ac etiam denuntiasset ambasiatam d'"'. comitissae 
Goritiae super oblatione aut proferta, quam dicta domina fecit d. patri- 
archae et nobilibus Forijulii pro defensione totius patriae tarn Forijulii 
quam comitatus Goritiae, petiit a circumstantibus, quid consulebant, 
quidve esset agendum. Qui electis undecim inter eos, qui consilio pa- 
triarchae adessent, voluerunt quod, quidquid per eos ordinatum et sta- 
tutum fuisset, valeret, teneret ac executioni mandaretur, ac si per 
totum eolloquium factum esset. 

Recedeutibus igitur omnibus de colloquio, et remanentibus cum 
d. patriarcha illis undecim consiliariis antedictis, firmatum fuit ibidem 
et ordinatum, quod 

Archiv. XLI. 2. 30 



4«6 

I. Impositio militiao fiat iiniversis de Forojulio seciindum imposi- a 
tionem alias factain, et mandentur litterae universis, qiiod se praepa- | 
ront oqnis et armis juxta ad proximum festiim s. Mathaei apostoli. Mon- 
stra autem fiat in crastiniini s. Michaelis in Canipofurmio, et hoc inan- 
dctur tarn praelatis , cai)itulis, inonasteriis, decanatibns, quam aiiis. 

II. Pro unaquaqiie deccna ornnium viliaruin iinponatur unus pedo- 
niis, et sit niimitus sicut decet, et sint et parati esse debeant in locis, | 
sicnt mandabitnr eis, cum tempiis ing^riierit. 

III. Omnes cortinae de Forojtilio vacuentur et devastentur, quam 
citins fieri poterit, (|iiae si non vacuentur, bona, quae intus sunt po- 
sila, auferri licile possint ab unoquoque. 

IV. Si conting-at dominos de la Scala velle intrare terram, per- 
mittatur; at habeatur g-ens armig-era forensis, et maxime iila de Peto- 
via, expensis communibus, secundum numerum, qui sibi vldebitur pro 
defensione totius terrae. 

V. Reg^ratietur d*. comitissa de proferta sua benevola et g-ratiosa, 
et respondcatur ei, quod mittat nuntios suos ad consilium d. patriarchae 
die decima proxima pro complendis his, quae dicta sunt pro sua et 
nostra defensione. A. C. U. [813.] 

1332. 6. Septembris. Utini. D. Pag-anus patriarcha simul cum con- 
siliariis suis, juxta potestatem eis traditam per generale coUoquium, pro 
se ipsis et eeclesia Aquilejensi ac fidclibus et servitoribus suis ex una 
parte, et domini Jacobus de Cormono, Volvinus de la Turre et Alber- 
tus scriba pro d*. comitissa Goritiae, juxta potestatem eis tra- 
ditam per eandem dominam comitissam pro honore et defensione status 
utriusque dominii ex altera, fecerunt et inierunt ligam et unionem in- 
vicem firmam et bonam perpetuo duraturam contra quascumque per- 
sonas volentes offendere, invadere et nsurpare terras et honores et bona 
ecclesiae Aquilcjensis et comitatus Goritiae, vel eis guerram movere, 
et maxime contra dominos de la Scala, qui dicuntur ad hoc velle inten- 
dere. A. C. U. [814.] 

1332. 6. Septembris. Utini. Tobias de Utino de voluntate d. 
gastaldionis et consilii deputatus fuit ad faciendam turrim portae burgi 
Civitatensis. Ex libr. camerar. [8 IS.] 

1332. . . . Septembris. Utini. Marcus Petri Baldini cum uno ejus 
socio de mandato d. gastaldionis et consilii stetit supra turrim castri 
Utini pro custodia facienda, quando dicebatur, quod domini de la Scala 
intendebant Forumjulium venire diebus octo. Ex libr. camer. [816.] 



