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Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 



Im Auftrag des Vereitln herausgegeben 



Heinrich Schnock. 






DREIZEHNTER JAHRGANG. 




AACHEN. 

Kümmissions -Verlag der Cremerschen Buchiiwdming (C. Cazin) 

1000. 



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INHALT 



Seite 

1. Der „dialogus miraculorum" des Cäsarlus von Heisterbach in seinen 
Beziehungen zu Aachen. Von J. Pschmadt 1 

2. Nachtrag zu dem Aufsatz: Zur Geschichte des Hauses „Zum Hörn" 
in der Jacobstrasse in Jahrg. XII, S. 31 ff. dieser Zeitschrift. Von 

H. Savelsberg • ■ Iy 

8. Das Hans zum roten Ochsen in Aachen. Von H. F. Macco . . 26 

4. Herzog Karl der Kühne von Burgund und die Reichsstadt Aachen. 
Von W. Brüning 34 

5. Matthias Cremerius. Von H. F. Macco 52 

6. Zur Geschichte der Wege- und Wassergerechtsauicn in der „Aacher 
Heide" aus dem 18. Jahrhundert. Von H. Savelsberg . ... 59 

7. Das Haus zum Lewenberg. Von H. F. Macco 94 

8. Margraten und seine Besitzer. Von H. F. Macco 100 

9. Kleinere Mitteilung: 

Beschlagnahme des Weinkellers eines Emigrierten. Von 

M. Schollen 118 

10. Litteratur: 

Neuester Führer für Aachen und Umgebung von Dr. med. B. M. 
Lersch. Sechste, gänzlich umgearbeitete Auflage. Von Dr. 
Heinr. Savelsberg. Von H. Schnock 120 

11. Vereinsaiigelegeiiheiten : 

Bericht über das Vereinsjahr 1900. Von H. Schnock . . . 123 

12. Verzeichnis der Mitglieder 124 



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Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 



Im Auftrag dos Vereins hermisgegeüen. 



Heinrich Schnock. 



DREIZEHNTER JAHRGANG. 




AACHEN. 
Kommissions -Verlag der Cremerschen Buchhandlung (C. Cazin). 

1:900. 



Aus Aachens Vorzeit. 



Jährl. 8 Nummern y^ B L ?^^^:'Jm^ 7Jr Kommissions-Verlag 

-r, . -, T , J/^^f £$l\ ; l Cremer'schen Buchhandlunq 

1 reis des Jahrgangs // *l&f&F*^A ■ 

Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 

Im Auftrage des Vereins herausgegeben von H. Schnock. 



Nr. 1/8. Dreizehnter Jahrgang. 1900. 



Inhalt: J. Pschmadt, Der „dialogus miraculorum" des Cäsarius von Heisterbach in 
seinen Beziehungen zu Aachen. — H. Savelsberg, Nachtrag zu dem Aufsatze: Zur Ge- 
schichte des Hauses „Zum Hörn" in der Jacobstrasse. — H. F. Macco, Zur Geschichte 
des Hauses zum roten Ochsen in Aachen. — W. Brüning, Herzog Karl der Kühne von 
Burgund und die Reichsstadt Aachen. — H. F. Macco, Mathias Cremerius. — H. Savels- 
herg. Zur Geschichte der Wege- und Wassergerechtsamen in der „Aacher Heide" aus 
dem 18. Jahrhundert. — H. F. Macco, Das Haus zum Lewenberg. — H. F. Macco, 
Bfargraton und seine Besitzer. — Kleinere Mitteilung: M. Schollen, Beschlagnahme des 
Weinkellers eines Emigrierten. — Heinrich Schnock, Litteratur: Neuester Führer für 
Aachen und Umgebung von Dr. B. M. Lersch. Sechste, gänzlich umgearbeitete Auflage 
von Dr. II. Savolsberg. — Vereinsangelegenheiten: Heinrich Schnock, Bericht über das 
Vereinsjahr 1900. — Verzeichnis der Mitglieder. 



Der „dialogus miraculorum" des Cäsarius 
von Heisterbach in seinen Beziehungen zu Aachen. 

Von J. Pschmadt. 

Jeder Rheinländer kennt das waldumrauschte Heisterbach 
mit seinen malerischen Trümmern, die ein ebenso beredtes 
Zeugnis ablegen von der Kunst der Cisterziensermönche, die 
hier von 1203 — 33 ein prächtiges Gotteshaus erbauten, als auch 
von jener Barbarei, die sich in unserm Jahrhundert nicht scheute, 
ein so schönes Bauwerk zu zerstören. 

In der langen Reihe von Mönchen, die im Laufe von GOO 
Jahren Heisterbach bewohnt haben, ist wohl keiner weitern 
Kreisen so bekannt geworden, als der Prior Cäsarius, der zur 
Zeit der Erbauung der Kirche dort lebte. Cäsarius war ohne 
Zweifel Rheinländer; vielleicht war Köln seine Vaterstadt. 
Jedenfalls hat er als Knabe in Kölner Schulen seine Ausbildung 
genossen. Er mag um das Jahr 1180 geboren sein. In das 



— 2 — 

Kloster trat er gegen die Wende des 12. Jahrhunderts, etwa 
um 1198 oder 1199, und starb daselbst in den vierziger Jahren 
des 13. Jahrhunderts. Cäsarius nahm im Orden eine geachtete 
Stellung ein. Er war der Freund und Reisebegleiter mehrerer 
Äbte und bekleidete die Ämter eines Priors und Novizen- 
meisters. Seinen Ruf nach aussen verdankt er seinen Schriften. 
Er selbst hat uns ein Verzeichnis derselben hinterlassen, in dem 
36 Nummern theologischen und geschichtlichen Inhaltes aufge- 
führt sind. Durch die Werke des Cäsarius weht die Freude 
am Geheimnisvollen. Namentlich tritt dieser Zug in seinem 
Dialogus miraculorum hervor, einem Buche, in dem in Form 
des Gespräches eine Menge von Wunder-, Geister- und Teufels- 
geschichten erzählt wird. Wegen dieser Schrift ist Cäsarius 
der Gegenstand zahlreicher Angriffe gewesen, und in Spanien 
ist das Buch sogar verboten worden. Es lässt sich auch nicht 
leugnen, dass es ein Denkmal der Leichtgläubigkeit des Schrift- 
stellers und seiner Zeit ist. Die meisten der in demselben 
enthaltenen Geschichten ergeben sich auf den ersten Blick als 
Erzeugnisse erregter Einbildungskraft. Andere verdanken ihre 
Aufnahme in ein Buch der „Wunder" nur dem damaligen Mangel 
an heil- und naturwissenschaftlichen Kenntnissen. Aber wenn 
die Schrift ihre Schwächen hat, so besitzt sie doch auch ihre 
Verdienste. Es tritt aus ihr das Volksleben jener fernen Zeit in 
klaren und ansprechenden Bildern hervor. Sie bildet eine un- 
schätzbare Fundgrube für die Personenkenntnis, für die Er- 
forschung der Sitten und Bildung sowie des Sagenreiches des 
13. Jahrhunderts. Cäsarius ist auf seinen vielen Reisen auch 
mehrfach in Aachen gewesen. Gehörten doch die Nonnen des 
Salvatorberges seinem Orden an. So konnte es denn nicht 
fehlen, dass auch unsere Heimat in den Mitteilungen des Heister- 
bacher Priors verschiedentlich erwähnt wurde. Mehreres von 
dem, was Cäsarius aus Aachen und Umgegend erzählt, ist 
bereits in einigen Schriften über Aachener Geschichte wieder- 
gegeben worden. Eine Zusammenstellung aller seiner Mittei- 
lungen aus Aachen in hiesigen Veröffentlichungen fehlte bis 
jetzt. Eine Ausfüllung dieser Lücke dürfte nicht unwillkommen 
sein. Wir halten uns dabei an die Übersetzung von A. Kauf- 
mann in den Annalen des historischen Vereins für den Nieder- 
rhein, Heft 47. 

Werfen wir zunächst einen Blick auf das damalige Aachen. 



Es ist das Jugendalter unseres vaterstädtischen Gemeinwesens, 
in das die Erzählungen des Cäsarius uns versetzen. Der zur 
Stadt erhobene „königliche Ort" ' hat eine für die damalige 
Zeit ansehnliche Grösse erlangt. Während das Aachen Karls 
des Grossen aus der Pfalz dieses Herrschers und einem westlich 2 
von dieser gelegenen Flecken bestand, hat in den folgenden 
vier Jahrhunderten die Ansiedelung des Volkes sich so ver- 
größert, dass die alternde Königsburg sich von derselben 
rings umgeben sieht. Sie bildet nun nicht mehr die östliche 
Hälfte, sondern den Mittelpunkt Aachens. In den Strassen der 
Stadt bewegt sich eine täglich wachsende, ebenso privilegien- 
stolze als gewerbfleissige und thatkräftige Bevölkerung, die 
aber auch dem Leichtsinne 3 nicht abhold ist. Ihre Häuser sind 
ziemlich eng umschlossen von der durch Friedrich den Rothbart 
angeordneten Befestigung, deren Mauerring vielleicht noch nicht 
alle seine 20 Thore und Türme 4 erhalten hat, die aber doch 
schon stark genug ist, Handstreiche abzuwehren und dem Land- 
volk der Umgegend in Kriegszeiten eine sichere Zufluchtsstätte 
für sich und seine fahrende Habe 5 zu gewähren. In der Mitte 
der Stadt erhebt sich, weithin sichtbar, die Pfalz. Ihre Kapelle 
ist wohl erhalten, und man hat ihr nur neumodische, romanische 6 
Dächer aufgesetzt. Sie dient eben unvergänglichen Zwecken, 
ist wohl bestiftet und wird von einer angesehenen Genossen- 
schaft, dem Stiftskapitel, bedient und gepflegt. Ganz anders 
verhält es sich mit dem Palaste. Seine Zeit ist vorbei. Die 
Könige, deren grosser Vorgänger ihn erbaute, erscheinen 
kaum noch das eine oder andere Mal in den verfallenden 
Hallen. Die Güter, welche der Pfalz ihren Bestand sichern 
sollten, sind grossenteils veräussert, und die Männer, die von 
dem alten Kaiserschlosse aus das Recht und den Vorteil des 
Reichsoberhauptes wahrzunehmen berufen sind, scheinen sich 
allmählich in Aachener Bürger zu verwandeln 7 . So sieht man 



J ) Quix, Codex äipl. Nr. 160. 

2 ) Einhai- d, Hist. translat. reliq. SS. Petri et Marcellini Cap. XIV. 

3 ) Meyer, Aachensche Geschichten S. 245, 249. 

4 ) Rhoen, Befestigungswerke der freien Reichsstadt Aachen, 
Situationsplan. 

6 ) Siehe S. 6. 

6 ) Siehe die Darstellung des Münsters auf dem Karlsschreiuc ; T-ock, 
Das Heiligthum zu Aachen, S. 6, Figur VI. 

7 ) Quix, ('..(lex Nr. 166. 



— 4 — 

der Pfalz denn deutlich die Unbilden an. die der Zahn der 
Zeit. Feuersbrunst und Kriegsnot ihr anirethaii haben. Neben 
den Türmen des Palastes und des Münsters überragt der 
Turin der neuen Leutkirehe, St. Foillan, die Ringmauer der 
Stadt, andeutend, dass neben den Faktoren, welche der alten 
nrbs Aquensis Ms dahin ihr Gepräge gegeben haben, ein weiteres 
Element auf der Bildfläche erschienen i*t. dessen Bedeutung 
vom Beginne des 13. Jahrhunderts ab in zahlreichen Urkunden 
zum Ausdruck kommt, und das in der Zukunft neben den 
königlichen Beamten, den Urteilsündern des Schüffenstuhles und 
den Würdenträgern des Stiftes sich zur Geltung bringen, ja 
vorherrsehen soll, das Bürgertum. Vor den Thoren erheben 
sich die Gotteshäuser von St. Salvator, St. Peter. St. Adalbert 
und St. Jakob. Sie liegen meist an jenen Strassen, auf welchen 
seit Jahrhunderten Landvolk und Kaufleute, Pilger und Herren. 
Fürsten und Könige den ersten Königshof im Reiche 1 auf- 
gesucht haben, und zeigen zugleich die Hauptrichtungen an, 
nach denen sich die Stadt aus lehnen wird. 

Reichliche Waldbestande umgeben diese, und ihre grimmig 
Bewohner, die Wölfe, bilden eine wahre Landplage 2 . 

Das Aachen des beginnenden 13. Jahrhunderts nennt sich 
die -königliche Stadt" 3 , nicht bloss in dem Sinne, in welchem 
noch unsere Urgrossväter sich mit Stolz Bürger der kaiserlichen 
freien Reichsstadt nannten. Nein, es führt diese Bezeichnung 
auch darum, weil dieselben Leute, die meist in dein „königlichen 
Orte" an Stelle des Königs alles zu bedeuten gehabt haben, noch 
fiutfahren, im Namen des kaiserlichen Herrn das grosse Wort 
zu fahren. Es sind das die kaiserlichen Beamten: der Vogt, 
der Schultheis» und der Meier 4 . Neben ihnen bilden Ministerialen. 
Ritter und Schöffen den massgebenden Teil der Bevölkerung, 
vornehme Männer, deren Damen sich bei Ausgängen von Dienern 
begleiten lasseu 5 . Seit Jahrzehnten erben die Amter von Vogt 
und Schultheiss in denselben Familien fort 6 . Die Vögte heissen 



') Vgl. die Sequenz auf Karl den Grossen, Haagcn, Geschichte 
Achens, Bd. I. S. 129, 1. Str. 
2 j Sieh - 

- h 3. l". 
4 i Quix, Codex Nr. I 7, 

Siel S. 5. 

I rscli, Achener Rechtsdenkmäk-r S. 241. 



meist Wilhelm und nennen sich, wie es aller Vögte Brauch ist, 
nach dem Orte „von Aachen". Die Schultheissen tragen den 
Namen Arnold und entstammen der edeln Sippe „von Gymnich". 
Neben der weltlichen Obrigkeit haben auch die Vertreter der 
Kirche höchstes Ansehen. Die Mutterkirche ist unser ehrwürdiges 
Münster. Seine Würdenträger 1 , Dechant, Propst, Scholaster, 
Kantor und Erzpriester, gemessen hohe Ehren. Erlauchte 
Männer haben diese Würden schon bekleidet. Der Erzpriester 
ist das geistliche Oberhaupt des Volkes. Das Stiftskapitel steht 
unabhängig neben den weltlichen Obrigkeiten. Als Korporation 
ist es älter als die bürgerliche Gemeinde. Es verwahrt deren 
Siegel, Urkunden und Privilegien 2 . Seine gelehrten Geistlichen 
amten als Archivare und Notare. Sie verwahren nicht bloss 
der Stadt Privilegien, sondern stellen deren auch ans, wenn es 
nötig ist 3 . Das Kapitel und seine Untergebenen sind von 
städtischen Lasten frei 4 . Zwischen Pfaffheit und Laien herrscht 
nicht immer gutes Einvernehmen 5 . Schon haben Aachener 
Ritter auf kaiserlichen Befehl bestraft werden müssen, weil 
sie an Stiftsherren des Münsters die frevelnde Hand gelegt 
haben 6 . Während das links der Wurm liegende Aachen zur 
Diözese Lüttich gehört, untersteht das „over Worin" liegende 
Burtscheid mit seinem herabgekommenen Benediktinerstift 7 dem 
Erzbischofe von Köln. Das Volk ist seit Jahrhunderten zum 
Christentum bekehrt und durch seine Geschichte und seine Ein- 
richtungen mit demselben enge verwachsen. Dennoch müssen 
einzelne Reste des Heidentums von iler Kirche noch immer 
bekämpft, werden. Man tanzt um den Maibaum 8 und veranstaltet 
ans heidnischen Anschauungen hervorgehende Aufzüge 9 . Daneben 
zeigen sich auch Kundgebungen tiefen Ernstes und grosser 
Frömmigkeit. 

Gehen wir nun zu den Mitteilungen über, die Cäsarius 



') Quix, Cudcx Nr. 40. 

2 ) Quix, Codex Nr. 166 und Lacomblet Bd. II, S. 92. 

3 ) Loersch, Acliener Rechtsdenkmäler 3. 3. 
*) Haagcn, Geschichte Achcns Bd. I, S. 148. 

5 ) Siehe S. 10. 

6 ) Quix, Beiträge Bd. II, S. 176, Annalcs aq. 

7 ) Quix, Die königlich; Kapelle, ürk. 20. 

8 ) Siehe S. 10. 

9 ) Meyer, Aachensche Geschichten S. 249. 



voii Heisterbach uns aus dein damaligen Aachen hinterlassen 
hat. Er erzählt: „Ein Mann, der in der Nähe von Aachen 
wohnte, hatte drei Kinder. Zu der Zeit aber, da König Philipp 
dort gekrönt wurde, zeigten sich in der Gegend viele Wölfe. 
Einer derselben fand ausser dem Hause jenes Mannes eins von 
dessen Kindern, raubte es, warf es sich auf den Rücken und 
eilte damit in den Wald. Ein Ritter, der zufällig des Weges 
geritten kam, erbarmte sich des Kindes, verfolgte den Wolf, 
und es gelang ihm, den Knaben gesund und wohlbehalten den 
Zähnen des Ungetüms zu entreissen. Nicht lange nachher ist 
derselbe Knabe wieder von einem Wolfe geraubt, erwürgt und 
aufgefressen worden. Der Knabe besass noch eine ältere 
Schwester. Als diese einmal, um aus einer Quelle Wasser zu 
holen, über Feld geschickt worden war, stürzte vor den Augen 
vieler ein Wolf auf sie los, und ehe man ihr zu Hülfe kommen 
konnte, hatte er das Mädchen getötet und zerfleischt. So hatte 
also jener Mann zwei Kinder verloren. Als er nun einmal 
während eines Krieges sein Weib und seine fahrende Habe nach 
der Stadt gebracht hatte, Hess er sein drittes Kind, einen 
Knaben, um das Haus zu behüten, zurück. Heimkehrend fand 
er den Knaben nicht mehr und hat ihn niemals wiedergesehen. 
Es ist wahrscheinlich, dass er gleich den beiden andern durch 
einen Wolf geraubt und erwürgt worden ist." 

So weit Cäsarius. Noch im vorigen Jahrhundert waren 
Wölfe in der Aachener Umgegend keine Seltenheit. So erzählt 
der Ratsdiener Jansen in seinem Gedenkbuche 1 , dass ein Ein- 
wohner von Kornelimünster in der Nähe seines Hauses von 
einem Baume aus den Wölfen auflauerte. Nach den Mitteilungen 
des Freiherrn von der Trenck wurden noch in dem letzten 
Drittel des 18. Jahrhunderts grosse Wolfjagden in den Waldungen 
bei Montjoie veranstaltet 2 . Vielleicht den letzten Wolf in der 
Nähe unserer Stadt erlegte im Jahre 1860 Herr Freiherr von 
Broich bei Laurenzberg. Philipp von Schwaben, zu dessen 
Zeit sich die von Cäsarius erzählte Geschichte zugetragen hat, 
wai>von 1198 — 1208 deutscher König und wurde am 6. Januar 
1205 hier gekrönt, Von 1187—1193 bekleidete er im Aachener 



') v. Fürth, Beiträge zur Geschichte der Aachener Patrizier-Familien 
Bd. III, S. 49. 

T ) Des Freiherrn von der Trenck rncrkwüdige Leidensgeschichte Th. II, 
S. 213. 



Münster die Würde eines Propstes und Hess die Klostergebäude, 
namentlich das Dormitorium, neu erbauen *. Wahrscheinlich 
rührt die Säulenstellung an der Armenseelenkapelle des Dom- 
umganges von seinen Bauten her. In dem Kriege, der den 
unglücklichen Vater veranlasste, seine fahrende Habe nach 
Aachen zu retten, dürfte die Belagerung- Aachens durch den 
Gegenkönig Philipps, Otto von Braunschweig, stattgefunden 
haben im Jahre 1198. Ich lasse jetzt den Cäsarius fortfahren. 

„In Burtscheid lebte ein Mönch von so grosser Einfalt, 
dass er beinahe Tag und Nacht bei den Bädern, welche dort 
vor der Klesterpforte auf natürliche Weise warm zum Vorschein 
kommen, mitten unter den Armen sass, ihnen die Rücken rieb, 
die Köpfe wusch und die Kleider reinigte. Als ihn der Abt 
und die Brüder öfters und scharf deshalb zur Rede stellten, 
Hess er doch nicht davon ab, sondern entgegnete mit den Worten 
heiliger Einfalt: „Wenn ich es lassen wollte, wer würde dann 
den Armen solche Dienste leisten?" Als er einmal einen Bitt- 
gang nach Köln gemacht, wohnte er dort bei einem gewissen 
Abraham. Wie nun in der Peterskirche zur Matutin geläutet 
wurde, stand er auf, und als er dorthin eilend, ein Fenster des 
obern Stockwerks, in welchem er geschlafen, offen stehen sah. 
hielt er dasselbe für eine offene Hausthür, ging hinaus und 
gelangte wohlbehalten auf die Strasse und in die Kirche. Als 
er nach beendigter Matutin an der wirklichen Hausthüre pochte 
und von denjenigen, welche ihm öffneten, gefragt wurde, wobei- 
er komme und auf welche Art er das Haus verlassen habe, da 
erfuhren sie durch seine Antworten, dass er nicht durch die 
Thür, sondern durch jenes Fenster hinausgelangt sei; er selbst 
war sich nicht bewusst, dass ein Wunder an ihm geschehen, 
denn da besagtes Fenster, das ich selbst kenne, ziemlich hoch 
gelegen ist, so unterliegt es keinem Zweifel, dass ihn heilige 
Engel hinabgetragen haben." 

Die Burtscheider Klosterpforte, von der Cäsarius hier redet, 
ist wohl das Jonasthor und das davorliegende Bad das nach der 
Abteikirche benannte erst kürzlich abgebrochene Johannesbad. 

„In dem Kloster Burtscheid, nahe bei Aachen, beiludet 
sich ein ellengrosses Gemälde des hl. Bischofs Nikolaus, welches 



') Quix, Nekrologium; vgl. P. C. Bock, Albertus Aq., Niedcrrheinischc 
Jahrbücher für Geschichte von L. Lersch S. 42—96; Bock, Rheinlands 
Baudenkmalc I. Serie, Nr. 6. 



— 8 - 

der griechische Königssohn Gregor, der G runder ^und erste Abi 
jenes Klosters, dorthin gebracht hat. Es soll dasselbe Gemälde 
sein, das, wie in den Wundern des hl. Nikolaus erzählt wird, 
der heidnische Zöllner an sich genommen und als Bewachung 
seines Schatzgewölbes aufgestellt hatte, was dann Veranlassung 
zu seiner Bekehrung bot, als er sein Vermögen verloren, dasselbe 
jedoch wiedererhielt, nachdem er das Bild geschlagen hatte. 
Das Gemälde hat viele Wunder gewirkt. Als es einmal in das 
Haus einer in Geburtswehen liegenden, ehrbaren Frau gebracht 
und derselben gegenüber an der Wand aufgestellt worden, hat 
es sich in der Geburtsstunde, gewissermassen um nicht auf die 
Kreisende sehen zu müssen, vor den Augen aller Anwesenden 
umgedreht. Das Gesicht auf dem Bilde ist länglich und mager, 
sehr ernst und würdevoll. Die Stirne kahl, die Haare des 
Hauptes und des Bartes sind weiss. Als unlängst die Mönche 
das Kloster verliessen, erhielten die Nonnen unseres Ordens das 
Gebäude nebst diesem Bilde." 

Das Bild, von welchem hier die Rede ist, befindet sich 
noch immer in der Schatzkammer der Burtscheider Abtei. Es 
ist ein byzantinisches Bild und mag daher wohl von dem 
Gründer der Abtei, dem seligen Abte Gregor, der aus dem 
byzantinischen Reiche stammte, nach Burtscheid gebracht worden 
sein. Es hat im Jahrhunderte des Cäsarius eine künstlerische 
Umrahmung erhalten, auf welcher die Geschichte von dem 
heidnischen Zöllner dargestellt ist. Das Bild ist von Dr. Franz 
Bock in seiner Schrift über die Burtscheider Heiligtümer in 
Holzschnitt wiedergegeben worden *. Die noch in unsern 
Tagen geltende Annahme, Abt Gregorius sei ein griechischer 
Königssohn gewesen, ist heute durch die neuesten Forschungen 
widerlegt 2 . Gregor stand der Burtscheider Abtei von 996—999 
vor. Auf Anregung des verstorbenen Pfarrers, Herrn Wilhelm 
Straub zu Burtscheid, wurde ihm in der Abteikirche ein Denk- 
mal gesetzt. Das Kloster Burtscheid war Benediktinerkloster bis 
1222, wo die letzten fünf Mönche in das der Kirche gegenüber- 
liegende jetzige Pfarrhaus, das noch heute eine Nikolauskapelle 



') Fr. Bock, Die Reliquien schätze der Abteieu Burtscheid und 
Corneliruünster. 

2 ) Bosbach, Gründung und Gründer der Burtscheider Benediktiner- 
Abtei in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. XIX, S. 97 und ff. 



besitzt, versetzt wurden 1 . Das Abteigebäude selbst bezogen 
dann auf Anordnung des Erzbischofs von Köln, des hl. Engelbert, 
die Nonnen des Salvatorberges. 

„Als Meister Johannes, Dechant von Aachen, sich noch 
auf der Schule befand, wurde er einmal so schwer krank, dass 
er beichtete und die hl. Ölung empfing; es schien keine Hoffnung 
mehr vorhanden, ihn dem Tode zu entreissen. Schon stieg ihm 
die Materie ins Gehirn. Wie er nun so allein dalag, geriet er 
in Verzückung und sah ihm unbekannte Männer eintreten. Sie 
hatten Wageschalen in den Händen und legten kurze viereckige 
Hölzer vor ihn. Während diese Männer an der einen Seite des 
Bettes standen, erschienen drei berühmte Bekenner, der hl. Bischof 
Martin von Tours, der hl. Bischof Godehard von Hildesheim und 
der hl. Bernward, und stellten sich an die andere Seite des 
Bettes. Jetzt legten jene Männer den Knaben Johannes auf 
die eine Wageschale und beschwerten die andere mit den 
Hölzern; als jedoch die Wageschale, auf welcher der Kranke 
lag, als die leichtere, in die Höhe ging, legten die hl. Bekenner 
zu dem Knaben noch einen Bettelbuben in die Schale, und nun 
sank diese weit tiefer als jene, welche mit Hölzern beladen 
war. Sofort kam Johannes, wie er mir selbst erzählt hat, in 
Schweiss; es erfolgte die Krisis, und in kurzer Zeit war er von 
der Krankheit genesen. Jenem kleinen Bettelbuben hatte Johannes 
öfter Brot geschenkt und hatte ihn der Mildthätigkeit seiner 
Mutter empfohlen." 

Magister Johannes, Dechant des Münsters, wurde 1222 Abt 
zu St. Trond und 1223 Abt zu Deutz 2 . Das Seelen- oder 
Sündenwägen kommt in Erzählungen des Mittelalters öfter vor 3 . 
Bekanntlich meldet auch der Pseudo-Turpin, wie das Schicksal 
Karls des Grossen in der anderen Welt in der Weise entschieden 
worden sei, dass die Sünden des Kaisers in eine Wageschale, 
seine guten Werke aber in die andere geworfen worden seien 1 . 

„Als Oliver, der Scholastikus von Köln, vor etlichen Jahren 
durch ein Dorf kam, sah er dort einen Widder aufgerichtet und 
um denselben einen Reigen mit Gesang und Musikinstrumenten 
aufführen; so oft aber die Tanzenden bei dem Kopfe des Widders 



') Quix, Geschichte der ehemaligen Reichsabtei Burtscheid, S. s 3. 
-) Annalen des historischen Vereins für den Niederrheui, Beft IT, S. 27. 

3 ) Annalen des historischen Vereins für den Niederrheiu, Hell 17, 8. 27. 

4 ) Meyer, Aachensche Geschichten S. 107. 



10 — 

vorbeikamen, schauten sie zu demselben auf und verbeugten 
sich gesenkten Hauptes, als ob sie ihn anbeteten. Wegen dieses 
verabscheuungswürdigen Gebahrens wollte Oliver jenes Dorf 
nie wieder betreten. Neulich habe ich von einem frommen und 
gelehrten Manne gehört, der Ort, wo man solch ein Unding auf 
richte, würde durch Hagel, Feuer oder eine sonstige Plage 
verwüstet werden. Denn als in diesem Jahre, um vom Widder 
zu schweigen, in Aachen ein Kranz aufgerichtet worden war, 
und Johannes, der Pfarrer dieser königlichen Stadt, den Baum, 
wie auch andere Kränze hatte abhauen lassen — der Pfarrer 
wurde dabei durch Leute, die sich widersetzten, verwundet — 
befahl Wilhelm, der Vogt von Aachen, gegen den Priester in 
heftige Schmähungen ausbrechend, alsbald einen noch höhern 
Baum aufzurichten; wie jedoch viele vorausgesagt, verhängte 
Gott wegen der ihm und seinem Priester angethanen Schmach 
und älteren Sünden des Volkes eine schwere Strafe. Schon 
nach wenigen Tagen vernichtete eine so grosse und entsetzliche 
Feuersbrunst nahezu die ganze Stadt, dass viele seufzten: 
Schwer liegt auf uns die Hand des Herrn." 

Scholaster Oliver von Köln war eine Zierde des deutschen 
Klerus. Er war Kreuzprediger und Kreuzfahrer, wurde Bischof 
von Paderborn und starb als Kardinal 1225 l . Der Erzpriester 
Johannes, der nicht mit dem oben genannten Dechanten gleichen 
Namens zu verwechseln ist, kommt in Urkunden vor. Sein 
Neffe Konrad, Kanonikus-Kantor, stiftete ihm 1261 ein Jahr- 
gedächtnis 2 . H. Loersch ist geneigt, in den Bäumen, die der 
Aachener Pleban umhauen Hess, sogenannte Maibäume zu sehen 3 . 
Er setzt dann den im Reineke de Vos vorkommenden, bis dahin 
unerklärten Satz „dar hadde hi werf alse meiböm tö aken" mit 
dem von Cäsarius berichteten Vorgang in Verbindung und deutet 
diesen Satz so: Ebensowenig als ein Maibaum nach Aachen 
gehört, ebensowenig hatte der Fuchs im heiligen Lande zu 
schaffen. Die Feuersbrunst, welche damals die Stadt einäscherte, 
ereignete sich am 1. August 1224. Das ist also das Jahr, da 
die Aachener um den „Maibaum" tanzten und ihren pflicht- 
getreuen Erzpriester misshandelten. Die Errichtung von Mai- 



') Annalen dos historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 47, S. 26. 
\nnalen des historischen Vereins für den Nicderrhein, Heft 47, S. 26. 
s ) Zeitschrift des Aachener Gcschichtsvereins, Bd. II, S. 117 ff. 



— 11 — 

bäumen entstammte alten heidnischen Gebräuchen 1 . Der Stadt- 

pfarrer Johannes bekämpfte also in dem Baume einen Rest 
heidnischer Anschauung 1 . Ganz gewiss führten solche Feste auch 
oft zu Unordnungen anderer Art. 

Der bei dem Vorgange auftretende Vogt Wilhelm wird 
zuerst in einer Urkunde von 1213 genannt. Er verwaltet die 
Vogtei bis 1249. In den Streitigkeiten zwischen Kaiser und 
Papst steht er auf Seiten des ersteren. Im Jahre 1230 stellt 
er dem päpstlichen Legaten, Kardinal Otto von St. Nikolaus, im 
tullianischen Kerker nach und nimmt den aus Preussen zurück- 
kehrenden Bischof von Modena in Aachen gefangen. Noch im 
Jahre 1248 ist ei die Seele der Verteidigung Aachens gegen 
König Wilhelm von Holland. Danach verschwindet sein Name 
in der Aachener Geschichte. Das Totenregister des Münsters 
erwähnt die durch ihn erfolgte Schenkung eines Hauses in der 
Kleinmarschierstrasse an das Münster und fügt hinzu, dass er 
vor der Kirche begraben worden sei 2 . Ob wir hier nun an 
eine Beerdigung in der Vorhalle des Münsters oder an eine 
solche auf dem heutigen Domhofe zu denken haben, bleibe dahin- 
gestellt. F. Jungbluth 3 meldet, man habe 1843 bei den Nach- 
grabungen im Münster in der Vorhalle an der südlichen Wand 
gegenüber dem an der nördlichen Seite befindlichen Grabe des 
Gerhard Chorus ein Grab gefunden, das er für das Grab des 
Schultheissen Arnold von Gymnich hält. Arnold war Zeit- 
und Gesinnungsgenosse des Vogtes Wilhelm. Beide handelten 
oft gemeinsam. Hat Jungbluth nun vielleicht den Schultheiss 
mit dem Vogt verwechselt? Oder woher stammt die Vermutung, 
das Grab in der Vorhalle sei das Grab des Gymnichers? 

„Auf dem Salvatorberg bei Aachen ist unlängst eine Ein- 
geschlossene gestorben, welche unter andern Reliquien auch 
einen Zahn des hl. Bartholomäus besass. Da der Priester, 
welcher ihr die Messe las, hiervon Kunde hatte, bat er sie um 
den Zahn; als aber die Eingeschlossene sich weigerte ihn her- 
zugeben, stiess - der Priester die Drohung aus, er würde sich 
ganz von ihr zurückziehen, wenn sie ihm nicht wenigstens die 
Hälfte des Zahnes überlassen wolle. Sie liebte zwar ihre 



') Mannhardt, Der Baumkultus der Germanen S. 160 190. 

2 ) Loersch, Aebener Rechtsdenkmäler S. 276 u. ff. 

3 ) F. Jungbluth, Die Restauration des Aachener Munsters, Aachen 
18G2, S. 53. 



12 — 

Reliquien sehr, konnte aber den Priester nicht entbehren, und 
so Hess sie denn, wenn auch ungern, die Teilung 1 zu. Aber, u 
Wunder! Sobald der Priester das Messer an den Zahn legte, 
tröpfelte plötzlich Blut heraus, als ob der Heilige noch einmal 
leiden müsse. Entsetzt bei diesem Anblicke, gab der Priester 
jener ihren Zahn zurück. Ich habe denselben im verflossenen 
Jahre bei den Nonnen zu Burtscheid gesehen." Ein Zahn des hl. 
Bartholomäus befindet sich noch heute im Burtscheider Reliquien- 
schatze ] . 

„Als unser Abt im verflossenen Jahre auf dem Salvatorberg 
bei Aachen die Messe las, wurde ihm nach Beendigung derselben 
eine Besessene zugeführt. Nachdem er über ihr Haupt die 
evangelische Lektion von Christi Himmelfahrt gelesen und bei 
der Stelle: „Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie 
werden geheilt werden", die Hand auf das Haupt der Besessenen 
gelegt hatte, schrie der Teufel so entsetzlich, dass wir alle 
von Grausen erfüllt wurden. Beschworen, auszufahren, erwiderte 
er: „Noch will es der Allerhöchste nicht". Gefragt, wie er 
eingefahren, gab er keine Antwort und litt auch nicht, dass 
die Frau antwortete. Endlich hat diese bekannt, bei den 
Worten ihres erzürnten Mannes: „Geh' zum Teufel", habe sie 
empfunden, wie der Böse durchs Ohr in sie hineingefahren sei. 
Es war diese Frau eine bekannte Person aus der Gegend von 
Aachen". 

Der hier von Cäsarius angeführte Heisterbacher Abt war 
Abt Heinrich 2 . Die erste Kirche auf dem Salvatorberge liess 
Ludwig der Fromme erbauen. Sie musste bereits 870 von 
Ludwig dem Deutschen wieder in Stand gesetzt werden 3 . 
997 gründete dann die edle Witwe Alda dort ein Kloster für 
freigeborene Jungfrauen 4 . Das Kloster lag nördlich von der 
Kapelle 5 . Es war von den Nonnen bis 1222 bewohnt, wo diese 
nach Burtscheid versetzt wurden. 

„Vor ungefähr drei Jahren ist auf dem Salvatorberge, einem 
Hanse unseres Ordens, um Weihnachten ein, wie ich meine, 
neunjähriges Mädchen gestorben. Als aber der Konvent bei 



') Hock, Reliquienschätze derAbteien Burtscheid und CorneliraünsterS. 15. 

'-') Aunalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 47, S. 31. 

i Quix, Codex Bd. I, S. 33, Nr. 45. 

4 ) Lacomblet, Urkuudenbuch Bd. I, S. 81, Nr. 130. 

6 ) Rhoen, Die St. Salvatorkapellc bei Aachen S. 6. 



— 13 - 

lichtem Tage im Chore war, trat auch jenes Mädchen mit in 
den Chor. Beim Eintritte verneigte es sich tief vor dem Altare 
und begab sich dann an seinen gewohnten Platz. Ein anderes 
Mädchen von beinahe gleichem Alter erblickte dort die Erscheinung, 
und da es wusste, dass seine Gefährtin gestorben war, wurde 
es von solchem Grausen ergriffen, dass alle es bemerkten. Von 
der Frau Äbtissin Benigna, ans deren Munde ich den Vorfall 
gehört habe, befragt, was solch ein Entsetzen hervorgerufen, 
antwortete das Kind: „So und so ist Schwester Gertrudis im 
Chore erschienen, und als nach dem Schlüsse des Vespergebetes 
das Gedächtnis unserer lieben Frau gebetet wurde, hat die 
Verstorbene, neben mir stehend, bei der Kollekte sich zu 
Boden geworfen. Nach ihrer Beendigung stand sie wieder auf 
und entfernte sich. Das war die Ursache meines Entsetzens." 
Die Äbtissin, welche fürchtete, es liege Teufelsblendwerk zu 
Grunde, sagte zu dem Mädchen: „Schwester Margarethe", so 
hiess das Kind, „sollte Schwester Gertrudis noch einmal zu dir 
kommen, so sprich „Benedicite!" Antwortet sie dir mit „Dominus", 
so frage, woher sie komme, und was sie begehre?" Am folgenden 
Tage kam Schwester Gertrudis abermals, und als sie auf jenen 
Gruss mit „Dominus" geantwortet hatte, sagte Schwester 
Margaretha: „Schwester Gertrudis, woher kommst du, und was 
begehrst du?" Sie erwiderte: „Zur Genugthuung bin ich hierher 
gekommen. Weil ich im Chore gern mit dir zischelte und halb- 
laute Wolle flüsterte, ist mir befohlen, an demselben Orte, wo 
ich gesündigt habe, auch Genugthuung zu leisten, und wenn 
du dich nicht vor dem gleichen Fehler hütest, wirst du nach 
deinem Tode dieselbe Strafe erleiden." Als sie zum vierten 
Male so Genugthuung geleistet, sagte sie zu ihrer Mitschwestcr: 
„Nun ist meine Busszeit um, und du wirst mich ferner nicht 
mehr sehen", was denn auch geschah. Vor Margarethas Augen 
ging sie auf den Kirchhof zu und stieg in merkwürdiger Weise 
über die Mauer. Das war das Fegefeuer dieses Mädchens. 
Margaretha aber ist durch diese Drohung der Verstorbenen so 
erschüttert worden, dass sie bis auf den Tod erkrankte. Voll- 
ständig der Sinne beraubt, lag sie da, wie bereits gestorben. 
Nach einer Stunde wieder zu sich gekommen, beteuerte sie, bei 
unserer lieben Frau einige der Schwestern gesehen, andere 
dagegen nicht gesehen zu haben. Sie teilte ferner mit, die 
hl. Jungfrau habe eine Krone in der Band gehabt und gesagt, 



— 14 — 

sie gehöre dem Priester Steppo. Dieser Steppo war ein 
frommer und erstaunlich mildthätiger Mann, welcher auf dem- 
selben Berge Gott und den Schwestern diente. Damit man 
aber wisse, dass man sich über die Art und Weise, wie auch 
ein Gerechter sterben kann, nicht zu viel Sorge machen soll, 
bemerke ich noch: Selbiger Steppo erkrankte im verflossenen 
Jahre an einem Fieber, und als ihm die Materie ins Gehirn 
stieg, wurde er so vollständig der Sinne beraubt, dass er allerlei 
Gotteslästerungen ausstiess. Nachdem er gestorben und beerdigt 
worden, wollte Gott dessen Verdienste an den Tag bringen 
und hat ihn gewürdigt, dass an seinem Grabe Wunder geschahen. 
Wie ich gehört habe, legen sich Kranke darauf und gehen her- 
gestellt von dannen." 

Über den hier genannten Priester Steppo liegen auch ander- 
weitige Nachrichten vor, welche die Mitteilungen des Cäsarius 
bestätigen. So heisst es von ihm in einer Mitteilung, die sich 
bei Gelenius findet, zum 30. Mai, dass er, nachdem er der 
Priester der Cisterzienserinnen auf dem Salvatorberge und ihr 
Beichtvater gewesen, im Jahre 1221 gestorben sei und nach dem 
Tode durch Wunder geglänzt habe 



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„Wie die Äbtissin Helswendis von Burtscheid in den Orden 
eingetreten ist. 

Diese Helswendis war und ist noch die Tochter des Schult- 
heissen von Aachen, eines höchst mächtigen und reichen Mannes. 
Schon in frühester Kindheit hegte sie den lebhaftesten Wunsch, 
in ein Kloster zu treten und bat ihre Mutter: „0 lass mich 
doch Nonne werden!" Sie pflegte mit ihrer Mutter öfters den 
Salvatorberg zu besuchen, auf welchem damals die Burtscheider 
Schwestern ihren Konvent hatten. Eines Tages schlich sich das 
Kind durch ein Kirchenfenster hinein, bestieg den Schlafsaal, 
hüllte sich in ein Nonnenhabit und ging mit in den Chor. Als 
die Mutter, die eben im Begriffe stand, wegzugehen, von der 
Äbtissin den Vorfall gehört, nahm sie denselben scherzhaft und 
sagte dann: „Ruft den Diener! wir müssen fort." Da erschien 
das Kind am Fenster und sagte: „Ich bin Nonne! ich gehe 
nicht mit dir!" Die Mutter, welche sich vor ihrem Gatten 
fürchtete, erwiderte der Kleinen: „Komm jetzt nur mit, ich 
werde deinen Vater bitten, dass er dir erlaubt, ins Kloster ein- 
zutreten." So kam das Mädchen heraus und ging mit. Zu Hause 

') Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Soft 47, S. 30. 



— 15 — 

aber schwieg die Mutter über den Vorfall. Da ereignete es sich, 
dass die Mutter einmal, während die Tochter noch schlief, 
wiederum 'auf den Berg ging. Als Letztere aufgestanden war 
und die Mutter in der Kirche suchte, aber nicht fand, ver- 
mutete sie dieselbe auf dem Berge und folgte ihr dorthin nach. 
Hier kletterte sie wieder durch jenes Fenster, zog wieder ein 
Nonnengewand an und entgegnete der Mutter, als diese sie bat 
herauszukommen: „Jetzt wirst du mich nicht abermals täuschen", 
mit welchen Worten sie auf jenes Versprechen deutete. Nachdem 
die Mutter in grosser Angst und Bestürzung den Berg ver- 
lassen, stieg der Vater, begleitet von seinen Brüdern, wut- 
schnaubend hinauf, brach die Thüre ein und holte die jammernde 
Kleine heraus. Diese wurde sodann Verwandten übergeben, 
welche sie von ihrem Vorhaben abbringen sollten. Obwohl sie 
aber, wie ich glaube, noch nicht volle neun Jahre alt war, gab 
sie auf alle Einwendungen so kluge Antworten, dass alle sich 
darüber verwunderten. Wie aber begab es sich weiter? Als der 
Bischof von Lüttich den Vater und die Andern, welche das 
Kind entführt hatten, in den Bann gethan, wurde dasselbe dem 
Kloster zurückgegeben und nach Verlauf nur weniger Jahre 
erwählte man Helswendis zur Äbtissin." 

Der Schultheiss Arnold von Gyinnich tritt seit 1211 in 
Urkunden auf. Er steht in den Kämpfen zwischen Otto von 
Braunschweig und Friedrich IL auf weifischer Seite. 1215 hält 
er vor dem Staufen die Thore der Krönungsstadt geschlossen. 
Allein die Mehrzahl der Aachener ist staufisch gesinnt. Sie 
jagen den Schultheiss in die Befestigung, welche er neben oder 
bei dem Palaste errichtet hat, und öffnen dann Friedrich II. 
die Thore. Von da ab erscheint Arnold von Gjminich als zur 
staufischen Partei gehörig. Wir sehen ihn überall an der Seite 
des Vogtes Wilhelm im Interesse Friedrichs IL handeln. Auch 
mit den Nonnen machte er seinen Frieden und wurde ein grosser 
Wohlthäter des Burtscheider Klosters, so dass die Cisterzien- 
serinnen nach seinem 1238 oder 39 erfolgten Tode seinen Namen 
mit Hochachtung in ihrem Nekrologium verzeichneten 1 . Dem 
Aachener Münster schenkte er neue Chorbücher, wie das Nekro- 
logium dieser Kirche meldet, Diese Bücher sind noch vorhanden, 
und ihre Blätter tragen in grossen Buchstaben die Überschrift 



J ) Loersch, Achener Rechtsdenkmäler S. '279 n. ff. 



16 



„Orate pro Arnoklo". Der Bischof von Lütticli, von dem Arnold 
exkommuniziert wurde, ist Hugo von der Steinbrück. 

Das sind die Nachrichten, die der Prior von Heisterbacli 
ans der „königlichen Stadt" Aachen mitteilt. Es ist nicht gerade 
viel; aber der Freund der Geschichte vernimmt dergleichen 
Erzählungen aus den Tagen längst begrabener Geschlechter 
gern, und er würde es mit Freuden begrüssen, wenn uns aus 
jedem Zeitalter solche Mitteilungen aufbewahrt wären. Das ist 
auch der Grund gewesen, aus dem bergische Geschichtsfreunde 
dem Cäsarius an dem Orte seiner Wirksamkeit, zu Heisterbach, 
ein Denkmal errichtet haben, eine Thatsache, die der Unbefangen- 
heit dieser Männer alle Ehre macht. Es denke über die einzelnen 
Erzählungen des Cäsarius jeder nach Belieben. Wenn aber 
Männer wie Görres, Justinus Kerner, Georg Friedrich Daumer 
u. a. sich für das interessiert haben, was man die Nachtseite 
der Natur genannt hat, so ist dadurch festgestellt, dass man 
auch im 19. Jahrhundert noch angenommen hat, es gäbe Dinge 
zwischen Himmel und Erde, von denen sich die Schulweisheit 
der Zeit nichts träumen lässt. 



Nachtrag zu dem Aufsatze: Zur Geschichte des Hauses 
„Zum Hörn" in der Jacobstrasse 

in Band XII, Seite 31 ff. dieser Zeitschrift. 
Von H. Savelsberg. 

Über die ältere Geschichte des Hauses „Zum Hörn" finden 
sich im Königlichen Staatsarchiv zu Düsseldorf, Aachener Schöffen- 
stuhl Rep. 4. Konynksportsgrafschaft fol 8 b folgende bemerkens- 
werte Mitteilungen aus dem 15. Jahrhundert, die ich der Liebens- 
würdigkeit des Herrn H. F. Macco verdanke: 

1. Das Haus „zen Hörne" zwischen Thys von Eicks Haus 
(das um 1490 an den Goldschmied Diederich von Reitingen kam) 
und Heinrich von Erklens' Haus gen. „Straisburch" gehörte 1450 
Merthyn Gruissers. 

Es ist dies also eine genauere Angabe der bereits von mir 
erwähnten Stelle, die beweist, dass das genannte Haus um die 
Mitte des 15. Jahrhunderts dem Bürger Martin Gruissers gehörte. 



— 17 — 

2. Am 10. Januar 1486 verkauften die Brüder Daeme und 
Gillis von Ooyntzen, Neesc Meusgens und ihr Eidam Kornellis 
von Mertzenich ihr „ersterffnis an diesen huyse" für 12 Gulden 
ablösbaren Jkhreszins an Katharine tzen Hoirne, Frau von 
Mertin Knuytz. 

Kornellis übertrug- am 13. Mai 1486 seinen Anteil an dem 
Zins an Thys Tybis. Am 1. Januar 1487 bekannten die Kinder 
von „Gillis und Daeme von Contzen vurscr.", dass ihnen die 
Gebrüder Heinrich und Thys Ti'ois ihren Zinsanteil abgelöst 
haben. 

Ferner fand ich unlängst in dem Aktenbündel des hiesigen 
Stadtarchivs: Prozesse betreffend die Pau 1558 — 1587 im 
Anschlnss an eine Klage „eins erwürdigen capittels unser lieven 
frauwen kirchen alhie zu Aich" gegen die Witwe und die Kinder 
des verstorbenen Rentmeisters Johann van Hambach zo Kintz- 
wyler einen das Haus „Zum Hörn" in der Jacobstrasse betreffenden 
gerichtlichen Antrag des Domkapitels gegen die damalige Besitzerin 
des Hauses, Elisabeth, Witwe des Leonard Amia, der folgenden 
Wortlaut hat: 

„Derglichen want Elisabeth nagelaissen widwe wilneLeonardt 
Amians ein act gemacht und geleidt hait us demselven vurscr. 
wasserfluß na disem huse in sent Jacobsstraiß gelegen, und zum 
Hörn genant, und glichsfals myner hern kandelen durchgraven, 
allet buyssen willens eins capittels, so ist myner hern meynung, 
dat myner hern mombar diselff Elisabeth in glichem fal für 
recht bescheiden und derhalven mit recht beklagen, und begeren 
sal mit recht erkant zo werden, dat sy sulchen aedt sal schuldig 
syn zo zomachen, und derglichen affbruch mynen hern an dem 
wasser und kandelen niet meir zo doin, mit affdrach, kosten und 
schaden." 

Dieses Aktenstück enthält zwar keine genauere Angabc 
der Zeit, wann jene Klage gegen die Witwe Amia erhoben 
wurde, doch kann man aus dem Wortlaut einer unten auf der- 
selben Seite befindlichen lateinischen Anmerkung des Stifts- 
kapitels vom 11. September 1559, die sich in R. Picks Buch 
„Aus Aachens Vergangenheit" Seite 408 am Schlüsse der ersten 
Anmerkung (Anm. 5 der vorigen Seite) abgedruckt findet , schliessen, 
dass es wohl einige oder sogar längere Zeit nach diesem Zeit - 
punkt verfasst worden ist. 



18 - 

Die dort erwähnte „Elisabeth, widwe wilneLeonardt Amians" 
war Elisabeth von Zevel, die Tochter des Adam von Zevel und 
der Barbara Bestoltz, jenes Bürgermeisters Zevel, der, wie 
Bd. XII, S. 33, Z. 31 erwähnt, um die Mitte des 16. Jahr- 
hunderts der Besitzer des Hauses „Zum Hörn" war, und dem 
der Rat wegen seiner Verdienste einen besondern Wassergang 
aus der Pau zu seinem Hause gestattet hatte. 

Aus dem angeführten Aktenstück lässt sich also wohl der 
Schluss ziehen, dass nach Adam von Zevel sein Schwiegersohn 
Leonard Amia ' das Haus besessen hat, dessen Witwe sich 
später eine neue Wasser-Gerechtsame für dasselbe erwarb, 
wodurch die in der Klappergasse gelegene Brudermühle (später 
Brodmühle) des Marienstiftes im Gebrauch des Pauwassers so 
eingeschränkt wurde, dass das Kapitel zu einer gerichtlichen 
Klage vor dem Rat veranlasst wurde. 

Wann und wie das Haus „Zum Hörn" aus dem Besitze 
der Familie von Zevel später in andere Hände übergegangen, 
ist nun auch bekannt. H. F. Macco hebt nämlich in seiner 
letzten Schrift „Über die reforniatorischen Bewegungen während 
des 16. Jahrhunderts in der Reichsstadt Aachen" S. 52 als 
Beispiel der Willkür in den Religionsstreitigkeiten der damaligen 
Zeit hervor, dass im Jahre 1599 der Witwe des kurz vorher 
verstorbenen Schelfen Gerhard Ellerborn (geb. Maria von Diepold) 
ausser 1800 Reichsthalern auch das den Erben des verstorbenen 
Bürgermeisters Zevel abgenommene Haus zum Hörn auf dem 
Johannisbach 2 zuerkannt worden sei. 

Auch für die spätere Zeit erhielt ich in den Realisations- 
protokollen der zwanziger Jahre des 18. Jahrhunderts namentlich 
über den Ankauf des Hauses „Zum Hörn" durch den Nadel- 
fabrikanten Cornelius Chorus den Älteren genauere Auskunft 3 . 



') Leonard Ainya in den Ackerman (lebte noch 1550, tot 1556), Sohn 
von Gilles im Ackerman, heiratete 1. Agnes, Tochter von Daein von Wylre 
und Allicit, geb. Aachen 1475, war Witwe a) von N. Petersheini b) von 
Heinrich von Burtscheil gen. Bürgerhaufen. Sie lebte noch 1540. 2. Elisabeth 
von Zevel 1547, geb. Aachen 1521. Sie heiratete 1564 Hermann von Reimerstock, 
geb. Aachen 1527, Sohn des Schöffen Johann von Reimerstock, Herrn zu 
Schaesberg (gest. 1543). Gef. Mitteilung von H. F. Macco. 

2 ) Kgl. Bibliothek Berlin, Handschr.-Samral., Man. Boruss. fol. 758, 
S. 37 f. 

3 ) Vgl. hierzu Bd. XII, S. 36, Z. 10. 



— 1!) 

Am 25. Oktober 1721 wurden zunächst zwei auf jenes Haus 
bezügliche Verträge abgeschlossen. 

Tu dem einen handelt es sich um die Vermietung des Hauses; 
er bestimmt,'" dass zwischen den wohledeln Jungfern Ottona 
Barbara und Barbara Lambertina de Weier einerseits und Peter 
Mercken anderseits „eine beständige Mietschaft beschlossen 
wird". Die beiden Frauen vermieten ihre auf der Pau gelegene, 
„Zum Hörn" genannte Behausung an Peter Mercken für 12 
folgende Jahre, „mit dem sechsten aufzukündigen drei monate 
vorher" für die Summe von 65 Reichsthalern (jeden zu 54 mark 
aix gerechnet) für jedes Jahr „dergestalt, daß keine von beiden 
Parteien diese mietschaft solle zerbrechen können"; und sollten 
die Verpächter das Haus verkaufen, so solle dem Pächter diese 
Mietschaft doch gut gehalten werden. Die Vermieter versprechen 
auch, „das haus in allem notbau zu unterhalten, auch ein trap 
sampt dag darober von den steinweg über der gallerey zu 
machen; heingegen so verspricht der mieter auch daß haus in 
stand zu liefern, wie er es jetz finden duht". Die 12 Jahre 
sollen am 1. November beginnen. Dieser Mietvertrag ist ausser 
den Genannten unterschrieben von den Zeugen Carl Hinricus 
Janssen und Anna Barbara Chorus. 

Der andere Vertrag betrifft den Verkauf des Hauses: Ottona 
und Barbara Lambertina Weyer, ledige, doch grossjährige 
Schwestern, verkaufen dem Cornelius Chorus und seiner zweiten 
Ehefrau Johanna Maria Kettenis ihr auf der Pau neben dem 
Syndikus Moll und dem „Casteel von Limburg" gelegenes Haus, 
„das Hörn" genannt, samt allen Gerechtigkeiten, so wie die beiden 
Jungfern es von ihren Voreltern angeerbt und sie selbiges jetzt 
besitzen, und wie es jetzt von dem Hinterhaus abgesondert ist, 
für 2500 Reichsthaler (jeden zu 54 mark aix gerechnet) und 
2 goldene Souvereine zum Verzichtspfennig. 

Dass Cornelius Chorus auch das in diesem Verkaufsakt 
erwähnte „Casteel von Limburg" später erwarb, ist früher schon 
(Bd. XII, S. 36) berichtet worden. Aus einer Urkunde im hiesigen 
Stadtarchiv (Cornelius Chorus ex Johannen Dederichs) vom 
27. Mai 1724, in der Johann Dcderichs,• dessen Frau Magdalena 
(an andern Stellen Mechtildis) von Fylen war, auf sein hier auf 
der Pau gelegenes Haus, das „Casteel von Limburg" genannt. 
dem Cornelius Chorus und seiner Frau Johanna Maria Kettenis 
für eine Summe von 300 Reichsthalern jährlich 15 Reichsthaler 



— 20 — 

Zins zahlen zu wollen verspricht, erkennt man, dass Chorus 
schon vor dem Ankauf des Hauses eine grössere Hypothek 
darauf stehen hatte. Als er dann am 29. Dezember 172S das 
Haus kaufte, legte er auch eine andere (Bd. XII. S. 36 erwähnte) 
Hypothek des Konventes der Augustiner, denen die Eheleute 
Dederichs am 19. Dezember 1728 ausser ihrem „auf der pawen 
neben wittiben und erbgenahmen Kreutzer und Cornelium Chorum 
gelegene behausung zum Casteel von Limburg" auch ein anderes 
im Bongard zwischen Syndikus Deltour und Wittib Wolff gele- 
genes Haus verpfändet hatten, im Betrage von 150 Reichsthalern 
ab, worüber der Anwalt Johann Leonard Baur als Vertreter 
der Augustinerbrüder quittiert l . 

Nachdem Chorus das Hauptgebäude des Hauses „Zum Hörn" 
schon 1721 erworben hatte, kaufte er 1727 auch das, wie oben 
erwähnt, von jenem abgesonderte Hintergebäude. Über diesen 
Verkauf berichtet das Realisationsprotokoll 1727, S. 218, ungefähr 
also: Durch Akt vom 7. Januar vor Notar Johann Heinrich 
Pflueger verkauft Hermann von Lamberts zugleich namens seiner 
Mutter Mefraw Johanna Wampe, Witwe des Bürgermeisters 
Lambert Xaverius von Lambertz, ferner auch in Auftrag seiner 
Brüder Albert Mathias und Carl Wilhelm und seiner Schwestern, 
Jungfer Brigitta und Jungfer Katharina von Lambertz dem 
Cornelius Chorus und seiner Ehefrau Johanna Maria Kettenis 
ein dahier hinter dem Haus „Zum Hörn" gelegenes, auf der 
sogenannten „St. Johansbachen" ausgehendes Hintergebäude mit 
anhabendem Garten, wie es vor einigen Jahren vom Haus 
„Zum Hörn" abgeteilt und „auf der baachen" mit dem daselbst 
gegen der Annuntiateukirch über erbauten Hause vermehrt 
worden ist, für 2000 Reichsthaier (jeden zu 54 mark aix 
gerechnet). Von diesem Kaufpreise 2 zahlte Chorus am 18. Januar 
1727 (\qu Gläubigern, unter andern den Erbgenahmen Magistri 
Reineri Cüpper 240 Reichsthaler (ad 56 m. aix) und „hern du 
Moulin Canonici) ac scholastico zu Cleve" 462 Reichsthaler 
(ad 54 m. aix) in bar, worauf für die Erben Küpper Herr 
Laurentius Altorff und für du Moulin Herr Paulus Andreas 
Gesund t über die empfangenen Summen Quittung erteilen. Dass 



') Vgl. Real.-Protokollc 1730, S. G9: Prot, vom 12. August 1730. 
') Vgl. Real.-Protokolle 1727, S. 218: Prot, vom 18. Januar 1727 und 
1731. S. i77 vom 21. Juli 1731. 



— 21 — 

Cornelius Chorus zu diesem Häuserbesitz, der das Haus „Zum Hörn" 
mit sämtlichen Hintergebäuden bis zur Johannisbach (später 
Annuntiatenbach ' genannt) und das daneben liegende Haus 
„Zum grünen Hirsch" umfasste, auch im Jahre 1732 das neben 
diesem „auf der pauwen" gelegene, umfangreiche Brauhaus 
„Zum güldenen Verken" mit grossem Garten und Auffahrt auf 
dem Johannisbach ankaufte, ist in dem früheren Aufsatze (S. 37) 
bereits erwähnt worden. Durch dieses Brauhaus wurde Chorus 
in den Jahren 1734—36 in einen langwierigen Appellations- 
prozess 2 mit Wilhelm von Imber, einem der Erben des ehe- 
maligen Besitzers Wilhelm Schütgens verwickelt. 

In dem mit eingereichten Sachverhalt wird berichtet, „wie 
nach Absterben des N. N. Souquet dessen mit verschiedenen 
Kindern hinterbliebene Witib unter gewisser, den 22. Juni 169G 
ausgefertigten Beredung zur zweiten Ehe mit Wilhelm Schütgens 
geschritten gewesen und währender solcher ihrer Ehe ver- 
schiedene, so im- als mobilargüter und in specie durch cession 
Johannis Pelt dessen bei gerichtlicher distraction am 5. April 
1718 ihm als letzt- und meistbietendem gebliebenes Haus und 
Pann- oder Brauhaus, zum güldenen Verken oder Schwein 
geheissen, mit An- und Zubehör acquiriert habe". Wilhelm 
Schütgens starb ohne Leibeserben zu hinterlassen. So entstand 
nach seinem Tode grosser Streit zwischen seinen beiderseitigen 
Erben. Die Erben Schütgens haben sich dann später mit der 
W T itwe und deren Kindern, Frau Düppengiesser und Witib 
Caroli von Imber, am G. November 1729 dahin verständigt, 
dass jede Partei die Hälfte bekommen sollte. 

Zu dem Erbe des Wilhelm Schütgens gehörte, wie oben 
gezeigt, das Haus „Zum güldenen Verken". Die Erben des 
Schütgens bestanden nun aus vielen Köpfen und bedurften sehr 
des Geldes. Und so ist denn, nachdem sich die durch Alter 
und Krankheit heimgesuchte Witib Düppengiesser anfangs lange 
geweigert, namentlich auf Betreiben der Frau von Ember eine 
perfecta emptio et venditio contrahieret und sofort, die Erben 
des Wilhelm Schütgens betreffend, am 3. April 1732 3 der Kauf 



J ) Nicht Augustinerbach, wie Bd. XII, S. 3ü irrtümlich angegeben ist. 

2 ) Akten des Reichskummer^erichts in Wetzlar: Preusseu C. 906- 2034. 
Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. XVIII, S. 112, Nr. 406. 

s ) Nach dem Realisationsprotokoll vom 5. April 173:2 (Bd. lTiso 32, 
S. 433) verkaufen Wilhelm Bleyenheufl and seine Ehefrau Catharina Dezarr, 



— 22 — 

des ganzen Hauses durch Cornelius Chorus zu Papier gebracht 
und am 5. April gerichtlicher Transport geschehen. 

Mit den Erben der Schiitgensschen Witib aber hat „die 
schriftliche Verfassung wegen gehörter Indisposition der einen 
Miterbin, Witib Jacobi Düppengiesser eher nicht als den 
17. Juli 1732 errichtet werden können", so dass der gerichtliche 
Transport erst den 25. Oktober 1 bewirkt worden ist. 

Bei dem ersten Transport über die den Erben des Wilhelm 
Schutgens angewiesene Halbscheid ist „der tenninus retractui 
praefixus 2 abgeloffen, ohne dass sothane Halbscheid retrahiert 
worden wäre", bei dem zweiten Transport über die andere Halb- 
seheid war ein retract oder Beschuddung auch um so schwer- 
licher zu vermuten, weil seitens der Verkäufer die Erklärung 
angebracht worden, keine Beschuddung vornehmen zu wollen, die 
ausserdem „nichts dann eiteln confusiones et discordias gebähren 
konnte. Nichtsdestoweniger hat den Johann Wilhelm Imber eine 
Gewinnsucht dermassen gestochen, dass er seinen Namen zur 



Nicolaus Bleyenheuft und seiue Ehefrau Maria Jimlahl, Johannes Bleyenheuft, 
ledig, doch grossjährig, Everbard Stock nnd seine zweite Ehefrau Barbara 
Bleyenheuft, letztere auch namens der von Edmund Mcrkelbaeh sei. ihr 
hinterlassenen, unmündigen Kinder Wilhelm und Johannes Merkelbach, ferner 
Henricus Frohn und seine Ehefrau Catharina Schütgens und als Curatores 
des abwesenden Aegidius Schütgens Michael Welter und Johann von der Gahr 
vor dem Notar Johann Ludwig Gabriel Dezarr in dem dem Ankäufer 
gehörenden, „Zum Hörn" genannten Hause dem Kauf- und Handelsmann 
Cornelius Chorus und seiner zweiten Ehefrau Johanna Maria Kettenis ihre 
Halbscheid des auf der Pau neben Chorus einerseits und der Rummel 
anderseits gelegenen „Zum güldenen Verkeil" genannten Brauhauses, die 
Halbscheid der Fontain, des Gartens und der Auffahrt auf dein Johanuisbach 
gegen das Annuntiatenkloster über ausschiessend, die sie von ihrem Oheim 
Wilhelm Schütgens geerbt haben, für 2100 Reichsthaler (zu 54 mark aix) 
und S'/a louisd'or zum Verzichtspfennig. 

') Nach dem Realisationsprotokoll vom 25. Oktober 1732 (Bd. 1730—32, 
S. 533) verkaufen Frau Witib Jakobi Düppengiesser und Frau Witib Caroli 
von Imber als Erben von Wilhelm Schütgens vor Notar Antonius Goor dem 
Cornelius Chorus und seiner zweiten Ehefrau Maria Johanna Kettenis ihre 
neben „hern geldern" (dem Ankäufer) gelegene Halbscheid des Brauhauses, 
des Hofes uud Erbes, „das güldene Verkeil" genannt, für 2100 Reichsthaler 
zu 54 mark aix) und 6 louisd'or zum Verzichtspfennig. 

2 ) Bis zu dem gesetzlich bestimmten ßeschuddungstermin konnte der 
Verkauf eines Hauses geschuddet d. h. rückgängig gemacht werden. 



— 23 — 

vermeintlichen Beschuddung dieser letzten Halbscheid herzu- 
leihen sich nicht gescheuet". 

Nach dem Kauf hat das ganze Haus von Anfang April 1732 
bis 15. Juni«. 1733 leer und unbewohnt gestanden. 

„Als mittlerweile der Bierbrauer Peter Hüllenkremer dieses 
Zeitliche — anbei eine ziemlich begüterte Witib — verlassen, 
hat des Johann Wilhelm Imber Vaters Bruder Gillis Imber 
diese, einen feisten Bissen, vor sich zu haben geschätzet, dahero 
um sie zu werben angefangen; die aber mit ihme sich in keine 
Eheberedung eher hat einlassen wollen, er hätte denn zuvor 
ein gutes -Pann- oder Brauhaus bestanden. Warum derselbe 
Gillis Imber zwar alle Mitteln zusammengelegt, um deren eines 
auszusuchen, gleichwohl keines hat finden können, bis daran 
Johann Wilhelm Imber durch gute Freunde, Schmeicheleien und 
allerhand schöne Vorstellungen den Chorus so weit eingewieget, 
das,, dieser das fast verfallene Brauhaus mit überschwenglichen 
Kosten von mehr denn 1000 Rthlr. aufs neue zum Stande 
gebracht und, um demselben Gillis Imber zu seinem Glück in 
der mariage beförderlich zu sein, ihm solches den 23. Mai 1733 
in Mietschaft ausgethan hat." 

Diese Mietschaft des Hauses, um die Gillis von Imber 
mehrmals allein, dann auch mit dem Artillerie-Kapitän Herrn 
Peter von den Elssen Chorus angegangen, ist also am 23. Mai 
vor sich gegangen und von der Witib Hüllenkremer der 
Contrakt mit unterschrieben worden. 

Dabei soll Job. Willi, v. Imber erklärt haben, eine Be- 
schuddung des Hauses werde seinerseits nie stattfinden, da er 
ja mit der einen Hälfte des Hauses nichts anfangen könne. 

„Wie nun die mariage hierauf mit der wohlbegüterten 
Hüllenkremerischen Witib zur Wirklichkeit geraten, das Haus 
bezogen und das Brauwerk angefangen worden, so ist zugleich 
erfolget, dass von Stund an Gillis Imber und sein nunmehriges 
Weib viele Vor- und Ratschläge gepflogen, wie sie doch selbsteil 
zum Eigentum des Hauses gelangen könnten. In welche] 1 Absicht 
sie von Chorus zwei Monate später einen ziemlich aväntagenes 
angestrichenen Tausch oder Kauf gesonnen. (Ullis von Imber 
wünschte, dass Chorus ihm das Maus verkaufe, wobei er äusserte, 
sie wollten ihm das Haus zur Frantzos. Krön ; in Markt dagegen 
überlassen und anbei etwa 1700 Rthlr. schaffen. Ihr Oheim, Herr 
Kanonikus Lothmanns auf St. Adalbert, hätte ein Kapital auf 



— 2i — 

sicherer Behausung - stehen. Wenn dieser solches wiederbekäme, 
so könnten sie Chorus eine noch grössere Summe Geldes schaffen. 
Von dem übrigen Reste aber wollten sie eine Obligation auf 
das Haus „zum Verken 1 machen. Als aber Chorus dazu keine 
inclination bezeigte, hat man sofort zu dräuen angefangen: wenn 
er es nicht verkaufen wolle, werde es geschuddet werden." 

Ferner wird berichtet, dass Frau von Imber Ende Septem- 
ber 1733 Frau Chorus angesprochen habe, doch noch einen 
Schweinestall zu bauen, worauf diese geantwortet, ihr Manu 
habe vor und nach Einzug des von Imber vielfältige Reparationes 
und Meliorationes thun lassen müssen, sie möchten ein wenig 
rasten, es wäre genug gebaut. 

„Dann habe jene wieder um Verkauf gebeten und in specie 
ihren Ohm, den vorgemelten Herrn Kanonikus Lothmanns, 
dazu employret, um den Herrn Peter Nielas zu veranlassen, 
dass dieser den Herrn Chorus zum Verkauf persuadiere. Als 
sich dieser nun zum Verkauf noch nicht entschliessen wollte, 
haben sie die Schuld concertieret, die Schuddgelder angeschafft 
und zur Behausung „Zum Waldeck" bringen lassen. Ein 
heimliches Verständnis herrschte dabei zwischen ihnen und 
ihrem Vetter Johann Wilhelm von Imber. Die Schudd sollte 
durch diesen geschehen, um jenen das Hans zuzuspielen. So 
ist jener denn zur Beschuddung der von den Erben der 
Schütgensschen Witib verkauften einen Halbscheid übergegangen. 
Als Sohn der Witib Caroli Imber appelliert er beim Schöffen- 
stuhl gegen die Richtigkeit des Verkaufs „Zum gülden Verken" 
und beanträgt Lösung desselben und Verurteiluno' des Ankäufers 
in die Kosten. Durch Urteil des Schöffengerichtes vom 
13. Dezember 1734 wird dann der um eines hässlichen Gewinnes 
willen seinen Namen verleihende Johann Wilhelm Imber zum 
Retrakte des halben Hauses „Zum Verken" admittieret und 
Chorus in die Kosten verurteilt." 

Letzterer appelliert sofort durch seinen Anwalt, den 
Lizentiaten N. Thenen, beim Reichskammergericht und hebt 
hervor, dass er das Haus und Brauhaus zusammen für 4200 
Rthlr. und lO'/o louisd'or als Verzichtspfennig an sich gekauft, 
darüber weiter G74 Aacher Gulden an Herren- und Armengeld 
gezahlt, auch zu nutz- und nothdürftigen Reparationen weit 
mehr als 1000 Rthlr aufgewandt habe, wogegen Imber jetzt nur 
2100 Rthlr. und 6 Pistohlen für die Schudd habe offerieren lassen. 



- 25 — 

Schliesslich einigen sich die Parteien dahin, dass des 
Johannes Wilhelm von Imber Oheim, Aegidius (Gillis) von 
Iniber das streitige Haus „Zum güldenen Verkeil" von Cornelius 
Chorus kauft, nachdem er sich bereit erklärt hat, den noch in 
appellatorio hangenden Prozess dem appellanti C. Chorus ab und 
über sich zu nehmen. 

Durch Akt vom 24. Januar 1737 vor dem Aachener Notar 
Henricus Leonardas Persia erklärt Chorus, dass er zu dem End 
hauptsächlich das Haus angekauft habe, um sich darin vor- 
handenen laufenden 'Wassers in seinem nächst anschliessenden 
Haus und Erb „Zum Hirsch" mit bedienen zu können, dass 
dann Aegidius von Imber und dessen erste eheliche Hausfrau 
Anna Gertrudis Lotlimanns, ehemalige Witib Petern Hüllenkremer 
sich oft ihm angetragen, ihnen das Haus zu überlassen. So 
habe er denn endlich sowohl aus anverwandtschaftlicher Liebe 
als auch andern Bewegnissen sich bequemet und das Haus lieber 
diesen, denn jemanden anders gönnen wollen. Darumb wären 
sie hierüber am 3. August 1736 zusammengekommen und hätten 
sich über folgende Punkte geeinigt. 

1. Aegidius von Imber übernimmt den ganzen Appellations- 
prozess, sodass Chorus mit nichts mehr darüber belästigt wird. 

2. Chorus hat zum Ablauf des Wassers aus dem verkauften 
Hause auf eigene Kosten eine Wasserleitung in sein Haus legen, 
lassen, auch die Röhren und Erahnen in dem Hause neu anlegen 
lassen; so soll nun für alle Zeiten das Wasser je zur Hälfte 
in beide Häuser einlaufen, auch in dem Fall, dass in dem Haus 
„Zum Hirsch" nicht mehr die Nähnadelhantierung geübt oder 
auch im Hause „Zum Verken" nicht mehr gebraut würde. 

3. Chorus soll die auf 1000 Reichsthaler taxierten Ver- 
besserungen an dem Hause vergütet bekommen. Darauf ver- 
zichtet er aber mit Rücksicht auf die an dem Hause erworbene 
Wassergerechtsame, wogegen von Imber sich bereit erklärt, 
4289 Rthlr. 4 Gulden in guten alten louisd'or zu zahlen, wovon 
1200 Rthlr. zu 4 Prozent als Hypothek stehen bleiben sollen. 
Darunter befinden sich auch 300 Rthlr., die seit dem 5. April 
1732 als Hypothek von den Sehütgensschen Erben auf der 
einen Hälfte des Hauses standen. 

Kür die Regelung der gesamten Prozessverhältnisse bezahlte 
dann Gillis von Imber am 7. März 1737 an Gerichtskosten an 
Michael Heimes 129 Gulden, 2 Mark, 3 Bauschen. 



- 28 — 

Die meisten der für diesen Appellationsprozess notwendigen, 
von Cornelius Chorus dem Älteren ausgestellten Vollmachten 
zeigen im Siegel das Wappen der Egge 1 . 

Am 8. Mai 1753 erklärt Cornelius Chorus „im Witwen- 
stande sitzend", vor Notar Karl Franz Urlichs 2 als Restkauf- 
preis auf das Haus „Zum güldenen Verken" kraft des gericht- 
lichen transportus vom 9. Februar 1737 zu Last des Ankäufers 
Gillis von Imber sei. und dessen Hausfrau Anna Gertrud 
Lothmann, ehemaliger Witwe von Peter Hüllenkremer. jetzt 
Hausfrau Tilmanni Nikolai Ahberg, von Johann Jakob Hüllen- 
kremer namens seiner Mutter 900 Reichsthaler (zu 54 mark aix) 
empfangen zu haben, ebenso die seit dem 3. August 1736 zu 
4 Prozent mit 16 Jahren und 9 Monaten verfallenen Interessen 
zusammen 693 Reichstlialer, von denen einzelne von beiden 
Parteien erhobene Spezialforderungen abgezogen wurden. 

Bezüglich des Hauses „Zum Hörn" sei noch erwähnt, dass 
am 20. brumaire an III (10. November 1794) in dein Kollen- 
bachschen Hause auf der Jakobstrasse der Bürger Driessen 3 
wohnte, der Kriegskommissar und Nationalagent der zu Aachen 
niedergesetzten Centralverwaltung war. 



Das Haus zum roten Ochsen in Aachen, 

Von H. F. Macco. 

Das Haus zum roten Ochsen, das in der Geschichte Aachens 
zu Ende des 16. Jahrhunderts als Absteigequartier vornehmer 
höherer Offiziere eine Rolle gespielt hat, lag in der Grossköln- 
strasse unweit des Marktes. Die Lage wird näher bezeichnet 
in einer Urkunde vom 27. August 1389, durch die Mathias der 
Becker und Johanna (Henken) seine Frau, einen auf dem Hause 
„zen Oisse, dat yn Kollestraysse gelegen is, intghein dat huyss 
van Breidenbent over, alreneyst dem huyse ind erve van Eynen- 
berchs" ruhenden Erbzins von fünf Gulden auf Johann Roland 



') Vgl. II. F. Macco, Beiträge zur Genealogie rheinischer Adels- and 
Patrizierfamilien. Aachen 1887. Bd. II, S. 11. 

*) Vgl. Real.-Protokoll vom 12. Mai 1753 (Bd. 1753, S. 149). 

3 ) Vgl. Akten betreffend Proklamationen I im hiesigen Stadtarchiv. 



von Hokijrchen übertrugen 1 . In dem um 1460 angelegten 
Bergthor-Grafschaftsbuch wird das „huis zen roeden Oysse" 
einerseits neben dem Hause von Karl Haemmecher, anderseits 
neben dem«- „huis zo Eynenberg" erwähnt 2 und 1604 heisst es 
im Anschreibebuch 3 des damaligen Besitzers des Hauses Stefan 



'&< 



Kawenberg „der rode Ochs aen Mossersgas uffem Mart neben 
dem Olifant" 4 . Man wird demnach wohl annehmen dürfen, dass 
auf dem Terrain des heute Nr. 7 in der Grosskölnstrasse 
gelegenen Hauses ehemals das Haus zum roten Ochsen 
gestanden hat. 

Bei 'Anlegung der Grafschaftsbücher war das Haus mit 
2^2 Gulden an den Schöffen Clais von Roide, 2 ] / 2 Gulden an 
Roland' von Hokirchen und 18 Schilling Erbrente zu Gunsten 
des Hauses zur Maus am Radermarkt, belastet, der oben 
erwähnte Zins von Johann Roland von Hokirchen 5 war also 
inzwischen geteilt worden. Beatrix, Tochter von Johann Roland 
von Hokirchen 6 und Agnes, seiner ersten Frau, vererbte die 2 1 j 2 
Gulden Rente auf ihren Mann Lambrecht Bück 7 , dem sie durch 
Urkunde vom 14. Mai 1460 auch das Haus zum schwarzen 
Adler in die Ehe brachte. Lambrecht starb um das Jahr 1485, 



') Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, B. 1393/4657. 

2 ) Kgl. Staatsarchiv zu Düsseldorf, Schöffenstuhl zu Aachen, Ilep. 
Nr. 5, Fol. 4. 

3 ) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, P. 832/2574. 

4 ) Ein anderes Haus zum Olifant lag und liegt heute noch in der Adel- 
gündisstrasse, jetzt Ursulinerstrasse genannt. Dasselbe gehörte zu Ende 
des 15. Jahrhunderts der Familie Düppengiesser. Thys Düppengiesser d. A. 
kaufte es am 12. Februar 1479 von (Georg) Jörgen dem Mutschemecher. 
Dann kam es an die Familie Prym und von dieser 1542 an die Ehegatten 
Johann und Barbara Schrick, die das Haus ihrem Sohn Mathaeus vermachten, 
der im Jahre 1588 Rentmeister der Stadt war. Von den Gläubigern bedrängt, 
musste dieser es am 2. September 1595 an Peter Pcltzer d. A. verkaufen. 

• r ') Derselbe darf nicht verwechselt werden mit dem Schöffen Johann 
von Hokirchen, einem Sohne des 1370 f Schöffen Mathias von Hokirchen, 
der mit mehreren anderen Schliffen am 2. Mai 1402 vom Kaiser Ruprecht 
mit der Rcichsacht und am 12. November 1403 mit der Reichsoberachl 
belegt wurde. Dieser wohnte in der Gcngstrassc im i lause „Hokirchen" 
heute Jesuitenstrasse Nr. 7 — , während Johann Eoland am Markte .Im 
schwarzen Adler, heute .Markt Nr. 4f>, bewohnte. 

8 ) Sohn von.) unker Roland von Hokirchen, Johan Rolands d. A.i l390)Sohn. 

7 ) Lambrecht Huck, Sohn von Johan, war 1472/3 Bürgermeister. 



— 28 - 

worauf seine Witwe den Schöffen Johann von Segroide in der 
Scherpstrasse heiratete, als dessen Gattin sie 1488 zuerst vor- 
kommt. Ihrer ersten Ehe waren Junker Roland und Wilhelm 
Bück, sowie eine Tochter, entsprossen, welch letztere Gerhard 
Buytschen heiratete. Urkundlich steht fest, dass auf Roland 
alle väterlichen Güter und Renten übergingen. Was wir von 
ihm wissen, ist keineswegs für ihn schmeichelhaft. Die vielen 
Prozesse, in denen er beim Reichskanimergericht verwickelt 
war, zeigen uns ihn als einen zanksüchtigen Menschen und 
Abenteurer. Von seinen drei Frauen liess er Johanna von 
Avennies, Witwe des 1494 f Schöffen und Bürgermeisters Johann 
Beissel im Stich, zog auf Kriegshändel und kehrte erst nach 
ihrem Tode zurück, um ihre reiche Hinterlassenschaft in Besitz 
zu nehmen *. Seine dritte Frau Margarethe von Kaldenbach, 
Gerhards Tochter, lief ihm davon 2 . 

Unter seinen vielen Rechtsstreitigkeiten führte er auch 
einen Prozess gegen den Wirt im roten Ochsen Johan von 
Lnntzen, der im Jahre 1524 beim Reichskanimergericht ein- 
geführt wurde 3 . Es handelte sich hier um die auf dem Hause 
lastende Erbrente, welche Roland ganz, also die ursprünglichen 
5 Gulden, beanspruchte, während von Lontzen ihm nur die 
Hälfte zugestand und darauf hinwies, dass sein Vater Kornelius 
von Lontzen und dessen Schwager Johann Schutz den Zins 
stets zur Hälfte an die Erben des f Schöffen Johann von Roide 
bezahlt hätten. Über den Ausgang dieser Streitigkeit lassen 
uns die Akten in gewohnter Weise im unklaren, es genügt aber 
daraus festgestellt zu haben, dass zu Beginn des 16. Jahr- 
hunderts der rote Ochs als Weingasthaus im Besitze der 
Familie von Lontzen war. 

Schon im 15. Jahrhundert muss das Haus dieser Familie 
gehört haben, denn unter den auf dem Hause zu Eynenberg 
ruhenden Renten, werden 4 Gulden zu Gunsten des Schröders 
Nikolaus von Lontzen im Ochsen aufgeführt, die dieser 1457 
auf Peter Alart übertrug 4 . 



') Kgl. Staatsarchiv zn Wetzlar, B. 1305/4408. Johanna starb hoch- 
betagt. Sie cuterbte ihren Manu und setzte ihren Sohn Dr. Jobst Beissel 
zum Erben ihres Schlusses und sämtlicher Güter ein. 

2 ) Desgl. B. 2051/6184. 

'■') Desgl. B. 1393/4657. 

*) Kgl. Staatsarchiv zu Düsseldorf, Schöffenstuhl zu Aachen, Rep, 
Nr. 5, Fol. 4 b. 



— 29 — 

Längere Zeit erfahren wir dann nichts mehr über das Hans 
oder seine Besitzer, die nächste Erwähnung geschieht 1556. Am 
11. Januar dieses Jahres verkaufte der Bürgermeister Adam 
von Zcvel" als Bevollmächtigter von Laurenz Balduin Laut an 
die Ehegatten Franz und Petronella (Peetzgen) von Horbach 
das Haus zum Nütt in der Grosskölnstrasse, gegenüber den 
Minoriten, „allernächst der portzen", hinten auf Kleinköln- 
strasse ausgehend, für 160 Joachimsthaler, an welcher Summe 
die Ankäufer 8 Thaler jährlichen Zins auf „dem huis zem Ochs 
in Kolnerstraiss beym Markt neist dem huys zem Oliphant" in 
Zahlung gaben \ 

Fünfundzwanzig Jahre später finden wir das Haus im Besitz 
des Weinhändlers Wilhelm Kreyen. Zu dieser Zeit (1581) 
wohnten die zur Ratswahl entsandten kaiserlichen Subdelegierten 
im Ochsen und machten dort auf Kosten der Stadt eine 
gewaltige Zeche' 2 . Wie es scheint, zögerte die Stadt mit der 
Zahlung, denn später wurde dem Bürgermeister Johann von 
Lontzen'' von seinem ehemaligen Diener Wilhelm Mott, der 
Barbara Rave, eine Schwester von Lontzens Frau, entführt und 
sich deshalb mit ihm überworfen hatte, der Vorwurf gemacht, 
er habe von der Wirtin zum Ochsen ein Ohm Wein angenommen, 
um ihr zur schnellern Bezahlung „wegen der sachsischen ver- 
zehrten Unkosten" beim Rate zu verhelfen 4 . Wegen dieser 
Beschuldigung kam es zwischen Lontzen und Mott zum Prozess. 
Die Verhandlung, welche sich nicht allein auf diesen einen 
Fall beschränkte, sondern noch mehrere andere angebliche 
Bestechungen beleuchtete, gestaltete sich für Lontzen recht 
günstig und Hessen die Anschuldigung als Racheakt erkennen. 

Der Wirt zum Ochsen Wilhelm Kreyen starb zu Anfang 
der 80er Jahre. Seine Witwe Maria von Wirth heiratete um 
1584 Heinrich Peltzer, einen Sohn des um Aachen hochverdienten 
Bürgermeisters Mathias Peltzer. Mit ihrer Hand scheint Heinrich 
Peltzer auch das Haus zum roten Ochsen erhalten zu haben. 
Darauf deutet auch der Ausdruck „mütterliches erbteil" hin, 
mit dem sein Sohn Mathias das Haus 1618 bezeichnete. Heinrich 



1 ) Urkunde im Stadtarchiv zu Aachen. 

2 ) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, L 792/2573, II, Fol. 70 f. 

3 ) Über ihn siehe Maeco, Die reformatorischen Bewegungen während 
des 16. Jahrhunderts in der Reichsstadt Aachen, S. 33. 

4 ) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, L 792/2573, I Fol. 258. 



— 30 - 

Peltzer starb in der Blüte seiner Jahre am 16. Februar 1591. 
worauf seine Witwe sich in dritter Ehe mit Peter Palant aus 
der Linie zu Wildenberg- vermählte, der das von seinem Vor- 
gänger geführte Weingeschäft und das Gasthaus zum roten 
Ochsen übernahm. Als Letzteres gehörte es zu den drei vor- 
nehmsten Logierhäusern der Stadt '. Dass es von alters her 
ein Weinhaus war, geht aus einem Verzeichnis der städtischen 
Weinaccis des Jahres 1420 hervor, wo das Haus „zen Ois" 
zwischen den Häusern „zen kleinen Eichorn" 2 und „zcr Lantz- 
kronen" aufgeführt ist 3 . 

Im Jahre 1598, bis kurz vor der Wiederherstellung der 
katholischen Herrschaft in Aachen, hatte sich Oberst Schonen- 
berg mit seinen Offizieren im Ochsen eingelagert und Hess es 
sich bei üppigem Mahl und den guten Weinen des Hauses wohl 
seii;. Seine Rechnung überstieg etliche 1000 Thaler, die aber 
vom Rate dem Wirt Peter Palant bei der Stadtkasse angewiesen 
und dort ausgezahlt wurden. Später jedoch zwang ihn die 
katholische Verwaltung zur Herausgabe des Geldes, das, wie 
sie angab, durch eine Umlage unter den Bürgern aufgebracht 
werden sollte. Dies geschah aber nicht, und Palant zog „aus 
missinuth und ungedult in den kriegshandel und ist darüber 
verdorben und gestorben" 4 . 

Die Akten eines Prozesses, der sicli 1628 zwischen Mathias 
Peltzer und seinem ehemaligen Vormund Stefan Kawenberg 
abspielte 5 , geben uns ein ziemlich klares Bild von dem 



') Die beiden anderen Gasthöfe waren zu jener Zeit der „Birnbaum" 
am Markt und der „Pütz" in der Grosskölnstrasse. Über ersteres siehe 
Pick, Aus Aachens Vergangenheit S. 574 f. 

2 ) Die Reihenfolge der um 1450 bei Anlage der Grafschaftsbücher am 
Markte gelegenen Häuser von der Pontstrassc bis zur „Motzersgasse" war: 
tt. dat huis zen alden Broisselt up Pontorde. It. der swartze Aer. It. 
herneist dat huis zo den Rosenboum. It. der cleyn Dobach. It. der groisse 
Dobach. It. dat huis zen Stave. It. dat huis zo den Eichhorn. It. herneist 
noch der Eichhorn. It. noch des Daeinen Hartmans bachuis, der Eichhorn 
genant. It. Karl Haemechers huis. It. dat huis zen roeden Oysse. It. dat 
huis zo Eyuenberg. It. dat wiedergade. lt. des Soldreders huis. It. Keils 
bachuis up Mutzorsgassen orde. 

3 ) Weinstener- Verzeichnis von 1420/21 im Stadtarchiv zu Aachen. 

4 ) Königliche Bibliothek in Berlin, Handschriftensammlung, Man. Bor. 
F.d. 758. 

5 ) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, P 832/2574. 



— 31 — 

Hause, seiner Ausdehnung und seiner Bauart. Sie erzählen 
von vielen Kammern im Vorderhause und von weitläufigen 
Hintergebäuden, welch letztere dem Sachverzeichnis zufolge, 
das den -Akten beigefügt, ist, wohl vor Zeiten zu einer 
Färberei verwendet worden waren. Die Räume des Vorder- 
hauses wurden teils von der Familie bewohnt, teils dienten sie 
zu Geschäftszwecken und zur Aufnahme von Fremden und 
Gästen. Das Haus war aber kein Gasthaus oder Weinhaus im 
heutigen Sinne, so sngen denn auch die Akten ausdrücklich, 
dass ein Wein-Grosshandel darin betrieben wurde. Der Wein 
kam, wie aus den Rechnungsbüchern hervorgeht, nur fassweise 
zum Versand, und die Käufer probierten in einem besonders 
dazu bestimmten Räume. Auch die geringe Zahl der Gläser, 
welche die Inventarliste aufführt, würde für ein Gasthaus nicht 
hinreichend gewesen sein K So dienten denn die schon erwähnten 
Logierzimmer, abgesehen von den unvermeidlichen militärischen 
Einquartierungen, wohl vornehmlich, dem gastfreien Gebrauch 
jener Zeit gemäss, zur Aufnahme von Verwandten und Geschäfts- 
freunden nach den Strapazen der damals so beschwerlichen 
Reisen. Gut empfohlene Freunde mögen wohl auch Aufnahme 
gefunden haben, keineswegs aber stand das Haus dem allgemeinen 
Verkehr offen. 

Die Akten reden weiter von grossartigen, weit ausgedehnten 
Kelleranlagen, in denen zur Zeit der Inventaraufnahme sich 
38 Fuder und 4 Ohm Wein befanden. 

Die Mobilien des Hauses werden als überaus stattlich und 
gediegen beschrieben. Da ist von einer kleinen Bibliothek die 
Rede, die freilich in diesem trockenen, litteraturarmen Jahr- 
hundert nur aus Chroniken, Predigten, Hauspostillen und einer 
grössern Anzahl Bücher reformatorischen Inhalts bestanden. 



] ) „Gleser: 2 christalen kop, 2 hoeg christalinen gleser, een Langen 
groenen peßer, 2 groenen roemer, een schal, een kelchsgen, 5 roemer, 
1 beirglaß, 5 siffersche polh, 13 erden kreusgen, een drinckgeschier, een behr, 
een kattorff." An anderer Stelle: „2 silberne beerbecher wiegend I U 3 r.\. 
2'/ 2 loth, ein par überhaben (erhaben, getrieben) silberen becher mit gülden 
borden i'/ 2 St 4 loth, item noch een paar silberen becher oder kop mit 
oyergulden borden 1 &! 13 loth, item 4 roemer mit overgulden borden 1 U 
2V a loth, itcin l silveren kop overhaben l9'/ 2 loth, item 2 overgulden, so 
in einanderen schliessen 29'/ 2 loth, noch een silberen overgulden becher 
21 loth", ferner „4 silberen hier bechern darauf das Palandts wapfen". 



— 32 — 

Weiter hören wir von kostbaren Seiden- und Tuchmänteln, 
reichen Seiden- und Sanimet-Gewändern, prächtigen spanischen 
mit Straussenfedern und Goldagraffen geschmückten Hüten, von 
einem Vorrat seltener Spitzen und feiner Linnen, und von 
andern Schätzen, die man zu damaliger Zeit besonders hoch- 
hielt. Die Rüstsammlung enthielt künstlerisch cisellierte Kürasse, 
Beinschienen und einen eisernen Sturmhut, zwei vollständige 
eiserne Rüstungen für die Diener, Gewehre, Schwerter, Dolche 
und Pistolen in eingelegter spanischer Arbeit, reiche Silbersachen 
und Goldschmuck mit Edelsteinen 1 . Es fehlte auch nicht an 
zahlreichen Gemälden und geschnitzten Holzmöbeln. In allen 
Räumen verteilte sich eine Menge feiner getriebener Zinn- und 
Kupferarbeiten, wie Lichterkronen, Leuchter, Kannen. Schüsseln, 
Wappen, in Kupfer getriebene Hirschköpfe mit vergoldeten 
Hörnern, weiter „christalen" Spiegel, Stahlspiegel u. s. w. 2 In 
den Ställen standen 5 Pferde, woraus man mit Recht auf die 
Ausdehnung des Weingeschäfts schliessen darf. 

