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Full text of "Aus Aachens Vorzeit"

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Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 



Im Auftrag- des Vereins herausgegeben 



Heinrich Schnock, 



SIEBEXZEHXTER JAHRGANG. 




AACHEN. 
Kommissions -Verlag der Cremerschen Buchhandlung (C. Cazin). 

1904. 



ÖTER 
LIBRARY 



INHALT. 



Seite 

1. Das Netrologium des Aachener Dominikanerklosters. Von Fr. P. 

von Lue • 1 

2. Ein Beitrag zur Geschichte des St. Leönardklosters in Aachen. (Mir 
Abbildung.) Von H. Wolffgarten 27 

3. Der Totenkeller in St. Leonard. Von H. Wolf fgarten .... 38 

4. Kleinere Mitteilungen': 

1. Altertümliche Aachener Backformen. (Mit Abbildungen). Von 

H. Savelsberg 41 

2. Bericht über altertümliche Funde in Aachen im Jahre 1903. Von 

H. Savelsberg . . - 44 

ä. Geleitsrechte des Herzogs von Jülich im Jülichschen und in Aachen. 

Von E. Pauls , 49 

6. Reisebericht vom Jahre 1661 über Aachen. Von H. Savelsberg . 129 

7. Kleinere Mitteilungen : 

1. Bericht über altertümliche Funde in Aachen im Jahre 1904. . 141 

2. Aachener Arbeitslöhne am Anfange des 17. Jahrhunderts, . . 144 

3. Altertümliche Aachener Backformen (Nachtrag), von H. S a v e 1 s b e r g 1 4."> 

8. Geschichtsliteratur über Aachen in Zeitschriften und Tagesblättern. 

Von H. Savelsberg 146 

9. Bericht über die Monatsversammlungen und Ausflüge i. J. 1903/04. 

Von H. Seh no ek 153 

10. Bericht über das Vereinsjahr 1903/04 158 



An Aachens VbmlL 



Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 



Im Auftrag des Vereins herausgegeben 



Heinrich Schnock, 



SIEBENZEHNTER JAHRGANG. 




AACHEN. 

Kommissions -Verlag der Cremerschen Buchhanj)i,uno (C. Cazin). 

1904. 




Mitteilungen 

des 

Vereins 




für Kunde 

der 

Aachener Vorzeit 



Im Auftrage des Vorstandes herausgegeben von Heinrich Schnock 



Jährlich wenigstens 8 Nummern. — Preis des Jahrgangs 4 Mark. 

Verlag der Cremerschen Buchhandlung (C. Cazin) in Aachen. 



Nr. 1/3. 



Siebenzehnter Jahrgang. 



1904. 



Inhalt: Fr. Paulus v. Loe, Das Necrologium des Aachener Dominikanerklosters. - 
H. Wolflgarten, Ein Beitrag zur Geschichte des St. Leonardklosters in Aachen. — 
H. Wolflgarten, Der Totenkeller in St. Leonard. — Kleinere Mitteilungen. 1. H. Savels- 
berg, Altertümliche Aachener Backformen. 2. H. Savelsberg. Bericht über altertüm- 
liche Funde in Aachen im Jahre 1903. 



Das Necrologium des Aachener Dominikanerklosters. 

Von Fr. Paulus v. Loe. 

Das Necrologium des Aachener Dominikanerklosters ist uns 
in einem Pergamentcodex in Fol. erhalten, der ehemals im ge- 
nannten Kloster aufbewahrt wurde und jetzt im Provinzialarchiv 
• der deutschen Dominikanerprovinz zu Köln beruht. Das Necro- 
logium nimmt in diesem Codex die ersten 24 Blätter ein. 
Liturgischen Inhalts sind auch die übrigen Stücke, die wir kurz 
verzeichnen : 

Fol. 24 b. Das Freitagsresponsorium „Tenebrae factae sunt" 
mit Noten. (XVII. Jahrh.) 

Fol. 25—39. Das Invitatorium der Matutin mit Noten. 
(15. Jahrh.) 

Fol. 39. Das schon Fol. 24 b verzeichnete Responsorium 
mit Noten. (XVI. Jahrh.) 

Fol. 40 — 43. Lektionen des Totenofficiums mit den Rcspon- 
sorien in Noten. (XV. Jahrh.) 

Fol. 44—50. De officio legendi de Kaiendario et luna et 
martyrologio et aliis. De modo scribendi et legendi tabulam, 
in qua notantur fratres ad singula officia. — De arte inveniendi, 



qualiter sit pronuntiarida luna. — De prologis diversis super 
martyrologio. Epistola Chromatii et Heliodori episcoporum 
ad Hieronymuni super opere martyrologii. — Responsio Hieronymi 
ad eosdeni. — Praefatio Bedae in martyrologium. — Epistola 
seu praefatio Usuardi ad Karolum regem super opere martyrologii. 
(XV- Jahrb.) 

Fol. 50 b — 51. Benedictio vini in die b. Joannis Ev. — 
Benedictio herbarum in assumptione b. Mariae virg. (XVII. Jahrli.) 

Fol. 52 — 55. „Missa Polonica Musico-Choralis", mit Noten. 
(Auf eingeklebten Papierblättern, XVIII. Jahrb.) 

Fol. 56 — 77. Regula sancti Augustini cum constitutionibus 
fratrum S. Ord. Praedicatorum. (XV. Jahrb.) ' 

Der Codex ist am Schluss defect. Der gepresste Leder- 
band, in reicher Ausstattung im Renaissancestil, stammt aus 
dem 16. Jahrhundert. Er ist mit einfachen Schutzbuckeln und 
Krampen versehen. Das Necrologium, das uns hier allein be- 
schäftigt, ist in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts angelegt, 
und war auf drei Quaternionen geschrieben. Nunmehr fehlen 
die Blätter 6, 14, 17, 21, 23 vollständig. Mit Textverlust ver- 
stümmelt sind die Bll.: 3, 8, 13, 15, 22. Die Kalenden werden 
stets oben an der Seite begonnen. Die Sonntagsbuchstaben sind 
mit schwarzer (nur A rot), sonst ist das ganze Kalendarium mit 
roter Tinte geschrieben. Das Fest der h. Cäcilia (23. Nov.) ist 
erst im 16. Jahrhundert nachgetragen. Inhaltlich bietet das 
Kalendarium wenig Interesse. Es ist der gewöhnliche Dominikaner- 
kalender, aber ungenau und ungleichmässig ausgeführt. Ein 
Aachen eigentümliches Fest ist die zum 28. Januar notierte 
deposicio beati Karoli imperatoris. 

Die einzelnen Notizen, die das Necrologium bilden, sind in 
das Kalendarium eingeschrieben. Zur leichteren Auffindung der 
Namen haben wir die Obitus einzeln numeriert. Die verschiedenen 
Handschriften haben wir in folgender Weise kenntlich gemacht: 

(A) bezeichnet die älteste Hand, die nicht vor 1481 zu 
schreiben begonnen hat, da von ihr der Obitus des Nicolaus 
von Lüttich (n. 147) eingetragen ist, der 1481 noch Prior war. 
Es sind etwa 100 Eintragungen (im ganzen sind es 274) von 
dieser Hand gemacht, die den Schriftzügen nach sicher ins 
15. Jahrhundert gehörten. Chronologische Angaben fehlen bei 
(A) gänzlich, und die gebotenen Nachrichten sind äusserst 
dürftig. 



— 3 — 

(B) bezeichnet mehrere Schriften, die etwa dem letzten 
Decennium des 15., oder der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts 
angehören. "-Auch hier fehlen alle Zeitbestimmungen und die 
Notizen enthalten selten mehr als Angabe des Namens und 
Amtes (ob Prior, Supprior, Lcctor u. s. w.) des Verstorbenen. 

Die späteren Vermerke haben wir nicht mehr der Schrift 
nach unterschieden; denn vom 17. Jahrhundert an sind alle 
Sterbefälle datiert, und ist die Eintragung auch ziemlich gleich- 
zeitig erfolgt. Nur ein Schreiber des 17. Jahrhunderts (nach 1619) 
hat eine Anzahl Obitus aus dem 16. Jahrhundert nachgetragen. 
Es sind die NN.: 7, 54—56, 76—80, 152, 220, 221, 229. 
Wechsel der Schrift haben wir stets durch Trennungsstrich 
angedeutet. Die letzte Eintragung (n. 114) ist vom Jahre 1767. 

Was den Inhalt und den Wert unseres Necrologiums betrifft, 
so enthält dasselbe ausschliesslich Namen der Ordensbrüder, 
nicht etwa auch Namen der Wohltäter des Klosters, wie dies 
in andern Neurologien der Fall ist. Aachener Patrizier- und 
Schöffenfamilien werden häufig erwähnt, so die de Ammia (250), 
de Canali (212), de Colonia (89), de Foro (iii), de Eyse (253), 
de Such (273) u. s. w. Besondern Wert hat unser Necrolog 
jedoch vor allem für die Geschichte des Klosters selbst und 
für die Gelehrtengeschichte der Stadt Aachen und des Domini- 
kanerordens. 

Über die Geschichte des Klosters besitzen wir bereits eine 
Monographie von Quix (Aachen 1833) und die Festschrift von 
J. Hess (Aachen 1893). Was beide bieten, wird durch die 
Publikation des Necrologiums in mehrfacher W 7 eise ergänzt. 
Die unvollständige Liste der Prioren, die Quix (p. 50 und 51) 
aufstellt, kann nun bedeutend vermehrt werden. Auch von 
der geistigen Tätigkeit des Convents erhalten wir ein er- 
weitertes Bild. 

Zu den bei Quix (p. 50) verzeichneten Prioren kommen 
hinzu: Arnold Murselholts (49), Gyso Mursclholts (82), Heinr. 
Colrum (96), Heinr. de Redegin (45), Heinr. deRodenburg (264), 
Heini - , de Tulpede (159), Hermann von Lüttich (137), Jon. de 
Foro (iii), Jon. Krewel (94), Mathias Scop (148), Nicolaus de 
Alzeto (269), Wilh. de Lutzemburch (189), Wilh. Metzmecher 
(185), Wilh. de Monasteno (216), Wilh. de Raede (217). Alle 
diese Namen sind noch von der ersten Hand in das Totenbuch 
eingetragen, und haben also die betr. Prioren vor 1500 gewirkt. 



Aus wenig- späterer Zeit stammen die Eintragungen des fr. 
Mathaeus (153) und des Peter von Osterwick (32). 

Unter den Aachener Gelehrten, über die das Necrolog be- 
richtet, haben sich den grössten Ruf erworben: Mathias Sittard, 
der Beichtvater der Kaiser Ferdinand und Maximilian II. (221), 
Leonard Sittard, Weihbischof von Mainz (220), Joh. Franssens, 
Professor an der Wiener Hochschule (104). Auch Joh. Dieten- 
berger wird kurz erwähnt (55). Im ganzen finden sich zehn 
Magistri in S. Theologia, 7 Baccalaurei und 23 Lectores oder 
Licentiaten verzeichnet. Zehn Ordensbrüdern wird der Titel 
„Praedicator generalis" beigelegt, eine Würde, die im Dominikaner- 
orden nur hervorragenden Predigern zuteil wurde. Von den 
Provinzialen der deutschen Dominikanerprovinz, zu welcher das 
Aachener Kloster seit seiner Gründung im Jahre 1293 gehörte, 
werden genannt: Joh. Kosler (260), Servatius Jüngling (80 und 
202), Andreas (im Necrolog irrtümlich Johannes genannt) Alen- 
vorst (37), Arnold Gillius (272), Joh. Franssens, der schon ge- 
nannte Wiener Professor, und Wilhelm Brant (50). Nähere 
biographische Nachrichten geben wir in den Anmerkungen zu 
den einzelnen Obitus. 

Nach Prüfung der Angaben unseres Necrologiums sind wir 
berechtigt zu sagen, dass dieselben Zeugnis ablegen für den 
guten Geist und den Eifer, die in früheren Zeiten durchweg 
im Dominikanerkloster zu Aachen herrschten, und durch die 
dasselbe seiner Vaterstadt und seinem Orden Jahrhunderte hin- 
durch zur Zierde gereicht hat. 

A b k ü r z u n g c n : 

Qu ix = Das ehemalige Dominikaner-Kloster und die Pfarre zum 
k. Paul in Aachen. Von Christian Quix, Oberlehrer. Aachen 1833. 

Hess, Fostsckr. = Festschrift zur 600jährigen Jubelfeier der Domini- 
kaner- und Hauptpfarrkirche vom h. Paulus in Aachen. Herausgegeben von 
Joh. Hess, Kaplan an St. Paul. Aachen 1893. 