467 

1332. 12. Septembris. Utini. Pro solvendis debitis, qiiae habe- 
bat cum Romana curia Pag-anus patriarcha, subventus fuerat a d. Sag-ino 
de Parma, qui in Civitate Austriae morabatur, de certa pecuniae 
quantitate; ideo dictus d. patriarcha concessit eidem d. Sag-ino g-astal- 
dias de Maozano et de Ajelio ad duos annos cum g-arittis, redditibus, 
proventibus et juribus universis. Et capitulum Aquilejense, videns mani- 
festam necessitatem d. patriarchae, concessioni hujusmodi suum con- 
sensum praebuit pariter et assensum. A. N. U. [817.] 

1332. 12. Septembris. Utini. Articus de Castello, episcopus Con- 
cordiensis, de mille et trig-inta novem florenis auri d. Bertrando apo- 
stolicae sedis leg-ato pro residuis ejus procurationis satisfacere tene- 
batur; de quibus nongenti et decem octo floreni dari debebant pro 
stipendiis d. Conrado de Goritia, qui in servitio dictae ecciesiae diulius 
militaverat: sed dictus d. episcopus morte praeventus onus sibi inipo- 
situm adimplere non potuit. Ideo frater Johannes abbas nionasterii Ro- 
sacensis de mandato dicti d. legati mandat d. Guidoni, qui successerat 
dicto d. Artico in onere et honore, quatenus sab poena suspensionis, 
excommunicationis et interdicti infra Kalendas Octobris proxime ven- 
turas supradietam pecuniam schere debeat. B. M. U. [818.] 

1332. 13. Septembris. Utini. In consilio g-eneralis colloquii pro- 
visum fuit et ordinatum quod, cum facto computo decennarum, quae 
datae erant in scriptis, inventae essent duo millia et quindecim cum 
dimidia, pro uno pedone, si expedierit, eligantur duo de qualibet de- 
cenna. Sicuti autem militia imposita infra tam modicum tempus sibi 
datum equos parare cong-rue non potest et decenter monstrae ordinatae 
interesse, ejus terminus , qui erat die ultima Septembris, prorogatus 
fuit ad primam diem Novembris venturi. Qui vero non intererint dictae 
monstrae parati equis et armis, sicut decet militi aut ballistario, in- 
current poenam infrascriptam , videlicet pro unoquoque elmo deficiente 
dictae monstrae accipiatur poena unius marchae, et deinde pro uno- 
quoque die subsequenti, si defecerit, poena quadraginta Frixachensium. 
De ballistario autem, qui defecerit in monstra, pro unoquoque die ac- 
cipiatur poena dimidiae marchae, et deinde sing-ulis subsequentibus 
diebus, quibus defecerit, viginti Frixachensium. Quae poena nemini 
parcatur, sed plene modis omnibus exigatur. A. C. U. [819.] 

1332. . . . Septembris. Utini. Orta quaestione inter nos et d. 
Nicolaum de Castello plures spiae missae fuerunt Castellum ad inqui- 
rendum, si verum esset, quod quidam magnus tractatus per quamplures 

30* 



468 

de Forojtilio fiebat ibidem, et si g-ens, qiiae ibi colligebatur, contra nos 
arma siimeret, iit sciremus nobis praecavere. Cum vero d. Nicolaus 
praedietus ivissct Turridam, Mathias praeco missus fuit per Utinenses 
Sedejanum ad inquircnduni, quid agere intendebat, et de quantitate 
ejus g-entis. Sclavutius cum uno praecone ivit circumquaque terram 
Utini ordinando peditibus et equitibus, qui pararent se armis et aliis 
necessariis causa eundi Turridam contra d. Nicolaum de Castello. Ve- 
nerius praeco missus fuit ad capitaneum Fag-aneae , ut cum armig-eris 
suis Utinum venire deberet, et alii nuntii missi fuerunt Cividatum, Gle- 
monam, Zuculam et Yalvasonum ad requirendum ab eisauxilium, si 
fuerit opportunum. Conradus Bojanus et mag-ister Andreas Trombetta 
de mandato d. g-astaldionis et consilii iverunt cum Utinensibus contra 
d. Nicols'um de Castello. Ex libr. camer. [820.] 