So vervollständigt sich, wie von selbst, vor unsern Augen 
das Bild eines alten vornehmen Patrizierhauses, das den Charakter 
seines ebenfalls vornehmen Besitzers darstellt. Es sei hier darauf 
hingewiesen, dass der Weinhandel sich von Alters her zu Aachen 
ausschliesslich in den Händen des privilegierten Adels und des 
Patriziats befand und noch in neuerer Zeit wird er als das Ge- 
werbe angesehen, mit dem sich auch die oberen Kreise unbe- 
schadet befassen dürfen. 



] ) Unter anderra werden zwei Wappen der Herreu von Bergh erwähnt. 
Vermutlich gehörten diese Schilde zur Palantschen Erbschaft, da diese 
beiden Familien im 15. Jahrhundert verwandt waren. Wilhelm von Beruhe 
zu Liinbricht und Sittard vermählte sich am 14. Juni 1-146 mit Margerethe 
von Pallant zu Wildenberg, Erbin der Herrschaft Trips. Allerdings ist 
aber nicht ausgeschlossen, dass die Schilde zum Nachlass von Heinrich 
Peltzer gehörten, dessen Grossoheim Jakob Kremer gen. Peltzer um 1500 
mit Katharina, Witwe Peters von Berghe, verheiratet war. Ob dieser 
Peter von Berghe der gleichen Familie wie obiger Wilhelm angehörte, war 
nicht festzustellen. Bekannt ist nur, dass seiue Eltern Joist und Agnes 
von Berghe hiessen. Berücksichtigt man aber die urkundlich erwiesene 
Anwesenheit eines Zweiges dieses Adelsgeschlechts gerade zu jener Zeit in 
Aachen — Pointz von Berghe, f 1474. war von 1468 — 74 Mitglied des 
Schöffenstuhls, sein Wappen enthält Balken und Andreaskreuzehen — so 
kann dies nur eine solche Annahme unterstützen. 

*) Unter den Baritäten wird eine „indianische noss" genannt. 



— 33 — 

Leider wird ein Dunkel bleiben über Zeit und Umstände, 
wie das Haus zum roten Ochsen aus dem Besitz der Familie 
Peltzer wieder in andere Hände gelangt ist. Nach dem im 
Jahre 1603" eingetretenen Tod der Witwe Maria Palant fiel 
das Anwesen, da ihre dritte Ehe ohne Nachkommen geblieben 
war, an ihren Sohn zweiter Ehe, Mathias Peltzer, der zu jener 
Zeit noch minderjährig war. Stephan Kawenberg 1 , ein naher 
Verwandte)', wurde zum Vormund bestellt und bezog mit seiner 
Familie das Haus. Er schaltete über Geschäft und Besitztum, 
als wäre es sein eigen, und bemühte sich auf mancherlei unred- 
liche Weise aller Art nicht allein in den Besitz des von ihm 
verwalteten Vermögens, und blühenden Weingeschäfts zu kommen, 
sondern auch das Haus an sicli zu ziehen. Doch das verhinderte 
der herangewachsene Erbe selbst, indem er den schon angeführten 
Rechtsstreit gegen den Vormund einleitete. Er erhielt durch 
Urteilsspruch des Reichskammergerichts 1628 seine ganze Erb- 
schaft zurück und als Ersatz für erlittenen Schaden das Haus zum 
goldnen Adler, das am Markt neben dem Haller lag. Mathias 
Peltzer heiratete im Jahre 1609 Barbara Maccours aus Lüttich. 
Sein gleichnamiger Sohn verzog nach Burtscheid, wo seine Nach- 
kommen noch mehrere Generationen das Weingeschäft fortsetzten. 

Das Haus zum roten Ochsen verlor mit der Zeit seinen 



1 ) Im Jahre 1394 war der spätere Schöffe und Ritter Kuno von den 
Eichhorn Mitpächter der städtischen Wein-Accise. Die Schöffen-Familie 
Beissel betrieb im 15. Jahrhundert Weinhandel, Ludolf von Lintzenich, ein 
Sohn des Burtscheider Vogts Johann von Lintzenich wird 1518 als Schöffe 
und Weinhändler genannt, desgleichen 1585 Ulrich von Lupolt. 

2 ) Die Verwandtschaft desselben zu Mathias Peltzer veranschaulicht 

folgende Stammtafel: 

Adolf von Groningen 
Gem. Katharina 



Katharina von Groningen Jengen vonGroningcnfam 16. Mai 1611 

Gem. Kornelius von Wirth. Gem. 1) Andries Auwerk f bei der 
Er gehörte zu denjenigen Ratsherren, Belagerung von Mastriebt 157!», 

welche sich im Jahre 1559 öffentlich 2) Stefan (von) Kawenberg 

zum neuen Glauben bekannten. im goldnen Adler, der in 2. Ehe Eva 

von Hembacb gen. Gielenkirchen 
. heiratete. 



Morgen (Maria) von Wirth 

Gem. 1. Wilhelm Kreyen, 2. Heinrich 

Peltzer, 3. Peter (von) Palant. 



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Namen 1 . Nahe liegt an einen, durch den Stadtbrand 1656 ver- 
anlassten Neubau an alter Stelle zu denken, der bei diesem 
Anlass den neuen Namen „Die Kaisers Krön" erhielt 2 . 



Herzog Karl der Kühne von Bnrgund 
und die Reichsstadt Aachen. 

Von W. Brüning. 

Im Jahre 1468 stand der Herzog Karl von Burgund, dem 
die erste Unterwerfung* der Stadt Lüttich im Jahre vorher den 
Beinamen „Le Temeraire" eingetragen hatte, auf dem Gipfel- 
punkt seiner Macht und seines Ansehens. Bei der berühmten 
Zusammenkunft in Peronne hatte er, der Isegrimm, wie ihn 
Georg Weber nennt, den Fuchs von Frankreich, den ewig 
listigen und ränkevollen Ludwig XI. mit den unredlichen Mitteln 
damaliger fürstlicher Staatskunst ins Netz gelockt, ihm nicht 
bloss die Ehre, sondern auch den Euhm der Schlauheit geraubt 
und ihn dadurch für längere Zeit unschädlich gemacht. Unmittel- 
bar nach diesem diplomatischen Erfolge errang er auch noch 
einen militärischen durch die abermalige Eroberung Lüttichs 
am Sonntag vor Allerheiligen des Jahres 1468, dem dies 
irae in der Geschichte dieser damals so wehrhaften und 
einflussreichen Stadt 3 , die durch die fast fanatische Liebe 
ihrer heissblütigen Bewohner zu ihrer alten munizipalen 
Unabhängigkeit den monarchisch-absolutistischen Bestrebungen 



*) Im Jahre 1729 wohnte der Weinhändler Johann Schiffer im roten 
Ochsen. Wahrscheinlich handelt es sich hier aber um ein neues Haus an 
ganz anderer Stelle, da bekanntermassen nach dem Stadtbrand vielfach neue 
GFeMude alte Hausnamen erhielten, selbst wenn sie nicht auf dem frühern 
Boden aufgebaut waren. 

2 ) Am 7. August 1761 verzichteten Dionys Dreessen und seine Frau 
Anna Gertrud Baurmann auf einen, vom Hinterbau und Stall seines Hauses 
„Die Kaisers Krön olim rother Ochs genannt" zum Hinterhof des am Markte 
gelegeneu Braumannschen Stammhauses „Zum Pelikan" führenden Ausgang. 

3 ) M. L. Polain, Esquisses historiques de 1'ancien pays de Liege, 
Bruxelles 1837, S. 73: „C'etait unc riebe et puissante cite que Liöge en 
1465. Plus de cent vingt mille habitans se pressaient alors dans ses murs 
et soii industrie Horissantc rivalisait avec celle de tous les pays." 



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Karls an Maas und Scheide am meisten gefährlich werden konnte. 
Der rachsüchtige, grausame Herzog gab durch die Nieder- 
werfung der Wallonenstadt ein Schauspiel, das „den grässlichsten 
Erscheinungen in der Leidensgeschichte der Menschheit an die 
Seite gesetzt werden kann. Die unglücklichen Einwohner 
wurden in den Häusern und Kirchen aufgesucht und ohne Rück- 
sicht auf Alter, Stand oder Geschlecht hingemordet; die Frauen 
und Töchter wurden geschändet, dann niedergestossen ; Priester, 
die bei der Gemeinde ausgeharrt, an den Altären erschlagen; 
in den Strassen lagen die Leichen in Haufen aufgeschichtet, 
rann das Blut wie ein Bach; Gefangene und Flüchtlinge wurden 
massenweise in die Maas gestürzt. Die Häuser wurden aus- 
geplündert, dann den Flammen übergeben. Die einst so volkreiche 
und blühende Stadt, die zur Zeit ihrer Herrlichkeit dreihundert 
Kirchen in ihren Mauern zählte, sollte - vom Erdboden ver- 
schwinden. Noch wochenlang verfolgte man den elenden Über- 
rest, der in den Schluchten der Ardennen vor den Mordstreichen 
der entmenschten Kriegsknechte eine Zufluchtsstätte gesucht, 
damit nicht die wenigen, welche dem Hunger und der Kälte 
nicht zum Opfer fielen, wieder in die öde Wohnstätte zurück- 
kehren möchten V 

Diese That der Wut und Rache verbreitete in wälschen 
und deutschen Landen Entsetzen und Angst vor dem burgundischen 
Herzog, ganz besonders aber in den Lüttich benachbarten 
Städten, die auch den Zorn Karls zu fürchten hatten. Zu ihnen 
gehörte Aachen. 

Vor 1457 bestanden zwischen Lüttich und Aachen mancherlei 
Zwistigkeiten. In" diesem Jahr aber wurden sie beigelegt, und 



') G. Weber, Weltgeschichte Bd. VIII, S. 800. Dass Weber in der 
Schilderung dieser Eroberung Lüttichs, die zur Geschichte der Kriegsinoral des 
Mittelalters den wichtigsten Beitrag liefert, nicht übertreibt, beweist die auf 
zeitgenössischen Angaben beruhende Darstellung bei Polain, 1. c. S. 98. 
Aus ihr ersehen wir, dass von Lüttich nur „sa noble et antique cathcdrale" 
(St. Lambert, sie wurde von den Sansculottes im Bunde mit dm lütticher 
Revolutionären zerstört und im Jahre 1808 niedergelegt) und einige Häuser 
geistlicher oder burgundisch gesinnter Personen übrig blieben. Fast 50 000 
Menschenleben gingen bei dieser Katastrophe zu Grunde. Mit welcher Wut 
die Burgunder Lüttich bekämpften, berichten Peter ä Beeck (Aqüisgranum 
S. 139) und Joannes Noppius (Aacher Chronik S. 144). Foullon erzählt, dass 
man den Rauch des Brandes von Lüttich in dachen wahrgenommen habe. 
(Historia Leodiensis, tom. 2, lib. 6, p. 140.) 



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an ihre Stelle trat ein freundschaftliches Verhältnis, das der 
Wohlfahrt beider Städte sehr nützlich war 1 . Bald nach Abschluss 
dieses Freundschaftsbündnisses geriet Lüttich mit seinem Bischof 
Ludwig von Bourbon in Streit, einem Jüngling von achtzehn 
Jahren, der, obwohl er weder das gesetzliche Alter noch die 
geistlichen Weihen besass, durch die Machenschaften 2 seines 
mütterlichen Oheims, Philipps des Guten von Burgund auf den 
Stuhl des hl. Hubertus gelangt war. Er ersetzte den Mangel 
an Erfahrung in Staatsgeschäften und an geistlicher Würde 
durch fürstliche Anmassung 3 und beschwor dadurch den unheil- 
vollen Streit mit Lüttich herauf. Im Jahre 1460 belegte er 
die Kirchen seines Hochstifts mit Bann und Interdikt. Unter 
dieser Massregel, die aus politischen Gründen 4 die päpst- 
liche Bestätigung fand, hatte Aachen als Bestandteil des 
Lütticher Bistums gleichfalls zu leiden. Wir dürfen daher 
wohl annehmen, dass die Überlieferung begründet ist, die 
den Aachenern eine thätige Beihülfe im Kampfe der Bürger 
Lüttichs gegen ihren Bischof und Karl von Burgund zu- 
schreibt 5 . Dass sie auf Thatsachen beruht, darf man auch 
aus ihrem Verhalten nach dem Fall Lüttichs schliessen. Nach 
diesem wandte sich Karl zuerst gegen den im Thal der Hoegne 



') Foullon, 1. c. tom. 2, lib. 6, p. 44. — Auch die Beziehungen zwischen 
Aachen und dem Bischof von Lüttich waren in diesem Jahre zufrieden- 
stellende. Vgl. Fr. Haagen, Geschichte Achens, Bd. II, S. 74. 

2 ) Diese bezweckten die Förderung der grossburgundischen Pläne in 
den Niederlanden. Mit Rücksicht auf diese hatte Philipp es sich bereits 
vor einem Jahrzehnt angelegen sein lassen, seinem natürlichen Sohne David 
das Bistum Utrecht zuzuwenden, das wie das lütticher dem Inhaber landes- 
herrliche Rechte verlieh. Vgl. H. Die mar, Die Entstehung des deutschen 
Reichskrieges gegen Herzog Karl den Kühnen von Burgund S. 2. 

s ) Vgl. die Schilderung seines Charakters bei M. L. Polain, 1. c. S. 75. 

4 ) Das grosse Ziel der päpstlichen Politik um die Mitte des 15. Jahr- 
hunderts war ein allgemeiner Kreuzzug gegen die Türken. Die Seele der- 
selben war der damalige Kardinal Enea Silvio de' Piccolomini, der spätere 
Papst Pius IT. Für die Erreichung dieses Ziels war die Freundschaft des 
burgiindischen Herrscherhauses ausschlaggebend. Dieses überragte damals 
alle anderen, auch das habsburgischc, an Reichtum und Macht. (G. Voigt, 
Enea Silvio de' Piccolomini als Papst Pius II. und sein Zeitalter Bd. II. — 
K. Rausch, Die burguiidische Heirat Maximilians I.) 

6 ) K. F. Meyer, Aachensche Geschichten S. 397. - Fr. Haagen a. a. 
0. Bd. II, S. 83. 



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gelegenen Ort Polleur und die Bergveste Pranchimpnt, die es 
mit Lüttich gehalten hatten. Auch hier wütete er mit Feuer 
und Schwert. Polleur weist noch heute traurige Erinnerungen an 
ihn auf. Auf die mit ihrem beweglichen Gute in die Wälder 
geflüchteten Bewohner Hess er durch Gendarmen, „die dabei 
viel Geld verdienten", Jagd machen und sie zumeist umbringen. 
Vor Franchimont lag er sechs Tage lang „und musste wider 
Hunger und Kälte streiten; deswegen die Aachener den feinen 
spielten und ihm allerley Lebens-Mittel zuschickten". Darauf 
zog Karl mit einem Haufen ausgesuchten Kriegsvolks nach 
Maastricht, Dorthin schickte Aachen eine Gesandtschaft, „von 
Furcht und masslosem Entsetzen vor Karls Rache erschüttert, 
weil es der Stadt Lüttich mit Getreide und Proviant Beistand 
geleistet hatte", wie Peter ä Beeck ausdrücklich schreibt 1 . 
Sie bot ihm fussfällig die Schlüssel der Stadt an und bat um 
Verzeihung ihrer Schuld. Was sollte die Stadt auch anders 
thun? Ohne fremde Hülfe hätte sie Karl trotz ihrer Mauern 
und Thorburgen keinen erfolgreichen Widerstand leisten können. 
Von den neuen, furchtbaren Artilleriestücken 2 des Burgunders 
wären diese bald wie die Mauern von Lüttich und Dinant zer- 
trümmert worden. Die Bürgerwehr Aachens konnte nicht 
daran denken, dem kampferprobten, vortrefflich gerüsteten 
Heere Karls, dem bisher noch der Ruf der Unbesiegbarkeit 
voranging, die Spitze zu bieten. Karl begnügte sich jedoch 
nicht mit der blossen „submissio" Aachens, sondern nützte 
dessen hülflose Lage auch dazu aus, seinen Kriegssäcke], 
der beständig in Anspruch genommen war, zu füllen. Die 
Stadt musste ihre Freundschaft mit Lüttich mit 80000 Gulden 
bezahlen. Trotz dieser recht bedeutenden Strafsumme 3 konnte 
sie sich glücklich schätzen, der Rache des Herzogs entgangen 
zu sein, der sich bald durch noch weit blutigere Thatcn, als 



') Aquisgranum 8. 139. 

-) Der Hofmarschall Olivier de La Mareho versichert von seinem Herzog, 
er sei „puissant et fort pour payer La plus grande bombarde du tnonde". 
(M. Jahns, Handbuch einer Geschichte des Kriegswesens S. 916.) Die 
Artillerie des burgundischen Heeres war unverhältnismässig stark und in 
vielen Dingen vorgeschritten. 

■'•) Für dieselbe Summe kaufte Karl dem Herzog Gerhard von Jülich- 
Bcrg seine Ansprüche auf Geldern und Zütphen ab. (Lacomblet, Nieder- 
rheinisches Urkundenbuch Bd. IV, S. 460, Nr. 367.) 



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sie Dinant und Lüttich gesehen, den Beinamen „der Schreckliche" 
erwarb. Er hätte auch bei Aachen sicher nicht auf die 
Befriedigung- seines Zornes verzichtet — das liess sein Charakter 
kaum zu — und er hätte die Stadt nicht geschont, wenn ihm 
ihre augenblickliche Lage nicht die Möglichkeit gegeben hätte, 
auf rein deutschem Boden Beziehungen anzuknüpfen, die 
seinem politischen Programm und den aus ihm sich ergebenden 
weitausschauenden Plänen dienlich sein sollten. Diese Pläne 
gingen neben der Erweiterung der burgundischen Reichsgrenzen, 
besonders durch Erwerbungen am Niederrhein, auf nichts 
Geringeres aus, als die deutsche Königskrone und dadurch die 
Anwartschaft auf das Kaisertum zu erringen. Bei ihrer Durch- 
führung konnte ihm die Freundschaft der Stadt, aus deren 
Mauern der König hervorgehen musste, von erheblichem Nutzen 
sein. Eine grausame Behandlung der urbs regalis und freien 
Reichsstadt hätte ihm im deutschen Reiche ohne Zweifel die 
Zuneigungen verscherzt, die er trotz seiner Blutthaten fand, 
und die Bestrebungen gelähmt, die deutscherseits unternommen 
wurden, um ihm seinen Lieblingswunsch, die Erlangung der 
Königskrone, erfüllen zu helfen. Vielleicht hat ihn auch bei 
der Behandlung Aachens die Erwägung geleitet, dass durch 
das an Lüttich vollzogene Strafgericht der Trotz der Städte 
für längere Zeit gebrochen sei. 

Deshalb wohl schloss er am 20. Juni 1469 „für sich, seine 
Erben und Nachfolger mit Bürgermeistern, Schöffen und Bürgern 
von Aachen" den untenstehenden Vertrag ab, der ihm fast das 
Verfügungsrecht über Aachen einräumte und sozusagen die 
Pforte zum deutschen Reich eröffnete 1 . Er konnte bald hier 



! ) Dieser Vertrag wurde von den Nachfolgern Karls Philipp I. und 
Philipp IL, Königen von Spanien, bestätigt. (Peter ä Beeek a. a. 0. S. 141.) 
Seine wesentlichsten Bestimmungen waren folgende: Karl bekundet, dass er 
ebenso wie seine Vorfahren aus Liebe zur Stadt Aachen mit dieser unter 
Zusicherung des friedlichen Genusses der ihr von Päpsten, Kaisern, Königen, 
Prälaten und Fürsten verliehenen geistlichen und weltlichen Vorrechte, 
Einrichtungen, Satzungen und alten Gewohnheiten einen Erbvertrag unter 
folgenden Bedingungen abschliesst: 

1. Statt der fünfzig Bogenschützen, die Aachen laut älteren Verträgen 
zur Besatzung der herzoglichen Burgen Limburg, Dalhem und Herzogenrath 
auf eigene Kosten stellte, zahlt es fortan eine jährliche Abgabe von zwei- 
hundert rheinischen Gulden. Der Herzog verspricht dafür der Stadt Freiheit 



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von Gebrauch machen, denn er fand infolge der zerrütteten 
Familienverhältnisse in dem ihm verwandten Herrscherhanse 
von Geldern und Zütphen die vorausgesehene und erwünschte 
Gelegenheit^ in die Verhältnisse des Reiches einzugreifen. Der 
Herzog dieser niederrheinischen Lande Arnold von Egmond, 
ein treuer Bundesgenosse des burgundischen Hauses in dessen 
Kämpfen gegen Holland, wurde von seinem herrschsüchtigen 
und brutalen Sohne Adolf in Nymwegen überfallen und auf dem 
Schlosse Büren fünf Jahre lang in grausamster Haft gefangen 
gehalten. Karl von Burgund erzwang schliesslich seine Frei- 
lassung imd versuchte die Händel zwischen Vater und Sohn 
beizulegen. Da ihm das — keineswegs zu seinem Unwillen — 
nicht gelang, schloss er 1472 mit dem in seinem Lande ver- 
hassten alten Herzog einen Vertrag, der dessen Sohn zum Ver- 
zicht auf die Erbfolge zwang und ihn selbst zum Nachfolger 



und Schutz. In Kriegszeiten steht ihm das Recht zu, Lebensmittel in ihr 
za kaufen. 

2. Die Bürger Aachens führen ihre mit dem Stadtzeichen versehenen 



L o k 



Güter und Waren durch die Herzogtümer Brabant und Limburg und die 
Herrschaften Valkenburg und Herzogenrath zoll frei durch. — Straf bestimmungen 
wider Übergriffe der herzoglichen Zollbeamten, wider Durchstechereien zwischen 
diesen und der Aachener Kaufmannschaft und wider den Missbrauch der 
Zollfreiheit. 

3. Der Herzog gestattet der Stadt den ungehinderten Genuss ihrer 
Gemeinden, Waldweidcn, Gehölze, Gewässer und Äcker und das freie Ver- 
fügungsrecht darüber. 

4. Im Kriege mit einem Fürsten oder Herrn möge die Stadt die Ent- 
scheidung des Herzogs anrufen und von ihm Hülfe erwarten. (.!) Er werde 
mit seinen Uuterthanen von Limburg, Valkenburg, Dalhem, Herzogenrath, 
Sprimont und Maastricht ihr beistehen. Nur mit gegenseitiger Zustimmung 
darf Frieden geschlossen werden. 

5. Bestimmungen über Beilegung etwaiger Zwistigkeiten zwischen 
Aachen und den herzoglichen Unterthatien in den genannten Landen, 

C Aachen hat das Recht, Brandstifter, Räuber und sonstige Schädiger 
in herzoglichen Landen zu verfolgen. Zur Wiedererlangung geraubter 
Güter leisten die herzoglichen Amtleute den Aachenern Beistand' 

7. Hei Eigentumsstreitigkeiten zwischen Bürgern Aachens und den 
Unterthancu des Herzogs spricht das Schöffengericht derjenigen Stadt Recht, 
in der das Eigentum liegt. 

8. Bestimmungen zur Verhütung gegenseitiger Angriffe auf Leib und 
Gut und über die Erledigung gegenseitiger Anschuldigungen. 



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bestimmte. Die Nymweger wollten anfänglich der Besitznahme 
ihres Landes durch Karl Widerstand entgegensetzen, besannen 
sich aber bald eines besseren und erkannten seine Herrschaft 
an. Auf dem Rückweg aus Geldern besuchte Karl Aachen 1 
und zwar zum Zwecke einer Bittfahrt zur Marienkirche 2 . 

Die frommen Absichten, die den Herzog nach Aachen 
geführt hatten, hinderten nicht, dass sein Kriegsvolk im Aachener 
Reich in gewohnter zügelloser Weise hauste. „Oem Aken die 
arme dorppeluyden die worden due ouch jemerlick vervort inde 
vernylt (vertilgt), die wille dat hee te Aken lach in de staet". 
Hier selbst wurde der Herzog zuvorkommend und ehrenvoll 
empfangen. Man bot ihm zu seiner nicht geringen Freude 
wiederum die Schlüssel der Stadt an und überreichte ihm 
Geschenke. Aus reiner Höflichkeit und Freundschaft geschah 
das aber nicht: „Die staet hadde grotten schade inde koeste inde 
last myt hoem van gescheynckten inde gaeifen, nyet van lyeffde 
mer van vreysse (Furcht) inde van anxten, den sy voer hoem 
hadden, want hee waes eyn ontscheynde (unbescheiden) maen 
aenxstelyck (angsterregend) inde vreyslick (fürchterlich), want 
hee en sparde nyemant (er schonte niemand); syns selfs lande 
inde onderseyten (Untersassen) verderffde hee gelick andere 
landen, inde hee waes gyrich van gelde inde verschedde syn 
lant jemerlick mytten anderen landen die hee gewonnen hadde. 
Inde ongenedich waes hee geheytten onder alle mynschen; inde 
daer oem so ryeppe alle gemeyn volck wracke (Rache) inden 
Hemel over hoem heymlicke" 3 . 

Karl erwiderte das Entgegenkommen, das er in Aachen 
fand, durch eine Aufmerksamkeit, die wenigstens den musikalischen 
Sinn seiner Gastgeber befriedigte. Eine wertvollere Gunst erwies 
er den Mitgliedern des Ordens vom hl. Alexius, den armen 
Brüdern, die sich in den furchtbaren Zeiten des Schwarzen 



! ) Dieser Besuch fand im Jahre 1473 statt, nicht wie Haagen (a. a. 0. 
Bd. II, S. 86) und nach ihm andere angeben 1472. Auf Grund der Mitteilung 
eines flandrischen Chronisten nimmt Peter ä Beeck an, dass Karl von 
Geldern nach Maastricht zurückgekehrt sei und von dort aus Aachen besucht 
habe. Nach dem Bericht der Chronijk der landen van Overmaas en der 
aangrenzende gewesten (S. 42), der glaubwürdiger erscheint, ist Karl durch 
das Jülicher Land geradeswegs nach Aachen gezogen. 

2 ) Peter ä Beeck 1. c. S. 141. 

3 ) Chronijk der landen van Overmaas etc. S. 42. 



— 41 - 

Todes im 14. Jahrhundert zur Pflege der Pestkranken und zur 
Beerdigung- Verstorbener zusammengethan und sich durch ihre 
aufopferungsvolle Thätigkeit um Gotteslohn Ansehen und Ver- 
ehrung in "den Kreisen der aachener Bevölkerung erworben 
hatten. Er verwandte sich bei Papst Sixtus IV. für die 
Brüder und durch seinen grossen Einfluss erlangten diese die 
Bulle „His quae pro utriusque sexus" vom 26. April 1472 
zu Gunsten aller Celliten. Den iu Aachen befindlichen wurden 
insbesondere alle von den burgundischen Herzögen verliehenen 
Freiheiten und Privilegien bestätigt und auch alle Verordnungen 
gutgeheißen, die der lütticher Fürstbischof, der Neffe des 
Herzogs, zu ihren Gunsten getroffen hatte. Unter dem 18. März 
1469 hatte dieser den Brüdern erlaubt, nach der Regel des 
hl. Augustinus zu leben, ihre Wohnung zu einem Kloster 
erhoben und ihnen in ihrem Betsaale das Messelesen gestattet. 
Die Früchte dieser Gunst Karls des Kühnen haben das Gedeihen 
des Ordens sehr befördert 1 . 

Das Entgegenkommen der Aachener dem Herzog gegenüber 
während seines Aufenthalts unter ihnen war zweifellos haupt- 
sächlich ein Ergebnis der Furcht und nicht der Zuneigungen 
dieser Stadt für ihn. Deun als er im Jahre 1474 in die 
Händel der Kölner mit ihrem Erzbischof Ruprecht 2 mit 
gewohnter Anmassung und zugleich unter lügenhaftem Vorwand 
eingriff und dadurch in den Neusser Krieg verwickelt wurde, 
der durch den ewig ruhmwürdigen Heldenmut der Bürger von 
Neuss bald eine schlimme Wendung für ihn nahm, benutzten 
auch die Aachener die Gelegenheit, ihre deutsche und reichs- 
bürgerliche Gesinnung zu bethätigen. Auch sie wollten teil- 
nehmen an der mit seltener Einmütigkeit unternommenen 
nationalen Erhebung gegen den wälschen Eindringling, bei 
dessen Abwehr die deutsche Ehre auf dem Spiele stand. „Mehr 
als irgend ein Reichsunternehmen seit langer Zeit, gewann der 
Krieg gegen den Herzog Karl Volkstümlichkeit, Alle Welt, 
schrieb man damals, will aufsein gegen Burgund" s . Aachen machte 



') Quix, Historische Beschreibung von Aachen S. 60. Über 'las 
Weihegeschenk der Gemahlin des Herzogs an die Stiftskirche vgl. J. E. 
Kessel, Das Gnadenbild unserer Lieben Frau u. s. w. S. 59. 

2 ) Hermann Dicmar, Die Entstehung des deutschen Eteichskrieges 
gegen Herzog Karl den Kühnen von Burgund S. 101. K.Rausch a. a. 0. S. 123. 

a ) F. Hangen schreibt a. a. (>. Bd. II, S. 88: „Um sich an dem 
Kaiser zu rächen, unterstützte der Herzog den von diesem nicht anerkannten 



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davon keine Ausnahme und stellte auch sein Kontingent zum 
Reichsheere. Diese That muss man ihm um so höher anrechnen, 
als es bei dem Anmärsche des burgundisehen Heeres, der dieses 
in seiner Nähe 1 vorbeiführte, Gelegenheit gehabt hatte, sich von 
seiner Furchtbarkeit zu überzeugen, und es sich sagen musste, 
dass ihre Stadt diesem Heere, auch wenn es zurückgeschlagen 
wurde, noch auf dem Rückmarsche zum Opfer fallen konnte. 
Dass Aachen auch trotz des im Jahre 1469 mit dem Herzog 
abgeschlossenen Vertrages nicht als burgundisch gesinnte Stadt 
galt, beweist schon der Umstand, dass der Rat von Köln beim 
Herannahen der Kriegsgefahr beschloss, neben dem Erzbischof 
von Trier, anderen Herren und den Städten Bonn und Neuss auch 



Prätendenten auf das Erzstift Köln, den Landgrafen Hermann von Hessen, 
der auch Probst zu Achcn und Fritzlar war, und belagerte elf Monate ver- 
geblich Neuss." Hermann von Hessen war kein „Prätendent auf das Erz- 
stift", sondern der vom Domkapitel gegen den Erzbischof Ruprecht auf- 
gestellte Verweser des Erzstifts, später Kommandant von Neuss und 
Nachfolger Ruprechts. Der Kaiser war nicht gegen, sondern für ihn, und 
Karl unterstützte nicht ihn, sondern Ruprecht. 

J ) Bei der allgemeinen Annahme, dass Karls Heer eine Stärke von G0 000 
Mann zu Ross und zu Fuss gehabt habe, spielt die mittelalterliche Zahlen- 
wut wieder ihre bedenkliche Rolle. Selbst Jahns (a. a. 0. S. 1149) lässt 
sich von ihr imponieren. Einem Heere von 60 000 Mann hätte Neuss trotz 
aller Tapferkeit nicht widerstehen können. Immerhin war Karls Heer für 
damalige Verhältnisse gross zu nennen. Nach der jedenfalls einwands- 
freien Feststellung bei Diemar (a. a. Ü. S. 81) besass es eine Stärke von 
18 000 Mann. Jedenfalls war es aber das bestgerüstete Heer seiner Zeit 
und deshalb sehr gefürchtet. Als besonders trefflich in ihm galten die 
englischen und schottischen Armbrustschützen und die wohlgeübten italienischen 
Söldner unter der Führung geschickter Condottieri. Karl behandelte seine 
Truppe nach dem Grundsätze aus dem Zeitalter der römischen Militär- 
despotie: „Im Frieden halte mau den Soldaten durch Furcht und Strafe im 
Zaum; im Kriege reize man ihn durch die Aussicht auf Beute und Lohn." 
Gold und Wollust waren die Quelle der Tapferkeit dieser Söldnerscharen, 
und wehe der Stadt, die ihnen verfiel. Ihre sittliche Beschaffenheit kann 
man schon aus der Zahl der „lustigen Dirnen" ersehen, die ihnen folgte. 
Sie belicf sich im Lager vor Neuss auf 1500, nach anderen Angaben auf 
noch weit mehr. (Ferdinand Schmitz, Der Neusser Krieg. Rheinische 
(ieschichtsblätter, 2. Jahrg., S. 74. Das übermütige, unbändige Heervolk 
hauste während der Belagerung von Neuss entsetzlich im Erzbistum Köln. 
Es raubte und brannte beständig, vergriff sich an Frauen und Jungfrauen 
und verübte in den Kirchen Spott und Frevelthaten. (Diemar a. a. 0. S. 86.) 



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Aachen zu heimlicher Besprechung der Abwehrmassregeln ein- 
zuladen. Auch nahm es an einer Zusammenkunft teil, die 
Landgraf Hermann von Hessen, der spätere Kommandant von 
Neuss, unihdas kölner Domkapitel zwischen Räten und Freunden 
von Trier, Hessen, Köln, Kapitel und Landschaft veranstalteten 1 . 

Nach den Angaben einer Aachener Chronik 2 , denen Noppius 
folgt, stellte Aachen zu dem Heere, mit dem Kaiser Friedrich III. 
Neuss entsetzte, „200 man zu fuesz und 50 zu pferdt und 25 
hehrwagen mitt büxen und mitt gewehr mitt tentten und 
proviandt. Esz waren zu jeden hehrwaegen 3 menner". Dass 
sich die' Stadt der Gefährlichkeit dieser Hülfeleistung be- 
wusst war und deshalb Vorsichtsmassregeln traf, geht aus 
weiteren Mitteilungen derselben Chronik hervor. „Alsz sey 
auszzgogen wahr auff pinstagh oder des anderen taghs nach 
St. Servaes. In derselben zeit muest sich niemannt ausz der 
statt begeben dan diejenige die umb soltt dieneten und die 
herren von Aich saessen zwischen die 2 pfortzen und gaeben 
jederman die zu fuesz wahren 4 rheinischer gülden zum soltt, 
der reisiger hatt jeder 8 rheinischer gülden. Das volck wahr 
inszgemein in die wapffen. In die statt gaff 'man die kleidungh 
und wasz rhoit und blaw und ein rheinischer gülden galt zu 
dieser zeit 7 marck. In gleicher zeitt wartt das blockwerck 
zwischen Pont- und Berghpfortz aengelacht ... In derselben 
zeitt raust auch ein jeder bürger, die ettwas vermuegens 
wahren, der statt geltt lehnen, der einer 100 gülden, der ander 
200, auch 50, 40, 30, 20 oder 10 auffs ininste, ein jeder bürger 
nach seinem vermuegen körn laessen maelen und uff seinen süller 
schütten zum voerraett ob die statt hart belegertt würde." 

Diesem Schicksal wäre Aachen nicht entgangen, wenn 
Karl vor Neuss Erfolg gehabt hätte, und auch dann kaum, 
wenn er von Neuss hätte abstehen müssen, ohne mit dem Kaiser 
und dem Reich Frieden zu schliessen. Die traurige Reichs- 
armee allein, die Friedrich III. schliesslich gegen den Friedens- 
störer aufgebracht hatte, hätte diesen nicht davon abgehalten, noch 
auf dem Rückmarsch Aachen seinen Zorn wegen der abermaligen 
Unterstützung eines schwergehassten Feindes fühlen zu lassen. 



J ) Ferdinand Schmitz a.a.O. S. 57. Diinur a. a. 0. 8. 75 ff. 
2 ) Aachener Chronik, aus einer Handschrift der Königlichen Bibliothek 
in Berlin. Mitgeteilt von Loersch, A.nnalen des historischeu Vereins für 

den Niederrhein, Heft 17, S. 15. 



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Die genannte Chronik, die in ihren Angaben oft sehr unzu- 
verlässig - und verworren ist, berichtet von einem fünftägigen Auf- 
enthalt Karls im August des Jahres 1475 in Aachen. An diese Mit- 
teilung knüpft sie dann sogleich die, dass der Herzog am 22. Juli 
desselben Jahres gegen Neuss gezogen sei. Danach müsste also 
der Herzog erst gegen Neuss gezogen sein und dann, nachdem 
er kaum dort eingetroffen — wie wir ganz sicher wissen, am 
30. Juli, und zwar des Jahres 1474 — in Aachen am 11. August 
zu einem fünftägigen Besuche eingetroffen sein. Haagen 1 
übernimmt die falschen Angaben der Chronik. Er lässt wie 
diese am 11. August 1475 den Herzog Aachen besuchen und 
ihn dann am 22. Juli von dort aus gegen Neuss ziehen. 
Auch das falsche Jahr giebt er an 2 . Dadurch dass J. H. Kessel 
sich ihm anschliesst, wird die Unhaltbarkeit dieser Angaben 
nicht geringer, zumal wenn wir sehen, dass Kessel statt 
von einer Belagerung Lüttichs von einer solchen der Stadt 
Gent spricht. Zu dieser merkwürdigen Verwechselung verführt 
ihn der Umstand, dass der untenstehende Vertrag zwischen 
dem Herzog und Aachen in Gent abgeschlossen wurde 3 . 

Thatsächlich hat der Herzog weder auf dem Anmärsche 
gegen Neuss noch auf dem Rückmarsch von dort Aachen 
besucht. Das beweisen seine Itinerarien. Sein Aufbruch erfolgte 
am 12. Juli 1474 von Mecheln aus. Am 16. Juli kam er nach 
Maastricht. Am 21. Juli begab er sich von dieser Stadt in 
das Lager beim Kloster St. Gheerlick. Mit diesem Tage begann 
er gleichsam den Feldzug. Dort verblieb er bis zum 25. Juli, 
in Anspruch genommen von dem Empfang verschiedener 



*) A. a. 0. Bd. II, S. 87. 

2 ) Vielleicht ist auch No ppius a. a. 0. S. 145 darin sein Gewährsmann. 

3 ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. III, 8. 271. Nicht 
Karl von Burgund, sondern sein kaiserlicher Gegner hat nach der Auf- 
hebung der Belagerung von Neuss Aachen besucht. Er benutzte dazu dir 
Zeit der Auflösung des Rcichsheeres, Juli und August. Sein Hegleiter auf 
dieser Heise war der päpstliche Legat, Bischof Alexander von Forli, durch 
dessen Bemühung der Friedensvertrag zwischen dem Kaiser und dem Herzog 
am 15. Juni 1475 vor Neuss abgeschlossen worden war. Das Geleit galt 
ihnen der Herzog von Berg mit 300 Reitern. Ihr Weg führte sie über 
Düren nach Aachen. Erst anfangs September ging der Kaiser von hier 
über Neuss nach Köln, um von dort aus nach vollständiger Auflösung des 
Heeres in das Innere des Reiches zurückzukehren. (Rheinische Geschiehts- 
blätter 2. Jahrg., S. 241 und S. 201.) 



45 

Gesandtschaften. Am 25. rückte er vor nach Thyver, am 26. 
nach Lennecke, dann marschierte er mit seiner Armee am 
27., 28. und 29., und am 80. Juli lagerte er vor der Abtei 
Notre Dame vor den Thoren der Stadt Neuss 1 . 

Der Rückweg- führte den Herzog- gleichfalls nicht nach 
Aachen. Nach der Ankunft des Reichsheeres in der Nähe von 
Neuss am 5. Mai 1475 hob er die Belagerung auf und schloss 
mit dem Kaiser Frieden. Dazu veranlasste ihn aber weniger 
die Furcht vor diesem Reichsheer, als vielmehr der in dieser 
Zeit stattfindende Einfall des Königs von Frankreich in die 
burgundische Picardie und die Landung englischer Truppen zur 
Unterstützung des Herzogs an der nordfranzösischen Küste. 
Der König von England und seine Umgebung waren wenig 
zufrieden mit dem Herzog wegen seines Verzuges vor Neuss 
und gebrauchten schliesslich sogar Drohungen, um seine Anwesen- 
heit in der Picardie zu erzwingen. Deshalb verweilte dieser 
nur noch 12 Tage nach dem Abschluss des Friedensvertrages 
vor Neuss, und zwar bis zum 27. Juni. Von diesem Tage bis 
zum 30. hielt er sich mit seinem Lager und vielen Gesandten, 
die ihn begleiteten, auf Schloss Hulkenrode (Hülchrath) auf. 
Am 5. Juli war er bereits in Maastricht 2 . Er gebrauchte also 
für den Rückweg noch weit weniger Zeit als für den Hinweg. 
Es trieb ihn unaufhaltsam vorwärts. Er wollte Neuss, den ver- 
hassten Schauplatz einer erfolglosen 48 wöchentlichen Thätigkeit, 
möglichst bald und weit im Rücken haben. Er verliess schliess- 
lich sogar sein Heer und traf bereits am 14. Juli in Calais bei 
seinem erzürnten Bundesgenossen und Schwager Eduard IV. 
ein. Karl hat dann diese Gegenden und auch Aachen nie 
wiedergesehen. Aber in einem seiner letzten Briefe wird die 
Stadt noch einmal erwähnt. Aus dem Felde von Nancy, wo 
der tapferste und stolzeste Mann seines Jahrhunderts bald 
einen unrühmlichen Tod finden sollte, schrieb Karl am 4. November 
1476 an den Kaiser, mit dem er wegen der Heirat seiner Tochter 
Maria mit dessen Sohn in Unterhandlungen stand: Er halte 
bereits seine Tochter durch eine Botschaft auffordern lassen, 
der abgeschlossenen Vereinbarung wegen ihrer Vermählung ihre 
Zustimmung zu geben. Er selbst habe schon alles vorbereitet 
und ersuche den Kaiser, mit Maximilian nach Köln zu kommen. 



•) Rausch a. a. 0. S. 110. 

2 ) Rausch a. a. 0. S. 139 and 143. 



- 46 — 

wohin auch er sich mit seiner Tochter verfügen wolle. Stände 
der Ort dem Kaiser nicht an, so könne man auch Aachen 
wählen 1 . 

Die Heirat kam zu stände, aber nicht Aachen, sondern 
Gent war der Ort, in dem nach dem Tode des Herzogs die 
folgenreiche, Habsburgs Machtstellung zu glänzender Entfaltung 
bringende Verbindung zwischen Maximilian und Maria von 
Burgund geschlossen wurde 2 . Aachen hatte dafür die Ehre, 
den „letzten Ritter" auf seiner Brautfahrt nach den Nieder- 
landen in seinen Mauern zu begrüssen. Fünf Tage (1. — 5. August 
1477) verweilte er in ihnen. Die Stadt brachte ihm wertvolle 
Geschenke dar, um auch ihr Teil dazu beizutragen, dass der 
arme deutsche Kaisersohn vor seiner reichen Braut und der 
stolzen Nobilität von Flandern und Brabant mit Würde und 
Anstand erscheinen konnte. 



Anlage. 

Foedus sive conventio haereditaria intei' Karolum Biirgundioiinni etc. 
ducem et Urbem Aquensem inita anno 1469 1 . 

Karolus dei gratia (lux Burguiidiae, Lotharingiae, Brabantiac, Liraburgiae 
et Luxemburgiae, comes Flandriae, Artbesiae 2 , . Burgundiae, palätinus 
Hannoniae 3 , Hollandiae, Zeelandiae et Namurci, sacrique imperii marchio ac 
dominus Frisiae, Salmarum 4 et Meehliniae 6 universis praesentes litteras 
inspecturis salutem, in eo qui est omniura salus. Cum praedecessores nostri 
piae memoriae Brabantiae et Liraburgiae duces ob singularem corum amorem 
et benevolentiam, quam ad insignem urbem Aquensem, quae regalis sedes 

! ) Chmel, Mon. habsb. Bd. I, 1, 33. p. 136. Chmel, Reg. 7077. - 
Rausch a. a. 0. S. 158. 

2 ) Am 19. August 1477, nicht wie Haagcn a. a. 0. Bd. II, S. 88 
angiebt, am 20. August 1478. 

') Die deutsche Fassung; der Übereinkunft giebt Noppius a. a. O. 3. Buch, 
Nr. 14. Die lateinische weicht in manchen Punkten von jener ab. Schein aus diesem 
Grunde dürfte ihre Wiedergabe gerechtfertigt sein. Aber auch deshalb, weil die 
Chronik des Noppius in den ehemals burgundischen Landen, für deren Beziehungen 
zur Reichsstadt Aachen der Vertrag, besonders in handelspolitischer Hinsicht, von 
Interesse ist, nur geringe Verbreitung gefunden hat und ausserdem die aachener 
Sprache des 15. Jährhunderts das Verständnis des Vertrages dort erschwert. Auch in 
Deutland wird letzterer wohl erst durch obigen Abdruck weiteren Kreisen bekannt 
werden. 

*) Art.. U 

3 ) Grafschaft Hennegau zwischen Maas und Scheide. 

4 ) Salmarum V 

5 ) Mecheln, Malines (belgische Provinz Antwerpen). 



— 47 — 

imperii fore dinoscitur, semper gesserunt, specialem familiaritateni et 
amicitiam cum providis et bonestis viris bourgimagistris, scabinis, consuliluis 
et oppidanis dictae urbis Aquensis nomine totius communitatis eiusdem ab 
aevo autiquiäsimo notorie contraxerint, iuxta formam litterarum desuper 
eonfectarum, de quibus nobis sätis constitit, sub certis eonditionibus et 
modis iu eis declaratis inviolabiter observandam *. 

Notum facimus, quod nos progenitorum nostrorum vestigia in hac 
parte imitari cupientes 2 , dictam quoque urbem Aquensem non minori amore 
et benevole'niia complectentes, praehaliito super bis consilio et deliberatione 
matura, antiquam illam et buiusque continuatam fainiliaritatem et amieitiam, 
ut ea deinceps inter nos et candem urbem perpetuo inviolabiter couscrvetur, 
cum burgimagistris, scabinis, consulibus et oppidanis ipsius urbis nomine 
eiusdem, de novo contraximus et inivimus, ac pro nobis haeredibusque et 
successoribus nostris Brabantiae et Limburgiae ducibus pro observatione 
perpetua eiusdem amicitiae in punctos et articulos convenimus subsequentes: 
Videlicet, quod nos praefatam urbem et cives Aquenses, omnibus et singulis 
eorum privilegiis et libertatibus spiritualibus et temporalibus, ordinationibus, 
statutis et antiquis consuetudinibus a Romanis pontificibus, imperatoribus, 
regibus, praelatis et principibus eis eoncessis pacifice semper uti et gauderc 
faciemus et permittemus, eisque assistere debebimus, ne in usu et fruitione 
eorundem disturbentur seil impediantur quoquomodo. Item quia dicti Aqenses 
iuxta formam litterarum, praedictoruni praedecessorum nostrorum in castra 
nostraLimburgense, Dalbemense 3 , Rodense 4 et alibi pro custodia eorundem suis 



') Diese sonderliche Liebe und dieses auffallende Wohlwollen der Herzöge von 
Burgund für Aachen sind im allgemeinen nur ein Erzeugnis der konventionellen 
Sprache und der offiziellen Heuchelei, die solchen Verträgen, zumal des 15. Jahrhunderts, 
eigen. In Wahrheit empfand Burgund für Aachen etwa dieselbe Liebe wie die Katze 
für die Maus. Dieses mussto denn mich seine Krallen fühlen, sobald es sich um Mein 
und Dein handelte. Das Recht des Stärkeren war dann massgebend; die vertrags- 
mässige Freundschaft änderte daran sehr wenig. Das erfuhr Aachen ganz besonders 
bei dem Streit um das Galmeibergwerk Altenberg. Burgund ignorierte einfach das 
Besitzrecht Aachens, das sich auf altes Herkommen und einem Spruch König 
Siegmunds stützte, und behielt den Galmeiberg „mit Gewalt", trotz aller Bemühungen 
Aachens. Ausserlich nicht stark genug und innerlich uneins mussto die Stadt sich 
ruhig dieser Gewaltthat Philipps des Guten von Burgund fügen. (Müller, Das 
neutrale Gebiet von Moresnet. Archiv für Landeskunde der preussischen Monarchie 
Bd. V, S. 319. — Ha a gen a. a. O. S. 5, 17, 52 ff.) 

2 ) Im Jahre 1360 hatte Aachen auch mit den Herzögen Wenzel und Johann von 
Brabant, im Jahro 1406 mit Anton, dem Sohne Philipps, des ersten Herzogs von Burgund 
aus dem Hause Valois und im Jahre 142") mit dessen Sohne Johann Verträge - Mi- 
geschlossen, kraft deren Aachen gegen Zusicherung von Beistand gegen alle Angriffe 
und Freiheit von Zöllen und Wegegeld sich verpflichtete, den Herzögen auf Erfordern 
im Notfalle 50 Bewaffnete zur Besatzung ihrer Schlösser und Städte zu stellen, 
(Peter k Beeck 1. c. S. L39.) 

a ) Dalhem (Dalahcim, Daelheim) liegt nicht an der Maas, wie Michel angiebl 
(Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. I. S. 110), sondern I Km von dir Maas 
entfernt in der Provinz Lüttich. Karl der Kühne war für die Sicherung der dortigen 
Burg ganz besonders deshalb besorgt, weil die Lütticher sie im Jahre L464 eroberl und 
bis auf die Ringmauern und die steinernen Thoro zerstört hatten. Die Veste Limburg 
zu gewinnen gelang don Lüttichern nicht. Sie schützte ihre Lage auf fast unersteig- 
barem Felsen und die Tapferkeit ihres Kommandanten. ..lud«' due waes doer ej -n 



— 48 — 

expensis, quoticns super hoc requisiti essent, quinquaginta sagittarios 
transmittere tenebantur, inter nos et praefatos Aquenses conventum et 
concordatum est, quod iidem Aquenses, exnunc inantea duccntos florenos 
renenses, scu verum valorem eorundem annui et perpetui reditus, in bonis 
et numeratis pecuniis, nobis haercdibusque et successoribus nostris Brabantiae 
et Limburgiae ducibus et ducissis, loco dicti servitii, singulis annis ad duos 
tcrminos in raanibus redituarii nostri Traiectensis praesentis et futuri realiter 
solvere tenebuntur. quorum primus solutionis terminus erit in festo natalis 
domini proxirue venturo et alius in festo Sancti Joannis Baptistae proxiine 
seqenti et sie deineeps in perpetuum, qui quidem redituarius noster 
Traiectensis de singulis terminis quitanciani nomine nostro dare babebit, quod 
nos declaramus ex nunc prout extunc eiusdem fore roboris et valoris ac si 
nosipsi eam dedissemus, quo mediante ab huiüsmodi quinquaginta sagittariorum, 
sicut praefertur transmittendorum, ex nunc in antea perpetuis futuris 
temporibus iidem Aquenses liberi erunt quieti et penitus absolut)', quos etiam 
de hoc liberos et absolutos in perpetuum fore volumus et declaramus, per 
easdem patentes litteras, per quas ipsam urbem Aquensem, nee non omnes 
et singulos cives et incolas eiusdem, una cum rebus, possessionibns et bonis 
quibuseunque eiusdem urbis in nostra speciali protectione et salvagardia 
reeepimus et posuimus, reeipimusque et ponimus, volentes et consentientes 
expresse, quod dicti Aquenses haeredibus et successoribus nostris, tarn pro 
renovatione et confirmatione patentium litterarum, quam etiam ratione 
huiüsmodi eorum salvagardiae, in qua eos pari modo reeipere et jionere 
debebunt, nihil plus quam dudum annuum reditum ducentorum florenorum 
solvere tenebuntur 1 . 

Ulterius conventum exstitit, quod si causa beili seu guerrarum 
victualibus nos egere contigerit, illa poterimus et debebimus in urbe 
Aqensi emere, seu emi facere pro pecuniis nostris, quemadmodum civis 



borebgreve op, de gehettten waes Her Dederick van Bortscheyt." (Chronijk der landen 
van Overmaas en der angrenzende gewesten S. 21, 23.) 

4 ) Castrum Rodense (Annales Rodenses, M. G. Script, tom. XVI, S. 683 ff. Ernst. 
Histoire du Limbourg tom. VII, S. 6) zu deutsch : Burgrode auch Roda, spater Ende des 
13. Jahrhunderts, Hertogenrode, auch Herzogen Rode = Heizogeniatb. Im Jahre 1396 
trat die Herzogin Johanna von Brabant im Vertrage von Compiegne Philipp dem 
Kühnen von Burgund Burg, Stadt und Gebiet von Herzogenrath ab. Den Wert dieses 
Besitztums erhöhte ein einträglicher Zoll. Um von ihm frei zu sein schloss Aachen 
die genannten Vertrüge von 1360 und 1406 ab, und verpflichtete sich dafür, im Falle 
eines Krieges 50 Mann Bogenschützen in die Burgen von Dalheim (an der Maas), Limburg 
und Herzogenrath zu legen. (Oesterley, Historisch-geographisches Wörterbuch des 
Mittelalters. — Job. Jac. Michel, Heizogeniatb, Hauptort der sogenannten ., Freien 
Herrlichkeit", gleichen Namens. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins BJ. I, 
S. 110 ff.) 

l ) Johann Jacob Mosers Reichsstädtisches Magazin Bd. I, S. 42 (Frankfurt 
und Leipzig 1774): An. 1469. erneuerte der letzte Herzog Carl zu Burgund und Brabant 
die Concordato mit Aachen sehr umständlich; wogegen die Stadt den altgewöhnlichen 
Revers ausstellete. Nachdeme auch die Burgundische Niederlande an das hohe Haus 
Osterreich Spanischer Linie gekommen seynd, wurden obgedachte Concordate noch 
in dem Jahr 1600, 1618, 1621 und 1645 bostättiget. Und noch auf den heutigen Tag 
zahlet die Stadt Aachen jährlich 200 Goldgulden an Brabant zu Schutzgeld. 



— 49 — 

erga civem illa eniere consuevit et ea evehere, seu evehi facerc, ad ea 
loca et castra, in quibus eis eguerinius, nisi forte ipsa urbs et cives 
Aquenses eisdem victualibus neeessario indigerent, sine fraude. Item ut 
singularis ha et benevolentia et amicitia inter nos nostrosque haeredes et 
suceessores, duces et ducissas Brabantiae et Limburgiae, ac dietos cives et 
incolas Aqueuses perpetuo inviolata permaneat, privilegia quoque et lib'er- 
tatcs ipsis Aqensibus a Komanoruin imperatoribus ac regibua et nostris 
progenitoribus concessa, illaesa conserventur, et praesertim ob praecipuuin 
amorcm, quo dictae urbi et civibus Aqueusibus afficimur, expresse conventum 
et pactum fuit, quod dicti cives Aqeuses, cum omnibus et singulis eorura 
rebus et inercimoniis et bonis quibuscumque undeeumque venerint, seu 
quoeumque aut per quodcumque iter eavehi volueriut, iuxta eorumnecessitatem, 
libere et absque alicuius thelonii solutione vel exactione, sub dictae Aquensis 
urbis signo, ante omnia nostra thelonii ad ducatus nostros Brabantiae et 
Limburgiae ac dominia nostra Valckenburgense et Rodense speetantia et 
pertinentia, ire pertransire et conservari poteruntet debebunt. Mandabimus 
quoque distriete reditariis, thelonariis, officiariis et subditis nostris, quibus 
dictorum theloniorum custodia et regimcn est commissum, ut ipsi antefatos 
cives Aquenses, cum eorum bonis sub urbis Aquensis signo, ut praefertur, 
liberos ab omnis thelonii exactione, ire, redire et conservari permittaut, pro ut 
pristiuis annis praedecessorum nostrorum et praecipue carissimi quondam 
domini et genitoris nostri temporibus semper quieti et liberi eundo et 
redeundo, ut praemittitur, fuisse dinoscuntur, per quodcumque iter gressus 
suos dirigere maluerint. Verum quia accepimus ipsos cives et mercatores 
Aquenses a nostris officiariis, redituariis et aliis dicta nostra thelonia 
eustodientibus arrestari et compelli, quo minus corum mercandisiae et bona 
sub dictae Aquensis urbis signo, quod in promptu osteuditur. inde abcedere 
possunt, nisi ädern officiarii nostri et thelonarii de civium mercibus et 
l)onis ceperiut partem, aut ipsis tantum de eis detur, quantum voluerint sibi 
detinere, volumus quod hoc ideui aut simile amplius non fiat, et quod nostri 
thelonarii et redituarii praesentcs et futuri de hoc cessent peuitus et 
desistant, proviso tarnen quod nemo sub signo urbis aquensis dicta nostra 
thelonia nialiciose defraudare poterit, quae quidem defraudatis, apud quos 
vel ubicunque veraciter comperta fuerit, nos contra illos et eorum bona 
poterimus et dububimus procedere, prout justitia et jus patriae nostrae 
expostulaverint, ita tarnen, quod si alicuius civis Aqensis bona super curribus 
vel bigis illorum, qui hanc fraudem commiserint, onusta Euerint, tunc eadem 
bona quieta et libera erunt et permanebunt, nisi ille civis Aquensis fraudis 
huiusmodi eonscius et reus compertus fuerit. Quantum vero attinel 
communitates, nemora, Silvas, paludes, campos siecos et humidos, de quibus 
dicti Aquenses in praesentiarura sunt paeifici possessores, nos eis annuimus 

et concessinms, quod de illis c munitatibus, nemoribus, silvis, paludibus 

campis siccis et humidis, tantummodo eorum profectum, commodum cl 
utilitatem facere poterunt et debebunt, ea transportaudo, dimittendo, seu 



— 50 - 

aliterde eis disponendo. prout eis jnelius visum fuerit expedire. Nee volumus, 
quod in posterum quoeumque tempore de Ulis coinmunitatibus per aliquas patrias 
etsubditos nostros quidquara in sieco aut humide dictae urbi auferatur, scparetur 
aut aliqnod iinpedimentuin propter hoc praestetur. Item conventum exstitit, 
quod si princeps, dominus aut quivis alius urbem vel cives Aqueuses diffidare 
seu debellare voluerit, propter aliquas causas, de quibus urbs Aquensis 
voluerit coram nobis stare juri, tunc huiusmodi causas ad nos acciperc et 
sedare tenebimur, et si dicti principes vel domini aut alii quicunque 
ordinationi nostrae se submittere refutaverint, imo urbem seu eius cives 
pracfatos ultra hoc debellare seu guerras eis inferre voluerint, tunc nos 
urbi Aqueusi de patriis et subditis nostris Limburgensibus, Valekenburgensibus, 
Dalhemensibus, Rodensibus, Sprimontensibus ', Traiectcnsibus et de omnibus 
eorum pcrtinentiis, realiter assistere habebimus sine fraude. Nee cum eisdem 
prineipibus vel dominis aut alis quibuseunque urbs et eives Aquenses, 
postquam nos in eorum venerimus subsidium, nullam sine nobis concordiam, 
pacem vel treugas facient quovismodo, pariforma, nee etiam nos, absque 
ipsis Aquensibus pacem vel concordiam facere poterimus, nisi in 
huiusmodi paee, concordia vel trengis ipsis Aquensibus fuerit tute 
prospectum, sicut et nobis. Item, si quis subditus noster, patriarum 
nostrarum Brabantiae, Limburgiae, Valckenburgiae, Rodeusis, Daelbem 
et Sprimont, alieubi sub nobis degens, dictos, urbem et eives 
Aquenses iniuste diffidare et guerris affleere, aut de aliquo eos impetere 
voluerit, illum nos taliter inducemus, quod ab urbe et civibus Aquensibus 
omnem rationem et justitiam reeipiet, nee patiemur, quod ab Ulis aliqua 
Aquensibus praedictis violentia inferatur, sed si quis sub nobis et in patriis 
nostris degens, sive subditus noster fuerit sive non, dietis urbi et civibus" 
Aquensibus damna intulerit, tunc volumus et consentimus expresse, praefatis 
urbi civibus et subditis Aquensibus, quod illos per patrias nostras transeuntes, 
in eorum corporibus et bonis, quotiens opus fuerit, per officiarios nostros 
poterunt facere arrestari et detineri, donec justitia mediante, de huiusmodi 
damnis fuerit eisdem Aquensibus plenarie satisfaetum, et si quis urbem 
Aquensem debellare, invadere vel damnifleare voluerit, tunc in justieia eam, 
ad instar propriarum patriarum et subditorum nostrorum, defeusare et 
protegere tenebimur. Item, si quis urbem, cives Aquenses aut eorum bona 
spoliasset, combussisset aut alias eis damna intulisset, et ipsi cives aut 
eorum amici tales spoliatores, combussores et damnorum illatores in nostris 
patriis persequereutur, ut bona ablata recuperarent, tunc nostri ofrtciarii et 
subditi, sono campanae dietis Aquensibus et eorum ainieis, nou secus quam 
patriis et subditis nostris, assistere et opem ferro tenebuntur, ut bona 
ablata recuperari possiut. Item, si qui nostri subditi cum civibus 
Aquensibus, seu eives Aquenses cum aliquibus subditis nostris, actionem 
aliquam seu querelain inposterum habere praetenderiut, de bonis aut quavis 



'; rprimonl gehörl stnr belgischen Provinz Lüttich und liegt ca. 17 km südöst- 
lich von Lütticli und ca. 20 km südwestlich von Verviers. 



— 51 — 

alia de causa, tunc volumus, quod propterea Judicium scabiiioruiu et jus 
detur et recipiatur, in eis löds, in q[uibus bona sita fuerint aut contractus 
factua fuerit. Ttcra, quia nos patriae et subditi nostfi ex una et cives et 
incolae Aquenges ex altera parte, in Lac familiaritatc et amieitia inconeusse 
perpetuo permanere volnmus, eonvcntiiui fuit inter nos et concordatum, 
quod neque urbs neque cives Aquenses, scieuter sine fraude, patientur, 
quod aliquis ex urbe eundo, in eandem redeundo, pedes vel eques, nobis 
nostrisque patriis aut subditis damna vel scandala iniVrat, nee pari forma 
nos patiemur, in, vel ex patriis nostris, per quemcuinque eundo vel redeundo 
damna vel scandala eis inferri, et nostris officiariis mandabimus, ne etiam ipsi 
patiantur, qu.od dietae urbi, eivibus, ineolis et aliis ad eandemurbemspeetantibus, 
ab aliquibus in, vel ex patriis nostris, aliqua damna scandala vel iniuriae 
inferantur, sine fraude, et, si aliquis in patriis nostris residens sive officiarius 
fuerit, sive alius, ipsis urbi et eivibus Aqucnsibus aliqua crimina imputäre 
aut eos de aliqua aecusarc voluerit, ile eo nos nihil faciemus nee aliqualitcr 
in ea re procedenms, nisi prius dietae urbi signifieaverimus ipsique Aquenses 
eoram nobis comparuerint et super impositis auditi fuerint, et si quisquam 
civium vel subditorum urbis Aquensis adversus nos vel patrias nostras 
deliquerit, illum urbs ipsa, in quantum in sua fuerit potestate, compellet 
et pro tali habebit, ut iuxta suarum virium facultatem, emendam faciat, et 
propter hoc nos dietam urbem uon amplius inquietabimus. Pari forma, si 
quis ex subditis nostris adversus dietam urbem et cives quidquam deliquerit, 
illum nos pro tali habebimus, ut emendam faciat urbi et eivibus praedictis, 
iuxta suum posse. Quos quidem omnes et siugulos articulos super scriptos 
nos tanquam Brabantiac et Limbürgiae dux promisimus et promittimus, bona 
fide pro nobis, nostrisque haeredibus et successoribus ac etiam pro omnibus 
nostris patriis et subditis, ratos, gratoa, validos et firraos tenere et inviol ibiliter 
perpetuo observare. Parimodo etiam dicti Aquenses litteras suas patente-, 
qüibus hae praesentes de verbo ad verbum inserantur, et quibus content i 
oninia et singula in eisdem, in quantum eos eoncernit, adimplare et observare 
promittant, infra primam diein proximi meusis Augusti nobis transmittere 
tenebuntur sine fraude. In cuius rei teatimonium sig'illuni nostrum 
praesentibus littcris duximus apponendum. Datum in oppido nostro CJandcnsi ', 
die vicesinia mensis junij, anno doniini millesimo quadringentesimo sexagesimo 
iKiiiii. Et subacriptum super plica: per dominum ducem nostrum. JGroa^. 

üollata est et concordat praesens copia : 

cum vero suo origiuali, quod atteator. 

Matthias Peill: sacra imperiali 

autoritate notarius publicus. m. p. 

•) Ganda, Gent. 

') Monogramm des herzoglichen Mandatars, walirsch^inlirli .1. Gros bedeutend, 

■) Im A.aclioner Stadtarchiv. 



52 



Matthias Cremerius, 

Von H. F. Macco. 

Schon wiederholt ist auf die Bedeutung' des katholischen 
Theologen Matthias Cremerius hingewiesen worden, der als 
Gegenreformator in Köln thätig war, während über sein Leben 
und seine Wirksamkeit aber bis jetzt nur wenig bekannt 
geworden ist. 

Matthias Cremerius, Kremer, Kremers genannt Peltzer, Rektor 
der Montaner ßurse in Köln, der auch vielfach unter dem 
Namen seiner Vaterstadt als von Aach, de Aquis, Aquensis, de 
Aquisgrani u. s. w. vorkommt, wurde nach Hartzheim 1 „apud 
Aquas Grani" etwa um 1475 geboren. Es unterliegt aber nach 
dem Inhalt der von ihm errichteten Stiftungen keinem Zweifel, 
dass er in Aachen selbst geboren ist. Eine nähere Bestimmung 
seines Geburtsjahres gewinnen wir, indem wir seine im Februar 
1482 erfolgte Immatrikulation an der Kölner Universität berück- 
sichtigen 2 . Danach lässt sich an Hartzheims Angabe nicht mehr 
festhalten; denn niedrig veranschlagt, müssen wir doch wohl 
als richtig voraussetzen, dass er bei Beginn seiner akademischen 
Studien das 15. Jahr überschritten hatte. Sein Bruder Hermann 
Kremer ist 1466 geboren, und so wird man gewiss nicht weit 
von der Thatsache abweichen, wenn man sein Geburtsjahr um 
1465 annimmt 3 . Dem entspricht auch der Schluss, der sich 
aus seiner uns erhaltenen Portraitdarstellung ziehen lässt. 
Gewohnheitsgemäss wurde das Bildnis des Vorstehers der Burse 
nach erfolgtem Amtsantritt für den Sitzungssaal gemalt, Im 
Jahre 1526 gelangte Matthias Cremerius auf diese Stelle. Sein 
Bild, das also um diese Zeit entstanden sein dürfte 4 , zeigt 



') J. Hartzheim, Bibliotheca Colonicnsis 1747, S. 241/2. Vgl. auch 
Paquot Bd. XII, S. 270/71 und Meyer, Gclehrteugeschichte, Manuscript 
im Stadtarchiv zu Aachen. » 

2 ) Histor. Archiv zu Köln, Universitätsakten Bd. VIII, S. 107b: Mathyis 
de Aquis ad artes jur. et solv. Dabei die spätere Eintragung. „1482, febr. 
bic Matthias de Aquis postmodum S(acro) S(anctac) tbeol. l(iceutia)tus canonicus 
S. Andreae et gymnasii Montani regens Vtus rexit annos 31, obiit 1557." 

8 ) C. G. Jöchcr, Gelehrten-Lexikon 1751, lässt ihn „in der Mitte des 
16. Scculi" geboren sein 

4 ) Das in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts übermalte Portrait 
benudet sich heute im Sitzungssaal der Kölner Studienstiftungs-Verwaltung. 



— 53 — 

uns einen kräftigen, wetterfesten Mann, den man auf Ende der 
fünfziger Jahre zu schätzen gewiss berechtigt ist. und damit 
dürfen wir an seinem Geburtsjahr um 1465 festhalten. Sein 
Vater hiess*- Jakob Kremer, während seine Mutter vermutlich 
eine geborene Peltzer war. 

Wie schon erwähnt, bezog - Matthias Cremerius im Februar 
1482 die Universität Köln. Er widmete sich der Philosophie 
und Theologie, wurde Lektor der Philosophie an dem Montaner 
Gymnasium 1 , der 1420 von dem Doktor der Pariser Universität 
Heinrich von Gorrichem gegründeten ältesten Schule oder 
„Burse" Kölns. Diese war die berühmteste der drei Kölner 
Schulen und wurde von den meisten Studenten, unter denen 
sich viele Aachener nachweisen lassen, besucht. Der Vorsteher, 
Regens genannt, bestimmte aus der Za hl der Lehrer testamentarisch 
seinen Nachfolger. 

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war der Theologe Dr. 
Valentin Engelhard von Geltersheim, welcher am 4. März 1526 
starb, daselbst Regens. Dieser hatte Matthias Cremerius, der 
neben seiner Lehrthätigkeit an der Montaner Burse sich auch 
der damals noch blühenden Kölner Universität widmete, in 
seinem Testament zum Nachfolger bestimmt. Schon im Jahre 
1510 und 1516 war dieser zum Dekan der philosophischen Fakultät 
an der Kölner Universität erwählt 2 , und 1516 zum Doktor 
theologiae ernannt, in demselben Jahre mit den Pfründen und 
dem Titel eines Kanonikus an der Erz-Stiftskirche zum heil. 
Andreas in Köln ausgestattet worden 3 . 

Was seine Anschauungen und seine Lehrthätigkeit betrifft. 
so schloss er sich nicht den humanistischen und reformatorischen 



Trotz der harten Züge erkennt man unschwer den Entwurf des berühmten 
Bildnismalers und Kölner Meisters Bartholomäus Bruyn (1493—1553). 

') J öcker nimmt irrtümlich an, er sei Professor der Theologie am 
Gymnasium zu Mons gewesen, auch hat er in der Auflage seines Lexikons 
von 1751 Aix in der Provence als Geburtsstadt angegeben, was er aber in 
der Aurlage von 1783 richtig stellt. 

2 ) Histor. Archiv zu Köln, Dekanatsbuch der Kein. Universität Bd. IV, 
1500—65, fol. 70 und 111: „anno 1510 Mathias de Aquis decanus, sacrac 
theol. baccalaureus, postea regens gymnasii Montani factus et canonicus ad 
S. Andreani, vir pius et doctus. lic. Mathias de Aquis decanus 1516 electus 
die D.yonisii" (9. Oktober). 

3 ) Meyer, Gelehrtengeschichte, Manuscript im Stadtarchiv zu Aachen. 



— 54 — 

Bestrebungen an, die seine Zeit erfüllten, sondern gehörte 
wohl zweifellos noch der alten Schule an.- So sind denn auch 
die im Jahre 1520 von den Lehrern der Montaner Bnrse, 
vornehmlich aber von ihm, herausgegebenen zwei philosophischen 
Lehrbücher, die „die letzten Erscheinungen der voraus- 
gegangenen grossen Reihe der mittelalterlichen Prozesse der 
bursa montis bildeten" \ nach der alten Weise in zwei Folianten 
erschienen. 

Hielt Cremerius in seinem Denken undThun am alten Glauben 
fest, so verschluss er sich doch nicht den notwendigen Ver- 
besserungen, und als 1525 eine mit Vorschlägen zur Reform der 
Kölner Universität beauftragte Kommission zusammentrat-, zu 
der jede Fakultät drei ihrer Mitglieder abordnete, fiel die Wahl 
auch auf ihn. Er nahm an dem in deutscher Sprache dem 
reichsstädtischen Senate vorgelegten Reformentwurf, der ein 
klares Bild der damaligen Zustände der Universität enthält, 
rührigen Anteil 2 . An der Kirchenreformation hat er sich dagegen 
nicht beteiligt, sondern ihr mit der Leidenschaft, die damals 
alle Gemüter ergriffen hatte, entgegengearbeitet. Namentlich 
hat er den Kampf mit dem oberrheinischen Reformator Martin 
Bucer, der 1542 vom Kölner Erzbischof Hermann von Wied 
zur Verbreitung des Protestantismus nach Bonn berufen wurde, 
aufgenommen und sich als theologischer Schriftsteller einen 
klangvollen Namen erworben. 

Hartzheim und Meyer 3 nennen von Matthias Cremerius 
folgende drei Schriften: 



x ) Kr äfft in der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins. 

z ) v. Bianco, Die ehemalige Universität Köln S. 1373. 

3 ) Hartzheini S. 241/2 und Meyer, Gelehrteugeschichte, Manuscript 
im Stadtarchiv zu Aachen. Hartzheim schreibt über Matthias Aquensis: „In 
universitate Coloniensi Decanus facultatis artium electus fuit anno 1510 
ultimo semestri, itemque ultimo semestri anni 15 IG S. Theologiae Doctor 
et Canoniciis ecclesiac Collegiatae sancti Andreae fuit. Gymnasij Montani 
regimen addiit vi tcstamentariac dispositionis Valentiui Engelhard a Gelders- 
heim, dioecesis Herbipolensis oppidulo nati canonici Coloniensis Metropolitici 
Presbytcri et denati die 4 Martii anno 1526, eidemque praefuit ad diem 
12. Xovembris anni 1557, quo obiit et vi testameutariae dispositionis suc- 
cessorcm instituit Gerardurn Mathisium, de quo suo loco. Eector Magnificus 
electus fuit 1533, 28 junii." „Alius Pantaleonis error est, quod in Montano 
Gymnasio Professor sacrarum literarum institutus fuerit: etsi tum temporis 
extra scholam Theologicam literae sacrae docercntur, uti venerandus Petrus 



— OD — 



1. Assertionem Chatliolicam contra Lutherum, in quarto editanj, 
typo Melcliioris Novesiani, ut rcfert Valerius Andreas 
Disselins. 

2. Christlich Bericht, waruff zu grundfestigen, der stand- 
hafftig will bleiben in dem uffrechtigen Christen Glauben, 
mit Widerlegung der principalsten Articulen der verfertigten 
Lehr Martini Bucers, im Buch zu Bonn ausgegangen durch 
Matthiam von Aach der heiligen Schrifft Licentiatcn 
MDXLTII. — Dieses Buch ist dem „würdigen hoch gelahrten 
Herrn Bemardo von Hagen, der Eechte Doctor, Probst 
der'Collegiatkirche zu St. Andreas, Canonikus des Dom- 
stifts und Kanzler des Erzbischofs zu Köln" gewidmet. 

3. Christiana ac pia de Catholicae fidei regula asserto, cum 
dilucida perniciosorum, praecique hujus calamitosissimi 
saeculi dogmatum confutatione per Matthiam Aquensem S. 
S. Theol. Licentiatum. — Coloniae, apud Matern um Cholinum 
1556 in 8° libri duo. pp. 316. — Dieses in bestem Latein, 
sehr doktrinär, geschriebene Werk war, wie der Verfasser 
in der Vorrede sagt, „vor etlichen Jahren in deutsche]" 
Sprache erschienen, auf Verlangen verschiedener Freunde 
und da ohnedies die deutsche Auflage ganz verkauft sei, 
so habe er zur Vorbeugung alles Neids und Verläumdens 
ein Neues in lateinischer Sprache vermehrt herausgegeben". 

Weiter nennt Hartzheim ' : 

De falsa Lutheranorum et vera religione Christi. Sermones 
tres Synodicos. 

Monachus sive Colloquiorum de religione libros IV. 
De Sacramentis et Missae Sacrificio et mortuorum exequis, 
über Germanicus. 

Miscellanea assertio catholiciae ac orthodoxiae adv. Luthe- 

ranam haeresim colon. ex officina Melcliioris Novessiani 1542. 

Der zu seiner Zeit berühmte und hochgeschätzte Dichter 

und Musiker Heinrich Loriti aus Glarus, gewöhnlich Glareanus 



Canisius in aula publica Theologica et, in G-ymnasio Montano easdem eodem 
tempore explieavit; non tarnen ob funetionem Tneologicam, sed ob regundas 
scholas Philosoph icas et artiuin Regens dicti CJymnasii ab anteeessore nuneu- 
patus et constitutns fuit." 

') Hartzheim, Bibl. Colon. Zusätze, aus dem Besitz des Freiherm 
v. Mering in der Kölner Stadtbibliqthek ; freundliche Mitteilung des Serrn 
Referendar A. Peltzer in Köln. 



— 56 — 

genannt, der 1512 als jugendlicher Gelehrter an der Montaner 
Bnrse wirkte und am 25. August 1512 auf dem Reichstag* zu 
Köln vom Kaiser Maximilian zum Dichter gekrönt wurde, widmete 
von Basel aus unter dem Titel „Duo elegiarum libri ad Uldericum 
Zinlium Doggium, Basileae MDXVI" eine dieser Elegien „ad 
Matthiam Aquanum philosophum et theologum Agrippinensem". 

Das hervorragende Ansehen, das Matthias unter den 
Gelehrten genoss *, zeigt seine am 28. Juni 1533 2 erfolgte 
Erwählung zum Rektor Magniflcus der Kölner Universität. Gleich 
bei dem Auftreten der Jesuiten in Deutschland schloss er 
sich diesen an, trat in engere Beziehungen zu dem Jesuiten- 
pater Peter Canisius und hegte den Wunsch, die Montanerburse 
an ihre Societät zu bringen. Canisius reiste deshalb nach 
Köln, bei seiner Ankunft war Matthias aber inzwischen gestorben 3 . 
Dieser hatte am 12. November 1557 den Dr. Gerhard Matthisius 
von Geldern, theol. lic, zu seinem Nachfolger bestimmt 4 . Er 
verschied noch an demselben Tage. Seine feierliche Beisetzung 
erfolgte „in sacello Sancti Ignatii in platea vulgariter noneupata 
in der Stolkgasse" in Köln, doch ist sein Grabmal nicht mehr 
vorhanden. In seiner Vaterstadt ehrten die Windsheimer Dom- 
herren sein Andenken, indem sie ihm wegen seiner grossen 
Verdienste um ihr Kloster ein Anniversarium, gleich wie den 
eignen Brüdern, bewilligten 5 . Bei Aufhebung dieses Klosters 
ging das Anniversarium auf die St. Peterskirche über 6 . 

Matthias Cremerius hat seinem Namen ein unauslöschliches 
Denkmal gesetzt durch seine heute noch in Aachen und Köln 



r ) Der schweizer Reformator und Geschichtsschreiber Heinrich Bullinger, 
der von 1520 bis 1522 in Köln studiert hatte, rühmte ihn als den 
tüchtigsten Lehrer der Burse und schätzte ihn wegen seiner philosophischen 
Kenntnisse. (Vgl. Paquot Bd. XII, S. 270/1.) Hansen, Die Wiedertäufer 
in Aachen, Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereius Bd. VI, S. 296, nennt 
ihn „den anerkannt tüchtigsten Lehrer an der Montaner Bnrse". 

2 ) Nach Meyer 1557. 

3 ) Hansen, Jesuitenakten S. 292. 

4 ) Histor. Archiv Köln, Dekanatsbuch der Kölner Universität Bd. IV, 
fol. 269. Vgl. auch v. Bianco, Universität Köln Bd. I, S. 885. 

B ) J. Greving, Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. XIII, 
S. 69 und 90: „venerabilis egregius dorn. Matthias Cremerius, sacrae theologiae 
licentiatus, habebit anniversarium sieut fr(atcr) domus." 12. Martii. 

6 ) Qu ix, St. Peter S. 57. 





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B Matthias Creme? 

Aqvensis St. Theol. 

llcentiatvs cancvs 
.* ad s.andreamhvivs 

GymnasiiRegensY. 










REXIT ANNO S XXXI 
OBHTAM5i'7. 


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— 57 — 

verwalteten Stiftungen, die er laut testamentarischer Verfügung 
vom 30. Juni 1539 errichtete. 

In der ersten Stiftung - bestimmte er zwei unlösbare Renten, 
jede von 20* Goldgulden J , welche vom Konvent des hl. Ignatius 
und dem Rektor der Montaner Burse in Köln zu verwalten seien, 
um davon eine hl. Messe der theol. Fakultät im Konvent der 
Predigerherren auf St. Johannes-Chrysostomus-Tag (27. Januar) 
zu halten. Durch den zeitlichen Regens sollten einem jeden 
Doktoren dieser Fakultät, der dieser hl. Messe bis zum 
Ende beiwohnen werde, 3 Rader-Albus, den Licentiaten aber 2, 
und den Baccalaureen 3 Räder-Schilling- gezahlt werden. Dem 
Konvent dagegen sollte für Haltung der hl. Messe und eines 
Anniversariums zu gunsten des Stifters und seiner Eltern 2 Gold- 
gulden gegeben werden. Was dann noch übrig bleibe, sollte 
für zwei hilfsbedürftige blutsverwandte Studierende der Montaner 
Burse verwendet werden. In Ermangelung von Verwandten 
seien „zu Aachen von ehrlichen Eltern geborene und keiner 
Ketzerei verdächtige und zum wenigsten 16 Jahre alte Bürgers- 
söhne" zuzulassen, sofern sie genügende Vorbildung besässen 2 . 
Diese Stiftung wird noch in Köln von der Gymnasialstudien- 
stiftungs- Verwaltung verwaltet. Der Vermögensbestand dieser 
Stiftung belief sich am 1. April 1892 auf 7990 Mk. und brachte 
295,63 Mk. Zinsen ein. 

Die zweite Stiftung, bei der Stadt Aachen angelegt, bestand 
aus einer unlösbaren Rente von 43 Goldgulden, die der Bei- 
sitzer oder zeitliche Verwalter, samt der Mutter des Klosters 
Marienthal und der älteste der in Aachen ansässigen nahen 
Verwandten des Stifters zu administrieren befugt sein sollte. 
Diese Rente setzte sich zusammen aus 25 Goldgulden, die 
sein Vater von der Stadt Aachen erworben hatte, von denen 
„theilß auß der theilung, theilß durch ankaufung" 15, die 
andern 10 Gulden aber durch Vermächtnis seiner Schwester 
Maria an Matthias gekommen waren; und ferner einer von 
Matthias von der Stadt erworbenen Rente von 18 Goldgulden. 
Der Stifter bestimmte, dass nach jeden zwei aufeinander 



') Diese Benten hatte (Jreincrius von Johannes Tybis. Bürgermeister 
der Stadt Duisburg, beziehungsweise von Klara Risswick, Witwe von 
Johann Grimmen, gew. Ratsherrn zu Duisburg, erworben. 

! ) Testament Cremerius, vgl. auch v. Bianco F.d. II, S. 93/94. Dr. 
Schoenen S. 196/7. 



— 58 — 

folgenden Jahren, wenn ein bedürftiges Mitglied seiner Familie mit 
deren Zustimmung heiraten wolle, diesen 86 Goldgnlden als 
Heiratspfennig angewiesen werden sollten; gleicherweise, wenn 
jemand aus seiner Verwandtschaft nach dem 20. Lebensjahre 
zum Priester geweiht würde und seine erste Messe gehalten, 
oder in den Konvent der Regulierherren Sancti Francisci 
auf dem Zimmergraben in Aachen eintrete und Profess gethan 
hätte, sollten einem jeden 80 Gulden gegeben werden. Trat 
eine Verwandte nach erreichtem 15. Jahre in den Konvent zu 
Marienthal ein, so bestimmte er ihr die Rente von drei Jahren, 
also 120 Goldgulden bei abgelegter Profess. Sollte sich aber 
niemand ans seiner Verwandtschaft um die Rente bewerben, so 
solle diese zu 40 Gulden an hilfsbedürftige Aachener, die in 
den geistlichen Stand treten, fallen. 

Für die Administratoren setzte er je einen Gulden aus und 
verfügte ein Jahrgedächtnis für seine Eltern, Schwestern und 
übrigen Verwandten in der St. Foillanskirche in Aachen \ 

Über eine dritte Stiftung, die Matthias Cremerius — 
hier Kraemer gen. Peltzers bezeichnet — in Aachen errichtete, 
finden sich kurze Nachrichen in den reichsstädtischen Rent- 
bücliem 8 . Es handelt sich hier um eine mit 450 Goldgulden 
von der Stadt lösbare Rente von 20 Gulden zu 39 Mark, zahl- 
bar im Mai, die sich von 1654 bis 1735 verfolgen lässt. 
In den Jahren 1654 — 88 waren Testamentsexekutoren: Bürger- 
meister Kaspar von Schwartzenberg und Lic. Werner von den 
Veit (a Campo), 1695 Weinmeister Nikolas Moeren und Martin 
Strauch, 1720 — 25 Martin Strauch und Schöffe Isaak Lambert 
Pelser. 

Als vierte Stiftung vermachte er dem St. Tgnatiuskloster 
in Köln 1000 Goldgulden 3 . 



J ) Testament Cremerius, vgl. auch v. Bianeo Bil. II, S. 96,97. 

2 ) Stadtarchiv zu Aachen, Rentbuch Nr. 7 folg. Es wird stets auf 
das Rentbuch von 1615 Bezug genommen, woselbst sich „das Testament des 
Herrn Matheis Kremers" befinden soll; dieses Buch ist aber leider nicht 
mehr vorhanden. 

3 l Mitteilung des Herrn Ref. A. Peltzer in Köln. 



— 59 — 

Zur Geschichte der Wege- und Wassergerechtsamen 
in dei\,Aacher Heide" aus dem 18. Jahrhundert. 

Von H. Savelsberg. 

Bei den Vorarbeiten zu einer Geschichte der alten Aachener 
Familie Chorus, die ihren Stammbaum mit Recht auf den be- 
rühmten Bürgermeister Ritter Gerhard Chorus zurückführt, 
unter dessen Amtsführung: um die Mitte des 14. Jahrhunderts 
das Aachener Rathaus neu aufgeführt und ebenso der Bau des 
herrlichen gotischen Chores an der Münsterkirche begonnen 
wurde, stiess ich auch auf einen, die in der Nähe von Linzens- 
häuschen gelegenen Güter Diepenbenden und Chorusberg be- 
treffenden, grossen Prozess, den der damalige Besitzer des letzte- 
ren, der wohlhabende Nadelfabrikant Cornelius Chorus der 
Ältere, der Vater des gleichnamigen, späteren langjährigen 
Bürgermeisters Cornelius Chorus des Jüngeren, in der Zeit von 
1717 bis 1752 gegen den Freiherrn Michael de Broe auf 
Diepenbenden führte. Da derselbe für die Geschichte der Wege- 
und Wassergerechtsamen in der Aachener Heide überhaupt nicht 
ohne Belang ist, so entschloss ich mich, denselben hier etwas 
ausführlicher zu behandeln. Der Thatbestand gestaltet sich 
nach den sehr umfangreichen Akten des Reichskammergerichtes 
zu Wetzlar und den gleichzeitigen Akten des hiesigen Stadt- 
archives folgendermassen. 

Der Nadelfabrikant Cornelius Chorus der Ältere, der in 
dem in der Jakobstrasse gegenüber der Klappergasse gelegenen, 
altertümlichen Hause „zum Hörn" wohnte, dessen Geschichte ich 
in dem vorigen Jahrgang dieser Zeitschrift beschrieben habe ', 
kaufte am 17. November 1711 von dem Magistrat der Stadt 
Aachen ein in der Aachener Heide hinter Steihebrück an der 
iMipener Landstrasse gelegenes Terrain von 25 Morgen 2 . Auf 
demselben lag, von Wiesen ringsum eingeschlossen, auf einem 
hohen Hügel ein hübsches Wohnhaus, das „hohe Haus", jetzt 
nach jenem Cornelius Chorus „Chorusberg" genannt. 

1 ) Vgl. XII. Jahrgang, S. 81—45. 

2 ) Wetzlarer Prozessaktcn 899— 2027; vgl. Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereins Bd. XVIII, S. 111, Nr. 399. 



- 60 - 

Das ganze Terrain war einen Monat vorher auf Ver- 
anlassung des Aachener Magistrats durch den vereideten Geo- 
meter Leonhard Schummer abgemessen worden, wie folgende, 
im Besitze des gegenwärtigen Besitzers jenes Gutes, des Herrn 
Kaufmann Ulrich Möller befindliche Urkunde besagt, der eine 
genaue Zeichnung desselben beigegeben war: 

„Ao. 1711 den 12 octobreis, aus order der herren ge- 
tibeteirden 1 eines ehrbahren radt die neide gemessen, das Hohe 
Haus genannt, halt (end) fünf im zwanzig morgen, welche sie 
hernachher verkauft haben an den hn. Cornelles Korres, sey vor- 
behalden zwei massrueden in der breyte langser das erb von 
den abgelebden herrn bürgermeister Speckheuer selleig ver- 
bleiben bis oben ans — mit ledder A gezcignct — sey oben 
um den bergh der wegh aus der mas verbleben mit ledder 

B gezeignet — der steu flnehs - ledder C — sunsten alles 
gemessen bis auf der stenen gerechtigkeit, als zwey rneden in 
der breyte, snnsten sey alles nieit eingemessen, wie diese modell 
ausweiset — ledder D. 

Leinard Schummer, veraydter landmesser, so dan 1713 den 
13. juniy seibeige modell ein zehin pollen gesatz ein bey wessen 
der herrn baumeistern." 

Das „Prothocollum L ' über die am 17. November 1711 öffent- 
lich vor den Banm dem Meistbietenden verkauften „Heiden" 
lautet also: 

„Wegen des Schwartzenberg ad 4 Morgen 33 Ruthen ist 
geboten von nun an die Serviz zu zahlen und dabenebens von 
jeden Morgen G Thaler, facit 24 thlr., einmal vor all und ist 
also dem S 1 ' de Broe dafür zugeschlagen. 

Wegen des also genannten Hohenhaus ad 25 Morgen bis 
auf die Plialen, wie solches durch Herrn Deputierte abgemessen, 
ist geboten von nun an die Serviz zu zahlen und dabenebens 
von jeden Morgen 1 Thaler, facit 25 thlr. einmal vor all zu 
geben, wofür es dem S' Cornelissen Chorus verblieben und zu- 
geschlagen worden. 

Von 3 Morgen 13 Euthen an den also genannten Grindel 
ist geboten von nun an die Serviz zu zahlen und dabenebens 
von diesen 3 Morgen 13 Ruthen zusammen 9 thaler aix einmal 
vor all und ist dem Adam Gast dafür zugeschlagen. 

') Die Deputierten der Stadt. 

2 ) Original im Besitze des Herrn U. Möller. 



— 61 

Von 4 Morgen 13 Ruthen an die Kupferbach oberhalb die 
Steinebrück mit dem Beding-, dass die 13 Ruthen zum Weg 
oder Ausfahrt vorbehalten sein sollen, ist geboten von nun an 
die Serviz zu zahlen samt 23 thlr. einmal vor all pro toto und 
ist dem Frantzen Weyers dafür verblieben und zugeschlagen. 

Von 8 Morgen drei und einhalb Viertel an die Eremitage 
ist geboten von nun an die Serviz zu zahlen samt 14 thlr. 
einmal vor all pro toto und ist dem Peter Schleipen dafür zu- 
geschlagen. 

Pro copia concordante. 

C. A. de Couet, secret. 

An die in diesem Protocoll erwähnten Ortsbezeichnungen 
will ich zunächst einige Bemerkungen anknüpfen. Was die zu- 
letzt genannte Eremitage d. h. die Einsiedelei und die Kapelle 
bei Linzenshäuschen betrifft, so haben wir darüber zuverlässige 
Mitteilungen zunächst in Quix' Wochenblatt I. Jahrgang 1836 
und ausführlicher in Picks Buch „Aus Aachens Vergangenheit" 
1895. Das B'orsthaus war ehemals einer der 8 Warttürme an 
dem dort vorbeiziehenden Landgraben des Aachener Reichs, 
und die bei der „ohnweit Laurentiihäuslein", wie es in einem 
Ratsprotokoll von 1699 heisst, im Jahre 1700 erbauten Ein- 
siedelei gelegene Kapelle „zu Maria Hülf" war dem hl. 
Laurentius geweiht und wurde im Jahre 1827 wieder abge- 
tragen. Beim Kirchweihfest, am 10. August, dem Tage des 
hl. Laurentius, pflegten alljährlich viele Leute von nah und 
fern dorthin zu wallfahren, aber auch viele Bürger von 
Aachen und Burtscheid dort Kurzweil auf dem Jahrmarkt zu 
suchen. Das im Jahre 1804 daselbst gefeierte Kirchweih- 
fest, welches durch den Besuch der französischen Kaiserin 
Josephine ausgezeichnet war, die damals etwa 6 Wochen in 
Aachen weilte, hat der Aachener Schriftsteller Carl Borromaeus 
Cünzer, der 1872 in Wien starb, in seiner anziehenden Erzäh- 
lung Folie des dames 1 in lieblicher, volkstümlicher Weise ge- 
schildert. 

Die andere Ortsbezeichnung „am Grindel", wie auch heute 
noch die hinter dem neuen Restaurant „Neu Linzenshäuschen" 
von W. Schumacher gelegene Besitzung des Herrn Heinrich 



') Vgl. Aachens Dichter und Prosaisten von Heinr. Preimnth. L882. 

Bd. II, S. 269. 



— 62 — 

Nutten genannt ist, ist von den mit Grindeln, d. h. Absperrungs- 
balken oder Schlagbäunien geschlossenen Wegen hergenommen, 
die an den betreffenden Warttürmen des Landgrabens vorbei- 
führten, deren Umgebung auch allgemein GrindeJ genannt wurde. 
Die vom Aachener Magistrat an denselben angestellten Wächter 
werden in den Akten des Archivs durchgehends Grindelbewahrer 
genannt. 

Der weitere Name Kupferbach ist auch heute noch die 
Bezeichnung eines bei Steinebrück in die Wurm fliessenden 
kleinem Baches. Dieser Name findet seine Erklärung in den 
vielen Kupfermühlen, die der Aachener Magistrat am Anfange 
des t(>. Jahrhunderts in der dortigen Gegend erbauen Hess. 

Nur betreff der Benennung „am Schwartzenberg" habe ich 
genaueres nicht feststellen können. So hiess ein ehemals am 
Rande des Aachener Waldes gelegenes Landgut. Auf der im 
hiesigen Stadtarchiv befindlichen, von dem Baumeister und 
Bergwerksinspektor Heinrich Kopso im Jahre 1777 gezeichneten 
Generalkarte des Aachener Reiches ist die Lage desselben dort 
angegeben, wo jetzt Linzenshäuschen gegenüber Gut Heidchen 
liegt. Den Bewohnern der dortigen Gegend ist der Name 
heutzutage gar nicht mehr bekannt. 

