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Full text of "Aus Aachens Vorzeit"

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Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 



Im Auftrag' des Vereins herausgegeben 



Heinrich Scinnock. 



FÜNFZEHNTER JAHRGANG. 




AACHEN. 

Kommissions -Veelag der Ceemerschen Buchhandlung (C. Cazin). 

1902. 



THt GEHY C£NT£R 
LIBRARY 



INHALT, 



S.-iti- 

1. Bernlüinl Maxiiniliaii Lerscli. Kiii l^ebeusbild. Von H. 8avelsberg. 1 

2. Genealogie der Aachener Familie Gartzweiler. Von M. F. Macco. l;j 

3. lioiträgo znr Gosohiehte des Aachener Münz- und Geldwesens. Von 
Carl Vogelgcsuiia' ?>\ 

4. Kleinere Mitteilung: 

Woher kommt at =^ kanal. Von Jardon G2 

5. Litteratur: Üi.' Aachenfahrt. Von St. Beissel, S. J. Besprochen 

von J. l'schmadt 63 

6. Beitrag /,iir Geschichte der Aachener Heide. (Dremels Höfchen mit 
Abbildung). Von Willy Geelen tiö 

7. Aus dein Buche Weinsberg. I. Von J. Pschmadt 73 

8. Geschichte des Läudchens zur Heiden. Von f H. J. Gross. . . . 84 
1). Kleinere Mitteilungen: 

1. Zum Aachener Schüt/.enwesen. Von W. Brünine 91 

2. Die Feierlichkeiten bei der Einfuhrung des Priesters Peter 
Servatius Hungs als Pfarrer von St. Jakob. Von M. Schollen. 9] 

1(1. Litteratur: 

1. Gustav Friedrich Wilhelm Grossmann von Dr. Joseph Wolter. 
Besprochen von Alf ons Fritz 93 

2. Alcuins Leben und Bedeutung für den religiösen Unterricht. 

L Teil. Von Hermann Ditscheid. Besprochen von Jardon. . 95 

11. Zur Geschichte der Entstehung des Ortes und der Abtei Burtscheid. 

Von Hein rieh S chn ock 97 

12. Kleinere Mitteilung: 

Aus Aachener Prozessen am (ehemaligen Reichskammergericht. 

Von Macco 115 

Berichtigung 117 

13. Bericht über die Monatsversammlungen und Sommerausflüge. Von 
Heinrich Sehnock 118 

14. Berieht übrr das Vereinsjahr 1902 127 



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Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 



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1/^ 



Im Auftrag des Vereins herausgeseToen 



von 



Heinrich Schnock. 



FÜNFZEHNTER JAHRGANG. 




AACHEN. 

KoMMISSIONS-VeELAG der CßEMEESCHEN BUCHHANDLUNG (C. CaZIN». 

1902. 



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Aus Aachens Vorzeit. 



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ein Boocn Oktav. W^^HH^Kjf '^'''' 



Preis des .lalii'ii'iiiiii's 



Cremer'schon Buchhandlung 

(C. Cazin) 



4 Mark. £S':S^i^^''y^ '" '^'i'"''«""- 



Milleilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeil 

Im Auftrage des Vereins lieniusgegelien von H. Schnock. 



Nr. 1/4. Fünfzehnter Jahrgang-. 1902. 

Inhalt: H. Savclsberg, Bernhard Maximilian Lersch. — IT. F. Maeco, Genealogie der 
Aar-Iienor Familie Gartzweiler. — Carl Vogelgesang, Beiträge zur Gesrdiieliti' di'S 

Aachener Münz- und Geldwesens. 



Bernhard Maximilian Lersch. 

Ein Lebensbild \ 

Von H. Savelsberg. 

Am 23. Februar 1902 starb zu Aachen der in den weitesten 
Kreisen, besonders durch seine balneologischen Schriften bekannte 
und liochgeachtete Badeinspektor Dr. med. Maximilian Bernhard 
Lerscli. Die grossen Verdienste dieses einfachen, schlichten 
Mannes um seine Vaterstadt und deren Geschichte, sowie sein 
oft bevvähi'tes Interesse an den Bestrebungen des „Vereins für 
Kunde der Aachener Vorzeit" lassen es gerechtfertigt erscheinen, 
wenn ich ein kurzes Bild seines Lebens und seines rastlosen 
Wirkens und Strebens zu entwerfen versuche. 

Dr. Lersch wurde am 12. Oktober 1817 zu Aachen geboren. 
Das Geburtshaus lag auf der Sandkanlstrasse. Seine Eltern, 
Johann Antou Joseph Lersch und Gertrud Dupont. liessen ihrem 



') Auf der nebenstehenden Phototypie erblicken wir Dr. Lcrscli in seincin 
Arbeitszimmer, lieber dem Sclireibtisch Illingen die Bilder seiner Eltern niid 
das seines Bruders, des ehemaligen Bonner Archäologen, Laurenz Lersch, 
Links vor dem Büchergestell ist ein Oclgemälde, „Christus am Kreuze", 
sichtbar, das zu den besten seiner mehr als 100 altdeutsche und niederländische 
r)ild('r umfassenden Sammlung gehört. Vgl. Zeitschrifi für diri-tl. Kunst. 
Jahrg. VIII, S. 102 und lOa. 



Sohne eine sehr sorgfältig-e und streng religiöse Erziehung zuteil 
werden. Im Herbste des Jahres 1826 bezog er die hohe Schule 
seiner Vaterstadt, das heutige Kaiser-Karls-Gymnasium, das er 
in dem jugendlichen Alter von 17 Jahren am 6. September 1835 
mit dem Zeugnis der Reife verliess. Das Abiturientenzeugnis, 
das ihm nach der von dem damaligen Kegierungsschulrat Brügge- 
mann vorgenommenen Prüfung ausgestellt wurde, nennt ihn einen 
Jüngling, der sich neben der grössten Gesetzmässigkeit, Ord- 
nungsliebe und Pünktlichkeit durch ansprucliloses, bescheidenes 
und stilles Benehmen stets vorzüglich empfohlen habe; eine 
Charakteristik, die auf sein ganzes Leben passt. 

Er widmete sich 4 Jahre in Bonn, P/2 Jahr in Berlin und 
8 Monate in Paris dem Studium der Medizin. Seine Lehrer 
waren unter andern die Pofessoren Delbrück, Brandis und Fichte, 
sein älterer Bruder Laurenz Lersch, der Bonner Professor Gustav 
Bischof, der auch über die physischen und chemischen Eigen- 
schaften der Aachener und Burtscheider Quellen schrieb, der 
bekannte Professor Nöggerath und der Geheime Hofrat Christian 
Friedrich Harless in Bonn. Nachdem er im Jahre 1838 die 
grosse Preisaufgabe der Bonner medizinischen Fakultät gelöst 
hatte, promovierte er am 25. März 1840 mit einem Teile dieser 
Preisschrift: „Über den mikroskopischen Bau der Netzhaut des 
Auges" zum Doktor der Medizin. Zu den Opponenten bei seiner 
Promotion gehörte auch sein langjähriger Freund, Dr. Mathias 
Hubert de Bey. Am 18. Februar 1841 zur Ausübung ärztlicher 
Thätigkeit zugelassen, Hess er sich in seiner Vaterstadt Aachen 
als Wundarzt und Geburtshelfer nieder, wo er bald durch seine 
Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit in weiteren Kreisen sich das 
grösste Vertrauen erwarb. Mehr als 21 Jahre war er in Diensten 
der Stadt als Armenarzt thätig, 9 Jahre (vom 1. Juni 1842 
bis zum 30. April 1851) in der St. Paulspfarre und über 12 Jahre 
(vom 1. Mai 1851 bis zum 31. August 1863) in der St. Foillans- 
pfarre. Neben dieser seiner ausgedehnten ärztlichen Thätigkeit 
wusste er noch Zeit für eine Menge schriftstellerischer Arbeiten 
aus den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft zu finden. 

Nachdem er im Jahre 1849 in dem 27. Jahrgange des 
„Neuen Nekrologs der Deutschen" seinem älteren Bruder, dem 
bekannten Bonner Philologen und Archäologen, Professor Laurenz 
Lerscli, einen ausführlichen Nachruf gewidmet hatte, schrieb 
er im Jalne 1851 seine „Beiträge zur Arzneiverordnungslehre 



— 3 — 

und olicniisdien Nomenkl;itur", eiiic! kleine Sclirif't, die jedoeli 
allentlifilben, besonders in Arzlekreisen die beste Aiifiialinie 
fand. Am 6. Mai 1852 ernannte ihn die „Pliysiko-Medizinisclie 
Gesellschaft am Niederrhein zu ihrem auswärtigen Mitg'lied; 
in gleicher Weise ehrte ihn später die „Medizinische Gesellschaft 
Schwedens", indem sie ihn laut Diplom de dato Stockholm, den 
15. Sept. 1857 ebenfalls zu ihrem Mitglied erwählte. Auch 
der Societö d'hydrolog-ie medicine zu Paris gehörte ei- schon 
damals als Mitglied an. Im Jahre 1862 folgte seine Mono- 
graphie „Über die Burtscheidcr Thermen bei Aachen", die erste 
in ihrer Art, die nicht nur eine neue chemische Untersuchung 
der Burtscheider Wasser, sondern aucli zum ersten Male aus- 
führliche Nachrichten über die Benennung und Lage des Ortes, 
sowie über die geologischen Verhältnisse, das Klima und die 
Geschichte Burtscheids und seiner Bäder brachte. In den 
folgenden Jahren erschienen seine „Geschichte der Balneologie", 
sowie zahlreiche kleinere Schriften balneologischen Inhaltes. 
Am 9. September 1868 übernahm er das Amt eines Badeinspektors 
von Aachen und Burtscheid, das er bis zum 5. Mai 1892 be- 
kleidete. Auf einen kleineren Aufsatz in Göschens medizinischer 
Zeitschrift „deutsche Klinik" über die Thermalkur zu Aachen 
und Burtscheid folgte dann 1870 seine „Geschichte des Bades 
Aachen", in der er mit grossem Fleiss alle die zerstreuten 
Nachrichten sammelte, die man bis dahin über die Aachener 
Bäder überhaupt kannte. Unterdessen hatte er seine Stadt- 
praxis beinahe ganz aufgegeben, um sich ausschliesslich der 
ihm liebgewordenen neuen Stellung und den auf sie bezüglichen 
wissenschaftlichen Studien und Arbeiten widmen zu köimen. 
Im Auftrage des städtischen Kurkomites gab er im Jahre 1873 
den „Neuesten Führer in und um Aachen für Kurgäste und 
Touristen" heraus, ein mit grossem Fleiss und genauester 
Sachkenntnis geschriebenes Buch, das im Laufe der Zeit sechs 
Auflagen erlebte und auch heute noch, mit den interessantesten 
Bildern Aachens und seiner Umgebung ausgestattet, sich grosser 
Beliebtheit erfreut. 

Besondere Aufmerksamkeit verdient ferner seine Schrift „Die 
Ruinen des Römerbades zu Aachen". Als im Jaiire 1877 das Eck- 
liaus von Rüchel und Edelstrasse abgerissen wurde, um einem 
Nebenbau zu dem in der Edelstrasse gelegenen Bade „Zur 
Königin von Ungarn" Platz zu nuichen, grub nmn auf den 



— 4 — 

Antrag des Vorstandes der archäolog-isclien Abteilung des eben 
in jenem Jahre gegründeten Museunisvereins in beträclitliclier 
Tiefe nach einer Fortsetzung der in den sechziger Jahren beim 
Bau des genannten Badehauses gefundenen Römermauern und 
fand denn auch bald eine ausgedelinte i'ömisclie Badeanlage 
mit einer Piszine, einem grossen, gemeinsamen Bad, und einem 
teilweise noch gut erhaltenen Hypokaustum, einem kleineren 
Badegemach mit Hohlboden. Dr. Lersch fiel die Aufgabe zu, 
in einer auf Kosten des Aachenei' Museumsvereins herausgege- 
benen Abhandlung jene wichtigen Römerfunde wissenschaftlich 
darzustellen. 

Auch für die beiden hiesigen Geschichtsvereine lieferte er 
schätzenswerte Arbeiten, die bei der am Schlüsse beigefügten 
Zusammenstellung seiner Schriften einzeln aufgeführt werden. 

Leider war es ihm nicht vergönnt, sein bedeutendstes 
Werk, seine „Chronik der Erdbeben", woran er Jahre lang 
mit emsigem Fleiss gearbeitet hatte, herauszugeben. Dieser 
nur handschriftlich vorliegende Erdbebenkatalog, welcher den 
Zeitraum von mehreren Jahrhunderten vor Christi Geburt bis 
in die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein umfasst, 
ist, wie es in Nr. 147 des „Echo der Gegenwart" (27. Februar 1901, 
2. Blatt) heisst, das hervorragendste von allen Werken des 
Verewigten, was wohl am besten daraus hervorgehen dürfte, 
dass die im April des verflossenen Jahres auf Veranlassung 
des Reichsamtes des Innern zu Strassburg abgehaltene Inter- 
nationale Seismologische Conferenz, an der die berufensten 
Fachgelehrten der ganzen civilisierten Welt teilnahmen, dem 
Herrn Dr. Lersch ihre Bewunderung für dieses Werk schrift- 
lich ausdrückten. Ein derartiges Anerkennungsschreiben seitens 
eines Internationalen Gelehrtenkongresses ist eine sehr seltene 
Auszeichnung, die bis jetzt nur wenigen Gelehrten zuteil ge- 
worden ist. 

Neben seiner vielseitigen und umfassenden litterarischen 
Thätigkeit fand Lersch aber auch, namentlich in jüngeren 
Jahren, noch Zeit für eine rege Beteiligung am öifentlichen 
Leben. Unabhängig durch Stellung und Charakter kannte er 
keinen andern Ehrgeiz, als sich seiner geliebten Vaterstadt 
nützlich zu erweisen. Lange Jahre war er Mitglied des. Schul- 
vorstandes und Präsident der Gemeindevci'tretung in der 
Petei'spfarre, lange Jahre auch Mitglied der städtischen Aus- 



Schüsse für Kui"- und liadewescii. sowie für Archiv- und 
Bibliotiiek-Angelegeiiheiten. Als Badeinspektor wi<liTiete er 
sich stets mit lebhaftem Eifer den Bestrebungen des Vereins 
zur Unterstützung- auswärtiger unbemittelter Brunnen-Badekur- 
bedürftiger. Als es in den Krieg'sjahren 1870 - 1871 g-alt, den 
zahlreichen Verwundeten auch in unserer Stadt Pflege und 
ärztliclie Behandlung- angedeihen zu lassen, unterzog sich Dr. 
Lersch mit hingebendstem Eifer dieser aufreibenden Thätigkeit. 
Verschiedene Aachener Familien wie Bernhard Jungblutii, 
Martin Kern, Bock-Leflon und Lersch-Hammels hatten in dem 
Jesuitencolleg' am Bergdrisch mit privaten Mitteln ein voll- 
ständiges Lazarett eingerichtet, dessen fachmännische Leitung 
die Arzte Dr. Debey, Dr. Jungblutii und Dr. Lersch in Händen 
hatten. Für diese seine verdienstvollen Bemühungen wurde 
ihm die Kriegsdenkmünze für Nichtkombattanten verliehen. 
Auch späterhin wurde seine erfolgreiche Thätigkeit durch den 
Landesherrn anerkannt, indem ihm bei seinem fünfzigjährigen 
Doktoi'jubiläum im Jahre 1890 der Kronenorden mit der Zahl 
50 und bei seinem sechszigjährigen Jubiläum der rote Adler- 
orden mit der Zahl 60 verliehen wurde. Dass ihm bei beiden 
Gelegenheiten auch eine Adresse von den Mitgliedern des ärzt- 
lichen Vereins überreicht und er am 9. November 1890 sogar 
zum Ehrenmitgliede des ärztlichen Vereins ernannt wurde, 
zeugt gewiss von der grossen Wertschätzung, deren sich der 
Verstorbene trotz seiner schon seit langen Jahren still zurück- 
gezogenen Lebensweise auch im Kreise seiner Collegen erfreute. 
Ein an Arbeit, wie an Verdienst reiches Leben hat durch seinen 
Tod seinen Abschluss gefunden. Als Mensch genoss Dr. Lersch 
bei allen, die ihn kannten, die höchste Achtung und Verehrung. 
Lersch hatte keinen Feind; seinen zahlreichen Freunden war 
er stets ein liebevoller Freund und Ratgeber ohne Falsch und 
ohne Eigennutz. Mit kurzen Worten : er war ein musterhafter 
Bürger, ein tüchtiger Arzt, ein ausgezeichneter, überzeugungs- 
treuer Katholik und ein hervorragender Gelehrter. Infolge von 
Altersschwäche schied er am Abende des 23. Februar aus dem 
Leben, tietbetrauert von seinen Verwandten und Freunden, innig 
beweint von seiner Gattin Carolina geb. Hammels, mit der er 
37 Jahre in glücklichster Ehe verlebte. Die Erinnerung an den 
schlichten und bescheidenen, doch hochgelehrten und hervor- 
ragenden Mann wird zweifellos in den Herzen aller derjenigen. 



— — 

die mit iiiin iu ßeriilirung- kamen und ihn wegen seines seltenen 
Charakters schätzen, verehren und lieben lernten, fortleben bis 
in ferne Zeiten. 

Soweit sich bei dem rastlosen Arbeiten des Verewigten eine 
Übersicht seiner fast sechzig'jährigen schiiftstellerischen Thätig- 
keit ermöglichen lässt, will ich versuchen, in folgendem eine 
Zusammenstellung seiner Veröffentlichungen auf den verschiedenen 
Gebieten der Wissenschaft zu bieten. 



Schriften von Dr. B. M. Lei'sch. 

1840 1. De retinae structura microscopica.Fragmentum commenta- 
tionis ab universitate literarum Rhenana a. MDCCCXXXVIII 
praemio integro ornatae. Dissertatio. 15. März 1840, 
Berolini, typis Nietackianis. 45 p. gr. 8". 

Seine Dissertation widmete er seinem Bruder, Professor Dr. Laurenz 
Lerscli in Bonn. 

1849 2. Dr. phil. J. H. Laurenz Lerscli. 

Ein höchst interessanter und ausführlicher Nekrolog seines Bruders 
in „Neuer Necrolog der Deutschen." 27. Jahrgang 1849. Nr. 104. 
S. 336-346. kl. 8». 

1851 3. Beiträge zur Arzneiverordnungslehre für chemische 
Nomenklatur. Aachen, H. ßenrath 1851. 35 S. gr. 8°. 

1852 4. Einleitung in die Mineralquellenlehre. Ein Handbuch 
für Chemiker und Arzte. 

I. Grundzüge der Mineralquellenlehre. IL Die Mineralquellen 
Deutsehlands und der Schweiz. Erlangen. Ferdinand Enke. 1852 — 1860. 
1634 S. (Nicht mehr im Buchhandel.) I. Band: Die Grundzüge der 
Pegologie und Hydrotherapie, gr. 8". geh. 4 Thlr. 15 Sgr. IL Band: 
I. Diätetische Hydrologie. IL Therapeutische Hydrologie. III. Spezielle 
Balneologie. 1. Seebäder, 2. Heilquollen. 

1861 5. Über das öftere Vorkommen äfiuivalenter Verhältnisse 
unter den Bestandteilen der Mineralwässer. München, 
E. A. Fleischmanii 18G1. 48 S. 8°. (Pr. 12. Sgr.) 

1862 6. Die Burtscheider Thermen bei Aachen. (Mit neuen 

Analysen von Hamberg und Wildenstein.) Aaciien, J. A. 

Mayer. 1862. 144 S. 8«. (Pr. I2V2 Sgr.) 

Das Buch uiiifasst 1. Eine Analyse der öffentlichen Trinkiiuelle 
oder des Vikturial)runnens zu Burtschcid von Dr. N. P. Hamberg zu 
Stockholm. IL Monographische Skizze der Burtscheider Thermen von 
Dr. B. M. Lorsch. III. Analyse der Burtscheider licissesten Quelle 
von Roliert Wildenstein. 



18()3 7. GcscliicliLc (Ilt J^alneulo^ie, Hydroposic uiul Peg-ologie 
oder des Gebrauches des Wassers zu religiösen, diätetischen 
und medizinischen Zwecken. Ein Beitrag zur Geschichte 
des Kultus und der Medizin. Würzburg, Stahel 18G3. 8". 
244 S. mit 3 Tafeln. (Fr. 1 Thlr. 20 Sgr.) 

Besprochen von Prof. Johannes Freudenberg in Bonn in den Bonner 
„.rahrbücliern des Vereins von Altertumsfreunden im llhcinhinde". 
XXXVI. 18. .Jahrg. 2. 1864. S. 134 — 137. 

1864 8. Über die Zweckmässigkeit einer Bohrung im Bereiche 
der Kaiserqnelle, von Dr. Lersch und Victor Monheim. 
Aachen, den 21. Mai 1864. 28 S. gr. 8». 

„ 0. Hydro-Chemie oder Handbuch der Chemie der natürlichen 
Wässer, nach den neuesten Resultaten der Wissenschaft. 
Mit vielen Holzschnitten und 2 Kupfertafeln. 702 S. 
Bonn, A. Henry. 1864. 

Eine zweite vermehrte Ausgabe erschien im .Jahre 1870, 718 S. 
(Pr. 2 Thlr.) 

1865 10. Hydro-Physik oder Lehre vom physikalischen Verhalten 
der natürlichen Wässer, namentlich von der Bildung der 
kalten und w^armen Quellen. Mit vielen Holzschitten und 
4 Kupfertafeln. 284 S. Bonn, A. Henry. 1865. 

Besprochen von Dr. Wittelshoefer in der Wiener medizin. Wochen- 
schrift 1865 Nr. 43 und von Prof. Dr. Ludwig Ditterich in München. 
Erschien in zweiter, vermehrter Auflage im .Jahre 1870. 

1866 11. Vorschlag betreffend die Errichtung einer grossen 
Badeanstalt zu Burtscheid für Preusseus invalide Krieger, 
gemacht vom ärztlichen Vereine zu Aachen. Aachen, den 
2. August 1866. 11 S.". 

(Das Comite: Dr. Hahn, Dr. Lersch, Dr. Ileumout, Dr. Stephan, 
Dr. Straeter.) Referent Dr. Lersch.. 

1867 12. Schriften über die Thermen von Aachen und Burtscheid. 
Aachen, Benrath und Vogelgesang im Juli 1867. 32. S. 
8^'. (Pr. 4 Sgr.) 

1868 13. Die physiologischen und therapeutischen Fundamente 
der praktischen Balneologie und Hydroposie auf Grundlage 
des Versuches und der Beobachtung am gesunden und 
kranken, menschlichen und thierischen Organismus. 2 Bände, 
Bonn, A. Henry 1868. Mit Holzschnitten und Tafeln. VIT 
und 896 S. 8". (Pr. 4V3 Thlr.) 

Besprochen von Dr. E. Heinr. Kisch im 3. Jahrg. der Präger 
Allgem. Balnool. Zeitung. 1869. S. 162; von dem Göttinger Professor 



— 8 — 

Theodor Husemann im Göttinger gelelirten Anzeiger 1869. Stück 39. 
S. 1542—1555: von H. E. Richter in den Medizinischen Jahrbüchern. 
Separat- Abdrücke aus diesem Werk sind : a) Das Trinkwasser 
hinsichtlich seiner gesunden Beschaffenheit. Bonn, A. Henry. 1869. 56 
S. gr. 8°. (Pr. 10 Sgr.) b) Über die Aufsaugung der Salze im Bade. 
Bonn, A. Henry. 1869. 24 S. gr. 8". (Pr. 10 Sgr.) Auch abgedruckt 
Inder „Allgemeinen balneologischen Zeitung 3. Jahrg. 1869. S. 145 — 153. 

1868 14, Die kohlensauren Eisenwässer von Spa. Eine inuno- 
graphische Skizze. Aachen, M. Urlichs Sohn. 53 S. kl. 8". 
(Pr. 6 Sgr.) 

Erschien im Jahre 1869 in vermehrter Auflage in französischer 
Übersetzung von Albin Body. 

1869 15. Belehrung für das Bade-Personal von Aachen und 
Burtscheid. Aachen, M. Urlichs Sohn. 1869. IV und 27 S.U^ 

„ 16. Die Saisons-Kuren mit Milch und deren Präparaten sowie 
mit Obst und Kräutersäften. Erstes Heft: Die Kur mit 
Milch und den daraus gemachten Getränken (Molken, 
Kumys). Bonn, A. Henry 1869. 92 S. gr. 8«. (Pr. 10 Sgr.) 
Zweites Heft: Die Kur mit Obst (Trauben, Erdbeeren, 
Kirschen etc.), sowie mit Malzextrakt und Kräutersäften. 
Bonn, A. Henry. 1869. 54 S. gr. 8». (Pr. 10 Sgr.) 

Besprochen von Prof. Dr. Ludwig Ditterich in München in den 
„Blcättern für Heilwissenschaft". 1870. Nr. 1. S. 5—7. 

„ 17. Balneologie und klimatische Kurorte in dem „Jahres- 
bericht der gesammten Medizin", 1869. Bd. I. S. 391—408. 

1870 18. Die Thermalkur zu Aachen und Burtscheid im Winter, 
Frühjahr und Herbst in klimatischer Hinsicht. Aachen, 
Benrath und Vogelgesang. 1870. 14 S. 8°. (Pr. 4 Sgr.) 

(Scparat-Abdruck aus Göschen's „Deutscher Klinik" 1869. Nr. 51 
und 52.) 

„ 19. Geschichte des Bades Aachen. Benrath und Vogel- 
gesang. 1870. 84 S. 8». (Pr. 12 Sgr.) 

„ 20. Klimatotherai)ie und Balneotherapie, Jahresbericht der 
gesamten Medizin. 1870. Bd. I. S. 399—424. 

1871 21. Polymorphe Balneologie. Eine Abhandlung über ^and- 
bäder, Schlamm- und Moorbäder. Kiefernadelbäder und 
manche andere, weniger gebräuchliche Arten, von Bädern. 
Erlangen, Ferdinand Enke. 1871. 167 S. gr. 8". 

Besprochen von dem schwedischen Chemilicr Dr. N. P. Hamberg 
in der „Hygieia". Stockholm 1872. 




LICHTDRUCKANSTALT V. PET HONNEFELLER AACHEN 



— 9 — 

1871 22. Kliiuatotherapie und Balneotlierapie in <lein Jahres- 
bericht der «resamten Medizin. 1871. Bd. I. S. 387—408. 

1872 23. Die eisenhaltigen Saiierwässer von Malniedy. Eine 
monogropliisclie Skizze. Im Verlage des Brunnenvereins 
von Malmedy. Aaclien, M. Urlichs Sohn. 1872. 28 S. kl. 8«. 

^ 24. Aufsätze aus der Aachen-Burtscheider Kurliste vom 
Jahre 1S72 von Dr. Lersch. [Aachen] 1872. 31 S. 8«. 

Inliiilt. a) Ursprung und älteste Geschichte Aachens; 1)) Bruhezius 
rcdivivus; c) Schwefelbäder für Rhcuiuatismus; d) Hadcthcrmonieter; 
e) Das Bad Aachen im 16. Jahrhunderte; f) Gehalt der Burtscheidcr 
und Aachener Thermen an Chlornatrium; g) Über die Quellprodukte 
der Aachen-Burtscheider Thermen. Vortrag im Naturwissenschaft- 
lichen Vereine. 
„ 25. Klimatotherapie und Balneotherapie, in dem Jahres- 
bericht der gesamten Medizin. 1872. Bd. I, S. 413—439. 

1873 26. Neuester Führer in und um Aachen für Kurgäste und 
Touristen. Im Auftrage des Kurkomites herausgegeben 
von B. M. L. Aachen. J. J. Beaufort. (F. N. Palm.) Mit 
Holzschnitten und 2 Karten. 1873. 98 S. kl. 8^ (Pr. 10 Sgr.) 
Der Führer erlebte 6 Auflagen. 

Erschien 1874 in französischer, 1884 in englischer Übersetzung. 

1874 27. Die Herzogenrather Erdbeben im Jahre 1873. Auszug aus 
den Verhandlungen der naturwissenschaftlichen Gesellschaft 
zu Aachen. Sitzung vom 12. Oktober 1874. Druck von 
Franz Jos. Urlichs, Aachen. 28 S. 8". 

„ 28. Maximum-Thermometer zur Bestimmung der Tempe- 
ratur heisser Quellen. 1874. 4 S. 8^ 

1875 29. Merkwürdige Fälle von Hagelschlag. Kölnische Volks- 
zeitung 20. August 1875. 1. Bl. Nr. 229. 

1877 30. Ewiges Kalendarium. Zum gewöhnlichen Gebrauche 
und als Hülfsmittel chronologischer Studien eingerichtet." 
Münster, Aschendorff. 1877. 44 S. 8". 

1878 31. Die Ruinen des Römerbades zu Aachen. Eine auf 
Kosten des Aachener Museums-Vereins herausgegebene 
Abhandlung. Mit 2 lithographischen Tafeln. Rudolf Barth. 
1878. 23 S. gr. 8«. 

1879 32. Über die Ursachen der Erdbeben. Ed. Heinr. Mayer. 
Köln und Leipzig. 1879. 28 S. gr. 8«. (Pr. 1 M.) 

„ 33. Die Zahlenverliältnisse des Pianetensj^stems und der 
Atomgewichte. Köln und Leipzig. Ed. Heinr. Mayer. 1879. 
64 S. 8^ (Pr. brosch. M. 1.20.) 



— 10 — 

1879 34. Der Vesuv- Ausbruch im Jahre 1879. Zeitschrift Gaea. 

1879. XV. Band, Seite 655—668. 

1880 35. Kleine Pest-Chronik. Zeiten und Zeichen der orienta- 
lischen Pest. Köln und Leipzig. Ed. Heinr. Mayer. Neujahr 

1880. 76 S. 8". 

„ 36. Kalender des Naturbeobachters. Mit zwei Täfelchen 
zur Berechnung- des Ostervollmondes und der davon ab- 
hängigen Festtage und zur Wochentagsbestinimung. Köln 
und Leipzig. Ed. Heinr. Mayer 1880. VIIL und 92 S. 
kl. 40. (Pr. geb. 2 M.) 

„ 37. Die harmonischen Verhältnisse in den Bahn-Elementen 
des Planeten-Systems. Köln und Leipzig. Ed. Heinr. Mayer. 
1880. 59 S. 8^. (Pr. brosch. 1.20 M.) 

„ 38. Die Aachener Glockengiesser von Trier. Zeitschr. d. 
Aach. Gesch.- Ver. 1880. Bd. IT, S. 339 u. 340. 

1882 39. Kleiner Führer in Aachen, Burtscheid und Umgebung 
für Kui'gäste und Touristen. Auszug aus des Verfassers 
„Neuestem Führer". Mit Holzschnitt-Illustrationen und 
Stadtplan. Aachen. Rud. Barth. 1882. 95 S. kl. 8". Erschien 
1885 in zweiter und 1890 in dritter Auflage. 

1883 40. Aufsätze aus dem Kur- und Fremdenblatt von Aachen- 
Burtscheid vom Jahre 1883. [Aachen.] 1883. 8 S. 8". 

Inhalt: a) Aquis Grani? b) Dr. Bloudel; c) Nochmals Dr. Bloiidol; 
d) Zwei Briefe über Aachen und Burtscheid von James Drummond, 
Grafen von Perth, aus dem Jahre 1694; e) Strasscn-Pflasterung und 
-Reinigung. 

1884 41. Notizen über Kometenerscheinungen in früheren Jahr- 
hunderten. (Vorgelegt in der Sitzung am 15. Mai 1884.) 
Aus dem 89. Bande der Sitzungsberichte der Akademie 
der Wissenschaften. IL Abth. Mai-Heft, Jahrg. 1884. 
35 S. gr. 8". 

1885 42. Über die symmetrischeii Verhältnisse des Planeten- 
systems, als neue vollständig umgearbeitete Auflage zweier 
1879 und 1880 erschienenen Abhandlungen. Köln und 
Leipzig. Ed. Heinr. Mayer. 1885. 60 S. gr. 8«. (Pr. 1.20 M.) 

„ 43. Römische Legionsziegcl zu Aachen, Tegulae trans- 

rhenanae. Mit einer Tafel. Zeitschr. d. Aach. Gesch. -Ver. 

1885. Bd. Vir, S. 159—173. 

1887 44. Über die Ergiebigkeit der Aachener Thermal wässer. 

Den Mitgliedern des Naturhistorisclien Vereins gewidmet. 



— 11 - 
Aachen. Druck von F. X. l'aliii. 10. März l«h7. IG S. 

gl. u . 

1888 45. Neue Kalender-'l'ahellcu luiclilcstcr Handhabung- für 
Vergangenheit und Zukunft. Aachen. Rud. Barth. 1888. 
8 S. (Pr. 0.50 M.) 

1889 46. Einleitung in die Clirunohjgie oder Zeitrechnung ver- 
schiedener Völker und Zeiten nebst christlichem und 
jüdischem Festkalender. Aachen, ßud. Barth. 1889. 184 S. 
8". (Pr. 4 M.) 

„ 47. Kleinere Mitteilungen: 1. Der erste Buchdrucker in 
Aachen; 2. Meteorstein oder Hagelstein? 3. Aachener 
Tuch ; 4. Karl der Grosse im Bade. Aus Aachens Vorzeit. 
1889. IL Jahrg. Nr. 4, S. 61. 

„ 48. Aquisgrani? Aus Aachens Vorzeit. 1889. Zweiter 
Jahrgang Nr. 5. S. 65 — 74. 

1890 49. Kleiner Führer durch Aachen und Umgegend für 
Kurgäste und Touristen. Nach Di-. Lerschs „Neuestem 
Führer" bearbeitet. Nebst einem Plan von Aachen und 
der Umgegend. Aachen. Rud. Barth. 1890. (Grössere Aus- 
gabe) 96 S. kl. 8». 

„ 50. Kleinere Mitteilungen: Grani und die Granier. -- Por- 
cetum Forseti's Kultusstätte? — Die römischen Bäder 
zu Bath in England. — Schiffer in Aachen. — Das Bade- 
kalb. — Die Grabschrift des Gerhard Chorus. Aus Aachens 
Vorzeit. 1890. III. Jahrg. Nr. 1. 

1892 51. Die Heiligen des Jahres 1876 zu Aachen. Aus Aachens 
Vorzeit. 1892. V. Jahrg. Nr. 1, S. 6—10. 

„ 52. Lousberge und Lousbüchel. Aus Aachens Vorzeit 1892. 
V. Jahrg. Nr. 1, S. 10—14. 

„ 53. Vor hundert Jahren zur Zeit der französischen Revo- 
lution. (Echo der Gegenwart. Sonntagsblumcn. Aachen, 
den 18. Dezember 1892.) 

1893 54. Notizen über Kometenerscheinungen in früheren Jahr- 
hunderten, (ir. Mitteilung. Vorgelegt in der Sitzung am 
30. November 1893.) Aus den Sitzungsberichten der 
kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, Mathem.- 
naturw. Klasse. Bd. 102. Abtli. IIa. November 1893. 
Wien. F. Tempsky. 1893. 16 S. gr. 8°. 



— 12 — 

1895 55. Der Reliquien- Behälter des hl. Auastasius im Aachener 
Dom. Aus Aachens Vorzeit. Bd. YIII. 1895. Nr. 5—6, 
S. 74—90. 

1896 56. Christliche Auslegung einer bösen Karlssage. Aus 
Aachens Vorzeit. Bd. IX. 1896. Nr. 1 — 3, $. 33—35. 

„ 57. Kleiner Aachener Führer. Mit Holzschnitten und 
Stadtplan. Zum Teil nach dem Lersch'schen Führer für 
Aachen und Umgebung bearbeitet. Aachen. Rudolf Barth, 
1896. 64 und 16 S. kl. 8«. (Pr. 50 Pfg.) 

„ 58. Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Be- 
richten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thier- 
seuchen. Berlin 1896. S. Karger. 455 S. gr. 8^^. 
1899 59. Einleitung in die Chronologie. Zweite, umgearbeitete 
und stark vermehrte Auflage. I. Teil: Zeitrechnung und 
Kalenderwesen der Griechen. Römer, Juden, Mohammedaner 
und auderer Völker. Aera der Christen. 251 S. —II. Teil: 
Der christliche Kalender, seine Einrichtung, Geschichte 
und chronologische Verwertung. 189 S. Freiburg im Breis- 
gau, Herder. 1899. 8". 



Genealogie der Aachener Familie Gartzweiler. 

Von H. F. Macco. 

Die Bedeutung- der Familie Gartzweiler für die Aachener 
Gescliiclite beginnt mit dem Zeitpunkte, wo das „kaiserliche 
freie Lehn von den Horrich" in iiiren Besitz überging-. Um 
das Jahr 1450 war Johann von Horrich Lehnsherr; er verkaufte 
aber das ganze Lehn, zu dem damals neun Häuser in der Burt- 
scheiderstrasse von der Borngasse zum Marschierthor hin ge- 
hörten, im Jahre 1464 an den Ratsherrn Heinrich Gartzweiler I, 
nach dem es für die Folge auch „Gartzweiler Lehn" genannt 
wurde. Der neue Lehnsherr starb 1476. Nach den im Aachener 
Stadtarchiv vorhandenen Lehnsprotokollen, die mit den 
Lehnsartikeln aus dem Jahre 1454 beginnen, folgte Paulus ' 
Gartzweiler seinem im Sommer des Jahres 1537 verstorbenen 
Bi-uder Heinricli Gartzweiler II als Lehnsherr, dann ging das 
Lehn auf seinen ältesten Sohn Heinrich über, den die Akten 
vom 4. Juli 1553 bis 1575 als Lehnsherrn nennen. Vom26. Januar 
1576 bis zum 28. August 1591 finden wir Paulus Gartzweiler 
als Lehnsherrn. Dessen Nachfolger geht aus den Protokollen, 
die recht unvollständig sind und wiederholt ganze Decemiien 
überspringen, nicht hervor. Im Jahre 1612 bis zu seinem Tode 
am 20. Februar 1621 fungierte der Kanonikus am Marienstift 
Heinrich Pastor, ein Grossneffe von Paulus Gartzweiler I als 
Lehnsherr; der Schöffe und Rittmeister Georg Pastor von 
Meisenheim war sein Nachfolger. Als dieser 1648 starb; wurde 
Tillmann Gartzweiler Lehnsherr. 

Der erste bekannte Träger des Namens in Aachen war der 
um die Mitte des 15. Jahrliunderts lebende, bereits genannte 
Heinrich Gartzweiler, dessen Vorfahren sich wohl nach dem 



') Die erste Bclehnung, welche ins Lchnsbiich cinn^etrapfen ist, datiert 
vom 24. April 1538. l'ber die Zeit, in der Heinrich riartzwoiler II Lohus- 
licrr war, sind uns überhangt keinn Protokolle erhalten. 



— 14 — 

gleichnamigen Orte im Kreise Geilenkirchen nannten K Seine 
Ämter in der Stadtverwaltung- sowie die in seinem Testament 
erwähnten zahlreichen Renten, Pretiosen, Häuser und Güter 
weisen auf das Ansehen und den Reichtum desselben hin. Von 
seinen Söhnen ist der ältere, Heinrich mit Namen, der Begründer 
der Linie zu Aldenhoven; der jüngere Sohn, Paulus Gartzweiler, 
setzte den Namen in Aachen fort. Von seinen dreizehn Kindern 
soll Heinrich den Kriegszug Karls V. nach Tunis mitgemacht 
und einen Adels- und Wappenbrief erhalten haben. Melchior 
Gartzweiler, ein jüngerer Bruder des letztgenannten Heinrich, 
kämpfte im Jahre 1542 unter König Ferdinand gegen die Türken 
und machte die Belagerung Ofens mit. Ihm und seinem Sohne 
Paul wurde durch Diplom vom 21. September 1595 das alte 
Herkommen im rittermässigen Adelstande bestätigt. Paul von 
Gartzweiler, der Doktor beider Rechte und kaiserlicher Reichs- 
hofrat in Wien war, erhielt durch Diplom vom 28. Dezember 
1605 die Bewilligung, sich Gartzweiler von Westerhoven zu 
nennen, die Verleihung der roten Wachsfreiheit, Befreiung von 
bürgerlichen Ämtern und das Palatinat. 

Seinen Kindern wurde nach seinem Tode im Jahre 1612 
die Erlaubnis erteilt, ihr Wappen durch dasjenige der ausge- 
storbenen Mayer zu Hagenacker zu vermehren. 

Diederich Gartzweiler, ein zweiter Bruder Heinrichs, ist 
der nähere Stammvater der in Aachen gebliebenen Linie, die 



^) Ein naher Verwandter, vielleicht Bruder desselben, war der Bürger 
Johannes Gartzweiler in Düren, dessen Witwe Johanna (Jenne) Schanternel am 
If). Juni 1472 von der Stadt Aachen 60 Gld. Erbreute bezog und am 
12. März 1489 den Ehegatten Reinhard und Sibilla Koele Haus und Erb 
„zum Groenenwald" in Düren, an der Ecke der Kölnerstrasse zwischen deu 
Häusern von Claes Harpcrs, für 49 „Kaufmannsguldeu", 3 Mark und 2 Hühner 
verkaufte. (Kgl. Staatsarehiv zu Wetzlar, H 488/1887.) Kinder: 

1. Elisabeth, heiratete 1481 Stefan von Breidesloe (Breele), der sich bei 
dem erwähnten Verkauf 1489 für seinen abwesenden Schwager Johann 
Gartzweiler verbürgt. 

2. Christian, Bürger in Düren 1489, starb ohne Nachkommen. 

3. Mr. Johann Gartzweiler in Düren, heiratete am 10. Mai 1505 Gertrud 
von Berchem, Witwe Peters von Blitterswich, Tochter des Kölner 
Bürgermeisters Johann von Berchem und seiner Frau Gertrud. Johann 
starb ohne Nachkommen. Seine Witwe heiratete in 3. Ehe den Junker 
Franz von Hatzfeld, Herrn zu Wildenberg, Amtmann zu Levenberg, 
mit dem sie am 3. Mai 1540 ilir 'IVstamcnt errichtete. Hber ihre 



— 15 — 

nacli der zweiten Invasion der Franzosen ihre alte Heimat ver- 
lassen hat. Von seinen Enkeln hatte nnr Leonhard Gartzweiler 
Nachkonnnen. Dessen Sohn Tilhnann (geb. 1003) war Mitglied 
des Rats in Aachen. Aus seiner Ehe mit Katharina von den 
Hoff entsprossen mehrere Kinder, von denen Johannes sich mit 
Johannna Kloecker vermählte. Der Letzteren Sohn war der 
bekannte Dr. med. Johann Tillmann Gartzweiler, der sich im 
18. Jahrhundert um die Bade- und Trinkkuren in Aachen ver- 
dient machte. Sein Sohn Peter Hermann Kaspar (geb. 172;0 
gehörte zu den letzten Mitgliedern des Schöffenstuhls. 




IT) 13 



1778 



Wappen. 



Das Wappen des Geschlechts' zeigt nach uns erhaltenen 
Siegeln der Brüder Heinrich und Paulus Gai'tzweiler aus dem 
Jahre 1513 einen mit drei Kugeln belegten Querbalken, der von 
drei (2.1) ungebundenen Äiirenbüscheln begleitet ist. Der Helm 

Hinterlasscnscliaft, insbesondere das Haus „der wilde Mann", entspann 
sich 1541 zwischen Franz von Hatzfeld uiiil Paulus Gartzweiler in 
Aachen, der sich als Neffe Johanns auswies, ein Streit, Paulus (iartz- 
weiler wurde in die streitigen Güter durch das Dürener Schüffen2;ericht 
einj^esetzt, wogegen von Hatzfeld bcinilveicliskaiunicrgericht appellierte. 
Der Prozess schwebte noch 1553 und wnnle von den Kindern des 
Paulus fortgesetzt. Ein Endurteil fehlt. 



— 16 — 

trägt einen wachsenden bekleideten Arm, dessen Hand ein Ähren- 
bündel hält ^ In der nächsten Generation wurde das Wappen ver- 
ändert. Paulus und Melchior Gartzweiler führten in Blau einen 
silbernen Schrägbalken mit drei schwarzen Kugeln, auf dem 
Helm einen wachsenden schwarzen Adler, dessen Flügel mit je 
einem silbernen Schrägbalken, mit den drei schwarzen Kugeln, 
belegt sind. Das Diplom vom 21. September 1595 hat dieses 
Wappen bestätigt. Das den Kindern des um 1610 gestorbenen 
Hofrats Paul Gartzweiler von Westerhoven im Jahre 1612 
vermehrte Wappen war quadriert, mit dem Stammwappen als 
Mittelschild. Das erste und vierte blaue Feld enthält einen 
goldenen Stern, das zw^eite und dritte Feld ist gold und rot 
schräg geviertet. Zwei Helme: Der erste trägt den Adler 
des Stammwappens, der zweite einen goldenen Stern zwischen 
einem blauen und einem gold und rot schräg gevierteten Flug ^. 

Genealogie. 

I. Heinrich Gartzweiler, städtischer Baumeister (1445 und 
1470), Sendgerichtsschöffe (1474), Ratsverwandter und Mitglied 
der Gesellschaft zum Bock-^ Er kaufte am 6. November (up 
sent Leonardsdag) 1445 für 900 oberrh. Gulden von der Stadt 
60 Gulden jährliche Rente und am 7. März 1471 für 520 Gulden 
noch 26 Gulden, die sich auf seine Kinder vererbten*. Am 
10. August 1464 erwarb er von den Ehegatten Johann und 
Katharina von Horrich für 1800 gute schwere Gulden das 
kaiserliche Hoflehn in der Burtscheiderstrasse und melirere Erb- 
renten, Häuser und Grundstücke \ Im ganzen waren es 97 
verschiedene Titel, unter denen genannt seien: 

1 . Ein Haus und Erb in der Scherpstrasse, auf die Gayssstrasse ^ 
ausgehend, mit einem kleinen Häuschen, allernächst dem 
Schöffen Alard von der Smitten. Davon galt das grosse 



») Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, A 50/62, Bd. J, fol. 175. 

■'') Beschreibung und Zeichnung des Diploms. Vgl. auch das Stammbuch 
der Familie Kloecker im Besitze des Herrn Frz. Thcod. Helmkeii in Küln. 

3) Maeco, Beiträge etc. Bd. II, S. 154. 

*) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, A 50/62, Bd. T, fol 89 und 1C3. 

^) i)gl. S 2778/9:^52, fol 41. 

*) Gayss- oder Gengstrasso, die heutige Jesuitenstrasse. 



an Grete Schwa3^ne* 4 Kapaun und (i Schilling-, das kleine 
G Pfennig-. 

2. Zweidrittol eines Hauses „zu dem bonten Ochsen" in der 
Burtscheider Strasse, in dem Lenz Kanteng-iesser wohnt, 
neben dem Hause zum Engel. Dasselbe war bescliwei-t 
mit l Gulden an die Flau des Schöffen Thomas Elreborn. 

3. Sechseinhalb Morg-en Benden hinter der Resdailsmühle ^ 
und der neuen Steinküll." 

4. Siebeneinhalb Morg-en Benden zwischen Kalkofen und der 
Hagemüll le, bei „Hern Jolian Hartman und Juttens erb von 
den Broch". Diese 7^2 Morgen waren beschwert mit 
5 Schilling an Wilhelm von Barsdunck. 

5. Fünf Morgen Benden, genannt die Hirschbenden, zwischen 
Haaren und der Hochbrück, beschwert mit Mark an die 
Kirche zu -Haaren. 

6. Eineinhalb Morgen Benden „in die Hayde neest hern Peters 
erf van Segraide", beschwert zu Gunsten der Grafschaft 
von St. Jakob mit 1 Schild „den num bezahlt mit 4 mai'k 
ind 3 ß." 

7. Ungefcähr sechs Morgen Land „uff gen Hochefeld bovcn 
Vetschauerkuyle". 

8. Zwei Mark Erbzins an die Stadt zu Weihnachten. 

9. An Coyn Buysche's Haus in der Gayssstrasse, gegenüber 
dem Backhause von Johann Kempen, 4 Gulden Erbzins. 

10. Zwei Mark an dem Hause zu Pauwe, gegenüber dem 
„panhuis" zur Merkatz. 

11. Sechs Mark 4 Schilling an Wilhelm Ortmans Haus in der 
Gayssstrasse. 

12. Einen Kapaun 14 Denare an Wilhelm Prime's Kinder, von 
einem Stück Land, das Kabuysser gehörte. 

Heinrich Gartzweiler war zweimal verheiratet. Seiner 
ersten Ehe mit Heilwigis Pastoir, einer Tochter des reichen 
Brauers und Ratsherrn Johann Pastoir im Birnbaum und der 
Margarete Schwan (Sw^ayn), scheinen keine Kinder entsprossen 
zu sein. »Sie verkauften am 14. Januar 1460 einen halben Morgen 
Benden an der Hochbrück bei Haaren, Kirchbenden genannt, 
an die Ehegatten Konrad und Katharina Bonen ■'. Von seiner 



') Sie war die Gattin von Johann Pastoir im I>irnbauni. 

'^) Am Kölnsteinwcg. 

^) Kg]. Staatsarchiv /.u Düsseldorf, RegulierhcrrtMi, Vrk. 22. 



— IS — 

zweiten Frau Sibilla (Beilgen) von Wirth, einer Tochter von 
Paulus von Wirth, stammen drei Kinder. Schwer erkrankt 
machte er am 6. Juli 1476 sein Testament, worin er folgende 
Legate festsetzte: Der St. Lambertkirche in Lüttich ^/^ Gulden, 
der Marienkirche 2 Gulden, St. Foillan 1 Gulden, seinen drei 
unmündigen Kindern 6000 Gulden und alle Wertsachen, seinem 
Bastardsohne 26 Gulden städtische Erbrente und je 2 Giilden 
für seine Verwandten Johann von Wirth, Peter von Kelmys, 
Heinrich Gronendal, Hermann Pastoir und Johann Muenten. 
Seiner Frau besetzte er für den Fall ihrer Wiedervermählung 
eine jährliche Rente von 200 Gulden ^ Bald nachher starb er, 
und seine noch jugendliche Witwe heiratete im Jahre 1477 den 
Ratsherrn Hermann Pastoir, der im Jahre 1500 Bürgermeister 
wurde und 1503 als Rentmeister der Stadt vorkommt. Sie gebar 
ihm vierzehn Kinder und starb im Jahre 1504. Über die 
Teilung ihres sehr bedeutenden Vermögens kam es zwischen 
ihren Kindern erster und zweiter Ehe zu heftigen Streitigkeiten 
und Prozessen, doch erhielten schliesslich die Kinder Gartzwcilcr 
ihre Erbgüter, während an die Kinder Pastoir die „gereidten" 
(beweglichen ^) Güter kamen. 
Kinder: 
1. Heinrich Gartzweiler, Lehnsherr des Gartzweiler Leims 
1476 — 1537, wurde im Jahre 1518 in die Gesellschaft 
zum Bock aufgenommen und gelangte aus ihr in den Rat. 
Nach dem uns noch in älterer Abschrift erhaltenen Heirats- 
vertrag von „Dinstag nyest na sent Petersdach ad vincula 
(4. August)" 1494 vermählte er sich mit Klara von Ham- 
boich aus Aldenhoven, einer Tochter des verstorbenen 
Vogts von Wiliielmstein und der gleichfalls verstorbenen 
Gertrudis von der Wehe^. Sie brachte ihm neben zahl- 
reichen Renten ansehnliche Güter zu Aldenhoven in die Ehe. 
Kinder : 

a) Sibilla, verheiratet mit Konrad Hensen in Köln 1537. 

b) Heinrich d. J., Handelsmann in Aldenhoven, tot 1523 ^ 



') Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, G 107/239. 

^) „Zinn, kuyfferwerk, silvergeschyr, gestryffde bedde ind wes der hamer 
geroirt liait ind was mit ysser umbslagen, is viir erbliche bewegliche guter 
geacht ind geschctzt." 

») Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar A 50/62, Bd. 1, fol. 307 folg. 

*) Nale (Petronclla), Schwester von Diederich und Paul Moeren war mit 
Heinrich Gartzweiler in Aldenhoven verheiratet. Aus der betreffenden Ur- 



— 19 — 

c) Peter 152;}. Aus dem Umstand, dass er seinem Vater 
nicht als Lelinslierr folgte und dass er später niclit 
mehr erwähnt wird, darf man wohl sein vor dem Jahre 
1537 erfolgtes Ableben schliessen. 

2. Paulus, siehe IL 

3. Johanna ^ heiratete den Aachener Bürger Peter von der 
Heiden d. J., Sohn von Petci- von der Heiden d. A. 
und Katharina Kloecker, die als Witwe den Ratsherrn 
Johann Pastoir im Birnbaum heiratete. Peter kaufte am 

* 

12. Oktober 1518 von seinen Schwägern Heinrich und 
Paulus Gartzweiler deren Anteil an 60 Gulden städtische 
Erbrente, die von Heinrich I herrührte und welche bisher 
gemeinschaftlich erhoben worden war. 

•Peter von der Heiden führte einen Löwen in einem mit 
fünf Balken belegten Schild, er gehörte demnach zu der 
gleichen Familie, aus der das Aachener Schötfengeschlecht 
und die späteren Grafen von der Heiden, gen. Belderbuscli, 
hervorgegangen sind. 
Kinder: 

a) Anna, Professmutter zu St. Nikolas in Köln, besass aus 
der Teilung des elterlichen Nachlasses 2 Morgen Gärt- 
nerei im Hambroich vor Jakobsthor. Sie starb am 
18. Juni 1574% 

b) Adolf. 

c) Peter, f zu Aachen ohne Nachkonnneu. 

d) Christof, f kinderlos. 

e) Maria. 

f) Katharina, f unverheiratet. 

4. Heinrich, illegitim, gezeugt mit Elisabeth (Lysgen) von 
St. Vith. 

IL Paulus Gartzweiler, Lehnsherr des Gartzweiler Lehns, 
1537 — 1553, Mitglied des Rats und der Gesellschaft zum Bock, 
Eigentümer und Weinwirt im Corneliusbad'', wurde im Jahre 

kundc ist aber nicht klar ersichtlich, ob es sich hier um den Vater, oder 
den Sohn handelt. 

') Sie war nach Akten H 751/2472 im Kg\. Staatsarchiv zu Wetzlar 
eine natürliche Tochter. 

-) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, B 1247/4;nf;. 

") Anscheinend hat das Ead seinen Namen nach dem heiligen Cornelius, 
doch ist es bemerkenswert, dass es in dem um 1 l(;o angelegten Grafschafts- 
luich d(>r Kölnthorgrafschaft einem Cornelius von KImpt gehörte, so dass 



- 20 — 

1477 zu Aachen geboren. Im Jahre 1514 empfing er vom 
Schleidener Lehnhof die Belehnung mit der Wettem-Mühle in 
der Soers. Am 20. Dezember 1533 verkaufte er mit seinem 
Schwager Franz von Merssem \ geholfen in Düren, und der ledigen 
Caecilia von Gymmenich^ an Johann von Stommel und Johanna, 
seine Frau, das Haus „die Muyss" am Radermarkt, zwischen 
den Häusern zum Bischofstab und zur Lilie, nebst vier kleinen 
Häusern in der Hardewinstrasse für 13'/2 Guldgulden, die in 
sechs Jahren zu lösen waren. Von ihm sind aus dem ehemaligen 
Reichskammergericht stammend zahlreiche Prozessakten vor- 
handen Übel" Streitigkeiten, die er gegen seine Stiefgeschwister 
Pastoir, sowie die Erben von der Heiden wegen Erbschafts- 
angelegenheiten führte. Er starb im Januar 1553 nach kurzer 
Krankheit in seinem Hause neben dem „Kelmiss" in der Geng- 
strasse und wurde im Predigerkloster begraben. 

Aus seiner Ehe mit Maria Pastoir (f vor 1552), einer Tochter 
des Schöffen und Bürgermeisters Johann Pastoir im Birnbaum 
und seiner Frau Katharina Kloecker, stammen dreizehn Kir.dor: 

1. Katharina, vermählte sich mit dem kaiserlichen Notar 
Libert Vrenz (aus Mastricht) in Aachen, der im Jahre 
1552 in der Scherpstrasse, 1555 „unter der Schmied" 
wohnte. Er heiratete in zweiter Ehe Maria von Mors- 
bach (1568). Sein Wappen enthält drei (2.1) Rosen. 

2. Heinricli, Lehnsherr des Gartzweiler Leims 1553 — 1575, 
geb. 1518'^ Anhänger des neuen Glaubens, wohnte nach 



nicht ausgcschloseu ist, dass es nach diesem benannt wurde. Cornelius von 
Ehupt hatte das Bad von einem gewissen Rouckerts gekauft. Ihm gehörten 
auf „Kuraphuysbat" noch mehrere Häuser, die er am 25. April 1458 von 
den Geschwistern Peter, Katharine, Margarete und Caeeilie von der Heiden 
erworben hatte. 

^) Franz von Merssem (auch Meissem), Schöffe und Bürgermeister von 
Düren, geb. daselbst 1498, heiratete in erster Ehe Katharina Pastoir (f vor 1547) 
und in zweiter Ehe 1547 Agnes Einck aus Köln, die sich nach seinem Tode 
(Oktober 1562) mit dem Oberst Erasmus Langenbusch gen. Sasserath und 1576 
mit dem Junker Werner von Merode zu Buir vermählte und im Jahre 1589 starb. 

^) Tochter von Peter von Gymmenich und Margrete von der Heidon. 
Sie starb am 30. Oktober 1535. 

^) Obschon er selbst nach seinen Zeugenaussagen 1519 und sein Bruder 
Paulus 1518 geboren sei soll, muss es sich doch umgekehrt vorhalten, da 
Heinrich seinem Vater als Lehnsherr folgte, wozu nach den Lehnsartikeln 
stets der älteste Sohn lierufim war. 



— 21 — 

seinen Angaben IT);")? in der „Glocke" „unter der Lieb- 
IVauenkiiclie" und 1564 im elterlichen Hause in der 
Gengstrasse. Letzteres wurde im Jahre 1617 von 
seinen Erben zur Erbauung der Jesuitenkirche an den 
Rat verkauft. Heinrich Gartzweiler soll, wie das Adels- 
diplom seines Bruders besagt, 1541 die missglückte 
Expedition Karl V. nach Tunis mitgemacht und einen 
Wappen- und Adelsbrief erhalten haben'. Im Jahre 
1558 und 1559 war er Mitglied des grossen Rats in 
Aachen und 1578 städtischer Baumeister. Sein Tod 
fällt zwischen den 5. September 1575 und den 
26. Januar 1576. 
8. Paul, Lehnsherr des Gartzweiler Lelins 1576 — 1591, 
geb. 1519, lebte 1550 als Privatmann in Aachen, ge- 
langte 1580 und 1581 aus der Schneiderzunft in den 
gros'sen Rat. Er besiegelte 1556 eine Quittung über 
3 Thaler städtische Rente mit einer Hausmarke, 
welche sich im 18. Jahrhundert ähnlich bei den Burt- 
sclieider Gartzweiler wiederfindet. Seine Witwe 
Katharina Newdorf besass das Gut Krauthausen bei 
Cornelimünster. Sie wohnte im Jahre 1603 in Lüttich. 

4. Sibilla (Bela), heiratete Konrad von Leuwendal zu 
Pattern (1553), der 1573 starb. 

5. Johann kommt 1553 und 1554 mit seinen Geschwistern 
Heinrich, üiederich, Paulus und Sibilla in einem Pro- 
zess vor^ 

6. Jakob, vertrat 1545 seinen Vater in einem Rechtsstreit 
gegen die Brüder Johann und Heinrich Sturm und 
Konsorten. Er kommt noch 1580 vor. 

7. Elisabeth, heiratete Johann Büter auf Soerserhaus 
(Bütershof), der am 7. September 1603 infolge eines 
Schusses durch die Kinnbacken starb. Sie wird noch 
1608 erwähnt. 



") Die Angabc über die Erteilung des Adelsbricfes, der iiberdics an- 
geblich auf dem Zuge nach Tunis verloren worden sei, verdient wenig Glauben. 
In li^eincr Urkunde finden wir Jfciuricli Gartzweiler als Adligen bezeichnet. 
Anderseits wiederholt sich der Hinweis auf eine ältere unnachweisliche 
Nobilitirung in zahlreichen Diplomen jener Zeit. 

^) Kgl. Staatsarcliiv zu Wetzlar S 2778/9352, fol. 220, u. H 488/1887 
foi. 67 um! 68. 



— 22 — 

8. Adelheid, (luittierte 1556 über 3 Tlialer städtische Rente, 
vermählte sich am 18. Juli 1576 mit dem Goldschmied 
Franz Kloecker (geh. zu London am 10. Februar 1548, 
t zu x\achen am 4. Juni 1625), der nach ihrem Tode 
am 13. November 1584 Elisabeth Schetters heiratete ^ 

9. x4.nna, quittierte 1556 über 3 Thaler städtische Rente, 
sie erbte einen halben Anteil an der Wettemmühle, mit 
dem sie am 10. Oktober 1553 belehnt wurde. Aus 
ihrer Ehe mit Heinrich Kloecker, einem Bruder ihres 
Schwagers, entspross eine Tochter, die mit Simon von 
Hausen^ vermählt war. 

10. Diederich, hinterliess mit seiner Frau Maria (1564) 
mehrere Kinder, die im Jahre 1564 noch unmündig 
waren. Mit seinen Enkeln blühte der Stamm in Aachen 
weiter. Siehe S. 23 V. 

11. Melchior, siehe III. 

12. Agnes, heiratete am 9. August 1578 Arnold von Gelehn, 
der in dritter Ehe mit Anna von Montfort vermählt 
war. Ihre Tochter Agnes von Gelehn wird 1620 als 
Witwe von Wilhelm von Wirtli in Aachen genannt. 

13. Maria, empfing 1556 von der Stadt 3 Thaler Erbrente ^. 

III. Melchior Gartzweiler, kämpfte 1542 unter König Ferdi- 
nand gegen die in Ofen verschanzten Türken. Als die Be- 
lagerung infolge Rebellion der Landsknechte aufgehoben werden 
musste, kehrte er in seine Vaterstadt zurück und empfing am 
11. April 1553 vom Schleidener Lehnhof die Belehnung mit der 
ihm zugefallenen Hälfte der Wettemmühle*. Am 21. September 
1595 erhob Kaiser Rudolf II. ihn und seinen Sohn Paul in den 
erblichen Reichsadelstand ^. Sohn: 

IV. Paul von Garzweiler zu Westerhoven, trat im Jahre 
1575 in die Zunft zum Bock in Aachen ein, studierte die Rechte, 
wurde Doktor beider Rechte und kaiserlicher Reichshofrat in 



^) Vgl. Loerscb in der Zuilschrift des Aachener GeschicLtsvereins 
Bd. XV, S. 72 und Macco, Beiträge Bd. I, S. 146. 

'■') Sein Sohn war Simon von Hausen,' Kanonilius am Marienstift, eine 
Tochter Katharina von Hausen heiratete den Bürgermeister Acgidius Bleienheuft, 
geb. 15GG, erschossen im Hause /um gohlenenBock am Markt am 20. Mai 1622. 

^) Stadtarchiv Aachen Rentquittungen. 

"*) Stadtarchiv Aachen, Schleidener Lehn. 

*) Siehe Diplom im Anhang. 



— 23 — 

Wien, erhielt 1(505 die Bewilli<^-mig- sich nach seinem Gute Wester- 
hoven zu nennen und die Verleihun^i,^ des Pfalzgrafentitels. 
Er starb vor 1612. 

Kinder: 

1. Marcus Albrecht. 

2. Philipp Neidhard. 

3. Sibilla Euphrosine. 

Sie erhielten durch Diphjni d. d. Prag, den 18. Oktober 1612 
Waj)penverniehrung durch das Wappen des k. k. Hauptmanns 
Anton Mayer zu Hagenacker. 

Zu dieser Linie gehörte auch Wolfgang Jakob Garzweiler 
von und zu Westerhoven, der sich um 1625 in das Stammbuch 
des Kanonikus Heinrich Kloecker eintrug. 

V. Leonhard Gartzweiler', wird im Jahre 1603 mit seinen 
Brüdern Diederich und Jakob Gartzweiler in einem Rechtsstreite 
erwähnt, den Paulus Gartzweiler und die Brüder Jakob und 
Adam Pastor wegen der Hinterlassenschaft der f Anna von der 
Heiden 1581 gegen Peter von der Birgden führten-. Zu seiner 
Partei gehörten 1617 u. a. Anna Gartzweiler, „der Alheid 
Gartzweilerin hinderlasser ehman Simon Butteren^", Diederich 
und Heinrich Gartzweiler, ferner 1618 Eobert von Eteringhen 
als Mann von Katharina Gartzweiler. Im Jahre 1629 schwebte 
der Prozess noch, von der Familie Gartzweiler war aber nur 
nocli Leonhard übrig geblieben. Er siegelte mit einem mit drei 
Kugeln belegten Schrägbalken, auf dem Helm zwei Flügel. 
Gem. Mechtildis, wohnte 1626 im „Goldnen Stern" am Markt. 
Kinder : 

1. Tillmann, siehe VI. ^ 

2. Leonhard, gestorben in Aachen am 27. August 1662, 
heiratete zu St. Foillan am 3. November 1637 Helene 
(Heckel) Kniprath, wovon 

Leonhard*, get. zu St. Foillan am 12. Oktober 1642; 
Paten : Simon und Helene Cobus. 

3. Sofie, get. zu St. Foillan am 30. Dezember 1607. 



') Eukel von Diederich II. 10. S. 22. 

=*) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar B 1247/4316. 

') Als Gattiu von Simon Büter finde ich sonst nur Maria von Thcncn, 
die ihn ülierlebte. 

*) Am 6. Juni 1661 heiratete zu S. Peter ein Leonhard Gatzweiler 
Maria Körten. 



— 24 — 

4. Maria, heiratete am 18. Februar 1631 Aegidius Lers 
in Aachen. 

VI. Tilhiiann^ Gartzweiler, Lehnsherr des Gartzweiler 
Lehns und Sendschöffe, get. zu St. Foillan am 21. September 1603, 
wohnte in dem Hause „zum Paradies 2" neben dem „Stern" am 
Markt, welclies beim Stadtbrande 1656 eingeäscliert wurde. 
Er heiratete am 2. Mai 1629 zu St. Foillan Maria Gröning'en, 
Tochter von Gerhard Groningen. Sie starb nach kurzer Ehe, 
worauf sich Tillmann am 3. September 1635 mit Katharina von 
den Hoif, Erbin des Hauses „zum Paradies", Tochter des Schöffen 
Johann von den Hoff (Hove) in Aachen vermählte. 

Kinder ^ : 

1. Mechildis, vermählte sich mit dem vereideten Gerichts- 
prokurator Hans Heinrich de Bettonville (1656), einem 
Sohn von f Arnold de Bettonville und Sibilla Rüben. 

2. Johannes, siehe VII. 

3. Sofia, 1656 grossjährig aber ledig. 

4. Paulus, get. am 18. April 1641; Paten: Simon Cobius 
und Petronella von Rode. 

5. Katharina, get. am 16. November 1642, f bald nachher. 

6. Elisabeth, get. am 8. März 1646. 

VII. Johannes Gartzweiler, widmete sich der Jurisprudenz 
und wurde kaiserlicher Notar in Aachen. Er vermählte sich 



^) Er dürfte wohl seinen Nameu haben von Tillmanu Gartzweiler, der 
ara 13. September 1611 Churmeistcr und am 13. Februar 1618 Schöffe in 
Biirtscheid wurde. Er kommt daselbst noch 1628 als Schöffe vor. Seine 
Nachkommenschaft war im 17. und 18. Jahrhundert nait den angesehensten 
Burtscheidcr Familien verschwägert. 

Abraham Gartzweiler in lUirtscheid heiratete 1. Erncstine Drocn, die 
am 15. Blärz 1653 starb, 2. am i;i. Juni 1654 Mechtildis Voss. Er starb 1604. 
Kinder: 

1. Jolianna, get. zu Rurtsciieid am 17. ]\lai 1654. heiratete Kornclius a 
Carapo. 

2. Sibilla, get. zu Burtscheid, am 29. Oktober 1656, f am 16. April 165S. 

3. PetroncHa, get. zu Burtscheid am 11. März 1659, j am 28. März 1659. 

4. Katliarina get. zu Burtscheid am 16. Mai 1662, heiratete den Sekretär 
Antun a Oampo, der 1713 als Schöffe vorkommt. 

") Heute Haus Nr. 52. 

'') Vgl. Taufbücher von St. Foillan. — Vielleicht gehörte hierher noch 
Anna Maria Gartzweiler, die ara 26. NovcmbcH* 1672 dorn. Anton Meilini und 
am 12. August 1682 Aegidius Bonn heiratete. 



— 25 — 

ZU St. Peter in Aachen am ü. Septenibei' 1682 mit Johanna 
Kloecker, Tociiter von Johannes Klueckei- und Johanna von 
Schell. 

Kinder: 

1. Johann Tillmann, siehe VIII. 

2. Franz Aegidius, get. zu St. Foillan am 16. Dezember 1685. 
VIII. Johann Tillmann Gartzweiler, Dr. med. und ange- 
sehener Badearzt in Aachen, get. zu St. Foillan am 12. Juli 1683. 
Nach dem Tode des Dr. Charle bewarb er sich mit den Ärzten 
Theodor von der Gracht und Jakob Schwartz um die frei 
gewordene Stelle eines Stadt- und Gasthausarztes. In seinem 
diesbezüglichen Bewerbungsschreiben, welches am 8. November 
1737 im Rate verlesen wurde, hob er hervor, dass er schon 
30 Jahre lang praktiziere, über tausend arme Menschen gratis 
behandelt und auch das hiesige Armenhaus seit dessen Bestehen 
„und zwar bei der gefährlichsten Dissenteriezeit" unentgeltlich 
bedient habe. Es seien ihm auch bei der letzten Wahl eines 
Stadtmedikus zahlreiche Stimmen zugefallen. Ausweislich der 
Ratsprotokolle wurde er sofort angestellt. Er behandelte im 
Jahre 1742 König Friedrich den Grossen, der sich allerdings 
wenig schmeichelhaft über seine Kurmethode ausspricht. Er 
lebte noch 1748. Aus seiner Ehe mit Gertrud Therese KoU 
stammen dreizehn Kinder ^ : 

1. Maria Agnes Adelgundis, get. am 13. Mai 1716. 

2. Johann Josef Bernhard, get. am 28. Dezember 1718, 
war 1763 Kanonikus zu Worms. 

3. Theodor Wilhelm, get. am 31. Januar 1721. 

4. Peter Hermann Kaspar, siehe IX. 

5. Katharina Isabella, get. am 26. April 1724. 

6. Ambrosius Friedrich Anton, get. am 24. Mai 1727. 

7. Maria Josefine Franziska, get. am 3. Mai 1729. 

8. Edmund FlorentiusKornelius, get. am 4. September 1731, 
wird im Jahre 1763 als Kapitän in kaiserlichen Diensten 
genannt. 

9. Maria Agnes Johanna Franziska, get. am 13. Okt. 1732. 

10. Jakob Ludwig, get. am 4. Dezember 1733. 

11. Johann Heinrich Adrian, get. am 26. Januar 1735. 

12. Franz Wilhelm Michael, get. am 19. Juli 1736. 

13. Mathias Josef Paul, get. am 17. März 1738. 

1) Sämtlich zu St. Foillan pfotiiuft. 



— 26 — 

IX. Peter Hei'maiin Kaspar von Gartzweiler, get, ain 
6. Januar 1723, studierte die Rechte, wurde im Jahre 1756 in 
die adelige Sternzunft aufgenommen und in demselben Jahre 
Schüffensyndikus. Im folgenden Jahre ernannte ihn der Kurfürst 
von der Pfalz zu seinem Rat; 1760, 6L 64, 65, 68, 69, 73 und 
75 gehörte er — aus der Sternzunft erwählt — dem Rate in 
Aachen an; 1786 war er Greve dieser Zunft und gelangte 1778 
in den „adeligen" Schöffenstuhl. Er spielte während der IMäkelei 
eine Rolle, wurde mit Theodor Bettendorf durch Kammergerichts- 
urteil vom 10. Dezember 1787 aller Ämter entsetzt, aber am 
17. Februar 1792, da er sich inzwischen ruhig verhalten, wieder 
zur Stimm- und Wahlfähigkeit zugelassen ^ Während der 
französischen Herrschaft war er nach Auflösung des Schöffen- 
gerichts vom 3. Januar 1795 bis zur Wiederherstellung der 
alten reichsstädtischen Verfassung 1797 Friedensrichter iu 
Aachen. Sein Schöffensiegel enthält den mit drei Kugeln belegten 
Schrägbalken und auf dem Helm einen wachsenden gekrönten 
(schwarzen) Adler dessen Flügel mit dem Schrägbalken belegt 
sind^ Schon bei seinem Eintritt in den Schöffenstuhl führte er 
das Adelsprädikat; ob er aber in den Adelstand erhoben worden 
und ein Diplom erhalten hat, oder ob er sich lediglich wegen 
seines Schöffenamts als adelig betrachtete, ist mir unbekannt. 

Er vermählte sich am 26. August 1756 mit Maria Theresia 
Mechtildis Brammertz^ s&t. zu Aachen am 26. Januar 1739? 
Tochter des Bürgermeisters uiul kaiserlichen Lehnverwalters 
Johann Leonhard Brammertz und der Maria Mechtildis Therese 
geb. Lütgens. 

Kinder': 

1. Maria Theresia Josefine Jakoba, get. am 31. Juli 1757. 

2. Maria Petronella Johanna, get. am 10. September 1759. 

3. Mathias Josef Peter Ignaz, get. am 9. Juli 1761. 

4. Maria Anna Josefine, get. am 7. Mai 1763. 

5. Maria Josefine Franziska, get. am 17. April 1765. 



') Vgl. Oppcnhüff in der Zeitschrift des Aachener Gcschichtsveroins 
IUI. XV, S. 324. 

*) Siegel vom Jahre 1778 im Aachener Stadtarchiv. 

■■') Bei von Fürth, Aachener ratrl/ier-Familien I'xl. 1, 2. Aniiang 
S. 16 heisst sie Maria Sibilla Therese. 

*) Sämtlich zu St. Foillan getauft. 



27 — 



6. Friedrich Anton Ambrosius, <^et. <uu 23. Februar 1767. 

7. jMartin Lambert Franz, get. am 1. September 1708. 

8. Edmund Winand Maria, get. am 7. Oktober 1770. 



Anlagen. 

i. Satzungen des Gartzweilei* Lelins in Aachen. 

A. D. 1454. 

Item yd is zo wissen wie man dat leyu van den Horruck gelegen zo 
Aiclien yn synre wryiieit ind yn aldcn rechten halden sali ind van altz her 
gehalden halt. 

In den yrsten wie des erfs van den vurg. leyne in off ussghaen wilt, 
de mach doyn overmyLz zweync off dry van den geswoircn laissen ind over- 
mitz den Icynhcrc ind overmitz die, mach man erven ind unterven, gucden 
ind iintguedcu ind dan gebuert demc leynhere daer van nuyn wisspennynge 
ynd yeder laisse, die dar by is, malUch dry buyssen ind deine knechte 4 ß 
ind wilch laisse neit darby en were, die en sal daer van neyt haven. 

Item wilch laisse geboideu wurde van des leyns wegen inde dan neit 
en queine iip die zyt als he gebueden ind bescheyden were, de is iip die 
cleync boisse, datz neymlich dry schyllinge ind dar vur mach yn der leyuhcr 
off syn knecht selver mögen penden. 

Item wilch laisse geboiden wurde van des vurg. leyns wegen uj) die 
groissc boisse ind dan ungehoirsam were ind neit en queme, de is up die 
groisse boisse, datz neymlich vunff marck alduck dat gevelie ind daer vur 
mach der lej-nhere ouch penden ind van den 5 marck suUen die laissen haven 
den derden pennunck. 

Item we dem leynheren cynche peude weirden, de sals ouch syn umb 
5 marck, as duck dat geschege ynd dar van sullcn ouch die laissen dat 
derdeil haven. 

Item we intgen den leynheren vrevelde ind intgen dat leyn ind untgen 
syucn cydt, de wirdt demc leynhere vellich, doch mach der selve sich avcloissen 
umb 5 marck up genaiden des leynhere ynd dar van sullen die laissen haven 
den dyrden pennunck. 

Item weirt sache dat eyuich der laissen mit upsatze ungehoirsam were 
ind neit doyn en wulde dat erac van eyds ind rechtz w'Cgen des leynheren 
gcbucrde niyt deme mach der leynher doyn up genaido ind altzyt nae wysonge 
der laessen. 

Item weirt sache, dat up deine leyn yed geschege off umb des leyns 
wille, so sal der gliyn, deme dat geschege, syncn leynhere aynroiffen umb 
cme die gewalt att' zo doyn ind gericht zo wer den ind we dar vur eynghen 
anderen here off hulpe anricffe, de sal ouch dem leynhere vurß. vellich syn 
up 5 marck ind den deirden peunuuck den laissen. 



— 28 — 

Item oif der leynlierc diit gewalt uyet gekcren en künde, so sal he den 
meyer als den oversten liere van des rychs wegen aynroiffen ind de sal dan 
demc leynhere bystendicb syn ind dan sal der meyer dac van haven 2'/:.. marck 
ind nyet mc ind der leynhere 5 marck as duck dat geschege ind den dyrden 
pennunck den laissen. 

Item nyeman cn sal up deme leyne mögen penden noch doyn penden 
dan alleyne der leynher off syn amptman ynd aleync van sacken die deme 
leyne antreffen, beheltlich vort mallich syns rechs. 

Item der leynhere en sal egeyne willc umb cgeyne sacken an yeman 
van synen laissen mögen doyn noch viirkeren, he cn havc sy ne laissen da.t 
umb geheust ind die yrst darumb gemaent ind die laissen en havent yemo 
yrst mit ordel gevryst, als des leyns rechs ys. 

Item so waane der leynhere syne laissen by den anderen deyt gebeden 
ind die laissen by den anderen synt wo dan under yn unhoisch were, off 
den anderen liegen hiessehe, de sals darumb tzer boissen syn :in den leynhere 
umb 5 marck, asduck dat geschege ind altzyt nae wysongen der laissen ind 
den dyrden penninck den laissen. 

Item off eynich laisse van doide wegen avegienge, halt die dan eligc 
kyuder, so sal der eiste son dat leyn untfangen in behoiff syn inde syure 
broider oft' susteren bynnen dry dagen in sees wechen nae doide des laissen 
ind en Hesse der laisse egeyn kynder, so sal syn neiste recht crve dat leyn 
untfangen yn behoiff syn ind synre gedelingen bynnen der zyt vnrß. ind Hesse 
der laisse cyn huysfrauwe die sal bynnen der vurg. zyt deme leynhere eynen 
laisse vur yren momber setzen des deme leynhere ind laissen genueget ind 
die wiedwe sal yrs rechtz gebruychen as lange sy lecft't, beheltinisse vort 
den leynheren ind mallich syns rechtz ind wen yenian die des leyns also 
nyet untfienge ind der eynen dach Hesse overghaen, ey dat leyn untfangen 
wurde, so is dal leyn deme leynheren ervallen, beheltlich altzyt deme leynheren 
ind mallich syns rechtz. 

Item eynnich laisse die aynen meyers knechte up den leyne unthelde 
ind van den leyn yeman int gerichte dede gebiede off vangen de als darummc 
tzer boissen syn ayn den leynhere up 5 marck ind desgelichs de eynen van 
den leyne eynen meyers knechte wysde um den zo doyn gebieden off zo 
vangen, de sals up die vnrß. boisse syn ayn den dyrden pennunck den laissen. 

Item off die laissen sich quolich verdroigcn ', indtzweyden etc., dat suUen 
sy ayn yren leynhere bryngen ind de dar over vfevelde oft" bruchlich were, 
de sal den leynhere ervallen syn um 5 marck, den dyrden pennunck den 
laissen. 

Item oft't gewielc, dat die laissen up deine leyne tzuynen oft' pelen 
wulden, dacr cn suUen sy nyeman arders by nenicn dan die geswoircn laissen 
ind den leynhere off synen statheldcr ind we yeman anders darby neme, de 
sals darurac tzer boissen syn ayn den leynher umb 5 marck ind den dyrden 
pennunck den laissen. 

') Streiten, zanken. Vgl. Macoo, Beiträge III, S. 44. 



— 29 — 

Item \v;it sacheii deiiic li'ync iiul Icyas orilel autrcffcn die sulleu die 
laissen by yren geswoircn eyde heymlich by sich halden ind der nyet melden 
noch vortbryngeu iip yrcn eydt ind wc des eynnich melte, de sal deme leync 
bcre uj) genaiden ervallcn syn nae wysongeii der laissen. 

Item wo eynnich ervc ind guet off crlftzcns up den vurg. leyne vor- 
kouffcn wilt, de sal des in ind uss gbaen overmitz den leynhere ind syuc 
laissen als sich dat gebuert ind wc daer inne anders dedc, de sal den leynhere 
up 5 marck ervallen syn nae wysongen der laissen vurß. in den dyrden 
pennimck den laissen. 

Item wanne die laissen eynnich ordcl undcr sich betten des .sy nyet 
wys genoich en wercn, so suUen sy yre overheuft, datz synt unse hcrc die 
scheffen van Aichen daromme versoickcn, ind want yn die darup van des 
heilgeu rychs recht vur recht ind ordel geven ind wysen, dat sulleu die 
laissen by sich halden ind vort mit rechte wysen up den stedcn dae yn dat 
gebuert nae meenuisse des leynhere off syns stathelders ynd dat sal der 
leynhere richten off' doyn richten darnae dan dat gebuert. 

Item were yeman deme mit sulchen ordel ind recht nyet enge nuede 
dat die laissen nae meenuisse des leynhere off" syns stathelders gewyst hetten, 
de mach sich des zo heufde beroiffen ayn unse here die scheffen van Aichen 
ynd sal vur die heuftvart guede bürge off silveren pende setzen vur 10 gülden, 
daemede den laissen zo genuegen, so wes dan unse heren die sceffen den 
laissen dar up leyren ind unt recht geven van des heiigen rychs wegen, dat 
suUen die laissen wort vur recht wysen, als sy dar umb van des leynhere 
wegen gemaent werden ind deme ordel sahnen gehoirsam syn. 

Item wane yeman eynnich erve off guet untfienge in donie vurg. leyne, 
so sal man den stathelder ynd laissen dar by tzeichen, die dar ind over syn 
ind den dach ind tzyt als daz guet untfangen wirdt umb deme leynhere syns 
herrlicheit inde recht zo behalden. 

Item als ich verstaen du bis hy ind begers myn man zo werden ind 
lais oevermitz den leynheren ind laissen, so vraegen ich dyr, of du des 
beraeden seys deme liene ind den here verfolch zo doyn, als sich dat geboeren 
ys nae wysdoyn der laissen ynde yrs hcufft. 

Item spricht he dan jae, so saluian die laissen manen want der laissen 
doitz halffen aiff' gegangen synt, oft' der man der des gesynnen ys guitgeuoich 
sy deme here ind laissen vur eynen lays. 

Item sprechen sy dan jae, so salman die laissen vraegen ind manen 
wat hee schuyldich sy deme here zo doyn van eytz wegen ind van guust 
dair nae ynd ouch den laissen. 

Item als die laissen dan sich bespraicheu haynt, dan suUen sy vraegen 
den man wec int wat maissen hee dar koemen sy, spricht he dau also he 
begeir man ynd iais zu werden nae loevelich hcrkoemen ynde rechts des leyns. 

Item dan suUen sy wiscn, dat hee vur ayn gelueven sali deme here 
van deme lieve getruwe ind holt so syn, syns erchs zo warden nae alro 
syurc raaicht ynd syn best viir zo koron in diu h yn ind hee ouch dyt leyu 



— 30 — 

nu ind ewelich sal helpen bebalden by sj^neu recht noch helpen mynre noch 
ayn scheffen guit bryngcn off ayn eynicb an der recht, soe wye man dat 
yrdyneken kan, dat geloeven ich oevermitz den here ind laissen nae alro 
mynre macht zo keren ind zoe warden. Ind ich geloeven, dat mynen heren 
myt mynre hant in die syne oevermits die geswaeren laissen vast ind stede 
tzo halden, dat ich dair intgegen neit doyn cn sal, noch doyn doyu, dat deme 
heren ind deme leyne eynich aichterdeyl bryngen mach suuder ergelist ete. 
ind allewe gehoirsam sal ich syn deme here np syne boisse. 

Item dat du hy vur gelouft hais ind hanttast myr gedayn hais oevcr- 
mitzs die laissen dat sichers du ind geloufs, dat du dat halden sals vast 
ind stede, soe dyr Got help ind die heyigen, sunder ergelist. 

Item oif ymant queme ind wulde get intfangen, so sal der here vraegen 
we ind wat maissen, dan mach der man sagen, soe wat eme geleist wair umb 
he dair koemeru sy, als der here dat gehoirt heit, soe mach her dat ayn die 
laissen bryngen ynd mach nae wysdoym der laissen die saiche handelen. 

Item dat ich uch geloifft hayn und in vree haynt gestast hcyn oever- 
mitz vree ind der laissen, dat sycher ich uch ind geloiffe dat vast ind stede 
zoe halden, sonder argelist, soe myr Got helpe ind syn heiigen. 

Aydt eines ankhommenden laaßen. (17. Jahrb.) 

Ich N. N. verspreche hiemitt und versichere dem lehnherren und diesem 
lehnsaal traw und holdt zu sein, dem lehnherren verfolgh zuthon, alß sich 
dat geboiren ist nach wyßdoin der laaßen und ihres heuffts, dargegen nyt 
zu frevelen noch ungehorsamb zu sein, keines andern herren gebott oder 
verbott auf diesen lehengrundt in achtuugh zu nhemen. Wyl auch bestes 
Vermögens dyt lehen nhun und ewiglich helpen behalden by synen recht und 
gerechtigkeiten, daßselbe ahn kein scheffengut, noch ahn kein ander recht 
verprengen, wie mahn dat erdencken kan nach aller meyner macht. Ohne 
argelyst, so myr Gott help und seine liebe heyigen. 

2. Confirmatio Adelichen Wappens vnd Herkomens für Melchioren 

Gartzweiler 

de dato Prag, 21. Septcmbris 1595. 

Wir Eudolf der ander ete. 

Bekennen öffentlich mit disem brieff, und thuen kundt allermennigelich, 
wicwol wir aus römischer kaißerlicher höhe und wirdigkeit, darein uns der 
allraechtig nach seinem göttlichen willen gesetzt bat, auch angeborner güet 
und mildigkeit, alle zeit genaigt sein, aller und yeder unserer und des heiligen 
reichs underthanen und geti'cuen, ehr, nutz, aufnemen, und pestos zubefürdern 
und zubetrachten, so wurdet doch unser kaiserlich gemücth vilmer bewögt, 
denen unser gnad und sanfftraüetigkeit mitzuthcllen, auch iren namen und 
stamen, in noch höhere ehr und wirde zusetzen, deren vor eitern, und sie, 
in altem erbarem redtliclicn standt lierkomen, sich auch adelicher gueter 



— 31 — 

Sitten, tii^ciil, wainll, uinl wccscns buflcißiüi, uiiil fielen uns, dem heiligen 

reicli, und uiistn-m liililiclicn liauß Österreich, mit stetter gctrewcr bcstendigcr 

dienstbarlieit vor aiidcni, redlich und wol verhalten, und crzai^t halK-n. 

Wann uns daiui der crsam gelert unser reichshof ratli uiul des reielis 

lieber getrewcr, 

Paulus Gartzwciler, 

der rechten doetor und neben inue sein ehleiblicher vattor 

Melchior Gartzwciler, 
underthenigelich furgcbracht und zuerkennen geben, 
obwol das geschlecht der Gartzwciler (so aus dem fürstenthumb Güleh 
sein Ursprung hette) nun in die zwayhuudtert jhar, in unserin kunigelichen 
stuel und statt Aach gesessen, daselbst ansehnliche raths dienst, und ämiitcr 
vertretten uiul jederzeit für ain ansehenlich bürgerlichs geschlecht gehalten 
worden, wie sich dann etliche adclichc geschlechter zu inen, und her wider- 
umben sie zu denselben verehlichet und befrcundtet auch (inmasßcn mit 
etlichen heyratsbric-ffcn, erbtliailungcn und andern dergleichen mehr documenten 
und raonumenten zu beweisen) wappenmeßig gewest, und in ainera plawen 
veldt und darüber schregsweiß gestellter weißer Straßen, drey schwartze 
runde kugln gefürt hatten. Welches wappen dann der durchicuchtigist fürst, 
lierr Carl der fünfft, römischer kaiser etc. unser geliebter hcrr und gross 
Vetter, löblicher gedechtnus, irem brueder, und respective vettern 

Heinrichen Gartzwciler 
deß raths und gewestcn baumeister der statt Ach, unib seiner gelaisten 
threwen dienst willen, für sich und sein gantz geschlecht, nit allain confir- 
mieret, sondern auch mit der nobilitation und adelichen freyheit geziert und 
vermehrt. 

So seyc doch solch kaiserlich Privilegium durch obernanten 

Hainrichen Garzweylcr 
in der expedition vor Tluinis neben allem deme, was er bey sich gehabt, 
verloren worden, und derwegen diemutigs vleis gebetteu wir geruechten 
inen aus vorangetzognen Ursachen, nit allein ir auererbt adelich herkomen 
Wappen und cleinot als regierender römischer kaiser genedigelich zu confir- 
miern und zubestätten, sonder auch (wo nöttig) von newem zuverleihen. 
Hirumb so haben wir angesehen, solch ir undterthenig ziemlich bitt, auch 
die erbarkeit, redlichait, geschicklichait, adelich guet sitteu, tugent, und 
vcrnunfft, darinon wir baide ermelte 

Gartzwciler 
vatter, und söhn erkennen dartzue die aufrechten, redlichen, getreweu, 
fleißigen, nützlichen und willigen dienst, so nit allein er Melchior und sei» 
verstorbener brueder Hainrich, und ire vor eitern unsern löblichen vorfahren 
am reich römischen kaisern nnd kunigen, und unsiM-m löblichen hauß Öster- 
reich, wider gemeiner christcnhait erbvheindt den 'l'iirggen, in AtVrica und 
unserer eron lluiigarii, insniiilcrlicil aber er 



— 32 — 

Melghior Gartzweiler 

bey weilandt kayser Ferdinanden unsern glibten auherrn, zeitten etc. 42 in 
der belegerung Ofen ungesparts leibs guets und plucts, sonder auch vorderst 
sein söhn 

Paulus, 

als unser reichshofrath, in unsern, des reichs, und nnsers löblichen hauß 
Österreichs hoch angelegnen wichtigen geschefftcu und Sachen, sowol auf 
reichstägen als auch in etlichen ansehenlichen Verschickungen und commissioneu 
mit sonderer schicklichait müehe und sorg etliche jar hcro, zu unserin ge- 
nedigisten benüegen und wolgefaljen, underthcnigist erzaigt und bewisen, 
noch täglichs thuet, und hinfüro vatter und söhn, sambt und sonders zuer- 
zaigen gehorsamist urpüttig sein, auch wol thuen mögen und sollen. 

Und darunib mit wolbedachtem mueth, guetem rath, und rechter wißen, 
obgemeltem 

Melchiorn Gartzweiler, 

sein anererbt adelich herkomen, wappen und cleinot, mit namen ain plawen 
oder lasurfarben schildt, dardurch vom hintern unten, gegen dem vordem 
obern egg der schreg nach, gehent ain weiße oder sylberfarbe Straßen in 
derselben erscheinen drei nacheinander gestelte schwartze kuglen. Auf dem 
schildt ain freyer offner adelicher thurniershelm, zu baider selten mit plaw, 
und weißer helmdeckhen, und darob ainer kunigelichen cron geziert, daraus 
aufrechts fürwerts erscheindt ain vordertheil aincs schwartzen gekrönten 
adlers, mit rott außgeschlagener zungen, und auß gebraiten flügeln, durch 
jede über sich einwerts der schreg nach, ain weiße straßen gehendt, darinen 
die drcy schwartzen kugeln. Alß dann soch adelich wappen und cleinot in 
mitte diss gegenwurtigen unsers kaiserlichen brieffs gemalhct und mit färben 
aigentlicher außgestrichen ist, nit allein confirmiert und bestett, sondern 
auch, wo nöttig, von neuen genedigelich verlihen und gegeben, auch ime und 
seineu ehelichen leibs-erbeu, und derselben erbens erben manns und frauen 
person, in ewig zeit also zuführen und zugeprauchen genedigelich gegönnt 
und erlaubt, thuen das, confirmieru und bestetten inen solches alles, gönen 
und erlauben inen aueh dasselb also ewigelich zufiehren und zugebrauchen, 
alles aus römischer kaiserlicher macht volkomenheit, hiemit wissentlich und 
in crafft dis brieffs. Und mainen, setzen, und wollen, das vorgedachter 

Melchior Gartzweiler, 

seine eheliche leibs erben, und derselben erbens erben, mann und frauen 
personen, für und für in ewig zeit, recht geborn lehns thurnierßgenoß, und 
rittermeßig edlleuth sein, gehaissen, und von menigelich an allen orten und 
enden, in allen und jcdlichen bändle, geschefften, und Sachen, geistlichen und 
weltlichen, also gehalten, geehrt, genent, und geschrihen werden. Auch 
dartzue all und jedlich genad, ehr, freyheit, würde, vorthail, recht gcrechtig- 
keit, alt herkomen, und guet gewohnheit haben, mit benelicien auf thumb- 
stifften, hohen und iiidern iimj)tern und leben, geistlichen und weltlichen. 



— 33 — 

antzunemmen, zucmji fallen, zuliabcn, iiiul zutragen, mit andern unscrn und 
des bciligcn reiclis auch uiiscrur kunigreicb, erblichen fürstenthumb und 
lande, recht geborncn Ichens tburniers genoß und rittermessigen edlleulhcn, 
in all und jedlicli tornier zureittcn, zu tburniern, mit inen leben, und all 
ander geriebt und recht zubcsitzen, urthail zu schüpffen und reclit zusprechen, 
auch der, und all anderer adelicher Sachen, handlungen, und gescheffteu, 
inner und außerhalb gerichts, tbeilhafftig, wirdig empfenckblich und dartzue 
tauglich, schickhlich, und guet sein, und sich des alles, auch abgeschribenes 
adelicheu Wappens und cleinot, in allen und jedliciicii ehrlichen redlichen, 
adelichen, ritterlichen sachen, und geschcfften, zu schimpff und zu ernst, in 
stirmen, streitten, kerapffen, thurnicrn, gcstcchcn, gefechten, ritterspiln, 
veldtzügcn, paniern, gezeltcn, aufschlagen, insigclu, petschafften, cleinoten, 
begrebnußen, gemilldon, und sonst an allen orlton und enden nach iren ehren 
notturfften, willen, und wolgefallcn, gebrauchen und genießen solln und 
mögen, von recht oder gewonheit, von allerinenigelich unverhindert, und 
gebietten darauf allen und jeden churfürsten etc. etc. ernstlich uml vüstigelich 
mit disem brief und wöUeu, das sie inergemelten 

Melchioren Gartzweiler, 

seine eheliche leibs erben, und derselben erbens erben mann- und frauen 
personen, für und für in ewig zeit, an vorberuertcr unser kaißerlichen con- 
firmation ires anererbten wappens und adelichen herkomens auch wo nöttig,. 
neuen Verleihung, nit hindern, noch irren, sondern sie deren also, in allen 
und jedlichen ehrlichen und redlichen Sachen, geschefften, und handlungen, 
wie vorsteht, geruebigelich nnd ohne alle irrung, frewen, gebrauchen, ge- 
nüeßen, und gentzlich dabey bleiben lassen hiewider nit thuen, noch des 
yemandts andern zuthuen gestatten, in kein weiß. Als lieb einem ieden sey, 
unser, und des reichs schwere unguadt und straff, und dartzue ain peen 
nemblich 50 niarck löttiges golds zuvermeiden, die ain jeder so offt er 
freventlich hiewider thette, uns hall) in unser und des reichs eamer, und den 
andern halben theil, offtgedachtem Melchioren (lartzweiler, seinen ehelichen 
leibs erben und derselben erbens erben unnacliläßlirb zubezallen verfallen 
sein solle, doch andern, die villeücht den vorgeschribenen adelichen wa])])en 
und cleinoten gleichfürten, an iren wappen und nachten unvergriffen und 
unschedlich. Mit urkundt diß brieffs besigelL mit unserm kaißerlichen an- 
hangenden insigl. 

Datum Prag, 21. septembris anno 1595. 



Zur Geschichte des Aachener Münzwesens. 

Von Cai'l Vogelgesang. 

Das Münzwesen eines Volkes nimmt unstreitig einen her- 
vorragenden Platz ein in dessen wirtschaftlichem Dasein; der 
mehr oder minder gute Znstand des Münzwesens ist zweifellos 
von einschneidendster Bedeutung für Handel und Verkehr, 
ja für das ganze Erwerbsleben. Vom römischen Reiche, dem 
die nachfolgenden Kulturvölker so Grosses verdanken, — in 
erster Linie ihre Religion und ihr Recht — haben unsere Vorfahren, 
die Franken, gleichsam als ein Erbstück, auch das Münzwesen 
übernommen. Die fränkischen Könige richteten sich anfänglich, 
sowohl im Gehalte als auch im Gepräge der von iiinen geschlagenen 
Münzen, soweit es die vorzugsweise ausgemünzten goldenen 
Drittel-Solidi oder Trientes betraf, nach römischen, speziell ost- 
römischen Vorbildern und zwar derart, dass das Bild und der 
Name des oströmisciien Kaisers, dem die ersten merowingischen 
Könige eine Art von Oberlehnsherrschaft über sich einräumten ', 
wie auch die Darstellung auf der Rückseite der byzantinischen 
Münzen genau nachgebildet wurden. Erst mit Theodebert I. von 
Austrasien (534 — 548) tritt ein eigenes Gepräge auf, indem 
dieser König auf seinen sonst ganz im byzantinischen Stil ge- 
haltenen Münzen sein Bild und seinen Namen anbringen Hess. 
In Austrasien, dem östlichen Teile des fränkischen Reiches, 
wurden dann in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts neben 
den Trientes auch Silberdenare geschlagen, aber nur in be- 
schränktem Masse. In dem grösstcn Teile dieses Reiches 
nämlich, in dem im Vergleich zu Westfranken Handel und 
Verkehr sicii nur wenig entwickelt hatten, herrschte noch inuner 
das Tauschsystem vor, das hier sogar auch noch in der Karo- 
lingerzeit bestand. Diese fränkisciien Denare waren ein 
Ersatz lur die speziell im ripuarischen Frankenlande, also auch 
in unserer Gegend, — die gerade auf der Grenze zwischen 



') Kii^n'I et Scrruro, Traitr ilr iuiiiii«iiiati(|ne du moyen age I, S. 58. 



— So- 
den Gebieten der salischen und i ipiiaiisclicii Franken lag- — 
bisher noch im Undauf gewesenen guten Denare der römischen 
Republilv und der beiden ersten Jahrhunderte der Kaiserzeit. 
Dieser Umstand, dass so si)ät noch rünnsche Denare in ]i\\)\[- 
arien^ im Undauf waren, mahnt zur Vorsicht, bei Funden von 
einzelnen Denaren, die in unseren Gegenden gemacht werden, 
nicht ohne weiteres anzunehmen, dass diese Stücke zur Römer- 
zeit dort verh)ren worden; es muss viebneh)- mit der Möglich- 
keit gerechnet werden, dass solclie erst in der fränkischen 
Periode an ihren jetzigen Fundort gelangten. In anderen Teilen 
des Frankenreiches, im früheren Gallien, waren übrigens um 
das Jahr 500 noch ungemein grosse Massen von römischen 
Kupfermünzen des 3. und 4. Jahrhunderts verbreitet, so dass 
sogar nach weiteren zweihundert Jahren noch ein solcher 
Vorrat davon vorhanden war, dass er den Bedai'f an kleiner 
Scheidemünze noch immer in etwa deckte. Die schon seit einer 
Reihe von Jahren begonnene Umwandlung der Gold- in die 
Silberwährung wurde unter Pipin eine vollendete Thatsaciie; 
von diesem König existieren auch mchiere sehr wichtige Münz- 
verordnungen. Mit ganz besonderem Eifer aber hat der unserer 
Stadt so nahestehende grosse Karl des Münzwesens sich ange- 
nommen, wie verschiedene seiner Kapitularien und seiner Er- 
lasse an die Königsboten vollauf beweisen. Es sind dies das 
Capitulare Mantuanum vom 1. August 781 2, durch das die 
bisherigen Münzen verrufen und neue eingeführt w^erden sollten, 
das Capitulare Francofurtense vom Jahre 794-^, das Capitulare 
Saxonicum vom Jahre 797'^, ein Kapitulare vom Jahre 808-'' 
und das besonders wichtige Capitulare de moneta, wahrschein- 
lich vom Jahre 809 *', das aber leider nur unvollständig erhalten 
ist, dann die Erlasse an die Königsboten vom Jahre 803 ^, 805^, 
808 » und 809 i". 



') Soetbeer, Beiträge zur Geschichte des Geld- uud Münzwesens in 
Deutschland, in den Forschungen zur deutschen Geschichte IV, S. 256. 
'*) Soetbeer a. a. 0. IV, S. 290. 
^) Soetbeer a. a. 0. IV, S. 291. 
*) Soetbeer a. a. 0. JV, S. 292. 

*) Boehnicr, Rcgcsta iinperii I (1. Auflage) Regest Nr. 42tj. 
«) Soetbeer a. a. 0. IV, S. 293. 
') Boehmer a. a. 0. Regest Nr. iiSS. 
*) Boehnicr a. ii. (). Regest Nr. 4or.. 
') Boehmer ;i. a. 0. Regest Nr. 42r> und 127. 
'») Bor linier n. a. 0. Regest Nr. 435. 

3 



— 36 — 

Nach diesen einleitenden Bemerkungen komme ich nunmehr 
zu dem eigentliclien Gegenstande dieser Abiiandlung. Bei der 
geringen Anzahl von Quellen über die ältere Münzgeschichte 
Aachens und den spärlichen Mitteilungen derselben, muss, was 
die ältere Periode angeht, vielfach lediglich Vermutungen ein 
ziemlich weites Feld eingeräumt werden. Gleich die erste Frage, 
wann zuerst in Aachen gemünzt worden, ist eine solche, die 
mit Bestimmtheit wohl niemals wird beantwortet werden können, 
es sei denn, dass ein glücklicher Münzfund in etwa Klarheit 
bringt. Von den merowingischen Königen der ersten Periode, 
etwa bis zum Jalire G50, ist in unserer weiteren Nachbarschaft 
gemünzt worden, so von dem vorhin erwähnten Theodebert I. 
in Köln, Remagen und Andernach ^ und von Dagobert I. (622 — 638) 
in Köln^; auch Zülpich gehört zu den merowingischen Münz- 
stätten dieser Zeit, In der zweiten Hälfte der merowingischen 
Herrschaft, seit etwa dem Jahre 660, fand eine Ausmünzung 
von Seiten des Staates resp. des Königs direkt zwar noch statt, 
vorzugsweise wurde sie aber ausgeübt von einer besonderen 
Klasse von Leuten, die, sofern dieser Ausdruck hier gestattet 
ist, halb industrielle Unternehmer gewesen sein werden, halb 
in amtlicher Eigenschaft liandelten. Diese sogenannten nione- 
tai-ii, vielfach reiche, angesehene Männer, zogen von Stadt zu 
Stadt, von Ort zu Ort, um dort, wo gerade Markt gehalten 
wurde, oder aus sonst irgend einer besonderen Veranlassung 
eine grössere Menge von Menschen zusammenströmte, z. B. bei 
Gelegenheit eines kirchlichen Festes, Münzen zu schlagen, wobei 
sie ein gutes Geschäft machten. Die technische Ausführung 
liaben sie wolil meistens nicht selbst besorgt, sondern Hessen 
sie durch mitgeführte oder auch vielleicht an dem jeweiligen 
Platze ansässige Arbeiter vornehmen, dagegen mögen die moue- 
tarii, sofern sie Goldschmiede waren, was häufig der Fall 
gewesen zu sein scheint, die Münzstempol geschnitten haben. 
Wahrscheinlich konnte ein Jeder ihnen rohes Metall zum Aus- 
münzen für eigene Reclinung gegen eine bestimmte Abgabe, 
die unter König Pipin auf ungefähr 4Vo vom Hundert festgesetzt 
war ^, übermitteln. Man sieht diese nionetarii aber nicht nur 
als Pächter der Münze an, sondern hält dafür, dass sie auch 



') Engel et, Scrrure a. a. (). J, S. CO/61. 