Mon. Ord. Praed. = MonuiuentaOrdinis Fratrum Praedicatoruni Historica. 
Lovanii (postea Romae) 1896 ss. 

La matsch, Beiträge = Beiträge zur Geschichte des Dominikaner- 
oder Prediger-Ordens in allen Ordensprovinzen vom gew. Prior Ignaz 
Lamatsch. Oedenburg 1855. 

Brunner, Predigerorden = Der Prediger-Orden in Wien und Öster- 
reich, von Sebastian Brunner. Wien 1867. 

A. R. et Ex. P. Fr. = Admodum Rcverendus et Eximius Pater, Frater. . . . 

F. h. c. = Filius haius Conventus. 

R. i. P. A. = Requiescat in Pace. Amen. 



— o 



Januarius. 

1. Circumcisio dni. duplex. [Bl. 1.] 

2. Obiit in Kilborch Ven. P. Fr. Dominions a Sancto Vito, 1 
qnondam procurator ac f. h. c. — 1607. 

3. A°. [15] 86 obiit Fr. Cornelius a Langendorp, couversus, 2 
cocus (!) et cellarius. 

4. (B.) Obiit Fr. Petrus Wree, lector et iubilarius. 3 

5. A°. 1674, die 5 Jannarii pie ac placide diem supremum 4 
obiit R. P. Fr. Mathaeus Schonbroedt, f. h. c. et sedulns 
eleemosynarum collector. R. i. P. 

6. Epiphanie dni. duplex. 

9. (B.) Obiit Fr. Hinricus de Blisia, novicins. 5 

— A°. 1698, 17 Jan. obiit A. R. P. Fr. Udalricus Nols 1 ,« 6 
praedicator generalis et prior, a°. aetatis suae 72, pro- 
fessionis 52, sacerdotii 45, officii prioralis 33 diversorum 
conventuum Hagenoensis, Rothwilani, Aquisgranensis, 
Francofurtani, cui aedificando paene ex fundamento 
coronam imposuit, multis aliis officiis et meritis, tandem 
in nativo suo conventu Aquensi reelectus prior, post- 
quam tum illi, tum aliis prae — et plurimum profnisset. 

10. A°. 1533 obiit Treviris Fr. Joannes Traiecti 2 , iubilarius 7 
Aquensis, qui annuuin reditum decem aureorum fundavit 
pro uno studente sui conventus Aquensis. 
A°. 1705, 4 Jan. obiit A. R. P. Fr. Thomas Houben 3 , 8 
praedicator generalis, diversorum conventuum aliorum 
ac tandem sui nativi quondam prior vigilantissimus. 
A°. 1705, 20 Jan. obiit R. Fr. Jacobus a Campo 4 con- 9 
versus. 

12. 31 Jan. 1693 obiit R. P. Alanus Rimberg, a°. aetatis 10 
suae 25, studens Theologiae. 

17. Anthonii abbatis. duplex. [Bl. 2.] 

18. A". 1667 Divione in Galliis, ex rupe divae Mariae 1 1 



') Ulrich Nols war nach Quix (p. 51) a. 1671 Prior. 

2 ) Johannes Roeb de Traiecto war nach den Urkunden bei Quix (p. 82, 
85, 86) a. 1506—1508 Prior. Derselbe Obitus steht noch einmal zum 5. März 
eingetragen. 

3 ) Thomas Houben war nach Quix (p. 51) a. 1690 Prior. 1691 den 
14. Mai fungiert er in einer Urkunde als Procurator des Klosters. (Quix, p. 93.) 

*) Der Obitus des Jac. a Campo steht auch eingetragen zum 19. .lau. 



Magdalenae, paenitenti sacra, ad suam provinciam redux, 
obiit P. Fr. Wilhelmus Franck, h. c. f. 

A°. 1680 hoc die in suo nativo conventu vixit R. 12 
P. Fr. Raymundus Koulen, prope octogenarius, pro 
tempore cantor, supprior et senior, pater de consilio, 
prope iubilarius professus. R. i. P. A. 
19. A°. 16(38 hie Aquisgrani obiit A. R. ac Ven. P. Fr. 13 
Paulus Winckel, iubilarius et h. c. f. 

A°. 1707, 5 Febr. obiit R. P. Fr. Ludovicus Goddart 14 
a°. aetatis suae 52, professionis religiosae 26, sacerdotii 
24, f. h. c. R. i. P. 

— A°. 1705, 20 Jan. obiit Rel. Fr. Jacobus a Campo 1 , 15 
con versus. R. i. P. 

21. Agnetis virginis. 

22. Vincentii martyris, 

23. Obiit Fr. Severinus, conversus et iubilarius. 16 

— Obiit Fr. Arnoldus Pfrothem 2 , quondam prior huius 17 
conventus, iubilarius et praedicator generalis. 

25. Conversio s. Pauli. 

(A.) Obiit Fr. Joannes Vrees, supprior. 18 

28. Deposicio beati Caroli imperatoris. Translacio 
Thome de Aquino. 

29. A°. 1695, 15 Febr. obiit medio deeimae matutinae Rel. 19 
B'r. Willibrordus Kirchrath, conversus zelosus et reli- 
giosus, multis annis terminarius patriae Luxemburgensis, 
aetatis suae 59, h. c. f. 

30. Obiit Fr. Matthias Aquensis :i , conversus et portarius. 20 

31. (B.) Obiit Fr. Wilhelmus Arnoltzwijlre, sacerdos. 21 

Februarius. 

[Bl. 3] 4 . 

1. (B.) Obiit Fr. Jacobus ab . . . berch, sacerdos et ... 22 

2. Piu'ificacio Marie . . . 

(B.) Fr. Leonardus de Bli . . . 23 



M Vergl. Anra. 4. 

2 ) Arnold von Froitzheim war nach Quix (p. 50) a. 1500 Prior. Qnix 
schreibt Pforzheim. 

3 ) Per Oliitus des Mathias Aq. steht auf Rasur. Die frühere Ein- 
tragung ist. nicht mehr lesbar. 

4 ) Blatt 3 ist zur Hälfte der Länge nach durchgerissen. Die Tage vom 
5— 12. Febr. fehlen ganz, die übrigen Eintragungen sind verstümmelt. 



— 7 — 

3. Blasii epi. et mar! 

(B.) Obiit Fr. Jacobus Hendricks sacerdos *. 24 

13. (A.) [Ob s i]erunt Fr. Wilhelmus Rutgeri 2 , prior et [lector] 25 
in ordine, et Fr. Johannes de Haselholts. 26 

— (B.) [Obiit] Fr. Christianus de Weda, sacer[dos] 27 
et iubilarius. 

14. (A.) [Obii]t Fr. Tlieodericns conversus. 28 

15. (A.) [Obii]t reverendus magister Mathias Dur 3 ; 29 
[Bl. 4.] 

17. Obiit Fr. Johannes Boxtel, sacerdos et iubilarius. 30 

— 1656 Anno fatalis incendii totius regiae urbis Aquis- 31 
granensis hoc die obiit R. P. Fr. Franciscus Voetz, 

h. c. f. 2 a Mail 

18. Obiit Fr. Petrus ab Osterwick, quondam prior, h. c. f. 32 
nativus. 

21. (A.) Obiit Fr. Johannes de Porta Colouiensi, sacerdos. 33 

— (B.) Obiit Fr. Johannes Steynhem, sacerdos. 34 

22. Cathedra Petri apostoli. 

(A.) Obiit Fr. Thomas Herle, sacerdos. 35 

23. (B.) Obiit Fr. Cratho a Lamersdorp, sacerdos. 36 
— Obiit A. R. et Exim. P. Fr. Joannes Alenvorst 4 , 37 
prior 9 annis Constantiae et 5 Coloniae, et demuni 
provincialis in via ad capituluni generale connneans e 
vita migravit; conventus Coloniensis filius, 1647. 



') Der Obitus des Jac. Hendricks ist radiert, aber noch lesbar. 

2 ) Wilhelm Kutgeri war nach Quix (p. 50) a. 1388 und 1399 Prior. 

3 ) Mathias Dur ward 1421 auf dem Generalcapitel zu Metz zum Pro- 
fessor der Exegese in Köln ernannt, als eventueller Stellvertreter des Hen- 
rieus de Sanetis. 1423 wurde er an der dortigen Universität immatrikuliert. 
Im Jahre 1426 ward er auf dem Generalcapitel zu Bologna zum Professor 
der h. Schrift ad legendum pro forma et gradu magistcrii in Erfurt bestimmt, 
(Mon. Ord. Praed. VIII p. 171 und 191. Die Schreibweisen Hur und Dux 
sind unrichtig) und dort tatsächlich im selben Jahr promoviert. ( Weissenborn, 
Acten der Erfurter Universität I, Halle 1881 p. 137 a.), 1427/29 ward er 
dann wieder bei der Kölner theo]. Fak. reeipiert. Vgl. Kcussen, Matrikel 
der Kölner Universität I, Bonn 1892, p. 198. 

■■) Johannes Alenvorst, sonst überall Andreas A. genannt, war schon 
1628 als Prior des Wiener Convcnts auf dem Provinzialcapite] zu Würzburg. 
(Brunner, Predigerorden p. 18). 1629 war er als Diffinitor auf dem General- 
capitel zu Rom und wurde dort zum Magister ernannt. (Mon. Ord. Praed. 
XII, p. 2, 38.) 



— 8 — 

24. Mathie apostoli. 

Obiit Aquisgrani in hoc suo nativo conventu religiosus 3b 
omnibus dilectus confrater noster Fr. Erasmus Herstall 
dictus Tonnart, natus in oppido Herstall, patriae ac 
dioeceseos Leodiensis, longa ac intolerabili tabe exustus 
et exhaustus, a. aetatis suae 73, professionis 53, iu- 
bilarins, quibus tamqnani fidelis filius in officiis hortnlani 
ac terminarii seduli, fractus laboribus usque in senectutem 
exhaustus, sexennio omni privatus usu membrorum, ani- 
niam tandem creatori suo reddidit a. s. 1601. 

25. A°. 1681 obiit R. P. Benedictus Lorinus, Selestadii 39 
subprior, h. c. f. 

— 1711, 25 Febr. Aquis obiit Rel. Fr. Angelus Brewer, 40 
conversus, h. c. f. R. i. P. 
27. 1720, 27 Febr. Aquisgrani obiit R. P. Fr. Wilhelmus 41 
Graft, f. h. c. R. i. P. 



j j 



. Martius. 

2. 1666 obiit Bettovii in Styria R. P. Fr. Jacobus Florence, 42 
praedicator generalis, ibidem landabiliterexpleto priorali 
officio, h. c. f. 

4. A°. 1653 obiit in Kirchrahtt Fr. Engelbertus Hiep, 43 
h. c. f. conversus et terminarius diligentissimus. 

[Bl. 5.] 

5. (B.) Obiit Fr. Johannes a Traiecto 1 , quondam prior et 44 
iubilarius. 

6. (A.) Obiit Fr. Henricus de Redegin, quondam prior et 45 
lector hnius conventus. 

7. Thome de Aquino, totuin duplex. 

(A.) Obiit Fr. Robinus de Sancto Trudone 2 , quondam 46 

prior et iector huius conventus. 
'.>. Obiit Fr. Johannes Anthin. conversus et iubilarius. 47 
10. Obiit a. 1629 Wesaliac R. P. Gerard us Gravius, ibidem 48 

subprior, quondam subprior Susatensis, f. h. c. 
12. (A.) Obiit Fr. Arnoldus Murselholts, quondam prior et 49 

lector huius conventus. 



') Der Obitus des .loh. a Traiecto ist auch zum lo. .lau. eingetragen. 
2 ) Robin Gilliin v. S. Trond war nach Quix (p. 50, 78) a. 1478 — 
1480 Prior. 



— 9 — 

13. Obiit in Kilberch dignissimus P. Fr. Wilhelmus Brant, 50 
sacre Theologie lector ac provincialis superioris Ger- 
manie, h. c. f. 

14. (B.) Obiit magister Johannes Vlodrop K 51 
18. (A.) Obiit Fr. Henricus Rijst 2 , quondam prior huius 52 

conventus. 
20. (B.) Obiit Fr. Dominions de Geldria, sacerdos et iu- 53 
bilarins 3 . 