Nicht weit von dem durch Cornelius Chorus angekauften 
„Hohen Haus" lag auch eine dem Chorus gehörige Kupfermühle 
nebst Damm und Graben, die früher der Bürgermeister und 
Baumeister von Thenen besessen hatte. Dieser gegenüber be- 
sass der Freiherr Michael de Broe 1 ein grosses Gut, vormals 
die Apothek, später Diepenbendt 2 genannt, welches er im 
Jahre 1710 von dem Freiherrn Hubert Friedrich von Wylre 3 
gekauft hatte. 



') Michael de Broe, der wahrscheinlich einer belgischen Familie ent- 
stammte, heiratete eine Aachener Bürgerstochter Maria Elisabeth Nacken. 
Dieser Ehe entstammten zwei Kinder, ein Sohn Franz Jacob Augustin, geb. 
1695 und Maria Elisabeth Christine Barbara, geb. 1707. Vgl. Macco, Bei* 
träge zur Genealogie rhein. Adels- und Patrizierfamilicn Bd. II, S. 8. 

-) Heute ist es im Besitze des Bau- und Steinmetzmeisters Johann 
Peter Radermacher hierselbst. 

:! ) Hubert Friedrich Hyacinth Freiherr von Wylre, Herr zu Hegum, Sohn 
des langjährigen Bürgermeisters Johann Bertram von Wylre und der Freifrau 
Antonetta Isabella Clara von Merode-Hoffalize, geb. den 26. Nov. 1G76, ver- 
mählte sich mit Anna Catharina de Dumont. Vgl. Macco a. a. 0. S- 80. 



— 63 — 

Zu diesem Gute konnte man auf drei Wegen gelangen, 
einmal auf der Eupener Landstrasse, von der aus, wie auch 
heute noch, ein kurzer und bequemer Fahrweg direkt zum Gute 
Diepenbendt führte, dann auf einem Wege, der westlich um das 
von Chorus gekaufte Terrain führte, und drittens auf einem 
schmalen Wege, der mitten durch die tiefer gelegenen Wiesen 
an den Weyern vorbeiführte. Diesen letzteren Weg suchte 
Chorus, da er durch sein Besitztum führte, zu unterdrücken, 
indem er die an demselben längs des Baches stehenden Räume 
fällen, die Brücke über den Graben abbrechen und die Stellen mit 
Getreide besäen liess. Sein Gutsnachbar de Broe aber will auf 
die alte, die Benutzung dieses Weges betreffende Gerechtsame 
nicht verzichten; er verklagt Chorus bei dem Aachener Schöffen- 
stuhl und verlangt, jener solle die abgebrochene Brücke und 
den Fahrweg wiederherstellen lassen, indem er bestreitet, dass 
bei dem Ankauf der 25 Morgen durch Chorus dieser Weg mit 
einbegriffen gewesen sei, und er erklärt, dass dieser mit einer 
ihm gehörigen Gerechtsamen verbundene Weg gar nicht habe 
verkauft werden können. 

Demgegenüber beruft sich Chorus darauf, dass in der Ver- 
kaufsurkunde nur von dem längs dem Erbe des abgelebten 
Bürgermeisters Speckheuer nordwestlich um das Gut herum- 
gehenden Wege die Bede sei, und bringt auch verschiedene 
Zeugnisse hierfür vor, so von dem Geometer Schummer, der 
vorher die Vermessung des ganzen Komplexes vorgenommen 
hatte, und von den bei derselben stadtischerseits vertretenen 
Ratsdeputierten. 

Sie lauten folgendermassen : 

1. Ao. 1713 den 14ten Januarij ein beywessen zur selbigen 
Zeit hin baumeistern ein die Acher hey auf das Hohe Haus 
genannt, dem hrn Cornelles Corres anietzo zugehörig, welches 
ero vor einige Jahre von einem ehrbaren rat habe geguelden, 
auf obengemälte datum ein zehin pollen gesatz rund herum, ein 
beiwessen vor gemeide hr. baumeistern; als ich selbiges erb 
vorher habe abgemessen, sey vor einen weg verbleben zwey 
massrueden in der breyde langser das erb von den abgelebten 
hrn. bürgermeister Speckheuer scligs, wie dann auch dass vor- 
haupt den wegh seiden den Acher beusch, welcher nach das 
haus hrn de Breue gehet, sey ein feiner proportz verblebe, 



— 64 — 

sonsten sey alles und eingemessen, was zwischen den pollen 
leigt. ausser der steuen gerechtigkeit als 25 morgen. 

Leinard Schummer 

veraydter landmesser. 

2. Dass ich zu unden gemelter als E. E. rats deputirter 
mit beyden zur zeit hrn. baumeistern und S r Johan Frohn als 
bauschreiber und veraidter landtmesser bei der abpfälung von 
25 morgen gemeinden in der Aacher heyde, welche S r Cornellis 
Chorus als meistbietenden pro einen thaler aix vor jeden morgen 
neben jährlicher servitie verplieben und abgepfaelet worden, 
mit vorbehält, dass der weg von zwey ruthen bre} T de auf den 
busch anschiessend und in gegenwart des geschworenen land- 
messers also abgepfaelet und der weg von der Apothek darin 
schiesse, von keinen andern beneben weg aber von keinen 
zwischen den pfaelen die geringste meidung geschehn, solches 
beurkunde mit ai gener hand. 

geben Aach, den 22. Julii 1716. 

Jon. Wilh. Feibus 
als E. E. rats damahliger Deputirter. 

3. Auf demselben Blatte steht: 

Ich underschriebener weisse mich nicht zu erinnern, indeme 
bey der verkauffung present gewesen, dass wegen einen weeg 
enige meltung oder was voorbehalten seye worden. 

Jta attestor 
Winand von Eschweilei'. 

4. Ao. 1716, den 23. Julius. 

Dass ich damahliger Deputirter des ehrbahren hochweissen 
ratli beordert worden seie, die stucken oder heidt, so ein hoch- 
weiser rath am meist beidtenden verkauft, das hochhaus ge- 
nannt, ad 25 morgen haltend in praesents unser und den ge- 
schworenen landtmesser Leonard Schummer und beyde bau- 
meisters abgephalet habe, mit der austrueklicher Verordnung, 
dass der doppelte weg 2 ruthen breit sein soll, damit ein kahr 
die andere entweichen könne, recht auf den busch angehend, 
und was gemelte heid zwischen den pfalen angehet, ist kein 
ander weg gestattet worden. 




c^? 5U£ 






— 65 — 

beschiene hiemit, 

bekenne bey der abpollienck gewessen zu sein und von keinen 
anderen weg- zwischen den pfellen gehört zu haben. 

Johan Ellen. 

5. Ich endes unterschriebener bezeuge hiemit, dass auf er- 
suchen hrn Cornely Chorus den 16. Fcbruary 1717 einen grund, 
so demselben Chorus zustaendig und das Hohe Haus genannt 
ist. nach anlass der 47. proposition Euclidis auf die quadrant 
oder gleiche maas abgesehen und die horizontale oder Wasser- 
linien nachgeforscht, und deine zufolg befunden habe, dass 
obiges stück auf diesen fues ahn maas haltet 3655 und eine 
halbe nith, fals man aber die maas nach den situm superficialem 
verlangen sollte, so man auf einigen platzen ad 170 fues obig 
den horizont elevirt befindet, so kombt die maas ad 3870 und 
Vt quadratruthen. Ich sage 3870^4 ruthen, welche declaration 
ich jeder Zeit mit geometrischen fundamenten, so nöthig, zu 
bestärken hiemit angelobe, actum ut supra. 

Theod. Strangh 

planinietra juratus, et admissus per geonietram 

Serenissimi Principis Leodiensis. 

Daneben stand: 

NB.: 3655^2 ruthen inachen 24 morgen und anderthalb 
viertel, jeder morgen per 150 ruthen. 

Nichtsdestoweniger wird Chorus, nachdem der Streit schon 
einige Jahre gedauert hat. am 15. Februar 1717 vom Aachener 
Schöffenstuhl verurteilt, den de Broe weiter nicht mehr an der 
Benutzung dieses Weges zu hindern und die auf dem Grund 
von de Broe abgehauenen Bäume und weggenommenen Steine 
wiederherzustellen oder zu vergüten. Ausserdem wird er „ob con- 
temptam auetoritatem iudicis" zu einer Geldstrafe von <> Gold- 
gulden una cum expensis verurteilt. Chorus apelliert 1 sofort 
dagegen und reicht am selben Tage seine Klage ein, „dass 
Michael de Broe im Werk begriffen sei, einen Weg durch des 
Chorussen am hohen Haus mit' Korn besäeten Acker thätlich 
zu eröffnen, und ihm grossen Schaden zufüge". Kr wird jedoch 



M Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. Will, S. 111, Nr. 399, 
Wetzlarer Prozessakten 899/2027. 



- 66 - 

sowohl mit seiner Appellation, als auch mit seiner Gegenklage 
abgewiesen. Gleichzeitig entstehen neue Streitigkeiten unter 
den Nachbarn über andere Gerechtsamen des Gutes Diepen- 
bendt, namentlich über die Zugehörigkeit des Faulenbroich- 
Weihers, über die Berechtigung des Fischens in den Weihern, 
über die Benutzung des Wurmbaches und dergleichen mehr. 

Da de Broe gegen Chorus klagt, dass er ihm das Fischen 
an der Faulenbroichsteu verbiete, so wird Chorus am 15. März 
1718 vom Schöffenstuhl in Aachen darauf hingewiesen, dass er 
sich bei Strafe von 10 Goldgulden aller Tätlichkeiten gegen 
de Broe zu enthalten und. falls er Ansprüche auf die Weiher 
zu haben meine, solche „via iuris separata actione" ordentlich 
einzuführen habe. 

Chorus protestiert gegen diese Verfügung, indem er erklärt, 
der Inhaber der an Diepenbendt gelegenen, jetzo ihm zugehörigen 
Drahtmühle sei durch vorhandene Siegel und Briefe de anno 
1583 berechtigt, das Wasser in der Faulenbroichsteuw von 8 
Uhr abends bis 4 Uhr morgens aufzuhalten. Wenn der Weiher 
Privateigentum wäre und der betreffende Besitzer allein darüber 
nach Belieben verfügen könne, so würden die unten gelegenen 
Mühlen gänzlich unbrauchbar sein. 

Unter diesen Mühlen waren jedenfalls die weiter unten 
nach den Rothbenden zu an der Wurm gelegenen Mühlen ver- 
standen, so die Bärenmühle, die Bibamermühle und die Rothe- 
haagmühle, später alle 3 im Besitze des Herrn Otto Peltzer, 
ferner die Hasenmühle von Johann Erckens Söhnen, dann die obere 
und untere Rothbendermühle, jetzt Filzfabrik von von Fischerz 
und Meder, und die sogenannte Ellermühle von Friedrich Erckens. 

Auch hebt Chorus hervor, dass bei vollständigem Ablassen 
des Wassers niemals Fische in dem Weiher gesehen worden 
seien, es sei denn, dass de Broe ihn neuerdings mit Fischen 
besetzt habe, um sich solche darin zu ziehen und zu Aschen. 
Die Inhaber der Chorusschen Drahtmühle seien doch viel 
länger im Besitze der Rechte gewesen, da das de Broesche 
Gut zum Diepenbendt erst im Jahre 1640 von einem gewissen 
Apotheker Abraham Hanf auf einem gemeinen, dem Magistrat 
der Stadt zugehörigen Grund in praedium privatum redigiert 
worden sei. Da er nun am 17. März dem de Broe wiederum 
das Fischen in dem bei seiner Mühle gelegenen Weiher ver- 
bietet, so klagt jener abermals am 18. März 1718, indem er 



— 67 — 

m 

sich darauf beruft, dass er den Weiher mit Diepenbendt ange- 
kauft und schon lange Jahre in demselben gefischt habe; er 
könne nicht begreifen, quo iure der gegenwärtige Lehnsherr 
auf die de*" Broeschen Allodialweiher, die meistenteils ihre 
Nuritur des Wassers vom Wormelrluss empfingen, seine iuris- 
dietion extendieren wolle. 

Die Aussagen des Chorus werden vor dem Notar Carl 
Franz Urlichs am 21. März 1718 bestätigt von dem 70- 
jährigen Arbeiter Matthias Storni, der stets persönlich die Erk 
am Weiher aufgezogen hat. und von dem 44jährigen Guussen 
(Ägidius) von der Wehe, dessen Eltern unter dem Freiherrn 
von Wylre die Pachtung auf Diepenbendt gehabt haben, die 
erklären, dass von Wylre niemals dort eine Gerechtigkeit ge- 
habt habe. Zu Haus Diepenbendt hätten immer nur G Weiher 
gehört, von denen 3 im Busch und die übrigen 3 ganz nahe am 
Gut gelegen gewesen seien. 

Ausserdem giebt Chorus am 26. März dieses Jahres einen 
Brief seines Mühlenpächters Isaac Peltzer Diederichs aus Stol- 
berg zu Protokoll, in dem jener ihm die Pacht der untern 
Mühle kündigt, weil durch das von de Broe aus der Wurm 
abgelassene viele Wasser die Mühle ganz unbrauchbar gewor- 
den sei. 

Zum Beweise, dass der betreffende Weiher dennoch zu 
Haus Diepenbendt gehöre, übergiebt de Broe seinerseits einen 
alten Pachtvertrag vom 25. September 1680, der dahin lautet. 
,,dass die Wohlgeborene Frau Antonetta Isabella Freiin von 
Merode de Hoffalize, verwittibte von Wylre ihre zu Diepen- 
bendt gelegenen, nachfolgenden Weiher, Hausweyer, Backhaus- 
weyer, Mühlenweyer und 3 Buschweyer sambt dem Haltpoel 
daselbst in Pachtung vergünstigt und aufgethan hat dem S r 
Johannen von Savelsberg 1 , Schreibern des Gasthauses St. Elisa- 
beth in Aachen, für eine Zeit von 12 Jahren, darob das erste 
seinen Anfang nehmen soll künftigen Allerheiligentag L680 
und solches für einen jährlichen Zins von 70 thlr. (zu 2(1 Mark 
aix) neben 25 Pfund Fisch, so in :! Sorten als Barsen, Schnöch 
und Karpen (oder Monkarpen) der gnädigen Frau Verpächterin 



') Über die Familie von Savelsberg vgl. Maeco, Beiträge zur Genealogie 
rhein. Adels- und Patrizierfamilien, Bd. 11, S. 65. Der hier genannte Johann 

von Savelsberg dürfte wohl ein Bruder, jedenfalls nicht ein Sohn des dort 
unter Nr. L aufgeführten Jacob von Savelsberg srewesen sein. 



— 68 — 

jedes Jahr nach ihrem Belieben ausgefolgt werden sollen, ohne 
dass die Verpächterin für irgend welche Lasten oder Schäden 
aufzukommen brauche. " 

Damit will er beweisen, dass der Mühlen- oder Faulen- 
broichweiher auch mit dem Gute an ihn verkauft worden sei, 
und wie von Wylre stets darin gefischt habe, so habe auch er 
öfter, sogar angesichts des Chorus in demselben gefischt. Die 
von ihm vorgebrachten Zeugen: Bernardus Hausmann, der 
Propstei Mannkammer in Aachen Greffier und des hochadligen 
Scheffenstuhls vereideter Curator, ferner Peter Fleuck, Hubert 
Fleuck, Johann Willekens, Matthyssen Rox, Halfen auf Diepen- 
bendt, und seine Ehefrau Maria Klinkenberg machen in den 
Tagen vom 24. bis 28. März 1718 vor dem Notar Johann 
Wilhelm de la Haye die eidliche Angabe, dass von de Broes 
Seiten stets im Mühlen- oder Faulenbroichsweyer gefischt wor- 
den sei, und erklären eingehend, wie die Streitigkeiten über 
das Fischen und das Ablassen des Wassers entstanden seien- 

Infolgedessen wird de Broe am 29. März 1718 abermals 
in seiner hergebrachten Possession des Fischens manuteniert 
und dem Chorus bei Androhung schwerer Strafe aufgegeben, 
jenen nicht weiter darin zu stören. 

Im Verlauf der weiteren Verhandlungen erscheint dann 
Freitag, den 27. Mai desselben Jahres Mathias de Broe, 
Banquier dieser Stadt, vor dem Notar J. M. Bohnen und er- 
klärt, da Cornelius Chorus, sobald er ein gewisses Stück Land 
vom Magistrat gekauft habe, den dadurch nach seinem von 
Hubert Friedrich Freiherrn von Wylre acquirierten Gut Diepen- 
bendt von altersher gehenden Fuhrweg in Streit gezogen und 
den dieserhalb beim Schöffengericht verlorenen Prozess beim 
Reichskammergericht anzuhängen gewusst habe, so sehe er sich 
genötigt, gegen einen so zanksüchtigen Nachbarn alle mögliche 
Fürsorge an die Hand zu nehmen, besonders da jener auch eine 
in seinen Benden gelegene Kupfer- oder Drahtmühle acquiriert 
und aus einer andern darunter gelegenen Kupfermühle eine 
Schauermühle habe machen lassen und infolgedessen seine 
Weiher vielleicht des Wassers zu berauben sich unterstehen 
möchte. Da nun aber der hochwohlgeborene Herr Heinrich 
Georg Werner Freiherr von Wylre, des obengenannten Hubert 
Friedrich von Wylre Bruder, in Aachen gegenwärtig wäre, am 
andern Tage aber wieder Weiterreisen müsse, so bitte er den 



— 6'J — 

Notar, dessen Erklärungen über das Gut Diepembendt, die 
Mühlen, die Weiher u. s. w. zu Protokoll zu nehmen, was dann 
auch geschieht; dabei wird konstatiert: 

1. von "Wylre, ungefähr 63 Jahre alt, habe bei Lebzeiten 
seines Vaters, nachdem er in Löwen die Studia absolviert, un- 
gefähr 5 Jahre lang die Aufsicht über Diepenbendt gehabt; 

2. damals habe das Gut 7 Weiher gehabt, den Hausweiher, 
den Backesweiher, den Handpoel, den Müllenweiher und noch 
3 andere im Busch oder Holzgewachs, Faulenbroich genannt; 

3. dass der obgemelte Müllenweiher seiner Zeit immer mit 
Fischen besetzet gewesen und er selbst ihn gehöriger Zeit habe 
fischen lassen, jedoch dass die nächst daran gelegene, zu der 
Zeit Herrn Eschweiler zugehörige Mühle die Gerechtigkeit ge- 
habt, des Weihers Erck, so oft als nötig, zu ziehen, jedoch 
weiteis nicht, als dass der Kandel wenigstens einen halben Fuss 
hoch mit Wasser bedeckt bleiben müsse; er hätte auch niemals 
von seinem Vater oder sonst gehört, dass einige andere darunter 
gelegene Mühlen zur Ziehung der Ercken berechtigt gewesen, 
sondern sie hätten sich mit dem über die Erck oder von des 
Eschweiler Mühle ablaufenden Wasser befriedigen lassen müssen. 

4. Dass Herr Klöcker, damaliger hiesiger Königlicher 
Stiftskirchen-Kanonikus, welchem die zweite Mühle auf der 
Steinebrücken derzeit zugehört, zu ihm selbst auf das Gut ge- 
kommen sei und gefragt habe, ob denn die unteren Mühlen an 
dem Weiher keine Gerechtigkeit hätten, was er verneint habe, 
da er solches nie von seinem Vater gehört und auch seine 
Mutter dies bekräftigt habe. 

5. Die unteren Mühlen hätten überhaupt keinerlei Gerecht- 
same gehabt, ausser einer Vergaderung oder Steuw. worin 2 
kleine Bächlein einfliessen, eines von des Eschweiler Mühle und 
das andere von dem Gut Schwartzenberg; 

6. dass die Drahtinühle in dem Diepenbendgrund nicht so 
viel Gerechtigkeit gehabt habe, dass sie ihr nötiges Holz anders 
als mit Bewilligung seines Vaters an die Mühle habe hinlegen 
dürfen; 

7. dass zu dem längs des durch Diepenbend laufenden 
Wassers wachsenden Holz oder Bäumen überhaupt: niemand als 
das Gut Diepenbend berechtigt sei: 

8. dass die Diepenbender Weiher, so oft selbige gefischl 
worden, jederzeit aus dem vorhoifiiessenden Worin oder 



— 70 — 

Schwartzenberger Wasser angefüllt worden, auch dass, wie er 
von seinem Vater habe sagen hören, in dein untersten von 
Schwartzenberg abkommenden Bächlein, das Wormelchen ge- 
nannt, derzeit Pfeifen oder Kanäle gelegen hätten, wodurch 
eine Fontaine vor dato auf Diepenbend gelaufen wäre; 

9. er wisse sich auch noch zu erinnern, dass zu seiner 
Zeit hinter dem Rad der Drahtmühle ein Damm gewesen sei, 
auf dem er selbst derzeit Hopp und Kohl habe pflanzen lassen. 

Diese vor Notar und Zeugen abgegebenen Erklärungen hat 
Herr von Wylre auch am folgenden Tage (28. Mai 1718) in 
Gegenwart des Herrn Vogtmajors Johann Wilhelm von Meuthen, 
sodann der Herren Alberten Schrick, Adolf Arnolden von 
Dussel, Johann Werner von Broich, Joseph Balduin Schrick 
und Johann Lambert Pelser eidlich beschworen. 

Dagegen bekunden zu Gunsten des Chorus Meister Peter 
Pütz 80 Jahre alt und Mattheis Sturm 70 Jahre alt, Kupfer- 
schläger von Profession, die 50 und mehr Jahre in der Kupfer- 
niühl gearbeitet haben, am 14. August 1718, dass die Faulen- 
broiehsteuw alles vom Wurmfluss aus dem Busch und sonst 
herabfliessende Wasser sammele, dass die Inhaber der untern 
Mühlen sogar berechtigt seien, wenn die Faulenbroichweiher 
kein Wasser genug hätten, auch den Hausweiher von Diepen- 
bend um 2 oder 3 Fuss sinken zu lassen, und dass die untern 
Mühlen ohne das Wasser des Faulenbroichs überhaupt unnütz 
seien. 

Mit Rücksicht auf den den untern Mühlen erwachsenen, 
immensen Schaden wird dann durch verschiedene des ehrbaren 
Rats Überkomsten (Beschlüsse) vom 23. und 30. März und 
4. April 1719 dem de Broe ernstlich anbefohlen, das Wasser, 
den Wurm genannt, nicht nach Belieben aufzuhalten oder laufen 
zu lassen, sondern die Erck am Faulenbroich und dem droben 
gelegenen Weiher von abends 8 bis morgens 4 Uhr zu sperren 
und von morgens 4 bis abends 8 Uhr laufen zu lassen. Und 
ein Urteil des Schöffengerichts vom 3. Juli 1719 bestimmt, 

1 . dass Chorus verpflichtet sei, den unweü des Wormels 
und des Haltpoel gefällten Eichenbaum zu ersetzen; 

2. dass die an dem streitigen Damm beseitigten Zaunholz, 
Kappespflanzen, Erbsen, Bohnen, Reiser und Gemüse nach 
Taxation von Sachverständigen dem Kläger zu ersetzen seien ; 

3. dass de Broe die Faulenbroichssteuw nachts zur be- 



— 71 - 

stimmten Zeit zu sperren und tagsüber laufen zu lassen 
schuldig sei; 

4. dass Chorus bei Strafe von 25 Goldgulden sich aller 
Thätlichkciten zu enthalten habe; 

5. dass Chorus wegen Ausgrabung von Löchern, die durch 
die Aussagen des Landmessers Leonard Schummer und des 
Chorusschen Knechtes Johann Koenigs bewiesen sei, zu 25 
Goldgulden bestraft werde; 

6. dass dem de Broe die Erlaubnis, den sogenannten Halt- 
poel oder .Krebsweiher und den Hausweiher aus dem Wurmel 
zu füllen, zu geben sei für die Zeit, wann es den Müllern am 
wenigsten schädlich sei. 

Dieses Urteil wird auch durch einen Besehluss des ehr- 
baren Eats vom 11. August 1719 bestätigt. 

Da nun de Broe am 18. Januar 1720 wiederum die Fa.ulen- 
broiehsteuw und den darüber gelegenen Stopfweiher zu fischen 
sich erkühnte und trotz der verschiedenen „Überkombste" des 
Rates wiederum aufs neu den Wurm und das Wormel durch- 
stochen, auch den uralten Stadtvertragen zuwider das Bach- 
wasser „durch einen Grundkanal anplatz einer vorhin gewesenen 
Oberkail unberechtigterweise in seinen Haltpoel geführet" und 
sogar zum höchsten Nachteil der darunter gelegenen Mühlen 
das Wasser der Faulenbroichssteuw bis auf den Grund nachts 
habe auslaufen lassen, so reichen die Pächter bezw. Besitzer 
jener Mühlen am 28. Januar 1720 ihre Entschädigungsan- 
sprüche 1 ein. 

„Abraham Platz als Meisterknecht in der beim Diepenbend 
gelegenen Drahtmühl des Prinzipales Peltzer verlangt: 

vom Jahr 1718, als de Broe die Vollenbroichsstew ge- 
fischet und er mit seinen Knechten vier Tage still gelegen habe, 
50 gülden; 

vom Jahre 1719, als de Broe die Vollenbroichsstew eigen- 
mächtig zugenagelt habe, welche vier Tage verschlossen ge- 
blieben, bis der Bürgermeisterdiener Courten sie wieder geöffnel 
habe, als Lohn, so lange er mit seinen Knechten still gelegen 
habe. 41 Gulden; 

') Nach Urkunden im Aachener Stadtarchiv, Titel: de Broe gegeu An- 
walt eines ungenannten promotoris offieii. 



— 72 — 

* 

zu diversen Malen hat er das Wurm und Würmel, das de 
Broe durchstochen und in seinen Weyer habe abfliessen lassen, 
gestopft und repariert, an versäumter Arbeit 50 Gulden; 

fünfmal sei er mit zwei seiuer Knechte, um Zeugnis der 
Wahrheit zu geben, in die Stadt kommen: 23 Gulden, 

summa 164 Gulden." 

„Dederich Bucher hat in Zeit von zwei Jahren 60 Tage 
dadurch versäumt und rechnet für jeden Tag 13 Gulden, zu- 
sammen 780 Gulden." 

„Wilhelm Brandt von der Eldermühle der Mefrauw von 
ßurtscheid verlangt als Schadenersatz zwanzig Reichsthaler." 

„Jost Leonardtß verlangt für Wasserverlust sechs Reichs- 
thaler, baußen seinen Herrn Coeuen." 

Und Cornelius Chorus erhebt von neuem im März 1720 Klage 
bei Bürgermeister und Rat der Stadt Aachen. Er beruft sich 
dabei auf die ältesten Ratsbeschlüsse vom 25. April 1582, vom 
13. Februar 1583 und vom 15. April 1583 und bringt dafür 
die folgenden beiden Urkunden vor: 

„Ich Johann Lontzen, scheffen zu Aach und zerzeit lehen- 
heer des kayserlichen freyen hoifflehens, einem erbaren rath 
des königlichen Stuhls und freyer des heyligen reichs Stadt 
Aach zugehorend, wie ich solchs von wegen wohlgedachten 
eines erbaren raths binnen der Stadt und reich von Aach 
haltende und besitzende bin, vort wir Anastasius von Segrait, 
Wilhelm Braun und Johan von Hembach als hovener und laeßen 
gemeltes lehens, thun kund menniglich und bekennen hiemit 
öffentlich, daß vor uns kommen und erschienen ist Augustin 
Diederichs genant Gueden sitzende in seinen ganzen eheligen 
stuel mit Liesgen seiner erster ehelig hausfrauw mit seinen 
glitten vorrait und moitwillen hait in einer buttungen aufge- 
dragen und overgeven erflich und umberme Diederichen Husch 
und Cunigunde seiner erster eehliger hausfrauw und ihre beyder 
rechten erben eine kupfermuhlen und erf, wie die mit seinen 
weyer, steuwen und demmen, vort mit allen ihren anderen 
rechten und zubehoer stehet und gelegen ist in der Acher hey- 
den boven den Diepenbendt und der Steinenbruggen unter 
Vollenbroich bey Lentzgensheußgen, soviell dieselbe eines er- 
baren raths lehensgercchtigkeit dem wasserfluss und muhlenwerk 
beruerende ist, in aller massen und mit allen den rechten und 
gerechtigkeiten, wie er die von wohlgedachten einem erbaren 



— 73 — 

rath an sich erlangt und empfangen hait, welche niuhlen jer- 
lichs niet ine undengelden noch beschwaert seyn soll, dan ge- 
sagtem einem erbaren ratli ein mudt roggen erb wasserpfaekts 
des ihme Diederichen Huesch davon zu blieven gelden genügt hat. 

Daruntgegen hat jetzgedachter Diederich Huesch bekant 
und gelofft vur richter und seheffen allhie, ihme Augustin und 
seinen erben aufzutragen und overzugeven erblich und umberme 
einen hoff mit seinem zubehoer gelegen in Winrichßbungart, 
noch scchsdenhalven Joachimdaller zins up Peter Klockers 
haus; noch auf Herbrantz haus in Collnerstrais drie dalier zins 
und zwefe dalier zins auf dem haus, der groisse Joeris genant, 
noch zweie das alles loszins uff Wincken Seildreers haus laut 
brief und Siegel davon sprechende. Darnboven hait ermelter 
Hensch ihme Augustin ahn baarem gelde noch zu und heraus- 
gegeben zwey hundert fünf und siebenzig thaller, den daller 
zu sechs und zwanzig marken eins, sich guder bezahlungen 
bedankende, und dermaßen hait viellgedachter Augustin der 
vorgeruhrter mullen und niullenerf. so viell diesem leen betriefft, 
sich ausgedain, besitzung und gebrauchung und mir lehenheerre 
in banden gestelt und darauf genzlich und zumail mit rnonde 
und halme verzegen und verzeit erflieh und umberme in urbar 
und zu behoeff Diederichen Husch seiner hausfrauwe vorß. und 
ihre beydcr rechten erven. 

Havetz ime auch bekant und gelofft zu weren jair und dag 
zu dem lehenrecht und alle rechte ansprach darvon aufzuthun 
und auf den steinden voeß hain ich lehenheer in beysen der 
vurgenannten laaßen den megemelten Diederichen Husch damit 
belehnt, geerft und geguet mit allen solemnitäten, rechten und 
gerechtigkeiten, wie sich das nach dem lehenrecht gebührt. 
Ferner hait obgedachter Augustin ime Diederichen und seinen 
erben verheischen und zugesagt die steuw in den Voillenbroich 
von acht uhren des abentz ahn bis vier uhren zu morgen uff- 
zuhalden, zu steuwen und seines gefallens und notturft nach 
gebrauchen zu mugen, wie er dessen bishero im friedlichen ge- 
brauch und possession ist. Waferne aber kunftiglich derowegen 
inniche klagten quemen und beweislich mit recht dargethan 
wurde, Augustin damit zu viell gethaii und verheischen hette, 
solches hait er Augustin vor sich und seinen erben ime Huschen 
und seinen erben auf seine eigene kosten abzustellen gelobt 
und versprochen. Derohalb und sonst vur alle künftig abgewin 



- 74 - 

megeruhrter mullen zu unterpande gesatt und setzt alles, das 
er hait und umberme gewinnen mag-, und sonder argelist, be- 
heltlich mir lehenlieer und jederman seins rechts. 

In Urkunde der Wahrheit so haven wir lehenlieer und 
Inaßen mit namen vorß. unse siegele an diesen brief gehangen. 

Gegeven im jähr uns heerren tausend fünfhundert drie 
und achtzig ahm dreizehenden daig des monats Februarij. 

Uberkomst eines erbaren gemeinen raths von dato 15 Aprilis 1583. 

Auf abermahlig jetz von wegen der frauwen abtissin zu 
Burtsclieidt der durch Augustin Gueden in der heyden aufge- 
teilt und dem convent zu Burtsclieidt an ihren mullen, weyern 
und anders nachtheiliger steuwen, als daß der ahm 25 Aprilis 
nechst abgewichenes 82 Jahres deßhalb ergangener uberkunft 
nicht wurklich nachgesetzt, vorkommen klagen ließ es ein erb. 
rath bey solch einstmahls entschlossener uberkunft mit dem 
bescheydt verbleben, daß Diedrichen Husch als jetzig gedachter 
mullen und steuwen einhabern von wegen eines erb. raths 
ernstlich ahngezeigt werden solle, die frauw abtissin vermög 
ergemelter uberkunft klaglos zu stellen und aber auff den 
wiederwertigen fal und da deshalb fernere klagt verbracht 
durch die hrn burgermeisteren dem lehenheerren die geklagte 
steuw durchstechen zu lassen, befohlen werden soll. 

Fran Bocholtz. 

„Nachdem es aus diesen eines damahligen ehrbaren Rats 
Übcrkomsten zu ersehen ist, wasmassen niemalen zulässig ge- 
wesen, nequidem zu Nachteil deren Mefrauwen Abtissin von 
Bordtscheidt habenden Mühlen, viel weniger zu Nachteil der 
Ratsunterthanen, das Wasser, genannt den Wurm, durch 
Steuwen oder Weihern ausser die von Alters her convenirte 
und zu nutzen deren gleichfalls assozirten Inhabern deren 
Mühlen gestehe Zeit aufzuhalten oder laufen zu lassen, hat es 
verfolglich durch jetzigen ehrbaren Raths Überkombsten de 
2:5, 30 Martij, 4 Aprilis und 11. August 1719 unter Straf des 
Graslicgens oder Grasgebott einem Inwohner und Untert hauen 
Michael de Broe angeordnet und ernstlich anbefohlen, auch er- 
kannt werden müssen, dass er die Erck am Faulenbroich. wie 
dan auch des droben gelegenen Weyers von abends 8 Uhr bis 
morgens 4 Uhr zu sperren und von morgens 4 Uhr bis abends 



— 75 — 

8 Uhr das Wasser laufen zu lassen schuldig- sei." „Da nun 
de Broe nichts danach fragen thut, dass er am 18. Januar 
hochstrafbarlich sich erkühnt hat, die Faulensteuw sambt den 
etwas drotfen gelegenen Stopfweyer zu iischen und bis auf den 
Grund das Wasser unnützlich in der Nacht ausfliessen zu 
lassen, so bitten die Mühleninhaber Gordt Büecher, Peteru Pütz, 
Henrich Krap, Diederich Büecher, Wilhelm Lennertz und 
Johannes Beyers, dem de Broe bei Strafe das Gras oder einem 
Zahlen von 50 Rthlr. ans Armenhaus solche Anmassung zu 
untersagen." 

Am 14. August 1720 erhebt de Broe Gegenklage gegen 
Chorus, in der er ausführt, „obwohl ihm durch Urteile vom 15. 
und 29. März 1718 und am 8. März 1720 die Possession des 
Fischens in seinem Mühlenweiher im Faulenbroch zugesprochen 
und dem Cornelius Chorus bei Strafe von 25 Goldgnlden ver- 
boten worden sei, ihn darin zu tnrbieren, habe es sich doch 
auf St. Laurentii Abend (10. August) zugetragen, dass Chorus 
mit etlichen Knechten als Mattheis Gödgens, Diederich N. von 
der Steinebrück und andern den Mühlenweiher habe ziehen 
und in der Nacht abfischen lassen, die Fische für 100 und 
mehr Rthlr. diebischer Weise weggeführt und behalten und 
auch die Mühle aufgeschlagen habe". Er bittet jenen zur Ver- 
gütung der gestohlenen Fische cum damno tarn emergente, 
quam lucro cessante zu 100 Rthlr. taxiert zu verurteilen. Auf 
des Chorus Einrede, dass der Lehnsherr Peter Niclas selbst 
am 10. August den Faulenbrochsweiher habe fischen lassen, 
wozu dieser allein berechtigt sei, erklärt de Broe diese Ver- 
blümung der Thatsachen für eitlen Dunst, denn es sei erwiesen. 

1. dass Chorus die ganze Nacht am Voilenbrochsweiher 
gewesen sei samt seinen Söhnen und Knechten, 

2. dass einer der letzteren den Zapfen gezogen, 

3. dass die Knechte selbst gefischt hätten. 

4. dass Chorus die Fische in seine Behausung habe 
bringen lassen, 

5. dass er dem Lehnsherrn Niclas eine Portion davon ge- 
schickt habe, 

6. dass des Lehnsherrn Sohn dabei gewesen sei, 

7. dass die Knechte auch viele Fische erhalten hätten, 

8. dass die Mühle aufgeschlagen worden sei. 



— 76 — 

Daraufhin wird Chorus am 23. August 1720 durch Bescheid 
des Schöffenstuhls aufgefordert, sich vor den Schöffen dazu zu 
erklären. 

Er erwidert am selben Tage, der Schöifenstnhl möge doch 
endlich einmal seinen alten Zeugen Peter Pütz in Winandts- 
bongart wohnhaft, der bettlägerig krank sei und nur wenige 
Tage mehr zu leben habe, durch 2 Abgesandte verhören lassen, 
und appelliert gegen obigen Beschluss am 26. August 1720 vor 
dem Notar Joh. Jak. Couven, indem er darauf hinweist, 1. dass 
der Lehnsherr des allhiesigen kaiserlichen Hoflehens durch 
eigenhändig geschriebenes Zeugnis bezeuge, dass er die Steuw 
habe fischen lassen; 2. dass das Urteil vom 3. Juli 1719 aus- 
geführt habe, dass de Broe, bis daran er besser als bisher er- 
wiesen habe, dass er das Wasser nach seinem Gefallen auf- 
halten und laufen lassen könne, die Erck an der Vollenbrochs- 
steuw nur von abends 8 bis morgens 4 Uhr zu sperren und 
von morgens 4 bis abends 8 Uhr seinen ungehinderten Lauf 
bis auf den Stock und Hauptblock zu lassen schuldig sei, 3. dass 
jener es aber niemals anders zu beweisen vermögen werde. 

Des Chorus Appellation wird jedoch abgewiesen, und er 
wird wiederum am 26. November 1720 aufgefordert, sich vor 
den Schöffen zu erklären, widrigenfalls die Sache als bekannt 
angenommen und daraufhin in cuntumaciam ergehen werde, 
was recht sei, wogegen Chorus wiederholt protestiert. 

Interessant ist hierbei auch eine Erklärung seitens eines 
gewissen Martin Chorus vom Bodenhof: „Am 18. Januar 1721 
erschienen vor dem Notar Urlichs Johann Jungbluth und 
Philipp Graff und erklärten ad requisitionem Cornely Chorus, 
wessgestalten sie von Martin Chorus, Pächter auf dem Bodden- 
hof, gehört, dass derselbe ungefähr 20 Jahre auf gemeltem 
Hof gewohnt und einen Bendt ahn die steinen Brücksmühlen 
ahn die Steuw anstossend in Pachtung habe, er aber niemahlen 
selbst, noch durch die seinigen auf den Damin der Steinebrücks- 
mühlen einige Bäume abgehauen habe, noch lassen abhauen, 
mit diesem Zusatz, das Hauwen ginge den Inhabern der Kupfer- 
mühlen an." 

Am Freitag, 7. Februar 1721 weist der Anwalt des Cor- 
nelius Chorus darauf hin, dass de Broe sich fortwährend auf 
einen Beschluss vom 29. März 1718 beziehe, der längst per 
posterius de 3. November 1719 entkräftigt worden sei, dass 



77 - 



ferner in dem am 1.1. Dezember 1719 übergebenen extractu 
protocolli cnriae feudalis (des kaiserlichen freien Hoflehens) er- 
hellet, dass seiner autoren autor Joannes Eschweiler am 



j > 



6. Juni 16ä3 gegenseitige bei der Vollenbroichssteuw gelegene 
Mühle dieserhalb käuflich an sich gebracht hat, dass berührter 
Eschweiler als Käufer das Wasser auf der Vollenbroichssteuw 
weiters noch tiefer nicht als bis auf den Hauptblock oder 
Stock zu gebrauchen berechtigt sein sollte. Er erklärt zur 
Sache, dass Chorus allerdings, was niemand ihm verbieten 
könne, an dem betreffenden Abend in jener Gegend gewesen 
sei, auch vom Sohne des Lehnsherrn, der dort gefischt habe, 
eine Portion Fische erhalten habe, was von dem Lehnsherrn 
Peter Niclas 1 und später durch Attest vom 12. Juni 1724 vor 
Notar Johann Baptist Pöttgens ebenso von des Lehnsherrn 
Sohn Petrus Cornelius Niclas, Canonicus ad St. Adalbertum, 
bestätigt wird. 

Am 12. September 1721 wird nun der Prozess vor dem 
Aachener Schöffenstuhl entschieden, der zu recht erkennt, dass 
de ßroe zufolge der unter dem 15. resp. 29. März 1718 er- 
gangenen Bescheide in seiner possession des von ihm mit 
Diepenbend angekauften Faulenbroichs und des Fischens zu 
manutenieren sei, dass, was die Klage betreff des Laurentius- 
tages angehe, die Appellation des Chorus zu verwerfen sei und 
er schuldig erkannt werde, sich darüber zu erklären, und in 
die bisher aufgegangenen Kosten verurteilt werde. 

Gegen dieses Urteil appelliert namens seines abwesenden 
Vaters Quirinus Chorus am 22. September 1721 beim Reichs- 
kammergericht. Auf eine weitere Bestimmung des Schöffen- 
stuhls vom 1. Dezember, dass Chorus sich verantworten müsse, 
da die Sache des Fischens mit dem Ziehen der Erck und dem 
Lauf des Wassers und dem am 3. Juli 1719 eröffneten Urteil 
gar keine connexität habe, erklärt Chorus am 17. Dezember 
1721 nochmals, wenn sein Gegner befugt sein würde, das 
Wasser in der Vollenbrochssteuw aufzuhalten und nach Gut- 
dünken ablaufen zu lassen, so würden die darunter liegenden 
2 Mühlen, die einen Wert von 2000 Thalern repräsentierten, 

') Sowohl Peter Niclas als auch der kurz nach ihm genannte Notar 
Pöttgens waren Verwandte des Chorus, indem jener der Bruder seiner ersten 
Frau Maria Niclas, dieser der Matte seiner Halbschwester Maria Helene wnr. 



— 78 — 

aus Mangel am nötigen Wasser als unbrauchbar notwendig zu 
öf unde gehen müssen. 

de Broe reicht nun am 22. Januar 1722 die Kostenrechnung 
ein, taxiert zu 466 rthlr. Da aber des Chorus Appellation am 
Reichskainniergericht unterdessen am 10. Januar angenommen 
worden ist, werden die Ansprüche des de Broe am 9. März 
1722 einstweilen suspendiert. Als seinen Vertreter bevoll- 
mächtigt Cornelius Chorus am 28. März 1722 mit dem Wappen 
der Egge den Licentiaten Dr. Johann Rudolph Sachs, während 
zum Vertreter des Michael de Broe durch Vollmacht vom 23. Mai 
1722 der Licentiat Johann Peter Thouet bestimmt wird. 

In der Begründung der Appellation wird noch folgendes 
ausgeführt: 

„Schon 1583 ist des Chorus Kupfermühle von Augustin 
Diederichs, genannt Gueden, welcher selbige von einem ehr- 
baren Rat primo erlangt und empfangen hat, an Diederich 
Heusch verkauft worden mit dem Zusatz, die Steuw in dem 
Faulenbroich von 8 Uhr abends bis 4 Uhr morgens aufzuhalten, 
ein Kennzeichen, dass schon damals der Rat für die unteren 
Mühlen das überfliessende Wasser destilliert habe. Das de 
Broesche Gut ist im Jahre 1616 erbaut und im Protokoll des 
kaiserlichen freien Hoflehens registriert. Die Drahtmühle ist 
im Jahre 1643 von Abraham Hanff an Johann Eschweiler ver- 
kauft worden. Haus und Gut Diepenbend sind also im Jahre 
1583 noch kein Privatgut gewesen, sondern ein gemeiner, dem 
Stadt-Magistrat zu Aachen zugehöriger Grund. Und der Apo- 
theker Hauff hat in dem ex anno 1657 contra Herrn Werk- 
meister Klöcker et consorten, die Inhaber der unteren Mühlen, 
geführten Prozess am 1. April 1658 selbst confessiert, dass er 
erst im Jahre 1640 den Weiher, der in der That der Mühlen- 
weiher ist, gekauft habe, unter welchem Namen der Gegner 
jetzt die Faulenbroichssteuw fälschlich verstanden haben will. 
Donnerstag, den 12. Juli 1640 wird betreffs der Wassergerecht- 
same festgesetzt: „In streitigen Sachen einer wassersteuwen in 
der Acher heyd zwischen Hendrichen Hauff contra Wilhelmen 
Klöcker dessen adhaerenten eins und andern teils Hess es E. E. 
rath bey dem verkauf dieser steuwen verbleiben, des soll die 
gerechtigkeit des wassers dieser steuwen ahn Klöckern und 
cons. oder je derselben Mühlen auch verbleiben." 



— 79 

Und am 19. Juli desselben Jahres bestimmt der ßath, dass 
Hanff, wenn er etwas ändern wolle, es nur „mit authorität 
wohlgemelten raths deputirten, benehtlich des alten bürger- 
meistern lirn. Balthasaris Fibus und hin. werckmeisters Chorus 
und beider baumeistern und mit Bewilligung der Partheien 
thuen mögen soll." 

Zwei Jahre später erklären in einer notariellen Urkunde 
vom 1. Juni 1724: Johan Adam Clermont, herr zu Newenburg, 
In-. Jacob Moll, Scheffen der Herrlichkeit Bnrtscheid, namens 
Ihrer Hochwürden, der Frau Äbtissin, hr. Cornel de Fays, des 
Königlichen Stuhls und Kaiserlichen freien Reichsstadt Aachen 
regierender Bürgermeister, hr. Conrad Clermont, Erbgen. h. 
Johannen Gillis und übrigen Interessenten, dass die 18 Mühlen 
unten hätten stillstehen müssen wegen Wassermangels infolge 
Durchstechens des Wurmbaches, weshalb sie den Notar auf- 
fordern, eine Ocularinspection vorzunehmen. Bei dieser sah 
man, dass die Wurm an zwei Stellen durchgestochen war. Von 
einem in dem de Broeschen Weiher arbeitenden Tagelöhner 
Johann Lauters erfuhr der Notar, -dass er dieses auf Befehl 
des jungen Herrn de Broe gethan habe. 

Durch eine andere Urkunde vom 9. Juni 1724 vor Notar 
Joh. Bapt. Pöttgens wird von dem Meister Gilles van der 
Wiehe, der 11 Jahre, bevor de Broe Diepenbend kaufte, dort 
gewohnt hat, und von Adam Gast als Förster ganz dabei woh- 
nend, bezeugt, dass sie nie gesehen, dass Bürgermeister von 
Wylre als Besitzer des Diepenbend auf die Faulenbroichstenw. 
wie auch auf den damaligen treck- oder heckwej'er Fische ge- 
setzt habe, und dass die Inhaber der darunter gelegenen 
Mühlen die Steuwen gezogen und die Weiher abgelassen hätten. 
Auch sei früher über den Wurm eine Brücke geschlagen ge- 
wesen, über welche die Mühlenbesitzer allein ihr notwendig 
Gehölz gefahren, auch hätte ausser einem platten Steinpfahl 
eine lebendige Hecke von der Mühle bis zu der Brücke gehend 
gestanden, die den Grund des Diepenbend und der Mühle ge- 
schieden hätten. Nun hätten sie wahrgenommen, dass Pfahl. 
Brück und Hecke weggeräumt worden seien. Diepenbend hätte 
damals nur 7 Weiher gehabt, von denen der kleinste sogar mit 
der Zeit vergangen sei. 

Ob und wie nun die Appellation des Chorus in den folgen- 
den Jahren vom Reiclrskammergericbl entschieden worden ist. 



— 80 — 

lässt sich aus den Akten nicht feststellen; es seheint aber, dass 
er auch mit dieser Appellation abgewiesen worden ist. 

Nachdem Chorus so wiederholt, sowohl in Aachen als auch 
in Wetzlar in jenen Prozessen Recht zu bekommen vergeblich 
versucht hat, hat er den de Broe ruhig in quieta possessione 
belassen, bis dieser im Jahre 1737 starb. Darnach begannen 
die alten Streitigkeiten von neuem, indem nun Chorus gegen 
die Witwe de Broe geb. Nacken neue Prozesse anstrengte, um 
die streitigen Gerechtsamen für sich zu gewinnen. 

Der Streit brach von neuem los, als Chorus die an der 
Faulenbroichsteuw stehende Erck mit einem neuen Erckzug- 
brett versehen lassen wollte, weil das alte verfault war. Die 
Leute der Witwe de Broe inhibierten nicht nur diese Arbeit, 
sondern versuchten ihrerseits an der de Broeschen Seite eine 
neue Erck hinzusetzen. Infolge der diesbezüglichen Klage des 
Chorus vom 29. Oktober 1737 wurde der Witwe de Broe auf- 
getragen, sofort mit dieser Arbeit aufzuhören. 

Durch Urteil des Schöffengerichtes vom 27. Januar 1738 
wurde dann der Streit dahin entschieden, dass dem Pächter 
der Wittib de Broe erlaubt sein solle, die angefangene Hin- 
stellung des Erckzugbretts zu vollführen und die Wassererck 
an der Faulenbroichsteuw an dem Orte, wo sie im Jahre 1733 
bei damaliger Visitation gestanden, aufzurichten, mit dem An- 
hang, dass sie das Wasser von 4 Uhr morgens bis 8 Uhr 
abends infolge decreti vom 3. Juli 1719 für die Mühlen laufen 
zu lassen schuldig seien, während Chorus den Befehl erhielt, 
sich bei arbiträrer Straf aller Thätlichkeiten zu enthalten, und 
in medietatem expensarum (Hälfte der Gerichtskosten) verurteilt 
wurde. 

Auch inbetreff des streitigen Weges strengte Chorus gegen 
die Witwe de Broe einen neuen Prozess an, doch wurde auch 
dieser unter dem 23. Januar 1741 wiederum gegen Chorus ent- 
schieden, der „unter Strafe von 100 Goldgulden verpflichtet 
wurde, den Weg der Frau Wittib de Broe in brauchbaren Zu- 
stand versetzen zu lassen und sie niemals mehr an der Be- 
nutzung des Weges zu hindern." Chorus appellierte wieder. 

Bemerkenswert ist hierbei ein der Appellationsbegründung 
beigefügtes Gutachten des Freiherrn von Collenbach, der be- 
kanntlich sein Schwiegersohn war. Dasselbe lautet im Aus- 
zuge also: 



— 81 — 

„Der Endes Unterzeichnete Licentiat Rudolf von Collen- 
bach 1 , des Kurfürsten zu Pfalz als Herzogen zu Jülich be- 
stellter Statthalter des Richters zu Aachen, erklärt hiermit auf 
seine Amtspflichten, dass er bei einer mit 2 Schöffen und einem 
Sekretär im November 1740 in Diepenbend eingenommenen 
Ocular-Inspection mit der Kutsche neben des Chorus Acker her 
nach Uiepenbend auf breitem, gutem Wege gefahren sei, dann 
nach einer daselbst eingenommenen Collation auf der andern 
Seite auf der gemeinen Landstrasse zurückgekehrt sei, ohne 
dass zu ersehen gewesen, warum Inhaber des Gutes Diepenbend 
über des Chorus kultivierten Acker, so zwischen zwei guten, 
brauchbaren gemeinen Strassen gelegen, einen besondern Weg- 
nehmen wolle. 

Aachen, den 20. März 1741. 

F. R. Collenbach, Statthalter des Richters. 

Dieser Stellungnahme des Statthalters gegenüber weist die 
gegnerische Partei in ihren Auseinandersetzungen der Sachlage 
darauf hin, dass es leicht den Anschein gewinne, als wenn es 
durch die wirkungsvollen Conektionen des Cornelius Chorus mit 
dem Statthalter von Collenbach, seinem Tochtermanne, und 
durch diesen mit den ausschlaggebenden Behörden dazu kommen 
könne, dass Recht Unrecht sein und Unrecht Recht werden 
würde. 

Auch als im August 1744 Frau de Broe starb, dauerten 
die langjährigen Streitigkeiten zwischen den Nachbarn fort, 
nachdem ihr Sohn Franz Jacob Augustin de Broe von Diepen- 
bend 2 das ganze Besitztum seiner Eltern übernommen hatte. 



1 ) Über die Familie dieses Freiherrn von Collenbach schrieb F. H. 
Macco ausführlicher in den Beitragen zur Genealogie rhein. Adels- und Pa- 
trizierfamilien, 1887, Bd. II, S. 19. 

2 ) Dieser Franz de Broe von Diepenbend, geboren den 30. Mai 1695, 
mit Maria Anna Theresia Freiin vou Robertz verheiratet, war, wie A. von 
Reumont in seinem Aufsatz „Friedrich von der Trenck in Aachen" (Zeit- 
schrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. VI, S. 200) berichtet, der Schwieger- 
vater des bekannten Freiherrn von der Trenck, der im Jahre 1765 in Aachen 
weilte, „wo er sich mit der jüngsten Tochter des Franz Jakob August in 
von Broe verheiratete, welcher in den Jahren 1760 und 1762 das Bürger- 
Bürgermeisteramt verwaltet hatte, das auch dem Frau/. Joseph von Broe von 
Diepenbend, seinem Sohne, der im Jahre. 1786 während der Mäkelei-Streitig- 
keiten eine Mission nach Brüssel übernahm, im Jahre 1787 anvertraut wurde." 



— 82 — 

Da Chorus sich fortwährend weigert, die durch das Urteil 
vom 27. Januar 1738 ihm zur Last gelegten, halben Gerichts- 
kosten zu zahlen, so erwirkt die Gegenpartei von der kurfürst- 
lichen Regierung in Düsseldorf ein mandatum poenale an den 
Statthalter in Aachen, dass Chorus bei Vermeidung der Exekution 
zahlen muss. So lässt denn Chorus unter Protest durch den 
Notar Carl Franz Urlichs dem Herrn Johann Friedrich Schultz, 
hiesiger Voigtmajorie zeitlichem, Statthalter in seiner Wohnbe- 
hausung in der Eilfschornstein allhier die Summe von 334 gl. 
deponieren im Beisein der Zeugen Niclas Cüppers und Niclas 
Geoffroy. Dann appelliert er sofort beim Reichskammergericht 
in Wetzlar und giebt am 16. November 1746 seinem Vertreter, 
dem Licentiaten Simon Henrich Gondela, gerichtliche Vollmacht. 

Noch während dieser Appellationsprozess schwebt, kommt 
es im September 1747 zu neuen Streitigkeiten. 

Am 30. Oktober 1747 klagt nämlich Dr. Johann Wilhelm 
Ludolf als Vertreter (Vollmacht vom 16. Oktober) des Herrn 
Franz Jacob Augustin de Broe zu Diepenbend, des heiligen 
Rom. Reichs Ritters, über folgendes Vorgehen des Cornelius 
Chorus : 

„Als am 28. September auf St. Michaelisabend Herr de 
Broe sich mit seiner Gemahlin auf Diepenbend eingefunden 
habe, um die Faulenbroichsstcuw zu fischen, habe es sich zu- 
getragen, dass einige sich zusammenrottende Nähnadelmachers- 
gesellcn mit Schuppen, Hacken, Klüppeln, Steinen u. s. w. hinzu- 
gelaufen seien, um den Weiher zu stopfen. Als er ihnen dann 
gesagt: „Erst wenn der Weiher abgefischt sein wird", sei er 
durch die drohende Haltung der Rotte veranlasst worden, 
schleunigst nach Diepenbend zurückzukehren. Dann sei der 
Majoriediener zu ihm gekommen mit dem Gebot, mit der 



Bezüglich der Wahl des letzteren heisst es in der von W. Brüuing im XL 
Bande dieser Zeitschrift veröffentlichten „Handschriftlichen Chronik 1770 bis 
1796" (S. 37): den 23 maij, mitwoch, ist zum bürgermeister erwählt worden 
der herr baron Franz de Broe, ein anhänger der alten partei, welcher ebenso 
wenig vermögen, als tilgend und ansehen hatte." Dieser Franz Joseph 
Honor Chilan L. Baro de Broe de Diepenbend, dynastus in Tesch et Vier- 
menich, getauft den 19. April 1752, heiratete Maria Anna Josepha Baronessa 
von Doetsch zu Haus Auel im heutigen Siegkreise, Erbin zu Viermenich. 
Vgl. Macco, Beiträge zur Genealogie rhein. Adels- und Patriziergeschlcchter 
Bd. I, S. so, Anm. und Bd. II, S. 9. 



— 83 — 

Fischung einzuhalten. Darnach sei sofort Cornelius Chorus mit 
seiner Rotte erschienen und habe dieser befohlen, den (inind- 
zapf einzuwerfen, indem er geschrieen, er wolle des Teufels 
sein, wenn efer Weiher gefischt werden sollte; in zwei Stunden 
könne er 100, ja 1000 Mann zur Hülfe haben; er hätte 2000 
Louisdors, die er anwenden wollte, und die ganze Apothek 
sollte daran müssen gehen." 

Am Nachmittage desselben Tages hat dann eine Okular- 
inspektion durch den Schelfen meister von Dussel (an Stelle des 
Herrn von Beusdahl) und Herrn Dewitte im Beisein des Herrn 
Statthalters Schultz auf Diepenbend stattgefunden. Da Chorus 
zwei Stunden vorher zur Stadt gegangen, hat de Broe mit 
seinem Airwalt, Magister Meessen, alle Gewalttaten erzählt, 
was den Herrn Statthalter veranlasst hat, sein Verbot zurück- 
zunehmen und Herrn de Broe zu erlauben, den Zapf wieder 
zu ziehen und mit Fischung des Weihers zu continuieren. 
Gleichzeitig hat er bei 25 Goldgulden Strafe jegliches Turbieren 
verboten und dieses auch dem Chorus ansagen lassen. 

Den geschichtlichen Darlegungen des Chorus gegenüber 
beruft sich der gegnerische Anwalt Dr. Ludolf auf den Kauf- 
brief vom 6. Juni 1643, wo Abraham Hauff seine im Faulen- 
broch gelegene Mühle dem Johann Eschweiler verkauft habe. 
Anno 1710 den 3. Juli seien Winandns Eschweiler und Paulus 
Lersch, Gcschwäger, mit der neben dem Faulenbrochsweiher 
gelegenen Mühle belehnt worden, und am selben Tage sei 
die Mühle samt dem zugehörigen, mit Eichenbäumen besetzten 
Wege dem Michael de Broe verkauft worden. Doch schon 
vor diesem Verkauf habe der Faulenbrochs- oder Mühlen- 
weiher zu Diepenbend gehört; der damals angekaufte sei der 
oben am Faulenbrochsweiher gelegene Heckweiher gewesen. 
Dieser und die Mühle kämen also von Abraham Hauff her, 
das Gut Diepenbend aber samt dem Faulenbrochsweiher von 
Heinrich Hanff. Das Gut sei ein so altes Gebäude, dass von 
dessen ursprünglicher Erbauung keine memoria existiere. Unter 
dem Namen Diepenbend habe es sicher schon einige 100 Jahre 
vor den Mulden bestanden. Der Name Apothek sei dem Gute 
erst gegeben worden, als Heinrich Hanff nach dem Stadtbrando 
seine Apotheke dahin verlegt habe. So sei auch schon in einem 
alten Lehensbriefe von 1583 „boven den diepenbendt und der 
steinen bruggen" gesagt. 



— 84 — 

Infolge dieser von Herrn Ludolf exhibierten supplicae wird 
den Richtern erster Instanz durch Manutenenzurteil vom 
10. November 1747 anempfohlen, partem appellatam (de Broe) 
in seinem wolhergebrachten Besitz, in seiner Fischerei und 
seinen sonstigen Rechten wider alle gegenteiligen Vergewalti- 
gungen optimo iure zu schützen. 

Den Ausführungen des Dr. Ludolf gegenüber gellt sein 
Gegner Gondela, der des Chorus Sache vertritt, genauer auf 
die frühesten Verkaufsurkunden und ihre Bestimmungen ein. 
Betreif der Mühle besagt ein Protokoll vom 6. Juni 1643, „dass 
vor Kaspar Löwenich Lehnsherrn und Balthasar und Henricus 
Munstero Lasen erschien Abraham Hanff und hat die Mühle 
Johann Eschweiler und Dorothea Eheleuten für 1000 Rthlr. 
verkauft und das Lehen abgetreten mit der Bestimmung, dass 
er das Wasser tiefer nicht dann allein bis auf den Hauptblock 
oder Stock zu gebrauchen berechtigt sein solle." 

Den 3. Juli 1710 sind dann praesentibus Lehnherrn Johann 
Heinrich von Thenen, Herrn Franz Klinkenberg und Franz 
Graffar als Lasen erschienen Herr Winandus Eschweiler, Meyer 
der Herrlichkeit Burtscheid und dieser Stadt abgestandener 
Werkmeister, und Herr Johann Paul Lersch, Gesch wager, als 
testamentarische Erbgenahmen über die obige Mühle des Herrn 
Jacob von Eschweiler und haben das Lehen mit Bewilligung 
des Lehnsherrn erhoben und sind damit belehnt worden. 

An demselben Tage erschienen Wynand von Eschweiler 
mit Juffer Anna Maria von Ottegraven und Johann Paul Lersch 
mit Juifer Maria von Eschweiler als legatarii des Herrn Jacob 
von Eschweiler und haben übertragen und verkauft Herrn 
Michael de Broe und Juffer Maria Elisabetha Nacken eine in 
der Aacher Heid neben dem Faulenbrochweiher gelegene 
Kupfermühl und darzugehörigen, mit Eichenbäumen besetzten 
Weiher, wie ihn Jacob von Eschweiler am 21. Oktober 1702 
ihnen vermacht hat, und wie solche Mühle 1643 von Heinrich 
Hanff acquiriert worden ist für 700 Rthlr. (ä 26 Mark aix). 
Interessant ist auch eine von Gondela angeführte Urkunde vom 
Jahre 1604 über die Wassergerechtsame der Chorusschen 
Kupfermühle; sie lautet: 

„Dienstag, 29. April 1604. Auf unterthenig suppliciren 
und anhalten Diederich Guedens haben ein ehrbahr rath und ge- 
meiner gnffelen geschickten ihme ein orth platzen in der Aacher 



- 85 - 

heyden boven der steigen an den Vollenbroch gelegen, wie 
ilime dasselb durch die herren baumeister abgepählet werden 
solle, dergestalt erblich verliehen und geben, dass er das heydt- 
wasser, so auf jener seithen der Steinerbrüggen hin und wieder 
vergeblich fliesset, beisammen treiben und auf seine koesten 
und mühe auf des raths unterste muhlen bestendiglich bringen 
und fuhren soll: jedoch, dass er auf solcher verliehener platzen 
keinen baw oder behausung aufrichten noch setzen mögen soll. 

B(althasar) von Munster. 

Er führt dann weiter aus, dass nach der Chronik des 
Noppius das freykaiserliche Hoflehen, auch alio nomine das 
Schleydener Lehen genannt, vom Rat der Stadt Aachen im 
Jahre 1328 von den Grafen von der Schleyden gekauft worden 
sei, und dass von solcher Zeit an sothane Feudaljurisdiktion 
den successive angeordneten Lehnsherrn bis auf heutige Stund 
zu verwalten gegeben worden sei. Diese Jurisdiktion bestehe 
nicht allein darin, dass alle Wasserströme insgemein, auch alle 
Mühlen, Bäche, Teiche, Dämme und Hecken durch das ganze 
Territorium davon dependieren, sondern auch, dass keinem in 
dem Wurm, so ein gemeiner Wasserstrom ist, zu fischen oder 
die Erk zu ziehen, ohne speziale Erlaubnis des Herrn Lehns- 
herrn erlaubt sey, dass sogar oft der Lehnsherr selbst das 
Fischen in den Wassersteuwen in Pachtung gegeben habe. 

Auch sei zu reflektieren, dass der Herr Bürgermeister von 
Wylre, der ja vor de Broe Diepenbend besessen, dieses regale 
anerkannt habe. So entstehe nun die Frage, ob und wo, sive 
quo loco der Klagende de Broe in seinem vermeinten iure 
piscandi turbiert worden sei. 

Seinerseits giebt er dann folgende Darstellung der Ent- 
wicklung der örtlichen Verhältnisse. „Nachdem im Jahre 1450 
und 1465 (vgl. Noppius, Aachische Chronik Bd. I, S. 29) durch 
Danielen von der Chamen, sodann Joannen Amia und dessen Sohn 
der Kupferhandel in Aachen angepflanzt und successu temporis 
dieses Handels grosser Nutzen und gemeine Erspriesslichkeit 
verspüret worden, hat ein einsamer Rath zu heilsamer Beförde- 
rung desselben auf gemeinem Stadtgrund in der Aacher Heid 
auf seine Kosten 5 Kupfermühlen, nämlich eine oben den 
Diepenbend und 4 unter Voullenbroich und 4 andere auf einen 
Ort, die steinern Brück genannt, erbaut, von denen die erste 



— 86 - 

am 13. Februar 1583 von Augustin Diederichs, genannt Guedeii, 
mit dabei gefügten formalibus angekauft worden ist. Alle 
Rechte dieser Mühlen bestanden also längst, bevor Heinrich 
HanfF den Grund von Diepenbend, einen Bau anzulegen, vom 
Rath erworben hat," 

„Viele Anwohner bezeugen, dass die Kupferschläger immer 
die Steuwen gezogen und gereinigt haben, dass de Broe sich 
angemasst habe, Fische hineinzusetzen, nachdem nunmehr, wo 
der Kupferhandel leider gänzlich zu Grunde gegangen sei, die 
Kupfermühlen nicht mehr gebraucht würden, folglich die Voulen- 
brochsteuw in etlichen Jahren von Kupferschlägern nicht mehr 
habe gezogen werden können." „Der Lehnsherr Heinrich von 
Thenen sei im April 1720 gestorben und auf ihn im Mai als 
Lehnsherr Peter Niclas gefolgt. Dieser habe zum ersten Male 
am 10. August 1720 die Faulenbroichsteuw ziehen und durch 
seinen Sohn iischen lassen. Auch sei der Lehnsherr in der 
Folgezeit bei allen Fällen, wo de Broe sich in seine Rechte 
einzudrängen angemasst habe, strenge gegen ihn vorgegangen. 

Lächerlich sei die Ansicht de Broes, dass Hauff seine 
Apotheke nach dem Aachener Brande im Mai 1G56 eine Stunde 
weit von der Stadt in eine öde Wildnis verlegt habe. Im 
Januar 1657 sei das nach seinem primo autore benannte Gut 
Apothek an den Bürgermeister von Wylre verkauft und von 
seiner Umgebung Diepenbend genannt worden V 

Die Bedrohung des de Broe durch die Fabrikarbeitsleute 
wird durchaus geleugnet, indem darauf hingewiesen wird, dass 
ja nicht einmal die festgesetzte Strafe von 50 Goldgulden dem 
Chorus auferlegt worden sei. 

Dagegen sei es de Broe, der immer weitere Streitigkeiten 
verursache, indem er den Mühlenbesitzern und dem Chorus 
stets Schwierigkeiten mache. Hierfür werden noch folgende zwei 
Zeugnisse angeführt: 

Am 21. Januar 1748 bezeugt Peter Brüsseler, wohnhaft 
auf dem Gut Apothek, vor dem Notar Laurenz Joseph Schwartz, 



*) Eine ähnliche Erklärung- des Namens giebt Chr. Quix in seiner 
„Historisch-topographischen Beschreibung der Stadt Aachen", 1829, S. L35 
und 136, indem er sagt, der Diepenbend, auf dem man auch von dorn bei 
Linzenshäuschen gefundeneu Thon Töpfe brenne, und bei dem sich eine von 
der Wurm getriebene Mühle befinde, habe seinen Namen von seiner niedrigen 
Lage und den vielen ihn umgebenden Wiesen (Benden). 



— 87 - 

i 

dass er auf dem Gute 19 Jahre consccutive gewohnt habe, und 
dass er seit 3 Jahren auf Befehl des Herrn de Broe die Hecken 
des Ackers zu dem Hohenhaus gehörig- im Beisein und .Mithülfe 
des Kutschers desselben und eines andern Pächters Adam 
Herver vorn und hinten dreimal niedergerissen hätte, gestalten 
darüber reiten, gehen und stehen zu können, und dass sie über 
die mit Früchten besäeten Äcker annoch beständig- g-ehcn 
thäten, dass er vor etwa 15 Jahren 34 auf dem Damme des 
Chorus stehende Eichenbäume an diversen Stellen helfen ab- 
fallen und dass er auf jenes Befehl oft das Wasser abgckehret 
und in de Broes Wiesen habe fliessen lassen, so dass die 
Mühlen gar kein Wasser gehabt hätten. 

Vor demselben Notar erklären am 12. Februar 1748 
Mathias Loup und Catharina Deutz, Wittib Adamen Gasten, 
dass de Broe im Sommer 1747 zur Aufhaltung des Wassers 
hölzerne Kandeln mit auf- und zugehenden Schössern habe ver- 
fertigen lassen, so dass die unteren Mühlen gar kein Wasser 
bekommen hätten. 

Am 2. Februar 1749 erging nun das Urteil, dass Cornelius 
Chorus mit vorgehabtem Rat auswärtiger Rechtsgelehrten von 
angestellter Klag zu absolvieren und zu entledigen, die aufge- 
gangenen Kosten aber, ausgenommen die von dem Kläger zu 
erstattenden Transmissionskosten aus bewegenden Ursachen 
gegen einander zu compensieren seien. 

Doch auch in den nächsten Jahren kamen noch mannig- 
fache Streitigkeiten vor. Am 19. September 1752 begiebt sich 
wieder auf Veranlassung des Cornelius Chorus der Notar Carl 
Franz Urlichs mit Zeugen nach Diepenbend und protestiert da- 
gegen, dass, wie der Nadelscheurer Gerard Schmitz an der 
untern Scheuermühl berichtet, de Broe am 18. September den 
im Diepenbend liegenden Weiher gefischt und das Wasser 
daraus völlig habe abfliessen lassen, dann, um neues Wasser 
zu bekommen, die in dem Wurmeltluss vorhandene Grundkall 
durch seine Bedienten trotz des Einwendens des Gerhardus 
Schmitz und seiner Hausfrau geöffnet und dadurch der Schauer- 
mühl und auch den übrigen 4 auf selbigem Wasserstrom ge- 
legenen, dem Chorus zugehörigen Schauermühlcn das Wasser 
entzogen und dadurch dem Chorus und dem Schmitz grossen 
Schaden verursacht habe, obwohl ihm dies nicht erlaubt ge- 
wesen, wo doch Chorus wegen seiner 5 Mühlen und auch die 



— 88 — 

Walkmülil der Frau Wittib Esaiae Clermond zu diesem Wasser 
berechtigt seien. Der Notar protestiert umsomehr, als gerade 
im September das Wasser am kleinsten und zum Umtreiben 
der Mühlen unentbehrlich wäre, und Herr Chorus auch jetzt in 
Verrichtung der Exequien wegen seiner verstorbenen Eheliebsten 
begriffen und dadurch selbst behindert wäre. 

Trotz der Berufung des de Broe auf einige vom Reichs- 
kammergericht zu Wetzlar und vom Aachener Scheffengericht 
ergangene decreta hält der Notar seinen Protest aufrecht. 

Da aber de Broe fortfährt, an der Faulenbroichsteuw, dem 
Wurmfluss und dem Heckweiher weitere attentata spolii des 
Wassers zu verüben, so hat Notar Urlichs am Samstag den 
23. September 1752 wiederum mit Gerard Schmitz am Wurm- 
fluss eine Okularinspektion vorgenommen und gefunden, dass 
der Damm des Wurmflusses durchstochen war, ferner class der 
Damm des Heckweihers von Dionys Brandt, dem Pächter von 
Diepenbend, und einem gewissen Cornelius Zing durchstochen 
worden war, dass auch der Grundzapf im Heck wei her vorher 
herausgezogen gewesen war. Alles dies hatte veranlasst, dass 
Schmitz seine Schauermühle fast einen ganzen Tag stillstehen 
lassen musste. 

Der Notar begab sich dann zu den im Aachener Walde 
gelegenen obern Weihern, wo de Broe eben fischte, und brachte 
ihm nochmals seinen Protest vor. 

Am 15. Oktober 1752 bezeugen Joseph Küsters und Carl 
Franz Meyer vor Notar Urlichs, dass am 20. September morgens 
4 Uhr die Bedienten des de Broe den Grundzapf des Faulen- 
broichweihers gezogen und auch den Wurmdamm an ver- 
schiedenen Stellen durchstochen hätten, wodurch des Chorus 
Mühlen beinahe mit Gewalt überströmt worden wären. 

Wie all diese Streitigkeiten schliesslich verlaufen sind, 
lässt sich einstweilen nicht nachweisen, da weitere Akten 
hierüber fehlen. 

Doch ergiebt sich wohl aus der ganzen Darstellung dieser 
fortwährenden Streitigkeiten und Reibereien zur Genüge, dass 
dieser Cornelius Chorus, der übrigens in Aachen grosses An- 
sehen genoss, ein prozesssüchtiger Herr war, dem es auf eine 
Gewaltthat mehr oder weniger nicht ankam. So lesen wir in 
den „historischen Notizen des Bürgermeisterdieners Johannes 



— 89 — 

Janssen", die von Fürth im 3. Bande seiner „Aachener Patri- 
zier-Familien" veröffentlichte : 

„1740 den 4. Anglist sind etliche Kahren Magistratsfrucbten 
in der Vorweiden arrestiert worden, und man sagt, Chorus und 
sein Eidam Collenbach haben das gethan, wie auch wahr war. 
Kein Becker, noch ander Mensch hätte diese Kerls kein Brod 
noch zu fressen müssen geben, bis sie recht schwarz wären 
worden." 

Als Cornelius Chorus der Ältere dann am 31. März 1754 
starb, ging das Hohehaus oder Chorusberg auf seine Tochter 
Theresia resp. seinen Schwiegersohn, den Geheimrat Franz 
Rudolf von Collenbach über. Dessen Sohn, der kurpfälzische 
Regierungsrat Franz Gabriel Cornelius von Collenbach, heiratete 
1764 die Freiin Maria Theresia von Clotz zu Streithagen. 

Von deren 6 Kindern erbte ein Fräulein von Collenbach 
(wahrscheinlich Euphrosyne) im Jahre 1795 den Chorusberg, 
wie aus folgender Urkunde hervorgeht, die sich jetzt im Besitze 
des gegenwärtigen Eigentümers des Gutes, des Herrn Ulrich 
Möller, befindet; sie lautet: 

„Dass das hohe Haus samt anhabenden ungefähr 30 

morgen bei der elterlichen scheid- und teilung der fräulein von 

Collenbach an- und zugeteilet worden, ein solches thue ich von 

den sämtlichen Erben von Collenbach zu derselben adhibiertcr 

notarius hiermit bescheinigen. 

Aachen, den 12. September 1795. 

Anton Holtzmacher 

notarius publicus. 

Im Jahre 1823 befand sich das Gut. sei es infolge von 
Erbschaft oder durch Kauf schon im Januar im Besitze des 
mit der Familie von Collenbach nahe verwandten Freiherrn 
Ludwig von Fürth. 

Durch Kaufvertrag vom 18. Oktober 1852 vor Notar Gar] 
Joseph Weiler in Aachen ging das Gut Chorusberg mit allen 
seinen Gebäulichkeiten, Gärten, Wiesen und Ländereien, zu- 
sammen 34 Morgen und 90 Ruthen aus dem Besitze der Frei- 
frau Clara Elisabeth von Fürth geb. von Clotz und ihres 
Gatten, des Freiherrn Ludwig von Fürth zum Preise von 6000 
Thalern über auf den Banquier Julius (Jeder in Aachen. 

Von diesem Banquier Julius Oedcr und dorn bekannten 
Maler Georg Oeder kauften das Gut Chorusberg im Jahre 18(50 



90 

der nachmalige Kommcrzienrat Leopold Scheibler und seine 
Gemahlin Sophia Cramer, verwitwete Frau Heinrich Fauth. 

Nachdem Frau Scheibler 1862 gestorben war, heiratete 
Leopold Scheibler 1870 in zweiter Ehe die Nichte seiner ersten 
Gattin, Fräulein Fanny Charlier, welche nach seinem Tode 1881 
den Chorusberg erbte. Nachdem diese Frau Geheimrat Scheib- 
ler geb. Charlier im Jahre 1893 gestorben war, wurde das Gut 
Cborusberg durch seinen jetzigen Besitzer, Herrn Ulrich Möller, 
und dessen Frau Jenny geb. Kaiser, eine Enkelin der ersten 
Frau Leopold Scheibler, von den Erben Charlier zurückgekauft. 

In gleicher Weise die Geschichte des Hauses Diepenbenden 
bis auf unsere Tage zusammenzustellen, bietet mehr Schwierig- 
keiten. Aus den mannigfachen im Laufe der Prozesse vorge- 
brachten Erörterungen ergiebt sich folgendes: 

Nachdem in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der 
Kupferhandel nach Aachen verpflanzt worden und dort bald 
zu grosser Blüte gelangt war, hatte der Aachener Rat im 16. 
Jahrhundert im Quellengebiet der Wurm eine grössere Anzahl 
Kupfermühlen erbauen lassen 1 . Eine solche Kupfermühle „ge- 
legen in der Aacher heyden boven den Diepenbendt und der 
Steiner bruggen", die später Cornelius Chorus besass, kaufte 
Diederich Heusch am 13. Februar 1583 von Augustin Diederichs 
genannt Duden. Ein Privatgut Diepenbendt wird damals noch 
gar nicht erwähnt; vielmehr wird berichtet, damals sei es nur 
„ein gemeiner, dem Stadtmagistrat zu Aachen zugehöriger 
Grund" gewesen. Das de Broesche Gut wurde erst im Jahre 
1616 erbaut und im Protokoll des kaiserlichen freien Hoflehens 
registriert. In der Nähe besass um 1640 Heinrich Hanff eine 
Mühle. Diese bei der sogenannten Vollenbroichsteuw gelegene 
Mühle verkaufte Hanff am 6. Juni 1643 an Johann von Esch- 
weiler. Ob Hanff Diepenbendt selbst gebaut hat oder das Gut 
von dem Erbauer gekauft und nach dem Aachener Brande vom 
Mai 1656 seine Apotheke oder wenigstens seinen Chemikalien- 
Vorrat dorthin verlegt hat, so dass es seit der Zeit seinen 
Namen „Apothek" gehabt, ist aus den Akten nicht genau zu 
bestimmen. Im Januar des Jahres 1657 kaufte dann das Gut 

') „Die anhaltenden Iteligiousunruben, besonders aber der allgemeine 
Stadtbraud (165(j)", sagt Qu ix, Aachen und dessen Umgebungen, 1818, 
S. 59, „haben diesen Nahrnngszweig der Stadt entzogen, der sich jetzt in 
Stolbcrg, einem Flecken 2 Stunden von Aachen nach Osten, befindet." 



— 91 — 

„die Apothek" der Bürgermeister von Wylre, und seitdem blieb 
dasselbe lange. Zeit im Besitze dieser Familie. Von seiner 
Witwe Antonetta Isabella Freiin von Merode de Hoffalize, ver- 
wittibte Vbn Wylre, die in einem ölten erwähnten Akte vom 
25. September 1680 als Besitzerin genannt wird, erbte es der 
Sohn Hubert Friedrich von Wylre. der das Gut im Jahre 1710 
an den Freiherrn Michael de Broe verkaufte. Dessen Sohn 
Franz Augustin wird in den Gerichtsakten noch bis 1752 der 
Besitzer des Gutes genannt. Doch auch dessen Sohn, der 
spätere Bürgermeister Franz Joseph Honorius de Broe muss 
das Gut noch lange besessen haben. Denn in einem Realisations- 
protokolle vom 19. November 1791, wo Dr. med. Johann Theodor 
Käntzeler die beim Ankauf des Schaesberger Hofes 1 im Jahre 
1787 von ihm übernommene Schuldsumme von 1400 Rthlr. an 
Witwe Andreas Ludwigs ausbezahlt, wird er noch de Broe von 
Diepenbend genannt, und im Jahre 1797 * kauft derselbe Franz 
de Broe in seinem und zugleich seines Schwagers Jacob von 
Doetsch Namen von Wolter von Fisenne und seiner Gattin 
Auguste von Clotz noch zwei Mühlen an, nämlich eine bei 
Steinebrück gelegene Mahlmühle mit 8 Wiesen und 2 Teichen 
und das unweit Diepenbend gelegene Schleif mühlchen und zwar 
„für einen Kaufpreis von 5000 Rthlr. (ad 54 m. aix) und 350 
Rthlr. zum truckenen Weinkauf 3 ". Es liegt daher die Annahme 
nahe, dass de Broe, wenn er noch zwei in der Nähe gelegene 
Mühlen ankaufte, auch damals noch Besitzer des Gutes Diepen- 
benden war. 

Wann er dasselbe verkauft hat, konnte ich bisher nicht 
feststellen. In der vor 3 Jahren erschienenen Biographie des 
berühmten Aachener Malers Alfred Rethel von Prof. Max 
Schmid lesen wir, dass Rcthels Vater, der frühere französische 



1 ) Der Schaesberger Hof, der „auf der bach an Neuportz" jetzt Neu- 
pforte Nr. 9 lag (vgl. R. Piek, Aus Aachens Vergangenheil S. 595), schein! 
also vor 1787 auch im Besitze der Familie de Broe gewesen zu sein. 

2 ) Vgl. Realis.-lVot. vom 1)'.. Mai 1 707, S. 182. 

:i ) Bei diesem Kaufakt wurde u. a. festgesetzt, dass die Pächter der 
beiden Mühlen N. Plum und Matthias Leisten noch Ins /.um November resp. 
Dezember, dem Endo, ihrer Pachtzeit, dir Mühlen in Pachl halten sollten, 
und dass von Fisenne das im November von N. Plum zu liefernde Schwein 
noch erhalten solle, während de Broe dafür die Pachl der beiden Weiher 
sogleich allein ziehen solle 



92 — 

Präfekturrat 1 Johann Rethel aus Strassburg, das Gut bereits 
im Jahre 1802 besessen hat. Nachdem er Johanna Schneider, 
die Tochter eines Aachener Fabrikanten, geheiratet hatte, legte 
er auf Diepenbenden eine chemische Fabrik an, in der lange 
Jahre Berliner Blau und Salmiak für den Export nach Holland 
hergestellt wurde. Dort traf ihn im Jahre 1813J wie Schmid 
weiter erzählt, ein herbes Missgeschick. Als er nämlich am 
Abend des 5. August mit Frau und Kindern nach Aachen ge- 
gangen war, um eine zu Ehren der Anwesenheit der französi- 
schen Kaiserin Marie Louise veranstaltete Illumination zu be- 
sichtigen, wurde er plötzlich benachrichtigt, dass zwischen acht 
und neun Uhr abends ein heftiger Wirbelsturm über Haus 
Diepenbend hingegangen sei, der das Herrenhaus, den Gutshof, 
die Ziegelei mit 1600 Ziegeln, den Brennofen, die Töpferei und 
die Fruchtgärten vollständig verwüstet habe. Nur die Fabrik- 
gebäude waren verschont geblieben. In diesem Unglück wandte 
sich Rethel in einem Schreiben, datiert „sur les ruines de 
Diepenbend le G aönt 1813" an den Bürgermeister um Hilfe. 
Doch gelang es ihm nicht, sich aus diesem Verderben wieder 
heraufzuarbeiten. Er behielt das Besitztum zwar noch mehrere 
Jahre. 1816 wurde ihm am 15. Mai daselbst sein Sohn Alfred, 
der spätere Maler, geboren. Auch 1818 führte er sein Geschäft 
noch in alter Weise fort. So sagt Quix 2 im Jahre 1818: „Aus 
diesem Thone (am Fusse der Anhöhe von Linzenshäuschen) 
brennt man auf dem nahe dabei gelegenen Diepenbend Dach- 
ziegeln u. s. w., wo auch eine Salmiak- und Berlinerblau-Fabrik 
ist. Der Diepenbend war sonst ein Schloss." Und Friedrich 
Haagen 3 erzählt von dem Besuche des Kaisers Franz von 
Osterreich im Jahre 1818 daselbst: „Als er eines Tages die 
Salmiak- und Berlinerblau-Fabrik des Chemikers Rethel im 
strengsten Incognito besuchte, wurde er dennoch beim Weggehen 

von einem Arbeiter, welcher zwanzig Jahre im Kavallerie-Regi- 
ment Latour gedient hatte, erkannt; dieser stürzte ihm unter 

dem Rufe: es lebe der Kaiser Franz! zu Füssen. Der Kaiser 

Hess dem alten Soldaten sechs Dukaten reichen." 



') In dem auch von Schmid citierten proces verbal des Polizeikommissars 
Frauoois Brendamour vom 6. August 1813 wird er als ancien conscillcr de 
la repnbliqtie bezeichnet. 

'-') Vgl. Chr. Quix, Aachen und dessen Umgebungen, 1818, S. 96. 

3 ) Vgl. Fr. Haagen, Geschichte Achens, 1874, Bd. II, S. 582. 



— 93 — 

Bald darauf aber scheint Rethels Geschäft zusammenge- 
brochen zu sein. Im Jahre 1822 ging- nämlich sein Grundbesitz, 
wie Schmid erzählt, in die Hände der Hypothekengläubiger 
über, und-"' die Stadt Aachen musste sogar auf eine Forderung 
von mehreren tausend Franken für Holzverkauf verzichten. 
weil zu befürchten war, dass bei einer Versteigerung des ge- 
ringen Mobiliars der Erlös nicht einmal die Gerichtskosten ge- 
deckt haben würde. Diepenbend ging damals wahrscheinlich 
in den Besitz des Fabrikanten Bertram Friedrich Johann von 
Rappart über, welcher auf dem Büchel 1 ein Wechsel- und 
Wollgeschäft hatte. Über den Zustand des Gutes berichtet 
Chr. Quix in seiner „historisch-topographischen Beschreibung 
der Stadt Aachen", S. 195, im Jahre 1829: „Das Laudgut 
Diepenbend besteht jetzt in einem Wohngebäude mit Hof- und 
Wirtschaftsgebäuden, einer Topf erswoh nun g nebst den zur 
Töpferei gehörigen Gebäulichkeiten, einem Salmiak-Fabrikge- 
bäude, einem Berlinerblau-Fabrikgebäude, in Garten, Wiesen, 
Benden, Ackerland, Teichen und Springbrunnen, ungefähr 35 
Morgen, zu 150 Ruthen, enthaltend." 

Im folgenden Jahre wechselte das Gut abermals seinen 
Besitzer, da auch von Rappard 1830 fallierte. Die neuen Be- 
sitzer wurden der bekannte Apotheker Dr. Johann Peter Joseph 
(J. P. J.) Monheim, Assessor der Pharmazie und Stadtverord- 
neter, am Hühnermarkt, und seine Frau Lucia geb. Emonts, 
welche das Gut Diepenbenden zum Teil laut Kontrakt vom 
13. Oktober 1830 vor Notar Daniels von den Kreditoren der 



J ) In Franz Abns Jahrbüchern für den Regierungsbezirk Aachen von 
1825 und 1826 lesen wir im Verzeichnis der Kaufleute (S. 86 resp. 92): 
„Rappard B. v. Wechsel- und Wollgeschäfte, A. 1074." Nach Meyers 
Adressbuch von 1846, S. 11 waren A. 1068—1092 und 1123—1126 die 
Nummern des Bücheis. Das von Rappartsche Geschäft befand sich in dem 
grossen Hause der Witwe (»Hers, in welchem sich heute Büchel Nr. 5:t an 
der Ecke der Corneliusstrasse die Aachener Consumaiistalt, die Kolonial- 
warenhandlung von Stapelberg befindet. Pas Haus war in früheren Zeiten 
in Verbindung mit den links daneben liegenden Häusern ein „Zu den drei 
Mohren" benanntes Hotel. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war es allen 
Aachener Bürgern wohlbekannt als die Wohnung des Rentmeisters Johann 
Joseph Jacobi, Domaiuenrat, Forstkassenrcndant und Steuereinnehmer fin- 
den Stadtkreis Aachen. In den sechziger Jahren licss Stadtrat Neumann 
durch den Baumeister Franz Joseph Reisdorf das hohe Vorderhaus erbauen. 



— 94 — 

Fallitmasse von Bertram Friedrich Johann von Rappard und 
zum Teil laut Akt vom 22. September 1843 vor demselben 
Notar von den Geschwistern Fey in Aachen käuflich erwarben. 
Das Gut uinfasste später mit allen Gebäulichkeiten, Garten, 
Wiesen und Ländereien ungefähr 61 Morgen und blieb lange 
Zeit im Besitze der Familie Monheim, später seit 1860 1 im 
alleinigen Besitze des Herrn Kaufmann Hermann Monheim, von 
dessen Witwe Maria Monheim geb. Laurent es am 28. Juni 
1894 Herr Johann Peter Radermacher in der Eynattenerstrasse 
übernahm. Dieser Hess das Herrenhaus vollständig restaurieren, 
so dass es der Familie im Sommer einen äusserst angenehmen 
Aufenthalt gewährt, und erbaute an der Landstrasse am Wurm- 
bach eine freundliche, herrschaftliche Villa. 



Das Haus zum Lewenberg. 

Von H. F. Macco. 

Von Jahr zu Jahr verringert sich die Zahl der alten Häuser 
vornehmer Geschlechter aus der reichsstädtischen Zeit, und nur 
noch vereinzelt erblickt man in der Altstadt Gebäude mit 
Hauszeichen, die ein charakteristisches Merkmal altertümlicher 
Häuser sind. Zu diesen wenigen stummen, aber durch ihre 
Geschichte doch so beredten Zeugen vergangener Zeiten gehört 
das am obern Büchel zwischen den Häusern zur Glocke (Nr. 13) 
und zum Ritter (Nr. 17) gelegene, heute Nr. 15 bezeichnete 
Haus „zum Lewenberg", dessen Wahrzeichen, ein gegen einen 
Felsen gestemmter Löwe, jedem Aachener bekannt ist. 

Wenn auch der gegenwärtige Bau erst aus dem Jahre 1704 
stammt, so kann es doch keinem Zweifel unterliegen, dass die 
erste Anlage in mittelalterliche Zeit zurückreicht. Die ausser- 
gewöhnlich dicken Mauern des Kellers, vor allem aber der Um- 
stand, dass das Haus mit dem Nebenhause zum Ritter nach 
einer Angabe aus dem Jahre 1544 ehemals „eine Erbschaft" 
bildete, bei Anlage der Grafschaftsbücher 1460 aber diese Häuser 



') Im Jahre 1860 war es vorübergebend 3 Monate lang im Besitze der 
Eheleute Jobann Wilhelm Fettweis, Kaufmann in Aachen, und Frau Elisabeth 
geb. Joerres. 



— 95 — 

getrennt waren, weist darauf hin l . Hierfür spricht ferner, dass 
beide Häuser, Lewenberg und Ritter, noch zu Beginn des 15. 
Jahrhunderts einem Besitzer gehörten. Wie damals, so erstreckt 
sich das 1704 errichtete heutige Gebäude bis zur Mistgasse, 
jetzt Nikolausstrasse genannt. Eine durch einen Rechtsstreit 
wegen missbräuchlicher Benutzung der gemeinschaftlichen Mauer 
im Jahre 1545 veranlasste Beschreibung sagt, dass „die behau- 
sung zum Lewenberg zwischen vier steinen mauern als ein 
gewaltiger thurm gebaut, mit achtzehn oder zwanzig fenstern 
und sechs oder sieben fenster höher denn das haus zum Ritter" 
war -. Der gegenwärtige Bau dürfte also abgesehen davon, dass 
der alte Bau mit Zinnen versehen und ein Stockwerk höher 
war im grossen ganzen jenem gleichen. Dass kein Turm oder 
Erkerturm erwähnt wird, spricht bei der Dürftigkeit der Be- 
schreibung nicht gegen dessen Vorhandensein. Wahrscheinlich 
zierten Erkertürme die beiden Ecken der Fronte und deuteten 
damit auf den höhern Stand des Besitzers hin 3 . Zu gnnsten 
dieser Annahme spricht noch die Thatsache, dass das Haus 
im 15. Jahrhundert dem reichen Rats- und Schöffengeschlecht 
von Haaren gehörte. 

Woher der Name des Hauses kommt, wird wohl nicht mehr 
aufzuklären sein 4 , die Schreibart wechselt zwischen Lewenberg 
und Loewenberg. Immerhin dürfte die Vermutung, welche das 
im 15. Jahrhundert ausgestorbene Aachener Schöffengeschlecht 
Lewe (Leo) mit dem Lewenberg in Beziehung bringt, zu berück- 
sichtigen sein. Ebensowenig ist bekannt, ob die im 14., 15. und 
16. Jahrhundert urkundlich vorkommende Aachener Familie von 
Lewenberg von jenem Hause ihren Namen empfangen hat 5 . 

Als ältester Besitzer des Lewenberg wird der Schöife Ger- 



1 ) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, A 388/859. 

2 ) Ebenda. 

3 ) Gr. L. v. Maurer, Geschichte der Städteverfassung in Deutschland 
Bd. II, S. 10 f. 

4 ) Das Schöffengeschlecht von Louvenberch, welches spater den Namen 
von den Bücke annahm, hat mit dem Hause zum Lewenberg nichts zu thun. 

5 ) Johannes dictus de Lewenbergh war 1322—26 Schöffe in Aachen. 
Johannes von Lewenberg besass zwei Häuser in der Königstrasse, dir äich um 
1450 auf seinen Sohn Heinrich vererbten. Dieser schenkte am 20. Dezember 
1469 ein Haus dem Predigerklostcr und das andere seinem Sohne Johann 
von Lewenberg. Michael von Lewenberg war 1460—83 Prior der Regulier- 
herren in Aachen. 