-) Engel et Sc IT uro a. a. 0. f, S. 81. 

•■') SoolljcLT in den Forscbunoen a. a. O. IV, S. 273. 



- 37 — 

(las Kcclil, diu ISli'Ucrn eiiizuiieliiiieii, ^'•cpaclituL IiattcMi ; die Pa(;lit 
lieferten sie dann in von ihnen nengeprägten Münzen des Ortes 
ab, wo sie die Abg-aben gerade erhoben; dadnrch wurde dem 
Staate eine genaue Ueberwacliung- ermöglicht. Bereits vor einem 
Dezennium kannte man nicht weniger als achthundert Oi'te', 
wo die jMünzmeister der Könige, besonders aber die monetarii, von 
denen beiden mehr wie zwölfliundert ihrem Namen- nach ermittelt 
sind, ihi'cn ]\Iünzliammer in Thätigkeit gesetzt haben. Engel und 
Serrure sind aber der ]\reinung. dass auf wenigstens fünftausend 
merowingische Münzstätten^ gerechnet werden könne, unter 
denen dann gewiss noch etliche dem Gebiete der heutigen Rhein- 
hmde zuzuweisen sind; bis jetzt (d. Ii. bis zum Jahre 1891) 
sind nur etwa ein Dutzend'* rheinische Münzstätten der Mcro- 
winger festgestellt. Es ist nun die Ansicht vertreten worden, 
dass die merowingischen Könige an dem Orte, der heute Aaclien 
genannt wird, hin und wieder geweilt und dort einen Palast oder 
Hof'' besessen haben. Da dürfte es doch durchaus nicht zu den 
Unwahrscheinlichkeitengehören, dass der Münzmeister des Königs, 
der sich in dessen Gefolge befand, dort Münzen geschlagen, oder 
dass die monetarii auf ihren Wanderungen auch unser Aachen 
aufgesucht und dort sich ihrer Münzwerkzeuge bedient haben. 
Nicht unerwähnt will ich lassen, dass Le Blanc in seinem aller- 
dings bereits 1090 erschienenen Werke ^, das jedoch von neueren 
Numismatikern nicht unbeachtet gelassen wird, eine Goldmünze 
(Drittel-Solidus oder Triens) als möglicherweise in Aachen ge- 
schlagen anführt. Engel und Serrure aber, die den Ortsnamen 
abweichend von Le Blanc, der AQVIS hat, mit AOIVIS angeben, 
verweisen dieses Stück ^, allerdings unter Fragezeichen, nach 
Aquae Vasconiae oder Tarbellicae, jetzt Dax s/Adour, (Gascogne). 
Ich halte es trotzdem für nicht ganz ausgeschlossen, dass diese 
Münze nach Aachen hingehört. Meyer bringt in seinen „Aachen- 



') Engel et Serrure a. a. 0. T, S. 89. 

*) Engel et Serrure a. a. 0. I, S. 78. 

^) Engel et Serrure a. a. 0. 1, S. 89. 

*) Eugcl et Serrure a. a. 0. I, S. 90. 

^) Kessel und Rhocn in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsver- 
oins III, y. 13 f. und Gross, Aus Aachens Vorzeit V, S. 106 f. 

^) Le Blanc, Traitö historiquc des luonuoyes de France S. 59, Tafel 58a 
Nr. 3. 

') Engel et Serrure a. a. 0. I, S. 120. 



— 38 — 

sehe Geschichten" nach Le Bhmc eine Abbildung derselben ^ 
Dass unter den Karolingern in Aachen geinünzt worden, ist 
zweifellos. Allerdings finden sich Kai-olinger Münzen, die 
den Namen Aachens tj'agen, nui" in äusserst geringer Zahl vor. 
Die neueren numismatischen Werke bringen eigentlich nur 
zwei derartige Stücke und zwar eines mit der Umschrift 
AQVISGRANI PAL, welches Gariel ^ Karl dem Dicken, 
Engel und Serrnre ^ aber Karl dem Kahlen zusprechen. Wenn 
die Ansicht von Engel und Serrure zutreffend ist, dann muss 
diese Münze während des kurzen Zeitraumes entstanden sein, 
der zwischen der gewaltsamen Besitzergreifung der lothringischeu 
Lande durch Karl den Kahlen — nach dem Tode seines Neffen 
Lothars IL (869) — und dem Vertrag von Meersen (870) liegt. 
Eine zweite in jenen Werken aufgeführte Münze, die Umschrift 
AQVISGRAN zeigend und von einigen Karl dem Grossen zuge- 
schrieben'^, wird von verschiedenen hervoiragenden Münzkennern 
für gefälscht gehalten. Die Bezeichnung Aquisgranum für Aachen 
kommt übrigens erst in den letzten Lebensjahren Karls vor. 

Es ist nun eine höchst auffallende Erscheinung, dass mit 
Ausnahme der vorhin erwähnten zwei Münzen keine weiteren 
eigens nach Aachen verwiesen werden. Li den folgenden Zeilen 
will ich nun versuchen, nicht zu beweisen, das würde mir nicht 
gelingen können, sondern als möglich hinzustellen, dass doch noch 
verschiedene andere Münzen in der Aachener Pfalz ihre Entstehung 
gefunden haben können. Unter Karl dem Grossen bestanden über 
hundert Münzstätten, darunter in nicht allzu grosser Entfernung 
von unserer Heimat die von Bingen, Bonn, Dorstat^, Köln, 
Limburg (?), Lüttich, Mastriciit, Mainz und Trier. Und da sollte, 
vorausgesetzt, dass die Münze mit der Um.schrift AQVLSGRAN 



1) Münztafcl I Nr. 14, Text I S. 859. 

^) Gariel, Les monnaies royales de France sous la race carolingi- 
enne II, S. 208/209 und S. 266, Tafel XXV Nr. 1 und Tafel XL Nr. 4. Gariel 
besclireibt zwei verschiedene Stücke, die aber, den Abbildungen nach zu 
urteilen, dieselben zu sein scheinen. 

3) Engel et Serrure a. a. 0. T, S. 242. 

*) Engel et Serrure a. a. 0. I, S. 206 und Gariel a. a. 0. II, S. 96 
und Tafel V Nr. 3. 

*) üorstat, jetzt Wyk tc Duerstede am Lek, ehemals bedeutender 
frcänkischer Handelsplatz, im Jahre 837 vollständig von den Normannen zer- 
stört. 



— 39 — 

eiiic Fälschung- ist, in Aaclicii unter Karl nicht ^cnuinzt worden 
sein? Nicht sollte f^enilinzt worden sein in der Hanptijfalz des 
Reiclies, wo seit 795 die ständi^'-e Residenz sich befand ', wo 
die bedeutendste Giessliütte des Frankenreiclies war 2, wo also 
Künstler und Arbeiter, die mit Metall umzugehen verstanden, 
vorhanden waren, — sagt ja auch das Capitulare de villis, 
dass dort Goldschmiede und Silberarbeiter sich vorfinden sollten, 
— wo ein Markt war, wo christliche und Jüdische Käuflente ihren 
Wohnsitz hatten? Keine Münzen sollten geschlagen worden 
sein in Aachen, dem Ort, der sogar, wie wenigstens Georg 
Kaufmann •' sagt, ein Haupthandelsplatz gewesen? Das ist gar 
nicht denkbar. Unter den Denaren Karls des Grossen findet 
sich ein sehr interessantes Stück vor, welches auf seiner Rück- 
seite Münzwerkzeuge und die Umschrift METALL GERMAN 
(metallum germanicum) zeigt. Also aus Metall, welches deutsches 
genannt wird, — sei dieses Metall nun in Deutschland ge- 
wonnen'', oder möge es, wie Gariel-'' meint, den Abgaben aus 
deutschen Landen entstammen, beides ist für unsere Frage von 
gleichem Wert — sind diese Denare hergestellt. Nun befand 
sich aber in der Pfalz zu Aachen die Schatzkammer des Reiches, 
wo ausser den Schätzen auch gemünztes und ungemünztes 
Edelmetall aufbewahrt wurde, das dorthin auf die eine oder 
andere Weise zusammen gebracht worden war. Sollten nun die 
Denare mit der Aufschrift: METALL GERMAN vielleicht nicht 
gerade in Aachen geschlagen worden sein ? Dass in den Pfalzen 
gemünzt worden ist, erhellt aus dem Abschnitt XVIII des Erlasses 
für die Königsboten vom Jahre 805'^ und dem Abschnitte VIT 
des Kapitulare vom Jahre 808^, in denen Karl verfügt, dass aus- 
schliesslich nur in der Pfalz oder bei Hofe Münzen geschlagen 
werden sollten, wenn es nicht anders bestimmt werde. Diese 



') Boehmcr a. a. 0. Regest Nr. 470. 

^) Oiemcn in der Zeitschrift des Aachener Geschiehtsvereins XI, 
S. 242/43. 

') Deiitsclie Geschichte bis auf Karl den Grossen II, S. 3G6. 

*) Von einer Öilbergewinnung in Böhmen wird bereits im 8. Jahrhundert 
berichtet. (Haupt, Bausteine zur Philosophie der Geschichte des Bergbaus H, 
S. 37.) 

*) Gariel a. a. O. II, 8. 125. 

8) Boehmer a. a. 0. liegest Nr. 406. 

'') Boehmcr a. a. 0. Regest Nr. 426. 



— 40 — 

Einschränkung der Ausmüuzung- nur auf die Pfalzen, die vor- 
zugsweise gegen die Falschmünzerei gerichtet war, scheint 
jedoch wegen der grossen Ausdehnung des Reiches und auch 
sonst auf Schwierigkeiten gestossen und aufgehoben worden zu 
sein. Von in den Pfalzen geschlagenen Münzen, die die Um- 
schrift PAL ATINA MONETA tragen, sind auch noch Exemplare 
vorhanden; allerdings rüliren sie nicht von Karl dem Grossen, 
wohl aber von Ludwig dem Frommen ^, Lothar I. und Karl dem 
Einfältigen her. Dieser westfränkische Karolinger ist hier zu 
erwähnen, weil nach dem Tode Ludwigs des Kindes (911) das 
Herzogtum Lothringen, wozu auch unsere Gegend gehörte, 
eine Zeitlang unter seiner Oberhoheit stand. Neben diesen 
mit der Umschrift PALATINA MONETA versehenen Münzen 
werden dann noch als weitere Palastmünzen angesehen ^ die 
Denare mit der halb in griechischen Buchstaben gehaltenen 
Umschrift XPISTIANA RELIGIO. Diese letzteren Stücke 
kommen unter den Karolingermünzen noch bei weitem am häu- 
figsten vor. Derartige Christiana religio-Denare finden sich vor 
von Karl dem Grossen, besonders von Ludwig dem BYommen, 
dann von Lothar I. und Lothar IL, dem König von Lothringen. 
Man hat die Vermutung - ausgesprochen, dass die Denare Lud- 
wigs des Frommen mit der Umschrift XPISTIANA RELIGIO 
eigens für den Verkehr mit den zum Teil noch heidnischen 
Friesen, Sachsen und Wenden geschlagen seien. Diese Münzen, 
die meist das Bild eines viersäuligen Tempels^, umgeben von 
obiger Umschrift zeigen, sollten mit dazu dienen, jenen das 
Christentum näher zu bringen. Wenn diese Meinung zutreffend 
ist, so ist man gewiss berechtigt, gerade die Aachener Pfalz, 
dann Dorstat und Köln, welche drei Orte Ausgangspunkte zu 
den Gebieten jener Völker bildeten, als Münzstätten für jene 
Denare in Anspruch zu nehmen. Von diesen beiden Typen der 
Palastmünzen nun einen grösseren Teil nach Aachen zu ver- 
weisen •'^, dürfte wohl nicht allzu gewagt erscheinen! Dagegen 



') Abbildung bei Meyer, Aachcnschc Geschichten I, Münztafel I Nr. 18. 

^) Engel et Serrure a. a. 0. I, S. 220. 

•') Engel et Serrure a. a. 0. I, S. 225. 

*) Dieselbe Darstellung mit der gleichen Umschrift findet sich auch 
schon auf Münzen Karls des Grossen vor. 

*) Herr Landgerichtsrat H. Dannenberg, Berlin, eine numismatische 
Autorität, hatte die Liebenswürdigkeit, mir mitzuteilen, dass nach seiner 



— 41 — 

wird die PALATINA MONETA K:ii-ls dos Kuhlen iiicIiL von 
Aachen sein, da in dem so wichtigen Edictum Pistcnse ', 
das dieser König- im Jalire 864 crliess, nnd in dem von den 
24 Paragraphen sich allein siebenzchn in ausführlicher Weise 
mit dem Münzwesen beschäftig'en, einer Pfalzmünze bereits g^e- 
dacht wird, also ung-efälir fünf Jahre vor der Zeit, avo er Lothringen, 
wozu auch unsere Gegend g^eliörte, wenn auch, wie oben bemerkt, 
nur v()rübei\gchend besass. Eine weitere palatina moneta, die 
auch in die obig-e Klasse der Palastmünzen hineingehört, möchte 
ich als sehr bemerkenswert besonders hervorhehen. Durch den 
Vertrag- von Meersen (870) hatten die beiden Söhne Ludwigs 
des Frommen, Ludwig- der Deutsche und Karl der Kahle, die 
Länder ihres verstorbenen Neffen Lothars IL unter sich g-eteilt, 
das deutschredende Lothringen, also auch Aachen, fiel an Ludwig-. 
Die beiden Brüder haben nun, wie Eng-el und Serrure'-^ behaupten, 
— gewiss aber nur für eine bestimmte Gegend — gemeinsame 
Münzen geschlagen, die den Namen Ludwigs und das Mono- 
gramm Karls tragen, und zwar wui-de gemünzt in Huy, Vise 
und Mastricht, ferner eine palatina moneta. Sollte nun, wenn 
die Meinung von Engel und Serrure richtig ist^, diese letztere 
Münze nicht in der Aachener Pfalz geschlagen sein, die nur 
unweit von zweien der genannten drei Orte gelegen war^ 
Noch einen Obol (Halbdenar) möchte ich nicht unterlassen aufzu- 
führen, der auf der Vorderseite die Umschrift HLVDOVVICVS I 
und auf der Rückseite AQVIS PALA trägt und von den fran- 
zösischen Münzforschern als in Dax (Gascogne) geschlagen und 
Ludwig dem Fronuren oder Ludwig dem Stammler (867 resp. 
877 — 879) angeliörig bezeichnet wird. Wenn in Dax sich 
kein palatium befunden hat, was ich nicht habe feststellen 
können, so dürfte diese Münze, trotz der für Dax, wie Gariel 
meint, sprechenden charakteristischen Form des Buchstabens Q, 



Ansicht, wenn nicht alle so doch cini<:::c der Palatina moneta-Münzcn nach 
Aachen «gehören. 

*) Pltres war an der Seine bei dem heutiij:en i'ont de TArehe gelegen. 

^) Traite a. a. 0. I., S. 241. 

■'*) Gariel a. a. (). S. 257 lässt die Stücke von Huy, Mastricht und 
palatina moneta von Ludwig dem Stammler, dem Sohne Karls des Kahlen, 
geschlagen sein, in welchem Falle die palatina moneta nirlit von Aachen 
sein könnte. Die Münze von Vise dagegen schreibt Gariel (a. a. 0. II, S. 261) 
Ludwii;- TIT., dem Sohne Ludwigs des Stammlers, zu. 



— ■42 — 

vielleicht doch Aachen zuzuweisen sein. Die Thatsache, dass, 
während sonstige Münzen Karls des Grossen noch in ziemlicher 
Zahl vorhanden, gerade die Palastniünzen entweder ganz fehlen, 
wie die mit PALATINA MONETA, oder nur sehr wenige 
Stücke noch existieren, wie die mit XPISTIANA RELIGIO, 
findet möglicherweise in etwa eine Erklärung in dem Kapitulare 
Ludwigs des Frommen, wahrscheinlich von Aachen, vom Jahre 
825 \ durch das die allgemeine Einführung der bereits seit drei 
Jahren neugeprägten Münzen angeordnet und die seitlierigeu 
bis zu einem bestimmten Termin verrufen wurden. Wenn diese 
im Abschnitt XX des genannten Kapitulare enthaltene Ver- 
ordnung auch von keinem besonderen Erfolg begleitet gewesen 
zu sein scheint-, so ist doch anzunehmen, dass in dem Umkreis 
der Aachener Pfalz, die ja noch immer die Eesidenz war, wo 
also eine grössere Anzahl von Beamten sich befand, und wo 
Ludwig bald nach Erlass dieser Verfügung, wie man nach den 
Quellen ^ wohl annehmen darf, sich geraume Zeit aufhielt, die 
Vorschrift des Kapitulare, also gleichsam unter den Augen des 
Kaisers, weit genauer ausgeführt wurde als anderswo. Da nun 
in damaliger Zeit die Münzen meist in der Nähe der Münzstätte, 
wo sie geschlagen worden, in Umlauf waren, so dürfte das 
Fehlen gerade dieser Münzen Karls des Grossen nicht unver- 
ständlich sein. Die Falschmünzerei, die ja wohl zu allen Zeiten 
betrieben worden, muss auch in der Karolingerperiode ein 
weitverbreitetes Übel gewesen sein, wie das verschiedene Kapitu- 
larien und sonstige Verordnungen genügend beweisen.. Aber 
nicht allein gegen das Falschmünzen hatten die Fürsten 
jener Zeit anzukämpfen, sondern auch gegen die Schwierig- 
keiten, die von Seiten der Unterthanen der Durchführung der 
so gut gemeinten Münzverordnungen bereitet wurden. Die einen, 
z. ß, Empfänger der Steuern, die, wie wohl mit Recht vermutet 
werden darf, neben den bei der Ausmünzung Beteiligten, ein 
Interesse daran hatten, dass möglichst oft gemünzt wurde, 
wollten nur am Orte selbst geschlagene Denare nehmen ; andere 
— das Volk — wiesen hartnäckig gute, vollwichtige, besonders 
neu geschlagene Denare zurück, zum Teil vielleicht aus Furcht, 
dass die Stücke von Falschmünzern hergestellt sein könnten. 



^) Boehraer, Regesta I (1. Autl). Reg. 774. 

2) Soctljcer a. a. 0. VI, S. 6. 

^) Boehmcr, Regcsta I, Reg. 792, 793, 799, 799 a, 800 u. SÜSa. 



— j:j — 

Unter AiKirolmiii; von harten Strafen nmssteii niunclie znr An- 
iialinic solcher g-uten Denare geradezu g'ezwunyen werden, wie 
(las aus (loni Kapitulare Kiirls des Grossen vom Jahre 794 ' 
und (Icni Ludwigs des ^'roinuieu vom Jahre <S17-, dann dem 
Kdic.tuiu Carisiaccnse-' k'ails des Kahlen vom Jahre 861^ zu 
erseiien ist. Dieser Köing ordnet an, dass derjenige, der einen 
guten Denar zurückweisen würde, mit der heissg'emacliten Münze 
auf der Stirne gebrannt werden sollte, um so den Andern zur 
Warnung- zu dienen. Die Karolingisclie Münzstätte zu Aachen 
wird, wie R. Pick vermutet, in der Nähe des Palastes sich be- 
funden haben und zwar in einem Gewölbeabteil des Verbindungs- 
ganges der Pfalz mit der Kapelle. Ob von dem Ausgange des 
neunten Jahrhunderts bis zur Mitte des elften in Aachen ge- 
münzt worden, obwohl alle Könige und Kaiser dieses Zeitraumes 
häufig in der Aachener Pfalz geweilt, ist fraglich. H. Grote'^ 
hebt hervor, dass die Ottoncn und ihre nächsten Nachfolger nur 
in bischöflichen Städten Münzen geschlagen hätten und nicht in 
Städten wie Aachen und Frankfurt. Diese Herrscher nämlich 
hatten sich das Recht" vorbehalten, in den Bischofsstädten, 
wenn sie dort weilten, was oftmals der Fall war, zu münzen, 
o])wohl der Bischof Inhaber des Münzrechts war. Auch unter 
den späteren Kaisern sind derartige Ausmünzungen, wenn auch 
nicht mehr so häufig, vorgekommen. Die bischöflichen ^lünz- 
stätten waren schon in damaliger Zeit von nicht geringer 
Bedeutung, waren ja die Bischöfe dieser Periode eifrige Förderer 
des Handels und des Verkehrs, übeihaupt des Bürgertums, 
deren Macht möglichst zu heben, die sächsischen Kaiser sich 
angelegen sein Hessen, um so ein Gegengewicht gegen die auf- 
strebenden weltlichen Fürsten zu schaffend St. Beissel in seinem 
interessanten Aufsatz über die Aachener Goldschmiede^ ist da- 
gegen der IMeinung, dass die Aachener Münzstätte seit der 
Karolingerzeit fortbestanden habe. Erst aus der Zeit Heinrichs IV. 



1) Soetbecr a. :i. 0. IV, S. 291. 

^) Soctbeer a. a. 0. VI, S. 4. 

•') Carisiacum, das spätere Quierzy s/Oise. 

•') Soetbecr a. a. 0. VI, S. 7/8 uiid Le lUaiic a. a. 0. S. 110. 

^) Grote, Münzstudien VIII, S. 39. 

'') Eheberg, Über das ältere deutsche Müuzwcscn u. s. w. S. 30 f. 

') Eheberg a. a. 0. S. 23 und 33. 

®) Zeitschrift für christliche Kunst IV, Spalte 383 und 384. 



— 44 — 

liegen wieder Münzen Aachener Ursprungs vor. Diese ^ wie 
aucli noch einige Stücke aus der Periode bis Konrad Ilt. ein- 
schliesslich, entstammen zwei Funden, die um die Mitte des 
vorigen Jahrhunderts in Mastricht g-emacht wurden, und sind 
von Dannenberg- in seinem trefflichen Werke - bestimmt und 
beschrieben worden. Eine dieser Münzen, welche Dannenberg- 
Lothar von Supplinburg oder sog-ar Heinrich V. zuteilen möchte, 
kann deshalb unser grösstes Interesse beanspruchen, weil auf der 
Rückseite derselben ein Kircheng-ebäude darg-estellt ist, w^elches 
man unbedingt als das Oktogon unseres altehrwürdigeii Münsters 
ansehen darf. Meyer bringt in seinen _j,Aacliensche Geschichten" 
auf Münztafel I unter Nr. 15 eine Abbildung dieser Münze, die 
er irrig Karl dem Grossen zuschreibt. Unter Friedrich Barbarossa 
nun treffen wir auf die erste Urkunde, in der einer in Aachen 
geschlagenen Münze Erwähnung gethan wird. Das Original 
dieses wichtigen Dokumentes, ausgestellt unterm 9, Januar 1166, 
befindet sich in dem Archiv der Stadt Aachen. Friedrich I. 
gewährt dem Orte Aachen zwei Märkte und fährt dann folgender- 
massen fort^: 

„Preterea, ne crebra mutatio monete, que aliquaudo gravier, 
aliquando levior esse solebat, in dampnum tani gloriosi loci de 
cetero redundet, ex consilio curie nostre monetam inibi cudi 
fecimus in eadeni puritate, gravitate, forma et numero perpetuo 
duraturam. De marca cudentur viginti quatuor solidi duodecim 
solidis Cüloniensium semper equipollentes, ita videlicet, ut ex 
his viginti quatuor solidis duodecim solidi Colonienses haberi 
possint, et de duodecim solidis Coloniensium viginti quatuor 
solidi Aquensium sine impedimento possint cambiri. E^orma vero 
denariorum talis crit, quod in una parte erit imago sancti Ka- 
roli et eins superscriptio, ex altera parte nostra imago cum 
nostri nominis superscriptione". Nachdem der Kaiser dann eine 
andere Sache, die uns hier nicht interessiert, berührt hat, sagt 
er weiter : 

„Quia vero lege iniqua condempnabatur, qui monetam aliam 
preter Aquensem acceptasset vel canibivisset, nos econtra iube- 



') Laut gütiger Mitteilung des Herrn Lnndgcrichtsrat Daunenberg 
können diese Stüclie aber auch vielleicht .sclion Heinrich ill. angehören. 

*) Dannenberg, Die deutscheu Münzen der sächsischen und fränliischen 
Kaiserzeit I, S. 141, Tafel XlII Nr. 295/97, 299/301. 

^) Nach Lacorablct, Urlvundenbucli I, S. 284. 



— 45 — 

niii?, ut iinaqucque nioneta inxta ([iialitateiu suam in loco iiostro 
currat et accepta sit onmibus secuiidum quod ipsam valere con- 
stitucrit. Item mercatüribiis nostris de pi'cfato loco Aquensi 
concedimus et confirmaiiuis, ut nostia auctoiitate liceat eis extra 
donuiiu inoiietariam et tectiiiu cambire argentum vel monetani, 
quaiido ad uegotiationes snas exire proposuerint." 

Zu deutsch uugefälir so lautend: Ausserdem, damit übrigens 
nicht die liäufige Veränderung der Münze, die bisweilen schwerer, 
bisweilen leichter zu sein pflegte, zum Schaden eines so glor- 
reichen Ortes gereiche, so haben wir auf den Rat unserer 
Kurie dort eine Münze schlagen lassen, die immer in eben- 
derselben Reinheit, Schwere, Gestalt und Zahl dauern soll. Von 
der Mark sollen geschlagen werden 24 Schillinge, 12 Kölner 
Schillingen stets gleichwertig, so nämlich, dass für diese 
24 Schillinge 12 Kölner Schillinge erhalten werden können und 
für die 12 Kölner Schillinge ohne Schwierigkeit 24 Aachenei- 
Schillinge gewechselt werden können. Die Gestalt der Denare 
soll aber eine solche sein, dass auf einer Seite das Bild des 
heiligen Karl und dessen Umschrift, auf der anderen Seite unser 
Bild mit der Umschrift unseres Namens sich befindet. 

Weil aber durch ein ungerechtes Gesetz der bestraft wurde, 
der eine andere als Aachener Münze annahm oder wechselte, 
so befehlen wir dagegen, dass eine jedwede Münze nach ihrer 
Beschaftenheit in unserem Orte Umlauf haben soll und von allen 
angenommen werde, gemäss dem Werte, den er dafür festsetzt. 
Ebenso gestatten wir ausdrücklich unseren Kaufleuten des vor- 
erwähnten Ortes Aachen, dass es ihnen gemäss unserer Er- 
mächtigung erlaubt sei, ausserhalb des Münzhauses und der 
Wechselbude Silber oder Geld zu wechseln, wenn sie vorhaben, 
Handelsgeschäfte zu treiben. 

Einige haben nun gemeint aus dieser Urkunde entnehmen 
zu können, dass Barbarossa dem Orte Aachen das Münzrccht 
verliehen habe, was aber vollständig ausgeschlossen ist ; dagegen 
spricht schon der Wortlaut der Urkunde. Der Kaiser sagt ja 
ausdrücklich „cudi fecimus", wir haben veranlasst, dass geschlagen 
werde, wir haben schlagen lassen, bei einer Gewährung des 
Münzrechts würde er den in solchen Fällen üblichen Ausdruck 
„monetam concessimus" oder einen ähnlich lautenden, etwa wie 
„monetam .... in proprium dedimus atquc tradidimus" angewandt 
haben. In der Folge werde ich nocli weitere Beweise erbringen. 



— 46 — 

dass es sich hier nicht um eine dem Orte Aachen verliehene, 
sondern nur um eine kaiserliche Münzstätte handelt. 

Die andere Ansicht, dass in Aachen eine kaiserliche Münz- 
stätte erst durch die Urkunde vom 9. Januar 1166 gescliaffen 
worden sei, findet ihre Widerlegung in dem Vorhandensein der 
vorhinerwähnten Aacliener Münzen Heinrichs IIL resp. IV. und 
ihrer nächsten Nachfolger. Ausserdem spricht Friedrich I. 
selbst in jenem Dokumente von einer „domus monetaria", einem 
Münzhause, wo also auch Münzen geschlagen worden sind, ja, 
er erwähnt sogar das Erzeugnis dieser Münzstätte, eine moneta 
Aquensis. Unter dieser moneta Aquensis ^ könnte hier vielleicht 
auch Aachener Währung verstanden werden, also eine nicht 
ausschliesslich in Aachen, sondern auch anderwärts geschlagene 
Münze ^, welch letztere dann in dem Orte Aachen einen be- 
stimmten Kurs hatte. Von dieser Aachener Währung ist in 
späteren Zeiten häufig die Rede. Da aber in unserer Urkunde, 
wie oben bemerkt, einer „domus monetaria" gedacht wird, so 
darf man wohl, will man nicht etwa annehmen, dass gerade 
um diese Zeit der Betrieb in der kaiserlichen Münzstätte vor- 
übei'gehend geruht habe, was bei verschiedenen Münzschmieden 
thatsächlich zuweilen der Fall gewesen ist, in allererster Linie 
an in Aachen selbst geschlagene Münzen denken und dann erst 
an die hier etwa Umlauf habenden, fremden Geldsorten. 

Für die beiden irrigen x^nsichten nun, dass am 9. Januar 
1166 der Ort Aachen das Münzrecht erhalten habe oder dass 
erst um diese Zeit eine kaiserliche Münzstätte dort errichtet 
worden sei, könnte vielleicht eine gewisse Erklärung in dem 
Umstände gefunden werden, dass in jenen Zeiten, etwa bis zum 
Ende des XIT. Jahrhunderts, der Markt fast stets zusammen 
mit der Münze verliehen wurde ^. Ein Beispiel hierfür bietet 



') Das Wort „moneta" bezeichnet je nach der Zeit, in der es gebraucht 
wird, Münze, Gcdd, Wälirung (nach Stalin, Grote, Münzstudien VI, S. 186), 
Münzprivileg und Münzrecht (Soetbeer a. a. 0. VI, S. ü7) und Münzstätte. 

^) Grote führt in seinen „Münzstudien" VI, S. 186 einige Beispiele an, 
iu denen die Währung yon Orten erwähnt wird, an denen sich niemals eine 
Münzstätte befunden hat. 

') Waitz, Deutsche Verfassungsgeschich tc VllI, S. 320. — Eheberg 
a. a. 0. S. 182/3. Übrigens schloss das Markt- und Münzrecht wohl immer 
auch das Recht in sich, eine Wechselstube zu halten und Zölle zu vercin- 
n;ilime)i. 



— 47 — 

in unserer uiiinittelbaren Nälie die Benediktiiierabtei Corneli- 
iniinster, der von Otto IL das Markt- und Münzi-eclit erteilt 
worden ist, eine Verleihung, die Otto TU. unterm 29. August 
985 bestätigte '. Von diesem Rechte jedoch sclieiut Oornelimüiister, 
wenigstens was die Münze angeht, keinen Gebrauch geniaciit 
zu iiaben -, wie das bei derartigen Verleihungen sehr häufig der 
Fall gewesen ist. da die Ausnutzung des Miinzrechts an gewisse 
Vorbedingungen geknüpft war, die nicht immer vorhanden waren. 
Unsere Urkunde bestimmt, dass aus der Mark ^ 24 Schillinge, 
an Wert gleich 12 Kölner Schillingen, geschlagen werden sollen; 
unter diesem Schilling hat man sich aber nicht ein wirklich 
geprägtes Geldstück, sondern nur eine Rechnungsmünze vorzu- 
stellen. Die einzige Münze, die in jener Zeit geschlagen wurde, 
war der Denar, der zwölfte Teil des Schillings. Aus der Mark 
Silber sollten, der Vorschrift Barbarossas gemäss, 288 Denare 
geschlagen werden, die im Wert gleich 144 Kölner Denaren 
sein sollten ; mithin war ein Aachener — ein leichter — Denar 
gleich der Hälfte eines kölnischen, eines schweren Denars. Dass 
der Kölner Denar als Wertmesser herangezogen wird, lässt die 
grosse Bedeutung erkennen, die schon damals die Münze des 
Kölner Erzstifts hatte. Kölner Denare, die sich durch ihren 
guten Gehalt auszeichneten und sich im Laufe der Jahre ein 



t5 



>) Dannenberg a a. 0. I, S. U3. 

2) Von einer Münze, die als dort geprägt angesehen wurde, hält 
Dannenberg für wahrscheinlich (Die deutscheu Kaiserinünzcn u. s. w. 1, 
S. 143), dass sie nach Metz gehöre. 

^) Das Wort „Mark", das angelsächsischen Ursprungs ist, findet sich 
in Deutschhmd zuerst im Anfang des XI. Jahrhunderts (siehe Waitz 
a. a. 0. VIII, S. 335) und bezeichnet teils ein Edelmetallgewicht (Gewichts- 
mark), teils eine Anzahl von Münzen (Zählraark). Aus der Gewichtsmark, 
der mehr oder weniger unedles Metall zugesetzt wurde, daher gemischte 
oder rauhe Mark, wurden die Münzen hergestellt. Die Mark trat an die 
Stelle des bisherigen Münzpfundes, das sieh seinerseits aus dem römischen 
Gewichte entwickelt hatte. Eine ganz aussergewöhnliche Verbreitung fand 
die kölnische Mark, die zwei Drittel des Münzpfundes betrug und im XII. 
und XIII. Jahrhundert 234 Gramm enthalten haben dürfte. Die kölnische 
Mark war als Münzgewicht noch bis in unsere Zeit hinein massgebend, 
nämlich bis zum Jahre 1857 resp. 185(!, und wir finden auf noch heutzutage 
in Umlauf befindlichen Thalorn den diesbezüglichen Vermerk: XIV eine feine 
Mark. Ganz wurde das Münzi)fund jedoch nicht verdrängt, sondern es 
findet sich aucli in dir Folüfi'zeit noch iiäufiir vor. 



— 48 — 

grosses Umlaufsgebiet eroberten, waren nicht nur am Nieder- und 
Mittelrhein, an der Mosel. Nahe und Lahn gang- und gäbe, sondern 
auch in den Niederlanden, die in regem Handelsverkehr mit 
den Rheinlanden standen ^ auch in Westfalen kursierten die 
Erzeugnisse der Kölner Münzschmiede und zwar zeitweise unter 
dem Namen Agrippinenses. 

Der neue Aachener Denar war hauptsäclilich für den Ver- 
kehr mit den westlich und südlich von Aachen gelegenen Ge- 
genden-, besonders für das Stift Lüttich und das Herzogtum 
Brabant bestimmt, während ein doppelt so schweres Stück, also 
gleich dem Kölner Denar, bei Handelsgeschäften mit dem Erzstift 
Köln und anderen im Osten von Aachen gelegenen Territorien 
zur Verwendung kam. Diese letztere Münze war der so ge- 
nannte Roma Caput mundi-Denar Barbarossas, der auf der 
Vorderseite den thronenden Kaiser zeigt, Schwert und Reichs- 
apfel haltend ^, auf der Rückseite dagegen das Bild einer Kirche 
vorweist mit der Umschrift „ROMA CAPUT MUNDI", wobei 
zu ergänzen ist SECUNDA*. Mit dieser stolzen Umschrift 
„Zweites Rom, Haupt der Welt" ist unser Aaclien gemeint, 
das Friedrich I. in dem Diplom vom 9. Januar 1166 locus 
gloriosus nennt und dessen palatium schon in einer Urkunde 
Otto L „als Hauptsitz des Reiches diesseits der Alpen" be- 
zeichnet wird. 

Barbarossa spricht in unserer Urkunde davon, dass ein 
ungerechtes Gesetz denjenigen bestraft habe, der eine andere 
als Aachener Münze angenommen oder gewechselt habe. Diese 
Stelle bezieht sich auf die sogenannte Territorialität der Münzen, 
dann auf den damals in vielen Gegenden Deutsclilands üblichen 
Wechselzwang. Unter der Territorialität der Münzen'' versteht 



') Pirenne, Geschichte Belgiens übersetzt von Arnheim I, S. 296/7. 

■■') J. und A. Erbstein, Der älteste Aachener Denar mit dem Brust- 
bilde Karls des Grossen in „Aus Dresdner Sammlungen" S. 4. 

^) Auf anderen Exemplaren dieses Denars hat der Kaiser das Schwert 
auf dem Schosse liegen, auf noch weiteren Stücken hält er statt des Schwertes, 
eine Hellebarde in der rechten Hand. 

*) Laut gütiger direkter Mitteilung des Herrn Landgeriehtsrat 
Dannenberg (Berlin) findet sich auch auf einem Trierer Denar des Erz- 
bischofs Eberhard (1047 — 1066) die Bezeichnung Secunda Roma (siehe auch 
Dannenberg, Kaisermünzen I, 8. 191, Tafel XXI, Nr. 476). 

*) Die kaiserlichen Münzen waren durch die Territorialität nicht be- 
hindert, sie hatten überall Umlauf, wenn nicht etwa besonders erteilte 
Privilegien entgegenstanden. 



— 49 — 

man die alleinige Umlaufjsbercchtigung bostiinniter Münzen in 
einem bestimmten Gebiete unter Ausschluss aller anderen Münzen. 
Der Wechselzwang bestand darin, dass alle fremden Münzen, 
wie auch das ungemünzte Silber gegen an dem jeweiligen Orte 
selbst geschlagene Münzen umgewechselt werden mussten. Und 
zwar hatte diese Uniweciiselung sowohl von Seiten der Ein- 
gesessenen, die solclie fremden Münzen und ungemünztes Silber 
auswärts empfangen hatten, wie auch von Seiten der fremden 
Kaufleute gegen eine bestimmte Abgabe — Schlagschatz genannt^ 
— bei den Münzmeistern, die aucli das Wechselgeschäft meistens 
mitbesorgten, stattzufinden. Die Höhe dieses Schlagschatzes wurde 
von den Inhabern der Münzstätte nach Gutdünken festgesetzt. 
Mit Silber durfte erst dann Handel- getrieben werden, wenn 
dasselbe dem Münzmeister vorher zum Kauf angeboten worden 
war, und dieser, weil er etwa genug Vorrat davon hatte, was 
aber in diesen Zeiten nur selten der Fall gewesen sein dürfte, 
den Ankauf abgelehnt hattet Unsere Urkunde erwähnt aus- 
drücklich dieses ungemünzte Silber, das argentum, dann auch das 
gemünzte, die moneta. Unter diesem argentum wird man vielleicht 
auch Silbei'barren verstehen können, die seit Anfang des XII. Jahr- 
hunderts^ zur Zahlung von grösseren Beträgen benutzt wurden. 



') Mit ScblagS(;hatz bezeichnet man gewülinlich im weiteren Sinne die 
Differenz zwischen ungcmiinztem und gemünztem Metall, dann im engeren 
Sinne den Gewinn, der sich aus der Ausmünzung nach Abzug aller Unkosten 
ergibt. Unter Schlagschatz versteht man dann ferner die Gebühr oder Pacht, 
welche der Münzer oder Pächter (;iner Münzstätte dem eigentlichen Besitzer 
derselben zu verabfolgen hatte. 

2) Zuweilen wurde bei Märkten ein besonderes Privileg zum Handel 
mit edlen Metallen erteilt, so 1219 den Nürubergern für die Märkte in 
Donauwörth und Nürdlingen (siehe Eheberg a. a. 0. S. 69). 

^) Auch der Handel mit Gold war nur unter gewissen Bedingungen 
gestattet. Gold wurde bis zum XIV. Jahrhundert in Deutschland, einige ganz 
verschwindende Ansnahmen abgerechnet, nicht gemünzt. Im frühen Mittelalter 
hatten hier byzantinische (Joldmünzen, möglicherweise auch noch fränkische 
Trientes Umlauf. Das Necrologiumder Aachener Münsterkirche, herausgegeben 
von Chr. Qu ix, erwähnt S. 71 einen Posten von „XIII bisantos". Genauere 
Zeitangabc ist niclit möglich, da aus der Quixschen Bearbeitung des Necro- 
logiums nicht zu ersehen ist, ob der Vermerk von diM- älteren oder jiingeren 
Hand, also aus der Zeit um (resp. vor) oder nach Tidf) herrulirt. (Siehe 
Piek, Aus .\achens Vergangenheit S. 280.) 

') La in|irecht, Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter II, S. 38G/7. 

4 



— 50 — 

Solche Barren wurden 1848 resp. 1856 in Niedersachsen gefunden, 
sie waren halbkug-elförmig', von sechs Centimeter Durchmesser 
und wogen meist 190 — 232 Gramm \ sie waren mit einem oder 
mehreren eingeschlagenen Zeichen versehen, daher der Name 
marca signata. Das zu den Barren im XTI. Jahrhundert ver- 
wandte Silber war feines Silber (argentum examinatum oder 
purum)-. Im späteren Mittelalter (XIII. und ungefähr erste 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts) kommen dann gegossene Silber- 
barren von nicht feinem Silber vor, sondern von einer bestimmten 
Legierung. Diese Barren nannte man marca argenti usualis. 
Als recht interessant möchte ich noch einer besonderen Art 
der Barrenwährung gedenken, der sogenannten Schatzpraxis ■"'. 
Dieselbe, im frühen Mittelalter im Gebrauch, bestand darin, 
dass man den Vorrat an Edelmetall nicht in Barren, sondern 
in goldenen und silbernen Geräten aufbewahrte, die, nichts 
weniger als Kunsterzeugnisse und von billigen Arbeitskräften 
angefertigt, kaum mehr wie den Metallwert darstellten. 

Friedrich I. gestattet also seinen Aachener Kaufleaten, 
„quando ad negotiationes suas exire proposuerint", wenn sie 
vorhaben ■ — um mich modern auszudrücken — ihre Geschäfts- 
reisen anzutreten, ungemünztes Silber, also vielleicht auch 
Silberbarren, und Münze, welche sie mitzunehmen* gedacliten, 
ausserhalb des Münzhauses und des „tectum" einzuwechseln. 
Unter tectum wird man sich wohl einen budenartigen, mit einem 
Dach versehenen Vorbau des Münzhauses vorzustellen luibcn. 

Wenn der Wechselzwang, von dem hier der königliche 
Ort Aachen durch das Wohlwollen des Kaisers befreit wird, 



') Grote a. a. 0. VI, S. 35 und Hilliger in der Historischen Viertel- 
jahrsschrift herausgegeben von Prof. Dr. Gerh. Seeliger III. Ö. 194/5. Siehe 
auch Bodo, das ältere Müuzwesen der Staaten und Stiidte Niedorsachsens 
S. 216 und Tafel X. 

ä) Lamp recht a. a. (). TI, S. 386 Anm. 1. 

^) Lamprecht a. a. 0. II, S. 378/9. 

*) Es war für die Kaulleute von grossem Vorteil, ungemünztes Silber 
auf ihre Reisen mitzunehmen, da sie dieses entschieden besser verwerten 
konnten als gemünztes Geld. Von den Augsburger Kaufleuten ist belcannt, 
dass sie das für ihre Reisen nötige ungemünzte Silber, ohne Schlagschatz zu 
zahlen, in der Münzstätte einwechselten, und zwar war der Betrag, der ihncMi 
für die cinzchuin Reisen gewechselt wurde, je nach der Zeitdauer der 
letzteren ein verschiedener. Das eingewechselte Silber wurde dann zum 
Gebraiic.li für dif Reisen von den Goldschmicdctn in Barren gegossen (siehe 
Eheberg :i. :i. <». S. 60). 



— äl — 

auch lästig war, so fügte nuiii sicli doch in das Unvermeidliche, 
man sah eben ein ', dass das zur Ausmünzung nötige Silber bei der 
damaligen geringen Anzahl von Silbcrbergwerken meistens nicht 
anders beschafft werden konnte, als durch den Wechselzwang ^ 
Ungemein drückend wurde dieser aber durch die sogenannten 
Verrufungen ■'. bei denen das am Orte selbst geschlagene Geld 
bis zu einem bestimmten Termin für ungültig erklärt wurde, 
das alte Geld nuisste dann gegen neues umgetauscht werden 
und zwar mit zuweilen recht grossem Verlust^, welcher sich 
bis auf 25 vom Hundeit belaufen konnte. Meistens wurden für 
13 alte Denare 12 neue gegeben, die aber oft genug auch noch 
minderwertiger waren. Solche Verrufungen fanden zuweilen 
jährlich statt, häufig fielen sie auch mit den Jahrmärkten zu- 
sammen; noch bis zum XIII. Jahrhundert wurden in Schlesien'', 
wo jährlich drei Mäi-kte abgehalten wurden, auch die Münzen 
jährlich dreimal erneuert. Das Grossartigste in Veränderung 
der Münzen wurde aber um die Mitte des XIV. Jahrhunderts 
in Frankreich geleistet, wo im Jahre 1348 die Münze elfmal, 
1349 neunmal, 1351 achtzehnmal, 1353 dreizehnmal und 1355 
wieder achtzehnmal geändert wurde". Die Folgen eines solchen 
verwerflichen Verfahrens kann man sich leicht vorstellen ; Handel 
und Verkehr wurden fast unmöglich gemacht, und die Bevölkerung 
musste der Verarmung anheimfallen '. Wie es scheint, handelt 
es sich um eine solche Verrufun^,'' auch in unserer Urkunde, 
eine Meinung, welche gewissermassen eine Bestätigung findet 
in darstelle „monetam perpetuo duraturam", eine Münze, welche 
immer dauern, also nicht mehr geändert werden soll. Diese 
häufige Verrufung (crebra mutatio) setzt aber voraus, dass in 
Aachen vor dem Jahre 1166 ein gewisser Handelsverkehr vor- 
handen war, dafür sprechen ja auch die „mercatores nosti-i de 
prefato loco Aquensi". 



») Eheberg a. a. 0. S. 170. 

') Übrigens gab es doch verschiedene Städte, wo der einheimische Bürger 
nicht gezwungen war, Silber an die Münze zu verliaufen (siehe Eh ober g 
a. a. 0. S. 63). 

^) Kenovatio, innovatio, revocatio, mutatio monetae. 

'') Auch dieser Verlust fällt unter den Begriff Schlagschatz. 

^) Eheberg a. a. 0. S. 68. 

^) Ehe borg a. a. (). 8. 77. 

') Zuweilen konnte aber eine Aiuleruiig der .Miinze wegen häulig auf- 
tretender Falschmünzerei geradezu geboten sein. 



— 52 — 

Die treffliche Verürdiiung des Kaisers bezüglich der Münze 
war aber auch sehr am Platze, da die Münze dieses Jahrhunderts 
vielfach in ihrem innei'en Wert durchaus nicht dem äusseren 
entsprach, selbst die kaiserlichen Münzstätten scheuten sich 
nicht, gering-haltiges Geld lierzustellen '. Eine rühmliche Aus- 
nahme machte der kölnische Denar, der denn auch mehrfach 
widerrechtlich nachgemünzt wurde, so in Kreuznach und in der 
trierschen Münzschmiede Koblenz ^. Auch die Aachener Kaiser- 
münzen sind häufig- Nachahmungen der Münzen der Kölner 
Erzbischöfe gewesen -^ wie das auch aus einer später zu er- 
wähnenden Urkunde deutlich zu ersehen sein wird. 

Dass die neue Aachener Münze sich immer gleich bleiben 
solle an Reinheit des Metalls, an Form und Zahl, das Hess 
sich schon durchführen, nicht aber war es möglich, auch das 
gleiche Gewicht zu erzielen, wenigstens nicht für das einzelne 
Stück, denn bei der damaligen mangelhaften Münztechnik fielen, 
wenn auch die Gesamtzahl einer Prägung das vorgeschriebene 
Gewicht ergab, die einzelnen Münzen meistens recht verschieden 
im Gewichte aus. Dieser Umstand gab dann nicht selten un- 
redlichen Münzmeistern Gelegenheit zum Betrug, indem sie die 
seh wer ausgefallenen Denare heraussuchten, diese neu verschmolzen 
und nur die leichten in den Verkehr brachten, welches Verfahren 
mit dem Ausdruck „Saigern"'^ bezeichnet wurde. 

Barbarossa, 'der nach Karl dem Grossen von allen Kaisern 
Aachen am wohlwollendsten gesinnt war, hat mit dem P^rlass 
der Urkunde vom 9. Januar 1166, besonders durch die Auf- 
hebung des Wechselzwanges und durch die andern Anordnungen 
betreffs der Münze, dem Orte Aachen eine grosse Wohlthat 
erwiesen, eine Vergünstigung, die wie Eheberg ^ und Loersch '^ 
hervorheben, nur äusserst wenigen Orten zu teil geworden ist. 

') Eheberg a. a. (). S. 55/6. 

2) Lamprecht a. a. 0. II, S. 383. 

") Dan nenberg, Die Aachener und Kölner Donare der Hohenstaii- 
tischcn Zeit (Separat-Abdruck aus den Berliner Blättern für Münz-, Siegcl- 
und Wappenkunde III), S. 4, Anm. 1. 

■•) Saigern, mittelniederdeutsch sageren, probieren, von dem italienischen 
saggiare, wie Schiller und Lübben, Mittelniederdcutsche.s Wörterbuch IV, 
8. 11 meinen, durch die lombardisclien Wechsler in Deutschland eingel)ürgert; 
auch assayereu kommt vor (franz. essayer). Man beachte auch noch Saigern 
oder Seigcrn ^ seihen, sickern (Duden, Urthograph. Wörterbuch 7. Aufl. S. 309. 

f') Khclierg a. a. O. S. 55. 

"i LdiTsrh in der Zril Schrift des Aachener Ceschichtsvcreins IT, vS.341. 



— 53 — 

Die Aacliener haben denn luicli ihren Dank den Holicn- 
staufen g-e^-eniiber durcli treueste Anhänglichkeit in schweren 
Zeiten betliätig't '. 

Man hat geglanbt, dass die Verordming Barbarossas be- 
züglich der Präg-ung- einer neuen Münze nicht der Vorschrift 
g-eniäss zur Ausführung g'elang't sei, weil derartig-e Münzen 
nicht l)ekannt gewo^'den wären. Die Brüder Dr. Erbstein haben 
aber das Verdienst, eine solche Münze aufgefunden zu haben -, 
welches ungemein seltene Stück sich jetzt in der Sammlung des 
einen von ilinen, des Geheimen Hofi'ats Dr. Erbstein in Dresden, 
befindet. Diese Münze kommt genau der Vorschrift unserer 
Urkunde nach, sowohl was das Gewicht, als auch was das Ge- 
präge betrifft. Auf der Vorderseite zeigt sich das Brustbild 
Karls des Grossen mit starkem Schnurrbart und die Umschrift: 
sS CAR-OL,,-'' IP (Sanctus Carolus Imperator), die Rückseite 
weist das bartlose Bild Barbarossas vor und die Umschrift: 
FRED-ERIC;,'^. — Dieser kleine Denar verdient unsere volle 
Beachtung, niciit allein als Beweisstück für die Ausfühi-ung der 
Vorschrift in dem Diplome vom 9. Januar 1166, sondern auch 
ganz besonders wegen der sich auf ihm vorfindenden Darstellung 
Karls des Grossen. Wir sehen hier das Brustbild des grossen 
Karl, wie man sich ihn in der Zeit Barbarossas in Aachen, wo 
ja die Vorstellung seines Äusseren in der Überlieferung fortlebte 
oder wo auch vielleicht noch irgend eine ältere, wahrheitsge- 
treue bildliche Darstellung von ihm vorhanden war, dachte. 
Dieses Bild Karls des Grossen auf dem kleinen Münzchen wäre 
den von P. Clemen in seiner so gediegenen Abhandlung über 
die Portraitdarstellungen Karls der Grossen ^ vorgeführten Por- 
traits noch anzuschliessen. Sollte der Stempel dieses wertvollen 
Münzchens ^ welches vor andern Stücken dieser Zeit durch 
Eigenart der Ausführung günstig auffällt, nicht etwa von dem 
vielseitigen Meister Wibert herrüiiren '? 

') Besonders bei der Belageruug der Stadt durch Wilhelm vou Holland 
im Jahre 1248. 

-) Krl)Stein a. a. ( t. Ö. 2. 

^) 9 ist eine mittelalterliche Abkürzung der Endung us. 

■•) Siehe Erbsteiu a. a. O. S. 3. 

■') Zeitschr. d. Aach. Gesch.- Ver. XI, S. 181 f. und XII, S. 1 f. 

^) In der jetzt im Sucrmondt-Museum lietiudlichen t'ouniontschon 
Münzsammlung ist ein Staniulabdruck dieser Münze vorhanden. 

') Fr. liock vermutet, dass Wibert städtischer Münzmeistcr ge- 
wesen sei (Pfalzkapelle S. 127/8). Für den Ort Aachen kann Wibert 



— bi — 

Die mit der Urkunde vom 9. Januar 1166 getroffenen, so 
wohlgemeinten Anordnungen Friedrichs scheinen jedoch nicht 
den erwarteten Erfolg gehabt zu haben ^ Das seltene Vorkommen 
des kleinen Denars, besonders aber eine weitere Urkunde, die 
Barbarossa unter dem 29. Mai 1173 in Fulda für die flandrischen 
Kaufleute ausstellen Hess, dürften hierfür den Beweis erbringen. 
Die Stellen dieser Urkunde, die für uns hier in Betracht kommen, 
sind folgende: „Aquisgrani vero aliud forum habebit initium in 
capite jejunii per quatuordecim dies observandum, aliud in festo 
sancti Michaelis totidem diebus frequentandum" .... Und 
weiter: „Ut autem mercatores melius habeant commodum, novam 
monetam apud Dusburch cudi praccipimus in denariis et apud 
Aquisgrani in obolis, quorum marcha praeponderabit^ uno dc- 
uario Coloniensi nu)netae; hos etiam denarios et obolos conies 
Flandrensis per terram suam dandos esse praecipiet^." In deut- 
scher Übersetzung ungefähr so: Zu Aachen aber wird ein 
anderer Markt ^ seinen Anfang haben bei Beginn der Fasten, 
welcher vierzehn Tage hindurch andauern wird, der andere am 
Feste des heiligen Michael, welcher Markt ebensoviele Tage 
besucht werden soll .... Damit aber die Kaufleute es be- 
quemer haben, so ordnen wir an, dass eine neue Münze in 
Duisburg und zwar in Denaren und in Aachen in Obolen ge- 
schlagen werde, deren Mark um einen Denar besser sein soll, 
als das Kölner Geld; der Graf von Flandern wird auch anordnen, 
dass diese Denare und Obole in seinem Gebiete genommen werden 
sollen. Über das Gepräge und das Gewicht dieser neuen in 
Aachen zu schlagenden Münze ist in der Urkunde nichts bestimmt. 
da sie aber obolus ffenannt wird und dieser gleich der Hälfte 
eines schweren Denars war, so ist anzunehmen, dass die Münze 



aber als Müiizmeister nicht thätig gewesen sein, da jener ja kein Münzrecht 
hatte, wohl aber für den Kaiser. St. Bei s sei in der Zeitschrift für 
christliche Kunst IV, Spalte 383 sagt: „Er" Wibert nämlich „würde auch 
in diesem Falle Friedrich I. gedient haben, denn dieser liess 1166 zu Aachen 
eine neue Münzart schlagen . . . ." 

') Haagen (Geschichte Achens I, S. 133) ist allerdings anderer Ansicht. 

^) Diese Steile wird, wie Paul Joseph, Herausgeber der Frankfurter 
Münzzeitung verinutct, so aufzufassen sein, dass 144 neue Duisburger Denare 
oder 288 neue Aachener Obole im Werte gleich 145 Kölner Denaren sein 
sollen. (Freundliche Mitteilung des Herrn Joseph.) 

■■') Nach Höhl bäum. Hansisches Urkundenbuch I, Nr. 23. 

■*) Vorher war in der Urkunde von den Märkten in Duisburg die Rede. 



— 55 — 

der Urkunde vom Jaliic 117.'5 im Gewichte dem kleinen Denar 
vom Jahre lltHJ so ziemlich ent.sprochen haben wird. Da nun 
auch die in der Fuldaer Urkunde festg-esetzten Märkte mit 
denen des Jaiires 1166 fast zusammen fallen', so ist man wohl 
berechtiget, den Schluss zu ziehen, dass mit der Urkunde vom 
Jahre 1173 zum Teil nur eine friliiere Einrichtung, die nicht 
den nötigen Aiddan.g g-efunden luitte, gleichsam wieder erneuert 
wurde. Von Barbarossas Nachfolger Heinrich VI., in dessen 
ersten Regierungsjahren der Ort Aachen Stadt wurde, ist in 
Aachen auch gemünzt worden, und zwai' wurden Denare, die 
die Umschrift „Ronui caput mundi" auf der Rückseite trag^en, 
geschlagen. A. Werminghotf- irrt, indem er meint, dass Hein- 
rich ])eabsichtigt habe, die Aachener Münzstätte eingehen zu 
lassen. In der in Betracht komnieiulen Urkunde vom 25. März 
1190'' macht er dem Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg- 
die Zusage, dass er in dem Gebiet des Erzstifts Köln keine 
anderen Münzstätten haben wolle, als die zu Duisburg- und 
Dortmund. Die Aachener Münzstätte kann aber hier nicht in 
Frage kommen, da sie nicht im Gebiete des Kölner Erzbiscliofs, 



sondern in dem Bereich des Stifts Lüttich lag-. Dageg-en ist es 
richtig, dass Otto IV. dem Kölner Erzbischof Adolf I. (von 
Altena) das Versprechen gegeben hat, für immer auf die 
Aachener Münzstätte zu verzichten, also sie aufzuheben. Die 
betreffende Stelle der Urkunde vom September 1202 lautet: 
„Ante omnia rex dabit fidem in nmnu domni legati'"*, quod ea, 
quae praescripta sunt, habebit rata, archiepiscopus similiter. 
Rex Otto monetam Aquensem a domno Walramo expediet, et 
tam rex quam Galramus illi monete renunciabit in perpetuum, 
et domnus legatus sub anathemate prohibebit monetam in Co- 
loniensi scemate cudi Aquis numquam vel alibi extra civitatem 
Coloniensem et scribet Romano pontiflci ut sententiam suam 



') Der erste Markt des Jahres 1106 sollte am Sonntag nach Ascher- 
mittwoch (in dominica prima ([uadragesimc), der erste des Jahres 1173 am 
Aschermittwoch (in capito jejiinii), also 4 Tage früher, beginnen. Der zweite 
Markt des Jahres 1 lüü dagegen sollte acht Tage vor dem Feste des heiligen 
Michael, also am 22. September anfangen, während der zweite des Jahres 
117H am Michaelstage selbst, also acht Tage später, seinen Anfang nahm. 

-*) Die Verpfändungen der mittel- und niederrheinischen Reichsstädte 
während des 13. und 14. Jahrhunderts (Untersuchungen zur Deutschen Staats- 
und Eechtsgeschichtc Heft 45), S. 117. 

^) Lacomblet, Urkundenbuch I, S. 365 Nr. 524. 



— 56 — 

confirmet^. *Guidonis^, episcopi Penestrini." Zu deutsch: Vor 
allem wird der König in die Hand des Legaten das Versprechen 
ablegen, dass er das, was vorher bestimmt worden ist, aufrecht 
halten wird, der Erzbiscliof ebenso. Der König Otto wird die 
Aachener Münze von Walram einlösen, und sowohl der König 
wie Walram werden für immer auf jene Münze Verzicht leisten, 
und der Legat wird unter dem Banne verhindern, dass jemals 
eine Münze nach Kölner Gepräge in Aachen oder anderswo 
ausserhalb des Kölner Gebietes geschlagen werde, und er wird 
dem Römischen Papste schreiben, dass er seine Entscheidung 
bestätige. Aus dieser Urkunde ersehen wir ferner, dass um 
diese Zeit die Aachener Münzstätte an Walram (von Limburg) 
verpfändet war und zwar wohl jedenfalls von Otto IV. ; diese 
Münzstätte einzulösen verspricht Otto. Weiter zeigt uns dieses 
Dokument, dass die Münzen der Kölner Erzbischöfe vielfach 
und zwar auch in Aachen nachgeahmt wurden. Diese Urkunde 
nun erbringt einen doppelten Beweis dafür, dass die Münz- 
schmiede in Aachen nur eine kaiserliche gewesen sein kann ; 
eine dem Orte oder der Stadt Aachen nämlich verliehene Münz- 
stätte hätte vom Kaiser oder Könige weder verpfändet noch 
aufgehoben werden können. 

Von Otto IV. liegen Aachener Münzen vor ; dieselben müssen 
daher, wenn sein dem Erzbischof Adolf, d. h. eigentlich dem 
Erzstift Köln geleistetes Versprechen nicht rückgängig gemacht 
worden ist, aus der Zeit von 1198 bis 1202 herrühren. Da 
Adolf später, nachdem er sich dem Gegner Ottos, dem Staufer 
Philipp, angeschlossen hatte, vom Papste aus der Kirchenge- 
meinschaft ausgeschlossen worden war und statt seiner der 
Aachener Propst Bruno von Sayn zum Kölner Erzbischof ge- 
wählt wurde ^, so sah sich Otto möglicherweise nicht mehr an 
sein Versprechen bezüglich der Aachener Münze gebunden. 

Auch von Philipp von Schwaben, der ja bekanntlich mehrere 
Jahre Propst der Aachener Marienkirche wai' und das Kloster 
und Dormitorium bei derselben errichten Hess, sind Münzen 
Aachener Gepräges vorhanden, die, wie alle noch von ihm 
vorkommenden zweiseitigen'^ Münzen, wie Dannenberg be- 

') Nach Pcrtz, Monumonta Germ. hist. LL. II, 8. 20(5/7. 
^) Guido, Bischof von ralcstrina in Italien. 
■■') Haagen, Geschichte Acheus I, S. 145. 

*) Es wurden nämlich seit der Mitte des XII. Jahrhunderts in Deutsch- 
linid auch Münzen, die nur auf einer Seite geprägt waren, hergestellt, die 



— 57 — 

merkt ', äussei'st selten sind -. Eine sehr beachtenswerte Münze 
dieses Königs birg-t die Conmontsche Sannnlung-; dieses Stück ver- 
dient ein besonderes Interesse deslialb, weil, nach meiner Ansicht, 
anf der Rückseite dieses Münzchens die Aaciiener Pfalz mit 
dem auf ihr befindliclien Adler dargestellt ist. Karl der Grosse 
liess ja bekanntlich auf der Ostseite seines Palastes einen 
ehernen Adler'' mit ausgebreiteten Flügeln aufstellen, der nach 
Osten' schaute. Bei dem Überfall der Aachener Pfalz durch 
den französischen König Lothar IL im Jahre 978, bei welcher 
Gelegenheit Kaiser Otto IL fast in Gefangenschaft geriet, 
wurde der Adler nach der anderen Seite gewendet. 

Dieses kleine Münzchen Philipps von Schwaben ist nun 
gleichsam eine silberne Urkunde — wie man ja ganz besonders 
die antiken Münzen als eherne Urkunden ansehen darf — dafür, 
dass um die Wende des XII. Jahrhunderts der Adler noch 
auf der Pfalz gestanden hat, diese selbst also noch, wenigstens 
was ihre östliche Seite anbetrifft, in nicht schlechtem Zustande 
sich befunden haben wird ■'. Während die bisher erwähnten 



sogenannten Bractcateii (von deiu lat. brattca — nicht bractea — oder 

lirattia, dünnes — eigentlich Grold Plättchen). Solche Bracteaten sind jedoch 

in unserer Gegend niemals geschlagen worden. 

') Die Aachener und Kölner Denare der Hohenstaufischcn Zeit (in den 
Berliner Blättern für Münz-, Siegel- und Wappenkunde III), Scparat-Abdruck 
Seite 5. 

*) Die Umschrift „Roma caput mundi" findet sich, \vi(! bei Heinrich VI. 
und Friedrich I., auch auf Münzen dieses Königs und zwar auf Denaren 
und Oholen. 

•■') St. Beissel (Zeitschrift für christliciie Kunst IV, Spalte 384) hält 
für raöglicii, dass dieser Adler in der Aaciiener Griesshüttc hergestellt 
worden sei. 

••) Die Quellen, die Chronisten Thietmar (Pertz, Mon. üerni. hist. SS. 
111, S. 761 Zeile 1-5) und Richer (Pertz a. a. 0. SS. III, S. r>22 Zeile 
2ß~29) stimmen iiber die Richtung nach welcher der Adler schaute nicht 
üi)crein. Richer ist jedoch nach Wattcnbacli, Deutschlands Geschichts- 
quellen im Mittelalter ß. Aufl. S. 4i;i f. in seinen Mitteilungen unzuverlässig. 

') von (lidtiuan, in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 
XIX, S. 1, meint, dass dieser Adler „bei einem der vielen Brände, von welchen 
die Pfalz im XII. und XIII. Jahrhundert lieimgesucht und zerstört wurde, 
vernichtet worden'* sei. Das dürfte fiir das XIl. Jahrhundert also wohl 
nicht zutreffen. 



— 58 — 

Aachener Münzen, mit Ausnaliiiie der Roma eaput nuindi-Deuare 
E'riedrichs Barbarossas, alle mehr oder weniger zu den Seltenheiten 
gehören, sind von den unter Friedrich II. geschlagenen Stücken 
Aachener Gepräges und zwar eines bestimmten Typus noch 
manche vorhanden. Diese Münzen stellen auf ihrer Vorderseite 
einen thronenden, mit kräftigem Schnurrbart versehenen Herrscher 
dar, der in der Linken den Reichsapfel, in der Rechten aber 
einen Palmwedel hält. Die Rückseite dagegen weist ein drei- 
türmiges Kirchengebäude vor, unter dem sich das Bild eines 
gekrönten Kaisers oder Königs in halber Figur befindet, der 
die Kirche auf seinen Händen gleichsam emporhebt oder stützt. 
Aachenei' Münzen mit derselben Darstellung kommen auch von 
den Königen Willielm von Holland und Richard von Cornwallis 
vor. In dem Bilde unter dem Kirchengebäude hat man nun 
Karl den Grossen sehen zu müssen geglaubt, J. und A. Erbstein 
weisen dagegen in ihrer bereits mehrfach von mir angezogenen, 
sehr lesenswerten Abhandlung' in höchst scharfsinniger Aus- 
führung nach, dass die thronende sclinurrbärtige Figur auf 
der Vorderseite dieser Münzen, — wenn sie auch nicht die 
entsprechende Umschrift hat, — den grossen Karl darstelle, 
während andrerseits das Bild- unter der Kirche Friedrich IL, 
Wilhelm oder Richard vorstelle. Hier würden wir dann eine 
weitere kleine Portraitdarstellung Karls des Grossen in der 
ursprünglichen, geschichtlich treuen Aulfassung haben, eine 
Darstellung, die um einige Dezennien jünger ist, wüe die von P. 
Giemen als letzte dieser Art •' angeführte. Noch zwei andere, der 
Zeit nach etwas früher liegende Portrait-Darstellungen Karls wären 
ferner den von Giemen aufgezählten'^ anzureihen, nämlich 



') J. und A. P]rb stein a. a. 0. S. 7 f. 

^) Dieses Brustbild Friedrichs IL, Wilhelms oder Richards zeigt Iveinerici 
Bart, wie auch das Bildnis Barbarossas auf der gemäss der Urkunde vom 
9. Januar 1166 geschlagenen Münze bartlos ist, dies kann jedoch nicht be- 
fremden, wenn 'man berücksichtigt, dass es um diese Zeit fast allgemein 
Gebrauch war, die Bilder der Herrscher auf den Münzen oline Bart darzu- 
stellen. 

^) Die Portraitdarstellungen Karls des Grossen, in der Zoitsclir. d. Aach. 
Gesch.-Ver. XII, S. 52. 

■•) Bei Meyer, Aachenschc Gescliiclitüii I, JMünztafcl 2, die C^leinen a. a. 
(). (Zeitschr. d. Aach. Gesch.-Ver. XII) S. 147 erwähnt, fehlen die hier 
aufgeführten zwei Münzen mit Abbildungen Karls des Grossen. 



— 59 — 

eine auf einer Aacheiiei' xMliii/e Ottos I\^' und eine weitere 
auf einem Aachener Denar Friedrichs 11.- mit dem Königstitel''', 
welches Stück im Gepräge sich von dem oben näher beschriebenen 
Münztypus merklicli unterscheidet''. 

Unter den Münzen Wilhelms von Holland befindet sich ein 
Stück, das besonders hei'vorzuheben, ich niciit unterlassen möchte. 
Die bildliche Darstellung- auf beiden Seiten ist die vorhin bei 
Friedrich FI. besprochene. Die Umschrift aber auf der Vorder- 
seite, um das Bild Karls des Grossen, lautet"^: FRID— ERIC'J, 
die der Rückseite dagegen : WILLEL (m 9. rex) ", also die Name 
der beiden Gegner finden sich auf ein und derselben Münze 
vor. H. Dannenberg-' gibt in recht ansprechender Weise 
eine Erklärung dieser eigentümlichen Erscheinung. Nachdem 
Wilhelm nach sechsmonatlicher Belagening Aachen eingenommen 
habe (1248)^, hätte er in aller Eile Münzen schlagen lassen. 
Man habe dazu noch vorgefundene Oberstempel von Münzen 
Friedrichs IT. benutzt", während neue Unterstempel mit dem 
Namen W^ilhelms angefertigt worden wären. Später seien dann 
auch neue Oberstempel hergestellt worden, auf denen natürlich 
der Name Friedrichs fortg'efallen wäre und statt dessen dei' 
Karls — KARO — (19 re) X — (sie!) angebracht worden sei. 



', J. und A. Erbstein a. a. 0. S. ß und Dannenberg, Die Aachener 
und Ki'dner Denare der Hohcnstauöschen Zeit (Separat-Abdruck aus den 
Berliner Blät.tern für Münz-, Siegel- und Wajipenkunde III), S. 5. 

'^) J. und A. Erbstein a. a. 0. S. (!. 

•"') Friedrich II. erhielt erst unterm 22. November 1220 die Kaiserkrone- 

*) Lietzmann hebt in seiner Schrift: „Die Mittelalter-I^Iünzcn der Stadt 
Aaciien (Separat-Abdruck aus der Zeitschrift für Numismatik 11, 1)" S. 3 
mit Recht liervor, dass die kaiserliche Münzschmiede zu Aachen unter den Hohen- 
staufen Münzen von vielerlei Gepräge geliefert habe. Unter Friedrich II. sind 
in Aücheu ausser Denaren und Obolen auch Viertel-Denare geschlagen worden. 

•') Dannenberg in der Zcitschrifi für .Xiimisimiti, khcrausgegeben von 
Dr. A. von Sa 11 et I. S. 77. 

") Von einer numismatisch genauen Wiedergabe der Münzuraschriften 
musste aus technischen Gründen Abstand genommen werden. 

') Danncnlierg a. a. 0. 1, S. 78 und in den Berliner lUättern für 
Münz-, Siegel- und Wappenkunde TU, Separat-Abdruck S. 8. 

*) Nach R. Pick, Aus Aachens Vergangenlieit S. 140, wurden die 
heldenmütigen Verteidiger der Stadt wahrscheinlich in erster Linie durch 
Hunger zur IJ hergäbe gezwungen. 

**) Von dieseu Stempeln wurde, wie J. und A. ICrbstein (a. a. 0. S. 10) 
meinen, g(!rade um so eher ru-ljraucji gemncht, als sie Ja das Bild Karls 
des Grossen trugen. 



— 60 — 

Eine reclit lebhafte Ausmünzung- von Denaren Aachener 
Gepräges hat nun in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts 
stattgefunden. Naclideninäralich die Münze der Kölner Erzbischöfe, 
die in weiten Strecken Westdeutschlands fast zweihundert 
Jahre lang die Vorherrschaft inne gehabt hatte, diese hatte 
abtreten müssen, war an die Stelle des Kölner Denars zuerst 
teilweise der englische Sterling^, dann aber besonders die 
Aachener Münze getreten. Im achten Jahrzehnt des oben ge- 
nannten Jalirhunderts war diese an vielen Punkten der Rlieiu- 
und Moselgegend zu finden. Wie gross die damalige Verbreitung 
des Aachener Denars gewesen ist, zeigt eine sehr dankenswerte 
Zusammenstellung K. Lamprechts ^, Inder besonders ein Posten 
interessieren dürfte. Bei der Erhebung des Zehnten zum Besten 
des Heiligen Landes, den das Konzil vom Jahre 1274 dem ge- 
samten Klerus auferlegt hatte, wurden im Erzstift Trier neben 
zwei anderen Geldsorten nicht weniger als 741 Mark 7 Scliillinge 
6 Denare und 1 Obol odei' in Denaren ausgedrückt annähernd 
106800 Aachener Denare vereinnahmt. Dass die Aachener 
Münze das von ihr besetzte Gebiet verhältnismässsig nur kurze 
Zeit behaupten konnte, hatte neben anderen Ursachen seinen 



^) Der Sterling, easterliug, esterling, der aus dem Osten Stammende, 
war eine englische Silbermünze von etwa der gleichen Schwere wie der 
kölnische Denar. Don Namen Sterling soll diese Münze erhalten haben, 
weil sie von Münzmeistern, die aus dem Osten, wahrscheinlich aus Deutsch- 
land, nach England berufen worden, um dort ein besseres Verfahren zur 
Reinigung und Behandlung des Silbers einzuführen, zuerst geschlagen worden 
war. Besonders unter der langen Regierung des Königs Heinrich III. 
(1226 — 1272) sind viele Sterlinge gemünzt worden. Der Sterling, der von 
sehr gutem Gehalt war, fand Eingang in Frankreich, den Niederlanden, 
am Niederrhein und in Westfalen imd wurde vielfach nachgeprägt, besonders 
auch war dies der Fall bei den Münzen der Könige Eduard L, IL und III. 
(1272—1377.) Siehe Dannenberg, Grundzüge der Münzkunde S. 167, 169, 
192, 194 und 199/200. Bei diesen Nachprägiingen ging mau zuweilen so 
weit, dass nicht nur das eigentliche Münzbild, der Kopf des englischen 
Königs und das Kreuz mit je drei Kugeln in den Winkeln, sondern auch 
der Name auf der Vorderseite oder die Umschrift auf der Rückseite nach- 
geahmt wurde, so dass es selbst für ein geübteres Auge nicht leicht war, 
die wirklichen englischen Sterlinge herauszufinden. Noch .heute ist uns der 
Ausdruck „Sterling" in der Bezeichnung „Pfund Sterling" erhalten geblieben, 
unter der aber eine 1817 zuerst geprägte Goldmünze verstanden wird. 

2) Lamprecht a. a. 0. II, S. 427. 



— 61 — • 

Grund walirscheinlicli ' in der Verschlechterung- ihres Gewichts; 
eine solche Gewichtsverniinderung- hatte seinerzeit auch die Ver- 
drängung der Kölner Münze niitverschuldet. Die Nachfolg-er 
des Aachener Denars wurden die denarii oder sterlingi Bra- 
bantini und die Heller -. Den Brabantcr Sterlingen iiatte zwar 
der englische Sterling ursprünglich als Vorbild gedient, doch 
war die Darstellung sowohl auf ihrer Vorder- als auch auf der 
Rückseite eine durchaus selbständige geworden, so dass von 
ihnen als einer Nachahniung, geschweige denn als einer auf 
Täuschung berechneten Nachprägung der englischen Sterlinge 
nicht gesprochen werden kann. In solchen brabantischen Ster- 
lingen musstc die Stadt Aachen 15000 Mark als Busse für die 
Erschlagung des Grafen von Jülich nnd seines ältesten ehelichen 
Sohnes zahlen. Die diesbezügliche Vereinbarung kam in unserer 
nächsten Nachbarschaft, nämlich auf dem Schloss Schönau-', 
im Jahre 1280 zu stände. Diese 15000 Mark sterlingi Bi-aban- 
tini, ausser deren Zahlung der Stadt auch noch die Stiftung 
und Dotation-^ von vier Altären auferlegt wurden, dürften nach 
meiner Berechnung in heutiger Reichsmünze wohl mindestens 
529740 Mark betragen, wobei aber nicht ausser Acht gelassen 
v.erden darf, dass in jener Zeit die Kaufkraft des Geldes eine 
weit grössere war wie heutzutage. Die Höhe dieses Betrages, 
welcher in zwei Jahren zu bezahlen war'', lässt die damalige 
Leistungsfähigkeit Aachens in recht günstigem Licht erscheinen. 
Es ist nun ungemein auffallend, dass von den Aachener 
Münzen Rudolfs von Habsburg, von denen, jenen von Lamprecht 
angeführten Stellen zufolge, grössere Mengen geschlagen sein 
sollten, nur so wenige Exemplare sich vorfinden, während, wie 
oben erwähnt, von Friedrich II. weit mehr Denare noch vor- 



1) L am pro cht a. a. 0. S. 428/9. 

2) Der Heller, eigentlich Haller, war etwa der dritte Teil des Denars 
und füiirte seinen Namen nach der scliwäbischcn Stadt Hall a/Kocher. 
Er wird wohl zuerst gegen Ende des XII. Jahrhunderts geschlagen worden 
sein (siehe Grote, Müuzstudien VI, S. 96 und Lamp recht a. a. 0. II., 
S. 436) und zeigt auf der Vorderseite eine flache, aufwärts gerichtete Hand, 
während die Rückseite ein Kreuz vorweist. 

») Lacomblet, Urkundeubuch II, Nr. 730, Anmerkung und Quix, 
Codex diploniaticus I, 2 Xr. 226. 

*) Graf von Mirbacli, Beiträge zur Geschichte der Grafen von Jülich, 
in der Zeitschr. d. .\ach. (iescli.-Ver., XI, S. 139. 

•'■) Graf von Mirliach a. a. O. Xl, S. 138 f. 



— 62 — 

lianden sind. Vielleicht könnte man sich diese auffallende Er- 
scheinung folgend erinassen erklären. 

In der Trierer Münzstätte Koblenz sind, wie Lamprecht 
vermutet \ Aachener Denare nacligemilnzt worden. Da nun ein 
im Jahre 1872 dort gemachter Fund von Münzen-, die um 
1290 vergraben worden sind, unter den vorkommenden Aachener 
Denaren nur solche von Friedrich II., Wilhelm von Holland und 
Richard von Cornwallis vorweist, so hat die Koblenzer Münz- 
schmiede möglicherweise nur Denare Aachener Gepräges mit 
dem Namen jener drei Herrscher nachgemünzt und zwar auch 
während der Regierung Rudolfs. Man konnte es nämlich eher 
wagen, Stücke mit dem Namen bereits verstorbener Fürsten, 
von denen sich aber noch Münzen im Umlauf befanden, nach- 
zuprägen, wie solche, welche die Namensumschrift eines noch 
lebenden Münzherrn trugen. Das seltene Vorkommen von 
Aachener Denaren Rudolfs bei häufigerem Vorliandensein von 
Münzen Aachener Gepräges Friedrichs IL würde so in etwa 
erklärlich sein. (Fortsetzung folgt.) 



Kleinere Mitteilung. 

Woher kommt at = Kanal? 

Im Idiotikon von Müller- Weitz Aachen 1836 wird at in Zusaramen- 
hang gebracht mit uassauisch Aderich, dem oberdeutschen Adel. Andere 
erinnern an Ader. Die Lautgesetze unserer Mundart verlangen, dass ahd. 
ädara Q^i" wird. Woher erklärt sich der hochtonige, von mir mit a be- 
zeichnete Laut? Wir finden ihn nur in Fremdwörtern z. B. schlät. Also 
steckt wohl auch in unserm at ein Fremdwort. Denken wir nun an kandel 
=canalis, so werden wir auf aquae ductus geführt. Bei Fremdwörtern sind 
derartige Verstümmelungen möglich so z. B. Dom vielleicht aus deo optimo 
maximo. 

Im Anschluss hieran möchte ich um gütige Zusendung interessanter 
dialektischer Wörter, die sich vielleicht beim Lesen älterer Urkunden finden, 
höflichst bitten. 

Cohlenz. Jardon. 



1) A. a. 0. II, S. 428. 

^) Settegast, Der Cobicnzcr Münzfund in (iroti-, ]\lünzstudion VIII, 
S. 303 f. und Lamprci-ln a. a. ( ). II, S. 424 f. 



— 63 — 

Litteratur. 

Die Aaclienfa hrt. Von St. l'.eissel, S. .T. Freibiir«^ im Breisjj^au. 
Herd ersehe Buelihandlung. Den bisher erschienenen Schriften nlicr die Aachener 
Heiligtunisfahrt hat .Tesnitenpater Stephan Beissel eine neue hinzugefü<^t, 
die unter der Aufschrift „Die Aachenfahrt" als 82. Ergänzun^sheft der 
„Stimmen aus Maria-Laach" und auch als Sonderausgabe im Verlag von 
Herder zum Preise von 2.20 Mk. erschienen ist. 

Durch den Titel will der Verfasser anzeigen, dass er die „Verehrung 
der Aachener Heiligtümer seit den Tagen Karls des Grossen bis in unsere 
Zeit" zu beschreiben beabsichtigt. Er hat die in diesen Rahmen fallenden 
vereinzelten zahlreichen Nachrichten fleissig gesammelt und geordnet. Auch 
mit den Aachener Heiligtümern weniger enge in Verbindung stehende Dinge, 
wie die Bestattung und die Heiligsprechung Karls sowie die Baugeschichte 
des Aachener Münsters werden eingehend behandelt. Mit besonderer Liebe 
bespricht der Verfasser die Kunstschiltze des Domes, wobei man aber das 
gänzliche Fehlen von Abbildungen ungern vermisst. Das Verzeichnis der 
Aaehenfahrer findet eine bedeutende Vermehrung. Doch ist zwischen Pilgern 
zum Heiligtum und Wallfahrern zum Gnadenbilde Unserer lieben Frau nicht 
scharf geschieden. 

Wenn wir nach P. Beissel's Werk kurz die Grenzen bezeichnen sollen, 
bis zu denen die Forschung über die „Aaehenfahrt" bis jetzt vorgedrungen 
ist, so geschieht dies im wesentlichen mit folgenden Sätzen. Die Aachener 
Heiligtümer sind von Karl dem Grossen und seinen Vorgängern im Palaste 
zu Aachen gesammelt worden. Seit dem Anfange des 9. .Jahrhunderts wurden 
sie hier verehrt und jährlich ausgestellt. Mit der zweiten Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts beginnt der siebenjährige Turnus. Das 1.5. Jahrhundert bezeichnet 
den Höhepunkt „der Aachenfahrt". Von da ab beginnt ein Niedergang. 
Doch ist das Fest auch im 17., 18. und 19. Jahrhundert eines der bedeutendsten 
deutschen Kirchenfeste geblieben. Die Aachenfahrten der Ungarn haben 
vielleicht ihren Ursprung in der im 11. Jahrhundert erfolgten Auswanderung 
Lütticher Wallonen nach Ungarn. Sie finden sich aber zuerst zum Jahre 1221 
aufgezeichnet. Um diese Zeit ist das Aachener Münster das Ziel der Wall- 
fahrten „aller Völker". Die Pilgerfahrten der Ungarn währen bis zum Jahre 
1776, wo Joseph IL sie untersagte. Aachcnfahrteu wurden auch als Busse 
auferlegt. Die regelmässige Wiederkehr der Heiligtumsfahrt verschaffte ihr 
auch für das sociale Leben des Mittelalters Bedeutung. 

Während Hansen der Ansicht ist, die „Descriptio qualiter etc." habe 
ihres legendarischen Charakters wegen keine Wichtigkeit für eine historische 
Nachweisung der Echtheit des Kleides der Muttergottes und der Windeln, 
will P. P>eissol Tuit l\cclit dieser Schrift ihre Bedeutung für den Nachweis 
gewahrt wissen, dass Karl der Grosse diese Heiligtümer nach Aachen gebracht 
habe. In drr Frage nncli diT üestatlungsart Karl des Grossen -tritt der 
Verfasser den .\usfiiliniiigtii l.iiulners nicht (■ntg<"gen, nimmt nlicr zwischen 



— G4 — 

diesen und der überlieferten Auffassung eine vermittelnde Stellung ein, indem 
er auf die Wahrscheinlichkeit hinweist, dass die Leiche der Kleinheit des 
Proserpinasarges wegen in sitzender Haltung in demselben bestattet worden 
sei. Wir halten die Frage für noch nicht hinreichend geklärt und weisen 
auf die Thatsache hin, dass die Leiche der Catharina von Bologna seit 
400 Jahren noch heute unverwest auf einem Sessel sitzt, obschon an ihr sich 
doch auch wohl das Verhalten einer frischen Leiche gezeigt hat, und ihr die 
Beine nicht gebrochen worden sind. (Vgl. Liudners Ausführungen. Aach. 
Gesch.-Ver. Band XIV.) Die Schwierigkeit, dass die Keliquien des Herrn und 
der Muttergottes in dem unechten Karlsdiplom nicht genannt werden, während 
dort von den Heiligtümern der andern Heiligen wohl die Rede ist, weiss 
P. Beissel durch den Hinweis auf das Nichtbeweisende ähnlicher -Fälle 
abzuschwächen. Es sei hier beigefügt, dass der Verfasser der Ansicht ist, 
die genannte Fälschung könne auch von einem Vertreter der städtischen 
Interessen herrühren. Die Nachricht H. Kelletcrs, dass der Bericht Alberichs 
über die Bettung der „grossen" Heiligtümer nach dem Brande von 1236 
durch eine im Kölner Stadtarchiv aufgefundene Abschrift des StiftsprotokoUes 
vom 19. März 1239 ergänzt wird, scheint P. Beissel entgangen zu sein. 
In diesem Protokolle findet sich ausser den bei Alberich genannten drei 
„grossen" Heiligtümern auch das vierte, das Enthauptungstuch Johannes des 
Täufers, aufgeführt. (Aach. Gesch.-Ver. XIV. Bd.) Gänzlich unbekannt 
in der Aachener historischen Litteratur war bisher eine von Beissel erwähnte 
Urkunde von 1583 aus dem Archive des Münsters, wodurch die Bemühungen 
des Kapitels und des Herzogs Wilhelm von Jülich für die Sicherheit der 
Heiligtümer zur Zeit des akatholischen Rates bekundet wird. Diese auch 
sonst noch die damaligen Zeitverhältnisse beleuchtende Urkunde sollte ver- 
öffentlicht werden. 

P. Beissel bekämpft mit Recht die oft wiederholte Behauptung von der 
Herkunft der beiden grossen gotischen Reliquienkapellen des Domschatzes. 
Aber eben so unbegründet scheint die Erzählung, dass die Geistlichkeit den 
zu krönenden König in der Kreuzkapelle erwartet habe. Auch sollte die 
Nachricht von den Bauverdiensten des Gerhard Chorus nicht ohne Vorbehalt 
mehr wiedergegeben werden. Die Särge der heiligen Märtyrer Leopardus 
und Corona hat Otto III. nicht am Choreingange, sondern in der Nähe (\er 
karolingischen Ausgänge aus dem Oktogon nach den heute der heiligen Anna 
und dem heiligen Karl gewf'ihten Kapellen in die Erde gesenkt. Vor Jahren 
bezeichneten Steine mit den eingegrabenen Namen die Stellen. 

Indem wir die Arbeit des Herrn P. Beissel den Freunden des Heiligtums 
und der Aachener Geschichte bestens empfehlen, sprechen wir den Wunsch 
aus, der Verfasser möge die Geschichte der Aachener Heiligtümer ferner im 
Auge behalten und auch der vorkarolingischen Zeit derselben seine Auf- 
merksamkeit widmen. 

Aachen. JoJi. Puchmadt. 

Druck von Hermann Kaat/.ki£ in Aac'hkn. 



Aus Aachens Vorzeit. 



(^ife) 



.liilirl. 8 Numincrii 

;V ein B()<;(Mi Oktav. 

l'rois des Jahrijano's 

4 Mark. 




W: 



Koiiiinissions-VcrlM};- 
der 

Cremer'schen Buchhandlung 

(C. Cazini 

in Aaclion. 



Miüeiliingen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeil. 

Im Auftrage des Vereins heriiusgegcbeii von H. Scliiiock. 



Nr. 5/6. 



Fünfzehnter Jahrgang. 



1902. 



Inhalt: Willy Geelen, Beitrag zur Geschichte der Aachener Heide. — J. Pschmadt, 
Aus dem „Buche Weinsberg" T. — f H. J. Gross, Gescldchte des Ländchens zur Heiden. — 
Kleinere Mitteilungen: 1. W. Brüning, Z\im Aachener Schützenwesen. — 2. M, Schollen, 
Die Feierliclikeiten bei der Einführung des Priesters Peter Servatius Hungs als Pfarrer 
von St. Jakoh. — Litteratur: Joseph Wolter. Gustav Friedricli Wilhelm Grossmann. 
Angezeigt von Ali'ons Fritz. — 2. Hermann Ditscheid, AlJcuius Lehen und Bedeutung 
für den religiösen Unterricht, I. Teil. Angezeigt von Jardon. 

Beitrag zur Geschichte der Aachener Heide. 

Von Willy Geelen. 

Schon zn reiclisstädtischer Zeit lag in Aachens iiäclister 
Umg-ebung, und besonders auch im Süden der Stadt, dort wo 
sich die sogenannte Aachener Heide erstreckt, eine ganze Reihe 
einzelner kleinei- Burgen und Höfe, die sich zum Teil noch bis 
auf den heutigen Tag erhalten haben. Zu diesen älteren Höfen 
gehört auch das seitlich der Eupener Landstrasse an der 
Steinebrück idyllisch gelegene kleine Gut Antonius-Höfchen. 

Die Geschichte des Antonius- (Tönnes) Höfchens, auch 
Dremels-Höfchen, oder kurzweg „Höfchen'' genannt, lässt sich 
bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen. Damals 
gehörte es einer Frau Anna Stücker. Frühere Nachrichten 
werden schwer festzustellen sein, doch ist es waiirscheinlich, 
dass Grund und Boden in ältester Zeit Eigentum der Abtei 
Burtschcid war, die noch im 18. Jahrhundert in unmittelbarer 
Nähe des Höfchens Grundstücke besass. Nach dem Tode dtr 
Anna Stücker fiel ein Zehntel der Güter durch Erbschaft an 
Carl Braumann \ Christian Rhani, sowie an dessen Sciiwjiger 



') t'licr die Fiiniilie Üraniiiüiiii s. .Macco, lioiträj^e II, S. fi-S. 



— 66 — 

Caspar Romerskirchen, die beiden letzteren Bürger „der freien 
Reichsstadt Colin". 

Am 9. November 1652 verkauften ^ die genannten Personen 
für 100 Staaten-Thaler zu 6 Aachener Gulden, ihren Anteil an 
„Molkereien, Haus, Hof und Erbschaft, so Graswuchs und 
Länderei, als Weiher und Büsche" vom Gute „Höffg-en" an dio. 
in der Aachener Gegend und besonders vor Marschierthor reich 
begüterten 2 Eheleute Georg von Stücker genannt Hochstetter^ 
zu Lemiers und Johanna von Loevenich^. 

Um das Jahr 1676 finden wir das Gut im Besitze der 
freiherrlichen Familie von Reuschenberg 5. Jodocus Edmund 
Freiherr von Reuschenberg, Herr zu Setterich, beschloss wegen 
der grossen Entfernung des Gutes von der Pfarrkirche zu St. 
Jacob in Aachen, in unmittelbarer Nähe desselben eine Kapelle 
zu erbauen, damit er und die Umwohner an Sonn- und Feiertagen 
dort dem Gottesdienste beiwohnen könnten. Er wandte sich 
deshalb zunächst an den kleinen Rat der Stadt Aachen um 
Überlassung eines Bauplatzes. Dieser verwies ihn am 22. October 
1676^ mit seinem Gesuch an den grossen Rat, der in das 



') Siehe Guduugsbücher im Stadt-Archiv zu Aachen, 1652— .53 f" 85. 

-) Pick. „Aus Aachens Vergangenheit", S. 600. 

^) Georg Stüclier, geb. 1590, t 6. Aug. 16G6, Sohn von Anton Stücker 
und Susanua Hochstetter, Doktor beider Rechte, Syndicus des Schöffengerichts 
zu Aachen, wurde durch ein noch vorhandenes kaiserliches Diplom unter dem 
Namen Georg von Stücker gt. Hochstetter zu Lemiers in den Adelsstand 
erhoben, (v. Fürth, Aach. Patr.-Fam. II S. 168). Er hatte einen Sohn Bar- 
tholomäus (geb. 4. Apr. 1623) und zwei Töchter: Susanna (geb. 17. Juni 1621) 
und Adelheid. Letztere heiratete Job. Goswin Nickel von und zu Cosseler, 
Vogt und Meier zu Aachen. (Ehevertrag vom 3. Feb. 1647) später Job. 
Wilhelm von Fürth. (Siehe v. Fürth a. a. 0. S. 167 und Macco, Bei- 
träge U, S. 128). 

*) Johanna von Loevenich vermählte sieh am 16. Februar 1620 mit 
Georg von Stücker gt. Hochstetter. Sie war die Tochter des Bürgermeisters 
Bartholomäus von Loevenich und der Adelheid Sengel aus Jülich (Macco 
a. a. 0. S. 128). 

5) Über das Wappen der Familie von Reuschenberg s. Eiflia illustrata 
1829. IV. Teil S. 248 und Macco a. a. 0. II, Nr. 107. Jodocus Edmund 
Frh. v. Rcuschenberg zu Setterich war zweimal vermählt. Er erwarb das Gut 
wahrscheinlich nach dem Todf seiner ersten Frau, vor seiner Vermählung 
mit Marin vim Clcutter. 

") .\a(;liener Hatsprotokollc R. 13 ji. s4. 




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— 67 



Begehren des Freiherrn von Reuschenberg unter der Bedingung- 
einwilligte, dass dem Waisenhaus in Aachen „IJ Mudt Korns" 
gegeben würden. Der Gottesdienst soll bald nachher durch 



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Verkauf des Gutes wieder eingegangen sein '. 

Nach dem Tode des Jodocus Edmund von Reuschenberü 



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ging das Gut durch Erbgang auf Maria Philippina Ernestina 



Freiin von Reuschenberg über; dieselbe ist wahrscheinlich eine 
Tochter des früheren Besitzers. Sie war mit dem Reichshofrat 
Franz Friedrich Freiherrn von Andler vermählt. Der Witwe 
des verstorbenen Freiherrn von Reuschenberg, Maria vonCleutter, 
war eine Leibzucht am Tönnishöfchen vorbehalten worden. 
Behufs Verkaufs verzichtete sie vor dem Schöffenstuhl zu Aachen 
am 23. November 1697 auf diese Leibzucht, woraufhin die 
Ehegatten von Andler das „ Burghaus ^ in der Aacher Heyd 
gelegen, mit anhabenden Garten, Kapeil, Hof, Weyern, Busch. 
Benden und allem Zubehör, Recht und Gerechtigkeiten, wie 
auch den dargegenüberliegenden Hof, St. Thonishotf genannt 
und allen darzugehürigen Weyern, Benden, Drischen und 



') Vgl. Wochenblatt für Aachen und [Tmgegend 1836, S. 53, und Pick 
a. a. 0. S. 99, Anm. 1. 

-) Was unter dem Burghaus zu verstehen ist, könnte unklar erscheinen. 
Vermutlich war dieses Burghaus die zu dem „St. Thonishof", den Wirtschafts- 
gebäuden, gehörige herrschaftliche Wohnung, wofür schon die Thatsachc 
spricht, dass sich in keiner Urkunde eine besondere Benennung für dasselbe 
findet. Jedenfalls scheint es iu ganz unmittelbarer Nähe des „Tönnishöffgen" 
gelegen zu haben, darauf deutet schon der Ausdruck „der gegenüberliegende 
Hof" hin. (Gudungsbücher 1697—1701 p. 41). Eine andere Urkunde spricht 
von dem „Burghaus und dem engst dabei gelegenen Burghof"; dieser 
Burghof ist aber, wie dies aus dem Zusammenhange hervorgeht, nichts 
anderes, als das Tönneshöfchen. Das sogenannte „Burghaus", welche Be- 
nennung bereits 1756 aus den Urkunden verschwindet, lag auch „engst bei'* 
((iudungsbücher 1707 — 09 p. 224) der von dem Freihcrru von Reuschenberg 
auf seinem „Erb St. TönnisshöÖgen" erbauten Kapelle, während der eigentliche 
Hof wahrscheinlich mehr abseits lag, etwa dort, wo sich auch jetzt noch 
die Scheune und die Stallungen befinden. Das heutige Antonius-Höfchen war 
also jedenfalls früher ein Herrensitz mit einer herrschaftlichen Wohnung, 
dem Burghaus und zugehörigen Wirtschaftsgebäuden. 1756 wird in den 
l'rkunden auf den „unwohnl)aren Zustand" der Gebäude hingewiesen; so 
mag denn das alte Burghaus zerfallen sein. Der den jetzigen Wohnsitz 
und Garten an drei Seiten umgeliende grabcnartiire Wciin'r driitet noch auf 
<lie frühere l)urgartigc Anlage hin. 



— 68 — 

Ländereyen" au den Schöffen Albert Schrick und seine Ehefrau 
Tlieresia von Wedich verkauften ^ Am 27. Juni 1699 mussten 
jedocli die Eheleute Schrick auf die Güter „mit Mund und 
Halm renuntiieren und verzichten" -. Anna Maria Freiin von 
Reuschenberg, Witwe des Generals Maximilian Leonhard von 
Cleuter, hatte nämlich im Laufe des „Schudtjahres" ^ als „engöto 
Anverwandte" Einspruch gegen den Verkauf der Güter erhoben 
und eine Zeit lang mit dem Schöffen Albert Schrick in Process 
gelegen, der alsdann zu Schricks Ungunsten ausgelaufen sein 
muss. Als Albert Schrick verzichtete, machte er vertraglich 
einen „Vorbehalt" wegen der „vorhandenen Fischgebühren"*. 
Die verwitwete Generalin von Cleuter geborene Freiin von 
Reuschenberg, die nunmehrige Eigentümerin des Gutes, war 
am 13. Juni 1699 zu Aachen (St. Foilan) zu einer zweiten Ehe 
geschritten mit einem gewissen Johann Bernhard Scheiflfart. 
Scheiffart war einer jener rücksichtslosen Abenteurer, wie sie 
die damalige Zeit so überreichlich aufzuweisen hatte. Einer 
unehelichen Linie des Hauses Merode entsprossen, l^^-fp er sich 
gleichwohl ohne jede Berechtigung den Namen eines Freiherrn 
Scheiffart von Merode zu. Er war früh in pfälzische Kriegsdienste 
getreten, und halte, offenbar ein schneidiger Draufgänger, es 
schnell bis zum Hauptmann gebracht. Nach dem im Jahre 
1702 erfolgten Tode seiner Frau ei'scheint Scheiffart nunmehr 
als alleiniger Besitzer des Gutes, und heiratet kurze Zeit darauf, 
am 17. April 1703, die Gräfin Dorothea Sophia Anna von Vehlen 
und Megen\ Sechs Jahre später am 30. August 1708 verkaufen 



^) „Ein Erb oder Melkerey unweit dabei gelegen, die Lohmühleo ge- 
nannt mitWassergerechtigkeiteu, Weihern, Gärten, Obstwiesen und Ländereien, 
im ganzen etwa 18 Morgen" wurden damals mitverkauft, desgleichen das 
i'benfalls in der Aachener Heide gelegene „Kaulgen*^ (Kaulcheu) und das 
„Drischchen". Der Kaufpreis in Höhe von 2100 Reichsthalern wurde nicht 
sofort ausgezahlt, weil ein Arrest auf den Gütern lag, und ein Prozess am 
Reichskammergericht schwebte. (Gudungsbücher 1697 — 1701 p. 41). 

-) Gudungsbücher 1697—1701 p. 251. 

^) „Schudten" ist die Ausübung des Retraktrechtes, das bei der 
Veräusserung eines Grundstückes dem uäclisten Erben ex jure consanguiuitatis 
zustand. Binnen Jahr und Tag („Schudtjahr") konnte der Berechtigte das 
veräusserte Grundstück von dem Erwerber gegen Erstattung des von ihm 
gezahlten Kaufpreises zurückkaufen. 

*) Vgl. Richardson, Geschichte der Fam. Merode I, S. 119. 

■') Sie ist die jüngste Tot^hter des Grafen Ferdinand Gottfried von 
Vehlen uiui Megen und der Gräfin Sophie Elisabeth von Limburg-Bronkhorst 



— 69 — 

den Gudung'sbüclieni zuiol<^-e die l^cidoii Eheleute das „in der 
Aachener Heide gelegene Burghaus" ', gemeint ist das Antoniiis- 
höfchen, mit seinen Gärten und Weiern. dem „engst dabei 
gelegenen Bnrgliof" samt Ländereien, Wiesen und Benden, 
sodann den unweit davon gelegenen Hof „zur Lohemühlen" 
genannt, mit Ländereien, Weiern, Büschen, Wiesen, Benden und 
AVassergerechtigkeiten, hypothekenfrei an den Aachener Kauf- 
händler Abraham Dederichs für die Summe von 4800 Reiciisthaler 
und 80 Albus, sowie 1 „Souverrain" als Verzichtspfennig. Die 
„engst beim Bui-ghaus gelegene Kapelle mit dem kleinen Vor- 
plätzchen zum Eingang" sollte ausdrücklich in den Kauf nicht 
mit eiubegritten sein ^, sie blieb vielmehr im Eigentum der 
Familie Sciieiffart, die es auch übernahm alle Kosten, die durch 
den Besitz der Kapelle entstanden, auf sich zu nehmen. Auch 
wurde verabredet, dass es dem Käufer freistehen solle, den 
AVeg vom Haus zur Kapelle zu sperren, damit der „Parti- 
kulair-Weg" nicht durch den Zugang zur Kapelle „beunfreyet" 
werde; der Weg von der Kapelle zu der .,gemeinen Strassen, 
so nach dem Busch zugehet", sollte aber frei und offen bleiben^. 
Abraham Dederichs. der ein Haus in der Marschier- 
strasse besass, wohnte zeitweise auf dem Gute, dessen Bewirt- 
schaftung er durch den „Halft'mann" Mathias Eox betreiben 
liess, etwas Ackerbau und Fischerei, hauptsächlich wohl Milch- 
wirtschaft, auch Schafzucht. Dederichs scheint sich um das 
Antoniushöfchen im allgemeinen wenig bekümmert zu haben; 
zwar legte er einen neuen Teich an, aber an den Gebäuden 
wurden nicht einmal die notwendigsten Reparaturen vorgenommen. 

und Styrum. Sie starb nach 1761 (nicht 1750) von allen Mitteln entblosst 
im Kloster, nachdem ihr Gatte ausser Landes hatte fliehen müssen. Derselbe 
starb 1720 wahrscheinlich in Holland (Amsterdam?) (Akten des Keichskanimer- 
gerichts D 159/441 Dederich ./• Cleuter. Vj?l. Richardson a. a. Ü. I, 
S. 119.) 

') Vgl. Gudungsbücher 1707—09 p. 224. Ein Name des Gutes wird 
hier nicht genannt, doch geht aus den Gudungsbüchern 1742—44 p. 580, wo 
auf obige Stelle verwiesen wird, hervor, dass es sich nur um das „im Reich 
von Aachen gelegene Gut Tönneshotfgen" uud das demselben „anklebende 
Gütchen Lohemühl" handeln kann. 

-) Wahrscheinlich weil der Käufer Protestant gewesen sein wird, worauf 
auch schon der Umstand hinweist, dass der Prediger der reformierten Ge- 
meinde zu V'aels Johann Jacob Becker im Jahre 1744 als sein Erbe auftritt. 

•') Gudungsbücher i 707— 09 p. 224. 