A°. 1537 obiit Fr. Joannes Craborn, conventus Aquensis, 54 
1° Colmariae, 2° Treviris, 3° Aqnisgrani lector. 
Item obiit Fr. Mathias Leonis 4 , s. Theologiae licentiatus, 55 
qui a. 1518 fuit primns supprior reformatae Confluentiae 
sub P. Dietenbergio 5 , priore et reformatore conventus 
einsdem. A°. 1533 idem fuit prior Aquisgrani, postea 
tertia vice prior Treviris, ac tandem a. 1537 vicarius 
sirnul generalis totius provinciae Teutoniae. 
Item Fr. Dionysius Kos 6 de Norbeck, prior Confluentinus, 56 
uti olim et sui Aqueusis. 

— A°. 1716, 10 Calendas Aprilis sive 23 Martii obiit 57 
A. R. et Ex. S. Theologiae magister P. Fr. Bernardus 
Driesch 7 , huius sui nativi conventus concionator actualis 
et quondam prior. 

1712. 5 Aprilis Aquisgrani obiit R. P. Fr. Cornelius 58 
Biorn 8 f. h. c. R. i. P. 



') Job. von Vlodrop kommt in einer Urkunde vom 25. Juni 1506 vor. 
(Quix p. 82.) 

2 ) Heinr. von Rijst war nach Quix (p. 50) a. 1454 Prior. 

3 ) Bl. 6 fehlt, (21. März bis 4. April.) Die folgenden Notizen bis zum 
5. April stehen auf einem eingeklebten Zettel. 

4 ) Mathias Löwe war Prior in Aachen a. 1541 (Quix p. 50). Er war 
1539 als Diffinitor auf dem Generalcapitel zu Rom und wurde dort zum 
magister promovirt. (Mon. Ord. Praed. IX, p. 267 und 274.) 

5 ) Über Dietcnberger vgl. die ausführliche Monographie von Wedewer. 

6 ) Dioysius Ros von Norbeck war nach Quix (p. 29 und 50) a. 1537 
und 1540 Prior. Der Obitus ist noch einmal zum 7. October eingetragen. 
Diese letztere Eintragung ist die frühere. 

7 ) Hernard Driesch war nach Quix (p. 51) a. 1708 Prior, und wurde 
dann als Theologus Casanatensis nach Rum berufen. Schon 1706 war er 
auf dem Generalcapitel von Bologna zum magister ernannt worden. (Mon. 
Ord. Praed. XIII, p. 357.) 

8 ) Der Obitus des Cornelius Biorn sieht auf der Rückseite des ein- 
geklebten Zettels eingetragen. 



10 — 



April is. 

[Bl. 7.] 

r>. S. Vincencii, ord. Predicatormu. 

6. (B.) Obiit Fr. Joannes Mick, sacerdos. 59 

7. (A.) Obiit Fr. Wilhelmus. 00 

8. (A.) Obiit Fr. Leonardus Kettenisse 1 , sacerdos. 61 

9. (A.) Obiit Fr. Joannes Wyencla 2 , iubilariüs. 62 

Obiit a. 1706, 21 Aprilis R. Fr. Jacobus Franque 63 
con versus, f. h. c. II. i. P. 
10. A°. 1678, die 28 Aprilis obiit Rel. Fr. Tilmännus 64 
Tielen conversus, f. h. c. terminarius, cuius anima 
R. i. P. 

- A°. 1716, die 10 Aprilis et IV" idus Apr. obiit hora 65 
quinta vespertina R. P. Fr. Joannes Müller, aetatis 
snae 53, f. h. c. R. i. P. 

12. (B.) Obiit Fr. Theodericns a Simpelveit, sacerdos et 66 
iubilariüs. 

13. A°. 1652 obiit R, P. Fr. Augustinus Hoffmann h. c. f. 67 
nativus, niultis pro cominuni eins bono perfunctus la- 
böribus. R. i. P. Amen. 

A". 1670, 4 Maii obiit A. R. P. Tlieodorus a Campo :! ; 68 
f. 1). c. olim Wesaliae Clivorura prior ac Francofurti 
snpprior, in quo officio ibidem diem sunm feliciter obiit. 
R. i. P. qui multis pro conventu sno nativo in termino 
perfunctus laboribns ad coeli tandem praemia (:ut ere- 
il imus:) evolavit. 

14. (B.) Obiit Fr. Wilhelmus Delf sacerdos - et Fr. 69 
Antonius de Buscoducis, quondam snpprior lmjus con- 70 
ventus. 

- A°. 1700, 10 Maii obiit R. P. Philippus Beigens 1 , 71 
quondam huius sui nativi conventus supprior. 



') Leonardas Kettenisse war nach Qnix <]>. 50) a. 1463 Prior. 

'-') Job. Wyencla (Quix schreibt Vincla) war 1390 Prior (Quix ]). 50). 
Sein Obitus ist. auch zum 17. Oct. eingetragen. 

i Theodor a Campo war 1661—64 Prior im Weseler Kloster. Für 
Aachen wird er in einer bei Quix (p. 92) mitgeteilten Süftiin^surkundc vorn 
1 l. Mai 1G91 erwähnt. 3 Prüder von ihm waren gleichfalls Dominikaner: 
Der Wiener (Juiversitätsprofessor Petrus a Campo, der Aachener Prior 
Döminicus a Campo (1683 und 1688 vgl. Quix p. 51) und Ludovicus a Campo, 
der im Maestrichter Kloster lebte. 

') Philippus Beigens war 1691 den M. Mai Supprior im Aachener 
Kloster. (Quix p. 93.) 



— 11 — 

15. A°. 1600 obiit A. E. P. Fr. Joannes Wilhelmus Messen \ 72 

s. Theologiae Praesentatus, quondani lmius sni nativi 

conventus prior. 
17. A°. 1708, 9 Maii obiit A. R. P. Josephus Pesch. con- 73 

ventns Aquensis filius. 
19. (B.) Obiit Fr. Hinricus Randenrait novicius. 74 

[Bl. 8.] 
23. Georgii martyris, 
25. Mauci evangeliste. 

29. Petri martyris. ord. Predicatorum. 

30. Petri martyris. duplex. 

Anno 1647, 17 Maii obiit hie in conventu nostro Fr. 75 

Petrus Elsenbroch 2 , con versus et sartor, de quo vere 

poterat proferri: Ecce vere Israelita in quo dolus non 

est: Nathanael genuinus, in labore sedulus et pacis 

amator et conservator. R. i. P. 

A°. 1571 obiit Confluentiae R. P. F. Mathias Blisiensis, 76 

supprior Confluentiae, uti olim Wormatiae, conventus 

Aquensis filius 3 . 

A°. 1602 obiit Romae R. P. Fr. Christophorus Wiers, 77 

vir optimae vitae, olim Bambergae lector, supprior et 

novitiorum magister siraul; item Romae in conventu 

S. Sixti magister novitiorum, conventus Aquensis filius. 

A". 1586 obierunt Fr. Stephanus Regius, confessarius 78 

sororum in Stetten, eisdem a capitulo Bambergensi 

sollicite commendatus. 

Fr. Franciscus Francken ab eodem capitulo prior 79 

Moguntinus institutus et. 

Fr. Servatius Junglinck 4 , supprior ibidem et magister 80 

novitiorum, omnes filii conventus Aquensis. 

— 1737, 18 Mai Aquisgrani obiit R. P. Petrus Bree, 81 

aetatis suae 35, quondani huius conventus procurator, 

vitae monasticae exemplar. R. i. P. 

l ) Job. Wilh. Messen war nacli Quix (p. 51) a. 1G85 Prior. 

' 2 \ Dur Obitus des Peter Elsenbroch steht auch zum 2!). Mai eingetragen. 

3 ) Der 27. und 28. April sind ausgeschnitten und an deren Stelle ist 
ein Zettel eingeklebt, auf dem die liier folgenden Obitus bis zum Mai ein- 
getragen sind, Der Obitus des Petrus Bree ist später auf der Rück 
des Zettels nachgetragen. 

*) Eine ausführlichere Notiz über Jüngling s. am 30. Sept. 



— 12 — 

Maiius. 

i. Philippi et Jacobi apostolornm. duplex. 

(A.) Obierunt Fr. Gyso Murselholts, quondam prior et 82 
lector in ordine et Fr. Johannes Zijnenbendn ovicius. 83 

— (B.) et Fr. Nicolaus de Poppardia l , lector generalis 84 
et quondam prior — huius conventus, qui insignem in 
horto mumm cum hac Epigraphi erexit: 

Niclas me strauit, quem Kind Bopardia pavit | 
Augusto vere, dum mors celebrata Marie, j 

2. Catherine virg. Senensis. duplex. 

3. Invencio sce crucis. duplex. 

4. Corone domini. 
[Bl. 9.] 

6. Johannis ante portam latinam. duplex. 

(A.) Obiit Fr. Henricus conversus. 85 

— 1711, 6 Mai obiit Rel. Fr. Leonardus Mautz, con- 86 
versus, h. c. f. R. i. P. 

7. Tanslatio Petri mart. totum duplex. 

(A.) Obiit Fr. Mathias Buntouge, quondam supprior 87 
huius conventus. 

— et Fr. Johannes Deist 2 sacerdos. 88 

8. Apparicio sei Michaelis. 

(A.) Obiit Fr. Johannes de Colonia sacerdos. 89 

— A°. 1701, 8 Maii obiit R. P. Arnoldus Tau, f. h. 90 
c. R. i. P. 

10. (A.) Obiit Fr. Henricus de Vechel sacerdos. 91 

11. Obiit Fr. Everardus conversus et iubilarius. 92 

12. A°. 1678 Luxemburg! obiit Fr. Mathias Heijbenecher 93 
conversus h. c. f. 

13. (A.) Obierunt Fr. Johannes Krewel, quondam prior huius 94 
conventus et Fr. Christianus de Colonia. 95 

14. (A.) Obiit Fr. Henricus Colrum, quondam prior et lector 96 

in ordine. 
16. (B.) Obiit Fr. Hynricus de Betburch, sacerdos et iu- 97 

bilarius. 

— Obiit Fr. Aegidius Kirnest iubilarius et quondam 98 
procurator huius conventus. 

! ) Nicolaus von Boppard war 1493 Prior (Quix, p. 19 und 50), über 
die Inschrift vgl. Hess, Festschr. p. 21. 

2 ) Der Obitus des Joh. Deist ist auch zum 13. Oct. eingetragen. 



— 13 — 

17. (B.) Obiit Fr. Paulus Lynnich, quondam supprior. 99 

18*! (A.) Obiit Fr. Johannes de Folie. 100 

[Bl. io:] 

22. (B.) Obiit Fr. Thomas de Husden sacerdos. 

24. Translacio Dominici confessoris. 

(A.) Obierunt Fr. Jacobus de Ripa et Fr. Jo- 102 103 
hannes Sartoris. 

25. A°. 1666 obiit Viennae prior A. R. et Ex. P. Magister 104 
Joannes Franssens 1 doctor ibidem universitatis, per 
Teutoniam provincialis, plurimis annis Viennae prior 

et illius conventus, sicut et liuius nostri, cuius erat 
filius, summus benefactor. 

28. (A.) Obiit Fr. Conradus de Gurzennich. 105 

29. Die 17 Maii a°. 1647 obiit Rel. Fr. Petrus Elsenbroich 2 106 
con versus, qui per aliquot annos sacrista et 21 circiter 
sartor conventus Aquensis fidelissime extitit. Oretur 

pro eo. 

Junius, 

1. A°. 1675 die l a Junii obiit Rel. Fr. Andreas Rahdts 107 
conversus, f. h. c. terminarius fidelis. 

4. 1711, 4 Junii obiit Aquisgrani Rel. Fr. Franciscus 108 
Landten conversus, f. h. c. 

[Bl. 11.] 

5. Obiit Ven. P. Fr. Johannes Clementis, longo tempore 109 
supprior, nee non iubilarius a. d. 1580 — cum opinione 
sanetitatis. 

7. A°. 1630 hac die, longa lympanitide exhaustus placide 110 
in Dno obdormivit Rel. confrater noster Fr. Arnoldus 
Lohn aetatis suae 79. 



') Joh. Fransens wurde auf dem Generalcapitel zu Kom 1644 als 
Magister studii im Wiener Convent zum „Baccalaureus sive Praesentatus" 
ernannt. 4 Jahre später wurde er ebenfalls auf einem Generalcapitel zu 
Rom Magister. (Mon. Ord. Praed. XII p. 132 und 312.) Als Professor 
der Wiener Universität war er 1648 Procurator der ungarischen, 1651 — 1655 
Procurator der rheinischen Nation. Er war dreimal Prior des Wiener Con- 
vents. (Brunner, Predigerorden p. 6, 35.) Als Provinzial visitierte er im 
August 1658 den Ketzer, und am 3. Dez. desselben Jahres den Friesacher 
Convent. Sein Nachfolger wurde 1662 ernannt. (Lamatsch, Beiträge p. 29, 
185, 241.) Er starb nach dem Wiener Nccrologium (Brunncr 1. c. p. 6) am 
3. Dezember. 