— 96 — 

hard von Hairen genannt, der im Jahre 1434 in den Schöffen- 
stuhl aufgenommen wurde, 1446 Kristoffel der St. Albrechtthor- 
grafschaft und 1450 Bürgermeister in Aachen war. Ob er das 
Haus durch Kauf oder Erbschaft erhielt, ist unbekannt. Für 
spätere Forschungen ist vielleicht der Hinweis von Wert, dass 
seine erste Frau Maria von Bure, seine zweite Eva (Yeffe) Bück 
liiess. Gerhard hatte das Haus an die nach demselben genannten 
„Herren von Lewenberg", eine Vereinigung vornehmer Kauf- 
leute 1 und Gelehrter, die im Gaffelbrief von 1450 an dritter 
Stelle erwähnt werden, vermietet und erneuerte im Jahre 1442 
den Pachtvertrag auf weitere zwölf Jahre. Später hatten die 
Herren von Lewenberg das am Markte gelegene Haus „zum golde- 
nen Bock", das sie 1553 pachteten; seitdem Messen sie auch 
die Herren zum Bock. 

Bei Anlegung der Grafschaftsbücher (um 1460) war das 
Haus zum Lewenberg mit folgenden Renten beschwert: 

4 Schillinge 3 Denare an Jakob Beissel, 

20 Gulden, die gemeinsam auf Lewenberg, Pfau in der 
Eselsgasse (heute Nr. 5) und dem Ritter lasteten, an Marga- 
rethe Ruwe, Frau von Nikolas Wilreman. Diese Rente wurde 
am 6. November 1464 von Johann Moelener abgelöst, 

18 Schillinge an den Vogt Wilhelm von Lintzenich, 

13V 2 Gulden an Christian von Hergenrath, 

ferner zu Lasten aller Häuser und Besitztümer des Gerhard 
von Hairen l 1 ^ Gulden an „hern" Nikolas Cempe und 35 Gulden 
an Adolf (Ailloff) von der Smytten. 

Im Jahre 1455 erhob Innke zum Bück, Frau von Christian 
von Hergenroide wegen des genannten Erbzinses Anspruch auf 
das Haus und Hess am 7. Juli desselben Jahres den Bau durch 
die geschworenen Werkleute abschätzen. Diese taxierten den 
Bau oberhalb der Erde („der buwe baeven erden") auf 300 Gul- 
den. Am 19. Oktober 1463 verkaufte Innke mit Zustimmung des 
Schöffen Gerhard von Hairen, Adams Sohn — der alte Gerhard 
war inzwischen gestorben — den Lewenberg an den im Ritter 
wohnenden Johann Moelener 2 . 

Die Kinder desselben, Nikolaus Mullener und seine Frau 
Elisabeth, Maria Mullener mit ihrem Mann Johann von der Borch 

1 ) „Vornehme Kaufleute" hiessen in Aachen die Fabrikanten. 

2 ) Kgl. Staatsarchiv zu Düsseldorf, Aachener Schöffenstuhl Kep. 2, 
Albrechtthorsfrafschaft fol. 16 h. 



— 97 — 

und Agnes Mullcner mit ihrem Mann Erich (Ercken) von Savels- 
berg, denen das Haus nach dem Tode ihrer Mutter beziehungs- 
weise Schwiegermutter Jutta zugefallen war, vermieteten es 
am 5. Mai l499 für 36 Gulden zu 6 Mark jährlich dem reichen 
Goldschmied Aegidius von der Sassen ' und seiner Frau Adel- 
heid, die auch das in der Aldegundisstrasse (jetzt Ursuliner- 
strasse) gelegene Haus „zum Biessen" zwischen den Häusern 
„zur Meerkatz" und „zum Keyart" besassen. 

Aegidius belastete am 11. Januar 1501 beide Häuser zu 
Gunsten Rolands von Hochkirchen und dessen erstehelicher 
Kinder mit 18 Gulden und schenkte das Haus zum Lewenberg 
seiner Tochter Margarethe (geb. 1500) bei ihrer Heirat mit dem 
Kupfermeister Aegidius Amya 2 (geb. 1493) als Heiratsgut. Dieser 
Aegidius Amya war ein Enkel jenes Johann Amya (Amyal), der 
im Jahre 1465 mit seinem Sohne Johann aus Amiens nach Aachen 
kam, hier die Messingfabrikation einführte und deshalb nicht 
nur eine städtische Erbrente von 16 Gulden, sondern auch die 
dem Schleidener Lehn zuständige Pletschmühle in der Adalbert- 
strasse erhielt. Ein älterer Bruder des Aegidius, nämlich Peter 
Amya, geb. 1480, erbte 1532 die Pletschmühle, besass aber 
ausserdem eine Mühle in der Veelsgasse, Nachkommen dieses 
vornehmen Geschlechts, welches in Aachen im 17. Jahrhundert 
erlosch, leben heute in der ehemaligen Herrschaft Wickrath. 

Aegidius Amya bewohnte den Lewenberg. Wegen Einle- 
gung von Balken in die gemeinschaftliche Mauer zwischen dem 
Ritter und dem Lewenberg geriet er im Jahre 1545 mit seinem 
Nachbar Hermann von den Weyer in Prozess, der anfänglich 
beim Aachener Schöffenstuhl anhängig war, 1548 aber an das 
Reichskammergericht gelangte. Aus den Akten geht hervor, 
dass der Schöffe Hermann von den Weyer im Jahre 1544 „eygen- 
fhatlicher weys zu nachtheil und schaden" des Amya Balken 
aus „seiner behawsung zum Ritter genant uf die behawsung 
zum Lewenberg" gelegt hatte. Während der Prozess am 
Kammergericht „schwebte", starb Hermann von den Weyer 

') Er \v:ir ein Bastard von Reinhard von der Sassen. (AlbreGhtthor- 
grafschaffc fol. 38.) Über Aegidius von der Sassen siehe Zeitschrift des 
Aachener Geschichtsvereins Bd. XV, S. 72. 

2 ) Aus dieser Familie wurde Aegidius Amya, Konsul der General- 
staaten in Kadix d. d. Wien, den 5. November 1686 in den Reichsfreiherren- 
stand erhoben. (K. K. Ministerium des Innern in Wien.) 



— 98 — 

1547, worauf seine Kinder Alexander, Johann und Katharina 
den Prozess fortsetzten. Zu einer Entscheidung- ist er niemals 
gekommen, am 13. Dezember 1558 „schwebte" er noch immer. 
Vielleicht ist auch Amya darüber gestorben! Im Jahre 1564 
war er tot. Ob er Kinder hinterliess, ist nicht bekannt. Ein 
halbes Jahrhundert hören wir dann nichts mehr vom Lewenberg 
oder seinen Besitzern. Erst im Jahre 1602 und 1603 wird das 
Haus gelegentlich einer amtlichen Besichtigung des dem Arnold 
Pastor gehörigen Nebenhauses „der goldene Ritter", genannt. 
Beim Stadtbrande 1656 wurde der alte Bau ein Opfer der 
Flammen, die noch zum Teil stehenden Mauern mussten wegen 
des drohenden Einsturzes niedergelegt werden. In diesem Zu- 
stande wurde der „abgebrannte Bauplatz" am 6. Juni 1665 
von den Erben des Kupfernieisters Johann Hütten d. A. für 
500 Speziesthaler und 2 Souverains Verzichtspfennig an die Ehe- 
gatten Matthias Schleicher und Katharina Braumann verkauft K 
Zu jener Zeit waren die beiderseitigen Nachbaren Bürgermeister 
Gerlach Maw und die Erben Peter Hundt. 

Der neue Besitzer Mathias Schleicher, geb. zu Aachen 1624 
als Sohn des Bürgermeisters und Lehnstatthalters Leonard 
Schleicher (geb. 1591) aus dessen Ehe mit Maria Ross, war 
Doctor juris und Stadtsyndikus seiner Vaterstadt. Er starb im 
Jahre 1682 und hinterliess ausser einer Tochter Maria Katha- 
rina, die 1689 Heinrich von Thenen heiratete, einen Sohn Karl 
Leonard Schleicher, der 1703 Grossratsherr in Aachen war. 

Wenige Jahre nach dem Ableben des Syndikus Schleicher 
finden wir den Bauplatz zum Lewenberg im Besitze des unver- 
heirateten Peter Engels, eines aus Aachen gebürtigen, wohl- 
habenden Kaufmanns in Amsterdam. Dieser verkaufte ihn am 
23. Februar 1685 für 170 Speziesthaler und einen doppelten 
Dukaten als Verzichtspfennig an Maria Junckers, Witwe von 
Peter Kuyter in Aachen und stellte als Bürgschaft für die 
Hypothekenfreiheit sein Haus „zur Täsch" auf dem Büchel zum 
Unterpfand 2 . Der Platz gelangte durch Erbgang an die Tochter 
der Käuferin, Anna Katharina Keuter, welche mit Christian La 
Grange vermählt war. Aus chronologischen Gründen darf man 
wohl annehmen, dass diese den heutigen, im Jahre 1704 voll- 



') Stadtarchiv zu Aachen, Realisationsprotokolle 1665—68, fol. 45b— 46. 
'-') Ebenda 1683-85, fol. 327 b. 



— 99 



endeten Bau aufführten. Es ist ein schmuckloses, in Blaustein 
gebautes, zweistöckiges Haus mit hohem Zeltdach. Die einzige 
Zierde bildet das eingangs erwähnte, zwischen zwei Fenstern 
im zweiten Stockwerk eingemauerte Wahrzeichen des Hauses. 
Die unter der Darstellung eingemeisselte Inschrift lautet: 

* Im Leuwenberch genand * 

Gott ist der Low uh berch steht 

fest an schlaffet nicht vor wen 

er wacht und steht, demselbe 

nichts gebricht. Anno 1704. 

Nach dem Tode der Erbauer kam der Lewenberg an deren 
Tochter Maria de la Grange, Frau des Kaufmanns Johann Anton 

Tewis. Am 19. November 1725 
nahmen diese von den Ehegatten 
Neumann Franz Wilhelm Hoegen 
und Anna Maria Antonette Henrixs 
von Schott auf den Lewenberg 2000 
Reichsthaler zu 4 °/ auf. Der 
Schuldbrief ging am 25. September 
1734 auf Michael von Broe zu 
Diepenbend über nnd wurde am 25. 
November 1758 von Franz Jakob 
Augustin von Broe durch die Witwe 
Tewis eingelöst K 

Während des Friedenskongresses 
im Jahre 1748 wohnte der englische 
Gesandte Thomas Robinson im Le- 
wenberg, wo anfänglich auch der 
Graf von Sandwich abgestiegen war. 
Damals gehörte das Haus dem Vicepropst des Münsterstifts, Erz- 
priester und kurpfälzischen Geheimrat Franz Anton Tewis, der als 
ältester Sohn des Johann Anton Tewis am 20. August 1712 geboren 
wurde. Von seinen Geschwistern war Katharina Elisabeth mit 
dem englischen General-Major William Herbert vermählt, Joseph 
Gottfried Ignaz Tewis, Kanonikus und Vicescholaster des Münster- 
stifts und Pfarrer zu St. Adalbert, Maria Adelheid Josephinc 
Gattin des Licentiaten der Rechte Johann Wilhelm Schmitz^ 
Amtsverwalter zu Jülich und Vogt zu Bedburg, Gerhard Georg 




L 



') Ebenda 1758, fol. 397. 



— 100 — 

Christian Subprior des Regulierherrenklosters und Maria Theresia 
1778 Untermutter im Kloster Marienthal. Als Vermögensver- 
walter des Krönungsstifts hatte Franz Anton Tewis unter anderm 
auch das Haus zum Lewenberg zur Kaution gestellt. In der 
ersten Hälfte des Monats Juli 1786 starb Tewis, worauf am 
16. August desselben Jahres sämtliche Pfänder, unter diesen 
auch das Haus zum Lewenberg vom Stiftskapitel freigegeben 
wurden. Sein testamentarischer Erbe war der Kaufmann Ger- 
hard Joseph Heusch, vermählt mit Therese Brandt, ein Enkel 
von Anna Katharina de la Grange, deren Mutter Anna Katharina 
Keuter war. Wie lange dieser den Lewenberg besessen hat, 
bleibt unermittelt, Thatsache aber ist, dass das Haus noch zu 
seinen Lebzeiten in andere Hände überging. 

In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts war im Lewen- 
berg, der in der französischen Zeit die Hausnummer Lit. A 
1137 erhalten hatte, eine Apotheke von Dr. Peter Joseph Sommer. 
Als dieser seine Apotheke auf den Markt Lit. B 975 in das 
ehemalige Haus zum goldenen Adler verlegte, bezog der Buch- 
drucker und Buchhändler Jakob Hensen mietweise den Lewen- 
berg und kaufte das Haus am 27. Mai 1852 von dem König- 
lichen Kammerherrn und Geheimen Regierungsrat Freiherrn 
Friedrich von Coels von der Brüggen. Im April 1864 mietete 
der Buchhändler Albert Jacobi, der Geschäftsnachfolger der Firma 
J. Hensen & Comp., das Haus und erwarb es am 21. Dezember 
1887 von den Erben Hensen, den Fräulein Barbara und Therese 
Pelzer. Während die im Erdgeschoss gelegenen, vorderen Räume 
der Firma Albert Jacobi & Comp, als Buchhandlung dienen, wird 
jetzt in dem hintern, zur Nikolausstrasse führenden Teil, eine 
Druckerei betrieben; die oberen Stockwerke sind Privatwohnung 
des Hauseigentümers. 



Margraten und seine Besitzer. 

Von H. F. Macco. 

Nicht mehr lange, und eins der ältesten Güter unmittelbar 
vor den Thoren der Stadt Aachen wird wie die Schervielsburg 
für immer vom Erdboden verschwinden. Es ist dies das ehe- 
malige adelige Gut Margraten, im Volke Maraden- auch Mar- 
groten und Meroden-Knipp genannt, vor dem Sandkaulthore an 
der Landstrasse nach Linnich gelegen. 



101 

Dass es früher ein Schloss gewesen sei und, wie Quix 
weiter angibt 1 , sein Name sich aus Maria in rode herleitet, ent- 
behrt jeder Begründung. Loerscli 2 nimmt an. der Name rühre 
von einer Kapelle her, die dort oder in der Nähe gestanden 
haben soll; wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen Hof 
handelt, der zu einer der hl. Margaretha geweihten Kirche, 
Kapelle oder einem Kloster gehörte. 

Dörfer und Höfe des Namens St. Margaretha gibt es mehr- 
fach, z. B. das Dorf St. Margarethen im Kreise Steinburg, 
Reg.-Bez. Schleswig, den Margarethenhof im Kreise Segeberg, 
Reg.-Bez. Schleswig, einen Hof St. Margraten im Limburgischen u.a. 

Sancta Margareta, ebenfalls im Herzogtum Limburg ge- 
legen, wird 1262 als Filialkirche von Gülpen (Gallopia) genannt 3 . 

Zweifellos ist, dass der Name selbst auf die heilige Mar- 
garetha, bekanntlich eine der 14 Nothelferinnen, zurückgeführt 
werden muss; denn nur so lässt sich die in älterer Zeit vor- 
kommende Namensform „Sint Margraten" erklären, unter der, 
offenbar nach dem Gute benannt, im 14. und 15. Jahrhundert 
ein Adelsgeschlecht in Aachen blühte. Dieses war ein Zweig 
der Schöffenfamilie Hoyn, aus der Gottfried 1322 — 38 und 
Reinhard 1337 — 38 als Schöffen erwähnt werden. Aber schon 
im 13. Jahrhundert lassen sich einzelne Mitglieder dieser Familie 
nachweisen, so Sofia, Gattin von Tilman dictus Honerus, die 
um 1295 starb und auf magni confessio (6. September) ein mit 
12 Denaren ausgestattetes Jahrgedächtnis in der Münsterkirche 
hatte. Heinricus dictus Honerus starb am 26. Oktober 1327. 

Der Schöffe Gottfried auch Gobelinus — dictus Hoyn 

siegelte 1322 mit drei Klauenflügeln; mit dem gleichen Wappen 
kommt 1351 der Ratsherr Mathias Huin vor. Das Wappen 
der Ratsherren Tilman Huin und Gottschalk Huin von 135] 
ist ebenso, nur noch mit einem fünflätzigen Turnierkragen be- 
legt. Reinhard Hoyn, 1322 unter den Dingmannen genannt, 
wurde 1337 Schöffe. Zu derselben Zeit lebte ein Kanonikus 
gleichen Namens, der 1338 und 44 von der Stadt 40 Mark 



J ) Quix, Historisch-topographische Beschreibung der Stadt Aachen 
S. 130. 

2 ) Locrsch in der Zeitschrift des Aachener Geschieht s Vereins Bd. X, 
S. 128. 

3 ) Quix, Königliche Kapelle S. 94, Urkunde Nr. 11. 



— 102 — 

Leibrente bezog 1 . Arnoldus Honerus, der im 14. Jahrhundert 
starb, hatte am 1. April ein Anniversarium in der Münsterkirche. 
Tilman Huyn wurde 1387 Burtscheider Schöffe. Maria, Tochter 
des f Nikolas Huyn, der 1447 in den Burtscheider Schöffenstuhl 
aufgenommen worden war, schenkte 1460 als Klosterjungfer zu 
Burtscheid dem dortigen Kloster 4 Mark Grundrente 2 . 

Der erste des Namens von Sent Margraten war ein in 
einem Rentenregister der eingegangenen Katharinenkapelle beim 
Aachener Münster aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts 
erwähnter Arnoldus de sancta Margaretha in der Benentstrasse 3 . 

Maria de sancta Margaretha war Nonne des adeligen 
Klosters der Weissen Frauen in Aachen. Sie bezog 1376/77 
und 1385/86 von der Stadt 20 Gulden Leibrente 4 . 

Wilhelm van sint Margraten empfing 1387 von der Stadt 
ein Geschenk von 2 Quart Wein 5 . 

Johann von sint Margraten war 1385/86 Ratsherr, 1390/91 
und 1394/95 mit dem Schöffen Colyn Volmer in sent Jacob- 
strais Aachener Bürgermeister. Ihm gehörten in der Stadt 
mehrere Häuser, so ein Haus mit zwei Giebeln und eine Hof- 
statt mit Thor auf dem Gasborn, dann das Haus zum Engel 
in der Kleinkölnstrasse mit Ausgang zur Nuwestrasse (heute 
Antoniusstrasse), an dem Maria von Margraten und ihr Sohn 
Johann Bruynge 2 Gulden jährliche Rente besassen, die sie am 
14. März 1456 dem derzeitigen Hauseigentümer Nikolas von 
der Heggen übertrugen 6 . 

Am St. Nikolaustag (6. Dezember) 1400 besiegelte Johann 
von Sent Margraten als Zeuge eine Urkunde mit einem Siegel, 
das die drei Klauenflügel und in der rechten obern Vierung drei 
mit einem Balken belegte Pfähle zeigt 7 . 

„Her Colyn von Margraten" — den Titel Herr führte er 
weil er Bürgermeister war 8 , — hatte um 1420 ein zwischen 



') Laurent, Stadtrechnungen S. 114 und 139. 

2 ) Königl. Staatsarchiv zu Düsseldorf, Abtei Burtscheid Urk. Nr. 265. 

3 ) Loerschin der Zeitschrift des Aachener Geschieh tsvereins Bd. X, S. 1 26. 

4 ) Laurent, Stadtrechnungen S. 266 und 351. 
s ) Dgl. S. 363. 

6 ) Köluthor-Grafschaf'tsbuch Fol. 94 und 18. 

7 ) Urkunde im Stadtarchiv zu Aachen, Rep. r\ 210. 

8 ) Den Titel Herr führten in Aachen aussei dem höhern Adel zu jener 
Zeit nur die Bürgermeister, Schöffen und Priester. 



— 103 — 

den Häusern von Bürgermeister Mathias Overbach und Nikolas 
Hellinx in der Peterstrasse gelegenes Haus, das 1460 an Mathias 
von Born überging 1 . In einem Waldweistum von Cornelimünster 
aus dem Jalfre 1413 heisst es, dass Junker Colyn von Margraten 
lCM/o Morgen zu Diependale bei Rotheerde und 2 Morgen Land 
am Landgraben besass 2 . Bald nach 1446, in welchem Jahre 
er noch als Sendschöffe vorkommt, ist er gestorben. 

Wie es scheint, war Colyn der letzte, oder doch wenigstens 
einer der letzten Sprossen seines Geschlechts. Ob er einen 
Anteil am Gute Margraten besessen hat, ist nicht erwiesen, 
aber wahrscheinlich. Schon im 14. Jahrhundert ging die 
Hälfte des Gutes durch Heirat in andere Hände über, indem 
Katharina von Margraten sich mit Tilman Beissel vermählte. 
Diese Ehegatten verkauften am 22. Juni 1373 vor dem 
Aachener Schöffenstuhl den halben Hof Margraten „gelegen 
baußen die Sanckuelportz, mit alle den ackerlande, beynden 
ind weyern" an „Johannen Nijse" 3 . Ein halbes Jahrhundert 
später war Margraten ungeteilt im Besitze der Schöffenfamilie 
von Haaren. 

Am „sent Andrießdagh des heiligen apostels" (30. November) 
1449 verkauften Johann Moynich, Gasthausmeister und Mombar 
des hl. Geistspitals, sowie Johann Beulart und Johann Dollart, 
als Provisoren des genannten Spitals, dem Schöffen Gerhard 
von Haaren 4 Morgen Land am „Wyngartsberch", nächst 
Gerhards Erb, für 3 Mudden Roggen Erbpacht 4 . Es unterliegt 
wohl kaum einem Zweifel, dass unter dem genannten „Erb" 
eine zum Gute Margrateu gehörige Parzelle verstanden werden 
soll, und dies um so weniger, als Margraten einige Jahre später 
Eigentum von Gerhards Bruder Adam von Haaren war; ja man 
könnte hieraus wohl schliessen, dass sie ihr Besitzrecht durch 
Erbschaft von ihren Eltern erhalten hätten. Adam von Haaren, 
der im Jahre 1437 in den Aachener Schöffenstuhl aufgenommen 
wurde, wird als Herr zu Baenla, Margraten und Kalkofen be- 
zeichnet 5 . Im Jahre 1452 nennt er selbst den „hof zo sent 
Margraiten buyssen Sant kuyleportz" sein „erve ind geseesse". 



') Külnthor-Grafsehaftsbuch Fol. 84. 

a ) Königliche Bibliothek in Berlin, Man. Boruss., Fol., Nr. 748. 

3 ) Urkunden-Abschrift im Besitze der Erben Kuetgens-Fiüeken. 

') Königliches Staatsarchiv zu Wetzlar, H 346/1453. 

5 ) Zeitschrift des Aachener Geschichts Vereins Bd. X, S. 127. 



— 104 — 

Aus seiner Ehe mit Agnes von den Weyer, die 1467 starb, 
stammten, soweit mir bekannt, vier Kinder: Elisabeth, ver- 
heiratet mit dem Schöffen Johann Knoy von Vleicke. und in 2. 
Ehe Gattin Leonards von dein Etlelbampt genannt von Meisen- 
broeck; Gerhard, Vogt und Meyer zu Aachen, seit 1460 Schöffe 
daselbst; weiter Frambach und Adam von Haaren. 

Letzterer besass einen Zins an dem Hause zur Lersen 
neben dem Hause zum Pütz in der Grosskölnstrasse, den er am 
25. Mai 1470 auf Peter Wolff zu Gunsten der Kinder des ver- 
storbenen Schöffen Johann Bertolf und seiner gleichfalls ver- 
storbenen Frau Maria Wolff übertrug. Adam von Haaren wurde im 
Jahre 1470 Schöffe. Er war in 1. Ehe mit Sibilla von Schidde- 
rich, in 2. Ehe mit Katharina, der Tochter des Bürgermeisters 
Mathias Bestolz, vermählt. Ob er der jüngste Sohn war, steht 
dahin; Thatsache ist, dass ihm das Gut Margraten ungeschmälert 
in der Erbteilung zugefallen ist. Sein Sohn Diederich von 
Haaren erbte „dat huys zo Margraten mit allen syiien zobehoere", 
während die andern Kinder, nämlich Elisabeth, vermählt mit 
Heinrich von Burtscheid genannt Bürgerhaus, Adam und Eber- 
hard von Haaren Häuser und Renten erhielten. Diederich 
heiratete in 2. Ehe am 30. Januar 1503 Klara von der Dauwen, 
Tochter von dem verstorbenen Johann von der Dauwen und seiner 
Gattin Mechtildis. Aus dieser Ehe entspross nur eine Tochter, 
Maria von Haaren, Erbin zu Margraten, die 1524 verwaist, unter 
Vormundschaft ihres Oheims, des Bürgermeisters (1510/11) und 
Schöffen Eberhard von Haaren stand. Damals gehörten zu dem 
mit Wassergraben umgebenen „Margratenhof" 1 Garten, 5 Weiher, 
40 Morgen Wiesen, 18 Morgen Ackerland, ein Baumgarten und 
noch 36 Morgen Ackerland im Verwylter Feld 1 . 

Am 13. Dezember 1503 belasteten Diederich von Haaren 
und Klara ihr Gut Margraten mit einer jederzeit lösbaren Rente 
von 5 Goldgulden zu Gunsten des Werkmeisters Peter Wolff 
in Aachen, gegen ein von diesem gewähltes Kapital von 100 
Goldgulden und nahmen von demselben am 15. Januar 1507 
weitere 100 Goldgulden auf. Diese Schuldverschreibungen kamen 
später an den Bürgermeister Johann von Buel (Buyl)- und von 
diesem am 16. Februar 1535 an Eberhard von Opsinnich genannt 
Rhoe. Dieser gab sie am 13. August 1545 seinem Bruder 



') Königliches Staatsarchiv zu Wetzlar, H 346/1453. 

2 ) Über Johann von Buyl sieh Macco, Die ref. Bewegungen S. 6. 



105 - 

Goessen Rhoe, der sie an demselben Tage seinem Bruder 
Friedrich Rhoe. beziehungsweise jedem Besitzer der Schöffen- 
briefe übertrug. Von Interesse ist ein Schreiben des genannten 
Friedrich Khoe an den Notar Franko Berohem in Aachen vom 
12. Februar 1549, welches für den Wert des Gutes Margraten 
spricht: „Ich send uch hir 3 alsulche koppien us den besiegelden 
scheffenbrieven, die ich hain op Mergraten, so ich uch darvan 
gesaicht hain, want mich dan op dit mal also van noden is, 
dat ich si afflain ende verkoefen mois, das mir leit is, want 
so goden onderpant is, als ir weist, als men baffen moiclit" '. 

Ausser den objgen Belastungen war Margraten damals 
noch mit 42 Gulden Rente an den Schöffen Wilhelm Colyn, 22 
Gulden an den Schöffen Lanibrecht Hagen, 7 Gulden an „Herrn" 
Jakob Krop, 16 Gulden an „Herrn" Hugo Pollart, je 1 Gulden 
an die Regulierherren, die Schöffen- und die Johannisbruder- 
schaft und schliesslich noch mit 6 Gulden Sepuliengelder belastet 2 . 

Wenn auch diese Belastungen des Gutes in Anbetracht 
seines Wertes nicht bedeutend waren, so sollten sie doch für 
die verwaiste Erbin zum Verderben werden. 

Nach dem Tode ihrer Eltern wohnte Maria bei ihrem 
Oheim Eberhard im Hause „zur Teschen" auf dem Koilrum 
(unterer Büchel), zeitweise aber auch bei ihren mütterlichen 
Verwandten in Köln. Ausser dem Gute war ihr nichts hinter- 
lassen worden, baare Mittel fehlten ihr gänzlich, und so geriet 
sie wegen der aufzubringenden Zinsen in immer grössere Be- 
drängnis, welche die jugendliche Waise mehr und mehr 
ängstigte. Hierzu trugen aber vor allem die Vorstellungen und 
Hinweise ihres Oheims auf Pfändung und gänzliche Verarmung 
bei. Hatte Maria doch schon zur Befriedigung ihrer Gläubiger 
ihre gereidten Güter für 195 Aachener Gulden verpfänden 
müssen, bis es ihr gelang, bei ihren Verwandten in Köln die 
Summe aufzubringen :i . Nach Aachen zurückgekehrt, eröffnete 
ihr Eberhard von Haaren, er habe „Brief und Siegel" durch die 
er sich mit Recht als der eigentliche Besitzer Margratens 
und ihres gesamten Eigentums ausweisen könne, und einge- 

') Briefliche Mitteilungen des Herrn Geh.-Rat Prof. Dr. Loersch aus 
der Urkundensamralüng Minderjahn in Cornelimünster, an den verstorbenen 
Stadtverordneten Peter Kuetgens. 

2 ) Königliches Staatsarchiv zu Wetzlar, H 846/1453, Pol. 81. 

3 ) Dgl. Fol. 36. 



— 106 — 

schüchtert durch die Behauptung, ihre Gläubiger wollten sie 
überfallen, willigte Maria in den Verkauf des Gutes. Es zeugt 
für den unehrenhaften Charakter ihres Vormunds, dass er sein 
Mündel überredete, ihm das auf 4800 Gulden taxierte Gut Mar- 
graten gegen eine mit 1000 Aachener Gulden (= 400 rhein. 
Gulden) lösbare Jahresrente von 50 Gulden, und ihre gereidten 
Güter und allen Hausrat auf Margraten für 100 Aachener 
Gulden zu überlassen. Dieser Kauf wurde am 10. Dezember 
1522 während Marias Minderjährigkeit vor dem Aachener 
Schöffenstuhl realisiert, indess erhob sie nach erlangter Voll- 
jährigkeit am 21. November 1523 dagegen Einspruch 1 , und 
zwar nicht allein, weil sie zur Zeit des Vertrags noch unmündig 
gewesen, sondern vor allem, weil Eberhard eine Zahlung über- 
haupt nicht geleistet habe. Es kam darüber zum Prozess beim 
Reichskammergericht. Eberhard von Haaren bezog sich zunächst 
auf einen Schöffenbrief vom 19. Januar 1495, wonach die da- 
mals noch unverheirateten Brüder Eberhard und Adam von 
Diederich von Haaren zum Erben seines ihm von den Eltern 
zugefallenen Besitzes eingesetzt wurden 2 , und legte auch be- 
glaubigte Abschrift der Quittungen über bezahlte 1100 Gulden 
vor. Die Minderjährigkeit, so wandte er ein, komme hier gar 
nicht in Betracht, „denn es sei in Stadt und reich Ach und im 
land Gulich ein alt herkomen, brauch und gewohnheit, wenn 
ein junger 15 und ein frawenperson 14 jar alt sein, so mögen 
sye für sich selbs, on Vormünder oder richterlich decret auf ire 
erbgutter vor richter und schöffen verzeyhen und vereindern 3 . 
Mit der Entscheidung aber hatte es keine Eile, Eberhard 
starb inzwischen (im Sommer 1529) und seine Witwe Alveradis 
von Schwartzenberg setzte den Prozess fort, der noch 1538 
unentschieden war. Ob schliesslich aber das Urteil gegen Maria 
ausfiel, oder diese vor der Entscheidung gestorben ist, bleibt 
unermittelt. Thatsächlich hat sie Margraten nicht zurücker- 
halten. Im Jahre 1553 finden wir Eberhard von Opsiunich 
genannt Rhoe, der 1536 die Witwe Alveradis von Haaren ge- 
heiratet hatte, auf Margraten wohnend, wie er selbst in einem 
Zeugenverhör angab. Ob Eberhard von Haarens Kinder später- 
hin Margraten besessen haben, ist unbekannt. Im Jahre 1576 



') Dgl. Fol. 37 und 51. Sieh Urkunde im Anhang. 

2 ) Dgl. Original-Urkunde, Fol. 59. 

3 ) Dgl. Fol. 79. 



107 — 

waren Junker Johann von Hersei und seine Frau Elisabeth von 
Metternich Eigentümer des Gutes. Durch Tauschvertrag, der 
am 22. September 1576 vom Aachener Schöffe nstulil realisiert 
wurde, übertrugen sie 2 x / 2 Morgen 32 J / 4 Roden Benden und 
„erb" im Roummersfeld vor Sandkaulthor gelegen, gegen 2V2 
Morgen weniger 4*/ 2 Roden und 1 Viertel Roden hinter dem 
Weingartsberg, die an Kuhweiden des Margratengutes an- 
stiessen, den Kindern der verstorbenen Ehegatten Matthias und 
Katharina Chorus, nämlich Johann, Gerhard, Matthias (vermählt 
mit Petronella) und Abraham Chorus, Katharina, Nonne im 
Kloster Marienthal, und Elisabeth, vermählt mit Johann Freundt \. 

Nach einer durch den Notar Johannes Offergelt 1676 be- 
glaubigten Abschrift einer Pergament-Urkunde verkauften am 
4. Mai 1598 Johann von Hersei und Elisabeth von Metternich 
„das hauß mit clarzu gehörenden gebawen sambt allen, keine 
ausgenommen, anklebende forstguittern, wei dieselb in naßen 
und druigen und bei weme dei auch gelegen sein mögen, 
St. Margraten genant" für 9000 Aachener Thaler zu 26 Mark 
dem Witwer Johann von Merode genannt Hoffalis, Herrn zu 
Frankenburg, Vogt zu Burtscheid und Schöffen zu Aachen 2 . 
Von Wichtigkeit dabei ist, dass der Kauf nicht, wie man er- 
warten musste, vor dem Aachener Schöffenstuhl, sondern vor 
dem Wehrmeister Diederich Grein und den Erbforstschöffen der 
Wildbank Wilhelmstein vollzogen wurde. Das Datum aber ist 
offenbar falsch, denn Johann von Merode trat erst nach der 
Vertreibung der Protestanten in den Schöffenstuhl ein und 
leistete am 9. November 1598 den Eid. Wenn wirklich der 
Akt aus dem Jahre 1598 datiert, so muss er nach dem 1. Sep- 
tember zu setzen sein, da von Merode zur Zeit der protestantischen 
Herrschaft als Schöffe nicht vorkommt 3 . 

Anderseits ist aber auch die von Loersch in der Zeitschrift 
des Aachener Geschichts Vereins 4 nach Quix gebrachte Angabe, 
wonach das Gut bis zum Jahre 1628 im Besitze der Familie 



') Urkunde im Besitze der Erben Kuetgens-Fincken. 

2 ) Dgl. Es blieb ein Kapital von 650 Goldgulden zu Gunsten der Ver- 
käufer auf Margraten stehen, das sich auf Elisabeth von Hersei, Frau von 
Gerhard von Holtzem zu Vosheim, vererbte und diesen am 9. Oktober 1608 
von Johann von Merode abgelöst wurde. 

3 ) Vgl. Macco, Die ref. Bewegungen S. 50. 

4 ) Band X, S. 127. 



— 108 - 

von Haaren geblieben sei und erst dann von Johann von 
Merode erworben wurde, nicht zutreffend. Denn abgesehen von 
mehreren Urkunden aus den Jahren 1610 — 15, liegt noch ein 
Pachtvertrag vor, laut dem Johann von Merode am 16. Mai 

1605 das Haus Margraten mit allem Zubehör, zusammen 
67 Morgen, auf 12 Jahre an Gotthard Spourtzen verpachtete 1 . 

Am 13. August 1628 starb Johann von Merode mit Hinter- 
lassung seiner zweiten Frau und zahlreicher Kinder. Seiner 
ersten Ehe mit Johanna Elisabeth von Steprath (f 1586) waren 
sechs Kiuder entsprossen, von denen Johann vor dem Jahre 

1606 als Hauptmann zu Brüssel gestorben war; Maria war 
nach Richardson 2 mit Bonifacius Colyn vermählt, Elisabeth, 
Nonne zu Heinsberg, Werner 3 und Susanne von Merode. 
Letztere war Priorin zu Burtscheid, wurde aber im Jahre 1647 
wegen zu weltlicher Untugenden aus dem Orden ausgestossen. 
Ein ebenfalls der ersten Ehe entsprossener Sohn, Franz von 
Merode, starb 1628 kurz vor dem Vater, worauf seine Witwe 
Elisabeth Bertolf von Belven am 14. August desselben Jahres 
versuchte, sich durch die jülichsche Mannkammer als Erbin 
Margratens investieren zu lassen. Ihr trat die zweite Ehefrau 
Johanns, Elisabeth von Keverberg, genannt Meven, gegenüber, 
die für sich die Leibzucht und für ihre noch minderjährigen 
Kinder das Besitzrecht in Anspruch nahm. Sic protestierte 
gegen jede Belehnung und wies darauf hin, dass Margraten 
nicht Lehn, sondern einer der 14 Forsthöfe der Wildbank 
Wilhelmstein sei. Thatsächlich erreichte sie laut Urkunde d. d. 



J ) Urkunde im Besitze der Erben Kuetgens-Fincken. 

-) E. Richardson, Geschickte der Familie Merode Bd. 1, S. 221. 
Welcher Bonifacius Colyn hier gemeint ist, gibt er nicht au. Der bekannte 
Schöffe und Bürgermeister in Aachen war mit Barbara von Bree vermählt. 
Sein Sohn Bonifacius, Herr zu Lintzenich, heiratete 1609 Adelheid von Siegen. 

3 ) Diesen Werner fiihrt Bichardson nicht an. Der von ihm als Bruder 
von Johann von Merode erwähnte Werner war nicht — wie er Bd. II, 
S. 419 sagt — Schöffe in Aachen. Werner von Merode, Johanns Sohn, der 
1606 im Ehevertrag Merode-Keverberg mit 4000 Gulden bedacht wird, ver- 
mählt mit Gertrud, liess folgende Kinder zu St. Foillan in Aachen taufen: 
1. Werner, getauft am 7. November 1604. 2. Susanne, getauft am 9. November 
1606. 3. Johannes, getauft am 31. Juli 1608. 4. Martin, getauft am 27. Mai 
1610. 5. Maria, getauft am 18. April 1613. 6. Gertrud, getauft am 
20. Januar 1616. 



— 109 — 

Wilhelmstein, den 14. August 1628 durch den pfälzischen Rat 
und Amtmann zu Wilhelmstein Jakob von Locquenghien als 
Statthalter der Mannkammer die Investitur. Nichtsdestoweniger 
nahm der Schöffe Diederich Bertolf von Belven, während die 
Leiche noch nicht bestattet war, das Gut namens seiner Tochter 
mit Gewalt und besetzte es mit einer aus vier Schützen be- 
stehenden Wache. Indes legten sich die Brüder der Witwe, 
der Oberstwachtmeister Rogier von Keverberg in Düsseldorf 
und Johann von Keverberg in Aachen, ins Mittel. Auf ihre 
Veranlassung befahl am 22. August der Pfalzgraf Wolfgang 
Wilhelm, als Herzog von Jülich, die Zurückziehung der Be- 
satzung. Am 14. September erfolgte eine nochmalige Investitur 
der Witwe Johann von Merode durch den Waldgrafen Jakob 
von Locquenghien, den Wehrmeister Gottfried von Weisweiler 
und die Erbforstschöffen Bartholomäus Storni und Otto Baet- 
schen, doch starb sie schon nach sechs Monaten. Am 21. März 
1629 wurden ihre Brüder Rogier und Johann von Keverberg, 
als Vormünder der von Merodeschen Kinder zweiter Ehe für 
diese mit dem Forstgute belehnt. Damit war die Streitigkeit 
mit Elisabeth von Belven, die am 28. Oktober 1630 sich mit 
dem Vizekanzler von Brabant Theodor von Fourneau genannt 
von Cruykenborg (f am 14. Februar 1634) vermählte, endgültig 
beendet. Dafür entstand aber ein viel unangenehmerer und lang- 
wierigerer Streit mit der Stadt, Aachen verlangte nämlich 
von dem Gute Margraten gewisse, in den Akten als „Schätzung" 
und „gemeine Collectation" bezeichnete Abgaben. Diese wurden 
. ihr geweigert, und so schritt sie schon am 24. Mai 1630 zur 
Pfändung von zwei Pferden. Aus dem Einspruch der Besitzer 
geht hervor, dass die Stadt unter andern) von dem auf dem 
Gute verzapften Bier Accis verlangte, wogegen geltend gemacht 
wurde, dass alle Pächter der jülichschen Forstgüter Bier „ver- 
handelten" und auch brauten, ohne Accis zu geben. Am 
12. Mai 1640 wurden Schafe, und im Juli desselben Jahres eine 
Kuh gewaltsam durch Aachener Soldaten fortgeschleppt. Gegen 
diese Versuche, ein Besteuerungsrecht geltend zu machen, 
protestierten zunächst die Vormünder, dann (1637) der mündig 
gewordene Richard von Merode unter Anrufung des Pfalzgrafen 
Wolfgang Wilhelm zu Düsseldorf als Herzog von Jülich. Zahl- 
lose Akten beziehen sich auf diese Streitfrage, die noch 
Jahre dauerte und schliesslich an das Reichskammergerichl ge- 



— 110 — 

langte. In einem Berichte vom 21. Januar 1638 berief sich 
der Aachener Rat zur Begründung seiner Bechte lediglich 
darauf, dass im Jahre 1373 die Hälfte des Gutes, 1522 das 
ganze Gut vor dem Aachener Schöffenstuhl veräussert und da- 
mit die Jurisdiktion und Hoheit der Stadt Aachen anerkannt 
worden sei. Die Entscheidung muss Ende der 40er Jahre des 
17. Jahrhunderts beim Reichskammergericht zu Speier gegen 
von Merode ausgefallen sein, da um jene Zeit die Kontributionen 
und Schätzungen gezahlt wurden. Zahlreiche Quittungen be- 
weisen dies. Nach einer „Schatzsteuer und Kontribution" von 
1640 — 49 mussten auf Grund des Kammergerich ts-Urteils vom 
Hofe Margraten 6844 Aachener Gulden an die Stadt bezahlt 
werden. Richard von Merode scheint nunmehr ungestört im 
Besitze von Margraten geblieben zu sein. Er starb als Ritt- 
meister in Ungarn im Jahre 1670 *. 

Margraten, das zu jener Zeit als adeliges Haus und 
Gut bezeichnet wird, kam an seine damals noch lebenden Ge- 
schwister Rogier von Merode, Maria von Merode, Witwe von 
Edmund von Obsinnigh genannt Rhoe, und Gotthard Frei- und 
Bannerherrn von Merode-Hoffalize, Herrn zu Frentz. Diese 
nahmen am 27. Februar 1672 zu Lasten des Gutes bei 
Alexandrine Apollonia von Backhausen, Witwe von Jakob De- 
witte, 1000 Reichsthaler zu 5°/ auf, die am 24. Dezember 
1725 durch Gotthards Sohn Johann Wilhelm von Merode getilgt 
wurden. Rogier (Rutger) von Merode starb am 19. Januar 
1692 im Alter von 76 Jahren. Da er unverheiratet war, setzte 
er durch Testament vom 17. Oktober 1685 seinen Neffen Johann 
Wilhelm und die Kinder seines verstorbenen Neffen Johann 
Richard von Merode zu Erben ein. Dies gab zu neuem Streit 
Anlass; denn auf die Hinterlassung erhob auch der Schöffe 
Johann Friedrich Freiherr von Opsinnich als Sohn von Maria 
von Merode, Anspruch. Es kam zum Prozess, aber durch Gott- 
hards Vermittlung am 15. Mai 1692 auf dem Hause Margraten 
zur Versöhnung und gütlichen Teilung. Nachdem der Freiherr 
von Opsinnicli gegen Übernahme einer Pfandsumme von 1500 
Thaler auf Margraten verzichtet und dagegen Gut Hüls in der 
Herrschaft Schönforst und Ländereien erhalten hatte, wurde 
folgendes bestimmt: Gotthards Enkel, Johann Gotthard und 



') Richardson, von Merode Bd. TT, S. 420 gibt unrichtig 1696 an. 



— 111 — 

Arnold Ignaz Franz von Merode, Söhne des 1678 verstorbenen 
Johann Eichard von Merode und der Agnes Klara Ernestine 
von Kerckem, erhielten die Güter zu Oirschot bei Herzogen- 
busch und den Hoffalizhof zu Ubachsberg im Lande Valken- 
burg; Johann Wilhelm von Merode empfing- Margraten, 6 Mudden 
Roggen, Kapaun und Renten „an der Hurtz" im Lande Heiden, 
das Haus „die Pfaw" 1 samt Garten am Pontthor in Aachen 
und die dazu gehörigen neun Morgen Land, sowie drei Morgen 
„in der Muschen" hinter dem „Lausberg", den Hof Süstern, 
die weisse Mühle in der Aachener Heide und neun Morgen 
Wiesen, Schottenbend genannt, vor „Weingartsbongartspforten" 2 . 

Der neue Herr von Margraten Johann Wilhelm von Merode 
ist der Wiederhersteller des Schlosses Frankenberg, das unter 
dem gänzlich verschuldeten Grafen Philipp Wilhelm von Merode 
ganz verkommen war. Er stellte auch Margraten wieder her 
und bewohnte es; vermutlich hat er es sogar ganz neu auf- 
gebaut. 

Im 18. Jahrhundert entstand ein neuer Streit mit der 
Stadt wegen sogenannter „onera militaria", wie Einquartierung, 
Vorspann und Ähnliches. Auch hier behauptete der damalige 
Eigentümer, der kurpfälzische Geheimrat Alexander Friedrich 
Freiherr von Merode-Frentz, ältester Sohn von Johann Wilhelm 
und der 1704 auf Margraten gestorbenen Johanna Maria Elisabeth 
von Holtrop, die Freiheit des Gutes. Er Hess durch den 
kaiserlichen und päpstlichen Notar Johann Meesen am 1. März 
1736 dagegen Verwahrung einlegen und wurde durch Kammer- 
gerichtsmandat im Besitze dieser Freiheit geschützt. 

Die Ereignisse des siebenjährigen Krieges warfen ihre 
Schatten auch über Aachen, indem die durch Maria Theresia 
gegen Preussen gerufenen Franzosen unter Marschall d'Estrees 
auf ihrem Marsche nach Hannover und Hessen 1757 durch 
Aachener Gebiet zogen und einige Tage in Stadt und Reicli 
Aachen kampierten. Die Stadt hatte gegen Zusage von Zahlung 
Verpflegung und Fuhren des Heeres übernommen. Auch Margraten 
inusste mehrere Pferde zur Fortschaffung der Bagage stellen und 
wurde mit zwei französischen Hauptleuten Einquartierung belegt, 
worüber sich der Pächter unter Hinweis auf die Freiheit des 



') Richardson, Bd. II, S. 425, Anm. 2 verwechselt dieses Haus mit 
dem gleichnamigen Hause in der heutigen Edelstrassc. 

2 ) Original-Urkunde im Besitze der Erben Kuetgens-Fincken. 



— 112 — 

Gutes bei der Stadt beschwerte. In einem Schreiben vom 
6. Mai 1757 entschuldigte sich deshalb der Syndikus Fabri bei 
dem Freiherrn mit der Begründung-, dass es wegen der grossen 
Truppenanzahl nicht möglich gewesen sei, Margraten zu ver- 
schonen: es sei kein Platz mehr anderwärts frei und verfügbar 
gewesen. Zugleich versicherte er Margraten seiner Rechte. 
Der Freiherr begnügte sich aber nicht mit dieser Erklärung 
des Syndikus, umsoweniger als die Kostenrechnung des Pächters 
abgewiesen worden war, sondern wandte sich klagend gegen 
Bürgermeister, Schöffen und Rat der Stadt Aachen an das 
Reichskammergericht, woselbst der Prozess im Jahre 1757 ein- 
geführt und durch Urteil vom 6. März 1758 zu Gunsten des 
Freiherrn entschieden wurde 1 . 

Noch in demselben Jahre starb der alte Freiherr auf seinem 
Rittersitze Göddersheim. Seine Witwe Maria Regina, Gräfin 
von Waldbott-Bassenheim, folgte ihm einige Jahre später in 
die Ewigkeit. Nach seinem Hinscheiden war Margraten an 
seinen Bruder Gottfried Arnold Ignaz Franz Edmund gefallen, 
der kurpfälzischer Geheimrat, jülichscher Landkommissar und 
Amtmann zu Jülich und Aldenhoven war. Er hatte aus seiner 
Ehe mit Karoline Maria Katharina, Reichsgräfin von Nesselrodc- 
Ehreshoven, neun Kinder, die sämtlich ohneNachkommen gestorben 
sind. Zwei Töchter und ein Sohn starben in frühester Jugend, 
Alexander Hermann Josef war Chorbischof von Trier und Dom- 
propst zu Hildesheim, auch Friedrich und Franz widmeten sich 
dem geistlichen Stande, und Karl starb auf einer Reise im 
Orient, wie Richardson vermutet, als Malteserritter 2 . 

Der älteste Sohn Balduin Franz Karl, Reichsfreiherr von 
Merode-Hoffalize, geb. 1741, vereinigte in seiner Hand den 
reichen Besitz der Familie, die Güter Frentz, Drove, Sechtem, 
Frankenberg, Margraten, Büsdorf, Märfeld, Göddersheim, Leuberg, 
Sintzig, Junkersdorf und Süstern. Er starb im Jahre 1803 
unvermählt zu Köln. Seine Schwester Regina Petronella 
Franziska, Dechantin zu St. Quirin in Neuss, die ihre Geschwister 
alle überlebte und als letzte dieser Linie 1826 starb, war seine 
Erbin. Sie verkaufte das Schloss Frankenberg an den Freiherrn 
Friedrich Josef Anton von Coels, die Güter Sechtem und Frentz 



') Königl. Staatsarchiv zu Wetzlar, M 2332. 
2 ) Richardson 15.1. IT, S. 428. 



— 113 — 

vermachte sie ihrem Rentmeister Graf, ersteres kam in der 
Folge an den Grafen von Fürstenbcrg-Stammheim, letzteres an 
James Cockerill. Margraten ging in abgewirtschaftetem Znstande 
in den Besitz der Familie Fincken über, von der es an den 
Tnchfabrikanten Kuetgens-Fincken kam, dessen Nachkommen es 
noch besitzen. 

Das mit der Zeit aller baulicher Zierden entkleidete heutige 
Gehöfte Margraten erinnert durch nichts mehr daran, dass hier 
ehemals ein vornehmer Rittersitz gestanden hat. Wiederholt 
haben vollständige Umbauten stattgefunden. Als Margraten im 
Jahre 1522 an Eberhard von Haaren kam, war es nach dessen 
Angaben ein „verlegen gut", und „das haus, so daruf gestanden, 
ganz baufällig". Eberhard Hess deshalb 64 Eichbänme im 
Werte von 400 Gulden auf dem Gute fällen und verbrauchte 
den Erlös zur Instandsetzung der Fundamente, Dächer und 
Kandel der Gebäulichkeiten, der sumpfigen Weiher, der ver- 
wilderten Wiesen und der seit Jahren verwahrlosten, ungedüngten 
Äcker 1 . Der Umstand, dass im Jahre 1553 Eberhard von 
Opsinnigh auf Margraten wohnte, spricht für die Annahme einer 
vollständigen Wiederherstellung. Vermutlich haben in mittel- 
alterlicher Zeit Gräben - das ganze Haus, auch vorne, umgeben 
und wird eine Zugbrücke, die sich im heutigen Blumengarten 
befunden haben mag, den Zugang von der Vorburg zur Burg 
vermittelt haben, eine zweite Zugbrücke verband dann letztere 
mit der Landstrasse. 

Der noch im Jahre 1628 in einem Mietsvertrag mit dem 
Pächter Abraham Hex erwähnte Turm ist längst verfallen und 
vom Erdboden verschwunden. Zu jener Zeit muss das Gut 
recht baufällig und vernachlässigt gewesen sein, denn der Pacht- 
vertrag bemerkt, dass der Pächter die zwei untern Räume 
des Turms auf seine eigenen Kosten zur Wohnung wieder 
„rüsten und repariren" dürfe. Wo der Turm gestanden hat 
kann erst bei Abtragung des Terrains durch die etwa vor- 
handenen Fundamente festgestellt werden. Die heutigen Gebäude 
wurden in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts während 



>) Königl. Staatsarchiv zu Wetzlar, H 346/1453, Fol. 82. 

2 ) Vor etwa 75 Jahren umgaben das Gehöft noch breite Gräben an 
drei Seiten, die seitlichen Gräben wurden dann zugeworfen, während der 
hinter den Stallungen gelegene Graben erst vor einigen Jahren zum Feld 
srozoüfen wurde. 



— 114 — 

der Besitzzeit der Familie Fincken errichtet, indes weisen die 
in schweren Quadern gemauerten Kellergcwölbe mit Meter 
dicken Wänden darauf hin, dass man auf den Resten des alten 
Gutes das neue aufbaute. Von der Landstrasse führen jetzt 
zwischen zwei, ehemals mit eisernen Flügeln versehenen, runden 
Steinpfosten hindurch, zwei Wege in Bogenform, die den 
Blumen- und Obstgarten umschliessen, zu den zwei innern 
Thoren der beiden Seitengebäude. Die aus den Überresten des 
alten Baues in Back- und Blausteinen errichteten Stallungen 
verbinden diese beiden Pächterwohnungen, unter denen die 
erwähnten alten Keller liegen. 

Seit Jahresfrist wird das zu Margraten gehörige Terrain 
zwischen Passund Ludwigsallee hier abgetragen, dortangeschüttet. 
Bald fallen auch die Okonomiegebäude als letzte Reste ver- 
gangener Herrlichkeit dem Bebauungspläne zum Opfer und dann 
wird nur noch die geplante St. Margratenstrasse die letzte 
Erinnerung an den verschwundenen Rittersitz sein. 



Urkundliche Beilagen, 
i. 

1873, Juni 22. Tihnan Beisel und seine Frau Katharina von Margraten 

verkaufen vor dem Aachener Schö/'fenstuh 7 ihre Hälfte am Gute Margraten 

und verschiedene Beriten dem Johann ~Ni)sc für 7S2 Gulden. 

Wir richter ind scheffen des konicklichs stolß von Aygen der nahmen 
hernach geschrieben stehen, thun kundt alle luden mit desen breve ind kennen, 
dat vor uns kommen is Tiel Beysel, du hie in seineu gantzen stoel saeß 
mit Catharinen von Margraten, seinen ersten ehelichen wive mit seinen 
goeden vurrode ind mutwillen, in der zeit, dat hiet wel thun mochte, so 
hat hie vercoeht und verkaufft, erfflich ind immerme heren Johannen Nijse 
ind seinen erven, den halven hoff ind sein deil von den hove gnandt Margraten, 
gelegen baußen die Sanekuilportz mit alle den ackerlande, beyend ind weyern 
dat hie darzu hat, so wie hie da leyd und gelegen ist in naßen ind in 
druchden, mit alle seinen recht ind zubehoer, so wie oem mit Katherinen 
seinem weive vurß. worden is ind he en hede zu dage hilt ind besitzende 
is, als fern es im dit zu gebort, also dat der gantze hoff ind erffe zumoel 
nict mc in gilt dan vunfftc halben capuen ind drey Schilling des jars, also 
hat he it behaut ind geloefft zu weren. Vortnie so hat he deselve Tiel 
deme vurschreven heren Johanne ind seine erven vereoieht ind vereoift 
erflich int immerme alsolcke erffzinße, pecht, capaune ind beynde, als opsteden 



— 115 — 

herna beschrcven steit : zen ersten Peter von Loy venberg ' virtenhalven gülden 
von vierde halvcu morgen beynts ligen boven des Wilden rnolen, of era 
daran get gebreich, so sal he sieb erholen als von einem gülden erfzenß an 
einem panhuysc gelegen in Pont egen sint Gillis en, dat wilne was an 
Goyßwyns von Pont. Item derdehalven gülden von Klerx panhauß zu 
Winsbungarde ind von zwey kameren ind einen maltzeren ligen binnen dat 
panhauß. Item nuyn aide groß tornois von Hupertz Muentghins huiß ind 
hove gelegen egen sint Jacobskirch over in der gaßen, ind von zwen garden 
ligen büßen Schancklenportze 2 . Item drei aide groiß tornois von Teel 
Lodders huyß ind hoff gelegen vur die Junckherportze. Idem (!) drei mudden 
roggen eynen swaren gülden ind drei aide groiß tornois von der molen in 
die Junckheit. Item Wilem Buesch op den Gaßboren anderhalff mudde 
roggen von veir morgen so landt, so beynd ligen boven des roden gasthuyß. 
Item Johan Mandelkorff ein marck von eynen morgen bintz ligt buißen de 
Sanckuelportze. Item sechs ind zwentzig schillinck von Tiel Hellers huyß 
ind hoff hie büßen porz Porzyderporze. Item Johan von Imbach Arnold 
Keyseis koetzwies druytzin schillinck von seinen huyse ind hove zu Koninx- 
porze. Item vunff und zwentzig peuninge von Wilhelm Euckenbrots hauß 
ind hoff in Sint Pieterstraß. Item Tiel der Eadcrmecher nuyn penninge von 
seinem huyß ind hoff in Colnerstraßen. Item Johan von Hergenroadt seß 
penninge von einen stuck lants. Item funff marck vunffzien penninge ind 
sievendenhalvcn capuyu erfrenthen gelegen in Haren, item ind vunff virdcl 
bients liegen auch zu Haren op der Worin die nit in gelden ind umb eine 
gnante summa gelts (dat) is zu wißen umb sieffen hundert ind zwey ind 
echtzig gude schwer gülden, dy diesclve er Johan Nijs den vorschreven 
Tielen zumocl wol bezalt hat ind kendt, dat oem daer von genugh gescheit 
is. Also hat diesclve Tiel sich außgedohn besitzinge ind gebreuebinge alle 
des erfs ind guet so weit vurschreven steit in alle des richs ansprach of 
vorderie des he daran ye gewan of noch hat, ind hat klaglos darop verzogen 
ind vertzigt mit munde ind mit dem halme in urbar ind zu nutz des vor- 
schreven ermelten Johanß ind seine erfen. Vort me so hat dieselve Tiel 
bekant ind geloift des vorgenanten erfs ind guits zu was jähr ind dagh 
ind alle reichs ansprach krot ind hindernuß darvon afzuduen na recht ind 
gewonheit der steede von Aygen ind allet sunder argelist, ind beheltenus 
den lehnheren ires rechts. Vort me, so hat dieselve Teel vor uns behaut 

') Peter von Loyenberg, (Louvenberg) wird von 1349—79 in den Itentenregistern 
der Stadt Aachen erwähnt. (Laurent, Stadtrechnungen, S. 198, 26(5 und 351.) Seine 
Frau Aleidis, eino Tochter des Schöffen Wolter Volmer bezog 1379 von der Stadt -J". 
Gulden Erbreute. Ihre Kinder waren: 1. Tielman de* „erzertor" (Arzt) bezog 188Ö bis 
um 1400 25 Gulden Erbrente und 1394 für Lohn 12 Mark von der Stallt. Kr machte 
1335 die Belagerung des Schlosses Eeiffescheid mit. _'. Peter, 1390, 91, 92, '■'■': 94, 1400 
und 1402 als Meyer von Aachen, 1398 und 99 als Sohöffe daselbsl genannt, machte am 
1. September 1405 sein Testament. Seine Frau war Tule von dem Eichhorn. S. Anna, 
empfing 1379—94 von der Stadt SOGulden und ausserdem L394 noch S> Gulden Erbronte 
4. Margarethe, empfing 1379 und 85 von der Stadt 50 öulden Erbrente. 

'-' Wahrscheinlich Sandkanlthor. 



— 116 

ind geloefft den vurschreven ernielten Johannen Nijse seines deils vor dem 
vurschreven hove ind erve gnuch zu thun vor dem dechen von Unser 
Vrowen zu Aygen ind vur seine man als viel ind asvern als oem dat an 
reyt, dat allererste jdat ein rieht deehen zu Aygen kumbt ind auch gnuch 
zu thun vur den huveneren als vern as er dat an ruyt ind zugehorendt ind 
dis cuds ein urkunt der warheit, so han wir Eoyis Nichts l richter, Arnoldt 
Wilden, Sanders von Soerße, Convent (!) 2 von den Eichhorn, Reinert June 3 , 
Henrich von Vays 4 , Jacob Colyn ind Henrich von der Linden scheffen des 
königlichen stuels von Aygen vurschreven inde umb deden willen der vor- 
schreven parteyen unse siegele an diesen breiff gehangen, die gegeven is 
int johr uns hern so man schreiff na gottes gebuerde duysent dreyhundert 
drey ind siefenzigh jähr des neisten gudeßdag vur der guden sanete 
Johannis Babtiste nativitatis. 

Praesens copia comordat eum veris originaliby et sigillatis litteris quod 
attestor 

Gabriel Messen 5 , notarius immatriculatus. 

Auf der Rückseite der Registratur vermerk von derselben Hand: Copia 
breiff und siegelen dabei der halbe hoff Margraten gnaudt vor richter und 
scheffen zu Aach a° 1373 transportirt ist. Abschrift auf Papier im Besitze 
der Erben Kuetgens-Fincken in Aachen. 

IL 

1495, Januar 19. Diederich von Ilairen, Solin des Schöffen Adam von Hairen 
überträgt seinen Brüdern Adam und Eberhard seine von den Eltern her- 
kommenden gereidten und ungereidten Güter. 

Wir richter ind scheffen des kuniglichen stoils ind stat Aiche myt 
namen hernae beschreven doin kunt allen luden myt diesen brieve ind 
kennen offenbar dat vur uns komen ind ersehenen is Diederich van Haireu 
elich son hern Daemen van Hairen uns mytscheffens der noch in der heiiger 
ee onbestait is myt synen guden vurraede ind moitwilleu hait upgedraigen 
ind overgegeven erfflich ind omberme Daemen ind Everhairt van Hairen 
synen bruederen yn beyden sementlich die ouch noch beyde in der heiiger 
cc onbestait synt ind yren erven alle alsullich ersterffenis andeill ind gebuer 
als dem vurgemelter Diederich nan doide syns vaiders ind moider an er- 



') Verlesen. Der Name lautet richtig Royis Ruyrs. 
8 ) Coinroit von den Eichhorn. 

3 ) Reiüart Munt. 

4 ) Henrich von Wys. 

6 ) Gabriel Meessen, doctor iuris, Syndikus des Aachenor Schöfienstuhls und Rat 
der Fürsten von Salm und Waldeck, in Aachen seit 1669 nachweisbar, starb daselbst 
am li. April 1715. Von seinen sieben Kindern wurde Wilhelm Gottfried Meessen (ge- 
tauft zu St. Foillan in Aachen am 6. Miirz 1672, t & m 5. Dezember 1737) am 3. Januar 
1715 in den Aachener Fchöffonstuhl aufgenommen. 



— 117 — 

storven ind zo erblyven is idt sy van beweichelichen off onbewcichelichen 
ervcn ind erfflichen gueden goreydt ind ongoreyt nyet dairvan uissgcscbeydcn 
voirt hait der selve Diederich bekant ind geloyfft, so wat gueden van den 
selvcn ersterffenis buyssen der stat ind ryche van Aicbe gelegen synt dat 
he ouch yn ouch dairvan guedoeege ind verwernyss sali doin up den enden 
ind steiden dae sich dat van reiehtz wegen gebueren sali ind also iiait 
Diederich vurschreven dairop gentzlich ind tzo maelen rnyt monde ind halme 
vertzegen ind vertzyet erfflich ind omberme in oirber ind zobehoeff Daemen 
ind Everhairtz vurschreven ind yrer beyder reichtet erveu sonder airgelist 
behelteins den leynheren irs reiehtz. In oirkonde der wairheyt, so haint wir 
Johan Lcutz, richter, Joban Bcirtolff, Johan van Ilaide, Geirairt Elreboirn, 
Wilhem van' Wylre, Fetschyn Colyn, Johan van Segraide und Wilhcm 
]nghen Hoyve, scheffen des kuniglichen stoils ind stat Aiche zer beedon 
beyder pairthyen unsc siegele an desen brieff gehangeu. Gegeven im jairc 
uns heren duysent veirhondeirt vonff ind nuyntzich des nunyntzienden daigs 
in januario genant hairdemaendt zo nuyn uren vurmyddaige. 

Original-Pergament-Urkunde im königlichen Staatsarchiv zu Wetzlar, 
H 34611453, Fol. 59. Die angehangenen acht Siegel fehlen. 

III. 

1523, November 21. Maria, Tochter des verstorbenen Diederich von Haren 

klagt vor dem Schöffenstuhl in Aachen auf Aufhebung des mit dem Schöffen 

Eberhard von Haren vollzogenen Verkaufs. 

Wir richter ind scheffen des kuniglichen stoils ind stat Aicbe mit 
namen hernae beschreven doin kunt allen und yegelichen denghienen diesen 
brieff sien lesen oder hoeren lesen sullen, dat op diesen huydigen dach dat 
dis brieffz vur uns op unser camercu genant Bruesselt komen ind erschienen 
synt die duegsame Morien van Haren naegelaissen elige dochter wilne 
Diederichz van Haren und Clais Kempe als volmechtich momber der sclver 
Morien van Haren mit yre beider vurbedachten ryffeu raide ind goiden moit- 
willen haven beide sementlich ind yegelich van yn besonder wiederroiffen 
und wiedersprochen alsulchen erffkouff als die gemelte Morien van Haren 
hern Everhart van Haren unsen mitscheffen irren oemen rieht lieb gedain 
hait daenaff vur uns öffentlich protestierende, dat sy mit irren momber vur- 
schreven ind der momber mit ir den selven erffkouff oder vererffonge bynnen 
jairs wiederroiffen ind wiederacht haven der selver wiederroiffonge eynen 
besiegelden sehyn van uns begert und dairomb richtlich doin Marien hait 
off ir der besiegelt sehyn werden suldc oder neyet und want dan gütlich 
eerlich und der reden gelych is der wairheit alletzyt gestant zo doin, soe 
haven wir nae richterlicher mauongen mit ordell vur recht gcwyst und 
wysen oirsaichen halven dit wie vurschreven vur uns richtlich gesebiet und 
ergangen is dat men dairomb billich ind mit recht Morien van Ilaren und 



— 118 

irren momber vurschreven diesen brieff dairop beschryven und besiegelcn 
sulde op irre koesten ind sonder argelist. In oirkonde der wairheit soc 
haint wir Herman van den Wyer richter, Wilhcin Colyn, Diederich van 
Segraide, Johan Proist, Severyn Sehceffer, Wolter van Wylre, Johan Elre- 
born, Johan van Stominelen ind Lambrecht Hagen scheffen des kuniglickcn 
stoils ind stat Aiche unse siegele aeu diesen brieff gebangen. Gegeven im 
jair uns bereu duyseut vunffbondert dry ind tzwentzieb des eyn ind tzwent- 
ziebsten daigs novembris. 

Origirial-Pergämetit-Urkunde im königlichen Staatsarchiv zu Wetzlar, 
H 34611453, Fol. 51. Von den an gehangenen acht Siegeln fehlt das Siegel 
Stommel. 



Kleinere Mitteilung, 



Beschlagnahme des Weinkellers eines Emigrierten. 

Die Grausamkeiten und Brutalitäten, mit denen die Franzosen ihren 
zweiten Einzug bierselbst begleiteteu, waren Ursache, dass viele Einwohner, 
unter ihnen die Mehrzahl der regierenden Herren des ßats * auswanderten. 
Gegen diese richtete sich die ganze Wut der neuen Gewalthaber und eine 
ihrer ersten Amtshandlungen war, am 15. brummaire Jahres 3 (5. November 
1794) - in der allgemeinen Instruktion für die Kanton- Verwalter zu be- 
stimmen 3 , dass ein Jeder unverzüglich die Namen der Emigranten seines 
Bezirks unter Angabe ihres Eigentums zu verzeichnen und Massregeln zu 
ergreifen habe, um ihr bewegliches Vermögen dem Staate zu sichern 4 . 
Am 27. brummaire bereits überreichten Kapitain Göbbels und Lieutnant 
Beckers dem Direktorium ein Verzeichnis, der in den Häusern der Emigranten 
unter Siegel gelegten Gegenstände; gleichzeitig ersuchten sie das Direktorium, 
schleunigst Massnahmen für die Sicherheit der Effekten in den genannten 
Häusern zu treffen, namentlich eine geeignete Zahl von Siegelhütern zu bestellen. 
In welcher Weise indess die Emigranten die Beschlüsse, namentlich 
hinsichtlich des Weines vereitelten, der nach einem Beschluss des Direk- 
toriums vom vorhergehenden Tage iu den „National -Keller" benannten 
Keller des vormaligen Kapitels geschafft werden sollte, ergiebt sich 
aus dem nachstehenden Protokoll. Die Vorlage befindet sich in meinem 
Besitze, weitere Protokolle über ähnliche Versiegelungen bewahrt das 
städtische Archiv. 



') Vgl. Milz, Die Kaiserstadt Aachen unter französischer Herrschaft, IT. Teil, S. 7' 

2 ) Enthalten in „Protocolle de l'administration centrale du district d'Aix-la- 
chapelle (in meinem Besitze). 

3 ) „10. II fera dresser sans delay um etat detaille de tous les individus emigres ou 
absents du canton avec celui de leurs proprietes." 

*) „II. 11 preudra des mesures pour mettre erj surete tous les meubles des dits 
individus. 



119 — 

Pximidi, den 1. friinaire im 3 jähre (21. November 1794) der französischen 
Republik. Erschien der munizipalitätssckretair bürger Brauers, als von dem 
cantons administrator bürger Vossen zur ent- respective und Versiegelung, 
wie weniger njekt zur inventarisation der in den emigranten häusern vor- 
findlichen weine, besonders authorisirt seyend. 

Er erklärte zufolg seines auftrages sieb keute in zustande des polizei- 
offleiers bürger Dautzenberg, des hauptmanns der pont- und bergergrafschaft 
bürger Schervier, das Heinrich Franz Wild und Sergeanten Rcuschenberg, 
mit Zuziehung der ebenfalls zu diesem geschäft zugezogener fassbinder, 
nemlick des Obhutsausschussesmitgliedes bürger Graff, der vorstehcre Xeveroni 
und Baur zu der behausung des emigrirten ehemahlichen Schöffen von Loin- 
messen verfugt und daselbst befunden zu haben 

1) daß der eingang und die erste thüre des kellers unversiegelt waren, 
daß sonach 

2) der Weinkeller Mos mit latzen von dem andern keller abgesondert, auch 
mit einem schloß abegschlossen war, und die darauf gedrückten Siegel nach 
vorläufiger derselben besichtigung ganz ohne letzung befunden worden, 
daß aber 

3) bey eröffnung dieses kellers sich zwey annoch frisch gebrochene locker, 
welche von der äussern seite durch die dafür gestellten budden unbc- 
merklich waren, vorgefunden haben. Daß 

4) durch den polizei-officier bürger Dautzenberg ein nagel, welcher noch 
ganz frisch eingeschlagen worden, und hierbey ad portokollum beygefügt 
wird, abgegeben worden. Daß 

5) sich in diesem keller 4 fuderfässer, wovon 3 mit der jahrzahl 1783, das 
vierte aber mit jener von 1779 bezeichnet vorgefunden. Daß 

6) nach vorläufiger von diesen weinen genommener probe, und nach von den 
fassbindern darüber abgestatteten relation dieselbe nach aller mutli- 
maßung nicht mehr rein, und nach maaßgaabe der auf den fässern be- 
zeichneten Jahrgänge, und zwar nach den behauptungen der bürger 
Dautzenberg, Graff und Baur, mit wasser vermischt gewesen, daß ein 
faß', nemlich das mit anno 1779 bezeichnete, nicht ganz angefüllct, viel- 
mehr aber mit haut und in solchem Zustande vorgefunden worden, als 
wenn selbiges wenigstens in dreyen monathen nicht angefüllt worden 
wäre, wogegen 

8) (so!) die übrige drey fäßer ganz ohne haut und ausserordentlich augefüllt 
gewesen, und eines derselben bey herausnehmung des sapons von der 
übermäßigen füllung iiborgeloffen sey; daß sich in diesem keller ein mit 
Siegellack beschmiertes und hierbey ad protokollum niedergelegtes raesser 
vorgefunden. 

Da nun nach diesem befinden die obere thür des kellers mit dem 
nrnnizipalitätssiegel wieder vorsichtig versiegelt worden, und nach bej dem 
nationalagent bürger Driessen über diesen befund abgestatteten relation, und 



— 120 — 

überreichtem keller Schlüssel ihnen die Weisung gegeben worden, dieselbe bey 
dem obhutsausschuss ad protokollum abgegeben, als hätten sie dieses mit 
vorbehält näherer ausdehnung fals nöthig zu ohnermangeln sollen. 

(unterschrieben) 

J. P. Neverone. 

Dautzenberg, officier de policc. 

Hubertus Baur. 

J. Gr. Schervier, bürger hauptmann. 

Fr. Jos. Wild, bürger fähndrich. 

Reinhard Reuschenberg. 

drannter war: 

Pro copia et in fidem 

Albert Schrauff, Sekretarius 

Pro copia copiae 

Brauers, Sekretarius. 

Aachen. M. Schollen. 



Litteratur. 

Neuester Führer für Aachen und Umgebung von Dr. med. 
B. M. Lorsch. Seehstc, gänzlich umgearbeitete Auflage von Dr. 
Heinr. Savelsberg, Oberlehrer. Aachen, Druck und Verlag 
von Albert Jacobi & Co. 1900. 

Der verdienstvolle Lokalhistoriker Christian Quix, der in einer grossen 
Anzahl von Schriften die Geschichte der Städte Aachen und Burtscheid, 
sowie deren näheren und weiteren Umgebung quellenmässig behandelt hat, 
war auch der Erste, — und wer wäre dazu berufener gewesen — der 
eine kurz gedrängte Übersicht der Hauptsehenswürdigkeiten von Aachen 
und Umgegend zusammenstellte und unter dem Titel „Aachen und seine 
Umgebung für Fremde und Einheimische. Ein Wegweiser von Chr. Quix, 
Stadtbibliothekar" im Jahre 1818 veröffentlichte. Wer das hundert Seiten 
starke, wenig gekannte Büchlein durchblättert wird finden, dass dasselbe 
in kurzer, knapper Form alles dasjenige enthält, was man zu damaliger 
Zeit von einem zuverlässigen Führer durch Aachen und seine nächste 
Umgebung billigerweise verlangen konnte. Weit dürftiger in der Aufzählung 
und Beschreibung der Sehenswürdigkeiten unserer Stadt, dagegen weitläufiger 
in den Mitteilungen über die hiesigen Schwefelquellen und die geographischen 
und physikalischen Verhältnisse ist der mir in der dritten Auflage vor- 
liegende „Führer für Fremde" von Dr. J. Müller, den er im Auftrage „des 
Vereins zur Belebung der Badesaison" im Jahre 1854 herausgab. Unvergleich- 
lich höher, was Form und Inhalt anbelangt, als die genannten Führer steht 
namentlich die fünfte, völlig umgearbeitete Auflage des „Neuesten Führers 



— 121 

durch Aachen und Umgegend für Kurgäste und Touristen" von Dr. 15. M. 
Lorsch, die vor nunmehr acht Jahren erschien. Acht Jahre, an und für 
sich eine kurze Spanne Zeit, bringen im Leben einer in stetem Aufblühen 
begriffenen Stadt viele Veränderungen und Neuerungen, die in einem zuver- 
lässigen Fremdenführer alle berücksichtigt sein wollen. Dieser Aufgabe mochte 
aber der hochbetagte Herausgeber der früheren Auflagen sich nicht mehr 
selbst unterziehen; er legte sie vielmehr in die jüngeren Hände des Oberlehrers 
Dr. Heinrich Savelsberg, der nunmehr die Frucht seiner Arbeit in der uns 
zur Besprechung vorliegenden „sechsten, gänzlich umgearbeiteten Auflage" 
der Öffentlichkeit übergeben hat. Die äussere Anordnung des Büchleins 
hat wesentliche Änderungen nicht erfahren; inhaltlich erweist sich die neue 
Auflage in mehrfacher Beziehung als eine vermehrte, indem einzelne Abschnitte 
ergänzt worden und andere neu hinzugekommen sind. So ist die bisherige 
Beschreibung der Freskobilder des Rathauses vervollständigt worden durch 
eine eingehende Darstellung der beiden Gemälde, welche ein Sohn unserer 
Vaterstadt, der an der Düsseldorfer Kunstakademie wirkende Professor 
Albert Baur, kürzlich auf den Wänden des Treppenanbaus des Rathauses 
vollendet hat. Eine dankenswerte Ergänzung ferner der Abhandlung über 
das Münsterchor bildet die neu eingefügte Erklärung des bildlichen Inhaltes 
der Fenster des Chores. Um dem Beschauer derselben ein richtiges Urteil 
über die vorhandenen Glasgemälde zu erleichtern, hätte es sich unseres 
Erachtens empfohlen, die kritischen Bemerkungen der frühern Auflage über 
dieselben nicht nur nicht zu unterdrücken, sondern noch zu verstärken durch 
erneuten Hinweis auf die Mangelhaftigkeit derselben in Bezug auf alle 
Erfordernisse, die an ein künstlerisch vollendetes Glasgemäldc zu stellen 
sind. Dieselben ähneln, ganz abgesehen von ihrer stilistischen Unvollkommen- 
heit, in ihrer Wirkung weniger lichtdurchwirkten Teppichen als transparenten 
Oelbildern, die sich nicht bescheiden der Architektur einfügen, sondern die- 
selben beherrschen und ein „Alleingesehenwerden" für sich beanspruchen, 
was mit dem Charakter der echten und rechten Glasmalerei völlig unvereinbar 
ist. Der Abschnitt, welcher über „die Aachener Pfarrkirchen" handelt, ist 
erweitert worden durch sachgemässe Besprechung der Innen- und Aussen- 
restauration und der polychromen und mobilaren Ausstattung, welche einzelne 
derselben in den letzten acht Jahren erfahren haben, sowie durch Beschreibung 
der unterdessen neu entstandenen Gotteshäuser St. Kreuz und St. Joseph. 
Bierbei sind jedoch neben verschiedenen Druckfehlern, deren auch sonst 
noch manche in dem Buche stehen geblieben sind, auch einzelne sachliche 
Unrichtigkeiten mit unterlaufen; so befindet sich der Seite 83 erwähnte, von 
Wirth ausgemalte Saal mit den Paramentenschränken in St. Kreuz, nicht 
oberhalb der Odilienkapelle, sondern über der Sakristei. Die West wand des 
Glockenhauses der St. Adalbertskirchc aus dem dreizehnten Jahrhundert, 
von der Seite 90 die Rede ist, hat längst dem Neubau des Thurmes 
weichen müssen, kann also auch nicht mehr in ihrer Mitte die Statue des 
hl. Adalbertus, die wohl nicht dem dreizehnten, sondern erst dem vierzehnten 



— 122 

Jahrhundert angehört, aufnehmen. Die herrliche Statue steht heute an der 
südlichen Seite der westlichen Abschlussmauer der Kirche. Nicht nur die 
eisernen Beschläge an den westlichen Kirchenthüren der neuen St. Josephs- 
kirche auf dem Adalbertssteinwege sind der Elisabethkirche in Marburg 
entlehnt, sondern auch die skulpturelle Ausschmückung des Tympanons über 
der Mittelthür. Von den neuen Abschnitten, die die sechste Auflage ent- 
halt, möchten wir zunächst den hervorheben, der eine Beschreibung bietet 
von Aachens neuestem wissenschaftlichen Institut, dem meteorologischen 
Observatorium auf dem Wingertsberge im Stadtgarten, das auch in seiner 
äussern Erscheinung wohl geeignet ist, das an und für sich schon so reizende 
Stadtbild noch zu verschönern, sodann auf die interessante Darstellung hin- 
weisen, die uns bereits im voraus orientiert über die zweckmässige Ver- 
teilung der Kunstschätze unseres städtischen Suermondt-Museums auf die 
einzelnen Räume seines neuen stattlichen Heims an der Wilhelmstrasse, das 
wohl mit Beginn des neuen Jahres seine Pforten dem kunstliebenden 
Publikum öffnen wird. Gewiss manche unserer Mitbürger, die den hiesigen 
Verhältnissen näher stehen, hätten es dankbar empfunden, wenn bei dieser 
Gelegenheit eines Mannes Erwähnung geschehen wäre, mit dem der lang- 
jährige Ordner des Museums, Herr Hauptmann a. D. Fritz Berndt, so lange 
er lebte, gerne und neidlos seine unbestreitbaren Verdienste um das in Bede 
stehende Kunstinstitut teilte, wir meinen den im August des Jahres 1889 
als Pfarrer des hiesigen Königlichen Gefängnisses verstorbenen Johannes 
Schulz, der durch seine wertvolle, hochinteressante Beschreibung der ersten 
Ausstellung des Museumsvereins nicht nur seinem hervorragenden Wissen 
und Können auf dem Kunstgebiete ein glänzendes Zeugnis ausgestellt hat, 
sondern auch dem Vereine, dessen Seele er mit Berndt war, viele Mitglieder, 
Gönner und Freunde erworben hat. Die „Besichtigung der Stadt Aachen" 
auf „drei Rundgängen" hat der neue Herausgeber an das Ende der Beschreibung 
der einzelnen „Sehenswürdigkeiten" gerückt, während dieselbe in den 
bisherigen Auflagen au die Spitze gestellt war; über die Zweckmässigkeit 
der Neuerung kann man verschiedener Meinung sein. Dagegen muss 
unbedingt zugegeben werden, dass die gewählte Einteilung der Ausflüge in 
solche, die sich auf Aachens „nächste Umgebung" beschränken und in solche, 
die sich auf „die weitere Umgebung von Aachen" ausdehnen, mit Rücksicht 
auf die dadurch gewonnene, grössere Uebersichtlichkeit als ein Fortschritt 
zu bezeichnen ist. Wie Savelsberg in dem Abschnitt über ,,Aachen-Burtschdd ; ' 
es übersehen hat, die geschichtlich unhaltbare Ansicht, dass der selige 
Gregorius ein Bruder der Kaiserin Teophanu gewesen sei, auszumerzen, 
und die Anbringung einer Gedenktafel an dem Geburtshause des bekannten 
Schriftstellers Friedrich Wilhelm Hackländer in der Hauptstrasse zu 
Burtschcid einzufügen, so hat er sich auch vielfach, wo er die Ausflüge 
in Aachens nächste Umgebung behandelt, zu eng an die fünfte Auflage 
angeschlossen und zu wenig die seit dem Jahre 1892 neu angelegten oder 
verbesserten Wege berücksichtigt. So beginnt der Neubau der Raerener 



— 123 — 

Strasse, die au Forsthaus „Siegel" vorbeiführt, nicht erst auf der Böhe des 
Bergrückens, sondern als Fortsetzung der Kapellenstrasse an dessen Fusse. 
Nach „Drimborner Wäldchen" führt heute kein Weg mehr über die Geleise 
der rheinischen . Eisenbahn, sondern derselbe gebt durch die Viktoriaallee 
und die Bahnunterführung dortbin. (Jm zum Hochreservoir der Wasser- 
leitung zu gelangen, braucht man ebenfalls keinen „Bahnübergang mehr zu 
passieren", sondern geht unter der Bahn her. Mögen diese und andere 
Mängel auch an und für sich ziemlich belanglos sein, so können sie sich 
doch in einem Buche, das als Fremdenführer dienen soll, recht unangenehm 
bemerkbar macheu. Wird in einer neuen Auflage auf die gemachten Aus- 
stellungen Rücksicht genommen, dann sind wir mit dem Herausgeber der 
festen Hoffnung, dass das mit zahlreichen Illustrationen und zwei Karten 
ausgestattete Büchlein iu der That dazu beitragen werde, „den guten Hut' 
von der geschichtlichen Bedeutung unserer lieben Vaterstadt und ihrer herr- 
lichen Umgebung auch in fernen Kreisen zu mehren und zu befestigen." 
Aachen. Heinrich Schnöde. 



Vereinsangelegenheiten. 

Bericht über das Vereinsjahr 1900. 

In dem abgelaufenen Vereinsjahre wurden drei Monatsversammlungen 
und zwei Ausflüge veranstaltet. In der Januarsitzung behandelte Herr 
Schollen eine grössere Auzahl „alter Volksgebräuche in Aachen". Im 
Monat April fanden zwei Sitzungen statt. In der ersten sprach Herr < (ber- 
sekretär Schollen über „Volksheilmittel", die in frühern Zeiten vielfach in 
Aachen angewandt wurden, in der zweiten Herr Pschmadt über „Cäsarius 
von Heisterbachs dialogus miraculorum in seiner Beziehung zu Aachen. (Der 
Vortrag ist in dem vorliegenden Jahrgang abgedruckt.) Die beiden Sommer- 
Ausflüge wurden gemeinschaftlich mit dem Aachener Gcschichtsverein unter- 
nommen. Der eine hatte zum Zielpunkt die wiederhergestellte Emmaburg 
bei Altenberg, die unter Fuhrung des Eigentümers, des Herrn Stadtverord- 
neten und Rittergutsbesitzers Th. Neilessen in allen ihren Teilen ein- 
gehend besichtigt wurde. An die Besichtigung schloss sich ein Vortrag des 
Herrn Pfarrers Heinrich Schnock an „über das neutrale Gebiet von Moresnet". 
Der andere Ausflug wurde nach Maastricht zur Besichtigung der vielen dort 
vorhandenen kirchlichen und weltlichen Baudenkmäler und Kunstschätze 
unternommen. Die Hauptversammlung fand am 28. November im Vereinslokal 
„König von Spanien" statt. Der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. K. Kelleter 
gab einen Überblick über das Leben des Vereins in den letzten drei Jahren. 
Das Ergebnis der nunmehr folgenden Vorstandswahl ist ersichtlich aus dem 
nachstehenden Verzeichnis des Vorstandes und der Mitglieder. Der vom 
Herrn Schatzmeister F. Kremer vorgetragene Kassenbericht bekundete 
einen günstigen Stand der Geldangelegenheiten des Vereins, indem das Jahr 
mit einem Kassenbestand von Mk. 10:<f>,8'J abschloss. Dein Schatzmeister 
und den Revisoren wurde für ihre Mühewaltung der Dank des Vereins aus- 



124 — 

gesprochen. Nunmehr hielt Herr Schollen einen Vortrag „über die 
Trappistenniederlassung auf Bergerbusch bei Aachen" (Paulinenwäldchcn). 
Da dieser sowie auch der folgende Vortrag des Herrn Fabrikanten und 
Stadtverordneten W. Menghi us : „über einen Mietvertrag aus dem 16. Jahr- 
hundert" nach einer in seiaem Besitz befindlichen Urkunde demnächst in der 
Vereinszeitschrift abgedruckt werden, so können wir hier von einer weitern 
Inhaltsaugabc absehen. 



Verzeichnis der Mitglieder. 



I. Vorstand. 

Erster Vorsitzender : Kelleter, Dr. F., Direktor des Lehrerinnen-Seminars. 
Zweiter Vorsitzender und Redakteur : S c h n o c k , H., Strafanstalts-Pfarrer. 
Schriftführer: Savelsberg, Dr. H., Oberlehrer. 
Bibliothekar: Schollen, M., Ober-Sekretär. 
Kassierer: Kremer, F., Kaufmann und Stadtrat. 
Beisitzer: Bischoff, A., Gutsbesitzer. 

Fey, J. Gerichtssekretär. 

Menghius, W., Fabrikant und Stadtrat. 

Oppenhoff, F., Königl. Kreisschulinspektor. 

Pschmadt, Vorschullehrer. 

Spoelgen, Dr. J., Professor und Oberlehrer. 

Vo geige sang, C, Kaufmann. 

IL Mitglieder. 

Adams, Hub., Königl. Notar in Aachen. 

Alertz, Wilh., Bureauchef in Aachen. 

Barth, Franz, Apotheker in Aachen. 

Bau r mann, Dr. L., Arzt in Aachen. 

Berdolet, P., Hauptlehrer in Aachen. 

Berck, Ferd., Lehrer in Aachen. 

Bibliothek des Landkreises Aachen. 

Bibliothek der Stadt Frankfurt a. M. 

Bischoff, Adolf, Rentner und Gutsbesitzer, Haus Linde. 

Bohlen, Joh., Kechtsanwalt in Aachen. 

Bongartz, Dr. J., Apotheker in Aachen. 

Brüning, Dr., Archivar in Aachen. 

Buchholz, Jos., Kaufmann in Aachen. 

Buchkremer, Jos., Architekt und Privatdozent an der technischen 

Hochschule in Aachen, 
von den Busch, Gerichtsvollzieher a. D. in Laurensberg. 



— 125 — 

Ca pellmann, R., Geometer in Aachen. 
Cazin, Franz, Ingenieur in Denver, Colorado Amerika. 
Chantraine, Dr. W., Arzt in Aachen. 
Charlies, Ludw., Restauratcur in Porst. 
Chorus, Dr. Nie, Arzt in Aachen. 
Chorus, Assessor in Malstadt-Burbach. 
Clar, M., Cymnasial-Direktor in Linz. 
Classen, J., Kaufmann in Aachen. 
Classeu, Dr. J., Arzt in Aachen. 
Classen, Jak., Kaufmann in Aachen. 
Classen, M., Kaufmann in Aachen. 
Classen, M., Kaufmann in Zwickau. 
Claussmann, Dr. jur., Referendar in Köln. 
Cornely, Bürgermeister a. D. in Elchenrath. 
Cossmann, Th., Möbelfabrikant in Aachen. 
Cremer, Jos., Bauunternehmer in Aachen. 
Cremer, Mich.,, Seminarlehrer in Aachen. 
Crem er, Eduard, Hauptlehrer in Aachen. 
Creutzer, A., Buchhändler in Aachen. 
Da verkosen, Jos., Kaufmann in Aachen. 
Deterre, Jos., Buchdruckereibesitzer in Aachen. 
Dornemann, Rechtsanwalt in Aachen. 
Dresemaun, Dr. 0., Redakteur in Köln. 
Du j ardin, P., Architekt in Aachen. 
Eibern, M., Baumeister in Aachen. 
Eschweiler, Pfarrer in Gürzenich. 
Ferdinand, Joh. Peter, Oberpfarrer in Aachen. 
Fey, Joh., Landgerichtssekretär in Aachen. 
Fcy, Jos., Rentner in Aachen. 
Firmanns, Jak., Juwelier in Aachen. 
Firmanns, Apotheker in Aachen. 
Flamin, G. F., Kaufmann in Aachen. 
Förster, Jos., ohne Gewerbe in Aachen. 
Foussen, Hub., in Grevenbcrg. 
Geelen, Willy, Referendar in Aachen-Burtscheid. 
Geschwandtner, Dr., Direktor der Viktoriaschule in Aachen- 
Burtscheid. 
Geulen, Peter, Kaufmann in Aachen. 
Geyer, Dr. Heinr., Gymnasial-Oberlehrer in Wesel. 
Göbbels, Jos., Stadtrat und Baumeister in Aachen. 
Goblet, A., Seifenfabrikant in Aachen. 
Goecke, Dr., Professor in Aachen. 
Götting, Joh., Staatsauwaltschaftssekretiir in Aachen. 
Graf, Otto, Referendar in Aachen. 



— 126 — 

Greve, Dr., Professor in Aachen. 
Grimmendahl, Dr., Gynmasial-Oberlehrer in Aachen. 
Gross, H. J., Pfarrer in Osterath. 
Hammers, Job., Rentner in Aachen. 
Heinen, Dr. L., Arzt in Aachen. 

Hemmer, Ludw., Maschinenfabrik in Aaehen-Burtscbeid. 
Hermens, Jos., Stadtrat und Spediteur in Aachen. 
Hess, Job., Kaplan in Köln. 
Heusch, A., Fabrikant in Aachen. 
Hilgers, Dr., Eektor und Religionslehrer in Aachen. 
Hochscheid, Jos., Rektor und Religionslehrer in Aachen, 
von den Hoff, H., Justizrath in Aachen. 
Honnef eller, Peter, Photolithograph in Aachen. 
Ho e seh, Otto, Kaufmann in Aachen. 
Hube, M., Geschäftsbücherfabrikant in Aachen. 
Hüffer, Robert, Maschinenfabrik in Aachen. 
Hüntemann, Jul., Schneidermeister in Aachen. 
Janssen,, Jul., Rechtsanwalt in Aachen. 
Jardon, Dr., Gymnasial-Oberlehrer in Münstereifel. 
Jörissen, Dr. Alb., Rechtsanwalt in Aachen. 
Kaatzer, H., Wwe., Bucbdruckereibesitzerin in Aachen. 
Kalff, J., Cementfabrik iu Aachen. 
Kaentzler, Jos., Vikar in Glehn. 
Kaltenbach, J., Kaufmann in Aachen. 

Kellet er, Dr. Fr., Direktor des Lehrerinnen-Seminars in Aachen. 
Kelle ter, Dr. H., in Düsseldorf. 
Kersting, Dr., Arzt in Aachen. 

Klausener, Alfons, Landtagsabgeordneter und beig. Bürger- 
meister in Aachen. 
Kleinen, Wilh., Rechtsanwalt in Aachen. 
Klevisch, Gregor, Kaufmann in Aachen. 
Klinkenberg, Ad., Kaufmann in Aachen. 
K linke nberg, Dr., Arzt in Aachen. 

Koch, H. H., Dr. theol., Militär-Obcrpfarrcr in Frankfurt a. M. 
Koehn, Wilh., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 
Koelges, Paul, Referendar in Aachen. 
Körfer, Herrn., Brennereibesitzer in Rothe Erde. 
Kranz, Dr., Arzt in Aachen. 
K reiner, Ferd., Kaufmann in Aachen. 
Lamberz, Emil, Ingenieur in Aachen. 
Lauffs, Fr., Pfarrer in Walberberg. 
Lcntzen, P. A., Fabrikdirektor in Aachen. 
Lorsch, Dr., Arzt in Aachen. 
Lcsseuich, M., Kaufmann in Aachen. 