— 70 — 

Sieben Jahre besass er das bereits gänzlich verwalirloste Gut', 
als ihm plötzlich seine Eigentumsrechte streitig gemacht wurden. 
Maximilian Leonhard Freiherr von Cleuter, der als Hauptmann 
in pfälzischen Diensten „in Italien und Catalonien" gewesen 
war und „nicht Hellerswert" besass, erschien eines Tages in 
Aachen, wo er im Kaiserbade Wohnung nahm und als Sohn 
der obenerwähnten Anna Maria Freiin von Reuschenberg aus 
ihrer Ehe mit dem General von Cleuter -, Ansprüche auf das 
Antoniushöfchen erhob. Der Aachener Schöffenstuhl entschied 
zu seinen Gunsten, Dederichs gab sich hiermit nicht zufrieden, 
und die Sache kam „per appellationem" an das Reichskammer- 
gericht in Wetzlar. Der sich sehr in die Länge ziehende 
Process scheint, wie leicht erklärlich, beiderseits mit grosser 
Schärfe geführt worden zu sein^. Dr. jur. Joh. Rud. Sachs, 
der Anwalt Dederichs beim Reichskammergericht, erklärt in 
einem seiner zahlreichen Schriftsätze mit Bezug auf Cleuter, 
„dass es keinem Cavallier wohl ansteht, so ein experimenter 
Offizier ist, und seine gesunden und geraden Glieder hat und 
bei gegenwärtigem Krieg wider den allgemeinen Erbfeind seine 
Fortune ferner forttreiben könnte, die Alimente auf sothane 
Art zu suchen". Gleichsam zur Entschuldigung dieses gereizten 
Tones fügt er hinzu, dass er dieses „zu allem Überfluss hiermit 
erinnert haben will". Cleuter beschwert sich beim Reicliskammer- 
gericht, dass Dederichs das Gut völlig in Verfall geraten lasse, 
und erwirkt am 28. Juni 1717 die Erlaubnis, das Höfchen wieder 
instand setzen zulassen. Dederichs will aber die Schlüssel zweier 
Zimmer, die er zwei Jahre lang bewohnt hat, und in denen 
sich nunmehr Heu befindet, nicht herausgeben. Die Zimmer 
sollen geöffnet werden, weil dort so viele Mäuse hausen, dass 
dieselben dem ganzen Hause zur Plage gereichen. Dederichs 
schickt einen Knecht, der schlägt Löcher in die Thüren, der 
Katzen wegen. Endlich wird Dederichs gezwungen, die Schlüssel 
herauszugeben. 

') Das ganze Holz werk eines Stalles wurde im Winter 1714 von 
durchziehenden Kaiserlichen Soldaten als Brennholz verbrannt. (Akten des 
Reichskammergerichts D. 159/441 Dederich ./• Cleuter.) 

2) Aus dieser Ehe stammte auch noch eine Tochter Maria Philippina 
von Cleuter; dieselbe trat 1698 in das Ursulinen-Kloster in Aachen ein. 
Sie wurde bei dieser Gelegenheit mit 900 Reichsthalern abgefunden. 

•') Die folgenden Notizen sind den Reichskamraergerichtsakten 1). 159/441 
Abrah. Dederich '/• Maxime von Cleuter entnommen. 



— 71 — 

Erst im Jaliic 1744 am '61. OctobiM- kam zwisclien der 
verwitweten Frau Sclieitt'art, als Reclitsnachfolgeriii des Haupt- 
manns von Cleuter und dem Rcclitsnaclifolger des Abi-ahani 
Dedericlis \ dem Prediger Becker ein Vergleich zu Stande, 
wonach Letzterem das Gut gegen Erstattung aller Processkosten 
zugesprochen wurde. 

Johann Jacob Becker war Prediger der Reformierten Ge- 
meinde in Vaels. Er starb zu Aachen i. J. 1749. Nach seinem 
Tode fiel das Uut an seine Intestaterben. 

Am 1. October 1756 verkaufen die Erben Becker =^ die drei 
in der Aachener Heide gelegenen Güter: „Thonis Höffgen, 
Lohemülilgen und Martyrenberg" ^ für 6000 Reichsthaler zu 
54 Aachener Mark, 15 Ellen gutes Kattun, zusammen ad 6 
Reichsthaler und 36 Mark „aix" zum Vei'zichtspfennig, item 
4 Reichsthaler für Windkauf und 18 Mark zum Gottesheller an 
den Aachener Kauf- und Handelsmann Servatius Rudolphus Esser '. 

Der Kaufakt erwähnt ausdrücklich, dass der Prediger Becker 
sich wenig um die genannten Güter bekümmert habe, und den 



M Nach dem vor 1728 crtolgtL'n Tode Dederichs wurde der Process 
zeitweise von seiner Niclite und Universalerbin Anna Maria Breuls geführt, 
welche dem Dr. jur. Sachs am 30. April 1728 eine Generalvollmacht ausstellt. 
Sie siegelt mit einer heraldischen Lilie. 

^) Als solche werden erwähnt: Die beiden Brüder des Erblassers 
Johann umi Albert Becker und deren Ehefrauen Louise Margaretha Paft" 
und Catharina Elisabetha Lysberger. ferner Anna Margaretha Stuhl, die 
Wittwe eines bereits verstorbenen dritten Bruders Petrus Becker, zu Leb- 
zeiten Stadthauptmann zu Leun, ausserdem die Kinder und Tochtersöhne 
des Petrus Becker, Ferdinand Ernst Christ und dessen Ehefrau Johanna 
Christina Becker, Elias Rumpf (auch Komb) und dessen Ehefrau Catharina 
Elisabetha Becker, Catharina Margaretiia Becker und Carl Hendrich Becker, 
letztere beiden noch minderjährig. 

^) In den Gudungsbüchern an anderer Stelle auch „Mattelenberg" ge- 
nannt, Marteleuberg liegt am Fusse des Aachener Waldes, unterhalb der 
Eberburg von Delius. .Tetzigcr Besitzer ist Julius Schürinann. 

*) 1756 war er Witwer von Johanna Maria Ulrichs. Um 1798 vermählte 
er sieh mit Catharina Gillissen, die in erster Ehe mit dem Commerzicnrat 
Witz vermählt war. Der Ehevertrag Esser-Gillisseu befindet sich iu den 
Chidungsbüchern 1798 j). 369. — 1775 kaufte Servatius Esser von den Erben 
des Martin Beys das in der Aachener Heide gelegene Haus mit Garten 
„die s: v: Kuhescheiss sammt dazu gehörigen Land- und Graswachs" für 
rund 11,000 Ileichsthaler. (Gudungsbücher 1775 p. 474). 



— 72 — 

Verkäufern wird die VerpÜiclitung- auferlegt, dem Käufer gegen 
Vorzeigung- der Quittungen die notwendigen Ausbesserungen, 
die sofort oder im Verlaufe des „Sclmdtjahres" gemacht werden 
müssen, zu ersetzen, weil sich die Häuser in einem äusserst 
verwahrlosten Zustande befänden. 

Das jetzt noch bestehende Wäldchen hinter dem unteren 
Weiher ist um jene Zeit schon vorhanden gewesen. Auf einem 
Plan von 1802 wird es „Erben Esser Busch" genannt, die 
davorliegende Wiese „Erben Esser Bend". 

Am 10. März 1786 verpfändete Servatius Rudolph Esser 
das „Thönis-Höfchen", bestehend in Haus und Hof mit etwa 
40 Morgen „Land und Graswachs, Weihern und Busch" an die 
verwittwete Frau de Fisenne geb. van Heyningen. Das Gut 
scheint bis zum Jahre 1815^ im Besitz der Familie Esser 
geblieben zu sein. 

Auf Betreiben der Herren Wolter Joseph von Fisenne, 
Ludwig Peter Anton und Peter Georg von Fisenne aus Aachen 
wurde das Gut am 20. April 1815 öffentlich versteigert. Es 
boten die Anwälte Waunich, Jungbluth und Offergelt. Der 
Advokat- Anwalt beim Aachener Landgericht, Herr Ogier Otfergelt, 
vermählt mit Frau Johanna Maria Simons, erhielt das Gut für 
13100 Franken vom Aachener Kreisgericht zugeschlagen. Herr 
Otfergelt scheint grössere bauliche Veränderungen auf dem Gute 
vorgenommen zu haben, darauf deutet jedenfalls die auf der 
Vorderseite des Hauptgebäudes mit grossen Ziffern angebrachte 
Jahreszahl 1815 hin. 

Am 19. Januar 1844 verkaufte Ogier Oftergelt das An- 
tonius-Höfchen an Georg Friedrich Dremel ^, welcher die Kapelle 
in ihrer jetzigen Gestalt erbauen Hess. 

Durch Erbgang kam das Gut an die Gescliwister Dremel 
in Aachen. Seit Juli 1902 ist Herr Joachim Dremel alleiniger 
Eigentümer des Antonius-Höfchens. 



1) 1815 gehörte das Gut der zu Miort in Fraukreicli (Dep. des deux 
Sevres) wohnhaften Fräulein Carolina Esser. 

^) Georg Friedrich Dremel, geb. 1795 zu Niederstetten im Hohen- 
loliischon, Sohn des dortigen Ratsverwandteu Georg Michael Dremel und 
seiner Gemahlin Porothea Christina Glock, kam um 1820 nach Aachen und 
heiratete dort Marie Adelaide Helene Nuellens, Tochter des Grefüer am 
Handelsgericht, Mathieu Laurant Nuellens und seiner Gemahlin Maria Helene 
Lorsch, tiber die Genealogie der Familie Dremel vgl. Genealog. Handbuch 
bürgerlicher Familien Bd. IX S. 51» — 94. 



Aus dem „Buche Weinsberg". 

Von J. Pschmadt. 
I. 

Im Jahre 1598 starb zu Köln ein geachteter Bürger una 
Ratsherr, Herniaun von Weinsberg, im Alter von fast 81 Jahren. 
Er war am 3. Januar 1518 als Sohn eines Weinwirtes geboren. 
Hermann wurde für das Studium bestimmt und sollte Priester 
werden. Später jedoch kam man zu andern Entschlüssen, denen 
zufolge er sich dorn Studium der Rechtswissenschaft zuwandte. 
Seine Juristenpraxis ist nicht allzu gross gewesen. Er trieb 
nebenher auch Weinwirtschaft und anderes. Ja, der Licentiat 
der Rechte dünkte sich nicht zu vornehm, die zwar untergeordnete, 
aber ziemlich einträgliche Stelle eines Rathauskastellans zu 
übernehmen. Weinsberg war mit Unterbrechungen bis an sein 
Lebensende Kölner Ratsherr und bekleidete manchen angesehenen 
Posten. Für das Wohl seiner Vaterstadt schlug sein Herz. 
Auch dem Kaiser war er treu ergeben. Bis zu seinem Tode 
hörte er nicht auf, seine Anhänglichkeit an den katholischen 
Glauben zu bekennen, und bekundete diese auch durch sein 
äusseres Verhalten. Für die kirchlichen Schäden seiner Zeit 
hatte er ein olfenes Auge. Die Wirksamkeit der Gesellschaft 
Jesu wurde von ihm nicht verstanden, und angesichts der 
religiös-politischen Streitigkeiten in seiner rheinischen Heimat 
wie in den Niederlanden blieb seine Herzensneigung unaus- 
gesprochen. 

Dieser Mann hat während seines langen Lebens über seine 
Erlebnisse fleissig ]^>uch geführt. Seine Niederschriften füllen 
tausende von Seiten. Die auszügliche und gesichtete Ausgabe 
seiner Erinnerungen, die seit dem Jahre 1886 unter dem Titel 
„Das Buch Weinsberg'' erschicneu ist, umfasst vier starke 
Bände. Sie bilden eine reiche Fundgrube für die Geschichte 
Kölns uml Xordwestdeutschlands, namentlich in Beziehung auf 
Hildungs- und Sittengeschichte. Auch unsere Stadt, ihre Ein- 
lichtungen und manche iliiei- Persönlichkeiteu werden öfter 



— 74 — 

erwäliiit. Das Wesentliche dieser Mitteilungen weiteren Kreisen 
Aachener Geschichtsfreunde bekannt zu machen, ist der Zweck 
dieser Zeilen. 

Wir beginnen mit den kirchlichen Dingen. Hans Sachs 
stellt Aachen als den dritten Wallfahrtsort Europas hin, indem 
er es unmittelbar nach Rom und St. Jago di Compostella folgen 
lässt. Aachens Ruhm in dieser Hinsicht begründeten die 
Heiligtümer und das Gnadenbild unserer lieben Frau im Dome. 
Weinsberg spricht oft über die Aachener Heiligtumsfahrt. Das 
Aachener Münster rühmt sich des Besitzes bedeutender Reliquien- 
schätze, deren kostbare und kunstreiche Umschliessungen eine 
der grössten Sehenswürdigkeiten unserer ehrwürdigen Kaiserstadt 
bilden. Schon Angilbert, Karls d. Gr. Schwiegersohn, erwähnt 
zwischen 809 und 814 die Reliquien der Aachener Pfalzkapelle 
in der Stiftungsurkunde des Klosters Centuluui. Er bezeichnet 
den grossen Karl und die frühern Könige als die Ansammler 
dieses Schatzes ^ Die Aachener Heiligtümer sind die Veran- 
lassung zahlreicher Pilgerfahrten gewesen, die sich vom be- 
ginnenden 13, Jahrhundert ab geschichtlich nachweisen lassen, 
aber ohne Zweifel viel früher begonnen haben. Wenn das 
Aachener Münster im Mittelalter seine Reliquien zeigte, dann 
stellten auch andere bedeutende Kirchen der Lande zwischen 
Rhein und Maas ihre Schätze aus ^ Es zogen dann die Pilger 
nach Aachen, Köln. Trier und .,anderen hilligen Steden^". Die 
Heiligtumsfahrten nach Kornelimünster. Mastricht und München- 
Gladbach werden noch jetzt alle sieben Jahre unternommen. 
Die Zeigung der Aachener Heiligtümer von sieben zu sieben 
Jahren, deren Beginn wohl in das 14. Jahrhundert zu setzen 
ist, dauert noch fort. Die letzte feierliche Ausstellung fand im 
letzten Juli (1902) statt. 

Die erste Erwähnung der Heiligtumsfahrt im „Buche 
Weinsberg" wurde durch die Mitteilung eines Vorganges vor 
der Geburt Weinsbergs veranlasst. Hermanns Mutter unternahm 
nämlich im Jahre 1517 eine Pilgerfahrt zum Aachener Heilgtume. 
Wir lernen dabei die frommen Gesinnungen und Absichten dieser 
Aachenfahreriu kennen. Weinsberg schreibt: ^Anno 1.517 im 



'1 Kessel, GeschichtliclK' Jlitteilungcn iilicr die Heiliirtüiner der Stifts- 
kirehü zu Aachen S. 8. 

^) Vgl. Krebs Dr., Zur (.esclilciili' der Heiligtiimsfahrteu S. 34 £f. 
») Kessel, Gesch. Mitt. S. 191. 



— 75 — 



Süiuer in der liiltiuiist'art zogen vil leiit iiiul pilgeren allenthalben 

'/AI Treir und Aiche do hatte min nioder. die meiner 

dissen somer swanger gink, hist gehatt nach Ti'cir zu zehen, 
aber umb ferne des weges verleis sei Treir diss jai- und gink 
ir gebitte zu Ach, dahin sei ein offerhande mit groisser andacht 
l)racht und got den alniechtigen uis gronde ires herzen anreif, 
das er sei mit den äugen siner barmherzigeit ansehen wolde 
und sei des bände mit gnaden wolde erlosen und die frucht zu 
gode wolde komen laissen und erhalten. Diss hat mir mein 
moder oft verzalt und darbei gesacht, sei were diss jar zu 
Treir gewest und het Treir nit gesehen, und ich were zu Aich 
gewest und hett Aich nit gesehen; dan mit den gedanken war 
sei zu Treir und nit mit dem leib, icli war zu Aich, aber min 
moder droge mich noch zur zeit.''' 

Bei der Erwähnung der verschiedenen Heiligtumsfahrten 
entwirft Weinsberg ein anschauliches Bild jenes merkwürdigen 
Teiles der Aachenpilger, der in unserer Stadt unter dem Namen 
„die armen Wiener'' bekannt war, der Wallfahrer aus Osterreich, 
Böhmen und Ungarn. Wir finden sie von mehreren ihrer Sprachen 
kundigen Priestern begleitet, lernen ihre Opfergaben und die 
Art ihrer Verpflegung in Köln kennen. Zum Jahre 1524 meldet 
unser Tagebuchschreiber: „Anno 1524 im Somer war die 
hiltumsfart, die man zu 7 jaren i)lach zu halten, und zouch 
grois folk zu Treir, Aich und Collen, und es waren diss fart 
mehe dan 2 ader 3 tausent Ungaren, Behemer, Oisterricher und 
anderer fremden zu Coln, die das hillichtumb besuchten. Man 
gaft" grois gut die armen pilgeren umb gottes willen. Sei lagen 
die Bach uff und ab in allen hauseren, auch lagen sei mit 
heufen zu Weinsberg in meines fatters haus im stall jamerlich, 
aissen kirssen, prumen und obsts, sei hatten auch mit züchten 
uff dem hindersten hoff ir noittorft gemagt. das kirsboum da 
nissclogen wie ein wald und pliben lang stain unabgehauen. 
Diese pilgeren drogen auch in den dom, zu st. Marien, zu 
Weissen frauwen groisse sware wasskerzen, darin sei vil gelltz 
staichcn, und offerden dieselben, auch brachten sei Ungars gelt, 
kleine silbere penninkger, die lange zeit gangbar waren ^'' 

Zum Jahre 1580 schreibt oi\ (hiss die „armen \\'iener'' drei 
oder vier Priester bei sich üelial)t, die ihnen alles verdollmetscht 



Ö' 



') IJiicli \\ ciiiäbi;r>r I, 22. 
•-') Buch Woiusberfi: I. 38. 



— 76 — 

hätten. Man sammelte in den Pfarren für sie, und die Samm- 
lung in der Pfarre St. Jakob, der Weinsberg angehörte, ergab 
24 Gulden. Das Geld erhielten die Provisoren des Spitals 
„Wipperwald'', wo die Ungarn „staitlich gespaist" wurden '. 
Damals machte sich der nachteilige Einfluss der religiösen 
Streitigkeiten auf die Wallfahrten geltend. Während 1524 die 
Zahl der „armen Wiener" 2—3000 betrug, zählt W^einsberg 
deren 1580 nur noch 200. Ihre Wachskerzen sind nicht mehr 
so gross wie früher. Sieben Jahre später fiel die Aachenfahrt 
in die Zeit des sogenannten Kölnischen Krieges. Der mit Agnes 
von Mansfeld verheiratete ehemalige Erzbischof Truchsess von 
Waldburg stritt mit Ernst von Bayern um den Besitz des Kur- 
fürstentums Köln. Deshalb waren die Strassen unsicher, und 
Weinsberg schreibt: „Anno 1587 .... Diss jar haben die 
üngaren nit wol uff Aich, Corneli-Münster oder uff Treir mögen 
zehen .... umb des kreichs willen . . . ." Melancholisch fügt 
er bei : „Die andacht war nit wie vormails. Also vergehet disse 
hiltumbsfart. wie deren vil in minem gedenken vergangen sin^". 
Die Heiligtumsfahi't der Jahre 1587 und 1594 fallen in 
die Zeit, wo Aachen protestantisch regiert wai\ Auch damals 
hat die Zeigung der Reliquien in der althergebrachten und 
heute noch üblichen feierlichen Weise vom Turme des Münsters 
herab stattgefunden, und der „unkatholische Eat" hat an der 
Feier in der gewöhnlichen Weise teilgenommen. Dajs ergibt 
sich aus den im Provinzialarchive zu Düsseldorf aufbewahrten 
Protokollbüchern des Stiftskapitels. Dass die Reliquien 1587 
auch vom Turme herab gezeigt worden sind, geht daraus hervoi', 
dass damals der Augustinerbruder Johann Hack eine Belohnung 
erhielt, weil er w^ährend der Heiligtumsfahrt „sich oben uff' der 
cammern und toirn in music zu singen geprauchen laissen". 
Bemerkenswert ist noch, dass der Magistrat das Kapitel auf- 
forderte, jeden Abend eine Fremdenliste einzureichen. 1594 
schickte das Kapitel am 9. Juli eine Abordnung zum Magistrat 
mit der Erkläi'ung, dass es am Nachmittag die Heiligtümer in 
herkömmlicher Weise aufneiimen und an den gebührenden Ort 
bringen wolle. Hierzu erbat es die Abordnung städtischer 
Deputierten und ersuchte den Magistrat um Schutz der Reliquien 
vor Verspottung. Der Bürgermeister Dr. Vercken erklärte, es 



') Buch Weiiislxjrg IJl, Ü7. 
■■') Buch Weinsberg III, 379. 



— 77 — 

sei alles schon vorbereitet, nml versicherte, dass die Reliquien 
geschützt werden sollten'. 

Kommen viir nun auf die Aachenfahrten der Ung'arn zurück. 
Dieselben haben vielleicht ihren Ursprung- in einer im 11. Jahr- 
hundert stattgeiiabten Auswanderung Lütticiier Wallonen in die 
ungarische Diözese Gi'an-. Die ersten bis jetzt bekannten Spuren 
der ungarischen Pilgerfahrten nach Aachen erscheinen im Jahre 
1221. Damals reisten ungarische Edelleute nach Aachen und 
besuchten sowohl auf der Hinreise als bei der Heimkehr die 
Tochter ihi-es Königs Andi'cas, die Laiidgräfln von Thüringen 
auf der Wartburg, die h. Elisabeth -^ 1857 kommt die Königin 
von Ungarn nach Aachen und gibt die erste Veranlassung zum 
Bau der ungarischen Kapelle des Aachener Münsters*. 1874 
unterzeichnet König Ludwig von Ungarn am 5. Januar den 
Stiftungsbrief dieser Kapelle^. Die „armen Wiener" zogen 
gewölmlich am 3. Juli in die deutsche Krönungsstadt ein. Ihr 
Lagerplatz war der Mathiashof. Fünf Tage lang wurden sie 
auf Kosten der Stadt und verschiedener Klöster verpflegt. Die 
zahlreichen ungarischen Brautpaare, die mit dem Pilgerzuge 
gekommen waren, traute der Pfarrer von St. Foillan. Jedes 
ungarische Komitat stellte zur Aachenfahrt seine Vertreter". 
So war also die Heiligtunisfahrt nicht bloss ein nationales 
kirchliches Fest der Deutschen, sondern auch eine ständige 
Einrichtung der ungarischen Nation, bis im Jahre 1776 Kaiser 
Joseph II. den „armen Wienern" ihre Wallfahrt ins Ausland 
verbot '. 

Auch die Pilgerfahrt zum Gnadenbilde unserer lieben Frau 
wird von Weinsberg einigemal erwähnt. Auf sie bezieht sich 
die bekannte mittelalterliche Inschrift an Linzenshäuschen^ 

Wann die Betfahrten zur s. Maria Aquensis begonnen haben, 
und was die erste Veranlassung dazu gegeben hat, das lässt 



') Freundliche Mitteilung des verstorbenen Herrn Staatsarclilvars, Geh. 
Archiv-Rates Dr. Harless vom 7. Juni 1895. 
*) B eis sei, Die Aachenfahrt, S. 86. 
^) Montalambert, (rescli. der h. Elisabeth, Kaj». 21. 
•) Kessel, Gesch. Mitt. S. 174 und 179. 
') Kessel, Gesch. Mitt. 8. 180. 
«) Kessel, Gesch. Mitt. S. 189. 
') Kessel, Gesch. Mitt. S. 190. 
®) Pick, Aus Aachens Vergangeuht'it. S. 96. 



— 78 — 

sich aus dem bis jetzt bekannten geschichtliclien Material nicht 
feststellen. Schon der 1054 gestorbene Hermann der Lahme, 
der gelehrte Mönch und Schriftsteller des Klosters Reichenau, 
soll öfter zum Gnadenbilde der allerseligsten Jungfrau nach 
Aachen gepilgert sein^ 

Das 12. Jahrhundert kennt schon eine Reihe angesehener 
Waller zum Aachener Muttergottesbilde ^ Unter den Pilgern 
späterer Zeiten befanden sich auch solche, die zunächst der 
äussern Nötigung und nicht dem Innern Triebe gehorchten. Es 
waren das diejenigen, denen ein Rechtsspruch die Aachfahrt 
als Sühne für eine begangene Übelthat auferlegt hatte. Dazu 
gehörten aber die in den Aufschreibungen Weinsbergs vor- 
kommenden Pilger nicht. So redet er von seiner „Süster Hilgin 
Pilgerfahrt nach Aich" für die Seelenruhe seiner verstorbenen 
zweiten Frau. Die Pilgerin nimmt als Opfergabe 6 albus mif^. 
Auch sein 60jähriger Schwager Johann von Dutz begibt sich 
im selben Jahre 1568 im wollenen Gewände „und barfoissich" 
auf die Betfahrt nach Aachen. Weinsberg setzt trocken hinzu 
„ich doin es im nit nach, Gott helf mir anders^''. Auch die 
Wallfahrt zum heiligen Kornelius, um durch seine Fürbitte von 
der Fallsucht befreit zu werden, ist Weinsberg bekannt. Zum 
Jahre 15B8 schreibt er: „Anno 1538, als ich in der Cronenbursen 
wonte, hat ich fast irtumb .... mit einem gnannt Valentinus 
Lubecensis, einem boissen lecker ....•'• Der Valentinus kreich 
nachfolgens s. Cornelis krenkde, lach vur toit; darnach bidlet 
er gelt zum offer, zucht zu s. Cornelio und bleib darnach lang 
goit; über ein lang weil sagt er einsmails uis vrevel: ei, es 
ist auch narrenwirk mit den hilligen und ist nitz mit s. Cornelio; 
denselben abent als er das gesagt hat. ist er mit derselbiger 
Krankheit widder beladen worden 'V' 

Den Mitteilungen über die Wallfahrten füge ich noch kurz 
bei, dass eine Notiz zum Jahre 1584 mit den Worten beginnt 
„den" 28. januarii uff tag Caroli Magni" ^ woraus wir erkennen, 
dass man damals auch zu Köln das Fest Karls d. Gr. feierte. 

') Kessel, Guiuleultild, S. 32. 

^) Kessel, Gnadenbild, 8. 3H u. ff. 

=>) Buch Weinsberg II, 278. 

■*) Buch Weinsberg JI, 283. 

5) Buch Weinsberg I, 128. 

») Buch Weinsberg 1, 130. 

') Buch Weinsberg III, 226. 



— 79 — 

Gehen wir jetzt zu Weiüsberg:s Nutizen über einij^c zu Aachen 
in Beziehung- stehende Personen über und beginnen mit der 
kurzen Nacliriclit, dass der Augustinerkonvent zu Köln seinen 
Prior im Jahre 1592 absetzt und den Prior Hubert aus dem 
Aachener Kloster zu seiner Leitung beruft'. 

Ein anderer im Buche Weinsberg- vorkommender Aachener 
beansprucht unsere Teilnalinio in höherm Masse. Wir werden 
in folgender Weise mit ihm Ijekannt. Unser Tagebnchschreiber 
machte seine Studien an der Universität seiner Vaterstadt und 
hatte es bereits zum baccalaureus der Rechte gebracht, Obschon 
seine Eltern in der Stadt lebten, so hatte ihm der sparsame 
Vater doch einen Platz in der sogenannten Kronenbnrse ver- 
sorgt, wo er umsonst w^ohnte und ass. Die Kronenbnrse war 
für 12 Studenten gestiftet und ist mit einem heutigen Konvikte, 
etwa dem Collegium Albertinum zu Bonn, zu vergleichen. Die 
Anstalt wurde von einem aus vier Personen bestehenden 
Curatorium verwaltet, an dessen Spitze Herr Arnt van Bruwiler 
stand. Zu den Aufgaben dieses Kuratoriums gehörte auch die 
Anstellung des Vorstehers des Hauses, der Rektor genannt 
wurde. Als nun im Jahre 1539 der Rektor gestorben war, 
kam Weinsbergs Vater, der ein kluger, betriebsamer Mann war. 
auf den Gedanken, seinem Sohne Hermann, der bis dahin Kost- 
gänger der Burse gewesen war und nur 21 Jahi-e zählte, das 
Rektoramt zu verschaffen. Hermann bewarb sich wirklich um 
die Stelle, und der kluge Vater machte den Mitgliedern des 
Verwaltungsrates seine Besuche. Es gelang ihm in der Tliat, 
drei der Herren auf seine Seite zu bringen. „Als er aber zu 
her Arnt van Bruwiler, dem eltsten und dechen der provisoren 
quam und bei im anhilte, der schlog es im gar ab und wolt 
m. Theobaldum, der siner kinder pedagogus war, dar insetzen; .... 
her Bruwiler hilt uft Theobaldum." Aber das Kuratorium war 
in seiner Mehrheit für den jungen Weinsberg, und zwar gab 
der Wille der in der Burse wohnenden Studenten den Ausschlag. 
Sie erklärten nämlich, sie würden einem Rektor, der ihnen nicht 
gefiele, das Leben sauer machen. So siegte Weiusberg über 
seinen Mitbewerber. Herr Arnt von Bruwiler entschädigte diesen, 
indem er ihm ein Kanonikat an St. Severin in Köln verschaffte -. 
Wer war nun dieser magister Theobaldus? Er war ein Aachener, 

') Buch Weinsbero; IV, 150. 
*) Buch WeinsberfT J. 141. 



— 80 — 

den Weinsberg- in seinen Tag-ebüchern gern erwähnt nnd immer 
mit Achtung nennt. So heisst es zum Jahre 1577, dass Weinsbergs 
Neffe von „heren Theobaldo Aquensi dem suifraganeo und Weih- 
bischof zu Coln" geweiht worden'. 1579 erzählt Weinsberg, 
wie derselbe Herr in der Gottestracht das Sanktissimum getragen 
habe^ 1585 ist er mit Weinsberg zugleich Schiedsrichter in 
einer Zwistigkeit zwischen den Kölner Klarissen und denMinoriten. 
1587 aber schreibt Weinsberg von ihm folgendes curriculum 
vitae: „Anno 1587 den 31. julii starb hei' Theobaldus Crassel 
von Aich, weihbischof zu Coln und bischof zu C3'renen, zu s. 
Severin, in siner behausung bei der dechaneien, da er canonicus 
ab anno 1541 gewesen, auch lang zit pastoir s. Albain. Zuletzt 
erlangte er auch extinctam prebendam in capitolio^ war doctor 
theologie und ein gutter predicant, war anfangs scholmeister 
Laurentii und instrueirt her Arnt von Bruwiler kinder, der im 
auch zu der probenden Severini verhalf. War anno 1539 min 
competitoj" in der cronenbursen, das im doch nit gluckte. Disser 
churfurst von Coln Ernestus, wie auch Gebhardus vor im, sin 
im sin salaria schuldich pliben zu 24 hondort ggl, wilches (wie 
man sagt) er in sinem testament den beiden hospitalen bei st. 
Catharina und s. Eevilien besatzt mach haben. Auch zu behoff 
etlicher Studenten van Aich jarlichs etliche reut. War elter 
dan ich, ungeferlich 72 jar mines bedenkens-l" Was Weinsberg 
über die Stiftung Crassels zu Gunsten der Aachener mitteilt, 
ist richtig. Stiftungen des Theobald Crassel (Crachel, Craschel) 
werden noch heute im Stiftungsverzeichnisse der Erzdiözese 
Köln aufgeführt. Auch die Aachener Armenverwaltung zählt 
ihn zu ihren Wohlthätern. In seinem vom 19. Oktober 1583 
datierten Testamente stiftet er die Aussteuer für vier arme 
Mädchen aus seiner Verwandtschaft, welche entweder ins Kloster 
gehen oder sich verehelichen wollen. Wenn keine armen Ver- 
wandten den Genuss der Stiftung beanspruchen, können aucli 
andere ehelich geborene und gut erzogene Mädchen bedacht 
werden. Augenblicklich beläuft sich ein Stiftungsanteil auf 
etwa 130 M.-* Fügen wii- noch zu, dass der verdiente Mann 
schon durch Erzbischof Salentin von Isenburg zum Weihbischofe 

') Buch Weinsberg II, 8ö6. 

2) Buch Weinsberg III, 35. 

■■') Buch Weinsberg III, 383. 

•») Los seil, Köln. Krieg I, S. 41 und 203. 



— 81 — 

designiert war, aber aus kanonischen Gründen nicht gleich 
bestätigt wurde, da Erzbischof Salentin selbst noch nicht kon- 
fii-miert war. Die pästliche Bestätigung traf erst 1574 ein '. 
(Jrassel liegt in St. Severin begraben -. 

Ein anderer Aachener aus dem „Buche Weinsberg" ist nicht 
so ehrwürdig, aber doch in anderer Hinsicht interessant genug, 
um hier genannt zu werden. 1521 heiratet nämlich Weinsbergs 
Tante um Fastnacht einen gewissen „Johann Kuckelmann van 
Aich. Es war ein seir gutten fromen man, aber er war gar 
seir uf den drunk geneigt, dass er wol 8 maissen drank, dass 
man es im nit anmirken konte. Einmail war er krank und min 
moen .... gink von sinentwegen zum doctor mit dem wasser. 
Der doctor wost nit, wess das wasser war, und sagt: dissem 
ist der bodem am magen unten geletzt. Des dunkt mich, sagt 
mein moen, er sol wol einen halben emer wein drinken, ehe er 
fol wirt, und lachte des doctors^" Eines der 13 Kinder dieses 
Kuckelmann wurde Mönch zu Knechtsteden und erhielt vom 
dortigen Abt später die vom Kloster Knechtsteden abhängige 
Pfarre Hoengen \ wo er im Jahre 1557 am 31. Dezember „jemerlich 
.... erstochen und ermoirt .... in sinen widdenhoff umb 
etliche werde willen, die sich verlaufen haven, und das hat 
gedain ein rutersknecht, siner nmgt son, genant Dreis von 
Broich. Requiescat in pace^." 

Dieser Ort Hoengen liegt im Landkreise Aachen und war 
schon 1217 Mittelpunkt einer Pfarre. Hoengen im Kreise Heinsberg 
kann nicht in Betracht kommen, da es erst 1559 zur Pfarre 
erhoben wurde '^. 

Weinsberg ist als Erwachsener zweimal in Aachen gewesen. 
„Anno 1559 den 2. Marcii bin ich von wegen wilant Henricli 
Rossen erben als ein volmechtiger neben Augustin Oifermann 
zu St. Briden, einen uisgank (d. h. eine Verzichtleistung) eines 
haus zu Aich uff dem markt gelegen, zum Wilden Man gnant, 



^) Gef. Mitteiluug der Aachener Armeuverwaltuüi^. 

'^) Ferdinand, Handbuch der Erzdiözese Köln 1892, S. XLVI. 

^) Buch Weinsberg I, 50. 

■*) Buch Weinsberg T, 125. 

*) Buch Weinsberg II, 95. 

*) Freundliche Mitteilungen der Herren Pfarrer der beiden Orte Hoengen, 
der Herren Daugela und Ritzenhoff, denen ich aucli hier meinen Itesten 
Dank Miissjjreche. 



— 82 — 

ZU doen abg-efertiget und uis Coln geritten, sint den abent zn 
Gulich komen und da die nacht pliben. Des andern tags uff 
Aicli zu geritten und haben im Swarze Lewen geherbergt, 
hab im Kriusbat, Cornelisbat und Koninkbat gebadet, hab auch 
zu Borschit die heisse bader gesehen und mich dess verwondert, 
dan ich bin nit meiie zu Aich gewest, dan. wie mir gesagt, ich 
sult vurhin noch einmail da gewest sin und sult es nit gesehen 
haben, dan min moder war da gewest, do sei mich droich. 
Mir haben den uisgauk zu Aich vur den scheffen getain zu 
henden Andreis Radermacher und haben den also geliebert und 
verwart, und als mii- uff den veirden tag da gelegen, sind zu 
Düren benacht und den wech widder heim komen ^ 

Das hier genannte Haus „zum Wilden Mann" auf dem 
Markt ist das von Herrn Apotheker Dr. Courth bewohnte, Nr. 43 
bezeichnete Eckhaus von Markt und Poutstrasse. Im folgenden 
Jahre ist Weinsberg wieder in unserer Stadt. Diesmal kommt 
er von Antwerpen über Hasselt und Mastricht und ist in Be- 
gleitung seiner Frau, seiner Stieftochter und des Mannes dieser 
letztern. „Den 28. (julii) sint mir von Mastricht uff Aich 
gefaren, den abent ins Koningsbat gegangen, den andern tag 
zu Borschit in bat komen und unser kinder scholmeister magister 
Johan war da bei siuer moder, die dar wont, tracteirde uns im 
bade und im haus erlich ^. Et uxor mea vexavit me hie et in 
itinere mirum in modum, noluit, ut solus irem, ue forte tentarer 
ex aspectu mulierum formosarum, et quod valde me male habuit, 
quia innocens fui^. Den 3. Aug. hat min hausfrau widder be- 
gonnen zu eiferen, hat mir verwissen, ich het hübsche frauleut 
tuschen wegen angesehen und zu Borschit het ich mich wegen 
einer magt laissen bekoren. Diss irtumb hat sich so weit ver- 
laufen, das sei dem pastor zu S. Laurens über mich geclagt, 
montlich und schriftlich; er ist zo mir komen und hat doch 
wol vernomen, wie er mir auch zugescriben, das sei zelotypiae 
malum et infirmitatis capitis. Do die stupen über waren, haben 
mir uns gesonet^. Sie hat den art: zu ziten ist sei so gut, zu 
Zeiten ist sei so bois als rattenkrut, dan dick hat sei stupen 
und komen ir ire plagen, das sei zank soket. Der magister 



') Buch Weinsberg II, 104. 

•■') Buch Weinsberg- II, 107. 

•■') Jülich Weiiisbcrii,- Jl, lOT. 

*) Buch Weinsberg II, 107. 



— 83 — 

Jolian, der den Kölner Ratsherrn in Burl scheid so „erlich 
trakteirde" wird am 11. November 15(10 noch einmal erwähnt. 
Wir erfahren bei dieser Gelegenheit seinen Familiennamen. 
„A. IßßO den 11. nov. Martini haben wir her Joh. Demans van 
Aich, der unserer kinder pedagogus 3 jar g'ewesen und jeiz 
vicarius S. Andree worden, in die kost umb ein zemlich ange- 
nomen, jarlich vur 24 daler, on win, zwo malzit wie wir, in 
Sonderheit die weil min hausfrau das wol liden mog-t und vur 
gut ansach^" 



lUu'Ii Wpinsl.erg- 11, 111. 



öeschichte des Ländchens zur Heiden. 

Vou t H. J. Gross. 

Das Ländchen zur oder von der Heiden, dessen Geschichte 
ich auf den vorliegenden Blättern zu geben versuche, ist zwar 
nur ein kleiner aber doch hochinteressanter Teil unseres lieben 
deutschen Vaterlandes. 

Man darf hier freilich keine weltbewegenden Ereignisse 
erwarten : aber auch im unbedeutenden Wasser wühlt der Sturm, 
bricht die heiter lächelnde Sonne ihre Strahlen, spiegeln sich 
die Gestirne des Himmels. 

Auch treten uns hier keine Säkularmenschen entgegen, 
welche auf die Geschicke iiirer Zeit bestimmenden Einfluss üben: 
aber manch tüchtiger Mann, erfahren in den Geschäften des 
Friedens wie in den Künsten des Krieges, wird sich uns in 
seiner Thätigkeit zeigen und unsere Teilnahme für seine Ge- 
schicke in Anspruch nehmen. 

Und wer in der Geschichte nicht so sehr die Schilderung 
von „Haupt- und Staatsaktionen" als vielmehr die Darstellung 
der gesellschaftlichen Entwickelung der Menschen sucht, wem 
es darum zu thun ist, das Volk in seinem Leben und in seiner 
Arbeit wie in der Erringung und Verteidigung seiner Freiheit 
zu beobachten, der wird auch diese bescheidenen Blätter nicht 
ohne Anteilnahme lesen und vielleicht nicht ohne eine gewisse 
Befriedigung aus der Hand legen. 

Dass die vorliegende Geschichte des Ländchens zur Heiden 
sehr lückenhaft ist und keineswegs auf alle Fragen Bescheid 
giebt, verkennt der Verfasser am allerwenigsten. Aber er 
konnte nicht mehr geben als er selbst hatte; das aber darf er 
versichern, dass er die ihm zngebote stehenden Mittel gewissenhaft 
verwertete. Ausser den im Texte angegebeneu Druckwerken 
wurden benutzt die Protokoll- und Realisationsbücher des Ge- 
richtes zur Heiden, die Pfarrarchive zu Richterich und Horbach, 
das Gemeindearchiv von Richterich, das Schönauer Archiv sowie 
das Staatsarchiv zu Düsseldorf. 



— 85 

Die ehemalige jüliclische Unterlierrschaft Heiden, im 
Volksmiinde „Ländcheii zur Heiden" oder „Ländclien von 
der Heiden" genannt, umfasst die uralte Pfarre Richtericii, 
die im Jahre 1804 eri-ichtetcn Pfarren Horbach und Kohlscheid 
so wie die in Holländisch-Limburg- gelegene Pfarre Eigelshoven. 

Wir behandeln zunächst die Herren dieses Gebietes. 

A. Die Herren des Läiulchens. 

I. Bis zur Errichtung der Unterherrschaft Heiden. 

1. Die älteste Nachricht über den in Rede stehenden Bezirk 
findet sich in einem Verzeichnisse der Einkünfte des Aacliener 
Münsterstiftes, dessen Abfassung- in das erste Drittel des 
11. Jahrhunderts fällt. Es heisst dort: „In Ritherche Mst eine 
Kapelle, zu welcher der Zehnte und der Neunte vom Herrengute 
des Grafen Hezelo und ausserdem der Zehnte desselben Gross- 
grundbesitzes gehört-." 

Diese wenigen Zeilen enthalten wichtige Nachrichten. Sie 
überliefern uns zunächst die älteste Form des Namens Richterich: 
Ritherche. latinisiert Riterca. Sodann geben sie den Besitzer an: 
es ist der Graf Hezelo. Ferner liefern sie den Beweis, dass 
es sich nicht um ein gewöhnliches Hofgut, sondern um einen 
grösseren Bezirk handelt, der schon damals eine eigene Kirche 
hatte. Die Ländereien waren bereits geteilt; ein Teil wurde 
noch auf Rechnung des Eigentümers bebaut, ein anderer war 
an andei-e zur Bearbeitung übeigeben. Auch wird Richtericii 
als predium bezeichnet. Der Ausdruck muss für einen Grund- 
besitz von bedeutender Ausdehnung stehen, denn im folgenden 
Posten desselben Verzeichnisses heisst es vom predium Gimmenich, 
es seien auf demselben zwei Kapellen zur Bequemlichkeit der 
Einwohnei" errichtet. So lesen wir auch, dass das predium, 
welches Heinrich III. dem Aachener St. Adalbertsstifte schenkte, 
sich über vier Ortschaften erstreckte, die ziemlich weit von 
einander lagen •'. 

Von den noch zum Herrengute (labor dominicalis) gehörigen 
Ländereien bezog die Kapelle zu Richterich, welche zur Zeit 



') Richte rieb. 

-) ,,In llitherche est capella, ad iiuani jjcrtiuet decinia pars et uona de 
labore domiuicali coinitis Hezelonis, insuper deciina pars eiusdein predii." 
Ernst, histoire du Limbourg VI, 38. Quix, cod. dipl. aquen. N. 42. 

') Quix, cod dipl. aquen. N. 59. » 



— 86 — 

der Abfassung unseres \'ei/eicliuisses dein Miinsterstifte schon 
einverleibt war, die zehnte und nennte Garbe, also einen doppelten, 
von den übrigen Grundstücken nur den einfachen Zehnten. 
Daraus ergiebt sich, dass die Verleihung der letzteren an andere 
Nutzniesser schon sehr früh und zwar zu einer Zeit erfolgt sein 
muss, wo das ganze prediuni nur den einfachen Zehnten ent- 
richtete. Als der Besitzer des Herrengutes seinen Ländereien 
den doppelten Abzug auferlegte, konnte er die abgetrennten 
Güter nicht mehr so stark belasten. 

a. Der Grossgrundbesitzer, dem um 1030 das predium 
Richterich gehörte, Graf Hezelo, war der zweite' Sohn des 
Aachener Pfalzgrafen Herman; Richtei-ich gehörte demnach zur 
Dotation der zweiten oder Hezelinischen Linie des pfalzgräflichen 
Hauses. Damit stimmt auch die Bezeichnung dieser Besitzung 
als Allod, welche die Jahrbücher von Klosterrath fast regel- 
mässig gebrauchen. Die Pfalzgrafenwürde hatte Ezzo, der 
älteste Sohn Hermans, erhalten. Als aber Otto, Ezzos Nachfolger, 
mit dem Herzogtum Alemannien belehnt wurde, trat er dieselbe 
an seinen Vetter Heinrich, den Sohn Hezelos, ab. Der Besitzer 
des predium Richterich war demnach Pfalzgraf geworden (1045). 

b. Dem Pfalzgrafen Heinrich hat sein grausiges Schick- 
sal eine traurige Berühmtheit verschafft. Er war mit dem h. 
Anno, Erzbischof von Köln, in Streit geraten und verheerte 
von seiner Feste Siegburg aus das Erzstift. Anno nahm ihn 
1057 gefangen und schenkte ihm Verzeihung unter der Bedingung, 
dass er als Mönch in das Kloster Horze bei Metz eintrete, um 
für seine Thaten Busse zu thun. Aber den unruhigen Herrn 
litt es nicht lange in den Klostermauern. Schon nach wenigen 
Wochen entwich Heinrich und verwüstete abermals das erz- 
bischöfliche Gebiet „wie ein wilder Eber." Da ermannten sich 
<lie Kölner, welche von ihren Stadtmauern aus den Brand der 
Dörfer und Lehenhöfe sahen, und trieben Heinrich bis in seine 
Burg Cochem an der Mosel zui'ück. Während sich Heinrich 
hier zu weiterem Kriege rüstete, befiel ihn Wahnsinn. In diesem 
Zustande enthauptete der Unglückliche seine Gattin Adelheid 
mit einer Hellebarde, die er von der Wand gerissen hatte. 
Nun lieferten ihn seine Anhänger aus; Heinrich wurde ins Kloster 
Eytei'nach gebracht, wo er irrsinnig starb. Er hinterliess einen 



') Crollius, Erläuterte Reihe der Pfalzgrafen zu Aachen S, 72. Vgl. 
Gfrörer, Papst Gregor VII, I, 81 If. 



— 87 — 

unmündigen Sohn, dessen sich Erzbisciioi' Auuo väterlich aiinahiii. 
Bis zur Grossjährig'keit desselben verwaltete Graf Herniau das 
Plalzgrafenanit. 

c. Heinricii U. trat 1085 die ihm vom Vater zustehende 
Würde an. Er hatte die Witv^^e Hermans von Luxemburg, 
Adelheid von Orlamünde, geheiratet^ und stiftete, weil ihm 
keine Kinder geboren waren, 1098 das berühmte Kloster Laach, 
in dessen herrlicher Kirche er zwei Jahre nachher seine letzte 
Ruhestätte fand. 

Pfalzgraf Heinrich IL war Besitzer des predium Kichterich, 
Beweis dafür ist der Umstand, dass sein Stiefsohn und Nacii- 
folger in dei- Pfalzgrafenwürde, 

d. Siegfried von Ballenstädt, ebenfalls Herr zu 
Richterich gewesen ist. Hierfür haben wir urkundliche Belege. 
Die Jahrbücher der zur Zeit Siegfrieds gestifteten Abtei Kloster- 
rath sagen, dass dem Pfalzgrafen Siegfried ausser vielen anderen 
Besitzungen auch das Allod Richterich zu eigen gewesen sei, 
und dass derselbe mehrere Schenkungen, welche Mitglieder seiner 
„familia" an die Abtei machten, dadurch genehmigte, dass er 
selber die Übergabe der Ländereien an das Gotteshaus bewirkte^. 

Auch dieser Besitzer unseres predium nahm ein tragisches 
Ende. Er geriet in Zwist mit Kaiser Heinrich V., weil „der 



o' 



König ihm einen grossen und reichen Besitz (predium) auf 
hinterlistige Weise wegnehmen wollte''. Als Siegfried darauf 
nicht einging, liess der Kaiser ihn auf dem Fürstentage zu 
Frankfurt (1109) auf Hochverrat anklagen und dem Bischöfe 
von Würzburg in Haft geben, in welcher der Plalzgraf längere 
Zeit blieb '^ Die Annaleu sind in der Hauptsache gut unter- 
richtet. Es handelte sich wirklich um mein und dein. „Es 
lässt sich ganz sicher annehmen", schreibt Damberger, „dass 



') Aus (lieser Heirat leitet sich Heinrichs Verwandtschaft mit den 
Luxemburgern her, auf Grund derer ihn Gförer (a. a. 0. S. 100) zu einem 
Sprössling dieser Familie macht. Ich folge der Darätellung des Crollius. 
Dieser Heinrich ist nebenbei bemerkt der erste, der sich Pfalzgraf bei 
Rhein nennt. 

^) Annales Rodenses S. 15, 19, 25. 

^) „Eodem auno captus est Sigefridus a rege, quasi delatur esset illius 
vite, sed rex ficta occasione voluit ei predium, quod niagnum fuit et copiosum, 
valde fraudulenter aufcrre, uude is quatuor aniiis dctcntus est in vinculis, 
cum nollet illi hoc assignare." Das. 8. 16. 



— 88 — 

Siegfried, welchen Heinricli IV. in seiner Not mit Lehen über- 
häuft hatte, unlängst genötigt worden war, vieles an die Beraubten 
zurüclvzugeben und so etwas fiel hart ! Der ausbrechende Krieg 
zwang' den Kaiser „sich dem verhafteten gnädig zu erweisen. 
Auf Eat und Fürbitte der Grossen des Reichs schlug er den 
Prozess nieder, setzte den Siegfried wieder in sein Amt ein, 
hob selbst ein Söhnchen desselben huldvoll aus der Taufe und 
suchte das vorgefallene auf alle Weise aus dem Gedächtnisse 
des schwerbeleidigten zu vertilgen. Aber dem fürstlichen Stolze 
mundete das Gnadenwesen gar wenig, da es eben so willkürlich 
und man darf sagen ebenso erniedrigend gab als nahm. Die 
Begnadigung Siegfrieds dürfte auch nötig gewesen sein, um 
aus Rheinfranken urd Lothringen unbesorgt Truppen nach Saclisen 
führen zu können ^ ! " 

Zum beleidigten Stolze gesellte sich die Habsucht, die 
die Flamme der Erbitterung zwischen Kaiser und Pfalzgraf 
von neuem anblies. Graf Ulrich von Weimar, ein naher Ver- 
wandter Siegfrieds, starb und setzte wahrscheinlich letztern 
zum Erben ein. Natürlich meldeten sich auch noch andere 
erblustige. „Der Kaiser fand alle Ansprüche grundlos und 
erklärte Lehen und Allode ihm selbst anheimgefallen-'." Nun 
trat Siegfried auf Seiten der missvergnügten und entfachte erst 
recht den Krieg in Sachsen. Aber er Hess sich uuvorsichtigerweise 
in Warnstädt, wo er mit den Häuptern seiner Partei zu einer 
Besprechung zusammengekommen war, vom kaiserlichen Feld- 
hauptmann Graf Hoyer von Mansfeld überfallen und wurde nach 
tapferer Gegenwehr niedergehauen^. So endete am 21. Februar 
1113 dieser Fürst, dei' „glänzend unter den ersten des Reiches 
von keinem andern an Ritterliclikeit übertrotfen" war. 

Siegfried hinterliess ein dreijähriges Söhnchen, Wilhelm, 
welches die Annalen von Klosterrat als seinen Nachfolger 
bezeichnen. Es ist aber klar, dass ein Kind nicht das Amt 
eines Pfalzgrafen verwalten konnte, der die Aufsicht über die 
kaiserliclien Kammergüter zu führen und das Hofgericht zu 
leiten hatte. Der Kaiser ernannte darum den Grafen Gottfried 
Calw zum Stellvertreter. Damberger schreibt: „Gottfried, des 



M Damberger, Syn chron. Gesch. VII, 576, 665. 
'"') Das. S. 681. 
») Das. S. 696. 



— 89 — 

Kaisers Huuptiiil^eber und Heller, liatte viele welliicliei» und 
geistlichen Güter erbalten; seit lll:-3 war er über alles gesetzt, 
was dem Kaiser in den ki'ung'utreicben Rbeinlanden gehörte .... 
(Er war auch) ohne Zweifel Grossvogt des Hocbstifts Trier und 
der Abtei Maximin, wie das Siegfried von Orlamünde gewesen, 
für dessen um 1110 geborenes Sölinchen Gottfried gleichsam 
einstand. Es scheint ihm auch die Rheinpfalz bloss bis zu des 
Knaben Volljährigkeit übertragen worden zu sein, damit sich 
die Mutter Gertrud K welche den Titel Pfalzgräiin fortführte, 
und ihr jetziger Mann Otto von Rinecke zufrieden gaben-." 

Weil Gottfried von Calw bloss Stellvertreter war, erwähnen 
ihn die Jahrbücher von Klosterrat nicht, und weil er als solcher 
mit Richterich nichts zu thun hatte, kommt er auch für uns 
weiter nicht in Betracht. 

e. Wilhelm, der Sohn der ritterlichen Siegfried, den die 
Aunalen auch Willeram nennen, bestätigte im Jahre 1121 eine 
Schenkung von 15 Morgen Land, welche eine Wittwe Adelburg, 
die zu seiner familie gehörte, an die Abtei Klosterrat gemacht 
hatte. Bei dieser Gelegenheit bemerkt der Verfasser, dass dem 
Pfalzgrafen zwar das Allod Richterich zu eigen gehört habe, 
aber auch einige der seinigeu^ dort Eigentum besessen hätten, 
wie denn auch jene 15 Morgen bekanntermassen Besitz der 
Adelburg gewesen seien ^. Wahrscheinlich hat man den Reclits- 
titel der Adelburg deswegen besonders betont, weil Wilhelm 
damals noch nicht mündig war. Der Wink ist übrigens wichtig 
für die Erklärung, woher die Rittergüter im Ländchen von der 
Heiden entstanden sind. 

Wilhelm starb kinderlos im Jahre 1140-\ Sein Besitz fiel 
an die Krone. Die Jahrbücher von Klosterrat, welche sonst 
immer von dem predium Richterich hervorheben, es sei Allod 



') Von Braunschweig. 

*) Damberger a. a. U. 8. 956. 

*) Waren das Verwandte oder Ministerialen V 

*) „Adelhurgis vidua de Ritherche, cum esset de fauiilia Willerami 
comitis palatini, cuius etiam proprium erat idem allodium, dedit ipsi ecclesie 
iugera XV terre, t'acta altari ab eodem W. traditione .... Adhuc auteni 
multis diebus vixit W., qui post Sigefridum palatiiiuni fuit etiam palatinus, 
cuius et ])roprium erat hoc allodium, uhi etiam aliqui suornni suuni «luoiiue 
liabuerunt proprium, uude .... Adelburgis, cuius etiam propria hec . . . . 
constat terra fuisse, dedit eam .... ecclesie. Ann. Rod. S. 25. 

*) Ann. Rod. S. 51. 



— 90 — 

und Eigentum der Pialzgrafen gewesen, nennen dasselbe von da ab 
ein „königliclies" Gut. Hier wird der Annalist aber auch dunkel. 

2. Nachdem er die Schenkung der Adelburg vom Jahre 
1121 verzeichnet hat, bemerkt er, Pfalzgraf Willeram habe 
noch lange Zeit (multis diebus) nachher gelebt. Kurz darauf 
heisst es aber: „Ungefähr zehn Jahre nach diesen Vorgängen" 

— also um 1131 — „ist Willeram ohne erbfähige Nachkommen 
gestorben ^" Und endlich zum Jahre 1140: „Pfalzgraf Wisemus 
starb und es folgte ihm kein Erbe." Hier ist Wisemus offenbar 
dasselbe wie Wilhelm. Dass aber Wilhelm wirklich erst 1140 
und nicht, wie zuerst angegeben wird, bereits 1131 gestorben 
ist, geht daraus hervor, dass er noch 1138 dem Reichstage zu 
Bamberg beigewohnt hat'-^. Vom Allod Richterich heisst es dann 
im unmittelbaren Anschlüsse an die verfridite Todesnachricht, 
Goswin von Falkenburg habe dasselbe ungefähr 16 Jahre lang 
im Besitze gehabt (tenuit), bis König Konrad es von ihm 
zurücknahm (recepit)^ Zum Jahie 1144 erzählen dagegen 
dieselben Jahibücher. Goswin habe lange zwei königliche 
Güter, Gangelt und Richterich in Besitz gehabt, als wenn 
sie sein Eigentum wären. Wie lassen sich diese Aussagen 
vereinigen? Auf welche Weise ist das predium Richterich, von 
dem der Annalist so oft und mit unverkennbarer Absichtlichkeit 
hervorhebt, es sei der Pfalzgrafen Allod und Eigen gewesen, 
Königsgut geworden? Etwa als das pfalzgräfliche Haus aus- 
starb und dessen Gesamtbesitz, Allod wie Lehen an die Krone 
fiel? Aber wie hätte dann Goswin das predium im Jahre 1144 

— also erst vier Jahre nach dem Tode Wilhelms — bereits 
lauge und zwar ungefähr 16 Jahre lang in Besitz haben können? 
Auch wäre ihm in diesem Falle Richterich sicher nur als 
Lehen übertragen worden, und wie hätte dann der Falkenburger 
eine Herrschaft, die er selbst als Lehen empfangen als, sein 
volles Eigentum betrachten können ? Und wie konnte König 
Konrad Richterich von Goswin zurücknehmen, wenn er es nicht 
als Königseigen angesehen hätte ? (Fortsetzung toigt .) 

*) S. unten. 

'^) Damberger a. a. 0. VIII, S. 279. 

•'') „Transactis vero hinc quasi decein annis mortiins est Wilh^rainns 
sine |)role, que suecederet hereditati sue, undc predictum hoc Eithercliiense 
allodium Goswinus de Falkcnbureb tenuit quasi XVI annis, donec hoc ab illo 
recipit rex Cunradus." Ann. Eod. Ö. 25. 



Kleinere Mitteilungen. 

1. Zum Aachener Schützen weseii. 

Es ist bekannt, welche Bedeutung das Schützenwesen in alter Zeit ge- 
habt hat. Mit dem Ursprünge und Aufblühen der Städte nahm es seinen 
Anfang. .Te mehr die Macht und das Ansehen des Adels sanken, um ;^u 
kräftiger erhobensich die Gemeinden der Städte, und je mehr die Turniere 
der Ritter in Abnahme kamen, um so zahlreicher bildeten sich die Schützen- 
feste der Bürger aus. In vielen Städten entstanden Schützengesellschaftcn, 
sei es mit Bogen und Armbrust oder mit Büchsen. 

Eine zusammenhängende Geschichte der hiesigen Armbrustschützeu- 

gesellschaft ist wegen der Spärlichkeit des Materials schwer möglich ; vom 

17. Jahrhundert an tliesst es reichlicher. Die Veröffentlichung nachstehenden 

Aktenstücks ist deshalb vielleicht zweckmässig. 

Aix-la-Chapelle ce 10 vendemiaire an XIV. 

La societe des arbalettries 

de cette ville. 

Monsieur de Lommessem maire d'Aix la (Jhapelle 

membre de la legion d'honneur. 

Monsieur le maire! 

Couuoissant I'interet que vous prennes a tout ce ([ui conceruc des 
etablissemens civiques, surtout ceux, qui joignent l'utilite a l'amusement 
(le retablissement des quels le gouvernement meme s'est fait une loi) nous 
n'hesitons par de rappeller a votre memoire, ce que l'ancien magistrat, des 
un tems immemorahle, contribua a remulation de nos exercices gym- 
nastiques. 

Ce fut tous Ics aus au premier tirage a l'oiscau, qu'un prix etoit 
stipule au vainqueur, c'etoit plusieurs fois par au qu'il en etoit destine aux 
vainqueurs au tirage a la cibe le tout moutoit peiitetre a la somme tres 
modique de ceut & trente a cinquante francs par an. 

Les registres des anciens re^eveurs, aux quels a certaines epoques nous 
n'avions qu'a nous adresser pour recouvrer la somme stipulee, vous confirraeront 
nos alleguations. 

C'est sur ces faits autaut, quo sur vos sentiments pcrsonels quo nous 
fondons Tespoir, qui voulant continuer cet ancion usage qui ne fut inteu rompu 
momentanement (juc pas des causes niajeures, vous voudries accorder a notre 
societe les emolumens honoraires, doiit eile a joui depuis si longtems. 

Vous priant de ro<;evoir nos respects les plus profonds. 

Joseph Jardon. 



— 92 — 

Wir geben uoch ein Aktenstück zur üescliichtc der Karls- uiul Hirseh- 
schützengesellschaft. 

Dienstgehorsambste snpplication und bitt unib erlaubuus des jährlichen 
Vogelschusses ahn Seiten zeitlicher bau und schutzenraeister der uralten Carl- 
und Hirsch-Schutzengesellschaften. 

Verlesen im rat den 25 Maij 1787. 
Hochwohl- und hochedelgeborne, hochgelehrte, hoch- und wohlweisc 
herreu burgermeister, schcffen und rat etc. 
Hochgebietende herren. 
Dahe Ew. hochwohl-, wohl- und hochedelgcboren denen von uralten 
Zeiten dahier etablierten und errichteten Carl- und Hirschschutzengosell- 
schaften all und jeden jähre bey annähenden frühling zur beybehaltung der 
löblicher aemulation den freyen vogelschuss zu erlauben, auch jeder gesell- 
schaft zur jemehrer beeiferung aine gratification zu gestatten geruhen: 

So habe Ew. hochwohl-, wohl- und hoehedelgeboren umb die desfals 
erforderliche erlaubnus hiemit dienstgehorsamst bitten wollen, 

Und gelangt dahero zu hochderselben unsere geziemende bitte, uns die 
behörige erlaubnus nicht allein zu gestatten, sondern auch das gewöhnliche 
honorarium beyden gesellschafteu hochgeneigtest zuzusichern. 

unterthänige 
bau- und schützenmeister beyder (Jarl- und 
Hirschschutzengesellschaften. 
Darüber Ew. hochwohl- wohl- und hoehedelgeboren. 

Aachen. W. Brüning. 

2. Die Feierlichkeiten bei der Einführung des Priesters 
Peter Servatius Hungs ^ als Pfarrer von St. Jakob. 

Wenn auch bereits Dresemann (Die Jakobskirche zu Aachen S. 50) auf 
Grund einer Niederschrift in dem von ihm (daselbst S. 72) bezeichneten 
Kirchenbuch III diese Feierlichkeiten kurz erwähnt, so glaube ich doch die 
in mancher Hinsieht interessante Niederschrift wörtlich zum Abdruck bringen 
zu sollen. 

Ist herr Servatius Hungs vom zeitlichen herrn protiion von Millyus 
zum pastor angestellt worden, woh bey buUa romana wegen krigst zeitten 
bey ein halbes jähr speter angekommen da herro die einfürung bist den 
9. Oktober ist auffgeschoben worde. 

Wellich gescheen foUigender massen: 

Den anfang machte der Schulmeister mit seine schiiUarcn, hernach 
foUigte die sänger, klercken und geistelichen der pfahr, samt kirchraeisteren 
herr zwischen herrn kirchmeisteren, zwölffter und famile processionaliter zur 

') Nach Sieburt;, (ifescliiclit,«! der Ptiivre und der Pfarrkirche von St. Jakob in 
Aachen (S. 12; starb der Pfarrer Hungs bereits am 31. Mai 1809 im Alter von 48 Jahren. 



— 93 — 

und zwölffter, welicho Jnsgesarat den neu erwählten horrii iiastor Servatius 
Hungs jm viltterlichen linuß an jacobsmittelthor abgeholet, wobey herr pastor 
von sanct Peter als deputirter vom lierrn protiiou den neu erwählten |if;ilir- 
kirch geführet bey absingung fenecreator (so!) und klingender rausick. 

Der zulauft' des volicks war so groß, das kaum zwey gegen einander 
durch die straß passiren konten, wie wohl die })olicey sersanten gute orde- 
nuug hielten. Nach geendigten possesions ceremonien wurde te Deium (so!) 
abgesungen und mit dem sacramentalisehen seegen beschlossen, worzu tags 
vorhcrr gebayert und geläuttet war. 

.Joseph Rütten gewesener cassier. 

Aachen. M. Scho/leu. 



Litteratur. 
1. 

Gustav Friedrich Wilhelm Grossmaun von Dr. Joseph Wolter. 
Köln 1901. Auf die hervorragende Bedeutung des Theaterdirektors Gross- 
niann (1743 — 1796) für Theater und Litteratur der zwei letzten Jahrzehnte 
des 18. Jahrhunderts hat der Verfasser dieser Bonner Dissertation bereits 
in einer früheren Arbeit, unter anderen aber auch Elisabeth Mentzel im 
IV. Bande des Archivs für Frankfurts Geschichte und Kunst aufmerksam 
gemacht. Ihr gelang es im besonderen nachzuweisen, dass die in den gang- 
liaren Litteraturgeschichten noch immer wiederkehrende Angabe, Schillers 
„Fiesko" und „Kabale und Liebe" hätten in Mannheim ihre Uraufführung 
erlebt, unrichtig ist, der „Fiesko'* vielmehr in seiner ursprünglichen Gestalt 
am 20. Juli 1783 am kurfürstlichen Hofe in Bonn, „Kabale und Liebe" am 
13. April 1784 in Frankfurt von Grossmann bereits insceniert worden sind. 
Auf solche ältere Forschungen und reichhaltiges neues Material gestützt, 
giebt uns der Verfasser ein möglichst abgeschlossenes Lebensbild jenes 
interei-santen Mannes, der mit dem jugendlichen Schiller in regem Verkehr 
stand und die freundschaftliche Wertschätzung der Frau Rat Goethe in 
hohem lilasse genoss, bis zum Jahre 1787, und zwar in einer bei aller 
Wissenschaftlichkeit doch so wohlthuend leichtflüssigen Darstellung, wie sie 
seines akademischen Lehrers Litzmann bekannte Schröder-Biographie aus- 
zeichnet. Um den Gang der Erzählung nicht störend aufzuhalten, ist alles 
wissenschaftliche Beiwerk in die nachfolgenden Anmerkungen und die um- 
fangreichen Beilagen verwiesen, die uns über Grossmanns Repertoire, die 
von ihm gespielten Rollen, die Mitglieder seiner Truppe u. a. bequem 
unterrichten. 

Den zweiten Teil des Künstlerlebens, der sich in Hannover und 
anderen Städten Norddeutschlands abspielte, hat Wolter soeben in den 



— 94 — 

Hannoverscheu Geschichtsblättern 1902 erscheinen lassen. — Als Druckfehler 
fielen mir auf S. LXXI Nr. 352 Vrcnitzky statt Wranitzky, S. LXXVII 
Nr. 553 der 25. Mai 1790 als Erstaufführung der „Zauherflöte" statt 25. April 
1794, S. 54 Ramschüb statt Rennschüb (wirklicher Name Büchner) \ ferner 
einige recht störende in den Aachen behandelnden Teilen, die verschiedenes 
Neue bringen. Dass Grossmann 1784 und 1787 hier Vorstellungen gab, 
wies bereits Pick* nach. Aber die Termine blieben noch genauer zu bestimmen. 
Der 14. Mai 1784 als Eröffnungstag ergiebt sich aus einem Schreiben des 
Schaiisineldirektors Böhm\ Wie Wolter nun S. 50 mitteilen kann, schloss 
die damals in Aachen spielende Teilgesellschaft — nur um eine solche 
handelte es sich; Grossmann selbst war Ende Juni nur einige Tage, in 
Aachen — am 7. August mit Bertuchs Trauerspiel „Elfriede". Ungenau, ist 
es daher, wenn S. 54 der 7. August als der Tag der Ankunft der Aachener 
Gesellschaft in Göttingen angegeben wird. Die Erstaufführung des Lustspiels 
„Jeder fege vor seiner Thür" erfolgte nach S. XXII am 29. Juli, nach S. 
LXVII am 29. Juni. Im Jahre 1787 spielte Grossmann in Aachen während 
der Fastenzeit bis Palmsonntag den 1. April einschliesslich (S. III). Das 
die damalige „Mäkelei" verspottende Stück, wegen dessen Aufführung Direktor 
und Verfasser von der „Kaiserlichen Kommission und dem Magistrat" zur 
Verantwortung gezogen wurden, hiess die „Bürgerfreiheit" und war vom 
Schauspieler Neuhaus geschrieben (S. 71). Am 1. April schloss Grossmann 
mit dem Passionsoratorium „Der Tod Jesu" von K. H. Graun. Dem durch 
den Rechtsstreit mit dem bisherigen Mitdirektor Klos fast gänzlich Verarmten 
waren vorher 100 Stücke in Köln beschlagnahmt worden, 11 musste er in 
Aachen zurücklassen, so dass er nur 9 Opern und Singspiele an den Ort 
seiner neuen Wirksamkeit, Hannover, mitbrachte*. Dass Grossmann wegen 
jenes Lokallustspiels Aachen verlassen musste, nimmt nach den im übrigen 
höchst unzuverlässigen Mitteilungen eines Anonymus in Ahns Jahrbuch (1828) 
auch Wolter au. Wie nun ein jüngst im Aachener Stadtarchiv aufgefundenes 
Spielgesuch Grossmanns beweist, ist an ein gewaltsames Ende seiner Vor- 
stellungen nur unter der Annahme zu denken, dass er vor dem 1. April 
weitere Spielerlaubnis für den Sommer begehrt und erhalten hatte, wofür 
aber ein Beweis nicht erbracht ist. In jenem Spielgesuch nämlich bewirbt 
sich Grossmann, wenn er auch eine eventuelle Fortsetzung der Aufführungen 
in den Sommer hinein in Aussicht stellt, zunächst ausdrücklich nur um die 
Fastenzeit, und auf dieses Gesuch hin konnte ihm nur eine Bewilligung bis 
Palmsonntag den 1. April, wo er die Bühne schloss, zu teil geworden sein^ 
Der Gesuchsteller hat weder Ort noch Datum zugefügt, doch ist das an 



•) Bd. XXIII der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins S. 87. 

^) Pick, Aus Aachens Vergangenheit S. 481 ff'. 

^) Bd. XXIII der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins S. 41. 

*) G. F.W. Qrossmanii von Dr. Wolter II. Teil, Sonderabdruck aus den Hannoverschen 
Geschichtfiblättern 1902 S. :(. 

■*) Die städtische Bühne bleibt nocli hruto von Palnisonntat;' an für den 1{<'>I (b'r Clmr- 
wocliu geschlossen. 



— 95 — 

Schöffen iiiid Rat gorichtetc Schriftstück nach einer rückseitigen Bemerkung 
am 0. Februar 1787 im Rate verlesen und „als eiin; zum Rathe nicht gehörige 
Sache cum pot. statuendi zur löbl. Pol(izei) Kommission hinverwiesen" worden 
Der zweimal vorkommende Ausdruck „hiesig" könnte darauf hindeuten, dass 
Grossmann zur Betreibung seiner Angelegenheit nach Aachen gekommen sei. 
Nachdem er sich auf sein früheres erfolgreiches Wirken in Aachen und die 
gute Zusammensetzung seiner Truppe berufen hat, fährt er also fort: „Da 
nun übrigens gegen künftig- herannahende Fastenszeit meinen leztern accord 
zu Bonn ein ende hat und mich zudem bekannt, daß die hiesige stadt 
Aachensche Bürgerschaft jederzeit bey solchen fastens-zeiten gewohnlicher 
maßen Concerteu und dergleichen spielen zu halten gesinnet, und nachlaufen, 
wodurch das aerarium publicum gar keinen nutzen, sondern im gegenteil nur 
schade zufließet; So Erbiete mich von daher denn auch dergleichen geartete 
Wercken und Kommedien dabier aufzuführen, die eines teils nie gesehen und 
andern teils der fastens-zeit ohntadelhaft, sondern vielmehr ganz angemessen 
scyn werden." Der „Hochweise Rath" werde seinem Begehren um so mehr 
willfahren, „als auch zu Wetzlar der Höchst-Preisliche Reichs-Kamraer 
Richter bey dergleichen fastens-zeiten jederzeit kein bedenken getragen, zu 
eben gedachter fastens-zeit Kommedien — au statt andere spielen — er- 
laubet und dem publico zu gedacht hat; Da denn auch bey hoffentlicher 
zusage E" E" Ratbs ich so viele gönuer und Zuschauer mich Verspreche 
daß nach Umlauf izig herannahender fastens-zeit die hiesige bürgerschaft, 
bey künftiger sommers-zeiten, nach als denn erhaltener weiterer Octroyc, 
zu bedienen und durch zu spielen mich auch anofferire". Daher geht seine 
Bitte an den Rat, ihm Spielerlaubnis für die Fastenzeit zu geben. — Wie 
man sieht, ruht der Nachdruck der Ausführungen darauf, eventuelle Bedenken 
gegen das Spielen zur Fastenzeit zu zerstreuen, da damals nicht bloss an 
geistlichen Höfen theatralische Vorstellungen während jener Zeit verpönt 
waren'. Um so bezeichnender ist es, dass man in Aachen 1787 dergleichen 
Bedenken nicht trug. 

Aachen. Alfotis Fritz:. 



Alkuins Leben und Bedeutung für den religiösen Unter- 
richt. 1. Teil. Wissenschaftliche Beilage zum Programm des Kaiserin 
Augusta Gymnasiums zu Coblenz (Ostern 1902) von Hermann Ditscheid, 
Oberlehrer. 

Während die bisher erschienenen Schriften über Alkuin, den vertrauten 
Lehrer und Ratgeber Karls des Grossen, zumeist nur die eine oder andere 
Seite seiner Bedeutung behandeln, schildert die vorliegende Abhandlung kurz 
und übersichtlicli die ganze Persönlichkeit und Thätigkeit jenes hervorragen- 
den Theologen und Piidagogen. Diese trug, wie der Verfasser im Vorwort 



') AVolt Ol- (I. Teili S. H<i. 



— 96 — 

mit Recht sagt, vorwiegend religiöseu Charakter, weshalb eine eingehendere 
Behandlung dieser Seite nach seinen erhaltenen Schriften recht lohnend ist. 
Davon will der Verfasser im zweiten, später erscheinenden Teile handeln. 
Im vorliegenden ersten stützt er sich bei einigen Fragen, namentlich bei 
solchen, die nicht unmittelbar zu seinem Thema gehören, nur auf die bis- 
herige Litteratur, weil selbständige Untersuchungen zu weit vom Thema hätten 
ablenken müssen, so z. B. bei der Frage, wo die Palastschule ihren Sitz 
hatte. Die Leser dieser Zeitschrift werden ihm dies danken, da sie so leichter 
ein einheitliches Bild gewinnen. 

Bezüglich des zweiten Kapitels (b) hätte wohl bestimmter hervorge- 
hoben werden können, dass es sich zwar bei den verschiedenen Kapitularien 
nicht streng nachweisen lässt, inwieweit sie unmittelbar auf Alkuin zurück- 
zuführen sind, dass aber seine einflussreiehe Stellung die Vermutung begründet, 
er sei die Seele der Reformbestrebungen im ganzen Reiche gewesen. Recht 
interessant erscheint uns die Veröffentlichung der Proklamation Karls aus 
dem -Jahre 787 (S. 10). Bei Angabe der vielfach zweifelhaften Daten aus 
dem Leben Alkuins haben die neuem Forschungen von Dümmler. Hauch, 
.Jaffö, Puckert, Sickel und Wattenbach ausgiebige Benutzung gefunden. 
Manches Interessante, was zur Beurteilung Alkuins und seiner Zeit dient, 
hat der Verfasser aus den Originalwerken selbst zusammengestellt, so dass 
wir die Arbeit als einen dankenswerten Beitrag zur Kenntnis des Meisters 
der fränkischen Schulen anerkennen können. 

Coblenz. Jardon. 



DrICK von HkRMAXX K AAT/.KIi IX AAfiinx. 



Aus Aachens Vorzeit. 



.hilirl. 8 Niiniiiicni %^Ä^ti^^^/ Ivnniiiiissions-Vcrliiii- 

. 1^. ,., . ,,. |ij^WBpi^yl Cremer'schen Buchhandlung 



Milteiliincjen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 

Im Auftrage des V^erciiis lieiausgogeben von H. Sclmock. 



Nr. 7/8. Fünfzehnter Jahrgang. 1902. 



Inlialt: Heim-icli Schnock, Zni- Gesnliichte der Entstehung des Ortes und der Abtei 
Burtseheid. — Kleinere Mitteilung: Maeeo. Ans Aachener Prozessen am eliemnligen 
Reiolisk imniergericht. — Bericlit über die MoiiHtsversammlungen und Sommcrausflüge. — 

Bericiit über das Vereinsjahr lfK32. 



Zur Geschichte der Entstehung des Ortes 
und der Abtei Burtseheid. 

Vdii Heinrich Schnock. 

Burtsclieid teilt mit der eheniali,2:en Scliwesterstadt Aachen 
das g-leichc Gescliiclc, dass ihre Namen erst verhältnisniässio- 
s])ät in der Geschichte auftauchen. Aachen wird im achten und 
l-)urtscheid im elften Jahrhundert zum erstenmal g-enannt. 
(-Jleichwohl steht es, was Aachen anbelangt, unumstüsslich fest, 
dass schon seit dem ausgehenden ersten Jahrhundert^ nach 
Christus das alte Kulturvolk der Römer sich hier an den warmen 
Quellen niedergelassen und eine bürgerliche Ansiedlung nebst 
Militärstation mit Kastell gegründet hat-. Beweise auf Pergament 
g-eschrieben lassen sich hierfür nicht anführen, wohl aber andere, 
die zweifelsohne einen gleichen Wert beanspruchen dürfen. 
Ich erinnere nur im Vorbeigehen an die verschiedenen, hier 
gefundenen römischen Inschriftensteine ^, Waffen, Münzen^ und 
sonstige Gebrauchsgeg-enstände '', sowie vor allem an die mäch- 
tigen Reste römischei- Thermen und der mit hoher technischer 

') Lersch, Die Ruinen tlcs Kiiinerbados, S. G. 

-) Zeitschrift, des Aachener Geschiclitsvereins \k\. VII, S. 173. 

^) „Aus Aachens Vorzeit" III, S. 195 und llö und ZAGV Md. VII, 8. 15v). 

*l ZAGV B.i. XI, S. 27S und 271). 

'■') ZA(iV Bd. XX, S. 17',t tf. 



— 98 — 

i 

Vollendung ausgefühlten Wasserleitung-. Ferner war hier der 
Kreuzungspunkt verschiedener Landwege^ und Heerstrassen ^ 
Nehmen wir '/a\ alledem die bedeutsamen Spuren i-ömischer 
Betriebsamkeit, die sich in Aachens näherer und weiterer 
Umgebung, wie in Cornelimünster ^, Friesenrath -*, Stolberg -^ 
Gressenich ^'. Jülich " u. s. w. heute noch vorfinden, dann ist 
wohl auch der Schluss zulässig, dass den Römern während 
ihres fast vierhundertjährigen Aufenthalts in unserer Gegend 
jenes Gelände nicht unbekannt bleiben konnte, auf dem sich 
nachmals die „Kaiserlich freie Abtei und Herrlichkeit Burtscheid" 
erhob. Die Berechtigung dieses sich von selbst ergebenden 
Schlusses erhärten aber noch direkte Beweise in Gestalt 
römischer Funde auf dem Burtscheider Grund und Boden. Der 
Umstand sodann, dass dieselben ausschliesslich in unmittelbarer 
Nähe der warmen Quellen aufgefunden worden sind, lässt der 
Vermutung Eaum, dass hier wie in Aachen die warmen Quellen 
es waren, die die Römer angezogen haben. Halten auch die 
Burtscheider Funde weder an Zahl noch an Bedeutung einen 
Vergleich mit den Aachenern aus, so sind sie doch immerhin 
zur Bestätio'ung unserer Annahme von nicht zu unterschätzendem 
Werte. Der unlängst in hohem Alter verstorbene, langjährige 
Badeinspektor und Kenner der heimatlichen Geschichte, Dr. 
B. M. Lersch'' zählt folgende Fundstücke auf'', die in einem 
unweit des sogenannten Kochbrunnens gelegenen Kellerraume 
versteckt waren : 1. eine harfenähnliciic Spange aus gelbem Kupfer 
2. ein Löffelchen, zu einer Salbenbüchse, gehörig aus demselben 
Metall, H. einen Metallstift und 4. eine Münze von Tiberius 
Claudius Cäsar. Ausserdem sind noch an verschiedenen anderen 
Stellen in Burtscheid römische Münzen gefunden worden, die 
sich heute im Privatbesitz des Herrn Bürgermeisters a. D. 

') Rhoeii, Aachen zur Zeit fler Römer S. !) ff. 
■■) ZAGV ]^cl. VIT, S. 173 ft'. l-.d. XI, ßl ff., Bd. XII, 148 ff. 
) ZAGV Bd. XVI, im. 
') /AG\' Bd. V, ;jll. 
") Z.AiiV Bd. I\', lT!i ff. 

') Beiträge zur Geschichte von Eschweiler und rniocirciid, 11, 7.") ff". 
^) ZAGV Bd. I, 53. 

**) Im lautenden .Tahrgang ditiser Zcitsctirift, S. 1 ff. 
*) liiiini'U des l\iiiiiiM'liadi-s 8. '>. 



.1 



c 



— 99 — 

Middeldoii' befinden'. Rhoen - will aiudi in Burtscheid Reste 
römischer Bäder g-efunden haben und zwar 1. in dem Hanse 
die „Escli" ffonannt, die dort laj^f, wo heute das mit Ni'. 4 
bezeichnete Haus auf doin Marktplatz steht, 2. in der «■riinfMi 
Burg'', die in der der Kiweiterung des Marktplatzes zum Opfer 
gefallenen Häuseireihe lag-, und 3. auf dem Terrain des heutigen 
Michaelsbados an der Dammstrasse. Wenngleich nicht anzu- 
nehmen ist, dass Rhoen. der wohl in der Lage war, römisches 
Mauerwerk von anderem zu unterscheiden, die römischen Bäder- 
reste frei erfunden hat, so ist es doch immerhin auffallend, dass 
der frühern Stadtverwaltung von diesen Funden nichts bekannt 
geworden ist. Doch sei dem, wie ihm wolle, ein nicht zu 
unterschätzender Beweis für die Behau])tung-, dass die in Rede 
stehende Ocgend bereits den Römern bekannt war. ist die im 
Sommer des .laliics 1S7() bei Ausschachtung der Fundamente 
für die den Kurgarten nach der Parkstrasse abschliessende 
Futtermauer in der Nähe der damaligen von Halferschen. 
der heutigen Rosenbergschen Tuchfabrik aufgefundene römische 
Wasserleitungsanlage. Es kann hier um so weniger unsere 
Aufgabe sein, den weitern Lauf dieser Leitung-, soweit dies 
auf Grunil früherer und späterer Entdeckungen möglich ist, 
festzustellen und zu beschreiben, als dies bereits wiederholt, 
zuletzt und am zuverlässigsten in dei- Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereins geschehen ist-'. Für unsern Zweck genügt 
es, festzustellen, dass heute allgemein die Ansicht dahin geht, 
dass die Leitung von Burtscheid aus zu der römischen Therme 
am Büchel in Aachen geführt worden und die Bestimmung 
hatte, das benötigte kalte Wasser jener Badeanlage zuzuführen-*. 
Für die Wechselbeziehung zwischen Leitung und Therme und 
für die gleiche Herkunft beider scheint auch der Umstand zu 
sprechen, dass bei beiden Anlagen mit dem Stempel der sechsten 

') Ohne besouderu Wert darauf /u legen, will ich noch erwähnen, 
dass das auf der Dammstrasse zwischen „der verkehrten Welt" und „dem 
Engel" gelegene Haus „im Römer" hiess. Es stand da, wo sich heute das 
Kaiserliche Postamt befindet. 

-) Etwas über Burtscheid. (Reriiht grossenteils auf mündlichen Mit- 
teilungen älterer Burtscheider). 

■■') Bd. XI, S. 272 ft'. 

■•) Li-rsch, die P.urtseheider Thermen bei Aachen. S. 3t>. 



— 100 — . 

Legion versehene Ziegel gefunden worden sind '. Für diejenigen, 
die den Burtscheider Knrgarten nocli mit den offen fliessenden 
Bäclien gekannt haben, beantwortet sicli die Frage, woher die 
Römer das Leitungswasser entnommen liaben, von selbst. AVenn. 
man aber den kalten Bach, der erst nach seiner Vereinigung 
mit dem warmen Bach, ungefähr beim Eingang zur Cüpperschen 
Fabrik in der Brabantstrasse, AVurm genannt wird, von seiner 
Quelle an verfolgt, wird man sehr bald erkennen, dass dieser 
unmöglich die römische Leitung hätte mit Wasser versehen 
können, wenn nicht zuvor sein natürliches Bett verlegt worden 
wäre. Der kalte Bach hat seine Quellen bekanntlich in der 
Nähe des Gutes Diepenbenden in der Aachener Heide. Nachdem 
er letztere verlassen und bei Steinebrück den sogenannten 
Kupferbach aufgenommen, tritt er in das Burtscheider Gebiet 
ein, durchfliesst die Rotbenden, um die Ellermühle iiernm, am 
Burtscheider Kapellchen vorbei und ergiesst sich dann nicht, 
wie es in der Natur der Sache läge, in das Burtscheider Thal 
und Quellengebiet des warmen Wassers hinab, sondern windet 
sich in einer ziemlich scharfen Krümmung nach links an einer 
kleinen Anhöhe vorbei, läuft durch das Eulengässchen, durch- 
schneidet die Altdorfstrasse, fliesst durch die Scheuergasse, die 
Adlei'bergstrasse, durch die steile Hauptstrasse ihrer Breite 
nach, die Kalte-Bachgasse und die Mühlenradstrasse hinab zur 
Dammstrasse und von dort parallel mit dem warmen Bach durch 
den Kurgarten und die Bachstrasse bis zu seiner Vereinigung mit 
demselben an der oben bezeichneten Stelle. Ist es nun richtig, 
dass die römische Wasserleitung kaltes Wasser von Burtscheid 
nach Aachen geführt hat, dann liegt auch die Vermutung nahe, 
dass die Römer bereits das ursprüngliche Bett des Baches ver- 
legt und ihm das neue, heute noch vorhandene Bett gegraben 
haben, um auf diesem Wege das unvermischte, durch grosse 
Weichheit sich auszeichnende Bacliwasser der Therme am Bücliel 
zuführen zu können. Nachdem dann einmal der kalte Bach 
diesen Lauf erhalten, hat man in späterer Zeit, wo die römische 
Wasserleitung ihrem Zwecke nicht mehr zu dienen brauchte, 
seine Wasserkraft einer Reihe von gewerblichen Betrieben nutzbar 
gemacht. In ähnlicher Weise nimmt man auch vielfach au, dass 
der durch das ehemalige Rosthor in das Stadtgebiet von Aachen 

^) ,lalirl)üclirr di's Vereins von Altertumsfrciiiuleu im iilieinlnndc, Ed. 

Lx, s. \-i ir. 



KU — 

eintretende Piuibacli, bcvür die I'LÜnief iluu dieses küii.sLliclie 
Bett gegraben, um sein Wasser tiir die an Stelle des Münstei's 
ehedem befindliche Quelle zu erhalten, in die Niederung- 
hinabfloss, die jetzt die Paunelle durchfliesst\ Und in der Tliat, 
wer die beiden Bachläufe vor 80 bis 40 Jalii-en gekannt 
hat, wird gewiss eine auffallende Ähnlichkeit in ihrer ganzen 
Herstellung-sweise nicht haben verkennen können. Aus dem 
bisher Gesagten dürfen wir wohl den Scliluss ziehen, dass 
die Römer die Burtscheider Gegend gekannt, sich dort nieder- 
gelassen nnil die warmen Quellen ausgenutzt haben. Sollte es 
nun nicht angängig sein, einen Schritt weiter zu gehen und 
wie für Aachen so auch für Bui'tscheid eine gewisse Kontinuität 
der Kultur in der Ait anzunehmen, dass seit der Anwesenheit 
der Römer hierselbst nie mehr eine Zeit eingetreten ist, wo 
jedes Kultui'leben völlig ausgestorben wäre^. Freilich will mit 
dieser Annahme, soweit sie Burtscheid betrifft, nicht recht zu- 
sammengehen die Anschauung derer, die den seligen Abt Gre- 
gorius wie für den Stifter der Abtei, so auch für den Begründer 
der ersten Ansiedelung in l^urtschcid ansehen und sich voi-her 
die Gegend nur mit dichtem Urwald bedeckt und als Tununel- 
platz wilder Schweine vorstellen. Zu den Vertretern dieser 
Auffassung gehört, um hier nur ein Beispiel anzuführen, Noppius, 
der schreibt: „Burtscheid heischet man allhie imgemein auf 
Latein Portzetum oder Porcetum, welches soviel gesagt als ein 
Ort, da es viel Schweine hat, gleicli es denn allhie vorzeiten, 
als die Gegend noch öd und wüst gewesen, gehabt zu haben, 
wohl vermuthlich ist -^ Und etwas nachher: „Seinen Anfang 
ziehet es (Burtscheid) von dem 11. Gregorio'' u. s. w. Diese 
Auffassung scheinen indess die Urkunden, die hier in Betracht 
kommen, nicht zu teilen. Freilich datieren diesell)en erst aus 
dem Anfang des 11. Jahrhunderts; sie sagen auch nicht 
direkt, dass Burtscheid schon vor Gregors Zeiten ein bewohnter 
und kultivierter Ort war. wohl aber lassen die darin vorkommenden 
Redewendungen diesbezügliche Schlüsse zu. Laut Urkumie vom 
Jahi-e lon;' schenkt Kaiser Heinrich IT. der Kirche im Orte 
Porcied zwei Höfe. Durch Urkunde vom .lahre 1018' bestätigt 

') IMck, Aus Aacbens Verjj^aiigcnbeit, S. 421. 

-') Hoos, (teschiclite der rheinischen Städtckultur I, S. lis. 

=') Noppius. AachiM- Chnmilv, Erstes Bucli, 3!i. ('a|iitcl. 

■*) Laconiblet, l'r]<nndeiiliucb, I, S. 92. 

*) Laconiblet, Urkundenbuch, J, S. 92. 



-- 102 — 

derselbe Kaiser den Gütertauscli zwischen der Abtei Burtschcid 
und der zu Seligenstadt. In demselben Jahre verlieh Heinrich 
den Benediktinerbrüdern im Kloster Burtsclieid ein nicht unbe- 
deutendes Territorium der Aachener Pfalz, nämlich den ganzen 
Distrikt von einem Kreuze (am Bodenhof?) bis zur ehemaligen 
Mauer Brül ', von dort (durch die jetzige Lotliringerstrasse) 
bis zur Wurm und einer zweiten Mauer, (welche also jenseits 
der Wurm lag) dann mitten durch die Wiesen des Müusterstifts 
bis zur Bewer (Grenze zwischen Burtscheid und Aachen), die 
Bewer hinauf bis Schönthal (Grenze zwischen Burtscheid und 
Forst), dann westlich quer über den alten Weg nach Walhorn 
bis zu einem Weinberg und weiter auf dem alten Weg nach 
Lüttich, an dem das königliclie Gut Godinges (Kuhscheid ?) lag 
und dann zurück zu dem erstgenannten Kreuze-. Ausdrucks- 
weise und Inhalt dieser Urkunden, die aus einer Zeit stammen, 
wo Gregorius kaum 17 bis 18 Jahre tot war, und die Kloster- 
kirche eben vollendet war ^, legen die Vermutung nahe, dass es 
sich hier durchaus nicht mehr um eine Gegend handelt, die noch 
wenige Jahre vorher öd und wüst war. Diese Vermutung wird zur 
Gewissheit erhoben durch eine Schenkungsurkunde Heinrichs III. 
vom Jahre 1040 '*, worin es heisst: Wir übertragen dem armen 
Kloster im Dorfe (vilhi) Namens Porcetum das ganze Gesinde 
beiderlei Geschlechts, welches in dem Dorfe Burtscheid wohnt 
und uns gehört mit der Massgabe in volles Eigentum, dass 
dieselben hinfüro alle Leistungen, die sie unserer Pfalz schuldeten, 
besagtem Kloster abtragen sollen. Darnach ist also Burtscheid 
ein königlicher Hof mit leibeigenen Bauern und Handwerkern 
gewesen. Dann unterstand derselbe, wie alle Nebenhöfe in der 
Umgegend der Pfalz Aachen, als dem Haupthof in gerichtlichen 
und administrativen Angelegenheiten und hatte nach dem Zeug- 
nis der Urkunde bestimmte Leistungen an die Pfalz zu machen-"'. 
Letztere waren geregelt durch das capitulare de villis ^, das 



^) Lacomblet, Urkundenbuch, I, S. 93. 

^) Vgl. Bock, Anhang zu Kreutzers Beschreibung der Pfarrkirche 
/um hl. Adalbert, S. 61 ff. 

^) Bosbach, Des selige Gregorius von Burtsclieid, S. 17. 

*) Lacomblet, Urkundenbuch, I, S. 1U8. 

*) Vgl. Gross, Zur Gesccichte des Aachener Reichs. Aus Aachens 
Vorzeit, V, 110. 

«) Pertz, Alonuni. Germ. leg. I p. 181 ff. 



lo:] — 

als [{eiclisg'etiet/ über dio Köiiigsliöfe aulzulasseii ist. Es lehrt, 
uns die Ory'iinisation iiinl den Znstand der Höfe in der karo- 
lingisclien Zeit kennen, weshalb wir hier mit einigen Worten 
auf dasselbe eingehen wollen. I)ei' Amtmann (actor, judex) der 
Pfalz hatte die Oberaufsicht über alle zu ihr gehörigen Neben- 
liüfe, die einzeln wiederum dem Meier (villicus) unterstanden. 
Den Meiern, die nicht mein- Land erhielten, als sie an einem 
Tage umgelu'ii und beaufsichtigen konnten (cap. 2()j. waren für 
die einzelnen Zweige der Landwirtschaft und der auf den Höfen 
betriebenen Gewerbe, wie Gold- Silber- Eisenschmiede, Schuster, 
Drechsle)", Zimmerlente, Brauer, Bäcker u. s. w. (cap. 4.").) 
Meister (mag'istri) untergeordnet, die ihrerseits wieder Knechte 
oder Gesellen (juniores) unter sich hatten (c. 10, ;K), 57, (51 ). 
Die Anstellungen dieser niedern B(!amten (c. HO), die Instand- 
setzung- der (Gebäude (cap. 41), dio Anordnung der Arbeiten 
(cap. 5,02) und die Bestrafung g-eringfügiger Vergehen (cap. 2. 4.) 
war Sache des Amtmanns, der seinerseits der Königin oder 
Kaiserin unterstand, die Vorsteherin des kaiserlichen Hoflialts 
war. Auch lag' ihm die Oberaufsicht nicht blos übei' die 
Frohndienste der königlichen Leute, sondern auch über die 
Ai'beiten ob, die dieselben für ihre eigene Rechnung ausführten; 
besonders auch sollte er dai'auf sehen, dass sich keiner auf 
Jahrmärkten herumtreibe, (c. 54). Wo es anging, musste der 
Amtmann Fischweier. Weinberge und, wenn nötig", Mühlen an- 
leg"en. (c. S. 21. 05). Die Weiber auf den könig-lichen Höfen 
wohnten in besondern, von (Iqu Männern g"etrennten Häusern 
(c. 411). Ihnen lag" vor allem die Anfertigung der Kleidung"sstücke 
ob. Das Material dazu, wie Flachs. Wolle, Farbstoffe sowie 
die nötigen Hülfsmittel lieferte ihnen der Amtmann ; die fertigen 
Zeuge und Kleidungsstücke wui'den in die königliche Kämmerei 
abgeliefert, (c. ;{l, 4."{). Die Nebenhöfe mussten ihre Erzeug- 
nisse überhaupt nach Abzug des eigenen Bedarfs an den Haupt- 
hof abliefern. Diese Leistungen an die Pfalz dauerten in 
Burtscheid, wie aus der oben angegebenen Urkunde vom 
Jahre 1040 hervorgeht, bis ins 1 1 . Jahrhundert. Die Bewohner 
und Bearbeiter der königlichen \'illa waren grösstenteils des 
Königs leibeigene Leute; sie bildeten das Hofgesinde, welches 
zwar durch die Arbeit auf dem ihm zugewiesenen Lande etwas 
Privatvermögen erwerben, sonst aber keinerlei Selbständigkeit 
erlangen konnte. Und weil das Hofgesinde nicht blos aus 



— 104 — 

Bauern, soucierii aucli aus Handwerkern aller Art bestand, so 
trug ein grösseres karolingisches Hofgut die Keime in sich, 
aus denen sich beim Eintritt günstigerer Verhältnisse leicht 
und rasch grössere Gemeinwesen entwickeln konnten. Die 
Ländereien, die zu dem Königshof in Burtscheid gehörten, 
waren bereits im Jahre 1018 durch Heinrich IL aus dem 
Verband mit der Pfalz gelöst und der Abtei übergeben worden. 
Burtscheid hatte seitdem zwei Herren, den Abt und die könig- 
lichen Beamten der Pfalz. Letztere konnten ihre Rechte, wenn 
auch nicht mehr über die Hofländereien, so doch über die auf 
denselben wohnenden Leute geltend machen. Um diesem miss- 
lichen Zustande ein Ende zu machen, beantragte Abt Benedikt 
auch die Überlassung der auf dem Hofgute Angesiedelten, und 
Heinrich IIL vervollständigte das Geschenk seines Vorfahren, 
indem er dieser Bitte willfahrte. Burtscheid war damals, 
wenn man das Wort villa nicht in der Bedeutung von Königsliof 
fassen will, schon zu einem Dorf herangewachsen. Der König 
übertrug die Bewohner desselben mit allen schuldigen Leistungen 
aus seiner Hörigkeit in die des Abtes und entband sie dadurcii 
von ihren bisherigen Verpflichtungen gegen die Pfalz. Demnach 
wurden die Burtscheider, die bis dahin Königsleute gewesen 
waren, Kirchenleute, und so werden sie denn auch in spätem 
Urkunden genannt. In einem Vertrage zwischen Äbtissin und 
Vogt vom Jahre 1226 heisst es z. B.: der Vogt soll nicht mehr 
als 3 Mark jährlich von den Kirchenleuten verlangen; die 
Äbtissin darf auf dem Gemeindelande kein Gebäude errichten, 
es sei denn mit Einwilligung des Vogtes und der Kirchenleute. 
Durch die Trennung von der Pfalz und die Stellung unter die 
Herrschaft des Abtes überflügelte Burtscheid sämtliche Neben- 
höfe, die bei der Pfalz verblieben, und konnte bald in mancher 
Beziehung mit Aachen selbst in Wettstreit treten. 

Die Entstehungsgeschichte des Ortes Burtscheid reiciit 
also in eine sehr frühe Zeit zurück. Bereits den Römern be- 
kannt und von ihnen bewohnt, war Burtscheid in karolingischer 
Zeit ein Königshof, der im 11. Jahrhundert in das Eigentum 
der Abtei überging. Umgekehrt wie mit der Entstehungszeit 
des Ortes, verhält es sich mit der der Abtei Burtscheid. 
Hat man jene zu spät angesetzt, so ist diese der historischen 
Wirklichkeit vorausgeeilt. Die Schuld an letzterem Irrtum trägt 
Quix, der Historiograph der Abtei Burtscheid, der bereits in 



— 10.-) — 

der ersten Hälfte des 7. Jalii'hunderts den lil. Clodiilf, der im 
Jahre 654 Bischof von Metz geworden sein soll und als solclier 
im Jahre 694 starb, auf den Höfen „Burtscheid" und in dem 
naehherigen Dorfe ,, Villen" zwei Basiliken, eine dem hl. Petrus, 
die andere dem hl. Martinus zu Ehren gründen und so dotieren 
lässt, dass an denselben im ganzen 24 Matrikulare unterhalten 
werden sollten. Der Sohn Clodulfs, Arnulf, sowie Pipin und 
dessen Gemahlin Plektrudis hatten diese Stiftungen reichlich 
beschenkt, und Otto 1. bestätigte alle Besitzungen derselben. 
Der Irrtum des Quix liegt darin, dass er das in der Bestäti- 
gung-surkunde Otto I. vorkommende Breotio auf Burtscheid 
deutet und seine Ansicht mit dem Hinweis auf die verschiedenen 
Schreibweisen des Wortes Porcetum zu stützen sucht. Bereits 
der Archivar Maye'r hat die Deutung des Wortes Breotio als 
Burtscheid in seinen Miszellen zurückgewiesen K Lacomblet hat 
dann im ersten Bande seines im Jahre 1840 erschienenen 
Urkundenbuches für die Geschichte des Niederrheins - nachge- 
wiesen, dass unter l^reotio nicht Burtsciieid, sondern iiütten 
(Russon) bei Tongern zu verstehen sei. Klapi)er, der im Jahre 
1864 einen kleinen Aufsatz zur Geschichte Burtscheids ^ 
schrieb, fühlte auch, obwohl ihm das Urkundenbuch von Lacomblet 
und dessen Erklärung von Breotio augenscheinlich unbekannt 
geblieben waren, dass die Quixsche Hypothese unhaltbar sei. 
Trotz aller, schreibt er, dem sei. Quix, dem gelehrten Summler 
und Forscher, gebührenden Hochachtung, und obgleich Herr 
Kaentzeler mit Scharfsinn das Wort Breotium mit Burteo 
(Borted) in Zusammenhang zu bringen gesucht hat, können 
wii- dennnoch nicht glauben, dass unter Breotium Burtscheid 
zu verstehen sei. Er meint weiter, ein Ort könne doch nicht 
innerhalb w^eniger Dezennien so seinen Namen geändert haben, 
dass gar keine Ähnlichkeit unter beiden Wörtern mehr zu 
erkennen sei. In weiterm Verfolg dieser als falsch erwiesenen 
Voraussetzung von der Entstehung einer Stiftung von 12 :\Ia- 
nikulai-en um die Mitte des 7. Jahrhunderts in Burtscheid 
nimmt dann Quix, was aber ebenso unrichtig ist, weiter an. 

') Mcyor, Miscellauea j)or(ut:iii() - aiiuiisgraucusia, 2 Foliobiiude, friihor 
in der stadtisclicn Bibliothek, jetzt im Stadtarcbiv. Vpl. ZAGV l'.d. 1\'. S. 148. 
^) Bd. I. 11. 100. 
^) l'roij;raiiiiii des K<rl. (i,\ iimasium.s zu Aachen im Herbste i.s(!4 

S. 4 und S. 7. 



— lue — 

dass unler Otto U. dnvdi dessen Schwager, den sei. Gregurius, 
diese Stiftung in eine Abtei verwandelt worden sei. AVie ist 
nun Quix zu der irrigen Annahme gekommen? Der tiefste 
Grund des Irrtums liegt in den unzuverlässigen und legendären 
Angaben einer gegen Ende des 12. Jahrhunderts verfassten 
Lebensbeschreibung des seligen Gregorius. Eine Abschrift dieser 
Vita Gregorii ist enthalten in dem 25. Bande der E'arragines 
des Gelenius. ^ die sich mit Ausnahme des 23. Bandes auf dem 
Kölner Stadtarchiv befinden. Aus dieser (Quelle entnahm 
bereits der im Jahre l.")16 im Schottenkloster St. Jakob zu 
Würzburg verstorbene Abt Trithemius- seine Mitteilungen über 
Gregor und Burtscheid; den Trithemius schrieb Mabillon-^ aus; 
letzteren benutzten mehrere Legendenschreiber des 18. Jahr- 
hunderts in ihren Angaben über Gregor. Auch was ä Beeck 
und Noppius über Gregor haben, entstammt dieser Lebens- 
beschreibung. Aus ihr auch in letzter Linie hat Quix die 
irrige Ansicht, dass die Abtei Burtscheid unter Otto IL 
errichtet worden sei. Bevor wir zur Widerlegung dieser An- 
sicht übergehen, dürfte es angezeigt erscheinen, einiges über 
die Vita nach ihrer formellen und materiellen Seite hier anzu- 
reihen. Die Vita Gregorii hat für uns noch ein besonderes 
Interesse, weil ein starkes Bruchstück des Originals sich seit 
vielen Jahren im Besitz unseres verstorbenen Mitgliedes Rhoen 
befand, aus dessen Nachlass dasselbe das Aachener Stadt- 
Archiv erworben hat. Wie Rhoen in den Besitz der Hand- 
schrift gekommen war, hat nicht mehr ermittelt werden können. 
Meine Vennutuiig geht dahin, dass sie aus dem Nachlass der 



') V<t1. liiorzu: Die Cüruuikcii der niederrlieiiiischfu Städte. Cüln, 
Bd. 1. Allguiii. Einleitung S. 85 ff. Die „Farrago diplomatuni et notationuni 
pro historia" des im .Jahre 1G56 verstorbenen Gelenius enthält auf Seite 
l;i5 bis 184 eine geschriebene Vita Gregorii, deren Herkunft die Kopfnote: 
„Ex bibliotbeka P. 1'. Kegularuni corporis Christi coIon." angiebt, und die 
mit der Vita posterior Gregorii, die die „Monuineiita" und die BoUandistcn 
aus einem Darmstädter Kodex abgedruckt haben, übereinstimmt. 

