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Full text of "Argovia"

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A R G V l A. 



VI. Band. 



1 - : 



AEGOVIA. 



^ttsfiitifl ter Porlfilirn (ßtßfißft 



des 



Eantons Aargan. 



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VI. Band. 



^9 
Druck and Verlag von H. R. Sauerländer. 

1871. r : 



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I 



THE NEW YORK ' 

PUBLIC LIBRARY 

653265 A 

ASTOR, LENOX AND 

TILDEN 'FOUN DATIONS 

R 1933 L 



Inhalt. 

Seite 

1. Vorwort VII 

2. Veieins-Chronik " . . , . XI 

3. Die Reformation in Bremgarten, von Hr. PL Weissen bach, 
Fürsprech 1 

4. Hans von HaUwü, der Held von Granson und Murten^ von H r. 
Direktor C. Brunner in Biel 127 

h. Das Jahrzeitenbuch der Leutkirche von Aarau, von Hr. Rektor 

J. Hunziker 355 

^. Ein Wiedertäufer aus Klingnau, von Hr. Theodor v. Liebenau 472 

7. Namen- und Sach-Register 479 



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Vorwort 



Das Vorwort zum V. Bande der Argovia, Jahrgang 1866, 
hatte versprochen, künftighin werde jedes Jahr regelmässig 
ein Band erscheinen. Ferner kündigte ein Ereisschreiben des 
Vorstandes vom 10. Juni 1869 noch für den laufenden Sommer 
emen Doppelband an, mit Aufzählung der bereits zugesagten 
Arbeiten, welche in diesem Doppelbande oder in den nächst- 
folgenden Vereinsschriften zur Veröffentlichung gelangen sollten. 
Unter dei) dort angekündigten Arbeiten lagen die Nummern 
1 und 4 dieses Bandes damals bereits druckfertig vor; die Ab- 
handlung über das Geschlecht Hallwil von Hm. Direktor Brunner 
traf bald hernach ein; der aargauische Münzkatalog von Hrn. 
Nationalrath Münch erscheint gleichzeitig mit dem VI. als VII. Band 
der Argovia; die Correspondance de Pascal, ambassadeur de France 
aux 6risons, wird ebenfalls einen besondem Band ausmachen, 
der für das nächste Jahr bestimmt ist; von den übrigen Nummern 
ist uns Nichts zugekommen. Das ursprünglich von Hrn. Pfarrer 
Sehr ö t e r übemonmiene Jahrzeitenbuch von Aarau wurde einem an- 
demBearbeiter übertragen,damitdieserBand zum Abschlussgelange. 

Wenn das Gesagte den Thatbestand in Kürze bezeichnet, 
so ist doch das lange Ausbleiben dieser Fortsetzung unserer 
Verdnsschrift damit weder entschuldigt noch vollständig erklärt. 
Die Erklärung liegt vielmehr vor Allem aus in dem Umstände, 
dass die beiden Männer, der jetzige Hr. Bundesrath Dr. Welti und 
Hr. Professor Rochholz, welche unsern Verein recht eigentlich 
aus der Taufe gehoben und welche von Anfang dessen kräftigste 
Stützen gewesen, seit ihrem Wegzuge von hier verhindert waren, 
den Zwecken des Vereines fernerhin ihre thätige Mitwirkung zu 
gewähren, wozu tfoch kommt, dass der Dritte im Bunde, Hr. Pfarrer 
S ehr öt e r , seither ebenfalls seine Mitarbeiterschaft hat ruhenlassen. 

Wir brauchen uns nicht gegen den Vorwurf der Uebertrei- 
bung zu verwahren, wenn wir diese Verluste geradezu als un« 



YITI 

ersetzlich bezeichnen. Von den Beschlüssen der bevorstehenden 
Jahresversammlung wird es abhängen, ob die Thätigkeit des 
Vereins auf neugewonnenen Grundlagen wird fortdauern können 
oder nicht. 

Nun noch eine kurze Vorerinnerung an den Leser, als Ein- 
führung in die hier nachstehenden Arbeiten: 

1. Unter den zahlreichen kleinen Gemeinwesen, deren Ge- 
schichte zum grossen Theil diejenige des alten Aargau ausmacht, 
nahm das Städtchen Bremgarten nicht den letzten Rang ein. 

Allmählig unter glücklichen Verhältnissen in der Stille zu 
wohlhabender Selbstständigkeit herangewachsen, hatte Bremgarten 
im An£ange des sechszehnten Jahrhunderts seinen Höhepunkt 
erreicht und zunächst eine Reibe bedeutender Männer hervor- 
gebracht, unter welchen der spätere Reformator und Nachfolger 
Zwingli's, Heinrich Bullinger, ohne Zweifel den ersten Rang ein- 
nimmt. Hauptsächlich durch seine Thätigkeit wird Bremgarten 
für die Reformation gewonnen, welche sich von hier aus über 
das umliegende Gebiet der Stadt und über den grössten Theil 
der untern Freiämter verbreitet. Als wichtiges Mittelglied zwischen 
den Gebieten von Zürich uud Bern und als Schlüssel der Reuss- 
thalschaft sieht sich das bisher so still hinlebende Städtchen 
plötzlich von allen Seiten imiworben und zum Brennpunkt er- 
hoben der sich kreuzenden Bestrebungen der beiden confessioneU 
wie politisch getrennten Lager der Miteidgenossen, bis die durch 
innem Zwiespalt gelähmte Politik Berns im Ve^jj^tufe des un- 
glücklichen zweiten Kappeier Krieges seine Verbündeten un- 
rühmlicher Weise im Stiche lässt, und sie einer rücksichtslosen 
kathol. Reaktion unter dem Einflüsse der V Orte preisgibt. 
pVon hier an," sagt der Verfasser, „mussten die noch vorhan- 
denen Keime der Geistesfreiheit ersticken; Bremgarten wurde in 
die Stellung eines unbedeutenden Landstädtchens hinabgedrückt. 
Erst einer spätem Zeit blieb es vorbehalten, neue Lebenskeime 
an dieser Stätte zu säen, und den befruchtenden Kampf der 
Geister wieder wachzurufen." 

Hr. Fürsprech PL Weissenb ach hat diese Episode der 
Geschichte seiner Vaterstadt mit jener eingehenden Sorgfalt be- 
handelt, deren eben nur die gleich warme Liebe zur Heimat 
wie zur Wissenschaft fähig ist. Die von ihm beigebrachten ur- 



IX 

kuncUiehen Nachweise erfüllen über ihren nächsten Zweck hinaus . 
noch den weitem, Beiträge an kultur- und sprachgeschichtlichem 
Material zu liefern für unsere noch ungesdiriebene Heimatkunde 
im engem wie im weitesten Sinne. 

2. „Hans von Hallwil, der Held von Granson und 
Murten, mit übersichtliciier Darstellung seiner Vor- 
fahren" — ist der Titel der zweiten hier folgenden Arbeit, in 
wdcher Hr. Direktor Carl Brunner die Geschichte eines der 
ältesten und bedeutendsten Adelsgeschlechter des Aargaus und 
der Schweiz zum ersten Mal zu urkundlich getreuer und mögUchst 
vollständiger Darstellung bringt. Zur Uebersicht des Inhaltes 
diene Folgendes. Nach einleitender Beschreibung der Anlage 
des Schlosses Hallwil und dessen landschaftlicher Umgebung, so- 
wie nach einigen Bemerkungen ttber den Namen selbst wird im 
nächsten Abschnitt abgehandelt über das erste Auftreten der 
Hallwil bis auf Marschall* Johann r. Hallwil, 1138—1315. Erst 
als Dienstmänner der Grafen von Kiburg, dann des Hauses Habs- 
biüg? gelangen sie gegen Ende dieser Periode zu höherer amt- 
licher Stellung, namentUch zu dem Marschallamte, von Habsburg, 
mit dessen erstem nachweislichen Inhaber, Johann von Hallwil, 
ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Geschlechtes beginnt. 
Dieser Johann von Hallwil vereinigt ferner auf sich die Würde 
eines obersten Landvogts der östreichischen Herzoge im Sundgau 
und der Grafschaft Pfirt; er wird einer der Käthe, welche für 
den jungen Herzog Friedrich die Verwaltung der östreichischen 
Ländereien in Schwaben übernehmen, und er führt den Titel 
eines Hofmeisters bei Herzog Friedrich. In Folge wiederholter 
Greldvorschüsse an seme Gebieter kommt Johann von HallwU in 
den Besitz einer Menge von Pfandbriefen, durch wekhe er sich 
und seinen Nachkommen die Basis zu einem ausgedehnten Grund- 
besitz schafft. Und so steht denn das Geschlecht der HallwU 
zu seiner Zeit hinsichtlich des äussem Glanzes und der äussern 
Macht auf seinem Höhepunkte. In's Jahr 1369 fällt der Ab- 
sdiluss des sogen. FamUienvertrages, welcher wesentlich zur Er- 
haltung d^es Stammgutes und des Geschlechtes selbst bis auf die 
G^enwart beigetragen Irnt. Mit der Eroberang des Aargau's 
durch die Bemer und mit der Aufnahme einer Linie der Hall- 
wil in's Burgrecht von Bern und Solothurn geräth die Haus- 



.Politik in eine doppelte Strömung; einzelne Familienglieder suchen 
und finden bei den genannten Städten Schutz und Schirm, wäh- 
rend die Hoffnungen und Bestrebungen des Hauses fort und fort 
auf Seite Oestreichs stehen, wie solches im alten Zttrcherkriege 
aufs klarste zu Tage tritt. Der Hauptabschnitt ist Hans von 
Hallwil gewidmet , von seinem ersten öffientlichen Auftreten bis 
zu seinem Tode (1450 — 1504). Unter den 74 hier zum ersten 
li^ veröffenttichten Urkunden sind 29 Schreiben verschiedener 
Stände und Privatpersonen an diesen berühmtesten Vertreter des 
Geschlechtes, aus den Jahren 1480 — 1485 , d. h. aus der Zeit, 
in der Hans von Hallwil die Stelle eines Hauptmanns sämmtlicher 
Schweizertruppen im Dienste Frankreichs bekleidete. — Ein letzter 
Abschnitt bietet einen kurzen biographischen Ueberblick über die 
Familie von Hallwil in ihren Hauptvertretern vom Anfang des 
16. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart. 

3. Das Jahrzeitenbuch der Leutkirche von Aarau 
aus den Jahren 1300 bis 1528 ist ebenso arnf an geschicht- 
lichen Notizen von allgemeinerem Interesse als ungemein reich 
durch die Fülle von Local- und Familiennamen, welche es zu 
einer ergiebigen Fundgrube machen nicht nur für die spezielle Orts- 
geschichte, sondern zumeist für den Stammbaum unserer Lokal- 
und Eigennamen und im Weitem für oberdeutsche Sprachver- 
hältnisse überhaupt. Nach allen diesen Beziehungen harrt das 
hier zu Tage geforderte Material noch der Bearbeitung , und bei 
der Masse desselben hat es unthunlich geschienen, Einzelnes dar- 
aus, mit Ausnahme historisch bekannter Namen, in das Namens- 
und Sachregister aufzunehmen. 

4. In seinem Beitrage, betitelt: „Ein Wiedertäufer aus 
Klingnau," bringt Hr. Theodor von Liebenau neue Auf- 
schlüsse über den von den Chronisten gemeiniglich Hans Erüsi 
von St. Georgen, in den offiziellen Akten hingegen bald Johann 
Kern, bald Johann Nagel von Klingnau genannten Sektirer, der 
im Jahre 1525 wegen Verbreitung wiedertäuferischer Lehren zu 
Luzern auf dem Scheiterhaufen endete. 

Noch muss bemerkt werden, dass die verschiedenartige Recht- 
schreibung der Urkunden in diesem Bande daher rührt, dass 
jeder Mitarbeiter' hierin freie Hand hatte. 

Aarau, den 13. November 1871. 

Der Vorstand. 



Vereins - Chronik. 



Behandelten im letzten Jahrgange unserer Vereinsscbrift zwei 
Aufsätze ergebnissreiche Ausgrabungen, so sind wir diesmal nicht 
so glücklich, über dergleichen Funde zu berichten: Ein Grab- 
hügel in Würenlingen wurde geöffnet; in Ober-AngUkon ein 
römisches Gemäuer blossgelegt (siehe Freiämterstimmen No. S 
vom 8. Januar 1870), aber nichts Nennenswerthes zu Tage ge- 
fördert. Die Erwartung, dass man beim Bau der Irrenanstalt 
in Eönigsfelden auf bedeutendere römische Reste stossen werde, 
veranlasste den Vorstand, das tit. Baudepartement zu ersuchen^ 
Massregeln zu treffen, dass auf allfällige Funde geachtet werde; 
aber sie erwies sich trügerisch. Die Wahrnehmung, dass von 
unberufenen Personen und selbst auswärtigen Vereinen in unsern 
Kantonsgrenzen nach Alterthümern gegraben und die Ausbeute 
den Sammlungen des Kantons entzogen werde, vermochte den 
Vorstand, diesen Uebelstand und Unfug dem h. Regierungsrathe 
2u signalisiren, welcher hinwieder die tit. Erziehungsdrektion be- 
auftragte, ein Kreisschreiben an die Bezirksämter, Kreisingenieure^ 
Staatsforstbeamten und Gemeindebehörden zu erlassen; diese 
werden in demselben, datirt vom 27. März 1868, aufgefordert^ 
wenn sie vom Vorhandensein von Spuren früherer Gulturepochen 
und von angestellten Nachgrabungen Kenntniss erhalten, hievon 
dem Vorstande der histor. Gesellschaft Mittheüung zu machen^ 
damit derselbe im Interesse der Wissenschaft und der hiesigen 
Sammlungen sich mit den Grundeigenthümem oder Besitzern von 
Antiquitäten in's Einvernehmen setze. Uebrigens liegt selbst- 
verständlich jedem Mitgliede die Aufgabe ob, in dieser Beziehung 
die Interessen der Alterthumskunde sowohl als der Gesellschaft 
an seinem Orte wahrzunehmen. 



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Durch die Zeitung erfuhr der Vorstand vom Funde römischer 
Antiken in Baden; wenn es auch nicht gelang, diese werth- 
vollen Stücke für unsere Sammlung zu erwerben, so ist doch 
Hoffnung vorhanden, dass sie nicht veräussert werden oder aus- 
serhalb den Kanton wandern. Dagegen entdeckte Hr. Rektor 
Hunziker in der Nähe von Leerau ein sog. helvetisches ^Hef u- 
gium" (vergl. F. Keller, Mitthlg. der Antiq. Ges. in Zürich XV, 
2, 3, und Anzeiger f. Schweiz. Alterthkd. 1870, S. 173), worüber 
derselbe in ebendiesem Anzeiger, Jahrgang 1872, Bericht erstattet. 
Bei diesem Anlasse sei bemerkt, dass auch unweit Aarau auf dem 
rechten Aarufer, aber schon auf solothumischem Gebiet, auf dem 
sog. Eppenberg, von Hrn. Prof. Mühlberg ebenfalls ein Refugium 
konstatirt worden ist. (s. Anzeiger f. s. A. 1871. Nr. 4). 

Auf dem Wege der Uebereinkunft ist die dem Staat Aargau 
gehörige, früher in Königsfelden untergebrachte Antiquitäten- 
sammlung — abgesehen von den Münzen , Inschriftensteinen, und 
einigen auf der Kantonsbibliothek befindlichen Gegenständen — der 
Obhut der histor. Gesellschaft anvertraut und im Thurmsaal des 
„Schlössli'' des Hrn. Oberst Rothpletz aufgestellt Auf unsere 
Veranlassung wurden ferner einige Fenster der Glasgemälde aus 
der ehemaUgen Abtei Muri aus ihrer Verpackung erlöst, und in 
eiserne Fassung gebracht; sie sind im Vorzimmer des Sitzungs- 
saales des h. Regierungsrathes und im obern Stock der Bibliothek 
aufgestellt. Es sei hiemit konstatirt, dass das Material zu einer 
stattUchen Sammlung von Alterthümern aus verschiedenen Epochen 
vorhanden ist, aber noch ist leider! keine Aussicht, wie das 
Präsidium der Generalversammlung io Bremgarten 1866 ankün- 
digte (s. Vereinschronik des letzten Jahrgangs), dass Räumlich- 
keiten vom Staate hergestellt werden, wo die Sammlungen des 
Staates vereinigt und entsprechend aufgestellt und der Wissen- 
schaft nutzbar gemacht werden könnten. 

Eigene Wahrnehmung und im Anz. f. Schweiz. Altert. 1869 
S. 50 ausgesprochene Klagen über den verwahrlosten Stand der 
Glasgemälde im Kreuzgang zu Wettingen Hessen uns die Auf- 
merksamkeit der tit. Baudirektion auf diesen Punkt lenken. 
Durch unsere Anregung ferner erhielt die Kantonsbibliothek die 
Abschrift der in der Biblioth^ue Imperiale, jetzt Nationale, be- 
findlichen Correspondenz von Henri IV. mit seinem Gesandten in 



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Bonden, Pascal, aus den Jahren 1606 bis 1612, als Ergänzung 
der hier befindlichen Stücke dieser Correspondenz, wovon hinwieder 
die unter pecuniärer Beihilfe der h. Regierung angefertigte Ab- 
schrift durch Vermittlung des Herrn Minister Dr. Kern der Bib- 
hothek in Paris zugestellt worden. Endlich sagte der Vorstand 
seine Unterstützung zu für Abfassung eines mundartlichen Lexi- 
kons des Aargau. 

Die letzte Generalversammlung fand am 17. September 1867 
in ^arau statt im Anschluss an die Jahresversammlung der 
Schweiz. Geschichtsforschenden Gesellschaft. Von den Mitgliedern 
unserer Gesellschaft, deren 25 anwesend, hielt Hr. Prof. Hun- 
ziker einen Vortrag über die obenerwähnte diplomatische Cor- 
respondenz zwischen Henri IV. und Pascal. Der §. 5 der Sta- 
tuten wurde folgendermassen abgeändert: „Die Gesellschaft er- 
wählt für je zwei Jahre mit Wiederwählbarkeit einen Vorstand, 
bestehend aus dem Präsidenten, Vicepräsidenten, Aktuar, Biblio- 
thekar, Kassier und sechs weitern Mitgliedern. Der Vorstand 
verwaltet das Eigenthum der Gesellschaft, stellt das jährliche 
Budget fest und besorgt die Leitung der Geschäfte theils von 
sich aus, theils durch einen engern Ausschuss, dessen Compe- 
tenzen er festsetzt.** Herr Bundesrath Welti wurde auf sein Ge- 
such von der Stelle des Präsidium's mit lebhaftem Ausdruck des 
Bedauerns und unter bester Verdankuug seiner vielfachen Ver- 
dienste entlassen und dasselbe dem Hrn. Regierungsrath und Er- 
ziehungsdirektor A. Keller übergeben. 

In den Wintern 1867/68, 68/69, 70/71 fanden auf Veran- 
staltung des Vorstandes Vorträge vor gemischtem Publikum statt, 
10— 14 an der Zahl; an denselben betheiligten sich die HH. Regie- 
rungsrath Keller, Fürsprecher Keller, Tanner und Weissenbach, 
Spitalarzt Schaufelbuel , Dr. J. Frei, Pfarrer Müller in Ruppers- 
wil, Redaktor Stocker, Saft-Rothpletz, Seminarlehrer Dr. Brunnhofer 
tmd die Professoren Fischer, Phil. Gladbach, Gouzy, Hirzel, Hun- 
ziker, Keller, Krippendorf, Rochholz, Uhlig und Wirz. 



XIV 

I. Geac&enke. 

a) •ncksfhrifteH. 

Vom tit. Eidgenössischen Archivariat: Eidgenössische Abschiede, 
III, 2. VI, 1. VII, 2. Register zum 1. Heft. 

Von Hrn. Bordier: Critique de Rilliet, les origines de la Consti- 
tution suisse. V 

Hrn. Dr. Custer in Aarau: H. Custer, die Gewichte, Gehalte und 
Werthe der alten Schweizermünzen. 

Von der tit. Erziehungsdirektion des Kantons Aargau: Hidber, 
Schweizerisches Urkundenregister, Heft 1-^5. 
Domkapitular Huber, das Stift Zurzach. 

Hm. Staatsarchivar Hotz in Zürich: seine Schrift: Historisch- 
juridische Beiträge zur Geschichte der Stadt Winterthur. 

Hrn. Stiftsprobst und Domcapitular Huber in Zurzach: seine Schrift: 
Die Collaturpfarreien und Gotteshäuser des Stiftes Zurzach. 

Hrn. Reg.'Rath A. Keller, Präsident der Gesellschaft: seine Schrift: 
Geschichtliche Entwickelung der Armenpflege im Kt. Aargau 
Bericht des katholischen Kirchenrathes an den h. Regieruogs- 
rath, betreflFend Verminderung der Feiertage. 

Hrn. Th: von Liebenau in Luzern: Seine Geschichte des Klosters 
Königsfelden (2 Exemplare). 

Hm. Bezirkslehrer Mäder in Sins : Seine Schrift über aargauische 
Ortsnamen. 

Hrn. Gustave Moynier: Les institutions ouvrieres. 

Hm. Pfarrer Müller in Rupperswil: Seine Geschichte der Stadt 
Lenzburg. 

Vom tit. Reclorat der aarg, Kts, ^Schule : Progr. der Schule 1871. 

Von Hrn. Secretan, Prof. in Lausanne: Passage d'Annibal. 

Hrn. Archivar von StUrler in Bern: Trouillat, Monuments de 
rhistoire de Tancien 6v6ch6 de Bäle, V. 

Hrn. Fürsprech Tanner in Aarau: Hammann, Portefeuille arti- 
stique et archeologique 6— 9me livraison. 

Hrn. Jules Vuy in Genf, correspondirendem Mitglied der Ge- 
sellschaft: Chartes inedites, Serie Xlllme. 
Note sur Tetyniologie du mot „Gorraterie". 
Chezery, chartes du 18me siecle. , 

Les etats generaux de Savoie 1522. 



XT 

Yon Hrn. Fürsprech Weissenbach in Bremgarten: Programme 

über die Schulen in Bremgarten 1850—58. 
Hrn. Prof. G. van Wyss in Zürich, Ehrenmitglied der Gesellschaft: 

Neujahrsblatt der Zürcher Stadtbibliothek für 1869. 

b) AnttiiMitateB. 

Hm. Secretär Doser in Aarau: 1 Römische Münze. 

Hm. Reg.-Raih Ä. Keller: Reliquien aus einem alten Altarsteine 

in Wettingen. 
Hrn. Prof. Rochhob: Gipsabguss des Kopfes des Apollo von 

Belvedere. 

1 Steinmesser. 
Hm. Dr. med. Wieland in Schöftland: In Rued aufgefundene 

Knochenreste. 

H. Duroh Tanschverkehr mit andern Vereinen er- 
worbene Druckschriften. 

Von der Schweizerischen Geschichisf Gesellschaft: Archiv XVI. 
Vom Histor Verein der V Orte: Geschichtsfreund XXH, XXV. 
Von der SocieU d'hisioire de la Suisse romande: M6moires et 

documents. XXII-XXVI. 
Histor. Antiquar. Gesellschaft in Basel: Msehly, die Schlange im 

Mythus und Cultus der classischen Völker. 

Beiträge zur vaterländischen Geschichte. IX. 

Bemoulli, über die Minervenstatuen. 

— Mittheilungen X, Kirchenschatz des Münsters zu Basel. 
Hister. Verein in Bern: Archiv VI, VII, 1, 2, 3. 

Uebersicht der alten Rechtsquellen des Ct. Bern. 
Histor. Verein in St. Gallen: Mittheilungen VII— X. N. F. I. H. 

Neujahrsblatt für 1868, 69, 70, 71. 
h^itut national Genevois :M.emoiies XI, XII. Bulletin XIV, XV, XVI. 
SodeU d*histoire et d'archeologie de Genhve: Mömoires et docu- 
ments XVII. 1, 2. 

Premiers monuments chretiens de Geneve. I. 
Bistar. Verein des Ct. Glurus: Jahrbuch V, VI, VII. 
Geschichisf. Gesellschaft von Graubiinden: Necrologium Curiense. 



XVI 



Vom GeieMchUf, Verein in Schaflumsen: Härder, Clarissinen. 
kloster Paradies. 

Bi^ar. Verein des Cl Tkurgan: Beiträge zur Taterländischen Ge- 
schichte. VII— XI. 

Gesellschaft fiir vaterländische AlUrMmer in Ziinch: Mitthei- 
lungeiTXV, 2. XXXI, 1. 
22. Jahresbericht. 

Ehstländischen literarischen Gesellschaft: HeiHrich's von Lettland 
livländische Chronik. 
Jahresbericht 1865/66. 
Beiträge I, 1 und 3. 

Gelehrten Ehstnischen Gesellschaft in Dorpat: „Schriften" 1—7. 
Sitzungsberichte 1863—1869. 
Verhandlungen V, 4. VI, 1. 2. 

Ferdinandeim in Insbmck: Zeitschrift III. F. 13. 14. 
31. Jahresbericht. 

Kämtnenschen Geschichtsverein: Archiv für vaterländische Ge- 
schichte und Topographie, Jahresheft XI. 

Histai\ Verein ftirSleyermark:Mitthe\lmgeuXY, XVI, XVII, XVIII. 
Beiträge 4. 5. 6. 

Geographischen Gesellschaft in me« .• Mittheilungen. N. F. I. IL HL 

Verein fiir Geschichte und Alterthumskunde in HohenzoUern : Mit- 
theilungen 1—3. 

Histor, Verein für Wirtembergisch-Franken: VIII, 1—3. 

Verein fiir Kunst und AUerthum in Ulm und Ober-Schwaben : Ver- 
handlungen 1. Heft der neuen Reihe 1869. 

Harzverein fiir Geschichte und Alterthutnskunde : Zeitschrift I. 11. 

Thi^ngisch-Sächsischen Geschichtsverein : Neue Mittheilungen 
X, 2. XI, 1. 2. XII, 1. 2. 

Verein fiir Geschichte Leipzigs : Bericht I. IL 

Freiburger Alterthumsverein : Mittheilungen VI. VII. VIIL 

Gesellschaft /. Beförderung der Geschichts-, Alterthums- und Volks^ 
künde von Freiburg i/B.: Zeitschrift 1, 1. 2. 

Philomathie in Neisse: Jahresberichte XIII, XIV, XV, XVI. 

Verein fiir Geschichte und Alterthutnskunde in Frankfiirt a/M.: 
Neujahrsblatt 1867. 

Battonn, Beschreibung der Stadt Frankfurt IV. V. 
Mittheilungen EI, 1—4. IV, 1. 



1 



xvn 

Scharff, Deutsche Schrift im Mittelalter. 
Neujahrsl?latt 1870. 
Kereifi fisr Hessische Geschichte und Landeskunde: Zeitschrift 

I, 2—4. II, 1—4. 

Statistik 2. Supplement 2." Mittheilungen 23, 24, 1. 2. 5. 6. 
Oberlausilzischen Gesellschaft: Magazin XLIV, 1. 2. 3. XL V, 1. 2. 

XLVI. XLVII, 1. XLVIII. 1. 

Scriptores rerum Lusaticarum IV. 
Verein für meklenburgische Gesch, und Alterth. : Register IV, 2. 

Jahrbücher und Jahresbericht XXXII— XXXV. 
Histor. Verein für Niedersachsen: Zeitschrift 1866, 1867, 1869. 

Gatalog der Vereinsbibliothek — ürkundenbuch der Stadt 
Göttingen IL 
Greifswalder Abtheilung d^ Gesellschaft für Pommer'sche Geschichte 

und Alterthwnskunde: Pyl, Pommer'sche Geschichtsdenkmäler 

II. III. Pommer^^sche Genealogien 1868; Greifswalder Samm- 
lungen 1869. 

Verein van Alterlhumsfreunden im Rheinlande zu Bonn: Inter- 
nationaler Congress für Alterthumskunde und Geschichte. 
14—21. September 1868. 
Jahrbücher XLVI-XLIX. ' 

Germanischen Museum in Nürnberg: Anzeiger für Kunde der 
deut, Vorzeit, 1864, 10, 11, 12. 1866, IL Sem. 1869. 1870. 
Jahresberichte 1867. 68. 

III. Angekauft. 

a) BncksckrifteB. 

Anzeiger für schweizer. Geschichte und Alterthumskunde 1867. 

Register zu den 14 Jahrgängen. 
Anzeiger für schweizer. Alterthumskunde 1868. 1869. 1870. 1871. 
Anzeiger für schweizer. Geschichte 1870. 1871. 
Bibliographie der Schweiz 1871. 
Hansjakob, der Waldshuter Krieg 1468. 
Jecklin, Burgen und Schlösser in alt fry Rsetia, mit Abbildgn. 
NiJsson, das Steinalter. 
Studer, Bemer Chronik von Justinger. 

b) Alte Bilder. 
24 PastellpOrtraits von schweizerischen Offizieren in französischen 
Dieüsten aus dem vorigen Jahrhundert. 

Arg OTit VL n 



Gesellschafts - Beohnungen. 



A. Bei der am 16. Oktober 1866 in Brerogarien stattgefandenen 
Oeneralversammlnng ist abgelegt, geprüft und genehmigt worden : 

1. Bie JahrearecluMBg prt 1866. 

Dieselbe verzeigt: 

An Einnahmen: Fr. Ct. 

Kassa-Saldo • . . 2469. 35 

Staatsbeitrag 200. — 

Netto-Einnahme der historischen Vorlesungen . . 352. 30 

Jahresbeiträge von 214 Mitgliedern ä Fr. 5 . . 1070. — 

Eintrittsgelder 42. — 

Bankdepositen- und Obligationenzinse . . . 122. 95 

Sa. 4256. 60 

An Ausgaben: 

Laut spezifizirter Rechnung in Summa . . . . 2867. 68 

AcHv-Saldo . 1388. 92 

B. Bei der nächst stattfindenden Generalversammlung 
werden zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt : 

2. Me JahreirechHHBg prt 1867. 

Dieselbe verzeigt: 
An Einnahmen: 

Kassa-Saldo 1388. 92 

Staatsbeitrag 200. — 

Eintrittsgelder von 4 neuen Mitgliedern k Fr. 2 . S. 7- 

Bankobligationen-Zinse 105. — 

1701. 92 
An Ausgäbet^: 

Laut spezifizirter Rechnung in Summa . . . 267. 14 

Activ-SaUo . 1434. 78 

3. Me Jakreiredmug prt 1868. 

Dieselbe verzeigt: 
An Einnahmen: 

Kassa-Saldo 1434. 78 

Staatsbeitrag 200. — 

Netto-Einnahmen der historischen Vorlesungen . 444. 55 

Bankobligationen- und Depositenzinse ...» 74. 55 

Eintrittsgeld von einem neuen Mitglied . . . 2. — 

Sa. 2155. 88 
An Ausgaben: 

Laut spezifizirter Rechnung in Summa .... 168. 10 

AcHv-Saldo . 1987. — 



XIX 

4. Me JikrenechHuig prt 1869. 

Dieselbe verze^: 
An Einnahmen: 

Kassa-Saldo 1987. 78 

Staatsbeitrag 200. — 

Jahresbeiträge pro 1868 von 197 Mitgliedern ä Fr.' 5 985. — 

Netto-Einnahmen der historischen Yorlesnngen . 377. 20 

Bankobligationen-Zinse 114. 10 

Sa. 3664. 08 
An Ansgaben: 

Lant spezifizirter Rechnung in Snmma . . . 168. 88 

Activ-Saldo . 3495. 20 

5. Ble JtkresrechHHBg prt 1879. 

Dieselbe verzeigt: 
An Einnahmen: 

Kassa-Saldo 3495. 20 

Staatsbeitrag 200. — 

Bankobligation- und Depositenzinse 113. 15 

Sa. 3808. 35 
An Ausgaben: 

Laut spezifizirter Rechnung in Summa . . . . 120. 20 

Äctiv-SaUo . 3688. 15 



^oxpM iet ii|lürifdten (Sefellfcbaft. 



Hr. A. Keller^ Begierangsrath, Präsident. 
„ J. Hanziker, Rektor, Yicepräsident. 
f, Dr. Wirz, Professor, Actnar. 

F. Schweizer^ Staatsarchivar, Gassi er. 

£« Karz^ Jnstizsekretär, Archivar und Bibliothekar. 

Schroter, Pfarrer, in Bheinfelden. 

Rochholz, Professor, in Aaran. 

Plazid WeisseMbach, Fürsprech, in Bremgarten. 

Dr. Schanfelbael^ in Königsfelden. 

Mfinch^ Nationalrath, in Bheinfelden. 

Müller^ PfaiTer, in Bupperswyl. 



71 
17 



Verzeiclmiss 

der 

Mitglieder der hlstorlsohen Oesellsohaft. 



Bezirk Aarau. 

1. Blattner, Karl, Oberrichter in Aaran. 

2. Blattner, Otto, Dr. J., Fürsprech in Aaran. 

3. Brentano, Karl, Dr. J., Begiemngsrath in Aaran. 

4. Fahrländer, Karl, Dr. J., Staatsanwalts-Substitut in Aarau. 

5. Feer-Herzog, Karl, Nationalrath in Aarau. 

6. Dr. Frei, Jakob, Literat, auf dem Landenhof bei Aaran. 

7. Gladbach, Georg, Professor in Aarau. 

8. Haberstich, Johann, Fürsprech in Aarau. 

9. V. Hallwil, Hans, Begiemngsrath in Aarau. 

10. Herzog, Heinrich, Bezirksschullehrer in Aarau. 

11. Dr. Hirzel, L., Professor in Aarau. 

12. Holzin ger, Karl, Professor in Aarau. 

13. Hanziker, Jakob, Bektor der Kantonsschule in Aarau. 

14. Imhof, Ferdinand, Med. Dr., in Aaran. 



1 



xxn 

15. Dr. Keller, Augustin, Begierungsrath in Aarau. 

16. Keller, Traugott, Chemiker von Aarau. 

17. Keller, Arnold, Flbrsprech, Stellyertreter des Obergericht- 

Bchreibers in Aarau. 

18. Keller, Joseph, Controleur der aargauischen Bank in Aarau. 

19. Künzli, Arnold, Regierungsrath in Aarau. 

20. Leutwyler, J. J., Gemeindeschreiber in Aarau. 

21. Maier, Kaspar, von Baden, Professor in Aarau. 

22. Müller, Hermann, kathol. Pfarrer in Aarau. 

23. Oehler, August, Fabrikant in Aarau. 

24. Rauchen stein, Rudolf, Dr. und Professor in Aarau. 

25. Ringier, Qottlieb, Fürsprech und Staatsanwalt in Aarau. 

26. Rochholz, Ernst Ludwig, Professor in AaraxL 

27. Rothpletz, Emil, eidgen. Oberst in Aarau. 

28. Rothpletz, Karl, PfEurrer in Erlisbach. 

29. Rothpletz-Richner, Karl August, Bahnhof-Inspektor in Aarau. 

30. Saft, Robert Bruno, zum Storchen in Aarau. 

31. Schttlö, Louis, Fabrikant in Ober-Entfelden. 

32. Schneider, Fridolin, Oberrichter in Aarau. 

33. Schweizer, Friedrich, Staatsarchivar in Aarau. 

34. Senn, Johann, Jakob, Notar in Densbüren. 

35. Sutermeister, Otto, Professor in Aarau. 

36. Tann er, Erwin, Fürsprech in Aarau. 

37. ürech, Friedrich, Klasshelfer in Aarau. 

38. Weiersmüller, Rudolf, Regierungsrath in Aarau. 

39. Dr. Wirz, Hans, Professor in Aarau. 

40. Wydler, Ferdinand, Med. Dr. und Bezirksarzt in Aarau. - 

41. Zschokke, Olivier, Ingenieur in Aarau. 

Bezirk Baden. 

42. Baiding er, Karl, Oberrichter in Baden. 

43. Baidinger, Wilhelm, Fürsprech in Baden. 

44. Bopp- Weiss, Jakob, Bezirksamtmann in Baden. 

45. Bürli, Friedrich, Fürsprech und Nationalrath in Baden. 

46. Dorer, Kaspar, Oemeindeschreiber in Baden« 

47. Keller, Joseph, Bezirksschullehrer in Baden. 

48. Lehner, Heinrich, Seminarlehrer in Wettingen. 

49. Leimgruber, Kaspar, Religionslehrer in Wettingen. 

50. Meyer, Andreas, Gerichtspräsident in Baden. 

51. Minnich, Albert, Med. Dr., Sohn, in Baden. 

52. Minnich, Alois, Med. Dr., Vater, in Baden. 

53. Müller, Johann, Religionslehrer am Seminar Wettingen. 

54. Nieriker, Pius, Bezirksarzt in Baden. 

55. Nietlisbach, Joseph, Chorherrprediger in Baden. 

56. Saxer, Martin Joseph, Gemeindeammann in Mellingen. 

57. Wasmer, Jakob, Ajrzt in Mellingen. 

58. Zehnder, Joseph, Gemeindeamman in Baden. 



4 

Bezirk Bremgarien. 

59. Boll, Jakob, Apotheker in Bremgarten. 

60. Bruggisser, Anton, Med. Dr. in Wohlen. 

61. Donat-Meier, Joseph Rudolf in Wohlen. 

62. Dücrej, Joseph, Arzt in Bremgarten. 

63. Fügli staller, Johann, Arzt in Jonen. 

64. Füglist aller, Leonz, Major in Jonen. 

65. Geissmann^ Laurenz, Bezirkskommandant und Gemeindeam- 

mann in Bremgarten. 

66. fiagenbuch,^ Johann, Grossrath und Gemeindeschreiber »rin 

'^ Ober-Lunkhofen. 

67. Hermann, Karl Anton, Pfarrer in Bremgarten. 

68. Keller, Philipp, zum Kreuz in Bremgarten. 

69. Mäder, Daniel, Rektor in Wohlen. 

70. Meienjjerg, Joseph, Rektor in Bremgarten. 

71. Meier, Johann Joseph, Thierarzt in Bremgarten. 

72. Meng, Gregor, Dekan und Ehrenkaplan in Villmergen. 

73. Moos, Peter, Pfarrer in Oberwyl. 

74. Nauer, Heinrich, Gerichtspräsident in Bremgarten. 

75. Bonka, Melchior, Pfarrer in Villmergen. 

76. Schallberg er, Franz Joseph, Pfarrer in Wohlen. 

77. Seiler, Johann, Amtsschreiber in Bremgarten. 

78. Weissenbach, Franz, Gerichtsschreiber in Bremgarten. 

79. Weissenbach, Plazid, Fürsprech in Bremgarten. 

80. Zimmermann, Joseph Leonz, Bezirksschullehrer in Bremgarten. 

Bezirk Brugg. 

81. Amsler, Jakob, Pfarrer in Windisch. 

82. Dammbach, Isaak, Postverwalter in Brugg. 

83. Fröhlich, Karl, Rektor in Brugg. 

84. Geissberger, Leofthard, Gerichtsschreiber in Brugg. 

85. Häge, Edmund Heinrich, Bezirksschullehrer in Brugg. 

86. Hai 1er, Theodor, Fürsprech in Brugg. 

87. Hemmann, August, Arzt in Birrenlauf. 

88. Huber, Johann Jakob, alt Lehrer in Lupfig. 

89. Schaufelbüel, Edmund, Med. Dr. und Spitalarzt in Königsfelden. 

90. Stftblin, Friedrich, Bezirksschullehrer in Brugg. 

91. Urech, Rudolf, Med. Dr., alt Regierungsrath in Brugg. 

92. Vögtlin, Julius, Pfarrer in Brugg. 

93. Vögtlin, Jakob, Gerichtspräsident in Brugg. 

94. Wildi, Rudolf Samuel, Oberrichter in Brugg. 

Bezirk Kuhn, 

95. Albrecht, Gottlieb, Pferrer in Kulm. 

96. von May, Friedrich, auf Schloss Rued. 

97. Merz, Jakob, Bezirksschullehrer in Reinach, 



XXIY 

98. Schlatter, Heinrich Radolf, Pfarrer in Leatwyl. 

99. Strähl, Friedrich, Pfarrer in Reinach. 

100. Wälchli, Johann, Grossrath in Reinach. 

101. Wieland, Fridolin, Bezirksarzt in SchGfbland. 

Bezirk Laufenburg. 

102. B irc he r-Brugg isser, Andreas, Amtschreiber in Laufenburg. 

103. Bossard, Cajetan, Pfarrer in Laafenburg. 

104. Geissmann, Joseph Maria, Pfarrer in Frick. 

105. Seiler, Kaspar, Pfarrer in Oeschgen. 

106. Uebelhard, Fridolin, Pfarrer in Eiken. 

Bezirk Lenzburg, 

107. Bertschinger, Hermann, Fürsprech in Lenzbarg. 

108. Bertschinger- Amsler, Theodor, Nationalrath in Lenzbnrg. 

109. von Effinger, Rudolf, auf Schloss Wildegg. 

110. Erismann, Adolf, Med. Dr. in Brestenberg. 

111. Feer, Gustav, Pfiirrer in Fahrwangen. 

112. Frei, Eduard, Vikar in Lenzbnrg. 

113. Furter, Friedrich, Kaufmann in Lenzburg. 

114. Hftmmerli, Abraham, Fürsprech in Lenzburg. 

115. Häusler, Friedrich Salomon, Bezirkskommandant in Lenzbnrg. 

116. Häusler, Rudolf, Med. Dr. und Amtsstatthalter in Lenzburg. 

117. Hünerwadel, Johann, Notar in Lenzbnrg. 

118. Hünerwadel, Robert in Niederlenz. 

119. Jahn, Victor, Apotheker in Lenzburg. 

120. Kieser, J. J., Gemeindeschreiber in Lenzburg. 

121. Kuhn, Joseph Martin, Med. Dr. in Seon. 

122. Landolt, Rudolf, Klasshelfer und Rektor in Lenzbarg. 

123. Müller, Johann, Pfarrer in Rupperswü. 

124. Ringier, Rudolf, alt Nationalrath in Lenzbarg. 

125. Ringier, Rudolf, Sohn in Lenzbnrg. 

126. Rohr, Eduard, Gemeindeammann in Lenzburg. 

127. Weber, Johann, Fürsprech in Lenzburg. 



Bezirk Muri. 

128. Böcklin, Xaver, Pfarrer in Weltenschwyl. 

129. Brögli, Paul, Arzt in Merenschwand. 

130. Ebert, Georg, Bezirksschullehrer in Muri. 

131. Fischer, Joseph, Kommandant in Merenschwand. 

132. Hub er, Franz Xaver, Pfarrer in Beinwil. 

133. Hürbin, Viktor, Rektor in Muri. 

134. Kuhn, A., zur Sonne in Büelisacker. 

135. Meier, Joseph, Pfarrer und Dekan in Sins« 

136. Sater, Peter, Füi'sprech und Nationalrath, auf Schloss Horben. 



XXV 

Bezirk Rheinfelden. 

137. Brotbek, Karl, reformirter Pfarrer in Rheinfelden. 

138. Cartin, Alfred, Gerichtsschreiber in Rheinfelden. 

139. Dedi, Donat Adolf, Gemeindeschreiber in Rheinfeldeiu 

140. Dueloux, Karl, Gerichtspräsident in Rheinfelden. 

141. Franke, Gottfried, in Rheinfelden. 

142. Güntert, Karl, Saline-Direktor in Rheinfelden. 

143. Häselin -Kaienbach, Hermann, Amtsstatthalter inRheinf. 

144. Herzog, Kaspar, Pfarrer und Dekan in Wegenstetten. 

145. Kamper, Karl, Fürsprech in Rheinfelden. 

146. Lenbin, Pridolin, Pfarrer in Olsberg. 

147. Lochbrnnner, Karl, Pfarrer in ObeAnumpf. 

148. Münch, Arnold, Bezirksverwalter und Nationalrath in Rheinf, 

149. Schröter, Karl, Pfarrer in Rheinfelden. 

150. Stäubli, Fridolin, Oberrichter in Mägden. 

151. Stocker, Dominik, Bezirksschullehrer in Rheinfelden. 

Bezirk Zofingen. 

152. Bau mann, Johann Jakob, Pfarrrer in Brittnau. 

153. Bohnenblust, Johann, Stationsvorsteher in Aarburg. 

154. Busch, Franz, alt Bezirksschullehrer in Zofingen. 

155. Friedrich, Rudolf, Apotheker in Zofingen. 

156. Frikart, Johann Jakob, Notar und Gmd.-Schreiber in Zofingen, 

157. Geiser-Ryser, Rudolf, Kaufmann in Zofingen. 

158. Gränicher, Samuel, Kaufmann in Zofingen. 

159. Hool, Heinrich, Arzt in Zofingen. 

160. Imhof-Bär, J. R., Kaufmann in Zofingen. 

161. Maurer, Heinrich, Med. Dr. in Aarburg. 

162. Petzoldt, Eugen, Musikdirektor in Zofingen. 

163. Schumann, Albert, Bezirksschullehrer in Zofingen. 

164. Strähl, Friedrich, Fürsprech in Zofingen. 

165. Suter, Rudolf, Oberst in Zofingen. 

166. Suter-Suter, Rudolf, Genieoberstlieutenant in Zofingen. 

167. Suter-Irahof, Eduard, Kaufmann in Zofingen. 

168. Wälchli, Kaspar, Grossrath in Brittnau. 

169. Welti, Heinrich, Institutsvorsteher in Aarburg. 

170. Zimmerli, Franz, Stationsvorateher in Zofingen. 

171. Zimmerli, Friedrich, Notar und Gemeinderath in Zofingen. 

Bezirk Zurzach. 

172. Brunner, Joseph, Chorherr in Zurzach. 

173. Byland, Samuel, Pfanyr in Tegerfelden. 

174. Frey, Joseph, Bezirksamtmann in Zurzach. 

175. Huber, Johann, Stiftsprobst in Zurzach. 

176. Keller, Franz Xaver, Pfarrer in Schneisingen. 

177. Maienfisch, Robert, Bezirksschullehrer in Kaisei-stuhl. 

U* 



xxvr 

178. Meier, Bonaventor, Pfarrer in Döttingen. 

179. Seiler, Florian, Chorherr in Zorzach. 

180. Wernlin, Fridolin, Stiftsdekan and Pfarrer in Zurzach. 

■ 

Answftrtige. 

181. Bäbler, J. J., Professor in Bern. 

182. Mettaaer, Kaspar, Domherr in Solothnm. 

183. Schmid-Hagnauer, Gastav, Fabrikant in Lichtensteig, 

Kantons St. Gallen. 

184. Siegfried, Friedrich, Oberst, Mitglied des Centralbahn-Direk- 

torioms in Basel. 

185. Stttssi, David, Professor in Borgdort. 

186. Stocker, Franz Augast, Liteiat in Basel. 

187. Suppiger, Jakob, Med. Dr. in Triengen, Kts. Luzem. 

188. Weller, Franz, alt Nationalrath in Luzem. 

189. Dr. Welti, Johann Jakob, Professor in Winterthur. 

190. Dr. Welti, Emil, Bundesrath in Bern. 



Ehrenmitglieder. 

Osenbrttggen, Dr. und Professor in Zürich, 
von Wyss, Georg, Dr. und Professor in Zttrich. 
Rtittimeyer« Dr. und Professor in Basel. 
Keller, Ferdinand, Dr. in Zürich. 
Blumer, Johann Jakob, Dr., StAnderath in Glarus. 
Amiet, Jakob, Fürsprech in Solothum. 
Wartmann, Hermann, Dr., Archivar in St. Gallen. 
Bothing, Martin, Dr., Archivar in Schwyz. 
Fechter, Daniel Albert, Dr. und Professor in Basel. 
Yischer, Wilhelm, Dr. und Professor in Basel. 
Schiess, Johann Ulrich, Dr., eidgen. Kanzler in Bern. 



Correspondirende Mitglieder. 

Henri Fazj, Mitglied der Soci^tä d*Histoire et d* Archäologie in Genf, 
J. B. Galiffe, J. M. Dr.,MitgHed der Sociätö d*Histoire et d'Arch^o« 

logie in Genf. 
Jules Vuy, Mitglied des Institut National Genevois in Genf. 



Im Laufe der Jahre 1867 bis and mit 1870 haben den 
AoiStritt erklärt oder sind durch Tod abgegangen: 

Kurz, Heinrich, Dr. imd Kantonsbibliothekar in Aarau. 



XXVII 

f Sauerländer, Karl, Buchhändler in Aarau. 
t Baidinger, Karl, Fürsprech in Baden. 
Bürli, Gustav, Bezirksschullehrer in Baden. ^ 

Hanauer. Johann Ulrich, alt Begierungsrath in Baden. 
Hümbeli, Peter, Gemeindeschreiber in Meilingen. 
Imfeldy Joseph, Pfarrer in Ehrendingen. 
Kelle rsb erger, Joseph, Fürsprech in Baden. 
t Kettiger, Johann, alt Seminardirektor in Wettingen, 
t Saxer, Philipp, Dekan in Würenlingen. 

Vogler, Martin, Grossrath in Ober-Rohrdorf. 
t Bruggisser, Peter, Oberrichter in Wohlen. 
t Hub er, Joseph, Fürsprech in Bremgarten. 
t Maurer, J. B., Fürsprech in Bremgarten. 
t Spühtig, Joseph, Pfarrer in Göslikon. 

t Weiss enbach-Meier, Franz, Gemeindeschreiber in Bremgarten. 
Hagnauer, Eugen, reformirter Pfarrer in Bremgarten. 
Steiner, Heinrich, alt Bezirksamtmann in Kulm. 
Weltiy Johann Georg, Pfarrer in Bued. 
Kien berger, Ferdinand, Pfarrer in Mettau. 
Bertschinger, Eugen, Med. Dr. in Lenzburg. 
Häusler, Karl, Pfiarrer in Lenzburg, 
t Hünerwadel, Wilhelm, alt Bezirksamtmann in Lenzburg. 
t Kunz, Rudolf, Goldarbeiter in Lenzburg, 
Märki, Heinrich, Gemeinderath in Lenzburg. 
Meier, Ernst, Kaufmann in Lenzburg. 
Glaser, Jakob, Gastwirth zum Löwen in MurL 
t Merz, Jakob, Kreisförster in Muri. 
Näfy Joseph, Bezirksschullehrer in Muri. 
Bürgi, J. B., Arzt in Rheinfelden. 
Güntert, Johann, Fürsprech in Rheinfelden. 
Pfiffer, Gottlieb, Pfarrer in Möhlin. 
Steinhäuser, J. E., in Zeiningen. 
t Frikart, Karl, Rektor in Zofingen. 
Grossmann, Arnold, Fabrikant in Aarburg. 
Plttss, Johann, Fabrikant in Zofingen, 
t Senn, Otto, Bezirksamtmann in Zofingen. 
Siebenmann, Friedrich, Pfarrer in Safenwyl. 
Kaiserling, Dr. und Rabbiner in Endingen. 
Schmid, Rudolf, in Baselaugst. 
Hnber, Joseph, Pfarrhelfer in Bremgarten. 
t Strauch, Georg, Dr. und Rektor in Muri, 
t Krütli, Dr., eidgen. Archivar in Bern. (Ehrenmitglied). 



Die Eeformatioii in Bremgarten 



von 



PL WeiSSenbacll, Fürsprech. 



Ai^ovia YT. 



l 



Bremgarten beim Beginne des 16. Jahrhunderts. 

Umflossen von den Windungen der Reuss, welche in den 
mannigfaltigsten Krümmungen durch den felsigen Grund sich 
Bahn gebrochen und in der raschen Abwechslung ihres Laufes dem 
Beobachter ein malerisches Bild darbietet, ragte das Städtchen 
Bremgarten seit alter Zeit als fester Ort in der Umgegend her- 
vor. Die hübsche Lage im fruchtbaren Thale, welches zwischen 
grün bewaldeten Höhen aufwärts zur schönsten Fernsicht in 
die Hochalpen, die in regelmässiger Gruppirung um die mäch- 
tige Felspyramide des Rigi sich lagern , und abwärts zum freund- 
lichen Blick auf den Jura und die fernen Gipfel des Schwarz- 
waldes sich öflfnet, war vereinigt mit einer für die Kriegskunst 
damaliger Zeit festen Position. Im Halbkreis umspannt die Reuss 
das Gebiet der Stadt, indem sie der Halbinsel zur Verbindung 
mit dem rechten Ufer einen schmalen Landstreifen von nur wenigen 
hundert Fuss übrig lässt. Während hier die Ufer steil auf beiden 
Seiten gegen den Fluss abfallen und das Plateau der Stadt in der 
hohem Thalebene liegt, senkt sich gegen die Mitte der Halbinsel 
der Boden in raschem Abfalle und bildet eine über das gewöhn- 
liche Niveau der Reuss nur wenige Fuss vorragende Fläche. Durch 
diese BodenbeschaflFenheit war für die Stadt von jeher die natür- 
liche Abtheilung in Ober- und Unterstadt gegeben. 

Die feste Lage des Ortes wurde erhöht durch Mauer und 
Graben. Die Mauern bilden ein länglichtes Viereck, dessen vier 
Endpunkte durch massive runde Thürme mit hohem Helm mar- 
kirt sind; Schiessscharten, Lauben längs den Mauern gleichen 
der Einrichtung anderer Stadtbefestigungen. Ein tiefer Graben 
von einem Ende der Reuss zum andern sichert die Oberstadt und 
schliesst die Halbinsel da vollständig ab , wo die natürliche Grenze 
des Flusses fehlt. Die Unterstadt erstreckt sich nicht bis an die 
Bogenlinie der Reuss, sondern es ist auch hier ein Graben von 
einem Reussende zum andern gezogen, welcher mit der Mauer 
die Stadt in gerader Linie abgränzt und einen grossen Raum in 
der Form eines regelmässigen Halbkreises, die Auw, der land- 
wirthschaftlichen Bebauung einräumt. 



Durch ein festes Thor mit Zugbrücke wird der Eingang in 
die Oberstadt verwahrt; nach Art der damaligen Befestigungs- 
kunst öffnet sich das Thor nicht auf die Hauptstrasse, sondern 
auf einen kleinen viereckigen Platz , welcher erst zur Haupt- oder 
Marktgasse führt. Parallel mit dieser durch zwei schöne Brunnen 
verzierten Strasse läuft eine Gasse auf der einen Seite längs der 
Reuss; auf der andern Seite kreuzen sich mehrere kleine Gäss- 
chen. Am Ende der Marktgasse schliesst ein Thor die Ober- 
stadt, aus welchem durch zwei eng aneinandergebaute Häuser- 
reihen der Schwibogen in steilem Falle zum untern Thore fuhrt, 
welches die Unterstadt gegen die Reussbrücke abschliesst. Die 
hölzerne gedeckte Brücke, auf drei steinernen Pfeilern ruhend^ 
führt zuerst zu einer Insel, auf welche die Bruggmühle mit einem 
Bollwerk gebaut ist; dann mit einem kleinem Ansatz auf das 
linke Reussufer, auf welchem für sich gesondert das Siechenhaus 
mit dem Ereuzkirchlein und die Wällismühle stehen. In der 
Unterstadt sind die Pfarrkirche mit zwei Capellen und das Schwe- 
sternhaus zu St. Clara bemerkbar, umgeben von den zahlreichen 
Pfrundhäusem. Ein Thörchen öfifnet sich in der Mitte der Mauer 
auf die Auw, von wo der Uebergang über den Fluss -zu Schiff 
gesucht werden muss. 

An öffenUichen Gebäuden zählt die Stadt neben dem Rath- 
haus in der hintern Oberstadt das Kaufhaus gegenüber dem obem 
Thor, den Spital neben demselben und auf dem höchsten Punkte 
der Stadt auf der Seite gegen Zürich den Hochwachtthurm , einen 
starken Bau, zum Schutze des wegen seiner beherrschenden Lage 
wichtigsten Stadttheiles aufgerichtet; durch denselben führt eine 
kleine Seitenpforte in die Stadt. Als öffentlicher Schmuck dienen 
die kunstreichen Brunnen; die Häuser sind vielfältig mit bunten 
Wandmalereien verziert, wie denn beinahe jedes Haus sein eigen 
Zeichen und seinen eigenen Namen führt. 

Um die Stadt liegt deren Gebiet, da sie ringsum die Gegend 
beherrscht. An die waldbedeckten Hügel lehnen sich fruchtbare 
Felder, welche meist erst in jüngerer Zeit dem Walde entrissen 
und zu freundlicherer Cultur herbeigezogen worden, während früher 
der Jäger bis nahe an die Stadt sich der Jagd erfreute. An dem 
sonnigen Hügel gegen Osten sind Weinreben gepflanzt, zum gröss- 
ten Theil Eigenthum der Stadt und der Bürger. 

Auch die Reuss ist bereits der Gewerbsthätigkeit dienstbar 
gemacht. Oberhalb der Brücke erstrecken sich zwei gewaltige 
Steindämme schief gegen einander in den Fluss hinein zur Er- 



achmg eines Gefälles, durch welches der Betrieb der Wasserwerke^ 
der Mtthlen tind Sägen, für das ganze Jahr gesichert ist, wäh- 
rend in der Mitte die Wasserstrasse für die Schifffahrt frei bleibt, 
für die Zeit des niedrigsten Wasserstandes durch eine Sperr^ 
Vorrichtung verschliessbar. *) 

Beim Beginne des 16. Jahrhunderts war diese Stadt zu einer 
grossen Entwicklung ihrer geistigen und materiellen Kräfte ge- 
langt. Seit der Zeit der genaueren historischen Kenntniss eine 
östrdchische Stadt, erfreute sich Bremgarten des besondem 
Schutzes seiner Herren , welche es mit ausgedehnten Rechten und 
Privilegien bedachten. Beim Erwerb des alten Aargau's durch die 
Eidgenossen wurden dessen Rechte und Freiheiten alle vorbehalten 
und bestätigt. Kaiser Sigismund ertheilte den Bürgern die spedeUe 
Zusicherung, dass sie niemals vom Reiche geschieden, versetzt 
oder gepfändet werden soUten; nur unter diesem ausdrücklichen 
Vorbehalt erfolgte die Huldigung an das Reich und die Eidge- 
nossen. Erneuert wurden die Zusicherungen des Rechtsschutzes 
durch den Freiheitsbrief des Königs Friedrich vom Jahre 1442, 
wie durch den Schirm- und Freiheitsbrief der VHI Orte vom 
Montag nach Jakobstag 1450. Bremgarten soll der Eidgenossen 
offenes* Schloss sein, dagegen bei allen seinen Rechten geschützt 
bleiben; frei ist die Wahl des Schultheissen, des Rathes, der 
Vierzig, der Aemter und Gerichte, ohne Kümmerung durch die 
Eidgenossen ; bei innem Kriegen haben die von Bremgarten still- 
zusitzen, bis die Orte oder die Mehrzahl derselben sie mahnen; 
verboten ist nur, ohne der Eidgenossen Wissen und Willen ein 
Bündniss oder Bürgerrecht einzugehen. 

Unter diesem gesicherten Rechtsschutze nahm die Bürger- 
zahl und deren Wohlstand bedeutend zu. Die Macht Bremgar- 
tens war bereits zur Zeit des alten Zürcher Kri^es in der Weise 
herangewachsen, dass der Stadt das Anerbieten gemacht wurde, 
ein eigener Ort zu werden. Irrige politische Berechnung, welche 
dem Bestand der Eidgenossenschaft misstraute und das Heil vom 
Wiederkehren der östreichischen Herrschaft in alter Anhänglich- 
keit erwartete, liess das Anerbieten der VHI Orte zurückweisen; 
zu spät wurde der Fehler erkannt. 

Für die damaligen Zeitverhältnisse war Bremgarten ein fester 
Punkt und der Besitz dieser starken Stellung wichtig für die Be- 
herrschung des Reussthaies, namentlich für die Vermittlung der 



*) FeUbaum genannt. 



Verbindung zwischen dem Gebiete Zürichs und dem alten Aargau, 
den Landen Berns. Von Sins abwärts bis Mellingen war hier die 
einzige Reussbrücke. Für die VUI Orte war dieser Platz um so 
bedeutender, weil derselbe, in den gemeinen Herrschaften der 
Freiämter im Wagenthal *) gelegen, die Ausübung der Herrschaft, 
über dieselben wesentlich erleichterte. 

Der Umfang der Stadt war in jener Zeit schon ziemlich der 
gleiche wie heute und lässt daher für die damaligen Verhältnisse 
auf eine grössere Bedeutung schliessen. Der Stadtbann erstreckte 
sich an die Gränzen des Kelleramtes und des Krummamtes. In 
diesem engem Stadtgebiet übte Bremgarten die volle Machthoheit 
aus, welche sich in dem Rechte des Blutbannes für dieses Ter- 
ritorium gipfelte. Der Zoll auf der Brücke war der Stadt schon 
von den Söhnen des Kaisers Rudolf, den Herzogen von Oestreich, 
verliehen worden ; zum Unterhalt dieser Brücke durfte Bremgarten 
in allen umliegenden Frohnwäldern ungehindert Holz schlagen. 
Dieses Recht bezeugten noch im Jahre 1434 auf erhobene Kund- 
same Männer von Oberwil, Lunkhofen, Jonen, Arni, Werdt, 
Nied^rwil und Göslikon und Kaiser Sigismund bestätigte dasselbe 
neuerdings. Schon Herzog Leopold von Oestreich hatte 1381 ein 
Kaufhaus zu freiem Markt bewilligt; der Verkehr hatte li^it der 
Zeit so zugenommen , dass das alte Kaufhaus 1466 durch Zukauf 
eines neuen Hauses bedeutend erweitert werden musste. 

Bremgarten stand das Fischenzenrecht zu in der Reuss zwi- 
schen dem Stampfenbach und Ziegelbach, d. h. inner den Grenzen 
des Kelleramtes ; die Stadt hatte es vom Kloster Königsfelden er- 
kauft; ebenso in der Reppisch, in der Bünz zu Wohlen und in 
der Jonen. Reichen Ertrag warfen die Fischenzen ab im Isen- 
lauf, im Turstbrunnen , in der Auw, in den Seen und Gumpen 
zu Werdt, im Geisser See,**) im Bibenlos und bei Sulz, nament- 
lich aber die im Fellbaum , da Bremgarten auch alle Fischenzen- 
rechte von Hermetschwil an bis zum Stein Schadwart bei Gös- 
likon zugehörten. Das Recht auf den Fellbaum hatte der Be- 
sitzer der Bruggmühle, Rudolf von Wihle, mit Einwilligung seiner 
Tochtermänner Hänsli und Conrad Sager im Jahre 1436 an die 
Stadt abgetreten. Diese Fischenz war namentlich einträglich wegen 
des Lachsfanges, so dass sich der Rath eines Jahres veranlasst 
fand, den Preis eines Stückes auf 2 Schilling festzusetzen. 

*) Wagenberg heisst d^ Höhenzug, welcher bei Bremgarten das Reusn- 
xmd Bünzihal scheidet. 

**) Weiher bei den GeisshOfen bei Unter- Lunkhofen. 



Im Laufe des 15. Jahrhunderts war auch der Waldbesitz 
Bremgartens bedeutend vermehrt worden; das Rohr bei Fisch- 
bach wurde angekauft, der Lipplischwald und der Wald im Biren- 
berg von den zu Gunsten des Klosters Muri darauf haftenden 
Lasten befreit. Der Waldbesitz musste um so eher nach aussen 
erweitert werden, weil in der nähern Umgebung der Stadt der 
Anbau des Landes erheblich gesteigert wurde. Während im Be- 
ginn des 15. Jahrhunderts die ganze Umgegend waldig war und 
dnen grossen Wildstand hegte, war zu Anfang des 16. das Wald- 
gebiet ziemlich zurückgedrängt. Um Bremgarten blühten schon 
zur Zeit des Zürcher Krieges viele Gärten, deren Verwüstung 
für die Bürger besonders empfindlich war. 

Auch nach Aussen hatten sich die Rechtsame der Stadt be- 
deutend ausgedehnt. In nächster Umgebung waren die Höfe 
Bibenlos, Itenhard und Hiltiswil dienst- und steuerpflichtig. In 
den Jahren 1450 und 1451 erkaufte Bremgarten Zwing und Bann, 
Eirchensatz, Meierhof, Gerichte, Liegenschaften und Zehnten zu 
Zufikon von den Edeln Heinrich und Walter von Seengen um 
1822 rheinische Gulden; deren Erben traten 1512 auch noch ihre 
Beben daselbst der Stadt ab, mit Trotte, Haus und Baumgarten, 
dem Quartalzehnten und dem Weinzehntli um 700 Gulden. Die 
Vogtei Berkon gehörte schon längere Zeit der Stadt, 1374 von 
den Edeln von Schönenwerd erworben. Neu wurden dagegen vom 
Gapitel Constanz im Jahre 1527 für den Spital Bremgarten an- 
gekauft der Hof und die Lehengüter mit dem grossen Zehnten, 
dem ELirchensatz und der Lehenschaft oder dem jus patronatus, 
die Pfarre und Pfrund zu Oberwil, zugleich mit dem Zehnten zu 
Berkon, Liele und Plytzenbuch, welche derselben Kirchhöre Ober- 
wil zugetheilt waren, um 2800 rhemische Gulden. «Zu diesem vor- 
tlieilhaften Kauf hatten die für das geistliche Stift gefährlichen 
Zeitverhältnisse nicht wenig beigetragen ; das Gapitel veräusserte 
billig, um nicht Alles durch Säcularisirung zu verlieren. Schult- 
heiss Wemher Schodeler erwarb im Jahre 1522 auch die Vogtei 
zu lieli um 120 rheinische Gulden von Abt und Convent des 
Klosters Muri und trat sie um den gleichen Preis an Bremgarten 
ab. Die Vogtei Wyle (Oberwil) stand Bremgarten schon seit dem 
Jahre 1429 zu und war damals um 750 Pfund erworben worden. 1438 
verkaufte Johann Schwend die Vogtei RudoHstetten mit Zwing 
und Bann und den Hof zu Friedlisberg um 488 Va rhem. Gulden 
an die Stadt, der auch mei Drittheile der Vogtei zu Werdt 
gehörten. 



8 

Schon 1414 hatte Bremgarten das Meieramt zu Lunkhofen 
mit allen dazu gehörigen Gerichten von Frau Anna von WoUraa 
mit Händen ihres Mannes , Johann von Trostberg, Bärger zu 
Zürich, um 2 1 Pfiind Zürcherpfennig als jährliches Leibding erworben. 
Nach der Eroberung des Aargau's bestätigte Zürich die Stadt im 
Besitze der niedem Gerichte im Kelleramt, in Jonen, Ami, Ober- 
und Nieder-LUnkhofen mit Zubehörden. Am Montag nach Katha- 
rinentag 1527 wurden die Rechtsverhältnisse zwischen Zürich als 
dem Inhaber der hohen Gerichte und Bremgarten als dem Be- 
sitzer des niedem genau ausgeschieden : Bremgarten hat das Mann- 
schaftsrecht, d. h. im Kriegsfall müssen die Kellerämter mit der 
Stadt ausziehen; es hat zu strafen für Schlagen, Messerzucken, 
Wunden, Friedbrechen mit Worten, Nachtschachen, Ueberzäunen, 
Ueberähren, Ueberschneiden, Uebermähen, Kriegsgeläuf, Zureden 
im Zorn, Zureden gegen Weiber und Töchter; ihm gehört der 
Windbruch im Hochwald nach Inhalt der Öffnungen; der Unter- 
YOgt soll dem Rathe zur Bestätigung präsentirt werden und hat 
demselben wie alle im Kelleramt Angesessenen Treue und Wahr- 
heit zu schwören; Sprüche um Frevel und Bussen, welche die 
hohen Gerichte nicht berühren, sollen nur nach Bremgarten ap- 
pellirt werden, dagegen gehören die Appellationen um Geldschuld 
und alle andern in erster Instanz an die niedem Gerichte ge- 
hörenden Sachen nach Zürich. In Zürichs Competenz fallen femer: 
Friedbrüche mit Worten, Verrückung der Märchen, Scheltungen, 
die Leib und Leben betreffen; solche, die ob einer Criminalsache 
ergriffen worden; ihm steht femer zu der Wildbann, der Blut- 
bann, Todtschlag, die Beerbung unehrlicher Leute, gefundenes 
Gut und verlaufenes Vieh. 

Somit umüasste die Herrschaft der Stadt Bremgarten beim 
Beginne des 16. Jahrhunderts nicht nur unbeschränkte Hohheit 
innerhalb des Stadtbannes, verbunden mit reichen Fischenzen- 
rechten in der Reuss, Bünz, Reppisch und Jonen, mit dem Rechte 
des Zolles auf der Reussbrücke, dem freien Marktrecht im Kauf- 
haus, vereint mit reichem Besitz an Waldungen, offenem Ge- 
meindeland, Höfen und Reben, sondem auch die Vogtei in Zufi- 
kon, Berkon, Oberwfl, Lieli, Plytzenbuch, Rudolfstetten und 
Friedlisberg, dem niedem Amt; einen Theil der Vogtei in Werdt; 
die niedern Gerichte im Kelleramt, Jonen, Ober- und Unter- 
Lunkhofen und Ami ; die GoUaturrechte in Zufikon und OberwiL 

Zur Verwaltung dieses nicht unbedeutenden Gemeinwesens 
war eine Reihe von Behörden geordnet. An der Spitze der Stadt 



stand der you den Bürgern frei gewählte Schultheiss, der je für 
m Jahr regierte ; neben ihm der kleine Rath von zwölf Mitglie- 
dern, unter denen der Altschultheiss eine hervorragende Stelle 
einnahm. Ihm zur Seite tagte der grosse Rath der Vierzig, aus 
welchem sich der kleine Rath ergänzte. Gemeinsam erliessen 
dieäe beiden Räthe Verordnungen über Handel und Verkehr, über 
den Betrieb der Gewerbe, wie insbesondere den Mühlenbetrieb, 
die Metzgerei und Bäckerei; beschlossen die Erstellung der er- 
forderUchen Bauten , überwachten dereQ Ausführung, sorgten tür 
die Sicherheit der Stadt durch Erlass von Kriegsordnungen; be- 
schafften die zur Ausführung nothwendiger Werke erforderlichen 
Geldmittel und machten daher auch die nöthigen Geldanleihen. 
Dem kleinen Rathe fiel die executive Geschäftsleitung zu, die 
Verwaltung im engern Sinn; er verpachtete die Höfe der Stadt, 
die Ziegelhütte , die Fischenzen ; er verlieh die geistlichen Pfrün- 
den, mit Ausnahme der Leutpriesterei, deren Besetzung Sache 
der ganzen Gemeinde war. Vor ihm wurde Fertigungsgericht ge- 
halten; er nahm letztwillige Verordnungen der Bürger entgegen, 
durch welche Bestimmungen des Stadtrechtes abgeändert werden 
sollten, weil dieselben nur mit seiner Genehmigung Gültigkeit 
hatten; er bestimmte die Grösse des Abzuges, den wegziehende 
Bürger von ihrem Vermögen zu bezahlen hatten. Damals war die 
Verminderung der Bürgerzahl noch weit mehr gefürchtet als deren 
Zuwachs; daher musste der Wegzug, welcher das Aufgeben des 
Büi^errechtes in sich schloss, durch eine ansehnliche Abgabe er- 
kauft werden. 

Viele Unterbeamte vollzogen die Beschlüsse der Räthe und 
besorgten die einzelnen Zweige der Verwaltung. Der Obervogt 
des Kelleramtes war Gerichtsherr daselbst, ebenso der Obervogt 
des Niederamtes; diese Stellungen waren gewöhnlich mit den- 
jenigen der Altschultheissen verbunden. Der Stadtschreiber führte 
alle VerhandlungsprotocoUe, Bürgen*egister und Steuerlisten und 
fertigte die öffentliche Correspondenz; dieses Amt wurde in jener 
Zeit immer von den fähigsten Köpfen versehen; wir erinnern nur 
an Wemher Schodeler, den Chronisten. Vier Fürsprecher be- 
setzten das gewöhnliche Gericht. Die Einkünfte der Stadt und 
der besondem Stiftungen bezogen der Spitalmeister, der Kirch- 
meier, der Einiger (Bussenbezüger), der Imminer (Bezüger der 
Abgaben im Kaufhaus), der Einnehmer der Kirche, der Seckel- 
meister, der Ohmgeldner, der ZoUer, der Holzmeier u. s. w. Zur 
BeauMchtigung der Gewerbe waren geordnet die Kernenschau, 



10 

die Obstschau, die Brodschan, die Fleischschätzer. Jedes Thor 
hatte seinen Schlüssler, so der zum niedern Thor, zum Hofthor, 
Mühlethor, Himmehreich, Author und Kesselthor. Die Feuerschau 
war nach den einzehien Gassen vertheilt, welche damals meist die 
gleichen Namen führten wie heute noch: Reussgasse, Am Bach, 
Spiegelgasse, Schwibogen, Schwingasse, Markt-, Korn-, Villiger- 
und Webergasse. Die Stadtknechte versahen den Weibeldienst; 
die Stadt hatte ihren Weinschenk , die Kellerknechte u. s. w. Nur 
diese Unterbeamten bezogen eine Besoldung. Schultheiss, Rath 
und Vierzig hatten der Stadt unentgeltlich zu dienen und mussten 
durch Nebenbeamtungen Entschädigung suchen. Bis zum Jahr 
1584 hatte der Schultheiss nur zu den vier hohen Festtagen ein 
Mahl und zur Fastnacht wurden ihm Küchlein dargereicht; da- 
neben war er noch steuerfrei. 

Wie die Macht Bremgartens nach Aussen erweitert worden 
war, wurden auch im Innern viele Bauten zur zweckmässigen 
Einrichtung und Verschönerung vorgenommen. Steinerne Joche 
wurden unter die Brücke gestellt, steinerne Brunnen errichtet 
und andere schöne Bauten ausgeführt, 1519 die Oberstube ge- 
baut, das Versammlungslocal für die Räthe und Bürger; 1527 
zwei Scheunen beim Rathhaus angekauft, um dieselben zu einem 
Haberhaus umzubauen. Auch zwei neue Glocken waren 1515 an 
zwei Meister von Zug vergeben worden. Mit Ueberwachung dieser 
Arbeiten wurde jeweileu eine besondere Rathscommission von drei 
Mitgliedern beai^tragt. 

Die wiederholten Ankäufe kostspieliger Herrschaften wie die 
vielen Bauten mussten die finanziellen Kräfte der Stadt bedeutend 
in Anspruch nehmen. Da die gewöhnlichen Einnahmen, zu welchen 
ausser den Zinseinnahmen insbesondere zu rechnen sind: das 
Holzgeld mit durchschnittlich 60 ^, das Ackergeld mit 32 Mütt 
Kernen, der Pachtzins für die Fischenzen mit 60 Kf Ertrag, so- 
wie die Pachtzinse der Höfe und Güter, zur Deckung der Aus^ 
gaben nicht hinreichten, wurden verschiedene Anleihen auf- 
genommen und der hiedurch entstehende jährliche Ausfall durch 
Erhebung von Steuern gedeckt. Eine Zusammenstellung der 
Zinse, welche die Stadt zu entrichten und derjenigen, welche die- 
selbe zu beziehen hatte, ergab für das Jahr 1525 356 ii Ein- 
nahmen und 403 ^i 10 ß Ausgaben. Die erhobenen Steuern be- 
trugen im Jahr 1485 275 ^ 19 /? 1 h. und im Jahr 1500 
281 ?/ 7 /? 2 h., sanken dagegen 1515 auf 212 ^14 ß und 
1525 auf 180 ^ 19 /? 9 h. Diese Steuerlast ruhte 1525 auf 



11 

185 Steuerpflichtigen, nämlich auf 116 stimmfähigen Bürgern, 
42 Frauen und Kindern und 27 ausser der Stadt Angesessenen 
(Ussburger); die Steuerlisten waren nach der Reihenfolge der 
Häuser in den einzehien Gassen geordnet. Das Minimum der 
Steuer betrug 1485 5 /?, 1525 nur 3 /?.*) 

Diese Steuerauflage war jedoch keineswegs eine drückende; 
viehnehr liegt der beste Beweis für die Blüte der Stadt darin, 
dass nur in dem Zeitraum vom Jahr 1471 bis 1516 nicht weniger 
als 62 neue Bürgergeschlechter im Bürgerverzeichniss erscheinen, 
somit so viele neue Aufnahmen stattgefunden haben. Diese Neu- 
bürger gehörten sowohl den umliegenden Gemeinden des Freien- 
amtes wie auch entferntem Orten und Städten an; die Bürger- 
aufnahmen fanden alljährlich statt und geben nicht nur einen 
Yollgült^en Beweis für das Gedeihen der Stadt, sondern legen 
auch ein ehrenvolles Zeugniss ab für den damals herrschenden 
Geist der Bürgerschaft, der in der Mehrung der geistigen und 
materiellen Kräfte und in der Aufnahme neuer Mitarbeiter an 
den Gemeindeangelegenheiten das Heil des Gemeinwesens erblickte. 
Wie vortheilhaft zeichnet sich diese Tendenz vor den Bestrebungen 
einer spätem Zeit aus, jeden neuen Zuwachs mit allen möglichen 
Mitteln fernzuhalten, nur um die bürgerlichen Nutzungen ja nicht 
zu schmalem. Die Einkaufsgebühr wechselte zwischen 2 und 3 
Gulden. Die Zahl der stimmfähigen Bürger betrug beim Beginne 
des 16. Jahrhunderts während mehrerer Jahre zwischen 170 und 
180; daneben beherbergte Bremgarten viele Ansassen, von welchen 
bis gegen Ende dieses Jahrhunderts keine besondem Nieder- 
lassungstaxen bezogen wurden. 

Wie für den'Rechtsschutz des Bürgers und für die freie Ent- 
wicklung der städtischen Gewerbe und des Verkehrs bestens ge- 
sorgt war, so waren auch die geistUchen Interessen gehörig be- 
dacht. Ausser dem Pfarrer oder Leutpriester und dessen Helfer 



*) Bei dieser ZusammensteUung nehmen wir das Pfund (S) zu 20 Schil- 
ling (ß) oder 240 Haller (h.); den Gulden zn2Sß=lffSß oder zu 
15 Baiaeen und 60 Kreuzern. Zu unterscheiden von diesem Gulden ist der 
rheinische oder Goldgulden = 45 /9 = 2V4 S = 1"/» gewöhnliche Gulden. 
Eine bestimmte Vergleichung des Werthes dieser Münzen mit dem heutigen 
Geldwerthe ist wegen der Verschiedenheit namentlich der Fruchtpreise 
schwierig; dagegen ist so viel sicher, dass der Geldwerth um mehr als das 
Zehnfache höher stand. Ein Saum Wein in Zufikon wurde zu 1 Gld. ge- 
rechnet, ein Rind zu 5 S*» eine Kuh zu 5Vt Gld.; 100 Ziegel galten 8 bia 
12 ß; eine Juchart Land wurde verkauft um circa 50 Gld. 



12 

zählte Bremgarten zehn Caplane; die meisten zu ihrem Unter- 
halte bestimmten Pfründen waren reich dotirt, so die P&rrpfrund, 
welche von Schultheiss, Käthen und ganzer Gemeinde verliehen 
wurde; die Nachpredicaturpfrund, gestiftet 1487; Unser-Lieben- 
Frauen-AItarpfrund, von Heinrich Landammann 1431 gegründet; 
die Helfereipfrund oder BuUingerpfrund , 1460 dotirt; die Spital-, 
pfrund(1379), St. Michaelspfrund (1426), Mittehnesspfrund (1425) 
St. Antonipfirund (1471), hl. Kreuzpfrund (1494), Beinhauspfnmd 
und Unser-Lieben-Frauen-Capellenpfrund. Daneben bestand das 
Schwesternhaus zu St. Clara beim Author, von Heinrich Land- 
ammann 1392 mit Haus und Bunte beschenkt. 

Bei der Verleihung dieser Pfründen musste der Belehnte sich 
eidlich verpflichten, dieselben persönlich zu versehen, ohne Wissen 
und Willen des Rathes keinen Stellvertreter zu ernennen, keine 
andere Pfründe gleichzeitig zu besorgen , sich freiwillig zu fügen, 
wenn der Rath eine Vermehrung des Gottesdienstes beschliessen 
sollte; ausdrücklich hatte der Bewerber auf alle Privilegien der 
geistlichen Gerichtsbarkeit zu verzichten und unbedingt deren von 
Bremgarten weltlichen Stab und Gericht anzuerkennen mit allei- 
niger Berufung an die Eidgenossen. Der Pfarrer hat den Sigristen 
und den Schulmeister zu besolden und dem Letztern alle Fron- 
fasten 10 /? und am Allerseelentag 5 /? zu geben, zudem ihm bei 
jeder Petition 1 /? zu verabfolgen oder auch mehr, wenn die Bei- 
steuern reichlich ausfallen. Für^ getreues Halten aller eingegan- 
genen Bedingungen musste der Belehnte zwei Bürgen aus der 
Bürgerschaft stellen, welche für denselben streng mit verhaftet 
waren.*) Wenn somit für die religiösen Bedürfhisse hinreichend 
gesorgt wurde, wachte der Rath doch auch Eifrig dafür, dass 
seinen Rechten durch die geistliche Gewalt keinerlei Eintrag ge- 
schehen konnte. 

Es kann nicht überraschen, wenn bei dieser Entwicklung 
aller Lebensverhältnisse in Bremgarten eine Reihe bedeutender 
Köpfe aus der Bürgerschaft hervorragen, und wirklich hat da- 
mals eine grosse Anzahl wissenschaftlich gebildeter und durch 
Thatkraft und Charakter gleich ausgezeichneter Männer dort ge- 
wirkt. Im Verlaufe der Geschichte werden wir den aufgeklärten 
Decan Bullinger, den berühmten Chronisten Wernher Schodeler, 
den gelehrten und festen Schultheissen Hans Honegger, wie dessen 



*) Specielle Bestimmungen enthält der Pfrundbrief Bullingers vom Jahre 
1506, Beilage UI. 



13 

thatkräftigen Gegner, den Schultheissen Hans Mutschli, vor Allem 
aber den durch Wissenschaft und segensreiches, charaktervoUes 
Wirken in hervorragendster Weise ausgezeichneten Heinrich 
BttlUnger kennen lernen. 

Die geschilderten Verhältnisse in Bremgarten lassen es also 
nur als natürliche Folge erscheinen, dass die Ideen der Refor- 
mation, sobald dieselben zur Entfaltung gediehen, in Bremgarten 
lebhaften Anklang finden und zu wichtigen und bedeutsamen 
Ereignissen Anlass geben mussten. 

Decan BnlUnger und Ablasskrämer Samson. 

Mit dem Beginne des 16. Jahrhunderts hatte sich im religiösen 
Leben Europa's eine grosse Umgestaltung vorbereitet, da die be- 
stehenden Formen des religiösen Bekenntnisses einem grossen 
Theile der Gläubigen nicht mehr genügten und viele Ausschrei- 
tungen des hierarchischen Regimentes mit den vorgeschrittenen 
Ansichten vieler Einsichtsvoller nicht mehr verträglich waren. 
Die Freiheit der Geister wollte sich auf dem Gebiete des Glau- 
bens und des kirchlichen Lebens nicht mehr einen, absoluten 
Zwang der Tradition gefallen lassen, welche, starr am Gegebenen 
festhaltend, jede entgegenstehende Meinungsäusserung unerbitt- 
lich als Ketzerei, als Sünde und Verbrechen richtete. Die üebel- 
stände, welche damals das kirchliche Leben entstellten, waren 
allgemein verbreitet; daher war auch die Unzufriedenheit nicht 
blos eine in einzelnen Köpfen sich Bahn brechende, die Stimme 
der Zeit hatte sich vielmehr bei allen gebildeten und starken 
Geistern damaliger Periode Geltung verschafft. Wenn also auf 
einem Punkte eine kräftige Anregung stattfand, musste diese 
Geistesthat in den Herzen Vieler zünden und Wirkungen von 
weitreichender Bedeutung hervorrufen. 

Es ist bekannt, dass den äussern Anlass zum Bruche mit 
der Kirche der in grossem Stile betriebene Ablasskram gab. In 
der Schweiz war es vor Allem der Ablasskrämer Samson, welcher 
diesen schmählichen Handel mit ziemlichem Erfolg betrieb ; doch 
sollte auch hier dieses Handwerk nicht ohne Anfechtung bleiben, 
hatte doch der Bischof von Constanz selbst für nothwendig er- 
achtet, diesem Treiben entgegenzutreten. Als daher Samson nach 
Lenzburg kam, wurde er von Magister Johannes Frey, der Pfarrer 
auf Staufberg war, mit dem Verbote des Bischofs zurückge- 
wiesen. Glücklicher war er in Baden, aus welcher Stadt er Ende 



14 

Februar 1519 nadi Bremgarten zog, eingeladen vom derzeitigen 
Schultheissen, Magister Hans Honegger und dem Predicanten 
Nidaus Christen. Hier widersetzte sich jedoch der Pfarrer und 
Decan Heinrich Bullinger dem Mönche und verweigerte ihm den 
Eintritt in die Kirche. Da berief Samson den Decan in seine 
Herberge zum Hirschen, wo er mit viel Volk und Pracht lag, 
hielt ihm die päpstliche Bulle und Gewalt vor und rühmte sich, 
wie er von den vornehmsten Orten der Eidgenossenschaft zuge^ 
lassen worden sei. Bullinger liess sich nicht schrecken, wefl die 
päpstlichen Briefe des Bischofs Visum nicht erhalten hätten ; die 
Einladung des Rathes habe Nichts zu bedeuten, da der Rath in 
der Kirche Nichts zu schaffen habe, sondern er, der Pfarrer. Auf 
die Drohungen des Mönches, welcher ihn in den höchsten Bann 
that, mit dem Vorbehalt, dass er sich um dreihundert Ducaten 
aus demselben lösen könne, antwortete Bullinger ruhig : er glaube 
recht gehandelt zu haben und frage Samson und seinem Banne 
gar Nichts nach. Erzürnt ritt Samson weg und drohte mit Klage 
bei den Eidgenossen, welche auf einem Tage in Zürich versam- 
melt waren. In Zürich hatte aber Zwingli bereits mit solchem 
Erfolge gqgen den Ablass gepredigt, dass dem Mönche der Ein- 
tritt in die Stadt durch Abgesandte des Rathes verwehrt wurde. 
Er wusste sich den Eingang dadurch zu erschleichen, dass er 
Aufträge des Papstes an die Tagherm vorschützte. Da er aber 
bei der ihm bewilligten Audienz nichts Anderes vorzubringen 
wusste, als seinen Ablass, wurde ihm von der Tagsatzung ge- 
boten, sofort ans der Schweiz wegzuziehen und den Decan Bul- 
linger unentgeltlich zu absolviren. Samson gehorchte, wenn auch 
unwillig; bei seinem Abzüge führte er einen gar grossen Schatz 
Geldes mit sich, das er den I/euten abgenommen hatte, was die 
Einsichtigen nicht wenig verdross. 

Dieser Decan Bullinger in Bremgarten war der Vater des 
berühmten Heinrich Bullinger, welcher Zwinglfs Nachfolger in 
Zürich wurde und in dieser Stellung das Werk der Reformation 
zu bestimmter Gestaltung und zum festen Ausbau führte. Dessen 
Vorfahren waren im Jahre 1348 nach Bremgarten gekommen, 
zwei Brüder, Arnold und Lüthold Bullinger, vorher als Unter*, 
thanen eines östreichischen Edelmannes auf einem Hofe auf dem 
Hasenberg angesessen; ein dritter Bruder, Clewy Bullinger, be- 
trieb bereits als Bürger in Bremgarten ein Handwerk. Zur Zeit 
des alten Zürcherkrieges war dieses Geschlecht schon bedeutend. 
Zwei Bullinger, Heinrich und Ulrich, standen auf Seite der Zürcher 



15 

and massten mit ihren Gesinnungsgenossen nach einem verun- 
^fickten Ueber&Usversuch der Zürcher auf die Mahlen aus der 
Stadt weichen, weil ein geheimes Einverständniss mit deren An- 
hftDgem in Bremgarten vermuthet wurde. Grosser Verlust er- 
wachs ihnen aus dieser Verbannung; Ulrich erwarb sich aber 
durch seine treue Ergebenheit die besondere Gunst des ebenfalls 
fluchtigen Schultheissen Megger. Nach Beendigung des Krieges 
wurde den Vertriebenen die Rückkehr in die Vaterstadt gestattet 
und die Verheirathung der Tochter des Schultheissen, Barbara, 
an Ubrichs Sohn Hans krönte die Freundschaft der Väter. Der 
Frau als Erbtochter fiel unter Anderm das Haus zum Wilden- 
mann zu, gegenüber der Metzg an der Marktgasse gelegen, welches 
später als Stammhaus der Bullinger betrachtet wurde. 

Nach kurzer Dauer wurde diese Ehe durch den Tod der 
Frau getrennt; Hans Bullinger verheirathete sich mit Gertrud 
Eüfferm von Brugg, der Tochter des Bürgi Küffer, welcher beim 
Ueberfall durch Thomas von Falkenstein und Rechberg gefangen 
nach Laufenburg gefuhrt worden war, durch einen kühnen Sprung 
in den Laufen entkam und durch diese muthige That sich und 
seinen Mitgesellen die Freiheit durch ErmögUchung der Lösung 
verschaffte; doch war er durch diesen Ueberfall verarmt, da ihm 
Alles geraubt, Haus und Hof verbrannt war und er zudem noch 
500 Gulden Lösegeld bezahlen musste. Gertrud war beim Ueber- 
faUe vier Jahre alt und das letzte der Kinder, welches aus der 
Stadt geführt, auf dem Platz unter den Linden, Ayssy genannt, 
gerettet worden war. 

Hans Bullinger, wegen der kleinen Gestalt und dem hinken- 
den Gang Hänsly genannt, trieb weder Handwerk noch Gewerb, 
sondern lebte aus seinem Einkommen. Et widmete viel Zeit der 
Jagd und war ein berühmter Waidmann, mit hohem und niederm 
Gewild, Fischen und Vögeln wohl vertraut. Der Wildstand war 
damals noch sehr zahlreich, weil Niemand von den Bauern jagte 
und das Schiessen noch nicht üblich war. Seine Frau Gertrud 
war als ein hübsches, häusliches und fröhliches Weib bekannt; 
berühmt war ihre Kunstfertigkeit im Wirken, die heidnische 
Arbeit genannt, welche sie von ihrer Mutter gelernt. Diese Gatten 
wacgä die Eltern des Decans ; beide starben im hohen Alter, der 
Vafll über 85 Jahre alt 1490 und wurde neben der Linde auf 
dem Bullinger Begräbniss bestattet; neben ihm ruhte die Mutter, 
im Alter von 82 Jahren 1522 hingeschieden. 

Decan Bullinger wurde als das älteste von fünf Kindern am 



16 

2. Februar 1469 im Wildenmann in Bremgarten geboren. Als 
fahrender Student durchzog er in seiner Jugend Meissen, Sach- 
sen, Thüringen und Schwaben in grosser Armuth und wurde 
Priester, nachdem er die Prüfung mit gutem Erfolge bestanden. 
Bald nach seiner Rückkehr wurde er mit Anna Wiederkehr be- 
kannt, der Tochter des Innermüllers, der ein gewaltiger Mann, 
Mitglied des Rathes und sehr wohlhabend war. Anna war dessen 
einzige Tochter neben zwei Söhnen, Hans und Heinrich, welche 
viele Kriegsdienste mitmachten und in denselben später den Tod 
fanden. Diese waren über das Yerhältniss ihrer schönen Schwester 
zu dem GeistUchen sehr erzürnt, obwohl ihr dieser von Anfang 
an eheliche Treue versprochen und solche auch redlich gehalten 
hat. In ihrer rauhen Sinnesart drohten sie, den Pfiaffen zu 
tödten, sodass dieser aus Bremgarten flüchten musste. 

Wegen eines schwierigen Rechtsstreites, den er mit Walter 
Sager zu bestehen hatte und der nach Constanz und Mainz ap- 
pellirt wurde, reiste er mit seiner Lebensgefährtin den geistlichen 
Gerichten nach, gewann den Process in Mainz und fand nach 
seiner Rückkehr Anstellungen als Helfer und Caplan in Con- 
stanz, Arbon, Schwyz und Wädenschwil am Zürchersee. Ueberall 
genoss er Gunst als ein gar schöner, freundlicher und geschickter 
Mann. Nach dem Tode der Schwäger nach Bremgarten zurück- 
gekehrt, erhielt er dort die Michaelspfründe mit der Orgel, welche 
er trefflich spielte, und wurde bald nachher (1506) von den Räthen 
und der ganzen Gemeinde zum Pfarrer oder Leutpriester ge- 
wählt. Obwohl er sich die Geneigtheil Aller erworben, wollte 
sich doch sein Schwiegervater Heinrich Widerkehr nicht ganz 
versölmen, verkaufte seine Besitzungen in Bremgarten und z<^ 
nach Dietikon, woher sein Geschlecht stammte. 

Nach kurzer Zeit wurde Bullinger zum Kammerer, dann zum 
Dec^ des Capitels Bremgarten und Zug ernannt. Unter ihm 
wurde 1509 das Pfarrhaus neu erstellt; obwohl die Stadt baute, 
erwuchsen ihm doch über 300 Gulden Unkosten; er umzog zu- 
erst den Baumgarten mit Rebbögen, womit er einen ziemlichen 
Weinertrag erzielte. 

Der Gemeinde war er sehr angenehm und lieb, weil er viel 
Gutes that und namentlich gegen die Armen mit Speis und "nrank 
und andern Gaben sehr wohlthätig war; so hatte er heiklen 
Ruhm und guten Namen. Ebenso freigebig und gastfreundlich 
war er gegenüber den Reichen ; sein Haus stand Jedermann offen, 
da auch seine Frau gar geschickt war mit Haushalten und Kochen 



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17 

und Lust und Freude hatte , der Welt Ehre und Gutes anzuthun. 
Viele vornehme Leute, auch die Boten der Eidgenossen kehrten 
bei ihm ein, wenn sie über Bremgarten auf die Tagsatzung ritten. 
Diese Gastfreundschaft wurde von den Gewaltigen der Eidgenossen 
mit Vergnügen bemerkt, so dass er viel bei den Angesehenen 
galt; auch der Bischof von Constanz war ihm sehr geneigt, so 
dass er immer gut empfangen war, wenn er nach Meersburg oder 
Constanz kam. Sein Amt in der Kirche versah er getreu, nament- 
h'ch fanden seine Predigten Beifall Die freie Zeit benützte er 
insbesondere zum Waidwerk , zu dem er Lust und Geschick vom 
Vater geerbt hatte; seine liebsten Jagdgesellen waren Junker 
Hans von Seengen, Junker Hans Krieg von Bellikon, die Segesser 
von Hellingen, der Abt von Muri und viele Bürger Zürichs; er 
verwandte viele Kosten auf das Jagen, hielt bis zwölf Hunde 
aller Art. Was er erbeutete, wurde zum grössten Theil ver- 
schenkt, indem er äusserte, es freue ihn mehr zu fangen als zu 
essen. Dem Bischof von Constanz und andern Herren machte 
er viele Geschenke vom edelsten Geflügel. 

Seinen Kindern war Bullinger ein sorglicher Vater, unter- 
stützte namentlich seine Söhne willig nach seinem Vermögen, um 
ihre Studien möglichst zu erleichtem. Er pflegte zu sagen: die 
Kosten reuen ihn Nichts, wenn sie nur Etwas lernen. 

Das war der Mann , welcher dem frechen Gebahren Samsons 
unerschrockenen Widerstand entgegensetzte. Dieser Vorfall machte 
nicht geringes Aufsehen in der Eidgenossenschaft; da Zwingli 
sich in diesem Handel mit Erfolg ebenfalls wesentlich bemüht 
hatte, stieg auch sein Ruf in Zürich' und überall, wohin die 
Kunde kam. So war gleich beim Beginne der Reformation dieser 
Vorgang in Bremgarten von Bedeutung, indem der erste kräf- 
tige Zusammenstoss der neuen Ideen mit dem päpstlichen Regi- 
ment hier stattgefunden hatte. 



Die Reformation in Zftrich nnd Bern. 

Seit einiger Zeit hatte Zwingli in Zürich begonnen , die reine 
Lehre des Evangeliums zu predigen, indem er sowohl auf der 
Kanzel wie im persönlichen Verkehr immer entschiedener die An- 
sichten und Gedanken der Reformation verfocht. Dieser Kampf 
gegen die bisherige Kirchentradition war nun freilich zuerst nur 
ein innerlicher ; erst nach und nach zeigte er sich auch äusserlich 

AT^ovia VI. 2 



18 

im Durchbruch der bestehenden Kirchenordnung. Sobald aber der 
Anfang entschieden gemacht war und Zwingli den Zeitpunkt zur 
Durchführung als geeignet erachtete, folgten sich die Reformen 
Schlag auf Schlag, weil Zwingli mit Energie dem vorgesetzten Ziele 
zusteuerte und zur Ausfuhrung seiner Plane sich der Mitwirkung 
der Mehrheit des Rathes und der Gemeinde versichert hatte. 

Der erste Anlass zum offenen Kampfe bot sich im Jahre 1522 
im Fastenstreit, als Zwingli dem Weihbischof Faber gegenüber 
das Fastengebot als willkürliche Menschensatzung verwarf. Im 
Mai richtete er seine ersten Streitschriften gegen den Bischof 
und verlangte die Freiheit, das Evangelium nach dem Worte 
Gottes ausschliesslich zu predigen. Die Geistlichen am Zürcheraee 
schlössen sich durch eine öffentliche Erklärung seiner Lehre an, 
nur nach der Schrift predigen zu wollen. Auf den 29. Januar 
1523 ordnete der Rath zu Zürich die erste Disputation an, bei 
welcher Zwingli seine 67 Schlusssätze dem Generalvicar Doctor 
Faber gegenüber behauptete. In diesen Thesen griff er die 
Kirchensatzungen und die absolute Autorität des Papstes an, 
den Begriff der Messe als Opfer, die Fürbitte der Heiligen, 
die römische Lehre von den guten Werken, den Reichthum der 
Geistlichkeit, die Fastengebote, den Zwang der Feiertage und 
Wallfahrtsorte; die Gleissnerei des priesterlichen Ornates; die 
Orden, Secten und Rotten; das Cölibat; das Gelübde der 
Reinigkeit; jeden Kirchenbann ausser dem durch die Gemeinde 
gegen öffentliches Aergerniss verhängten; die Schenkung unge- 
rechten Gutes an die Kirche statt an die Armen; die geistliche Gewalt 
überhaupt ; den Ablass ; das Fegfeuer ; den Begriff des Priester- 
thumes als einer Würde , das er nur als Amt anerkannte ; einzig 
die Schrift wurde als Richter über die streitigen Punkte an- 
genommen. Nach geschlossener Disputation erkannte der Rath: 
Meister Ulrich Zwingli solle hinfür fortfahren wie bisher das hei- 
lige EvangeUum und die rechte göttUche Schrift nach dem Geiste 
Gottes zu verkünden; es sollen auch alle andern Leutpriester, 
Seelsorger und Predicauten in Stadt, Landschaft und Herr- 
schaften anderes nicht vornehmen noch predigen , als was sie mit 
dem hl. Evangelium und rechter göttlicher Schrift bewähren mö- 
gen; auch sollen sie einander in keiner Weise schmähen; die- 
jenigen, welche zuwiderhandeln, werden sie so halten, dass sie 
es sehen und befinden müssten, Unrecht gethan zu haben. Damit 
war die Reformation für das zürcherische Staatsgebiet von der 
Obrigkeit in verbindlicher Weise proclamirt. Die Oberleitung 



19 

des Bischofs wurde nur noch in der Form bioser Höflichkeit 
anerkannt; in Wahrheit war sie beseitigt und das zürcherische 
Gebiet der Hoheit der Kirchenobern entzogen. 

Bald wurden die anerkannten Grundsätze auch praktisch 
angewendet. Es folgten viele Ehen der Geistlichen, die erste im 
April 1523 ; dann wurden die Klöster geöffnet und allen Ordens- 
gliedern der Austritt erlaubt. Im September wurde das Chor- 
herrenstift in Zürich reformirt, dessen bedeutendste Mitglieder 
der Reformation von Anfang an günstig gewesen waren. An den 
Bildersturm schloss sich die Abschaffung der Messe. Eine neue 
Disputation am 26. October befestigte die Ansicht, dass die Messe 
kein Opfer, sondern nur eine Gedächtnissfeier sei, und bestritt 
den Begriff einer sichtbaren Kirche ausser der christlichen Ge- 
meinde. Am 17. November wurde die christliche Anleitung für 
die zürcherischen Geistlichen nach Zwingli's Entwurf vom Grossen 
Rathe genehmigt und dadurch die Einheit der reformirten Kirchen- 
verfassung hergestellt. Die altkirchliche Opposition in Zürich 
unterlag am 24. Januar 1524 bei einer neuen Verhandlung ; der 
Widerstand der Eidgenossen vermochte diese Lehre weder zu be- 
schränken, noch viel weniger zu unterdrücken. Wol verbaten 
sich die übrigen Orte das Predigen der neuen Lehre auf ihreln 
Gebiete und verordneten auch für die gemeinen Herrschaften, 
dass sich hier Niemand unterstehen solle, die Messe zu ver- 
spotten; dass die alten Kirchenbräuche und Sacramente femer 
gehalten werden; und trugen den Landvögten strenge Haltung 
dieser Vorschriften auf; doch blieben diese Drohungen und Befehle 
zuweilen erfolglos. Auch in den Freienämtern begannen die An- 
hänger der neuen Lehre sich zu mehren; wiederholt klagten die 
Boten der katholischen Orte über den Bruch der Fasten und 
andere Neuerungen, welche sie dem Ueberhandnehmen der luthe- 
rischen Secte zuschrieben. 

Daher suchten Boten der XII Orte am 21. März 1524 Zürich 
zu bestimmen , von der neuen Lehre zurückzutreten und führten 
namentlich auch darüber Klage, dass der Vogt der Zürcher in 
den Freienämtern mancherlei lutherische und zwinglische Schriften 
verbreitet und Winkelpredigten veranstaltethabe. Zürich blieb jedoch 
fest; auch im Cultus wurden bedeutende Aenderungen vorgenom- 
men, die Bilder und Ceremonien ganz beseitigt, gegen Ende des 
Jahres die Klöster aufgehoben und deren Güter unter Staats- 
verwaltung gestellt, ihre Gebäude zu allerlei öffentlichen Zwecken 
verwendet Die der Reformation im Innern drohende Spaltung 



20 

durch die Trennung der Wiedertäufer wurde durch deren Be^ 
si^^ng in der Disputation vom 17. Januar 1525 gehoben. Dem 
ausdrücklichen Verbote der Messe im April folgte die Einrichtung' 
der Ehe- und Chorgericht 3, womit die vollständige Lostrennung 
der kirchlichen Organisation von der bisherigen bischöflichen 
ausgesprochen und vollzogen war. 

Eine weitere Gefahr, welche der Reformation in den Bauern- 
aufständen, namentlich im Grüningeramt drohte, wurde durch 
die Umsicht des Rathes ebenfalls glücklich beseitigt. Wenn Zürich 
so im Innern fest geeinigt blieb, konnte es sich trotz der äussern 
Isolirung fest behaupten. Diese Isolirung war freiUch nicht bloa 
die Folge der religiösen Trennung; sie hatte schon vorher be- 
standen, seit Zürich allein unter den eidgenössischen Orten, aller- 
dings wesentlich veranlasst durch Zwingli's Opposition gegen das 
Reislaufen, sich von dem Bunde mit Franz I. von Frankreich 
femgehalten hatte. 

Bei der grossen Disputation zu Baden sollte Zwingli durch 
den berühmten Doctor Eck überwunden werden. Trotz aller 
Einladungen der XII Orte liess sich aber Zwingli nicht zur Er- 
scheinung bereden, weil er fürchtete, trotz des Versprechens des 
sichern Geleites treulos überfallen und festgehalten zu werden. 
Wenn nun die Disputation vom 21. Mai bis 6. Juni 152G mit 
aller möglichen Pracht vor sich ging, war doch der Hauptzweck 
nicht erreicht, weil der erste Gegner, Zwingli, als nicht anwesend, 
nicht besiegt werden konnte. Freilich blieben nun die katholischen 
Orte um so fester auf ihrem Standpunkt, so dass sie sogar die 
Leistung des Bundeseides an Zürich verweigerten. 

Einen grossen Sieg errang aber die reformirte Partei in der 
Eidgenossenschaft dadurch, dass sie in Bern im Jahre 1527 einea 
grossen Wahlsieg erkämpfte und in den Räthen eine überwiegende 
Mehrheit besass. Es wurde nun auf Anfang Januar 1528 eine 
grosse Disputation in Bern angeordnet und zu dieser auch Zwingli 
eingeladen. Mit bewaffnetem Geleite wurde er durch die gemeinen 
aargauischen Vogteien über Meilingen auf Bernergebiet gebracht, 
weil die fünf Orte den Durchpass zu hindern gedroht hatten. 
Das Resultat der Disputation war ein glänzender Sieg der Reform- 
freunde; der Rath zu Bern führte nun rasch und durchgreifend 
die kirchliche Reform auf seinem Gebiete durch , die Messe wurde 
abgeschafft und die Bilder beseitigt. 

Als Zwingli von Bern zurückkehrte, sollte dessen Rückzug 
durch die fünf Orte abgeschnitten werden. Als günstiger Platz 



21 



hiezu wurde von den fünf Orten Bremgarten ausgewählt, weil 
diese Stadt, an der geraden Verkehrslinie von Bern nach Zürich 
gelegen, von ihrem Gebiete aus leicht zu erreichen war. 



Erste Anzeielieii der Reformation in Bremgarten. Heinrich 
Bnllinger nnd der Predigermoneh Doctor Johann 

Barkhart. 

Bremgarten verhielt sich zu dieser Zeit noch mehr neutral 
im religiösen Streite, immerhin aber hatte der neue Glaube be- 
reits viele und angesehene Anhänger; dagegen zählte auch die alt- 
kirchlich gesinnte Partei bedeutende Köpfe, so den Schultheissen* 
Hans Honegger, welcher einer der vier Präsidenten der Dis- 
putation in Baden gewesen, die Mehrheit des Rathes und ins- 
besondere den eifrigen Doctor Johann Burkhart, Predigermönch. 
2ur neuen Partei gehörten namentlich Schultheiss Hans Mutschli, 
Decau Bullinger, ZwingU's Freund und vorzüglich dessen Sohn, 
der junge Heinrich Bullinger. 

Am 18. Juni 1504 in Bremgarten geboren, war er unter 
sorgfältiger Pflege seiner Eltern herangewachsen,* zweimal wie 
durch ein Wunder vom Tode errettet, zuerst bei einem heftigen 
Pestanfall, dann bei einem gefährlichen Sturz; ebenso bewahrte 
ihn nur eine glückhche Fügung vor der Entführung durch Land- 
streicher, welche den Knaben bereits aus der Stadt weggebracht 
hatten. Schon früh entwickelten sich des Kindes ausgezeichnete 
Anlagen; Aom fünften bis zum zwölften Jahre besuchte er die 
Schulen in Bremgarten bei Johann Schat und dessen Sohn Abra- 
ham. In zarter Jugend, am 11. Juni 1516, verreiste er zu weiterer 
Ausbildung nach Emmerich im Grossherzogthum Cleve, wo die 
Brüderschaft des gemeinsamen Lebens eine berühmte Schule hielt. 
Unter der Obhut seines altern Bruders Johann Reinhart widmete 
€r sich hier besonders dem Studium der lateinischen Sprache. 
Nach einem kurzen Aufenthalt in Bremgarten im Frühjahr 1519 
verweilte er noch einige Zeit in Emmerich und besuchte dann 
im Juli die Hochschule zu Köln, wo er im Jahre 1520 zuerst 
auf die lutherischen Schriften aufmerksam wurde und dieselben 
mit grosser Begierde las; immer mehr wurde er durch eigene 
Geistesarbeit in den reformatorischen Ideen bestärkt. Nachdem 
er nach glücklich bestandener Prüfung den Titel eines Magisters 
im Februar 1522 erhalten, kehrte er im April ins Vaterhaus zu- 



22 

rück. Hier verlebte er ein Jahr in stillen Studien, ivodurch er 
tiefer in die theologischen Streitfragen eindrang und immer mehr 
ein begeisterter Anhänger der neuen Lehre wurde. Dass er diese 
Ueberzeugung nicht bei sich verschloss, sondern auch vertraute 
Freunde in seine Gedanken einweihte, dürfen wir voraussetzen; 
die neue Lehre muss daher in Bremgarten immer mehr Boden 
gewonnen haben. 

Im Beginn des Jahres 1523 hatte Abt Wolfgang Joner in 
Kappel, ein Freund Zwingli's und eifriger Anhänger der neuen 
Lehre, den jungen Bullinger als Lehrer an die dortige Schule 
berufen. Hier konnte er ungestört seine Studien fortsetzen und 
gewann bald die Freundschaft ZwingU's und der andern Predi- 
canten Zürichs. Bald begann auch dessen schriftstellerische 
Thätigkeit. Schon im Jahre 1524 hatte er an Pfarrer Jacob Frey 
in Wohlen eine Schrift gerichtet, in welcher er den Beweis führte» 
dass die Messe kein Opfer sei. Diese Schrift rief im Jahre 1525 
einem heftigen Ausfall des fanatischen Dominikanermönches Jo- 
hann Burkhart in Bremgarten , welcher unter dem angenommenen 
Namen Theobald Perdutianus mit einer Fluth von Scheltworten 
über das Schriftchea BuUingers und namentlich auch über dessen 
Persönlichkeit herfiel. 1526 folgte eine gemässigte Antwort des 
Geschmähten. Dieser heftige Federkampf zwischen zwei Brem- 
gärtnern musste die Aufmerksamkeit ihrer Mitbürger in hohem 
Grade wachrufen; beide zählten eifrige Vertheidiger und Anhängen 
Daher fanden sich die VH Orte am 16. Mai 1526 veranlasst» 
durch ein eindringliches Schreiben vor der lutherischen Secte und 
unchristUchem Glauben zu warnen und namentlich den Ueberfall 
von Gotteshäusern bei strenger Strafe zu verbieten. 

Eifrig hatte sich Bullinger auch am Kampfe gegen die Wieder- 
täufer betheiligt und namentlich bei der grossen Disputation gegen 
dieselben am 17. Januar 1525 im Münster in Zürich sich aus- 
gezeichnet. Im Juni 1527 verliess er Kappel auf einige Zeit, um 
in Zürich den Lectionen Zwingli's beizuwohnen ; der nähere Um- 
gang mit den grössten Geistern Zürichs konnte nur anregend 
und fördernd auf den begeisterten Jüngling einwirken. Auch für 
sein Privatleben wurde dieser Aufenthalt wichtig, da er sich am 
28. October mit Anna Adlischwylerin verlobte. Im December 
erhielt er vom Rathe den Auftrag, Zwingli an die grosse Dis- 
putation nach Bern zu begleiten, wo er die Bekanntschaft vieler 
hervorragender Reformatoren machte und die Herzen Aller durch 
sein festes aber bescheidenes Auftreten gewann. Bei der Rück-- 



"^i 



23 

kehr von dieser Disputation sollte nun Z^ingli in Bremgarten 
angehalten werden. 

Von diesem Anschlag hatte man aber in Bremgarten Wind 
bekommen und sofort nach Zürich berichtet. Der dortige ßath 
schickte sofort fünfzig Mann unter dem Rottmeister Ulrich Stoll, 
genannt Seebach, welche am Morgen früh unversehens in die 
Stadt fielen, mit Wehr und Harnisch, und anzeigten, dass sie 
hieher gewiesen seien, nicht um Jemanden zu schaden, sondern 
um hier der Ihrigen und der Berner zu warten. Das war einigen 
Bürgern nicht unlieb, andern aber gar widerwärtig; am meisten 
erstaunten über diese Besatzung die Boten der fünf Orte, als sie 
mit dem Auftrag nach Bremgarten kamen, den Zürchem den 
Pass vorzuenthalten und ihn schon besetzt fanden. Diese Boten 
waren die Hauptführer der Sache des alten Glaubens, Schultheiss 
Hans Hug von Luzern; Jacob Troger, Landammann zu Uri; 
Güg Richmut, Landammann zu Schwiz; Zwei von Unterwaiden 
und Oswald Tooss, Ammann zu Zug. 

Nachmittags kam Zwmgli mit seiner Begleitung an die Reuss- 
brücke in Bremgarten; die Zürcher waren von Bendict Schütz, 
Vogt der Bemer zu Lenzburg, mit zweihundert Bewaffneten aus 
der Grafschaft Lenzburg geleitet. Als sie die Thore geschlossen 
fanden, verlangten die Zürcher und Berner freien Durchzug, da 
sie ebenfalls Antlieil an Bremgarten hätten und dieses auch ihr 
offenes Schloss sein müsse. Die Bewaffneten ordneten sich zum 
Angriff; der Adel, der von Hallwil und Andere, stellten sich mit 
ihren langen Spiessen an die Spitze des Haufens; Zwingli und die 
fremden Gäste wurden in die Mitte genommen, links von Zwingli 
ritt der Landvogt im Harnisch, rechts der Bürgermeister Röist 
von Zürich, neben ihnen sechs Mann mit Halbarten. 

Während die beiden Schultheissen Hans Mutschli und Wernher 
Schodeler zur Unterhandlung herauskamen, drangen die bewaff- 
neten Zürcher in der Stadt energisch auf Oeffnuug der Thore, 
bis endlich der Durchzug gestattet wurde. Die fünfzig Zürcher 
standen mit ihren Wehren auf dem Markt; auch die Bürger 
waren beim Ochsen, beim Spital und beim obern Thor in Waffen 
versammelt. Es folgte eine Bewirthung der Durchziehenden unter 
grosser Theilnahme der gesammten Einwohnerschaft. 

Als der Zug über Bremgarten hinaus auf die Zufiker Zeig 
gdiommen war, wo die Oberherrlichkeit Zürichs begann, ver- 
dankte der Bürgermeister dem Landvogt in Lenzburg und seinen 
Schaaren das Geleit und schenkte ihnen fünfzig Zürchergulden 



24 

in Gold. Nach fröhlichem Abschied kamen Zürcher und Bemer 
glückUch nach Hause. 

Schultheiss Mutschii , den wir hier zum ersten Male treffen, 
wurde später der entschiedenste Vorkämpfer der neuen Lehre; 
Weruher Schodeler dagegen nahm mehr eine vermittelnde Stellung 
ein. Dessen Geschlecht blühte schon im 15. Jahrhundert; ein 
Jenni Schodeler war 1425 Mitglied des Ratbes und Schwager des 
mächtigen Schultheissen Krieg von Bellikon. Rudolf und Heiurick 
bekleideten 1452 und 1484 das Schultheissenamt. Wernher Scho- 
deler selbst war Stadtschreiber bis zum Jahre 1520; von ihm 
rühren viele Urkunden, Verliandlungen und Register her; 1521 
wurde er zum ersten Mal Schultheiss. Gross wie sein Talent 
uod Einfluss war auch dessen Vermögen, da er bedeutende Be- 
sitzungen erwarb , welche er später der Stadt wieder abtrat. Am 
bekanntesten ist er als Geschichtschreiber, indem er eine werthvoUe 
Chronik über den alten Zürcherkrieg schrieb, ebenso über den Mül- 
hauser-, Schaffhauser-, Waldshuter-, Burgunder-, Beilenzer- und 
Mailänder -Krieg; diese Verdienste um die vaterländische Ge- 
schichtsforschung sind anerkannt und gewüidigt. Wenn Uim 
seine Zwischenstelluug in «den reUgiösen Kämpfen Bremgartens 
auch vielfachen Tadel zuzog und er zuweilen Achselträger ge- 
scholten wurde, war seine Haltung doch eine würdige und auf 
das Wolü der ganzen Stadt berechnet. So war er geehrt und 
beliebt und stand in den höclisten Ehrenstellen zur Zeit der 
neuen wie der alten Lehre. 

Der Auftritt beim Durchzuge Zwingli's musste die bereits 
entzweiten Gemüther in Bremgaiten noch mehr aufregen. Die 
Freunde der neuen Lehre waren zahlreicli, angeregt duich die 
mannigfaltigen Beziehungen aller Art zu Zürich. Seit langer Zeit 
waren die beiden Nachbarstädte enge verbunden; während des 
alten Zürcherkrieges hatte eine mächtige Partei zu Zürich ge- 
halten und musste bis zum Friedensschluss aus der Stadt wei- 
chen. Solche Freundschaft wurde in den folgenden ruhigen Zeiten 
sorgfältig unterhalten. 

So musste auch die grosse Bewegung der Geister in der 
Nachbarstadt mächtig nachwirken. Dieser EinÜuss war den fünf 
Orten bekannt und von denselben gefürchtet. Wenn auch am 
2. Februar 1528 die Räthe und die versammelte Gemeinde den 
Abgeordneten von Luzern, Uri, Schwiz, Unterwaiden und Zug 
noch förmUch erklärten, vde von Alters her bei den heiligen 
Sacramenten, dem Singen, Lesen und andern gottesdienstlichen 



25 

Gebräuchen zu verbleiben und Zuwiderhandelnde nach der Grösse 
des Vergehens zu bestrafen, verliessen sich die fünf Orte doch 
nicht ganz auf den zugestellten gesiegelten Brief, sondern ver- 
meinten, der neuen Lehre mit weitern Massregeln entgegentreten 
zu müssen. So forderten sie, dass alle Bibelu, neuen Testamente 
und was der Büchlein der neuen Lehre noch mehr wären, auf 
dem Rathhause gesammelt und auf dem nächsten Tage zu Baden 
zu Händen der fünf Orte gestellt werden. Mit vielen Drohungen 
untersagten sie die Verbreitung des neuen Glaubens überhaupt. 
Einer Aufforderung Luzerns zur Auslieferung der lutherischen 
Bücher vom Februar 1528 folgte bald eine Reclamation von Zug, 
welches sich über das vom Leutpriester in Bremgarteu ausge- 
streute Gerücht beklagte, dass auch Zug vom wahren Glauben 
abgefallen sei. Eine Zuschrift der in Luzern versanunelten Boten 
der fünf Orte mit Glarus wiederholte das Begehren um Verab- 
folgung der Bücher. Als jedoch bereits viele Bücher auf dem 
Rathhause gesammelt waren, erschien im Mai eine Rathsbotschaft 
Zürichs auf den Bericht vertrauter Leute und untersagte die 
Absendung; ihrer Einsprache schloss sich eine Botschaft 
Berns an. 

Während Baden durch Schreiben vom 8. Mai seine Verwun- 
derung darüber aussprach , dass Bremgarten den Verdacht hege, 
als ob auch Baden solche lutherische und zwinglische Bücher 
besitze, und entschieden gegen solche Zumuthungen protestirte, 
warnte Zürich am Samstag vor der Auffahrt nochmals ernstlich 
vor der Herausgabe. Da widerstand der Rath dem Drängen der 
fünf Orte, die Bücher blieben in Bremgarten und ebenso die 
Neigung zur neuen Lehre , welcher dieser Zwischenfall nur nütz- 
lich sein konnte, weil sich der Einfluss der reformirten Städte 
als dem der fünf Orte überlegen erwiesen hatte. Aus diesem 
Vorfall ist ferner ersichtlich, dass die Stimmung des Rathes, 
welcher bisher in seiner Mehrheit fest am alten Glauben ge- 
hangen, zu schwanken anfing. 

Schon im Jahre 1527 hatten dem Rathe ketzerische Reden 
viele Sorgen gemacht, welche von Bürgern und Beisassen geführt 
wurden. Bald konnte Einer nicht begreifen, warum sich der 
Herrgott in der Messe vom Priester in drei Stücke brechen lasse ; 
bald wurde die Autorität der Heiligen in ungebührlichen Aus- 
drücken angefochten. Die Schuldigen wurden einige Tage ins 
Gefängniss gelegt und sodann aus der Stadt verwiesen. Strenges 
Einhaltender Fastenzeit war durch den Rath ebenfalls anbefohlen: 



26 

wer nicht wie bisher die Beichte und die übrigen heiligen 
Sacramente empfange, habe aus der Stadt zu weichen. 

Viele Verlegenheiten bereitete dem Rathe ein Streit, welcher 
zwischen dem damaligen Inhaber der Predicaturpfründe, Doctor 
Burkhart und Vater und Sohn Hartigel, sodann zwischen dem- 
selben und Urs Rösslin ausgebrochen war. Dieser Doctor war 
ein gar streitsüchtiger Mann, ein blind fanatischer Vorkämpfer 
der alten Lehre, der es mit der Verlästerung anders Denkender 
nicht genau nahm. Sein ungemessenes Auftreten war weit über 
Bremgarten hinaus in der ganzen Eidgenossenschaft bekannt. 
Unbezweifelt war freilich auch dessen entschiedenes Predigertalent; 
so hatte $chon im Februar 1526 Feldkirch das Ansuchen an den 
Rath gestellt, er möge demselben gestatten, während der Fasten- 
zeit in Feldkirch zu predigen. Seine Schmähsucht zog ihm viele 
Feinde zu, welche namentlich gern gewisse bedenkliche Blossen 
seines frühern Lebenswandels aufdeckten. Um sich gegen die 
Anfeindungen von aussen besser zu schützen, war er so unklug, 
sich einen besondern Geleitsbrief von den Eidgenossen auszu- 
bitten, was von Bremgarten als eine Verletzung seiner Recht- 
same gar übel aufgenommen wurde. Nach einem Gemeinde- 
beschluss musste er vor versammeltem Rathe ausdrücklich auf 
diesen Geleitsbrief verzichten. Gleichzeitig erhielt er auch die 
strenge Weisung, sich in Zukunft alles Verketzerns auf der 
Kanzel zu enthalten, da Bremgarten allen acht Orten gehöre und 
Zürich und Bern so wenig schelten lasse wie die fünf Orte ; wenn 
er sich in seinen Predigten noch einmal solche Ungebühr erlaube, 
werde er abgesetzt. Dieser scharfe Befehl war namentlich durch 
die Reclamationen Berns veranlasst, welches gegen dessen heftige 
Scheltungen bei Bremgarten förmliche Klage erhoben hatte und 
anzeigte , dass es in diesem Handel die Appellation ergriffen und 
den Amtmann von Lenzburg mit der Durchführung derselben 
beauftragt habe. 

In der Hitze des oben erwähnten Streites zwischen Bullinger 
und Burkhart und insbesondere veranlasst durch die der Stadt 
erwachsenden Unruhen und vielfachen Reclamationen der Orte 
wiederholten die Gegner des Doctors in Bremgarten die Anschul- 
digungen, welche ausserhalb gegen denselben erhoben wurden, 
nannten denselben einen Schelm, einen Kreuzdieben, wie er sich 
zu Strassburg im Chor erzeigt und desshalb habe entweichen 
müssen. Die wegen dieser Vorwürfe angeklagten Bürger beriefen 
sich zu ihrer Vertheidigung darauf, dass sie nur wiederholt, was 



27 

sie anderwärts, in Baden, Basel und Zürich yernommen. Es ge- 
lang denselben auch, die Richtigkeit dieser Aussage zu erstellen, 
sie ¥rurden freigesprochen und der Ankläger an den Gewährs- 
mann, emen FridoÜn Stöckli in Basel, verwiesen, Bevor er mit 
diesem die Sache ausgefochten, zog es Doctor Burkhart vor, auf 
die Predicaturpfrände zu verzichten und die Stadt zu verlassen. 
Dieser verwickelte Streitfall zwischen Burkhart und Urs Rösslin 
hatte während einer Reihe von Sitzungen vom Jahre 1527 bis 
Ende 1528 die Thätigkeit des Rathes in Anspruch genommen, 
eine Reihe von Zeugen war einvernommen worden, bis endlich 
die Sache zu Gunsten des Angeklagten erledigt wurde. Die Frei- 
sprechung musste nämlich erfolgen, sobald der Kachweis erbracht 
war, dass der Beklagte die ehi*verletzende Aussage von einem 
Dritten vernommen und er diesen Dritten als kanntlichen Ge- 
währsmann dem Kläger zur Hand stellen konnte; es blieb sodann 
dem Kläger vorbehalten, gegen den Urheber der Verleumdung 
aufzutreten. 

Die schnelle Entfernung des Doctor Burkhart mag nament- 
lich dadurch befördert worden sein, dass Zürich dessen Gefangen- 
legung anbegehrt hatte, weil er bei Gelegenheit der Zeugen- 
einvernahmen in seinem Streite mit Urs Rösslin den Zwingli und 
andere Bürger Zürichs ketzerische Bösewichter gescholten hatte. 
Eine Verwendung der fünf Orte vom 15. August 1528 zu Gunsten 
desselben blieb daher erfolglos, weil der sonst in Mehrheit dem 
Doctor geneigte Rath fand, ein längerer Aufenthalt desselben 
dürfte die Unruhe nur vermehren ; dagegen wolle man ihm seine 
Habe herausgeben, wenn er alle seine Gläubiger befriedigt habe. 
Angenehmer war den Boten der fünf Orte die gleichzeitig er- 
theilte Zusicherung, dass man die von Doctor Burkhart inne- 
gehabte Pfründe einem Anhänger des alten Glaubens übertragen 
werde, sodass die Orte ihren guten Gefallen daran haben. Auch 
nach dem Wegzuge des Doctor Burkhart wurde Bremgarten viel- 
fach durch die Reclamationen des zudringlichen Mönches beun- 
ruhigt, welcher wiederholt neben der Herausgabe seiner Fahr- 
habe noch Entschädigung verlangte. Diese Begehren wurden je- 
weilen von den fünf Orten unterstützt, eines im Juni 1530 durch 
Diebold von Hagenbach, Decan zu Murbach. Erst im Jahre 1533 
wurde die Angelegenheit zu semer Zufriedenheit erledigt. 

Nach dessen Rücktritt war der Rath eifrig besorgt, die 
Pfründe nach dem ertheilten Versprechen durch einen Partei- 
mann zu besetzen. Inzwischen sollte der Helfer die mit der 



28 

Pfründe verbundenen Predigten gegen eine Entschädigung voa 
je 10 ß halten ; die Messen wurden zu je einem Batzen drei Stell- 
vertretern, den Herren Magistern Hans Spat, Wol^ang und 
Mathis übertragen. 

Während die reformatorischen Ideen in den benachbarten 
Gegenden immer mehr Boden gewannen, hatte sich Zürich mit 
Bern durch das christliche Bürgerrecht eng verbunden. Gekräf- 
tigt durch diesen Bund, verlangte Zürich für die gemeinen Herr- 
sciiaften Parität in dem Sinne, dass die Kirchgemeinden sich mit 
Stimmenmehrheit aussprechen könnten, welchem Glaubensbekennt- 
niss sie anzugehören wünschen. Wenn die katholischen Orte 
gegen diesen Grundsatz auch entschieden protestirten , mussten 
sie denselben doch factisch gewähren lassen, da sie gegenüber 
der vereinigten Macht von Zürich und Bern zu schwach waren. 
Dagegen schlössen dieselben ebenfalls einen Bund zur Aufrecht- 
haltung der alten Religion; wahrscheinlich versuchten sie auch 
Bremgarten zum Beitritt zu bewegen, wenigstens warnte Zürich 
im Juli 1528 Bremgarten ernstlich vor dem Abschlüsse eines 
solchen Bündnisses. 

Als das Haslithal der Reformation durch die Berner gewalt- 
samen Widerstand entgegensetzen wollte und hiebei von Unter-. 
Waiden unterstützt wurde, unterdrückte Bern den Aufstand mit 
den Waffen. Bei diesem Anlasse schrieb Luzern im Namen der 
fünf Orte an Bremgarten und Meilingen , dass sie zum Pass und 
zu den Brücken Sorge tragen, damit Niemand hineindringe. Es 
handelte sich dainim , die Vereinigung der Macht von Zürich und 
Bern zu verhindern, welche über diese Städte zu bewerkstelligen 
war. Da erhob sich am Allerseelentag früh ein Auflauf in Brem- 
garten, sodass sich alle Bürger mit Harnisch und Gewehr beim 
obern Thor sammelten , weil das Gerücht verbreitet worden war, 
dass die Zürcher da seien und die Stadt einnehmen wollen; es 
war aber Alles nichts. Veranlassung zu diesem Auftritt hatte 
Zürichs Aufforderung vom 1. November 1528 geboten, ihm den 
freien Durchzug zur Unterstützung der Berner im Oberland zu 
gestatten. 

Der Uebertritt Bremgartens zur Reformation. 

Nachdem die Reformation an vielen Orten Eingang gefunden 
hatte, namentlich im Thurgau, St. Gallen, Biel und Basel, und 
die einheitliche Leitung der Bewegung in Zürich durch die Schaf- 



29 

iilichen Rathps wesentlich befördert worden war, da 
ium die bedeutendsteo Häupter der Reformation in 
denen Zwingli mit beratbender Stimme beigegeben 
e es auch in Breragarten zum bestimmten Entscheide 

Hornung 1529 trat Decan Bullinger otTcn auf die 
«kannte sich zur neuen Lehre, bat um Verzeihung, 
r ohne besseres Wissen den Irrthum gepredigt habe 
1, in Zukunft nur noch das reine Wort Gottes nach 
Schrift zu lehren. Da fuhren M. Hans Honegger, 
iss, Diirs HofTmann, Hans Meienberg und andere 
s Rathcs auf, verliessen entrüstet die Kirche, ver- 
;n Rath und beschlossen mit Mehrheit, den Decan 
)rtung zu ziehen und zu beurlauben, worauf sich 
ition im Ratlie und noch grösserer Widerspruch in 
e selbst erhob. 

llinger von der ganzen Gemeinde und nicht vom 
It war, beschwerte er sich bei Zürich, indem er 
id der Gemeinde verlangte, welche zusammenzurufen 

weigerte. Zürich schickte den Bürgermeister Hein- 
ind den Pannerhenn Hans Schwizer als Uathsboten 
rten, welche nach vielfacher Bemühung beim Rathe 
ung der Gemeinde durchsetzen konnten; die List der 
itte es aber dahin gebracht, dass der Decan mit einer 
dreizehn Stimmen beurlaubt blieb. Durch diesen Ent- 
die Aufregung nur noch grösser, da Bullinger einem 
:hte angehorte, grosse Freundschaft hatte und wegen 
Wohlthaten dem gemeinen Manne heb war. 
einde hatte gleichzeitig beschlossen, dass der neue 
allein das neue und alte Testament nach göttlichem 

herauspiedige und Gott walten lasse ; ebenso sollten 
ndels wegen vorgefallenen Thätlicbkeiten und Schelt- 
äitig abgethan sein. Trotz der Entlassung Bullingers 
jch eine Hinneigung zur neuen Lehre bemerkbar 
leinen die beiden Beschlüsse als Uebergangsstufen 
ich nicht deutlich ausgesprochenen Umschwünge 
j. Dieser Tendenz der Gemeinde entsprach freilich 
weise zum Pfarrer gewählte junge Hans Aal von 
licht, da derselbe nach Bulhnger der Gemeinde „gar 

Speise aus des Pabstes Hafen anrichtete." Daher 
Lnhänger des Decans denselben nicht mehr leiden 



30 

und riefen nach einem Pfarrer, der ihnen das Evangelium recht 
predige. Wirklich gestattete der Rath, dass an der Predicatur- 
pfründe neben den altgläubigen Geistlichen zuweilen Othmar von 
Stammen, Conventual von Hitzkirch, welcher wegen seiner An- 
hänglichkeit an den peuen Glauben von dort hatte weichen müs- 
sen, das Wort Gottes verkünde. Diese Bewilligung hatte der 
Kath auf das ausdrückliche Verlangen einiger Bürger ertheilt, 
welche gleichzeitig begehrten, dass der wegen des Bruches der 
Fasten aus der Stadt gewiesene Fridli Elsässer begnadigt werde 
und Schultheiss Honegger wegen eines an Doctor Burkhart ge- 
richteten, die Bürgerschaft beleidigenden Schreibens vor der Ge- 
meinde sich zu verantworten habe. 

Schultheiss Honegger mit seinem Anhange stemmte sich näm- 
lich kräftig gegen die Neuerungen und bewirkte, dass Raths- 
boten aus den fünf Orten nach Bremgarten kamen, um die Bürger 
2um alten Glauben zu verpflichten. Aus diesen Sendungen er- 
wuchsen den fünf Orten gar viel Mühen und Kosten, ohne zu 
einem Ziele zu führen. Die Evangelischen schickten nämlich um 
Rath und Hülfe nach Zürich, welches in Eile zwei Rathsboten, 
Hans Schwizer, Pannerherr, und Niclaus Brunner abordnete. Die 
Bürger waren beiderseits heftig und es kam am 1. April zu einem 
Auflauf. Die päpstlich Gesinnten eilten auf den Markt zum Hir- 
schen, dem Wirthshause der Boten der fünf Orte, im Harnisch 
und mit ihren Wehren; die Evangelischen dagegen, ebenfalls 
bewaffnet, stellten sich vor den Spital und den Ochsen, das 
Wirthshaus der Zürcher Boten, in weit grösserer Zahl als die 
Gegner. Die Boten der fünf Orte blieben in der Herberge und 
sahen von Weitem zu ; sie meinten : man habe ihnen ganz Anderes 
vorgespiegelt, es halte "Niemand als Hudelvolk zum neuen Glau- 
ben, während jetzt alle hübsche und wolügerüstete Mannschaft 
zur Widerpartei laufe. Die Unruhe wurde immer grösser, die 
beim Ochsen Hessen schon ihre Spiesse nieder und wollten gegen 
die Päpstlichen anlaufen. Da eilten die beiden Boten von Zürich 
und Altschultheiss Schodeler zwischen die Streitenden, um sie zu 
trennen. Als der Bote von Luzern, Fleckenstein, im Harnisch 
aus dem Hirschen in die Metzg und zum Büchsenhaus eilen wollte, 
war Jacob Hubler von Bremgarten schnell mit einem Spiess zur 
Hand und hätte denselben an eine Metzgbank geheftet, wenn ihm 
nicht ein Anderer den Spiess erwischt und den Fleckenstein rasch 
zum Hirschen hineingestossen hätte. Nach langer Bemühung ge- 
lang es endlich zu scheiden. 



31 

Eine neue Oemeinde beschloss, dass man die Bilder abschaffen 
und nicht mehr Messe halten wolle. Zürich wurde um Zuweisung 
eines evangelischen Pfarrers ersucht und Hans Aal, der Eiferer 
für die alte Lehre, beurlaubt. Zürich sandte den M. Gervasius 
Schuler, welcher dort als Helfer zu grosser Zufriedenheit ge- 
wirkt hatte. 

Damit war freilich die Ruhe noch nicht hergestellt. Schult- 
heiss Honegger entwich zwar nach Luzem und wurde wegen 
dieser Flucht um tausend Gulden gestraft; dagegen verlangte er 
sicheres Geleit, um sich gehörig verantworten zu können; er sei 
aus der Stadt gewichen , weil er sich persönlich nicht mehr sicher 
gefühlt und sei bereit, die tausend Gulden zu verbürgen ,- da er 
noch über zweitausend Gulden an Vermögen in der Stadt zurück- 
gelassen habe; weil er vor Recht stehen wolle, soll man nicht 
weiter an Leib und Gut in denselben dringen. Auf Sicherheits- 
leistung kehrte er später zurück, ohne jedoch in seiner Thätig- 
kdt für die Sache der fünf Orte nachzulassen. Daher begehrte 
Zürich später während des Kappelerkrieges dessen peinliche Ein- 
vernahme, weil er sich aller Argwilligk^it und böser Künste gegen 
die Evangelischen beflissen und mit den Ferdinandischen viel 
unteriiandelt habe; dieser Erforschung soll Zürichs Hauptmann 
in Bremgarten, Heinrich Huber, beiwohnen. Diese harten Mass- 
regeln wurden gegen Honegger ergriffen, weil derselbe als ein 
feiner Kopf und vertrauter Freund der fünf Orte in alle geheimen 
Pläne derselben eingeweiht war, ja viele Unternehnmngen durch 
seinen Rath und Einfluss veranlasst hatte. , Die leidenschaftliche 
Feindschaft der Zürcher und deren Befürchtungen beweisen ge- 
rade die bedeutende Stellung ihres Gegners. Die vielfachen Ver- 
bindungen mit den Herrn der fünf Orte machen auch die stolze 
Haltung desselben gegenüber seinen Mitbürgern erklärlich, welcho 
sich lebhaft über den Mangel an Achtung beklagten, welche er 
ihnen bewies, und stürmisch dessen Verhaftung verlangt hatten. 

Da die neuen Unruhen und Aufläufe auf Anstiften der katho- 
lischen Partei erfolgt waren, forderte Bern zur Ruhe auf und 
drohte mit harter Strafe. Baden, um Vermittlung angegangen, 
Idmte jede Einmischung ab, da es die Sache den Rathsboten der 
fünf Orte überlassen wolle. Die fünf Orte legten sogar eine Be- 
satzung vorübergehend nach Bremgarten, über welche eigen- 
mächtige Handlung sich Zürich in einem offenen Sendschreiben 
beklagte; diese Besatzung wurde am Montag nach Misericordia 
Ton drei Boten, welche in Muri versammelt waren, in der Nacht 



32 

vor einem Anschlage der Zürcher gewarnt. Später wurde sie 
zurückgezogen, da sich dieselbe gegen einen ernstlichen Angriff 
in der reformirten Stadt nicht hätte halten können. 

Die Reformation wurde nämlich in Bremgarten vollständig 
durchgeführt. Neben (rervasius Schuler wünschten die Bürger 
Bremgartens auch ihren berühmten Mitbürger Heinrich Bullinger 
zu besitzen, welcher damals als Lehrer an der Schule in Kappel 
wirkte. Im Mai wurde Rudolf Gumann als Abgeordneter dea 
Rathes zu ihm geschickt, um ihn zu ersuchen, in Bremgarten 
zu predigen. Als er am Pfingstfeste zum ersten Mal die Kanzel 
bestieg, ergriff seine Predigt die Zuhörer so mächtig, dass schon 
am folgenden Tage, den 17. Mai, die Altare beseitigt, die Bilder 
auf dem Kirchhof verbrannt, ein strenges Sittenmandat aufge- 
stellt und eine neue Armenpflege eingeführt wurde. Der Rath 
liess Bullinger bitten, in Bremgarten zu bleiben und hier das 
Evangelium zu verkünden. Da er Zürichs Einwilligung vorbe- 
hielt, dem er eidlich verpflichtet war, erwirkte eine Abordnung 
des Rathes diese Zustimmung und Bullinger wurde einhellig ala 
Pfarrer erwählt ; ebenso wurde Othmar von Stammen zum Leut- 
priester von Zufikon ernannt. Nach kurzem Abschied von Kappel 
siedelte Bullinger am 1. Juni 1529 nach Bremgarten über, wo 
er zuerst im Hause seines Freundes Hedinger, des spätem Schult- 
heissen, wohnte. Erst am 15. Juli bezog er mit seiner Verlobten 
das Pfarrhaus: eine Taube sass bei ihrem Einzug ob der Thür- 
schwelle. Am 17. August verheirathete er sich mit der Anna 
Adlischwylerin in Birmenstorf, wo sein Bruder Johann Pfarrer 
war: Peter Simler traute die Gatten in Gegenwart vieler vor- 
nehmer Gäste, die ersten Bürger Bremgartens waren anwesend. 
Bullinger konnte freilich nicht viele Mussestunden dem häuslichen 
Leben widmen, da seine Stellung viel Thätigkeit und Umsicht 
erforderte. Die Umtriebe der katholischen Orte waren fortwäh- 
rend gegen Bremgarten gerichtet; daher verbot ihm auch der 
Rath, im August mit Zwingli zur Disputation mit Luther nach 
Marburg zu reisen, da die Sachen in Bremgarten noch nicht sa 
fest stehen, um eine weite Reise des beliebten Reformators rath- 
sam erscheinen zu lassen. Freilich hatte die Partei der Evan- 
gelischen jetzt entschieden die Oberhand und hatte mit grosser 
Ueberlegenheit bei den Wahlen des Rathes am 30. Juni 1529 
gesiegt. Die katholische Partei hatte viele Anhänger und gerade 
ihre bedeutendsten Köpfe durch deren Auswanderung nach Luzem, 
Baden und anderswohin verloren. Streng wurde nun darauf 



33 

gehalten,* da8S aUe Bürger die Predigt besudien und sich von der 
Messe fem halten. Schultheiss Schodeler musste sich auch gegen 
den Vorwurf verantworten, dass er ausserhalb der Stadt der 
Messe beiwohne; &s wurde ihm aber gestattet, ausserhalb sich 
frei 2U bewegen, wenn er nur auch in der Stadt fleissig in der 
Predigt erscheine. 

Auch in die Umgegend Bremgartens war die Reformation 
siegreich vorgedrungen. Sieben Kirchhörenen der Freienämter 
im Wagenthal, Wohlen, Villmergen, Hägglingen, Sarmenstorf, 
Hermetschwil, Niederwil und Boswil schickten ihre Botschaften 
mit dem Ansuchen nach Zürich, es möge ihnen das Evangelium 
gepredigt werden, da ihre alten Pfarrer das gar mangelhaft ver- 
ständen. Zürich entsprach und sagte ihnen Schutz, Schirm und 
Hülfe zu. 

Die Freienämter im Wagenthal standen damals unter der 
Oberherrschaft der sechs Orte Zürich, Luzern, Schwiz, Unter- 
waiden, Zug und Glarus, welche abwechselnd alle zwei Jahre 
einen Landvogt schickten. Dieser kam in der Regel zweimal 
jährlich, im Mai und an Martini in das Land, zur Abrichtung, 
um die anhängigen Appellationen zu entscheiden. Die Gerichte 
wurden im Kloster zu Muri, im Rössli zu Meienberg, in der 
Commende zu Hitzkirch, in Villmergen und Bremgarten gehalten. 
Zu aussergewöhnlicher Zeit erschien er nur auf besonderes Ver- 
langen einer Partei zum gekauften Gericht , welches von dem an- 
begehrenden Theile besonders zu vergüten war. Während seiner 
Abwesenheit functionirte in den dringenden Fällen der Land- 
schreiber, der gewöhnlich seinen Sitz in Bremgarten hatte. In 
den Gerichten der Aemter war der von der Gemeinde selbst ge- 
wählte Untervogt Vorsitzer, neben ihm vier Richter oder Für- 
sprecher, ebenfalls durch die Gemeinden berufen. Das Criminal- 
gericht wurde aus dem Landvogt und allen Untervögten gebildet. 
Die Freienämter führten ein eigenes Panner; im Jahre 1512 noch 
hatte sie Papst Julius U. für geleistete Kriegshülfe mit einer neuen 
Eriegsfahne beschenkt. Die Säule in ihrem Panner wurde da- 
mals golden, der darum gewundene Strick silbern, rechts und 
links von der Säule waren die Worte geschrieben : Christus passus. 
Die Stellung der Freienämter war somit unter den gemeinen 
Herrschaften eine günstige. 

Obwohl die Boten der fünf Orte, in Luzern versammelt, am 
22. Mai 1529 noch drohend an Bremgarten geschrieben hatten, 
dass sie es als Feind betrachten werden, wenn nicht sofort der 

Argovia VI. ' 3 



34 

Abfall vom christlichen Glauben wieder gut gemacht und nament- 
lich die Aufreizungen zum Abfall in den Gemeinden des Freien- 
amtes und der Grafschaft Baden unterlassen werden, ging doch die 
Reformation in diesen Gemeinden ihren ungestörten Gang. Ebenso 
yergeblich war die Mahnung der fünf Orte, Lunkhofen nicht mit 
der Abstimmung über Abschaffung der Messe, der Ceremonien 
u. s. w. zu behelligen ; auch diese Pfarrgemeinde trat zum neuen 
Glauben über. Am 24. Mai verbrannten die Niedem Aemter ihre 
Bilder bei den Kirchen; da kam der Landvogt dazu, Jacob an 
der Rüti von Schwiz, welcher bereits bei Bremgarten gegen die 
Wegnahme der Bilder in Eggenwil protestirt und vor ähnlichen 
Thätlichkeiten in Rohrdorf und Dietikon ernstlich gewarnt hatte, 
fuhr die Leute gar übel an und drohte mit den Herrn und Obern 
der fünf Orte. WirkUch klagte er auf der Tagsatzung in Luzem 
den Frevel, den die Bauern in den Kirchen mit den Bildern be- 
gangen; die Tagsatzung gebot, neue Bilder in die Kirchen zu 
thun und die noch vorhandenen ja nicht wegzunehmen ; sonst 
sollten sie erwarten , wie es ihnen ergehen würde. Diese Drohun- 
gen zeigten die biderben Leute in Zürich an und baten, man 
wolle auch die Berner ersuchen, mit der Grafschaft Lenzburg ein 
treues Aufsehen auf sie zu haben.' Zürich tröstete sie, man 
werde ihnen keine Gewalt wider Recht geschehen lassen; die 
Bilder blieben entfernt. 



Der erste Kappeier Krieg. 

Während sich so die neue Lehre immer mehr ausbreitete, 
hatten die Katholischen zur Stärkung ihrer Macht einen geheimen 
Bund mit dem Kaiser Ferdinand abgeschlossen. Ihre Erbitterung 
gegen die Evangelischen machte sich in grausamer Weise da- 
durch Luft, dass sie einen zürcherischen Predicanten, Jacob 
Kaiser von Uznach, trotz der Einsprache des zürcherischen Ab- 
gesandten, des Seckelmeisters Edlibach, lebendig verbrannten. 
Die Gereiztheit stieg auf beiden Seiten immer höher. Der Streit 
Berns mit Unterwaiden wegen der Emmischung in die Unruhen 
im Oberland war noch nicht beigelegt ; vielmehr wollten die Städte 
verhindern, dass der Vogt von Unterwaiden, an Vrelchem dieses 
Jahr die Reihe war, in Baden und im Freienamt aufreite, oad 
drohten auf ihrem Sondertag in Aarau am 3. Juni, ein solches 
Aufreiten mit Gewalt hindern zu wollen. 



^ 



35 

Auf dieser Tagsatzung mahnte Zürich nach dem Wunsche 
der Freienämter die Berner, auf die benachbarten reformirten 
Kirchhörenen ein getreues Aufsehen zu haben. Anfangs Juni 
schon hatte Zürich durch eine Bathsbotschaft Bremgarten auf- 
gefordert, den Aufzug des Vogtes von Unterwalden ebenfalls 
durch Verweigerung des Durchpasses zu hindern und die Reuss- 
fähre bei Lunkhofen zu verlegen. Bremgarten lehnte zwar ab, 
wdl die fünf Orte ebenfalls Theil an Bremgarten hätten, ver- 
sprach jedoch, mit dem Landvogte nur so viel Gefolge durch 
die Thore zu lassen, dass sie demselben gewachsen bleiben. Mit 
dieser Zusage erklärte sich Zürich befriedigt. 

Entgegen diesen Bestrebungen rüsteten sich die fünf Orte, 
den Vogt mit Gewalt einzuführen. Wie dieses die Freienämter 
hörten, hatten sie grosse Sorge, da ihnen wegen dem Verbrennen 
der Bilder gar heftig war gedroht worden. Der Untervogt zu 
Wohlen, Hans Zubler, ein eifriger Mann für das Wort Gottes 
und die Stadt Zürich, versammelte andere Untervögte und red- 
liche Amtsleute, um mit ihnen zu rathschlagen und sie beschlos- 
sen, eine Botschaft nach Zürich zu schicken. Der Zulauf wurde 
immer grösser; am 3. Juni waren schon 150 Mann versammelt. 
Zürich sandte Peter Meyer, Mitglied des Käthes und Thoman 
Meyer, der Landvogt im Freienamt gewesen, um Bremgarten zu 
guter Sorge und Wache, namentlich zu treuem Aufsehen auf die 
Freiämter zu mahnen. Am 4. Juni folgte denselben Seckelmeister 
Hans Edlibach mit dem Auftrage, die Freiämter nach Muri zu 
Mren. Mehr als 200 Amtsleute waren bereits in Wohlen unter 
dem Amtsfähnlein vereinigt; diese zogen bereitwillig mit und 
nahmen unversehens das Kloster ein. Abt war damals Laurenz 
von Heidegg ; bei ilim befand sich der abtretende Vogt von Schwiz. 
Beide wurden gefangen und waren sehr ungehalten, obwohl ihnen 
kein Leid zugefügt wurde. Die vornehmsten Conventualen, Seba- 
stian von Fulach und H. Jacob Schmid von Zürich waren dem 
Evangelium zugethan und gingen auch später nach Zürich.. 

Der Zulauf aus dem Amte zum Kloster wurde immer grösser 
und Alle leisteten den Boten den Eid, dass sie zum Wohle der 
Stadt Zürich wollen treu und beholfen sein, so weit es in ihrem 
Vermögen stehe. Zur Unters'tützung schickte Zürich ein Fähn- 
lein von 500 Mann unter dem Hauptmann Ulrich StoU und Fähn- 
rich Heinrich Bahn mit vier Stücken Feldgeschütz auf Rädern 
und etlichen guten Hackenbüchsen. Am 5. Juni Nachmittags 
3 Uhr trafen diese Zuzüger in Bremgarten ein und zogen den- 



36 

selben Abend noch nach Muri. In Meienberg aber sammelte sich 
vieles Volk um das Fahnlein aus dem obern Amt zur Hülfe für 
die fünf Orte, wider Zürich und die untern Aemter. 

Als die Berner den verlangten Zuzug verweigerten und vom 
Krieg abmahnten, dagegen Luzem stark gegen Muri rüstete, 
wurde auch Bremgarten um Hülfe gemahnt. Schultheiss Hans 
Mutschli, ein wohlgeachteter Mann, von gutem altem Herkommen, 
dazu gottesfürchtig, weise, tapfer und wohlhablich, wurde zum 
Hauptmann gewählt und mit sechzig wohlgerüsteten Mannen nach 
Muri geschickt. Das Stadtfähnlein mit dem rothen Löwen trug 
Caspar Lang, genannt der Federhans, Mitglied des Rathes und 
Wirth zum Bären. Montag den 7. Juni zogen sie trostlich aus ; 
unverzüglich wurden noch weitere fünfzig Mann ausgerüstet und 
denselben unter dem Lieutenant Hans Zingg, des Rathes und 
Baumeister, nachgeschickt, unter ihnen Heinrich Bullinger. Zürich 
sandte nachträgUch zur Verstärkung noch ein Freifähnlein von 
300 Mann unter dem Hauptmann Jörg Göldli nach Muri. 

Dienstag den 8. Juni zog Luzern mit gesammter Macht nach 
Muri. StoU, gewarnt, wich gegen Abend zurück und lagerte sich 
Nachts auf einem wohlbewahrten Hügel bei Besenbüren ; der be- 
fürchtete Angriff unterblieb jedoch, weil die Luzemer zum Haupt- 
heer der fünf Orte nach Baar berufen wurden. Im Reussthal 
war die ganze Nacht ein grausames Stürmen, man sah viel an- 
gezündete Feuer. Als der Zuzug von Bremgarten nach Muri 
wollte, kam Bericht, dass die Zürcher von dort aufgebrochen 
seien. Sobald man am Morgen früh vernahm, dass Zürich und 
Bremgarten mit dem Amtsfähnlein von Besenbüren nach Bünzen 
gezogen seien und sich da gelagert, eilten der Nachtrupp von 
Bremgarten und das Freifähulein von Zürich zu ihnen. Da wur- 
den die Zürcher mit den Freiämtern nach Kappel zum Haupt- 
banner gemahnt und zogen über Bremgarten nach Rossau gegen 
das Schmalholz. Die von Bremgarten musstcn in der Stadt blei- 
ben , um den Pass zu hüten und weitern Bescheid zu gewärtigen. 

Die Heere lagerten bei Kappel einander gegenüber, die Fahne 
der Freienämter war bei Zürich , die von Meienberg bei den fünf 
Orten. Zürich hatte am 9. Juni einen förmUchen Absagebrief 
an die fünf Orte erlassen ; unter den vielen Gründen der Absage 
wurde auch angeführt, dass Einer aus dem Freienamt, der in Zug 
eine Stechpalme auf seinem Hut getragen, ohne zu wissen, dass eine 
Rotte Katholischer Tannäste als Abzeichen aufgesteckt habe, unter 
schändUcher Beschimpfung der Ketzer übel misshandelt worden sei. 



^s 



37 

Die Berner hatten sich endlich zum Auszuge bewegen lassen 
und zogen Mittwoch den 16. Juni mit ihrem Schützenfähnlein und 
Oeschütz, mit ihrem Panner und ganzer Macht zu Bremgarten 
gerüstet ein, mit all ihrer Landschaften Zeichen, deren über 
sieben und zwanzig waren , sehr wohl bewehrt. Hier lagen sie still 
bis zum 24., wo bei Kappel geschossen wurde und sie vermein- 
ten, dass ein Angriff geschehen sei. Eilends brach alles Kriegs- 
volk auf und zog gegen Kappel. Als sie aber auf dem Wege 
remahmen, dass der Friede geschlossen worden, liefen die Knechte 
nieder haufenweise heim, ^as Panner kehrte am 25. Juni über 
Bremgarten nach Bern zurück, mit ihm die Fähnlein von Basel, 
Biel und Mülhausen. Die Bemer hatten sich in den Dörfern um 
Bremgarten gelagert, zuZufikon, Oberwil, Lunkhofen und Jonen, 
wie auch in der Stadt selbst. 

Durch den Landfrieden vom 24. Juni 1 529 wurde bestimmt, 
dass die fünf Orte in Glaubenssachen nicht genöthigt werden 
sollten, dass es dagegen den Kirchgemeinden in allen gemeinen 
Herrschaften freistehe, mit Mehrheit sich für Abschaffung oder 
Beibehaltung der Messe und der Ceremonien zu eiklären. Das 
Ferdinandische Bündniss wurde abgesagt und musste heraus- 
gegeben werden; die Pensionen wurden gänzlich verboten. Unter 
den vielen Spezialbestimmungen des Friedens werdep auch Brem- 
garten, MelUngen und die Freienämter ausdrücklich in den Frie- 
den eingeschlossen, so dass ihnen „nüt args zugefügt, sondern 
,si mit werten und werken unangezogen, ungefecht und in summa 
„aller dingen ungestraft blyben söUind." Alle Schmähungen des 
Glaubens wegen wurden den Unterthanen in den gemeinen Herr- 
schaften-Ernstlich verboten. Damit war der erste Kappeier Krieg 
beendigt und durch den überaus günstigen Friedensschluss der 
Bestand der Reformation auch für Bremgarten und das untere 
Freiamt gesichert. 

Ereignisse während des Landfriedens. Tagsatzungen 

in Bremgarten. 

Mit dem Abschlüsse des Landfriedens war die Ruhe nicht 
hergestellt, weil sich die fünf Orte das Uebergewicht nicht ge- 
fallen lassen wollten, welches durch denselben den reformirten 
Städten eingeräumt war; diese Hessen zudem ihre Uebermacht 
in dner Weise fühlen, welche verletzen musste. Es entstand 
bald wieder Streit über die Auslegung des Friedens, indem na- 



38 

^entlieh Zürich den ersten Artikel dahin ausdehnen wollte, das» 
den fünf Orten kein Redit mehr zustehe, ihre eigenen Unter- 
thanen des Glaubens wegen zu strafen, eine Auslegung, welche 
die fünf Orte als einen Eingriff in ihre Landeshoheit nicht an- 
erkennen wollten. 