— 127 — 

Linnartz, Wilh., Direktor der Taubstummen-Anstalt in Aachen. 

Lippmann, Otto, Fabrikant und Stadtrat iii Aachen. 

Lovens, Jak. Pianofortefabrikant in Aachen. 

Loersch,*- Dr. H., Geh. Justizrat, Professor der Rechte in Bonn. 

Lückerath, W., Pfarrer in "Waldfeucht. 

Macco, H. F., Kaufmann in Aachen. 

Mai, Hub., Dirigent und Gesauglchrer in Aachen. 

Mar ich al, Kaufmann in Aachen. 

Marx, Eob., Kaufmann in Aachen. 

Maus, Heinrich, Rentner in Aachen. 

Med er, J., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 

Menghius, W., Stadtrat und Fabrikant in Aachen. 

Michels, Jos., Hotelbesitzer in Aachen. 

Möhlig, Job., Amtsanwalt in Aachen. 

Müllenmeister, J., Tuchfabrikant in Aachen-Burtscheid. 

Müller, Dr. Leo, Apotheker in Aachen. 

Niessen, Jos., Kaufmann in Aachen. 

Noppeney, Math., in Vaals. 

Nüsse, Aug., Apotheker in Aachen. 

Ochs, Dechant in Steinfeld. 

Ohlenmüller, Postmeister in Rothe Erde. 

idtmann, Dr. Hrch., Glasmalerei in Linnich. 

Ophoven, Jos., Lehrer in Aachen. 

Oppenhoff, Frz., Königl. Kreisschulinspektor in Aachen. 

Otten, Hrch., Oigarrenfabrik in Aachen. 

Paulssen, Frz., Stadtrat und Generaldirektor. 

Peppermüller, Herrn., Oberbibliothekar in Aachen. 

Pick, Rieh., Stadtarchivar in Aachen. 

von Pier, Hrch., Nadelfabrikant in Aachen. 

Pohl, Willi., Bildhauer in Aachen. 

Polis, Peter, Tuchfabrikant in Aachen. 

Polis, Dr. Pierre, Direktor der Meteorol. Central-Station in Aachen. 

Pschmadt, Realgymnasial-Vorschullehrer in Aachen. 

Pütz, Jak., Kaufmann in Aachen. 

Qua dt, Max, Rektor in Aachen. 

Beinkens, Hrch., Polizeisekretär in Aachen. 

Rey, Dr. Jos., Arzt in Aachen. 

Rossum, Rudolf, Kaufmann in Aachen. 

Rüchen, J., Bauunternehmer in Aachen. 

Rütgers, F. J., Juwelier in Aachen. 

Saedler, H., Pfarrer in Derendorf-Düsseldorf. 

Savelsberg, Dr., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 

Schäfer, Karl, Kaufmann in Aachen 

Schaffrathj J., Stadtrat und Uhrmacher in Aachen. 



— 128 — 

Scheins, Dr. M., Gyninasial-Direktor in Aachen. 

Schervier, Aug., Fabrikant in Aachen. 

Schiffers, Hub., Steinmetzmeister in Raeren. 

Schlesinger, M., Zeitungsverleger in Aachen. 

Schmitz, H., Stadtrat und Baumeister in Aachen. 

Schmitz, P., Havanna-Import-Geschäft in Aachen. 

Schmitz, H, Professor in Aachen. 

Schmitz, Dr. Laurenz, Sanitätsrat und Kreisphysikus in Aachen. 

Schneider, Frz., Apotheker in Aachen. 

Schnock, Heinr., Strafanstalts-Pfarrer in Aachen. 

Schnütgen, Professor in Aachen. 

Schollen, M. Ober-Sekretär in Aachen. 

Schumacher, Wilh., Kirchenmaler in Aachen. 

von Schwartzenberg, Fr., Steinmetzmeister in Aachen. 

Schweitzer, Tgn., Buchhändler in Aachen. 

Siraeon, Ad., Königl. Polizei-Assessor in Aachen. 

Sommer, Dr., Professor in Aachen. 

Spies, Hub., Aktuar in Bernkastei. 

Spülgen, Dr., Professor in Aachen. 

Springsfeld, Dr., Arzt in Aachen. 

Strom, Frz., Kaufmann in Aachen. 

Theissen, Job. Peter, Rechnungsrat in Aachen. 

Thelen, Dr. Jos., Arzt in Aachen. 

Thelen, P. J., Bauunternehmer in Aachen. 

Thoma, Dr. Jos., Sanitätsrat in Aachen. 

Thomas, August, Rechtsanwalt in Aachen. 

Thom<5, Friedr., Buchhalter in Aachen. 

Thijnnissen, Wilh., Pfarrer in Borbeck. 

Thyssen, Edmund, Architekt in Aachen. 

Treuge, Bernh., Oberlehrer bei der Oberrealschule in Aachen. 

Vaassen, Dr. B., Rechtsanwalt in Aachen. 

V alt mann, H., Kaufmann in Aachen. 

Viehöfer, Dr. E., Arzt in Aachen. 

Vi gier, Louis, Schirmfabrikant in Aachen. 

Vincken, Mich., Oberpostdirektions-Sekretär in Aachen. 

Vogelgesang, C, Kaufmann in Aachen. 

Vonder stück, Wilh., Pfarrer in Orsbach. 

Wacker, Dr. O, Seminar-Direktor in Saarburg. 

Wangemann, Dr., Zahnarzt in Aachen. 

Weber, Alex., Lehrer an der Webeschule in Aachen. 

Wehrens, Joh., Goldschmied in Aachen. 

Welter, H., Rechtsanwalt in Aachen. 

Wendlandt, L., Dechant in Rheinbach. 

Weyers, Rodr., Buchhändler in Aachen. 

Wilden, Dr. Rechtsanwalt in Aachen. 

Zentis, Franz, Kaufmann in Aachen. 

Zimmermann, Bürgermeister a. D. in Aachen. 

Druck von Hermann Kaatzer in Aachen. 




B! 



aciens VofielL 



Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 



Im Auftrag des Vereins herausgegeben 



Heinrich Schnock. 



VIERZEHNTER JAHRGANG. 







AACHEN. 

KoMMISSIONS-VeELAG DER CßEMERSCHEN BUCHHANDLUNG (C. CaZIN). 

1901. 



Am A&ch$&s Vorieit 



Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 



Im Auftrag des Vereins herausgegeben 



Heinrich Schnock, 



VIERZEHNTER JAHRGANG 




AACHEN. 
Kommissions -Verlag der Cremerschen Buchhandlung (C. Cazin). 

L901. 



INHALT, 



Seite 

1. Buch der verstorbenen Schwestern und der Wohlthäter d< - Christenser- 
Klostersjn Aachen. Von M. Schollen 1 

2. Zur Geschichte der Heppions-Wassermühle. Von H. Savelsberg 17 

3. Zur Geschichte Aachens im siebenjährigen Kriege. Von W. Brüning 34 

4. Jagdwesen im Aachener Reich. Von W. Brüning 53 

5. Kleiner.' Mitteilung: 

Zwei Gewährscheine des Klarissenklosters in Aachen. Von 

M. Schollen Gl 

6. Carl Zimmermann. Von M. Schollen 65 

7. Aachen im 18. Jahrhundert. Von f C. Zimmermann 67 

8. Aus den zur Geschichte Aachens und Burtscheids im Düsseldorfer 
Staatsarchiv vorhandenen Materialien. Von E. Pauls 101 

9. Kleinere Mitteilungen: 

1. Eine Proklamation Bernadottes. Von W. Brüning. . . . 112 

2. Gründung der Zeitung „Aachener Zuschauer". Von 

H. Savelsberg 114 

3. Reiseverzeichnis eines Aachener Beamten um 1690. Von 

H. S a v e 1 s b e r g 117 

4. Grundsteinlegung zur Ungarischen Kapelle. Von M.Schollen 127 
lü. Bericht über die Monatsvcrsammlungen und Sommerausflüge . . .122 
11. Berichl über das Vereinsjahr 1901. Vom Herausgeber 126 



Aus Aachens Vorzeit. 



<5§&y&* 



Jährl. 8 Nummern 1»«»'/ Kommissions-Yerlag 



a ein Bogen Oktav 
Preis des Jahrgangs 




s? 



der 

Cremer'schen Buchhandlung 

(C. Cazln) 

4 .Mark. //■•:-\-^a^^S:-''''^\ in Aachen. 



Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 

Im Auftrage des Vereins herausgegeben von H. Schnock. 



Nr. 1/4. Vierzehnter Jahrgang. 1901. 

Inhalt: M. Schollen, Buch der verstorbenen Schwestern und der Wohlthäter des 
Christenser-Klosters in Aachen. — H. Savelsberg, Zur Geschichte der Heppions-Wasser- 
tnühle. — W. Brüning, Zur Geschichte Aachens im siebenjährigen Kriege. — W. Brüning, 
Jagdwesen im Aachener Reich. — Kleinere Mitteilung: M. Schollen. Zwei Gewährscheine 

des Klarissenklosters in Aachen. 



Buch der verstorbenen Schwestern und der Wohlthäter 
des Christenser-Klosters in Aachen. 

Von M. Schollen. 

Die Christenser-Schwestern werden schon in der Ausgabe- 
Rechnung der Reichsstadt Aachen vom Jahre 1344 ' unter dem 
Namen Studenten, Studencien erwähnt, in den älteren Urkunden 
heissen sie bald Castencieu 2 , bald Cestencien 3 . Dass unter 
diesen verschiedenen Namen die Christenser zu verstehen sind. 
hat Dresemann 4 nachgewiesen. Endlich wird ihnen, wie Salm 5 
hervorhebt, in einzelnen Urkunden der Name „Cellitinnen 6 " bei- 
gelegt. 

l ) Laurent, Aachener Zustände im XIV. Jahrhundert S. 147,4,8*; 
vgl. ferner das. S. 179,22; 371,36. 

'-) Vgl. von Fürth, Beiträge und Material zur Geschichte der Aachener 
Patrizier-Familien Bd. I, erster Anhang, S. 48. 

3 ) Quix, Beiträge zur Geschichte der Stadt Aachen und ihrer Umgebungen 
Bd. II, S. 78. 

4 ) (Aachener) Echo der Gegenwart 1888, Nr. 211, Bl. 2. 

6 ) Historische Darstellung des Armenwesens der Stadt Aachen S. 85. 

6 ) Als solche werden sie auch im Kirchenlexikon vm Wetzer und 

Weite unter dem Stichwort „Alexianerinnen" erwähnt. A.us ihrer Zusammen- 



o 



Sie befolgten die Augustinerrege] und legten ursprünglich 

nur das Gelübde des Gehorsams ab. im Anfange des 15. Jahr- 
hunderts trat das Gelübde der Keuschheit hinzu 1 . Ihre Auf- 
gabe war die Pflege der weiblichen Kranken in der Stadt 
und die Besorgung der letzten Liebesdienste bei deren Ableben; 
daneben beschäftigten sie sich ursprünglich mit der Leinen- 
weberei, was sich aus den Satzungen der Innung der Leinenweber 
ergiebt, in welchen ihnen gestattet wurde, mit zwei Webstühlen 
zu arbeiten 2 . 

Eine wesentliche Einnahme der Nonnen bildeten die Brode, 
die sie auf Grund gestifteter Erbzeichen :i wöchentlich im Gast- 
haus zu empfangen berechtigt waren. Die erste Stiftung eines 
solchen Erbzeichens erfolgte im Jahre 1470 durch die Witwe des 
Emmerich von Bastenach; ihr schlössen sich im Laufe der Zeit 
noch mehrere Wohlthäter des Klosters an, so dass die Christenser 
nach einer Erklärung ihrer geistlichen Mutter vom 3. November 
1651 wöchentlich 1 X \ 2 Brod zu empfangen hatten '. Anfangs des 
Jahres 1699 wurde mit Rücksicht auf die damals herrschende 
Teurung 5 die Verabfolgung der Brode an die Christenser von 
der Verwaltung des Gasthauses verweigert. Dasselbe widerfuhr 
den Alexianern, die ebenfalls im Besitze mehrerer Erbzeichen 
waren. Beide Genossenschaften wandten sich hierauf an den 
Rath mit folgender Beschwerde G . 



gehörigkeit zu den Alexianern erklärt sich auch das gemeinschaftliche Vor- 
gehen mit diesen bei der Frage wegen der Brotspende im Gasthaus. Wie 
der Name Christenser entstanden ist, bleibt aufzuklären. 

') Noppius, Aacher Chronick (Ausg. 1643) S. 100. Pick, Aus 

Aachens Vergangenheit S. 81, Anm. 2. 

2 ) Qu ix a. a, 0. „item desgelychs in sullen ouch die Uestencien neit 
me halden noch wirken dan mit II getzauen". Weiter enthalten die Satzungen 
Bestimmungen über die Höhe des Lehrgeldes, das die Nonnen zu zahlen 
hatten, und die sonstigen Gebühren, die beim Tode einer des Handwerks 
kundigen Nonne ihre Nachfolgerin in der Ausübung der Leinenweberei 
entrichten musste. 

?) Ueber solche „Zeichen", wie sie in früherer Zeit den Armen der 
St. Jakobspfarre ausgehändigt wurden, vgl. Dresemann, Die Jakobskirche 
zu Aachen S. 45/46. 

4 ) Siehe die Erklärung in der Anlage I. 

5 ) Über die damalige Teurung vgl. von Fürth a. a. 0. Bd. II T, S. 23; 
.Meyer, Aachensche Geschichten S. 682, 

''•) Ratssupplikcn 1699 I im Stadtarchiv zu Aachen. 



— 3 — 

Hoch und woledele, hochweise, fursichtige, 

auch ehrenfeste herren burgermeistere, scheffen und rath 

groBsgunstig gebietende herren. 

Es ist fhats und stadtkundig, welcher gestalten hiesiges 
gasthauß zu St. Elisabeth am Radermarck, oder dan die geist- 
liche und herren provisoren der armen daselbst wegen bemelten 
gasthauß vorlengst incorporirten also genant gewesten neben- 
haußes und guter zum h. Geist uns bruderen Alexianeren fünf 
und ein halb große brodten, uns geistlichen Cristentzen aber 6V2 
dergleichen brodt wöchentlicher erbrenth zu lieferen schuldig 
seyen, mit' welcher lieferung dieselbige auch von unerdenklicher 
ununterbrochener zeit her immer continuirt, bis nun frisch am 
letzten sambstag (auf welchen tagh die ausspendungh des brodts 
daselbsten zu geschehen pflegt) wir ganz unverhofft anhören 
haben mußen, daß ahn statt obgemelter zahl sie uns forthin nur 
die halbscheidt zu zahlen gemeint seyen und sulches wie die 
mutter gemelten gasthauses und der Schreiber und secretarius 
herr Oliua furgaben, aus Ursachen der großen theure, welche 
in den roggen leider geschlagen, und sie behindere, dass diese 
brodtrenth, wie gewohnt, lenger vollens nit auszahlen konten. 

Nun mögen wir aber nit finden, daß dieser vorwand genug- 
samb furtringend sey, umb unseren klosteren solche alte erb- 
renthen dermaßen zu weigeren oder zu ringeren, ahngesehen 
darab die alte creationes und briefen, wobey sulche brodt- 
renthen auf gemeltes hiebevoriges gast- oder armenhauß zum 
h. Geist nach und nach mit baaren geldt gekauft worden, zu 
unseren bänden zum theil noch beruhen, wiewohl da ohne es 
all schon damit gnug sein muest, daß wir die unverruekte volle 
zahlungh von einigen saeculis hergebracht haben, und wir in 
heb- und buhrungh der ö 1 ^ und 6^2 großer brodter (die frische 
iungere verweigerungh nur außgenohmen) alnoch wurklich seyen: 
welche herbrachte volle alte lieferung darum das gasthauß, bis 
in petitorio quoad reductionem praetensam ein anders mit recht 
erkant were, zu continuiren schuldig und also eigenen dunks 
und gefallens die lieferung citra Vitium spolij vel iniustae 
turbationis nit unterbrechen oder ringeren mag noch solle Martin. 
de censib. cap. ult. num. 30 et seqq. Ridolphin. in praxi part. 
2 cap. 9 n. 139. 

Dahero es ein Überfluß oder allnoch zu frühzeitig scheinet, 
zu erinneren, daß man in petitorio die schuldnere einige reduetion 

1* 






der brodten zu fragen befugt sein solten (wie doch nit) dieselbe 
nit nach widrigen eigen dunkigen walin auf die halbscheidt 
sondern nach ahnlaß der rechten apud Carpzou. decis. 194 et 
seqq. furzunehmen were, und alsdan uns einige ebenmeßige 
reductio des geldts, womit sulcbe bröd im fünfzehnten und 
sechszehnten saeculis erkauft uns gedeyen mueste. wobey das 
gasthauß dem ahnschein nach wenig' furtheils wo nicht einen 
noch größeren last holen dorft. 

So aber alles (wie gesagt) zu untersuchen allnoch keine 
Zeit, sonderen als ad petitorium gehörig' dahin zu verweisen 
und in deßen das gasthauß mit ungeschmälerter lieferung des 
brodts, wie von alters zu continuiren schuldig ist. 

Welches wir einfältige ] bruder Alexianere und sustere 
Christentzen (die aus sulchen wöchentlichen brod unsere unent- 
behrliche subsistenz nehmen und demnegst ahn aufwarthung der 
kranken unsere zeit brauchen und dieselbige zu keine Processen 
spendiren können) dan also kurzum bitten zu erkennen, nemlich 
daß obgemelte geistliche Elisabetherinnen und herren provisores 
die brodten in der zahl wie oberwehnt und gewohnlich herge- 
bracht ist, gestracks wiederumb zu lieferen und bis ein anders 
mit recht erkant sei, damit zu continuiren schuldig sein sollen. 

Euer woledele liebden 
dienstbeflissene sambtliche brudere Alexianeren 
und susteren Christentzen 2 . 

Auf diese Bittschrift beschloss der kleine Rath 3 am 
9. Januar 1699: 

„Auff genötigte klag und bitt der brüderen Alexianeren und 
susteren Christentzen contra die geistliche zu St. Elisabeths- 
gasthaus und herren provisores dahie, ist erkant, daß dieselbe 
abschriftlich hiesigen gasthaus communicirt, die sach aber per 
juris consultos et theologos examinirt, mittlerweyl aber denen 
supplicanten das vorhin genoßene brot gefolgt werden solle." 

Über die Erledigung der Beschwerde enthalten die Rats- 
protokolle des Jahres 1699 nichts 4 . Es gewinnt den Anschein, 

') arme. 

-) Auf der Rückseite: Genötigte klag und bitt der brüderen Alexianeren 
und susteren Cristentzcn c/a die geistliche zu st. Elisabeths gasthaus und 
herren provisores daselbst. Verlesen im Rath 9. Januafii 1690. 

3 ) ßatsprötokolle Band 17. 

4 ) Gefällige Mitteilung des Herrn Stadtarchivars Tick. 



als ob durch das bald darauf eintretende Sinken der Frucht- 
preise der ursprüngliche Widerspruch fallen gelassen worden sei. 

Ausser dieser Brotspende erhielten sie nach einer in dem 
Buche befindlichen Aufzeichnung 1 auch eine solche vom Münster. 

Das Kloster der Christenser lag' auf dem Kapuzinergraben. 
Bei dem Brande vom 2. Mai 1056 ging es in Flammen auf. 
Bald nachher begannen die Nonnen mit dem Wiederaufbau des 
Klosters, wobei ihnen der Bat am 7. September 165(5- gestattete, 
den Neubau nach dem Graben hin soweit vorzurücken, dass er 
mit dem benachbarten Kapuzinerkloster eine Linie bilde. Der 
Bau, zu dem verschiedene Wohlthäter Gaben spendeten 3 scheint 
langsam vorangegangen zu sein, weil erst zwölf Jahre später 
die Kirche eingeweiht werden konnte. Die Weihe vollzog der 
Erzbischof von Trapezunt i. p. i. Nuntius Agostini Franciotti 4 
am 29. September 1668. Das Ereignis wird in dem Buch der 
verstorbenen Schwestern wie folgt beschrieben. 

Anno 1668 den 29 tag septembris, welcher ist auff daß fest 
des ertzengels Sanct Michaels hatt ihrer durchleuchtige hochheit, 
deß apostolischen stulls nuntius und ertzbischoff zu Trapezunt 
genant Augustinus Franciottus die neu auffgerichte kirch und 
Gotteshauß der Christensen allhie binnen Achen mit gewohn- 
lichen ceremonien consecriret und geweyhet zu den ehren Gottes 
und deß heyligen vatters Sanct Augustini. 

Darbey aber die jahrliche kirchweyhung verordnet zu halten 
den ersten sontag nach dem fest des heyligen ertzengels 
Michaelis oder wan Sanct Michaelsfest fält auf den sontag wirdt 
es auch auff denselben tag gehalten. 



l ) Sio ist beglaubigt von dem Notar Johannes Leonardus Vossen und 
hat folgenden Wortlaut: „Extraet auß dem register oder cathaloge derjenigen, 
so der fundirter micken oder brodt in der königlichen kirchen unser lieben 
frauen allhier in Aachen genißen. Das eloster der geistlichen Jungfrauen 
zu den Christenßen genannt drey brodt micken, dir meistersche auf sanol 
Stephanshof ein brodt micken, die cüstersche daselbsl ein brodt micken." 
unter micken, holl. mick, ist Brot aus feinstem Roggenmehl zu verstehen. 

-) Den Wortlaut des Etatsbeschlusses s. hei Pick a a. 0. S. 81. 

:; i Die Namen der verschiedenen Wohlthäter siehe unter „Gemein gebetl 
beliehen unseren daglichen gezeiden". Anlage II. 

4 ) Ueher den Nuntius Franciotti vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichts- 
vereins Bd. V, S. 53 ff.; über seinen Todestag von Fürth a. a. »». Bd. IL 
Anh. 2, S. 182. Er weihte auch am 23. September desselben Jahres die 
Kirche der Recollectinuen ein; vgl. Neu, Zur Geschichte des Franziskaner- 
klosters, der Kirche und Pfarre zum hl. Nikolaus in Aachen S. 106; ferner 
Pick in Aus Aachens Vorzeit, Jahrg. II, S. 13. 



— 6 — 

Am 13. Mai 1721 erlitt das Kloster wiederum durch ein 
elementares Ereignis einen erheblichen Schaden. Es wird in 
dem Buch folgendermassen erzählt. 

1721 den 13 may ist in hiesiger statt also .... wasser- 
sturtzung und himmelborst gewesen, daß nicht allein das wasser 
auff den capuzinergraben gleich ein see anzusehen gewesen, 
sondern auch in unser kloster und kirchlein mans höhe gestanden, 
und die grabet* eingefallen seyn, zu dessen erbauung und reparation 
ein ehrbarer rath hundert gülden aix unserm closter beigesteuert \ 

Seit dieser Zeit stiess dem Kloster ein Unglück nicht wieder 
zu, selbst die Stürme der französischen Revolution gingen an 
ihm spurlos vorüber. Zwar wurde während der Fremdherrschaft 
die Zahl der Nonnen, die vordem 15 bis 18 betrug, auf wenige 
herabgesetzt. Der General-Kommissar Staatsrat Jollivet gestattete 
aber am 18. Nivose Jahres X (28. Januar 1801) sie wieder auf 
15 zu erhöhen, indem er erwog: „que l'humanite, l'utilite publique 
et l'avantage particulier de la commune d'Aix-la-Chapelle, recla- 
m ent le maintien d'une Institution aussi precieuse que celle des 
filles gardes malades, aux quelles le gouvernement doit s'empresser 
de donner un temoignage particulier et honorable de sa sollicitude." 
Im Jahre 1899 verliessen die Nonnen das Haus, was ihnen 
jahrhundertelang als Wohnung gedient hatte, und fanden ein 
neues Heim in dem erweiterten ehemaligen Jesuitenkloster in 
der Aureliusstrasse. Die früheren Gebäulichkeiten des Ordens 
zeichneten sich zwar weder durch eine aussergewöhnliche Anlage 
noch durch besondere Schönheit der Einzelformen aus. Gleich- 
wohl sind sie durch ihre bevorzugte Lage inmitten der Stadt 
jedem Aachener bekannt geworden; sie bildeten einen wesent- 
lichen Teil des Gesamtbildes, das der frühere, nunmehr in 
vieler Beziehung veränderte Theaterplatz bot. Die Bau-Formen 
des Kirchleins und der angrenzenden Mauer, wie sie uns bekannt 
waren, entstammen dem Anfange des 19. Jahrhunderts; sie 
entsprangen dem Bedürfnis, die Architektur wenigstens einiger- 
massen dem damals entstandenen Stadttheater anzupassen 2 . 



') Vgl. über diesen Wolkenbruch auch die historischen Notizen des 
Bürgermeisterdieners Johannes Janssen bei von Fürth a. a. 0. S. 40. 

2 ) Eine Zeitlang beabsichtigte man das Regierungsgebäude an Stelle 
des Christenserklosters zu errichten und den Nonnen entweder das St. Leonards- 
Institut zu überlassen oder an Stelle der jetzigen Regierung ein neues Kloster 
nebst Kirche zu erbauen. Vs?l. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 
Bd. XXII, S. 111. 



Die Kirche an dem neuen Heim der Schwestern ist unter 
der Bauleitung des Architekten Hi'nili in den Formen des 
gothischen Stils erbaut. 

Das in der Überschrift bezeichnete „Buch der verstorbenen 
Schwestern und der Wohlthäter des Christenserklosters in 
Aachen", dem ich, wo nicht anders angegeben, die vorstehenden 
urkundlichen Aufzeichnungen entnahm, enthält die nachfolgenden 
mit I— III bezeichneten Verzeichnisse bezüglich der Stifter der 
Erbzeichen und der Messstipendien, sowie der Namen der ver- 
storbenen Mitglieder der Genossenschaft seit dem Jahre 1622 
bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Das Buch ist 25 cm hoch 
und 19 cm breit, der Deckel ist mit einem Pergamentblatt aus 
einem Kirchenbuche bedeckt, die Blätter sind stellenweise ver- 
modert, wodurch einzelne Wörter und Zeilen vernichtet wurden. 
Die Schreibweise ist sehr schwankend, der Druck schliesst sich 
daher dem Texte genau an, mit Ausnahme einiger Wörter im 
Beginne wo u als ü geschrieben ist, in diesem Falle wurde 
stets der erstere Buchstabe angewandt, 



Anlagen. 

T. Verzeichniss der Stifter der Erbzeichen. 

Jesus. Maria. Augustinus. 

Außzuch aus der schwesteren zu den Christensen-closters register-buch 
und beweiß über ihre habende erbzeichen in daß gasthauß. 

Itern ihm jähr unsers herren 1470 so ist gestorben herr Emmerich von 
Bastenachen der junger, wessen eheliche baußfrau joft'rau Jobanna, v[on] 
herr Gottschalcks von Hokirchen ' ehliche docb[der], Schelfen zu Aachen, 
diese joffrau Johanna . . . nach todt ihres maus ist sie dargegangen n[nd] 
hat in den heiligen Geist sieben grosser br[ode] gegolden und hau darvor 
gegeben hundert golt reinsche gülden, der broder hat sie unsere sustcren 
ein gegeven zu ewigen dagen. 

Es geschah aber sieben jähr darnach, daß [g]enombte joffer 

Johanna vor ihrem to gülden gegev[en] vor nach eins sieben 

broder in denselven heiligen Geist und unserenn susteren derselver broder 
nach eins gegeven halt zu ewigen tagen. 

Daß sullen wir susteren und beddende brudere warn sie gleich uns 

1 Gtottschalk von Hochkirchen war Inhaber des grossen Zehntun des Kirchspiels 
[Laurenz-]Berg. Zeitschrifl des Vachener (icseliiclitsvcreins Bd. V, 8. 222, 223. I'i" 
Familie vou Hochltirohen tritt zu Aachen schon im L4. Jahrhundert als Schöffenfamilie 
auf. Vgl. daselbst Bd. XV. S. 282. 



besorget sint, alle jähr auf Saut Pauli abent gacn zu Minrebröder zu Achen 
und hören die vigilie und seelmiß, die die bröder von dein closter mit 
vier wachßkertzen doen sullen und müssen vor diese vorgerurte ehelut. 

Desselben gleichs sullen auch zwey susteren von den unsen, und zwey 
von den vorschrieben bröder doen allerseelen abent und tag und gaen zu den 
Minrebröder umb eine miß oder zwey zu hören und des abents die vigilie. 

Dan sullen auch vier kertzen brenen, die die Minrebröder bestellen sullen. 

Item ist zu wissen mit einer ewiger gedechtnuß, so wie der frommer 
man Kolandt von Hochkirchen ' als eine Gotts almuß uns susteren auff 
Hardeweiß grab 2 ein brodt gegolden hatt zu ewigen tagen in den heiligen 
Geist binnen der Stadt Achen alle sondags zu geven. 

Deß sollen vier susteren von den unsen zu den ewigen tagen zu den 
Augustinen gaen, alle dounerstag in den vier quaterteinper und sollen hören 
die vigilie, die man des donnerstag dae thut und die miß deß vreytags zu 
morgen und des selven gleichs sollen vier susteren alle jahrs gaen dar auff 
aller heiligent[ag] und hören die vigilien und des anderen tags die miß als 
es gewonlich ist. 

Und wer es sach, daß die vorschrieben susteren hierin versumlich 
wieren, so sullen sie das brodt in den [heiligen] Geist nit mehr haben, also 
als vorverklart stehet. 

Bey diesen zusagen sindt over und angewesen . . . . v . ssen und .... 
tten mutter Im ... . dem jähr unsers herren dan man schriff dausent fünft 
hundert und ein, des funfften dags in dem monat genant october. 

Item meister Wilhelm Zeweis 3 , doctor in der gottheit und canonich 
zu unser lieber frauen zu Ach hat uns ein groß brodt in daß heiligen Geist 
hauß gegolden des sontags. 

Item last uns bitten vor Peter Hellinch, burger zu Achen und seiner 
haußfrauen, von ihm kumbt uns ein groß brodt alle sondags in das heiligen 
Geisthauß. 

In dem jähr unsers herren 1518 ist gestorven Theiß Schoren, burger 
und rathsherr der keyserlichen stadt Achen. Dem Gott gnade. 

Item dar nach ihm jähr 1526 ist kommen Ma[ria] Schonns, deß vor- 
schrieben Theißen selig seine ehliche haußfrau und hat vor ihres manß seele 
.... ihre seele und vor ihrer beyder eiteren seelen vor sie begerende sind 
.... gesticht .... memorie und geben den heiligen Geist hundert golt- 
gulden min vier, darvor sie gegolden hatt drey kleine broder, von welchen 
drey brodt Maria vorschrieben unsen conveut ewiglich ein groß brodt hat 
gegeben, deß sollen wir susteren alle jahrs auff Sant Marcustag gaen und 
sullen hören von den Janßbröderen des abents die vigilie und des morgens 



J ) Er wird erwähnt in einer Urkunde vom 12. April 1111. Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereins Bd. I, S. 163. 

2 ) HarduinsgraLen. 

8 Wilhelmus Zwcrs, vgl. Heusch, Admodum reverendi, perillnstres atqne 
genorosi Pomini Canoniri Regalis Eccl. 13. M. V. Aquisgranensis pag. 11. 



— — 

die secllmiß, welche vigilie und miß die vorschrieben Johannerbruder halten 
sullen mit vie.r brennenden Wachskerzen, desselven gleichs sullen auch unsere 
susteren auff aller seelen abent und tag doen und sullen hören die vigilie 
und eine oder^zwey mißen, alsdan sullen vier wachskertzen brennen, die die 

Johansbruder bestellen sullen als verschrieben stehett. 

Itera Maria nachgelassen wittib Johan Panckartz selig hatt uns mutter 
und susteren zu den L'hristensen gegeven ein erffzeichen von ein klein brötgen 
in den heiligen Geist zu acht tagen zu bullen, unib das wir vor ihre und 
ihres raanß seell bitten sullen. Sie ist gestorben anno 1611 den 17. january. 

Anno 1651 den 3. novetnber erklerte die zeitliche mutter von den 
Christensen^closter, suster Jo[hanna] von Malta, vor herren provisoren herrn 
burgermeister Leonart Schleiger 1 , herrn Adolff Keren werckmeister und 
Schwester Elisabet Conrats, zeitliche mutter des gasthauß, daß von allem 
vorgeruhrtem brodt nur siebenthalb groß entfangen und dan von dem 
ehrwürdigen [herrn] Colyn, canonicus in unser lieber trauen [kirche] ein 
halb brud .... er ein erf [fzeichen] wegen angenommener suster Jengen 
Rückers gemein zeichen inkommen betten. Dahero l l j 2 brodt wöchentlich 
vor ihre portion haben und vom heiligen Geisthaus inhaben thate 2 . 

Anno 1664 [den] 12. Oktober. Jetzo empfangen wir ein klein brodt 
von den Schricken erbgenamen darvon jetzt giffter ist herr doctor Weydenfels 
haußfrau, wohuhafftig anjetzo zu Collen. 

II. Verzeichniss der Wohlthäter des Klosters und von Messstiftungen. 

Gemein gebett beneben unseren daglichen gezeiden. 

Erstlich sind wir schuldig zu bitten vor alle almussen die wir ge- 
messen • : • als auff den diermitter und heiligen Geist, deren woldieter, 
begrenuß l!] sind bey den Minnerbröder, in Sant Foylany, bey den Regulieren, 
wie auch bey den Augustinercn, deren jähr zeideu wir halden auff aller 
heiligen dag und aller seelen dag • : • und auff Sant Paulus bekehrung dag 
und abent. 

Und sind schuldig zu bitten alle vier quatertemper, deß donnerstags 
15 pater noster und 15 ave Maria das Gott der herr im garden hatt gelietten; 

und am freytag, das Gott der herr ist gecreutzigt wurden auch 15 pater 
noster und 15 ave Maria, 

am sampstag 15 pater noster und 15 ave .Maria, daß Gott der beer in 
das grab ist worden g[elegt], 

deß sontags 15 pater noster und 15 ave Maria zur einen der glor- 
würdiger aufferstehung. 

Dieß gebett bitten wir die gantze fasten und advenl für alle unsere 
woldieter unsers closters und vor diejenigen die dieß gebet! haben ingesetzt. 



') Die Eintragung ist. als „Oopey auß das gasthaus buoh" bezeichnet. 
-i Leonard von Schleicher war im Jahre 1647 Schöffen-Bürgermeister nnd im 
Jahre 1661 Bürger-Bürgermeister, vgl. Bonner Jahrbücher ttefl I.WI. S L34 and 185. 



— 10 — 

Item vor herr Jan' der hat den gang lassen bauwen und bat in uns 
kirch gegeben zwey seilberen pollen und zwey ducaten vor unseren kilch zu 
ubergulden. Gott dröste die seell. 

Nach Morgen auff den wingertsberg hatt unserem closter gegeben ein 
stuck liinß 2 , welches wir verkaufft haben und wieder angelacht an unser 
abgebrantes closter an den neuen bauw und kirch. 

Item frau Elßbeht hat uns grosse almuß geben und uns koechen lassen 
Italien, welche verfallen waß. Last uns für sie bitten. 

Anno 1G39 den 11. november ist gestorben der ehrsamer Mativis Malta 
und seine haußfrau Catharina starb anno 1642 den 2. September, von diesen 
beyden eheleuden [sind] uns drey hundert daller so an den g[rossen] bau 
angelacht, davor sind wir [schuldig zu] bitten. 

Noch sind wir schuldig zu bitten für Johannes Müller und Eleysabet 
Müller sein haußfrau und ibre kinder; von ihnen kumpt hier in uns neu 
erbauter kirch erstlich an kalck und hochen altar, die kirch mit blau stein 
zu belagcn, communion banck und andere Ornamenten in allem für sechst 
hundert daller. Diese oben benennte eheleudt haben ein dochter im kloster 
genandt suster Catrin Müller. 

Anno 1678 den 30. nuveinber ist Jungfrau Johanna von Settert von 
dieser weit geh 3 dem heren einschloffen. Got drost die liebe seil. Dieselbige 
Jungfrau Johanna hat unser kloster von ein mahll hundert sage 100 dahllcr 
gemacht, deß sollen wir susteren alle jähr vor ehre seil 5 meßen laßen 
lessen zum ewigen dagen, .... es solt au unsere sehllen gerechent werden. 

Anno 1679 den 1. dag September ist herr Kremer, feissentz Kremer 
sieliger in dem heren eiuschloffen. Gott drost die liebe seil. Er hatt unser 
kloster vor ein mahll 20 reichstaller und 6 reichstallcr vor ein pors van 
sampt die kerche gerechtiig[keit], darauß sollen wir alle jähr ein meß laßen 
leßen vor seine seil zum ewige dagen. 

Anno 1683 den 24. sage 21. augustus auf [Sanct] Pattolmeis dag ist 
her Zeinck Fetteres [Zei]nck secliger gottsielig in den herren einschloffen. 
Gott der herr wolt seine liebe seell trösten. Derselbige herr Petteres Zeinck 
hatt unsere kloster für ein mahll hundertt Aacher Dahller gemacht, des 
solle wir alle jähr zum ewigen tagen fünf sage 5 meßen laßen lesen, wan 
aber durch versumnes soltt under laßen werden, so soltt es an unsere seillen 
gefordertt werden. Dasselbige gellt ist zu der kirchen . . . ., machtt von 
jährleich 5 messen. 

Anno 1689 den 24 dag mertz ist herr Hubertus Hüben gottseelig in 
dem heren einschloffen. Der selbig herr Hüben secliger hatt sein Schwester 
im kloster und so laut;' alls sie lehbett habe wir jahrlich 5 reißdahller, des 
seintt wir schuldig vor sey und seine elderen zu betten. Deß [so]llt Jung- 
frau Mergen jahrlich 10 von das gelt |vo|r einen spcill penneig habe soll ....'. 

Anno 1691 den ersten aprilis seindt die vielehrsame ehelcuth Johan 



*) Der Familienname fehlt. a ) Bend. '■'■) jähe, *) Folgen zwei unloserlielio Worte. 



— 11 — 

Leouart Nutten und Margare tba De Bebronne genannt von Charneux, ein- 
wühner hiesiger stadt Aach: in diesem gotteshauß erschienen und haben frey 
willig fundirt und zu ewigen tagen gestifftet eines douncrstag h. ineßopfer, 
zur ehren des 'h. Sakraments deß altars vor und nach welchem der Segen 
deß h. hochwürdigen solle gesungen werden. Vor welches sie, eheleuthe, 
schon vur hier drey hundert dahler aix versehrieben alß capitall und hier- 
nach danunoch hundert dahler aix, daß also hiernach nach todt vorgeineltcr 
eheleuthcn 400 dahler aix capitall hiesigen kloster verbleiben sollen, von 
welchem sie vor vorgemeltem h. meßopfer daß iuteresse oder abnutzung zu 
ewigen tagen genießen sollen. 

Vor weiche gute intention sie geistliche Schwestern vorgemelten eheleuthe 
unter die wolthäter dieses hauß haben und vor sie betten werden. 

Anno 1694 den 26 dag may empfangen von die ehrsame Jungfrau 
Petternell Ohlligschlager die summe von 26 reichstaller. Dieselbige seile 
angewentt werden vor die h. meß so an ßatterdag gelesen werden zu ewigen 
dagen; von Heunßhoffen ' hurtig. Dieselbige summe ist zur mitthüllff an 
die wochlichen sambstag meß. 

Anno 1694 den 10 dag yunies so hatt suster Elesabeth und Schwester 
Maria Hunpers ein ieder geben an die kirch drittzenden halben reichstaller 
seyn drittzender halben, macht 25 reichstaller. Dieselbige Schwestern 
begeheren alle jähr nach ehrem absterben ieder ein heillegen meß vor ehr 
beye schlleu zu haben. 

Anno 1702 den 15 dag juleyes hatt Petter Sieben sielig dem kloster yähr- 
leich 5 Aacher daller hinderlaßen vor 5 meeßen darauß zu leßen zu ewigen 
dagen vor seyne und alle frunden seilen. 

Anno 1703 den 9. may hat unser kloster auß bänden der vieltugent- 
reicher Jungfrau Catharine Herpers empfangen dreyßig thaler aix, mit dieser 
Obligation, daß wir in unserer kirch zeitlebens derselben Jungfrauen jahrlichs 
den 4. augusti eine seelmeß sollen lesen laßen für ihre lieben eiteren und 
nechst verwanten armen Seelen, auch für ihr und ihrer freunden wolstand 
in unserem gemeinen gebett Gott bitten sollen, auch so viel es möglich und 
unseren schwesteren zu hauß sein werden, selbigen gottesdienst zum trost 
deren seelen beywohnen sollen, selbiger Jungfrauen seelen nach todt auch in 
.... unserem gebett eingedenck sein werden, welches hieinit bescheinigen. 
Im Jahr, monat und tag alß oben. 

Schwester Chreistina Zeinck, mutter des Christensenclosters. 

Anno 1710 den 6 july hat Schwester Joanna Savelsberg ein testament 
gemacht mit erlaubnuß ihrer obrigkeit, zufolgs wessen sie der krancken- 
kammer vermacht hat hundert reichsthaler zu 5.6 niärck. worüber ein zeit- 
liche mutter zu behueff deren Schwestern disponiren soll, welche nichts an 

sich Selbsten haben; 

dau ist weyters in allsolchem testamcnl enthalten, daß jährlichß ein 

1 Hünslioven bei Geilenkirchen. 



— 12 — 

anniversarium für die verstorbene seell soll gehalten werden wozu und waß 
weyters die mitschwestern gemeinsam sollen ein capitahl von zwey hundert 
thaler aix zu 26 märck vermacht sey. 

Weilen nun genannte Schwester Johanna Savelsberg nach absterben des 
in ihrem testament benenten herrn canonici Cuperus mich zum executoren 
am platz dessen benennt, auch ersucht hat, dieses hierbei zu annotiren, 

alß hat dieselbe mir eine gute Obligation von hundert reichsthaler für 
die krancke cammer gezeigt, gleich auch eine andrer Obligation von zwey 
hundert thaler aix zu 26 märck für das anniversarium; letzlich hat sie mir 
gezeigt ein Siegel und brieff lauteudt auff Friederichen Ziederer ad hundert 
thaler aix zu 26 märck sodan annoch zwey handtschrifften jede ad hundert 
thaler aix zu 26 märck hat also zum besten und vortheil des closters diese 
drey hundert thaler zu 26 märck aix vermachet mit bitt, daß nach ihrem 
gottgefälligen todt ihre seel in aller mitschwester andacht undt gebett 
eingeschlossen undt täglich gebettet werden möge. 

In fidem con et subscripsi Johannes Leonardus Vossen, notarius 
apostolicus caesarcus publicus qua executor. 

Anno 1716 den sechsten octobris hat mohn Cathariua Maldonner, wittib 
Johannen Moll sehliger dem closter zu den Christensen alhic in Aach ver- 
macht und besetzt eine capitalsumm von ein hundert reichßthaler ieden ad 
fünifzig vier märck aix gerechnet, auff ein handtschrifft, welche im closter 
in verwahr ist, außstehendt, von welchem capital nach ihrem todt die 
ehrwürdige mutter undt geistliche schwestereil zu den Christensen die 
interesse empfangen und gemessen, und dargegen alle und iede jahrß zu 
den ewigen Zeiten sechs seelmessen zu trost ihrer Catherinen Maldonuer und 
ihrer verwandten seelen bestellen und leßen lassen sollen, worzu gemelte 
mutter und schwesteren sich verbinden, auß den interesseu die praesentien 
vor die priestem, und die gebühr vor die sacristey entrichten und versorgen 
sollen. Urkundt hierauff gesetzter beyden theillen handtmirekeu. Sogeschehen 
Aachen wie oben. 

1721 den 6 januwahrees hat der Herman uns vermacht 4'/ 2 morgen 
landt, darfür zu betten, auch hundert Acher daller, darauff außgeben auch 
jarlich 5 meßen, 6 gülden die kirek. 

Anno 1728 den 23. decembris ist uns durch testamentalischer vermachung 
des wohlebrwürdigen herrn canonici de Mathys ' vermacht worden funffhundert 
pattacons species sage 500 pattacons species, wohergegen wir verobligiret 
sindt für seine undt seine liebe eiteren seehlen in allem unserm gebett zur 
ewigen tagen einzuschliesser. 

Der Allerhöchste gebe ihm die ewige ruh, amen. 

1735 den 15. dezember empfangen von raadam Heideton sieliger fünffig (!) 
reichsdaller korand, welcher für obligacion jarlich ein liiligen meß lesen 
zu laßen. 



1 Joannes Guilelmus de Matliys. Ueusoh a. a. 0. S. -U. 



— 13 — 

1740 den 15 Oktober haben wir empfangen von Herr Dechen sieliger 
Weiler 1 hundert reichsdaller für obeligacion jarlich ein hieligen meß lesen 
zu laßen. 

Ein capitaA van wittib Jörissen Hermanns fundirt anno 1740 für eine, 
wöchentliche Messe 400 daler. 

1741 den 15. january empfangen von Jungfer Hausch sieliger darfür 
zu betten fünfsig reichsdaller. 

1758 den 9. februarius empfangen von Bernarde und seiner frau seeliger 
200 reich(sdaler| wofür yahrlich weir ein seclen ambt mußen halten ein 
hochmeß und 2 . 

1762 den 24. janewarie hab ich Schwester Anna Eliesabcth Kuuedels 
als matter und Schwester Mariea Agnes Leiten als untermutter dieses buch 
der verstorben mitschwesteren und wohlthaeter dieses closter nach gesehen 
und hab gefuuden, das wir bis heut dato jaerlich verflicht seindt, 56 belege 
messen lesen zu laßen und ein homes 3 . 

1768 den 20. mertz ist der herren Gantzen, jja stur von unserem closter 
in die 40jahr sehr eifferrich bedint, gottsellig ihm herren entschlaffen im 
hochruhmlichen alter 86 jähr und hat unserrem closter vermacht ein capetal 
von 300 reichsdaler wovor wir jährlich eine osterkertz und eine hochmes 
unnd 2 leßmessen zahlen mußen. Ein hunter von den 300 ist vor die 
osterkertz, uut 200 vor daß jahrgedägtenuß. 

1783 den 10 july ist der herr Janssen gestorben, im 16. jähr als pastor 
.... im 63 jähr seines alters und hat uns 150 reichsthaler vor ein anniversarium 
vermacht, eine hochmesse, 3 lesemesscn. noch vor uns eine recreation und 
ist in unsere kirch begraben worden. 

III. Verzeichnis der verstorbenen Schwestern. 

Anno 1G22 den 27. maius, deß nachmittags um 4 uhren ist in Goti 
entschlaffen unser raitschwester Eüllet (!) Lintzen, ihres alders 25 jar, in 
unserm heiligen oi'deu gewest in das 8 jar 4 . 

1633 deu 23. aprill ist in Gott entschlaffeii süster Adelheit Kniff ihres 
alders 80 jar, ist dem closter löblich vorgestanden mutter etliche jaren. 

1633 den 25. April starb Maria Scheffens „bey die 80 jaren alt". 

1644 den 10. September starb Adelheidis Junckers, im Alter von 41 Jahren, 
wovon sie im 22. Jahr im Orden war. 



•) Vgl. über ihn Heuscli a. a. O. S. 38. Er errichtete in der St. Salvatorkirche 
einen neuen Altar zu Eliren des hl. Nilvolaus and stattet.' ihn mit ansehnlichen Ein- 
künften aus. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereina Bd. VI, s. T» ;. 

a ) Der weitere Wortlaut ihr Bedingungen ist vernichtet. 

8 ) Hochamt = gesungene Messe. 

4 ) Bei den Eintragungen, die dieser gleichlautend sind oder unerheblich abweichen, 
habe ich von einer Wiedergabe des Wort laut s abgesehen und ,,,iHi nur auf die Anführung 
des Todesjahrs und Tags, des Alters der Verstorbenen und wie lange sie nach abgelegtem 
Profoss Mitglied des Ordens war, beschrankt. 



— 14 — 

1649 den 7. August starb Anna Schültüs, im Alter von 47 Jahren, 
wovon sie 13 Jahre im Orden war. 

1653 den 22. August starb Eltzsabeht Clermondt, im Alter von 76 Jahren, 
wovon sie im 55. Jahre im Orden war. 

1657 den 23. marty ist in unserm closter der Christensen in Achen 
genannt sanct Bethania in Gott entschlaffen unsere vielgeliebste mitschwester 
.Maria Gartzwyler, ihrer provession im 61. jar und ihres alders 80 jar. Ist 
etliche jaren alhier mutter gcwest; ihrer eitern und ihrer ingedenck. 

1658 den 1. Juni starb Catharina Peill, 63 jare alt, Mitglied des Ordens 
im 45. Jahre. 

Anno 1669 den 20. Oktober ist in unserm closter der Christensen in 
Achen in Gott entschlaffen unsere vielgeliebte mitschwester Joanna Maltha, 
ihrer provession im 32. jähr und ihres alders 49 jähr; sie hat das küster 
ampt loblich und treulich in daß 18. jähr bedienet. Als die neue kirch bey 
nach ferdig und gebauet, ist sie gestorben und ist die erste, so in diese kirch 
ist begraben wurden, nachdem daß die kirch geweyet ist gewessen. 

1675 den 16. März starb Johannes Rückers. 

1675 den 6. April starb Johanna . . . . ' im 84. Lebensjahre, wovon sie 
im 53. Jahre im Orden war. 

1677 den 24. Juli starb Catharina Maltha. 

1679 den 28. September starb Maria Schreiffers. 

1680 den 27. September ist in unserm kloster der Cristensen in dem 
herrn einschlaffen unsere villgelebte mutter mitschwester Johanna Maltha, 
ehres alders in das 98. jähr, ehr profeße 74. Das ampt der mutterschafft. 
38 jähr, nachdem sie undermutter 10 jähr und jubelarin 16 jähr gewessen. 
Gott drost die. liebe seil; ehren eidern gedeuckt. 

1682 den 30. Januar starb Anna Eomersem. 

Anno 1685 den 16. juny ist zu Aachen allhie in unserm kloster gott- 
seelig in dem herrn entschlaffen unsere vielgeliebte mitschwester Catharina 
Müllers, geweßen untermutter 32 jähr, ebenfalß daß ampt der mutterschaft 
9 jähr löblich und mit höchster Vorsichtigkeit zum guten deß klosters 
vertretten! Wie auch alle sontiig und feirtäg eine meeß fundiert oder 
gestifftet zu ewigen tagen, und zu diese vorgemelte meeß hinderlaßen die 
pension von elff hundert reichsthaler aix, von welche pension der priester 
haben soll 30 thaler aix und daß vor die küstersche, kirch und zur notturfft 
des klosters solle angewendt werden. 

Item ebenfalß 50 reichsthaler in specie vor [einen] begang zu halten 
für ihre seel, ihrer [eitern] und brudern und Schwestern arme seelen gestifftt. 
Wegen diese gute eingebing Gottes und eiffer diesen kloster zu befordern, 
mögen alle Schwestern, jetz wehrende und nachkommende .... gehabte 
eyffer und gu . . . . und billig eingedenk sein '-'. 



') Der Familienname ist zerstört. 
'-' Das .... ist zerstört. 



— 15 — 

1687 den 9. August starb .Maria Hausen im Alter von 77 Jahren, wovon 
sie im 56. Jahre im Orden war. 

1688 den 5. April starb Maria Dohm im 48. Lebensjahre, wovon sie im 
17. Jahre im Orden war. 

1688 den 12. November starb Margaretha Arnols im 64. Lebensjahre, 
wovon sie im 34. Jahre im Orden war. 

1690 den 15. May starb Catharina Zinck im 38. Jahre ihres Alter-. 
wovon sie im 6. Jahre im Orden war: „sie hat ehr kloster dienlich vor- 
gestanden im 5. Jahr". 

1690 den 2. Juli starb Anna droit'. 

1691 den 26. April starb Angenes Milles im 40. Jahre ihres Alters. 
1696 den 3. Dezember starb Helena Rausch, sie war im 4. Jahre im * Irden. 
1699 den 8. Januar starb Catharina Schumachers. 

1709 den 1. November starb Catharina Weissenberg im 51. Lebensjahre, 
wovon sie im 21. Jahre im Orden war. 

Anno 1716 den 6. oktoher ist unser filgeliebte mitschwester gottselig 
den herren entschlaffen Anna Wielden deß nachmitdag urab 5 uhre. Gott 
tröste ehr liehe seell. Die donnerstägige h. messe, welche vor sie freitags 
gehalten wurde, ist gestifftet worden von Hermann Krops, anno 174« den 
1. november vor capital 350 reichsthaler. 

1722 den 2. Januar starb „Margareth Kremer auß Aachen, ihres alters 
etwa 74 jähr". 

1722 den 2. November starb Cristeyna Zeing. 

1723 im Mai starb Eleisebeth Gaffeck. 

1725 den 11. April starb Johanna Sauelberg. 

1731 den 27. April starb Eliesabeth Schönrackers, 82 Jahre alt. 

1736 den 6. April starb Lucya Andriß „ihres alters 91, 73 im heiligen 
orden gewesen''. 

1741 den 29. Oktober starb Maria Haumpers, 93 Jahre alt. 

1745 den 21. März starb Anna Andreiss „ihres alters 86 jähr, 65 ym heiligen 
orden geweßen, vor welche liebe seel yarlich 2 hieligen meßen leßen zu laßen. 

1747 den 12. Dezember starb Maria Brewers „ihres alters 74, ihre 
profesion 47, vor welichen lieben seil jarlich ein li. meß, warvor sie hinder- 
lassen hat 250 reichsdallers". 

1751 den 28. Juni starb Anna Catharina Kesselkaul. 

1754 den 20. August starb Catharina Ritzerfeldl im Alter von 87 Jahren, 
wovon sie 59 Jahre im Orden war. 

1754 den 14. November ist gottseelig im herrn endschlaffen utser veill- 
gelibt mutter Maria Paffen des nachmittag umb 4 inen, ehres alters 55 jähr, 
ehre geistliche proffesion 33 jähr und ist ein daß 17. jähr mutter gewesen, 
Gott geh ihr die ewiege raub. 

1757 den 30. August starb die Mutter Anna Chenmanns „elnvs alters 
49 jähr, obre geistliche proffesion '29 jähr und ist ein daß 8. jähr mutter 



— 16 

1757 den 13. September starb .Maria Catharina Savelsberg im Alter 
von 29 Jahren, wovon sie im 5. Jahre im < Irden war. 

1758 den 22. August starb Schwester Anpclla im 77. Jahre ihres Alters, 
wovon sie 50 Jahre im Orden war. 

1759 starb Maria Joseph Demundt im 35. Jahre ihres Alters, wovon 
sie 14 Jahre im Orden war. 

1761 den 3. März starb „unsere matter Moneca Delhei, ihres alters 
53 jähr, ihrer geistliche proffesion 34 jähr; sie hat das closter vermacht 
hondert 25 riexdaler, darfur müsse gehalten werden jarlich 3 h. messen 
und die sakredei (Sakristei) mus habe einen halben riexdaler und die mit- 
schwesteren ein glas wein auff ihren stcrbdag für allezeit; das übere was 
sie hitterlassen hat, das soll vor die kirch augewendet werden". 

1763 den 26. Februar starb Cäcilia Zimmermann im 93. Jahre ihres 
Alters, wovon sie im 66. Jahre im Orden war. 

1770 den 25. März starb Margaretha Reuter im 72. Jahre ihres Alters, 
wovon sie 48 Jahre im Orden war. Sie stiftete „jährlichs 2 h. messen". 

1770 den 13. Juli starb Gertrudis Schieren im Alter von 78 Jahren, 
wovon sie im 47. Jahre im Orden war. 

1770 den 12. Dezember starb Theresia Luckradt im 50. Jahre ihres 
Alters, wovon sie 29 Jahre im Kloster war. „Daß kloster muß jährlich 
vor sie lesen lassen 10 h. messen, ein hochmeß; vor uns jede ein helffe wein, 
spans brod .... braden." 

1780 den 15. Februar starb Anna Elisabeth Knudels „ihres alters ihm 
80. jähr, geistliche professiou im 54, im vierten jähr jubilaria". 

1784 den 11. Januar starb Elisabetha Erbrich „ihres alters im 84. jähr, 
geistliche profession im 57., im 7. jähr jubilaria. Das kloster muß vor sie 
lesen lassen jährlich 3 h. messen, auch eine recreation geben". 

1784 den 27. Oktober starb Anna Gertrudis Klecker „ihres alters 58 jähr. 
Sie hat 100 reichsthaler hiuderlassen vor jährlichs 4 messen und eine 
recreation; geistliche professiou 36 jähr. 

1786 den 19. Oktober starb Marianna Knops im 53. Jahre ihres Alters, 
wovon sie 26 Jahre im Orden war. 

1790 den 14. Februar starb Aloysia Schmitz im 52. Jahre ihres Alters, 
wovon sie 32 Jahre im Orden war. „Das kloster muß jarlich , . , l messen 
lesen lasen". 

1792 den 16. April starb Anna Maria Schillings „ihres alters 80 jähr, 
geistliche profession 58 jähr, im 8 tcn jähr jubilarij". 

1799 den 26. April starb Marianne Leyten im Ater von 87 Jahren, 
wovon sie 62 im Orden war. 



') Die Zahl ist zerstört. 



85 

■■ ■ ■ 




Abbildung der-alten Heppionsmühle nach einer Handzeichnung von Nicolaus Salm 1 . 



Zur Geschichte der Heppions -Wassermühle. 

Von H. Savelsberg. 

« 

Auf dem in der Altstadt gelegenen Gelände, durch das man 
vor mehreren Jahren die Elisabethstrasse gelegt hat, lag ehe- 
mals hinter dem ausgedehnten Besitztum des alten Beguinen- 
Konventes von Stephanshof in der Hartmannstrasse die sogenannte 
Heppionsmühle an der jetzt unterdrückten Gasse, die nach ihr 
auch den Namen Heppion führte. 

Schon lange Jahre bevor die alte Kapelle und die sonstigen 
Gebäulichkeiten des Stephanshofs in der Hartmannstrasse ab- 
gerissen wurden, war die alte Wassermühle bereits von der 
Bildfläche der Stadt verschwunden. Im Sommer des Jahres 1899, 
als man die Fundamente auswarf für den niedrigen Parterrebau 
der Aachener Diskontogesellschaft in der Elisabethstrasse, hatte 
man Gelegenheit, die gewaltigen Grundmauern der Mühle, das 
tiefe Bett der Pau und die Stelle, wo sich das Mühlrad ehemals 
befunden hatte, zu sehen. 

Zunächst möchte ich über den merkwürdigen Namen Heppion 
oder, wie er in dem Necrologium Aquense 2 vor 1800 und in den 



\) Das Original befindet sich im Besitze des Herrn Landgeriehts- 

sekrctärs Johannes Fey. 

2 ) Necrologium ecclesiae B. .M. V. Aquensis von Chr. (^uix. 1830. 
S. 13, 15, 60. 

2 



- 18 — 

Stadtrechnungen des 14. Jahrhunderts ! heisst: Hepenul, Heppenul, 
Hepiul, Heppiul, Heppeiul, Heppioel, Heppioil und in einem 
Kaufakt von 1538 Heppenjoil, einige Bemerkungen vorausschicken. 

Was Quix damit meint, wenn er in seiner „Topographischen 
Beschreibung der Stadt Aachen" 1829 (S. 9) sagt: „Heppiul, 
eine Gasse, in welcher vorhin mehrere öffentliche Abtritte waren, 
nach welchen sie die Benennung soll erhalten haben", ist mir 
nicht recht klar geworden. 

Und was Marjan im zweiten Teile seiner „Keltischen Orts- 
namen in der Rheinprovinz" 1881, S. 32 in einer längeren An- 
merkung sagt, ist nicht allgemein als richtig angenommen worden. 
Er leitet das Wort von spina, Dorn, beziehungsweise von der 
Deminutivform spinula = kleine Dornhecke ab und glaubt, weil 
er die lateinische Ableitungannimmt und nachher Ortsbezeichnungen 
nicht mehr lateinisch benannt worden seien, dass dieser Name 
schon in das 8. Jahrhundert zu setzen sei. Aus spinula sei 
espinula und später epinula oder epinul entstanden (wie im 
Französischen epine und epineux, dornig, stachelich), womit die 
spätere Bezeichnung Heppenul und ähnliche erklärt seien. 

Was mich gegen diese Deutung des Namens einnimmt, ist 
die Ortsbezeichnung: „an der kleinen Dornhecke"; denn so muss 
man nach Marjan den lateinischen Ausdruck übersetzen. Ich 
glaube, dass dies nicht eine bezeichnende und unterscheidende 
Benennung sein kann; denn Dornhecken wird es doch wohl in 
der ursprünglichen Zeit in der Nähe des ältesten Stadtgebietes 
viele gegeben haben, so dass man diesem einen Orte, wo später 
die Mühle stand, nicht einen so allgemeinen Namen hätte geben 
können. 

Vielleicht käme man einer richtigen Deutung des Namens 
Heppenul näher durch Zusammenstellung desselben mit zahl- 
reichen andern Namen mit gleichen Anfangssilben. So giebt es 
zunächst im Regierungsbezirk Aachen ein Dorf: 

Hebscheid in der Bürgermeisterei Forst, Kreis Aachen, ebenso 
Hepscheid, ein Dorf in der Bürgermeisterei Amel in der Gemeinde 
Heppenbach, Kreis Malmedy, ebenso ein Haus 
Heppenbach in der Bürgermeisterei Siminerath, Kreis Montjoie, 
und eine 



') Aiichcner Stadtrechnungen aus dem 14. Jahrhundert von J. Laurent. 
1866. S. 166,25; 233,23 ; 386,«; 401,26 und 404,:,. 



— 19 - 

Heppenbroicher Mühle, auch im Kreise Montjoie gelegen. Ferner 

Hepstedt J zwischen Oste und Weser westlich von Bremervörde. 
Bei Köln liegt ein Dorf 

Heppendorf, bei welchem, wie Schneider in den Jahrbüchern des 
Vereins von AHertumsfreunden im Rheinlande Bd. 73 (S. 2) 
und 78 (S. 5) berichtet, eine alte Römerstrasse nach Zülpich 
vorbeiführte, und im Siegkreise ein solches mit Namen 

Heppenberg. Ein anderes Dorf 

Heppenberg liegt im Kreise Kochern, Regierungsbezirk Koblenz. 

Heppenheim 2 ist eine Kreisstadt in der hessischen Provinz 
Starkenburg, ein alter Königshof unter den Frankenkönigen, 
und 

Heppingen ein Dorf im Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Ahrweiler. 

Ohne das vorgesetzte H giebt es ebenfalls eine Reihe ähnlicher 
Ortsnamen, wie 

Ephoven, ein Dorf bei Bedburg, 

Eprath, ein Dorf bei Grevenbroich. 

Eppenich (Eponiacum), ein Dorf in der Bürgermeisterei Bürvenich 
bei Zülpich, Kreis Düren, ferner vier 

Eppendorf, eines im Kreise Bochum, Regierungsbezirk Arnsberg, 
ein anderes im Kreise Koesfeld, Regierungsbezirk Münster, 
ein drittes: Pfarrdorf im sächsischen Regierungsbezirk 
Zwickau und ein viertes 3 nördlich von Hamburg, ein Dorf 
an der Alster; ferner 

Eppenhausen im Kreise Hagen, Regierungsbezirk Arnsberg, 

Eppingen, eine sehr alte Stadt im Grossherzogtum Baden, Kreis 
Heidelberg 1 , und endlich 

Eppinghoven, ein Kloster bei Neuss. 



: ) Vgl. Altdeutsches Namenbuch von Dr. Ernst Forste mann 
(I.Band: Personenamen, Nordhausen 1856; Tl. Hand: Ortsnamen, Nordhausen 
1859) Bd. II, S. 727. 

2 ) E. Försteinann giebt (a. a. 0. Bd. II, S. 669—670) noch eine 
grosse Anzahl Ortschaften an, die denselben Namen Eeppenheim führen. 

3 ) Nach andern soll dies Eppendorf nach dein Erzbischof Epno benannt 
sein, der im Jahre 823 dort eine Kapelle errichtete, als er von Ludwig dem 
Frommen mit der Verbreitung des Christentums bei den Nordalbingern 
betraut wurde. 

*) Vgl. Neumann, Ortslexikon des Deutschen Reiches; ::. Auflage von 
Willi. Keil, Leipzig und Wien 1894. 

2* 



— 20 — 

Bei all diesen Ortsbezeichnungen könnte man zunächst wohl 
an eine Ableitung- von heppe oder hepe, früher happe = Reb- 
messer denken, einem sichelartigen Messer, dessen sich die 
Gärtner oder Winzer bedienen, so dass man also an dort viel- 
leicht vorhanden gewesene Gärten oder Weinberge anknüpfen 
müsste. 

Wenn wir aber das Anfangs-H bei den elf erstgenannten 
Namen, welches ja ohne alle Bedeutung ist, da sehr häufig-, 
wie andere Vokale, so auch anlautendes E durch solch ein vor- 
gesetztes H verdunkelt wurde 1 und sich auch vielfach gerade 
in unsern Orts- und Flurnamen das willkürliche Vorsetzen eines 
H schon in sehr früher Zeit nachweisen lässt, so ergiebt sich 
für die Gesamtheit der vorher genannten Namen, wie z. B. 
Eppenich, alt Eponiacum, von dem Personennamen Eponius = 
Equonius abgeleitet ist, der Grundstamm equus Pferd, griechisch 
iniioq, keltisch epo 2 , so dass wir die betreffenden Ortsnamen 
durch „Pferdeheide, Pferdebach, Pferdedorf, Pferdeberg u. s. w. 
übersetzen könnten. 

Für den zweiten Teil des hier in Betracht kommenden 
Wortes Heppenul oder Heppioil können wir das häufiger vor- 
kommende Suffix ul, ol, al, nach Förstemann entstanden aus 
vol, val, vallis Thal, Niederung oder Niederlassung annehmen. 
„Wie au" sagt F. AV. Oligschlaeger 3 , „bezeichnet auel (euel) die 
Umgebung der Bäche und kleiner Flüsse." — „An der Sieg, 
Acher und Sülze bezeichnet auel noch immer eine Wiese. " Anderswo 
geht der Name in ohl über. Zu der Form ul, uol, (im Baskischen 
ula = Wasser) gehören auch Ulinabach und Ulendal, Ullenthal 



*) Das in der römischen Kaiserzeit vor vokalischem Anlaut ganz will- 
kürlich tretende H findet sich in manchen Wörtern schon in den ersten 
Jahrhunderten z. B. in halcedo, harena, liaruudo, hasiuus, Hiberus, Hister 
und Histra. 

2 ) Epona (von epus für equus, Pferd), eine ursprünglich keltische Göttin, 
welche Pferde, Esel und Maultiere beschützen sollte, wurde namentlich in 
den von Kelten bewohnten Ländern verehrt, wo man auch viele auf sie 
bezüglichen Inschriften gefunden hat. Vgl. Becker, Jahrbücher der Bhein. 
Altertumsfreunde Bd. XXVI, 1858. 

s ) Vgl. F. W. Oligschlaeger, Die Deutung alter Ortsnamen am 
Mittel- und Niederrhein in den Annalen des histor. Vereins für den Nieder- 
rhein, Bd. XXT und XXII, 1870, S. 170. 



21 



und Uhlenbruch. Mehrere Ortschaften Namens Ohl und Ohle ' 
liegen in der Gegend von Altena, Regierungsbezirk Arnsberg-, 
ferner Aulstadt = Ohlstadt im südwestlichen Baiern, westlich 
vom Kochelsee. 

Hierher gehören auch wohl Namen, wie Aul 2 an der Kyll in 
der Eifel und Ingenohl (= in dem Ohl-Sumpf), ein im Aachener 
Adressbuch angegebener Familienname. 

Da man nun nach der örtlichen Beschaffenheit der Niede- 
rung, in der die Heppionsmühle lag, annehmen muss, dass sich 
dort immer viel Wasser, also wohl ein Sumpf befunden habe, 
so liegt es wohl nahe, die Ortsbezeichnung Heppenul oder Heppioil 
als eine Pferdetränke zu erklären, was um so mehr Berechtigung 
hat, als das Vorhandensein einer solchen in der Niederung dort 
an der Pau, ganz in der Nähe des ursprünglichen Stadtgebietes 3 , 
auch als sehr wahrscheinlich angenommen werden kann. 

Bezüglich der Geschichte der genannten Mühle haben sowohl 
Quix in seiner kleinen Abhandlung: „Die Mühle in Heppion". 
welche sich auch in dem 5. Bande der Zeitschrift des Vereins 
für Kunde der Aachener Vorzeit abgedruckt findet, als auch 
Richard Pick in dem in seinem Buche „Aus Aachens Vergangen- 
heit" veröffentlichten Aufsatze „Die Aachener Bäche" schon 
ziemlich umfassendes, wertvolles Material gesammelt. Da ich 
einen die Heppionsmühle betreffenden Rechtsstreit aus dem 18. 
Jahrhundert etwas eingehender behandeln möchte, so will ich 
die diesem vorhergehende Geschichte der Mühle nach jenen 
beiden Hauptquellen nur in kurzen Zügen zusammenstellen. 

Die Heppionsmühle war das einzige Propsteilehengut in der 
Stadt, also von der sogenanten propsteilichen Mannkammer des 
Aachener Münsterstiftes lehnrührig. Schon in dem von Quix 
herausgegebenen Nekrologiuin des Münsterstiftes, das die alten 
Totenregister der Münsterkirche 4 aus dem 13. und 14. Jahr- 
hundert enthält, wird sie zweimal erwähnt, ebenso auch zwei- 

') Vgl. E. Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd. II, 1859, 
S. I3ü : Aulones. 

-I Aul bedeutet bei den Völkern des Kaukasus so viel wie Dorf, Dorf- 
schaft. (Brockhaus, Convers.-Lex. s. v. Aul.) 

s ) Die Pferdetränke auf dem Holzgraben Lässt sich erst in späterer 
Zeil nachweisen. 

4 ) Chr. Quix, Necrologium ecclesiae B. M. V. Aquensis. 1830. 
S. 15 und 61. 



— 22 

mal in den von Laurent veröffentlichten Stadtrechnungen 1 des 
14. Jahrhunderts. 

Nach einer Stelle in dem genannten Nekrologium des 
Münsterstifts 2 , wo es heisst: „Obiit Wolterus de buche, pro quo 
habemus domum extra inurum ubi pauea exit solventem duodecim 
denarios et duos capones in vigilia nativitatis doinini", „von 
dessen Stiftung wir ein Haus ausserhalb der Mauer, dort wo 
die Pau herauskommt, haben, das 12 Denare und 2 Kapaune 
einbringt, die am Tage vor Weihnachten abzuliefern sind", — 
nimmt Pick an, dass, da die Pau schon damals, wo diese Ein- 
tragung ins Nekrologium stattfand, nämlich vor 1265, also vor 
der zweiten Stadtbefestigung, an der Stelle dem heutigen Theater 
gegenüber aus der Stadtmauer hervorgekommen sei, auch die 
Mühle damals schon sich dort befunden habe. 

Wenn man bedenkt, dass in der Kleinmarschierstrasse, wo 
die Pau, wie auch Rhoen annahm, durch die ganze Länge der 
Strasse floss und an dem inneren Burtscheider Thor in den 
Stadtgraben geführt wurde, eine plötzliche Ablenkung des 
Wasserlaufs aus der Kleinmarschierstrasse nach Südosten zur 
Heppion gelegt wurde, so liegt die Vermutung nahe, dass man 
dort eine Mühle hat anlegen wollen. Denn das Vorhandensein 
von zwei Armen bezw. Leitungen der Pau beweist, dass dort 
eine Mühle sein musste, die den einen Hauptarm in Heppion 
als Staugraben und eventuell Stauweiher benutzte, während 
der andere Arm der Pau den sogenannten Unterbach bildete. 
Es lag ja auch nahe, dass es für die Stadt besondere Vorteile 
bot, innerhalb der Stadtmauern mehrere Mühlen zu haben, da- 
mit die Einwohner sich bei Einschliessung und Belagerung 
ihrer Stadt Mehl und Brot verschaffen konnten. Nachweislich 
waren alle in der Stadt liegenden Mühlen ursprünglich Mahl- 
mühlen. Erst in späterer Zeit wurden einzelne derselben in 
Kupfer-, Kelmis- oder Schaurmühlen umgewandelt. 

Nach dem vorher Gesagten scheint mir demnach Picks 
Annahme ganz richtig zu sein, dass, wenn die Pau vor 1265 
an jener Stelle aus der Stadtmauer herauskam, auch damals 
schon, also um die Mitte des 13. Jahrhunderts, die Mühle in 
Heppion bestanden haben muss. 



1 ) J. Laurent, Aachener Stadtrechnungen aus dem 14. Jahrhundert, 
1886, S. 166,.. 6 und 233,m. 

2 ) Quix, Necrolo^iuni S. 72. 



— 23 — 

Bezüglich des 14. Jahrhunderts ist betreffs der Heppions- 
mühle nur aus Laurents Stadtrechnungen zu entnehmen, dass der 
molendinarius, der Pächter derselben, im Jahre 1344 für den 
ersten Monat 30 Schillinge und im Jahre 1373 für das ganze 
Jahr 10 Mark an assisia multurae d. h. mailgelt oder Mahl- 
steuer an die Stadt zu entrichten hatte. 

Namen von Besitzern bezw. Pächtern der Mühle werden 
erst in Urkunden des 15. Jahrhunderts erwähnt. So findet 
sich zuerst in einer Urkunde vom 31. Mai 1409 über Streitig- 
keiten zwischen der Burtscheider Thorgrafschaft und der 
Nachbarschaft der Burtscheider Strasse einerseits und der Be- 
sitzerin der Heppionsmühle anderseits betreffs der Pau, die 
Pick veröffentlicht hat 1 , als Name der damaligen Besitzerin 
Mathilde Seilmechers. 

In andern Urkunden werden am 19. Juni 1421 die Witwe 
von Thiebes Hunt und seit 1480 Ritter Johann von Palant als 
Eigentümer genannt, der sie damals von Johann Hunt gekauft 
hatte, von Palant verkaufte sie jedoch nach 12 Jahren 1492 
selbst wieder an den Harnischmacher Johann von der Balcken, 
von dessen Erben sie im Jahre 1538 die Stadt Aachen erwarb. 

Diese hat die Mühle ungefähr zwei Jahrhunderte lang be- 
sessen und sie stets am Baumgericht, das aus den beiden 
regierenden Bürgermeistern, einem Syndikus als Kanzleidirektor, 
einem Sekretär und verschiedenen Prokuratoren bestand, ver- 
pachtet. Dass es in dieser langen Zeit zwischen den städtischen 
Behörden und den Pächtern der Mühle zu mancherlei Verhand- 
lungen, Klagen und Streitigkeiten kam, ist leicht zu begreifen. 

Als Pächter werden aus dem 16. Jahrhundert bei Quix 
genannt: 

1559 Bürgermeister Gerhard Ellerborn, 1579 Bürgermeister 
Leonard von dem Hove, 1591 Wilhelm Braun von Wolsyffen. 
1592 Reinhart von Horbach, 1599 Bürgermeister Gillis Valenzyn 2 
und 1600 Franz Widerrode. 

Aus dem Jahre 1640 bewahrt das hiesige Stadtarchiv eine 
grössere Urkunde, die Aufzeichnungen über die Reinigung der 
Bäche innerhalb der Stadt Aachen enthält 3 und über die 



') Vgl. R. Pick, Aus Aachens Vergangenheit, 1895. S. 440-444. 
2 ) Quix schreibt unrichtig Valcngin. Egidius von Valenzin war nach 
Macco Aachener Schöffe in den Jahren 1598 und 1599. 
s ) Pick, Aus Aachens Vergangenheit, S. 445. 



— 24 — 

Pflichten des Müllers in Heppion sagt: „In die Paw von der 
Pletzmuhlen ahn biß auf Weingartsbongart brnck gehört der 
muhler auf die Pletzmuhlen zu fegen biß auf Weingartsbongart 
brück, von dannen aber fegen die nachbaur achter ihre hauser 
biß ahn die Christenßen, von dar biß in Heppion und folgens 
biß Bortscheider straß auf biß ahn herr Simon Molls hauß ge- 
hört der muhler in Heppion zu fegen, von dan biß auf daß 
Parfisch ein ehrbarer rath, auf daß Parfisch aber die flscher, 
so die kästen in der Pawen haben" u. s. w. 

Hieraus geht also hervor, dass der Pächter der Heppions- 
mühle den Paubach von dem ehemaligen Christensenkloster an 
bis in die obere Kleinmarschierstrasse zu reinigen hatte. 

Aus dem 17. Jahrhundert werden bei Quix noch folgende 
drei Pächter der Mühle aufgeführt: 

1680 der Bürgermeister Nicolas Schoerer, 1682 der Bürger- 
meister Theodor Bodden und 1684 der städtische Forst- und 
Baumeister Jacob Moess. 

Ausserdem nennt Pick noch vom Jahre 1685 im Januar: 
Gerard Chonen und Nicolaus Moeren und im Juni desselben 
Jahres Nicolaus Pieren. 

Im Anfange des 18. Jahrhunderts verpachtete der Eat am 
11. Juli 1716, wie es in einem von Notar Johann Baptist 
Poettgen im Namen des Nähnadelfabrikanten Cornelius Chorus 
eingesandten Proteste heisst, „die in hiesiger Stadt liegende 
Windmühle dem Nicolas Decker, dein Bartholomaeus van Mour- 
beeck und dem Johannes Grambusch unter der Bedingung, dass, 
im Fall es den genannten Pächtern selbst nicht gelingen sollte, 
eine Wassermühle zur Pachtung zu bekommen, der Rat dafür 
sorgen würde, dass sie eine Wassermühle in Pachtung bekämen, 
inmassen dann derselbe die in hiesiger Stadt liegende Heppions- 
mühle zu solchem Ende aptieren und verfertigen lassen wolle, 
was denn auch bald geschah. Als dann die Pächter sich 
darüber beschwerten, dass sie mit dem Wasser dieser Mühle 
nicht genug fortkommen könnten, dagegen genug Wasser zu 
erhalten erklärten, wenn das in der Aachener Heide in den so- 
genannten „Zwanzig Morgen" vorhandene Wasser in den Pau- 
fluss gebracht würde, so verpachtete die Stadt die Heppions- 
wassermühle am 25. August 1717 jenen Pächtern für 150 
holländische Gulden jährlich unter der Bedingung, dass der 
Kontrakt in der Windmühle auf 12 Jahre geschlossen würde, 



— 23 



die Pachtjahre der Wassermühle aber erst dann ihren Anfang 
nehmen sollten, wenn das Wasser der „Zwanzig Morgen" der 
Pan zugeführt worden sei, und unter der weiteren Bedingung, 
dass zum Behufe eines guten Gefälles oder Abflusses des 
Heppionsraühlen wassers auf dem Boden des hölzernen Kanals 
am Armenwaisenhaus und soweit, bis wo die dem Cornelius 
Chorus zugehörige Pletschmühle wieder den Bach zu reinigen 
habe, kein Wasser stehen bleiben dürfe." 

Nun trat an Stelle des letztgenannten Pächters Johannes 
Grambusch im Einvernehmen mit den beiden ersteren durch 
Cessionsvertrag vor Notar Carl Franz Urlichs vom 27. August 
1717 der schon mehrgenannte Kaufmann Cornelius Chorus ein. 

Damit man besser verstehe, welches Interesse dieser Chorus 
daran hatte, auch diese Heppionsmühle in Pacht zu erhalten, 
will ich in Kürze den alten Lauf des Paubaches und den des 
Ponnellbaches besprechen und zeigen, welche Mühlen Chorus 
namentlich am ersteren besessen hat. 

Die Pau, die teils in den Wiesenabhängen hinter Klotz- 
weide und Grundhaus, teils in den Wiesen von Colinshof ent- 
springt, fliesst an der Lohmühle und der Weissen Mühle vorbei, 
wo sie sich mit dem vom Grundhaus herkommenden Kanne- 
giesser vereinigt, zur Gebrannten Mühle und von dort durch 
die Mariabrunnstrasse über den Boxgraben und den Hubertus- 
platz durch die Stromgasse und die nach ihr benannte Paugasse 
zum Löhrgraben. Hier wurde sie bei der Anlage der neuen 
Kanalisation in den städtischen Kanal eingeführt. Seitdem 
läuft sie über den Löhrgraben, Alexianergraben und Kapuziner- 
graben am Elisenbrunnen vorbei zur Adalbertstrasse. Der alte 
Lauf des Baches führte, wie sich die meisten wohl noch er- 
innern werden, durch das Venn zur Jakobstrasse und von dort 
längs der Klappergasse zum Fischniarkt. Dort hatten die 
Fischer und Fischhändler Aachens das Recht, ihre Kästen in 
den Paubach zu setzen, in denen sie die zum Kauf angebotenen 
Fische reinigten und frisch und lebend erhalten konnten. Des- 
halb hatten' sie aber auch, wie wir vorher aus der Stelle der 
Urkunde von 1640 erfuhren, die Pflicht, die Pau auf dem Par- 
fisch zu reinigen. Von hier aus ging dann der Bach durch die 
Kleininarschierstrasse nach Heppion, von dort unter dem Hotel 
„zu den vier Jahreszeiten" durch zum Theaterplatz, unter dem 
Theater und den diesem östlich gegenüberliegenden Häusern 



— 26 — 

her zur Wirichsbongardstrasse, wo sie an dem sogenannten 
Kreuzwasser 1 mit der Ponnell zusammentraf und über diese 
hinwegfloss. 

Die Ponnell, die ungefähr in derselben Gegend wie der 
Paubach am Fasse der Ausläufer des sogenannten Brandenburg- 
hanges bei Colinshof entspringt, fliesst durch den Hangeweiher, 
an Mariabrunn vorbei zur Schleifmühle, dann an der Villa 
Waldthausen unter dem Boxgraben durch die neue Ponnell- 
strasse zur Franzstrasse, wo sie etwa dem Edentheater gegen- 
über ebenfalls in den städtischen Kanal eingeführt wurde. Früher 
lief sie unter dem Alkassartheater her an der Regierung vorbei 
auf die Wirichsbongard zu. Hier lief sie dem alten, vorhin 
bereits erwähnten, 1639 gestifteten Waisenhaus gegenüber, das, 
wie Fritz 2 in seinem neuesten Aufsatz über die Baugeschichte 
des Aachener Stadttheaters sagt, dort an dem Eingange der 
früher von der Wirichsbongard zur Theaterstrasse führenden 
Gasse, jetzt Sackgasse, ehemals Kapuzinergässchen genannt, 
ganz nahe an der Pau gelegen war, unter der Pau her, dann 
durch den Garten der Erholung und unter Dreisings Haus her 
zur Adalbertstrasse. 

Die Pau ging vom Kreuzwasser aus unter der Wirichsbongard- 
strasse her zur Reihgasse, dann zur untern Harskampstrasse und 
Adalbertstrasse und vereinigte sich hinter der Pletschmühle mit 
der von der Adalbertstrasse herkommenden Ponnell. Noch heute 
kann man, wahrscheinlich nicht lange mehr, an der linken Seite 
der neu angelegten Stiftsstrasse hinter der Eisengiesserei von 
Schoenen und Hurtz das alte Bett der Pau in Augenschein 
nehmen. 

Wie vorhin erwähnt, besass Cornelius Chorus an diesen 
Bächen verschiedene Mühlen. In der interessanten Abhandlung 
„über die Aachener Bäche" in Picks Buch „Aus Aachens 
Vergangenheit" lesen wir 3 , dass der Kaufhändler Cornelius 
Chorus am 28. November 1810 von dem Prediger Peter Farjou 
die an der Pau gelegene, jenem zugehörige „mahlmull nebst 
einer schaurmull, die Plethmhull (also Pletschmühle) genannt, 

') Heute noch trägt die in der Wirichsbongardstrasse 24 gelegene 
Schenkwirtschaft „Zum Kreuzwasser" von Heinrich Wilhelmy ihren Namen 
nach jenem merkwürdigen Übereinanderfliessen zweier Bäche. 

2 ) Vgl. Zeitschrift des Aachener Greschichtsyereins Bd. XXII, S. 45. 

s ) R. Pick, Ans Aachens Vergangenheit S. 416. 



— 27 — 

in St. Albertstrassen" für 1900 Rtlilr. erwarb. dass er etwas 
später von Theodor von Eschweiler die in der Jakobstrasse 
gelegene Vennmühle 1 , auch Kelinismühle genannt, kaufte und 
sie wieder zu einer Schaurmühle einrichtete, dass er im Jahre 
1718 die Heppionsmühle 2 besass und ebenfalls in der ersten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts die an der Pau nahe bei Colinshof 
gelegene Lohmühle 3 kaufte und schliesslich im Jahre 1734 die 
vom Johannisbach getriebene, zwischen Jakobs- und Königs- 
mittelthor gelegene Plattenbauclismühle 4 erwarb, die dann 1755 
ebenso wie, die andern genannten Mühlen an dessen Schwieger- 
sohn, den kurpfälzischen Geheimrat Franz Rudolf von Collenbach 
gelangte 5 . 

Aus dieser Zusammenstellung ersieht man leicht, dass 
Chorus den Ankauf der Mühlen an den Aachener Bächen plan- 
massig betrieben hat. 

Sobald Chorus im Jahre 1717 Mitpächter der Heppions- 
mühle geworden war, erbot er sich 6 , das an den sogenannten 
Zwanzig Morgen, einem Gut in der Aachener Heide, unbenutzt 
fliessende Wasser in die Pau zu führen, wenn der städtische 
Magistrat dafür 300 Reichsthaler hergeben wolle. Und dieser 
nahm auch das Anerbieten an unter der Bedingung, dass 
durch das Unternehmen der Betrieb der der Stadt zugehörigen, 
an Wassermangel leidenden Heppionsmühle gefördert und diese 
wieder in brauchbaren Zustand gesetzt würde. Sogleich begann 
nun Chorus sein Unternehmen. 

Trotzdem nun mit Rücksicht auf die Vorstellungen und 
Klagen der Mühlenpächter am 20. Juni 1718 der Rat be- 
schlossen hatte, jenen ersten Pachtkontrakt zu „ademptieren" 
und die Pächter für den bisher erlittenen Schaden schadlos zu 
halten, mussten diese doch, und zwar an ihrer Stelle Cornelius 
Chorus, dem die beiden ersten Pächter als ihrem Mitpächter 
am 21. Juni 1718 durch Notar Carl Franz Urlichs zu ihrer 
Vertretung Generalvollmacht hatten erteilen lassen, am 9. Juli 



') Pick a. a. 0. S. 407. 

2 ) Ebenda S. 418. 

3 ) Ebenda S. 399. 

4 ) Ebenda S. 392. 

5 ) Auch am Wurmbach bes;is> Cornelius Chorus im Jahre I7.V2 fünf 
Schauermühlen. Vgl. Aus Aachens Vorzeit. Jahrg. XI II, 1900, S. 87 a. 

c ) Vgl. 11. Tick a. a. 0. S. 418. 



— 28 — 

1721 wieder remonstrieren, da nach Ableitung- des Wassers 
der zwanzig - Morgen zum Paufluss an dem dort gelegenen, der 
Wittib Römer in Eupen zuständigen Weiber das Wasser abge- 
leitet worden sei und auch das Wasser an der sogenannten 
Meuensstew in der Reibgasse allzu hoch gestaut worden sei, 
so dass wegen mangelnden Gefälles an der Heppionsmühle kein 
genügender Abfluss sei; sie mussten um eine Verordnung des 
Rates bitten, dass künftig niemand am Paufiuss ein „obstaculum" 
anbringen dürfe, wodurch das Wasser entweder abgeleitet oder 
am Abfluss gebindert würde, da sie ja sonst den Bäckern wegen 
zu geringer Leistung der Mühle das Mehl nicht liefern könnten. 

Auf diese Remonstrationen der Pächter hin beauftragte 
der Rat am 11. Juli 1721 die beiden Syndici Moll und Deltour, 
zu untersuchen, ob durch die Einführung des Wassers in die 
Pau die Heppionsmühle nicht verbessert und in brauchbaren 
Zustand versetzt worden sei, und innerhalb acht Tagen über 
diesen Fall zu referieren. 

Chorus beklagt die misslichen Zustände an der Mühle und 
protestiert besonders dagegen, dass der Rat der Stadt dem 
Herrn Niclas Mantels gerade dem Kloster der Weissen Frauen 
gegenüber „die Transportierung eines Loderloches zu dessen 
Färberei vergünstiget habe", um dadurch das gute Wasser in 
seine Färberei zu bringen, wodurch natürlich der von ihnen 
dreien angepachteten Heppionsmühle und ebenso der ihm selbst 
eigenen Pletschmühle eine grosse Quantität Wassers abgehe. 

Über den weitern Verlauf der Verhandlungen berichtet ein 
Beamtenprotokoll vom 10. April 1722 im hiesigen Stadtarchiv ! : 

„Dan ist herr syndicus Moll zusambt herren baumeistern 
deputirt, gestalten zu untersuchen, ob das waßer, so sieur 
Cornelius Chorus in den Pawfluss zu bringen sich verbunden, 
wurklich darin gebracht seye oder nicht, und falls nicht, zu 
dessen bewerkstelligung nöthige Vorsehung zu thun." 

Und in einem andern Beamtenprotokoll vom 7. Januar 1723 
wird erwähnt, dass Chorus schon vor Jahr und Tag die ihm 
versprochenen 300 Reichsthaler „wurklich und effective" er- 
hoben habe 2 . 

Chorus erlangt darauf am Kaiserlichen Reichskammergericht 
in Wetzlar ein Inhibitionsurteil gegen den Magistrat der Stadt 



') Abgedruckt in R. Pick:, Aus Aachens Vergangenheit S. 420, Anm. 
2 ) Bcamteuprotokolle im Stadtarchiv zu Aachen. Vgl. a. a. ü. S. 420, Anm. 



— 29 — 

und verlangt nun, dass die Stadt den Vertrag- entweder ademp- 
tiere, oder aber die Pächter indemnisiere, widrigenfalls sie 
gegen den beabsichtigten Verkauf der Wind- und Heppions- 
mühle seitens" der Stadt protestieren würden. 

Ob der hier gebrauchte Ausdruck „Wind- und Heppions- 
niühle". der auch früher schon erwähnt wurde, sich auf zwei 
nahe bei einander liegende Mühlen bezieht, oder ob die Heppions- 
nnilile zugleich als Wind- und Wassermühle eingerichtet war, 
sodass bei mangelndem Wasser der Wind zum Treiben der- 
selben auch benutzt werden konnte, war mir nicht möglich 
festzustellen; aus einer späteren Stelle der Verhandlungen sollte 
man wohl das erstere schliessen. 

Schliesslich war der Rat der ewigen Klagen und Streitig- 
keiten überdrüssig und beschloss daher, die Mühle per publicam 
affixionem am Rathaus zum Verkauf auszusetzen, wogegen die 
damaligen Pächter, Chorus und Consorten, lebhaft protestierten. 
Als Meistbietender erhielt sie der vorhin erwähnte Niclas 
Mantels, der sie, wie Quix im I. Jahrgange des Wochenblattes 
von 1836 (S. 102—103) berichtet, am 24. Dezember 1722 für 
2100 Reichsthaler ankaufte. Sie wurde ihm am 7. Mai 1723 
durch den Nebensekretarius -Johann Wilhelm Strauch beim 
Lehensgerichte realiter transportiert. 

Auf den wiederholten Einspruch des Chorus und der andern 
Pächter vom 15. Mai 1723 und den Gegenbericht des städtischen 
Anwalts des Rates beginnt nun die propsteiliche Mannkammer, 
bei der ja die Mühle lehnrührig war, ernstlich vorzugehen. 
Sie verlangt vom Rat genauen Aufschluss über die Wahrheit 
der Anschuldigungen des Chorus. 

Der Rat soll erklären, 1. ob die zwei Soldaten Johannes 
Fuss und Christian Ponssen von Herrn Dömgens Kompagnie 
und die von Herrn Heidendals Kompagnie beigefügten Soldaten, 
die am 20. Mai abends bewaffnet in die von dieser Kaiserlichen 
Propsteilichen Mankammer lehenrührige Heppionswassermiihle 
eingedrungen sind und des Chorus Wage und Gewichte auf die 
Strasse geworfen, vom Rat dazu beauftragt worden seien, und 
2. ob die städtische Schildwache, die Tag und Nacht in der 
Mühle bleibe und verhindere, dass etwas hineingebracht werde, 
auf Befehl des Rats dorthin geschickt worden sei. 

Die Partei Chorus etc. . . . erklärt am 9. August 1723, 
dass der Kauf nach dem Urteil celebcrrimoruin iuris consultoruni 



— 30 — 

nicht giltig sei, auch die Pachtung dadurch keineswegs aufge- 
hoben sei. 

Da nach dem Urteil eines dazu berufenen Rechtsgelehrten 
A. Roemer des Chorus Berechtigung zur Klage gegen den Rat 
bestritten wird, so wird er cum condemnatione in expensis ab- 
gewiesen mit der Begründung, die Stadt habe ihnen die Mühle 
am 15. Juli 17 IG vermietet. Da nun Chorus beide, nämlich die 
Wind- und die Wassermühle in Gebrauch genommen, selbige 
genutzet und auch in den Jahren 1716—1722 alle emolumenta 
davongetragen habe, ohne jemals dem Rate die Pacht abzu- 
statten, habe dieser sich genötigt gesehen, die ganze Mühle 
plus offerenti anzubieten, und sie dann dem Nicolas Mantels ver- 
kauft und auch transportieren lassen. 