2 ) Der Obitus des Peter Elsenbroich ist auch zum 31. April eingetragen. 



— 14 — 

8. (A.) Obiit Fr. Johannes de Foro 1 , quondam prior et 111 
lector in online. 

10. Obiit Ven. P. Fr. Servatius Schaffrait a Bostweiler 112 
sacerdos. A. d. 1601. 

11. Barnabe apostoli. 

15. A°. 1672 die 15 Jnnii obiit R, P. Reginaldus Smidts, 113 

f. h. c. 

A°. 1767 obiit R. P. Reginaldus Paulus. R. i. P. 114 

A°. 1766 obiit Fr. Laurentius Weingarten, f. h. c. 115 
17. A°. 1681 obiit Rel. Fr. Henricus Huart conversus, 116 

annorum 80, qui fuit vir laboriosus, simplex et pius, 

verus Israelita, in quo dolus non est. 

(B.) Obiit Fr. Tilmannus de Weda, quondam supprior 117 

huius conventus. 

— Fr. Johannes Lovaniensis profligatus a°. [15]79. 118 
Obiit a°. 1662 R. P. Fr. Vincentius Riolius, con- 119 

ventus Trevirensis filius. 

— Obiit a°. 1672 R. P. Arnoldus Swirten 2 , S. Theologiae 120 
lector, f. h. c. 

— Obiit a°. 1705, 5 Julii Rel. Fr. Casparus Quodbach 121 
conversus, f. h. c. R. i. P. 

19. Obiit Fr. Gobelinus Loichtman ab Helraidt novitius 122 

a°. [15]79. 

[Bl. 12.] 
24. (A) Obiit magister Johannes Winingen 3 , quondam vi- 123 

carius nacionis Brabancie. 



') Job. de Foro betreffen zwei Regesten des Ordensgenerals Raimund 
von Capua: „1392 die 5 iulii concessit fr. Jobanni de Foro usum primae 
cellae in conventu Aquensi.", dann 1395 die 22 novembris assignavit con- 
ventui Treverensi fratres Job. de Foro et Job. Besch pro conventualibus" etc. 
Römische Quartalschrift 1901 p. 137 und 138. 

2 ) Arnoldus Swirten batte 1658 Profess abgelegt (Quix p. 42). 

3 ) Job. von Winingen, nach Hartzheim zu Köln geboren, wurde 1418 
an der Kölner Universität immatrikuliert. 1431 ward er auf dem General- 
capitel des Ordens zu Lyon zum Regens des Kölner Studiums ernannt. 
1433 war er dortselbst Dekan der tbeol. Fakultät. Im selben Jahre wurde 
er an die neueröffnete Universität zu Löwen berufen, wo er am 21. Dez. 
immatrikuliert ward. Im folgenden Jahre begann er dort als Regens seine 
exegetischen Vorlesungen. Seine Schriften sind bei Hartzheim und Quetif 
verzeichnet. Er starb 1449. Als Vicar der Brabanter Nation hatte er die 
Dominikanerklöster in Brabant, zu denen auch Aachen gerechnet wurde, 



- 15 

25. Nativitas Johannes baptiste. 

(A) Obiit Fr. Johannes Neyther. 121 

27. Johannis et Pauli inartyriini. 

(A) Obiit Fr. Johannes Butgenbach et Fr. Hen- 125, 126 
ricus Caster. 

— A°. 1692, 21 Julii obiit R. P. Joannes Weissenburg 127 
aetatis 72. h. c. f. 

28. A°. 1683 die 26 Julii pie obiit R. P. Henricus Fluegels 128 
lector, h. c. f. 

30. Petri et Pauli apostolorniii. 

(B) Obiit Fr. Wilhelmus Susteren. 129 

31. 1720, 30 Junii Treviris obiit A. E. P. Praedicator 130 
, Generalis Fr. Michael Bindais, ibidem concionator ac- 

tualis ad divam virginem, f. h. c. R. I. P. 

Julius. 

1. Visitacio Marie virginis. 

(A) Obiit Fr. Walwanus de Glimbach. 131 

— Obiit Fr. Leonardus Aldenhoven sacerdos. 132 
A°. 1702. 13. Julii obiit A, R. P. Dominicus a Campo 1 , 133 

S. Theologiae Praesentatus, quondam huius sui nativi 

conventus prior. R. I. P. 

4. (A) Obiit Fr. Walterus de Kuichoven, quondam supprior 134 

huius conventus. 

[Bl. 13] 

6. (A) Obiit Fr. Henricus de Parvisio iubilarius. 135 

9. (A) Obiit Fr. Jacobus de Herle. 136 

17. (A) Obiit Fr. Hermannus Leodii, quondam prior et lector 137 
in ordine. 

— et Fr. Wilhelmus a Gangelt. olim prior in Zirczee. 138 
a. [15] 79. 

18. (A) Obiit Fr. Conradus de Wijswijlre. 139 



unter sich. Vgl. Quätif und Eckard, Scriptores U. Praed. I, (Paria 1719) 
p. 807 — Hartzheim, Bibliotheca (Joloniensis (Köln 1747) p. 210. - - Bianco, 
Die alte Universität Köln etc. I, (Köln 1850) p. 77. — Keussen, Die 
Matrikel der Universität Köln 1, (Bonn 1892) p. 163. — Mon. 0. Praed. 
VIII, p. 214. 

') Dominicus a Campo war nach Quix (p. öl) 1683 u. 1G88 Prior, und 
ebenso (p. 91, 93) 1684 und 1691. 



— 16 — 

Augustus. 

5. Dominici confessoris, patris ordinis Predicatorum 

[Bl. 15) 1 
(A) Obiit Fr. Nicolaus Coci. 140 

6. Transfiguracio diii. 

(A) Obierunt Fr. Jacobus de Fovea Arene sacerdos et 141 
Fr. Johannes Kegeler novicius 142 

— et Fr. Adrianus de Veris sacerdos. 143 
9. (A) Obierunt Fr. Johannes de Bettendorp et 144 

Fr. Johannes Vet iubilarius 145 

— et Fr. Jacobus Baistwielerensis novitius a [15] 79. 146 

10. Laurencii martyris. 

(A) Obiit Fr. Nicolaus Leodii 2 , quondam prior et lector 147 
huius conventus. 

11. (A) Obiit Fr. Mathias Scop, quondam prior. 148 

— Obiit Fr. Gerhardus Hausen professus [15] 95. 149 

12. (A) Obiit Fr. Thomas de Hoisset 3 , novicius. 150 

(B) Obiit Fr. Vincencius de Sancto Vito sacerdos. 151 

— A°. 1582. 30. Augusti obiit Oonfluentiae Ven P. Fr. 152 
Paulus Beausardus S. Theologiae lector, praedicator 
generalis, supprior et concionator ad divam virginem 
Oonfluentiae annis novem, conventus Aquensis filius, 
bonus et doctus senex. 

13. (B) Obiit Fr. Matheus, lector et prior. 153 

— Obiit a 1627. 4. Septembris R. confr. noster Fr. 154 
Joannes Geldenrich, senior et huius conventus nativus 
filius, Herlensis. R. I. P. 

A°. 1680 obiit A. R. P. Fr. Antonius Franssen, prior 155 
quondam Wormatiae et hie bina vice supprior, de hoc 
conventu bene meritus. R. I. P. Amen. 
15. Assunipcio Marie virginis. totum duplex. 

(A) [obiit Fr. Ger]ardus de Molendinis 4 . 156 



') Aus Bl. 13 sind angeschnitten d. 7., 8., 10., 11., 12., 14., 15., 16., 
19., 20. Juli. Bl. 14 (21. Juli — 4. Aug.) fehlt. Aus Bl. 15 sind ausge- 
schnitten der 7. und 19. August. 

2 ) Nicolaus Leodii war Prior 1481. (Quix, p. 50). 

") Der Ohitus des Thomas de Hoisset ist radiert aber noch lesbar. 

4 ) Der Obitus des Ger. de Molendinis ist radiert und auf der Rasur 
derjenige des Wilh. Horbach eingetragen. Ein Gerhard von der Mühlen 
war nach Quix (p. 50) i. J. 1333 Prior. 



— 17 — 

(B) Öbiit Fr. Wilhelmus Horbach sacerdos. 157 

— A°. 1707. 14. Septembris obiit Rel. Fr. Abraham 158 
Erven ', nibilarius, conversus. 

16. (A) Obiit Fr. Henricus de Tulpede, quondam prior huius 159 
conventus. 

17. (A) Obierunt Fr. Paulus de Lutzemburgo sacerdos, et 160 
Fr. Johannes de Kudecoven quondam supprior. 161 

18. (A) Obierunt Fr. Wilhelmus de Prumeren et Fr. 162 
Wynricus conversus. ■ 163 

20. Bernardi abbatis. 

(A) Obiit Fr. Andreas de Confluencia. 1C4 

|B1. 16] 

22. (B) Obiit Fr. Nycolaus Lutzemburch sacerdos. 165 

23. (A) Obiit Fr. Hermannus novicius. — (B) obiit Fr. 166 
Tilmannus Nop sacerdos. 167 

A°. 1625. 23. Aug. obiit Fr. Raymundus Reulinch 168 
novitius et conversus. 

24. Bartholomei apostoli. 

(A) Obierunt Fr. Henricus de Ercklens sacerdos et 169 
Fr. Johannes de Ercklens 2 . 170 

1721. 24. Aug. obiit Aquisgrani Rel. Vv. Petrus 171 
Ploum conversus, f. h. c. R. I. P. 

25. Ludovici episcopi (!) et confessoris. 

(B) Obiit Fr. Egidius de Veris sacerdos et Fr. Petrus 172 
Herle, sacerdos et iubilarius. 173 

— Obiit Fr. Severinus, conventus Aquensis quondam 174 
procurator. 

26. (B) Obiit Fr. Wilhelmus Butghenbacli donatus. 175 

27. (A) Obiit Fr. Egidius de Wijswijlre. 176 

28. Auglistini episcopi et confessoris. 

(A) Obierunt Fi'. Henricus de Quercu 3 sacerdos et 177 

Fr. Johannes Scop. 178 

— et Fr. Johannes Zittart novitius. 17n 

— Obiit Fr. Walterus conversus. 180 



') Abraham Erven sammelte nach dein grossen Stadtbrand i. .). 1656 
in ganz Deutschland Almosen zum Wiederaufbau der Klostergebäude und 
beschrieb später seine Reisen. Vgl. Hess, Festschr. p. 17 — 20. 

'-') Joh. de Erklenz wird in einem liegest des Ordensgenerals Raimund 
von Capua vom 27. Nov. 1895 erwähnt. Komische Quartalschrift 1900 p. 88. 

: 'i Für Heinr. de Queren vgl. die Eintragung zum 17. October. 



— 18 - 

29. Decollacionis Johannis Baptiste. 

(B) Obiit Fr. Wilhelmüs Traiecti sacerdos et Fr. 181 

Yincencius a Capella baculaurius (!) et quandoque 182 

procura tor. 
BO. A°. 1 ti25 obiit P. F. Wernerus Oien sacerdos, eonventus 183 

Coloniensis filius nativus. 
31. (A) Obiit Fr. Johannes Hyek. lector in online. L84 

September. 

1. (A) Obiit Fr. Wilhelmüs Metzmecher, quondam prior 185 
huius eonventus. 

(B) Obiit Fr. Arnoldus Walhorn subdiaconus. 186 

— 1683 die 2. Septembris pie etomnium opinione sanete 1*7 
obiit, uti semper vixerat, Rel. Fr. Wilhelmüs Lamberti, 
iubilarius et per 50 annos sacrista et excitator vigilan- 
tissimus et indefessus. 
3. (A) Obiit Fr. Johannes Corrigifex novicius. 188 

I. (A) Obiit Fr. Wilhelmüs de Lutzemburch 1 . quondam 189 
prior et lector in online. 

[Bl. 18] 2 . 

21. 31athei apostoli et evangeliste. 

22. (A) Obiit Fr. Nicolaus de Marcha. 190 
24. (A) Obiit Fr. Conradus Bunmis. l'.M 
2."). (A) Obierunt Fr. Johannes de Clermont iubilarius et 192 

Fr. Daniel de Vechel dyaconus l!).'i 

(B) et Fr. Michael a Saucto Petro. sacerdos et iubilarius. ü>4 
A°. 1684 obiit M. R. P. Fr. Aegidius Maw, subprior 195 
huius eonventus et filius, qui in officio procuraturae 
huic conventui multis anuis fideliter servivit. aetatis 
suae a°. 48. 