Inzwischen war die schweizerische Reformation mit der deut- 
schen in engere Berührung gekommen. Da sich aber sofort einige 
Differenzen in Glaubenssachen zeigten, namentlich in der Abend- 
mahlslehre, konnte keine Einigung herbeigeführt werden und die 
Disputation zwischen Luther und Zwingli in Marburg hatte nicht 
den gewünschten Erfolg ; dagegen hielt sich ein grosser Theil der 
süddeutschen Kirchen zu Zwingli's Lehre. Auch in politischer 
Beziehung wurde die Verbindung mit den Protestanten Deutsch- 
lands festgehalten; Zwingli suchte sogar Zürich zum Beitritte 
zum schmalkaldischen Bunde zu bewegen. Das Project scheiterte 
zum Glücke für die Eidgenossenschaft am Widerstände Luthers, 
der keine Gemeinschaft mit den Zwingli'scheu wollte ; durch diese 
Weigerung wurden die politischen Plane Zwingli's vereitelt. 

In der Eidgenossenschaft wurde aber die Reformation immer 
weiter ausgedehnt, wobei es an Conflicten mit den katholischen 
Orten und an Klagen derselben nicht fehlte. Auch versuchten 
dieselben, wo immer möglich, die Verbreitung der neuen Lehre 
zu verhindern. Als im Juli 1529 in Muri über den Glauben ab- 
gestimmt wurde und das Mehr zu Gunsten der Evangelischen 
ausfiel, legten sich die fünf Orte dazwischen und hintertrieben 
die Sache, so dass ein zweites und falsches Mehr herauskam. 
In mehreren Tagsatzungsinstructionen wurde dieser Beschwerde- 
punkt von Zürich geltend gemacht. Glücklicher wur^die Re- 
formation in Dietikon und Rohrdorf, welche Ende Juni und An- 
fangs August übertraten ; an beiden Orten waren die Pfarrer der 
neuen Lehre günstig gesinnt. In Rohrdorf wirkte damals Heinrich 
Buchmann von Bischofzeil, welchem M. Hans BuUinger folgte. Dieser 
war der älteste Sohn des Decan BuUinger, am 14. Homung 
1496 in Arbon geboren; er hatte zuerst als fahrender Schüler 
Rottwil, Bern und Heidelberg besucht, trat dann in die Schule 
zu Emmerich, wo ihn später sein jüngerer Bruder Heinrich 
traf. Nachdem er die Hochschule in Köln absolvirt, wurde er 
Pfarrer in Uri und machte als solcher 1527 den Zug im Mal- 
ländischen mit, wo er in der Schlacht bei Caran gar arg zer- 
schlagen wurde. Später kam er nach Birmenstorf und von da 
nach Rohrdorf. 






39 

In all diesen Gemeinden war der Einfluss Bremgartens wirk- 
sam, wo namentlich Bullinger eifrig für das Reformationswerk 
wirkte. Jeden Montag hielt er die zweite Predigt und dreimal 
in der Woche die Frühpredigt, zudem täglich Abends statt der 
Vesper eine Bibellection ; so wurde es ihm möglich, während 
seiner Thätigkeit in Bremgarten fast das ganze neue Testament 
za erklären. Oft predigte er auch iu den umliegenden Gemeinden, 
wie Oberwil, Lunkhofen, Gösslikon, Niederwil. Von mächtiger 
Wirkung war der Eindruck seiner persönlichen Erscheinung wie 
semes Wortes; er war von hohem Wuchs, schlanker Gestalt und 
gesunder Gesichtsfarbe, seine Bewegungen rasch und kräftig; 
nach damaliger Sitte trug er einen langen bis auf die Brust herab- 
waQenden Bart. Aus seinem Blicke leuchtete Uebenswürdige 
Freundlichkeit, verbunden mit Ehrfurcht gebietendem Ernst, wo- 
durch er die Herzen zu gewinnen und an sich zu fesseln wusste. 
Sein ganzes Auftreten war würdevoll, maasshaltend und von eigen- 
thümlicher Anmuth. Grosse Gewalt der Rede war ihm verUchen ; 
seine Predigten waren klar und einfach und auf alle Zuhörer 
berechnet, wie er sich einmal zu einem vornehmen Herrn äusserte, 
der ihm seine Verwunderung über die Einfachheit seiner Predig- 
ten ausgesprochen : „ob Ihro Gnaden nicht von der Emporkirche 
in den untern Raum hinabgeschaut und da die dicht aneinander 
sitzenden Otterkäpplein und Altweibertüchlein wahrgenommen; 
um derentwillen müsse er vornehmUch predigen und nicht um 
grosser Herren und gelehrter Leute willen." Bekannt war seine 
Mildthätigkeit gegen alle Dürftigen ; nicht umsonst hatte ihn sein 
Vater in Emmerich ein Jahr von den milden Gaben Fremder 
leben lassen, nicht damit er Kosten erspare, sondern dass sein 
Sohn selbst aus Erfahrung lerne, wie wohl die Barmherzigkeit 
thue. Seinem Einfluss war es zu verdanken, dass mehrere der 
aus Rottwil vertriebenen reformirten Brüder in Bremgarten gast- 
freundliche Aufnahme fanden. 

Die Durchführung der Kirchenreform hatte nöthig gemacht, 
dass altgläubige Geistliche unnachsichtlich von ihren Pfründen 
entfernt wurden. So beklagte sich Niclaus Bucher von Zug über 
den Entzug seiner Pfründe und Zug verlangte für denselben 
sicheres Geleit, damit er sein Anliegen persönlich vor Rath vor- 
bringen könne. 

Die Streitigkeiten zwischen den katholischen und reformirten 
Ständen wegen Auslegung des Landfriedens und der vielen neu- 
geschaffenen Gonflicte wurden indessen inmier heftiger. Im Sep- 



40 

tember 1529 zeigten die Rathsboten von Zürich und Bern von 
der Tagsatzung zu Baden aus Bremgarten an, dass die Schieds- 
versuche vergeblich gebUeben seien, dass somit den fünf Orten 
der feile Kauf, Proviant, abgeschlagen werde und daher Brem- 
garten auf der Hut sein soll. Während Zwingli's Plan dahin 
ging, mit Waffengewalt die fünf Orte zu erdrücken und dieselben 
ebenfalls zur neuen Lehre zu zwingen und so deren Bestand 
bleibend zu sichern, wollte Bern hievon Nichts wissen und konnte 
sich nur zur Anordnung einer Sperre entschliessen. Es war dieses 
eine Massregel, die nur die Erbitterung der fünf Orte au£B Höchste 
steigerte, ohne ein bestimmtes Resultat zu Gunsten der reformir- 
ten Stände herbeizuführen. Zwei Tage nach der ersten Anzeige 
verlangte Zürich, dass Bremgarten auch seinerseits den Proviant 
abschlage, worauf der Rath jedoch nicht eintrat, weil die fünf 
Orte ebenfalls Theil an Bremgarten haben; zugleich forderte 
Zürich Bremgarten zur Rüstung für alle Fälle auf, wie eine gleiche 
Mahnung an die sechs Bürgerstädte, nämlich ausser Zürich an 
Bern, Basel, St. Gallen, Mülhausen und Biel ergangen war. 

Im October dieses Jahres verwandte sich Luzern für den 
wieder entwichenen Schultheissen Honegger; da seine Sache an 
die Orte gebracht und in den Abscheid aufgenommen worden 
sei, soll Bremgarten den Austrag des Handels abwarten und nicht 
eigenmächtig auf dessen Gut greifen, wie es bereits begonnen 
habe. Ebenso legten die fünf Orte eine Fürbitte für Bürger von 
Jonen ein, welche bei der Heimkehr von der letzten Kirch weihe 
den Pfarrer zu Lunkhofen besclümpft hatten und desswegen von 
Haus und Hof vertrieben worden waren. Zürich dagegen ver- 
langte Ende October die Proclamation des Mandates, welches 
von den Eidgenossen gegen Schand- und Schmachworte erlassen 
worden war. Durch solch äussere Verbote suchte man den innem 
Streit der Meinungen und Absichten zu verdecken, während der 
Zwiespalt tief in den Herzen der beiden Parteien wurzelte. 

Weil Bremgarten trotz dem Verbote Luzems in der Bestra- 
fung des Schultheissen Honegger fortgefahren war, wurde eine 
Rathsbotschaft am 20. Januar 1530 vor die sieben Orte auf Sonn- 
tag vor Valentin vorgeladen. Diese Rathsboten erhielten eine 
ausführliche Instruction, in welcher die Vergehen des Honegg^ 
der Reüie nach aufgeführt wurden: wie er stets den Doctor Burk- 
hart vertheidigt , obwohl dieser ein fanatischer Anhänger des alten 
Glaubens sei und stets die Bürger und die Gemeinde beschimpft 
habe ; wie er mit diesem sogar einmal des Nachts bei der Heim- 






41 

kehr von Luzem heimlich in der Auw über die Mauer gestiegen 
und so den Frieden gebrochen habe; wie er durch seine Spitz* 
reden den Unwillen der Bürger gegen sich wachgerufen und aus 
der Stadt entwichen, dann aber Besserung gelobt und um milde 
Bestrafung nachgesucht habe; wie er zur Strafe nur des Käthes 
entsetzt und zu 25 U Busse verfällt worden sei, dieselbe aber 
noch nicht bezahlt habe ; wie er zum Thor hinaus gegangen, als 
vom Stadtknecht die Bürger nicht lange vorher bei Eiden zur 
Gemeinde geboten worden; wie er von einem Anschlag unter- 
richtet gewesen, die Stadt zu überfaUen und den Lutherischen 
die Köpfe abzuschneiden, hievon aber Nichts angezeigt habe; wie 
er gegen eine Tröstung von 1000 Gulden in sein Haus freigelassen» 
worden sei, nachdem der Unwille der Bürger dessen Verhaftung 
dringend verlangt, dann aber ohne Noth sich davon gemacht und 
den Eid gebrochen habe; wie er alle Eathsbeschlüsse dem Heini 
Grosshans von Arni mitgetheilt und alle Briefe Zürichs und der 
Eidgenossen ihm vorgelesen habe; durch diese Treubrüche und 
Anschläge sei ein strenges Verfahren Bremgartens um so mehr 
gerechtfertigt, als man ihn erst gefangen gelegt, als*mehrere 
Bürger sich beklagt, wegen einer Bürde Heu werde Einer ans 
Seil geschlagen, dieser aber gehe trotz seiner schweren Ver- 
brechen frei herum. Wie Bremgarten den Schultheissen Honegger 
wegen des Einverständnisses mit den fünf Orten bestrafte und 
ihn seiner Güter beraubte, ehrte ihn Luzem zur Anerkennung 
seiner Verdienste durch die Schenkung des Bürgerrechtes; daselbst 
verblieb er, nachdem ihm auch später die Rückkehi* in die Hei- 
mat wieder eröffnet war und verkaufte seine Güter in Brem- 
garten. 

Im März 1530 hatte sich die Mehrheit von Hermetschwil zur 
neuen Lehre bekannt und Zürich um einen Predicanten gebeten. 
Der Rath verordnete den alten Decan BuUinger , zeigte aber zu- 
gleich dem Abt von Muri an, dass diese Sendung ihm und dem 
Kloster an ihren Rechten keinen Eintrag thun soll. Dagegen 
beklagte sich der Landvogt in den P'reienämtern, Hans Wyssen- 
bach von Unterwaiden, heftig über diese angebliche Verletzung 
der Rechtsame des Klosters ; namentlich warf er Bremgarten die 
Drohung vor, den Predicanten BuUinger nöthigenfalls mit Gewalt 
einzusetzen. Zürich führte trotz der Protestationen den Predi- 
canten in Hermetschwil ein, nahm auch im Kloster die Inventur 
auf und warnte Bremgarten, vor einem Ueberfalle der Luzerner 
auf der Hut zu sein, welche gedroht hatten, sie wollen mit einigen 



42 

Knechten im Kloster Hermetschwil aufschreiben helfen. Doch 
unterblieb der Ueberfall der Luzerner und die Saciie wurde so 
gerichtet, dass die biderben Leute beim Evangelium blieben, 
.worauf auch die Mehrzahl der Klosterfrauen das Wort Grottes 
annahm. Bullinger versah die Predicatur von Bremgarten aus, 
wo er seinen Wohnsitz nahm und das Haus zunächst beim Auw- 
thor von der Stadt erkaufte, welches dieselbe nach dem Kriege 
wieder an sich zog. 

Wie die Klosterfrauen in Hermetschwil, so war auch ein 
Theil der Mönche von Muri zur neuen Lehre übergetreten und 
hatte das Kloster verlassen. Als sich Muri weigerte, zweien der- 
selben , Sebastian von Fulach und Jacob Schmid den £rtrag ihrer 
Pfründen zu verabfolgen, verlangte Zürich am 21. December 153Q 
unbedingte Vollziehung des in Sachen ergangenen gerichtUchen 
Spruches. Auch Gnadenthal war zum Theil reformirt ; den aus- 
getretenen Klosterfrauen musste das zugebrachte Gut zurück- 
erstattet werden. Daher forderte Zürich im Auftrage Basels 
Bremgarten auf, so lange keine Gefalle mehr an Gnadenthal zu 
entrichten, bis dieses Kloster den in Basel verheiratheten Con- 
ventuaUnnen, den Ehefrauen des Leutpriesters Ambrosius Ketten- 
acker zu Riehen und des Jacob Kronberger, Schaffner im Wet- 
tingerhof in Basel, das gebührende Vermögen verabfolgt habe. 
Eine Klosterfrau von Hermetschwil, Elisabeth Zehnder, hatte 
schon am 7. März 1520 den Hans Bullinger, den Bruder des 
Predicanten in Bremgarten, geheirathet; sie war die Tochter des 
Schultheissen Marquard Zehnder von Aarau, von einem guten 
alten Geschlecht, das in jener Zeit nach Bern zog. Am 29. Januar 
1530 erhielt Haus BuUinger von dem von seiner Frau ins Kloster 
zugebrachten Gut von 60 rhein. Gulden einen Viertheil zurück, 
nach Marchzalil der Jahre, welche sie im Kloster zugebracht. 
Mit dieser Ehefrau Elisabeth lebte er glücklich bis zu ihrem Hin- 
scheide im März 1532. 

Die Beziehungen zwischen den Parteien wurden inzwischen 
immer gespannter. Da der Ausbruch des Krieges täglich drohte 
und man gegenseitig Ueberfälle befürchtete, wurde Bremgarten 
von Zürich und Bern wiederholt gemahnt, keine fremden Lands- 
knechte durchzulassen; auch das Jahr 1531 brachte keine fried- 
lichem Aussichten. Im Frühjahr verlangte Zürich Aufhebung 
eines Transportes von WaflFen und Geschütz , welcher von Laufen- 
burg und andern Rheinstädten aus für die fünf Orte bestimmt 
war und nach Luzern abgehen sollte. 



43 

Indessen ging die innere Entwicklung der Reformation in 
Bremgarten ihren ruhigen Gang, unter steter Fürsorge des Pre- 
dicanten Bullinger, welcher neben der täglichen Wirksamkeit in 
der Gemeinde auch schriftstellerischen Arbeiten lebte. Er yer- 
öffentlichte eine Erklärung der Wochen Daniels, schrieb Aus- 
I^ungen zu den vier Evangelien und gab eine lateinische und 
deutsche Uebersetzung der ersten Psalmen heraus. Daneben 
sammelte er eifrig für seine Schweizergeschichte, namentUch für 
die Gesdiichte seiner Zeit, welche nachher als Reformations- 
geschichte ein so ausgezeichnetes Quellen werk wurde, das sich 
durch gewissenhafte und vollständig actengetreue Darstellung in 
vorzüglicher Weise empfiehlt. Auf theologischem Gebiete nahm 
Sm insbesondere der Kampf mit den Wiedertäufern in Anspruch, 
mit denen er im Januar 1531 in Bremgarten vor der ganzen 
Gemeinde ein öffentliches Religionsgespräch hielt und sie ihrer 
Irrthümer überführte; im Februar Uess er gegen dieselben eine 
einlässUche Streitschrift in vier Büchern erscheinen. Am schmerz- 
lichsten war für ihn, dass sein Mitbürger, Vetter und langjähri- 
ger Studiengenosse, Michael Wüst von Bremgarten, ebenfalls 
dieser Secte angehörte, seine Predicatur in Klingnau verliess und 
als Weber in Oberglatt starb. Er war ein Sohn des Hans Wüst 
und der Elisabeth Bullinger, einer Schwester des Decans. 

Am 15. Mai 1531 beharrten die Bürgerstädte neuerdings auf 
dem Beschlüsse, den fünf Orten den Proviant und feilen Kauf 
abzuschlagen, zum grossen Unwillen Zürichs, das auf energische 
Kriegsmassregeln gedrungen hatte ; dieses Mal sollte freilich die 
Sperre mit aller Strenge gehandhabt werden. Am Pfingstabend 
kamen daher M. Johann Blüwler von Zürich und Crispin Fischer 
von Bern als Rathsboten nach Bremgarten, um die Stadt zur 
Theilnahme an der Sperre zu bewegen ; wenn sie den fünf Orten 
Nichts zugehen lassen, werden beide Städte Leib und Gut zu 
ihnen setzen. Auch diesmal äusserten die von Bremgarten zuerst 
ihre Bedenken , insbesonders, dass die fünf Orte auch ihre Herrn 
und Obern seien und sie geschworen, bei Uneinigkeit der Mehr- 
heit der Orte anzuhangen; als jedoch die Rathsboten erwiederteu, 
es handle sich hier nicht um die Bünde, sondern um den Land- 
frieden und den Glauben, willfahrte Bremgarten und nach dem- 
selben Meilingen. 

Die Sperre erbitterte die fünf Orte nur noch mehr, statt 
dieselben willfähriger zu machen. Da versuchte auch der Bot- 
schafter des Königs von Frankreich den Frieden zu vermitteln 



44 

und es wurde eine Tagsatzung nach Bremgarten auf den 14. Juni 
angesetzt. Als Vermittler erschienen auf dem Rathhaus in Brem- 
garten die Boten des Königs von Frankreich, des Herzogs von 
Mailand, der Gräfin von Neuenburg und anderer Herrn; auch 
von den Orten und Zugewandten der Eidgenossen Glarus, Frei- 
burg, Solothurn und Appenzell, Chur, Wallis und RottwU, Herr 
Uh'ich von Sax Namens des thurgauischen Adels, die Landgraf- 
schaft Thurgau, Sargans und Andere. Von Zürich waren an- 
wesend Diethelm Röist, Bürgermeister, Johann Blüwler und 
Wernher Bygel, Stadtschreiber; von Bern: Peter von Hag, Ven- 
ner, und Rudolf Wagner ,• des Raths; von Luzem: Hans Golder, 
Schultheiss; von Uri: Ammann Dietly; von Schwiz: Vogt Güpfer; 
von Unter walden : Ammann Lussy; von Zug: Oswald Tooss, Am- 
mann. In Bremgarten predigten M. Gervasius Schuler und Hein- 
rich BuUinger und ermahnten die Eidgenossen zur Einigkeit und 
Freundlichkeit; die Boten gingen gar fleissig zur Predigt, auch 
die der fünf Orte. Da jedoch die Vollmachten der Boten nicht 
genügend waren, wurde trotz des grossen Gepränges und dem 
Zusammenfluss hochstehender Personen, welche viel Leben in die 
Stadt brachten. Nichts ausgerichtet, ein neuer Tag auf den 
20. Juni 1531 angesetzt und die Sache in den Abscheid genom- 
men. Auch diese Tagleistung bUeb erfolglos und man vertagte 
sich neuerdings auf den 9. Juli. 

Inzwischen hatten die fünf Orte einen Anschlag auf Brem- 
garten gemacht, um dort Proviant zu erlangen und durch Be- 
setzung dieses festen Postens die Verbindung zwischen Zürich 
und Bern zu hemmen. Zürich machte hievon sofort Anzeige, der 
Ueberfall unterblieb. Ebenso wurde das Verbot erneuert, fremde 
Landsknechte durchpassiren zu lassen. Die Tagsatzung vom 
9. Juli hatte wieder kein befriedigendes Resultat, obwohl alle Bo- 
ten erschienen waren; daher vertagte man sich neuerdings auf 
den 10. August. Der innere Bruch der Parteien war aber zu 
gross, um eine Vereinbarung zu ermöglichen, wenn sich auch 
auf beiden Seiten viele Friedliebende fanden. Die Partei der Un- 
entschlossenen war auch zu Zürich im Rathe vertreten; daher 
verlangte Zwingli seine Entlassung, als diese Partei das Ueber- 
gewicht zu erhalten schien. Mit völliger Ergebung in seinen 
Willen suchte man ihn zum Bleiben zu bestimmen; eine Abord- 
nung des Rathes flehte um Rücknahme des Urlaubgesuches, er 
willfahrte und ermunterte den Grossen Rath zu muthiger Aus- 
dauer. 



45 

Am 30. Juli begehrten die fünf Orte von Bremgarten noch- 
mals, dass man ihnen feilen Kauf gestatte; auch dieses Begehren 
wurde abgewiesen. Bessern Anklang fand Zürich , als es zu treuer 
Kundschaft mahnte, da Luzern laut zuverlässigem Bericht einen 
Ueberfall der Freienämter beabsichtige. 

Die Reformation in Bremgarten und in den Freienämtem 
hatte mit diesem Momente ihren Höhepunkt erreicht. In der 
Stadt war die Partei des neuen Glaubens fest gesichert in ihrem 
Einfluss und ihrer Herrschaft, alle Aemter lagen in ihrer Hand, 
die angesehenen Gegner waren entwichen. Mit dieser ausser- 
liehen Beherrschung vereinigte sich die Belehrung durch Heinrich 
Bttllinger, welcher mit der Gewalt seines Wortes die innere Um- 
bildung der religiösen Ansichten leitete und die Ideen der Re- 
formation zur fruchtbaren Entwicklung in den Gemüthern brachte. 
Freilich war es erst eine Zeit der Aussaat und das Werk der 
Begründung der neuen Lehre doppelt erschwert durch die viel- 
fachen Anfeindungen, welche von Seite der Katholischen drohten; 
die Zeit des Sturmes und Kampfes war wenig zu ruhiger religiöser 
Betrachtung geeignet. Dagegen trug dieselbe wesentlich bei zu 
einer energischen Entfaltung des Charakters der Bürger. That- 
kraft und Entschiedenheit zeichnen ihre Führer aus, deren Bei- 
spiel die Menge mitriss. Daher wurde es mögUch , die Glaubens- 
änderung in der kurzen Zeit nicht nur in Bremgartens nächster 
Umgebung, sondern im ganzen untern Freiamt durchzuführen, 
die Klöster zu reformiren und überall die Anhänger der alten 
Lehre zum Schweigen zu bringen. 

Mitten in der unheimlichen Stimmung, wo man sich nicht 
nur offenen Krieg, sondern auch hinterUstigen Ueberfall zutraute, 
trat die Tagsatzung am 10. August nocimials in Bremgarten zu- 
sammen. Während dieser Tagleistung kam Ulrich Zwingli Nachts 
heimlich nach Bremgarten in das Haus des Heinrich Bullinger, 
um sich hier mit den Boten der Bemer, Hans Jacob von Watten- 
wil und Peter im Hag insgeheim zu besprechen. Durch diese 
Unterredung, bei welcher Bullinger anwesend war, suchte Zwingli 
die Bemer zu energischem Handeln zu entflammen. Drei Mit- 
glieder des Rathes hielten Wache vor BuUingers Haus, Jacob 
Schwarz, Jacob Hubler und Hans Bürgisser. Morgens vor Tag 
liessen sie Zwingli zum Thor hinaus. Als Schwarz und Bullinger 
unter dem Spital und Mutschli's Haus gegen die Reuss zum klei- 
nen Thörlein beim Schützenhans gingen, um Zwingli hindurch 
zu begleiten , riefen vom Thurm an der Reuss und vom Schützen- 



46 

häuschen der Füchsli und Hutmacher, Bürger, die hier die Wache 
hatten: Was da wäre, und als sie Stimme und Zeichen des 
Schwarz hörten, sprachen sie: Seht für euch und habt Sorge; 
denn wir haben einen Menschen in einem schneeweissen Kleide 
gesehen , der ins Schützenhäuschen gegangen ist und von da vor 
das Thörlein und dann wieder davon. Schwarz und Bullinger 
eilten darauf voraus, suchten im Schützenhaus, im Stand und im 
Gestände, fanden aber Nichts. So ging Zwingli, dem sie hievon 
Nichts mittheilten, seines Weges hinaus; Bullinger gab ihm das 
Geleit bis nach Zufikon , wo er ihn unter trüben Ahnungen wei- 
nend segnete; es begleiteten ihn Rudolf CoUinus und Wernher 
Steiner von Zürich. Als Bullinger von der Ziegelhütte wieder 
herab kam und von den zwei Wächtern Oeffnung des Thörchens 
verlangte, forderten sie ihn wieder zur Wachsamkeit auf; sobald 
er mit Zwingli hinauf gegangen, sei das weisse Wesen, gleich 
einer Frau, wieder gekommen; doch habe es ihnen geschienen, 
es habe sich vor dem Thörlein ins Wasser gelassen. Zum näm- 
lichen Thörchen wurde Bullinger hinausgelassen , als er wegen der 
fünf Orte aus Bremgarten weichen musste. 

Die Tagsatzung selbst war ohne Erfolg geblieben ; die Boten 
der fünf Orte waren zuletzt gar nicht mehr erschienen ; man rü- 
stete auf beiden Seiten zum Krieg. 



Der zweite Kappeier Krieg. 

Am 27. August 1531 begann der Landvogt Nussbaumer von 
Zug bereits damit die Feindseligkeiten , dass er denen von Brem- 
garten zwei Wagen mit Salz bei Nesselnbach wegnahm und den 
Kaub nach Zug führte. Es war dieses eine Repressalie gegen 
die Sperre. Bern warnte vor einem Ueberfall durch die fünf 
Orte und forderte Bremgarten auf, sich wegen gemeinsamer Ver- 
theidigung mit Mellingen ins Einvernehmen zu setzen. Zürich 
verlangte am 29. August nochmals strenge Handhabung der 
Sperre; da die Freienämter als unbewehrt und den fünf Orten 
blosgestellt nicht zur Theilnahme an derselben verhalten werden 
können, soll Bremgarten auch diesen nur nach Nothdurft ver- 
abfolgen und namentlich auf Sarmenstorf und Hitzkirch achten, 
damit von dort aus kein Schmuggel mit Salz, Eisen u. s. w. nach 
Luzern getrieben werde. Ebenso dringend "begehrten dagegen 
die fünf Orte am 31. August die Freigebung des Proviantes, 



47 



irährend Zürich zum Festhalten ermahnte, so dass Bremgarten 
4im 5. September die Ausfuhr neuerdings abschlug. Die fünf 
Orte drohten, solche Treulosigkeit zu rächen. Als viel Volk mit 
leeren Händen vom Markte heimgeschickt wurde, gab es viel Leid. 

Am 31. August hatte Bern angezeigt, dass fünfzehn Wagen 
mit Wein und Salz das Freiamt passiren werden , welche für die 
fünf Orte im Elsass und in Schaffhausen Proviant geholt hätten. 
Diese wurden niedergeworfen und Zug reclamirte Anfangs Sep- 
tember Ersatz für die Salzwagen, welche ihm Bremgarten -im 
Freienamt abgenommen. Meilingen, von den fünf Orten wegen 
der Sperre gedrängt, wünschte umgehenden Bericht über die 
Entsehliessungen Bremgartens. Zürich, welches vielfach mit An- 
fragen wegen der Sperre bestürmt wurde, forderte wenigstens 
strenges Festhalten bis zu dem nach Aarau angeordneten Tage 
der Bürgerstädte. 

Wie leidenschaftlich aufgeregt die Stimmung war, erheUt 
aus folgendem Vorgang. Ein Bürger von Zug hatte auf einem 
Ritt von Baden her ein Hufeisen verloren und liess seinem Pferd 
in Meilingen ein neues aufschlagen; die Bürger aber zwangen 
•den Schmied, dieses Eisen wieder abzunehmen und verfällten ihn 
zudem in eine Busse. „Diesen Trutz bewiesen die Mellinger , die 
doch geringen Vermögens und der fünf Orten syn sollten," meint 
Tschudi. Am Donnerstag nach Verena Tag gelang es der Wach- 
samkeit derer von Bremgarten , einen Wagen mit Geschütz , Böl- 
lern und anderm Eriegsgeräth niederzuwerfen. Zürich, dem so- 
fort Anzeige gemacht wurde, forderte auf, die Beute einstweilen 
mit Beschlag zu belegen, obwohl verlaute, dass dieser Wagen dem 
neutralen Freiburg gehöre und nicht den fünf Orten. 

Mittwoch nach Felix und Regula, den 11. September, erhielt 
Bremgarten die Meldung von Hans Berger, dem Landvogt zu 
Knonau, dass Luzern Schiffe ausgerüstet habe, um sie die Reuss 
hinabzuschicken ; am gleichen Tage bestätigte Zürich diese Nach- 
richt mit dem Zusatz, dass man bereits von Zug und Luzern her 
Signalschüsse gehört habe. Nach der Klage Zürichs auf dem 
Btirgertag zu Aarau handelte es sich darum, von Luzern aus 
der Reuss nach hinaufzurücken, um etliche Wagen im Freiamt 
abzuholen, welche die fünf Orte des Proviantes wegen in das 
Elsass geschickt hatten, welche aber abgefasst worden waren. 
Nach dem Anschlage sollten Luzern und Unterwaiden auf der 
einen Seite der Reuss, üri, Schwiz, Zug und Wallis auf der 
andern vorgehen und die mit Geschütz wohlversehenen Schiffe 



48 

Luzerns auf der Reuss die Verbindung beider Haufen erstellen» 
Doch kam dieser Plan nicht zur Ausführung, weil er zu früh 
ruchbar geworden war. 

Auf dem Bürgertag in Aarau verblieben die Städte bei ihrem 
Beschlüsse über Abschlag des Proviantes und erliessen auch am 
9. September eine öffentliche Kundmachung zur Rechtfertigung 
dieser Massregel. Die fünf Orte versuchten inzwischen Bren^ 
garten nochmals in freundlicher Weise zu gewinnen ; der Landvogt 
Konrad Nussbaumer von Aegeri versammelte zu diesem Zwecke am 
28. September alle üntervögte und Amtleute der Freienämter und 
ersuchte dieselben mit viel freundlichen Worten, den fünf Orten 
den Durchzug zu gestatten; es werde ihnen kein Schaden ge- 
schehen, man werde nur nach Mellingen ziehen, um dort den 
Pass zu öffnen ; es soll ihnen auch alles bis jetzt Ergangene ver- 
ziehen und vergeben sein, sonst aber werden sie strenge ein- 
schreiten. Dem Landvogt antworteten aber die Freienämter: 
die Zwietracht ihrer Herrn und Obern thue ihnen leid; weil sie 
sich aber mit Bern und Zürich in Kraft des Landfriedens ein- 
gelassen, gezieme es ihnen nicht, davon zu weichen und gegen 
versprochene Treue den Proviant nachzulassen. 

Wie Zürich vermuthet, gehörten die niedergeworfenen Hacken- 
büchsen an Freiburg, welches dieselben reclamirte; Bern unter- 
stützte dieses Gesuch, da das Eigen thum Freiburgs an denselben 
nachgewiesen sei. Auf dringendes Anhalten derer von Brem- 
garten, man solle ihnen diese Büchsen überlassen, weil sie die- 
selben nothwendig gebrauchen, sagte ihnen der Rath von Zürich 
zu, er werde ihr Gesuch empfehlend an den Grossen Rath brin- 
gen; einstweilen sollen sie die Büchsen behalten. 

Nachdem Zürich schon Mittwoch nach Michaelis Bremgarten 
benachrichtigt, dass die fünf Orte nach dem Freienamt ^aufge- 
brochen seien, erfolgte Sonntag vor Dionys die weitere Mitthei- 
lung, dass die Luzemer bereits in Hochdorf angekommen, um 
Hitzkirch zu überfallen. Wirklich hatten die fünf Orte am 9. October 
einen förmlichen Absagebrief an die Bürgerstädte erlassen. Unter 
den Klagepunkten wird auch aufgeführt, wie die von Zürich in 
den Gemeinden des Freiamtes zwei- und dreimal hätten mehren 
lassen, bis die neue Lehre die Oberhand gewonnen; wie sie die 
ehrbaren Klosterfrauen von Hehnetschwil vertrieben , welche beim 
alten Glauben verbleiben wollten; wie sie Bremgarten und Mel- 
Ungen förmlich zum Eidbruch verführt. 

Am 9. October waren von Luzem 600 Mann und von dea 



49 

vier andern Orten je 50 nach Hochdorf ausgezogen. Zu den- 
selben stiessen 400 Mann aus dem Amt Meienberg, dem die fünf 
Orte ein eigenes Fähnlein geschenkt, zu dessen Schutz die Leute 
aufbrachen. Als diese 1200 Mann in Hitzkirch erschienen, ent- 
stand grosses Geschrei und viel Lärm hn Freiamt. Die aus dem 
Niederamt, welche sich vorher 200 Mann stark bei Hitzkirch 
gesammelt hatten, wichen vor der Uebermacht nach Sarmenstorf 
zurück, wo sie bald auf 500 Mann anwuchsen. Zu diesen wurden 
von Zürich M. Caspar Nasal und Hans Felix Manz als Boten ge- 
schickt, um über die Lage der Dinge Erkundigungen einzuziehen. 
Als die Luzemer, auf 1500 Mann angewachsen, am 10. October 
von Hitzkirch in's Freiamt einfielen, zogen sich die bei Sarmenstorf 
versammelten 400 — 500 Mann nach Bremgarten zurück. Die 
Luzerner drangen unter Rauben und Zerstören bis Boswil und 
Bünzen vor, üidem sie ihren Unwillen namentlich an den Häusern 
der Predicanten ausliessen. Auf die Nacht folgten Weiber, Kinder 
und Gesinde den Ihrigen nach Bremgarten nach und berichteten, 
wie die feindliche Macht in den Dörfern hause und Alles ge- 
raubt werde. 

Am 11. October sandte Zürich 500 Mann unter Heinrich 
Werdmüller mit vier Büchsen auf Rädern und einigen Hacken- 
büchsen nach Bremgarten zur Verstärkung. Dieser Befehlshaber 
liess auch den Uebergang über die Reuss bei Sulz und den Pass 
bei Meilingen gehörig verlegen; Vogt Rychiner zu Sulz wurde 
als verdächtig gefangen. Die Gesammtmacht in Bremgarten stieg 
auf 1400 — 1500 Mann. Die Verstärkung durch Werdmüller zum 
Schutze Bremgartens und der untern Freienämter hatte Zürich schon 
am 10. October in Aussicht gestellt ; man glaubte nämlich zuerst, 
dass die Hauptmacht der fünf Orte im Wagenthal liege und 
wollte daher die Freienämter entsetzen. Erst später kam der 
Bericht, dass die Panner der Kathoüschen bei Zug lagern. Die 
Truppen bei Bremgarten wurden noch durch Zuzug aus den 
Freienämtem und der Grafschaft Baden verstärkt. Als Jacob 
Funk, Hans Zubler, Vogt zu Wohlen, Jacob und Heini Ernst 
mit Andern sich als Späher bis an das Geschütz im Lager der 
fünf Orte bei Bünzen gewagt hatten und berichteten, dass ein 
Ueherfall leicht sei, sammelte sich eine grosse Anzahl, namentlich 
Amtsleute, auf der Reussbrücke und wollten ausziehen; nur mit 
Mühe liessen sie sich zurückhalten. 

Am 11. October, Mittwoch vor Gallus, wurde die Schlacht 
bei Kappel geschlagen. Verhängnissvoll war deren Ausgang für 

ArgOTia VI. 4 



50 

Zürich; seine Truppen eriitten eine vollständige Niederlage, 
Zwingli und mit ihm viele angesehene Zürcher, die vornehmsten 
Freunde der Reformation, fanden den Tod. 

Die Luzerner in Bünzen schössen am 12. October Morgens 
dreimal zur Feier des Sieges. Die Kunde der Niederlage wurde 
auch in Bremgarten allgemein verbreitet; Schultheiss Mutschli 
hatte die Unglücksbotschaft schon am Mittwoch Abends durch 
einen Kundschafter erfahren. Trauer und Schrecken war gross; 
das Hauptpanner wurde von den Bürgern aufgesteckt und Jeder- 
mann rüstete sich zur Gegenwehr , da man befürchtete, dass der 
Zug von Bünzen sich nach Bremgarten herablassen werde. Einige 
Luzemer kamen allerdings mit Schelten und Schmähungen bis 
an die Stadt, so dass mehrere erschossen wurden; einen Ausfall 
gegen dieselben wollten die Hauptleute nicht gestatten, weil man 
einen Hinterhalt befürchtete; zudem hatte Zürich ausdrücklich 
jeden Ausfall untersagt, welcher den wichtigen Posten in Gefahr 
bringen könnte. 

Von der Wahlstatt bei Kappel brachen die fünf Orte am 
13. October auf, zogen sich das Freiamt hinab bis Ottenbach; 
einige verwegene Knechte liefen bis Lunkhofen und drohten, der 
Gewalthaufen werde auf Bremgarten rücken. Von den fünf Orten, 
namentlich von den fremden Knechten und den Wälschen, welche 
bei ihnen waren, wurde im Freienamt gar viel Muthwillen getrieben. 

Auf dem Albis hatte sich inzwischen das zürcherische Heer 
wieder gesammelt; doch war die Stimmung nicht die beste, auch 
Bern warnte entschieden von jeder neuen Unternehmung ab, bis 
seine Macht sich mit der Zürichs vereinigt habe. Am 13. October 
zog das Heer der Zürcher vom Albis ab, und bei Zürich vorbei 
nach Birmenstorf, wo es Sonntags lagerte. Sonntags den 15. 
rückte die ganze Macht Zürichs hinüber nach Bremgarten und 
nahm SteUung gegen Berkon, Oberwil und Zufikon. Das Panner 
Zürichs lag in Ulrich Mutschli's Haus; das Geschütz, 20 Stück 
auf Rädern, stand ausser Bremgarten auf der Zufiker Zeig; der 
Zug war stark und schön, so dass er allgemeine Verwunderung 
erregte. Schaffhausen und St. Gallen waren durch Hülfistruppea 
vertreten. 

Am Samstag, den 14. October war auch die Macht Berns 
herangekommen, unter dem Hauptmann Sebastian von Diessbach^ 
Lieutenant Hans Jacob von WattenwU und Venner Peter im Hag» 
vereint mit den Truppen von Basel, Solothum, Biel und Andern. 
Als die Berner die Niederlage Zürichs vernommen, hatten sie 



51 

zuerst gar keine Eile, an die Reuss gegen die fünf Orte zu rücken; 
sie entschlossen sich vielmehr zuzuwarten, bis die von Zürich 
wieder mit einer geordneten Macht in's Feld gezogen. Indem sie 
inzwischen deren von Zürich Land und Leute im Stich liessen, 
bewegten sie sich am 14. October langsam von Aarau nach Vill- 
mergen. Als die von Luzem, Meienberg und deren Zuzüger, 
etwa 3000 Mann stark, ihnen aus dem Lager bei Boswil gegen 
Villmergen entgegeneilten, wich Bern, durch Späher unterrichtet, 
wieder auf sein Gebiet zurück. Die Freiämter, welche den Schaden 
sahen, welcher ihnen täglich durch die Zerstörung von Haus und 
Hof geschah, kehrten allmälig von Bremgarten, wohin sie ge- 
flohen waren, heim, erschienen bei den fünf Orten in Villmergen, 
baten um Schonung und Gnade und schwuren, fürderhin ewiglich 
gehorsam zu sein; sie wurden zu Gnaden aufgenommen, wegen 
ihrer Bestrafung aber die Zustimmung der Herren und Obern zu 
Ottenbach im Lager vorbehalten. Nach dieser Unterwerfung zogen 
die 3000 Mann von Villmergen nach Muri zurück, um der Fähre 
über die Reuss bei Ottenbach näher zu sein und so die Verbin- 
dung mit dem Hauptheer besser zu unterhalten. 

So konnten die Berner ungehindert nach Bremgarten kommen, 
lagerten sich da auf dem linken Reussufer bei der Kreuzkapelle, 
stellten das Geschütz, 20 Stück auf Rädern und 30 Hacken- 
büchsen, auf Ulrich Mutschli's Matte, gegen den Stöcken. Da 
die Hauptleute beider Züge, von Zürich und Bern, in Bremgarten 
zum Eriegsrath zusammentraten, wurde beschlossen, auf beiden 
Seiten der Reuss gegen den Feind zu ziehen. Um die Einigkeit 
beider Heere auch äusserlich zu veranschaulichen , wurden gegen- 
seitig einige Truppentheile ausgetauscht, so dass das Zürcher- 
fähnlein unter Werdmüller, das Freiämterfähnlein und die Leute 
aus der Grafschaft Baden mit Bern marschirten, ein Theil der 
Bemer und Basler aber mit Zürich. Tags darauf rückten die 
Zürcher auf dem rechten Reussufer nach Ottenbach vor, die 
Bemer aber mit Basel, Solothurn, Biel und Neuenburg nach Muri, 
von wo die Luzemer bereits nach Baar abgezogen waren. Sie 
zerschlugen die Bilder in den Kirchen, plünderten das Kloster 
und räumten es bis auf das letzte Glas; auch der arme Narr 
wurde erstochen. Die geraubte Fahrhabe wurde jedoch alle unter 
die Freiämter vertheüt, welchen das Ihrige von den Luzemem 
entrissen worden war. Die Freienämter mussten den Bernem 
wieder schwören und thaten es nicht ungern, weil sie dem neuen 
Glauben innerlich zugethan waren. Von Muri eilte Berns Macht 



52 

nach Merenschwand, wo die Bilder ebenfalls zerschlagen wurden, 
und vereinigte sich am 18. October über eine unterhalb des Dorfes 
geschlagene BrQcke mit den jenseits der Reuss liegenden Zürchem. 
Die Gesammtmacht zog nach Kappel, wo sie sich gegenüber den 
Katholischen bigerte. Das Gefecht am Gubel am 24. October war 
den Reformirten ungünstig; neuerdings wurden fruchtlose Frie- 
densunterhandlui;igen versucht, bei welchen namentlich Solothurn 
thätig war. Dieser Ort sandte bezügliche Schreiben an Glarus, 
Appenzell und Constanz über Bremgarten, das gern der Bitte 
um Weiterbeforderung derselben entsprach. 

Obwohl der Friede nicht zu Stande kam, trat Bern am 
27. October doch den Rückzug an. Entmuthigung hatte das Heer 
der Reformirten befallen; massenhafte Desertionen erfolgten; 
wiederholt schrieb daher Bern aus dem Lager bei Blickenstorf 
an Bremgarten, es soUen keine Knechte ohne speciellen Ausweis 
durchgelassen werden. Als Bern zurückwich, musste auch Zürich 
wider Willen folgen. Besorgt um die Sicherheit ihrer Stadt, ver- 
langten die Zürcher, dass ihnen Bremgarten alle niedergeworfenen 
Hackenbüchsen überlasse, welche es nicht selbst ganz nothwendig 
gebrauche. Am 4. November zog sich Bern auf Bremgarten zurück, 
Zürich auf Zufikon; schon am 3. hatte Bern vom Lager aus 
Bremgarten aufgefordert, sich mit genügendem Proviant zu ver- 
sehen, da es demnächst mit seiner Macht eintreffen werde. Trotz 
aller Mahnungen liessen sich die Bemer nicht bewegen, von Brem- 
garten aus wieder vorzurücken. Als am 11. November Zürichs 
Panner von Zufikon abzog, um Zürich und den See zu decken^ 
wollte Bern wieder nicht mitziehen. Weil die Unzufriedenheit auch 
im Zürcherlager sehr gross war und zudem Zwietracht zwischen 
Stadt und Land drohte, wurden die Friedensunterhandlungen 
wieder ernstlich eröffnet. Von diesem Frieden wollten die fünf 
Orte Bremgarten, Meilingen und die Freienämter im Wagenthal 
ausdrücklich ausgeschlossen wissen, weil sich dieselben zu denen 
von Bern geschlagen, welche noch in ihrer Stadt verweilen. 
Zürich liess Bremgarten durch Rudolf StoU auffordern, ebenfalls 
Boten zur Friedensunterhandlung zu schicken. Obwohl die Stadt 
noch von Bern besetzt war, richtete er seinen Auftrag doch an 
Bremgarten, Mellingen und die Freienämter aus, deren Haupt- 
leute und Fähnriche in der obem Stube beim Spital versammelt 
waren; die Botschaft wurde jedoch mit Unwillen und Vorwürfen 
aufgenommen. Weil die Bemer ihre Hülfe zusagten, verliessen 



53 

sidi die Bremgartner und Freiämter auf deren Versprechen und 
lehnten Zürichs Verwendung ab. 

Der Friede zwischen Zürich und den fünf Orten wurde am 
16. November 1531 auf offenem Felde zu Deinikon auf Zuger- 
gebiet abgeschlossen. In demselben Hessen sich die fünf Orte 
auf den Rath Golders, des Schultheissen von Luzern, bestimmen, 
Zürich und ihre Landschaft beim neuen Glauben zu belassen, 
ebenso deren Vogteien, ausgenommen Wesen, Gaster, Toggen- 
burg, Rapperschwyl, Bremgarten, Meilingen und die Freienämter 
im Wagenthal; immerhin aber sollte es auch den übrigen vor- 
behalten bleiben, zum alten Glauben zurückzukehren. Nur mit 
einer Stimme Mehrheit wurden diese Vorschläge angenommen; 
die Minderheit wollte auch Zürich zur alten Lehre zurückzwingen. 
Die fanatisch aufgeregte Phantasie sah sogar ein Gottesgericht 
darin, als Schultheiss Golder, Ammann Troger von Uri und 
Ammann Tooss von Zug, welche zu diesem Frieden gerathen, 
wenige Jahre nach dem Friedensschluss starben. Ausdrücklich 
wurden von den fünf Orten Bremgarten, Mellingen und die Freien- 
ämter vorbehalten, weil sie sich denen von Bern anhängig ge- 
macht, und nicht nur ihnen zugezogen und denselben allen Vor- 
schub geleistet, die fünf Orte zu überziehen, sondern auch jetzt 
noch denselben den Aufenthalt gestatten. Wo in einer Gemeinde 
der gemeinen Herrschaften Anhänger der alten und neuen Lehre 
sich finden, sollen die Kirchengüter und Pfründen nach der March- 
zahl der Köpfe unter beide getheilt werden. Schmähworte des 
Glaubens wegen wurden beidseitig verboten. Nachdem Zürich 
diese Artikel angenonmien, fragte der Hauptmann , Hans Escher, 
ob die fünf Orte noch etwas Weiteres begehren. Auf Schultheiss 
Golders : „Nein" rief Escher : „Das ' sei Gott gelobt , dass ich 
Euch wiederum unsere lieben Eidgenossen nennen soll", ging 
hinzu und sprach: „Nun grüss Euch Gott, getreue liebe Eid- 
genossen!", bot Jedem die Hand und Allen gingen die Augen 
über. So wurde der Friede ohne Unterhandlung durch Schieds- 
boten von den Parteien selbst auf offenem Felde abgeschlossen. 

Am 15. November, beim Anrücken der fünf Orte, waren die 
Bemer auch von Bremgarten weg nach Lenzburg und Aarau ab- 
gezogen; als Besatzung liessen sie zum Tröste der Freienämter 
noch 800 Mann zurück, zu Bremgarten unter dem Hauptmann 
Ludwig von Diessbach und zu Meilingen unter Hans Frisching. 
Die zwei Städte erboten sich, tapfer sich gegen den Feind zu 
Stelleo und den Zusätzern alle Treue und Liebe zu beweisen^ 



54 

dass sie bei ihrer Religion, bei Weib und Kind, Haus und Heim» 
bei ihren Freiheiten und löblichem Herkommen mit Ehren bleiben 
mögen; Bern sagte ihnen Schutz und Schirm, Rettung und alles 
Gute zu. 

Die fünf Orte zogen am 17. November mit 12000 Mann gegen 
die Bemer aus bis Sins, am 19. bis Büelisacker, worauf die Bemer 
in Aarau die Zusätzer zum Hauptpanner zurückriefen. Brem- 
garten schickte den Schultheissen Hans Mutschli, Hans Wieder- 
kehr, den Spitalmeister und Jacob Funk, des Raths, nach Aarau^ 
um die Rücknahme dieses Befehles zu erwirken : Man solle sie in 
dieser Noth nicht verlassen, wo es ihnen nicht nur an Hab und 
Gut, sondern Seele, Leib und Blut gehe; Bern habe sie allein 
vom Frieden abgehalten, als Zürich sie in denselben habe auf- 
nehmen wollen; wegen Zürich und Bern aUein hätten sie den 
fünf Orten den Proviant abgeschlagen und dadurch allen Hass auf 
sich gezogen, auch die ihnen angebotene Gnade verscherzt. Die 
Bemer schlugen das Gesuch ab; als die Boten doch wenigstens 
einen guten Rath verlangten, sagte der Hauptmann: die Sachen 
stehen leider so, dass man ihnen Nichts wisse noch rathen könne ; 
sie sollen sich selber rathen und ihre Sachen thun, wie sie mögen» 
doch die Rechtung Berns an ihrer Stadt vorbehalten. Da ant- 
wortete Schultheiss Mutschli: Verzeiht, gnädige Herrn! wenn 
ich mit meiner Rede nicht so geschickt bin, wie ich vielleicht 
sollte. Unsere Predicanten haben uns gepredigt, dass der Prophet 
Jerendas gesprochen: Verflucht sei der Mensch, welcher seine 
Hoffnung setzt auf einen fleischlichen Arm. Der Spruch ist heut 
zu Tage an uns von Bremgarten treulich erfüllt, die wi* so grosses 
Vertrauen auf Euch, unsere HeiTcn, gesetzt haben. Wie sollen 
wir aber Eure Gerechtigkeit an uns vorbehalten, die wir weder 
uns noch das Unsrige mehr erhalten mögen'. Müssen es Gott 
befehlen. 

Gleichen Abschlag erhielten Meilingen und die Freienämter. 
M. Franz Kolb, Predicant beim Panner in Aarau, geiselte in seiner 
Predigt diesen Verrath nach Gebühr, sodass er aus dem Lager 
verwiesen wurde. Krank vor Kummer starb er nach kurzer Zeit 
in Bern. 

Inzwischen hatten sich die Zuzüger in Bremgarten zur Gegen- 
wehr gerüstet. Die CapeUe zum Kreuz und die Schmiede daneben 
wurden niedergerissen, damit sich der Feind dort nicht festsetzen 
könne; der Wällismüller, Jacob Wyssenbach, hatte neben der 
Mühle an der Landstrasse eine Scheune, Darre uud Stampfe^ 



55 

wdche aus dem gleichen Grunde verbrannt werden sollten; doch 
wurde auf sein Anhalten nur die Stampfe zerstört und mit dem 
Niederreissen der andern Gebäude bis zur Rückkehr der Boten 
von Aarau zugewartet. Als der traurige Bericht eintraf, zogen 
die Zuzüger mit ihrem Geschütz zum obern Thor hinaus ab, 
über Rohrdorf, Meilingen und Lenzburg; beim Abzüge mussten 
sie viel böse Worte hören und es war eine grosse Verwirrung 
und Kümmemiss an allen Orten. 

Die Anzeige Berns, dass man statt des aufgebrauchten Pro- 
viants andern in Lenzburg beziehen könne, war in keiner Weise 
geeignet, den gerechten Unwillen über den treulosen Verrath zu 
mildern. Bremgarten war mit den zugesagten Vorräthen wenig 
geholfen, als es, schutzlos der Rache der fünf Orte preisgegeben, 
den Verlust aller Rechte und namentlich die Unterdrückung der 
neuen Lehre zu befürchten hatte. 

' Wernher Schodeler, alt Schultheiss und Jakob Hofmann 
wurden als Boten an die fünf Orte geschickt, weil dieselben den 
Katholischen genehm waren, um sicheres Geleit und möglichst 
günstige Friedensbedingungen zu erhalten. Ein Geleitsbrief wurde 
zwar den Boten am 16. November, dem Othmarstag, von den 
Hauptleuten, Fannerherrn und Kriegsräthen der fünf Orte, zu 
Muri im Lager versammelt, ausgestellt; doch wollte man von 
keinem Frieden hören. Jakob Funk suchte um Rath bei Zürich 
nach und sofort ordnete der dortige Rath M. Rudolf StoU, M. 
Heinrich Werdmüller, Hauptmann, Hans Felix Manz, Peter FüssU 
und Melchior Meier, Metzger, ab, mit dem Auftrage, Tag und 
Nacht zu reiten und nicht abzulassen , bis sie die Last von Brem- 
garten gewendet und ihnen Frieden erworben hätten. Auch Baden 
bot freundlich seine Vermittlung an. 

Lizwischen zogen die fünf Orte nach Hägglingen und Dottikon, 
wo sie bis zum Friedensschlüsse lagerten. Hauptmann Hans Hug 
von Luzem brach mit 400 Mann nach Mellingen auf, warf die 
Thore ab und strafte die Bürger gar rauh. Den Zürcherboten 
war es am 19. November gelungen, die fünf Orte für Bremgarten 
etwas günstiger zu stimmen, dessen Boten, Schultheiss Johann 
Hediger, Wernher Schodeler und Jakob Hofmann , in Hägglingen 
erschienen waren. Da Wernher Schodeler gut päpstlich und fünf- 
örtisch war, hatte er grosse Gunst bei den- Katholiken , verhiess 
auch viel zu helfen, dass der alte Glaube in Bremgarten wieder 
aa^erichtet werde, obwohl dieses nicht der Wille der Mehrheit 
der Bürger und Räthe war. Es wurden folgende Bedingungen 



56 

gestellt: Weil Bremgarten sich von den fünf Orten abgeworfeu 
und ihnen auch den Proviant abgeschlagen hat, soll es ihnen zu 
rechter Busse tausend Gulden bezahlen; ferner keinen Schult- 
heissen mehr mit eigener Gewalt wählen, sondern Einen den acht 
Orten auf der Jahrrechnung in Baden, präsentiren, welche ihn an- 
nehmen oder einen Andern fordern können. Der Schlüssel zu 
einem Thurm in der Stadt ist dem Vogt in den Freienämtem 
zuzustellen, damit er nach Belieben seine Gefangenen dort ver- 
wahren möge. Schultheiss MutschU hat für seine Person allein 
tausend Gulden den fünf Orten zu bezahlen, weil er sich zum 
voraus au die von Zürich gehängt und an der Neuerung, auch 
am Abschlage des Proviant die höchste Schuld trage. In diesem 
Frieden sollen die Predicanten nicht eingeschlossen, und nament- 
lich ausgeschlossen sein der alte Decan BuUinger, sein Sohn 
Heinrich Bullinger und Gervasius Schuler, Pfarrer in Bremgarten. 
Vorab soll Bremgarten den fünf Orten aufgegeben werden als ihr 
offenes Schloss und freier Pass im Kriege wider die Berner. 

Am 20. November nahm die Gemeinde diesen Frieden an. 
Der Rath und die Vierzig Uessen die Predicanten ersuchen, sich 
nach Zürich in Sicherheit zu begeben, ebenso den Schultheissen 
MutschU; sie hoffen sie bald wieder zurückrufen zu können. Mit 
den Aufgeforderten verliessen über 50 andere Bürger die Stadt, 
welche die Ankunft der fünf Orte fürchteten ; die Meisten kehrten 
auf Befehl des Käthes bald wieder zurück, nachdem ihnen Schutz 
und Sicherheit zugesagt worden. 

Am 22. November erfolgte auch der Friedensschluss mit den 
Beniern, in welchem Frieden Bremgarten, Mellingen und die 
Freienämter ebenfalls ausgenommen wurden. Bern wurde zu 
einer Entschädigung an Muri, Merenschwand, Baar, Cham, Stein- 
husen und Beinwil, für die Zerstörung der Kirchen und Bilder, 
sowie für den Brand zu Blickenstorf verfällt. Nach dem Friedens- 
schluss zogen Uri, Schwiz und Zug über Bremgarten heim; die 
Bürger wurden weder beleidigt noch geschädigt, dagegen die 
Häuser der Predicanten arg mitgenommen. In das Haus des 
Heinrich Bullinger waren Jakob an der Rüti, der Vogt Auf der 
Mauer, Vogt Güpfer und bei fünfundzwanzig andere Schwizer 
gekommen, welche das Haus vor andern Eindringlingen schützten, 
sodass nur aUer Wein, über 17 Saum, verloren ging. Decan 
Bullinger dagegen verlor viel Gut, im Werthe von mehr als 700 
Gulden; doch trug er den Verlust mit Ergebung und äusserte 
sich oft, er wolle das wegen des Herrn Jesu und seines Wortes 



^ 



57 

gern und willig verloren haben. Auch Johann BuUinger, Pfarrer 
Ib Bohrdorf, war aller seiner Habe beraubt worden und nut 
Vater und Bruder in der Nacht vom 20. auf den 2%» ^^S^ovember 
aus Bremgarten gewichen. Als nach einigen Tagen Heinrich 
Ballingers Frau mit den Kindern nachfolgen wollte, das Haus 
der getreuen Obsorge ihrer Magd Brigitte überlassend, wollte 
der Thorwächter sie nicht zum verschlossenen Thore hinaus- 
lassen; die unerschrockene Frau entriss ihm aber den Schlüssel, 
eilte mit den Ihrigen hinaus und erreichte wohlbehalten das gast- 
liche Zürich. 

Heinrich Bullinger wurde am 9. Christmonat von Bäthen und 
Bürgern Zürichs einstüumig als Nachfolger Zwingli's berufen, im 
Alter von 27 Jahren, nachdem Basel und Bern vergeblich ihn 
für sich zu gewinnen gesucht. Er bewies sich des geschenkten 
Zutrauens in hohem Grade würdig-, die innere Befestigung der 
Kirche Zürichs war sein Werk; er gab ihr eine feste Synodal- 
ordnung. Sein wohlthätiger Einfluss auf alle Lebensverhältnisse 
Zürichs, [seine schriftstellerische Thätigkeit, seine erfolgreichen 
Bemühungen zur Einigung der schweizerischen Kirchen, seine 
aufopfernde Fürsorge für dieselben sind bekannt, gehören aber 
nicht mehr in den Kreis dieser Darstellung. ^ 

Am 24. November wurde der zwischen Bern und den fünf 
Orten abgeschlossene Friede in Bremgarten verbrieft; denn hier 
lagen die Hauptleute und Vornehmen der fünf Orte. Wegen dieses 
schwachmüthigen Friedens musste der damalige Schultheiss und 
Hauptmann der Bemer später nach Freiburg weichen und durfte 
nicht wiederkehren, bekannte sich dort auch offen als Anhänger 
des alten Glaubens; Anton Bischof aber, der im Kriege auch 
mächtig gewesen, wurde wegen der begangenen Verräthereien zu 
Bern mit dem Schwerte gerichtet. 



Unterdrückung der Beformation in Bremgarten 

und den Freienämtern. 

• 
Die Leute in den Freienämtern, welche schon bei den Durch- 
zügen der fünf Orte um das Ihrige gekommen waren, wurden 
nach dem Friedensschluss des Glaubens und der Sperre wegen 
noch viel rauher behandelt. Hans Zubler, Müller zu Wohlen, 
Hauptmann der Freiämter, wurde um 200 Gulden gestraft. An- 
dere um sechzig, fünfzig, vierzig und dreissig Gulden; Niemand 



58 

blieb verschont, sondern es wurde Jeder nach seinem Vermögen 
hart mitgenommen. Messen, Bilder und Altäre wurden wieder 
aufgerichtet; die Predicanteu hatten Vieles zu erdulden, mussten 
entweichen und suchten meist Zuflucht in Zürich. Dessen Ver- 
wendung gelang es , auf der Tagsatzung der fünf Orte in Zug zu 
erwirken, dass ein Gesuch der Freienämter, mit Eintreibung der 
Contribution noch zuzuwarten, von den Boten Ende November 
in den Abscheid aufgenommen wurde ; Bremgarten dagegen wurde 
gleichzeitig aufgefordert, streng für die Bekehrung der Neu^ 
gläubigen zu sorgen. 

Die Freienämter wurden für ihren Abfall ferner damit bestraft, 
dass ihnen die Wahl der Untervögte entzogen und lediglich der 
Willkür des Landvogtes übertragen wurde; dagegen sollen die 
von Meienberg, Muri und Bettwil als getreu am alten Glauben 
bei ihren Freiheiten bleiben. Wenn der Landvogt das Gericht 
nicht genügend mit Fürsprechen besetzt findet, mag er dieselben 
frei von sich aus verordnen ; er ist auch berechtigt , deren Urtheil 
von sich aus abzuändern und gegen dessen Spruch ist nur die 
AppeUation nachBaden auf die Jahrrechnung zulässig. Ebenso wurde 
den Freienämtern von Hitzkirch, Boswil, Hermetschwil, Wohlen, 
ViUmergen, Dottikon, Hägglingen, Niederwil, Tägerig, Büblikon 
u. s. w. das Recht entzogen, unter eigenem Panner und selbst- 
gewähltem Fähndrich in den Krieg zu ziehen; sie sollen unter 
dem Meienberger Fähnchen ausrücken. Die Freiämterfahne, welche 
ein Schupisser von Dottikon im letzten Krieg getragen, blieb 
lange im Hause des Schultheissen Hediger in Bremgarten heimlich 
aufbewahrt, bis sie von den fünf Orten entdeckt und weggenommen 
wurde. 

Die Fredicanten waren Alle nach Zürich gewichen; doch 
hofften Bremgarten und Mellingen, dass dieselben nach dem 
Friedensschluss wieder zurückkehren dürfen. Diesem Vorhaben 
wirkten einige Bürger Bremgartens entgegen , welche schon vorher 
der neuen Lehre abgeneigt gewesen. Als Bern und Zürich auf 
der Tagsatzung in Bad^n im December 1531 Bremgartens Be- 
gehren vorbrachten, erklärten die fünf Orte, dass die frühern 
Fredicanten nach dem Inhalt des Friedens wegzubleiben haben; 
wenn aber Bremgarten und Meilingen andere Fredicanten ver- 
langten, lassen sie es gemäss dem Landfrieden geschehen. Wie 
ernstlich es aber mit diesem Entscheid gemeint war, zeigt die 
Weisung, welche die gleiche Tagsatzung an Bremgarten erliess, 
den Weibel Trüb, einen eifrigen Anhänger der neuen Lehre, zu ent- 



59 

lassen und durch einen Genossen der alten Partei zu ersetzen. Auf 
eine neue Verwendung Zürichs auf der Tagleistung im Januar 1532 
beschlossen die fünf Orte heimlich, sofort über Bremgarten heim- 
zufahren und die Sache durch die persönliche Einwirkung der 
Boten zu hintertreiben. Es gelang denselben, Mellingen am 
20. Januar zum Abfall zu bringen. Am gleichen Tage eilten sie 
nach Bremgarten, versammelten die Gemeinde, fuhren sie hart 
an und liessen sofort abstimmen. Unter diesem Drucke wagten 
nur die beiden Schultheissen Hans Mutschli und Hans Hediger 
mit einigen wenigen rec^ichen Bürgern auf die Seite des Evan- 
geliums zu treten; weitaus der grössere Theil, eingeschüchtert 
durch die Drohungen der Boten wie durch die unglücklichen 
Vorgänge der letzten Tage, fiel ab und gab den fünf Orten Brief 
und Siegel für den Uebertritt zur alten Lehre. 

Da trotz dem erzwungenen Beschlüsse viele Bürger dem 
Evangelium treu blieben, forderten die fünf Orte zu strengem 
Einschreiten gegen dieselben auf; es sei ihnen das Fleischessen 
an den gebotenen Fasttagen zu untersagen , sie seien zum Beichten^ 
zum Sacrament und zum Besuche der Messe zu verhalten. Schon 
am Katharinentag, den 25. November 1531, war wieder zum 
ersten Mal Messe gelesen worden. Im Auftrage der Neugläubigen 
wandte sich Bullinger an den Rath von Zürich , um dessen Unter- 
stützung nachzusuchen; in Entsprechung ordnete Zürich einen 
Tag nach Aarau an, zu welchem Bern und Basel geladen wurden; 
am 3. April beschloss diese Tagleistung, die fünf Orte ernstlich 
zu ermahnen, Bremgarten und Meilingen beim Landfrieden und 
der neuen Lehre bleiben zu lassen. Es war nämlich Zürich un^ 
bekannt gebheben, dass die beiden Städte den fünf Orten des 
Glaubens wegen bereits Brief und Siegel gegeben. 

In Bremgarten herrschte inzwischen die katholische Partei 
im Rathe, an ihrer Spitze Wernher Schodeler als Statthalter und 
Heinrich Wyss als Vicestatthalter; schon Ende Januar 1532 hatte 
sie durch Schultheiss Schodeler und Hans Meienberg den fünf 
Orten in Baden die Bitte mündlich vortragen lassen: man wolle 
ihnen die Hälfte der Busse der tausend Gulden nachlassen; sie 
werden dann schon dafür sorgen, dass Bremgarten ganz zum 
alten Glauben zurückkehre. Die fünf Orte traten jedoch auf den 
Nachlass so lange nicht ein, bis der alte Glaube thatsächUch 
wieder hergestellt sei; zudem verlangten sie Ersatz der Kosten 
und Entschädigung für die in Bremgarten gefangen gehalteneu 
Luzemer, welche im Auftrage von Zürich und Bern bei Stein- 



60 

hausen und HermestchwU festgenommen worden waren. Ebenso 
sollte Bremgarten dem Walter Müller von Zug für den Wein 
Ersatz leisten, welcher demselben in Lunkhofen niedergeworfen 
und im Kriege verbraucht worden war. , , 

Ein förmliches Mandat der fünf Orte gebot im März Jedem 
von Haus und Hof zu ziehen, der nicht zum alten Glauben zurück- 
kehre. Der Einspruch von Zürich und Bern gegen diese Ver- 
ordnung war ebenso vergeblich wie die Verhandlung der Sache 
auf dem Tag zu Baden , da die fünf Orte behaupteten , sie haben 
den Frieden nicht gebrochen, weil Bremgarten ihnen die Bück- 
kehr zur alten Religion freiwUlig anerboten habe, um mit weiterer 
Bestrafung verschont zu werden. Ebenso erfolglos waren die 
Bemühungen auf den Tagleistungen im Juni und Juli, wenn schon 
Zürich seine Boten, Bürgermeister Diethelm Böist und Hans Hab 
speciell instruirt hatte, darauf zu achten, dass die fünf Orte 
Bremgarten nicht noch härter strafen, und nöthigenfalls mit den 
Boten derselben zum Schutz und Schirm der Bürger nach Brem- 
garten zu reiten. Als inzwischen in Bremgarten Schultheiss und 
Rath selbst das EvangeUum untersagt hatten , wollte fit Schult- 
heiss Hans Mutschli nicht von der neuen Lehre abstehen, sondern 
nach Zürich ziehen. Da wurde er tödtlich krank; der Gram 
über die Erlebnisse der jüngsten Zeit hatte seine Kraft gebrochen. 
Als er auf dem Todbett lag, jedoch weder beichten noch sich 
versehen lassen wollte, liess ihm der Schultheiss Schodeler aus 
der Stadt bieten; Mutschli befahl, man solle nach seinem Tod 
seine Leiche nach Oberwil führen und dort begraben, weil daselbst 
noch das Evangelium gepredigt wurde. Er liess mehrere Bürger 
zu sich kommen, ermahnte sie, treu beim wahren Glauben zu 
verbleiben und verschied selig in Christo ; nach seinem Wunsche 
wurde er in Oberwil begraben. Als man seine Mutter, eine 
Herportin von Willisau, ebenfalls zur Messe zwingen wollte, ver- 
liess auch sie Haus und Heim und zog zu ihrer Tochter nach 
Basel, deren Mann, Max Bussinger, im Gefecht am Gubel ge- 
fallen war. So war der alte Glaube in Bremgarten mit Gewalt 
' wieder hergestellt. 

Damit begnügte sich aber der Rath nicht; auch die seiner 
Herrschaft unterworfenen Gemeinden der Umgegend mussten zur 
katholischen Lehre zurückgebracht werden. So beschwerte sich 
Zürich wiederholt wegen der Gewaltthätigkeiten, welche sich 
Bremgarten in Zufikon erlaubte, namenthch im März und Juni 
1532. Schon im Januar war von Zürich gegen die Verdrängung 



V 

s 



61 

des Pfarrer Scherer in Oberwil durch einen Uly Fry von Unter- 
waiden Einsprache erhoben worden, worauf die BÄthsboten Schodeler 
und Hofmann befriedigende Auskunft ertheilten und der Predicant 
in Oberwil blieb. 

Der Landvogt Nussbaumer von Aegeri führte ebenso eifrig die 
Unterdrückung des Evangeliums in den Freienämtem durch; alle 
Predicanten mussten entweichen und es wurden denselben ihre Pfrün- 
den vorenthalten. So beklagte sich Zürich bei den fünf Orten, dass der 
Landvogt auf die Pfründen und auf Hab und Gut der Predicanten 
Hans Beck in Hägglingen und Ulrich Muly in Niederwil Beschlag 
gelegt habe. Femer begehrte Zürich von Heinrich Schönbrunner 
von Zug, dem Vogt zu Baden, dass er dem verfolgten Predicanten 
Heinrich Bachmann in Rohrdorf Recht werden lasse und für Ersatz 
des ihm während des Krieges geraubten Gutes bedacht sei. 

Bremgarten wollte auch in Lunkhofen die alte Religion wieder 
einführen, wogegen sich Zürich energisch beschwerte, da ihm dort 
unbestreitbar die Oberherrlichkeit zustehe; die fünf Orte fanden 
es sogar gerathen, Bremgarten vor übertriebenem Eifer und Ein- 
grifiFen in die Landeshoheit der Zürcher abzumahnen; immerhin 
unter dem dehnbaren Vorbehalt, es sei denn Sache, dass Brem- 
garten besondere Gerechtigkeit in Lunkhofen zustehen sollte. 
Wirklich wurde es durchgesetzt, einen katholischen Priester nach 
Lunkhofen zu bringen; dieser war aber keineswegs geeignet, 
Ruhe und Frieden zu erhalten, indem er leidenschaftlich über 
die Neugläj^bigen herfiel und dieselben Ketzer schalt. So lautet 
wenigstens die urkundliche Vergicht des jungen Heini Gut und 
Konrad Gut, welche durch FeUx Göttschi, Untervogt zu Masch- 
wanden einvernommen wurden; des Hans Steiner von Bünzen, 
vom Untervogt Hans Oswald zu Hermetschwil befragt; und des 
Josef Summer von Schwiz , welcher auf Verlangen des UU Künzli 
von Ober-Lunkhofen vor Rath zu Lenzburg verhört wurde. Diesen 
''' Schimpf Hessen sich die Leute aus dem Knonaueramt nicht gut- 
willig gefallen , sondern fielen vereint mit Leuten aus dem Keller- 
amt dem Pfaffen in der Pfingstnacht ins Haus, um ihn wegen 
der Beschimpfungen zu züchtigen. Unter grossem Geschrei über- 
raschten sie ihn, schleppten ihn mit sich nach Jonen, wo sie dem 
Wirthe, einem Altgesinnten, ebenfalls drohten, schrien und lärmten 
und jagten den Pfaffen bei Ottenbach über die Reuss, mit dem 
Verdeuten, wenn er sich in Lunkhofen wieder sehen lasse, werde 
er gehenkt. Dieser Vorfall erregte grossen Lärm in der Eid- 
genossenschaft ; die fünf Orte verlangten die strengste Bestrafung 



62 

der Gottlosen. Bremgarten muss sofort pflichtgetreust nach Zug 
berichtet haben, da dieses schon am Pfingstdienstag unter Ver- 
dankung der Mittheilung anzeigte, es werde sich wegen dieses 
Vorganges bei der Tagsatzung verwenden. Zürich, das weiter- 
gehende Unruhen wegen dieses Ueberfalles befürchtete, ordnete 
sofort genaue Untersuchung an und beauftragte damit den Unter- 
Yogt Berger in Knonau. In einem Schreiben an den Schultheissen 
Golder von Luzem, den gemässigten Vermittler, versicherte es, 
von diesem Ueberfall keine Kenntniss gehabt zu haben, und er- 
suchte ihn um freundliche Verwendung zur Erhaltung des Friedens. 
Eine Rathsbotschaft von zwei Mitgliedern war sofort nach Lunk- 
hofen geschickt worden, konnte aber wegen der Menge der Theil- 
nehmer keine Verhaftungen vornehmen und musste sich damit 
begnügen, genauere Nachforschungen anzuordnen. In Erwiederung 
dieses Ueberfalles wurden Angehörige des zürcherischen Freiamtes 
in Zug misshandelt, worüber sich wieder Zürich beschwerte. Nach- 
träglich wurde auch noch geklagt, dass beim Ueberfall Fahrhabe 
entwendet worden sei und Ersatz für dieselbe verlangt, während 
man anfänglich nichts davon bemerkt hatte; auch in dieser Hin- 
sicht liess Zürich die Untersuchung vervollständigen. Mit diesem 
Handel wurden Drohungen in Verbindung gebracht, welche dem 
Landvogt Schönbrunner in Baden in den Wirthshäusern von 
Birmenstorf und Udorf gemacht worden seien, falls er die neue 
Lehre in Dietikon unterdrücke. Zürich stellte solche Aeusserungen 
entschieden in Abrede ; die fünf Orte seien es , welche immer aufs 
Neue aufreizen, indem sie die Evangelischen nicht bei ihrem 
Glauben bleiben lassen wollen. Ein Altarsturm fand jedoch im 
Juli 1532 in Dietikon wirkUch statt und Zürich verlangte auf so 
lange Schonung für die Gemeinde, bis die wirklich Schuldigen 
herausgefunden seien. Inzwischen waren auch die Anstifter des 
Lunkhofer Handels ausgemittelt worden; sie wurden mit Bussen 
belegt, doch zögerte der Untervogt Berger gar sehr mit der Ein- 
treibung derselben. Auf wiederholte Reclamationen der fünf Orte 
auf den Tagen in Baden im September und October 1532 drang 
Zürich auf strengen Vollzug, verstand sich aber dazu, am 11. 
November die sechs Kronen als Entschädigung für den Miss- 
handelten selbst an Berger zur Uebersendung an denselbeü vor- 
zuschiessen ; doch soll er den Betrag inner acht Tagen eintreiben. 
Freilich wurde die Sache erst unter dessen Nachfolger, Leonhard 
Holzhalb von Knonau erledigt, der am Pfingstabend 1533 zur 
endlichen Beseitigung aufgefordert worden war. So schloss dieser 



63 

l)erächtigte Handel, welcher zu ernstlichen Besorgnissen wegen 
Bruch des Landfriedens Veranlassung gegeben hatte. 

Die gegenseitige Erbitterung macht es begreiflich, dass die 
fünf Orte mit rücksichtsloser Energie fortwährend auf eingreifende 
Bestrafung der Anhänger der neuen Lehre drangen. Der alte 
Glaube sollte in Bremgarten nicht nur äusserlich hergestellt, 
sondern auch jeder anders Denkende unwiderruflich bekehrt oder 
gehörig bestraft werden. Sogar der glaubenseifrige Rath konnte 
nicht genug thun, ein anerkennenswerthes Zeugniss, dass der- 
selbe denn doch nicht alle Rücksichten der Menschlichkeit bei 
Seite setzte. Die fünf Orte drängten immer zu schärferm Voll- 
zug, während Zürich und Bern sich um Schonung bewarben. So 
erkürten diese Städte im August, dass auf ihre Veranlassung 
Bremgarten die Entschädigungen an Hans Honegger und Ulrich 
Mutschli noch nicht bezahlt habe ; wirklich hatte Bern im Mai schon 
untersagt, wegen des Weines, welcher im Kriege dem Honegger 
und Mutschli weggetrunken worden war, das alte Regiment nach- 
zunehmen, wie es die eifrigsten Parteigänger verlangten. 

Die Klagen der fünf Orte wurden im März 1533 wieder leb- 
haft erneuert. Trotz der Einsprache Berns vom 9. April und 
9. Mai beharrten dieselben, auf einer Tagsatzung in Einsiedeln 
versammelt, auf der Bestrafung des Glaubens wegen; diese Auf- 
forderung wurde am Dienstag vor der Auffahrt und am Pfingst- 
mittwoch nochmals verschärft. Nur langsam gelang es der Strenge 
der siegenden Partei, alle Spuren des neuen Glaubens in den 
Gesinnungen Bremgartens auszutilgen.. 

Am längsten erhielt sich die Reformation in Oberwil. Brem- 
garten suchte zwar dem Predicanten sein Pfrundeinkommen unter 
dem Verwände zu schmälern, derselbe wolle nach Zürich ent- 
weichen und habe bereits Fahrhabe dorthin geflüchtet ; indem er 
dieser Unterschiebung entschieden widersprach, führte er auch 
Klage, dass er statt reines Korn auch Roggen erhalte, was gegen 
das Herkommen sei, weil der Anbau von Roggen erst seit drei 
Jahren in Oberwil begonnen habe. Zürichs Verwendung vom 
28. December verhinderte für einstweilen die Verfolgung Ober- 
wils mit Messe und Fasten; der Krieg wurde jedoch im Jahre 
1534 fortgesetzt, die Schutzbriefe Zürichs vom Februar und März 
blieben erfolglos. Schliesslich siegte auch hier der Einfluss Brem- 
gartens, welches der Gemeinde näher stand, als das entfernte 
Zürich, dessen Befehle nicht beachtet wurden. Die letzte Zufluchts- 
stätte des neuen Glaubens im Freiamt war gefallen. 



64 

Die fünf Orte schalteten eben in den gemeinen Herrschaften 
als Sieger naph Willkür, da ihnen an den Tagen die Mehrheit 
der Stimmen zustand. Deren Vögte herrschten zehn volle Jahre, 
die Zürichs nur zwei; so wurden die Anhänger der neuen Lehre 
mit aller Tyrannei unterdrückt, ohne dass Zürich Abhülfe schaffen 
kbnnte, da es durch die Bünde und den Frieden gehemmt war. 
Wenn zwischen Anhängern der verschiedenen Glaubensbekennt- 
nisse Streit entstand, wurde auf den Tagen immer zu Gunsten 
der Katholischen entschieden; so war überall in den gemeinen 
Herrschaften grosse Klage. Die Zustände waren so bedenklich, 
dass selbst der patriotische BuUinger zu dem verzweifelten Rath 
kam, die Bünde mit den fünf Orten zu lösen, damit wenigstens 
die Hälfte der gemeinen Herrschaften von ihren Tyrannen be- 
freit und der neuen Lehre erhalten werden könne. Wenn auch 
ein Theil geopfert werden müsse, sei zu hoffen, dass unter den- 
selben einmal ein Teil erstehe und die Tyrannei der fünf Orte 
breche; inrnnerhin sei besser, dass wenigstens ein Theil gerettet 
werde, als dass Alles zu Grunde gehe. 

Die neue Lehre hatte freilich in den Herzen tief Wurzel 
gefasst und es gelang nicht so bald , sie völlig auszurotten , sonst 
hätten die fünf Orte nicht für nöthig erachtet, noch am 23. Juni 
1537 Bremgarten aufzufordern, bei der Besetzung des Rathes 
nur unbedingte Anhänger der Unterwerfung und der alten Religion 
zu wählen. Erst im Jahre 1549 erschien den fünf Orten die Be- 
kehrung Bremgartens so gründlich durchgeführt, dass sie sich 
endlich die Urkunde für den im Jahre 1531 abgeschlossenen 
Frieden ausstellen Hessen. Die Bedingungen der Unterwerfung 
waren nur dahin abgeändert, dass von der Busse der tausend 
Gulden die Hälfte unter dem Vorbehalte nachgelassen war, dass 
Bremgarten zum alten Glauben zurückkehren müsse. Den Ent- 
wichenen der alten Partei war ausser freier Rückkehr auch Ent- 
schädigung zugesichert worden. Alle Bürger müssen bei der alten 
Religion bleiben und die, welche sich davon thun, gestraft werden, 
sonst sind die erlassenen fünfhundert Gulden wieder zu erlegen 
und Strafe an Leib, Leben, Ehre und Gut wird nachfolgen. Diese 
fünfhundert Gulden spielen wahrlich eine traurige Rolle als Schreck- 
mittel gegen die befürchtete Glaubensänderung, 

Erst im Jahre 1611 wurde Bremgarten das Recht wieder 
eingeräumt, die Schultheissen selbst zu setzen. Die Unterwerfung 
war vollendet ; Bremgarten war ruhig. An die Stelle des heftigen 
Kampfes der Geister trat die Ruhe der Erschlaifung. Bremgarten 



65 

hatte mit der Keformation den Höhepunkt seiner geistigen und 
materiellen Entwicklung für Jahrhunderte erreicht ; die Folgezeit 
ist die Periode des Rückschrittes, der engherzigen Verknöcherung 
des Bürgerthums. So erhebend der geschilderte Aufschwung für 
den Greschichtsfreund ist, so bemühend ist der Rückblick auf den 
nachfolgenden Zerfall. Die Kämpfe der Reformation hatten die 
fähigsten Kräfte aufgezehrt Die Spitzen der altgläubigen Partei 
waren durch die Reformation selbt vertrieben worden, hatten 
anderwärts eine Heimat gefunden und kehrten nicht wieder; die 
Führer der Evangelischen mussten dem Frieden weichen. So 
blieben nur diejenigen zurück, welche sich bequemt hatten, dem 
Sieger zu Gefallen ihren Glauben wieder abzuschwören, welche 
die behagliche Ruhe alltäglicher Gewohnheiten dem überzeugungs- 
treuen Festhalten der als wahr erkannten Grundsätze vorzogen. 
Solche Charaktere waren nicht geeignet, Bremgarten zu neuer 
Blüthe zu verhelfen. Diese Bürgerschaft wurde zudem von einem 
Regiment geleitet, welches nach dem gemessenen Befehle der 
fiinf Orte jede freie Regung des Geistes zu ächten und zu be- 
strafen hatte. So mussten die noch vorhandenen Keime der 
Geistesfreiheit ersticken ; Bremgarten wurde in die Stellung eines 
anbedeutenden Landstädtchens hinabgedrückt. Erst einer spätem 
Zeit blieb es vorbehalten, neue Lebenskeime an dieser Stätte zu 
säen und den befruchtenden Kampf der Geister wieder wach zu 
rufen. 



Argovia VI. 



Anhang. 



Urkundliche Nachweise. 



Zu vorstehender Darstelliing der Geschichte der Reformation 
in Bremgarten sind folgende Quellen benutzt worden: 

I. Gleichzeiiige Bearbeitungen. 

1. Heinrich BuUinger, ßeformationsgeschichte, herausgegeben 
von J. J. Hottinger und H. H. VögeU, Frauenfeld. 1838. 1840. 

2. Gilg Tschudi, kurze Beschreibung der V katholischen Orte 
in der Eidgenossenschaft, Luzem, üri, Schwjz, Unterwaiden und Zug 
wider ihre Eidgenossen der Y Zwingl'schen Orte, Zürich, Bern, Basel, 
Solothum und Schaffhausen, und die zugewandten Stadt St. Gallen, 
Mühlhusen und Biel, auch die abgefallenen ünterthanen von Thur- 
göuw, Toggenburg, Gottshus St. Gallen, Bynthal (usgenommen Ober- 
ried) , fryen Aemter im Ergöuw zu Wagenthal (usgenommen Meyen- 
berg), die Grafschaft Baden (usgenommen die Stadt Baden, Klingnau 
und Lückern), Rapperschwyl, Bremgarten, Hellingen, Wesen und 
Gaster. Herausgegeben in der Helvetia, Denkwürdigkeiten fOr die 
XXU Freistaaten der Schweiz. Eidgenossenschaft, von J. A. Balthasar, 
n. Band. Aarau und Bern. 1826. 

3. Salat, wahrhafte Beschreibung oder Chronica von an&.ng 
des nüwen Unglaubens. Manuscript in der aarg. Kantonsbibliothek. 

4. Ephemeris H. Bullingeri. Manuscript auf der Stadt- 
l)ibliothek Zürich. 

5. Verzeichniss des Geschlechts der BuUinger und was 
sie in der Kirche zu Bremgarten vergäbet haben, verfasst durch 
Heinrich Bullinger, handschriftlich in der Bibliothek der aarg. histo- 
rischen Gesellschaft; herausgegeben in der Helvetia, Denkwürdig- 
keiten etc. I. Band. Zürich. 1823. 

n. Spätere Bearbeitungen. 

1 . Biographien berühmter schweizerischer Reformatoren. Lebens- 
geschichte J. Heinrich Bullinge rs, von Salomon Hess. Zürich. 
1828. 

2. Die evangelische Gemeinde in Locarno, ihre Auswan- 
derung nach Zürich und ihre weitem Schicksale, von Ferdinand 
Meyer. Zürich. 1836. 



67 

3. Heinrich BuUinger, Leben und ausgewählte Schriften, von 
Karl Pestalozzi. Elberfeld. 1858. 

4. Wernher Schodeler, mjtgetheilt von PL Weissenbach 
in den Beiträgen zur Geschichte und Literatur des Kantons Aargau, 
herausgegeben von Dr. Heinrich Kurz und Placid Weissenbach. Aarau. 
1846. 

5. Geschichte der Republik Zürich von Dr. Blunschli, fort- 
gesetzt von J. H. Hottinger. HI. Band. Zürich. 1857. 

ni. Im Archiv der Stadt Bremgarien finden sich folgende Ur- 
kunden vor: 

1. 110 Originalcorrespondenzen der Orte an Bremgarton 
von den Jahren 1522—1549. 

Wir lassen ein specielles Yerzeichniss über deren Inhalt folgen; 
ferner werden die 34 interessantesten dieser Documente vollständig 
mitgetheüt. 

2. Ein Protocolli enthaltend: allerlej abgeschryben mis- 
siven; darunter 19 auf die Reformation bezügliche und unter den 
Originalcorrespondenzen nicht mehr vorfindliche von den Jahren 1532 
und 1533, deren Inhaltsverzeichniss folgt. 

3. Fischbüch, das auch genannt wirt B&rgerb&ch, ent- 
haltend : 

a) Rathsverhandlungen aller Art von den Jahren 1457—1584; 
unter diesen sind namentlich alle Pfrundverleihungen speciell ein- 
getragen. Der Pfrundbrief des Heinrich BuUinger, spätem Decans, 
vom Jahre 1506 wird vollständig mitgetheüt. 

b) Die Lehensteigerungen über die Ziegelhütte und die Fisch- 
enzen im 16. Jahrhundert; das Yerzeichniss des Ertrages der Fisch- 
enzen in den Jahren 1523 bis 1526 folgt ebenfalls. 

c) Die Btirgerregister von den Jahren 1451 bis 1565. Von diesen 
theilen wir das Bürgerregister vom Jahre 1529 vollständig mit; 
demselben ist zu entnehmen, dass zuerst die Mitglieder des kleinen 
Rathes, dann die des grossen Rathes oder der Vierzig aufgeführt 
werden. Die Vergleichung mit den Registern der Jahre 1531 und 
1532 zeigt deutlich, wie die Räthe jeweilen im Sinne der herrschen- 
den Partei neu besetzt worden sind. Während im Jahre 1529 noch 
beide Ansichten neben einander vertreten waren (Wernher Schodeler, 
Hans Mutschli und Hans Honegger stehen zugleich an der Spitze des 
Rathes), sind im Jahre 1531 Hans Honegger, Hans Meyenberg und 
ihre Anhänger, als dem ajlten Glauben zugethan, aus dem Rathe 
verdrängt; dagegen haben sich dieselben im Jahre 1532 wieder des 
Regimentes bemächtigt, während Hans Mutschli, Hans Hediger und 
ihre Freunde des Rathes entsetzt sind und erst vor den gewöhnlichen 
Bürgern ohne Amt erscheinen. 

d) Verzeichniss der Einnahmen und Ausgaben der Stadt an 
Zinsen um das Jahr 1500. 

e) Verordnungen für die Gewerbe und den Markt aus dem 
16. Jahrhundert; hierüber hoffen wir später auaftS lirliche Mitthei- 
lungen geben zu können. 



68 

4. Stürrodel der Statt Bremgarten von den Jabren 1485^ 
bis 1528. Da diese Steuerrodel über das Vermögen der Bürger inter- 
essante AuÜBcblüBse ertheilen, lassen wir diejenigen Ton den Jabren. 
1485 nnd 1525 folgen. Dem gleichen Bodel smd entnommen: die 
Yerzeicbnisse über das Holzgeld in den Jahren 1485 und 1516 nnd 
das Ackergeld vom Jahre 1516. 

An diese ProtocoUe sebliesst sich an: 

5. Verzeichnisse mit was vortbeil, arglist und zwang die Züricher 
eine Statt Bremgarten anno 1529 zum abfäll gebracht und wie lang^ 
als von anno 1527 bis 1529 gedachte Statt und insonders ein ehr- 
same Oberkeit so ritterlich sich geweret. Us derselben Statt Baths* 
protocoll von wort zu wort erstlich durch Herrn Ulrich Honegger, 
Schultheissen Anno 1642 ausgezogen, hernach von mir Jac. Bud» 
Honegger, M. D. wiederum verbatim abgeschrieben. Handschriftlich 
in der Bibliothek der aarg. historischen Oesellschaft. Aus diesen 
Rathsverhandlungen lassen wir die interessantesten folgen, nament- 
lich den Bechtshandel des Doctor Burkhart. 

L 

Originaleorrespondensen ans dem ArdÜT der 

Stadt Bremgarten. 

1. Regesten. 

1. 1522. December. Die Orte verlangen, dass Decan Bullinger 
sich in seiner Streitsache gegen Ulrich Hediger wegen der Hinter- 
lassenschafb der Elise Bmnnerin, deren angeblicher Vogt er gewesen» 
vor weltlichem Gericht verantworte; die geistliche Gerichtsbarkeit 
werde nicht anerkannt. 

2. 1525. Mai 18. VU Orte warnen vor der lutherischen Sect& 
und xmchristlichem Glauben , namentlich vor dem üeberfiEkll und der 
Beraubung der Gotteshäuser, unter Androhung schwerer Strafen. 

3. 1526. Februar. Feldkirch ersucht den Rath, er wolle ge- 
statten, dass Doctor Johann Burkhart in der Fastenzeit in Feldkirch 
predige-, zur Stärkung des alten Glaubens. 

4. 1526. September. Zürich gibt die Ausweisung Welti Lendi's 
zu, verlangt aber, dass dessen Güter herausgegeben werden ; Zürich 
räumt femer ein, dass der Pfäff von Lunkhofen beurlaubt bleibe^ 
Bremgarten soll ihn jedoch dem Alter angemessen unterstützen. 

5. 1526. September 21. Zürich wünscht nochmals billige Be- 
handlung des Welti Lendi in dessen Sache gegen Peter Brumann. 

6. 1526. December. Da wegen des Handels in Lunkhofen be- 
züglich der Appellationsinstanz ein Contlict waltet, verlangt Zürich, 
dass bis zum Austrag des Handels Welti Lendi's Gut nicht ver- 
kauft werde. — 

7. 1528. Februar. Luzem fordert, dass alle neuen Büchlein, 
und Schriften des Glaubens wegen eingesammelt und nach Baden 
abgeliefert werden. 



69 

8. 1528. Fefaruar. Zug beschwert sich, dass der Leutpriesteir 
zu Bremgarten ausgestreut habe, es sei auch vom wahren G-lauben 
abge&UeiL. 

9« 1S28. Mai. Die VI Orte verlangen wiederholt die Heraus- 
gabe der neuen Bücher. 

10. 1528. Mai. Zürich beharrt dabei, dass Bremgarten die neuen 
Bücher den VI Orten nicht herausgebe, sondern das Verbot von Zürich 
und Bern achte. 

11. 1528. Mai 6. Bern zeigt an, dass es wegen der Schel- 
tongen des Doctor Burkhart die Appellation ergriffen und zur Dnrch- 
ftüinmg derselben den Amtmann in Lenzburg bevollmächtigt habe; 
•es hofft strenge Bestrafung. 

12* 1528. Mai 8. Baden verwundert sich, dass Bremgarten 
ihm den Besitz lutherischer Bücher zugetraut, während es doch immer 
den VI Orten treu gehorche. 

13. 1528. Mai 8. Zürich wiederholt seine Aufforderung, dass 
Bremgarten wegen der Bücher den Weisungen von Zürich und Bern 
nachkomme. 

14. 1528. Mai 25. Decan und Domcapitel Constanz verlangen, 
dass dem P&rrer zu Oberwil die Frucht in Brenigartner und nicht 
in Zürcher Maass ausgerichtet werde. 

15. 1528. Juli. Zürich warnt Bremgarten vor dem Beitritte 
zum Bund der V Orte zur Aufrechterhaltung des alten Glaubens. 

16. 1528. November 1. Zürich verlangt freien Durchzug, um 
Bern im Oberland zu Hülfe zu ziehen. 

17. 1529. Januar. Schultheiss Honegger entschuldigt sich wegen 
«einer Flucht; er sei nur entwichen, weil er sich des Lebens nicht 
mehr sicher gefühlt, und ist bereit, gegen Tröstung vor Becht zu 
stehen; man soll nicht weiter an Leib und Out in ihn dringen. 

18. 1529. Februar 10. Pfarrer Jacob Näf in Affoltem dringt 
auf schnelle Erledigung seines Handels (ohne specielle Angabe, was 
es betreffe). 

19. Februar. Zürich verlangt, dass fremde Landsknechte sollen 
tmgehalten, bei Eiden zurückgeschickt oder gefangen gelegt werden. 

20. Februar 24. Schultheiss Honegger, um 1000 Gulden ge- 
straft, wünscht nochmals, dass ihm gestattet werde, sich zu vei^ 
antworten; inzwischen will er die 1000 Gulden verbürgen, da er 
noch an 2000 Gulden Vermögen in der Stadt besitze. 

21. 1529. April. Peter Stürler und Nikiaus Manuel, Raths- 
boten von Bern, warnen vor eingetretener Dnruhe und Empörung; 
man soll bei dem in Lenzburg geschlossenen Anstand verbleiben, 
sonst werde Bestrafung der schuldigen Partei erfolgen. 

22. 1529. April. Baden würde die Unruhen gerne vermitteln 
helfen, muss es jedoch den Bathsboten der Orte überlassen, welche 
sich in Bremgarten aufhalten. 

23. 1529. April. Ammann Bichmut von Schwjz, Ammann 
Amstein von Unterwalden und Christi Zhag von Zug, in Muri ver- 
sammelt, warnen in der Nacht vor einem Anschlag Zürichs, die Leute> 



70 

und £[necbte der fünf Orte aus Bremgarten zu verdrängen, und 
mahnen znr Vorsicht. 

24. 1529. Mai. Die fUnf Orte verlangen, dass Bremgarten Lnnk- 
hofen nicht mit der Abstimmung über Abschaffung der Messe und 
der Ceremonien behellige. 

25. 1529. Mai 22. Da Bremgarten nicht nur von den acht 
Orten und dem christlichen Glauben abgefallen, sondern auch etliche 
Orte in den Freienämtem und der Grafschaft Baden dazu aufgereizt, 
werden es die fünf Orte als Feind betrachten und angemessen be- 
strafen, wenn nicht sofort Einhalt gethan wird. Gegeben auf einer 
Conferenz der Orte in Luzem. 

26. 1529. Mai 31. Nachdem eme Bathshotschaft Züricbs ver- 
langt, dass Bremgarten den Au&ug des Vogts von Unterwaiden wegen 
des Streites zwischen Unterwaiden und Bern durch Verweigerung detf 
Durchpasses durch Bremgarten und Verlegung des Fahres in Lunk- 
hofen hindere; Bremgarten dieses zwar abgelehnt, weil Unterwaiden 
auch Theil an ihm habe, jedoch versprochen, nur so viel Gefolge 
desselben durchzulassen, dass es demselben Meister bleibe, gibt sick 
der Rath von Zürich mit dieser Zusage zufrieden. 

27. 1 529. Juni. Landvogt Jacob an der Rüti von Schwyz tadelt 
Bremgarten wegen der Wegräumung der Bilder in Eggenwil und warnt 
vor ähnlichen Eingriffen in Rohrdorf und Dietikon. 

28. 1529. Juni. Zürich verlangt nochmalige peinliche Erfor* 
schung des Schultheissen Honegger, da sich derselbe aller Argwiliig- 
keit und unruhigen Practik wider die Evangelischen beflissen, auch 
mit den Ferdinandischen viel gehandelt; die Anfrage auf den Eid, 
welche bereits geschehen, genüge nicht. Heinrich Huber, Zürich» 
Hauptmann in Bremgarten, soll dem Verhör beiwohnen. 

29. 1529. Juli 22. Zug begehi-t sicheres Geleit für Niclaus 
Bucher, damit er sich in Bremgarten verantwoilen könne. 

30. 1529. September 8. Niclaus Bucher beschwert sich wegen 
Entziehung seiner Pfründe. 

31. 1529. September. Zürichs und Berns Boten zu Baden zeigen 
an, dass die Schiedsversuche vergeblich gewesen, der Proviant ab- 
geschlagen bleibe und Bremgarten auf der Hut sein müsse. 

32. 1529. September. Zürich verlangt, dass auch Bremgarten 
den Proviant abschlage und sich für alle Fälle rüste, wie die sechs 
Burgerstädte Zürich, 3em, Basel, St. Gallen, Mülhausen und BieL 
Gegeben von Rath und Zweihundert der Stadt Zürich am Dienstag 
nach Felix imd Regula (dem 11. September). 

33. 1529. October. Die VII Orte ersuchen Bremgarten, den 
Jenem und Andern zu verzeihen, welche auf der Heimkehr von der 
letzten Kirchweihe den Pfaffen von Lunkhofen gescholten, und die- 
selben wieder zu Haus und Hof zurückkehren zu lassen. 

34. 1529. October. Luzem erhebt Einsprache dagegen, dass 
Bremgarten eigenmächtig auf Schul theiss Honeggers Gut greife, da 
derselbe die Sache an die Orte gebracht habe und dieselbe in den 
Abschied aufgenommen sei. 



71 

35. 1529. October. Zürich verlangt Publication des Mandates, 
welches die Eidgenossen gegen Schand- and Schmachworte erlassen. 

36. 1530. Januar 20. Die Vn Orte laden eine Bathsbotscfaaft 
auf Sonntag Tor Valentin nach Baden vor, znr Bechtfertigong wegen 
der Behandlang des Schnltheissen Honegger und Hans Meienberg. 

37. 1530. Januar. Instruction für diese Bathsboten, vorzutragen 
den ^dgenossen wegen Schultheiss Honegger. 

38. 1530. März. Hans Wyssenbach, Landvogt im Ergöw, warnt 
vor Ausfdhrung der Drohung, dass man den Predicanten Bullinger 
nöthiffenfalls mit Gewalt in Hermetschwil einführen weide. 

o9. 1530. April. Zürich fordert Bremgarten auf, wahrend es 
im Kloster Hermetschwil die Inventur aufaehmen lasse, gegen einen 
Ueberfall durch die Luzemer zu wachen, welche gedroht, dass sie 
mit einigen Knechten werden aufschreiben helfen. 

♦0. 1530 Doctor Johann Burkhart beschwert sich wegen 

des Verlustes seiner Pfründe. 

41. 1530. Juni. Diebold von Hagenbach, Decan zu Murbach 
und Administrator des Gotteshauses Wyssen .... verlangt Unter- 
stützung und Entschädigung des Doctor Burkhart. 

♦2. 1530. December 21. Zürich fordert das Gotteshaus Muri 
auf, laut ergangenem Spruch den Conventualen Sebastian von Fulach 
und Jacob Schimd den Ertrag ihrer Pfründen sofort auszuhändigen» 

43. 1531. März. Zürich untersagt im Auftrage Basels die Aus- 
bezahlung der Gefälle an das Kloster Gnadenthal auf so lange, bis 
dieses den in Basel verheiratheten Klosterfrauen, den Ehefrauen des 
Leutpriesters Ambrosius Kettenacher zu Biehen und des Jacob Krön- 
berger, Schaffher im Wettingerhof in Basel, das Gebührende her- 
ausgegeben. 

44. 1531. April. Zürich verlangt Aufhebung eines Transportes 
von Waffen und Geschütz, welche von Laufenburg und den andern 
Rheinstädten nach Luzem geschickt werden. 

45. 1531. Juni. Zürich theilt den Anschlag der Länder mit^ 
Bremgarten zu überfallen , um Proviant zu erhalten und die Verbin- 
dung zwischen Zürich und Bern zu henamen. 

46. 1531. Juni. Zürich verlangt, dass alle fremden Landsknechte 
gemäss früherer Weisung angehalten werden sollen. 

47. 1531. August 1. Zürich mahnt zu treuer Kundschaft, da 
Luzem einen Ueberfall der Freienämter laut genauer Kunde beab- 
sichtige. 

48. 1531. August 28. Bern fordert ebenfalls sorgfältige Auf- 
merksamkeit wegen des befürchteten Ueberfalls durch die fünf Orte ; 
Bremgarten soll sich mit Meilingen ins Einvernehmen setzen. 

49. 1531. August 31. Bern weist Bremgarten an, beim Durchzug 
durch das Freienamt fünfzehn Wagen niederzuwerfen, welche die fünf 
Orte ins Elsass und nach Schaffhausen geschickt, um Wein und Salz 
zu holen. 

50. 1531. December 1. Zug verlangt Ersatz für die Salzwagen, 
welche ihm Bremgarten in den Freienämtem niedergeworfen. 



72 

51. 1531. September. MaUingen, ran daa fQnf Orten am freien 
Durchpass nnd Proyiant angegangen, wünscht amgdiend Bericht, wie 
.68 Bremgarten mit diesen Sachen halten wolle. 

52. 1531. September. Zürich zeigt an, dass ein Tag der Bnrger- 
städte nach Aarau angeordnet sei ; inzwischen soll es beim AbscUag 
des Proviantes verbleiben. 

53. 1531. September. Zttmch weist Bremgarten an, einen Wagen 
mit Oeschütz, Böllern und Anderm, welchen Bremgarten nieder- 
geworfen, einstweilen zu behalten, obwohl derselbe dem Vernehmen 
nach an Freiburg gehören soll. 

54. 1531. September. Hans Berger und Meister Heinridi Peyer 
zu Knonau melden, dass Luzem Schiffe ausgerüstet, um dieselben die 
Beuss hinabzuschicken. 

55. 1531. September. Zürich mahnt zur Vorsicht, weil die zwei 
Signalschüsse in Luzem und Schüsse in Zug gefallen seien. 

56. 1531. September 28. Freiburg fordert die zurückbehaltenen 
Hackenbüchsen als sein Eigenthum zurück. 

57. 1531. September 29. Bern unterstützt dieses Begehren, da 
Freiburgs Ansprüdbe begründet seien. 

58. 1531. September. Zürichs Bath verspricht, das Ansuchen 
Bremgartens, welches gewünscht, die Hackenbüchsen Freiburgs einst- 
weilen behalten zu dürfen, weil es derselben dringend zu seiner Ver- 
theidkrung bedürfe, empfehlend an den Orossen Hath zu bringen. 

59. 1531. September 30. Bern empfiehlt seinen Bürger Strebler, 
welcher mit Mejss von Zürich sich um die Pfründe zu den hl. Drei- 
königen bewirbt. 

60. 1531. September. Zürich meldet, dass die fünf Orte nach 
den Freienämtern aufgebrochen seien. 

61. 1531. Oetober. Zürich berichtet, dass die Luzerner schon 
in Hochdorf eingerückt seien, um Hitzkirch zu Überfallen. 

62. 1531. Oetober 10. Zürich zeigt an, dass Weixlmüller mit 
einem Fähnlein von 1000 Knechten zum Schutze Bremgartens ge- 
ordnet sei. 

63. 1531. Oetober 13. Berns Hauptmann, Venner und Lieu- 
tenant im Lager bei Blickenstorf fordern Bremgarten auf. Niemanden 
ohne Pass durchzulassen, da viele Knechte aus dem Lager davon 
laufen. 

' 64. 1531. Oetober 17. Solothum ersucht um Weiterbeförderung 
zweier Schreiben an Glarus und Appenzell, die Vermittlung betreffend. 

65. 1531. Oetober. Zürich verlangt, dass der gefangene Gyss- 
linger von Luzem bis auf weitem Bericht nicht losgelassen werde, 
weü er ein gar grosser Verräther an Zürich sei. 

66. 1531. Oetober 25. Berns Hauptmann, Venner und Rath 
erneuern das Verbot des Durchpasses. 

67. 1531. Oetober. Solothum bittet um schnelle Beförderung 
weiterer Sendschreiben an Glarus und Appenzell. 

68. 1531. Oetober. Zürich ersucht um schleunige Zusendung der 
niedergeworfenen Hackenbüchsen, welche Bremgarten nicht selbst 
dringend gebrauche. 



73 

69. 1531. November 3. Berns Hauptmann etc. fordern Brem- 
garten auf, sieh mit hinreichendem Proviant zn versehen, weil Bern 
aus dem Lager bei Blickenstorf dorthin ziehen werde. 

70. 1531. November 16. Hauptleute, Pannerherren und Kriegs- 
rttthe der fünf Orte, in Muri versammelt, stellen einer Gesandtschaft 
Bremgartens, welche wegen des Friedens unterhandeln will, einen 
Oelei^brief aus. 

71. 1531. November 10. Berns Hauptmann etc. zeigen an, 
dass Bremgarten den Ersatz fQr den von seinen Truppen aufge- 
brauchten Proviant in Lenzburg beziehen könne. 

72. 1531. November. Die von Bremgarten beim Anzüge der 
iUnf Orte Entwichenen, verlangen von Zürich aus Zusicherung des 
Bechtsschutzes, um heimkehren zu können. 

73. 1531. November. Baden bietet seine Vermittlang zur Unter- 
handlung mit den fünf Orten an. 

74. 1531. December 21. Die fünf Orte verlangen, dass Weibel 
Trüb abgesetzt und an dessen Stelle ein Anhänger des neuen Glau- 
bens gewählt werde. 

75. 1532. Januar. Zürich beschwert sich über die Verdrängung 
des Pfarrers Scherer in Oberwil durch Uly Fry von Unterwaiden. 

76. 1532. Januar. Nachdem Zürich über diesen Vorfall durch 
die Eathsboten Schodeler und Jacob Hofmann Aufschluss erhalten, 
erklärt es sich zufrieden. 

77. 1532. Januar 22. Bern verlangt Bestrafung eines Schmiedes, 
welchem im Krieg das Haus verbrannt worden und welcher in einem 
Wirthshause in Münster die Bemer Kirchen- und Kelchdiebe ge- 
scholten. 

78. 1532. Februar. Bitte, welche Schultheiss Schodeler und 
Hans Mejenberg auf dem Tag zu Baden mündlich vorgetragen, um 
Nachlass eines Theiles der Busse der 1000 Gulden gegen das Ver- 
sprechen der Rückkehr zum katholischen Glauben zu erhalten. 

79. 1532. Februar 3. Die VHI Orte ^tscheiden, dass Brem- 
garten die Kosten für die zu Steinhausen und Hermetschwil gefan- 
genen Luzemer selbst zu tragen habe , wenn auch Bern und Zürich 
zu längerm Festhalten derselben Befehl ertheilt. 

80. 1532. März. Zürich beklagt sich, dass Zufikon des neuen 
Glaubens wegen gedrängt werde. 

81. 1532. März 15. Die fünf Orte verlangen von Bremgarten 
Ersatz des Weines, welcher in Lunkhofen dem Walter Müller von 
Zug niedergeworfen und im Krieg ausgetrunken worden. 

82. 1532. März 23. Bern protestirt gegen das Mandat der fUnf 
Orte, dass die von Bremgarten zum alten Glauben zurückkehren oder 
von Haus und Hof ziehen müssen. 

83. 1532. März. Anton von Salis, Burger zu Bremgarten, kauft 
von Hans Honegger, dem Altschultheissen, Burger zu Luzem, dessen 
Hans in Bremgarten, auf welchem 180 Gulden stehen bleiben. 

84- 1532. April. Zürich protestirt gegen die fortgesetzten Ver- 
folgungen des Glaubens wegen. 



74 

85. 1532. April. Zürich beschwert sich, dass Bremgarten Ltmk- 
hofen wieder katholisch machen wolle, obwohl dieser Ort unter Zürichs 
Oberherrlichkeit stehe. 

86« 1532. April. Die fünf Orte mahnen Bremgarten ebenfalls^ 
Zürich in Lnnkhofen gewähren zu lassen, da ihm daselbst die Herr- 
Schaft zustehe ; es sei denn , dass Bremgarten in Lnnkhofen besondere 
Gerechtigkeit zngehöre. 

87. 1532. Mai 7. Bern verspricht Bezahlung der Zehnmg der 
auf seinen Befelil zurückbehaltenen Gefangenen. 

88. 1432. Mai 10. Bern untersagt, wegen des Ersatzes für den 
ausgetrunkenen Wein das frühere Regiment nachzunehmen, wie es. 
Hans Honegger, Uli Mutschli und Andere begehrt. 

89. 1532. Juni. Zug verspricht Verwendung bei der Tagsatzung 
wegen des UeberfaUes des Pfaffen von Lnnkhofen. 

90. 1532. Juni. Zürich erklärt, dass es von diesem Ueberfall 
kein Wissen gehabt. 

91. 1532. Juni. Zürich erhebt neuerdings Einsprache gegen die 
Verfolgung des Glaubens wegen in Zufikon. 

92. 1532. Juni. W^egen des UeberfaUes in Lnnkhofen wird vor 
Felix Götschi, Untervogt zu Maschwanden, folgende Verhandlung 
gepüogen: jung Heini Gut und Conrad Gut im Namen Aller, welche 
beim Auflauf gegen den Pfaffen in Lnnkhofen gewesen, bringen an: 
der Pfaff habe sie lutherische Ketzer gescholten ; dieses bezeugte eid- 
lich Hans Steiner von Bünzen, einvernommen durch Vogt Hans Oswald 
zu Hermetschwil ; und Josef Summer von Schwiz , einvernommen vom 
Rathe Lenzburg auf Verlangen des Uli Künzli von Ober-Lunkhofen. 

93. 1532. Juni 29. Zürich rechtfertigt sich nochmals wegen 
des Handels mit dem Lunkhofer Pfaffen. 

94. 1532 Der fünf Orte Käthe und Anwälte, zu Hitz- 
kirch versammelt, verlangen die Einvernahme des Hans Eichholzer 
in Unter-Lunkhofen wegen der Wiedereinsetzung des Commentnrs von 
Hitzkirch. 

95. 1532. November 22. Konrad Scherer, Pfarrer in Oberwil, 
fordert Ausrichtung des rückständigen Pfrundeinkommens , da er 
weder nach Zürich entweichen wolle noch Waaren dorthin geflüchtet^ 
das habe er vor einem Jahre während des Krieges gethan und seit* 
her Bücher und Wein wieder kommen lassen. 

98. 1532 Pfarrer Scherer in Oberwil beschwert sich, dass 

er nicht reines Koiii, sondern Roggen darunter als Ertrag der Pfründe 
erhalte, was wider das Herkommen, weil man in Oberwil erst seit 
drei Jahren angefangen habe, mehr Roggen zu bauen. 

97. 1533. Januar 21. Die fünf Orte verlangen Entschädigung 
für den vertriebenen Doctor Burkhart. 

98. 1533. Februar. Die fünf Orte beklagen sich, dass die ge<* 
machten Zusagen wegen gänzlicher Unterdrückung des neuen Glau- 
bens nicht gehalten werden. 

99. 1533. März. Zürich verlangt für den Predicanten Scherer 
in Oberwil freies Geleit, damit er seine Geschäfte in Bremgarten 
sicher besorgen könne. 



75 

100. 1533. März. Zug sagt zu, daas es sich für Bremgarten 
bei den fünf Orten verwenden wolle, weil dieses anf erfolgte Ein- 
sprache Berns die im Glauben Ungehorsamen nicht bestraft habe; 
dagegen verlangt es strenge Befolgung der bezüglichen Mandate für 
die Zukunft. 

101. 1533. April 9. Bern protestirt nochmals gegen die Be- 
strafang der Anhänger des neuen Glaubens. 

102. 1533. Mai. Ammann Oswald Tooss von Zag zeigt an^ 
dass die ftinf Orte, auf dem Tag in Einsiedeln versammelt, auf der 
Bestrafung der Ungläubigen beharren. 

103. 1533. Mai. Die fünf Orte mahnen wieder zu schneller 
Bestrafung. 

104. 1533. Mai 9. Bern wiederholt seine Einsprache dagegen. 

105. 1533. Juni. Die fünf Orte wiederholen ebenso ihren BefehL 

106. 1534. Februar. Zürich verwendet sich für Oberwil, damit 
dieses nicht des Glaubens wegen verfolgt werde. 

107. 1534. März. Zürich wiederholt seinen Einspruch gegen die. 
Verfolgungen in Oberwil. 

108. 1537. Juni 23. Die fünf Orte fordern, dass die Käthe 
bei der Wiederbesetzung am folgenden Tage durchaus im Sinne der 
alten Ordnung und der Unterwerfung unter den alten Glauben ge* 
w&hlt werden. 

109. 1549. Februar. Freitag nach Mathei (24.). Die Bedin-- 
gungen, unter denen die fünf (Srte mit Bremgarten Frieden ge- 
schlossen, werden in Schrift verfasst und gesiegelt zugestellt. Ab- 
schrift auf Pergament. 

110. 1549. Februar. Dasselbe; Abschrift auf Papier. 



2. Vollständig mitgetheilte Correspondenzen. 

I. 

Den framen ersamen tmd wysen tmnsern svndern lieben vnd 
getrutoen Schulthh tnd rat zu Bremgartien, 

Vnnsem günstigen guten willen vnnd was wir treu, liebe vnd 
gute vermögen allezit beriett z üwer frommen ersamen wysen sunn-^ 
ders lieben vnd getruwen, Jr sechen vnd merckent, wie dann leider 
sich die lutrisch sect vnd vncristenlicher gloub meret vnd je lennger 
je gröber zünimpt. Dadurch nützit annders dann grofs emporungen 
vnd vfl&mren erwachsen. Die Gotzhüser vnd ander ercn lüt über- 
fallen vnd inen das ir genomen wirdt über alle recht vnd wider alla 
billikeit, vff das so ist vnnser emnstlich meinung vnnd gebiettend 
üch, das ir aU gemeinlich vnd jeder insnnders sich sölicher lutrischen 
sect vnnd vncristenlichen Gloubens nützit annement noch beladint„ 
sunder by alter cristenlicher Ordnung vnd satzimgen blibent, vnnd 
üch nit dannen verfüren noch abwisen lassint, Ouch dehein emborung 



76 

oder vfiMLr vnnder vnd by üch ze machen, Banden wo flwer deheiner 
seche. hordte oder vem^e da. sich jemant emboren oder v&ttij« 
weite machen, dergestalt die GotzhUser oder annder zu über^llaHy 
si zu beronben vnd das ir ze nemen, söliche helff weren vnd ab- 
wennden nach üwerm vermögen vnnd sGliche angennds ynns oder 
ynnserm landtvogt zu Baden zu wissen tto, So wellent wir vnser 
IIb vnd gut trostlich zu vch setzen, dann welich harinn vngehorsam 
erfanden, wnrde man an irem lib leben vnd g&tt straffen, je nach 
irem verdienen, darnach sol sich mennigklich wissen zu richten, dann 
vnnser herren vnd obem habent sich des geeint vnd beschlossaii, 
welich sölich emborung vnd vffrüren machent, die Gotzhüser oder 
annder lüt überfallent inen das ir nement oder beronbent söliche 
mit der dat ze wennden ze weren vnd ze straffen, So verr vnd inen 
ir lib vnnd g&tt gelanngen mag, Wir habent ouch in vnnser Ab- 
echeid genomen an vnnser herren vnd obem ze bringen i wie vnns 
dann anlanngt, das etlich by vnd vnder vch sich ouch der Intrischen 
sect annemen vnd mercken lassent das vnns zum höchsten missaalt 
vngez¥r7ffleter ho&ang vnnser herren vnd obem werden sölicher 
mass darin sechen, damit vnd die abgestelt, vnd vff nechstem tag 
antwnrt geben werden wie man die selben straffen welle, Dat. vnnd 
mit vimsers landtvogts zä Baden Heinrichen fleckensteins des rats zd 
Lutzem ingesigel in vnnser aller namen besiglet am x vüi tag meyen 



anno v^^xxv*' 



Von Stett vnd lannden der siben ordt 
vnnser eydgnöschaft ratsbotten jetz 
zu Baden by ein anndern versamlet. 



IL 



Denn Fürsichtigenn Fromen Ersamen nmd Wysen SchuUhes 
tmnd Rätt der Statt Bremgaru Vnsern besvMem günstigen 
lieben vnd gutten Fründen. 

Vnnser früntlich willig dienst vnnd was wir erren lieps vnnd 
gdtz vermogentt, BerVen Fürsicbtigen Frommen ersamen vnd wyfsen 
insander günstigen lieben vnnd g&tten fründen, Vns ist gloubsamlich 
fürkommen wie das üwer lippriester geredt habe z& ettlichen be- 
sunderbarren parsone in üwer statt, sy söllent handlich sin, an dem 
nüwen missglouben vnnd secten, wan wir von Zag, die sigent ouch 
zu vnsern eydgnossen von Zürich vnnd Bern zu yrem nüwen glouben 
gefallen, weliches vns gar vast befrömdett. Es sol ouch sich ob gott 
wyll, mit keiner warheitt niemer mer erfinden das wir von vnserm 
alten warren cristenlichen glouben wellent vallen vnnd darftm lieben 
vnnd gÄtte fründen, ist das vnser früntlich pitt vnnd beger, wyU 
vnnd meynung das yr üwem lippriester beschickent vnd im sömlichs 
fürhaltent vnnd im darby sagent, das er die warheitt von vns sage, 
wan er habe von vns nitt die warheitt gerett vnnd vns vnfrüntlich 
vnnd vngüttlich gethan, wir wellent ouch sömlichs von im vnnd 



77 

keine andern erliJen noch gestatte Ynnd dar&m pitten wir üch, vns 
in sönüicliem zft wylfarren, darmit vnnd sömlichs hinfOr yermitten 
plibe vnnd th&nd harin alls wir üch des , vnnd aller eren lieps vnd 
gütz gantz wol ferthr&wentt das wellent wir all zitt vmb üwer wifs- 
heitt bescbnlden vnnd verdienen, darmit sind gott befoUen, datt 
Zug vff Zinstag nach Sannt matbis tag anno v* im x x viii** 

Aman vnnd Bätt 

der Statt vnd Ampt ZAg. 

m. 

Den Ersamen toysen vtuuem besonndem lieben getruwen 
vnnd guten fründen SchuUheTs vnnd Ralt zu Bremgari. 

Vnnser günstig vnnd frttntlich gmtz, oucb eren vnnd g&tz zu- 
vor» Ersamen wysen, besonndren lieben getruwen vnnd g&ten fründ, 
Vnnser lieb Eidgnosen von Lucem band vnns das schriben so ir 
innen bj irrem diener, den aj in vnnser aller namen nach den 
bttchem geschickt, geben, vorlesen lassen, darab wir beirömbden 
vnd mifsfallen empfiEUigen, angesehen das ir vormals üch erboä vnnd 
zusagt band, was der merteü vnnder vns den acht ortt ansechen 
vnnd üch heifse, dem wellen ir geleben vnnd dem statt thün, wie 
dann ir, ob gott wil, defs so bald nit vergessen. Aber das ir in 
n werm schriben fürwitzlich melldend , das ir üch verwondrend , dwyl 
85Uich vnnser eidgnosen von Lucem schriben, innhalt, siben ortt 
sdlich ansechen gethan, vnnd aber zwey ortt, die bücher hindre üch 
verbott vnnd aber ir nit me dann acht ortt zA hörren habend — 
Lieben fründ, das land uch nit verwundem, dann je vnnser eid- 
gnosen von Bern hotten by söllichem ansehen vnd ratschlag gesessen, 
aber es bedungkt vnns nit von noth, uch ze schriben vnnd zu wissen 
sin, wie wir Eidgnosen zu tag ratschlagend vnnser Sachen, merend 
mindrend ald handlend, alld wasjeclichs ortts ratschlag sige, dann 
fromen gehorsamen vnnderthanen vnnd verwandt i&t gnügsain wann 
man innen den willen vnd meinung der Merteil ortt anzeigt vnnd 
zftschribt, dem sj ouch biUich statt thün vnnd geleben söUn, darumb 
wir billich söllicher ersüchung von üch vertragen wären. Aber das 
ir anzägend, vnnser Eidgnosen von Zürich vnd Bern habend die 
bücher hindre üch zu recht verbott, vnnd das uch, one vfflösüng 
sölichs rechtspott, nit züstannd, söllicher bücher halb wyter ze 
hanndeln, vss söllicher vrsach ir die bücher verhallt vnnd üwem 
2:&sagen nit statt gethan, daran wir nit wenig mifsfallen empfanng 
dann je die von Zürich und Bern vnns alls den merenteil der acht 
ortt, an dem ortt nünt zu verbiet habe, dann ob sy vnns vmb zu- 
sprach nit erlassen mög noch wollen, so wissend sy wol wie sy vnns 
danunb nach innhallt ir vnd vnnser pündt suchen sollen, wir ver- 
meinend ouch, das vch in keinem weg gezimm noch zustand, söl- 
lichem anfecht vnnd verbott der zwey ortt zu verwilligen vnnder 
vil nier das es üch gepür in ansehung vwerm erbietten vnnd zu- 



78 

sagen vnns alls dem Merenteil ze gehorsamen vnnd in keinen span 
zeflechten — dammb so ist nochmals vnnser emnstlich beger, be- 
felh vnd meinung an üch, das ir die bücher hj diesem Zeiger diez 
briefs, ynnsem Heben Eidgnosen von Lacem zuschicke, ime hilfflich 
sin, damit er die gefertig vnnd hamff bringen m5g vnnd uwem 
zusagen statt thtüi vnnd geleben vnnd uch als die gehorsamen be- 
wysen wellen, als wir d!ann uch wol getmwend, daran thünd ir 
vnnsem vnd vwren hem vnd obem, ouch vns svnder gut angnem 
Italien, vmb nch hab ir beschullden, dat vnd mit vnnser Lieben 
Eidgnosen von Lucem secret in vnnser aller namen beschlossen vff den 
mey Anbend anno v'xxvjjj 

Der Sechs Ortt Lucem Vre Schwitz 
Vnnderwald Zng vnndGlaros Ratz- 
bott jetz zÄ Lucem versampt. 

■ 

IV. 

Denn Erscanen wysen vnsem sonnders Uebenn vnd getruwen 
Schultheis Rat vnd vierzigen zu Bremgarten, 

Vnnsem günstigen willen vnd alles gdtz z&aor Ersamen wysen 
«onnders lieben vnd getruwen, Vnns langt an, wie vnser lieb eidt- 
gnossen von den sechs orten aber mals bi vch von wegen der bUch- 
linen hinder vch gelegen, habint lassen anhalten vnd werben, Der 
gestallt das ir inen die hinufs zu iren banden geben seltind. Wellichs 
vns (so vordem also were) an dieselben vnser lieb eidtgnofsen vnd 
vch, so ver ir das hinder vns hettind beschechen lassen, hoch tätte 
befrömbden, Angesechen das vnser lieb Eidtgenossen von Bern vnd 
wir die hinder vch zd recht verbotten, wie ir wüssent. Defshalben 
wir vch abermalen zürn höchsten Ferinerent vnd bitend ir wellint 
«s bj beschechnem verbott gestrax bliben lassen, vnd die gemelten 
büchli ans Hecht und hinder vch vnd ouch vnsem eidtgenossen von 
Bern, nit hervfs geben, Sonders so ver die erforderet, allsdann wel- 
liut vns vnd vorgenannten vnsem eidtgenossen von Bern das bi 
guter Zit vor hin verkünden. Damit wir vnnser noturflft nach wüs- 
sint in der sach zu haudien. Das begeren wir vmb vch günstlich 
zu beschulden, dat. Fritags nach Innvencionis Crucis anno v'xxvjjj 

Burgermeister vnd Ratt dec Statt Zürich. 

V. 

Den Ersamen wysenn vnnsem insonnders lieben getmwen 
Schuliheys Rhat vnnd Viertzigk zuo Brempgartten, 

Vnnser früntlich grüs vnnd alles güts züuor Ersamen wysenn 
insonnders lieben getruwen Vnns zwyffellt nitt ir haben wüssen Wie 
üwer predicant Doctor Johan burckard vns schmechlich züger edt 
Darumb wir ine durch vnnser pot schafft rechtlich für vorderen lassen, 
So nun by üch ein vrtheiU defshalb gedtelt, Die vns aber beschwärlich 



19 

bedankt, ynd vnfser anw&lt für üch den xl berüfft, haben wir vn- 
«enn amptmann zu Lenntzbürg bevolchen die Appellation vfszefliren, 
Ynnd ime völligen gewallt in diser sach geben , Verhoffende ir wer- 
dint gelegenheit derselben grondtlich ermessen , Ynnd yns zftm theill 
üwer obren vor söllicher vnd derglichen ynwarhs^iger Errüriger 
reden befristen Ynnd gedachten Doctor wysen vns ynnser eer recht- 
lich wider zeleggen, vnnd für keinen frömbden Richter wysen, Dan 
üch an zwyffeU woll zu wüssen ist Das z& tagen der geistlichen halb 
verabscheidet Das sy welltlichen rechten gehorsamen sollend. So nun 
gemein stat vnd landrecht ouch die geschwomen pond vermögen das 
ein jeclicher frävell an den orten da er beschechen abgelegt sollt 
werden, Ermanen wir Üch vff das höchst, vns an dem ennd dhein 
inbruch zethünd, sonnders vns gepürlich recht wider gedachten vn- 
:8em widersecher gedheyen ze lassen, ane fürwysnng Dan ir schull- 
diger pflicht halb Dem statt zethÄnd nit mögend vor sin, haben ouch 
-des zu üch sonnders gut vertruwen , Wo aber annders dann wir ver- 
hoffen, bescheche Sollend ir des versichert sin Das wir es by siner 
zyt anstellen vnnd nüt destminder imser eren bewaren werden Hie- 
nach wüss sich mengklich ze richten Dat. vj may anno v^xrviij^. 

Schultheis vnnd Rhatt zu Bemn. 

VI. 
An eine Schullhess tnd Rat sti Bremgartn* 

Min gr&fs et lieben herre wussend das ich nit von Bremgartn 
komme wery: wo ich mines lebens mit der trostung zu rechtn ver- 
sichert wer Word: Aber dafs wie vor eins überfol^ zu erwartn in 
min hnfs, wer mir zschwer, Erbttt mich des noch httt by tag menck- 
lichem zu rechtn zstan wo dz billig ist mit der vordrer oder mererer 
trostung: Bitt üch darby mich darby bliben zlassen: vnd wit nit 
vff min lib noch gfit tiinngen wellend : wil ich gege einer statt brem- 
garte verdienen dere ich ouch hold bin die gott vor allem übel be- 
schirmen soll. 

Johannes honegger 

VII. 
Disser Brieff gehört Eine Schulthessen vnd Rat zu Brefngarfn. 

Min grüfs et Lieben herm ich verstau wie ir vo mine abwichen 
erzürnt vnd mich des vm tusend gl. straffen wellend, von des wäge 
han ich üch vorgeschribn worum ich gewichen sy : üch daby gebette 
mich vff recht biete vnersücht an lib vnd g&t zbliben zlassen: das 
alles nit hilfft: ist nach min bitt vnd beger. ir wellend pfand neme 
zu recht für m. gl. mit guten bürgen darzn, so wU ich min lib zum 
gn gü.t stellen vnd mir dar recht lassen we vnd wol thün : vnd min 
abwichen erlich vantwortn : denn nach dem vnd ich vo stuck zu stuck 
han vff geschribn so band ir noch des mine z& Bremgartn ob zwö- 
tusend gl. : ich han es ouch noch allso verstürt vnd darum so han ichs 
in schafft gestellt, hoff wo! ir werdend mir es nit nach üwrn dünken 



80 

werden : ich wii es oueh gern vor ttch rechne : vnd dämm so bege* ich 
antwort ob ir mich da bj wellend bljben lassen oder nit, ob iok 
keine antwortt verdient bin: so wil ich es nein achtn, doch hoff ick 
eine* antwort : Nit me, gott bewar allzit ein allti frommy statt Brem- 
gartn in sine göttlichen willen : amen : Datbm zb. Lncem die mathei 
anno 1529. 

Jo. Honegg' ein g&t* allt' Bremmgartn 
ytz zu Incemn. 

vm. 

An Schtüthessen klein ennd gros Rät vnnd ganni^e gmeind 
suo Bremgarl 

Wir der^fünff ortt nämlich Locem Uri Schwytz VnderwallS vnd 
Zug Batzbott jez zii Lucem versampt Enbietend dem scholthessen 
klein vnd grosen Bftth vnnd der gantzen gmeind z& Bremgart mit 
disem brief ze wissen, demnach ir knrtz vergangenen tag ttch nit 
allein von vnns den fünff ortt snunder von der gemeinen Gristenheit 
vnnd der allten heiig cristenlichen Kirchen, in dem allP cristenlichen 
gldben, wie der von vnnsren vnd üwem vordem an vnns vnd ttch 
hargebracht, abgeworff, euch so ganntz fräffenlich vnnd vnachtlich 
gehanndelt, mit der kilchenzierd vnnd noch vil me mit der heiig 
mess vnnd sacrament abstellong vnnd Verachtung, onch sonst in ann- 
dem stuck, darinn ir^ lützel vnd gar ninen bedacht, des zusagen so 
ir vnns den fÜnff ortt_me dann einmal gethan vnnd darumb ir vna 
versigelt abscheid gebe ouch darby gar vergessen, mit was pflicht ir 
zu den acht ortt verbünd vnd was ir dem merteü vnnder den acht 
ortt in spenniger zit schuldig sind, lut der brief vnnd sigel, darumb 
vffgericht vnnd wie ir ttwer zusagen ouch brief vnnd sigel vnnd ttwer 
Er vnd Eid gehalte, wirt sich zu siner zit erfind vnnd vngestrafb 
nit blibe wo nit ein widerkerung etwas vslöscht. An dem allem ir 

nit ersettiget sonder, so mds sich ttwere was willens ir 

gegen vns sind mit ttwem schantlichen vnd schmählichen schmutz- 
wortt so ir vnns den fttnff örtlin zuleggend , An dem ir ouch nit ein 
benttg sonnder so langgt vns an wie ttwre ettlich in der grafschaft 
bad, vnnd in den gmeine ämptem an ettliche ortten vpnd ennd ge- 
hanndelt vnnd die vnsren dazu bewegt hannd ze handien wie ir_ouch 
gethan. vnnd das ir ouch tröwend ir wellend an ettliche oitt me> 
es sig zä Hermaschwyl vnd anderschwo, der mas hanndlen, so nun 
ir weder in der grafschaft baS noch inn den gmeinen ämptem gar 
kein hohe obrkeit vnd gewaltsame band vnnd ttch das gar nit zimpt 
vnnd zAstatt darumb wir ttwer hanndlen vnd fttmemen nit annderst 
acht vnd fCLmeme kennd, dann das ir vnnderstan vnns dess vnnsem 
vnnd vnnser obrikeit so wir als der merteil ortt an denen ennd band, 
mit gwallt vnnd on recht zu entsetzen, vnnd nam, wttl vnnd krieg 
gege vnns zebruchen. Vnnd wo ir wenig ald vil, wyters der maa 
hanndlend, ttch nit annderst könnd schätzen als vimser fynnd vnnd 
als die so vnns das vnnsre mit gwallt an recht begerend abzenemen 
vnnd zer vnnd wellend ttch hiemit zA wissen thün. das vnnser 



81 

iierren ynnd obren dess willens sind, mit sampt iren mitverwannten 
ir üb vnnd gut daran zesetzen wo ir wenig ald yü wyters in sölchre 
gstallt, gegen vnns vnnd den vnnsren hanndlend, das wir dess zu 
fiwerm IIb vnnd gut z& komen, ttch das nit vertrage ynnd darmnb 
straffe wellend, darnach wissend nch ze richte vnnd wellend allsdann 
hiemit vnnser Er bewart han. Dat vnnd mit vnnsre liebe Eidg von 
Lucem secret in vnnser allre Namen beschlösse vff xxij tag may 
anno v^zxix. 

IX. 

Den fromen wysen Schulthn vnnd Rat zu Bremgartten nUnen 
Sunnders lieben vnd gutten /runden. 

Min fründtUchen grüs vnnd was ich Eren liebs vnnd gütts ver- 
mag allezit z4üor fromm wiss, sunnders lieben vnnd gütten fründ, 
Ich würden warlich bericht, wie das Ir oder ettHch der üwem ver- 
ganngnes tags gan Eggenwyl koifimen, vnd daselbs so nil mit den 
vnnderthanen vermögen vnd gschaffet, das sy die Bilder vnnd ge- 
ziertt gottes vfs der Küchen gethan vnnd die verbrent habent, das 
mich hoch verwtmdert vnnd beschwärt, da ir an söllichen Ennden, 
da ir gar nützit hannd, sunnder die hochen gricht an demselben 
Ennd minen Herrn den Eydgnön vnnd die nidem gricht dem Gotts- 
hüs Hermentschwyl zfigehörig sind, Sölichen gwallt fümement, zu- 
dem so habent sich ettlich der üwem lassen mercken, es müsse in 
acht tagen zu Dietikon vnnd Bordorff in glicher gstalt die Küchen 
gerümpt werden, Desshalb so ist an üch vnnser emnstlich meinung 
das ir mit den üwem verschaffent, onch selbe darob syent, damit 
vnnd sy von söllichem hochmütt vnnd gwaUtigem vnbiUichem für- 
nemen abstanndent vnnd bestmnder an denen ordten vnnd Ennden, 
da ir noch sy nützit zu schaffen noch z& uerwalten habent, darum 
ir mogent ermessen, wo söUichs nit sölte beschechen, das mine herren 
die Eydgnön das in keinen weg gestatten noch vngestrafft nachlassen 
wurden, darnach mogent ir vnnd sy wüssen ze richten, vnnd begerr 
des üwer verschriben anntwÄrt by dem botten, dat donnstag nach 
pfingsten anno v"xxix°. 

Jacob an der Rütti des ratts zu Schwitz 
Landtuogt zu Baden in Ergöw. 

X. 

Den Eersamen wysen vnnsem sunnders lieben vnnd getrüwen 
Schuhheys vnnd Raih ^u Brämgardienn. 

* 

Vnnsem frtindtlichenn gantz geneygten wiUen vnnd aUes güts 
zÄnor Eersamen wysenn sunders lieben vnnd getrüwen Es habennd 
vnns die vnnsem im Iftger, die handlung vnnd erforschung. so iran 
Hannsen Honegker gebrücht, zugeschickt. Die' wyl vnns aber vnüer- 
borgenn, was arggwilligkeyt vnnd vntrüwer pratick er sich aUweg 
wider vnns vnnd aUe gftttmtittige anhänger Euangelischer warheydt 
beäissenn vnnd vnns gar nit zwyielt, er vü böser gescbwyndigkeyt 

Argovia V|. 6 



\ 



88 

vnd anschlegenn dären sick vnnsere widerwärttige vnnd durchftcfater 
göttlicher warheydt, vil zyts bar, es sye bj den Ferdinandschen oder 
annderstwo gebmcht, wissen habe. Zudem eyn offener starcker lümb- 
den vnnd grosser verdächtlicher arggwon, siner vntrüwen handlnng 
halb by der ganntzen gemeynd za Brttmgardt. das er gantz fiü vnnd 
arggwönig vnnd defshalb h5eher dann bim Eyd zu fragende sig. Vnnd 
80 wir yetz gehördter vrsachen halb, an üwer schlechten frag vnnd 
hanndlong so ir mit im vff sinen eyd gebracht kein vemügen habenn 
können vnnd es nit fälen mag er viler vntrüwen wissen hab. Ist 
defshalb vnnser euch der vnnsem im veld emnstlicher beuelch will 
vnnd meynung an vch. ir inn bas hinan heben , den ringken enger 
zyehenn vnnd nemlich in höcher dann bym eyd, wie sich vff solli- 
chen starck verdächtlichen lümbden gebürdt zum tapferiste, mit der 
schnür fragenn vnnd aller Sachen halb ernstlicher dann vorhar be- 
schechen erforschen erkundige vnnd so tapferlich vnnd thür gegen 
im mit sollicher erforschung hanndlen wellind Als das vnnsrer vnnd 
üwerent halb die nottdurfft erfordlrt. dann wir ye sinen schlechten 
wordten on höcher vnnd pyntlicher frag keynen geloubenn geben 
könnend. Es ist onch vnnser meynung vnnd beuälch das ir vnnsem 
lieben vnnd getrüwen Heynrichen Htiber yetzt houptman z& Brttm- 
gardt z& soUicher erforschung nemen, ouch inn siner gegenwärttig^ 
keyt vnnd mit einem rath vnnd gftttdunck mit gemeltem Honegker 
handien wellind, was sich dann Uerinn gebOrenn vnnd von nött sin 
will. Dess wellind wir vims gftntzlich zu uch versechen ir sollichem 
vnnserem beuälch on verzychen stracks nachkomen vnnd sinen daran 
gar nit verschonen damit wir ouch üwer gemeynd von den gütt- 
wilUgen gerttwigt werdint, dann wo das nit beschechen wurden wir 
verursacht der sach nachzehencken damit wir denocht zu gemelter 
fraff vnnd erforschung kämind. Darzu vnns doch vil lieber ir der- 
mais zur sach thügend das ir by uwem fryheitt vnnd Stattrecht by 
denen wir vch zehanndt haben selbs beging belyben mögindt. Welten 
wir vch ganntz guter getrüwer meynung nit vorhaldten vch wissenn 
mög vnnsers gefallenns zehaldtenn. Vfs Zürich mittwuchs nach Viti 
vnnd modesti anno v^xxix*^. 

Burgermeyster Bäth vnnd Burger der Statt Zürich. 

XI. 

Den fürsichligennErsamen rnrndtoysenn tmnsem sonnders liebenn 
vnnd Getrüwenn Sehuliheyss vnd RaU zu Brämgartd. 

Vnnsem gunstlichenn grds vnnd alles güts zuvor Ersamen wy- 
senn sonnders .lieben vnnd getrüwen AUsdann vnnser getrüw lieb 
Eydtgnossenn vnnd cristenlich mittburger von den fünff stetten, Bern 
Basel Sannt Gallen Mülh&senn Byell Vnnd wir mit den fttnff ordten 
Lutzem Vry Schwytz Vnnderwaldenn vnnd Zug, vff den nüw an- 
genomnen vffgerichtenn vnnd besiglotenn landsfridenn etlich tag- 
leistungen z& Badenn in ärgow volstreckt, ouch durch die schidlütt 
vnnd fründtlichen vnderthädinger nach vermüg emempts lantfridens 
vnns vnnd vnnsem mithaffbenn an vnnsem grossenn mercklichenn 



88 

gehepten vnnd erlitnen Costenn Ein klein fdg geltli :de8 wir vnns 
wenig Tersecbenn: nämlich dritthalb thusennt kronnen gesprochenn. 
Yimd sich aber die genanntenn fOnff ordt in diserm artickel des 
€06tenns vnnd sunst der mafsen erzeige, das sj :wie wir yfs irer 
Bttstong ynnd heimlichenn geüeurlichem praticieren geschwinden an- 
schlegenn vnnd bewerbong frdmbder yfslendischer hilff, oogenschinlich 
habent abzünemen: gar nit gesynnet noch willens sind, obberttrten 
LantsMdenn noch jüngst der schidlütten gethonen rfsspruch zu 
haldten, deÜBhalb wir vnnd vnnser mitthafftenn von den ftLnff stetten 
Tims darüber stattlich vnnd notttürffügklich beradtschlaget, vnnd 
nach Yrswysimg des lantfridenns den fünff ortenn pro&nd vnnd fey 
lenn koftff abgeschlagenn, onch vnns mit vfszügenn z& nnnser statt 
panner vnnd fendli versechenn. Als was ioch vfsginge vnnd ob sj 
von den fünff orttenn sich wider vnnser fdmemen etwas gwaltig oder 
tädtlichs vimderstündint zftgebr&chenn, wir alfsdann gerüst werint. 
Ynnd lanngt demnach an ttch , vnnser sonnders hoch vnnd emnstigs 
hegärenn ir wellint, als liebhaber der 1er gottes vnnd sins ewig be- 
«t^digenn worts. darinn ir üch noch bifshar nit anders dann cri- 
stenlich vnnd wol vtragenn vnnd ob gott wil, fürter th&n werdent, 
uch mit abschlachüng der profand vnnd feilen ko&ffs, vnns vnnd 
anndem vnnsem mitthafiPten von den obbestimptenn fÜnff stette glych- 
förmig bewysenn. Vch inn g&tter rüstnng enthaldtenn vnnd zu dem 
üwer heimlich spächt vnnd küntschafft, soferr es ttch vermüglich in 
den fünff ortenn machen. Damit ir des, so ir z& zittenn vorhandenn 
bescheid empfachenn vnnd vnns bj tag vnnd nach berichtenn mögint, 
Als das die gros nottürft erfordert vnnd wir ttch genntzlich ver- 
trüwent. Das kompt vnns vmb ttch allzit in frttntschafft vnnd allem 
g&tten zu beschtddenn. Datum zinstags nach Felicis et Begule Anno 



v^ 



Burgermeister Batt vnnd der grofs ratt so man nempt 
die Zweyhtüidert der Statt Zttrych. 

xn. 

Den Ersamen toysen vnnsem lieben getrüwen vnnd gut f runden 
SchuUhess vnnd Raet zu Bremgaru. 

Vnnser frttntlich gr&fs ouch Eren vnnd g&tz z&uor Ersame wysen 
lieben getrttwen vnnd gäten frttnd, demnach Scholthefs Honegker 
vnnd anndre von ttwre statt, jetz vff nechst verganngnem tag zu 
bad vor der Acht ortt sanntbott erschinen, von wegen irs anliegennd 
hanndels gegen ttch, vmb recht, wo es snnst nit ab weg gethan 
mag werd, anrüffende, wie dann ir vngezwjfelt von ttwren bott so 
ir samt anndrer ttwre gschäfb halb alda gehept, wol verstannd, dar- 
vff die bott söUichen hanndel in abscheid genomme haben, an ir 
herm vnnd obem zebring vnnd vff nechgt tag darumb antwurtt ze- 
geben vnnd wie wol wir nit minder, dann schulthefs honegker ge- 
achtet vnnd vermeint, das ii in ansehung des lanndfridens vnnd das 
disre hanndel inn abscheid gnome, mittler zit still_gstannd vnnd nünt 
geg scholthefs honegkr alld sinem gut fttrgnome hett, nttnt dest minder, 



84 

80 lanngt vnns an, wie ir ettwas sin schnlthefs Honegkers hab mod 
gilt verkauft vnd verliehen vnnd enndning darinn thtlg, vnnd vmi* 
derstand villicht ftirhin mer zethAn, das vnns nun ganntz treffenlich, 
befrömbt, vnnd den Honegker mercklich beschwärt, vnnd diwyl 
Bcholthefs honegker hindre vnns zog, vnnd nünt annderst begeri 
dann das recht, defshalb wir im mitzehelff nit minder schuldig dann 
gneigt sind, Darumb so ist vnnser ganntz frttntlich beger__vn2id 
emnstlich ersuchen vnnd meinnng an üch, diwyl der acht ortt bott 
diesen hanndel inn abscheid gnomen, vnnd darinn hanndlen werd^ 
das ir ttch nit so not vnnd gach sin sonndre disen hanndel onch 
schulthefs Honegkers defsglich der anndre gütter vnangegri? vnüer- 
endert vnnd also in rAwen anstan vnnd bliben lassen, bis zu vstrag 
diser sach, das man weifst, wer recht oder nit hat, vnnd was die 
acht Ortt darinn hanndlen werd, ir vememen m^ vnnd bewysen 
ttch hierinn nach vnnsrem vertmwe, vnnd als wir acht ir nach ver«- 
mag der pflicht, so ir den acht ortt zügethan vnnd nach innhalt des 
fridens schuldig sig, stat vnns vmb uch früntlich zebeschuld vnnd 
begerend hieruff üwre verschriben anntvrurt bj dem bott dat mitt- 
wuch nach Galli Anno v^xxiz. 

Schulthefs vnnd raett der Statt Lucem. 



XIII. 

Den Ersamen wysen tmnsem sutmders lieben vnnd gelrüwen. 
SchuUhes vnnd Rat »u Bremgartten. 

Vnnser frttndtlich grüs vnnd was wir liebs vnnd giitts vermögen 
züuor, Ersamen wysen sunnders lieben vnnd getrüwen, ttwer schriben,. 
vnns vff das vnnser gethan, berüi-end Schulthn Honegger vnnd Hannsen 
Meyenberg, haben wir irs innhalts verstannden, vnnd betten wol ver- 
meint, ir werent söllichem vnnserm begeren billichen nachkomen, 
diewyl vnnd aber söllichs vfs ttwern vermeinten vrsachen nit be- 
schechen, so lanngt nochmals an ttch vnnser emnstlich begeren, ist 
ouch vnnser will vnnd meinung, das ir ttwer voUmechtig ratts bott- 
Schaft, vff nächsten tag hie zu Baden, so sin wttrdt, vffSüntag vor 
Sannt vallentins tag nechst körnend, abuerttigen, so wöllent wir, 
doch ttwer Statt fryheit vnd gerechtikeit vnuergriffen , vnd ane nach- 
teilig, vnderstan ttch vnnd si gttttlichen mit ein anndem z& betragen 
vnnd zu vereinbaren, damit wir, ir vnnd si, der sach gerüwigt wer- 
den vnnd ttch harinn bewisen, nach vnnserm vertruwen, das wollen 
wir gegen ttch, in g&ttem erkennen. Dat vnnd mit des fromen wiaen 
vnneers getrttwen lieben Landtuogts zu Baden in Ergöw Annthoni 
Wackers von vnnder walden innsigell in namen vnnser aller ver- 
schlossen vff den XX tag Januars Anno v^xxx. 

Von Stett vnnd Lannden der Siben ordten 

Bemn Lützernn Viy Schwitz vnnderwalden Zug vnnd Glarua 

Rattsbotten zu Baden in Ergöw versampt. 



\ 



85 



XIV. 

So ist die beuekh^ so ir vor minen Gnedigen Hern, den 
Eydlgnossen wider SchuUhessen Honegger für tragen sollend. 

Item allsdaim Schulthes Honegger »Ein geschwomer einer Statt 
Bremgartenn gesin ist vnnd geschworen hat, ein Gemeiner Bichter 
sa sin, ynnd die Bat so da beschechen zn halten. Ob vnnd wie er 
dasselb gehalltenn, mag ein yecklicher in nachnollgennd articklenn, 
woll merekenn vnd verstan, 

Zum Ersten, sollend ir fürtragen, Alls vermckt* zit, Doctor Hanns 
Borekardy, mit etwelichenn Borgern, zii Bremgartenn im rechtenn 
glegen gesin, sj bv der vrtell gesessen, vorgenannter SchultEs, da 
er aber billicher ylsgestannden were, vrsachenn halb, das er dem- 
«elbenn doctor, etwas schrifftenn zugeschickt hab, darin dan verstand 
werd, ob er domaln ein Gemeiner Bichter gesin sj oder nit, Solich 
flchrifften ir oach erzöugen sollen, damit man dester bafs erwegen 
kenne, wie woll es im angestannden sy, 

Zom Anndem, Alls man vff Sant Hylarientag, Alls yetz Sannt 
Hilarientag zwey jar gesin ist, abermals ein Gemeind gehept, vnnd 
alltem Bruch nach der Statt rodell verläsen vnnd vnder anndren ein 
-artickell, betroffende vorgemellten doctor, geöfi&iet hab, der alls inn- 
halt, wie dann derselb doctor, für vnd für, wie wol es im vormals 
verbotten were, mine Herrn von Zürich vnnd Bern, lutersch ruppen, 
vnnd ketzer geschulten bette, vnnd alls man im solichs vff denselbenn 
tag, abermals verbotten hett, vnnd das vfs der vrsach, nämlich wo 
er allso für vnd für vorgemellt mine Herrn von Zürich vnnd Bern, 
echmutzen vnnd schellten, das dadurch minen Herrn mer imgunst 
^Uum gunst von inen eruollg wurd, vnnd darumb so Er si allso mer 
ischmutz wurd, das sin Büfs sin, von der pfründ vnd hinweg, 

Item vnd allsdann noch Ein artickell , euch berürtz doctors halb, 
«rmeret worden, nämlich das er fürhin nit mer. Ein rat vnnd ein 
Burgerschafit zu Bremgartten vsserth der Statt verclagen, sonder ob 
im etwas anglegen were , das er solichs einem Schulthefsen vnnd Bat 
clagen vnnd anzöugen sollt, die im dann ouch ein gut, erber Becht 
ergan lassen wurde 

Das allso vff soliche Mer hin, vilbemellt Honegger, glich warms- 
fafs zügefaren sy, vnd gemelltem doctor zügeschribenn hab, so min 
Hern vnd ein ganntze Gemeind haben gemeret. Er solle fürther hin 
nit mer vssert der Statt Bat suchen, da aber er bemellter Schultth, 
Miner Hern Mer verkert, vnnd dem doctor die warheyt nit fÜrgebe 
hab, Item es sy an dem ouch nit gnüg gesin, das er minen herm 
ir mer verkert, sonnder so hab er erst zudem, sölichenn gemerten 
artickell den böfsen genempt, vnnd Gott gelopt, das er ein Gemeind 
80 torrechtig hab la^en hanndlen, Alles ianhalt siner Eygnen Hanndt- 
geschrifft, die ir dann ouch erzöugen sollen, wie wol nü solichs be- 
miellt Schulthessen Honegger anstand , mag ein yecklicher by im selbs 
woll ermessen, dann er billicher, wo sinem fürgeben nach also gesin 
were, leyd clagt bette. 



86 

Znm Dritten sollend ir fürtragen, Alls die selltzsame vnnd will* 
denn lönff vorhannden syennd gesin, vnd man in denselbigenn, all- 
hie zu Bremgar{, geratschlaget hette, das man Nachtee die Thor nit 
mer vff thün sollt, es were dan sach, das Botten, von genannten 
minen Hern den Eydtgiöön, damor werennd, Das allso glich vff so* 
liehen ratschlag hin, genannter Schnlthes Honegger, vnd bedachter 
doctor mit imm Nachts von Lutzem allhie ftlr das Thor kommen, vnnd 
alls si aber niemand innher hab wellen lassen, si daraff in die Ow 
gefaren vnnd by nacht vnnd nebell, Aber vnnser Ringthmaren ia 
die Statt gestigen syend, da aber si beyd, einer Statt Bremgartten 
Fryheitten halb, wo man inen den bßeen weg geweilen hotte, woU 
verwttrckt hetten, lyb vnnd Iftben, • 

Znm Yierdft Alls nü solich vnngeschickt hanndlung, durch be-^ 
meltten Honegger beschechen, an tag komme werennd, vnnd onch 
er sich, mit Speychen vnnd Spitzlen, solicher gestallt gegen den 
Borgern gehalt, das in bedUcht, si hetten ein Vnwillen an in ge- 
worff vnnd das besser were, vsserth der Statt zu sin, daö daiinn, 
hett er sich darüber damfs gemacht, doch nach etiichenn tagen, 
einsGleytz begert, das onch im geben worden, Vnnd alls er daruff 
vor mine Hern erschinen were, hett er an si begert, das si im so- 
lich sin mifshanndlimge vertzichen, so weit er sich fürtherhin nit 
mer, alls er aber bifdiar gethan, in das widerspil legen, sonnder 
allem dem so si dann angenome» gern geläben vnd statthAn, vnd 
alls er sich domaln so früntlich erzöugt, hetten daraff min Hern an 
in geworben, .sich in ir straff zu ergeben, so wellten si mit im nach 
gnaden handle» vnnd alls er sich onch in ir Straff ergeben, doch 
souer sinen eren vnnerletzlich, hetten daruff si, Bemellt min Hem,^ 
in bemellten Honegger, sinen Brenn halb vnüerletzlich des Ratz ennt-^ 
setzt vnnd dartzd gestrafft vmb xzv ^ h., vnnd das mit dem be* 
scheyd, das er söli^E sinem erbieten nach, stat thün, dan wo er 
sölichs nit thün, so wnrd man im nüws vnnd allts zesammi rechnen, 
sölichs alles bemellt SchnltEä, domaün woll zefridenn were, vnnd 
bett onch daraff min Hern, das si im der Büfs viertzechenn tag 
beytten sollten, Allso. vff solich ein pitt hin, er si aber so gnedig 
fanden, das si im das zil, nit allein viertzechen tag, sinem begeren 
nach, sonnder noch viertzechenn t&g zu sinen viertzechenn gestreckt 
hettn, yedoch solich Güttet vnnd Gnad noch nit so nil an im er- 
schaffen hett, dan das min Hern solicher ir Büfs noch yemerdar 
vfsstendig werend, 

Zum Fünfftenn, so hab sich nit vnlang, nach obbemellter ver* 
hanndlung begebn, das der Statt knecht, vfs miner Hern geheyb, 
allen Borgern By den Eyden an Ein Gemeind gebotte , by wellichm 
Büff genanter Schulths ouch gestannden, den gehört, vnnd wie woll 
er sÖUchenn Rüff gehört, so hab er doch dem selben, nit statt ge* 
than, sonnder sy darüber zum Thor vfsganngen, 

Zorn Sechfsten, söUennd ir fürtragn, Alls dem allem noch klag 
komen, das bemellter Scholthä sinen allten gewonheytenn noch nit 
abstund, sonnder für vnd für die Burger speychte, vnnd tratzete» 
vnnd man ouch glich daruff bericht worden , wie benannter Schulthea 



87 

Honegger Bj einem Batschlag gesessen were, da -man geratschlaget 
hette, mit etwelichenn lysten in die Statt Bremgartenn zt komen, 
vnd daselbs etlichenn luterschenn die köpff abzeschlachen, hette doch 
er benannter scholths Honegger, solichn aaschlag nit anzöugt, alls 
er aber inn krafft sins ^ds, biÜich gethan haben sollt, sonnder den 
verhallte Item vnd alls nti vff solichs, soliche klegt, berürtz Schalt- 
hefsen halb, eben dick vnnd vil, minen hem fürkomen wer^e, 
hetten damff sie nach bemelltem Schnlthessen geschickt, vnnd in in 
geuenncknüfs gelegt, doch nachwertz vff siner fründtschafiPt pitt hin, 
Yff trostung yfsher gelassen vnd im ein Eyd in sin Hufs geben, ye- 
doch nach dem allem si in, vff etv^elich Burger geschrey, die da 
schmwenn, könnte man Einen, vmb einer bnrde höw willen, an ein 
seyl schlache, vil mer söUt man in, alls einer der sich einer Gemeind 
Tygennd geschriben hett, ouch an ein seyl schlache, widerumb in 
genencknftis vnd an ein seyl gelegt, wie wol si in lieber, yff den 
Eyd hin im hoTs geschirm heti^. Doch onch nachin werit vff treffe- 
liehe pict, miner Hem von Bern vnd vff verwiUgnng miner Hem 
von Zürich, in aber vff trostung alls vil alls für tusent gulldin, dar- 
um er dan ouch sin hufs, räben, matten versetzt hatt, vfs geuencknüfs 
gelassen, vnnd im ein Eyd in sin Hufs gebe Allso vff solichenn Eyd 
hin, er benannter Schulths Honegger, sich by acht tag in sinem hufs 
ennthallten, was im aber nachinwertz z& hannden gestofsen, hab er 
sich one alle not vnnd tranng vssert der Statt gemacht, vnnd defs- 
halb den Eyd gelassen. 