Gegen dieses Urteil appelliert Chorus am 10. Oktober 1723 
beim Reichskammergericht, indem er besonders gegen jegliche 
Entscheidung des Streites durch einen der Aachener Rechts- 
gelehrten Verwahrung einlegt, da diese ja alle mehr oder 
weniger der Gegenpartei, dem Rat, „wegen zu demselben 
tragenden Respekt und Veneration" zu widersprechen Bedenken 
tragen würden. Seine Appellation scheint auch von Erfolg ge- 
wesen zu sein, da Nicolaus Mantels, wie aus der letzten dies- 
bezüglichen Urkunde 1 im hiesigen Stadtarchiv hervorgeht, von 
Seiten des Chorus wegen der von den Konsuln am 17. April 
1726 auf 193 Gulden 1 Mark taxierten Gerichtskosten eine 
Exekution befürchtet und sich deshalb mit der Bitte an den 
Rat wendet, da der ganze Prozess doch eigentlich nur des 
Rats Sache gewesen sei, so möge er ihn doch vor der bevor- 
stehenden Exekution durch Zahlung der betreffenden Kosten 
bewahren, wie es ihm ja auch der Herr Major mündlich bereits 
zugesagt habe. Der weitere Verlauf des Prozesses, der volle 
fünf Jahre von 1721 — 1726 gedauert hatte, ist aus den Akten 
nicht mehr ersichtlich. 

Die letzte Nachricht über die Heppionsmühle lesen wir bei 
Quix, der schreibt: „Dessen (nämlich Nicolaus Mantels) Schwieger- 
sohn Math. Jos. van der Meeren die Mühle 1747 relevierte, 
und 1750 Tossanus Franz Ernu Dr. der Arzneikunst, der von 
dem vorigen dieselbe gekauft hatte 2 ." 



') Vgl. Stadtarchiv : Chorus :/: Mantels betreffend Wind- u. Heppionsmühle. 
2 ) Vgl. Quix, Beiträge zur Geschichte der Stadt und des Reichs von 
Aachen. 1837, S. 81. 



— 31 

Diese Nachricht ist in mancher Beziehung ungenau. Der 
Name fies betreffenden Arztes, den wir in zahlreichen Realisations- 
protokollen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts finden, 
ist Tossanus 1 Joseph Pascal Ernon. Er war Leibarzt 1 des Graten 
von Artois Kgl. Hoheit, der wahrscheinlich hier in Aachen zur 
Kur gelebt hatte, und wird in den Aachener „Raths- und Staats- 
kalendern" von 1783 — 1789 einschliesslich in dem Verzeichnis 
der Aachener Arzte 'als ältester aufgeführt 2 . 

Genaueren Ausschluss über den Besitzwechsel der Mühle 
bietet ein Realisationsprotokoll vom 23. März 1748 (S. 356), 
welches im Auszuge also lautet: „Am 16. Februar 1748 über- 
tragen Gertrudis Barbara Fabry und Herr Tossanus Joseph 
Ernon Medicinae Doctor, mit Frau Anna Zara Fabry zur Ehe 
sitzend, dem Matthias Josephus van der Meeren und seiner Ehe- 
frau Johanna Elisabetha Strauch ihre auf dem grossen Markt 
zwischen Procurator Johann Leonard Baur und beiden Juffern 
Kettenus gelegene Behausung „der güldene Apfel" genannt, 
sambt daran gehörigen Hintergebäuden, Stallungen und Aus- 



') Nach dem Real.-Protokoll vom 20. Oktober 1787 (S. 487) verkaufen 
Tossanus Josephus Pascalis Ernon, Leibmedikus Seiner Königlichen Hoheit 
des Grafen von Artois, und Juffer Maria Franziska Angela Ernon ihr in 
Greveuberg nächst dem Kreuz gelegenes Haus „die Kahr" nebst Ländereien 
und Wiesen für 3500 Rthlr. an Johannes Reeddcr. 

2 ) Merkwürdigerweise lautet sein Vorname in den drei letzten der 
genannten Kalender Jacob. In den Ratskalendern von 1781 — 1787 wird 
Joseph Ernon als Arzt des St. Elisabeth-Spitals am Radermarkt genannt* 
Er muss wohl vor 1792 gestorben sein, da sein Name in den folgenden 
Kalendern nicht mehr erscheint. Er war dreimal verheiratet. Seine erste 
Frau Maria Clara Beisscl schenkte ihm nach den Eealisatious-Protokollen 
vom 24. Dezember 1762 und 5. Februar 1763 zwei Kinder. Seine zweite 
Frau Anna Zara Fabry wird in dem Realisations-Protokoll vom 10. April 

1762 schon als verstorben bezeichnet. Seine dritte Frau Maria Josepha 
Hiltroph war nach dem Realisations-Protokoll vom 23. Oktober 1773 die 
einzige Tochter des Maximilian Hiltroph in der Edelstrasse und starb vor 
dem 31. Juli 1784. (Nach dem Realisations-Protokoll 1742 S. 459 giebt er 
dem Nicolaus Knops 600 Rthlr. Hypothek für seine Kinder auf das Haus 
„zum goldenen Low" in der Pontstrasse und nach dem Realisations-Protokoll 

1763 S. 35 der Anna Catharina Schwarz ">00 Rthlr. Hypothek für seine 
Kinder auf „die goldene Spill unter die Krähm". Nach dem Realisations- 
Protokoll 1762 S. 125 verkauft er dem Jean Henry „die Ros unter die 
Krähm" als Vormund seiner beiden Kinder erster Ehe, die das Haus von 



— 32 — 

gang in den Augustinergang 1 , wogegen van der Meeren und 
dessen Eheliebste ersterein übertragen und mit vollem Eigen- 
thumb einräumen ihre dahier in Heppion gelegene Mühl, die 
Heppionsmühlen genant, gleich sie solche bei der väterlichen 
Scheid- und Teilung überkommen und an der Propsteilichen 
Mannkammer Unser Lieben Frauen Stiftskirchen dahier lehns- 
rührig ist. Weilen aber das Haus, der güldene Apfel genant, 
mehr wert ist, dann obged achte Mühle, also muss Dr. Ernon 
noch 100 Louisd'or herausgeben . . . ." 

Wann Dr. Ernon oder seine Tochter Franziska die 
Heppionsmühle veräussert habe, konnte ich nicht feststellen. 
Da sich in sämtlichen Realisationsprotokollen unter dem Namen 
Ernon der Verkauf derselben nicht findet, so ist wohl anzu- 
nehmen, dass sie bis 1800 wenigstens im Besitze der Familie 
Ernon geblieben ist. 

Nach den Aufzeichnungen im hiesigen Katasteramt war die 
Mühle im Jahre 1824 im Besitze der Witwe des Nähnadel- 
fabrikanten Leonard Startz 2 . Von dieser übernahm sie im 



seiner zweiten Frau per testamentuin überkommen haben, für 1800 Rthlr. 
Nach dem Eealisations-Protokoll 1773 S. 474 wird ihm von den Erben 
Tilmann eine auf den Namen seines Schwiegervaters Hiltroph lautende 
Hypothek von 1400 Patacones auf das Haus „der Bär" in der Eselsgasse 
(jetzt Edelstrasse) unter dem Kaiserbad abgelegt; nach dem Realisations- 
Protokoll 1784 S. 444 giebt er dem Ignaz Harren 1000 Rthlr. Hypothek auf 
das Haus „zu St. Joseph" in der Marschierstrasse. Auch auf dem Hause 
„zum Einhorn" in der Kölnstrasse hatte er eine Hypothek von 1000 Rthlrn., 
die ihm nach dem Realisations-Protokoll vom 2. August 1766 (S. 371) am 
26. Juli 1766 zurückgezahlt wurde.) 

') Am 7. Oktober 1793 verkaufte der Witwer Matthias Joseph van 
der Meeren dieses Haus „zum goldenen Apfel", welches Andreas Joseph 
Longree in Pachtung hatte, „mit Aus- und Einfahrt durch der Augustiner- 
gang nebst der zum Hause gehörigen Feuerkapellen und Feuereisern" für 
5000 Rthlr. dem Franz Joseph Heucken und seiner Ehefrau Maria Sophia 
Lennertz, wobei der Ankäufer eine auf den Namen der Juffer Franziska 
Ernon auf dem Hause lastende Hypothek von 1500 Rthlrn. zu seinen Lasten 
übernimmt. (Realisations-Protokoll vom 12. Oktober 1793, S. 599.) 

2 ) Nach dem Adressbuche von Aachen und Burtscheid vom Jahre 1846 
(S. 193) lebte Witwe Leonard Startz damals noch als Rentnerin in der 
Grosskölnstrassc A. 949 (jetzt Nr. 53, Eigentümer Dreising, Spielwaren- 
geschäft von Timmermans-Arnolt), wo sich auch die Nähnadelfabrik von 
Leonard Startz befand. 



— 33 — 

Jahre 1841 Nicolaus Startz, Pfarrei 1 zu Wassenberg, welcher 
sie 1854 an den Bauunternehmer Nicolaus Konertz verkaufte, 
der darin eine Holzschneiderei einzurichten beabsichtigte. Er 
verkaufte sie 1 aber bald wieder im Jahre 1860 an den Tuch- 
fabrikanten Kommerzienrat Eduard van Gülpen, Kleinmarschier- 
strasse 45, der sie nach dem „Verzeichnis der Häuser und 
Bauplätze von Aachen" 1858, S. 24, wahrscheinlich schon im 
Jahre 1858 für seine grosse Fabrik an der Heppionsgasse als 
Wolllager gemietet hatte. 

Nachdem sie dann im Jahre 1894 in den Besitz der Stadt 
übergegangen war, blieb das ganze Terrain bis heute städtisches 
Eigentum. Die Bauthätigkeit an dieser Stelle war aber, trotz- 
dem schon seit mehreren Jahren die breite Elisabethstrasse an- 
gelegt worden war, hauptsächlich wohl dadurch behindert, dass 
sich sowohl an dem hinteren Gebäude des Klosters der Franzis- 
kanerinnen, als auch an der Hinterfront des Hotels „zu den 
vier Jahreszeiten" nach der alten Heppionsgasse zu noch 
Fenster bezw. Thüren befinden, die nicht verbaut werden 
durften. In der letzten Zeit hat Baumeister Edmund Thissen, 
der Besitzer des genannten Hotels, den Platz gemietet, auf 
dem sich nunmehr die Wäscheanstalt für das Hotel befindet. 

Nachdem man kürzlich die kleine Kirche der Franziskaner- 
innen am Eingange der Elisabethstrasse in die Kleinmarschier- 
strasse und den grössten Teil der anliegenden Klostergebäude 
niedergerissen hat, hat man das Kloster und eine grössere 
Klosterkirche im Anschluss an die dahinterliegenden neueren 
Gebäude in der Fluchtlinie der Strasse neu aufgeführt. Die 
Klosterkirche, welche ihren Eingang an der Ecke der Klein- 
marsehierstrasse und der Elisabethstrasse erhalten hat, wurde 
am 14. Dezember bereits eingeweiht. 

Der letzte Eest des alten Heppion, die tote Gasse hinter 
dem Klostergebäude wird nun auch bald in Wegfall kommen, 
da das ganze Gelände geebnet und bebaut werden soll, und 
von dem alten Heppion und der Heppionsmühle wird keinerlei 
Zeichen mehr vorhanden sein; man wird nur noch in Büchern 
davon lesen oder schreiben. 



Zur Geschichte Aachens im siebenjährigen Kriege 1 . 

Von W. Briining. 

Man kann wohl sagen, dass die Geschichte der Reichsstadt 
Aachen eine der interessantesten aller Städte Deutschlands ist. 
Bis 1531 stand sie als Ort der Königskrönung - im Mittelpunkte 
unserer Geschichte. Späterhin verdankte sie es ihrer Lage, — 
allerdings meist nicht zu ihrem Vorteil — , dass sie in den grossen 
Begebenheiten der europäischen Geschichte eine Rolle spielte. 
Die Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts wurden vorwiegend 
zwischen Deutschland und Frankreich ausgekämpft. Das bevor- 
zugteste Kriegstheater waren in ihnen die Niederlande, be- 
sonders in den Raubkriegen Ludwigs XIV. und im Spanischen 
Erbfolgekriege. In jenen Zeiten sah unsere Stadt viel kriege- 
risches Getümmel mit all seinen Lasten und Drangsalen in 
ihren Mauern. Der erste preussische König, damals noch Kur- 
fürst Friedrich III. von Brandenburg, weilte hier und wurde mit 
grossen Ehren von den Häuptern der Reichsstadt auf seinem 
Marsche bis zur Maas geleitet. Auch Prinz Eugen von Savoyen, 
der grosse Held, lag mit seinem Heere in und bei Aachen, bevor 
er nach den Niederlanden weiterzog, um dort die siegreichen 
Schlachten von Oudenarde und Malplaquet zu schlagen. Von 



') Vortrag, gehalten in der General- Versammlung des Vereins für Kunde 
der Aachener Vorzeit am 13. November 1901. Der Vortrag beruht auf den 
Kriegsakten und den Petitionen an den Rat des hiesigen Stadtarchivs, sowie 
auf den Historischen Notizen des Bürgermeisterei-Dieners Johannes Janssen. 
(Das Original der sogenannten Janssenschen Chronik befindet sich im Stadt- 
archiv; abgedruckt ist sie in „Beiträge und Material zur Geschichte der 
Aachener Patrizier-Familien von Freiherrn Hermann Ariovist von Fürth", 
Bd. III, S. 4 ff.) Ausserdem benutzten wir zu dem Vortrag den zweiten Band 
der Geschichte Achens von Friedrich Haagen und Wilhelm Oncken, 
Das Zeitalter Friedrichs des Grossen, Bd. II. (Allgemeine Geschichte in 
Einzeldarstellungen, herausgegeben von W. Oncken, Bd. III, 8. 8, 
Berlin 1882.) 



- 35 - 

den beiden ersten schlesischen Kriegen Friedrichs des Grossen 
blieb die Reichsstadt unberührt; dafür hatte sie im Jahre 1748 
die Ehre, als Kongressort gewählt zu werden. Am 18. Oktober 
desselben Jahres wurde hier der Friede geschlossen, der Friedrich 
dem Grossen den Besitz Schlesiens gewährleistete. Aber es 
bedurfte noch eines siebenjährigen europäischen Krieges, um 
diesen Besitz endgültig für Preussen zu sichern. Er stellte auch 
die Reichsstadt wieder mitten in die weltbewegenden Ereignisse. 
Für die wirtschaftliche und allgemein kulturelle Entwicklung- 
Aachens war das nachteilig, dem Geschichtsforscher aber bietet 
diese Stellung der Stadt im siebenjährigen Kriege viele Momente 
von allgemein historischem und ganz besonders von sitten- 
geschichtlichem Interesse. Wir können in letzterer Hinsicht aus 
den Thatsachen, die wir unseren Archivalien und der Chronik 
des Bürgermeistereidieners Johannes Janssen, die eine höchst 
wertvolle Fundgrube kulturgeschichtlichen Materials ist, ent- 
nehmen, feststellen, wie zerstörend die damaligen Kriege auf 
alle Betätigungen des öffentlichen Lebens einwirkten und welchen 
demoralisierenden Einfluss sie auf die religiös-sittlichen Zu- 
stände in unserer Bevölkerung ausübten. Wir sind, um das 
nachzuweisen, gezwungen, manche Vorkommnisse zu schildern, 
die auf das von pietätvoller Liebe zur vaterstädtischen Ver- 
gangenheit erfüllte Empfinden verletzend wirken können, die 
wir aber lediglich vom Standpunkt des Historikers aufzufassen 
bitten, der die Pflicht hat, die Wahrheit zu sagen, selbst wenn 
sie unangenehm empfunden wird. Der Historiker soll eben, nach 
Rankescher Vorschrift schildern, „wie es gewesen ist". Und 
Thatsachen können ja eigentlich auch gar nicht unangenehm 
sein, weil es eben Thatsachen sind. Sie dürfen nur nicht sentimental 
aufgefasst werden, sondern mit sittlichem Ernste, den jeder 
haben rauss, der sich mit der Geschichte beschäftigt. Jedenfalls 
können wir aus der Betrachtung der durch die Einwirkungen 
des siebenjährigen Krieges in Aachen geschaffenen Zustände die 
erfreuliche Gewissheit entnehmen, dass die heutigen Kriege 
zwischen Kulturstaaten nicht solche schwere wirtschaftlich»' 
und soziale Schäden zur Folge haben wie in damaliger Zeit, 
dank der modernen Humanität und der strengeren gesellschaft- 
lichen Ordnung, die der Brutalität und Zügellosigkeit des Ein- 
zelnen feste Schranken entgegensetzen. Es ist doch klar, dass 
man das Verhalten der deutschen, dänischen und auch der fran- 



— 36 — 

zösischen Truppen in den letzten Kriegen des vorigen Jahr- 
hunderts nicht mit dem Gebahren der zügellosen Randen Lud- 
wigs XIV. und Ludwigs XV. vergleichen kann. 

Nicht wenig gefördert wurde die Entartung der hiesigen 
Zustände während des siebenjährigen Krieges durch den fast 
beständigen Zwist, der zwischen der weltlichen und geistlichen 
Autorität der Reichsstadt, Rat und Stiftskapitel, wieder mal 
entbrannt war und im Jahre 1757, dem zweiten Jahre des 
Krieges mit besonderer Heftigkeit geführt wurde. Es handelte 
sich auch diesmal wieder um das vom Kapitel verletzte Anteils- 
recht des Stadtregiments an der Eröffnung des Schreines der 
grossen Heiligtümer, die sich der Kurfürsterzbischof Clemens 
August von Köln bei seinem Besuche Aachens zeigen liess. Die 
einseitige Öffnung des Reliquienkastens durch das Kapitel erregte 
die Gemüter sehr und veranlasste die Stadtregierung zu manchen 
chikanösen Massregeln gegen das Kapitel, die die Erbitterung 
hüben und drüben nocli steigerten. Es kam schliesslich zu einer 
Klage des Kapitels beim kaiserlichen Reichshofrat, der dem 
Rat unter Androhung einer weniger schweren als verletzenden 
Strafe die Zurücknahme der getroffenen Massregeln anbefahl. 
Der Rat beklagte sich mit Fug, ungerecht beurteilt zu sein, 
und die Folge war erneuter und um so heftigerer Hader. Er 
wirkte verwirrend und zersetzend auf die bürgerliche Ordnung 
und bereitete einer anmassenden und undisziplinierten Soldateska 
den Boden für ihre Excesse vor. 

Dass die politische Aufregung, die zu Beginn und in den 
ersten Monaten des Krieges ganz Europa erfüllte, auch hier 
sich geltend machte, ersehen wir aus dem nachstehenden Rats- 
Edikt: 

„Nachdemalen bey heutiger ratsversammlung fast ärgerlich 
vorgekommen und missfälligst zu vernehmen gewesen, als ob 
ein und andere dieser stadt einwöhuere, auch gar fremde leute 
dahier sich vermessentlich unterstehen thäten, bey jetzigen in 
Europa ausgebrochenen kriegszeiten gar ohnbedachtsame und 
olmerlaubte discursen zu führen, allerhand wahrheitswidrige 
neuigkeiten zu divulgieren, ja ihrer vermeintlichen frei-, kühn- 
und frechheit den zäum zu weit schiessen zu lassen, dass die- 
selbe die allerhöchste monarchen, höchste forsten und stände 
mit respektlosen ausfahrungen zu betadeln keinen scheu und 
rücksicht tragen thäten, und dan dergleichen in wohlbestellten 



— 37 — 

republiken, Städten und anderen polizierten örteren, so ohn- 

erlaubt als von selbst scharfist verbotten ist, ein ehrbarer und 
hochweiser rat auch solche verwegenste excessen gänzlichst 
vorgekommen und scharfist verbotten sehen will: 

Also wird allen und jeden bürgeren, Stadt einwöhneren 
und sich dahier aufhaltend oder einfindenden fremdlingen hieinit 
anbefohlen, sich in ihren gesprächen wohl vorsichtig: zu mena- 
gieren, gegen keine gekrönte häuptere, weder andere grosse 
fürsten und lierren das allergeringste tadelhaft-, verkleinerlich- 
oder respektwidrige wort oder wertere auszusprechen oder 
auf andere art sich dargegen vernehmen zu lassen, widrigen- 
falls gegen ein- und andere dergleichen ehr- und schuldigkeits- 
vergessene menschen ohne ansehung deren personen mit pro- 
portionierter straff verfahren werden solle, und damit niemand 
die allergeringste Unwissenheit hiergegen prätextieren könne 
noch möge: so solle dies ernste verbietungs-edikt ohnverzüg- 
lich in druck ausgehen, von denen kanzelen publiziert, dahier 
am rathaus sowohl, als auf allen stadtpforten affigiert und 
durch hiesige stadtpforten-wächtere von haus zu haus bekannt 
gemacht werden. Also beschlossen und überkommen bei einem 
ehrbaren rat dieser kaiserlicher freier reichsstadt Aachen den 
15. Oktober 1756." 

Man kann wohl annehmen, dass in der Reichsstadt Aachen, 
die stets und oft mehr, als die Kaiser es wegen ihrer mangel- 
haften Fürsorge verdienten, gut kaiserlich gesinnt war, die all- 
gemeine Stimmung sich gegen den preussischen König richtete, 
in dem man auf Grund der kaiserlichen Edikte, die dutzend- 
weise nach Aachen kamen, den „Empörer und frevelhaften 
Landfriedensbrecher" sah. Wir folgern diese Stimmung besonders 
aus einer Bemerkung bei Johannes Janssen, der den Franzosen, 
welche die löbliche Absicht hatten, den preussischen König zu 
„demütigen, von herzen dazu glück wünschte". Wir können 
aber auch annehmen, dass, wie in anderen Reichsstädten, die 
politische Stimmung bald umschlug und preussenfreundliche 
Synipathieen sich geltend machten. Nicht wenig trugen dazu 
die Persönlichkeit des Königs, die bald in kaum geahntem Glänze 
erstrahlte und überall bewundert wurde, und seine kleine Armee 
bei, die in riesenhaftem Ringen gegen eine Welt in Wallen Sieg 
auf Sieg davontrug. Man freute sich allenthalben des wieder 
zu Ehren gebrachten Waffenruhms der Deutschen, auf die das 



— 38 — 

Ausland bisher verächtlich herab gesehen hatte. So bildeten 
sicli in den Reichsstädten politische Parteien, die für und wider 
Preussen waren, und es kam zwischen ihnen zu heftigen Aus- 
einandersetzungen, die sich mit der überlieferten, nunmehr etwas 
fadenscheinig gewordenen Pietät gegen das Kaisertum und alte 
Reichsinstitutionen schlecht vertrugen. Deshalb sah sich der 
ehrbare Rat genötigt, durch Strafandrohungen die erregten Ge- 
müter zu beschwichtigen. 

Bekanntlich hatte die Kaiserin Maria Theresia mit Frank- 
reich, dem alten Erbfeinde Österreichs, zu Beginn des Kampfes 
einen Kriegsvertrag abgeschlossen. Ende Februar 1757 war 
eine Armee von 115 000 Franzosen mit 100 Stück schweren 
Geschützes aus den Grenzplätzen Lille, Valenciennes, Maubeuge, 
Longwy und Thionville aufgebrochen und marschierte um die 
Mitte des März in kleinen Abteilungen teils über Trier, teils 
über Brüssel, Lüttich und Mastricht dem Rhein zu. Den Ober- 
befehl führte der Graf d'Estrees. Das Kommando über eine 
Reservearmee hatte der Prinz von Soubise, ein drittes Kommando 
der Herzog von Richelieu. Ein vierter, der sie alle drei be- 
seitigen und ersetzen wollte, war der Graf Maillebois, General- 
quartiermeister der Armee, der mit dem Kriegsminister Paulmy 
gegen die anderen intriguierte. Der eigentliche Kriegsminister 
Frankreichs war die Marquise Pompadour, und so wird diese 
Verteilung der Rollen und das intriguante Bemühen, eine solche 
zu spielen, erklärlich. Wir erwähnen diese Zustände im Kom- 
mando der französischen Armee, von der Aachen bald so viel 
zu leiden hatte, hier, um aus der Eifersucht und den Reibungen 
zwischen den französischen Heerführern den Mangel an Dis- 
ziplin unter ihren Truppen zu erklären, der alle späteren Excesse 
ermöglichte. Ausserdem müssen wir berücksichtigen, dass Frank- 
reich mit der Kopflosigkeit und Ueberstürzung, die der Maitressen- 
politik Ludwigs XV. anhafteten, den Krieg begann, ohne die 
nötigen Mittel für eine vollständige Ausrüstung und den Unter- 
halt des Heeres zur Hand zu haben. Das Heer hatte auch 
weder Fuhrwerke noch Magazine. Es war deshalb darauf an- 
gewiesen, die besagten Städte und Landschaften rücksichtslos 
auszuweiden und zu requirieren, was es brauchte. Dieses Raub- 
system wurde von oben her befürwortet. Bei den französischen 
Generalen finden wir keine Spur von den Grundsätzen, deren 
Befolgung Prinz Eugen von Savoyen als erster menschlich 



— 39 — 

denkender Feldherr seinen Unterführern und Soldaten bezüglich 
der Behandlung- der Bevölkerung- in den besetzten Gebietsteilen 
zur Pflicht gemacht hatte. Dem französischen Heere folgte zu- 
dem ein ungeheurer Tross von Weibern, Köchen, Perrücken- 
machern, Gauklern und anderem Gelichter, die es sich angelegen 
sein Hessen, französische Liederlichkeit überall einzubürgern. 

Die französischen Kriegskommissare trafen bereits anfangs 
März 1757 in Aachen ein, um für die Truppen Quartier zu 
machen und zu fouragieren. Am letzten März erreichte die 
erste Division Aachen. Bei ihr befand sich auch der Oberbefehls- 
haber Marschall d'Estrees. Er sicherte Bezahlung der Ein- 
quartierung zu, und so übernahm die Stadt die Verflegung und 
die Fuhren. Burtscheid wollte sich dieser Last durch Be- 
stechung einiger Offiziere entziehen. Es wäre auch beinahe ge- 
glückt, aber dem Magistrat der Reichsstadt gelang es, durch 
Vermittelung hoher Militärs diese Drückerei zu hintertreiben. 
Wie wenig geeignet zur Übernahme von Kriegslasten gerade 
damals die wirtschaftlichen Verhältnisse hier waren, ersehen 
wir aus einer Bemerkung des sehr glaubwürdigen Johannes 
Janssen, der ja wohl zuweilen mehr als nötig jammert und sich 
aufregt, aber im allgemeinen doch sehr wahrheitsliebend und 
zuverlässig ist. Er sagt: „Es ist erschrecklich, auch zu be- 
dauern vor das gemeine volk, welches wenig [im vermögen, noch 
weniger zu verdienen bei solche teure zeit, weil noch dabei 
hiesige fabriken nit stark getrieben werden, wovon das arme 
volk noch könnte leben. Ich glaub auch, dass, so lang die stadt 
Ach hat gestanden, nicht so viele arme leut darinnen sein ge- 
wesen als jetzund. Gott muss sonderlich uns wollen erhalten. 
Ich kanns nicht begreifen, alle umbliegenden örter und länder 
seind gesperrt und darf nichts aus dem land geführt werden, 
fleisch, botter, käs, brod, alles ist teuer und kein verdienst, 
das kann nicht lang bestehen." 

Die französischen Kriegskommissare requirierten alles Getreide 
der Umgegend und legten Magazine an. Der Magistrat Hess 
den Vorrat in der Stadt feststellen, sogar in den Klöstern. Es 
wurde aber nicht viel gefunden. Schon Ende 1757 war die 
Teurung eine grosse. Sie wurde noch bedenklicher, als nach 
der Niederlage der Franzosen am 23. Juli 1758 bei Krefeld viele 
Bewohner des Herzogtums Jülich mit ihrer Habe nach Aachen 
flüchteten. Wie Fr. Haagen angiebt, kamen an einem einzigen 



— 40 — 

Tage dreihundert Karren mit Kisten zum Kölnthor herein. Die 
Truppen des siegreichen Herzogs Ferdinand von Braunschweig 
drangen bis in unsere Gegend vor und verlangten Kon- 
tributionen. Um die Streifzügler von der Stadt abzuhalten, 
wurden die Thore scharf bewacht und des Morgens später und 
abends früher geschlossen 1 . Man fürchtete für das französische 
Magazin, in dem sich vierzigtausend Rationen Heu, Hafer und 
Stroh befanden. Der Herzog Ferdinand von Braunschweig wurde 
im Auftrage der Stadt durch eine Abordnung gebeten, den be- 



') Wir geben hier einen der kulturgeschichtlich interessanten „Ver- 
haltungsbefehle für die wacht der stadt-soldaten und bedienten an den 
stadtpforten" wieder: 

1. Sollen beide so ein- als auswendige grosse stadtpforten, wie auch 
die auswendige kleine pf orten des abends nach läutung der pfortenglocke 
geschlossen werden, und 

2. nur die kleine innerliche pforten zum dienst der französischen 
wachten die nacht hindurch ohnverschlossen bleiben, vorbehaltlich dass 

3. an denen vier hauptpforten, nämlich Pont-, Marschier-, Kölner- und der 
Junkerpforten des sperrs halber auch die äusserliche kleine pforte, jedoch 
die winterzeit hindurch nur bis 9 uhr abends und länger nicht offen bleibt, 
wodurch dan 

4. diejenige, welche bis 9 uhr die stadt aus- oder einzugehen verlangen, 
gegen bezahlung des gewöhnlichen sperrgelds ohngehindert passieren mögen, 
die Soldaten des dahier einquartierten königlichen regimcnts aber, denen 
der ausgang von ihrer obrigkeit verbotten ist, allein hiebey ausgenommen. 

5. Da nach läutung der gloeke und verschlossenen grossen stadtpforten 
entweder pferde oder gefähr an die art. 3 benente vier hauptthor zum 
aus- und eingang in die stadt vor 9 uhr abends sich melden würden, so 
sollen vorläufig sowohl die beyde sowohl französisch- als hiesiger Stadt 
wachten davon avisieret und, nachdem beyde ganze mannschaften sich 
unter dem gewehr gestellet und ehender, auch anderster nicht, die grosse 
pforten aufgeschlossen und die pferde und gefähr, nach vorgehender erlegung 
der sperrungsrechten, aus- oder eingelassen, die bemeldte pforten aber 

6. demnach also fort wiederum versperret werden. 

7. Nach 9 uhr abends sollen weder die grossen stadtpforten, weder die 
äusserliche kleine pforten offen gemacht noch jemand zur stadt aus- oder 
eingelassen werden, es seye dan im fall der not, und zwarn mit austruck- 
lichem befehl regierender herren bürgermeisteren, denen dan auch 

8. die pforten-sehlüsselen also fort, nachdeme die pforten hieroben 
verordnetermassen verschlossen seyn werden, zugestellt werden sollen. Wobey 

9. die stadtpforten schreibereu und bedienten ihres amts und pflichten 
alles ernstes gewarnet werden, dass sie alle, so mit personen und pferde 



— 41 — 

rühmten Kurort, der damals stets ein Sammelpunkt der vor- 
nehmen Welt gewesen war, zu schonen. Der Sieger von Krefeld 
sagte das auch zu und gab der Stadt sogar eine Schutz- 
wache. Die inneren Zustände in ihr nahmen eine immer trübere 
Gestalt an durch vermehrte Teurung und Zwistigkeit. die man 
selbst in dieser bedrängten Zeit nicht abthun wollte. Es handelte 
sich wieder um die Umtriebe der Mäkelei, durch welche die 
eine oder andere Partei in den Besitz des Stadtregiments und 
der Ämter zu gelangen trachtete. Diese Wahlkorruption in 



als auch mit gefähr zur Stadt einkommende waren fieissig und gebührlich 
besichtigen, visitieren und ein wächtsames aug darauf haben sollen, vvoinittels 
alle unterschleife verhütet und nichts wider die stadtrechten und -Ver- 
ordnungen zur stadt hineingebracht werde und so fern 

10. eine oder andere ungebühr oder unterschleife dabey sich ergeben 
würde, sollen die waren oder auch, denen sich hervorthueudeu umständen 
nach, die pferde und die gefähr, auch gar die Verbrechern selbst an und 
auf die hiesige wacht verwahrlich aufbehalten, auch ehender nicht losgegeben 
werden, bis daran durch herren bürgermeisteren darüber erkannt und 
verordnet worden, und gleichwie es 

11. der austruckliche befehl ist, dass sowohl der kommandierende 
ottizier und respektive Unteroffizier, als auch die gemeine Soldaten, fort 
stadtpforten-bedienten tag und nacht beständig auf ihrem post bleiben, 
jeder seine funktion auf das genaueste beobachten und davon nicht abweichen 
solle, als hat 

12. auch ein jeglicher aus ihnen dabey sich wohl in acht zu nehmen 
und dagegen sich zu hüten, dass er von keinem passagier, oder wer der 
seyn und unter welchem vorwand es nur geschehen mögte, das geringste, 
es seye in geld oder wert zu seinem privatnutzen abfordern oder annehmen, 
und sollen nichts destoweniger 

13. der kommandierende Offizier und respektive Unteroffizier daran seyn, 
dass sie mit ihrer unterhabenden mannschaft dem pfortenschreiber und 
anderen stadtpforten-bedienten in ihren am ts Verrichtungen, so oft nötig, 
die hülftichc band bieten, sich mit dem sperrempfang aber weder direkte 
weder indirekte einzumischen und dem dazu bestellten empfänger solchen 
belassen und hieran sich nichts zu schulden kommen lassen, welcher aber 

letzters sich in ein- oder anderen obvermeldten zur Warnung eingerückten 
Verordnungen nicht fügen, sondern dagegen freveln würde, eo ipso ohnfehlbar 
ohne der geringster einsieht von ihren ämtern kassiere! und. befindenden 
dingen nach, exemplariter bestrafet werden sollen, wornach jeder sich zu 
richten und vor schaden zu hüten wissen wird. Aachen, den 14. Dezember 1758. 

II. Alb. Ostlender. 
1. u. lic. secretarius. 



— 42 — 

der Reichsstadt, von dem Stimmenkauf „Mäkelei" genannt, finden 
wir überall, wo es ein unverhältnismässig grosses stimm- 
berechtigtes Proletariat giebt, d. h. einen „vierten Stand", der 
nicht von ehrlicher Arbeit leben kann, weil die wirtschaftlichen 
Verhältnisse desorganisiert sind. Wo es ein solches Lumpen- 
proletariat giebt, giebt es auch immer eine Klasse sehr reicher 
und durch ihren Reichtum über das Gesetz erhabener Ge- 
schlechter, die in der Lage sind, die Stimmen der Nichtbesitzenden 
zu kaufen und den schwachen Mittelstand, der gern ehrliche 
Politik treiben möchte, zu vergewaltigen. So war es in den 
griechischen Kleinstaaten, so in Rom, so in den meisten deutschen 
Kleinstaaten und Reichsstädten und so auch in Aachen. Die 
Mäkelei erzeugte hier einen Fanatismus, der keine Rücksichten 
mehr kannte und in ohnehin erregten Kriegszeiten überaus 
korrumpierend wirken musste. Janssen berichtet darüber: Ob- 
wohl man „anjetzo sieht, dass es die betrübteste zeit ist und 
wird, so gehet dannoch die verfluchte mekeley im swang und 
wird ganz halsstarrig betrieben, welches das grosseste übel von 
die Stadt ist, dan lauter laster, sünd, fressen, saufen, gift 
und Verfolgung macht die Stadt noch mehr in grund richten, 
dan die einheimische kriegen sind allezeit verderblicher als die 
auswärtige. Allerhand böse streich werden begangen von reich 
und arm. eben als wan kein gott und kein lichter mehr war. 
Viele böse thaten, welche man wegen der bosheit versweigen 
muss, damit andere kein bös exempel daran nehmen. Der liebe 
gott wolle doch die Stadt nicht darumb allgemein strafen 1 ." Es 
kam zu förmlichen Aufständen, die sich besonders gegen den 
Bürgermeister Strauch richteten, der mit aller Energie, be- 
sonders auch durch Vermehrung der Sicherheitsmannschaft, die 
allgemeine Unordnung zu beseitigen versuchte. 

Der Kaiser verlangte im Juli 1757, dass die Stadt ihr 



! ) In einer „Ratsüberkombst" vom 19. Mai 1758 musste sieh der Rat 
gegen die von Jobann Joseph Nielas, Anton Cornelius Weissenburg und 
Johann Wilhelm Bucholtz geführte sogenannte „Sclavantencompngnie" wenden, 
welche die Mitglieder des Rats öffentlich als „lügner und nachspreuger" er- 
klärt hatte. Der Rat warnte die „ungearteten lästcrer", welche die Bürger- 
schaft aufzuwiegeln und in „annoch grössere Uneinigkeit" zu bringen gesuchet 
haben" und drohte, dass in Zukunft „gegen selbe als frevcler und störcr 
der gemeinen ruh fiscaliter gehandelt und die verdiente schärfeste straf 
unausbleiben wird". 



— 43 — 

Kontingent für die Truppen des niederrheinisch-westfälischen 
Kreises stellte. Der Magistrat musterte daraufhin die Aachener 
Miliz, fand aber unter den zwei vorhandenen Kompagnieen 
wenige taugliche Leute. Er musste deshalb mit grossen Kosten 
und Schwierigkeiten Mannschaften anwerben, denn von den ver- 
heirateten Männern fand sich niemand zum Kriegsdienste bereit, 
weil dieser mit Verarmung der Familie gleichbedeutend war. 

Im Oktober 1758 wurde der Magistrat in Kenntnis gesetzt, 
dass die Stadt ein französisches Regiment in Winterquartier 
aufnehmen solle. Er bemühte sich, das zu verhindern, aber 
alle Gründe verfingen nicht, auch nicht der, dass die Stadt be- 
reits dreihundert Kranke und Blessierte im Komphausbad ver- 
pflegen musste und in der Bürgerschaft selbst heftiges Fieber 
herrschte, das, wie Janssen sagt, unsere Doktoren nicht kennen, 
und welches infolge dessen viele hinwegraffte. Am 24. November 
rückte das Regiment du Roi ein, mit 3700 Mann und „gewaltig 
viele offiziers". Dies Winterquartier verursachte dem Magistrat 
unglaubliche Scherereien und der Bürgerschaft grosse Be- 
schwerde. Die französischen Offiziere, anmassend und anspruchs- 
voll, wollten nur „tapissierte zimmer" haben und stellten in- 
bezug auf Verpflegung Anforderungen, denen schwer zu genügen 
war. Die Kompagnieen sollten möglichst zusammen unter- 
gebracht werden, was auch grosse Umstände machte. Die nötigen 
Betten, Matratzen und Kopfkissen, Hess der Magistrat aus 
Mastricht kommen und musste dafür 5000 Dukaten bezahlen. 
„Die matratzen," erzählt Janssen, „waren voller leuse, dass 
die dräger, welche sie in die quartiere gedragen, voller leuse 
seind geworden, also dass, wan man es gewüsst und hätt sie 
zum techsei zu Mastricht gelassen und sie hier in der Stadt 
machen lassen, so war die grosse summ geld auch hier in der 
stadt geblieben. Die Mastrichter werden wohl heimlich dabei 
lachen und denken, diese lumpen sind gut vor die Acher." 

Die Franzosen geberdeten sich wie die Herren der Stadt 
und führten eine wüste Wirtschaft ein, so dass die allgemeine 
Unordnung den höchsten Grad erreichte. Sittliche Ausschreitungen 
waren an der Tagesordnung. Die ganze Demoralisation, die die 
Soldateska jener Zeit, und zumal die französische, überall er- 
zeugte, offenbarte sich mit unerhörter Frechheit, sie pressl dem 
biederen Chronisten Janssen die Befürchtung ans. dass es bald 
am End sei mit Aachen. Ausserdem kostete die Einquartierung 



— 44 — 

die Stadt eine ungeheure Summe. Janssen schätzt sie auf 100 000 
Reichsthaler, sie war aber dreieinhalbmal so gross, wie wir 
aus den Kriegsakten feststellen können, allerdings unter Hinzu- 
rechnung der Kosten für die zweite Einquartierung des Regiments 
du Roi im Jahre 1760 und einer dritten Einquartierung von acht 
französischen Bataillonen im selben Jahr. Die 350000 Reichs- 
thaler verteilten sich auf folgende Posten: 

Vorschuss für Fourage, Holz und sonstige Be- 
dürfnisse 150000 Rthlr. 

Quartiergelder 100 000 

Instandsetzung der Magazine, Anschaifung von 

Bettzeug, Verlust an Fourage .... 100000 „ 

Diese 350000 Reichsthaler musste die Stadt mühsam 
zusammenborgen. Trotz der schönsten französischen Zusiche- 
rungen, die Summe zurückzuzahlen, war das im Jahre 1786 
noch nicht geschehen, und sie ist sicher auch niemals zurück- 
gezahlt worden, da 1789 das französische Königreich zusammen- 
brach und die Sansculottes, die späteren Herren von Aachen, 
königliche Schulden grundsätzlich nicht abtrugen. So hatte die 
Reichsstadt das Nachsehen, und was 350 000 Reichsthaler bei 
einer Bevölkerung von 20000 Seelen damals auf sich hatten, 
lässt sich denken l . Aber auch noch andere schwere Ausgaben 
erforderte der Krieg. So mussten allein für Reluitionsgelder, 
Römermonate 2 und Rekrutengelder, die für das Reichskontingent 
an den Kaiser zu entrichten waren, 40000 Reichsthaler auf- 
gebracht werden. Mit dieser Summe aber hatte es eine eigene 
Bewandtnis, die auf die reichsstädtische Unordnung ein bezeich- 
nendes Licht wirft. Sie wurde nämlich nicht noch Wien ab- 
geführt. Wir kommen auf dies Vorkommnis, das im Jahre 1762 
zum heftigsten Streit im Rate führte, später zurück. Die Zu- 



•) 1 Rthlr. spec. = 80 Albus zu je 12 Heller = 4.20 M. (vgl. Rhein. 
Geschichtsblätter Bd. I, S. 375 und S. 379). Danach wären 350 000 Reichs- 
thaler in heutigem Gelde 1470 000 M. 

2 ) Unter Rönierinonaten verstand man im früheren deutschen Reich 
die an den Kaiser zum Behuf der damals üblichen Rümerzüge zu zahlende 
Abgabe, die nach Aufhören der Römerzüge in eine regelmässige Abgabe 
zur Führung von Reichskriegen etc. verwandelt und auf 128 000 Gulden 
veranschlagt wurde, in Wirklichkeit aber weit weniger betrug. Ende des 
17. Jahrhunderts entsprachen in Aachen 200 Römermonate 20 000 Gulden 
also 1 Monat = loo Gulden. 



— 45 - 

stände, die während der französischen Einquartierung hiei 
sich entwickelten, schildert Johannes Janssen so anschaulich 
und drastisch, dass wir seine Worte wiedergeben: „Es ist die 
weit verrückt oder wir menschen, eins von zwey. Niemand 
bleibt mehr in seine gehörige schranken und will ein jeder 
nach seinem gefallen leben. Aber was will ich doch lang davon 
reden, wo die Obrigkeiten nicht acht haben auf die gerechtsame 
sache und sucht, eine gemeine mit gutem beispiel vorzugehen. 
Was thut hernach das peubel? Es machts wie ihre obrigkeit. 
Ist diese nichts nutz, so machen sie es auch nicht anders. 
Leider wan noch die geistliche Obrigkeiten gute exempelen 
und ermahnungen thaten geben; dieses geschieht leider auch 
nicht. Was ist dann wunder, dass der peubel auch ganz und 
gar nicht taugt. Nichts gutes wird mehr belohnt und kein 
übel gestraft nach gebühr. Ein jeder thut alles was er will, 
ja sogar, wan man einen nach gebühr strafen wollt, so darfs 
noch nicht geschehen wegen die verfluchte makeley, welche 
allhier sogar die gemeine verderbt hat, dass es nicht vor gott 
zu verantworten ist." 

Der Krieg mit der von ihm geschaffenen allgemeinen Un- 
sicherheit, die Handel und Wandel stocken Hess und im Volke 
grosse Not erzeugte, die Zügellosigkeit des französischen Mili- 
tärs, besonders, der vielen Offiziere, der Mangel an Respekt vor 
den Autoritäten der Stadt und an hinreichender Exekutive 
schafften förmlich anarchische Zustände mit allen ihren Begleit- 
erscheinungen. So war es möglich, dass beim Abmarsch des 
Regiments du Roi, der am 4. Mai 1759 erfolgte, sich Scenen 
abspielten, die schamlos genannt werden müssen. Wir schildern 
sie wieder mit den Worten Janssens: „Verwunderlich war es 
anzusehen, diesen auszug, wie die frauleut, sowohl weiber ge- 
heirate als ledige, ihnen (den Soldaten) nachgeloffen und geweint 
und wollten perfors mit, dass die Soldaten sich dessen kaum 
entwehren konnten, ja ansehnliche bürgersfrauen, dessen männer 
ihnen mit gewalt ausser die Soldaten ausgerissen und nacher 
haus haben prügelen und mit füss im hinteren heimtreiben 
müssen, dass es ein schand war zu sehen, weil diese so wohl 
bekennt waren. 

Ach, liebster gott, wie ist die stadt anjetzo bestallt im 
christendom, dass es ein schand ist, mit einem wort, alles ist 
schier huren und buben, ja mägter und jungen von 14 — 15 



— 46 — 

jähren lassen ihrer brauchen als offene nietzen, die bettelbuben 
bringten diese bei denen Soldaten bei tag 1 und nacht etc." 

Am 15. Januar 1760 rückte das Regiment du Roi, das sich 
draussen keine Lorbeeren errungen hatte, wieder in die Stadt 
ein. Es trat noch anmassender und herrsüchtiger auf als das 
erste Mal. Am 3. März wurden die regierenden Bürgermeister 
und die Beamten von dem Regimentskommandeur de Meyronnet 
für 9 Uhr morgens auf das Rathaus befohlen, das Regiment 
trat unter Gewehr, besetzte den Markt und alle Ausgänge des 
Rathauses, sperrte die Strassen und schloss die Stadtthore. 
„Alsdann erklärte de Meyronnet, die Stadt habe innerhalb sechs 
Wochen hunderttausend Rationen Heu und Hafer für die fran- 
zösische Armee anzuschaffen. Der gefangene Magistrat unter- 
handelte bis spät Nachmittags. Das Einzige, was er erlangen 
konnte, war eine Bescheinigung, dass der Stadt die Lieferung 
abgenötigt sei. Da die beständigen Truppendurchzüge den Heu- 
und Hafervorrat in der Stadt und auf deren Gebiet aufgezehrt 
hatten, musste Heu und Hafer in den Nachbargegenden mühsam 
aufgekauft werden." (Vgl. Haagen a. a. 0. S. 339.) Da während 
der Beschaffung des Vorrats beständiges Regenwetter herrschte 
und das Heu und Getreide feucht ins Magazin kam, verfaulte 
es zum grössten Teil. Die einzelnen Bürger mussten alles zur 
Verpflegung der Soldaten liefern und die Stadt .sogar zum Teil 
die Bekleidung beschaffen. „Die Franzosen sind so kahl als 
die leuse," sagt Janssen, „sie bekommen nichts aus Frankreich, 
dan da ist auch alles aufgangen" l . Teurung und Not wurden 
in der Stadt immer allgemeiner und die Schar der Bettler nahm 



') Lira die Szenen, die sich bei dem ersten Abzug des Regiments 
abgespielt hatten, zu vermeiden, erliess der Rat für den zweiten Abzug 
folgendes Edikt: „Obzwarn auf anstehen hiesigen französischen kommandanten 
zeitlich wohl regierende herren bürgermeister durch die stadtthörwächtere 
bereits hiesige löbliche bürgerschaft wahrnen lassen, dass morgen, als den 
tag des auszugs des französischen königs-regiments d'infanterie, niemand 
sich gelüsten lassen solle, einige Soldaten benenten regiments in ihre häusser 
aufzuhalten, noch hier noch brandewein nach sieben uhren morgens zu schenken: 
so wird jedoch zum überfiuss auf abermaliges anstehen gesambte löbliche 
bürgerschaft durch öffentlichen trommelschlag noch- und nochmalen unter 
willkürlicher straff gcwahrnet, gestalten von morgen sechs uhren morgens 
keine Soldaten des regiments in ihre häusser nicht allein aufzuhalten noch 
zu dulden, sonderen selbigen absolute den eintritt zu verweigeren, damit 



— 47 — 

täglich zu. Im Grashaus musste fortwährend auf Kosten der 
Stadt Brot gebacken werden, um einen Teil der Bevölkerung 
vor dem Verhungern zu schützen. Und dann denke man sich 
die Schwierigkeit der Anfuhr von Früchten und Getreide bei 
den damaligen schlechten Wegen und der Aussaugung der uni- 
liegenden Gegenden. Die meiste Zufuhr war bisher aus dem 
Jülichschen gekommen, aber eine Massregel des Magistats. der 
einem Protestanten, welcher von dem Herzog von Jülich den 
Malzweier gepachtet hatte, das Tuchfärben untersagte. • wie 
anderen auch, die die Berechtigung dazu nicht nachweisen 
konnten — führte zur Sperrung der jülichschen Grenzen. Ausser- 
dem plagte der Herzog die Aachener mit allen möglichen 
Chikanen, verschluss ihren Kaufmannsgütern die Wege durch 
sein Gebiet, so dass sie, um zur Frankfurter Messe zu gelangen, 
durch Limburg und Luxemburg fahren mussten, enthielt den 
Aachenern die ihnen zugehörenden Einkünfte auf jülichschen! 
Gebiete vor und nahm Regierungsmitglieder der Stadt fest. Erst 
am 23. November öffnete der Herzog wieder seine Grenzen. 

So vereinigte sich alles, um die Zustände in der Stadt 
immer trauriger und verwirrter zu gestalten. Man würde uns 
vielleicht der Übertreibung zeihen wollen, wenn wir diese Zu- 
stände mit eigenen Worten schilderten. Aber wir lassen die 
Akten sprechen, die uns zugleich zur Erörterung eines schon 
angedeuteten Punktes führen. 

Der Vertreter der Reichsstadt am Reichshofrat in Wien, 
Franz Edler Ferner von Fernau, schrieb am 4. August 1762 
von Wien aus an den Rat, dass man am kaiserlichen Hofe ver- 
nommen, „wasmassen sich allda in dem rat einige factionen 
ereignet und dadurch die alldasige bürgerschaft zu einem auf- 
ruhr gebracht, auch verhindert worden sei, dass von einem hoeh- 
löblichen magistrat allda das in dem vorigen Monat zu bezahlen 
versprochene reluitions-quantum noch nicht sei abgeführet wor- 
den". Das habe Se. kaiserliche Majestät „sehr missfälligst ver- 
sieh nicht exponiert befinde, einigen verdacht auf sich zu laden und desfalls 
von denen zum patrouillieren beständig" durch alle gassen destillierten 
detachements nicht übel behandelt werden mögen, welches dann zu jedermanns 
nachricht publiziret werden solle Sign. Aachen den 21. may IJ60. 

Ex mandato 
D. I". M. Becker secretarius. 



— 48 — 

nommen" und in einem scharfen Reskript den Magistrat ermahnt, 
seinen Verpflichtungen nachzukommen. 

Eine Anzahl Mitglieder des Rats und der städtischen Be- 
amtenschaft sprachen in einem unterdienstlichen Promemoria. 
das am 27. August 1762 im Rat verlesen wurde, die Vermutung 
aus, der Kaiser sei durch eine von Aachen herrührende „malevola 
et sinistra suggestio" zu seiner Indignation veranlasst worden. 
Sie bäten die „herren bürgermeister, die nötigen inquisitiones 
anzustellen, ob derlei unverschämter und der Stadt gehässiger 
autor deternieret und behorend zur straff gezogen werden möge. 
Damit aber diese gegen uns und die stadt so unverdient ge- 
schöpfte kaiserliche ungnad desto bass von uns und der Stadt 
abgewendet werden möge, so bitten zugleich in continenti ad 
dictum clementissimum rescriptum die allerunterthänigste ant- 
wort abfassen und selbige einem ehrbaren rat vorbringen zu 
lassen, damit unsere und unserer mitbürgeren herzer und ge- 
müter von dem gerechtigst darüber empfundenen herzenleyd 
und unmut befreiet, sich der allerhöchsten kaiserlichen gnad 
wieder erfreuen mögen." 

Man ist wohl nicht wenig im Aachener Rat überrascht und 
betroffen gewesen, als sich als Urheber der kaiserlichen Un- 
gnade oder, sagen wir richtiger, als Sammler und Beförderer 
des Anklagematerials, das dem kaiserlichen Reskript als Grund- 
lage diente, ein Mann herausstellte, der als Bürgermeister dreimal 
an der Spitze der Stadt gestanden und sich als solcher und 
auch in anderer Funktion durch energische Verwaltung, die ihm 
allerdings viele persönliche Feinde verschaffte, zweifellose Ver- 
dienste um das Gemeinwohl erworben hatte. Es war Peter 
Balthasar Strauch, im Jahre 1762 abgestandener Bürgermeister, 
also noch in amtlicher Stellung ] . 

In einer „Geziemende erklärung, abgenötigte verthätigung, 



') Peter Balthasar Strauch, 175G Baumeister, 1757, 1759 und 1761 
Bürgermeister, getauft in St. Foillan 16. Oktober 1728, heiratete 28. Juni 
1748 Theresia Kesseler, Tochter von Michael Kesseler, Prätor zu Rheinstein. 
Mit dem Bürgermeister von Wespien durch dessen Frau verwandt, erbte er 
von ihm das bekannte Patrizierhaus und das Gut Kalkofen. Einer seiner 
Söhne, Joh. Franz Xaver Gottfried, seit 1808 Freiherr v. Strauch, getauft 
in St. Foillan 4. Dezember 1751, starb zu Wien am 18. März 1836 als k. k. 
Feldmarschall-Lieutenant. (Vgl. H. F. Macco, Beiträge zur Geschichte und 
Genealogie rheinischer Adelsfamilien Bd. I und 11, s. v. Strauch.) 



— 49 — 

Provokation und bitt an Seiten des abgestandenen bürgermeistern 
Strauch contra die zwölf in dem innerdienstlichen promemoria 
unterschriebener beambten, neumänner und ratsglieder 1 ", die 
am 27. August 1762 im Eat verlesen wurde, erklärte Strauch 
offen, dass er derjenige sei. der den Kaiser darüber aufgeklärt 
habe, warum die schuldigen Reluitions-Gelder unbezahlt ge- 
blieben. Er habe das aus „Eifer vor der gemeiner sach" gethan 
und in dem Bestreben, dass die kaiserliche Ungnade die wirk- 
lich Schuldigen und nicht die wohlgesinnte Bürgerschaft treffe. 
Diese trüge an der Verzögerung der Zahlung der Reluitionsgelder 
keine Schuld. Sie sei bei „hart- und schweren Zeiten" ihrer 
Obrigkeit stets mit der nötigen Beihülfe willig an die Hand 
gegangen. Das bewiesen die Rats- und Beamtenprotokolle aus 
den Kriegsjahren 1673 bis 1716, weiter die aus den Jahren 
1734 und 1747 mit ihren Einquartierungslasten. Abgesehen 
davon, dass die Bürgerschaft diese stets auf eigene Kosten 
getragen, habe sie jährlich noch einen wenigstens auf 40,000 
Reichsthaler steigenden ausserordentlichen Beitrag gegeben. 
Sie sehe auch jetzt ein, dass es eine reine Unmöglichkeit sei, 
die überschweren Reichs- und Kriegslasten aus den ordinären 
Einkünften zu bestreiten. Die Stadtregierung habe aber unter 
dem Einfluss von „Pasquillanten, tadlern und ehrendieben, 
welche sich in hiesiger republik als souveräne richter der 
obrigkeit vermessen darstellen", von den vorhandenen Mitteln, 
ausserordentliche Einnahmequellen- zu erschliessen, keinen Ge- 
brauch gemacht. Als die Bezahlung der Gelder für das Reichs- 
kontingent endlich im Rate zur Sprache gekommen sei, habe 
man durch tumultuarische Scenen und schwere gegenseitige 



') Namen derselben: Joan. B. Beus, Theodor Peters, J. Wilhelm Vossen, 
Nicolas Stertz, Arnold Thelen, Aegidius Nutten älter, Jacobus Nutten, 
Johannis Wilhelenius von Imber, Andreas Ehlen, Gabriel Joseph Scheins, 
Jacob Hüllekremer, Goswinus Otten. 

2 ) Diese bestanden hauptsächlich in der Erhöhung der Bier- und Wein- 
Accise, der Verdoppelung der Service oder Ländereisteuer, in Brand-Gewinn 
und Gewerb-Schatz, in einem Subsidium charitativum der geistlichen freien 
Güter, in einer Abgabe von Vieh, Abgabe des 5. Pfennigs von den Mietverträgen, 
in einer Abgabe von der Tonne Bier, vom Mass Wein und Branntwein, vom 
Sack Salz etc. Ausserdem konnten die wohlhabenden Kaufleute verpflichtet 
werden, „gegen gebührende Interessen der stadt-rentkammer starke capitalin 
auf gewisse zeit vorzuschicssen". 

4 



— 50 — 

Beleidigungen ' eine Erledigung der Sache verhindert. So trüge 
die Stadtregierung Schuld und Verantwortung, dass die kaiser- 
liche Ungnade die Stadt betroffen. Überhaupt herrsche seit der 
letzten Büreermeisterwahl ein solches Unwesen in der Stadt 
und freche Verläumder stellten die Obrigkeit dem Spott und 
der Verachtung bloss, dass man sich nicht wundern dürfe, wenn 
der Fluch Gottes einen unvermeidlichen Untergang - über diese 
unglückliche Stadt verhänge. 

Strauch hatte es sich als Bürgermeister ganz besonders 
angelegen sein lassen, der öffentlichen Unsicherheit, die für den 
Ausgang der Reichsstadt besonders charakteristisch ist und die den 
Geist der Zersetzung kennzeichnet, nach Kräften zu steuern. 
Er brachte die Stadtmiliz in einigermassen brauchbaren Zustand 
und errichtete im Jahre 1760 eine Kompagnie Nachtwächter, 
die es vorher nicht gab. Johannes Janssen lobt diese Mass- 
regel sehr: Der Bürger könne jetzt ruhig zu Bett gehen, was 
früher nicht möglich gewesen. „Man hört anjetzt nichts mehr 
von stehlen noch strassenräuberey auf der gassen und Strassen. 
Dieses ist ein gute sach, wann sie wohl gehalten wird." 

Diese letzte Bemerkung war sehr berechtigt. Der Bürger- 
meistereidiener Janssen kannte die Vorurteile vieler Ratsmit- 
glieder, die selbst die heilsamste Massregel bekämpften, wenn 
sie etwas kostete und scheinbar nichts einbrachte. Dem Bürger- 
meister Strauch machte man von einer Seite gerade seine 
Einrichtungen zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit zum 
Vorwurf und beschuldigte ihn der Verschleuderung stadtischer 
Gelder. Da zeichnete Strauch den Nörglern die Zustände bis 
1760 mit folgenden Worten: .,Bevorn eine gute zucht und dis- 
ziplin unter hiesigem militair, welches vorhin aus bettlern oder 
vollsäufern bestünde, eingeführt, bevore die höchst nötige nachts- 
wacht angestellet wäre, sähe man nichts mehr als betrübte 
witwen und waysen ihre durch bosheit und totschlag entrissenen 
männer und vätter beweinen; hier suchte eine durch räuber und 
dieb unglücklich gemachte familie das verlorne traurig, wiewohl 
vergebens, wieder, dorten beklagte ein anderer auf dem kranken- 
bett liegender und zu tod geschlagener die strassenunsicherheit, 
der arme einsame bauersmann zitterte sambt weib und kinder 



') Ein Ratsinitglied rief einem der „Herren Beamten" zu, er gehöre 
an den Galgen. 



— 51 — 

in seinem schwachen haus vor denen vielfachen diebsbänden 1 ; 
der missethäter wurde durch einen zaumlosen pöbel der gehey- 
ligter Justiz und dem kerker gewaltthätig entrissen, die Obrig- 
keit gespottet und geschrecket und die kaiserliche allergnädigste 
mandata verlachet und mit fassen getrotten. Dieses seynd ja 
weltbekänte und mit hunderten proben an ort und stelle beweis- 
liche Wahrheiten !" 

Der Konflikt wegen der unbezahlt gebliebenen Reluitions- 
gelder und der nach Wien gerichteten Mitteilungen Strauchs 
dauerte noch lange an. In einer „Tnhärirliche Provokation und ver- 
müssigte beantwortung der so getaufter innerdienstlicher, mehr 
begründeter und gemässigter refutation mit 18 justificatoriae 
anlagen an seiten des abgestandenen burgermeistern Strauch 
gegen die zwölf unterschriebenen herren beamten, neumänner 
und ratsglieder," die am 22. Oktober 1762 im Rat verlesen 
wurde, erwidert Strauch auf die Vorwürfe seiner Gegner, Aachen 
verlästert und als Räuberhöhle geschildert zu haben, Folgendes: 
„Die färb, welcher ich mich in meiner verthätigung bedienet, 
ist so gar gehässig nit. Schreiet aber mit denen schröckbaren 
Wörtern: Spelunca latronum, sentina et refugium peccatorum 
nit so laut! Die kinder möchten darüber erwachen und es be- 
greifen. Sie würden alsdann zwarn sich nit schämen, von Ache 
zu sein, aber wohl, dass die Unordnung so lang in der vatter- 
stadt getobet hat. Wieviel vorsätzliche totschläg, wieviel schwere, 
in angesicht der hauptwacht selbst, geschehene einbrüch und 
diebstähl, wieviel hundert verübte strassenschändlichkeiten und 
daraus erfolgte andere Unglücken, wieviel aufrühr, wieviel in 
denen häussern mit einschmeissung der fensteren und sonsten 
vollführte beschimpfungen, wieviel gewaltthätige erbrechungen 
der kerker . . ."! Strauch behauptet, man habe „kaiserliche aller- 
höchste mandaten mit füssen getrotten" und ,, unter trommel- 
schlag sich wider befelch und Verordnungen" der obrigkeit 
aufgelehnt. 

Es lässt sich denken, mit welcher Sehnsucht man in Aachen 



') Bekanntlich machte damals (1734-1770) die iMulier-esellselni't .1. i 
„Bockreiter" die ganze Umgegend Aachens unsicher und sehnt' Zustände 
schreckhafter Verwirrung. Ihre Eauptplätze waren Eerzogenrath und Rleersen. 
„Bürgermeister und Magistrat" Aachens wurden während dieser Zeil von 
dem Gouverneur Limburgs häufig zu einer „chasse g6n6rale des valeurs ei 
vragabonds" aufgefordert. (Akten des Stadtarchivs). 

4* 



— 52 — 

in anbetracht der geschilderten Zustände das Ende des Krieges 
ersehnte. Die Bürgerschaft verarmte immer mehr, zumal der 
Krieg auch die letzte, aus dem Besuche der Bäder fliessende 
Einnahmequelle verstopfte. Eine Zeitlang gab man sich der 
Hoffnung hin, dass Aachen als Friedensort gewählt werden 
würde. Bürgermeister und Eat baten den Kaiser, die Stadt, 
welche den „überschweren last der harten und verderblichen 
zeiten ganz besonders und schmerzlich" empfunden und trotzdem 
in alter Treue dem Erzhause angehangen habe, bei der Wahl 
eines Ortes zum Abschluss des Friedens zu berücksichtigen. 
Dieselbe liege in der Mitte aller im Kriege befindlichen Mächte 
und habe mit Rücksicht auf die Möglichkeit, als Friedensort 
bestimmt zu werden, „am rathaus und sonstigen publiken ge- 
hauen zu der allerbequambster einrichtung übergrosse kosten 
verwendet". Eine etwaige Wahl würde „diese unglückselige 
Reichsstadt, welche durch den ihre kräften und verbindnussen 
weit übersteigenden kriegslast ganz niedergedrücket ist, wiederum 
erleichtern und zur erfüllung ihrer reichsschuldigen Obliegen- 
heiten neue und nötige kräfte gewinnen lassen." 

Diese Hoffnung erfüllte sich nicht, aber obwohl der Friedens- 
abschluss in Hubertusburg stattfand, wurde er in Aachen mit 
leichtbegreiflichem Jubel begrüsst. 



Jagdwesen im Aachener Reich. 

Eine kulturgeschichtliche Skizze. 
Von W. Brüning. 

Unter den Gründen, die Karl den Grossen veranlassten, 
Aachen zu' seiner bevorzugtesten Residenz zn machen, war der 
Wildreichtum seiner waldigen Umgebung nicht der letzte. In 
den heissen Quellen erfrischte er seinen schlachtenmüden Leib, 
und auf den Aachener Höhen, an die sich die unendlichen 
Wälder der Eifel und Ardennen anschlössen, stählte er ihn im 
Waid werk für neue Kämpfe. Mit schlichtem Prosawort berichten 
uns die Chronisten, mit stolzem Verse die Hofpoeten von den 
Jagdfreuden, denen Karl im Aachener Walde sich hingab. Bei 
dem feinsinnigen Einhard. der den Urquell des Charakters seines 
kaiserlichen Herrn aufzudecken versucht, finden wir auch die 
Bemerkung, dass Karl der Grosse, wie er war, die Jagd lieben 
mnsste, und dass diese Liebe sein Wesen hinwiederum aufs 
günstigste beeinflusste. Eine Bemerkung, die man bei allen 
deutschen Kaisern machen kann. Wer von ihnen einen that- 
kräftigen Charakter, ein unverzagtes, fröhliches Herz hatte, 
war auch stets ein eifriger Jäger. Von Karl dem Grossen wird 
berichtet, dass er bei aller Würde nie froher und in doppeltem 
Sinne liebenswürdiger gewesen sei. als wenn er nach ergiebigem 
Jagdzuge im Kreise seiner Weidgenossen den Freuden der Tafel 
sich hingab, wobei er stets „dem Braten, den ihm die Jäger 
am Bratspiess zu bringen pflegten", den Vorzug gab. 

Ein Sänger des 13. Jahrhunderts, Philipp Mouskes, sagt 
von Karl dem Grossen in seiner lateinischen Reimchronik: 

„Er ging in die Gegend von Aachen 
Und nahm sein Gefolge mit sich. 
Gern verweilte zu Aachen 
Der König, wenn er im Frieden war; 
Und die Stadt 1 war nicht gross, 



') Man kann nur von einem Flecken sprechen. Eine Stadl wurde A.achen 
erst am Ende des 12. Jahrhunderts. 



— 54 — 

Aber sie war fruchtbar und wohl gelegen, 

Und das Land war ganz voll 

Von Rotwild, Rehen und Damwild l , 

Durch die Waldungen und Gebüsche, 

Wovon das Land ganz eingeschlossen war. 

Und es gab keinen Förster da 

Zu der Zeit, keine Kirche noch Kloster. 

Der König hielt sich da gerne auf. 

Weil ein Überfluss war 

Von Geflügel und anderem Wild. 

Er hatte Hunde von guter Rasse. 

Und keine Menschen in der ganzen Welt 

Gehen so gerne jagen 

Oder an die Wasser, als Franken 2 . 

Und sie haben das stets gern gethan. 

Und auch König Karl 

Jagte gern mit seinen Mannen. 

In der Gegend von Aachen war 

Eines Tages der König und jagte da; 

Denn solche Waldungen gab es nicht 

Weder in der Ferne noch in der Nähe. 

Der König hatte einen Hirsch ereilt, 

Seine Begleiter waren von ihm verirrt, 

Und der König kam ganz allein jagend daher 

Mit seinen Hunden, die eifrig suchten. 

Auf einem Pferde sass der König, 

Das sehr gross und reich geschirrt, ein Nordländer 3 ." 

Nach den Angaben des lateinischen Gedichtes, das dem 
Franken Angilbert zugeschrieben wird, war der Jagdapparat 
zu Karls Zeiten ein sehr einfacher. Mächtige Jagdspiesse, ver- 
sehen mit eiserner Spitze, das leinene Jagdnetz, schnelle Bracken 



l ) Neben Hirschen und Rehen waren auch Bären, Wölfe, Luchse, Auer- 
ochsen und Wisente, Elentiere und Schwarzwild vertreten. 

') G-unthram, ein Enkel Chlodwigs, war ein so leidenschaftlicher Jäger, 
dass er seinen Kämmerer Chundo wegen Tötung eines wilden Ochsen im 
Wasgauwalde, obschon die That nicht bestimmt erwiesen war, zu Tode 
steinigen liess. (A. Brachmann, Waidwerk im Mittelalter. Deutsche 
Jägerzeitung Jahrg. 1901.) 

8 ) üebersetzung von P. St. Käntzeler, an der wir einige unwesentliche 
Änderungen vorgenommen haben. 



— 55 — 

und gewaltige Hatzrüden. Pfeil und Bogen werden gleichfalls 
eine Rolle gespielt haben, auf die wir auch im Zeitalter der klein- 
kalibrigen Gewehre nicht verächtlich herabzublicken brauchen. 
Der Bogen war eine vortreffliche und in der Hand eines geübten 
Schützen, der auch Karl der Grosse ohne Zweifel gewesen ist, 
furchtbare Waffe, die den Pfeil auf mehrere hundert Meter mit 
tötlicher Vehemenz schleuderte. Gerade zur Zeit des grossen 
Kaisers und Weidmannes kam auch die Armbrust auf (um das 
Jahr 800), die Arballista oder Arcuballista, um 500 Jahre lang 
als ausschliessliche Distanzwaffe im Felde und auf der Jagd 
ihren Platz' zu behaupten. Karl der Grosse liebte aber vorzugs- 
weise die Parforcejagd, die in den dichten Wäldern ausser- 
ordentliche Anforderungen an die Reitkunst der Jäger stellte. 
Nach der Schilderung Angilberts spielte sie sich fulgender- 
massen ab: „Am Waldsaum ist das Jagdgefolge des Königs 
angelangt. Bald werden die Hunde losgekoppelt, und im Nu 
eilen sie, nach Wild spürend, in die Dickung. Zerstreut irren 
sie durch den dunkeln Bergwald, begierig nach Beute. Die 
Reiter aber umgeben den Hag, dem flüchtigen Wilde sich entgegen- 
zuwerfen. Endlich ist ein grimmer Keiler im Thale aufgespürt 
worden. Sogleich dringen die Reiter, dem Geläute folgend, in 
das Dickicht ein. Hurtig suchen die Rüden den Flüchtling 
zu erreichen ... Da erhebt sich gewaltiger Lärm und erfüllt 
mit lautem Schall den Forst. Das Jagdhorn treibt die Rüden 
zur Hatz, und in rasender Eile flieht der Keiler über unweg- 
sames Land den Höhen des Gebirges zu. Aber seine Kräfte 
erlahmen. Er macht halt und rüstet sich zur Abwehr. Hierhin 
und dorthin wirft er die Meute und fällt sie mit furchtbarem 
Zahn. Da sprengt Karl, schneller als sein Gefolge, herzu und 
stösst dem Keiler das Eisen in die Brust. Zusammen bricht 
das Wild, und sich wälzend im Sande haucht es sein Leben mit 
einem Blutstrom aus 1 ." 

Zu Karls des Grossen Zeiten konnte der freie Grundeigen- 
tümer auf seinem Besitz die Jagd ausüben. Wir können dem- 



') Karl der Grosse führte eüi organisiertes Forst- und Jagdwesen ein, 
das unter die Aufsicht eigener Ministerialen gestellt wurde. Die könig- 
lichen Güter (bei Aachen beispielsweise Seffent, Schurzelt, Würselen u. a.) 
wurden mich den Bestimmungen des capitulare de villia von Bofrichtern 
(judices villa. i verwaltet, die für den Sehnt/. des Wildes, für die A.ufzuchl 
und Dressur der Beizvögel (Habichte, Sperber, Kalken) und der Jagdhunde 



— 56 — 

gemäss annehmen, dass auch die freien Bauern im Aachener 
Gebiet das Jagdrecht besassen, soweit es sich nicht um die 
königlichen Bannforsten „silvae defensatae" handelte, die von 
Karl dem Grossen zuerst eingerichtet wurden, und in denen 
ausser dem Könige und seinen Stellvertretern jedem andern die 
Jagd bei Strafe des Königsbanns verboten war. Das Gebiet des 
Aachener Waldes ist sicher auch ein solcher königlicher Bann- 
forst gewesen, da er das bevorzugteste Jagdgelände des Kaisers 
war K Nach Beendigung der Entwicklung Aachens zur freien 
Reichsstadt (um 1250) besass es als solche die Jagd, ebenso 
wie Fischerei und Vogelfang, als Regal, die nur dem Landes- 
herrn, nicht dem Unterthan zustanden. Das Jagdwesen erschien, 
besonders seit dem 15. Jahrhundert, der Periode der Begründung 
der eigentlichen Landeshoheit, als ein Ausfiuss der Behörde, 
der obrigkeitlichen Polizei 2 . Es wurde von dieser einzelnen 
übertragen, in der Reichsstadt Aachen zweifellos den Patriziern, 
wie in fürstlichen Territorien nur die Grossgrundbesitzer die 
Jagd ausüben durften. Die adligen Herren im Aachener Reich 
waren an sich jagdberechtigt. In späteren Jahrhunderten, in 
denen der patrizische Standesunterschied durch die politische 
Gleichberechtigung der Zünfte mehr zurücktrat, werden ange- 
sehene Bürger überhaupt das Jagdrecht besessen haben. Der 
gemeine Mann, der Bauer, war im Aachener Reich wie auch 
anderswo, von der Jagdgerechtigkeit ausgeschlossen und durfte 
sich nur der Raubtiere, der Bären, Wölfe und Füchse, durch 
die Jagd erwehren 3 . 

Die reichsstädtische Regierung legte auf die gesetzmässige 
Regelung und Ausübung des Jagdwesens grosses Gewicht, wie 



zu sorgen hatten. Unter den obersten Hofbeamten gab es vier Oberjägcr- 
meister und einen höchsten Falconier, unter welchen die Ministerialen standen. 
Karl der Grosse Hess sich im Interesse der Viehzucht die Vertilgung des 
Raubzeugs, besonders der Wölfe, sehr angelegen sein. (Vgl. A. Brach- 
mann a. a. 0.) 

') Über den grossen karolingischen Bannforst in den Ardennen vgl. 
Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein Heft VI, S. 57. 

2 ) Vgl. A. Brachmann a. a. 0. 

3 ) Nach Erfindung des Sehiesspulvers (1340 die erste Pulverfabrik in 
Augsburg) wurde die Jagd mit dem Hand- oder Faustrohre ausgeübt, dessen 
Ladung mit einem Stück glimmenden Zunders abgefeuert wurde. Im Jahre 
1630 erfand man in Lyon das Steinschlossgewehr, welches zu Jagdzwecken 



— 57 — 

aus vielen sehr streng - gehaltenen Jagd-Edikten hervorgeht. 
Es genügt, um alle zu kennen, eins wiederzugeben, und zwar 
aus dem Jahre 1739, denn der Inhalt ist mit unwesentlichen 
Abweichungen in allen der gleiche. 

Edikt und Ordnung 
die jagd in hiesigem reich von Aachen betreffend. 

Wir bürgermeistern, scheffen und rat des königlichen Stuhls 
und kaiserlicher freier reichsstadt Aachen thuen kund und 
fügen jedermänniglichen hiermit zu wissen: 

Nachdem uns gar misfällig vorkommen, welcher gestalten 
in hiesiger unser landstädtischer bottmässigkeit zu nicht geringerem 
präjudiz, nachteil und schaden denen eigentümberen und hiesiger 
Stadt bürgeren die jagd in viele weg missbraucht und gar 
ruiniert, die reichsunterthanen, eingesessene und beerbte 1 auch 
an ihrem gras und feldfrüchten durch zu ungebührender zeit 
vornehmendes jagen vielfältig beschädiget werden, uns aber 
obrigkeitlichen ambts halben desfals nötige vorsorg zu gebrauchen 
obliegen will: als haben darüber nachfolgende Ordnung ver- 
fasset, allen unseren bürgern, reichsunterthanen und eingesessenen, 
wes Standes und würden dieselben auch seien, ernstlich befehlend, 
sothane Ordnung strikte zu halten und deroselben in keinem 
punkt zuwider zu handeln, mit der Warnung, dass gegen alle, 
wie dieselbe auch sein mögen, welche diese Ordnung übertretteil, 
und besonders gegen diejenige, so folgende jagdordnung kontra- 
veniieren, neben konfiskation des gewehres und niederschiessung 
deren hunden und sonsten da nötig durch die starke band davon 
abgehalten werden sollen; zu welchem end dann allen hiesiger 
bottmässigkeit försteren, feldschützen und thurnwächteren bei 
ihren eid und pflichten, womit einem ehrbaren rat sie zugethan 
seind, auch unter wirklicher kassation ihres ambts hiemit 
befehlend, aufgegeben wird, auf wirklicher observierung folgender 
Ordnung fleissige obacht zu haben, die iibertrettern ohne ansehung 

schon besser verwendbar war. Hs wurde ersl 1807 infolge der Erfindung 
des Zündhütchens durch das Perkussionsgewehr verdrängt. (Vgl. Fritz 
Frenzel, Die Waffen-Entwickelung. l>as Schiesswesen, Beilage zu Nr. 22, 
Bd. HS der „Deutschen Jägerzeitung".) Aussei' der Erlegung des Wildes 
mit der Flinte betrieb man auch den Fang mit abgerichteten Hunden, durch 
(i ruhen, Netze, Fallen und Schlingen. 

') Die an der Almende teilnehmenden Gremeindemitglieder. 



- 58 — 

der person nicht allein alsobald regierenden bürgermeisteren 
anzugeben, sondern auch diejenige, so die Jagdordnung über- 
tretten. sofern immer möglich, sogar mit Zuziehung nötiger hüll' 
der reiclisunterthanen wehrlos zu machen. 

Jagdordnung. 

Erstlich und damit das wild generieren und zunehmen möge, 
auch denen beerbten und unterthanen ihr getraid und gras- 
gewäehs nicht verdorben werde, als solle a prima martii im 
feld, in denen huschen aber a prima aprilis bis S. Aegidii ] tag 
keiner, er seie, wer er immer wolle, mit und ohne hund, garn, 
fedderleinen, laurjagden 2 oder auf einige weis sich der jagd 
bedienen und solcher gebrauchen; 

2. bleibt den bauern und frembden ingefolg verschiedenen 
vorhin ergangenen prohibitiv-edikten die jagd unter 25 gold- 
gülden 3 straf nebst konfiskation des gewehrs zu allen zeiten 
verbotten, dergestalt dass, wenn der übertretter diese 25 gold- 
gülden inner 8 tagen zeit nach der kondemnation nicht erlegen 
würde noch könnte, absolut auf 6 wochen bei wasser und brot 
eingesperrt werden solle; wann aber einigen derselben oder 
frembde zu einigen zeiten des Jahres sich unterständen zu jagen, 
dieselbe sollen durch unsern feldschützen und försteren auch 
anderen bürgeren und reiclisunterthanen, da nötig, mit stürmung 
der glocken zu pferd und zu fuss verfolget und angehalten 
werden ; 

3. sollen die übertrettern, wenn sie einig gras oder fruchten 
beschädigt hätten, solchen schaden denen eigentümberen juxta 
arbitrium deren erfahrene nächstgesessenen beerbten unablässig 
zu ergänzen schuldig sein; 

4. solle niemanden erlaubt sein, unter obgemelter straf, 
während geschlossener jagd wachtein, feldhühnern und sonstiges 
wild mit garn, lockpfeifen, hunden oder dergleichen zu fangen 
und an sich zu ziehen; 

5. die reiclisunterthanen, welche zu bewachung ihrer häuser 
und höf hund halten wollen, sollen selbige entweder den tag 

') l. September. 

2 ) Anstand. 

:i ) Groldgulden = Dukaten. Dieser galt um 173'.) 26 Gulden. Der 
Dulden galt ti Mark = 30 (früheren) Pfennigen. Mithin 1 Goldgulden = 
T.SO Mark heutigen Geldes. 



— 59 — 

über an den ketten geschlossen oder dafern sie die limid 
ungebunden herum laufen lassen wollen, denenselben einen klüppel 
1 x / 2 fuss längde am hals hangen schuldig sein, auch die huiid, 
obwohl sie mit angehängten klüppeln verseilen, nicht mit sich 
ins feld nehmen, sondern zu bewahrung ihrer häuser und 
liöfen daheim lassen; 

6. desgleichen sollen die Schäfern ihre schafshund an einem 
strick zu führen gehalten sein, und falls sie solches unterdessen 
und ihre hund losgehend erfunden würden, dieselbe sollen die 
aufsehern übernhaufen zu schiessen gute macht haben; 

7. alle unterthanen sollen ihr gesind und kinderen mit 
allem fleiss warnen, dass sie keine jungen hassen, kanin und 
feldhühnern oder deren eier aus den nesteren aufheben, und 
falls jemand derenselben hieran sollte brüchig gefunden werden, 
sollen die eiteren vor ihre kinderen und die herrschaften vor 
ihre dienstbotten, so oft solches geschieht, zu bestrafen sein; 

8. bleibt das tauben- und nachtigallenfangen, das tauben- 
schiessen von nun an immer verbotten unter straf von 6 gold- 
gülden ; 

9. derjenige, welcher im feld in der verschlossenen Jagdzeit 
mit einem gewehr. hund oder sonstigen fangzeug gesehen und 
ertappt wird, soll in straf von 25 goldgülden eo ipso verfallen sein; 

10. gemelten waldförsteren solle zwarn erlaubt sein, ein 
gewehr bei sich zu tragen, aber dasselbe nicht zum jagen zu 
brauchen, viel weniger einen Jagdhund bei sich zu führen, und 
zwarn unter verlust ihres dienstes; 

11. wann durch herren bürgermeisteren einige Wolfsjagden 
mitzuziehung nötiger mannschaft von denen unterthanen angestellt 
werden wollen, so sollen alle liebhaber der jagd am besten der- 
selben sich fleissig dabei einfinden und sich solcher Ordnung, 
wie dabei wird verabredet werden, gemäss verhalten 1 ; 



') Nach einer Mitteilung des Herrn N. v. Schwartzenberg beunruhigten 
die Wölfe noch bis in die dreissiger Jahre des vorigen Jahrhunderts die 
Umgegend von Aachen und schädigten den Viehstand erheblich. Starke 
Rotten drangen in Höfe und Ställe ein. Wann die Wölfe endgültig aus 
den Aachener Waldungen verschwunden sind, haben wir nicht feststellen 
können. Der Bestand an Kotwild wurde während der Fremdherrschaf! stark 
eingeschränkt, wenn nicht gar vernichtet, denn es lag im Wesen der republi- 
kanischen Ökonomie, das Wild, in Verkennung seines volkswirtschaftlichen 
Wertes und in Missachtung seiner idealen Bedeutung, als etwa- durchaus 



-»- 60 — 

12. da die jagd nur zum vergnügen der bürger ist, so 
solle kein bürger einiges geschossene wild verkauten, widrigen- 
falls er willkürlich gestraft werden soll; 

13. es sollen alle so jetzig- als zukünftige feldbotten, forstet' 
und thurn Wächtern vor zeitlichen herren bürgermeisteren erscheinen 
und bei dem eid, womit ein ehrbarer rat sie verpflichtet, hand- 
tästlich angeloben, auf diese Ordnung fleissige aufsieht zu haben, 
und dass sie diejenige, welche gegen obgesetzte Ordnung thun, 
handelen auch sonsten sich dero nicht gemäss verhalten werden, 
denen herren bürgermeisteren zur zeit alsobald anbringen und 
keinen, der seie auch, wer er wolle, unter verlust ihrer diensten 
verschweigen werden. 

Der „Neue Förstereid", der zum ersten Mal 1742, also 
3 Jahre nach Erlass der Jagdordnung geschworen wurde, 
lautete . 

„Ihr sollet globen und schwören einen eid zu gott und 
seinen lieben heiligen, denen zeitlichen herren bürgermeistern 
und einem ehrbaren rat treu und hold zu sein, das gemeine 
stadt besten und nutzen in alle wegen zu suchen und vorzu- 
wenden und das ärgste und schädliche zu wahrnen, diesen euch 
aufgetragenen förstersdienst treulichst und fleissigst zu ver- 
walten und wan etwas ohne vorwissen eines ehrbaren rats oder 
herren burgermeister im busch oder landweh r verhauen oder 
abgehauen werden solte. solches dem zeitlichen herrn forst- 
meistern und denen beiden herren baumeister gleich zu hinter- 
bringen, auf dem busch, weid, jagd und andern gerechtigkeiten 
ein wachsames aug zu halten, damit in dem euch anbefohlenen 
bezirk, oder auch anderwärts, wohin ihr etwan ohnzulässiges 
solltet spüren und wahrnehmen können, nichts entführet, ent- 

unnützes zu betrachten, dessen Vernichtung erstrebt werden müsse. Es 
spielte dabei die Reaktion gegen die feudale und gemeinschädliche Über- 
schätzung des Wildes unter dem monarchischen Regime eine grosse Rolle. 
Nach den Mitteilungen W. Hackländers im „Roman meines Lebens" war 
das Rotwild um 18:SÜ in den Aachener Waldungen wieder vertreten. Viel- 
leicht nur als Wechselwild. Später hat es der erhöhten Forstkultur gänz- 
lich weichen müssen und sich nach der Kifel zurückgezogen, wo es in den 
Waldungen bei Raeren noch heute in freier. Wildbahn anzutreffen ist. Nach 
einer von R. Pick veröffentlichten reichsstädtischen Wildprettsteuer aus dem 
Jahre 1764 war ausser Rehen und Hirschen Schwarzwild vorhanden, ferner 
liirk- und Haselhühner. 



— 61 — 

freinbdet, weder beschädiget noch vernachteiliget werde, fort 
auch diejenige personell ohne unterschied, so ihr über dergleichen 
ertappen oder auch ihrer unthaten und übertrettungen halber 
auskundschaften könnet oder werdet, dem herrn törst meistern, 
deren Sachen natur und beschaffenheit aber auch zugleich denen 
regierenden herren bürger meistern zur gebührender abstratfung 
und remedyrung ohnverzüglich ahnzubringen und keinen zu 
verschweigen, noch etwas zu verschönen, dabei eifrigst zu 
besorgen, damit auf denen in euer bezirk öd und wüst liegenden 
ohnbepflanzten örtcren, wohe einig gehölz wachsen kann, junge 
stahlen oder ander gehölz ahngepflanzet werden mögen, ahnbei 
auch sollet ihr denen vor und nach durch einen ehrbaren rat 
sowohl als herren beambten ergangenen und inskünftig ferners 
ergehenden buschordnungen und reglementen oder überkömbsten 
absonderlich wegen ahngesezter ahnzahl des nur halten mögenden 
drei stück hornviehes mit ausschliessung deren pferden und denen 
sonst darinnen versehenen punkten euch gemäss verhalten, fort 
denen herren bürgermeister, forst- und baumeistern den schuldigen 
gehorsamb leisten und alles anderes thuen, was ein getreuer 
und frommer förster, auch sonsten ein getreuer diener seiner 
herrschaft zu thuen schuldig ist, so wahr euch gott hilft und 
seine lieben heiligen. (Stadtarchiv: Juramentorum oder aydt- 
protocollum fol. 106 1 .) 



Kleinere Mitteilung. 

Zwei Gewkhrscheine des Klarissenklosters in Aachen. 

Im die Schmälerung der reichsstädtischen Finanzen durch die Anhäufung 
von Gütern in der toten Hand zu verhindern 2 , schrieb die am 1. Mai 1456 3 
verkündigte „Taffel des neuen Gesetz" vor: „Item ist sonderliche treffliche 
noht zu vcrhuedten, dass vortahn geine häuser und hofstede zu geistlichen 
metaeten hie enkhommen." Nach Erlass dieses Gesetzes 4 hatte der Rat 
weiter noch durch verschiedene „Ueberkomsten" jegliche Recktsühertraguim' 



1 ) Vgl. H. J. (iross, Beiträge zur Geschichte des Aachener Reichs 
S. 11)8 ff. 

2 ) Vgl. hierüber auch diese Zeitschrift Bd. VII. S. ßl. 

3 ) Vgl. Noppius, Aacher Chroniek, Ausgabe Ml:;. S. 116. 

4 ) Schon vorher — vgl. Loersch, Aohener Rechtsdenkmaler aus dem 18., 11. und 
16. Jahrhundert S. 109 — war der Entwurf einer Ratsverordnung insbesondere die Zu- 
lilssigkeit des Retrakts oder der Ablösung an den von Geistlichen und geistlichen 
Anstalten erworbenen Grundstücken und Grundrenten vereinbarl worden Ob dos 



— 62 — 

von Immobilien an Kirchen oder geistliehe Genossenschaften, gleichviel unter 
welchem Titel, ausdrücklich untersagt. Heimlicher oder unter Umgehung 
der Verordnungen geschehener Debergang sollte ungültig und unverjährbar 
und die Güter eo ipso dem Rate verfallen sein, er sollte sie an sich 
nehmen und darüber verfügen können. Im Falle einer Schenkung hing ihre 
Annahme von der Genehmigung des Rats ab; erteilte er sie, so liess er sich 
einen Gewährschein ausstellen, in welchen die an die Erlaubnis geknüpften 
Bedingungen aufgenommen wurden. Dies ergiebt sich aus den beiden 
folgenden „Reversale" und „Ferneres Reversale" überschriebenen Urkunden. 
In der ersteren erklären Mutter und Konventualen des Klarissenklosters an 
den benachbarten Häusern und den dabei gelegenen Plätzen nichts zu 
beanspruchen oder sonstige „erben" an sich zu bringen, in der zweiten 
verpflichten sie sich, ein mit Bewilligung des grossen Rats erworbenes Haus 
zu benutzen, ohne ein weiteres Recht an den übrigen Bürgerhäusern und 
dem Stadtgraben zu beanspruchen, vielmehr sie unter der Rechtsgewalt des 
Rats zu belassen, sowie den Wasserdurchfluss und Ablauf nicht zu behinderu. 
Dass der Rat aber auch die Innehaltung der gestellten Bedingungen über- 
wachte, ergeben zwei in Bezug auf das am 22. Juni 1641 erworbene Haus 
gefasste Beschlüsse. Der erste ist vom 23. März 1665 ' und lautet wie folgt: 

„Auf verleßung dero ahn seithen Johanßen Graft wieder die inutter und 
conventualen zu den arm Clarißen hieselbsten einkommener supplication und 
darwieder von bemelten Clarißen ingewendte gegen anzeig und pitt, ließe es 
ein ehrbarer rath bey eines ehrbaren großen raths im jhar 1642 den 15. january 
ergangener uberkömst wegen deß erkaufften haußes fest neben und vor 
maschier mittelpfortzen gelegen allerdings bewenden mit dem anhang, gleich- 
woll daß bemelte Clarißen sich deßfalß ferner keiner gerechtigkeit alß darin 
vermcldt undernehmen und ein reversal außgeben sollten." 

In dem zweiten vom grossen Rat am 23. Juni 1665 2 erlassenen Beschluss 
wird über die Belassung einer von den Nonnen eigenmächtig angebrachten 
Thür entschieden. Er hat folgenden Wortlaut: 

„Wurden mutter und sämbtliche conventual Jungfrauen zu den Clarißen 
alsolches jetzt abgelaßenes per dominos syndicos aufgestelltes reversal wegen 
des Haußes, ahn Bordtscheidter mittelpfortzen gelegen, unterschrieben und 
versiegelen, solchen falß kan ein ehrbarer gemeiner rath erleiden, daß alles 
deme zufolgb volnbracht werde, wegen der ahn dem hinterbau von bemelten 
geistlichen auß eigener authorität gemachten dhüren aber ist wolbemelter 
rath überkommen, daß dieselbe dhur biß darahn sie ahm negsten rathstag 
darum suppliciren wurden, offen gelaßen werden solle." 



Kirchengut. das in vielen Städten eine Triebfeder reformatoriseher Massregeln war, 
in Aachen von Einfiuss auf die reformatorisehen Bewegungen im l(i. Jahrhundert ge- 
wesen ist, darüber liegt noch keine Untersuchung vor. Ueber die allgemeinen Gesichts- 
punkte vgl. Käser, Politische und soziale Bewegungen im deutschen Bürgertum S. 1S<; ff, 
») Ratsprotokolle Bd. VI. S. :.:;. 
Ratsprotokolle Bd. VI. S. ms. 



— 63 — 

Reversale hiesigen Ciarissen betreffend. 

Aisdan hiebevorn der ehrwürdiger und andächtiger herr Gerard us 
Scheurbrodt 1 seliger. Canonicb unser lieben trauen stiffts in Aach im jähr 
1641 den 22 raonats dag juny 2 laut darüber ausgerichteter brieff und siegelen 
von Niclassen Dautzenbergh an sieh erkaufft hatte sichere behausung, hott' 
und erb mit anhabenden achterbau sambt garten und gerechtigkeit in Bord- 
scheidter Straßen an Bordscheidter mittelpfortzen negst der Stadt maureu 
gelegen, und dan derselb herr Scheurbrodt seliger dieselbe erbschafft, auch 
folgends mit bewilligung und consens eines ehrbahren und hochweisen 
raths in Aach, in unserem closter und gotteshauß der armen Ciarissen zu 
St. Joseph- alhier, verehret hatt, gestalt sich dessen hauses und achterbaus 
mit anhabendem Garten, zu des closters nutzen zu gebrauchen, allein gegen 
herausgebung eines reversals, dass nemblich wir mutter 3 abbatissa und 
conventualen nach dato dessen ubertraght, mehr nichts an den benachbarten 
häusern, und dabey gelegenen platzen, zu unsers der armen Ciarissen closters 
nutzen zu praetendiren, noch auch fernem einige erben mehr an uns bringen 
solteu, und dazumahlen auch alsobald in scriptis verfast, und einen ehrbahren 
rath versiegelt eingeliebert, aber durch jüngsten aachischen brandt unter 
anderen schrifften und Stadt Sachen mit eingeäschert seyn und ist 4 ; als wollen 
wir unterschriebene mutter abbatissa und conventualen vorgcmeltes Gottes- 
hauses der armen Ciarissen zu St. Joseph in Aach, kraft unsers convents 
hierunten auffgetruckten insiegels hiemit bezeuget und erklährt haben, dass 
krafft dieses und eines ehrbahren raths darüber ertheilten bescheidts und 
uberkomsten ferners nichts zu unsers closters nutzen ausser diesen, der 
benachbarten gitteren und erbschafften in Bortscheidter Strassen gelegen, 
praetendiren, oder auch begehren sollen, sondern hiemit auft' allem wohl- 
wissentlich krafft dieses renuntyren und uus also hinfuhro mit vorhin ver- 
günstigt und eingewilligter behausung sambt achterbau und garten, wie 
auch des wasser abflus, der keller achten in die pau, danckbahrlich in unserem 
gebett zu contentiren wissen, geben iu unserem closter zu St. Joseph in Aach 
am sechs und tz wanzigsten tag marty 166") sagen sechsig und fünff. 