i332. 1. Octobris. Utini. Mussius fornator donatus fuit de quin- 
que brachiis stametti viridis coloris, eo quod portavit Utinum novam, 
quod d. Nicolaus de Castello captus fuerat apud Turridam. Et illico ex 
parte d. gastaldionis et consilii litterae missae fuerunt hac et iilac ami- 
cis nostris, notificando eisdem victoriam habitam contra d. Nicolaum 
de Castello. Panis vero , qui mitti debebat Turridam ad nostras g-entes, 
cum amplius illis non esset necessarius, de mandato d. gastaldionis et 
consilii datus fuit pauperibus amore Dei. Ex libr. camer. [821.] 

1332. 4. Octobris. Utini. Vacante monasterio s. Petri in Silva 
Parentinae diocosis, subjecto immediate patriarchae Aquilejensi, per 
mortem fratris Conradi olim ejusdem monasterii abbatis, Pag-anus pa- 
triarclia fratrem Nicolaum priorem monasterii Mosacensis in abbatem 
s. Petri praedicti praefecit pariter et instituit, ipsumque per annulum 
suum de abbatia et regimine ipsius monasterii praesentialiter investivit. 

A. N. U. [822.] 
1332. 8. Octobris. Utini. Pag-anus patriarclia treguas, quas fe- 
cerat usque ad proximum festum s. Martini cum communi et hominibus 
de Villacco aliisque subditis ecclesiae Banibergensis, prorogat eisdem 
pactis et conditionibus a dicto festo s. Martini usque ad unum annum 
proxime subsequentem, volens quod universi de Villacco ceterique sub- 
diti ecclesiae Bambergensis per terras et loca Aquilejensis ecclesiae 
cum mercandiis, rebus et personis suis ire, stare et redire possint 
libere et secure. A, N. U. [823.] 

1332. 22. Octobris. Utini. Paganus patriarcha cum uno capucio, 
quod in suis tenebat manibus , investit Philippum de Artenea de eisdem 



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feiidis habitantiae, quae q™. Johannes pater ejus habiierat ab ecclesia 
Aquilejensi, videlicet de domo seu castro inferiori Arteneae, de diiobus 
mansis sitis in Campoformio, et de diiobus aliis sitis in villa de Run- 
chis gastaldiae Sorphimbergi. A. N. U. [824] 

1332. 28- Oetobris. Utini. Rubens eursor mittitur Tricesimuni, 
Glemonam et s. Danielem, requirendo illos nostros amicos, ut nobis ve- 
nirent consultuni super facto respondendi hominibus de Forojulio circa 
negotium d. Nicolai de Castello. Ex libr. camer. [825.] 

1332. . . . Novembris. Manfeus Cramis existens in Tergeste noti- 
ficavit nobis suis litteris, dominos Federicum et Bartholomaeiim comites 
de Vegla venire cum suis Cravattis ad partes Forijulii. Hinc missi 
illico fuerunt nuntii Rayfemberch et Goritiam ad inquirendum de gente 
dictorum comitum et ad videndum, si ibi fieret varnimentum causa ve- 
niendi super damnis nostris. Missus fuit etiam unus de PoscoUo, qui 
portavit litteras Serravailum d. Rizardo Novelle super facto concordii 
d. Nicolai de Castello. Ex libr. camer. [826.] 

1332. 3. Novembris. Utini. D. Paganus patriarcha volens sibi et 
suae ecclesiae utilem et fidelem vassallum acquirere, et praestitis ser- 
vitiis grato affectu complacere, d. Pertoldum de Traberch commorantem 
in Mels de habitantia Tricesimi, quam Petrus dietus Borella de Per- 
gamo in suis manibus resignaverat, per quoddam capucium liberaliter 
investivit. C. P. [827.] 

1332. 5. Novembris. Utini. Paganus patriarcha videns, quod 
coUisellus montis Ivilini, quamvis omni cultura totaliter vacuus, fortis 
erat tarnen et aptus ad fortificandum in tantum, quod si ad alicujus 
aemuli ecclesiae Aquilejensis nianus perveniret, de levi dicta eccl