Zum Sibennden, Alls nach etlichenn tagu, nach berttrtz schnlt- 
hessen abwichen, sin Hufsfrow mit sampt irem vogt komen syend, 
für min Hem vnnd an si begert habe , Trostung für Tusent Gulldin 
z& nemen, so innn dan fQglich were, das allso vff soliche pitt hin, 
min herm sich erbotten, soliche ze nemen, wie wol er nach trostung 
das vrfech Übersechen hett, si aber haben mine Hern soliche Trostung 
noch nit gebe, vnd vfs dem grund, verhoffen min Hern woU, das 
si bemelltem schnlthessen das sin nit wider billichs vnnd Recht ver- 
hallti", 

Item sodann sollend ir fürtragen, Alls dann min Hem, Heini 
Grofshannsen von Amy zu genenncknüfs gehallt» vnnd vff zinstag 
nach der Beschnidung Xi, strecken lassen haben, das derselb Heini 
Grofshanns ein soliche meynung, allsdann hernach vollget, von be- 
rürte Schnlthessen Honegger veriechen hab, 

Zum Erstenn, Alls man allhie zÄ Bremgartten des Gloubens 
halb zwytrechtig were , das im domaln yetz benannter schullthes alle 
die ratschleg, so allhie zu Bremgarttenn im rat gehanndlet wur9, 
geseyt hab. 

Zum Anndren, so hab bemellter schullthes vff Eyn zit, alls die 
Bylld allhie noch nit vfs der kilchenn gethan werend, zu im geseyt, 
wie das an Einer mittwuchen lüt vfs Lucemer piet vnnd anndersch- 
wo har, ga Bremgarttenn komme vnnd daselbs die Luterschen über- 
fallen söUte, 

Zum Dritten, so hat er veriechen, das im vorgenater Schulthes 
Honegger vor drü Jaren, vngeuarlich, wan er zu im vmb Rat komen 



88 

8j, alles das gesagt, so hie im rat gehanndlet wurd, der appellats 
halb zwttschenn minen Hern von Zürich vnd den Eydtgnossen, yxmd 
ob er schon nit zu im vmb rat komen sy, vnnd aber benannter 
schul Ithes in vff der gassen gesechen, so hett er zu im gesprochenn, 
Heini Grofshanns, ich weyfs aber etwas nttws, vnnd kemischt z& 
mir, so wellt ich dirs sagen, vnnd so er dan zd im komen were, so 
hette ers im geseyt, vnd sonderlich was brieffen von denen von 
Zürich vnd den Ejdtgnossen harkommen weren, die selb er im all- 
weg verglasen hette, 

Zum Vierdten, hat er veiiechen, das zA merenmaln vilberürter 
schullthes Honeg^er, alls man hie des gloubens halb zwyspelltig were, 
in vnnd annder von Lünckhoffen, har gan Bremgarten beschickt, 
vnnd wan si inhar komen sjend , hab er allweg zd inen geseyt, min 
Hern haben in das gehejssen, 

Item sodan hat er veriechen, wan er vnnd annder Rechtzhenndell 
gehept haben, imd min Hern hie si gern von irer widerparth gericht 
vnnd gescheyd betten, vnnd euch si selbs etwan gern darus gesin 
werend, so sagte er genannt Honegger allweg zu inen, si söUtenns 
nit th&n, sonnder hanndtuest sin, dann er inen mit ir sach vor den 
Eydtgnossen woll hindurch helffen wellt. 

Item vnnd vff donstag nach der Beschnidung Xi nechstuerschinen 
hat er wytter veriechen, das vilgenannter Honegger im mit namen 
alle die ratschleg, so hie by fünfif oder sechs Jare vngeuarlich im 
Rat beschechenn syend, ye vnnd ye geseyt, vnnd was Brieffen, ouch 
zu allen sidten , nämlich von Zürich vnnd den Eydgnossen harkomen 
syend, die selbü er im allweg vorgelässenn hab, ob er die sust an- 
der lüten ouch verläse, m5cht er nit wüssen. 



XV. 

Den Ersamen wysen cnnsem Insonders lieben getrUwen 
SchuUhes vnd Rait zu Bremgarten. 

Vnnsernn günstigenn willenn vnnd alles gÄts zduor Ei-samen 
wysenn lieben getrüwen Demnach wie vnser bottschafft gen Herment- 
schwil allda des closters ligend vnd varends gut vffzeachriben ver- 
ordnet, ist vnns den begegnet, das sich vnser Eidtgnon von Lutzem 
vnnd annder söllint lassen vermerckenn, ob wir vnser Fürnämen er- 
statten , weltind si mit etlicher zal knechten komen vnnd vffschriben 
verhelffen Vnnd wie wol wir wenig gloubens daruff setzent, jedoch 
zu mererer gewarsame langt an üch vnser ernstigs begären, ir wellint 
ein getrüw vffsechenn vff den hanndel vnd nämlich die vnnsern vnd 
das closter zd Hermentschwil tragen vnnd ob sich etwas gächen zd- 
fals begegnen, si nit verlassen, daran thdnd ir vns angnäm gefallen 
vnd üch zd jeder zit in frtindtschafft vnnd aUem gdtem zd erkennen. 
Dat in il Mitwuchen vor Joergis vmb die Ersten stund nach mittag 
Anno XXX. 

Burgermeister vnnd ratt der Statt Zürich. 



s 



89 

XVI. 

Den Eersamen wysen vnnsem sunders Heben getrüwen 
SchuUheyss tmnd Raih zu Brämgarttenn. 

Ymusem günstlichen gras mit erbyettung alles g&ts znnor. Er- 
Samen wysen innsunnders lieben getrüwen, Es beclagend sich ynnsre 
liebe besunnderen her' Ambrosios kettenacher lütpriester zu Rjechen 
inn Bafsler piett vnnd. her jacob kronberget jetz scha&er im wet- 
tinger hof zöl ßasel, wie wol ire eeliche hüfsfrowen euch des Con-^ 
nents zu Onadental sjgent vnnd souil als anndere gerechtigkeyt darzü, 
deren sy sich euch noch nye begeben habent, werde inenn doch das- 
jhenig das inen von gott vnnd von Billigkeyth wegen an desselbenn 
Gotzhüses güttem zuständig, alleyn vmb göttlichs worts willen vnnd 
das sy sich z& besserung ires lebens vnnd vmb irer Seelen heyl willen 
vfs dem Closter inn eelichen stannd begeben vnbillicher wys vor- 
gehalltenn, ynnd sydtenmal es dann gar vnbillig das die g&tten 
frowenn irer frommkeyt vnnd cristennlichen Vorhabens enndtgeiten, 
vnnd die so sich göttlichem geÜEdlen enndtgegen setzend dess ge- 
niefsen vnnd die anndem verschupffen sollten. Ynnd wie euch von 
vnnsem lieben Eydtgenossen vnnd cristenlichen mittburgeren von 
Basel, deren bnrger die gedachten beid herren, gar fründtlich an- 
gesacht sind, inen zur Billigkeyt zduerhelffen. So ist vnnser gar 
fründtlichs begeren an üch Die wyl wir vnns gänntzlich zQl üch ver- 
sechend, ir denen, so vmbs gotswort vnnd der warheyt willen ver- 
gwalltiget werdent, zom Bechten zAuerhelffen geneygt sygent. Das 
ir alle zins vnnd gtllt gemeltem Closter zd Onadental vff der müli, 
euch sunst inn üwerer Statt vnnd gerichten zuständig, hynnder allenn 
üweren Bürgeren vnnd verwanndten vnntz an ein Recht inn hafft 
vnnd verbott leggen Vnnd inen nützit meer vnntz vff vnnsem wyttem 
bescheyd volgenn lafsenn. Sander ach so gütwülig hierinn bewysenn 
wellint, Als vnns nit zwyfelt ir defs zA fürderang vnnd handthabong 
göttlichs gefallens, vnnd vnns sonst zu aller billigkeit z&gehorsamen 
willig sygent. Das wellent wir vmb üch allzyt haben g&twiUigelich 
zuerkennen. VCs Zürich Sambstags nach ocali A* v*xxxi. 

Bargermeyster vnnd Bath der Statt Zürich. 

xvn. 

Den Ersamen tmnd wysenn tmsem innsonnders Uebeim ge^ 
ihrütoenn SchuUhes vnnd raih zu Bremgaritenn. 

Vnnsem fründtlichenn gantz geneygtenn willenn, mitt erbiettang 
alles güts z&aor Ersamen wysenn innsonders liebenn getrüwenn. Wir 
werdenn durch vertrüwte kundtschafft bericht, wie der länndem 
anschlag syge, etwa mit geschütz, Schyffung vnnd etwas geringer 
khnechtenn, üch vbgewamneter such zä überfaUen, vnnd die pass 
z& o&en, damit sy win vnnd andere nodtürfft erlanngen vnnd wir 
von beydenn Stetten eynannder nit erreychen mögind , Vnnd wie wol 
inen sollichs z& volbringen schwär gnüg, vnnd doch nützit züuer- 
achtenn ist, So habenn wir üch sollichenn anschlag guter gethrüwer 



90 

meynung, vnangezöygt nit wellenn lassexm, Damit ir allweg desi 
besser sorg, yirnd vffsechenns habenn, ouch dest wachtbarer ge- 
flyfsner vnnd gewarsamer sin möchtenn. Vnnd nit etwa durch &r- 
lessigkeyt etwas versompt vnnd ttbersechenn, das üch vnnd vnnB 
nachteyllig sin wnrde, Verstand Ton vns vätt^licher vnd gethrüwer 
meynong, AUs ir vnns oüch, allweg yffirecht, vnnd gethrttw iindemi 
werdind, Yfs Zürich Mentags nach Sant Peter vnd panls tag, Anno 
v'xxxi*. 

Burgermeyster Oberistmeyster vnnd sonder verordnethe Bttth 

der Statt Zürich. 



XVIII. 

Den Ersamen wysen tmnsem insonders lieben getüwen 
SckuliKsii vnnd Rat zu Bremgarienn, 

Vnnsem früntlichen grüfs vnnd alles g&tt zünor Ersammen 
vrysen sonnders lieben getrttwen, wie woll ir bericht sind des an-* 
slags so vnnser Eydgnossen von den v orten vor inen haben sollend» 
nämlich einen schnellen vnversächenlich angriff vnd übervall vff veh 
vnnd die frygen ämpter sampt Meilingen zA thünd , vnnd die bÖom 
so ann der rüfs stand, darin ze feilen üwer brück ze verfüren et, 
nüdt dester minder haben wir Üch nit verhalten wellen , das söllichs 
ann vnns insonderheitt gelanget ist, damit ir dest besser sorg habind. 
Dat in yl xxviii angnsti anno v'xxxi. 

Schultheis vnnd rät zu Bemn 
Vwer nachpum von mellingen mögend ir des ouch verständigen, 



XIX. 

Wir der nachgenampten fünff ortten, von Lucem, Vry, Schwytz, 
vnnderwallden vnd Zug gemein Houptlütt, panerhemn vnd kriegs- 
rätt, jetz zu Muri im velld versampt Bekennen offenlich hiemitt, 
demnach die von Bremgart an vns begeren lassen, ir anligenden 
Sachen halb mitt vns zu handien, ir bottschafft vnser fry sicher gleitt 

zu geben vnd züzesänden, vff söllichs vermellten von Brem- 

garten etwas angelegen, mögen si das fürderlich vnd ane einich vff- 
ziechen thün. Wir geben vnd begünstigen hiemitt ouch inen vnser 
fry sicher geleitte, zu vnd von vns in vnnser Iftger ze keren, allda 
mit vns zt handien so inen angelegen wollen ouch ire bottschafft ir 
lyben vnd güttem hiemitt gesichret haben, jedoch das si sich ouch 
geleittlich halten, vffrecht, erberlich vnd in krafft difs brieffs. Der 
dest zu schyne, mitt den ft'Omen fürsichtigen wysen hem Hansen 
gollders schnlthsn vnd houpmans von Lucem vff gedrucktem insigell 
in vnser aller namen verwarett vnd geben ist sampstag nach Sant 
Othmars dess heyligen Aptes tag im dryssigesten vnd ersten Jare, 



91 



XX. 

Dem ersamen tnd vnten *ekiUthe$ vnd ralh der statt brem~ 
garten tmsern genedigen herem 

» 

Vnser vndertenig dienst alzitt gnedigen vnser heren, üwer 
sduriben getan, band wir woll verstanden, des betnrens des ylj ab- 
wichens, das send ir nütt zürn bOcbste von vns vff nemen, vs vr- 
sacb ücb noch woll indenk sol sin, wie vff mendag ein gan^y ge- 
meind vns das erloupt vnd nachgelassen band, ouch in ... • wis be- 
schecben vnd fümemlicb von denen, so zu inen gnnst vnd by . . • 
gebept band, dar zft snnnder gütt gesellen die es trttw iener gen 
den ander tnen vVamtt babind, des wir all zft tank von ücb vff 
genomen band vnd zft verdienen geneigt sin wend, vnd der will wir 
dan kein andery antwürtt frides halber noch snst enpfahens halb 
sind, konend wir vnsers fümemens nütt wichen, es wery den sach, 
so etwelicb binin kernend vnd*sy der hanndell bedanken wety, men 
zÄ sicher sin wetty, das ir im wider InfFb wetind lassen, an sin ge- 
warsamy, dar mitt vns niemann verkürzt werd, so dan vns das zu- 
geschriben werdy, so sind deren menger, die die sach an die band 
nemen würd, vnd somliche vnser schriben verstand im besten datum 
vf zistag nach otmarii in der achten stund vormitag. 

tatnm uon vns gemeinen bürgeren von bremgart 

iezen Zürich. 



XXL 

Den Ersamen tcisen mnsem lieben gelrüwen, SchuUhes tmnd 
rat tu Bremgartten, 

Vnnsem günstigen willen vnnd alles gfttts z&nor Ersamen wisen 
snnnders lieben getruwen, Alls dann wir kurtzlich mit vnnsem pan- 
nem durch üwer Statt gezogen , domalen Claus Trüb der weibel mitt 
anndem Bürgern abgetretten vnnd gewichen, vnnd wir nit anndera 
domalen vermeint. Er wurde sich gemelts weibels ampt nit witter 
beladen, dann sunst wir inn domalen des entsetzt betten, nun ver- 
nemen wir jetz, wie er sich söllicbes weibel ampts flirer gebrachte^ 
daran wir kein geuallen tragen, vnnd beuelchen ücb daruff emnst- 
lieh, ist oach vnnser will vnd meinung das ir gemelten Trüben vr- 
louben; vnnd söllich ampt angennts vnd vnüerzogenlich, mitt Einem 
frommen erlicben gsellen besetzen, wollen wir vnns zu ücb des gentz- 
liehen halten, Dat vnnd mit des frommen wisen vnnsers getruwen 
lieben Lanndtuogt zu Baden in Ergöw, Cünradten Bachmans von 
Zug insigell iimamen vnnser aller verschlossen, sambstag vor thoma 
ap. anno v'xxxi*" 

Der fünff ordten Lutzemn Vry Schwitz vnnderwallden 
vnd Zug Battsbotten zu Baden versampt, 



92 



XXII. 

Demnach Her Sbhalthejfs Schodoler, mitsampt Jacoben Hoff- 
man als gesandte ratsbotten der Herren von Bremgarttenn innamen 
derselben irer herren vff das schrybep , so mine gnedige herren von 
Zürich inen jüngst , der byderwen lüten halb von Oberwyl gethan, 
ir andtwnrt in schrifFt ingeleyt, vnnd inn derselben sich yermergE 
lassen, den «y wol achtind wo die Iren von Oberwyl sich one an- 
stofs vnnd örgemifs, anndem der iren nachpürlich vnnd fründtlich 
halten, Das sy anderer anzügen halb, dest lennger geruwiger be- 
lyben mögind, doch vnbegeben<eynicher gerechtigkeyt. Ynddiewyl 
dan mine herren von Zürich nit der meyniing sind, yemands vssert- 
halb defs lanndtsfridens vnnd wyter dann derselb vermag an sinen 
gerechtigkeyten eynlichen ingriff ze thAn, dameben sy sich onch 
nützit annders, dann aller thrüw, liebe vnnd frttndtschafft zft den 
iren von Bremgartenn versechend So wellend sy irem früntlichen 
erbyeten verthrüwen. Güter hoffhung sy dem statt thün, sich aller 
zymlikeit vnnd früntüch nochpurschafft beflyfsen vnnd die iren von 
Oberwyl allzyt günstigklich bedenngken werdint Wo das nit be- 
scheche, defs sy sich doch nit versechend, wellend sy inen ir hannd 
vnnd gerechtigkeyt iglych wie ouch der von Bremgartenn: offen be- 
haltenn vnnd sich deren nit begeben habenn, Dat Zinst>ags nach der 
heyligenn dryger künigen tag anno mv*xxxij*. 

Stattschrvber Zürich. 

xxm. 

Pitt ton der straff tcegen so denen von Bremgarten vff- 
geleydt ist durch Schultheyssen Schodoler vnd Hansen 
Meygenberg vff Mitwuchen vor Liechtmess anno v^j^xxij 
zu Baden vff den tag an unns der fünff ordten holt von 
mund beschechen vnd denselben nach vff unser beger vnns 
inn geschriffl ouch über andtwort an vnser hertm vnnd 
obem ze pHngen, 

Strängen vesten fromen fürsichtigen wysen insunders gnedigen, 
lieben herren, vwer wyfsheyt ist wol zu wüssen wiedann die üwem 
von Bremgarten in grossen vngnaden nit one mercklichs verschulden 
gegen üch vnnsem gnedge herm gstanden sind, vnnd zum theyl 
noch stand vnnd wie inen defshalb zu einer straff vnd büs vffgeleydt 
ist Tusent gülden, alls vff nechst künfftig Liechtmefs zu bezalen, da 
ist nit on, dann das wir erkennend vnnd wüssend das vns defshalb 
nit vngütlich beschechen sunder das es eyn wolbeschülte sach ist 
vnnd klagend vnns defshalb nüt, diser straff halb, Clagend aber 
vnnserem herrgott, das wir vnns also verganngen vnnd eynandem 
nit bas gefolget band , dahär vnns dann difs straff vnnd plag vff den 
Hals gewachsen ist Aber wie dem allem , gnedg Herrn so band wir 
zween hie gegenwtlrtig inn be&elch innamen der Üwem von Brem- 
gart allso hie vor üch zu erschynen vnnd üch als ire vnnd vnsere 
sunder gned herm vnd obem vnderthäniglich vnd mit hochem ernst 



ze bitten, das üwer wifsht so wolth^ , vnnd ansehen well den grossen 
yerderpUchen schaden üwerer Statt Bremgan vnnd das dieselb gar 
by noch inn gnmnd verderpt, vnnd onch nit yederman an sollichem 
vnfal schnldig ist vnnd also eynen defs andern gemessen lassen, 
smmder ouch wellen betrachten vnnd erwegen, das wir vnns ge- 
wüsslich mit der hilf gotz hynfdr hütten, üwers willens vnd gfallens 
vnnd sonderlich inn widerüffirichtnng Cristenlicher löblicher allter 
Ordnung vnd glonbens flyssen vnnd mit namen vnnserm vermögen 
nach alles das thiin wellen, das biderwen lüten züstadt vnndt wir 
üch Alls vnnsem gnedig herm schnldig synd vnnd vns defshalb dz 
best thügen. So hand wir da Sechshundert Müntzguld die bitten wir 
üch yetz zenemen vnd daran für gut ze haben, vnnd doch das nüt 
annders dann mit der lütenmg, fiXgte sich das wir vns fUrhin nit 
wol schigken vnnd das was yetz vorgeredt nit wurden thün, Das 
alls dan ir vnnser g herm die vorgedacht bftfs der Tusent gülden 
wol zu sollen inzichen Vnnd darumb so*thünd als gnedig herm vnd 
vätter vnnd bewysend üch nach vnserem hochen vertruwen Wo wir 
dann söilichs vmb Üch als vnnser gnedig lieb herm in aller vnder- 
thilnigkeit können verdyn^n So sols allzit mit gütte willen vnnd gern 
bschechenn 

XXIV. 

' Den Ersamen wysen Schuihen vnd Rat zu Bremgarten, 
vnsem insonders lieben geirüwenn, 

Vnnser früntlichen grüfs vnnd alles gütz zftuor Ersamen wysen 
insonders lieben getrüwen, wir sind warlich bericht wie vnser Eyd- 
gnossen von den v Ort vch ein mandat zugeschickt habind vfs- 
truchende wie ir gemeinlich vch inen im glouben verglichen, Bichten, 
zum sacrament, vnd mefs, nach bäpstlichen brüch gan, oder aber 
wer das nit thÄn wellen von Hufs vnnd hoff, mit Lyb vnnd gut 
dannen züchen vnnd rumen solle, darab wir nit wenig befrömbdens 
vnd bedurens empfangen , vnnd haruff vnsem Eydgnossen den v ort 
difshalb geschriben von irem fUmämen zestan, vnnd dem Lands- 
friden zu geläben, der heitter zugibt, das in gemeinen herrschafftenn 
vnd vogtyen jederman des gloubens halb fry sin möge, Harumb 
vnser will vnnd meinung ist, das ir die so by üch vnsers gloubens 
sind, vnueriaggt, vnd by dem Landsfryden blyben lassend Damach 
wüst üch ze richten. Gäben den xxiij*tag martii im xv' vnnd xxxij' jar. 

Schulthefs vnnd rat Der Statt Bem, 

/ XXV. 

Den Ersamen toysen vnnsem innsonnders lieben gethröuwen 
Schultheyss vnd Rath zu Bremgartienn. 

Vnnsem fründtlichen willen vnnd alles güts züuor, Ersamen 
wysen innsonders lieben gethrüwen, Es beclagend sich die vnnsem 
von ZufQgken, wie wol sy mit vns. Im nüw vffgerichtem fryden ver- 
griffen , vnnd dardurch Göttlichs wordts ouch vnnsers cristennlichen 



94 

gloabens halb, billich gefrygt, defsglichen Iren etlich inn der Graff* 
schafft Baden vnd etlich vnnder vnnfler hochen Obergkeyt gesessen, 
Sygend doch ir der mcTnung bj von soUichem £riden vnnd götlichem 
wordt mit gwaltigen Eydtsgebotten so ir an sy geleyt ze trengen 
das vnns nit wenig beschwerdt vnnd woi vermejnt ir üch soUichs 
gwalts gegen inen gemUlsiget hetten, 

Die wy\ aber der meertheyl noch ynnseres gloubenns vnnd dem 
80 YÜ Gott gnad gipt stjff anhengig ze sin besjnet vnnd ir inen 
sidt erganngener empörong, nit nun ejnest z&geseyt, sy bj Frjheyt 
des Frydens vnnd götlichs wordts vnangefochten belyben ze lassen. 
Dameben ouch üwer vermessenlich ynbegrttndt fümemen vnns vnnd 
den biderwen lüten beschwttrlich vnnd vnträgennlich ouch dem Friden 
ganntz abbrüchlich sin wiU^ So langet an üch vnnser gar ernstlich 
geflissen bitt, ir wellint sollichs fürnemens vnnd üwerer gebotten 
fründtlich abstan vnnd die biderwen lüt bym Gotswordt vnnd ttwerem 
zöfif^en belyben wyter r&wig vimd vngefechd lassen vnnd üch sonst 
60 geneygt gegen den biderwen lütenn bewysen, als wir vch, das ir 
zÄ r&wen sonnders geneygt sygent, genntzlich verthrüwend, mitt beger 
üwer fründtlichen anndt wort By disem alleyn darumb gesanndten 
bottem des firter wissen mögen wefs ir hierinn besynnet vnnd vnns 
wyter zehandlen syge, vfs Zürich montags nach Vocem anno mxv*xxxij 

Burgermeister vnnd Rath der Statt Zürich. 

XXVI. 

Den Ersamen tojfsenn vnnsem innstmders tiebenn getrüwen 
SckuUheyss vnd Raih zu BrUmgartten 

Vnnsem fründtlichen willen vnnd alles gftts züuor Ersamen 
wysen innsunnders üebenn getrüwen, wiewohl die hohe oberkeyt im 
Kellerampt zu Lungkhofen wie üch das wol bewüfst on mitteil vnns 
zuständig, vnnd die biderwen lüt nit mit üch vfsgesetzt, sunder als 
die so vnns hoher oberkeyts halb züuersprechenn stand, in nüw vff- 
gerichten Fridenn mit annderen vnns verwanndten vnd zügehörigen 
vergriffe vnnd beschlofsen vnnd defshalb vermög gemelts fridenns 
gefreyt vnnd gesichert sind sich vnnserer Religion zehalltenn vnnd 
daby zebelyben vememen wir doch dameben wie wol nit on sunder 
beschwerlich mifsfaUenn das ir sy by sollichem fridenn vnnd fryheyt 
nit belyben zelassen, sunder von göttlichem wort vnnd vnnserer 
Eeligion vff päpstische wys ze bychtenn zum sacrament zegan vnnd 
sich defs alten gloubens (wie man in nennet) ze halltenn: wider iren 
willen vnnd ire conscienzen mit gewalts gebotten zeträngen inen ouch 
daby eyn Cristenlichen predicannten abzestrigkenn gedenckind. Defs 
ir vnnserer achtung wäder vor Gott noch vnns ii^er hohen oberkeyt 
in Crafft vil angeregten fridens glimpf noch füg hannd. Sydtenmaal 
dann gar noch der meerteyl gemelter vnnderthanen zu Lunggkhofen 
vnnserer Religion bedacht vnnd sy ersternempter frid daby schirmpt 
Wir ouch ye nit gedenken können, das ir üch, vorab Gott vnnd vnns 
zu Verachtung wider denselben frydenn zesetzenn vnnd vnns mit 
vnnseren Eydtgnossenn zeünüwigen, sundern vil mer vff fryd vnnd 



9S 

mw zetrachtenn beging sigind, so lannget an üch ynnser gar enmst-' 
lichs begeren ir wellind Oot vjuid Tims z& gefallen üwers fümämens 
^gen gedachtenn biderwenn lüten abstan, sj hjm frydenn vnnd göttr 
lichenn Wort beljbenn, inen onch dasselb durch ejn Criatennlichen 
predicannten wie vor naher fry verkünden lassen, vnnd sj wider ir 
conscientz zft Päpstlicher wys nit tringenn noch sj vnnserer Religion 
halb inn keynen weg straffenn aid deren enndtgelten lassenn sonder 
Höh hierinn so geschickt vnnd fründtlich gegen inen bewysenn als 
gemelter frydenn vnnd die billigkeyt das erfordert vnd wir sptlren 
mögind, das ir üwer vnnd vnnser aller r&w begirig vnnd üch vnnser 
fründtschafft vil höher dann zangk vnnd vnr&w angenäm sig. Das 
weUent wir zftsampt dem das ir vetmög defs frydenns vnnserm an- 
synnen statt ze gebenn pflichtig allzyt günstigclich vnnd mit ge- 
neygtem willenn vmb üch habenn zd erkennen üwer verschrybenn 
anndtwurt hiemit begerend Dat mittwochs nach Letare Anno mxv*xzxij*. 

Bürgermeyster vnnd Bürger der Statt Zürich. 

XXVII. 

Den Ersamen tcysen vnnsem insonders Heben vnd geiruwen 
SchuüKn vnnd Ratte zu Bremgarte 

Vnnser frontlich grüfs vnnd alles güts züuor Ersamen wysen 
insonders lieben vnd getrawen Wir haben das schriben so vnnser 
eydtgnon von Zürich vch, von wegen dero von Lnnckhoffen gethan, 
alles innhalttes verstanden, Vnnd nachdem ir vnnseres i:attes vff so- 
üch schriben begeren, wnssen wir vch harinn nutzit anders zu ratten, 
dan es by dem vffgerichten Mden beliben zu lassen, vnd in den- 
selben dhein inbmch zu thün, vnd diewil gemellt vnser eydtgnon 
die oberherrligkeyt vnd hochen gericht zu Lnnckhoffen haben, können 
wir nitt erkennen, das ir si an irem famämen zä hindern haben, 
£s wäre dan sach das ir an dem ende ettwas wytter gerechtigkeit, 
dan wir bericht, hätten. Vermercken von vns im besten vnnd sind 
Oott wol benolchen, datom zinstag nach judica Anno xxxij*. 

Der fonff ortten von Lncem, Vry Schwytz vnderwaUden vnd 
Zng gesandten Battsbotte jetz zu Lncem versampt 

xxvm. 

Den Ersamen wysen tmsem insonders lieben vnd geiruwen 
SchuUhessen Ratten, smd gantzer gemeind zu Bremgartten. 

Vnser früntlich grüfs vnd alles gütt züuor Ersamen wysen, son- 
•ders lieben vnd getruwen, Vns langt an, wie ir vns uwer gethan 
SE&sagen onch geben brieff vnd sigell schlechtlich haltten. Das vns 
an vch nitt wenig befrombdett, vnd mifsnallt Aber wie dem sye, 
80 langt an vch vnser gantz ernstlich beger. Das ir vweren vns ge- 
thanen zusagen statt vnd genüg thügen, Dan wo das durch vch nitt 
beschechen vnd ir haran sümig sin, werden wir verursachett gegen 
nch wytter ze handien, Defs wir vil lieber vertragen sin vnd vch 



96 

gnädigen willen bewysen wollten Verstand Ton vns gfttter meynimg 
Datum ynd mit vnser lieben Ejdtgnön secret insigell in vnser aller 
namen yerwarett Mittwoch nach Reminiscere Anno xxxüj*. 

Der ftlnff ortten Lncem Vry Schwjtz Ynderwallden ynd Zog 
gesandten Battsbotten jetz zt Lucem zu tagen versamnett 

XXIX. 

Den framen Ersamen tmnd wysen vniMern insanders Heben 
vnnd guilen /runden, Schultheis vnnd Raihe tu Brenh- 
gartien 

Ynnfser frttntlich grÄfs, genejgten willen vnnd alles gütz zftuor 
fromen Ersamen vnnd vrysen, sonders günstigen lieben vnnd gütten 
fründen, Nach dem wir bericht werdent wie dann vnnser lieben 
Eydtgnossen von Bemn vch abermailen geschri£ftlichen angesucht 
ynnd ermantt habendt, mitt der Straff stjU zu stan, dagägen vwem 
yngehorsamen vnd vch defs vemügen, das sy vnns des Recht an- 
gebott habend, desselbige wjfs zu vfsthrag, vnnd hierüff vnnsers 
rattes begertt vnnd die wyll vnnd wir söllichen hanndell verstanden, 
ab wellichem wir nitt ane vrsach wennig genallen enpfange Aber 
wie dem AUem, ist nochmallen vnnser entlich will vnnd meynong, 
an ttwer, E, w, das ir üwerm z&sagen vnnd den mandaten vnnd 
letsten schriben so mine herm von den fünff ortt üch zugeschickt; 
wellent stattthün, dem frttndtlichen geläben, vnnd nachüolgen, alle 
fromme biderben lütten woU gezirapt , vnnd vff deren vö Bemn An- 
suchen, werdent wir mitt den übrigen vier ortt so gliche gstalt mit 
vns zÄ handien gebürt vnns wytter beratschlage vnnd innen mitt 
anntwArtt begägne Des wir gethruwend glimpf vnnd Eer zu haben, 
wellichen wir üch, vff üwer früntlich begären, anttwürts wise nitt 
verhalt weUend, Dann ir üch gentzlich zÄ vns vnnd denn überig vier 
ortten versächen sollend, das wir by dem letsten schriben, so die v 
ortt üch zügeschick, pliben werdent, ane Alles argutvieren, Defs- 
halben wellent üch harin bewisen, nach dem wir üch des vnd alles 
gütten gantz woU verthmwend, das begärendt wir in früntwilligkeyt 
vmb üch zu verdienen, Datt Zug zinstags, nach dem Sontag Cantate 
anno xxxiij*. 

Ammann vnnd Batt Der Statt vnnd Ampt Zug 

XXX. 

Denn Ersammen uyysenn vnnsem innsonnders Heben ge^ 
trüwenn Schultheis vnnd Ratt zu BremgarTt- 

Vnnsem fründtlichenn grüfs vnnd alles gütts znuor Ersammen 
wysenn sonnders liebenn getrüwenn, Was wir Üch vff ix nächst ver- 
schinnen aprellens geschribenn hannd ir an zwyffell noch in frischer 
gedächtnufs So wir nun vch domals verständiget, wie wir vnnsem 
liebenn Eydgnossen den v Orttenn defshalb oach geschrybenn, vnnd 
nach empfanngner antwortt Üch des berichten wellen, habenn wir 



97 

bifshar nützit annders von inen vemomen mögen dann so yyll im 
abecheid von Einsidlenn gemeldet wie sy üch geschribenn mitt der 
straff fürzefarrenn Deshalb wir verursachett inen vnnd vch ze- 
schribenn mitt b^^är Das sy ynnd ir mitt der straff stillstandind 
vnnd vnns entlich antwurtt gftbenn, ob sy sich vnnsers vyllfalltigenn 
rechtbiettenns ersettigenn lassen wellind, odernitt, Defshalb vimser 
will vnnd meynong ist, Das ir bifs dann stillhaltind , Dat ix May 
anno xxxiij. 

Schultheis vnnd ratt zt Bemn. 



XXXI. 

Den fromm fürsichtigen tmnd wysen, Schultheis klein vnnd 
gross rätten, vnnd ganizer gemeind zu Bremgariien, minen 
günstigen, lieben vnnd guiten fründen 

Mein früntlich grAs, willigen diennst, sampt was ich Eerenn 
liebs vnnd gütz vermag, züuor fromen fOrsichtigen vnnd wysen, 
sonnders lieben ynnd geübten fründt, Alls vch dann woll wttssendt, 
wie mine herm von den fünff ortten an nächst vergangner kriegk- 
licher enpömng, mitt mine herm den Eydtgnossen von Zürich vnnd 
Bern, ynnd anndem gefridett, in wellichem Mden ir vö Bremgartt 
vorbehebt vnnd vfsgelassen, wefshalben genampte mine herre von 
den fUnff oru mit gnad oder mit straff, mit tlwerm vnnd der üwem 
lib vnnd gütt, nach irem gefallen, vnangesächen der übrige ortt» 
hättend mögen handien, wie ir aber vch vnnd die üwem, an ob- 
genannte mine herre von den fÜnff ortt, ergäben, was ir vch erbott 
vnnd z& hallten zugesagt habendt, dümallen vnnd sidhar, ist harin 
vnnott zu mellden, dann aller erberkeitt vnder vch soUichs noch 
woll zu wüfsen, mine herren von den fünff ortt habend onch des- 
selbige in gütter gedächtnoTs vnd ist mengkliche vnuerborgen, die 
wyll vnnd sich aber by vch (alls leider schier in aller wellt) vn- 
gehorsamy züthreytt, vnnd EttHche der üwem sich vnderstandt den 
gebotten vnnd mandaten, so gedacht mine herre von den fünff ortt 
by vch habentt lassen vfsgan vwer zusagen zu erstatten vnnd Gristen- 
liche ordnnng zu haben, vnnd deren nachzekome, wie üwer vnnd 
vnnsem fromme allt fordern gethan, vnnd erlichen harkomen sindt, 
nitt gehorsam zu finde snnders vff iren eigne fümäme vnd thümen 
köp£[e zu beharren, sich in Widerwillen gägen vch vnd vorabe gäge 
mine herre den fünff ortt zu stellen, sy wider vnnd fdr louffend vo 
einem ortt zA dem anderenn, damit vnd sy vnns Eydtgnossen wider 
in nid, hafs vnnd vneinigkeytt, möchtend bringen, vnnd sy mit irem 
gwallt vnnd hochmÄtt fürfare vnnd allso somll darin gehanndlett» 
das mine herre die Eydtgnossen vo Bemn, sich des hanndells wider- 
üm beladen, vnnd vch zügeschriben, mitt üwer straff vnd fümäme 
styll zu stann, welliches vnns, alls billich hoch befirömbdett vnnd so 
aber mine herre vö den fünff ortt dargägen von vch, alls den Be- 
gierenden, Ratten, Bürgern vnd dem merentheill Einer gemeind zu 
Bremgartten bericht werdent, das ir des vrpüttig vnnd glitten frünt- 

ArgoTia VI. 7 



98 

liehen willens sjendt Üwem zusagen, vnnd dem zimlichen cristen- 
lichen mandatte gehorsam zft finde» ynnd schütz, schirm, hylffynnd 
trost von genannt mine herre vo den ftinff ortt hiemff begertt , Vff 
sölliches mine herre tö den fdnff ortt ob dem handell gesessen, sich 
berattschlagett vnnd wie hienach Äolgett sich jetz ziUetst vff dem Tag 
z& Einsidlen entschlossen, vnd mir in ir aller namen gwallt vnnd 
beuelch gäben, die wyll allda zd Einsidlen, von yyle wftgen der ge* 
schafften, mangell der schribem, vnd des zittes war, vch allso <üse 
manimg vnnd wamong zübeeschriben, vnnd die wyll vnnd ich aber 
mitt so mänigerley Sachen beladen, vnnd sich ouch der vfsgang ab- 
scheydt verspätet, defshalben ich söUichs beuelchs durch vergefsly- 
keitt, byfshar vnderlassen — vff sölliches ich jetz vff ein nüws, von 
mine herre den fünff ortt, des befelchs ermantt, vnnd geheissen wor- 
den bin, gägen vch dem selbigen statt ze thünde, defshalben so 
wellent ir gemeinlich vnd sonderlich söUiches alles von mir, innamen 
vnnd gwallt wie obstatt, bester meynmig vffheben vnnd vermerckenn 
Erstlichenn so hannd mine günstigen vnnd gnädige herren von 
den V ortt, mir beüoUen, üch aJls irenn günstige lieben vnnd ge- 
thrüwen verwandten züzeschriben Iren günstigen ft'üntlichen vnnd ge- 
neigten willen, den sy gemeinlich gägen vch thragend Demnach vff 
das Schriben, so ire lieben Eydtgnön vö Bern, vch vnnd inne ge- 
thann vnnd ermanntt der Straff halb siyll z& stände, habend ge- 
melten mine herre, denn Botten von Bern, letst zu Einsidlen vor 
gemeiner Eydtgnossen Botten, dapfer harvfs geseitt, vnd zu. antt- 
wnrtt gäben, das sy vff irem zimlichen fümämen so sy vfs gwallt 
des fridens, vnnd nach vermöge vwers zftsagens vnnd gelüpten, 
wellent beharre vnnd fürfaren, vnnd obgemelt ir Eydtgnön von Bemn, 
söllichs nitt vermeint zu erdulden , die wyll obgenempt mine Herren, 
gägen vch , allso in possess sitzend , wellend sy innen des Rechten 
gestendig vnd erwarttett sin, wann_man sy darum besftcht, ynnd 
darum die wyll dann mine vorgenanntt herre von den fÜnff ortt, denn 
g&tten willen gägen vch spürend, des sy vch hochen dannk sagend, 
vimd ir ouch woll wüssend, was ir innen ze thünde gelopt hand, 
hieroff ermanen vnnd heissen ich vch, vfs krafft vnnd voUmechtig 
gwalt, obgeseitter miner herre der fünff ortten beneich, wan sy s51- 
lichs lutter vo vch wellend gehebt haben, das ir üwem zusagen, ge- 
lüpten geheissen vnnd il:en zimlichen vnnd cristenlichen mandatten, 
wellent gefölgig vnnd gehorsam sin, die selbigen erstatten, denne ge- 
thrüwlichen geläben vnnd gnüg zethünde, vnd darby ein andern zu 
hanndthaben, zu schützen vnnd zu schirme, nach üwerm besten ver- 
mögen, alls ir ze thün schuldig sindt, vnnd ob da Ettliche' per- 
sonne vngehorsam sin wellF, die selbigen gehorsam zu machen, dann 
wir mitt den vngehorsame nitt gefridett, ouch ine nützit zugesagt, 
sunnders die des fridens vnnd gnaden begertt hanndt. Ob aber vnnser 
Eydtgnossen von Bern, sych sölliches gägen vch nitt wellten ver- 
nügen lassen, vnnd üch witters ansuchen wurdent, so mogent vnnd 
söllent ir inen Becht pietten, zu glicher gstallt alls wier ouch ge- 
than hanndt, vnnd ob dann sach wurde, das ir daniff^ witters ge- 
nöttigett vnnd ir nitt by recht oder by dem so ir mine herre vö den 



99 

fanff ortten zt halten versprochen hanndt, beliben möchtent, sollend 
ir genanntt mine herren defs allwägen berichten, so sind gedachten 
mine herren vö den t ortt gemeinlich des willens vnnd gemüts, üch 
by dem friden, üwerm zusagen vnnd aller bylligkeitt nach irem 
besten vermein, mitt der hilff des allmechtige z& schützen vnnd zu 
«chirmen, Als ir üch genntzlich zu inne verthrösten söllendt, vnnd 
wellend üch hierin bewissen, alls üch die obgenannt mine herre» 
defs vnnd aller Eeren liebe vnnd früntschafft gantz woll verthruwend, 
das werdent mine herre Ton den fünff ortt, sampt vnnd sunnders 
2Ü grosser dankbarkeitt ynnd in aller liebe vnnd früntschafft gägen 
üch erkennen, vnnd zu gdtten nitt vergessen, hiemitt sigend gott 
<lem herre in thrüwen bedoUen, datt Zug, vff mendag, nach sancte 
«mcis ze mejen, anno xxxiii 

V, E, w, alle zit gdttwiUiger diener 

OfswaUt Tofs 
Ammann Zug, 

xxxn. 

Den Ersamen wysen vrmsem innsunders lieben getrüwen 
SchuUkeyssen und Roth zu BrämgarcUen 

Vnnsem fründtlichen snnders geneygten willen vnnd alles g&tz 
zanor Ersamen wysen innsnnders lieben getrüwen Ir wissend das wir 
von der biderben lüten wegen von Oberwyl, damit sy bim landts- 
friden, onch irem glonben vnnd fümemen belyben vnnd dardnrch 
wyter vnr&wen verhüttet werden möchten, vntzhar vil vnnd manigerlei 
gütlicher gstalt mit vch gehandlet, vnnd vil fründtUcher bitten an 
vch geleyt, Die aber all wenig statt by vch fanden habend, das wir 
im namen gots güttlich geschechen lassend. So wir aber yetz dar- 
neben bericht, das vnnser lieb Eydtgnossen disen handel vff nächstem 
tag daromb andtwurt ze geben hynder sich inn die abscheid genomen 
vimd wir vnns dann gäntzlich souil fründtlichkeyt vnnd bescheyden- 
heyt zu vch versechend, das üch nüdt angenämers noch gefelligers 
«in möchte, dann zwischen uwem herren vnnd eyner löblichen Eydt- 
gnofsschafft rüw vnnd eynigkeyt zestifften vnnd zesechen. Als ouch 
nwer bott yetz zu Baden sich vil lieb vnd diensten gegen 
vnns vffgethan. Langet defshalb nochmaln an vch vnnser gar fründt- 
lich ernstlich bitt, ir wellind vmb fründtlicher ejmigkeyt vnnd guter 
nachbürschafft willen inn bedengknng das vch hiemit nüdt benomen 
ist, vnnd on üwem nachteyl wol sin mag, vnns souil ze willen wer- 
den ^ vnnd den handel vntz vff nächsten tag one wyter änderung inn 
rüwen bestan lassen, vnnd die biderben lüt nit wyter träng noch 
beunrüwigen Defsglichen sy wäder yetz noch hienach dieses handells 
halb mit eynicher straaff beschwären diewyl sy doch bifshar mit 
üwerem willen vnd züsechen, dem Landts&iden anhängig beliben, 
vnnd sich fräfenlicher wys wider vch nit gesetzt band. Sind wir 
gütter zuuersieht annder vnnser lieb Eydtgnossen ouch keyn be- 
schwärd darab haben sunder inen gefallen lassen werdint, wiefründt- 
lich ir der üwern halttind. Wo dann wir vch dargegen frOndtliche 

653265A 



100 

nachporschafffc ynnd was üch lieb ist bewysen mögend sollent ir 
fynden das wirs zu gutem vnnergessen haben wellend Vfs Zflricb 
Sambstags sanct Valentinstag Anno xv*xxxiiij* 

Burgermeister RAth ynnd Burger der Statt Zflrich. 

XXXIII. 

Den Ersamen icisen ennsem tunder Lieben vnnd geirmoeny 
Sckulthess tmd Rat »ti Bremgariten 

Ynnser fründtlich grüs ynnd alles gdtts zuuor Ersamen wisen 
sunders lieben ynnd getrüwen, Alls dann ir yff morenn üwere Bätt 
besetzent, ynnd ynns allerley lanndtmers wise anlanngt, wie ynnd 
mit wem irs besetzen wöUent, diewyl dann yims nit zwyfnet, das 
ir noch ynuergessen habent, was ir ynns zügsagt do wir' vch allso- 
gnediglich yffgenomen, defshalb ynnser gnedig begeren ist, das ir 
BöUichen statthün ynd gleben, ynnd ywer rätt bsetzen, mit denen, 
das ir ynseren herren ynnd obem ywer zusagen zu leisten yimd z& 
halten wttssent, Dann wo söUichs nit sölte beschechen, wurden ynnser 
herren ynnd obem das zA grossen yngnaden yon üch yfihemmen, 
ynnd der gepür nach witter darinn hanndlen, Das wöUent allso im 
besten yon ynns yememen, Dat ynnd mit des fromen fürsichtigen 
wisen Herrn Johannsen Golders altschulthn zA Lutzei-nn innsigell 
innamen ynnser aller yerwartt yff den xxiii tag Juny anno xxxyij*' 

Der fünff ordten Lutzem Vry Schwitz ynderwalden 
Zug Rattsbotten zt Baden in ergöw yersampt. 

XXXIV. 

Abschrifft des Brieffs vnd sigeis so ein SlcUi Bremgariten,. 
iren Hern tmd obem von den fün/f Ordten Lutzem Vry 
Sckwyii, Vnnderwalden tmd Zug , ton wegen irer vnge^ 
horsame, das nemlich si sich denen von Zürich vnd Bem^ 
die toot mich ire kern vnd obem sind, vnd irer ReHgion- 
anhenngig vnd glgchfbrmig gemacht vnd dartzu mit iren 
gemelten fünff ordten die Ffiand abgeschlagen habent. 

Wir der Schulltheis, dein ynd grofs Rath, ouch die Burger 
gemeinlich zu Bremgartten, Bekennend ynnd thünd künd mengk* 
Hchem mit disem brieff. Alsdann yff nechstergangne empörung die 
Edlen Strenngen fromen yesten ftlrsichtigen wysen hem yon den 
fünff ordten nemlich Lutzem, Vry, Schwytz, Ynderwalden ynd Zug,, 
ynser gnedig lieb hem ynd obem, vns, von wegen ynserer yn- 
gehorsame, inn dem Lanndtzfriden yorbehallten, ynnd doch yolgennda 
vns widerumb inn ir Gnad ynd gunst yffgenomen habent. Mit nach- 
uolgennder lüterung, Wie die yon eynem artigkel zum andern hie- 
nach begril ynd geschriben stand, 

Des Ersten, das eyn jeder Lanndtyogt inn den gemeinen fryen. 
ämptem, yon welchem ordt der je zu zyten sye, solle die Schlüssel 



101 

zum Thibrm der gefengknifs hab^n, das Er die Oefanngenen darin 
leggen, onch da vfs vnd ii^an möge, so digk im das gefallig sia 
wurde, Ton Einer Statt Bremgarten vngsumpt, 

Zilm Andern, das nnnner wir die von Bremgart dbeinen gwalit 
liaben söllent Einen Schnlltheissen zesetzen sonS so söUent vnser 
gnedig hem, von den Acht ordten yns alle Jar, vif der jarrechnong 
2e Baden, einen Schnltheissen geben vnd setzen, vfs vnser Statt 
Bürger, der si dann gscbigkt vnd gftt dartzA bedangkt, derselb inen 
onch schweeren, nach irem gefallen, demselben dann ¥rir vonBrem- 
|[artten gehorsam vnd gewärtig sin, 

Zilm dritten, das ouch ein St-att Bremgartten vfs gemeyner 
fitatt Segkel, zu rechter straaff vnd bü%» geben solle Thusent gftter 
golden, vnd die vff domalen verschinen Lyechtmäfs vfsrichten vnd 
jsalen, on Iren costen vnd schaden, Aber vff vnser dero von Brem- 
l^artten vndertänig pitt, habent si vns fünffhondert gülden an ob- 
gemellter straaff gnediciich nachgelassenn, doch mit latherem vor- 
behallt, so wir vns der Beligion halb, nit gschigktlich vnd nach irem 
fallen trügend, das si dann macht vnd gwalit haben sollent, die 
obbeschriebnen fünffhnndert guldn von gmeyner vnnser Statt z& 
bezichen, 

ZAm Yierdten, das wir von Bremgarten, alle die, so von vns 
gezogen oder wir verthriben band, söllent widemmb fry ledig heym 
sA irem hüfs vnd hoff, on alle endtgelltnifs komen vnd insitzen lassen 
vnd was wir inen abgenommen, das söllent wir inen widemmb 
hynafs geben vnd abtragen, Ob aber Etlich personen nit widerumb 
inn die Statt ziechen weiten, söllent wir dieselbigen widemmb zu 
dem iren komen vnd inen das ir on allen abzüg vnd vngestraafft, 
naohoolgen lassen. Wir söllent onch alle die, wer die syent, sampt 
vnnd sonders personen, so wir inn gfenngknifs ghept, genntzlich aller- 
dingen vngstraafft, ouch on allen iren costen vnd schaden ledig vnd 
vnangfochten lassen, 

Zum fünfften, so habent gemellt vnser gnedig hem von den fOnff 
ordten, inen harinn lüterlich vorbehält das wir die von Bremgartten 
vnd vnser ivachkomen, die Allt waar cristenlich Beligion mit den 
liochwirdigenn sacramenten, der Emptern der heiligen Mäfs, Singens, 
läsen vnd andere Oristenliohe brüch vnd Gotzdienst, wie die von iren 
vnd vnsem lieben allt vordem vff si vnd vns komen vnd gwachsen sind, 
bharrlich blyben vnd darwider nit thün, Ob aber wir SchuUtheis, 
Olein vnd grofs Rath gemeinlich oder etlich BArger innsonnders, 
geistlich oder welltlich, wider obbemelte waare, allte cristenliche Beligion 
redten oder hanndletent, so sind wir Schalltheis, Clein vnd grofs 
Bäth der Statt Bremgarten schuldig, dieselben nach vermög der 
allten Beligion darumb ze straaffen, So aber das von vns nit be- 
scheche, mögend allsdann obgemeUt vnser gnedig hern von den fünff 
ordten vnd ir nachkomen, die obbestimpten ttlnff hundert gülden 
straaff, so si vns nachgelassen, widerumb beziechen, Defsglychn vns 
Schullthois, Clein vnnd grofs räth und die personen. si syent Geistlich 
oder weltlich, so wider die allte waare cristenliche Beligion geredt 
Tnnd gehanndlet betend, straaffen an irem lyb, laben Eren vnd g&t» 



102 

nach irem willen vnd wolgefallen, von vns vnd vnsertwegen, on 
sümnifs, intirag vnd Widerrede» Vnd aber yfserthalb diser vorbehal« 
tung, andern ynsem fryheiten, prioilegien, gnaden, StaUrechten vnd 
andern guten gwonheitten inn aUweg ynyergnffenlich vnd ynschädlich» 

Welicher hochbewifsner gnaden, Wir vnd vnser nachkomen, zd 
gutem niemer mer vergessen, aonder inen vnd irer nachkomen alla 
vnser gnedigen hem, billichen jemer vnd eewiglichn inn aller vnder- 
tänigkeyt, danunb dangkbar sin sOUent vnd weilent, 

Ynnd wann aber inen vmb solichn iren Eerlichen vorbehalte 
dem wir onch domaln also willig nachzekomen heyter acftgsagt, ge- 
schrifftlichn schjn zft iren banden zegeben vntzhar angstanden ist» 
vnnd doch wir jetz, dnrch ire rädt vnnd sandtbotten danunb frflnt-^ 
lieh vnd gütlich erfordert worden sind, So habent wir, alls die, so 
nit allein inn der sonnder inn alln gepürlichn sachn, vnns aller ge- 
horsame vnd gütz z& erzeyen willig sinil, ab disem &Üntlichen an- 
suchen kein beschwerdt empfanngen. 

Vnnd hiervff, so bekennend wir onch, Bj vnnsem gftt waaren 
thrüwen für vns vnd vnser eewig nachkomen, das wir by vorge- 
mellter vnnserer gnedign hem vnd obem der fdnff ordten voi-behallte 
vnd vnnsem daruff beschechnem zusagen, der waaren allten^cristen- 
liehen religion, die hochwirdigen sacrament, die Empter der heiligen 
Mäfs, singen vnd läsen vnd andere cristeliche brüch vnnd Ootzdienst 
belanngend, wie wie von aliten har komen vnd von der heiligen 
Cristenlichen Kilchn angnomen sind, hinfür styff blyben, dero allso 
gütwillig nachkomen vnd darwider nit sin weilent. Vnnd defs allea 
zu bezügenn vnd zu besagenn, So habent wir zu waarem vnd vestem 
vrknnd disen brieff Mit vnnser statt anhangendem secret insigl ver* 
waren vnd den offt gemellten vnsem gnedigen hem von den lÜnfT 
ordten rathsbotten geben vnd anndtwurten lassen, vff frytag nach 
Sant Mattyfs des heiligen zwölffbottentag Nach Cristi vnsers lieben 
hem gepnrt gezallt Thosent fünffhundert viertzig vnd nun jar. 



IL 

Correspondenzen ans dem Abschriftenprotocoll. 

Regesten. 

1. 1532. März. Zürich beschwert sich bei den fünf Orten, dasa 
der Landvogt Nnssbaumer die Pfründen nnd das Vermögen der 
Predicanten Hans Peck in Hägglingen and Ulrich Moly in Nieder- 
wil mit Haft nnd Gebot belegt habe. 

2. 1532. Mai. Zürich tadelt den Landvogt zn Baden, Heinrich 
Schönbmnner, dass er den Predicanten zu Bohrdorf, Heinrich Bach- 
mann, wegen der Anforderung des Peter Schnell, welcher für die 
Pfründe Entschädigung verlangte, um die Kosten belangt habe, ob- 
wohl in Sachen die Appellation an die Eidgenossen ergriffen worden« 
Demselben soll auch ersetzt werden, was ihm bei der vergangenen. 
Empörung geraubt und beschädigt worden. 



103 

3. 1532. Juni. Zürich weist seine Boten zu Baden, Bürger- 
meister Diethelm Röist und Johann Hab, an, darauf Acht zu haben» 
dass Bremgarten von den Orten nicht noch härter gestraft werde, 
weil es solches nicht verdient; wenn die Orte nach Bremgarten 
reiten, soll Hab sie begleiten, um die Bürger zu schützen. 

4. 1532. Juni. Zürich fordert den Landvogt Berger zu Knonau 
zur Elrscheinung vor Bath auf, um wegen des Ueberfalles des Pfaffen 
von Lunkhofen Auskunft zu geben. 

5. 1532. Juni. Zürich verlangt von demselben, dass er in der 
Sache strenge Untersuchung halte. 

6. 1532. Juni. Zürich theilt dem Hans Golder, alt Schultheiss 
in Luzem mit, dass ihm der beabsichtigte üeberfall in Lunkhofen 
unbekannt gewesen, dass es dagegen auf den ersten Bericht zwei 
Bathsboten hingeschickt habe; diese hätten wegen der Menge der 
Theilnehmer keine Verhaftungen vornehmen können, dagegen sei 
eine strenge Untersuchung eingeleitet. Zürich hofPt, dass durch diesen 
Vorfall der Friede nicht werde gestört werden und ersucht Oolder 
um seine Verwendung. 

7. 1532. Juni. Zürich beklagt sich bei Zug, dass die Seinigen 
daselbst misshandelt worden seien und verlangt Abhülfe. 

8. 1532. Juni. Zürich rechtfertigt sich bei den fünf Orten 
wegen des Lunkhofer Handels und ifiderspricht dem Gerücht, dasa 
dem Landvogt zu Baden in den Wirthshäusem zu Birmenstorf und 
Udorf wegen der Wiedereinführung des alten Glaubens in Dietikon 
gedroht worden sei. 

9» 1532. Juli. Zürich verspricht Bremgarten , durch den Land- 
vogt zu Knonau untersuchen zu lassen, ob dem Lunkhofer Pfaffen 
bei dem UeberfetU wirklich etwas entwendet worden sei; bisher sei 
über solches nicht geklagt worden. 

10. 1532. August. Zürich ersucht die fünf Orte, Bremgarten 
wegen der Entschädigung an Hans Honegger und Ulrich Mutschli 
nicht zu drängen, da Zürich und Bern an der Verzögerung Schuld 
tragen und die Sache nochmals an die Tagsatzung bringen wollen. 

11. 1532. August. Zürich verlangt von Landvogt Schönbrunner, 
dass er Dietikon wegen des Altarsturmes so lange nicht plage, bis 
die rechten Schuldigen gefunden seien. 

12. 1532. September. Zürich fordert die des Lunkhofer Handels 
wegen Gestraften auf, die Busse unfehlbar innert acht Tagen zu 
entrichten. 

13. 1532. October. Zürich reclamirt wegen dieser Busse noch- 
mals bei Landvogt Berger, wegen der Säumigen in Stallikon, Bon- 
stetten und Hedingen. 

14. 1532. November. Predicant Jos Has in Ottenbach wird von 
Zürich wegen anstössigen Wandels entsetzt. 

15. 1532. November. 11. Zürich schickt die sechs Kronen als 
Entschädigung an den Messpriester in Lunkhofen selbst an den Land- 
vogt Berger, welcher dieselben dem Geschädigten übermachen, da- 
gegen den Betrag innert acht Tagen bei den Schuldigen ein- 
ziehen soll. 



104 

16. 1532. December. Zürich beschwert sich bei Bremgarten 
Über die Bedrftckung der Oberwiler wegen der Feiertage und der 



17. 1533. Februar. Zürich schreibt wegen eines Erbes an den 
Predicanten Scherer in Oberwii. 

18. 1533. April. 23. Zürich verlangt, dass Bremgarten die 
Fracht des Gotteshauses Küssnacht nach altem Herkommen zollfrei 
passiren lasse. 

19. 1533. Mai. Zürich fordert den neuen Landvogt in Knonau, 
Leonhard Holzhalb, auf, endlich die noch immer ausstehenden sechs 
Kronen wegen des Lunkhofer Handels mit den ergangenen Kosten 
innert acht Tagen einzuziehen. 



m. 

Ftnmdbrief des Pfarrers Bnllinger tohl Jahr 1606. 

Ich Heinrichcus BuUing' bürttig von Bremgarte tun kunnt aller 
menglichen mitt dissem brieff alsdann die ersame vnd wissen schulthn 
ynd rätte vnd ein gantze gemeind der statt Bremgartte als schirmer 
vnd vogtt vnd fürwässer irs spittels von mine vnd ander mer frün- 
den ernstlich pitt wille Die pfründ vnd lüppestry vm gottes singe 
vnd lässens in der pfai'kilche zu bremgartte mitt dero nutzen zinssen 
vnd güllten vnd zu näben geliche vnd für ander daruff gefurdrett 
vnd zu irem lüppriester uffgenomme vnd empfange band Dafs ich 
billig mitt minem gebätt in aller gehorsame gägen gott vnd der zitt 
erkönne vnd si gemeinlich vnd ieclichen insunders, er sj arm oder 
rieh v'diene sol vnd wUl Mit sömlichen bedingten wortten stucken 
vnd artickeln hie nach bemellt, nämlich vnd zum erste, das ich die 
jetzbemellte pfründ vnd kilchen mitt mäss habe singen vnd lassen 
in gottes ^efs almächtigen lob vnd er nach inhallt d' dottatzion mitt 
min* eigne person v^sächen vnd in der statt bremgartte vnd nienertt 
anders busshäblich sin sol, thein ander pfründ nit haben noch mine 
noch besitze sol Sunder dero allein wartte mitt einem hälffer der 
mine here zu bremgartte gefeilig si, vnd die selbn pfründ allso rey* 
giere vnd v^waltte ouch tod vnd Iftbendig versächen vnd b^soi^en in 
Mässn, da mitt ich dem allmächtige gott v'mein ze antwurtte vnd 
ob ich ouch die selbe pfründ kranckheitt halb mins hbs durch min 
selbs person in sömlicher mäss nitt v'sächen noch vVallten möcht. 
So sol vnd wil ich die v*sächen vnd vVallten mitt einem priester, 
der den egenannte mine here gefeilig is Dieselben pfründ vnd lüpperatj 
ich anne sunders erloubung wüssen vnd willen min' heren schulthessen 
vnd rätte der statt Bremgartte mitt nieman vVächslen v'tuschen 
besetze noch entsetze sol noch sust in keinen wäg v'ändre noch be- 
kumbre sol noch wil, Sunder der obgenannte pfründ vnd lüppersty 
vnd den vndertäne w^ti vnd mich der pfründ benüge lassen wie 
si mir die geUchen band iro gang vff oder ab. Da bi sol vnd wil 
ich belippe , ouch die bemellte min here ven Bremgartte bi ir allte 



105 

:g&tte gewonheitte beliben lassen, Da nütz ni&etze durch mich selbs 
den mitt gunet, wtissen vnd wille der bemellte miner heri Defa- 
glichen 8ol onch ein hftlffer aller pfrfinden vnd dienste gantz anig 
▼nd ledig sin, Vnd wen ich onch ein hftlffer dinge vnd empfache 
will Das sol ich iAa mitt gunst wüsse vnd willen min' here schnlt- 
hefsn ynd rfttte, d^iselben hälffer sol ich den han in minem eigne 
Koete vnd onne menglichs schade, vnd ob ich theinist mitt mine 
heren von Bremgartte iren b&rgre oder theinem der iren der inen 
zA v'sprftchen Rtttnd oder si mitt mir in stöss vnd in spftn käme 
mitt dem vnd mitt dMie sol vnd wil ich vor eine scholthefsn vnd 
rtttt zu Bremgartte rftchtz pfläge da rlU^htt vm rächtt hallte name 
vnd ^bn als ander borg' So vil vnd inen vm die sach z& richtte 
statt, vnd ob ich v'meinntte irs oder min sach vnd ansprach ge- 
hörtte nitt fCLr iren stab vnd si v'meintten vm die sach zA richtte 
han, Dessselben wir bed teill off vnsser here die ejdgnossen zä einer 
Ittttrang komen oder fdr wan sie vnss den wissent. Da bi sol es 
«Lan beliben vnd bestan vnd was fräffel oder b&Ts ich oder min 
hälffer v'schulden oder v*vallen, solle wir als annder borg* gütlich 
vnd früntlich vssrichtte vnd abtrage vm das wir in gnttem schirm 
vnd Mden beliben vnnd gehallte würden als ander borg' vnd söm- 
liche büssen ich noch nieman von minetwägen mitt witt* nachftUgen 
noch gründen sol, wä hin sömlich gältt bewärtt wärtt. Wer ouch 
sach das bin mine sdtte vnd bin minen laben so ich lüppriest' zu 
bremgartte wäre, ir gotzdienst in ir lüttkilchen mitt singe vnd mit 
läsen wie dafs wäre vffnäm vnd mere wurde. Es war mitt prim, 
tertz, sexest, non, uäsper, complett oder metti, so sol vnd wil ich 
mi^ inen gütlich daran sin vnd dasselb helffen vol bringe an alle 
widerred, vnd da bi dafs hnss der lüppersty in dach vnd in gmach 
vnd in ere han in mine kosten Es wäre den sach dafs mercklich 
bnwfelligkeitt inüellen, efs wILr von für oder ander Sachen wäge, 
Item onch so sol ich alle jar järlich gan zwantzig guldin vntz dafs 
dasselb vntz in das *dach die Ittppersty um fier mnre gemachett 
wirtt vnd wen das beschichtt vnd gemachett wirtt vnd gantz uss 
gemachtt wirt, vnd wen dafs beschicht vnd gemachtt wirtt, so sol 
ich dan der gessamte som geltz ledig sin järlich zu gäbn, ouch so 
^nd min here von bremgartte mir hilff vnd stür darzü gän vnd 
tun als andre bnrgre, vnd alle die wil so ich selbe lüppersty also 
besitze vnd in hab. So sol ich in toden von jedem mansche das 
bichtett vnd bewarett von dissem zitt scheidett, siben Schilling fier 
haller, wen aber mit gemein tod sintt, so mag ich zA selgrätt näme 
drizächn Schilling fier hall' vnd ouch nitt me, ich sol ouch bannallen 
vnd consolationes abtrage, so dick vnd vil, das notturfftig ist an 
alle fürwortt, vnd ich sol ouch die capplane ein schulmeisf vnd den 
sigeriste hallte als das bifshar gewonlich gewässen ist vnd nämlich 
i9o sol ich einem Schulmeister gän aUe fronfaste drissig Schilling vnd 
an allersellentag zachen Schilling haller vnd von ieder petition ein 
Schilling haller vnd nachdem ie da vallett, dafs sol ich vfsrichten 
an alle fürworrtt, vnd einem sigeristen sol ich gan järlich zwen 
jnütt käme vnd die orden herre so bifshar das almussn gesamlett 



106 

hand als das von allt' harkomen ist, mögen das hinfür zwürentt im 
jar als dafs ir gwonheitt ist, onch hallten vnd ir stand in der KU- 
eben habn, ich vnd min hälffer söln onch zt dem salue gan alla 
das angesächn ist vnd vnns der nutze so da Yon vallen, benüge 
lassen, vnd in sunderheitt so ist zu wüssen dass mim here schulthesa 
vnd rätte den onwzächende mitt sin' z&gehörtt z& den spittals han* 
den mitt sondrigen wortte harinn nssbedingtt vnd vorbehebbt hand, 
langett noch dienett hinfÜr nitt me z& der pfründ vnd lüppersty, vnd 
wen ich bin der genannte pfr&nd der lüppersty nitt me noth witter 
meintte zu beliben, So sol ich die einem schnlthessen vnd rätt£ryk- 
lieh vffgftben vnd sol man mir die pfiründ nach marchzal der zitten 
nolgen vnd gelange lassen an allE intrag vnd bekümbemoss, Der 
ersten fmchtte halb ich nssrichtte vnd wo ich das nitt dätt vnd der 
spittal dafs ussriohten, so sol er min erb sin vnd vm defs willen 
dass mme herre von bremgartte vnd ein gantze gemeind sich* sjen» 
dafs sömlichs gehallten wärde, so han ich ine dar vm z& rächtte 
wüssenhaffte bttrge gäben vnd gesetztt die ersame BMolff schodeller 
vnd Hans Heding* min schwäg' bed barger zu bi'emgartte, vnd also 
mitt rächtte bedingette wortte t wa ich mich in keine stucken vnd 
articklen die in dissem brieff begrifEs sintt, ttbergienge da witter 
rede oder dätte vnd sömliche nütt hieltte So möge min here von 
bremgartte die obgenannte mine bürge dar vum manen in ein lei- 
stung in ein offen wirtz huss daCa in der manung benemptt wirtt 
da söln ssi den leisten in acht tage nach der manung, So lang vnt& 
si defs, so ich v'sumpptt oder v'schullt hette benüglich vnd gantz 
vnklaghafft gemachtt wärden, vnd ob sich die leistung über ein mä- 
nett verzieohen wöltt vnd die gemannett sach nutt gerichtt noch 
betragn war. So möge min here mich rächtt' houptsächer vnd mine 
bürge vnd vnnser erben, darzü vnnser aller gütt ligentz vnd va- 
rentz wa dafs gelegen ist vnd wie das namen hatt angriffe vnd an- 
lange, sömlich gütt hinfüre y dafs v'kouffen, v'triben vnd selbs züiren 
hande ziechen mitt oder an rächtt gerichtt geistlichen oder wältlichen^ 
So lang vnd als vil vntz si vm dafs ich v*schullt oder wider si ge- 
tan hett mitt sampt alem kosten vnd schaden inen daruff ganze vss- 
gerichtt vnd abtrage wirtt. Wenn euch ein bürg her in mitt tod 
abgatt oder sust mitt nutz noth gesässe war, so sol ich ein andre 
als gutte bürge an defs abgangne statt gäben vnd setze in dem 
nächste mänott nach ir ersten ervortrung Der sich hervon v'schrib 
dess sich der abgange nach diss brieff sag her vm v'schribn v'bun- 
den geheppt hätt vnd dar vm mögen min herre von bremgartte den 
andre labend^ borge manen in wiss oder mäss wie obstat in ein lei- 
stung mitt sin selbs lib oder mitt einem erbre knächtt an siner statt» 
vnd von sömlich' leistung nütt komen vntz sömliche ersatzung defs 
bürge halb beschichtt noch irem vollen benüge > vnd dar vm so ge- 
loben vnd v*sprechen ich bin mine g&tte hand gäbnen trüwe in eidefs 
wiss Dissen brieff mitt sin' inhaltt war statt vnd uest vnd gantz 
vnu'brochenlich ze hallte, euch die bemeUte mine bürge von allem 
koste vnd schadn bürgschafft halb ze wissen vnd zelössen so ver min 
lib vnd gütt v'mag, vnd wir die obgenannte bürge bekänne vnns 



107 

disser bürgschafft geloben ynd v^sprftche oncb dero genög zesin vnd 
zetftn wen wir dero ermannott wärden» alles in gantze gütte trüwe 
Tnd ane gefilrd, Vnd vor sömlichm allm so ensol vnns den obgenannte 
honptsächei' ynd die bemellte bürge nützit frjen schütze noch schirme 
thein &yheitt genad, gerichtt noch rftchtt geistlichs noch wältlichs 
thein fÜrzag fand noch ge&rd der here stette noch der länder noch 
8T18S nütz überall so ieman hiewider ze schirm fürzieche möchtt dann 
wir ynss defs alles erziechen vnd geloben wüssenlich in crafit diss brieffs, 
vnd defs alles zh einem wäre vrkond, So habn wir ol^enannter 
Heinricnss bnlling\ rüdolff schodeller vnd hans Hedinger als rächtt 
wüssenhafft bürge in dies' sach mit ämst erbätte» Den ersame vnd 
wissen jacob mntschli jetz schnlthess zu bremgartte , dafs er ftlr vnsa 
honptsftch* vnd bürge gemeinlich vnd für jeclichn insnnders vnd alles 
defs so hie vor von vnss geschriben ist, da mitt zu überwisse offen- 
lieh hatt lassen häncken an disen brieff Defs ich jetz gemellter 
schnlthess mir mine erben an schaden v'gich getan hab vff donstag 
vor sannt johannefs baptiste tag als man zallt von der bnrtt cristi 
ftlnff zachen hundert vnd sächfs jar. 



IV. 

AnBzfige ans dem Batlisprotoeoll tob den Jahren 

1687 Ms 1629. 

I. 

Vff Sambstag vor Hilary anno 1527 sind min Herren by ein 
anderen gsin. 

Item der Gingerlin soll ingleid werden von desswegen dafs er 
geret hat, vnser Herr Gott lafs sich nit also in drüw stnk den Prie-^ 
stem in der M&fs zerbrechen vnd die Pfaffen heigend nüt recht mäfs. 

Defs Siegerst Knab der int. krank ist, soll von den Worten so 
er geret hat, namblich die Heiligen liefsend böfs vnd als man sie 
za Birmistorf verbrante stoncke gar übel, so er gsond würdt, von 
der statt geschickt werden. 

Item der Oingerlin sol vfs der gefenknufs gelassen werden mit 
solcher lüthemng, dafs er in acht Tagen miner Herren Gericht vnd 
Gebiet defsglichen die statt soll mmen. 

* n. 

Vff Hilary ist ein Einig Gricht gwesen vnd darzu ein ganz 
Gmeind versammlet gesin. 

Und da nach der Statt Recht vnd altem Bruch rodel verlesen. 

Demnach hat Hartigel und sin Sohn herm predicanten wellen 
fümemen von etlicher werten wegen und dawider min Herr Doctor 
gemeint. Er hör allein für min Herren, darby hats ein Gemeind 
lassen hüben vnd sönd die Hartigel je vor minen Herrn annemen 
vnd demnach für und für nach dieser Statt Recht faren. 



108 

Zum andern defs Oieitfa halb» die wyl min Herr Doctor geret 
hat, er hab min Herrn die Eidsgnossen nit um söUicU gleyt aa- 
gerttfft eonder sie dasselb hie vor Rtfth und vierzig im zu guth geben, 
yngebetten, ao hond söllichs min Herrn hie von demselben minem 
Herr Doctor für ein erbar entschuldigung und wollendt also damit, 
das söllich glejt hin und ab sy, ouch dafs er niemant von rnfs ver- 
klage anders denn allein vor minen Herren, ob aber als dan etwa 
minem Herren Doctor etwas zufügte mit werten oder weisen, dab 
er nit erliden möcht, dafs soll er minen Herren einem Schultheis 
und den Ratten fürtragen, die soUendt in als dan thrüwlich und 
ehrlich schirmen vnd die so inn beleidigen wurden straaflfen an lyb 
oder gut je nach gelegenheit der Sachen. 

Zum dritten defs Ketzems oder Neppens halb am Kantzle. 

diewjl dan mine Herrn die sind, die unseren gnedigen Herren 
den Eid^nossen von den acht Orthen gemeinlich und jetlichem in- 
sonders geschworen band treuw und warheit und ir nutz und ehr 
zu fürderen, vnd dafs so man etliche orth ketzern oder neppe, nit ir 
ehr sy, so wellendt wir nit, dafs er niemandt ketzere oder neppe, 
aber sünst solle er predigen alles das, das in sin conscienz wise, 
und das unser aller nutz und Seelenheil ist, und darin niemandt 
schüchen, dan ouch wir die sjent, die kein nüwes nit machen 
wellendt, sonder alles das thun, das biderben lüthen zimbt vnd ge- 
bfirth, wo aber min Herr Doctor sölichs weit meinen nit mGgen 
thun und es darüber dätte oder etweren anderswo, dan vor minen 
Herren verklagte, so soll er von der pfründ sin. 

UL 

-Vff sambstag nach Philipp! und Jacobi anno 1528. Sind mine 
Herren beid Bäth abermals bj ein anderen gewesen. 

Aisdan min Herr Doctor Vre Böfslin anzo^n hat. Er verstand, 
er hab geret. Er sey ein dieb, bofswycht oder schölm dero werten 
etlichs, begert darum wandel. 

Vrs andtwort, er bette drüw stuck klagt welches er meinte zu 
beharren, dasselb ufs zestossen. 

Doctor antwort, er begerte an Ursen, ob er der Articulen aller 
oder etlichs gichtig sin weit oder nit. 

Antwurt Vrs, er sölt klagen 1. oder mehr a^ikel. 

Doctor widerum begert zu hören biderb Ittth und diesere Klag 
uszestofsen wie, oder vnklagt dannen ze gähn. 

Beid theil satzten. 

Urtheil miner Herren. 

Diewyl der Doctor klagt hat, D'ürs die drüw oder darunder 
etlichs geredt haben sölt, so solt in Urs aller stucken oder etlichs 
insonders oder keins gichtig. 

Daruff hat Durfs geantwortet, wie er dartbim, wie er keins 
gichtig, das hab er aber geredt, als die von Bern köment, spräche 
er. Ich wölt schier, dafs der Tüfel den Doctor imd das leben het 
mit der unruw, wo einen ufshin kombt, es sy gegen Baden, oder 
wo das ist, so seit man, er sy ein dieb und derglichen, witter wüsse 



109 

er nit, dafs er geredt hab, soll aber den darstellen, dera von Im 
red, dafs er klagt hab. 

Doctor meint wie vor, und begert, die wyl im zugeredt were, 
nnd ers nit glauben weit, biderb lüth zn hören. 

aber satzten bed theil. 

Urtheil: Die wyl unglicben verstand wer. in klag nndantworih, 
80 sollen biderb IVLik verhört werden nnd möcht Die melden. 

Also nambt er den Stapfer, Heini Thyen nnd Schönen. 

Die zwen hat Urs anch wider Thjen botten, darbi im vor- 
behalten, nm die laaterwort auch, obs noth were, kantschaft zu 
steUen. 

lY. 

Vff Sambstag vor Exaudi A° 1528. 
sind mine Herrn von dem kleinen Bath versambt gwesen. 

Um nachgehenden Handel hat min Herr Doctor fürer Kundt- 
schafft gebotten, namblich Vli schwitzer nnd Kindhnser. 

Urfs Böfslin meint, Dy solt nit sagen, Ursachen halb, er stund 
mit im in friden, und hat darzu dem Doctor zu obren treidt. 

Dawider Doctor, der Dy het im nüt gseit sonder zwen ehrbar 
Bathsherm, meint im Dyen nit sin zu verwerfen, 

und satzten. 

Urthel. Ty und ander solten sagen, wan sie dann geseiten, 
wüfste dan Vrfs neyfs waren mit Recht zu verwerfen, lieb man 
beschechen. 

Daruff begert Urs Böfslin auch, dafs man im Sträuwlin auch 
verhörte, das ist euch nachgelassen. 

Nach dem allen, auch uf varoffnnng, Bedt und bezüget Jacob 
Stapfer, wie sie vor schwarzen hus gestanden, hab Urs Böljslin ge- 
redt als die von Bern hie werend, das ist je ein armi sach, das 
band wir mit dem Doctor zu schaffen und lugte er fOr sich, er 
hette wol zu im selbst zu lugen, ists als man von im seyt, so ist 
er ein dieb. 

Uli schön redt, als sie vor schwartzen hus zusamen komen we* 
rendt, und die von Bern hie weren, redte Urs, wan der Doctor nit 
were mit dem Neppen und Ketzeren, so werendt jetz min Herren 
und ein Bargerschafft rüwig, und ich weit, das er nienen hie were, 
ein Mülistein am hals het und im fellbaum leg, er ist ein wüssendt- 
licher dieb, do redte auch vnder anderen der schön zu im, was im 
daran lege, da spreche er einswegs, er weit, welen es gehyte, dafs 
er sich anneme, witer seidt auch der schön, das als der Urs geredt 
hette, dafs der Doctor ein dieb war, spräche er ouch darnach, ists 
war, als man von im seidt, so ist er ein dieb. 

Item Heinrich Dy züget, wiß er nachhin darzu keme, da hörte 
er wol, dafs der Durfs hön were, fragte Dy, wen er meint, oder 
wen die sach anginge, antwortete Durs, es were von des Doctors 
wegen, und wo derselb were, so were man wol eins, wttsse aber 
nit von dem, dafs er in diebet het, wer auch anfsuigs nit daby 



110 

Kindhuser redt und besttgt, als uff den tag, als Min Herren 
von Bern hie waren, were Dura, er und andere vor der Kremerin 
iins gesessen und ander anderm spräche Dnrs, was wend wir, dafs 
dieben nnd schOlmen hie, alle widerWertigkeit, die wir hie hendt, 
die händt wir von im, das straffte Kindhuser, Durs antwortete, es 
were notten noch war. 

üff das hat Urs aach KnntschaflFt begert und genembt Thoman 
Moser, Bantli schwartz, Ernst German, wejbel schwitzer, Metzger 
schwarzen Knecht, die sOnd ghört han von Jonkker Friderich von 
Eptingen, dafs derselb zu Baden am Statthoff soll geredt han, unser 
Doctor sye ein wüfsentlicher dieb. 

Es sje hie zum Leuwengesessen ein Büchsenschmidt, der het ge* 
redt f der Doctor sej ein Krützdieb und ein verlogner man , des sind 
Zügen Hans Trab der wejbel, Thoman Meyer, Jacob Gugger, Bantli 
Hilffer der Jungg von Boswil, Hans Kappeier, Baschin Kefsler. 

Zum Storchen Zürich ist einer gesessen von Basel , hat ouch 
gesprochen, der Doctor sig ein dieb, zügen Lienhard Messerschmidt, 
Sträuwlin, Uli Lang. 

Zu Basel hat Heini Keiser gehört, Thoman Moser, Weckherli 
uon woUen, der Doctor sye ein dieb. 

Item der Herr uon Lunkhoffen Lüppriester hat gesprochen, der 
Doctor sy ein bub, händt geseit Toman Moser, Herr von Oberwyl, 
B&di Bilgerin. Zügen Martinus Härli, Ammeister zu Strafsburg und 
sine B&th, dafs der Doctor hie gestolen söU han. 

Auch der Stattschriber ScheUer von Basel! , Hans B&bstock und 
der schriber sin Knecht meister Hans Koch, Meister Jos armbrester, 
burger zu Strafsbuig und die prediger münch all, die da ze mahl 
da sind gesin. Jacob Brunner uon Zürich, Cunradt zur widen von 
Zürich und all die, so im selben Kloster sind gesin. 

Meister Vlrich Zwinglin soU auch noüwen ä täding gmacht han, 
als er vorhin auch diebet soll sin. 

Der Bellican Hercules Göldlin predicant zum Frauwen Münster, 
Herr Vtringer, Burgermeister, Grofs und Klein Rath zu Basel. 

Dahiff hat Durs hilf begert, sin Kuutschafft zu leiten. 

Also ist ein ander tag angesetzt, namblich vf Sambstag vor 
Mariae Magdelenae und erkent, dafs Durs dem Doctor solle wandel 
thun oder einen gichtigen ansagen stellen oder zu im bringen bis zu 
derselben zit. 

Y. 

Vff Sant Jacobs Apostels abendt. 

Vrs Röfslin ist vff hüt abermals erschinen, und begert, die wyl 
man im vergönnen hab kundtschafft wider den Doctor uff zunemen, 
kundtschafft zu verhören. 

. Herr Doctor meint, die wylendt er den Ursen hab müssen be- 
setzen, das er im zugeredt hab, truwe er deshalb wol, er solt nienen 
anderswo kundtschafft wider in vfnemen, sonder söllichs selbst uff 
in l^ringen. 



111 

Urs wie vor vermeint, man soll im die kondtschaffb verhören, 
dan es sie ime erkent worden, das er die möge nffiiemen, dan er 
«ig allwegen der gsin, so lieber nttt mit im zu schaffen gehebt 
han weit. 

Min Herr Doctor hat witer lassen offiien, Er sy wider Miner 
Herren Bekandtnifs nit, er begere aber ein wtlssen von dem Ursen, 
ob er es jetzmal uff in bringen nach der Statt Becht. 

Durs guter mafs wie vor redt, nnd er hab im anch alle mahl 
vorbehalten, das man im Kmidtsohafft ergahn lassen sölt, wenn es 
die notorfft erheische, meine er es anch, die wyl er Kundtschafft 
•erworben hette, solt man im auch die jetz verhören. 

Sie satzendt beyd. 

Miner Herrn des Kleinen Raths Bekandtnufs ist, das Enndschafft 
verhört werden soll. 

Von des handeis wegen, so der H. von Lunkhofen geredt hat, 
der Doctor solt ein bub sin. 

Thoman redt und und bezüget, wie er zu Basel sig gesin, da 
sej einem uff dem Eommerth zu im kommen, der hab in und 
Hansen Trüb gefragt, was unser Doctor thäte, er were ein wttssent- 
iicher dieb. 

Also hat Hans Trüb auch geseit. 

Thoman Moser hat auch geseyt, das er von dem Herren von 
Lunkhoffen gehört hab, der Doctor sye ein bub. 

Rudi Bilgerin redte, der Herr von Lunkhoffen hab 'geredt, der 
Doctor sey ein büb. 

Hans German redt, wie zu Baden Junkher von Eptingen geredt 
hab, der Doctor sey ein dieb und ein Krtttzdieb, darum welle er 
•dem Doctor ein bestand thun. 

Also redt und bezügt Hans Trüb wie Oerman. 

Meister Thomann Meyer redt und bezttgt, wie er einen in sinem 
hus über nacht ze herberg habe, der heig gseyt, vnser Doctor were 
•ein wüssentlicher dieb und ein Eommesser und verlogener man. 

Hans Trüb hat in der Sach auch also geredt und bezüget. 

Hans Sträuwlin redt und bezüget, wie er zum Storchen Zürich 
.gwesen, sye einer von Basel da gsyn, der hab geredt, vnser Doctor 
«ey ein dieb. 

Vff die Foi-m hat Lieilhart Gösselin auch bezügt, dan er daby 
gsin ist Zürich zum Storchen. 

Und als nun die und ander schriftlich kundtschafften verhört, 
hat daruff Doctor witer bedank genomen imd geoffiiet und gmeint, 
die sach nach diser Statt Becht nit gnugsam dargebracht, und darzu 
alle die, die da in der sach kundtschafft gesagt hatten, und welle 
am Zwingli anfachen, das werendt alles Eetzerische boswicht. 

Vff das alles ist der vrtheil verdank genomen bis vff Frytag 
über Jacobi. 

Dazwischen hat Urs Böfslin den man angenomen, der zum 
Leüwen geredt hat, der Doctor sey ein dieb, und sind also bed 
theil, als namblich der von Basel und Urs Böfslin auch vff hüt in 
Yigilia Jacobi vor minen Herren erschinen und nach beschechenem 



112 

anzog ist der von Basel gichtig gwesen, das er mög geredt habeiii. 
der Doctor sig ein Krtkzdieb, hab auch sölichs Yon semlichen Ittttea 
der Räthen von Basel und S. gehört, das er nit glaub, das sye im 
unrecht thtlen. 

Yff das Dura vermeint, die wyl im der von Basel gichtig sye, 
und somit an tag hab gebracht, das Doctor der man oder ein dieb 
solle syn, truwe er wol, er soll jetz Kosten, schaden und die haubt- 
sach gewunnen haben und darumb abgetragen werden, und satzten 
beid ir sach zu Becht VrteL _ 

Vrs hat witer verdank genomen, ob der von Basel gichtig welle 
sin, wie er zum Leuwen geredt habe, sye die sach gut, wo das 
aber nit, begere er darum Kundtschafft zu verhören. 

Yff das der von Basel antwort gab, es were nit minder, er het 
etwas Worten gebrucht , hat aber auch soliche gehört von Biderblttten. 
Vff das die Bach zu Becht gesetzt. 

Also gab vrtel, das Vrs Röfslin möcht kundtschafft darumb 
vfhemen, und die kUsen verhören, ob er solche worth gebrucht hete 
80 augenschinlich. 

Daruff Friderich Stöcklin witer Bath nam und liefs darnach 
ofihen, wie er die worth gebrucht, derselben were er auch gichtig, 
und wer deshalb in mit ansprach nit vberhaben möcht, der solt in 
zu Basel, da sitze er, in guten grichten und rechten fämemen. 

Vra abermals lils ofEhen, im sye erkennt worden, er soll die 
sach kundtlich machen, das der Doctof ein dieb sin solle oder ein 
gichtigen ansagen machen, das hab er nun gethan, truwe auch, man 
sol im nun costen und schaden abtragen und soJl jetzmal von dem 
Doctor ledig erkendt werden, und satzt darmit die sach zu Recht. 

Bekandtnufs Miner Herren vff Klag und andtwort, diewyl Vra 
Röfslin wie vormals vrtel geben, der gestalt hat ein gichtigen an- 
sagen , namblich Fridlin Stöcklin von Basel , das us grund desselben 
Vrs Röfslin von Herren Doctor sin und siner ehren wol gewartet 
und sin erlittnen costen nach zimlikeit bezogen haben soll, und sol 
der von Basel an stab geloben, fügte sich, das im dag von Herren 
Doctors wegen harzukomen verkündt wurd, in 3 tagen und sechs 
Wochen, das er als dan solichen Rechtstag verstau solle, doch also, 
das der Doctor in und hinwiderum er den Doctor vertrösten soll, ob 
ein den anderen mit Vnrecht in Costen brechte, das er in well 
entrichten. 

TL 

Vff vnser Lieben Frauwentag der himelfart sind min Herren 
bed Räth vff anrttffen m. H. der Eidgnossen by ein anderen gewesen. 

Die haben von des Doctors wegen gebetten, in wider anzu- 
nemen, ob aber solichs je nit mög sin, alsdan im ein Vrkund sines 
Recht handels zu geben, auch sin häbli folgen zu lassen und zuletst, 
in besetzung der pfrund, die mit keinem lutherischen zu versehen. 

Antworth. dafs mine Herren nit wol bedanken, dafs nun für' 
hin sin oder vnser nutz und er sye hiezu sin vrsach, als etlich als 
sonderlich Burgermeister und Räth der Statt Basel, Ein Ammeister 



113 

und etlich der Bäthen von Strafsburg, auch etlich unser Bürger in 
sinem handel kundtschafPt gesagt, bab er geredt, alle die, so da 
kundtschafit gesagt, am Zwingli angefangen, demselben nach die an- 
deren all die kundtschafit gesagt haben, seyen Ketzerische boswicht, 
darumb wel er immer gerecht werden vor den 7 orten der Eid- 
gnossenschafft . vfs grund welches die von Zürich von den iren wegen 
angerüffb haben, den Doctor gftnklich anzunemen und zu Recht zu 
handhaben, desglichen möchten andere auch thun, und darum er und 
wir beunruwiget werden. 

Des Recht handeis halb könn man im kein Vrkund geben, vfs 
der vrsach, es sey noch kein rechtspruchbschehen, begeren sie aber, 
so weU man inen so der handel sambt der kundtschafit vergangen 
und gehandlet ist, gern vorlesen lassen und nit verhalten.' 

Der hab halb, wen er jederman bezahl, was dan für seige, 
wellen M. H. vmb M. H. der Eidgnossen bit willen dem Doctor 
gütlich lassen nachfolgen. 

Vnd zuletst der pfrnnd halb, wellendt min Herren in mafsen 
verliehen, das si verhoffen, M. H. die Eidtgnossen werden daran gut 
gefallen empfachen, dan wir keins andern gmüts seyen, dan fOrhin 
zu belyben wie bishär und wie wir vns vormals gegen innen erboten, 
daran haben M. H. die Eidtgnossen ein gut gefallen ghabt, und sind 
also hingeschiden. 



V. 

Bfirgerregister der Stadt Bremgarten Ton d^n Jahren 

1629/ 1681 nnd 1682. 

I. 

Alls man zalU von der gepurt Cristi, ennsers lieben hem, 
vnd säUgmacherSy Tusennt ßnfff hundert, zwenzig vnnd 
nun jcar, sind diss so hienach beschriben stand. Burger 
gesin vnnd darfür gehallten fvorden, 

Wemher Schodoler, 8chultbes. Hans Zingg. 

Hanns Mutschly, Altschulthes. Hans Rey der allt. 

Meyster Hanns Honegger. Virich Mutschly. 

Heinrich Wyfs. Cünrat Honegger. 

Heinrich Trottmä. Hans Hartiggel. 

Hans Sager. Hans kronysen. 

Hans Meyenberg. Peter Radegger. 

Jacob Füchfsly. Jacob Schwarz. 

Hans Widercker. Rüdolff teck. 

Caspar Oümä. Hans pliplich. 

Ylrich Hediger. Hans am Bach. 

Cünrat Fry. Hans Musch. 

Vrfs Hoffman. Hans Wysser. 

Argovia VI. 8 



114 



Heinrich Ernst. 
Jacob Füchfsly. 
Heini teck. 
Heini Bücher. 
WaUther Hafs. 
Meinrat Schodeler. 
Ylrich Schilltknecht. 
Hans Hedinger. 
Vly Hetzer. 
Jacob Wallder. 
Hans trab ellter. 
WaUter flüber. 
Hans keller. 
Wendell wüst. 
Hans Seiniger. 
Caspar lanng. 
Hans Fischer. 
Heinrich Howenstein. 
Jacob Funck. 
Andrees feer. 
Gebhart Wagner. 
Jacob Hubler. 
Hanns BAfsliger. 
Michell Scherrer. 
Hans Bürgisser. 
Hans kindhnser. 
Ylrich Schad. 

Jacob Sager. 
Heinrich Sager. 
Hans tnib. 
Hans Schodoler. 
Rüdolff G&ma. 
Niclaus GÄmä. 
päntlj meyer. 
Hans Helma. 
Heini WeUty. 
Heinrich füchfslj. 
Virich fürbafs. 
Hanns Rjser. 
Hanns vom Hoff, 
peter jeger. 
Marty kürsiner. 
Hans Eterly. 
B&dolff müller. 
Dominicg lönchly. 
Hans Schill. 
Othmar Brüllma. 
Hanns Scherrer. 



Caspar Gallatz. 
Jacob senn. 
Heini stentz. 
Hans Bftb. 
Hans fry. 
Bfldy keller. 
Jacob keller. 
Jacob Gngger. 
Ylrich meyenberg. 
Bftdolff ammann. 
Hanns teck. 
Hans Vogellsand. 
Jacob wyfs. 
Gristoffel Honegger. 
Hng Schwitzer. 
Bddy maritz. 
Vly Schwitzer. 
Lienhart pOrly. 
Vly Schön. 
Hans wyfs. 
Clans widercker. 
Hans widercker. 
Mattis maier. 
Hans hagg. 
Hans german. 
Heinrich Ty. 
Niclaus Tt. 
Vlrich Tiielmi. 
Hans Leingr&ber. 
Hans Fleckenstein. 
Heinrich Schmid. 
Hans Ströwly. 
Thomann Moser. 
Jacob ^einman. 
Vrfe Böfsly. 
BÄdolff Ryser. 
Hans karrentrit. 
Michell pur. 
Wolffgang forrer. 
Hans dasch. 
Thomä hetzhamer. 
Jacob Brenner. 
Adam Mantz. 
Jöry Schüly. 
Jacob Ernst. 
Batt Schwartz. 
Vly lanng. 
Hans HartiggeL 
Jörg meyrsHger. 



115 



liienhart gQstelj. 
Vly mejer. 
Heini meyer. 
Hans Wagner. 
Vly fry. 
Michell Büler. 
Hans Ratgeb. 
Hans Bader. 
Vly Hediger. 
Glanfs Hais. 
Balltasser Schmid. 
Michell Schmid. 
Hans Schmid. 
Hans Mnttschly. 
Jacob Zolliger. 
Jacob HofEman. 
Bartly Müller. 
Andres boumgarter. 
Clans hükomen. 
Willhelm spet. 
Götz Sidler. 
Hans schilltknecht. 
peter gerig. 
Hans Bey. 
Hans Bücher. 
Hans Peter. 
Üfswalld Bey. 
Heini güma. 
Hans keller. 
Wellty teck. 



Hans Hüber. 
Gorgig Rosenkranz. 
Heini keyser. 
Allt keyser. 
Lienhardt Meyer. 
Cünrat Schnewly. 
Oleinhanns &y. 
Hans spet. 
Heini leemä. 
Michell Schindler. 
Claus Stely. 
Hennsly reber. 
Lax stelltzer. 
Hans g^rig. 
Vly hoffmä. 
Büdolff Löffelsperg. 
Hans Hnnntschli. 
Heini HartigelL 
Hanfs Bosenberg. 
Anntonny Sali. 
Marty Stander. 
Cünrat Stely. 
Hans Gredinger. 
BarbeU Undersin. 
Hans Schwab. 
Görg Lüthart. 
Hans Lang. 
Hans Wingarter. 
Walltery Hüber. 
Heini Schüppisser. 



II. 



Anno donUni xv^ vnnd xxxi synd dass Burger gesyn tmnd 
dar für gehalti toorden, 



Hans Beding*, Schnlthes. 

Hanns Mntschli, alltschulthes. 

Heynrich Trottmann. 

Hans Hartigel. 

Hans Widerkherr. 

Hanns Zyngk. 

Jacob Schwartz. 

Caspar lang. 

wendeil wüst. 

ylrich schad. 

Hanns Bürgisser. 

Jacob Hubler. 

Conrat Honegger. 
Virich Hedinger. 



Hanns Kronysen. 
Hans pliplich. 
Hans Musch. 
Heyni Bücher. 
Walther Has. 
Hanns Müller, sager. 
Jacob Fungk. 
Heynrich Ernst. 
Michel scherer. 
Hans keller. 
Anndres feer. 
Hans Bufsliger. 
Büdolff Gümä. 
Batt Schwartz. 
Jacob gugger. 



116 



Heyni schmid. 
Görg meyfslinger. 
B^Ldolff amman. 
Büdolff vryser. 
Mathis maier. 
Heynrich meyer. 
Wolflf forer. 
E&dolff löfTelsperger. 
Vly lang. 
Hans Hüber. 



Lux stelltzer. 
Virich tiggelman. 
Heynrich wyfs. 
Hans meyenberg. 
Conrat Pry. 
Vrs hofTman. 
Hans Bey der allt. 
Hans Rey der jung. 
Wemnher schodoler. 
Heinrich howenstein. 



etc. 

m. 



Anno domini MDXXXII Sind diss nachgeschriben Borger 
gesin tmd darfiir gekauten toordenn^ 

Wemher schodoler, Statthalter. Hans lang. 



Heinrich wyfs, yyce-Statthalter. 

Jacob Hofinan. 

Hans Meyenberg. 

Jacob wallder. 

Peter radegs. 

Jacob Füchisly. 

Virich Hedinger. 

Conradt Fry. 

Virich Hofman. 

Hans Helman. 

Hans Vischer. 

Walther Hüber. 

Rudi teck. * 
Heynrich Howenstein. 
Vli rätzer. 
Gebhart Wagner, 
peter jeger. 
Hans rosenberg. 
Hans hottinger. 
Heynrich füchfsly. 



Hans gerig. 
Hans radtgeb. 
Lienhardt pürly. 
Claus widerkher. 
Hans wyfs. 
Schalthess Mutschli. 
Schultheys Hedinger. 
Heynrich trottman. 
Hans hartigel. 
Hans Bürgisser. 
Hans widerkher. 
Hans Zingg. 
Jacob schwartz. 
Caspar lang, 
wendeil wüst, 
vlrich Bchad. 
Hans Bttrgisser. 
Jacob Hubler. 
Conrat Honegger. 
Hans plyplich. 
Hans Musch. 



etc. 



TL 

Stenerrodel der Stadt Bremgarten tob den Jahren 

1486 nnd 1686. 

I. 
Der stUrrodel im Ixxxv iar, 

dt Lär den bächer y ß. barbeli hüber iiii ß. 

veli cristen 1 ff. clewi schnider v /i. 



117 



bregetzii y ß, 
Iians homer y ß, 

am bach. 

ladwig haffher y ß, 

diebertschinerin yiii ß, 

barttman im hoff iii guld. 

langirein y ß, 

bensli forster yiiii ß ynnd iiii d. 

gatter 

bensli ottmar yß, 

micbel baffne 1 u y ß mmd iiij d. 

blitzenbücber xyii ß, 

r&di graff yij ß. 

yeli bacbmä yi ß, 

beini koler y ß, 

reber y ß. 

Ottmar y ß, 

die trottmanin y ß, 

veli büber. 

yeli stettler y ß. 

trottman y ß, 

die bocklin y ß. 

bensH fiy V )^. 

bartmanin xiii ß iiij d. 

Spiegel gass. 

Casper sidlers buss y ß, 

die scbepflin y ß. 

die wittin y ß. 

r&di müller x ß. 

•die hassenbergin y ß. 

veli meyer xyiii ß iiij d. 

merz yo beglingn y ß, 

mmellin y ß, 

die wölfflin ynd ir tocbtt xyiii bei. 

die bngin x ß, 

möringerin yj jj iiij d. 

«rbartt locbing y ß. 

yeli wies y ß, 

Eüss gass. 

rftedi g&man yiiij Sf. 
die wissin yij ff. 
b&cber iiij ff. 
alltbanns bader xiij ß, 
I^etter am rein y jß. 
bennsli witt y ß, 
bibersteinin iiij ß, 
beini widerker xyiii ß. 



beini weibel yiii ß und 

&idli bürgis yiij ß, 

beini fry yiii ß und 

beringer sidler xiii ß. 

wellti trottmä x ß, 

niderland vj ß, 

bans meyer \ U y ß, 

bans eicbbolzer yiii ß, 

wiger xy ß. 

die meyerin iiij ß, 

bans scbmid sin sun iij ff yj yf . 

beini müller yff de brug xyij ß, 

bans scblosser yij ß, 

wellis müller xxx ß. 

scbwibogen. 

die bedinger iiij ff y yf . 

iung bans bader yiiii ß, 

petter wagner yiii ß und 

cünrat kürsmer yij ß. 

banns keyser ij ff ii yf . 

nunnenmacber x ß. 

gengelbacb yiij* /f. 

dewi yö wil y ß, 

die englin iiij ß/ 

agatt stettlerin iii ß, 

stricber yiii ß iin bei. 

yli scbriber iiij ß iiij d. 

nigeUer y ß, 

bennttscbli yj ß iiij d. 

petter buss y ß, 

jacop Sattler iiij ff. 

müller y ß. 

bödli yiüj ß. 

berttscbi bregetzer 1 ff yiiij ß. 

cünrat böwenstein yi y^ ij d. 

die allt böwensteinin y ß, 

martti kürsmer x ß iiij d. 

bensli belman y ß. 

krumpuris kinnt m U ü ß, 

lang y ß. 

scbultbes muttscbli xx ff y yf . 

banns Sattler xy ß, 

scbwingass. 

yli pur xxxiij ß. 

petter walder yiij ff ynd sin scbwig, 

die gräffin xy ß, 

berttnagel y ß. 

bilgrii y ß. 



118 



die zieglerin viij ß. 

hensli w&rer i tf y /?. 

hofimeister 1 tf. 

petter rott v ß, 

wilhäm mattis y ß, 

geri mathisssin xnaE üij ß, 

veli keller iiij ß, 

michel schmid x ß, 

die schlosserin xvii ß iiii hei. 

rÄdolfF widmer ii ff yij /J. 

vlmä mnttBcbli zx f[ t ß, 

iacop muttschli ij ff. 

märgttgass. 

Jörg esslinger ii tf. 

hamis vo aJ X /J. 

henßli bnlli ii tf üii /f. 

hans krieg x tf v )f . 

enmst i ff. 

die von sengen x ff. 

hensli meyer iij ff. 

egissen. 

wemer Schwab vi ff v yj. 

heini helmä i ff viiij ß. 

walther honegg xxx ß xviüj hei. 

hensli helma^xvj ß, 

rÄdolff honeg i ff. 

heini hof&nan x ff. 

mosser ij tf vi ß, 

hensli schnider iij ff. 

cläff tmb V ß. 

hans scherrer xv ß, 

bönsch xiij ß, 

hans hofiina iii ff. 

clewi hoffinä xviiij ß. 

michel scherrer v ß, 

die kelissin xii ß, 

hans hass x ß v d. 

rotter v ff. 

hensli Schwab sin tochtt iU b ß. 

petter meyer v ß, 

der von seengen xiij guld. 

schnlthes glettli iiij i ab üij ff. 

heini bnlli iij ff. 

bömli. 

hans wagn xiij ß, 

jacop schmid viij ß iiij d. 

heini aman v ß, 

thoman ij ß. 



heini bader vij ß, 
ittli bossin iii ß, 
lienhart schnider. 

korngass. 

berttschi metzger vüi ß^ 
hegelbach ij » ii /7. 
weUti hügli v ß. 
welti frick iii u n ß. 
vlrich vj rifelden v ß^ 
frickn hnss v ß, 
öttschi wisser v ß. 
heini krieg ii ff v yj. 
vlmä hebler i tt y ß. 
hölschi V ß, 
kessler ij ff. 
hensli stettle v ß. 
hans nar iiij ß, 
rüdi hebissn iiij ß, 
hans karrer iiij ß, 

wäbergass. 

hans stalder v ß, 

cläff rieh V ß, 

imer helmans wip xviiij hei. 

iacop fry v ß. 

vli helman v ß. 

hartmä helmä ij ff viij ß» 

vilingergass. 

veli oberhnsser vj yj ij h. 

meyenbg v ff. 

veli aman v ß. 

petter bmn v ß. 

veli Witt ii ff. 

die kilchmeyerin v ß. 

vli schriber viii ß. 

schwiger j ff. 

liebacher v ß. 

rosenstock v ß» 

cläff tischmacE ii ff. 

fischer vij ß. 

hans bmn v ß, 

petter bind iii ff ii ß^ 

affholter viij ß, 

rüdi belling vij ff. 

hans hüber vij ß, 

heini belling iij ff iiij ß. 

hans kopff vi ß, 

die obschlagerin v ß. 



119 



iacop tischmach i ff vij /?. 
scholthes schodeller iiij ff. 
hans heini schodeH sin mait vilij ff. 
clewi sager. 
walther sager xxzv ß, 
heinrich trab ij ff iiij ß, 
cläff wacbmeist v ß. 

Die nssburg. 

min fröwn von Hermäschwil iij ff. 

dogwiler üü ß. 

pette Inpis y yf . 

hans koler v ß, 

barbeli strich üii ß. 

hölderU. 

jager iü ß. 

hans walch v ß. 



die bronnerin v ß, 

heini widm vö bar. 

weber helmans.wip iiij ß. 

brussi üi /. 

häffeli X ß, 

beringer scherer. 

heini deck v ß. 

lönppi ij gold. 

Jörg schmid y ß, 

anni schmidli iij ß. 

die knllin ijj(f. 

c&nrat belling xxxiij ß üii d. 

die künin ii ß. 

die amaly iiij ß, 

die meg sntterin iii ß. 

petter müUer v ß, 

anis mntt xvi hei. 



n. 

Der stiirrodell anno v'^xxv'.*. 



dt Hans strnb iii ß. 
Müllerin von Otenbach iiij ß, 
Hans wyser iiij ß üii h. 
Lntz üi ß, 
Baderia git nüt. 
Schwindlerin iij ß, 
Migerlin üi ß. 
Ströwlin iü ß. 
hat macher. 
trini stenz. 

am bach. 

hans hertiggel xvü mig iüj h. 

heinrich hertiggell yüj ß iüj h. 

annly hebler üi yj. 

hemnch ty iii ß. 

ylrich fOrbass vüj ß iüj h. 

her haberkom x ß, 

her bücher xüj ß. 

Jacob Fanck i ff üj h. 

hans hatter. 

Löffelsperg üij ß ij h. 

Lax steltzer üi ß, 

agnes ottmar üj ß. 

schlosserin. 

rüdolff teck üüj ß. 

stely üj ß, 

bensly reber üj ß. 

heini leemä iü ß. 



her dechan xüj anster. 

her hans leachlis jankfrow iii ß^ 

ottmarin. 

heini caspar iii ß. 

andres bann wart iij ß. 

catrin dennenbergin iij ß. 

btirgi zimbermä üj ß. 

hanns roner iü ß. 

dein hanns fry üij /f j d und sin 

schwiger. 
hans teck iii ß. 

Spiegelgassen. 

üenhart meyer. 

ctbirat schnewü iü ß. 

hanns keyser iü ß. 

hanns petter iii ß> 

glettlin von Amin iii ß, 

hanns hüber iü ß. 

anny schilter iü ß. 

heini teck m ß y \l, 

Caspar rebmä iü ß. 

hanns keller iü ß,' 

hanns henschly iii ß. 

keysers stüffsfui rosenkranz iü ß. 

hanns senger iü ß, 

meyster jofs. 

greti büler iii ß. 

wolffgang hirt. 



120 



stoffel brixner. 

hanns wissenbach iii ß, 

Rüfsgassen. 
Casper gümans Schwester git iii 

Caspar güman i U xiiij ß iiiij h. 

regeli g&man ij flf x d. 

banns rey xxxvii ß, 

ofswald rey iii ß. 

banns fiscber xviij ß, 

beini b^cber i flf x b. 

bans pliplicb yiij ß üij b. 

vly scbiltknecbt üij ß ii b. 

jung banns rey vj ß iiii b. 

wittin vnd ir man xij ß. 

banns meyer. 

petter gerig viii ß üij b. 

götz sidler iü ß, 

wübebn spet iii ß. 

banns spet. 

bartü müUer i ff vi ^. 

banns keller xüj ß. 

Jacob boffmä i U y ß, 

waltbar lütbart iii ß, 

bans ambacb xij ß, 

sine stieffkind vij anster. 

scbmid im boff üj ff. 

die bafsen xv ß. 

baltifser scbmid vj ß iüj b. 

die wissenbacb xvj ß üij b. 

baltissers spaügers Kind üj ß. 

micbel scbmid üi ß, 

beini butmacber üi ß. 

rebmanin iü ß, 

bartü müller matter iü ß, 

am scbwibogen. 

banns bediger ij ff üij ß, 

banns bader üj ß, 

beini bader. 

frow bertzin iü ß. 

nüw kürsiner gent scbönegcb iü ß, 

vly scbad xvij ß mig iüj ß. 

beini trottma i ff v /^. 

allt keyserin xv ß. 

banns wagner iii ß, 

Jacob bonegger viüj ß, 

l&rentz nor vüj ß. 



petter kantengiefser v ß. 

der scblofser iü ß. 

bamis kebler iüj ß ij b. 

vly fry üj /? . 

banns widmer üj ß, 

üenbart ffCfseli v ß, 

Jörg meyisUger xxxij ß üij b. 

cfbu^t bonegger ^üj if* 

die widerkerin xvij ßmig iüj b. 

banns wüstenn Kind. 

üenbart düntz iüi ß, 

hanns zingg xüj j^. 

wendell wüst i ff^ xiü y^ iü b. 

rideggerin üi ß, 

lang von isibergschwü xxxiiij ß ii h. 

meyer sch&macber xiüj ß. 

marty kürsiner x y^ v b. 

bürgifserin xvj ß, 

banns tischmacber iiii ß ii b. 

der duntzen pfister. 

Vly Mutschii xxij ff. 

Schwingass. 

kolbrennerin xüi ß mig ii b. 

Jacob bninner. 

walderin üj ff. 

Jacob stapfer. 

beini ernst vj ß iüj b. 

sin müeter iü ß, 

fleckenstein üj ß, 

leingruber x ß iiii b. 

vü diggelmä. 

hanns ratgeb üü ß. 

maier i ff. 

claos widerker iü ß, 

sin vatter üi ß. 

banns kindbiifser. 

banns fleckenstein iii ß, 

antboni murer. 

beyni keyser xvi ß, 

margrit matbifsin iii ß, 

Jacob walder xvüü ß, 

banns mutschü xi ff xviij ß, 

beini vogt üij ß ii b. 

freni scbürer. 

banns musch xüi ß. 

meister bug kücbli. 

banns otbmar üi ß. 



121 



am merok. 

Bagerin iij tf vnd xv ß. 

Budolff schodelers kind ij flf mig i ß, 

hanns sager git nttt. 

Heinrich. wiss vij flf vi y(?. 

hanss germa iii ß. 

yIj hoffinä viü ß iiij h. 

yns röfsli iiij y(? ii h. 

Jacob schwartz i tf yiij ß. 

bantli meyer xiij ß, 

hanns helma xii ß, 

hanns bücher iii ß, 

Cristanin vüij y(r iiij h. 

yrfs hoffini iij tf . 

sin mütter vij tf . 

cünrat mejer ziiij ß. 

hanns mejenberg i u y y(r iiij h. 

anthoni engel iiii /^ ii h. 

hanns trab iü ß. 

schnider von Benzeschwil. 

andres fer. 

allt tischmacher xy ß, 

hanns eichholtzer \ u y\x ß, 

cünrat merck iii ß. 

walther hüber. 

heinrich tischmacher. 

heinrich höwenstein vi^ ß, iiij h. 

abrillin iii ß, 

hanns trüb iiii i(? ij h. 

michel hoffma viij ^ iiii h. 

allt scherrerin vi ß» 

hanns meyer iii ß. 

heinrich schmid iiij y^ üü h. 

hanns ströwly xxxvi ß, 

Caspar lang i tf. 

Jacob bnchegger xxxyiij ß. 

tomann mofser. 

Jacob steinmä xv ß, 

des rifsers kind xviüj ß, 

der schnider im selbigen hufs iii ß 

heifs dr brunner. 
hanns schodeler xiij ß, 
conrat meyers jmi§^ow iii ß, 

korngassen. 
hanns Schwab, 
vly lang iiij y^ ii h. 
Tly heiler xxxiii ß, 
hanss lengg iiij ß. 



Jörg schüli iii ß. 

Fridli pfister oder Elsisser iii ß. 

tomann nottshamer iii ß, 

hanns zünd iii ß. 

wolffgang forer y ß, 

adam mantz iii ß, 

hanns carrentrit i tf yiiij ß, 

Jacob ernst iii ß, 

r&dolff götschi. * 

micheU pur iii ß, 

hanns cohnä yiij ß, 

hanns scherer iij ß, 

sehottigerin iii ß. 

die Yon Sins. 

othmar brUlma ü^ y(? ii h. 

affolterin iii ß. 

deinig leuchli iii ß. 

brtümans tochtermä üi ß* 

der allt Schill yi ß. 

der jung Schill iij ß. 

richa kefslerin iij ß, 

yiliger gasseiL 

gertrut sager iii ß. 

adeli rathgeb. 

h^nns büb xiüj ß. 

petter brun iii ß' 

yly schopp iii U, 

barbell yon wolen. 

heini walthar ij tf iij ß. 

r&dy keller üi ß, 

cünrat fry xvj ß yüi h. 

sin frow x ß iiij h. 

Jacob hubler i u yiüj y(? ii h. 

hanns hj m ß, 

allt bilgerin üi ß. 

Wemher schodoler yi ff y /f . 

magdalena g^tin. 

Jacob senn m ß, * 

hanns yogelsang iü ß. 

Jacob gugger iü ß. 

hanns höfsli üü ß. 

Caspar ochfsner üi ß. 

retzerin yi ß* 

hanns meyer üij ß i d. 

rüdolff müller xig batzen. 

petier radegger yüj yf üij h. 

gebhart wagner j ff. 

seylerin iü ß. 



122 



seylerin toohtermä iii ß, 

hamis hufser vi U. 

die obschlagerin rvi /J viij h. 

Jacob füchslin xi ß, 

alin iiij ß. 

die retzerin i ff üijjtf. 

hanns widerker iii flT xv d. 

Jacob cristen. 

petter jeger viij ß iiij h. 

webergaBsen. 

schultheifs honegger. 

rndolff amman iii ß. 

schwitzers kind. 

magdalena kriegin iii ß. 

Jacob wifs iii ß, 

banns kronyfsen wifs iiij h. 

bug schwitzer v ß, 

mdolfF maritz iij ß, 

vli schwitzer vi ß] 

cathriü schodolerin oder meyen- 

bergin xxxvi ß, 
vly retzer xvi ß, 
Lienhart bürli x iii ß. 

vfsburger. 

frow barbara herportin ij flf. 

hermatschwil. 

meyster jacob wüst viij ß. 

her michel wüst. 

her hans cristen xi ß. 



friedli schmid von ow iiij ß^ 

Efsligerin iij ß. 

allt hebmanin. 

greti keyfser iij ß. 

Elsy von stocken iij ß^ 

seylerin iii ß, 

anny müUer iii ß. 

vrsell mtlller. 

hanns wifsenbach iii ß, 

jnng hannfi trüb iii ß, 

magdalena fleckenstein iii ß^ 

adelheyt eberhartin. 

fronegg von niderwil iii ß. 

des borsigers kind vi ß, 

angustin meyer iii ß. 

adeli gogger. 

dorothe federlin iii ß, 

regali meyer. 

allt tmbin iii ß. 

Schwindlerin iii ß, 

die allt baderin othmarin iii ß. 

hanns schmid der jung iii ß, 

anna eichholtzerin. 

regeli wlirman iii ß, 

michel pnr der affolterin brüder 

viij ß uij h. 
michel schmid iii ß. 
frickin von znfficken iii ß. 
vly gogger iii ß. 
Elfsly koler üi ß. 



TIL 
Holz- und Ackei^eld in den Jahren i486 nnd 1616. 

I. 



Diss ist d holtz im Ixxxv iar. 

dt der erstt vi ff hensli schnide* 

dt der ander y tt y ß vlmä mntschli 

dt der dritt iiijff hans heini meyer 

dt der fierd iiij ff der wirtt zmn rössli 

dt der fOnfiPt iij ff hans heini meyer 

dt der sechstt iij ff helmä 

dt der sibent iij ff schtüthes schodelle 

dt der achtett iij ff v yff hans krieg. 

dt der nünd iij ff hans stalder 



vi ff, 

vffvy^. 

• • • • 
inj 

• • • • 

• ■ • 

UJ »- 

UJ ff. 

• ■ • ^tP 

llJ ». 



123 



dt der zechet iij !f aman bertschi iii ST» 

dt der einlifft iiiij ff meyenbg y Sf. 

dt der zwöfft iij ff beioi helma . . ^ . . iij ff, 

dt der dryzechet iij ff hennttschli iij ff» 

dt der fierzechet iij ff clewi vo wil .... iij ff. 

dt der fÜnfPtzecbt iij ff niggeller iij ff. 

Die xi teil, 

dt der erstt iiij ff hans muttschli üij ff. 

dt der ander iiij ff heini beding ii\j ff. 

dt der dritt iij ffbeini belma üj ff- 

dt der fierd iiij ff minj v ß meist iacop. 

dt der fttnflPt iij ff bennttscbli iij 

dt der secbstt ij ff y yj boneg ij 

dt der sibet iij ff mind y ß scbultbes scbodell . . iij ff. 

dt der acbtett iij ff ladenbecbe iij ff- 

dt der nünd iiiij ff meist melch iiiij ff. 

dt der zechet i^j ff bans krieg iij ff. 

dt der einlifft iiij ff y yj hans krieg- . . . . iiij ff. 

It. die holzmeyer band de ziegle ze könffen gebn ym x ß. 

It. der Ottmar ym i ff ii /J. 

It. der bürgi ym y ä. 

It. der petterli ym y ß. 

It. bans bide soll iiij ß ym boltz. 

It. hans heini meyer sol 

IL 
Das holtzgellt anno xv^'xvi. 

Item der müller yff der bmgg sol yij ff ymb eicbin boltz, 



Die acht teyl im Bor 

der erst iij ff Büdolff Otbmar, 
der ander iij ff heini bürgisser, 
der dritt ij ff heini bilrgisser, 
der yierdt ij ff mdolff teck, 
der fOnfft ij ff ylv hediger, 
der sechsdt iij ff y )ff mdolff othmar, 
der sibend iij ff rudolff othmar, 
der achtend üij ff toman moser 
sibend al bezahlt. 



Die siben teyl 

Der erst ij ff y /^ kiinrat bonegg. 
der ander i pfand cftnrat honegg. 
der dritt ij ff y /J b^ni teck. 
der yierdt iij ff y /J hans mosch^ 
der fünfPb iij ff heini reber. 
der sechsdt üj ff y /^ bans reyg. 
der sibend iiij ff büglin. 



m. 

Das achergelK anno vcxvi. 

Die acher ob dem galgen 

der erst dry jnchart — xxi fiertel pet affolt. 
der ander ij jnchart — xyij fiertel bans halber. 
der dritt ij jnchart — xyij fiertel rüdolff otmar. 



124 

die vnderm galgen 

der erst iij juchart — vi fiertel bartli müller. 
der ander iij juchart ' — vi fiertel kdrat meyer. 
der drit iij juchart — vij fiertel heini bürgisser. 

an des zieglers acher 

der erst am walld ij juchart — rvL fiertel wjfs. 
der ander ij juchart — xxiiij fiertel tomä moser. 

vnnder den nüszboumen 

der erst ij juchart — xi fiertel schiltknecht. 

der ander bym krütz ij juchart x fiertel vlj hedingei 



vm. 

Ertrag der Fischensen in den Jahren 1683 bis 1626. 

I. 

Actuifi 1523 iar 
Item mine hem hand Vrichen Hediger die see zd geiss geliehen 
zechen jar, Ein jar vm siben pfund vnd ist kein schiff darinn gesin 
vnd stirbt er in dem zill, so sind die jar vfs. 
Actum 1523 jar 
Item mine heiii hand Hansen widerker den Vellboum geliehen 
zwej jar vmb viiii guldin an müntz. 
Actum 1523 jar 
Item mine hern hand Hannsen Yischer die vischenzen vmb die 
Ow geliehen . .jar, Ein jar vm fOnfft halb pfund vnd ist weder 
schiff noch schalten da. 

Velboumb 

Item min hem haben Hannsen Widerker den velboumb erlengert 
aber zwej jar vmb xvij gl. Difs beschach anno xxv° oculi in der vast. 

Isenlouffen. 

Yff mituasten im xxiiij jar haben mine hern Hannsen vischer den 
Isenlouffen geliehen zwey jar Ein jar vmb x flf vnd soll den in g^iten 
Eren vffgeben. Sin bürg: 

Türstbrunnen 

Vnd haben euch im geliehen vff den vorgenaiäten tag den turst- 
bnmnen euch zwey jar, Ein jar vm ij tf. Sin bürg: 

Vnd sol sie euch in Eren vffgeben. 

Isenlouffen vnd türstbrunnen hand min heriä Hannsen Yischer 
erlengert i jar. 

Lendis vischetzen 

Ouch vff mittuasten im xxiiij jar haben mine herü hannsen vogel- 
sang die vischetzen so lendy gehept hatt vor zitten zwey jar, Ein 



125 

jar vm iiij Sf, ouch mit lüterung, die in Eren zu haben. Ynd also 
wider yffisugeben. eine bnrg: 

Item mine hem band geliehen Jacoben Habler Lendis Yisch- 
etzen z jar i jar vmb iiii !f mit sölicher lüthrung alls dann die visch- . 
enzen nit in g^iten Eren lit, das ers in gut Er lege vnd nach Er- 
schinnng der x jar in Eren wider vfgeben soll, vnd beschach difs 
liehen yff ingannden mertzen anno xv'xxv". 

n. 

Die eischeizen nachuolgend sind geUchen effsamstag vor Mitt- 
vasienn anno dm xocrij^* 

Item min hem haben gelichn Vly Hediger die vischetzen genant 
der Turstbrunnen v jar i jar vmb x flf vnd ist sin Bürg Hanns 
Hediger sin br&der. 

Onch haben si geliehen Hansen Hediger den Ysenlouffen v jar 
Ein jar vmb xii ff des bürg ist sin brüder Ylrich Hediger. 

Item so haben onch mine hem geliehen Jacobn Wissenbach die 
vischetzen vmb die Onw v jar, i jar vmb v ff vnnd ist sin bürg 
sin brüder Heinrich Wissenbach hie. 

Item vnnd Heinrich bücher hatt in geliehen die vischetzen zu 
Snltz vnd alles fttnflf jar, i jar vmb x ff vnd ist sin bnrg Vly 
Schilknecht. 

Difs vischer all sölln ir visch die si vachn by Im Eydn harzü 
merckt tragen, onch sölln si die vischetzen in Er legen, vnnd nach 
verschinen der fanff jaren in Eren wider vffgeben. 



\^ 



Hans von Haiiwii 



y 



der Held von Granson und Murten, 

mit fibersichtlicher Darstellmig seiner Yorfahren. 



Von 



Pirector am Progynnaiiam zn Biel, Hitglied des histor. Yereinfl des Kantons Bern 

und der Schweiz, geschichtforschenden Gesellschaft 



Der Verfasser dieser Arbeit spricht hiemit allen denen, die ihm 
bei derselben ihre freundliche Beihülfe geleistet haben, seinen wlinn» 
sten Dank ans, so voraus den 

Herrn Landammann Hans y. Hallwil in Aaran, 
Staatsschreiber Amiet in Solothom, 
von Mülinen-Mnttach in Bern, 
• Staatsschreiber von Stürler in Bern, 
Prof. Bochholz in Aaran, 
Stadtpfarrer Schröter in Rheinfelden, 
Theodor von Liebenan in Lnzem, 
Oerichtspräsident 6. Blösch in Biel. 



j 



^<^>^iK' ..„:/. I 






Hans Ton Hallwil, 

der Held von Granson und Milien, 

mit übersichtlicher Darstellung seiner Vorfahren. 



Motto: 

Ein Volk, da^ seine Yergangenheit 
nicht ehrt, hat keine Zukanft. 

Lykurg von Sparta. 

Johann v. Müller sagt einmal in seiner Schweizergeschichte: 
„Wenige Geschlechter zählen so hoch hinauf erweisliche Ahnen, 
und Ein Hallwil und Ein Winkelried waren an Buhm vielen 
Königen überlegen; denn nur bei Marathon und in den Thermo- 
pylen war ihresgleichen." 

So vergegenwärtigen wir uns denn ohne weitere Umschweife, 
was uns die Urkunden über dieses ruhmreiche Geschlecht mit- 
theilen. Bei dem bedeutenden Umfang von Macht und Besitz- 
thum, welches die Familie sowohl an den Gestaden des Hallwiler- 
sees, als in den Flussgebieten der Aa, derWinen, der Suhrund 
Aare gehabt hat, dürfte eine derartige Monographie zugleich einen 
bescheidenen Beitrag zur Geschichte des alten Aargau abgeben. 

Das Geschlecht derer von Hallwil wird um die Mitte des 
12. Jahrhunderts zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Es 
gehört dasselbe unstreitig zu den ältesten, angesehensten und 
blühendsten Adelsfamilien unseres Vaterlandes. Die Familien- 
documente reichen bis in die Zeiten des grossen Interregnums 
hinauf. Die Hallwil sind vielleicht das einzige Adelsgeschlecht 
der Schweiz, das von der ersten Zeit seines Auftretens in der 
Geschichte bis auf den heutigen Tag seine zwar mehrmals 
zerstörte, aber immer wieder aufgebaute Stammburg behauptet 
hat und sie noch heute bewohnt. Schützende Bestimmungen da- 
gegen, dass dieselbe nicht in fremde Hände komme, wurden schon 
frühe getroffen. 

AigOYia VI. 9 



l 



130 

Die Erbauung der Burg Hallwil führt uns in das 11. oder 
in den Anfang des 12. Jahrhunderts zurück. Bestimmtere Nach- 
richten darüber gehen uns ab. Als im Jahr 1354 Walter tdu 
Hallwil, Bitter, nebst seinen Brüdern Hans, Budolf und Thüring, 
Edelknechten, bei dem Bischof von Konstanz um die Erlaubniss 
einkamen, einen eigenen Caplan anstellen zu dürfen, wird von 
der Kapelle zu Hallwil gesagt, dass sie „vor alter Zeit^ in der 
Burg erbaut worden sei. 

Als ehrwürdigen Ueberrest von der alten Burg Hallwil haben 
wir den Bergfried anzusehen, jenen gewaltigen, westwärts ge- 
legenen, viereckigen Thurm mit wahrhaft cyklopischem Mauer- 
werk, das nach altem Abbildungen des Schlosses den ganzen 
Gebäudecomplex weit überragte — er soll ohne Dach eine Höhe 
von 90' gehabt haben — , heute aber theilweise abgetragen ist. 
Jener Thurm gleicht in Anlage und Bauart den mittelalterlichen 
Thürmen des 11. Jahrhunderts, so unter Anderm der Habsburg, 
obwohl er von kleinerm Umfang ist als dieser. Der Platz, auf 
dem er steht, ist vortrefflich gewählt. 

Das heutige Aathal mit seinen lachenden Wiesen, seinen 
wohlgepflegten Feldern und seinem Beichthum an Bäumen, an 
dessen oberem d. h. südlichen Ende sogar noch der Weinstock 
fortkommt, war ehedem Sumpfland. Daher kommt es, dass die 
freundlichen Dörfer, die heute dieses Thal seiner Länge nach 
schmücken, nicht in der Thalsohle, sondern in circa halbstün- 
diger Entfernung einander gegenüberUegen. Am wenigsten breit 
ist die Thalsohle zwischen den beiden Dörfern Seengen auf der 
östlichen und Bonischwil auf der westlichen Seite. Darum passte 
gerade diese Stelle, wo die beiderseitigen Bodenerhebungen, 
welche ehedem den See begränzt haben mögen , am nächsten zu- 
sammentraten, für den Bau einer Burg wie nicht leicht ein 
zweiter. Auf Felsengrund auferbaut und rings von Wasser um- 
geben, eignete sich eine Burg an dieser Stelle auch aus dem 
Grunde für einen Rittersitz, weil der Inhaber derselben von hier 
aus seine burgherrliche Macht über beide Seeufer am leichtesten 
auszuüben vermochte. 

Das Schloss Hallwil, wie es sich uns heute darstellt, liegt 
so ziemlich auf dem gleichen Niveau mit dem See dieses Namens 
und hart an der westlichen Abdachung des Boniswiler Höhen- 
zugs, wess wegen sein Anblick von dieser Seite her kein wirkungs- 
voller ist. Ein Anderes ist's, wenn wir uns der Burg von Osten 
oder Süden her nähern. Seine Lage ist in landschafthcher Hinsicht 



131 

«ine reizende zu nennen. Am Ausfluss der Aa aus dem See 
und am Eingang des durch Ackerbau, Viehzucht und Industrie 
zu schönem Wohlstand gelangten anmuthigen Thaies desselben 
Namens gelegen, wird es heute von dem klaren, fischreichen 
Wasser des eben genannten Flüsschens lieblich umspült, das- 
selbe verlässt nämlich den See einige tausend Fuss weiter südlich. 
Die zum Schloss gehörigen Gebäulichkeiten sind ziemlich ansehn- 
lich und umfangreich. Die zwei durch hohes Mauerwerk mit ein- 
4inder verbundenen Häuser, von denen das eine, vordere, über 
<iem Hauptportal die Jahreszahl 1582 trägt und im Innern ge- 
schmackvoll restaurijrt ist — daselbst befinden sich alte WaflFen 
und Rüstungen, so das Schwert des Helden Hans von Hallwil, 
das die Jahrzahl 1441 trägt und bei'm Neubau der Kirche zu 
Seengen im Jahr 1827 mitsammt den Stiefeln und Sporen des 
edeln Ritters aus dessen Grabe ausgegraben wurde — sowie die 
fünf hübschen grossem und kleinern Thürme, von denen einer 
heute noch als das BurgverUess zu erkennen ist , im Weitern die 
Ueberreste der Burgcapelle, bei deren Anblick man unwillkürlich 
der Sage vom Ring zu Hallwil gedenkt, und endlich die mancherlei 
Oekonomiegebäude, an welchen dasEpheu üppig emporrankt,^ — 
dies Alles giebt dem Rittersitz ein ehrwürdiges Aussehen. Tiefe 
Schlossgräben lungeben denselben; schöne Eschengruppen, hübsche 
Anl£^en erhöhen den Reiz der nächsten Umgebung. 

Ein ernstes Gefühl beschleicht uns, wenn wir erwägen, dass 
sich nicht in diesem Gebäude, welches heute vor uns steht, wohl 
aber an diesem Fleck Erde, der dasselbe trägt, die Geschichte 
eines Geschlechtes abspinnt, welches mehr wie 7 Jahrhunderte alt 
. ist. Kaum ein Rittersitz der Schweiz wird eine reichere 
Geschichte haben. 

Einen malerischen AnbUck gewährt uns der Hofraum des 
Schlosses, zu dem von der Strasse her ein mit zwei prachtvollen 
Kastanienbäumen geziertes Hauptportal führt. In der Mitte des 
Hofraums stand früher eine Linde; seit etwa 5 Jahren vertritt 
eine Ceder ihre Stelle. . Ein Schlossbrunnen spendet reichliches 
Wasser , und wenn die Gebäulichkeiten , namentUch von der Hof- 
seite aus angesehen, bis in die neueste Zeit die Spuren des Zer- 
falls an sich trugen, so hat dagegen der jetzige Besitzer für die 
Wiederherstellung derjenigen Theile am Schlosse, die baufällig 
geworden sind, schöne Anfänge gemacht. Auf der Südseite des 
Hofraums führt ein neu erstellter Thorbogen in einen säulen- 
getragenen Freiplatz gegen den See. An den drei Rückwänden 



132 

dieser Halle sind sechs Grabmäler berühmter Ahnen aus dem 
Geschlecht der Hallwil aufgestellt, worunter auch dasjenige de& 
Siegers bei Granson und Murten. Ein herrliches Gebirgspanorama. 
thut sich vor unsem Augen nach dieser Südseite des Schlosses 
auf. Der Hallwilersee selbst ist eine liebliche Idylle. Seine Ufer 
sind mit 10 Dörfern bekränzt. Am nördlichen Gestade desselben 
erhebt sich in Weinbergen die schön gelegene Kaltwasserheil- 
anstalt Brestenberg. Stehen wir bei klarem Himmel in einem 
der nach Süden gelegenen Gemächer der Burg, so scheint aus. 
den blauen Fluthen des Sees eine Reihe von Berggipfeln aufzu- 
tauchen, deren Schnee- und Eisfelder mit j^nen einen lebhaften 
Farbencontrast bilden. Unter diesen Bergen erkennt man also* 
bald den yielgezackten Pilatus, die stolze Pyramide des Rigi, die 
eisgepanzerte Kuppe des TitUs, die weiten Gletscher am Fuss 
des gewaltigen Urirothstock, sowie manche liebe alte Bekannte 
aus dem Bemer Oberland. 

Was nun den Namen unsers Geschlechtes und seiner Stamm* 
bürg anbelangt, so kommen folgende urkundliche Schreibungen 
desselben vor: Hallenmle, Hallewile, HaUewilre, Ralleuiler, 
HaUuunle, HaUewil, HalHwile, HcUimiler, Halnwile, Haihoik, 
Hahoile, HalltDil, HaUwyl, HahoiL Stumpf in seiner Schweizer 
Chronik VII, cap. 36 leitet den Namen naiv genug von Römischen 
Rittern Namens Ala — Flügel — ab, welche hier gewohnt hätten. 
Auf diese Erklärung verfiel er wohl durch das Wappen der Hall- 
wil, das einen doppelten aufrecht stehenden schwarzen „Flug^ in 
seinem Schilde führt. 

Dasselbe im Archiv zu Hallwil befindliche und wahrscheinlich 
aus dem 16. Jahrhundert stammende Manuscript, welches das 
grosse Gedicht vom Ring von Hallwil sammt Illustrationen ent- 
hält, fuhrt den Ursprung des Geschlechtes der Hallwil sogar 
auf Romulus und Remus zurück. (!) 

Sinniger, aber wohl kaum einleuchtender ist diejenige Er* 
klärung, welche den Namen aus der im Hallwilersee häufig vor- 
kommenden Seerose oder Seelilie herleit^. Sc}ineide man, heisst 
es, den Stengel dieser gelben Seerose quer durch, so zeige sich 
im Stengelmark das Bild eines ausgespreizten Flügels. Andere 
Erklärungen des Wortes aus Halle zur Bergung der auf dem 
See hin- und herspedirten Waaren, sowie der Versuch, Hallwil 
für gleichbedeutend mit Salz wil oder Salzhof zu nehmen, müssen, 
weil weder für die eine noch die andere Erklärung irgend eia 
historisches Zeugniss beigebracht werden kann, entschieden auf- 



133 

« 

gegeben werden. Vieles dürfte diejenige Erklärung des Wortes 
Hdlwil für sich haben , die mein verehrter Freund und ehemaliger 
Lehrer, Professor Bochholz, in seinen „Schweizersagen aus dem 
Aargau" versucht hat, da sie auf dem Wege vergleichender Sprach- 
forschung gefunden worden ist. Das lateinische Wort uUgoj d. h. 
die in der Erde herrschende Feuchtigkeit — wird in alten Ur- 
kunden (Glossse Lindenbrogianae , Haupts Zeitschrift 5, 575 a) 
mit haUwa übersetzt, und Haliwaml, contrahirt Halml^ wäre somit 
«in feuchter, ein mit Wasser und Sumpf umgebener Ort und 
gleichbedeutend mit Wasserburg. 

^Nach diesen einleitenden Bemerkungen gehen wir über zu dem 
Versuch eines historischen Abrisses des Geschlechtes 
derer von Hallwil von der ersten Zeit seines Auftretens 
in der Geschichte bis auf Hans von Hallwil, den Helden 
bei Granson und Murten. 

Hauptquelle für diese historische Darstellung war das Ar- 
thiv zu Hallwil, das seit einigen Jahren wohlgeordnet ist und 
mir von Herrn Landammann Hans v. Hallwil in Aarau in über- 
aus freundUcher und zuvorkommender Weise zur Disposition 
gestellt wurde. Benutzt wurde von mir die Familienchronik 
^es Geschlechtes der Hallwil, Manuscript, ausgearbeitet mit 
^nerkennenswerthem Fleisse, wenn ^auch nicht immer mit der 
wünschbaren Kritik, von Theodor Kirchner, derzeit Pfarrer in 
Kabarz, Herzogthum Gotha. So führt der Verfasser beispiels- 
weise Johann von Müller in seiner Schweizergeschichte als Ge- 
währsmann da an, wo diesem selbst die gewünschten Urkunden 
abgehen. Angaben, wie die über den Blutbank zu Fahrwangen, 
die durch Kopp und die Liebenau evident als unhistorisch nach- 
gewiesen sind, werden ohne anders wieder mit in den Text auf- 
genonunen. Auch an der Beziehung der vom Verfasser dar- 
gestellten Personen und FamiUenereignisse auf gleichzeitige 
Schweiz. Zustände und Begebenheiten gebricht es der Arbeit in 
hohem Grade. Die Quellenwerke endlich sind lange nicht in 
genügendem Maasse zu Bathe gezogen. — Für die genealogischen 
Verhältnisse des Geschlechtes stand mir zu Gebote das mir durch 
die Güte des Herrn Friedrich von Mülinen-Muttach in Bern ein- 
gehändigte Manuscript: „Genealogie des Hauses Hallwil, 
entworfen und geschrieben von Gottfried von Mülinen," eine ge- 
schichtliche Arbeit, die beinahe nur die Genealogie und das Be- 
sitzthum derFamiUe berücksichtigt, aber in dem, was sie giebt» 
zuverlässig ist, wie Alles, was von diesem gewissenhaften Forscher 



134 

kommt. Endlich benutzte ich aus dem Archiv Hallwil ein vom 
Jahre 1220 bis in die Neuzeit fortgeführtes und mit Fleiss und 
Sorgfalt ausgearbeitetes handschriftliches Verzeichniss der im 
Archiv zu Hallwil befindUchen Documente. — Alle übrigen Quellen- 
werke, die für den Zweck dieser Arbeit benutzt wurden, habe 
ich je und je am zuständigen Orte genau angegeben. 



Uebersichtliche Darstellimg des Oeschlechtes derer 

Ton Hallwil von der ersten Zeit ihres Auftretens in 

der Geschichte Ms auf Hans von HallwiL 

1. Abschnitt: Erstes Auftreten der Hallwil bis auf Marschall 

Johann v. Hallwil, 1138—1315. 

Da uns über das Geschlecht der Hallwil Urkunden aus dem 
12. Jahrhundert fast gänzlich abgehen, so ist es uns in dieser 
Periode nicht vergönnt, einen klaren Blick in das Leben dieser 
Familie zu thun, welche doch schon im 13. Jahrhundert zu nam- 
hafter Bedeutung gelangt war. 

Abgesehen von den unzuverlässigen Angaben der Turnier- 
bücher, die wir hier nicht weiter berücksichtigen — sie lassen 
1080 einen Ritter von Hallwil bei einem Turnier zu Augsburg» 
1165 einen andern zu Zürich, 1198 abermal einen zu Nürnberg 
und 1209 ebenso zu Worms turnieren — geschieht die erste ver- 
bürgte Erwähnung des Namens Hallwil in einer Bulle des Papstes 
Innocenz IL vom 28. Nov. 1138, abgedruckt bei Herrgott in seiner 
Genealogia dipl. Aug. Gent. Habsb., aus den Archiven von St. 
Blasien. Ihr Inhalt: Bestätigung einer Schenkungsurkunde, dat. 
6. Kai. Januarii 1114, worin die Edeln Alger und Adelbero eine 
Zeige und Güter zu Wyslikon, „quod est in pago Thuragensi** , an 
das Kloster St. Blasien vergaben. Unter den Zeugen erscheint 
Diethelmus de Helwile. 

Im ganzen 12. Jahrhundert kömmt sonst der Name 
urkundlich weiter nicht vor. Unzweifelhaft waren die 
Edlen von Hallwil in den ersten Zeiten ihres Auftretens 
Dienstmänner der Grafen von Lenzburg, die sich im 12, 
Jahrhundert durch ihr volksfreundliches Benehmen , sowie durch 
ihre Hinneigung zu dem Hohenstaufischen Kaiserhause vor andern 
Adelsgeschlechtern auszeichnen. Im Jahre 1172 starb das mäch- 
tige Grafengeschlecht mit Graf Ulrich aus und durch Richenza 



135 

kamen verschiedene Besitzungen, weldie demselben ehedem ge- 
hört hatten, an die Grafen von Kiburg. (Gesch. der Kiburg von 
H. Escher, in Dalps Bitterb. der Schweiz.) 

Eine beglaubigte Abschrift des Dorfrodels von Hendschikon 
aus dem Jahre 1220, die sich im Archiv zu Hallwil vorfindet, er- 
wähnt unter andern Gerechtsamen dieser Gemeinde auch die, sich 
ihren Twingherm aus dem Geschlecht der Herren von Hallwil frei 
zu erwählen. Würde sie dieser Twingherr widerrechtlich behan- 
deln, so wäre ihnen unbenommen, sich einen Herrn aus einer andern 
Familie zu nehmen, ein Becht, von welchem die Bauersame von 
Hendschikon nie soll Gebrauch gemacht haben. Ueberhaupt liefert 
uns die Geschichte derer von Hallwil wenig Beispiele herzloser 
Bedrückung und Bedrängung ihrer Untergebenen. 

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind die 
Edeln von Hallwil Dienstmänner, Ministerialen, der 
Grafen von Kiburg, so Herr Walter — Walterus de Hal- 
wile — welcher mit 9 andern Edelleuten unter'm 25. Mai 1223 
den schiedsrichterlichen Spruch des Bischofs Conrad von Con- 
stanz zwischen den Grafen Ulrich von Kiburg und seinen Söhnen, 
Werner und Hartmann einerseits, und dem Chorherrenstitt zu 
Münster im Aargau anderseits mit unterzeichnet , und zwar steht 
der Name Walters unmittelbar hinter dem des pincema (Schenken) 
und dapifer (Truchsess), ein Beweis von seinem Ansehen am 
gräflichen Hofe. (Kopp, Gesch. der Eidg. Bünde K, 435. — 
Neugart, Cod. dipl. H, 147 ff. — Genealogie des Geschlechtes H. 
von Gottfr. v. Mülinen p. 5.) 

Unter den Bürgen eines zwischen Graf Hermann von Fro- 
burg und Heinrich von Kienberg geschlossenen Friedensvertrages 
vom 17. Januar 1241 stehen auch die Brüder Waltherus et Heral- 
dus de Hallewilre (TrouiU., Monum. H, 55). — Graf Hartmann 
der Aeltere von Kiburg verzeigt unter'm 9. Juli 1241 seiner Ge- 
malin, Margareth von Savoyen, Güter als Morgengabe, Leibgeding 
oder Wittwensitz, und als freies Erbe und Eigenthum> und Graf 
Hartmann der Jüngere ertheüt seine Zustimmung und verpflichtet 
sich, die Gräfin dabei zu schützen und in deren Nutzniessung 
aufrecht zu erhalten — 4 Urkunden, aUe erlassen zu Sure an 
einem und demselben Tage. — Unter den Zeugen der ersten 
Urkunde erscheinen B. et Wal. de Halliwiler, unter denen der 
zweiten B. et Wal., fratres de Hallewiler, unter denen der dritten 
Ber. et H. de Halliwile. Dieser H. de Halliwüe ist wohl kein 
anderer als der Heraldus de Hallewilre , welcher in der aus TrouiU. 



136 

Mon. n, 55 angeführten Urkunde vom 17. Januar 1241 vorkommt 
(Zeerleder, Urk. 247). — 1248 leisten, laut Zeerl. 282, 88 Grafen, 
Freiherren, Bitter, Geistliche und Eiburger Lehensvasallen Bürg- 
schaft für Graf Hartmanns des Jüngern Verpflichtungen gegen 
Margaretha, die Gemalin seines Yatersbruders, des Grafen Hart- 
mann des Aeltem von Kiburg. Unter den Zeugen treten auf 
Wal. et B., fratres de Hallewiler. — Wal. de Hallewil erscheint 
unterem 3. August 1255 unter den Zeugen einer durch Hartmann 
den Jüngern von Kiburg bestätigten Schenkung, welche dem 
Kloster St. Katharinenthal ehedem von Graf Hartmann dem Ael- 
tern von Kiburg gemacht worden war. (Herrg., geneal. habsb. 
II, 318.) — Ebenfalls als Zeugen eines unterem 9. Juli 1256 ge- 
machten Güterverkaufs treten Wal. et B. de Halle wile, fratres, 
auf. Es geschah dies am Tage von Grafen Hartmanns des Jün- 
gern erstem Eintritt in die Stadt Bern. (ZeerL 352.) 

Walter und Berchtold, Ritter, denen wir hier so oft ur- 
kundlich begegnet sind, sind Söhne jenes Walter von Hallwil, der 
1223 unter den Dienstmannen der Grafen von Kiburg angeführt 
wird und 1256 zu Gunsten des Klosters Kappel urkundet. Ein 
dritter Bruder heisst Rudolf und ist ebenfalls Ritter. Zwei 
Schwestern tragen den Namen Sophie und Adelheid. Dass 
auch Hartmann ihr Bruder war, ist nach Kopp wahrscheinUch, 
dagegen halte ich Dietrich nicht für ihren Bruder, sondern in 
Uebereinstimmung mit von Mülinens Genealogie, für ihren Oheim. 
(Kopp, Gesch. II, 435 u. 436. Derselbe: Gesch. Blätter H, 143.) 
Unter den Pröbsten zu Beromünster kommt Dietrich von HallwU 
in den Jahren 1273, 1274, 1275, 1277 urkundlich vor. Er starb 
1. August 1283. (Egb. Friedr. v. Mül., Helvetia sacra.) In Neu- 
gart, Episc. Const. p. 398 lesen wir: „Celebrioribus Helvetiae 
familiis jure ac merito suo adnumeratur Hallwiliana, nondum 
extincta. Anno 1270, 16. Maji, Theodoricus de Hallwil, 
canonicus ecclesise Beronensis, dehinc praeprositus, duas scoposas 
ecclesisß suse adscripsit, ut sacra anniversaria pro se ac Bertholdo 
fratruele agerentur." — Die Schenkung wird gutgeheissen von 
Walter, Edelknecht von Hallwil. — Berthold von Hallwil, gest. 
1283 , ist dieser Stelle zufolge nicht Bruder — frater — sondern 
Bruderssohn — fratrueüs — des Dietrich von Hallwil, der ebenso 
wie sein Neffe Berchtold im Jahre 1283 starb. 

Ein kurzer Ueberblick über den Herrschaftswechsel, 
welchen die Edeln von Hallwil in der 2. Hälfte des 13. 
Jahrhunderts erfuhren, dürfte hier am Platze sein. 



137 

Vom ^hr 1250 an waren die Hallwil Lehensleute 
Hartmanns des Jüngern von Kiburg, da in diesem Jahr bei 
der zwischen ihm und seinem Oheim, Hartmann dem Aeltem, 
vorgenommenen Theilung Hartmann der Jüngere mit sämmt- 
lichen Besitzungen und mit Zug und Arth Alles erhielt, 
was die Kiburger an Leuten und Gut zwischen Beuss 
und Aare besessen hatten. Zum Beweis der Richtigkeit dieser 
Behauptung vergleiche die pag. 136 angeführte Urkunde aus dem 
Jahr 1256. 

Nach dem Tode Hartmanns des Jüngern übernahm der Land- 
graf Budolf von Habsburg, Albrechts IV. Sohn, der spätere König 
Budolf , nebst seinen Vettern Gottfried und Eberhard von Habs- 
burg, den Söhnen Budolfs, des. Bruders von Albrecht IV., und 
Graf Hugo von Werdenberg die Vormundschaft über Hartmanns 
des Jüngern minderjährige Tochter Anna. Budolfs Mutter, Heilwig, 
und Hartmanns des jungem Vater, Werner, waren nämlich Ge- 
schwister. Der Bruder des Werner und der Heilwig war Hart- 
mann der Aeltere. Schon im Jahr 1261, Aug. 25., tritt das- 
Geschlecht der Hallwil zum ersten Mal nachweisbar mit 
dem Hause Habsburg in Berührung. Damals gab Graf 
Budolf von Habsburg, Landgraf un Elsass, Hofstatt und Haus 
in Bremgarten, das sog. "Grafenhaus, an Abt und Gonvent des 
Klosters Engelberg als Geschenk und frei von Stfeuer, Wache 
oder anderem Dienst. (Herrgott, Gen. H, 369 ff.) Unter den 
Zeugen erscheint auch Berchtold von Halwile. 

Graf Hartmann der Aeltere war den 27. Nov. 1264 gestorben. 
Im gleichen Jahr trat er durch gerichtlichen Spruch dem Grafen 
Budolf von Habsburg sämmtliche Lehen ab, welche er von ver- 
schiedenen Gotteshäusern sowohl als von WeltUchen trug, mit 
Ausnahme der Lehen, die vom Gotteshause St. Gallen herrührten. 
(Kopp, Gesch. II, 628.) 

Als sich Anna von Kiburg, Tochter Hartmanns des Jüngern, 
im Jahr 1273 mit Eberhard von Habsburg -Laufenburg, einem 
Geschwisterkind Budolfs, verehlichte, überUesssie dem Landgraf 
Budolf mit Zug und Arth Alles, was sie zwischen Beuss und Aare 
ererbt hatte, während ihr Gemal demselben mit Willisau und 
Sempach Schwiz und Leute und Gut zu Stanz und Buochs abtrat. 
(Kopp, Gesch. H, 590 ff.) Von nun an besass Budolf das ganze Aargau 
und nannte sich dessen Landgrafen. (Kopp, Gesch. H, 1. 595. 655.) 

Von 1273 an ändert sich somit das Dienstverhältniss 
derer von Hallwil in der Weise, dass sie aus Dienstleuten 



138 

• 

des Hauses Eiburg Dienstleute des Hause4|^Habsbur<^ 
wurden. Denn unter den Lehen, welche zwischen Reuss 
und Aare lagen, war offenbar auch die Herrschaft Hall- 
wil mit inbegriffen. 

Kehren wir nach diesen Bemerkungen, die wir im Interesse 
der Klarheit unserer Darstellung nicht unterlassen durften, zu 
den Söhnen des Walter von Hallwil: Walter, Berthold, 
Rudolf und Hartmann zurück! 

Die älteste uns bekannte, von einem Hallwil ge- 
fertigte Urkunde stellt Walter von Hallwil den 9. Nov, 
1256 auf der Burg gleichen Namens aus. Er vergabt in 
derselben an die Klosterbrüder von Kappel der Ruhe seiner Seele 
wegen das sog. Iglers Gut in viUa Seingen. Dafür verlangt Herr 
Walter, dass die Mönche seinen Leichnam nach seinem Tode bis 
auf drei Tagreisen Entfernung auf ihrem eigenen Wagen und auf 
ihre Kosten abholen und im Kreuzgang ihrer Kirche neben seinem 
Vater begraben sollen. (Vergl. Gesch. des Klosters Kappel von 
S. Yögelin im UL Bd. der Mitthlgen der antiquar. Gesellschaft 
in Zürich.) Waltherus miles de Hallewile erklärt: er wolle, wie 
seine Vordem gethan, die Cistercerbrüder zu Kappel ehren, ut- 
pote apud quos una cum prefatis progenitoribus meis ecclesias* 
ticam prelegerim sepulturam. Er fügt bei: Mit Zustimmung 
domini mei Hartmanni comitis junioris de Kiburc, sowie 
mit Willen mee conjugis Will, et omnium filiorum meorum et 
filiarum, videlicet Waltheri, Bertholdi, Adelheidis, Sophie, tunc 
temporis genitorum. (Kopp, Gesch. Blätter II, 143.) Da der 
Ausdruck progenitores wenigstens den Grossvater involvirt, so 
geht daraus hervor, dass die Hallwil nächst den Freien von 
Eschenbach, als Gründern des Klosters, wohl zu den 
ältesten Wohlthätern Kappeis zählen. • Aber auch zu den 
beharrlichsten, denn Bullinger zählt ihrer in seiner Geschichte 
des Klosters nicht weniger als 30 auf. 

Im Jahre 1257 wohnen Walter und Berchtold einer grossen 
Versammlung auf der Kiburg bei. Graf Hartmann der Jüngere 
verheisst unterem 24. März dieses Jahres abermals, dass er seinen 
Verpflichtungen gegen Margaretha von Savoyen, die Gemalin seines 
Vatersbruders, Grafen Hartmanns des Aeltern, ein Genüge leisten 
werde. 89 Grafen, Edle, Freie, Geistliche, Ritter und Mannen 
der Grafen von Kiburg und Bürger von Städten verheissen Bürg- 
schaft für das von Hartmann dem Jüngern gegebene Wort. Unter 
den sämmtlichen Bürgen nehmen Wal. et Ber. de Halluwile die 



139 

24. and 25. Stelle und unter den Kittern die 11. und 12. Stelle 
ein. (Zeerl. Urk. 365.) 

An dem Tage, da Hartmann der Jüngere zum ersten Mal 
Bern betrat, sind Walter und Berchtold von Hallwil neben Andern 
Zeugen eines durch einen seiner Dienstmannen gemachten Kaufes. 
(Kopp, Gesch. II, 4, 17.) 

Auch im Jahre 1259, März 7, functionirt Waltherus de 
Halnwile in der Eigenschaft als Zeuge eines von Graf Hartmann 
dem Jüngern von Kiburg gefertigten Ehebriefs Cono's von Vil- 
meringen (Vilmergen) und Annens , Tochter des Ritters Heinrich 
von Wangen. (Zeerl. 392.) 

Walters erste Gattin war laut Urkunde vom Jahr 1285 eine 
von Hünenberg, Schwester des Ritter Gottfried von Hünenberg; 
seine zweite Gemahn war laut Urkunde von 1293 eine Tochter 
des Ritter Matthias von Sumiswald. 

Laut einer zu Burgdorf ausgestellten und besiegelten Ur- 
kunde vom 11. Juni 1293, welche sich ebenfalls im Archiv zu 
Hallwil befindet, schuldet Rudolf , Graf von Habsburg, dem Ritter 
Walter von Hallwil 25 Mark Silber, nämüch 20 Mark für ein 
von ihm erkauftes Pferd und 5 Mark, die er dem Ritter Matthias 
von Sumofwalt (Sumiswald) an die Ehsteuer seiner Tochter ver- 
sprochen habe. Als Pfand übergiebt der Graf dem Ritter 25 
Stücke, welche von 2 Gütern zuRinach eingehen. Prof. E. Kopp 
bezog diesen Pfandbrief auf Rudolf von Habsburg, den römischen 
König und vermuthete, dass in dem Pfandschaftsverzeichniss die 
Jahreszahl verschrieben und 1267 statt 1293 zu lesen sei. (Kopp^ 
Gesch. II, 437, 7 und Geschichtsblätter.) Nun ist aber die ge- 
nannte Jahreszahl nicht etwa undeutUch geschrieben und so 
bleibt die Schwierigkeit ungelöst. An Graf Rudolf von Habsburg- 
Laufenburg zu denken, geht darum nicht an, weil der im Jahr 
1293 zu Constanz gestorbene Rudolf aus diesem Hause Geist- 
licher (Bischof) war und sein gleichnamiger Vater, Graf Rudolf 
der Verschwiegene, um 1246 oder 49 starb. 