26. (B) Obiit Fr. Thomas Bocholtz, quondam supprior. 196 

27. (A) Obierunt Fr. Tilmannus de Herle et Fr. Nicolaus 1 ( .)T. 1 98 
donatus novicius. 

') Willi, von Luxemburg wurde durch den Ordensgeueral Raimund von 
Capua am 11. Jan. 1890 von Aachen nach Köln vorsetzt. Später kam er 
nach Coblenz und wurde von dort am 28. Nov. 1 805 nach Aachen zurück- 
geschickt. 1398 ward er zum Visitator der Klöster zu Köln, Mainz und 
Frankfurt ernannt. Vgl. Komische Quartalschr. 1897, p. 300 und 1901 
p. 136 und 138. 

») Bl. 17 fehlt. 



— 19 — 

28. (A) Obiit Fr. Johannes Coci sacerdos. 199 

29. Michaelis archangeli. 

Ob*iit Fr. Gerardiis Leendts sacerdos, conventus 200 
Hantverpiensis. 

30. Jheronimi presbiteri. 

(A) Obiit Fr. Conradus de Wesalia. 201 

A . 1619 obiit Rottweilae Ex. P. Fr. Servatius 202 
Jüngling 1 Aquensis, S. Theologiae Doctor, quondam 
Aquisgrani, Viennae ac Ulmae prior ac provincialis 
Teufoniae undecim annis ac landein prior Rottweilae 
et per Alsatiam vicarius, h. c. f. de quo capituluni 
generale Parisiense ita dicit a°. 1611: „Confirmamus 
ad eiusdem provinciae petitionem A. R. P. Fr. Servatium 
Jüngling in provincialem, iamdudum magno commodo et 
emolumento tarn in spiritualibus quam in temporalibus 
praesidentem. 

(B) Obiit Fr. Johannes de Puteo sacerdos. 20:') 

October. 

1. (A) Obiit Fr. Quirinus, quondam supprior. 204 

2. (A) Obiit Fr. Wilhelmus dictus Nyethere et Fr. 205 
Bertoldus eins germanus, iubilarii, 200 
et Fr. Simon de Ercklens et Fr. Nicolaus Babuck 207. 20S 
ei Fr. Nicolaus de Flore-, quondam prior. 209 

4. Francisci confessoria. 

(A) Obiit Fr. Jasperus Ros sacerdos. 210 

1 31. 19]. 
.">. (A) ObieruntFr. Arnoldus Fiambach' et Fr. Chris- 211, 212 

tianus de Fanali. lector in ordine. 
6. (A) Obiit Fr. Christianus de Bopardia sacerdos. 213 

- A°. 1647 obiit P. Florinus Minten, Confluentiae 214 
supprior, linins conventus quondam procurator. 

') Servatius Jüngling war als Provinzial auf dem Generalcapitel zu Rom 
i. .1. 1608 anwesend. (Mon. Ord. Praed. XI p. 88). Die im Text^angeführte 
Confirmatio steht I. c. p. 152. Er war auch Prior in Aachen [595 (Quix 
p. 50). Vgl. n°. 80. 

-) Nicolaus de Flore wird auch bei Quix (p. 50) ohne Zeitangabe als 
l'rior erwähnt. 

') Arnold Frainbach wurde 1386 zum Studium der Theologie auf 
■1 Jahre nach Florenz geschickt. (Römische Quartalschr. 19m> p. 91). 



— 20 — 

7. (B) Obiit Fr. Dionisius Norbeck 1 Bacularius et quon- 215 

dam prior. 
9. Dyonisii et sociornm eius. 

(A) Obierunt Fr. Wilhelmus de Monasterio et Fr. 216 
Wilhelmus de Raede, quondam priores huius conventus. 217 
9. Octobris 1625 obiit Fr. Aegidius Jansen, conversus 218 
novitius. • 

10. (B) Obiit Fr. Nicolaus a Zyttart sacerdos. 219 

A°. 1569 obiit R. P. Leonardas Sittardus, S. Theo- 220 
logiae Doctor, conventus Aquensis filius, suffraganius 
Moguntinus, olira prior Moguntiae. 

Eodem anno obiit Ex. S. Theol. Doctor Matthias 221 
Sittardus 2 , conventus Aquensis filius. sereniss. irapera- 
torum Ferdinandi et Maximiliani concionator et eon- 
iessarius. R. I. P. 

11. (A) Obiit Fr. Petrus de Pascua sacerdos. 222 

12. (A) Obierunt Fr. Henricus Zirsdorp sacerdos et Fr. 22;\ 
Tilmannus Tibis subdyaconus. 224 

13. Obiit Ven. P. Fr. Johannes Deyst 8 , S. Theol. bacularius, 225 
et quondam supprior huius conventus. 

14. (A) Obiit Fr. Stephanus de Porta Ooloniensi iubilarius. 22(5 

A°. 1694. 21. Octobris obiit A. R. P. Fr. Hermannus 227 
Horst, Notarius Apostolicus, praedicator generalis, con- 
cionator actualis, et confraternitatis Rosario-Marianae 
praeses, aetatis suae a". 44, conventus Marienheidani 
tili us. R. I. P. 

15. Obierunt Fr. Martinas Erdens supprior, Fr. 228 
Paulus Traiecti sacerdos. Obiit Fr. Johannes 229 
Tongris sacerdos. 280 

A°. 1084 obiit R. P. Fr. Bruno Winandi, quondam 231 
Treviris concionator ac terminarius. 

A°. 1590. 15. Octobris obiit Moguntiae R. P. Fr. 232 
Theodoricus Oitweiler 4 , supprior Moguntinus praedicator 

') Für Dion. Ros v. Norbeck vgl. die Eintragung zum März u n . 56. 

*) Über Mathias Sittard vgl. die Monographie von Nie. Paulus in den 
Rist, polit. Bl. Rd. 116 p. 237—252 und 329—340. Kr wurde 1564 auf 
dein Generalcap. zu Bologna magister. (Mon. Ord. Praed. X p. 68.) Der 
Obitus steht auch zum 24. Oct. eingetragen. 

:i i Der obitus des Joh. Deist steht auch zum 7. Mai eingetragen. 

*) Dietrich Oitweiler war lf>86 Prior (Quix p. 50). Quix schreibt 
Theodor statt Theodoricus (Ditrich), 



— 21 — 

generalis, et pastor ad s. Heimeranum Moguntiae, olim 
prior sui conventus Aquensis. 

1717. 15. Oct. Aquisgrani obiit Rel. Fr. Paulus 233 
Kremer con versus, f. h. c. R. I. P. 

16. (A) Obiit Fr. Johannes Bosman eon versus. 2.14 

A°. 1672. 29. Octobris obiit A. R. P. Fr. Bartholo- 235 
maeus Walteri, quondam Hagenoae prior, f. h. c. 

17. (A) Obierunt Fr. Heynrieus de Qnercu 1 et Fr. 236 
Jobannes Wiencia et Fr. Johannes Costa et 237, 238 
Fr. Johannes de Wailhoren novicius. 239 

A°. 1694. 1. Novembris, intra 11 et 12 noctis. 240 
obiit R. P. Fr. Norbertus Gersonius, aetatis suae 54. 
f. h. c. R. I. P. 

— A°. 1707. 11. Novembris obiit A. R. P. Bartholomaeus 241 
Florence, S. Theol. Praesentatus, in diversis conventibus 
lector et prior exemplarissimus. R. I. P. 

18. Luce evangeliste. 

— Obiit Fr. Hermannus. conversus, portarius. 242 

19. (15) Obiit Fr. Andreas Custodis sacerdos. 24:; 
A°. 1707. 18. Novembris obiit A. R. P. Dominicus 244 
Asten-. Praesentatus, in pluribus locis lector et prior, 
huius conventus Aquensis rilius. R. I. P. 

[Bl. 20] 3 . 

21. Undecim niiliuni (!) virginum. 

(A) Obiit Fr. Johannes de Wiswilre. 245 

et Pr. Fr. Johannes Vsskirchen, quondam supprior 24(i 
huius conventus, iubilarius. 

22. (A) Obiit Fr. Michael sacerdos et novicius. 247 
24. obiit Yen. P. Fr. Mathias Zyttardus 4 , S. Theol. Doctor, 24s 

f. nativus h. c. 

20. (A) Obiit Fr. Heynrieus de Ratispona. 24!) 
26. Obiit Fr. Martinus Ammia, sacerdos, f. h. c. 250 



') Henricus de Quercu ist auch zum 28. Augusl eingetragen, Joh. 
Wienela zum 9. A.pril, Mathias Sittard zum 10. Oct. 

'-') Dominicus Asten wurde 1706 auf dem Generalcap. zu Bologna zum 
Praesentatus promovirt. (Mon. Ord. Praed. XIII p. 337). 

: 'i Bl. 20 ist unten beschnitten, wie es schein! ohne Textverlust. 

*) Der Obitus des Mathias Sittard ist weder zum 10. noch zum 24. Oct. 
richtig (Singetragen, da er am 31. Oct. starb. Vgl, Nie. Paulus I.e. p. 339. 



A" 1713. 7 kal. Dec. sive 25 ;i Novembris obiit Rel. 251 
Fr. Albertus Werneri, conversus, f. h. c. R. I. P. 

27. (A) Obierunt Fr. Petrus Regis et Fr. Gerardus 252, 253 
de Eyse, subdyaconus. 

28. Simonis et Jude. 

(B) Obiit Fr. Tilmannus de Raededucis, sacerdos. 254 

29. (A) Obiit Fr. Arnoklus de Ercklens, novicius. 255 

• A°. 1040 obiit R. P. Fr. Emmanuel Nagler. f. li. c. 256 
organoedus perfectissinms. qui Hcrbipoli in Francqnia 
diem suum elausit. 
31. Obiit Fr. Jheronimus de Wcda, quondam procurator 257 
liuius conventus. 

November. 

1. Festivitas omiiium sanetornm. 

(A) Obiit Fr. Johannes Robini novicius. 258 

— 1708. 1 Novembris obiit R. P. Fr. Alanus Gulpen. 25!) 
f. h. e. R. I. P. 
[Bl. 22] \ 

21. Presentacio Marie virginis. 

22. Ceciliae virginis et martyris 2 . 

Obiit Gamundiae a". 1586 R. P. Fi'. Johannes Coslerus 3 , 260 
S. Theol. lector ac prior provincialis superioris (Jer- 
maniae, conventus Frauckl'ordiensis. 

23. (A) Obiit Fr. Jacobus Halfnase. 261 

24. (A) Obiit Fr. Johannes Stintzgen. 262 

in vigilia s. Catharinae 24 Nov. Hüll obiit A. R, 263 
P. Praesentatus Leonardus Florence ', liuius conventus 
saepius prior et post generale incendium restaurator. 
Vir magnae scientiae, prudentiae ac iudicii, ordinis et 
divini eultus zelator maximus etc. R. F P. 

') El. 21 fehlt, \ nii Bl. 22 sind ausgeschnitten der -7. und 28. Nov. 

2 ) 1 >;is Fest di'r hl. Gaecilia ist das einzige im 16. Jahrhundert nach- 
getragene Fest unsers Kalenders. 

■) Johannes Cosler stellte bereits 1576 den 20. Sept. als Provinzial 
eine Urkunde .-ins. (Lamatsch, Mitteilungen p. 239.) 1580 war er auf dem 
Generalcapitel zu Rom, wurde dort als Provinzial bestätigl und zum Prae- 
dicator generalis ernannt (Mon. Ord. Praed. X, p. ls!), 196, 214). 

') Leonardus Florence war nach Quix (p. 51) 1055 und 1665 Prior 
des Aachener Convents. Tirlemont (vlämisch Thiene) in Belgien; 



23 _ 



25. Catherine virginis. 

(A) Obierunt Fr. Henricus de Rodenburch, 264 

quondam prior liuius conventus et Fr. Jacobus Vulen 265 

leetor. 
30. Andre«' apostoli. duplex. 

(A Obiit Fr. Mathias Heumai). 266 

■ et Fr. Lambertus Gaetthoven Theuensis, clericus 267 

professus ex conventu Handtverpiensi. 

December. 

3. (B) Obiit Fr. Gerardus conversus. 268 

4. (A) Obiit Fr. Nicolaus de Alzeto, quondam prior liuius 2(i ( .i 
conventus. 

[Bl. 24] '. 