'•*) .Idhauucs Trirliemius, Eine Monopraphie v. Dr. Silbernagel. 

•') .... (luo tempore Gregorius Th(!ü|)haniae augustae t'rater, e Graecia 
in (jiermaniam accessisse et in Porticeto apud A(|uisgranum ordinis nostri 
exstruxisse a Trithemiu alüsque receutioribus dicitur ibidemquc vitae 
sanctitate ac miraculis coruscassc, Mabiilon: Anualcs Ordinis St. Benedicti. 
tom. tert. p. 2s(;. 



- 107 — 

beiden letzt e-ii Klu.stertVaiicii Iiernilirte, die nach Aufiiebiui^- dei 
Abtei noch iiianches Jahr „auf Jonabthoi-" wohnten und 1829 
beziehung-sweise 1830 starben. Eine genaue und zuverlässige 
Abschrift von dem Original liat seiner Zeit der ebenfalls ver- 
storbene Planer Gross genommen. Dei- Copie hat er eine 
eingehende Beschreibung des Orig-inals voi-ausg'eschickt, die ich 
hier wörtlich folgen lassen will: „Die Handschrift, die leider 
unvollständig ist und mit den Worten: Incipit vita Ijcati 
Gregorii porcetensis abbatis primi anfängt, bestellt aus 15 
Blättern scliönen weissen Perg-aments. Jede Seite enthält 28 
Zeilen. Die Anfangsbuchstaben sind abwechselnd blau und rot 
gemalt mit roten bezw. blauen Verzierungen, die aber im Ver- 
laufe der Schrift seltener werden und auf den 7 letzten Seiten 
gar nicht melir vorkommen. Die letzte Hälfte des Büchleins 
scheint von einer andei'n Hand geschrieben zu sein als die 
erste; die Buchstaben werden kleiner und kritzlichei'. Die 
Überschriften der einzelnen Abschnitte sind sämmtlich in roter 
Farbe geschrieben. Einen Anhaltspunkt für die Bestimmung 
der Zeit, in welcher die Handschrift angefertigt wurde, bietet 
die auf der ersten unbeschriebenen Seite, aber von weit späterer 
Hand unten angebrachte Notiz: Liber sororis hilsuiudis prime 
abbatisse porcetensis. Hilswindis I. lebte um 1225. eine Zeit- 
angabe, womit auch der Charakter der Buchstaben und Orna- 
mente stimmt. Der Umschlag des Büchleins ist aus drei 
alten, aus sehr verschiedenen Zeiten stammenden Pergament- 
stücken zusammen genäht. Das Äussere derselben zeigt auf 
dem ersten Stücke sehr schön und i-egelmässig geschriebene 
Zeilen, deren Enträtselung mir aber unmöglich war. Die In- 
schrift ist Palimpsest aus dem vorigen Jaiirhundert. 

Vita beatj Gregorij 
Primj Abbatis Monaste 
rij Porcetensis. 

Das mittlere Stück ist das jüngste; das dritte scheint mit 
dem ersten gleichzeitig zu sein und nach der regelmässigen 
Schrift und der Entfernung der Zeilen von einander zu urteilen, 
zu demselben Buche gehört zu haben. Die iimere Seite des ersten 
Stückes enthält ein Fragment einer Fikiärung des Segens 
.lakobs über seine Söhne und zwar dit^ Verse Genes, c. 49, 
2(i n. 27 und darunter fob-ende Verse: 



— 108 — 

Hoc g'enus eleetTiin . ineritis super astra receptnni. 

Qua virtus dci . locat impatria requiei. 

Duo . per . do . posita . cim . geiius vergit adiuui. 
i Aliqui per altum . alterique ima profundum. 

b Versibus liis penetras . lectum ne immemor sis, 

Postules quo valeam . par comparis celibi fi-atri (?) 

Hoc me amicus." 

Die innere Seite des zweiten Stückes enthält zwei Biaicli- 
stücke von Gebeten; die des dritten ist nicht zu lesen. 

Was nun den Inhalt der Lebensbeschreibung- anbelangt, so ist 
derselbe, besonders soweit er sich auf die Herkunft und Lebens- 
schicksale des seligen Gregorius bezieht, vielfach legendär und 
entstellt, in vielen anderen Beziehungen aber, wie nachher 
dargelegt werden soll, wichtig genug, um ihn hier in aller 
Kürze mitzuteilen. Gregorius war der Sohn des byzantinischen 
Königs (Hie .... Bizantini regis exstitit filius); seine 
Schwester war Theophania, die Gemahlin Ottos IL und Mutter 
Ottos III. (Nam illustris femina opere et fama domina 
Theophania . uxor sccundi Ottonis Roniani imperato(ris) niater 
vero tertii ejus soror fuit). Die Eltern Hessen ihn in den 
Wissenschaften unterrichten, da sie wollten, dass er eine be- 
deutenile Rolle in der Welt spielen sollte; die göttliche Vor- 
sehung aber hatte anderes beschlossen. Nach Beendigung 
seiner Studien wurde er mit seinem Stande entsprechenden 
Hofgewändern (toga palatina) bekleidet und mit einer Dame 
von gleichem Stande verlobt. Das geschah auf Veranlassung 
der Mutter, da der Vater bereits gestorben war, und zwar 
tliat sie das in der Absicht, ihn den Versuchungen und Aus- 
schweifungen des Hoflebens iu entziehen. Gregor aber hatte 
Höheres im Sinne; er verliess Mutter und Braut und iioh in 
die Wüste. Auf dem Wege dorthin erhielt er die Weisung, 
sich in ein Kloster zu begeben und sich der klösterlichen 
Zucht und dem Gehoi'sam zu unterwerfen. (Xani in hac fuga 
ammonicione angelica jussus est habitum monachium suscipere). 
(^regor ersuchte den heiligniässigen Abt Pachomius um Auf- 
nahme, die ihm gewährt wurde, nachdem der Abt die Brüder 
darüber befragt hatte. Hier machte Gregt)r solche Fortschritte 
in der Frömmigkeit, dass [er bald keinem andern der Mönche 
darin nachstand. Der Bischof David weihte ihn zum Priester. 



— lOt) 

Nacli dem 'l'odf des PaclKuiiius wählten die Brüder einstiniinig- 
Gregor zu ihrem Aht. 'I'rotz seines Widerstrebens musste er 
die Wahl annehmen \\\u\ sicdi von demselben Bischof David 
zum Abt weihen lassen. Auf dem Rückweg' zum Kloster zeig-te 
sich seine Heiligkeit diiich ein Wunder: er befreite nändieli 
eine Besessene. Als Abt verharrte er in l^'iiMiimiokeit und 
Demut uiul verdiente dai-nni iioeli durch mancherlei Wunder- 
werke ausgezeichnet zu werden, wie die tlberlieferung uns 
sagt (ut ad nos anti(|uitas perduxit). Die Sarazenen überfielen 
Griechenland und liausten so fürchterlich, dass eine Menge 
Menschen vor ihnen in die Wüste floh. Auch Gregor vei'liess 
aus Furcht vor ihnen sein Kloster, um sieh in die Einöde zu 
begeben; aber auf diesei- Flucht fiel er gerade in die Hände 
der Barbaren, die ihn zu ihrem Anführei-, Sandalis mit Namen 
brachten. (Sed in fuga a sarracenis captus ad ducem exercitus, 
cui Sandalis erat nomen. adducitur). Derselbe versuchte durch 
Drohungen und Versprechungen Gregor zum Abfall vom 
Christentum zu verleiten. Da aber alles nichts nutzte, Hess er 
ihn auf die schrecklichste Weise foltern. Endlich liess man 
ihn liegen, weil er für tot gehalten wurde. Gregor schleppte 
sich in sein Kloster zurück, sammelte seine Mönche wieder um 
sich und heilte einen Kranken. Da sich sein Ruhm immer 
weiter verbreitete, beschloss er abermals in die Wüste zu 
fliehen, damit er sich irdischer Ehre entziehe. Er wurde 
Eremit zu Bulzinum ; jedoch die Mönche erfidiren seinen 
Aufenthalt und nötigten ihn, die Regierung des Klosters wieder 
zu übernehmen. Es werden nun wieder zwei neue Wunder 
erzäiilt, die Gregor gewirkt, die Heilung eines Aussätzigen, 
eines Besessenen und die Vermehrung des Öles im Kloster. 
Es fehlte aber auch unter den Mönchen niclit an Neidern, die 
ihn in den Kerker werfen oder gar tödten wollten. Der an- 
haltenden Nachstellungen müde, beschloss Gregor, sein Vater- 
land zu verlassen und nach Italien zu gehen. Er kam nach 
Rom, wo Otto Tl. seine Gemahlin Theofania — die einige 
Theofanu nennen-, zurückgelassen hatte, während er selbst nach 
Gallien gegangen war. um der liarten Wut der Deutschen die 
Spitze zu bieten (atque duro theutonicorum furori resistensj. 
Bevor Gregor seine Schwester aufsuchte, besuchte er zuerst 
die hl. Stätten dei- Hauptstadt der Christenheit. In cinei' 
Kirche heilte er einen Fieberkranken. Das Gerücht von diesem 



110 — 

Wunder drang- auch bis zur Kaiserin, die nun ihrerseits den 
Mann Gottes zu sehen wünschte und in ihm ihren Bruder erkannte. 
Auf Wunscli der Schwester erbaute Gregor in Rom Kirche 
und Kloster zu Ehren des Weltlieilandes ; er selbst wurde auf 
Wunscli der Mönche der erste Abt. Während des Klosterbaues 
hatte er eine Zelle bewohnt und daselbst einen blinden Knaben 
geheilt, der ihn um ein Almosen bat. Nun brachten die 
Römer alle Knaben zu ihn. Mittlerweile kam der Kaiser nach 
Rom zurück, Greg'or eilte ihm entgegen ; Otto, der von ihm 
g-ehört hatte, empfing ihn ehrenvoll mit Handschlag und Kuss 
und liess ihn nicht mehr von sicii. Ein Edelmann aus, der 
Campagna sandte dem 'Heiligen zehn mit Gold und Silber 
beladene Maultiere und bat um sein Gebet. Gregor verteilte 
alles Geld unter die x4rmen. Dadurch gerührt, verliess auch 
der Edelmann die Welt und trat in Gregors Kloster ein. Bald 
kehrte der Kaiser mit Frau und Kind nach Gallien zurück 
und nahm Gregor mit, der auf der Reise einen Mönch heilte, 
der an einer Halsanschwellung litt und dem Tode nahe war. 
Als der Kaiser in Lothringen angekommen Avar, berief er 
einen Reichstag nach Aachen, „wo Karl der Grosse den Thron 
des Reiches hingesetzt". Weil er aber sah, dass Gregor des 
weltlichen Treibens überdrüssig war, forderte ci' denselben auf, 
sich ein Kloster zu bauen, und wies ihm zu diesem Zwecke 
Burtscheid an, weil es keinen geeignetem Ort gab, da Burt- 
sclieid weder zu weit vom Weltgetümmel (a populo) entfernt 
ist, noch zu sehr darin liegt, sondern der richtigen Mitte 
entspricht. Hier baute Gregor ein Bethaus (oraculum) zu 
Ehren der hl. Apollinaris und Nikolaus und sammelte Mönche 
um sich, denen der Kaiser eine ausreichende Dotation 
und die Reichsun m ittelbarkeit verlieh. Seine von den 
Reichsfürsten bestätigten Urkunden, die heute noch im Kloster 
vorhanden sind, beweisen das. Gregoi' wurde der Abt des 
neuen Klosters und starb als solcher. Unter der Teilnahme 
vieler Aachener Canoniker und Bürger wurde er in der Kirche, 
die er gebaut hatte, beerdigt, und viele Wunder verherrlichten 
sein Grab. Einer seiner Nachfolger, der Abt Wolfram litt an 
Steinschmerzen, gegen welche er Bäder bi-auchte. Als er 
eines Tages, und zwar am 4. November, dem Festtage des 
hl. Gregor, im Bade sass, und die Glocken zur Feier läuten 
hörte, rief er ihn um Hülfe an. Sofort löste sich der Stein 



— 111 — 

in Sand aul". Aus Dankbarkeit saninielto WoliVani alle Nacii- 
richton über Greg'or luul licss sie. wie einig'e sag'en. mit 
goldenen und silbernen Buclistabeii aufschreiben. Diese Schrift 
g-ing- in einem Brande zu (-i runde. Nach dem Tode Wolframs 
bemülite sich dessen Nachfolg-er Arnold noch eilViger um die 
Erhebung des Leichnams. Zu ("üln im Stifte der Jungfi'auen 
(Maria im Capitdl) befand sich ein alter Vorhang-, (den der 
Schreiber der vita gesehen liat) auf dem Theophania die 
Lebensgeschichte ihi'es Bruders luitte sticken lassen, und den 
sie diesem Kloster gesclienkt hatte. Arnold erhob den ] Leich- 
nam Gregors und setzte ihn in einem bleiernen Sarg-e bei und 
zwar in der Hauptkirche des iii. Jolmnnes des Täufers neben 
dem Hochaltare. Im Jahre 1220 kamen die Nonnen nach 
Burtscheid. Diese glaubten im Sarg-e eher einen Altar als 
ein Grab zu sehen. Die Äbtissin und manche Schwestern 
lebten noch zur Zeit der Abfassung- der Lebensbeschreibung-. 
Es kamen viele Wunder an diesem Grabe vor. 1261 wurde 
ein Blindei- geheilt. Zwei Nonnen erlangten Genesung, von 
welchem Wunder wird die Äbtissin und der ganze Oonvent 
Zeugnis geben. Die Heilung eines Aachener Kindes bezeugen 
wir alle, sowohl geistliche als weltliche Personen, die wir im 
Dorfe Burtscheid waren und das Wunder sahen. Schliesslich 
verzeichnet das Buch noch andere Wunder, Das ist in wenigen 
Worten der Inhalt der Zweitältesten J^ebensbeschreibung des 
seligen Gregorius. Sollen wir uns ein Urteil über diese vita 
beati Gregorii erlauben, so würde dasselbe dahin gehen, dass 
sie von nur geringem Werte für die Geschichte sein kann. 
Denn erstlich ist das Büchlein frühestens 180 bis 1!>0 Jahre 
nach dem Tode des seligen Gregorius entstanden, sodann 
beruft sich dasselbe auf keine anderen Quellen als auf die alte 
Überlieferung und auf einen Teppich, dem die Thaten Gregors 
eingestickt waren, und den Theophaiui der Abtei Maria im 
Capitol zu Cöln geschenkt hal)en soll. Das Büchlein macht 
mehr den Eindruck eines l^]rbauungsbuches als eines Ge- 
schichtswerkes. Die breite Darstellung des Ganges der 
geistigen Entwickelung und der Tugenden Gregors, die Häu- 
fung der Wundererzählungen und die Verteilung derselben 
nach jedem Abschnitte geschichtlichen Inhalts, die Menge der 
angeführten Schriftstellen, die Winke endlich, die hie und da 
für die Leitung einer klösterlichen Gemeinde gegeben -«'erden, 



— 112 — 

zeig-en deutlicli. dass der Verfasser den seligen r4reg'or als 
Vorbild eines Klnsterobern hat darstellen wollen. Darf man 
vielleicht aus dem Vermerk, den das Büchlein trägt, dass es 
das Eigentum der Helswendis. der ersten Äbtissin zu Burt- 
scheid gewesen sei. die Folgerung- ziehen, dass der Verfasser 
sich für sie der Mühe der Abfassung- unterzogen und zu dem 
Zwecke die örtlichen Üeberlieferung- über den Seligen ge- 
sammelt habe? Diese Vita ist in neuerer Zeit zweimal und 
zwar nach einem Darmstädter Codex, der mit unserm Original 
übereinstimmt, abgedruckt worden. Zuei'st hat sie Holder- 
Egger im 15. Bande der Monumenta Germaniae mit Weg- 
lassung verschiedener Wundergeschichten und sonst ihm belang- 
los erscheinender Einzelheiten herausgegeben ; dann haben die 
Bollandisten im ersten Teil des 2. Bandes der acta Sanctorum 
Novembris sie unverkürzt zum Abdruck gebracht. Holder- 
Egger ist es sodann gelungen, eine noch ältere Vita Gregorii 
zu entdecken, die noch zu Lebzeiten des Abtes oder kurz nach 
seinem Tode entstanden ist. Auch diese leider unvollständige 
Vita ist an den angegebenen Stellen in den Monumenta und 
bei den Bollandisten abgedruckt. Schon die Zeit ihrer Ent- 
stehung bürgt dafür, dass ihre Angaben über Gregor zuver- 
lässiger sind. Der in dieser Vita vorkonmiende Gregorius 
stammt aus der süditalienischen Provinz Calabrien. wo er in 
der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts von gottesfürchtigen 
Eltern, die Licastus und Anna hiessen, geboren wurde'. Dass 
aber unter der Person jenes Calabriers der erste Abt von 
Burtscheid versteckt gewesen, diese Entdeckung- wäre ohne die 
s])ätere Vita unmöglich gewesen, und darin liegt nicht zum 
geringsten Teil deren Wert-. Aber wie wir bereits angedeutet 
haben, ist sie auch in manchen anderen Beziehungen bemerkens- 
wert. Zunächst enthält sie die in alle späteren Berichte über 
Gregor übergegangene, unrichtige Angabe, dass Otto II. der 
Gründer der Abtei Burtscheid sei. Nicht Otto II., sondern 
erst Otto III. hat mit dem Bau des Klosters begonnen, wie 
aus der bereits erwähnten Schenkungsurkunde Heinrich Tl. 
unzweifelhaft hervorgeht. In derselben wird nämlich klip]) 



') über die in dieser Vit.a weiter mitt;'eteilteii Ijcbciisscliicksalo des 
seligen Gregorius vcrgl. Bosbach, „der selige Gregorius von Burtscheid". 
8. 7 u. ff. u. ZAGV Bd. XIX, S. 97 ff. 

'■') Acta Sanctorum Novembris toin. IL i)ars prior. S. 460. Sp, 2. 



— 113 — 

1111(1 klar von Otto III. gesagt: ,,()ui ipsuiii locuiii a t'uiulaniento 
ad (lei scrvitium ordinäre coepit", der den Ort, niimlicli 
die Abtei Biirl scheid, von Grund aus zum Gottesdienst einzu- 
richten angefangen. \Vonn der Kaiser die Absicht gehabt 
hätte. Jeden Gedanken an eine vor Otto III. vorhandene kii'cli- 
liche Kinrichtung ans/nschliessen, so h.ätte er seine Worte 
nicht klarer iiiul präciser wählen können, l^a ist keine Rede 
von bereits vorhandenen Matrikularen, deren Institut in eine 
Abtei verwandelt wurde; es wird vielmehr die durcli Otto III. 
vollzogene, absolut neue Gründung einer dem Herrn geweihten 
Stätte bezeugt. Der Kaiser bewog Gregorius. den er in Rom 
hatte kennen und schätzen gelernt, mit ihm nach Deutschland 
zu ziehen; dort betraute er ihn mit dem Bau des Klosters 
Bnrtscheid. ') Ist die Vita sell)st auch voller unrichtiger An- 
gaben, so bietet sie trotzdem hin und wieder eine Handhabe, 
anderwärts entstandene histoi'ischc Irrtümer zu berichtigen. 
Quix schreibt in seiner Geschichte der ehemaligen Reichs-Abtei 
Bnrtscheid-: Gregor liess zwei Kapellen bauen, eine zu Ehren 
des hl. Apollinaris und die andere zu Ehren des hl. Nikolaus. 
In die erste legte er die Reliquien des hl. Apollinaris, die er 
aus dem Orient erhalten hatte, in die andere setzte er das 
ebenfalls daher erhaltene Bild des hl. Nikolaus. Oftenbar hat 
sich Quix dadurch zur Annahme zw^eier Kapellen verleiten 
lassen, dass zwei Heilige als Patrone angegeben sind. Die 
Vita aber spricht nur von einer Kapelle, die sie einmal 
oraculum, das andere Mal Oratorium nennt. Audi Noppius 
weiss nur von einer Kapelle Gregors und erklärt wie Quix die 
Wahl dei' Patrone aus den Reliquien und dem Bilde. 

Aus der vita lässt sich ein weiterer Irrtum des Quix 
richtigstellen, der dai-in besteht, dass er behauptet: Die Über- 
tragung der Abtei Burtscheid von den Benediktinerinrmclien auf 
die Cisterziensernonnen vom Salvatorberg sei im Jahre 1222 vor 
sich gegangen. Er hat diese Jahreszahl angenommen, weil 
die ßestätigungsurkundc Fricdriciis II. •' aus diesem Jahre 
datiert ist, hat aber dabei nicht beachtet, dass damals die 
Versetzung schon geschehen war. wie denn auch der Kaiser 
von derselben als von einer .Thatsache spricht, die ei' genehmigt. 

') Bosl»iic!i 1. c. S. 14 u. If). 

= 1 S. 04. 

•') l.aiMiinh li't 1, S. h:i. 



— 114 — 

Die Versetzung- und Übertragung- hat also vor 1222 stattgefunden. 
x\ber wann ? Die Urkunde, welche den Verzicht der letzten 
Mönche enthält, ist ohne Datum. Aber die Vita ^ gibt genau 
das Jahr 1220 an und diese Angabe findet ihre Bestätigung in 
des Caesarius von Heisterbach „merkwürdige Geschichten". 
Nach einer Bemerkung- in lib. X cap. 40 ist das Buch iin 
Jahre 1222 geschrieben, damals hatten aber die Nonnen Jjereits 
die Abtei Burtscheid bezogen. Caesarius spricht nämlich über 
das berühmte, jetzt noch im Schatze der Abteikirche St. Johann 
befindliche Mosaikbild des hl. Nikolaus und sagt: Als die Mönche 
in jüngster Zeit (nuper) den Ort verliessen, haben Nonnen 
unseres Ordens mit dem Bilde denselben erhalten. Auch sagt 
er von einer andern Reliquie: Ich habe dieselbe im vergangenen 
Jahre (also 1221) bei den Nonnen in Burtscheid gesehen. 

Noch eine andere irrige Angabe des Quix berichtigt die vita. 
Quix nehnilich schreibt: Der Abt räumte mit seinen 4 Mitbrüdern 
das abteiliche Gebäude und bezog das bei der Nikolauskapelle ge- 
legene, wo sie von einer Pension lebten-. Dagegen spricht die 
vita von einer dispersio monachorum, Verteilung der JMönche in 
verschiedene Klöster. Dass auch hier die vita gegen Quix 
Recht hat, beweist eine Urkunde der Äbtissin Helswindis und 
ihres kirchlichen Vorgesetzten, des Abtes von Heisterbach vom 
Jahre 1280, welche ebenfalls aussagt, dass die j\Iönche in 
Klöstern ilires Ordens geziemenderweise versetzt worden seiend 
Was die Vita über die Dotation des Klosters zu Burtscheid 
und die Vei-leihung der Reichsunmittelbarkeit bemerkt, ist auch 
geschichtliche Thatsache, die aber in eine zu frühe Zeit verlegt 
ist. Denn wie wir bereits gesehen, hat nicht Otto IL, sondern 
Otto III. mit dem Bau des Klosters und seiner Dotation be- 
gonnen, Heinrich II. hat beides vollendet, und Conrad III. im 
Jahre 1188 die Reichsunmittelbarkeit verliehen. Dass man in 
spätem Zeiten alles auf Otto II. bezog, ist bedauerlich, aber 
erklärlich aus dem Bestreben, einem Orte ein höheres Alter 

') Genauer das Additamentuin zur Vita, dass etwas jünger als diese 
sein dürfte. Gelenius, der Ivcinen Unterschied zwischen beiden macht, fügt 
zu dieser Nachricht in seiner Alisrhrift die Ritndlionierkung liinzu: A. 1220 
scripta est haec historia. 

-) Quix 1. c. S. 83. 

') ä Becek, A(|iiisgranum übersetzt von Kaentzelcr Cap. 11 S. 272 
und l{eni('r, lli~l(irii|iii' de l'ahhaye du Yal-Diou. S. 113. 



— 115 — 

und damit zugleich eine grössere Würde zu g-eben. Bis zur 
Stunde ist in der Insclirift, die ül)er der uördliclien Eingan;is- 
tliür der ehemaligen Abtei und heutigen Pfarrkirche zum hl. 
Johann angebracht ist, die falsche Angabe zu lesen, dass 
Otto 11. deren Gründer sei. Unter Otto III. also kam Gregoriiis, 
der nicht königlicher, sondern rein bürgerlicher Herkunft war, 
gegen Ende des 10. Jahrhunderts nach Burtscheid, wo zunächst 
der Bau eines Klosters und einer Kapelle zu Ehren des hl. 
Nikolaus in Angriif genommen wurde. Diese gregorianische Ka- 
pelle besteht noch ; es ist die im Pfarrhause von St. Johann 
befindliche Nikolauskapell(\ Die Äbtissin von Frentz hat die- 
selbe, da sie einzustürzen drohte, in den zwanziger Jahren des 
17. Jahi-hunderts in der jetzigen Gestalt hergestellt. Die 
grössere Abteikirche, deren Vollendung Gregorius, der um 999 
starb, nicht mehr erlebte, wurde ei'st untei' Heinrich TT. in den 
Jahren 1017 oibu' 1018 fertig gestellt. 



Kleinere Mitteilung. 

Ans Aachener Prozessen am ehemaligen 
Reichskamniergericht. 

Die minmebr im kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar betiiuUiclien, in diT 
Zeitschrift des AarluMier Geschichtsvereins zusammengestellten Prozessakten 
des ehemaligen Reichskammergerichts hieteii neben dem Rechtsstreite selbst 
auch durch dir in den Akten enthaltenen (• r i g i n a 1 - l' rk u n d cn und 
l' rk n n d (■ n - A li s c h r i f t en ein ausserordentlich wertvolles Material für 
die Aachener (jeschichte. Finden sich doch unter ihnen zahlreiche Urkunden 
aus dem 15. und sogar aus dem 14. Jahrhundert. Sie sind niclit allein eine 
unschätzbare Fundgrube für die Genealogie, sondern auch für die Kultur-, 
Verfassung?- und Rechtsgeschichte. Vou besonderm Werte sind immer die 
Zeugenvernehmungen, als deren älteste mir eine aus dem Jahre 1513 
bekannt wurde'. Sie spielen vornehmlich bei Aachener Kcchtsfragen eine 
Rolle. Es mutet uns al)cr heute komisch an. wenn wir den umständlichen 
Apparat sehen, der in Kri)schaftsprozessen zur Entscheidung genealogischer 
Streitpunkte durch \'c r n elim ung der ältesten Bürger aufgeboten 
werden niusste. Dass sich unter den Zeugen vereinzelt in den neunziger 
Jahren stehende Greise, ja zweimal sogar Hundertjährige liefandcn, und dass 
diese mit erstaunlicher Geistesfrische die oft recht verwickelten Krairen 



Kijl. Slmitsarchiv zu Wctzlai-. M Tm4'2-J17. \oI. 1;|, t,,l. ÖS v. 



— 116 — 

beantworteten, mag hier beiläufig; erwähnt werden ^ Die urkundlichen 
Beilagen sind eine wertvolle Ergänzung der im hiesigen Stadtarchiv und 
im kgl. Staatsarchiv zu Düsseldorf aufbewahrten Aacliener Archivalien, und 
wenn einmal ein Aachener U^rkundenbuch verfasst werden soll, dann möge 
man sich ihrer besonders erinnern; ich scliätze dieselben auf beiläutig 
5000 Urkunden und Kopien. Aber nicht nur die vollständigen Urkunden 
verdienen die Beachtung aller sich mit der Aachener Geschichte beschäftigeiulen 
Forscher, sondern aucli die manchmal viele Seiten umfassenden Auszüge 
aus städtischen Rentkammerbüchern, ferner aus dem nur dem Namen nach 
bekannten Kempen buch ^ und den noch völlig unbekannten Beulart--'' 
und S to m me Ibüch er n'* u. a. m. Interessant sind auch die hier und da 
vorkommenden Kopien von Eheberedungen und Testamenten, welche .bis ins 
1"). Jahrhundert zurückreichen. Es sei noch hingewiesen auf einen über 
20 Eolioseitcn umfassenden Auszug aus den städtischen Ein- und Ausgabe- 
büchern der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, deren Originale uns nicht 
mehr erhalten sind. Dort heisst es u. a. zum Jalire 1473'': 

„Item Arnoldus der stat schryft'er gaf des keisers heyralich kamer- 
knecht, uml) l)_v den keiser zu komen, mit synre genaden zu sprechen, als 
he befel had, 1 bescheiden gülden*." 

Dann zum Jahre 1484': 

„Item sandt meister Lambrecht van der Heggen sjne handschrift van 
der reysen, als hey zo Bomen geschickt was van der sachen wegen van 
sent Ailbrecht*." 

Weiter zum Jahre 14S6»: 

(2. Monat"'.) 



') Anderseits flnilen sich auch Beispiele, dass die Zeugen nicht einmal nngefitlir 
ihr Alter angehen I-iöniien und sicli einen Spielraum von 10 Jahren vorbehalten. Auch 
renitente Zeugen kommen vor, die einfach ihre Aussage verweigern und „mit der Sache 
nichts zu thueu haben wollen". 

- Vgl. Loersch, in den Xiederrh. Aunalen, Bd. X.VXII, S. lüH folg. Kaentzler 
in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. IIT, S. 12(3. L>as Buch ist vielleicht 
benannt nach Peter Kenip 'f vor 1590^. dessen Sohn Niklas Kemp (geb. zu Aachen 
1190), 1.52:3 und 1ö;OT als Redner und Anwalt am (lericht vorkommt. Ich werde auf das 
Buch noch in einem besonderu Aufsatz eingehen. 

•■"i Näiieres über das Beulartiuch ist niclit bekannt. Da auch kein Anhaltspunkt 
für die Zeit seiner Abfassiing uns überliel\'rt ist, so lässt sich darüber nichts weiter 
sagen, als dass es von einem Mitgliede der Schöffenfamilie Beulart seinen Namen hat. 

*j Benannt nach Johann Stomnud. der löOf) als Mitglied lies Rat.s aufgeführt 
wird und \()n l-ölT — '2>i als Sehötfe voikommt. 

" Als Bürgermeister dieses .Jahres werden Peter von Segroide und Hermann von 
Iiriniborn genaimt. Beide wareii Schöffen, ein Beweis also, tlass man zn jener Zeit 
noch niciit zwischen Bürger- und Schötfen-Bürgermeister unterschied. 

". Kgl. .Staatsarfbiv zu Wetzlar. L 79:^;2.574, vol. II. fol. 41. 

■) Dgl. fol. 42 V. 

") Ks handelt sich um die heftigen Streitigkeiten zwischen diu Kanoniker . von 
St. Adalhert und dem Rat, infolge deren erstere ums Jaiir 148") niich Köln flohen. Die 
Aussöhnung mit der Stadt fand erst im Jahre 14h") statt. 

») Fol. 4:1 und 4:i v. 

'") Das RerhMuiig.«.iahr begann mit dem 21. Mai il'rbani , an dem die neuen 
Blirgcrmei.ster und soii.>>tigen IJe.-imteu der Stadt gewählt wurdi-n. 



— I 1 7 — 

„FtiMii ^•i'!,n'\rii lies kcvsrrs iiii(lcrstcii inarschulk, ;ils der kcvx'i' /o 
Aclic i|ii;iiii ii|» si'iil l'clcr iiül !'au\\i'ls(l;ii<j: ■) licscliridcii ^Milden, ilm ^uMi'ii 
zu 8 III il li." 

(I?. .Moii.'il.) 

^Itciii ;ils uns licrc ilcr kciscr Z(i Acln' lach iiiid lKid(d in ('(uandlis 
Iiiüs ii|) den iiTiivc ', so srlicnkct .\i'ni die stat 100 Itosciicidcn r. i;iildcn, iiji 
dal hie dif stat liehaldcn wiildc \>\ yvm Privilegien, antreffende die nicnnr 
ind rvcli -', dii' wiitlic dat l»eir wouldcn drincken anders niet, daii viir ;5 
haller ind dir >tat privileirii'M liait. dal dir nirnnc ind rycli sullcn inil Ivdrii 
lia\i'n, ^idvidi dm linrucnai in stat. D(\se vurIJr. giilduii stomlrn der 
kainern zd." 

Die liirr crwäliiitc Anwcsrnlicit des Kaisers Friedrich III. ist lud 
unseren Chronisten nirii'endwii \ crzcichiud. Nach Cliniel war der Kaiser am 
If). Mai in Aachen, vom 10. .Mai liis zum 22. .luiii in Köln, am 12. Juli in 
-Vaciien iiinl am 22. desselben Monats in lirüssel^. (Ulinels AngalaMi erfahren 
deiiinach durch ohiee rrkunde eine Xeividlständigung. 

Mögen diese Hinweise dazu heitraeeii, den Wert iler .\acliener l'rozess- 
akteii im kgl. Staat-sarchiv zu Wetzlar t'ui' die .\achener (les(diiclite in 
Erinnerung zu bringen. 

Aaclu'ii. Mdcco. 



Berichtigung. 



hl den „Kleineren Mitteilungen" auf Seite 91 und 92 dieses .lahrganges 
sind i'inige Druckfehler stehen geblieben. Wenngleich dieselben als solclie 
auf den ersten Blick erkennbar sind, dürfte doch eine Richtigstellung nicht 
überriüssig sein. 

Auf Seite 91 inusis in dem abgedruckten Aktenstück in Zeile 3 hinter 
„ville'* der l'iinkt wegfallen und vor (h'iii Worte ,,Monsieur" ein ä ein- 
geschoben werden. In Zeilr in iniiss es statt „par" „pa^", in Zeili' 22 
umgekehrt stall „pas" „par" und in Zeile 21 statt „iiileii roinpu" „interronipu" 
licisseii. Die Schlusszeile in dem .Vrtikej muss um ){ Zeilen \'orgeri'ickt 
werden. 

Jn der „Kleineren .Mitteilung" von .M. Schollen muss die letzte Zeile 
auf Seite 1)2 gestrichen und auf Seite 93 in der dritten Zeile hinter „er- 
wählten" eingescliolieii werden, so dass der Satz folgenden Wortlaul hat: 
„wobey lierr pastor viui sancl l'eter als deputirter vom herrn prottion den 
neu erwählten herr zwischen herrn kirclimeisieren, zwöllYter und fainile 
lirocessionaliler zur pfalirkirtdi geführet . . . ." 

',i Der liier gobrauelitc .\usdruek .sjuiclit ilalVu', dass ilas Badt-liaus niolit naeli 
(leiij licil. Covneliii.'i. .soiidciai nacli seinem Besitzer Cornelius von Kimpt lienannt worden 
ist. Vf^l Anni. 35. S. l!i in meinem Aufsatz „Gonealogic der .Aaclirncr Familio üiirlz- 
wfilei" in diosei' Zeitscliiilt, X\'. Jalirj:;-. 

') Die MäniH'r im Ruieli Aaclicn. 

') .Ins. (liniil. Hc^i'stn l''ridiMlci III U'nni.oionim imperiitoris, \\ iiMi ls")!t, 
S. T2(i -'27. 



— 118 — 

Im Anschluss hieran mö^e die Bemerkung' gestattet sein, dass für die 
genaue Wiedergabe urkundlicher Veröffentlichungen den Autoren selbst, 
denen mit der Korrektur ihr Manuskript zugeht, die Verantwortung über- 
lassen werden muss. p i ^ E e d a k t i o n. 



Bericht 
über die Monatsversammlungen und Sommerausflüge. 

Im Laufe des Winters 1901/02 fanden zwei Mouatsversamralungen 
statt. In der ersten Versammlung am 3. Januar wurden drei Vorträge 
gehalten. Zunächst besprach Herr Vorschullehrer P seh madt einen Teil der 
iin „Buche Weinsberg" vorkommenden Erwähnungen Aachener Gegenstände, 
Verhältnisse und Personen. Der Vortrag ist im vorliegenden Jahrgang ab- 
gedruckt, weshalb wir von einem besondern Referat absehen können. Den 
zweiten Vortrag hatte Herr Dr. Brüning übernommen. Er behandelt 
das Aachener Jagdwesen. Eingangs bezeichnete der Redner die unsere 
Stadt umgebenden Wälder als eine der Ursachen der Vorliebe Karls 
des Grossen für Aachen und schilderte dann in Anlehnung au Einhard, 
Augilbert, Philipp Mouskes und das Capitulare de vilis das Jagdwesen 
des karolingischen Zeitalters. Im späteren Mittelalter übte die Reichsstadt 
das Jagdregal aus. Ein ansprechendes Denkmal dieses reichsstädtischen 
Hoheitsrechtes bildet ein Jagdedikt des Aachener Rates aus dem Jahre 
1739. Es untersagt den Jagdfrevel auch den vornehmen Badegästen und 
weist die Forstbeamten au, den Übertretern des obrigkeitlichen Erlasses die 
Gewehre wegzunehmen und die Hunde zu erschiesseu. Während des Früh 
lings und Sommers war -Schonzeit des Wildes. Dann mussten alle Hunde 
in der Waldgegend angebunden sein oder doch einen schweren Knüppel am 
Halse tragen, um ihnen das Wildern zu erschweren. Selbst Schäferhunde 
waren in der Schonzeit an der Leine zu führen. Die Üebertretung dieses 
Jagdediktes wurde mit 25 Goldgulden oder mit einer Freiheitsstrafe von 
sechs Wochen bei Wasser und Brod gebüsst. Der Aachener Wald war 
damals noch reich an Rotwild. Zur Zeit des siebenjährigen Krieges soll 
die Jagdbeute das zeitweise fehlende Schlachtfleisch haben ersetzen müssen. 
Im Jahre 1539 veranstaltete die Stadt eine grosse Wolfsjagd. Die Rcichs- 
bauern und alle Jagdliebhaber aus der Stadt wurden aufgeboten, und die 
zur Teilnahme an dem Unternehmen nicht geneigten Jäger mit Entziehung 
des Jagdrechtes bedroht. — Den dritten Vortrag hielt Herr Dr. Savels- 
berg. Er besprach die verschiedenen bildlichen Darstellungen des Bürger- 
meisters Chorus. Die merkwürdigste Abbildung dieses Mannes findet sich 
in einer Pergaraenturkunde des Düsseldorfer Staatsarchivs. Das Dokument 
entstammt der Lebenszeit des genannten reichsstädtischen Bürgermeisters 
und ist vom Papst Benedikt XII. (1339 — 1342) zu Avignon für die Abtei 
Burtscheid ausgestellt. Es verleiht allen, die für den (damals noch lebenden) 



— 119 — 

Gerhard Cliurus, dcssfii naiistraii Katliariiia iiml deren Kinder licteii, Ali- 
lass. Das Aktensliud< <;-i!hört /.u den nicdit hiiuliuen illustrierten Urkunden 
und zeigt die gemalten Bildiiisst^ ile;^ Cliorus und seiner Frau mit den ent- 
sprechenden Unterschriften. Da die P.ildnisse zu Lebzeiten der J)argestcUten 
angefertigt worden sind, so kann man annehmen, dass der Künstler die 
Portriitähnliclikeit wenigstens angestrebt hat. Herr Dr. Saveisberg legte 
den anwesendeu Herren dann noeh eine Anzahl Abbildungen von Örtlich- 
keiten aus Aachen, Burtscheid uiul t'ornelimünster aus seiner bekannten 
prächtigen Sammlung vor. 

In der Sitzung, ilie am \'.i. März stattfand, nahm an erster Stelle der 
Vorsitzende des Vereins, Herr olierlelirer Dr. Saveisberg das Wort zu 
einem Vortrage, der sich miL „den Aaidiener Badeärzten" befasste. Als 
ersten nannte er den verdienten Franz lUnndel. Dieser 1G13 in Lüttich 
geboren, machte seine Studien zu Douay und Kiiln, wurde Arzt in JLalmedy 
und Leibarzt des Kurfiirsten Fiiili])p (,'hristoph von Trier. Kr kam 1B52 
nach Aachen und erlebte hier 1050 den grossen Stadtbrand. In (b'r nun 
folgenden Zeit erwarli Bbjndel sidi grosse Verdienste um das Wiederauf- 
l)lühen Aachcms, indem er durcli seine in lateinischer, deutscher, französischer 
und holländischer Sprache erscheinenden Scliriften den Ruf tler .\achener 
Bäder in einem grossen Teile Europas verbreitete. 1080 bewarb er sich in 
einem Schreiben, das unser Stadtarchiv verwahrt, um die Stelle eines 
städtischen Badeinspektors. Als soh-her führte er auch die üffeutüche 
Trinkkur für Kranke in Aaclien ein. Blondel starb im .lahre 1703 im 
Alter von 90 .lahren und fand sein (irali in der Dominikanerkirche (Pfarr- 
kirche St. Faul). Von seinen fünf Söhnen ist namentlich Wilhelm Blondel 
bemerkenswert. Kr war ebenfalls Arzt wie auch sein Bruder Engelbert. 
Beide setzten ihrem Vater ein Denkmal, indem sie der dritten Auflage 
seiner Schrift übe-r die Aachener Bäder eine in lateinischen Versen abgefasste 
Lebensbeschreibung desselben beifügten. Wilhelm Blondel war ein streit- 
barer Herr, der sich seiner Haut zu wehren wusste. Das bewies er am 
18. Oktober UiS.i, als bei ihm gepfändet werden sollte. Da trat er den 
Beamten mit einem Faekliolze entgegen, und als diese ihn daiui mit ihren 
Degen in die Enge trielieii, l)edrohte er sie mit zwei Pistolen und trieb die 
„voleurs" zu seinem in der Marschierstrassc gelegenen Hause hinaus. — 
Aus dem 18. Jahrhundert wurden dann noch die Badeärzte Lesoinne Vater 
und Sohn, sowie Dr. .loh. Arn. Veling genannt. — Auf den letzteren 
folgte als Badeinspektor Dr. (Jerh. Tveumont. Er entstammte einer nach 
Aachen gezogenen belgischen Familie und wurde hier 1765 als Sohn von 
Lambert Reumont geboren. Renmont studierte an der alten Universität zu 
Bonn, wurde IT'.ll llulfsarzt im llotel-Dieu zu Paris und zog dann nach 
Schottland. IT'.tü lies er sieh in seiner \'iiterstadt als Arzt nieder. .Vuf 
einer zweiten Heise na.(di Schottland wurde er überzeugter Anhänger 
Jenners, des Ertinders der Kuhpockenimi)fung. Er brachte .lenners Ideen 
zuerst nach dem Kestlande und hielt bei seiner Rückkehr aus Schottland 



— 120 — 

zu Paris vor Najioleon I. einen Vortrag: über die Impfung. Die erste 
Operation dieser Art in den Rheinliinden voUzof;: Eeumont am 17. April 
1801 an seinem Vetter Kichard Reumont. Als im Jahre 1804 die Kaiserin 
Josephiue die Aachener Bäder besuchte, war Reumont ihr Ratgeber und 
behandelnder Arzt. Napoleon ernannte ihn zum Radeinspektor, und Friedrich 
Wilhelm IIL bestätigte iliu in diesem Amte. Gerhart Reumont starb im 
Jahre 1828. Er ist der Vater des Historikers Alfred von Reumont und des 
geheimen Sanitätsrates Dr. Alexander Reumont. Sein Nachfolger als Bade- 
iuspektor wurde der Stadtphysikus Dr. Uöpfner, dem die Erhaltung der 
Bäder als städtisches Eigentum zuzuschreiben ist. Im Jahre 1819 stand 
nämlich die Stadt im Begriffe, die Bäder an Unternehmer zu verkaufen. 
Der Vortragende erwähnte dann noch die Ärzte Dr. Zitterland, Geheimrat 
Schervier und Dr. B. M. Lersch. Namentlich gab er eine eingehende Würdigung 
des letzgenannten, über den sich erst vor wenigen Wochen das Grab ge- 
schlossen hatte, und dessen Andenken in uns allen noch lebendig ist. — ■ Die 
Teilnahme an dem Vorti'age wurde durch die vorgezeigten Bildnisse von 
Blondel, Dr. Schervier und Dr. Lersch noch gehoben. Sie gab sich auch in 
der lebhaften Besprechung kund, die den Ausführungen des Redners folgte, 
und an der sich die Herren Dr. Schuhmacher, Gymnasialdirektor Dr. 
Scheins, Sanitätsrat Dr. Beissel, Dr. Brüning, Dr. Savelsberg, Dr. Polis und 
Prof. Frentzen beteiligten. 

Es folgte dann eine Mitteilung des Herrn Staatsanwaltschaftsober- 
sekretärs Schollen über eine Schrift aus dem Jahre 1540: „Dises puchlcin 
saget uns von allen paden, die von natur heiss sein." Es ist darin auch 
in Vcrscu der Stadt „Exo" nicht weit von „Camerich" gedacht, deren 
warme Wasser wegen ihrer Heilkraft gepriesen werden. Herr Schollen be- 
zweifelte, dass unter „Exo" unser Aachen, Aix, zu verstehen sei, da dieses 
doch von „Kamerach", „Oamerieh" (Oambray) zu weit abliege. Vielleicht 
habe man an Aix en Savoie zu denken, das nur vier Stunden von Ohambery 
entfernt sei. Sollten sieh die Worte des Buches aber doch auf unsere Stadt 
beziehen, so wäre das die älteste bis jetzt bekannte gedruckte Erwähnung 
Aachens als Badeort. 

Den letzten Vortrag liielt Herr Archivar Dr. Brüning. Anknüpfend 
an den Besuch der beiden hiesigen historischeu Vereine auf Haus Linde bei 
Laureusberg, der schönen Besitzung des Herrn Adolf Bischoff, gab er eine 
Übersieht über die grosse Zahl der unsere Stadt umgebenden Bürgten und 
Landsitze. Im Hinblick auf deren Stattlichkeit sprach er die Meinung aus, 
es hätten die vornehmeu Aachener der verflossenen .lahrhunderte ihre Land- 
häuser vor ihren Stadtwohnungen durch Reichtum der Anlage und Aus- 
stattung bevorzugt. Dr. Brüning gab dann eine Darstellung der Lage und 
Einrichtung von Haus Linde und dem dabei befindlichen Wachtturm „zum 
Hirtz". Die ErAvähnung der einstigen Besitzer des Gutes, der Familien 
Bettendorf und von Fisenue, veranlasste den Redner auf diese näher ein- 
zugehen. — Herr Dr. lirüning schloss seinen Vortrag mit zwei Anregungen. 



— 121 — 

Ziliiiiclist wies er Hill' die linlriil iiii^- hin, uclclic die i!cschrriliiiii<: iiilMTiT 
idtcn Laiidt^Miter fiir die Kiiltiiri^eschicJite hat und fordern' demgeniäss zu 
systematischer Darstclluii<; diT .\iil;i<,'r uiul Ausstattung dieser Häuser auf. 
Dann wandte er sich an die anwesenden Vertreter des Lelirerstandes mit 
der Bitte, beim Geschichtsunterrichte sich nieht auf die Darlegungen der 
srrossen weltsresciiichtiichen Ereignisse zu beschränken, sondern auch den 
Sinn unserer Aachener Jugend für die Geschichte der Vaterstailt und dii: 
Denkmäler unserer Vergangenheit aufzuschliessen. Audi an diesen \'orlrag 
schloss sich eiu(! lebhafte Besprechung, an der besonders die Herren Dr. 
Beiss, Schollen und Professor Frentzen teilnalnnen. 

Wie schon seit mehreren Jahren wurden auch im IJerichtsjahre wiederum 
die Sommerausflüge gemeinschaftlich mit dem Aachener Geschiclitsverein 
unternommen. Der Zielpunkt des ersten Ausfluges, der am 14. Mai stattfand, 
war die alte Cisterzienserabtei Val-Dieu bei Aubel. 

Ungeachtet der winterlichen Gelüste, die der diesjährige „WoiineniDnat" 
wie schon bei seinem Üeginne, so docli ganz besonders am .\usflug8tage 
zeigte, hatten sich die Teilnehmer in der stattlichen Anzahl von einigen 
Damen und mehr als 70 Herren am Templerbend-Bahnhof eingefunden. .\uf 
der Fahrt von Aachen nach Bleyberg lächelte die schönste Frühlingssonnc; 
vom Himmel herab, die sich aber leider nur zu bald hinter pechschwarzen 
(iewitterwolken verbarg, so dass bereits bei der Ankunft in Aubel eine 
Begrüssungsouvertüre in Gestalt eines schauerlichen Hagelwetters begann, 
die wenig Beifall fand. Doch in dem stolzen Bewusstscin, dass dem Mu- 
rigen sogar die Welt gehört, zog die Gesellschaft zunächst eine Strecke auf 
der etwas klebrigen Laudstrasse ruhig fürbass, um dann einen Wiesenpfad 
einzuschlagen, der fast überreich an Viehsperreu war, die eine solch hc- 
ängstigende Enge aufwiesen, dass gar manche korpulente Herren von vorn- 
herein kai)itulieren wollten, und selbst den eingefleischtesten Vegetarianern 
und absolutesten Temperenzlern, wenn sie überhaupt vorhanden gewesen 
wären, der Durchgang nicht leicht geworden wäre. Als das Kloster in 
Sicht kam, klärte sich der Himmel allmählich wieder auf, uiul beim Eintritt 
in den Klosterhol' brach die Frühlingssonne vollends durch. Da die Patres 
noch beim Chorgebet waren, versammelten sich die Geschichtsfreunde in 
einem geräumigen Saale des Klosters, um zunächst den Vortrag des Be- 
richterstatters, über die (ieschichte der .\btei anzuhören. Wir entnehmen 
demselben folgende Einzelheiten: Val-Dieu, diese über 700 Jahre alte Kul- 
turstätte, gehörte ehedem zum Herzogtum Limbourg; heute gehört sie zum 
Arrondissement Verviers in der Provinz Lütticli. Das Kloster liegt in einem 
anmutigen, von sanft aufsteigenden Hügeln umgebenen und von dem kleinen 
Flüsschen Perwinne durchschlängelten Thale. Es war im Jahre 1182, als 
hier UnbMisleiite, Sidine des hl. P)enedikt, festen P'nss fassten. Herzog 
Heinrich III. von Limboui«; hatte ihnen den Gnind und Hoden zum 
Aufbau eines Klosters geschenkt. Hocht bei Alastricht, wo die Mönche bis 
dabin im Klester der hl. .\jiatha gelelit hatten. k<Minte auch mich so bc- 



— 122 — 

sclieideiiL'H Ansprüchen nicht «genügen, das Klima war rauli iiml der Both;n 
so wenig' ergiebig', dass er selbi-t dem eisernen Fleisse der Ordensleute 
trotzte. Hoeht war im Jahre 1155 von der Abtei Ebersbach bei Mainz und 
f^bersbach vom hl. Bernhard von Olairveaux gegründet worden. In das 
verwaiste Kloster zu Hocht zogen einige Benediktincriuneu von 8t. Salvator 
in Aachen ein. Aber auch diese Frauen hatten unter der Ungunst der 
Verhältnisse gar sehr zu leiden. Ein mitleidiger Graf erbaute ihnen deshalb 
ein neues Heim in der IS'ähe des Städtchens Huy, das sie Val notre danie 
nannten. Als wenn die einmal geweihte Stätte nicht hätte veröden dürfen, 
nahmen abermals Tochter des hl. Benedikt von dem unwirtlichen Kloster 
der hl. Agatha in Hocht Besitz und erhielten sich in demselben, bis die 
französische Eevolution auch mit dieser Gebctsstätte aufräumte. Val-Dieu 
huldigte der strengen Observanz des Benediktinerordens, die durch den hl. 
Robert, den ersten Abt von Cisteaux oder Citcaux eingeführt worden war. 
Von dem Mutterhaus t'isteaux erhielt dieser Zweig des Ordens den Namen 
Cisterzienser. Sie vertauschten die frühere braune Ordenstracht mit dem 
noch heute üblichen weissen Gewände. Bereits 30 Jahre nach seiner Gründung 
war das mobile und immobile Vermögen der Abtei Val-Dieu zu einer an- 
sehnlichen Höhe angewachsen. Es ist dies begreiflich, wenn man bedenkt, 
dass die Päpste keine Gelegenheit vorüber gehen Hessen, ohne den Bewohnern 
der Abtei i^eweise ihrer besonderen Wertschätzung zu geben, und dass Kaiser 
und Könige, Herzöge und Grafen wetteiferten in der Verleihung von Rechten 
und Geschenken. Dem Kloster Val-Dieu standen teils von Rechtswegen 
Visitationsrechte über verschiedene weibliche Niederlassungen des Ordens zu, 
teils wurden sie ihm für bestimmte Fälle übertragen. Auch wurde von 
demselben eine Reihe von Pfarrstellen in den umliegenden Ortschaften, so 
in Warsage, Saint Remy, Anbei u. s. w. besetzt. Von den Kriegsunruhen, 
unter denen Val-Dieu im Laufe der Zeit wiederholt zu leiden hatte, wurden 
weitläufiger diejenigen behandelt, die ihren Grund in der französischen Re- 
volution hatten, wi-il sie filr die Al)tei so überaus verhängnisvoll wurden. 
Damals wurde das Kloster von Freund und Feind zu wiederholten Malen 
gebrandschatzt. Nach dem für die Verbüiuleten so ungünstigen Ausgang 
des Kam|)fes um dii' Niedcrlaudi' durch die Schlacht von Fleurus am 26. Juni 
1794 nahmen die Auswanderungen ihren Anfang. Auch die Insassen von 
Val-Dieu fühlten sich nicht mehr sicher in ihrem Heim. Am Abend <les 
19. September 1794 verliessen sie die liebgewonnene Stiitte. Die Meisten 
begaben sich zunächst nach Aachen, wo des folgenden Tages Abt Uls, der 
etwas später abgereist war, mit ihnen zusammentraf. Den 21. September 
kehrten sie bei den Kapuzinern in Aldeidioven und Tags darauf beim l'astor 
von Wegberg ein. I»cn 7. Oktober gingen sie über den Rhein, kamen nach 
Oberhausen, zogen über Essen, Bochum bis nach Wittern, wo sie sich vorerst 
jiiederliessen. In der Näh(! von Wittem lag ein dem Baron von Evelfeldt 
gehöriges Sclihjss Steinhausen, das die Flüchtlinge nüeteten. i'.s waren ihrer 
mit dem Dienstpersonal 24 Personen, die 21 Pferde mit sich führten. Ein 



— 123 — 

vondort aus im (hu Volksrc'präsentauteii Meyiiard in Aachen gerichtetes Bilt- 
gesiich liatto den Erfolg, dass die Mönche nach siebenDionatlicher Abwesenheit 
wieder iiarh Val-Dieu zurückkehren durften. Aber schon im Jahro nachlii r 
wurde die Aufhebung der religiösen Orden dekretiert. Nachdem die Mönche 
von Val-Dieu bis zum 7. Mai 1798 noch gegen Zahlung einer Miete in ihrem 
vom Staate beschlagnahmten Kloster gewohnt, kaufte der Abt Uls, dem die 
Patres ilire „bons" zu dem Zwecke eingehändigt hatten, das Kloster ael)st 
Kirche und verschiedenen Häusern und Ackern beim öft'entlichen Verkauf um 
200,000 Franks in Assignaten zurück. Er blieb allein in der Abtei wohnen; 
den entlassenen Mönchen zahlte er eine Pension. Im Jahre 1812 am 1. Fe- 
bruar starli der Abt Uls im Alter von TU .laliren. l>a er kein Testament 
hinterliess, kam die Abtei mit allen noch vorhandenen Besitzungen an den 
einzigen Intestaterben, seinen Halbbruder mütterlicherseits, die Klosterange- 
hörigen aber wurden um ihr wolilerwoi'beiies Eigentum gebracht. Verschiedene 
Betriebe, die in den Gebäulichkeiten eingerichtet wurden, gingen bald wieder 
ein. Kirche und Kloster lagen dann eine Reihe von Jahren unbenutzt da. 
Im .lahre 1839 kam man auf den unglückseligen Gedanken, den Tunn der 
Kirche niederzulegen, um ihn bei der Notredamekirche in Verviers wieder 
aufzurichten. Die Werkleute gingen dabei so ungeschickt zu Werke, dass 
der Turm einstürzte, die Gewölbe durchschlug, eine Anzahl Säulen zerbrach, 
die Umfassungsmauern aus dem Lot drückte und die ganze Kirche in eine 
Iluinc verwandelte. Doch wider Erwarten schnell sjiross aus den Trümmern 
neues Leben hervor. Der überlegende Pater, Bernhard Klinkenberg, ein 
geborener Aachener, war unablässig bemüht, dureli Vorstellungen beim 
Papst Pins VII. und dem Diözesanblschof van Bommel seine Rückkehr nach 
Val-Dieu zu erwirken. Seine Bemühungen wurden wirksamst unterstützt 
von einigen einflussreichen Persönlichkeiten, die auch im Jähe 1840 von den 
Erben des letzten Abtes das Kloster mit der Kirchenruine für 2p,üOÜ Frcs. 
zurückkauften. Damit war der sehnlichste Wunsch Klinkenl)ergs erfüllt; er 
kennte wieder in sein geliebtes Val-Dieu zurückkehren und ungestört seinem 
Berufe leben. Am 24. Januar 1845 wurde er in sein mnies ,\mt als Sujierior 
des wiedererstandenen Klosters feierlich eingefiihrt. Doch nur wenige I\lti- 
nate überlebte er seine Installation; denn schon am 29. A])ril desselben 
.lahres starb er. Den liestand des Klosters hatte er gesichert durch die 
.Aufnahme von 4 Ordcuslculen, von denen .'{ aus der Abtei Bornheimgekommen 
waren. Sein Nachfolger wurde Eugen Michielseus, der im Jahre 1857 starli. 
Dessen Nachfolger als Superior wurde der .seit einigen Jahren wieder mit 
der Abtwürde geschmückte Andreas Beeris, der im Alter von 82 Jahren heute 
noch der Abtei, die gegenwärtig 17 Patres und einige Brüder zählt, vorsteht. An 
den N'urtrag scliloss sich an die Iksichtigung von Kloster und Kirche unter der 
liebenswürdigen Leitung eines (Jisterzieuscrpaters. Wer in den grossen, 
weissgetünciiten Sälen reiche Kunstschätze snclicn wollte, würde sich gar 
b;tld arg enttäuscht linden. \'(»n Interesse sind immerhin dii' in einem Saale 
des ersten Stockes aufgehängten .\litpoii riits, die die Fortsetzung der die 



— 124 — 

Wämle der Krouzpan;;^ ziereiiiluii Bilder durstcücn. Ijctztcrc ~ 8H iin der Zalil 
— vcrsogcnwärtigcn uns die Abte, die von der Lirüiidun<; bis zuui Jalire 
1639 den Kriiiiimstab yefilLirt haben. Sie sind in Brustbiidform ausgefulirt 
und mit dem schwarzen Mäuteleheu nebst viereckigem Baret gekleidet. 
Kinzeluc tragen kurz geschnitteuen Vollbart, die meisten aber Schnurrbart 
und „Fliege". Da sie alle im Auftrage des Abtes Guillaume de Chenemont 
in deriiselben Jahre 1G72 in Öl auf Leinwand gemalt worden sind, so dürfte 
bezüglich vieler, deren Regicrungszeit ja stellenweise bis zu 400 Jahren 
zurücklag, die Porträtähnlichkeit nur eine sehr schwache sein. Anders ver- 
hält es sich mit den in Halbügur dargestellten Äbten im Saale der ersten 
Etage. Sie sind wohl alle nach der Natur gemalt bis auf den gegenwärtig 
an der Spitze von Val-Dieu stehenden Abt, dessen von der Künstlerhand 
des Aachener Malers Johannes Lange entworfenes Bild die lange Reihe 
schliesst. Bemerkenswert sind ferner zwei Räume, deren Eingänge in einem 
Arme der Umgänge liegen. Zunächst die heute kaum mehr zu gottesdienst- 
licben Zwecken benutzte Triuitätskapelle, in der wir die erste und älteste 
Ivultusstätte von Val-Dieu zu erblicken haben, was übrigens auch die Bau- 
furmen auf den ersten Blick bekuuden. Dicht neben dieser Kapelle liegt 
der restaurierte, mit gothischem Kreuzgewölbe eingedeckte Kapitelsaal. Hier 
haben verschiedene Abte und hervorragende Wohltäter der Abte ihre letzte 
Buhestätte gefunden. Unter letztem ragte besonders Walram, Graf von 
Moutjoie und Herr von Fauquemont hervor. Er liebte es,*nach anstrengenden 
und aufreibenden Kriegszügeu sich auf eine Weile in die Ruhe dieses 
Klosters zurückzuziehen; ja seine Grabschrift rühmt ihm sogar nach, dass, 
wenn nicht unzerreissbare Bande ihn an den heimatlichen Hcerd gefesselt 
hätten, er überhaupt sein Leben in der Abtei würde verbracht haben. Was 
ihm im Leben nicht vergönnt war, wurde ihm nach seinem Tode zu teil. 
Er fand seine letzte Ruhestätte im Kloster und zwar mitten im Kapitelsaale. 
Seine Grabplatte sowie auch die übrigen sind bei der jüngsten Restauration 
des Saales aus dem Fassboden entfernt und in die Wände eingelassen 
worden, was im Interesse einer besseren Erhaltung nur zu begrüsseu ist. 
Aus den Klostcrgäugen führte der Weg in die Kirche. Die im 15. Jahr- 
hundert im gothischeu Stile erbaute Kirche wurde bereits nach lUU Jahren 
von den Bilderstürmern mit samt dem Kloster niedergebraunt. Die wieder- 
aufgebaute Kirche konnte im Jahre 1625 konsekriert werden. Das misslicbe 
Geschick, das si(^ im Jahre 1839 in eine Ruine verwandelte, haben wir 
bereits erwähnt. Bis um die Mitte der achtziger Jahre des vorigen .lahr- 
hunderts hatte sie sich wieder soweit aus dem Schutte erhoben, dass sie 
neuerdings die kircliliclie Weihe erhalten konnte. 'Tritt mau in das Gotteshaus 
ein, so wird man geradezu überwältigt einerseits von den mächtigen Raum- 
verhältnissen und andererseits von der imponierenden Harmonie, in welche 
die kühnen Dimensionen zu einander gebracht sind. J)ie mobilare Ausstattung 
der Kirche ist zwar noch nicht vollendet, aber die Gegenstände, die bereits 
vorhanden sind, stellen den betreffenden Künstlern wie den Auftraggebern 



— 125 — 

ein f^loich ehrendes Zeugnis aus. V(ir allem ist i's der lierrlielie, aus der 
Werkstätte der rülinilielist liekaiiiiton Hehrüder Heliiii in Liillicli liervor- 
iiTgano'cne Metallaltar, der unsere i^erechle Rowiinderunp; her.ausfi)rdert. 
Derselbe entspricht in ästethisehei- und liturfris-cher Beziehung allen Anforde- 
rn n^-en ; der Preis von 13,000 Francs, der dafür gezahlt worden ist, ist 
ein durchaus niässi«jer zu nennen. Warum diese Metallaltäre, die so viele 
Vorziiy;(; aufweis(Mi, lui uns zu Lande nie.lit mehr XachahniunK' rinden, ist 
unbeii'reitiich. Nehem di'ui Altar sind es die in teehniseher, stilistischer 
und koloristischer Hinsicht mustcrsiiltigcn (Tlasyemälde, dir unwillkürlich 
den Pilick des Kirchenbesuchers auf sidi ziehen und fesseln. Dieselliin 
stanmu'u aus dem AteliiM' des unlängst verstorbenen (ilasmalers Osterath in 
Tilft bei liiittich. Erwähnen wir notdi die 4 Beichtstühle, die wahre Meister- 
werke der Kunstschreinerei sind, so lialieu wir so ziemlich alles, was vor 
der Hand Bemerkenswertes in der grossartigen Abteikirche sich vorfindet, 
erschöpft. Der bisher bewiesene Kunstsinn der frommen Bewohner von 
Val-Dieu lässt für die weitere Ansstattung'der Kirche das Beste erwarten. 
Doch nunmehr war die Zeit gekommen, an den Rückweg nach Aubel zu 
denken, der sich zu einem liöchst angenehmen und genussreicheu gestaltete, 
da mittlerweile die tückische Sonne es wieder einmal für gut befunden 
hatte, auf eine Stunde sich von ihrer besten Seite zu zeigen. \n .\ubel im 
Hotel du Nord bei Kittel soeurs fanden die Ausflügler die Tische bereits 
gedeckt und alles vorbereitet, um auch dem leiblichen Menschen seine Rechte 
zukommen zu lassen. Hatte sich auch das Wetter recht launisch aufgeführt 
und gar bei der Ankunft in Aachen sich zu einem winterlichen Schneegestöber 
verstiegen, so waren doch alle Teilnehmer, die Damen nicht ausgeschlossen, 
von dem Verlauf des Ausfluges aufs höchste befriedigt. 

Der zweite Sommerausflug am Jlittwoeli, drn 2. .luli galt der Be- 
sichtigung einiger im imlethale gelegenen inittelalteidiehen Burgen. Höchst 
malerisch, zwischen mächtigen Pappeln versteckt, auf allen Seiten von 
Wassergräben umgeben, liegt im anmutigen Thale der Inde. glei(di weit 
entfernt von den Dörfern Langerwehe und Weisweiler, ilie im Mittelalter 
viel genannte stolze Burg der Edclherren von Frenz, der in erster Linie 
der Besuch der Geschichtsvereine zugedacht war. Tm Anfange des 13. Jahr- 
hunderts gehörte die Burg dem limburgischen Herzogshause, aus dem an- 
scheinend die Herren v. Frenz hervorgegangen sind, da sie auch das gleiche 
Wappen wie jenes führten: einen aufrcchtstehendeu Löwen in mit Längs- 
schindeln bestreutem Schilde. Durch Richardis, Edelfrau und Erbin von 
Frenz, ging der Besitz über in die Hände des Cono von Molenarken. Im 
.lahre 1361 löste Rikold von Merode Burg und (iütor von Hermann von 
Nörvenich ein, der sie als Pfand besass, und wurde von Jülich damit be- 
lehnt. Seitdem blieb Frenz als Jülichsche Unterherrschaft mehrere hundert 
Jahre im Besitz der Eamilie von Merode. Die letzte Erbin aus diesem 
Hause setzte ihren langjährigen Rentmeister Graft" als (Tniversalerbcn ihres 
Nachlasses ein. (iräfl's zahlreiche Kinder teilten und verkauften die Güter. 



— 126 — 

Frenz wurde um die Mitte des vorii:;en .Tabrhuiulerts Eigeutum der 
Aachener Familie Cockerill, bei der es sicli auch heute noch hetindet. Das 
Schloss wurde, wie aus der über der Ein^angsthüre, neben dem Alliance= 
Wappen Merode-Walpot Bassenheim angebrachten Jahreszahl lieivorgeht, 
im Jahre 1757 von Grund aus neu aufgeführt. Die zahlreichen, hohen und 
luftigen Innenräume des Schlosses enthalten neben moderner Ausstattung 
auch verschiedene Mobilarstücke, Familienporträts derer von Merode und 
Porzellangeräte aus dem 18. Jahrhundert. 

Von Frenz liegabeu sich die Austiügler zu dem etwa 20 Minuten ent- 
fernt liegenden Hofe Palant, dessen umfangreiche, in Quadrat erbaute 
Wirtschaftsgebäulichkeiten erst in neuerer Zeit entstanden sind. Nur 
einige unterirdische Gewölbe, sowie das im Hauptportal befindliche, mit 
gothischen Eisenbeschlägen versehene, eichene Doppelthor erinnern noch an 
das mittelalterliche Palant. Hier lag ehedem die uralte Stammburg, nach 
der sich die weitverzweigte, adelige Familie von Palant nannte. Es war 
im Jahre 1005, als schon Kutaner von Palant das auch in historischer Be- 
ziehung wichtige Schloss Breidenbend bei Linnich durch Heirat erhielt. 
Ausserdem war die Familie noch im Besitze zahlreicher anderer Schlösser, 
Herrschaften usw., wie z. B. Wildenburg, Frechen, Bochen. Im 14. Jahr- 
hundert kaufte Oarsilius Vil. von Palant von dem Ritter Werner von 
Weisweiler, die au Palant unmittelbar anstossende Burg und. Herrlichkeit 
Weisweiler. Die Burg selbst ist heute vollständig verschwunden; nur die 
Befestigungsmauern mit einigen Flankiertürmcheu, die sie ehedem schützend 
umgaben, sind stehen geblieben und lassen einen Schluss zu auf die Aus- 
dehnung des Ganzen in mittelalterlicher Zeit. Schliesslich wurde noch der 
gothischen Pfarrkirche in Weisweiler ein kurzer Besuch abgestattet. Hier 
fesselte die Aufmerksamkeit besonders eine neben dem nördlichen Seiten- 
altar in die Wand eingelassene Messingplatte, die in technischer Beziehung 
als ein Meisterwerk spätgothischer Gravierkunst bezeichnet werden kann. 
Da die metallene Urkunde auch in anderer Beziehung nicht unwichtig ist, 
lassen wir hier ihren Inhalt folgen: „Im Jahre des Herrn 1520 am ersten 
Tage des Monats Dezember starb Jungfer Margaretha Hatzfeld, nachge- 
lassene Wittwe von Bernhard Herrn zu Palant. Die hat für sich und ihre 
beiderseitige Familie hier zu Wcisweiler auf St. Nikolaus Altar eine erb- 
liche, ewige Singmessc vor dem würdigen heiligen Sakramente auf jeden 
Donnerstag zu halten gestiftet und fundirt und solle ein „Vater unser" 
und „Gegrüsset seiss Du Maria" für die Stifterin und ihre Familien durch 
den Priester desselben Altars gebeten werden. Ferner soll diese Urkunde 
und die Rentbriefe, die hierüber gemacht sind, allzeit in bewährter Hand 
bleiben bei dem Kirchmeister der genannten Kirche. Zum Unterpfand der- 
selben Weise (d, h. zur grössern Sicherheit der Stiftung soll diese Messing- 
platte mit demselben Wortlaut dienen)." Hiermit hatten die Besichtigungen 
ihr Endr erreicht. Um nun auch dem leiblichen Menschen gerecht zu 
werden, wurde noch auf eine halbe Stunde in dem empfehlenswerten Lokale 



127 — 



des lamlwirtschaftlichitii Kasitids iu W'eiswoilcr Kiiikdir £^clialt(Mi, iiml iliinii 
von (Irr Station Woiswoiler aus die liückfiilirt iincli A;icIion niit^etretnii. 
Wenn Hie etlichen CO Teilndmici- von dein Vcrliiuf des Ausliui^cs vollauf 
l)efriedi!>t waren, so i^ebülnl dir Dank diifür in erster Linie dem Herrn 
Rentner .lanies Cockerill, diT in liciheiiswürdift'stcr Weise dem Ersuchen der 
Vereine (Miteegengekomnicn war. Da derselbe wegen Unwohlsein nicht in 
der luiixr. war, so wie er tjewiinscht, persimlicli seine Gäste befrrüssen zu 
können und drnMi Diiiik t^ntcresenzunehmen, so sei dem verehrten Herrn 
dcrselV)e hiermit an diesi'r Stelle aus ganzem Herzen dargebracht. 

Aaclirii. Heinrich Schnuck. 



Bericht über das Vereinsjahr 1902. 

Im iianfe des Vereinsjahres wurden zwei Monatsversammlungen und 
zwei Sommerausfiüge, letztere in Gemeinschaft mit dem Aachener Geschichts- 
vei-ein, veranstaltet. Ein Eeferat über dieselben befindet sich im vorliegenden 
Jahrgang 8. 1 IS — 127. Ausserdem folgte der Verein am 4. Juni der freundlichen 
Einladung des Direktors ,des hiesigen Meteorologischen Observatoriums zur 
Besichtigung des sich immer grösserer Aufmerksamkeit erfreuenden Instituts, 
dessen sämtliche Räume und Apparate eingehend erklärt wurden. Dem 
Herrn Direktor Polis sei auch an dieser Stelle der wärmste Dank des Vereins 
für seine Zuvorkommenheit ausgesprochen. An dem p]mpfange des von der 
Düsseldorfer Generalversammlung auch unsere Stadt mit seinem IJesuche 
beehrenden (<csaintver(!ins der deutschen Geschichts- und Altortunisvereine 
naiinien die Mitglieder unseres Vereins in grosser Anzahl teil. Der in allen 
seinen Teilen wohlgclungene Festtag wird noch lange in aller Erinnerung 
fortleben. 

Die Hauptversammlung des „Vereins t'iir ivuiule der Aachener N'orzeit" 
Tand am 26. November im Vereinslokal „Altbaiern" statt. An Stelle des 
durch J'amilientrauer verhinderten ersten Vorsitzenden, eröffnete der stell- 
vertretende Vorsitzende, Herr Strafanstaltspfarrer Heinrich Sclinock 
dieselbe mit einigen warmen Begrüssungsworten an ilie zahlreich Er- 
schienenen. Den vom Vereinspräsidenten, Herrn Oberlehrer Dr. Savclsberg 
verfassten Jahresbericht brachte der Schriftführer, Herr Vorschullehrer Joh. 
Pschmadt zur Verlesung. Demselben ist zunächst die hocherfrculiche 
Mitteilung zu entnehmen, dass dem Verein im Laufe des Jahres nicht weniger 
als 82 neue Mitglieder beigetreten sind. Da dem bedeutenden Zuwachs 
kein Abgang ilurch Austritt aus dem Verein, sondern nur ein Verlust von 
8 Mitgliedern durch den Tod gegenübersteht, so beläuft sich gegenwärtig 
die Stärke des Vereins auf 266 Mitglieder, eine Anzahl, die zum ersten 
Male in den 1.^ Jahren, dass der Verein besteht, erreicht worden ist. Der 
Leiter der Versammlung fand allgemeine Zustimnuuig, als er hervorhob, 
dass dieses grossartiire Resultat in erster Linie der nnerrnüdlicheii Thätig- 



— 128 — 

keit dos neuen Vorsitzoiidcn, des Herrn Dr. Savclslierg, zugesL-liriebeu 
werden müsse, und demselben dafür öffentlich die Ancrkennnrf;,- und 
den Dank des Vereins aussprach. Von den verstorbenen Mitgliedern 
wurden drei besonders hervorgehoben, weil dieselben sich um den Verein 
hervorragende Verdienste erworben haben. Es sind dies die Herren Bürger- 
meister Zimmermann, Pfarrer Gross und Dr. B. M. Lersch. Des 
Erstem und Letztern Nekrolog mit entsprechenden Portraits ist bereits in 
der Vereiusschrift erschienen : der des Pfarrers Gross wird in der ersten 
Nummer des 16. Jahrganges zum Abdruck gelaugen. Das Andenken dieser 
und der übrigen verstorbenen ^Jitglieder zu ehren, erhüben sich die An- 
wesenden Von ihren Plätzen. Der Vorstand hielt im Laufe des Jahres 8 
Sitzungen ab, in denen besonders die Angelegenheit eines Eegisters zu den 
15 Jahrgängen der Zeitschrift „Aus Aachens Vorzeit", in dessen Anfertigung 
sich die Vorstandsmitglieder geteilt haben, behandelt und wesentlich ge- 
fordert wurde. 

Der nunmehr erstattete Kassenbericht des Schatzmeisters, Herrn Stadt- 
verordneten F. Krem er zeigte nachstehendes Rild der Geldangelegenheiten: 

L Einnahmen: 

An Kassenbestand aus dem Vorjahre . . M. 740.89 

y, 4 rückständigen Jahresbeiträgen . . . „ 12. — 

„ 233 Jahresbeiträgen für 1901 ... . „ 699.— 

„ Zinsen der Sparkasse „ 30.47 

Summa . M. 1482. SU 

IJ. Au sgaben : 
Für Druckkosten der Zeitschrift . . . . M. 524.23 

„ Honorare „ 350.25 

„ Inserate „ 30.35 

„ Frankatur „ 42.71 

Beitrag zum Gesamtverein für 1902 . . . „ 15. — 

Verschiedenes „ 9.87 

Kassenbestand . „ 509.77 

Summa . M. 1482.30 
Die Versammlung fand gegen die Rechnungsablage, die von den 
Herreu Rechtsanwalt Dornemann und Landgerichtssekretär Fev auf ihr.' 
Richtigkeit geprüft worden war, nichts zu erinnern, worauf der Vorsitzende 
dem Herrn Schatzmeister mit der erbetenen Entlastung zugleich den Dank 
des Vereins für seine Mühewaltung abstattete. Die beiden Revisoren 
wurden für das neue Vereinsjahr wiedergewählt. Nachdem hiermit dif 
geschäftlichen Angelegenheiten ihr Ende erreicht hatten, hielt Herr Pfarrer 
Heinrich Schnock einen einstündigen Vortrag: „Zur Geschichte der 
Entstehung des Ortes und der Abtei Burtscheid", der bereits im vorliegenden 
Jahrgang abgedruckt ist, weshall) wir hier von einer Inhaltsangabe absehen 
können. 

DkITCK VOX HlCRMANN KaATZF.R IX AACHEN. 



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Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 



Im Auftrag- des VereiiiH herausg-eg-cbon 



Heinrich Scinnock. 



SECHSZEHNTER JAHRGANG. 




AACHEN. 

Kommissions -Verlag der Cremerschen Buchhandlung (C. Cazin). 

1903. 



INHÄLT. 

Sfitc 

1. Tfiilicrt Jakob Gross. Kin LclicnsLild. (i\Iir Portrait). Von 

IL Sa VC Islic rii' 1 

2. Das Haus Klüppt'l. (Mir Aliltililinii;). \'mi H. 1'". .Macco ... 9 

3. Gescliiehte des Liiiitlcliens zur Ifcideu. Fiirtsctzun<>-. (Mit Abliildiiuyi. 

Von II. .i. (iross 2tl 

4. Zur Geschichte des Aacbeuer Münzwesi 11,-. Kortseizuiiy und Schluss. 

\'on Carl N'ogeloesaiif:' 4!) 

5. Teufelssagen, Zaulicrwfscn und Hcxenwaiin in Aachen. Von 
Kniil Pa uls <)i) 

(). Vergleich zwischen der Aachener und ( 'öincr llundart. Von A. .1 a rd n n 12») 

7. BiM'icIit iiliiT die Monatsvcrsainnilungen und Sonuiicraiisfliige. Von 
Ilciiiricli Sclinocl< , 12.") 

8. Hericiit über das Verciiisjahr l!)02/0:5. Von 11 c i n i- ic li Schnocl^ 134 

9. Verzeichnis der Mitiiliedcr . . 137 



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JiiyU , JüL.<, . f^t^ ■ 



UCHTDRUCh V. PtT. HGNNFF^L IFR AACHtM. 



Ä13 A 



Mitteilungen 

des 

Vereins 




für Kunde 

der 

Aachener Yorzeit 



Im Auftrage des Vorstandes herausgegeben von Heinrich Schnock. 

Jährlich 8 Nummern. — Preis des Jahrgangs 4 Mark. 

Verlag der Cremerschen Buchhandlung (C. Cazin) in Aachen. 



Nr. 1/3. 



Sechszehnter Jahrgang. 



1903. 



Inhalt: H. Suvelsbtrg, Hubert Jacob Gross. -- H. F. Macco, Das Haus KlUppel. 
t H. J. Gross, Geschichte des Ländchens zur Heiden. 



Hubert Jakob Gross. 

Ein Lebensbild. 
Von H. Savelsberg. 

Am 23. Juni 1902 starb infolge einer Lungenentzündung 
in Thenhoven bei Worringen der dortige Pfarrer Hubert Jakob 
Gross, der erste Präsident des Vereins für Kunde der Aachener 
Vorzeit. Die grossen Verdienste, die er sich seit der Gründung 
unseres Vereins während eines Zeitraums von 17 Jahren um 
denselben erworben hat, lassen es wT)hl gerechtfertigt erscheinen, 
wenn ich in folgendem versuche, den Mitgliedern ein kurzes 
Lebensbild des Verstorbenen zu entwerfen und dadurch namentlich 
seine Bedeutung für die Aachener Lokalgeschichte darzulegen. 

Hubert Jakob Gross war geboren zu Aachen, den 6. Sep- 
tember 1840. Nach erfolgreichem Besuche des Gymnasiums 
seiner Vaterstadt bezog er im Herbste des Jahres 1858 die 
Universität Bonn, um sich dem Studium der Theologie zu 
widmen und entsprechend der schon früh in ihm erwachten 
Neigung philologische und historische Vorlesungen zu hören. 
Ostern 1802 trat er in das ErzbisciiöHiche Priesterseminar in 
Köln ein, wo er am 13. April des folgenden Jahres die hl. 
Priesterweihe empfing. Seine erste Anstellung erhielt er bald 



darauf am 8. Mai 1863 als Vikar und Rektor der liöheren 
Schule zu Eitorf an der Sieg. Am 5. September 1868 wurde 
er als Stütze des im Frühjahre 1868 zum Pfarrer ernannten 
Ludwig Schmets aus Aachen als Pfarrvikar nach Laurensberg 
bei Richterieh berufen, wo er dann 18 Jahre als eifriger Seel- 
sorger wirkte. 

Zur Bewerbung um diese, seinem schaffensfreudigen Tätig- 
keitsdrange an und für sich nicht genügende Stelle liess er 
sich durch eine doppelte Absicht leiten : er wollte einerseits 
seiner einzigen, in Aachen verheirateten Schwester eine Stütze 
in der Erziehung ihrer Söhne werden, und andrerseits, hoffte 
er, dass die räumliche Nähe es ihm ermögliclie, grösseren 
Anteil an den wissenschaftlichen Bestrebungen seiner Vaterstadt 
zu nehmen. Die reiche Müsse aber, die seine seelsorgerische 
Thätigkeit ihm bot, benutzte er, um sich in das Studium des 
klassischen Altertums und der Dramen Shakespeares zu vertiefen. 
Und wie die Poesie des Horaz und des Tibull den lebhaftesten 
Widerhall seines heiteren, zu frohem Lebensgenüsse neigenden 
Gemütes weckte, so erwarb er sich in eindringendem Studium 
vertraute Kenntnis des grossen Britten, dessen geniale Dar- 
stellung der Tragik des Lebens ihn mit immer neuer Bewun- 
derung erfüllte. Die vollkommenste dichterische Offenbarung 
der Menschenseele aber fand er wie überhaupt in Goethes 
Schöpfungen, so namentlich in seinem „Faust", durch den er 
allein schon des Dichters Unsterblichkeit mit Recht gewähr- 
leistet erachtete. 

Mit ganzer Kraft und man darf wohl sagen vaterstädtischer 
Begeisterung aber widmete er sich der Erforschung der Ge- 
schichte Aachens im weiteren und im engeren Sinne. Wie er 
sich überall, wo er wirkte und lebte, mit rastlosem Eifer für 
die Lokalgeschichte begeisterte, so schrieb er während seines 
Aufenthaltes in Laurensberg: „Beiträge zur Geschichte der 
alten Pfarre Laurensberg bei Aachen von der ältesten Zeit bis 
zu ihrer Zersplitterung im Jahre 1804" und als deren Fort- 
setzung^ die „Chronik der Pfarre Laurensberg bei Aachen vom 
Jahre 1804 an. Nach mündlichen und schriftlichen Quellen, 
auch eigenen Erlebnissen." Doch auch der engeren Geschichte 
seiner Vaterstadt Aachen brachte er das lebhafteste Interesse 



') Die beiden Abliandluugeii, die eine aus dem Jahre 1875 und die 
zweite vom Jahre 1881, liegen in umfangreichen Manuskripten vor. 



— 3 — 

entg-egen. Als im Mai des .hilircs 1870 der Aachener Ge- 
schiclitsvereiii gegründet wurde, beteilig-te er sich sofort lebhaft 
an den Bestrebungen desselben. Für den zweiten Band der 
Zeitsciirift des Vereins lieferte er 1880 einig'e kleinere Arbeiten 
über Scliurzelt und Vetschau, denen er 1883 im fünften Bande 
eine grössere Abhandlung „Zur Geschichte des Aachener Eeichs" 
folgen liess, und die Generalversammlung des Vereins wählte 
am 1. Oktober 1885 den „der heimatlichen Geschichtskunde 
so warm ergebenen Mann" in den Vorstand der Gesellschaft, 
dem er auch später nach seinen Versetzungen in andere Stellen 
lange Jahre noch als korrespondierendes Mitglied angehörte. 
Auch bei der Gründung des Jüngern „Vereins für Kunde 
der Aachener Vorzeit" war er mit regem f]ifer thätig. Im 
September des Jahres 1885 traten nämlich eine Anzahl Aachener 
Herren, unter anderen die Herren Stadtarchivar Pick, Bau- 
meister Rhoen, Staatsanwaltschaftssekretär Schollen, Vikar 
Gross, Stadtverordneter Schaffrath und Bürgermeister Zimmer- 
mann zusammen \ um neben dem Aachener Geschichtsverein 
einen neuen Verein für Aachener Lokalgeschichte zu begründen. 
Derselbe sollte den Zweck verfolgen, „die im Wege der For- 
schung gewonnenen Ergebnisse nicht sowohl durch Drucklegung 
als vielmelir in erster Linie durch populär gehaltene Vorträge 
und daran geknüpfte Besprechungen in häufigen und zwang- 
losen Zusammenkünften zur allgemeinen Kenntnis zu bringen" 
und dadurch auch diejenigen, welche nicht eben wissenschaftlich 
Geschichte trieben, aber dennoch manchen wertvollen Beitrag 
zur Kunde der Aachener Vorzeit liefern könnten, zu gemein- 
samer Arbeit im Interesse der Aachener Geschichte anzutreiben. 
In diesem Sinne entwickelte Gross bei der constituierenden 
Versammlung in einer begeisterten und beifällig aufgenommenen 
Ansprache die Aufgabe und die Tendenz des neuen Vereines, 
zu dessen erstem Vorsitzenden er mit Stimmeneinheit erwählt 
worden war. Sie solle darin bestehen, die Geschichte Aachens 
und seiner nächsten Umgebung zu erforschen und die ge- 
wonnenen Resultate durch Wort und Schrift möglichst zum 



') In diesen Darlegungen über die Gründung unseres Vereins, die ich 
hier mit Rücksicht auf immer noch hier und da verbreitete falsche Ansichten 
und Rehau])tungen absichtlich etwas weiter ausführe, musste ich mich haupt- 
sächlicli an die damaligen, eingehenden Berichte der hiesigiii Lokalblätter 
und an mündliche NachriclitiMi einzelner daran beteiligten Herren anlehnen. 



— 4 — 

Gemeingut aller derer zu machen, die für die Geschichte ihrer 
Vatei'stadt ein Interesse bekundeten; der Verein wolle eben 
ein populärer sein, der in der Bürgerschaft, im Volke selbst 
seine Wurzeln gründen solle. Er wies besonders darauf hin, 
dass der neue Verein sich einen andern Wirkungskreis gestellt 
habe, wie der schon bestehende Geschichtsverein. Jede Kon- 
kurrenz solle ausgeschlossen sein, jede Collision vermieden 
werden. Der neue Verein arbeite im Gegenteil dem alten in 
die Hand, indem er auch ihm neue Mitglieder zuführen und 
ihm neues Material herbeischaffen könne, woraufhin dieser 
wieder weitere Forschungen und grössere Arbeiten unternehmen 
könne. 

Dass diese seine Worte trotz mancher Anfeindungen und 
unbegründeter Befürchtungen einzelner für die weitere Existenz 
des Aachener Geschichtsvereins besorgter Mitbürger, zu denen 
auch Schreiber dieses damals gehörte, wahr geworden sind, hat 
nicht nur die spätere Entwicklung des „Vereins für Kunde der 
Aachener Vorzeit" bewiesen, sondern auch das gute Verhältnis 
und Einvernehmen, in dem die beiden Geschichtsvereine stets 
gestanden haben. — Und so kann man es w^ohl mit Recht als 
ein Hauptverdienst des verstorbenen Pfarrers Gross bezeichnen, 
wenn heute Aachen zwei blühende Geschichtsvereine besitzt, 
die es sich aufs eifrigste angelegen sein lassen, die Geschichte 
unsrer Vaterstadt, die ja von den Anfängen der deutschen 
Geschichte an wohl eine der bedeutendsten unter den deutschen 
Städten gewesen ist, immer mehr zu erforschen und weiteren 
Kreisen bekannt zu machen und dadurch indirekt den Ruhm 
und das Ansehen derselben zu fördern. 

So lange es Gross vergönnt war, in der Nähe seiner 
Vaterstadt zu wirken, war er wissenschaftlich sehr thätig. 
Mochte er nun im Katholischen Bürgerverein der Kreuzpfarre 
„über die sozialen Prinzipien des Christentums und ihre Wirk- 
samkeit in der Geschichte'' ^ sprechen oder bei Gelegenheit des 
achten Centenariums Gregors VII. (29. Mai 1885) im Katho- 
lischen Bürgerverein Constantia sich „über das Papsttum in 
der Weltgeschichte" verbreiten; mochte er im Aachener Lese- 



') Dieser Vortrag von Gross aus dein Anfange des Jahres 1885 ist 
auch im Verlage der Cremerschen Buchliandhmg 1885 veröffentlicht worden. 
Der Reinertrag der kleinen Broschüre floss d^-m Baufond der neu zu er- 
bauenden Pfarrkirche zum hl. Kreuz zu. 



verein „Gescliiclitlidie Nachrichten über die Aachener und 
Burtsclieider Industrie, speziell der Tuchfal)rikation vom neunten 
Jahrhundert an" ' bring-en oder in populär- wissenschaftlichen 
Vorträgen in Morsbach „die älteste Geschichte der Aachener 
Gegend, im besondern des VVurmgebiets" behandeln, stets ei- 
weckteu die mit bewunderungswürdigem Fleiss und genauer 
Sachkenntnis ausgearbeiteten Vorträg-e des beliebten und ge- 
suchten Redners das grösste Interesse. Auch die Aachener 
Tagesblätter brachten manche Artikel teils grösseren, teils 
kleineren Umfanges aus seiner E"'eder. So berichtete er aus- 
führlich im März des Jahres 1885 ^ über die Auffindung eines 
römischen Grabes an der Süstergasse in der Nähe von Alt- 
Schurzelt, wo mau ausser einem Steinsarg zwei einhenkelige 
Aschenkrüge, zwei Glasschalen und mehrere langhalsige Glaskrüge 
in verschiedener Grösse gefunden hatte. 

Die „Aachener Sonntagsblumeu" des Echo der Gegenwart 
brachten am 5. April desselben Jahres in einem „Schildereien 
aus unserem Volksleben" betitelten Aufsatze von M. Schollen-' 
eine höchst interessante Darstellung aus seiner Fedei" über die 
Entstehung des in Aachen lange üblichen Brauchs, dass die 
Bäcker ihren Kunden jährlich zu Ostern einen Poschweck zum 
Geschenke machten, und über die sogenannte Poschweck-Revo- 
lution des Jahres 1846. 

Im Jahre 1884 gab er ein kleines Schriftchen heraus: 
„Urteilssprüche des heiligen Petrus." Übersetzt aus der 3. fran- 
zösischen Auflage von Andr6 Le Pas: „A la porte du paradis. 
Jugemens de Mgr. Saint Pierre sur le cas de quelques appeles 
se presentant pour etre elus." (Aachen. A. Jacobi 1884, kl. 8°, 
298 S. Mk. 2), welches Franz Hülskamp im Literarischen 
Handweiser* „ein originelles, interessantes und gutes Büchlein, 
eine ernste Moral in eigenartigem Erzählungskleide" nennt und 
am Schlüsse seiner Besprechung mit den Worten charakterisiert: 
„Die vortreffliche Übersetzung hat ein grosses Mitverdienst, 
wenn diese originelle und nutzreiche „kleine Moraltheologie", 



') Eine ausführliche Besprechung dieses Vortrages brachte die Aachener 
Volkszeitung vom 16. Dezember 1885 und das Echo der Gegenwart 1886 
Nr. 1 Bl. II und Nr. 2 Bl. III. 

») Echo der Gegenwart 22. März 1885, 37. Jahrgang Nr. 68, 2. Bl. 

■■') Aachener Sonntagsbluinen, IV. .Jahrgang 1885, Nr. 14. 

*) Literarischer Handweiser, 23. Jahrgang 1884, Nr. 13, S. 363. 



— 6 — 

wie ich überzeugt bin, auch in Deutschland viele Leser findet, 
die sie mit Spannung bis zu Enden lesen und sich die darin 
enthaltenen gesunden Lehren dann hoffentlich auch zu Nutzen 
machen werden." 

Im folgenden Jahre veröffentlichte er im Echo der Gegen- 
wart einen sehr lehrreichen Vortag^ über „Das Zunftwesen im 
Mittelalter", in dem er die allgemeinen Verhältnisse der Zünfte, 
die politische Bedeutung derselben in Aachen und speziell die 
Geschichte der Zunftunruhen in unsrer Stadt behandelte. 

Auch für die Zeitschrift des „Vereins füi- Kunde der 
Aachener Vorzeit lieferte er manche bemerkenswerte Arbeiten. 
Die umfangi'eichste derselben „Zur Geschichte des Aachener 
Reichs, die sich in den Jahren 1892 — 1894 auf die Jahrgänge 
V, VI und VII unsrer Zeitschrift verteilte, war die Frucht 
langer archivalischer Studien in Aachen und Düsseldorf. Ist 
auch diese Arbeit nach dem Urteile eines hervorragenden Ju- 
risten, was die staatsrechtliche Seite betrifft, nicht ganz ein- 
wandfrei, so verbreitete sie doch in vielen Beziehungen neues 
Licht. Die höchst eingehende und ausführliche Darstellung der 
Geschichte des alten „Aachener Reichs" von seinen Anfängen 
bis zum Untergange der reichsstädtischen Verfassung wurde 
um so freudiger begrüsst, als die Abhandlung Meyers über das 
Reich überhaupt nicht veröffentlicht worden war und auch 
Quix seine diesbezügliche Stoffsammlung gar nicht verarbeitet 
hatte. 

Die beiden folgenden Jahrgänge brachten zwei liauptsächlich 
aus dem reichhaltigen ehemaligen Scliönauer Archiv ausgezogene 
Abliandlungen, nämlich 1895 den Aufsatz „Reinard von Schoenau, 
der erste Herr von Schoenforst" im achten Bande, ein Lebens- 
bild, das er selbst gleichsam eine Ehrenrettung dieser in den 
Werken von Hemricourt, F'^anquinet und de Chestret in allzu 
ungünstigem Lichte charakterisierten, hochinteressanten Persön- 
lichkeit nannte, und 1896 die umfangreichere Arbeit „Schönau" 
im neunten Bande, in der er die wechselvollen Schicksale 
dieser alten Burg und Herrschaft und ihrer Besitzer ausführlich 
behandelte. Eine vierte Abhandlung „Geschichte des Ländchens 
zur Heiden", die seine umfangreichen Arbeiten über die nähere 



') Echo der Gegenwart, 38. Jahrgang 1886, 24. bis 28. August, Nr. 
193 Bl. II bis 197 Bl. IL Nach einem im Kath. Bürgerverein der Kreuz- 
pfarre gehaltenen Vortrage. 



— 7 ~ 

Umgebung Aachens abscliliessen sollte, fand sich dnickfeitig in 
seinem Nachlasse. Mit dem Abdrucke dieses Aufsatzes, der 
die Geschichte der nürdlicii von Aachen gelegenen, ehemaligen 
jülichschen Unterherrscliaft Heiden behandelt, ist im XV. Bande 
dieser Zeitschrift begonnen worden. 

Als Gross im Dezember 1886 als Pfarrer iiiicii Jvalk und 
im März 1891 nach Osterath versetzt wurde, gewann er auch 
an diesen Orten besonderes Interesse für deren Lokalgeschichte, 
was sich aus seineu Manuskripten: „Zur Geschichte von Kalk" 
und „Aus dem Pfarrarchiv von Osterath" erkennen lässt. Von 
seinen sonstigen Manuskripten sei noch besonders erwähnt eine 
mit grossem Fleiss ausgearbeitete deutsche Übersetzung des 
Hauptwerkes des heiligen Irenäus: „Contra Haereticos", welches 
ihm wegen der vortrefflichen Widerlegung der verschiedenen 
gnostischen Richtungen besonderes Interesse abgewonnen hatte. 
Er hatte sich auch lange Jahre mit dem Plan getragen, eine 
Geschichte des Dekanates Burtscheid zu schreiben ; doch sind 
seine Arbeiten in dieser Beziehung über ein einleitendes Vor- 
wort, eine Stoffordniing und gelegentliche Notizen inbetreff der 
verschiedenen Pfarreien nicht hinausgekommen. 

So hat Pfarrer Gross auf dem Gebiete der Geschichte, 
speziell der Geschichte seiner Vaterstadt rastlos und mit durch- 
dringendem Verständnis gearbeitet, geleitet von der Überzeugung, 
dass die Erforsciiung der Territorialgeschichte die Grundlage 
für die Darstellung der Staatsgeschichte sei, und dass auch 
der kleinste Stein in diesem grossen Bau seine Verwendung 
finde. Seine Veröffentlichungen aber zeichnen sich aus durch 
Klarheit und lebendige Anschaulichkeit der Darstellung, durch 
Betonung der kulturgeschichtlichen Momente, durch Besonnen- 
heit des in umfassenden Studien ruhenden Urteils und durch 
liebevolles Versenken in den zu behandelnden Gegenstand. 

Im Sommer des verflossenen Jahres hoffte er für seine 
wissenschaftlichen Arbeiten mehr Zeit und eine grössere Müsse 
zu finden, als ihm in Berücksichtigung seiner Wünsche eine 
leichtere Pfarrstelle zu Thenhoven bei Worringen angeboten 
wurde. Aber kaum hatte er dort in seiner neuen Pfarre am 
18. Juni 1902 zum ersten Male das heilige Messopfer dargebracht, 
als er an demselben Tage erkrankte und innerhalb einer Woche 
einer heftigen Lungenentzündung erlag. 

Gross war eine der seltenen Pei'sönlichkeiten, die uns 



durch die glückliche Harmonie ihres Wesens Achtung- und 
Verehrung abgewinnen. Treu und unerschütterlich demjenigen 
ergeben, dem er einmal seine Freundschaft erschlossen hatte, 
als echtes Kind seiner rheinischen Heimat froher Geselligkeit 
und heiterem Lebensgenüsse zugethan, voll werkthätiger Liebe 
für alle, die der Hilfe bedürftig bei ihm anpochten, gern und 
freudig spendend aus dem reichen Schatze seines Wissens, ein 
väterlicher Bruder und Oheim der Seinigen, ein treuer Sohn 
seines Königs und ein makelloser Priester, so hinterlässt er 
nicht nur bei denen, die den Vorzug hatten, ihm nahe zu stehen, 
sondern bei allen, die ihn kannten, ein immerwährendes, ge- 
segnetes Andenken. 




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Das Haus Klüppei 

Von H. F. 3Iaoco. 

Zn (lenjeiiigen alten GebRuden Aachens, die in der 
Stadtg-eschichte eine bedeutsame Rolle gespielt und deren Name 
die Stürme der Jahrhunderte überdauert haben, gehört auch 
das in der Ursulinerstrasse Nr. 17 — der ehemaligen Adel- 
gundisstrasse — gelegene Haus Klüppei. Da urkundlich er- 
wiesen ist, dass es in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts 
der reichen und angesehenen Familie Klüppei gehörte, so scheint 
es nicht zweifelhaft, dass es nach ihr und nicht, wie man 
vermuten könnte, nach einem Thorklöpfel oder Holzklüppel. 
also nach einem Hauszeichen seinen Namen empfangen hat'. 
Die grosse Verbreitung der Familie Klüppei schon zu Anfang 
des 15. Jahrhunderts, wie auch der Umstand, dass das Haus 
zur Zeit der Anlegung der Grafschaftsbücher noch nicht den 
Namen Klüppei führte, spricht dafür, dass nicht die Familie 
nach dem Hause, vielmehr das Haus nach der Familie benannt 
worden ist, ein Fall, der sich in Aachen nur für wenige Häuser 
nachweisen lässt^. Es diente bis ins letzte Viertel des 16. Jahr- 
hunderts als Wohnhaus, wurde dann um jene Zeit vom Besitzer 
den Calvinisten zur Abhaltung des Gottesdienstes eingeräumt 
und mit Predigtstuhl und Bänken ausgestattet. Im Jahre 1589 
kaufte es die reformierte Gemeinde; doch finden wir es bald 
nachher im Besitze der Stadt, die das geräumige Gebäude 
als Warenmagazin verwandte. Wegen der daselbst aufgestellten 
,,Krämeracciswag" hiess es seitdem bis ins 19. Jahrhundert 
hinein auch „Die Stadtwaag" oder kurz „Die Waag". Die 
Überlieferung im Volksmunde verbindet mit dem Namen des 



') Klüiipel, ;uif dem Klüppei, kommt im 18. Jahrb. tds Fhiruame bei 
Vaals vor. 

*) Z. B. Haus Hochkirchen in der Gengstrasse und Huu^; Licck in der 
Marschierstrasse, Haus Gutjahr in der Külnstrassc und Haus Frankcuborg 
in der Bendclstrasse. 



— 10 — 

lliiu.^es eine Erzäliluug- von „Klüppelniännern", die zur Zeit 
der Mäkelei dort ihre revuluüonären Zusammenkünfte gehabt 
hätten und vom Klöppel aus, mit Klüppeln, d. i. dicken Stöcken, 
bewaffnet, ausg-ezogen wären; doch entbehrt sie des urkundlichen 
Beweises. 

Zu Ende der reichsstädtischen Zeit war bis zum Jahre 
1858 im Klüppel ein Wolllager; dann erwarb ihn der Kaufmann 
Albert Offermann als Lagerraum für sein Kolonialwarengeschäft, 
welchem Zwecke er gegenwärtig unter seinem Sohne Emil 
noch dient. 

Als dei" Weinwirt Josef Giesen um die Mitte des ver- 
flossenen Jahrhunderts neben dem Klüppel ein unmittelbar an 
die Stadtmauer anstossendes Gasthaus eröffnete, nannte er es 
gleichfalls „zum Klü})pel" '. Dieses wurde in den 90er Jahren 
abgerissen. Dass nun von den an seiner Stelle erbauten 
Häusern, dem Eckhaus und dem neben dem Hotel Monopol 
gelegenen Restaurant der Name Klüppel geführt wird, ibt 
historisch unberechtigt. 