Herr Berchtold, der ebenfalls zu Seengen seinen Ammann 
hatte, war bei den Grafen beider Häuser Habsburg viel gesehen 
und scheint namentUch bei Rudolf von Habsburg, dem nach- 
herigen deutschen König, wohl geUtten gewesen zu sein. Ritter 
Walter und Berchtold, Brüder von Halwile, sind am 15. Wein- 
monat 1263 zu Freudenau bei den jungem Habsburgem. Im 
Jahr 1865, Febr. 8. oder 9., schenkt Hugo von Jegistorf, Chor- 
herr zu Beromünster, dem Kloster Frienisberg, als Seelgeräthe» 



140 

Güter zu Janzenhaus, Scheunenberg und in der Altachen. Nach- 
dem die Zeugen aufgeführt worden, wird beigefügt : Insuper dictam 
donacionem renovavi, et prius factam recognovi. in Ecclesia Bero- 
nensi ante majus Altare coram viris discretis videlicet domino 
Hessone praeposito Werdensi, Dietrico de Halwil etc. (ZeerL 
466.) Aus dieser Urkunde geht klar hervor, dass Dietrich von 
Hallwil Ganonicus zu Beromünster war.* Berchtold allein ist zu 
Aarau am 25. Jänner 1267 und zu Burgdorf am 18. Hornung 
und im März 1267. (Kopp, Gesch. 11, 436 u. 462. Zeerleder, 
Urk. 486. 487. 496. Herrg. Geneal. II, 399.) Berchtold war 
einer der Bürgen, die Graf Rudolf von Habsburg dem Grafen 
Meinhard von Tirol gab. (Kopp, Gesch. 11, 412 und 437.) Im 
Juni 1267 siegelt Herr Berchtoldus de Alwile für Walter von 
Aarwangen. (Amiet, J. J., Regesten von Fraubrunnen.) Auch 
an Rudolfs Fehden gegen die Freiherren von Regensberg im 
Jahre 1266 und 1267 nahm er Theil. 1210 treffen wir ihn aber- 
mal im Gefolge Rudolfs, und anzunehmen ist, dass er als der treue 
Vasall Rudolfs auch bei dessen Fehde gegen den Bischof und die 
Stadt Basel nicht unthätig gewesen. Während der Belagerung 
der Stadt erhält Rudolf die Kunde von seiner Erwählung zum 
Römischen König (1273). 

Abgesehen von den übrigen hier nicht angeführten Urkunden 
aus jener Zeit, in denen Berchtold ebenfalls als Zeuge auftritt, 
erwähnen wir nur noch einer Verhandlung, die Berchtolds An- 
sehen sattsam constatirt. Im Jahr 1277 war er Obmann eines 
Schiedsgerichtes, welches den zwischen den Klöstern St. Blasien 
und Wettingen waltenden Streit um den Legemberg zu erledigen 
hatte. Die Entscheidung geschah zu Gunsten des Gotteshauses 
Wettingen. 1279, Dec. 6, sind dns. Ber. et dns. Walth. de Halewile 
unter den Zeugen eines zwischen Rudolf uud Berthold von Stelfis- 
burg einerseits und dem Hause Buchsee anderseits eingegan- 
genen Gütertausches. (Zeerl. 723.) Zum letzten Mal tritt Ritter 
Berchtold den 4. März 1283 urkundlich auf. Im Gefolge des 
Römischen Königs Rudolf erscheint er zu Luzern als Zeuge bei 
der Urkunde, die das Stadtrecht von Aarau enthält. (Geschichts- 
freund I, 64.) Sein Tod fällt so ziemlich mit demjenigen seines 
Bruders Dietrich zusammen. (Kopp, Gesch. 11,436. Anm. 8u. II, 
483. Anm. 6.) 

* Derselbe vereinigt gemeinschaftlich mit Hugo von Jegi^rf den 
13. Hornung 1278 (Gesch. freund X, 28) die Pfründen von St. Peter und 
Paul und von St. Katharina in Beromünster zu einem Beneficium. 



■ ■ ■ 



141 

In diese Zeit fällt die sinnige Sage vom Bing zu 
Hallwil. Das Familienbuch im Archiv zu HaUwil, in welchem 
diese Sage in gebundener Sprache, aber ungemein breit erzählt 
wird, trägt die Jahrzahl 1591. Es wurde von Burkart von Htdl- 
wil angelegt und nicht unwahrscheinUch ist, dass die eben ge* 
nannte poetische Bearbeitung der Sage von diesem Burkart her- 
rührt, der uns als ein gelehrter Mann geschildert wird. Die 
Schriftzeichen weisen auf -das Ende des 16. Jahrhunderts hin. 
Auch alle übrigen Kennzeichen lassen es als ein Product jener 
Zeit erscheinen. Sehr ansprechend ist die Bearbeitung der Sage 
durch Augustin Keller. In meisterhafter Kürze erzählt sie Boch- 
holz in seinen Schweizersagen aus dem Aargau im 11. Band 
pag. 114 u. 115 folgendermassen : 

„Der alte Edelmann von Hallwil hatte einen einzigen Sohn; 
er hiess Walter, nannte sich aber nach Christi Jünger Johannes, 
seit er mit andern Adeligen das Gelübde gethan hatte, das Kreuz 
zu nehmen und eine Wallfahrt nach dem heiligen Grab zu machen. 
Obwohl der Greis seinen Stammhalter nicht gerne ziehen sah, so 
musste er es doch geschehen lassen; aber zum Wahrzeichen, dass 
sein Johannes der alleinige Erbe und Nachfolger in der Herr- 
schaft sei, zog er einen Goldring vom Finger und brach ihn vor 
allen Dienern entzwei. Die eine Hälfte übergab er seinem Beicht- 
vater, der einst das Testament vollstrecken sollte, die andere 
Hälfte reichte er dem scheidenden Sohne ; damit sollte dieser bei 
der Bückkehr seine Ansprüche männiglich erhärten, unbegründete 
fremde zurückweisen. 20 Jahre waren indess vergangen,' der 
Greis war längst gestorben, keine Kunde vom Sohne war je ge- 
kommen. Niemand vom ganzen Herrengeschlechte war übrig, 
als ein habsüchtiger Oheim , das war der reiche Abt des benach- 
barten Stiftes Muri. Also zog dieser das Schloss an sich und ver- 
wandelte es schleunig in ein Kloster. Schon lange hatten sich 
hier die Mönche an den grossen Hechten des Hallwiler-Sees gütlich 
gethan und an dem Edelwilde der Hochwälder am Homberge ; da 
pochte eines Tages ein fremder Bitter an die Klosterpforte. Auf 
die erste Frage um sein Begehr nannte er sich Hallwil. Der er- 
schreckte Pförtner lief nach dem Grosskellner, der Grosskellner 
nach allen Patres und Fratres, der ganze Gonvent endUch nach 
dem berühmten halben Bing, den ihnen des verstorbenen Grafen 
Beichtvater zur Urkunde ihres Besitzes ausgeliefert hatte ; und 
hinunter ging's dann vor das Thor, wo eben der Bitter die andere 
Hälfte den Betroffenen vor die Augen hielt. Man passte sie an 



142 

einander, sie waren wie zusammen gegossen. Allein sogleich er- 
schien auch der Prior; triumphirend brachte er noch eine dritte 
Hälfte jenes Ringes auf der Hand daher getragen. „Was für ein 
Lärm!*' ruft er, „hier ist schon längst unser ganzer Ring, in 
seinen beiden Hälften, wie ihn unsere Sakristei verwahrt; ein 
Pilger hat uns diesen hier zu jenem Theile des Grafenringes vor 
langem gebracht, und zwar aus der Hand des armen Johannes 
selbst, der im Morgenlande an der Pest gestorben ist, dessen 
letzter Athemzug uns sein Schloss übergab, damit wir darin für 
seine Seele beten und ihm Verzeihung der Sünden erwerben. 
Hinaus mit diesem frechen Betrüger, der die Grabesruhe des 
Stifters und die Andacht unserer Brüder stört. ^ So sprach der 
Prior, und die Thore des Klosters fuhren zu. Wie ein Bettler 
stand der junge Graf draussen vor seinem Erbe. Welches Gesetz 
hätte sich gegen solche Arghst vorgesehen gehabt, welcher Rechts- 
spruch solche Schlingen entwirren können ! Hier konnte nur das 
Gottesurtheil entscheiden. Johannes berief die Mönche in die 
Schranken vor Aarau und entbot ihnen den Zweikampf. In ihrem 
Namen stellte sich des Klosters Schirm vogt, der Ritter von 
Rüssegg. Unter dem Geleite des Freien von Mülinen ritt der 
gerüstete Johannes in die Bahn, der Abt von Kappel besetzte 
das Gericht. Draussen an der Stadt unter der grossen Linde 
am alten Aarufer vor geschwornen Zeugen und allem Volk ge- 
schah der Kampf. Der von Rüssegg wurde vom Pferde gehauen 
und getödtet, sterbend bekräftigte er seines Gegners Recht. Die 
erbschleicherischen Mönche mussten ihren Raub fahren lassen und 
Johannes bezog sein Schloss. Dies soll im Jahr 1272 geschehen 
sein.'^ 

Vögelin, Geschichte des Klosters Kappel, hält Walter von 
Hallwil, gestorben um 1374, für den Edeln, welcher durch die 
Carthäuser seines mütterlichen Erbes beraubt werden wollte. 

Die beiden Brüder Walters und Berchtolds, Hartmann und 
Rudolf, erscheinen erst um 1291 urkundüch. Rudolfs Gemalin 
Anna übergiebt der Kirche zu Münster Eigengüter zu Roterfwile, 
Seon, Sarmenfdorf und Vamwangen im Werthe von 70 Mark 
Süber und lässt sie sofort ihrem Gemale gegen den Jahreszins 
von einem Pfund Wachs auf St. Michaelstag üi> Herbste als Erb- 
lehen verleihen. (Kopp, Gesch. H, 436 u. 437.) 

Des Hartmann von HallwU geschieht in einer Urkunde vom 
19. Homung 1291, ausgestellt in Baden, Erwähnung. Zum Zweck 
der Herstellung des Friedens im Reiche hatte König Rudolf unter 



143 

Anderm einen el&nonatlichen Aufenthalt in Erfurt machen müssen. 
Bei diesem Anlasse war er 9 Bürgern dieser Stadt 1000 Mark 
schnidig geworden. Bath und Bürger zu Zürich versprechen diese 
Somme auf den Sonntag nach ausgehender Osterwoche (29. April) 
nach Mainz zu liefern und 20 Bürger zu Zürich leisteten Bürg- 
schaft. Von Bitter Hartmann wird bemerkt, er habe bereits 
6 Mark empfangen. (Kopp, Gesch. L, 466 u. 467.) Diese Urkunde 
ist auch noch insofern interessant, als sie darthut, dass die ominösen 
Geldverlegenheiten der Habsburger auch dem glänzendsten Ver- 
treter dieses Hauses nicht erspart sein sollten. 

Des Bitters Hartmann von Hallwil (strenui viri domini hart- 
manni, militis) gedenkt auch eine Urkunde vom 8. Januar 1299, 
die neben seinem Siegel dasjenige der Äbtissin von Frauenthal 
und des Abtes B. von Kappel enthält. Die Urkunde bestätigt 
eine Schenkung der Äbtissin. 

Derselbe Herr Hartmann trug von Einsiedeln ein Lehengut 
sm „Seengersee" zu Erbe und vergabte im Jahr 1306 in einer zu 
Lenzbiirg ausgestellten Urkunde zum HeQ seiner Seele Güter im 
Ghei zu Seengen und zu Allenschwil an das Kloster Kappel zur 
Ausstattung des Altars der heil. Dreifaltigkeit und der Jungfrau 
Maria, vor welchem er nach seinem Tode begraben sein will und 
auf welchem für ihn und seine Frau tägUch eine Seelenmesse 
gelesen werden soll. Er thut dies de voluntate et per manum 
praedilecti fratris, domini Budolfi, militis de Halwile. (Hier ist 
also eine urkundliche Bestätigung für die Bichtigkeit unserer 
Behauptung, dass Bitter Hartmann und Budolf Brüder waren.) 
(Vergl. Geschichte des Klosters Kappel v, S. Vögelin im III. Bd. 
der Mitth. der antiquar. Gesellschaft in Zürich, pag. 11.) Da sich 
zwischen dem Kloster Kappel und den sogen. Hausgenossen in 
Seengen über die Benutzung der von Hartmann vergabten Güter 
Streit erhebt, entscheidet ein am 15. September 1312 zu Zürich 
niedergesetztes Schiedsgericht folgendermassen : Die Hausgenossen 
{incolae, qui Husgenossen dicuntur) haben jährlich, wenn die Güter 
angebaut sind, 5 Mütt Kernen an Kappel zu entrichten. Wenn aber 
die Güter brach liegen (sabbatizant et quiescunt), was in jedem 
3. Jahre geschieht, soll auch keine Abgabe bezahlt werden. 

Aehnliche Schenkungen, wie Hartmann, machte seine Gattin, 
Katharina Bochsler, dem Kloster zu Kappel im Jahr 1306 und 
1313. (Vergl. zu letzerm Datum: Von Mohr, Begesten von Kappel.) 

Aber auch der Sohn dieses Hartmann von Hallwil und seiner 
<jattin Katharina Bochsler, Johannes, zeigt sich gegen das ge- 



144 

nannte Kloster nicht minder freigebig. Für das vom Vater er- 
haltene Lehen zu Hüseren bei'm See von Seengen entrichtete er 
an das Kloster Einsiedehi jährlich 1200 Fische, genannt Scheiten. 
(Kopp, Gesch. 11, 437. Anm. 3 u. 5.) Dieses Lehen übertrug 
zu Pfefißkon Abt Johannes von Schwanden im Jahr 1311 an daa 
Kloster Kappel für denselben jährlichen Erblehenzins. 

Herr Rudolf von HallwÜ endlich, einer der jungem unter 
den 5 Brüdern, wird in den Jahren 1312, 1313, 1316, 1317 ur- 
kundlich erwähnt. (Kopp, Gesch. IV. 1. 263. 2. 259.) Im Anfang 
des 14. Jahrhunderts ging die Kastvogtei über Kappel von 
den erlöschenden Eschenbach an die von Hallwil über, 
und Rudolf von Hallwil erscheint zuerst als Kastvogt voa 
Kappel. 

Neben andern Entschädigungen, welche Herzog Leopold an 
Ritter und Knechte in den vorderösterreichischen Landen aus- 
sprach, werden laut einer zu Baden unter'm 7. Homung 1317 
ausgestellten Urkunde für Rudolf von Hallwil 40 Mark auf die 
Vogtei zu Hermanfwile gelegt. (Kopp, Gesch. IV. 2. 264.) 
Derselbe Rudolf erhielt vom Grafen Johannes von Habsburg Ge- 
meinschaft aller Mamüehen für sich, semen Schwestersohn, Herrn 
Johannes von Büttikon, dessen Bruder Jakob Gustos zu Münster 
war, und für seinen Bruderssohn Herrn Johannes. (Urk. Laufen- 
burg 20. Brachm. 1320. Kopp IV, 2. 264.) 

Bald nach dieser Schenkung starb Rudolf. Sein Sohn Johannes 
war vor ihm gestorben. 

Die Wittwe dieses Rudolf von Hallwil, Udelhild von Burgen- 
stein, vermachte dem Kloster Königsfelden, welches ihre Schwester- 
tochter, Elisabeth von Raron, in seinen Convent aufgenommen 
hatte, laut einer zu Brugg den 23. Augstmonat 1322 gefertigten 
Schenkungsurkunde, mehrere Eigengüter zu Henschikon und fer- 
tigte selbe am Gerichte in der Stadt Brugg vor dem Freien Heinrich 
von Griessenberg, in Gegenwart vieler Ritter, mit Herrn Jordans 
von Burgenstein, ihres Bruders, Hand. (Kopp, Gesch. IV, 2. 268.) 

Dass die Hallwil in Bezug auf den Glauben an Wunder ächte 
Kinder ihrer Zeit waren, beweist der Umstand, dass Hans von 
Hallwil, Sohn des Rudolf, mit Willen dieses Letztem sowie auch 
des Abtes und Gonventes von Einsiedeln und aller Kirchgenossen 
in Sarmenstorf hier an der Stätte eine Kapelle bauen liess, wo drei 
Angelsachsen auf einer Pilgerfahrt nach Einsiedeln todt gefunden 
worden waren. Dieselben waren in einem Walde ermordet worden 
und dann noch eine Strecke weiter gewandelt, bis sie sich ober- 



'^^r 



145 

halb Sarmenstorf todt niederlegten, wo sie begraben sein wollten. 
(Rochholz, Schweizersagen aus dem Aargau. — P. Gall Morell, 
Reg. V. Einsiedeln No. 183.) 

Zur Zeit, da die Herrschaft des Hauses Kiburg auf das Haus 
Habsburg überging, erwarb das Geschlecht Hallwil von der Herr- 
schaft bedeutendes Gut im Aargau. (Kopp, Gesch. II, 437. Anm. 7.) 
Damals mochten manche herrschaftliche Einkünfte an die gewesenen 
Dienstmannen des erstgenannten Hauses gelangen, deren Recht- 
mässigkeit die Amtleute der östreichischen Herzoge späterhin be- 
stritten. Auch Walter und Hartmann von Hallwil scheinen auf 
diesem Wege in den Besitz mancher Einkünfte gekommen zu sein, 
deren Erwerbstitel unsicher waren ; sie wurden sogar beschuldigt, 
Lehen als Eigenthum verkauft zu haben. Gewiss ist, dass die Herren 
von Hallwil meistens als Pfand bedeutende Einkünfte besassen 
zu Lenzburg, Niederlenz, Rinach, Lupfig, Vilmergen, Sure, Grau- 
chen, Muri, Egemswile, Seengen, Eglischwil und Meister schwanden; 
in den drei letzem Dörfern sowie in Hendschikon auch die Ge- 
richte. Walters Pfandbesitzungen mochten 80 Mütt und 10 Pfund 
betragen haben. 

Ebenso wie die Herren von Hallwil um diese Zeit ausserhalb 
ihrer eigenen Territorien Pfandgüter hatten, so besassen wieder 
andere Herren Güter in Hallwil. Dem Jahrzeitbuch von Beron- 
münster zufolge stifteten die beiden Ritter Berthold von Rinach 
und Walter von Veitheim, gestorben im Jahr 1303, ihre Jahrzeit 
mit Erträgnissen von Liegenschaften in Hallwil. (Geschichtsfreund V. 
107 u. 117.) 

Aus der grossen Zahl von Pfandgütern, welche die HallwUer 
damals besassen, ist der Rückschluss auf ihren Reichthum und 
das Ansehen, das sie am Ende des 13. und zu Anfang des 14. 
Jahrhunderts unter dem aargauischen Adel behaupteten, ein voll- 
kommen berechtigter! 

Von den drei Herren von Hallwil, die unter dem Namen 
Johannes um das Jahr 1310 erwähnt werden, scheint im Jahr 
1320 nur noch einer zu leben. Nach Tschudi wären zwei Hallwil 
am Morgarten gefallen. Wahrscheinlich war derjenige Johannes, 
welcher 1311 das dem jeweiligen Marschall zugehörige Mannlehen 
zu Rinach innehatte, der Sohn des Ritters Walter von Hallwil. 
Seine Mutter war die Schwester des Ritters Gottfried von Hüno- 
berg. Des Johannes Schwester aber war die Gemalin des Herrn 
Ulrich, eines Ritters von Büttikon. (Kopp, Gesch. U, 437 u. 438 
u. m. 1. 127.) 

Argovia VI. 10 



146 

Auf diesem Johannes beruht der Stamm der Hallwil, 
und mit demselben beginnt für die Familie Hallwil eine 
neue Aera. Er ist nämlich der erste Hallwil, der nicht 
bloss in persönlichemDienstverhältniss zuseinemLehens- 
und Landesherrn steht, sondern von demselben auch mit 
wichtigen Aemtern und Würden im Auslande betraut 
wird, so dass der Name Hallwil fortan weit über die 
Grenzen des Aargau's hinaus bekannt wird. 

Zum Schluss dieses 1. Abschnittes erübrigt uns noch die 
Mittheilung, dass nach Neug. Episc. Const. CXLI Bruno von 
Hallwil, dessen Descendenz mir unbekannt geblieben, 1298 das 
Stammschloss der von Hedingen zwischen Bonstetten und Aifoltem 
im Zürcher Amte Knonau besass. — Ebenso war Jacob von 
Beinach, einem Adelsgeschlechte angehörig, das am Ende des 
14. Jahrhunderts in den Besitz von Schloss und Herrschaft Trost* 
bürg gekommen war, mit Cleophea von Hallwil vermählt und 
brachte dadurch die Burg Gauenstein als ein Lehen der Grafen 
von Habsburg an das Haus Beinach (1275). 

2. Abschnitt : Das Geschlecht derer von Hallwtl von der Zeit des 
Marschalls Johann von Hallwil an bis zur Eroberung des Aargau's 

durch die Berner (1315—1415). 

Auf Bitter Johannes beruhte nach dem Tode des 
Bitters Budolf von Hallwil die Fortpflanzung des Ge- 
schlechtesund wahrscheinlich vereinigte er einengrossen 
Theil von dem, was die Familie an Eigen- und Pfand- 
gütern besass, in seiner Hand. Die Lehen übertrug Graf 
Johannes von Habsburg zu gemeinschaftlichem Besitz auf ihn 
und seinen Vetter Johann von Büttikon. Johann war noch jung, 
als er zur Bitterwürde erhoben wurde. Als solcher kommt 
er schon im Jahr 1315 sowie am 17. März 1316 in der Handveste 
von Burgdorf als Zeuge vor. Nach einer Urkunde, d. d. Baden 
am nächsten Montag vor sant Gallen tvlt, gibt Budolf der Stüel- 
linger, Vogt zu Baden, dem ehrw. Bitter, Herrn Johann von 
Hallwil, 25 Mark Silber Namens der Herzoge von Oestrdch 
für geleistete Dienste in Pfandes Weise. (Kopp, Gesch. IV. 2. 
BeU. 14) 

Dem habsburgisch-östreichischen Urbar zufolge, das um 1311 
beendigt wurde, haben die Herzoge von Habsburg die Gerichte 
zu Hallwil inne, während die Herren von Hallwü diejenigen zu 



147 

Seengen und AÜenschwil innehaben. Den Hof an den Gebreiten (zu 
Binach) hatte, weQ zum Marschallamte gehörig, damals Johannes 
von Hallwil, inne. (Pfeififer, pag. 168 ff.) Dieses Amt trug ihm damals 
32V, Mütt Kernen, 157, Malter Hafer, 24 Hühner und 240 Eier ein. 

Ob das Marschallamt von Habsburg schon damals in 
cler Familie erblich gewesen und ob es Johann von seinen 
Yorfahren bekommen habe, lässt sich aus dem Urbar 
nicht ermitteln. — Hätte Fugger Recht, so würde Johann von 
Hallwil bei dem zu Pfingsten 1315 abgehaltenen Turnier zu Basel, 
welches zur Feier der Vermählung des Königs Friedrich mit 
Isabella von Aragonien und seines Bruders Leupold mit Katharina 
von Savoyen statthatte, den Orafen von Katzenellenbogen todt 
gestochen haben. (Wurstisen, Basler Chronik p. 155.) Andere 
«rwähnen statt des Hallwil des Grafen von Gebwile. (Kopp, 
<Jesch. IV. 2. 89.) 

Mit Werner von Kienberg besass Johann von Hallwil den 
Laienzehnten zu Laupersdorf (Balsthalerthal). Doch verkaufte er 
clenselben bald wieder. (Kopp, Gesch. V. 78.) Bei von Arx, Gesch. 
der Landgrafschaft Buchsgau, pag. 98, wird er als Beisitzer im 
Buchsgauer Landgerichte genannt. Unterem 3. Januar 1328 gibt 
Ritter Johann von Hallwil dem Kloster Frauenthal einen Gewährs- 
brief gegen die allfällige Anforderung einer Leibeigenen. (Argovia V. 
Jahrg. 1866. Urk. 27 in den Nachweisen zu der Lebensgesch. der 
Königin Agnes von Dr. Hermann u. Theodor von Liebenau.) 

Im Jahr 1328 erlangt Johann von Hallwil die Würde 
eines obersten Landvogts der östreichischen Herzoge im 
Sundgau und der Grafschaft Pfirt. (Schöpflin, Als. dipl. H. 
594.) In dieser Eigenschaft tritt er im gleichen Jahr mit den 
Städten Breisach, Neuenburg und Rheinfelden dem zur Aufrecht- 
haltung des Landfriedens von den elsässischen Städten geschlos- 
senen Btindniss bei. Im Februar 1329 ist er wiederum im Aargau 
und Zeuge, als Graf Johannes von Habsburg Güter in Sarmen- 
storf an Gottfried von Bubendorf verkaufte. (Kopp, Gesch. V. 
344.) Nach des Königs Rudolf und seines gleichnamigen Sohnes 
Tode trat Herzog Albrecht wieder in die Verwaltung der obern 
Lande. Ihm folgten, nachdem er die Königskrone empfangen, 
vorerst die beiden ältesten Söhne Rudolf und Friedrich, dann 
Friedrich allein (1306), dann sein jüngerer Vetter Johannes (1307). 
Während der erstgeborne Herzog in den Fürstenthümern waltete, 
trat der Nächstälteste an die Spitze des angestammten Haus- 
gates. (Kopp, Gesch. Bl. I, 265.) Ein Jahr später (9. Mai 1330) 



148 

wohnt er einer Zusammenkunft zu Landau bei, in welcher Herzog 
Otto für sich und seinen Bruder Albrecht (die 4 Söhne des bei 
Brugg ermordeten Kaisers Albrecht heissen: Leupold, Albrecht, 
Heinrich, Otto. Letzerer ist der Vater des noch öfter zu er* 
wähnenden Herzogs Friedrich) mit Johann, König von Böhmen, 
im Beisein vieler Bischöfe, Fürsten und Herren ein Bündniss zu 
gegenseitiger Hülfe schloss. Unter den Zeugen figurirt Johann 
von Halwiler als der letzte, aber auch zugleich als der einzige, 
der nur den Rang eines Ritters hat (Lichnowsky HI, 190). 

Bei den zwischen den Herzogen von Oesterreich und dem 
Böhmenkönig Johann entstandenen Zwistigkeiten mussten erstere 
zur Bestreitung der Kriegskosten von ihren Untergebenen gegen 
Verpfandung von Besitzungen Gelder borgen. So weisen sie unter 
Anderm (17. Juli 1331) ihrem getreuen Hans von Hallwil 30 Mark 
Silber auf Güter auf dem Bötzberg an, wie sie der von Nellen- 
bürg vorher in Pfand hatte ; (Archiv für Gesch. X. 460.) 2 Tage 
später versetzt ihm Herzog Otto zu Wien für eine Schuld von 
30 Mark Silber Zürcher-Gewicht das Dorf zu Eglischwil. 

Im Namen dieses Herzogs Otto von Oestreich und seines 
Bruders Albrecht, sowie der ihnen zugehörigen Städte und Länder 
im Sundgau, Ensisheim, Aargau und Thurgau schloss er zu Landau 
mit den Räthen und Bürgern von Strassburg, Basel u. s. w. ein 
Bündniss zum Zweck der Eroberung und Zerstörung der Raub* 
veste Schwanau im Elsass (15. April 1333.) (TrouiU. Monum. Uly 
807. Strobel, Geschichte des Elsasses H, 199 «.) Der Wortlaut 
des Bündnisses findet sich in Kopps Geschichtsblättern U, 109 
und 110. Stumpf trägt auffallender Weise in seiner Schweizer- 
chronik den Namen der gebrochenen Veste auf das Gemäuer am 
Lowerzer See über, ein Iirthum, der noch heute festgehalten 
wird. (Die Schilderung der Einnahme der Burg in Trouillat 
Monum. HI. 755, dem Clironicon des Joh. Vitoduranus ent- 
nommen, höchst farbenreich und lebendig.) 

Weil die obern Lande während des Jahres 1332 , in welchem 
Jahr Luzem in ein engeres Bündniss mit den Waldstätten 
getreten war, zu wiederholten Malen beunruhigt worden waren, 
schlössen die östreichischen Landpfleger im Aargau, Thurgau^ 
Sundgau, Elsass und Breisgau, darunter auch Johann von 
Hallwil, mit den Städten Basel, Zürich, Constanz, St. Gallen^ 
Bern und Solothum, sowie nüt den Grafen Rudolf von Nidau, 
Heinrich von Fürstenberg und Eberhard von Kiburg eine Art 
Schutz- und Trutzbündniss (1333). Solche Bündnisse kamen da- 



149 

mals sehr häufig vor. Nicht ohne Grund besorgten die östrei- 
chischen Herzoge, es möchte das Beispiel der abtrünnigen Stadt 
Luzem von den ihr benachbarten östreichischen Städten und 
IJnterthanen nachgeahmt werden; denn sowohl die Herzoge von 
Savoyen als diejenigen von Oestreich machten damals ihre Herr- 
schaft in einer Weise geltend, die nothwendig auf Widerspruch 
stossen musste. Wir stehen nämlich In derjenigen Epoche unserer 
vaterländischen Geschichte, da die Savoyische und Habs- 
fourgische Macht in Helvetien ihre höchste Ausbildung 
erlangte (1218—1331). Jene hatte grossartige Besitzungen im 
Westen; diese aber, nachdem die Habsburgischen und Ki- 
burgischen Ländergebiete unter König Rudolf und seinen 
Nachkommen vereinigt worden waren, besass einen grossen 
Theil des heutigen Bern, Aargau, Zürich, Glarus, Schaff hausen, 
Thurgau. Aber nicht lange nach jenen freiheitsliebenden Be* 
wohnern der drei Länder erhoben sich auch die mannhaften Bürger 
in den aufstrebenden Städten Luzern, Zürich, Bern wider diese 
gewaltigen Machthaber und ihren Anhang und mit gleichem Er- 
folg. Dies bewirkte, dass der noch unabhängige Adel im Umfange 
der Schweiz sich genöthigt sah, entweder durch engere Verbindung 
mit den Eidgenossen oder mit den ihnen gegenüber stehenden 
Dynasten Savoyen oder Oestreich für seine eigene Sicherheit und 
Wohlfahrt zu sorgen. Oestreich hatte seine treuesten Anhänger 
im Thurgau und Aargau. Unter dem aargauischen Adel aber 
zeichnete sich der damalige Vertreter des Hauses Hallwil, Ritter 
Johann, vortheilhaft aus. In dem Schuld- und Pfandbrief, welchen 
1337 Albrecht und Otto, Herzoge von Oestreich, Steyr und 
Kämthen, zu Gunsten des Johann von Hallwil im Werth von 
422 V2 Mark Silber ausstellen, weisen sie ihn und seine Erben 
für 100 Mark an den Kirchensatz zu Vilmaringen, etc. (Die be- 
zügliche Urkunde siehe p. 24 der Beiträge zur Geschichte und 
Literatur des Kantons Aargau.) Johans von Halwile, ein ritter, 
pfleger in Suntgöwe, bekennt, dass ihm der Probst zu St. Alban, 
Vicarius des Bisthums Basel, an den 2500 Mark Silber, welche 
Bischof Johann dem Herzoge von Oestreich geschuldigt, 2000 
abbezahlt habe. -> 1333. Am nechsten Donrstag vor s. Johans- 
tage ze Sungichten. — (Mone, Zeitschr. des Oberrheins IV. 380. 
Ebenso Trouill. Monum. III, 434.) 

Sein bewegtes Leben steht ganz und gar im Dienste seiner 
hohen Gebieter und wenn er bei Käufen anwesend ist, wie bei 
demjenigen, da Agnes von Rore ihre Güter an die Conventherrei^ 



I 



150 

von Biberstein abtritt (Oelhafen, Chr. von Aarau 17), so scheint 
er anderseits auch an dem Kriege, welchen die Herzoge von 
Oestreich mit dem König Johann von Böhmen um den Besitz 
von Mähren führten, ebenfalls thätigen Antheil genommen zu 
haben (1336). 

Um dieselbe Zeit vergabte Johann den halben Viertel des zu 
Seon erkauften Zehntens an tlas Kloster Königsfelden, und in der 
ihm hiezu von den Herzogen Albrecht und Otto (April 1337) zu 
Wien ertheilten Bewilligung heisst Johann ihr Pfleger im Sund* 
gau und ihr Hauptmann in Schwaben und Elsass (Lichnowsky HL 
Reg. 1099.) 

Gegen die Judenverfolger schliesst Johann von Hallwit 
(21. Mai 1337) in Colmar mit dieser Stadt und andern elsässischen 
Städten ein Bündniss. Die wilde Rotte des Armleder wird aus- 
einander gejagt. (Schöpflin, Als. dipl. — Strobel, Gesch. de& 
Elsass.) 

Aber auch die Achtung und Liebe derer, die ihm femer 
standen, genoss Johann von Hallwil um dieser und anderer guter 
Dienstleistungen willen. So wünscht Johann, der Senn von Mün- 
singen, Bischof von Basel, ihn für die der Basler Kirche geleisteten 
Dienste als Vasall zu erwerben und übergiebt ihm lehensweise 
die Einkünfte von 4 Fuder weissen Weins, welche er und seine 
Nachkommen so lange jährlich aus den Rebgütern der Kirche- 
beziehen sollen, bis der Bischof oder seine Nachfolger 30 Mark 
Silber, Basler Gew., dafür wird angewiesen haben, (Trouill. Monum. 
ni, 500.) Bei Anlass der Erneuerung eines dem Johann von 
Hallwil verloren gegangenen Pfandbriefes durch Herzog Albrecht,, 
welcher Brief 40 Mark Silber betrug, heisst es unter Anderm: 
„Und sitem wir daz selb phand von ihm losen, so sol er oder 
sin erben ein Eygen umb die virtzig mark silb«s hinwider chouffen 
vnd sulle daz zu einem Purklehen von vns haben (Nov. 11, 1337). 

Um diese Zeit gelangte Johann von Hallwil zu einer neuen 
Würde. Er wurde nämlich einer der Räthe, welche für 
den jungen Herzog Friedrich die Verwaltung der öst- 
reichischen Ländereien in Schwaben auf sich nehmen 
mussten. Als Beistand und Berather bei der Regierung der 
vorderöstreichischen Länder sollte er fortan in der unmittelbaren 
Nähe des jungen Herzogs sein. 

Der 10jährige Friedrich -• seine Mutter war Frau Elisabetb 
von Baiem — wurde im Jahr 1337 von seinem Oheim, Herzog 
Albrecht, in Brugg zurückgelassen. Er reiste dann 1340 oder 




151 

nach Liebenau schon 1339 nach Wien und kehrte erst gegen sein 
Lebensende (11. Dec. 1344) als regierender Fürst in die vordem 
Lande zurück. — Ihm war bereits die Hand der Tochter König 
Eduards III. von England, Johanna, zugesagt. (Lichnowsky, 
Gesch. Habsb. III. Urk. 1270.) 

In dieser Eigenschaft als Verwalter hatte Johann von Hallwfl 
für seine Gebieter Auslagen im Betrag von 600 Mark Silber ge- 
habt, welche Schuld dieselben durch einen Pfandbrief anerkennen. 
(1339.) Als Pfand erhielt Johann von Hallwil 60 Mark jährliches 
Geld zu Eschibach, Maschwanden und Horgen. An letzterm Orte 
hielt sein Amtmann Gericht. Derselbe Johann von Hallwil wird 
im Jahr 1439 auch als herzogUcher Vogt über Wesen und Glarus 
aufgeführt. (Nüscheler U, 79. Anm. 1.) 

Laut Urkunde XLVI in den „urkundlichen Nachweisen zu 
der Lebensgeschichte der Königin Agnes**, gesammelt von Dr. 
Hermann und Theodor v. Liebenau, dat. Kvngefvelt, den 24. Januar 
1340 (Argovia, 1866. Jahrg.) richtet der noch nicht 13 Jahre 
zahlende Herzog Friedrich mit seiner Muhme, Königin Agnes von 
Ungarn (lebte 1280—1364), entzweite Bürger Zürichs zur Sühne. 
Die Urkunde trägt das Siegel des Johann von Hallwil, dürfte 
aber nach der Annahme Liebenau's spätem Datums sein, da 
Lichnowsky III, 257. sagt : „Von seinem (Friedrichs) Todesjahre 
(1344) sind seine einzigen von ihm ausgestellten Urkunden.** 
Johann von Hallwil heisst in dieser Urkunde: unser lieber getrewer 
hofmeister." (Vergl. auch Kopp, Gesch. Bl. I, 266.) 

Also auch das Ehrenamt eines Hofmeisters bekleidet 
unser Johann bei Herzog Friedrich und in dieser Stelle 
nicht weniger, als früher in derjenigen eines herzoglichen Rathes 
und Verwalters der östreichischen Länder in Schwaben, muss 
Johann einen nicht geringen Theil der mit dem Aufenthalt Friedrichs 
im Aargau verbundenen Hofhaltungskosten getragen haben ; denn 
die Herzoge schulden ihm 7837« Mark SUber Baslerwährung, 
wofür ihm Herzog Albrecht und seine Vettern Gaut Urk. vom 
5. April 1341) den ZoU zu Luzern mit dem dasigen See — „zol vn 
gevert ze Lucem vnd waz darzu gehöret" — verpfänden. (Arch. 
Hallwü.) 

Von der Aebtissin und den Frauen zu Zürich kaufte Johann 
von Hallwil (den 11. März 1343) die Eigenschaft und Rechte des 
Twings und Kelnhofes zu Boswil, deren Vogtei der Ritter Walter 
von Hunoberg von Oestreich zu Lehen trug. (Kopp, Urk. I, 95. 
Aarg. Staatsarchiv, Abth. Muri H. I.) 



152 

Auch die Vestung Wildegg wurde um diese Zeit das Lehen 
Johanns von Hallwil und vorübergehend hatte er die Stadt Inter- 
lappen, die Burgen Uspunnen, Balm und Oberhofen und das Gut 
zu Unterseen besessen. (V. Mohr, Regesten von Interlacken.) Von 
Brugg aus bekennt Friedrich, Herzog von Oestreich, (1344. Gallus) 
dem Hans von Hallwil 27 Mark Silber schuldig zu sein, die er 
von ihm erhielt zum Ankauf der „lüten vnd gütern zu Rubisch- 
wyl", gekauft von den Gebrüdern Hartmann und Wemher, den 
Truchsessen von Wildegg, und versetzt ihm dafür die Herbst- 
steuer unter dem Sarbach in Lenzburg: 11 Mütt Kernen und 
6 Malter Haber jährliche Gült in Reinach. 

In seiner Art interessant ist ein Pfandbrief, den Herzog 
Friedrich (d. 16. Oct. 1344) zu Brugg ausstellte, weil er angiebt, 
wie die betreifende Schuld entstanden sei. In demselben heisst 
es, Johannes von Hallwil habe dem herzoglichen Schultheiss zu 
Lenzburg, Johannes dem Weggier sei. von Baden, 27 Mark Silber 
dargeliehen an den Kauf der Leute und Güter zu Rubifwile und 
an den Bau des Thurmes und der Ringmauer auf der Burg zu 
Lenzburg. Der bescheidene Knecht , Bentze Weggier, des Schult- 
heissen Sohn, habe diese Schuld recht und redlich bewiesen und 
berechnet an dem Tage, an welchem dieser Brief gegeben wurde 
u. s. w. (Kopp, Gesch. Bl. I, 270.) Laut Urkunde vom gleichen 
Datum (Montag nach St. Simonstag, 16. October 1344) bestätigt 
Herzog Friedrich von Brugg aus dem Johann von Hallwil alle 
Pfandschaften, die derselbe von Oestreich inne hat. 

Wenige Wochen nachher starb Herzog Friedrich in der Blüthe 
der Jahre (ISjährig) und Herzog Albrecht nahm von sämmtlichen 
östreichischen Landen den Eid der Treiie entgegen. 

Von dieser Zeit au scheint Johann von Hallwil in den 
Privatstand zurückgekehrt zusein. Ihn beschäftigte fortan 
die Verwaltung seines Privatvermögens. Ueber alle seine Güter, 
gleichviel ob Eigen, Erbe oder Lehen , wurde jetzt ein Verzeichniss 
gefertigt, das jedoch im Hallwiler Archiv nur unvollständig vor- 
handen ist. Immer noch mehrte er seine Besitzungen durch An- 
kauf, und Waldungen in beträchtlichem Umfang müssen ihm 
gehört haben. Beweise davon, dass er bei'm schweizerischen 
t Adel ebenso gut wie bei demjenigen im Elsass in hohem Ansehen 
stand, sind unschwer beizubringen. So figurirt er unter den 
Zeugen, als Bischof Johann von Basel dem Graf Rudolf von 
Neuenburg, Herrn zu Nidau, die von Graf Johann von Froburg 
erhaltenen und vom Hochstifte besitzenden Lehen in dem Thale zu 



153 

Balstal vnd ze Buchsgouwe wieder zu Lehen verlieh. — Louffen, 
an dem Donrstage vor r. Georgientage 1347. — (Mone, Zeitschr. 
des Oberrh. IV, 462. Trouill. III, 592.) 

In der Streitsache zwischen dem Graf Konrad von Freiburg 
und Johann Werre, genannt Stecher, (1341, Nov. 6) erscheint 
Johann von Hallwil, Landvogt im Suntgau, nebst dem Bischof 
Berthold von Strassburg als Vermittler. (Mone, Zeitschr. XIII, 
227.) 1342, Juni 18, verweisen Graf Berthold von Sulz und 
Bitter Konrad Dietrich Schneweli als Schiedsleute des Grafen 
Konrad von Freiburg in dessen Streitsache mit seinem Lehen- 
mann und Gläubiger, Johann Stecher, beide Theile an den Bischof 
Berthold von Strassburg und Johann von Hallwil. (Mone, a. a. O. 
XIII, 326 ff. Vergl. weiter über diese Streitsache Mone a.a.O. 
Xni, 330 u. 332.) 

Eine acht ritterliche Gestalt des Mittelalters , steht Johann 
von Hallwil da. Mit tüchtigen Anlagen des Geistes und Cha^ 
rakters ausgestattet, geniesst er in hohem Grade die Gunst des 
durch Milde und Gerechtigkeit ausgezeichneten Herzogs Albrecht 
und seiner Gemahn Johanna, der ältesten Tochter des Grafen 
Uhich von Pfirt. Lange Jahre hatte Johann von Hallwil als Verwalter 
der ihr vom Vater anheim gefallenen Güter der genannten Graf- 
schaft gedient, und er war diesem Posten offenbar mit seltener 
Treue und Gewissenhaftigkeit vorgestanden. In seiner Stellung 
als Rath und Hofineister ist er wohl auch öfter mit der damals 
in Königsfelden residirenden Königin Agnes von Ungarn, der 
Tochter des ermordeten Kaisers Albrecht, in Verkehr gekommen, 
welche bis in die neueste Zeit als eine Art Scheusal dargestellt 
worden ist, während sie uns seit Liebenau's Forschungen in 
so ganz anderm Lichte erscheint. Joh. Eut. Kopp, der Vater 
einer kritischen Behandlung der Schweizergeschichte, sagt Bd. IV. 
1. 56 seiner Geschichte der schweizerischen Bünde, dass Ein- 
nahme und Mord zu Fahrwangen mitsammt dem blutigen Mai^ 
thau, in welchem sich Königin Agnes gebadet, (sie war ja 
nachweisbar damals gar nicht im Lande) nichts Anderes als von 
Joh. V. Müller in schöne Rahmen gefasste Bilder aus der Märchen- 
welt seien. Derselbe verdiente Forscher, sonst so massvoll, macht 
seinem Unmuth über unwahre Geschichtsdarstellungen einmal in 
den derben Worten Luft: „Es ist unzählbar, was in unsem so- 
genannten Geschichtsbüchern namentUch über das 13. und 14. 
Jahrhundert ersonnen und erlogen ist !" Kehren wir nach dieser 
kurzen Digression zu unserm Ritter Johann zurück! 






154 

In Folge der wiederholten Geldvorschüsse an seine Gebieter 
kam Johann von Hallwil in den Besitz einer Menge von Pfand- 
briefen, durch welche er sich und seinen Nachkommen die Basis 
zu einem immer ausgedehntem Grundbesitz schul Zu seiner 
Zeit steht vielleicht das Geschlecht der Hallwil hin- 
sichtlich des äussern Glanzes und der äussern Macht 
auf seinem Höhepunkte. Waren wir bis anhin nicht im Stande^ 
eine Geschlechtstafel der einzelnen Generationen in befriedigender 
Weise aufzustellen, so kann dagegen eine solche von nun an an der 
Hand der Urkunden mit ziemlicher Sicherheit hergestellt werden. 

Johann von Hallwil hatte aus mehreren, wahrscheinlich zwei 
Ehen, 4 Söhne und 2 Töchter. In erster Ehe lebte er laut einer 
Zofinger Urkunde mit Verena Vor Kilchen, der Tochter dea 
Ritters Johann und der Agnese von Ifenthal; in zweiter Ehe mit 
Kunigunde von Brandis, laut Urkunde vom Jahr 1437. Kunigunde 
soll eine Tochter Werners von Brandis und der Margareth von 
Neuenbürg gewesen sein. Für die Aussteuer der einen Tochter 
Margarethe (140 Mark Silber), haben wir im Archiv Hallwil 
urkundliche Belege. Die andere, Adelheid, trat ins Kloster zu 
Königsfelden und ihre 4 Brüder beschenken desswegen genanntes 
Kloster mit Gütern zu Hendscbikon. 

Die Namen der 4 Söhne sind: Walter, Johannes oder 
Hemman, Rudolf oder Rutzmann, Urgrossvater des Murtner- 
helden, und Thüring. Letzterer, bei'm Tode seines Vaters (1348) 
noch unmündig, war der Sohn der Kunigunde von Brandis, die 
ihren Gatten überlebte.'*' Eigenthum und Pfandgut des Ver- 
storbenen werden in zwei Theile getheilt. Einen Theil erhält die 
Wittwe, den andern die 4 Söhne gemeinschaftlich. Jede Partei 
wählte zur Regelung der Erbschaft und zur Führung der einst- 
weiligen Vermögensauüsicht zwei Vertrauensmänner. Die vor- 
handenen Pfandbriefe wurden in einer Kiste der Sacristei des 
Grossmünsters in Zürich aufbewahrt. 

Wir stehen mit unserm geschichtlichen Excurs in der Zeit 
von 1348, Todesjahr des bedeutendsten Vertreters der 
Familie von Hallwil im 14. Jahrhundert, und haben nun 



* Wer die Elieabeth von Hallwil gewesen, die 1330 Aebtissin zu 
Fiauenthal war -- confer von Mülinen Helv. sacra II, 111 — habe ich 
nicht erfahren können. £ben eo wenig ist es mir gelangen, den Janker 
Hartmann von Hallwil genealogisch einzureihen, der 1898 Freitag vor 
Maria Magdalena mit seiner Ehefrau Dorothea von Rüssegg als weltliches 
Mitglied der kirchlichen Bruderschaft des iCapitels Mellingen auftritt. 



155 

an der Hand des reichen Materials die Zeit von 1348—1415^ 
Eintritt einer Linie des erlauchten Geschlechtes in das 
Bürgerrecht mit Bern und Solothurn, zu durchlaufen. 

Bei der Statthalterei des Johanniterordens zu Freiburg im 
Breisgau und bei'm Bischof zu Constanz stellen die 4 Söhne des 
Johann Ton Hallwil das Gesuch, an der Burgcapelle zu Hallwil^ 
dem letzten Willen ihres Vaters gemäss, einen eigenen Kaplan 
anstellen zu dürfen. Reiche Vergabungen an Gotteshäuser und 
Klöster, so durch Johannes von Hallwil an das Kloster Kappel, 
— in der Schenkungsurkunde heisst es : damit die Jahrzeit seinea 
Vaters mit Messen und Gebeten begangen werde, sowie damit 
an derselben die Klosterherren Fische und Wein auf ihrem Tische 
hätten und den Armen an der Klosterpforte Brod und Mus ge- 
reicht würde — an die Kirche zu Seengen und an den Kaplan 
zu Hallwil; so durch Walter von Hallwil, Ritter, Rudolf und 
Thüring von Hallwil an die Burgcapelle zu Hallwil, und endlich 
durch Thüring von Hallwil an die Kirche zu Seengen, das Frauen- 
kloster zu Engelberg und das Frauenkloster deutschen Ordens 
zu Bern, beurkunden nach dem Ableben der Wittwe des Johann 
von Hallwil den klosterfreundlichen Sinn ihrer Söhne. Der Grund 
ihrer grossen Freigebigkeit gegen die Burgcapelle zu Hallwil war 
ohne Zweifel der, weil ihr Vater Johann daselbst begraben lag. 
Darum geschah wohl auch die Anstellung eines eigenen , von der 
Pfarrei Seengen unabhängigen Kaplans . Später , d. h. vom Jahr 
1376 an, trat in Folge neuer Schenkungen an die Pfarrkirche zu 
Seengen und der Erstellung eines neuen (des vordem) Altars in 
der Capelle zu Hallwil durch Herr Thüring von Hallwil und 
seine Brüder Johann und Rudolf, eine Aenderung in demSmne 
ein, dass sich der Johanniterorden, dem die Kirche zu Seengen 
zustand, verpflichtete, beständig einen Leutpriester und einen 
andern ehrbaren Priester zu Seengen zu haben, von denen je 
einer allwöchentlich eine Messe in der Capelle zu Hallwil und 
eine andere in der Capelle zu Bonoltzwil halten solle. 

Der erste Kaplan in der Capelle zu Hallwil hiess Johannes 
von Frutigen. 6 Mark waren jährlich für die Pfründe ausgesetzt 
und diese Summe ward in NaturaUen ausgeliefert. In welchem 
Verhältniss damals Geld und Landesproducte zu einander standen, 
ergiebt sich uns aus dem , was der Kaplan laut dem Archiv Hallwil 
von den einzelnen daselbst aufgeführten Gütern an Landesproducten 
erhielt und wir kommen zu dem Ergebniss, dass 1 Mark Silber =^ 
37, Malter oder 12V, Mütt Kernen, 3 Schill, und 1 V, Pfenning war. 



156 

In diese Zeit fallen die Zerwürfnisse der östreichischen Herzoge 
mit Zürich. Erstere waren (1330) durch Abtretung in den Besitz 
der RapperschwiFschen Lehen gekommen und dadurch auch in 
die seit einer Reihe von Jahren bestehenden Kämpfe zwischen 
Zürich und den Grafen von Habsburg -Rapperschwil mit hinein 
verflochten worden. Zürich trat 1351 in den Bund der 4 Wald- 
stätte. Walter von Hallwü gehörte wohl mit zu den vielen 
Adehgen, welche bei ihrer feindseligen Gesinnung gegen Zürich 
die Interessen der östreichischen Herzoge desto eifriger verfochten, 
und wahrscheinlich ist, dass er um jene Zeit die Ritterwürde 
erlangte. £s war jene Zeit überhaupt eine schwere Zeit ; so sind 
die Jahre 1348, 1349 und 1356 durch fürchterliche Erdbeben und 
durch die grosse Pest denkwürdig. — Ueber ein Lehen, das Walter 
um das Jahr 1345 von der Kirche zu Basel in Empfang nahm, 
da er noch miles war, lesen wir in Trouill. Monum. III, 566: 
^Item des Ersten. In dem Banne ze Ombrechtzwilr, von einem 
Gut geheissen in dem Buchholtz XVIII Mütt Roggen. Item ze 
Tetzwili", (?) in dem Banne IX stücke an körn vud an habem. 
Item die hüner vnd die Eyger, die zu den vorgenanten gutem 
gehörend." 

Sämmtliche vier Brüder besiegeln (7. Juni 1369) einen schieds- 
richterlichen Spruch in einem Streit zwischen dem Stift Münster 
und zwei Herren von Rinach und zwar drei als Zeugen, während 
Walter als Schiedsrichter auttritt. Walter, Johann, Rudolf und 
Thüring heissen in der betreffenden Urkunde Ritter. 

Im gleichen Jahr (1369) schliessen sie mit einander 
den sog. Familien vertrag. Beweggründe hiezu: Ungleiche 
Elle bei Vertheilung des väterlichen Erbgutes — Thüring bevor- 
zugt — und Besorgniss, es könnte das Stammgut dem Manns- 
stamm einmal entfiemdet werden. In diesem FamiUenvertrag 
vermachen sich Walter, Johannes, Rudolf und Thüring gegen- 
seitig die Burg zu Hallwil mit den dazu gehörigen Gütern, den 
See und den Bach, der daraus fliesst, die Mühle, die Weingärten 
bei Seengen, die Hölzer Schlatt und Schwarzenlo, so dass, wenn 
Einer von- ihnen ohne männUche Erben sterben sollte, seine 
Brüder oder deren männliche Nachkommen ihn beerben sollen. 
Jeder Tochter sollen innerhalb Jahresfrist nach ihres Vaters Tode 
300 Gulden ausgerichtet werden. Dieses Verkommniss, in den 
folgenden Jahrhunderten mehrmals erneuert, und eine Nachbü- 
dung der im Jahre 1364 zwischen Herzog Rudolf von Oestreich 
und seinen Brüdern aufgerichteten Hausordnung, ist bis in's Jahr 



157 

1798 in Kraft geblieben und demselben haben wir es vorzüglich zu 
verdanken, dass sich dieses altehrwürdige Geschlecht bis auf die 
Gegenwart erhalten hat. 

Ebenso verständig, wie auf die Erhaltung des Familiengutes, 
sorgten diese Hallwirschen Brüder und Schwestern für ihre eigenen 
Interessen. Die Schwestern hiessen Margareth und Adelheid 
und erstere^war es, die Ehefrau des Gottfried Müller (oder 
Müllner, vergl. Nüscheler, Gesch. des Schweizerlandes II, 107 
und 108) in Zürich, welche (1369 Dec. 21.) durch Herzog Leu-^ 
pold die ihr von ihrem Vater zur Ehesteuer gegebenen Pfand-> 
briefe sich bestätigen Hess. — Auch für Johann von Hallwil er-* 
neuern die Herzoge Albrecht und Leupold von Wien aus (1. Sept. 
1370) einen alten Satzbrief, lautend auf 100 Gulden, welcher im 
Schloss zu Hallwil verbrannt war. — Ein Pfandbrief, den Ruots-> 
man (Rudolf) von Hallwil, Johanns Bruder, für 200 Mark Silber 
auf das Burgstal zu Habsburg hinter Luzern hatte, wurde im 
gleichen Jahr mit Gunst und Willen der Herzoge durch Walter 
von Dottikon abgelöst. — Derselbe Rudolf hatte in den Jahren 
1371 und 1372 wegen eines östreichischen Lehens, bestehend iii 
dem Haus und Thurm Rore zu Aarau, einem Gut zu Buchse und 
der Fischerei im Zugersee mit Kunz von Hartenberg, welcher 
auf dieses Lehen ebenfalls Ansprüche machte. Streit. Der öst- 
reichische Landvogt im Thurgau und Aargau, Graf Rudolf von 
Neuenburg, hielt (1371) einen Gerichtstag zu Brugg und die ver-^ 
sammelten Richter erklärten, dass der von Hallwil der recht* 
massige Besitzer des Lehens sei. Da die Rechte des Lehens 
wahrscheinlich auch durch die Bürger von Aarau waren miss- 
achtet worden, so bestätigten die Herzoge Albrecht und Leupold 
in einer Urkunde die Freiheiten des Thurmes zu Rore und be^ 
stimmten, dass die geschehene Nichtachtung dieser Rechte den- 
selben keinen Eintrag thun solle. (Oelhafen , Chronik von Aarau 
p. 23.) Indessen wurde bald darauf der Thurm an Hans Trül-» 
lerey von Aarau veräussert. (Oelhafen, a. a. O. 26.) 

Hemmann von Ifenthal stellt eine Caution aus an das Kloster 
Olsberg für rückständige Zinsen. Unter den Zeugen: Heinrich 
von Rynach, Hemmann von Liebegg, Rudolf von Hallwil, 
rittere. (1371 Nov. 17. Archiv Olsberg.) 

Thüring von Hallwil, der in einer Urkunde von 1354 und in 
einer solchen von 1356 als unter der Vormundschaft seines Bru-« 
ders Walter stehend aufgeführt wird , war 1362 mündig geworden 
und hatte 1363 den Twing und das Dorf Meisterswang (Meister-» 



158 

«diwaiiden) aogekauft, fiber welches er die Vogtei schon besass; 
Dienstag nach Veitstag des Jahres 1372 belehnte Herzog Albrecht 
von Wien aas denselben auch mit der Veste WQdegg. 

Gegen einen, Ton Gottfried Müllner, damals Reichsrogt in 
Zürich, nnd dessen Frau, Margaretha von Hallwil, im Namen 
ihrer Schwäger und ßräder zu Händen des Probstes und des 
Capitek zu Zürich ausgestellten Emp&ngschein werden den 
Herren zu Hallwil (am 13. Dec. 1370) ihre östreichischen Pfand- 
bride zurückgestellt, welche nach dem Ableben ihres Vaters in 
der obem Sacristei der Probstei zu Zürich niedergek^ worden 
waren- 

Haben wir im Bisherigen gesehen, welche Lehen die Ge- 
brüder von Hallwil von den östreichischen Herzogen in Händen 
hatten, so darf ebenso wenig unerwähnt bleiben, dass sie auch 
Lehen vergaben und zwar in Gegenden, welche in nam- 
hafter Entfernung von ihrem Stammgute lagen. So war 
zu Wiltzingen im Entlebuch ein Lehen von Hallwil, das Ritter 
Walter, und ein anderes, das Bitter Hemman von Hallwil verlieh. 
So war zu Kerns in Unterwaiden der sog. „Acker ober dem Dorf* 
und „der lange Acker '^ von Walter von Hallwil an Heinrich zum 
Brunnen von Kerns verliehen. 

Mit acht käufinännischer Scrupulosität wird im Anfang des 
Jahres 1373 von Ritter Rudolf von Hallwil, dem Urgrossvater 
des Helden in den Burgunderkriegen, und Ritter Konrad von 
Stofifeln eine Heirath zwischen dem Sohne des erstem , der eben- 
falls Rudolf hiess, und der Tochter des letztem, Anna von Stof- 
feln, verabredet. Der bezügliche Aussteuervertrag trug zur Ver- 
grösserung des Besitzthums der Hallwil nicht unwesentlich bei, 
indem die Lehen zu Rubischw^il (Ruppertswil) nun ebenfalls dazu 
gehörten. Ritter Konrad von Stoffeln giebt nämlich seiner Tochter 
im Jahr 1380 zur Ehsteuer und kauft sie aus mit den Gütern, 
die er von Johann von Rubischwil, seiner Schwester Sohn, geerbt 
hat, nämlich die Burg zu Obergösgen, Güter, Gericht, Twing, 
Bann und Leute und Kirchensatz zu Ober-Entfelden, die Güter, 
Gericht, Twing, Bann und Leute zu Hirzstall, Otwissingen und 
Lempach, (?) den Hof zu Schwabenstall und das Burgsäss zu Lenz- 
burg. Rudolf musste aber dafür zu bezahlen übernehmen denen 
von Trostburg und Rinach 300 fl. und ihm selbst, Konrad, 600 fl. 
Zur Ausrichtung dieser Summen streckte ihm Herr Rudolf, sein 
Vater, 500 fl. und Frau Lisa Mönch, seine Mutter, 400 fl. vor. 

Das Jahr 1375 war in Folge des Einfalls der Gugler unter 



159 

* 

ihrem Anführer Ingram von Coucy, welchen diese m die vorder- 
östreichischen und eidgenössischen Lande machten, ein für diese 
Oegenden verhängnissvolles geworden. Zwar leisteten Zürich, 
Bern, Luzem dem Herzog Leopold, der sie um ihre Beihülfe an- 
sprach, willigen Beistand, aber die Flucht der Grafen von Eiburg 
und Nidau, welche den Hauenstein hätten besetzt halten sollen, 
brachte den Herzog zu dem verzweiflungsvollen Entsdduss, das 
Land allenthalben zu verwüsten, damit der Feind nirgends 
Nahrung finde. Die Vesten Altreu, Aarwangen, Friedaü wurden 
von der wilden Horde zerstört, der ganze Aargau ward von ihr 
überschwemmt und da ausser vielen andern Städten und Dörfern 
namentlich Lenzburg ihre Baub- und Plünderungssucht in hohem 
€rrade hatte erfahren müssen, so ist damals zweifelsohne auch 
die Burg Hallwil schwer genug gebrandschatzt worden* 

Trotz dieser unruhigen Zeiten Hessen sich die Herren da- 
selbst nicht abhalten, eint und andere ihnen benachbarte Be- 
sitzung durch Kauf an sich zu bringen. So gelangte (1379) 
Rudolf von Hallwil zu der seit dem Erdbeben von 1356 nicht 
wieder aufgebauten Wartburg mit aller Zubehör, den Mönchen- 
berg ausgenommen. (Von Arx, Gesch. der Landgra&chaft Buchs- 
^au.) So verkauften Dienstag vor St. Gregor 1379 die Gebrüder 
Budolf, Probst zu Münster, Rudolf, Probst zu Rheinfelden und 
Heinrich Schulthess zu Lenzburg an Rudolf und Thüring von 
Hallwil den 4. Theil des Kelnhofs zu Boswil, mit allen dazu ge- 
liörigen Gerichten und Gütern um 176 Gulden, ferner alle ihre 
Rechte an Gütern zu Boswil, die für 100 Mark Silbers an Els- 
beth, Jakob Trüllerey's Ehefrau, zur Ehesteuer versetzt sind. 
(Urkunde zu Hallwil.) Im gleichen Jahr empfingen Rudolf und 
Thüring die Vogtei des Kehihofe zu Boswil aus der Hand des 
Herzogs Leopold zum Lehen. 

Ein Brand, der Ende des Jahres 1379 oder zu An- 
fang des Jahres 1380 in Hallwil statthatte, zerstörte 
Bämmtliche Documente und Briefe, welche das Haus von 
Oestreich hatte. Desswegen stellte Herzog Leupolt am Freitag 
nach Pfingsten 1380 den Brüdern Hemman, Rudolf und Thü- 
ring, sowie dem Sohne Walters, Hänsli — Walter selbst scheint 
um 1376 gestorben zu sein — eine Erneuerungsurkunde, 
das sog. diploma restaurationis, aus. Dasselbe bietet grosses 
Interesse insofern, als darin eine Aufzählung aller Güter 
und Rechtungen geschieht, welche die Herren von Hall- 
wil vom Hause Oestreich zu Lehen trugen. Diese Lehen 



160 

sind folgende: Die Veste Wildegg, das Dorf Holderbank 
und der Dinghof daselbst, Mörikon und Altenburg, die 
Dörfer mit Leuten und Gütern und Allem, was dazu ge^ 
hört, das Dorf Hägglingen und der Meierhof daselbst^ 
das Dorf Anglikon mit Leuten und Gütern, das Burg-^ 
säss zu Lenzburg mit dem Geld zu Vilmaringen und zu 
Wolenfwil, das Landgericht zu Fahrwangen mit dem 
Geleit und den grossen Gerichten, mit Stock und Galgen 
über Diebstahl und Frevel und was auf der Landstrasse 
geschieht von Hengstfluh bis an den Hunnenbühl unter 
der Baldegg bei dem Kreuz, das man jährlich erkennt im 
Dinghof zuFahrwangen; weiter haben die Hallwil von Oestreich 
zu Lehen das Marschallamt zwischen dem Gotthart und 
dem Eggenbach im Elsass mit einer Mark Geld zu Rinach, 
so dass, wenn die Herzoge von Oestreich zu Felde liegen, mit 
gesetztem und au^eworfenem Banner, dann je der Aelteste von 
Hallwil ihres Volkes Marschall sein soll, welchermassen dies die 
Aeltesten von Hallwil je und je hergebracht haben. Ein fer- 
neres östreichisches Lehen war der Thurm zu Aarau mit 
den Gütern, die dazu gehören, und die Widemhöfe zu 
Boswil mit dem dazu gehörigen Kirchensatz. Das Burg- 
säss zu Lenzburg und den Thurm zu Aarau sollen die von Hallwil 
den Herzogen offen halten und alF das hier Aufgeführte nach 
Lehensrecht besitzen ate gemeinschaftliches Lehen des Stammes, 
so dass die jedesmaligen lehnfahigen d. h. männUchen GUeder 
desselben es zu geniessen haben. (Rod. Castenhofer bezeugt 
unterm 12. October 1765, dass er dieses Diploma restaurationis 
von einem papiernen Rodel abgeschrieben habe. Es liegen noch 
zwei andere Abschriften aus neuerer Zeit dabei.) 

Von Interesse ist auch ein Uebereinkommen , das die beiden 
Ritter Rudolf und Thüring, dann der Sohn Rudolfs, welcher eben- 
falls Rudolf hiess, und Hans oder Hänsli, der Sohn des ver- 
storbenen Walter, (12. März 1381) in Hallwil schlössen. Dasselbe 
beschlägt die Fi*age, wie sie es mit den Leuten halten wollten, 
die ihr Eigen oder ihre Lehen seien. Sie werden einig, dass sie 
diejenigen Leute, Y^elche sie bisher gemeinschaftlich besessen 
haben, auch ferner auf diese Weise besitzen wollen. Sollte jedoch 
Einer von ihnen einen Antheil für sich verlangen , so müsste auch 
den Andern gleichviel gegeben werden. Was diejenigen anlange, 
die schon jetzt jedem Einzelnen gehörten , so solle durch Verbot 
und Strafe verhindert werden, dass sie sich weiter mit einander 



161 

vermischen. Uebrigens bildeten die Hörigen in den Hallwiler 
Gerichten nur einen kleinen Thdl der Angesessenen. 

Recapituliren wir nochmals kurz, was über die Söhne des 
Johann von HaUwil zu sagen ist! 

Walter war 1374 gestorben. Sein Sohn war Johann, Ritter, 
genannt Hänsli. Nach Dörflingers Tabellen und Tschudis Wappen- 
bttch wurde Ritter Hemmann oder Hänsli 1386 zu Sempach er- 
schlagen und zu Kappel begraben. — Laut einer Hallwiler Ur- 
kunde vom Jahr 1386 giebt Frau Christine von Rüffegg, Freyin, 
Ukichs von Rynach Wittwe, den von ihrer Tochter mit Hans 
von Hallwil erzeugten Söhnen, Walter und Hans, um 500 Gulden 
Güter, die sie von ihrem Ehemann von Rynach gekauft hatte. 
Der letztgenannte Hans von Hallwil, Urgrosssohn des Marschalls 
Johann, starb um 1407. Bald nach dessen Tode und dem seiner 
mütteriichen Halbschwester, Anna, gebome von Haldenstein, 
sprach Walter, Herr zu Wildegg, die Erbschaft dieser Letztern 
ab; auf diese glaubte dagegen er selbst desto mehr Ansprüche 
zu haben, da seiner Mutter erstes Heirathsgut und Morgengabe 
auf die Herrschaft Haldenstein versichert waren. Ueber diese 
Ansprüche fällten im Jahr 1419, Montags vor St. Gallentag, 
Rudolf von HaUwil, Ritter, Rudolf von Baldegg, Heinrich von 
Sigberg und Ludwig Effinger einen Spruch, durch welchen die 
Herrschaft Haldenstein dem weiblichen Stamm derer von Halden- 
stein, und Waltern von Hallwil 400 Gulden, welche ihm dieser 
Stanam entrichten solle, zugesprochen wurden. (Chronik von 
Guler und V. Mül. p. 19.) 

Laut einem Schiedsrichterspruch, welchen Graf Hans von 
Lupfen, Landgraf von Stühlingen, Dienstags nach St. Andreas 
1404, zwischen Christoph von Hartnegg, Wittwer obiger Anna, 
und Walter und Hans von Hallwil und Peter von Gryffensee fällte, 
musste Hartnegg den beiden Hallwil und Gryffensee die Veste 
Haldenstein gegen 600 U Heller abtreten. (V. Mül. p. 19.) 

Kehren wir wieder zu den vier Söhnen des Marschall 
Johann von Hallwil zurück! 

Von Walter haben wir schon gesprochen. Sein Bruder 
Johann ist um 1384 todt. Anna vom Hus, Wittwe dieses Ritters 
Johann oder Hans von Hallwil, und ihr Tochtermann, Hans Grimm 
von Grünenberg, verkaufen den 14. Mai 1394 an Hans von Mure 
von Hägglingen Güter daselbst um 188 Goldgulden. (Archiv des 
Klosters Hermetschwil.) Von den beiden noch übrigen Brüdern 
bat ohne Zweifel der eine, Rudolf, die Burg zu Hallwil bewohnt, 

Argovia VI. 11 



162 

der andere, Thüring, die Wildegg. So trägt eine Jahrzeit- 
stiftung des Letztem das Datum: „1383, August 13, Wildegg 
auf der Burg." Im Jahr 1381 versichert Thüring von Hallwil 
seiner Gemalin, Katharina von Wollfiirt, die Morgengabe, nämlich 
umb 80 mark Silbers, auf seinen Hof zu Sur und auf aUe seine 
Matten und Weingärten zu HaUwü. (Königsfeldner Orig.-Urkunde.) 
1384 fafs, laut einer Urkunde im Archiv Wildegg, Rudolf Bublikon 
statt seiner in dem Dinghof zu Holderbank. Nach der Schlacht von 
Sempach (1386, Juli 9) begegnet uns auch der Name Thürings 
in den Urkunden nicht mehr. Es liegt somit die Vermuthung 
nahe, dass er ebenfalls einer von den Herren zu Hallwil war, 
die in dieser Schlacht ihre Anhänglichkeit an Oestreich mit dem 
Tode gebüsst haben. Ausser Johann von Hallwil, Ritter, 
genannt Hänsli, und Thüring von Hallwil zählt Tschudi in 
seiner Chronik noch einen Hans von Hallwil, Ritter, unter 
den bei Sempach gefallenen Gliedern dieses Hauses auf. Er war 
vermuthhch des Tbürings Sohn. (Yergl. genealog. Täbleau von 
Mülinen pag. 78 und im Weitem Melch. Russ von Luzem im 
X. Bd. pag. 194 des Schw. Gesch. forsch.) Thüring und sein 
Sohn, Johann von Hallwil, Ritter, kommen im Verzeichniss der 
zu Sempach Erschlagenen vor, für die zu St. Leonhard in Basel 
Jahrzeiten gehalten wurden. (Wurstisen.) 

Von den vier Söhnen des herzoglich Ostreich. Land- 
pflegers und Hofmeisters, Johann von Hallwil, welche 
1348 das Erbe ihres Vaters übernahmen, blieb somit nach der 
Schlacht von Sempach nur noch einer, der dritte, Ritter 
Rudolf oder Rutzmann, übrig, welcher zwei Söhne, Rudolf 
und Eonrad, und eine Tochter, Margareth, hatte. (Im Ne- 
crologium zu Münster wird um 1405 ein Johann von HaUwfl ge- 
nannt, der dort Chorherr war.' Von Mül. in seiner Genealogie 
des Hauses Hallwil p. 23 hält ihn ebenfalls für einen Sohn des 
Ritters Rudolf von HaUwil.) 

In dem Streit zwischen dem Gotteshaus St. Blasien und 
dessen eigenen Leuten auf dem Walde erscheint als zweiter Zeuge 
des durch Gottfr. Müller, östr. Landvogts im Aargau, Thurgau 
und auf dem Schwarzwald, gefällten Urtheilsspmchs der Kammer- 
meister Rudolf von Hallwil. Geben ze Waltzhut am nechstea 
Donstag vor s. Laurentistag 1378. (Mone, Oberrh. VI, 370.) 

In dem Streit zwischen dem Abt Heinrich von St. Blasien 
und seinem Gotteshaus einerseits und den Eigenleuten ander- 
seits fuugirt Rudolf von Hallwil, Ritter, nebst Klaus von Rhein- 



163 

telden, Schultheiss zu Säckingen, Johann Escher, Schultheiss 
au Baden, als Schiedsrichter. (1385.) Mone, Oberrh. VI, 122 flF., 
374 S. 

Am Tag der Schlacht von Sempach befand sich Rudolf von 
Hallwil, der einzige Sprössling des Marschalls Johann, welcher 
diese Schlacht überlebte, zu Gonstanz, wo er als der erste von 
6 Schiedsrichtern einen Zwist schlichtete, den Herzog Leupold 
mit der Stadt Basel über ihr verpfändete Dörfer hatte. (Lieh- 
nowsky IV, Regeste 2002.) Im gleichen Jahr steht er als Vor- 
mund der Enkel seines Bruders Walter, Walter und Hans, vor 
dem Gerichte zu Lenzburg. Am 10. August 1391 wird er als 
verstorben erwähnt. Die Grosssöhne des um 1374 gestorbenen 
Walter von Hallwil, Walter und Hans, dürften diejenigen Hallwil 
sein, aufweiche sich eine Urkunde vom Jahre 1408, December 18 
bei Trouillat, Monum. V, 727 bezieht. Daselbt heisst es nämlich, 
dass Walter Henriat de Del^mont für sein und das Seelenheil der 
Herren von HallwU, denen das Patronatsrecht über die Kirche 
zu Blotzheim (im Elsass) zustand^ genannter Kirche eine Ver- 
gabung gemächt habe, und zwar mit Zustimmung von Walter 
und Hans von Hallwil, Edelknechten. 

Mehr und mehr rücken wir dem Zeitpunkt der Einverleibung 
des Aargau's in den Stand Bern entgegen, und dieses eben genannten 
Bitter Rudolfs Sohn, des Marschalls Johann Grosssohn, welcher 
ebenfalls Rudolf hiess und die Riflerwürde l)ekleidete, der war 
Zeitgenosse jenes auch für die Hallwil so folgenreichen Ereignisses. 

Indem wir Vergabungen von Seite dieses Rudolf, Sohn, an 
das Kloster Kappel zur Begehung der Jahrzeit seines Vaters 
<1392, Februar 14), sowie an das Kloster auf dem Berberg bei 
Winterthur hier nur andeuten, ebenso seine Zeugenschaft, als 
Graf Johann von Habsburg einem Richterspruch über das Erb- 
schaftsrecht in der Vogtei Howenstein die Bestätigung ertheUte 
(18. Juli 1398), und seine Zeugenschaft bei einem richterlichen 
Entscheid, durch welchen dem Kloster St. Blasien Rechte in 
Dietikon bestätigt wurden (3. Sept. 1401, Herrgott, Geneal. III, 
793), so ist dagegen mit Rücksicht auf die territorialen Ver- 
hältnisse der Herrschaft Hallwil hier hervorzuheben, dass dem 
Ritter Rudolf durch seine Verehlichung mit Anna von Stoffeln 
die Rubischwüer Lehen anheimgefallen waren, von denen die 
meisten bis zum Jahr 1798 bei seinen Nachkommen verblieben. 

Hier nur noch drei Daten aus dieser Zeit! Graf Hans von 
Habsburg, Landvogt, schlichtet (Freitag vor Maria Magdalena 



164 

des Jahres 1398) einen Streit zwischen dem Kloster Hermetschwil 
und dem Müller Wemli Sag^r in Bremgarten. Unter den Zeugen 
erscheinen unter Andern R u dolf von Hallwil, Ritter. — Den 6. Juni 
1398 urtheilt Eberhard Nagel, Schultheis» zu Zürich, im Namea 
des Gerichtes zu Zürich, dass Wemher Senn von Seengen, Burger 
von Zürich , ein Gotteshausmann des Gotteshauses Einsiedeln sei 
und nicht dem Ritter Rudolf von Hallwil und Konrad, dessen 
Bruder, die ihn als den ihrigen ansprachen, gehöre. (P. Gall 
Morell, Reg. der Benedictinerabtei Einsiedeln No. 554.) 

Im Jahr 1399 hatte er und sein Bruder Konrad mit ihrem 
Vetter Thüring von Hallwil, Streit. Ritter Rudolf war 
Thürings Vogt gewesen, wie vor ihm sein Vater. In diesem 
Jahre erhält Anna Maness, Tochter Gottfried Müllners und der 
Margareth von Hallwil, von dem Herzog Leopold die Bewilligung^ 
nach ihrem Tode, dem Tode ihres Sohnes Gözman, und auf den 
Fall, dass ihr landesabwesender Sohn Rüdger ohne Leibeserben 
sterben sollte, ihrem Erben, Rudolf von Hallwil, den Satz zu 
St. Andr^, und 100 fl. Zins auf dem Geleit zu Brugg, welches 
Pfandschaften des Hauses Oestreich sind, zu vermachen. Diese 
Frau Anna Maness, geb. Müllner, gab in der That im Jahr 1400 
dem Ritter Rudolf und seinem Bruder Konrad, ihren Vettern^ 
14 Mark Silber Einkommen auf der Steuer zu Zug. 

Dieser an der Gränzscheide zweier Jahrhundei'te stehende 
Rudolf, Ritter, übte die Rechte eines Lehensherren in grösserm 
Massstabe aus, als seine Voiiahren, was aus einer Anzahl im 
Archiv zu Hallwil befindlicher Reversbriefe ersichtlich ist, die von 
den Lehensempfängem ausgestellt sind. Warum weder zu dieser 
Zeit, noch auch später, von den Lehen im Entlebuch und zu Kerna 
in Unterwaiden mehr die Rede ist, welche das Geschlecht der Hall- 
wil, wie früher nachgewiesen worden, um die Mitte des 14. Jahr- 
hunderts hatte, wird schwer zu sagen sein. Wahrscheinlich sind 
diese Rechtsame in den Kriegen zwischen den östr. Herzogen und 
den Eidgenossen — von diesen letztem an sich gezogen worden und 
wurden bei den Friedensschlüssen nicht wieder zurückerstattet. 

Der Bruder dieses eben erwähnten Ritters Rudolf von Hall- 
wil, Konrad von Hallwil, war in den Appenzeller Kriegen um- 
gekommen. Aus seiner Ehe mit Margareth von Breitenlanden- 
berg hatte er zwei Söhne, Konrad und Rudolf, die in dem 
ersten Bürgerrechtsbrief der Hallwil vom Jahre 1415 
erwähnt werden. Nach den Chroniken wäre ein Hallwil am 
Stoss gefallen, ein anderer, Johannes von Hallwil, Ritter, in 



165 

^em Treffen zu Bruggbach am Kotmonten bei St. Gallen, das am 
gleichen Tage mit demjenigen am Hauptiisberge statthatte, näm- 
lich den 17. Juni 1405. (Näf, Chronik der Stadt und Landschaft 
St. GaDen, p. 509.) 

Diese zwei Söhne Konrads von Hallwil kamen nach dem Tod 
ihres Vaters für einige Jahre nach Münster, kehrten aber schon 
im Jahr 1413, also resp. im 14. und 16. Jahre, wieder zu ihrem 
Oheim, Ritter Rudolf, nach Hallwil zurück. Aus der Zeit ihres 
Aufenthalts in Münster sind neben den Ausgaben für Wohnung, 
Heizung und Licht noch 40 Goldgulden für die Herren daselbst 
verrechnet. Wahrscheinlich waren diese 40 Goldgulden das Ho- 
norar für den daselbst empfangenen Unterricht. Dieser selbst 
tiber mochte nach der Weise jener Zeit wohl mehr die körper- 
liche, als die geistige Ausbildung des junkherrelln oder garzün im 
Auge gehabt haben. (Ueber die pueri oder infantes der schola interna 
zu Einsiedeln, ausschUesslich Adelige, cf. Gesch. freund X, 178.) 

Und nun wieder zurück auf Ritter Rudolf, den Aeltesten 
des Geschlechtes aus jener Zeit! 

Als Kastvogt des Klosters Kappel, welches in Folge von 
Krieg und anderem Missgeschick um diese Zeit verarmt war, 
that er Schritte, um das Kloster wieder zu heben. Er entwarf 
eine Ordnung und liess dieselbe von den Ordensbrüdern be- 
schwören. Auf den Ungehorsam gegen die Ordnung war eine 
Strafe von 100 Gulden gesetzt. Rudolf und seine Gemalin, Anna 
von Stoffeln, hatten zu zwei verschiedenen Malen ihre Pietät 
gegen die Gapelle zu Hallwil durch Schenkungen kundgethan. 
{So 1404 und 1420.) Rudolf war kein einflussreicher Hofbeamter 
wie sein Grossvater , der vielgenannte Marschall Johann von Hall- 
wil, und kein thatendurstiger Soldat wie sein Grosssohn, der ruhm- 
gekrönte Hans von Hallwil, wohl aber war er ein desto besserer 
Oekonom. Durch Ankauf und Erwefbung neuer Güter mehrte 
«r sein ohnedies schon beträchtliches Besitzthum. Anderseits ver- 
kaufte er in Gemeinschaft mit Grimm von Grünenberg, sowie 
Walter und Thüring von Hallwil, seinen Vettern, im Jahr 1405 
ihre Vogtei und Aemter zu Maschwanden, Horgen und Rüsch- 
likon und was jenseits des Albis gelegen war und bisher zur 
Herrschaft Eschibach gehört hatte, um 2000 alte Goldgulden an 
die Stadt Zürich, mit Vorbehalt der Kastvogtei Kappel für das 
Haus Hallwil. Die genannten Güter waren seiner Zeit von den 
Herzogen von Oestreich an Herrn Hans von Hallwil verpfändet 
worden. (Werdtmüller und Scheuchzer, codex diplom. — Von 



166 

Mülinen p. 19.) Mit weitern 600 Gulden befreite ZUrich die ge- 
nannten Ländereien von dem Pfandrecht , das Oestreich auf die- 
selben hatte. Ein schöner Zug bürgerlichen Rechtssinns auf Seite 
der Zürcher ist uns aus dem Jahr 1397 aufbewahrt. Die Zürcher 
hatten um jene Zeit die Vogtei zu Horgen in Besitz genommen^ 
auf welche das Haus Hallwil Ansprüche zu haben glaubte. Eine 
von ZUrich selbst vorgenommene Untersuchung constatirte die 
Richtigkeit dieser Ansprüche. Da beschloss der Rath: Es ge- 
zieme der Stadt Zürich, da sie nicht genug Recht an die 
Vogtei Horgen habe, dieselbe denen von Hallwil aus. 
eigenem Willen zurückzugeben. (Gesch. der Eidg. v. Vögelin- 
Escher I, 277.) 

Auf die R'echtszustände jener Zeit werfen mehrere An- 
gaben, die uns im Archiv zu Hallwil aufbewahrt sind, ein be- 
denkliches Licht. Ein Ehepaar zu Waldshut, das gegen Walter 
von Hallwil und andere Edle schwere Drohungen ausgesprochen, 
hat, muss Urfehde schwören, womit sich die Bedrohten zufrieden 
geben. Den Hansli Beinwil von Vilmeringen liess Walter von 
Hallwil ohne alle weitere Förmlichkeit eigenmächtig zu Münster 
gefangen nehmen und in Hallwil einkerkern. Bei seiner Frei- 
lassung musste der Uebelthäter für seine gute Aufführung Bürgea 
stellen, nachdem er selbst für die Kosten des Gefängnisses 8 Pfd. 
Pfenninge entrichtet hatte. Für den Fall, dass sich der Fehlbare 
nicht gut halte, sollten seine Bürgen 40 Gulden zahlen. Vorfälle^ 
wie die eben genannten, sind zwar dem Geschichtsforscher be- 
kannt genug, dürften dagegen manchem andern Leser dieser 
Blätter neu sein. 

Uebrigens, um gerecht zu sein, fehlte es auch damals durch- 
aus nicht am guten Willen, die Verhältnisse zwischen den Guts- 
herren und den Eigenleuten oder Hörigen rechtlich zu ordnen 
und gesetzlich festzustellen, um so dem Vorwurfe, als herrsche 
blosse Willkür, zu begegnen. So liessen die Herren von Hallwil 
durch Gerichte eine Menge von Kundschaften aufnehmen, um 
über ihre Eigenleute in's Klare zu kommen. Vom 19. Juli 1411 
sind zwei Zeugenverhöre bekannt, durch welche Ritter Rudolf von 
Hallwil und der Schultheiss von Lenzburg bestimmten, wohin 
gewisse Eigenleute hörig seien. Von vielen, besonders alten 
Leuten, wurde ausgesagt, dass zwischen der Grafschaft (?) Fahr- 
wangen und dem Dorfe Bettwil von früher Zeit her freier Zug 
bestanden habe. Hallwil und der Schultheiss von Lenzburg, letz- 
terer im Namen Oestreichs, machten also aus, dass es auch ferner 



167 

so gehalten werden solle. — Das zweite Zeugenverhör betraf 
zwei Frauen, von denen die eine eine hallwü'sche, die andere 
eine östreichische Hörige war und von denen sich jede mit einem 
Manne der andern Herrschaft verheirathet hatte. Nachdem durch 
die Zeugenaussagen der Thatbestand festgestellt war, tauschten 
die Besitzer die Frauen gegen einander aus , so dass durch diesen 
Entscheid das eine Ehepaar östreichisch, das andere hallwUisch 
wurde. Eine dritte, datumlose Kundschaft von circa 1418, mir mit- 
getheilt aus dem Staatsarchiv Luzern durch Theod. von Liebenau, 
hebt mit den Worten an: „Di(T Sind die Lüt, die u* (vermuth- 
lich ist Luzern gemeint) Minem Herren Her Rudolfen von Hallwil 
vn sins bruders seligen Kinden Entwert vn ingenomen haut** , und 
enthält eine ansehnliche Zahl theils Solcher, „die zu Esch ge- 
sessen sint vn von alter har gestüret vn gedienet haut in die graf- 
schaft varwang^, theils Solcher, „die ze vczwil siczent in Her 
Hemmans von Rinach Gericht vn doch m^t sturen vn diensten, 
mit gerichten, kleinen vn groflen, vflgenommen den frefel, gen 
farwang an die grafschaft von alter har gehört haut**, theils end- 
lich Solcher, „die ze sarmistorf gesessen sint vn von alter har 
gestüret vn gedienet band vn gehört haut mit kleinen vn grossen 
gerichten, vflgenommen die frefel, in die gra&chaft varwang.** 

Was es mit der „Grafschaft" Fahrwangen für eine Bewandt- 
niss habe, von welcher Grafschaft in der eben angeführten Kund- 
schaft, sowie auch schon früher mehrmals die Rede war, so im 
dipl. restaurationis (cf.p. 159 dieser Monographie), wo unter den, den 
Hallwil zugehörigen Gütern und Rechtungen unter Anderm auch das 
Landgericht zu Fahrwangen mit dem Geleit und den grossen Ge- 
richten, mit Stock und Galgen über Diebstahl und Frevel an- 
geführt ist, darüber werde ich mich bei Besprechung zweier be- 
züglicher Urkunden aus den Jahren 1461 und 1465 näher aus- 
lassen. Nach Leu's Schweiz. Lexicon hätte es Edle von Fahr- 
wangen gegeben. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wäre die 
Herrschaft an die Edeln von Balm gekommen und 1309 hätte 
dann Herzog Leopold das Schloss nach tapferm Widerstand er- 
obert und zerstört. Dass letztere Angabe unrichtig und Herr 
Rudolf von der Balm auf dem Schloss Altbüron wohnte, ist ur- 
kundlich erwiesen (vergl. Kopp, Gesch. der eidg. Bde. IV, 1, 11); 
dass aber der im Jahr 1348 verstorbene Ritter Johann von 
Hallwil die Herrschaft Fahrwangen im Jahr 1338 erkauft habe, 
wie Leu a. a. 0. weiter berichtet, darüber stehen mir kerne 
urkundlichen Belege zu Gebote. Thatsache ist immerhin, dass 



168 

diese Herrschaft von den Zeiten des Marschall Johann von Hall- 
wil an öfter als im Besitze dieses Geschlechtes stehend aufgeführt 
wird und jedenfalls dazu gehört. (Stumpf, Chron. Helv. VII, c. 36.) 

An der Stadt und dem Amte Lenzburg hatten die Herren 
von Hallwil in Beziehung auf ihre Hörigen eine lästige Nachbar- 
schaft. Manche ihrer Hörigen hielten sich in der Stadt oder deren 
Bann auf und glaubten dann aller Verbindlichkeiten gegen ihre 
frühem Herrn enthoben zu sein. Zum Schutz dieser Letztern er- 
klärte der Ostreich. Landvogt Burkart v. Mannsberg (1412, Jan. 7) 
an offenem Gerichte, dass die Eigenleute des Ritters Rudolf von 
Hallwil, die sich in Stadt und Bann von Lenzburg niedergelassen 
hatten, demselben fernerhin verbleiben, und die, welche sich seinem 
Dienste entzogen, wieder in denselben zurückkehren sollten. In 
dem zu Baden auf Samstag nach St. Erharts Tag 1412 gegebenen 
Spruchbrief „von des von Rinach und des waldes wegen, als si 
vberluffen das gotshus**, welcher bei Mone vollständig mitgetheilt 
wird, tritt Herr Rudolf von Hallwil als erster Zeuge auf. (Mone, 
a. a. 0. VI, 467 u. 468.) 

Gegen seinen Landesherren, Herzog Friedrich von Oestreich, 
zeigte sich Herr Rudolf sehr zuvorkommend. So verbürgte er 
für ihn eine Geldschuld, die der Herzog den Baslern abzutragen 
hatte. Als eine Art von Gegendienst haben wir es anzusehen, 
dass der Herzog am Montag vor Pfingsten 1412 alle Pfandbriefe 
und Sätze bestätigte, welche Rudolf, Walter und Thüring von 
Hallwil von der Herrschaft Oestreich innehatten. Bald nachher 
sollte dieses Verhältniss gegenseitigen Entgegenkommens und Ver- 
trauens gewaltsam zerstört werden und ein Umsturz der Dinge 
erfolgen, welcher auch auf das zukünftige Geschick des Ge- 
schlechtes derer von Hallwil von grosser Tragweite war. 

3. Abschnitt: Das Geschlecht derer von Hallwil von der Zeit der 

Eroberung des Aargau's durch die Berner bis zu des Hans von 

Hallwil erstem Öffentlichen Auftreten. 1415—1450. 

Die Zerwürfnisse zwischen König Sigmund und Herzog Fried- 
rich IV. von Oestreich (geb. 1382), dem vierten Sohn des bei Sem- 
pach gefallenen Herzogs Leopold HL, hatten zur Folge, dass Fried- 
rich den 30. März 1415 in Acht und Bann erklärt wurde. Allen 
geistlichen und weltüchen Herren in Schwaben beftihl der König, 
ihn anzugreifen. Kein Bündniss und Vertrag schütze ; was Jeder 
an sich reisse , sei fortan sein Eigenthum. Auch die Eidgenossen 
wurden aufgefordert, den Frieden mit Friedrich zu brechen. Vergl. 



169 

das Schreiben Sigmunds an alle Fürsten, geistlichen und welt- 
lichen, Grafen, Freie, Ritter u. s. w. in Kopps Gesch.-Blättem II, 
106, sowie überhaupt die Abhandlung daselbst: „König Sigmund 
und die Eidgenossen seit der Aechtung Friedrichs von Oestreich." 
Würden sie den Geächteten, diesen Zerstörer der Christenheit und 
des Concils, nicht bekriegen, so war ihnen durch das letztere der 
Bann in Aussicht gestellt. Anfangs beharrten die Eidgenossen zwar in 
ihrer Mehrzahl auf ihrer Erklärung, sie hätten erst vor drei Jahren 
einen 50jährigen Frieden mit Oestreich geschlossen und sie hielten 
es weder für billig, noch für rühmlich, Friedrichs jetziges Unglück 
zu benutzen. Sie bitten daher den Kaiser und das Goncilium, 
Bie bei ihrem Frieden mit Oestreich zu lassen. Als aber die Auf- 
forderungen des Kaisers in immer dringenderem Tone wiederholt 
wurden und dieser den Eidgenossen den Besitz des eroberten 
Landes zusicherte, da war es Bern, das den Feldzug mit der 
Belagerung Zofingens eröffnete. Bern, dieser sowohl durch die 
Mannhaftigkeit und Aufopferungsfähigkeit seiner Bürger, als durch 
die Klugheit und Weitsichtigkeit seiner Obern zu hohem Ansehen 
gelangte Stand, mochte denken, eidgenössische Gewissenhaftigkeit 
könne dem Herzog Friedrich doch nichts nützen, weil Andere 
thäten, was sie unterliessen, was ja mit Bezug auf den Thurgau 
bereits geschehen war. ^ 

Die Hauptmacht der Bemer schlug den Weg über Zofingen, 
Aarburg, Aarau, Lenzburg und Brugg ein, während sich einzelne 
Detaschements zur Einnahme der nähern und entferntem Burgen 
des aarg. Adels anschickten. 

Was die östreichischen Herzoge in dritthalb hundert Jahren 
mühsam erworben hatten, den ganzen Aargau bis an die Reuss, 
nahmen ihnen die Bemer, mitunterstützt von Solothum, Biel, 
Neuenstadt und Neuenburg, in 17 Tagen mit Verlust von nur 
4 Mann wieder ab. 17 Städte und Schlösser und die Oberherr- 
Uchkeit über das Land, dessen Mannschaft und Einkommen, 
waren ihnen anheimgefallen. Den Solothurnem gaben sie 2000 
Gulden für geleistete Hülfe, halb so viel den Bielern. (Tschudi, 
Chron. helv. H, 16—27.) 

Zwar hatte sich der Ostreich. Adel nicht widerstandslos er- 
geben. So hatte Freiherr Johann von Reussegg, Herr zu Botten- 
ein, der Zofinger Schultheiss, diese Stadt entschlossen ver- 
theidigt, aber die Mehrheit der Bürger war für Uebergabe der- 
selben an Bern, und nach Niederlegung seines Amtes begab sich 
Reussegg zu seinem Fürsten. Ritterlich stehen auch die 



170 

Hallwil in der Stunde der Gefahr für ihre Lehensherren 
ein. Da sie einsahen, dass sie zu schwach wären, um dem her- 
anrückenden Feind an mehrem Orten entgegenzutreten, über- 
Hessen sie die Stammburg von Hallwil einem kleinen ISluflein 
von Yertheidigem , indem sie dieselbe sowohl durch ihre feste 
Position, als ihre soliden Mauern für hinlänglich geschützt hielten. 
Die Veste Wartburg ward den Engelberger Bauern zur Be- 
wachung übergeben; Wildegg dagegen, damals das Eigenthum 
Walters von Hallwil, ward von diesem selbst, sowie seinem Vetter, 
Ritter Rudolf, Grosssohn des Marschall Johann, mit stärkerer 
Macht besetzt. Hier postirte sich auch der Sohn des in der 
Schlacht zu Sempach gefallenen Thüring von Hallwil, Thüring, 
Edelknecht, später im Unterschied von seinem Sohne, dem Mar- 
schall Thüring, Ritter, Thüring der ältere genannt (f um 1460). 
Als eine Streifschaar der Bemer die Vertheidiger der Wartburg 
mit der Einäscherung ihrer Häuser bedrohte, ergab sich die 
Besatzung, und der Rittersitz wurde zum grössten Theil zerstört. 
Auch Schloss Hallwil vermochte sich trotz seiner mit 
Wasser gefüllten Gräben und seiner festen Zinnen nicht 
zu halten. Mit wildem Ungestüm ward es von den Bemem 
belagert, und die am nächtlichen Himmel aufsteigende Gluth ver- 
kündigte den Vertheidigern zu, WUdegg den Fall ihrer väter- 
lichen Stammburg. Ein grosser Theil derselben brannte nieder, 
und fast scheint es, als habe man im ersten Schrecken über 
diesen ihren Untergang daran gezweifelt, dass sie je wieder auf- 
gebaut werde. — Von Hallwil aus wendete sich ein Theil der 
bemischen Armee nordwärts. Dem Schlosse Wildegg geschah 
kein Leid, wohl aber warfen sich die Hallwil daselbst auf einige 
Nachzügler des von der Eroberung der Habsburg und der Stadt 
Brugg zurückkehrenden und heimwärts ziehenden Feindes und er- 
schlugen in der Hellmühle, am Fuss der Veste, vier, nach Justingers 
Bern. Chr. fünf Mann. (Vergl. eben daselbst p. 296—306. 316—317.) 
Als die Berner, diese in der Belagerungskunst ausgezeich- 
neten Soldaten, nach Verfluss von 17 Tagen bereits wieder in 
ihre Heimat zurückgekehrt waren, wurden sie unterem 2. Mai 1415 
von den Eidgenossen, die ihre Mitwirkung schwer vermissten, 
nach Baden gerufen, damit sie dieselben in der Einnahme der 
Veste, genannt der Stein, unterstützen würden. Die Bemer 
sandten ihnen, zufolge Rathsbeschlusses vom 4. Mai, 50 Reiter, 
1000 Mann zu Fuss, die Werkmeister imd ihre wohl erprobten 
Büchsen zu Hülfe. Auf dem Zuge der Bemer nach Baden machten 



171 

die Hallwil von Wildegg aus abermals einen Ausfall auf die Nachhut 
derselben und nahmen ihr zwei Munitionswagen weg. (Stumpf, 
Schweiz. Chron. VII, c. 46.) Nach Utägiger Belagerung hatte 
sich die Stadt und niedere Veste übergeben ; 8 Tage später, den 
17. Mai, ergab sich auch die obere, durch Ritter Burkart von 
Mannsperg vertheidigte Veste Baden, und damit hatte der Feld- 
zug ein Ende. Das Baden, da einst Rudolf von Habsburg so 
gerne geweilt, da Kaiser Albrecht die letzten Tage seines Lebens 
zij^ebracht und sein Sohn Leopold das glänzende Vermählungsfest 
seiner Schwester Jutta mit dem Grafen Ludwig von Oehningen 
gefeiert hatte, dieses Baden war nun zu einer Unterthanenstadt 
der Eidgenossen herabgesunken. Die schöne Burg, „der Stein^, 
gieng den 20. Mai in Flammen auf. Stürmisch verlangten die 
Bemer, auf dem Rückweg nach Hause vor Wildegg geführt zu 
werden, aber der Rath zu Bern, mitten im Glück stark durch 
Mässigung, gab der Abmahnung des Königs Sigmund und dem 
Zureden der Eidgenossen Gehör und ertheilte seinen Leuten Befehl 
zur sofortigen Heimkehr, worauf die Herren von Hallwil, 
denen die Wildegg gehörte, mitsammt der Vestung denen 
von Bern huldigten. 

Nachdem Kaiser Sigmund den Eidg. Boten zu Konstanz zu- 
gemuthet hatte, ihm die von den Bemem eingenommenen Städte 
zurückzugeben, überliess er zuletzt den Bemem um 5000 Gulden 
die Städte Zofingen, Aarburg, Lenzburg und Brugg. Ebenso ver- 
setzte er den Zürchem, auf ihr Ansuchen, um 5000 Gulden die 
Grafschaft Baden, die Städte Sursee, Meilingen, Bremgarten und 
Baden mit der Bestimmung, dass die Zürcher ihren Eidgenossen 
an diesem Besitzthum Mitantheil geben (1415). 

In dem eroberten Lande, das muss zur Ehre der Bemer 
gesagt werden, wurden die Rechte dritter Personen und 
Corporationen ebenso wenig verletzt, als wenn der 
Herrschaftswechsel Folge eines friedlichen Vertrages 
gewesen wäre. So behielten Brugg, Lenzburg, Zofingen, Aarau 
alle Rechte, welche sie unter den.Herzogen von Oestreich besessen 
und erworben hatten. In die Regiemng über die eroberten Städte 
Baden, Bremgarten und Mellingen theäte sich Zürich mit allen 
übrigen Eidgenossen, ausgenommen Uri und Bem. 

Dieselbe Mässigung, wie sie Bem dem östreichisch gewesenen 
Aargau überhaupt bewiesen hatte, zeigte es auch den Edeln von 
Hallwil gegenüber. Das ritterliche Verhalten dieser Letzem bei 
Vertheidigung ihres Eigenthums hatte dem Feinde Achtung ein- 



172 

geflösst. Solclte Männer sich zu Freunden zu machen, erschien 
üinen klüger, als sie durch Härte zum Aeussersten zu treiben. 
Auß diesem Grunde und dann wohl auch desswegen, weil sich 
die Verhältnisse der Berner zum König Sigmund ungünstiger 
gestaltet hatten, da er meinte, diese sollten ihm die eroberten 
Länder zu Händen des Reiches herausgeben, erlangten die Edeln 
von Hallwil von Bern überaus vortheilhafte Bedingungen. Nach 
den im Juni und Juli vereinbarten Präliminarien kam den 1. August 
1415 der Friedensbrief zu Stande, in welchem sich die Stadt 
Bern mit Thüring von Hallwil, Edelknecht, verglich. Schultheiss 
und Rath versprechen der genannte von Hallwil und seine Erben 
„von der sach krieges vnd spennen wegen weder an lip 
noch an gut, laster noch leid, noch keinen angriff, weder 
nö, noch in künftigen ziten, darumb ze tunde, mit Worten 
noch mit werken, mit raten noch mit getaten, noch sust 
mit keinen akusten, vffsetzen, fünden noch geberden, 
mit keinen gerichten, geistlichen noch weltlichen, noch 
mit keiner ander getat/ Am folgenden Tag desselben Monats 
errichtet die Stadt Bern und Solothurn ihr Stadt- und Burgrecht 
mit Thüring von Hallwil, dem altern, wobei eingeschlossen 
sind Rudolf von Hallwil, Ritter, und Walter von Hallwil, Edel- 
knecht zu Wildegg. 

Wichtiger noch für die Zukunft einer Hauptlinie der Familie 
von Hallwil — von Mülinen unterscheidet 10 Linien — war das 
Uebereinkommen oder die Kapitulation, welche im glei- 
chen Jahre Ritter Rudolf von Hallwil und Walter von 
Hallwil, Edelknecht, Vetter Rudolfs (Walters Vater war 
Hänsli, und dessen Grossvater war Walter, Rudolfs Oheim) mit 
Bern schlössen. Dieselbe ist nur in einer Abschrift im Frei- 
heitenbuch der Stadt Bern vorhanden. Dieser Kapitulation 
zufolge traten der von uns schon oft genannte Ritter Rudolf 
in seinem und seiner Bruderssöhne Namen (der Bruder 
hiess Konrad , und dessen Söhne waren Konrad und Rudolf, letz- 
terer mit dem spätem Zunamen der Jüngere) und Junker Walter 
in das Burgrecht von Bern. Dieses Burgrecht mussten die 
jungen Hallwil je weilen im 14. Jahre beschwören, als dem Jahr 
ihrer Mündigkeit. (Ed. von Wattenwyl-Diessbach : „Das öflFentliche 
Recht der Landschaft Kleinburgund" , im XIII. Bd. des Archivs für 
Schweiz. Gesch. p. 14.) Die Ausburger genossen die städtische Ge- 
richtsbarkeit; sie standen unter dem Stab des Raths und es wurden 
für dieselben vierFrohnfastengerichte errichtet (1405, älteste Stadt- 



173 

Satzung), nachher (1467) durften sie einander auch vor Wochen- 
gericht belangen. Am £nde des 15.«Jahrhunderts kamen diese 
Ausburger in Abgang. (Wattenwyl a. a. O. p. 17.) Die Hallwil be- 
kamen Udel auf dem Kauf hause und sollten jährlich eine halbe Mark 
Silbers bezahlen, ausserdem aber sollten weder sie selbst noch ihre 
Nachkommen irgend eine andere Steuer oder TeUc zu entrichten 
haben. Die Herpen von Hallwil versprachen, ihre Qp rgen den Bernern 
offen zu halten und gestatteten ihnen, dieselben im Falle eines 
Krieges zu besetzen. Bern versprach, die Herren von Hallwil 
in ihren Rechten und Besitzungen zu schirmen und keine An- 
gehörigen derselben, weder in Bern noch in einer andern Stadt 
ihres Gebietes, zum Bürger aufzunehmen. Dagegen verpflichteten 
sich die Hallwil, vor dem Quatembergerichte des Rathes zu Bern 
zu antworten. — (Tschudi, Chronik H. 18 flf.) Für die bei Wildegg 
weggenommenen 2 Wagen zahlten sie den Bernem 200 Pfund 
Entschädigung. 

An demselben Tag (1. Aug. 1415) schlössen die Herren 
Rudolf und Walter von Hallwil auch eine ähnlich lau- 
tende Uebereinkunft mit Solothurn. Die genannten Herren 
empfiengen laut derselben das Bürgerrecht dieser Stadt. Ihren 
Udel erhielten sie auf den Thurm am Fischmarkt und bezahlten 
jährlich eine halbe Mark Silber. Der „Udel" war ein Pfand der 
Treue, das der Bürger der Stadt dargeben musste und haftete, / 

ebenso wie der zu entrichtende Udelzins, auf einem Hause in der 
Stadt. Auch die sogenannten Ausbiu-ger waren zur Leistung des 
Udelzinses verpflichtet. Gab Einer sein Bürgerrecht ohne Ein- 
willigung der Obrigkeit auf, so konnte das Haus zu Händen der 
Stadt verkauft werden. Die Bedingungen der Aufnahme in's Bürger- 
recht waren im Uebrigen dieselben, wie diejenigen mit Bern, mit 
der Ausnahme jedoch, dass die Herren von Hallwil sich vor den 
Gerichten der Stadt nicht zu verantworten brauchten. 

Während des eben beendigten Krieges hatten Berner und 
Solothurner die Angehörigen der Hallwil in den untern Bezirken, 
die Luzemer diejenigen in den obern Bezirken, so von Fahr- 
wangen und Umgegend, in Eid und Pflicht genommen. Nunmehr 
erklärten sie in den nächsten Wochen nach der getroffenen Ueber- 
einkunft alle jene Eide für aufgehoben und wiesen die Unter- 
thanen wieder an ihre früheren Herren. 

So hatten sich also einzelne Familienglieder des 
Geschlechtes von Hallwil unter den Schutz und Schirm 
von Bern und Solothurn gestellt, und sie thaten wohl 



174 

daran. Auf ihrem Territorium behaupteten diese Hallwfl eine 
fast ganz unabhängige Stelhing, so in der Grafschaft Fahrwangen, 
wo :ihnen alle Gerichte ohne eine Appellation nach Bern zu- 
gestanden waren und sie nur die Verpflichtung hatten, mit d^ 
Mannschaft im Kriegsfall Bern zuzuziehen. Mit anerkennens- 
werthem Gerechtigkeitssinn schützte die Regierung von Bern ihre 
neuen Mitbürger im Besitz ihrer Rechte, wie wir das bald sehen 
werden, und wenn sich diese anfänglich wohl mehr aus Zwang, 
denn aus freiem Willen in das neue Verhältniss finden mochten, so 
befanden sie sich doch in der Folgezeit als freie Bürger des ber- 
lüschen Gemeinwesens wenigstens eben so gut, wie als Vasallen 
der östreichischen Herzoge. Die Verbindung mit den Städten 
Bern und Solothurn Sicherte ihnen den ruhigen Besitz 
ihres Eigenthums. Unter ihren neuen Mitbürgern und 
Verbündeten gewöhnten sie' sich an einfachere Sitten, 
an Thatkraft und Hingebung für ein gemeinsames Vater- 
land, und dieselbe Ehrenhaftigkeit, Treue und Auf- 
opferungsfähigkeit, welche dieses Geschlecht im Verein 
mit dem Adel von Lenzburg, Kiburg, Habsburg in frü* 
hern Jahrhunderten für die Oestreichische Herrschaft 
an den Tag gelegt hatte, dieselbe bewiesen die Nach- 
kommen dieser im Jahr 1415 eidgenössisch gewordenen 
Herren von Hallwil auf den Schlachtfeldern zu Granson, 
zu Murten, Dornach u. s. w. 

Und dasselbe, was hier von den Hallwfl, gflt auch von andern 
Adeligen des Aargau's. Auch Junker Thüring von Hallwil, der 
ältere, kommt noch im nämlichen Jahr als Bürger von Bern 
vor, während dagegen sein Sohn von Anfang seines öffentlichen 
Auftretens an bis zu seinem Tode treu zu Oestreich hielt und, 
wie wir später sehen werden, an allen Fehden Oestreichs wider 
die Eidgenossen thätigen AntheU nahm. 

Durch diese Aargauischen Adeligen und Städte war Bern ein 
schöner Zuwachs an Macht zu Theü geworden und leicht be- 
greiflich erscheint uns, wie es bestrebt war, die Zahl seiner burg- 
festen Ausbürger zu vermehren, um sich mit der Vorpostenlinie 
dieser Burgen gegen den herannahenden Feind desto besser zu 
schützen. 

Allmälig giengen sämmtliche im Aargau liegende 
Herrschaften des Hauses Hallwil an Ritter Rudolf und 
seine Nachkommen über. So hatte Thüring der ältere unter 
Anderm den ihm von seinem Vater angefallenen Antheil am alten 



175 

Stocke zu Hallwil mit Zubehör an seinen Vetter, Ritter Rudolf 
abgetreten, wie es seheint unentgeltlich. Wahrscheinlich mochte 
er die Kosten der Wiederherstellung nach dem Brande von 1415 
nicht tragen. 

Die 1415 niedergebrannte Burg Hallwil wurde 1419 
bereits wieder bewohnt. Auf derselben hielten am Auffahrts- 
tage dieses Jahres die Herren von Hallwil ein Maiengeding, 
d. h. eine gerichtliche Versammlung der Fischer und An- 
wohner des Sees. Das Protokoll dieses Gedinges vom Jahre 1419, 
das im Original manche Schwierigkeit bot, enthält viel Interes- 
santes und giebt zugleich Aufschluss über die Gerechtsame, welche 
dem Haus von Hallwil über den See seit alter Zeit zugestanden 
haben. Ich lasse darum dasselbe in genauer Copie des Originals als 
Beilage A.I. folgen. Es trägt die Ueberschrift: „Dis ist der Rodel 
da dez fews Rechtung jnn stand.** Actenstticke verwandten 
Inhalts finden sich in Engelhards Chronik der Stadt Murten 
p. 178 ff, 222 ff, 226 ff, 230 ff; das Reglement betreffend die 
Fischerei im Murtnersee p. 236—244. — 

Das Maiengeding, welches alljährlich am AufEahrtstag gehalten 
werden sollte, mochte während des Krieges und in den ersten 
Jahren der Bemischen Herrschaft unterblieben sein. Um so 
umständlicher wurden desshalb im Jahr 1419 die alten Ordnungen 
wieder in's Leb^ gerufen. Aus den dazumaligen Verhandlungen 
geht hervor, dass diese Maiengedinge eine uralte Sitte waren. Von 
jeher scheinen die Herren von Hallwil Seevögte gewesen 
2u sein und ihr kleines Reich, mit einer Art Landtag zur 
Seite, nach festen Statuten regiert zu haben. Noch von 
einigen dieser Versammlungen aus dem 15. Jahrhundert sind im 
Archiv zu Hallwil Nachrichten vorhanden. 

Aber auch Andere als Fischer konnten als Eigenthümer Rechte 
am See haben. So verkaufte der Vater der Elli Steinmann von 
AUeschwü das sogenannte Steinmannsgütchen daselbst an Herrn 
Rudolf von Hallwil mit dem Beifügen, dass Steinmann seine Rechte 
am HallwUersee für 8 Pfund Stäbler verkauft habe und ihm fortan 
nichts mehr an diesem See gehöre. 

Im Jahr 1421 erneuerten sich für die Hallwil die Streitig- 
keiten wegen der Hörigen. Der Rath zu Bern stellte in diesem 
Jahr das bisher übUche Herkommen, dem zufolge zwischen den 
Hallwil'schen Bezirken und dem Amte Lenzburg Freizügigkeit 
sein sollte, als Gesetz auf. Im folgenden Jahr wird den Hallwil 
ausdrücklich gestattet, ihre Hörigen im Amte Lenzburg zu Lei- 



176 

stungen anzuhalten. Aber welches waren diese Eigenleute ? Ueber 
manche derselbeii war man im Zweifel, ob sie den Herren von 
Hallwil oder in das Amt Lenzburg gehörten. Schultheiss Ringol- 
dingen und Venner Hetzel wurden desshalb nach dem Aargau 
gesandt, Kundschaften wurden angenommen und noch im gleichen 
Jahr erkannte der Schultheiss Rudolf Hofmeister die weitaus 
grössere Zahl der streitigen Personen Herrn Rudolf zu. 

Aehnliches wiederholt sich (24. Mai 1439). Zwischen den in 
Baden versammelten Eidg. Rathsboten und Burkard und Rudolf 
von Hallwil finden Verhandlungen über die steuerbaren Leute zu 
Fahrwangen statt. 

Die Gattin unsers Herrn Rudolf, Anna von Stoffeln, lebte 
am 15. Mai 1420 nicht mehr. Er selbst überlebte Anna von 
Stoifeln um etwa 20 Jahre, er muss somit sehr alt geworden sein. 

Vergabungen, die Ritter Rudolf an die Scblosscapelle zu 
Hallwil und an die Kirche zu Entfelden, und Thüring von Hallwil 
an Königsfelden machen, beweisen, dass sich die HaUwil unter 
der neuen Ordnung der Dinge nicht weniger gut befanden, als 
ehedem unter Oestreichs Schutz, wie denn überhaupt die 20 Jahre 
nach der Eroberung des Aargau's im Allgemeinen für die Schweiz 
glückliche und ruhige Jahre waren. 

Anfangs der 30. Jahre dieses Jahrhunderts besass Herr Rudolf 
und seine Söhne von dem Stammgute und den Landschaften der 
Familie von Hallwil nicht bloss dasjenige, was er von seinem 
Vater geerbt hatte, sondern auch fast den ganzen Antheil Hem- 
mans und ausserdem . noch einige geringere Stücke. Nach und 
nach gelangte er auch in den Besitz des noch bedeutenden Restes, 
der, da er durch die Erbschaft Walters vergrössert worden war, 
nahezu drei Viertheile des Ganzen betrug und welchen Thüring 
und sein gleichnamiger Sohn innegehabt hatten. Diese beiden 
Thüring veränderten (1434) mehrere ihrer Besitzungen durch 
Tausch mit ihren Vettern. Einige Jahre nachher (Mai 7, 1437) 
entschlossen sie sich. Alles, was sie von dem Hallwil'schen Stamm- 
und Pfandgute besassen, sowie das Dorf Meisterschwanden und 
eine bedeutende Anzahl Gülten an Ritter Rudolf und seine Söhne 
um die Summe von 1792 Gulden zu verkaufen. In diesen Kauf 
sind namentlich eingeschlossen das vordere Haus zu HallwU, ein 
Theil an dem Hintergesässe und dem Hause jenseits der Kapelle, 
ein Theil am Bach, am See, an den Hölzern Schlatt und Schwarzenlo, 
endlich ein Theil an den Gerichten zu Eglischwil, die Pfand von 
Oestreich waren. Die Burg Wildegg, welche Junker Thüring von 



177 

dem in's Jahr 1430 verstorbenen Walter von Hallwil geerbt zu 
haben scheint, verkauft er (1437, Juni 7.) an Petermann von 
Gryffensee. (V. Mülinen, Genealogie p. 80.) 

Und so kam denn der Stamm Rudolfs in den alleinigen 
Besitz der Burg, der Güter, Zinsen, Gerichte und Rechte, 
die von Alters her das Familiengut der Herren vonHall- 
wil ausgemacht hatten. 

Rudolf bewahrte bis in sein hohes Alter eine seltene körper- 
liche Rüstigkeit. Einen sprechenden Beweis dafür giebt eine Ur- 
kunde vom Jahr 1427. Derselben zufolge mass er den 9. Februar 
als ein Greis von annähernd 60 Jahren den in jenem Jahre voll- 
ständig zugefrorenen Hallwilersee. Dieser Messung zufolge hatte 
der See eine Länge von 28,000 Schuh und eine Breite von 5300 
Schuh. 

Bei dieser Messung war der Ritter begleitet und unterstützt 
von seiner Ehrenjungfrau Ita, dem dazumaligen Eirchhelfer zu 
^ Seengen, dem Bruder Konrad und einem Knaben, von dem bei- 
gefugt wird: „was mins herren renner." (Siehe Beilage A. 2.) 

Ritter Rudolf war der Crösus seines Geschlechtes. 
Für ihn, der sich in der Verwaltung seiner Güter durch Sorgfalt 
und Genauigkeit auszeichnete, was auch die von ihm herrührenden 
Schriftstücke deutlich erkennen lassen , waren ' jene 20 Jahre 
des Friedens und ungestörter Ruhe, welche der Eroberung des 
Aargau's durch die Bemer gefolgt waren, Zeiten gewesen, in denen 
er emsig und unverdrossen zum ökonomischen Wohlstand seines 
Hauses einen Stein nach dem andern hatte herzutragen können. 
Im Hinblick auf sein vorgerücktes Alter und auf seine beiden 
Söhne, von welchen der eine bereits verheirathet war und der 
andere ebenfalls im Mannesalter stand, liess sich der greise Ritter 
Rudolf durch seinen Vetter Thüring bewegen, aus seinem ganzen 
Besitzthum drei Theile zu machen und jedem der Söhne einen 
Theil zu geben, indem er für sich nur den 3. Theil behielt. 
(Aug. 24. 1434.) 

Dies war so eine Art erste Abschlagszahlung an seine Söhne, 
die nach langem Warten wohl audi gerne ein Stück Eigen gehabt 
hätten. 6 Jahre später sollten sie in den vollen Besitz der väter- 
lichen Güter gelangen, denn im Jahre 1440 starb Ritter Rudolf 
von Hallwil, wahrscheinlich auf der Burg gleichen Namens. Seit 
dem Tode des Marschalls Johann von Hallwil (1348) war 
nahezu ein Jahrhundert verflossen, und während dieser 
Zeit ist er unstreitig der bedeutendste Repräsentant des 

Argovia VI. 12 



178 

Geschlechtes gewesen. Manches erlauchte und in allen Gauen 
unseres Vaterlandes bekannte Adelsgeschlecht war um jene Zeit 
herum vom Schauplatz der Geschichte abgetreten, so die Ge- 
schlechter der Grafen von Kyburg, Nidau und Toggenburg. Das 
Geschlecht derer von Hallwil dagegen erlebte auch nach dem Hin- 
scheid Rudol£3 noch ruhmreiche Tage. 

Rudolfs Söhne hiessen Rudolf und Burkart. 

Burkart, der Vater unseres Murtnerhelden, siegelte 
1432 als Gerichtsherr einen Kauf und machte 1438 in Gemein- 
schaft mit seinem Neflfen, Rudolf dem jungem, einen Gtttertausch. 
Seine Verehlichung geschah 1433 und zwar mit Dorothea, der 
Tochter Hemmans von Rüssegg. Burkart war damals gegen 
40 Jahre alt. Drei Briefe (vom 28. Jan.) mit den nähern Be- 
stimmungen aber die Ehsteuer übergehen wir. 8 Tage nach der 
Besieglung dieser Briefe, den 5. Febr. 1433, hatte die Hochzeit statt 
und zwar zu Hallwil. Am folgenden Tage setzte Burkart seiner 
Gattin die Morgengabe mit 400 Gulden Gütern zu Entfelden aus. 
(Ueber das Haus und Geschlecht der Reussegg vergl. Ritter- 
burgen der Schweiz von Dalp 367 ff. und die lesenswerthe Mono- 
graphie von Placid. Weissenbach in der Argov. Jahrg. 1862 — 63.) 

Diese Eheleute sind auch die Stammeltern der heu- 
tigen Glieder der Familie. 

Den 15. Juli 1440 theilten die Söhne Rudolfe mit Zuziehung 
ihrer Vettern, Thürings des altem, Rudolfs von Baldegg und 
Rudolfs des jungem, seine Verlassenschaft. 

Gemeinschaftlich behielten die beiden die Burg zu Hallwil, 
ein Haus zu Seengen, 100 Gulden auf dem Geleit zu Bragg, den 
Zoll zu Windisch, die Gerichte zu Seengen, Bäche, Fischenzen, 
Wun, Weide und Hölzer, die zur Burg gehörten. Von dem Reste 
machte Rudolf 2 Theile. Burkart hatte das Vorrecht bei der Wahl 
und er nahm Entfelden, Hirschthal, Leimbach, den ihnen zu- 
ständigen Theil von Allenschwil und den 3. Theil am Dorfe Hallwil, 
femer Güter und Gülten in den umliegenden Dörfern, auch Wart- 
burg. Die Summe dieser Zinsen betmg etwas mehr als 188 Stücke, 
wobei 1 Mütt Kemen, 1 Malter Hafer, 6 Viertel Roggen, 1 Pfund 
Pfenninge gerechnet wurden. Dazu kam noch Eglischwfl, das 
16 Mütt, 2 Viertel Kemen, 10 Pfund und 10 Schilling, Aale, 
Hühner, Böcke und Eier abwarf. 

Rudolfs Theil umfasste die Dörfer Ottwisingen (Otmarsingen), 
Homertswil, Dintikon, Fahrwangen und Tennwil, letzteres mit 
hoJien und niedem Gerichten, femer Gülten (die Summe betrug 



179 

190 Stücke), den Twing zu Meisterscbwanden und die Eigenleute 
idaselbst 

Wollte einer der Brüder etwas verkaufen, so hatte der andere 
ilas Vorkau&recht. Es war nämlich Kechtssitte, dass der Inhaber 
meines Grundstückes dasselbe vor der Veräusserung desselben zuerst 
«seinen Erben anbieten musste. Bezahlten diese dafür eben so viel 
wie ein Anderer, so hatten sie das nächste Recht auf das Gut; 
vrenn nicht, so war nun der Yeräusserer in seinem Verfugungs- 
Tochte nicht weiter gehindert. (Blumer, Staats- und Rechtsgesch. 
der Schweiz. Demoer. I, p. 165.) Die Lehen hatte Rudolf als der 
ältere der beiden Brüder zu vergeben. Und so waren denn nach 
dem Tod des Ritters Rudolf, d. h. um die Mitte des 15. Jahr- 
hunderts, Rudolf der ältere, sein Bruder Burkart lind ihr 
Vetter, Rudolf der jüngere, Sohn des im Appenzeller Kriege 
gefallenen Konrad von Hallwil, Besitzer der Burg zuHallwil 
«owie der meisten übrigen Familiengüter. Im sogenannten 
Zürichkrieg standen Rudolf der ältere, Burkart, sein Bruder, und 
Rudolf der jüngere als Bürger von Bern auf der gegnerischen 
Seite Zürichs, und den 15. November des Jahres 1440 schicken 
«ie desshalb an Bürgermeister, an grossen und kleinen Rath und 
die Bürger der Stadt Zürich einen Absagebrief. (Urk. aus dem 
•Staatsarch.. Zürich. Nr. 1604.) Im Jahre 1455 erliess das Gottes- 
liaus Muri wegen des Zehntens etlicher Aecker zu Bünzen mit 
den Kilchherm zu Boswil, den Edeln von Hallwil und Seengen, 
«inen Yertragsbrief. Der Vertrag gilt demjenigen Immerzehnten, 
der vor der Vereinbarung derer von HaUwil und von Seengen in 
«iner Hand war. (Aarg. Staatsarchiv, Abth. Muri. Scr. H. 1.) 
Daselbst findet sich aus dem Jahr 1448 auch ein Kaufbrief, dem 
zufolge- Herr Rudolf von Hallwil dem Hansen Obschlacher von 
Oberesch einen Hof zu Boswil um 300 rheinische Gulden zu 
kaufen giebt. 

Versuchen wir nun im Folgenden, auch über die beiden 
Thüring von Hallwil, die in den Ereignissen jener Zeit eine 
nicht unbedeutende Rolle gespielt haben, zu einem klaren Bild zu 
kommen! Jeder der beiden Thüringe verdiente seinen eigenen 
Biographen, so reich ist das Material, das wir über sie haben, so 
bedeutsam die Stellung, die sie in dem Kampf jener Zeit zwischen 
den Eidgenossen einerseits und dem Hause Habsburg anderseits 
einnehmen. 

Im Jahre 1391 entzieht sich Thüring, der Vater, mit den 
Gebrüdern Rudolf und Konrad von Hallwil aller Ansprachen, die 



180 

sie an Herr Peter Senn, Bischof zu Zittow, wegen eines Gemacht» 
hatten, das dieser Herr Peter und Ulrich von Rynach sei. za 
Gunsten ihrer Väter , Herr Rudolf und Thüring sei. von Hallwil^ 
gemacht hatten. (Hallw. Urk.) 

Im Jahre 1399 hatte Thüring der Aeltere Streit mit seinea 
Vettern, Herrn Rudolf und Konrad von Hallwil, G^rttder. Herr 
Rudolf war sein Vogt gewesen und vor ihm war es sdion dessea 
Vater Herr Rudolf. — 1407 ist er Zeuge bei der Erbmtzidiung^ 
der Agnesen von Mülinen, Domfrau zu Massmünster. Ihr väter- 
liches imd mütterUches Erbe fällt ihren Geschwistern anhenn. 

Thüring von Hallwil, der Aeltere, war verehlicht mit Mar- 
garetha von Massmünster, 1428. Im Jahr 1411 besiegelt er 
mit Herrn Rudolf und mit Walter von Hallwil als Oheim Rudolf» 
von Baldegg und Beatrix von Ringgenberg, seiner Frau, ihrea 
Verkauf der halben Herrschaft Ringgenberg an Interlaken. (Inter- 
laken Urbar.) 1412 besass er mit Walter und Herrn Rudolf voa 
Hallwil die Pfandschaften, die Anna Maness 1399 diesem Herr 
Rudolf, ihrem Oheim, vermacht hatte. (Hallw. Urk.) Im Jahre 1416- 
Vogt des Bischofs von Basel (Schöpflin, Alsat. illustr.), finden wir 
Thüring, Vater, einige Jahre später (1422) zulglau inMährea 
als Anfuhrer einer Söldnerschaar. Dieser Thüring von Hallwil 
ist einer der ersten des Hallwil'schen Geschlechtes, den seine 
Vorliebe für das Kriegshandwerk in's Ausland führt, und von. 
dieser Zeit an finden wir je und je einzelne SprössUnge de& 
Hauses im Dienste fremder, namentUch östreidiischer Herrscher. 
1421 gab er seinem Vetter, Herrn Rudolf, seinen Stock und das 
Gesäss zu Hallwil in der Burg, seinen andern Rechten daselbst 
unschädlich. (Hallw. Urk.) Im nämlichen Jahr (St. Urbanstag) 
verkauft er um 454 rhein. Gulden an die BarfUsser zu Königs- 
felden einen Hof zu Suhr. Er und seine Vettern, Herr Rudolf, 
Ritter, und Walter von Hallwil besiegeln. (Königsf. Urk.) 1425 
ist er Schiedsrichter zwischen Agnes von Mülinen und ihren Kin- 
dern an einem und der Gemeinde Schinznach am andern TheiL 
Gleichen Jahres tauscht er verschiedene Leibeigene mit den Kin- 
dern des Herrn Hemman von Mülinen sei. — 1428, den 1. August^ 
giebt er für sein und seiner Frauen sei., Margareth von Mass- 
münster, Seelenheil der Kirche zu Holderbank jährlich 3 Mütt 
Kernen ewigen Zinses auf einem Gut zu Seengen. Doch soll 
davon 7« jährlich an die Kapelle von Möriken abgegeben werden. 
(Königsf. Original Urk.) 1429 (Mittwoch vor Verenen) spricht er 
mit andern Edlen zwischen den Gebrüdem Hans und Frischhana 



181 

iron Bodman und Ludwig Effinger. (Schenkenberg. Titel) Von 
^en Boten der Eidgenossen fordert er zurück das halbe Dorf 
Soswü, die Gerichte daselbst bis an das Blut, ferner Geld und 
•<5€treide, was der Eidg. Vogt seit dem Tode seines Vetters Walter 
Ton Hallwil (f um 1430, wahrscheinlich während Thürings Ab- 
wesenheit im Ausland) eingezogen habe; ferner das Dorf H^glingen^ 
Anglikon und einige Eigenleute von Wildegg. Er bittet, dass die 
Eidgenossen um seiner ihnen geleisteten Dienste willen seinem 
Begehrt entsprechen möchten, wo nicht, so biete er ihnen Recht, 
erstlich auf seinen gnädigen Herrn, den Römischen König u. s. w. 
(Eidg. Absch. 1432. Jan. 28. Zürich.) Den Restitutionsbrief für 
Thüring von Hallwil siehe: Beitrag zur Geschichte und Literatur 
des Kantons Aargau I, 433 ff. und Aargauisches Staatsarchiv, Ab- 
theUungMuri, Scr. H. 1. — Im Jahr 1433 ist Thüring von Hallwil, 
Vater, Bürge für Heinrich Anestetter, Probst zu Zürich und Dom- 
herr zu Basel (Wurstisen). 1434 stellt er einen Revers gegen 
die von Klingenberg aus, die sich um 1000 Gulden gegen die 
Stadt Freiburg für ihn verschrieben. (Winterth. ürk.) Im gleichen 
Jahr spricht er zwischen Graf Otto von Thierstein einerseits und 
den Grafen Bernhard und Hans von Thierstein anderseits als 
ISchiedsrichter. (Halter's Excerpta). 1435 wird Thüring oberster 
Amtmann des Bischofs von Konstanz genannt (Arch. für Schweiz. 
Gesch. II, 105). Für em bedeutendes Anlehen, das er und sein 
Sohn, Thüring der jüngere, Ritter, um diese Zeit zum Zweck von 
Vorschüssen an die östreichischen Herzoge machten, erhielten sie 
eine Vermehrung der Liehen im Elsass. 

Nachdem die Thüring, Vater und Sohn, 1437 Alles, was sie 
von den Hall wüschen Stamm- und Pfandgütern besassen, an Ritter 
'läudolf und seine Söhne verkauft hatten, war Thüring der Aeltere 
in Folge des Hinschiedes von Walter von Hallwil, wahrscheinlich 
laut Vertrag, aufs Neue in den Besitz von einem Achtel des Hall- 
wünschen Stammgutes gekommen nebst der Burg Wildegg, die er 
Jedoch, wie schon erwähnt, einige Jahre später ebenfalls wieder 
▼erkaufte. 

Im Jahr 1439 kauft Thüring von HaUwil einige Güter zu 
Seengen; ebenso solche von Albrecht von Rynach als Vogt seines 
Bruders Ulrichs sei. Kinder , die Thürings Neffen sind. 1440 ist 
er Zeuge in dem Vertrag zwischen den Gebrüdem Rudolf und 
Burkart von Hallwil. Den Hof zu Holderbank , den sein Vater 
wie auch sein Vetter Walter als Lehen besessen hatten , giebt er 
^a Peter von Gryffensee. (Deutsch. Spruchbuch.) 



l'ÖSf 

In linsem Oeschichtsbücheiti begegnet uns eine Verwechs- 
lung der beiden Thttring, Vater und Sohn, nicht selten. Ver- 
Sachen wir's, Klarheit in die Sache zu bringen. Haben wir neben 
Thüring die Beifügung „Herr* oder „Ritter** , so ist's Thtiring 
der Sohn, der gemeint ist. Der Vater war nämlich bloss Edel- 
knecht. Im Unterschiede von Thüring, dem Sohn, heisst Thüring^ 
der Vater, urkundlich oft auch Thüring der Aeltere. 

Thüring der Vater, schon 1391 mündig, war somit bei 
Beginn des Zürcherkrieges etwas zu 50 Jahren alt. Das Leben 
dieses Thüring, Vater, ist, wie wir schon aus dem Bisherigen 
gesehen, ein rechtes Spiegelbild der bewegten Zeit, in /'welcher 
er lebte, reich an Abenteuern der verschiedensten Art, reich an 
den mannichfachsten Situationen, wie das eines Rechberg, eines 
Markgrafen von Hochberg , eines Wilhelm von Grünenberg. Ver- 
gegenwärtigen wir uns dasselbe, wie es sich uns vom Beginn der 
Vierzigerjahre an darstellt! 

Schon im Jahre 1441 ward Thüring von Hallwil, Edelknecht^ 
sammt dem Markgrafen Wilhelm von Hochberg, Herrn zu Röteln^ 
damals östreichischem Landvogt im Elsass, von den Führern Zürichs, 
angegangen, sich bei ihrem Herrn, dem König Friedrich HI. von 
Oestreich (reg. v. 1440 — 1493), dahin zu verwenden, dass ihnen 
derselbe erlaube, eine Botschaft an ihn zu schicken (Tschudi, 
Chron. Helv. H, 332—334). Im folgenden Jahre erschienen Bürger- 
meister Heinrich Schwend, Michael Graf u. A. mit kostbaren Ge- 
schenken am Hofe des Königs zu Insbruck und warben hier in 
Folge ihres Missgeschickes, das sie in dem, 1439 zum Ausbruch- 
gekommenen Kriege mit den Eidgenossen hatten, um ein ewigea 
Bündniss mit seiner Majestät, indem sie dem Fürsten das seiner 
Zeit an die Zürcher verpfändete Kyburg, sowie seinen Antheil an 
den ehemahgen östreichischen Besitzungen im Aargau zurück- 
zuerstatten versprachen. Das Bündniss kam am St. Vitstag 1442 
zu Achen zu Stande, und zu demselben half der durch die Eid- 
genossen zu Schaden gekommene östreichische Adel in der Schweiz, 
nicht wenig mit. 

Im September 1442 erschien Thüring von HallwU, der Aeltere^ 
mit Herrn Wilhelm von Grünenberg als Botschafter des Römischen 
Königs auf dem Tag zu Luzem. „Die hat er zu den Eidgenossen 
haruff geschickt ze ervorderen die Stett im Ergöw und anders^ 
so si sinem Vetteren Herzog Fridrich von Oestrich ingenommen 
hettind." (Tschudi H, 344. Bull., 11. Bch. I.e.) Diese Güter 
gehören, so hiess es, dem Kaiser, wenn sie die Eidgenossen za 



183 

des Reiches Händen, und ihm, als Herrn Ton Oestreich, wennr 
sie es für sich selbst eingenommen hätten. (Eidg. Absch. H, 
162 flf.) 

In einem Schreiben an Heinrich Schwenden, Ritter und Burger- 
meister, und Stadtschreiber Michael (der Oeschlechtsname Graf 
weggelassen), welche damals eben am Hofe des Königs waren, er- 
klären Burgermeister und Rath der Stadt Zürich;, dass sie für 
nöthig halten, sich vom König gegen ihre Widersacher, die Eid- 
genossen , mit treffhchen Leuten unterstützen zu lassen, und be- 
merken: „Vnd funder möcht vns Thüring von Hallwil als 
zu einem landuogt vnd houptman hie oben im land wer- 
den, wer vns ze mal lieb vnd gevellig** u. s. w. (Eidg. 
Absch. V. J. 1442. Juni 12.) 

Den 19. September 1442 hielt Friedrich UI. zur grossen 
Freude der Zürcher, zum ebenso grossen Aerger der Eidgenossen, 
seinen Einzug in Zürich. 4 Tage später schwuren die Zürcher den 
Reichseid, und gelobten sie Treue dem neuen Bund, nachdem 
ihnen derselbe zuvor öffentlich war vorgelesen worden. Darnach 
schwur Markgraf Wilhelm von Hochberg als ein Landvogt der 
Herrschaft Oestreich, dessgleichen Herr Wilhebn von Grünenberg, 
Ritter, und Thüring von Hallwil, alle drei im Namen des 
Königs und Herzog Albrechts, seines Bruders, und Herzog Sig- 
munds, seines Vetters, und auch für ihre Personen selber, denen 
von Zürich hinwieder denselben Bund zu halten. (Tschudi U, 346. 
Bull., 11. Bch. 1. Gap.) 

Den 5. December 1442 kam der König nach Feldkirch, nach- 
dem er auf seiner Reise durch die Schweiz auch die Städte Winter- 
thur und Diessenhofen dem Reiche hatte ab-, und sich zu des Hauses 
Oestreichs Händen hatte zuschwören lassen. Die Boten von Zürich 
baten ihn hier, sie doch gegen die Eidgenossen schützen zu helfen, 
und nun verordnete er den Zürchem zu Helfern und Aufsehern 
Herr Jacob Truchsäss von Waltburg, Reichslandvogt in Schwaben, 
Markgraf Wilhelm von Hochberg, Herr zu Rötelen, östreichischer 
Landvogt im Elsass, Herr Wilhehn und Herr Hemnann von 
Grünenberg, Ritter, Thüring von Hallwil und andere mehr. 
Markgraf Wilhelm bestellte er als seinen Statthalter, falls die von 
Zürich sich mit den Eidgenossen in Krieg verwickeln würden, und 
befahl ihm, dass er mit Thüring von HaUwil, „der allda nit ze- 
gegen was,** rede, ob die von Zürich eines Hauptmanns bedürftig 
wären, dass er sich dess aus seinem Befehl annehme. In der That 
gab dann Markgraf Wilhelm den Zürchem Thüring von Hall- 



184 

wil in des Hauses Oestreich Kosten zum Hauptmann, denn, 
fugt Tschudi p. 355 bei, der König gab ihm den Sold. 

Mit dieser letzem Behauptung steht eine vom Jahr 1456 aus- 
gestellte Quittung in theilweisem Widerspruch, die mir durch die 
Freundlichkeit des Herrn Dr. Hotz aus dem Staatsarchiv Zürich 
zur Einsicht gegeben wurde. 

In derselben bezeugt Thfiring von Hall wil, der Aeltere, der 
Stadt Zürich den Empfang von 358 Rheinischen Gulden, die sie 
ihm seiner Hauptmannschaft wegen schuldig und pflichtig 
gewesen. 

Den 24. Januar des Jahres. 1443 schwur die ganze Gemeinde 
zu Zürich, Jung und Alt, dem gedachten von Hallwil als ihrem 
Hauptmann im grossen Münster Gehorsam. Nach BuU., 11 . Bch. I.e. 
war es der neugewählte Hauptmann, der seinen UntergebenejjL 
befahl, dass sie sich das rothe östreichische Kreuz anheften. Dazu 
bemerkt er: „Yilen leuten was das roht f ein rechtes fi das sie 
übel truckt.** Derselbe sagt von den Zusätzem, d. h. den fremden 
Söldnern aus dem Breisgau, Sundgau, Elsass, Schwarzwald : Die- 
selben waren etlichen Burgern lieb und werth, aber vielen vast 
unwerth, denn viel Muthwillens und böses Volks unter ihnen war, 
und richteten erst &uch wenig aufs (11. Bch. 6.C.). 

Anfangs Mai desselben Jahres klagten die Schultheissen der 
beiden Städte Bern und Solothurn und andere Mitverordnete dem 
Willielm von Hochberg und Thüringen von Hallwil, dem Haupt- 
mann der Zürcher, die Misshelligkeit, die sie zwischen den Zur- 
ehern und Eidgenossen wahrgenonmien, und dass sie nicht wüssten, 
wess sie sich von Seite Zürichs zu versehen hätten. Auf ihre 
Frage, ob die Zürcher ihre alten Bünde halten wollen, antworteten 
diese in bejahendem Sinne ; auf ihre Forderung aber, die Söldner 
zu verabschieden, dürften sie sich nicht einlassen, denn darüber 
hätten nicht sie zu verfugen, sondern der König ; der habe ihnen 
einen Hauptmann gegeben und er gebe ihm den Sold. Dess- 
gleichen könnten sie ihre Zusätzer nicht von heute auf morgen 
verabschieden. Bezüglich des neuen Bundes hätten sie nichts ge- 
than, das ihrer Ehre oder ihrem Recht zuwider wäre. 

Von den vereinigten Zürchem und Oestreichern muss in der 
That gesagt werden, dass sie im Felde wenig ausrichteten. Fast 
alle zwischen ihnen und den Eidgenossen vorgefallenen Gefechte 
des Jahres 1443 und 1444 fielen zu Ungunsten der Erstem aus. 

Gar angelegentlich mahnen die von Zürich die von Brem- 
garten und Baden, dass sie ihnen versprechen, nicht wider sie zu 



185 

sem. Und diese gaben ihnen freundlichen Bescheid, indem sie er- 
klärten, neutral bleiben zu wollen. Den 19. Mai erneuerte Brem- 
garten mit Zürich das Burgrecht. Den 20. Mj^i senden die von 
Schwyz gleichzeitig den Absagebrief an Zürich und an das Haus 
Oestreich. 

Nach dem für die Zürcher unglücklichen Gefecht zu Freien- 
l>ach (22. Mai) postirten sich die Zürcher und ihre Bundesgenossen, 
SOOO Mann stark, auf dem Albis. Bei ihnen war Markgraf Yon 
Bötelen, T h ü r i n g von Hallwil, Hauptmann der Zürcher, und Bürger- 
meister Stüssi. — Letzterer hatte nach BuUinger von den Seeleuten 
1)ei Beginn des diesjährigen Feldzuges böse Worte hören müssen, 
als er sie zum Heimziehen ermahnte, da ihre Sachen auf gutem 
W^e wären. (Es war dies vermuthlich eine Anspielung auf den 
im April 1443 gehaltenen Tag zu Baden.) Der Bericht über das 
Benehmen dieser Leute gefiel auch Thüring übel. 

500 von Zürich und 1300 Mann Bundesgenossen lagen am 
Hirzel. Von jenen oben angeführten 5000 Mann aber wurden 
2000 Mann mit dem Panner Zürichs als Verstärkung nach der 
Schanze am Hirzel geschickt, Stüssi und der Markgraf zogen mit 
den Uebrigen am 23. Mai nach Baar und, von hier durch die 
Panner von Luzem, Uri und Unterwaiden vertrieben, auf den 
Albis zu der Buchen. Dahin, sagt Bullinger, kam auch zu ihnen der 
TOQ Hallwil und ein Theil des Kriegsvolkes von Hirzel. Es ver- 
blieben daselbst nur noch 1100 Mann. 

Laut Urkunde vom 22. Mai 1443 hatte Thüring von Hall- 
wil , Hauptmann , die Zürcher um einen Zug Reisiger und um mehr 
Schützen gebeten. Da der Markgraf von den Zürchern mehr Hülfe 
▼erlangt, so räth ihnen Thüring, statt der eigenen Leute fremde 
anzuwerben, da Schonung der erstem durch die Klugheit geboten 
sei. Der Brief bekundet sowohl den erfahrnen Krieger, als den 
routinirten Weltmann. (Staatsarch. Zürich. 1670.) 

Den 24. Mai zog die Hauptmacht der Zürcher nach der Stadt 
zurück und die Schanze am Hirzel erhielt bloss eine Verstärkung 
Tpn 300 Mann. Diese wird gleichen Tages von den Umem, Unter- 
vraldnem und Lucemem genommen. Also kam denen von Zürich 
und ihrem Hauptmann, dem von Hallwil, noch in der Nacht die 
liQLr in die Stadt von der Niederlage der Ihrigen. Dess wurden 
sie ganz betrübt und zogen am Morgen drauf aus, um den 
Schaden zu rächen. Aber welch' traurige Schilderung entwirft uns 
Tsehudi H, 373 von diesem kläglichen Auszug! Spricht auch daraus 
entschieden der Parteimann, immerhin ist es unbestreitbar, dass dem 



186 

östreichisch- zürcherischen Heere zwei wesentliche Eigenschaften 
einer guten Trappe fehlten: Einigkeit tint^ den Kriegern and 
Vertraaen in die Führer. Was Wunder, wenn Thüring von Hall- 
wil unter solchen Umständen nicht ihr Feldherr sein will und sich 
der Rückkehr in die Stadt nicht widersetzt! Auffallend ist, das» 
BuUinger über diesen Vorgang schweigt. 

Während die Sieger am Hirzel das ganze Zürchergebiet ein- 
nehmen und verwüsten, während Parteiung in der Bürgerschaft 
und Missmuth zwischen einem Theil der Zürcher und dem un- 
thätigen Adel keine energischen Gegenmassregehi aufkommen 
Hessen, fordern die Eidgenossen auch Bremgarten und Baden auf^ 
dass sie ihnen alsobald eine Gesandtschaft zuschicken. Den Boten 
von Bremgarten sprechen sie zu, dass sie den Gehorsam gegen 
die Zürcher aufgeben, ihnen ihre Stadt offen lassen und das Burg- 
recht mit Zürich abthun. Die Bremgartner berichteten, was vor- 
gegangen, über Nacht gen Zürich und baten um Entsatz. Den 
30. Mai schlugen die Boten von Bremgarten die Forderung der 
Eidgenossen ab. Ihr zum zweiten Mal gesteUtes Begehren wird 
zum zweiten Mal abgewiesen. Endlich, nach längerer Belagerung^ 
begehrten sie der Eidgenossen Gnade! Den 23. Juni Abend» 
machten die Zürcher einen Anschlag auf das ihnen verloren ge- 
gangene Bremgarten. Derselbe missglückte, ebenso wie ein solcher 
vom 15. Juli, und zornig über den, wie er glaubte, durch dea 
Yerrath einiger Rathsherren von Zürich herbeigeführten Misserfolg^ 
ihres ersten Anschlages sprach Thüring von Hallwil: „Ihr band 
ein hüpsch gut Rathufs, aber es hat tünn Muren; was 
man darinn redt, das hört man gar wit." Noch unterm 
1. Juli 1443 verlangt Thüring von Hallwil Von Schultheiss 
und Rath zu Bremgarten, dass sie keine eidgenössische Besatzung 
aufnehmen, sondern sich tapfer vertheidigen , indem er ihnen 
Entsatz in Aussicht stellt. (Urkunde aus dem Staatsarch. Zürich 
1662.) BuUinger, 11. B. 8 c. 101: „Es beschahe aber nichts desto 
minder." 

Weder BuUinger noch Tchudi geben uns ein ganz deutliches 
Bild von der Haltung, die Thüring in der Schlacht bei St. Jacob 
an der Sihl (22. Juli 1443) als Zürcher Hauptmann angenommen. 
Einen etwelchen Begriff von dem Zustand der Unordnung, Rath- 
losigkeit und Insubordination geben uns die Worte Thürings an 
etUche von Zürich, die den Gewalt fürtend: „Ir band mir all 
geschworen, und bin uwer Houptmann, wenn Ir wend; 
wenn es aber ych nit eben ist, so bin ich nit uwer Houpt- 



187 

mann; dann Ir volgend mir nit, und tund, was vch ge- 
fallt • (Bull., 11. Bch. 10. c.) 

Aus dem Verlauf der Schlacht selbst wird gesagt: Markgraf 
Wilhelm von Hochberg war während des Gefechtes in der Stadt 
geblieben, denn er fürchtete, wenn er herauskäme, man schliesse 
die Stadt hinter ihm; von dem Hallwiler aber heisst es: „Es 
hattend ouch Thüring von Hallwil, so dero von Zürich 
Houptmann was, und ouch Hans von Rechberg zitlich 
die Flucht geben, wie vast man wont, (wähnte) sie werend 
Isenfresser." (Tschudi II, 383—385.) Ob Thüring den Vor- 
wurf eines Feiglings verdient, welchen der Glamer Chronist auf 
ihn wälzt, wollen wir unentschieden lassen. Weit entfernt, ihn 
einen Helden nennen zu wollen, finden wir es wenigstens er- 
klärlich, wenn er zu einer Zeit, da Jeder befehlen. Keiner ge- 
horchen wollte, eine offene Schlacht auswich. Ehrenhafter steht 
auf alle Fälle an diesem Tage, der zugleich sein Todestag sein 
sollte, Stüssi da. 

Die Frist des faulen Friedens (9. Aug. 1443) benutzte der 
kaiserliche Hof, der bisher sich nur durch seine Unthätigkeit be- 
merkhch gemacht, um von Burgund und Frankreich Hülfe 
zu erbitten. 

Unter denen, die sich an dem auf Veranstalten des Concil& 
zu Basel auf den 20. October 1443 ausgeschriebenen gütlichen 
Tag zu Rheinfelden einfanden, befindet sich auch Thüring von 
Hallwil. 

Dem auf dem Tag zu Winterthur (3. Nov.) versammelten 
Adel aus dem Thurgau theilt der Markgraf mit, dass der Adel 
im Elsass imd sämmtliche vorderöstreichische Städte, um die 
östreichische Herrschaft den Eidgenossen gegenüber zu behaupten, 
sich mit dem Herzog von Burgund zu verbinden gesonnen seien« 
Desswegen wollten sie Thüring von Hallwil zum Römischen 
König nach Oestreich schicken. Mit Vorwürfen ward Thüring 
beim König empfangen, als er ihm die Sache des vorderöstrei- 
diischen Adels vortrug, uud Peter von Mörsberg reist dann nach 
Frankreich und Burgund (Tschudi II, 403. Bull., 11. B. 12. c.).* 



* Aus dem Jahr 1443 erQbrigt nns, nachzutragen, dass Thüring von 
Hallwil der Aeltere in diesem Jahr neben Wilhehn von Hochberg, Herr zu. 
B6te1en und Susenbnrg, Landvogt, und Rudolf Meise von Zürich als Frei- 
BchÖffe functionirt. (Heitr. zur Gesch. des Vehmgerichtes in der Schweiz 
im Schweiz. Gesch. forsch. YJ, 81 fif.) 



188 

Wir treten in das Jahr 1444! Auf dem Tag zu Baden, 
22. Mai, angeordnet durch Bischof Heinrich von Konstanz, tritt 
auch Thüring von Hallwil als Theibiehmer auf. Hart genug kutet 
die Anschuldigung Tschudis hinsichtlich der im April 1444 an 
einzelnen Rathsmitgliedem von Zürich verübten Gewaltthätig- 
keiten: „D£r Markgraf, der Hallwiler und der Rechberger 
hatten difs mordliche That gepracticiert; dann sölichs 
hattend si lang gesucht und gewünscht, dafs die von 
Zürich selbs einanderen ufsrütetind und verdärbtind.** 

(II, 405 er.) 

Nach der Zeit des Wiederausbruchs des Krieges kömmt uns 
der Name Thürings des Aeltem nicht mehr oft entgegen. In diese 
Zeit fällt die Belagerung Rapperschwils durch die Eidgenossen, 
die Belagerung und der Mord von Greifensee (1—27. Mai), die 
Belagerung Zürichs (Ende Juni bis Ende Aug.), die Mordnacht zu 
Brugg (4. Aug.) und die Schlacht bei St. Jacob an derBirs. (26. Aug.) 

Den letztgenannten zwei Ereignissen vorgängig, wird nach 
BuUinger den Zürchem, welche auf dem Reichstag zu Nürnberg 
(Aug. 1444) beim König Friedrich über die Eidgenossen Klage 
gefuhrt hatten, gemeldet, der König habe sich vorgenommen, Bot- 
schaft zu dem Delphin zu schicken und zwar Peter von Schaum- 
berg, Bischof von Augsbui^, Herrn Friedrich von Hofberg und 
den Herrn von Staremberg sammt Thüringen von Hallwil. 
(11. Buch, 16 c. p. 116.) An der Mordnacht zu Brugg war Thü- 
ring von Hallwil Mithelfer, was auch aus der im Jahr 1869 
durch Staatsschreiber Amiet veröffentlichten, äusserst sorgfältig 
geführten Untersuchung über diesen Gegenstand unzweifelhaft 
iervorgeht. 

Während der Schlacht bei St. Jacob an derBirs (26. Aug. 
1444)war Thüring, Vater, wahrscheinlich in Säckingen. Vondaaus 
schrieb er an den Markgraf Wilhelm von Hochberg über die Nieder- 
lage der Eidgenossen jenen bekannten Brief nach Zürich, welchen 
Tschudi das Schreiben des „verlogenen Hallwilers'^ nennt. Diese 
Sympathie des Thüring, Vater, mit Oestreichs Sache ward von den 
Baslern übel vermerkt. Die Freude der Adeligen zu Basel über 
die Niederlage der Eidgenossen bei St. Jacob sowie überhaupt 
ihr Hass gegen die Eidgenossen war der Grund, warum den 
22 JuU 1445 eine Anzahl Adeliger aus Basel ausgeschlossen ward. 
Und unter den Ausgeschlossenen befanden sich auch die 
beiden Thüring, Vater und Sohn. (Nüsch. Gesch. der Eidg. 11, 
360 und 361. — Schi. v. St. Jacob, Säcularschrift v. J. 1844.) 



189 

Ein zweiter Bericht über die Schlacht von St. Jacob , verfasst 
von Thüring von Hallwile, dem Aeltern, von eben demselben, 
von welchem Tschudi einen Brief über diese Schlacht an den Mark- 
grafen Wilhehn von Hochberg und an Bürgermeister und Rath von 
Zürich anführt, ist an den König Friedrich gerichtet und 
verfasst zu Säckingen, ebenfalls am Tage nach der Schlacht. Der 
Natur der Sache nach ist er dem von Tschudi angeführten ähn- 
lich. Er enthält die Angaben des Hauptmanns Hans von Bech- 
berg, der mit seinen Leuten gegen Abend noch zu Rheinfelden 
über den Rhein kam und Knechte der Eidgenossen, welche land- 
aufwärts giengen, zu sich rief, unter dem Vorgeben, sie seien 
Freunde, und dann niederstach. 

„Allerdurchlauchtigster, hochgeborenster Fürst, allergnädig- 
ster könig und herre! üwern königlichen gnaden füge ich zu 
wifsen, daz ich also zu Friburg gewesen bin, nachdem üwer könig- 
Uch gnade uns das befolen hatt, und inne dem han ich vernommen, 
daz man die eitgnofsen vor varenfperg dannan slagen wolt, und 
bin daruf geyn Seckingen kommen und meynt mich auch dartzu 
geschiben haben (glaubte mich auch dahin verfugen zu sollen). 
So sint die gesellen Hans von Rechberg, Friederich vom Hus und 
imdere gein Seckingen kommen und haut mir da vor wäre gesagt, 
daz die Eitgnofsen viertusent mannen gein Bratein ufif gestört 
frö vor tag, der besten und ufseriesnosten ufser allen iren lendern, 
und der merteil von Bern und Solotem gesant haben, den Graven 
von Tamertin daselbs zu überfallen, der daselbst sin leger hat; 
derselbe Grave nun gewarnet wart und wartet ir uff einer wyten 
matten by Bratelen und draif da mit yne ein scharmützelen und 
weich damit hinder sich zu dem andern leger. Indem so zogen 
(mit) den eitgnossen woil zweihundert pferd abe und flugent 
(flohen) vor tage yn der vinsteren; die übrichen bliben by ein- 
ander und Wirten sich gar ritterlich und kamen mit gewerter 
haut geyn Basel zu einem sichhus und in eynen umgemurten 
garten und inne eyn kleyn awe, daselbst sie aUe umkament und 
erslagen wurden, daz nüt vil on die obgeschriben zweyhundert 
hinweg kamment. Und uf das da meynten die waichen (Welschen), 
uff mom frö das slofs varenfperg zu entschutten, so sint die 
puren alle fluchtlich geflogen und iren zügk hinder yne gelaifsen. 
Der tütschen sind auch etliche da zu ritter geslagen worden, 
dan sie sieh gair ritterlich hilten. Woil sint der walchen etlich 
nydder gelegen und yne viel pherde erstochen und die tütschen 
vast wont (wund) zum teyl. — Datum quinta fer. post. fest. 



190 

l)eati Bar. apostoli XLIIII.'' (Basler Taschenbuch von 1864, p. 129 
bis 130.) 

Und wie haben wir uns diese Zuneigung der Thüringe zu 
Oestreich zu erklären? Aufischluss darüber gibt uns eine mir 
von Herrn Staatsschreiber Amiet in Solothurn freundlichst mit- 
getheilte Abschrift einer Urkunde aus der Colmarer Richtung vom 
Jahr 1446. Dieselbe weist klar nach, wie Thüring von Hall- 
wil, der Aeltere, veranlasst wurde, im Zürcherkrieg die 
Partei des Königs zu nehmen. 