21 . Thonie apostoli. 

23. (A) Obiit Fr. Aruoldus Bruen. 270 

— 1717, 23 Dezembris Aquisgrani obiit R. P. Fr. 271 
Theodorus Thomae, f. h. c. R. I. P. 

2ö Nativitas dni. nostri Jesu Christi. 

A". 1653 hoc die in conventu sororum Vallis Mariae 272 
prope Luxemburgum obiit A. R. et Dign. P. Fr. Ar- 
noldus Gillius 2 , huius olim, Trevirensis et Luxem- 
burgensis conventus prior, ac per Teutoniam tandem 
provincialis actu regens. 

2i». Stephan i prothomartyris. 

(A) Obiit Fr. Adam de Such, novicius. 273 

27. Johann is apostoli et evangeliste. 

28. Lnnoceneiiiin. 

(B) Obiit Fr. Nicolaus Pistoris, conversus. 274 

') Bl. 23 fehlt. (5. bis 20. Dez.) 

*) Arnoldus Gillius war L642 Prior in Trier und winde in diesem Jahre 
von dem bei Rom in Conventu S. Jaeobi ap. Cornelianum gefeierten General- 
capitel zum „Praedicator generalis" ernannt. Die Beschlüsse dieses Oapitels 
wurden zwar durch das folgende zu Rom 10 M annulliert, Indessen be- 
stätigte dieses letztere den Gillius in seiner Wurde. (Mon. Ord. Praed. XII, 
p. 87 und 132.) Prior in Aachen war (ollius 1646 (Quix ]>. f>l). 



21 



Personen-Register. 



Abraham Erven. 158. 
Adam de Slich. 278. 
Adrianus de Veris. 143. 
Aegidius Jansen. 218. 

„ Knuest. 98. 

„ Maw. 195. 

„ de Veris. 172. 

„ de Wiswilre. 176. 
Alanus öulpen. 259. 
„ Bimberg. 10. 
Albertus Wcrneri. 251. 
Andreas de Confluentia. 164. 
„ Custodis. 243. 
„ Rahdts. 107. 
Angelus Brewer. 40. 
Antonius de Buscoducis. 70. 

„ Fransscn. 155. 
Arnoldus Bruen. 270. 

„ de Erkelenz. 255. 

„ Frambach. 211. 

„ Gillius. 272. 

„ Lohn. 110. 

„ Murselholts. 49. 

„ Pfrothem. 17. 

„ Swirten 120. 
Tau. 90. 

„ Walhorn. 186. 
Augustinus Hoffmann. 07. 
Bartholoinaeus Florenee. 241. 
„ Walteri. 235. 

Benedictus Lorinus. 39. 
Bernardus Driesek. 57. 
Bertoldus Nyetkere. 206. 
Bruno Winandi. 231. 
Casparus Quodbacb. 121. 
Christianus de Boppardia. 213. 

„ de Canali. 212. 

de Golonia. 95. 

„ de Wida. 27. 

( 'liristopkorus Wiers. 77. 
Conradus de Bumnis. 191. 

„ de Gyrzenich. 105. 

„ de Wesalia. 201. 

„ de Wiswilre. 139. 
Cornelius Bioru. 58. 

„ a Langendorp. 2. 



Cratho a Lamersdurp. 3*>. 
Daniel de Vechel. 193. 
Dionysius Kos de Norbeck. 56, 215. 
Dominieus Asten. 244. 

„ a Carnpo. 133. 

„ de Geldria. 53. 

„ a Sancto Vito. 1 . 

Emmanuel Nagler. 256. 
Engelbertus Hicp. 43. 
Erasmus Herstall dictus Tonnart. 38. 
Everhardus conversus. 92. 
Florinus Hinten. 214. 
Franciscus Franken. 79. 

„ Landteu. 108. 

„ Voetz. 31. 

Gerardus conversus. 268. 

„ de Eyse. 253. 
Gravius. 48. 

„ Hansen. 149. 

„ Leendt, 200. 

„ de Molendinis. 156. 
Gobelinus Loiektinann. 122. 
Gyso Murselholts. 82. 
Henricus de Bedburg. 97. 

„ de Blisia. •">. 

„ Caster. 126. 

„ Colrum. 96. 

„ conversus. 85. 

„ de Erkelenz. 169. 

„ Fluegels. 128. 

„ Huart. 116. 

„ de Parvisio. 135. 

„ de Queren. 177, 236. 

„ ßanderrait. 74. 

„ de Ratisbona. 249. 

„ de Redegin. 45. 

„ Hodenburg. 264. 

Etyst. 52. 

„ de Tulpede. 159. 

„ de Vechel. 91. 

„ Zirsdorp. 223. 
Hermannus conversus. 242. 
„ Horst. 227. 

„ Leodii.^ 137. 

„ novitius. 166. 

Hieronymus de Weda. 257. 



— 25 



Jacobus ab . . . berch. 22. 
„ a Cajmpo. 9. 15. 
„ Baistwielerensis. 14<;. 
„ Plorence. 42. 

de Fovea Arenae. 141. 
„ Franque. 83. 
„ Halfnase. 261. 
„ Hendricks. 24. 
„ de Hcrle. 136. 
de Ripa. 102. 
, VÜlen. 265. 
.Fasperus Ros. 210. 
Johannes Alenvorst. 37 

„ Anthin. 47. 

„ de Bettendorf. 144. 

„ l'osmau. 234. 

„ Boxtel. 30. 

„ de Bntgeubach. 125. 

„ Cleuientis. 109. 

„ de Clermont. 192. 

„ Coci. 199. 

„ de Colonia. 89. 

„ Corrigifex. 188. 

„ Coster. 260. 

„ Costa. 238. 

„ Craborn. 54. 

„ Deist. 88. 22f). 

,, de Frkelenz. 170. 
Folie. 100. 

„ de Foro. 111. 

„ Fr aussen s. 104. 

„ Geldenrieh. 154. 
Haselholts. 26. 

„ Hyeck. 184. 

„ Kegeler. 142. 

„ Krewel. '.»4. 

„ Kudekoven. 161. 

„ Lovaniensis. 1 18. 
Willi. Messen. 72. 

„ .M ick. 59. 

„ Müller. 65. 

„ Neyther. 12-1. 

„ de Porta Coloniensi. 33. 

„ de Puteo. 203. 

„ ßobini. 258. 

„ Sartoris. 103. 

„ Scop. 17s. 

Steinhem. 34. 



Johannes Stintzgcn. 262. 

„ Tongris. 230. 
„ de Traiecto. 7. 4 ♦. 
„ de l'sskirehcn. 246. 
„ Vet. 145. 

Vlodrop. 51. 
„ Vrees. 18. 

de Walhorn. 230. 
de Weissenburg. 127, 
de Wiswilre. 245. 
Winingen. 123. 
Wiencia. 62. 237. 
Zittard. 179. 
„ Zynenbend. 83. 
Joseph Pesi'b. 73. 
Lambertus Gaetthoven. 267. 
Laurentius Weingarten. 115. 
Leonardas Aldenhouen. 132. 
de Bli . . 23. 
,, Florence. 263. 
„ Kettenisse. 61. 

„ Mautz. 86. 
„ Sittard. 220. 

Ludovicus Goddart. 14. 
Martinas de Anunia. 250. 

„ de Erkelenz. 228. 
Matbaeus leetor. 153. 

„ Scboenbrodt. 4. 
Mathias Aqueusis. 20. 
„ Blisiensis. 76. 
„ Bouutouge, 87. 

Dur. 29. 
„ Heumann. 266. 
„ Heybeneeher. 93. 
„ L conis. 55. 
„ Scop. 148. 
.„ Sittard. 221. 248. 
Michael Bindais. 130. 
„ novitius. 247. 
„ a Sancto PeLro. 194. 
Nicolaus de Alz<'to. 269. 
Babuck. 208. 
„ de Boppardia. 84. 
„ Coci. ii<>. 
„ donatus. 198. 
de Flore 209. 
„ Leodii. 147. 

Lutzenburch. 16.5. 



- 26 — 



Nicolaus de Marcha. J 90. 
„ Pistoris. 274. 
„ Sittard. 219. 
Norbertus Gersonius. 24o. 
Paulus Beausard. 152. 
„ Kremer. 233. 
„ Linnich. 99. 
„ ilc Lutzemburgo. 160. 
Traiccti. 229. 
Winckel. 13. 
Petrus Bree. .81. 

„ pisenbroieh. 75. [06. 

Herle. 173. 
„ de Pascua. 222. 
„ ab Osterwiek. 32. 
Ploum. 171. 



„ Regis 



2D2. 



„ Wree. 3. 
Philippus Beigens. 71. 
Quirinus supprior. 204. 
Raimundus Koulen. 12. 

„ Reulinch. 108. 

Reginaldus Paulus. 114. 
B Smidts. 113. 
Robinus de Saucto Trudone. 46. 
Servatius Jüngling. 80. 202. 

„ Schaffrat a Hostweiler. 112. 
Severinus Aqucnsis. 174. 
„ couversus. 16. 
Simon de Erkelenz. 2u7. 
>tephanus de Porta. 226. 

„ Regius. 7«. 
Theodoricus couversus. 28. 
„ Oitweiler. 232. 

„ a Simpelvelt. 66. 

Theodorus a Campo. 68. 
„ Thomae. 271. 
Tilmannus de Herle. 197. 
v Nop. 167. 



Tilmannus de Raededucis. 254. 
Tibis. 224. 
„ Tiden. 64. 

„ de Wida. 1 17. 

Thomas Hocholz. 19(i. 
„ Herle. 35. 
„ de Hoisset. 150. 
„ Houben. 8. 

de Ilusilen. 101. 
Udalricus Nols. 6. 
Vincentius a Capella. 182. 
„ Riolius. 119. 

de Sancto Vito. 151. 
Walterus couversus. 18(>. 

„ de Kuichoven. 134. 
Walwanus de Glinibach. 131. 
Weruerus Oien. 183. 
Wilhelmus de Arnoldswilre. 21. 
„ Hrant. 50. 

„ de Butgenbach. 175. 

Craft. 41. 
„ Delf. 69. 

Frank. IL 
„ a Gangelt. 138. 

„ Horhach. 157. 

Lamberti. 187. 
„ de kutzemburch. 189. 

„ Mrtzuiecher. 185. 

„ de Monasterio. 216. 

„ Nyethere. 205. 

de Pruuieren. 162. 
de Raede. 217. 
Rutgeri. 25. 
Susteren. 129. 
Traiecti. 181. 
60. 
Willibrordus Kirchrat. 19. 
Wynricus couversus. 163. 







Das St. Leonardskloster in der französischen Zeit. 



Ein Beitrag 
zur Geschichte des St. Leonardklosters in Aachen, 

betr. die Uebertragung des Klosters an den Jesuitenorden 

im Jahre 1603. 

Von H. Wolffgarten. 

Die Geschichte des Klosters zum hl. Leonard in der ftlar- 
schierst.rasse in Aachen zerfällt naturgemäss in 5 Abschnitte: 

1. Der erste umfasst die Zeit von der ersten geschichtlichen 
Erwähnung von 1144 -1626, wo es unter der Leitung der Chor- 
herren vom hl. Grabe bezw. der Kreuzbrüder von Daelheim stand. 

2. Der /weite erstreckt sich von 1626 — 1798, in welcher 
die Schwestern vom hl. Grabe, die Sepulchrinen, das Kloster 
inne hatten. 

.">. Der dritte gehl bis zum Jahre 1848, binnen welchem 
nach vorübergehender Benutzung der Klosterräume als Lazareth 
vom Jahre 1806 an eine höhere Mädchenschule unter weltlicher 
Leitung darin eingerichtet war. 

4. Der vierte reicht von 1848 — L878, während dessen die 
vorerwähnte Schule von der Genossenschaft der Ursulinen 
geleitet wurde. 



— 28 — 

5. Der fünfte Abschnitt umfasst die folgende Zeit, in der 
die städtische höhere Mädchenschule und die Lehrerinnen- 
Bildungsanstalt in dem Gebäude Aufnahme fanden. 

Die Quellen zu der Geschichte des Klosters sind recht 
spärlich und dürftig - . 

Von allgemeiner Bedeutung 1 , aber sehr unzuverlässig sind 
ausser Noppius und Poissenot: 

1. Helyot. Histoire des ordres religieux et inilitaires. 
Paris 1792. 

2. Lambert Jegher: La gloire de l'ordre du S. Sepulchre. 
Viseit (Vise in Belgien) 1626. 

3. Caspar Peter Luell, Lebhaftes Contrefait einer auf- 
richtigen in der geistlichen Vollkommenheit ergebener und in 
Gott verliebter Seelen, in der Wohlerw., in Gott rührender 
Frauen, Alvera von Virmunt. Tüllen 1682. 