Schon im letzten Decennium des 15. Jahrhunderts bestand 
der Klüppel aus zwei nebeneinander gelegenen Häusern, von 
denen das grössere, das an den „Pfau" in der Eselsgasse 
(jetzt Edelstrasse) anschloss, „der grosse" oder „alte Klüppel" 
liiess, während das kleinere nach dem heute längst verschwundenen 
Adelgundistor zu gelegene Haus — jetzt Nr. 19 — „der kleine 
Klüppel" genannt wurde. Ende des 16. Jahrhunderts wechselten 
die Namen beider Häuser insofern, als man den grossen Klüppel, 
der aus irgend einem Grunde, vielleicht wegen Baufälligkeit, 
neu gebaut worden war, den neuen Klüppel nannte. Beide 
Häuser brannten im Jahre 1656 nieder, wurden aber noch 
in demselben Jahre unter Hineinziehung eines grössern Geländes 
wieder aufgebaut, wobei der kleine Klüppel die reich ornamen- 
tierten, vielfach in einander verflochtenen Eisengitter erhielt, 
die wir daselbst heute noch als Beweis der hohen Entwicklung 
unserer heimischen Kunstschmiederei bewundern könne. 



') Das Terrain gehörte ehemals als Garten zu dem letzten Hause am 
Adelgundistor und wurde am 26. April lü70 von den Kindern Johann, 
Gerhard und Anna Margrethe Meess, die der Rat mündig erklärt liatte, dem 
Besitzer des kleinen Kltippels Simon Moll verkauft. (Stadtarchiv Aachen, 
Realisationsprotokolle 1669 — 73, fol. 138). 



11 



Der alte Klüppel, aus Biuclisteinen und Quadern in der 
Foi-ni eines Ronibus massiv aufg-efüiirt, war, wie wir einer Ur- 
kunde des Jahres 1497 entnclinien, mit Zinnen g-ekrönt, so dass 
mit Recht auf die Ausführung- des Gebäudes in gotischem 
Stil geschlossen werden darf. Kr zeig-te also äusserlich im 
wesentlichen das gleiche Bild 
wie heute, denn dass nicht an 
einen gotischen Zinnengiebel 
gedacht werden muss, sondern 
nur an wagerecht nebenein- 
ander laufende Zinnen, folgt 
aus dem Wortlaute der Ur- 
kunde ^ Die 95 cm bis l m 
dicken Umfassungs- und Grund, 
nuiuern, die teils zu Tage liegen, 
teils bei einer im Jahre 1878 
vorgenommenen Ausschachtung- 
des hintern Kellers blossgelegt 
wurden, reichen ebenso wie die 
Kreuzgewölbe des vordem 
Kellers bis in den Anfang des 
16. Jahrhunderts zurück. 

Schmucklos von aussen, weist 
auch das Hausinnere nicht die 
geringste architektonische Ver- 
zierung auf, und alles deutet 
darauf hin, dass der Bau in den 
letzten Jahrhunderten mehr als 
Lager, denn als Wohnung ge- 
dient hat. Die in der. Rück- 
wand befindlichen 8 m hohen 
und 1,20 m breiten drei Rund- 
bogenfenster, von denen die Fenstergitter am kleinen Klüppel. 
beiden äusseren früher einmal 

zur Hälfte vermauert wurden, zeigten bis in die 80er Jahre 
des 19. Jahrhunderts vom Alter getrübte, in Blei gefasste kleine 
Scheiben. Dass die im ersten Stock „im Gemach neben dem 
Fleischsöller'' zur Strasse hin gelegenen beiden Fenster ums 

') Auch die Zcichnuugcu :uif den Stadtplänen des 10. uiul 17. .Talir- 
hunderts zeigen Scitengiebel. 




Jahr 1598 mit Wappen und riiscliriftcii g-eschmückt waren, geht 
aus einer Notiz hervor, die sich am Schlüsse der Consistorial- 
protokolle im Archiv der evangelischen Gemeinde befindet. 

Aus der Familie des ersten uns bekannten Besitzers des 
Hauses wird Hermann Cluppel schon im Jahre 1385 in lokalen 
Urkunden erwähnt K Er besass ein Haus up dat Ysern 2, in 
der Krämers trasse beim S. Foillankirchof, das 1439 seiner Witwe 
Bele gehörte und nach deren Tode auf ihren Sohn Hermann 
Cluppel (1487^) und ihren Enkel den Schöffen Hermann von 
Drimborn übergingt Ihr Sohn Wilhelm bezog 1436 von der 
Stadt 20 Gulden Erbrente, wird aber weiter nicht mehr er- 
wähnt. Wie es scheint, war auch Mathias (Thys) Kluppel, der 
uns durch das um 1460 angelegte Grafschaftsbuch des Albrechts- 
thors als Besitzer des Hauses in der Adelgundisstrasse unkundlich 
nachgewiesen ist, ein Sohn des schon 1385 erwähnten Hermann 
Cluppel des Alten ; denn an seinem Hause, wie auch an dem- 
jenigen unter der Kram, besass Peter von dem Buschofstave, 
ein Schwiegersohn Hermanus von Drimborn 1470 einen Anteil^. 
Weiter gehörte zu diesem Geschlecht wohl Clais Cluppel in 
der Bennentstrasse (Bendelstr.), der 1447 — 69 als Eigentümer 
eines Hauses im Wirichsbongart genannt wird, das sein Sohn 
Severin erbte '^. Ein Bruder des letztern, Heinrich Cluppel, 
war mit einer Tochter des Schöffen Peter von den Bück ver- 
heiratet, dessen reichen Nachlass er im Jahre 1445 mit seinem 
Schwager Wilhelm Koch' teilte. Mit ihm erlosch 1478 dieser 
Zweig. 



^) Laurent, Stadtrechnungen, p. 310. 

^) Yser, hier Kette. Sperrvorrichtung ^um Friedhof der S. Foillan- 
kirchc. Vgl. Pick, Aus Aachens Vergangenheit, S. 343 f. — Ein Eckhaus 
„das Eysern", welches Unter der Kräin neben dem Gang zum Münster und 
dem Hause „die Rose" hxg, wurde am 9. Januar 1712 von Paulus von 
Thenen und seiner Frau Katharina Moes für 3000 Rthir, an die Ehegatten 
Johann Michel Reull und Katharina Pael verkauft. 

'*) Rentbuch des h. Geistspitals im Stadtarchiv, S. 219. 

*) Bcle Cluppel kaufte am 14. Dezember 1439 von Wilhelm von Lintze- 
nich 24 Mudden Roggen Erbpacht zu Lasten eines Hofs zu Haaren. (Vgl. 
Staatsarchiv zu Wetzlar, H 1 308/4499). 

^) Kgl. Staatsarchiv zu Düsseldorf, Schöffenstuhl Aachen, Grafschafts- 
buch des Albrechtsthors, fol. 25 v. 

®) Dgl. Wirichsbongart-Grafschaftsbuch, fol. 30 v. 

') Derselbe war mit Martyne von den Bück verheiratet. 



Dei' sclion i^-enannte Matthias Kluppel bezog- von der Stadt 
neben einer Rente von 25 Gulden am 1. Januai- und einer von 
10 Gulden am 2. Januar, im April 1434 noch 20 Gulden, in deien 
Genuss er sich noch sieben Jahre später befand'. Er besass auch 
einen Zins an dem neben der Aldegnndiskirche gelcg-enen grossen 
Pont'schen Hause ^ den er und seine Frau Lyse dem Bastai'd 
Johann von Heinsberg- für 300 Gld. verkauftet Nicht nur 
diese Renten, sondern auch der Umstand, dass sein Wohn- 
haus in der Adelgundisstrasse völlig- unbelastet war, legen 
Zeugnis ab von seinem Reichtum. Dass sein Name in der 
Stadtgeschichte bisher unbekannt geblieben ist, und dass -wir 
nicht einmal wissen, ob und in welcher Weise er an der Stadt- 
verwaltung teilgenommen hat, haben wir nur der Dürftigkeit 
des uns aus seiner Zeit erhaltenen urkundlichen Materials zu- 
zuschreiben. Besitzen wir doch nicht einmal ein lückenloses 
Verzeichnis der Aachener Bürgermeister, überhaupt keins der 
Schöffen, wie viel weniger eins der Ratsmitglieder! 

Klüppels Haus in der Adelgundisstrasse wurde im Jahre 
1450 seitlich begrenzt vom Hause zum Pfau*, das damals dem 
Junker Konrad von Hairen gehörte, und einem der drei Wohn- 
häuser des Schöffen Gerard Beissel von Heisterbach, die dieser 
am 30. Mai 1456 an Wilhelm Pickelei r verkaufte. Im Jahre 
1464 wird Matthias Klüp]>el noch in seinem Hause .^neyst das 
hauß zum Pawe" genannt -^ aber sechs Jahre später finden 
wir es im Besitze des in der lokalen Geschichte durch seine 
Ämter und seine Wohltätigkeit wohlbekannten Bierwirts Peter 
von dem Buschofstave am Radermarkt ^ Dieser verkaufte es 
am 17. Juli 1470 an den Aachener Rentmeister Johann von 
Guilich für einen in Jahresfrist abzulösenden Zins von 22^2 



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) Stadtarchiv zu Aachen, J 17 und 38. 



'O Jetzt Präsidialgebilude. 

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^) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, A 99/116. Johann von Heinsberg 
übertrug die Rente am 16. Dezember 1460 auf Hermann von Drimborn. 

■•) Heute Nr. 21 in der Edelstrasse. 

^) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, S 2778/9352, fol. 51. 

^) Radermarkt, heute Müustcrplatz. Das Haus zum Buschofstave lag 
zwischen dem Hause zur Maus, wo gegenwärtig noch Gastwirtschaft betrieben 
wird, und dem h. Geistspital, zu dem es später gezogen wurde. Peter von 
dem Buschofstave stammte aus der Familie von der Hagen, die schon im 
14. .Talirhuiulcrt von dem Hause den Namen annahm. 



— 14 — 

Gld. Von Johann von Guilich wissen wir, dass er auch im 
Jahre 1466 Rentmeister war, und dass er das Haus zum alten 
Stern in der Adalbertstrasse (Albrechtstrasse) besass. Seine Frau 
war Sibilla (Bille) von der Heggen, eine Tochter des 1482 ver- 
storbenen Färbers Jakob von der Heggen in der Futtermühle auf 
dem Mühlenbach ^ Da sie im Jahre 1487 „von Guilich in der 
Adelgundisstrasse" bezeichnet werden ^, darf man wohl schliessen, 
dass sie in das Haus Klüppel eingezogen sind. Zu ihrer Zeit 
bestand dasselbe nur aus einem Bau. Erst im Jahre 1490 
wurde das Nebenhaus, das uns bald unter dem Namen „der 
kleine Klüppel" begegnet, dazu erworben. Im genannten Jahre 
legte der jülich'sche Meier in Aachen Johann Lentz wegen 
eines verfallenen Zinses Beschlag auf das nebenan zum Adel- 
gundistor hin gelegene Haus und kaufte es für Johann von 
Guilich ^, der der Schwiegervater seines Bruders Lentz op den 
Driesch war. Vom alten Klüppel übertiiig sich der Name auf 
das Nebenhaus, das zum Unterschied als kleiner Klüppel 
bezeichnet wurde. Mit dem Tode des Rentmeisters von Guilich 
fiel die Erbschaft an seine Kinder Arnold und Katharina, von 
denen letztere mit Lentz op den Driesch verheiratet war, 
einem Bruder des schon genannten Meiers und des durch seine 
Wohltätigkeit und die Gründung der Brudersciiaft „von dem 
schmerzlichen Leiden Christi (1504) bekannten Pastors an S. 
Peter Wilhelm Lentz ^. Am 29. Mai 1497 teilten die genannten 
Schwäger das Haus, von dem die betreffende Urkunde sagt: 
„dat huis tzeu Klüppel, so wie dat mit allen synen rechten 
und tzobehoir stiet und gelegen iß an sent Aligundenportz neest 
Pickelliers panhuis und neest dem huis und erve genant tzen 
Pauwe^" In dieser Erbteilung kam, wie es dort weiter heisst, 
„dat klienlmys mit der portzen und mit den achterhuys neest 
Pickelliers panhuys" an Arnold, während Lentz das grosse 



*) Heute Sandkaulbach. 

*) Wirichsbongart-Grafsehaftsbuch, fol. 26. 

■') Albreehtsthor-Grafsehaftsbuch, fol. 26. 

'') Wilhelm Lentz, Sohn von Lentz op den Driesch d. A. und Engel 
Wolff, kommt 1487 als Mitglied des Sendgerichts vor, f 1509 und wurde 
im Chor der Regulierherrenkirche begraben. (»rabschrift bei Quix, 
S. Peter, S. 11. 

^) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, R IH/56. 



— 15 — 

Haus „mit der tzynnen und mit dem stalle" ' neben dem Pfau 
unter der Bedingung- erhielt, dass der hinter beiden Erbteilen 
herführende Tunnel „zo ewigen dagen" bleiben sollte. Der 
Keller unter dem grossen Klüppel fiel ebenfalls beiden Häusern 
gemeinschaftlich zu, die Verbindungsthür zum kleinen Klüppel 
sollte vermauert werden und für den Fall, dass das grosse 
Haus einen Brunnen bohren oder eine Kanalanlage machen 
Hesse, sollte dem kleinen Plause gegen Eirstattung' dei' halben 
Kosten die Mitbenutzung gestattet sein. 

Diese Vereinbarungen verloren jedoch vorderhand ihren 
Wert durch die an dem selbigen Tage gegen 300 oberrheinische 
Gulden vollzogene Übertragung des grossen Klüppels auf den 
Rentmeister Arnold von C4uilich, wodurch das Ganze wieder in 
eine Hand kam. Lentz op den Driesch starb bald nach Tliäti- 
gung dieses Aktes, und seine Witwe heiratete Karl von Ran- 
denraide gt. von Berchem ^. Sie überlebte aber auch ihren 
zweiten Mann und da sie ihren, wie man deshalb wohl annehmen 
darf, kinderlos verstorbenen Bruder Arnold von Guilich beerbte •', 
fiel ihr nicht nur der grosse, sondern auch der kleine Klüppel 
zu. Im Jahre 1520 finden wir sie als Witwe und Leibzüchterin 
im kleinen Klüppel; der grosse Klüppel war inzwischen nach 
dem Tode ihrei' jung verstorbenen Kinder Johann, Lentz und 
Katharina Lentz*, auf ihre jüngste Tochter erster Ehe Maria 
Lentz übergegangen, die in die Cisterzienserabtei St. Joeris- 
busch zu Kinzweiler eingetreten war und das Haus an den 
genaimten Konvent gebracht hatte. Aus der zweiten Ehe lebte 
eine Tochter Sibilla von Randenraide bei der Matter im kleinen 
Klüppel^. Als diese zu mündigen Jahren gekommen war, erhob 
sie auf den grossen Klüppel Anspruch, der durch einen Vergleich 
beendet wurde. Am 9. Oktober 1520 einigte sie sich mit der 



') Hier wird mau unter Stall woiil Werlihaus verstehen dürfen, unter 
welchem Begritf 1708 „zwei Werkhäuser oder Ställe" vorkommen. Anders 
bei Pick a,. a. 0. S. 321, Anm. 2. 

^) Urkunde im Archiv der evang. Gemeinde in Aachen. 

^) Auffallend bleibt jedoch, dass Johann von Guilich (geb. 1494), der 
1540 Rentmeistor w'ar, mit demselben Wappen siegelte, also zu derselben 
Familie zu gehören scheint. 

*) Kgl. Staatsarchiv zu Wetzlar, G 13/50, fol. 23. 

') Urkunden dru Klüppel betreffend, 1520 — 1614, im Archiv der 
evangelischen Gemeinde. 



— 16 — 

Äbtissin Ag-nes von Haymboicli dahin, dass ihr (Sibilla) der 
Klüppel neben dem Pfau für 150 Radergulden überlassen wurde. 
Zudem bewillig'te man ihr die geringe Anzahlung von nur 25 
Gulden und fünfjährige Ratenzalilung von je 5 Gulden, während 
die dann noch übrig bleibenden 100 Gulden erst nach dem Tode 
ihrer Mutter, der die Leibzucht zustand, bezalilt werden sollten. 
Sibilla heiratete den reichen Patrizier Gerlach Radermacher 
und wurde die Mutter des Stadtsyndikus Dr. iur. Gerlach 
Radermacher oder Rotarius, der sich auf dem Reichstag zu 
Augsburg 1 555 durch seine glänzende Beredsamkeit einen Namen 
gemacht haben solP. Nachdem die Witwe Katharina von 
Randeraide am 25. Oktober 1537 auf die ihr zugesprochene 
lebenslängliche Nutzniessung am grossen Klüppel verzichtet 
hatte, übertrugen ihn GerlachRaderinacher und seine Frau 
für einen zu Gunsten von Grietgen Slicher ablösbaren 
Jahreszins von 21 Joachimsthaler und 1 Thlr. Erbzins auf 
Anton (Thoenis) Slicher 2. Bald nachher löste dieser die 
Rente mit 425 Thaler ab. Jetzt erhoben aber der Wirt 
und Goldschmied Johann Speckhewer, Johann BeuUart und 
Peter von Roide als Nachkommen von Geschwistern des im 
Jahre 1500, wie sie unrichtigerweise annahmen, kinderlos ver- 
storbenen Lentz op den Driesch Anspruch auf die gesamte 
Erbschaft desselben. In dem vor dem Aachener Schöffenstuhl 
geführten Rechtsstreite konnte jedoch ihr Irrtum nachgewiesen 
werden, und sie mussten daraufhin am 7. Mai 1544 die Ver- 
zichtserklärung abgeben^. Trotzdem appellierten sie in Ge- 
raeinschaft mit ihrem Vetter Jakob Heiman aus Türkheim ans 



') So berichtet wenigstens Meyer S. 450, § 55. Ferdinand, so führt 
Meyer aus, habe die „Wohlredenheit" des Syndikus so bewundert, dass er, 
„um diesen Cicero noch einmal zum reden zu bringen, sich blicken liess, 
als ob er dessen Vortrag nicht recht verstanden hätte". Radermacher 
wiederholte seine Rede. „Alsdann aber wandte sich der König zu seinen 
Räten und sagte: ihr Oberländer lernet reden von dem Niederländer." Diese 
Erzählung verdient aber wenig Glaube, denn Gatterer berichtet S. 160 genau 
dasselbe zum 16. März 1557 von einen Syndikus Alfred Gülcher, der Ver- 
treter von Jülich, Cleve und Berg gewesen sein soll. Dr. Gerlach Rader- 
macher, der 1527 in Aachen geboren wurde, begab sich um 1590 zu seinem 
P'reund .Tustus Lipsius nach Antwerpen, kehrte aber 1598 in seine Vaterstadt 
zunick. 

■') Vgl. Macco, Die reformatorischen Bewegungen, S. 23. 

^) Orig. Urkunde im Archiv der evangelischen Gemeinde. 



— 17 — 

Reichskamnierofcricht, und noch jahrelang- bildete der Klüppel 
den Zankapfel der streitenden Parteien '. Auch der Aachener 
Jurist Dr. Eberhard von Haren, dessen Schwiegermutter eine 
Nichte von Lentz Lcntz war, suchte sich einen Anteil an der 
reichen Hinterlassenschaft zu sichern, wurde aber gleich den 
übrigen Prätendenten abgewiesen. Aus der Familie Schleicher 
(Slichei') nennen uns die Urkunden 1539 Grietgen, 1544 deren 
Sohn Anton und 1578 Agnes Schleicher als Eigentümer des 
Klüppels. Letztere heiratete den Bürgermeister Wilhelm Engel- 
brecht, der ums Jahr 1570 starb. Er gehörte zu denjenigen 
Protestanten, die im Jahre 1559 die Petition an den Reichstag 
in Augsburg um Gewährung einei' Kirche für die Aachener 
Evangelischen unterschrieben und besiegelten -. Obschon er 
zu jener Zeit dem lutherischen Glauben angehörte, muss er 
sich später wie alle übrigen Mitglieder seiner Familie doch den 
Calvinisten angeschlossen jiaben, und so hören wir denn, dass 
seine Witwe Räume im kleinen Klüppel den Reformierten für 
Predigten, Taufen und Einsegnungen zur Verfügung stellte, 
wofür ihr das Consistorium zur Recompens einige Tonnen Bier 
vereiirte, dei'en Zahl zwischen zwei und vier schwankte. Am 
21. Juni 1578 verkaufte sie mit Bewilligung ihres Schwieger- 
sohns Peter Kern und der Curatoren ihrer unmündigen Kinder 
den grossen Klüppel „mit Schreinwerk, Stall und Hinterhaus" 
für 2094 Kurfürstentalei' an den städtischen Werkmeister 
Matheis von der Banck, der ihn für seine Enkel Matheis, Gilles 
und Johann von der Kannen bestimmte. Diese leisteten aber 
am 30. Juli 1584 „mit Halm und Mund" darauf Verzicht, worauf 
JMathois von der Banck den Klüppel für 1800 Thaler zu 2(3 
Mark seiner Enkelin Anna von der Kannen, Frau von Arnold 
Pillera, übertrug. Auch Pillera gehörte zur reformierten Ge- 



') Die Prozessakten befinden sich jetzt im Kgl. Staatsarchiv zu Wetz- 
lar, R 13/56. 

'') Orif^. -Urkunde im Archiv der evangelischen Gemeinde. Dieselbe ist be- 
siegelt von Adam von Tzevol, Wilhelm Engelbrecht, beide Altbürgermeister, 
Johann von Hirtz gt. Landskron Schöffenmeister, Karl Gronendael Schöffe, 
Franz von Enden Weinmeister, Gilles von der Kannen Baumeister, Piermann 
Bertolf alias Prost, Roland von der Kannen und Michael Bunsch alias 
Leuwen, alle Ratsverveandte, Meister Wilhelm Pastor, Adolf von Lintzc- 
nich, Baltasar von Lintzeuich, Ludolf von Lintzenich, Johann Ainia und 
Christof Stomrael, Bürger. 



-- 18 — 

meinde. Von seinen nächsten Verwandten waren Servals Pillera 
in den Jahren 1577 und 78, Christoffel Pillera 1583 Diakone 
derselben. Da auch er den grossen Klüppel der Kirchengemeinde 
überliess und ihr auch später verkaufte, geht man wohl in der 
Annahme nicht fehl, dass ihn diese Absicht schon beim Ankauf 
leitete, ja dass er vielleicht in direktem Auftrag des Consistoriums 
handelte und nur der politischen Verhältnisse wegen mit seinem 
Namen für die reformierte Gemeinde eintrat. War doch am 
17. April desselben Jahres von den ksl. Commissaren die Ab- 
stellung der „Nebenpredigten", d. h. aller protestantischen 
Predigten verlangt worden, infolgedessen die Predigten und 
Zusammenkünfte in noch grösserer Stille und Heimlichkeit er- 
folgten, als bisher. Hierdurch erklärt sich auch die nur ganz 
allmählich vollzogene Übersiedlung in den grossen Klüppel. 
Am 10. März 1585 fiel die ausgehungerte Stadt Brüssel, in der 
die niederländischen Protestanten eingeschlossen waren, dem 
Prinzen von Parma in die Hände, und unzählige Scharen der- 
selben flüchteten zum Rheine. Obdach und Schutz suchend 
finden wir sie bald nachher vom Niederrhein bis zur Pfalz zer- 
streut, und mancher Ort verdankt ihrem Gewerbsfleiss, insbe- 
sondere der Einführung neuer Industriezweige sein Aufblühen. 
Kein Wunder, dass auch Aachen, das sie auf ihrem Zuge 
berührten, für viele eine dauernde Wohnstätte wurde, dies um 
so mehr, als sich gerade gegen Ende der 80 er Jahre daselbst 
die Aussichten für die Protestanten günstiger zu gestalten 
schienen ^ 

In Aachen war die reformierte Gemeinde, die wegen ihrer 
grössern Anlehnung an die lutherische Lehre eine, man kann 
wohl sagen, vermittelnde Stellung zwischen Calvinisten und 
Lutheranern einnahm ^, die stärkste der neuen Confessionen. Sie 
hatte schon zu Anfang der 80er Jahre des IG. Jahrhunderts 
vier Häuser, in denen ihre Prediger Gottfried Vell, Peter Pe- 
dius und Johann Oetzenrad den Gottesdienst versahen. Obschon 
daselbst nicht nur an Sonn- und Festtagen gepredigt wurde, 
sondern auch häufig bei Kerzenschein an Abenden in der Woche, 
reichten doch bald die meist kleinen und deshalb ungeeigneten 
Privaträume nicht mehr aus, und so beschloss das Consistorium 



*) Vgl. Macco, Die reforinatorisclion Bewegungen, S. 26 folg. 
") Der stärkste Beweis bierfür ist die Tbatsache, dass die Aachener 
Calvinisten die Augsburger Agende benutzten 1 



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19 — 

iui Stelle der vielen Häuser, e i n einziges grosses Haus zu 
wählen, in dem sicli die ganze Gemeinde versammeln könne. 
Ihre Wahl fiel auf den geräumigen alten Klüi)i)cl. Während 
man von den bisherigen „Bethäusern" den Lewenberg am obern 
Bücliel noch bis zum Jahre 1589 beibehielt', wurde aus den 
übrigen, dem kleinen Klüppel, der „Schwartzenburg" in der 
Jakobstrasse und dem „Schloss" — später „Wälsche Predigt"^ 
genannt — in der Wirich sbongartstrasse, das wenig umfang- 
reiche, aus Sitzbänken, Stühlen und Tisclien bestehende Inventar 
in den grossen Klüppel gebracht. Die einfache Einrichtung 
wurde dann durch Anschaffung neuer Bänke vermehrt und 
durch Errichtung eines Predigtstuhls vervollständigt"^. Der 
langgestreckte, halbdunkle Raum bot mit seinen kahlen, glatten, 
weiss getünchten Wänden ein charakteristisches Bild der in 
übertriebener Einfachheit hergestellten „Predigthäuser" protes- 
tantischer Gemeinden damaliger Zeit. Aber aus dem Privathause 
war ein Tempel Gottes geworden. Nachdem sich die Pfalz- 
grafen Johann Casimir und Johann am 29. Februar 1588 zu 
Gunsten der Reformierten bei Bürgermeister und Rat der Stadt 
Aachen verwandt hatten, wagten die Kirchenältesten noch in 
demselben Jahre den Erwerb des grossen Klüppels als Bethaus 
der gesamten deutsch-reformierten Gemeinde in Aachen. Es 
war zwei Tage vor Weihnachten des Jahres 1588, als der 
grosse Klüppel für 2400 Thli-. an die reformierte Gemeinde 
überging. Von der Kaufsumme, die teils durch Schenkungen, 
teils durch Darlehn von der Gemeinde aufgebracht worden war, 
wurde die Hälfte sofort, der Rest am 22. August 1590 an 
Pillera bezahlt*. 



') Laut ßechuung-sbiich der reformierten Gem. betrug die Miete für 
deu Lewenberg vierteljährlich 260 Mark. Die letzte Eintragung lautet: (1589) 
Sept. 16. Jacob Rasch zalt aus bevehl des consistorio von verlaufen zens 
unde bauw 25 Thlr. = 650 ra. 

-) Am 20. Oktober 1666 verkauften die Ehegatten Heinrich und Susanna 
Bronner ihrem Schwager C!ornelius Grovenberg 7/8 Anteil an dem in 
Wirichsbongart neben Anton Dautzenborg gelegenen FTause „zur Welschen 
Predigt" i'iir laSS'/^ Thlr. (Stadtarchiv Aachen, iiealisationsprotokoUe 1665 
bis 68, fol. 184 H.) 

•'') Alle auf den Kliijjpel in seiner Beziehung zur reformierten Gemeinde 
geuKichten Angal)en stützen sich auf Eintragungen in den Consistorial- 
protükoUen. 

■•) Die Zahlungen sind durch Buchungen in das 1577 angelegte Ein- 
und Ausgabebuch verbürgt. Demgegenüber fehlt die .\ufklärung für die 



Werfen wir jetzt wieder eiuen Blick auf den kleinen 
Klüppel. Schon seit Mitte der 80 er Jahre, als man die 
Predigten daselbst eingestellt hatte, w^T,r dieser vom Consistorium 
für einen der Prediger gemietet worden ^ Dort wohnte 
lange Jahre Johannes Christianus gt. Oetzenradius, der durch 
sein im Jahre 1580 im Löwenstein mit den Lutheranern ge- 
haltenes Religionsgespräch bekannt g-eworden ist. Dort ist er 
auch am 4. Juni 1597 nach voraufgegangener Krankheit ge- 
storben ^. Ein halbes Jahr später zog seine Witwe in das ihr 
von der Gemeinde gemietete Haus des Bäckers Johann Neissen 
neben dem Minoritenkloster. 

Aus den alten Rechnungsbüchern im protestantischen Kirchen- 
archiv geht, trotz ihrer lakonischen Kürze, durch gelegentlich 
eingestreute Angaben und Abrechnungen mit Zuverlässigkeit 
hervor, dass vom Jahre 1592 ab im Klüppel tagsüber Schule 
gehalten wurde. Bereits 1583 finden sich Ausgaben für den 
Schul- oder Lesemeister Johann Kühnen von Merken in der 
Lille, einem Hause, das in der Marschierstrasse lag. Kühnen 
bezog für Unterrichtung der Jugend und für Vorsingen beim 
Gottesdienst ausser freier Wohnung jährlich 20 Thaler. Neben 
ihm wirkte 1587 noch Meister Paulus Vrancken als Lehrer der 
Lateinschule, die aber nicht prosperierte und bald wieder 
eingingt. 

Im Juni des Jahres 1597 wurde auch der kleine Klüppel 
von der Kirchengemeinde käuflich erworben. Hierbei bekundete 
sich abermals ihre Opfei'willigkeit und ihr Reichtum. Stiftungen 
auf Stiftungen zu Gunsten des neuen Kaufs erfolgten. Im Jul. 
stifteten Seigneur Paul von Soldt, Junker Johann Crümmel, 
Peter Bauwens, Einehen und Gillis Ross, die Witwe des Gelb- 
giessers Jacques von Fieldt circa 700 Thlr., die Ältesten 
Abraham von Colin und Jordan Peltzer kollektierten 129 Thlr. 



von mir in meinem Ruche über die ref. Beweg. S. 24 erwähnte Quittung des 
Arnold Pillera vom 14. März 1614. Vielleicht hatte man die Absicht das 
Haus als gemietet auszugeben, um die Einziehung zu verhindern. Wozu 
aber die Quittung 1614? 

') Am 18. Januar 1592 mieteten die Diakone Gillis Eoss und Johann 
von Beeck für den Prediger Johann Badeus ein Haus auf dem Holzgraben. 

') Die Behauptung Peter a Beecks (p. 274) wird hierdurch widerlegt. 

•') Die ersten Schulen der Protestanten sind schon in den 60 er Jahren 
des 16. Jahrhunderts nachweisbar. 



- 21 — 

und (lurcii Sclieiikiiiigcn des Johann Frentz, Adam von Zevel, 
Wilhelm vun Set.terich, Lambert von Becck, sgr. Buirette u. A. 
war bis März 1598 die 150G Thlr. betragende Kaufsumme auf- 
gebracht. 

Die politischen Vorgänge des Jahres 1598 sind zu bekanet, 
um sie hier noch zu wiederholen. Am 30. Juni 1508 wurde 
die Reiciisacht über die alte Kaiserstadt ausgesprochen, am 
28. August legten Scliöffen und Rat ihr Amt nieder, und die 
Katholiken übernahmen wieder das Stadtregiment. Viele 
Protestanten verliessen die Stadt. Durch das Verbot jedweder 
gottesdienstlicher Verrichtungen nach den Vorschriften des 
Protestantismus wurde auch der Klüppel geschlossen und, wie 
berichtet wird, mit dem kleineu Klüppel von der Stadt beschlag- 
nahmt. 

Während des ganzen Jahres 1599 unterblieben von 
Seiten der Reformierten alle öffentliciien gottesdienstlichen 
Handlungen. Die Prediger hatten die Stadt verlassen. Es ist 
daher anzunehmen, dass die Nachrichten, die der Chronist 
Meyer ^ über versuchte Predigten und über Bestrafungen der 
wider das Pi'edigtverbot handelnden „Protestanten" gibt, sicli 
auf die Lutheraner oder Wiedertäufer, vielleicht aber auch auf 
die Wallonische Gemeinde bezielien, denn die Consistorialproto- 
kolle — der Reformierten — hoben ausdrücklich hervor, dass 
erst am 2. Januar IGOO die Wiederaufnahme des Gottesdienstes 
beschlossen wurde. Aber nur unter den grössten Schwierig- 
keiten und unter Beobachtung besonderer Vorsicht konnte in 
der Folge in Privathäusern gepredigt werden. Sogar der Auf- 
enthalt der Prediger war tiefstes Geheimnis und nur den 
Diakonen bekannt. Donnerstag den 5. Januar 1600 fand im 
Rosenbad die Bestätigung der neuen Prediger durch die refor- 
mierte Gemeinde statt; in den Klüppel ist dieselbe aber nie 
wieder eingezogen. 

Beim Aufstande des Jahres 1611 spielte der Klüppel inso- 
fern eine Rolle, als die Reformierten, wenn auch ohne Erfolg, 
seine Herausgabe als Predigthaus für ihre Gemeinde forderten. 
Auch in den Jahren 1629 bis 33 kehrte diese Forderung, diesmal 
durch die Generalstaaten als Herren von Limburg gestellt, 
wieder, jetzt mit der Drohung, „dass im Falle der Weigerung 



') Meyer, Aacbensche Gesehicbtcu, S. 517, § 70. 



— 5^ 



die Mittel bereit seien, die Forderung durchzuführen." Audi 
hier entsprach die Stadt nicht dem an sie gestellten Verlangen. 
Inzwischen benutzte die Stadt, wie schon in der Einleitung- er- 
wähnt, den Klüppel als Krämeracciswaage, weshalb ihm an 
Stelle des bisherigen Namens auch der Name „die Waag" bei- 
gelegt wird, während ein Haus, das gegenüber, neben dem 
Kloster der ürsulinerinnen lag, im Jahre 1689 und 1722 unter 
dern Namen Klüppel vorkommt^. Eine Verordnung des Rats 
vom 31. August 1656, welche in der Ediktensammlung des 
Staatsarchivs enthalten ist, möge hier Platz finden, da sie uns 
Aufschluss gibt über Art und Weise, in der die alten Räume 
im Dienste der Stadt Verwendung fanden. Der Wortlaut ist 
folgender: 

„Wir etc. fuegen hiemit menniglichen zu wißen und zugleich 
gebieten, das alle inkommende fuiirleuthe oder dräger, welche 
einige waaren oder gueter geladen oder inbringen, dieselbe 
seyen under der crämeraccießwaeg gehörig oder nicht, recht 
von der stattpfortten nach der statt waag (den Klüppel genant) 
ohne die karren und packer unterwegen zu entbinden, weder 
einige abzusetzen, zu kommen schuldig sein sollen ; und das- 
jenig, so einbracht oder geladen, alda richtig zu erkleren und 
anzugeben, umb zu sehen, was zu selbiger accins gehörig und 
nach beschehener angebung daselbsten visitiren und nach be- 
lieben der bedienten dero vorß. waag daßelb abwaagen zu 
laßen" u, s. w. 

Die Feuersbrunst am 2. Mai 1656 legte auch die beiden 
Häuser Klüppel bis auf einen Teil der Umfassungsmauern in 
Asche, aber noch in demselben Jahre wurde ihr Wiederaufbau 
vollendet, und so trägt denn der Schlussstein über dem Thor- 



^) Am 16. November 1689 schenkte der Stadtfäbnricli Johann Jakob 
Moes seinem Bruder Johann Goswin als Erkenntnis filr wiederholt gegebene 
Darlehen, sein Drittel Anteil an dem nach dem Stadtbrand errichteten Hause 
mit Bauplatz, der Klüppel genannt, zwischen dem Hause der Witwe Franz 
Emonts und dem Hause der ürsulinerinnen gelegen. (Stadtarchiv Aachen, 
Roalisatious-Protokolle, 1689—91, fol. 201). Theodor Moes mit Maria Elisa- 
beth Bauwens, s. Fr., verkaufte am 31. Oktober 1722 seinem Bruder Johannes 
Moes mit Margarethe Greven, s. Fr., seinen Erbteil an Haus und Hof „an 
den Klüppel" neben den Ürsulinerinnen und dem Hause des Wolter Cloot, 
das ihm vor 35 Jahren von seinem in der Fremde verschollenen Bruder 
Matheis Moes zugefallen war. (Real. Prot. 1721—23, fol. 347 v.) 



— ^^ 



hogeii des grossen Kliip[)cl.s die Jahreszulil 1()5(>. Seinem Zwecke 
entsprechend halte man bei letztenn wieder die alte Einfachheit 
beibehalten. P]r enthielt g^rosse Lager- nnd Arbeitsrännie, sowie 
strassenwärts eine Wohnung für die Malzwagdiener. Diese 
unterstanden dem Wagemeister, der die städtische Accis für 
eine bestimmte, von ihm gebotene Summe auf ein Jalir pachtete. 
So kam es, dass nui- wolilhabende Männer die Stelle als Wage- 
meister bekleiden konnten, und deshalb sah der Rat schon bei 
der Vergebung darauf, dass der Zuschlag nur einem geachteten 
und durchaus geeigneten Manne erteilt wurde '. Als am 5. März 
1716 der Wagpächter Niklas Mantels wegen der im abgelaufenen 
Jahre infolge der Einquartierung kaiserlicher Tiuppen gehabten 
Ausfälle und Schmälerung seiner Einnahmen beim Rate um 
Entschädigung einkam, ermässigte man seine Pacht auf 5500 
Taler, immer noch eine ganz bedeutende Summe. Zwei Mo- 
nate später musste Mantels über die Thorwächter klagen, 
welche nach seiner Meinung die in die Stadt kommenden Karren 
und Kaufmannsgüter ungenügend visitierten und ihn dadurcli 
in seinen Einnahmen schmälerten. Ein anderes i\[al argwöinite 
er, die abends einfahrenden Wagen würden nur aus dem Grund 
bei Dunkeliieit zur Stadt gebracht, um ihn besser betrügen zu 
können. In diesen Klagen spiegelt sich aber lediglich die 
Missstimmung über seine schlechten Einnahmen wieder, die bei 
der hohen Pachtsumme begreiflich sind. 

Im Sommer desselben Jahres wurde im Rate beschlossen, 
die Malzwage in das „Grosshaus von Aachen" in der Pont- 
strasse zu verlegen. Dieses Haus, das vor dem Stadtbrand 
„Der Ruppenstein" genannt wurde, war 1495 vom Schöffen 
Heinrich Dollart neu erbaut worden und am 20. Mai 16G6 
durcli Tausch gegen das Haus zum Pfau in den Besitz der 
Stadt gelangt ^. Heute befindet sicli dort das kgl. Polizeipräsidium. 
Im Anschluss an den vorerwähnten Beschluss beauftragte der 
Rat in der Sitzung vom 25. August 1716 den Weinmeister 
Brammertz, die beiden Baumeister und den Architekt Laurenz 



^) In der ersteu Hälfte des 17. Jahrhunderts kummcu Heinrich von 
Gemmenich, Martin von Gangelt, Görd Fibus und der Katsäckretär Karl 
von Münster als Wagemeister der Stadt vor. 

^) Stadtarchiv Aachen, Realisationsprotokolle 1665 — 68, fol. 141. Da 
das Haus der Pfau geringwertiger war, als „das Haus von Aachen", so 
bezahlte die Stadt noch 1180 Thaler und 20 Dukaten Verzichtspfennig. 



— 24 — 

Metferdatis, das Haus iu der Pontstrasse >ohne viel Kosten" 
schnellstens für die Stadtwag-e herzurichten. Im Jahre 1717 
fand die Übersiedlung aus dem grossen Klüppel statt ^. 

Oben ist bereits gesagt worden, dass auch der kleine 
Klüppel 1598 von der Stadt beschlagnahmt worden sein soll. 
Ob dies wirklich zutritft. erscheint aber fraglich ; denn be- 
rücksichtigen wir, dass 1599 in den Consistorialprotokollen 
von der Vermietung des kleinen Klüppels an den Bierwirt 
Wilhelm Decker die Rede ist uinl dieser 1600 bis 1601 als 
Bewohner desselben erwähnt wird, so wird die Beschlagnahme 
doch zunächst nur den grossen Klüppel getrotfen haben. 

Dass aber auch der kleine Klüppel in den Besitz der Stadt 
gelangt ist, ersehen wir aus einer Urkunde vom Jahre 1608. 
Am 14. Februar dieses Jahres verkauften Bürgermeister, Schöffen 
und Rat der Stadt die ., Behausung, Hof und Erbschaft der 
klein Klüppel genannt, wie selbige mit derselben hindern Be- 
hausung auf unser Mittelstadt-Mauer mit seinem unterm grossen 
Klüppel liegenden Keller und Pütz stehet bei S. Albertsmittel- 
pfortzen,'' zwischen dem grossen Klüppel und dem Hause des 
t Cornelius Hu^'ser für 900 Thlr., sowie 400 Thlr. Belastung, 
an die Ehegatten Jakob Moll und Margarethe Braumann ^. 
Über 150 Jahre blieb das Haus in dieser Familie. Als zu 
Anfang des Jahres 1750 der Rat beschloss, den hinter dem 
kleinen Klüppel liegenden Wassergraben auszuti'ocknen und 
den Platz dann zum Bebauen auszubieten, erhob die Witwe 
Jakob Moll dagegen Einspruch, und bat, sie ,,durch einige 
neuerliche Verlej'hungen nicht kränken oder turbieren zu wollen." 
Aufgefordert ihre Rechte nachzuweisen, bezog sie sich am 
13. Februar auf den Kauf brief von 1608, sowie eine Ratserlaub- 
nis vom 7. September 1713. Nach ersterm wurde ihren Vor- 
eltern das Recht eingeräumt, die in der Seitenmauer des grossen 
Klüppels befindlichen zwei oder drei Fenster zu .überbauen. 
Durch letztere erhielt ihr Schwager, der kurzpfälzisclie Rat 
niid Referendarius. Stadtsyndikus Dr. Georg Moll die Erlaubnis 
zum Bau zweier Zimmer auf das Hinterhaus, das aus jenem 
Wassergraben seine Pumpe .speiste und einen Ablauf in den- 
selben hatte. 



M Pick a. a. 0. S. 455, Anm. 5. 

*) Urkunden-Kopie im Stadtarchiv, auf die Herr Archivar Pick mich 
aufmerksam zu machen die Güte hatte. 



- 25 — 

Während des g-anzen 18. Jahrhunderts hören wir nichts 
mehr vom Klüppel; seine für die Stadt;;,^eschichte bemerkens- 
werte Zeit war vorüber, und nur durch den Umstand, dass der 
Weinwirt Josef Giesen, der zu Anfang' des vei-flossenen Jahr- 
hunderts im kleinen Klüppel Gastwirtschaft eröffnet hatte ', das 
an der Stadtmauer erbaute neue Restaurant mit dem Namen 
Klüppel bezeichnete, ist wenigstens sein Name erlialten gei)lieben 
und in weiteren Kreisen bekannt g-eworden. 

Dennoch hat vorübergehend nochmals der kleine Klüppel 
eine bescheidene Rolle in Aachen gespielt. Er war als eins 
der ersten öffentlichen I.okale der Stadt mit Gas erleuchte^ 
und während des Fürsten-Kongresses 1818 waren seine gast- 
lichen Räume ein beliebter Sammelplat/ der Diplomaten und 
vornehmen Badegäste, nicht minder der ersten Aachener Fa- 
milien. Tm Jahre 1837 mietete ihn der Kaufmann Albert 
Offermann, in dessen Besitz er am 28. Dezember 1865 durch 
Kauf von dei' Witwe des Landgerichtsrats Thewaldt, Katharina 
geb. Giesen. in Köln, überging. 

Dem Weinwirte Giesen aber waren seine zahlreichen Gäste 
in das neue Restaurant auf dem Stadtwall gefolgt, und so 
kommt es, dass wir heute mit dem Namen Klüppel die Er- 
innerung verbinden an manchen fröiilich verlebten Abend. 



') Am 16. Juli 1806 kauften der Schrcincrmeister Hcinricli Josef 
Braminertz und der Weiugastgeber Josef Giesen von den Erben Buchliolz 
den „grossen und kleinen Klüppel, nebst dem Pickeler Panhaus", denen in 
der französischen Zeit die Hausnummer lit. A 1095 und 1096 gegeben worden 
waren. Giesen heiratete am 25. Juli 1806 Helene Borstenbley und eröffnete 
im kleinen Klüppel, der ihm durch Teilung vom 9. August 1816 zufiel, eine 
Gastwirtschaft. Am 29. Oktober 1816 starb Brammertz, worauf Giesen am 
26. Dezember desselben Jahres auch den grossen Klüppel üljernahm, den er 
an verschiedene Firmen als Wollmagaziu vermietete und am 8. Februar 1836 
für 5620 pr. Thlr. der Speditionsgesellschaft Charlier & Trüpel verkaufte. 
Nachdem der grosse Klüppel dem Wollhändler (spätem :\rinister) David 
Hansemiinn und der Tuchfabrik vau Gülpen als Wolllager gedient hatte, 
kam er am 27. Oktober 1858 durch Kauf an .Albert Offermann. 



Geschichte des Ländchens zur Heiden. 

Von t H. J. Gross. 

(Fortsetzung.) 

Offenbar verscliweigen die Jalirbücher die erklärenden Vor- 
gänge und geben <lein Leser ein Rätsel auf. Ich löse mir dasselbe 
folgendermassen. Wilhelm oder sein Vormund hat dem Falken- 
burger das für diesen sehr günstig gelegene Aliud Richterich 
durch Tausch, Verkauf oder sonstwie übertragen; so konnte 
Goswin dasselbe als sein Eigentum betrachten. Der König hat 
jedoch aus irgend einem Gi'unde die Rechtsbeständigkeit dieser 
Übertragung nicht anerkannt und das predium nach des Pfalz- 
grafen Tod als der Krone anheimgefallen zurückgefordert. So 
konnte der Annalist dasselbe als „königliches" Gut bezeichnen. 

Goswin wollte sich jedoch seines vermeintlichen^ Eigentums 
nicht ohne weiteres begeben. Darum übertrug König Konrad 
die Geltendmachung seiner Forderung dem Herzog Heiiu'ich von 
Limburg. Hören wir nun unsere Jahrbücher. Sie erzählen zum 
Jahre 1144: „In diesen Tagen entstand eine heftige, grosse 
Fehde zwischen Heinrich von Limburg und Goswin von Falken- 
bürg, die bekanntlich folgendermassen begann. Heinrich, der 
Sohn Walrams, wurde nach dem Tode seines Vaters selbst 
Herzog. Nach einigen Jahren hinterging ihn König Konrad 
mit List: er solle sein Herzogtum^ fahren lassen, dann werde 
ilim der König ein eben so grosses oder noch besseres Lehen 
geben. Schliesslich jedoch sah sich Heinrich durch dieses 
Versprechen arg getäuscht. 

Goswin seinerseits hatte schon lange zwei königliche Güter 
Gangelt und Richterich in Besitz als wenn sie sein Eigentum 
wären, bis in diesem Jahre der König sie ihm beide wegnahm ^. 



') quasi prupria sagt der Annalist. 

-) Es handelte sieh nicht um Limburg, sondern um Nicder-Lothringen, 
welches Konrad an Gottfried II. übertrug. Vgl. Ernst, Histoire du Liiu- 
bourg III, S. 8G ff. 

^) Um sie dem Heinrich zuzuwenden. 



Da aber Goswiii von seinem quasi Eigentum nii-Jit, abstellen 
wollte, stützte sich Heinrich auf den königlichen Befehl und 
nahm beide in Besitz. In der darauf folgenden Fehde behielt 
Heinrich die Oberhand, so dass er sog-ar seines Geg'ners Slanini- 
sitz Heinsberg- eroberte und verbrannte. Als aber der Liniburg'er 
einsah, dass er vom König-e hinterg-ang-en sei \ Goswin dageg^en 
mit Bedauern erkannte, dass er um seine Allode betrogen worden, 
versöhnten sich beide miteinander^." 

Infolge dessen kam Richterich wieder an das Haus Heinsberg. 
Ein Mitg-lied dieser Familie, Dieterich, dei- abgesetzte Erzbischof 
von Köln, besass unser predium, aber nicht als Allod, sondern 
als Reichslchen und gab es vor seinem Tode (1224) in die 
Hände des Kaisers zurück. 

3. Friedrich IT. belolintc iinnmehr mit diesem „predium in 
Richterich, welches Theoderich von Hemisberch vom Reiche 
gehabt und fieiwillig zui'ückgegeben hatte, die reine Treue, 
die löbliche Hingebung, die angenehmen und lobwürdigen Dienste", 
die Erzbischof Engelbert von Köln dem Kaiser und dem 
Reiche geleistet hatte und noch fortwährend leistete, und gab 
dasselbe „als ein rechtmässiges Lehen der h. kölniscjien Kirche 
und dem Erzbischofe^." 

Somit war das alte pfalzgräfliche Allod — im .Inli 1225 — 
in den Besitz der Kölner Oberhirten gekoinmcn, abei' es sollte 
nicht lange darin bleiben. 

4. Erzbischof Konrad von Hochstaden und sein Bruder, 
Propst Heinrich von Xanten, wollten ihre Familiengüter an die 
kölnische Kirche bringen. Zu diesem Zwecke hatten sie zwei 
ihrer Schwestern mit je 500 iAlark abgefunden. Die dritte 
Schwester machte jedoch Schwierigkeiten. Sie hatte eine Tociiter 
Mechtild, die noch nicht 12 Jahre alt, bereits mit Wali-am 
von Jülich zu Bergheini verlobt war ^ An diesen trat die Dame 
ihre Ansprüche ab, und der Jiilicher schraubte die Oheime. 
Ausser der Abfindungssumme von 500 Mark, für welche bis 
zur Ablösung die erzbischöflichen Gefälle zu Heerlen verpfändet 



*) Weil er kein anderes Lehen erhielt und Gangell mit Jvirlilt'ritli ihn 
für Lothringen nicht entschädigen konnten. 

-) Ann. Rod. Krn.st, Histoire du biinlionrg. VIL 55, I'ertz. ;\Ion. 
Germ. bist. XIV, 717. 

') Laconiblet, Urkundenbuch II, 122. 

*) Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins XI, 140 (Y. 



— 28 — 

wurden, erhielt Walram 400 Mark zahlbar in drei Terminen, 
eine jährliche Tlente von 100 Mark, die gcinze Forderung, die 
den Hochstaden an dem Herzog von Geldern zustand, endlich 
1000 Mark, die der Herzog von Brabant denselben ebenfalls 
noch schuldig war. Bis diese Herren ihren Verpflichtungen 
nachkämen, wurden Walram jährlich aus den Einkünften in 
Richterich, Bardenberg und Broich 90, aus den Renten in 
Zülpich, Geich, Füssenich und Eilich 110 Mark angewiesen ^ 
5. Um 1312 kamen die Besitzungen der Herren von Berg- 
heim und damit auch die Rentberechtigungen an den drei 
erstgenannten Orten an den Hauptstamm, die Grafen von Jülich ^ 
Bald wurde aus der Rente volles Eigentum. In einer Urkunde 
von 1336 genehmigt Graf Wilhelm von Jülich den Verkauf 
eines Gutes, das in seiner „iurisdictio de Richtergin " lag. 
Den Erzbischöfen von Köln blieb in unserm Bezirke nur die 
Lehnsherrlichkeit über einige auf dem Boden des alten pfalz- 
gräflichen Allods gelegene Güter wie Ürsfeld, Küppershof, 
Geuciit, Rosenberg, Bücken, Stelnstrass, Wilberg. Diese wurden 
bei der kurkölnischen Mannkammer zu Heerlen mit Gold, Silber 
und Ausschwör ung des Lehnseides erhoben. 

II. Die Entstehung der Herrschaft Heiden. 

Herzog Wilhelm II. von Jülich bildete aus den Dörfern 
Richterich, Bank, Streinstrass ^, Berensberg und Eigelshofen'^ 
eine jülichsche Unterherrschaft, welche er dem Ritter Godart 
von dem Bongart, Herrn des Hauses Heiden ^ für 3000 alte 
Goldschilde mit aller Gerechtigkeit und Gerichtsbarkeit ver- 
pfändete. Die Gerichtsbarkeit Reinards von Schöuforst auf 
dessen Besitzungen in Schönau, auf den Gütern Maschereils, 
Seiners Bruders, und der Frau von Ulpich, soweit dieselben im 
Gebiete der neugebildeten Herrschaft lagen, sollte durch die 
Verpfändung nicht berührt werden. Das geschah im Jahre 
1361 ^. Seit dieser Zeit treten die bezeichneten Ortschaften, 
die das alte predium Richterich bilden, unter dem gemein- 



M Lacomblct, Urkundenbuch II, 342. 

-) Zeitschrift des A<acheiier Geschieh tsvercins XII, 201. 

^) Jetzt Horbach. 

*) In der Bank Kirchratb, Hell. Limburg. 

5) Bei Horbach. 

^) Lacomblct, Urkundenbuch III, 524. 



— 29 — 

saiiien Namen „Läiulchen, Herrscliart, Uiitei'lierrscliaft von der 
Heiden, zur Heiden'' auf. Es ist aber zu bemerken, dass Eigels- 
hofen immei' eine gewisse Sonderstellung- eingenommen und wohl 
nicht zu dem rrühern plalzgräflichen Allod Richterich gehört hat. 

Diese Darstellung- von der Entstehung unserer Herrschaft 
weicht ab von der durch J, J, Michel gegebenen ', der auf- 
fallenderweise die Nachrichten der Klosterrater Jalirbüchei- gar 
nicht herangezogen hat. Zur Begründung meiner Ansicht, be- 
ziehungsweise zur Abweisung der Ansicht meines verstorbenen 
Freundes mögen folgende Bemerkungen dienen. 

Es muss meines Bedünkcns ein Unterschied gemacht werden 
zwischen dem „Hause" und der „Herrschaft" Heiden. Ein 
„Haus" zur Heiden hat es vielleicht schon im 13., sicher aber 
seit dem Anfange des 14. Jalirhunders gegeben, von der „Herr- 
schaft" Heiden aber, um die es sich hier handelt, kann erst seit 
1361 Eede sein. Das hat Michel nicht beachtet. Er sagt in 
der Abhandlung über die „Jülichsche Unterherrschaft Heiden": 
„So weit wir nach dem noch vorhandenen Quellenmaterial, Ursprung 
und Entstehung dieser Herrschaft wie auch ihre Dynasten verfolgen 
können, müssen wir die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts als 
Ausgangspunkt ansetzen. Gleich nach der Schlacht bei Worringen 
(1288) überträgt nämlich der siegreiche Herzog Johann T. von 
Brabant das Amt eines Burggrafen in dem ihm zugefallenen 
Herzogtum Limburg dem Ritter Gottfried von Bongart und 
ernennt zugleich dessen Sohn, Ritter Arnold von Bongart, zum 
Drosten von Herzogenrat. Dieser letztere nun tritt uns als der 
erste Herr von Heiden entgegen, ohne dass wir urkundlich 
feststellen können, ob derselbe bereits vor seiner Ernennung 
zum Drosten von Herzogenrat auf Heiden gesessen oder erst in 
folge dieser Ernennung sich dort angebaut und niedergelassen 
hat. Wahrscheinlich ist wohl ersteres, insofern nämlich die 
Burggrafen und Dynasten aus dem angesessenen Adel der Um- 
gegend genommen zu werden pflegten -. Nach dem Tode des 
Herzogs Johann I. von Brabant (1294) kam Heiden, wir wissen 
nicht bei welcher Gelegenheit, unter die Oberherrlichkeit der 
Grafen von Jülich ^, und Ritter Arnold, der erste Herr von 



') Zeitschrift des Aacheuer Geschiclitsvereins V, 242 fif. 

-') Aucli in eben erst croliertcn Gebieten? 

') Aber wir lialien oben gezeigt, wann das iirediiun Kicbtericli an die 



Tüliclicr liaui. 



— 30 — 

Heiden, trägt dem Grafen Gerard von Jülich im Jahre 1303 seine 
Burg- als ein offenes Haus auf und „soll vom genannten Haus 
zer Heiden dem Jülichschen Grafen .... kein Schaden .... 
erwachsen." Zu dieser Zeit bestand das Ländchen zur Heiden, 
welches seinen Namen .... dem damals meist noch ungerodeten 
Zustand seines Bodens (Haideland) verdankt, nur aus jenen 
Ortschaften und Weilern, welche in der Endsilbe ihres 
Namens das Wort „Haide" zeigen. Die Dörfer Richterich, 
Bank u. s. w. gehörten damals noch nicht zu Heiden . . . ." 
Als Ortschaften dieser Herrschaft Heiden nennt der Verfasser 
dann in der Note: Pannesheide, Klinkheide, Schützenheide, 
Kohlscheid, Vorscheid. 

Michel will den Ursprung der Herrschaft Heiden 
aufweisen, in der von ihm angeführten Urkunde von 1303 ist 
jedoch nur vom Hause zur Heiden Rede. Mit dem Hause ist 
aber noch nicht die Herrschaft da. Ebensowenig spricht Ernst 
in der von Michel angeführten Stelle von einer Herrschaft 
Heiden, er erzählt nur, dass Gottfried von Bongart zum Sene- 
schall von Limburg, und dessen Sohn Arnold zum Kastellan von 
Herzügenrat ernannt worden sei. Auch sieht man nicht, dass 
in den angezogenen Urkunden einer Herrschaft Heiden Erwähnung 
geschieht. Was aber am auffallendsten ist, Arnold selbst sagt 
kein Wort von einer Herrschaft Heiden, er spricht nur von 
seinem so benannten Hause, er nennt sich nicht Herr zur Heiden, 
sondern einfach Arnoldus miles dictus de pomeris ^ Wenn wir 
demnach den Sätzen über den ersten Herrn zur Heiden eine 
genaue Fassung geben wollen, so müssen wir sagen : Arnold 
ist der erste Herr des Hauses Heiden, er tritt uns als erster 
Besitzer dieses Hauses entgegen. 

Was weiter über die Herrschaft Heiden gesagt wird, spricht 
ebenfalls gegen eine solche. „Damals (1303) gehörten die Dörfer 
Richterich u. s. w. noch nicht zu Heiden." Ganz richtig, aber 
ziehen wir dieselben ab, was bleibt dann noch für die Herrschaft 
übrig? Nichts oder doch nur ein sehr unbedeutender Rest, 
dei" um so wertloser ist, als nach Michels eigener Aussage der 
Boden aus Heideland besteht, der sich damals in meist noch 
ungerodetem Zustande befand. Das wäre eine schöne Herr- 
schaft gewesen, besonders für einen Ritter, der eine nicht un- 



') Sie die ürkundo Ix'i Strange, Genealogie der Herrn und Freiherrti 
von Bongart S. öj. 



- 31 — 

bedeutoiule Rolle bei seinem Fürsten spielte und demselben 
sogar bedeutende Sumiuen vorstrecken konnte. 

Aber Miciiel nennt doch eine ganze Reihe von Ortschaften, 
welche zu dieser Heirschaft gehört haben sollen! Er bleibt 
jedoch auch den Beweis dafür schuldig, dass die Ortschaften 
bereits im Anfange des 14. Jahrhundeits bestanden und eine 
Herrschaft bildeten. Wer aber auch nur die Namen derselben 
betrachtet, eikennt, dass sie erst in späterer Zeit angelegt 
worden, beziehungsweise zu Ortschaften ausgewachsen sind. 
Bestanden sie schon „danuils", d. h. um 1303, dann konnte sich 
auch der Boden nicht mehr in meist ungcrodetem Zustande 
befinden, denn wovon hätten sonst die Bewohner gelebt? 

Der Grund und Boden, auf dem das Heiden erbaut wurde, 
war ein Teil des alten pfalzgräflichen Allods Richterich, das 
nach 1248 in den Besitz des Hauses Jülich übergegangen war. 
Daraus erklärt sich auch am einfachsten das Lehnsverhältnis, in 
das die Bongart zu den Giafen von Jülich traten, als sie 
das Haus Heiden bauten. Nachdem letzteres vorhanden war, 
musste der Gedanke, sich das undiegende Gebiet vom Herzoge 
Wilhelm für die Schuld von 3000 Goldschilden verpfänden zu 
lassen, den Bongart von selbst kommen ^ 



') Die Besprechung der obengeuannten Abhandlung bringt uns auch 
auf die Deutung zweier Ortsuameu, die dort gegeben wird. Ivliii tcheide 
soll seinen Namen von dem Klink spiele haben, „weiches die Bewohner des 
Ländchens auf dem dortigen grossen Platze" zu treiben pflegten. Ob das 
Kliukschlagen jemals ein Spiel für Erwachsene gewesen ist, weiss ich nicht; 
jedenfalls passt Michels Beschreibung nicht auf dieses Spiel, das er mir 
mit dem sogenannten „Sauschlagen" zu verwechseln scheint. Aber nach der 
Analogie von „Klink", das kleine Holz beim Klinkschlagen, liesse sich wo! 
„Klinkheide" als kleine Heide und „Klinkloch" als kleines Loch deuten. 
Der Name Kohlseheid ist ganz modern und kommt erst seit dem vorigen 
Jahrhundert vor. Er hat mit Heiden gar nichts zu thun. Zunächst wird 
das Wort nie weiblich gebraucht, wie die mit Heiden zusammengesetzten 
Ortsnamen. Der Ort hat immer „der Scheädt", Scheid-Höhe geheissen; das 
passt auch. Denn Kohlscheid liegt ziemlich hoch. So nennt auch bis heute 
das Volk, das jetzt bedeutend angewachsene Dorf. Alan wohnt „op 'ne 
Scheädt", man geilt „no gene Scheädt" ; das sind die Formen, die der 
Einwohner wie der Umwohner stets gebraucht. Und wo in den örtlichen 
Urkunden des vorigen Jahrhunderts die Bezeichnung Kohlscheid gebraucht 
wird, findet man daneben den Namen mit dem männliclien Gesclilcclitswort, 
7.. B. „auf dem Kulilscheid" ; beim Adjektiv aber regelmässig die alte Be- 
zeichnung z, B. „scheiter weg" u. s. w. 



32 — 



III. Die Herren des Ländchens bis zur französischen 

Revolution. 

Das Haus Heiden, nach dem man die ganze Unter- 
herrschaft nannte, hat selbst seinen Namen von der Heide, in 
die es hineingebaut worden ist. Es besteht aus einer doppelten 
Burg-anlage, aus einem g-rössern weitgedehnten Ziegelsteinbau 
des 17, und aus einem kleinern Bruchsteinbau des 14. Jahr- 
hunderts. Während der erstere aus wirtschaftlichen Gründen 
notdürftig- in baulichem Zustande erhalten wird, bietet der 
letztere ein trauriges Bild des Zerfalles. Noch erheben sicii 
Reste des Burgfrieds, der Ecktürme und Mauern, elende Zeugen 
der waffengewaltigen Zeit, der sie entstammen : aber drinnen 
ist nichts als Lehre und Öde, Schutt und Schmutz. Wie um 
die Rauheit der Anlage zu mildern, hatte ein späterer Besitzer 
dem starren Donjon an der einen Längsseite des Burgplatzes 
eine zierliche Halle angebaut und ihre Bogen auf sechs reich- 
verzierte mit schönen Kapitalen geschmückte Säulen gestützt, 
aber der letzte Bongart hat die Säulen weggenommen und die- 
selben als Terassenträger an dem neuhergestellten Schlosse zu 
Paffendorf verwendet. 

1. Arnold aus der Familie von Bongart- Weissweiler ^ 
erscheint im Jahre 1303 als erster Herr des Hauses „zer Heiden". 
Er gab damals dem Grafen Gerard von Jülicii das eidliche 
Versprechen, dass diesem und seinen Getreuen kein Schaden von 
dem Hause aus geschehen solle ^. Er ist auch wohl der Er- 
bauer der Burg gewesen und hat bei Anlage derselben gemäss 
der Sitte jener Zeit seinem Lehnsherrn dieses Gelöbnis abgelegt. 
Bevor die Bongart Vasallen des Hauses Jülich wurden, standen 
sie schon in Diensten des Herzogs von Brabant-Limburg. 
Herzog Johann I. ernannte nach der Schlacht bei Worringen, 
die ihm Limburg einbrachte, unsern Arnold zum Kastellan des 
Schlosses Herzogenrat, während der Vater Gottfried die Würde 
eines Seneschal von Limburg bekleidete^. Beide führten den 
Rittertitel. 1292 vermittelten sie eine Vereinbarung zwischen 
der Oberin des Klosters Sinnich und der Frau Irmgard von 



') Vgl. Zeitschrift des Aacbencr Gcschiehtsvereins VI, 249 ff. 
*) Strange, Genealogie der Herrn .... von Bongart S. 4. 
*) Ernst, histoire du Liuibourg, V, S. 5. 






I 



^'-^V.' 



Jl^^. 



^BifK 




— 33 — 

Reyde, Witwe von Limburg- \ Noch im Jahre i;{07 beauftragte 
Herzog- .luhann II. von Hrabant seinen Seneschal von Limburg-, 
Gottfried von Bongart, die Klagen zu untersiudien, die die 
Abtei Burtscheid über Bedrückungen durcii liniburgische Be- 
amte bei ihm erhoben hattet Wie hinge Arnohl von Bongart 
die Stelle des Kastellans von Herzogenrat bekleidet hat, lässt 
sich nicht feststellen; aber als Johann IL im Jahre 1310 diese 
Burg für eine Summe von 4000 Pfund schwarze Turnosen an 
den Grafen Gerard von Jülich verpfändete, war Hertbern ge- 
nannt Muel im Amte'^. 

a Arnolds Sohn und Nachfolger war Gotthard von 
Bon gart (1342—1378). Er spielte bei den Jülichern eine 
wichtige Rolle. In seine Zeit fällt die Erhebung dieser hoch- 
strebenden Familie zuerst zur pfalzgräflichen (1336), dann zui- 
herzoglichen Würde (1356). Dass Gotthard das Vertrauen 
seines Fürsten genoss, ersehen wir u. a. auch aus dem Umstände, 
dass er am 28. April 1355 eine Sühne zwischen dem Mark- 
grafen Wilhelm und dem jülich'schen Erbdrosten Dietrich von 
Aldenhoven ordnetet Sodann übertrug ihm der Herzog 1358 
die Verteidigung von Stadt und Land Falkenburg, d. h. Gotthard 
übernahm die Verpflichtung, das ihm anvertraute Gebiet auf 
eigene Kosten zu verwahren, zu verwalten und zu verteidigen"^; 
dagegen wies ihm der Herzog 11000 Mark aus den Gefällen 
des Amtes Wilhelmstein an. Ausserdem wurde Gottfried zum 
Amtmann von Wilhelmstein und Cornelimünster ernannt. 

Wegen einer Summe von 3000 alten Goldschilden, die 
Herzog Wilhelm II. ihm schuldete, erhielt er sodann im Jahre 
1361 und zwar zunächst auf Wiederlöse die oben genannten 
fünf Ortschaften als Pfand. Wie also Arnold von Bongart als 
erster Herr des Hauses, so erscheint Gotthard als erster 
Herr der Herrschaft Heiden, die für iim durch Herzog 
Wilhelm gebildet worden ist. 

Im Jahre 1370 war die Schuld noch nicht zurückgezahlt. 



'•o' 



Gotthard erhielt am Sonntage Oculi des genannten Jahres eine 
neue Verschreibung, durch die ihm die Herrschaft auf Le- 

') Das. S. 10. 

2) Das. S. 24. 

") Das. S. 21 f. 

*) Eichard sou, Gesch. der Merode II, 174. 

^) Vgl. Ernst a. a. 0. V, S. 119 Aimi. 2. 



— 34 — 

benszeit übertragen wurde. Freilich kostete ihm diese Grunsi 
schweres Geld : er musste dem Herzog 5000 kölnische Mark 
geben, von denen 2000 Mark an Goedert Bongart, 3000 an die 
Herzogin auszuzahlen waren ^ Auch wurde ihm die Bedingung 
auferlegt, dass nach seinem Tode die verpfändeten Ortschaften 
ganz frei und ledig ohne irgend eine Entschädigung an den 
Herzog zurückfallen sollten. Wir geben im folgenden die 
wichtigsten Stellen der bereits bei Strange ^abgedruckten Urkunde 
nach einer späten Abschrift im Gemeindearchiv zu Richterich. 
„Wir Willem .... doen kunt .... dat wy . . . . overdragen 
han mit hern Godert, denie lieren van der Heiden, as van den drie 
dusent alden güldenen Schilden .... dat wir denselven hern 
Godert darvor as nu gesazt han ind setzen .... in onse goede, 
dorpere ind gerichte van Richterghen, van der Banck, van 
Steinstrassen, van Eigelshoige ind van Bernsberg mit allen 
gebuchten, hoeven, woningen, renten, gülden, beden, schatzingen, 
scheffen, schelfenstoilen, laessen, beluden, upkominge, ervalle, 
willibant^ klockenslage, dienste, gerichten ho ind neder, under 
der erden ind darin boven .... neit uisgescheiden .... also 
dat .... her Godert .... diese vorschreven unse goede ind 
dorpe mit ihren zobehoeren . . . . sine leefdage ind niet 
langer haven halden ind besitzen sal . . . . ind damit bruchen^ 
ind bössen, bevelen ind gebeden as mit sinen eigenen goede. 
Ind na dot desselven lieren Goderten .... alsdan solen die 
.... goede ind dorpen .... los ind ledig widerum an uns 
herzogen .... comen ind ervallen syn sonder einig gelt darfür 
zo geven . . . ." Der Herzog verheisst den verpfändeten Ort- 
schaften Schutz und Schirm wie seinem eigenen Lande und 
verspricht für den Fall, dass die Orte oder ihre Bewohner 
„gewoist, gebraut, gevangen, geslagen, geschediget of gedyliet" 
würden, weder von Gotthard noch dessen Erben Ersatz zu 
verlangen. Er behält sich sodann die zu beiden Seiten der 
Wurm gelegenen und zu Wilhelmstein gehörenden Wiesen vor 
und fährt fort: „Ind behalden euch hern Reynarde dem heren 
van Schönvorst op deme goede van Schoenauwe ind wilne heren 
Messchriels sins broders ind der vrouwen van Ulpich ire moinen 



^) Strange a. a. 0. S. 7. 

2) Das. S. 96. 

3) Wild bann, Strange hat „wiltbande". 
•*) Bei Strange verdruckt: brechen. 



— 35 — 

op erem g-oede zo Sclioenanwe, dat zo Richterg-iu binnen dem 
kirspel ind in den anderen .... dorperen ind kirspelen mag" 
geleg-en syn . . . . op wilcliem ereme goede van Sclioenauwe 
her Reynard .... die gerichte haven ind lialden sal ....'* 
Es folgt die Zustimmung- der Herzogin, Maria von Geldern, 
und die Benennung der anwesenden herzoglichen Räte: „her 
Werner van Breidenbend, her Johan van Harve, her Daniel 
van Türnich ^ ind her Goedert van Nyvenheim, ritter." 

„Gegeven in den jaeren ons heren 1370 des sondachs in 
der vasten als man singt Oculi" (17. März). 

Gotthard hatte im Jahre 1342 seine Burg- Heiden dem 
Markgrafen Wilhelm von Jülich als offenes Haus gegen jeder- 
mann mit Ausnahme des Erzbischofs von Köln aufgetragen. 
Hierüber kam es später zu Irrungen zwischen ihm und Herzog 
Wilhelm IL, die 1360 durch einen Schiedsspruch der vier in 
der Urkunde von 1370 genannten Heri'en beigelegt wurden. Es 
sollte sein Bewenden haben bei der ersten Abmachung von 1342. 

Den Herrn von Schonau gegenüber hatte Gotthard gleich 
nach Erlangung der Herrschaft Heiden schriftlichen Verzicht 
auf jeden Eingriff" in die Schönauer Gerichtsarbeit gegeben -. 
Im Jahre 1373 gab er eine neue Erklärung ab, wonach er 
sich selbst und seine Untertanen derselben gegebenenfalls 
unterwerfen werde, wenn nämlich er oder die seinigen im Ge- 
biete von Schönau Güter erwerben sollten. „Wir Goddart iierr 
zur Heiden thun kund .... dass wir .... unsen magen und 
broderen^ herrn Johannen Mascherei und Goddarten van Scho- 
naw gebroderen geloft lian und globen, ihnen und ihren lüden, 
laessen und gerichten ind goederen van Schonaw und Ulpich 
geine noth, hindernus noch achtertheil nimmermehr zo doen 
.... Mar wer et Sachen, dat wir of unse undersassen einige 
lehen of laesgut kregon mit recht .... underden lierren 
Mascherei und sinen broder Goddart von Sdionawen und Ul- 
pich, die sullen mit mehrder recht staen end gefordert werden 
vor dem gericht ind herlichkeit ind goeder van Schonawe 
und Ulpich'^." 

') Strange hat „Eirnicb". 

') Quix, Schönau S. 13. 

=>) Vettern. 

■*) Absclirift in cinciii Prozessakt des vorigen .Jahrhunderts. Schönauer 
Archiv. 



— 3G — 

Die Meinungsverschiedenheit über den Umfang der Schö- 
nauer Gerichtsbarkeit führte später zu zahllosen Pi'ozessen 
zwischen den Heidenern und Schünauern, über die in meiner 
Abhandlung „Schönau" ^ des weiteren berichtet worden ist. 

Die Ehe Gotthards mit Agnes von Frankenberg ^ war 
kinderlos. Unter dem Titel einer Schuldverschreibung über 
10000 Goldsulden setzte Gotthard 1367 den ältesten Sohn 
seiner Schwester Mechtild, die den Ritter Heinrich von 
Gronsfeld geheiratet hatte ^, in seinen gesamten Besitz ein^, 
und Johann von Gronsfeld trat nach dem am 5. Dezember 
1378 erfolgten Tode seines Oheims das Erbe an. 

2. Die Herrschaft Heiden war gemäss der Bestimmung von 
1370 durch den Tod Gotthards „los und ledig" an den Herzog 
von Jülich zurückgefallen. Indessen Hess sich derselbe be- 
stimmen, sie dem Johann von Gronsfeld gegen eine Summe von 
1029 Goldgulden zunächst auf Wiederlöse zu verpfänden 
(14. Dezember 1374). Die Belehnung erfolgte am 15. März 
1375 ^ So kam Heiden an ein Mitglied der Familie Gronsfeld, 
dem jedoch die Feindschaft seiner Verwandten, der Bongart 
und Schönau, ein gewaltsames Ende bereitete. 

a Johann von Gronsfeld, Herr zur Heiden (1374 bis 
1386) war ein tüchtiger und angesehener Mann, der sich des 
besondern Vertrauens des Herzogs von Brabant, seines Lehens- 
herrn, erfreute. Er war u. a. Drost von Limburg und Her- 
zogenrat ^ und Erster Geschworener des Herzogs beim Land- 
friedensbunde '^. Zu letztem! Amte war Johann besonders 
geeignet, denn er ging den Raubrittern scharf zu Leibe. Eine 
Bande solcher Leute, die sich „Rutheri nannten aber in Wirklichkeit 
Diebe und Räuber waren" ^, machte zu jener Zeit das Herzog- 
tum Jülich unsicher. Als einer derselben auch ein limburgisches 
Dorf geplündert hatte, machte Johann an der Spitze Lütticher 
Bürger sich auf und zerstörte die Schlupfwinkel der Räuber. 



') Zeitschrift „Aus Aachens Vorzeit", Band IX und X, 
'^) Strange a. a. 0. S. 8 Anm. 2. 

^) Vgl. Strange, Beiträge I, 49. Trauquinet, Les Schoonvorst, Urk. 
VIII, S. 80. 

*) Strange, Genealogie S. 8, 98. 

^) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvercins V, 248. 

«) Ernst a. a. 0. V, 150. 

^) Das. 141. 

8) Das. S. 130 n. 2. 



— 37 — 

Mit der Stadt AucJicn, die ja aiicii ziiiii Laiidfriedciiübiinde 
gehörte, und deren Nachbar er als Herr von Heiden war, trat 
Johann dadurcli in engere Vei'bindung, dass er ihr „Mann" 
oder „geschworener Getreuer" wurde. Sein „Mannlehen" betrug 
jährlich 200 Mark*, die je zur Häll'te um Lichtniess und um 
Andreas fällig waren -, Audi erhielt er jedes Jaln- ein 
Ohm Met als Geschenk^ und, so oft er nach Aachen kam, einen 
Ehrentrunk von meist 4 Sextaren = 24 Flaschen ^ 

Als Vasall des Herzogs Wenzel von Bi-abant zog er mit 
in den Krieg gegen die Herzöge von Jülich und Geldern; in 
der berühmten Schlacht von Baesweiler (3. Nov. 1371) befeh- 
ligte er die 52. Rottet Der Ausgang des Kampfes ist bekannt: 
Die Brabanter erlitten eine furchtbare Niederlage, der grösste 
Teil ihres Adels wurde niedergehauen oder gefangen. Unter 
den Gefangenen befand sich auch unser Johann. 

Um diese Zeit zeigen sich die ersten Spuren der Feind- 
schaft zwischen ihm und Statz (Eustach) von Bongart. Nach 
seiner Befreiung aus der Kriegsgefangenschaft warnte Johann 
den Rat der Stadt Aachen vor dem Statz als einem lügenhaften 
Menschen und fügte dem Briefe eine Abschrift der Heraus- 
forderung bei, die er an Bongart gesendet hatte. Forderung 
und Antwort mögen im Auszuge hier folgen. Während seiner 
Haft, so schreibt Johann, habe Statz Briefe an die Stadt 
Mastricht gerichtet, in denen er seine, des wehrlosen Einge- 
kerkerten Ehre schmählich angreife. Johann wundert sich, wo 
Statz „dy hoerensons verreders lögen vonden ;" er will mit ihm 
„moetwillen end vecliten" und seine Ehre verteidigen „mit 
einen pausier mit einre hüben end beine gewoepent mit einen 
swerde end mit einen mets" unter der Bedingung, dass wer 
den andern verwunde „met hoeni hei wert vüre, sy dot of 
levende, synen wil mis lioem ze doin^'." Bongards Antwort 
lautet nicht feiner. Er beschuldigt seinerseits den Gronsfeld, 
dass dieser „veilschlich verredelich ind düflich'' lüge, und gibt 



') Ungefähr GOO Reichsmark. 
^) Laurent, Stadtrechnungcu 269"; 354 '3. 
3) Das. 272'; 345 2«. 

*) Das. 298 " und oft. Sein Bruder Heinrich folgte ihm auch in diesem 
Verhältnisse. Das. 872 '» und oft. 
^) Ernst a. a. 0. S. 132. 
'^) Quix, Karmcliterkloster, Urk. 53. 



— 38 — 

als Grund der Feindschaft an, Joliaun habe ihm ^Ritterdage 
boislich end verredelich op einen bette slafende schechlich .... 
avegevangen." Vor dem Herrn von Heinsberg will er ihn ^wisen 
gewapent mit einen panzier mit einre hülfen ind mit strich 
hoissen ind mit einen swerde ind mit einen mets" und zwar 
binnen sechs Wochen K Ob die Gegner damals aufeinander 
gestossen, ist unbekannt. 

Nach dem Tode des Herzogs Wenzel von Brabant blieb 
Johann ein treuer Diener der Witwe und Nachfolgerin desselben, 
der Herzogin Johanna. Diese betraute ihn mit der Bewachung 
und Verwaltung der Schlösser und Herrschaften von Gangelt, 
Villen und Waldfeucht ^ Im Jahre 1386 beauftragte sie ihn, 
die Grenzen zwischen Limburg und dem Aachener Reiche bei 
Eupen und Walhorn festzustellen, weil der Aachener Rat über 
Verletzung seiner Rechte durch limburgische Beamte geklagt 
hatte ^ 

Ernst erzählt^, der Herzog von Geldern, Sohn des Herzogs 
Wilhelm von Jülich, habe gegen die Herzogin Johanna Anspruch 
auf die drei der Verwaltung Gronsfelds unterstellten Herrschaften 
erhoben und selbst vei'sucht, Johann zu bestechen. Er teilt 
auch aus Troissart die schöne Antwort mit, die der wackere 
Mann dem Versucher gegeben habe : man dürfe ihm davon 
nicht mehr reden, er wolle lieber sterben als seine Herrin 
verraten. Darauf habe ihm der Herzog einen Feind in der 
Person des Reinard (II.) von Schönforst erweckt, dessen Leute 
Johann töteten. 

Von der Feindschaft der Bongart besonders des Statz 
gegen Johann von Gronsfeld haben wir schon gehört. Vielleicht 
ist sie dadurch entstanden oder doch vermehrt worden, dass 
Johann durch die Schuldverschreibung seines Oheims Gotthard 
von der Heiden in den Besitz dieser Herrschaft gekommen war, 
auf die auch die Bongart Anspruch zu haben meinen mochten. 
Wie aber kamen die Schönau-Schönforst dazu, sich an Grons- 
feld zu vergreifen? Da mir bisher kein anderer Grund 



^) Quix, Kimbiirg S. 65. 

^) Ernst a. a. 0. S. 158. 

3) Quix, cod. dipl. aciiien. N. 315. S. 220. Vgl. Erust a. a. 0. S. 152. 
Gross, Beiträge zur Gescliichte des Aachener Reichs. Zeitschrift: Aus 
Aachens Vorzeit, Bd. VI S. 20. 

*) Ernst a. a. 0. S. 158 und n. 1. 



— ao 

von Bedeutung- au^cstossen ist, vermute ich folg-eiules. In den 
beiden ersten Belelinungen mit Heiden hatte der Jüliciier 
Herzog als Lehnsherr einen Vorbehalt gemacht zu gunsten 
der Scliönforst, indem diesen ihre Gericlitsbarkeit im Schönauer 
Gebiete gewährleistet wurde. In der Urkunde jedoch, welche 
Johann von Gronsfeld mit Heiden belehnte, fehlt dieser Vor- 
behalt, den der Herzog entweder aus eigenem Antrieb oder 
auf Betreiben Johanns hat fallen lassen. Klar ist die Sache 
niclit, aber es waren Ursachen zur Feindschaft vorhanden, auch 
ohne die Verhetzung des Herzogs von Geldern. Das Trauer- 
spiel verlief folgendermassen ^ 

Ein Schönforst, Conrad von Elslo, Bruder Reinards IT., 
lud Johann zu einer Zusammenkunft in Aachen ein, um dort 
die Feindschaft zwischen den Parteien beizulegen. Man kam 
am 25. August 1386 im Hause des Johann von Necken „uf 
dem Kloster" - zusammen. Hier warf sich Engelbert von 
Schönforst, ein anderer Bruder Reinards, mit blanker Waffe auf 
Johann ; während Conrad den Engelbert abwehrte, wui'de 
Gronsfeld durch Statz von Bongart und dessen Knechte er- 
schlagen. Der Mord rief eine heftige Fehde hervoi", die erst 
1389 durch Erzbischof Friedrich von Köln ihr Ende fand. 
Die beiden am Verbrechen beteiligten Parteien wurden zur 
Stiftung von zwei Sühnealtären verurteilt. Gottfried von 
Bongart errichtete einen in der Kapelle zu Buchholz, in dessen 
Nähe das Haus Bongart — eine der reichsten Burganlagen in 
der Umgebung von Aachen — liegt; sein Bruder Statz und Rei- 
uard II. von Schönforst gründeten den andern in der Kapelle 
des Hauses Schönforst zu Aachen ^. 

Herzogin Johanna und mit ihr das ganze Land war über 
die Ermordung des klugen und redlichen Ritters sehr aufgebracht, 
wie Troissart sagt. Als Anerkennung seiner Verdienste über- 
liess sie der Witwe Margaretha von Merode-Hemmersbacli ' und 
dem Bruder Heinrich die Pfandschaft der Dörfer Eisden und 
Cadier mit höhei'er und niederer Gerichtsbarkeit und allem 



') Genaueres siehe bei Gross, Ecinard von Schünau. Zeitschrift: Aus 
Aachens Vorzeit. Bd. VIII S. 64. 

^) Klosterplatz. Qu ix, Karmeliterliloster S. 86. 

3) Quix, Karincliterkloster S. 197. 

*) ßichardson, Gesch. der Merode I, 74. 

*) Ernst a. a. 0. S. 153. Quix, Rimburg S. 64. 



— 40 — 

Zubehör, obwohl diese Besitzungen frei und oline Einlöse hätten 
zurückfallen sollen, wenn Johann vor dem Lehnsherrn starb-''. 
Die Pfandscliaften von Limburg und Herzogenrat mussten jedoch 
gegen eine Summe von 15924 alten Schilden, die von Wassen- 
berg für 425 Doppelgoldstücke auf Befehl der Herzogin an 
Philipp von Burgund abgetreten werden ^ 

b. H e i n r i c h V n G r on s f e 1 d folgte seinem Bruder Johann 
auch in der Herrschaft Heiden (1386 — 1404). Die Belehnung 
durch Herzog Wilhelm von Jülich erfolgte 1387 und zwar auf 
Lebenszeit. Der Herzog von Burgund übei'trng ihm am 22. Juni 
desselben Jahres die Verwaltung und Verteidigung des Landes 
Limburg ^ Heinrich hatte aus seiner ersten Ehe mit Mechtilde, 
Schwester Gotthards von der Heiden, eine Tochter Metza 
(Mechtild). Als er 1382 seine zweite Frau Johanna von Merode- 
Riniburg^ heiratete, gab er die Metza dem Bruder der Johanna, 
Christian von Merode Rimburg, zur Ehe und wurde so dessen 
Schwiegervater und Schwager. Die Doppelheirat war jedenfalls 
eine schlaue Spekulation Heinrichs. Metza war noch nicht 
zwölf Jahre alt; der Vater versprach sie in seiner Hut zu 
halten, bis sie dieses Alter erreicht habe. Auch Christian muss 
noch ein blutjunger Mensch gewesen sein, der die Tragweite 
seiner Handlungen nicht zu überschauen vermochte. Das be- 
weisen die Heiratsverträge. Christian erhielt nämlich einige 
Höfe: den halben Hof zu Matlesberg, den Hof zu Gronsfeld, 
den früher Johann von Printhagen inne hatte, Mittelfronrat bei 
Horbach und den Hof zu Eckelrat bei Gronsfeld. Dafür trat 
er aber das schöne und feste Rimburg samt der Herrschaft an 
seinen Schwiegervater ab'^. Da nun Heinrich nach der Er- 
mordung seines Bruders Johann auch in den Besitz von Heiden 
kam, konnte er zwei Herrschaften sein eigen nennen. Seine 
Freude war jedoch nicht von langer Dauer. Mit dem Alter nahm 
bei den jungen Eheleuten Christian und Mechtild auch die 
Erkenntnis zu, dass sie vom Vater übervorteilt waren. Sie 
foi-derten und erhielten Ersatz. Am 12. März 1396 versprach 
Heinrich von Gronsfeld, dass nach seinem Tode — aber nicht 
früher — Christian Burg und Herrlichkeit Heiden haben und 



1) Ernst a. a. 0. S. 157 ii. 1. 

2) Ernst a. a. 0. S. 157. 

") Tochter Werners III. und der Catbarina von Argeuteau. 

*) Richardson a. a. 0. II, 179. 



— 41 — 

erblich helialteii solle. NebcMi diesem Wechsel auf die Zukunft 
verstand Heini'ich sich noch zu schwereren Opfern. Kr iihorliess 
seinem Scliwiegersohii die Handlelien der Herrschaft Rimburg, 
die auf den Zöllen zu Mastricht und Herzogenrat hafteten, 
unter der Bedingung, dass dieselben nach Christians Tode 
wieder an llimburg zurückfallen sollten, und zahlte ausserdem 
noch die Summe von 7200 schweren alten rheinischen Gulden 
„für Schloss und Herrlichkeit Heiden"', also wohl zui' Ent- 
schädigung dafür, dass er diesen Besitz nicht sofort abtrat. 

Christian teilte die Kauflust mit den adeligen Herrn seines 
Zeitalters. Im Jahre 1394 lag er in Fehde mit Aachen, wobei 
Johann Mabil von Huy sein Helfer war-. Diese sogenannten 
Ritter raubten, brannten, fingen Aachener Bürger und biand- 
schatzten hie, wie die Stadt in einem Briefe an die Herzogin 
Johanna klagt-'. Auch im regelrechten Kriege versuchte er 
sich, aber mit wenig Glück. In der Schlacht im Cleverhamm 
nämlich, die die Jülich-Bergischen am 7. Juni 1397 gegen 
Adolf von Cleve verloren, wurde neben Göddert von Bongard 
und Scheifiirt dem Jungen anch ein Kerstchcn von Ringenberg'^ 
gefangen genommen'', der gewiss unser Christian ist. Krieg 
aber, Gefangenschaft und Loskauf kosten Geld, und so erklärt 
es sich, dass Heinrich „bald darauf' nochmals in die Tasche 
greifen" und einen Schuldschein über 2000 schwere Gulden 
hergeben musste, den sein Oheim Gotthard von Heiden dem 
erschlagenen Johann von Gronsfeld ausgestellt hatte, sowie 
andere „Briefe", die aus dem Heiiatsvertrage Gotthards 
herrührten. Bei dieser Gelegenheit wurde auch das Versprechen 
der si)ätcrn erblichen Übertragung Hoidens an Christian er- 
neuert^ (8. April 1399). 

Christian mag wohl seinem väterlichen Schwager das Wort: 
Was du tun willst, tue bald, eindringlich und wirksam vor- 
gehalten haben, denn am 3. September 1401 räumte Heinrich 
den Eheleuten das Haus Heiden zur Benutzung ein. wobei er 

') Richardson a. a. 0. S. 188. 

'') Zeitschrift des Aachener Geschichtsvcreius IX, 75. 

^) Quix, Rimburg S. 26 Anm. 

*) Ringberg— Rimburg. 

^) Annalcn des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 9, 98. 

«) Nach 1396. 

'') Richardson a. a. U. S. 189. Vgl. das. S. 339. 



— 42 - 

sich allerdings das Eigentuiiisreclit bis zu seinem Tude vorbeliielt^ 
Richardson vermutet, dass Cliiistian einig-en Ersatz habe leisten 
müssen und die Höfe zu Fronrat und Gronsfeld zurückgegeben 
habe, die bald darauf wieder unter den Besitzungen der Grons- 
feld erscheinend 

Mit der Stadt Aachen stand Heinrich in gutem Einvernehmen. 
Er vermittelte 1388 einen Waffenstillstand zwischen ihr und 
Heinrich von der Horst ^; auch war er, wie früher sein Bruder 
Johann, „Mann" der Stadt. 

Der Tod Heinrichs erfolgte um 1404; am 13. Dezember 
1406 wurde Christian von Merode-Rimburg durch den Herzog 
Reinald von Jülich mit Heiden belehnt. Damit ging die Herr- 
schaft an diese Linie des weitverzweigten Hauses 

3. Merode 
über. 

a Christian von Merode-Rimburg war Herr zur 
Heiden von 1404 — 1430. Nach stürmischer Jugend scheint er 
später ruhiger geworden zu sein. Ernst berichtet, dass im 
Jahre 1420 limburgische Deputierte mit der Stadt Aachen einen 
Bund geschlossen hätten, um den Bewohnern ihrer Gebiete den 
heimatlichen Gerichtsstand zu gewährleisten, und dass Wilhelm- 
stein sowie Heiden der Vereinigung beigetreten seien ^. Michel 
weiss über Christian nur zu sagen, dass er bis 1429 als Zeuge 
in Urkunden erscheine und noch vor seinem Tode die Herrschaft 
Heiden an seinen Sohn 

b Werner von Merode (1429 — 1452) abgetreten habe. 
Ein anderer Sohn Christians, Heinrich, war Abt von Stablo 
und Malmedy. 

Als Vasall des Herzogs von Jülich focht Werner in der 
Schlacht bei Linnich am 3. November 1444. Dort erwarb er 
sich auch die Ritterwürde ^ Er hat zweimal geheiratet; seine 
erste Frau war Elisabeth von Cortenbach, die ihm eine Tochter 
Maria gebar, die zweite hiess Margaretha Fey^. 

Elisabeth hatte ihrem Manne 3000 rheinische Gulden in 



») Das. S. 190. 

^) Das. S. 339. 

•■') Zeitschrift des Aachener Gesehiehtsvcrcins V, 250. 

■*) Ernst a. a. 0. V, 204. 

^) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins V, 250. 

ß) Richardson a. a. 0. I, 122 ff. 



— 43 — 

die Elie gebracht, dafür verordnete Werner, dass sie nach seinem 
Tode Aureciit auf das halbe 8chloss Heiden haben solle'. Sterbe 
die Tochter Mai'ia vor der Mntter, so sollten die nächsten 
Erben Heiden mit der g-ieichen Summe auslösen ; sterbe sie nach 
derselben, so solle Heinrich von Gronsl'eld alles erben. Werner 
ist anfangs 1452 gestorben; am 6. April desselben Jahres er- 
klärt Ritter Wilhelm von Nesselrode: Heinrich von Gronsfeld, 
der Vormund des nachgelassenen Kindes Werners, habe ihm 
150 rheinische Gulden von der Pfandschaft des halben Schlosses 
Heiden bezahlt, die der Vater schuldig geblieben war-. 

Maria brachte durch ihre Heirat die Herrschaft Ileiden an 
die Familie 

4. von Schönrade. 

Die Schönrade waren nach Strange ^ ein bergisches Ge- 
schlecht und in der Gegend von Bergheim und Paffendorf be- 
gütert. Marias Mann war 

a Johann von Schön r ade zu Paffendorf und Holzheim, 
Herr zur Heiden bis um 1485; Maria selbst starb ei'st 1515. 
Die Eheleute gelangten auch, wahrscheinlich durch Kauf, in 
den Besitz der Herrschaft Blyt bei Mastricht und führten 
seitdem beide Titel. 1486 bekennt die Witwe Johanns, Maria 
von Merode, Herrin zur Heiden und Blyt, mit ihrem ältesten 
Sohne Johann, dass sie dem Jakob von Gudenrode 416 Gulden 
schuldig seien, und stellen als Büi-gen für diese Schuld Werner 
von Gronsfeld sowie die Brüder Johann und Gerard von 
Cortenbach '. 

Ausser Johann, der fiüh gestorben ist, hatte Maria noch 
einen Sohn, Werner (II.) und eine Tochter Margaretha, die 
den Herrn Winand Mascherei von Winandsrade heiratete. 
Werner zog mit dem Herzog von Jülich in den geldrischen 
Krieg (1498) und wurde vor Rocrmond gefangen. Zur Lösung 
desselben sowie für seine Verpflegung während der Haft musste 
die Mutter 1480 Goldgulden aufwenden. Der Herzog erachtete 
es für billig, die Witwe zu entschädigen. Da ihre Vorfahren 
die Herrschaft Heiden für 102!) Goldgulden in Piändschaft 



') Rieliardsou a. a. 0. II, 210. 
2) Das. 

") Genealogie . . . S. 13 ff. In der Schlacht im Clcverhamm wurde- 
auch ein Keinard von Schönrade gefangen. 
*) Richard son a. a. 0. II, 235. 



- 44 — 

erhalten liatten, gab er ihr dieselbe ziiiu erblichen Eigentum, 
wogegen Maria auf den PfandscliilliLig verzichtete. Die zu 
Wilhelmstein gehörigen Wurmwiesen wurden auch jetzt dem 
Herzog vorbehaltend (10. Dez. 1500). 

Seit dem Ende des Jahres 1500 tvar also die Herrschaft 
Heiden mit ihrer Burg erbliches Eigentum der Maria von Me- 
rode und ihrer Rechtsnachfolger. 1502 heiratete Werner die 
Adelheid Hoen vom Pesch zu Tuschenbroich. Wegen des 
Hauses Pesch hatte noch in späterer Zeit die Familie P>ongard- 
Paifendorf das Patronat über die Pfarrkirche zu Immerath und 
die Besetzung des Personals in der Kapelle auf Pesch -. Mit 
Werner's Heirat hängt auch wohl die Teilung zusammen, die 
Maria in demselben Jahre mit ihrem Sohne und Schwiegersohne 
vornahm ^. Werner erhielt Paifendorf, den Hof zu Gereonsweiler 
und ein Viertel des Weinberges zu Rheidt bei Lülsdorf, ausser- 
dem das Recht, zehn Schweine zur Eckermast in den Heidener 
Busch zu treiben, Winand Mascherei bekam den Hof Geucht^ 
bei Heiden und die Erbpächte des Hofes Caminade-^ zu Gleen 
im Lande Falkenburg. Heiden behielt sich Mai'ia als Witwen- 
sitz vor, während sie die Belehnung auf Werner übergehen Hess ^. 

Die Frau zur Heiden, deren Thatkraft nichts zu wünschen 
übrig Hess, scheint der Ansicht gewesen zu sein, dass mit der 
Herrschaft Heiden auch die Hoheit über das in der Nähe ge- 
legene Gebiet von Schönau verbunden sei. So drückt sich 
wenigstens ein allerdings aus späterer Zeit stammendes Akten- 
stück aus, das sagt, Maria habe den „reichsherrschaftlich 
schönauischen regalien, laessen und gerichten'* Gewalt angetan 
„unter dem eitlen vorwand als hätte sie die onmittelbare frei- 
herrlichkeit Schönau von zeitlichen herzogen zu Jülich acquirirt '." 
Soweit sich ersehen lässt, beginnen thatsäclilich mit ihr die 
Eingriffe der Heidener in die schönauische Gerichtsbarkeit. 



') Die Urkunde bei Strange, Genealogie S. 185, wo aber hinter, atzuug 
statt „zwongen" — „zehrungen" zu lesen ist, und bei Richardson a. a. 
0. II, 244. 

-) Anualon Heft 25, S. 179. 

^) Richardson a. a. 0. II, 246. 

*) Geucht-Gehücht-Hof. 

^) Kemenate. 

«) Strange a. a. 0. S. 17. 

'') Schönaucr Archiv. 



— 45 — 

Über die daraus sich entspinnenden zahllosen Streitigkeiten, 
die nianclies für die Knltnrg-escliichte sehr Interessante bieten, 
habe i(;h in meiner Arbeit über Schönan ' so ausführlich be- 
riclitet, dass ich mich hier wohl auf das notwendigste be- 
schränken darf. 

Der erste Angrilf Marias von Merodc auf die Sciiönauer 
Gerechtsame schlug- fehl ; der damalige Herr von Schönau, 
Kraft von Mylendunck, erstritt am 13. September 1510 ein 
Urteil der Jülichei- Räte, wonach Kraft bei seinen Regalien, 
Lassen und Gerichten in Schönau verbleiben solle, wie seine 
Vorfahren und er sie in Gebrauch gehabt^. 

1512 kaufte die Frau zur Heiden einen Erbzins von einem 
Gulden und sechs WArk aix^ für 20 Gulden 6 Mark, womit 
die Elheleute Karl Nack genannt Schönau Haus und Hof zu 
Berensberg an der Kirchgasse gelegen, welches Meyners Gut 
hiess, belasteten''; im folgenden Jahre machte sie ihr Testament, 
1515 starb sie. Ihr folgte ihr Sohn 

b Werner von Schönrade, Herr zur Heiden und Blyt 
(1515 — 1542). Da nach dem Tode der Mutter Heiden an ihn 
gefallen war, erfolgte 1516 eine neue Erbteilung zwischen 
Werner und seinem Schwager Winand^. Letzterer erhielt nun 
Paffendorf, den Hof zu Gereonsweiler und die Erbpächte zu 
Gleen, Werner selbst Heiden und die übrigen Güter. 

Wie sich Werner bei Lebzeiten seiner Mutter gegen die 
Nachbarn auf Schönau benommen hat, lässt sich aus den vor- 
liegenden Akten nicht ersehen. Ein Schönauer Weistum '' er- 
zählt, als sich zwei Knechte auf dem Hofe zu Schönau geschlagen 
hätten, habe Junker Werner seinen Gerichtsboten hingesandt 
und die Knechte in Busse genommen „dat nie dar geschieht en 



') Zeitschrift „Aus Aachens Vorzeit" Band IX und X. 

■■') Schönauer Archiv. 

^) Aachener Währung. 

*) Quix, Berensberg Urk. 31 S. 129. 

^) Richardson a. a. 0. II, 251. 

^) Ich habe in der Geschichte von „Schönau" diese Vroegc in den An- 
fang des 15. Jahrhunderts gesetzt, aber dabei übersehen, dass sich dieselbe 
in diesem Falle gar nicht auf Werner von Schönrade, sondern höchstens 
auf Werner von Mcrode beziehen konnte. Es wird wohl richtiger sein, die 
Aussage in eine spätere Zeit zu verlegen. Mir lagen nur Jüngere Ab- 
schriften vor. 



— 46 — 

was" oder nach einer andern Lesart „das nie me da gescliiet 
en is." Bezieht sich die Aussage auf unsern Werner, so muss 
man annehmen, dass er in schroifster Weise seine Holieitsrechte 
selbst auf Haus und Hof Schonau ausgedehnt hat, indessen 
könnte dieselbe auch auf Werner von Merode gehen, der zwei 
Menschenalter früher auf Heiden hauste. Jedenfalls haben in 
spätem Jahren friedliche Gesinnungen bei Werner geherrscht. 
Sagt ja schon die eine Lesart des Weistums, ein Übergriff wie 
sich Junker Werner erlaubte, sei nicht mehr vorgekommen. 
Wir haben aber auch einen urkundlichen Beweis für die Fried- 
fertigkeit des Schönrade: er schloss am 12. Dezember 1523 
mit Dietrich von Mylendunck einen Vertrag, der die Grenzen 
der Herrliclikeit Schönau feststellte und die Gerichtsbarkeit 
der dortigen Herrn über die innerhalb der Herrschaft gelegenen 
Güter, Häuser, Höfe und Wohnungen sowie über die einwohnenden 
Lassen, Lehenleute und üntersassen anerkannte. Über Rich- 
terich, von dem ein Teil zu Schönau, der andere zu Heiden 
gehörte, wurden nähere Bestimmungen vorbehalten \ Durch 
diesen Vertrag, den Werner in einem Schreiben von 1524 
nochmals bestätigte^, erkannte er den Schönauern diejenigen 
Ortschaften zu, die Kraft von Mylendunck 1508 in Anspruch 
genommen hatte. 

Werner, der in den letzten Jahren seines Lebens kränklich 
war, hinterliess zwei Kinder, seinen Nachfolger 

c Franz von Schönrade, Herr zur Heiden, Blyt und 
Tüschenbroich (1542 — 1546), und eine Tochter Anna, die 
in das adelige Nonnenkloster Wenau eintrat. Franz heiratete 
Theodora von Bronkhorst-Batenburg, Tochter Johanns, Herrn 
zu Rimburg und Gronsfeld. Er starb ohne Kinder, nachdem er 
seiner Frau schon im Ehevertrage die Leibzucht von Haus und 
Herrlichkeit Heiden zugesicliert hatte ^ Durch seinen Tod kam 
das Eigentumsrecht an Heiden auf die Nonne Anna; diese 
übertrug es am 12. Januar 1547 an ihren Vetter Wilhelm von 
Bongart, den Gemahl der Maria Mascherei. Letztere war die 
Tochter Winands Mascherei aus dessen Ehe mit Margaretha 
von Schönrade, somit Enkelin des Johann von Schönrade. 



^) Abschrift im Schönauor Archiv. Vgl. Gross, Schönau. Zeitschrift 
„Aus Aachens Vorzeit." Bd. IX, S. 5 f. 
^) Qu ix, Schönau S. 9. 
^) Strange, Genealogie S. 18. 



— 47 — 

Willielni hat ansclieinend nodi hei Lebzeiten der Leib- 
züchtcriii den Herrn auf Heiden .spielen wollen. Er belästigte 
Thcodora derart, dass diese sich genötigt sah, den Schutz des 
Herzogs von Jülich anzurufen \ Vielleicht hat grade dieses 
Auftreten Wilhelms die Witwe bestinnnt im Jahre 1548 eine 
zweite Ehe mit Dietrich, Herrn zu Mylendunck, Di-achenfels 
und Reuland einzugehen, der sich seitdem auch Herr zur Heiden 
nannte und seine Ansprüche auf diese Herrschaft nachher im 
Prozessweg-e geltend zu machen suchte. Bei Theodora bewährte 
sich übrigens das Aachener Sprüchlein: (ieär doud leävt lang^^ 
sie hat den gierigen Wilhelm überlebt. Sie starb erst 1563. 