Wilhelm von Grünenberg antwortet jener Urkunde zu- 
folge auf die Beschuldigungen derer von Basel, die dahin 
giengen, er sei der Anträger gewesen, dass die Armaguaken in's 
Land gekommen. Die Freundschaft und gute Nachbarschaft, die 
sie mit einander gehabt, hätte er, ^agen die Basler, gebrochen 
und verwirkt. Was die zwei ihm zur Last gelegten Schreiben 
betr^e, so erwiedert er, es sei Einer, Namens Bechlin, zu ihm 
gekonmaen. Er habe begehrt einen Hengst zu kaufen und zwar 
im Namen seines Herzogs Sigmund. Diesen Hengst habe Letzterer 
dem König von Frankreich, des Herzogs Schwager, schenken 
wollen, er sei aber ihm, dem Grünenberg, nicht feil gewesen. „Er 
gieng und brachte mir die oben genannte Schrift von Thüring 
vonHallwil, in welcher dieser mich bat , jenen Hengst dem Bechlin 
um eine gleiche Summe zu geben. Er mahnte mich meiner ihm 
früher gestellten Bitte, da ich ihn bei Seele, Leib und Gut be- 
schworen. Das verhält sich so: Als der Römische König in dies 
Land kam, beabsichtigte Thüring nicht, bei unserm Herrn, dem 
König, Dienste zu nehmen. Da rieth ich ihm, wie ein Freund 
dem andern zu rathen schuldig ist, da er doch mein An- 
verwandter ist und wir allezeit in Treue und Freund- 
schaft gegeneinander standen, und bat ihn, dass er sich 
ebenfalls zu unserm Herrn, dem Könige, schlage, denn 
er hätte des Hauses Oestreich wegen viel gelitten. Würde 
er jetzt nicht gemeinsame Sache mit ihnen machen, so 
wären alle seine langen Dienste und was er bisher der 
Herrschaft wegen erlitten hätte, verloren." 

Der Ausdruck Thürings in dessen bekanntem Briefe an Mark- 
graf Wilhelm von Hochberg: „Es gehe ihm an Seel" u. s. w. hiesse 
somit so viel als: Grünenberg hat mich da in eine schwierige 
Sache verwickelt. 

Der unglückliche Ausgang der Schlacht bei Sempach, in welcher 
auch ein Thüring ViOn Hallwil, der Vater nämlich des altern 



191 

Thüiing, fiel, sowie die Einnahme des Aargau's durch die Berher 
hatten dem dortigen Adel die Aussicht, wieder in seine frühere 
Stellung als Vasallen des Hauses Habsburg zu kommen, benommen. 
Das Haus Oestreich gab eine Besitzung nach der andern in seinen 
Tordern Landen auf; bei 40 Herrschaften der Erzherzoge kamen 
durch Kauf oder Burgrecht an die Eidgenossenschaft. Was Wunder? 
Hatten die Herzoge doch nicht einmal diejenigen zu schützen ver- 
mocht, die, wie 4ie Hallwil, sich für dieselben aufs Tapferste ge- 
wehrt hatten! Und während Oestreichs Macht in den Schweizer 
Oauen dahinwelkte, blühten die Städte, so Zürich, Bern, Luzem 
mächtig empor. Aber mit dem Beginn des Zürcherkrieges, da 
Priedrich HI., als Bundesgenosse Zürichs, östreichische Besitzungen, 
wie Kyburg, wieder erlangte, hoffte der Adel im Stillen auf eine 
Art von Restauration, d. h. auf eine Trennung der Eidgenossen- 
schaft und ein Wiedererstehen der alten Macht Oestreichs. Wollen 
wir es Thüring dem Aeltem und Jüngern zum Verbrechen 
anrechnen, dass sie auch zu den Hoffenden gehörten? Ein ganz 
analoges Beispiel aus eben dieser Zeit, da ein Bürger Berns 
die Partei Oestreichs ergreift, haben wir an Marquard von Bald- 
egg; in ähnlicher Lage befanden sich die Falkenstein, Rechberg 
u. 8. w. 

Vom Jahr 1445, Juli 22. an, wo Thüring unter denen 
aufgezählt wird, die des Raths, des Bürgerrechts und der 
häuslichen Wohnung zu Basel auf Lebenszeit verlustig 
erklärt worden waren, scheint der Name des Thürmg, Vater, in 
Urkunden nur noch einmal vorzukommen. 1448 nämlich verkaufte 
er mit seinem Sohne Thüring die im Jahr 1436 gekaufte Herr- 
^haft Blumenegg an die Abteien Reichenau und St. Blasien um 
12840 Gulden. (Königsfeld. Urk.) Sein Tod wird in die :Mitte 
-ößs 15. Jahrhunderts fallen. 

Und nun kommen wir auf den Sohn dieses Thüring von 
Hallwil, des Aeltem, Thüring von Hallwil den Jüngern, 
Jßitter und Marschall. 

Thüring der Jüngere, Sohn Thürings des Aeltem und der 
Margareth von Massmünster, ist uns im Bisherigen schon mehr- 
mals urkundlich begegnet. 

Von Breisach aus fordert er den 25. März 1445 mit Sigmund 

von Weisspriach die Stadt Freiburg auf, sich nach Herzog Albrechts 

Befehl zu rüsten und längstens binnen 14 Tagen bereit! zu sein 

<Lichn.VL Reg. 997). Imgleichen Jahre wusste er bei der Belagerung 

4es Steins zu Rheinfelden durch die Basler mit seinem Waffen- 



192 

gefährten Falkenstein in der Nacht vor der Uebergabe der Fe- 
stung zu entweichen. 

Im Jahr 1447 erscheint Thüring von Hallwil, Ritter, als. 
Bürge für Hans von Rathsamhausen, seinen Schwager, als derselbe 
seinen Sohn mil Agnes von Klingenb^g verehlidite. (Hallwil. Urk.) 

Die Gattin unsers Thüring von Hallwil, Ritter, war Doro- 
thea von Rathsamhausen. 

Als sich unterem 23. October 1448 die östreichischen Adeligen: 
Rechberg, Falkenstein, Grünenberg u. A. durch einen schlau aus-^ 
geführten Ueberfall der Stadt Rheinfelden bemächtigt hatten, wobei 
sie die eidgenössisch gesinnten Bürger aus der Stadt vertrieben und 
diese selbst einer barbarischen Verwüstung und Plünderung prei^ 
gaben (Tschudi II, 524 ff.), da stellte Herzog Albrecht die Ordnung 
wieder her, kam selbst nach Rheinfelden und bestätigte den Bür- 
gern theilweise die alten Rechte (Ueberbl. der Gesch. der Stadt 
Rheinf. von C. Schröter). Dem Herrn Thüring von Hallwil schwö- 
ren Hans von Rechberg, Thomas von Falkenstän, Balthasar von 
Blumenegg und Hans Thum von Neuberg — den Ort, in welchem 
sie waren, ohne Herzog Albrechts Willen und Wissen nicht zu 
verlassen (Mone, Zeitschr. für d. Oberrh. ÜI, 456). Bei Anlasa 
eines Spazierrittes, den sie aus Rheinfelden nach Basel gemacht 
hatten, waren nämlich von den Bewohnern letzterer Stadt einige 
von Rechbergs Reisigen gefangen genommen worden. Dieselben 
wurden dann bei Anlass der zwischen der Herrschaft von Oest- 
reich und der Stadt Basel zu Stande gekommenen Aussiämung 
vom Jahre 1449 ausgelöst. 

Im Jahr 1450 war Thüring von Hallwil, Ritter, östr. 
Landvogt zu Ensisheim, Marschall des Herzogs Albrecht 
und dessen Hauptmann zu Freiburg. In diesem Jahr schickte 
ihn sein Gebieter an den Rath der Stadt Freiburg mit der Au- 
torisation, die Freiburger ihres ihm geleisteten Eides zu ent- 
binden. (Sein Creditiv stdit im 4. Theil der CoUectio dipl.) 
Gegen dieses Freibürg im Uechtland verfuhr er in einer Weise^ 
die uns seinen Charakter nicht im günstigsten Lichte vor Augen 
stellt. Er war. mit in die Verschwörung des Ostreich, gesinnten 
Landvolks gegen die für Anschluss an Savoyen gestimmte Stadt 
verflochten. (Berchtold, bist, du cant. de Frib. p. 325 ff.) In 
Folge eines demüthigenden Friedens, den diese Stadt 1448 mit 
Savoyen und Bern hatte schliessen müssen, war dieselbe dem 
Hause Oestreich mehr und mehr entfremdet worden, da diesea 
die ihm so treu ergebene Stadt schmählich im Stiche gelassea 



193 

hatte. Ein von Herzog Albrecht herbeigeführter Personenweehsd 
im Rathe, mit Marschall Thüring von Hallwil als Hauptmann der 
Stadt, war von kurzer Dauer. 1451 wurde mit Berns Hülfe der 
alte Rath wieder eingesetzt und die Ostreich. Besatzung vertrieben. 
Thü,ring von Hallwil, Ritter, der unter Anderm den Vorsitzer des 
obersten Gerichtes zu Freiburg, Grossweibel Johann Specht, an 
einen Baum hatte aufhängen lassen , nahm bei diesem Anlass das 
Silbergeräth der Bürger mit sich, das er ihnen unter falschen* 
Vorgaben entlockt hatte. Durch Vermittlung des Grafen Franz 
von Greierz unterwarf sich Freiburg 1452 dem Herzog von 
Savoyen. — Damals erhielt Thüring von Hallwil, Marschall, dieser 
unerschütterlich treue und, fügen wir bei, in der Wahl der zu 
einem bestimmten Zwecke führenden Mittel nicht allzu ängstUche 
Verfechter der Interessen des Hauses Habsburg, durch die Her- 
zoge Albrecht und Sigmund die Erneuerung der Marschallswürde, 
sowie als Ersatz des durch die Eroberung des Aargau's durch 
die Berner (1415) verloren gegangenen Burglehens von Lenz- 
burg — Burg und Stadt Burkheim oder Burgheim, am Bhein 
unterhalb Breisach im Elsass, mit Rechten auf den Strom zu 
Lehen (Schöpfl. Als. illustr. — Lichnowsky 1377, 1395). 

Den 31. April 1450 erliessen eine Anzahl vorderöstreichischer 
Herren und Städte Fehdebriefe an die Stadt Schaffhausen. Einer 
der Briefe ergeht von Thüring von Hallwile, Hug von Landen- 
berg von Greifensee und — Hans von Hallwile. 

Hier also tritt Hans von Hallwil, der Held von Gran- 
son und Murten, zum ersten Mal handelnd auf und zwar 
als ein Anhänger Oestreichs. 

Die Stadt Schaff hausen, früher eine Ostreich. Stadt, war zur 
Zeit des Constanzer Condls wieder reichsfrei geworden. Dem 
gewaltthätigen, zum grössten Theil Ostreich. Adel gegenüber, der 
sie umgab, sah sie ihre Sicherheit fortwährend bedroht und suchte 
darum, nachdem sie bis zum Jahr 1446 mit den Reichsstädten im 
Bunde gewesen war, ein Bündniss mit den Eidgenossen, das denn 
auch am 1. Juni 1454 auf 6 Jahre zu Stande kam und zwar mit 
den 6 Orten: Zürich, Bern, Luzern, Schwyz, Zug und Glarus. 

Aus dem Cartulaire de Lucelle, p. 155 u. 156, vide Trouill. 
Monum. V, 804, haben wir über Thüring von Hallwil, Ritter, aus 
dem Jahr 1451, Januar 27, folgende Schenkungsurkunde: 

„Nicolas V incorpore au couvent de Lucelle T^lise parois- 
siale de Blotzheim. Consid^rant que par suite des guerres, les 
revenus du monast^re suffisent ä peine ä Tabb^ et ä 24 religieux, 

Arfoyia VI. 13 



194 

le pape accepte la dooation üaite au courent de Lacelle par Thyr- 
mens (Thfiring) de HaDwUer, Chevalier, aeul patron de ladite 
«^glise , de cette ^lise et des droits qui y sont attach^. LuceUe 
devra desservir cette paroisse par un de ses religieux ou par un 
aatre prfitre k son choix. 

Cette donation est approuv^ par le pr^yftt de St. Thi^baud, 
de Thann, par sentence du 27 mai 1454." 

Derselbe Thüring ward im Jahr 1451 mit Hans Wagner 
von Hörikon in einen Rechtshandel verwickelt, den das Hofgericht 
zu Rottweil zu seinem Nachtheü entschied. Entweder musste sich 
Thüring dem Spruche des Geridites nicht gefügt oder Thüring 
sich sonstwie gegen das Gericht verfehlt haben, genug, der Hof- 
richter Johann Graf von Sulz erklärte Thüring von Hallwil, 
Ritter, in die Acht und liess den 17. Juli 1451 den Richtern 
und der Gemeinde zu Seengen bekannt machen , dass sie den Ritter 
in ihrem Bezirke nicht dulden, noch mit Speise und Trank ver- 
üben dürften. Thüring scheint damals mit der Verwaltung öst- 
reichischer Ländereien beschäftigt gewesen zu sein und zeitweise 
in Oestreich gewohnt zu haben. Erzherzog Albrecht ernennt ihn 
am 23. April 1457 zum obersten Hauptmann im Oberland fiir 
Krieg und Frieden. Laut einem Schreiben vom 26. April soll Mar- 
schall Thüring die herzoglichen Länder und Schlösser der obem 
Lande fiir den Fall eines Krieges mit Yertheidigungsmitteln ver- 
sehen. Ihm werden zu dem Zwecke 10,000 Gulden angewiesen. 
Davon weisen ihn seine Gebieter für 4000 Gulden auf Heinrich 
Reich von Reichenstein und erlauben ihm die übrigen 6000, er- 
forderlichen Falls, in ihrem Namen aufztmehmen und ihre Schlösser 
und Herrschaften dafür einzusetzen (Hallw. Urk. im 2. Bd. der 
collect, diplom). Näheres darüber, wie" Thüring diesem Auftrage 
nachgekommen, habe ich nicht erfahren können. Im Jahr 1458 
lebt Herr Thüring als MarschaU und Landvogt Herzog Albrechts 
von Oestreich zu Ensisheim im Elsass. 

Thüring von Hallwil, Marschal des Herzogs von Oesterreich, 
Erbmarschal Herzogs Sigmund, oberster Hauptmann in den Vor- 
landen, erscheint 1455 urkundlich in den Fontes rerum Austriac. II, 
S. 52. 56. 101. 105. 117. 121. 139. 201. 283. 317. 321. 323. 328. 354. 

Her Thüringer von Hallwil war Herzog Albrechts vor- 
tragender Rath auf der Tagleistung und bei dem Friedensvertrage 
zu Passau 1460, 26. Febr. (Regest, z. Gesch. Friedrichs des Sieg- 
reichen von der Pfalz, gedr. in den Quellen und Erörterungen 
zur baier. und deutsch. Gesch. Bd. 2, S. 333). 



195 

Aber nicht nur die Acht des königl. Hofgerichtes za Rottweil, 
«ach der päpstliche Bannstrahl sollte ihn treffen, nnd zwar gleich- 
seitig mit seinem Herrn und Gebieter, dem Herzog Sigmund, der 
mit dem Papst in Zerwürfniss gerathen war. Mit dem 11. Nov. 
1457 war nämlich die Herrschaft der obem Lande von Herzog 
Albrecfat auf Herzog Sigmund tibergegangen. Jene Bestrafung mit 
tlem Bann geschah den 1. Juni 1460. Doch riefen diese Leiden, 
4ie der treue Eddmann für sein Herrscherhaus zu tragen hatte, 
auch wieder neue Beweise des Vertrauens und der Dankbarkeit 
Ton Seite seiner Dienstherren hervor. So gab ihm Herzog Sigmund 
«ine zu Yillingen im Schwarzwald am 15. December 1460 aus- 
gestellte Yolhnacht, während des Krieges zwischen ihm und den 
Eidgenossen (Eroberung des Thurgau's , Belagerung von Winter- 
thur) Getreide, Wein, Geld und andere Bedürfhisse aufzutreiben 
und zu borgen, wo er wolle. Gleichzeitig gelobte er, alle davon 
herrührenden Yerschreibungen auszurichten und zu zahlen, so dass 
dadurch dem Ritter kein Schaden erwachse (Lichn. YII, 459). 

Wirklich erscheint Ritter Thüring noch in diesem Jahre 
<1460) als einer der 40 AdeUgen, welche der Herzog von Oest- 
reich zum Schutz der Stadt Winterthur dorthin abgesandt hatte! 
Auch kommt er 1460 in den Annalen von Kappel unter den Gut- 
thätern des Klosters vor. 

Um dem Thüring von Hallwil, Ritter, für die guten Dienste, 
die er ihm geleistet, erkenntlich zu sein, hatte der Markgraf 
Rudolf von Baden-Hochberg im October 1461 für ihn und seine 
männlichen Erben ein Mannlehen gestiftet, das alljährUch 31 Gulden 
abtrug. 1461, November 9., befiehlt Erzherzog Albrecht dem Land- 
vogt der obem Lande, Peter von Mörsperg , und dem Landmarschall 
Tu ring von Hallwilr, dem Herzog von Baiern gegen den Mark- 
grafen Albrecht von Brandenburg beizustehen, weil dieser ein Feind 
Herzog Sigmunds ist (Lichn. YII, 613). 

Am 30. Juni 1462 wurde zufolge Verabredung zwischen Herzog 
Sigmund einerseits, und den Vettern Heinrich und Eberhard von 
Klingenberg, sowie Wernher von Holzhusen, genannt Keller, ander- 
seits, ein Schuldbrief über 4000 Gulden durch die von Klingen- 
berg bei ihm hinterlegt. Thüring, der herzogliche Rath, ver- 
pflichtete sich, vor endlichem Austrag der Sache denselben keiner 
Partei herauszugeben (Lichn. VII. 664). Wahrscheinlich war 
Thüring damals in Oestreich. 

Von Steyer aus schreibt er am 24. December 1463 an die 
Käthe des Herzogs, die zu Wels waren, dass die östreichischi ii 



196 

Bäthe in Steyer gute Aufnahme finden werden (Lichn. YII. 849)» 
Von Steyer sendet er ein Schreiben des Grafen von Thierstdn an 
den Bitter Ulrich von Frundsberg und Meister Lorenz Blumenau 
(Lichn. VII. 853). 

Im Jahr 1464 war Bitter Thtiring Vogt seines Vetters Walter 
von Hallwil, als letzterer Elisabeth von Hegi ehUchte. Er hielt^ich ia 
diesem Jahre als östreichischer Landvogt im Elsass auf. 

Gleichen Jahres liess er mit Peter von Mörsperg in den öst- 
reichischen Vorlanden den Huldigungseid für den Herzog Sigmund 
schwören (Gesch. der vorderöstr. Staaten). 

Den 19. September 1464 ward er durch den Herzog mit dem 
Zehnten zu Katze, dem Hof Hohenwang, dem Dorf Ymentale^ 
dem halben Markt Yehausen belehnt — sämmüich Lehen der 
Markgrafschaft Burgau, welche Wigalois Gradner dem Herzog^ 
zurückerstattet hatte (Lichn. VII. 922). Seinem Vetter Walter 
von Hallwil, dem Sohne Burkarts und Bruder des Hans von 
Hallwil, gab Bitter Thüring bei dessen Verheirathung mit Elsine 
von Hegi 800 Gulden und 300 Gulden zur Morgengabe. Ausser- 
dem wies er dem jungen Ehpaar freien Sitz im Schlosse zu Landser 
(Elsass) mit 2000 Gulden an, von welchen sie die jährlichea 
Zinsen hatten. Würde Walter und seine Gattin aus irgend einem 
Grunde nicht mehr dort wohnen, so war die Verfügung getroffen^ 
dass ihnen zum Ersatz dafür 3100 Gulden angewiesen blieben. 
Der Ehesteuerbrief trägt das Datum 24. September 1464. Zu dea 
Verschreibungen, welche Bitter Thüring zu Gunsten seines Vettera 
Walter und dessen Ehefrau, Elisabeth von Hegi, gemacht hatte, 
gab der Herzog Sigmund am 9. Januar 1467 zu Thann seine Ein- 
willigung (Lichn. VII. 1132). 

1465 ist Thüring von Hallwil anwesend bei einer Beform der 
Frauenklöster zu Freiburg (Mone XVHI, 7). 

Zum Zweck des Ankaufs der Grafschaft NeUenbui*g gestattet 
Erzherzog Albrecht seinem Landmarschall und obersten Haupt- 
mann der obem Lande, Bitter Thüring von Hallwil, sein herzog- 
liches Insiegel zu gebrauchen (10. Juni 1465). In dieser Eigen- 
schaft als erster Hauptmann der obem Lande hatte Thüring seinen 
Sitz zu Ensisheim. 

Auch Walter von Hallwü, der zu Landser wohnte, scheint 
unter ihm eine Landvogtei verwaltet zu haben. 

1467 stiftete Marschall Thüring eine Jahrzeit zuStDiebolt 
in Thann für Junker Thüring, seinen Vater, und Dorothea von 
Bathsamhausen, seine Gattin. 



197 

Damals begannen die Zerwürfnisse des Elsässischen 
Adels mit dem den Eidgenossen befreundeten Mühlhausen. 
Durch sein feindseliges Verfahren gegen letztere Stadt, die mittelst 
^dner starken Besatzung gesichert worden war, bewog er die 
'Stände Freiburg, Solothum, Bern, dessgleichen Schaff hausen, 
St Gallen, Glarus, Zürich und Appenzell, dem Herzog Sigmund 
und Hallwil ihre Absagebriefe zuzusenden und einen Zug in das 
Suntgau zu unternehmen (Bull. 12. Bch. 6. c. p. 151. Schilling 
41. s.w.). 32 Städte, Schlösser und Dörfer wurden zerstört. Der 
Adel zeigte hiebei mehr Prahlsucht als Muth. Thüring von Hallwil 
selbst erntete in diesem Feldzuge keine Lorbeeren, wie denn über- 
haupt sowohl er als auch sein Vater- weniger tapfere Soldaten, 
•denn tüchtige Administrativbeamte und gewandte Unterhändler 
gewesen zu sein scheinen. 1469 starb er kinderlos zu Thann, wo 
^r begraben wurde. Seine Verlassenschaft fiel an seine Vettern, 
die Söhne Burkarts von Hallwil. Mit ihm verlor das Haus Oest- 
reich einen der treuesten Verfechter seiner dynastischen Interessen. 

Damit wären wir denn wieder zu derjenigen Linie des Hauses 
Hallwil zurückgekehrt, die wir von Anfang an ganz besonders im 
Auge gehabt haben, nämlich zur zweiten, von Rudolf oder 
Butzmann abstammenden Linie! 

- Während die beiden Thüring von Hallwil, Vater und Sohn, 
überall dabei waren, wo es galt, zu Gunsten ihrer hohen Gönner 
und im Einverständniss mit dem vorderöstreichischen Adel die 
•aufstrebenden Bürger in den der Eidgenossenschaft benachbarten 
und befreundeten Städten, welche nach gleichen Rechten und 
Freiheiten strebten, wie sie jene hatten, so Freiburg im Breis- 
^au, Schaff hausen, Mühlhausen u. s. f. damiederzuhalten, scheinen 
die vier Söhne des Burkart von Hallwil und der Dorothea von 
Rüssegg: Hans, Hartmann, Walter, Dietrich — in ihren 
Jugendjahren stül und geräuschlos auf ihrer Stammburg gelebt 
2u haben. 

Durch ihren Grossvater, Ritter Rudolf, waren sie Bürger zu 
Bern und Solothum; allein die Mitunterzeichnung eines Fehde- 
briefes an SchaShausen durch Hans von Hallwil vom Jahr 1450 
ist uns Fingerzeig genug, dass auch diese Linie des Geschlechtes 
€S nicht über sich vermochte, sich den Bestrebungen des vorder- 
östreichischen Adels ganz ferne zu halten, wenn sie sich auch zu 
leidenschaftlichen Handlungen, wie sich solche ein Falkenstein, 
ein Rechberg und Andere erlaubten, nicht hinreissen Hess. 

Lernen wir diese jungen Edelleute hier zunächst in einzelnen 



198 

ihrer Familienangelegenheiten und in den frledlicheik 
Geschäften ihres Hauses näher kennen. 

Noch lebt Rudolf der Aeltere, der Oheim der vier Söhne. £ine> 
alte Missiyensammlung im Staatsarchiv Bern enthält einen Original- 
brief von Rudolf von Hallwil, dem Adtem, mit dem Datum 5. Aprit 
1445. In demselben verantwortet er sich, dass er an dem leidigen 
Ueberfall von Brugg ganz unschuldig sei. Dem ungeachtet hättea 
Etliche seine Fahrhabe zu Brugg und Hallwil in Beschlag ge- 
nommen und seine Zinsleute in Abrichtung ihrer Schuldigkeit 
widerspenstig gemacht. Rudolf bittet um Abhülfe. Derselbe verleiht 
(10. April 1446) die Kirche zu Boswil an den Epistier Johannea^ 
von Seengen, wobei Letzterer, da er noch nicht Priester ist, ver- 
spricht, sich diese Würde in Kurzem zu verschaffen, und das Amt 
einstweilen durch einen andern Priester verwalten zu lassen, auch, 
zur Pfarrei Sorge zu tragen und der Gebrüder von Hallwil Nutzea 
zu fördern. 

Beide Brüder, Rudolf der Aeltere und Burkart, lagea 
der Verwaltung ihrer Güter mit grosser Sorg&lt ob und scheinea 
wenig von dem unstäten Geiste an sich gehabt zu haben, der die- 
Thüringe und Burkart's Söhne charakterisirt. Burkart von Hall- 
wil schickt laut Urkunde vom 13. September 1445 den Zürchera 
einen Absagebrief. Man ersieht daraus, dass es ihm schwer wird^ 
dies zu thun, denn er bemerkt: „den ich des lieber überhept 
vnd vertragen weite fin^ (Staatsarch. Zürich 1726). 

Von Rudolf dem Jüngern lesen wir im Stadtarchiv MeU 
lingen: Burkhart und Rudolf der Jüngere von Hallwil, Vettern^ 
verabreichen um 95 Goldgulden an die Stadt Mellingen das Gut^ 
genannt die Weidhub, mit den Aeckem, Matten, Holz und Feld^ 
80 dazu gehören, um Meilingen und Wolenschwil (1438. Katharinen- 
tag). In einer Zuschrift vom 17. December 1446 zeigt Rudolf der 
Jüngere den Eidg. Tagherm zu Luzem an , dass er wegen des 
ihm schuldigen Zinses von 50 Gulden bis Fastnacht warten, sich 
aber desshalb einzig an Bern halten werde. Diesen Brief sendet 
der Rath von Luzem, Namens der Eidgenossen, dem Rathe von 
Bern am 22. December (Alte Missiv. Sammlung im Staatsarch. 
Bern). 

Rudolf der Jüngere hatte bekanntlich ebenfalls einen Antheil 
an den Hallwil'schen Stammgütem geerbt und benutzte seine 
günstigen finanziellen Verhältnisse zum Ankauf mancher Güter^ 
die er bisher nur zur Hälfte mit seinem altem, gleichnamigen 
Vetter besessen hatte. So kam er in den Besitz von Fahrwangen^ 



199 

in den der andern Hälfte des Sees und der Gütertheile zu Suhr, 
Wartberg, Menzikon und Kirchlerau. Sein Testament (27. Juni 
1459) wird ron sämmtlichen damals lebenden, erwachsenen, mann* 
liehen Gliedern der Familie: Rudolf und seinem Bruder Konml, den 
beiden Thüring, Vater und Sohn, Rudolf dem Aeltem und Burkart 
besiegelt. Mit Ausnahme von 200 Gulden, die er seinem Bruder 
Konrad, und 80 Gulden, die er seiner Tochter, dem Gredlin, ver- 
machte, vergabte er sein ganzes übriges Vermögen Thü*^ 
ring dem Jüngern, mit dem Beding, dass es stets beim Manns* 
stamme verbleibe. Fragen wir, warum gerade Thüring, so lautet 
die Antwort: offenbar dämm, weil Thüring damals das hervor* 
ragendste Glied der Familie war. 

Rudolf der Jüngere besetzte (14B1) den Twing zu 
Fahrwangen und liess bei diesem Anlass einen Rodel, der seiner 
„elty w^en vast bresthaftig geworden was^, in eine neue Abschrift 
bringen. Letztere wurde durch den kaiserlichen Notar Friedrich 
de Wunderstatt zuerst mit der Urschrift verglichen und dana 
beglaubigt, worauf die Grafschaftsleute die Bestätigung ertheilten. 
Der Rodel enthält Freiheit und Rechtung des Dinghofes 
und Landgerichtes zu Fahrwangen. In der Einleitung wird 
erzählt, wie dieses Landgericht an den Stamm Hallwil gekommen 
sei. Rudolf von Hallwil habe es nämlich vom Graf Johann 
von Habsburg, der es als Lehen vom Reich besessen^ 
gekauft, er habe aber geschaffen, dass es ein Lehen vom 
Herzog Albrecht werde, und so habe es Hallwil von den 
Herzogen von Oestreich empfangen. Er setzt freilich 
nicht hinzu, wie weit Oestreichs Rechte damals (1 461) 
noch Anerkennung fanden. Wahrscheinlich standen sie nur 
auf dem Papier , oder man benutzte sie , um Berns Einfluss auf 
diese Gegenden zu mindern! 

Im Weitem seien uns noch folgende Bemerkungen gestattet : 
Znrlauben, helvetische Stemmatographie, tom. VH. 517, bringt die 
angebliche Urkunde über die 1309 durch Agnes in Fahrwangen 
vollzogene Hinrichtung der dortigen Besatzung und behauptet: 
Blutstab und Richtschwert, dabei gebraucht, würden seitdem und 
bis 1754 im Schlosse Hallwil verwahrt. — Aus dem habs- 
burgisch-östreichischen Urbar geht klar hervor, das» 
weder dievonBalm, noch die von Hallwil, im Jahre 1308 
oder 1309 zu Fahrwangen ein festes Haus oder eine Ge- 
richtsbank oder gar ein jus gladii besassen (Vergl. Koppy 
Gesch. IV, 55 ff.). Wenn aber die Hallwiler-Familienchronik be- 



200 

richtet: „ 1465 erhält Rudolf der Aeltere von Hallwil durch 
Kaiser Friedrich aufs Neue die Bestätigung des Blut- 
bannes zu Fahrwangen, welchen seine VorMren schon seit 
dem Ankauf dieses Landgerichtes geiibt zu haben scheinen'' (vergl. 
auch Halters Basil. u. Leu), und femer: „Kaiser Ferdinand be- 
auftragt am 14. October (tieses Jahres in einem Schreiben aus 
Neustadt den kaiserlichen Hofrichter, Hans von Flachsland, Rudolf 
von Hallwil wegen Verleihung dieses Blutbannes in Eid zu nehmen,^ 
80 stimmt das zu den von uns bereits vorausgestellten Daten, wor- 
nach allerdings im Lauf des 14. Jahrhunderts, keineswegs aber so 
früh, wie Zurlauben angiebt und die Hallwiler Chronik zu glauben 
scheint, die Hallwil die kleinen und grossen Gerichte zu 
Fahrwangen innehatten. 

Aber was soll denn der Name „Grafschaft"', der doch ur- 
kundlich zu wiederholten Malen, so auch Beil. A. 31, vorkommt? 
Nach einer nähern Besprechung hierüber mit Herrn von Stürler, 
Staatsschreiber zu Bern, dem hervorragenden Kenner vater- 
ländischer Geschichte, dürfte die Lösung der Frage folgende sein : 
Der Name Gra^ehaft wurde einer Landesgegend ertheilt, wenn 
sie in den Besitz von Grafen gelangte. So gab es eine Grafschaft 
Nidau, Wangen, Erlach u. s. w. Dann aber wurde der Name Graf- 
schaft einem Lande auch gegeben, wenn eine niedere Herrschaft — 
Fatrimonialherrschaft — zu einer hohem — zur Freiherrschaft — 
erhoben wurde. Und eben dieses Letztere ist nach von Stürler 
bei Fahrwangen der Fall gewesen. Der Name „Grafschaft" ist hier 
bloss abusive gebraucht und hatte keinerlei positive Bedeutung. 
Fahrwangen war ursprünglich wahrscheinlich Fatrimonialherrschaft 
und ist durch specielle Privilegien zur Freiherrschaft mit der Com- 
petenz des Blutbanns erhoben worden. Rudolf der Aeltere, Edel- 
knecht 1419, Burger zu Bern und Solothuru, erhielt, der an- 
geführten Urkunde vom Jahr 1465 zufolge, von Kaiser Friedrich III. 
den Blutbann in seiner Freiherrschaft Fahrwangen zu Lehen, nach- 
dem dieselbe einige Zeit früher auf Veranstalten Rudolfs von Hall- 
wil, ob Rudolf der Aeltere oder Rudolf der Jüngere, ist nicht 
gesagt, — durch Graf Johann von Habsburg (wohl einem Sprössling 
aus der Habsburg-Rapperswiler Linie) an die östreichische Linie 
(Herzog Albrecht) übergegangen war. Bei Anlass der Eroberung 
des Aargau's durch die Berner kam natürlich die Gerichtsbarkeit, 
welche ehedem die Hallwil in der Freiherrschaft oder Grafschaft 
Fahrwangen ausgeübt, an die Regierung zu Bern. Wenn indess 
die östreichischen Herzoge auch noch ein halbes Jahrhundert nach 



201 

diesem Ereigniss sich die Miene geben, als hätten sie dieses frei- 
herrliche Lehen zu vergeben, so constatirt dies nur die Zähigkeit, 
mit welcher dieselben immer noch den Glauben an eine Restauration 
der alten Beziehungen ihres Hauses zu den ihnen verloren ge- 
gangenen Landschaften festhielten. 

Auch der Rodel über die Seerechte wurde um diese Zeit 
<1462) erneuert. Donnerstag vor Auffahrt hatte zu Mosen ein 
Maiengeding statt, und d^ wurde die neue, vom kaiserlichen Notar 
de Wunderstatt beglaubigte Abschrift des Seerodels verlesen und 
von den versammelten Seeleuten angenommen. Bei diesem Maien- 
^eding führten Rudolf und Burkart von Hallwil den Vorsitz. 

Von dieser Zeit an wird Rudolf der Aeltere, das bisherige 
Haupt der Familie, selten mehr genannt, wie denn überhaupt dem 
Familienarchiv Hallwil wenig über ihn zu entnehmen ist. Die 
dem Aeltesten der FamiUe obliegenden Verrichtungen scheint 
in letzter Zeit sein Bruder Burkart über sich genonunen zu 
haben, so die Einsetzung des Heinrich Arnold zum Leutpriester 
in Entfelden u. A. Hier sei nuj: noch folgende Angabe aus 
Wurstisen's Rhaps. erwähnt: Als ein Marschalk zwischen dem 
Ferren und dem Eggenbach, nämlich wenn die Fürsten von Oest- 
reich innerhalb diesen Zielen zu Feld liegen, verkauft Rudolf von 
Hallwil der Aeltere 1470 ein Kreuz von Gold, Silber und 5 Edel- 
steinen, welches Herr Thüring von HaQwil, Ritter, f 1^69, dem 
Ularschalamt geschenkt hatte, um 280 fl. dem Bau der Fraumünster 
zu Basel. 

Unter den im Barfusserkloster zu Solothurn im August ge- 
haltenen Jahrzeiten kommt auch die des Junker Rudolf von Hall- 
wil des Aeltem vor (Ausz. aus dem Nekrol. dieses Klosters). 

Nach Rudolfs Tode wurden die Hallwil'schen Lehen von Bur- 
kart, dem nunmehrigen Aeltesten des Geschlechtes, vergeben, und 
ein Gleiches war (1461) mit den Gütern zu Dietikon und Ober- 
kulm der Fall. 

Damals erlitten die Einkünfte der Familie eine nam- 
hafte Entwerthung, was uns eine Verhandlung zwischen Bern 
mit Burkart von Hallwil beweist (1460). Das „Geleit" von Brugg 
war s. Z. von den östreichischen Herzogen an verschiedene Herren 
verpfändet gewesen, und die von Hallwil besassen 100 Gulden 
daran. Es trug aber nicht so viel ein, dass die Gläubiger gehörig 
entschädigt werden konnten. Sie mussten sich oft mit der Hälfte 
ihrer Forderung begnügen, und so nimmt es nicht Wunder, 
wenn Rudolf der Aeltere und Burkart gegen eine jährliche Leib- 



202 

rente von 50 Gulden, zuerst auf Rudolf, nachher auf Barkart 
und Dorothea von RütTegg reversibel, ihre Rechte an Bern ab- 
treten und den 8. Juli des gleichen Jahres auf dieselben ver- 
zichten (Brugg. Titel und deutsches Spruchbuch). Nach ihrem 
Absterben sollte ihr Antheil am Geleit an Bern fallen. 

Aus den spätem Lebensjahren Burkarts, der eben&Us eia 
hohes Alter erreicht haben muss, da er 1433 bei seiner Yer* 
ehlichung bereits 40 Jahre alt war , ist dem Familienarchiv noch 
Folgendes zu entnehmen: Ein Vertrag (2. Dec. 1462) mit seiner 
Schwiegermutter, Ampflis von Aarburg, und ihrem Sohne, Jacob 
von RüfTegg, sicherte ihm Aarburgische Güter zu Esch, Wenikon, 
Kulm, Leerau und Geishaus zu. Derselbe wird durch Barkarts- 
Schwäger, Nikiaus von Diessbach, und Heinrich, Truchsess von 
Wolhusen, besiegelt. Diese Schwiegermutter Burkarts mochte da- 
mals vorübergehend zu Hallwil gewohnt haben, da sie in Folge 
der ungünstigen Yermögensverhältnisse ihres Gatten, des Hern* 
man von RüfTegg, verarmt war. 

Gegen Ende ihres Lebens (10. Oct. 1464) stifteten Burkart 
und Rudolf der Jüngere von Hallwil eine Jahrzeit für sich selbst, 
für ihre beiderseitigen Frauen und für alle ihre Vorfiihren und 
Nachkommen. Diese Jahrzeit sollte bei der jährlichen Zusammen- 
kunft des Capitels von Aarau, am Donnerstag nach Gallus, zu 
Seengen statthaben und zwar mit einer Predigt und Seelenmessen, 
Vigilien und Gebeten auf den in der Kirche zu Seengen befind- 
lichen Gräbern der verstorbenen Glieder der Familie von Hallwil. 
Dafür wurden 7 Pfund Heller von der Mühle zu Hallwil an das 
Capitel entrichtet. 

Trotzdem dass bei Anlass des jährlichen Maigedinges auch 
die Seeordnungen erneuert und die Aufeeher über den See er* 
nannt werden sollten, so scheint eine derartige Verhandlung im 
Jahr 1466 nicht stattgefunden zu haben, wesswegen Burkart und 
Rudolf den 24. August dieses Jahres die Fischer in das Schlosa 
zu Hallwil beriefen. Da wurde dann verordnet, wie viele „Weggis- 
garne^ gebraucht werden dürftisu und festgesetzt, dass von den 
mit denselben gefangenen Fischen der 3. Pfennig den Herren von 
Hallwü zufallen sollte. Auch das Hechtmaass wurde festgesetzt» 
d. h. es wurde bestimmt, wie gross die Hechte sein müssten, 
welche man fangen dürfte. Fänden sich im Garne kleinere, so 
sollten diese wieder in den See gethan werden. Endlich wurden, 
damit alle Bestimmungen gehalten würden, auch die Knechte der 
Fischer in Eid genommen. 



208 

Kurze Zeit nach dieser Verhandlung starb Burkart von Hall« 
'wil. Er wird ein Alter von 73 Jahren erreicht haben. Er war 
eisar der Stillen im Lande; aber ihm erblühte ein Glücke 
das über Reichthum und Ansehen geht: ein Kranz von 
7 Kindern, 4 Söhnen und 3 Töchtern, schmückte sein 
Haus, unter ihnen ein zukünftiger Retter des Vater* 
landes, der Held von Murten. Dorothea, seine Ehefrau^ 
seheint ihn überlebt zu haben. Dieselbe ist laut zweien Urkunden 
vom Jahr 1468, ausgestellt durch Hans Partner, Amtmann zu 
Münster, die regierende Herrin von Schloss und Gut Hallwil und 
sendet ihren Schaffner, Heini Wolf, als ihren Fürsprech zu Gericht 
(Mittheilung durch Stadtpfarrer C. Schröter). 

An Burkarts Stelle wurde sein Vetter Konrad Marschall. 
Dieser txBt aber das Marschalkthum vom Gotthard bis zum Eggen- 
bach (Elsass) und alle Hallwirschen Ldien, die ihm kürzlich von 
Burkart angefallen waren, wegen Altersschwäche an seinen Bruder 
Rudolf, den Jüngern, gegen eine jährliche Leibrente von 12 Gulden 
ab. Diese höchst bescheidene Rente deutet auf eine grosse Ent- 
werthung der Befugnisse jenes Marschallamtes hin. Unter den 
damals im Lande befindlichen Hallwil, welche am 30. Januar 
1467 zu dieser Abtretung ihre Einwilligung gaben, ist Hans von 
HaUwil nicht erwähnt. Walter siegelt für sich und seine Brüder. 

Die Kinder, welche Burkart von Hallwil hinterlässt, 
heissen: Hartmann, Hans, Walter, Dietrich, Barbara,. 
Enneli, Dorothea. 

Hartmann wurde, noch jung, Domherr zu Basel. BeiAnlass. 
einer Rundschau unter den Basler Domherren sagt Knebel im 
ersten Theil seiner Chronik (p. 99) kurz, aber nicht eben schmeichel- 
haft über Hartmann: „ein Jüngling ohne gelehrte Bildung und 
Kopf." An Wohl und Weh seiner Familie nahm er fortwährend 
thätigen Antheil. So suchte er im Herbst 1467 durch Aufnahme 
von Kundschaften vor den Gerichten zu Werd und Lenzburg eine 
alte Streitigkeit über einen Weidgang auf der Allmend zwischen 
Ober-Entfelden und Köllikon zu entscheiden. Die Kölliker hatten 
laat Zeugenaussage ihre Schweine bisher zu weit gehen lassen. Es 
wurde bei diesem Anlasse eine bestiäimte Gränze festgestellt, denn die 
Herren von Hallwil wollten den Köllikern die Acherung in ihren Wäl- 
dern, demTägelmoos und dem Tannwald, nicht erlauben. (Ueber da& 
„ Acherum" und „Holzhaber" vergl. Ed. von Wattenwyl von Diess- 
bach in seiner Abhandlung : Ueber das öffentliche Recht der Land-^ 
Schaft Kleinburgund im Arch. für schw. Gesch. XHI, 101 ff.) ' 



204 

üeber Walter von HallwU lesen wir in Heinrichs von Bein- 
beim Basler Chronik (Ms. bei Herrn von Mülinen in Bern) 
fol. m- 1^67 an der vafsnacht stach Herzog Sigmund von Oste- 
rich mit jungher Walth^r von Hallwil uff dem Münsterplatz mit 
scharpfen glenen vnd ritten weidlich zusammen. Also baat die 
furstin den herren, das er mufst vffhören, vnd zugen zu der 
mucken, do ward ein groffer tanz/ 

In das Jahr 1468, Dienstag vor Auffahrt, fällt die Er- 
neuerung des Hallwirschen Stammbriefes von 1369. Bei 
diesem Acte waren der Ritter Thüring, die Gebrüder Konrad 
und Rudolf, sowie die andern Brüder, Hartmann, Domherr zu 
Basel, Hans und Walter zugegen. Der Stammbrief erhielt 
den Zusatz, dass den Töchtern keine Entschädniss ge- 
bühre und so lange Einer aus dem Hallwirschen Manns- 
stamm am Leben sei, die Güter nicht veräussert werden 
sollten. Rudolf der Jüngere repräsentirts bei dieser Verhand- 
lung als Vogt seinen „minderjährigen, landesabwesenden*' Vetter 
Dietrich (Hallw. Procedur. Von Mülinen p. 42). Die Minder- 
jährigkeit hörte mit dem 14. Altersjahr aui. 

Dorothea von Hallwil, eine der drei Töchter des Burkart 
von Hallwil, verheirathete sich zwischen 1460^ 1472 mit Wilhehn 
von Diessbach, Geschwisterkind des berühmten Nidaus von Diess- 
bach, geb. 1430, gest. 1475 zu Pruntrut, späterem Bürgermeister 
von Bern. Indem sie auf väterUches und mütterliches Erbe ver- 
zichtete, erhielt sie als Ehsteuer 80 Gulden mit 50 Stück Zins. 
400 Gulden sollten aus den Mitteln ihres Vetters Rudolf, der 
zugleich ihr Vogt war, nach dessen Tode ausbezahlt werden. 
Wilhelm von Diessbach, geb. 1441, giebt ihr 400 Gulden Morgen- 
gabe und, wenn er vor ihr ohne Erben sterben sollte, noch 
200 Gulden für den Hausrath. Ausserdem soll ihr aus seinem 
Erbe als Leibgeding zukommen, soviel es trägt. Umgekehrt soll 
Wilhelm das Gut der Dorothea als Leibgeding gemessen. Die 
Heirath soll auf Ostern über's Jahr stattfinden. Wer bis dahin 
zurücktritt, zahlt dem andern Theil 600 Gulden (siehe Beilage 
A. 3). Bei der grossen Kinderzahl, die Burkart hatte, dürfen wir 
uns darüber nicht wundem , dass die Ehsteuer der Dorothea von Hall- 
wil etwas karg ausfiel. Aus dem Umstände, dass Wilhelm von Diess- 
bach unterm 12. August 1477 erklärte, von seinen Schwägern Hans 
und Walter befriedigt worden zu sein für Ansprachen, die er den 
Notein zufolge an sie hatte, geht hervor, dass seine Gattin Dorothea 
damals bereits unter den Todten war. Dieser Wühelm von Diess- 



205 

bach, Schultheiss 1481 und 1517, der vor dem Ausbruch des 
Burgunderkrieges zu wiederholten Malen mit ehrenvollen Missionen 
an den König von Frankreich betraut worden war, soll 3 Frauen 
gehabt haben: Dorothea von Hallwil, Helena von Freiberg und 
Anastasia Schwend, Wittwe des vortreflflichen Brandolf von Stein, 
1 1500, Befehlshaber zu Granson, Sieger zu Nancy. Die Ver- 
ehlichung dieser letztern mit dem Schultheiss Wilhelm von Diess«* 
bach geschah 1501 (Schweiz. Gesch. forscher Y, 326). 

Gehen wir nun zur nähern Lebensbeschreibung des 
Hans von Hallwil über! 



4. Abschnitt Hans von Hallwil, von seinem ersten 8ff entlichen 
Auftreten bis zu seinem Tode. 1450—1504. 

Unter den vier Söhnen des Burkart von Hallwil und der 
Dorothea von Rüssegg wird Hans von Hallwil in den Urkunden 
immer als der zweite nächst Hartmann, als dem ersten, auf- 
geführt. Daraus, dass Hartmann voransteht, darf indess nicht 
geschlossen werden, dass er der Aelteste sei. Er war Geistlicher 
und stand eben als solcher immer voran. Vielmehr wird unsere 
Vermuthung, dass Hans älter gewesen sei als Hartmann, durch 
ausdrückUche urkundliche Angaben zur Gewissheit. Fragen wir 
uns nun nach dem Jahr seiner Geburt, so dürfte dieselbe in 
das Ende des Jahres 1433 oder in das Jahr 1434 fallen; 
die Verehlichung seiner Eltern geschah den 5. Februar 
1433. 

In den Urkunden begegnet, wie schon erwähnt worden, der 
Name des Hans von Hallwil im Jahre 1450 zum ersten Mal. 
Hans erscheint nämhch in diesem Jahre neben Bitter Thüring 
von Hallwil, seinem Vetter, und Hug von Landenberg von Greifen- 
see als Mitunterzeichner eines Fehdebriefes an die Stadt Schaff- 
hausen. Er war damals höchstens 16—17 Jahre alt und ward 
ohne Zweifel durch Thüring, den damaligen Landmarschall und 
obersten Hauptmann der oberöstreichischen Lande, zu diesem 
Schritte bewogen. Schaffhausen, eine ehemalige östreichische 
Stadt, sollte, das war die Meinung des umliegenden Adels, wieder 
östreichisch werden. Die Folge dieser Befehdung war eine gegen- 
theilige: Im Jahr 1454 trat es vielmehr mit Zürich, Bern, Luzern, 
Schwiz, Zug und Glarus in eine 25jährige Vereinigung, welcher 
zufolge die Eidgenossen verheissen, die Stadt bei dem Reiche zu 



206 

handhaben, zu schützen und zu schirmen gegen Jedermann, der 
sie vom Reiche drängen oder ihres neuen Bundes halber anfechten 
würde (Eidg. Abschiede. II. Bd. BeiL 34). 

An&ngs der 60er Jahre hielt sich, wie wir früher gesehen 
hatten, Ritter Thüring von HallwU in Oestreich auf, so 146S 
in Steiermark. Bei der Vorliebe, die sich bei den zwei 
altern Hallwil, Hans und Walter, frühe schon für den 
Soldatenberuf kundgegeben zu haben scheint, traten sie 
wohl auf seine Veranlassung um jene Zeit in Ostreich. 
Dienste. Der Maassstab, nach dem wir heute denSöldner- 
dienst beurtheilen, ist für jene Zeit durchaus unzulässig. 
Für einen Adeligen galt damals als Empfehlung, eine Zeit lang 
an einem fürstlichen Hofe gedient zu haben. Und wo konnte man 
sich in den damals noch in Blüthe stehenden ritterlichen Künsten 
besser ausbilden, wo feine Sitte, allgemeine Bildung besser sich 
aneignen, als dort? Die Höfe vertraten damals für den jungen 
Edelmann noch die Stelle der Universitäten. 

Trotz ihrer Jugend hatten die beiden Junker dem Herzog 
Albrecht IV., der die vordem Lande von 1457—1463 regierte, 
wahrscheinlich im Elsass so gute Dienste geleistet, dass er sie 
einer Belohnung werth hielt. Durch den Tod Münch's von Lands- 
krön war dessen Manulehen erledigt. Da gab ihnen der Herzog 
am 13. October 1461 das Dorf Sirentz (Elsass) mit Twing 
und Bann und allen Gerechtsamen nebst dem Dinghof, 
den man den obern Hof nannte, in demselben Dorf als 
Mannlehen für sie und ihre Nachkommen. In der That ist 
denn auch Sirentz bis zur Resolution von 1798 HallwiFsches 
Eigenthum geblieben. Dieser Tod Münch's hatte die weitere Folge, 
dass ein Lehen im Delsbergerthale, zu dem die Vogtei daselbst 
und ein Quart des Zehnten zu Oberwiler gehörten, an den Bischof 
zu Basel fiel, der es den 8. November 1462 an Rudolf von Hall- , 
wil zu Händen des männlichen Stammes von Hallwil verlieh, 
wobei Rudolf nicht nur für sich selbst auftrat, sondern auch als 
ein Träger des Ritters und Marschalls Thüring, sowie des Hans 
und Walter, seiner Neffen. 

Aber nicht bloss im Dienste Albrecht's treffen wir 
die Hallwirschen Brüder, sondern auch in der Um- 
gebung des Georg Podiebrad, König von Böhmen (1458 
bis 1471) und Matthias I. Corvinus, König von Ungarn 
(1458—1490). Der deutsche Kaiser Friedrich III. (1440—1493) 
hatte den erstem als böhmischen , den letztem als ungarischen 



207 

Xönig anerkennen müssen. In der Nähe dieser ausgezeicbnetra 
Fürsten mochten sie sich für ihren Thatendurst nicht wenig ver- 
sprechen. Znm Beweis dafür, dass Hans von Hallwil in Ungarn 
gedient habe, genügt es freilich nicht, sich mit der Chronik von 
Hallwil bloss auf die Ueberliefening zu berufen. Hansen' s Be- 
theiligung am Ungarnkrieg liegt urkundlich ausgespro- 
chen in dem unter den Beilagen A. 22. angeführten ge- 
richtlichen Yerhör, welches Sydly von Schwyz, Hauptmann 
der Knechte von den 4 Orten, unter einem nicht näher bezeich- 
neten Datum, jedenfalls innert der Jahre 1480—1483, mit ge- 
schwomen Beisitzern „auf Empfehlnifs des Hans von Hallwil^ 
gehalten. Nyk von Brandis erzählt, Stephan Schaller aus dem 
Salgasserland habe zu Anüens gesagt, er hätte von Hermann 
Schuffelbiel gehört, Hans von Hallwil habe „in Ungarn"* 1500 
Ducaten gestohlen, sie nach Frankreich gebracht und die goldenen 
Ketten daraus gemacht, die er jetzt trage. Von der Aeusse^j^ng, 
Hans von Hallwil, Ritter, nehme eines Mannes Sold mehr, als 
er Knechte habe, reinigte sich Nyk durch einen leiblichen Eid 
und erklärte bei diesem Anlasse: „Es sy jm nitt ze wissend, dafs 
€r von Her Hänfen hab geret, dafs er me foldfs nem, dan er 
knechten hab; hey aber er dafs gerett, fo hab er das fillicht 
gerett in eyner drunkenen wyfs." So reducirte sich also die 
ganze Sache auf ein blosses Soldatengeschwätz. Dieser Aufenthalt 
des Hans von Hallwil in Oestreich, in Ungarn und Böhmen fällt 
wohl in den Anfang der 60er Jahre. Die Chronik von Hallwil 
nimmt das Jahr 1462 an, dagegen Segesser .in seiner instruk- 
tiven Brochüre: „Die Beziehungen der Schweiz zu Matthias Cor- 
vinus in den Jahren 1476 — 1490,^ eher eine spätere Zeit als 
1462. Bei der Uebereinkunft der Hallwiler Vettern wegen des 
Marschallamtes, im Januar 1467, welches Amt der im Jahr 1466 
verstorbene Burkart von Hallwil innegehabt, war Hans, dessen 
Sohn, nicht zugegen. In einem zu Eferdingen gegebenen Briefe 
des Grafen Sigmund von Schaumburg vom Jahr 1467 anerkennt 
dieser, dem Hans von Hallwil eine Schuld von 200 „ungarischen" 
Goldgulden, zahlbar in Ducaten, schuldig geworden zu sein und 
verspricht ihm, selbige bis kommende Weihnacht zu entrichten 
(Siehe Beil. A. 4. — Eferdingen ist eine Stadt in Ober Ostreich). 
Da die Bezahlung nicht erfolgte, trat Hans von Hallwil die For- 
derung zu Oculi des Jahres 1468 an Ulrich, Freiherr von Graven- 
egk und dessen Frau ab. Von dieser Cessionsurkunde lag bloss ein 
Entwurf vor. Hans von Hallig (corrump. für Hallwil) wird darin 



208 

auffallenderweise königlicher Hauptmann zu Frankreich betitelt, 
während er doch, wie wir im Verlauf unserer Untersuchung sehen 
werden, erst circa 10 Jahre später in französische Dienste trat (nach 
den Fontes rerum Austr. II, p. 202 und 315 hat Hans YonHallwil 
an Herzog Sigmund 208 ungarische Gulden füi* acht Berittene zu for- 
dern). Hans von Hallwil erwählt den 18. Januar 1468 den Vetter 
Rudolf zum Stellvertreter, damit er die der Familie gehörigen 
Güter in Rupperswil verleihe (siehe Beil. A. 5)* Darin nennt 
er sich ausdrücklich den Aeltesten unter den Brüdern 
und motivirt die Uebertragung seines Lehensrechtes zu Rubiswil 
an seinen Oheim Rudolf mit dem Beifügen: „das ich aber der 
ander miner geschefft halb dabi vnd mit nit gesin kan 
noch mag.^ Offenbar war Hans damals öfter landes- 
abwesend und zwar unserer Vermuthung nach in Un- 
garn oder in Böhmen, woher er um das Jahr 1469 zurück- 
gekehrt seinmuss. Dienstag vor Auffahrt (1468) erneuerte 
Hans von Hallwil mit seinen Brüdern Hartmann und 
Walter, mit Thüring, Ritter, und den Gebrüdern Conrad 
und Rudolf von Hallwil den Stammbrief von 1369. Sams- 
tag nach St. Hilarientag (1469) bezeugt Hans mit seinem Brüder 
Walter, dass sie den ihnen von väterlichen Rechten zugekom- 
menen Antheil am Hause Hallwil, den Bern im letzten Krieg zu 
Händen gezogen, schon vorher laut Urkunde dem frommen, vesten 
Rudolf von Hallwil als Vogt Dietrichs und der Dorothea von 
Hallwil, ihrer Geschwister, lediglich hingegeben haben. Auf diess 
hin hat Bern diesen Antheil ihrem Vetter und ihren Geschwistern 
restituirt. Er und Walter entziehen sich dagegen feierlich aller 
jetzigen und künftigen Ansprachen daran, es sei denn, dass ihnen 
etwas daran erbsweise zufalle (Deutsch. Spruchbuch). 

Bei Erneuerung des Bürgerrechtes mit Bern (13. Aug. 
1470) sind Hans und Walter von Hallwil anwesend. Die 
Veranlassung zu dieser Erneuerung leuchtet ein. Mit Burkart 
(t Ende 1466) war der Aelteste des Geschlechtes gestorben. 
Nach seinem Hinscheid waren an Hans und seine Brüder 
Burkarts Familiengüter anheim gefallen, und nun woll- 
ten sie mit Bern und Solothurn in demselben |Bürger- 
rechtsverbande bleiben, in welchem ihr Vater und Gross- 
vater gestanden hatten, und zwar offenbar nicht bloss 
aus Pietät, sondern auch aus Rücksichten der Klug- 
heit. Die östreichischen Besitzungen und Rechte im Elsass, 
Sundgau, Breisgau, der Grafschaft Pfirt, sowie das Schloss. 



209 

Hauenstein mit dem Schwarzwald nnd die vier Waldstätte am Rhein 
(Waldshut, Laufenburg, Säckingen, Rheinfelden) waren nämlich seit 
dem 9. Mai 1469 um die Summe von 80,000 rhein. Gulden aus der Hand 
des Herzogs Sigmund von Oestreich an Karl den KiUinen von Burgund 
gefallen. Damals wurde zwar bestimmt, dass die P&ndschaften, welche 
einzelne Herren im Elsassbesassen, noch eigens eingelöst werden 
sollten. Solche Pfandrechte besass Hansen's Vetter Thüring, ge- 
wesener östreichischer Hauptmann der obem Lande, und bei seinem 
im Jahre 1469 erfolgten Tode waren dieselben an die Söhne 
Barkarts gefallen. Aber Peter Hagenbach, KarFs des Kühnen 
Landvogt über die Herrschaft Pfirt, war nicht der Mann, 
der auf Rechte der Art Rücksicht nahm. Durch sein macht- 
haberisches Auftreten hatte er den Adel des Landes gegen sich 
und die burgundische Herrschaft aufgebracht, und die ihm von 
Karl anbefohlene Einlösung verpfändeter Herrschaften 
hatte er gegen mehrere Besitzer, so gegen Thüring von 
Hallwil, mit Gewalt durchgesetzt (v. Rodt I, 213). So 
möchten die Söhne Burkarts als Erben Thurings unter Anderm 
das von diesem innegehabte Schloss Landser im Elsass eingebüsst 
haben. — Vgl. über Peter von Hagenbach das reiche Material 
in Mone's Quellensammlung fttr die badische Landesgeschichte 
III, 151 iF., sowie die Abhandlung: „Reimchronik über Peter von 
Hagenbach und die Burgunderkriege^ a. a. 0. p. 183 ff. Mehr 
als Hagenbach selbst scheint übrigens der Markgraf von 
Röteln durch Vorenthaltung von Lehen, auf welche die 
Hallwil Ansprüche hatten, diese Letztern benachtheiligt 
zu haben. Vergl. pag. 112. In dieser muthwilligen Ver- 
letzung ererbter Rechte durch Karl von Burgund haben 
wir wohl mit einen Grund dafür zu erkennen, warum die 
Brüder von Hallwil bei Ausbruch des Burgunderkrieges 
sowohl als Bürger von Bern und Solothurn, als auch in 
der Eigenschaft von Edelleuten, die in ihren Privat- 
rechten verletzt worden waren, so treu und entschlossen 
mitkämpften . Diesem Krieg giengen die Eidgenossen mit raschen 
Schrittoi entgegen, und König Ludwig XL von Frankreich er- 
mangelte nicht, die auflodernde Flamme gehörig zu schüren. Auf 
sein Betreiben schloss Herzog Sigmund von Oestreich mit den 
VIII Orten der Eidgenossenschaft den 3. April 1474 zu Konstanz 
die ,^ewige Richtung'', welcher zufolge beide Parteien bei allen 
ihren j^anden, Schlössern, Städten, Dörfern und Märkten, so sie 
in vergangenen Zeiten zu ihren Händen erobert und eingebracht 

Argovia VI. 14 



t - 



210 

haben, unangesprochen und unbekümmert bleiben sollen u. s. w. 
(Eidg. Absch. IL BeU. 51). Auf dem Tag zu Feldkirch (9. Oct. 1474) 
versprach Herzog Sigmund den Botsdiaftem der Schweiz und des 
Biedern Bundes Theilnahme sowohl als Unterstützung im Kri^e 
gegen Karl von Burgund. Diese sogenannte niedere Vereinigung oder 
der niedere Bund der Bischöfe von Strassburg und Basel, und der 
Städte Strassburg, Basel, Cobnar und Schlettstadt hatte I^ze Zeit 
früher, nämlich den 13. März 1474, mit den MH Orten nebst Solo* 
thum ein Bündniss auf 10 Jahre zu gegenseitiger Beschirmung ihrer 
Gewohnheiten, Freiheiten und Rechte geschlossen (Eidg. Absch. II, 
Beil. 49). Die ausbedungene Pfandsumme von 80,000 Gulden 
wurde von Herzog Sigmund zu Basel hinterlegt und dem Herzog 
von Burgund die Pfandschaft aufgekündet. Karl gab auf die Auf- 
forderung zur Herausgabe der Läudereien eine abschlägige Ant- 
wort und suchte die Eidgenossen von dem Bündniss mit Oestreich 
abzubringen. Umsonst. „So helle auch des Feuerstahls goldene 
Flammen leuchteten (Anspielung auf Burgund), so wurden sie 
dennoch durch den liUengelbeii Sonnenglanz (Frankreich) und den 
vielfarbigen Pfauenschwanz (Oestreich) ganz geschwächt und ver- 
dunkelt'' (Anshelm, Bemer Chronik 1, 112 ff.). Hagenbachs Haupt 
fiel unter dem Beil des Henkers den 7. Mai 1474, der deutsche Reichs- 
tag beschloss im Juli 1474 einen Reichskrieg gegen Herzog Karl, 
von Bern aus ergieng am 25. October 1474 im Namen aller eid- 
genössischen Orte an Karl die eidgenössische Fehde (der latein. 
Absagebrief Eidg. Absch. II, 515, der deutsche bei v. Rodt I, 
272), und Ludwig XL, König von Frankreich, hatte mit den 
YUI Orten und mit den Städten Freiburg und Solothum ein ins- 
besondere gegen Herzog Karl von Burgund gerichtetes Bündniss 
geschlossen (26. Oct. 1474), worin es unter Anderm heisst : Pate- 
facin^us quod Rex ipse nobis in omnibus et singulis nostris guerris, 
specialiter contra ducem Burgundie omnesque ceteros suis in ex- 
pensis fidele auxilium, juuamen et defensionem impartiri debet 
(Eidg. Absch. II, Beil. 53). Wie hohl und leer diese Verspre- 
chungen waren, sollte die nächste Zukunft lehren. 

Wir stehen somit am Vorabend des Burgunderkrieges. 
Es liegt nicht in unserer Aufgabe, die Ursachen dieses Krieges 
hier näher zu erörtern, dagegen können wir nicht umhin, hier 
einen Ausspruch von dem Panegyriker Karl's des Kühnen, de Gin- 
gins la Sarra, in seinen „Episodes des guerres de Bourgogne" anzu- 
führen , welche Episoden im VIII. Bd. der M^m. et Docum., publica 
par la Soc. d'histoire de la Suisse roraande, abgedruckt sind: 



1 * 



211 

^n faut reconnattre qu'en se pr^cipitant dans une lutte aussi 
impolitique que dangereuse, les Suisses, entraln^s par un petit 
noml^re de chefs ambitieux et avides, ne furent en r^alit^ que 
les instruments aveugles des vues 6go*istes de la France et de 
TAutriche et le jouet de la politique machiav^lique de leurs puis- 
sants voisins." Bevor wir aber den Faden der Geschichte weiter 
verfolgen, haben wir noch einige den Hans von Hallwil be- 
treffende Mittheilungen nachzuholen. 

Bei Gelegenheit ihrer Bürgerrechtserneuerung mit Bern (1470, 
Aug. 13.) versprachen die Hallwü'schen Brüder, als treue An- 
gehörige Berns leben zu wollen (Beil. A. 6). Ein Gleiches ge- 
lobten Hans und Walter von Hallwil auch der Stadt Solothurn 
bei Anlass der Bürgerrechtsemeuerung zu Eingang des Jahres 
1471 (Beil. A. 7). Freundliches Entgegenkommen bezeigten den 
Brüdern Hans und Walter von Hallwil Schultheiss und Rath zu Solo- 
thurn, indem sie ihnen am Donnerstag vor St. Ulrich (2. Juli 1472) 
den Besitz der beiden Berge Endenberg und Münchensperg (Mantzers- 
perg?) unter den Schlössern Wartberg, in der Herrschaft Gösgen 
gelegen, erneuern (Beil. A. 8). Ihre Udelzinse bezahlten beide Brüder 
von da an regelmässig, wie die Quittungen nachweisen. 

Schultheiss und Rath zu Bern zeigen den Ständen Schwjz 
und ünterwalden an, dass wegen der Streitigkeiten zwischen 
Peter von Hagenbach, bürg. Landvogt im Elsass einer-, und 
Hans und Walter von Hallwil anderseits, ein „früntlicher Tag" 
nach Basel aj^sgeschrieben worden sei , und bitten nun dieselben 
Stände zu Gunsten der obgenannten von Hallwil, ihre Gesandten 
auf besagten Tag zu Basel abzuordnen, dass sie dort am Dienstag 
nach Bartholomei (29. Aug.) eintreffen und mit ihrem Rath denen 
von Hallwil nach Kräften beistehen (Deutsches Missiv. Buch, 1472, 
Aug. 21., im Staatsarch. Bern C. p. 3). Wir ersehen aus dem be- 
züglichen Schreiben, dass in Folge der Besitznahme der 
östreichischen Pfandländer durch Karl von Burgund die 
beiden Hallwil'schen Edlen, Hans und Walter, für Rechte , 
die sie in den verpfändeten Ländern gehabt hatten, nicht 
ausgelöst worden waren, wesswegen sie Bern um seine 
Verwendung beim bürg. Landvogt angiengen. 

Ein Uebereinkommen eigenthümlicher Art schlössen Hans 
und Walter von Hallwil Samstags nach Maria Reinigung (6. Febr.) 
1473 mit dem Bruder ihrer Mutter, Jacob von Rüssegg. Alle 
drei machten Ansprüche auf gewisse Lehen, die vom Bischof von 
Augsburg abhiengen. Auch Lorenz Kraft von Ulm glaubte Rechte 



212 

darauf zu haben , uod es entspann sich ein Streit, zu dessen Fftti* 
rung vor Gericht die beiden Hallwil ihren Onkel, Jacob von Rä88* 
egg, bevollmächtigten. Kosten sowohl als der mögliche Gewüm 
sollten zu gleichen Tbeilen repartirt werden. AUfallige unter 
ihnen entstehende Zwistigkeiten hatten Hartmann von HaHwil^ 
Bruder des Hans und Walter, Domherr zu Basel und Wemliii 
Schryber als Schiedsrichter zu schlichten (Beil. A. 9). 

Auf Begehren des Hans von Hallwil, als Fürsprecher der 
Frauen von Schenis, geben die Meier von Reitnau Kundschaft» 
dass von einem Hofe daselbst, welcher Amishof heisst, 10 Mütt 
Kernen jährlich zu Händen des Klosters nach Zürich gefuhrt 
werden müssen (22. Juni 1473). 

Dem Hans und Walter von Hallwil waren von Thüring von 
Hallwil Lehen zugefallen, aber, wie gesagt, vom Markgrafen von Rö- 
teln, dem Lehenherm, vorenthalten worden. Nachdem die beiden 
Lehensansprecher und Bern zu ihren Gunsten schrifthch, Hans voa 
Hallwil sogar persönlich bei dem Markgrafen um die angesprochene 
Belehnung nachgesucht hatten, aber vergeblich, legt nun die Stadt 
Bern für diese ihre Bürger bei genanntem Markgrafen nochmals 
kräftige Fürsprache ein , mit Begehr, er wolle ihnen die so lange 
vorenthaltene Belehnung ertheilen (1473, Aug. 11) (Deutsch. 
Missiv. Buch im Staatsarchiv Bern C. p. 84). 

Aber nicht nur in ihren Ansprüchen an den Markgrafen von 
Röteln unterstützt Bern seine Mitbürger Hans und Walter voa 
Hallwil, sondern ebenso auch in deren Differenzen mit dem Herzog 
vonBurgund,als sie, wahrscheinlich bei Uebernahme des Elsasses, 
der Grafschaft Pfirt u. s. w. durch Karl von Burgund, in ihren 
Pfandrechten beeinträchtigt worden waren. Dies beweist auch 
folgende Regeste: Hans und Walter von Hallwil, für welche 
Bern beim Herzog von Burgund, bei Anlass seines Besuches der 
Grafschaft Pfirt, Fürsprache eingelegt hatte, werden zur Be- 
friedigung ihrer Ansprüche dem burgundischen Landvogte Peter 
von Hagenbach empfohlen. Dieser hatte sich auf dem zu Basel 
gehaltenen Tage nicht eingefunden, um Berns Gesandten, den 
Altschultheiss Nikiaus von Scharnachthal, zu des Hans von Hall- 
wil Gunsten anzuhören , wohl aber einen neuen Tag ausgeschrieben, 
wo Walter von Hallwil erscheinen sollte. Der Landvogt wird 
nun von Schultheiss und Räthen zu Bern gebeten , den diesen 
Tag besuchenden von Hallwil oder ihren Bevollmächtigten Sicher, 
heit und Geleit auf dem Hin- und Rückw^e zu geben ; mit ihnen 
wolle Bern seinen Gesandten auch hinschicken, um den Handel 



213 

za einem, den Ansprechern so viel als möglich günstigen Ab- 
schluss zu bringen (1474, Febr. 22) (Staatsarch. Bern. Deutsch. 
Miss. 'Buch C. p. 220). Dem Stande Solothurn zeigt der Stand 
Bern unterm 20. Febr. 1474 an, dass in Folge einiger Schreiben 
des Landvogts im Elsass und Herrn Hermann Waldners, die beiden 
Herrn von Hallwil berührend, diesen Letztem nicht zu rathen 
sei, den neu angesetzten Tag zu besuchen, da die bei Bern ein- 
j^egangenen Schreiben sehr weoig Zutrauen einflössen (Ibid. 
p. 222). 

Die von Seite Berns im Jahre «1474 zu Gunsten der Hallwil 
%eim burgundischen Landvogt Peter von Hagenbach versuchten 
Schritte scheinen erfolglos geblieben zu sein, denn untern^ 27. Mai 
1475 verwendete sich Bern für Hans und Walter von Hallwil 
l)ei dem Grafen Oswald von Thierstein, östreichischem Landvogt 
im Elsass. Die Hallwil hatten, als die Grafschaft Pfirt in die 
Hände der Burgunder kam, viel „Beschwerung" und Schaden er- 
litten; den Ansprüchen der Geschädigten war auf den Tagen zu 
Basel und anderswo keinerlei Rechnung getragen worden. Unter- 
dessen war der Friede zu Eonstanz zu Stande gekommen, 1474, 
April 8. , welcher dem langen Streite zwischen der Eidgenossen- 
schaft und dem Hause Oestreich ein Ende setzte. Sowohl auf 
dem Tage zu Konstanz, als auf demjenigen zu Feldkirch, 1474, 
Oct. 9., wo die Friedensunterhandlungen fortgesetzt wurden, legte 
Sem der HallwiFschen Angelegenheit halb beim Fürsten von Oest- 
reich Fürsprache ein und erhielt von diesem gnädige Antwort. 
Um Weihnacht 1474 waren zu Basel zwar, durch Ausgeschossene, 
l^eider Parteien „Meinungen aufgeschrieben ** worden, die dem 
Fürsten von Oestreich zur Genehmigung vorgelegt wurden. AUein 
ein später zu Zürich gehaltener Tag gab eine Antwort, welche 
für die Hallwil nichts weniger als günstig war, was Bern 
BStürlich sehr übel nahm. Damit nun die von Hallwil nicht weiter 
zu Schaden und schwerern Kosten gebracht werden, stellt Bern 
an den Grafen von Thierstein, zu dem dasselbe hohes Vertrauen 
kegt, die dringende Bitte, er wolle seinem ganzen Einfluss auf- 
bieten, damit dem zu Basel abgeschlossenen Vertrage nach- 
gekommen und den Ansprechern zu ihrem Rechte verholfen werde 
<Ibid. p. 468). 

Auch beim Erzherzog Sigmund, damals eben in Inspruck, 
unterstützt Bern die Ansprüche der Brüder Hans und Walter 
von Hallwil. Ersterer begab sich persönlich zum Herzog, um die 
Angelegenheit mündlich mit ihm zu besprechen. Auch diesmal» 



214 

schreibt Bern an den Fürsten, hätte es Herrn Hans einige seiner 
Bäthe zur Unterstützung beigegeben, wäre es nicht durch den 
burgund. Feldzug verhindert. Der Fürst wird an Berns gute 
Dienste erinnert, die es zu Schutz und Schirm der östreichischen 
Lande geleistet. Auf dem Blomonter Zuge habe es im Dienste 
Sr. Gnaden und in seinem eigenen — seinen ausgezeichneten Haupt- 
mann, Ritter Nikiaus von Diessbach, verloren (derselbe starb zu 
Pruntrut). Dies erwägend, möge Sigmund den Hans von Hallwil,, 
dem Bern so hoch verbunden sei, gnädiglich anhören und 
bedenken (1475, 1. September). Ibid. p. 542. 

Eine Zuschrift ähnlichen Inhalts an eben denselben Sigmund 
erlässt Bern den 22. November gleichen Jahres. Mit vielen Kosten 
und grosser Mühe habe es sich für Hans und Walter von Hallwil 
auf den Tagen zu Feldkirch, Konstanz, Basel u. s. w. verwendet, 
damit Mittel und Wege gefunden würden, welche denen von Hallwil 
zu „Abtrag** und Bern zu „Entladnüfs** dienen möchten. Die 
beiden Brüder werden dem Fürsten aufs Neue empfohlen , damit 
sie durch ihn zu ihrem Rechte gelangen und ihnen für den er- 
littenen Schaden und Verlust entweder mit „geburlichem Insatz. 
der Underpfand'' oder mit „notdurfter Sicherheit** Ersatz oder 
Abtrag geschehe. Ibid. p. 634. 

Noch in das Jahr 1476 hinein schleppt sich die leidige Ent- 
schädigungsfrage. Sie scheint schliesslich eine allmäUche Wendung^ 
zu Gunsten der Hallwil genommen zu haben , was diese ausser ihrem 
guten Rechte wohl vor Allem der unermüdUchen Fürsprache 
Berns zu danken hatten. Laut pag. 860 des deutschen Missiven- 
buches C im Berner Staatsarchiv (sämmtliche einschlägige Regesten 
verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn Staatsschreibers v.Stürler 
daselbst) war Ritter Hans von Hallwil vor dem Herzog Sigmund 
erschienen und hatte dieser, nach Anhörung seines Vortrages , be- 
zügUch der Hallwirschen Forderung zu Gunsten der beiden Brüder^ 
an seinen Landvogt im Elsass, den Grafen von Thierstein , seine 
Befehle und Ermächtigung ertheilt, was schon vor Ostern 147& 
geschehen war. Bern wendet sich in Folge davon unterm 23. April 
des Jahres an den genannten Laudvogt mit der Bitte, es mit den 
zum Besten der ganzen Angelegenheit einzuschlagenden Mitteln 
und Wegen bekannt machen und die Petenten fernerhin mit seiner 
Gunst bedenken zu wollen. — Doch, kehren wir zu Rudolf dem 
Jüngern von Hallwil zurück. 

Obgleich Rudolf der Jüngere damals noch lebte, so siegelten 
doch an seiner Stelle seine Vettern (so Walter am 8. März 1473). 



215 

Rudolf der Jüngere starb im Jahre 1473, was sich aus dem 
schiedsgerichtlichen Urtheil vom 1. September dieses Jahres er- 
giebt (Beilage A. 10). Rudolfs Verlassenschaft sollte nämlich laut 
Testament an seine Vettern fallen. Hans nahm dieselbe zu Händen 
und legte seinen BrUdem Rechnung ab. Aber auch Konrad, 
Rudolfs des Jüngern Bruder, hatte einige Ansprüche darauf ge- 
macht, und die beiden Schiedsrichter, Hans von Baldegg und 
Werner von Bärenfels, geben den Entscheid, dass Hans und 
Walter Rudolfs Erben sefn, aber an Konrad 200 Gulden ab- 
geben sollen. Für diesen Betrag sollte Konrad als Leibgeding 
erhalten erstens den Quart des Zehntens zu überwiler im Dels- 
bergerthale, und seine Frau die Hälfte desselben. Die Einkünfte 
des Erbmarschallthums überliess Konrad seineu Vettern, und 
diese geben ihm dafür bis zu seinem Tode die Lehen im Dels- 
bergerthale, welche jährüch 6 Gulden trugen. 

Bald nach seinem Bruder Rudolf starb auch Konrad, 
und Hans von Hallwil ist um die Mitte des Jahres 1475 
der Aelteste des Stammes, hat also auch die Marschalls- 
würde inne. 

Aus der Rechnung, welche Hans von Hallwil seinen Brüdern 
über die Verlassenschaft Rudolfs ablegte, ersieht man, dass ihm 
für seinen dritten Theil (Hartmann erbte als Geistlicher nicht) 
75 Stück zufielen, während Dietrichs Drittel nur in 40 Stück 
bestand. Der Grund dieser Ungleichheit ist nicht zu ermitteln. 
Der Rodel belehrt uns zugleich, dass damals 2 Mark Silber 
14 Gulden, oder 6 Mark und 4 Loth 44 Gulden 17 Schillinge galten. 

In den Jahren 1473, 1478 und 1481 findet von Mülinen den 
Hans von Hallwil als Gesellschaftsmitglied der Zunft zum Distel- 
zwang zu Bern (Genealogie p. 34). 

Einen wirksamen Schutz in der Behauptung ihrer Privat- 
rechte erlangten die Brüder Hans und Walter von Hallwil 1474 
durch Schultheiss und Räthe zu Bern. Hier nur ein Beispiel! 
Ihre Wälder waren nämlich auf unbefugte Weise durch die Schweine 
der benachbarten Gemeinden beweidet worden. Ein Erlass des 
Rathes zu Bern (10. März) bestimmte, wer zu der angeführten 
Beweidung Recht habe und dass von derselben die Betreffenden 
nur für ihren Hausbedarf Gebrauch machen dürften, während 
für weitere Benutzung der Holzhaber, d. h. sowohl der Lehensherr 
als der Waldberechtigte, bezahlt werden müsste (Beil. A, 11). 

Bald nach Hagenbachs Hinrichtung (Mai 1474) hatten die 
Burgunder einen Einfall in den Sundgau gemacht. Da baten die 



216 

Städte der niedern Vereinigung die Beraer um 300 Mann zur 
Verstärkung der Besatziuig von Mömpelgard. Dem Anführer 
der Bemer, Heinrich Master, wurde als erfahrener Kriegsmann 
Hans von Hallwil beigeordnet (von Rodt I, 240). Der Zuzug 
erhielt Gegenbefehl. Mümpelgard wurde den 30. September 1474 
in die niedere Vereinigung aufgenommen. Den 27. August 1474 
geschah das Angebot Kaiser Friedrichs lU. wider Herzog Karl 
von Burgund (Lichn. VH, 1792). Ende October des gleichen 
Jahres zogen die Eidgenossen, früher getroffener Abrede gemäss, 
nach der Franche-Comt6. Vor H^ricourt trafen sie zusammen. 
Unter den fünf edeln Lehenträgern aus dem Aargau, die als 
Reisige dem Hauptmann Nikiaus von Schamachthal folgten, lesen 
wir im Auszugrodel den Namen des Walter von Hallwil, des 
Bruders von Hans (von Rodt I, 306. Anm. 11). Er selbst scheint 
an der Schlacht bei H^ricourt (13. Nov. 1474) nicht theil- 
genommen zu haben, obschon er um jene Zeit durch Erzherzog 
Sigmund, welchem um 1463 durch Albrecht VI. die Regierung 
über die vordem Lande übertragen worden war, die Hauptmanns- 
würde erlangt hatte und zwar, wie es (Eidg. Absch. II, 484. 
litt, h) ausdrücklich heisst: „mit unserm, d. h. der Eidg. Gesandten, 
Rath und Willen.^ Die Eidgenossen kehrten gegen Ende des 
Jahres siegreich in die Heimat zurück (Diebold Schilling, Chronik 
137 ff.). 

Wir treten in das Jahr 1475. Den 17. Januar dieses Jahres 
erklärte Kaiser Friedrich III. an Karl von Burgund den Krieg 
(Lichn. VII, 1825). Während die Bemer und Freiburger gleich 
in den ersten Tagen des Januar einen Eroberungszug nach 
der Burg Illingen, und die Berner und Solothurner im 
März Streifzüge nach der Franche-Comte machten, trat 
Hans von Hallwil, damals wohl schon ein Vierziger, mit 
Magdalena von Rotenstein in den Bund der Ehe. Diese 
Rotenstein soll in erster Ehe Ritter Albrecht von Schönau, ge- 
nannt Hürufs, zum Gatten gehabt haben. In zweiter Ehe war 
sie seit Januar 1458 mit dem ehemaligen Schultheissen Ludwig 
Zehnder von Aarau verheu-athet. Nach dem Tode des Schult- 
heissen, der in die Mitte des Jahres 1474 fiel, gelangte dessen 
beträchtliches Vermögen in den Besitz seiner Gattin. 

In dem Heirathsbrief (Beilage A. 12), ausgefertigt am letzten 
Januar des Jahres 1475, gibt Magdalena mit Beistand ihrer Brüder, 
Jörg von Rotenstein, Conventherr zu Kempten, und Ulrich von 
Rotenstein, an Hans von Hallwil „zu freiem Kram" 1200 Gulden 



217 

zum Eigienthum. Welches von beiden das andere überlebt, hat 
von des Verstorbenen Gut 2000 Gulden zu geniessen und bekommt 
den halben Hausrath. Mit ihrem übrigen Gut will Magdalena 
mich Gefallen schalten. Würde die Ehe mit Knaben gesegnet, so 
sollen diese Alles haben; wenn mit Töchtern, so haben diese 
2000 Gulden an die nächsten Erben in Thann abzugeben. Sollten 
die etwaigen Kinder vor dem Vater absterben, so bekommt dieser 
2000 Gulden zum Eigenthum. Der Rest fällt an die Erben Mag- 
dalenen's. Als Zeugen bei der Abfassung dieses Ehesteuerbriefs 
sind genannt von Hansen's Seite : Hartmann von Hallwil, Domherr 
zu Basel, Walter von Hallwil, Nikiaus von Diessbach, Herr von 
Signow, und sein Sohn Wilhelm, Hansen's Schwager, beide Ritter, 
Thüring Fricker, DoctoF der Rechte, Stadtschreiber zu Bern, 
Ulrich Gentzenbach, Mitglied des St. Johannordeos zu Seengen, 
Heinrich Benolld, Kirchherr zu Endtfeld, Käm^lerer des Capitels 
zu Arow, Hans von der Grub und Andere ; auf Magdalenen's Seite 
— beide obgenannten Brüder in ihrem und ihrer Brüder Heinrich 
und Andres Namen, Meister Hans Gundoldinger, Leutpriester zu 
Arow, Erhart Meier, Schultheiss daselbst, Konrad Bugli, genannt 
Arnold, Schultheiss zu Bmgg, und Andere. 

Es siegeln die drei Hallwil, zwei Diessbach, zwei Rotenstein 
und der SdiuUheiss zu Aarau. Dietrich von Hallwil, der jüngste 
der vier Brüder, scheint damals landesabwesend oder noch un- 
mündig gewesen zu sein; 1468 war er laut Beilage A. 31 bei 
Anlass der Erneuerung des HallwiPschen Stammbriefs noch un- 
mündig. Urkundlich begegnen wir ihm in dieser Zeit niemals, und 
handehud kommt er erst im Jahre 1478 vor. Aus einer Mit- 
theUung bei Anshelm, die aber spätem Datums ist, sowie aus 
Briefen an Hans von Hallwü vom Jahr 1480, ergiebt sich, dass 
auch er um das Jahr 1480 seine Dienste der Krone von Frank- 
reich angeboten hatte. 

Welch' einen Kreis namhafter Persönlichkeiten sehen wir bei 
dieser Verlobungsfeier zu Aarau beisammen ! Da haben wir Ordens- 
^eisüiche und Leutpriester, Junker und Ritter vor uns; neben 
schlichten Männern den gelehrten Fricker; neben den Schultheissen 
der kleinen Städte den mächtigen Schultheiss von Bern, den 
reichen und populären Ritter Nikiaus von Diessbach, das Haupt 
der damaligen französischen Partei in der Schweiz. — Ueber Diess- 
bach's staatsmännische Bedeutsamkeit ist zu vergleichen: Foster 
Kirk, history of Charles the bold, Bd. IH, p. 207, und Gingins 
la Sarra in seinen Episodes des guerres de Bourgogne. 



218 

Hans von Hallwil, um auf ihn zurückzukommen, besass nicht 
den Reichthum seines Vaters und namentlich nicht den seines 
Grossvaters, den wir den Krösus unter den Hallwil genannt haben» 
Sein väterliches Erbe war bei der Zahl von 7 Kindern, die der 
Vater hinterlassen hatte, nicht so bedeutend geworden, als dass^ 
ihn die Verwaltung desselben ganz in Anspruch genommen hätte. 
Vielmehr hatte er sich offenbar in den Schranken des ihm an- 
gewiesenen Besitzthums zu beengt gefühlt, und dies war neben dem 
natürlichen Hang nach Abenteuern, der die jungen Edelleute jener 
Zeit charakterisirt (vergl. Chronik und Selbstbiographie des Ludwig 
von Diessbach im VIII. Bd. des Schweiz. Geschichtforsch., und biogr. 
Notitzen über Albrecht von Stein im V. Bd. ebend.), der Grund, 
warum er das Stillleben am Hallwilersee mit dem geräuschvollen an 
den Höfen und in fremden Kriegsheeren Vjertauschte. Dort lernte er 
feinere Sitte und Lebensart kennen, dort konnte er sich in den 
Ritterkünsten üben, dort erwarb er sich diejenige miUtärische 
Tüchtigkeit, welche ihm später unter seinen kriegsgeübten Lands- 
leuten eine so glänzende Stellung einräumen sollte. Doch, auch 
des Treibens im Auslande mochte er müde geworden sein und so 
gründete er sich jetzt als gereifter Mann einen eigenen Herd. 

Durch seine Verbindung mit Magdalena von Roten- 
stein war er ein begüterter Mann geworden. Doch sollte 
er nicht allzu lange im unbestrittenen Besitze des Neuerworbenen 
bleiben. Auf die Verlassenschaft des Ludwig Zehender machte im 
Namen von seinem unmündigen Vetter, Hans Trüllerey, dessen 
Vormund Ulrich Trüllerey, Bürgermeister zu SchafiFhausen, An- 
spruch. Ein aus Nikiaus und Wilhelm von Diessbach gebildetes 
Schiedsgericht liess beide Theile, Magdalena und Ubich, schwören, 
dass sie sich dem schiedsrichterlichen Ausspruche unterwerfen 
wollen. Magdalena bezahlte an Hans Trüllerey 60 Gulden und 
bUeb dagegen im Besitze des übrigen Gutes unangefochten (17. Mai 
1475. Siehe Beil. A. 13). 

Ein Legat von 400 Gulden, das Ludwig Zehender an Agnes 
von Hünenberg und deren Gemahl, Hartmann Keller von Schleit- 
hdm, Bürger zu Schaffhausen, gemacht und zu dessen Realisirung 
Zehender noch bei Lebzeiten 100 Gulden bezahlt hatte, wird von 
den Erben, Hans von Hallwil und seiner Gattin, in jährlichen 
Raten von 50 Gulden ausgerichtet. 

Als Aeltester derer von Hallwil vergabt Junker Hans (21. Juni 
1475) dem Hans Kogen die Kaplanei der Kapelle im Sdiloss zu 
HallwU (Beü. A. 14). 




219 

Kehren wir nun wieder zum Burgunderkrieg zurück! 

Auf die wiederholten Mahnungen des Kaisers hatte am Ende 
des Monats März 1475 eineSchaar von 1300 Bernern, Luzernern 
undSolothurnern den sogenann^n Pontarlierzug nach Hochburgund 
unternommen und Stadt und Schloss Pontarlier eingenommen. 
Zur Unterstützung der bedrängten Landsleute wurden am 10. April 
von dem Rath nnd den Zweihundert zu Bern 2500 Mann auf- 
geboten. Den Oberbefehl über den Auszug erhielt der Ritter 
Nikiaus von Diessbach. Unter den aargauischen Edeln des Berner 
Panners befand sich auch Hans von Hallwil. Auf seinen Rath 
schützten sich die Eidgenossen auf ihrem Rückzuge von La Riviere 
nach Pontarlier, wo sie sich plötzlich von 8000 burgund. Reitern 
umringt sahen, durch das Mittel einer aus Gepäckwagen her- 
gestellten Wagenburg (Schilhng, Beschreibung der Burg. Kriege, 
p. 179 ff. — von Rodt I, 352 ff.). Diese künstlichen Wagenburgen 
waren nach Kortüm (Gesch. des Mittelalters II, 215) in den 
Hussitenkriegen gebräuchlich gewesen, und es ist wohl möghch, 
dass sie Hans von Hallwil bei Gelegenheit seines Aufenthaltes in 
Böhmen kennen gelernt hatte. Uebrigens bedienten sich derselben 
auch die Burgunder in der Schlacht bei Höricourt. 

Den 25. April 1415 erstattet Bern der Stadt Strassburg» 
ihrer treuen Freundin, einen ausführlichen Bericht über den Feld- 
zug der bemer. Truppen gegen Burgund nach Pontarlier, an 
welchem Feldzug sich unter Nikiaus von Diessbach's Anführung 
auch Hans von Hallwil betheihgte. Ebenso berichtet es über 
Kampf und Sieg bei La Rivifere, woselbst die Berner zu ihrem 
Schutze unter Ableitung ihres Hauptmanns, namentlich aber 
des Hans von Hallwil, eine „herrliche Wagenburg" schlugen 
(Staatsarch. Bern. Deutsch. Missivenbuch C. p. 447). 

Die Ausgänge der wichtigsten Pässe Hochburgunds nach der 
Waadt befanden sich in Händen von Adeligen, die, wenn auch 
unter savoyischem Lehensverband stehend, dem Herzog von Bur- 
gund ganz ergeben waren. Dazu gehörten Ludwig und Hugo von 
Chalon-Chateau-Guyon. Ob Hans von Hallwil an den Eroberungs- 
und Raubzügen ebenfalls theilgenommen , welche die Berner, 
Luzemer, Solothurner und Freiburger Ende April 1475 von Neuen- 
burg aus nach Granson, Eigenthum des Ludwig von Chateau- 
Guyon, nach Orbe, Hugo von Chateau-Guyon gehörig, und der 
Veste Joigne unternommen hatten, — ob er bei dem neuen Einfall 
in die Franche-Comte gewesen, der um die Mitte des Jahres statt- 
gefunden, oder ob er endlich mit unter denen gewesen war, die^ 



220 

nachdem Bern unterm 14. October desselben Jahres dem Grafen 
Karl Jakob von Savoyen-Romont , Marschall von Burgund, den 
Krieg erklärt hatte, jenen Raubzug in's Waadtland mitmachten, 
bei welchem in weniger als 3 Wochen 16 Städte und 43 Sdilösser 
erobert wurden — darüber habe ich keinerlei bestimmte Angaben 
auffinden können. Mir scheint die Betheiligung des Hans von 
Hallwil an dem Feldzuge gegen die Herrschaften burgundischer 
Grossen diesseits des Jura, so gegen Granson und Orbe, so 
ziemlich ausser Frage, da nach von Rodt's ausdrücklicher Angabe 
beide Heerhaufen, welche seiner Zeit den Pontarlierzug mitgemacht 
hatten, von Neuenburg aus nach den genannten Städten auf- 
brachen, und da der Luzerner Hauptmann und Schultheiss, Heinrich 
Hassfurter, in seiner Antwort auf die Begrüssungsrede des ehr- 
würdigen Nikiaus von Schamachthal, womit dieser die treuen 
Bundesgenossen von Luzem, bei ihrer Rückkehr nach der Heimat, 
draussen bei dem Dorfe Bümpliz empfieng, in ehrender Weise 
ganz besonders auch der trefflichen Anführung gedachte, 
welcher sich das Heer unter Hauptleuten, wie Niclaus von Scharnach- 
thal und Hans von Hallwil, zu erfreuen gehabt hatte (v. Rodt I, 
359 u. 374. Nüscheler II, 476. Anmerkung über Hans von Hallwil). 

Am 27. November 1475 feierte Karl von Burgund seinen Ein- 
zug in Nancy, der Hauptstadt Lothringens. In den ersten Tagen 
des Januar 1476 hielt er daselbst Heerschau. Am 13. gleichen 
Monats geschah der Yerrath zu Yverdon und Granson. Den 
10. Februar befand sich sein Heer von wenigstens 50,000 Mann 
in Orbe. Nachdem der Schultheiss Nikiaus von Scharnachthal den 
16. Febr. an der Spitze von 7000 Bemern mit 500 Freiburgern, 
800 Solothurnern und 200 Bielern in Murten zusammengestossea 
war, ward inzwischen Granson von den Burgundern belagert. 
Den 2d. Februar übergab sich die Besatzung der Burg dem Feinde, 
und dieser statuirte bei dem Anlasse ein Exempel entehrender 
Wortbrüchigkeit und Grausamkeit. 

In Neuenburg sammelte sich das Heer der Eidgenossen sammt 
ihren Bundesgenossen in der Zahl von 16,524 Mann nach dem 
Yerzeichniss, ohne die Zuzüge vom niedern Bunde, und von 18,117 
Mann mit diesen (v. Rodt II, 59). 

In der Schlacht bei Granson, die am 2. März 1476 statt- 
hatte, ward die Stime des Hans von Hallwil zum ersten Mal mit 
dem unverwelklichen Lorbeer des Helden umkränzt. Hans von 
Hallwil war nämlich dem Schultheiss und Ritter Nikiaus von 
Scharnachthal, der den Oberbefehl über die Berner erhalten hatte, 



221 

mit einhelligem Mehr als dessen Mithauptmann beigeordnet 
worden und zwar, wie Schilling (p. 272) sagt, „ob seiner Mann- 
heit und Fromkeit wegen." Derselbe nennt ihn weiter „einen 
frommen und thüren Ritter, der vorhin in mengem Feld- 
stritt in Ungern, Behem und an andern Enden gewesen 
was und sich gar wol und ehrlichen gehalten hat, als man 
dann allenthalben von ihm redt.'' 

In der Morgenfrühe des 2. März verliess Karl,, nachdem er 
vorher seine Armee in die bekannten 3 Treffen getheilt hatte, seine 
feste Position in Granson und rückte ostwärts vor, bis seine Vorhut 
in der Nähe des Engpasses von Yauxmarcu , zwischen dem Dorfe 
Concise und der Karthause La lance, ankam. Hier stiessen die 
Schwyzer und Bemer (nach Etterlin's Chronik auch die Solo- 
thurner) unter Scharnachthal und Hallwil, nachdem sie auf 
engen, beschneiten Wegen den übrigen Eidgenossen vorangeeilt 
waren, auf die Burgunder. Ihnen hatten sich auch die unter dem 
Feldhauptmann Ulrich Farnbüeler und dem Fähndiich Ulrich 
Hafner stehenden Hülfstruppen der Stadt St. Gallen angeschlossen. 
Zu einem, mehrere Glieder tiefen Viereck aufgestellt, warteten 
diese 8000 Mann nicht erst auf den Gewalthaufen, sondern fassten 
in entschlossener Haltung dem Feinde gegenüber Posto. Der un- 
gleiche Kampf begann Vormittags 10 Uhr mit Geschützfeuer. 
Um das Viere.ck zu durchbrechen, formirte Karl aus der Reiterei 
des rechten Flügels einen Keil aus lauter Kürassieren. Er selbst 
soll mit eingelegter Lanze voran gestanden haben, und „grüselich** 
war sein Einrennen. Doch in gar wohl gemachter „Schickung'' 
standen die Eidgenossen und wehrten den Anprall mit vor- 
gehaltenen Spiessen ab. Auf der Bergseite wollte sie Chateau- 
Guyon umgehen, und mit fürchterlichem Ungestüm sprengte er 
an der Spitze seiner Reiter heran, um das Panner von Schwyz 
an sich zu reissen. Aber die langen Spiesse schützten die Panner 
und „gar männlichen^, sagt in seiner Chronik p. 288 Schilling, 
der hier mitgefochten, „stiess man ihnen dieselben in die Nasen, 
damit sy sich bald widerkarten und von dannen rannten.'' 

Gross war für die schweizerische Vorhut hier bei La lauce 
die Gefahr, durch die Uebermacht des Feindes aufgerieben zu 
werden. Eine von Karl angeordnete, rück^ngige Bewegung des 
Geschützes samnit dem dasselbe deckenden Fussvolke sollte die 
Eidgenossen zum Vorrücken in die Ebene verlocken, aber diese 
rückgängige Bewegung wurde von seinen 2 hintern Treffen als 
Flucht missdeutet. Unter der Losung: Salvarsi chi potevaj er- 



222 

griffen die zahlreichen italienischen Söldlinge die Flucht (Pani- 
charola, mailänd. Botschafter in seinem Tagebuch vom 4. März). 
Karl sprengte zur Vorhut hin und beabsichtigte, die Flucht des 
übrigen Heeres zu decken, von dem er hoffte, dass es sich im 
Lager zu Granson wieder sammeln werde. Aber, neue Bestürzung ! 
Nachmittags gegen 3 Uhr rückte die eidg. Hauptmacht an. Drei- 
mal warf sich Karl dem ungeordnet daherstürmenden Schlacht- 
haufen im Sturmschritt entgegen. So schreiben Schultheiss und 
Rath von Bern, Montag nach Invoc. 1476, an Constanz und Ravens- 
burg: „Der Herzog hat den Angriff uff die unsren in eygner 
Person mit grosser Ordnung gar tapferlich gethan", und Pani- 
charola, der italienische Botschafter, welcher in Karl's Heer zu- 
gegen gewesen war, sagt in seiner mailänd. Botschaft, Tom. i, 
p. 317, von diesem: „Certo monstro quel di grande virtu, animo 
€t constantia." Aber weder sein aggressives Vorgehen hier, noch 
seine muthvollie Defensive hinten am Arnon zum Schutze des nahen 
Lagers halfen — die bestorganisirte Armee jener Zeit hatte das 
Fussvolk der Schweizer geschlagen, „etlesgensduduc", sagt 
die Chronik der Neuenburger Chorherren, „commencerent ä 
fuir comme les liävres devant les chiens" (von Rodt H, 
73 ff. Auszüge aus den Miss. buch, der Stadt Bern im Schweiz. 
Gesch. forsch. Bd. VI, 306 ff.). 

Noch am Abend des Schlachttages empfieng durdi den ältesten 
anwesenden Ritter, Nikiaus von Schamachthal, eine ansehnliche 
Anzahl tapferer Eidgenossen den Ritterschlag, darunter einer 
der ersten — der Mithauptmann Hans von Hallwil (vergl. 
auch die Schilderung der Schlacht zu granssen in der Chronik 
des Gerold v. Edlibach p. 150 im G^schichtsfreund der V Orte, 
Bd. Xni ; sodann die Beschreibung der Burg. Kriege von Albert von 
Bonstetten im Archiv für Schweiz. Gesch. Bd. XHI, dann Chro- 
nique des chan. de Neuchätel im Schweiz. Geschichtsforsch. VIH, 
sowie endlich die Beiträge zur Geschichte der Burg. Kriege von 
J. J. Amiet). 

Hauptleute und Venner bemerken in einem Schreiben an 
Schultheiss und Rath zu Luzem vom 6. März 1476, dem man 
die unbeschreibliche Freude über den ehrenvollen Sieg ordentlich 
abfühlt, mit heiterer Anspielung auf das reiche Lager, das in ihre 
Hände gefallen war: „Gnedigen Herren, hetten wir nit brunnen, 
so muesten wir wasser getrunken han, aber nit jm leger, dann 
wir jm leger wins gnuog hantt" (Gei'old von Edlibach). Von dem 
Lager zu Granson sagt Ulrich Meltinger bei Knebel, 2. Abth. 



223 

p. 15: Da waren „so kostlichen ding, dafT ich es nicht gethar 
schreiben/ Und ein Brief der Luzemer Hauptleute sagt bezüglich 
dessen, was nach der Schlacht geschehen: „Sind da bis an den 
vierden tag gelegen, mit ritterlicher Übung die ding zu famen ze 
bringen." 

Benedicht Rechberger, „der Glaser von Biel und der Stadt 
Kirchmeier und Herrenschreiber'', Verfasser einer im Archiv Biel 
befindlichen handschriftlichen Chronik seiner Vaterstadt, begonnen 
1533, bemerkt über die Karl dem Kühnen zu Granson abgenom- 
mene Beute: „Sins gutz ist ouch har gonBielln komen: silberey 
^vnd übergülty Schalen, die noch hütz tages v£f dem rathus sind 
„mitt ettlichen zwölff hotten, ouch hüpschi guldeny vnd sydeni 
«gwänder zu kilchen bräng gebruchtt, widerumb verkouffett (!) 
^worden, ouch die vanen, so jn der kilchen hangen, sind siny 
«gsin, on andery kleinotten.*' 

Nicht lang sollte der zur Ritterwürde erhobene Hans von 
Hallwil sowie seine Kampfgenossen bei den Seinigen verweilen 
dürfen. Bald begann der Schlachtentanz aufs Neue. 

In diese Zeit zwischen die Schlacht von Granson und die- 
jenige von Murten fällt nach Segesser a. a. 0. das direkte Ein- 
greifen des Königs Matthias Corvinus von Ungarn in die An- 
gelegenheiten dieses Krieges. Schon um 1473 hatte Corvinus 
{^egen den Kaiser einen Stützpunkt im Westen gesucht, und den 
7. Mai 1476 mahnt er durch seinen Gesandten, Georg von Stein, 
den Herzog Karl von Burgund von der Fortsetzung des Krieges 
^egen die Schweizer ab. Umsonst! 

* Am 9. Juni gleichen Jahres erschien Herzog Karl von Bur- 
;gund mit einem neuen Heere vor Murten, nachdem er im März 
frische Rüstungen veranstaltet hatte. Uebergehen wir die helden- 
müthige Vertheidigung dieses durch eine Besatzung von nur 1600 
Bemem und Freiburgern unter Adrian von Bubenberg geschützten 
Städtchens, gegen welches die 60,000 Burgunder in der Zeit vom 
9. bis 22. Juni nichts vermochten. Und doch gedachte Karl hier 
vor Murten den erblassenden Schimmer seines grossen Namens 
zu neuem Glänze zu führen. 

Zehn Tage vor der Schlacht liess Karl der Kühne auf 
Anrathen seiner Hauptleute durch einen vorgeschobenen Heer- 
haufen von 6 — 8000 Mann Reiterei und Fussvolk den Ueber- 
gang über die Saane bei Gümmenen und den über die Sense bei 
Laupen angreifen, eines theils um sich dadurch gegen einen Angriff 
Ton Bern her besser zu sichern, andemtheils um nach Eroberung 



224 

Murtens nach jener Stadt hin offenen Weg zu haben. Den Haupt- 
angriff der Burgunder gegen Laupen sollen die Berner nach 
J. V. Müller unter Anführung des Hans von Hallwil zurück- 
geschlagen haben (Mich. Stettier p. 255, Schilling 330, von Rodt H, 
226 nennen keinen Anführer). Derselbe Hallwil soll nach einer 
andern nicht besser verbürgten Angabe dem Anführer der Bieler, 
Simon von Römerstall, der mit 244 Mann, worunter neun Raths- 
glieder, auf dem Sammelplatz zu Gümmenen eintraf, auf dessen 
Frage, wo er mit seinen Leuten Aufstellung zu nehmen habe> 
geantwortet haben : „Neben Bern ; Bern und Biel sind immer- 
dar eins!'' Interessant ist hier die Bemerkung, welche Gerold 
von EdUbach in seiner Chronik (Mittheil, der Zürch. antiquar. 
Gesellsch. IV. Bd. p. 156) über die Ankunft der Zürcher bei Güm- 
menen macht: „Vnd kament also am letzsten zu der Bnig, die 
da gatt über dz waffer, fanna genant, bi gimynen, da befamlot der 
hoptman aber sin volck vnd hub man meff vnd nach dem fieng er 
an mit dem folck zu reden allerley, wie man sich haltra Iblt vnd 
gab da ye einner dem andren fant johans fegen zu trin- 
cken.'' — Bezüglich dieses Ausdrucks: „Johannes-Segen** ist zu 
bemerken, dass am Tag des Evangelisten Johannes (27. Dec.) 
in den katholischen Kirchen Wein gesegnet und zum Trinken 
dargeboten wird mit den Worten: Bibe amorem sancti Johannis 
in nomine Patris, filii et Spiritus sancti. Amen. 

Hier nur ein paar Andeutungen über die Truppenaufstellung 
der Burgunder! Längs dem See, gegen Merlach und Greng hin, 
lagerte Anton, der grosse Bastard von Burgund; Herzog Karl 
mit seinem adeligen Gefolge, dem Prinzen von Tarent, dem 
Herzog von Sommerset u. A., den Kemtruppen und der Reiterei, 
hielt den Hügel ob Gurwolf (Courgevaux) inne, wo auch sein 
prächtiges Zelt aufgestellt war. Den amphitheatralisch sich er- 
hebenden Halbkreis fortsetzend, reihten sich Philipp von Cr^ve- 
coeur und der Prinz von Oranien über Villars und Burg an, wäh- 
rend der Graf von Romont mit 12,000 Mann sich im Nordosten 
der Stadt Murten aufstellte. Die Hauptverschanzung erhob sich 
eine halbe Stunde vor dem Lager gegenüber dem Dorfe Cressier 
oder Grissach und dem Orte, wo man später die Capelle St. Urban 
erbaute. Sie war aus einem Wall gebildet, der mit Feldartillerie 
versehen und mit Graben und Pfahlwerk umgeben war. 

23,000 Mann stark standen die Eidgenossen am Vormittag^ 
des 22. Juni 1476 auf der Hochebene von Grissach, nachdem am 
Morgen in der Frühe eine Anzahl schweizerischer Anführer unter 



T^" 



225 

starker Bedeckung eine Rekognosdrung der Gegend und der feind- 
lichen Stellung vorgenommen hatte. Nach Etterlin (Chronik 208 ff.) 
und Knebel (Chronik II, 65) war Wilhelm Herter, Ritter, von 
Strassburg Oberbefehlshaber der Verbündeten, nach Andern waren 
es Andere. Ich sehe keinen Grund ein, einem glaubwürdigen 
Augenzeugen, wie Etterlin, nicht folgen 2u wollen, trotz Johann 
V. Müller. Dem sei übrigens, wie ihm wolle, gewiss ist, dass die 
Leitung der Schlacht und damit auch das Schicksal des Tages 
auf den Anführern der drei taktischen Abtheilungen oder Heer- 
haufen lag. Den Oberbefehl über die aus wenigstens 5000 
Mann Fussvolk aller Waffen und circa 1100 Reitern be- 
stehenden Vorhut — dieselbe war diesmal aussergewöhnlich 
stark — erhielt Ritter Hans von Hallwil. Wurstisen nennt 
ihn irrtiiümlicber Weise Nikiaus von Hallwil; Gilg Tschudi 
(Helvetia I, 132) sagt vcm Hans: „Ein thürer Ritter und Burger 
ze Bern.** Hallwil war einer von den 12 Edeln, die zum Panner 
Ton Bern aufgeboten waren. Seine Adjutanten waren die erfahrenen 
Krieger von Freiburg, Rudolf von Wippingen (Wuipens) und Hans 
Tögdi, welch^ Letzterer sich schon auf dem Eroberungszug der 
Bemer, Luzemer, Solothumer ujad Freiburger (Ende April 1475) 
bei Oranson ausgezeichnet hatte. Das Fussvolk bei der Vorhut 
befehligte nach Fassbind (Gresch. des Kantons Schwyz H, 93 und 
Knebel H, 65) Landammann Eätzi von Schwyz. Der Vorhut 
waren zugetheilt worden die Banner von Entlebuch und Thun, 
die durch Hans Waldmann trefflich geübten, zu Freiburg in „Zusatz'' 
gelegenen Eidgenossen, das Kernvolk der Waldstätte, die Reiterei 
unter Herzog Renatas auf der einen und dem Grafen Oswald 
von Thierstein auf der andern Flanke des Zuges sammt einer 
Anzahl Büchsen- und Armbrustschützen zu beiden Seiten des- 
selben — Alles auserlesene Streiter voll Kampflust und Thaten- 
durst. 

Anführer des Gewalthaufens war Hans Waldmann, während 
die Nachhut dem Ehrfurcht gebietenden Greis Kaspam von Herten- 
stein von Luzem anvertraut war. Wilhelm Herter, der oberste 
Hauptmann, kommandirte neben dem Befehlshaber des Mittel- 
treffens, Hans Waldmann. 

Nachdem Graf Oswald von Thierstein Vormittags im Holze 
mehr als 80 Tapfem den Ritterschlag ertheilt hatte, erreichte 
g^en Mittag die Vorhut unter Hallwil den Saum des Waldes, 
welcher der feindlichen Verschanzung bei Cressier gegenüberlag. 
Hier geschah, wie de Gingins sagt, „cette action h^ro'ique de Jean 

ArgOYU VU 15 



226 

de Hallwil, qui dteida du sort de la journte de Morat, k la- 
quelle son nom demeure imp^rissablement attachö. Derselbe Qe- 
währsmaun fügt über die Stellung der Eidgenossen bei: „Les 
Suisses s'ätaient arrfit^s derrifere un taillis ou une haie vive, 
bordte d'un fossä large et profond, qui les prot^eait contre les 
charges de la gendarmerie ennemie, mais les empöchait de s'avancer 
contre les retranchements gamis de canons** (de Gingins a. a. O. 
p. 317). Man hüte sich also wohl, die retranchements der Bur- 
gunder mit dieser Hecke, welche die Fronte der eidg. Armee 
schützte, zu verwechseln! 

Nachdem sich HallwU's Fussvolk zum Gebet auf die Kniee 
geworfen hatte, feuerte er selbst alle Krieger mit ein paar 
Kernworten zum Muth und zum Vertrauen auf Gott an (eine 
formliche Rede, wie sie Stettier in seiner Chronik 258 in Ueber- 
einstimmung mit Bullinger 12. Buch 16. cap. 170 anfuhrt, wird 
er wohl kaum gehalten haben, wenn auch Karl von Burgund der- 
gleichen Ansprachen hielt). Hatte sich während dieser Ansprache 
Hallwil's an seine Soldaten der bisher umwölkte Hinunel wirklich 
aufgeheitert, warum sollte Hallwil nicht mit derselben Geistes- 
gegenwart, mit der er bald hecnach die Blosse des Feindes ent- 
deckte, auch diese glückliche Wahrnehmung benutzt haben? Rasch 
und kühn unternahm er jetzt einen Angriff auf die halb natür- 
lichen, halb künstlichen Verschanzungen, hinter welchen sich ein 
Theil der burgundischen Armee unter dem Schutze vortrefflichen 
Geschützes aufgestellt hatte. Seine Leute sollten diese Geschütze 
unterlaufen. Aber einmal an den Pallisaden, erschien es gleich 
schwierig, die Spitzpfähle niederzureissen oder sie zu überschreiten, 
ein Augenblick peinlicher Rathlosigkeit. Der Angriff in geradvr 
Richtung blieb erfolglos ; die Burgunder widerstanden aufs Aeus- 
«erste. „Etliche Reysige vnd Ritter wurdent mitten entzwey ge- 
schossen, das das Oberteil gantz an weg kam vnd der vnderteil 
im fattel beleih, des geliehen wurdent etlichen der kopff ab, ouch 
fuft erfchoffen vnd geletzt" (EtterUn, Chron. 209). Da machte, 
wahrscheinlich auf Antrieb des Hans von Hallwil, ein Theil der 
Vorhut eine plötzliche Wendung, indem jener einen Seitenweg 
aufgefunden hatte, von welchem aus es gelang, den Burgundern 
in die rechte Flanke zu fallen. Reiter und Fussvolk brachen in 
aufgelöster Ordnung und unter lautem Geschrei in die Ver- 
schanzungen, während der andere Theil der Vorhut den Sturm 
von der Frontseite her erneuerte. Nun fiel das burgundische Ge- 
schütz in ihre Hände, musste die Besatzung der Verschanzungeu 



227 

ihre vortheilhäfte Stellung aufgeben und ward der Angriff der 
Vorhut auch durch den Gewalthaufen der Eidgenossen, in welchem 
Schamachthal und Wabern die Bemer befehligten, kraftvoll unter- 
{stützt. Jetzt, nachdem die dritte, 8 — 10,000 Mann starke bur- 
gundische Division geschlagen war, entbrannte der Kampf gegen 
das burgundische Hauptheer. Karl scheint an jenem Tage einen 
Angriff nicht mehr erwartet zu haben , nachdem er sein Heer 
-6 Stunden lang unthätig im Regen hatte stehen lassen, und war 
zur Tafel gegangen. Rasch eilte er nun herbei und mit ihm der- 
jenige Theil des Heeres, welcher bereits wieder in die Quartiere 
•eingerückt war. Zweimal ward die Reiterei der Eidgenossen und 
ihrer Verbündeten unter den Grafen von Thierstein und Greierz 
durch des Herzogs Leibwache, die Engländer, und die Schwadronen 
des ersten Burgundischen Treffens zurückgedrängt. Den Herzog 
Renatus entriss Hans von Hallwil, überall gegenwärtig, wo Noth 
an Mann war, augenscheinlicher Gefahr. Unaufhaltsam drangen 
Hallwil und Hertenstein über die Höhen von Courgevaux ijpd 
durch das Gehölz von Faoug gegen die rechte Seite der Burgunder 
vor, und die Reiterei, die sich inzwischen wieder ermannt hatte, 
folgte ihnen. Fast gleichzeitig hatte Adrian von Bubenberg gegen 
Anton' von* Burgund einen Ausfall gemacht, womit er die Theü- 
nahme der Lombarden am Hauptkampfe verhinderte. Der Gewalt- 
haufen der Verbündeten hatte gegen die Englischen Bogenschützen 
unter dem Herzog von Somerset zu kämpfen. Karl selbst war 
ebenfalls zur Stelle. Die Bogner im Mittelpunkt des burgundischen 
Treffens fiengen an zu weichen. Dadurch verwirrten sie die hin- 
tern, erst nachrückenden Treffen und, ein Opfer seines Muthes, 
fiel Somerset bei Deckimg des Rückzuges. Umsonst hielt der 
herzogliche Oberstallmeister, Jakob von der Maas, noch einmal 
die grosse Standarte von Burgund empor; er fiel, das ihm an- 
vertraute Panner mit beiden Armen umfassend, und mit Noth 
entkam auch Karl selbst, bevor sein Heer völlig umgangen war. 
— Bei 15,000 Streiter hatte er zu Murten verloren.* 



• Poster Kirk in seinem dreibändigen Werke: »History of Charles the 
bold« giebt sich beijinfiihrung eines von Kaspar von Hertenstein um 7 Uhr 
am Abend des Schlachttagea »zu Sungichten« (24. Juni) an Schultheiss und 
Käthe zu Luzem gesandten Briefes, in welchem Hertenstein bemerkt, dass 
ihm dazumal eine Schätzung der Zahl der gefallenen Feinde noch unmöglich 
gewesen sei, eine bedenkliche Blosse hinsichtlich des Verständnisses eines Aus- 
drucks, der in den deutschen Urkunden bekanntlich öfter wiederkehrt, indem 
er dem Citate beifügt : »This letter is dated ,,^z\x Sungiesten"' (soll heissen 



228 

Dies in kurzes Umrissen der Kampf der Eidgenossen und 
ikrer Verbündeten am 10,000 Bittertag contra ,rinooerotem bnr- 
S™d>^* — 8%®>^ d^ borgandiscbe Ungethum, wie Knebel in 
seiner drastisdien Weise Karl von Borgund heisst Die Mnrten- 
scUadit ist eines der mbmreichsten vaterländischen Ereignisse; 
kein Wunder, wenn die Chronik von Biel sagt: Als am 22. Joni 
Abends spit die Nachricht kam, Märten sei gerettet und da& 
bargondische Heer vollkommen geschlagen, da ertönte Geläute 
aller Glocken, und Feuer auf allen Höhen verkündigten die grosse 
Freude dem ganzen Lande weit und breit; kein Wunder, wenn 
es von den unterm 25. Juni nach Biel zurückkehrenden Kriegern 
heisst, dass sie mit Blumen bekränzt und mit Beute beladen^ 
unter dem lauten Jubel des von allen Seiten aus der Umg^end 
herbeigeeilten Volkes daselbst ihren Einzug gehalten hätten 
(Bieler ühron. von Dr. Blösch I, 302 u. 303). 

Mit dem Bewusstsein, seine Pflicht als Bürger des Vater- 
lagdes treu erfüllt zu haben, mochte Hans von Hallwil in seine 
Heimath zurückgekehrt sein. In den Bruchstücken einer Staats- 
rechnung von Solothum heisst es unter Anderm : „Dem von Hall- 
wil und demSegenser, als 11 vfT dem veld kamen, Schenkwin dar- 
gereicht^ (Beiträge zur Gesch. der Burgunderkriege von J. J. Amiet 
p. 35). 

Den Angaben Schilling's und KnebePs zufolge, nahm Hans 
von Hallwil an der Gesandtschaft Theil, welche unter Waldmann» 
Adrian von Bubenberg und Andern, auf den Wunsch der fran- 
zösischen Gesandtschaft auf dem Tag zu Freiburg im September 
1476, an den französischen Hof abgieng (ihre Instruktion: Eidg. 
Absch. II, 615). Nach Schilling (Burgunderkriege p. 363) betrug 
die Zahl der eidgenössischen Boten von Städten und Ländern zwölf. 
Von Bern waren bei der Gesandtschaft Adrian von Bubenberg 
und Wilhelm von Diessbach, Hansen's Schwager. Mir erscheint die 
Angabe nicht hinlänglich beglaubigt, wie denn überhaupt unser 
Held von Murten, im Gegensatz zu manchen andern hervor- 
ragenden Gliedern seines Geschlechtes, mit der Diplomatie nie 
viel zu schaffen hatte. Vielmehr war Hans von Hallwil, was 
auch obige Angabe aus dem Archiv von Solothum darthut, nach 

»SU SuQgiohten«) — und dann fortfährt: »No village, or even fium, so named 
it known to the local antiquaries, either from tradition or ftxiirfjng recorda. 
Our own ooi^eotures would lead us to believe that the viUage of Chandosael 
was intended. (!) If the point were clear, it would help to establiah the 
rxact Position of the Burgundian camp.« (!) A. a. 0. p. 403. Anm. lOS. 



229 



dem Siege bei Murten nach Aarau zurückgekehrt, wo seine 
Oattin ein Haus besass. Wahrscheinlich ist, dass er sich 
«eit seiner Yerheirathung meist in Aarau aufgehalten hat 
Mit Recht sagt v. Rodt (ü, 283) über die Bedeutung des 
Ifurtensieges: „Durch ihren Sieg bei Murten erhob sich der 
Waffenruhm der Schweizer auf seine höchste Stufe und ward der 
JSidgenossenschaft unter den europäischen Mächten eine Stellung 
zu Theil, die mit der Verfassung und den beschränkten Kräften des 
kleinen und loosen Staatenbundes nicht im Yerhältniss stand, 
•daher auch nicht hinge behauptet werden konnte.'' — Im Januar 
1477 erschien auf dem Tag der Eidgenossen zu Neuenburg eine 
burgundische Gesandtschaft, um zunächst einen Waffenstillstand 
2U erlangen, später die AnschUessung der Freigrafschaft an die 
Eidgenossenschaft (v. Rodt II, 438 ff). Bern stimmte beinahe 
«inzig dafür, und den 6. Januar 1478 vereinigte sich die grosse 
Mehrheit der eidg. Orte zum Abschlüsse eines ewigen Frie- 
•dens mit Maria von Burgund und Erzherzog Max von 
Oestreich, kraft dessen die Eidgenossen um den Preis 
von 150,000 Gulden allen nach dem Kriegsrecht ihnen 
zustehenden Ansprüchen auf die Grafschaft Burgund 
förmlich entsagten. Da wir eben von Maria von Burgund, 
4er Tochter Karl's des Kühnen sprechen, so sei hier auch er- 
wähnt, dass diese einzige Erbin des Herzogthums von Burgund, 
um welche nicht weniger als 4 grosse Fürsten warben, nach Aus- 
zügen aus dem Schlossarchiv zu Hallwil die Gattenwahl in den 
Schooss ihrer Hofmeisterin gelegt haben soll. Diese, eine Dame 
von grosser Einsicht, mit Namen Katharina von Hallwil, wäre 
«ine Tante (Vaters Schwester) des Ritters Hans von Hallwil ge- 
^es^. Weder die Hallwiler Familienchronik noch v. Mülinen*s 
HallwUer Genealogie erwähnt ihrer. Ich entnehme die Notiz der 
^Bemer Monatschrift.** 1825. Erster und letzter Jahrg.' p. 89 — ^93. 

— Die Yerehlichung der burgundischen Prinzessin Maria mit dem 
kaiserUchen Erbprinzen Maximilian geschah den 17. August 1477. 

Aus dem Archiv zu Brugg ergiebt sich, dass Ritter Hans, 
Walter und Dietrich ¥on Hallwil (Freitag vor St. Jörgentag 

— 18. April 1477) ihren halben Reusszoll zu Windisch an die 
Kirche zu Brugg abtraten und damit die 100 Pfund Wachs be- 
zahlten, wovon sie der Kirche zu Brugg jährlich 7 Pfund geben 
mussten (Argovia IV. Bd. 399). 

Im gleichen Jahre hatte Hans von Hallwil einen FamUien- 
^treit zu schlichten, der ihn auch nach Bern führte. Elsbeth 



230 

2ielemp , Genmg's Frau von Basel, hatte aufs Neue den Ankauf 
der Lütishofener Erbschaft durch Ludwig Zehender angefochten 
und desshalb in Bern Klage erhoben. Als Ritter Hans bei dem 
auf den 80. August angesetzten Verhöre die Briefe und das früher 
gefällte Urtheil vorlegte, trat Elsbeth zurück (siehe Beilage A. 15). 
Später erneuern die Zielemp ihre Anspniche und wenden sich an 
den Rath zu Basel. Im October 1477 wendet sich Hans Yoa 
Berenfels von Basel, wahrscheinlich derselbe, der die 2000 Basler bei 
H^ricourt anführte, an Hans von Hallwil und bittet diesen, einea 
Tag zu bestimmen, an welchem zwischen den streitenden Parteiea 
ein nochmaliger Vergleich statthaben könnte (Beilage B. 1). Auf 
das Fürwort der Basler bei den Bernem sodann weisen diese die 
Sache an ein Schiedsgericht und dieses that den 17. Sept. 147a 
den Spruch, dass Hans von Hallwil an Zielemp 20 Gulden zu 
bezahlen habe, womit alles Weitere abgemacht sei (Beil. A. 17). 

An die zu Luzern versammelte Tagsatzung der VHI altea 
Orte stellt Hans von Hallwil (8. Juli 1478) das Begehren um 
Herausgabe seiner in gemeiner Eidgenossen Landen liegenden 
Mannlehen, die in den letzten Kriegen von den betreffenden Orten 
waren an sich gezogen worden. Das bezügliche Begehren wird 
mit dem Zusätze begleitet, den Boten scheine das Verlangen 
billig, da weder Hans von Hallwil selbst noch sein Vater je gegen 
die Eidgenossen im Krieg gewesen sei und das Lehen ihm allein^ 
nicht auch seinen Brüdern gehöre (Eidg. Absch. Bd. UL 10 u. 20). 
Was es für ein Lehen war und in welchen Kriegen es ihm ab- 
handen gekommen, habe ich nicht ermitteln können. — Im Bei- 
sein von Schiedsrichtern traf Ritter Hans von Hallwil (1. Oct^ 
1478) ein Uebereinkommen mit einigen Fischern, denen er ge- 
stattete, um den vierten Pfenning zu fischen, statt wie bisher unt 
den dritten. 

Von dieser Zeit an bis zum 14. Juni 1479 kommt sein Name- 
in den Urkunden nicht mehr vor und gewiss ist, dass sich 
Ritter Hans seit Ende des Jahres 1478 im I>ienste des. 
Königs Ludwig XL von Frankreich befand. Ludwig XL 
hob im Jahre 1480 die sogenannten Freien-Schützen auf und er- 
setzte sie durch schweizerisches Fussvolk, dem er sowohl der 
Bewaffnung und Taktik, als der Kriegszucht wegen den Vorzug, 
gab. Dazu benutzte er die Zeit des Waffenstillstandes zwischea 
ihm und dem Erzherzog Maximilian von Oestreich vom 27. August 
1480 auf 7 Monat (v. Rodt H, 540). Hans von Hallwil be-- 
kleidete in Frankreich die Stelle eines obersten Haupt- 



231 

manns sämmtlicher freiwilliger Schweizertruppen und 
zwar urkundlich nachweisbar bis zum Jahre 1483. 

Seineir Gattin, der Magdalena Rotenstein, verkaufen ihre Brüder 
Andres, Heinrich und Ulrich unterm 22. Juli 1478 50 Gulden 
jährlich auf Gütern zu Hebenhofen und Hiemenhofen für 1000 GL 
Magdalena hat das Recht der Rückforderung der 1000 Gl. niciit 
(Beil. A. 1 6). Das Dokument charakterisirt sich durch pedantisch 
genaue Fixirung der einzelnen Vertragsbestimmungen und einen 
Reichthum an juridischen Ausdrücken, deren genauere Definition 
auch einem Rechtsgelehrten des 19. Jahrhunderts nicht leicht er* 
scheinen dürfte. 

Die Angelegenheit wegen des Fischfangs im Hallwilersee, die 
im Jahre 1478 zu schiedsrichterlicher Verhandlung gekommen 
war, tauchte 1481 abermal auf, indem vor einem zu Hitzkirch 
(10. Mai) versammelten Schiedsgerichte behandelt wurden die An- 
sprüche von den Gebrüdem Hans von Hallwil, Ritter, welcher 
persönlich nicht anwesend war, und von Walter von Hallwil, in 
ihrem eigenen und anderer ihrer Brüder Namen, und Schultheiss und 
Rath zu Bern einerseits, und von den Gebrüdern Rudi und Hans 
Hellsehe nebst andern Weidleuten oben am Hallwilersee und den 
sechs Orten Zürich, Luzem, Schwyz, Unterwaiden, Zug und Glarus 
anderseits. Die sechs Orte sprachen bei diesem Anlasse die Ge- 
richtsbarkeit über den Hallwilersee an, so weit „was von Teu£fen- 
bach vber bis grad Mitte des Sewes haruff gegen den Brandbach 
Ynd dann grad über sy." Bern behauptete, der ganze See gehöre 
in die Marken seiner Grafschaft Lenzburg. Endlich vereinigte 
man sich auf je zwei und zwei Schiedsrichter, und es geschah 
der Spruch: Die von Hallwil sollen den Hellsehen und andern 
Fischern und Weidleuten oben am See die Gerechtsame, die nächst- 
kommenden 10 Jahre um den vierten Fisch oder Pfennig, nach- 
her um den dritten Fisch oder Pfennig zu fischen, auf ihre Bitte 
gütlich leihen, sie aber sollen von Walter von Hallwil das Lehen 
dieser Fischerei empfangen und ihm darum gehorsam sein nach 
dem Herkommen und seinen Rodeln. Die Gerichte sollen von dem 
vorgenannten Bach herauf „in der Zöug wie vorstat'' bestehen 
und gehalten werden. Privatrechte innerhalb des Röhrichts des 
Sees bleiben geschützt (Eidg. Absch. HI, 95 u. 96). 

Während sich Hans von Hallwil vom October 1478 bis zum Juni 
1479 in Frankreich aufhielt, begegnet uns dagegen sein Bruder 
Walter öfter in Dokumenten aus dieser Zeit. So traf ^r (21. Jan. 
14783 eine Verfügung zu Gunsten seiner Frau Ehsabeth von Hegi, 



232 

indem er ihr Leibgeding vermehrt. Zur Sicherung verbürgen sich als 
Mitgülten die Brüder Walter^s: Hartmann, Hans und Dietrich. 
Letzterer wird hier zum ersten Mal urkundend aufgeführt. 

In Anwesenheit des Han s und Walter von Hallwil und von Mag- 
dalenens Brüdern Anderes, Heinrich und Ulrich von Rotenstein, trifft 
M:agdalena von Rotenstein, Gattin des Ritters Hans von Hallwil, 
bezüglich ihres Vermögens (14. Juni 1479) folgende Verfügung : 

a. Mit ihrer Ehesteuer soll es bei der Verabredung bleiben. 

b. 100 Gl. Zins von 1000 Gl. Hauptgut bei der Stadt Thann 
sollen nach ihrem Tode an ihre Brüder fallen. 

c. Die Güter zu Rynfel^en bleiben ihrem Bruder Heinrich. 

d. Heinrich's Tochter Zigone (Sigune) bekommt laut Briefen 
1000 Gl. 

e. Ihren Gemaheiring und Kleinote und ihre Ketten, eine 
für 100, die andere für 30 Gl, fallen an ihren Gemahl, der 
auch als Leibgeding 23 Gl., die bei der Stadt Bern stehen, nutzen 
und daraus nach seinem Tode eine Jahrzeit zu Kappel stiften soll 

f. Den ganzen Rest soll Herr Hans bis zu seinem Tode ge- 
messen; dann fällt er an ihre 3 Brüder und |an ihre Schwester 
Ursula von Gräfenegk oder deren Erben (Beil. A. 21). Von dieser 
Urkunde ist ein Notel vom 7. Juni 1479 vorhanden^ ausgesteUt 
durch Hans von HallwU, Ritter. 

Die Ehe zwischen Hans von Hallwil und Magdalena von 
Rotenstein war der Hallwilerchronik zufolge kinderlos. Laut 
der Hallwiler Genealogie durch Friedrich v. Mülinen (pag. 36) 
hatten dagegen die Eltern einen Sohn Jakob, genannt in dem 
Kaufbrief der Herrschaft Trostburg vom Jahr 1486. Derselbe 
scheint jung gestorben zu sein. Aus diesem Umstände der Kinder- 
losigkeit nach iVerfluss einer vierjährigen Ehe haben wir uns 
obige testamentarische Verfügung zu erklären. 

Die Brüder Magdalenens scheinen öfter, als dieser selbst 
wohl lieb war, in Geldverlegenheiten gewesen zu sein (vergl. die 
bezüglichen Abkommnisse aus den Jahren 1478, 1481 u. 1484 im 
Archiv Hallwil). 

Nach Segesser: „Beziehungen etc.** schliessen die Schweizer 
den 18. October 1479 mit Matthias Corvinus einen Freundschafts- 
vertrag auf 10 Jahre. Eine militärische Kapitulation mit Ungarn 
konnte damit nicht gemeint sein; die Entfernung der beiden 
Länder von einander und die politische Stellung der dazwischen 
liegenden Staaten hätte das nicht zugelassen. Wahrscheinlich 
war Hans von Hallwil der „nobilis a Bern", welcher nach Müller 



233 

lY. 98. Anm. 457) bei des Matthias Hochzeit mit Beatrix von 
Ifeapel anwesend war. Mit Recht fugt S^esser a. a. Orte bei: 
^Desswegen «behaupten zu wollen, dass an ,„de8 Matthias glanz- 
vollem Hofe auch schweizerische Edle gebildet worden seien"^ 
scheint uns zu viel, da 10 Jahre später das Erseheinen der 
Schweizer Gesandten am dortigen H(^e so grosses Aufsehen er- 
regte.^ Obiger Freundschaftsvertrag nennt sich selbst „eine frünt- 
liehe Yeritentnifs vnd eynung.'' 

Das Jahr 1479 ist reich an Urkunden, die auf Hans und 
Walter von Hallwil Bezug haben. Laut einem Kaufbriefe vom 
9. Januar 1479 verkauft der Kirchmeier zu Leutwil an Walter 
von HaUwil ein Gut zu Alefwil (BeiL A. 18). Herr Hans von 
Hallwil seinerseits stellt eine Schuldverschreibung an Hartmann 
Keller von Schlaitheim, Burger zu Schaffhausen, und an dessen 
Ehefrau aus, 50 rhein. Gl. werth (Beil. A. 19). Die Quittung über 
erfolgte Bezahlung datirt Freitag nach St. Urban 1480 (Beil. A. 26). 
Hemman Golder, Bürger zu Rynfelden, quittirt Ritter Hans von 
Hallwil über 5 rhein. GL, die ihm dieser von der Schaffnerei her 
schuldig war. Diese Schaffnerei hatte Golder für Hansen's Gemalin 
und Ludwig Zehender geführt (Beil. A. 20). Mit Hans Arnold 
Segesser, Ritter, und Erhart Meier, SchuUheiss zu Aarau, funk- 
tionirt Hans von Hallwil in diesem Jahre auch zu Erlinsbach als 
Schiedsrichter zwischen dem deutschen Orden und Schultheiss 
lud Rath zu Aarau (Hafners Soloth. Chronik). Bei der Tagsatzung 
der YIU Orte (1479, Juli 12.) zu Luzem behaupten die von Hall- 
wil, die Lehensherrlichkeit über die Zehnten zu Boswil und Bünzen 
sei ihr väterliches Erb und althergebrachtes Recht ; erst seit den 
Kriegen (zwischen Friedrich mit der leeren Tasche und der Schweiz), 
an denen sie doch keinen Antheil genommen, hätten die eidgen. 
Vögte sich selbe zugeeignet, wesshalb sie Wiedereinsetzung in 
ihre Rechte verlangen. Die Antwort hierauf ward auf die nächste 
Tagsatzung verschoben (Eidg. Absch. IH, 44). Ein späterer Tag- 
satzungsbeschluss (Absch. HI, 98) befiehlt dem Boten in den freien 
Aemtem, der Zehnden zu Boswil und anderer Sachen wegen sich 
bei den ältesten Leuten in den Aemtem zu erkundigen u. s. w. 
Auch im Jahr 1480 hatten die Hallwiler mit Bern Streit wegen 
ihrer Twingherrnrechte, nämlich ihrer halben Gerichte zu Seengen 
und ganzen Gerichte zu Meisterschwanden, Eglischwil, Henschikon 
und Oberentfelden. 

Der Aufenthalt des Hans von Hallwil in Frankreich 
dauerte zwar von 1478— 1483. Dagegen ist anzunehmen, 



234 

dass er während dieser Zeit hin und wieder Vorüber- 
gehend in seine Heimat zurückkehrte und bei dieser Ge- 
legenheit das eine und andere PriTatgeschäft bereinigte, 
wie wir deren eben kennen gelernt haben. 

Ein wiahtiges notarialisches Aktenstück aus dieser Zeit, das 
uns sagt, welches das ehedem den Marschällen von Delsberg ge- 
hörige Lehen der Hallwil zur Zeit des Hans von Hallwil, Ritter,, 
war, ist folgendes: 1480. 15 avril. 

„Morand Vislar, prötre, chanoine de St. Ursanne, notaire 
apostoUque et imperial, d^clare qu'ä la requßte de Jehan de Hall- 
wil, Chevalier, tant en son nom qu'en celui de sonfrere, comme 
porteurs des fiefs dits des mar^chaux de Delämont, appartenant 
au Vorbourg, prfes de Del^mont, appartenant au chapitre de 
r^v^ch^ de Bäle, il s'est rendu avec des t^moins sur la montagne 
de Moron, pris de Sometan, pr6v6t6 de Moutier-Grandval, prfes 
du pertuis appeM Sopit, dans le voisinage de Fabbaye de Bellelay, 
pour s'informer des habitans des lieux voisins, quelles ^taient 
les limites du fief de la montagne de Moron, ses droitures, droits 
seigneuriaux , ^moluments, appartenances , usages et coutumes; 
qu'apres avoir assermentä lesdites personnes nonmi^es dans Facte, 
elles ont d^lar6 que le fief de Hallwil, autrefois aux mar^haux 
de Del^mont, de la d^pendance du Vorbourg, commen^ait au per- 
tuis de Sopit, et de la jusque sur l'alßtre de la montagne, vers 
la borne pres du chemin de Chätelat, continuant par FaWtre jus- 
qu'ä la fontaine Bouvie et de celle-ci ä la pierre appel^e la grosse 
Forey, pres du chemin de Saicourt, puis ä la borne dite de 
Bigelstein ou Vistein jusqu'au pr^ nomm^ Bigelmatten. De ce 
lieu, la limite passait ä Tentour de Tal^tre de la montagne sur 
Ghaumont, sur Säle, sur Monniere et Flanchat, et de la ä la fon- 
taine de Bouti^re, faisant retour au pertuis de Sopit, que tout 
ce qui est enferm^ dans ce circuit^ en quelle nature de culture 
que ce soit et sans r^serve aucune, fait partie dudit fief; que 
chaque individu qui cultivait des champs ou pr^ dans ce fief de- 
vait une cense de 3 deniers, payable ä la St. Martin pour chaque 
Journal de champ ou fauchee de pr^; que si Fun d'eux essertait 
et mettait en culture quelque partie de bois ou d'autre lieu d^s^, 
il devait en informer le receveur desdits seigneurs ä Del^mont 
et payer le droit comme ci-dessus; que dans ce fief il se trouve 
une for^t de sapins, appel^ le franc bois sur Säles, laquelle est 
franche de toute anciennete, personne ne devant couper de bois, 
except^ pour b&tir les maisons, sous peine de 5 sous d'amende 



235 

pour tout bois coup4 sans Ucence; que ladite montagne jouit 
d'une franchise absolue k T^gard de la pr^vötä de Moutier, au 
point que si un pr^vötois commettait un meurtre et qu'il se r^- 
fagi&t dans ledit üef , il pourrait y rester un an et un jour sana 
6tre sujet ä poursuite. Qu'en cons^quence, le notaire souscrit 
donne acte de cette reconnaissance testimoniale au seigneur Jehan 
de Hallwil, en pr^äence de Messires Heitzmann, sousprieur de 
Bellelay; Pierre Girardin, prieur de Grandgoui-, Gernier Buschey» 
chapelain de Moutier-Grandval ; Johan Guerne, lieut. de la pro- 
v6t6 de Moutier et autres" (Trouill., Monum. V. p. 893). 

Ein anderes Actenstück, das uns beweist, dass Ritter Hans 
von Hallwil bei Schultheiss und Rath zu Bern wohl befohlen war^ 
ist dasjenige, dem zufolge die genannte Behörde (1. Mai 1480) 
beschloss, „dafs wir In anfechen mancherley getruwer guter dienstea 
vnd wolgevallens, So vnns der Edell Streng her Hanns von Hall- 
wilr, Ritter, bifshar getan hat vnd fürer wol tun fol vnd mag» 
Ime gunftlichen erloupt vnd gönnen haben, In allen vnnfernn lan- 
den, gebieten vnd wildpännen ze Jagen vnd folich gejegd jn all 
weg, wie dann ibhchs zimlichen geypt werden mag, ze bruchen, 
an (ohne) menncklichs jrrung, jntrag vnd widerred (Beil. A. 24). 

Aus dem gleichen Jahre haben wir femer einen Tauschvertrag 
mit dem Priester Johann Enis, Kaplan auf Schloss Lenzburg» 
unter Genehmigung von Schultheiss und Rath zu Bern. Der Kaplan 
übergiebt den Jahreszins eines der Lenzburger Kapelle Pflichtigen 
Gutes zu Eglifwil und erhält entgegen einen unten am Schlosse 
bei der Haushofstatt liegenden Acker und ein Gütlein jenseits 
des Schlosses gelegen (Beil. A. 23). Ueber die niedern Gerichte 
HaUwiFs im Jahre 1480 vergleiche Beilage A. 25. 

BezügUch der Briefe, welche sich im Archiv Hallwil aus 
der Zeit vorfinden, da Hans von Hallwil in Frankreich war, ver- 
weisen wir auf die Beilagen. 

Nebst den mir durch den Solothurner Staatsarchivar, Herrn 
J. J. Amiet, in Abschriften freundlichst mitgetheilten Briefen an 
Hans von Hallwil sollen noch 9 Schreiben Solothums an Hans von 
Hallwil im Solothurner Staatsarchiv liegen und zwar aus der Zeit 
vom 8. März 1481 bis zum 23. Mai 1483. Einige derselben be- 
treffen die Angelegenheit des berüchtigten Solothurner Haupt- 
manns Urs Steger und bezwecken, die Verleumdungen desselben 
beim König von Frankreich gegen die Regierung von Solothurn 
durch Hans von Hallwil entkräften zu lassen. In einer Zuschrift 
vom 1. October 1481 von Schultheiss und Rath zu Solothurn an 



236 

Hans von Hallwil (Miss, buch Soloth. Y, 34 S.) heisst es wörtlich: 
„Ir find unfer from und getruw burger, wir wiffend wol, 
daz Ir dem genug tund vnd vns lieber band dann einen 
meineidigen Erlofen man.^ Andere enthalten Empfehlungen 
iür Solche, welche auswärtige Kriegsdienste suchten. 

Im Archiv Hallwil befindet sich namentlich ein von Walter 
von Hallwil an seinen Bruder, Hans von Hallwil, Ritter, gerichteter 
Brief, der ein allgemeineres Interesse bietet. Er trägt das Datum 
Suntdag nechst nach Sant michels dag 1480, ist aber offenbar 
in Unterbrechungen geschrieben worden, was theils der Inhalt 
beweist, welcher nicht dem gleichen Zeitpunkt entnonmien ist, 
theils die anders gefärbte Dinte. 

Nachdem Walter seinem Bruder Hans, bei dem gleichzeitig 
auch Dietrich war, die Rückreise aus Frankreich über Genf nach 
Bern geschildert und ihm mitgetheilt hatte, wie die Eidgenossen 
ein grosses Wohlgefallen daran hätten , dass der König ihn, Han- 
sen, zu einem obersten Hauptmann erwählt hat, erzählt er unter 
Anderm, wie er heim, d. h. wohl nach Hallwil gekommen sei 
und nur eine Nacht daselbst verweilt habe, um folgenden Tags 
nach Aarau zu reiten. Dann fährt er fort: „Vnd ist min Schwester, 
uwer HuITrow, übel an mir gewesen, das ich uch da hindenen 
han gelassen, den sy meint, ich Sy schuldig dar an vnd ihr dorften 
Sin nut, ir bettend Sunst gnug daheim vnd ir habent ir solichs 
nut verheisse", das ir so lang Jemer mer von ir weitend sin. 
Sont ir wissen, dafs ich allefs das mit ihr gerett han, was mich 
gutt het gedünckt, da mit ich Sy stilly, vnd da by ir ouch zu 
geseit alles das zedun, als ob ir selber hie werent, &n (ohne) das 
ich zu nacht nut wel by ir ligen. Doch so het Sy Dietrichen ouch 
in der schult." — Verstehen wir den Briefschreiber recht, so 
stellt er im weitern Verlauf des Inhaltes uns Hansen's Ehehälfte 
auch als etwas hart und gefühllos gegen Hülfsbedürftige dar. 

Auch seinen Bruder Hartmann in Basel, fährt Walter in 
«einem Briefe fort, habe er besuchen wollen, ihn aber nicht bei 
Hause getroflfen. Auf Weihnacht erwarte er Herrn Hans bei den 
Seinigen. Kaspar, wahrscheinlich einen Bedienten, schicke er ihm 
zu, „Euerer Instruction gemäss, dass ich ihn Euch schicke, falls 
ihn Eure Hausfrau nicht wollte oder sein nicht bedürfte." Der 
^Husfrow" macht er bei diesem Anlass das fatale Kompliment: 
„da Sont ir den kasper fragen, der kan uch wol Sagen, den ich 
kontz nut an zwen bogen geschriben, so wilwenkig ist 
Sie in Irem wesen." Giebt uns nicht diese Andeutung Walters 



237 . 

Tiber den launischen, wankelmüthigen, vielleicht auch etwas allzu 
haushälterischen Sinn der Gattin des Herrn Hans von Hallwil 
einen Fingerzeig, warum sich dieser in anständiger Entfernung 
von ihr wohler fühlen mochte, denn in ihrer unmittelbaren Nähe? 
War die Rotenstein, was wir als Vermuthung ausgesprochen haben, 
schon zweimal verheirathet , bevor sie mit Hans von Hallwil in 
den Bund der Ehe trat, so ist anzunehmen, dass sie ihre Jugend* 
frische so ziemlich eingebüsst hatte. Dass sie übrigens ihren Gatten 
trotz seiner langen Entfernung vom heimischen Herde dennoch 
lieb gehabt, geht aus dem Vermächtniss der edeln Frau hervor, 
das sie im Herbste 1493 machte. Am Schlüsse des Briefes bittet 
Walter seinen Bruder Hans, er möchte Dietrich mahnen, sich 
dahin zu verwenden, dass ihm sein Brief vom König werde, — 
„damit er auch eine Feder von der Gans habe,^ wie er launig 
beifügt (siehe den vollständigen Wortlaut des interessanten, aber 
theilweise schwer zu entzUfemden Briefes in Beilage B. 2). 

Ein Dokument, das uns in den Zustand des französischen 
Söldnerdienstes jener Zeit einen klaren Blick thun lässt, bildet 
die Zuschrift an Heini Etterli, Statthalter der eidgenössischen 
Garnison, welche unterm 24. Juni 1481 „die gemein knecht und 
gesellen, versampt In die ordinatz zu troy,^ erliessen. In dieser 
Zuschrift klagen sie: 1) dass ihnen ihr Sold nicht am Anfange 
jedes Monats, wie dies versprochen worden, bezahlt werde. 2) Dass 
ihnen ihr eidgenössisches Recht, ihre Offiziere und Unteroffiziere 
selbst zu ernennen , nicht gewahrt werde. 3) Dass .diejenigen, 
welche in obigen Stücken Redit verlangt haben, gefangen ge- 
nommen worden und sogar mit Ruthenstreichen bedroht worden 
seien. Sie bitten von den Eidgenossen, ihnen ihren Willen schriftlich 
mitzutheilen und den Uebelständen abzuhelfen , ansonst sie dahin 
ziehen, woher sie gekommen (siehe Beil. B. 13). 

Auf die Frage, ob die Hallwil als Bürger Berns mit dieser 
Stadt auch noch in anderm, denn bloss politischen Verbände ge« 
standen haben, antwortet uns eine Urkunde vom 16. October 1481. 
tl)as Urkundenverzeichniss von Hallwil giebt fälschlich 1482 an.) 
Ihr zufolge verpflichten sich Hans, Ritter, Walter und Dietrich 
von Hallwil, Gebrüder, bei Anlass der Erneuerung der zwei Ritter- 
gesellschaften , deren eine, von den Seen genannt, zum Fisch 
beisst und deren zweite nach dem Waldschneisen zum Falken, 
den Vorschriften, wie dieselben im Hauptbriefe enthalten sind, 
treulich nachzukommen. Eine durch Theodor von Liebenau dem 
Stammbuch der Familie von Eptingen (Manuscr. bei Thüring von 



238 

Sonnenberg in Luzern) entnommene und mir gUtigst mitgetheilte 
Angabe gleichen Inhaltes trägt das Datum 1484, Montag vor 
St. Bartholomäusabend. Da wäre die Rittergesellschaft zum Fisch 
und Falk b^ründet worden und die eben genannten Hallwil hätten 
deren Statuten mit unterzeichnet (vergL auch Joh. v. Müller Y, 1. 
p. 327). Wir sehen also, dass die Hallwil, und mit ihnen wohl alle 
übrigen Adeligen des Aargau's, allerdings auch in gesellschaft- 
lichem Verkehr mit ihren Mitbürgern zu Bern standen und zwar 
zu dem Zwecke, Ritterspiel, Turnier und Falkenbeize wieder in 
Aufnahme zu bringen und Ordnung und Würde derselben auf- 
recht zu erhalten (Beil. A. 27). In der bezüglichen Urkunde heisst 
es ausdrücklich, dass adeliches Ritterspiel, von Alters her geübt, 
seit einiger Zeit „verplichen und nicht mehr geprucht^ worden 
sei. Mit welchem Erfolg diese Auffrischung mittelalterlicher 
Uebungen und Gewohnheiten gegen Ende des 15. Jahrhunderts 
begleitet gewesen, erfahren wir nicht ; so viel ist aber gewiss, dass 
sich dieselben damals nicht lange halten konnten. Dass die Hallwil 
diese gesellschaftlichen Verbindungen nicht sehr eifrig pflegten, 
wird sich uns später ergeben. Uebrigens hatten die 4 Brüder ja 
in Bern zwei Schwäger, Wilhelm von Diessbach und Rudolf von 
Wattwyler, ersterer Gemal der Dorothea, letzterer des Bärbeli 
von Hallwil. Aus diesem eben angeführten Grunde waren sie wohl 
öfter in Bern zu sehen. 

Die grosse Zahl von Urkunden, deren Inhalt Geldangelegen- 
heiten mit den Rotenstein beschlägt, wird in diesem Jahre mit 
einer neuen vermehrt : Andres von Rotenstein bescheint (10. Nov. 
1481) den Empfang von Gulden 400, welche Hans von Hallwil 
und dessen Gattin Magdalena an die Tochter des Andres, Mag- 
dalena, gegeben hatte. Andres Rotenstein verspricht, dafür jährlich 
20 Gl. von seinem Hofe Humbertsried als Leibgeding an seine 
Schwester und seinen Schwager bezahlen zu wollen (Beil. A. 28). 

Ganz besonders gross ist die Zahl der an Hans von Hallwil 
gerichteten Briefe aus dem Jahre 1480 und 1481. Nicht weniger 
als neun derselben beziehen sich auf Hans Berger von Zürich, 
gewesenen Hauptmann der deutschen Knechte in Frankreich zu 
der Zeit, da Hans von Hallwil oberster Hauptmann derselben 
war. Derselbe schreibt ihm in Dienstsachen und wünscht von ihm, 
dass er für den Fall, dass Klagen gegen ihn, Berger, bei Herrn 
Hans eingiengen, von diesem in ein unparteiisches Verhör ge- 
nommen werde, damit ihm in keiner Weise Unrecht geschehe 
(Beil. B. 3). Von seinem Vorgesetzten, Herrn Hans, verlangt er 



239 

za wissen, wie er sich gegen Kaspar MetzglSr zu verhalten habe, der, 
nachdem er Hans Wemlin erstochen, sich in eine Freistatt ge- 
fluchtet hatte. Da Berger den Uebelthäter daselbst hätte wollen 
festnehmen lassen, hätten's die dortigen Mönche nicht dulden 
wollen (BeiL B. 4). In einem weitern Briefe kommt Berger auf 
die Angelegenheit mit Frischhans Theiüng von Luzern zu sprechen, 
ohne dass wir aus dem Schreiben selbst über den Vorgang nähere 
Kenntniss bekämen. Da seine Gegner Hansen^s Schutz angerufen 
hätten, so thut er von Troyes in der Champagne aus ein Gleiches 
und bittet den obersten Hauptmann, er möge ihm zum Recht 
verhelfen und ihn vor Gewalt schützen. Da die Eidgenossen diesen 
Streit in der Heimat schlichten wollen, so wünsche er, dass Bitter 
Hans oder ein Anderer ihn vor seinen gnädigen Herren ver- 
beistände. In diesem Falle wolle er Rede und Antwort geben, man 
möge nur einen Tag festsetzen (Beil. B. 5). In der gleichen An- 
^legenheit schreiben Burgermeister und Bath der Stadt Zürich 
Herrn Hans: Da sich der zur Austragung des zwischen Hans Berger 
und Frischhans Theihng entstandenen Zwistes festgesetzte Tag der 
Eidgenossen verzogen habe, so sei die Angelegenheit durch Ge- 
sandte von Luzern und Zürich gütlich beigelegt worden und zwar 
so, dass jeder der beiden streitenden Theile unangefochten bleibe- 
2ürich wünscht, Berger möge von Herrn von Hallwil in seiner 
Hauptmannsstelle belassen werden (BeU. B. 7). Nachdem sich 
Hans Berger wegen der berührten Angelegenheit in die Schweiz 
begeben hatte, schrieb er im April 1481 von Troyes in der Cham- 
pagne aus an Herrn Hans, er möge ihn entschuldigen, wenn er 
ihn nicht besuche. Die Briefe, die er aus seiner Heimat bringe, 
würden darthun, dass er von den gegen ihn erhobenen Anklagen 
freigesprochen worden sei (Beil. B. 8)! Mit dieser Behauptung 
^wie mit der Versicherung von Schultheiss und Kath zu Zürich 
scheint ein von Schultheiss und Bath zu Luzern an Bitter Hans 
von Hallwil gerichtetes Schreiben im Widerspruch zu stehen: 
Frischhans Theiüng, ihr lieber und getreuer Mitbürger, imd Hans 
Berger seien allerdings mit ihrer Streitsache an gemeine Eid- 
genossen gewiesen worden. Es sei aber Berger vor Austrag der Sache 
wiederum nach Frankreich gekommen und habe daselbst vor den 
Söldnern allerlei unwahrhaftige Reden geführt und ehrenrührige Aus- 
sagen über Hans Theiling gemacht. Das befremde sie, denn Berger 
habe nie nüt Frischhans vor gemeinen Eidgenossen gestanden, 
wohl aber habe Frischhans zu Stans vor denselben seine Klage 
über Berger abgegeben und hätten ihm die Richter bezeugt, dass 



240 

er den Rechten nachgekommen sei. Gleichzeitig hätten die Zfircfaer 
sie gebeten, sie, die Luzerner, möchten ihnen helfen, einen güt- 
lichen Vergleich herzustellen. Die zu diesem Behufe anbemumtea 
zwei Vermittlungstage seien erfolglos geblieben. Schliesslich bittM. 
die Schreiber des Briefes, Herr Hans möge die Sache vor Haupt- 
leuten und Soldaten in's wahre Licht setzen (Beil. B. 10). Herr 
Hans scheint seinen Untergebenen, den Hauptmann Berger, ob 
der diesem von den Luzemem zur Last gelegten Unwahrhaftig- 
kdt willen nicht eben aufs Freundlichste angelassen zu haben. 
Desshalb remonstrirt Berger von Neuenstadt aus unterm 14. Mai 
1481 gegen die wider ihn erhobenen Beschuldigungen und bittet, 
seinen obersten Hauptmann um ein Oeleit, damit er sich dem 
Richter stellen könne (Beil. B. 8). Dies that er und Donnerstags 
nach St. Niklausen kann er dem obersten Hauptmann der deutschen 
eidgenössischen Ordonnanz vermelden, dass er seiner Angelegen- 
heit halb daheim gewesen sei und sich mit Ehren verantwortet 
habe, wie das der Brief, den ihm die Zürcher an Herrn Hans 
mitgegeben, genugsam ausweisen werde. Der übrige Thefl dea 
Briefes handelt von Dienstsachen (Beil. B. 21). In Beil. B. 11 
endlich befragt Hauptmann Berger den Ritter Hans um Yer^ 
hnltungsbefehle einem Söldner, Namens Riffennower, gegenüber^ 
den er in den Thurra gesteckt hatte, sowie gegenüber einem an^ 
dem Uebelthäter, der sich der Strafe durch die Flucht in eine 
Kirche entzogen hatte. — In einer Zuschrift vom Jahre 1481 
meldet Schultheiss und Rath zu Solothum Herrn Hans von Hall- 
wil, dass der Solothumer Hauptmann Urs Steger ihnen gar sehr 
gerühmt habe, wie er und das Fähnlein der Solothumer woU 
empfangen und wie bei Siebenhunderten der Sold ausbezahlt 
worden sei. Zudem habe ihn des Königs Zahlmeister mit Etlichen 
der Ihrigen gehiden, zum König zu reiten, wo sie reich beschmkt 
worden seien. Daraufhin hätte er Urlaub begehrt, und nun gdie 
zu Stadt und Land das Gerücht, er habe für .150 Mann mehr 
Sold bezogen, als wozu er berechtigt gewesen wäre. Um über 
die Sache in^s Klare zu kommen, hätten sie von Urs Steger die 
Rodel verlangt, auf Grund derer er zu Chalons den Sold ein- 
gezogen. Ueber Nichtertheilung des Urlaubs entrüstet, sei er 
vor Schultheiss und Rath zu Solothurn höchst ungeziemend auf- 
getreten und unter Drohungen weggegangen. Seit seinem Weg- 
gang hätten sie vemommen, dass er in der That den König, 
schwer betrogen habe. Da Herr Hans aus dem Angeführten die 
Qualität Steger's ersehe, so möge er als dessen Vorgesetzter, 



241 

während dieser auf dem Rückwege zum König begriffen sei, dem 
Letztern bedeuten, wie Steger ein ehr- und treuloser Mann sei, 
und dasselbe auch den Söldnern gegenüber thün (Beil. B. 12). 
Brandolf von Stein, wahrscheinlich derselbe, welcher im burgund. 
Kriege zu Granson in Folge Verraths war gefangen genommen 
worden und dann auch wieder in der Schlacht zu Nancy ehren- 
voll auftritt, empfiehlt Herrn Hans einen Knedit, Namens Niklaus, 
der sich in der Heimat bei seinen Freunden wegen eines Mädchens 
missbeliebig gemacht hat, zur Wiederaufnahme unter die Sölcfner. 
Nebenbei bemerkt Herr Brandolf, dass er auf den Tagen zu Zürich 
und zu Zofingen für Herrn Hansen manch gutes Wort eingelegt habe, 
eine captatio benevolentiae , die dem menschenkundigen Hallwiler 
wohl nicht entgangen sein wird (Beü. B. 14). Albrecht von Bon- 
stetten, Dekan des löbl. Stiftes zu Einsiedeb, bittet Hans von HaU- 
wil, er möchte einem Boten, den er in Geschäften an den Königl. 
Hof, sowie an den Bischof zu Besannen sende, sowohl am einen 
als am andern Orte beförderlich zur Hand sein (Beil. B. 15). 