(L. S.) (sig.) soror Joanna Hoensbroech, mutter abbatissa und sämbt- 
lichc conventualen des closters der armen Ciarissen zu St. Joseph in Aach. 

Pro copia concordante cum originali 
de Couet, secretarius. 



1 Er war ein grosser Wohlthäter des Klosters und machte ihm ausser der vor- 
erwähnten noch mehrere Schenkungen. Vgl. Quix, Das ehemalige Spital zum h. Jacoh, 
nachherige Klarissenkloster S. 9. Nach seinem am 7. November 1656 im Alter von 91 
Jahren erfolgten Ableben wurde er bei den Klarissen beigesetzt. 

'-) Nach Quix a. a. <>. erwarb der genannte Kanonikus das Haus am 28, Mai 1644 
für 800 Aachener Thaler. 

3 j Vgl. über sie Quix a. a. 0. S. 9. 

') Nach dem Stadtbrande vom 2. Mai 1656 war <lci Hat vielfach liemüht, <i io durch 
den Brand vernichteten Urkunden etc. durch neue zu ersetzen, was sich, naob einer 
gefillligen Mitteilung des Herrn Stadtarchivars Pick, aus verschiedenen im Stadtarchiv 
beruhenden Urkunden ergiebt. 



— 64 — 

Ferneres Reversalc Ciarissen betreffen dt. 

Wir mutter und sambtliehe conventualen der armen Ciarissen alhie in 
Aach bekennen und thuen kundt mit diesem offenen brieff, vor uns und 
unsern uachkonimelingen, was gestalt demnach auff unterschiedlichen ihrer 
churfürstlichen durchlaucht in favorem unser ahn hiesigen magistrat gnädigst 
abgefertigten promotorialien ein ehrbahr grosser rath und gemeine gaffels 
geschickte, uns großgunstig erlaubt und bewilliget, dass wir alsolches an 
an uns erkaufftes fast neben und vor der Burtscheidter mittel pforten 
gelegenes haus ' mit anhabendem achterbau und garten, vermittels gericht- 
lichen transports erblich an uns dergestelt bringen und gebrauchen mögen 
sollen, wan wir uns zuforders schrifftlichen reversireten, dass wir uns deren 
übrigen burgershauseren, noch auch des Stadtgrabens daselbsten ferner nit 
unternehmen noch an uns ziehen, sonderen dieselbe in ihren standt und wesen 
und in wohlgemeiten raths Jurisdiction verbleiben lassen wollen, damit des 
gemeinen Wassers ab- und durchfluss unter der erden zu behueff der Stadt 
muhlen, panhauseren und anders einen stetigen gang behalten, und man im 
nothfalle zu den adotheu kommen und die reparationes geschehen können, 
als thuen solches hiemit wissentlich und reserviren uns und unseren nach- 
komlingen in krafft dieses brieffs bester form rechtens, dass Avir alsolches 
fast neben und vor der ßordscheidter mittel pforten gelegenes und vermittels 
sonderbahren vergünstig- und bewilligung eines ehrbahren grossen raths und 
gemeinen gaffels geschickten (davor wir den demutigen danck sagen) acquirirtes 
hauss mit anhabenden achterhau und garten, laut transport brieffs eintzig und 
allein gebrauchen sollen ohne eine fernere gerechtigkeit an die übrige burgers- 
hausern und den stadt graben daselbsten zu praetendiren, sondern dieselbe in 
ihren standt, recht und gerechtigkeit, und eines ehrbahren raths Jurisdiction 
verbleiben zu lassen, auch den gemeinen wassers ab- und durchfluss unter 
der erden zu nutzen der stadt muhlen und panhauseren nit zu verhinderen, 
sonderen denselben gleichmässig ihren stätigen gang zu lassen, auff dass man 
im nothfall zu den adothen kommen und die reparationes thun könne, ohne 
argelist. 

Zu wahrem urkundt haben wir gegenwärtiges unterschrieben und mit 
unseren gewöhnlichen conventuals insiegel hierunten auffgetruckt bekräftigen 
lassen, so geschehen den drey und zwantzigsten juny anno Christi sechs 
zehen hundert funff und sechszig. 

Soror Joanna Hoensbroch, mutter abbatissa und sambtliehe conventualen 
des closters der armen Ciarissen in Aach zu St. Joseph. 

Collata concordat cum suo original! quod attestor 
de Couet, secretarius. 

Aachen. M. Schollen. 



l ) Die Nonnen erwarben das Haus am 22. Juni HUI zu dem Preise von 1400 
Aachener Thalern. 



dku<;k von hkkmann kaatzkk in AACHEN. 



Aus Aachens Vorzeit. 

Jährl. S Nummern WjA Wz/' Kommissions-Verlag 

ä ein Bogen Oktav. 




Cremer'schen Buchhandlung 
l'ivis <\r< .l ;t lir- : ui»-s //■^ifSj^A (c. cazin) 

4 Mark. //■'. : . ■■'^^jft ^ J> : -''' '■' \ '" Aar hon. 

Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 

Im Auftrage des Vereins herausgegeben von H. Schnock. 

Nr. 5/8. Vierzehnter Jahrgang. 1901. 

Inhalt: M. Schollen. Carl Zimmermann. — f C. Zimmermann, Aachen im IS. Jahr- 
hundert. — E. Pauls, Aus den zur Geschichte Aachens und Burtscheids im Düsseldorfer 
Staatsarchiv vorhandenen Archivalien. — Kleinere Mitteilungen: 1. W. Brüning. Eine 
Proklamation Bernadottes. — 2. H. Savelsherg, Gründung der Zeitung „Aachener Zu- 
schauer" im .Jahn- lTvl . — 3. H. Savelsherg. Reiseverzeichnis eines Aachener Beamten 
um 1690. — 4. M. Schollen. ( irundsteinlegung zur Ungarischen Kapelle. — Heinrich 
Schnock, Bericht über die Monatsversammlungen und Sommerausflüge. — Bericht 

über das Vereinsjahr BH31. 

Carl Zimmermann, 

Am 2. Januar 1902 starb zu Aachen einer der Mitbegründer 
des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit, Dieudonne 
p]ug-enius Carl Zimmermann, dessen Lebensgang die 
folgenden Zeilen gewidmet seien. 

Zimmermann wurde am 31. Januar 1828 zu Aachen geboren. 
Er besuchte vom Jahre 1840 an das hiesige (Kaiser Karls-) 
Gymnasium, das er 1847 mit dem Zeugnis der Eeife verliess, 
um sich dem Baufach zu widmen. Zu diesem Zwecke legte er 
im Jahre 1849 die Feldmessernrüfung bei der Königlichen Re- 
gierung in Aachen ab und besuchte im Jahre 1851 die Bau- 
akademie zu Berlin. Nach der im Jahre 1854 abgelegten Bau- 
führerprüfung trat er in seiner Vaterstadt in die Praxis über, 
wo er bald eine hervorragende Thätigkeit entwickelte und sich 
um das Bauwesen der Stadt grosse Verdienste erwarb. Nament- 
lich gründete er am 1. Januar 1878 mit den Architekten J. Kalff, 
Baumeister Neu, Professor Tochtermann, Bahn- und Uetriebs- 
[nspektor Tüll und Kammerpräsident Stand unter der Firma J. Kalff, 
Zimmermann & Cie. eine Gesellschaft zum Ausbau des Lousberg- 
viertels, in dem bald eine Menge Bauten entstanden, die heute 
der Stadt zur Zierde gereichen. 



- 66 — 

Im Jahre 187G wurde er durch das Vertrauen seiner Mit- 
bürger zum Stadtverordneten gewählt; vom 16. März 1878 ab 
bekleidete er das Amt eines besoldeten Beigeordneten. In diesem 
verantwortungsvollen Amte war er, wie der Nachruf des Ober- 
bürgermeisters Vel tman rühmend hervorhebt, erfüllt von regem 
Interesse für die Angelegenheiten des öffentlichen Lebens, und 
wirkte er in ihm mit grosser Hingebung. Besonders verdient 
machte er sich um das Kur- und Musikwesen unserer Stadt, 
dessen Leitung ihm oblag. Seiner dienstlichen Tiiätigkeit wurde 
durch seinen leidenden Gesundheitszustand vorzeitig ein Ziel 
gesetzt; im Jahre 1889 musste er sein Amt niederlegen. 

Trotz der grossen Anforderungen, die dasselbe an seine 
Arbeitskraft stellte, benutzte er die ihm bleibenden wenigen 
Mussestunden zu litterarischer Tiiätigkeit. Als erste Frucht der- 
selben erschien: „UerPreussische Staatsbürger, ein unentbehrlicher 
Ratgeber für alle Stände." In dem Buche waren die für den 
Staatsbürger wichtigsten Bestimmungen aus den verschiedenen 
Gesetzen herausgenommen und in übersichtlicher und handlicher 
Form zusammengestellt, so dass jeder das, was er vorkommenden- 
falls zu wissen nötig hatte, aufzufinden vermochte. Eine bald 
erscheinende zweite Auflage gab Zeugnis von der praktischen 
Brauchbarkeit des Werkchens. Diesem folgten die „Aachener 
Kalender für die Jahre 1880 und 1881". Sie enthielten ausser 
sonstigem Wissenswerten mehrere Aufsätze zur Geschichte Aachens, 
wodurch sie auch heute noch einen gewissen Wert beanspruchen 
können. Nach langer Unterbrechung gab er im Jahre 18!):! 
einen „Wegweiser durch Aachen, Burtscheid und Umgebung 
nebst 25 Touren für Radfahrer" heraus, der sich „wegen seiner 
praktischen Ausarbeitung vieler Spaziergänge in unserer näheren 
und weiteren schönen Umgebung" grosser Beliebtheit erfreute 
und im Laufe der Jahre drei Auflagen erlebte. 

Als im Jahre 1885 einige Geschichtsfreunde zur Gründung 
des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit schritten, stellte 
Zimmermann sich an ihre Spitze. Er leitete die Vorverhand- 
lungen und wurde in der konstituierenden Versammlung zum 
ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt; an der Übernahme 
des Amtes hinderte ihn jedoch eingetretenes Unwohlsein, das ihm 
üusserste Schonung auferlegte. Den Bestrebungen des Vereins 
aber blieb er bis zu seinem Tode treu. 

Nachdem er das Amt dos beigeordneten Bürgermoisters 



— 67 — 

niedergelegt hatte, widmete er sich, soweit sein Körperzustand 
es gestattete, der Erforschung der Geschichte seiner Vaterstadt. 
Leider gelang es ihm nicht, das gesammelte Material vollständig 
zu verarbeiten. Als der Tod seinem arbeitsreichen Leben ein 
Ziel setzte, lag nur der nachstehende Aufsatz druckfertig vor. 
Die übrigen Arbeiten bedürfen noch der Sichtung und werden 
alsdann voraussichtlich in dieser Zeitschrift zum Abdruck gelangen. 
Verheiratet war Zimmermann mit Anna Günther, einer 
Tochter des Appellationsgerichtsrats Günther in Köln, mit der 
er in glücklichster Ehe lebte. Durch sein freundliches und zu- 
vorkommendes Wesen war er in allen Kreisen der Bevölkerung 
beliebt, weshalb sein Tod allgemein betrauert wurde. 

Aachen. M. Schollen. 



Aachen im 18. Jahrhundert. 

Nach den Anzeigen der „Kaiserl. Freien Reichsstadt Aachen Zeitung" 
geschildert von f C. Zimmermann. 

Für das Studium der Kulturzustände im 18. Jahrhundert 
bietet sich dem Geschichtsforscher in den damals erscheinenden 
Zeitungen und Journalen eine Quelle dar, deren Wert noch 
lange nicht nach Gebühr gewürdigt ist. Es sind jedoch weit 
weniger die politischen und litterarischen Nachrichten, die die 
Blätter bringen, als vielmehr die auch damals schon fast in 
jeder Nummer eines Blattes enthaltenen Anzeigen, die das kultur- 
historische Interesse in hohem Grade in Anspruch nehmen. 

Lag auch das Anzeigewesen im vorvorigen Jahrhundert noch 
sehr im argen, und wurden die Zeitungen zu Anzeigen weit 
weniger wie heutzutage benutzt, so sind die letzteren doch so 
mannigfacher Art, dass wir uns aus ihnen ein ziemlich voll- 
ständiges und getreues Bild der damaligen Zeit zu bilden im 
stände sind. 

Für Aachen steht uns ein solches Tagesblatt in der „Kaiserl. 
Freien Reichsstadt Aachen Zeitung" zur Verfügung. Die Zald 
der Anzeigen, die jede einzelne Nummer enthält (durchschnitt- 
lich etwa 20), ist zwar nur klein, der [nhalt derselben erstreckt 
sich indessen auch hier über so verschiedenartige Dinge, dass 
wir aus denselben die wertvollsten Aufschlüsse über die damaligen 



— 68 — 

Aachener Verhältnisse erhalten, selbst Aufschlüsse über Gegen- 



stände, die wir sonst nirgendwo antreffen. 

Die Aachener Zeitung - , viele Jahrzehnte lang das einzige 
und bis in die Mitte des vorigen Jahrunderts das angesehenste 
Blatt der Stadt, erschien zuerst im Jahre 1729; es sind uns aber 
leider mit Ausnahme vereinzelter Nummern nur die Jahrgänge 
17G9 bis 1794 erhalten, sodass wir unsere Nachforschungen auf 
diese 25 Jahrgänge beschränken müssen. 

Die Zeitung führte 17G9 den Namen „Ordinaire Kais. 
Freier Reichsstadt Aachische Postzeitung", 1772 den Namen 
„Kais. Freier Reichsstadt Aachen Zeitung". Letzteren Namen 
behielt sie bis 1794 bei, wo die Redaktion, den Zeitverhält- 
nissen sich anbequemend, den Namen in den „Der freien Stadt 
Aachen Zeitung" umänderte 1 . 

Das Blatt erschien in dem sehr bescheidenen Format von 
19 zu 20 Centimetern zweimal wöchentlich, anfangs Dienstags 
und Freitags, später Mittwochs und Samstags, in den Jahren 
1772 bis zum Juli 1775 jedoch, wo demselben in der vom 
Reichspostamt herausgegebenen „Privilegirten Kais. Reichs- 
postamtszeitung" ein unliebsames Konkurrenzblatt erwuchs, nur 
einmal wöchentlich, und zwar Samstags. 

Jede Nummer enthielt 4 Seiten, von denen durchgängig 
die drei ersten die politischen und sonstigen Nachrichten enthielten, 
dagegen die letzte Seite für die Anzeigen, Avertisscments 
genannt, bestimmt w T ar. Ein Beiblatt wurde höchst selten 
gegeben; das jetzt so beliebte Feuilleton, das gegenwärtig auch 
in dem unbedeutendsten Lokalblatte nicht fehlen darf, war 
damals noch unbekannt. 

Der Druck erfolgte in der Stadtbuchdruckerei, deren Inhaber 
1745 — 1784 Joh. Willi. Ferdinand Müller, nachher Johanna 
Müller war. Der Name des Redakteurs wird nicht genannt. 

Der jährliche Abonnementspreis betrug 1770 bei zwei- 
maligem Erscheinen in der Woche 12 Gulden aix (3 Mark), 
1775 bei einmaligem Erscheinen die Hälfte. 

Bei den damals noch wenig ausgebildeten Vcrkehrsanstalten 
einerseits und dem seltenen Erscheinen des Blattes andererseits 

') Weitere Mitteilungen über die Zeitung bringt die interessante Ab- 
handlung von E. Pauls, Beiträge zur Geschieht»' der Buchdruckereien, des 
Buchhandels u. s. w. in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 
Bd. XV, S. 125-130. 



— 69 — 

kamen selbst die wichtigsten politischen Nachrichten sehr spät 
zur Kenntnis der Leser; zur Erläuterung greifen wir beliebig 
die Nummern vom 12. Dezember 1769, sowie die vom 19. Juli 
1783 heraus. 

In der ersten Nummer finden sich Nachrichten aus Lissabon 
vom 28. Oktober, aus Warschau vom 12. November, aus Genau 
vom 14., von der Weichsel vom 20., aus Liverno, Lucca und 
Helsingoer vom 24. November; aus London und Paris vom 1. 
und vom Rheinstrom vom 6. Dezember, in der zweiten Nummer 
aus Konstantinopel vom 10. Juni, aus Warschau und Polen 
vom 28. Juni, aus Wien vom 1., aus Liverno vom 2., aus 
London vom 4. und aus Paris vom 7. Juli. 

Die politischen Nachrichten werden meist einfach mitgeteilt, 
eine Besprechung derselben erfolgt höchst selten, dann aber 
auch nur in gedrängter Kürze und mit grosser Zurückhaltung. 
Trotzdem Europa sowie Amerika in der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts der Schauplatz welterschütternder Ereignisse 
waren, klagt der Redakteur wiederholt über Mangel an Stoff; so 
leitet er den Jahrgang 1775 mit den Worten ein: 

Unfehlbar erwartet man besondere Neuigkeiten von uns, 
weil dies die erste Zeitung im neuen Jahre ist. Wir 
mögen aber die Blätter unserer lieben Collegen durch- 
studieren, durchforschen, ja sogar mit der Brille durch- 
blättern, so finden wir doch nicht, was wir suchen, und 
sind folglich gezwungen, jedesmal eine Originalzeitung zu 
machen, wozu unsere Correspondenten vielleicht erst in 
14 Tagen den Stoff einschicken werden; 

am Schlüsse des Artikels heisst es dann : 

Schliesslich versprechen wir unseren Lesern in diesem 
Jahre, so viel uns möglich, einen Auszug aus allen anderen 
Zeitungen und hoffen, dass man unser Ristretto mit eben 
der Gunst lesen wird, als auswärtige Zeitungen, die den 
Bogen füllen und nicht so wohlfeil sind als unser Blatt, 

Aber nicht nur über den Stoff klagt der Redakteur, sondern, 
wenn auch nur versteckt, auch über die Strenge der Zensur. In 
demselben Jahre 1775 schreibt er mit verbissenem Humor: 

,,Übrigens ist es noch ein Glück zum Raumfüllen, dass es 
den deutschen Blättern erlaubt ist, aus Siam, Congo, 
Monomotaga zu schreiben, was nie geschehen ist. So 



— 70 - 

dürfen sie gar den grossen Lama und Mufti einen Betrüger, 
den Bey zu Algier aber einen privilegirten Räuber heissen. 
Wenn mancher aber Zeitungsschreiber des Königs der 
Bengalen wäre, würde er in Amerika mit Zähneblecken 
gelesen werden ; denn man sagt, die Wilden in diesem 
Teile der Welt lachen gerne über philosophische und 
gelehrte Anmerkungen." 

Ein andersmal klagt der Redakteur in einem Bericht über die 
Feierlichkeiten bei dem Tode eines Rabbiners in Königsberg: 

„Nun wird es künftig wohl nicht mehr an Stoff für 
Zeitungsraum fehlen, wenn man schon anfängt, Trauerreden 
für tote Juden einzuschicken." 

Die Strenge der Zensur scheint nicht nur die Ursache dafür 
gewesen zu sein, dass die Nachrichten so spärlich waren, sondern 
auch dafür, dass wichtige Ereignisse gar nicht erwähnt werden 
oder derart zurückhaltend über dieselben berichtet wird, dass 
die Nachricht allen Wert verliert. Hierfür nur ein charakteri- 
stisches Beispiel aus dem Jahre 1770: 

„Niederrhein den 30. Dezember. Es wird versichert, dass 
ein gewisser Graf denjenigen, an welche sich die General- 
staaten gewendet haben sollen, um dieselben zu bewegen, 
dass sie mit ihnen zur Aufrechthaltung des Barrier-Traktats 
gemeinschaftliche Sache machen müssten, zur Antwort 
erteilt habe, dass diese Angelegenheit auf sein Interesse 
keine Beziehung habe und er sich auf keine Weise damit 
befassen würde." 

Die Nachrichten über die französische Revolution sind äusserst 
dürftig, die erste datiert vom 24. Juli 1789, wo die Entlassung 
sowie die bald darauf erfolgte Zurückberufung Neckers gemeldet 
wird; von dem Sturme auf die Bastille, von den so wichtigen 
Debatten und Beschlüssen der Versammlung kein Wort; 1790 
geschieht nur des Festes auf dem Marsfelde Erwähnung, sowie 
der Weigerung des Königs, die Dekrete gegen die Geistlichkeit 
zu genehmigen. 1791 werden die Mitteilungen häufiger, sind 
aber noch immer sehr knapp und vorsichtig gehalten, . so dass 
es unmöglich ist, aus denselben ein Bild von der Entwicklung 
der französischen Revolution zu gewinnen. 

Etwas eingehender sind die Nachrichten über die Fortschritte 
der Revolutionsarmee in den Niederlanden. Für Aachen be- 



— 71 — 

merkenswert ist die Mitteilung, dass nach der für die Fran- 
zosen unglücklich verlaufenen Schlacht bei Aldenhoven im 
Münster ein feierliches Tedeum, sowie auf dem Markte ein 
Militärkonzert und eine grosse Illumination stattfand. 

Das Einrücken der Franzosen in Aachen am 23. September 
1794 wird mit folgenden Worten berichtet: 

„Das grosse Corps des Generals Latour ist bei Lüttich 
gesehlagen worden. Die Franzosen sind sodann über die 
Maas und Ourthe gegangen, griffen zwischen Herve und 
Henrichapelle die Österreicher drei Tage hintereinander 
an, verdrängten sie endlich und fingen darauf an, hier in 
Aacheneinzurücken. Von allem nächstens dasAusführliche." 

Das Ausführliche kam indessen nicht, da die Zeitung ihr 
Erscheinen vorläufig und zwar bis zum 1. April 1797 einstellte. 

Über die Empörung der Niederlande gegen die Reformen 
Kaiser Josephs IL erhalten wir ziemlich genaue Angaben; wir 
entnehmen denselben u. A.. dass der Kampf der Österreicher 
gegen die Patrioten bis in die Nähe Aachens, nach Verviers, 
Battice und Mastricht sich hinzog. 

Vorkommnisse von untergeordneter Bedeutung berichtet 
das Blatt manchmal mit grosser Weitläufigkeit, so z. B. den 
Verlauf einer Trauerfeier, die 1793 zu Ehren des wegen seines 
Votums für den Tod Ludwig XVI. von dem Gardisten Paris 
erstochenen Conventsmitgliedes Lepelletier Saint-Fargeau in 
Lüttich stattfand. Wir lassen den Bericht wörtlich folgen, da 
er ein deutliches Bild giebt von der Art und Weise, in der 
sich zu damaliger Zeit eine revolutionär-atheistische Trauerfeier 
vollzoa 



c 



V 



Lüttich 13. Februar. 1793. 



Der Trauerzug bei dem am Sonntag gehaltenen Leichen- 
begängnis des ermordeten Pelletier von St. Fargeau war 
zufolge der in Druck ergangenen Verordnung folgender: 
Ein Detachement Kavallerie mit vorhergehenden gedämpften 
Trompeten; die Kanoniere ohne Kanonen; ein Detachement 
Tambours mit Flöten. Die Erklärung der Rechte des 
Menschen, getragen durch die Citoyens-Duperron, Ruyters 
Tilmau und Dehousse; Tambour der Lütticher National- 
garde, loo Volontairs besagter Nationalgarde mit ihrer 
Fahne, vereinigt mit 400 aus dem Garnisonsbataillon; eine 
Standarte; worauf das Dekret der National-Convention 



— 72 — 

gedruckt war, welches die Überbringung des Körpers 
Lepelletiers von St. Fargeau nach dem Pantheon verordnet, 
getragen durch den Präsidenten des Klubs der Sanscullotten 
nebst den Sekretären der Sektionen ; die Figur der Freiheit 
getragen durch die Mitglieder des Sanscullottenklubs in 
Uniform ; die Municipalität mit Schärpen und Flor um den 
Arm; der Bürger Fochelet, französischer National-Com- 
missär; die Glieder der Generaladministration; mitten unter 
den Deputirten eine Standarte, worauf die letzten Worte 
des Pelletiers geschrieben waren: „Ich sterbe vergnügt, 
mein Blut für das Vaterland zu vergiessen, und hoffe, es 
wird zur Befestigung der Freiheit und Gleichheit dienen 
und die Feinde derselben zu erkennen geben", getragen 
von der Citoyenne Rensonet; die französischen Generale 
und Offiziere der Garnison nebst der Lütticher National- 
garde, eine Standarte mit den Worten: „Dem Andenken 
der braven Franzosen, so fechtend für die Freiheit und 
Gleichheit gestorben sind." Das Brustbild des Pelletier, 
getragen von den Citoyens, Spiroux, Corlier, Dupont. 
Ceruitte, Rensonnet und Frembloy; auf den 4 Seiten des 
Fussgestells stand geschrieben: „Das Gesetz, Freiheit. 
Gleichheit Eigentum", um das Bildnis die Kanoniere mit 
blossen Säbeln, die Trauermusik der Garnison und der 
Lütticher Nationalgarde ; die Hatschiere, Hellebardiers, 
Pfeiffer, Tambours, Trompeten. 100 Volontairs der Lütticher 
Nationalgarde ; eine Picke, woran eine Krone mit dem 
Freiheitshut angeheftet war; 400 Franzosen mit ihren 
Fahnen von der Besatzung; die 2 Clubs; Reiterei mit 
gedämpften Trompeten. 

Man hatte auf dem St. Paulsplatz ein Gerüst aufge- 
führt, etliche Staffeln hoch, alles mit schwarzem Tuch 
überzogen, auf welchem im Grunde eine Totenbahre stand, 
auf deren 4 Ecken Rauchgefässe brannten, wobei eine auf 
die Umstände passende Musik gemacht wurde. Hier wurde 
das Brustbild des Pelletier vor die Bahre gestellt und zu 
den rund umherstehenden Repräsentanten des Lütticher 
Volks und den französischen Generalen eine Trauerrede 
gehalten, sodann eine Eichenkrone auf das Brustbild ge- 
stellt, vor demselben endlich die Vereinigung angelobt, 
Freiheit und Gleichheit geschworen, und hierauf ging der 



— 73 — 

nun durcheinander vermengte Zug nach dem Gemeindehaus 
zurück, wobei die Luft von dem jauchzenden Volk ertönte. 

Wenn somit der der Politik gewidmete Teil der Zeitung 
des Interessanten nicht viel bietet, so finden sich dennoch hin 
und wieder dort statistische Zusammenstellungen vor, die auch 
heute noch ßeachtnng verdienen dürften. 

Laut einer solchen Zusammenstellung betrug die Zahl der 

Geburten und der Sterbefälle: 
in Mannheim ... 71!) .... 872 
„ Frankfurt a. M. . 882 .... 990 
l Königsberg . . 21!)1 .... 2233 
„ Hamburg . . . 2591 .... 2880 
„ Kassel .... 906 .... 024 
„ Darmstadt. . . 332 .... 184 
„ Gotha .... 305 .... 271 
„ Dresden . . . 1562 . . . . 1896 
„ Stuttgart ... 748 .... 541 
„ Braunschweig. . 735 .... 678 
, Rotterdam . . . 1737 . . . . 2318 
„ Amsterdam . . 5103 . . . . 77!» 1 
„ Helsingoer ... 131 .... 193 
In Paris betrug 1773 die Zahl der Geburten 18349, die Zahl 
der Sterbefälle 18518, die Zahl der Findlinge 5789; für das Jahr 
1775 waren die entsprechenden Zahlen 19 650, 18490 und 6508. 
In den meisten Städten überwog mithin die Zahl der Sterbe- 
fälle die der Geburten manchmal sogar um ein Bedeutendes l . 
Bemerkenswert ist auch folgende Gegenüberstellung aus 
dem Jahre 1786. Damals hatte Preussen: 4130 D- Meilen ; 
6 Millionen Einwohner, 192379 Kriegsleute, und 21 Millionen 
Thaler Einkünfte, dagegen Frankreich 10000 D -Meilen, 25 
Millionen Einwohner, 288 000 Kriegsleute, 72 Linien-, 256 Segel- 
schiffe und 617 Millionen Livres Einkünfte. 

Lokalnachrichten, 

die gegenwärtig in jeder Zeitung einen mehr oder minder 
grossen Raum einnehmen, suchen wir vergebens; über die 

') In Aachen wurden vom 1. November liso bis 1. November 1781 
getauft 77S, es starben 895 Personen; I. November 1781 bis l. November 
1782 784 bezw. 1059; 1. November 178.'i bis 1. November 1784 790 bezw. 
812; am l. November 1784 bis 1. November 1785 780 bezw. 870; also auch 
hier mehr Sterbefälle wie Taufen. 



— 74 — 

wichtigsten Vorgänge im städtischen Leben, über die erbitterten 
Kämpfe der Parteien um die Regierung- der Stadt, über das 
so blühende Kur- und Badeleben, über die Heiligtumsfahrten 
u. s. w. finden sich in den hier in Betracht kommenden 25 Jahr- 
gängen kaum 100 Zeilen. Auf eine der Redaktion gemachte 
Beschwerde über diesen Mangel erwidert dieselbe 1775: 

„Einheimische Neuigkeiten berichtet keine Stadt von 
sich selbsten, weilen die Vorgänge darin den Einwohnern 
ohne Wochenblatt also bekannt werden, dass der Drucker 
keine Erlaubnis bedarf, sie durch den Horizont hinauszu- 
pressen. Wir müssen also die uns zukommende auswärtige 
Begebenheiten zur Gemächlichkeit derer, so keine fremde 
Zeitungen erhalten und sich nur mit der unsrigen zu 
begnügen belieben wollen, zu eröffnen fortfahren." 

Wenden wir uns nun zu den xlnzeigen, den sogen. 
Avertissements. Wenn auch an Zahl nicht bedeutend (jede 
Nummer dürfte durchschnittlich etwa 20 Anzeigen enthalten), 
so bietet der Inhalt derselben, wie bereits eingangs erwähnt, 
des Interessanten genug, um eingehend besprochen zu w r erden. 

Über den Preis der Insertionen fehlt jede Angabe. Dieser 
Preis kann indessen bei der kleinen Auflage der Zeitung und 
den verhältnismässig grossen Kosten, die damals die Herstellung 
einer Zeitung erforderte, nicht billig gewesen sein. 

Zu amtlichen Bekanntmachungen wurde die Zeitung nicht 
regelmässig, sondern nur hin und wieder benutzt. Diese Bekannt- 
machungen erstrecken sich fast ausschliesslich auf Verpach- 
tungen der Accisen und Wegegelder, sowie Vermietung der 
städtischen Badehäuser. 

Familiennachrichten, wie Geburts-, Sterbe-, Heiratsanzeigen 
fehlen gänzlich. 

Sehr interessante Aufschlüsse erhalten wir aus den An- 
zeigen über 



•ö' 



die Pflege der Musik 

in Aachen. Diese Aufschlüsse sind um so wertvoller, als die 
Aachener Zeitung die einzige Quelle ist, aus welcher uns über 
diesen Gegenstand zu schöpfen Gelegenheit geboten ist 1 . 

') Vgl. Alfons Fritz, Theater und Musik in Aachen zur Zeit der 
französischen Herrschaft in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 
Bd. XXIII, S. 159 ff. 



— 75 — 

Es ist leicht begreiflich, dass der bedeutende Ruf, <\qu 
Aachen im vorvorigen Jahrhundert als Kur- und Badestadt hatte, 
und der Andrang zahlreicher und vornehmer Fremder aller 
Nationen die Virtuosen der damaligen Zeit veranlassen musste, 
sich einem so ausgewählten und auch wohl kunstverständigen 
Publikum vorzustellen und neben künstlerischem auch klingen- 
den Erfolg zu erringen. 

Die Konzertanzeigen erfolgten in der Regel wohl durch 
Anschlagzettel; in der Zeitung finden sich verhältnismässig 
wenige Konzerte angezeigt; Konzertprogramme wurden durch 
die Zeitung nicht veröffentlicht, so dass jede Aufklärung über 
die zum Vortrag gekommenen Musikstücke gänzlich fehlt. 

Immerhin ist jedoch die Anzahl der Konzertanzeigen zahl- 
reich genug, uns in dieser Hinsicht in etwa aufzuklären. 

Soweit ersichtlich, brachten die Konzerte ausschliesslich 
Vorträge von Gesangs- und Instrumental-Solisten; Vorträge von 
Orchester- oder Chorwerken finden sich nicht erwähnt. 

Nachfolgend sollen nur die Vorträge erwähnt werden, welche 
Ihrer Absonderlichkeit halber auch heute noch ein Interesse in 
Anspruch nehmen dürften. 

1778 veranstaltete eine Madame Mudrich ein Konzert, in 
welchem sie italienische Arien vortrug und auf der Klaute 
traversierc spielte. 1784 conzertierten die Kammervirtuosen 
Scheller und Polack. Herr Scheller produzierte sich auf einer 
„Harmonika mit verschrabten Bogen, welche hier noch niemals 
ist gehört worden". 

I786giebteine Madame Janeson ein Vokal- und Instrumental • 
Konzert. Reklame für ihr Konzert macht sie dadurch, dass sie 
anzeigt, der berühmte Luftschiffer Blanchard werde dem Konzerte 
beiwohnen. 

1787 gaben die Virtuosen Fourer und Rumpstock ein 

Konzert. Sie produzieren sich auf Englisch Hörn und Fagott. 

1790 konzertiert ein Herr Franz, Mitglied der Esterhazy- 

schen Kapelle, auf dem Baryton \ „einem hier noch nicht gehörten 

Saiteninstrument von 23 Saiten, sowie au!' der Violine und zwar 



') Baryton, ein jetzt veraltetes Instrument in der Grösse des Cellos. 
Kürst Nikolaus Esterhazy war ein grosser Liebhaber desselben, und BaydD 
hat eine grosse Anzahl Kompositionen für dasselbe geschrieben, welche in- 
dessen bei einem Brande zu Grunde gingen, 



— 76 — 

nur Kompositionen von Haydn, auch akkompagniert er seinem 
8jährigen Sohn zwei Anetten". 

In demselben Jahre fand ein Konzert einer, wie es den 
Anschein hat, damals hier beliebten Sängerin, Mlle. Scholl, 
statt. Das Konzert nimmt dadurch ein besonderes Interesse in 
Anspruch, weil in demselben eine hochstehende Dilettantin, die 
Tochter der z. Z. hier als Kurgast verweilenden Prinzessin 
von Holstein-Beck, Gräfin von Tolstoy, als Solistin auftrat. 

1790 veranstaltete der berühmte Abt Vogler, damals 
„Direktem- der Kgl. Akademie von Stockholm, in Diensten Sr. 
Majestät des Königs von Schweden," zwei Orgelkonzerte in der 
St. Nikolauskirche; 1791 gab ein ähnliches Konzert ein Herr 
Diederich, Komponist und Stiftsorganist. 

Die Besprechung eines Konzerts findet sicli nur einmal vor 
und zwar in der Nummer vom 1. Oktober 1791 über die Lei- 
stungen eines Wunderknaben, des 10jährigen Engländers Clement 
Retour; es heisst dort: 

der junge Virtuose habe sich so meisterhaft auf der 
Violine ausgezeichnet, dass jeder Hörer seine Erwartung über- 
treffen und diesem jungen Genie mit gefühlvollem Er- 
staunen ungeteilten Beifall zugerufen ; mehrere Kinder- 
freunde und Schützer der Talente ausserdem die wärmsten 
Wünsche sich eines zweiten Konzertes zu erfreuen, 
geäussert. 

Als Konzertlokale finden sich aufgeführt das Komödienhaus \ 
die Redoute (das jetzige Kurhaus) und der Gasthof von 
Bouget (später Dubigks Hotel in der Komphausbadstrasse). 

Die Eintrittspreise waren unter Berücksichtigung, dass der 
Wert des Geldes unterdessen um das 3 ! / 2 bis 4fache gesunken, 
ziemlich hoch. So kostete z. B. im Komödienhause ein Platz 
in der 1. Rangloge l \ 2 Kronenthaler, (2,35 Mk.), im Parket 
30 Mark (1,25 Mk.); in der 2. Rangloge 24 Mark (1 Mk.) im 
Parterre 12 Mark (50 Pfg.) und auf der Gallerie 5 Mark 
(19 Pfg.) Bei Konzerten in der Redoute u. s. w. wurde in der 
Regel ein Eintrittsgeld von l \ 2 Kronenthaler erhoben. Abt 
Vogler nahm für sein Kirchenkonzert ein Eintrittsgeld von 4 



') Vgl. Jos. Buchkremer, Die Architekten Johann Joseph (Jouvcn und 
Jakob Couven in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. XVII, 
S. 121 — 127. Dort sind nähere Mitteilungen über Bau und Anlage des 
Komödienhauses zu rinden. 



— 77 — 

Schillingen (1,50 Mk.); für das Diederichsche Orgelkonzert 
zahlten „Standespersonen nach Belieben"; andere 25 Stüber. 

Ans den Avertissements ergiebt sich auch die bisher noch 
nicht bekannt gewordene Thatsache, dass in Aachen bereits 
1779 eine Musikschule bestand. Ein Herr Seyl'ried, Sandkaui- 
strasse bei Fr. Käfer wohnhaft, macht bekannt, dass er 

eine Akademie der edlen Tonkunst, gleich er eine solche 
vorhin in Gent in Flandern nach Jedermanns Beifall auf- 
geführt, dahier aufzurichten entschlossen sei und damit 
zukünftigen Monat März wöchentlich 3 mal, nachmittags 
von 4 — 8 Uhr den Anfang mache, auch des Endes mit 
einem bequemen Zimmer versehen; es werde auch höher 
nicht wie 6 Schillinge (2,25 Mark) gezahlt werden. 

Die Akademie wurde, wie aus einer andern Anzeige her- 
vorgeht, am 9. März 1779 eröffnet, und der Unterricht in einem 
Zimmer in dem Komödienhause erteilt; darüber, wie lange 
dieses Institut bestanden und ob dasselbe mit Erfolg gewirkt, 
ist nichts zu ermitteln gewesen. Dass bereits 1773 hier eine 
Musikzeitung erschien, ergiebt sich aus der Anzeige eines S r 
Krumm. Er benennt die Zeitung „Gazette de Musique". Die- 
selbe sollte enthalten „ein Extrakt von Arien der neuesten 
Opern. 2 Bogen stark; 1 Bogen für Stimme und Bass , der 
andere für 2 Violinen. Die Stimme sei im Violinschlüssel, so 
dass diejenigen, welche nicht singen können (sie), dieselbe auf 
einem Quadro (?) exequieren können. Der Abonnementspreis sei 
1 Dukat oder 21 Schillinge (7,88 Mark); man erhalte dafür 
353 Arien; Porto apart 3 Schillinge (52,5 Pfg.), für welches 
Geld im Fall, dass die Zeitung nicht herauskommen sollte, sich 
der Herr Krumm zu grösserer Sicherheit den Abonnenten ver- 
bürgt." Er teilt zugleich mit, dass sich bereits eine Anzahl 
Abonnenten gemeldet habe. 

Noch einige andere die Musik betreffende Anzeigen ver- 
dienen der Erwähnung. 

Ein geschätzter Klavierbauer scheint einer Anzeige zufolge 
Johann Rückers gewesen zu sein; auch müssen ganz seltsame 
Instrumente gebaut worden sein; so wird z. B. ein Forte 
Biamo (sie) ganz neuer Art zum Verkauf angeboten, es könne 
wegen Stärke des Tons bei völligem Konzert bedient und ohne 
dass man eine Hand daran gewendet, in achtfachen, veränder- 
lichen Ton gebracht werden. 



— 78 - 

Dass in Gesellschaften auch mit der Harfe akkompagniert 
wurde, ergiebt sich aus einer Anzeige des Harfenspielers Frehe 
aus Würzburg - , der sich zu diesem Zwecke empfiehlt. Die 
Musik, so führt er aus, sei der Gespann der ehelichen Freuden, 
die Heilung vieler Schmerzen und der Betäubung, auch der Trost 
des Herzens. Seiner Empfehlung glaubt er dadurch mehr Nach- 
druck zu geben, dass er erwähnt, er sei durch Heirat Aachener 
Bürger geworden. 

Theateranzeigen ! 

finden sich weit seltener als Konzertanzeigen, geben aber 
immerhin einige Aufklärungen. Die Vorstellungen erstreckten sich 
über das ganze Gebiet der darstellenden Kunst: Drama, Oper 
und Ballet bezw. Pantomime. Klassische Dramen, überhaupt 
jetzt noch allgemein bekannte Schau- und Lustspiele, finden 
sich nicht angeführt. Sensationsstücke gab es damals gerade 
so wie heute; so gelangte z. B. gleich nach der Hinrichtung 
der unglücklichen Königin Marie Antoinette (16. Oktober 1793) 
und zwar am Ende desselben Jahres bereits ein grosses Original- 
Trauerspiel eines gewissen Hochkirch senior: Marie Antoinette, 
Königin von Frankreich, auf unserer Bühne zur Auiführung. 

Mehr wie das Drama wurde die Oper kultiviert; indessen 
sind die Namen fast aller damals hier beliebten Opern nicht 
minder, wie die ihrer Komponisten verschollen. Von bekannteren 
Opern, die damals zur Auftührung gelangten, mögen hier 
genannt werden: Mozarts „Entführung aus dem Serail" und 
„Doktor und Apotheker" von Dittersdorf ; ausserdem finden sich 
noch einige jetzt vom Repertoire verschwundene Opern der be- 
kannten Komponisten Peer, Paesillo und Martin genannt. 

Die Namen mehrerer aufgeführten Stücke sind recht selt- 
sam; so trägt z. B. eine Oper den poetischen Namen: „Die Fass- 
binder"; ein Ballet: „Die englische Hochzeit oder dieQuäcker"; 
ein anderes: „Die zwei Kohlenbrenner" und eine Pantomime mit 
Ballet den Namen: „Die 4 Ecken". 

Nach jeder Oper wurde regelmässig ein Ballet oder eine 
Pantomime gegeben. 

Über die Theaterunternehmer, die in Aachen Vorstellungen 
gaben, erfahren wir nur wenig; in den Jahren 1782, 1783, 1784 

') Über das Aachener Theater in reichsstädtischer Zeit vgl. Pick, Aus 
Aachens Vergangenheit S. 447. 



— 79 — 

gab eine italienische Truppe Opern Vorstellungen, 1783 ein Herr 
Desrozziers französische Schauspielvorstellungen, und 1794 erhielt 
die Gesellschaft der .Madame Fleury und des Herrn Gazel die 
Erlaubnis, deutsche Schauspiel- Vorstellungen zu veranstalten. 
Die Theateranzeigen sind in der Regel sehr kurz und um- 
fassen 2 bis 3 Zeilen. Eine ausführlichere findet sich im Jahre 
1794 vor; sie lautet: 

Am 14. Mai wird aufgeführt: „Der Raum der Diana", 
eine grosse Oper in 3 Aufzügen mit Musik von Martin 
und _ einem dazugehörigen Ballet: „Das Fest der Diana." 
Die gedruckten Gesänge sind vor 6 Mark (25 Pfg - .), so- 
wie auch die darin bezeichneten 16 Stück Arien, Duetts 
in Klavierauszug - , stückweise oder ganz, mit italienischem 
oder deutschem Text beliebig zu haben bei Hasenest, 
Souffleur. 

Dass damals auch schon ganz bedeutende Künstler-Honorare 
gezahlt wurden, wird verschiedentlich berichtet; so erhielt z.B. 
ein Schauspieler Foote in London für zwölfmaliges Auftreten 
000 Liv. Sterling. 1783 hinterliess eine Pariser Opernsängerin 
Mlle. de Guerre 100 000 Livres in Kassenbillcts, wertvolle 
Juwelen und 3 schöne Häuser in Paris, die sie sich ersungen 
und auf andere nicht eben ehrenhafte Weise erworben hatte 

Gelegenheit zum Besuche von 

Schaustellungen 

der verschiedensten Art scheint das ganze Jahr hindurch, 
namentlich aber zur Zeit der Kirmessen und des Jahrmarktes 
geboten worden zu sein. Gaukler fanden sich zahlreich ein; 
sie gaben ihre Vorstellungen meistens in den auf dem Markte 
gelegenen, im „Posthorn", „in der Trompete'' und „in der weissen 
Taube" genannten Häusern. Es finden sich angezeigt: 

Grandes ombres chinoises, anatomische und physikalische Kabi- 
nette. Menagerien, Riesen, Zwerge, allerlei abnorm gewachsene 
Thiere, eine Akademie von Affen und Hunden, Thicrgefechte, 
z. B. ein Kampf zwischen einem Ochsen, einem Bären und 
wilden Hunden (daselbst winde auch Bärenfett für die Herren 
verkauft), ein Wachsfigurenkabinet, darunter „eine schlafende 
Venus von erster Schönheit". Personen von Distinktioo zahlen 
nach ihrer Generosität; sonst Plätze zu 9 und 6 Mark (37 bezw. 



— 80 — 

25 Pfg.) Auch der bekannte Jakol) Philadelphia zeigt Vor- 
stellungen auf der Redoute an. 

Zu Weihnachten fanden Ausstellungen von Krippchen statt, 
welche vielfach von kunstreicher Arbeit waren. Joh. Rohn 
auf der Rose macht bekannt, dass bei ihm ein Krippchen zu 
sehen mit den schönsten Marionetten, wovon sich über 100 
Postüren bewegen. Den Schluss einer solchen Vorführung machte 
hin und wieder ein „lustiges Nachspiel nach Wahl der Zu- 
schauer". Der Eintrittspreis für diese Art Vorstellungen war 
gering; er betrug in der Regel 1 Mark (4 Pfg.), für Kinder 
die Hälfte. 

Das Aufsteigen von Luftballons 1 wird wiederholt an- 
gezeigt. 

1783 erklären die Buchhändler St. Aubin Vater und Sohn, 
Subscription entgegen zu nehmen zum Versuch eines grossen 
Luftballons, der innerhalb drei Wochen mit einigen Reisenden 
in die Luft gelassen wird. Zuschauer zahlen 1 Kronenthaler 
(4,25 Mk.). Am 9. Juni 1786 lässt ein Herr de la Fouche 
Foucroy einen Luftballon auf derBever aufsteigen, am 17. Juli 
einen solchen in Frankenberg. 

Zur Zerstreuung der zahlreichen Kurgäste that der Magi- 
strat sehr wenig; dafür zu sorgen überliess er den Besitzern der 
Gasthöfe, der Aachener Aristokratie und den Kurgästen selbst. 
Die Hauptzerstreuung war das Hazardspiel, das auf der 
Redoute -und auf der Ketschenburg betrieben wurde ; ausserdem 
wurden häufig Bälle, musikalische Unterhaltungen und gemein- 
same Ausflüge in die schöne Umgebung der Stadt veranstaltet. 

Zuweilen wurden auch die Namenstage und Geburtstage 
hervorragender Kurgäste in solenner Weise begangen. Ein 
solches Fest, veranstaltet 1771 zur Feier des Namenstages 
der zur Kur hier verweilenden verwitweten Kurfürstin von 
Sachsen wird in der Zeitung wie folgt beschrieben : 

Morgens wurden Böller abgefeuert und spielten 2 
abwechselnde Chormusikanten ; mittags offene Tafel bei 
Hochfürstliche Gnaden, dem Bischof von Freisingen. 
Nachmittags grosses Konzert, sodann von hochbesagten 
Fürsten veranstaltete niedliche Beleuchtung, als deren 



') Der erste Luftballon stieg auf am 4. Juni 1783 in Anonnay ; das erste 
Aufsteigen von Menschen in einem Luftballon erfolgte am 21. Oktober 1783 
in Paris, das erste Aufsteigen Blanchards am 7. Januar 1785. 



— 81 — 

Quartier zum Rosenbad nebst der gegenüberliegenden 
Fonteine und Promenade mit den hohen Ohurwappen, ver- 
schiedene Inschriften, Pyramiden, Guirlands, Wandleuchtern 
und viel Tausend Lampen und Wachslichtern aufs Schönste 
ausgeziert war; sodann endlich mit einem grossen, mas- 
kierten Ball. 

Wie man sieht, ein Festprogramm, welches an Mannigfaltig- 
keit kaum etwas zu wünschen übrig lässt. 

Im 18.^ Jahrhundert wurde das 

Lotteriespiel 

am ganzen Niederrhein, in Belgien und in Holland, Aachen 
nicht ausgeschlossen, auf das leidenschaftlichste betrieben. Auf 
Lotterien sich beziehende Anzeigen finden sich fast in jedem 
Blatte, sie nehmen in manchen Nummern fast ausschliesslich 
den für die Anzeigen bestimmten Raum ein. 

Gegenstand der Lotterien waren nicht nur Geld, sondern 
alle erdenklichen Sachen, z. B. Reisewagen, Juwelen, Uhren, 
Klaviere, Tuch, Seide, Pelzröcke, Schuhwaren, Tischtücher, 
sogar Limburger Käse und Scharminnsteine; auch wohl Pferde, 
Kühe und Schweine. 

1778 gelangt eine Kuh in folgender absonderlichen Weise 
zur Verlosung: 

Der 1. Gewinn 1 / 2 Kuh, 

der 2. u. 3. Gewinn je l j i Kuh, 

der" 4. Gewinn das Fett, 

der 5. Gewinn das Fell, 

der 6. Gewinn die Eingeweide, 

der 7. Gewinn das Mindergewicht bis zu 600 fö, welches 
besteht aus 55 U. 

Einsatz 1 Rthlr. (2,25 Mk.); Zahl der Lose 60. 

1777 wird auf Kompesbad in der Stadt Paris bei Herpers 
ein Schwein verlost, wie folgt: 

1. Gewinn 1 ganzes Schwein von 120 U. 

2. Gewinn 1 j 2 fettes Schwein von 66 ( ü>. 

3. Gewinn V2 Schwein. 

4. Gewinn 1 schöner Schruthahn von 26 < tt>. 

Zahl der Lose 32. Einsatz l / 2 Conventsthaler. 



— 82 — 

Die Lotterien wurden veranstaltet sowohl von Privatper- 
sonen wie von Reichsständen. Von letzteren finden sich u. a. 
benannt : 

Kurpfalz, Würtemberg, Sachsen-Hildburghausen, Hessen- 
Homburg, Brandenburg-Anspach, Kurköln, Kurtrier, Lüttich, 
Reichsgraf schaft Schadick(?). Beim Publikum scheinen besonders 
Ryckholter und Bouchovener Lose beliebt gewesen zu sein. 

Die Lotterien waren Klassen- und Zahlen-Lotterien; bei- 
spielsweise bestand 1781 die Kurpfälzische Klassenlotterie aus 
9300 Losen; davon waren Gewinne 3667. Der Hauptgewinn 
betrug 15000 fl. ä 36 Mark aix; gespielt wurde die Lotterie 
in 3 Klassen. Der Einsatz betrug: 

1. Klasse 2 fl. und 12 kreutz. Aufgeld. 

2. „ 5 fl. „ 18 „ „ 

3. „ 7 fl. „ 30 „ „ 

„Die Ryckholter Klassenlotterie enthielt 4000 Bilette und 
3130 Gewinne und Prämien. Der Einsatz betrug 1. Klasse 27, 
2. Klasse 36, 3. Klasse 108, 4. Klasse 45 Mark. 

In welcher Weise eine Zahlenlotterie gespielt wurde, er- 
gibt sich aus nachstehender Anzeige. 

„Die künftige 38. Ziehung des Lotto von Ryckholt wird 
wegen einfallenden h. Christferien auf künftigen Freitag 
den 28. d. M. gewöhnlichermassen um 1 Uhr nachmittags 
vor sich gehen. Dann sind die Herren Collekteurs, sowohl 
auswärtige als hiesige, abermals erinnert, ihre Listen den 
Tag vorher abends gegen 6 oder 7 Uhr an hiesige General- 
Kanzlei einzubringen, widrigenfalls selbe nicht angenommen 
werden können. Die durch die Surintendanz des Lotto 
von Ryckholt von der künftigen 39. Ziehung an zu 
rechnen auf den 8. January 17S2 neuerdings bestimmten 
Gewinnsten zufolg nächstkünftigen herauskommenden Plan 
sind folgende: 

Auf die Favoritnummern 1, 2, 89, 90 

Der einfache Auszug 10 mal der Satz. 

Der bestimmte Auszug 80 „ „ „ 

Die Ambe 400 „ „ „ 

Die Terne 8000 „ 

Die Quaterne 100 000 „ „ „ 



— 83 — 

Auf die anderen Nummern von 3 bis 88 einschliesslich 

Der einfache Auszug zu 15 mal. 

Der bestimmte „ „ 75 „ 

Die Ambe „ 280 „ 

Die Terne „ 6000 „ 

Die Quaterne „ 60000 „ 

Die Armenpreise wie gewöhnlich." 

Litterarisch hat sich Aachen im 18. Jahrhundert nicht 
besonders hervorgethan ; es ist daher nicht zu verwundern, dass 
die Stadt«- soweit sich aus den Anzeigen entnehmen lässt, 1769 
nur eine und zwar eine französische 

Buchhandlung, 

die der Mlle. Pirard, Compesbad, wo auch französische Zeitungen 
verkauft wurden, besass; eine deutsche Buchhandlung errichtete 
im genannten Jahre Johann Houben; ausserdem waren noch 
Bücher beim Buchbinder Dullje zu haben. 

Das erste 

Lesekabinet 

richtete 1769 Herr Rubach ein; es scheint indessen von geringer 
Bedeutung gewesen zu sein. Weit grössern Umfang hatte das 
Lesekabinet, welches 1783 die Herrn St. Aubin Vater und Sohn 
auf dem Komphausbad anlegten. Es lagen dort folgende 
Blätter auf: 

L'Esprit des Journaux (monatlich erscheinend); die Wochen- 
blätter: Correspondance secrete de Paris, Courier politique et 
literaire, Mercure de France, Mercure general de l'Europe; die 
dreimal wöchentlich erscheinenden: Frankfurter Ristretto, 
Journal de l'Europe; die zwei mal wöchentlich erscheinenden: 
Gazette francaise de Cologne, Gazette de Liege, Courier de 
l'Europe, Courier de l'Escaut, Courier de la Meuse, Gazette 
francaise de Le3 7 de, Wiener Zeitung. Erlanger Realzeitung; die 
täglich herauskommenden : Morning Chronich, Journal de Paris, 
London Evening Post, Gazette de la Haye, Gazette de Hartem 
und die Nouvelles Politiques. 

Der einmalige Besuch des Lesekabincts kostete 2 Mark 
(8 Pfg.); doch konnte man sich auch für eine Woche und einen 
Monat abonnieren. 



— 84 — 

Ein weiteres Lesekabinet errichtete 1793 Augustin Adenaw 
„auf dem Eisen". 

Dort lagen auf: a) Zeitungen: Die drei hiesigen Zeitungen, 
die Hamburger neue Zeitung, die Hamburger Adress-Comptoir- 
Nachrichten, das Frankfurter Staats-Ristretto, die Weisslinger, 
die Leidener und die Brüsseler Zeitung, die Harlemer deutsche 
und holländische Zeitung, der deutsche Reichsanzeiger, der 
Thüringer Bote und die Allgemeine deutsche Zeitung; 

b) Journale: Das Frankfurter politische Journal, Urania 
für Kopf und Herz von Ewald, Neuer deutscher Merkur von 
Wieland, Modejournal, Journal der Handelsfabriken und Moden, 
Minerva von Archenholz, Politische Annalen von Girtenner, 
Historisches Magazin von Spittler und Meiners, Deutsche Monats- 
schrift, Olla Potrida, Flora-Schlözers Staatsanzeiger und L'Esprit 
des Journaux. 

Gewiss eine für die damalige Zeit recht stattliche Zahl 

von Zeitungen und Zeitschriften. Von Anzeigen über damals 

neu erscheinende 

Zeitungen 

mögen folgende hervorgehoben werden : 

1771 eine Zeitung unter dem Titel „Interessante oder 
nützlich vergnügende Zeitung". Jahresabonnement 6 Reichsthaler 
(13,5 Mk.); Einzelnummern J / 2 Schilling (19 Pfg.) ; 

1774 ein „Encyklopädisches Journal", welches bei 14 
Nummern J / 2 Louisd'or kostete. 

1785 eine in Köln dreimal wöchentlich erscheinende Zeitung: 
Gemeinnützige Intelligenz-Nachrichten; kostete ins Haus ge- 
bracht für das Jahr 2 Reichsthaler 10 Köln-Stüber. 

Auch das Verbot der Austeilung einer Zeitung liegt vor; 
es betrifft den französischen Moniteur. Das Verbot erfolgte am 
29. Februar 1792 auf Befehl des Erb-General-Obrist-Postineisters, 
Fürsten von Thurn und Taxis, Hochfürstl. Durchlaucht 1 . 

Interessante 

Bücheranzeigen 



finden sich mehrere: 
1771 wird ange 
Schrift: Abbitte an das schöne Geschlecht und offenbare Reu 



1771 wird angezeigt eine angeblich von Voltaire verlässtc 



') Den 8. März 1791 verbot der Oberpostmeister von Lilien in Lüttich 
den Debit des von Franz Dautzcnber^ herausgegebenen „Politischen Merkurs", 
cette feuille etant aussi incendiaire, que petrie de l'nussetes. 



— 85 — 

bekennung über seine die Religionssachen und Sittenlehre er- 
greifenden Schriften; aus dem Französischen übersetzt und auf 
feinem Schreibpapier gedruckt. Preis 9 Mark (38 Pfg.) 

4. 

1789 wird angezeigt: 

Ein höchst interessanter Roman von der verwitweten 
Freifrau von Saroche betitelt: Miss Loup und der schöne Bund 
nebst zwei Kupferstichen in gr. Octav. Preis 45 Mark (1,85 Mk.) 

1781 stossen wir auf folgende absonderliche Anzeige. 

Das Geschrei der Menschlichkeit an den König 3 vol. 
in 8vo. mit 6 zu diesem Werk sehr nützlichen Kupfern 
bereichert; das erste stellt die bedrückte und undankbare 
Menschlichkeit dar, welche das Schlachtopfer zum Fuss 
des Thrones schleppt u. s. w. 

Dieses Werk, durch die Frau Gräfin de Neviere ge- 
schrieben, nachdem sie HLettres de Cachet und 24 unter- 
schiedliche Gefängnisse ausgestanden hat, wird hiermit 
zur Einschreibung angeboten, die französische für 2 fr. 
Kronenthaler und die Holländische und Teutsche Ueber- 
setzung zu 8 Fl. Der Prospektus (oder Bericht) ertheilet 
eine ausführliche Nachricht von diesem so nützlichen 
Werk . . . Die Exemplare werden nicht anders als gegen 
die von der Frau Gräfin de Neviere unterzeichneten Ein- 
schreibungs-Quittungen abgeliefert. 

1793 erschien: Marie Antoinette im Elysium; eine 
Scene für Menschen von Gefühl. Neuwieds Mark (33 Pfg.). 

1794: Trauriges Denkmal auf's Jahr 1793 oder Cliv 
bei dem Grabe der grossen Marie Antoinette von Oester- 
reich von P. Conrads, Kais. Notar 1 . Aachen 1794. 

1771 wird eine neue Auflage von Noppii Chronick angezeigt. 
Preis p. 2 Bogen 3 Mark (16 Pfg.) 

1782 Meyers Aachener Chronick zu 7 J / 2 Rthlr. (16,88 Mk.) 
Der Aachener Ratskalender wird 1788/89 verkauft zu 

folgenden Preisen : 

in Gold und Silber gestickt 3 Rthlr. (6.75 Mk.), 

in verschiedenen Farben, Seide und Saffian 6 Gulden 

(1,5 Mk.). 
in Leder und Futteral 4 Gulden (1 Mk.), 

') In Kurtseheid. 



- 86 - 

in Leder mit Krämpfen 3 Gulden (75 Pfg.), 
in Papier eingebunden 12 Mark (50 Pfg.). 

Über das 

Postwesen 

bringt die Zeitung manche schätzenswerte Notizen. 

Das Reichspostamt befand sich vor 1770 in der Hartmann- 
strasse; von da ab auf dem Büchel in dem Hause „zwischen 
dem Grossen Monarchen und den drei Mohren" '. 

Laut einer Bekanntmachung des Kais. Reichspostamtes zu 
Lüttich vom Jahre 1788 wurde das Postamt in Aachen 

a. im Winter und Sommer punkt 8 Uhr geöffnet und wurde 
nicht vor 12 Uhr mittags geschlossen. 

b. Dienstags und Freitags um 1 Uhr, sonst um 2 Uhr geöffnet 
und blieb an Wochentagen bis 8 Uhr offen. 

Briefe müssen 2 / 2 Stunde vor abgehender Post auf das Post- 
amt gebracht werden. Die nach Holland bestimmten Briefe 
können indessen bis zum wirklichen Abgange der Post, also 
bis 8 Uhr abgegeben werden. 
c» Die über Maesayck nach Norden Dienstags und Freitags ab- 
gehenden Briefe werden bis 3 Uhr nachmittags angenommen. 

Die Beförderung erfolgte durch besondere Boten. — 
Der reitende Bote Simon Andrian beförderte die Briefe nach 
Hodimont, Verviers, Limburg, Malmedy, Stablo; der Bote nach 
Montjoie machte seine Tour dreimal wöchentlich, von 1788 
ab täglich. Der privil. Kölner Bote ging 1773 alle Samstage 
von hier ab und traf Donnerstags abends wieder hier ein. 

Über Abfahrt und Ankunft der Fahrposten erfolgten ziem- 
lich regelmässige Bekanntmachungen; wir entnehmen denselben 
folgendes : 

1769 fuhr der churpfälzische Düsseldorfer Wagen im Winter 
zweimal; im Sommer dreimal wöchentlich. 

1775 wird hierüber folgendes bekannt gegeben: 

Sonntag den 1. April soll der Düsseldorfer Wagen, welcher 
bei Wittib Wolff im Prinz Eugen abfährt, in einem Tage über- 
zufahren anfangen ; alsdann wöchentlich dreimal von Aachen, 
nämlich dienstags, donnerstags und samstags durch Jülich, 
Gatzweiler, Neuss nach Düsseldorf abgehen. Die Herren Reisen- 
den, welche sich also diese Route bedienen wollen, können von 



') Jetzt Nr. 51/2. 



— 87 - 

Düsseldorf Montags und Freitags über Wesel, Arnheim, den 
dritten Tag in Amsterdam ankommen und abgehen und sodann 
alle Montags und Donnerstags von Düsseldorf nach Münster, 
ingleichen Mittwochs und Samstags nachElberfeld. Auch dienet 
zur Nachricht, dass in Neuss, 1 Stunde von Düsseldorf, wo der 
Aacher Wagen am nämlichen Posthaus anfährt, Montags, Mitt- 
wochs, Donnerstags, Freitags und Sonntags ein Wagen nach 
Nymwegen oder Arnheim abgeht; anhero nach Aachen kommt 
der Wagen von Düsseldorf Montags, Mittwochs und Freitags. 

1786 fuhr Montag Abend 10 Uhr und Freitag Morgen ein 
Wagen von Wesel nach Berlin, welcher mit dem aus Aachen 
und Düsseldorf korrespondierte. Dieser Wagen fuhr 1792 auf 
dem Markte in der Goldenen Kette bei Knops ab. 

Der Mastrichter Wagen fuhr 1771 im Sommer täglich, im 
Winter dreimal wöchentlich: Montags, Mittwochs und Freitags. 
Die Abfahrt erfolgte beim Postmeister Fincken im Goldenen 
Drachen. In Mastricht konnten sich die Passagiere anderen 
Tages des in einem Tage nach Brüssel fahrenden Wagens be- 
dienen. 

Der Postmeister Fincken stellte auch Extrapost zur Ver- 
fügung. 

Für den über Düren nach Köln fahrenden Kurpfalz-Baierischen 
Wagen war die Expedition bei Vonachten in der Kölnstrasse, 
in Düren bei Sieger, churpfälz-baierischem Posthalter. Der 
Fahrpreis betrug 1 Rthlr. 20 Stüber 3 Mark; es wurden 50 Pfd. 
Freigepäck gewährt. 

Bei dem lebhaften Verkehr, den damals die Kurgäste 
von Spa und Aachen mit einander pflogen, wurde 1774 eine 
Postverbindung zwischen diesen Badeorten hergestellt. Der 
Wagen fuhr im Sommer jede Woche Montags, Mittwochs und 
Freitags vom Rosenbade bei Hilbertz ab, 1799 von der Goldnen 
Glocke in der Kölnstrasse, 1782 vom Schwarzen Adler bei 
Lelievre in der Peterstrasse. 

Über die holländische Post macht 1786 Aloys Preyer, 
l'nstmeister der Kurpfalz-Baierischen Post, bekannt: 

dass der neu anzulegende Postwagen über Geilenkirchen. 
Echt, Roermonde und Venlo künftigen Mär/ n. .1. seinen 
Anfang nehmen wird. Da dieser Wagen mit dem Nymweger 
korrespondiert, so können die Passagiers Sommerszeit in 
3 Tagen, ohne des Nachts mit dem Wagen zu fahren, von 



— 88 — 

hier nach Amsterdam, Rotterdam und so wieder retour 
gelangen ; 
er setzt dann hinzu: 

mit dieser Post können die Fischhändler in 3 Tagen alle 
Arten frische Seefische aus der See haben. 
Der Wagen fuhr ab bei Dubigk im Sommer um 1 j 2 4, im 
Winter um 7 Uhr. 

Welche Umständlichkeiten mit einer weiteren Reise ver- 
bunden waren, möge man aus nachstehender Anzeige des H. 
Casparus Rhedius, Bürgerhauptmann zu Köln a. Rh., vom Jahre 
1790 ersehen: 

„Wenn eine Anzahl Freunde von etwa 30 Personen mich 
Unterzeichneten mit ihrem geneigten Zuspruch beehren 
würde, so bin ich entschlossen, bei bevorstehender Kaiser- 
krönung zu Ende des Monats mit einer ganz gewöhnlichen 
Jagd auf Frankfurt zu fahren, in selbiger sowohl auf der 
Hin- und Herreise, als auch während der Aufenthaltszeit 
daselbst eine recht gute Tafel, bestehend in einer guten 
Suppe, Gemüs nebst Beilagen, Rindfleisch Ragout und 
einen jedesmaligen veränderlichen Braten, wie auch morgens 
zum Frühstück Kaffee oder Thee nebst einem weissen oder 
mürben Brod, anzurichten, wofür jede Person auf 14 bis 
15 Tage für die Herauf- und Herunterreise nebst oben- 
gemeldeter Tafel 5 Karlin (89 Mk. 40 Pfg.) zu zahlen hat. 
Den Wein aber, versteht sich von selbst, muss sich Jeder 
apart anschaffen oder zahlen. Auch steht Jedem frei, 
sowohl bei der Herauf- als bei der Herunterfahrt und der 
Aufenthaltszeit in Frankfurt in der Jagd zu schlafen, 
wobei aber erinnern muss, dass sich Jeder eine kleine 
Matrazze oder Lagerküssen dazu mitnehme. Die dazu 
Lusttragenden werden höflichst gebeten, sich längstens bis 
gegen den 24. laufenden Monats September bei dem 
Unterzeichneten zu melden und sofort mit 2 Karlin auf 
diese Reise zu prenummeriren." 

Auch Nachrichten über einige 

Chausseebauten 

in der nächsten Umgebung der Stadt bringen die Anzeigen. 

Am 15. Juni 1776 werden die Arbeiten zum Bau einer 
670 sechszehnschuhige Ruthen (Aachener Mass) langen Chaussee 



— 89 — 

ausgeschrieben; am 12. Juli zeigt der Magistrat an, dass der 
Unternehmer der Chaussee von Aachen nach Mastricht, Franz 
Offermanns, Maurermeister, Fuhrleute und Arbeiter im Tagelohn 
and Akkord sucht; es handelt sich wohl hier um die Strecke 
dieser Chaussee, die das Aachener Reich durchschneidet. 

1779 wird ein Weg - in der Hauptbank Holset, Vaals und 
Vylen, ferner in der jülichschen Unterherrschaft Heyden (dem 
Lande von der Heyden) angelegt, 1791 der Bau der neuen 
Chaussee von Jakobsthor bis zur Limburger Grenze in Verding 
gegeben. 

Bis gegen Ende des vorvorigen Jahrhunderts waren die 

Häuser 

in den Städten nicht numeriert, jedes Haus hatte dagegen 
seinen besonderen Namen, welcher wohl zumeist von dem Eigen- 
tümer willkürlich gewählt sein mochte, in anderen Fällen aber 
dem Hause infolge des daselbst ursprünglich betriebenen Gewerbes 
oder infolge eines besonderen Vorfalles, der sich einst im 
Hause zugetragen haben mochte, beigelegt worden war. 

Über die damaligen Häusernamen geben die Anzeigen 
weitgehende Aufschlüsse. 

Auch über die adeligen Besitzungen, die damals in der 
Stadt sich befanden, bieten die Anzeigen Gelegenheit, manches 
Interessante zu erfahren. So entnehmen wir denselben z. B., 
dass der Prinzenhof in der Jesuitenstrasse 1781 eine Fürstl. 
Salmsche Besitzung war. dass ferner Graf Villers du Tertre 
den Goldenen Hirsch in der Jakobstrasse auf der Pau besass; 
Fräulen v. Beelen in derBcndelstrasse wohnte; Freifrau v.Rochow 
und Graf Goldstein in der Jesuitenstrasse; Freiherr v. Collenbach 
und Gräfin von Looz-Coswarem auf dem Drisch, Freiherr v. 
Limpens und Herr v. Heyningen in der Adalbertstrasse; Frei- 
herr v. Trips auf dem Seilgraben (zwischen Armenhaus und 
Ludwigs); Herr v. Paland und Oberst v. Weustenradt (1790) 
ebendaselbst. Prinzessin Gargarin wohnte längere Jahre (u. a. 
auch 1790) Ecke Komphausbad- und Alexanderstr. bei Herrn 
Turbet. In der Peterstrasse befanden sich dieHotels des Freiherrn 
v. Leerodt und des Grafen v. Merode, Herin zu Frenz; letzterer 
hatte 1781 auch eine Besitzung auf dem Drisch. Auf dem 
Büchel, im „Kohlrump" wohnte der preussische Resident, Herr 
v. Lognay ; ebcndort 1769 (am Knibert) Herr v. Ripperda. 



— 90 — 

In der Marschierstrasse neben der Ponellgasse lag - das Hans des 
Herrn v. Speckheuer; in derselben Strasse das v. Thymussche 
und von Fürthsche Haus. 1792 wohnte anf dem Foggengraben 
Oberst Waller. Das Zunfthaus der Bäcker (Bäckerlänf) lag 
„auf dem Hof, das der Krämer auf dem Hühnermarkt, das 
der Schmiede auf dem Büchel, das der Kupferschläger befand 
sich 1771 im Goldenen Drachen am Kölnmittelthor. 1771 bestand 
auf dem Markte ein Kais. Kaffeehans; der „König von Spanien" 
ist 1780 bewohnt von Stassen, darauf von S r Schäffer, 1782 
von Simon Peter Wolter. Auch mehrere jetzt noch' in Aachen 
als Gewerbetreibende bekannte Familien sind in den Avertisse- 
ments vertreten ; darunter der Färber Jakob Fellinger, der 
Buchbinder Kaatzer und der Gärtner Marzorati. 

Nachstehende Anzeige über den Verkauf eines Hauses möge 
der eigentümlichen Form wegen erwähnt werden. 1778 wird 
bekannt gemacht, dass 

von nun an in die 12jährige Pfandschaft, oder Belehnung 
des in der Jakobstrasse gelegenen von Ludger bewohnt 
gewesenen Hauses eingetreten werden kann. Das Haus 
liegt neben Schöifen von Clotz und Kiefer und heisst das 
Darmonnsche Haus. Am 8. August 1778 hatte Ludger 
es an sich gebracht zu 7000 Rthr. ä 54Märk aix (15 750 Mk.). 
Es wird demnach vor dem Schöffengericht dem Meist- 
bietenden über vorgemeldete Belehnungssumme verkauft." 

Über den Territorial- und den Privatbesitz, sowie über 
mancherlei Vorkommnisse in der 

Umgebung' der Stadt 

giebt die Zeitung manche interessante Aufklärung. 

1791 werden auf dem Gute Kalkofen vom Geschäftsführer 
Borclay die Mobilien u. s. w. des dort verstorbenen Obersten 
Elliot, Lord Heathfield, zum Verkauf ausgestellt ; auf der sogen. 
Rennbahn zwischen Eilendorf, Freund und Brand wohnt der 
Reichsgraf von Rice; bei Linzenshäuschen befindet sich eine 
Eremitage. 

Die Eynenburg gehört 1785 dem Herrn Turbet in Aachen, 
das herrschaftlich eingerichtete Haus Esch bei Vaals dem Herrn 
Baron von Sternbach. 

Haus Schönrath in Forst heisst freiadeliger Hof; Schaes- 
berg bei Heerlen ist eine spanische Herrschaft ; Wittern (woselbst 



— 91 — 

sich ein Kapuzinerklöster befindet), sowie Slenaken (bei Anbei). 
eine Reich sgrafschaft ; erwähnt wird auch ein Marquisat Hoens- 

broich (bei Heerlen), dessen Inhaber (1780) der „Reichsmarquis 
von Hoensbfoich Exellenz" ist. 

Freiherr von Fürstenberg- auf Schloss Opsinnich (bei Aubel) 
nennt sicli Baron von Negri, Herr der Freiheit und Bank von 
Henrichapelle, Hohendrossard des Landes Valkenburg, Herr zu 
Hombourg, Remersdal, Opsinnich, Herdringen und Paderborn. 
Ein hochadeliges Fräulein von E verlange verkauft 1769 ihr 
Kasteel zu Raeren, anhabend 100 Morgen; 

in Es'chweiler wird 1780 für die vereinigten Ämter Esch- 
weiler und Wilhelmstein ein Amts- und Repositurhaus gebaut; 

in Montzen erbaut 1780 das Kapitel Unserer Lieben Frau 
eine neue Kirche; 

1775 findet in Linnich ein Pferdemarkt statt; „um das An- 
denken daran unvergesslich zu machen, erhält der, welcher das 
beste Pferd und Füllen mitbringt, 6 feine teils mit Silber be- 
schlagenen Reitpeitschen". 

1785 wird von der Kaiserl. Königl. Regierung in den Nieder- 
landen die Verwaltung des Königl. Pensionats zu Herve der Abtei 
Klosterrath übertragen. 

In Schmidthof (bei Raeren) befindet sich 1780 ein Eisenwerk 
und ein Eisenmagazin worin alle Arten Öfen gegossen werden; 
die Öfen kosten die 1000 Pfd. 40 Rthlr. (90 Mk.); pro Pfd. 
4 Bauschen (3 Pfg.) 

Wiederholt hält „Freiherr von Framenteau, Herr zu Ruyff 
und an anderen Orten, Geheimrath und General-Empfänger 
Ihrer Majestät im Herzogtum Limburg, Forstmeister der drei 
Länder über Maas, Dalhem, Valkenburg und Herzogenrath, zu 
Henrichapelle in der Krone Holzverkäufe ab in der Preuss und 
anderen Wäldern gegen baar und kursmässige Zahlung". 

1773 erhalten wir durch eine Anzeige Kunde von ver- 
brecherischem Treiben in Valkenburg; die Anzeige l.iutet: 

„Demnach d^n 27. verwiesenen Monats August in 
Falkenburg 34 Häuser boshafter Weise sind angestochen 
worden, indem 3 brennende Lunten an den Häusern deren 
Schaffen, Pelt und Wintgens geleget, imgleichen mit einer 
Kugel durch die Fenster des H. Subst. Sekretarii Cotz- 
hausen geschossen; auch eine Lunte an dem Hause des 
Schulmeisters Vogel gefunden worden, so wird hiermit 



— 92 — 

demjenigen, welcher die Urheber hiervon zu entdecken 
weiss oder wer hierzu Rath und That gegeben, eine Be- 
lohnung von 500 Gulden holländisch und falls er auch 
mit Teil daran gehabt, eine völlige Nachlassung aller 
Strafen zugesagt, benebst dem des Angebers Namen auf 
Begehren verschwiegen werden soll." 

Lebensmittel 

und sonstige Gebrauchsgegenstände werden fast in jeder Nummer 
unter Angabe des Preises zum Kaufe angeboten : 

1774 Westpf. Schinken zu 10 Mark (42 Pfg.), 1791 zu 
11 Mark (46 Pfg.) pro &; Schweinefleisch zu (3 Mark (25 Pfg.), 
Bratwurst zu 10 Mark (42 Pfg.), 1788 Cervelatwürste zu 10V 2 
Mark (44 Pfg.), Schweinefleisch zu 6 1 /* Mark (29 Pfg.), Caro- 
linenreis 1786 zulORthr., (22,5 Mk.) die 100 Ei; deutsche Pflaumen 
die 106 & zu 6V 2 Rthlr. (14,63 Mk.); 6 3 / 4 Rthlr. (15,2 Mk.) 
nach 6 Wochen zahlbar. 

1 Citrone kostet 9 Bauschen bis 1 Mark (6 bis 4 Pfg.); Apfel- 
sinen kosten 2 Mark (7 Pfg.) ; Apfelkraut kostet 16 Mark (66 Pfg.) 
die Kanne; Speck 10 Mark (42 Pfg.); Chokolade 4*/, bis 9 
Schillinge (1,69 bis 3.38 Mk.) das S; Vanille-Chokolade 7 1 /» bis 
9 Schillinge (2.81 bis 3,38 Mk.) das £; Austern 48 Mark 
(2 Mk.) die 100 Stück. 

1785 verkauft Jos. Schleig am Münsterkirchhof weissen 
Wein ausser dem Hause zu 12. 14 und 18 Mark (50, 59, 75 Pfg.), 
im Hause zu 16 und 20 Mark (66 und 83 Pfg.), rothen Wein 
ausser dem Hause zu 14, 18 und 22 Mark (59, 75, 93 Pfg.) 
im Hause zu 16, 20 und 24 Mark (66, 83, 100 Pfg.), 1790 
wird Bordeaux zu 20 Mark (87 Pfg.) die Boutaille angeboten. 
1783 kostet bei Kraus im Rothen Hahnen auf dem Münster- 
kirchhof die Maass Wein 10 Mark (42 Pfg.), 1783 er Bleichart 
18 Mark (75 Pfg.), 1786er 21 Mark (88 Pfg.) einschl. Glas; 
weisser Wein im Hause 16 und 20 Mark (66, 83 Pfg.), ausser 
dem Hause 12, 14 und 18 Mark (50, 59, 75 Pfg.), Selterwasser 
kostete 1772 pro Krug 10 Mark (42 Pfg.) Citronen- und Punsch- 
syrup 54 Mark (2,25 Mk.) die Flasche, Rauchtabak 1791 16, 
24, 35 und 72 Mark (66, 100, 150, 300 Pfg.) das Pfund. 

Erwähnt verdient noch zu werden, dass Fische öffentlich 
auf den Abschlag (au Rabais), wie dies heute noch in Belgien 
geschieht, in Aachen verkauft wurden. 



— 93 — 

Kohlen kosten 1779 pro 1800 £ = 32 Maass = 12 Teuter 
Hunde 2 aachener Gulden (50 Pfg\), an steilen und entfernten 
Gegenden ins Haus geliefert 2 1 /* aachener Gulden (63 Pfg.), 
in Burtscherd wegen des Wegegeldes 4 1 /., Gulden (1,12 Mk.). 
Eine Karre Geriss von 32 Maass ins Haus gebracht 18 bis 18 1 /,, 
Gulden (4,5 bis 4,62 Mk.), in runden hölzernen Maassen 3 Mark 
(12 Pfg.) 1780 setzte der Magistrat den Preis des Hundes 
Geriss an der Teilt in loco von 4 auf 3 Mark (17 auf 12 Pfg.) 
herunter. 

Tapeten werden häufig zum Kauf angeboten; Kaatzer in 
der Kleinmarschierstrasse verkauft die Rolle zu 20 bis 30 
Schillingen (7,50 bis 12,67 Mk.) 

1784 kosten Seidentapeten 30 Mark (1,26 Mk.) das Stück, 
englische 9 Mark (38 Pfg.); das Tapeziren wird zu 9 Mark 
(38 Pfg.) die Rolle berechnet. 

Wachslichter kosten 1770 34 Mark (1,42 Pfg.) das £, 
Flaschen in der Velau zu Stolberg an Ort und Stelle 16 Bauschen 
(1 1 Pfg.), in Aachen 3 Mark (12 Pfg.) das Stück. Gusseisen 
von der Limburger Theresienhütte 15 Bauschen (11 Pfg.) das 
tb, Stabeisen 6 Rthlr. (13,5 Mk.) die 100 ( a. Herr Evrard in 
Hodimont-Verviers empfiehlt sich 1774 zum Walken von Tüchern 
zu 5 Mark (21 Pfg.) die Elle; dabei holt er die Tücher ab und 
bringt sie zurück. 

Bei solchen Preisen ist es denn erklärlich, dass 1791 ein 
Vikar Sybertz in Wanlo (bei Erkelenz) junge Leute für 35 
Kronenthaler pro Jahr in Pension nimmt. Die betr. Anzeige 
lautet: 

Ein junger Mann kann bei Vikar Sybertz in Wanlo 
Unterricht im Französischen, Latein und Deutsch erhalten 
bis in die 4. Schule mit Kost und Wäsche gegen 8 1 /* 
Louisd'or pro Jahr. Im Voraus zu zahlen halbjähriges 
Kostgeld mit 17 Kronenthaler, (1 Kronenthaler = 4,7 Mk.), 
Küchengeld und 1 Rthlr. für die in dreierlei Sprachen be- 
stehende Buchkammer, und das andere halbe Jahr wird 
bezahlt mit 17 Kronenthaler. Weiteres muss er mit 18 
Hemden ohne Handkrause versehen sein, mit 6 Halsbängern, 
mit 2 Nachthauben, mit 3 ganzen Kleidern, 3 paar Schuhen : 
aber mit feinen Stiefeln, 2 Hüten, 6 Taschentüchern, 8 paar 
Strümpfen, 1 silbernen Löffel und mit dem. was einer in 
der Schule vonnöthen hat. 



— 94 — 

Zu Gesuchen und Angeboten von Stellen und Wohnungen 

u. s. w. 

wurde die Zeitung- viel benutzt; wir heben einige charakteri- 
stische hervor: 

Ein Mohr, welcher von Allem etwas versteht, sucht 
eine Stelle als Kutscher. 

Ein Mohr von 29 Jahren, kath. Religion, welcher gut 
deutsch, englisch und französisch spricht auch mit Pferden 
umzugehen weiss, sucht Condition bei einer Herrschaft 
oder bei Bürgern, weil er von Allem etwas versteht. 

Eine Mohrin sucht Stelle, welche gut englisch und deutsch 
spricht, anbei gut nähen kann und alle Küchenarbeit versteht. 

Mohren und Mohrinnen scheinen hiernach in der Kultur 
damals weit vorgeschritten gewesen zu sein. 

Ferner : 

Ein junger Mensch, welcher frisiren und rasiren kann, 
auch 4 Sprachen versteht, als: dänisch, böhmisch, wallo- 
nisch und etwas türkisch, sucht Condition als Bedienter. 

Ein schon bejahrter Mensch, der verschiedene Sprachen, 
als dänisch, schwedisch, russisch, französisch, deutsch und 
holländisch spricht und schreibt auch die Rechenkunst 
versteht, sucht Condition. 

Es wird von einer Herrschaft ein deutscher Bedienter 
gesucht, der Französisch und etwas von der Musik ver- 
steht, auch frisiren kann, benebst zwischen 30 — 40 Jahre 
alt ist. 

Ein Bedienter gesucht, der deutsch, französisch und 
italienisch sprechen und frisiren kann. 

Von einem Bedienten wurde also damals sehr viel verlangt. 

Eine wohlgeübte Magd von gesetztem Mittelalter wird 
gesucht. 

Es lässt sich eine ehrbare Frau rekomandirt sein bei 
allen Herrschaften und Bürgern als Wahtsfrau, auch 
Brüsten zu säugen (sie) und zu kuriren, wenn sie aufge- 
brochen sind, dass sie nicht aufbrechen. 

Ein bekannter Partikulier wünscht sich in oder ausser 
hiesiger Stadt, wo nur Gesellschaft ist, in Kost und Logis 



— 95 — 

zu thun. Bescheid zu vernehmen bei S r Ferrari, Peruquier 
wohnhaft in St. Adalbertsstrass. 

Für losledige Frauenzimmer, die gerne ganz still wären, 
sind £ bis 3 Zimmer zu vermiethen. 

Eigentümlich berührt es uns, dass die Pastore und Gemein- 
den durch die Zeitung ihre Kapläne suchen, wie aus folgenden 
zwei Anzeigen hervorgeht: 

Pastor Chorus in dem zur Güliclf sehen Unterherrschaft 
Heyden gehörigen Dorfe Eygelshoven sucht einen zu Lüttich 
approbirten Geistlichen, so fähig ist ihn in allen Pastorats- 
Diensten zu assistiren; er verspricht einem solchen ein 
ansehnliches Salarium und nebst diesem sehr vorteilhafte 
Conditionen. 

In der Parochie von Raeren und Niendorp im Limburgi- 
schen ist die Caplaneistelle vakant, woran eine schöne 
Wohnung und Garten frei ist und ungefähr 600 Lütticher 
Gulden auswirft. 

Wer solche zu verdienen verlangt, und auch im Stande 
ist, die Stelle eines Schulmeisters zu vertreten, kann sich 
bei den Bürgermeistern in besagtem Raeren und Niendorp 
melden l . 

Diese untergeordnete Stellung eines Kaplans verhinderte 
indessen nicht, dass Verdienste, welche ein solcher um das 
Gemeinwohl erwarb, die gebührende Anerkennung finden, wie 
dies aus folgendem Artikel hervorgeht: 

Im November 1792 starb v. Rotarius, Kaplan zu St. 
Foilan. Aus Dankbarkeit für seine rastlose Seelsorge und 
seine den Mitmenschen erwiesene Dienste, dessen uner- 
müdete Bearbeitung eine unwiederstehliche hitzige Krank- 
heit und gar den Tod nach sich gezogen, lässt der Magi- 
strat vor versammelten Rath in der Kapelle auf dem Rath- 
hause eine h. Messe lesen. 



') Der Pastor schloss in der Regel mit seinem Kaplan einen förmlichen 
Vertrag ab, in welchem die Competenzen des letzteren oft in kleinlichster 
Weise festgestellt wurden; so war u. a. in einem solchen Vertrage, welchen 
vor etwa 100 Jahren ein Pastor von Simpelveld abschloss, die Bestimmung 
enthalten, dass, wenn der Pastor Gäste zu Tische habe, der Kaplan auch 
eingeladen werden solle, er habe aber nur Anspruch auf ein (ilas Wein, biete 
der Pastor ihm aus Höflichkeit ein zweites Glas an, so habe er es dankend 
abzulehnen. 



— 96 — 

Welche Ansprüche damals an einen 

Stadtbaumeister 

gestellt wurden, ergibt sich aus folgender Bekanntmachung: 

Da von des Niederrh. -Westpfähl. Kreises hohem Direk- 
torio nöthig befunden ist, dass für die hiesige Reichsstadt 
Aachen ein tüchtiger Architekt oder Baumeister, der im 
Stande ist einen wohl eingerichteten oder passenden Ab- 
riss eines Gebäudes, auch einen zuverlässigen Überschlag 
der zu dessen Ausführung nöthigen Kosten zu machen, 
besonders die erforderliche Geschicklichkeit in den Wasser- 
leitungen besitzt und über jeden Vorwurf einen ausführ- 
lichen Bericht zum Rath erstatten kann, angeordnet und 
diesem ein nach Verhältniss seiner Fähigkeiten und Arbeit 
zu bestimmendes Gehalt zugelegt werde, so wird Solches 
zu Jedes Wissenschaft gebracht und können diejenigen, 
welche zu solcher Stelle Lust tragen und die dazu er- 
forderliche Fähigkeit besitzen, wenn es auch Fremde sind, 
in Zeit von 4 Wochen bei unterschriebenen Kreissyndico 
und Sekretario sich melden. 

Aachen ex directorio den 17. August 1789. 

Ex concluso Commissionis Caesareae 
von Laumen. 

In einer späteren Bekanntmachung werden dann die Reflek- 
tanten zur Prüfung auf Montag den 9. Oktober 1789 auf das Rat- 
haus eingeladen. Charakteristisch für die damalige Zeit ist 
die Art und Weise, wie Tanzunterricht erteilt wurde. In 
einer Anzeige aus dem Jahre 1787 heisst es: 

Von Voigt Ritter und Exercitienmeister hat die Ehre, 
einem nach Standesgebühr verehrten Publico seine Dienste 
in Erlernung von Danzen, Leibesstellungen und Reverenzen 
für die Jugend und zwar von 4 bis 15 Jahre zu offeriren. 
Kinder von 4 bis 7 Jahren zahlen wöchentlich 1 j 2 Krone; 
von 8. bis 15. Jahre 1 Krone (4,25 Mk.) diejenigen aber, 
die nicht tanzen, sondern nur Leibesstellungen, Reverenzen 
und Ceremoniel lernen wollen, bis sie völlig zur Perfektion 
gekommen, 2 Kronenthaler, welche Lektionen er auch die 
arme studirende Jugend morgens früh von 5 — 6 gratis 
lehrt. Er logirt in der Pontstrasse im kleinen Haus von 
Aachen. 



— 97 — 

Ein Arzt zeigt 1781 seine Niederlassung- in Aachen in 
folgender weitschweifigen Art und Weise an : 

Der auf Universitäten gewandelter, promovirter, von 
verschiedenen Conciliis als Dusseldorpiensi, Monheimico 
pro Praxi, Legalitate et Mediana forensi besonders appro- 
birter von der Kais, freyen Reichsstadt Aachen als Medicus 
legalis aufgenommener, in vielen Erfahrnissen bestätigter 
in St. Peterstrass beim Compesbad anzutreffender Medicinae 
Doctor Otten erbietet allen und jeden seine Dienste, be- 
sonders in grassirender epidemischer Dissenterie in wenigen 
Tagen die gänzliche Herstellung an. 

Ein Lehrer der Orthographie empfiehlt sich 1770 
folgendermassen. 

Joh. Nep. Quirini, Notarius und Schreibmeister macht 
allen Herrn Liebhabern der deutschen Sprache bekannt, 
dass er nach Anführung der besten deutschen Schriftsteller 
des jetzigen Jahrhunderts in eines jeden Liebhabers Be- 
hausung lehren werde, wie man Orthographisch buchstabiren, 
lesen, schreiben, ein Satz ins Reine setzen, übersetzen und 
was hierzu ferner nöthig ist, geschickt fertigen soll. Die 
Herrn Liebhaber, welche die allgemein herrschende Fehler 
verlernen, die jetzigen Schönheiten aber selbst prüfen oder 
ihren Kindern prüfen lassen wollen, können sich in der 
Scherbstrass beim H. Notario und Prokuraten Bücheis 
melden. 

Ein empfehlenswerter Sprachlehrer, der selbst nicht gramma- 
tikalisch richtig zu schreiben versteht. Als Curiosum möge noch 
des absonderlichen Stils halber folgende Anzeige hier folgen : 
Zu wissen sei hiermit, dass bei sicherer Herrschaft in 
St. Adalbertspfarr ein Spitzbub weisse Enten und ein 
Fasanhuhn die Hals abgerissen und diebischer Weise ent- 
frembdet hat. Der Anbringer wird nebst Verschweigung 
seines Namens bei Verlegern dieser Zeitung I Dukat 
zur Belohnung bekommen. 

Auf welche Art das hiesige Münsterstift sich im Jahre 1781 
Gelder zum Bau von Kirchen u. s. \v. verschaft'te, ergiebt sich 
aus folgender Bekanntmachung: 

Demnach Herrn Dechant und Kapital des Königlichen 
Krönungs-Stifts zu Unser lieben Frauen in Aachen, um 

7 



— 98 — 

die zu Erbauung deren Kirchen und Pfarr-Häuser, sodann 
anderen Nothdürften erforderliche Kosten bestreiten zu 
können, Capitalien gegen jährliche Leib-Renten zu haben 
und negociiren beschlossen haben, als thuen Hochdieselbe 
hiermit kund und zu wissen, dass diejenige, so sich solche 
Leib-Renten nach Inhalt deren hier unter gesetzten Be- 
dingnüssen anschaffen wollen, sich täglich von zehn bis 
elf Uhr, die Sonn- und Feiertage ausgenommen, in der 
Behausung ihres Secretarii auf der Immunität melden und 
angeben können. 

Folgen die Bedingnüssen : 

1. Das Capital auf Leib-Rente soll nicht gehen über 
zweitausend Lüttiger Gulden, jeder zu 20 Stüber (75 Pfg.) 
oder aber den Werth davon in anderer Münz. 

2. Der eine solche Leib-Rente sich anschaffen will, soll 
sein Alter zu bescheinigen haben. 

3. Falls der Rent-Besitzer vor dem Verfalltag ablebig 
werden mögte, so wird die Leib-Rente dessen Erbgenahmen 
nach rata der Zeit ausgezahlt werden. 