Im folgenden Jahre wurden Wilhelms Söhne Werner und 
Wiliiclm mit Heiden l)elehnt. Mit ihnen tritt das Haus 

5. Bongart 
die Herrschaft in Heiden an. 

Als die Brüder am 14. September 1564 teilten, kam Heiden 
mit Blyt und Bergerhausen'' an 

a Wilhelm (I.) von Bongard (1564—1596), und in dieser 
Familie blieb unsere Herrschaft bis zur französischen Revolution. 

Dass Wilhelm mit nicht besonders freundlicher Gesinnung 
gegen seine Nachbarn, die Mylendunck von Schönau, sein 
Ländchen in Besitz genommen habe, lässt sich schon aus der 
Stellung entnehmen, die jener Dietrich von Mylendunck 
Wilhelms Vater gegenüber gefasst hatte. Der Streit brach 
denn auch bald aus. Wie bereits bemerkt, soll hier nur das 
zum Verständnisse durchaus notwendige mitgeteilt werden; 
näheres findet sich in meiner mehrfach erwähnten Abhandlung 
über „Schönau". 

Die Heidener wollten den Herrn von Schönau nur eine 
sogenannte Daten- oder Hofgerichtsbarkeit zugestehn d. h. sie 
behaupteten, die Schönauer besässen gar keine Landeshoheit, 
diese stehe vielmehr auch über das schönauer Gebiet den 
Herrn zur Heiden zu. Das Gericht zu Schönau habe nur über 
Pachte, Zinsen und Renten, über Besitz, Übertragung, Verkauf, 



*) Schönauer Archiv. Abschrift der Klage und der Autwort des 
Herzogs. 

*) Wen man gerne tot sähe, der lebt am längsten. 

•■') Strange, Genealogie S. 43. Für Bergerhausen vgl. Strange, 
Beiträge zur Genealogie I, 66. Es war ein kurkölnisches Lehen. 



— 48 — 

Verpfändung' und Belastung der zu Schönau gehörigen Ländereien 
zu befinden, während die Schönauer mit Berufung auf ihre 
Reichsunmittelbarkeit und auf ein Privilegium des Kaisers 
Albrecht von 1302 sich auch die Regalien samt der hohen 
und niedern Gerichtsbarkeit zu. Bei diesem unausgleich- 
baren Widerstreite der Anschauungen gingen die Herrn via 
facti gegeneinander vor und zwar nach dem Spruche : Haust 
du meinen Juden, dann hau' ich deinen Juden, so dass die 
armen Untertanen am meisten zu leiden liatten. Wenn z. B. 
der Herr von Schönau einen seiner Laten aus irgend einem 
Grunde gefänglich einzog, so griff Wilhelm einen Diener My- 
lenduncks, hielt ihn längere Zeit auf Heiden gefangen, ver- 
urteilte ihn zu 1000 Goldgulden und wollte die Busse von den 
Schönauer Gütern der Mylendunck eintreiben. Während das 
Jülicher Gericht, wo meist ein den Bongard günstiger Wind 
wehte, Urteile erliess, durch die die Schönauer sich in 
ihren Rechten gekränkt fühlten, brachten diese ihre Klagen 
und Berufungen an die Reichskammer, und so spannen sich die 
Prozesse in langwieriger Folge bis zum Ende der beiden 
Herrlichkeiten fort. 

Auch den eigenen Untertanen gegenüber betonte Wilhelm 
seine Herrenrechte auf das schärfte. Im Jahre 1575 klagte 
die Gemeinde gegen ihn wegen vielfacher Eingriffe in ihr 
„altes herkomen und der gemeinden wolhergebrachte freiheit", 
und dieser Klage schloss sich die Ritterschaft samt der meist- 
beerbten Geistlichkeit im Ländchen an. Andrerseits muss auch 
anerkannt werden, dass Wilhelm für Sicherheit und Ordnung 
soi'gte. Man weiss von ihm, dass er zwei Verbrecher hin- 
richten und einen Soldaten, der einen Eigelshovener erschossen 
hatte, aufs Rad flechten Hess. Hätte er sonst Mass zu halten 
gewusst, er wäre ein trefllicher Herr gewesen; so aber musste 
er sich gefallen lassen, dass selbst die Jülicher Gerichte seine 
Übergriffe in die Gerechtssame der Untertanen zurückwiesen ^ 

(Fortsetzung foigt.) 



') Vgl. Zeitschrift des Aachener Gesehichtsvereins V, 253. 



Druck von ITkumann Kaatzeu in Aachen. 




Mitteilungen 

des 

Vereins 





i'üi- Ivunde 

der 

Aachener Vorzeit 



Im Auftrag:e des Vorstandes lieransi>e<;ebeii von Heinrich Schnock. 



Jährlich 8 Nummern. — Preis 'les Jahrgangs 4 Mark. 

Verlag der rrcinerscheii Bucliliaiidliinff (C. Cazin) in Aachen. 



Nr. 4/6. 



Sechszehnter Jahrgang-. 



1903. 



Inhalt: Carl Vogelgesang, Zur Geschichte des Aachener Münzwesens (Fortsetzung 

und Scliluss). 



Zur Greschichte des Aachener Münzwesens. 

VoQ Carl Vogelgesang-. 

(Fortsetzung und Sohluss.) 

Die Aacliener Münzen Rudolfs von Habsburg- unterscheiden 
sicli von denen, die seine Vorgäng-er in der Krönung-sstadt 
sehlag-en Hessen, haui)tsäclilich durch die Darstelhmg- und die 
Unisclirift auf der Riickseito. Statt des gekrönten Kopfes unter 
dem dreitürmigen Gebäude ersclieint auf Riuh^lfs Münzen an 
der g-leielien Stelle eine König-skrone. Als Umschrift zeigen 
sich die Worte: -VRBS- AQVENSIS ■ VINCIS. Sollte diese Krone 
unter dem mit drei Türmen versehenen Gebäude, das wohl 
eine Kirche vorstellen wird, vielleicht hindeuten auf die Eigen- 
schaft der Aachener Marienkirche als Krönungskirche? Die 
Umschrift Urbs Aquensis vince, Stadt Aachen, sei du überlegen, 
rage du hervor, dadurch nämlich, dass du die Krönungskirche 
der deutschen Könige besitzest, würde so eine Erklärung linden. 
Andererseits könnte die Ki'one auf der Münze aucli um- das 
Sinnbild der königlichen Macht sein. Rudolf hatte auf dem 
Reiciistag zu Boppard (Sept. 12S2) mit dem Kölner Erzbischof 
Siegfried von Westerburg, um Abhülfe zu schatten gegen den 
schlechten Zustand des Münzwesens und gegen die Falsch- 



— 50 — 

münzerei, die sich vielfach geltend machte \ eine Vereinbarung 
getroffen, der zufolge von jedem von ihnen eine neue Münze 
geschlagen werden sollte. Die bezügliche Stelle der über diese 
Vereinbarung getätigten Urkunde lautet: . . . „quod et nos 
[der König] in loco nobis placito sub ymagiuario regle maies- 
tatis et ideni archiepiscopus in civitate Coloniensi sub cxpressione 
sue ymaginis, in eisdem tamen et equalibus forma, albetudine, 
puritate argenti et ponderis quantitate, novam cudi seu fieri 
faciamus monetam . . . -" 

Zu deutsch : dass sowohl wir (der König) an einem uns 
passenden Orte unter dem Sinnbild der königlichen Majestät 
und ebenso der Erzbischof in der Stadt Köln (oder im Erzstift 
Köln?) unter Aufprägung seines Bildes eine neue Münze schlagen 
lassen, die eben dieselbe Form, die gleiche Farbe und Reinheit 
des Silbers und das gleiche Gewicht haben soll. 

Sollte nun dies „ymaginarium regle maiestatis", dies Sinn- 
bild der königlichen Majestät vielleicht dargestellt sein durch 
die Krone auf unserer Aachener Münze Eudolfs? Die Ähnlichkeit 
der Umschrift • VRBS- AQVENSIS- VINCE- mit der Legende 
BEATA VERONA 3 VINCE-S •^ die sich auf einer Bonner 
Münze Siegfrieds von Westerburg befindet^, welche ]\Iünze 
jedenfalls nicht den ersten Regierungsjahren dieses Erzbischofs 
angehören dürfte, scheint nicht dagegen zu sprechen, dass Rudolf 
die Aachener Münzschmiede und Siegfried Bonn als Prägestätten 
für die neu zu schlagenden Münzen gewählt haben. Als Be- 
denken aber, die dieser Annahme entgegenstehen, wären anzu- 
führen, dass Krone und Gebäude — nicht aber das Wort vi nee — 
sich auch auf den Bopparder Münzen '' Rudolfs vorfinden — die 



') Sogar in mauchen Ritterburgen gab man sich mit der Herstellung 
falschen Geldes ab, der Strassenraub allein genügte also noch nicht. (Vgl. 
Graf von Mirbach in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins XII, S. 163.) 

*) Nach Pertz, Monumenta Germ. hist. LL. II, S. 440. 

') Verona wird Bonn während des X. bis XIV. Jahrhunderts zuweilen 
genannt. 

"•) Da der Stempelschneider den Buchstaben N in VINCE- S- verkehrt 
geschnitten hat, so ist es möglich, dass er auch den Punkt zwischen E und 
S nur irrigerweise angebracht hat. 

^) Wucrst in der Festschrift des im Jahre 1868 in Bonn stattgehabten 
internationalen Kongresses für Altertumskunde u. s. w. VIII, S. 8 und Taf. 1. 

^) Cappe, Die Münzen der deutschen Kaiser und Könige des Mittel- 
alters I. Nr. 738/40 und Taf. XI, Nr. 181, ferner II, Nr. 594 und III, 



— 51 — 

Boppai'der Münzen könnten nnn NaclibiUlung-en der Aachener 
g-ewesen sein — , dann dass die Form (Grösse), die ja bei beiden 
Münzen die g-leiche sein soll, in etwa abweicht, was bei den 
mir bekannt gewordenen Exemplaren zufällig- sein könnte. Ein 
ferneres Bedenken liegt in dem Ausdruck „in civitate Coloniensi", 
bei welchem, dem damaligen Sprachgebrauch nach, in allererster 
Linie an die Stadt Köln gedacht werden muss. Jedocli dürfte 
es vielleicht zulässig sein \ die „civitas Colouiensis^ hier auf 
das Erzstift bezw. auf einen in demselben gelegenen Ort, also in 
unserem Fall auf Bonn, zu beziehend Die Vorderseite der 
Aachener Münzen Rudolfs und iiirer etwaigen Bopparder Nach- 
bildungen zeigt einen thronenden Herrscher mit starkem Schnurr- 
bart, dessen Gesicht aber durchaus keine Ähnlichkeit hat mit 
dem Bilde Rudolfs, wie es uns von der Geschichte überliefert 
worden ist^ und wie es auch andere Münzen Rudolfs, z. B. die 
in Dortmund ^ geschlagenen, dann die Siegel dreier im Aachener 
Stadtarchiv aufbewahrten Urkunden Rudolfs zeigen. Hier er- 
scheint er vollständig bartlos. Wahrscheinlich hat der Stempel- 
schneider der Aachener Münze Rudolfs den Typus, den ihm 
die Vorderseite der Münzen der Vorgänger Rudolfs vor Augen 
führte, einfach nachgeahmt, und zwar ohne zu wessen, dass das 
schiuirrbärtige Bild, das er in den für die Münze Rudolfs be- 
stimmten Stempel einschnitt, Karl den Gi'ossen vorgestellt hatte. 
Möglich könnte es jedoch auch sein, dass dieser Stempelschneider 

Nr. 672. Für Boppard als Prägeort der neuen Münze könnte vielleicht der 
Umstand sprechen, dass nach langer Pause Rudolf der erste König zu sein 
scheint, der wieder in Boppard prägte. (Vgl. Werminghoff, Die 
Verpfändungen der mittel- und niederrheinischen Reichsstädte während des 
Xill. und XIV. .Jahrhunderts. S. 105 und Dannenberg, Grundzüge der 
Münzkunde S. 166.) Dannenberg spricht hier von einer gelegentlichen Prägung 
Rudolfs in Boppard, sollte etwa bei dieser gelegentlichen Prägung gerade" 
die im Jahre 1282 vereinbarte Münze hergestellt sein? 

') Vgl. Dueange, Glossarium II, S. 347 unter Civitas. 

■"') Nicht unerwähnt darf hier weiter bleiben, dass nach Professor Dr. 
Menadier, vom Königl. Münzkaltinet in Berlin, auf den Münzen der Reichs- 
städte vor dem Adler, der regelmässig erst seil Ludwig dem Bayer auf 
jenen auftreten soll, eine kleine Krone sich vorfindet. (Vgl. von Uidtman 
in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins XIX, S. 7.) 

') Eine geschichtlich treue Darstellung Rudolfs findet sich auf der 
neuen Erztüre des Aachener Rathauses. 

*) Cappe a. a. 0. I, Taf. XI, Nr. 183/4 und Taf. XXTI. Nr. 357/9. 



— 52 — 

trotz der Umschrift: RVDOLPh-ROM-REX noch einmal Karl 
den Grossen hat darstellen wollen. Jedenfalls wird man in dem 
Bilde des thronenden schnurrbärtigen Herrschers auf Rudolfs 
]\[ünzen weniger diesen letzteren, als vielmehr Karl den Grossen 
vermuten dürfen. Ist diese Vermutung' eine zutreffende, so besässen 
wir ein weiteres kleines, geschichtlich treues Portrait Karls. 

Köhler in seiner „Historischen Münz-Belustigung" ^ bespricht 
diese Münze Rudolfs, von der er glaubt, dass sie bei dessen 
Krönung (1273) unter das Volk geworfen worden sei, folgender- 
raassen : „Der schlechte Stempel-Schneider hätte den K. Rudolphen 
nicht unförmlicher und greulicher vorbilden können. Die Krone 
und der Reichs-Apfel sind grösser als dessen Kopf; so nehmen 
auch die grässliclien Augen und der lange Knebel-Bart, den 
man eher für zween Säbel ansehen solte, das meiste an dem- 
selben ein. Die Stadt-Thürme auf der Gegen-Seite sehen eben 
so ungestalt aus". Köhler, dessen grosses, oben angeführtes Münz- 
werk — es umfasst 23 Bände — sehr verdienstlich und interessant 
ist, hat sich hier doch eine starke Übertreibung zu Schulden 
kommen lassen; die Münzen Rudolfs, die ich zu Gesichte bekom- 
men habe, zeigen durchaus keinen so schlechten Stempelschnitt. 

Rudolf liat die Aachener Reichsmünzstätte vorübergehend 
verpfändet und zwar an den Herzog Johann I. von Brabant. 
Laut einer am 17. Februar 1283 in Basel ausgestellten Urkunde 
verspricht König Rudolf dem genannten Herzog für die treuen 
Dienste, die derselbe geleistet, 3000 Mark Sterling, die in be- 
stimmten Terminen gezahlt werden sollen, und verpfändet ihm 
für diesen Betrag die Münze zu Aachen und zu Boppard und 
die übrigen noch freien und freiwerdenden Reichsgefälle zu 
Aachen^. Ob Herzog Johann den Besitz der Aachener Münz- 
stätte wirklich angetreten bezw. in Aachen gemünzt hat, muss 
einer etwaigen spätem Untersuchung vorbehalten bleiben. 

Johann, der nach der Schlacht von Worringen (1288) un- 
bestrittener Herr des Herzogtums Limburg, also unmittelbarer 
Nachbar Aachens geworden war, hat übrigens in unserer nächsten 
Nähe und zwar in Herzogenrath^ münzen lassen, wo auch 
Walram IV. von Limburg (f 1279/80) geprägt hat"*. 

») VII, S. 393. 

■■') Böhraer-Kedlich, Eogesta imporii VI, Regest Nr. 1764. 
^) Serrure, Noticc sur le cabinet luonetairc de ö. A. le priuce de 
Ligne S. 131, 

*) Serrure a. a. 0. S. 140. 



— 53 — 

Unter König Adolf von Nassau sind in Aachen zuerst 
Münzen angefertigt worden mit genau derselben Darstellung 
auf der Rückseite \ wie solche die Münzen Rudolfs zeigen, 
ferner Stücke geschlagen worden, die auf der hinteren Seite 
ein Portal vorweisen, auf dessen Spitze sich eine Lilie befindet, 
zu Seiten des Portals steht je ein spitzer, mit Kreuz 
versehener Turm". Dann aber tritt während seiner Regierung 
und der seines Nebenbuhlers, Albrechts von Oesterreich, wie 
auch unter Heinrich von Luxemburg, ein neuer Münztypus auf. 
Auf der Vorderseite dieser Münzen erblickt man das bartlose 
Bild des Herrschers, auf der Rückseite dagegen ein Kirchen- 
gebäude, in dem man sofort unser Münster erkennt. Die Um- 
schrift gleicht der auf den Münzen Rudolfs, nur folgt auf das 
VINCE ein S und ein M, welche Buchstaben durch einfachen 
oder durch Doppelpunkt oder durch einen Ringel von dem 
VINCE und unter sich geschieden sind^ Diese Umschrift hat 
Anlass zu den verschiedensten Deutungsversuchen gegeben. 
Dannenberg hält dafür, dass es heimse VINCE S(ancta) M(aria)'', 
ein anderer ergänzt S und M zu S(edem) M(oguntinani)-'^, noch 
andere, indem sie Punkte und Ringel also wohl für Fehler 
des Stempelschneiders ansehen — was auch ich annehme — , 
lesen VINCES M und erkläi-en M als maiora oder inultum oder 
auch als Moguntiam. Noch einer'' meint, der Buchstabe M 
bedeute niundum, mcIcIi letzterer Ansicht ich als der annehm- 
barsten beipflichten möchte. Unter Heini'ich VII., von welchem 
Münzen mit REX und IMPR vorhanden sind — seit fast 
einem Jahrhundert war er der erste deutsche König, der wieder 
die Kaiserkrone empfingt, und zwar vollzog sich diese feierliche 
Handlung am 29. Juni 1812 in der Laterankirche — ,tauchen 
nun neben den vorhin erwähnten Denaren Nachahmungen der 



•) Köhler a. a. Ü. VJI, S. 394. 

2) Cappc a. a. 0. III, S. 147. 

') Es sind jedoch auch E.Kemplare vorhanden, bei denen S und M diircli 
keinerlei Zeichen getrennt sind. 

*) Freundliche Mitteilung des Herrn Landgerichtsrats Dannenberg 
in r.crlin. 

*) Vgl. dazu (^nix. Die Küniglicho Kapelle S. G6. 

^) Vgl. dazu (^uix a. a. 0. S. (i7. 

') l'ie letzte Kaiserkrönung — die Friedrichs II. — fand am 22. Novem- 
ber 1220 statt. 



— 54 — 

englischen Sterlinge auf, auf welchen Nachbildungen der Kopf 
des englischen Königs ungemein treu wiedergegeben worden 
ist. Jedoch scheint es mir fraglich, ob der in der Coumont- 
schen Sammlung vorhandene Sterling Heinrichs VII. nach 
Aachen zu verweisen ist. Dagegen sind unter Ludwig dem 
Bayer und Karl IV. in Aachen Sterlinge ' geprägt worden 
und zwar unter ersterem mit der Umschrift ROM- REX 
und ROM* IMPR, während mir von letzterem nur solche 
mit dem Kaisertitel bekannt geworden sind. Wenn diese 
Aachener Sterlinge Ludwigs von Bayern häufig vorkommen, 
so sind dagegen die Karls IV. äusserst selten, welclier Um- 
stand darauf hinzudeuten scheint, dass unter ihm in Aachen 
nur wenig gemünzt worden ist. Unter den von Alfr, Coumont 
dem Aachener Suermondt-Museum überwiesenen Münzen befinden 
sich auch drei grosse Goldmünzen, zwei von Ludwig dem 
Bayer und eine von Karl dem Vierten. Diese prächtigen 
Stücke — zu denen die Stempel zweifellos von Künstler- 
hand angefertigt sind — , chaises cj'or genannt nach dem Sitze, 
auf dem thronend der Herrscher sich zeigt, sind als vielleicht 
in Aachen geschlagen angesehen worden. Ich halte letzteres 
für unwahrscheinlich, möchte vielmehr der Ansicht sein, dass 
dieselben, wenigstens die mit dem Namen des Kaisers Ludwig, 
von dem Herzog Johann III. von Brabant (1312 — 1355) her- 
rühren, von dem feststeht, dass ihm vom Kaiser Ludwig ge- 
stattet worden ist, chaises d'or mit dem kaiserlichen Namen, 
wie auch dem — doppelköpfigen — Reichsadler, zu Antwerpen ^ 
herstellen zu lassen. Die deutscheu Kaiser und Könige haben 
übrigens vor dem Jahre 1340 in Deutschland nicht in Gold 
gemünzt ^, wohl haben sie Prägungen in diesem Metall einigemal 



') Das von Quix veröffeutlichte CcDSUsregister der Kelluerei des 
Aachener Münsterstifts, das der Quixschen Ausgabe des Necrologiums der 
Münsterkirche angehängt ist, erwähnt auf Seite 78, Zeile 19/20 drei Posten 
von 4, 10 und 35 mr. (Mark) novoriim Aquen(sium). Hierunter dürfte viel- 
leicht die neue Münze mit dem Sterlingstypus zu verstehen sein. 

'^) Vgl. Van der Chijs, De muuten der voormalige Hertogdommen 
Braband en Limburg S. 68 und Serrure a. a. 0. S. 148. Da für die 
Goldmünze Karls IV. ein ähnlicher Stempel, wie für die Münzen Ludwigs 
verwendet worden ist, so sind die chaises d'or Karls IV. möglicherweise 
auch in Antwerpen geschlagen worden. 

') VgL Grote, Münzstudien VI, S. 177. 



— 55 — 

in Italien vornehmen lassen. Und erst im Jahre 1*356 erhielten 
die Knrfiirsten von Karl IV. durch die goldene Bulle das aus- 
drückliche Recht Goldmünzen zu schlagen. Das Miinzrecht als 
solches ermächtigte nändich durchaus nicht, in beiden Edel- 
metallen zu prägen, sondern war lange beschränkt auf die Aus- 
münzung von Silber. Vor Erlass der goldenen Bulle haben 
jedoch einzelne Fürsten, so der Erzbischof von Köln, der Herzog 
von Brabant und die Grafen von Hennegau und Holland — 
Brabant, Hennegau und Holland gehörten damals zum deutschen 
Reich — , dann die Stadt Lübeck — seit 1840 — die Befugnis 
gehabt, in Gold zu münzen '. Der Bedarf an Goldmünzen wurde 
in Deutschland zu Ende des XliF. und in der ersten Hälfte des 
XIV. Jahrhunderts zu einem guten Teile gedeckt durch den 
P'lorentiner Gulden^, der die bedeutendste Goldmünze des Mittel- 
alters gewesen ist. 

In der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts war die 
Vogtei, das Schultheissenamt und die Meierei zu Aachen, die 
als Reichsämter von dem Kaiser vergeben wurden — neben 
welcher Vergebung wohl immer eine Vererbung in der Familie 
des mit dem betreffenden Amte Bedachten einherging — , in 
den wahrscheinlich ^ pfandweisen Besitz von einzelnen Dynasten- 



') Oft gfinug aber haben um diese Zeit Unberechtigte d. h. solche, die 
nur Silbermüuzeii schlagen durften, Gold geprägt. 

^) Der Florentiner Goldgulden (Florenus, Fiorino d'oro) wurde im 
Jahre 1252 zuerst in Florenz geschlagen. Er zeigt auf der einen Seite das 
Bild des hl. Johannes des Täufers in härenem Gewände, während die Rück- 
seite eine heraldische Lilie — das Wappen von Florenz — vorweist. Der 
Floren verbreitete sich sehr schnell und wurde in den Rheingegeuden zwischen 
den Jahren 1380^70 stark nachgenüinzt und zwar genau nach dem Floren- 
tiner Vorbilde. Bei diesen Nachbildungen sind die Florenen der verschiedenen 
Müii/.iicrrrn nur durrli die Umschrift um die J^ilie von einander zu unter- 
scheiden. Nach dem Jahre l.'iTO trat unter Beibehaltung des Bildes des 
hl. Johannes an Stelle der Lilie das Wappen des Ausmünzenden. (Vgl. 
L ambrecht a. a. 0. II, S. 460/1.) Das zur Prägung der Goldmünzen ver- 
wendete Gold war zuerst durchaus rein gewesen, nach und uach wurde 
diesem jedoch anderes Metall zugesetzt, was in späteren Zeiten so weit 
ging, dass die deutschen Goldguldeu fast nur zwei Drittel, ja manchmal nur 
ein Viertel reines Gold enthielten. (Vgl. Da luic iitierg, Grundzüge der 
Münzkunde S. 157.) 

') Dieses „wahrscheinlicli" liczieht sich nur auf die Vogtei, da es 
feststeht, dass die Schultheisserei und die von iiir atiliitngigc Meierei — 



— 56 — 

Geschlechtern gelangt. So besass z, B, im Jahre 1270 der 
Graf von Jülich die Vogtei \ während wir im Jahre 1285 im 
Besitz der Schultheisserei Walram von Mootjoie-Valkenberg 
finden-. Seit mindestens dem Jahre 1318 — wohl aber schon 
seit 1315 — sehen wir dann Vogtei und Schultheissenamt in 
Händen des Hauses Jülich^. Die Rechte und Einkünfte'^, die 
diese Reiclisämter bisher dem Könige gewährt hatten, gingen nun 
auf die neuen Inhaber derselben über. Nach meiner Meinung stand 
nun die Aachener Reichsmünzstätte mit dem Schultheissenamt 
bezw. der Meierei in irgend einem Zusammenhang'' und es 
werden die Erträgnisse der kaiserlichen Miinzschmiede dem 
jew'eiligen Inhaber der Schultheisserei oder des Meieramtes 
zugeflossen sein. In diesem Falle dürfte es nicht unmöglich 
sein, dass der Pfandbesitzer des Schultheissenamtes bezw. der 
Meierei die in der Aachener Prägestätte hergestellten Münzen, 
obwohl diese das Bildnis und den Namen der Kaiser oder 
Könige trugen, hat schlagen lassen. 

Die bisher besprochenen Aachener Münzen sind alle in der 
dortigen Reichsmünzstätte geschlagen worden, die aber, wie 
eben angedeutet, seit nahezu dem letzten Dezennium des XIII. Jahr- 
hunderts sich in den Händen der Pfandinhaber der Schultheisserei 
bezw\ Meierei befunden haben mag. So sind auch die im Necro- 
logium der Aachener Marienkirche erwähnten monetarii Bertolfus", 
Godeschalcus ^ und Henricus^, vorausgesetzt, dass sie in Aachen 



seit der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts ernannte der Schultheiss 
den Meier — vom Eeich verpfändet gewesen sind. (Vgl. Werminghoff 
a. a. Ü. S. 121/3.) 

1) Werminghoff a. a. 0. S. 118. 

-') Werminghoff a. a. 0. S. 121. 

^) Dresemauu, Zur Geschichte der Reichsstadt Aachen in XI'V . Jahr- 
hundert S. 52. 

■*) „Cum Omnibus et singulis iuribus, honoribus et pertinentiis" heisst 
es bei der Bestätigung der Verpfändung des Schultheissenamtes; vgl. Lacom- 
blet, Urkundcnbuch III, S. 36i Nr. 454. 

^) Münzstätte und auch Lombarden — d. h. das Recht an den ur- 
sprünglich aus der Lombardei stammenden Geldwechslern — werden, wie 
wir später sehen werden, mehrercmal ausdrücklich in Verbindung mit der 
Vogtei und Meierei erwähnt. 

") Quix, Nccrologium der Aachener Münsterkirche S. 62, Z. 12. 

') Quix a. a. 0. S. 47, Z. 11 f. 

8) Quix a. a. 0. S. 71, Z. 5. 



— 57 — 

ihren Beruf ausübten, was wohl als walirsclieiulicli angesehen 
werden kann, kaiserliche Münzbeanite gewesen. Das gleiche 
dürfte der Fall sein bei dem einer etwas späteren Zeit — nach 
dem Jahre 1265 — angehürigen Münznieister Petrus', ferner dem 
im Censusregister des Münsterstifts-' ohne Namen angeführten 
monetarius und dem in den Aachener vStadtrechnungen aus dem 
XIV, Jahi'hundert - herausgegeben von J. Laurent — ver- 
zeichneten Münzmeister Bruno •', der zweimal eine Spende von 
je einem Sextar oder Viertel Wein ^ erhält. Diese letztgenannten 
drei Münzmeister könnten jedoch auch vielleicht nur als An- 
gestellte der Pfandinhaber der Schultheisserei oder der Meierei 
in der Reichsmünzstätte tätig gewesen sein. 

Ein anderei- Posten ebenderselben Stadtrechnungen, nändich 
eine Eintragung im Rechnungsjahr 1334/5 — das Aachener 
Verwaltungsjahr lief vom 2G. Mai, an dem die am Urbanustage 
(25. Mai) gewählten neuen Bürgermeister ihr Amt antraten, bis 
zum 25. Mai des näclistfolgeiulen Jahres'^ — könnte den Glauben 
erwecken, dass um diese Zeit die Stadt das Münzreclit besessen 
habe. Die beti-clfende Stelle der Stadtreclinungen^' lautet: It. de 
malleo nionete, cum quo Jo. de Royde argentum signare debebat, 
3 gross pr. Wm., für einen Münzhammer, mit dem Johann von 
Royde — der Goldschmied war — das Silber stempeln musste, 
3 Groschen, gezahlt durch Wilhelm Beyssel, den städtischen 
Bankier. Nach meiner Meinung handelt es sich hier aber nicht 
um das Prägen von Münzen, sondern wohl lediglich um die 
Stempelung von Silberbarren ^. Gerade der Ausdruck „signare" 
wird für Abstempeln der Silberbarren angewendet, wie wir das 



■) Qu ix a. a. 0. S. 48, Z. 12 f. 

«) S. 77, Z. b. 

^) S. 135, Z. 13. (Ausgabc-Rcchuung des Jahres 1338/9). 

■*) Nach Gross (Rciiiard von Schöuau in der Zeitschrift ^ Aus Aachens 
Vorzeit" VIII, S. 52) entspricht das Viertel oder Sextar sechs Flaschen. 

*) Das Aachener Rechnungsjahr war in 13 ]\Ionatc zu 28 Tagen ein- 
geteilt. (Vgl. Laurent, Stadtrechnungen S. 404, Auni. 1.) Der Monat zerfiel 
in zwei Hälften, die sogenannten Vierzehnnächte, eine Einteilung, die bis 
zum Ende der rcichsstädtischcn Zeit bestehen blieb. Wird in Laurent, 
Stadtrechnungen von einem 14. Monat gesprochen — z. B. S. 354/5 und 
S. 380 —, so hat mau liicruntor den einen bezw. in einem Schaltjahr die 
zwei über die Zahl 364 (13X28) hinausgehenden Tage zu verstehen. 

8) Laurent, Stadtrechnungen S. 106, Z. 23. 

') Virl. liierzu Loerscli in der Zeitschr. des Aach. Gesch.-Ver. XV, S. 86. 



-- 58 — 

bei der niarca argenti usualis sig-nata sehen. Diese Barreii ', 
die wohl geschäftsmässig von den Goldschmieden hergestellt 
wurden, sind nach Grote^ vielleicht im Auftrage der Obrigkeit 
von einem aus den Goldschmieden gewählten Meister amtlich 
mit einem Stempel, einer Eichungsmarke, versehen worden, 
welcher Stempel den Ursprungsort und damit den an dem je- 
weiligen Orte üblichen Feingehalt des Silbers angab. Da das 
Gewicht dieser Barren sehr verschieden war — sie konnten ja 
durch den Gebrauch und dadurch, dass zuweilen ein Stück 
abgehauen wurde ^, an ihrem ursprünglichen Gewicht Einbusse 
erleiden — , so mussten dieselben im Verkehr stets von neuem 
abgewogen werden. 

Wenn Aachen nun auch nicht das Münzrecht besass, so 
kann die Stadt aber wohl befugt gewesen sein, die Stempelung 
der Silberbarren vornehmen zu lassen \ wie ihr ja auch vom 
Reichsoberhaupte das Privilegium statuendi pagamentum ''' ver- 
liehen war, das Recht festzusetzen, welche Münzen und zu 
welchem Kurse diese in der Stadt Umlauf haben sollten. In 
dem Freiheitsbriefe, den König Ludwig IV. unterm 25. November 
1314 '^ der Stadt erteilte, hat die das Festsetzen des Pagaments 
betreffende Stelle folgenden Wortlaut: „Etquoniam pagamentum 
frequenter innovatur in terris dominorum circumquaque, ex cuius 
innovatione grave dispendium supervenit civitati Aquensi, damus 
civibus Aquensibus auctoritatem et plenariam potestatem statu- 
endi pagamentum in suo consilio Aquensi ad honorem imperii 
et ad profectum civitatis Aquensis." Zu deutsch: Und weil 



^) Vgl. auch das in dieser Zeitschrift XV, S. 49/50 über Silberbarren 
von mir Gesagte. 

2) Grote, Müuzstudien VI, S. 38. 

') Sogar halbiert oder gevierteilt wurden diese — auch Gusskönige ge- 
nannten — Barren. (Vgl. Dannenberg, Grundzüge der Münzkunde S. 172/3.) 

■*) l')odc (Das ältere Münzwesen der Staaten und Städte Nicdersachsens 
S. 14, Anm. 2) sagt, es scheine „ein allgemeiner zugestandenes Vorrecht 
gewesen zu sein, Silberstücke zum Handel und grösseren Verkehr zu 
stempeln". 

®) Pagament vom mlat. pagiraentum bezeichnet nach Schiller und 
Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch III, S. 292 die Zahlniünze — 
also das wirklich umlaufende Geld — im Gegensatz zur Rechuungsmünze, 
dann aber auch die Währung und wird zuweilen auch für Zahlung gebraucht. 
(Vgl. auch Lainiirecht, Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter II, S. 389.) 

^) Loersch, Achener Rechtsdenkniäler S. 42, 



— 59 — 

die Währung (Zuliliniinzc) Iiäufig in den rJobieten der benach- 
barten Herren ändert und aus dieser Änderung der Stadt 
Aachen grosser Veilust erwäclist, so verleihen wir den Aacliener 
Bürgern das Recht und die volle Gewalt, die Währung in ihrem 
Aachener Rate festzusetzen zur Klirc des Reiclics und zum 
Nutzen der Stadt Aachen. 

Diese auctoritas et plenaria potestas statuendi paganientum 
wird der Stadt auch von den folgenden Herrschern bestätigt 
und zwar von den Königen Karl IV. und Wenzel unterm 
25. Juli 13491 ^czw. unterm 21. Juli 1376^ von Kaiser Sieg- 
mund am 17. September 1434 •', von den Königen Friedrich IV. 
(III.) und iMaximilian unterm 21. Juni 1442* bezw. 9. April 
1486 ■''. Auch Karl V. lässt unterm 5. November 1520 diesem 
Vorrecht der Stadt seine Bestätigung angedeihen. Diese, die in 
deutscher Sprache erteilt worden ist, während zur Abfassung 
der Freiheitsbriefe, die von den zuerst aufgeführten sechs 
Herrschern der Stadt ausgestellt wurden, die lateinische Sprache 
benutzt worden ist, lautet in der uns hier interessierenden Stelle 
folgendermassen: 

„Further, vnd demnach das Müntzwesen in den vmbligenden 
Herrschaiften vnd Landen olftmaln ersatzt vnd ernewert, dai- 
durch den Bürgeren vnd Statt vnsers Königlichen Stuls Aach 
mercklicher Scliad vnd Verlust zustehet, Derowegen so geben 
vnd verlehnen Wir ermelten Bürgeien von Aach vollkommene 
Macht vnd Gewalt, die Müntz in jhrem Raht zu Aach zu 
setzen vnd ordnen, wie sie solches ermelter Statt vnd König- 
lichen Stul Aach am nutz- vnd dienlichsten befinden sollen"." 

Auf die Festsetzung des Pagaments bezieht sich eine An- 
zahl meines Wissens bisher noch nicht abgedruckter Briefe, 
die sich abschriftlich in den Akten über die im Jahre 1773 
zwischen dem Kurfürsten von der Pfalz und Aachen stattgehabten 
Verhandlungen „zum 59""' bis 64""" beschwerd" im Archiv der 
Stadt Aachen vorfinden. Diese Briefabschriften, angefertigt im 



•) Loersch a. a. 0. S. 62. 

*) Loersch a. a. Ö. S. 72. 

^) Loersch a. a. 0. S. 125. 

*) Chmcl, llcgesta Friderici IH. Anhang S. XIX/XX. 

*) Or.-Perg.-lTrkimde im Stadtarehiv zu .Vachen (A. J. 80). 

^) Noppius, Acher Chronick (Ausg. v. ir);i2) III, S. 20. 



— 60 — 

Jahre 1773, tragen Scämtlich an ihrem Kopfe den Vermerk: 
„Auszug aus einem alten buch rubricirt: Copia sive extractus 
brieflicher Urkunden et iurium ex rotulo ad imperialem cameram 
a caesareo commissario neben deßelben allenthalben beygesetzten 
vidimis (sie!) transmisso in Sachen turbatae possessionis des 
königlichen stuels und statt Aachen contra hertzogen von 
Gulich etc." Hinter dem Schluss eines jeden Briefes bescheinigt 
J. Gr. Fauth, der wolil ein kuri)fälzisciier Beamter g-ewesen 
sein wird, die Übereinstimmung dei' ihm voiiiegenden Abschriften 
mit der gehabten Vorlage, die aber auch nicht das Original 
gewesen ist. Die Briefe samt und sonders tragen einen Eand- 
vermerk, der sich meistens auf die den Originalen aufgedruckt 
gewesenen Siegel bezieht. Der Vermerk auf Brief Nr. 9 bei- 
spielsweise lautet: „war ein alte schrift, darutf getruckt ein 
groß siogell von rothen wachs, daruff stunden 2 helmen und 
boven einem ein low, boven den anderen ein pauwen schwantz, 
und war die umschrifft verdunckelt, die wortt coniitis Zu- 
phaniae." 

Die Briefe sind nun folgende: 

1. Hersog [Wilhehn IL] ron Jüh'ch an ]i^enicr von Breidenhcnt : die 
Mitteilutig, dass die Stadt Aachen sich über die Schädigungen beklage, die 
ihr besonders von Staetz Biieten imd Geissen van der Wydeii zugefügt würden, 
sei ihm neu ', zumal er seinem Brost und anderen Amtleuten befohlen habe, 
die Stadt zu schützen. Er sende daher der Stadt den gewünschten offenen 
Brief und bitte ihn zu veratilassen, dass die Münze, die in Düren geschlageti 
ivürde, in Aachen umlaufen dürfe, nachdem dieselbe in Kö'n für gut befunden 
worden sei. — Caster, [1361 — i)3], feria quarta post Pascha. 

Hertzogc van Griilchc. 

Herr Werner, goide frundt. "Wir hain uren briof wale verstandten, da 
eine ihr uns schrievet ... so begeren wir ouch, dat ihr mctt ihn sprechen 
\villt, dat sie umb iiiißcn willc unße gelt, dat liinnen unssinc lande geschlagen 
wirt zo Düren, doen nehmen in irre statt, nae dem dat datselve gelt zu 



■) Man wird dieser Vcrsiclicrang des Herzogs wolil Glauboii sclienkcn müösen, 
d:irf aber anderseits nicht ausser acht lassen, dass gerade von ihm anch bekannt 
ist, dass er sich geweigert liat, gegen Raubritter, die in seinen Landen Kaufleute ge- 
plündert hatten, vorzugehen (vgl. Gross in der Zeitschrift „Aus Aachens Vorzeit" 
VIII, S. 28 und 42), wozu er doch als Teilnehmer am Landfriedensbunde zwischen 
Maas und Rhein — seit dem Jahre 1364 gehörte ei- diesem Bunde an; vgl. Kelleter, Die 
Landfriedensbünde zwischen Maas und Rluin im XI V^ Jahrhundert S. 8, Anm. und 
S. 12, Anm. 1 — ganz besonders verpflichtet war. 



— 61 — 

Collen ^eprofft is, ind man dat aldao nimltt ßoIii:Ii an<lorcn polte. Datum 
Caster' foria (juarta post Pascha. 

An herrn Werner van Bredenbent '-, unsscu lieven vruiidl ind raitli. 

2. Her::o(j [Wilhelm II.J von Jülich an die Stadt Aachen: er schicke 
zugleich mit diesem, Briefe drei Münze», die seine Wardeine aus der Dürener 
Miinzhüchse herausgenommen hätten und bitte, diese Stücke zu jirüfen und 
hei Guibefund kursieren zu lassen. — [t3('>l — 93.] 

Hertzoge van Guilcho. 

Lievc fniudte. Wust, dat wir diesse drcy pcnningc, die uch hrongor 
dieß brieffs brengt, overmitz' unse wardcynen ' ind friindt zu Düren uyß 
der boyßen^ bain doin nehmen ind l»ittcn uch, dat ihr die prcufft, offt goed 
gelt is, so duet id nehmen, also als wir van ucii gescheideu syn. Her zo 



1) In Caster (Kaster) bei Bergheim a/Eil't Lofand sicli ein jülichsches Schloss. 
Häufig ist in den Aachener Stadtrechnungen von Caster die Rede, da oltmils vom Rat 
Boten nach dort gesandt wurden, auch wird das Gesclienk an Met, das, wie so vielen 
andern hohen oder einflussreichen Persönlichkeiten, auch dem Herzog von Jülich von 
Seiten der Stadt gemacht wird, mehrfach dorthin gohracht. 

2) Er war der älteste Sohn von Arnoldus Parvus und Bruder des Karsil von 
Palant d. Ä.; vgl. von Oidtman in der Zeitschrift dos Aac-hener Geschi htsvereins 
XIV, S. 38 f. In den Aachener Stadtrochnungen wird soiuer ungemein oft gedacht. Vom 
Jahre 1367 — 77 war er jülichscher Rat. 

') overmitz = vermittelst. 

*) Wardein, werdein, von warden und werderen = werten, den Wert bestimmen, 
vgl. Schiller und Lübben a. a. O. V, S. 600 und 674 /."j. Vielleicht stammt das Wort 
„wardein"* auch von dem ital. guardare, bewachen, beobachten. Italienische Münzer, 
in deren Vaterland, gleich dem Handel, aacji das Geldwesen frühzeitig ausgebildet 
war, sind wie ihre Landsleute, die lombardischen Wechsler, nach Deutscl.land ge- 
kommen und mögen hier zugleich mit ihrer Fertigkeit manche ihrer Heimat geläufigen 
Bezeichnungen und Ausdrücke eingebürgt haben. (Vgl. liierzii den trefflichen Führer 
durch die Münzsammlung der Stadt Köln von Menadier und Oppermann S. 40) Der 
Wardem war der oberste Münzbeamte, der neben der allgemeinen Aufsicht über die 
Münzschmiede besonders darauf Obacht zu geben hatte, dass die geprägten Münzen die 
vorgeschriebene Reinheit des Metalls wie auch das gehörige Gewicht zeigten. Nur, wenn 
dies der Fall war, sollten die Münzen in den Verkelir gebracht werden. Nach jeder 
Prägung legte man eine bestimmte Anzahl der neugeschlagenen Münzen in eine ver- 
schliessbare, mit einem Schlitzloch versehene Büchse, die zu festgesetzter Zeit — in 
späteren Jahrhunderten an den sogenannten Probationstagen — geöffuet wurde, um 
die darin befindlichen Münzen einer nochmaligen genauen Probe vermittelst Wage 
und Schmelztiegi'l zu unterziehen. Diese wiederholte Untersuchung sollte dazu dienen. 
Wardein und Münzmeister anzutreilien, ihr Amt recht gewissenhaft zu verseben. Da 
bei den damaligen unvollkommenen Einrichtungen irnd Werkzeugen es kaum möglich 
war, ein ganz genaues Gewicht und eine tadellose Mischung des Metalls zu erzielen, so 
war dem Münzmeister bei Gewicht und Legierung ein bestimmter Spielraum, das 
sogenannte remodium gewählt. Des Wardeins Aufgabe war es auch, die fremden im 
Gebiet seines Münzherrn umlaufenden Münzsorten von Zeit zu Zeit zu untersuchen. Zu 
(lern Amt der Wardeine wurden vielfach die Goldschmiede herangezogen, deren Be- 
schäftigung viele Berührungspunkte mit den Verrichtungen der Münzer bezw. der 
Münzbeamten hatte. (Vgl. auch Loersch und Rosenborg in der Zeitschrift des 
Aachener Geschichtsvereins XV, S. 72.) 

') boyßo r= Münzbüchse. Vgl. ausser dem in vorhergehender Anmerkung hierüber 
Gesagten auch das später S. 74 im Urkundente.xt über die „beslossen buesse" 
Mitgeteilte. 



— G2 — 

duet also as wir uch geleuven ind as ihr wolt, dat wir omb uren 
willen dedcn. (Ohne Jahr u)id Ort.) 

An die burgermcister, seheifenen ind raitli van Aiehea, onssc lieve 
frundtc, 

3. Herzog [Wilhelm II.] von Jülich an die ^tadt Aachen: er werde 
seinen Miuiznieistey in Düren anweisen, die Münzen dort so herzustellen., dass 
nicht mehr darübe)- geklagt tverde. — Lechenich, [1361 — 93], des dinstags 
uae Divisionis apostolorum [Juli 15]. 

Hertzoge van Guilge. 

Glitte frundt. Wir hain wähle verstaudten uren brieff van deime gelt 
iinßer muntzen van Düren, warop wir uch wederschrieven, dat wir jetzu zo 
Lechenich sin, mit deme buschove van Coline in groisser nnleden ', dat irste 
wir van danne komen zo Düren, so sollen wir onsen nuinzner beboiden * 
ind vor unß doen kommen ind mit ihm also ernstlich sprechen off doin 
sprechen, dat sy onse gelt allsulch macheu, dat id gencme blive, ind dat 
wir daevan egeyne klage meer hoeren. Gegeven zo Lech(!nich des dinstags 
nae divisionis apostolorum. 

An die burgermcister, scheffen ind raith der statt van Achen, unßen 
golden frundt. 

4. Herzog [Wilhelm II.] von Jülich an die Stadt Aachen: er habe 
seinem Dürener Münzmeister die Klage der Stadt Aachen, dass die Dürener 
Münzen an der Mark Silber um eine Mark Pagament verschlechtert seien., 
mitgeteilt und ihn beauftragt, sich in Aachen zu verantworten. — Caster, 
[1361—93], Juli 28 (ipso die Pantaleonis). 

Hertzoge van Guilge. 

Lievc frundt. Onsen munzmeister van Düren daromme vor uns geheischt, 
hain wir ihn laissen hoireu iud verstaen allsulchc uro briefc as ihr uns 
waele eins ind auderswerff^ van unsser muntzen wegen van Düren gesandt 
hat, klagende, wie diesselve onße muntze soelc goergcrf syn ahn der marck 
silvers eine merck peyemeu*, darup unße muntzeraeister vur uns ind vur 



') Es liandelt sicli lii r Löelistwalirsfheiulich um den Stroit Wilhelms II. m.t 
dem Administrator des Kölner Erzstifts, dem Trierer Erzliisohof Knno von Falkenstein. 
Dieser Streit drehte sich um den Rückkauf des dem Herzog von Jülich verpfändeten 
Zülpich. rVgl. Kolloter a. a. O. S. 46 ff.) Die Abfassung des Briefes Nr. 3 fallt dann 
in die Zeit von Nov.|Dez. 13ö7 bis in die zweite Hälfte des Jahies 1370. 

'^) beboiden, beboden =» entbieten, vorladen; vgl. Schiller und Lübbon a. a. 
O. I, S. 162. 

^) eins ind ander3werff= das eine und das andre Mal. 

*) ergeren, ärgeren = verschlechtorn, schmälern. (Scliillor und Lübben I, 
S. 125.; 

^) Diese Verschlechterung um eine Mark Pagament (peyemen) entspricht einer 
Verringerung der Münzen um etwa 10 vom Hundert, gewiss ein sehr ausreichender 
Grund für die Stadt Aachen, dem Umlauf dieser jülichschen Münze Schwierigkeiten 
zu bereiten. 



— 63 — 

oiißen frundten siud ' ind sin bcschoidt verandtwortt hat, gonougli as uns 
dunckt, up ucr verbeßcren ind hain yn darominc aß vort docu ridcn und 
uch sich dessclven zo verandLworttcn mit den reden, as he ach sagen sali, 
ind willen daronuue uch bittend sin. Ist dat he sich also mit godcn reden 
verantwortt, dat uch dunckcn mag, dat man mit enie liden- sole, dat ir 
ouch dan mit eme lud mit uns muntzcn vurß also lidet, dat die bi urme 
hindternissc nit verschlagen werde, want onsse mcininge ommer is, dat onsse 
muutzcn voldoen socle dem pcnningc, den he sleit, na dem sich golt cnd 
ouch dat silver hocget van dage zo dagc. Datum Castcr ipso die Pantaleonis. 
Eirsamen luden dem raithe der statt van Aichen, onsen goeten vrundten. 

5. Herzog [Wilhelm IL] von Jülich (tu die Stadt Aachen: Werner 
van Aiche, fein Dürener Münzmeister, habe ihm nach ssiner Rückkehr von 
Aachen mitgeteilt, dass er vor dem versammelten Aachener Rate sich verant- 
wortet habe. Wünsche die Stadt schwere Münzen, so ivolle er, der Hirzog, 
so weit es anginge, dem willfahren. Wenn er von seilen der Stadt an seiner 
Münzschmiede in Düren geschädigt werde., so dass er sie aufgeben miisste, so 
erachte er das für ein grosses Unrecht. Er bitte um Antirort. — Caster, 
[1361—93], August 1 (die Petri ad viucula). 

Hertzoge van Guilche. 

Lieve frundt. Werner van Aiche, onsen muntzmeister, den wir hatten 
doen rieden zo uch, omme onse muntze, dier ir uch beklagende wairt, zu 
verandtwortten, de is kommen wederomme ahn ons ind hatt ons wähle 
gesagt ind erzahlt, wie he geweist have vur uch ind in urme vollen raithe 
ind have dae an uch gesät ind ahn ure bescheidenheit ^ ind geboden, nae 
dem dat ihr t'golt ind t'silver selver gesät halt ind in ure statt gilt, ind 
sie yren penningh darnae schlaen ind des niet naure zu kommen können, 
sich einger wyße anders zo behalten mögen an der muutzen, dunke uch 
daromme, dat si sich behalten raeuchten den penning sweyre zo schlaen, 
dat sie des gerne ure beseheidenheit staen seuldten iud bode zustaen, dat 
ommer uns ind unßen frundten dankt volbeden syn in den sachen vurschreven. 
Ind Wille heromme gerne uch, lieve frundt, bitten, dat uch des wille ge- 
nuegen, ind wilt ons ahn unßen muntzen dorin bovcn niet hindteren, also 
wir uch geleuven. Want wurdte unsse muntze heriuboven van uch gehiudtert 
ind geletzt, dat wir sie nederlegen moesteu, dat ducht unß zomaihle sie van 
uch unreden ind uns eine herdheit, der wir uch nie geleuveu ind begehren, 
darop uns ure endtliche ind ouch goide antwortte zo schricven weder mett 
dessemselven boden. üatum Caster die Petri ad vincula. 

Burgermeistereu, scheffenen lud raithe der statt van Aichen, onsen 
lieven frundten. 



•) Im Original dieses Briefes liat an Stelle des hioi" sinnlosen Wortes „sind" 
jedenfalls etwas anderes gestanden. 

') liden = dulden. 

*) beseheidenheit. besehedenheit =^ Überlegung, Gin8icht,\Veislieit. (Vgl. Sc h il ler- 
Lübben a. a. O. IfS. *2ö9). 



- G4 — 

ß, Herzog [Wilhelm IL oder III.] von Jülich an die Stadt Aachen: 
sein Miinzmeister in Jülich solle Weisspfennige z^on derselben Güte schlagen, 
wie die zu Düren geprägten. Er bitte, das Jülicher Geld bei Gutbefund 
in der Stadt Aachen umlaufen zu lassen. ■ — Gulche, [1361 — .95 bezw. 1393 
bis 1402], Juli 15 (in Divisione apostolorum). 

Hcrtzoge van Gulche. 

Frundtliche groß vurgemelt. Gutte frimdt. Wir lassen uch wissen, 
dat wir eyuen muntzer zu Gulche gesaot haiu, wilcher luuntzer wißpenning' 
schlain sali, also gutt aß uuße muntzer van Düren, darumb bitten wir uch, 
dat yr sein gelt wilt doin beseyn, und vyndt yr also gutt as dat gelt van 
Düren, so bitten wir uch, dat ihr bestellen wilt, dat men unßc gelt neymen 
willc geleych deme gelte van Düren in uyrc statt, und wie ihr dat gelt 
findt, des laist unß eine antwortte weder wissen. Got sy mit uch. Datum 
zu Gulche in Divisione apostolorum. 

Eirsammen wyscn, beyrven '^ luden burgermeistere, scheffen, raydt der 
statt van Aiche, unßeu guttcu vrundten. 

7. Herzog [Wilhelm II. oder III.] von Jülich an die Stadt Aachen: 
er bitte, seiner in Jülich geschlagenen Silbermünze in Aachen Umlauf zu ge- 
statten, da sie ebensogut sei wie die Münze von Deutz und von Düren. — Caster, 
[1301 — 93 bezw. 1393—1402], des freytags nae sent Johaunstag Baptisten 
[Juni 24]. 

Hertzoge van Guilge. 

Gode frundt. Wir bitten uch ind begeren allsulche muntze as wir zo 
dissen zitten in unser statt van Guilche doen schlacn, dat ihr bestellen wilt 
in ure statt, dat man die dae nemo ind geve, want dieselven onßen muntze 
zu Guilche as goit sin sali van silver int van gewichte as man zo Duitze 
off zu Düren schlain mag. In dcsse-i Sachen wilt uch uns zo lievc also 
bewysen as wir uch gelouven. Gegeven zo Caster, des freytags nae sent 
Johannstag Baptisten. 

An die burgcrmeister, scheffenen ind raith der statt van Aichen, unssen 
goden frundten. 

8. Herzog [Wilhelm III.] ^ von Jülich und Geldern an die Stadt 
Aachen: er bitte, die von seinem Jülicher Münzmeister Gerhard van Eymande 



') Der Weisspfennig, aus dem sich später der so wichtige Raderalbus — so 
genannt nacli dem awf ilim liefindliclicn, dem Mainzer \Vai)pen entnommenen Rad — 
entwickelte, wird wolil zuerst um das Jaiir 13® geschlagen worden sein. Seine förm- 
liche Einfülirung fand er .aber erst durch den zwischen Erzhischof Kuno von Trier und 
seinem Neffen, dem Kölner Krzbiscliof Friedrich von Sajirwerdcn, unterm 28. März 1372 
vereinli.arten ersten rheinisclien Münzverein. (Vgl. Menadier und Oppermanu 
u. a. 0. S. 36 ff.) 

2) beyrve, bcrvo, bidervo n. s. w. =^ nützlich, tüclitig, gut, rechtschaffen. (Vgl. 
Schiller und Lübbon a. a. O. I, S. 172. 

^) Dieser Brief könnte allenfalls auch dem Bruder und Nachfolger Wilhelms III., 
dem Herzog Reinald angehören. 



— 65 — 

geschlagene Münze zu prüfen und bei Gutbefund glcicJi anderm Geld in der 
Stadt kursieren zu lassen. Er ersuche um ^Mitteilung, weshalb man seine 
Jülicher Münzen nicht ebenso nehmen wolle, wie die Dürener. Etwaige 
Mängel werde der Münzmeister abstellen. — Caster, [1393 — 1402], sabbatho 
in crastiiio Ac<;-i(lii abbatis (Sept. 1). 

Hortzoge van CJuili^c iiid van Oelre. 

Licve frundtc. Also as wir uch vur zittcn mchc st'schrcvcn ind ^c- 
l)ettcn liain, also bitten wir uch frnndtlich ind begcrcn, dat ilir provon wilt 
Oerartz gelt van Eymande, unß muntzmeistcrs zo Guilclie ' und dat bcsien. 
Ist sachc dat ihr dat gelt as goit findet as ander onssc gelt van Düren, so 
l)egeren wir van uch, dat ihr onsse muntze van Guilehe fordet int wil 
laisscn gaen gelich anderen. Gegeven zu Caster sabbatho in crastino 
Aegidii abbatis, 

Vort, lieve frundt, so bitten wir uch ind begercn, dat ihr ons wilt 
laisscn wissen, warumb dat man dat gelt van Guilche nit aßwacle en soele 
nehmen as dat gelt van Düren. Wert sache dat dao einiche bruj'chc an 
wcre, diesclve [sali] de vuvgon. onsse muntzmeister gerne richten ind keren. 

Unßen golden frundten, burgermeisteren, schoffenon ind raitho der 
stede van Achen. 

9. Herzog [Beinald] von Jülich und Geldern an die Stadt Aachen: 
die Stadt Köln lasse seine Jülicher Goldguide?}, die sie für ebensogut wie die 
Gulden der rheitiischen Kurfürsten befunden habe, in Köln kursieren, er 
bitte, dass auch Aachen seinen Goldgulden Umlauf gewähre. — Ilamboich, 
[1402— 142S], des sonntags up Unser Liever Frawen avoudt assumjjtio 
(August 15). 

Hcrtzoge van Guilge ind van Gelrc ind greve van Zutplien. 

Eersambc gutto frundte. Allsulchen golt ind silvcren gelt, as wir zo 
Guilche in onser statt doin machen ind wirchen, dair die statt van Colnc 
die prouffe äff hait doin bcsien, also dat in der prouven wailc genucgt, ind 
die goulten niet arger bcfonden en haven, dan der churfurstcn gulten, die 
sy in yren monten op dem Ryne - nu doin wirchen, darunib die statt van 
Coline vurß dat mit beliefft hait ind nehmen die vurß onse gulten gelich 
der churfurstcn gulten, hieromb so doin wir an uch schrieven frundtlichen 
ind ernstlichen begerende, dat ihr zu Aiche in ure statt bestellen wilt, den 



') Die Aacliener Stndtreclimintj dos Jfthres 1370/7 bringt — in dor Laurontschen 
Bearbeitung S. 2r)4, Z. '^Z — den Posten „tt. Hoynrico monotario Durensi 1". Wir lernen 
hier noch einen dritten jüliclisclion Münzbeamten, den DUronor Münzmeister Heinrich 
können, dorn der Aachener Rat ein Viertel Wein rciclien liisst. Wahrscheinlich hat 
dieser Münzmoister, den wolil die Festlichkeiten hei Gelegenheit der Krönung Wenzel» 
— im Juli 1B76 — nach Aaclien geführt liaben, früher im Auftrag seines Herrn, des 
Herzogs Willielm H., mit der Stadt über Münzangologonhoiten zu verliandeln geliabt. 

') monton op dem Ryne, die am Rhein gelegenen Münzstiltten der Kurfürsten 
von Köln, Trier, Mainz und von dor Pfalz. 



— 66 — 

mann onsseii gulten [doin zo nemen] nachdem sie also gutt sin iud nict 
arger, ind wilt nch darinuc bewysen, dat wir ucli des zo danken baven 
nioigen. Gegeven zo Hamboich ' des sonntags up Unsser Liever Frawen 
avondt assumptio *. 

An die eirsaine burgermeistere, scheffene und raith der statt van 
Aicbe, iinßen glitten frundteu. 

10- Beide Herzoge von Luxemburg und Brabant [Wenzel von Luxem- 
burg und seine Frau Johanna von Brabant] an die Stadt Aachen: sie dankten 
für die Bereitwilligkeit der Stadt, das einem Brilgger Bürger beschlagnahmte 
Gut zurückzugehen, auch bitteti sie, ihrer zu Mastricht geschlagenen Münze in 
Aachen Umlauf zu gewähren. — Brocß[elt], [1355 — 83], Jan. 26. 

Eiden hertzoge van Lucemburg ende van Brabandt. 

Lieve inde gemindte ^ friendte. Wy bebben waihl verstaen uwe friendleke 

antwortte, die ghi uns geseint hebt Vort, lieve friende, bitten wy 

u friendelic, as wy t'andercn tyden gebeden bebben, dat ghi onsse munt, 

die wy te Triebt schlaen doen, forderen wilt ind in uwer statt doen gaen 

om uwe gonst inde friendeliker bede willen, dair in doende also wy u 

ganßlic toe gelouven. Gott sy mit u. Gegeven te Broeß[elt] 26. tag 

in iauuario. 

Onssen lieven ind gemindten friendten den burgcr- 

meisteren, sehepen en raith der statt van Aken. 

11. Johann von Bayern-IIennegau, erwählter Bischof von Lvttich an 
die Stadt Aachen: er bitte, seinen Silber- und Goldmünzen, wenn sie sich als 
ebensogut erwiesen, wie das von der Stadt zugelassene Geld anderer Herren, 
in Aachen Kurs zu gestatten. — [1390=^1418] , Sept. 21. 

Johann van Beyeren, elect* van Ludie und greve zu Loen. 

Gute frundte. Wir bitten uch frundtlichen, dat ghir unße munte 



') Hamboich, jetzt Hambach, Kr. Jülicli, mit Überresten eines Jülichschen 
Schlosses. 

') Der Schreiber dieses Briefes datiert denselben vom Sonntajj nach dem Vor- 
abend von Mariae Himmelfahrt. Dieser Sonntag muss nun zwischen die Vigilie dieses 
Festes nnd das Fest selbst gefallen sein, d. h. die Vigilie ist auf Samstag, Mariae 
Himmelfahrt auf Montag anzusetzen. Wälirend der Regierungszoit des Herzogs Reinald 
— 1402 bis 142U — ist nun dieses Fest dreim.al auf einen Montag und daher die 
Vigilie, die nicht an einem Sonntag sein kann, auf einen Samstag gefallen nnd zwar 
ist dies in den Jahren 1407, 1412 und 1418 der Fall gewesen. (Vgl. Weidenbach, Ca- 
lend.arium). Tn einem von diesen drei Jahren wäre obiger Brief dalier geschrieben 
worden. Sollte dieses Schreiben aber etwa nicht von Herzog Reinald, sondern von 
Wilhelm III. herrühren, was wenig wahrscheinlich ist, so müsste es dem Jahre 1401 
zugewiesen werden, da nur in diesem Mariae Himmelfahrt aiif einen Montag fiel. 

ä) gemindte (von minnen)=: geliebte, vgl. Schiller-Lübben a. a. O. III, S. 93. 

"■) eloct, episcopus eloctus, erwählter bezw. ernannter, aber nicht konsekrierter 
Biscliof. Johann von Bayern — als orwälilter Bischof von Lüttich .lohann VI. — war 
der Enkel Kaiser Ludwigs des Bayern und Margarotas, der Erbin der Grafschaften 
Hennegau und Hf)llanil; im Jahre 1418 verzichtete er auf den LUtticher Stuhl. Das 



— G7 — 

silveren und gulte, doir unße naciii iiul wacffeu ' uffsteint, umb uuse gunstc 
und ure willen wilt docn nehmen in ure statz, waut sy also goit is as andere 
herren muntzc, die gbi dagelichs necnibt in ure statz, dair sueldt ihr unß 
sehre danckelichen yn dacn und willen datz vor ogcn hain, off id gefiele in 
geliehen Sachen off in mchreru. Gott sy mit uch. Gegcvcn onder onßrem 
siegell 21. tage in der maent van September. 

ünßern gutten frundten, den borgermeisteren, 
scheffen und raith der statt van Aicheu. 

12. Der Erzhischof von Köln /Dietrich IL von Mors] an die Stadt 
Aachen : er habe in Deiitz eine neue Münzstätte eingerichtet, die Goldmünzen 
von dem Werte eines Fostiilatusgidden schlagen solle, wie solche zu Köln, 
Aachen nnd an anderen Plätzen umliefen, und bitte, seine neuen Goldmünzen 
in Aachen kursieren zu lassen. — Cohie [14J5S, März 17 (up scnt Gcrtrudt tag). 

Archiepiscopus Coloniensis, sacri impcrii princcps elcetor, Wcstphaliae 
et Angariae dux. 

Eirsamen gutten frundten. Wir laissen uch wißen, dat wir zo Duytze, 
gcen onßer stadt Colne over gelegen, eine nuwe rauntze gelag lian, alda 
gulten zo schlacn unter unßen wapen inil tytcU, der gultcn ein so gutt ind 
werth sin sali as ein der gulten genant postulaitze- gulten, die itzond zu 
Colne ind vord by uch ind an anderen endten genge sint, also begeren wir 
van uch sehre frundlichen, dat ihr die vurß unße gulten zulaissen ind vur 
dat vurgemelte ir wert nemen^ ind zo Aiche bestellen willen, so zugelaissen, 
genommen ind uißgegeven werden, ind uch daeinne guttwillig haven, as wir 
getruwcn, ihr gerne doin willen, dat ane dat ihr uns lieve^. Gegeven in 
unser statt Colne unter unsem segell up sent Gertrudt tag, anno Domini etc. 58. 
Den eirsamen unßen gutten frundten, burgermeisteren, 
seheffenen indt rathe des konniirlichen stoils der statt Achcn. 



'»■ 



Aachener Stadtarchiv besitzt auch noch zwei an die Stadt Aachen gerichtete Original- 
schreiben Johanns. In dem einen, vom 17. Dez. o. J. (Or. Pap. A. III. 8), ersucht er die 
Stadt auf den Goodert Durtzant einzuwirlcen, damit dieser den Kanonikus Arndt van 
Gavore nicht weiter im Genüsse von dessen LUtticher Präbende behindere. Goedort 
Durtzant gehörte seit dem 21. Aug. 1101 dem Aachener Miinsterdtift als Kanonikus an 
und starb am 3. Aug. 1438. (Freundl. Mitteilung des Herrn H. F. Macco, vgl. auch 
Housch, Nomina canonicorum etc. S. 0.) l^nd in dem anderji Brief — vom 1. April llOil 
— (Or. Perg. A. III. i() gibt Johann die Erklärung ab, dass alle Zwistigkeiteu zwisciien 
ihm und der St.adt .\achen ausgeglichen seien. 

') waeifon = Wappen. 

^) postul.iitze gulten = Postulatusgulden. Diese Goldmünze soll zuerst von dorn 
postulierton Bischof von Utrecht, Rudolf von I'iepholz — etwa um MIO — geschlagen 
worden sein. (Vgl. Schmioder, Handwörterbuch der gesamten Münzkunde S. ;i5S). 
Postuliert wird der Bischof genannt, der aus kanonischen Gründen nicht gewühlt, sondern 
nur erbeten worden konnte. Kin )iostulierter Bischof hat vor iler admissio keinerlei 
Recht auf das Amt, wie ihw beim gewählten Bischof der Fall ist. (Vgl. Wotzer nml 
Weite 's Kirchenlexikon X, S. 240/1.) 

3) Der Kölner Rat verbot im gleichen J.ahr — 1458 — den Umlauf dieser Qold- 
gulde.n des Erzbischofs Dietrich, weil sie nicht den richtigen Gehalt hatten. (Vgl. 
Pick. Monatsschrift II, S. 6:i4.) 

*) Unverständlich, das Original ist hier jedenfalls falsch abgeschrieben worden. 



— 68 — 

Ausser dem unter Nr. 10 gebrachten Briefe Wenzels und 
Johannas von Luxemburg-Brabant, der, wie oben bemerkt, nur 
abscliriftlich im Stadtarcliiv vorhanden ist, besitzt dieses aber 
aucii nocli ein Originalschreiben dieses Fürstenpaares, in welchem 
die Stadt Aachen ebenfalls um Zulassung der in Mastricht 
geschlagenen Gold- und Silbermünzen gebeten wird. Wie es 
scheint, gibt der vorhin angeführte Brief — vom 26. Januar — 
nur eine Wiederholung des Schreibens vom 6. September des 
wahrscheinlich unmittelbar vorhergelienden Jahres. Dieser Ori- 
ginalbricf Wenzels und Johannas hat folgenden Wortlaut: 

Die . . . hertoge van Lucemburg ende van Brabant. 

Lievc ende gherainde vriende. Want wij een niiwe munte te Triebt 
geordineert hebbeu te makcn van onser wegen, beydc van goude ende van 
zilver, die wij | hoopen, dat bescbeidelic ende wail gesät is ende also sal 
bliven staend, des wij goide borchtocbt^ van onsen muntmeisteren van 
Triebt bebben. So bidden | wij u vruntlic ende mit groten ernste, dat gbi 
onse voirß munte nict bindern eu wilt, mer wilt die vurderen ende in der 
stad van Aken laten gacn ende loop bebben, dair in also doende ora onser 
vruntsscap wille, want eingelic dair mit wail verwert is, dat wijs u danken 
mögen ende alswij u aller vruntsscap volkomelic betruwen. God sij mit u. 
Gegeven te Bruesselt 6. dage in septembre. 

Adr. : Onsen lievcn ende gbeminden vrunden, den burgbermeisteren, 
scepen ende rait der stad van Aken. 

Or.-Pap. im Stadtarchiv zu Aachen (A. VI. 31). Das hriefschliessende 
Siegel ist bi.i auf geringe Spuren abgefallen. 

Die Festsetzung des Pagaments hatte naturgemäss mancherlei 
Münzverordnungen im Gefolge. Über Vergehen nun gegen solche 
Verordnungen gibt Auskunft ein ausgedehntes Verhör, das etwa 
um die Mitte des XIV. Jahrhunderts in unserer Stadt angestellt 
wurde. Die bisher noch nicht veröffentlichten Aufzeichnungen 
über dieses Verhör befinden sich in dem hiesigen Stadtarchiv 
und zwar auf einer 2^/4 m langen und 15 cm breiten Pergament- 
rolle, über welche Aufzeichnungen ich vielleicht ein andermal 
ausführlicher berichten werde ^. 

Dass der Aachener Rat mit wachsamem Auge auf das 
gesamte Münz- und Geldwesen achtete, beweist ferner eine An- 



>) Ijorchtocht — Burgschaft, vgl. SclüUer-Lüblion a. a. O. I, S. 396. 

*) Diese EoUc l)estebt aus mebrercn, aneinandergehefteten Pergament- 
streifen, leider fehlt gerade der so wichtige Anfangstreifen. 



— ÜO — 

zalil von Posten der Stadtrechnung-en ans dem XIV. Jalirliundert. 
Im Recluuingsjulir 134f)/r)0 wird eine Mark' verzeichnet, 
die bezahlt wnrdc „vig-ilatoribus snfiiantibns pag-anientnm" - d. li. 
den Wächtern, die auf dem llorn blasend die Stadt durch- 
zogen, um eine neue Währung-, einen neuen Kurs anzusag-en 
oder — und dies scheint das wahrscheinlichere — um eine 
vom Rate nicht zugelassene neue Münze zu verbieten"'. Und 
im Jalire 1384/5 werden den „ weich teren, du sy dat nuwe g-elt 
verboeten" vier Viertel Wein gespendet'. Weiter meldet die 
Rechnung- des Jahres 1346/7, dass einem Goldschmied für die 
Untersuchung- von Goldscliilden — scutei aurei, eine damals 
umlaufende Münzsorte •'^ — 17 Schilling-e g-ezahlt wurden und 
dass der Stadtkasse ein Verlust von weiteren 17 Schillinaen 
durch Einschmelzen dieser Goldschilde erwuchs'''. Im Jahre 
1394/5 werden 7 Mark^ und im Jahre 1386/7 sogar 22 Mark ^ 
für Gelduntersuchung-en verauslag-t. Möglich ist es, dass die 
Empfiingcr dieser beiden Beträg-e Keirstion (Christian) van 
Eckenroyde und Johann Rulant Goldschmiede gewesen sind''. 



') Die Aachener Mark des Jahres 1344 ist nach Laurent (Aach. Stadt- 
rechnungen S. 5) gleich ö""/« Reichsmark, die Mark des Rechnungsjahres 
1349/50 wird dagegen etwas weniger wert sein. Wie das bereits friilier 
betont worden ist, muss aber die Kaufkraft des damaligen Geldes als eine 
bei weitem grössere angesehen werden, als die des heutigen. Nach Gross, 
Reinard von Schönau in der Zeitschrift „Aus Aachens Vorzeit" Vlll, S. 30, 
Aniu. 1, übersteigt das Geld des Jahres 1346 an Kaufliraft die Münze der 
Jetztzeit um das Siebenfache. 

^) Vgl. Laurent a. a. 0. S. 224, Z. 21. 

') Laurent übersetzt pagamentum hier irrig mit Zahlung. 

*) Laurent a. a. 0. S. 274, Z. 19/20. 

*) Diese Münze wurde zuerst unter Philij)!) VI. von Frankreich und 
zwar um das Jahr 1336 geprägt. Der Name — ecu d'or, aureus clipeatus. 
Goldschilt u. s. w. — ist ihr nach dem Wappenschild gegeben Avorden, das der 
auf ilir dargestellte König in seiner Linken hält. (Vgl. Schmied er a. a. 
(). S. 147 und Lamprcclit, Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter II, 
S. 446). Auch die früher erwähnten cliaises d'or des Herzogs Johann II f. 
von Brabant gehören unter die Goldschildc. 

«) Vgl. Laurent a. a. 0. S. 180 Z. 4/5. 

') Ebenda S. 391, Z. 15. 

«) Ebenda S. 361, Z. 17. 

*) Christ, van Eckenroyde, wie auch Johann Rulant liefandrn sich 
ohne Zweifel in guter Lebenslage. Denn der orsterc stellte zu dem Zuge 



— 70 — 

Noch eines Postens der ältesten unter den uns erhalten ge- 
bliebenen Stadtrechnungen, der des Jahres 1333/4 nämlich, 
niügc hier Erwährung geschehen, welchen Posten der Rent- 
meister folgendermassen einträgt: „Van ungeven gelde, dat 
Clois Keygeleir gaf, 17^2 s. 1 haller " \ Hier handelt es sich 
jedenfalls um falsche oder um ausser Kurs gesetzte Münzen. 

Die bis jetzt aufgezählten Aachener Münzen tragen Bild 
und Namen eines Kaisers bezw. Königs. Dieser Name nun 
verschwindet auf einmal von den Münzen, was kein Zufall sein 
kann, sondern auf eine ganz bestimmte Veranlassung zurück- 
zuführen sein wird. Die kaiserliche Münzstätte muss als solche 
jetzt endgültig aufgehört haben zu bestehen und der Zeitpunkt 
gekommen sein, wo das Haus Jülich in den fast unbeschränkten- 
Besitz der Aachener Münzschmiede gelangte. Es muss hier 
aber nochmals daran erinnert werden, dass, wie solches bereits 
oben ausgeführt worden ist, Jülich als Pfandinhaber des 
Schultheissenamtes bezw. der Meierei wahrscheinlich schon seit 
einer Reihe von Jahren gewisse Rechte an der Aachener 
Prägestätte besessen, ja vielleicht sogar in dieser für eigene 
Rechnung gemünzt hat^ Nichtsdestoweniger könnte aber in 



nach Schloss Reifferscheid im Jahre 1385 „eyn geley myt 3 perden" d. h. 
einen dreispännigen Wagen. (Vgl. Laurent a. a. 0. S. 293, Z. 17 und 
S. 435). Und Johann Rulant — auch als Johan Rühmt van Hokirchcn be- 
zeichnet — liomrat in den Jahren 1380/1, 1885/6, und 1387/8 unter den 
Pächtern der städtischen Weinsteuer vor. Auch streckt er der Stadt Geld 
vor und bezieht von ihr eine Leibrente von 12 Goldgulden, während seine 
Frau und Tochter für 825 Goldgulden sich eine Leibrente von 75 Gulden 
von der Stadt erkauften. (Vgl. Laurent a. a. 0. S. 368, Z. 38/9 — S. 264, 
Z. 2 — S. 348, Z. 27 und S. 295, Z. 18/9.) 

1) Laurent a. a. 0. S. 404, Z. 8/9. 

^) Beschränkt war der Jülichsche Besitz der Aachener Münzstätte 
insofern noch immer und blieb es so lange, als gegen Zahlung von 223900 
Goldgulden das Reich die Pfandschaften, die Jülich bei ihm besass, — 
unter denen die Aachener Schultheisserei, angesetzt zu 12 000 Gulden, sich 
befand (Vgl. Lacomblet a. a. 0. III, Nr. 454.) — noch einlösen konnte, 
welche Einlösbarkeit mit dem Westfälischen Frieden ihr Ende fand. 

^) Die Jülicher Dynasten erhielten übrigens das ausdrückliche Recht, 
Münzen für ihre Lande zu schlagen, erst als Graf AVilhelm V. im Jahre 1336 
Markgraf wurde. Dies schloss jedoch nicht aus, dass die Grafen von Jülich 
bereits gegen Ende des XIII. Jahrhunderts — schwerlich früher — gemünzt 
haben, ein immerhin später Zeitpunkt für ein so mächtiges Geschlecht. Erklärt 



— 71 — 

solcliciii Fülle diese ^rünzscliiiiicde (Ipiiiiocli bis jetzt ihre 
Eig-ciisciiaft als kaiserliche Münzstätte beihelialteii habeu. Die 
Vcranlassimi^-, die diesen Wechsel im Besitz der Aachener 
]\Iinizsctnnicde bewirkt hat, diiiCte möglicherweise dieselbe ge- 
wesen sein, welche die Standcscrliöliung des Mai-kgraCeii Wilhelm 
von Jülich — er wurde ;iuf dem Reichstage zu Metz, Ende 
des Jahres 1356, Herzogt — herbeigeführt haben wird, näm- 
lich die Dankbarkeit des Reichsoberhauptes gegenüber dem 
Jülicher, der im Interesse Karls IV. ganz hervorragend tätig 
gewesen war -. 

Den ersten urkundlichen Beweis, dass Jülich die Aachener 
Münze besass, erbringt uns ein Dokument aus dem Jahre IHf)?-'. 
Unter dem 15. August dieses Jahres schliessen der liollliche 
Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep, der Herzog Wilhelm 1. 
von Jülich und die Städte Köln und Aachen einen Vertrag, in 
dem wichtige Abmachungen über das Münzwesen getroffen 
werden'. Die Urkunde über diesen Vertrag, die ich, da sie des 



wird diese vcrh.ällnismässig späte Ausmüuzuug durch das Verhalten des Erz- 
bischofs von Kühl, der, wie wir früher gesehen haben, in den Gebieten, die 
im Münzbann des Erzstifts lagen, wozu auch die jülichschcn Lande gehörten, 
keine anderen Münzstätten — ausgenommen die zu Dortmund und zu 
Duisburg — aufkommen lassen wollte. (Vgl. Grote a. a. ü. VII, S. 379 ff. 
und S. 3ül.) Beachtenswert ist es, dass die in unmittelbarer Nähe Aachens 
befindliche kleine Herrschaft Schünau, ein sogenanntes Sonnenlehcn, bereits 
vor dem Jahre 1302, also beträchtlich früher wie Jülich, das Münzrecht 
besass. (Vgl. Hansen in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 
VI, S. 102/3.) Aus der Familie derer von Schünau ist Reinard I., der 
Stifter des Geschlechts Schönvorst, hervorgegangen, der, wie auch sein Sohn 
Reinard IL, Münzen geschlagen hat. Reinard L, der eine der bedeutendsten 
Persönlichkeiten des XIV. Jahrhunderts gewesen ist, konnte es bei dem 
grossen Einfluss, den er besass, nicht schwer fallen, die Befugnis zu münzen 
für sein Geschlecht sich zu verschaffen. Die Schönvorster Münzen, die teils 
eine gekrönte Figur vorweisen, mit Sceptcr und Reichsapfel, sitzend auf 
einem mit Urachcnköpfen verzierten Stuhle — unter dem ein Schild mit 
einem Adler sich befindet, der aber nach entgegengesetzter Richtung schaut, 
wie der Aachener Adler — , teils aber einen Schild mit 9 Kugeln zeigen, 
sind in Aachen jedenfalls ein häufiges Zahlmittel gewesen. 

') Vgl. Lacomblet, Urkundeubuch III, S. 473, Anm. 2. 

-) Drcsemann a. a. 0. S. 53, Anm. 2. 

3) Lacumlilct a. a. 0. III, Nr. 574. 

M J>cr .Ansicht Kelleters, dass der im .lahrr 13.")! geschlossene l.aml- 
friedcnsbunil /.wischen Maas und Rhein auf dir Entstehung dieses Münz- 



72 



allgemeinen Interesses nicht ermangeln dürfte, in etwa ans- 
fülirliclier behandeln will, spricht zuerst von dem schlechten 
Zustand des damaligen Münzwesens und fährt dann fort: „so 
hain wir umbe des gemejmen guyds wille ind umbe den ge- 
meynen schade zu verhuedene, alz verre as wir kunnen, under 
uns oeverdragen eynre gemeynre muntzen van silvere, die wir 
tzwene herren vocrschreven mit eyme gemeynen uverdraghe 
der voerschreven zweyer steede solen doen slaen up tzwen 
steeden hernae beschreven, dat is zo verstaene, wir ertzbusschoff 
zu ßile enbuyssen Coellen, ind wir hertzoge van Guilge zu 
Aichen in der stat." Weiter wird bestimmt, dass die Rechte 
und Privilegien keines der Beteiligten durch diesen Vertrag 
beeinträchtigt werden sollen, alsdann wird der Schlagschatz 
des Erzbischofs und des Herzogs festgesetzt, der noch nicht 
eins vom Hundert beträgt, und kommt man ferner übereiu, 
dass Silberstücke zu 2 und zu 1 Schilling, zu 6, 3 und zu 1 
Pfennig Pagament ' geschlagen werden sollen und zwar in dem 
Verhältnis, dass in je hundert Mark an Stücken zu einem 
Pfennig für 2 Mark, an solchen zu drei Pfennig für 3 Mark, 
ferner an Sechspfennigstücken für 5 Mark, an Stücken zu 
einem Schilling für 40 Mark und endlich an Zweischillingstücken 
für 50 Mark enthalten seien. Die Urkunde sagt dann weiter: 
„Vort so solen dese pennincge ind dit gelt in beyden desen 
muntzen zu Ryle ind zo Aichen gelych guyt geslagen werden 
in eynre gelycher formen van loyen -, van materien, van guden, 
van werde, van gewichte, van breyden ind van varwen, aen^ 
dat die bylden van denselven muntzen solen uuderscheiden syu, 
also alz uns ertzbusschoffs van Coelne ind uns hertzogen van 
Guilge yeclichme sin bylde zubehoert zu setzene." Sodann 
wird der Wert der im Erzstift Köln, dem Herzogtum Jülich 
und den Städten Köln und Aachen zur Zeit umlaufenden Gold- 
münzen in ein festes Verhältnis zu dem neu zu schlagenden 
Gelde gebracht, „eyn pauweloyn'* guyt van golde ind swair 



Vertrags ungemein eingewirkt habe, kann man nur beipflichten. (Vgl. 
Kelleter a. a. 0. S. 23.) 

*) Pagament steht hier im Sinne von Zahlmünze, vgl. auch oben 
S. 58, Anm. 5. 

'■*) loyen von loy, loi, = Gesetz. 

^) aen = ausgenommen. 

*) pauweloyn, pauwelun, paulun = Zelt, Zeltdach, Thronhimmel, vom 
französischen pavillon, vgl. Schil ler-Lübben a. a. ü. S. 310. Pauweloyn 



— 73 — 

van .yewiclite" sull g-leicli sein 31 Scliilliiig-en, „eyn schilt'' ' = 
28 yciiilliny-cn, „cyii royail" - = 25 Scliilliu^-cn und 4 Pt'eiiiiig-en. 
„eyn cleyne gülden van Fiorencie guyt van g-oldo ind svair 
van demc svairen gewichte" = 22 Schillingen und schliesslich „eyn 
cleyne gülden guyt van g-olde ind svair van denie lichten ge- 
wichte"^ = 21 Schilling-en. Im Handel und Wandel soll zwischen 
Gold- und Silbergeld keinerlei Unterschied gemacht werden 
und Süllen die in Rielil und Aachen geschlagenen Alünzen im 
ganzen ErzstiCt, dem Herzogtum Jülich und den Städten Köln 
und Aachen gleiche Geltung- haben. Andere Gold- und Silber- 
münzen sollen in den genannten Gebieten nur dann Kurs haben, 
nachdem sie von den Wardeinen der Münzstätte zu Rielil und 
zu Aachen geprüft und für gut befunden worden sind. Dei- 
Vertrag- soll sechs aufeinander folgende volle Jahre Geltung- 
haben und soll seinen Anfang mit dem 15. August 1357 nehmen, 
selbst etwaige Streitigkeiten zwischen den Beteiligten werden 
an der Vereinbarung nichts ändern. Während dieser sechs 
Jahre dürfen von keinem der Beteiligten Münzen in Silber 
oder in Gold anderswo geschlagen werden, als zu Rielil und 
zu Aachen. Und weiter heisst es dann in der Urkunde : „Vort 
umbe des wille dat alsulch gelt, as in den voerschreven zwen 
muntzen geslagen wirt, des debas* behoyt werde ind bi der 
voerschreven gesatter ^ loyen ind gueden blive ungeerghert, so 
Ilain wir oeverdragen, dat man in beyden muntzen alle zyt, as 
man gemuyntzt hait, e dat gelt uys der muntzen come, uys- 

wurde eine von dem französischen König Philipp VI. um 1839 geschhigenc 
(Tüldmünze genannt; diesen Namen führte die I^Iünzc deshalb, '«'eil auf ihr 
der Herrschor sitzend unter einem Zelt dargestellt -^var. (Vgl. Schmied er 
a. a. 0. S. 333.) 

') schilt vgl. oben S. (5!), Anm. 5. 

-) royail, riol, regalis aureus u. s. \v. eine französische Goldmünze, die 
rhilipp der Schöne um 129.j jirägen liess, vgl. Schmie<lcr a. a. 0. S. 383 
und auch Larap recht a. a. (). 11, S. 446. 

^) cleyne gülden — so bezeichnet zum Unterschied von den fran- 
zösischen und niederländischen Schildguldcn (Vgl. Lamprccht a. a. 0. II, 
S. 445.) — van Fiorencie vom schweren und vom leichten ücvpichtc sind 
die in Florenz selbst geprägton Goldguldeu bozw. ihre im Gewicht und in der 
Ueiidieit des Metalls mehr oder weniger genauen Nachahmungen. 

■•) debas = um so mehr. 

5) bi . . . gcsattcr loyen . . . bliven = von der festgesetzten Vorschrift 
nicht ahweiclicn. 



— 74 - 

neiiiien sal ummer uysser zien marken geiimyntzs silvers yeclicher 
der vursclireven muntzen cleyne ind grois eyiien pennincg', ind 
sal den werpen in eynre beslossen buesse ^ ind belialden, ind die 
wardeyne, den die muntze zu Ryla bevolen wirt, solen belialden 
den slussel van der bueszen van Aiclien, ind des gelyclis die 
wardeyne, den die muntze zu Aiclien bevolen wirt, solen be- 
lialden den slussel der buesseu zu Ryle. Ind dieselven wardeyne 
van Ryle ind van Aiclien solen allewege zu dryn maenden zu- 
samen conien up der niuntzer cost^, eirstwerf ^ in die stat van 
Coelne ind darnae in die stat van Aichcn, ind also zu allen 
dryn maenden van eynre stat up die andere, ind soelen die 
buessen bi eyn vueren ind upsliessen ind dat gelt besien, 
assayen^ ind proeven up die loye, guede ind werde, alz id 
liievur is gesclireven, by yeren truwen, geloeffden, sicliereiden 
ind eyden." Ob dieser Vertrag bis zum Ende der testgesetzten 
Zeit, also bis zum 15. August 1363 fortgelaufen ist, kann 
fraglich sein, da Herzog Wilhelm bereits im Jahre 1361 starb 
und der Kölner Erzbischof schon im Jahre darauf das Zeitliche 
segnete und von einer Anerkennung des Vertrages von selten 
der Nachfolger dieser beiden Fürsten nichts bekannt ist. 

Dem Vertrage gemäss sollte Erzbischof Wilhelm in Riehl, 
das im Erzstift Köln lag, der Herzog von Jülich nur in Aachen 
münzen. Man kann nun schwerlich annehmen, dass dieser 
seine eigenen Münzschmieden zu Dülken und Düren-'' für 
sechs Jahre ausser Betrieb gesetzt und in der ihm nicht 
zugehörigen Stadt Aachen eine neue Münzstätte eingerichtet 
hätte. Und wie sollte auch Aachen, das gerade Jülich gegen- 
über so eifersüchtig seine Rechte zu wahren suchte, dies ge- 
stattet haben ! Es kann nur die frühere Reichsmünzstätte 
gewesen sein, in der, als ihm jetzt angehörig, Herzog Wilhelm 
die im Vertrage vom 15. August 1357 vereinbarten Münzen 
schlug. Sind nun solche Münzen vorhanden? Wenn sich 
auch keine Stücke vorfinden, bei deren Prägung die Vorschrift 



') beslossen buesse = verschlossene Büchse; vgl. auch ü])cn S. 61, 
Anin. 4/5. 

-) up der muntzer cost = auf Kosten der Münzherren. 

■■') eirstwerf = zum erstenmal. 

*) assayen = versuchen, untersuchen, probieren. 

*) Wahrscheinlich ist es, dass Wilhelm I. auch in Jülich gemünzt hat, 
ferner 'möglich, dass er in IJergheini prilgcn liess. 



— To- 
des Vertrag-e« befolgt ist, dass die vom Erzhiscliofe und dem 
Herzog gesclilag-eiieu Münzen deren lüld zeigen solltt^ii, so 
glaube ich diese Frage dennoch bejalien zu dürfen. Dass man 
davon abgegangen ist, die Bihinisse der beiden Fürsten auf 
den iAI Unzen anzubringen, ei'kläre ich mir folgendermassen. 
Aachen, dem ja, wie aucli der Stadt Köln, als Teilnehmer am 
Vertrage gewisse Rechte zustanden, hat vielleicht nachträglich 
Bedenken getragen, dass auf den von dem Herzog in Aachen 
zu schlagenden Münzen, die sich durch eine entsprechende 
Aufschrift als hier entstanden kennzeichnen würden, ein anderes 
Bild als dasjenige des Kaisers oder Königs und zwar das des 
Jülichers hingesetzt werde. Der Herzog wird auf die An- 
bringung seines J>ildnisses verzichtet und infolgedessen auch 
der Erzbischof sein Bild fortzulassen angeordnet haben. Denn 
auf den Riehler Münzen Wilhelms von Gennep ', sowohl den 
einfachen, wie den doppelten Schillingen, fehlt tatsächlich sein 
Bild. Statt dessen sehen wir auf diesen Münzen den Patron 
der Kölner Kirche, den heiligen Petrus, stehend über dem 
Genneper Wappen -. Nun finden wir unter den Aachener Münzen 
ein Stück, das in der Darstellung auf seinen beiden Seiten un- 
gemein ähnelt dem Riehler Doppelschilling. Diese schöne Münze, 
zu der ein trefflich geschnittener Stempel benutzt worden ist, 
führt uns Karl den Grossen^ vor, auf einer Art von Postament 
stehend, auf seiner Linken den Reichsapfel tragend — unter 
dem sich ein Schild mit dem Aachener Adler befindet — , in der 
Rechten dagegen das Scepter haltend. Die Legende lautet: SCS 
KAROLVS MAGN IMPOR (Imperator), während die andere Seite, 
die den Typus der brabantischen Turnosen* zeigt, in zweifachem 



') Er wird der erste Kölner Erzbischof gewesen sein, der in Kiehl 
Münzen sclilug. (Vgl. Cappe, Beschreibung der cülnischen Münzen S. 191.) 

*) Vgl. Meuadier und Oppermann, Führer durch die Münzsammlung 
der Stadt Köln S. 37. 

•■') Karl trägt auf dieser Münze, wie auf den Stücken, die in der 
Folgezeit sein Bild zeigen, einen Vollbart, eine Darstellung, die in unseren 
Tagen, wie das oben bereits angedeutet wurde, als nicht historisch treu 
sich erwiesen hat. * 

•*) Die ersten Turnosen (grossi Turonenscs) sind unter Ludwig drin 
Heiligen (1226 — 70) in der Stadt Tours geprägt worden. Rasch fanden sie 
eine weite Verbreitung, war ja in ihnen eine ]\I unzart geschaffen, die den 
gesteigerten Anforderungen des Handels und Verkeiirs weit mehr gereclit 



— 76 — 

Reifeil die Unisclirift: VRBS AQVENSIS REG ALIS SEDES 
und MONIETAjAQViENSI vorweist'. Dieses Stück möchte ich 
für den im Vertrage vom Jahre 1357 vorgesehenen Doppel- 
schilling halten. Auch der einfaclie Schilling, sowie die Hälfte 
desselben, das Sechspfennigstück, finden sich, wie mir scheint, 
vor und zwar in einem doppelten und einem einfachen Sterling, 
die beide, wenn auch mit dem Bilde des Kaisers — Karls IV. 
— versehen, den kaiserlichen Namen vermissen lassen. Dieser 
Sterlinge Umschrift ist nun folgende: (Vorderseite) AQVIS 
GRANI CAPVT INFI (imperii), (Rückseite) VRBSjAQVElREGA] 
SEDS| (regalis sedes) -. Als das Dreipfennigstück jener fünf 
Münzsorten könnte jener halbe Sterling gelten, der auf der 
Vorderseite einen Schild mit dem Aachener Adler und der 
Umschrift SANOTVS KAROLVS zeigt ^, auf der hinteren Seite 
dagegen ein befusstes Kreuz trägt, in dessen einem oberen 
Winkel sich drei Kugeln befinden. Die Legende dieser Rück- 
seite lautet: MONETA AQVENS. Ein kleines Münzchen, das 
auf der Hauptseite den Adlerschild ohne Umschrift führt, 
während für die Rückseite der Stempelschneider ein gefusstes 
Kreuz schnitt, in dessen Winkel er die Buchstaben A-Q-V-S 



wurde, als dies bei den bisherigen Münzen der Fall gewesen war. Während 
bei diesen der Schilling (solidus) nur eine Kechnungsmünze Avar, wurde er 
jetzt als grossus Turonensis tatsächlich ausgeprägt. Dieser grossus zerfiel 
in zwölf — zuweilen auch mehr — Teile, die als dcnarii Turonenses parvi 
oder nigri bezeichnet wurden. Der Name denarius niger wird entstanden 
sein, weil das zu diesen Denaren verwendete Silber im Gebrauch leicht eine 
schwärzliche Farbe annahm, während das Metall des grossus, das ein gutes 
war, weiss blieb, daher der grossus auch „albus" genannt wurde. Bald hat 
eine Naehprägung der französischen Turuosen stattgefunden und zwar 
stellenweise unter recht genauer Wiedergabe des Vorbildes. In Brabant 
trat dann später eine neue Art von Turnosen auf, die unter Beibehaltung 
des Typus der einen Seite der bisherigen Turnosen auf der andern Seite 
statt des Stadtzcicheus von Tours das Bildnis eines Heiligen, Fürsten oder 
auch ein Wappen vorwiesen. Das oben besprochene Aachener Stück führt 
uns diesen brabantischen Turnosentypus vor Augen. (Vgl. Lamb recht a. 
a. 0. JI, S. 434/6, Grote a. a. 0. VII, S. 413 und Dannenberg a. a. 0. 
S. 157, 167 und 211.) 

') Vgl. Lictzmann, Die Mittelalter-Münzen der Stadt Aachen S. 6 
und Taf. I, Nr. 6. 

=) Vgl. Lietzmann a. a. Ü. S. 5 und Taf. 1, Nr. 1 und 2. 

=•) Vgl. Lietzmann a. a. 0. S. und Taf. I, Nr. 4.' 



— 77 — 

hineinsetzte ', dürfte vielleicht den kleinsten Wert jener von 
Wilhelm I. g-eschlagenen iMünzen darstellen. Mög-licli ist es 
jedoch auch, dass diese hübsche kleine Münze erst später aus 
der Aachener Münzschmiede hervorgegangen ist. 

Herzog- Wilhelm T. durfte, wie wir oben gesehen haben, 
in den sechs Jahren, wälirend welcher der Vertrag von 1357 
Gültigkeit haben sollte, nur in Aachen münzen. Nun hält 
H. Grote^ dafür, dass ein Goldgulden nach Florentiner Typus 
mit der Umsclirift WTLIIELMVS DVX Wiliielui I.-' zuzuteilen 
sei. Diese iMünzc müsste dann geprägt sein während des 
kurzen Zeitraumes vom Ende des Jahres 1356 — wo Wilhelm 
Herzog wurde — bis zum 25/6, Februar 1361, dem Tage 
seines Todes und zwar müsste sie, so scheint es beim ersten 
Zusehen, in der Aachener Prägestätte entstanden sein ^ So 
gewiss ist letzteres aber durchaus nicht, im Gegenteil, ich 
halte für wahrscheinlich, dass Wilhelm die Prägung dieses 
Floren vor dem 15, August 1357, dem Tage, an dem der 
Vertrag seinen Anfang nahm, hat vornehmen lassen. Denn er 
hatte nacii seiner Standeserhöhung jedenfalls ein leicht zu ver- 
stehendes Interesse daran, seinen neuen Titel möglichst bald 
auf einem Goldgulden, der bekanntlich ein grosses Umlaufs- 
gebiet hatte, vorzuführen. Dieser Florenus könnte in solchem 
Falle in der Dülkener oder Dürener Münzstätte, vielleicht 
auch in Jülich oder Bergheim seine Entstehung gefunden haben. 

Zweier weiteren Münzen wäre noch zu gedenken, die vom 



^) Vgl. Lictzmaun a. a. O. S. 8 und Taf. IT, Nr. 20. Lictzmaiin 
stimmo ich darin liediiigungsweisc bei, dass der .Sterling Karls IV., vgl. oben 
S. 54, das letzte Erzeugnis der Aachener kaiserlichen Münzstätte sei, teile 
aber, wie das die obigen Ausfüiirungcn dartucn, seine Vermutung nicht, 
dass die Verleihung oder Veri)achtung der Münzstätte an die Stadt Aachen 
um 1350 erfolgt sei, dass also die oben aufgezählten fünf Münzen von der 
Stadt geschlagen seien. Lictzmann hält die ol»cn zuerst l)esprochene Münze 
(den Doppelsciiilling) für jüngeren Datums wie den Doppelstcrling und 
dessen Hälfte, während ich diese drei Stücke als gleichzeitig ansehe. 

2) Münzstudien VII, S. 410/1. 

') van der Chijs (a. a. 0. S. 214) ist der Meinung, dass dieser Floren 
ausser von Wilhelm I. von Jülich auch von dem Herzog Wilhelm V. von 
Bayeru-Hcuncgau (1356—58), dem Sohne Ludwigs des Bayern herrühren könne. 

*) Da Aachen als Prägeort auf dieser Münze nicht genannt wird, so 
hätte die Stadt der Anbringung des lierzoglichen Namens auf dieser Münze 
schon zustimmen können. 



— 78 — 

Herzog Wilhelm IL, dem Sohne und Nachfolger Wilhelms T., 
in der Aachener Münzschmiede hergestellt sein könnten und 
zwar nicht allzulange nach dessen Regierungsantritt. 

Die grössere dieser Münzen zeigt Karl den Grossen, wie 
er knieend nach rechts gewendet die Aachener Marienkirche 
opfert '. Bemerkenswert ist, dass der Stempelschneider bei der 
Wiedergabe der Kirche auf dieser Münze zwischen Oktogon 
und Turm auch jene Brücke anbrachte, die wohl seit dem 
Jahre 1349 zu den Stellen gehört, von denen aus — nach 
Ablauf von je sieben Jahren — die grossen Heiligtümer dem 
Volke gezeigt zu werden pflegen. Die Rückseite dieser Münze 
weist den Turnosentypus vor; die Umschrift beider Seiten 
unterscheidet sich in nichts von der des vorhin besprochenen 
Doppelschillings des Vertrages vom Jahre 1357. In der bild- 
lichen Darstellung der Haupt- und Rückseite ist diese Münze, 
abgesehen von einigen Kleinigkeiten, genau nachgeahmt worden ^ 
von AValram, Herrn von Born und Sittard •'' (1355 — 78), der 
sogar den kleinen Adler anbringen zu lassen nicht vergass, 
der sich auf der Aachener Münze in dem einen der vier Winkel 
vorfindet, die durch das der Münze aufgeprägte Kreuz gebildet 
werden. Dieser Walram von Born Hess auch noch eine andere 
Münze schlagen, die in der deutschen Münzgeschichte nicht 
den geringsten Platz einnimmt, weil sie, wie auch zwei andere 
Münzen, nämlich eine von Gottfried III. von Heinsberg (13G1 
bis 95) und eine andere von Johann von Mors (1364 — 73)'', 
statt der damals üblichen lateinischen Umschrift eine solche 
in deutscher Sprache zeigt. Die zweite der vielleicht von 
Wilhelm II. in der Aachener Münzstätte geschlagenen Münzen, 
ein hübscher Sterling, trägt auf seiner Vorderseite das Bild 
des Oktogons und des Münsterturmes, beide wieder verbunden 



') Vgl. Lietzmann a. a. 0. S. 6 und Taf. I, Nr. 5. 

') Derartige auf die Unaelitsamkeit des Publiliums berechnete Nach- 
ahmungen waren, wie das früher bei der Besprechung des Sterlings bereits 
hervorgehoben wurde, im Mittelalter an der Tagesordnung, ja es ist vor- 
gekoinmen, dass vor dem Namen des Nachahmenden die ersten Buchstaben 
des Namens des Münzherrn, dessen Münzen nachgeahmt werden sollten, 
angebracht wurden. (Vgl. Grote VII, S. 446.) 

•■') Vgl. Frankfurter Münzzeitung Jahrgang III, S. 886 und Taf. 19, Nr. 10. 

■*) Vgl. Lietzmann a. a. 0. S. 3/4, Tirotc a. a. 0. VII, S. 414 und 
van der Chijs a. a. 0. S. 70/1 und Taf. XXX, Nr. 1. 



— 79 — 

durch die eben erwähnte Brücke, während die Rückseite den 
g-ewühnlichen Sterlingstypus mit dem kleinen Adler im linken 
oberen Kreuzeswinkel hat. Die auf beide Seiten verteilte Um- 
schrift lautet: VRBS AQVENSIS EST REGA [ LISS | EDES'. 

Noch einer sehr interessanten Münze wäre liier eingehender 
zu gedenken, der „moneta Junchcit" nämlich, die wohl von 
allen Forschern als nach Aachen hingehörig angesehen wird. 
Wenn auch, wie H. Loersch sehr zutreffend bemerkt '-', über diese 
Münze nichts Sicheres behauptet werden kann, solange nicht 
diesbezügliche Urkunden aufgefunden sind, so möchte ich in 
den folgenden Zeilen dennoch einen Versuch machen, das 
Vorkommen dieser merkwürdigen Münze in etwa zu erklären. 

Den sogenannten Juncheitsmünzen ist auf der einen Seite 
das Brustbild Karls des Grossen aufgeprägt, der auf der Linken 
den Reichsapfel trägt, in seiner Rechten dagegen ein Scepter 
hält, während ein Schild mit einem Adler sich unter dem 
Brustbilde vorfindet. Die das Bild Karls umgebende Aufschrift 
lautet: KAROLVS MAG|NVS INPERAT (Imperator). Auf der 
den Turnosentypus zeigenden Rückseite dieser Münze sieht man 
dagegen in doppeltem Reifen die Legende: XC VINCIT | XC 
REGN I (Christus vincit, Christus regnat) AN DNI M|CCC-L 
XXIIIi;^ (äusserer Reifen) und MON;ETA | IVNC|hEIT| (innerer 
Reifen ) *. 