Schultheiss und Rath zu Freiburg im Uechtland empfehlen 
Herrn Hans von Hallwil den Wilhelm von Englisperg, we|(^her 
wiederum Willens ist, in französische Dienste zu treten (1461. 
Aug. 30. Beil. B. 15), dessgleichen empfiehlt Schultheiss und Rath 
zu Solothum demselben zwei Brüder, Hügli und Clewi Vogt, die 
ebenfalls Söldner werden wollen (Beil. B. 16). Wilhelm von Diess- 
bach, Hansens Schwager, Schultheiss zu Bern , meldet dem Ritter 
von Hallwil Sontag vor Gallentag 1481, dass der Berner Venner 
Zuber seinen Sohn zum König schicke, und ersucht den Hallwil, 
denot jungen Manne behülflich zu sein (Beil. B. 17). Derselbe Herr 
von Diessbach theilt seinem Schwager mit, es seien ihm von 
Herrn Pollen von Bonstetten Briefe zugesandt worden, die ihm 
(dem Schwager) und Arnold Segenser gehören.- Herr Pollen bitte 
sie beide «um ihre Mithülfe, damit sein Sohn zum König komme 
etc. (Beil. B. 18). Eine Bitte ähnlicher Art stellt Bartholome 
Huber an den viel beanspruchten Hallwil ; sein Sohn will ebenfalls 
in den Dienst des Königs treten. Aus dem Briefe ersieht man, 
wüsste man das nicht schon aus Beilage B. 2 , dass sich damals auch 
Hansens Bruder Dietrich in Frankreich aufhielt. Huber bezeugt 
nämlich, dass dieser ihm „allweg fil guttes^ erzeigt habe (Beü. B. 19). 
Heinrich Etterlin thut dem obersten Hauptmann gemeiner Eid- 
genossen, Ritter Hans von Hallwil, kund, dass ihn ein Priester 
besuchen werde, der eine Zeit lang bei ihm gewesen sei; Herr 
Hans möge den guten „briester in befelchnufs haben vnd jm ein gut 

Argovu Vi. 16 



242 

Wort verliehen*' (Beil. B. 20). Unterm 2. März 1482 bittet Sdnüt- 
beiss und Rath zu Solotbum seinen edehi Mitbürger, Herrn Hans, 
er möchte erlauben, dass der Söldner, Meister Heinrich Hess, des 
Goldschmieds, wegen eines lücht näher bezeichneten Vorfalles, der 
sie eine mündliche Besprechung mit Hess wünschen hisse, horaus 
nach Biel komme und zwar auf ihre Kosten und ohne Jemandem 
davon Kenntniss zu geben. Habe Solotbum insgeheim Wissen 
von seiner Ankunft daselbst, so werde es durch einen Boten fai 
freundlicher Weise mit ihm verhandehi. — Von Interesse ist die 
unter dem Ausdrucke „Cedula" dem Briefe beigefügte NachschrifiL 
Dieselbe geht von der Voraussetzung eines ernsten Zwiespaltes 
zwischen den deutschen Knechten und ihrem Oberanführer, Haus 
von Hallwil, aus. Letzterer wird von Solotbum auf das Wohl- 
wollendste zur Vorsicht gemahnt. Auch wird ihm der Rath ge- 
geben, er möchte sich an Bern und Solotbum wenden und ihnen 
den Wunsch nach einem »Tage'' aussprechen, wo er sich ver- 
antworten könnte. Näheres über den Grund dieses Zerwürfiiisses 
habe ich nicht ermitteln können (Beil. B. 23). Dieselbe Behörde 
sendet sich mit der Bitte an Hans von Hallwil, sich die Solo- 
thumer Bürger Hans Drayger und Hans UrsChinger zur Auf- 
nahme unter die Söldner wohl empfohlen sein zu lassen (Bei). B. 22). 
— In einer Zuschrift vom Jahre 1482 dankt Kaspar von Herten- 
stein, damals Schultheiss zu Luzera, jener Held, der mit Hallwil 
und Waldmann zum glorreichen Murtnersiege das Meiste bei- 
getragen, seinem ehemaUgen Waffengefährten dafür, dass er dem 
Hans von Hertenstein so viel Ehre und Wohlwollen bewiesen. 
Gerne sähe der Luzerner Schultheiss seinen Schützling zum Haupt- 
mann vorrücken. Der Brief schliesst mit den Worten: „By vnns 
gat ein Red, Ir wöUent die knecht, die Wib vnd Kind habend, 
her heim schicken; des fröwent sich die wiber vast wol" 
(Beil. B. 25). Hans Hoch meldet Herrn Hans von Hallwil aus 
Dijon, ein Priester sei im Lager derer von Bern gewesen. Haupt- 
leute, Fähndrich und Andere hätten da gesagt, Einer „vnder 
siner gesellschafft" hätte vor ihm (Hallwil) das Wort gebraucht, 
die von Bern seien alle „BurenscheUmen". Schreiber bittet den 
Empfänger des Briefs, ihm zu berichten, ob er der Art etwas 
gehört habe oder nicht, und wenn ja, ihm jenen „schwetzer'' zu 
nennen, auf dass er ihn nach Gebühr strafe (Beil. B. 24). Hans 
Stauffer von Seon erzählt in einem Schreiben aus Senlis in Frank- 
reich vom 14. Juni 1483 seinem Vorgesetzten, Ritter Hans, in 
naiver Weise ein Abenteuer, das er mit einem französischen 



243 

^meittly^ gehabt. Auf ihre Einladung, mit ihm ä F^glise zu 
gehen, muss der der Sprache unkundige Schweizer antworten: 
Jch wiess nit, was du seist.^ Nachdem er in Folge ungebühr- 
lichen Betragens durch die Weibel des Hauptmanns der Schweizer- 
trappen in's Gefängniss gesteckt worden, bittet er Herrn Hans, 
Sciuitte zu thun, dass er daraus befreit werde (Beil. B. 26). 
Ulrich, von Gottes Gnaden Abt des Klosters St. Gallen, bittet 
den gObristen Hoptman In Frankrich," Herrn Hans, er wolle sich 
seines „angepomnen*' Freundes, Hans Rösch, der unter Haupt- 
mann Sittly von Schwyz gedient habe und wieder nach Frank- 
reich'zurückgekehrt sei, UebevoU annehmen (Beil. B. 28). Magister 
Conrad Rösch, Kanzler des Gotteshauses St. Gallen, Vater des 
Hans Rösch in Beilage B. 27, bittet den „Edlen, Strengen vnd 
Yesten Her Hansen^ Ton Wil aus, er wolle seinem Sohne, dessen 
Verwandtschaft mit dem jüngst verstorbenen Peter Ballof be- 
stritten worden sei, dazu behülflich sein, dass er in den Besitz 
der Verlassenschaft seines Vetters gelange (Beil. B. 27). Schult- 
heiss und Rath zu Solothurn legen für ihre Mitbürger Hans Hug, 
Peter Müller, genannt Letzkopf, und Wernli Nagler, die wegen 
unbesounener Reden über Ritter Hans Arnold Segesser von Aarau 
ihres Dienstes entlassen worden waren, bei Hans von Hallwil 
Fürsprache ein, dass er sich für ihre Wiederaufnahme verwende 
(BeU. B. 29). Die letzte der von uns veröffentUchten und an Hans 
von Hallwil gerichteten Zuschriften (Beil. B. 30) betrifft ein Ge- 
such des Herrn Uhrich, Freiherr zu Grafeneck, worin dieser den 
Eddn von Hallwil von Wien aus um die Vollmacht zur Errich- 
tung eines Schuldbriefes angeht. Um ihn für seinen Theil schadlos 
zu halten, anerbietet er ihm einen hübschen jungen Hengst (1485. 
Mittwoch vor St. Magdalenentag). 

Nachdem wir im Bisherigen den Inhalt der zwischen den 
Jahren 1477 — 1485 an Herrn Hans von Hallwil gerichteten Briefe 
in Kürze erläutert haben, wobei wh* uns von der ho changesehenen 
und einflussreichen Stellung, welche derselbe in Frankreich 
bekleidete, sowie von der Tüchtigkeit, womit er dieselbe behauptete, 
eine ungefähre Vorstellung machen können, wollen wir hiemit 
den Faden der Erzählung wieder aufnehmen. 

Dass der französische König, Karl VUI. (reg. von 1483 bis 
1498) in der prompten Bereinigung rückständiger Soldbetreffuisse 
Dicht besser war, als seine Vorgänger, beweist unter [Anderm 
eine Mittheilunfic in Valer. Anshelm's Chronik, wornach sich Hans 
und Dietrich von Hallwil im Jahre 1484 darüber beschweren^ 



244 

dass ihnen der neue König den Sold für die seinem Vater» 
Ludivig XI., zugeführten Kriegsvölker nicht richtig ausbezahle. 

Pünktlicher als die französischen Könige im Halten ein- 
gegangener Verpflichtungen, waren die Bemer in der Geltend- 
machung gewisser Rechte ihren in- und auswärtigeil Bürgemi 
gegenüber. Von Dietrich von Hallwil forderte Bern (17. Nov. 1483) 
eine Teile von 15, von Ritter Hans (28. Febr. 1484) eine ausser- 
ordentliche Steuer von 40 Gulden. 

Werfen wir wieder einmal einen Blick auf die Brüder und 
Schwestern des Hans von Hallwil und zwar in der Weise^ 
dass wir uns, im Interesse besserer Uebersichtlichkeit, das Leben 
eines jeden derselben von Anfang der 80. Jahre an einzeln ver- 
gegenwärtigen, wenn auch in möglichster Kürze. 

Wir beginnen mit Hartmaxm, dem unserer Ansicht nach 
ältesten Sohne Burkart's nächst Hans von Hallwil. 

Frühe ward derselbe Domherr und Domprobst zu BaseL 
Schon 1455 machte er seine Adelsbeweisung, um Domherr zu 
werden (Wurstisen's Rhapsodien). 1469 erscheint er unter den 
Kapitularen des Bisthums Basel (Mone, Zeitschr. XVIII, 7). Die- 
Stadt Bern verwendet sich den 20. Januar 1479 beim Papst 
Sixtus IV. zu Gunsten ihres Bürgers Hartmann, Domherrn zu 
Basel, damit diesem die durch Beförderung Caspars ze Rhein auf 
den dortigen Bischofsstuhl erledigte Stelle eines Domkustos über- 
tragen werde, auf welches Amt er wegen seiner hohen Verdienste 
um das Hochstift Basel gar wohl Anspruch machen dürfe (Bern. 
Staatsarch., Latein. Missiv. buch B, p. 183). 

Ein ähnliches Schreiben erlässt Bern den 25. Januar 147^ 
an den Kardinal Julian mit der Bitte, den Domherrn Hartmann 
von Hallwil für die erledigte Stelle dem heil. Vater ganz be- 
sonders zu empfehlen (Ibid. p. 184). In einem Schreiben von 
gleichem Datum unterstützt Burkhard Stör, Probst zu Amsol- 
dingen, Hartmann's Bewerbung beim heil.- Vater (Ibid. p. 188). 

Zwischen Bürgern von Basel und dem dortigen Domprobste, 
Hartmann von Hallwil, waren wegen der „Pflicht** der Letzterm 
gehörenden Zehnten Streitigkeiten entstanden ; der zu ihrer Bei- 
legung festgesetzte Tag, auf welchen die Stadt Bern als Be- 
schützerin jenes Qires Erbbürgers ihre Botschaft abordnen sollte,, 
schien ihr aber zu „kurz**, und Ueberhäufung der Geschäfte ge- 
statte ihr nicht, Qm jetzt zu besuchen. Bern zeigt in einer Zu- 
schrift vom 4. November 1482 dem Stande Basel an, es sei mit 
dem Domprobst von Hallwil abgeredet worden, die Tagleistung: 



245 

auf Montag nach Andrea (4. December) zu verlegen, an welchem 
Tage sich der bemische Gesandte zu Basel einfinden werde, um 
dann im Einklang mit der solothurnischen Botschaft dahin zu ' 
wirken, dass die Angelegenheit zu einem beide Parteien be- 
friedigenden Abschlüsse gebracht werde (Bern. Staatsarch. Deutsch. 
Miss, buch £, 107). Den 29. September 1483 zeigt Bern dem 
Stande Basel die nahe Ankunft seiner Botschaft daselbst an, 
welche die Streitigkeit des Domprobsts von Hallwil mit den Bür- 
gern schhchten helfen soll (Ibid. p. 183). 

Im Jahre 1482 schwört Hans Bernhard von Flachsland, welcher 
das Obermeyerthum und Ampt des Dingkhofes zu Tüngen für 
sich und seinen Sohn Pantaleon zu Lehen empfieng, dem Dom- 
probst Hartmann von Hallwil, Nutz und Frommen der Dom- 
probstei zu fördern und Schaden zu wenden, auch solches Amt 
ohne Wissen und Willen seines Herrn in keiner Weise zu ver- 
ändern (Mone, Oberrh, Zeitschr. IV, 479). 

Nach Pfyfi'er, Geschichte Luzerns, I, 198, verwaltete Hart- 
man n 12 Jahre lang die Probstei von Münster in Granfelden und 
zwar von 1485 an. Derselbe war Schiedsrichter in der Streitig- 
keit zwischen dem Probst jind dem Kapitel des Stiftes zu Bern 
einerseits, und dem Herrn Wolfgang von Elingenberg, Land- 
komthur des Deutschordens im Elsass und Burgund anderseits, 
wegen Aufhebung des Deutschordenshauses zu Bern und Ver- 
wandlung des St. Vincensenstiftes in eine Probstei. Der erste 
Spruch geschah 1488 in der Voraussetzung, dass der deutsche 
Orden durch das Benediktinerkloster St. Trüweh zu Schlettstadt 
entschädigt werde. Da die Inkorporation dieses Klosters durch 
den Papst nicht zugegeben wurde, so machte Hartmann am 
16. August und 28. November 1490 einen neuen Vergleich, nach 
welchem das aufgehobene Kloster Rüeggisberg dem Orden zum 
Ersatz gegeben werden sollte. Indessen auch diese Inkorporation 
kam nicht zu Stande, und der dritte Entscheid Hartmann*s lautete 
dahin, dass jener Orden gegen Verzichtleistung auf alle seine 
Hechte 3400 rhein. Gl. ausbezahlt erhalten sollte (Von Mohr, Re- 
gesten vom St. Vincenzenstift u. Küeggisberg). 

Als Domprobst von Basel Hess Hartmann von Hallwil die Be- 
reinigung des Isteiner Fronhofes vornehmen und im Jahre 1489 
mit dem Kirchherm Wolfach einen Vergleich über entstandene 
Zehntstreitigkeiten abschUessen (Mone, Zeitschrift XIX, 340). 

Im Jahre 1492 empfiehlt er als Domprobst zu Basel Thüring 
Ton Hallwil, seines Bruders Walter's Sohn, für eine Chorherrn- 



246 

stelle zu Zofingen (Deutsches Spruchbuch); im Jahre darauf er- 
hält er von seinen Geschwistern: Hans, Ritter, Walter, Dietrich, 
Aenneli von Staufen und Barbara von Wattwyler, Wittwe, das 
Recht, zu testiren (Wurstisen's Rhapsodien). 

1497, Mai 9. schreibt Bern an Hartmann von Hallwil, Dom- 
probst zu Basel, wegen einer Geldangel^enheit des Herrn Michel 
Huber, Schultheissen von Thun, mit einem Heinrich Stalder, 
welchem Ersterer „ettlich Houbtgut" abzulösen wünscht (Bemer 
Staatsarch., Deutsch. Miss, buch J, p. 8). Dem Jahrzeitbuch von 
Schönen werth zufolge starb Hartmann im Jahre 1503, er soll 
nämlich auch Domherr zu Schönenwerth gewesen sein. Nach 
Friedrich von Mülinen starb Hartmann 1506 den 3. August za 
St. Urban als Stiftsprobst. 

Wir kommen zu Walter von Hallwü, dem dritten Sohne 
Burkart's. (Ob Hartmann oder Walter älter gewesen, ist wohl 
nicht zu entscheiden.) Wir haben gesehen, wie er 1464 Else 
von Hegi ehhchte und von Landser aus, das ihm Ritter Thüring^ 
von Hallwil zum Wohnsitze gegeben, eine Landvogtei im Elsass 
bekleidete, nachdem er wahrscheinlich einige Jahre früher mit 
seinem Bruder Hans unter Herzog Albrecht VI. in den vorder- 
östreichischen Landen (conf. p. 206*) und etwas später unter Podie- 
brad in Böhmen und Matthias Corvinus in Ungarn gedient hatte. 
Walter von Hallwil erscheint 1472 neben Hemmann von Lutemau^ 
Nikiaus von Diessbach u. A. als Zeuge einer Uebereinkunft zwischen 
Nikiaus und seinem Bruder Kaspar von Scharnachthal zu Gunsten 
ihres sei. Vetters Konrad von Scharnachthal (Schweiz. Gesch. 
forsch. HI, 185). Walter hatte, dem in pag. 236 und in Beilage B. 2 
angeführten Briefe an seinen in Frankreich lebenden Bruder Hans 
zufolge, eine Zeit lang ebenfalls in französischen Diensten ge- 
standen und scheint im September 1480 von dorther in die Heimat 
zurückgekehrt zu sein. Er erhält, laut Urbar der Grafschaft 
Baden (Argovia, Jahrg. 1862 u. 1863, p. 220), den halben Theil 
des Zehntens zu Boswil und zu Bünzen, den man den Seenger- 
Zehnten nennt, den andern Theil empfängt Heinrich von Seengen 
(1482 sexta feria ante Johann baptistae). In den Jahren 1478 bia 
1481 muss Bern zu Gunsten seines Mitbürgers Walter gegen Luzem 
wiederholte Ein- und Uebergriffe in seine und Berns alte Rechte 
und Märchen in Betreff der Fischerei im See sich vertheidigen 
gegen gemeine Eidgenossen mit Berufung auf Inhalt der Bünde» 



*) Albrecht ist dort irrthümlich ajs Albrecbt IV. bezeichnet. 



247 

Herkommen und Rechte. Balthasar Huber und Urban von Mulren 
handefai dabei als Bathsboten Berns (Bemer Staatsarch., Deutsche 
Miss. buch. D. 154. 157. 41. 42. 48. 50. 52. 86. 95. 411. E. 8—10. 
Ebenso Chron. von Val. Anshelm). Laut einer Angabe, den Ar- 
chiven des alten Bisthums Basel entnommen, bezeugt Walter: 
„Dis sint die güttere, die Ich, Walther von Hallwilr, Ritter, an 
min vnd an minz brüder statt, zu mannlehen han von minem 
herren von Basel, vnd sint die selben güttere vnser lidig eigen. 
Primo, in dem banne ze Ombrachtzwilr, von einem gut, geheissen 
in dem Bucheholtz, XVIII Mütte rogken. Item ze Cotzwilr (Bos- 
wil) ift dem banne, VII stücke an körn vnd an habern. Item die 
hünre vnd die eyger, die zu den vorgenanten güttern gehörent 
(Trouill. Monum. UI, 566). Walter hatte damals schon eine 
heirathsfähige Tochter, Beatrix, die er den 16. Dec. 1484 mit Hans 
Thöring von Büttikon vermählte. Der Ehesteuerbrief bestimmte 
600 Gl. Wiederfall und 300 Gl. Morgengabe, die aus den Zinsen 
auf dem Dorfe Brittnau erhoben werden sollten. Da das Dorf 
Brittnau ein Lehen von Bern war, so musste Schultheiss und 
Bath zu Bern die BewilUgung zu dieser Anweisung geben, was 
am 28. Januar 1485 geschah. — Wahrscheinlich hatte Walter 
damals auch seine zweite Tochter, Magdalena, auszustatten, die 
Hans von Goldenberg ehlichte, und da es ihm an den nöthigen 
Mitteln hiezu fehlen mochte — grosse Kinderzahl (5) und Ent- 
werthung der HallwiFschen Einkünfte von der Mitte dieses Jahr- 
hunderts an — so verkaufte er den 15. Jan. 1485 Alles, was er von 
Vater oder Mutter her oder kaufsweise von Hallwil'schen Gütern 
innehatte, für 2400 Gl. an seinen Bruder Dietrich. Nur eine 
Wohnung im Schloss und einige Plätze behielt er sich vor. Seine 
Brüder Hans und Hartmann wohnten dem Verkaufe bei. Der 
Rodel dieses Jahres sagt indess, dass er nur die Hälfte verkauft 
habe, bestehend in 148 Stück. Dietrich hatte das Geld zum Theil 
vorräthig, erlegte den 22. Januar 1485 Gl. 1100, und so konnte 
Walter seiner Tochter Magdalena 600 Gulden geben, wogegen 
dieselbe vor dem Schultheissen zu Winterthur, Erhart von Hunzikon, 
und dem dortigen Rathe, unter Beistand ihres Vogtes, Hans von 
Ramensberg, den 30. Juni 1485 die Erklärung abgab, dass sie auf 
alles übrige väterliche und mütterliche Vermögen verzichte 
(BeiL A. 29). Dieselbe Erklärung wiederholt sie und ihr Gemal 
den 1. April 1486 vor dem Rathe zu Zofingen. 

Von seinem Bruder Hartmann kaufte Walter von Hallwil 
den 7. Februar 1485 dessen ganzen Antheil an den Hallwil'schen 



248 

Gütern für 871 Vi Gl., während Dietrich einen Zins zu Hirtstal 
Ton 5 GL jährlich den 19. Juli 1485 für 100 Gl. verkaufte. 

Walter lebte still und zurückgezogen aus dem Ertrage seiner 
Renten in Hallwil oder in Schafilsheim , das er um diese Zeit 
(wohl aus französischem Solde) erworben haben mag. 1487 den 
29. October trat er seinem Bruder Dietrich seinen Antheil an 
den Röteln^schen Lehen ab. Auch Walter hat Antheil an der im 
Leben des Hans von Hallwil näher zu erörternden Belehnung 
durch Kaiser Friedrich III. vom Jahr 1488. Bald nachher beschloss 
er, sein Schloss und Dorf Schafiisheim seiner Frau zum Leib- 
geding zu übergeben. Der Rath von Bern, dessen Lehen Schaffis- 
heim war, gab ihm hiezu den 26. Dec. 1489 die Bewilligung, und 
der Vogt, der zu Lenzburg unter dem Sarbach zu Gerichte sass 
(4. Febr. 1490), die gerichtliche Bestätigung. Im Jahre 1492 ver- 
kauft Walter eine ihm aus der Verlassenschaft seines Schwieger- 
vaters, Hug von Hegi, zugetheilte Wiese daselbst (Staatsarcb. 
Zürich. Hegi, 18. Urk.). Obgleich Elisabeth damals seit 25 Jahren 
an Walter von Hallwil verheirathet war, wurde doch die Be- 
stimmung aufgenommen, dass es im Falle ihrer Wiederverehlichung 
beim Ehsteuerbrief bleiben solle. Elisabethens Mutter trat einige 
Jahre später als Wittwe in das Kloster Königsfelden und ttber- 
liess ihren zwei Töchtern und ihrem Sohne erster Elie ihr ganzes 
Vermögen. Dßr Erneuerung des Hallwil'schen Stammbriefs (1493. 
10. Mai) wohnte Walter ebenfalls bei, 8 Tage später schlössen 
Walter und Dietrich unter sich einen Vertrag, des Inhalts, 
dass nach dem Tode ihres Bruders Hans das ihm gehörige Dorf 
Rubischwil an Walter fallen sollte, dagegen Entfeldeu, das Röteln'- 
sche Lehen von 31 Gl. und das übrige Besitz thura Hansens an 
Dietrich (Beil. A. 32). Weil indessen Rubischwil nach dem Tode 
des Hans erst an Magdalena, dessen Frau, als Leibgeding über- 
gehen sollte, so verpflichtete sich Dietrich, in diesem Falle bis zu 
Magdalenens Abscheiden an seinen Bruder Walter jährlich so viel 
von den Gütern in Entfelden zu bezahlen, als die Hälfte von 
Rubischwil beträgt (Beü. A. 33). 

Anfangs des Jahres 1494 liess die Gemalin Walter's durch 
den Schultheissen zu Winterthur ihr Testament fertigen. Ihre ganze 
Habe erhält ihr Gatte als Leibgediug, und wenn sie keine Kinder 
überleben sollten, auch 1000 Gl. ihres Vennögens zum Eigenthum. 
Da die beiden altem Söhne schon damals in den geistUchen Stand 
getreten waren, so mochten die Eltern annehmen, dass dieses 
auch mit den Jüngern der Fall sein könnte. 



249 

Walter beschäftigte sich um jene Zeit mit der Verwaltung 
seines Gutes Schaffisheim. Einige Jahre nachher finden wir ihn 
mit dem Titel Hofiueister in bischöflich Konstanzischen Diensten. 
Der Bischof Hugo wird sein Schwager genannt. Dieser gestattete, 
cUu3S der Laienzehnten zu Sötzach, ein Lehen des Bisthums, dessen 
Träger Walter im ]Samen seiner Frau war, auch an Knaben und 
Töchter verliehen werden könne. 

Als bischöflich-konstanzischer Hofmeister beantwortete Walter 
in einem vertraulichen Schreiben an den Pfarrer Feierabend zu 
Baden, vom 19. März 1498, die Frage, wie er sich bei der Beichte 
in Bezug auf die Absolution gegen solche Magistratspersonen von 
Baden zu benehmen habe, welche die Immunität der Geistlichen 
nicht anerkennen und diese dem weltlichen Gerichtsstabe unter- 
werfen wollen, in einer so ausschliesslichen Weise, dass sich sein 
Herr, der Bischof, späterhin nicht dazu bekennen wollte (Archiv 
für Schw. Gesch. H. 159), sondern sich anerbot, vor den eidg. 
Boten seine Unschuld zu erhärten. 

Seine Schlosskapelle zu Schaffisheim hatte Walter mit drei 
neaen Altären geschmückt, und auf sein Gesuch ertheilte ihm 
den 25.0ct. 1498 der bischöflich-konstanzische Vikar die Erlaubniss 
zur Weihe derselben, mit der Zusage einer 40tägigen Indulgenz 
für die dabei Anwesenden. 

Walter von Hallwil überlebte seinen Bruder, Ritter Hans, 
um eine ziemUche Reihe von Jahren. Er begegnet uns nämlich 
urkundlich zum letzten Mal im Jahre 1513, in welchem Jahre er 
unterm 23. April in St. Dieboldskapelle in Thann ein Todtenamt 
mit 125 Pfund für sich, seine verstorbene Frau, seinen Vetter 
Thüring u. s. w. stiftet. Er scheint sich nach dem Tode seiner 
Frau allmälich ganz von den Geschäften zurückgezogen und ein 
sehr hohes Alter erreicht zu haben. Nach Vögelin: „Kloster 
Kappel' im HI. Bd. der Mitth. der Zürch. antiquar. Gesch., p. 11, 
trat Walter von Hallwil nach 1499 am Abend seines an Er- 
fahrungen der manigfachsten Art reichen Lebens in das Kloster 
Kappel und ward nach seinem Tode (1513) heilig geachtet. Un- 
richtig ist in besagter Monographie nur die Angabe, dass Walter 
im Kloster zu Kappel mit seiner Gemahn Elisabeth von Hegi 
lebte. Dieselbe war schon früher gestorben. Vögelin kam offenbar 
durch BuUinger's Annalen zu seiner Angabe, in welchen es über 
Walter und seine Gattin heisst: „Homines austeritate vitae et 
absoluta pietate laudatissimi, qui et nonnullos annos, vita haud 
poenitenda, in hoc vixere coenobio. ObUt ille 1513.** 



250 

Gehen wir nun zu Dietrich von HaUwil über, dem jängsten 
der 4 Söhne Burkart's. Derselbe war laut dem Schreiben Walter'B 
von Hallwil an seinen Bruder Hans (Beil. B. 2) gleichzeitig mit 
demselben in Frankreich und dürfte auch zur selben Zeit mit ihm 
wieder von dorther zurückgekehrt sein. Ihm wird unterm 22. August 
1480 Kaspar Huber, Sohn des Venners Bartholomäus, der nach 
Paris auf die Hochschule zieht, für den Fall, dass er sich für diesen 
beim Könige verwenden oder ihm sonstwie nützlich sein wollte, aufs 
Beste empfohlen (Staatsarch. Bern. Deutsch. Miss, buch D, p. 370). 
Ihm wiederum wird Ende April 1482 des Venners anderer Sohn, 
Michel Huber, empfohlen, damit diesem die vom König von 
Frankreich durch Herrn von Argentour seinem Vater zwar ver- 
sprochene, aber noch nicht ausgerichtete Pension zur Ermöglichung 
des Besuchs der Pariser Hochschule ausbezahlt werde. In dieser 
Angelegenheit möge sich Dietrich von Hallwil beim Könige mit 
allem Fleiss verwenden (Deutsches Miss, buch E, p. 69). 

Den 11. August 1485 zeigt Bern dem König von Frankreich 
an, wie sich Dietrich von Hallwil darüber schwer beklage, dass 
ihm die zur Belohnung seiner treuen Dienste von Ludwig XI. 
übertragenen Lehen, nämlich Schloss und Herrschaft Dienaye, 
das Priorat La Greffe und die ihm geschenkte Besitzung, Schloss 
Bardonanche im Delphinat, unbilligerweise entzogen worden seien. 
So werden seine Dienste schlecht belohnt. HaUwil wird dem 
Könige in dem Sinne bestens empfohlen, dass ihm eine seinen 
Diensten entsprechende Belohnung und Alles das zu Theil werde, 
worauf er von Rechts wegen Anspruch habe (Bern. Staatsarch. 
Latein. Miss, buch C, p. 246). Ebenfalls im August desselben 
Jahres wird Dietrich von Hallwil in gleicher Weise dem Mark- 
grafen Philipp von Hochberg, Herrn zu Badenweüer, Marschalk 
von Burgund, empfohlen, damit sich dieser beim Könige zu dessen 
Gunsten verwende und dahin wirke, dass Hallwil die ihm wider- 
rechtlich entzogenen Lehen und Besitzungen, den Lohn seiner 
Verdienste, wieder erlange, oder dann für den hieran erlittenen 
Schaden und Verlust in gebührender Weise entschädigt werde 
(Bern. Staatsarch. Deutsches Miss, buch F, p. 142). 

In einer Zuschrift von Schultbeiss und Räthen zu Bern vom 
6. October 1435 wird der König von Frankreich zu Gunsten 
Dietriches von Hallwil gebeten, diesem als Entschädigung für die 
ihm entrissene Besitzung , Schloss Dijoux (?) , die er wohl nicht 
werde wieder erlangen können, eine verhältnissmässige Pension 
für sein ganzes Leben aussetzen zu wollen, und dies um so mehr, 



251 

da Bern Dietriches Verdienste in gebührender Weise belohnt ivissen 
wolle (Bern. Staatsarch. Latem. Missiv. buch C, p. 25^). 

Ein Jahr später, nämlich den 23. Juli 1486, empfiehlt Bern 
seinen Mitbürger Dietrich von Hallwil dem König von Frankreich 
m dem Sinne, dass er die Jenem für 4 Jahre ausgesetzte Pension 
endlich einmal ausbezahle (Latein. Miss, buch D, p. 24). 

Dietrich yermählte sich zufolge des Ehsteuerbriefe vom 
6. Februar 1486 mit Sigone von Rotenstein, der Tochter Hein- 
richs, welcher ein Bruder der Gemalin des Ritter Hans war> 
Dietrich von Hallwil bestimmte seiner Braut 400 Gl. Morgengabe 
und 1200 61. zum Wiederfall und zwar in Anwesenheit des Hans 
von Hallwil, Ritter, Hans Thüring von Büttikon, Thüring Fricker^ 
Hans Arnold Segenser, Sebastian von Lutenjau und Marquard 
Zehender. Magdalena von Rotenstein bedachte das junge Ehpaar 
noch eigens. Vor Gericht zu Aarau, unter Vorsitz des Schult- 
heissen Arnold Segenser, vermachte sie, mit ihrem Manne und 
Vogt, Hans von Hallwil, von besonderer Liebe wegen, die sie zu 
der genannten Frau Sigone von Hallwil, ihres Bruders Tochter, 
habe, dieser und ihrem Ehman (15. Febr. 1486, siehe Beü. A. 30) 
ihr Haus zu Aarau mit Garten und Zubehör sammt allen Zinsen^ 
Gülten und Renten, welche sie diesseits des Berges habe. Die 
Nutzmessung dieser Güter bis zu ihrem und ihres Mannes Tod 
behielt sie sich vor. Dietrich scheint die Burg Hallwil zu seinem 
beständigen Wohnorte gewählt und als junger Ehmann mit Vor- 
liebe der Verwaltung der Güter obgelegen zu haben. Schon 1483 
war der Satz der Pfarrkirche zu Boswil mit dem grossen Zehnten^ 
dem halben Vennerzehnten und dem vierten Theil an Twing und 
Bann von den Hallwil'schen Brüdern an das Kloster Muri gefallen 
und 1485 inkorporirt worden (vergl. Aarg. Staatsarch. Abth. 
Muri H. 1, wo auch ein Mithaftbrief von Junker Walter von 
HaUwil über den Hauptbrief um Boswil, und ein Kaufbrief von 
demselben Junker Walter von Hallwil um den Immerzehnden zu 
Boswil, den er vorhin von Heinrich Obschlacher erkauft hatte. 
Beide Briefe vom Jahr 1483). Einen Streit zwischen der Probstei 
Münster und Dietrich sucht der Rath zu Luzem zu schlichten. 
Er betraf eine von den eidg. Räthen der Kirche zu HäggUngen 
zuerkannte Abgabe, welche Dietrich fiir sich in Anspruch nahm. 
— Mit der Kirche zu Seengen gerieth Dietrich in Uneinigkeit 
wegen der Zehntpflichtigkeit der um das Schloss Hallwil gelegenen 
Matten. Ein vom Vogt zu Lenzburg angeordnetes Zeugenverhör 
vom 23. Sept. 1488 ergab, dass sonst von den Matten kein Zehnten 



252 

g^eben worden sei, dass aber die Mutter Dietriches und wohl 
auch sein Vater denselben um Gottes willen an den P&rrer ent- 
richtet habe. Dietrich verglich sich dann den 24. April 1490 mit 
dem Kommenthur des Stiftes Küssnacht, welcher Lehnherr der 
Kirche zu Seengen war, und dem Pfarrer an letzterm Ort: Die 
Matten sollen frei sein, doch soll jährlich 1 Mtttt Kernen an die 
Kirche zu Seengen bezahlt werden. Ausserdem schenkt Dietrich 
derselben den Zehnten im Dorf und Bann Hallwil, der früher von 
den Frauen in Säckingen verkauft worden war, auch die Zehnten 
von etlichen Gütern in Bonischwil, Alleschwil und Dürrenäsch. 
Dafür aber soll der Kirchherr zu Seengen gehalten sein, jährlich 
4 Mütt Kernen an die Kirche und Kaplanei St. Blasien zu Boni- 
schwQ zu bezahlen. 

Dietrich von Hallwil, der bezüglich seiner Tüchtigkeit in der 
Administration der Güter seinem Gross-Oheim väterlicher Seits 
glich, dem Bitter Budolf, f um 1440, gelangte immer mehr in 
den alleinigen Besitz der Hallwü'schen Güter. Seit 1485 besass 
er in Folge Kaufs auch den Autheil Walter's. An Hcnsli Midier 
von Seon zahlte Dietrich auf 1. September 1488 und so wahr- 
scheinlich auch die nächsten Jahre 5 Gulden Zins, ebenso 5 Gl. 
an Sixtus de Buch von Biberach, Kaplan zu Brugg, und an das 
Kapitel zu Aarau 10 Pfund Häller. Aus dem Kreise seiner Gerichts- 
verwaltung erzählen uns die Rodel von 1491, dass er für eine Erb- 
schaftsfertigung 13 Pfd. für Essen erhielt, der Knecht 3 Gl. Zehrung. 
— Nach dem Tode des Bruders seiner Mutter, Jakob von Rüssegg, 
übernahm Dietrich von Hallwil die Vormundschaft über dessen 
Wittwe und ihre 3 Töchter Apolonia, Veronika und Helena. In 
dieser Eigenschaft wird er durch den Vogt auf Lenzburg bestätigt 
(26. März 1487) und war er auch bei der Abtretung des Schlosses 
Rued zugegen, das Wittwe Beatrix damals ihren Töchtern über- 
gab. Dem wenige Zeit nachher mit der ältesten derselben ver- 
ehlichten Budolf Herbort, Bürger in Wülisau, wird bei diesem 
Anlasse eine Anweisung von 200 Gl. auf das Schloss Rued ge- 
gegeben (Empfangsbescheinigung vom 14. Febr. 1488). Drei Jahre 
nachher gieng Schloss Rued, gegenwärtig im Besitze des Herrn 
Landammann Hans von Hallwü in Aarau, käuflich an Rudolf 
Herbort über. Die Wittwe Beatrix sollte bei ihm und ihrer Tochter 
leben können, oder wenn sie für sich sein wolle, solle sie den Sitz 
in Rued haben und eine gewisse Summe aus den Schlosseinkünften 
beziehen. Die beiden andern Töchter, später ebenfalls verehlicht, 
bescheinigen dem Dietrich von HallwU den 24. Dec. 1494 den Em- 



r 



253 

pfang ihres Antheils an dem Erlös aus Rued mit 492 61. ~ Auch 
beim Verkauf der Zinsen und Gülten zu Dietken bei Sissach und 
zu Mely, dem heutigen Möhlin in der Rheinfelder Herrschaft^ 
den Beatrix mit Heinrich, Truchsess zu Wollhusen, für 100 Gl. 
abschloss, war Dietrich zugegen. — Dietrich, dessen gewöhnlicher 
Wohnsitz die Burg Hallwil war, kaufte in den 90er Jahren von 
Jörg von Stein ein Haus in Bern um 200 Gl., wie er denn über- 
haupt zu Bern in freundlichen Beziehungen scheint gestanden zu 
haben. Er war mit seinen Brüdern Mitglied der Rittergesellschaft 
zum Fisch und Falken. 

Der Stadt Zürich bezahlt Dietrich von Hallwil den 28. Oct. 
1495 zu Gunsten derer von Rotenstein, aus welchem Geschlecht 
ja auch seine Gattin stammte, die Summe von 100 Gl. rück- 
ständiger Bürgerrechtszinsen. In demselben Jahre soll auch nach 
Vögelin „Kloster Kappel" a. a. 0. durch Thüring von Hallwil, 
Johanniter-Ritter, die Kastvogtei an Zürich verkauft worden sein. 
Das kann nicht richtig sein, denn einen Johanniterritter dieses 
Namens gab es damals unter den Gliedern der Familie von Hallwil 
nicht. Wahrscheinlich findet eine Verwechslung mit unserm Dietrich 
statt. Ueberhaupt ist von der Ausübung der Kastvogtei durch 
die Familie von Hallwil während der letzten 90 Jahre nicht die 
Rede. Vielleicht dass es etwa nur ein altes, ausser Uebung ge- 
kommenes Recht war, für welches die Zürcher zuletzt noch eine 
Entschädigung gaben ( Vergl. über diesen Punkt auch Hottinger : 
Spec. Helv.-Tig). 

Dietrich führte bei den am 1. Mai 1492 und am 8. Mai 1494 
im Beisein des Landvogtes Brandolf von Stein abgehaltenen Ver- 
handlungeij den Vorsitz. Für die Seerechte verwendete er sich 
1492 gegen den Obervogt im Waggenthal, Ulrich Kätzi, und er- 
hielt nach Aufweisung derselben aus alten Rodeln deren Bestä- 
tigung. In Folge von Unordnungen, die in der Fischerei eintraten, 
vereinigte sich Dietrich den 21. Sept. 1498 mit den Fischern dahin, 
dass sie beide des Baichenlaiches schonen wollen, er, indem er 
mit den Netzen keinen Zug mehr in demselben thue, sie, indem 
sie keine Garne mehr stellen. So vom 1. November bis 25. März, 

Dietrich's Name taucht vorübergehend auch im Schwaben- 
kriege auf. Nachdem die unterm 27. Juni 1499 an das Volk ge- 
richtete Frage : Will man Solothurn (bei Dornach) Hülfe leisten, 
mit Ja beantwortet worden war (vergl. M. v. Stürler im VII. Bd. 
V. Arch. des bist. Vereins des Kt. Bern), mahnt sowohl Bern als 
Solothurn ihn zum Zuzug, und in einem Schreiben von Schultheisa 



254 

und Ratb letzterer Stadt (Febr. 1499) an Hans, Walter und Dietrich 
hiess es : Der Feind ziehe sich zu Mira, Beigard, Altkirch, Thann zu- 
sammen mid werde von Tag zu Tag stärker. Es sei daher nöUiig, die 
Ihrigen zu Thierstein, Domach, Sewen u. s. w. zubedenken. Einer der 
Herren solle sich demnach auf Donnerstag Abendszu Ballstal gerüstet 
einfinden. Als im Sommer drauf die in Zürich versanmielten Eid- 
genossen einen mächtigen Heereszug zu veranstalten beschlossen, 
um den in Basel versuchten Friedensschluss zu fordern, und die 
Berner mit 5000 Mann aufbrachen, sandten sie am 24. August 
an Dietrich von Hallwil die Aufforderung, bis zum darauf fol- 
genden Samstag zu Pferd gerüstet zum Heere in Brugg zu stossen. 
Nach dem Tode des Ritters Hans von Hallwil führte Dietrich, 
2um Theil unter Beihülfe von Walter's Sohn Burkart, die Ver- 
waltung über die Hallwil'schen Güter und Gerichte. Zum Zwecke 
der Erleichterung und Erläuterung des Gerichtsverfahrens schloss 
er den 28. Sept. 1502 und 21. Jan. 1507 mit Bern und den 6 alten 
Orten einige Verträge. Auch über einzelne Verwaltungsgeschäfte 
«ind uns im Archiv zu Hallwil Rodel aufbewahrt. 

Den 16. April des Jahres 1502 danken Schultheiss und Räthe 
der Stadt Bern der Stadt Genf, dass diese dem Dietrich von 
Hallwil von jedem Sacke des dort in's bemische Gebiet ein- 
geführten Meersalzes die Hälfte des Zolls geschenkt habe (Bern. 
Staatsarch. Latein. Miss, buch F, p. 60). Dass Dietrich von Hall- 
wil mit Meersalz gehandelt habe, ergiebt sich auch aus den Soloth. 
Miss, büchern 8, 211 und aus den Bern. Denkw. Sachen XII, 19. 
— Aus dem Schwabenkriege wissen wir, dass die Eidgenossen 
sehr an Salz Mangel litten, welchem Mangel man indess durch 
«ine Uebereinkunft mit Burgund abzuhelfen suchte. 

Mancherlei Unannehmlichkeiten hatte Dietrich mit seinen 
Vettern, den Rotenstein, wegen ihrer Erbgüter. Mit denen von 
Pappenheim prozessirten sie seit 1500, wobei mitunter auch 
Waffen, nicht bloss Worte sollen gebraucht worden sein. Für die 
Gebrüder Acharius und Arbogast und deren mütterlichen Ver- 
wandten, Uh-ich von Habsberg, der auf der Pfalz zu Rheinfelden 
Vogt war, verbürgte sich Dietrich den 13. Jan. u. 24. März 1504. 
Die Familienchronik bemerkt ferner (pag. 299) , dass es wohl auch 
zu diesem Streite gehöre, dass Dietrich im Jahre 1508 eine Anzahl 
Kisten einem Kaufmann weggenommen und sie in einem Keller 
zu Rheinfelden aufbewahrt habe. Auf Befehl der Obrigkeit sei 
ein notarialisches Verzeichniss derselben aufgenommen worden 
<4. Juli 1408). Die Genealogie von Gottfried von Mülinen fiilirt 



255 

aus dem Jahre 1409 an: „Dietrich, zu Bern gesessen, gab den 
Eidgenossen yid ze schaffen, darumb dass er den Genueser Kauf- 
löten ob 40,000 ff Waaren zu Bynfelden niderwarf , Anspruch halb, 
80 er an die Franzosen hatt, Sold und Pensionen wegen/ Die 
Angabe ist nach Mülinen a. a. 0. p. 43 aus Gysat's Adelsreg. 
Demnach hätte die Waarenbeschlagnahme durch Dietrich von 
HaUwil mit dem eben angefüturten Prozesse nichts zu thun. — 
Der Prozess selbst endigte damit, dass das Gericht zu Insbruck 
im Jahre 1508 das Schloss Rotenstein den Gebrüdem dieses Na- 
mens zusprach. 

Wie sich aus dem bisher Gesagten leicht ersehen lässt, 
waren die Kaplane an der Burgkapelle zu HaUwil keine stehenden 
Kirchendiener, was immerhin als ein Uebelstand gefühlt wurde. 
Desshalb beschlossen die drei Brüdar Hartmann, Walter und 
Dietrich, innerhalb der nächsten 3 Jahre einen Kaplan mit 40 Gl. 
jährlich zu ernennen. Zur Stiftung dieser Pfründe wird ein Kapital 
von 700 Gl. zusammengelegt, 1509 die bischöfliche Erlaubniss 
dafür nachgesucht und 1511 gewährt; allein schon im Jahre 1512 
starb der neu ernannte Kaplan. Bei diesen Verhandlungen liess 
sich Vater Dietrich durch seinen Sohn Kaspar vertreten, ein Be- 
weis, dass Altersschwäche bei ihm eingetreten war; ebenso bei 
den folgenden. Fuhren betreffend, welche die HaUwiFschen Unter- 
thanen beim Schlossbau zu Lenzburg leisten sollten (7. Nov. 1509). 

Kurz vor seinem Lebensende gab Dietrich eine seiner Töchter, 
Magdalena, an Hans Wilhelm von Mülinen, Herrn zu Wildenstein ; 
sie giebt ihm 1200 Gl. Ehsteuer; die andere, Dorothea, an Se- 
bastian von Diessbach, und zwar als dessen 4. Gemalin. (Der 
zweite Ehsteuerbrief vom 10. Januar 1509, der erste vom 11. Juli 
1508.) Dietrich scheint bald hernach ebenfalls zu seinen Vätern 
einge^ngen zu sein. Im Herbste des Jahres 1509 war er bereits 
todt. unter seinen 4 Brüdern hat ihn einzig Walter überlebt. 

Da unter den 3 Schwestern der oft genannten 4 Brüder die 
mit Schultheiss Wilhehn von Diessbach verehlichte Dorothea 
von Hallwil schon um 1477 nicht mehr am Leben war, so er- 
übrigt uns nur noch anzuführen, was uns das Archiv Hallwil über 
BärbeU und AnneU mittheilt. Erstere war mit Rudolf von 
Wattwylverheirathet; letztere war den 19. September 148ö schon 
Wittwe. Ihr Gatte war Burkhart von Stauflen gewesen. Diese 
hatte keine Kinder und verbheb bei ihrem Bruder Walter in 
Hallwil. In Anwesenheit ihres Vormundes Heinrich, Truchsess von 
Wolhausen, und Anderer machte sie ihr Testament. Ihrer 



256 

' Schwester Bärbeli gab sie 5 Gl. jährlichen Zins ; ihren Brüdern 
Hans und Dietrich schenkte sie Gülten an Kernen, Roggen und 
Hafer, dem ersten 10, dem letztem 30 Stück. Ihrem Bruder 
Walter übergab sie 350 Gl. baar, wovon er ihr keinen Zins zu 
zahlen hatte, so lange sie bei ihm lebte, und ihren Hausrath. 
300 Gl. legte sie zu ihrem Begräbnisse auf die Seite und hierauf 
bezüglich verordnete sie, dass am ersten, am siebenten und am 
dreissigsten Tage nach ihrem Tode je eine Seelenmesse von 30 
Priestern an ihrem Begräbnissorte gelesen werde. Ihr Todesjahr 
habe ich nicht ermitteln können. — 



Hans von Hallwil in den Jahren 1486—1504. 

Kehren wir nun wieder auf Ritter Hans v. Hallwil zu* 
rück und führen wir uns noch die beiden letzten Jahrzehnde 
seines Lebens vor Augen! Dieselben sind nicht ereignissreich, 
doch erscheint uns an grossen Persönlichkeiten auch das Kleine 
bedeutsam. 

Dem Hans von Hallwil, Ritter, und seinem Bruder Dietrich, 
welche wir Anfangs der 80. Jahre im Dienste Ludwig's XL von 
Frankreich gesehen haben, scheint anfänglich an Zahlungsstatt 
die franz. Herrschaft Noyers zugesagt worden zu sein. Wegen 
dieser Besitzung hatten sie mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen 
gehabt, und Bern empfiehlt Mitte Febr. 1485 dem Herrn von 
Baudricourt, Gouverneur von Burgund, Johann und Dietrich von 
Hallwil, damit diesen die jährliche Pension ausbezahlt werde, 
welche ihnen als Ersatz für den Genuss der denselben vom König 
von Frankreich verliehenen Herrschaft Noyers versprochen worden 
war (Bemer Staatsarch. Latein. Miss, buch C. p. 181). 

Den 17. März 1485 wird König Karl VIII. von Frankreich 
durch Bern demüthigst gebeten, einem mit den königlichen Ge- 
sandten abgeschlossenen Vertrag zur Befriedigung verschiedener^ 
noch aus der Zeit des Thronvorgängers, Ludwigs XL, herrührender 
Ansprüche der Herren Johann und Dietrich von Hallwil seine 
Bestätigung ertheilen oder denselben eine anderweitige Entschä- 
digung aussprechen zu wollen (Ibidem p. 210). 

Unter gleichem Datum zeigt Bern dem königlichen Statthalter 
in Burgund, Herrn von Baudricourt, an, es habe zu Gunsten d^r 
Ansprüche der Herren Johann und Dietrich von Hallwil auf die 



257 

ihnen von Ludwig XL verliehene, aber bis anhin Yorenthaltefie 
Herrschaft Noyers mit den franz. Gesandten eine Uebereinkunft 
getroffen, der zufolge genannte Ansprecher befriedigt oder ent- 
schädigt werden sollten. Diesem Vertrage sei man bis zur Stunde 
noch nicht nachgekommen und es wird darum Herr von Baudri- 
court ersucht, mit allen Kräften dahin zu wirken, dass be- 
sagter Vertrag in Kraft trete und endlich ausgeführt werde (Ibid. 
p. 211. Die gleiche Angelegenheit taucht dann im J. 1489 aber- 
mal auf). 

Eine freundliche Episode im Leben des Murtnerhelden bildete 
das grossartige Freudenfest, das nach Anshelm (Bernerchronik 
L, 396) den 15. Jan. des J. 1486 zu Bern gehalten wurde.' Ans- 
helm beschreibt das Freudenfest, das denen von Schwyz zu Ehren 
gegeben wurde, näher und sagt: Bern lud hiezu seine zunächst 
wohnenden Amtleute „selb sechst", d. h. jeden als den sechsten, 
mit fünf Begleitern. Diese Notiz ergänzt Dr. Hidber in seiner 
Biographie über Renward Cysat (Arch. für schw. Gesch. XIIL 
p. 186) durch Beiträge aus dem Berner Rathsmanual. Die Be- 
gleiter der Amtleute, Castellane, sollten Bursche sein, „die Schimpf, 
Scherz vnd gut Gesellschaft wüssten zu hallten." Nach Thun, 
Nidau, Erlach und Murten schrieb die Regierung, dass „die Castel- 
lane so viele Fische senden möchten, als man fangen könne." Von 
Biel und Solothurn kamen 70 Festbesucher in „Landmansswiss.'' 
Dieses Fest hatte übrigens nicht bloss* den Zweck allgemeiner 
Belustigung durch Fastnachtschwänke , ihm lag auch ein politi- 
sches Motiv zu Grunde. 

Unter den aus dem Aargau zu dem Fastnachtspiel geladenen 
Edeln nennt Anshelm als ersten den Herrn Hans von Hallwil, 
dann Hemman von Mülinen, Rud. von Lutemau, Hans Arnold 
Segesser, Kaspar Effinger. Von Nachbaren: Markgraf Rudolf v. 
Neuenburg, die Städte Freiburg, Biel und Solothurn. „Item 
Trummeter und Pfyfer." »Bern," fährt er dann fort, „empfieng, 
hielt und liess ihr alten trüwen Eydgenossen mit grossen Ehren, 
Fröuwden und Fründschaft. Welche, nach hocher Danksagung, 
zugent uf nächsten Samstag zu unser Frouwen gan Büren ; da 
euch ufs Befelch einer Stadt Bern wohlgehalten, und da dannen 
heim" (vergl. auch Müller V., 348). 

Im Jahre 1497 sandte Bern eine Anzahl Burger, Landlüt, 
Oberländer, die aarg. Edlen und vom Rath Herrn Wilh. von Diess- 
bach u. s. w. nach den vier Waldstätten, „alte Fründschaft und 
Gmeinschaft zu emüweren." Dieselben brachten (Anshelm IL, 250 

Argovia VI. 17 



258 

und 251) „einen geschenkten vast schönen Schwjzer Ochsen mit 
ihnen heimb/ 

Aehnliche Yolksvergnügungen aus dieser Zeit citirt auch die 
Chronik der Stadt und Landschaft St. Gallen von Aug. Näf ; so 
aus den Jahren 1477, 1481, 1483 und 1485. Im letztgenannten 
Jahre fanden sich in St. Gallen nicht weniger als 208 Stahlschatzeu 
und 445 Füchsenschützen zusammen. 

Im Jahre 1486 kaufte Hans von Hallwil für sich, für 
Jakob, seinen Sohn, auch Hans Heinrich's(?) seines Bru- 
ders sei. Kinder, deren Vormund er ist, von Hans Er- 
bach von Rynach, Ritter, das Schloss Trostburg sammt 
Zugehörd (Hallwilerchronik u. v. Mülinen p. 35). Im nämlichen 
Jahre (Montag vor Laurenz) verspricht er Bern, dass es ihr oflFen 
Haus sein solle, dass er es nicht ohne ihren Willen veräussem, 
auch jährlich 1 Gld. Zins für das ewige Burgerrecht bezahlen 
wolle (Trostburg-Titel). Sonst wohnte er wohl meistens in 
Aarau. Auch als Miterbe am Testamente seiner Schwester 
Anneli, der Wittwe Burkart's von StaufFen, wird er in diesem 
Jahre genannt, wie er denn überhaupt während, desselben an ver- 
schiedenen gerichtlichen Verhandlungen theilgenommen hatte. Von 
1486 an bis 1489 haben wir den Namen des Hans von Hallwil 
in Hallwiler Urkunden nicht finden können, ausser dass es von 
ihm heisst, er hätte 1487 durch einen Anwalt Wilhelm von 
Thürhain für eine Schuld von 50 Gulden betreiben lassen. . Vor 
dem baier. Landgericht Merstetten erbot sich Thürhain, den Eid 
zu leisten, dass er nichts* schuldig sei, worauf der Anwalt zurück- 
trat. Der Landrichter Ruppelin von Stein zu Weyssenhofen 
fertigte über den Vorgang am 22. Oct. die Kundmachung aus. 

Hans von Hallwil, Ritter, hatte aus dem Anfang der 80er Jahre, 
wo er, wie wir gesehen haben, der franz. Krone als oberster 
deutscher Hauptmann diente, Pensionsansprüche, die bisher immer 
noch unberücksichtigt geblieben waren, trotzdem dass Bern seinen 
Mitbürger in dieser Sache im Jahre 1485 aufs Angelegentlichste 
unterstützte. Im Jahre 1489 nahm es die bezüglichen Unter- 
handlungen abermals auf. So verwendet es sich den 5. Jannar 
dieses Jahres beim Herrscher von Frankreich für seinen Schützling, 
Bitter Johann von Hallwil. Er habe zwar, heisst es in dem be- 
züglichen Schreiben, von Ludwig XI. die Herrschaft Noyers ge- 
schenkt erhalten, allein als er seine Ansprüche darauf bei den 
franz. Behörden habe durchsetzen wollen, sei er von ihnen, da sie 
nur ihren eigenen Vortheil im Auge gehabt hätten, zu schwerem 



259 

Schaden und Verlast gebracht worden. Da selbst der bemische 
Schnltheiss, Wilhdm von Diessbach, nichts zum Besten der 
Hallwil'schen Ansprüche erlangen konnte, bat Bern den franz. 
König in dringender Weise, der Betrügerei, Unverschämtheit und 
geldsüchtigen Rechtsverdreherei jener Behörden Einhalt zu thun 
und sie zur Ordnung zu weisen, damit Hallwil endlich zu seinem 
Rechte komme (Bemer Staatsarch. Lat. Miss, buch G. p. 375). 

Ebenfalls unterm 5. Januar 1489 wird der königl. Kanzler, 
Wilhelm von Rupesenti(?), gebeten, dahin zu wirken, dass die 
Ansprüche Johannas von Hallwyl auf Noyers und Chastillon 
von den Behörden beachtet und ihm keine weitern Schwierigkeiten 
zur Erlangung des von ihm Beanspruchten in den Weg gelegt 
werden (Ibid. p. 376 a). 

Aber nicht genug an dem, auch der königl. Verwalter der 
Schatzkammer, Michel Galliard, wird gleichzeitig ersucht, den 
Behörden zu Noyers und Chastillon den Befehl zu ertheilen, den 
Johann von Hallwil, Ritter, in seinen Ansprüchen betreifend 
Noyers etc. zu befriedigen und nicht weiter zu Schaden zu 
bringen (Ibid. p. 376 b). 

Da Herr Hans von Hallwil, um die seit Langem in Aussicht 
gestellte, aber nie ausbezahlte Pension für die ihm entzogene 
Herrschaft Noyers endlich einmal zu erlangen, seinen Schreiber 
2um König von Frankreich schickt, so wird in einer Zuschrift 
vom 12. September 1490 der Marschall von Burgund, Philipp, 
Markgraf von Hochberg, ersucht, genannten Schreiber dem König 
bestens zu empfehlen und dessen Gesuch bei demselben zu unter- 
stützen (Deutsches Miss, buch G. p. 204). 

Gleichen Tags empfehlen Schultheiss und Räthe zu Bern 
4em König von Frankreich den Ritter Johann von Hallwil für 
Auszahlung der Pensionen, welche ihm Jener ausgesetzt als Ent- 
schädigung für die Ansprüche auf den Besitz des Schlosses Noyers, 
denen er entsagt hatte. Jene Pensionen seien ihm noch immer 
vorenthalten worden, was den Ansprecher zu nicht unbedeutenden 
Kosten gebracht habe. Der König wolle darauf Rücksicht nehmen 
und ihm besagte Pensionen auszahlen lassen (Bern. Staatsarch. 
I^t. Miss, buch C. p. 499). 

Der königl. Kanzler und der Gubernator von Burgund, Herr 
von Baudricourt, werden unterm 12. Sept. 1490, ein Jeder be- 
sonders, ersucht, dahin zu wirken, dass die Zahlung der dem 
Johann von Hallwyl, Ritter, für seine Verzichtleistung auf Noyers 
ausgesetzten Pension beschleunigt werde (Ibid. p. 499 u. 500). 



260 

Die Verinuthung, dass Ritter Hans um die Jahre 
1486—1489 ausser Landes war, liegt nahe. Urkundlich 
erscheint er dagegen wieder am 21. Dec. 1489. Als Herr 
von Trostburg erkaufte er unter genanntem Datum einen Hof 
zu Hunzigschwyl. 1490, den 1. Mai, schloss Probst und Kapitel 
von Zofingen mit Hans von Hallwil einen Vertrag ab, womach 
ihre Leibeigenen in Leutwil und in der Herrschaft Xrostberg sich 
unter einander verehlichen durften. — Derselbe Hans von Hallwil 
kaufte von Hans von Seengen, Edelknecht, den Zehnten zu Zezi- 
wil um 330 Gulden (Lenzburger-Titel 1491, Sonntag vor St. Jo- 
hann ze Sungichten). Im gleichen Jahre (1491) stiftete er auf 
dem Schlosse Trostburg eine Kapelle zu Ehren Johannis des 
Täufers mit 2 Altären. Der Bischof und konstanzische General- 
vikar Daniel genehmigt dieselbe unterm 23. August 1491. Die 
betreffende Urkunde ist lateinisch und vidimirt von dem Notar 
Johann Vock. Auch Probst und Kapitel zu Zofingen als Pa- 
trone von Kulm bestätigen Freitags nach Michael 1492 Hansena 
Stiftung einer Kapelle auf dem Schloss Trostburg , die in der 
Pfarre Kuhn liegt, mit Vorbehalt aller pfarrlichen Rechte (v. Mül. 
p. 36). In das Jähr 1491 fälllt ferner die Erbauung einer Ka- 
pelle zu Leutwil. Laut einer mir von dem dortigen Pfarramt 
gewordenen Mittheilung befindet sich in der Kirche zu Leutwil^ 
von alten Leuten jetzt noch „Hallwiler Kapelle*^ genannt , weil 
letztere erst im Jahre 1614 zur Kirche erweitert worden war, heute 
noch eine Glasscheibe, auf welcher oben das Wappen des Hauses 
Hallwil ersichtlich ist. Unter dem Wappen steht noch die eine 
Hälfte einer Inschrift, die folgendermassen heisst: 

Disr Hans v. Hallwyl R 

Obrstr, fürt die Vorhutt vnd thett da . . . 
„den Herzog von Burgund vff d. 10 . . , . 

„vnd gesiget. Hat erbuwen das 

„anno 1491. Sin Husfrow 

„lyggt in der Küchen zu Sengen 

„ernnüwet durch die von Hallwyl." 

Eine Stelle aus den „Schlafbüchern** von Kulm, geführt voa 
Maitini 1563 an, heisst: „Um's Jahr 1616 kam das Dorf Dürren- 
„äsch zur Kirchhöre Leutwil, dessen Kirchbau 1614 geschehen» 
„da es vorhin nur eine Kapelle war, erbauet 1491 zum Andenken 
„der Murtnerschlacht von Junker Hans von Hallwil, der als 
„Oberster führte die Vorhut gegen den Herzog von Burgund und 



7> 



261 

^uff 10000 Rittertag geschlagen und besiegt. Siehe den Schild 
^im Ghorkilch zu Leutwyl." (Mitth. v. Pfarramt Kulm). 

Im Vereine mit seinem Bruder, Junker Walter, bezeugt Ritter 
Hans 1492 (v. Mül. a. a. O. Auszug aus dem Lehensarchiv zu 
Bern) den Ehebrief des Marquard Zehender, Altschultheiss zu 
Aarau, und der Dorothea Mutschli, Tochter des Ulmann Mutschli 
Yon Bremgarten. 

Ein Dokument eigenthümlicher Art bildet ein Lehenbrief vom 
Jahre 1489. Unterm 23. Januar dieses Jahres nämlich belehnt 
^er Bischof Matthias von Seckau die Gebrüder Hans, Walter 
und Dietrich sowie ihre Nachkommen mit dem kaiserl. Haus 
{Castro, curia, curti) zu Lausanne. In dem grossen, von Job. 
Saltzmann gefertigten Dokument findet sich die wörtliche Wieder-: 
holung zweier kaiserlicher Dekrete vom Jahre 1488, gegeben zu 
Inspruck und Köln, in welchen Friedrich III. dem Bischof von 
Seckau Volhnacbt giebt, in den gallischen und italienischen Lan- 
den den- Nutzen und Vortheil des Reichs zu wahren und das 
Nöthige zu thun, um abhanden gekommene Reichsländer wieder 
zu gewinnen. (Es hängt am Pergament ein grosses, aber sehr 
beschädigtes Siegel, auf welchem noch zu lesen ist: Episcopi 
-CaUxti (?) Segoviensis.) Derselbe Bischof kommt den 24. Jan. 1489 
mit den Gebrüdern von Hallwil überein, dass, wenn letztere etwas 
Yon den zu Lehen empfangenen Gütern Erkaufen, sie die Hälfte 
des Preises an den Bischof geben sollen. Dabei liegt die Abschrift 
«ines kaiserl. Dekretes, das an Matthias Vollmacht ertheilt: Jo- 
hannes Saltzmann hat es „zu tütsch bracht.'' Anstalten, um 
dieser Belehnung irgend eine Folge zu geben, scheinen keine ge- 
troffen worden zu sein. 

Schon bei Walter und Dietrich von Hallwil haben wir davon 
gesprochen, wie in das Jahr 1493 die Erneuerung des alten 
Hallwirschen Stammbriefs fällt. 1369 zum ersten Mal auf- 
gesetzt, ward derselbe 1468 erneuert und jetzt, ein Vierteljahr- 
handert später, geschah ein Gleiches. Die Urkunde ist von 
sämmtUchen 4 Brüdern besiegelt und alle 4 Siegel sind noch 
Yorhanden. Dietrich von Hallwü, welcher 1468 nicht mitsiegelte, 
weil er ausser Landes und unmündig war, ist diessmal mit dabei. 
Die 4 Brüder verpflichten sich aufs Neue gegen einander, die 
alte Ordnung aufrecht zu erhalten. Sie schliessen auch in das 
Uebereinkommen ausdrücklich ein die Grafschaft Fahrwangen, 
desgleichen Seengen, Meisterschwanden, EgUschwil, Alischwil und 
Hüsem (siehe Beil. A. 31). 



262 

Hans von Hallwil gieng damals ernstlich mit dem 
Plane um, sein Schloss Trostburg «vmb natürlicher liebe 
vnd fruntschafft willen, so er dann billich zu sinem 
namen vnd stammen vou Hallwil het**, zu den sogenann- 
ten Marschallsg&tern zu schlagen, so dass es wie jene 
immer dem Aeltesten des Stammes gehöre. Er schdnt 
dessen ungeachtet hierüber keinerlei rechtskräftige Verfügung 
getroffen zu haben. Unt^r den Motiven zu einem derartigen 
Geschenke an seine Familie heisst es unter Anderm noch: „ Ange- 
sehen, dz er weder vatter, mutter noch elich kinder hette.** Das be- 
treffende Dokument trägt kein Siegel und ist entweder nur Ab- 
schrift oder Entwurf. 

Im Herbste 1493 machte Magdalena vonRotenstein^ 
Gemalin des Ritters Hans, ihr Testament. Von den 5000 Gl.^ 
welche ihre Brüder ihr allmälich schuldig geworden waren , sollen 
2000 61. an das Schloss Yttelspurg fiallen, so dass, welcher Roten- 
stein Schild und Helm des Mannsstammes ist, es gemessen soll. 
Je 1000 Gl. kommen an ihre Brüder Heinrich und Ulrich und an 
ihren Vetter Wilhelm, sollen aber immer beim Mannsstamme 
bleiben. Ausserdem setzt das Testament 400 61. für Magdalena, 
ihres Bruders Andres Tochter, und 200 Gl. für ihre Schwester 
Ursel von Gräffeneck aus. Ueber den Rest ihres Vermögens be- 
hält sie sich vor, spMer zu verfügen, doch unschädUch ihrentk 
Manne, und Sigonen, ihrer Base. Von Allem soll Hans bis an 
seinen Tod Nutzniesser sein, mit Ausnahme der 2000 Gulden auf 
Schloss Yttelspurg. Dieser Brief ist gefertigt und besiegelt durch 
den Schultheissen zu Aarau, Sebastian von Lutemau. 

Gleich im Jahre nach der Einsetzung dieses Testa- 
mentes, also 1494, wird Magdalena neben Hans unter 
den Gutthätern des Klosters Kappel genannt (Simmler'a 
Annalen von Kappel). 

Zwischen Hans von Hallwil, Ritter, und dem Vogt von Baden 
waltet ein Streit über die Lehenbarkeit dniger von Ersterm be- 
sessener Güter. Derselbe kommt 1494 vor die Tagsatzung zu 
Baden, wird aber nicht ausgetragen, sondern man lässt die Sache 
bis zu näherer Erkundigung anstehen (Eidg. Absch. UI, 457). 
Diese Vögte in den eidgenössischen Unterthanenlanden Baden und 
den freien Aemtem, sowie die zu Lenzburg residirenden Vögte 
Berns kamen hie und da mit denen von Hallwil in Konflikt, und 
Thatsache ist, dass Bern schon seit den Burgunderkrie^ 
gen, namentlich aber seit Hansens Tod, in den HallwiP^ 



263 

sehen Herrschaften immer grössere Machtvollkommen- 
heit beanspruchte. 

Vom Jahre 1493 haben wir' eine Erkanntnuss von den 6 Orten, 
dass der Kelnhof und Kirchensatz zu Boswil und was ein Gotts- 
hus Muri von den Herren von Rüssegg, GrUnenberg, Baldegg, 
Heidegg und Hallwil erkauft, nimmermehr müsse empfangen 
werden(A arg. Staatsarchiv, Abth. Muri, Scrin. H. 1). 

In einer andern Streitsache, die zwischen Herrn Kaspar Moser 
von Bremgarten und denen von Hallwil, seinen Lehensherren 
einerseits, und denen von Birmenstorf anderseits statthatte, wurde 
auf dem Tage zu Baden (1495) erkennt, dass die von Hallwil 
beim Lehen, Herr Kaspar Moser bei seinen Zinsen bleiben sollen ; 
die Bauern mögen unter sich diejenigen suchen, welche solche 
zu geben haben. Alles laut einem vor dreissig Jahren von den 
Eidgenossen gegebenen Urtheil (Eidg. Absch. HI, 483). 

In der zweiten Hälfte der 90er Jahre begegnet uns 
der Name des Hans von Hallwil sehr selten. Im Archiv 
daselbst wird er während dieser Zeit unsers Wissens nur zweimal 
genannt; einmal indem er an Steffen Rütschmann, Bürger zu 
Zofingen,, als sich dieser mk Felicen Buchlerin verheirathete, 
100 Gulden zur Ehsteuer bezahlte — das Motiv ist nicht an- 
gegeben — 28. Jan. 1495. Ein ander Mal geschieht seiner Er- 
wähnung, da er als Aeltester des Stammes im Jahre 1497 an 
Bernhard Schwitzli die Schlosskaplanei zu Hallwil verlieh. Der 
neugewählte Kaplan stellte unter dem Siegel des damaligen Ober- 
vogtes zu Lenzburg, Melchior Luternau, bei dieser Gelegenheit 
einen Revers aus, in welchem er versprach, „wöchentUch drei 
Messen zu lesen, ein priesterlich Wesen zu halten, wie es sich 
einem Priester ziemt, mit ehrbaren Personen hauszuhalten ; wenn 
er leichtfertig würde, die Kaplanei und alle Nutzungen zu ver- 
lassen und sich alles Schirms der Privilegien von Päpsten, Bi- 
schöfen und Prälaten zu begeben*' (1497, Febr. 27.). 

Ob auch Hans von Hallwil im Schwabenkriege noch einmal zu 
seinem alten Schlachtschwerte gegriffen, wie wir von seinem jungem 
Bruder Dietrich wissen, dass er im Jahre 1499 von Bern und Solo- 
tburn aus zum Zuzug gemahnt und unterm 24. Aug. gleichen Jahres 
aufgefordert wurde, sich bis darauffolgenden Samstag zu Brugg zu 
stellen, um sich dem Bernerheere beizugesellen, wh*d schwer zu er- 
mitteln sein. Er musste damals schon 66 Jahre alt sein und wird 
also den Kampfplatz jUngeren Kräften überlassen haben. 

Lfaut einer Urkunde vom Jahre 1500 verkaufte Hans Arnold 



264 

Segesser zu Aarau an Ritter I|^ans von Hallwil, sesshaft za Aarau, 
einige Bodenzinse und Güter zu Teufenthai, herrührend von denen 
von Heidegg. Ebenso verkaufte ihm Rudolf Herbert, Bürger zu 
Willisau, die Hälfte des gi'ossen und kleinen Zehntens von Teufen- 
thal, die er von dem Edeln von Reussegg erbweise erhalten hatte. 

Im gleichen Jahre beschwerte sich das Stift Zofingen über 
Eingriffe von Seiten des Ritters Hans von Hallwil in seine Zehnt- 
gerechtigkeit zu Zezwil und Teufenthai, welcher Streit dahin er- 
ledigt wurde, dass Ritter Hans in Zezwil zu bleiben habe, es seie 
in „Grünvelden oder Fronwelden." . Dagegen solle er auch das 
Stift bei dessen Zehnten in Linithal an der Raro (unleserlich) zu 
Teufenthai ruhig belassen und den ihm zugefügten Schaden mit 
1 Mütt Roggen und 1 Mütt Haber vergüten (Mitth. von Herrn 
Amtsschreiber Birrcher in Laufenburg). 

Da Ritter Hans das Ende seiner Tage heranrücken 
sah, machte er 1501 den 13. Januar vor dem Rathe zu 
Aarau sein Testament. In demselben setzte er Walter und 
Dietrich, seine Brüder, zu Erben ein, doch unbeschadet frühem 
Vermächtnissen zu Gunsten derer von Rotenstein und Sigonens, der 
Ehefrau seines Bruders Dietrich. Sdne eigene Gattin kann damals 
nicht mehr gelebt haben, da er ihrer im Testament mit keinem 
Worte gedenkt, während er doch von ihr bedeutende Einkünfte 
als Leibgeding zu geniessen hatte. Dieses Testament betrifft 
hauptsächlich die Lehen von Oestreich, Basel und Röteln. Aus 
seinem Vermögen gab er seiner Schwester Bärbel i, die damals 
schon Wittwe sein mochte, 200 Gulden. 

Ritter Hans von Hallwil starb im Jahre 1504 den 
19. März. Noch etwa 5 Wochen vor seinem Tode unterzeichnete 
er mit seinen Brüdern einen Vertrag mit Bern, in welchem die 
Herrschaftsrechte der Familie festgestellt wurden. Ungefähr gleich- 
zeitig damit schenkten die drei Brüder an das Kloster Kappel 
zwei silberne, ganz vergoldete Becher, auf deren einem das Wappen 
der Hallwil und Rotenstein, auf deren anderm dasjenige der Hall- 
wil und Hegi eingravirt war. Abt und Konvent von Kappel ver- 
sprachen den 6. Juni 1504, diese Becher an niemand anders als 
an die Familie von Hallwil zu veräussern. Aus Erkenntlichkeit 
für dieses Geschenk stifteten sie für die drei Brüder eine Jahr- 
zeit. Die Verschreibung ist aber nur an Dietrich und Walter ge- 
richtet (Fronleichnam, 6. Juni 1504), da ilir Bruder inzwischen 
gestorben war. Des Helden leibliche Ueberreste wurden zu Seengen 
bestattet (Fr. v. Mül. hist.-geneal. Ausz. Bd. XXII). 



265 

In der alten Ritterburg zu Hallwil liegt das Grabmonument 
des ausgezeichnetsten Sprösslings aus dem edeln Geschlechte. 
Dasselbe giebt sich als solches durch das Hallwirsche und Roten- 
stein'sche Wappen zu erkennen, welches den grossen Leichenstein 
schmückt. Eine Inschrift trägt das Grabmal, das in dem in der 
Einleitung näher geschilderten Peristil des Schlosses angebracht 
ist, nicht mehr, sogar die Spuren einer solchen sind verschwun- 
den. An der Wand eines Zimmers im vordem Hause hängt das 
Schwert, das er bei Murten geschwungen haben, dort auch die 
Fahne, die ihn in die Schlacht bei Murten begleitet haben soll. 
Letztere trägt die Spuren des Alters in hohem Grade an sich, 
da sie der Eigenthümer kaum zu entrolle^ wagt. In der Ruhmes- 
halle zu Regensburg steht seine Büste, eine der Nischen des neu- 
erstellten Museum's zu Bern wird seine Statuette aufnehmen. 

Den L Mai 1504 theilten die 2 Brüder des Dahin- 
geschiedenen — Hartmann war als Geistlicher nicht erbfähig 
— dessen Güter nach den früher getroffenen testamen- 
tarischen Bestimmungen und Verträgen, wornach Rubi- 
schwil an Walter, Entfelden und das Röteln'sche Lehen 
an Dietrich kam. Der erstere erhielt femer den Antheil des 
verstorbenen Bruders am Schloss Hallwil, am See und am Schlatt, 
sowie an den Gerichten zu Seengeu und den andem Dörfern. 
QemeinschaftUch verblieb ihnen der Zehnten zu Zezwil. Dietrich 
erhielt, obgleich jünger als Walter, einen grossen Theil dessen, 
was eigentlich dem Aeltesten des Stammes zugehörte. Er besorgte 
das Legat an seine Schwester Barbara, verehlicht gewesen an 
Rudolf von Wattwyler, indem er ihr 200 Gulden auszahlte; er 
steuerte die beiden unehlichen Töchter des Hans von Hallwil aus, 
Elsine und Agnesli, letztere mit 250 Gl. Auch empfieng er von 
Walter ein Familienkleinod, das in einem Ring mit einem Türkis 
bestand und späterhin immer dem Aeltesten des Stammes zu- 
kommen sollte. Hansens ausserehliche Tochter Elsbeth oder 
Elsine von Hallwil ward, laut den Solothumer Kopiebüchern F, 
im Jahre 1507 von H. H. Winkeli, Grossweibel in Solothum, Sohn 
eines Sattlers, geehlicht. Dietrich hatte ihre Ausstattung auf sich 
genommen. Erbfähig war keine der beiden Töchter. (Siehe Blumer 
a. a. O. p. 191 über die Bedingung zur Erbfähigkeit. Ueber un- 
ehliche Geburt siehe: Appenzeller Landbuch vom Jahre 1409 mit 
Erläuterungen, herausgegeben von J. B. Rusch, pag. 46 £f.) 

So war denn im Laufe des ersten Jahrzehends vom 
16. Jahrhundert eine ganze Generation des Geschlechtes 



266 

derer von Hallwil ausgestorben; Hans, der älteste der 
4 Brüder, war 1504, Hartmann, Domherr zu Basel, 1506, 
Dietrich 1509 und Walter 1513 vom Schauplatz abge- 
treten; jeder derselben hatte sich durch herYorragende- 
Eigenschaften bemerklich gemacht. Alle drei nicht geist- 
liche Glieder der Familie hatten theils im Burgunder-^ 
theils im Schwabenkriege in den Reihen ihrer Miteidge- 
nossen ehrenvoll mitgekämpft, und mit Rücksicht auf 
Hans von Hallwil sagt Joh. von Müller: „Ein Hallwil und 
Ein Winkelried waren an Ruhm vielen Königen über- 
legen, denn nur bei Marathon und in den Thermopylen 
war ihres Gleichen !** Geben wir nun, um ein Ganzes zu haben^ 
schliesslich noch eine kurzgefasste Beschreibung dieses ehr- 
würdigen Adelsgeschlechtes und zwar so, dass wir wenigstens 
diejenigen Gheder der Familie namhaft machen, die sich in 
irgend einer Weise, sei es als Soldaten, sei es als weltliche oder 
geistUche Würdenträger, besonders ausgezeichnet haben. Auf 
Vollständigkeit machen diese wenigen Nachträge keinerlei An- 
spruch. Da die Wirksamkeit mehrerer dieser Hallwile mehr dem 
Auslande, als dem eigenen Vaterlande zu gute kam, so veimögen 
wir über diese ohnedies nicht urkundlich Genaues beizubringen. 
Das Material aber, das uns für die einheimisch Verbliebenen zu 
Gebote steht, verdanken wir zum weitaus grössten Theile der 
Familienchronik von HallwU, dem Schweiz. Lexikon von Leu^ 
der Genealogie des Herrn Gottfr. von Mülinen und gütigen 
Mittheilungen einiger Geschichtsfreunde. 



V. Abschnitt: Kurzer biogr. Ueberblick Über die Familie von Halhvil 
vom Anfang des 16. Jahrhunderts an bis auf die Gegenwart 



Nur die beiden FamiUenhäupter Walter und Dietrich, welche 
wir zu Beginn des 16. Jahrhunderts, den Einen im Kloster Kappel, 
den Andern auf der Burg zu Hallwil sterben sahen, haben eheliche 
männliche Nachkommen hinterlassen. Aber noch vor Ablauf der 
vier ersten Jahrzehnde dieses Jahrhunderts sollte der Stamm 
Walter's erlöschen. 

Walter hinterliess 4 Söhne und 3 Töchter: Magdalena, 
verehlicht an Hans von Goldenberg, Herrn zu Mörspurg; Beatrix, 
verehlicht an Hans Thüring von Büttikon; und Regula, wahr* 



267 

scheinlich unverheirathet gestorben. Von den beiden altem Söhnen 
war Thüring Chorherr zu Zofingen, Johann Budolf DomheiT, 
nacfawärts Domkustos zu Basel Der Familienchronik von Hall- 
wil zufolge wäre der Letztere als erwählter Bischof von Basel 
in dieser Stadt 1526 gestorben, ehe die päbstliche Bestätigung 
erfolgte. Seine Brüder, Burkart, Herr zu Schaffisheim und zu 
Sirentz, und Hugo hatten 1513 in seinem und Thüring's Beisein 
die Erbschaft ihres Vaters Walter in der Weise unter sich ge- 
theilt, dass Burkart den Antheil des Vaters am Schlosse Hall<- 
wil und ein Haus in Winterthur sammt vielen Einkünften bekam, 
Hugo aber das Schloss Schaffisheim. Der kriegerische Geist seiner 
Ahnen scheint in Hugo fortgelebt zu haben. Er soll am Pavia- 
zug (1512) theilgenommen haben (Schw. Gesch. forsch. I., 198) 
und starb auf dem Schlachtfelde von Marignano 1515, Sept. 14. 
Von seiner Gattin, Küngold von Stadion, hatte er nur einen 
Sohn, der 1518 noch unmündig starb. Die von diesem Zweige 
besessenen Mannlehen fielen dann an den Bruder des Vaters, 
Burkart von Hallwil. Dieser letztere erzog hierauf die Töchter 
seines Bruders und steuerte sie bei ihrer Verheirathung aus. 

Burkart war somit jetzt der einzige Besitzer der von seinem 
Vater Walter hinterlassenen Güter. Im Jahre 1519 kam es dann 
zwischen ihm und seinen Vettern zu einer neuen Theilung der 
HallwiFschen Güter, von welcher bei den Söhnen Dietriches die 
Rede sein wird. 

Da Burkart's Sohn frühe starb, war mit seinem Tode (1538) 
Walter's Geschlecht erloschen und so beruhte die Fortpflanzung 
des Geschlechtes auf den Nachkommen Dietriches, welche zunächst 
in 3 Söhnen und 4 Töchtern bestanden. Kaspar, der älteste der 
Söhne, war beim Tode seines Vaters bereits mündig."**) Mag- 
dalena und Dorothea waren damals schon verheirathet, erstere 
an Hans Wi)h. von Mülinen, Herrn zu Wildenstein, letztere an 
Sebastian von Diessbach, Mitherrn zu Worb und Schultheiss zu 



*') Der früher erwähnte Hans Rudolf von Hallwil, Domkastos zu Basel» 
war zufolge einer mir von Stadtpfarrer C. Schröter mitgetheilten Urkunde 
vom Jahr 1514 (Donnerstag nächst vor 8i Martinstag) Zeuge eines zwischen 
Junker Kaspar von Hallwil, Schafiher zu Bheinfelden, in seinem und seiner 
Geschwister Namen einer-, und Herrn Berthold Rudy, Chorherrn zu Rhein- 
felden anderseits stattgehabten Verkaufs von Gütern, die dem Süffce St. Mar- 
tin za Rheinfelden angehOrt hatten (Hofg^t zu »Mely«, dem heutigen 
Möhlin, Haus zum »Schwybogen« zu Rheinfelden u. s w. um 380 rhein. 
Golden). 



268 

Bern. — Die Jüngern Geschwister hiessen Georg, Hartmann, 
Anna und Barbara. Anna verehlichte sich mit Jakob von 
Hertenstein, Schultheiss zu Luzem, und war nach v. Mülinen's 
Geneal. dessen vierte Gattin; Barbara mit Wolfgang von Helms- 
torf zu Applishausen. 

Im Jahre 1519 (Donnerstag vor der Herren-Fastnacht) hatten 
Kaspar und seine minderjährigen Brüder Georg und Hartmann 
eines Theils, und Burkart von Hallwil, ihr Geschwisterkindvetter 
väterlicher Seits andern Theils, Streit wegen ihrer Güter. Ru- 
dolf von Hallwil, Domherr zu Basel und T hü ring von Hallwil, 
Chorherr zu Zofingen, fällten zwischen den beiden streitenden 
Parteien folgenden Urtheilsspruch : Die 3 Brüder, Kaspar, Georg 
und Hartmann von Hallwil sollen im Genüsse des ganzen Schlosses 
und der Herrschaft Hallwil bleiben; auch der Antheil Burkart's 
daran soll ihnen zufallen. Der Regierung von Bern haben sie 
das jährliche Udelgeld zu bezahlen , dagegen soll Burkart der 
Regierung von Solothum den ihr von dem Schlosse Hallwil schul- 
digen üdel entrichten. In Betreff der Stammgüter soll es bei 
den alten Verträgen bleiben. Die Herrschaft Trostburg sollen 
die 3 Brüder behalten und gutfindenden Falls verkaufen können. 
Auch sollen sie die 31 Gld. jährlichen Zinses von der Herrschaft 
Röttelen beziehen. Burkart seinerseits soll das Schloss und Dorf 
Schaffhusen (Schaffisheim) mit dem Hof Bettenthal, sowie den 
grossen Rubischwil-zehnden behalten und diese Güter nach Be- 
lieben verkaufen können, mit Ausnahme jedoch des Rubischwil- 
zehndens, welcher bei dem Mannsstamm von Hallwil bleiben und 
ohne Aller Willen nicht veräussert werden soll. Das Dorf Si- 
rentz, welches ein Mannlehen von Oestreich ist und wovon 3 Theile 
Burkarten und der 4. Theil den 3 Brüdern gehörte, soll ganz 
dem erstem zufallen und derselbe solches nach Belieben veräussem 
können. Auch die biscböfl. baserschen Lehen, die sie bisher 
gemeinschaftlich besessen hatten, sollen Burkart und seine Erben 
allein nutzen und besitzen, jedoch soll er solche nicht ohne den 
Willen des ganzen Geschlechtes veräussern. Ebenso soll, wenn 
diese Lehen, sowohl die bischöfl. baserschen als Sirentz, neu 
empfangen werden, solches im Namen des ganzen Geschlechtes 
geschehen. Der jeweilige Aelteste des Mannsstammes soll wie 
bisher die zum Marschallamt zu Rynach gehörenden Zinse und 
Gerechtigkeiten beziehen und benutzen (Aus Mül. Geneal. : Urk. 
in den Hallw. Prozesschriften). 

Im Namen der Edeln Kaspar und Hartmann von Hallwil 



269 

wendet sich Schultheiss und Rath zu Luzern unterm 24. Jan. 
1526 an das Kloster Kappel, das Abt Joner bereits refoimirt 
hatte, mit der Mittheilung, dass die Edeln von Hallwil wünschen, 
Luzern möge alle solchen Güter, die in seinem Gebiete liegen, 
ihnen zurückgeben, die Hallwil wollten sie dann an andere Kirchen 
und Kirchendienste verwenden. Ein Schiedsgericht vom 3. Dez. 
1526 entschied den Streit zwischen den Edlen Burkart, Kaspar^ 
Jörg und Hartmann von Hallwil einer-, und Abt Wolfgang und 
dem Konvent des Klosters Kappel anderseits folgendermassen : 
Das Kloster soll zum Ersätze der nicht mehr begangenen Stif- 
tungen, Jahrzeiten u. s. w. denen von Hallwil zurückgeben „fünfzig 
und ein Stück guter und jährlicher Gült, nämlich 1 Mütt Kernen 
für 1 Stück, 1 Malter Haber für ein Stück und 6 Viertel Roggen 
für 1 Stück gerechnet." Ferner giebt es ihnen zurück zwei grosse 
silberne vergoldete Becher — das waren die p. 264 erwähnten, 
von Hans, Walter und Dietrich dem Kloster geschenkten Becher 
— sechs kleinere silberne Becher und zwanzig Gulden (Vögelin, 
Kloster Kappel p. 12). 

Mit dem Jahre 1528, da Bern zur Reformation über- 
trat, scheinen auch die Hallwil derselben beigetreten 
zu sein, wenigstens weigern sie sich von jener Zeit an, Gefälle 
aus ihren Herrschaften an katholische Stiftungen abzuUefern. 
Aus dem Kapitel zu Aarau werden 100 Gulden zurückgegeben 
und von der Kirche zu Seengen 14 Mütt Kernen jährlich. 

Kaspar und Hart mann von Hallwil theilten nach dem Tode 
ihrer 2 Brüder den 1. August 1534 die HallwiFschen Stammgüter 
unter sich. Kaspar bekam das vordere Haus zu Hallwil, Hartmann 
das hintere. 5 Jahre später verkauften die gleichen Brüder iss 
Schloss Wartberg oder die Überwartburg für 1000 Gulden an 
Solothurn, wobei noch 24 Kronen (40 Gulden) für die Frauen von 
Hallwil ausbedungen waren und ein Revers ausgestellt wurde, des 
Inhalts, wenn einer von Hallwil sich in Solothurn niederlassen 
will, 80 soll derselbe wie ein eingeborner Bürger angesehen 
werden.*) 

Im Jahre 1 544 kam in Fahrwangen eine Bestrafung niit dem 
Feuertod vor, ausgeführt durch einen von Bern verschriebenen 
Scharfrichter. 



*) 1542 geriethen die ßrüder Kaspar und Hartmann von HaUwil mit 
dem Stifte Zofingen in Streit wegen des Zehntens von einigen Aeckern 
unterhalb der Burg Liebegg, zumal die Zehntleute des Stiftes einfach die 
Garben einsammelten und fortfOhrten. 



270 

1546 wird Hartmann von Hallwil, Bürger zu Bern, vom Statt- 
halter und Rath zu Bern mit Gut und Gerechtsamen des im 
Sundgau angesessenen Jakob von Rynach belehnt (Arg. IV, p. 416). 
Im gleichen Jahre (1546) ward Hartmann als Gesandter der Bemer 
Regierung in's Lager der Schmalkaldischen Bundesgenossen ge- 
schickt. Im Jahre 1547 bewilligen Statthalter und Rath zu Bern 
demselben Hartmann Erz zu suchen, welcherlei es auch sei 
(Arg. IV, 424). Kaspar von Hallwil lebte bis um 1566, Hart- 
mann bis um 1573 herum. 

Ein Wort von den Nachkommen Hartmann's. Im Besitze 
dieser Nachkommen stand das zur Zeit der Burgunderkriege aus 
französischem Soldgelde angekaufte Schloss Schaffisheim. Hier 
wohnte Hartmann's ältester Sohn, Hans Hartmann f 1586. Der 
älteste Sohn dieses Letztem, Hans Friedrich, Herr zu Schaffis- 
heim und Hendschikon, starb 1638 ohne männliche Nachkommen. 

Hans Hartmann's jüngere Brüder, Hans Georg und Samuel, 
wohnten im hintern Hause zu Hallwil. Samuel starb 1596, und 
kurze Zeit nach ihm verschieden auch seine 3 Kinder. 

Hans Georg verehlichte sich mit Maria Magdalena von Frei- 
berg, änderte nach Leu (Helv. Lexikon) die Religion und liess 
sich im Ausland (Schwaben) nieder. '*') Nachdem er 1609 gestorben 
war, stand sein Stamm während mehrerer Generationen in Ehre 
und Ansehen. So erwarb sich sein Grosssohn Friedrich Georg 
als Militär einen Namen, — Ruhm und Auszeichnung in noch 
höherm Grade erlangte der Sohn dieses Friedrich Georg — Fried- 
rich Ludwig. Er war 1644 zu Liestal geboren, wo seine 
Mutter, Maria von Flachsland, weilte, hiess Herr zu Neckar- 
bähingen und zeichnete sich äusserlich durch ungemeine Körper- 
länge aus. Im Jahre 1671 verehlichte er sich mit Anna Katharina 
von Schiammersdorf. Nachdem er vom 19. Altersjahre an ab- 
wechselnd bei den Franzosen, bei der Reichsarmee, bei den 
Schweden u. s. w. gedient hatte, wurde er 1675 Obrist- Wacht- 
meister im Regiment des Herzogs Friedrich Karl von Würtemberg, 
in welcher Eigenschaft er vom Markgraf Friedrich von Baden- 
Durlach mit verschiedenen Gesandtschaften beehrt wurde, so an 
den Generallieutenant Montecuculi nach Kissingen u. s. w. Bei 



*) Den 11. Nov. 1588 verkauft Hans Georg von Hallwil, föratlich wür- 
temberg. Obervogt zu Marbach, der Stadt Brugg Haus nnd Hof aammt 
Stallnng und Erautgarten zu Brugg unter der Kirche an der Aare, dazu 
mehrere Liegenschaften um Brugg etc. um 18,000 Gulden (Arg. IV, p. 422). 



271 

da* Belagerung Yon Phüippsburg im sogenannten holländischen 
Kii^e (1672— 1679) zeichnete sich Friedrich Ludwig von Hallwil 
dergestalt aus, dass er in Folge davon zum Obrist-Lieutenant 
befördert wurde. Als solcher machte er 1677 den Feldzug im 
Elsass und Breisgau mit. In einem Gefechte bei Offenburg ward 
er schwer verwundet. Nachdem er in der Eigenschaft als würtemb. 
Obrist noch zu wiederholten Malen seine Bravour an den Tag 
gelegt hatte, setzte der am 26. Jan. 1679 geschlossene Friede zu 
Nymwegen seiner Thätigkeit ein Ziel. Allein bald darauf ward 
er Obervogt der würtemb. Stadt Marbach, welche Stelle er drei 
Jahre lang bekleidete. Als Obrist-Lieutenant eines Kürassier- 
regimentes stand er im Jahre 1682 in Ungarn, nahm an dem 
Entsätze der im Jahre 1683 durch die Türken aufs Aeusserste 
bedrängten Stadt Wien einen ehrenvollen Antheil und erhielt 
unterm 23. Nov. gleichen Jahres als Zeichen der Anerkennung 
seiner Tüchtigkeit den Rang eines kaiserlichen General-Feld- 
Wachtmeisters. 

Banger Ahnungen voll, kehrte er von einem Besuche bei den 
Seinigen in Würtemberg — wiederum zu seinem Regiment zurück. 
Da ward von den kaiserhchen Truppen die seit 30 Jahren von 
den Türken innegehabte Festung Vicegrad, welche dem kaiserl. 
Heere den Weg nach Ofen sperrte, im Sturme genommen ; Gene- 
ral von HallwU aber wurde bei Anlass eines Ausfalls, welchen 
6000 türkische Reiter aus Ofen auf ein ihm angehöriges Reiter- 
korps machten, durch zwei Lanzenstiche tödtlich verwundet. Nach- 
dem er seine Seele Gott, seinen einzigen Sohn aber der Obhut 
eines treuen Freundes übergeben hatte, starb er im Alter von 
40 Jahren. Der Herzog Karl von Lothringen brach bei der Nach- 
richt vom Tode dieses Mannes, der um seiner Tapferkeit, Leut- 
seligkeit und seiner aufrichtigen Frömmigkeit willen bei Hoch 
und Niedrig gleich angesehen wajr, in die Worte aus : „Es wäre 
besser, Ihre Kaiserl. Majestät hätte 1000 Kürassiere, denn einen 
so brav^i Mann verloren. ** 

Mit seinem Sohne Ludwig Friedrich, der 1711 als kaiser- 
licher Oberst starb, erlosch sein Stamm. Von den Besitzungen, 
die derselbe in Würtemberg hatte, ist nichts an die Hallwil in 
der Schweiz gekonmien. 

Und nun kommen wir auf Kaspar von Hallwil (pag. 268) 
zurück, um uns auch seine Nachkommenschaft zu vergegenwärtigen. 

Kaspar von Hallwil hatte der Familienchronik zufolge von 
2 Frauen, deren eine Barbara von Hohenlandenberg, deren andere 



272 

Maria Meyer von Hüningen war, 4 Söhne: Dietrich, Hugo, 
Walter und Burkart. (V. Mülinen stimmt nicht damit. 
Dietrich fehlt bei ihm. Statt dessen fuhrt er ausser den 3 bereits 
genannten noch 4 andere Söhne Kaspar's an, nämlich Thüring, 
Hans Georg, Hans Hartmann und Johann Rudolf.) 

Dietrich, geb. 1514, der älteste der 4 Söhne, verwaltete 
die von seinen Eltern erworbene Burg und Vogtei Hegi im Thur- 
gau, verblieb beim katholischen Glauben und wurde im Jahre 
1545 Hofmeister des Abtes von St. Gallen. Seine Nachkommen 
scheinen sammt und sonders eifrige Katholiken gewesen zu sein 
und waren noch über ein Jahrhundert lang theils bisch, konstan- 
zische und bischöfl. augsburgische, theils Abt sanctgallische 
Würdenträger; einzelne gehörten auch geisthchen Orden an. 
Mit ihren reformirten Vettern unterhielten sie keinerlei Verbindung. 

Ausführlicheres berichtet die Hallwilerchronik aus einem 
durch den Domherr und Weihbischof Balthasar Wurrer nieder- 
geschriebenen lateinischen Manuskript über Dietriches Sohn, Job. 
Georg, um das Jahr 1600 Dekan des Bisthums Konstanz. Der- 
selbe liess sich nur mit Widerstreben zum Bischof erwählen. 
Laut einer Urkund^e, datirt Meersburg, ist Johann Georg von 
HalMl, Domdekan, den 2. Januar anno 1601 zum Bischof erwählt 
und den 5. hernach durch Bürgermeister Heinrich Zeyen etc. zu 
Konstanz gratulirt worden (Näheres in Mone's Qi^ßllensammlung 
HI, 592). Der neue Bischof zeigte als Solcher ein hohes Maass 
von Demuth und Frömmigkeit und lebte in dem der Stadt Kon- 
stanz benachbarten Mörsburg in mönchischer Zucht und Einfach- 
heit. Pferde und Jagdhunde seines Vorgängers wurden entfernt, 
und während er sich gegen alle Menschen sanft, wohlwollend und 
nachsichtig erzeigte, war er dagegen gegen sich selbst hart und 
strenge. Die Reformation sah er als einen argen Abfall vom wahren 
Glauben an. Sein Tod fiel in ,das Jahr 1604 und war durch 
übermässig lang anhaltendes Fasten beschleunigt worden. 

Gleicherweise, wie die Nachkommen Dietriches von Hallwil an 
mehreren geistlichen Höfen, so standen die Nachkommen Hugo's 
von Hallwil am kaiserlichen Hofe zu Wien in Ehre und Ansehen. 

Hugo selbst, geb. 1519, der Zweitälteste der Söhne Kaspar 's 
von Hallwil, besass nach des Vaters Tode die Trostburg als 
Eigenthum. *) Nach Hugo's Tode (1588) kam die Besitzung an 



•) Interessant ist, was uns aus dieser Zeit über den Versuch, im Wynen- 
thal den Weinbau einzufahren, mitgetheilt wird. Nachdem nämlich schon 



273 

seineji ältesten Sohn, Hans Thüring, und von diesem vererbte 
sie sich im Jahre 1608 auf seinen Sohn, Hugo. Die Trostburg 
gehörte nicht zu den Hallwfl'schen Stammgtttem und durfte darum 
verkauft werden. So kam sie 1616 um die Summe von 45,000 
Gulden als Eigenthum an die Stadt Brugg, Bern aber zog die 
Burg bald nachher um die gleiche Eaufsumme an sich. Zu dem 
Kaufobjekte gehörten beide Häuser und Burgstall sammt Scheuer 
dabei, sodann die niedern Gerichte der Dörfer Teufenthai, Där- 
renäsch, Zezwil, LüttwU, Niederhallwil und Bonischwil sammt 
Hochwäldern, Jagd, die Fischenzen zu Teufenthai, Därrenäsch, 
Zezwil und Bonischwil, die Domänen, die Schmitte, der grosse 
Getreide- und Heuzehnten zu Dürrenäsch, der Getreide- und Heu- 
zehnten im T wing Teufenthai und zu Lüttwil , der Ritterschwiler 
Zehnden etc. 

Hugo begab sich in's Ausland und machte sein Glück in 
Böhmen. Als der Gatte der Gräfin Maximiliana von Wolkenstein 
wird er Vater zweier Söhne, des Johann Sebastian, geb. 1622, 
und des Jakob Leopold, geb. 1629 (in Bezug auf Letztem 
stimmt von Miil. nicht überein). Im Jahre 1638 führt Hugo von 
HaUwfl den Titel eines obersten Kämmerers des Erzherzogs Leo- 
pold Wilhelm, Bischofs zu Strassburg, Halberstadt und Passau, 
eines Regimentsrathes in den oberöstreichischen Landen und eines 
Herrn zu Kri&audorf. Später wurde er Oberkämmerer des Erz- 
herzogs Maximilian, des Hofmeisters vom deutschen Orden und 
ward auch in den Grafenstand erhoben. Er starb im Jahre 1652. 
Der eine Sohn Hugo's, Graf Johann Sebastian, hatte nach von 
Mülinen aus 2 Ehen nicht weniger als 12 Söhne und 10 Töchter. 
Als wirklicher geheimer Rath Kaiser Leopold's I. (regierte von 
1658—1705) stand er bei diesem in hohen Gunsten. Sein ältester 



n&ter Hartmann von Hallwil um die Mitte des 16. Jahrhunderts 22 Ein- 
wohner von Zezwil zum Yersnch einer Bebanlage eine Halde, die Egg ge- 
najint, um 20 Gld. jährlichen Grundzins zu Lehen empfangen hatten •— 
und zwar unter der Bedingung, dass, wenn einer von den Antheilhabem 
sein Stück yemachlässigen würde, ein anderer im Dorf aber dazu Lust 
hatte, dieser berechtigt sein solle, das nicht gehörig bebaute Stück Beben 
an sich zu ziehen; oder wenn Einer seine Faroelle verkaufen wollte, sein 
Nachbar diese Parzelle mit der seinigen vereinigen dürfe — wünschten 
1564 einige Lehensmänner, die Beben auszuschlagen, weil der Ertrag der- 
selben die Arbeit nicht gelohnt zu haben scheint, und baten den Junker 
Hago von Hallwil, ihnen den Berg um einen jährlichen Boden^ins überhaupt 
zu Lehen zu geben. Derselbe entsprach dem Gesuche und setzte den Zins 
auf dVi Mütt Kernen jährlich fest. (Mitgeth. durch Amtsschreiber Birrcher.) 

AgroYii Tl. 18 



274 

Sohn, Ferdinand Leopold, kaiserlicher Kammerherr, geboren 
nach von MQlinen 1649, starb eines gewaltsamen Todes. Derselbe 
hatte an den portugiesischen Botschafter, Prinz von Ligne, in 
Fdlge leidenschaftlichen Spiels ein Guthaben von 51,000 Gulden. 
Den 10. August 1696, Morgens 5 Uhr, fuhr Ferdinand Leopold 
mit de Ligne zur Jagd und Letzterer versprach dem Herrn von 
Hallwil, ihm bei dieser Gelegenheit die Hälfte seiner Schuld zu 
bezahlen. Sie hatten die Richtung nach dem Wiener Wald ein- 
geschlagen, aber der kaiserliche Kammerherr kehrte nicht mehr 
von dorther zurück, und einem Bruder und einer Schwester 
des Vermissten gab der Botschafter ausweichende Antwort. Der 
am Saume des Wiener Waldes aufigefiindene Leichnam trug eine 
Schusswunde an der Schläfe. Auch noch andere Nachkommen 
des Johann Sebastian von Hallwil bekleideten am kaiserlichen 
Hofe Ehrenämter; einer seiner Grosssöhne, Graf Franz Anton 
von Hallwil, brachte es während des 7jährigen Krieges bis zum 
kaiaerl. östr. FeldmarschaUieutenant, als welcher er 1779 starb. 
Die Tochter des Franz Anton von Haüwil war jene vielgeprüfte, bis 
zum Tod getreue Franciska Romana aus Wien, verehUcht an 
Johann Abraham von Hallwil, schon mehr wie einmal zum Gegen- 
stand von Romanen ausersehen. Um 1780 starb der Wiener 
Zweig der gräflichen Familie von Hallwil aus. 

Der dritte Sohn des Kaspar von Hallwil, Walter, 
(p. 272 oben), Herr zu Salenstein und Blydeck, steuerte, wie wir 
sehen werden, dem materiellen Ruin, in welchen die Familie in 
Folge schlechter Oekonomie einzehier ihrer Glieder zu kommen 
im Begriffe stand. 

Der vierte Sohn desselben Kaspar, der gelehrte und 
kunstsinnige Burkart (f 1608), von welchem das grosse Hall- 
wil'sche Recept- und Arzneibuch mit Auffuhrung der Heilmittel 
gegen eine Unzahl von Krankheitsfällen herrührt, und welcher 
auch ein Familienbuch angelegt hat, in dem sich die Bilder seines 
Vaters und seiner Mutter, seiner Brüder und sein eigenes, mit 
Angabe des Geburts- und Todesjahres befinden, dieser Barkart 
hatte einen Sohn, Namens Hans Kaspar (f 1638), der sich und 
seine Kinder durch seinen Misshaushalt an den Rand des Ver- 
derbens gebracht hätte, würde nicht dessen Oheim, Walter, nach 
dem Tode Burkart's die Schulden des Hans Kaspar auf sich ge- 
nonmien und an Zahlungsstatt die Hallwil'schen Güter aa sich ge- 
zogen haben. Beim Tode Walter's (1613) erbten die Eander des 
Hans Kaspar dessen Verlassenschaft mit Ausnahme der Lehen im 



275 

Bisthom Konstanz, welche an die Nachkommen seines Bruders 
Dietrich fielen. — Im Namen der 7 Söhne und 4 Töchter des 
Hans Kaspar verwaltete der älteste unter ihnen das Vermögen. 
Hans Rudolf baute Schloss Brestenberg am Hallwflersee und 
starb schwachsinnig; Hans Kaspar ist der Stammvater der 
jetzt lebenden Herren von Hallwil, und Hug Dietrich hatte 
Nachkommen, die sich in Frankreich hohe militärische Auszeich- 
nung erwarben, so Franz Josef von Hallwü, der 1733 als Ka- 
dette in französische Dienste trat und sich in den Feldzilgen von 
1742—1747 als muthvoller Krieger hervorgethan hatte (Lutz, 
Schweiz. Nekrolog 204—205). Frans Josef wurde 1760 Brigadier, 
1762 mar^chal de camp und 1763 bei Auflösung seines Regiments 
mit einer Pension von 20,000 Lvs. in den Ruhestand versetzt. 

Schliesslich noch ein Wort über die Nachkommen des Hans 
Kaspar, von welchem die Hallwil des 19. Jahrhunderts 
abstammen. Fast hatte es den Anschein, als sollte diese Linie 
ihrem materiellen Ruin entgegengehen. Jakob Christoph, d^ 
ältere der zwei Söhne des Hans Kaspar, und als Solcher Marschall, 
gerieth in Folge eines Prozesses, den ihm seine Neffen machten, 
in Bedrängniss, was ihm wohl bei seinem überaus hohen Alter — 
er ?rurde 947) Jahr alt — doppelt schwer fiel. Auch Gottfried, 
der zweite Sohn des Hans Kaspar, war nicht auf Rosen gebettet. 
Dagegen erholte sich sein Geschlecht wieder einigermassen in 
seinem Sohne, Johann Anton, geb. 1683, der, nachdem er in 
holländischen Diensten gewesen, sich im Jahre 1712 in den Ge- 
fechten bei Bremgarten und Meilingen so ehrenhaft hervorthat, 
dass die Regierung von Bern ihm und seinen zwei Brüdern das 
Bürgerrecht wieder schenkte. Dieser holländische Kapitän, Johann 
Anton von Hallwil, führte im Jahre 1718 im Namen der Hall- 
wiFschen Familie vor dem Rathe zu Bern einen Prozess gegen 
Herrn J. J. von Landenberg und seinen Oheim, den Marschall 
Jakob Christof, wegen der Stammgüter des hintern Hauses, wel- 
chen Johann Anton von HallwU gewann. In seinen alten Tagen 
kehrte Vater Grottfried mit seinen Söhnen in das Stammsckloss 
Hallwil zurück, wo er 1731, über 90 Jahre alt, starb. Sein Sohn, 
Johann Rudolf, geb. 1685, auch Offizier in holländischen 
Diensten, war 2 Jahre vor ihm ohne Mannsstamm, sein älterer 
Sohn, Johann Antonio Jahre nach ihm (1736) ebenfalls ohne 
Mannsstamm gestorben. Der jüngste der 3 Söhne des Gottfried 
von Hallwil, Johannes, geb. 1688, kehrte 1737 von der Insel 
St. Domingo, wo er als Hauptmann in französischen Diensten 



276 

• 

gestanden hatte, in die Heimat zurück und hob nach dem Tode 
seines schwachsinnigen Oheims auf dem Brestenberg, des Johann 
Eudolf von Hallwil (p. 275 oben), mit den Landenbergischen Erben 
einen Prozess wegen der Stammgüter des vordem Hauses an. 
In allen angerufenenen Instanzen, im Gericht zu Lenzburg, im 
Appellationsgericht und im Grossen Rath zu Bern wurden ihm 
diese mit bedeutender Majorität zugesprochen. Laut den ge- 
druckten Akten dieses Prozesses verdankte er diesen glücklichen 
Erfolg vorzüglich der Entdeckung der Urkunde vom Jahre 1493, 
enthaltend die Erneuerung der älteren Stammbriefe. Zu dieser 
Entdeckung gelangte er zufällig auf einer Reise in's Elsass. Auf 
dem Portal eines alten Gemäuers fand er das Wappen seiner 
Familie; Erkundigungen in der benachbarten Abtei Murbach 
führten ihn zur Entdeckung vieler Familienschriften, worunter 
jene Erneuerung der altem Stammbriefe. Die Frage, ob die Ent- 
schädigungen, mit welchen Hans Rudolf von Hallwil seine Brüder 
ausgekauft hatte, zurückgegeben werden müssten, wurde im Jahre 
1752 mit 69 gegen 68 Stimmen vom bemischen Grossrath eben- 
falls zu Gunsten des Johannes von Hallwil entschieden. 

Johannes von Hallwil starb 1753. Von seinen 2 Söhnen 
wurde der ältere, Gabriel Albrecht, geb. 1745, mit Irrsinn 
heimgesucht (f 1820). Der jüngere, Johann Abraham, geb. 
1746, erst Offizier in französischen Diensten, dann Gemal der 
Franciska Romana, der einzigen Tochter des Feldmarschall- 
lieutenant Franz Anton von Hallwil, die er aus Wien entfuhrt 
hatte ,. verwaltete in den Jahren 1776—1779 die HaUwil'schen 
Stammgüter. Nach einem abenteuerreichen Leben starb er (nach 
v. Mül., p. 64, den 17. Nov. 1779). Die Sorge für die Erziehung 
ihrer 3 Söhne: Johann, Franz Rudolf und Karl Gabriel, lag 
nun ganz der vortrefflichen Mutter ob. Sie erreichte ein Alter 
von 77 Jahren. 

Karl Gabriel, geb. 1778, vermalt mit Marie Louise Wilhel- 
mina von Goumoens seit 1808, ist der Vater der Herren Theodor 
und Karl von Hallwil. Karl von Hallwi^ lebt in Oestreich und 
ist seit 1853 mit Ludwina, Freiin von Knorr vermalt; Theodor 
von Hallwil ist der Vater der Herren Hans von Hallwil und 
Walter von Hallwil, von denen der Erstere zur Zeit Land- 
ammann des Kantons Aargau, der Andere Gutsbesitzer in Schwe- 
den ist. 

So hätten wir denn die Geschichte einer der angesehensteu 
schweizerischen Adelsfamilien während eines Zeitraums von sieben 



277 

• 

Jalirbunderten an uns vorübergeben lassen, und zwar in der Art, 
dass wir die Erlebnisse dieser Familie während drei und einem 
halben Jahrhundert in einlässlicher Weise bebandelten, während wir 
uns für den Zeitraum vom Anfang des 16. Jahrhunderts bis heute 
mit einer blossen Zusammenstellung der wichtigsten Nachrichten 
übar die Personen begnügten, welche im Verlaufe dieser Zeit 
den Namen der Familie fortgepflanzt haben. 

Befragt uns nun vieUeicht ein geneigter Leser: was konnte 
dich bewegen, an das Studium eines einzelnen Geschlechtes so 
Tiel Zeit und Arbeit zu verwenden, dessen Erlebnisse, die kleinsten 
wie die grössten, aus dem Staube- der Archive an's Tageslicht zu 
ziehen und das mühsam gesammelte Material so sorgfältig zu 
sichten? so möge er die Antwolrt hierauf aus dem Nachfolgenden 
sdB>er entnehmen. 

Im Mittelalter treten neben den kirchlichen Instituten: den 
Klöstern, Abteien u. s. w., neben den Bjurgern der Städte und 
einzehien freien Genossenschaften einzig und allein nur die mäch- 
tigen Geschlechter der Adeligen als handelnde Personen auf, und 
das Einzelindividuum kommt nur in so weit zur Geltung und 
Berechtigung, als es sich einer der eben genannten Korporationen 
anreiht. In ihren Händen ist die Macht und der Besitz, bei ihnen 
allein die Bildung zu suchen; sie allein üben auf ihre Umgebung 
einen bestimmenden Einfluss aus. Wollen wir darum in irgend 
eine Epoche aus der Zeit des Mittelalters einen klaren Einblick 
gewinnen, so kann dies nur so geschehen, dass wir die Geschichte 
solcher eben angeführten Gemeinschaften zum Gegenstande unserer 
wissenschaftlichen Untersuchung machen. Die Geschichte einer 
Adelsfamilie genau studiren, heisst aber nichts Anderes, als sich 
über ihr Auftreten in der Geschichte ein möglichst richtiges Bild 
entwerfen. Und dazu gehört, dass wir den Strebungen nachfragen, 
die sie während ihres Bestehens kundgab ; dass wir den materiellen, 
sittlichen und geistigen Fond ergründen, den sie besass; dazu 
gehört, dass wir in die oft so verworrenen genealogischen Ver- 
hältnisse einer Familie, oder in ihre Verwandtschaftsverhältnisse 
mit andern Adelsgeschlechtem genauen Einblick erhalten; dass 
wir deren zu verschiedener Zeit so verschiedenartig gestalteten 
Grundbesitz, deren Freundschaften und Feindschaften, deren Bünd- 
nisse und Fehden, die oft für ganze Landschaften so verhängniss- 
voll waren, in's rechte Licht setzen. Und hiebei sollen wir nicht 
so bald etwas, mag es auch an und für sich geringfügig scheinen, 
als der Aufzeichnung unwerth ansehen. 



278 

Wird dieses mfihsame, etwas trockene mosaikartige Stodimn 
bei jedem einigermassen hervorragenden Adelsgeschlechte des 
Mittelalters wiederholt, das während einer langem oder emw 
wichtigen Zeit in die Geschicke irgend einer Landesgegend be- 
stimmend eingegriffen hat — dann, aber auch nnr dann ge- 
langen wir zu einem guten Einzelbild und durch das Mittel 
verschiedener Einzelbilder zu einem treuen und zuver- 
lässigen historischen Gesammtbild. 

Die Anwendung des Gesagten auf diese Monographie ttberlaase 
ich dem geneigten Leser, indem ich ihn schliesslich nur noeh 
bitte, allfällige Mängel dieser meiner Erstlingsarbeit in der Un- 
geübtheit meiner Kräfte suchen zu wollen und zugleiefa in der 
Weitschichtigkeit des zu bewältigenden Materials. 

In den Beilagen wird der Mann vom Fache eine ansehnliefae 
Anzahl von Hallwilerurkunden zum ersten Mal veröffentlicht 
finden. 




>4. 

h. lässt sich nicht herstellen.) 
Iwile. Um 1138. 



Auszug aus der Farn, chronik und 
dem Farn, archiy zu Hallwil, sowie aus 
Friedr. v. Mülinen^s »Genealogie des 
Hauses Hallwilc (Manuscr.). 



Dietrich, Probst zu Beromünster seit 1272. 1 1283. 
(Kopp, Eidg. B. n, 435 hält Dietrich und Hartmann 

für Walters Söhne.) 



t um 1320. 
»nstein u. Anna von ? 
rkundlich« 
''alters. 



des Stiftes 
1288. 



5.(??)Heraldu8. 6. Sophie. T.Adelheid. 

Ersch. nach 

TrouiU. 

Monum. II, 55 

urkundlich 1241. 



iTf t zu Sempach 1386. 
ithar. V. Wollfurt. 

[hüring, der ältere ^ 1415 Bürger 
Bern. YerehL mit Margaretna 
V. Massmünster. 
t um 1450. 

Ritter u. Marschall, Herr zu Wildegg. 
rehl. mit Dorothea y. Bathsamhausen. 



5. Margareth. 6. Adelheid. 
Verehlicht Nonne 



an 
Grottfried 
MüUner. 

Anna 
Maness. 



in 
Königs- 
felden. 



Johannes, 

zu Beromünster. 
[ort. Jahrz. buch 
im 1405. 



(?) Walter, 1405 Chorherr 

zu Beromünster. 

t laut dort. Jahrz. buch 

1458. 



Margareth, 1 14307(?) 

Verehl. an 
Marquard von Baldegg. 



6 



von Rüssegg. 



5. Bärbeli. 

Verehl. 

an Rudolf 

von Wattwyler. 



6. Aenneli 

Verehl. an 

Burkart v. Stauffen. 

War 1486 Wittwe. 



7. Dorothea. Verehl. 

an Wilh. v. Diessbach. 

War 1477 nicht mehr 

am Leben. 



r 



BeUftge A. L 

Pag. 175. 
1419. 

(Archiv HallwiL) 

Hallwiler Seerecht 

Dis ist der Rodel, da dez fews Rechtung jnn stand. 

Es jst ze wüiflen, dz min Herren von Hallwil, mit fonderheit 
min Herr, Her Budolf von Hallwii, Bitter, vnd juncher Walther 
Ton Hallwii, von bett ynd enpfelengs wegen ander jr yettren ouck 
Ton Hallwii Ein meigen geding gehebt hand jn.dem jar, do man 
zfjt von Gottes gebart fierczechen hundert jar ynd n&nczehen jar, 
dor nach an der helgen yfart vnfers Herren Jefn Xpi, ynd hattend 
da die nach geschribnen erbren Int bj jnen vnd ander erber liüten 
vil, ynd weitend fich da erfam vmb dez fews Bechtung, fryheiten 
vnd gewonheiten, fo G ze Hallwii habend, der ir eigen ist vnd anders 
niemans vnd comdent da fragen die nachgeschribnen erbren l&t uf 
den eid Sid dz jnen knnt were dez Bechtung, fryheiten vnd gewon- 
heiten dz ij denn uf ir eid dar vm Bechsprechend vnd Ouch erteltend 
nf ir eid. Do wurde min Herren vmb fragen von eim zmn andren, 
dz fj vf den eid erkantend, erteiltend vnd Becht dar vmb fprechend. 
Do erteiltend sj vf ir eid vnd sprachend allez dz, das difer nach- 
gefchriben Bodel wifte vnd feitte von ftuck zn ftnck iechlis mit sunder» 
68 wer wenig oder vil, dz dz allez alfo were vnd nit anders. Alfo 
wart dz allez gefellet mit der vrteil vnd mit Becht, dz es alTo nu 
▼ö hie nachdoenklich , vell vnd Itet beliben fol hinnanhin, vnd be- 
fchahend ouch alle vorgeschribnen ding ze Hallwii vf der vette jn. 
dem jar, alz vor gefchriben ftfttt. 

Dis Iint die erbren l&t, die hiebj warend vnd gesin find: 

Yli von wil, den man nempt tUin nefen vnd im fun Henflj, — 

Yli jm loch, Henfli meiger von tennwil, petter hartman, jeglis 
Hartmans fun, jenni von meißierfwang , üli futter von meillerfwang» 
jenni Holtfchi, Henlli von Efch vnd Heini, fin fun, Henfli klinchhel 
Ton Efch, Henfli fmid, Ulis fmids fun vnd Budi Iin brftder von Efch, 
Wilhelm von Efch, Heini Dietfchi vnd fin br&der jemi von mofchein» 
Emi greter von birwil vnd tm fun, jenni weme» üli dahinden, Claus 
Heigerli vnd fin fun, Budi Steiman von allenfwil, Heini futer von 
allenfwil, üle Annöi der few vogt, vnd ander erber liüten vil. 

Es ill ze w&flen, dz der Se ze Hallwii miner Herren von Hallwii 
Eigen ift mit difen nachgefchribnen Bechtungen vnd gewonheitten» 
fo har nach gefchriben ftät. 



280 

Vnd lind dis die Bechtong des fews: dez Erften, dz difer fe ift 
ein fryer fe innen dem Bor vnd find min Herren von Halwil YÖgt 
Tnd Bichter dar Aber vnd wz da b&flen yalt minen Herren zu jrem 
teil, alz YÜ yalt ouch der fifchren, die nf dem fe find, zu irem teil. 
(Der nftchstfolgende Satz ist mit anderer Dinte geschrieben.) Es ge- 
fchech hinderm Bor oder vor dem Bor vnd an den vier fteden ze 
fengen, ze Birwil, ze Beinwü vnd ze Mofhein. 

Oach ift ze wi^flen, wenn man gerichtes bedarf von des fews 
wegen, fo mAgend min Herren von Halwil tag geben ze Bichten an 
die fier nachgefchriben ftett am few, an welen ij denn wellen, vnd 
fond oach diefelben fier ftett offen fin vnd fry vnd nieman dar an 
fumen noch jren ze gd.nd noch ze rittend, der zu dem few wil; vnd 
find die die geding ftett: ze fengen ein ftett, ze birwil eine vnd ze 
beinwil eine vnd ouch ze mofliein eine. 

Ouch fond min Herren von Hallwil die fifcher fchirmen vnd zu 
dem Bechten halten gegen einander, wz fy mit einander ze fchaffen 
habend von des fews wegen, dz fy dz Biecht vor jnen nemen vnd 
tAgend an den obgefchribnen fier ftetten, wo fy tag hin gebend. 

Ouch ift ze wAfTen, Wenn min Herren tag fetzen wend, fo fond 
vor hin tag verkünden acht tagen vor hin angend. 

Ouch ift ze wüITen, dz ein iechlicher, der an den few kumt, er 
fy frömd oder heimfcher, fifchen mag uf dem fryen few vürenthalb 
dem Bor mit gefchir, alz von alter har komen ift vnd vnz har ge- 
wonlich gefin ift vnd mit denen gedingen, dz er von minen Herren 
en&ch vnd jnen fchwere, des fews Bechtungen ze halten, alz dz von 
alter har komen ift. 

Ouch ift es ze wAfTen, dz nieman werben am fchweb fol, alder 
min Herren erloubend jm es denn.^ 

Ouch ift ze wfifleoi, dz man uf dem meigen geding fetzen fol 
fier von dem few, die die weg vnd gam befehen fol vnd wer dz fy 
weg fundent, die nit lidlich werend, die fond fy gebietend by den 
einig abtun oder belTren; ouch wer dz fich die klagtend, dero die 
weg find, fo fond fy komen für die fier gemeinlich; ouch ist, dz 
ieman gam oder netze bringe von einem andren few, die fol man 
ouch bringen für die fier, dz fy fy befehend, vnd ouch erloubend die 
fier ze bruchen, fo mögend fy es tun. 

Ouch ift ze wAflen, weler der ift, der zem few hört vnd Ein 
leich find an geuerd, den er nit gefücht hett, den mag er ziechen 
vnd han ij tag vnd iij necht vnd dennen hin fo fol er die ziegen 
abwerfen vnd alz lang er die zeigen liefe ftan vnabgeworfen, alz 
menge tag alz menge einung wer er verfallen vnd wer dz er ij z&g 
an ein ander zeichnete, fo wer er die bAfs ouch verfallen. 

Ouch ift ze wAfTen die fryheitten band vf den winter zfigen und 
uf dem leich, weler da kumt des Ersten vmb vefper zitt mit eim 
trochnen gam, der sol den vor zug han. 

Ouch ift ze w&flen, weler da weg hett, die nit fin fond vnd 



^ »Den See werben«, ihn in WeidmannsgeschSften befahren und 
ausbeuten. »Das schweb« — die Strömung des Sees. 



281 

fich dz die fier bekemend v&d fi tr lieifleiid denne Mn vnd dz jn 
acht tagen nit tetend, fo werend ij die b&s Terfiillend. 

Ouch ill dz ze wAlTen, dz nieman netze fetzen fol in des andren 
fe; weler aber ein fe hett Ynd netz dar^Jn gefetzt het, fttr den fol 
nieman anders fetzen; Tnd ift aber dz einer tot jm gefetzt hett jn 
fin few, fo mag er wol ftr jnn fetzen, wer onch dz fy bed einen 
leich fimden, jn dem alz ii gefetzt band, der fol ir beder fin. 

Ouch ift ze wAflen, dz die eigen few dz recht band, dz iechlicher 
ein fchnnr haben mag ziiij tag jm meigen hinder oder vor ^nd da 
fol jnn nieman an fmnen hindern jn Hm few dz zil yf ; wer dz ward 
über£Bu*en, der fol daz ablegen; wer aber dz jnn ieman fnmte, der 
fol ouch es ablegen, alz denn dez fews Recht iilb, ynd wenn dz zil 
yfs kompt, fo fol er die fchnnr dennen tun, vnd ift des fews Recht 
alz mengen tag er Hefa die fchnur ligen, dar &ber alz menig rfs wer 
er minen Herren ver£allen. 

Ouch ift ze wAflen, dz nieman of dem few ziehen fol, denn der 
winter ynd fumer fifchat. 

Wer ouch dz yf dem baichen leich ieman zog hinder dem Bor, 
der wer die grofen büs yerfoUen. 

Ouch Ift ze w&flen, dz mine Herren yon Hallwil hand die fifcher 
ze fragen, yf den gedingen by den eiden, ob einer yon dem andren 
yitz* wAfs kein einung oder büs by dem felben eid, fo fond fy den 
ander leiden. 

Es ift onch ze w&tfen, dz nieman den Andren leiden mag yon 
des fews wegen, der hab denn dez fews Becht getan. 

Es ift ouch ze wAtfen, dz min Herren yon Hallwü ein eigen 
gam mAgend haben ynd dz felb gam fol yor zughan, wo fy of zug 
koment ynd denn dar nach iderman, als jm denn fAgUch ift. 

Es ift ouch ze wAfTen, wenn min Herren fifch wend ynd ir 
botten yf den few fchikent ymb fifch, fo fond fy jnen fifch geben 
des dritten pfennix necher denn einem fifch k6ifer ynd wer dz kein 
fifcher, der fifch bette, jnen yerfeite ynd jnen nit geben wAlt, findent 
fy denn die yerfchlagnen fifch, die mögend fy nemen ynd jnen dar 
ymb nAtz geben ynd find min Herren da mit abgeleit. 

Ouch ift ze wAflen, wer dz minen Herren fisch yerfeit wurdent 
vnd jnen nit fifch wurdent ; fo mAgent fy ein banck am ftad ze fengen 
machen ynd den fifchren gebieten, wz fy yon fifchen fahend yf dem 
few, dar ze antwurten ynd die da fiel (d. h. feil) ze haben yntz dz 
man einift ze fingen gelut in der Kilchou ze fengen yntz an ir wider 
RAfen, denn mAgend fi die fifch yerkoufen, di fi dar bracht hand, 
alz fi gedenkend dz ir füg fy. Wer Quch dz min Herren da an dem 
banck fifch koufkend, fo fond fi koufen ym ir bar gelt. 

Ouch ift ze wAffen, dz min Herren dz Recht hand, wenn fi jn 
dem fummer wend, dz jnen iechlich gam einen tag ziechen fol ynd 
WZ dz ÜEichet, dz fol miner Herren fin. Vnd wenn fi dz tun wend, 
fo fol man gebietten, den fe ze Rüwen zwen tag ynd am dritten ze 



' »Yitz« (yutz) kein einung oder bofs«: nicht irgend etwas, also nichts 
yon einer Straffälligkeit 



282 

werben vnd wenn fi werbend, fo fol man jnen geben Botten wrn 
vnd brot vnd da mit fo band fi dz iar gedienet mit den gamen. 
Vnd kefs fol oucb dar by fin.* 

Chich ift ze wAHen, dz min Berren den fifcbren ein mefa der Hechten 
mit ir Bat geben uf dem meigen ding vnd dz fol weren ron dem meigen 
tag yntz zu fant martis tag vnd dz mefs fond fy halten vntz zu einem 
andren meigen gedingt vnd were dz da ieman Aber f&ri der were den 
Einnng verfallen vnd fond fy alle einander leiden by gAten tmwen. 

Ouch ift ze wAfifen, dz der Hoff ze birwil der dez von Liebegg 
hett die Bechtnng, dz er uf der feUen fina Hofs mit einem fts 
mag Itan vnd dber dz Hofs mag mit einer Hab fchlingen werfen vnd 
alz verre er werfen mag, fol man jnn vngeirret lallen jn dem few.' 
Oucb Ift ze ivAffen vmb die fifch Kdiffer: weler noit by der fliegen 
koufb, dem fol man kein teil geben.* 

Oucb ift ze wAfen, dz iiij Triberen vnd zA jechlicber ein Itichen ; 
der fol eine fin min Herren vnd eine ze meifterfwang vnd zum HnCs 
vnd ze mofhein eine vnd ze körbers gAt ze hvnnl onch eine/ 

Oucb ift ze wifTen: wer nettzen fetzet einem andern jn fin 
fcbofs oder jn fin weg, d^r mag neman ein H6rrAtten* vnd mag die 
nettzen mitt der rAtten hin olsheben fo er verreit mag befcheidenlich. 

Oucb hett ein iegklich gam die frigheit, das es mag zAchen jn 
den z&gen, were das nettzen nff den felben zAgen ftAndend, zi&cht 
es die nettzen ofs, fo mag ers hinder sich werffen fo er befcheiden* 
licheft mag vnd hett nieman dar vmb ze antworten. 

Onch ift ze wiizen: fand einer einen leich jn des andern f^w 
vnd aber der, des der few ift, ein fchnor dar wnrff, eb einer dar 
gefatzte, der den leich fanden bette, denne fo mftchte der, der den 
leich fanden bette, die felben nacht nff den leich fettzen, vnd fol 
dar nach nAt mer da ze fchaffen haben. 

Onch ift ze wiflen, dz die vif eher vnd min Herren des Aber- 
koman find, das nff dem famftag zenacht nieman mitt keinem gam 
ziechen fol ; w6re aber dz ieman znge, der w6re minen Herren ver- 
uallen. x. ß. ze bAfs vnd die vifch, die er vacht, find vor ab onch 
min Herren nnd den vifchem onch als vil: vnd weler das nitt t6tt, 
der were die ^proffen bAfs nervallen vnd fol einer den andern leiden. 

* Die Worte: » vnd k 6f S€ etc. sind von sp&terer Hand und zengen davon» 
dasB die Fischer bei diesem Anlasse Küche nnd Keller ihrer Herren von 
Hallwil nicht gesdiont wiraen wollten. 

* Sehr schön ist die alterthfimliche, aber ironisch gemeinte Berechtigung 
der Freien von Liebegg pag. 10 des Originals: »So weit haben sie das 
Weiderecht im See, als sie, stehend mit einem Fasse auf der 
Schwelle ihres Birwiler Hofes, über dessen Dach eine Stock- 
schnnr (Angelschnur) in den See hinaus zu werfen vermögende 
Also gar nicht weit; weil bei schon erschwerter Stellung eine blosse Scnnnr, 
über ein Hausdach geworfen, kaum mehr nur in das Wasser des Seestrandes 
zu schleudern ist. 

* »fisch by der fliegen koufen« — ohne Yorkftufer und Zwischen- 
händler, direct von der Augelruthe, vom Köder weg kaufen. 

* »4 Triberen, zu ieglicher ein stichen« — mit Treibsohiff^ 
fischen, die durch Stichen d. h. Schalten, gerudert werden. 

■ »hörruttec — Netzstange. 



283 



Onch ift ze wißen, war des fenws recht enp&cht von minen 
Herren von Hallwil, der fol jar vnd tag an dem feew Ifefhaft fin, 
vnd wen er def senwf recht nitt mer halten wil, fo fol er es nff- 
geben an miner Herren Hand. Vnd weler Sicher an dem few lat ein 
fr&mden fifcher mit im zAchen, der des fews recht nit enhatt, der 
ift yerfaUen minen Herren z. ß. vnd den fifcdiren ftch al tu. 

Onch iß; ze wiTTen, dz ein ieklicher, der def fenws recht hett, 
maff ein Hecht fchntür werffon jn den frigen fenw jn dem Meigen, 
xüij tag vor jn meigen oder hmden drin vnd dannanhin niLma vnd 
wer das AberHÜB, der were die bdfs Yemallen; aber ander fchn&r 
im Hecht fchnftr mag man dber jar fettzen. 

Ovch ift zewttffen, das min Herren von Halwil vnd oYch die 
fifcher Aber komen ßnd, das ein iechlicher der fifcheren an dem 
i^ zAchen mag ii^jder wnchen zwein tag wel er wil vnd nit mer 
nach baichen denn im famer; wer das Aber fech, der wer minen 
Herren verfi&llen x. ß. vnd den fifchei*en onch al vü. 

Onch ift ze wAffen, das min Herren von Halwil vnd onch die 
fifcher Aber komen find, das nieman an dem f^w werben fol mit 
keiner leig gefchirge an fier Hochzitten: den Helgen tag vnd mej 
tag vnd all vnfer frowen tag vnd al fnnentag vnd al zw61 hotten 
tag, es wer den an eim liech, daz ift vfgenomen ; wer das Aber fech, 
der wer minen Herren verfallen x. ß» vnd den fifcheren onch alf vil. 

Ef ift zewiffen, daz min Jonk-Herren vnd die fifcher vff einem 
meygending gantz einig worden find: weller ein leich find, der sol 
in zeichnen mit zwey zeichnen vnd mit zwey zeichnen abton wen 
die zil vff komen bedi abtAn oder er kumpt vm den Einig, alf for 
A&t; vnd fand aber Einer einen leich, der nar mit einem zeichen 
were, der mag wol ziechen in dem leich vnd wer dar v^ kein einig 
verfallen. 

Item die Enpfangen band vf dem gewicht vnd find dis die 
fifcher: 

Heini Heftfchy. 
Jenni vnd Henfli Elinchel. 
Clans Heigerli vnd B., fin fan. 
vnd OAni, fin fwager. 

Vli meiger von birwil. 
Wilhelm barrer. 
Henfli fmid von efche. 
vnd RAdi, fin brader. 

Dis find die fifchkdififer: 

Henfli buAblikon. 

Vli Zeyger. 

Vli Pfifter. 
Henfli Hartman. 
Hans Hartman. 
Henfli im Kilchhoff. 



284 

Beilage A. 2. 

Pag. 177. 

1427. 

(Archiv Hallwil.) 

In dem Jare, alfo man zalte von gottes gebart vierzehenhondart 
jar vnd f&ben vnd zwenaig jar, do was der Se Aber froren Vnd do ma£s 
min Herre, Her Rudolf, Bitter, den Sen desfelben jares yf den nehlten 
lamilag nach vnfer lieben frawen tag der lichtmelTen vnd vf den 
aben der lieben Jongfrawen lant Bolonien, vnd was lang xxviij (28) 
doTent fchohe, vnd breitt y (5) doTent vnd iij (3) Hundert fchühe. 

Item yntz gegen Birwüe wz er x (10) duTent fchühe lang. 
(yntz=bis). . 

Item vntz gegen Beinwilr viij (8) dufent fchühe lang. 

Item vntz gegen Efche was er y (5) dufent fchühe lang. 

Item dar noch yntz gen moDien waz er üij (4) dufent fchühe 

lang. 

Item Hie By was min Herre, Her findolf von Halwilr, f) Vnd 

Jungfrt)we jte, ün ere jungfrawe, Vnd Brüder Cünrat, Sein Helfer, 
dene zu mol zu Sengen, ynd ein Knabe, heifl der yngrer, wz mins 
Herren renner. 

t) der by Sechzig jaren alt was, 



Beilage A. 8. 

Pag. 204. 

Zwischen 1460—1472. September 16. 

(Archiv Hallwil.) 

Zu wüffen, das yff hflt Sampftag nach Exaltacionis Crucis, was 
der Sechzechend tag des erften Herpft manots, Durch ynns, Eü- 
dolffen yon Hallwillr, Hartman yon Hallwyllr, Thümherr zu Bafell, 
Walthem yon Hallwyllr, gebrüder, ynd Hanefs yon Baldegk einr, 
Vnd der andern ift Niclaufs ynd Wilhellm yon Diefbach, Bittere, 
geyettem, einer friuntfchafft halb zwüfchen ynd yon wegen Doro- 
theen yon Hallwylr, ynnfer, der genannten yon Hallwyll Sweilem, 
ynd Mumen, ynd mir, wilhellmen yon diefbach, Bitteren, das Sacra- 
ment der heiligen £e berürend, alfo beredt ynd yerläffen ift, Näm- 
lichen das wir, die genannten yon Hallwyllr, die obgenempten Doro- 
theen, ynnfer Swefter ynd Mumen, Herrn Wilhellmen yon diefbach, 
Bittemn, zu dem Sacrament der Eee zu geben yerfprochen haben, 
Vnd zu dem f&r heimitür Achthundert guldin ynd dayon järlichen 
fünfzig ftuck, ynd darzu ich, Budolff yon Hallwyl, yier hundert 
guldin yon minem gut ir nach minem abgang, Ob ß der zit in 
leben ift, zu werden. Doch fol die felb Dorothe damitt f&r ansprach 
yetterlichs ynd müterlichs erbs yfgericht Iin, bis an recht erbyall, 
ob lieh die begeben; Hinwider fo fol ich, Wilhellm yon diefbach, 
Bitter, die i^ der zit ynd lütrung hienach bestimpt Elichen nemen, 



285 

Tüd zft ir min vetterlich ynd mAterJich erb bringen, vnd ir zA 
rechter morgengab der zit, So R bi mir Elichen gelegen ift, geben 
vierhundert Rinifcher gnldin vnd ir die ob ich wil nach minem ge- 
nallen beilren. Vnd ob ich vor ir &n Elich liberben, von vnns ge- 
bomn, der zit inieben abgieng, Sol ir vor us ir zugebracht vnd er- 
erbt gÄt, wie vil des were, Kleyder vnd Eleinoter mitt ir morgengab 
vnd darzü zweihtmdert gnldin fftr Hnsrät vnd varende Hab, vnd zu 
dem von minem gut, So vil als des im, So li zu mir gebrächt hat, 
gewefsen ilt, vngenarlichen gelangen. Das felb, fo ir alfo Aber ir 
Morgengab vnd die Snm des Hnsräts wirdt, Sol Vi mitt den zinfs 
vnd gAUten, da von ziehend als vil der na gewefs ilt, in libdings 
wils vnwriftlichen nieüen, vnd nach irm abgang wider an min nechstäi 
Erben vallen. Ob (ich aber begebe, das die gemelldt Dorothe vor 
demfelben Hern wilhellmen von diefbach, Bittemn, ftn Elich liberben, 
von Inen gebomn, der Zit in leben abgieng, Sol dem obgenanten 
Hern wilhellmen von diefbach, Rittemn, zft Iinem gut gelangen vnd 
vollgen, was die obgemelldt Dorothe dber ir Morgengab irs g&ts ver- 
lad vnd er das mitt den zinis vnd gellten davon ziehend nutzen vnd 
nielTen vnwiirtlichen , Vnd nach linem abgang widervallen an ir 
nechlten vnd rechten erben, &n generd. So ift ouch dann harjnn be- 
redt, das fölich fachen bis Oltemn nechft komend Aber ein Jär, ob 
wir vnder ein andern fSlich zil nit endemn, mitt vollfümn der Ee 
nach Griftenlicher Ordnung vollzogen, Vnd nach notdur£ft verbriefft 
vnd beforgt werden föUen, Es begebe fich dann, das jemand von 
jnen zweyen, das gott lang wende, dazwAfchen von tods wegen ab- 
gieng; vnd ISlichem des furer nachzükomen vnd das die fachen affo 
beftanden. So haben wir zu beyden teiUnn zu vrfatz der Ding Sechs- 
hundert guldin beftimpt von dem, der daran hindrung f&mHme zA 
bezichen, alles erberlichen vnd an geuerd. Vnd find hiebi von ynns 
als funder frflnnd beriifft geweisen die veften vnd wolgelerten Peter^ 
man von währen, des Rät», Meilter ThAring fricker, Stattfchriber zu 
Bemn, vnd ludwig zechender, Schulthes zu Arow. Des zu bekannt- 
nnfs find difer zedell zwen vff Bapir gelich geftallt, Vnd mitt min, 
Rudolf^ von Hallwyli, als eins vogts Dorotheen von Hallwil vor- 
genannt, vnd min, Hannfs von Balldegk, jn namen vnd anftatt Hern 
Hartmans vnd walthem von Hallwills, miner vettemn, darunder 
euch wir, diefelben von Hallwyli, vnns binden vnd vnnfer Niclaus 
vnd wilhellms von diefbach, Rittern, vfgetruckten Inligelln bi end 
difer gefchrifft beßgelt vnd geben des tags vnd Järs als vor Ität, 

Auf der Rückseite steht in neuerer Schrift: 

Ehefteurbrief 

Dorotheen von Haiweil 

Wilhelmen von diefbach 

Frau 

sine dato 

und von anderer Hand: 

Gehört zwifchen 1460—1472. 



286 

Beilage A. 3 a. 
1462. Samstag Tor Llehtmess. 30. Januar. 

(Staatsaidiiy Zdrich. Tr. 892. 1. 18.) 

Ich Burkart yon Hallwile bekenn und tuen kont allermenglichem 
mit disem brief, das der fromm, vest ßuodolf von Hallwile selig, min 
lieber bruoder, den erwirdigen geistlichen herren, herren Wemhem, 
appt, und dem oonuent des got^ns zuo Cappel, des ordens von Zittel 
costentzer bistomb omb das er sin begrebtniisse da haben wolt, als 
er die da gehept hat, wolbedachtenklich gegeben hat omb gottes 
eines and aller unsem vordem seien heiles willen, einen mütt kernen 
geltz, lentzbnrger messes, nnJ alle jare uff sant Martins tage ze 
richtend und ze werent nach zinses recht. Uff von und abe einem guote, 
genannt Bemmersguot, ze Lentzburg gelegen. Stosset herab an den 
stattgraben, und von dem türlin beruff untz an die statt brugg. und 
die statt gitt von dem wege jerlich iij fiertel kernen, uff steg, weg 
und alle rechtungen, firiheit und ehaften, so zuo dem vorgenanten 
gue^ mit aller siner zuogehörde gehört, und wie das von alter her 
komen und bracht worden ist. Also das die obgenannten, apt und 
oonuent des gotzhus zuo Cappel und alle ir nachkomen desselben 
gotzhus, den egenanten mütt kernen geltz jerlichs und ewigs zinses 
vor, uss und abe allen andern zins jerlich von dem obgenanten guote 
innemmen und inziechen söllent und mögent, von mir, als einem 
erben mines obgenanten bruoders und allen sinen und minen erben, 
und menglichem von unsem wegen gentzlich und in allweg ungesumpt, 
ungeirrt und unbekümbert. Ich loben und versprich ouch als ein 
erb mines obgenanten bruoders für mich alle sin und min erben by 
minen guoten trüwen des egenanten müt kernen geltz ewigs und jer- 
lichs zinses uff dem obgenannten guote vor, uss und abe mit aller 
siner zuogehört rechter wdre ze sinde nach recht des obgenanten apts 
und conuents zuo Cappel und aller ir nachkomen für ir recht fry 
l6dig unuerkümbert eigen vor geistlichen und weltlichen gerichten 
und mit namen an allen den enden und stetten, wo, wenn und wie 
dik sy des jemer notdürftig sint und werdent an geuerde. Ich entzieh 
mich ouch als ein bnioder und erbe des obgenanten mines bruoders 
seligen aller rechtung, vorderun^ und ansprach, so min vilgenanter 
bruoder selig und ich zu dem obgenanten müt kernen geltz ewigs 
und jerlichs zins vor, uss und ab dem obgenanten g^ote mit siner 
zuogehört je gehept habent oder ich ald unser beider erben, ald je- 
mant von unsem wegen daran oder darzuo jemer me gehaben ald 
gewunnen möchtend, mit gerichten, geistlichen oder weltlichen, ald 
ane gericht ald süss» mit deheinen andern Sachen, listen, finden und 
geuerden in dehein wise oder wege, alles ungefarlich. Und zu warem 
und vestem Urkunde aller vorgeschribnen dingen, so hab ich ob- 
genanter Burkart von Hallwile min eigen insigel für den obgenanten 
minen bruoder seligen mich und unser beider erben öffentlich gebenkt 
an disen brief, der geben ist uff samstag vor unser lieben &-owen 
tage der lichtmiise anno Lxij. (1462.) 



287 

Beilage A. 4. 

Pag. 207. 

1467. Angnst 16. 

(Archiv Hallwil.) 

Wir Sigmand, Oraue zft fchawuberg etc. bekenen offontlich mit 
difem brieff fder vims vnnTer Eribenn ynd thuen knnd Allermenigk- 
lichy das wier Recht vnnd Bedlich fchuldig worden sein, ynd geltten 
fallen vnnferem befander liebenn Hannfen von Hallwejch vnd allen 
feinen Eriben zwajhnndert golden vngrifch vnd ducaten, g&et an 
gold vnd gerecht an wag, die Er vnns zA ynnferen Merklichen Not- 
tnrften berait geliehen hat, der wir Inn oder fein Eriben aufrichten 
ynd bezallen füllen vnd wellen auf den heilligen Weinachttag nachst- 
kübiftigen on verer aufzog. Tätten wjer aber des nit vnd in Aber 
Im wülen folch bezallung verz&gen, des fy zu fchaden kämen, wie 
dann der felb fchaden genant werden mocht, in oder jren fchein- 
potten Ynberechtendt ynd vngefchworen, fchlechten wortten darumb 
z& gelauben, denfelben fchadeti allen z&fambt dem HawbtgAet füllen 
ynd wellen wir in auch ablegen ynd bezallen ynd füllen des habhaft 
fein, zft yns ynd allem ynnferm gnet, anligundem ynd yarundem, 
wo wir das überall haben , oder k&oftigklichen gewinen ihugen , sich 
auch des, wo fy darauf komen, on alles berechten ynnderwinden ynd 
damit handelen ynd fam, als mit anderem Irm aigenthaftigen gftet, 
fo lanng ynd yil, yntzt fy hawbtguetz ynd fchadens yoUigUich yon 
yns bezalt fein, ynd füllen damit wider lanndfrecht nicht gefrauelt 
noch gehandelt haben. Wer auch den brieffmit Irm gftetten willen ynd 
wifTen Innehat ynd yns damit Ermont, dem fey wier alles das fchuldig 
ynd pflichtig zethüen, als ob Er felbs entgegenwurttig war, alles 
drewÜch ynd yngefUrlich mit yrkund des brieffs Befigelten mit ynn- 
ferem aigen aufgedruckten Infigel. Dar zue haben wier mit yleis 
gepetten ynnferen lieben, getrewen fteffan Egker, ynnferen Mautner 
zft Afchach, das der fein Innfigel zft zeugnuls auch auf den brieff 
gedruckt hat, Im ynd fein Eribenn on fchaden. Gebnn zft Eferding 
(Stadt in Ober6streich) ann Suntag nach ynnferer lieben frawnn tag 
Irer fchiedung Nach Crifby gepurdt tawfTend yierhundert ynd dar- 
nach Im Syben ynd fechzigi^nn Jare. 

Auf der Rttckseite steht: 

1467 Schuldbrief fOr Hans von Hallwyl. 



BeUage A. 6. 

Pag. 208. 

1468. Januar 18. 

(Archiv Hallwil.) 

ICh, Hanns yon Halwü, Bekenn ynd tftn kunt menglichem mit 
difem brief, Als denn ettliche lehen, fo yon Bubifwil herrflren, die 
nit ynfer yon Halwil gemein lehen ßnd. Sunder an mich ynd mine 



288 

brftder von vnferm yatter feliger gedechtni genallen ynd mir nn 
föliche leben als dem eltiften vnder minen brAdem gebAren zener- 
lihen, Das ich aber der ander miner gefcheflPthalb dabi vnd mit nit 
gelin kan noch mag, foliche leben zeaerlihen oder darzft zetAnde, fo 
xiil denn notdorfbig wer, Das ich heromb minen gantzen vollmech- 
tigen gewalt vnd macht geben vnd gefetzt hab, gib vnd fetze ouch 
den wiffentlich jncraft dis briefs an den edeln, velten Rüdolffen von 
Halwü, minen lieben yetter, Söliche vorgenanten Lehen, fo an mich, 
als ob rtät, zelihen genallen find, von minen wegen, jn minem namen 
vnd an miner ftat zeaerlihen,, vnd alles das Her Inn ze handeln vnd 
zetAnde, das denn darzn notdürftig ift vnd fin wirt. Wie vnd was 
och der genant min vetter von minen wegen als ob ftät Herjnn 
handelt, lihet, tdi vnd laffet, das alles ift min gnnft vnd g&ter will 
vnd wil onch dabi bliben glicher wife vnd jn all wife vnd mäfs, als 
ob ich das falles elb perfonlich handelt vnd t^, alles getmwlich 
vnd ön all generde. Des zA warem vrknnd hab ich min eigen In- 
gesigel offemilich mit rechtem wiffen an diefen brief gehenkt, der 
geben ift an mendag nach ÜEUit anthonien tag Nach crifts gebnrt 
viertzehenhnndert fechtzig vnd Im achtenden Jare. 

Das Siegel hängt noch. 

Auf der Rückseite steht: 

a. in alter Schrift: 

Die brieff, weUecher der elfb ift, der fSl die lehen lihen. 

b. in nenerer Schrift: 

Lehenbrief Hänfen von Haiweil an feinen Vetter, Rudolfen von 
Halwil, um die Güter zu Rnbisweil, den Montag nach St. Anton 
1468. 



Beilage A. 6. 

Pag. 211. 

1470. August 13. 

(Archiv Hallwil.) 

Hans und Walter von Hallwil erneuern das Burgrecht 

mit der Stadt Bern. 

Wir, der Schultheis, Rfttt vnd zweyhundert der ftat Bemn, Be- 
kennen offenlich mit difem brieff, die wil wir die Edlen, veften 
Hannfen vnd Waltem von Hallwylr, gebrAder, vmb jr emnftlichen 
bitt wiUen jn vnnfer fchirm, Burgrecht vnd pflicht genomen vnd ß. 
och das felb ewig Burgrecht für fich vnd ir nachkomen gefchworen 
haben, jnnhalt der brieffen, vnns von jnen des halb verfiglet geben» 
Har vmb fo globen ouch wir bj vnnfem guten triiwen vnd eren 
veftenclichen, die obgenantenn von Hallwjl, wie dann die alten briefif, 
vormalen zwÄfchen vnns vnd jren vordren verfiglet uf gangen jnn 
halten, getmwlich alf annder vnnfer burger nach vnnfer Statt Recht 
SU fchützen vnd fchirmen, alles erberlichen vnd vngeuftrlich, jnn 
krafft difb briefis. Des zu veftem vrkund mit vnferm angehenkten 



289 

jnniigeD verligelt Geben uff denn dryzechen tag Ongftens, alf man 
zalt nach der gebart Crifti Tnfent Yierhnndert vnd Sibentzig jare etc. 
Anf der Rückseite steht: 
1470. bnrgerrecht zu bem 
No. 10. A. 

Beilage A. 7. 

Pag. 211. 

1471 (Sonntag ror ingehendem Jahr) Dezember 29. 

(Archiv Hallwil.) 

Burgerrechtserneuerung von Hans und Walter von Hallwil 

mit der Stadt Solothurn. 

Wir, der Schulthes vnd Bäte gemeinlich der Statt Soloturn, 

bekennent offennlich mit difem Brieff, Die wil wir die Edlen, veften 

Hanfsen vnd Walthem von Halwilr, gebrdder, vmb jr Emftlicher 

Bitt willen jn vnfer fchirm, Burgrecht vnd pflicht genomen, vnd fi 

ouch daffelb ewig burgrecht fAr tich vnd jr nachkomen gefwom 

haben, nach jnnhalt der Brieffen, vns von jnen defshalb verfiglet 

geben; Harvmb So geloben onch wir by vnfem guten trdwen vnd 

£ren veft^nklichen, die obgenanten von Halwil, wie dann die alten 

Brieff, vormalen zwüfchen vns vnd jren vordem verligelt v&gangen, 

jnn Halten, getrüwlich Als ander vnfer Burger, nach vnfer Statt 

recht zu fchÄtzen vnd fchirmen, Alles erberlichen vnd vngeuarlich 

jnkrafft difs brieffs. Des zu veftem vrkunde So habent wir obge- 

mellten von Solentum vnfer Statt Secret jnligel getan hencken of- 

fenlich an difen brieff, der geben ift vff Sonntag vor dem jngenden 

jor, Das man zu latin nempt cireum sciiio domini, Des jorfs, do 

man zallt nach der geburt Crifti Tufent vierhundert Sibentzig vnd 

Ein Jor. 

Das Wappen Solothurns hängt. 

Auf der Rückseite steht in neuerer Schrift: 

1471. 

B argerrechtsemeuerung 

von 

Sollothurm. 

t 

Beilage A. 8. 