4. Chr. Quix, Das ehemalige Spital zum hl. Jakob, das 
Sepulchrinenkloster zu St. Leonard und die Kanonie zum hl. 
Kreuz in der Grafschaft Daelheim 1 . 

.">. Les delices des Pays Bas, Bd. 2 — 4. 
Wertvoller, aber schwer erreichbar sind, 

1. L'ordre du Saint Sepulchre par Daris. 

2. Chronik der Landen van Overmaas en der aangrenzende 
gewesten door eenen Lnwoner van Beek bij Maastricht. 

3. Eine anonym erschienene kurze Chronik des hl. Grabes 
mit der Gründung seiner Klöster im Lütticher Lande. 

Dem Vernehmen nach ist wichtiges handschriftliches Material 
nach dem Brande des Rathauses gefunden worden, das sich 
namentlich auf die ältere Zeit (1. Abschn.) bezieht. Da das- 
selbe jetzt im Aachener Stadtarchiv gesichtet ist, darf die 
baldige Veröffentlichung wohl erwartet werden. Ebendaselbst 
befinden sich ausser einer recht sauber geschriebenen Chronik 
des Sepulchrinenkiosters in Charleville (in der Champagne in 
Frankreich) und einer handschriftlichen Zusammenstellung der 
Kinrichtungundder Statuten des Ordens der regulierten Schwestern 
vom hl. Grabe noch weitere handschriftliche Notizen, die das 
18. Jahrhundert betreuen und gleichfalls noch nicht bekannt- 
gegeben sind. lieber den 3. und 4. Abschnitt hat der Ver- 



') Wo sich die von ihm erwähnte und benutzte geschriebene Chronik 
des St. Leonardklosters von Luell oder des mausoleuni St. Jacobi Apostolj 
chroaologico-mysticum, Collen 1682, jetzt befindet, ist nicht mehr festzustellen. 



— 29 — 

tasser dieses Aufsatzes in zwei Jahresberichten der städtischen 
höheren Mädchenschule 1885 und 1886, soweit es angfing, den 
ihm zugänglichen Stoff zusammengetragen. 

Eine Zusammenstellung der Angaben über die Ausbreitung 
der Verzweigungen des für die Heranbildung des weiblichen 
Geschlechtes in den vergangenen Jahrhunderten so wichtigen 
Ordens der regulierten Chorfrauen vom hl. Grabe, namentlich 
der Gründungen im Rheinland, in Jülich, Neuss, St. Leonard. 
Gustorf (Kr, Grevenbroich), in Gartzem b. Sinzenich, Kr. Eus- 
kirchen und in Malmedy bleibt einer späteren Darlegung vor- 
behalten. Hier soll nur eine Erklärung versucht werden, wie 
St. Leonard an die Kanonie zum hl. Kreuz in Dalheim kam, 
und unter Beifügung zweier Urkunden dargelegt werden, wie 
das Jesuitenkollegium in Aachen es versuchte, das Kloster in 
seinen Besitz zu bringen, dann aber gezwungen wurde, von 
seinem Versuche Abstand zu nehmen. 

In der unter den Quellen angegebenen Chronik ist zum 
Jahre 1495 u. a. vermerkt: 

In den joer uns Heren gebuert MCCCC inde XCV due 
kreghen die brueder of heren van synte Odylienberghe, by 
Ruremunde, (canonicken der heylinger orden van den heylighen 
orden ons lyeft's Heren te Jerusalem, die eyn dobbel roet cruytz 
dragen op swartten mantels), die capelle opt cruytz by Slenich 
Slenaken j van den pastor off priester dess sy waes, inde or- 
loff van den buscop van Luydick, her Johan van Hörne; inde 
begonden, inde mackeden aldaer eyn cloester oft' consent van 
honnen orden vurs | creven. Inde der pastor heyt her Ghielis 
Aegidius, | inde waes eyn werltliche prister inde toch die 
cappe aen, inde waert eyn here off canonick van houren orden. 
inde bleyff op syne capelle inde halp dat closter begennen 
inde buwen. 

Und an einer andern Stelle derselben Chronik, wo die 
verschiedenen Niederlassungen des Ordens vom hl. Grabe auf- 
gezählt werden, heisst es: 

Hyrnoe nyet langhe, als men screyff MUH' inde XCV so 
quaemendiesse heren oft' brueder vurs. erstwerft' niytten wonynghen 
op dat Cruytz, by synte Mertensuyren, dat eyne capelle 
hadde gew r eyst, doer men dat heylige cruytz ons Heren ser 
besocht. Inde diese capelle behorde tue eyne ser erbarighen 
wertlichen prister, erbaer van leven, dee doerop wonde rayt 



— 30 — 

naemen geheytten her Gyelis, eyn guet, devoet maen. Inde 
liee oftererde off' gaeff sych selyer myt lyffre, rayt zeele, mytten 
capellen inde myt allen Syrien Patrimonium gnct inde erffre inde 
ghereyt, inde allet dat hee opter erden hadde der heyliger 
orden vurs., waert eyn herc inde mytbroeder in derselber orde, 
inde waes der erste pryor oft' pater op diesser plaetssch'en, inde 
haddet ser wael voert gesaet inde gebettert in tymmeragyen 
inde andere deynghen er dat bee starff. Gott troest syne 
zeele. Amen. 

Aus der bei Quix, S. 58 unter Nr. 9 abgedruckten Urkunde 
ergibt sich, dass der Bischof von Lüttich sich mit nachstehenden 
zwischen dem Provinzialoberen Johann Abronck (Abroek) auf 
dem Odilienberge bei Roermond und dem Rektor Aegidius De 
la Croix getroffenen Abmachungen einverstanden erklärte: 

1. Nachdem der zuständige Pfarrer Ludwig Scharis in 
Fouron St. Martin sein Einverständnis hierzu erklärt hat, 
scheidet die zur Pfarre gehörige Kapelle zum hl. Kreuz aus 
diese]" aus. 

2. Die Kapelle wird dem Kloster auf dem Odilienberg 
einverleibt und in ein Priorat des Ordens zum hl. Grabe um- 
gewandelt. 

3. Die Zahl der Mitglieder darf 25 nicht übersteigen; die 
Einkünfte des Klosters werden sicher gestellt. 

Um das Jahr 1498 Hessen sich dann Chorherrn vom Odi- 
lienberge in Slenaken nieder, deren Prior der in der Chronik 
und der Urkunde genannte vorerwähnte Gilles (Aegidius) wurde. 
Er starb kurz darauf am 3. Dez. 1504. 

Während die zahlreichen Niederlassungen der Chorherren 
und Chorschwestern zum hl. Grabe in den Niederlanden in der 
ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einen gedeihlichen Auf- 
schwung nahmen, teilten sie in der zweiten Hälfte desselben 
das Schicksal des ganzen Landes, das durch die Wirrnisse des 
holländischen Freiheitskrieges eine beispiellose Verwüstung er- 
fuhr. Im Laufe dieser Zeit mag es geschehen sein, dass das 
Aachener, im Besitze des Klosters auf dem Odilienberge be- 
findliche und von Ordensbrüdern dieses Hauses bediente Kloster 
zum hl. Leonard an die 1 »alheimer Niederlassung zum hl. Kreuz 
überging, wie dann aus der Geschichte des Ordens solche Be- 
sitz Wechsel mehrfach festzustellen sind. Eine genauere Durch- 
forschung der Kriegsereignisse, die mir hier nicht möglich ist, 



— 31 — 

wird vielleicht näheres Licht älter den Besitzwechsel ver- 
breiten können. 

Am schlimmsten wurde das Kloster zum hl. Kreuz in Sle- 
naken im Dalheimer Lande von den Kriegsschäden betroffen. 
Nachdem es im Jahre 1568 von den Truppen Wilhelms von 
Oranien ausgeplündert und verwüstet, dann im Jahre 1579 von 
den Truppen Alexanders von Earnese nach der Einnahme von 
Maestricht eingeäschert worden war, so dass nur einige arm- 
selige Majierrestc übrig blieben, schmolz die Zahl der Ordens- 
mitglieder auf zwei zusammen, den Prior Crucius ßruyn und 
den Ordensbruder Jean Lynen oder Linsen, die sich bemühten, 
das Kloster wieder aufzubauen. Da erhob plötzlich der Graf 
Johann von Gronsfelt und Herr von Rimburg (b. Palenberg) 
unter dem Vorwande, dass seine Vorfahren das Kloster zum 
hl. Kreuz gegründet hätten, den Anspruch, über dessen Be- 
sitzungen zu verfügen ; er habe von dem Papste Gregor XIII. 
(1572—85) „vivae vocis oraculo" die Vollmacht erhalten, zu 
Gunsten der ärmeren Kirchen seiner eigenen Besitzungen über 
das Eigentum des Klosters zu verfügen. Letzteres tat er in- 
dessen nicht, veranlasste vielmehr den Bischof von Lüttich, das 
Kloster mit seinen ganzen Besitzungen dem Jesuitenkolleg in 
Aachen einzuverleiben. Der Bischof Ernst von Bayern gab 
dem Ansinnen am 14. Sept. 1603 statt, wie dies aus der unten 
folgenden Urkunde 1 zu erkennen ist. Aus dem Eingange er- 
sieht man, dass es nach Beendigung der städtischen Wirren 
darauf ankam, den Sieg der kirchlichen Partei zu befestigen 
und den Einfluss des Jesuitenkollegs zu sichern und zu erweitern. 
Indem der Rischof die Ansprüche des Grafen von Gronsfelt für 
berechtigt ansieht, überweist er sämtliche Besitzungen der 
Ordensbrüder zum hl. Kreuz, darunter auch das St. Leonards- 
kloster mit allem Zubehör, dem genannten Jesuitenkolleg; der 
Dekan Johannes Tomberg des Aachener Münsters wird beauf- 
tragt, die Uebergabe auszuführen mit der Massnahme indessen, 
dass mit den beiden Ordensbrüdern des Klosters zum hl, Kreuz, 
zu dem St. Leonard gehörte, ein Abkommen wegen ihres 
ferneren Unterhaltes getroffen werde. 

Am 29. September begaben sich der Rektor des Jesuiten- 
kollegs Peter Aldenhoven sowie die ihm beigegebenen Patres 
Schrick und Wiembs nach Rimburg, um mit dem damals dort 
weilenden Prior Bruyn wegen der Uebergabe von St. Leonard 



— 32 — 

an das Jesuitenkolleg zu verhandeln und wegen der den beiden 
( Ihorherrn zu gewährenden Rente ein Einvernehmen zn erzielen. 
Letztere erklärten sich anfangs bereit, gegen Gewährung einer 
jährlichen Pension von 200 Tlrn. auf ihre Rechte zu verzichten, 
widerriefen aber einige Tage darauf ihre Einwilligung zu den 
ihnen gemachten Vorschlägen. 

Bruyn und Linsen brachten, da der Protest nicht verfing, 
die Angelegenheit vor den Gerichtshof in Brabant und er- 
reichten es, dass sie durch Urteil vom lr>. Juli 1(!05 wieder in 
den Besitz ihrer Güter gebracht wurden. (S. Urk. 2.) Dasselbe 
Ergebnis hatten die langwierigen bis 1608 dauernden Prozess- 
Verhandlungen, die vor den römischen kirchlichen Gerichten 
geführt winden. 

Bei der Entscheidung des Brabanter Gerichtshofes war, 
wie sich aus einem späteren, ebenfalls in einem Streit zwischen 
den gleichen Parteien gefällten Urteilsspruche entnehmen lässt, 
Ausschlag gebend, dass das Kloster zum hl. Kreuz auf dem zu 
den spanischen Niederlanden gehörigen Gebiete läge und daher 
dem Gerichte des Grafen von Gronsfelt, dessen Besitzungen im 
Reiche lägen, nicht unterstände. 

Durch die Not der Zeit gezwungen, verkauften die Chor- 
herren in Dalheim unter .dem Priorate des Linsen, der auf 
Bruyn im Jahre 1628 folgte, das Aachener Kloster zum hl. 
Leonard für 2500 Florin an die Schwestern vom hl. Grab in 
Vise, die am 20. August 1626 mit vier Vertreterinnen des 
Ordens ihren Einzug hielten. 

Vielleicht bietet diese Zusammenstellung eine Veranlassung 
zu weiteren Forschungen und Veröffentlichungen, die angesichts 
der 172 Jahre umfassenden Tätigkeit des Ordens in Aachen 
lebhaft zu wünschen wären. 