Von der Juncheit ist der Name ^ eines adligen Geschlechtes, 
dessen befestigter Wohnsitz dicht vor der Stadt auf dem Ge- 
lände sicli befand, das zwisclien den Strassen nach Lüttich und 
Vaels gelegen ist. Dass die Juncheitsmünzen auf dieser Be- 
sitzung entstanden sind, beweist die Aufschrift moneta Juncheit. 
Derartige Aufschriften nämlich, wie z. B. moneta Juliacensis, 
moneta Durensis und moneta Sitterens(is) besagen an erster 
Stelle, dass die betreffenden Münzen in den Orten Jülich, 
Düren und Sittard geprägt wurden. Und erst in zweiter Linie 



') Vgl. Frankfurter MünzzoituiiK III, S. 386 uud Taf. 19, Nr. 1. 

-) Vgl. Loersch, Die KatliarinenkapcUe beim Aaclienor IVfünstcr in 
der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvercins X, S. 112/3. 

') Es gibt auch Juncheitsmünzen, welche die Jahreszahl 1372, 73 und 
75 tragen. 

*) Vgl. Lietzmann a. a. 0. S. G/7 und Taf. I, Nr. 9. 

^) Dieser Name ist uns in den heutigen Bezeichnungen Junkcrsmühlo, 
Junkerstor und Junkerstrasse noch erhalten geblieben. 



— 80 — 

wird beispielsweise die Legende moneta Juliacensis auf den 
Münzherrn, den Herzog von Jülicli, hinweisen. Ausgeschlossen 
aber dürfte es sein, dass ein Angehörig:er der Familie von der 
Juncheit diese Münzen, deren Echtheit früher beanstandet 
worden ist \ die aber von Loersch für zweifellos echt gehalten 
werden '\ geschlagen hat und zwar deshalb, weil bereits vor 
dem Jahre 1364 die Besitzung Juncheit in fremden Händen 
sich befand, was schwerlich der Fall gewesen sein würde, 
wenn damals noch ein männlicher Spross dieses Geschlechts 
vorhanden war. Wie eine Urkunde des Aachener Stadtarchivs 
berichtet-^, verkaufte nämlich am Remigiustage (1. Okt.) des 
Jahres 1364 Agnes, die Tochter der Frau Katharina, „der 
beckersen in synt Jocobstrois", „dat guyt ind erffe in die 
Juncheit mit den berchfert^, mit der molen, mit huysincge, mit 
hoifreyde, mit wyeren, mit beynde, id sij bebuwet of unbebuwct, 
so wie dat erffe ind dat guyt in de Juncheit da lijt inde ge- 
legen is in gründe vur ind aten ^, in lencden, in breyden, in 
nassen ind in druichidden, mit alle deim reicht ind Zubehören, 
so wat der vurscrevcn Nesen wirt ind sijt hude zu dache hilt 
ind besitzende is, neit ußgescheiden'*, an den Aachener Schöffen 
und Bürgermeister Arnold van dem Berghe ^ und zwar für 
die Summe von 200 Goldgulden und gegen Übernahme der auf 
der Besitzung lastenden Zinsen und Renten von Seiten des 
genannten Arnold. Unter dem 19. März 1370 überlässt dann 
Heilke, die Witwe Arnolds, „dy molen gelegen in de Juncheit 
mit deim huysse" u. s. w. — des Bergfrieds wird aber nicht 
gedacht — an „Reynart, den becker in Punt op de Brücke" ", 
der aber keinerlei Geld dafür zahlt, sondern Mühle, Haus und 
anderes nur für die das Gut belastenden Zinsen und Renten 
übernimmt. Eine Urkunde, ausgestellt am Sonntage vor Klemens- 



') Vgl. Quix, Geschichte der Stadt Aachen 11, S. 72, Aniii. 

'■') Vgl. Loersch a. a. 0. S. 113. 

•■') Or. Perg. (H. I. 3). 

*) bcrehfert = Bergfried. 

*) aten = hinten. 

") Eine Urkunde des Aachener Stadtarchivs vom 14. August 1364 (Or. 
Pcrg. Z. 121) über die Teilnahme der Stadt Aachen an dorn erneuerten 
Landfriedensbundc zwischen Maas und Rhein führt neben andern den Arnold 
van dem T>erghe auf und zwar als P>ürgermcister und Schöffen. 

') Or.-Pcrg.-Urkunde im Aacliener Stadtarchiv (H. 1. 4). 



- 81 — 

tag des Jahres 1372', dem ersten, indem die Juncheitsmünzcn 
geschlag-en wurden, und ein Dokument vom Jaiire 1394 lassen 
Reynart noch als Eigentümer der Juncheitsmüiilc erscheinen 2. 

Wenn nun keiner aus dem Geschleclit derer von der 
Junclieit die moneta Juncheit geschlagen hat, wer hat dann die 
Herstellung derselben vornehmen lassen? Etwa Reynart, der 
Bäcker oder die Familie van dem Berghe, die bei der Über- 
tragung der Besitzung an Reynart vielleicht noch einen Teil 
derselben zurückbehielt? Das erste ist sozusagen eine Unmög- 
lichkeit und das zweite in höchstem Grade unwahrscheiulicli. 
Von vorneherein ganz abzuweisen ist der Gedanke, dass der 
Herzog von Jülich diese Münzen geschlagen haben könnte; es 
bleibt als Präger derselben nur die Stadt Aachen übrig. 
Wie aber kommt diese dazu, auf der Besitzung Juncheit zu 
münzen^? 

Der Herzog Wilhelm II. von Jülicii befand sich, wie das 
auch schon bei seinem Vater der Fall gewesen ist"*, mehrfach 



') Or.-Perg.-Ürkiinde im Aachener Stadtarchiv (H. I. 5). Das Fest des 
Papstes Klemens wird am 23. Nov, gefeiert; dieser fiel im Jahre 1372 auf 
einen Dienstag, der Sonntag vorher ist daher auf den 21. Nov. anzusetzen. 

-) Reynart vergrüsserte am 21. Nov. des erstgenannten Jahres seinen 
Besitz durch Hinzukauf eines zehntenfreien Stück Landes, wofür er Johann 
Lodder 90 Mark zahlte, vgl. die eben angeführte Or.-Perg.-Urkunde (H. I. 5). 
Im Jahre 1394 dürften seine Verhältnisse wohl nicht mehr gleich günstige 
gewesen sein, denn er verkaufte unterm 12. April dieses Jahres eine Erb- 
pacht von G Mudd Roggen — zu Lasten seiner Mühle in der Juncheit — 
an das Gasthaus auf dem Raderraarkt. (Vgl. Haagen, Geschichte Achens 
I, S. ä24.) 

*) Quix vermutet, dass die Münzstätte auf der Besitzung Juncheit, 
wo wohl die Junchcitsmüuzen geschlagen worden seien, identisch wäre mit 
der im Necrologium der Aachener Münsterkirche erwähnten Antiqua Moneta, 
dem alten Münzhaus. Weiter hält er für wahrscheinlich, dass diese Antiqua 
Moneta und die in der Urkunde vom 9. Januar 1166 erwähnte Münzstätte 
— domus monetaria — , von der er aber irrigerweise annimmt, dass sie von 
Friedrich Barbarossa errichtet worden sei, ein und dasselbe seien. Dieser 
letzten Ansicht kann man beipHichten, für ausgeschlossen aber dürfte er- 
achtet werden müssen, dass die Antiqua Moneta sich an dem Orte befunden 
hat, wo die Juncheitsmünzen geschlagen worden sind. (V^gl.Quix, Geschichte 
der Stadt Aachen I, S. 68 und 11, S. 72/3.) Auf die Antiqua Moneta werde 
ich später noch zurückkommen. 

*) Vgl. Lacomblet a. a. 0. IIT, Nr. 464. 



— «2 



in Geldvcriegenlieiten, was durch die wiederholte Vcrunter- 
pfändung der von ihm selbst, wie wir früher gesehen haben, 
nur pfandweise besessenen Aachener Vogtei und Meierei voll- 
auf bewiesen wird. Wenn nun bei einer solchen Verpfändung 
— der des Jahres 1380, worauf ich später noch näher eingehen 
w^erde — die Aachener Münzschmiede des Herzogs auch aus- 
drücklich ausgenommen wurde, so ist es jedoch leicht möglich, 
dass Wilhelm IL bei anderer Gelegenheit seines Rechtes, in 
Aachen zu münzen, sich zeitweilig entäussert hat, mag dies 
nun auf dem Wege der Verpfändung oder auf andere Weise 
geschehen sein. Niemand nun konnte wohl ein grösseres In- 
teresse daran haben, ein solches Recht, wenn auch nur vor- 
übergehend, an sich zu ziehen, als gerade die Stadt Aachen, 
die damals in kräftigster Entwickelung begriifen war und in 
hoher Blüte stand. Nur ungern und nur durch Mangel an Geld 
dazu gezwungen wird der Jülicher sein Münzrecht in Aachen 
aus der Hand gegeben haben. Und man wird es unschwer 
verstehen, wenn er die Befugnis zu münzen, die er der Stadt 
nun einmal erteilen musste, nach Möglichkeit einzuschränken 
gesucht hätte. So wird er denn nicht gestattet haben, die 
Umschrift moneta Aquensis, die sich auf den in den letzten 
Zeiten in der Aachener Prägestätte hergestellten Groschen u. 
s. w. vorfand, auf den von der Stadt zu schlagenden Münzen 
anzubringen. Aachen konnte daher die Münzen, deren Prägung 
ihm für einen kurzen Zeitraum bewilligt war — tatsächlich 
finden sich Juncheitsmünzen nur aus den Jahren 1372, 73, 74, 
und 75 vor — , innerhalb seiner eigenen Mauern nicht schlagen, 
es würden dies ja „monetae Aquenses" gewesen sein. Der 
Aachener Rat war deshalb gezwungen, sich nach einer andern 
Stätte, wo gemünzt werden konnte, umzuselien und diese fand 
er auf der in unmittelbarer Nähe der Stadt gelegenen Be- 
sitzung Juncheit. 

Die Aachener Stadtrechnung des Jahres 1385/6 bringt 
einen Posten: „It. heren Arnoltz kinden van den Berge van 
leue 4 m.^" und jene des Jahres 1394/5 vermerkt: „It. Arnolt 
van den Berchg van lein 4 m-." Diese Posten nun lassen 



■) Vgl. Laurent a. a. 0. S. 346, Z. 23. 

*) Vgl. Laurent a. a. 0. S. 398, Z. 31. Im Original hat Laureut hier irrig 
loin statt lein gelesen. Mit Schwestern dieses Arnold van dem Berghe d. J., 
die wohl an den so geringen Einkünften aus dem Lehn im Jahre 1385/6 



— 83 — 

sich möglicherweise in Ziisanunenhang' briiif^en mit den Junc- 
lieitsmünzen. Die Stadt Aachen bezahlt den Kindein bezw. 
dem gleichnamigen Sohn des Arnold van dem Jiergiie, jenes 
Käufers der Besitzung- Junclieit im Jahre 13G4, 4 Mark au 
Lehn, was in diesem Falle heisst, dass Aachen Kigentum d(;i' 
Erben van dem Berg-he in Pacht hatte. Unter dem hier in 
Frag-e stehenden Eigentum könnte vielleicht ein Rest des 
Gutes Junclieit — BergdVied und anderes mehr? — vermutet 
werden, welcher Kest — wie oben bereits angedeutet wurde — 
der lleilke, der Mutter der Kinder van dem Berghe, bei der 
im Jahi-e 1370 erfolgten Überlassung der Besitzung" an Reynart 
etwa noch verblieb. Allerdings stösst man auf jene Posten 
erst in der Rechnung des Jahres 13S5/G bezw. 1394/5; gleiche 
Posten, wie sich solche iiöchstwahrscheinlich auch in den 
verloren gegangenen Rechnungen der dazwischen liegenden 
Jahre 1386 bis 94* vorfanden, können aber von dem Rentmeister 
auch in die Rechnungen der Jahre 1372/5 — in denen, wie 
bereits liervorgehoben wurde, die Juncheitsmünzen geschlagen 
wurden 2 — und dann in die der Jahre 137G bis 84/5 ein- 
getragen worden sein 'l Dass die Stadt im Hinblick auf eine 



beteiligt waren, werden wir durcli drei Posten der Ausgaberecliniing des 
Jahres 1376/7 bekannt gemacht. Es sind die Nonnen lleylwigis (bei den 
Weissen Frauen in Aachen) und l^arbara (im Burtschcider Henedilctinerinnen- 
stit't), dann Lysa, die Frau des Arnold Bück. (Vgl. hierzu Laurent a. a. 
0. S. 264, Z. 17/20 und S. 267, Z. 1/2.) 

') Aus diesem Zeitraum sind, abgesehen von zwei Einnahmerechnungen 
— 1387/8 und 91/2 — nur geringe Teile der Ausgaberechnungen der Ver- 
waltungsjahre 1386/7, 90/1 und 91/2 vorhanden. 

'-') Ich hielt oben (S. 65, Anni. I) für wahrscheinlich, dass der julich- 
sche Münzmeister Henrieus von Düren, der im Jahre 1376, zur Zeit der 
Krönung Wenzels in Aachen weilte, früher in Münzangelcgenheiten niil der 
Stadt Aachen in Berührung gekommen sei. Es liegt nalie zu vermuten, 
dass dieser Henrieus in irgend einer Beziehung zur Ausprägung der Junc- 
heitsmünzen gestanden hat. 

•■') Auch die Rechnungen der Jahre 1372/85 fehlen zum grössten 'Peil. 
Das Aachener Stadtarchiv besitzt hiervon nur eine Einnahmerechnung 
1378/4 — , dann eine Aufzeichnung über die Einnahme aus der Weinsteuer 
für 1380/1, ferner die Uechnung über Ausgaben im Jahr 1373/4, dann einen 
grossen Teil der Ausgaberechnung des Jahres 1376/7, das Bruchstück einer 
Ausgaberechuung des Verwaltungsjahrcs 1383/4, die Rechnung über die 
Auslagen, die durch die Belagerung des Schlosses zur Dick — 1383/4 — ver- 



— S4 - 

etwa später erneute Erlaubnis, Münzen zu schlagen, sich das 
Recht der Benutzung- des van dem Bergheschen Besitzes durch 
wiederholte Pachtung sicherte, wird man durchaus natürlich 
finden. Obige Ausführungen bezüglich der Junclieitsniünzen 
sollen selbstverständlich lediglich Vermutungen meinerseits seiu. 

Die Juncheitsmünzen sind auch noch weiter deshalb un- 
gemein interessant, weil sie zugleich mit einem von Reinard I. 
von Schönvorst geprägten Stück — vom Jahre 1372^ — viel- 
leicht die ältesten deutschen Münzen darstellen, die eine 
Jahreszahl tragen, was als ein unverkennbarer Fortschritt auf 
dem Gebiete des Münzwesens zu verzeichnen ist, den mitherbei- 
geführt zu haben, das Verdienst vielleicht gerade unserer 
Stadt sein könnte. 

Es sind in Juncheitsmünzen ganze und halbe Groschen 
— letztere ohne Jahreszahl- — geschlagen worden; dass die 
Ausmünzung eine recht lebhafte gewesen ist, wird dadurch 
bewiesen, dass allein in der Coumontschen Sammlung aus den 
Jahren 1374 und 75 je vier Groschen von verschiedenem 
Stempel enthalten sind. 

Anzunehmen ist, dass neben den ganzen und halben Juncheits- 
groschen auch noch Stücke von kleinerem Wert hergestellt 
wurden. Vielleicht dürfte in einem einseitigen Heller, der 
zugleich mit mehreren Hunderten von andren Münzen im An- 
fang des verflossenen Jahres in unserer Stadt aufgefunden 
wurde und von dem Paul Joseph dafürhält ^ dass er an erster 
Stelle nach Aachen zu verweisen sei, das Einpfennigstück 
der Juncheitsmünzen vorliegen. Dieses Münzchen zeigt in 
einem aus Perlen gebildeten Kreise einen rechtsschauenden 
Adler, hat aber keinerlei Aufschrift. Dieser Münzfund be- 
stand zum allergrössten Teil aus Silbermünzen — Stücke aus 
einer kupferartigen Legierung waren nur in beschränkter Zahl 



ursaclit wurden und schliesslich zwei Ausgaberechnuugen über den siebenten 
Monat (2G. Nov. bis 25. Dez.) des Verwaltungsjahres 1384/5. 

') Vgl. van der Chijs a. a. 0. S. 299/300. 

^) Die Rückseite der halben Juncheitsgroschon weicht von der der 



ganzen Groschen nicht unerheblich ab; die ersteren zeigen in dem rechten 
unteren und dem gegenüberliegenden oberen Kreuzwinkel drei Kugeln bezw. 
einen Adler, was bei den ganzen Groschen nicht der Fall ist. (Vgl. Lietz- 
iiianu a. a. 0. S. 7 und Taf. 1, iNr. II.) 

') Vgl. Frankfurter Münzzeitung, Jahrgang II, S. 32 1/2 und Taf. 14, Nr. 4. 



— Sü — 

vorliandoii - iiiitl ist von Piuil Josepli in treffliclicr Weise be- 
scliricbeii worden '. Besonders bcaclitenswert ist dieser kleine 
]\Iiinzscliatz deslialb, weil er nicht, wie solches bei derarti<,'-en 
Funden wohl meistens der Fall ist, nnr einige wenige IMünzsorten 
drill 15escliauer vornUiit, sondern, abgesehen von den zahlreich ver- 
lieteiieii Jlellcrn -.geradezu eine kleine Sainnilung der verschieden- 
jirtigstcn I\Iüiizen bildet. Neben englischen und rranzösischen 
Stücken und solchen, die in einer brabanter oder holländischen, 
i:i einer flandrischen oder lüttichschen oder auch in einer geld- 
rischcn IMünzschniiede geschlagen wurden, neben Münzen aus 
mancherlei rheinischen oder westfälischen Prägeslätten finden 
sich auch viele Gepräge süddeutscher oder österreichischer 
Herkunft — so allein 25 verschiedene Pfennige Wiener oder 
Grazer ychlages^ —, denen sich wieder eine Reihe von Münzen 
zugesellt, zu deren Herstellung in norddeutschen Städten der 
]\rünzhammer in Tätigkeit gesetzt wurde. Es ist wohl zweifellos, 
dass diese Münzen durch Pilgei-, welche die Aachener Heilig- 
tümer aufsuchten, unserer Stadt zugefühit wurden. Selbst- 
verständlich darf man aber nicht annehmen, dass aus all den 
Orten, von denen Münzen in dem Fund vertreten waren, Jiiu'h 
Pilger nach Aachen gekommen seien, sondern jene Wallfahrer 
haben Münzen, die in einem grösseren liezirke ihrer Heimat 
umliefen, dann auch solche Stücke, die sie unterwegs etwa 
einwechselten oder als Opfer erhielten, mitgebi-acht. Die schlechte 
Erhaltung — das Abgeschlissensein - der meisten dieser Stücke, 
dann das Vorkommen von Exemi)laren, die damals wohl keinen 
Kurs mehr hatten, spricht dafür, dass diese Münzen einem 
Opferstock entstammen, in den, wie auch anderswo, neben gutem 
auch abgegriffenes und nicht mehr gangbares Geld zu legen, 
zu allen Zeiten üblich war-». Von Aachener Münzen enthielt 
dieser Fund nur drei Stück, eben Jenen vorhin erwähnten ein- 
seitigen Heller, dann ein Exemplar des oben besprochenen 



') In ilcr Friinkfiirtcr Münzj5citun<r, J.ihrganj? 11/ [11 (1902/3). Die 
l^cschrcibiing: wird fort<^esetzt. 

2) V<rl. <lit;so /citschrift XV, S. Ol, Antii. 2. 

") Diese Wiener und Grazcr rfennigc sind in der diesjii]iri,i;en Juli- 
nuiniiior d(;r Fnuikfiirtor Minizzeitung von Prof. Dr. Luschiu von Ebcngreuth 
in Graz cini^ciiond Itchandelt worden. 

•*) Vi;!. 1*. Josriili Iti'zw. i'rof. Dr. i^iiscliiii in der i'"niiikfiirlcr I\Iuii/.- 
/.('itiniu 11, S. 27ü und 111, S. 4G5/G. 



— 86 — 

Sterlings, der Oktog-on und Mtinsterturm zeigt, ferner das 
Bruclistück eines Denars des Königs Albrecht. Jnnclieiter 
Münzen waren nicht vertreten, dagegen drei verschiedene Schön- 
vorster Stücke. Die Veigi-abung dieser Münzen — möglicher- 
weise sind dieselben aber auch dadurch, dass sie verloren 
wurden, an den Fundort gelangt — wird von Prof. Dr. Luschin 
in etwa das erste Jahrzehnt des XV. Jahrhunderts versetzt. 

Bezüglich solcher fremden, durch Wallfahrer in unsere 
Stadt gebrachten Münzen findet sich in der Aachener Chronik 
des Bürgermeisterdieners Johannes Janßen ' eine interessante 
Aufzeiclinung. „Sie — gemeint sind die Wiener Pilger-, die 
aber nur zum kleinsten Teil aus Wien oder überhaupt aus 
Deutsch-Österreich stammten, sondei'n meist slavischer oder 
ungarischer Herkunft waren -^ — , oftern unser lieben Frauwen 
kriechend durch die ganze Kircli auf ihren Knieen eine über- 
aus grosse weisse waxse Kertz, ganz voll über und über be- 
stechen mit Geld, welches sie aus ihrem Land und auch über 
den Weg bis hiehin von andächtige christliciie Leut vor ein 
Opfer mitgegeben wird". 

Nach dem Jahre 1357 wird der Aachener Münzstätte ur- 
kundlich erst wieder unterm 3. August des Jahres 1380 gedacht. 
An diesem Tage nämlich verunterpfänden Herzog Wilhelm IT. 
von Jülich und dessen Gattin Maria, die Erbin des Herzogtums 
Geldern, die Aachener Meierei und Vogtei, die bisher im Pfand- 
besitz der Margreta vanme Eaide^, der Witwe des Johann 
von Schönvorst, und ihrer Kinder gewesen waren, an den Ritter 
Karsli von Palant d. J. und seine Ehefrau Greta von Berger- 
hausen und zwar für den Betrag von 3000 kleinen Goldgülden. 
Karsli und seine Frau erklären in der betreffenden Urkunde^, 
der Herzog und die Herzogin hätten sie „gesät jnd geweidiget 



') Vgl. von Fürth, Beiträge und Material zur Geschiclitc der Aaciiener 
Patrizier-Familien III, S. 9 ff. 

2) Ebenda III, S. 9. 

=>) Vgl. Prof. Dr. Luschin von Ebengreuth a. a. 0. III, S. 466. 

*) vanme llaide = von Merode (-Henimersbach). Johann von Schön- 
vorst war der zweite Sohn Reinards I. (Vgl. Gross in der Zeitschrift 
„Aus Aachens Vorzeit" VIII, S. 71.) 

*) Darstellung der Seiner Chiirfürstlichen Durchlaucht zu Pfalzbaycrn 
als Herzog zu Jülich zustehenden kaiserlichen Vogteyen und Meiereyen binnen 
Aachen u. s. w, Anlage IV, S. 99/100. 



— 87 — 

JD iirber* unser jnd unser ervcn jii ditiselve yre nieyerie jnd 
viulie- van Aiclion mit jeren rechten ind zoboliuercn, so wie 
die gelagen sint, uß<,''csclieiden yere Lunibardcn jnd Muntze zu 
Aiclicn, die sie belialdcn soelen, yere beste dacniit zo doin iiae 
formen jnd jnnehalden jere brievc, die sie uns darnp geyeven 
liant". Diese bemerkenswerte Urknndenstelle erbringt den 
bestimmten Beweis, dass der Herzog- von Jülich im Jahre 1380 
sich noch im Besitze der Aacliencr Münzstätte befand; weiter 
dürfte aus der g-leiclien Stelle hervorgehen, was bereits oben als 
Vennutung- ausgesprochen wurde, dass die Aachener Münzstätte 
in einem g-ewissen Zusammenhang stand mit der Vogtei bezw. 
der Meierei. 

In der Aachener Stadtrechnung- des Jahres 1. '585/6 findet 
sicii in der Aufstellung für den achten Monat — 26. Dez. 
1385 bis 25. Jan. 1386 — folgender Vermerk: „It. gafT man dorne 
boede der koervoersten, de die brievc braicht van der muntzen 
4 m 4 s" -\ Es handelt sich hier wahrscheinlich um eine vor- 
läufige Anzeige von seiteil der vier rheinischen Kurfürsten 
bezüglich des wenige Monate später — am 8. Juni — ge- 
schlossenen, so wichtigen Münzvereins, durch den der rheinische 
Goldgulden geschaften wurde, der den Floren nach und nach 
vollständig verdrängte^. 

Nachdem Karsil von Palant längere Zeit Pfandinhaber der 
Aachener Meierei und Vogtei gewesen war-'^, dann Reinard II. 
von Schünvorst diese beiden Amter in Pfandschaft besessen 
liatte, der sie unterm 7. Nov. 1394 für 2100 Goldgulden an 
Heinrich Bertolf überliess", findet im Jahre 1400 eine aber- 

') urbcr = Nutzen. 

*) vadic = Vogtei. 

■•') Vgl. Laurent a. a. 0. S. a22, Z. 4/5. 4 m 4 s =4 Mark 4 Schillinge. 

■•) Dem Münzvertrag vom 8. .Juni 1386 folgten noch weitere Münz- 
vereinbarungen der rheinischen Fürsten, so der Vertrag vom Jahre 1391, 
durch welchen der des Jahres 1386 näher erläutert wurde, der von 1399 
und von 1404, dann der Vdii 1409 — dem l\Iünzvercin dieses Jahres gehörte 
aber der Kurfürst von der l'falz nicht an — , ferner jener vom Jahre 1417 
und von 1419 u. s. w. Dem im Jahre 1419 gebildeten I\Iünzvereiu trat auch 
der Herzog von Jülich l)ei. (Vgl. Lamprecht a. a. (). II, S. 468/9 und 
Menadier-() p |)erman n a. a. 0. S. 41 ff.) 

*) Vgl. Loersch, Achener Rechtsdenkmäler S. 179. 

*) VgJ. 0. R. Redlich in der Zeitschrift des Aachener eieschichts- 
vereius XIX, S. 18/9. 



— 88 — 

nialige Verpfändung der Vogtei und Meierei zu Aachen statt, 
also bereits die dritte innerhalb eines Jahrzehntes. Unterm 
31. Mai des letztgenannten Jalires versetzt Herzog Wilhelm III. 
von Jülich-Geldern die besagten Amter für die Summe von 4419 
guten schweren rheinischen Gulden an den Aachener Schöffen 
Peter von Louvenberg'. Wie es im Jahre 1380 der Fall ge- 
wesen war, so behält sich auch jetzt wieder der Jülicher die 
Aachener Münzstätte vor. Die diesbezügliche Urkundenstelle 
lautet 2; 

„Vortnie^ so en sali ich nocli myne erven uns der Lom- 
barde zu Aichen nyt underwynden'^, mer mynen gnedigen herrn 
vurgenant off syne erven daemit beghaen^ lassen ind euch, so 
wanneiir dat et gefiele, dat man binnen Aichen gelt schlaen 
off niuntzen soelde, so sali ich off myne erven dat huiß binnen 
Aichen, dat zu der muntzen gehoerende is'', myne gnedigen 
herrn ind synen erven ind den muntzmeistern van ihren wegen 
offenen ind sie des vredelichen^ gebruichen lassen, de wyle 
ind as lange, as dat münzen weren sali, ind ouch as dieke^ 
ind as mannichwerf^ as dat gevellet, ind so wat dat beide 
van den Lombarderen ind ouch van der Muntzen vurschreven, 
as man gekl sleyt, komende ind erfallende wird^", des en sali 
ich noch myne erven uns nit unterweynden, sunder dat wir 
unse lieven gnedigen herrn, dem herzogen vurschreven ind 
synen erven dat aleneklichen soelen lassen folgen ind des ge- 
bruichen ZG ihrem willen ind beste sunder eynich liindernisse 
van mir, van mynen erven, noch van nyeman van onsen wegen." 

Dieser Urkunde ist zweierlei zu entnehmen, dass der Herzog 
von Jülich im Jahre 1400 die Aachener Münzstätte noch besass, 



') Zu diesen, dein Herzog Wilhelm vorgestreckten 4419 Goldgulden 
kommen noch 2100 Gulden hinzu, die Louvenbcrg dem Heinrich Bertolf 
zurückgab. (Vgl. Redlich a. a. 0. S. 19.) 

'') Vgl. Darstellung der Seiner Churfürstlichen Durchlaucht u. s. w. S. 103. 

^) vortme = weiter. 

*) underwynden = sich unterfangen, darauf Anspruch machen. 

^) beghaen = sich befassen. 

*) Die Vorlage hat „es". 

') vredelichen = friedlich. 

") as dicke =^ so oft. 

®) manuichwerf = manchmal. 

'") komende ind crfallende wird = was daran gewonnen wird. 



— 89 — 

und ferner, flass im s'enanntcn Jiilir diese Müiizscliniiede nicht 
in Betrieb war. Überhaupt lialte ich für walii'schciidich, dass 
in den letzten drei Jahrzehnten des XIV. Jahrhunderts in der 
Stadt Aachen der Münzhaninier ganz und gar g-eruht hat; die 
Juncheitsinünzen sind nicht in Betracht zu ziehen, da sie ja 
vermutlich jenseits der Stadtmauern geschlagen wurden. 

Ausser den bisher ang-eführten Fällen wird der Aachener 
^rUnzstätte auch noch in einer Urkunde des Königs Heinrichs VII., 
des Sohnes Fi'iedrichs II., g-edacht. Dieselbe ist unterm 2H. Miirz 
1235 ausgestellt und lautet in deutscher Übersetzung folgender- 
massen': Kund sei sowohl den Gegenwärtigen als den Zu- 
künftigen, dass wir nach Gutbefinden unseres Rates unserem 
getreuen Basilius, Bürger zu Aachen, die Erlaubnis und das 
freie Verfügungsrecht erteilt haben, sein Haus, das jetzt die 
alte Münze genannt wird, der Marienkirche zu Aachen, der 
Pfalzkapelle zu übertragen und zu vermachen, zum freien und 
immerwährenden Besitz und zwar so, dass von eben diesem 
Hause unser jährlicher Zins, d. h. 80 Kölner Denare uns und 
dem Reiche entrichtet werden. Von dieser Schenkung des 
alten Münzhauses an die Marienkirche berichtet auch das 
Necrologium. Dort heisst es: „O(biit) Basilius, qui ded(it) 
nobis Antiquam Monetam, in cuius anniv(ersariuni) habent 
frat(res) diniid(iam) nir (marcam)"^; es starb Basilius, der uns 
die alte Münze schenkte, bei dessen Jahrgedächtnis die Brüder 
— die Canonici — V2 i^I«ii'k erhalten. Eine weitere P^in- 
tragung im Necrologium, die nach dem Jahre 1205 vorgenommen 
wurde, lautet: „0. Ida, uxor Basilij, pro qua habent fratres 
dimid. mr. de Antiqua Moneta" ^; also auch nach dem Tode der 
Frau des Basilius erhalten die Canonici V2 Mark, herrührend 
von dem Hanse „die alte Münze". Und nochmals erwähnt das 
Necrologium das alte Münzhaus in dem Vermerk: „0. Gerlacus 
de Veteri Moneta, ([ui contulit mr".^ Gerlach, der 1 Mark ver- 
machte, hatte das alte Münzhaus wahrscheinlich von der Marien- 
kirche gepachtet. Die Anti(iua oder Vetus Moneta'', die, wie 



') Vgl. den lateinischen Text bei Lacoinblct Jl, Nr. 199. 

2) Quix, Necrologium S. 12, Z. 10. 

3) Ebenda S. 42, Z. 25/6. 
*) Ebenda S. 69, Z. 5. 

^) Noch ein viertes bezw. drittes Mal spricht das Necrologium vnn 
der „antiqna moneta". Seite 30, Zeile 26/;-^0 der (^uixschen Ausgabe findet 



— 90 — 

oben bemerkt ^, identiscli sein könnte mit der in der Urkunde 
Barbarossas vom 9. Januar 1166 erwähnten domus monetaria, 
wird vielleicht an derselben Stelle zu suchen sein, wo, wie 
R. Pick vermutet^, die karolingische Münzstätte sich befunden 
hat. Als siclier ist anzunehmen, dass über dem Verbindungs- 
g-ang-, der Pfalz und Kapelle verband, später Häuser errichtet 
wurden, von denen eins — eben jenes, das den Namen „die 
alte Münze" führte, weil dort früher gemünzt worden war — 
dem Aachener Bürger Basilius gehört haben wird. Quix 
spricht davon ^, dass im Necrologium auch noch eine neue 
Münzstätte aufgeführt werde, welche Angabe aber, soweit sie 
sich auf das von ihm veröffentlichte Necrologium — und auch 
das Censusregister — bezieht, auf einem Irrtum beruht; an 
beiden Stellen wird einer neuen Münzstätte nicht gedacht. 

Wilhelm III. von Jülich, der sich bei der Verunterpfändung 
der Vogtei und Meierei die Münzstätte vorbehielt, war unterm 
16. Febr. 1402 gestorben, es folgte ihm in der Regierung der 
Herzogtümer Jülich und Geldern sein Bruder Reinald. Kurz 
nach dessen Regierungsantritt muss nun die Stadt Aachen auf 
irgend eine Weise — etwa durch Pachtung oder durcli Ver- 
pfändung der Münzstätte — die Befugnis erlangt haben, Münzen 
zu schlagen. Dies beweisen in erster Linie noch vorhandene, 
mit der Jahreszahl 1402 versehene Münzen, die sich durch 



sich: „0. Willehnus sacerdos, dictus Judeus, vicarius regis, qui ded. ecclesiae 
13 iiir (marcas) mimis 4 s(olidos), quas ecclesia convertit ad usus suos et in 
carum recompensationem assignavit eidcm 1 mr. aiiuuat(im) in antiqua 
moneta rccipiendam et in eius anniv(ersario) fratr(ibus) pres(entibus) distri- 
Imcndam." Es starb der Priester Wilhelm, genannt der Jude, ein liüniglieher 
Vicar, welcher der Kirche 13 Marlv weniger 4 Schillinge vermachte, die die 
Kirche für ihre Zwecke verwandte und zu deren Ausgleich sie 1 Mark be- 
stimmte, die jährlich ,,in antiqua moneta" zu erheben und bei dessen (des 
Priesters Wilhelm) Jahrgedächtnis unter die anwesenden Brüder (die t'anonici) 
zu vorteilen war. Antiqua moneta steht hier wojil nur im Sinne von altem 
d. h. einen grösseren Wert habendem Geld. Als ganz ausgeschlossen kann 
es jedoch nicht bezeichnet werden, dass an dieser Stelle nicht doch von dem 
alten Münzhaus, „der Anti(|ua Moneta" die Rede ist. Jene jährlich zu er- 
hebende und zu verteilende Mark wäre dann von dem etwaigen Anmieter des 
Hauses „die alte Münze" zu entrichten gewesen. 

1) Seite 81, Anm. 3. 

'') Vgl. diese Zeitschrift XV, S. 43. 

") Geschichte der Stadt Aachen II, S. 73. 



— 91 — 

die Umschrift MONETA VRR(is) AQEN(sis) als von der Stadt 
selbst gesclilagen kennzeichnen '. Aber auch der genauere 
Zeitpunkt, wann die Stadt die Elrlaubnis erhielt, Münzen zu 
prägen, wird sich an der Hand einer Urkunde vom 2. Juli des 
Jahres 140'5 bestimmen lassen. Unter diesem Datum bekundet 
nämlich Herzog Reinald, 1000 gute schwere rheinische (ilold- 
guldcn von der Stadt leihweise erhalten zu haben, und stellt 
dieser bis zur Rückzahlung des genannten Betrages eine Leib- 
rente von 200 (iulden, die er jährlich am 31. ]\Iai von der 
Stadt zu erhalten hat, dann seinen Schlagschatz an den von 
der Stadt geschlagenen Münzen, der am letzten 24. Juni fällig 
geworden war, zum Pfände. Wenn bis zu seinem — etwa 
vorzeitig eintretenden — Tode die ganze Schuld noch nicht 
getilgt sei, dann soll die Stadt Aachen Anspruch haben auf 
die Abgaben, welche die Lombarden jährlich an seine Rechts- 
nachfolger zu entrichten hätten. Ich lasse den Wortlaut dieser, 
soviel mir bekannt, bisher noch nicht veröffentlichten Urkunde 
hier ganz folgen: 

Wir Rcynult van der gnaden Goitz hertzoige van Guyige ind van 
Gelrc ind grcve van Zutphcn doin kunt allen luden, die diesen bricif soilen 
syen oif hören lesen ind bekennen | offcnheirlicli oeverniitz diesen brief vur 
ons, unse ervcn ind nacoeinliucge. Want ons die eersanie onse gude vrunde 
burgermeistere, scbeffenen ind rait des koenynclicbs stoils der stat van j 
Aicbe omb onsor beden wille gutligcn geleynt ind gelievert haiiit duysent 
gude swaire Rynscbc gülden, so hain wir yn darvur verbünden ind versat 
alsulcbe tzweihondcrt gülden lijftzoichf'', as ons an yre stat onse leifdaige 
lanck alle jaire des lesten daiehs meys erscbijnen seilen, ind ouch onsen 
slegescbatze, die ons an yre rauntzcn van sentc Johans daige IJaptistcn 
nativitas lest leden^ ersehenen is ind ouch ons, onsen erven ind nakDciii- 
lincgen noch vort erscbijnen sali, also dat sij die vurgenante lijftzoicbt 
ynnehalden ind die opkoinyncge '' onss vurgenaiiten slegescbatze opheven ind 
liebalden soilen also lancge, bis sij da an die vurgenante duysent Rynssche 
gülden wederromb ynnehalden ind opgeboirt-*^ baint. Ind off wir van Götz 
verhencknisse afflivich* wurden, da Got vur syn moesse, ee sij die vurge- 
genante duysent Kynssche gülden gentziich ynnehalden ind opgeboirt ind 



') Die bisherigen Münzen zeigen die ITniscbrift MGNETA AQVENS(is), 
es fehlt also der bezeichnende Zusatz VRB(is). 

2) lijftzoicht = Leibrenle. 

') li'st. leden = let/.tvorgangen. 

*) opkomyiicge = Einkünfte. 

*) opboori'ii, boereii ^= einnehmen, erlieben. 

^) iii'flivicli = ikblcbend. 



— 92 — 

opgehaven * hedden gelijch vixrß stcit, so hain wir yn darvxir Yur onse 
erven ind nakoemlincf^e vcrboiulen ind versat alsulche rentc iud gllldc^ as 
die Lombardere zu Aiche den selven onsen erven ind nakoemlincgen jeirlichs 
geldeu* soilen, also dat die burgermeistere, scheö'enen ind rait der stat van 
Aiclie die rentc ind gulde vurgenant oplieven ind^boeren soilen also lancge 
lud bis zertzijt, dat sij da an opgehaven ind erhoilt liavcn, so wat yn dan 
van den vurgenanten duysent Rynscbcu gülden acbtcrstedich iud bruchlicb* 
is. Ouch kennen* wir, dat wir onse lijft'tzoicbt, onsen slegensebatz noch 
unsc guido an den Lombarderen ^ vurgenant iiycman anders versat cn haia 
noch nycnianne versetzen cn soilen, noch ouch onse lijftzoicht noch onsen 
slegeschatz vurgenant nyct vorderen, heischen noch nyenian daran be- 
wijsen^ en soilen in cyniger wijs, also lancge die vurgenantc duysent gülden 
nyet gcntzlich bctzailt en synt. lud wanne dese vurgenantc duysent 
gülden bczailt synt gelijch vurgemelt steit, so sollen wir, onse erven 
off nakoemlinge der stat van Aiche zo yrmc gesynncn gudc quijtancie 
geven van der lijftzoicht, die ons dan ersehenen ind afgeslagcn^ is, also dat 
sij damit bewart syn, ee sij ons desen brieff wedergeven. Alle ind ycclige 
puntte dis briefs geloyven wir hertzoige van Guyige ind van Gelre vurge- 
nant vnr ons, onse erven ind nakocinlincge der vurgenanten stat van Aiche 
vaste, stcde ind unverbrüchlich zu haldeu ind zo voldoin, sonder alle ar- 
gelist. In orkuude onss siegeis, dat wir mit onscr rechter wist ind willen 
an diesen brieff haven doin hancgcn, die gcgeven wart in den jaircn onss 
Heren duysent vcirhondert ind drij, up Unser Vrouwen dach visitatio, 

Oi: Pery. im Stndtarchir zu Aachen (A. VII. 45). Auf der Falte: 
Per dominum ducem prescntibus de consilio domino Johanne Scheilart de 
Obbendorp, magistro curie, milite, etHeinrico de Farina, reddituario^ Juliacensi. 

Das anhängende Siegel in roteniWachs am Rande etwas beschädigt. Auf 
der Rückseite ron derselben Hand: Des hcrtzoigen brief van lOüO gülden, 
die emc de stat gcleynt halt. 

Der (lern Herzog- Reinald zuslcliende Schlagscliatz war, 
wie oben bemerkt, am 24. Juni 1408 fällig geworden, d. h. 
seit einem Jahre wird der Anspriieh Reinaids auf einen Sclilag- 
schatz gelaufen sein, dessen Höhe, wie das ja meistens der 
Fall g-ewesen sein dürfte, wohl postnumerando festgesetzt wurde, 
da die einzelnen Ausmünzungen, je nach den Umständen, von 



') ophovcii = t'i lieben. 

'■') rentc ind guido = Rcnto und Sc'liuldlictrji^;^. 

■'; gelden ^ schulden. 

*) achterstedicli ind luMuHdich = liiokstiindip;. 

') konnon =^ Ijükenncn. 

") guido an den Ijonibiird<uon = Aligabo von den liomharden. 

') liewrjsen --= anweisen. 

'*) ürs<du)n<n ind aCgeslagen = fiUlig und abgezogen. 

") icddituariud — Rentnieister. 



— 93 — 

vcrscliiedenem Umfting gewesen sein werden. Schwerlich wird man 
dalier tehlgchn, wenn man den 24. Juni 1402 als den Tag aniiJDinit, 
an dem die Stadt die Hefngnis erhielt, Münzen zu prägen. 

Das Aachener Stadtarcliiv l)csitzt die Absciii'ift eines 
l^rieles', in dem die Stadt Aachen den Kämmerer und den 
Münzmeisler des Königs Wenzel um ihre Verwendung bei 
diesem letzteren und bei dessen Bruder Sigmund, dem König 
von Ungarn, bittet, da sie durch das treue Festhalten an König 
Wenzel so schweren Schaden erlitten habe und noch erleide ''*. 
Dieser Brief ist vom 1. April datiert, eine Jahreszahl ist nicht 
vermerkt, er wird aber dem Jahre 1402 angehören. Dass Aachen 
nelien dem Kämmerer sich auch an den Münzmeister Wenzels 
wendet, lässt voraussetzen, dass die Stadt diesem Münzmeistev 
schon früher näher getreten ist. Sollte, als Aachen im Jahr 
1402 die Berechtigung zu münzen von Herzog Reinald erhielt, 
dieser Münzmeister etwa unserer Stadt die zum Prägen viel- 
leicht noch vorher erforderliche Einwilligung von Seiten des 
Königs verschafft haben ? 

Die von der Stadt Aachen im Jahre 1402 geschlagenen 
Münzen^ sind hübsche Turnosen, deren Rückseite einen ähnlichen 
Typus vorweist, wie ihn der D()[)pclschiUing des Jahres i:-{57 
zeigt; die Umschrift in doppelter Reihe lautet: M()N|ETA| 
VRBj AQEN (innere Reihe), ANNO DOMINI MCCCC SECVDO 
(äussere Reihe"*). Anf der Vorderseite sehen wir Karl den 

') Auf Papier (W. 245). 

^) Über Aachen war, weil es Ruprecht nicht als König anerkennen 
wollte, im Jahre 1401 die Rcichsacht verhängt und der Bann ausgesprochen 
worden. Erst 1407 söhnte Ruprecht sich mit der Stadt aus und erklärte 
die Acht für aufgehoben. (Vgl. Haagen, Geschichte Achens II, S. iJ ff.) 

'•') Als sehr bemerkenswert verdient erwähnt zu werden, dass diesen 
Aachener Stücken eine Jahreszahl aufgeprägt ist, während auf den .Münzen 
des grossen Erzstifts Köln erst 1425 und auf den Geprägen der Münzver- 
eine regelmässig erst in den Jahren 1437 und 1444 eine solche erscheint. 
(Vgl. Mcnadier und Oppermann, Führer durch die Münzsammlung der 
Stadt Köln S. 45/6.) Van der Ghijs (De munten der leenen van Braband 
en Limburg S. 300) hält diese Aachener Stücke für die ältesten bekannten 
städtischen Gepräge, die eine Jahreszahl tragen. Bereits ein volles Viertel- 
jahrhundert früher sind aber die ein l'rägejahr zeigenden, oben näher be- 
sprochenen Juucheitsmünzen geschlagen worden. 

*) Ein anderer Stempel zeigt ANNO DOMINI MILLESIM(^ SECVNDO. 
(Vgl. fjclzniann a. a. (). S. 8 und Taf. II, Nr. 14.) 



— 94 — 

Grossen in halber Figur, darunter einen Adlerschild. Die halben 
Groschen dieses Typus, auf denen aber eine Jahreszahl fehlt, 
stimmen in ihrer Kückseite fast ganz iiberein mit den halben 
Juncheitsgroschen. Für die während der Jahre 140B/5 in der 
Aachener Münzscliniiede hergestellten Stücke hat sich der 
Stempelschueider den Turnos des Jahres 1402 als Vorbild 
dienen lassen. Das Jahr 1410 bringt wieder einen neuen Aachener 
Groschen. Auf der Hanptseite zeigt sich über dem Adlerschild 
das Brustbild Karls des Grossen, der auf seinen mit dem weiten 
Mantel überdeckten Händen die Münsterkirche und den Reichs- 
apfel trägt. Die Umschrift der beiden Seiten dieser Münze ist 
ähnlich der Legende der Münzen aus dem Jahre 1402/5. Ein 
gleiches oder doch ähnliches Gepräge, wie das des Jahres 1410, 
findet sich vor auf den Stücken der Jahre 1411/3, 1418/22 
nnd 1429/30 ^ Auch die halben Groschen dieses letztgenannten 
Gepräges fehlen nicht, deren Hanptseite kaum abweicht von 
der des ganzen Groschens, während die Rückseite ein gefusstes 
Kreuz zeigt, das, belegt mit einem Vierpass oder Yierblatt, im 
rechten unteren nnd linken oberen Kreuzwinkel je einen Adler, 
in den beiden anderen Winkeln dagegen einen sechsstrahligen 
Stern zeigt. Es kommen aber auch Stücke vor, die neben den 
hier fünfspitzigen Sternen statt der einköpfigen Adler autfallender- 
weise solche mit doppeltem Kopf führen ^ Die Hälfte dieses 
halben Turnos, der Viertelgroschen, stellt über dem Adlerschild 
den oberen Teil des Oktogons und des Turmes dar, mit der 
beide verbindenden Brücke^. 

Als eine interessante Erscheinung möge hier hervorgehoben 
werden, dass dieser letztgenannte Aachener Viertelgroschen, 
zum Teil auch der oben — S. 78/9 — besprochene Sterling, 
von verschiedenen Münzherren nachgeahmt worden ist. Oberes 
Oktogou und der neben ihm aufragende IMünsterturm — teils 
mit Brücke, teils ohne dieselbe — finden sich vor auf einer 
Münze der kleinen Grafschaft Megen^, auf je einer der Herr- 



') Vgl. LictzuKiiin a. u. U. Suite 9/10, Tafel li, Nr. 22/4. 

'') Vgl. Lictzmanu a. a. 0. S. 8 uiul Taf. II, Nr. 18. 

■'') Vgl. ebenda S. 8 und Tal". II, Nr. 19. Lictziaann scheint den Heller, 
den ich als den vielleicht kleinsten Wert der ÜLiinzen vom Jahre 1357 an- 
nahm (vgl. oben S. 7(i/7), als den Pfennig der eben besprochenen Prägung 
anzusehen. 

*) Megen war auf dem linken Ufer der Maas zwischen den Herzog- 
tümern Brabaut und Clcldcrn gelegen. Vielleicht bat Jan III. von Megen 



— 95 — 

scliuftcn Anliolt^ und RuniiiKMi ^ und auf vorsfhiedcnou Stücken 
der Herrliclikeit Recklieiur'. 

Schwierigkeit bereitet die Einreiiiunt^- einer von Lietzmann 
als Sterling- bezeichneten Aachener Münze'', die ihrem Gewicht 
nach nicht unter die zuletzt aufgeführten Münzen zu g-ehören 
scheint. Da das Stück aber die Umschrift MONP^TA VRIUS 
AQKNSIS trägt, so wird die Prägung- desselben, will man 
nicht, entgegen <len obig-en Ausführungen, eine früher lieg-ende 
städtische Ausniünznng- annehmen, nach dem 24. Juni 1402 
anzusetzen sein. Die Vorderseite dieser Münze zeigt in hübscher 
Ausführung- den Kopf Karls des Grossen. 

Unter den Aachener Münzen befindet sich auch ein kleines 
Gepräg-e, das auf der Hauptseite einen gekrönten Kopf mit der 
Umschrift RV RO vorweist-'', auf der Rückseite aber ein ge- 
fusstes Kreuz trägt, in dessen Winkeln die Buchstaben M|N|A|Q 
sich befinden. Dies Stück dürfte von der Stadt unter König- 
Ruprecht geschlagen woi-den sein; die Aufschrift RV RO wäre 
wohl als RV(pertus) RO(manoruni rex) und M|N|AjQ als M(oneta) 
N(ova) AQ(uensis) zu ergänzen. 



(1359 — 1415) diese Münze geschlagen. (Vgl. vau der Cliijs a. a. 0. S. 41 
und Taf. III, Nr. 13.) 

') Anbolt, lieutzutage ein Städtchon im Regierungsbezirk Münster, 
nahe der hnlliindischen Grenze. Diese Anholtsche Münze Hess Gisbert I. von 
Broukhorst, Herr von liatenburg und Anholt (1408 — 1482) schlagen. (Vgl. 
van der Chijs, De muntcn der voormalige beeren eu steden van Gelder- 
land S. 137 und Taf. VIII, Nr. 5.) Gisbert von Bronkhorst hat auch ein 
Gepräge der Stadt Bremen, ferner ein solches des Grafen Willicliii 1. von 
Hohenlimburg (1401—42) bezvv. des Dietrich VI. von Limburg-Bnicli (Hol 
bis 39) nachgeahmt. (Vgl. Blätter für Münzfreuude 1903 Nr. 3.) 

-) Runimeu gehörte zum Haspengau, der im Osten von der Mastrichter 
Gegend und dem Lüttichgau begrenzt wurde. Johanna van Wezemaal 
(1464 — 74), vielleicht aber auch ihr Vorgänger Jan van Wezemaal (1415 bis 
64) veranlassten die Prägung dieses, wegen der darauf befindlichen Türme 
„torentje" genannten halben Groots. (Vgl. vau der Chijs, De munteu der 
leeneu van Braband . n Limburg S. 266 und Taf. XXIV, Nr. 3.) 

•'') Die Herrlichkeit Reckheim lag auf dem linken Ufer der Maas, 
2 Stunden nördlich von Mastricht. Willem II. van Sombreffe (1400—75) 
Hess die vier verschiedenen Reckheimscheu Münzen, die Oktogon, ÄFünster- 
turra und Adler zeigen, prägen; vgl. van der Chijs a. a. 0. S. 280/1 und 
Taf. XXVI, Nr. 17/8, wie auch Taf. XXXIII, Nr. 1/2. 

*) Vgl. Lietzmann a. a. (). S. 5 und Taf. I, Nr. 3. 

'') Vgl. Meyer, Aachensche Geschichten Miinztafel II, .Nr. X. 



— 96 — 

Eines halben Goklgnldens des Herzogs Reinald sei an 
dieser Stelle noch gedacht, von welcher Münze ich für möglich 
halten möchte, dass sie hier in Aachen geschlagen worden sei. 
Dieses hübsche Stück zeigt auf der Vorderseite über der Mond- 
sichel das von einem Strahlenkranz umgebene Bild der Gottes- 
muttei' mit dem Jesuskinde'; die Umschrift lautet: REINAL' 
DVX IVL 5 ^. Die hintere Seite weist Karl den Grossen in 
ganzer Figur vor, in der Linken das Scepter haltend, auf der 
Rechten das Aachener Münster tragend. Als Legende zeigt 
sich: AVE MAR(ia) GRA(tia) PL(ena), eine Umschrift, die bei 
dem Bilde der Mutter Gottes mehr am Platze gewesen wäre. Die 
Vermutung, dass Reinald diese Goldmünze in Aachen herstellen 
liess, dürfte wegen der Darstellung auf der Rückseite keine 
allzu gewagte sein. 

Den ersten Jahrzehnten des XV, Jahrhunderts dürfte wohl 
auch noch angehören ein seltenes Aacliener Stück, welches das 
Bild des auf dem Hochmünster befindlichen Königstuhles vorführte 

Während nun Münzen aus den Jahren 1402/5, 10/3, 18/22 
und 29/30 vorliegen und zwar für einige der genannten Jahre 
die Stücke als nicht besonders selten bezeichnet werden müssen, 
sind Gepräge aus den Jahren 1406/9, 14/17 und 23/8 meines 
Wissens bisher nicht aufgefunden worden. Das lässt vermuten, 
dass die Stadt die Befugnis zu münzen mir voi'übergehend und 
nur für kürzere Zeiträume erhielf*, eine Vermutung, die durch 
eine Urkunde vom Jahr 1453'' ihre Bestätigung finden dürfte. 



') Unter der Mondsichel sind die Wappen von Jülich und Geldern 
angebracht. 

2) Vgl. Grote a. a. 0. VIT, S. 4G2 und Taf. 17, Nr. 79. 

*) Vgl. Meyer, Aachensche Geschichten I, S. 8Gr. und Taf. 11, Nr. VIII. 

■•) Da ich annehmen möchte, dass in den Jahren 1406/9 in Aachen 
nicht gemünzt worden ist, und da Kiinig Ua|)reclit bereits am 18. Mai 1410 
starb, so müsste das oben erwähnte Ideine Münzchen mit dem Namen dieses 
Königs in den ersten Monaten des letztgenannten Jahres geschlagen worden 
sein. Der vorhin besprochene halbe jülichsche Goldgulden könnte von Her- 
zog Reinald während der Jahre 1406/9 oder 14/17 in Aachen hergestellt 
sein. Übrigens ist es auch denkbar, dass Reinald das Recht, Gold in Aachen 
zu münzen, sich überhaupt selbst vorbehalten und unserer Stadt nur ge- 
stattet hat, Silberraünzeu zu schlagen. 

^) Dieses Dokument befindet sich abschriftlich im hiesigen Stadtarchiv 
und zwar in dem Aktenfaszikel, in dem die oben aufgeführten zwölf Briefe 
enthalten sind. Der Kopf dieses Schriftstückes trägt den Vermerk: „Aus 



— 97 — 

Herzog" Gerhard von Jülicli-Bcrg- ' erlaubt unterni 1. August 
des geiiiinutcn Jalires der Stadt, drei kleinere Sorten Münzen 
zn schlagen, aber nur für die Zeitdauer von 4 Jahren, auch 
wird der Stadt die Lcgiei'uiig dieser Münzen vorgeschrieben, 
die für jede der drei Sorten eine verschiedene sein soll. Diese, 
soviel mir bekannt, bisher noch nicht veröffentlichte Urkunde 
hat folgenden Wortlaut: 

Wir Gerhard von Götz gnaden licrtzougc zo Giiylge, zo dem Berge 
etc. und grcve zu Kavenßborgc docn kunt ind bekennen offenltcirlicbcn mit 
diesem bricve vur uns, nnse erven ind nakomlinge, dat wir den eirsamen 
unsen besonderen gülden vrundcn burgermeistereii, scheffen, raide ind gc- 
meynden des koningklichen stoils di r stat Aiclie erloifft ind gegont haveu, 
erleubeii ind gönnen vcstligcn in crafft, dies brieffs, also dat sy l»ynurn der 
stat ind vryheit van Aichc viirß (iync muntze, ovcrmitz yrsselffs inuntz- 
mcister, wardeyn ind tzeymeistere *, van nu vortan dcse neiste zokomende 
vier gantze jairlanck, neisten na einander volgende ind körnende, ind nyt 
langer doin slain suUen ind moigcn, inmaßen hcrna geschreven voulgt: irst 
Ix'iitgen, der vier sullcn gelden eyn buyssclic, ind suUen halden vier pennynge 
konnigks sylvers ind dry greyn zo remedyen^ derselvcn bentgen suUon 
wygen sevcn ind tzwentzicli eyn loit, schoyn ind all bereyt; item der sess 
eyn* buysch sali gelden, sullcn halden dry pennynge sess greyu konyncks 
sylvers^, dry greyn zo remedyen ind der sullen sess ind drissieh wygen ein 
loit, schoyn gemacht ind all bereyt. Item der haller, der zwelif eyn buysch 
sullen gelden, sullen halden zwcyn pennyngen echtzien greyn konyncks 
sylvers ind dry greyn zo remedyen, der vurß haller sollen wygen seßtzich 
eyn loit, schoyn gemacht ind all bereyt. Wir hertzouge etc. vurß geloeven 



einem convolut deren canzeley acten den schlagschatz betreffend von den 
jähren 1453 bis 1753". Den Schluss bildet die Notiz: „Daß vorstehende 
abschrift den obbczogenen canzeley acten loco citato gleichlautend sey, wird 
hierdurch attestiret. J. G. Fauth. Pro copia Lorcnt. 

') Er war der Nachfolger Adolfs, des zweiten Herzogs von Berg, dem 
nach dtiin Tode seines Vetters Reinald von Jülich-Geldern dir JUlichschen 
Lande zugefallen waren — seit diesem Zeitpunkt war Ad<df Herzog von 
.Tülich-Berg , während die Nichte Reinaids, Maria von Arkel, vermählt 
mit dorn Grafen Johann 11. von Egmond, das Herzogtum Geldern geerbt 
hatte. (Vgl. Grote a. a. 0. VII, S. 57.) 

") tzoj'meistero wohl Zaiumeister. Zaino (zeine, teine) sind gegossene und vielleicht 
auch gewalzte MetaUstreifen, aus denen die ScLrötlinge — die MüuzplJlttchen — aus- 
gesohnitton oder wohl ausgeschlagen — gestanzt — wurden. Diesen Sehrötlingen wurde 
dann vermittelst des Münzliammers der Stempel aufgeprägt. 

') remediiim vgl. oV>en S. Ol, Aiini, 4. 

*) Die Vorlage hat „sess tyn". 

») Unter Königssilber verstellt man Silber, das unter 24 Teilen 1—2 Teile unedle« 
Metall entliält. 



— 08 — 

vur uns, unse erven ind uakomlinge de vurgenantc burgermeistcre, scheffeu, 
raid ind gemeynde van Aiehe hyby, as vurß is, de vurß vier jairlanck un- 
gehyndert zo laissen ind dar nyt weder zo doin oeder gescbicn laissen in 
geynreley wys, sunder argelist. Diß zo urkund hain wir unse segel vur 
uns, unse erven ind nakomlingc an desen brieff doin hangen, der gegeven 
is zo Benßbur' in den jairen uns Heren duysent vier hundert dry ind 
vuniftzich, up sent Peters dach ad vincula. 

De mandato doniini ducis pp™ Johis vam Huyß '\ marschalci 
et Werneri de Bevessen ^ Diderich Luinynck"*. 

Noch weitere Belege dafür zu erbringen, dass die Stadt 
Aachen kein volles Münzrecht besass, sondern nur dann prä- 
gen durfte, wenn der Herzog von Jülich oder dessen Rechts- 
nachfolger, der Kurfürst von der Pfalz, es gestattete bezw, 
die Stadt den festgesetzten Schlagschatz bezahlte, das möge 
einer späteren Arbeit vorbehalten bleiben. 

An den Schluss der vorliegenden Abhandlung gelangt, 
drängt es mich, Herrn Stadtarchivar Richard Pick verbind- 
lichsten Dank auszusprechen für die Förderung, die er bei 
meinen Untersuchungen mir stets in liebenswürdigster Weise 
zu teil werden Hess. 



') Benßbur = Bensberg. 

") Dieser Jobann vom Haus, MarscbaU von Borj;:, war ein liöcbst selbstsücbtiger 
Mcnsfb, iler die finanzieUen Scbwierigk« iten des Herzogs Gerliard, der wolil scbon seit 
dem Jahre llil geistig nicht mehr ganz gesund war, in gewissenlosester Weise aus- 
beutite. (Vgl. P. Kschbacli im Jahrl.uch des Düsseldorfer Qeschiclite-Vereins XIV, 
S. 1/23). 

*) Werner van Bevessen, Amtmann des Schlosses Bensberg. ('Vgl. Eschbach 
a. a. O. S. 9). 

*) Dietricli Llininlc, herzoglicher Sekrelär, erwies sich den Machenschaften des 
Johann vom Haus gegenüber als ein durchaus ehrenhafter Charakter. (Vgl. Eschbach 
a. a. O. S. II). 



Seite 77, Zeile ('> von unten lies (Do munten der leeneu van de voormuligo hertog- 
dommen Braband en Limburg S. 214) statt (a. a. O. S. 214). 



Dkück von Heum.vnn K.vat/.eu in AAcin'.N. 




Mitteilungen 

des 

Vereins 




für Kunde 

der 

Aachener Yorzeit 



Im Auftrage des Vorstandes herausgegeben von Heinrich Schnock. 



Jährlich 8 Nummern. — Prnis des Jahrgangs 4 Mark. 

Verlag der Creniersclien Buchliaiullniig (C. Cazin) in Aachen. 



Nr. 7/9. 



Sechszehnter Jahrgang. 



1903. 



Inhalt: Emil Pauls, Tevifelssagen, Zauberwesen und Hexenwalin in Aachen. — A. Jardoii, 
Vergleich zwischen der Aachener und Kölner Mundart. — Bericht über die Monats- 
versamnilungen und Sommerausfllige. — Bericht über das Vereinsjahr 1902/03. — Ver- 
zeichnis der Mitglieder. 



Teufelssagen, 
Zauberwesen und Hexenwahn in Aachen. 



Vou Emil Pauls. 



In der Sagenwelt Aachens sind die Teufelssagen zahlreich 
vertreten \ Auf den ersten Blick könnte man deshalb versucht 
sein, auch die Geschichte des Zauberwesens bei uns — Dämonis- 
mus und Zauberei hangen innig zusammen — für eine reiche zu 
halten und anzunehmen, dass die auffällig dürftige Ausbeute, 
die bei näheren Forschungen über heimatliche Spuk- und 
Hexengeschichten zutage tritt, auf das Versiegen wiclitiger 
Quellen zurückzuführen sei. Das würde ein Trugschluss sein. 
Zunächst darf eine scharfe Scheidung zwischen Sage und Ge- 
schichte nicht ausser acht bleiben; auch für Teufelssagen ^ gelten 
die bei der Beurteilung der Sagenwelt im allgemeinen längst 
feststehenden Grundsätze. Bei Sagen aller Art gelingt es nur 
selten, die Geburtsstätte und das Verbreitungsgebiet einiger- 
massen genau zu bestimmen. Manche einfache Sagen sind freie 



') R. Pick, Aus Aachens Vergangeubcit. Aachen 189'), S. G04, Anni. 1. 
*) Audere Sagen bleiben im nachstehenden durchgebends ausser Betracht. 



— 98 — 

Erfindungen aus uns sehr nahe liegenden Menschenaltern, ver- 
wickeitere Sagen dagegen entstammen häufig ihren einzelnen 
Teilen nach verschiedenen Zeiten und Gegenden. Die Anhalts- 
punkte, die der geschichtlichen Forschung eine Sage bietet, dürfen 
daher nur mit äusserster Vorsicht benutzt werden. Somit lässt 
in Aachen, wo überdies die seit Jahrtausenden vorhandene 
seltene Naturerscheinung heisser Quellen den Glauben an 
dämonische Kräfte einst sehr weiten Kreisen nahegelegt haben 
mag\ das Vorhandensein vieler Teufelssagen bestimmte Schlüsse 
auf den Reichtum oder die Armut der Geschichte des Zauber- 
wesens nicht zu. 

Ebensowenig darf aus den Wirkungen des Stadtbrandes 
von 1656^ ein Versiegen fast aller Quellen zur heimatlichen 
Geschichte des Zauberwesens gefolgert werden. Unzweifelhaft 
gingen bei diesem Brande, der in der Geschichte Aachens seines 
Gleichen nicht hat, grosse und unersetzliche archivalische Schätze 
zu gründe, und ziemlich unzweifelliaft befanden sich darunter 
auch Hexenprozessakten aus der ersten Hälfte des 17. Jahr- 
hunderts. Aber nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit spricht 
dafür, dass damals manche nennenswerte Aktenstücke ähnlicher 
Art untergingen, die einer früheren Zeit angehörten. Am ganzen 
Niederrhein forderte der eigentliche Hexenwahn, so verbreitet 
auch eine gewisse Furcht vor Zauberei war, während des langen 
Zeitraumes von den Tagen der Frankenkönige an bis zum Er- 
scheinen des berüchtigten Hexenhammers am Ende des Mittel- 
alters verhältnismässig nur sehr vereinzelte Opfer ^. Hätte 
Aachen hierbei eine aulfällige Ausnahme gebildet, so würden, 
wenn nicht ä Beeck und Noppius^, so doch ältere Lütticher, 
Kölner oder andere rheinische Geschichtsquellen davon zu 
berichten wissen. Dann aber auch würde in diesem Falle die 



') B. M. Lersch im neunten Jahrgang dieser Zeitschrift, S. 35. 

*) Bei jeder Frage aus der älteren Geschichte Aachens liegt die An- 
nahme sehr nahe, dass die genaue Lösung infolge der Vernichtung von 
Archivalien bei diesem Brande unmöglich oder doch ausserordentlich erschwert 
sei. Nachweislich sind indes früher bei dieser im allgemeinen berechtigten 
Auffassung vielfach Übertreibungen mit untergelaufen. 

^) Vgl. die Abhandlung „Zauberwesen und Hexenwahn am Nieder- 
rhein" im 13. Bande der Jahrbücher des Düsseldorfer Gesehichtsvereins. 

*) Beide schrieben über die Geschichte Aachens ein paar Jahrzehnte 
vor dem Stadtbrandc von 1656. 



— 99 — 

Aachener Gesetzgebung, die für die Zeit nach 1200 in zahl- 
reichen, grossenteils gedruckten Rechtsdenkniälern vorliegt', 
über die Bestrafung der Zauberei etwas mehr als ein paar 
künimerliche Spuren aufweisen. Bis 1500 — das darf unbedenk- 
lich beliauptct werden — bietet für Aachen, abgesehen vielleicht 
in etwa vom Auftreten der Geissler und Tänzer im 14. Jahr- 
hundert, die Geschiclite des Zauberwesens die gleichen Erschei- 
nungen wie am ganzen Niederrhein : wohl glaubte sich nach 
G. Roskoffs treifendem Wort der Mensch des Mittelalters von 
Wundern und Zauberei umgeben, und wohl kam es mancherorts 
sehr vereinzelt zu Tötungen oder Bestrafungen angeblicher 
Zauberer oder Hexen, aber eigentlich erst den letzten anderthalb 
Jahrhunderten vor dem Ende des dreissigjährigen Kriegs blieb 
der traurige Ruhm vorbehalten, in der Geschichte der Hexen- 
verfolgungen einen überaus grauenhaften und widerwärtigen 
Abschnitt zu bilden. Was in Aachen der Stadtbrand von 1656 
aus der Vergangenheit des Hexen wahns für die Zeit vor 1500 
auf immer der Vergessenheit anheimgab, kann, wie vorstehend 
angedeutet, der höclisten Wahrscheinlichkeit nach nur etliche 
Aktenstücke über wenig hervorragende Einzelfälle und die 
Geissler- oder Tänzersekte betreffend Wie sich beweisen lässt, 
hielt man in Aachen auch während des 16. Jahrhunderts von 
Hexenverfolgungen sicli frei^, wohl dagegen sah die alte 
Krönungsstadt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit- 



') Sicher niclit ganz vollständig. Es ist nicht ausgeschlossen und 
sogar wahrscheinlich, dass ein paar in Aachen während der Zeit von 
1200 — 1500 ergangene Bestimmungen über die Bestrafung von Wahrsagern 
und Zauberern verloren gegangen sind. Das bleibt nebensächlich. Hätte es 
sich hierbei um ein oft vorkommendes, dauernd gefürchtctes Vergehen 
gehandelt, so würde dies aus den uns überlieferten Aachener Rechtsdenk- 
mälern an verschiedenen Stellen hervorleuchten, nicht nur aus einer ziemlich 
allgemein gehaltenen Bestimmung der Sendgerichtsordnung d. J. 1331. 
Vgl. S. 109. 

^) Wahrscheinlich wurden bald nach 1400 manche Aktenstücke über 
die halb in Vergessenheit geratene Geissler- und Tänzersekte beseitigt. 
Das Unwesen wirkte bekanntlich ansteckend, und einflussreiche Nachkommen 
einiger in den Akten genannten Beteiligten mögen ein Interesse an der Be- 
seitigung der ihrer Familie unliebsamen Akten gehabt haben. Derartige 
Beseitigungen unbequemer Aktenstücke sind unzweifelhaft im Laufe der 
Jahrhunderte in jeder Stadt häufig vorgekommen. 

■'') Ich komme im folgenden hierauf zurück. 



— 100 — 

unter das Auflodern von Hexensclieiterliaufen. Der Untergang 
der hierüber handelnden Akten, wobei man an den Stadtbrand 
von 1656 denken darf, bleibt in ortsgeschichtlichem Interesse 
bedauerlich. Zur allgemeinen Geschichte der Wahnidee, die 
in furchtbarer Weise in Folterungen und Menscheuverbrennungen 
ihren Ausdruck fand, könnten diese Akten freilich kaum etwas 
Neues bieten. Hierbei wiederholt sich überall, im Süden wie 
im Norden des deutschen Vaterlands, ja ganz Europas, das 
gleiche durch die Folter erzwungene Geständnis von der 
Teufelsbuhlschaft, von der Verwandlung in ein Tier, vom Hexen- 
tanz und der Beschädigung von Mensch und Vieh. Dagegen 
hätten die Akten über manche im Aachener Volksleben herr- 
schende Anschauung Aufschluss zu bieten vermocht, auf 
deren nähere Kenntnis jetzt wohl dauernd verzichtet werden 
muss: so über die Lage des Hexentanzplatzes und die in der 
Phantasie spukende Beteiligung hoher Kreise am dämonischen 
Gelage ^ Namentlich aber bleibt der Verlust der Akten für 
die Geschichte der Aachener Rechtsverhältnisse bedauerlich. 
Von der Regierung Rudolfs von Habsburg an bis zum Ende der 
reichsstädtischen Zeit bietet die Aachener Rechtsgeschichte das 
Bild fortwährender Streitigkeiten zwischen der Stadt und dem 
jülichschen Vogtmeier. Jeder einigermassen aussergewöhnliche 
Fall gab in der Regel zu Auseinandersetzungen Anlass, die 
mitunter, ohne zu einem befriedigenden Ausgleich zu führen, 
Jahrzehnte lang sich hinzogen. Die Zauberei galt schon lange 
vor 1600 allgemein als ein Ausnahmeverbrechen (crimen excep- 
tum); bei der Dürftigkeit der vorhandenen Quellen muss leider 
auf die genaue Beantwortung der Frage, wie sich hierbei das 
Verhältnis zwischen der jülicher und Aachener Gerichtsbarkeit 
entwickelte^, verzichtet werden. 

Im folgenden schliessen sich an eine kurze Berührung der 
bekanntesten Aachener Teufelssagen Angaben aus der Geschichte 
und Rechtsgeschichte des Zauberwesens in Aachen an nebst einem 



') In der Sage von den buckligen Musikanten verlegt J. Müller (a. a. 0. 
S. 122 ff.) den Hexentanzplatz in die Nähe des Aachener Münsters und 
rechnet die ersten Damen der Stadt zu den „Hexen". Wahrscheinlich würde 
sich aus den Hexenprozessakten des 17. Jahrhunderts ein anderes Bild ergeben. 

^) Einige Anhaltspunkte über die hierbei in Betracht kommenden 
Kechtsverhältnisse des 17. Jahrhunderts bietet die urkundliche Beilage 
dieses Aufsatzes. Vgl. auch S. 110 f. 



— 101 — 

Hinweise auf die urkundliche Beilage über die Hexenverfolgungen 
bei uns in der ersten Hälfte des 17. Jahrlninderts. 

Die Feststellung- der bekanntesten Aachener Teufelssagen 
hält nicht schwer. Der Aachener Gelehrte und Schriftsteller 
Dr. Joseph Müller (1802—1872) veröffentlichte im Jahre 1858 
eine volkstümlich gehaltene Schrift: „Aachens Sagen und 
Legenden". Vollständig ist die ansprechende Zusammenstellung 
nicht. Aber es darf nicht übersehen werden, dass J. Müller, 
der Fritz Reuter Aachens, wie er häufig genannt wird, wohl 
der beste Kenner des Aachener Volkslebens seiner Zeit war. 
Seine Angaben fussen ebensowohl auf Jugenderinnerungen wie 
auf literarischen Studien. Vollständigkeit konnte er bei seiner 
Blumenlese schon deshalb nicht erreichen, weil sie auf dem 
Gebiet der Sage überhaupt nicht zu erzielen ist. Vielleicht 
auch musste die Rücksicht auf die Königstochter, welcher sein 
Werkchen gewidmet ist', ausschlaggebend für das Ausfallen 
einiger ihrem Inhalte nach etwas anstössigen Sagengebilde sein. 
Jedenfalls sind nur sehr wenige Aachener Sagen seiner Samm- 
lung nicht einverleibt worden. Von Teufelssagen könnte man ver- 
missen die Ei'zählung von feurigen Männern oder Garben, die 
auch bei uns in verschiedenen Wendungen auftritt, dann 
die Sage vom feurigen, in bestimmten Nächten durch die Ursuliner- 
strasse fahrenden Wagen-, und endlich das bekannte Märchen 
vom Kampfe König Pippins mit dem Teufel im Bade zu Aachen, 
worüber schon im neunten Jahrhundert der ]\[önch von St. Gallen 
zu berichten wusste ^, J. Müller mag am Ende nicht mit Unrecht 
bei den Sagen von dem Feuermann, der Feuergarbe und dem 
feurigen Wagen die ortsgeschichtliciie* Färbung vermisst und 



') Grossberzogiu Luise von Baden. 

>) E. Pick a. a. 0. 

") Vgl. 1!. iM. Lei- seil, Geschichte des Bades Aachen, S. IG. Dort 
auch (S. 37) eine sagenhafte Erzählung aus dem 14. Jahrhundert über 
Dämonen im Karlsbad. 

*) Findet auch in neuester Zeit Sagenbildung und Sagenübertragung 
weitaus seltener statt, als in den Menschenaltern, denen die grossen Er- 
rungenschaften des Dampfes und der Elektrizität fern waren, so ist doch 
nicht zu leugnen, dass selbst noch in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts 
mit dem Anwachsen der Grossstädte einzelne von auswärts eingeführte 
Sagen in mancher Stadt städtischen Örtlichkeiten angepasst worden sind,, 
Ob dies auch für Aachen zutrifft, braucht hier nicht untersucht zu werden. 



— 102 — 

den Kampf Pippins im Bade für eine in Aachen zu wenig ein- 
gebürgerte Fabel gehalten haben. Im grossen Ganzen hat 
Müller die bekanntesten der vor einem halben Jahrhundert 
im Aachener Volksmunde lebenden Sagen treu aufgezeichnet. 
Aus seiner, an der Wende einer neuen, der Sagenbildung un- 
günstigen Zeit erschienenen Sammlung seien hier diejenigen 
Sagen hervorgehoben, in denen Anklänge dämonischer Art 
zutage treten. Da ist zunächst zu unterscheiden zwischen Sagen 
in nur anscheinend dämonischem Gewände und solchen, bei 
denen der Fürst der Finsternis indirekt oder direkt in die . 
Erscheinung tritt. Zu jenen gehören die Sagen von den Hinzen- 
männchen und dem Bachkalb (Badekalb), zu diesen die Fabeln 
vom Ring der Fastrada, vom Münsterbau, der Wolfstür und 
dem Lousberg, dann als letzte Gruppe die ausgesprochene Be- 
ziehungen zum Hexenwahn bietenden Sagen von den buckligen 
Musikanten und der Mobesin^ 

Den „Teufel zu Aachen" verlegen die i. J. 1537 erschie- 
nenen Sprichwörter von Johann Agricola in den Ponellenturm 
der Stadtmauer, „darinne sich der teufel mit vil wunders, 
geschrey, glockenklingen und anderm unfug oftmals sehen und 
hören lest^". Anmutiger ist die im wesentlichen wahrscheinlich 
gleiche Sage bei J. Müller gestaltet. Müller spricht von den 
in einem Turme zwischen Köln und Sandkaultor hausenden 
Hinzenmännchen, die bei Tage schliefen, nachts bei fröhlichem 
Becherklang zechten und sangen, und bald friedlichen und hülf- 
reichen, bald neckischen Spuk gegen die Bewohner Aachens 
sich erlaubten. Ob der Teufel im Ponellenturm den angeblich 
etwas entfernter wohnenden Hinzenmännchen gleichzustellen ist, 
braucht nicht näher erörtert zu werden. Sicher würde man 
im allgemeinen fehlschlagen, wenn man die in Stadt und Land 
der Aachener Gegend allbekannten kleinen Gesellen als Satans- 
kinder bezeichnen wollte. „Die Hinzenmännchen", so sagt 
J. H. Kessel^, „zeigen volle Art- und Gestaltverwandschaft 
mit den römischen Hausgeistern (Penaten)"; L. Korth^ verzeichnet 
sogar eine ganze Literatur über diese auch in der deutschen 



') Vgl. zu den genannten Sagen das Inhaltsverzeichnis bei J. Müller, 
AacheHS Sagen und Legenden, S. XI und XII. 

2) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. VIII, S. 207, Anm. 4. 
«) Ebenda Bd. II, S. 152. 
*) Ebenda Bd. XIV, S. 82. 



— 103 — 

Mytliolog'ic bcdciitsanien Zwerg-e und ihren Verkehr mit den 
Menschen. Bei J. Müllers Schilderung des mit Ketten beladenen 
Baakaufs (Baclikalbes), eines kalbähnlichen zottigen Ungetüms 
mit glühenden Augen und einem mit Schuppen besetzten Schweife, 
könnte man ein „Teufelsvieh " ^ um so eher annehmen, als das 
Ung-eheuer, wenn es sich in stiller Nacht Vorübergehenden auf 
den Nacken setzte, Strassen mit Kirchen mied und an Gewicht 
zuzunehmen schien, wenn sein Träger betete, dagegen leichter 
wurde, wenn er fluchte. Eine eig-entliche Teufelssag-c liegt indes 
auch hier nicht vor. Ganz unrichtig stellte vor etwa 130 Jahren 
Freiherr von der Trenck das Bachkalb in Aachen mit der weissen 
Frau in Berlin, dem Rübezahl auf dem Zottenberge und dem 
Kanonenträger in Luxemburg- auf die gleiche Stufe'-'. Richtiger 
wird man das Bachkalb, das in den Sagen der Jülichcr Gegend 
als Zöbbclsdeer (zottiges (?) Tier) häufig vorkommt-', zu den 
in der deutschen Mythologie als Nachtmare auftretenden Ge- 
stalten rechnen. 

Beim Ring der Fastrada, der Sage, nach welcher Karl d. 
Gr. durch Liebeszauber, der in einem Ringe verborgen war, an 
die Leiche seiner Gemahlin Fastrada gleichsam mit unsichtbaren 
l^anden gefesselt wurde, möchte es scheinen, als ob Beziehungen 
zum Bösen fehlten. In der Wirklichkeit liegt die Sache anders. 
Schon bei den Römern glaubten manche Frauen an Zaubermittel, 
durch die sich Liebe erwerben lasse*. Zu christlicher Zeit 
erweiterte man in vielen Kreisen diese Ansicht dahin, dass mit 
Hülfe der bösen Geister (durch Zauberei) wahnsinnige Liebe 
oder unversöhnlicher Hass sich gewinnen lasse. Im Kern der 
Fastradasage liegt somit die Annahme von einer tätigen j\Iit- 
wirkung finsterer Mächtet 

Kühn, gewandt und nur wenig verhüllt tritt der Teufel in 
den Sagen vom Aachener Münsterbau, von der Wolfstür und 
vom Lousbcrg auf die Bühne des Lebens. Er schafft den Rats- 
herren Geld zum IMünstcrbau und wird dann um die ausbedungene 



^) So nennt es J. Müller a. a. 0. S. 140. 

') Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. XV, S. 136, Anra. 1. 

3) Ebenda Bd. XIV, S. 82, 94, 107 und S. 125. 

*) Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichts Vereins Bd. 13, S. 137. 

*) Die Fastradasage ist hier namentlich auch deshalb erwähnt, -weil 
in der Geschichte des Zauberwesens in Aachen im 0. Jalirhundort Licbcszaubor 
vorkommt. Vgl. S. 112 f. 



— 104 — 

Seele durch die Seele eines Wolfs geprellt, worauf er das eherne, 
seitdem Wolfstor genannte Tor des Münsters mit solcher Wucht 
hinter sich zuschlägt, dass sein eigener feuriger Daumen dabei 
Schaden leidet. Als aus Rache längere Zeit nachher der Teufel 
Aachen unter einem vom Gestade des Meeres herbeigeschleppten 
Sandberge begraben wollte, überlistete ihn ganz in der Nähe 
der Stadt eine alte Frau, so dass er den Sandberg, der den 
heutigen Salvator- und Lousberg bildet, von sich warf. So der 
Inhalt der drei augenscheinlich zu verschiedenen Zeiten inein- 
ander geflossenen Münsterbausagen. Berge versetzende Riesen 
kommen schon im Altertum vor; Verträge mit dem Bösen, wo- 
bei in der Regel eine Menschenseele den Lohn des Teufels 
bilden soll, sind frühmittelalterliclien Ursprungs, während der 
Wolf bekanntlich in der Tierwelt der deutschen Mythologie mit 
an erster Stelle steht. Die eherne, eine durchbohrte Brust 
aufweisende Tierstatue (Wolf oder Bärin) an der Wolfstüre des 
Münsters, die einst dort Jahrhunderte hindurch angebracht war, 
mag zur Entstehung der Sage von der gewaltsam heraus- 
gerissenen Tierseele den Anlass geboten habend 

Dem Gebiete des Hexenwahns gehören die Sagen von den 
buckligen Musikanten und der Mobesin an. Schwarze Katzen 
mit feurigen Augen -verwandelten sich in der Quatembernacht 
in schön geputzte Damen, denen bei fröhlichem Gelage auf dem 
Fischmarkt in der Nähe des Münsters ein zufällig des Weges 
daher kommender buckliger Musikant auf ihren Wunsch zum 
Tanze aufspielte. Er wurde hierfür reich beschenkt und ausser- 
dem von seinem Höcker befreit. Ein anderer, ebenfalls ver- 
wachsener Fiedler dagegen, der nicht zufälliger, sondern von 
ihm absichtlich herbeigeführter Weise bei dem gleichen Hexen- 
tanz in der Quatembernacht sich einfand, erhielt zur Strafe 
einen zweiten Höcker zu dem bereits vorhandenen. Ein Seiten- 
stück zu der hier vorliegenden Fabel der Befreiung von einem 
körperlichen Gebrechen gelegentlich eines Hexentanzes, dürfte 
in den Hexensagen kaum nachweisbar sein, während die An- 
schauung, dass die Hexen- und Geisterwelt vorwitzige, kühne 
Annäherung straft, in zahllosen Erzählungen wiederkehrt. Die 
Mobesin, eine Hexe und Gräfin in der Sage, konnte durch 
ihre Zauberkunst sich in eine Katze verwandeln. Als Katze 



') Ausführlicheres über diese drei Sagen iu der Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereins Bd. XVIIl, S. 37 ff. 



— 105 — 

verwundet, dann später an der erhaltenen Verwundung? erkannt, 
büsstc sie ihre scliwarzen Künste auf dem Scheiterhaufen. Irgend- 
welche seltene Züge bietet die Sage nicht; die Verbrennung- 
einer reichen Dame als Hexe in Aachen im Jalire 1630 ist ge- 
schichtliche Tatsache ^ Die Erkennung von Hexen an einer 
Verwundung der liier vorliegenden Art findet sich schon im 
12. Jahrhundert verzeichnet. Gervasius von Tilbury weiss zu 
berichten, dass Hexen, wenn man sie zur Nachtzeit in ihrer 
Katzengestalt verwundet, bei Tage an ihrem Leibe die erhaltenen 
Wunden tragen ^. 

Schliesslich eine unbedeutende, von J. Müller nicht auf- 
gezeichnete Teufelssage. Als der grosse Stadtbrand am 2. Mai 
1656 Aachen in Asclie legte, hatte man dies angeblich einem 
Bäcker zu verdanken, der missinutig über die ungenügende 
Hitze des Backofens in diesen das höllische Feuer wünschtet 
Hier wohl ein Beispiel freier Erfindung. Vielleicht war der 
Bäcker, dem das Hei-aufbeschwören des höllischen Feuers zu- 
geschrieben wurde, eine durch gewohnheitsmässiges Fluchen 
und Anrufen des Teufels bekannte Persönlichkeit. Wahrschein- 
licher aber ist es, dass lange nach dem furchtbaren Stadtbrande 
„des Bäckers Fluch" mit voller dichterischer Freiheit als ab- 
schreckendes Beispiel aufkam. 

J. Müller hat, was nachträglich erwähnt sei, die Mehrzahl 
der aufgezeichneten Teufelssagen auch dichterisch, und zwar in 
Aachener Mundart bearbeitet. In den Aachener Sprichwörtern 
kommt, wie allerorts, der Teufel überaus häufig vor"*, doch 

') Vgl. S. 115. 

^) Gürres, Christliche Mystik Bd. 111, S. 51; Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvereius Bd. XIV, S. 120, Aiuu. 

•'') V. Fürtli, .Aachener Patrizierfamilien Bd. III, S. 10 und Bd. I, 
S. 129; Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. XVIII, S. 41 f. Die 
Sage knüpfte daran an, dass tatsächlich der grosse Stadtbrand im Kuckshausc 
in der oberen Jakobstrasse, das einem Brotbäcker gehörte, seinen Anfang 
genommen hatte. (Vgl. F. Haagen, Geschichte Achcns Bd. II, S. 262 f.) 
Ch. Quix, Wochenblatt 1838, Nr. 17 S. 68) gibt aus den Stadtrats-Protokollen 
zum 28. August 1656 folgende Ergänzung: Als endlich der Magistrat durch 
Zeugenverhör überzeugt war, dass der für Aachen so unheilvolle Brand 
entstanden war im Kuckshause in der Jacobstrasse, befahl er, dieses Bäcker- 
haus zu demoliren und dass die Rechtsgelehrten die weitere Strafe be- 
stimmen sollten. 

■•) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. VIII, S. 169, 
Nr. 158 — 171. 



— 106 — 

anscheinend ohne Anklänge an Teufelssagen. Von der Hexe 
sprechen mehrere Sprichwörter. So unter anderen: hexen und 
wehrwolfen ' ; laufen gleich einer Hexe, der das Herz verbrannt 
ist^; die Hexe sitzt drin^ und dergl. Das Wort Hexe wird 
jetzt nocli häufig in der Aachener Gegend auf weibliche Personen 
doppelsinnig, ganz nach den Umständen, angewandt: Hexe als 
Bezeichnung für streit- und zanksüchtige ältere Frauen; Hexe 
(meist Hexchen) dagegen auch in Anwendung auf ansprechende, 
muntere jüngere Mädchen. 

II. 

Die Geschichte der Aachener Verfassung und des Aachener 
Gerichtswesens harrt trotz einiger schätzenswerter Vorarbeiten 
immer noch der abschliessenden Bearbeitung von sachkundiger 
Hand. Aus dem bis jetzt gedruckt vorliegenden Material lässt 
sich die Entwickelung der örtlichen Gesetzgebung auf dem Ge- 
biete des Zauber- und Hexen wesens nicht ganz ersehen. Älehr- 
facli sind wir hierbei auf Vermutungen und auf Vergleichungen 
mit anderweitig am Niederrhein bestehenden Vorschriften an- 
gewiesen. Es liegt kein Grund zur Annahme vor, dass die 
Behandlung der Anklagen auf Wahrsagerei, Zauberei und dergl. 
bis zum Schluss des Mittelalters in der Reichsstadt Aachen im 
wesentlichen anders gewesen sei als allenthalben am Niederrhein. 
Deshalb hier zunächst in sehr grossen Zügen einiges über 
Zauberwesen und Hexenwahn am Niederrhein ^. 

Zu römischer, fränkischer, karolingischer und mittelalterlicher 
Zeit hat sich die staatliche und kirchliche Gesetzgebung wiederholt 
mit dem Zauberwesen befasst. Im ganzen war sie eine milde 
bis zum Schluss des Mittelalters. Allerdings unterlagen seit 
jeher in Fällen, die man für besonders schwere liielt, Ketzer 
und Zauberer — die Grenze zwischen Häresie und Zauberei 
war stets eine verschwommene — der Strafe des Feuertodes, 
und tatsächlich sind in den letzten Jahrhunderten vor der 



') Ebenda, Nr. 395. Wehrwolfen = sieb in einen Webrwolf verwandeln. 

-) Ebenda, Nr. 396. 

■') Bei seltsamer Verteilung der Karten beim Spiel, überhaupt bei selt- 
samem Zusammentreifen verschiedener Umstände. 

'') Vgl. die hierüber handelnde Abhandlung in Jahrbuch XIII des 
Düsseldorfer Geschichtsvereins, der ich einige der folgenden Ausführungen 
entnehme. 



— 107 — 

Erfindung- der Biiclidruckerkunst mehrere derartige Hestrafungcn 
in niederrlieinischen Gegenden vorgekommen'. Aber es liegen 
hierbei verscliwindende, in der Kegel durch eine Verkettung 
merkwürdiger Umstände /u stände gekommene Ausnahmefälle 
vor. Die wahrsclieinlich im 14. Jahrhundert entstandenen 
jülicher Landrechte machen, übereinstimmend mit denen von 
Berg, zahlreiche andere Vergehen, nicht aber die Zauberei 
namhaft. Die kirchliche Gesetzgebung rechnete zwar ehemals 
in der ßeichtpraxis die Zauberei zu den dem Bischof vor- 
behaltenen Fällen, bedrohte auch wohl Zaubern und Wahrsagen 
mit der E^xkommunikation, aber wir lesen nicht, dass die kirch- 
lichen Behörden auf die Verfolgung der Zauberkunst bei den 
weltlichen Gerichten nennenswert hingewirkt hätten. So bis 
tief ins 15. Jahrhundert hinein. Auf das Zauberwesen bezügliche 
Erlasse weltlicher oder geistlicher niederrheinischer Behörden 
scheinen sogar füi- die ersten acht Jahrzehnte des 15. Jahr- 
hunderts ganz zu fehlen. Den Kölner Diözesanstatuten nach 
zu schliessen, ist selbst auf dem wichtigen Provinzialkonzil in 
Köln, das im Jahre 1452 unter dem Vorsitz des päpstlichen Le- 
gaten, des grossen Kardinals Nicolaus von Cusa, stattfand, des 
Aberglaubens und Zauberwesens nicht gedacht worden. Wenige 
Jahrzehnte später trat, teilweise gefördert durch die wahn- 
witzigen Erzählungen des Hexenhammers, die Hexenverfolgung 
furchtbarer als jemals ziemlich allgemein am Niederrhein in die 
Erscheinung. Bis etwa 1539 kamen mancherorts Hexenver- 
brennungen vor, dann trat ein Rückschlag ein. Herzog Wilhelm III. 
von Jülich-Kleve-Berg (1539—1592) blieb, dank der Wirksam- 
keit aufgeklärter Räte und seines ausgezeichneten Leibarztes 
Weyer, ein Gegner des Hexenwahns, und auch im Kölnischen 
hatte man während des stürmischen halben Jahrhunderts vor 
1592 wichtigeres zu tun, als Zauberei'en nachzuspüren. Allgemein 
feierten die Hexenrichter. Hierauf aber — man kann vom 
Höhepunkt einer glücklicher Weise längst hinter uns liegenden 
Krankheit sprechen — loderten bis zum Ende des dreissigjährigen 
Kriegs bald hier, bald dort am Niederrhein die Flammen von 
Hexenscheiterhaufen aufs neue auf, so namentlich in den letzten 
Jahren vor der im Jahre 1631 erschienenen Cautio criminalis, 
der unsterblichen Schrift des Jesuiten Friedrich von Spce. Von 



') Ein Beispiel aus mittelalterlicher Zeit ist mir für Aaclien nicht 
bekannt. 



— 108 — 

ein paar Ausnahmefällen abgesehen, kamen nach 1650 Hexen- 
verbrennungen am Niederrhein nicht mehr vor, dagegen bleibt 
die völlige Beseitigung manches aus der Blütezeit des Zauber- 
wesens stammenden Aberglaubens^ eine bis zur allerneuesten 
Zeit noch nicht ganz gelöste Aufgabe. 

In Aachen nahm die Entwickelung der Geschichte des 
Zauberwesens in der Hauptsache den gleichen Verlauf wie am 
ganzen Niederrhein. Für die Zeit vor dem IG. Jahrhundert 
finden sich für Aachen weder Ketzer- noch Hexenverbrennungen 
verzeichnete Das 16. Jahrhundert brachte etliche Verbrennungen 
von Wiedertäufern^, bis zu seinem Schluss aber keine eigent- 
lichen Hexen Verfolgungen. Nur verraten ein paar leichtere 
Bestrafungen, dass man auch bei uns im 16. Jahrhundert die soge- 
nannte Zauberei durchaus nicht übersah. In den Jahren 1598 
und 1601 tauchen in Aachen die Anzeichen der allgemein am 
Niederrhein neu erwachten Verfolgungssucht gegen Hexen auf. 
Mehrere Personen fielen in den nächsten Jahrzehnten dem 
Wahn zum Opfer; im Jahre 1630 erreichte die dunkele Ver- 
irrung ihren Höhepunkt, 1649 fand die letzte Hexenverbrennung 
statt, und von da ab lebten Hexentötungen nur mehr in der 
Erinnerung fort. 

Den Einzelheiten aus der Geschichte des Zauberwesens in 
Aachen lasse ich einige Angaben aus der Aachener Rechts- 
geschichte vorhergehen. Soweit es sich übersehen lässt, ge- 
hörte bei uns im Laufe der letzten Jahrhunderte vor der fran- 
zösischen Fremdherrschaft die Bestrafung der Zauberei, ganz 
nach den Umständen und der Zeitanschauung, zur Zuständigkeit 
bald des Sendgerichts, bald des Rats, bald des Schöffengerichts. 
Das Send- oder geistliche Gericht setzte sich unter dem Vor- 
sitz, des Erzpriesters aus den vier Pfarrern der Stadt Aachen 
und mehreren weltlichen Räten (SendschötFen) zusammen"*. Es 
entschied nach dem Weistum von 1331^ unter anderem auch 
über Fälle von sortilegium. H. Hoeffler^ übersetzt hier sorti- 



') Ein Eingehen auf abergläubische Gebräuche gehört nicht zum vor- 
liegenden Thema. 

*) Sollte ich hierin irren, so kann es sich hierbei nur um ein paar Aus- 
nahmefälle handeln. 

') Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. VI, S. 311. 

*} Noppius, I. Buch, S, 123. 

*) H. Loersch, Achener Rechtsdenkmäler, S. 48, § 17. 

®) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd, XSIIT, S. 215. 



— 109 — 

legium mit Zauberei, was mit einer gewissen Einscliräiikung 
als zulässig- erachtet werden kann. Die Wörter sortilegium, 
divinatio,incantatio kommen zuweilen in mittelalterlichen Schriften, 
aber kaum jemals in Wcistümcrn, als gleichbedeutend mit Zauberei 
im allgemeinen vor. Zu beacliten ist ferner, dass im vorliegenden 
Weistum auf sortilegium nur eine, erst nach Jaiiresfrist im 
Falle liartnäckiger Unfolgsamkeit in schärfere Strafen sich 
verwandelnde kleine Geldbusse steht, während Zauberei 
gleich der Ketzerei sonst allenthalben bei wichtigerem Auftreten 
mit dem Feuertode bestraft wurde. In der Sendgerichtsordnuug 
vom Jahre 1381 kann es sich bei den auf haeresis und sorti- 
legium gesetzten Geldstrafen nur um leichtere Übertretungen 
gehandelt haben, die in der Öffentlichkeit kaum schädigend 
gewirkt hatten. Schon zu römischer Zeit unterschied ja die Ge- 
setzgebung zwischen wenig bedeutsamer und schädigender 
Zauberei. Die gleiche Unterscheidung findet sicli im salischen 
Rechte, bei der Gesetzgebung der Karolinger^ und selbst noch 
in der peinlichen Gerichtsordnung Karls V. - 

Als das auf älteren Bestimmungen fussende Weistum des 
Aachener Sendgerichts vom Jahre 1331 entstand, lag die Zeit 
der eigentlichen Hexenverfolgungen noch recht fern. Noch 
galt die Zauberei nicht als Ausnahmeverbrechen, und noch war 
nicht die später so entsetzliches Unheil mit sich bringende An- 
sicht, dass der Bund des Zauberers mit dem Teufel in der 
Regel eine schwere Schädigung von Mensch und Tier nach 
sich ziehe, in Volkskreisen sehr verbreitet. • Die Aachener 
Sendgerichtsordnung von 1331 begnügte sich mit der Andeutung 
einer geringen Bestrafung des Aberglaubens; sortilegium war 
ein Sammelbegritf für Loswerfen, Beschwören, Wahrsagen und 
ähnlichen Unfug. Ob man hierbei eine gewisse Mitwirkung 
dämonischer Kräfte annahm, bleibt nebensächlich. Es unterliegt 
trotzdem keinem Zweifel, dass die Übersetzung von sortilegium 
mit Zauberei im vorliegenden Falle in gewissem Sinne richtig 
ist. Unzweifeliiaft hatte nämlich das Aachener Sendgericht im 
14. Jahrhundert kraft der über sortilegium handelnden Be- 
stimmung des Weistums das Recht, ein vorgekommenes Vergehen 
als Zauberei zu erklären und damit zusammenhängende angebliche 



') Vgl. die Auszüge aus Brunuers Rechtsgeschicbte in Jahrbuch XllI 
des Düsseldorfer Geschichtsvereius, S. 141 ff. 
'') § 109. 



— 110 — 

Schädigungen auf eine Mitwirkung des Bösen zurückzuführen. 
In solchen, im Weistum nicht genannten Fällen wäre es dem 
Sendgericht ein leichtes gewesen, durch Vermittlung anderer 
geistlicher oder weltlicher Behörden eine Verurteilung zu höheren 
Strafen herbeizuführen. Wenn die Ordnung im Jahre 1331 die 
Möglichkeit und Behandlung solcher Fälle nicht andeutet, so 
beweist dies nur, dass damals der Glaube an grössere durch 
Zauberei mögliche Schädigungen wenig verbreitet war, und 
dass man es nicht für gut fand, diesem von der Kirche niemals 
völlig zurückgewiesenen Glauben durch Bestimmungen für kaum 
jemals vorkommende Ausnahmefälle neue Nahrung zuzuführen. 
In späteren Jahrhunderten wird unter den Rechten des 
Sendgerichts die Berechtigung zur Bestrafung von sortilegium 
nicht melir genannt ^ Ausdrücklich aufgehoben wurde, nach 
der Bulle Innocenz' VlII.^ und jüngeren Bestimmungen zu 
schliessen, die Sendgerichtsordnung von 1331 niemals, auch mag 
bis zuletzt dem Sendgerichte ein gewisser Einfluss auf die Ab- 
stellung abergläubischer Gebräuche verblieben sein. Aber nachdem 
seit dem Ende des 15. Jahrhunderts der Hexenwalm und die 
Furcht vor schädigender Zauberei tiefgehende Wurzeln geschlagen 
hatten, waren die einfachen Geldstrafen, die das Sendgericht 
verhängen konnte, nicht recht mehr am Platze. Allgemein ging 
am Niederrhein zu Ende des Mittelalters die Bestrafung des 
Zauberwesens in einigermassen wichtig scheinenden Fällen aus- 
schliesslich an die weltlichen Gerichte über^ In Aachen lag 
im 16. Jahrhundert die Bestrafung von Zauberern und Wahr- 
sagern teils in der Hand des Rats, teils in der des Schöifen- 
gerichts. Über die Ausgeisslung und Verbannung einer Zauberin 
i. J. 1526 auf Befehl des x4.achener Rats berichtet R. Pick in 
seiner Abhandlung über Aachener Sitten und Bräuche in älterer 
Zeit*; die Verhaftung zweier fremder Wahrsager durch den 
Vogt im Jahre 1548 verzeichnet die Aachener Vogtmeier- 
rechnung desselben Jahres^. Dass der Schöffenstuhl schon im 
16. Jahrhundert, nach Erlass der Carolina, die Aburteilung 
der Zauberer als sein Recht betrachtete, folgt indirekt aus 

') Noppius I, Kapitel 33, S. 123. 

») Noppius in, Nr. 8, S. 14. 

•">) Jabrbucli des Düsseldorfer Geschichtsvereins Bd. XIII, S. 209. 

*) Rheinische Geschichtsblätter, Jahrgang II, S. 311. 

^) Düsseldorfer Staatsarchiv. 



— 111 — 

gleiclizeitig-en Aktenstücken'. Brennend wurde die Frage erst, 
als um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts die eigentlichen 
Hexenverlblgungen auch in Aachen ihren Anfang naiinien. Noch 
im Jahre 1001 sprachen sich die Jesuiten, denen bei uns die 
Vorbereitung der zum Tode Verurteilten oblag, dem lUirger- 
meister gegenüber gegen die Anwendung der Wasserprobe aus, der 
dann den Rat in diesem Sinne beeinflusstc^ Und noch im 
selben Jahre beanspruchte der Rat^, dasa bei der Folterung 
einer Zauberin der Ratssecretair zugegen sein müsste, wogegen 
der Vogtmeier lebhaften Einspruch erhob. Bald nachher 
geliörtcn auch in Aachen die Hexenprozesse ausschliesslich zur 
Zuständigkeit des Schöffengerichts. Ln allgemeinen unterschied 
man bei uns zu reiclisstädtischer Zeit in Strafsachen bei der 
Abgrenzung der gericiitshoheitlichen Rechte Jüliciis und Aachens 
zwischen Fremden und Einheimischen. Bei Fremden hatte 
Jülich, bei Einheimischen Aachen grössere Rechte. Das Schöffen- 
gericht wurde bei der Behandlung von Hexenprozessen auch schon 
deshalb au die erste und einzige Stelle gesetzt, weil der Feuer- 
tod für eine höhere Strafe galt als die Hinrichtung mit dem 
Schwert'. Am herzogliclien Hofe in Düsseldorf galt der wahr- 
scheinlich allenthalben in Deutschland bestehende Grundsatz, 
dass das ins gladii nicht die Berechtigung gebe zur Verur- 
teilung zu einer höheren Strafe als der des Schwertes^. Nach 



') Ein näheres Eingehen hier.iuf würde hier zu weit fahren. Zudem 
bleibt vor der Veröffentlichung weiterer Aachener Rechtsdenkmäler einiges 
bei den in Betracht lioramendeu Fragen dunkel, so namentlich auch die 
Frage nach der einschlägigen Stellung des Aachener Kurgerichts. Das 
Kurgericht betrachtete bekanntlich in gewissen Fällen Bürgermeister und 
Rat als Appellinstanz (vgl. J. J. Moser, Staatsrecht der Heil. Rom. Reichs 
Stadt Aachen, S. 109, § 31); Bürgermeister nnd Rat hatten eine vom Kur- 
gericht verschiedene strafrichlcrliche Gewalt. (Vgl. die Artikel 23 und 24 
des Vertrags zwischen Jülich und Aachen vom J. IGCO). Anscheinend ist 
das Kurgericht zu Entscheidungen in Sachen der Wahrsagerci, Zauberei und 
dergl. niemals zuständig gewesen. Die Zuständigkeit des Schöffenstuhls bei 
derartigen Fragen stand im Zusammenhang mit der Einführung der peinlichen 
Gerichtsordnung Karls V. 