Pag. 211. 

U73. 9. Juli. 

(Archiv Hallwil.) 

Wir, der Schultheyfs vnd Hatte zu Solotum, Bekennent vnd 
Thünd kirnt menglichem mit difem brieff, Das vff den hÄttigen tag 
datom difs brieffa fdr vns In vnfern gefeffen Ratt komen find vnfere 
fonder lieben vnd getrüwen BArger, die Edelnn Hanfk vnd walther 
von Halwilr, gebrüdere, vnd band vns jr Alttenn vnargwenigen ver- 
ligelt berdrende brieff laffen h6renn, Da durch Nwir vnderricht find 

Argovia VI. 19 



290 

worden Ir gereehtickeytt, fo lie band zd den zwein bergean, Da der 
ein berg genant ilt der endenberg, vnd der andere der MAnchenfperg 
ynder den Altten Schloffen wartberg, In vnferen bedien gmcbten 
der herfcbafPt Gfifskon gelegen, vnd gebetten, fie An jr Sygenfobaffk 
vnd rechtfamy mitfampt den ynfem an der felben zwein bergenn 
an Holtz, an feld, an gebnwen vnd yngebuwen Ertrich vnbekymert 
zelallbn, & Sollich jr gerecbtickeit angesecben So wellent wir vnd 
ifb vnfre meynong FAr yns vnd vnfer nacbkomen. Das die obge- 
nanttenn von Halwilr, Ir Erbenn Tnd nachkomenn, die obgenanten 
zwen berg mit AllerzAgehord , wie He die yon Altter bar vntz vff 
difs zitt gebrachtt habent, binf&r Alfo jnnhaben, nutzen vnd nielTen 
follent ynd mAgent nach Irem willen one Intrag vnfer , ouch der 
vnfem vnd menglichfs von vnfert wesen, Doch yhs vnd vnfem nacb- 
komen An den hoohen geriohten vnd vnfem rechten vnd an der 
veld&rtt mit der Tretü defs viobis, Alls das landzrecht vnd von 
Altt» harkomen ifb, vnfchodlich) Vnd ouch Alfo, das die vnfem von 
Oltten mifc vrlob, wiflen vnd wiUen der gemeltten von Halwilr, jr 
Erben vnd nadikomen, jn denMben zweyn bergen z& dem vnfcbed- 
lichoAen mAgent kolmachen one der von Halwilr, jr erben vnd nach- 
komen. fAmpnifs, Alles vngeuorlidi. Vnd des zö. warem, veffcem vnd 
Ewigem vrkund So habent wir obgoiantten SchultheyljB vnd Batt 
z4 Soloturm vnfer Stat fecrett Infigel, vnd ich, Hanfs vnd Waltther 
von Halwilr, vnire eigne InCgel gehengkt offenHch an difen brieff. 
Der geben ift vff dornfta^ nach isjit vMchstag deCa Jars, da man 
zalt nach der gepurt äifü Thufent vierhundert Sibentzig vnd 
zwey Jar. 

Von den drei Siegeln hangen noch zwei, wobei das von Solothum. 

Auf der Bückseite steht: 

Beftähtif^ung Hallwylifcher Gerechtigkeiten am Endtenberg vnd 
Mttnchenfperg Unter Wartburg im Amt Göfskon. de 1472 vom Stand 
Solothura. 



Beilage A. 9« 

Pag. 212. 

1473. 6. Februar. 

(Archiv Hallwil.) 

Wir, Jacob von Bufegk, Herr zu Bockenbach, Hans vnd walt- 
ther, GebrAder von HaJwill, Tünd kuntt menglichem vnd Bekennen 
mit dem brieff, Das wir das lehens halb, So vnfer gnediger Herr 
von Ougfpurg vns gelihen hatt, vnd aber noch gegen lorentz krafpt 
z& Vlm zu rechtuertigen Ilatt, ein Enntlich AberkommnAfs vnd Ab- 
redung gethon band jnn maÜen wie hamoch gefchryben Itatt. Dem 
Alfo ift: Des erften, das wir die genantten von Halwill, jnn dem 
all vnnfer gerecbtickeit Abergeben haben dem gemeldetten vnfem 
vettern von Bufeck, Alfo das der jnn finem coften vnd one vnfem 
fchaden foUich leben Bechtuertiffen vnd fuft nach iinem gevallen 
dar Inn Handlung thun mag. Vnd fo fem er folichs jm Bechten 



291 

yerlArt; Sollen wir, die Ton Halwill, jnn vmb follichen ßnen yffge« 
leytten cofben nfttzitt zegeben piiiofatig Iin, Wann er Aber das mit 
Becht befaaltt, So foll vnd mag er denfelben Iinen coften, was er dez 
entp&ngen hatt, zanomls von dem HonptgAt nemen — ; Was oncb 
wir, die Ton HalwiU, de» mit ynfer Hilff die erlangong Inzebringen 
eoften entpfingrai, Soll yns oncb znaor yfs werden, Dar noob dae 
Tberig jm m balbem tbeyll Tolgen ynd werden fol, Ynd vns, den 
von Hsdwill, den Andern balben tejU; Vnd ob icb, Jacob yonn 
Bnibgk, nacb follicbem erlangen meintten mir myner Arbejtt balb 
der srweyteyll werden foUt, vnd des myne Vettern von Halwill vnd 
ich vns nit geinigen mochten, So foll follichs zu einem entUchen 
vfpmch rtenn zd dem Erwnrdigen vnd Edlen Hern Hartman vonn 
fialwyll, Domherr der hoben Stiffi; BaTell, vnnferm lieben vetteren 
vnd Bruder, vnd z& Werlin fchryber. Wellicher Aber darvnder, da- 
vor gott S7, Abgieng, fo foU der Ander gegenwnrtig daromb den' 
fproch zetön volmacht haben jnn maüen, Alfs ob der durch fy» 
Bejde befchehen were, Alles vngeuorlieh. Diefer brieff zwen glich 
ludend gefchrjben find Ynd yeder theyll eynen hatt zA Vrkund ver- 
figeltt Mit vnnfer jeder Anhangendem Infigell. Geben An sambltag 
nechfb nach purificacionis Marie Nach der Geburt XPI. vnfers Herren 
Tufend vierhundert Sjb^itzig vnd drA Jare, 

(Alle drei Siegel sind noch anhangend.) 

Auf der Rückseite steht mit neuerer Schrift: 

Verkommnufs Jacoben von Rufegg & Hans & Walther v. Hai- 
weil wegen des Augfpurger Lehens 1473. 

Und in ält««r Schrift: 

Das Hndt brief von Augfpurg. 



Beilage A. 10. 

Pag. 215. 

1473. Yerenentag. L September. 

(Archiv Hallwil.) 

Wir D]ij9 nachbenempten Hannfs von Baldegk vnd Wernher von 
Berenfels Bekennent In krafft dift brieffs vnd TAnd kunt allermeng- 
lichy Als zwdfchent den Edlen Conraten von Hallwilr an einem, So- 
denn Hannfen vnd Walthem von Hallwilr, gebrfldem, (inen vettern, 
am andern teüen Irrung, Ipenn vnd zwytracht vfierftanden vnd ge- 
wefen find Von B&dolff von Hallwilr, Irs Bruder vnd vetters feiigen ver- 
lafihen erb vnd gütz wegen. Diefelbenn fpenn vns nit Lieb, Sunder 
gar leid gewefen. Dar Jn wir vns als Liebhabere des friden giit- 
lichen geleitt Ynd £j deren ze left mit jr beider teilen kAntlichen 
wilTen vnd willen frAntlich vereint vnd betragen band In wyfs, mafs 
vnd form Harnachgefchriben ftat . Ift alfo : Nach dem Büdol£f von 
Hallwilr feiig wylent Hannfen vnd Walthem von Hallwiler vorbemelt 
zu iinen rechten erben gefetzt vnd gemacht Mitt vorbehaltnifs, Ob 
er vor dem obgenanten Conraten von Hallwilr, fmem brÄder, mit 
tode abgon wurd, Das denn die felben gefetzte erben dem benanten 



292 

Ck>nrateii Iinem brtider von ßnem verlafliien gut vorufs geben ynd 
Yolgen laffen ßltent Zwej bundert Rinifcb galdin Oder In derea 
yerwyfen vnd bendgig machen nach gebfiren, Alles nach Innhalt der 
brieffen darüber begriffen. f61ichs mit me Worten klerlich vfBwjfende,. 
Das da Hanns vnd Walther Conraten von HaUwiler für folich zwej 
Hundert guldin geben vnd volgen laffen f611ent Die quart des Korn- 
zehenden zu Oberwiler, In Bafler Byftumb gelegen, Alfo vnd mit- 
denen f&rworten, Das er den bifs zA end Iiner wylen vnd nit f&rer 
Innhaben, brachen, nnzen vnd nach ßnem willen nieflen f511 vnd 
möge Ynd nach finem Hinfeheiden die felb qoart widemmb an f^ 
beide, nemlichen Hannfen vnd Walthem oder jre erben on alle fAr«» 
wort vaJlen vnd gelangen fSUe. Befchech och, Das Oonrat von Hall- 
wilr vor Margreten von Scheppfental, üner ehlichen gemaheln, mit 
tod abgon wurde, Alfdenn fol Iren der Halbteil von f&licher quart 
des beftympten zehenden och jren leptag vnd bifs ze ende jrer wyle 
ze nutzen vnd zenieffende gelangen vnd volgen, Ynd aber nach jren 
abgangen an die benanten erben, als vor ftat, geuallen ßn. Doch 
mochtent die felben, Hanns vnd walther, oder jr erben, nach abgang 
Conratz von Hallwiler der frowen, ob die das erlepte, ob fy lieber 
w61ten fdr foliche halbe quart jr leptag jn lypgedings wyfe geben. 
Fünff guldin geltes vnd jren die jerlichen vff Sannt Martinstag weren 
vnd antwurten Ynd damit obgemelter fachen halb uerdig vnd vik- 
gericht ßn. Als aber Büdolff von Hallwiler feiig vnfer^ gnedigen 
Herren von Oefterrich etc. erbmarfchaJk gewefen vnd nu ffilich ampt 
dirr zyt In erbs wyfe an den genanten Conraten von Hallwilr ßnen. 
brüder geuallen, Ift beredt. Das die felbige erbfchafft vnd gut mit 
allen Herlikeitten, rent, zinfs, nutz, gdlt vnd andern zügehörungen 
den benanten Hannfen vnd Walthefn, vnd ob fy nit weren, Iren. 
erben, die dann von Irem namen vnd ftamen geboren oder nach 
jrem harkomen recht durzft habent, bliben, jnen volgen vnd züge- 
hörig ßn. Dagegen vnd daf&r foUent och Hanns vnd Walther Con- 
raten, jrem vetter, geben vnd volgen laffen ßn leptag vnd nit f&rer 
die Rent, zinfs. nutz vnd g&lten. So fy zu leben beßtzen vnd Inn- 
habent von vnferm gnedigen Herren, dem Byfchoff vnd der Stiffb zu 
Bafel jn Tellfperger tal gelegen. Tut Jerlich by Sechs guldin geltea 
minder oder me vngeuerüch. Ynd fol och Conrat von Hallwilr vmb 
RÄdolff von Hallwilr ßn» brüders feiigen verlaffen erb vnd gut gentzlich 
vnd gar vfsgericht ßn Vnd der vorgemelten erbmachung brieffen falt 
mit Innhaltung In Kreffben befton Ynd hiemit aller obgemelter fpennen 
halb gar vnd genzlich vereinbart vnd betragen ßn vnd bliben, Alle 
geuerd, vntiüw vnd argelift har lim vermitten vnd hindange fetzt. 
Des alles zu warem vrkund Haben wir obgenanien Hanns von Baldegk 
vnd Wemher von Berenfels von bitt wegen beider parthien vnfer 
Ingefigeln, vns vnd vnfem erben onfcbaden, gehenckt an difen brieff 
Der zwen glich lutende vnd yeglichera teile einen gegeben vffMitt- 
wuch Sannt verenen der heiigen Jungkfröwen tag Des Jars, als man 
zalt Nach Crifti vnfers lieben Herren gepurt Tufennt vierhundert 
Sy benzig vnd Drü Jare. 

Vnd wannd aber dife bericht vnd Übertrag mit vnfer, Conrat 



293 

von Hallwiler, HannTen vnd Walthers von Hallwiler, gebrflderen, 
willen vnd wilTen Zugängen vnd befchehen fint, So haben wir alle 
dryg glopt vnd versprochen, Globefl vnd verfprechent In krafft difa 
brieffs fftr vns alle, vnTer erben vnd nachkomen, All obgemelten 
ptincten vnd artigkele nun vnd hienach war, veft vnd fbet ze haltende 
vnd hiewider nienen mer ze redende noch zet&nde, och f&lichs nit 
fchaffen noch verhengen getan werden, hejmlich noch olFenlich, jn 
dhein wyfe, Sander hand vns och harinne verzigen Aller fryheitten 
vnd gnaden, rechten vnd gerichten, geifchlicher vnd weltlicher, ge- 
fchribner vnd vngefchribner , Burgrechten, Stettrechten vnd lant- 
rechten, BAntnilTen, Satzung, eynong vnd gewonheitten, frid, troftung 
vnd geleitten der Herren, Stett vnd lender, Darzfl aller andern vf- 
zdgen, fAnden, liften vnd generden, damit lieh yemant wider dheini 
haran gefchriben ding yemer beheffen (?) vnd erdenken k6nt vnd 
fonderlich fprechen möchte. Ein gemeine verzyhnng ßlte ,nit ver- 
fahenn, ein fnndning gienge denn ee vor. Vnd defs zu noch merer 
ficherheitt vnd gezagkniHe Habent wir die felben, Conrat, Hanns 
vnd Walther -wm Hallwilr, vnfer Ingeligeln och offenlich gehenckt 
an difen brieff, Der geben ifb Vff den tag vnd In dem Jare als 
obftat. 

(Alle fünf Siegel find noch vorhanden.) 

Anf der Rückseite steht: 

a. in alter Schrift: 

Ein Äberkomnifs zwifchen Knonratt von Hallwil vnd Hanf vnd 
Wallter, onch von Hallwil, gebrüder. 

b. In etwas neuerer Schrift: 

Sprachliche Verkomnufs ZwÄfchen Cunraten Von Hallwyl An 
Einem, danne Hanfs nnd Walther von Hallwyl, gebrüdem ; in puncto 
Bftdolffs von Hallwyl defs Jdngemn Teftaments. dat. Verelietag 1473. 



Beilagre A. 11. 

Pag. 215. 

1474. 10. März. 

(Archiv Hallwil.) 

Wir, Schultheis vnd Ratt zu Bernn, Bekennen mitt difem brieff, 
das vff hAtt liner dat., als wir verfampneten R4tt hatten, f&r vnns 
kommen find die Edeln, veften Hanns vnd Walther von Hallwylr, 
gebrAdere, vnd begertent an vnns, Als dann wir ein Ordnung von 
der Swynen wegen jn vnnfem vier landgerichten vnd anndern vnn- 
fem Herrfchafften allenthalben^ war dann wir oder annder H&ltzer 
vnd achram*) angefechen vnd gemacht betten. Das wir Inen femlicher 
ordnong befigelt bekantnuffs geben, vmb das fi fich jn Iren h&ltzem 
der onch behelffen vnd gefröwen m6chten), Haben wir angefechen 

*J Cf. über »Acherum und Holzhaber« — von Wattenwyl : Das 
öffentliche Recht der Landschaft Kleinburgund im Archiv für Schweizer« 
Oeach. XIE, 101 ff. 



.294 

Semlich jr bitt zimlioh Cb» ^vnd onch darvmb, das -wir femKdi ord- 
nnng nn fftrwerthin halten, vnd die nitt abUIlBD weUend, Vnd Inea 
die yerllgelt mitt vnnferm Statt Beeret gebexm, Als die hamach top. 
wort ae wort volget, Darbi wir £j vnd jr nichkomen euch waUend 
handthaben vnd fchirmen. Item es fol nienmn jn h&lUer, dar li nitt 
ehefftige band, Swin triben &ne holtzhaber, vnd der Herrfchafft 
oder den lechenHerren, der die Hftltzer find, g&tem willen vnd willen. 
Welche aber die find, die fftliche ehehefftige haben, das Xi jn vnnfer 
oder annder jr Herrfchafft oder lechenherren h61taer &ne holtzhaber 
triben mftgen, die felben ISllen euch mitt jrem vafel Yad allem den^, 
So n in jr HATem nottdorfft find z& brachen, &ne Holts haber vam; 
was Si aber verkooffon, darvon ßUen G. Holtzhaber geben ; als ander 
weder sem nechften noch zem höchsten, vngeuArlich. Slüg onch 
yeman mitt generden mer Swinen jn fin Hos, dann er beddrfft, vnd 
deheinen gefaJtznen bachen verkonffb, der fol onch danon Holtzhaber 
gen dem Holtzherren, vnd der HerrfohafPt die bATs, als hamach ge- 
fatzt ilt. Was onch jemand , es fiend wir, ein Statt vonn Bemn» 
oder annder, eigner weld vnd Hfiltzer haben, da l^ £5llen fi onch 
bliben, vnd nieman dahin vam noch triben, ftne vnnfem oder der» 
So die HAltzer vnd weld find, gutem willen vnd willen. Vnd wer 
das bricht vnd nitt hallt, SoUjJs dick das befchickt, den vermellten 
von Hallwylr oder jren nichkoöäen f&nff pfund ze pen vnd bülÄ ftne 
gnad verfallen fin. Dar bi wir fi onch ftercken weUend Inter, ftne 
geuerd, InkrafBb difis brieffs. Daran wir vnnfer Statt Secret jnfigel 
haben tun hencken, Yff Domftag nach Reminifcere, Als man zalt 
von der gepurt Crifbi Tofent vierhundert Sibentzig vnd vier Jär. 

Die 3 Siegel hangen nicht mehr. 

Auf der Bttckaeite steht: 

Scfawyn — vnd Achiam Brie£f. No. 9 

Vom Raht zu Bern Donnfi^g nach Beminiscere 1474. 



BeUagre A. 12. 

Pag. 216. 

1476. Letzter Tag des Januar. 31. 

(Archiv Hallwil.) 

Ehecontract zwischen Hans von Hallwil und Magdalena 

von Rotenstein. 

Wir Nach genempten, Hanns von Hallwil Eins-, vnd des andern 
teills Magdalen von Rotenftein, mitt Hand vnd gewallt Der Ervvir- 
digen, Edlen vnd veften Herr Jörgen von Rottenftein, Gonnnent- 
herren z& Kempten, vnd Alrichen von Rottenftein, miner lieben BrAder» 
Bekennen mitt difem Brieff, Das wir jn BywäJen vnnfer frAnd vnd 
gdttgdnner, Hie nach genannt, jn dem namen gotts Einr jemer- 
werenden fri&ntfcha£ft des Bannds der heiligen ee mitt ein andern» 
Nämlichen ich, Hanns von Hallwiller, vnd ich, Magdalen von Rotten- 



-295 

ftein, yerkom^i find.» AJfo das wir nu Üirer jn Elicher gemachell- 
fchafit, Nach ordnimg der Heiligen Criftanheit, fin vnd beliben 
wellen, Mitt den Inttnuigen vnd gedingen, wie tj Hernach fb&n. 
Des Erften, das wir ztL beiden teilln mitt vnnferm g&tt, So wir jetz 
vnnergabet Haben, bi einandem fin vnd beliben ßllen, von fSlichem 
dann ich vorgemellte Magdalen, Hannfen von Hallwiller, minem 
lieben gemaohel, z& fryem Kr&m geben hab vnd gib Hie mitt wdflentlich 
zw51£Fhnndert Binfr)h goldin, die ich jm Erberlich vnd wol vfirichten 
fol vnd wil; diefelben er fAr fich vnd fin erben frylich haben, 
nutzen vnd darmitt hanndlen mag nach finem genauen vnd willen. 
Ynd ob fich durch fchickong gotts begeben. Das eins vnder vnns 
vor dem Andern &n elich lib erben, von vims gebormn., ab gän 
wurd, So fol dem lebenden von des abg&nden erb vnd gfttt geuollgen 
Zweytufend gnldin, jn vdderlegung wifs, fölich zu nutzen vnd nieiien, 
bis K& ennd fins lebens, Ynd fol dannenthin fölich fum wider an fin 
n6chften Erben fallen, vnd fol das lebend jn des abgangnen gut 
fitzen, das nutzen vnd nieffen, bis ztL vfiichtung der vorberArten 
Widerlegung, doch vnwuftlich ; vnd fo bald fölich vfrichtung befchicht, 
fo fol es dann von dem andern g&t gantz ft&n, vnd den rechten erben 
an widerred laflen gelangen. Ich vorgenampte Magdalen Hab mir 
felbs euch harinn min fryheit des Abrigen güts vorbehaUten, Alfo 
das ich das felb fampt oder funders, ich Ty fiech oder gefund, ordnen, 
geben vnd fchicken mag nach minem gantzen geuallen, von menck- 
hchem vngefumpt. Ynd weders vnder vnns aUb vor dem andern ab- 
gät, So fol dem andern zd der Widerlegung, als vor ftät., f&r Eigen 
gelangen der Halbteil des Husrätts, Es Ty Silber gefchirr oder anders ; 
Ynd ob wir mit einandem Eliche Kind gewunnen, Tnd aber ich, 
Magdalen, vor den felben von tods wegen abgd.n vnd darnach die 
felben vnnfer kind vnder jm rechten tagen fterben wflrden, vnd der 
vermeüt Hanns von Hallwülr Sölichs gelebt. So fol jm zu dem Kram, 
der jm von mir, als vor ftät, frylich geben, vnd der Widerlegung, 
die obgemellt ift, ob er ßliche zd nieuen erlebt, von föllicher vnnfer 
beider Kinden wegen gelangen für fry eigen Zweytufent guldin ; Ob 
wir aber Elind, töchtem vnd keinen Knaben gewunnen, die zd jren 
tagen kämen, fo f&llen von minem, der vorgenampten Magdalenen, 
gut die zweytufent guldin zu Thann an min n&chften erben mans 
namen fallen, vnd die felben Kind das Abrig gftt alles erben; ge- 
wunnen wir aber Knaben, So föUen die zweytufent guldin mit an- 
denn vnnfenh g&t den felben Kinden gentzlich beliben, vnd fi des 
erben heiflen vnd fin. Ynd bi difen Dingen vnd gedingen z& beliben, 
Yerbinden wir vnns. Nämlichen jch, obgenampter Hanns von Hall- 
will, vnd Magdalen von Bottenftein, jnit willen vnd gunft miner 
vorgemellten brddem, bi vnnfem eren vnd trAwen, f&r vnns vnd 
vnnfer erben, alle geu6rd vermitten; Ynd find hieby gewSfen vfT 
min, Hannfen von Hallwiller fit. Die Erwirdigen, Edelln, Strengen, 
Hochgelerten vnd erfamen Herr Hartman von Hallwil, Thumherr 
z& Bafel, Walther von Hallwillr, min Brdder, Herr Niclaus von 
diefbach. Bitter, Herr zt Signow, Herr Wilhelm von diefbach, Ritter, 
min Sw&ger, Herr ThAring fricker, doctor der rechten, Statfchriber 



296 

z& Benin, Herr fllrich getzemberg, Sannt Johanns ordenns Kilchherr 
zd Sengen ) Hen* Heinrich Renolld, Kilcher z& endtfeld, Kämmerer 
des Cappitells zt Arow, Hanns von der gr&b vnd Ander. Vnd vfT 
ynnfer, der von Rottenftein dt, wir die vorbenampten J6rg vnd Airich 
von Bottenftein, jn namen vnd mitt vollem gewallt vnnfer brdder, 
Heinrichen vnd Andres von Bottenllein, Meifter Hanns Onndeldinger, 
Lütpriefber z& Arow, Erhart Meyer, Schultheis dafelbs, C&nrat Bogli, 
genampt Arnold, Schultheis zu Bmgg vnd ander. Vnd des alles zu 
warem vrkund So hab ich vorgenampter Hanns von Hallwil vnd 
mit mir Herr Hartman vnd walther von Hallwilr, min BrAder, vnd 
Herr Niclaus vnd Herr wilhelm von diefbach, Bittere, min 8w4ger, 
vnnfer aller vnd jecklicher jn fanders ßn eigen jnßgell gehenckt an 
difen brieff, Vnd aber wir vor genanten von Bottenftein, Nämlichen 
Jerg von Bottenftein, Connuent Her zA Kempten, min Eigen jn Hgell 
vnd dar zA mins brAdem Heinrichs von Bottenftein jn namen ßn, 
Andrefen, vnd min, Airichs von Bottenftein, Dann ich jetz min eigen 
jnßgell nit hab. Vnd dar zA jch vorgenampter Schultheis zA Arow 
min Sigell offenlich gehenckt An difer Brieffen zwen gelich vnd Greben 
zA Arow vff Zinftag dem letften tag Januarij, Do man zallt von 
gotts geburt vierzechen Hundert Sibenzig vnd fAnff Jar. 

(Alle acht Siegel sind noch wohlerhalten.) 

Auf der Bückseite steht mit neuerer Schrift: 

HeAratsbrieff 
ZwAfchen Hanfs von Hallwjl, Bitter, und Magdalena von Rottenftein 
1475. 

Und femer in alter Schrift: Ift der Heiret brrief. 



Beilagre A. 13. 

Pag. 218. 

1475. 17. Mai. . 

(Archiv Hallwil.) 

Wir nachgenanten Niclaus vnd Wilhelm von dieflDach, geuettem, 
baid Bitter, Herren zA diefbach, TAnd kund mengliohem, Als dann 
der veft Hanns Trulleray zA Arow, nach abgang des veften Ludwig 
Zehenders föUgen, wilend Schulthaifs zA Arow, ßns Vettern zA der 
Edeln frow Magdalenen von Botenftain, des genanten Ludwig Zehen- 
ders ßligen elicher wittwe, zA difen ziten des Edeln vnd veften 
Hannfen von Hallwilr, vnfers Swagers elicher gemahel, als von def- 
felben ßns Vettern verlaflen erbs vnd gAtz wegen, als fin erb zA 
ainem tail vordrang vnd Spruch gehept vnd zA haben vermaint hant 
vnd Si darumb mit recht zA erfuchen, defhalb Wir vor ettwas tagen 
an Si baidi ernllblich gefAcht vnd geworben, Vns euch des von jr 
baider wegen angenomen vnd gemächtiget haben, vmb das Si des 
rechten vnd verrer vnfrAntfchafFt, coften vnd fohadens, fo darufs er- 
wachflen möchte, vertragen beliben, vns der fach in der gAtlichait 
zAuertrAweu vnd zA vnfern Händen zA geben, das Si onch getoa 



297 

Tnd die genanten frow Magdalena Zehenderin f&v ßch felbSi Vnd 
der yeft Virich Trfllleray, Burgermaifter zu Schaffhofen, anftatt des 
obgenanten Hannfen TrAlleraj, fins vettern mit linem yoUen ver- 
briefb^i gewalt für den felben ßnen Vettern mit jren Händen gelopt 
vnd verfprochen haben. Wie Si der obgemelten fach halb von vns 
in der gÄtlichait von enandem gewilt vnd entfchaiden werden, das 
8i zft allen tailen für ßch vnd jr anhengem dabi beliben vnd dem 
nachkomen f&llen vnd wellen, &ne all jrrnng, intrag vnd widerred, 
alles vngeuarlich. Das wir Si da dem nach entschaiden vnd vns in 
der gdtlichait erkennt vnd gefprochen haben, das frow Magdalena 
von Botenstain, Hannfen TrAlleraj obgenant vnd fAr s&lich obgemelt 
sin ansprach geben sei 8&chtzig guldin guter vnd genger Rinischer 
hie zwftschen vnd dem balligen hochtzit Wihen&chten nechstkAnffcig 
vnd Si oder Ir erben Im oder sinen erben die weren vnd antwnrten 
sollen zu Arow äne sinen costen vnd schaden, Vnd das Hanns Trül- 
leray, noch sin erben, die selben frow Magdalenen, noch jr erben, 
von des obgenanten Ludwig Zehenders erbs vnd gdtz wegen hinf Ar 
wyter noch mer, Inn oder vsserthalb rechtens, nit anlangen, erstehen 
noch bet&dingen sol dehains wegs, sonder sollen Si baidersidt vnd jr 
anhenger defhalb mit enandem gütlich gericht vnd geschlicht vnd 
aller vnwill tod vnd absin, alles vngeuarlich. Vnd des zA vrkund 
so haben ^ir baid als vndertädinger Jeglicher sin Insigel, Im vnd 
sinen erben äne schaden, gehengkt an disen brief, dir zwen glich, 
Jedem tail ainer, Geben ist vff Mittwochen nach Sandt Bonifacius 
tag Nach Cristus gepArt Viertzehenhundert Sibentzig vnd f Anff Jare. 

Die zwei Siegel hangen. 

Auf der Rückseite steht: 

in alter Schrift: 

ein berichtt zwischen rotenstein vnd DrAUerey. 



Beilage A. 14. 

Pag. 218. 

1475. 21. Juni. 

(Archiv Hallwil.) 

ICH, Hanns von Hallwil, TAn kunt menglichem Mit vrkund difT 
brieffs, das ich mit gAter zitlichen vorbetrachtung, luterlich vmb 
gottes willen dem Ersamen Herrn Hannffen Kogen vnd siner frAnden 
ernstlicher bitt willen, lieh demselben Herren Hannsen Kogen die 
Gapplanj der Gappell jnn dem Schlofs zu Hallwil, So mir, Als dem 
Eltisten von Hallwil, zA verlihen zAstat, vnd yetz ledig ist gewesen, 
Mit Allen vnd yegklichen jren rechten, zinsen, gAlten, renndten vnd 
gerechtikeiten, verliehen jme dar zA vnd vnffry cappell, mit gewalt 
vnd Recht, so min vordem von Hallwil seligen gehept haben vnd 
ich noch habe, vff genomen hab, Als ich euch verliehe vnd jn uff- 
nym jnn ErafRi diff Brieffs. Darvmb so beuilhe vnd gebAt Ich Allen 
den minen, euch miner Lieben brAdem lAten vnd bitt All ander, der 



298 

selben pfiriiodeii mä Gapplanian zinsen, gfllten vnd andern BcknM- 
nem vnd Zinf Lflten, Das sy dem genanten Herrn Hans Kogen sa 
lang vnd er die obgeachriben oapplanj besitzet vnd jnn hat, sAUioh 
zinse, renndt, gAlt ynd Anders, so sy derselben pIrAnd vnd Irem 
capplan sohuldig sind, gebent, bezalen vnd reichent; das ist min 
ernstliob meynung. Des zft vrknnd so hab ich, Hanns yon Hallwil, 
min eigen Insygel offenlich gehenckt An disen brieff, der geben ist 
uff Mittwnoben nächst vor Sant Johans tag dels t&i&rs, Do man 
zalt Yon der gebort Oristi tosend vierhundert vnd Im kxv Jahr. 

Das Siegel hängt. 

Auf der Eückseite steht: 
Verleichnng der Capell im Schleis Hallweil an Hs. Koch als Caplan 
Anno 1475. jetzt im Kirchen-Saz von Seengen ligend. 



Beilage A. 16. 

Pag. 230. 

1477. August 30. 

(Archiv HallwiL) 

Wir, Schidtheis vnd Rat z& Bern, Bekennen mitt difem brieff» 
Alls lang Zit IiTongen find gewefen zwifchent dem Edeln vnd Stren- 
gen Herrn Hannfen von Hallwilr, Ritter, vnnferm getruwen barger, 
von wegen der Edeln Frow MagdaJenen von Rotenstein, Iiner elichen 
gemachel eins-, vnd des andern teils Hanns Oerung Zielempen von 
Walpach, z& Basel gefelTen, Dammb nun jn leben wilent des veften 
ludwig zechenders, Schnltheifsen zu Aröw, von dem ouch dis fachen 
dah&rrAren, zu. Lutzem vor vnnfem Mittburgem vnd eydgenoHen, 
Ouch den vnnfem Zu Aröw, allerley bekantnis vnd vrteiln lind gangen, 
der fleh aber der vorgenempt Zielemp beklagt vnd vnns vmb förer 
Intrnng angerdfft hat, So verre das wir beiden teiln fAr vnns vff difem 
tag Rechtlich tag gefatzt, Den ouch die felben parthien, Nämlich 
Herr Hanns von Hallwil jn eygner person, vnd Hanns Gerong Zie- 
lemp diirch Elfbethen Zielempen, Sin elich Hai&owen, Die ouch vor 
vnns Mitt Dietrich Hüpfchin, vnnferm barger, ift geftanden, gefacht, 
vnd haben da allerley Red vnd widerred, Schrifften, vrteiln vnd 
latnmg hAren laaffen, vnd alls das alles ift ergangen. Da haben 
wir fwßr gew&gen, dar jnne endrang für zenemend, Angefechen, das 
der Yorberdrt Hanns Gärung vnd ouch Im Haf&ow Ze meren maln 
gelopt and gefwom haben, bi den vorofgangnen vrteiln z& beliben 
vnd SAlicher fachenhalb an dheinem orrt. Dann z& Aröw, vor den 
vnfem recht z&fftchen, Alls dann das die bekantnis, Danunb ver- 
ligelt geben, eigenüch bewifen, vnd doch nitt defterminder der vor- 
berdrten frowen zugesagt, wo G. des rechten nitt abftan, So wellen 
wir jr das mitteilen vnd daran fin, das vnniser vrteil Si berdr, 
was oder wie hoch fi well veruoUgt werden, vnd haben jr onch dabi 
gelutert, Das nach geftallt difer fach vnd der gefwomen eyden vnd 
gäbnen truwen villicht vaft fw^ ward, — AKo nach erlntem Des 



299 

'alles mitfc merioid witeron iwBrten, bie mtt not aamelden, So hat 
die reibe frow g&twillenklioh md ynbeewmigen jr Yordnmg ab- 
.geTtanden vnd Ton -dem rechtlichen anr&ff gelanffen. Ynd nachdem 
-nun I&liclffi vor vnns ift befch&dhen, So haben oach wir vS begeren 
Des obgenempten Herrn Hannüen von Hallwilr Bis vnnfer befigelt 
.bekantnis geben vfT Sampftag Naish Sannt Angastms tag Nach der 
.geport Onfti vnnfers lieben Hercan viartzechen Hundert Sibentzig 
yiÄ fiä)en Jar. 

Bas Siegel hängt noch daran.* 
Auf der Btbckseite sieht in nenarer Schrift : 
Gütlicher Tergliech zwifehen Hansen v. Hallweil nome fr. Fr. 
Magdal. v. RotenTtein und Hans Gering Zielempen von walpach 
An & Gegenforderung betr. d. Samft. nadi St. Augoilin 1477. 



Beilage A. 16. 

Pag. 231. 

U78. Juli 22. 

(Archiv Hallwil.) 

wir Nachbenempten Anndreffs, Hainrich Vnd Virich von Roten- 
stain, zu Hebenhofen, allfi dry gebrddere, Bekennen vnd veryehen 
offennlich mit difem brieae F&r vnns, auch alle Vnnfer Erben, vnd 
tünd kunt juengklich, Bas wir mit guter Zytlicher vorbetrachtung, 
veraintem wolbedachtem Sinne vnd mute zÄ den Zyten, tagen vnd 
an den Stetten, do wir das mit Recht wol CrefiFtenklich gethun 
kondten vnd mochten, Mitt allen den Wortten, werken, Raten vnd 
getaten, Sq dartzü gehorten vnd noturftig waren, Vnd durch die 
das Tetzund vnd hienach Ewigklich vor allen leuten, Richtern vnd 
gerichten, gaiftlichen vnd weltlichen vnd allennthalben gantz vol- 
komen Craffb vnd macht hant, Haben fol vnd mag, FAr alles wider- 
tailen vnd abfprechen, Vnd fonnder darumb, das wir mit dem Minn- 
dem Merrem fchaden verkomen vnd vnnderfbflnden, der vnns vff die 
Zyte anligennd was, Ber Edeln Magdalenen von Rotenftain, des 
Edeln vnd Strenngen Herrn Hannfen von Hallwilrs, Ritters, vnnfers 
lieben Sw&gers Eelicher HufErawen, vnnfer lieben Swefter, Auch 
allen Iren Erben vnd Nachkomen Zu ainem St&ten, Ewigen vnd 
ymmerwerenden Kauffe, jn Crafft vnd macht ditz briefis Recht vnd 
redlich verkaufiPb vnd ze kauffen gegeben haben — FAnfftzig g&ter, 
gennger vnd gerechter Rinifcher guldin Rechts, ft4ts, J&rlichs vnd 
£wigs Zinns vnd gülte Von vffer vorufss vnd ab allen vnd yegk- 
lidien vnnfem gelegenn Stucken vnd g&ten zu Hebenhofen, Zum 
Albrechts vnd zQl Hiemenhouen, Bie felben vnnfere gelegne Stuck 
vnd gütt alle Mitt allen vnd yegklichen jren Rechten, Nutzen, gälten 
genieffen, vnd gemainlich mit aUem dem, So von alter gewonhait 
oder Recht überal yexmdert dar In Aid dartzü geh&ret, gehören fol 
oder mag. Es fye ze dorff, ze Holtz oder ze Veld iibei*al an kainen 
dingen, Nichtzit vIsgenomen, Vmb den vorgefchribenn J&rlichen Zinna 



300 

vnd gAlte, Auch vmb daa hemachgefchriben Hoptg&t, danimb Sj den 
von vnns erkaufft hant, Vnd gemainlich vmb alles, das difer Brieue 
begryffet, Ir Rechts fArpfannd vnd vnnderpüeinnde bailTen vnd fein foUen» 
Fdr ledig, Richtig, vnuerfetzt, vnuerkdmbert, vnanfpr&chig vnd vnbe* 
hafft one alle gea&rde vnd damit wir och f Arohin dehaüier Anndrer enn- 
dmng, Noch Minndron^, weder mit Verfetzen, Verkaoffen, Hingeben, 
Noch jn annder wege, So jnen dann Hieran zefchaden komen mAchte, 
nit Pflegen noch tun fAllen, k&nnen, mngen, Noch wAllen, Indehain 
Wjfe, Vnd ift der Kaoff befchehen vmb Talent gAter, gennger vnd ge- 
rechter Rinifcher guldin. Die vnns die Obgenante vnnfer Liebe Swester 
darumb vnd dafAr jnaina St&ten, Ewigen Kauffswyfe alfo bar gewert 
vnd bezalt hat, vnd damit wir vnnfem befsem Nutzen vnd &omen 
gefchafft haben, Vnd danunb föllen vnd wollen wir Auch aUe vnnfer 
Erben vnd Nachkomen, Innhaber vnd beßtzer der vorgefchriben 
Stuck vnd gAt der Egenanten vnnfer Lieben Swefter Magdalenen von 
Hallwilr, Auch aUen Iren Erben vnd Nachkomen, jn wer Hannd vnd ge- 
walte denn der vorberArt Järlich Zinns Vnd gAlte, Die f&n£sig Rinifch 
guldin , hienach jmmer lind oder komen. Den felben Zinns vnd gAlte, 
Die fAnfzig Rinifch guldin, Nun FArohin Ewigklich vnd J&rlich Auch 
yegklichs Jars aUain vnnd befonnder Allwegen vff Sannt Jacobs des 
balligen Mereren Zwölfpoten tage, oder achttag vor Aid nach vn- 
geuarlich, Tugentlich vnd gAtlich Richten, weren, bezalen, Vnd zA 
Schauffhufen Inder Statt ZA Ir oder jrer gewiften botten Sichern 
Hannden vnd gewalte vff Ir redlich quitantz, behennden vnd antt- 
Worten fAr mengklichs verhefffcen, verbieten, entweren vnd demider- 
legen aller gaifÜicher vnd weltlicher LAten vnd gerichte, FAr alle 
annder Inual vnd gebrechen Aucht Krieg vnd benne, one alle In- 
trag, fArz&g vnd Widerrede vnd auch gar vnd genntzlich ' one allen 
Iren Cofben vnd fchaden. Wan, welhes Jares wir daran Sumig 
wären oder wurden, Vnd jnen den vorgemeldten Järlichen Zinns vnd 
gAlte, Die fAnfzig Rinifch guldin, nit Richten vnd antworten vff Zile 
an die Statt vnd Inmafss, wie hieuor Aigenlich begriflfen ift, wie 
dann Sy oder Ir erben Aid Nachkomen ains Yeden veruallenn, vn- 
gewerten Zinns vnd gAlte, Nach yedem verganngenen vngewerten 
Zile fAro Ze Schaden k&men Oder fchaden N&men, An wechfein, 
k&uffen, Aid von Zerung, Pfanndung, Nachraifen, gerichten, Sum- 
falin, brieaen, Bottenlöuen oder anndem fachen, wie ßch das ge- 
fAgte, doch Redlich vnd vngeuerlich, Den felben fchaden allen, Zu- 
fampt ainem yeden verfallen vngewerten zinns vnd gAlte, SAUen wir 
jnen auch Bekeren vnd vfsrichten, one allen Iren Collen vnd fchaden. 
Wan ob das vnuerzogenlich aber nit befch&he, Alles jn der wyfe 
vnd mafss, wie hieuor aigenlich gemeldt vnd vnderfchaiden ift. So 
hat die vorgenant Vnnfer liebe Swefter Magdalena von Hallwilr, 
vnnfer liebe Swefter, Auch alle Ir Erben vnJ Nachkomen, vnd wer 
Inen des verhilffet, darnach allwegen, Vnd So oflPt das alfo ze fchul- 
den k&me, Vollen gewalt, fryes vrlob, vnd gAte, erlanngte, eruol^te 
vnd behapte Recht, die vorgefchriben Stuck vnd gAtt, jre PArpfannd, 
gar oder ainstails anzegryffen mit Verfetzen oder mit Verkauffen, 
Rechtskauffs, Oder vff der Ofihen fryen gannt, wä, jnwelhen gerichten» 



301 

Tnd gegen Wiem Sy wollen , Als ain varennd, verrechtuertiget vnd 
yerftannden pfannd Nach^Ffannds Becht; oder ob 87 wollen. So 
mngen 8j diefelben Ire FArpfannd Sonnder oder fament vnangegriffen 
lafsen, Vnd mugen Vnns Obgenanten Anndrefsen, Hainrichen vnd 
Ylrichen von Botenflain, gebrAdere»v Vnnd ynnfer erben, Vnns alle 
dry gemainlich vnd ynaerfcliaidenlich oder vnns Ainen Aid mer Al- 
lain vnd befonnder, Weihen oder Weibes Sy vnnder vnns oder vnn- 
fem Erben wollen, Dammb an allen Anndren vnnfem Ldten vnd 
göten, Ligennden vnd varennden, Aigen vnd leben, Von Vollem ge- 
walte, Auch wol angryffen, HefiFten, nöten, Pfennden, verbieten vnd 
vmbtryben, mit weihen gaiftlichen oder weltlichen, Hofgerichten^ 
Lanntgerichten oder anndem gerichten Sy ye w611en. Als Ob Sj 
verlnft, one alle Clag vnd vrlob aller gerichte, jn Itetten, m&rckten^ 
d&rfifem oder vff dem Lannde, vnd allennthalben, wie vnd wä Inen 
das allerbefte fuget, vngefr&uelt gegen mengklich, ymmer fouil vnnd 
dick, bis das Sy damit ains yeden veruallenn, vngewerten Zinns vnd 
giUte vnd alles fchadens. So fy defsbalb genomen oder Empfanngen 
hatten, mittainannder völlenklich gewert vnd bezalt worden ßnd^ 
one jren Gölten vnd fchaden, Vor dem allem vnns vnnfer Erben noch 
dehain vnnfer Hab, LAt vnd gut, gar Mchtzit hinfchieben, befchirmen, 
Noch befriden fol, kan noch mag, dehainerlaj fryhait, fryung, £ry- 
brieue, Puntnufse, veraynung, gefellfchafFt, burckrecht, gefetzt, ge- 
bott der FArften, Herren oder Stett, Noch dehain annder gnad noch 
Becht, gaiftlichz Noch weltlichs, Noch Ichtzit annders. So Zufchirme 
yemant Hiewider gegeben hette oder Fürohin geben , FArziehen Oder 
erdenncken könndte, folte oder möchte, Denn wir vnns des alles hier 
jmie gegen jnen genntziich verzigen vnd begeben haben, Vnd Sonnder 
des gefchribenn Hechten, das da Sprichet, gemain verzyhen verfahe 
Bit, Es fye denn ain fonnderhait daby. Vnd wie wol Nun difer 
brieuen ainen St&ten, Ewigen Kauffe wyfet vnd befagt, Noch denn 
hat vnns die vilgenannt vnnfer liebe Swefter, Magdalena von Hall- 
wilr, die befonndern tugent. Liebin vnd Fruntfchafffc Hierjnne er- 
zaigt vnd gethan, Alfo SaA wir oder vnnfer Erben Aid Nachkomen 
den vilber Arten J&rlichen Zinns vnd gAlte, die fdnftzig Rinifch guldin, 
Hyenach Aber Kurtz oder Lanngz}'te vnd welhes Jares wir wollen, 
von derfelben vnnfer lieben Swefter oder Iren Erben Aid Nach- 
komen wol widerkauffen vnd abl6fen mugen vngeuarlich. Doch alfo^ 
welhes Jares wir f611ich Lofung vnd widerkauffe tun wölten, Das 
feilen wir Inen vorhin vff Sannt Jörgen des balligen Ritters vnd 
Martrerstage vngeuarlich durch vnnfer gewifss hotten vnd brieue 
von Mund ze Hufe, Ze Houe Aid vnnder äugen verkdnden, Vnd 
dann föllichen widerkauffe da felbs zu. Schauffhiifen jn der Statt 
tÄn vnd voUbrinngen vff den N&chft damachkomenden fannt Jacobs 
des Merem Zwölfpoten tage, Oder Achttag vor Aid nach vngeuerlich 
Mitt Tufent guten, genngen vnd gerechten Rinifchen guldin Hoptgüts, 
Als die gemeldt vnnfer Swefter Söllichen Zinns vnd gÄlte Yetzen 
von vnns auch Erkaufft hat, vnd mit den Fiinftzig Rinifchen guldin 
Zinns vnd gdlte, So fich alfsdann vnd deffelben Jares dauon er- 
ganngen betten, Auch mit allen alten dauor verganngenn zinnfen 



i 



302 

* 

vnd g&lten, Ob der dehaiaer hinnderrtellig beliben vnd dennocht nit 
bezalt w&re, Vnd Inen oder Irem Machtbotten das alles lamantlich 
mittainannder dafelbs Zu Schanffhufen, zft Iren lichem Hannden vnd 
gewalte, gfttlich Richtoif weren, bezalen vnd Anttworten, FAr mengk- 
lichs Irrung, Anfpr&ch vnd beknmemolB, wie Oblat vnd gar vnd 
genntzHch one allen Iren Goften vnd fchaden, Söllichz wider Kaafiis> 
§7 vnns och alfo g&tlich vnd on Alle widerrod geltattenn vnd ver- 
lienngen, Anch Alfsdannt So wir den AiTo gethan haben, difen Hopt- 
brieue widemmb si& vnnfem EUmnden geben vnd Anttworten fölien, 
J>en FAro Abzetün vnd vn Crefftig ze machen. Aber die Offtgenant 
vnn£ar liebe Swefter Magdalena, Noch Ir Erben Ald Nachkomen, 
haben nit gewalt, macht noch Recht, vnns, noch vnnÜBr Erben Ald 
Naehkomen, defshalb z& dehainem Widerkaoffe vnd Lofung ze manen, 
ze nöten, Noch ze trjben, Sonnder haillet vnd ilt es Irhalb ain- 
JOk&ter, Ewiger Kanffe, jnallewyfe. Wer och difen brief mit jrem 
g&ten gunft, willen vnd willen jnnhat, vnd des jr gel6phaffb Brie£ 
vnd vrknnd Zaigt vnd fdrbringt, dem oder den Syen wir alles das 
Schuldig vnd verbunden Zethihi, Als Inen felbs Nach Innhalt ditz 
brieffs vnd als ob der Namen an Irs namen Statt Hieijnne ge- 
Ibhriben ft&nde vnd begriffen w&re vngenerlich. Vnd desalles Ze* 
warem, offem vrkunde vnd veftnutig haben wir Obgenanten Anndrefs, 
öainrich vnd Virich von Botenftain, gebr&dere, alle drj vnnfere 
aigne Inligeln ZAgezAknuss aller vorgefchribenn fachen f&r vnns vnd 
alle vnnfer Erben Offennlich vnd wiffenntlich gehennckt an dea 
brieue, Vnnder die felben vnnfere jnligeln wir alle vnns bj vnnfem 
waren, gAten trewen veftttiklich verbunden, War vnd ft&tt zehalten 
Innhalt ditz brieflfo. Vnd w&re, das der Ihfigel ains oder mer An 
difem Brieue yenndert bruchig, milshennckt, oder milsskert wurde, 
Oder Ob difer Brieue fünft yenndert Bufswirdig m&lig Oder ge* 
brechhafft w&re oder wurde. Es w&re an gefchriffb, Birmit, werten 
oder Sillaben, von MAlwen, fchaben, von Mre, wafser oder Anndem: 
fachen, wie fich das gefugte vngeuerlich, das alles fol noch mag der 
dickgenanten vnnfer Lieben Swefter Magdalenen Noch Iren Erben 
Ald Nachkomen, oder dem, .der difen Brieue mit Irem gunft vnd 
willen, vnd von Iren wegen Inahat, gantz dehainen fchaden, Kumber, 
Inual noch gebrechen nit Brinngen noch geboren, vor dehainen LAten, 
Richtern, Noch gerichten, gaiftlichen Noch weltlichen. Noch gegen 
yemants jn kainen weg, Sonnder fol difer Brieue ganntz Crefftig 
fein vnd Belyben, Alle die wyle der Inügel ains oder mer daran 
Hannget, vnd ganntz ift one geu&rde. Vnd ift der Brieue geben An. 
Mittwochen vor Sannt Jacobs des hailigen Merem Zwölften tage, 
Nach Crifti gepurt Vierzehenhundert vnd darnach jn dem Acht vnd 
Sibentzigiften Jare. 

Die drei Siegel hangen noch daran. 

Auf der Rückseite steht: 
PfaJidbrief der Gebrüdem von Rotenftein zu Hebenhofen 
p. 1000 Gld. Rh. gegen Ihre Schwefter Magdalena, Ikr. 
Hänfen von Haiweil Hausfrau dat. Mitw : vor St. Jacob 
1478. 



303 



Beüagre A. 17. 

Pag. 230. 

1478. September 17. 

(Archiv Hallwil.) 

Wir, SohaltheiTs Ynd Batt zA Benm, Tünd. knndt offennlicli mit 

difem bideff, nach dem bifshar mercklich Immg Tnd Spenn find ge- 

wefen zwAfchen* dem Edlenn, Streng^i Herrn Johannfen von HfiJl- 

wiler, Rittern, vnnferm getruwen, lieben Bürger, jnn namen vnd 

von wegen der Edlenn frow Ma^dalenen von BotenTtein, finer Elichen 

gemaehel, Als erben wylend des veXten ladwigen Zech^iders, vnnfers 

Schnltheiisen zu Arow eins* vnd des andern teills dem veften Hanns 

Gerong Zieiempen von waldpach, zft BaTell gefelTenn, ettwas verlaüTnen 

gfttshalb, von frow Mai^eäien Zielempin, wylend Hanns von LAtif- 

hofen, Bürgers zA Lntzem, Elichen gemahel , darrArend*, dammb zA 

vil mallen rechtlich vnd frAntlich tag zA Lutzemn vor xmfem Mittr* 

bnrgemn vnd Eydgnoilen, zA Arow vnd euch vor vnns lind gehalten^ 

vnd mangerlej klag vnd anttwnrtten geben vnd gebracht, denen^ 

doch nye folcher mafs angehängt, dann das allweg fArer, mit klag 

vnd anrAffen befnnder von Hanns Gerung Zieiempen vor genemp^ 

gdiandeH ift, vnd daran komen. Das wir durch Bittwillen der firomen, 

fifkrfichtigen, wifen Burgw Meifter vnd Batt zA Bafell, vnnfer belander 

gAtten frAnd vnd getrawen, lieben EjdgenoHen, Jetz zA letft einen 

fnmtlichen tag in vnnfer Statt beßdmpt, den oach bejd parthien 

haben gefAoht, Nämlichen der vorberArt Herr Hanns von HaUwilr 

jn eygner perfon, vnd Hanns Gerung Zielemp, mitt fampt Elsbethen, 

finer HuHrowen, vnd Dietherich Hupfchin, vnnferm Burger, jn der 

fach Irm vogt, vnd zA vor an dem Yeften lienhart Grieben, dee 

Bat» zA Bafell, der jnen ouch von vnnfem getruwen Eydgnoffen da- 

Mbs aUo zA geordnett üb gewefen, vnd als nu foUichs ift befchechen, 

So haben wir Im allerbeften ettlich vnnfer B&tt, Nämlichen die 

Yeftenn, Hochgelerten vnd BrÜEunen ThAringen von Bingdtingen, 

vnnfem Altfchultheüsen, Herrn ThAringen frickerm, Doctomn der 

Rechten, vnnfem Stattfchriber, Benedict Tfchachtlan vnd Anthonin' 

Archer, vnnfem Alt Yenner vnd Batt, geordnett, beyd parthien zA 

verhören vnd gAttlichen zA betragen vnd ob es not wurd, vnnfers 

Rats dar Inn zA pflegen vnd gebrAchen. Die haben ouch follichen 

vervollgt vnd zA erft vemomen die Klag Hanns gerung Zieiempen, 

die da grAndt uff vordrang ettlicher gAttem_von der vorher Arten 

fr6wen Mai^ethen von lutifhofenn, dahar komen, vnd dem ErwAr- 

digen Herrn Heinrichen Zieiempen, Probft zA Elemberg, vnd finen 

fweftem vergabt, da er meynt, Ludwig Zechender feiig hett die jnn 

konfdswifs an fleh gebracht vnd gar mit Bingem gelt nach geltalt 

der fachen, vnd ho£Pk darzA, als der nechft mag*) von Elichem ftamen, 

recht vnd den nechem koufift zA haben vnd zA dem felben gelaffen 



♦) üeber die Bedeutung des Wortes »Mag« — Vatermagen, Mutter- 
magen -> conf. ßlnmer, a. a. 0. I, p. 185 ff. abrecht. — 



304 

zu werden. Er hatt ouch vor den felben ynnfern Rätenn allerlejr 
Kantfchafft vnd brieff angeriirt, da dnrch er hofft, Iin ikchenn vnd 
zu vordrangen zÄ begliinmpfen. So hatt dann dawider der obgemelt« 
Herr Hanns von Hallwilr ouch gelutret, wie dann Ladwig zechender 
felig foUichen kouff vffrecht vnd redlich getan, vnd hab ouch deb 
Kouffbrieff Kuntfchafft, vnd darnach mer dann ein vrteill ervolgt; 
So fy ouch er darumb z& Arow des erlten, vnd ouch hie, vor vnns, 
zA meren mallen angevochten, vnd vil vrteihi vnd lutrungen geben, 
Pamitt er In namen liner gemachell gantz vnd gar von folüchen an 
vordrungen bekanntt vnd gefchejden fy, jnnhalt finer gewarfame, 
brieffen vnd Sigellnn, So er darumb dar gelegt, vnd meynt jm dar- 
umb gantz nAtz verbunden zu fmd, noch zu antworten zu haben; 
das alles ift mitt vil merem wortten har Inn nit notturfftig zu. 
melden, vor allen teilin vor vnnfem obgemeidten RatsfHinden ge- 
handelt, vnd darnach dnrch 11 ja vnnfer beuelh vnd namen, an bejd 
parthien Emftlichen begert, £s well Inen ge vallen, SoUich Spenn 
vnnfer frdntlichen lutrung zd beuelhen. Des ilch bejd parthyen, vnd 
befunder Herr Hanns von Hallwilr, vaft widrett, Alfo verr das vnnfer 
B^tt fich ün mitt gewallt vnderzogen. Die andec* parthje hatt aber 
des gentzlich gewilligett, vnd damitt fo find die ding vnnferm gut- 
tigen^entfcheyd g&ntzlichen benolhen. Vnd uff das fo haben ouch 
wir jn anfechen vnnfer obbei-ürten getruwer, lieben Eydgnoffen vonn 
Bafell vnd Ir treffennlichen obgelutreten Bottfchafft, beyden parthien 
z& rÄwen verrer recht-f&cb , mdg vnd arbeitt zu verkomen, Alfo ge- 
lutrett vnd fnintlichen gefprochen. Das von Herr Hanns von Hall- 
wylers wegen Innamen finer obgen&mpten gemachel, Hanns gerung 
Zielempen feilen geben vnd alfo bar vfs gericht werden — Zwentzig 
Binifch guldin, Mr ein mall, vnd da by, das damitt der obgen&mpt 
Herr Hanns von Hallwilr für fich, Iin gemachel, Ir erben vnd nach 
komen, vnd aller mencklich von Ir wegen, von Hanns Gerung Zie- 
lempen, Elsbethen finer Huffrowen, Im erben vnd nach komen, vnd 
aller m&nklich von Ir wegen, Jetz vnd hinfür zu ewigen zyten, Sol- 
lichs g&tz halb, von der von lÄtifhofenn dahar rdrend, Iin fy vil oder 
wenig, funden oder vngefunden, ligend vnd varend, wie dan das der 
Kouffbrieff von dem Propft zu Elemberg obgenant dar gipt, des Da- 
tum ift fritag vor Santt Jörgen tag, do man zalt Tufend vierhundert 
Sechtzig vnd ein Jar, mitt oder du recht, gantz vnangevochten , vn- 
ervordrett, Bdwig vnd in fryd beliben vnd beftan foll ; Vnd follen 
ouch daruff die vrteillen, zu Arow vfs gangen, vnd ouch die Kunt- 
fchafften, durch Hanns Gerung Zielempen difer ding halb ervolgt^ 
Hynder vnns gelegtt werden, vnd nyemand f&rer fchaden, Dann wir 
die alfo Im heften zu vnnfem Händen haben genoinen; vnd nach 
dem nu follicher Spruch durch vnns ift befchechen, So follen ouch 
beyd teyll daby für lieh vnd all die Im vnd aller mengklichs von 
L' wegen, nu vnd zd ewigem beliben, Ein andern darumb noch ouch 
vmb Einichen Koften vnd fchaden, defshalb erwachffen, deheins wega 
erfüchen, geftatten, verfchaffen noch gehellen getan werden, Heym- 
lich noch offennlich, mitt wortten, wercken, anreitzung, noch frum- 
mung, wie das jemer Iin m6cht, Als fi ouch das alles ftatt zehalten. 



r 



305 

sA beyden tejlln, Nämlichen der obgenempt Herr Hanns von Hall- 
wür, gantzlieh zÄgefagt, vnd Hanns Oerung Zielempp mitt finer Hof- 
frowen In Hannd vnnfers obgenanten Stattfchribers bj Im gfttten 
tmwen an ejds Hatt geloptt vnd verfprochen habenn, Alle gevärd, 
widerred vnd was hie wider Rn mficht, gantz gemitten. Vnnd des 
zA vrkond So haben wir difem brieff zu Erafft follichs Spruchs mitt 
Ynnferm angeh&nckten Inügell Beßgelln lauen. Geben vnd Befche- 
chen Donnftag nach Exaltacionis Sancte Grads , Alf man zalt von 
der gebnrt €[nHi Viertzehen Hnndert S^bentzig vnd Acht Jar. -^ 
(Das Siegel von Bern ist erhaltett.) • 

Anf der Rückseite steht : Sprachbrief ttber den Streit, der zwi- 
fchen Hänfen v. Haiweil & fr. JPran — nnd Hans Gemng Zielemp 
weg. d. Verlaffenfchafb des Schulth. Zeender entitanden 1478. 



Beilage A. 18. 

Pag. 238. 

1479. Januar 9. 

(Archiv Hallwil.) 

Kaufbrief. 
« 
Ich, Vle glarer, Kilchmeyer vnd gemeinen Kilchgnoffen ze lÄt- 
wil, Vergich vnd tun kund offenlich mitt difem brieff für mich vnd 
vnHer nachkomen, das wir wol bedacht vnd vnbe^wungen ze ver- 
fechende meren fchaden verköfft vnd ze koffen geben band dem 
veften Juncker Walther von Halwil vnd linen erben vnd nachkomen 
^^ gut, gelegen zA Alefwil, So do buwett cünrat fries Vnd j&rlich 
giltett ij fiertell kernen vmb fAnff guldin, die er vnffs h&r bezaltt 
hat vnd wirs jn anderen vnferen fchinbaren nutz bekertt vnd be- 
wendett band, vnd loben och für vnff vnd vnfTer nachkomen, difen 
Koff fbet ze halten vnd har wider niemer ze tünde noch fchaffen 
getan heimlich , noch offenlich, weder mitt gericht, noch äne gericht, 
geiftlichfnochweltlichf, noch mitt keinen fanden, nochvfzAgen, foyeman 
finden oder erdencken kan, na noch hje nach, da mitt difer koff 
gehindrertt oder ffefwecht werden mdcht, Sunder das jch vnd vnffer 
nachkomen diff koffs von des genanten gütz wegen recht weren lin 
follend nach lantz recht, alff dick, allT es dem vorgenanten von Hal- 
wil finen erben vnd nachkomen notdurfft befchickt vnd fy es an vns 
vorderen, &n alle geverd, vnd ob keine brieff oder r&dell vmb dilT 
gM fanden wurden vns vnd vnfferen nach komen krafftlof lin f&Uen 
vnd vntugklich jn keinen rechten, Sunder denen von Halwil nützlich 
Iin rollend. Vnd har vmb ze einem waren, veften vrkund, wenn ich, der 
vorgenant Kilchmeyer, eiges jngefigels ndtt hab. So hab ich vnd dieKüch- 
gnolTen gemein erbetten Johannffen mdller, chölf ze werd vnd lütpriefter 
ze Idtwil , das er fin eigen jngeßgell getmckt hat an difen brieff, das 
ich von jr bitt wegen getan hab, doch mir vnd minen erben vn- 
fcbedlich. Vnd ift difer k6ff vnd verkoff befchechen uff dem neftea 

argovia VI. 20 



306 

fimtag nach der beigen tiy Ennigen tag jn dem jar, do man zaltt 
von der port crifti Talent vierhundertt libentzig ynd dar nach in 
dem nAnden. 



Beilage A. 19. 

Pag. 233. 

1479. Mai-Abend. 

(Archiv Hallwil.) 

Ich, Hartman Keller von fchlaithan, bnrger zu fchiffhofen, vnd 
ich, agnes von Hdnenberg, Im euch frow, bekennen mit difem brieff, 
das yns der edel, ilreng Herr Hans von Hallwil, ritter, vnd frow 
magdalen von rottenftain, ßn elich gemahel, gütlich bezalt band 
fünfzig rinfcb guldin, die vns von jnnen vff Fant j6rgen tag necbft 
vergangen ze bezallende verfallen ßnd nach Inhalt ains fchnldbrieffs, 
den wir daromb von jnnen beCgelt inne habend. Der felben fiinfzig 
guldin Uffen vnd fagen wir die genanten Hern Hänfen von Hallwil, 
frow magdalenen, ßn gemaheln, jre erben vnd die, fo hidrumb quit- 
tierend notturfftig find, Mr vns vnd vnfser erben quitt, ledig vnd 
lofs ; vnd des zu vrkund hab ich, vorgenanter Hartman Keller, min 
jnßgel für mich vnd min erben getmckt jn difen brieff. So hab 
ich, obgenante angnes, Elrbetten den erfamen Hanfsen gampen, burger 
zu fchiffhnfen, das er 'ßn ßgel für mich vnd min erben, jm vnd 
ßnen erben vnfchedlich, och getrnckt hat in difen brieff, der geben 
ift vff den maij aubend n&ch criltus gepurt viertzechenhtindert vnd 
jm nun vnd ßbentzigiften jare. 

Auf der Rückseite steht in neuerer Schrift: 

1479. Quitt, für Hs. v. Hallwil. 



Beilage A. 20. 

Pag. 233, 

1479. Mal 12. 

(Archiv Hallwil.) 

Ich, Henman Golder, Burger ze Rynfelden, Bekenn offennlich 
mit difem brieff, Als Ich dann an den Edeln vnd Strengen Herrn 
Hannfen von Hallwilr, Ritter, Ettlich vordrung vnd anfprach gehept 
hab, harrürende der Schaffherye halb, So Ich dann lange zit vnd 
Jar von wegen deffelben Herr Hannfen ouch ßner gemahel vnd lud- 
wig Zechenders gebracht hab, Das Ich da ßlicher vnd aller anderer 
vordrung vnd anfprach Bifs vff datum dis brieffs verloffen mit dem- 
felben von Hallwilr gütlich gericht vnd betragen bin, Nemlich vmb 
fünff Binifch guldin, die Er mir dafür geben fol, Die er mir ouch. 
alfo bar gegeben, gewert vnd bezalt hat. Hierumb lauis vnd fag leb 



307 

In, Hn Hois&owen, ich ludwigen Zechender Ir aller Erben vnd w6r 
diummb quittierend notdürftig ilt, der jetzgemelten vnd aller ver- 
gfuigner vordrnng vnd anfprach bifs vff datnm dis brieffs verloffen, 
Oadi der f&nff goldin, fo Er mir dafür geben vnd bezalt hat, fAr 
mich vnd alle min Erben, genizlich vnd aller dingen quitt, ledig 
Tsd lols jnkrafft dis briefis. Des zu warem yrkunde Hab Ich, ob- 
genanter Hex^an Golder, mit Emft Erbetten den Erfamen wyfsen 
HannlBen Eckart, Burger vnd des Rates ze Rjnfelden, das Er lin 
loiigel f&r mich Tnd min Erben z& gezugknufs difer ding offennlich 
getrockt hat In difen brieff, Das ouch Ich der felb Hums Eckart 
lüTo von finer Emftlichen bitte wegen bekenn getan haben, doch 
jnir vnd minen £rben in allweg on fchaden, der geben ift vff den 
2w6lfften tag des Monats Meygen Anno domini McccclxxNono. 

L. S. 
Am Fusse steht von anderer, doch auch alter Hand: 

Kt YÜ gön vj tf . V ß. wurden 
Henman golder. 
Auf der Rückseite steht: 

1479. Quittung für Hs. v. Hallwil. 



Beilagre A. 21. 

Pag. 232. 



1479. Juni 14. 

(Archiv HallwiL) 



WIR Nachbenemptenn Anndres, Hainnrich Vnd Virich Von 
Eotennftain zd Hebenhofenn, gebrAdere, Bekennenn Vnnd veryehenn 
alle dry offennlich Vnnd ainhelligklich Mit difem Brieue Für vnns 
Vnnd alle vnnfer Erbenn Vnnd thünd kunnt mengklich, Als die 
Edel Magdalena von Hallwilr, geborenn von Rotennftain, des Edelnn 
Vnnd Strengenn Hern Hannfen von Hallwilrs Eeliche Hufsfrawe, 
Vnnfer liebe Swefter, ytzund Ettlich Ordnung vnnd gefch&ffte Nach- 
nolgender maynung, Stück vnnd Artickel fdrgenomen bant, Nemlich 
z& Erfte, Alfo, Das die fljrratbrief vnnd Notteln, als fy baide fich 
Erlich mittainannder verhyrat Vnnd verm&helt band, mit allen punncten 
vnnd artikelnn bj jren Wdrdenn vnnd Crefftenn beftän vnnd be- 
lybenn lAllenn; Ziun Anndem, als die obgenannt magdalena von 
Hallwil Hunndert Rinifch gnldin J&rlicher gälte vff der Statt zu 
Thann hat, Die koufft vnnd widerköuffig Vnnd ablöfig find mit 
Zway Tufennt Rinifcben guldin Höptgüts, Das die felbenn Hunn- 
dert Rinifch guldin Järlichs Zinns vnnd gülte, mitfampt dem ob- 
gefchribenn Hoptgüt, Nach jrem tode Vnnd abganng Von ftundan 
vnns obgenannten, Iren Dryen Eelichen brÄdemn, Anndreflen, Hain- 
richen Vnnd Vlrichen Von Rotenftain, oder vnnfem Eelichen Kinn- 
dem, ob vnnfer ainer oder mehr Vnnder Vnns vor Ir mit tod ab- 
ganngen w&re Vnnd Eeliche Kind verlaffenn hette , Werden Zü- 
geh6renn Vnnd Eruolgen follen ; Defsgeleichen das die gdtter Ze 



308 

Eynfelden mir Egenaimten Hainrichen von Botenftain, Lrem brftder^ 
belybenn fSllen, Inmafs mir die vormals von Ir aach gefchaflFt vnnd 
^bergebenn luid. Item das mein Defselbenn Hainrichs von Boten- 
rtain Eelicher tochter Zigonen Die Tofent gnldin jnnbalt der Ver* 
fchrybming, dommb vfgericht, aach werden vnnd Emolgen follenn; 
Item das die gemahelring Vnnd anndre Clainot, So Ir der vorgenant 
Her Hanns Von HallwiLr, Ir Eelicher gemahel, g^^benn vnnd ZA- 
gebracht, Auch ain Kettin für Honndert BiniTch guldin, Vnnd ain 
Kettin f&r DrjIXig Binifch gnldin. Dem felben Hern Hannfen Nach 
lrem tod vnnd abganng von mennigklich Vngeirrt werden Emolgen 
Vnnd zügeh&renn follenn; Item das ouch der felbe Her Hanns von 
Hallwilr, Lr Eelicher man, Vnnfer Lieber Swager, Die Diy vnnd 
viertzig Rinifch gnldin J&rlicher gülte Vnnd adns. So fy zA bem 
Hat, Nach jrem tode Vnnd abganng fein Leptage jn libtingswyfe 
Nntzenn Vnnd Nieffenn, Vnnd das die dann Nach feinem tode Vnnd 
abganng VaUen, bewenndt Vnnd angelegt werdenn follenn an aim 
gotzgabe, Es fye an ain Ewig mefs, vnnd an ain Jarzyt Zu Cappella 
Nach anfehenn Vnnd Ordnung Deffelbenn Her Hannfen von Hall- 
wilr; Item das ouch der vilgenannt Her Hanns von Hallwilr Daa 
übrig Der obgenannten feiner Hufsfrawen verlafTenn Erb, Hab vnnd 
gut alles, Ligennds vnnd varennds, wie das genannt oder waran das- 
ift, Nichtzit Hindan gefetzt, auch alle fein wyle vnnd leptagenn jn 
lyptyngs wyfe*), öne minndrnnng des Hoptgüts vnnd Der felbenn. 
gdtere, Nutzen Vnnd NiefTen ffiUe vnnd muge, Vnnd das dann f&l- 
lieh Ir verlafTenn Erb, hab vnnd gut Nach feinem tode vnnd ab- 
ganng widerumb an vnns dickgenanntenn Ir Dry brAder, Anndreffen,. 
Hainrichenn vnnd vlrichenn von Rotenftain Vnnd an Vnnfer Lieben 
8 weiter, VrfTulen von grafhegk, an Vnns alle gemainlich, oder au 
Vnnfer Eelich Lypserbenn, ob dehains dauon vnnder vnns abge- 
ganngen w&re, Vnnd Eelich lypserbenn; ains oder mehr, Hinnder 
jm gelaffen hette, geuallenn vnnd komen foUe. Ob aber vnnfer de- 
hain gefchwiftergit Vnnder vnns allen vieren Vor fftllichem Erbual,. 
one Eelich Lypserbenn, von jm geborenn, mit tode verganngen w&re^ 
So f611e rSllich Hab vnnd g&t Dann fArohin geuallen an Vnns, die 
anndem gefchwiftergit. So das Erlept Hettenn, oder an Vnnfre 
Eeliche Kinnd, Als vorberi&rt ift, Doch den Egedingten jnallweg ane 
fchadenn, Vnnd das ouch alle brief vnnd vi-kund. So darumb vor- 
hannden find, vnnd dauon wyfennt, Hinnder ain frone Itatt zu. 
Arow oder an anndre Ennde, wo das billichenn w&re, gelegt werden 
fSltenn, Vnnd das auch die felbe Vnnfer liebe Swefber Lr felbs In 
f611ichem gem&cht vorbehaltenn hat, Daffelbe Ir gefch&fft, ordnunng 
vnnd gem&cht Nach der ftattrecht zu Arow Zemindem oder Zemeren^ 
In ainem oder mer ftuckenn Vnnd ganntz abzetbün Vnnd dar jnne 
Ze hanndeln Nach lrem fryenn willen, Sonnder das Ir will fye, da- 
mit Ir Eelicher Hufswirt Die Tiifennt guldiii, So fy vff vnns, Iren 
dryen Brddem, hat. Auch lin Leptag Nieffenn, Vnnd die darnach 



*) lieber das Leibfiredinge verflrL Blumer: Staats- und Rechtagesch. I^ 
181 u. 182. ö -e ö ^ 



309 

m 

widenunb an Ire gerchwilüergit vnnd Erbenn vallenn C511en, Als 
vnnd wie dann die verfigeltenn Ordnung vnnd gefch&ftsbrieae SdUichs 
allea mit mer vnnd lenngem werten obgefchribner Irer maynung 
jimbalienn werdenn. Alfo Bekennen wir obgenanten Anndres, Hain- 
rieh vnnd Virich von Botenftain, gebrdder, In crafft ditz brie&, 
Bas die felbe Ordnung, gelch&fft vnnd gemacht, wie oblut, vnnd 
Nach jnnhalt der gemeldten gefch&fEtsbrief mit vnnfer aller guten 
gunnlt» wiilenn vnnd willenn befcbehen ift, Oelobenn vnnd ver- 
sprechen ouch bi vnnfem waren, guten Tr^wen FAr vnns vnnd alle 
vnnfer Erben vnnd menngklich von vnnfem wegenn, Ytzen Noch 
hienach rnjuen Nichtzit dorjn Noch darwider ze Bedenn, Noch ze- 
thdn, Noch fchaffenn gethan w%q^enn, Haimlich, Noch olFennlich, mit 
gericht, Noch &ne gericht, gaiftlichem Noch weltlichem, funnft Noch 
fo AberaJ jn kainen weg. Vnnd des alles ze warem, offem vrkund 
vnnd veftnung Haben wir vilgenannten Anndres, Hainrich Vnnd 
Virich von Eotennftain, gebrddere, vnnire aigne Infigele Für vnns 
vnnd alle vnnfer Erbenn offennlich an den brief gehennckt, Dar- 
unnder wir vnns vnnd vnnfer Erben, bi verlopten vnnfem Tröwen, 
vellennklich verbunnden, war vnnd fbatt zehaltenn jnnhalt ditz brie&, 
Der geben ift an mentag vor vnnfers lieben Herren fronlychnams- 
tage, Nach Gner gepurt viertzehennhunndert Vnnd darnach In dem 
Newn vnnd Sibenntzigiftenn Jare. 

Das gleichzeitige Notariats-Instrument auf Pergament hat fol- 
gende Schlussnotizen: 

Dife abgefchrifit ift verlefen mit dem rechten beligletten houpt- 
brieff vnnd gehiUt dem g&ntzlich beziigen von nochgefchribenen no- 
tarien mit vnfem hantgefchrifften hieunder befchriben. 

Henmann Friderich de Munderftat not. Johannes Salizm de 
MaljamAnfter Notarius hec sfpt. 

Auf der Rückseite, in alter Schrift: 

Daf ift der erft ewe brieff. 

In neuer Schrift: 

1479, Verordnung- und Gefchaffisbrief v. Andreas, Heinrich u. 
ülnoh. von Botenftein, fodann Magdalena v. Hallweil, Hannfen Ehe- 
frauy wegen Heiratsgut, Gefchenk etc. 



Bellagre A. 22. 

Pag. 207. 

Zwischen 1480—1483. 

(Archiv Hallwil.) 

Bruchstück eines durch Rudolf Sidly im Auftrag des Ritters 
Hans von Hallwil veranstalteten Verhörs. 

Ich, Rudolff Sydly von fchwytz, Hoptman der Knechten von den 
fier ortten Vry, fchwytz, vnderwalden, Zug, Do ze mal richter zft 
band An ftad vnd von entpfelnifs wegen defs fkrengen*vnd feften 
Her Hänfen von Halwil, Rytter, der dAtfchen nacion von eydgnoffea 



310 

jn defs aller kryltlilten EAngfg von franckrich, mynes aller gnedig- 
ften Herren, fold vnd dinft, oberfler Honptman, beken ynd ÜhAiL 
kund aller mencklichen mitt djfem bryff, dafs nß den tag Datum 
djferfs bryeffis, do jcb geriebt bylt mytt fampt der ryebteren und vor 
micb vnd eyn gefcbworn verbannen gericht kamen ilt der benempt 
Jancker nyck von brandifs vnd offnett vor mir vnd den richtem 
dorcb fyn mytt recbt erlopten fierfprecben vnd begert da daDs recht 
von rtefbn fcballer vffs lalgaiTer land vnd klagt zA jm, wje efs lieh 
begen hej, dafs ty fyen zA amyanfa (Amiens) gefeiten vnd heyen 
da geffen vnd truncken, do heyen fy gerett von mengerley fachen 
vnd fyen da jn denen dingen Her Hänfen von Halwü zÄ red worden 
vnd da heyby fteffen fchaUer jm gefe^, wye dafs er hab gehört von 
Heman fchuffelbael, Dafs Her Hanfs von Halwil hab geftoln 
vnd entpfirt xv hundert Dukaten, do er vfs vngren fy kam 
vnd haby dafs felb gelt jn franckrich bracht vnd dye guldinen Ketten 
dar uITb gemacht, dye er ietz hab. dafs hab fteffen fchalier jm ge- 
feytt. Dar nach fy er zu zweyen gefellen gangen vnd hab jnen dafs 
gefaytt femblichfs vnd fteffen jm gefeyt hab. Da retten dye felben 
zwen: dafs ift bofs, dafs femlichfs f^ gatt, wan wir find mynea 
Herren femblichfs verbonden z& fagen. Do redty Nick von brandia 
vnd betty fy, dafs fie dye ding nyt mynen Herren vorbringen wolty^ 
byfs dafs er fteffen femlicher fachen erinderty. Do antworty fye jm ;. 
jr mögend jn der ding erindem oder nytt, wen wir wend mynen 
Herren femlichs fagen. Dar nach Aber zwen dag do fy er wyder 
zt fteffen fchalier gangen vnd hab jn gefrogt, ob er mir der dingen 
noch an red were, Dafs er mir hetty gefeytt von Heman fcbuffeibieU 
daiüs er jm hetty gefeytt, wie Her Hanfs von Halwil hetty xv hun* 
dert Dukaten geftoln vnd entpfiert, do er vfs vngem kem vnd daik 
gelt hab er jn dyfs land gefiert vnd hab dye kettin dar ufs gemacht» 
dye er^yetz hab. Da redty fteffen fchalier: ja, jch han dchls ge- 
feyt, wan hett jch üch ettwafs jn eynem vrilden wald gefeytt, jch 
weit Ach der dingen nytt ab red fyn, aber jch han Ach dye dhig^ 
nytt dar vmb gefeytt, dals jr dafs hye fielen foltynd, vnd er trwte^ 
fteffen folt jm defs noch an redt fyn. fo begerty brandifs byderb 
lAtt dar vmb laffen verhören etc. Vnd fatzt dafs hin zu recht, er 
brecht dan fyrer, dafs jm bürty zu verantworten jm recht etc. - 

Steffan fchalier antwurt durch lln mit recht erloupten reder, wie^ 
dafs fich begebe, do fy von dorlantz geyn amianis komen, do geng 
er jn kylhen vnd do er wyder ufs der kylhen gynge, do kem Juncker 
Nick von brandis vor der kylhen zA jm vnd retty zu jm, wie er zu 
jm keme alfs zu einem gAten frAnde vnd er fparty jn alweg bifs uft 
dafs aller letfte vnd byfs er nytt fyrer wifte ze komend. Do frogte 
er brandis, wafs jm angelegen were. Do retty er, efs wer vmb gelt 
zÄ thon, er hetty nit ein pfenig vnd hett auch nAt zeffend. Da 
redty fteffen: So haftu eyn armen gefpart, wan ich han auch keyn. 
gelt, aber doch fo gond mit mir vnd effend mitt mir, ich meyn,. 
der wirt beyte mir, vnd farty jn mit jm jn fyn Herberg. Vnd do 
fy jn fyn Herberg komen, Do wer Brandis hen vnd ffuchty Her 
Hanfy vnd wonderliche wort brnchty er vnd retty, her Hanfs wolt^ 



311 

jn mÄtwillig Tmb dals fyn bryngen. Do redty er zu brandia: Ir 
rollent nit alfo thon, mj Her hett Acb gAtz thAn, vnd je me er jm 
dals wertj, je fefter er Her Hänfen fcholtj vnd ye zorniger word. 
Do redty er: Wafs hetty aber er Ach thon? Do retty brandis: er 
kond mir wol gelt liehen, do efs myn fchad wafs, aber ietz, fo mir 
gfttz zebanden ging, vnd ich dafs myn wol wyder lofen wolty, fo 
wil er mir nit belfflich fyn vnd fehwor aber Abel. Do redty er 
aber: Brandifs, jr foltend nit alfo tdn. Ich hon ettlichem me ge* 
wert, der dan nnn reden wolt, alfo tiind jr auch; wiffend jr nit, wie 
efs Heman fchoffelbiel gangan ift, der euch von werten wegen nfs 
dem land kam vnd vrlonb hat vnd kam dar zA vmb alles, dafs er 
halt vnd wift noch denocht nyt, wer jm dafs ton hatt, alfo dorft 
Ach auch wol gefchehen. Do frogty brandis: wafs fyn dye wort» 
dye Heman gerett hatt. Do rett fteffan: efs fye vnnAtze wort; Er 
feyt mir zA Sanis, Her Hanfs hett jm vrlaub geben, aber dafs jn 
gott berotfcen hett, dafs hett er doch nutt eren vnd wolty myt erea 
heym kon, aber Her Hans hett xi hundert dukaten vfa vngeren 
bracht ;' do mochte Her Hanfs wol logen oder wifTen, vde mitt groffen 
eren er dy hette oder dye vfs dem land farty. Aber dafs Hemana 
jm do gefeit hab von xv hnnderten oder dafs er dy folty geftobi 
hon oder entpfiert, dafs hab er nit thon; och hab er brandis nit ge* 
feit anderls , dan Hemann fchuffelbiel jm. Dar vmb fo neme jn. 
frembd vnd vnbillich, dafs brandis femblichfs von jm fag vnuer- 
meynt, och lAtt dar vmb lafTen verhören vnd wart zA beden fytea 
zA recht gefetzt etc. Do frogt jch obgenanter richter. wafs recht 
were ietlichen by fynem eyd. Do gab vrteyl eynhellenklich, fyt malfa 
vnd fye zA beden partyen begerty lAd dar vmb zA ferhoren hette 
eyn teyl oder beyd teyl derer nottorfftig gebruchlich wurde jm 
rechten, daJ^ man jm dy folty verhören vnd wan dye kuntfchafft 
verhört werde nach form defs rechten vnd dar nach gefch&ch aber 
wals recht were etc. Vnd zugt brandis vnd ftal kafpar zur fu, peter 
blanck, Heyny falck, Heyny rAfs, niklafs fchryber vnd ward jnen 
da vor geöffnet, wafs man an fy zugty fy dar vmb ze fagend , wafa 
ynen hier vmb zewiffend wer, nieman ze lieb noch ze leyd, dafs dar 
vmb mochty an heyigen fchweren vnd red peter blanck, wie fleh 
hab bogen, dafs brandifs vnd fteffen vn eynfs fynd worden jn niclaufa 
fchryberfs Herberg. Da retty brandis zA fteffen: byfbu mir der 
Worten jn denck, dals du mir gefeyt haft, dafs dir Heman fchuffel* 
biel hab gefeit zA fanfs zAm unffen roDsly, wie dafis Her Hanfs xr 
hundert dukaten oder eyn femliche fum geltz geftoln hab oder ent- 
pfiert vnd dye jn dyfs land hab bracht vnd dye Eettynen dar ufs 
gemacht? Do retty fteffen fchaller: efs darff der dingen nutt. Do 
retty brandis : byftu aber mir defs an red ? Do retty fteffen : ja» 
jch byn dir fy anred ; wan hett jch dir jn eynem wilden wald ettwafa 
gefeytt, jch wolt dir nutt lognen. Oafpar zAr fu rett, er wifs nut 
anderls, dan wie nidaufs fchryber hab gerett, dafs hab er gehört. 
Peter blanck rett, wie dye andren zwen vor jm. Heyny falchck vnd 
Heyny rAfs dye hond euch gefeyt, wye Niclaufs fchryber, weder 
myner noch me etc. 



812 

Zagt Tnd fkelt Iteffen fchaller an Vly Gremlj Tnd NiclaiÜB yoü 
m&lhtiren, Hoff fchurer Heyntz, Hechler zwy&l, laryHken hals bald uff, 
dafs fy ouch do Tagen foltj von der fach wegen, wafs jnen hier vmb 
zewiHend were eyn warheytt, njemand ze lieb noch ze leyd, weder 
durch fruntfchafft noch durch fientfchafit, dan alleyn durch daCs 
rechten willen; vnd red Vly grembly, er iy da gefyn, da heyen fy 
gehadrett vnd heye eyn wort das ander gen, dafs Nick von brandis 
redty: Iteffen, biita mir der worty noch an red, dye du mir heft 
gefeit Yon Herman fchuffelbiel. Do retty fbeffen fcludler: ja, aber 
dafs er hab gerett von diebltal oder von anderen bfifen fachen, dafs 
hey er nit gehört etc. CleMy von m&lhufen rett, wie Vli Grembly, 
Hoff fchurer Heyntz, Hechler Zwifel, kryften Hals bald uff dye band 
geret, fy wiffen nutt von denen dingen; fy fyen^eynefb ufs geliffen 
andreft jn vnd ifeyen der dingen keyn wiht genomen vnd willen ouch 
nAtt dar von etc. Dar nach vnd kuntfcha^ verhört ward vnd ge- 
rett hatt nach form vnferfs rechten eyn warheit, wafs ynen dar vmb 
ze wilTend wer eydicküch, nyman ze lieb noch ze leyd, dan durch 
defs rechten willen vnd alle verhört wart, Do fragt ich vor obge- 
nanter richter, wafs nun recht were ytlichen by fynem eyd. Do gab 
Trteyl eynhellenklich , wie dafs Juncker Nyck von Brandis bracht 
hab durch dye kuntfchafft zA fteffen fchaller dye fach vnd dye wort, 
Xo er zt jm klagt hab, wie recht fy vnd nun fyr hin Junker Brandis 
der fach halb ledig fol fyn vnd entladen gegen fteffan fchaller vnd 
gegen Her Hänfen byfs an eynfs gerichtls herkantnifs vnd folty fteffen 
fchaller alfo nun verbürgen vnd vertroften lyb vnd g&t vnd dar zA eyn 
vff gehepten eyd fchweren, dals nit zA verenderen, dan wan Her Hanfs 
von Halwil jn do many zAm rechten oder wo er jn hin many zAm 
rechten, dafs er da alfo defs erwarten wel vnd da antwurt geben vmb 
dye wort vnd fich alfo ftellen vnd wafs jm vrteyl geb, dem alfo nach 
ze gon Ynd dafs alfo nach vorgangneu rechten gefchechen etc. 

Ffyrer kli^ Heyny fchwyter durch fyn myt recht herloupten fier- 
fprechen vff Juncker Nick von Brandis, wie er der wer, der da Her 
Hänfen gefchwomer were, jm fyn nutz zA fordren vnd fyn fchaden 
zA wenden vnd hette foliche wort von ihm gehört fagen vnd hinder 
jm vnd hette dafs jm nitt gefeytt; och hette er gerett, Her Hanfs 
neme eynes manfs fold me, dan er knechten hette, vnd fatzt dafs 
hyn zA recht, ob er Her Hänfen nit bAlfertig oder ob er jm wandel 
dar vmb folle tAn oder nAt vnd fatzt dals hyn zA recht etc. Da 
gab antwurt Juncker Nyck, er hatt dals nit vnderwegen gelaffen jn 
keyner argen fach, er haby daüs dar vmb vnderwegen gelaffen, dafs 
er her Hsmfen dafs nit gefeyt haby, dafs er jn forgen ftundy, er 
wer jm der werten nyt gichtig, alfs doch eym richter vnd eym 
ganzen gericht wol zewiHend wer, dafs er jm die ding vnd dye wort 
uff jn wyfen muft. Och von defs andren ftuckfs wegen fo kind er 
nit vriffen vnd fy och jm nitt zewiffend, dafs er von Her Hänfen 
hab gerett, dafs er me foldfs nem, «dan er knechten hab ; hey aber 
er dafs gerett, fo hab er dafs fiUicht gerett jn eyner drunkenen 
wyfs vnd dafs jm nit zewiffend fy vnd hofft nit, dafs er da mitt 
gehandlett hetty, dafs jm jrnen fchaden folty vnd fatzt dafs hyn 



313 

«ft recht. Do frogt jch obgenanter richter, wafs recht were. Do 
^b vrtejl eynhelienUich : wan Brandia da ftinde jn ejm offen ver- 
bannen gericht vnd da fchwflre eyn eyd üblich zd gott vnd an dje 
Heyigen, dafis er von Her Hänfen von Halwil nAtt wifty dan lyeblB 
vnd gäiz vnd aÜB von eym byderman vnd eym redlichen rytter, 
dafs dan brandifs geantwnrt hett vmb dye wort vnd dafs entwede- 
rem teyl an fynen eren nAtt foUy fchaden weder Her Hänfen, noch 
Juncker Nyck von BrandÜB vnd dafs alfo nach fergangnen rechten 
gefehechen ift etc. 

Auf der Bückseite steht in alter Schrift: 

Der . Sachen vnd 

brandet vnd lAttener Der 



Beilage A. 28. 

<Pag. 235. 



1480. April 24. 

(Archiv Hallwil.) 



, Es ift zewifTen, das die Edlen vnd veften, euch Strengen Her 

Hans von Hallwil, Bitter, vnd Walther von HaQwil, gebrdder, jn- 

namen jr felbs vnd anderer jr gebrAder an einem, vnd dem Erwir- 

digen geiftlichen priefter Johans Ems, Caplan uff dem fchloff lentz- 

bürg, mit verwiUettem gunfb des fromen, wifen Jörgen fryburger, 

der zit vogtes uff lentzburg, jnnaii^en vnd An ftatt der Strengen, 

virüchtigen vnd wifen vnfer lieben Heren SchultheifTen vnd B&ttes 

zA Bern An dem Andern teile Einen ewigen vffrechten vnd hand- 

uelten kouff jntofches wife, Alls hernach gefchriben ftit, getriben 

vnd fAr ßch vnd alle jr erben vnd ewigen nakomen gemachet ha- 

bent: des erfben So haut der genant Her Hans Ems mit wilTen 

willen des obgenanten vogtz, als vorgefchriben ftaut, den genanten 

von Hallwil geben vnd zA jren Händen komen lafTen einen ewigen 

mAt kernen geltz rechtz jerlichs Zinfes uff Ab einem gAt zA Eglif- 

wile, das Henfle Airich buwet vnd uff die bürg lentzburg derfelben 

Cappell jerlich zinfet vier mAt kernen, dero der vorgemelt mAt einer 

zinJfe fin fol mit aller ficherer gerechtikeit, So denn rechter vor 

zins haben fol vnd mag fAr ir eigen. Darwider vnd darfAr band 

denn die vorgenanten von Hallwil dem obgenanten vogt vnd Capplan 

z€L der Cappell vnd eins Capplans Händen jm vnd allen Iinen ewigen 

nahkomen geben vnd zA jr Händen fAr eigen komen gelaffen den 

Aker, gelegen vnden Am Schloff gegen der Hus Hoffftatt; der von 

Hallwil uff dem fchlofs lentzburg haut jnen gulten ein fiertel kernen 

jerlichs Zinfs vnd ein gAtli, enthalb dem SchlofT gelegen, zwifchen 

des Trukfetzen gAtü vnd der obgenanten Cappell Beben, ftoft gegen 

des caplins Hus an die' ftras her ab, hatt Hans frAlich jerlich vmb 

drie fiertel kernen vnd die ftuck fAr eigen vnd der kouff vnd wechfel 

mit fSlichen bedingen vnd fArworten befchehen, das jetwederer teil 



314 

für ßch ynd (in erben viid nahkomen verfprochen hant, difs konfii 
ynd wechfels ein Recht g&t werfchafft zetAn, jeder ymb das fin beide 
jngericbte ynd vCfwendig gerichtes vnd mit namen An allen den fketten^ 
da das not lin wirt, nach Recht vnd einandem bj difer verkomnift 
vnbekumbert, Tnerfücht vnd vnangelanget hilTen ßUent, na vnd hie- 
nach, den ßch jeglicher jnfonders dem Andern jn jr aller beder par- 
tjen Hende fAr fleh, Iln erben ynd nachkofäen entzlgen hant Aller 
Recht, Hilff vnd AnTprich zi\ jetwederer teil der obgenanten partjen 
zu dem finen als obfb&t je gehept hit oder jeimer gewinen m6cht jn 
eins ewigen Handuelten Koiiffs vnd wechfels wife, Alles vngenarlich. 
Deweder teil brieff vnd Rftdel elter An jrem Datom , den difer ilt» 
Hinder jm Haut, Sol fy dem Andern Herofs geben, wir, diefelben 
von Halwil obgenant, vnd wir, der vogt vnd Caplin nff lentzburg^ 
onch beid obgenant, bekennent vnd vergechent Aller vorgefchribner 
dingen, lobent ouch veltenklich für vns, vnfer nahkomen vnd erben» 
difem gnüg Ze find vnd dabj Zebeliben nn vnd hiendch &n alle ge- 
uerd, vnd des alles zu einem ewigen vnd veften vrkunde So habent 
wir me genanten von Hallwii fAr vns alle offenlich des veften Wal- 
thers von Hallwii, vnfers BrAders, jnJlgel vns vnd vnfer erben des 
alles zebefagen, fo difer brieff von vns wifet, gehenkt vnd wir der 
vogt vnd Caplan obgenant fAr vns, vnfer nakomen, min des genanten 
Vogtz jnfigel ouch darzA gehenkt zA einer bert&ttnong Aller vorge- 
fchribnen dingen offenlich An difen brieff, der geben ilt vff fant 
Jdrgen Aben jr jar gezalt viertzehendert vnd jm Achtzigften Jar. 
Die beiden Siegel hangen. 
Auf der Rückseite steht in nenerer Schrifk: 
Tanfchbrief Hänfen & Walthers von Haiweil mit der Capelle zu 

Lenzbnrg 1480. 



Beilage A. 24. 

Pag. 235. 

1480. Mai 1. 

(Archiv Hallwii.) 

Wir, Schultheis vnd Rat zA Bermn, Bekennen offennlich vnd 
tAn knnndt menngclichem hiemit, das wir In anfechen mannicherley 
getmwer, gAter dienften vnd wolgenallens. So vnns der Edell, Streng 
Her Hanns von Hallwilr, Ritter, byfshar getan hat vnd f&rer wol 
tAn fol vnd mag, Ime gonftlichen erlonpt vnd gönnen haben, Er- 
lonben vnd gönnen jme onch hiemit, In allen vnnfemn lannden, ge-* 
bieten, vnd wildpännen ze Jagen, vnd folich gejegd jn all weg, wie 
dann fölichs Zimlichen geypt werden mag, ze brachen, &n mennck- 
lichs jrmng, jntrag vnd widerred. wonn wir Inn onch dabj gAtlichen 
hanndhaben vnd fchirmen wellen, Lnter ftn gen&rd. In Krafft difs 
brie£&, Den wir des zA vrkond mit vnnferm jngetruckten Sigill be- 
ueftnet haben. Geben vff Mentag nich fant Jeorgen tag, von XP^^ 
geburrt gezallt Tafennt vierhundert vnd Achtzig Jore. 

L. S. 



315 

Auf der Rttckseite steht in neuerer Schrift: 

1480. 

Vollmacht und Bewilligung 

L. Standes Bern 

an 

Junker Hänfen von Haiweil in allen ihren Landen & Wildbännen 

ungehindert zu jagen. 



Beilage A. 26. 

Pag. 285. 

1480. 

Extract aus dem Yertragbuch der Stadt Bern, der Graf- 
schaft Lenzburg Twingherrngerichte erläuternd. 

Schultheiss und Rath zu Bern erläutern auf Anfuchen, dass ,,di6 
von Hallwil bei dem halben Theil dea Gerichtes zu Seengen und 
dem ganzen Theil der Gerichte zu Meisterschwanden und EglifwU 
nach Urkunde und Herkommen bleiben sollen. Demnach gehört 
ihnen alle Troftung fdr Friedensbrüche mit Worten : 10 ft Ehefteuer ; 
aller gemeinen Frevel Bussen und Besserungen, welc]ie ausser jener 
Tröstung des Friedensbruches mit Worten gelten. Sie follen auch 
bei ihrer Grafschaft Fahrwangen verbleiben, wie ihre Rodel darüber 
lauten und dargeben.« In dem Twing und Gerichte von Hendschi« 
kon verbleibt ihnen alles Maulvieh, die Fischenzen nebst andern ge- 
meinen Freveln und Bussen ; in Oberentfelden die Tröstung bei Fried- 
brüchen mit Worten, dazu Fischenzen, Wildbänne, Hochwälder» 
Ackerung und gemeine Bussen und Besserungen. Dasselbe Gerichts- 
verfaältniss gilt für das Gericht zu Schöftland und zu Liebegg; und 
ebenso ist es in allen Punkten gehalten in den Gerichten, Twingen 
und Bannen zu Beinwil, Stauffen, Buppertswil, Hallwil, Gauenstein» 
Trostburg, Teuffenthal, Wildegg, Bued, Dintikon, Ammerswil, Othmar- 
singen. Das Haus Schaf^heim soll nach altem Herkommen bei seinem 
Ettergericht bleiben. 



Beilage A. 26. 

Pag. 28a. 

1480. Freitag nach St. Urban (19. Mai). 

(Archiv Hallwil.) 

Ich, Hartman Keller von Schlaithain, Burger ZA Schaff hufen» 
Vnd Ich. Agnes von HAnenberg, fin eliche frow. Bekennen mit difem 
Brief, Das vns der Edel, Itreng Her Hanns von Halwyl, Bitter, ynd 
firow Madaien von Rotenltain, ßn eliche gemahel, gütlich betzalt 
hand fAnfftadg rinifch guldin, die yus yon Inen yff lant Jergentag 



816 

Hachltuergangen zebezalende yerfallen Und nach Innhalt ains fchuld- 
briefiB, den wir darumb von Inen beügelt Innehaben. Derfelben 
fAnfftzig guldin lauen vnd Tagen wir die genanten Herr Hannfen 
von Hallwyl, frow madalenen, iin gemahehi, Ire erben ynd alle die, 
fo hieromb qoittirens notdürftig und, f&r vns vnd vnfer erben quitt, 
Ledig vnd los. Vnd des zA vrknnd hab jch vorgenanter Hartman 
Keller min Iniigel f&r mich vnd min erben getmgkt in difen Brief. 
So hab Ich obgenante Agnes erbetten den Erfamen Hannfen Gampen, 
Burger zft Schaffhufen, das Er Iin Infigel f&r mich vnd min erben, 
Im vnd finen erben vnfch&dlich, och getrugkt hat in difen brief, Der 
geben ift vff fritag nach fant vrbans tag Nach Crifti gepurt vier- 
zehenhundert vnd in dem Achtzigiften Jare. 

Lim ij* Mj, tJ» 

Auf der Rückseite steht in neuerer Schrift: 

1480. Quittanz 
Hartman Kellers y. Schieitheim pr. 50 Gld. 



Beilasre A. 27. 

Pag. 238. 

1481. October 16. 

(Archiv Hallwil.) 

Hans, Walter und Dietrich von Hallwil verpflichten sich 
zum Besuche der Rittergesellschaften zum Fisch und 

zum Falken in Bern. 

ICH, Hanns, Ritter, Walther vnd Dietrich von Hallwilr, ge- 
prüder, Bekennen Ynd tun kundt allen den, fo difen brieff jmer an- 
fehend vnd hörend lefen, Als dann die wolgepomnen, Edeln, Strenn- 
gen vnd veften €rrauen, Hern, Ritter Vnd Knecht Der gfellfchafft, 
die man nempt Sewer vom vifch vnd Och der gfellfchafl^, die man 
Nempt fchnaitzhdltzer zum valken, Solhe Baid jr gefellfchafften wi- 
derum Angefanngen vnd emAwt dem adelichen ritterfpil, dem tumaj 
zu vffnug Vnd gätt , So Ir vnnfer Vordem von lannger zyt geAbt, 
Doch etüich Zytt har h&r verplichen vnd nicht geprucht worden ift, 
Nach lut vnd Inhalt Baider yetz gerArtten gefellfchafften verfchri- 
bungen und verpflichtigung, Defshalben gemacht vnd gegen ain Ann- 
dem vbergeben haben ; Wann wir Il^un vnnfem vordem nach jn fölhe 
vermelte gefellfchafft vom Vifch gehören, Vnd doch Mitnaööen z& 
dem Hoptbrieff, von jn defshalb vffgericht, nit gemeldt find. Hiermit 
, . . . . geloben Vnd verfprechen wir baid By vnfern warn Vnd 
gfttten trAwen In aides wyfs, Sdlh der genanten gefellfchafft vom 
vifch verfchribunge , wie die von Artickel zu Artickel jn dem ge- 
rürten Hoptbrieff begriffen, vfswyfen, tr&wlich z& Haltten, zu. vol- 
f&rn vnd dehains wegs dawider iin noch tun. Alles By der gelüpt, 
jn folhem Hoptbrieff beftimpt, vngeuarlich. Zu vrkund hatt vnnfer 



317 



Jeder fonnders Sin aigen jnHgel offennlich tun Hencken an difei^ 
brieff. Der geben ifi vff Sanndt gallen des Hailigen abbts Abend 
Nach Oriiti gepnrt Yierzehenhnndert Achtzig vnd In dem Ainen Jar^ 



Beilage A. 28. 

Pag. 238. 

1481. Noyember 10. 

(Archiv Hallwil.) 

ICH, Enndrefs von Rotenfbain, Bekenn vnd vergych offennlicl\ 
mit dem brief ynd tiin knndt allermengklichem fi&r mich vnd alla 
min erben von der vierhonndert Binifcher guldin wegen, die die 
edelfriw magdalen von Hallwil, gepom von Rotenftain, min lieb vnd 
getrAwe eliche fwefter, minem elichen Kind, dem magdalelin jetza 
alfo bare gegeben vnd ergeben hat, das mit den nemlichen gedingdten 
vnd vnnderfchyden gefcheen ift, Das ich vnd alle min erben der 
egemelten miner lieben fwefter vnd Irem elichen gemahel, Herrei\ 
Hannfen von Hallwill, Ritter, minem lieben fwiger, von den ob-« 
gerdrten vierhunndert guldin Nun fArohin Ir baider leptage 
vnd nit lennger alle Jir vnd jedes Jars befonnder vff Sant 
Jacobs dez meren vnd hailigen Zwelffbotten tage Zwanntzig guldin 
Rinifcher z& rechtem JSrlichem Zinise vITer ab vnd von mineA 
Zwaien aigen H6fen, die zA Humbretzried In Oberdorffer pfarr ge-i 
legen Hnd, Och vfTer vnd ab allen jren giUten, nutzen, frdchten^ 
rechten, begriffungen, gewonhaitten vnd ZAgehdrden, was von alter 
gewonhait vnd durch recht yendert dar In vnd darzü gehfirdt, ge-^ 
h6ren fol vnd mag, Es fye an HAfem, ft&deln , Hofftetten, Spichem^ 
g&rten, ackern, wyfen, niedem Holtz vnd felde, tratt, wunn, waide, ^ 
waCTem vnd waffemfliiflen, grund vnd boden, nütz dauon vfsgenomen 
noch hindangefetzt , als die och Sunft vnuerkAmbert find, Giettlich 
vnd tugentlich richten, geben vnd bezalen vnd jnen die vff" den 
egedachten Sant Jacobs tag zu jm fiebern Hannden vnd gewallt 
weren vnd antwurten S61len vnd wellen gentzlich vnd gar ane allen 
Iren coften vnd fchaden, Weihes Jirs aber das alfo nit befch&h vnd 
wir an fftlher Zalung dez obbeftympten Zinfs S&mig wArden, Wenn 
fy dez denn darnach nit lennger emberen noch gerauten wennd. So 
hand diefelben obgenanten min fwefter vnd fwäger, Sy baide oder 
Ir ains befonnder, vnd alle Ir Helff'er denn ye darnach, wenne fy 
wennd, vollen gewallt vnd gütte recht, mich, min erben vnd nach- 
kernen, jndero Hannd vnd gewallt die obgefchriben mine zwen H6f 
mit Irer ZAgehdrung denn ye find, darumb anzegriffen, Ze nöten 
vnd Ze pfennden, Vff vnd an den obgenanten minen Zwayen Höfen 
mit aller Irer rechtung vnd Zügehörung, Irem rechten für ^nd vnnder- 
pfannde oder an allen anndem vnnfern gütten, ligenden vnd faren- 
den, Alfdenn vmb fÖlich Zinfs hie Z& Lanndt fydt vnd gewonlich 
ift Zetünde , Souill, Lanng vnd gnüg, vntz das jnen yegklichs Järs, 
als dick es Zefchulden kumpt, der obger&rt geuallen j&rlich Zinf^ 



318 

Tnd ooh aller fchade darnff geloffen vnd ergangen mit Zerung, 
pfanndnng, briefen, gerichten, bottenl6n oder anndem lachen, wie 
lieh das gefugte, doch redlich vnd vngeo&rlich, gentzlich vnd gar 
wirt vergolten vnd vüsgericht, als uor lUt ane allen jren fchaden. 
Wenne aber vnd fo bald die obgenannten min lieb fwefter vnd fwiger 
baide mit tode abgangen vnd nit mer Inieben find, Gott der adl- 
mechtig welle fj jn gefunthait jrs lebens lanng fiylten vnd vffent* 
halten, Alfdenn von Stundan f&Uen ich, min erben vnd nachkomen 
f&rohin den gemelten Zinfs nlemandt annderm von jren wegen zu. 
richten vnd zdgeben verpflicht noch Schuldig lin, Sonnder fo ßllen 
derfelb Zinfs mit jnen abgestorben vnd die obgerArten vierhundert 
gnldin nach fJllichem ablterben dem obgenanten minem kind, dem 
magdalelin, oder anndem minen Rinden vnd jren erben, Ob dasfelb 
magdalelin jr baider tod nit erlepte, volgen, werden vnd gentzlich 
vnd gar zA luter aigen haim geuallen vnd wie obbegriffen ift, er^ 
geben lln, ane allermengklichs hindern vnd wyderfprechen jn all 
wyfs vnd wege, Danp wi ich min erben oder nach komen f&ro nach 
jrer baider tode vnd abgang vmb die obgerdrten Zwaintzig guldin 
Zinfs, oder vmb die vierhundert guldin von yemandt annderm von 
Im wegen angelangt vnd angezof^en wurden, jn was wege vnd ge- 
ftallt dz gefch&h vnd gefch&hen mficht, dz allez foi vnns alfdenn 
dhainen fchaden bringen noch beren, vnd dhain krafft noch macht 
vor aller mengklichs haben noch gewjnnen jndhainwege. Vnd dez 
zu warem, veftem vrkunde So han ich min aigen Infigel offennlich 
an den die brief gehenckt, vnd zA mer gezAcknufs dar Zu erpetten 
die edeln vnd veften Hainrichen. vnd Vlrichen von Boienftain, min 
lieb gebrüdere, dz fy jr aigne Inligel , jnen vnd jren erben on fch&d- 
lich, och ofifenlich ZA minem Infigel an den brief gehenckt band, Der 
geben ifb Am nechften Sambftag vor Sant Hangen tag Nach der 
gepurt Orifti vnnfers Herren viertzehenhundert Achtzig vnd ain Jare. 

(Alle drei Siegel Und noch anhangend.) 

Auf der Rückseite steht: 

a. in alter Schrift: 

Ift von Andrefs von Bottenftein ^ guldin Rinifch minfs br&ders 
libgeding. 

b. in neuerer Schiift: 

1481. Zins oder Leibgeding von Andreas von Botenftein, fttr 
Magdalena finer Schwefter, Us. v. Hallwils Ehefrau ab den Höfen 
Zu Humlechberg. 



Beilagre A. 29. 

Pag. 247. 

1485. JnniSO. 

(Archiv Hallwil.) 

ICH, Erhart von Huntzikon, dirre zite Schulthais zA Winter- 
thur, TAu kimd mengklichem mit difem brieue, Das vff hAt fins 
Datums In offenn gefeüen Raute FAr mich In gerichtwife komen ift 



319 

Die Edol Frow Magdalena» gepom Yon Halwil, des Fromen yimd 
yeflen Hannfen von GK>ldenberg zft mArfparg elicher gem&hel, mit 
dem Erlamen y wifen Hannfen Bamenfperg, ynnferm Bautzfr&ndt, 
Irem erkomen yogtti der Ir mit vrtail vnnd des bedauchten Irs 
elichen Mans willen, der ouch zft gegen ftünd« vber dife lach vff Ir 
\)eger ze rogt geben ward, Vnnd ofäet mit dem felben Irem YOgte, 
Wie das 87 mit wolbedachtem finne vnnd rechter wAflen Fdr Hch 
▼nnd Ir erben gegen dem Fromen, veften Waliher von Halwil, Irem 
Lieben Vatter, vnnd linen erben ledenklich verziben vnnd Im ver- 
geben wAlte Alles Ir v&tterlich vnnd m&terlich erbg&te bitz an einen 
Rechten ledigen an^l, Dann Er Iren daromb vnnd darf&r Sechs 
Handert gnl^ geben vnnd Sy deren noturftlich beforgt vnnd ver- 
Cchert hatte, des Sy gar wolben&gte. Aifo nach der of&iung ouch 
der gemelt vogt Sin vogtfrowen nach erkantnuTs eins Rautz vUer 
dem Raat gefiirt vnnd driftend gefraget, ob Sy dife verzihiing vnnd 
vfgebnng vnbezwnngen, mit fiyem willen gern t&tte vnnd tun w61te, 
dar widemmb vor offenn Raute by finem eide gefeit, das Sy Im zA 
ydem maln geantwnrt hette, Sy w6re dartzA vnzwungen vnnd t&tte 
das mit frigem willen gem. Vff das griff die obgemelt Frow Mag- 
dalena mit Irem vogt an des gerichtz ftab. Verzieh vnnd entwert 
lieh ouch daran mit gunft vnnd willen des egenaüten Irs elichen 
gemihels für lieh vnnd Ir erben gegen dem obgenanten Walther 
von Halwil, Irem Lieben vatter vnnd linen erben, der das von Ir 
vffhim vnnd enpfieng mit vrtail, Als recht ift. Alles Irs v&tterlichen 
vnnd mAterlichen erb vnnd g&t, es üge Ligend, varend, eigen oder 
Lehen, Was das berArt, Vnnd wie das alles genant, vnnd woran das 
gelegen ift, gantz ndtzet vfgenomen, bitz an einen Rechten Ledigen 
an&il ; dartz& f61te Ir Recht behalten lin Alfo mit dem gedinge, das 
die bedaucht Frow Magdalena noch Ir erben An S6lch Ir V&tterUch 
vnnd mAterlich erb g&te, was das bernrt, Fdrohin dheinerley ge- 
rechtikait, Anfprich noch vordrung nitmer haben, Sonder darumb 
vnd darf Ar mit den beftimbten Sechs Hundert guldin gar vnnd gentz- 
lich, wie obftaut, vfgeftArt vnnd vergnAgt ün, Vnnd den bedauchten 
Walther von Halwil Sin erben noch ymand ander vmb Solch erb- 
^tt nitmer anuordem, anfprechen noch bekAmbem föllen noch 
wollen, weder mit noch one gericht, geiftlichem noch weltlichem, 
faft noch fo Indbeinwife, Dann Sy lieh des alles vnnd fonderlich 
daran aller Rechten, vordrung vnnd anbräche, So fy vnnd Ir erben 
bitzher daran gehept oder fArohin Aberkomen vnnd gewAnnen machten, 
F&r üch vnd Ir erben In der allerbeften form, wie dann ein Red- 
liche verzihung nach landfrecht vnnd fünft nach dem rechten vor 
allermengklichem gAt craft vnd macht haut, haben fol vnd mag, mit 
Torbehaltung des bedauchten ledigen anfalls, gar vnd gentzlich ver- 
zinn vnd begeben hette wiffentlich mit vrkund vnnd jn craft ditz 
briefs ön all geuerde. Vnnd des zA offem warem vrkund, So hab 
Ich, Schulthais obgenannt, min luligel, So Ich bruch von des ge- 
richtz wegen, nach erkanntnufs eins Rautz, vimd wir, Hanns Ramenf- 
per^. Jofue Hetlinger, Walther Rofnegker, Oonrat gifler, Hanns von 
8al, Hanns b6ni, Hanns Wiman, Heini Sultzer, Hanns bofhart, Hanns 



320 

binder, Lirentz Sch6rer, vnnd ofirion meyer, der fiaut zft winterthor» 
zu meer gezagknofs ynnfers Rautz Inßgel, doch vniiB rxmd TnnTern 
nacbkomen one fcbaden, DartzA Ich, Hanns Bamenfperg, min eigen 
Inligel fAr die egenanten min vogtfrowen Tnnd Ir erben In vogtz* 
wife , mir vnd minen erben one fchskden, Vnnd Ich, Hanns von gdlden* 
berg obgenant, wan die egenant min Lieb elich gemUiel dife Ter* 
zihong Tnnd alle Torgefchribne ding mit minem gonft Tnnd willen 
getan hant, oach min eigen Iniigel offennlich getan hencken an difen 
brieff, Geben mit Trtail An Domitag nach Sant Peters Tnnd Paolns 
tag aportolonim Nach Crifti gepnrt Yiertzehenhnndert Achtzig Tnnd 
fAnff Jire. 

Keines der Tier Siegel ift mehr Torhanden. 

Auf der Rückseite steht in alter Schrift: 
minr dochter magtalena Ton goldenberg Terzich brieff. 



Beilage A. 80. 

Pag. 251. 

1486. Febrnar 15. 

(Archiv Hallwil.) 

Ich, Hans Amolt Segenfer, Bitter, der zitt Schnltheifs ZA Ar&w, 
Bekennen mich mit difem brieff, Das ich Tff hdt, als ßn datom 
wifet, offennlich z& gericht gefeffen bin Offenllch an ge wunlicher 
Richterftat jn der genanten Stat Ar6w, Tnd kamand da f&r mich 
vnd das gericht Die Edel frow Madalena Ton Hallwil, geporn Ton 
Rotteftein, mit dem Edlen, Strengen Tnd Telten Her Hülfen Toxk 
Hallwil, Ritter, jrem Elichen gemachel Tnd TOgt, an einem, Vnd die 
Edel frow Sigon Ton Hallwil, ouch geporn Ton Rottenftein, mit dem 
Edlen Tnd Telten innckher Dieterich Ton Hallwil, jrem Elichen ge- 
machel Tnd TOgt, am andern teil, Vnd öffnet die obgenant fr6w Mag- 
dalena Ton Halwil mit dem genanten jrem Elichen gemachel Tnd 
TOgt Durch jren f&rfprechen, Wie das fy jn willen komen were^ 
gÄtter Sinne Tnd Temunfft wolbedicht Tnd zft den zitten, do fy das 
wol tAn m6cht. Das Sibfchafft, früntfchafft Tnd Ton befondem Liebe 
wegen. So fy zu der genanten frowe Sigon Ton Hallwil, jrs Brftder» 
Tochter, bette , Das fy derfelben frow Sigon machen Tnd jn gifftzwiTo 
geben wölt Tor ab vnd Tor ufs jr Huf Tnd jr Hoff mitfampt allem. 
Hufrat, Dar jnne gelegen, alhie zwifchen Marquarts Zechenders Tnd. 
Mathis Tripfchers Hüfem, Tnd dartzA alle jre Bomgarten, Garten. 
Tnd, Bunten, Tfgenomen einen Garten, Lit an Marquart Zechenders 
garten; DartzA alle gült, Zinfe Tnd rent, So fy hie dif enthalb dem. 
Berg Hat, an wellichen enden fy gelegen find Tnd wa fy die hat. 
Es fye an Korn, an Kemnen, an Rogken, an Habem, Hüner Eyex^ 
Tnd an Pfenning gdlten. Doch So hat fy jr felbs Torbehalten jir 
Silbergefchirr, Kleider Tnd Kleinheiten, das fy das mag geben wexix 
fy wil durch got Tnd eren willen, Ouch mit gedinge, das fy Txid 



321 

Her Hans von Hallwil, jr elicher Gemachel, beide jr Lebtag vnd zu 
end jr wile Semlich gut, alles wie obHat, mdgend nutzen vnd nieffen, 
Doch ynnertribenlich der eigenfchafft, Vnd wen fy beide nit me in 
leben fyend, Dann fo fol femlich gAt fallen vnd gefiatÜen fin An die 
genanten frowe Sigon, ob fy das erlepte, Ob fy aber fAllichs nit er- 
lepte, So fol dan f&Uich g&t fallen vnd gefallen lin An der felben 
frowe Sigonden nechlten erben , Die das erleptind ynd die Zitt jn- 
leben ßnd. Vnd nach difer offennng Liefs die genant fr6we Mada- 
lena von Hallwil mit jrem elichen gemachel vnd vogt vnd diu-ch 
jren f&rfprecben an ein recht, wie fy nnn foUich g&b vnd gifft tAn 
ßlt der genanten fr^we Sigon, das fj vnd jre erben daran Habend 
werend vnd oach Krafffc vnd macht hett. Des fragt jch obgenanter 
Richter Bechts vmb vff den Eide. Da ward bekent mit einhelliger 
yrteil, das die vilgemelt frow Madalena von Hallwil mit dem ege- 
nanten jrem Elichen gemachel vnd vogt des eriten fSlte dar gon 
vnd lieh des gem&chs jngifPtz wife entziehen vnd vff geben fSlte jn 
min, defs' Richters Hand, vnd f51te ich das vf miner Hand jn denen 
gedingen, wie obftat, jndes genanten Jnnckher Dietrichs Hand als 
einem vogt der genanten Iiner elichen Ha(&6wen vnd jro erben Hand 
jnantwnrtten. Das alles befchach zftftund nach gebner vrteil vor mir' 
vnd dem gericht mitt vfgeben, jnantwnrtten vnd mitt aller gewar- 
fame. So dartzü gehortend vnd nottnrfftig was, jn maffen, das eff 
alles billich Eraffb vnd macht haut vnd haben fol vnd mag , jetznnd 
vnd Hienach, one aller mengklichs widerteilen vnd abfpr&chen, Alff 
das mit gemeiner vrteil nach miner vmfrag erteilt vnd bekent ward; 
Des alles begert jm der egemelt Janckher Dietrich zu Iiner elichen 
Hnffrowen vnd jr erben Hand vrknnd vnd brieff von dem gericht 
ze geben. Das oach jnen zegeben erkent ward. Hieby warend vnd' 
ßnd getzAgen, die vrteil darnmb gefprochen habend, Die fromen vnd 
wifen Matbis Tripfcher, Heine Herman, Heinrich Helman, Michel 
Crillan, Büdplff Seman, Rüdolff Schloffer, Hans Faber, Büdolff Be- 
nalt vnd ander me. Vnd des zu warem vrknnd So han jch, obge- 
nanter Richter, von des gerichts wegen. Doch mir vnd minen erben 
one fchaden, min eigen jnligel offenlich gehenckt an difen brieffe, 
Der geben ift vff mittwochen nechft nach Sant valentinus tag des 
Jares, do man zalt nach Gottes gepurt Tafend vierhundert Achtzig 
vnd Sechs Jare. 

Das Wappen der Segenfer hängt noch. 
Anf der Rückseite steht: 
Magdalena von Rottenftein, Hänfen von Halwyl Gemahlin, 

Teftament 1486. 
Und in älterer Schrift: 
Gemechtnifs brieff frow magdalene von Rottenftein, befchechen z& 
arow,' andreffen daz hnfs vnd g&lt, wie fy daz miner frow fellig 

gemacht hett. 



Ar^yii Tl. 21 



322 



Beilage A. 3L 

Pag. 26L 

1493. Mai 17. 

(Archiv Hallwil.) 
Erneuerung des Hallwiler Stammbriefs. 

Wir nachgenempten, Hartman von Hallwil, Tftmprobft der Ho- 
cken Stifft Bafel, Hans von Hallwil, Ritter, Walther vnd Dietherich 
von Hallwil, gebrAdere, Tünd knnt menglichem mit vrkimd diff 
brieffs, Daz zu vffenthaltmig, ouch ymb nutz vnd ere vnnfers namens 
vnd Itamens von Hallwil, durch wylent die Edlen, den fbrengen vnd 
4ie veften Herren Thiiring von Hallwil, Rittern, Conraten vnd Rü- 
dolffen von Hallwil, vnnfer lieb vettern feiigen, den gott gnade, 
Ouch vnns, Hartman, Hannfen vnd Walthem von Hallwil, ein or- 
denung vnd mechtnilf jnn gefchrifft vergriffen vnd ein brieff, mit 
der genanten vnnfer vettern feiigen vnd vnnfem Ingefigeln befiglet, 
darüber gemacht ift; Derfelb brieff lutet von wort zu wort alfo: 
Wir dife nachbenempten. Nämlich Thdring von Hallwil, Ritter» 
Oonrat vnd R&dolff von Hallwil, bede gebrdder, Hartman von Hall- 
wil, Th&mherr deff Stiffts zA Bafel, Hanns vnd Walther von Hallwil» 
all drey gebrdder, T&ndt kunt allen vnd jeglichen, gegenwertigen, 
vnd kündigen leuten, die difen brieff anfehend oder hArendt lefen, 
Daz wir einen brieff gefunden vnd Innhaben, der Innhaltet etwas 
ordenung vnd gemechtniff. So weylendt Die edlen, ftrengen Rittere» 
vnnfer lieb vettern vnd vordem f&liger gedSchtniffs, mit namen Herr 
Walther, Herr Johanns, Herr Rüdolff vnd Herr Thdring von HaU- 
wil, alle vier geprddere, einander vnd durcheinander Irer perfonen, 
Irer Hawffrauwen vnd ddchtem halb, vmb die Hdfer vnd Hoffilet 
der Burg zd Halwil, als fy Ir jeglicher Innehat, Auch andere gdtere, 
Hienachbeftimpt, vor dem Schulthaiffen vnd gericht zd Lenntzburg, 
der dozdmol der durchlauchtigen, Hochgebomen fdrften vnd Herren 
von Öfterreich etc. Schultheifs dofelbs was, gemachet vnd geordnet 
hand. Nach laut vnd fag deffelbcn brieffs, Der von wort zd wort 
alfo wejfet vnd gefchriben ift: 

Allen, die difen brieff anfehend oder hdrendt lefen, kdnd ich, 
Conrat, Schulthajfs ze lenntzburg, vnd vergich offennlich mit difem 
brieff, Daz deff tages vnd Jares, als dirr brieff geben ift, Da Ich In 
namen vnd anfbatt Der Hochgebomen fdrften, der Hertzogen von 
Ofterreich, meiner gnedigen Herren, offenlich ze gericht fafs ze Lentz- 
bürg vor der Statt, vnder den Sarbachen, Dar koment Inn gericht 
die fromen, veften Ritter, Herr Walther, Herr Johanns, Herr Rd- 
dolff vnd Herr Thdring von Hallwil, geprddere, vnd fdgten vnd 
vermachten einander vor mir Inn gericht die Hdfer vnd Hoffteet 
der* bürg zd Hallwil, als f j Ir jeglicher Innehatt, mit graben, mit 
bamgarten, mit wigem, mit den matten, die zd der Burg gehörend 
vnd vnuerlehnet find, mit dem fee, mit dem waffer, fo darufs fldffet» 
die Mdlin, gelegen bej der Burg, die wing&rten, gelegen ze Sengen» 



323 

«iner vnder dem dor£f, der ander darob, Die Hdltzer fchlatt vnd 
fwartzenlo, ftoITeiit gen der Bärge, Alfo welher vnder jnen, ainer 
oder nie, vor dem andern abgat von todes wegen, ane lyberben, 
•die Knaben w&m, Daz dann delTelben teyl der egenanten Burg vnd 
•der andern gAter, ane menglichs Widerrede vnd Irrung, vaJien ynd 
werden fol ynuerfchaidenlich den egenanten von Haliwil, die dan- 
nocbt lebend, oder der füne, ob debeiner aberftorben wer, vnd Mn 
gelaüen hett, Docb mit den gedingen, Daz dann die felben von HaU- 
wil, an die der Yorgefcbriben tail der Burg vnd der ander gAter 
genauen ift, delT t6cbtem , der ane Mn aberftorben ift vnd töcbter 
geloffen batt, eine oder me, jnnert Jares friXt nocb Ir vatter tod 
geben vnd vfricbten fiillen DrAwbundert guldin guter vnd vollen 
Twer; Weiher aber vnder Inen deff gutes nit geben wollte, der foU 
dauon fton, vnd fol der tayl an die vallen vnd Inen werden, Die 
dann die driwbundert guldin gebent. Wa fy aber Innert Jares frifb 
das gut nit ricbtent, fo fol denfelben döcbtern, Ir fey eine oder me, 
Ir vatter tayl der vorgefcbriben gdter bleyben vnd gezAchen, ane 
uUer von Haliwil vnd menglichs rawraniffe vnd Irrung, an all ge- 
uerde. Weiher aber vnder den egenanten von Hallwyl abftirbet vnd 
fAn verlat, ein oder me. an diefelben fdn fol Ir vatter tayl der 
vorgefchriben Burg vnd der ander giiter vallen, vnd fdllen auch die 
reiben Knaben, Ir fey ainer oder me, von deff vorgenanteu gemechtes 
wegen, an Ir vatter ftatt fton, AUb ob der obgenanten von Halwil 
dehainer ane fdn abftdrb, Daz fy an deffelben tayl der egenanten 
Barg vnd der ander g&ter teyll vnd gemein haben, als vorgefchriben 
ftat. Die vorgefchriben von Haliwil bedingeten und behüben auch 
jn felber vorufs, Daz Ir yeglicher fmen tayl der obgelchriben bürg 
vnd der ander g&ter vermachen vnd f&gen mag feiner eelichen Hawf- 
frawen; wer dz er vor Ir abftirb, Daz fy noch Ir manoes tod den- 
felben tayl der Burg vnd der annder gdter Inne haben vnd nieffen 
fol, die weyl fy lebt vnd vngeendert beleybt Ze gott vnd ze der weite; 
Wanne aber fy abgat von tods wegen oder lieh endert ze gott oder 
ze der weit, Daz dann derfelb tayl der bürg vnd der guter vnner- 
zogenlich vallen fol an deff fdn, deff der felb teyl gewefen ift, oder 
an die egenanten von Haliwil, ob Der felb ane fdn aberftorben ift, 
als vor geldtert vnd gefchriben ftat. Auch ward da In gericht vor 
mir beredt vnd bedinget: Wer das der vorgenanten von Haliwil 
einer oder me feiner eeUchen Hufsfrawen Iinen teyl Der vorgefchriben 
Burg vnd gdtter machte vnd fdgte, vnd er dann abftdrbe ane fdn, 
vnd tfichtem liefs, So fdllen die andern von Haliwil, die dannocht 
leben, nicht gebunden fin, die driwHundert guldin jnnert Jarffrift 
ze richten ; Wanne aber die felb fraw, der die gdter vermachet vnd 
verfchaffet find, abftirbet oder fich endert ze gott Oder ze der weit, 
So fdllen dann die egenanten von Haliwil, noch der felben frawen 
tod oder noch jr enderung, Innert Jarffrift die driwbundert guldin 
geben Vnd richten deff d6chtem, der dann ane fun aberftorben 
ift. Das vorgefchriben gem&cht befchach auch von deff gerichtes 
wegen, mit meiner Hand, mit aller eeHaffti, Worten vnd wercken. 
So von recht vnd von gewohnheit dheins wegs darzd gehört, vnd als 



324 

nach meiner ymfirag yff den aid ertailet ward. Vnd defT alles zu 
vrknnd Hab ich vorgenanter Scholthajfs von des gericbtfwegen mein 
Inßgel Offemilich gehenckt an difen brieff. Wir vorgenanten Wal- 
tlier, Johanns, BAdolff vnd Thflring von Hallwil, geprflder, Ritter^ 
vergechen einer gantzen worheit Alles delT, fo an difen brieff von 
vnns gefchriben ftat, vnd loben auch darzü f&r vnns vnd vnnfer 
erben, das alles fteet ze Haben, vnd dawider nicht ze tAnd, noch 
fchaffen getan werden, mit dehainen fachen, an alle generd. Ynd 
deCf aUes zft vrkond haben wir auch alle vnnfer jnfigel offennlich 
gehenckt an difen briefe. Hye bj worent Herr Johanns von liebegg, 
Herr Eggbrecht von MUinen, Ritter, Fritfchi fch&fli, Johanns fkieber^ 
Schulthails z& Arow, Hainrich vinfäler, Schnlthaifs z6 Brugk, Hain* 
rieh von vilmeringen, veitin meyger von fcherntz, Bürger ze lentz- 
bnrg, vnd ander erber Leut vil. Diff befchach vnd wart difer brieff* 
geben ze lentzbm-g an dem nechften Zinftag nach fannt Hilarien 
tag, n6ch gottes gepurt Tnfend drAhundert vnd fechfzig Jaren, dar- 
noch jn dem neanden Jare. Alfo wannd wir obgenanten Thiiring 
von Hall wil, Ritter, Cünrat, Rüdolff, Hartman, Hanns vnd Walther 
von Hall wil Bekennen, daz die vier Ritter vnd BrAder, Vnnfer 
vettern vnd vordem ialiger gedechtniffs obbeftimpt, als weife, from 
Leute, ze auffhung vnd behaltung Ires ftamens vnd namens von 
Hallwil, ffilhe Ordnung, gemechtniffs vnd fatzung, wie die In dem 
gemelten brieff vnderfchaiden find, vem&nfftiglich vnd wejflich be- 
dacht, betrachtet vnd gemachet band, das vnns, als jren nach- 
uolgenden geßpp, friünden vnd erben, wol erfchoffen ift, deff wir 
merglich Imnd empfunden vnd teglichs empfinden; Darumb fejd 
wir verftanden, Daz es durch fy weiflich vnd wol gethan ilt. Sind 
wir all einhelligs gemAtes mitteinander früntlich vnd gütlich, mit 
guter vnd zeitlicher Vorbetrachtung vnd rechter gewiffne, Lieplich 
eins worden, Daz wir vnder vns fölhen Ordnungen, fatzungen vnd 
gemechtniffen, als nachuolger vnnfer gemelten vettern vnd vordem, 
vmb vnnfer vnd vnnfer nachkomenden mannes erben, auf enthal- 
tung vnd beftentlicheit vnnfer vnd jrs namens vnd ftamens von 
Hallwil — auch nachkomen vnd dabey beleyben wdUen ; Dar auff fo 
band wir all, ye ainer dem andern, gelobt vnd verfprochen, bey 
vnnfem trewen vnd eren, globen vnd verfprechen alfo wiffentlich 
vnd bedachtlich Inn Krafft diff brieffs, Daz wir fSllen vnd wellen 
vnder vnd gegen vnns fSlhen obgemelten ordenunge, fatzungen 
vnd vermöchtniffen, wie die der Burg ze Hallwil vnd ander jm 
gemelten zAgehörungen halb, Es fey mit den HAfem vnd Hoffftetten 
der Burg, als wir befitzen, vnder vnns, die Innehaben, mit gra- 
ben, Boumgarten, wigem, matten, die zu der Burg gehörend vnd 
vnuerlichen find, mit See, dem waffer, das daraufs fleuffet, der 
Müly, bey der Burg gelegen, den Weingarten ze fengen. den Höl- 
tzem Schlat vnd Swartzenlo, ftoffend gen der Burg, Alfo welher 
vnder vns, den befitzem der Burg vnd guter yetzgemelt, von difer 
weite fchaidet, one leibferben, Die Knaben wem, Daz es dannent- 
hin vnuerfchaidenlioh gegen den andern befitzem, auch der D6chtem- 
halb, ob die vnnder vnns, den befitzem, verloffen w^brden, vndvnn- 



.826 

lern eeliehen Hawffrawen, ob einer oder rme ynder vnns befitsem 
die wArden Aberkomen, Ir leptag finen tayl aA vermaohen, ynd In 
allen andern Artickeln, ipuncten,* yerm^chtnirfen Tnd ordnnngen, wie 
das der vorgemelt brieff vnderfchaidet Tnd Innbaltet, getrewlioh vnd 
anfrechtlieh, ftn alle geuerde vnd widerred, volzogen vnd gehalten fol 
werden, Als wir. auch das hallten vnd vollziechen ßUen vnd wellen, 
In all weyfc vnd wege, als ob wir all, vnd vnnfer yegUcher, 151- 
iichs gegen dem, andern vor gericht, geiftlichem oder weltlichem, 
vermachet, verordnet, gelobt vnd verf prochen hett. Wie das der 
obgedacht brieoe erleutert, Den wir In allen feinen poncten vnd 
Innhaltungen gegen vnd vnder vnns beueftnen; Denn je vnnfer may- 
nuQg ift, Daz die Burg vnd Ir gemelte ZAgehörung vnder vnd by 
vnnferm ftamen von Hallwil, die weyle ainer mannes gefchleoht In 
leben ift, beleybe vnd beleiben fdlle, Vnd als Dietherich von Hall- 
wil, vnnfer, Hartmanns, Hannfen vnd Walthers brAder, nit Inlendig 
vnd noch vnder feinen Jaren ift*), Deff wifienthafFtiger vogt Ich, 
BAdolff, bin. So verfprich vnd gelob ich, RAdolff, als ain vogt vnd 
In vfigtlioher weyfe deffelben Dietherichs vnd f Ar Inn , Das er allen 
vnd yeglichen dingen, wie die vor vnderfchaiden find, vnder vnd 
;gegen vnns auch nachkomen vnd vollziechen fol, All arglifb vnd 
geuerde hier jnn aufgefchaiden. Deff ze warem, veften vnd fbattem 
vrkonde. So band wir obgemelten ThAring von Hall¥ril, Ritter, 
OAnrat vnd RAdolff von Hallwil, beide geprAder, Hartman von 
Hallwil, TAmherr deff ftiffts ze Bafel, Hanns vnd Walther, all 
dry gepr Ädere von Hallwil, vnnfer yeglicher fein aigen Infigel of- 
fenntlich vnd wiffentlich gehenckt an difen brieff; Darunder ich, 
RAdolff, den egenanten Dietherichen von Hallwil, meinen Vettern, 
als meinen vogt fun vnd Inn vögtlicher weife veftiglich binde, ze 
gleicher weyfe, als ob er zA feinen tagen komen were vnd fein 
aigen Inßgel auch hette gehenckt an difen brieff, der geben ifb an 
2inftag nechft vor dem hailigen Auffart tage DefT Jars, als man 
zalt von gepurd crifti vnnfers lieben Herrn Tufend vierhundert vnd 
sxht vnd fechfzigk Jare. 

Vnd fidmols wir obgenempten Hartmai^, Hanns, Walther vnd 
Dietherich von Hallwil, gebrAder, kuntlich befunden haben, Daz die 
genanten Ordnung, mechtniffs vnd anders, In dem dauorbefchriben- 
nen brieff begriffen, zA vffenthaltung , ouch nutz vnd ere vnnfers 
gemeinen naöäens vnd ftamens von Hallwil vntzhar gedienet hatt, 
vnd mit gottes, deff allmechtigen, Hilff fArer dienen fol vnd wirt, 
So haben wir föUich fatzungen, Ordnungen, gemechtniffen vnd an- 
ders. In demfelben vorbefchribennen brieff gefchriben, fAr vnns vnd 
vnnfer. erben emAwert, wellen ouch doby beüben, vnd das die durch 
vnns vnd vnnfer erben gehalten werden fftllen, VnddarufffAr vnns 
vnd vnfer erben, die wir zA voUziechung vnd Iteethabung difes 
brieffs verbinden, by vnnfern Hantgegebenen trAwen, vnnfer yeg- 

*) Dietrich war damals »nit Inlendig«, sondern in Frankreich. War 
er nocn »vnder seinen Jaren« oder noch nicht »zu seinen tasen« gekom- 
men, 80 heiBst diess so viel, als dass er damals noch nicht 14 Janre alt 
gewesen. 



326 

licher dem andern ynder vnns gelopt vnd yerfprochen haben, Als 
wir ouch geloben vnd verfprechen In difem brieff, Daz wir JßUen 
vnd wAUen, vnder vnd gegen vnns, die felben obgemeldetten orde- 
nongen, fatzungen vnd mechtnilTen, wie dann der Barg zu Haliwil 
vnd ander Irer gemeldetten ZegehAningenhalb, Es fy mit den Hiifem 
vnd Hoffftetten der Barg, Alldenn die yetz, ndch Innhalt vnnTer, 
Walthers vnd Dietherichs von Hallwii, verfcbribangen geteylt fmd, 
mit graben, boamgarten vnd matten, fo zu der felben Barg geh&- 
rent vnd vnuerlichen und, noch lüt vnd lag defTKooffbrieffs, fo ich, 
walther von Haliwil, Dietherichen von Haliwil, minem brüder, dar- 
über gegeben hab. Item vnd deffglich vnnfer GrafffchafFt varwangen 
halb, mit hochen vnd nidem gerichten , ftock, galgen. Mit den Her- 
fchafft lAten vnd den Tagwön, fo diefelben lAt tun f511en, vnd aller 
z&geh6rd, Defglich Seengen, Meifberfwand, Eichiberg, Eglifwil, Alif- 
wil vnd HAfem, mit allen gerichten vnd rechten, wie dann vnnfer 
vordem vnd wir die harbrocht vnd noch Innhaben, Mit ÜEimpt 
Zwingen vnd bennen, waffeni, wafferranfen. Wonnen vnd weyden,. 
H6ltzern vnd fellden, mit den Tagwen, fo darzü gehören, Oacb 
dem See, genant der Hallwiler See, mit Hoch vnd nidem gerichten, 
vnd den ft6den , vifchentzen vnd nAtzung der vifchen deffelben fees, 
vnd dem waffer, fo vffdem felben fee Mffet, Item die M&ly, by 
der Barg Haliwil gelegen, den wingarten oder reben z& Seengen, 
den Höltzem Slatt vnd Swartzenloo, fo gegen derfelben barg Hali- 
wil ftoffent, Alfo welicher vnder vnns, den beßtzem derfelben barg 
Haliwil vnd g&ter, nechlt daaorgemeldet, von difer weit on libferben,. 
von Im geborn, fo Knaben weren, fcheiden wiird, das es dannenthin 
vnaerfcheidenlich gegen den andern befitzem, oach T6chtem halb,, 
ob die vnnder vnns, den belitzern, verlöfTen wdrden, vnd vnnfem 
eelichen Haffrowen, ob einer oder mee vnder vnns bePitzem die 
wdrden dberkomen, Ir leptag (inen teyl ze vermachen, vnd Inn 
allen andern Artickeln, pancten, vermechtnilTen vnd ordenangen, 
wie das die vorgefchriben brieffe vnderfcheiden vnd Innhaltend, ge- 
trüwlich vnd vffrechtlich, on alle geaerd, widerred vnd hindemifTa 
vollzogen vnd gehalten fol werden, Als wir oach das halten vnd 
vollziechen ßllen vnd wellen, Inn all wit'e, form vnd geftalt, ALs 
ob wir all vnd vnnfer yeglicher fSllichs gegen dem andern vor ge- 
rieht, geiftlichem oder weitlichem, alfo vermacht, verordnet, gelopt 
vnd verfprochen betten , Wie dann das die obgefchriben beyd brieffe 
erldtern vnd erkleren, Die wir oach Inn allen Iren pancten vnd 
jnnhaitungen bekrefFtigen vnd beaeftnen; Dann ye vnnfer will vnd 
meynang ift, Daz die vefte Haliwil vnd anders, fo obftat, mit Ir 
Zügeh6rde, vnder vnd by vnnferm ftainen von Haliwil, die wil einer 
mannes geflecht Inn leben ift, belibe vnd beliben föUe; Alle ge- 
uerde, vntrüw vnd arglift har Inn vermitten. Vnd delT alles, fo 
obftat, zu vrkand vnd kantfchafiPt, fo haben wir, Hartman, Hanns> 
Walther vnd Dietrich von Haliwil, vnnfer Ingeßgln Offennlich ge* 
henckt an difen brieff. Der sehen ift vff fritag noch dem Heyligen 
vfiart tag vnnfers Herrn Jhefa crifti. In dem Jor, als man zalt von 
crifti gebart Tafend vierhandert Ndndzigk vnd dry Jar. 



327 

S. Herr Hartman S. Hr Hans S. Jkh. Walter S. Jkh. Dietrich 
von Hallwil tmpbfl;.. y. Hatlwil. v. HallwiL t. HallwiL 

(AUe vier Siegel sind noch vorhanden.) 

Auf der Bttckseite steht : 
ErnAwrnng der allten gemechtniff vnd ordennng des namens vnd 

rtamens Hallwil 1493, und: Stambrief, Aofiahrtstag 1493. 



Beilage A. 32. 

Pag. 248. 



1493. Mai 17. 

(Archiv Hallwil.) 



Wir, Walther vnd Dietherich von Hallwil , gebrÄder, Tünd knnt 
menglichem vnd bekennen mit difem brieff, Baz wir br&derliche 
Liebe, trüw Vnd fnlntfchafft, fo wir billich.ze famen vnd gegen- 
einander tragen, zu behalten, oneh Irrung vnd Zwejung, deffglich 
miHhelle vnd fpenn, fo Hamöch, Das gott wenden wolle, zw&fchen 
vnns, vnnfem Kindern vnd erben, nöchgefchribner dingen halb, er- 
wachfen möchten, ze fArfehen, mit gÄter Zjtlichen vorbetrachtung 
vnd gefunden üben, briiderlich vnd getruwlich miteinander Aber- 
komen vnd eins worden fint, vnd zwdfchen vxms, mit Bat vnd Inn 
bywefen deffErwirdigen, der Edlen, vnd deff Itrengen Herren Hart- 
mans von Hallwil, T&mprobsts Der Hochen ftifiFt Bafel vnd Herrn 
Hannfen von Hallwil , Ritters, vnnfer lieben brddem, vnd anderer 
vnnfer angebomen frdnden, vnnfer beider v&tterlichen, mflterlichen 
vnd vetterlichö erbs vnd verlöffenen güts, ouch deff erbs vnd güts 
halb, fo der genant Herr Hanns von Hallwil, vnnfer lieber brüder, 
den gott der alimechtig lang Zit jnn gefontheit vnd leben enthalten 
gerüche, noch Ünern tod verlöffen wirt, ein frÄntlich vnd brdderlich 
abrede gethon, vnd i^lich v&tterlich, mAterlich vnd vetterlich erb 
vnd gut, dauorbefchriben, fo jetzt gefallen ift, vnd deff genanten 
Herren Hannfen von Hallwil, vnnfers lieben brüders gut vnd erb, 
hienachgefchriben, wau er das verlöffen vnd das zd fall komen wirt, 
vnn^, jn namen vnnfer vnd vnnferer erben getejlt haben, In maffen 
hie nach ftat; dem ift alfo: Nemlich das, fo bald vnd der genant 
vnnfer lieber br&der, Herr Hanns von Hallwil, mit tod abgon wirt» 
vnd von difer weit fcheiden , Daz der Alimechtig gott lang vffhalten 
well, Alfdann das dorff Bubifchwil, Im Ergow gelegen, mit Iinen 
Zwing, bann, wunn, weiden, waffer, wafferrAnfen, miUinen, Holtz, 
feld, gerichten, büffen, befferungen, lAten, ftdren, Zinfen, nutzen, 
galten, zechenden vnd gemeinlich allen vnd jeglichen finen rechten, 
gerechtikeiten, ZAgehdrungen, eehafifben, feilen, anhengen vnd ge- 
l6ffen, nützit vfgenomen noch vorbehept, Wie dann der felb Herr 
Hanns von Hallwil, vnnfer lieber brdder, Daffelb dorff Bubifchwil 
von dem edlen vnd ftrengen Herrn Hannferhart von Bjnach, Bitter, 
als einem vogt wjlent deff edlen veften HannJfheinrichs von Bjnach 



828 

(feligen Kindem, nA«h Innh&lt lies EonfiEBbrieffs, Im darAber geben, 
erkonfft Tnd vntzhar Inngehept hatt, An mich, Walthern von Hall- 
wil, ob Ich Inn leben. Ob Ich aber mit tod vor Im abgangen wer, 
An min eelich Kinder oder Ir nechften erben, So vfif sdt deff ab- 
gangs delTelben Herrn Hannlen Hn werden, £aUen vnd zAgeh&ren, 
euch bliben Fol, on Irrung vnd Intrag min, Dietherichs von Haliwü, 
miner erben, vnd fad menglichä; Dargegen vnd deffglichen fo Fol 
mir, Dietherichen von Hallwil, oder ob Ich nit wer, minen erben 
zu ziten, wann der genant Herr Hanns von Hallwil, min lieber 
Lrüder, mit tod abgon wirt, Daz der Allmechtig gott lang yff halte, 
das dorff Endfeld, onch Im Ergow gelegen, Mit Iinen Zwing, bann, 
wann, weiden, waüer, waErerrAnfen, Holtz, feld, gerichten, büilen, 
befferungen, lAten, Mren, Zinfen, n&tzen, gdlten vnd gemeinlich 
allen vnd jeglichen Iinen rechten, gerechtikeiten, zügehAmngen, 
eehaften, föllen vnd gelSlTen, ndtzit vfgenomen, noch vorbehept, 
Wie dann die derfelb Herr Hanns, vnnfer brüder, Ingehept hatt 
vnd von alter Harkomen ift, Vnd die dririig vnd ein golden gelts, 
So der felb Herr Hanns von dem Hochgebomen Herren, dem Marg- 
grafen von Hochberg, Herren zu B6tteUen, z& lehen hatt, Onch mit 
allen Iren rechten vnd gerechtikeiten, vnd vnnfer, nemlich Herrn 
Hannfen, Walthers vnd l)ietherichs von Hallwil, v&tterlich vnd mü- 
terlich, onch vetterlich erb. So dann an vnns gefallen ift, nAtzit 
vfgenomen, an mich, Dietherichen von Hallwil, ob Ich Inn leben, 
oder ob Ich mit tod abgangen wer, an min eelich Kinder oder 
erben, So vff zit deff tods deü genanten Herrn Hannfen, mins brü- 
ders, fin werden, fallen, mir oder denen zAgehftren, bliben vnd 
werden, onch ön Intrag min, Walthers von Hallwil, miner erben, 
vnd fuft menglichs. 

Yff f&lichs fo haben wir, walther vnd Dietherich von Hallwil, 
f&r vnns vnd vnnfer erben, die wir zu ftethabnng diff brieffs ver- 
binden, bj vnnfem guten tr&wen, an ejdes ftatt geben, Glopt vnd 
verfprochen , Alle vnd yegliche obgefchribne ding war , fteet vnd veft 
zu halten, Dawider niemer ze reden, ze tAnd, noch fchaffen gethon 
oder geredt werden, dui'ch vnns noch ander, S611ichs ouch niemant 
ze gftnnen, noch geftatten, jnn kein wifs noch wege, alles erberlich 
vnd vngenarlich. Vnd deff alles, fo obftat, z& vrknnd, fo Haben wir, 
Walther vnd Dietherich von Hallwil, vnnfer Ingefigel wiffentlich 
gehenckt an difen brieff, der zwen an den worten glich lutende ge- 
macht, vnd vnnfer jeglichem, nemlich Walthern vnd Dietherichen 
von Hallwil einer, ift geben vff fritag noch dem vffart tag vnnfers 
Herrn Jhefu crifti. In dem Jar, als man zalt von crifti vnnfers 
Herrn gebart Tufend vierhundert, Nflndzigk vnd drÄ Jor. 

S. Walter von S. Dietrich 

Hallwil. von Hallwil. 

Diese beiden Siegel sind noch vorhanden. 

Auf der BUckseite steht in alter Schrift: 
Abred zwdfchen Jungkh. Waltern vnd Dietrichen von Hallwil etc. 



329 

Beilagre A. 33. 

Pag. 248. 

1408. Mai 17. 

(Archiv Hallwil.) 

ICH, Dietherich von Hallwil, Tftn knnt vnd bekenn mit difem 
..brielT, Demnach vnd der Edel vnd Itreng Herr Hanns von Hallwil, 
Bittw, min lieber Irüder, vnder anderm verordnet vnd gemacht 
hatt, Daz noch finem tod vnd abgang, den gott lang vffhalten welle, 
(in dorff Rnbifchwill mit ßner zügehörd An den Edlen, velten WlU- 
thern von Hallwil, minen lieben brüder, oder ob er nit wer, ßn 
erben, vnd das ander lin dorff, genant Endfeld , onch mit ßner Z&- 
geh&rung, rechten vnd gerechtikeiten, an mich obgenanten Diethe- 
richen von Hallwil, vnd ob Ich nit wer, min erben fallen. Doch das 
deü dorffs Rubifchwil nAtzung jerlich der Edlen, Erfamen frow Ma- 
dalenen, deff genanten Herren Hannfen von Hallwil gemache], ge- 
bom von Botenftein , mmer lieben fwefter, fo lang vnd die jnn leben 
lin wirt, Inn lipgedings wife, gefolgen, vnd durch denfelben Wal- 
them, minen brüder, oder Hn erben J&rlich bezalt werden fAllen 
etc., Daz Ich fiir mich vnd min erben, die ich zu Iteethabung diff 
brieffs binde, by guten trüwen, an eids ftatt geben, glopt vndver- 
fprochen hab, dem genanten Walthem, minem brüder, oder ob er 
nit wer, finen erben, So verr vnd obgemeldet Dorff Endfeit, als 
vorftat, an mich oder min erben komen wirt, J&rlich fo vil gfllt 
oder gelts , Alfdann der halb teyl der galten vnd ndtzung zu Bubi- 
fchwil J&rlich ertragen wirt, von der ndtzung vnd fallen zt Endfeit, 
Jerlich vff fannt Martins tag, fo lang die genant frow Madalen Inn 
lib vnd leben lin wirt, vnd nit fürer, zA geben, richten vnd ant- 
wnrten, on allen finen koften vnd fchaden, Oueh Inred, Weigerung 
vnd generde; Vnd deü zu vi*knnd, fo hab Ich, Dietherich von Hall- 
wil, min Ingeßgel Offennlich gehenckt an difen brieff, Der geben 
ilt vff Mtag noch dem heyligen vffart tag vnnfers Herren Jhefu 
crjfti. In dem Jor, als man zaJt von crifti geburt Tufend vierhun- 
dert, NAndzigk vnd dry Jor. 

Auf der Bttckseite steht: 

Jungkher Dietrich von Hallwil verfchript Ijch, jerlich, fo lang 
frow MagdaJen von Hallwil jnn leben fey, Iren die halbe gdlt zA 
Bubifwil volgen zu laffen. 1493. 



NaohträgUch geht mir von Herrn Archivar Tb. v. Liebenau in Luzern 
folgendes Schreiben zu, das Bitter Caspar von Hertenstein und Stadt- 
sc^eiber Melchior Buss an Schultheiss und Bath von Luzern ge- 
richtet haben und aus welchem hervorgeht, wie der König von Frank- 
reich Mühe hatte, sämmtliche eidgenössische Söldner zur Leistung 
des Fahneneides gegen Hans von Hallwil, den obersten Haupt- 
mann der deutschen Itnechte in Frankreich; zu vermögen. 



330 

Beilage A. 84. 
1480. Sant barbeltag. December 4. 

(Archiv Luzern.) 

Wir wiijfen üwem gnaden nütt n&ws z&^chriben, dann dz Her 
Hans von Halwil der tiitfchen obridetter Honptman vom kAng ge- 
fetzt ift, vnd der kling gibt jm ein merklich gelt, doch fo wellen 
der eidgnoffen knecht jm zum teil nitt fchweren, dewil er doch von 
eidgnoüen nit darzA geordnet ift, vnd fprechen, wan vnfer Herren, 
die eldgnoITen, jnen ein Honptman geben, es fig der von Halwil 
old ein ander, denen wellen fj gehorfam ün; dar ob der kAng valt 
zornig ift, dann als wir verftand, fo hat jm noch nieman gefchwom, 
dann Awer lütt, die band jm gefchwom, die andern etlich zAchen 
vom küng, ob fy fchweren wellen. Darvflf hat der felb von Halwil 
vnd brandolf zum fbein fAr geben vnd dem kAng geraten, er jßl fin 
nit achten, dz der eidgnoffen knecht enweg zAchen, dann fy wellen 
jm wol als gAtt knecht bringen, fo gehorfam figen, als der jetzigen, 
vnd die wellen fy vom fchwartzwald vnd vf vnfers Herren von 
Oellerrich landen bringen; Vnd brandolf von ftein ift jetz darvmb 
hin vf, als vns dz gefagt ilt. Der kAng land jetz machen ein grofte 
zal langer fpies vnd Halbarten nach tAtfchen litten; k6nd er onch 
lAtt machen, die darmit könden vnd wAften ze brachen, fo bed&rfft 
er niemans me . . . 



Schreiben verschiedener Stande nnd Privatpersonen 
an Hans von Hallwil, Sitter^ aus den Jahren 

1477-1482. 

Beilage B. 1. 

Pag 230 

U77. October 21. 

(Staatsarchiv von Basel-Stadt, Miss. Buch 1476^1483.) 
(Mitgetheilt durch Staatsarchivar Amiet in Solothum.) 

Dem Strengen Hern Hannfen von Hallwil, Bitter. 

Vnnfer willig dienft zAnor. Lieber Herr Hanns. Ynns langt 
an allerley jrrfall, fo fich halttet zwftfchen üch an eim, vnd Hannfen 
Ziellempp von waltpach, vnnferm burger anderfitt, So vnns leid vnd 
nit Jieb find. Der vrfach bitten wir Äch, vnns zu verfolgen einen 
gütlichen tag dar an zu fetzen, So wollen wir vnnfer erfamen ratf- 
frAnd darzü ordnen, die Ach beyderfitt verhören vnd in güttem ver- 
truwen fin, nch die betragen follen, vnd vnns folhs nit verfagen. 
Das willen wir vmb Ach verdienen vnd was Awers willens dar vmb 
fin wil, vnns fÄrderlich fchrifftlich kunt tun, da mit wir wiHen 
m6gen , dar vmb tag zft fetzen oder faft wa nach zA richtten. Geben 
vflf Zinftag der einliff tufent megt tag, Anno etc. Ixivij*. 

Hanns von bernfels. 



331 



Beilagre B. 2. 

Pag. 237. 