4. Die Interessen werden auf dem Verfalltag richtig 
zahlt werden in bemelter Behausung ihres Secretarii ohne 
mindesten Abzug, unter was für Vorwand es immer sein 
mag. Man kann dieselbe auch empfangen lassen durch 
jemand anders, wan solcher nur dazu genugsam bevoll- 
mächtigt ist. 

5. Beim Ableben des Rent-Besitzers wird die Rente 
zugleich todt und ist erloschen. 

6. Jene, so am Tag der Rentverschreibung das 
dreissigste Jahr ihres Alters voll aus haben, werden be- 
kommen fünf und ein halb per hundert. Jene, so fünf und 
dreissig Jahr voll aus haben, werden bekommen sechs per 
hundert. Jene, so vierzig Jahre voll aus haben, werden 
bekommen sechs ein halb per hundert. Jene, so fünf und 
vierzig Jahr voll aus haben, werden bekommen sieben per 
hundert. Jene so fünfzig Jahr voll aus haben werden, 
bekommen sieben und ein halb per hundert. Jene, so 
fünf und fünfzig Jahr voll aus haben, werden bekommen 
acht per hundert. Jene so sechszig Jahre voll aus haben, 
werden bekommen acht ein halb per hundert. Und jene 



— 99 — 

so fünf und sechsig Jahre voll aus haben, werden be- 
kommen neun per hundert. 

Zur Sicherheit richtiger Auszahlung- solcher anzuschaffen- 
den Ceib-Eenten, thun hochbelobte Herrn alle und jede 
ihre Stiftische Güter benennen und verstricken. 

Also beschlossen binnen Aachen in ihrer Capitular- 
Versammlung den 28. September 1781. 

In Fidem F. F. Wesender, Secretarius. 

Als 

naturwissenschaftliche Kuriosa 

mögen nachstehende Anzeigen hier angeführt werden : 

Joh. Stippler, ein Optikus, verkauft u. A. eine Glasflinte, 
woraus man mit Bleikugeln schiessen kann; eine gläserne 
Pistole mit fauler Luft geladen, thut keinen Knall, wie 
eine Pistole ; solches thut das elektrische Feuer. 

In Wien ist 1775 eine Erfindung gemacht worden, und 
wehe unseren Kohlen- und Bergwerken, wenn wir die 
Mode folgen. Man macht daselbst Öfen, die ohne Holz 
noch Kohlen die Zimmer heizen und dieses soll durch 
elektrische Walzen und Maschinen geschehen und probatim 
gefunden worden sein. Bei jedem Ofen braucht man nur 
zwei Personen, die Tag und Nacht die Walzen drehen. 

Feuerwerk brennt 1776 ein italienischer Künstler ab ohne 
Pulver, Schwefel und Rauch. 

Zum Schlüsse seien noch einige in der Zeitung enthaltenen 
Mitteilungen und Anzeigen über die in der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts herrschenden bizarren 



Moden 



beigefügt. 



1775 heisst es in einer Korrespondenz aus Paris: 

Die Pariser Damen thürmen itzo ihr Haar und ihre 
Hauben immer weiter den Wolken entgegen. Sonst malte 
man die Furien mit emporgesträubten Haaren ; nun ist es 
Mode, Schönheit und Geschmack geworden. Man trägt 
jetzt hieroglyphische, symbolische und physiognomische 
Hauben. Sie bilden bald ein Dorf, einen Wald eine Wiese, 
eine Brücke, eine Windmühle. Vorzüglich sollen die Wind- 
mühlen Hauben grossen Beifall finden. 



— 100 — 

Ferner : 

Eine witzige Dame hat kürzlich eine Haube erfunden, 
die man an einen Draht, wie ein Zeisigschlag - auf und 
zuziehen kann, wenn man niedrige Thüren passiren muss. 

In demselben Jahre 1775 zeigt Mad. Boland aus Paris an, 
dass sie eine Haube erfunden, deren Zieraten sich auf die 
Königskrönung beziehen. Mit jeder Haube werde (wie sonst bei 
Pastillenschachteln gebräuchlich) ein gedruckter Gebrauchszettel 
und eine Beschreibung gratis beigegeben. Die hochgetürmten 
Frauenzimmerhauben veranlassten dann auch 1776 Herrn Amelot. 
Minister des Departements von Paris, Order zu geben an die 
Opera, keine Damen mit solchen Hauben auf die Amphitheater 
oder das Parquet einzulassen. 

Es werden Hüte angeboten ä la Reine, ä la Jardiniere, ä 
la d'Artois, Hauben ä la Antoinette, ä la Penelope, a la Qua- 
tagnois, au Colier galant. Interessant ist, es zu konstatieren, 
dass schon damals Kleiderstücke aller Art verliehen oder, wie 
man damals sich ausdrückte „verheuert" wurden. 

Eau de Cologne wird 1770 nicht nur als Parfüm, sondern 
auch als Heilmittel empfohlen gegen Schlag, Ohnmacht, Hypo- 
chondrie u. s. w. Dieses Eau de Cologne wurde fabrizirt von 
J. A. Leonards mit Privileg des Magistrats der Stadt Cölu. 
Derselbe Leonards annonciert 1776 Augen-, Zahn- und Schön- 
heitswasser a. A., auch 

ein Oleum de tribus gegen alle Alterationen, Ärgerniss, 
Schlag, Schwindel u. s. w. ja, wenn ein Mensch so weit 
ausser sich wäre, dass man glaubte, dass er todt wäre, 
so reibt man ihn mit diesem Oele, er wird gleich aus 
seiner Schlafsucht zu sich kommen. Das Glas kostet 1 
Rthlr. 

Überhaupt werden Heilmittel der verschiedensten Art, wie 
Zahntinkturen, Augenwasser, Mittel gegen Hühneraugen, häufig 
in reklamenhafter Weise und in der Regel zu sehr hohen Preisen 
angepriesen, z. B. ein Augenspiritus zu 1 Rthlr. (2,25 Mk.): 
ein Mittel gegen Zahnweh nach der Grösse der Flasche von 
1 fl. bis 2 Louisd'or. 1772 gibt es in Aachen auch eine Zahn- 
ärztin, Mad. Schild. 



Aus den zur Geschichte Aachens und Burtscheids im 
Düsseldorfer Staatsarchiv vorhandenen Archivalien ' , 

Von Emil Pauls. 

Auch zur Geschichte Aachens und Burtscheids birgt das 
Königliche Staatsarchiv zu Düsseldorf, eins der bedeutendsten 
und schönsten Archive Deutschlands, einen überaus reichen Schatz 
von Archivalien. Wie ich vor wenigen Jahren nachgewiesen 
habe -, stammen diese Archivalien zum Teil aus dem Archiv 
des ehemaligen Roerdepartements in Aachen. Ein anderer 
wichtiger Teil stammt aus der uralten herzoglich Jülichschen 
Kanzlei und aus den Aktenbeständen des Generalgouvernements 
vom Niederrhein, dessen Sitz von Februar 1814 bis April 1816 
in Aachen sich befand; ausserdem sind manche Aquensia dem 
Düsseldorfer Staatsarchiv im Laufe der langen Jahre seines 
Bestehens von verschiedenen Behörden und Privatpersonen zu- 
gegangen. Seit Jahrzehnten haben berufene Hände oft Monate und 
Jahre hindurch an der Ordnung und Inventarisation des auf die 
Geschichte Aachens und Burtscheids bezüglichen Materials im 
Düsseldorfer Staatsarchiv gearbeitet. Das Resultat der über- 
aus mühsamen und iieissigen Arbeit liegt in ganzen Bänden 
handschriftlicher Verzeichnisse und Regesten vor. Es kann 
nicht meine Aufgabe sein, heute einigermassen näher auf den 
Inhalt dieser Bände einzugehen. Dazu würde sich ein mehr- 
stündiger Vortrag gehören, und zudem ist das Inventar des 
Düsseldorfer Staatsarchivs, soweit es für die ( Deutlichkeit sich 
eignet, in mustergültiger Kürze und Klarheit in der vom jetzigen 
Direktor. Herrn Archivrat Dr. Ilgen in Düsseldorf, herausge- 
gebenen Schrift „Rheinisches Archiv" langst veröffentlicht worden. 
Wenn ich heute auf die in der Düsselstadt unter staatlicher 

') Als Vortrag für die am 'J.i. Oktober 1901 in Bartscheid tagende 
Generalversammlung' des Aachener Geschichtsvereins ausgearbeitet; liier un- 
wesentlich geändert und mit ein paar Anmerkungen versehen. 

-') Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. XIX. 11, S. 72 ff. 



— 102 — 

Obhut sorgfältig aufbewahrten Schätze zur Vergangenheit unserer 
Heimat in grossen Umrissen hinweise, so berücksichtige ich 
namentlich das archivalische Material aus reichsstädtischer Zeit, 
weniger die Fremdherrschaft und den an sie sich anschliessenden 
kleinen Zeitraum bis zum April 1816. Aus jeder dieser frag- 
mentarisch kurz anzudeutenden Gruppen gestatte ich mir einige 
wenige Punkte hervorzuheben, bei denen anscheinend das Düssel- 
dorfer Material bisherige Forschungen auf dem grossen Gebiete 
der Aachener Geschichte in etwa zu ergänzen vermag. 

Unter den Archiven der Stifter und Klöster aus Aachens 
reichsstädtischer Zeit steht im Düsseldorfer Staatsarchiv unser 
altehrwürdiges Münsterstift obenan. Es sind unter anderm etwa 
800 Urkunden im Original oder in älteren Abschriften vorhan- 
den, ferner ganze Jahrgänge von Kapitularprotokollen, das 
allbekannte Necrologium, der Band mit den Annales Aquenses 
und ausserdem eine Reihe von Akten über die Vermögenslage 
und die Güter des Stifts, über die Heiligtumsfahrt u. dergl. 
Ein Geschichtsfreund, der dieses grosse Material in einer den 
heutigen Anforderungen entsprechenden Verarbeitung heraus- 
geben wollte, müsste sich auf ein paar Jahre ernstlicher Arbeit 
gefasst machen. Zur Baugeschichte des Aachener Münsters 
dürfte in Düsseldorf nicht viel zu holen sein; eine vorhandene 
wesentliche Urkunde über den Bau des neuen Chors vom Jahre 
1355 hat Herr Geheimrat Dr. Harless schon vor 35 Jahren 
publiziert; zwei andere, anscheinend bis jetzt ungedruckte Urkun- 
den von 1390 und 1404, in denen vom Bau desselben Chors 
nebensächlich die Rede ist, verdienen eine gelegentliche Ver- 
öffentlichung und kurze Besprechung. Auch über die Kunst- 
schätze des Aachener Münsters bietet das Düsseldorfer Material 
wenig Neues. Erwähnung verdient hier ein merkwürdiger 
Brief, den im Jahre 1534 das Aachener Kapitel an seinen späteren 1 
Propst Johann von Vlatten richtete, der damals am Hofe des 
Herzogs von Jülich sich aufhielt. Der Brief betrifft den ehe- 
mals zu den Reichsinsignien gehörigen, jetzt in Wien aufbe- 
wahrten berühmten Evangeliencodex, welcher der Sage nach im 
Grabe Karls des Grossen auf den Knieen des Kaisers gefunden 
wurde. Es heisst in dem genannten Schreiben, dass der Herzog 
den mit Goldschrift geschriebenen Evangeliencodex leihweise 
auf einige Tage gewünscht habe. Das Kapitel würde gern dem 



') Im Brief wird von Vlatten als Scholaster bezeichnet. 



— 103 — 

Wunsche des Herzogs nachkommen, wenn es anginge. Aber 
zunächst sei der schriftliche Wunsch weder vom Herzog unter- 
schrieben gewesen, noch hätte von Vlatten selbst irgend einem 
Mitgliede des Kapitels hiervon Mitteilung gemacht. Der Herr 
Scholaster wisse doch, in wie hoher Wertschätzung der Codex 
beim Kapitel stehe, er gehöre zu den grössten Schätzen des 
Marienstifts, in dessen Chronik er an besonders hervorragender 
Stelle vermerkt sei. Auf den Evangeliencodex, so fährt das 
Kapitel weiter fort, leisteten bei den Königskrönungen die ge- 
krönten Herrscher den Eid. Das Kapitel könne ohne einen 
besonderen Auftrag des Kaisers den Codex nicht verschicken. 
Wolle der Herzog von Jülich einige Gelehrte nach Aachen 
senden, so werde man ihnen gern den Evangeliencodex vorlegen 
und mit Erläuterungen zur Hand gehen. So der Brief. Unzweifel- 
haft ist damals der Schatz nicht aus Aachen verschickt worden. 

Kaum bekannt mag ferner eine Urkunde vom Jahre 1555 
sein, nach welcher die Aachener Münsterkirche durch Diebstahl 
an Gold, Silber und Edelsteinen geschädigt worden war. 

Weit mehr als die Kunstschätze des Marienmünsters sind 
dessen Reliquien und namentlich die Heiligtumsfahrten in den 
Düsseldorfer Urkunden und Akten vertreten. Bis 1166, dem 
Jahre der Erhebung Karls des Grossen, finden sich über die 
Reliquienschätze unseres Doms nur allgemein gehaltene An- 
deutungen. Später mehren sich die Notizen, und zwar vor- 
wiegend über die grösseren Reliquien und die Heiligtumsfahrten. 
Da möchte ich an erster Stelle eine wichtige Behauptung, die 
sich in einer jetzt im Aachener Stadtarchiv aufbewahrten hand- 
schriftlichen Chronik findet, kurz berühren. Die Chronik sagt, 
man habe im Jahre 1238 in Aachen beschlossen, das von sieben 
zu sieben Jahren stattfindende Heiligtunisfahrtfest in Zukunft 
mit grösserem Pomp als bisher zu begehen. Demnach fiele der 
Beginn der glänzenden Heiligtumsfahrten mit der Vollendung 
des Marienschreins unseres Münsters ziemlich zusammen. Nun 
gehörte zwar unzweifelhaft — ich erinnere an Philipp Mouskes 
und an Bertold von Regensburg — Aachen bereits im 13. Jahr- 
hundert zu den hervorragendsten Wallfahrtsorten des christlichen 
Abendlandes, auch mag man bei uns gelegentlich der Fertigstellung 
des MarienschreinsdemGedanken an eine glänzendere Gestaltung 
der Vorzeigung der grösseren Reliquien näher getreten sein, 
aber die erfolgreiche Verwirklichung dieses Gedankens dürfte 



— 104 — 

einer um etwa hundert Jahre uns näher liegenden Zeit ange- 
hören. Das im Düsseldorfer Staatsarchiv zur Geschichte Aachens 
beruhende Material gestattet ganz entschieden die Schluss- 
folgerung, dass die grossen Heiligtumsfahrten, welche alle sieben 
Jahre aus halb Europa bedeutende Pilgerscharen nach Aachen 
zogen, erst gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts ihren Anfang 
nahmen. 

Eeichlicher fliessen die Düsseldorfer Quellen zur Geschichte 
der Heiligtumsfahrten und der grösseren Reliquien der Münster- 
kirche erst vom 15. Jahrhundert ab. Eine undatierte Ordnung 
der Vorzeigung der Heiligtümer gehört den Schriftzügen und 
anderen Anhaltungspunkten nach in das Jahrzehnt von 1450 bis 
1460. Hier liegt der Beweis vor, dass schon im 15. Jahrhundert 
die Zahl und Reihenfolge der Herrscher, für welche bei der 
Zeigung der Heiligtümer gebetet wurde, fast genau mit der im 
17. Jahrhundert vonNoppius angegebenen übereinstimmt. Genannt 
werden: Der Papst und die Kardinäle, der Kaiser, der König 
von Frankreich, die Erzbischöfe von Köln und von Trier, der 
Bischof von Lüttich, der Herzog von Brabant und der Herzog 
von Jülich-Kleve-Berg. Noppius nennt noch den Erzbischof von 
Mainz, sonst ist die von ihm gegebene Reihenfolge die gleiche. 
Bemerkenswert ist die Nennung des Königs von Frankreich und 
des Herzogs von Brabant, wobei uralte Beziehungen Aachens 
zu Paris und St. Denys, sowie ein Anklang an Brabants Ober- 
vogtei über Aachen zu Grunde liegen. Aus dem 16. Jahrhundert 
ist eine Urkunde von 1517 zu nennen, nach welcher gelegentlich 
der damaligen Heiligtumsfahrt des Opfers wegen mit der un- 
garischen Prozession „Irrungen" entstanden waren. 66 Jahre 
später, als der Protestantismus in Aachen siegreich war, fand 
zwischen dem Herzog von Jülich und dem Kapitel des Münster- 
stifts ein Briefwechsel über die Sicherung der grösseren Reli- 
quien statt. Von Hambach aus schreibt am 14. November 1583 
der alte Herzog Wilhelm dem Kapitel, dass dem Vernehmen 
nach das längere Zeit auswärts geborgen gewesene Heiligtum 
wieder in Aachen angelangt sei. Er halte dies „jetziger Zeit 
und Gelegenheit nach zum höchsten gefährlich" und stelle dem 
Kapitel sein Schloss und die Festung Jülich zur Unterbringung 
des Schatzes zur Verfügung. In seiner 14 Tage später gegebenen 
Antwort dankt das Aachener Kapitel dem Herzog für sein 
Entgegenkommen und bestätigt, dass ein Teil der Reliquien in 



— 105 — 

Aachen verbürgen gehalten, ein anderer nach Köln gebracht 
worden sei. Nachdem aber auch dort Unruhen ausgebrochen 
seien, habe das Kapitel schleunigst durch einige wenige Per- 
sonen im Geheimen andere sichere Örter gewählt, sodass hoffent- 
lich Aachen keinen Nachteil erleiden werde. Am Schluss machl 
das Kapitel auf die Lage der Dinge in Aachen aufmerksam. 
Ausser dem Herzog von Jülich hätten der Kaiser, der Kurfürst 
von Köln, die Brabantische Regierung und das Domkapitel zu 
Lüttich die Stiftsherren des Aachener Münsters mehrmals zum 
Ausharren ermahnt. Der Kaiser und der Kurfürst hätten fin- 
den Fall 'grösserer, dem Kapitel zustossender Feindseligkeiten 
ihre Hilfe in Aussicht gestellt; das Kapitel habe ausgeharrt 
und die Stiftskanzel sehr zum Vorteil des Katholizismus in 
Aachen mit einem frommen und gelehrten Manne besetzt. 

Ich erwähne nebenbei aus den Archivalien des Münsterstifts 
noch einige Aktenstösse über das vom Aachener Rat bean- 
spruchte Mit-Aufsichtsrecht über die grossen Reliquien und eine 
Reihe von Berichten über aussergewöhnliche Zeigungen der 
evangelischen Heiligtümer, darunter eine im Oktober 1700 an 
die Kurfürstin von Brandenburg, die mit ihrer Mutter und einer 
hohenzollernschen Prinzessin damals zum Gebrauch der Bäder 
hier in Aachen weilte. Wenige Monate später wurde diese 
Kurfürstin, es war Sophie Charlotte von Hannover, als Gemahlin 
des Kurfürsten Friedrich von Brandenburg die erste in der 
Reihe der Königinnen von Preussen. 

Über das aus reichsstädtischer Zeit zur Geschichte der 
übrigen Aachener geistlichen Genossenschaften in Düsseldorf 
vorhandene Material kann ich mich sehr kurz fassen. Ausser 
dem St. Adalbertstifte sind fünfzehn Klöster vertreten, fast alle 
aber nur mit Fragmenten ihrer ursprünglichen Archivbestände, 
und fast alle nur mit Urkunden oder Akten, welche Einkünfte, 
Vermögenslage oder Güterverhältnisse betreffen. Wichtig sind 
die Bestände des St. Adalbertstiftes, obschon auch hier nur 
Bruchstücke vorliegen und selbst das von Christ. Quix zu seinem 
Hauptwerke über Aachen benutzte Cartular fehlt. Da isi zur 
Baugeschichte der St. Adalbertskirche eine Urkunde von 1393 
zu nennen, laut welcher der Propst und das Kapitel zum hl. 
Adalbert dem Baumeister und den Kirchspielsgcnossen ihrer 
Kirche gestatten, in der Krucht (Krypta) zwei durchgehende 
Bogen unter der Bedingung anzulegen; dass im Falle einer 



— 106 — 

dadurch entstehenden Beschädigung - der frühere Zustand wieder- 
hergestellt werden müsse. Mehrere Urkunden betreffen den 
langjährigen Streit des Kapitels mit der Stadt Aachen über die nahe 
am Adalbertsthor gelegene Schervielsburg, einige andere handeln 
über Verschenkungen von Reliquien. So dankt der Erzbischof 
von Köln im Jahre 1608 für erhaltene Reliquien. 1017 dagegen 
schlägt das Kapitel dem Erzherzog Albrecht von Osterreich 
dessen Gesuch um Überlassung des Armes des hl. Sebastian mit 
dem Bemerken ab, das Kapitel sei nur der Hüter des kostbaren 
Schatzes und könne ohne Verletzung der kirchlichen Vorschriften 
weiter nichts thun, als die hl. Reliquie der Verehrung der 
Gläubigen aussetzen. Vierzig Jahre später (1657) kommen mit 
Genehmigung des Bischofs von Lüttich Teile des Armes des 
hl. Sebastian und andere Reliquien nach Olne, wo die Abtei 
grössere Besitzungen besass. Propst Peter von Beeck, Aachens 
erster Geschichtsschreiber, tritt an der Spitze des Kapitels zu 
St. Adalbert in einer wichtigen, später von höchster Stelle 
bestätigten Urkunde von 1623 auf. Das Stift sah sich damals 
ausser Stande, die Reste der grossen Güter, die es in Holland 
und Seeland noch besass, nachdem zwei Jahrhunderte vorher 
eine Sturmflut den grösseren Teil vernichtet hatte, länger selbst 
zu verwalten. Propst Beeck und das Kapitel gaben daher diese 
Gefälle dem neu entstandenen Orden der christlichen Ritterschaft 
zu Lehen, wobei der Orden sich verpflichtete, die verdunkelten 
Ansprüche des Stifts wieder geltend zu machen und drei Viertel 
der Einkünfte an das Stift abzuliefern. 

Ich gehe nunmehr zu den im Düsseldorfer Staatsarchiv 
vorhandenen Archivalien über, welche die weltliche Verwaltung 
Aachens zu reichsstädtischer Zeit betreffen. Auch hier tritt ein 
grosser Reichtum in überraschender Mannigfaltigkeit in die 
Erscheinung. Zu nennen sind vorab fünf ältere Grafschafts- 
bücher von Pontthor, St. Adalbert, Wirichsbongard, Königspforte 
und Bergpforte. Ein mit einem ausgezeichneten Register ver- 
sehener stattlicher Band enthält ausser den Regesten von 270 
vorhandenen Schöffenstuhlsurkunden, von denen ein Teil ins 
1 5. Jahrhundert zurückreicht, eine Übersicht über zahlreiche 
andere zum Archiv des Aachener Schöffenstuhls gehörige 
Litteralien. Wichtig für die Verfassungsgeschichte Aachens 
sind umfangreiche Schriftstücke aller Art über das Verhältnis 
des Herzogs von Jülich zur Reichsstadt Aachen. Das Dunkel, 



— 107 — 

welches über der Entwicklung der vogteilicheii Rechte Jülichs 
zu Aachen im 13. Jahrhundert ruht, wird durch diese Schrift- 
stücke nicht genügend erhellt. Ein Abschluss ] kann erst dann 
erwartet werden, wenn ein mindestens bis zum Jahre 1300 
reichendes Urkundenbuch zur Geschichte der Pfalzgrafen, der 
Grafen von Jülich und der Stadt Aachen vorliegen wird. Höchst 
wahrscheinlich hing Jülichs Oberhoheit über Aachen mit den 
grossen Rechten zusammen, die der Graf von Jülich vor 600 
und mehr Jahren als Waldgraf besass. Ältere Waldrechte aus 
der Aachener Gegend sind im Düsseldorfer Staatsarchiv mehr- 
fach vertreten ; leider scheint aber das wichtige, im dritten 
Bande des Lacombletschen Archivs abgedruckte Weistum des 
Aachener Reichswaldes zu fehlen. Zwei hauptsächlich auf 
Jülichs Stellung zu Aachen bezügliche Bände der von Knapp- 
schen Sammlung aus der Bibliothek des ehemaligen Obertribunals 
in Berlin, bleiben, da sie vorwiegend Abschriften bekannter 
Urkunden bringen, ziemlich wertlos, doch enthält einer dieser 
Bände die genaue und interessante Schilderung eines Gastmahls, 
das alljährlich der Herzoglich-Jülichsche Vogtmeier in Aachen 
veranstaltete. Weit höher als die Knappsche Sammlung stehen 
acht Foliobände mit über 100 Jahresrechnungen der Aachener 
Vogtmeierei für die Zeit von 1548 — 1670. Fehlt auch diesen 
Rechnungen die Mannigfaltigkeit von Stadtrechnungen, so bieten 
sie doch für Aachen zur Geschichte der Jahrhunderte dw 
Reformation und des dreissigjährigen Kriegs manche dankens- 
werten Einzelheiten, so unter anderm eine von Jahr zu Jahr 
fortschreitende Münztabelle, so den Beweis dafür, dass man im 
Jahre 1555 den Jahresanfang von Weihnachten auf den 1. Januar 
verlegte, so auch den Beweis dafür, dass in Aachen im 16. 
Jahrhundert gar keine und im 17. Jahrhundert nur wenige Hexen 
verbrannt worden sind, darunter am 10. Dezember 1630 die 
reiche Aachener Bürgerin Katharina von Thenen, die Maubach- 
sche geheissen, welche wahrscheinlich identisch ist mit der in 
der Sage fortlebenden Mobesin. 

Die Fremdherrschaft und die ihr folgende Zeit des General- 
Gouvernements vom Niederrhein kann ich nur sehr flüchtig 
berühren. Nach der Besetzung Aachens im September 1 70 4 
warfen die Franzosen mit erstaunlicher Schnelligkeit und Rück- 



') Auf manches zur Geschichte der Aachener Vogtei gefundene Neue 



werde ich gelegentlich zurückkommen. 



— 108 — 

sichtslosigkeit die reichsstädtische Verfassung' über den Haufen, 
vermochten indes Jahre hindurch nicht, Besseres an die Stelle 
zu setzen. Erst als um die Wende zwischen dem 18. und 19. 
Jahrhundert Aachen Sitz einer Präfektur wurde und damit an 
der Wohlthat der einheitlichen Gesetzgebung- eines grossen 
Staates teilnahm, brachen freundlichere Tage herein. Die letzten 
fünf Jahre vor 1800 sind für Aachen die dunkelsten in der 
Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte; es waren Jahre des 
Elends und der Vergewaltigung. Keiner der vielen Geschichts- 
freunde, die sich mit der Vergangenheit Aachens befasst haben, 
hat diese fünf Jahre einigermassen eingehend behandelt; das 
Wenige, was hierüber vorliegt, ist vielfach ungenau und er- 
gänzungsbedürftig. Das Düsseldorfer Staatsarchiv bewahrt aus 
den Jahren 1794 — 1798 die Akten über die provisorische Regierung 
zwischen Maas und Rhein. Das Inventar weist auf 282 Folio- 
seiten nicht weniger als 2185 Nummern auf. Dass Aachen und 
Burtscheid nicht fehlen, bedarf keines Beweises; ich deute nur 
folgende wenige Aktenbündel an : Assignatenwesen, Abwesende 
(Emigrierte) aus Aachen, Rückkehr der Abwesenden und Auf- 
hebung der auf ihre Güter gelegten Beschlagnahme, Protokolle 
der Regierung zu Aachen und des Jülicher Landes, Inventare 
der in Aachen aufgehobenen Klöster. Für die Zeit von 1798 bis 
1813 liegen in acht Bänden die Protokolle der Centralverwaltung 
von 1798 — 1800, und in 30 Bänden die späteren Präfekturbe- 
schlüsse und Protokolle der Verwaltungen der einzelnen Arron- 
dissements vor. Die ausserdem zur Geschichte des Roerdepar- 
tements vorhandenen Aktenbündel zählen nach vielen hunderten. 
Es giebt, da Aachen während der ganzen Dauer der Fremdherr- 
schaft zwischen Rhein und Maas die Hauptstadt war. unter 
diesem ungeheuren geschichtlichen Material vielleicht kein 
einziges grösseres Bündel, in dem nicht Beziehungen zu Aachen 
oder dort ansässigen französischen Beamten zu Tage treten. Acker- 
und Strassenbau, Urbarmachung von Sümpfen und Haiden, An- 
pflanzungen und Bergbau im Roerdepartement: Alles wurde von 
Aachen aus geleitet, und mancher schöne Bericht legt Zeugnis 
ab von dem Fleisse, mit dem die in Aachen wohnenden Sach- 
verständigen ihrer Aufgabe sich widmeten. Die aus der Zeit 
der Fremdherrschaft in Düsseldorf aufbewahrten Personalakten 
sind vielfach lückenhaft. Gelegentlich des Rückzugs der Fran- 
zosen nach Frankreich mag eben hierbei, wie es für das Gross- 



— 109 — 

herzogtum Berg längst feststeht, auch aus dem Roerdepartement 
manches Schriftstück auf Nimmerwiedersehen den Weg nach 
Paris genommen haben. Lückenhaft sind z. B. die vorhandenen 
Akten über die Ernennung der Präfekten. Unterprä fekten und 
Präfekturräte, über die Ernennung der Bürgermeister und Bei- 
geordneten zu Aachen (1810—1813), über die Verhandlungen 
des Generalrats des Roerdepartements sowie über die geheimen 
Verhandlungen der Präfektur und des Präfekturrats in Aachen. 

Die Akten des General-Gouvernements und General-Gouver- 
nements-Kommissariats am Niederrhein geben ein treues Bild 
der rastlosen Thätigkeit, welche vor fast 90 Jahren der Ober- 
präsident Sack und sein erster Beamter, der Appellations-Ge- 
richtsrat Boelling, in Aachen bei der Neuordnung der Dinge 
entfalteten. In weit höherem Grade als bei den Dokumenten 
aus der französischen Zeit ist aber bei den Akten des General- 
Gouvernements mit der Thatsache zu rechnen, dass vieles sich 
zur Veröffentlichung nicht eignet. Manche Personal- und Rechts- 
fragen, die während der Fremdherrschaft unwesentlich waren, 
kamen bald nach 1813 zu einer ganz anderen Geltung. Genannt 
seien hier unter Berücksichtigung Aachens und Burtscheids aus 
den Jahren 1814 — 1816 die im Düsseldorfer Staatsarchiv vor- 
handenen Akten über: Verschönerung der Stadt Aachen, Wieder- 
erstattung der von den Franzosen nach Frankreich verschleppten 
Kunstschätze (sehr unvollständig!), Siegesfeier am 18. Juni 1815, 
bischöfliche Wohnung in der Ursulinenstrasse in Aachen, bestehend 
aus Haus mit Hof und Garten etc.. veranschlagt zu SOOOOFrcs., 
Mobilar des Bischofs Camus, Badewesen in Aachen und Burtscheid 
1806—1816, Verbindungsweg zwischen Aachen und Burtscheid. 
Kirche für die Judengemeinde in Aachen und Ansiedelung 
des Trappisten-Ordens bei Aachen. 

Nun zum Schluss noch einige wenige Worte über den durch 
seine Bäder so berühmten Ort Burtscheid, wo heute unsere Ver- 
sammlung tagt. Das Archiv der Reichsabtei Burtscheid wurde 
zu Ende des 18. Jahrhunderts beim Nahen der französischen 
Armeen nach Düsseldorf geflüchtet und dort geheim gehalten, 
im Jahre 1828 aber vom Bürgermeister von Burtscheid wieder 
entdeckt und zunächst nach Burtscheid zurückgeschafft. Dort 
blieb es einige Jahre, während welcher Christ. Quix einen grossen 
Teil der abteilichen Urkunden für seine Schrift, über die Reichs- 
abtei Burtscheid abschrieb. Im Jahre 1833 kam das Archiv 



— 110 — 

auf Anordnung- der Ministerien des Königlichen Hauses und der 
auswärtigen Angelegenheiten in das Düsseldorfer Staatsarchiv. 
Nur wenige Frauenklöster am Niederrhein mögen eine so reiche 
Geschichte aufzuweisen haben wie eben unser Burtscheider und 
von noch wenigeren Frauenklöstern mögen die über ihre Ver- 
gangenheit redenden Urkunden und Akten in ähnlicher Voll- 
ständigkeit sich erhalten haben, wie sie für die Reichsabtei 
Burtscheid gegeben ist. Geradezu hochinteressant sind die aus 
den letzten Jahrhunderten des Bestehens der Abtei vorliegenden 
Visitationsprotokolle und manche ergänzende Schriftstücke des 
17. und 18. Jahrhunderts. Hierin finden wir neben einer Dar- 
stellung des Klosterlebens u. a. auch die Bestätigung der in 
verschiedenen älteren Druckschriften auftauchenden Behauptung, 
dass es ehemals in den Burtscheider Badehäusern mit der 
Sittlichkeit oft nicht genau genommen wurde. In verschiedenen 
Visitationsprotokollen wird nämlich der Äbtissin unter Hinweis 
auf vorgekommene Ausschreitungen eine schärfere Aufsicht über 
die von der Abtei verpachteten Badeanstalten zur strengen 
Pflicht gemacht. Andere die Bäder in Burtscheid betreffende 
Urkunden geben willkommene Aufschlüsse über deren Lage und 
Erträge. Die Akten des Düsseldorfer Staatsarchivs bestätigen 
ferner, dass die Überlieferung, wonach Peter der Grosse gelegent- 
lich seines kurzen Aufenthaltes in Aachen im Jahre 1717 zu 
Burtscheid gebadet habe, auf Wahrheit beruht. Eine von Quix 
veröffentlichte päpstliche Ablassurkunde zu Gunsten der Abtei 
Burtscheid vom Jahre 1335 gehört zur seltenen Art der illu- 
strierten mittelalterlichen Urkunden. Sie zeigt das Bild eines 
Mannes und einer Frau, beide knieend in betender Stellung; 
die beigegebene Inschrift nennt den dominus Gerardus Chorus 
und die domina Katerina. Auf meinen Antrag ist eine Photographie 
dieser Urkunde angefertigt worden. Erwähnt seien noch einige in 
den Akten sich findende Erlasse gegen Wiedertäufer in Burt- 
scheid und ein scharfes kaiserliches Mandat vom Jahre 1713, 
das den Akatholischen in Burtscheid Kirchen und Schulbauten 
streng verbot. Das Jahreseinkommen der Abtei schwankte im 
letzten Jahrzehnt ihres Bestehens, in runden Zahlen nach heu- 
tigem Geldwert berechnet, zwischen 19 000 und 25 000 Mark. 
Nicht lange vor der französischen Revolution geriet aber die 
Abtei durch überaus traurige Vorkommnisse innerhalb der Kloster- 
mauern in schwere Schulden, so dass bei der Aufhebung die 



— 111 — 

Schlussrechnung mit einem Fehlbetrag von mehr als 61 000 Francs 
abschloss. 

Meine Herren! Auch auf bedeutende Sammlungen urkund- 
licher Denkmäler der Vergangenheit lässt sich passend das 
Dichterwort vom vollen Menschenleben anwenden, das allüberall, 
wo man es packe, interessant sei. Umfangreiche Denkmäler zur 
heimatlichen Geschichte weist das Königliche Staatsarchiv zu 
Düsseldorf in Hülle und Fülle auf, und hierbei vermag gar 
manches zur Zeit noch so gut wie unbeackerte grosse Gebiet 
dem fleissigen Bearbeiter eine interessante und reiche Ernte in 
sichere Aussicht zu stellen. 



Kleinere Mitteilungen. 

1. Eine Proklamation Bernadottes. 

Zu den eigenartigsten Erscheinungen der Fremdherrschaft gehört der 
am 26. Januar 1764 in Pau geborene Advokatensohn Jean Baptiste Jules 
Bernadotte, der zu Aachen in manchfache Beziehungen getreten ist. Die 
Revolution fand ihn als Soldaten, neun Jahre hatte er die Muskete getragen, 
neun Jahre darauf stand er au der Spitze von Armeen , hatte in Belgien, 
Deutschland und Italien befehligt, ein Ministerium geleitet und Lorbeeren 
in Fülle eingesammelt. Zur Zeit des Sturzes Gustavs IV. von Schweden 
hatte der Marschall Bernadotte, Prinz von Ponte-Corvo, sein Hauptquartier 
in Hamburg. Karl XIII. von Schweden erwählte ihn zum Kronprinzen. 
Napoleon gab nach langem Besinnen seine Zustimmung. Im Befreiungskriege 
sah dieser seinen früheren Unterfeldherrn gegen sich kämpfen. Und es war 
eine merkwürdige Fügung des Schicksals, dass derselbe Mann, der als Ober- 
general Bernadotte in der untenstehenden, sehr charakteristischen Proklamation 
die Stadt Aachen zur Teilnahme an der Vernichtung des verhassten Hauses 
Österreich aufgefordert hatte, im Januar 1814 als Führer einer Armee der 
Alliierten in ihre Mauern einzog, um den Sohn der Revolution und seinen 
ehemaligen Gebieter niederwerfen zu helfen. Bernadotte hatte sich in allen 
seinen Kriegszügen Menschlichkeit bewahrt, und wohl deshalb konnte er als 
schwedischer Kronprinz und Feldherr der Alliierten unter dem Jubel und 
den Ehrenbezeugungen der Bevölkerung seinen Einzug in das befreite Aachen 
halten. 

Freiheit. Gleichheit. 

Im hauptquartier zu Mannheim den 30. windmonat 
im 7. jähre der einen und unzerteilbaren Fraukenre- 
publik (20. rnärz 1799). 
Bernadotte, obergeneral, an Deutschlands volk. 

Wenn bei den Schicksalen der weit die fränkische regieruug einen 
anspruch auf das recht machen kann, jener grossen bewegung, die das 
ende des 18. Jahrhunderts krönet, die erste richtung gegeben zu haben, 
so muss die dankbarkeit dieselbe auch daran erinnern, dass die ehre der 
aufklärung, welche das ende des 16. Jahrhunderts erleuchtete, euch ge- 
bühret. 

Deutsche! freie männer! Wir sind euere brüder. Wir beschwören es 
bei unsern waffeu. Wir kommen nicht, diese heilige brüdershaft zu stören, 
sondern im gegenteil die bände derselben noch fester zu knüpfen und ihre 



— 113 — 

•lauer ilurch die niederlage unsers gemeinschaftlichen feindes, des hauses 
Ostreich, zu befestigen. 

Wie viele versuche machte es nicht seit Rudolph von Habsburg, dein 
würdigen haupt dieses verhassten hauses, empörten Sklaven gegen Ottokar 
seinen herrn, um sich das deutsche reich erblich zu machen? Wie viele 
Schlachtopfer wurden nicht diesem unersättlichen ehrgeiz gebracht? 

Deutsche! Könnt ihr noch das wirkliche dasein dieser östreichischen 
partei verkennen, welche so fruchtbar ist au erfindung scheinbarer Ursachen 
um zu beweisen, dass es vorteil für ganz Deutschland sein würde, solches 
unter dem östreichischen joch zu vereinigen. 

ludesse« ist doch dieses das loos, das euere existenz bedrohet, die 
sache also, für welche wir auf euerrn grund und boden zu streiten bereit 
sind, ist nicht nur für uns gemeinschaftlich, sondern sie ist auch die sache 
von ganz europa. Freilich ist es sehr hart, dass euer den greueln des 
kriegs schon so lang preisgegebenes land noch einmal der Schauplatz des 
Unglücks werden soll, welches derselbe nach sich ziehet. Aber Deutsche, 
selbst dann, wenn menschenhlut wieder auf's neue fliessen wird, ist es blos 
das haus Ostreich, dein ihr die schuld davon beizumessen habet? Als der 
sieg uns die mittel in die bände gab, dieses treulose haus zu vernichten, 
tbaten wir auf die ehre, das wahre gleichgewicht in Europa herzustellen, 
edelmütigen verzieht, und hatten die grossmut, Ostreichs unersättlichen 
ehrgeiz durch beträchtliche abtretungen zu befriedigen; und so viele auf- 
opferungen haben der weit den frieden nicht verschaffen können. 

Die tyrannen und ihre verkehrten ratgeber nahmen unsere geduld 
für schlaf und unsere klugheit für tod ... Aber Völker, welche ihre 
freiheit errungen haben, schlafen eben so wenig, als sie absterben. . . . 

Deutsche! Die feindseligkeiten, die wir nun wieder beginnen, geschehen 
blos zu unserer Verteidigung. Sehet zu, dass ihr euch durch Ostreichs 
machiavelismus nicht mehr täuschen lasset; geschickt, euch in seine händel 
zu verwickeln, möchte es nochmals aus seinem eigenen kriege einen reichs- 
krieg machen, um aus eurer erschöpfung sich zu vergrössern. Ihr müsset es 
einsehen, wie sehr sein unnatürlicher bund mit England, das nur von den 
Unruhen des festen landes lebet, und mit Russland, welches dem eivilisierten 
Europa die ketten des barbarischen Asiens anlegen will, gegen euch ge- 
richtet sei. 

Deutsche! Die erhaltung eurer rcligion, euer wohl, eure freiheit, die 
Unabhängigkeit euerer regierungen, welche unsere freunde sind, nötigen 
euch, euch mit uns zu vereinigen, um diese verschworene horden in ihre 
Schlupfwinkel zurück zu treiben. 

Euer eigentum wird unangetastet bleiben. Die gesetze der republik 
bestrafen diejenigen mit dem tode, welche die wrohnung des friedlichen 
bürgers verletzen. Sie sollen heilig gehandhabl werden. 

Stehet auf mit uns, Deutsche, krieg wider Ostreich, krieg gegen 

8 



— 114 — 

die barbaren aus norden, Avelche euer land wieder über 

schwemmen wollen. 

Bernadotte. 

Aachen. W. Brüning. 



2. Gründung' der Zeitung" „Aachener Zuschauer" 

im Jahre 1791. 

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden in manchen grösseren 
Städten Deutschlands Zeitungen und Nachrichtenblätter ', so in Frankfurt 
am Main, in Ulm und Aachen. In Köln waren Wochenzeitungen bereits seit 
dem Anfang des 17. Jahrbunderts erschienen 2 . In unserer Stadt entstand 
nach Pauls zuerst die sogenannte Postzeitung im Jahre 1729. Später wurde 
sie „Reichsstadt-Aachener Zeitung" oder kurzweg „Aachener Zeitung" genannt. 
Im Jahre 1771 trat daneben eine andere Zeitung unter dem Titel „Kaiser- 
liche Reichs-Postamtszeitung" ins Leben, welche jedoch nach nur vierjährigem 
Bestehen im Jahre 1775 wieder einging. Fünfzehn Jahre später begründete 
dann der spätere (seit 1798) Postdirektor und Aachener Stadtrat Peter 
Joseph Franz Dautzenberg 3 am 1. April 1790 den dreimal wöchentlich in 
Aachen erscheinenden „Politischen Merkur für die Niedern Keichslande". 
Wegen seiner franzosenfreund lieben Haltung erregte das Blatt vielfach 
Missfallen bei der Aachener Bevölkerung. Es bestand kaum ein Jahr, als 
die Ausgabe der Zeitung am 26. März 1791 vom Aachener Hat „wegen 
deren mehrmalen darinnen und signanter am 24ten currentis eingerückten 
unanständigen und höchst ärgerlichen ausdrucken" verboten wurde 4 . Gegen 
diesen Bescheid des Rates erhob Dautzenberg sofort eine lange Gegen- 
vorstellung, welche sich im Aachener Stadtarchiv befindet und folgendcr- 
massen lautet: 

Hochwohl- und wohlgeboren, Hoch- und wohledle, Weise, gestrenge, 

Hochzuverehrende herren ! 

In unsrer Vaterstadt, wo leider! litteratur, Wissenschaften und bildende 
künste so brach liegen, verdient wohl jeder auch noch so geringe versuch, 
zur kultur jener unbebauten felder etwas beyzutragen, die aufmerksamkeit 



') Vgl. E. Fromm, Geschichte der Stadtbibliothek. Zeitschrift des Aachener 
Gescb ichts Vereins 1897. Bd. XIX, S. 30, Anna. 2. 

-) Vgl. E. Pauls, Beitrüge zur Geschichte der Buchdruckereien, des Buchhandels, 
der Censur und der Zeitungspresse in Aachen bis zum Jahre 1816. Zeitschrift des 
Aachener Geschichtsvereins 1893. Bd. XV, S. 125. 

s ) Nach It. Pick, Aus Aachens Vergangenheit 1895, S. 627, war Franz Dautzenberg 
der Sohn des Aachener Goldschmieds Gerard Dautzenberg auf dem Markt. Er starb 
im Alter von 59 Jahren am 17. März 1828 und vermachte (durch Testament vom 
2. Dezember 1825) seine gesamte Bibliothek von ca. 20000 Bünden seiner Vaterstadt. 
Vgl. El. Fromm, Die Aachener Stadtbibliothek, ihre Entstehung und ihre Entwickelung 
bis zur Gegenwart. 1891, S. (i. 

*) Etatsprotokolle Bd. XXXIV, Hl. 139. Vgl. E. Pauls a. a. O. S. 141. 



— 115 — 

der obrigkeit. Wie wenig meine im vorigen jähre versuchte Unternehmung 
von der art auch seyn möchte, in jener rücksieht einigen ansprach zu machen; 
so dachte ich doch, daß es dem Aachner publicum nicht unangenehm seyn 
würde, ihm ein historisches blatt in die hände zu liefern, das mit den aus- 
wärtigen periodischen blättern, wovon Aachen gleichfalls überschwemmt war, 
etwa gleichen Schritt gienge. Ich sah darin einen dienst für's publicum und 
eine aussieht für meinen erwerbfleiß. Das Geld, so jährlich für fremde 
Zeitungen aus dem lande gieng, konnte wenigstens zum theil im Umlaufe 
unsrer riugmauern gehalten bleiben, wenn das zeitungslesende publicum 
mittelst einer guten innländischen zeitung dahin geneigt gemacht werden 
würde, einem bürger den verdienst zu geben, den es sonst fremden zufließen 
lassen mußte. Das war mein endzweck, als ich im märz v. j. meine Unter- 
nehmung anlegte. Als ein guter bürger, der seine pflichten nicht verkennen 
wollte und das gesätz des Staats zu seiner unabänderlichen richtschnur 
stäts angenommen hatte, wandte ich mich wegen meines Vorhabens mit einer 
Vorstellung an die herren rathsbeamten; allein sie wurde einiger Schwierig- 
keiten halber, die ich würklich nicht mehr anzufügen weiß, aber die ich 
jedoch gegründet fand, nicht zur notiz genommen und hiernach war ich in 
der unsträflichen meinung, daß ich nunmehr mit der ausführung meines Vor- 
habens anfangen könnte, weil ich glaubte, daß das erlaubt sey, wogegen 
kein positives gesätz spricht. Daß jene meinung irrig seye, scheint sich 
aus der leztern verehrlichen entscheidung euer hochwohl- und wohlgebornen, 
vom 26. märz, folgern zu lassen, und ich bin meiner Schuldigkeit gemäss 
willig, mich dieser entscheidung zu ergeben. — Da ich indessen in ersterer 
Voraussetzung mich damals gesichert hielt, fieng ich meine arbeit an, ver- 
wendete schwere kosten, um meine absieht zu erreichen, nämlich meinem 
blatte einigen werth zu geben; und ich war so glücklich, beym publicum 
nachsieht zu finden, und ich konnte auf beyfall mir hoffnung machen. Auch 
begann meine zeitung sich in alle gegenden des ausländes auszubreiten. 
Meine erwartung, mich einst für die beträchtlichen aufopferungen, die ich 
bey der entstehung meines blattes zu machen genöthigt worden war, ent- 
schädigt zu sehn, schien nicht unerfüllt zu bleiben. 

So schrieb ich über 11 inonate fort, bis ich das Unglück hatte, daß mir 
der oberpostmeister zu Lüttich, freyherr von Lilien, aus Ursachen, welche 
ich bis zur Stunde noch nicht kenne, die Versendung meiner olätter beym 
hiesigen postamte versperrte. Meine desfallsige klage habe ich seiner hoch- 
fürstlichen durchlaucht von Thurn und Taxis als reichserbpostmeister gebührend 
vorgetragen, und ich konnte mir aus vollwichtigen gründen versprechen, mich 
bald in mein recht wieder eingesetzt zu sehn. Aber seitdem änderten sich 
die umstände. 

So hart mich jener Vorfall traf, so fühlbarer traf mich das, was darauf 
folgte. Meine feder, die nie einen fürsten, nie eine nation, nie eine Privat- 
person beleidigt hatte, mochte mehrmalen ausdrucke niedergeschrieben oder 
nachgeschrieben haben, welche als anzüglich gehalten werden konnten; abor 



— 116 — 

nie war das meine absieht, und nie konnte es solche seyn. Allein wie leicht 
kann einem Zeitungsschreiber, der seine aufsätze, so wie sie aus der feder 
kommen, gleich dem drucke übergeben muß, und dem oft keine minute übrig 
bleibt, seine aufsätze nachzulesen oder abzuaendern, wie leicht, sage ich, 
kann es bey solchen Verhältnissen geschehen, daß ein wort oder ein ausdruck 
einfliesse, den er bei mehrerer müsse, wenn ihm zum reifern nachdenken 
gelegenheit wäre, wegstreichen oder modifiziren würde. Jeder billig denkende 
mann hat immer mehr nachsieht mit einem periodischen, als mit einem andern 
schriftsteiler, der nach wocheu und monaten seine arbeit durchsehen, seine 
äusserungen abwägen, und die kalte, unbefangene Vernunft zu rathe zu ziehn 
zeit und gelegenheit hat, ehe er sein manuscript der presse übergiebt. Und 
besonders in unsern Zeitläuften, wo in so manchen ländern, in so manchen 
reichen die fürsten mit den verschiedenen ständen des landes, und insbesondere 
mit dem geistlichen stände mehr oder weniger in entgegengesetzten Verhält- 
nissen stehen; in solchen zeiten findet sich ein redlicher mann, der der 
geschichte treu bleiben und doch gewissen gegeneinander kreuzenden rück- 
sichten nicht zu nahe treten will, in einer nicht wenig kritischen läge. Wie 
bald geschieht's in solchen umständen nicht, daß er einer oder der andern 
parthey misfällig wird. Und vollends, wenn er, wie hier mein fall ist, keine 
mitarbeiter hat, die er in zweifelhaften punkten zur berathung ziehen könnte ; 
dafhi wird ein versehen um so verzeihlicher, je weniger er den willen haben 
kann, irgend jemand zu fährden. So geschah es, daß ich unter andern am 
24. raärz 1. J. mir eine rüge zuzog. Euer hochwohl- und wohledelgeboren 
entschieden darauf am 26sten, daß mir der druck und die herausgäbe eines 
Politischen Merkurs verboten seyn solle. Ich gehorchte den Verfügungen 
meiner obrigkeit, hielt mit 'der ferneren herausgäbe ein und zeigte dem 
publicum an, daß mich der arm des richters getroffen habe. Doch gab ich 
die hoffnung nicht auf, meine angelegenheiten wieder ins gehörige gleis zu 
bringen und auf solchen weg zurückzukommen, wodurch ich in den stand 
gesetzt würde, meine unterbrochene arbeit fortzusetzen. Dies ist der gegen- 
ständ meiner gegenwärtigen bittschrift. 

Das resultat des hier vorhergehenden stellt zween umstände auf, auf deren 
berichtigung die sache zu beruhen scheint: 1. den bisherigen maugel einer 
obrigkeitlichen Verstattung; 2. die mögliche gelegenheit, durch ärgerliche 
ausdrücke anzüglich zu werden. — Da nunmehr die herausgäbe des 
Politischen Merkurs eingestellt bleibt, so wäre zur Veranstaltung einer 
unter anderer ueberschrift herauszugebenden neuen zeitung vor allem unum- 
gänglich erforderlich, beyde umstände auf eine zuverlässige weise zu heben. 
Desfalls geht meine unterthänig-geziemende bitte an euer hochwohl- 
und hochedelgeboren, in wohlwollender rücksicht auf obige allgemeine, mit 
bezug auf die hiernach folgenden besondern entscheidungsgründe dahin mir 
die Verstattung zu gewähren, daß ich für die Zukunft zur fortsetzung eine 
zeitung unter dem titcl: „Der Politische Zuschauer" in hiesiger Stadt 
drucken und herausgeben moege, wobey ich, um nicht in den sowohl für die 



— 117 — 

obrigkeit, als für das daran intercssirte publicum und für den herausgeber 
selbst unangenehmen unistand zu kommen, daß zum öffentlichen mißfallen 
einiger anlaß eintrete, euer hochwohl- und wohlgeboren förmlich anheim 
stelle, dahin Verfügung zu treffen, daß mir ein rechtschaffener mann zum 
censor angewiesen werde, gegen welchen ich mich hiermit feyerlich verbinde, 
demselben jedesmal vor erscheinung eines Mattes solches zur vorgängigen 
durch- und uebersicht gehörig zuzustellen, das dabey gebräuchliche nach 
Vorschrift euer hochwohl- und wohlgeboren immer zu beobachten und damit, 
soviel das reglemeutarische betrifft, nach art und inaaßgabe zu verfahren, 
wie darüber insbesondere die Übereinkunft zwischen ihm und mir es fest- 
stellen wird. 

Es ergehet also an euer hochwohl- und wohlgeboren meine unterthänig- 
geziemende bitte, in hinsieht meiner gegenwärtig vorgestellten billigen Gründe 
und antrage mir eine gewährende entschliessung angedeihen zu lassen. 

Darüber 

Euer hochwohl- und wohlgebornen hoch- und wohledlen etc. 

Aachen, unterthäniger gehorsamer 

den 1. april 1791. Franz Dautzenberg. 

Auf der Rückseite steht: 

„Unterthänige geziemende Supplikation an e. e. kleineu rath der reichs- 
stadt Aachen v. s. Franz Dautzenberg hiesigen bürgers pro gratiosa concessione 
privilegii ut intus verlesen im rath den ersten april 1791." 

Diese Bitte Dautzenbergs, an Stelle des verbotenen „Politischen Merkurs 8 
ein neues Blatt „Der Aachener Zuschauer" herausgeben zu dürfen, wurde 
anfangs von dem Rat kurzer Hand abgelehnt. Doch gelang es ihm in kurzer 
Zeit, wahrscheinlich durch seine Verbindungen am kaiserlichen Hofe zu Wien l 
gegen Ende Mai 1791 die Erlaubnis zur Herausgabe der neuen Zeitung zu 
erhalten. Nach zweimonatlicher Unterbrechung konnte Dautzenberg nunmehr 
im Juni 1791 sein Blatt unter dem Titel „Aachner Zuschauer; mit Kaiser- 
licher Freiheit" wieder erscheinen lassen. Trotz mannigfacher Anfeindungen 
und vielfacher Klagen des Rates redigierte er die Zeitung bis um die Mitte 
des Jahres 1798, wo er die Redaktion und den Verlag derselben an Johann 
Joseph Offermanns in Aachen übertrug. Am 26. Mai des Jahres 1805 wurde 
das Blatt, nachdem durch Offermanns Tod um 1801 die Redaktion wieder 
gewechselt hatte, nach etwa fünfzehnjährigem Bestehen durch den Polizei- 
minister in Paris aufgehoben. 

Aachen. H. Saeelsbenj. 

3. Reiseverzeichnis eines Aachener Beamten um 1090. 

Als der französische König Ludwig XIV. in dem sogenannten pfälzischen 
Krieg seinen dritten und furchtbarsten Raubkrieg gegen Deutschland unter- 
nahm und der deutsche Kaiser Leopold L, der mit dem Türkenkrieg beschäftigt 



'; Vgl. Pauls a. a. 0. S. Ul. 



— 118 — 

war, noch zögerte, die westlichen Länder seines Reiches zu verteidigen, 
vereinigte sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, ein Herrscher 
würdig seines grossen Vaters, mit Sachsen, Hannover, Bayern, Würtemberg 
und Hessen-Kassel zu einem Bündnis gegen Frankreich und erschien, wie 
einst der grosse Kurfürst persönlich am Rhein, wo er mit grossem Feldherrn- 
geschick sofort die Belagerung der Stadt Bonn, in welche sich die Franzosen 
geworfen hatten, begann und dieselbe auch eroberte. 

Anknüpfend an dieses Ereignis schildert ein Bittgesuch aus dem 17. Jahr- 
hundert, das sich im hiesigen Stadtarchiv befindet, eine Anzahl von grösseren 
Reisen, die ein städtischer Beamter jener Zeit im Auftrage des Rates unter- 
nommen hat. Es trägt weder eine Unterschrift, noch enthält es irgend eine 
genaue Zeitangabe, doch lässt sich aus dem Inhalt desselben mit ziemlicher 
Gewissheit schliessen, dass es von dem Rechtskonsulenten und Stadtsekretär 
Johann Moes 1 herrührt, der in den Jahren 1689 und 1690 diese Reisen ge- 
macht hat. In den Berichten über die Aachener Gesandtschaft bei der Kaiser- 
krönung Josephs I. werden ausser den Vertretern des Kapitels, den regierenden 
Bürgermeistern und der militärischen Begleitungsmannschaft nur zwei Personen 
genannt, Syndikus Lippmann und Konsulent Moes ". Da nun der ersteie in 
dem Schriftstück selbst erwähnt wird, so kann der Bittsteller nur Johann 
Moes sein. 

Sein Bittgesuch hat folgenden Wortlaut: 

Verzeichnus der reysen, so auf ordre meiner hochgepietender herrn burger- 
meistern und herrn beambten hin und wieder gethan. 

Erstlich mit denen herren deputierten nach ihro churfürstlicher durch- 
laucht zu Brandenburg im lager vor Bonn gereiset. 

Item nach ihro hochfürstlicher durchlaucht dem hertzoge zu Lottringen 
im gemelten lager mit denen herren deputierten abgereiset. Noch die beschwer- 
liche reyse nacher Augstburg gethan, wovon mir die herren selbst zeugnus 
geben werden, was vor muhe hin und wieder zu waßer und lande auf 
selbiger reyse in gehorsamer dienstleistung gehabt und ausgestanden. 

Item bey inkommung des guarnisons per ordre der herren beambten 
das hew und haber mit großer muhsambkeit helfen austheilen. 

Item zu dienst e. e. rhats dreymal nacher Colin gereiset. 



') Johann Jacob Moes, iuris utriusque licentiatus und Sekretär (1705) der Stadt 
Aachen, Sohn des Johann Moes und seiner zweiten Frau Elisabeth von der Hagen 
(vorher Witwe Jacobi Coty), verkaufte am 18. November 1656 (damals noch ledig) an 
Huprecht Beissel und seine Frau Katharina von Eys einen neben den Ankäufern ge- 
legenen Bauplatz in der Albertstrasse. Er heiratete zwischen 1656 und 1661 Anna Maria 
Boemer. Am 20. Juli 1705 kaufte er von den Erben Courmann das Haus „zum kleinen 
Pfau" in der Eselsgasse für 650 Thlr. (zu 56 M.) und 1 Souverain Verzichtspfennig. Seine 
Tochter Anna Ottilia Moes wurde am 10. Mai 1718 nach des Vaters Tode an Stelle ihrer 
Matter vom Schleidener Lehnhof mit dem „kleinen Pfau" belehnt. (Gütige Mitteilung 
des Herrn H. F. Macco in Aachen.) 

2 ) Vgl. Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein. Köln 1867. Bd. XVIIJ, 
S. 38 f. Reise der Aachener Abgeordneten .... nach Augsburg; — Friedr. Haagen, 
Geschichte Achons. 1874. Bd. II, S. 299. 



— 119 — 

Item das kupferwerck, welches zu Colin abgeholt, zu Coblentz mit 
den zweyen zuläst weins auf das beste und nach moglichkeit aacher Fränck- 
l'urt bestelt. 

Item im läger in Brabandt aus ordre der herren burgermeistern bey 

herrn syndieo Meesen 1 gewesen, welches in sehr kurzer zeit verrichtet. 

Item nacher Collen zu dem herrn syndicum Lippman, wovon dannen 
nacher Kußkirchen und Cochem zu der armee gereiset. 

Noch per expresse ordre der herren burgermeisteren und herren bcambten 
eine aachricht denen herren generalen von Bceck und Schwartz im läger zu 
Euskirchen eingeliefert. 

A 11 tu M-h jungst verwichenen 10 tc " Augusti eine reyse ahngetretten, auf 
welcher von einer parthey gefänglich ahngehalten und mir eine schreckliche 
furcht des tuds eingejagt worden. 

Weilen nun euer hochedel und hochgepietende herren ohnschwer nach 
belieben erachten können, was vor muhe auf ubgeinelten reysen ausgestanden, 
auch ahn kleider und sonsten verschlißen, als lebe der tröstlicher hoffnung, 
euer hochedel werden nicht gestatten, daß diese meine trewgeleistete Diensten 
und gehabten muhewaltungen ohnhelohnet und anerkent bleiben sollen. 

Euer hochedel meiner hochgepietenden 
underthiinig gehorsambster. 

Die ersten der in diesem Schriftstück aufgeführten Reisen unternahm 
Moes als Beauftragter des Rates zu dem Kurfürsten Friedrich III. von 
Brandenburg ins Lager vor Bonn. Wann und zu welchem Zwecke dies ge- 
schah, liisst sich mit Bestimmtheit nicht sagen. Der Kurfürst begann am 
28. Juli 1689 die Belagerung und Beschiessung der Stadt, welche zwei und 
einen halben Monat dauerte 2 , bis endlich am 12. Oktober der tödlich ver- 
wundete französische Kommandant General Asfeld kapitulierte und die Stadt 
den Alliierten übergab 3 . 

Bei seiner Unterredung mit Friedrich III. drückte er den Wunsch aus, 
nach Aachen gebracht zu werden, um dort seine Wunden pflegen zu können. 
In der That kam er auch in den nächsten Tagen nach Aachen*, starb aber 



') Dr. iuris Sigismund Meessen wurde im Jahre ltjM2 Weinmeistor und 10S4 Syndi- 
kus des Schöffenstuhls. Er heiratete am 4. Oktober 1676 zu St. Peter Anna Katharina 
von Collen, die Tochter des Johann von Collen in Köln. Aus dieser Ehe stammten acht 
Tochter und ein Sohn Franz Johann Martin Meessen, getauft den <>. März L693. Syndikus 
Meessen starb zwischen 1693 und 1694. (Gütige Mitteilung des Herrn 11. F. Macco 

'-' Vgl. L. Ennen, Frankreich und der Niederrhein oder- Geschichte von Stadt 
und Karstaat Köln seit dem 30jährigen Kriege bis zur französischen Ocoupation. 1855 
Bd. I, S. 514. 

3 ) Genauer wird diese Belagerung von Bonn geschildert in der Festschrift des 
internationalen Bonner Kongresses für Altertumskunde und Geschichte: .Bonn. Beitrüge 
/u seiner Geschiebte und seinen Denkmälern" in dem Aufsatze: „Die Belagerung von 
Bonn durch Kurfürst, Friedrieb III. von .Brandenburg vom Juli bis Oktober 1689" von 
Oberst E. v. Schaumburg. 

4 ) In den „Historischen Notizen des Bürgermeister eidieners Johannes Janssen" 
in v. Fürth. Beiträge und Material zur Geschichte der Aachener Patrizierfamilien. 
1890. Bd. 111. S. 11 heisst es: „Den 19. octobris ist der francosiaoher general, der in bon 



— 120 — 

hier schon am 19. Oktober und wurde in der St. Paulskirche vor dem Mutter- 
gottesaltar begraben. 

Bald nach jener ersten Reise musste Moes zum zweiten Mal ins Lager 
nach Bonn reisen zum Herzog von Lothringen. Dies war der bekannte Türken- 
besieger, Herzog Karl von Lothringen, der erst am 29. September, nachdem 
er die Festung Mainz den Franzosen wieder entrissen hatte, zugleich mit 
dem Deutschmeister Prinz Ludwig Anton von Pfalz-Neuburg im Lager vor 
Bonn eintraf 1 . Man kann hieraus schliessen, dass diese zweite Reise — ihr 
Zweck ist unbekannt — in den Anfang des Oktobers 1689 fällt. 

Während diese beiden ersten Reisen mit den kriegerischen Unter- 
nehmungen gegen die Franzosen (wahrscheinlich Ehiquartierungsverhandlungen) 
zusammenhängen, galt die dritte „beschwerliche Reise nach Augsburg" einem 
weit wichtigeren politischen Ereignis. Auf Einladung des Kurfürstenkolle- 
giums reiste damals eine besondere Gesandtschaft 2 des Aachener Magistrats 
zur Krönung Josephs L, des Sohnes des Kaisers Leopold, nach Augsburg. 
Am 10. Januar 1690 trat Moes 3 in Begleitung der regierenden Bürgermeister 
Johann Wilhelm von Olmussen genannt Mülstroe und Johann Chorus, sowie 
des Syndikus Arnold (nach andern: Anton) Franz Lippmann als Abgesaix'irn 
des Rates und der Herren Kantor Baron von Palant und Kanonikus Klöcker 
als Abgesandten des Stiftskapitels die Reise uuter dem Geleite einer Abteilung 
der in Aachen liegenden brandenburgischen Besatzung an. Die Ankunft der 
Gesandtschaft in Augsburg erfolgte am 22. Januar; am 26. Januar wohnte 
sie den Krönungsfeierlichkeiten bei, und erst am 17. Februar kehrte sie nach 
Aachen zurück. 

Mit der in dem folgenden Abschnitt erwähnten „inkommung des 
garnisons" ist wahrscheinlich eine wiederholte, doch schnell vorübergehende 
Einquartierung der Brandenburger 4 im Juli 1690 gemeint. 

Wann Moes die verschiedenen Reisen nach Köln unternommen, lässt 
sich schwer sagen, da er öfter in Köln gewesen ist, teils um namens der 
Stadt bei dem Kurfürsten von Brandenburg, dem Herzog von Lothringen 
und dem Freiherrn von Beeck gegen „eigenmächtige einlägerung" im Aachcm-r 
Reich zu protestieren, wie am 19. Oktober 1689 5 oder um wegen der Ein- 
quartierungen mit den betreffenden Generälen zu verhandeln. In Köln 
musste er auch „das Kupferwerk holen", wahrscheinlich ein in Kupfer ver- 
fertigtes Kunstwerk, ein Ehrengeschenk, welches der Aachener Rat in Köln, 



selbigmabl war, alliier in aaclien gestorben von eine blessur und ist in der dominicaner 
begraben vor dem Mutter Gottes Altar." 

') Vgl. Schaumburg a. a. O. S. 6 und 32. 

•-') Vgl. Friedr. Haagen a. a. O. S. 299. 

3 ) Vgl. „Tagebuch über die Überbringung der Krönungs-Insignien von Aaclien 
nach Augsburg zur Krönung Josephs I. im Jahre L690" (von J. Laurent) nebst dem 
dem St:i Harcliiv entnommenen Beriebt über die „Reise der Aachener Abgeordneten 
.... nach Augsburg". Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein. 1867, 
Bd. XVIII, S. 38 f. 

4 ) Vgl. Friedr. Haagen, Geschichte Achens Bd. II, S. 300. 
<■•) Vgl. Beamtenprotokolle Bd. 43, (1687- -1693) S. 162. 



— 121 — 

wo es gemacht worden war, abholen licss and mit „zweyen zulast" d. h. 
8 — lOOhmWein 1 , die in Koblenz dazu genommen wurden, einer bedeutenden 

oder vornehmen Persönlichkeit, der die Stadt Aachen sich aus irgend einem 
Grunde vernichtet fühlte, vielleicht dem Kaiser oder einem seiner Feld- 
herrn nach Frankfurt sandte. Solche Weiuspenden sandte der Aachener Hat 
damals sehr oft entweder „zu erhaltuhg guter nachbarlicher correspondenz" 
oder am einen in die Aachener Gegend einrückenden Fürsten „der gebur zu 
eomplimentiren" oder auch „in recognition einer vorhin geleisteter favor an 
hiesige stadt". 

Die zuletzt genannten Reisen führten Moes irn August 1690 nach Köln, 
Euskirchen. Kochern und Brabant teils zu den beiden Syndici Lippmann 2 
und Meesen, die zu deu verschiedenen Verhandlungen mit den einzelnen 
Heerführern bald hierhin, bald dorthin gesandt wurden, teils auch (am 
15. August 1690) 3 zu den Generalen von Beeck und von Schwartz selbst, 
nm deren Ansichten und Vorschläge betreff Einquartierung und Contribution 
der Stadt entgegenzunehmen. 

Aachen. H. Savelsberg. 

4. Grundsteinlegung zur Ungarischen Kapolle. 

Auf der Innenseite des Deckels eines Leichen- und Rechnungsbuches 
der hiesigen Alexianer-Genossenschaft 4 befindet sich bezüglich dieser Grund- 
steinlegung folgende Aufzeichnung: 

Anno 1748 den 5 oetoeris deß morgens umb halber acht uhv ist den 
ersten stein an der Ungarischen capell geleeht worden von herrn decano 
de Beerens 5 in gegenwarth anderer canonicy und ein häuften großes volcks 
unter lautung des klockenspeils und groß gepräng, und ist in mauer und 
dachwerk verfertiget worden, aber wegen schlechtes und schwaches gemäuer, 
welches der ingenieur Couven hatt laßen daran macheu, wiederum 1755 den 
15 augustij ist daran angefangen wieder abzubrechen und ist selbigen jähr 
daß fundament noch verfertigt worden und 175G den 20 juny haben sie wieder 
angefangen auff daß neue fundament zu bauen. An Gottes Segen ist alles 
gelegen. 

Aachen. M. Schollen. 



' Über ähnliche Weinsendungen vgl. E. Pauls, Zur Geschichte des Weinbaues 
in der Aachener Gegend. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. 1 SS ">. Bd. VUL, S. 275. 

' Vgl. Beamtenprotokolle a. a. O. s. -jii ff. 

■•>) Vgl. ebendaselbst S. 251. 

4 Herr Generalrektor Bank hatte die Freundlich keil mir das Buch zur Verfügung 
zu stellen, wofür ich nicht verfehle auch an dieser Stelle meinen Dank auszusprechen. 

' c Vgl. dagegen Qu ix, Bistorische B >ung der Münsterkirche etc. S. 37, 

wonach General Emmerich Marocz den ersten Stein gelegt hat. Auch der Bürger- 
meisterdiener Janssen in seiner handschriftliche] < hronik i"i von Fürth, Beiträge 
and Material zur Geschichte iei Lachener Patrizier-Familien, Bd. III, S. L61, sagt 
„General Moratz wird den ersten Stein legen". Hiernach wird obige Notiz dahin zu 
verstehen sein, dass der Deehaul den Stein benediciert« and in seiner Gegenwart der 
General ihn legte. 



Bericht 
über die Monatsversammlungen und Sommerausflüge. 

Während des Winters fanden zwei wissenschaftliche Monatssitzungen 
statt. In der ersten Sitzung am 23. Januar 1901 hielt Herr Vogelgesang 
einen Vortrag „über die Geschichte der Aachener Münzen". Zunächst be- 
sprach der Vortragende ein höchst merkwürdiges Buch, das den Titel führt 
„Aachener Münzkabinet". Von diesem Buche sind in Aachen zwei Exemplare 
vorhanden. Das eine Exemplar, das in der Versammlung vorgezeigt wurde, 
gehört dem Herrn Rechtsanwalt Dr. Jörissen, das andere ist Eigentum der 
Stadtbibliothek. Die Bücher, die nach dem Jahre 1765 angefertigt worden 
sind, enthalten 150 technisch vollendete Zeichnungen von Münzen und Siegein. 
Der hie und da beigefügte Text ist entsprechend dem damaligen Stande 
der numismatischen Wissenschaft nicht immer zuverlässig. Die Bücher 
stellen zweifelsohne den Katalog einer ehemals in Aachen befindlich gewesenen 
wertvollen Münzsammlung dar, die Eigentum des älteren oder jüngeren Meyer 
gewiesen sein wird, von denen bekannt ist, dass sie eine 264 Münzen um- 
fassende Sammlung besessen haben. Der Redner ging auf die Erläuterung 
einzelner, besonders wichtiger Abbildungen, wie die des Stadtsiegels Nr. I, 
des Schuldsiegels von 1190, des Stadtsiegels Nr. II, des Geschäftssiegels 
(ad causas) von 1280, des Stadtsiegels IV aus der Zeit kurz vor dem grossen 
Stadtbrand von 1656 und des Siegels des Heiliggcistspitals aus der Mitte 
des 13. Jahrhunderts näher ein. Erwähnt wurden neben anderen interessanten 
Denkmünzen, deren Abbildung sich in dem „Aachener Münzkabinet" befinden, 
besonders die auf Karl den Grossen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, die 
heute als Zierpfennig an der Monstranz des Christenserklosters hängt. Im 
Vordergrunde des Interesses der lokalen Numismatik stehen die beiden Fragen : 
Wann sind überhaupt die ersten Münzen in Aachen geschlagen und wann 
die ersten städtischen Münzen geprägt worden? Herr Vogelgesang bewies 
aus der Urkunde Friedrich Barbarossas vom 9. Januar 1166, dass bereits 
vor dem Regierungsantritt dieses Kaisers in Aachen eine Münzstätte be- 
standen habe, und hob hervor, dass noch Münzen aus der Zeit vor 
Barbarossa vorhanden seien. Es handelt sich hier aber nicht um eine städtische, 
sondern um eine kaiserliche oder Reichsmünzstätte. Er ist ferner abweichend 
von der Ansicht anderer Münzkundigen der Meinung, dass die Stadt das 
Recht, Münzen zu schlagen, erst zwischen 1400 und 1402 erworben habe. 
Dir Vortragende ging nunmehr über zu einer Besprechung der einzelnen 
Typen der in Aachen geprägten Münzen. Indem wir die interessanten Aus- 



— 123 — 

führungen über die Herkunft der Denare und Sterlinge übergehen, wollen 
wir nur noch kurz erwähnen, wie Herr Vogelgesang die Entstehung der 
Münzbezeichnung „Groschen" erklärte. Unter Ludwig dem Heiligen wurden 
in der Stadt* Tours Geldstücke geprägt, die man „gros Tournois", „grossus 
Turnosus" nannte, woher dann unsere Bezeichnung Groschen stammt. Die 
Aachener Turnosen rühren aus der zweiten Hälfte des 14. und der ersten 
des 15. Jahrhunderts her. Eine solche Münze von 1491 , mit der Gottesmutter 
über der Mondsichel, trägt die Umschrift: „Ave regina coelorum, raater regis 
angeloruin" und eine andere von 1492, auf der Karl der Mutter Gottes das 
Münster opfert, ist mit folgenden stolzen Worten umschrieben : „Urbs aquensis, 
regni sedes, eaput omnium civitatum et provinciarum Galliae." Schliesslich 
wurde noch die Herkunft des Namens „Thaler" gestreift und daran ange- 
schlossen eine Beschreibung mehrerer besonders merkwürdiger Aachener 
Thaler. Eine grosse Reihe von Münzen aus der reichen Coumontschen 
Sammlung, die unterdessen von dem hochherzigen Besitzer dem Suerinondt- 
museum geschenkt worden ist, illustrierten iu wirksamster Weise die 
fesselnden Ausführungen des Herrn Vogelgesang. — In der Sitzung, die am 
13. März stattfand, lieferte Herr Dr. Brüning: „Beiträge zur Geschichte 
des reichsstädtischen Beamtentums." Der Redner sprach unter Wiedergabe 
der wichtigsten Eide aus dem Eidbuch über Wahl, Amtsführung, Vereidigung, 
Funktionen, Gehälter der Bürgermeister, Syndici, Archivare, Sekretäre, 
Forstmeister, Rentmeister u. s. w. Da der Vortrag in erweitertem Umfang 
— unter Berücksichtigung der Eide sämtlicher reichsstädtischen Beamten 
demnächst iu dieser Zeitschrift zum Abdruck gelangen soll, so kann hier 
von einer näheren Inhaltsangabe Abstand genommen werden. 

Da es auf die Dauer schwer hält, immer neue Zielpunkte für die 
wissenschaftlichen Ausflüge zweier Geschichtsvereine zu finden, so besteht 
schon seit mehreren Jahren ein Abkommen unseres Vereins mit dem altern 
Aachener Geschichtsverein, wonach diese Excursionen im Sommer gemein- 
schaftlich unternommen werden. Dementsprechend ist auch im letzten 
Sommerhalbjahr verfahren worden. Auf dem ersten Ausfluge, der am 29. Juni 
bei einer Beteiligung von etlichen 70Herren stattfand, wurden die auf belgischem 
Grenzgebiet in herrlicher Gegend gelegenen, nicht allzu weit von einander 
entfernten Schlösser Beusdal, Sinnich und Obsinnig besucht. Beusdal, ehe- 
dem eine auf allen Seiten mit Wassergräben versehene Burg, durfte in der 
ersten Hälfte des 14. .Jahrhunderts entstanden sein. Auf diese Zeil weisl 
einerseits die Architektur und die ganze Anlage des noch erhaltenen, mäch- 
tigen Bergfrits hin, und andererseits die urkundliche Nachricht, dass diePamilie 
von Eys damals im Besitze der Hure- war. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts 
wurde Beusdal durch Heirat einer von Eys mit einem Angehörigen der Familie 
Colyn Eigentum der letzteren Familie. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts 
kam das Schloss durch testamentarische Verfügung an den Grafen von 
lloensbroech und von diesem durch Schenkung an den Grafen von Meau und 
Beautrieux. Im 19. Jahrhundert besass dasselbe die Familie von Stockem- 



— 124 — 

Mean, von der es die jetzige Besitzerin, die gräfliche Familie d'Oultremont 
erhielt. (Vgl. Echo der Gegenwart vom 13. Juli 1901, erstes Blatt.) Das 
eigentliche, wohl dem 16. Jahrhundert angehörende Schloss birgt eine statt- 
liche Menge vonFamilienportraits, niederländischen Altarbildern, Gegenständen 
der profanen und kirchlichen Kleinkunst und was ganz besonders hervorzu- 
heben ist, von wohlerhaltenen Renaissancemöbeln allerbester Art. Auf be- 
quemem, schattigem Waldwege gelangt man in einer kleinen halben Stunde 
von Beusdal nach Schloss Sinnich, das heute der niederländischen Familie 
Coenegracht gehört. Tritt der Besucher in die prächtigen, wohlerhaltenen 
Kreuzgäuge des Schlosses ein, so wird es ihm sofort klar, dass er sich in 
einem, ursprünglich klösterlichen Zwecken dienenden Gebäude befindet. Die 
ganze Anlage weist gebieterisch auf die Mitte des 13. Jahrhunderts als 
Entstehungszeit hin. Seitdem führten liier, in stiller Waldeinsamkeit, Nonnen 
aus dem Augustinerorden ein frommes, beschauliches Leben. Zur Zeit der 
französischen Fremdherrschaft wurde das Kloster aufgehoben und an Privat- 
leute verkauft. Die Wände der weiten Säle des Erdgeschosses sind heute 
angefüllt, ja überladen mit Ölbildern aus der Napoleonischen Zeit und mit 
einer buntgemischten Sammlung von allen möglichen Porzellanen. Auch 
manches derbe Möbelstück aus .der Empirezeit hat hier Aufstellung gefunden. 
Von Sinnich begaben sich sodann die Ausflügler nach dem nahegelegenen 
Schlosse Obsinnig, das seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts im Besitz der 
Herren von Eynatten war und von den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts 
an der heute noch blühenden freiherrlichen Familie von Fürstenberg gehört. 
Ausser einer Reihe von wertvollen Objekten der Kleinkunst befinden sich in 
den stattlichen Räumen auch manche wohlimitiertc Möbelstücke aus der 
Stilperiode der Renaissance. Auch an dieser Stelle sei den Besitzern der 
Schlösser für ihr freundliches Entgegenkommen, das sie den Aachener Ge- 
schichtsfreuuden bewiesen, noch einmal der wärmste Dank ausgedrückt. Der 
zweite Ausflug fand am 31. Juli statt und galt der Besichtigung einiger 
historisch bemerkenswerten Stätten in Aachens nächster Umgebung: dem 
„Sörser Haus", dem Gute „Bergerbusch" und dem „Haus Linde", Besitzungen 
unseres Vorstandsmitgliedes, des Herrn Gutsbesitzers Adolf Bischof. 
Wenn auch das „Sörser Haus" erst im Anfange des 13. Jahrhunderts in der 
Geschichte auftaucht, so dürfte es doch keinem Zweifel unterliegen, dass 
vorher schon an seiner Stelle ein karolingischer Königshof gestanden hat. 
Während der Turm den Stürmen der Zeit Trotz geboten, war das Wohnhaus 
stark in Verfall geraten, weshalb der jetzige Besitzer sich genötigt sah, die 
Umfassungsmauern neu aufrichten und durch starke Strebepfeiler stützen 
zu lassen. Gegen Anfang des 17. Jahrhunderts wurde der das Gebäude 
umschliessende Wassergraben zugeworfen und die P^ingangsthür zum Turme, 
über deren Stürz sich ein Alliancewappen befindet, neu gebrochen. Der Bericht- 
erstatter gab am Schluss der Besichtigung einen historischen Überblick über 
die Geschichte des Soerser Hauses. Die Ausflügler lenkten nunmehr ihre 
Schritte zu dem, dem Paulinen Wäldchen gegenüberliegenden Gute „Berger- 



— 125 — 

Dusch", wo sich im Anfang des 18. Jahrhunderts eine kurze Zeit lang eine 
Niederlassung von weiblichen Angehörigen des Trappistenordens befand. Herr 
Obersekretär Schollen hielt über diese Niederlassung einen kurzen Vortrat;-. 
Als die Trappisten zur Zeit der Revolution Prankreich verlassen mussten, 
zog ein Teil von ihnen nach Freiburg in der Schweiz, wo sie das Kloster 
Val Saint gründeten, von dem aus in Belgien, Spanien, Piemont, Kanada 
und in Westfalen Neugründungen stattfanden. In Westfalen fanden die 
Trappisten gastliche Aufnahme bei den Kapuzinern in Münster und Marienfeld. 
Sie sehnten sich aber bald wieder nach einem eigenen Heim und gründeten 
Klöster in Darfeld und im Amte Horstmar. Die Trappistinnen gingen von der 
Schweiz aus nach Bussland, Amerika, Hamburg und ebenfalls nach Darfeld, 
wo die Mönche ihnen ein besonderes Haus bauten. Napoleon I. vertrieb die 
Trappisten aus Westfalen; sieben von ihnen fanden nach langem Umherirren 
Aufnahme auf dem Landgut der Familie Thelen (Bergerbusch), wo sie un- 
behelligt dem Ackerbau oblagen. Warum die Trappisten später das Gut 
verlassen haben, steht nicht fest; in einer dasselbe betreffenden Verfügnng 
des preussischen Generalgouverneurs Sack ist nur von Trappistinnen die 
Rede, die nach Weggang der Trappisten dort Unterkunft gefunden haben 
werden. Als Aachen an Preussen kam, stellten die Geschwister Thelen 
bei der Regierung den Antrag, die Genehmigung zur Anlegung einer klöster- 
lichen Einrichtung zu erteilen, was aber vom Minister abgelehnt wurde. 
1823 starb die Priorin; die Regierung verbot eine Neuwahl und bestimmte, 
dass in Zukunft keine männliche oder weibliche Person ohne ausdrückliche 
behördliche Genehmigung auf dem Gute zuziehen dürfe. Als trotzdem in 
den nächsten Jahren fünf weibliche Personen als „Mägde" aufgenommen 
wurden, wies man die Geschwister Thelen an, die klösterliche Klausur auf- 
zuheben und alles, was damit zusammenhinge, von dem Gute zu entfernen. 
Am 10. Februar 1826 konnte der Bürgermeister von Aachen berichten, dass 
sämtliche Insassen des Klosters ausser Landes gezogen seien. Die Trappistinnen 
hatten sich nach dem Elsass begeben und fanden in Frankreich wieder 
freundliche Aufnahme, wo man sie vor einigen Jahrzehnten vertrieben hatte. 
Von Bergerbusch führte der Weg an Pauliuenwäldchen und der neuen 
Kirche von Berens vorbei nach Haus Linde, wo Herr Bischof in 
liebenswürdiger Weise den Aachener Geschichtsfreunden Gastfreundschaft 
erzeigte. Nach Besichtigung der schönen Park- und Gartenanlagen und der 
mit mancherlei Gegenständen von künstlerischem und historischem Werte 
geschmackvoll ausgestatteten Räumen des Herrenhauses nahm der Bericht- 
erstatter Gelegenheit, einen geschichtlichen Rückblick zu werfen auf das 
alte „Aachener Reich" sowie auf „dieLandwchr" und deren jährliche „Beritte". 
Schliesslich stattete er dem freundlichen Gastgeber, Herrn Adolf Bischof, 
den Dank der Versammlung ab. 

Aachen. Heinrich Schnock. 



Bericht über das Vereinsjahr 1901. 

Zwei Monatssitzungen wurden im Laufe des Jahres abgehalten, und in 
Gemeinschaft mit dem Aachener Geschichtsverein zwei Ausflüge veranstaltet. 
(Siehe den Bericht darüber S. ff.) Die Hauptversammlung fand am 13. 
November im Gasthof „Zum König von Spanien 8 statt. Der bisherige Vor- 
sitzende des Vereins, Herr Direktor Dr. Kelleter erklärte, dass er aus 
Gesundheitsrücksichten die Leitung niederlegen müsse und empfahl als seinen 
Nachfolger den Herrn Oberlehrer Dr. Savelsberg, der durch Zuruf gewählt 
wurde und auch die Wahl annahm. Dieser erstattete auch bereits den Bericht 
über die Thätigkeit und den Stand des Vereins in dem abgelaufenen Jahre. 
Demselben ist zu entnehmen, dass der Verein mit 201 Mitgliedern in das 
neue Jahr eintrat, und dass er neun davon durch den Tod und dreizehn 
durch Austritt verlor. Der Zuwachs betrug 7 Mitglieder, so dass sich am 
Tage der Hauptversammlung die Zahl der Mitglieder auf 186 belief. Das 
Andenken der verstorbenen Mitglieder, unter denen besonders Pfarrer 
Johannes Becker in Vochem, Stadtverordneter Peter Kuetgens und 
Rentner Bio sing in Aachen hervorgehoben wurden, ehrte die Versammlung 
durch Erheben von den Sitzen. Der Schatzmeister des Vereins, Herr Stadt- 
verordneter Kr em er berichtete sodann über die Kassenverhältnisse. Im 
Anfang des Jahres 1900 wies die Kasse einen Bestand von Mk. 1035,89 auf; 
die Einnahmen betrugen Mk. 577,96 und die Ausgaben Mk. 872,96, so dass 
am Schluss des Jahns ein Vereinsvermögen von Mk. 740,89 vorhanden war, 
das zum Teil bei der Aachener Sparkasse und zum Teil bei der Sparkasse 
der Stadt Aachen angelegt ist. Die Jahresrechnung wurde von den Herren 
Rechtsanwalt Dornemann und Landgerichtssekretär Fey geprüft und für 
richtig befunden, worauf dem Schatzmeister Entlastung und nebst den beiden 
Revisoren der Dank des Vereins ausgesprochen. \Nack Erledigung der ge- 
schäftlichen Angelegenheiten hielt Herr Archivar Dr. Brüning einen Vortrag 
„Zur Geschichte Aachens während des siebenjährigen Krieges". Des Redners 
Absicht ging weniger dahin, ein erschöpfendes Bild der kriegerischen Ver- 
hältnisse jener traurigen Zeit zu gelten, als vielmehr in grossen Zügen zu 
zeigen, wie die öffentlichen Zustände in Aachen zur Zeit des siebenjährigen 
Krieges ganz unhaltbar geworden und sich derart zerrüttet und verkommen 
erwiesen, dass von Gesetz und Recht in der alten freien Reichsstadt kaum 
mehr die Rede sein konnte. In den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts 
zwischen Deutschland und Frankreich waren die Niederlande meist der 
Kampfplatz, und in jenen Zeiten lernte Aachen alle Schrecknisse, die die 



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Kriege mit sich bringen, kennen. Für die Entwicklung der Stadt war dies 
sehr nachteilig. Viele Akten im hiesigen Stadtarchiv beweisen, wie zerstörend 
die damaligen Kriege auf alle Bethätigungen des öffentlichen Lebens wirkten. 
Nicht wenig, gefordert, wurde die Verschlechterung der Zustünde in unserer 
Stadt zu jener Zeit durch den Zwist, der nicht zum ersten .Male zwischen 
der weltlichen und geistlichen Obrigkeit entbrannt war, und der im Jahre 1757 
einen besonders heftigen Charakter zeigte. Der Zwist war dadurch ent- 
standen, dass das Stiftskapitel das Recht des Öffnens des Heiligtumsschrankes 
aus Anlass des Besuches einer fürstlichen Person verletzt hatte. Es kam 
zu einer Klage vor der vorgesetzten Behörde, und der Rat der Stadt 
wurde verurteilt. Da der Rat sich hinwiederum beschwerte, ungerecht 
verurteilt 'worden zu sein, entstanden neue Streitigkeiten, die den Boden 
für das anmassende Betragen und für die Willkür der Soldaten vor- 
breiteten. Die wechselnden Kriegsereignisse waren in aller Munde und wurden 
von Jung und Alt lebhaft besprochen. Dass da in der allgemeinen Erre- 
gung, in der sich die Bevölkerung befand, manche fürstliche Personen mit 
verächtlichen und geringschätzigen Worten belegt worden sind, und dass die 
Bürgerschaft Aachens jede Phase des Krieges zwischen dem Preussenkönig 
und der Kaiserin Maria Theresia mit regem Interesse verfolgte, beweist ein 
Edikt des Rates der Stadt vom 15. Oktober 1756, in dem der freien Reichs- 
stadt „anbefohlen" wurde, sich in ihren Gesprächen und Äusserungen zurück- 
zuhalten und „gegen keine gekrönten Häupter oder Fürstlichkeiten ein 
despektierliches Wort auszusprechen", da sonst gegen alle „derartigen ver- 
messenen Menschen auf eine proportionierte Strafe erkannt werde". Vom 
eigentlichen Kriege sah Aachen nichts; dagegen hatte es aber viel unter 
der drückenden Last der Einquartierung zu leiden. Die Kricgskoininissare 
trafen im März hier ein, um alles Nötige für die anrückenden Heeresmassen 
vorzubereiten. Die erste Division kam Ende März hier an. Burtscheid hatte 
sich anfänglich der Tragung der Kriegslasten durch Bestechung von Offizieren 
zu entziehen gesucht. Die Kriegslasten müssen sehr hohe gewesen und von 
der Bevölkerung schwer empfunden worden sein. Der Bürgermeistereidiener 
Johannes Jansen sagt hierüber u. a., er glaube, dass, so lange die 
Stadt bestehe, nieht so viele arme Leute hier gelebt hätten, wie zu jener 
Zeit. Alles war teuer und kein Verdienst. Gleichzeitig übten auch die unter 
dem Namen „Mäkeleien" bekannten inneren Bewegungen ihren unheilvollen 
Einfluss aus. im Jahre 1758 wurde dem Magistrat angekündigt, dass die 
Stadt ein französisches Regiment den Winter über aufzunehmen habe. Es 
gelang nicht, sich dieser neuen Bedrückung zu erwehren, obwohl man geltend 
gemacht hatte, dass im Komphausbad allein über 300 Kranke lägen und ein 
verheerendes Fieber in der Stadt herrsche. :i700 Mann bezogen das Winter- 
quartier. Diese Einquartierung verursachte der Stadt neben fasl unerschwing- 
lichen Kosten unglaubliche Scherereien. Von den Kosten kann man sich 
einen Begriff machen, wenn man bedenkt, dass die Stadt, die damals 20000 
Einwohner zählte, für die Einquartierung ungefähr 1',,, Million Mark nach 



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heutigem Geldeswert zu entrichten hatte. Die Offiziere stellten lächerlich 
hohe Anforderungen. Die Franzosen geberdeteu sich wie die Herren der 
Stadt und führten eine wüste Wirtschaft. Die Sittenlosigkeit, die die 
Soldateska mitbrachte, war ungeheuerlich. Beim Abmarsch des Regiments 
spielten sich Scenen ab, die geradezu schamlos genannt werden müssen. 
Am 25. Januar 1760 rückte fias Regiment wieder in die Stadt ein und trat 
noch anspruchsvoller als früher auf. So wurden am 5. März die Rats- 
mitglieder und sämtliche Beamten aufs Rathaus befohlen; das Regiment be- 
setzte den Markt, umzingelte das Rathaus und schloss die Thore. Dann 
wurde dem Magistrat die Pistole auf die Brust gesetzt und ihm befohlen, 
innerhalb sechs Wochen 100000 Rationen Heu und Hafer zu beschaffen. 
Dazu kam, dass der Herzog von Braunschweig die Stadt auf alle mögliche 
Weise chikanierte und den Aachenern die ihnen aus dem Jülichschen zu- 
kommenden Einnahmen vorenthielt. So vereinigte sich alles, um die Zustände 
in der Stadt immer trauriger zu gestalten. Dass die Stadt infolgedessen 
den endlichen Frieden, der am 15. Februar 1763 zu Hubertusburg geschlossen 
wurde, mit grossem Jubel aufnahm und endlich wieder einmal frei aufatmete, 
ist um so begreiflicher, als die Bevölkerung nun hoffen konnte, dass wieder 
geordnete Zustände in Aachen Platz greifen würden. 

Der Vorsitzende stattete Herrn Dr. Brüning den Dank der Ver- 
sammlung ab und schloss, da weitere Gegenstände nicht mehr vorlagen, die 
Hauptversammlung. 



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