') Zeitschrift des Aachener Geschichtsvercins Bd. XVI,- S. 188. 

*) Vgl. die Beilage z. J. 1601. 

*) Vgl. NoppiusI, Kap. 30, S. 115 und Vertrag von 1660, Artikel 28—25 
und Artikel IV § 6. Der Rat konnte nicht zum Feuertode verurteilen. 

*) Düsseldorfer Staatsarchiv, Jülich-Bergische Gesetzgebung Nr. 16'/a. 
Gutachten aus dem Jahre 1631 betr. Hexenprozesse: zu recht ist klar ver- 



— 112 — 

1601 (vgl. die Beilagen) traten in Aachen bei den Hexenprozessen 
Bürgermeister, Rat und andere Gerichte gegen das Schöffengericht 
völlig zurück. Im übrigen bieten die Beilagen keine rechts- 
geschichtlich bemerkenswerten Einzelheiten. Bei uns wie damals 
allenthalben am Niederrhein : Folterung, Geständnis, Verurteilung 
und eine oft kostspielige Verbrennung. Mitunter starben die 
Opfer im Kerker infolge der erlittenen Folter vor der Hin- 
richtung, und zuweilen tötete man die Verurteilten durch den 
Strick oder das Schwert, ehe man den entseelten Körper 
den Flammen übergab. In Aachen erledigte die Vogtmeierei 
die Verpflegungskosten im Gefängnis, sowie die Gebühren für 
den Scharfrichter und die Auslagen bei der Hinrichtung; nur 
in einem Falle, in dem es sich um eine „reiche und habselige" 
Aachener Bürgerin handelte, wurden die Kosten aus deren 
Nachlasse gedeckte 

So die rechtsgeschichtliche Seite der Vergangenheit des 
Zauberwesens und Hexenwahns in Aachen zu reichstädtischer 
Zeit. Aus der Entwicklung der Rechtsverhältnisse ergibt sich, 
dass bei den wichtigeren Begebenheiten auf dem hier in Betracht 
kommenden Gebiete hauptsächlich nur zwischen der Zeit vor 
1500 und den letzten drei Jahrhunderten vor der französischen 
Fremdherrschaft zu unterscheiden ist. Im ganzen verdienen 
nur wenige Einzelheiten Erwähnung: aus dem 9. Jahrhundert 
die Ehescheidungssache Lothars I., die teilweise in Aachen ^ 
sich abspielte; aus dem 12. Jahrhundert das Weberschiff, das 
im Kornelimünsterer Ländchen entstand, in Aachen eine be- 
geisterte Aufnahme fand und von dort in die Niederlande gebracht 
wurde; aus dem 14. Jahrhundert die auch in Aachen auftre- 
tenden Geissler und Tänzer, und endlich aus späterer Zeit einige 
Hexen -Verfolgungen und Verbrennungen. 

Bei der in der Geschichte der Karolinger berüchtigten 
Ehescheidungssache Kaiser Lotliars glaubte man bei uns, ähnlich 
wie Jahrhunderte später bei der Fastradasage^, dass dämonischer 
Liebeszauber die Sinne des Herrschers umnachte. Lothar hatte 
die vornehme Burgunderin Theutberga gelieiratet, sie aber sehr 



sehen, daß diejenigen, denen das ius gladii concediert worden, nit macht 
haben, jemand zum fcuer zu verdammen. 

^) Vgl. die Beilage zum 10. Dezember 1(330. 

^) F. Haagen, Geschichte Achens ßd. I, S. 40ff. 

») Vgl. oben S. 103. 



— 113 — 

bald Verstössen, um durch List und Gewalt eine neue Ehe mit 
der Bulilerin Waldrada zu ermöglichen. Erzbischof Hinkmar 
von Kheims ging in seinem Gutachten unter anderem auf den 
Volksglauben, dass Waldrada durch Zaubermittel den König an 
sich fessele, näher ein. Hierüber schreibt H. Schrörs': „Erz- 
bischof Hinkmar zeigt aus der iil. Schrift, der seelsorgerischeii 
Erfahrung und aus der Geschichte, dass man in der Tat durch 
Hülfe der bösen Geister wahnsinnige Liebe und unversöhnlichen 
Hass zwischen den Menschen säen und selbst das eheliche Bei- 
wohnen unmöglich machen könne. Ein grauenerregendes und 
schmutziges Gemälde, das wohl teils die traurige Wirklichkeit, 
teils einen starken Rest heidnischen Aberglaubens darstellt, 
entrollt er vor unseren Augen und versichert noch obendrein, 
dass er das Schlinmiste verschweige, um die Bösen nicht neues 
zu lehren." 

Über des seltsame Land- und Weberschiif, das i. J. 1133 
vielfach als Satanstempel oder Herberge von Teufelsgeistern galt, 
und bei dessen Umzug in der Aachen-Maestrichter Gegend die 
schamlosesten Tänze zur Aufführung kamen, hat K. Wieth in 
dieser Zeitschrift^ eine inlialtreiche Abhandluug veröffentlicht. 
Hier sei den Wiethschen Ausführungen nur entnommen, dass 
noch im 16. Jahrliundert bei Sebastian Braut sich die Worte finden: 
„Dem Narrenschiff laufen sie nach, 
Sie finden es hie zwischen Aach." (Aachen.) 

Wieth nimmt beim Weberschiff einen wohl aus germanischer 
Urzeit stammenden Fastnachts- oder Frühlingsumzug an, während 
K. Simrock auf Beziehungen einer Priesterschaft der Weber 
zu der römischen, ja der ägyptischen Isis hindeutete 

Das 14. Jahrhundert* brachte der Aachener Gegend ganz 
besonders grosse Scharen von Geisslern und Tänzern. Gemein- 



') H.Schrörs, Hinkmar, Erzbischof von Rheims. PVeiburg 1884, S. 201 f. 

^) Aus Aachens Vorzeit, Jahrgang II, S. 113 ff. 

") A. a. 0. S. 122 f. 

*) Bemerkenswert, aber nnt Bestiinintheit nicht zu deuten ist eine 
Stelle des von H. Loersch, (Aeheuer Rechtsdenkniäler, S. 1(>9 ff.) heraus- 
gegebenen Bussenregisters aus der Zeit von 1310 — 1331. Da ist unter Xr. G3 
die Rede von venenura faccre super aliquem. Ks kann sich hierbei 
ebensowohl um Vergiftung wio um Bozaubcrung handeln. Veneticiuin und 
raaleficium waren ehemals oft gleichbedeutend. Vgl. Jahrbücher des Düssel- 
dorfer Geschiehtsvereins Bd. XIIT, S. 141. 



— 114 — 

sam war beiden Sekten ein jedem Anstand Hohn sprechendes 
wildes Auftreten, das aber bei aller Widerwärtigkeit einer grossen 
Anziehungskraft aufweite Schichten des Volkes nicht ermangelte. 
Gleich beim Erscheinen der Geissler erliess der Aachener Rat 
scharfe, das Unwesen als Seuche bezeichnende Verordnungen, 
Ob man damals, wie es nahe gelegen haben mag, bei uns manche 
Zügellosigkeiten der Geissler auf dämonische Kräfte zurück- 
führte, ob somit überhaupt die Erwähnung der Flagellanten 
in die Geschichte des Zauberwesens gehört, lässt sich schwer 
entscheiden. In den zeitgenössischen Berichten ' über das Auf- 
treten der Geissler am Rhein finden sich nur schwache Anklänge 
an Zauberwesen und Dämonismus. Etwas anders dagegen bei 
der Tänzersekte, die im Jahre 1374 und später namentlich das 
Aachener Gebiet unsicher machte ^ Diese hielt in grauen- 
erregender Weise den Glauben an die Wirklichkeit der Dämonen- 
welt wach. Halb nackt, mit Kränzen um den Kopf, führten 
die Tänzer auf den Strassen, in den Häusern und selbst in den 
Kirchen ohne alle Scham ihre Tänze auf, wobei sie unter wüstem 
Gebrüll Teufelsnamen ausriefen, auch wohl gelegentlich der von 
kirchlicher Seite angewandten Beschwörungsformeln sich für 
Besessene ausgaben. Wir lesen aber nicht, abgesehen von einigen 
unwesentlichen Andeutungen, dass man die Tänzer der Zauberei 
beschuldigt habe. Anscheinend konnte zu einem solchen Vor- 
wurfe aller Anlass vorliegen. Das wilde Gebahren der armen 
Kranken, die Anrufungen des Satans, der Schrecken, den die 
ungezügelten Scharen verbreiteten, und doch wieder die be- 
strickende Anziehungskraft der Tänze, dies Alles, so sollte man 
glauben, musste eigentlich unsern Vorfahren den Gedanken an 
teuflisches Blendwerk, damit aber auch an eine Verfolgung der 
„Zauberer", nahelegen. Allein man begnügte sich im 14, Jahr- 
hundert hinsichtlich der Tänzer im allgemeinen mit der Annahme, 
die Unglücklichen seien besessen. Teils mag die der Mehrzahl 
nach aus Geisteskranken und Betrügern bestehende Schar vor- 
sichtig den Schein schädigender Zauberei vermieden haben, teils 
aber auch stand die Menge damals noch dem Gedanken an eine 
aus dem bekannten Teufelsbund sich ergebende Schädigung der 



^) ZusammensteUuug bei P, Frede rieq, Corp. docum, inquisitionis, 
Gent 1889, vol. II, 

-) Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereius a, a. 0, S, 170 und 
F. Haao:eii a. a. ü. S. 304 f. 



— 115 — 

Mensclien- und Tierwelt ziemlich fremd gegenüber. Zu einer 
Verfolgung der Tänzer als Zauberer kam es somit nicht. 

Einiger wenigen Einzelheiten aus der Geschichte des Zauber- 
wesens in Aachen während des 16. Jahrhunderts wurde im 
Vorstehenden bereits gedacht^; über die Hexenverfolgungen im 
ersten Drittel des 17. Jahrhunderts geben die Beilagen Auskunft. 
}3emerkenswert ist die am 25. September 1G04 von Anwesenden 
gelegentlich der Hinrichtung der Maria Kroiseti gemachte 
Äusserung ■■^, dass niemand sich einer Hexenverbrennung zu 
Aachen entsinnen könne. Auch dies stützt die wohl unwiderleg- 
bare Behauptung, dass im IG. Jahrhundert in Aachen gar keine 
Verbrennungen von Hexen vorgekommen sind. Sehr merk- 
würdig ist der Beiname „die Maubachsche" für die am 10. De- 
zember 1630 als Zauberin getötete Klara von Thenen l Hier 
handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die in der Sage 
zur Gräfin gemachten Mobesin*. Die in den Beilagen gebotene 
Zusammenstellung dürfte für die Zeit von 1600—1630 so gut 
wie vollständig sein. In den Vogtmeiereirechnungen nach 1630, 
die bis zum J. 1670 ziemlich lückenlos vorliegen, k(mimen Hexen- 
verfolgungen nicht mehr vor, auch fehlt darin die Erwähnung 
des i. J 1649 verbrannten 13jährigen Mädchens, dessen letzte 
Stunden die Aachener Jesuiten so ergreifend zu schildern ver- 
standen''. Jedenfalls hat Aachen, selbst wenn man mit der Mög- 
lichkeit einiger verschollenen Hexenproxesse rechnen will, bei 
einer Vergleichung mit manchen anderen niederrheinischen Ort- 
schaften verhältnismässig nur wenige Hexenverfolgungen auf- 
zuweisen. Mit der Tötung des der Zauberei beschuldigten 
Kindes i. J. 1649 fand bei uns der Wahnwitz derartiger Justiz- 
morde auf immer sein Ende *'. 



1) Vgl. Seite 110. 

*) Vgl. die Beilage zum 25. September 1604. 

') Vgl. die Beilage zum 10. Dezember 1630. Genauere genealogische 
Festsellungen sind schon deshalb schwierig, weil es zwei Familien des 
Namens von Theuen gab. Klara war der Vorname einer Tochter des 
Vogtmeiers Johann von Thenon, die aber i. J. 1630 nicht mehr lebte. 
Vgl. H. F. Macco, Beiträge zur Geschichte und Genealogie rheinischer Adels- 
familien. Aachen 1884, S. 158 und Ch. Quix, Spital zum hl. Jakob, S. 5. 

*) Maubachsche, Mobachse, Mobachsien, Mobcsin. Die Sage nennt die 
Mnbesin eine Gräfin, die Geschichte die Maubachsche eine reiche Person. 

"") Vgl. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvercins Bd. V, S. 296 f. und 
in derselben Zeitschrift Bd. XVI, S. 188. 

«) Ebenda Bd. V, S. 300 und Bd. VI, S. 29. 



— 116 -- 

Beilagen. 

Die nachfolgenden Notizen stammen sämtlich aus den im Düsseldorfer 
Staatsarchiv aufbewahrten Rechnungen der Vogtmeierei Aachen. 

Anno 1598 am 5. Novembris ist eine zeuberin in haft gezogen. Die- 
selbe des tags verzert 2 inr. Ist vom selben 5. Novembri bis auf den 21. 
desselben incarcerirt gewesen : 33 mr. 6 sh. 

Anno 1601 * am ersten tage Novembris ist eine zauberin in haft ge- 
zogen, Claudin Zeschan, vara Nöff Schatnell gnant. Hat in haft gesessen 
21 tag. Des tags verzert 2 mr., facit 42 mr. 

Anno 1602. Am 16. Januarii hat Michael vörss., der bot, briefe van 
F. Gülischc hochweise herren rcthe bracht anlangende, dass der radt sich 
vernemen lassen, wen die zur zeit incarcerierte zeuberinne Anna Ponell in 
die Acht ad torturam gefürt und examinirt würde, dass desselben Schreiber 
dem aetui beiwonen und mit in die Acht gehen solle und müste. Das auch 
maiorschreiber wieder die gepür auf die wach gezwungen würde; wie sich 
der herr vogt darin zu verhalten, sich erkündigt, dem poten für lohn geben 
2 köpger, thut 18 mr. 6 sh. Item am selben 16. Januarij hat der herr vogt 
gedachten Michael Schreiber mit brieven nach Düsseldorff geschickt bemeltes 
radts schreiben betreffendt, dass er zu obangedachtem actui gctrongen und 
der herr vogt davon protestiert, und fort andere notwendige saehen mehr etc. 

Anno 1604 am 20tenAugusti ungef ehrlich nachmittags umb die vierte 
stundt ist eine zeuberin Maroy Kroiseti genant in das grashaus in haft 
geführet. Daselbsten in haft gesessen 36 tage, jedes tags verzert 3 
Aacher mr. auf gutachten der herren, weil sie fast schwach gewesen, facit 
Aacher mr. 108. Volgends am 13. Septembris dieselbe zeuberin in die Acht 
geführet, und daselbst peinlich examinirt, und man vilfältige mühe und arbeit 
mit ihr gehabt, ehe sie bekennen willen, nit allein desselben, sonder auch gefolgten 
tags, den 14. eiusdem. Dem schärpfrichter wegen seiner vilfaltiger mühe 
geben müssen ein viertheil weins 24 mr. Zu wissen, dass der meier und 
burgermeister von Wesett dieser examination selbst beigewont und dem 
handel zugesehen. Dasselb 2 tag gewehret und es dahin bringen lassen, 
dass derselber zeuberin begangene grosse Übeltat gestraft worden, auf gut- 
achten herren richter und seheffen. Dieselbe meier und burgermeister auf 
dem haus Brüsseltt mit 9 maessen weins verehret, ieder maess 7, mr., 
facit 63 mr. In den furermelten zwen tagen bei wehrender examination der 
zeuberin, haben dieselbe, wie gleichfals der schärpfrichter und der justici 
dienre, in der acht drei maessen weins gedruncken. Jede maess ad 6 Acher mr., 
facit 18 mr. ... 26. Augusti hat der herr vogt einen poten, Hans Busch 
genant, nach Wesett geschickt, umb sich der glegenheit zu erkündigen wegen 
obgemelter zeuberin Maroije Croyseti, demselben poten für lohn geben 



') Zum 7. Juni lÖOU findet sich die Einkerkerung einer LüUicUerin wegen uller- 
liand bösen Y. vdaolits verzeichnet. Nfthere Angaben fehlen. 



— 117 — 

'/a konigsdaler ', facit Aacher mr. 23, 3 sh. Weiter am 16. Septembris ist 
gedachter Hans Busch wieder nach Wesett i2;eschickt wegjen der vörsehr. 
zeuberin Maroye, demselben aberraal für lohn geben '/« konigsdalcr. Fürs 
fernere und eigentlichere erkundigung villcrmolter zeuberinnen, hat herr 
Johan von Thenen vogt vürss. Hansen Busch, den poten, am 17. Septembris 
anno 1G04 nach Weseth und dessen bezirck geschickt. Demselben für lohn 
geben 23 m. 3 sh. Ferner hat der mcierschreiber vorgedachter zeuberinnen 
Maroie Kroiscti ein hembdt bestellen müssen, cost Acher mr. 26. Item als 
herrcn richter und scheffen mit hie nechst obvermclten vorhaften jungen 
und der zeuberin in die Acht gehen müssen, hat der herr richter vörss. die 
scheffen mit einer fleschen spanischen wcins verehret, die maes für 16 mr., 
thut n2 mr. 

Anno 1604 ara 25. Septembris ist villermeltc zeuberin an dem hohen 
gericht mit dem fear justificiret. 

Erstlich ausgeben für 200 schanzen Aacher mr. 84. Vor eine glafter 
holz Aacher mr. 90. Verner ausgeben für ein hölzernen balck, so mitten in 
dem feur gestanden und vier peelen, darumb auch hölzer und grosse stock 
darauf, Aacher mr. 54. 

Noch für sechs bürden ströss mr. 6. 

Vor fracht, das dieses alles ausser der statt au das hohe gericht ge- 
richt geführet, ausgeben mr. 36. 

Vor pulver ausgeben mr. 6. 

Vor sail, die karrig darauf ermelte zeuberin mit noch einem ubcltheter 
gesessen und zum gericht gefuhret, und was mehr nötig, zu bereiten, 
8 rar. 6 sh. 

Vor eine eisenc ketten, ringe, dämmen, haach und hammer aus- 
geben mr. 16. 

Noch für zohrung zweier arrestirter Münsterischer fuhrleudt und 
pferden, die gefangenen wie breuchlich an das gericht auszufuhren, an geld 
ausgeben 91 mr. 6 sh. 

Noch etlichen hausleuthcn, welche die leiter an dem hohen gericht, so 
fast gross und schwär gewesen, aufrichten helfen, verehret für hier 
Aacher mr. 10. 

Verner noch dem scharpfrichter, dieweilen man nicht wissen kan, dass 
iemalcn zu Ach zeuberin verbrent, auf sein tcrgiversieren und ungestumb 
anhalten, vor diesmal verehren müssen 2 reichsdaler, thut Aacher marcken 84. 

Am selben 25. obvermcltes monats Septembris ist ein junger ubcltheter, 
Johan Pyr genant, an dem hohen gericht mit dem strick justificiert worden. 
Dem scharpfrichter von diesem justificiertcu und für crmeltcr zeuberin von 
jeder person nach altem herkommen geben müssen eine viertheil wcins, die 
maes für 6 mr., facit Aacher mr. 48. 

Item der iustici dieneren auch so viel: mr. 48; verner dem clockener 
geben müssen mr. 24. Als diese beide ubcltheter und ubcltheterin an das 



') Vorlage: kon. 



— 118 — 

hohe gericht gefüret, haben sie beide auf dem wege verdruncken ein fiesch 
wcins; die maess wie oben rar. 12. Als villermelte zeuberin an dem hohen 
gericht verbrant worden, derohalb der scharpfrichter und sein weib grosse 
hüzte gelieden und vill mühe gehabt, haben dieselbe mit der iustici dieneren 
verzert bei brennendem feuer ein viertheil weins rar. 24. 

Anno 1618 den 2. Aprilis hat der vogt und maior, her Johau von Thenen 
und Peter Nickel einen bothen nach das gericht Gheilenkirchen abgefertiget, 
welcher literas mutui compassus dorthin gepracht, gestalt dass eine frauperson 
alda über etzliehe domahlcn uberschickte interrogatoria wegen einer alhie 
in Aach ihrer zauberejen halber eingezogener verhaftinnen, EngcU Pressmondt 
genannt, abgefraget werden solle. Dem bothen geben 23 mr. Item hat der 
maiorsehreiber Bawr dem amptman Conraden in Burchoff wegen wohl- 
reuchenden, wie auch wegen unssels kerzen, als sey, die vorgesagte behaftinnc 
Eugell Pressmondt, ihrer zaubereyeu halber in der Acht gepeiniget worden, 
zahlt mr. 17. Item hat der J. Durchl. meynes gn. herren Scharfrichter 
Arnoldt Jungh, dass er die obgemelte Engeil Pressmondt auf zwey ver- 
scheidene mahlen in der Acht gepeiniget, bekommen mr. 24. Item am 2. Junii 
des herren vogten und maiors dienere empfangen 4 gülden, dass sey die 
mehrgenante Engeil Pressmondt auf vergangene gerichtliche erkäntnis ausser 
der statt Aach gefuhret, thut mr. 24, Item anno 1618 den 1. Martii ist diese 
alhie oftgemelte Engeil Pressmondt, ihrer zaubereyen halber, wie gesagt, 
gefenglich eingezogen, weilen aber sey nichts zum besten gehabt, auch usque 
ad secundum Junii inclusive in der gefencknis verplibeu muessen, als hat 
der grassverwährer ratione alimentationis daglichs bekommen 2 mr., thut 
mr. 190. 

In der Rechnung d. J. 1629J30 ist die Folterung der Magdalena von 
Sympellfeld bemerkenswert, doch ist es beim Fehlen näherer Angaben fraglich, 
ob es sich dabei um Zauberei handelte. 

Die Rechnung des Jahres IßSOjSl verzeichnet mehrere Hexoiverbrennmtgen ; 
hier das Wesentliche der darüber vorhandenen Notizen. Am 14. September 1680 
wurden zwei „Zauberinnen", Catharina Brandts und Gertrud Eulrichs, 
vom Scharfrichter ans Hochgericht geführt, dort zuerst mit dem Schwerte hin- 
gerichtet und dann die ,,toten Körper in die Asche gelegt". Die Unkosten 
betrugen: 48 Mark^ für den Scharfrichter ; 16 mr. für 2 Mass Wein, die beide 
Personen auf der Fahrt zum Gericht getrunken hatten; 12 mr. für Wein als 
Entschädigung für das Läuten der „banckklock" ; 24 mr. = '/g Reichsthaler 
an Miete der Pferde (Pferdeheuer) für J. Durchlaucht Sekretair und Majorie- 
schreiber zu Aachen, die ex officio der Exekution beiwohnten; 48 mr. an die 
Gerirhtsdiener J. Durchlaucht, die wie von alters bräuchlich, der Hinrichtung 
beiwohnten ; Verpflegungskosten der beiden Hingerichteten im Grashause für 
22 Tage ä 2 mr. = 88 mr. 1630 am 26. November wurden zwei Frauens- 



') Ursprünglich standen 96 mr. in dor Rechnung. Die Verminderung auf die Hälfte 
erfolgte laut einer Randbemerkung deshalb, weil nur eine Hinrichtung berechnet 
werden durfte 



— 119 — 

persoiieti, Zey Kaiißen und iuß' von Montzen, ,, bez ficht iijtt'r zauherei lutlher in 
die asche gelegt". Eine war vorher im Grnshatis gestorben, die andere erst 
nach vorheriger Erdrosselung verbrannt ivorden. Der Scharfrichter erhielt 
hierbei für zwei Viertel Wein 48 nir.; der Gerichtsdiener für die Begleitung 
zur Richtstätte 24 mr., die Läuter der ,,Bankglocke" eine Flasche Wein für 
12 mr.; J. Durchlaucht Sekretär und Gerichtsschreiber für die Anwesenheit 
ex officio bei der Verbrennnng 2i mr.; ausserdem kamen 16 mr. für Wein in 
Ansatz, der auf dem Weg zum Hochgericht getru7iken worden war. Die Ver- 
pflegungskosten im Grashaus hatten sich für die Zeit vom 11. Okiober bis 
zum 23. November auf 176 mr. gestellt. (2 mr. für den Tag.) 

Am 10. Decembris selbigen 1630 jalirs ist noch eine andere frau und 
burgersehe der statt Aach, Catharin von Thenen, sunsten die Maubachsche 
geheischen, ihrer bctzeichtigter und selbst gestandener zaubereyen halber 
gleichfals am höhen gericht, erstlich mit dem schwert hingerichtet, und 
folgens der thote corper in die eschc gelegt worden. Am Rande dieser 
Notiz findet sich verzeichnet : „Notandum, weylen diese (Jalharin reich und 
habselig, so sein die atzung kosten von ihro selbsten bezahlt worden." Die 
anderen Unkosten lauten auf 24 mr. für den Scharfrichter, ebensoviel für 
den Gerichtsdiener und den Meiereischreiber ; 16 mr. für Wein, der auf der 
Fahrt zum Hochgericht gdrunken wurde, und zwölf Mark für das Läuten 
der "Banckglocke^". 



') Banckglocke = Armosümler-Glocke. 



Vergleich 
zwischen der Aachener und Kölner Mundart. 

Von A. Jardon. 

Es dürfte den Lesern dieser Zeitschrift, die sich ja meistens 
im Besitze des ersten Teiles meiner Grammatik der Aacliener 
Mundart befinden, nicht unwillkommen sein, einen Vergleich 
zwischen ihrem eigenen und dem Kölner Idiom gezogen zu 
sehen. Dabei werden sie erkennen, dass der Unterschied in 
der Lautieruug und dem Wortschatze nicht so gross ist, wie 
man gewöhnlich annimmt, und dass die Aachener Mundart wie 
die Kölner uordrheinisch oder mittelfränkisch ist. 

Die folgenden Zeilen beanspruchen nichts mehr, als dem 
Wunsche vieler Leser entgegenzukommen und eine Erklärung 
der mundartlichen Wörter zu geben, soweit dies möglich ist. 
Durch die Zusammenstellung mit der Kölner Mundart gewinnt 
die Darstellung vielleicht grösseres Literesse. Dem Germanisten 
bietet die Arbeit kaum etwas Neues, der Laie wird aber 
manches finden, was ihn zum Nachdenken anregt und ihm 
seine Mundart lieb und wert macht. 

Wir geben zuerst eine Zusammenstellung der beiden Mund- 
arten gemeinsamen Wörter, dann die nur in unserm Dialekte 
vorhandenen, endlich diejenigen, welche nur der Kölner aufweist. 
Hieran wird sich ein Vergleich des Lautstandes anschliessen. 
Wir geben, wo die Lautierung verschieden ist, zuerst die 
Aachener, dann die Kölner. Mancher Leser wird verwundert 
sehen, dass eine grosse Zahl von Wörtern im mlid. allgemein 
in Gebrauch waren, die jetzt nur noch in den Mundarten ihr 
Dasein fristen. Manche von ihnen hat er wohl bisher als Fremd- 
wörter angesehen, während sie sich ihm jetzt als echtes deutsches 
Sprachgut entpuppen. Die aus nichtdeutschen Sprachen ent- 
lehnten Wörter setzen wir in eckige Klammern. Natürlich sind 
die Hülfsmittel, soweit sie uns hier zugänglich waren, ausgiebig 



121 — 



benutzt. Sie einzeln aufzuzählen, ist" bei dem Zwecke der 
Arbeit kaum nötii»-. 



'&• 



Wir gehen aus von Honigs ,, Wörterbuch der Kölner Mund- 
art". Köln 1877. Wegen der Lautierung vergleiche meine 
Grammatik der Aachener Mundart 1. 'J'eil (A. Gr.). Aus dem 
Idiotikon von Müller-Weitz angeführte veraltete Wörter sind 
mit einem Sternchen versehen. 

Wünschenswert ist es, dass andere Auffassungen und 
Erklärungen in dieser Zeitschrift zum Ausdrucke kommen, da 
so Irrtümer unsererseits am besten beseitigt werden. Wenn man 
nicht das Glück hat, am Musensitze mit den reichen Bücher- 
schätzen zu weilen, so sind solche leicht möglich. Dieses Be- 
wusstsein hat auch die Veröft'entlichung der Arbeit hingehalten, 
und mir auf Drängen von Freunden der beiden Mundarten wird 
sie jetzt gewagt. 

I. Beiden Mundarten gemeinsame W ö r t e r. 

e^nsch — ääns „Ernst". Vgl. A. Gr. S. 28. 

ap'^kUY's „kluges, naives Kind"; in Köln bedeutet es auch 
„dummer Mensch". Wie p zeigt, ist das Wort aus dem Nieder- 
deutschen entlehnt. Hier heisst siinia äf. Woher der zweite 
Bestandteil herzuleiten ist, lässt sich schwer sagen. Müller-Weitz 
denken an kl^^s = Nikolaus. W^elchen Sinn soll dann die Zu- 
sammensetzung geben? Es könnte dann höchstens von einer 
bestimmten Person gesagt worden sein und sich allmählich zu 
der allgemeinen Bedeutung ausgewachsen haben. In Bayern 
heisst es Aperlos ; danach scheint das k euphonisches Einschieebsel 
zu sein. Der zweite Bestandteil ist wohl = lü°s „klug" got. 
laus frei, angl. leas „lose, falsch" engl, leas „Lüge" mhd. los 
„frei, mutwillig". Es bedeutet demnach das Wort „flink und 
klug wie ein Affe." 

a°scli „Hintere" alid. mhd. ars. Vgl. A. Gr. 28. 

(fz „Erbse", Das Wort ist zusammengezogen aus ahd. 
arawciz. Zusammensetzungen sind : Q^z'^bäl'ch Spottname ftir 
einen Soldaten; Q^z'^z^l^'r „Erbsenzähler, Knauser". 

Q"zjek „ganz verrückt, Erznarr". Der erste Bestandteil 
ist das griechische archi, das sich in Erzbischof, Erzabt. Erz- 
schelm findet. 

^"d*^ „irden". Beide Mundarten haben also den Umlaut nicht. 

[afjront — afgrunt „Beleidigung", fi-. affront.] 



122 

[afreslich — afreislicli „sclirecklicli" fr. aifreiix.] 

aj^was'' — angewahse 1. in Aachen „zusammengewachsen", 
2. in Köln „lialberwachsen". 

[v''rak'"(lir® — akedeere „übereinkommen, übereinzukommen 
suchen" in Köhi auch „zustimmen" (fr. accorder). Subst. äkg^t 
— akod (fr. accord) Übereinkommen]. 

[äköm^^dir*" — akumedeere „sich nach etwas richten" (fr. 
accommoder).] 

[äkürät „sorgfältig" (lat. acuratus). Subst. äkurüt^s „Sorg- 
falt" (ital. accuratezza). Im Französischen finden sich beide 
Wörter niclit.] 

[älf t — aläät „hebende" (fr. alerte) vgl. A. G. 28.] ' 

at — ald „schon", ald = alda(r). ät kann dasselbe Wort 
sein. Wahrscheinlicher ist es aber = mhd. et = echt = ahd. 
ekkhorodo; andere Formen sind noch: ockert, ockers, ecker, 
acht, 6t in der Bedeutung: „nun, einmal, eben, doch". 

alatsch oder alex. kisch, kisch „Zuruf beim Hetzen der 
Hunde", mhd. kisch stm. „Zisch". Lautmalendes Wort, alex 
ist Wühl Verkürzung von Alexander. 

[äl^äst^r — aliaster „Oleander". Das Wort ist vielleicht 
auch wie ital. oleandro aus laurodendron verderbt. Da die 
Blume sich häufig am Mittelmeere, dem Jordan und See Gene- 
zareth findet, so liesse sich auch an eine Zusammensetzung 
aus griech. hals = See und aster = Stern denken. Sie hiesse 
dann „Meerstern",] 

äPdächs „täglich". 

äl'^m^^l — allemolde „alle zusammen". 

[alö „marsch" (fr. allons).] 

ältfreiikisch — altfränsch „altmodisch" nach Art der alten 
Franken. 

[äpa"ts — apaats „besonders" (fr. ä part, an appät „Lock- 
speise" ist wohl nicht zu denken).] 

[äräiischir'' — arangscheere „in Ordnung bringen" (fr. 
arranger); subst. äräiisch''mäii „Anordnung" (fr. arrangement).] 

^r'ch — arg, L adj. arg, 2. subst. Argwohn. 

^r'^mödei — ai'emedei „Armut, ärmliche Wirtschaft", lioll. 
armoede, Suffix od, lat. at. 

^r'^m sen „üble Laune". 

[äs'^ränt — asserant „frech, boshaft, rechthaberisch" (fr. 
assurer „versichern", ptc. assurant „versichernd").] 



— 123 — 

öij" — äug-e „lug-cn", mit Überanstrengung' der Augen zu 
seilen suchen. Es ist verb. zu ö"ch „Auge". Zu ()"ch g-eliüi't 
üj'^lcli'' — äugelcbe „Öse zum P^inliaken". 

av(lu° — avdun „abgewöhnen, abpflücken". 

avfäl*' „abmagern". 

avknäp^ „abzwicken"; vei'b, zu knapp; ndl. knappen „hurtig 
ang-reifen, essen". 

avliiks" „abgaunern''. Das Wort ist wohl verwandt mit 
Glück, mild, gelücke, schw. lycka, dän. lykke, engl, luck; verb. 
locken, ahd. luccken, mlid, lucken. Die Bedeutung wäre dann 
„ablocken". Andere denken an luchs und vergleichen „mausen". 

avmurks'' „gew^altsam umbring^en". Es ist Iterativum zu 
murken „abschneiden". 

[ämbrä(s) — amberä, amberasch: „Verwirrung, Aufhebens" 
(fr. embarras).] 

amp'r*' „säuerlich schmecken" ndl. amper „scharf" ahd, 
ampfer; verw^andt sind lat. amarus, fr. amer; das ma. Wort 
ist aber nicht Lehnwort aus dem Französischen, 

abr^fi" — anbränge „anbringen, verkuppeln". 

ad^ii'' — andeene „eig. andienen, anbieten". 

adü" — anduhii „ankleiden". 

aranze — anranze „anschnauzen", mhd. nhd. rantzen, „wie 
ein Esel schreien"; ranzen kann allerdings auch Weiterbildung 
zu rennen sein. Franck denkt an ringen, andere an Räntzel. 

aschnäü* gewöhnl. aschnauze — anschnaue „anfahren", ndl. 
snauwen, nml. snauwen. „nach etwas schnappen, zugreifen", mnd. 
snouwen und snauen, mhd. snawen „schnupfen", nd. snau 
„Schnauze, Schnabel" Wz. snu. 

aschtev®!*" — anstivvele „anfeuern, bereden, zur Arbeit 
zwingen". Das Wort hat mit dein ital. Lehnworte Stiefel 
(stivala) nichts zu tun. Es gehört zu ndl. stiuven, ahd. 
stiuben „stieben", mhd. stöuben „aufscheuchen", got. stubjus 
„Staub". Es ist Litesivum auf ele. 

avknöij'^P — avknäuele „abnagen", verb. zu knoij'l „knäuel", 
mhd. kniuwel, also „abwickeln". Wenn klu, kleu „klaue" dazu 
gehört, so Hesse sich die Bedeutung von der geballten, fest- 
haltenden Hand herleiten. Auch lässt sich an ostfries. knojen 
oder knoien „mühsam, hart und schwer arbeiten" denken; ten 
Doornkaat-Kooliiiann vgl. dän. knuge drücken. Wz. gnn, ghnn. 
Ndl. knoeien „drücken, kneten". 



— 124 — 

avschpi^n® „abgewöhnen". Es gehört zu mhd. spen „Brust, 
Milch", also „dem Kinde die Brust entziehn". 

avschplis^ „ersparen", eig. „abspalten", mhd. splizen, nhd, 
spleissen. Subst. dazu „Splitter". 

avschträp^'Pzir" — avstrapezeere „abmühen". Intensivum 
zum Subst. „Strapaze". 

avschtröüf*' „abstreifen", usschtröüf" „ausplündern", mhd. 
ströufen „schinden". 

Buchstabe B. 

bat" „helfen", urspr. „besser machen", ahd. bazen „besser 
geworden", holl. baten. Man erwartet ndd. „d". ahd.* pat, wovon 
pato = pugna. 

b^°nbrü"r — bätbroder „Betbruder, Scheinheiliger". 

bäb^F, büb*'!® „klatschen, schwatzen", holl. babbelen, engl, 
to babble, fr. babiller, ital. babollare, lat. fabulari, neugriech. 
phaphlazein. Aus lat. f wird nämlich germ. b.; vgl. fere = 
bairan „tragen", woher b(>r®m „Fruchtschober" stammt. 

bäb^ljötch'' „Haarwickel" ; in Köln bedeutet es auch „Ohr- 
feige" (fr. babillote).] 

bäk, 1. das „Backen", 2. das „Becken" 

bäk^s „Backhaus"; vgl. duv'^s „Taubenschlag", schlgn^s, 
slanhus := „Schlachthaus", driv's „Treibhaus", br^n'^s „Brenn- 
haus" u. s. w. 

bäkzaiik — backzant, pl. backzäng „Backenzahn". 

bad'^büt — batbütt „Badewanne", mhd. büte „Gefäss", engl, 
butt, mlat. butina. 

[bagä°sch „Gepäck". In Aachen auch „Gesindel" (fr. bagage). 
Man sagt: met de janze bagä°sch, „mit Kind und Kegel".] 

baj^'r*', 1. in Aachen „nächtlich schwärmen", „spät ar- 
beiten", 2. in Köln: „in aller Frühe fleissig schatfen", 3. ander 
Sieg „umziehen" (im Mai), bägern, ahd. bagan, pakan „zanken"; 
dabei ist allerdings auffallend, dass ahd. langes a sich erhalten 
haben soll; sonst geht es bekanntlich in (f über. Zusammen- 
setzung: baj®rj§''s(t) „Quälgeist", wozu die Ableitung von pakan 
vorzüglich passt. Ostfries, bach, bag „Gerufe", bagen „prahlen". 

ba! pfui. 

bän (a halblang) — bahn. „Ein Stück Zeug in Fraueu- 
rocklänge", lid. Bahn = Weg; also „Streifen". Auch lässt sich 
vielleicht denken an fr. banne = „grobe Dcckleinwand". 

(Fortsetzung folgt.) 



Bericht über die Monatsversammlungen 
und Sommerausflüge. 

Der Vortrag, den der Berichterstatter iu der Hauptversammlung vum 
26. November 1902 hielt, ist mittlerweile in erweiterter Form im 15. .Jahr- 
gang dieser Zeitschrift Seite 97—115 abgedruckt worden, weshalb an dieser 
Stelle von einem bezüglichen Berichte abgesehen wird. Die erste Monats- 
sitzung fand am 23. Januar 1903 statt, in der der Berichterstatter sprach: 
„über die älteste Gemeindcentwickelung Burtscheids". Er wies nach, wie sich 
aus dem Königshof Burtscheid verhältnissmässig schnell die „communitas 
porcetensis", die Burtscheidcr „Gemeinde", entwickelte, deren ältestes Recht 
aus der karolingischen Hofverfassung hervorging. Die Burtscheidcr, die 
ursprünglich Königsleutc waren (homines regii) wurden im 11. Jahrhundert 
Kirchenleute (homines ccclesiac), d. h., sie wurden aus der Hörigkeit der 
Pfalz in die der Abtei überwiesen. Darum mussten sie anfangs dem Abt und 
seit 1220 der Äbtissin den Treueid (fidelitas) leisten. Noch im Beginne des 
14. Jahrhunderts hatte die Leibeigenschaft in Burtscheid noch nicht ganz 
aufgehört; denn im Jahre 1314 cntliess der Vogt Edmund von Frankenberg 
vier Familien aus der Leibeigenschaft, „die von jeher seinen Ahnen leibeigen 
gewesen waren". Im allgemeinen hatte die „Gemeinde" Burtscheid aber 
damals schon eine verhältnissmässig blühende Entwickelung aufzuweisen, 
wie aus dem Verhältnisse zur Abtei und zum Vogt (advocatus) im ein- 
zelnen nachgewiesen wurde. Bot die urkundliche Unterlage zu diesen Aus- 
einandersetzungen der Vertrag zwischen Abtei und Vogt vom Jahre 122H, 
so kam bei der Darstellung der Gliederung der Burtscheidcr „Gemeinde" 
hauptsächlich in Betracht ein neuer Vergleich zwischen Abtei und Vogt, den 
Graf Wilhelm von Jülich durch Urkunde vom Jahre 1261 bestätigte. Li 
dieser Urkunde finden wir, wenn wir noch aus der vom Jahre 1226 den 
Meier (villicus) hinzunehmen, eine Klassifizierung der Gemeindemitglieder, 
die unwillkürlich an die der karolingischen Zeit erinnert. Für das Schicksal 
der „Gemeinde" Burtscheid war von einschneidender Bedeutung die Über- 
tragung der Meierei an Aachen im Jahre 1351. Die Folgen des verhängnis- 
vollen Schrittes für die einzelnen Gewerbe nachzuweisen, sollte einem späteren 
Vortrage vorbehalten bleiben. — Den zweiton Vortrag hielt Herr Über- 
lehrer Dr. Savelsberg „über die mannigfachen Bestrebungen zur Auf- 
findung des Grabes Karls des Grossen". Der Herr Redner bemerkte eingangs, 
dass ihn die das Grab Karls betreffenden Auseinandersetzungen zwischen 
den Herren Kanonikus Viehoff und Prof. Buchkrcmer zur Abfassung seiner 



— 126 — 

Studie angeregt hätten, dass er aber nicht beabsichtige, zu den ge- 
äusserten Meinungen persönlich Stellung zu nehmen. Er beschränke sich auf 
einen Überblick über das, was zur Lösung dieser Frage bisher Yersu<;ht 
worden sei. Nachdem er dann einer Anzahl Schriftsteller gedacht hatte, 
die vom 9. bis zum 13. Jahrhundert über Karls Beisetzung und Grab 
berichtet haben, ging er zu der langen Reihe von Zeugen über, die vom 
Anfange des 17. bis weit ins 19. Jahrhundert hinein die damals geltende 
Aachener Überlieferung, dass sich Karls des Grossen Grab unter der Kuppel 
des Oktogons befunden habe, bekunden. Der erste, der eine andere Ansicht 
äusserte, war Professor Peter Cornelius Bock, der in einer Schrift vom 
Jahre 1837 als wahrscheinliche Grabesstelle den Raum zwischen den Eiutritts- 
stufen zum Oktogon und dem Eingange zur ungarischen Kapelle bezeichnete. 
Seine Meinung mag die durch König Friedrich Wilhelm IV. befohlenen 
erfolglosen Nachgrabungen vom Jahre 1843 mit veranlasst haben. Es waren 
dies die ersten Nachgrabungen zur Erforschung der Grabesstelle; denn den 
Franzosen war es den Nachrichten zufolge bei den Nachgrabungen vom 
Jahre 1794 nur um Auffindung von Schätzen zu tun gewesen. Nach Grün- 
dung des Karlsvcreins glaubte man auch zur Wiederherstellung des Kaiser- 
grabes, wie man es sich dachte, als Krypta, übergehen zu sollen, ein Gedanke, 
dem schon Karl Gerhard Schervier in seiner Schrift über die Münsterkirche 
begeisterten Ausdruck gegeben hatte. 1859 trat man der Sache näher: 
allein das erzbischöfiiche Generalvikariat versagte den dahin zielenden 
Anträgen seine Genehmigung, da die Grabcsstelle nicht feststehe. Neue 
Nachgrabungen in den Jahren 18G1 und 1866 führten gleichfalls zu keinem 
Ergebnisse. Wohl aber hatten die letzteren die interessanten Kontroverse 
über die Echtheit des damals aufgefundenen „Grabsteines" zur Folge. Gegen 
Schluss seinss Vortrages zählte Herr Dr. Savelsberg die verschiedenen 
Meinungen über die Stelle von Kaiser Karls Grab auf. Es sind folgende 
sieben: 1. Karls Grab war unter dem Barbarossaleuchtcr (die seit dem 
16. Jahrhundert bekundete Aachener Überlieferung, in neuester Zeit von 
Kanonikus Viehoff vertreten); 2. Karls Grab war in der Nahe der Ungarischen 
Kapelle (Prof. Bock); 3. es befand sich in einer Nebenkapelle (von Quast 
und Prof. Giemen); 4 Karl ist in der Ecke zwischen der Armenseelen- und 
der Kreuzkapelle, und zwar in der hinter erstcrer auf dem Katschhofe 
beüudlich gewesenen karolingischen Kapelle bestattet worden (Reumont, 
Franz Bock); 5. die Vorhalle zwischen dem Westportale und dem Oktogon barg 
das Grab (Aus'ra Werth und Emil Pauls) ; 6. Karl wurde in dem karolingischen 
Chörchen bestattet (Lindner) ; 7. die Kaisergruft war an der Kirchenmauer 
zwischen der Mathiaskapelle und dem letzten Wandpfeiler nach dem 
gotischen Chore zu (Prof. Biichkremer). Der Herr Redner erwartete von 
weiteren Veröffentlichungen des letztgenannten Herrn Anregungen zu fernerer 
Erörterung der Frage, wo Karls Grab gewesen, die dann hoffentlich das 
ersehnte Licht bringen werden. 



— 127 — 

In der zweiten Monatsvcrsammluiif? am 12. März hielt der Bericht- 
erstatter den ersten Vortrag: „über die (gewerblichen Verhältnisse iu der 
Horrliclikeit Burtschcid". Er ging von der Tatsache aus, dass die Vögte 
von Burtscheid, die Herren von Frankenberg, das Kloster Burtscheid be- 
drückten, statt es zu beschützen, und dass die Abtei es daher für angezeigt 
hielt, zum Schutze gegen die Übergriffe der Vögte der Stadt Aachen die 
Meierei von Burtscheid zu übertragen. Jetzt hörten die Plackereien mit den 
Vögten auf, dagegen begannen die Schwierigkeiten mit der Stadt Aachen, 
die in Burtscheid festen Fuss zu fassen und den Wettbewerb der Burtscheider 
mit den Aachener Gewerbsleuten niederzuhalten suchte. So wurde bestimmt, 
CS sollten in Burtscheid nur zwei Vertreter jeden Handwerks zugelassen 
werden. Dem Gerichte des Aachener WoUenambachts wurde auch Gewalt 
über die Burtscheider Weberei zuerkannt. 1663 zerstörten Aachener Stadt- 
soldaten in Burtsclieid eine eiserne Tuchpresse, allerdings zum Vorteile nicht 
nur der Aachener, sondern auch mit Gutheissung der Burtscheider Kollegen. 
Man niassregelte Handwerker, die sich ohne Genehmigung des Vertreters 
der Stadt Aachen, des Burtscheider Meiers, in diesem Orte niedergelassen 
hatten, zerschlug ihre Backöfen und nahm ihnen das Handwerkszeug. 
1723 wurde einem Burtscheider Lohgerber untersagt, Oberleder in Aachen 
einzuführeu. Überhaupt verbot der Bat 1G19, 1667 und nu die Einfuhr 
Burtscheider Waren. Sehr anziehend waren die Darlegungen über die 
Streitigkeiten mit den Burtscheider Scherermeistern Ludwig und Pettenberg, 
zwei Protestanten, im Jahre 1765/66. In beiden Fällen Avaren es nicht bloss 
die Aachener, sondern auch die Burtscheider Zunftgenossen, die wohl auch 
aus konfessionellen Gründen als Gegner der beiden genannten Männer auf- 
traten. Ludwig verzog nach Vaels. Die Scherer hielten Versammlungen 
im „Stern", in der Schmiedlaube, im „König von Spanien" neben dem Burt- 
scheider Untertor und auf der Steinkaulwiese. Pettenbergs Werkstatt wurde 
für „faul", d. h. in Verruf erklärt. Kein Geselle solle sie betreten. Wer dort 
aussteht, erhält 40 (Junggeselle) oder 60 (Ehemann) Stüber Wochenunter- 
stützung. Wer aber nicht mittut, dem sollen Arme und Peine zerschlagen 
werden. In der Tat wurden Pettenbergs Gesellen misshandelt, und man 
drohte, den Meister selbst ins Wasser zu werfen. Ein kurpfälzisches 
Kommando stellte in Burtscheid die Ordnung wieder her. Sehr merkw ürdig 
ist auch die Gerichtsordnung vom Jahre 1757, welche die Entlohnung der 
Arbeiter mit Ware statt mit Geld verbietet. An heutige Verhältnisse 
erinnert auch die Einsetzung eines aus Werkverständigeu und amtlichen 
Personen bestehenden Einigungsamtes, das zwischen Kaufleuteu und Meistern, 
Meistern und Gesellen vermitteln soll. — Betrafen diese Ausführungen des 
Vortragenden die Tuchmacherei, so behandelten andere Darlegungen das 
Weingeschäft. Die in Burtscheid verzapften Weine waren „Romanie, Mal- 
vasie, Castard roten Wein und zweierlei weissen Wein." Jede neugewählte 
Äbtissin erhielt von den Weinzapferu eine Anerkennung in Gold und Silber. 
Die „Mafrau" erlaubte den Weinverschleiss nur dem, der iu Burtscheid 



— 128 



habe „eigen Haus, Hof und erb und dasselbe jair und tag mit seinem Hausrath 
und gesint selber bewohnet, rauch und feur darin aufgehen lassen." Zu Burt- 
scheid trank man den Wein billiger als in Aachen, weil die Aachener noch eine 
Weinabgabe (Weinaccis) erhoben. Es „liefen" daher manche Bewohner der 
Reichsstadt nach Burtscheid „aus", was der Stadtrat untersagte. Das ärgerte 
die Burtscheider Zapfer, und sie versprachen dem Vogte Johann II. von Franken- 
berg 400 Gulden, wenn er die Stadt Aachen zur Zurücknahme dieses Verbotes 
nötigte (1451). Die Aachener Hessen es aber darauf ankommen, eroberten 
Haus Hai bei Würselen, von wo aus ein Verwandter des Frankenbergers 
das Aachener Ileich beunruhigte, und nötigte so den Burtscheider Vogt 
zum Frieden. — An den Vortrag schloss sich eine Besprechung des Aus- 
druckes „Tirtei", der einen Wollenstoff bezeichnete. Herr Seminarlehrer 
Krem er teilte mit, dass der Ausdruck in der Eifel noch gebräuchlich sei 
und den Stoff bezeichne, aus dem die Röcke der Aachener Marktfrauen 
gemacht seien. Das Wort hcisse auch Tirtig und komme als Eigen- 
schaftswort vor. Dann habe es den gleichen Sinn wie „däftig". „Sich tieren" 
heisse soviel als etwas aus sich zu machen wissen. Nach Mitteilung des 
Herrn Dr. Brüning komme der Ausdruck auch in Ostpreussen vor und 
laute dort „sieh teren". Herr Dr. Savclsberg legte eine Anzahl von Burt- 
scheider Stadtansichten aus alter und neuerer Zeit vor, die gern entgegen- 
genommen wurden. 

Es folgte dann der Vortrag des Herrn Dr. Brüning über den reichs- 
städtischen Bürgermeister Stephan Dominlcus Dauven, der zu den befähigtsten 
Männern gehört, die in reichsstädtischer Zeit die Stadt regiert haben. Er 
entstammte einem Burtscheider Geschlechte, das im letzten Jahrzehnt des 
17. Jahrhunderts nach Aachen einwanderte und ursprünglich Douven hiess. 
Dauven studierte 5 Jahre Theologie und wurde dann Jurist. 176ß findet man 
ihn in den Satzungen einer Gelohrtengesellsehaft, den Statuta coUegii littera- 
torum in regia sede Granensi. Er war damals doctor juris und Advokat. 
1760 heiratete er Anna Maria Welter aus Aachen. Aus dieser Ehe gingen 
G Kinder hervor. Im Jahre 1768 entstand zwischen der Reichsstadt und 
dem Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz, der als Herzog von Jülich 
die Aachener Vogtei bcsass, ein Streit. Der Kurfürst besetzte, das Verbot 
Kaiser Josephs nicht beachtend, die Stadt Aachen mit Waffengewalt und 
drückte die Bürger mit Einquartierung. Erst als der Kaiser die „kreisaus- 
schreibenden" Fürsten, den Kurfürsten von Köln und den König in Preussen, 
aufgefordert hatte, gegen den Landfriedensbrecher von Jülich vorzugehen, 
zogen die Kurpfälzer ab (17. Juni 1769). Die Besetzung der Stadt hatte 
dieser 50000 Reichstaler gekostet. Nun wurde über die Erledigung der 
100 strittigen Punkte in Aachen und später in Wien verhandelt. Als ihren 
Vertreter sandte die Stadt den Dr. Dauven nach Wien. Die Verhandlungen 
dauerten bis. zum Jahre 1774 und endeten mit dem Siege der Stadt. Der 
Kurfürst beanspruchte für seinen Vogtmeier in Aachen, besonders wenn 
dieser ein „adeliger Geheimrat" wäre, bei allen öffentlichen Akten den 



— 129 — 

Vortritt. Dauven wies darauf hin, dass Aachen ein Stand des Reiches sei, 
und dass die Erfüllung des Pfiilzer Anspruchs die Unabhängigkeit der Stadt 
dem Hause Jülich gegenüber verdunkeln müsse. Auch meinte Dauven, es 
komme nicht darauf au, dass der Vogtmayor ein „adeliches", sondern ein 
„fähiges Subjektum" sei. Schliesslich komme noch dazu, dass der Vogt- 
maj'or die Bürgermeister bei der „Auf- und Zuschliessung der Ileiligtünier" 
verdränge. So billigte die Stadt dem Vogte bei Feierlichkeiten nur einen 
Sessel „in persona allein" zu. Kurpfalz beanspruchte auch die Aufsicht 
über das Stadttheater (die Aufsicht über Seiltänzer und anderes fahrendes 
Volk stand ihm zu). Andere Streitigkeiten betrafen den Malzweier, den 
Lombard und das Judengelait. Auf beiden Seiten war die Erregung sehr 
gross, und um Zank zu vermeiden, waren nie beide Parteien zur nämlichen 
Konferenz zugegen. Die Verbindung zwischen ihnen wurde durch Subdelegierte 
hergestellt. Dauven bemühte sich im Auftrage der Stadt, auch im Interesse 
der hiesigen Jesuiten, für die Feststellung der strittigen Grenzen des Reichs- 
waldes und der Atsch, und seine Briefe zeigen ihn als tatkräftigen, begabten 
und sehr gebildeten Mann. Seine Verdienste anerkennend, hatte man ihn 
schon 1776 zum Bürgermeister gewählt. Auch dankte der Rat ihm durch 
ein langes, höchst schmeichelhaftes Schreiben. Am 22. März 1777 schreibt 
Dauven aus St. Polten, dass er hoffe in 10 oder 11 Tagen in Aachen zu sein, 
und als er wirklich eintraf, wurde er „stättlich eingeholt", dass in „Haaren 
kein Mensch längs der ander hat konneu vorbei passeren". Dauven wurde 
fünfmal zum Bürgermeister gewählt. Doch hat auch er die Wandelbarkeit 
der Volksgunst erfahren, indem er 1786 durch die Unruhen der Mäkelei 
gestürzt wurde. Eine Tochter Dauv«ns heiratete den Syndikus Peltzer, den 
Ahnherrn des Herrn geheimen Regierungsrates Ludwig Peltzer. 

Im Laufe des Sommers wurden gemeinschaftlich mit dem Aachener 
Geschichts verein zwei Ausflüge veranstaltet. Das wundersam idyllisch 
gelegene Eifelstädtchen Nideggen mit seiner mächtigen Burgruine, mit seinen 
stilgerecht erneuerten Stadttoren, diesen stummen Zeugen einer teils glanz- 
vollen und teils drangvollen Vergangenheit und mit seiner prächtig wieder- 
hergestellten romanischen Pfarrkirche, dem einstigen Mausoleum der Grafen, 
Markgrafen und Herzöge zu Jülich bildete den Zielpunkt des wissenschaft- 
lichen Ausfluges, den die beiden Vereine am Peter- und Paulstage unter- 
nahmen. An demselben nahmen etliche 60 Damen und Herren teil, die nach 
kurzer Eisenl)ahnfahrt von Düren aus in zum Teil luftigen Rieseubreaks der 
Mietkutscherei Ockeufels froh und heiter gegen Nideggen zogen, wo sie kurz 
vor 1 Uhr anlangten. Sofort ging es durch die schönen, in üppigem Hlumen- 
schmuck prangenden Gartenanlagen des Hotels Heiliger hinauf zur Burg. 
Wer längere Zeit nicht mehr dort oben gewesen ist, kann sich für den ersten 
Augenblick beim Eintritt in den Burghof mit dem in ursprünglicher Gestalt 
wiederhergestellten Schöpfbrunnen eiues gewissen Gefühls der Entfremdung 
ob der Verengerung des Platzes und der Beschränktheit des Ausluges infolg«' 
des Einbaues der Burgrestauraliou nicht entschlngen. Doch dies Gefühl 



— 130 — 

macht dem der freudigen Überraschung alsbald Platz, wenn man in den an 
der Westseite gelegenen Hauptsaal des auf den alten Mauerresteu mit eben- 
soviel Pietät wie Kunstverständnis von dem bewährten Landesbauinspektor 
Arutz errichteten Burgschlösschens eintritt. Geradezu bezaubernd und über- 
wältigend ist der Blick, den man von hier aus oder noch besser von den 
vorgekragteu Erkern aus in das liebliche, von bewaldeten Bergen eingesäumte 
Eoertal werfen kann. In diesem Saale hatten sich die Ausflügler versammelt, 
um nach Erfrischung des leibliehen Menschen den Vortrag des Referenten 
„Zur Geschichte Nideggens" anzuhören. Die verschiedenen Ansichten über 
die etymologische Herkunft des Wortes Nideggen wurden kurz angeführt 
und dann auf das Dunkel hingewiesen, worin auch heute noch die Ent- 
stehungsgeschichte der Burg gehüllt ist. Der Redner legte die Erbauung 
derselben in die Zeit zwischen 1177, dem Todesjahr des Maubacher Grafen 
Albert, und 1209, dem Todesjahre des auf seinem Schlosse Nideggen ver- 
storbenen Grafen Wilhelm IL von Jülich, der des ersten Schwiegersohn war. 
Die älteste der römischen Bauperiode angehörige Burg, deren grossartige 
Umänderung um die Mitte des 14. Jahrhunderts durch Erbauung des mäch- 
tigen gotischen Rittersaales, sowie die Einziehung des allmählich entstandenen 
und im Anfang des 14. Jahrhunderts mit städtischen Freiheiten und Rechten 
versehenen Ortes in den Festungsgürtel wurde eingehend beschrieben. Das 
befestigte Nideggen trotzte bis zur Erfindung des Schiesspulvers allen feind- 
lichen Angriffen und galt für uneinnehmbar. Die starke Hand der Jülicher 
haben u. a. auch einige vornehme Personen weltlichen und geistlichen Standes 
sattsam kennen gelernt, die als Kriegsgefangene längeren oder kürzeren 
Aufenthalt in dem schauerlichen Burgverliess des Turmes zu nehmen 
gezwungen waren. Doch der fortgeschrittenen Kriegskunst konnte auch 
Nideggen auf die Dauer nicht widerstehen. Zur Zeit der sog. Jülichschen 
Fehde wurde es von den Kaiserlichen in Brand geschossen und arg mit- 
genommen. Wenn auch das Schloss später zur Not wiederhergestellt wurde, 
so war es doch seit der Verlegung des Hofes mit seinem und der Stadt 
Glanz für immer vorbei. Ausserdem setzten die Geschosse der Hessen im 
Jahre 1642, die der Franzosen im Jahre 1678 und verschiedene Erdbeben 
des 18. Jahrhunderts, sowie nicht zum geringsten Teil die Geldgier der 
späteren Eigentümer, die die Burg als Steinbruch behandelten, von dem 
karrenweise die Hausteine verkauft wurden, das Zerstörungswerk fort und 
Hessen von der ehemaligen stolzen Burgfeste nur noch eine, wenn auch 
grossartige Ruine übrig, deren gänzlichem Verfalle erst in neuerer Zeit dank 
der hochherzigen letztwilligen Verfügung des Dürener Industriellen Erich 
Schleicher vorgebeugt werden konnte. Eingehend behandelte der Redner 
noch die entsetzlichen Drangsale, die die Jülich'sche Fehde, der dreissig- 
jährige Krieg, die Raubzüge Ludwigs XIV., der spanische und österreichische 
Erbfolgekrieg und der siebenjährige Krieg für den Ort Nideggen und dessen Be- 
wohner im Gefolge hatten. Mittlerweile war der Zeiger der Uhr bedenklich 
auf die Ziffer III zugerückt und damit die Stunde herangekommen, wo man 



— 131 — 

im Saale des Hotels Heiliger sich zum gemeinschaftlichen Mittagessen ein- 
finden konnte, dessen Zubereitung nebenbei bemerkt der Kochkunst des 
Besitzers ein gutes Zeugnis ausstellte. Während des Mahles ergriff der 
Vorsitzende des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit, Herr Oberlehrer 
Dr. Savelsberg, das Wort, um einerseits ilem Referenten für seine Be- 
müliungen um das Zustandekommen des Ausfluges und für seinen Vortrag 
zur Geschichte Nicdcggens den Dank der Anwesenden abzustatten, anderer- 
seits ein Hoch auf das „bessere Drittel" der Gesellschaft zu motivieren. 
Nach Beendigung des Mittagsmahles wurde der Pfarrkirche ein Besuch 
abgestattet. Die hier notwendigen Erläuterungen gab ebenfalls der 
Referent. Die Pfarrkirche stammt aus der ersten Hälfte des zwölften 
Jahrhunderts und machte bislang innerlich wie äusserlich einen ziemlich 
verwahrlosten, der Restauration äusserst bedürftigen Eindruck. Die 
Restauration ist unterdessen mit einem Kostenaufwand von 50000 Mark, 
woran die Kirchengomeinde und die Provinzialverwaltung mit entsprechenden 
Summen beteiligt sind, erfolgt und in allen Teilen glücklich durchgeführt. In 
ihrem Äusseren einfach und ohne belebende Dekorationsstücke, weisen die 
Bauformen des Innern einen grösseren Reichtum auf. Die den starken 
Pfeilern des Mittelschiffes vorgelagerten Dienste verliefen früher unver- 
mittelt an der Wand, während sie heute die Rippen- und Gurtbogen der 
vier neu eingespannten Gewölbejoche trageu. In den Obergaden des Mittel- 
schiffes befindet sich ein Triforium, dessen schön und reii;h gegliederte 
Arkaden durch Lehmfachwerk geschlossen und verdeckt waren, das aber 
jetzt in seiner ursprünglichen Schönheit wiederhergestellt ist. Das ganze 
Innere der Kirche einschliesslich des Chores war weiss übertüncht. Nach 
Entfernung der Tünche kamen im Langschiff und in der Chorapsis ornamen- 
tale und figürliche Malereien, die dem 13. und 14. Jahrhundert angehören 
und sich als einen überaus kostbaren und wertvollen Fund darstellen, zum 
Vorschein. Besonders gut erhalten sind die Darstellungen in der Apsis und 
in den Fenstcrlaibungen des Chores. Die erstere stellt Christus als Welten- 
richter dar, umgeben von den Symbolen der Evangelisten; ihm zur Seite 
stehen Maria und Johannes der Täufer. In den Fenstcrlaibungen und 
zwischen den Fenstern zeigen sich Einzelgestalten verschiedener Heiligen. 
An der dem ('hör zugewandten Seite des Triumphbogens befinden sich hoch- 
interessante Bilder, die die törichten und klugen Jungfrauen repräsentieren. 
Leider konnte die grosse figürliche Darstellung an der Hocbwand des 
Triumphbogens, die der Kirche zugekehrt ist, nicht erhalten werden. Die 
Bilder sind durch den Kölner Restaurator W. Batzen neu kontouriert und 
rctouchiert worden; jegliches Übermalen war strengstens ausgeschlossen. 
Einzig und allein das Antlitz des Weltenrichters ist im Anschluss an gleich- 
zeitige Bilder ergänzt worden; dasselbe war durch Herausfallen des darunter 
befindlichen Steines zerstört worden. Noch ein Blick auf d\c in lirr Kirche 
erhaltenen Grabdenkmäler und auf den schauerlichen Eisenkätig in der Nische 
der ebenfalls glücklich wiederhergestellten Turnihnlle, und zum zweiten Male 



— 132 — 

gings hinauf zur Burg, um sich bei einer Tasse Kaffee an den herrlichen 
Aussichten zu erfreuen und bei frühlichem Geplauder den kleinen Kest der 
noch vorhandenen Zeit zu verbringen. Gegen sechs einviertel Uhr wurde die 
Rückfahrt nach Düren angetreten, die infolge des kurz zuvor gefallenen 
Regens sich vorteilhaft von der mit viel grösserer Hitze verbundenen Hinfahrt 
unterschied. Um 9 Uhr sodann langten die Teilnehmer wohlbehalten in 
Aachen an mit dem auch wiederholt zum Ausdruck gebrachten Bewusstsein, 
einen genuss- und lehrreichen Tag verlebt zu haben. 

Die beiden im Kreise Jülich gelegenen Orte Siersdorf und Aldenhoven 
bildeten die Zielpunkte des zweiten wissenschaftlichen Ausfluges. In einem 
Motorwagen mit zwei offenen Anhängewagen brachte die Kleinbahn die 
Ausflügler nach Schaufenberg, von wo Siersdorf in einer Stunde erreicht 
wurde. Da der "Weg absolut schattenlos ist, so war es ein Glück, dass 
der Himmel ein Einsehen hatte, und weder das allzu gewohnte Nass noch 
brennende Sonnenstrahlen herniedersandte. In Siersdorf galt der erste Be- 
such der ehemaligen Deuts chordenskommende, die heute im Besitz der 
Frau Anton Heusch in Aachen sich befindet. Der Berichterstatter gab zunächst 
einen kurzen geschichtlichen Überblick über Siersdorf und seine Kommende, 
und dann wurden unter seiner Führung die einzelnen Teile der weitläufigen 
Anlagen besichtigt. Besondere Beachtung fand das prächtige Herrenhaus, 
das im Innern und Äussern eingehend in Augenschein genommen wurde. 
Im Jahre 1578 entstanden, hat es durch den um die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts erfolgten Umbau im Innern, wobei die bisher quergeteilten Fenster 
im Geiste des Rokoko verändert wurden, manches von seinem ursprünglichen 
Charakter eingebüsst. Während infolgedessen die Fassade bedeutend nüch- 
terner geworden, hat der vorspringende Risalit seine einstige bauliche 
Schönheit bewahrt. Von einem geräumigen Vestibül aus führt nach rechts 
eine schöne geschnitzte Rokokodoppeltür in einen Saal, dessen einzige Sehens- 
würdigkeit ein schöner Marmorkamin mit darüber befindlichem Wappen des 
Komturs Edmund von Reuschenberg bildet. Durch eine Glastür tritt man 
in eine kleine im Eckturm untergebrachte Kapelle ein, deren Altar mit 
einem Antipendium verziert ist, welches das auf Leinwand gemalte Deutsch- 
ordenswappen enthält. Auf der entgegengesetzten Seite des Vestibüls be- 
finden sich einige als Wohnräume eingerichtete Säle, die namentlich wegen 
der dort befindlichen Aquarellporträts der Familie Heusch sehenswert sind. 
Diese Porträts, die um 1800 entstanden sind, stellen den Aachener Kanonikus 
Gerhard Xaver Heusch, der nach Aufhebung des Ordens zur Zeit der fran- 
zösischen Fremdherrschaft die Kommende käuflich erwarb, sowie dessen 
Mutter dar. Von der Kommende ging es sodann zu der im Anfang des 
16. Jahrhunderts erbauten zweischifiigen Pfarrkirche. Pfarrer Schnock er- 
läuterte auch hier die einzelnen Sehenswürdigkeiten. Darunter befindet sich 
in erster Linie der Hauptaltar, ein flandrischer Schnitzaltar, wie es deren 
in zahlreichen Kirchen des Kreises Jülich gibt. Von besonderem Interesse 
ist der heute unpassend über der Kommunionbank angebrachte Lettnerbogen, 



— 133 — 

dessen Entstehungszeit in die Mitte des 16. Jahrliunderts fällt. Ein Pendant 
zu ihm durfte kaum zu tindcn sein. Im Jahre IflOl wurde er auf Kosten 
der rrovinzialvcrwaltung von Langcnberg in Goch wiederhergestellt. Ferner 
sind noch zu crwtähnen die Cliorstühle, sowie acht Ilolztiguren, die der 
Calcarer Schule angehören, nebst den davor befindlichen spätgotischen 
kupfernen Armleuchtern. Nach einer kleinen Rekreation in der Gastwirt- 
schaft Thoma wurde der über Dürboslar führende Weg nach Aldenhoven 
angetreten, wo die Ausflügler gegen sechs cinhalb Uhr ankamen. Hier wurde 
zunächst die Pfarrkirche aufgesucht, die ebenfalls eine ganze Reihe von 
Cicgenständcn enthält, die einer nälicrcn Besichtigung wohl wert sind. Um 
nicht zu weitläufig zu werden, wollen wir nur davon kurz erwähnen den 
im südlichen Schiff aufgestellten Antwerpener Schnitzaltar, der dem Meister 
mit der eingebrannten Hand seine Entstehung verdankt, den auf der Nord- 
seite ))efindlichen, einzig schönen Rokokoaltar, der leider seines wesentlichen 
Schmucke?, nämlich der Passionsgruppe, die heute in unmotivierter Weise 
auseinandergerissen auf den Triumphbogen und die austossenden Kirchen- 
wände verteilt ist, beraubt worden, und von den an den Pfeilern des Chores 
angebrachten Figuren, die in Holz ausgeführten spätgotischen Bilder des 
Petrus, des Paulus und des Jakobus. Bemerkenswert ist auch der zwischen 
zwei Strebepfeilern des Chores angebrachte Kalvarienberg, der im Jahre 
1562 von einem unbekannten Meister angefertigt worden ist. Wieviel die 
Aldenhovener auf ihn Iialten, geht daraus hervor, dass sie ihn seiner Zeit 
aus Furcht vor den Franzosen und, um ihn vor Profanation zu schützen 
vermauerten. Schliesslich wurden noch die im Jahre 1654, angeblich nach 
dem Muster von Altötting errichtete Gnadenkapellc sowie einige höchst 
interessante Rokokohäuser besichtigt, und der Schluss des Abends bis zum 
Abgang der Zuges geselliger Unterhaltung in dem neben der Pfarrkirche 
gelegenen Restaurant gewidmet. Gegen 10 eiuviertel Uhr längsten die Ge- 
schichtsfreunde, alle vom Verlauf der Exkursion befriedigt, wieder in Aachen an. 

Aachen. Heinrich Schnock. 



Bericht über das Vereinsjahr 1902/03. 

In dem verflossenen Jahre wurden ausser der am 26. November 1902 
stattgehabten Hauptversammlung noch zwei Monatssitzungen und gemein- 
schaftlich mit dem Aachener Geschichtsverein zwei Sommer-Ausflüge ver- 
anstaltet, über deren Verlauf ein kurzer Bericht auf Seite 125 — 133 Rechen- 
schaft gibt. Die diesjährige Hauptversammlung fand abermals am 26. November 
im Vereinslokale „Altbaiern" bei starker Beteiligung der Vereinsmitglieder 
statt. In derselben erstattete der Vorsitzende, Herr Oberlehrer Dr. Savels- 
berg, den üblichen Jahresbericht. Dem Vereine traten 24 neue Mitglieder 
bei, während 19 austraten und 8 starben; das Andenken letzterer wurde 
durch Erheben von den Sitzen geehrt. Der in Angriff genommene Register- 
band, der das iu den 15 Bänden der Zeitschrift aufgehäufte ortsgeschichtliche 
Material leichter zugänglich machen soll, ist durch die vereinten Bemühungen 
der Vorstandsmitglieder und einiger anderer dem Verein angehörender Herren 
soweit gefördert worden, dass in nicht zu ferner Zeit an die Drucklegung 
gedacht werden kann. Die Druckkosten des Bandes sind durch ein hoch- 
herziges Geschenk von tausend Mark, das die Aachener und Münchener 
Feuer-Versicherungsgesellschaft gestiftet hat, gedeckt. Infolge einer An- 
regung im „Echo der Gegenwart" hat der Vorstand einen Ausschuss von 
vier Mitgliedern (Pschmadt, Savelsberg, Schnock, Vogelgesaug) gewählt, der 
die Aufgabe hat, archäologisch und historisch wichtige Funde in Aachen zu 
registrieren. Entsprechende Gesuche um gefällige bezügliche Mitteilungen 
sind an den Architektenverein und den Herr Polizeibauinspektor Esser ge- 
richtet worden. Dem Aachener Geschichtsverein, der im nächsten Jahre 
sein silbernes Jubiläum feiert, soll bei diesem Anlass als Festgabe ein 
Sonderabdruck aus dem XVI. Bande der Zeitschrift „Aus Aachens Vorzeit", 
der den Herrn Rentner Emil Pauls in Düsseldorf zum Verfasser haben wird, 
überreicht werden. Nunmehr erstattete der Schatzmeister, Herr Stadt- 
verordneter Kremer den Kassenbericht, dem wir nachstehende Zusammen- 
stellung entnehmen: 

I. Einnahmen: 

Kassenbestand aus dem Vorjahre . . M. 509.77 

15 rückständige Jahresbeiträge . . „ 45. — 

257 Jahresbeiträge für 1902 . . . „ 771.— 

Zinsen der Sparkasse „ 10.23 

Geschenk der Aachen-Münchener 

Feuerversicherungs-Gesellschaft . . „ 1000.— 

Summa . M.2336.— 



— 135 — 

II. Ausgaben: 

Druckkosten des XV. Jahrgangs der 

Vereinszeitscbrift M. 523.38 

Honorare „ 85.45 

Buchl)indcrarbciten „ 7.G8 

Porto-Auslagen „ 36.55 

Schreibstube für Abschriftarbeiten . „ 4.78 

Manuskripte und Bücher „ 207.60 

Inserate und Verschiedenes .... „ 33.04 

Kassenbestaud „ 1437.52 

Summa . M. 2336.— 
Die Prüfling der Rechnungsablage war durch die Herren Rechtsanwalt 
Dornemann und Landgerichtssekretär J. Fey vorgenommen worden. Da die- 
selbe zu keinen Ausstellungen Anlass geboten, so wurde dem Herrn Schatz- 
meister seitens der Versammlung die erbetene Entlastung erteilt, woran der 
Vorsitzende noch besondere Worte des Dankes für Herrn Kreincr, der seit 
Beginn des Vereins in musterhafter Weise die Kasse verwaltet hat, an- 
sehloss. Die auf der Tagesordnung stehende Neuwahl des Vorstandes wurde 
auf Anregung des Herrn Professors Frentzen dahin erledigt, dass der alte 
Vorstand durch Zuruf auf weitere drei Jahre in seinen Amtern bestätigt 
wurde. Damit hatte der geschäftliche Teil der Hauptversammlung seine 
Erledigung gefunden. Es folgte dann die Fortsetzung eines früheren Vortrages 
des Herrn Dr. Brüning „über Jen reichsstädtischen Bürgermeister Stephan 
D m i n i k u s D a u v e n", der durch tatkräftige und geschickte Vertretung der 
städtischen Sache in Wien einen Streit der Reichsstadt mit dem Kurfürsten von 
der Pfalz zu einem glücklichen Austrage führte und sich so den Weg zur Bürger- 
meisterwürde bahnte. Er regierte die Stadt mit fester Hand, und seine öftere 
Wiederwahl bezeichnete Dr. Brüning als der Stadt zum Vorteile gereichend. 
Allmählich aber erwuchsen ihm Gegner, die ihm Eigennutz, Begünstigung 
seiner Anhänger und Herrschsucht vorwarfen. An der Spitze der Gegner 
(neue Partei) stand der Schöffe de Lonncux, Mitglied der adeligen Sternzunft. 
Zu Lonneux Anhang gehörten u. a. der im Sinne des Kurfürsten von der 
Pfalz handelnde Vogtmeier von Geyr zu Schweppenburg und die Bürger 
Cromni, van Houtem, Denys, Vossen und Brammertz. Dauven fand auch 
Verteidiger, deren einer auf Grund amtlichen Materials den Vorwurf wider- 
legte, als habe der Bürgermeister für seinen dreijährigen Aufenthalt in 
Wien und seine dortige Wirksamkeit eine zu hohe Geldsumme (17,048 
Reichstaler) erhalten. Aber die Gegner wollten sich nicht überzeugen lassen 
und forderten den Rücktritt Dauvens und Rechnungsablage. Herr Dr. Brüning 
gab zu, dass damals hier Missstände geherrscht haben. Allein er wies da- 
rauf hin, dass daran die allgemeinen politischen Verhältnisse schuld waren. 
In Aachen habe es nicht schlimmer ausgesehen als in Cölu, Mainz, Augsburg, 
und die Lage des einst so blühenden Nürnberg war viel trostloser als die 
unserer Vaterstadt. Um die Aachener Dinge bekümmerte sich auch die 
Presse, ohne doch die Ursachen an der Stelle zu suchen, wo sie lagen. In 



— 136 — 

diesen Fehler fielen auch George Forsters „Ansichten vom Niederrhein" 
(1791), die auch von konfessioneller Voreingenommenheit nicht frei waren. 
Die Aachener Bürgerschaft wählte bei der Stadtratswahl im Juni 1786 
wieder Anhänger der „alten Partei". Da erstürmte ein roher, verhetzter 
Volkshaufe das Eathaus und misshandelte die Ratsherren. Der Tumult 
veranlasste Dauveu zum Rücktritt. Eine Reichskommission zur Untersuchung 
der vorgekommenen Unordnungen und deren Ursachen wurde eingesetzt und 
arbeitete an der Neuordnung der Verhältnisse bis zum Einfalle der Fran- 
zosen. Viele Anhänger der neuen Partei wurden zur Verantwortung ge- 
zogen und bestraft. Den zweiten Vortrag des Abends hielt Herr Macco 
„über das Hergenrather Lehen". Die deutschen Könige gaben im Laufe 
der Jahrhunderte Teile des in Aachen gelegenen Eeichsgutes zu Lehen. So 
entstanden das Manderscheider, das Schleidener, das Gartzweiler, das Gym- 
nicher und das Hergenrather Lehen. Das letztere bestand aus dem Häuser- 
blocke, der vom ehemaligen Eiergässchen, dem unteren Teile der Krämer- 
strasse und des Hofes umschlossen ward. Der Ursprung des Hergenrather 
Lehen lässt sich heute nicht mehr nachweisen. Nach einer Vermutung des 
Herrn Macco hat Ludwig der Bayer in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts 
von dem Aachener Bankier Wilhelm Beissel Geld geliehen und diesem dafür 
das Hergenrather Lehen übertragen. Das Patriziergeschleeht Beissel, aus 
dem verschiedene Ritter während des XV. Jahrhunderts als Lehensherren 
genannt werden, blieb im Besitze des Lehens bis in den Anfang des 16. Jahr- 
hunderts. Um 1515 ging das Hergenrather Lehen in den Besitz des Geschlechts 
der Bertolf (Hergenrather Linie) über. Bald nach 1580 erwarb die Stadt 
Aachen das Lehen, das bis zum Erlöschen der reichsstädtischen Selbständig- 
keit 1798 bestand. Es umfasste in dem angegebenen Häuserblocke 10 "Wohn- 
häuser. Jeder Lehensmann oder Lasse hatte bei der Übernahme des Lehens 
dem Lehensherrn einen „flawelen" Beutel mit Gold- und Silberstücken, ein 
Paar Handschuhe und ein Viertel vom „besten Wein" zu überreichen. Die 
beiden Beisitzer erhielten eine Flasche Wein, der Diener ein Quart. Nach 
dem Tode eines Lehnsmannes wurde diese Spende wiederholt. Dazu kam 
eine feststehende jährliche Abgabe, in Pfeffer, Enten und Kapaunen, die 
später in eine Geldleistung umgewandelt wurde. Doch hatten die Lehens- 
leutc nicht bloss Lasten, soudern auch Rechte. Ohne Zustimmung des 
Lehensherrn konnte keiner auf dem Boden des Lehen gefangen oder gefesselt, 
gepfändet oder auf Gras und Pforte geboten werden. Nach dem Übergange 
des Lehens an die Stadt mag sich das geändert haben. — Den Schluss der 
Darbietungen des Abends bildete die Vorzeigung verschiedener Stadtansichten 
und Altertümer: reich geschnitzte Mangelbretter (16. Jahrhundert), Back- 
formen für Lebkuchen- und Spekulatiuswaren mit Darstellungen der grossen 
Heiligtümer, der Gottesmutter und Karls des Grossen. Vorträge und Alter- 
tümer Aveckteu bei den Anwesenden rege Teilnahme und gaben zu ver- 
schiedenen Bemerkungen Anlass, woran sich namentlich die Herren Professor 
Frentzen, Macco, Pöschel, Pschmadt und Assessor Richstaetter beteiligten. 



Verzeichnis der Mitglieder. 



T. Norstand. 

Vorsitzoiuler: Sa velsber^-, l'r. Ilcinricli, (jyimiasialuberK'lirur. 
Stellvertri'teiider A'orsitzeiider: Scliiiock, Heinrich, Stnifanstalts-Pfarrii-. 
Erster Schriftführer: Pschmadt, Johann, Rcalfjyninasial-Vorschullehrcr. 
Zweiter Schriftführer: Vogelgesang, (!arl, Kaufmann. 
Bibliothekar: Schollen, Matthias, Kanzlcirat. 

Schatzmeister: Kremer, Ferdinand, Ruchhändler und Stadtverordneter. 
Beisitzer: Bischoff, Adolf, fJutsbcsitzer. 

• Fey, Johann, Landgorichtssekrotär. 
Kellet er, Dr. Fritz, Direktor der städtischen J^ehrerinnen- 
Bildungsanstalt. 
■ Menghius, Wilhelm, Fabrikant und Stadtverordneter. 
Oppenhoff, Franz, Kgl. Kreisschulinspektor des Stadtkreises 
Aachen. 
' Spoclgen, Dr. Johann, Professor. 

II. Redaktioiisaiisschiiss. 

Dr. H. Savelsbcrg, Oberlehrer. 

H. Schnock, Strafanstaltspfarrer, lledakteur. 

Dr. J. Spo eigen, Professor. 

III. 31itglieder. 

• 1 Adams, Hubert, Notar in Aachen. 

2 Alden ho ven, Christian, Landwirt in Königshof bei (leilenkirchen. 

3 Alcrtz, Wilhelm, Bureauchef in Aachen. 

4 Barth, Franz, Apotheker in Aachen. 

5 Baurinaiiii, Dr. med. Leonard, Arzt in Aaclu^n. 

6 Becker, Franz, Apotheker in Langerwehe. 

7 Becker, Friedrich Carl, Begicrungsbauführcr in Aachen. 

8 B eis sei, Stephan, Nadelfabrikant in Aachen. 

9 Berdolet, Peter, Rektor in Aachen. 
> 10 Berck, Ferdinand, Lehrer in Aachen. 

, 11 r>ock, Dr. jur. .\i!aiii, KeiitiuT in .\:ii-lion. 



— 138 — 

12 Bibliothek der Aachener und Müncheuer Feuer -Veräicherungs- 

Gcsellschaft in Aachen. 

13 Bibliothek des Kaiser-Karls-Gymnasiums in Aachen. 

14 Bibliothek des Landkreises Aachen. 

15 Bibliothek der Stadt Aachen. 

16 Bibliothek der Stadt Frankfurt am Main. 

17 Bischoff, Adolf, Gutsbesitzer in Haus Linde bei Aachen. 

18 Bohlen, Johann, Rechtsanwalt in Aachen. 
.19 Brüll, Wilhelm, Rechtsanwalt in Aachen. 

20 Brüning, Dr. phil. Wilhelm, Archivassistent in Aachen. 

21 Buchholz, Joseph, Kaufmann in Aachen. 

22 liuchkreraer, Joseph, Architekt uud Professor an der Tech- 

nischen Hochschule in Aachen. 
13 Bücken, Max, Apothekenbesitzer in Aachen. 
24 von den Busch, Gerichtsvollzieher a. D. in Aaclien-Burtscheid. 

-25 Ca pellmann, Richard, Ingenieur in Aachen. 

26 Cazin, Franz, Mechan, Engineer in Denver, Colorado Amerika. 

27 Chantraine, Dr. med. Wilhelm, Arzt in Aachen. 

28 Charlier, Ludwig, Restaurateur in Forst bei Aachen. 

29 Chorus, Albert, Landrichter in St. Johann-Saarbrücken. 
x30 Clar, Matthias, Gymnasialdirektor in Linz am Rhein. 

31 C lassen, Heinrich, Rentner in Aachen. 

32 Classen, Jacob, Kaufmann in Aachen. 
^33 Classen, Johannes, Kaufmann in Aachen. 

34 Classen, Dr. med. Joseph, Arzt in Aachen. 

35 Classen, Mathieu, Kaufmann in Zwickau in Sachsen. 
86 Cornely, Gottfried, Bürgermeister a. D. in Elchenrath. 
37 Cornely, Dr. med. Jacob, Arzt in Aachen. 

- 38 Cossmann. Theodor, Möbelfabrikant in Aachen. 
89 Coumont, Alfred, Rentner in Aachen. 

40 Crem er, Eduard, Hauptlehrer in Aachen. 

41 Cleven, Kaplan in Aachen. 

42 Cremer, Michael, Seminarlehrcr in Aachen. 

43 Cromer, Wilhelm, Referendar in Aachen. 

44 Creutzer, Anton, Buchhändler in Aachen. 

45 Cron, Heinrich, Kaufmann in Aachen. 

46 Damblcff, Dr. med. Joseph, Arzt in Laurensberg. 

47 Daverkosen, Joseph, Kaufmann in Aachen. 

48 Decker, August, Kaufmann in Aachen. 

49 Derichs, Peter, Hauptlehrer in Aachen. 

50 Deterre, Joseph, Buchdruckereibesitzer in Aachen. 

51 Uornemann, Albert, Rechtsanwalt in Aachen. 



— 139 — 

52 Dresemann, Dr. phil. Otto, Redakteur in Cöln. 

53 Dübel, Ferdinand, Oberlehrer in Aachen. 

54 Dupuis, Prosper, Dampfkcsselfabrikunt in Aachen. 

55 Eschweiler, Pfarrer in Gürzenich. 

56 Fassbaender, Peter, Kaplan an St. .Joseph in Aachen. 

57 Ferdinand, Johann Peter, Oberpfarrer an St. Nikolaus in Aachen. 

58 Fey, Johann, Landgerichtssekretär in Aachen. 

59 Fey, Joseph, Rentner in Aachen. 

• 60 Firmanns, Jacob, Juwelier iu Aachen. 

61 Firniauns, Joseph, Apotheker in Aachen. 

62 Firnienich, Hubert, Religionslehrcr in Aachen. 

63 Fischer, Dr. pliil. Clemens, Olicrlehrer in Aachen. 

64 Fischer, Dr. jur. Hubert, Referendar in Forst. 

65 Foerstcr, Joseph, Rentner in Aachen. 

66 Foussen, Hubert, Kaufmann in Grevenberg. 

67 Franzeu, Leo, Aktuar in Leipzig. 

68 Frentzen, Georg, Regierungsbaumeister und Professor der 

Technischen Hochschule in Aachen. 
. 69 Fritz, Dr. phil. Alphons, Oberlehrer in Aachen. 
, 70 FüUcs, Carl, Kaufmann in Aachen. 

. 71 Geelen, "Wilhelm, Referendar in Cöln a. Rh. 

72 Geschwandtuer, Dr. phil. Leo, Direktor der Victoriaschule 

iu Aachen-Burtscheid. 

73 Geulen, Peter, Kauf manu in Aachen. 

74 Geyr, Dr. phil. Heinrich, Oberlehrer in Aachen-Burtscheid. 

75 Giesen, Carl, Rechtsanwalt in Aachen. 

76 Giesen, Paul, Referendar in Aachen. 

77 Göbbels, Joseph, Baumeister und Stadtverordneter in Aachen. 
, 78 Gebiet, August. Seifenfabrikant in Aachen. 

79 Goeke, Dr. phil. Wilhelm, Professor an der (Jberrealschule 

in Aachen. 

80 Goeth, Georg. Amtsgerichtsrat in Aachen. 
. 81 Graf, Otto, Referendar in Aachen. 

82 Greve, Dr. phil. Theodor, Professor am Realgymnasium 

in Aachen. 

83 Grimmendahl, Dr. phil. Peter, Oberlehrer in Aachen. 
.84 Groeningen, Kilian, Fabrikdiroktor in Aachen. 

85 Grüters, Lic. theol. Joseph, Religions- und Oberlehrer in 
Mülheim a. Rh. 

• 86 Hagelüken, Franz, Professor an der Obcrrcalschule in Aachen. 
87 Hammels, Joseph, Rektor in Alstadcn b. Oberhausen. 



— 140 — 

88 Hammers, Johann, Rentner in Aachen. 

89 Keinen, Dr. med. Leonard, Arzt in Aachen. 

. 90 Heinrich, Franz, Amtsgerichtssekretär in Aachen. 

91 Henn, Johann. Baukdirector in Aachen. 

92 Henry, Nicolaus, Amtsgerichtssekretär in Aachen. 

' 93 Hermens, Joseph, Spediteur und Stadtverordneter in Aachen. 

94 Hess, Johann, Pfarrer in Grimlinghausen. 

95 Heusch, Albert, Fabrikant in Aachen. 

9t) Hilgers, Dr. theol. Alphons, Pfarrer in Godesberg-Plittersdorf. 

■ 97 vou den Hoff, Hubert, Justizrat in Aachen. 

.98 Hoffmann, Heinrich, Zahnarzt, Aachen. 

99 Honnef eil er, Peter, Photolitograph in Aachen. 

100 Hoesch, Otto, Kaufmann in Aachen. 

.101 Hoyer, Otto, Hotelbesitzer und Stadtverordneter in Aachen. 

102 Hüffer, Eobert, Maschinenfabrikant in Aachen. 

103 Hüllenkremer, Andreas, Pfarrer in Sistig bei Call. 

104 Hülsmann, Carl, Professor au der Oberrealschule in Aachen. 
.105 Hüntemann, Julius, Schneidermeister in Aachen. 

10(3 Jacobi, Friedrich, Gerichtsassessor in Aachen. 
107 Jansen, Peter, Kaufmann in Aachen. 
-108 Janssen, Julius, Rechtsanwalt in Aachen. 

109 Jardon, Dr. phil. Arnold, Oberlehrer in Koblenz. 

110 Imbcrt, Wilhelm, Werkmeister in Aachen. 
-111 Immelen, Hubert, Rentner in Aachen. 

112 Joerissen, Dr. jur. Albert, Rechtsanwalt in Aachen. 

113 Joerissen, Joseph, Freiresiguierter Pfarrer in Bonn. 

114 Johnen, Franz Wilhelm, Kaufmann in Aachen. 

115 Joppen, Heinrich, Religionslehrer am Kaiser-Karls-Gym- 

nasium in Aaeh?n. 

116 Kaatzer, Hermann, Frau, Buchdriickereibesitzerin in Aachen. 

117 Kalff, Jacob, Cemeutfabrikant in Aachen. 

118 Kaentzler, Joseph, Vikar in Glehn. 
,119 Kaussen, Heinrich, Kaufmann in Aachen. 

120 Kelleter, Dr. phil. Friedrich, Direktor der städtischen 

Lehrerinuen-Bildungsanstalt in Aachen. 

121 Kesselkaul, Dr. phil. Ludwig, Rentner in Aachen. 

122 Kessels, Joseph, Druckereibesitzer in Aachen. 

123 Kirsch fink, Eduard, Dr. med., Arzt in Aachen. 

-124 Klausener, Alphons, Landtagsabgeordneter und beigeord- 
neter Bürgermeister in Aachen-Burtscheid. 

125 Klein, Max, Rechtsanwalt in Aachen. 

126 Kleinen, Wilhelm, RechtsanwaU in Aachen. 



~ 141 — 

127 Kleviscb, Gregor, Kaufmann in Aachen. 

128 Klinkenberg, Adolpli, Tticlifabrikant und Stadtverordneter 

in Aacben. 

129 Klinkeuberg, Dr. med. Eduard, Arzt in Aacben. 

130 Koch, Heinrich, Kaplan an St. Johann in Aachen-Burtscheid. 
i;51 Koch, Dr. theo!. H. Tl., Mililärobcrpfarrcr und Divisions- 
pfarrer in Frankfurt am Main. 

132 Koebn. Wilhelm, Oberlehrer in Aachen. 

133 Koelges, Paul, lleclitsanwalt in Aachen. 

134 Koss, Joseph, Pfarrer in Brand bei Aachen. 

135 Krabforst, Hermann, Gcschichtsmaler in Aachen. 

136 Kranz, Dr. med. Peter, Arzt in Aachen. 

137 Kremer, Ferdinand, Buchhändler und Stadtverordneter 

in Aachen. 

138 Kruseubaum, Dr. phil. August, Oberlehrer in Aachen. 

139 Künemund, Andreas, Redakteur des „Volksfreund" in Aachen. 

140 Küppers, Franz, Oberlehrer in Steelc. 

141 Kuypers, Dr. phil. Heinrich, Oberlehrer in Aachen. 

142 Lamberz, Emil, Ingenieur in Aachen. 

143 Lamme rtz, Leo, jr., Fabrikant in Aachen. 

144 Lauffs, Franz, Pfarrer in Walberberg. 

145 Laurent, Joseph, Stadtbaurat in Aachen. 
14G Leimkübler, Johann, Kaufmann in Aachen. 

147 Lentzen, Peter, Fabrikdirektor in Aachen. 

148 Lessenich, Mathieu, Kaufmann in Aachen. 

149 Linnartz, Wilhelm, Schalrat und Direktor der Taubstummen- 

anstalt in Aachen. 

150 Lippmann, Otto, Fabrikant und Stadtverordneter in Aachen. 

151 Lovens, Jacob, Pianofortefabrikant in Aachen. 

152 Loersch, Dr. jur. Hugo, Geh. Justizrat und Professor der 

Rechte in Bonn. 

153 Lücker ath, Wilhelm, Pfarrer in Wald feucht bei Heinsberg. 

154 Macco, Hermann Friedrich, Rentner in Aachen. 

155 Mai, Hubert, Dirigent und Gesanglehrer in Aachen. 

156 Marichal, Heinrich, Kaufmann in Aachen. 

157 Marx, Robert, Kaufmann in Aachen. 

158 Maus, Heinrich, Rentner in Aachen. 

159 Med er, Joseph, Professor in Aacben. 

IGO Menghius, Wilhelm, Fabrikant und Stadtverordneter in Aachen. 

161 Michaelis, Adolf, Obertelegraphenassistent in Aachen. 

162 Michels, Joseph, Hotelbesitzer in Aachen. 

163 Mocken, Peter, Stiftsrendant in Aachen. 



~ U2 — 

164 Monheira, Johannes, Rentner, Gut Rutsch bei Aachen. 
<165 Müllenmeister, Joseph, Tuehfabrikant in Aacheu-Burtscheid. 

166 Müller, Dr. phil. Leo, Apotheker in Aachen. 

167 Müllermeister, Joseph, Hauptlehrer in Aachen. 

^168 Neilessen, Theodor, Rittergutsbesitzer und Stadtverordneter 

in Aachen. 
169 Niessen, Joseph, Kaufmann in Aachen. 
<170 Nüsse, August, Apothekenbesitzer in Aachen. 

171 Ochs, Heinrich, Pfarrer in M.-Gladbach-Lürip. 

172 Ohlemüller, Joseph, Postmeister in Rothe Erde. 

173 Oidtmann, Dr. Heinrich, Glasmalereibesitzer in Linnich. 

174 Opdenhof, Ernst, Fabrikant in Aachen. 

■ 175 Oppenhoff, Franz, Kgl. Kreisschulinspektor in Aachen. 
>176 Otten, Heinrich, Cigarrenfabrikant in Aachen. 
177 Overmeyer, Joseph, Oberlehrer in Aachen. 

'178 Packenius, Theophil, Rentner in Aachen. 
.179 Pastor, Emil, Assessor a. D. in Aachen. 

180 Pauchenne, L(5on, Professseur au coUcge St. Hadelin, Vise. 

181 Pauls, Dr. jur. August, Rechtsanwalt in Aachen. 
•182 Pauls, Emil, Rentner in Düsseldorf. 

183 Paulssen, Franz, Generaldirektor und Stadtverordneter 

in Aachen. 

184 Paulus, Eduard, Ingenieur in Aachen. 

185 Peltzer, Johann, Gesanglehrer am Realgymnasium in Aachen. 

186 Pelz er, Ludwig, Geheimer Regierungsrat in Aachen. 

187 Pepperraüller, Hermann, Bibliothekar an der Technischen 

Hochschule in Aachen. 
.188 Pick, Riehard, Stadtarchivar in Aachen. 

189 von Pier, Heinrieb, Nadel fabrikant in Aachen. 

190 Pohl, Wilhelm, Bildhauer in Aachen. 

■ 191 Polis, Pierre, Tuchfabrikant in Aachen. 

-192 Polis, Dr. phil. Pierre, Privatdozent und Direktor des 

Meteorologischen Observatoriums in Aachen. 
'193 Pschmadt, Johann, Realgymnasial-VorschuUehrer in Aachen. 

194 Pütz, Jacob, Kaufmann in Aachen. 

195 Qua d flieg, Peter, Rentner in Vaelser Quartier. 

196 Quadflieg, Wilhelm Joseph, Rentner in Aachen. 

197 (Juadt, Max, Rektor des Mariahilfspitals in Aachen. 

198 Reinkens, Heinrich, Kgl. Polizei-Assessor in Aachen. 

199 Roy, Dr. med. Joseph, Arzt in Aachen. 



— U3 - 

200 Roderburg, Joseph, Rentner in Aachen. 

201 Romundc, Joseph, Divisionspfarrcr in Aadien. 

202 Rossum, Rudolf, Kaufmann in Aachen. 

203 Rottmann, Friedrich Wilhelm, Kaufmann in Aachen. 

204 Rueben, Joseph, Bauunternehmer in Aachen. 

205 Rütgcrs, Franz Joseph, Juwelier in Aachen. 

206 Richstätter, Levin, Bergassessor in Aachen. 

207 Savelsberg, Dr. phil. Heinrich, Oberlehrer in Aachen. 

208 Schaeffer, Carl, Kaufmann in Aachen. 

209 Schaffrath, Joseph, Llhrmachor und Stadtverordneter 

in Aachen. 

210 Scheins, Dr. phil. Martin, Gymnasialdirektor in Aachen. 

211 Sclu-rvier, August, Kratzenfabrikant in Aachen. 

212 Schiffers, Heinrich, Beamter beim Hüttenwerk Rothc Erde 

in Eilendorf. 

213 Schiffers, Hubert, Steinmetzmeister in Racren. 

214 Schlesinger, Max, Verleger der „Aachener Post" in Aachen. 

215 Schmeicher, Joseph, Pfarrer in Thcnhoven bei Worringen. 

216 Schmitz, Carl, Baumeister und Stadtverordneter in Aachen. 
. 217 Schmitz, Heinrich, Professor am Realgymnasium in Aachen. 
, 218 Schmitz, Dr. med. Laurenz, Medizinalrat in Aachen, 

219 Schmitz, Peter, Cigarrenfabrikant in Aachen. 

220 Schnock, Heinrich, Strafanstaltspfarrer in Aachen. 

221 Schnütgen, Max, Professor und Religionslehrer am Kaiser- 

Karls-Gymnasium in Aachen. 

222 Schoenauer, Heinrich, Kaplan an St. Joseph in Aachen. 

223 Schoepen, Martin, Bildhauer in Aachen. 

224 Scholl, Kaspar, Kaplan an St. Nikolaus in Aachen. 

225 Sehollen, Matthias, Kanzleirat in Aachen. 

226 Schramm, Quirin, Chemiker in Aachen. 

227 Schroeder, Joseph, Notar in Aachen. 

228 Schumacher, Dr. med. Carl, Sanitätsrat in Aachen. 

229 Schumacher, Wilhelm, Kirchenmaler in Aachen. 

230 Schwan, August, Kaufmann in Aachen. 

231 von Schwartzenberg, Franz, Steinmetzmeister in Aachen. 

232 von Schwartzenberg, Nicolaus, Architekt in Aachen. 

233 Schweitzer, Ignaz, Buchhändler in Aachen. 

234 Schwengcr, Heinrich, Gerichtsreferendar in Aachen. 

235 Schwenger, Richard, Gerichtsreferendar in Aachen. 

236 Simeon, Adolf, Polizei rat in Aachen. 

237 Sommer, Dr. phil. Jacob. Professor in Aachen. 

238 Spics, Hubert, Gerichtsaktuar in Ottweiler, Rgbzk. Trier. 

239 Spittel, Gerichtsassessor in Aachen. 



— 144 — 

240 Spo eigen, ür. phil. Johann, Professor am Realgymnasium 

in Aachen. 

241 Springsfeld, Dr. med. Eduard, Arzt in Aachen. 

242 Strom, Friedrich, Kaufmann in Aachen. 

243 Th eisen, Johann Peter, Rechnungsrat in Aachen. 

244 Thelen, Arnold, Apotheker in Aachen. 

245 Thelen, Dr. med. Joseph, Arzt in Aachen. 

246 Thelen, Peter Joseph, Bauunternehmer in Aachen. 

247 Thissen, Anton, Nadelfabrikant in Aaclien. 

248 Thoma, Dr. med. Joseph, Sanitätsrat in Aachen. 

249 Thomas, August, Rechtsanwalt in Aachen. 

250 Thoenissen, Wilhelm, Pfarrer in Borbeck. 
261 Thyssen, Edmund, Architekt in Aachen. 

252 Thyssen, Friedrich, Kaiserlicher Postdirektor in Frankfurt 

am Main. 

253 Thywissen, Adolf, Maler in Aachen. 

254 Treuge, Bernhard, Oberlehrer in Aachen. 

255 Vaassen, Dr. jur. Bartholomaeus, Rechtsanwalt in Aachen. 

256 Valtmann, H., Kaufmann in Aachen. 

257 V andeneschen, Johann, Restaurateur in Aachen. 

258 Vecqueray, Joseph, Bauunternehmer in Aachen. 

259 Vichöfer, Dr. med. Ernst, Arzt in Aachen. 

260 Vigier, Adolf, Schirmfabrikaut in Aaclieu. 

261 Vigier, Louis, Schirmfabrikant in Aachen. 

262 Vincken, Michael, Postdirektor in Essen. 

263 Vogel, Dr. phil. Eberhard, Oberlehrer in Aachen. 

264 Vogelgesang, Carl, Rentner in Aachen. 

265 Vonderstück, Wilhelm, Pfarrer in Orsbach. 

266 Wacker, Dr. phil. Carl, Kgl. Seminardirektor in Koblenz. 

267 Wangemann, Dr. med. Paul, Zahnarzt in Aachen. 

268 Weber, Alexander,. Oberlehrer an der Webeschule in Aachen. 

269 Weber, Peter, Metzgcrnieister und Stadtverordneter in Aachen. 

270 Wehrens, Johann, Goldschmied in Aachen. 

271 Weis, Dr. phil. Heinrich, Oberlehrer in Eschweiler. 

272 Welter, Heinrich, Rechtsanwalt in Aachen. 

273 Weyers, Rodrigo, Buchhändler in Aachen. 

274 Wilden, Dr. jur. Wilhelm, Rechtsanwalt in Aachen. 

275 Witte, Bernhard, Stiftsgoldschmied in Aachen. 

276 Zentis, Franz, Kaufmann in Aachen. 

277 Zander, Joseph, Städtischer Verwaltungsbeamter in Aachen. 

278 Zaun, Heinrich, Generalagent in Aachen. 

Druck von Hermann Kaatzer in Aachen. 



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