1480. Sonntag naeh Mlehaelis. 1. October. 

(Archiv HallwiL) 

» 

Min frAntlich vnd willig dienft Sint lich Z& vor au bereit. 
Lieb^ brüder, dem nach als ich von üch fehiets es wnrt der küng 
ein fekerdarins (Secretftr) oder hotten mir nach fchicken, der folt 
zu bem zu mir komen, der wart gewalt haben vom kübig Aber das 
gelt, das zA bem lag, mir vnd Heinrich fpieffer zu geben vnd dem 
kAng lAt dar vm zu beftellen, IftlT ich Ach wylTen, das der felb bott 
uff halben weg gan legun zA mir kam vnd Seit mir vnd Heinrich^ 
die eitguoITen zugent mit den fechs dufTent knechten da her vnd 
folt nur heim Ritten, den er kern nAt gan Bem, dan ich bedorft 
kein knecht befteUen; dem kAng kem lAtten gnüg; dar vm fo ift es 
vnder wegen beliben, das ich kein knecht beftelt hau. Allfo bin ich 
her ufs geritten vnd do ich komen bin gan jenf, da Sint mir die 
von Soltü'en bekomen vnd die andren ortter all, aber min Heren 
von bem vnd ZArich Sint mir nAt bekomen, die Sint ein ander 
ItraÜB gezogen; Doch nAt deller minder fo hau ich mit ettlichen 
geret, die ich dan wol bekant hab, die mir bekomen Sint, wnrt es 
Sich begeben, das man innen zA IchaUun vrlub geb vnd man 8y 
nAt volziechen wurt laflen, wel dan gern mAttwOlen woltten vnd 
vm den Solt hin in wolten ziechen, die mochtten hin in, ziechen, ir 
werent obrifter Hobtman , die wArden von Ach uff genomen. Da ga- 
beut mir diefelben knecht zA verftan, Sy wolttend dAn, wan Sy 
vermochtten vil knechten, die mit in zAgent, vnd be Tun der fo hat- 
tent die eittguoffen ein grof wolgefailen dar an, das der 
kAng Ach hat zA einem obriften hobt man gemacht. Nu 
hau ich am ulTher Ritten allenthalben gefragt vm ein gAtten fchriber ; 
hau ich nAt können erfaren, vnd do ich bin komen gan bem, han 
ich erfaren, das her wilhalm von dien)ach gar ein gAtten fchriber 
hab, welfch vnd dAfch zA fchriben; alfo han ich Her wilhalm ge- 
fchriben von Ilimt an nach vnd in gar fruntlichen vnderandrem 
fchriben gebetten, begeh efs Sich, das er des fchriber fs nAt als gar 
notturft wurt Sin, das er dan durch vnferfs verdiennenfs willen 
Ach wolten fchicken den fchriber, vnd hat Ach ouch by dem felben 
hotten gefchriben. dan er woit gar hin in Ritten. Allfo bin ich heim 
komen vnd bin nAt mer dan ein nacht da heimen gelin vnd bin 
momdifs gan arw (Aarau) geritten vnd ift min fchwefter, uwer 
Huffrow, Abel an mir gewefen, das ich Ach da hindenen 
han gelaffen, den fy meint, ich Sy fchuldig dar an vnd ihr 
dorften Sin nAt; ir bettend Sunft gAtz daheim vnd ir ha- 
beut ir folichs nAt verheiffen, das ir fo lang jemer mer 
von ir weltentSin. Sont ir wifTen, dafs ich allefs das mit ir 
gerett han, was mich gAtt het gedunckt, da mit ich Sy ftilly, vnd 
da biy jr ouch zA gefeit, alles das zedAn, als ob ir felber lue we- 



332 

rent, an das ich z& nacht niit wel biy ir ligen. Doch fo het Sj 
Diotricfaen ouch in der fcholt. Allfo ift Her HaniB amolt krank ge- 
wefTen vnd han mAfTen zu im in Sin huf komen. alfs halt er mich 
gefachy do fprach er, ich macht in gefönt. Alfo Rett ich mit im 
Ynd feit im Awer meinung vnd ir mir befolhen hatten. Uff Sol- 
lichs hat er fleh gerüfcht; wie wol es im faft wider Ratten ift, alf 
er üch wol wirt Sagen. Vnd hab im alfo gefeit, er fol Sich mit 
fier Pferden Hdften, fo geb man im off ein pfert IX gnldin Rinfch 
ein mannent, vnd geb man im kein fchaden, doch fo wellent ir in 
z& Ach nemen vnd f&tter vnd mel wellent ir im vnd den knechten 
vnd den pfeolen geben vnd niit mer, vnd fol uff üoh wartten, vnd 
was ir in heiffen, das wert er dän. Das alles hett er mir zu geseit, 
er wel &oh halten für Sin heren vnd wel Ach diennen in folicher 
mais, das ir ein gefallen dar an foUent han. Har vmb, lieber br&- 
der, wellent im gütz dAn vnd wellent in f&rdren, wo ir können, da 
dün ir ein gotz Ion, als ir felber wol wiffen, den ir fönt wiffen, das 
in die RdfLong gar fil koft vnd wo e£s im feit, fo wer er verdorben, 
den die Reifs ift im gar übel erloft. Gott geb Ach allen glAk 
vnd heil. 

Aber bin ich uff gefeffen vnd bin gan balTel geritten, dia ift 
min brAder, her harttman, nAt da heim geOn vnd ift zA mentz 
(Mainz) im dumir geweffen vnd dannen hin den Rin hin abgefaren 
gan frankfurt vnd anderfchwo hin, das ich nAt bij im geweffen bin. 
Vnd bin alfo zAm mellinger komen vnd han mit im gerett vnd han 
in wellen beftellen; da het er mir gefeit, in hab der lantfogt be- 
ftellt, die wil Sich der mellinger beftelt hat. Sont ir wiyffen, das 
ich fünft nieman beftelt han noch beftellen wolt, uff das ich ge- 
truw, ob got wil, ir koment vor winachten her ufs; die wil habent 
ir die fachen da inen erfaren, das ir dan können wiffen, wie ir Ach 
wider hin in RAfchtten follen und wafs ir dan notturftig Sigent. 
Aber die wil min brAder diettrich bin Aph ift, fo han ich defter 
minder forg; doch nAt defter minder, wafs Ach an gelegen ift, Sont 
ir mich frolichen wiffen laffen, das wil ich Ach beftellen vnd zä 
wegen bringen vnd Ach hin in fchicken. Ouch fönt ir wiffen, 
das ich kein kablan beftelt han, den ich han kein können finden 
vnd meint wol, het ich her hartman da heimen funden, der het Ach 
ein mAffen beftellen. 

Die Fortsetzung des schwer zu lesenden Briefes ist zwar von 
derselben Hand, aber mit anderer Dinte geschrieben. Darauf, dass 
sie spätem Datums ist, weist auch der Inhalt hin. 

Vnd han her hartman noch nAtz von der Deillung laffen wiffen, 
den ich han esjemer mer gefpart, bis ich Selber zA im kom; alfo 
wirt ich uff mendag negft komen nach dattum düs brieffs gan baffei 
zA im Ritten, fo wil ich im das vnd anders fagen. Ouch lafs ich 
Ach wiffen, das ich kasper zA Ach fchick , nach dem ir mir befolhen 
hatten: weit fin Awer huffrow nAt oder wer Sin nAtt nottturftig, 
fo folt ich in zA Ach fchicken. Da Sont ir den kafper fragen, 
der kan Ach wol Sagen — den ich kontz nAt an zwen bogen 
gefchriben, fo wilwenkig ift Sy in jrem weffen — da biy 



333 

ich Selber was, den nach dem, vnd ich hört, dAcht mich ndtzer 
Sin, er wer biy üch, den biy miner fch weiter. Ouch lafs ich üch 
wiffen, das der See zu Halwil fo grofs ift gewelTen, das min mAUj 
^— die ehemals zur Borg gehörige Mühle steht noch heute hart 
neben dem Schlosse — |riiij dag nM gemallen mocht, vnd was be- 
fchechen, ob ich heim kam. Ouch lafs ich Ach wilTen, das man 
Sich verficht, der krieg zwÄfchen Herzog Sigmundt vnd wirttenberg 
wert aber an gan, dan Sj RAfchtten Sich zu beitten Sitten gar faft. 
Ouch welJent des frd mefferfs nAt vergeüen, nach dem er Ach Ichribt, 
den er hat mich gar faft dar vm gebetten. Oach hat mich kafpar 
gebetten, ich fol Ach bitten, er wer gern ouch ein foldner, fo ver 
es Ach gefiell oder liebe wer ; er meint, er wolt Ach den fchimel ab 
kauffen; doch fo wirt er felber mit Ach Reden. Da dAnt, das Ach 
gAt dunkt Sin. Ouch lalT ich Ach wiffen, das Ach noch nAt abge- 
lofb ift. Defs glich fo ift Hanfs von baldeg bij gellegen biy Junker 
Domanfs von falkenftein dochter vnd hett fchaffeffen (Schaf&sheim) 
noch nüt abgeforttret, fo bin ich ouch niAt bij im geweffen. Ouch 
wfUTent, das hanfs von Rinaeh dott ift, got Sig im gnedig vnd barm- 
hertzig. Ouch wAfTent, das ir jetz Recht haut, das ir nAt hufsen 
Sint, dan efs ftirbt allen thaiben, doch an eim ortt fefter, den an 
dem andren, aber es zipflet allen thaiben. Ouch fo licht der kafpar 
die zerung dar, dan ich wajid, min fchwefter foltz geben, da feit 
67 hett kein gelt ; wen ich hat min gelt als en weg geben ; da bat 
ich kafpar, das er es dar lieh. Das hat er gedan. Ouch dAn ich 
Aeh zu wiffen, das Ich Awer Hulfrowen ein Zendel dort zu einer 
fchAben kouft han, den heften, fo ich zA Legun fant, fchwarzen 
Zendei, vnd Sigonnen ein hAbfch befchlagen borttiin, da mit ir wüffen 
innen ouch zA kramen. Ouch fo hant min heren von bem willen, ^ 
dem kAng geben Aweren hobtmanfchaft vnd der knechten , fo vnder \ 
Ach Sint, die zA Raigieren (regieren). Ouch fönt ir wiffen, das ich 
her hanfs arnolt nit ee uff mocht bringen, Sinr kränkelt halb, als 
er Ach wol wirt Sagen; fo dorffc ich den kafpar allein nAt hin in 
fchicken, dar vm fo Sont ir ein mit liden in der Such haben. Ouch 
Sont jr wiffen, das ich aber gan bem müfs Ritten von vnffers Sewis 
wegen, dan die obren fifcher, die ziechen aber an dem Hagen Aber 
(d. h. gegen) den abfcheid, zu ZArich befchechen, vnd fprechen, er 
Sig inen geliehen von irem vogt. Was nü dar ufs wirt, kan ich 
nüt wiffen, got geb vnfs gelAck dar zu. Ouch Sont ir wiffen, das 
ich Awer Huffrowen zu gefeit hab, ir werden uff winachtten, ob gott 
wil, her vflen Sin. Dar vra fo lant mich nAt lAgenhaffc fban. Vil 
lAtien hent ir geloft vnd gefeit, ir Sigent drA'jar beftelt vnd die 
wellent ir da uffnen Sin vnd nAt her heimen komen, vnd das vnd 
anders wirt ir gefeit, dar durch Sy entzetzt wirt, wie wol ich hett 
gemeint, Sy hett mir gelobt. Doch nAt defter minder fönt ir on 
Zwiffel vnd forg Sin; ich wil iren das beft dAn; alfo ich wolt, das 
ir miner Huffrowen detten, fo ieh nAt im landt wer, alfo wil ich 
der Awem ouch dün. Ouch, lieber brAder, wellent nAt vergeffen, 
ir manent dietrich, das mir min brief vom kAng weiii, da mit mir 
ouch von der ganfs ein feder werdt, vnd wen Ach der brief 



334 

wert, fo legent in zu dweren brieffen, da ligt er mir woU. NAit 
mer, den gott der ahnechttig well Ach vnd diettrich in Sinen .gna- 
den behalten, das ir mitt er vnd gAtt her heim komen, ynd geden- 
ckent, das vnfs jetz die Snn fchint, fo Sint emTbhaftig vnd lAgeni 
vm Ach, den wen es ein Duncklj kAmt vnd einer gern vm Sich 
lAgt, fo ill der fchin der Sonen enweg. Gott hab Ach beidt in 
Süier hAt. Geben uff Suntdag nechlt nach Sant michels dag ano 
etc. im Ljryjr" 

Walüier von 
Halwil. 
Die Adresse lautet: 

Dem Edlen vnd ftrengen Her 
Hanffen von Halwil, Bitter vnd 
hobtman, minem Ueben brAder. 



Beilage B. 3. 

Pag. 238. 

1480. Sonntag nach Simon und Jnda. 29. October. 

(Archiv Hallwil.) 

Min frAntlichen willigen Dienft ZAbeuor. Lieber Her Hanns. 
Mir ift fArkommen, wie Awer gnäd welle beftellen als vil als hun- 
dert reügger pfertt, vnd ob das alfo were, das ir me pfert haben 
w61ten, So were min frintlich bitt an Ach, das ir mir ze wiffen 
thAn w61ten, wann ir wol ein fchilling gAter knecht vnder mir 
f Anden, das mir nit zwifflett, die Ach gevallen wArden vnd von 
jugeht uff refigg find gefin. Ouch, Lieber Her Hanns, fo ilt min 
emftlich bitt an Awer gnüd, ob es lieh begebe, das ich gegen Awer 
gnaden yenant wArde verclagt, 1 Atzeil oder vil, das ir nit erz Arndt 
Aber mich wellen werden vnd mich ouch vor verhörn, da mit mir 
nit ze kurtz befchShe, dann mir nit zwiffelt, mich hinder reden und 
verclagen ettlich lAtt gegen Aweren gnaden; aber was man ab mir 
«lagt, truw ich frombtlich vnd erlich zA verantwurtten vnd allweg 
gAte kondtfchafft dar zA ze haben. Hierumb bitt ich Awer gnäd, 
•das ir mich Ach lafen bevolhen ßn, als ich Ach dan truwen. Das 
ftädt mir yemer vmb Awer cn&d zA verdienen. Geben zA troy uff 
champpanien Anno etc. L^jrp, die dominica post fymonis et Jada 
appostolor. 

Hanns berger von zArch, 
Awer williger diener. 

Die Adresse lautet: 

Dem Edlen, ftrengen Her'n her' hannfen von Hallwilr, Ritter, 
der thAfchen knechten Sbreftrer haubtman & minem gnedigen 
herren. 



335 

Beilage B. 4. 

Pag. 239. 

1480« Dies Innoeentimn. 28. Dezember. 

(Archiv HallwiL) 

Min yndertenigen, gehorfamen, Willigen Dienft Zu beuor. Edler, 
Itrenger, Lieber her. Vweren gnaden fye ze wiffen, Nach dem vnd 
▼ns vnfer aller gnMigeller Her, der kftng, & onch üwer gn&d Geben 
handj; ein regemendt oder ein ordinantz ze halten vnd aber ein arti- 
eell dar Inen Mit, Ob fach w6re, Das ein gefetzter hanbtman hette 
einen ftbelt&tter vnder jm. Denn feiben dbelt&tter föite dann der 
felb hanptman üwem gn&den fchicken vnd anttwurtten. Gnediger, 
lieber Herr. Na hatt es fich bef^eben, das mir faft lejd ift, das 
einer erft n^wlich komen ift gon troy, der lieh nempt Cafpar metzger, 
vnd hatt erftochen Hannfen wemlin feligen, Dem gott gn&dig fye, 
vnd ifb von Itonden an entrunen jn ein frygnnt. Nu meindt ich, 
jch wÄlt jn haben jn der frygnnt verh&tten han laflen, vnd hatt ouch 
dar zu gefchicket iiij ma^. Do woltens die miinch in der frygnnt 
nit liden noch haben, das yemantz lin goumbde in der frygnnt, vnd 
vermeindten, man breche dar mit ir frygnnt. Hier nmb, gn^digefter, 
lieber her, bitt ich liwem gn&den, das ir mir verfchriben, wie ich 
mich fdrbas fdUe halten; wan ich jm ze einfeltig bin vnd möchte 
vilicht ze lAtzel oder ze vil handtlen in der fach. Wan fölt« ich 
dann die frygnnt gantz vmblegen, fo wurd ein grofer fchad dar uff 
gan. Doch fo han ich notten vier dar z& befcheiden. Die vflerthalb 
hatten ISllen, Als lang vntz mir dwere gn&d knnt tAt, wie ich mich 
halten f&lle, oder aber das flwere gn&d felber komett. Nitt me dann ; 
Edler, ftrenger her, ich bitten dwem gn&den, das ir mich dwern gn&den 
gnCdentlich bevolhen laffen fin, Als ich dan Awem gn&den ti'uwen. 
Wa das yeiner dar z& kerne, das ein armer knecht Awem gn&den 
Dienen mSchte, fölten ir mich altzytt willig vnd gehorfam finden. 
Geben zu troy uff schamppanien In die Innocentium post Anno do- 
mini M^OCCCLjTTjr-. 

Hanns berger von Zdi'ch, 
üwer williger Diener. 

Die Adresse lautet: 

Dem Edlen, sti'engen vnd vesten Herren her* hannsen von 

halwil, ritter & Abstreter houptman aller tdschen knechten, So 
jnn franckrich sind & min. gn&digesten liben herren. 



Beilage B. 6. 

Pag. 239. 

1480. St. Konradstag. 26. Noyember. 

(Archiv Hallwil.) 

Min gehorfamen, willigen DienXt Zu beuor. Gnediger, Lieber 
Her*. Nach dem als Awem gn&den wol ze wiffen ift z& g&ter m&ls, 
wie min fachen ein geftalt habent mit frifchanfen teyling von lutzem 



336 

vnd finer gefelfchafffc, vnd wie fy Awer gn&d an rAffent vmb recht, 
hett ich wol gmeindt, fy (Slten den brieffen ynd dem bott nach fin 
gangen, das vnB b^den vnfer gnMigen Herren, oach gmein ejd- 
gnoffen verfchriben hattent, vnd ISltent mich jn difem land han lafen 
ynbekombr^t vnd lidenmal ynd das nit lin mag, bitt ich Awere gnftd 
vnd rüff Ach an vmb des rechten willen, das Äwer gn&d mir welle 
beholfen fin zAm rechten vnd mich da by hanthabent vnd befchirmen 
wellent f&r gewalt, das mir faft n&tz wider fare wider recht. Ynd 
lidenmal vnfer gnädigen Herren die fachen vfshin befcheiden hant, das 
ich vnd er dan bett brieff gehabt band von vnfem Hern, So ift min 
emUlich bitt vnd begeren, das Awer gn&d mit frifohanfen teyling 
fchaffen wellen, oder welher fleh dan finer fach an nemen welle, Daa 
fy mir zu rechten ftön weUen doffen vor vnfer gn(!digen Hern , fo wil 
ich jm zdm rechten ft&n. Hier vmb fo bitt ich Ach, das ir mit jn 
reden, das fy ein beftimpten tag fetzen vIshin vnd mir des hinnen 
ver bArgen; des glichen wil ich jnen ouch verbArgen, Dan ich die 
red nit me liden noch dulden mag; Hier jn ThAnt als ich Awem 
gn&den trAwen; das (tat mir yemer vmb Awer gn&d zA verdienen. 
Geben zA troy uff fchamppanien vff fant cAnrats tag Anno etc. IRTJ^^ 

Hanns berger 
von ZArch. 
Auf der Rückseite steht: 
Dem Edlen, ftrengen vnd veften Her hänfen, ritter n. obre- 
fter haubtman, minem gnedigen Herren. 



BeUa^e B. 6*) 

Pag. 241. 

1481« Donnerstag tot dem Sonntag InToearlt, 8. März. 

(Archiv Hallwil.) 

Schreiben von Schultheiss und Bäthen von Solothurn an 
Ritter Hans von Hallwil wegen Urs Steger. 

Vnnfer frAntlich, willig diennft, Vnd was wir Eren, Liebs vnd 
gÄts vermAgent Allzit beuor. Strennger vnd veller. Sonder lieber 
Herre, Der Hoptman. Alfo hat fich begeben, N&ch dem vnd wir 
vnnferm gnedigiften Herren, dem KAng zA Eren, Vnnfer knecht vfs 
fchuldiger pflicht jn Solid gen Tfchalon (Chalons) mitt vnnferm Hopt- 
man, Vrfs Steger, vnd offen fennli gefendt habent, H&tt vnns der- 
felb Vrfs Steger, als er vnd die vnnfem mitt fr6nden harkomen 
find. Hoch geRAmpt, wie er vnd die vnnfern gar wol fyent em- 
pfangen vnd jnen vil gefchenckt, vnd ob Sibenhundert Irfs Solldls 
vfsgericht vnd darzA von defs KAngs vfsgeber geladen Sy, mitt ett- 
lichen den vnnfern zAm KAng zeRyten, So f611e Inen grofs gAt ge- 
fchenckt werden. Vff das h&tt Er an Vnns begerdt. Das wir Im 
wAllten Vrlob geben, zA dem KAng zeRiten, Vnd als ein groITe Bed 

*) Auf der angef. paff, erscheint Beil. B. 6. irrthümlich unter der Aiif- 
söhrift: Beü. B. l2 



337 

In Staut vnd land errchollen III, Das der Steger ob anderthalb hnn- 
.dert me In den Solid gefchriben, Denn er der Vnnfem by Im ge- 
hept haby Ymb das wir denn die warheit mAchtend vememen, So 
haben wir Im gebotten by finem Eyd Die BAdell, Damitt er zu 
Tfcbalon den folld Ingenomen h&tt, zu ynnfem Hannden zegeben, 
Vmb das wir jn, wä fin vnfchuld erfanden wnrd, Wilfstend ze ver- 
antwnrtten. Vnd als wir jm nitt ftrax vrlob wollten geben, y^ vil 
yrlacben nitt not zemellden, So Ilt er entrAft; worden, Hat Geh 
mitt Der Statt Baner bewart, vnd die verborgen by jm gehept, 
vnd die herf&r zogen, vff den tifch geleit, Die Baner vnd das 
Bargerrecht vffgeben, vnd nach vnnferm verltän vfs vnnfserm Batt, 
ja der geftallt getretten, Vnfer Bed vnd Antwortt ze Erwarten; 
Hätt das nitt getan, Ifb on ftinel, wie er vis vnnferm Bätt gangen 
Ift, vff ein Bofs gefelTen vnd jlend flAchtig von vnfer Statt geritten, 
Si|iJ^^^d Eyd oberfechen, Vnd darzft vmifem AUten Scholtheifsen, 
Heman Hagen, vnd Conrat Vogt, oach Hänfen vom Stall, vnnferm 
Stattfchriber, vnd darzA vnnferm allten Seckelmeifter, Hänfen Stfillin, 
vnd Einem vnnfem BätzfrAnd, genant Conrat Bachti, vaft hoch ge- 
dr&wt, Abells zftzeziechen, Die jm doch nie kein leid gethän habent, 
Vnd jm gern vor vnsren, wä er jrls Bätz gefoUgt bette, (Der er 
vaft vil vff rieh geladen hat) gewefen werent; So hätt er oach ge- 
redt, Das vnnfer Scholtheifs Vlrich Bifo, vnd die vorgefchribnen vnis 
allt Schaltheilsn, Stattfchriber , vnd allt Seckelmeifter Eins fyent 
worden, Die welle er meifterlich vnEins machen, Das fi Einandem 
Kretzen vnnd So vient werden mAffent, als fy einandem ye wor- 
dent, vnd f&Ue dennocht niemant vernemen, Das er das zAgebracht 
hab. Das wir alles nach finem Hinfeheiden, vnd därzA wärUch ver- 
nomen haben, Das er ein mergkUch zal Ejiechten (Die nitt zA 
Tfchalon gewefen Syent), Ingefchriben, vnd Den KAng vmb ein grofs 
gAt betrogen habe, Denn er hätt den Solid fAr mer den Siben Han- 
dert Man Ingezogen, Vnd doch ob Sechfsthalb Handerten nitt oder 

weni jm gehept. So hat er oach, als er Hoptman was, do 

er mitt vnnferm vennli vber die fArft jngezogen ... fin, FAnffidg 
Knechten me jngefchriben, Denn by jm wärent, Da darch der KAng 
oacb treffenlich betrogen worden ift, vnd hat dözemäl, gelagt, Das 
die Frantzofen Im den folld nitt ganntz geben vnd defs FAnffhnn- 
dert pfand verhallten habent. Da by jr na wol verftand, was Mans 
Ynd wie nAtzlich er dem KAng ifb, vnd fider wir Vch als vnn- 
ferm Sander Rieben Mittbarger, aller Eren vnd als gAtten 
ganntz wol getrüwend, So haben wir difs Ach nitt wellen ver- 
hallten, Vnd Bittent Ach mitt ganntzem vlyfs vnd Emft, Sider vnd 
Steger vff dem weg zA dem k£^ jft. Das L- den dem KAng Den 
Steger ze Erkennend geben, vnd oach daf&r haben wSllent als einen 
man, dem weder Er, Eyd noch gAtz zegetrüwend jft, Vnd das vnnDsn 
Knechten, So jn defs KAngfs folld find, oach fagen, das Sy fin ganntz 
miUfig gangend vnd von jm kein Er halltent, vnd jr felbs jm oach 
kein Er zAEAgen, Vnd jn difen fachen tAn, als wir Ach defs vnd 
aller Eren vngezwifellt, wolgetrüwend. Daf wellen wir vmb Ach 
vad die Awem mitt ganntzen trüw, Wä das ze fcholden kompt, 

AfgfiM TL 22 



338 

friintlich verdienen, weifst der war gott, der fleh alltzit jn frSud 
vnd Eren behallt. Wir bittend Ach ouch ettwas nAws zefchriben. 
Geben yff Domnftag vor dem Sonntag Inuocaoit Ano etc. l^T primo. 

Schultheis vnd Batt 
zu SoUotomn. 
Auf der Bückseite steht : 

DEm Strenngen ynd Teilen Hermn Hannfen von AllwU, 
Bitter, Hoptmaö k Vnnferm Sonndemn lieben ^d getrAwen Mitt- 
burger. 



Beilage B. 7. 

Pag. 239. 

1481. März 18. 

(Archiv Hallwil.) 

Burgermeister und Bath der Stadt Züriqh an Herrn Hans 

von Hallwil wegen Hans Berger. 

Vnfer Fr Antlich willig dienft ZAuor. Strennger, vefter, Lieber 
vnd gAtter frAnd. Als der vnfer Hanns Berger gegen frifchhannfen 
Teiling von lutzem fAr vnfer eidgnoffchafft Bat zA Becht gewiH ift, 
da Ir fachen zAhandeln vnd yfzAtragen, das hat fleh zAfamenkomens 
halb vnfer eidgnofTchaft B&ten bifshar vertzogen, vnd ifb die fach 
durch vnfer lieben eidgnoffen von lutzern vnd vnfer treffenlichen 
pottfchafft gAtlich gericht, Alfo das Inen fSlicher handel vnd die 
Bed, daruff erwachfen, An Iren eren gentzlich vnfchedlich vnd Jet- 
wedrer by Iinen eren beliben vnd ßn folle, vnd ifb daruff vnfer 
frAntlich bitt vnd begeren zA vch, Den gemelten Berger bj finer 
Hoptmannfchafft beliben zA läffen. Ynd ob ettwas luxes abwefens 
halb dar Inn zA endem angefechen wer, dz abzAIteUen gefchafft 
zA werden, Dann vnfer meinung nit ift, das Jemant Anders, Dann 
er, der vnfem, fo by vnferm Hern dem KAng find, Hoptman fye; 
D&fter gemer wellent wir tAn, das vch geliept, wo es zAfchulden 
kumpt, Geben vff den xviij tag Mertzen Anno etc. l^jT): primo. 

Burgermeifber vnd Bat 
der Statt Zürich. 
Auf der Bttckseite steht: 
Dem Strenngen vnd veften Hern Hannfen von Hallwil, Bitter, 
Obriilen Hoptman k vnferm lieben vnd gAtten FrAnnde. 



1481. April 6. 



Beilaffe B. 8.*) 

Pag. 239. 



(Archiv Hallwil.) 



Ha 



Min yndertenigen, gehorfamen, willigen dienft eA bevor. Edler, 
ftrenger, lieber Herre. Ich thAn Aweren gnaden zA wADsen, dz jch 

*) Wo im Texte Beil. B. 8. citirt worden, Lft Beil. B. 9. zu lesen. 



339 

I 

wider her jn das land l^in kumen vnd üweren gnaden wol ze wüHen 
ift, dz jch han muffen ,heim ritten miner fachen halb, mich zu ver- 
fprechen gegen gemeinen ejgnofsen vnd jch ein ftat halter hab dar- 
geben » der dweren gnaden wolgeuelyg ift gfin vnd onch gemeinen 
knechten. Nu het jch mich gern zu liweren gnaden gefAgget, fo 
find mir dij pferdt fo mdd , dz jch mich iez zA mal nit zA Ach ge- 
f Agen kan ynd pitten Awer gnad, dz ir das von mir uff nemen zAm 
aller heften. Edler, fbrenger, gnediger, Lieber Herre. Ich bitten 
Awer gnad, dz ir mich Aweren gnaden gnediclich bevolchen laffen 
Iin, als jch dan Aweren gnaden trüwen, wan joh hoffen zA got, dz 
ich femlich breiff vnd Hggel hab, datf jch mich fromklichen vnd 
redlich enfchnlget vnd entfchlagen hab aller minen fachen. Hyemit 
enpfilch jch mich jn Awer gnad. Geben zA troy vff fchamppenyen 
an dem erften donftag jn dem Apprellen Ixxij jar. 

Hanns berger von ZArch, 
Awer vnderteniger deiner. 
Anf der Bückseite steht: 

^ DEm edlen, fbrengen Herren, Herrn Hannfen Ton Halwile, 
ritter, obrefter Hauptman aller thAfchen knechten, fo dar jn findt 
jn deinll ynfers aller gnedigiften Herren, des KAngs. 



Beilage B. 0. 

Pag. 240. 

1481. Mai 14. 

(Archiv Hallwil.) 

FrAntUchen, willigen grAs vnd was ich eren, liebs vnd gAtz vor» 
mag, allzit zA vor. Strenger vnd velter Her. Nach dem vnd ich 
Awren vnwillen vnd vngunft verftan , Mich fer befwacht , firftmd vnd 
vnbillich nimpt, ßd vnd ich fömlichs vmb Awri ftrengi weder mit 
werten, noch mit werken, Noch In eincher nie befchult hab, den mit 
der warheit enkeiner fprechen mag, das ich Ach Atzid zAgefAgt mit 
red oder volbringen der werken tan hab, noch mAt hab, noch gehept 
heye zA tAn, dar rumb Awer vngnnft vnd zorn mir ufferftan ßlte, 
Sonder merkli frAntfchafft vnd ein gnedigen Herren ich empfinden 
ISlte. Weihe aber anders von mir fagend, die tAnd mir vnrecht 
vnd fparent die warheit gentzlich. Hiemmb fo bitt ich Ach emft« 
lieh 1^ aU dien, fo ich vermag, das ir mir ein gleit vnd ein frid 
gebind, das ich mich verantwrten vnd enfchlachen kön mit der war- • 
beit, das Ach vnd Awri ftrengi wol gebArlich ifb. Das wil zno gootem 
ich niemer vnbedient laffen. NAt mar, den ftets in Awrem empfelch/ 
Geben znr nAwenftat Am vierzehenden tag meyens Im ixzzj Jar. 

Hans berger, Honpman, 
Awer williger. 
Auf der Rückseite steht: 
Dem Strengen vnd vefton Herren, Her Johanfen von Halwil, 
Ritter, vnd der tAtfchen eidgnoHifch ordinantz obrifber Houptman, 
& minem befondren gnedigen Herren. 



340 



Beilage B. 10. 

Pag. 240. 

148t Freitag nach Jnbilate. 18. Mai. 

(Archiv Hallwil.) 

Yimseni frAntlichen gr&s züuoran. Strengen, Edlen, veften, Be- 
ftinder lieben vnd gütten frflnd. Nach dem vnd dann vergangner 
zitt ettlicher zurede halb ein Irrung zwATchent Hannfen berger von 
ZArich vnd vnnferm Befnnderlieben vnd gbtr&wenn Barger, frifch- 
hannfen teiling, jn frankrieb by Ach erwachfen, als ouch die noch 
nit vstragen jft, Ach als vns nit zwiffle^« unnerborgen, Nu veinemen 
wir, das Hanns Berger, wie wol Sj bedcrßt vormalen beros f Ar ge- 
mein eitgnoITen zA Recht gewift vnd die fachen nit vstragen ßnd, 
wideromb jn frankrich komen lie, vnd da vor allen gefeilen menger- 
ley vnworhafdger werten brache, der meynang, Er f&lle folicher 
fachen halb vor gemeinen eitgnoffen gewefen, vnd deshalben ledig 
bekent Im, das frifchhanns Im vnrecht getan vnd menglich Inn fAr 
ein biderbman deshalb halten RH vnd mAge, vnd das ouch frifch- 
hanns daramb eben hoch geftrafb, vnd deshalben jn der eitgnoffchaft 
nyena ficher ße. Das befremdet vnns nit wenig, denn wie wol der 
berger hie vffen gewefen, fo ilt er doch nie fAr gemein eitgnoffen 
mit frifchhannfen komen, aber frifchhanns hatt fich zA Stans vor 
gemeinen eitgnoffen, wie er verfproohen hatt, vnd Awer brieif das 
wifet, erfcheint vnd fin clag Aber den berger getan vnd band ouch 
gemein eitgnoffen dem felben frifchhannfen darofF zA gefbat, beliglet 
brieff zA. geben, das er dem rechten gnAg getan hab; In dem band 
vnfer eitgnoffen von ZArich vns gebetten, das wir vns frifchhannfens 
mechtigen vnd jnen helffen. So w&lten Sy verfAchen, ob die ding 
jn frAntfchaft verriebt werden mAchten. Dar jnn wir jnen gewil- 
liget vnd zwen frAntlich tag mit einandem deshalben geleifb, vnd 
habent doch Sy mit einandem nit k&nnen verrichten. Demnach ilt 
der Berger von land gefcheiden vnd hatt des Rechten vor gemeinen 
eitgnoffen nit erwartet, das wir jn gantzer warheit fchriben. Vnd 
ob jemand darch fchrift oder rede anders, denn vorfkatt, der fachen 
halb fArgebe, der brachte nit die warheit. Wann frifchhans ift noch 
hAtt by tag jn vnnfer Statt vnd will fin Recht gegen dem berger 
Yor gemeinen eitgnoffen volfArren, Sobald das ander der eitgnoflchaft 
gefcheften halb mit fAgen ymer mit ftatten fin mag. Daramb fo 
»bitten wir Ach mit geflifsnem emft frAntlich, jr wAUent frifch- 
hannfen des vor allen HoaptlAtten vnd gemeinen gefellen gantz ent- 
fcholdigen vnd Sy des handeis, wie obltatt, berichten, damit die war- 
heit vffirecht bliben vnd kein ialfch fArbrechen mAge, vnd Sy ouch 
Yon vnsem wegen frAntlich bitten, wo frifchhans an Sy fkoffe, das 
Sy jnn gAttlich beaolhen haben, fArderen vnd jm das beft tAgen; 
das wAllen wir vmb Ach vnd Sy all ftAntlich verdienen. Datum 
fritag nach Jubilate Anno Mcccclxxxj. 

Scholtheis vnd gefelsner 
Bätt s& Lucem. 



341 

Auf der Bückseite steht: 

Den Edlen, yeften, dem Strengen Herrn Hannfen von Hallwil, 
Bitter, Oberften vnd Niclanfen Haffurter von Incem, Honptldtten 
jn frangkrichy ynnfem Befonnderlieben vnd gfttten frflnden. 



Beilage B. 11. 

Pag. 240. 

1481. Juni 5. 

(Archiv Hallwil.) 

Minen willigen vnd gehor&men grfts vnd was ich eren, liehs 
vnd gfttz vermag, Allzitt zÜYor. Nachdem vnd ich erftaergangen 
von flwren gnaden bin abgefcheiden vnd dem dor der Ilatt genachett 
hab, han ich erraten vnd fiinden den Biffennower vnd einen mit Im. 
Alfo hab ich zft im gerett: Biffenower, von wan knmpft du? — Ant- 
wrt er mir: Vom bad her. — Aber wo find die weibel? — Sy gand 
vor anhin, antwrt er. Do nam ich in geÜEuigenn mit miner Hand. 
Do fprach er, die fachen nfltt tan haben vnd vnfchnldig fin, das er 
mit fAnff mannen knntlich wol wel machen vnd dar omb liden, wie 
er gefbrafft werd; vff das hab ich In by linem eyd witer gefragt, 
ob er nütten wAs, wer eff getan habi. Des er mit ßnen werten 
darflber mir verlAgnet hatt, vnd darnach zft Hänfen Haber befander 
gefprochen hatt, er wAfTe wol, wer der fy, der es getan hab; Der 
^Ibig, der es getan fol han, ifb entrannen jn ein kilchen oder fryang. 
Do band jn die weibel her äff wellen nemen, das ich aerbotten hab, 
den forgen halb, dz die kilch entwicht wrdi oder die kAnglich fryang 
gebrochen wrdi ; vnd hab den Biffennower jn den dam vnd gefengnas 
geleitt, Ottch die weibel vmb die fachen, das fy hemachmals delter 
gehorfamer fynd vnd emfüicher den gebotten vnd empfelchnaffen 
nach gangind, wie wol fy es nflt befchold band, yetzemaJ nach not- 
terflft gefangen vnd in den tarn geleitt hab vnd jn willen bin, fy 
ein nacht oder zwo LafTen erkalten, oder nach dem vnd flwer gnad 
mir by difem botten empfQcht zu tun. Oach wie ich mich mit dem 
Biffennower jm tarn vnd mit dem in der kilchen halten foell, bitt 
Ach, das Ir mir das z& wAffen tflgind, den ich zA allen ftanden jn 
Awer gnaden willen handien vnd leben wil mit allem mim vermSgen. 
NAt mer, den antwrt äff dis, ill min beger. Geben fchnelleklich zA 
troy am fAnfften tag Brachottz im Ixzxj Jar. 

Johanns Berger, Hoaptman 
vonn ZArich. 
Aaf der Bückseite steht: 
Dem Strengen vnd veften Herren, Her Johanlen von Halwil, 
Bitter, der tAtfchen eydgnoffifchen natzion anftatt des chrifben- 
lichiften KAngs Obrifber Hoaptman, minem befondren gnedigen 
Herren, 



342 

Beilage B. 18.*) 

Pag. 237. 

1481. Janl U. 

(Arohiv H-allwil.) 

Beschwerde der zn Troies in der Champagne versammelten 
eidgen. Garnison zu Händen ihrer Lieben und getreuen 

Eidgenossen. 

Vnnfren friintlichenn grAs vnd was wir eren, Liebs vnd gütz 
vermSgend, alzitt züuor. Vch allen vnd eym jeden infunders Zu be- 
wiiTenn, lieben vnd getrflwen eydgnoüen, wie ir den yetz by ein 
verfampnet fynd. Yns begegnet etwaffs befchwemarrs, teglich, die 
vns vaft befrSmdet vnd vnbülich nimpt vnd ouch wundret, ob Äch 
des gelich an die hend ftolTs oder begegni. Vnd ift zürn erfteni das 
man vns ndtt bezallt zu allen Ingengen der manoden, alffs dan vns 
von erft verheiffen und verfprochen ift, dar durch uff vns koft, 
fchuld vnd fchad wachft, das wir nfltt Ilatt haben mögend, biderb 
lütt zu bezalen. Witter an vns langt, das wir beroubend find vnHer 
gwaltfami, die ye vnd ye von yemals des urfprung der eydgnoHen 
*von urhab har gebrucht In Iren landen, vnd diewil fy küngen, fflr- 
ften vnd herren gedienett band, Ire empter, es fynd lüttiner, ven- 
rich, weibel vnd ander zwifach fSld, von Inen felbs gemeinlich zu 
befetzen vnd entfetzen, mich dem fy gut, nutz vnd from beducht. 
Alfo fynd wir In willen vnd ein andren darzü hanthaben, das wir 
zum nechilen, alffs bald wir difen manott uffgedient vnd uerfoUet 
band, vnfer empter vnd zwifachen fold zu befetzen vnd entfetzen, 
nach dem vnd vns g&t, nutz vnd from gedünkt, vfgenomen den houpt* 
man, wie den vnfer aller chriilenlicheller her, der küng, gefet-z halt, 
laffen beliben. Noch mer befchwert vnf das, das vns die vnfren 
gefangen werdend Aber das, das fy erbiettend gnügfami troftung 
vmb fSmlich geldfchuld, wie es Geh gefumiert dan begibt, vnd wer 
der fy, der die weltfchen nflt bezallen m6g, da trSwt man fSmlich 
den vnTren mitt rotten uffszefchlach, das vns gantz vnd gar miEfalt 
vnd ndtt dulden wend In eynchen weg, den es ein vngehfirte fach 
ilt vnd kein chrifbenmann nie gehört hatt von vnfren eydgnofifen 
rSmlichs. Z& uertragen. Ouch dar by man vns teglich offiiet vnd 
fftrorenzucht, wir fynd vnwerd vnd dSrff man vnffs nütt, das wir 
doch nAtt meinend weffen in vnfss aller chriftenlichifben Herren, 
des KAngs, Iin noch willen. Alfo fynd wir lutter eins worden, das 
man vns die obgenanten fbuke vnd zAfagung, fo man vns von erft 
zägefeitt hab, fSll halten, vnd wo man vns fumen oder dify obge- 
melten ftuck nAtt halten wett, das wir den wend zien an die end, 
dannen wir har komen fynd, vnd band des zAfamen gefchworen gelert 
eyd zA gott vnd den hellgen uff den ein vnd zwentzi^ften tag 
brachotz, vnd land Ach das w Affen jn aller trAwer frAntlchaffl mit 
Hoffnung, das es Ach ein gefaDen fy, vnd bittend Ach, lieben eyd- 
gnofTen, Awren willen vns gefchrif^lich zA verftan ze geben. Das 

«) Auf pag. 241 ist statt Beil. B. 12. — Beil. B. 6. zu lesen. 



> 343 

wend wir In glichem yndnoch hAchrem, als vns gebflrlich ifb, zd- 
famen willenkUch befchnlden, wo das minft oder das meiH an vns 
recht! oder reichen wnrdi. Geben fcbnellenchlich zu troy An fant 
Johans tag, des tSffers, anno Imri. 

Oemein knecht vnnd gefellen, 
verfampt jn die ordinatz zil troy. 
Die Adresse lautet : J 

^ Denn ßgbarenn St&tten, Erfamen vnnd hefcheidnen Heini 

Etterli, Statthaltter vnd Lflttiner der eydgnofifchen gamifon vnnd 
gemeinen knechten yon Stetten vnd von lendren, by Im ver- 
famnott, vnd vniren befondren lieben ynd getrflwen 

eydgnoßenn. 



Beilage B. 14. 

Pag. 241. 

1481. Sonntag Tor Bartliolomei. 18. Angnst. 

(Archiv Hallwil.) 

Min fr&nntlich willig Diennit Ynd was ich jn Allen Sachen eren, 
Liebs vnd güts vermag, zuvor. Lieber Herr. Ich hab minen Knecht 
Niclauren, zfiiger dis brieffs, mit mir Harufs gevertiget Durch miner 
An ligender nott Halb; Alfo hat es fich begeben, das er euch zu 
fchaffen gewannen hatt von einer tochter wegen, mit der er dann 
Alfo uil geredt vnd mit jr gemacht hat, das jn die £r&nd niennen 
wend lalTen beliben. Vnd vff ISlichs Schick jch jnn wider zu üch 
vnd bitt fleh, das jr jnn wider jn vnd an iln blatz laflent, vnd fin 
Alten Sold veruolgen, Vnd jm tun wellent, als ir wSten, das ich 
denn flwem t&tt. Dann ich hab Ach jetz zu Zdrich vnd zA Zoifin- 
gen vff den tagen verfprochen vnd fo uil von flwem wegen geredt 
vnd noch tun wil, das ich hoff, es 181 4ch zA Allem gftttem komen. 
Nu ze mall nit me, dann t&nd Har jnn. Als ich fleh jn funders wol 
trüwen« Das wil ich vmb fleh jn femlichen oder meren lachen ver- 
diennen. Datum zfl Bemn vff Suntag vor Bartolomey Anno etc. 
Imj. Ich hab euch Ludwig von diefbach drifdg gülden vfgewifb, das 
flbrig wil ich virichten, wen ich hin jn kum etc. 

flwer williger 

BRANdolff 
vom ftein. - 
Auf der Rückseite steht: 
Dem Edlenn, Strenneen Herren, Herren Hannfen von Hai wil, 
Bitterr, jetz Houptman jn franckrich, minem befondren lieben 
Herren. 






Beilage B. 16. 

Pag. 241. 

1481. 8t. Bernhardstag. 20. August. 

(Archiv Uallwil.) 

# 

Min frflntlicb diennft vnd alls g&ts Zflaor. Bdlen, geftrengen 
vnd vefben, Sonder frAntlichen, Lieben Ohein. Ich hab etwas an 
dem Kunigklichen Houe ze werben, defshalb jch difen botten, Zoyger 
dytz Brienes, Hin jn geferget & vnder der bflchfen miner Herren 
vnd g&ten frAnden von Zug; vnd wan mir nit zwifelt, anders denn 
dz Ir mich vnd min bottfchafPb an den orten wol fftrderen mfigint, 
gen minem gnedigiften Herrn, dem KAng, vnd an andren orten, wo 
dan dz notturfbig lin wirt, als ich des ouch funder von Ach begeren 
an den Bifchoff von Bifantz, minen gnedigen Herrn. Harvmb bitt 
jch Awer guten frAndfchaft mit hochem flis vnd emil, mich vnd 
minen botten ze fürderen vnd befolhen haben, damit min fach gen 
dem genanten mmem Gn&digen Herrn, dem KAng, vnd ouch minem 
Gnedigen Herrn von Bifantz der mälTs vITgetragen werd, das Ich 
vnd ouch min bottfchafft befindint Awer fArdemiCs vnd gAter zA- 
fchuben genoHen haben. Das begeren Ich zA allen Zytten vmb Ach 
frAntlich befchnlden vnd jn merem ze uergeben. Datum Ainlideln 
vff Sannt Bemhartz Tag Anno domini etc. Irnj®. 

Albrecht von Bonftetten, dechan 
des loblichen geftjffts vnfer Lieben 
frowen zA Ainlideln. 
Auf der Bttckseite steht: 

Dem Edlen, geftrengen vnd vellen Herrn Johannfen Yon 
Hallwylr, Ritter vnd Houptman & Dietrichen von HaUwylr, finem 
BrAder, minen frAntlichen vnd fundem lieben Ohein. 



Beilagre B. 16. a. 

Pag. 24L 



1481. August 30. 

(Archiv Hallwil.) 



Vnfer frAntlich, willig dienfb vnd was wir Eren, Liebs vnd 
gAtz vermSgen, zAnor. Strenger, yefter, funder lieber Herr. Es 
kompt zA Ach der veft Wilhelm von englifperg ze ros, Z&iger dis 
brieffs, jn willen vnd meynung, Dem aller cri^lLicheHen kAng von 
franckenrich, vnirem aller gnedigeften Herren, ze dienen, vnd aber 
bj Ach blibÜch ze linde. Harumb, funder lieber Herre, ift an Ach 
vnfer gar frAntlich, flifQg bit, den genanten Wilhelmen mit getrAwer 
fArdrung fArbeuolhen ze haben, vnd jm nach Awrem bellen ver- 
mögen beholffen ze finde, vnd in by Ach behalten, vnd Ach hier 
jnne ze bewifeui als wir des vnd alles gAten ein gantz yngezwiflet 



345 

gut getrüwen asft Ach haben, begeren wir vmb fleh vnd die flwren 
frflntlich ze befchalden. Datum pennltima augufti Anno etc. lmj°, 

Schultheis vnd Rat zfl 
friburg jn flbhtland. 
Auf der Bückseite steht: 

Dem Strengen, Veiten, f&rfichtigen vnd wiTen Herren Hänfen 
von Halwil, ritter, vnd Höptman des aller criftellicheften Kflngs 
ze franckenrich, vnirem fundem lieben Herren. 



Beilage B. 16. 

Pag. 241. 

1481. St. Miehelstag. September 29. 

(Archiv Hallwil.) 

Vnnfer £rflntlich, Willig diennft Vnd was wir Eren, liebs vnd 
g&tts vermugent, Allzit beuor. Strennger vnd vefter, lieber Herre 
von HallwiL £s körnend zfl fleh vnnfer Burger, ZSuger düs Brieffs, 
Hanns Hflgli vnd Hans, Cn brflder, vnd Clewi vogt, vnd und delB 
willenb. So ver Si durch fleh mugent gefflrdert werden, dem Eflng 
le dienen; Hand vnns gebetten, fleh zefchriben vnd vmb fflrdemufs 
zebitten, der ß Hoffent wol zegenieflen. Darumb So bittent wir 
fleh mit ganntzem emnft, jr wellent fleh die gfltten gefellen, die £rom 
vnd trflw und, getrflwlich laHen empfolhen ßn, Heilffen vnd Batten, 
dz 11 jn defs Efli^ diennfb vnd foUd komend, vnd darjnne tfln, dz 
wir fpflren mugent, dz die knecht f&llicher vnfer fflrbitt haben ge- 
noflen« Dz wellent wir vmb fleh zfl aller Zit frflntlich verdienen. 
Geben vff Sannt Michels tag Anno etc. Im primo. 

Schultheis vnd Bätt 
zfl SoUotumn. 
Auf der Bttckseite steht : 

D£m Strengen vnd veften Hemm Hannfen von Hallwil, Bitter, 
defis KflnglB zfl Franckrich Houptman, vimferm Sundemn lieben, 
gfltten fiflnd vnd getrflwen Burger. 



Beilage B. 17. 

Pag. 241. 

1481. Sonntag TOr Gallentag. October 14. 

(Archiv Hallwil.) 

Ifin frflntlich dienfl; vnd alles gfltt. Lieber fwager. Der venner 
Zuber fchickt fin fun zflm Eflng; da bitt ich fleh, jr wellend jm 
hilpflich Cn, dz mag er vm fleh al gar wol verdienen ; er hatt mich 
gar £ftft dar vmb gebetten, fleh ze fchriben. Tflnd flwer vermugen, 



346 

dz er fleh nfltzig erwind. (?) Da bitt ich fleh ymb. Geben uff fritag 
uor Galli jm iftfj jar. 

Wilhelm von diefbach. 
Auf der Bückseite steht: 
Dem edlen vnd Itrengen Herren Hänfen Yon Hallwil, minem 
befondem lieben fwager. 



Beilagre B. 18. 

Pag. 24L 

1481. Sonntag Tor Gallni^. 14. October. 

(Archiv Hallwil.) 

Min frflntlich dienft vnd alles gfltt. Lieber fwager. Mir find 
langift brieff gefchickt worden von Herrn FöUen von bonftetten, die 
fleh hSrend vnd Heren Hänfen amold fegenfer; der fchribt fleh bey- 
den vnd bitt fleh beyd gar hoch vnd emftlich, jr wellend helfen vnd 
raten, da mit fin fun zflm Kflng kern. Nu weyff ich nit, ob fleh 
die brieff worden Sind oder nit. Aber wie dem gedenckend jr jm 
zfl helfen, dz lallend jn wiffen; ift des nit, fo fchribentz jm ouch, 
da mit er wyf fich ze halten, vnd laffent nit, jr fchribend jm ein 
antwurt, anders die fchald leg all nff mir. Lieber fwager. Es ill 
nit nott, fleh fil ze fchriben, min fwager kan fleh all fachen fagen. 
Land mich fleh allweg befolen fin, als ich fleh allen ouch gern tfln 
wett. Geben nff fnntag nor galli jm Irm^ jar. 

Wilhelm von diefbach. 
Auf der Rückseite steht: 

Dem edlen, ftrengen Herren Hanffen von Hallwil, minem 
lieben Swager. 

Beilage B. 19. * 

Pag. 241. 

1481. Oallentag. 16. October. 

(Archiv Hallwil.) 

Minen gar frflntlichen grfls vnd alles gflt. Lieber Her Hans. 
Ich fehik m^n fun zfl dem kflng, der da fertt mitt miner frowen 
flwer Huffrowen, als jr dz fechentt. Da bytt ich fleh, dz jr jm 
wellent fflrdrung tfln an min Heren, den Kflng, vnd ouch an min 
Junker Diettrich, flwer brflder, der mier ouch allweg fil gflttes er- 
zoygt hatt; desgelicben an den Heren von buzally, dz der knab jn 
genaden des Kflng Entpfangen werdy, als ich mich des jnfunders 
woll getrüwen; dz wil ich ferdinen mitt allem, dz ich fermag zfl 
aller zitt. Nu zfl mall nit mer, den gott fpor mich gefönt zfl aller 
zitt. Geben vff fant gallen tag Anno etCw tenj jar. 

gantz der flwer, bartholome 
Hflber. 



347 

Auf der Rückseite steht: 

Dem Edlen, ftrengen Her Hanffen von HaUwill, ritter, mi* 
nein befnndren lieben Herren vnd g&ttenjg&ner. 



Beilage B. 20. 

Pag. 242. 

1481. Kartini. 11. NoTember. 

(Archiv Hallwil.) 

Min vndertenigen vnnd willigen diennft allzit flwemn gnaden 
willig vnnd korfam ilt. On&diger Her. Es kAmpt da ein prielter z& 
üwenm gnaden, der ift na ein zit by vns gelin vnnd het gemn 
fin allerbeltz ton mit vns, vnnd aber die meifber hen jm ein ant- 
wnrt geben han, er zu flwemn gnaden follj keren; wie flwer gnad 
Jon haJtj, fy jnen wol ton, vnnd bit fleh fiüllich mit emnft, uwer 
gnad wellj den gflten brielter jn befelchnuls haben vnnd jm wellent 
ein gflt wort verliehen, als flwer gnad wol vermag. Wo ich das 
kan verdienen vmb flwer gnad, wil ich allezit willig vnnd korfam 
fin. Datum vff martiny Anno jm Imj Jare. 

von mir, Heiny Etterly, willig 
vnnd korfam jn diennftbarkeit 
flwem gnaden. 
Auf der Bückseite steht : 

Dem veften vnnd ftrengen Herrn, Her Hanns von Hallwil, 
ritter, obrefter Houptman gemeyner eydgnofen jn franckricb , mi- 
nem befnndren vnnd gn&digeflen lieben Herren. 



Beilage B. 21. 

Pag. 240. 

1481. Donnerstag naeli St. Nikianstag. 13. December. 

(Archiv Hallwil.) 

ttin vndertenigen, gehorfamen, willigen deinfb zfl benor. Edler, 
ftrenger, lieber herr. Ich thfln flweren gnaden ze wfliren, nachdem 
dan vnd jch da heimen bin gefin miner fachen halben, des jch mich 
verfprochen hab mit eren, des jch hoffen zfl got. Onediger, lieber 
herr. üwer gnad wirt wol verfban jn einem breyff, den jch hab, 
die mir mine gnedigen herren von zflrich geben, den zfl antwnrten 
euwemn gnaden vnd euch euch zfl hört. Onediger, edler herr. 
Ich lan fleh wiffen, dz mit mir rj vnd drflhnndert knecht mit mir 
find kimien vor vnd nach, dy da des merteyl von minen gnedigen 
herren von zflrch. So bitten ich euwer gnad, dz ir fo wollen thfln 
vnd mir min zal hy lafsen muAeren ; euch fo wer jch felb gern zfl 
eaweren gnaden; da meindt ich, ir fotten felbs hin kumen vnd weit 
man nns mofteren wy vor, vnd fleh euch wol ze wflffen ilt| dz man 



348 

mir geben ein breyff (brevet) fftr fybentzechen kneoht, dj wil man 
mir oucb nit multeren. So bitten jch Awer gnad, dz ir von der 
reiben knechten wegen, dnß man mirs Onch rnnfbere. Oncb, gne- 
diger herr, fo bitten jch Awer gnad, dz ir mir ein gleyd lickendt, 
fo wil Job euch gen faons, wan mine wider facher dy ligen d^ 
merteyl zft launs. Hiemit enphilch jch mich jn flwer gnad ynd wen 
ir mins armen deinft begeren, da wil jch mit aller yndert&nigkeyt 
mit mim lib vnd gftt verdeinen vnd als fer mir min leben ftat. 
Onch fo lafs jch enwer gnad wATTen als von der fremden knechten 
weggen, dz etlicher wol acht wochen hye z& troy vnd fy vil fchnldig 
find vnd folten fy firam Iflt nit betzallen, fo ftflnd es xmh zu yer- 
wilflen. Geben zft troy vff fchamppenyen am donitag nach fant nie- 
laus tag 1481 jar. 

Hanns berger von zArch. 
Enwer vnderteniger deiner. 
Auf der Bückseite steht: 

DEm edlen, ftrengen Heren, Heren Hannfen von Halwiller, 
' ritter etc., Obrefter Hanptman aller thiifchen knechten, fo fy dän 
find jm deinft vnfers aller gnedigiften Herren, des küngs. 



Beilage B. 2S. 

Pag. 242. 

1482. Montag nach Conversionis Pauli. 28. Januar. 

(Staatsarchiv von Solothurn, Miss. Bach V, fol. 110.) 
Mitgetheilt durch Staatsarchivar Amiei 

m 

Vnfer früntlich, willig dienft vnd wz wir Eren, liebs vnd güLtz 
vermngen, Allzit benor. Strenger vnd vefter, lieber Herr Hoptman. 
Yns habent vnfer gefchwomen Bnrger, Hans Dr&yger vnd Hans 
Yrfchinger, zAigere dils brieffiel, vmb f&rdemils an vch gebetten, der 
fi hoffen fSlicher mafs zegeniefien, dz fi jn defs EAngls Sold wer- 
dent entpfachen. Harumb, lieber Herr hoptman, bitten wir vch 
£r&ntlich vnd mit emft, jr wAllent die genanten knecht vmb vnferer 
willen jn defs KAngis Solid entp&chen vnd vffhemen vnd vch Har 
Inne gen In bewifen, dz G. fpären mögen f&licher vnfer fArdemük 
gen vch frachtbarlich genoffen haben. Das wSUen wir vmb vch 
frAntlich verdienen. Geben vff mentag nach Conuerfionis panli anno 
etc. Innr fecondo. 

Schaltheils vnd Bat ze Solotem. 
Herr Hänfen von Halwilr, Bitter, Obreften Hoptman jn 
franckric^. 



349 

BeilMre B. 23. 

Pag. 242. 

1483. März 2. 

(Staatsarchiv von Solothurn, Miss. Buch V, fol. 114.) 
GefäU. MittheUung durch Staatsarchivar Amiet. 

Ynfer frflntlich, willig dienfb ynd was wir eren, liebs ynd gütz 
yermugent, aUzit beuor. Strenger vnd vefter, Sonder fr Antlicher, 
lieber Herr. Vns ill ettwas begegnet, defshalb Wir meifter Hein- 
richfs Heffen, defs Goldfchmidefs, der jetz jn dels Küngfs folld ilt, 
vall notdnrfftig find. Bittend Ach mit gantzem vlifs, d^ jr dem 
felben goldfchmid wfillent erlouben, daz er harufs gen Biel kom yff 
Tnfem colten, vnd wenn er bys gen Biel kompt, fo fol er vns das 
jn gebeimd ze wilTen tun vnd den nechlten gen Biel gan vnd niemand 
nAt Tagen vnd difs jn gebeimd behallten. So wfillent wir vnfer pot- 
schafit zA jm fchiken vnd fr Antlich mit jm handeln, als fich ge- 
bAren wirt, vnd lond Ach dils mit emft enpfolhen fin; das wSllent 
wir frAntlich verdienen. Oeb3n vff den andern tag defs Monodfs 
mertzen Anno etc. Ijrjr^fecand^. 

Schultheifs vnd Bat zA Solotem. 

Dem Edeln vnd Strengen Hern Hänfen von Hallwilr, Bitter, Hopt- 
man jn franckrich, vnferm frAntlichen, lieben Herren vnd getrAwen 
bnrger. 

Cedula. 

Lieber Her Hans; wir vememend, wie daz jr eben treffenlich 
werdent verfeit von den tAtfchen knechten, Defshalb wir Awer jn 
forgen find. Dammb So ift vnfer B^t jn gAten trAwen, daz Ir Ach 
felbs fArfechend vnd gAt forg habent, Vnd ob es Ach geBaten fin 
bednnkt, So mAchtend Ir vnfem lieben vnd getrAwen Eidgenoffen von 
Bern vnd vns fchriben Ein fSUich meinong, daz Ach jn lantmerfs 
wife fArkome, daz jr von den knechten jn den Eidgenoffen treflfenlich 
one alle not vnd fchnld werdent verfeit, Delshalb jr 8i bittend, daz 
fi Ach vff tagen gegen gemeinen Eidgenoffen zAm heften wAllent 
verantwnrten bys vff die zit, daz Ach got zA land hellff ; daz vermer- 
kend vis gAter trAwer meinnng.*) 



. Beilure B. S4. 

^.242. 

1482. Dominica trinitatis. 2. Juni. 

(Arohiv Hallwil.) 

Edler, Strenger, gnediger Herre. Ywem gnaden Syen mim 
fchtddigen dienft mitt aller vndert&nikeit bereit zA vor. Onediger 
Herre. Mir hätt fArpiicht Ein priefter, wie das er jn der von Bern 
Leger gewefen. Syen Hoptman, Vendrich, fnrrier vnd Ander An 
dem tifch gefeffen vnd habind gelagt, wie das einer vnder minor 

*) Steht vielleicht der Inhalt dieser Nachachr. mit Beil. A. 84. in in- 
nezm Zusammenhange? 



350 

gefellfcbafft zu dwem gnaden SAlle geredt haben, dievonBernSjen 
alle Buren fchellmen. Welche Wortt Sy jn argem vffgenomen vnd 
begerind den felbigon, wo der an Sy ftoffen wurde, ze fbraffen etc. 
irt zu Awem gnaden min Emftlicb bitt vnd beger, mich der ding 
zeberichten, ob dwer gnad föllichs gehSrtt haben oder nitt, Vnd den 
felbigen fchwetzer mir nemen. Wil och den felbigen mitt üwer 
gnaden willen fträffen, jn mäffen Sy vermerkind, Er vns dehein ge- 
nauen tun habe vnd furtter gröffer vnwill entzwÄfchend vns ver- 
mitten belibe etc. Nitt mer, dann gott fpar flwer gnad jn Lang- 
wirriger gefundtheit vnd bewyfend Äch all weg So gnedig gegen mir, 
jn märren jch befunder vertruwen zu üwern gnaden Hab. Datum 
zu DyrSr(?) dominica trinitatis Anno etc. Irrrij. 

Vwer gnaden williger 
Hans Hoch. 
Auf der Rückseite steht: 

DEm Edeln vnd Strengen Herrn Johanfen von Hallwyl, frygher 
vnd Ritter, oberften, der tdttfchen Hoptman, Minem gnedigen 
Herren. 



Beilage B. 26. 

Pag. 242. 

1483. Kittwoch post Assumptionis Marl». 21. Aagnst. 

(Archiv Hallwil.) 

Min willig dienft alltzyt. Lieber Her Hoptman vnd fnnder 
gAtter fründ. Hanns von Herttenftein fchribt mir vnd tut mir zu 
wiffen, wie Ir Im vil Eren vnd güts bewyfen. Des ich vch vlyls- 
fengklichen danck fag vnd das Beger mit allem vlyfs vmb fleh zu- 
nerdienen, Vnd Bitt fleh, Darinn zu beharren. Ouch fo vemim ich, 
wie die gefeilen, fo vfs der ftatt, ouch l^tlich der anndem, Inn 
gern zfl Irem Hoptman haben wfiltend, an^fechen das der billicher 
vs der Statt wer, denn darus. Alfo bitt ich fleh, fouerre das fflg vnd 
geftalt hett, das Ir dan minen frflnd zu Hoptman machen wAltend; 
Das ftflnd mir vmb fleh zfl nerdienen, vnd bewyften mir fnnder 
frflndtfchafft vnd dienft. Lieber Herr Hoptman. By vnns gät ein 
Red, Ir wdUent die knecht, die wib vnd kind habend, her heim 
fchicken; des frfiwent ßch die wiber vaft wol vnd find jn hof&inng, 
Es fSll befchechen, denn fy des vaft nodtnrfftig wereiid, als fy fpre- 
chend vnd ze globen ift. Doch gedenckenä allwegen dem bellen 
nach. Datum mitwoch poft afsumpsionis marie Anno etc. Imij^. 

Gafpar von Hertenftein, Ritter, 
yetz fchultheis zfl Lntzem« 
Anf der Rückseite steht: 

Dem Edlen vnd Strengen Herrn Hannfen von Hallwyl, Ritter, 
Hoptman der tfltfchen knechten In franckrich, minem fnnder Lieben 
vnd gfltten frflnde. 



351 



Beilage B. 26. 

Pag. 243. 



1483. Jnni 14. 

(Archiv Hallwil.) 



Min vndertenig, willig dienft zuo vor. Wia gnediger Her Hans 
von Halwil, ritten Vch fien flweren gnaden zuo wüITen, wie mir 
ein fach ifl zuo Händen gangen mit ein meittly, vnd ilt dz alles fo: 
Ich bin komen in min Herbrig vnd alein vnd han wellen zuo nacht 
älTen, fo hatt min HuTTwirt ein dochter , die ift zuo mir komen in 
min fall vnd hat mir gehulffen betten; ie es hatt lieh geben, dz 
mich dz meittly hatt by eim Arem genomen vnd fprach zuo mir, 
ob ich mit im weit gen alliglisse (h Töglise) gan, (»zur kilchen« 
ist im Original durchgestrichen) vnd ich fprach: ich wieis nit, was 
du feift; wilt brutten, dz will tun vnd hatz ein fart nider geleü 
vnd gie wider von im ; do kam es felb wider zuo mir vnd feit von 
Hofchen. Do leit ichs wider nider vnd tett den neftell de vff. Do 
kam die mütter die ftegen har vff. Da wolt ich dz meittly refch 
zuo der tflr vfs ftofTen; da fiell mir die Mütter in dz AnttlAtt vnd 
fchlüg vff mich zwen ftreich oder try, dz ich Mich nit gegen jr 
wertt; do fy nit wolt dar von Lafsen, do ftiefs ich fy mit der fuft 
V(m mir vff. Do gieng die frow ziim Houptman vnd verklagt mich ; 
jn dem felbön kamen die weibell vnd woltent mich fachen ; do fprach 
ich: ich trüw, ir felltent mich nit fachen, ich will defter refcher 
äffen vnd will felb zum Houptman gan vnd will mich rechlich ver 
anttwurtten, vnd was mich dan der Houptman heiff oder lin rätt, 
fo weit ich gehorfGun fin. Dz hatt nit m6gen ßn, fy wolltent mich 
fachen; do han ich mich gewert, fo ich beftmocht, wan ich begertt 
nit, wan rechtz, vnd beger Hn noch hdtt zuo tag, vnd bin in ge- 
fencknif komen vnd will man kein troftig von mir nemen. Nun üt 
an Ach min erltenlich bitt vnd beger flwer gnaden Hilff vnd ratt 
vnd dz ich vff gefencknuff kome. Wer dan rechtz an mich begertt, 
dem will ich dz recht ver trfifben vnd mir des glich euch befchech. 
Nit me, gnediger Her, tünt mir dz befb, Als ich flwem gnaden wol 
vertrüwen. Dattum zuo fenlia*) vff dem fiiij tag brächet Anno 
domini Ifffiij. 

Hans ftouffer von Seon. 

Auf der Bückseite steht: 

Dem Edlen, ftrengen vnd feften, f&rfichtigen vnd wiffen Her 
Hänfen Halwil, ritter, minem gned. Herren. 



*) Senlis -^ eine Stadt im franz. Departement Oise, 6 Meilen nord- 
nordCstUch von Paris. 



352 

Beilage B. 27. 

Pag. 243. 

1483. Sonntag Tor Joliannestag. 22. Juni. 

(Archiv Hallwil.) 

Min fr Antlich I willig dienjR; Vnd Was ich Eren, Liebs Vnd gAtz 
vermag, Zu yor. An Edler, Strenger vnd veiler, Infunder lieber Her. 
Nach dem vnd Peter Balloff, min veter felig, laider vmb komen ifb, 
vnd min elicher ßn, Hans R&fch, der Jet2anal8 In franckrich vnder 
dem Sittli von Switz*) ilt, Sich ßn angenomen hat. Als fin nechfter 
fi-And In franckrich, langt mich an, wie man Sprecht, das der felbig 
min f6n nit fin fr^d lige gewefen, Das mich ettwas frembd vnd vn- 
billich nemi, Angefechen, das Peter Balloff Selig vnd Ich rechti ge- 
fchwifterytti kind figen gefin; Dann Im Mütter mins vatters Eliche 
fchwAfter ift. Dabi Ir wol mngent verftan, Das peter Balloff mins 
pbgenanten S5ns Rechter Vetter ift gewefen, Als vch das min Swager, 
der ftattfchrilier zu Solatom, In Ainer knrtzi, So dan dz minthalb 
gefin mag, wither wii-t zft erkennen geben. Hanunb So ifk zA vch 
min gar emfilich vnd tmngenlich pitte, jr wellent Vch minen ob- 
genanten elichen S&n, Hänfen B&fchen, jn finem anligenden fachen 
trAwlich Lanfsen beuolhen vnd dar An fin. Damit Im des genanten 
mins Vetters feigen Peter Balloffs Verlaofsen gAt nit entpfr&mbdet 
werde. Das Wil Ich Vmb vch, Wa fich das Jendert gebAret, willigk- 
lichen befchnlden Vnd Verdienen. Datum zA Wil Im thnrgow An 
Snntag vor Sant Johans tag, des tflffers. Anno domini etc. Ifffiij^ 

Magifter Conradns Rjlfch, 
Cantzler des gotzhus Sant gallen. 
Auf der Bückseite steht: 

DEm Edlen, Strengen vnd Vefiien Her Hänfen von HaUwil, 

ritter, vnd obrifter Hoptman In franckrich, minem Infundem lieben 

Herren. 



Beilagre B. 28. 

Pag. 243. 

1483. St Joliannstag. 24. JnnL 

(Archiv Hallwil.) 

Vnfer frAntlich, WiUig dienft Vnd Was Wir ZA aUen Zitten 
Eren, Liebs vnd gAtz Vermögen; ZA vor. An Edler, Strenger Vnd 
vefter, Infunder Lieber Her. Nach dem vnd dann Vnnfer Ange- 
pornner frAnd, Hans BAfch, Zaiger ditz briefe, Vnder dem Sittli von 
Switz jn Franckrich ift, Harumbe So bitten wir Vch mit allem emft 
tmngenlich, den genanten vnfem Angepornen friind, Hänfen B&fchen, 
vmb vnfem willen In allen trAwen beuolhen ze haben. Daran tAnd 
Ir vns Sunder gros frAntfchafft vnd liebe an. Das Wellen wir one 
Zwiuel vmb vch zA Allen Zitten, Wa fich das Jendert VerfAgen 

♦) Cf. über Sittli von Schwyz Beü. A. 22. 



353 • 

Wirdett, mit frÄntlichem, genaigtem Willen Vnuergeffen befchulden 
vnd verdienen. Datum In vnfer ftatt Wil an Sant Johans tag des 
töffers, Anno domini etc. kffiij®. 

Virich, von gottes gnaden 
Abt des gotzhns^ant gallen. 
Auf der Bückseite steht: 

Dem edlen, ftrengen vnd veften Her Hänfen von Hallwil, 
ritter, obrifter Hoptman In franckrich, vnferm Inf andern Lieben 
Herren. 



Beilage B. 29. 

Pag. 243. 

1483. Corporis Christi. 29. Jnni. 

(Archiv Hallwil.) 

Vnfer fr&ntlich, willig dienft vnd was wir Eren, liebs vnd güttes 
vermugen, AUzit beuor. Edler vnd Strenger, lieber Herre vnd ge- 
trilwer Borger. Vns habent fftrpracht vnfer gefchwomen Burger, Hans 
Hug, Fetter MAller, genant Letzkopfif, vnd Wernli Nagler, zöigere 
difs brieffs, Wie fi vffer des Kdngs Solid vnd dienft komen fyent, 
Ettlicher wortten halb, Die fi vfs vnbefinntem vnd einfaUtigem ge- 
rn At Wider Hern Hänfen Arnold Segenfer, Bitter, geprucht habent 
vnd Heb all dry vor vns bekanndt, vnrecht gethan haben, Vnd lieh 
ergeben, hinf Ar vch vnd jm gehorfamklich zedienende, Vnd vns daruff 
angerAfft vnd gebetten, jnen gen vch hilfiflich vnd forderlich ün, da- 
mit H widernmb jn des KAngs Sold komen mugent. So wir jnen 
dann jn anfechen f&licher jr bekanntnufs vn4 erbietenfs, Ouch das H 
vns von gemein gefellen wol verrümpt, werden wir jnen zu gütter 
f&rdrung bewegt. Dammb bitten wir vch gar früntlich, Ir wSllent 
die gdtten gefellen Vmb vnfer willen jn des Küngs Solid vnd dienft 
wider vffnemen vnd forderen , Vch fi ouch laffen befolhen ün ; Das 
wÄllen wir vmb vch frilntlich verdienen. Geben vfF frytag nach 
Corporis Xq. Anno etc. Irrriij*. 

Schultheis vnd Bat 
Zu Solotem. 
Auf der Bückseite steht: 

DEm Edeln vnd Strengen Herren Hänfen von Hallwilr, Bitter, 
Oberften Hoptman jn franckrich, vnferm frAntlichen Herren vnd 
lieben getrAwen Mitbürger. 



Beilage B. 80. 

Pag. 243. 

1485. Mittwoch vor St. Magdalenentag. 18« Jnli. 

(Archiv Hallwil.) 

MEin diennft In guettem willen Beuor. Lieber Hanns. Ich 
fchickh euch hiemit Eingefchloffen ain abgefchrift ains geltfchuld- 

Ar«ovia VI. 23 



354 

brieffs auf Euch lawttund, den ir vememmen werdet ; yermain auch, 
ich weit folchen geltprieff mit Herren Jorigens vom ftain vnd annder 
meiner guetten freundt Hilf Ze wegen pringen, dermaHen das ir mir 
ain Yohn&chttigen gewaltzbrieff geben wolt ynnder Eurem vnd Zwajer 
Erwergen . . . Innligel. Ich fchickh euch auch hieneben ain abgefchnft, 
wie derfelb gewal^brieff Yon euch lawtten fol nach dem hieigen 
lanndefrechten mit fambt dem Datum, Damit ich mit dem genantten 
fchuldprieff thain, handeln vnd lauen mocht, mit Recht oder an 
Becht, Zu gewin vnd verluft. So weit ich euch fiier Ewren taiU 
des geltprieffs halben ain hAbfchen Jungen henglt fchencken vnnd 
den von Ewretwegenn Antwurtten, wem Ir wAlt; euch wiert auch 
hiemit vnd neben mein fchreiben mein guetter Freundt, Her Jorig 
vom Itain. Ift euch folch mein Begeren gemaint, fo fchickt mir den 
gewaltzbrieff rerferttigt bej dem potten; Ewers willens yerfchribne 
Antwurt laft mich wilTen. Datum wienn an Mittichen vor fannd 
maria Magdalenna tag Anno dei etc. LXXXY®. 

Virich, Freyherre 
Zu Grafenegkh. 
Auf der Bückseite steht: 

DEm Edlen vnnd Geftrengen Ritter, Her Hannfen von Hal- 
weych, meinem funder guetten Freundt. 



Berlchtig^nngen. 

S. 140, Z. 2 V. unten lies: seines Oheims Dietrich, statt seines 

Bruders Dietrich. 
S. 151, Z. 12 V. oben lies: 1339, statt 1439. 
S. 211, Z. 16 V. oben lies: 9. Juli, statt 2. Juli. 
S. 241, Z. 3 V. oben Ues: Beü. B. 6, statt BeU. B. 12. 
S. 260, Z. 19 V. unten lies: befindet sich in dem Chor der Kirche 

zu Leutwil, statt in der Kirche zu Leutwil. 
S. 331, Z. 5 V. unten lies: ir bettend Sunst güg (soll offenbar heissen 

gnüg) daheim, statt — g&tz daheim. 
S. 331, Z. 1 V. unten. Hier, und allenthalben im Briefe, wo die 

Schreibung biy vorkommt, ist statt derselben big zu lesen. 
8. 332, Z. 10 V. oben lies: f&tter vnd mal, statt f&tter vnd mel. 
S. 332, Z. 22 V. oben lies: im dumuter, statt im dumir. 
8. 333, Z. 18 V. unten lies: so dorst ich, statt so dorffc ich. 



Das 



JahrzeiteiAncli der lentUrclie von Aaran. 



Von J« Hiinziker^ Professor in Aarau. 



I 



Vorwort. 

Das ältere Jahrzeitenbnch der Leutkirche Ton Aaran^ 

gegenwärtig im Gemeindearchiv von Aarau, bildet einen Perga- 
mentband von 96 Blättern in Folio. Die ältesten Eintragungen 
fallen nicht früher als 1350, sind aber offenbar grossentheils aus 
früheren Aufzeichnungen übertragen. Wir haben diese ältesten 
Theile durch den Druck ausgezeichnet. Die jüngsten Eintragungen 
reichen bis gegen 1500. Das jüngere Jahrzeitenbuch, ebenfalls 
ein stattUcher Pergamentband in Grossfolio, angelegt 1504, giebt 
über sein Verhältniss zum älteren selbst Auskunft (III. Jd. Jan.). 
Die aus dem älteren meist nur auszugsweise ins jüngere über- 
tragenen Stücke werden hier durch * bezeichnet. Dass sie in Be- 
ziehung auf das Kalenderdatum meist vorwärts oder rückwärts 
verschoben sind, wird weiter nicht im Einzeln angemerkt. Die 
wenigen neuen Zusätze des Jüngern Bandes haben wir in [ ] ge- 
setzt, und in *[ ] abweichende Lesarten desselben. 



Hiis interdicitnr sacramenti divinisäime eucharistie iaxta decreta 
et statuta sanctorum patrum. Scriptum anno MGCCCLxz^. 

Item excommunicatis suspensis et interdictis nondnm a suis iu^ 
dicibus et ecclesia sacramento absolutis. — Item in fide hesitantibus. 
hereticorum fautoribus et receptoribus eorum. — Item manifestis dei 
et sanctorum plasphemis. dampnatum jdolatrie scelus videl. incan- 
tationes superstitiones et sortilegia phitonum et phitonissarum prac^ 
ticantibus et eis fidem adhibentibus. — Item sacramentis et aliis. 
rebus sacris irreverenter abutentibus videL confessione scienter non 
integra non suo confessori facta, aut de licentia eins petita et ob* 
tenta alteri aut saltem superiori facta. — Item matrimonium dan* 
destine contrahentibus et illud debito tempore solempnizare i'ecu8an<« 
tibus. — Item amentibus furiosis &tui8 et pueris non usum rationis 
et exinde nullam devotionem habentibus. — Item usurariis publici» 
atque usuras novo fenerandi colore sub titulo venditionis exer« 
centibus. — Item omnibus notoriis adulteris concubinarüs et fomi« 
catoribus aliisque publicis criminosis non absolutis et eorum recep-^ 
toribus. — Item falsariis monete litterarum ponderum mensurarum 
et ulnarum. — Item furibus raptoribus rerum furtivarum et rapi* 
narum scienter emptoribus et aliarum iniuste acquisitarum deten- 
toribus et illas nolentibus restituere quam statim possent. decimas. 
oblationes. tributa. census. debita et mercedes pauperum frivole de- 
fraudantibus et detinentibus. — Item advocatis iniustas causas scienter 
amore vel odio aut pretio contra iuris ordinem defendentibus. — 
Item coniugatis non conhabitantibus nee sibi mutuo servitia coniu-^ 
galia prestantibus. — Item testamenta et ultimas volnntates suorum 
defunctorum maxime ad pios usus et pro animarum salute testata et 
legata impedientibus negligentibus atque retardantibus. — Item in 
peccato mortali scienter existentibus etiam in secreto sie permanere 
volentibus. — Item of&cia et artificia tenentibus que sine peccato 
mortali exerceri non possunt. ut mimi. scurri. iistulatores. histrionea 
et consimiles. — Item omnibus inimicitias retinentibus et suis debi-^ 
toribus non dimittentibus saltem citra ordinem iuris. Anno 1470^ 



359 

Kai. Januarii. Heinrich spilman elsa haberturma uxor 
sua et hemma richi iohannes et iacob filiomm eins et om- 
nium predecessorum suorum legaverunt anam solidnm den. 
IllJor den. plebano Illlor ecclesie. Illlor premissario. cedit 
de domo clans lunggen in clivo. habeatur etiam memoria mar- 
garite spilmannin uxoris iacobi spümans. ülmanni et panli iiliorum 
adhuc viventium. Vacat domns rnmans. 

lY. Non. Mechthild. de swartzenbach. rüd. salifex ob. 
VI den. annuatim de bono in lostorf. — Anila cuprifabri ob. 
q. 1. i. r. a. s. ottonis patris sai iohannis fratris eins red- 
ditns I. s. Habeator m. johannis springensak frater prsedicte anne 
cnprifabre et gertmde uxoris sue. 

[Johannes sumer ob. anno dom. 1487^. Agnes relicta dedit 1. s.] 

* 1501. üdalricns jung dictns kitzi capellam beate virginis at- 
qne in ea altare constroxit etc. preterea quadraginta florenos annni 
redditns dedit. 

III. Non. Büd. carpentarius de sekingen o. etc. de bono 
in tSffendal I. s. 

Petrus dictus sAsso et verena uxor sua etc. de domo 
ipsorum in qua habitant juxta johannis sculteti. 

* . . . Margret küppferi p. c. a. r. ord. matheus maritus ejus 
VI. s. de domo sue habitationis *[sita in clivo] inter clewy herten- 
stricks et Jos. krütlis domos. [dise VI. s. gond ab brosi ammans 
hus in der halden und habend sy gezogenn klein hans müllers frow 
und ir mittgeschwüstert. dan die küpferin ist ir grosmflter gesin. 
Anno XXVIII.] 

Bichentz de lostorf o. in remedium cujus heinricus 
-maritus e. legavit I. s. de domo et pomerio rüd. böblis 
ante portam superiorem de prope rivum. 

n. Non. Heinricus rasor et hedwig uxor dederunt I. s. 

Heinricus rotermelli richentz uxor sua const. I. s. de 
agro rüd. dicti graven sito juxta pomerium eiusdem. Item 
kath. rubelin. h. vir suus. gerd. isenlin. heinricus et jacobus 
viri sui. const. IL s. de agro prescripto. Habeatur e. m. adel- 
hedis switerin filia predicti h. rotermelli. 

Arnolt kSsi o. et mechthilt uxor s. q. const. p. a. i. et 
petri filii s. necnon pro hedwiga filie sue et gerdrudis 
isenlin. et gerdrut filia eins const. IL sol. qui cedunt de 
domo eorumpropria sitaex una parte apud domum nicolai 
kupfersmit et ex altera parte cum domo johannis scherer. 

Heinricus gürtler o unum modium tritici de 

agro zer lachen quem colit dictus rettenfuchs et Johannes 
rasor. 



360 

m 

Ob. heinricuä dictus ze nidrest de köllikon. const. p. s. 8. i. et 
mechthilde legitime sue et r&dolfi ze nidrost patris sui et pro mech* 
thil. matris predicii beinrici et rftd. ze nidrost fratris sui et bemme 
uxoris illius et adelbedis dicte kellerin amate sue et hedwig filia 
predicte mecbthilt etc. V. a. annuatim. cedunt de domo eomm qne 
adjacet domui emis kösis ex ona parte ex altera rftd. bnrgunders. 

Volmarus dicttis boungarter de zovingen leg. II. s. 

de domo rüd. quondam dicti varenwanchs sita an der milcb- 

gassen qne domus nunc est ülrici dicti ordens pistoris 

Item margar. filia predicte volmari bongarter uxor wem- 
beri sculteti o. p. c. r. ac s. i. et liberor. eor. cünradi et 
fratris wernberi de sancto urbano idem wernherus leg. II. 

B de orto suo sito in vico juxta ortum steffani ver- 

ren quem colit cüntzinus dictus krieg. 

* Johannes scultetus legavit ... ü. s. ... de orto quem colit 
rÄdolfns wasmer sito in vico juxta ortum beintzini dicti sebenken. 

Non. Anniversarius confraternitatis nostre in arow. 
cedere debent annuatim II qr. tritici de domo jobannis dicti 
fuchs textoris in clivo et I. s. de bono in lostorf. 

[Anno 1502° ob. rüdi schenck. ob. an. rem. sue necnon anne 
tintikerin etc. const. VI. s. de domo sua prope macellum inter domos 
michel Ulrichs et üli grausen sita. Diser zins ist uff dem bus des 
sebenken kinder nacbgelan und von inen gezogen worden.] 

Vni. Id. rüd. hegendorf sutor hemma uxor ita soror 
ejus const. II. s. de agro qui fuit ülrici mellingers. 

* A. 1409° leg. beinricus tribscber anna sumerlin uxor ejus 
beinricus filius et ita uxor jobannis züHchers filia ejus et aliorum 
puerorum et anna soror animarum salute IIII. modios tritici quo- 
rum X. qr. tritici cedunt de prato in nüwen mat inter prata rüdolfi 
tribschers et hemmanni trtlllerey. et II. qr. tritici cedunt de domo 
b. wagners pellificis contigua domui jobannis de küttingen I. modios 
tritici cedit de agro ex oposito domunculo sancti nycolay quem colit 
r. tribscber. 

Magister ülricus basler magister in artibus et rector 
scolarum in friburgo ob. in c. a. r. legaverunt Jobannes 
basler et margar. uxor eins progenitores sui .... III. soli- 
dos de et super vineto et torculari suis an dem uszren 
bungerberg sitis e quibus cedit plebano I. solidus. premiss. I. 
solidus et capellano sancte virginis in werde I. solidus. 

Hedwigis uxor ülrici koufman moUitoris ob. qui leg. I. s. 
de domo sua ante portam superiorem que nunc est c. dicti 

w&nglis. Item hedwig koufmannin const de agro ülr. 

mellingers. 

Vn. Id. Petrus schulder 1. p. a. s. et waltberi de kriens 
patris sui et adelh, matris sue et gertrude uxoris sue et 



361 

hemme filie sue et johannis roten et grete iixoris sue et 
anne rotinen matris sue sc. johannis ac rAdgeri etc. III. s. 
■de agro sito an dem suren graben juxta agrum heinrici 
fiumers quem nnnc colit heinricus dictus celtner. 

* Anno 1468^ dedit anna im tüffen relicta qnondam magistri 
johannis von lutzem XXIII aureos quibus modo empte sunt IE. libr. 
hall, annui census p. s. etc. necnon clausen im tüffen et anne abegg 
parentum ipsius anne et heinrici von lutzem adelheidis ergouwei'in 
parentum ipsius johannis anne schniderin uxoris ejus barbare russin 
filie sue. 

VI. Id. Anniversarius dies gerdrude dicte morhartin 

et ite ac mechthild. sororum eins. V. s XVI. den. doc- 

tori scolarium qui ire debet cum scolaribus ad sepulcra 
«arum de bono sito in muchein. 

Rüd. dictus morhart margar. uxor eius dederunt 

p. r. a. s. redditus XVI. den de agro suo sito in dem 

gerüte quem colit villicus de wftscbnouwe. 

Anna meigerin filia hansülli meigers ob. p. e. s. et eise fäsin 
socrus sue ipse hansülli dedit etc. 

Anno d. 1487° rüedi schenk const. ob. s. a. necnon anne tin- 
tikerin uxoris sue rüedi schenk verren uxoris parentum dicti r&edis 
hentzman tintiker anne uxoris eius parentum dicte anne petri johannis 

steffani III. s. de (agro suo proprio am hasenberg sito juxta 

agros clewi öristeins et Aoli meyers) domo sua sita inter domos michel 
Ulrichs et gansen prope macellom. 

RÄdolfus meiger de roggenhusen ita uxor sua leg. . . . ü. s. de 
agro uf der leingr&ben quem emit et colit heinricus basler. 

Anno d. 1487° ob. Johannes sumer p. c. a. r. necnon katharine 
sumerin vel bilteiin matris sue domini r&dolfi sumer sacerdotis fra- 
tris sui . . . . dedit agnes uxor ejus I. s. 

V. Id. wernherus villicus de zeiningen anna uxor eius. 
gerdrud. filia eorum. berchtholdus hatho. richentza uxor 
ilUus. rüd. heinr. iohannes et berchta liberi eorum ob. p. q. 
r. a. 8. i. conversa margaretha filia wernheri et anne pre- 
dictorum leg. L s. de media scoposa sita in eppenberg que 
est iohannis filii hemme de eppenberg. Item predicta 

margar. dicta de sekingen leg. I. s de domo curte et 

pomerio h. hospitis de kulme sita ibidem. 

* A. D. L 1478° ludwicus zeller altaris. s. marie magdalene 
capellanus dedit L florenum de et super tribus florenis a iohanne et 
conrado amman fratribus emptis. 

* Clewi Wetter, lienhart wetter. I. s. de domo sua inter ülr. 
kitzis et iohannis zum hirzen domos sita. Hab. et. mem. langhansen 
mariti. [Biser gülden ward cleuwi wetter uszhin anno XXVin°.] 



362 

IV. Id. Waltheri hiltprands q. ded. in r. a. s. et ite dicte 

schönbrötinen u. 8. VI. s de domo heinr. mütschellers 

in clivo. 

* A. D. 1500^ daus feis *[feis8z] p. c. a. s. dedit agnes * [feist] 
nxor quondam legittima n. n. p. 8. a. conradi tsdrndi agnes mnrerin 
nxor ejus. 

A. D. 1425° 0. anna willin p. c. a. r. heinricns willi maritna 
atque margarethe lingginen filie . . nicolai linggen de Belangen eia8« 

dem mariti n. n. p. s. eberhardi de mag amici . • . L 

modinm tritici de et super bonis in aspe in hertznach et tenspttrron sitis 
atque emptis per. heinr. willinen antedictum ab ülrico federli 

Ita uzor rüd. trienger ob. qui leg. p. s. margarethe 
etiam uxore eiusdem rüd. ülr. de triengen gerd. parentum 

ipsius rüd. II. s de pomerio iohannis rechner qui fuit 

h. reber. 

m. Id. Heinricus melsinker ob. p. c. r. mechth. quondam 

u. eiu8dem. nunc vero u. heinrici de eredingen leg 

I. mod. trit. de domo johannis de kingsten. 

ülricus dictus smit pistor ob. p. e. r. anna u. s. leg. I. 8. 
de bono sito in küttingen quod niesiberg colit. Item anna 
smidin predicta et Johannes f. s. leg. I. s. de orto nicolai dicti 
smid et joh. schnider sito in vico ap. ort. heinr. schenken. 

[Sciendum postquam dominus plebanus. scultetus et consulea 
opidi nostri arow anniversariorum librum anno 1504° a principio 
ad finem perspexerunt. multa anniversaria seu^hominum nomina in 
anniversariis scripta (quorum progenies et redditus de hominum peni- 
tus memoria iam dudum recesserunt) invenerunt que utique legendo 
et pronuntiando haud tantum nuUam devotionem verum etiam vulgo 
tedium permaximum generant. multis quoque exeundi ex ecclesia 
occasionem prestant. quam cavere pro posse volentes multa huius- 
modi anniversariorum omittentes de novo librum hunc scribi fece- 
runt. Ne tamen defuncti quorum anniversaria libro presenti inserta 
non sunt, suo priventur proposito ipsorym pro salute. domini pre- 
dicti quod futuris perpetuis temporibus dominus plebanus cum adiu« 
tore et singulis capellanis ipsorum anniversarium cum vigiliis et ves- 
peris in nota ac duabus missis omnibus divina celebrantibus sero 
quoque et mane circa mortuorum carcerem visitantibus et devote 
orantibus celebrent ac peragant ordinaverunt. unde et ecclesie pro- 
curator cuilibet' qui hiis interfuit. in prompto quatuor solides scho- 
lastico duos solides sacriste duos conversis unum s. impedimento omni 
ammoto dare debet misse officio finito.] 

n. Id. Clewi schmidli elizabeth u. e. leg. I. s. de domo sua 
sita in der schmitgassen juxta domum heinzmanni am sinder. 

A. D. 1437° wemherus rewig faber gerdrut e. u. leg. p. s. a. 

8 ac suor. fil. francissi Scolaris anne et marg. n. n. p. s. petri 

rewig fratris predicti wemheii IL s. 



363 

Martinna wiener ob. q. ded. L r. s. richentze a. s. be« 
line filie . . XVIII. den. de domo ftlr. dicti zolners in clivo. 

Qerdrud dicta stnmmin leg. YI. d. de carte sen area 
dicti springensaks in clivo. 

Idiis. Anniv. d. thome de florencia p. c. r. anna u. s. const. 
I. 8. de bono in lostorf quod colit wernherus meiier II. d. 
Inmini VI. plebano IUI. premiss. qni anniversarium eo-* 
rnmdem walter de witwile et mechthildis 11. s. parentam 
dicte anne celebrare debent. 

* Hansüli jeger de küttingen ob. a. 1493^ q. p. a. s. s. n. n. p. 
8. a. ux. 8. etc. unom quartale tritici de bono suo dicto des hoUen gut. 

Katherina forenn leg. I. sol. den. p. a. hans forer patris mech^ 
thild matris claus farer mariti eins et ite forerin sororis ejus de quin- 
qne quartalibns spelte que dat joh. ronb de waltherswil q. empte sunt 
de hermanno de schliengen. — Domini conradi furer plebani in lostorf 
et hans friesenberg insuper eis fnrerin leg. p. s. a. s. ac herm. schert- 
leib mariti sni VI. d. cedunt de vineto suo an dem wurmberg inter 
agros güders et rAdis im graben. 

Dominus gilio de rubiswile miles fiüus eins ob. qui leg. I. s, 
de domo curte et pomerio heinr. hospitis de kulme sito ibidem. 

XIX. Kai. Febr. * Gerdrud. de seon ob. que et Johannes 
maritus s. ded. V. mod. tritici.etc. de domo rüd. dicti kupfer« 
smit. insuper I. mod. trit. de IUI. jugeribus agrorum in 
filice que colit. Bempti sunt V. mod. trit. et I. quartale vini 
pro Lxxxx. gülden quos habet dictus schak de affenberg. 

Item Johannes de seon scultetus hujus civitatis leg. 
i. r. predicti johannis de seon avi sui et gerdrude uxoria 
eiusdem II. s. etc. de domo quondam hiltprandi iuxta por« 
tam inferiorem que nunc est domini johannis de kienberg 
militis. 

A. D. MCCCCXXIX® ob. hensly verbelen textor p. c. a. s. anna 

u. e. leg. I. s. d. . . ac heinr. müllers de domo que nunc 

est jakobi kilcherren infra domos rAdi rüssikon et ex opposito domus 
plebani in arow site johannis atterwile. 

A. d. ite uxoris petri carpentarii de seon. 

XVm. KL. ♦ A. M(jbcCLXXin^ Älricus jung dictus kitzi dedit 
centum florenos etc. 

XVn. KL. A. d. gerdrude islinen que const. p. r. a. s. 
burch. mariti sui. ülr. dicti spies et mechth. parent. eiua 
VI. d. de bono in lostorf. 

* BtLdolfus dictus kupfersmit etc. [I mod. tritici] de 
agro duorum iugorum dicto blanken akker et de horrea 
sito apud eundem agrum h; scherers entvelt dat. 



364 

Anna u. joh. dicti brachot etc. super domum joh. dicti 
bracbot an der smitgassen. 

Kttngundis ux. job. brabot etc. bercbtoldi patris et mechtbiide 
matris etc. 

Rudolf de wöscbnow ita u. e. leg. p. s. et gertrud et Mr. summer 
n. s. de orto et pomerio dicto tacbnagels ante portam superiorem 
prope rivam. 

Heinricus dictus oltinger et ita u. e. etc. de domohein- 
rici de ölten premissario buins ecclesie. que nunc est do-* 
mini job. dicti bläger. 

* Agnes kupfersmidin relicta job. kupfersmids superscripti etc. 
IV. 8. super orto dorn, beinrici im bag sito inter pomenum jakobi 
trüllereys et ortum relicte dorn. job. springinsaks. 

Anna et agnesa uxores jobannis rebere etc. de domo 
ülr. kenler. 

XVI. Kai. Anna uxor jobannis dicti braobotz. etc. 

* R&d. zinggo et gerdrud. zingina u. e. ob. p. q. r. 
bercbta f. e. et jobannes de florencia maritus ejusd. 
bercbte dederunt XVIII. d. de domo eorum que nunc est 
steffani dicti verren etc. de VI jugeribus agrorum IUI. 
sitis sub bücbHrein et duobus supra apud agros lütini 
fabri. — Conversa mecbtbild zinggin ob. leg. in r.a. I. mo- 
dium avene et I. quartale tritici de bono suo sito in aspe 
quod colit dictus begglinger. 

XV. Kai. RÄd. sutor de seon etc. 

Wernberus de rore etc. de domo sua que nunc est 
rüd. dicti t&derler in clivo. 

* Barbara bentzlerin n. beinr. sumers const. o. a. s. n. n. mariti 
eins et beinr. wipf sororis mariti etc. et parent. dicti beinr. wipf 
cristoferi bentzlers et fridrici bentzlers fratrum et verene ancille eins 
etc. — Hab. et. mem. anne goucbin uxoris dicti fridrici n. n. domini 
job. bentzlers conventualis ad sanctum urbanum fratris dicte barbare 
domini erasimi conventualis in frenensperg fratris sui. 

* A. d. HSö*^ dec. dom. bernbardus bisz capellanus altarisa sncti 
valentini p. c. a. s. domina magdalena de ^allwil nata de rotenstein 
matertera sua const. etc. , 

* A. d. 1492° ob. jobannes ysenli de erlispacb qui p. a. s. s. 
n. n. elizabetb bartmannin u. s. amb. parent. bartman ysenli et 
jobannis filiorum margi*et filie eorum. metzi sibenman uxoris eins 
bartmanni. jobannis stroftli mariti dicte margaretbe bercbtoldi stroAU 
bryfte uxoris parentum eins etc. 

Xlin. Kai. Rüd. müller de tenspürren etc. et elline 
matris sue rüd. kdsi gerd. u. s. etc. cedunt de borreo beinr. 



365 

dicti alperren quod nunc habet h. de killikon sutor et 
adiacet horreo cdntziui arouw. 

A. 1470^ ob. dominTis Johannes glaser rector scolarum hoius op- 
pidi. q. p. r. a. s. et a. elizabethe frickin u. s. n. n. anne frickin 
sor. einsdem. etiam heinrici treiger et johannis fricken maritomm 
ipsios anne etc. leg. doiniim saam sitam in vico milchgasse vendendam. 

XIII. Kai. * Johannes arow sophya n. e. amalia et lü- 
tinus liberi eor. ob. etc. de domo wernheri frombeis an 
der milchgassen I. mod. tritici de domo rüd. dicti trien- 
gers juxta domum dicti gürtlers tali condicione qnod possit 
redimere et reemere super alio bono intra unum miliare 
abi consules accipiant. 

Conradus dictns schennis aurifaber etc. 

Noverint oniversi qnod semper proxima quinta feria post festum 
sanctonun fabiani et sebastiani martyrum celebrandmn est anniver- 
sarium omnium mortuorum confratemitatis sancte marie vnlgariter der 
gesellschafk zu dem narren etc. leg. unum florennm annui census de 
et saper bonis in literis desuper confectis et apnd ecclesiam reservatis 
etc. Lisuper constituerunt ecclesie V. S. de bonis suis etc. et III, 
fiorenos contulerunt ut procurator ecclesie quatuor candelas ardentes 
ad predicta ofßcia in sera et mane super sepulcrum eorum solito more 
expendat. 

^ (Jüngere Schrift am Rande.) Singulis quorum interest pateat 
quod fratemitatis gloriose semper virginis marie fratres vulgari nun- 
cupatione der narren gesellschaft dicta anniversarium suos per an- 
tecessores (ut hie paret) institutum latius dotando ac meliorem in 
formam redigendo tali ordinationis modo: quod etc. Quamobrem 
Yolunt et debent magistr^ fratemitatis praefatis sacerdotibus presen- 
tibus cuilibet in promto post secundam processionem dare de vigiliis 
octo obelos vesperis. octo de processione seratina quatuor. celebran- 
tibus missam duos blaphardos de secunda processione quatuor obelos 
plebano ultra jam dicta decem et octo obelos ministrantibus cuique 
I. s. scolarum rectori duos s. sacristae octo s. et per anni circulum 
candelas faciat et reficiat fratemitati scolaribus presentibus cuilibet 
panem et conversis pro duorum s. valore panes. totidem leprosis etc. 

Xn. Kai. heinricus süterli leg. tria quart. tritici an- 
nuatim de quinque jugeribus sitis uff dem büchholtze. 

Johannes totiker gerdrudis uxor leg. p. s. a. eor. n. n. ülrici 
totikers etc. heinrici dicti baders. IUI. s. de agro sito am suren- 
graben apud agrum petri wipphen. 

Rüd. de kulme pastor in r. a. s. et berchte uxoris sue 
agrum situm ze dem hichstresse libere ecclesiis in arowe 
et in sure. 



366 

XI. Kai. Oerd. de seon ob. etc. de pomerio rftd. dicti 
bfiblis ante portam superiorem de prope rivuxn. 

Gerdmt u. heinr. baders etc. de agro 8ao uf dem Btalden iuxta 
agnim petri de rüda. 

* A. d. 1437® petms rinach et anna u. e. leg. p. s. a. 8. anne 
filie claus müller viri istios cristine rinachin margarite reflin filia- 
nun Ali frfluff cognati 11 sol. den. ecclesie X den. cednnt de vineto 
ist ein halb inchart colit de presenti [cl&wj] kdrber stosset ufhin an 
pfad zu dem brunnem den man nempt Inffar an dem hnngerberg 
und niden an hensli Jietschi. 

A. d. 1485® obiit dominus Johannes kennler quondam capel- 
lanus altaris sancti nicolai etc. 

Arnoldus bnser legavit in rem. a. sui anne uxoris sue. 
mechthildis filie eorum et rüdolfi fratris sui et pro paren- 
tibus suis redditus VIII den. de domo dicte sidlerin sita 
im müliho^ve in clivo que nunc est rüdolfi de brugg. 

A. d. 1427® petrus rmach et anna uxor ejus viventes lega- 
verunt pro salute a. s. margarite reflinen. anne müllinen et Chri- 
stine rinachinen filiarum snarum claus müllers mariti anne antedicte 
Allini frflchuff de rinfelden et o. p. s. etc. de medio jugero vineti am 
wurmberg contingente ex inferiori parte agrum seu vinetum lotter- 
lins et ex parte superiori vinetum r&tzscbmanni rüsseks. necnon de 
vineto etiam am wurmberg in posteriori parte prope vinetum dictum 
getling. 

o 

X. Kl. Ulricus de tenwile etc. 1. i. r. sui et agnese 
uxoris sue etc. de orto krumholtzin sito in vico. 

* A. D. 1374® Johannes totiker ei gerdrut uxor sua le- 
gaverunt p. r. a. e. necnon animabus ulrici totikers et ger- 
drudis matris et patris sui necnon anne uxor quondam 
heinrici dicti baders etc. IUI. sol. de agro sito am suren 
graben apud agrum peters wipfen etc. 

IX. Kl. Frater Johannes de wolfenschies predicator obiit 
qui dedit III. lib. den. ad edificium chori et ecclesie huius 
civitatis. 

Heinricus swebli ob. qui dedit huic ecclesie X. s. et 
quinque sol. ad candelas. 

A. D. 1462® constituit elizabeth hüssin pro se et marito cünz- 
manno hüssin et anne filie iüLgheri mariti barbare r&dolfi puerorum 
eorundem wemheri schniders adelheid uxoris parentum dicte eliza- 
beth bell kflchlers ulrici viri adelheid filie etc. duos solidos etc. 

* 

Berchtoldus hospes et gerdrud ob. qui dederunt YI. 
den. de prato in augja. 



367 

Lütinus rossikom anna nxor ob. etc. leg. etc. II. s. m. den. de 
vineto sito uswendig des von kiemberg broimen contingente Tinetom 
lienslini gerwis am ussren berg. 

Mechthildis de sttr leg. i. r. sui btirch. mariti sui. 
bnrch. de w68chnouwe et mechth. parentam et sobol. ipsins 
redditusl. s. de domo eins que nunc est fllrici de machen sita 
an der milchgassen iuxta domum heinrici dicti wanners. 

Vm. El. Anniversarios heinrici zeltner. et ulrici zeltner. 

* A. D. 1458^ ob. dominus Johannes atterwile etc. 

Vn. El. Heinricus de bedingen et ita nxor sua ob. qni 
dederunt in r. s. sobolam suoriim etc. VIII. sol. de horreo 
ante portam heinrici dicti senftli et II sol. de domo 
heintzini an stein que nunc est johannis under demherde 
etc. Insuper predicta ita de bedingen legavit i. r. etc. IUI. 
8. de agro eius sito bi dem galgen quem colit dictus tubel 
etc. nunc autem colit eberlinns sprü. notandum quod iste 
primus sol. nunc cedit de bonis in oegliswile. 

^ Sciendum quod proxima quinta feria ante festum purificationis 
beate virginis marie celebrandum est anniversarium confrateraitatis 
ipsius beate virginis et sancti georgii volgariter der reb und acker- 
lüten gesellschaft etc. 

[Die brAderschafiPt der reblüten habend dise zwenzig gülden ge- 
zogen. Anno XXV 111.] 

VI. El. Dominus heinricus de rüschol ob. qui contulit 
de prato dicto stouffen matten quod est heinrici sumers 
duo qr. tritici. 

A. D. 1491^ ob. domina magdalena [zehenderin] de lütemow, 
pro. c. a. r. marquardus zechender ^[zehender] maritus ejus necnon 
aui ipsius ac domine barbare de meggen filie eorum dominicelli jo- 
hannis ülrici^e lütemow domine ursule de fridingen uxoris'eius 
parentum dicte domine magdalene dominicelli johannis ülrici zechen- 
der domine megtli zum hopt parentum ipsius marquardi etc. ordi- 
navit et dedit tres Ubras cum dnobus s. etc. 

V. El. * A. D. 1461® ob. domina elsbetha von hünemberg 
^[elisabeth de hünenberg] conthoralis marquardi zehenders. pro c. 
a. r. legaverunt ludowicus. Johannes, ülricus atque domina anna 
trüllereygin * [trüllereyn] liberi antedictorum marquardi zehenders 
atque domine elsbeth uxoris sue etc. IX quartalia tritici quorum 
VI quartalia cedimt de domo rüdini büsens iuxta camificium sita 
inter domos ülrici zeltners et johannis hämmikers * [hemmikers]. 
reliqua tria quartalia cedunt de quodam orto trans aralum *[ara- 
lim] posito quem ad prestins colit rddinus *[rddi] rinderman etc. 
necnon in anniversario domini hartmanni de hünemberg militis patris 
domine eisbete ministrare debent duas candelas etc. pro quibus quidem 
i^andelis imbursavit ecclesia Septem florenos rinenses in auro. 



368 

Cristina famula domine elsbethe von httnemberg legavit I. b. 

Mechthildis dicta stanglin et nicolaus filins eins oK 
qui leg. pro se hedwigi filie eiusdem mechthildis. Johanne 
hüberde knime. annauxore illius acheinrico filio illorum 
redditns. I. s. de agro heinrici de bftchen ibidem zem ab 
birbonme. etc. 

ülricus de muchein leg. pro se angnete tottikerin 
uxore eins et mechthilde matre ipsius Alrici redditus etc. 
de domo cAntzini litis sita aput superiorem portam quam 
emit a domino heinrico switer. 

IV. Kai. * A. D. 1435® ülinus ♦[ülricus] Winterhaider elsbeth 
♦[elizabeth] uxor eius leg. pro salute etc. suorumqu^ parentum jenni 
wini«rhalder margret uxoris parentum ülricl Winterhaiders necnon 
hans kölhas agnetis uxoris parentum elsbeth Uli. s. 

[disz iarzit und sin hoptgütt wurd henz thüringen seligen frowen 
anno XXVOI^] 

ni. Kl. Rüd. sculteti et clara uxor sua leg. i. r. a. s. i. 
heinrici meren et anne u'loris sue parentum ipsius clare. 
ülrici trilloreis adelheid. et anne filiarum suarum red- 
ditus I. 8. de prato desuper sito apud bethenbrunnen iuxta 
agrum ecclesie quem colit ülricus zem I6wen etc. 

Johannes dictus wintznouwer constituit etc. de domo 
sua uff der wa8sersch6pfen ita quod potest redimere infra 
miliare. 

* Agnes droumunnin *[dromünnin] famula marquardi zehenders 
♦[zechender] leg. p. r. a. s. necnon parentum eius Johannes droü- 
münsz ♦[droümüns] elizabeth uxoris etc. 

n. Kl. Margaretha kriegin ob. in cuius a. r. petrua 
krieg maritus suus leg. I. s. d. annuatim de bono ecclesie 
nostre in egliswile etc. «<» 

Rüd. koräffo et hedwigis uxor eius leg. etc. I. mod. 
siliginis de area sita zen husen ülrici haberture que nunc 
est johannis bader. 

[A. 1507° ob. validus rüdolffus summer olim scultetus huius 
opidi. qui ob eius memoriam ac domine anne clingelfüs. domine mag- 
dalene freyburgerin ex rottwill, domine adelheidis örin dedit XXXIIII 
aureos.] 

Kl. februarii. Rüd. gravo ob. i. r. c. e. s. i. Gerdrud 
uxor sua leg. redditus I. s. de domo quondam rüd. yaren- 
wangs que nunc est ülrici ordens sita an der milchgassen 
iuxta domum dicti b6nkers etc. 

Johannes heclinger et margaretha uxor eius leg. etc. III. s. ce- 
dunt de area sita in gundoltzwile in niderdorf dicta die sinunlhof- 
stat (?) colit nicolaus belinen. 



369 

CAntzi vrobelen berchta nxor sua et margaretha dicta 
zenderlin uxor nicolai dicti vrobelen filii cdntzini pre- 
dicti ob. pro q. r. idem nicolans constituit etc. de domo 
sua que nunc est weltini dicti kndris sita extra oppidnm 
prope domnm heinrici dicti weber etc. 

Margaretha sAssin et cdntzinus maritus ejus leg. etc. 
etc. ecclesie in triengen I. s. de domo ipsoram in qua ha» 
bitant an der milchgassen iuxta domos dictorum gerungs 
et rÄd. Zeigers que nunc est dicti bdnkers, 

IV. Non. * A. D. 1457® ob. Johannes troger de ruswil *[rusz- 
wil] qui constituit p. s. a. s. i. beli et margarethe fesin '''[vesin] uxorum 
Buarum barbare herdin *[härdin] filie sue adoptive et michaelis grü- 
lich et johannis hemmiker maritorum eiusdem barbare ac pro r. 
jennis läsen elline uxoris parentum prefate margarethe fesin etc. 
unum florenum pro quo tribuit procuratoribus ecclesie yiginti aureos 
hoc modo dividendo etc. 

lU. Non. *A. D. 1352® ob. eberhardus dictus saltzman de 
louffenburg *[louffenberg] constituit etc. unam libram den. 
usualium etc. Ista cedunt de ipsius domo sita in arow prope 
cimiterium iuxta domum dicti bleiger qua nunc estdomini 
johannis bleigers. etc. Item idem eberhardus salzman de 
louffenburg incuratus huic ecclesie leg. etc. pro se et hil- 
trut sorore sua uxore ülrici dicti basler etc. de domo pre- 
dicta etc. Item leg. redditus I. s. ecclesie de bono sito in 
obem g6skon dicto hellinkers gut quod colit agnes dicta 
hellikerin et Johannes filius eins. Item dedit johanni 
dicto Züricher procuratori ecclesie quinque libras den. 
ad edificium chori. A.D. 1563®K1 .decembris. (Sp&terer Zu- 
satz unleserlich.) , 

Jenni pfilers, elsbetha uxor eins leg. I. s. de tribus püntis ec- 
clesie a Johanne Züricher emptis. 

A. D. 1425® leg. wemlinus räch etc. I. s. den. de medio iugq 
vinearum sito an dem usren hungerberg inter predia dicti sumers 
et dictum rotaker etc. 

U. Non. Gerdrudis, ita et bela de schSngfi leg. etc. 
IL s. den. annuatim de bono sito in erndesbach quod colit 
dictus schr6te etc. item leg. redditus I. s. de domo grete 
de kdlikon que nunc est merchlini dicti galtzer. 

* A. D. 1481® Johannes zimberman cerdo de orto in suburbio 
const. etc. I. s. etc. [disen garten hatt has bi der ziegelhütten und 
ward diser Schilling geltz anni Christen die siner schwfister tochter ist.] 

Nonis. Item heinricus dictus hesso de solodaro leg. etc. ite 
dicte Tischerin uxoris etc. et etiam rüd. dicti yischer mariti predicte 

Argovia VI. 24 



370 

ite U. s. den. de carte et domo eberlini dicti hirtzerler ante portam 
superiorem iuxta domum johannis dicti philers etc. 

Domina adelheidis de kienberg ob. in c. a. dantor 1111. qnar- 
talia tritici etc. de pratis dictis ze dem vischbache und an dem bol- 
len. Dietricus de a dat. 

« 

* Notandum qnod in vigilia sancte dorothee debent cantare 
vesperam etc. ex institutione dom. nicolai de rtlti canonici ecclesie 
werdensis. 

Ym. Id. RAdgerus de holdern ob. qui leg. etc. tres 
8. den. de agro sito in via dicta endyeltweg quem hein- 
ricus hAlderli frater suua colit. 

Conyersa hemma dicta linerin de aspe ob. que leg. I. 
1. etc. 

* Conradus stü^i const. etc. ursule eggin '''[eggi] nxoris sue. 
c^bitzman betschier fratris soi etc. I. s. de bünta attingens ab uno 
latere büntam dom. joh. baslers, ab alio der koufinannin. Actum 
anno 1455 ^ 

* A. D. 1491^ anna suterin de schafhusen '''[schaufhusen] p. I. 
etc. johannis kolers mariti sui etc. rüdi stoublis I. s. etc. 

VII. Id. Notum sit omnibus quod bürginus de sur de- 
dit annuatim IUI. s. minus duobus denariis de quibusdam 
agris quos colit etc. II. s. den. qui dantur de bono in 
lostorf quod colit wernherus maier etc. 

> 

[A. 1497^ Johannes segesser leg. p. etc. domini burkardi col- 
legiste murensis in mod. trit. de domo sua domui seu curie consulum 
in arow contigua.] 

* Conradus Züricher yerena uxor sua leg. etc. I. s. de domo 
verene dicte schenkinen * [schenkin] sita an der milchgassen iuxta 
domum ülrici dicti rüdgers. 

VI. Id. * A. D. 1353° etc. wernherus dictus Züricher 
[Zürcher] ob. qui leg. pro se pueris suis bertschini rüdolfi 
et pro omnibus predecessoribus suis sex modios tritici. 
plebano unum medium qui debet habere tres socios in 
missa et in prandio. I. medium premissario qui debet ha- 
bere unum socium in miss^ et in prandio. et illis quatuor 
sociis cedunt unieuique VI. den. post mensam et illi de- 
narii cedunt de domo jacobi dicti satler *[sattler] que 
nuic est bertschini Züricher, communioni large IL quar» 
talia tritici. hospitali II. quartalia tritici. dominabus in 
conventu IL quartalia tritici ad largam specialem. VI. quar- 
talia pro pane et pulmento. ecclesie IL quartalia tritici. ad 
lumen altaris sancti petri et michaelis. IL quartalia tritici. 
capellano eiusdem altaris. IL quartalia qui debet habere so- 
cium in missa et prandio qui modii cedant de bonis in eglis- 
wile. reempti sunt pro C aui*eis a procuratoribus ecclesie in sengen. 



371 

Katherina uxor berchtoldi ob. pro anima cnius idem 
berchtoldus locavit annm modium tritici de prato dicto 
Bwirenmatten rüd. dicti Züricher. rAret an den suren weg 
vor nnd hinder an den bach. quousqne alibi comparetur 
infra nnum miliare ubi consules acceptant. plebano 
I. quartale. premissario I. qnartale. capellanis altarium 
sancti petri sancte marie magdalene sancte katherine 
sancti nicolai. cnilibet illornm I. quartale. coi. large I. quar- 
tale tritici. ita quod quilibet capellanorum predictorum 
tenetnr habere missam eadem die. predictus modius tritici 
fuit emptus a prescripto rftd. Züricher. IUI. kal. aprilis. 
a. d. 1383^ iste modius tritici cedit deinceps de domo jen- 
nini ebis inter domos magistri de horw que fuit rAdini 
bleicher et jennis springinsaks sita. domus nunc est r&dini 
gigers institoris et est reemptus deinceps. dat ecclesia et est do- 
mus pfaw. 

V. Idus. Büdolfus de brugg const. pro se et mechthilde uxore 
«tc. I. s. de domo jacob swartzzen in snburbio contigua iuxta do- 
mum johannis sigerswil. 

* A. D. 1436 hans hecht leg. etc. I. quartale tritici. cedit de 
prato quod jacet retro domum r&tschman berchtold in suburbio et 
oolit idem r&tschman. 

Wernherus zivinner. elsa uxor sua. leg. II. s. etc. de 
agro ülrici mellinger. 

Dicta engeli pfifferin leg. de bonis ecclesie I. s. haU. empt. pro 
jxno floreno. 

lY. Idus. Ob. ülricus faber de grenchen. p. c. a. s. anna uxor 
8ua heinricus filius etc. leg. nil. sol. den. cedunt de orto Jüngling, 
habeatur etiam memoria johannis de hAtingen famuli predictorum. 
eberhardi de wimpfen. margret schmidin. heinrici schmid et judoci 
Betteli maritorum predicte margrete. 

Elsbetha ruberin ob. que const. etc. 11. s. de orto dom. heinrici 
im hag sito inter pomerium jacobi trüUerej et ortum relicte johannis 
Bpringinsaks. 

* A. D. 1483^ ob. margret sohmidin. p. c. a. r. necnon joh. de 
hanow mariti eins leg. liberi etc. lY. sol. 

* A. D. 1492® ob. margret murerin etc. bona sua pro majori 
parte ecclesie nostre appropriavit etc. 

TIT. Idus. Berchtold retenfuchs mechthildis uxor sua 
leg. etc. de agro ipsorum vor uf dem büchlirein iuxta 
agrum gefungi pistoris qui est unum juger. 

* A. D. i486® ob. domina anna trüUereyn filia quondam rüdolfi 
trüllerey etc. ecclesiam nostram in arow cum hospitali ibidem heredes 
sibi nominavit etc. necnon etc. margrete de castel matris. 



372 

Adelheit mttnchin de endvelt et waltherns mttnch pater 
eins ob. qui dederunt X. sal. den. ad edificinm ecclesie. 
henuna uzor sua. Johannes scherer mecfath. nzor sna. 

* A. D. 1494® rftdolfns teschler ^[tftschler] civis oppidi nostarl 
const. p. 6. a. 8. necnon verene gr&fin quondam nzoris sue. hemrid 
bronner mariti prioris margaretibe hüsin in presentia nxoris eins, 
n. s. annnos. [dise 11. gl. wurdend cünrat kAnzen nnd siner 
schw&ster.] 

* A. D. 1494® ob. Job. matz pro c. a. r. christina gr&fin eins 
relicta const. I. s. dnas libras in prompto exposnit. [dise 11 Ib. wnr-> 
dend eisin siner tochter meister ansen von dieesenhoffen fronwen.] 

II. Idus. Nicolaus hirtzeller et anna uxor sna leg. etc. 
Rudolf US hirtzeller leg. etc. de area sita apud fontem. 

* A. D. 1374® ob. ita de scafnsa et agnesa de wile *[agnes de 
wil] soror eins fia *[et via] clanstralis soror ejns et hartmannns 
armiger maritos dicte agnese leg. etc. I. modimn tritici. yidelicet 
U. quartalia tritici que dantur de domo r&dolfi dicti kftfiis in cliyo. 
et dno quartalia tritici de domo petri de wile *[wil] prope domum 
joh. trüUerei tali condicione qnod heredes dictamm soromm possnnt 
dicta dno quartalia tritici de domo ipsarnm legare super alia bona 
infra miliare circa arouw sita cum oonsensu consulum et procura- 
tornm ecclesie in arouw etc. 

* Item via de schafhusen clanstralis in frowental leg. Dil. s. 
den. p. s. a. s. et elizabeth sümerlin * [summerin] sorore eins, de 
domo wemheri dicti peyers sita an der milchgassen prope domum 
wiUisouwer etc. 

I. s. insuper leg. predicta elysabeth stlmerlin * [summerin] p. r. 
a. s. necnon dom. burkardi sumer * [summer] johanite filii sui. I. mod. 
tritici etc. qui cedit de prato in grenchen quem colit dictus zwik. 
ibid. Uli. s. qui cedunt de horreo heinrici basler in snburbio inter 
horreum hentzmanni murers et r&d. basler. 

Hie etiam memoria dom. jodoci de rüti capellani altaris sancte 
katherine. 

[Margaretha spilmannin quondam &mula domicelli rüdolfi sumers 
dedit triginta aureos.] 

* Idibus. A. D. 1408®. const. dom. nycolaus de rüti canonicus 
ecclesie werdensis necnon capellanus huius ecclesie altaris sancti 
michaelis etc. I. mod. tritici de domo domini r&dolfi völmi sita in 
werd et de area ipsius domus iuxta dictum bdl et tres solides den. 
de uno jugero agri quem colit petrus sigrist * [sigerist] situato 
under dem tistelberg inter agros domine de ifental et viliti de end- 
veld. etc. item X. s. de orto ac pomerio quem colit dicta bttr- 
genderin situatum in vico gegen hochstres ^[gegem h6str&ss] inter 



373 

ortmn dorn« r&dolfi y61mi canonici ecclesie werdensis et possessione 
i£Qrici berchtolds etc. 

Waltherus de scherns etgisla ac christina uxores sne 
ob. i. r. eorum eadem christina legavit redditus XYIII. 
den. de curte seu area dicti springensaks in clivo etc. 

XYI. EaL Martii. * A. D. 1353° anna relicta quondam 
rüdolfi dicti Züricher ob. que leg. pro se rftdolfo marito 
8U0. rüd. Züricher, anna dicta du kupfersmidin. clara 
xnsikomin X. s. de domo ante portam qne nunc est nicolai 
de holdern iuxta domum heinrici schertleibs. I. mod. tri- 
tici ad largam de bono quod colit waltherns zem stege de 
«uro. item amalia dicta züricherin conventualis ob. que 
leg. VI. s. dominabus in conventu qualibus ebdomeda in 
qnadragesima. I. s. pro piscibus de bono sito in obern gös- 
kon diclo hellikers gut. qüod colit agnesa hellikerin. 

* A. D. 1378** ob. niclans dictus zehender * [zechender] pro 
e. a. r. necnon gertrudis uxoris sue leg. hartmannns marcqnardos 
nicolans dicti zehender tres filii etc. redditus m mod. tritici. (Neuerer 
Zusatz : isti tres modii tritici comparati sunt alibi ut sequitur. Item 
VI. quartalia cedunt de predio hentzmanni wipfen et torculari sito 
uff der telchi et VI. quartalia de predio et vinetis que colit blumi- 
stein contingentibus predium dicti wipfen.) que dantur de domo et 
carte heinrici dicti büsen carpentarii sita iuxta domum h. sculteti 
ox una parte et nicolai dicte wildenstein ex altera parte, ita tum 
quod predicti tres modii tritici comparentur alibi infra miliare, ubi 
procuratores ecclesie scultetus et consules acceptant. 

XY. Kai. Ita dicta börin leg. i. r. a. s. etc. ac weltini 
TÜlinger filii illius redditus I. sol. de domo quondam rüd. 
varenwangs que nunc est tilrici dicti ordens pistoris sita 
an der milchgassen iuxta domum bftnkers. 

Wernherus de bore der karrer ob. q. const. I. s. den. 
de domo sua sita ante portam superiorem. iuxta horreum 
rüd. dicti graven. 

* A. D. 1452® const. joh. im graben etc. et bansen sennen pa- 
trui sui et wemheri baslers et üli göberders II. s. de vineto suo 
proprio am hungerberg iuxta torcular dicti büses *[büsens]. memoria 
hans schnewlis patris uxoris wema im graben, [dis ward jacob im 
graben.] 

* Joh. im graben prescripti fiUus etc. necnon adelheidis tesch- 
lerin * [t&schlerin] et anne stürmerin uxorum suarum const. I. s. de 
Tineto suo sito apud torcular der von wiltperg * [wilperg] iuxta agrum 
hans bemharts. [dis ward euch Jacoben im graben.] 

* Bentlina agterin ^[agtherii)] const. p. a. s. s. necnon hensli 
wöber * [wöber] mariti sui rddi im graben etiam mariti sui etc. I. &.> 



374 

de bfinta que sita est in der kleinen zeig. — Ordinayit rAdina» 
meyer * [meyger] etc. necnon wemheri meyer * [meyger] richi oxoris 
de agro off dem büchelrein inter agros hentz bnumers et yöli webera 
^[wäbers] de endfeld. [dis nam heini sAssen frow]. 

[A. D. 1504^ strennoB Johannes amoldns segenser etc. domine 
anne de bonstetten. domine elizabeth meyerin nxomm snarom. johannia 
ülrici segensers et domine elizabeth zendlerin uxoris eins parentum 
etc. dominamm nrsole de zemstal et gertrudis frankhnserin. XXXY. 
florenos. Dise XXXY gl. wnrdend frouw gerttmten segisserin und 
Juncker simen Ton remerstall. anno XXYIU.] 

Gerdrut arowin filia dicti arow. que const. dari I. s. 
ecclesie etc. de bono heinrici dicti fftnis de tnllikon. 

Insuper leg. I. s. p. r. petri brugger. de domo üli baslers con- 
tigua domui rubers. 

RAd. de endveld leg. I. s. 

Ita zenderin const. I. s. de orto Alis wagno contiguo ortis lange- 
rftchen et dietrici an der bleichi. 

XIV. Kl. Chünradus dictus sprü ob. qui et mechthildia 
uxor sua loc. etc. ac pro anna de basel conventuali IL s. 
den. de agro bi dem krütze qui fuit joh. Züricher. 

A. D^ 1495^ ord. elizabeth groppin p. s. a. s. necnon hans wema. 
gropp etc. V. 8. annui census de domo sua sita inter domos heimici 
schAchter et damiani kürsiners. 

ChAnradus faber in clivo ob. qui const. etc. joh. Sco- 
laris filii sui. berchte uxoris etc. YII. s. den. de pratis 
sitift- in edliswile dictis nydolzmatte et kristliselge tali 
videlicet ordinatione quod ecclesie nostre arowe cedere 
debent III. sol. I. lumini. I. plebano et I. premissario. re- 
liqui vero IUI. sol. cedunt sie: ecclesie in erndesbach 
II. sol. ecclesie in kilchberg I. s. et ecclesie in kienberg 

I. sol. Item margaretha de rAda soror predicti c. fabrl 
ob. Item frater jacobus de ordine wilnhelmi domus in 
syon iuxta oppidum klingnow ob. filius predictorum c. et 
berchte. 

Xn. El. BAd. zender ob. qui dedit VI. sol. de orto apud 
turrem de quibus cedunt lumini eccles. de suro XVIII. den. 
hos den. dabit procurator ecclesie preter I. s. qui cedit 
dominio et XYIII den. in sur quos dat dominus heinricua 
de küngstein qui emit ortum. 

* heinricus zeltner item margaretha zeltner soror sua const. 

II. mod. tritici de domibus nunc joh. blAwer et rAd. burgendera 
contiguis joh. wipphen *[wipfen] domui. Insuper leg. I. s. de cur* 
tue et domo dicti ha&er ^[hafiners]. 



375 

* A. D. 1476^ ob. adelheid hüberin qnondam uxor jacobi werber. 
etc. [margreth eggin. domo soa inter domini johannis bücbegger 
et jost . . ien domos aita.] 

* A. 1501® ob. jacobos werber. etc. 

XI. El. * A. D. 1459® ob. dominus hemmannus achtrer * [scherer] 
capellanas hospitalensiam opidi arow qui loc. tres partes unins aorei etc« 

X. KL. Nicolaus de mülbein leg. I. s. den. de domo in clivo 
cAntzlis rebmans contigua domni hündlis de stüslingen. 

* Job. hürster ob. pro c. a. s. leg, ftlricus dictus htirst^r 11. s. 
den. de agro sao sito bi dem galgen. 

* Elizabeth attelwilin * [atterwilln] leg. pro etc. necnon cunradi 
dicti brengger III. s. den. de agro ipsomm am herren ioxta agrum 
dicti wasmers de htmtziswile ^[hantzeswil]. 

IX. Eal. Friko gladiator ob. qui leg. Vi. den. annuatim 
de orto. joh. qnondam de witwile dicti satler qui nunc est 
petri dicti reigen sito iuxta domum leprosi. ecclesie idem 
const. etc. de agro sito uff der aren qui fuit ülrici mel- 
lingers. 

* A. D. 1434® ob. nicolaus institor qui locavit etc. uxorum videl. 
anne et anne baslerin margret de werd ac gAta necnon p. s. pa- 
rentum suorum aberli kramer elyzabeth uxoris domini joh. pres- 
piteri fratris. etiam bans cöpli anna uxoris parentum predicte gute, 
margret. joh. heini germanorum ipsius XXXH. sol. den. tali divisione. 
plebano huius ecclesie V. s. ecclesie ac capellanis sanctorum johannis 
petri nicolai marie magdalene katherine ac capellano hospitalis cui- 
übet m. s. doctori puerorum l. sol. sacriste l. s. dominabus in con- 
ventu sancte ursule 11. s. beginis 11. s. cedunt hii census de bonis 
ecclesie que inbursavit pro hiis XXXII florenos. 

heinricus de witwile leg. I. s. etc. 

heinrich kenler const. I. s. de orto suo infra vallos. 

Vm. Kl. hemma dicta stieberra dedit redditus den. VI. 
lumini IV. plebano qui debet colere annivers. suum et al- 
berchti de witwile patris sui. ite matris sue arnoldi hart- 
manni ülrici et richentze filiorum eorumdem de bono in 
lostorf Werner meiiers. 

* Mechthild. uxor petri dicti reigen ac idem petrus loc. 
pro se et etc. gerungi quondam mariti predicte mech- 
thildis XI. sol. den. de quatuor iugeribus agrorum sitis uff 
büchlirein quorum YIII. sol. dari debent pro pane pauperi- 
bus. isti VIII. solidi cedunt pronunc de domo dicti pressen 
in clivo. 

'*' A. D. 1477® ob. steffan tanhuser ^[tannhuser] etc. constit. 
dari XXV florenos. Habende memoriam heinrici genslis. adelheidis 



376 

nxoris parentum uxoris &lrici tanhiiBere et beli eitcherin vitrice. 
[dise XXY gl. wurdend barbaren scbmatzingerin und iren mittge- 
schwüfltert. Anno XXYm.] 

VIT. Kl. Albrecht dictns vincier de lentzbnrg. dedit 
VI. den. de bono sito in tftffendal. 

* üeli meyer *{tili mejger] in snburbio . ordinavit etc. necnon 
adelbeidis treyerin *[tr&yerinj I. s. 

* A. D. 1414^ domina margareta de baldeg *[balldegg] consti- 
tuit etc. necnon domini rüdolfi de halwil * [hallwil] militis patris 8ui 
et domine lis ^[lise] matris sae. domini marquardi de baldegg 
* [balldeg] militis viri sai et dominicelli hartmanni filii sui etc. 
VI qnartalia tritici de bono in seon quod colit petms fSni ibidem, 
etc. rector scolarium I. s. qni cedit de orto ecclesie quem colit 
rÄdolfus junglis ''^ [Jüngling]. 

Johannes de witwile dictns bellator leg. i. r. sui. do- 
mini nicolai sacerdotis. johannis. gerdrndis et agnese so- 
bolnm eornm. XVIII. den. de orto eorum sito prope domnm 
leprosi. qni nunc est petri dicti reigen. rüdolfas de wit- 
wile frater predicti johannis ob. *et dominus johannis sa- 
cerdos filius predicti rftdolfi ob. 

* A. D. 1478^ ob. petrus herbstrit p. e. a. s. constit. barbara 
uzor eins necnon etc. joh. frick liebi uxoris parentum dicte barbare 
etc. n. s. 

Büdolfus scultetus dictus tw.pfi ob. q. dedit III. s. lu- 
mini de bono in grenkon sito am leidenberg quod colunt 
wernherus et r&dolfus de baldwile. 

Anniversarius dies est dicte bumannina que dedit huic 
ecclesie redditus I. s. de pratis in augia. 

VI. Kl. A. D. 1431® ob. dominus gerhardus kenler *[kennler] 
prespiter huius ecclesie premissarius sive capellanus sct. johannis evan- 
geliste qui leg. XXX. sol. den. cedunt hii census de ortis super Valium 
*[uff dem graben] ex una parte orto plebanie *[ortum plebanatus] 
altera possessione Ali webers. XVn. s. sunt hentzmanni <ücti wipfen 
et est erbgüt. reliqui XIII. sol. cedunt de ecclesia de LX * [quadra- 
ginta] florenis quos consules dederunt ecclesie. 

* Item türing fischer *[vischer] ann reberin gret meyerin 
'^[meygerin] uxores eins constituei*unt pro salute eorum sea omnium 
parentum et antecessorum necnon puerorum hans gretli hentzman 
richi fischerin küni fischer mariti parentum dicti türing III s. lu- 
mini I. s. plebano I. s. ceteris sacerdotibus quinque altarium cum 
capellano hospitalis de prato suo qua itur ad erlispach quod dicitur 
türingsmatt. 



377 

*Hentz vischer *[hemtz vischer] filins dicti türings dedit p. s. 
a. 8. adelheidis zeyn et barbare winterhalderin nzorum suamm omni- 
tunqne a. e. b. I. s. annui census cedens de orto suo quem ab an- 
tiqna *[a seniore] totikerin emit ab uno latere ortom suum prius 
habitnm ab alio ülrici teschlers ''^ [täschlers] ortmn attingens. 

[Idem dedit medium quartale tritici de agro sito uff dem suren- 
feld inter r&dolfam webers et johannem bUwner seniorem. habeatur 
mem. cAnradi homug et johannis zum zuber famuli quondam patris 
eins, dise drü iarzit babend genommen bans viscber und sin scbwöster 
beini tragen frow.] 

V. El. Beiina banwartin de endvelt ancilla jobannis 
dicti Züricher et verena bannwartin soror eins ob. legav. 
IIL sol. den. de domo nicolai dicti frombeis sita an der 
milcbgassen iuxta domum dicti ordens. IUI. den. ecclesie. 
im. den. communioni large. IUI. den. plebano. capellanis 
altarium scti. petri scti. jobannis. scti. nicolai. scte. katbe- 
rine scte. marie magdalene. cuilibet herum IUI. den. et 
bospitali IUI. den. 

* A. D. 1443® ob. wemherus rewig. leg. etc. L Ib. den. cedunt 
hii census — et habet hos florenos r&dolf wechem. 

* A. D. 1465" constituit agnes flssenbergin * [Aosenbergin] etc. 
rAdi Assenberg * [Aosenberg]. heine entfeld. hans scheidegser. bans 
langenthal etc. I. s. den. de orto seu canapeto *[canopetoJ uff der 
telchi inter ortos johannis fds et cünradi sattler. 

heinricus dictus triego de sekingen et Johannes filius 
eins ob. p. q. r. uxor tilrici arouwe redditus VI. den. de 
area ante portam superiorem super qua residet belina de 
w6schenow quousque alibi comparentur. 

* heinricus egg adelheit brunnerin uxor eins constit. etc. census 
duorum solidorum. etc. de canopeto suo inter canopeta domini militis 
aegensers et johannis matzen sito. [dise ward Ali bettschier siner 
tochter. Anno XXVm.] 

heinricus schübitz et judenta uxor sua leg. etc. I. s. 
de domibus in clivo im mülihof dictorum furers et korners. 

IV. El. Heinricus moUitor etc. ob. de quor. anniyers. 
datur annis singulis sol. unus de bono in lostorf wem. 
meiiers. 

Nos uniyersitas fraternitatis minoris in arow statui- 
mus et ordinamus tenore presentis pagine. uti sacerdos 
buius ecclesie una cum premissario socio suo ieiunio qua- 
tuor temporum quadragesimali singulis annis colet atque 
celebret videlicet feria quinta infra ieiunium anniversa- 
rium nostri omnium tam yiTorum quem mortuorum. quare 
uterqne eorum percipere debet VIII. den. annuatim de 
quatuor iugeribus agri arnoldi dicti tachnagels siti ze 



378 

den husen. lumini etiam VIII den. cedere debent pro deo 
vero. Tinas solidns debet erogari ad largam com. tali oon- 
dicione adjecta. si idem arnoldus dictum agrnm liberare 
volnerit. debet alio in loco dictum remedium comparare. 
insuper unus solidus den. cedere debet sororibus in con- 
ventu de orto eorum a quo comparatus est. etc. 

A. D. 1491® ob. michel Christian opidi nostri prothonotarius p. c. 
a. r. dorothea mutschlin uxor eins legiüma. necnon etc. agnetis her- 
portin sororis sue convitterie filie eins agnetis. anne hodJin prioris 
uxoris sue. constituit etc. redditus trium librarum monete nostre usu- 
alis. etc. ecclesie procurator det quatuor solidos. scolarium rectori 
duos solidos. sacriste unum solidum. conversis unum solidum. 

petrus de bedingen leg. IL sol. de domo gerine de 
rore que nunc est dicti meiiers pistoris (dat langeröchen). 

m. Kl. Heinricas dictus riso de tegervelt. margare- 
tha uxor eins et dominus heinricus plebanus incuratus in 
knutwile filius eorum ob. p. q. r. lütinus faber filius eorum 
etc. leg. redditus IUI. sol. de hiis datur I. s. de prato ec- 
clesie sito iuxta sur et III. sol. dantur de duabus domibus 
lütini sitis in suburbio ante portam superiorem nunc de 
domo johannis löwen textoris. 

Mechthild. uxor petermanni de holdem ob. qui petrus const. IE. 
sol. den. qui cedunt de agro sito iuxta viam einfeit et dictam len- 
gerben. 

* Item adelheidis filia petri de holdem leg. etc. V« sol. den. de 
agro bi dem crützbome ''^ [crützbom] quem colit dicta sporerin. 

Item mechthildis de endvelt leg. XVIII. den. de agro 
sito bi betkenbrunnen qui fuit ülrici mellingers. 

* Margaretha uxor johannis schnegans *[sneegans] p. s. a. oth- 
manni suter et vigile '''[vieli] uxoris parentum suorum etc. loc. 11. 
sol. de orto suo sito in vico quo ad leprosoriom itur. 

* n. El. ' Ob. hac die dux lüpoldus austrie. sub anno 
computato. a rege celi nato. milleno trecenteno. sexto cum 
viceno. in urbe argentina. heu quam trux sentina. mortis 
hunc eripuit. qui bella semper habuit. ut iudas macha- 
beus. rogetur ergo deus. ut sicut hie suppressit. hostes 
atque gessit. miranda sua vita. subpeditetur ita. inimicus 
mortis, ut non suis portis. existat deputatus. sed per eum 
celo datus. rapuerit hoc iter. vivens eternaliter. 

Heinricus zender de rubiswile et sophja uxor sua leg. 
VI. den. de prato dicto sengers matt sito in zeigleren, rüdolf 
de endvelt de rubiswile dat. 

* Heinricus emdveld leg. Uli. sol. de agro suo uf der telchi prope 
agrum ülrici sumers. ob. adelheit knöphin uxor hentzmanni entveld. 



379 

* A. D. 1437^ Johannes rewig ita mor leg. pro etc. beringer 
zimberman, hensli megger de lentzbnrg 11. 8ol. cedunt de bonis ec- 
clesie quos ego Johannes atterwile tum procnrator ecclesie dedi ad 
campanam etc. H. florenos. 

Adauxit idem bans rewig dando IV florenos habende etiam me- 
moriam margrethe meigerin. et sunt illi IV flortni ad fabricam com- 
mntati in recompensam quommdam IV deperditorum per dominum 
rewig mollitorem quondam plebanum. 

Wemherus dictus komer const. IT. sol. cedunt de domo sua in 
cliyo dicto im mülihof, 

Kl. Martii. Mecbthild de schSftlang conversa ob. leg. 
VI. den. de bono in erndesbach quod colit dictus schrote. 

* A. D. 1425^ leg. Johannes springinsak. petrus springinsak 
frater eins ac margaretha tottikerin soror eorum etc. V. quartalia 
avenarum de prato in bftnken ^[bencken] dicto die hangend matt 
und von einem bletzelin dar under gelegen, super quibus littere sunt 
reposite in lata ecclesie. Insuper legaverunt dominabus de conventu 
sce. ursule xmum pullum autumpnalem de eodem prato cedentem. et 
colit pratum antedictum de presenti wemherus de rore von benken. 

Beiina springinsakin leg. redditus VI. den. i. r. a. s. i. 
ülrici de seon fratris sui. de domo chAntzini zimbermans 
que nunc est schertleibs. 

A. D. 1414^ dominus Johannes springinsak rector scolarium in 
arow. dominus wemherus springinsak presbiter et hentzmannus fra- 
tres antedicti johannis leg. pro etc. ac cristine meyerin de erndes- 
pach. XIII. sol. den. de et super prato suo proprio in emdespach 
sito inter präta ibidem. 

[Rüdolfus stäli et anna baslerin uxor leg. ob. s. etc. heinrici 
gamarlikar (?) XXXII aureos. Dise XXXTI gl. wurdend rüdolff im ho& 
frouwen siner tochter.] 

VI. Non. heinricus de tenwil leg. VII. sol. den. cedit 
unus sol. de agro suo iuxta betchenbrunnen et potest com- 
parare IUI. sol. de domo dicte smidinen sita in clivo et 
IL sol. communioni large qui cedunt de propria domo sua 
dicta in mülihoff. Item const. 1. sol. de propria domo sua. 

Item leg. swester anna de tennwil conversa 1. sol. de una pünta 
que est eius propria trans ararem inter pratulum rüdolfi sculteti et 
pomerium hentzmanni springinsaks. 

[A. D. 1491° ob. michel cristan prothonotarius opidi arow. 
dorothea mutschlin uxor etc. necnon agnetis herbortin. anne hodlin. 
etc. Dise XXX gl. wurdend andres christan und siner geschwüster.] 

* A. D. 1477® ob. jost vogt qui ob. s. a. s. necnon converse 
anne gilgin fllie sue adoptive dedit decem florenos ad fabricam ecclesie. 

Verena philerein ob. et Johannes maritus eius leg. etc. 
domii^o wernhero quondam rectore ecclesie in schftftlang 



380 

et ita dicta hüterin, redditus I. sol. de bono sito in obern 
gftskon dicto bellikers gut quod colit agnes dicta hellikerin. 

V. Non. Hemma de holdem leg. VI. den. de area dicte 
sidlerin que nunc est rüdolfi de brugg. 

R&dolfus kSffi leg. II. sol. cedunt de domo r&dolfi 
kfiffi in clivo si'ta apnd domum rüdolfi springensaks 
sartoris. nicolaus de saartwil et richentza nzor sua 
etc. const. II. 8ol. cedunt de predicta domo rüdolfi 
kiffis. 

Nesa kftffin leg. sol. I. pro se et rddel mariti sui. qui cedit de 
vineis dictis der rotacker iaxta vineas wemheri peyers. 

. * A. D. 1488^ ob. Johannes gropp etc. necnon welti ammann 
elizabeth uzoris parentum uxoris dicti johannis groppen ordin. I. s. 
annuum pro quo dedit elizabeth groppin uxor dicti johannis nnum 
florenum. [ward elsi grippli.] 

* Wemherus *[wema] refel anna schertleibin uxor eins ordin. 
etc. necnon heini tubler margret uxor patrui sui gret schlosserin 
amitte eins etc. 11. sol. annui census de . et super orto suo cuius 
unum latus attingit plebani ortnm. alterum heini kallenbergs ab ante 
ad stratam publicam. 1493. [dise EL. s. gelte von des hüttmachers 
garten wurdend eisin refeil des pMgmachers frouwen die nam vom 
hüttmacher II Ib. derfür.l 

Heinricus hertzogo ob. et berchtoldus müliman ob. p. 
q. r. gerdrudis uxor eorum filia heinrici textoris in cHyo 
const. annuatim XIIII. den. de prato ecclesie apud sur. 

* A. D. 1451** ob. rüdolfus velthein civis oppidi arow. const. 
etc. unum medium *[unum fehlt] florenum pro quo ecclesia impur- 
savit X florenos. 

Johannes de boswile de louffenburg ob. qui legavit 
redditus I. sol. plebano huius ecclesie de novis pratis ec* 
clesie sitis in augia. Item leg. conventualibus L sol. pro 
piscibus de orto ipsorum. Item dedit VI. lib. den. ad edi- 
ficium huius chori. 

IV. Non. Heinricus de towoltswile dedit redditus VIII. 
den. de bono in muchein. 

Rüdolfus dictus velthein et adelheit uxor eius leg. etc. m. sol. 
den. annuatim de domo waltheri de bochdorf sita iuxta domum 
johannis brächet. — J'ohannes velthein margaretha uxor sna etc. 
const. VI. sol. den. de domo suo sito inter domos dicti heidelbergs 
et Alrici tumli (?). 

Margaretha kriegin leg. p. r. a. s. et cAnradi dicti krieg 
mariti sui etc. III. sol. den. de domo waltheri de hochdorf 
sita iuxta domum johannis brächet. 



381 

Bndolfas velthein leg. etc. margarete krieginen nxoris sue. IX. 
8ol. den. de et super prato suo aito inter pratä in emdespach. colit 
dictns basenkopf. 

Heinricas de bürglon dictus hdbtiggi leg. pro se et 
hemma uxore sua I. sol. de prato sito in kfilikon dicto nf- 
lang. item predicta hemma leg. pro se johaiyiie dicto 
hacho et adelheit parentibus ipsius etc. I. sol. de bono 
sito in obern gftskon dicto bellikers gut quod colit agnes 
bellikerin et joh. filius eins. 

in. Nono. A. D. 1407^ ob. elizabetba dicta snrin nzor olim 
jobannis dicti wipfen. que const. p. s. etc. ite de banmos filie eins 
et p. 8. a. patris waltberi mejers * [mejgers] de lentzbnrg et verene 
matris eins etc. qnataor modios tritici de domo jobannis dicti blöwer 
Sita inter domos relicte dicti panltis bug et relicte ülrici dicti de 
ölten, tali ordinatione quod cedere debent sex qnartalia tritici pro 
pane et pulmento panperibus ad largam specialem, nnom quartale 
tritici pro hostiis. nnom quartale tritici ad lumen et communionem 
largam etc. — £t sciendum est quod idem modius tritici cedere debet 
gerdrude sorori dicte kupferschmidin conventuali einsdem conventos 
tempore vite sue et post mortem eins cedit ceteris conventualibus. 

* A. D. 1496^ ob. Jobannes blauner. const. etc. I. sol. annui 
census cuius ocasionem exposuit et dedit unum florenum in promto. 
[dis ward eisin siner tocbter wendeli webers frouwen.] 

Rüdolfus stürmli ob. dedit i. r. etc. ülrici roten filiastri 
etc. I. s. de novis pratis augie. 

* Nesa *[Agne8] dicta T^lmin uxor petri dicti vdlmis 
*[Y6lmin] ob. leg. IL modios tritici. III. quartalia pro pane 
ad largam et I. quartale pro pulmento. I. qr. plebano. I. qu. 
premissario. I. qu. ecclesie et I. qu. communioni large. de 
domo dicti müstensteins. que nunc est jobannis dicti scbni- 
der que locata est prope domum lütini *[lüti] fabri et 
super orto eiusdem müstensteins sito in vico prope ortiim 
rüdolfi webers. 

A. D. 1418^ ob. dominus rddolfus stegman capellanus altaris 
mähe magdalene. 

Burkart golder. bercbta uxor sua. p. q. r. cAntzinus 
golder filius eorum leg. I. s. de domibus in clivo im müli- 
hoff dictorum furers et korners. 

II. Non. Conversa anna austinensis (?) ob. q. leg. unum 
solidum qui annuatim dari debet de domo gerine de rore 
que nunc est meiiers des pfisters. 

Dictus francz leg. X. s. den. de domo leonis antiqui. 
Hermannus sewer et mecbtbild uxor sua const. I. s. 



382 

* A. D. 1461^ heinricns hechler civis huins opidi const. 11. s. 
pro se et uxoribus suis elizabeth zoberstin *[el8z zobristin] elz 
'''[elsz] senglerin it *[ite] rorerin heiz et it paerorum jenni hechler 
margret uxoris parentum dicti heinrici hechlers etc. et ut habeatur 
memoria heinrici bücheggers viri legitimi dicte it rorerin. habeatur 
Btiam memoria ann rotin *[r6tin] rAedini *[rüdi] rot mariti filie 
Elizabeth senglerin et johannis httsler mariti etiam elizabeth. [dise 
ward eisin grepplin so man nempt elsi tr&ier]. 

Nonas. Anniversarius dies ülrici wagner. margarethe 
uxoris sue et adelheidis de conventu filie eorum qui lega- 
verunt redditus I. sol. de orto quondam h. wagner in vico. 
quem colit dictns schennis. — Iteml. sol. ecclesie de orto 
c. teken trans aralam quod jam dicta aqua devastando 
totaliter remoyerat. Item L qnartale tritici de domopetri 
dicti totinker sito in foro commnnioni large. Item hein- 
ricns wagner et mechthildis uxor eins ob. qui legavernnt 
quatuor sol. de prescripto orto in vico et I. sol. de orto 
nunc antiquo de holdem, de hiis den. cedunt etc. Item 
petrus kramer adelheidis uxor eins etc. leg. I. sol. de orto 
post domnm ipsoram. Item leg. I. sol. de eodem orto pro 
rem. ü.lrici rufi institoris etc. Item dominus waltherns dic- 
tns yarwang quondam incuratus in sur. dominus ülricus 
incuratus in Inzlingen frater suus. gerdrudis matertera 
«orum. ortolfus filius illius ob. q. leg. I. sol. de eodem orto 
etc. Item ülricus kramer etcl leg. II. s. de prato ecclesie 
sito iuxta sur et II. s. de blanken akker. 

Item conversa gerdrudis wagnerin etc. leg. etc. red- 
ditus XL mod. Spelte et III. mod. avene. pro hac avena 
dantur deinceps II. mod. spelte de bono sito in lostorf 
quod colit wernherus *[werna] diethwi. Item I. maltrum 
spelte et I. maltrum avene de bono sito in gftskon *[gAs- 
gen] quod colit merchinus *[merchi^ dictns vischer. Item 
X. quartalia spalte de bono sito in obern ernlispach *[ober 
erlispach] quod colit ülricus b&nker *[bänker]. Item II. mo- 
dios spelte de bono sito in aspe quod colit gerdrudis dicta 
hellikerin etc. 

Item prescripta gerdrudis leg. unum agrum libere 
hospitali situm uff dem holenwege obenan an heinr. 
des sumers akker reddentem singulis annis Y. quar- 
talia siliginis. 

A. D. 1431® hentzmannus springinsak bell uxor eins legittima 
leg. etc. IV. sol. den. ecclesie etc. 

* A. D. 1464° ülricus zw61ffer const. pro se et uxore eius anna 
xeltnerin etc. XVI. den. de horreo kallenberg * [kallenbergs] contiguo 
domui petschlers ^ [betschlers] etc. 

Magister ülricus reber de krentzach ob. q. leg. red- 
ditus I. sol. etc. 



383 

Burkart regensperg et ita uxor sua dederunt I. 
8oL de bono in tftffendal. 

VIII. Idus. — Qnedam bona matrona pro 8. a. 8. et snorom 
parentnni et omnium benefactorom et etiam malefactortun se calump- 
niantium dedit ecclesie I. flor. pro I. sol. annui census solito more 
dividendo. 

Waltherus sntor de endvelt richentza uxor eins ob. 
p. % r. mechthildis filia waltheri predicti et p. s. i. et 
r&d. dicto zender marito sno etc. leg. redditns I. 8. de 
orto 8U0 sito inxta ortum stürmlinen etc. Item mecht. 
zenderin const. pro se katherine filie etc. et p. a. cftn- 
radi scbfinis mariti eiusdem katherine. et pro hem- 
manne oltinger etc. II. sol. de orto predicto. 

Berchtoldus binde const. I. s. de agro bi dien nus- 
l)OiLmen qni est ftlr. tolneatoris. 

* Vn. Idus. Anno D. 1476** ob. conradus fliner q. o. a. s. r. nn. 
elline hartmannin uxoris anne fiUe eins et heinrici kAeninger ''[kflnin- 
ger] mariti eins etc. const. IQ. sol. de prato sito in nüwenmatt attin- 
gens ab uno latere pratum henslini buchsers etc. 

* Margret murerin relicta meister bans murers ^[magistri jo- 
faannis lapicide] dedit p. s. a. s. et-c. necnon aberli zimberman eis 
uxoris parentum ipsius margret II. s. 

•^ Anno D. 1477® ob. meister Sebastian gisels *[gysel] von 
loufen '''[louflfen] lapicida et structor ecclesie nostre p. c. a. r. dedit 
£rater suus meister bans lapicida etc. viginti florenos ad structuram 
etc. sing, annis procurator ecclesie debet deure plebano I. blap. *[pla- 
phardum]. 

* A. I. D. 1478® ordinaverunt converse due scilicet gret ubel- 
bartin [übelhartin] et margret etc. viginti quinque florenos. tali 
divisione plebano I. s. cuilibet ecclesie capellano quorum numero 
decem sunt scilicet sancti jobannis. s. katherine. s. mkhaelis. s. 
nicolai. 8. marie magdalene. s. barbare, omnium sanctorum. s. va- 
lentini. sancte crucis et hospitalis capellano III. s. ilil. d. scolastico 
I. s. sacrist«. I. s. sanctimonialibus ad sanctam ursulam. I. s. resi- 
duum retinebit s. ecclesia. 

* Conversa ursula dedit p. a. r. s. necnon bans st&rck *[sterck] 
patris sui anne schüechlerin ''^ [schAchlerin] matris etc. 11. s. 

B&di sdsso adelheit uxor sua leg. p. s. etc. II. sol. 
«tc. de orto ecclesie in vico prope pomerium anne de 
kienberg quem, colit greta relicta quondam c. süssen, 
cedit I. s. etiam de domo dicti furers im mülihof. 

[Ursula zyffin relicta quondam johannis zyffen dedit pro etc. 
adalheit boUer I. florenum. Dis ward ir selbs wider.] » 



384 

[Hans zobrist teolonearias leg. IV talenta. Dieses ward trütli 
zoller siner tochter.] 

Johannes dictus schriber et anna uxor etc. ob. p. q. r. 
e. 8. i. dominus nicolaus rector ecclesie in eschkon filius 
eorum con^t. IUI. 8. etc. de domo howers qae nunc est 
nicolai lungen. VII. sol. etiam de orto hiltprandi. vacant 
Vn. 8. de domo rumans. 

VI. Id. Johannes de triengen ob. qui dedit de orto 
renftlini quo nunc est rüd. dicti wipfen VIII. s. 

Lucia dicta herderin Johannes under dem herd ma* 
ritus eins leg. pr. r. a. domini nicolai rectoris ecclesie 
in eschkon prescripti fratris predicte lucie etc. I. mo- 
dium tritici de pomerio sito iuxta pomerium dicti ti- 
flchel. I. qr. tritici plebano. I. qr. premissario. capel- 
lanis IV altarium sancti nicolai. sancti petri. sancte 
Catherine, sancte marie magdalene. cnilibet medium 
quartale tritici. I. quartale hospitali. habeatur etiam me- 
moria chünradi dicti bUwers maritus predicte lucie h