Anlagen. 

1. Der Lütticher Bischof Ernst von Baiern ineorporiert dem Jesuiten- 
kloster hi Aachen die Besitzung des Dalheimer Kren zhrrrnklosters daselbst. 
1603, Sept. 14. 

Kruestus . . . , quando quidem crebrioribus et urbe litteris a. s. d. n. 
demente VIII rcquisiti fuerimus, et patres Socictatis Jesu in regalem urbem 
Aqucnsem post restitutum opera nostra iure postliminii catbolicum magistra- 
tum, introJuceremus ad agrum-illum dominicura (quem haerosis deformaverat) 
excolendum eorumque domiciliura eompctenti veetigaH oi suffieienti opcrario- 



— 33 — 

nun numero pro amplitudine civitatis firmaremus nee id hactenus pro voto 
effectui dare quiverimus aut aliuiule subsidium conferrc, cumque primordia 
quaedain satii inflrma utriusque magistratus beneficio posuerimus cum 
obventionibus adeo succisis ut nisi aliqua accessione et incremento patrum 
res stabiliantur nequaquam diuturnam Societatis mansionem fore perspiciamus, 
omnino existimavimus opportune nobis a Deo oblatam occasionem nullatenus 
negligendam sed auetoritate partim ordinaria partim a Sacra Tridentina 
synodo in erigendis augendisque seminariis concessa imo delegata auetoritate 
apostolica uobis attributa in commune bonuui afflietae civitatis Aqucnsis 
utcuduin circa dispensionera bonorum cuiusdam diruti funditusque emortui 
monasterii in Cruce dicti ordinis custodiae Sepuleri Domini nostrae quidem 
dioecesis Leodionsis, sed sub iurisdictione temporali domini comitis ä Gronsfclt 
Sienacken, ut ca praefato collegio Aquensi applicemus ex eo potissimum capitc, 
quod ipso conventu plane everso omnibusque coenobitis emortuis duo tantum 
religiosi supersint proveeta iam aetate et plerique ad ea usurpanda auimum 
intendant; denique cum nulla divini eultus diminutione imo cum plurimo 
eius augmento ac propagatione ea ad alium rcligiosum locum de consensu 
patroui laici transferantur operae pretium nos facturum arbitramur et Deo 
optimo maximo gratum obsequium, si consenescentc illius ordinis custodiae 
instituto et deficiente seetatorum sobole qui succedant, communem utilitatem 
paueorum commodis anteponamus, mature antcquam ad secularium manus 
Luius modi proventus vel delabantur vel (quod aliquoties factum cognovimus) 
indebitis alienationibus vel dilapidationibus obnoxii reddantur eoque magis 
buic piae cogitationi insistendum nobis existimavimus, quod iusta praescriptum 
sacri concilii Tridentini a. s. d. u. incolumitas et stabilitas seminariorum nobis 
enixe commendata sit optetque sua sanetitas imprimis ea pro informanda in 
pietate et reeta fidc iuventute magis efflorescere, quare ad maiorem Dei 
gloriam et religionis Catholicae augmentum barum virtute litterarum omnia 
bona praefati diruti monasterii ordinis Custodiae Sepuleri Christi nostrae 
dioecesis redditus, proventus, praedia, Silvas, prata, agros, fundos, actiones, 
iura et credita cum Omnibus appartenentiis, ubieunque locorum ea fueriut, 
sacellum quoque saneti Leonardi cum aediculis, prato et ceteris attinentiis 
ac iuribus intra eivitatem Aqensem in platea dieta Meschicrcn Strasse 
situatum praedicto collegio Societatis Jesu Aquisgraucnsi annectimus, incorpo- 
ramus, unimus et applicamus in optima forma et meliori modo, quibus vel de 
apostolicae sedis ac potestatis plenitudine vel iure ordinarii aut alias conferri 
aut applicari possunt, ita tarnen ut duobus superstitibus illis religiosis alimenta 
ad vitam salva maneant; quocirca reverendum ac nobilcm nobis sincere 
dilectum d. Johannem Tombergen, condictum Worbs regalis ecclesiae B. M. V. 
Aquensis decanum peramanter tenore praesentium requirimus, deputainus ac 
vices nostras ei committimus, quatenus rectorem collegii vel eius protectorem 
statim in praenominati conventus ad sanetam ( Irucem bonorum realem actualemque 
possessionem inducat, induetumque nostro nomine et auetoritate, amota omni 
perturbatione per poeuas censurasque ccclesiasticas aliisque iuris et facti 



— 34 — 

remediis, invocato etiam, si opus est, brachio saeculari, tueatur et defendat; 
imprimis enim praetactum collegiuin, praemissa cum duobus superstitibus 
religiosis aequa super alimentis transactione, in omni securitate constitui 
nee ullam huic nostrae dispositioni fraudem fieri aut obstaculum obiiei 
volumus. In quorum fidem et testimonium hasee patentes nostras litteras 
manus nostrae propria snbscriptione ac sigilli communis impressionc communi- 
vimus. Patura Leodii anno 1G03, die 14. Septembris. 

2. Der Bat von Brabant nimmt das Dalheimer Kreuzherrnhl 'oster gegen 
alle Ansprüche dritter an dessen Aachener Besitzung in Schatz. — 1605, Juli 14 

Albert ende Isabelle . . . den iersten van onsen deurwerderen, boden 
offt anderen officieren macht bebbende t'exploicteren benneu desen onsen lande 
ende hertogdomine van Brabant hier op versocht, saluijt. Wij hebben 
outfangen die supplicatie van onsen lieven ende beminde in Gode die prior 
ende andere vau die convente ende goidtsbuijs op'fc Cruijtz, gelegen in de 
laude van Dalhem Oevermaese inhoudende hoe dat bij ende sijne voersaten 
altijdt van over een, tbien, twiutich, veertiebt, sestich, hondert eu meer 
jaeren ende zoo lange datter ghene memorie van menseben ter contrarie en is, 
zijn gewest in vrije, paeifieque possessie ende gebruijck van te regeren 
ndministreren ende gebruicken alle die goede, gronde van erve, pachten 
chijnsen cn renten den voerscreven godtshuijs op't Cruijt toecommende 
ende competerende mitsgaders van de vruchten, baeten ende proffijtten 
daeraff procedeerende op te beuren, t'innen ende t'outfangen ende dat 
oepenbarlijeke teil aensien van eenigeljeke ende sonder contradictie van 
iemandc, ende hoe we dije aengemerkt nijeraande georlofft en is geweest 
hem remonstrant in die selve sijne possessie eenich binder, stoot ofte beletsel 
te doen, veele min die selve daer vuijt te willen stooteD bij weeghe van 
feijte, door vrempde en iueompetenten richtere, officicre, emmers n'ijet in 
allergevalle sonder den selven remonstrant ten petitorien daer vuijt te hebben, 
verwennen ende dat dije al nijette genstaende vervoirdert hebben onse lieve 
en beminde in Gode die beeren patres der Societeijt Jesu hen houdende binnen 
der stadt van Accken, onder preteste van seeckere pretense bulle apostolieque, 
die sy op hun sinistre te kennen gheven, hem suppliant ougeroepen en 
ongehoerdt, sonder moeghen geobtineert gehadt hebben van onsen heyligen 
vader den paus, den voerscreven suppliant fcytelyck te koemen turberen en 
molesteren in de selve syne oude possessie, soo dor hun selve als andere soo 
wel geestelycke als werlycke persoenen al woenende buyten de jurisdietie 
van onsen voerscreven raede soo deselve suppliant allentselve by requeste in 
onzcn voerscreven rade van Brabant te kennen gegheven ende daerop versocht 
en opten XVIII. November XVI C drye geobtineert oepene brieven van niaiu- 
temie, vuyt erachte van dewelcke ooek de voerscreven turbateurs heeft doen 
daeh bescheiden in den selven onsen raede teghens den XXI January daernaer 
vollende, ten welcken daege d'impetrant gecomparcert wesende by synen 
procureur Lowys Vandeneede ende de voerscreven beeren patres by hunnen 



— 35 — 

procureur meester Willem de Borehgrave, nae dye teghen de een comparante 
is verleent geweest deffaut, heeft de voerscreve procureur des impetrans in 
materie van lnaintenue geconcludeert ende is daerop soo verre geprocedeert 
als dat mits den versteecken van antwoerde der vorscrcven beere patres hem 
suppliant is gepermittecrt geweest sijn proffyt ten hove te leggen, waer 
naer de procureur der vorscreven beeren patres den vorscrcven suppliant 
beeft doen oversenden seecker vercleren, by de welckc by is consenterende in 
de voerscreve maiutenuc rnet oblatie van te betaelen de costen gclyck van 
alle 'tselve verder is blyckende by die stucken daervan synde, alle dewelcke 
aangemerckt hoe wel by suppliant nu wel behoerde in sync voerscreve 
possessie peyselyck en vredelyck te blyven ongeniolesteert sonder dat bern 
syne vrucbten, pachten, cbynsen, reuten offt andere innecomen van voers- 
creven cenvente by directe of indirecte weghen soudc worden ontbouden offt 
synen pachtcren en debiteuren affgedrongen, soo ist nocbtans dat ter con- 
trarie van dye nu onlanx geleeden hem beeft vervoidert die grave van 
Oronsfeldt, beer van Rymborch by bem te ontbieden offt doen ontbieden 
alle de pachtere, rentgelters en debiteuren des voerscreven suppliants en 
denselven onder bunnen eydt die sy gedwongen sijn geweest daerorame te 
moeten doen afftevragen oft doen affvragen hoe veele sy den suppliant schul- 
dick in te achtere waeren, waeraff benue declaratie hebbende beeft by die- 
selbe terstonds sonder eeuigh dilaye hem dcselve taebterheden doen opleggen 
en betaelen ende eenige van dye soo in Imune beesten als andere goede 
daervoor doen executeren, spolieerende alsoo de facto den voorscreven synen 
innecomen allet teghen recht ende reedene ten onspreeckelyke intereste des 
voorscreven suppliants ende meer syu sal, ten zy hem daer teghen by ons 
worde versien, biddende ons daeromme seer oidtmoedelyck om onse opeue 
brieve van redintegratie daer to dienende; waeromme soo ist dat wy dese 
angesien ende gesien in onsen voerschreven raede van Brabant d'informatie 
by den stadthoudere en sebepene der hoeffbancke van's Gravenvouren vuyt 
erachte van onse beslooteue brieven van autorisatie op d'innebouden van 
voerscreven requeste geuoempt met de stucken daer by gevuegbt by de 
welcke ons genoech gebleeckeu is van de possessie des voerscreven suppliants 
van alle de goede, gronde van erve, pachten, cbynsen en reuten den vors- 
creven Goidtshuysc op't Crutz toecomende en competerende, mitsgaders van 
de vrucbten, baeten en proffyten daeraff coemende, ontbieden en beveelen, 
daertoe committerende by dese, dat ghy den voerscreven suppliant redinte- 
greert ende wederomme stelt in syne voerscreve oude en deuchdelycke 
possessie van te regeeren administreeren en gebrucken alle de voerscreven 
goede, gronde van erve, pachten, cbynsen en reuten mitsgaders van de 
vrucbten, baeten ende proffyten daeraff procederende op de beuren, t'innen 
en te outfangben, doende voorts espres geboth en scherp beveel v&n onsen 
weegbe op sekere grote pene tegbens ons te verbeuren den voerscreven grave 
van Gronsfclt, beere van Rimborch en alle andere die T selvc eenichsints aen- 
gaen mach, ten eyude dat sy van stonden an die pachteren rentgelderen 



— 36 — 

en andere debiteuren des voerscreven suppliants, restitueren 't gene sy de- 
selve hcbbcn affgedrongcn, opgebeurt en ontfangcn in dye 't selve noch in 
wese is en indye niet de reekteweerdighe werde van dye ter estimatic van 
lieden ben des verstaende en hen verdragheu van gelycke meer te doen en 
daerenboven den voerscreven suppliant betaclen de eoste van dese ende de 
executie derselven, den selve graeve van Gronsfelt beere van Rimborck ende 
andere die 't selve eenicbsiuts aongaen macb daertoe bedwingende realyck 
en raet fcyte en voorts by alle andere weghe en maniere van bedwang 
daartoe dienende, ende in gcvalle van oppositie, weggeringhe offt vertreck 
gemerekt ons genoecb gebleeken is van 't gene des voerscreven staet onse 
vorscreve beveelen aengaende de voerscreve redintegratie van te regeeren, 
admiuistreeren en gebmycken alle de voerscreve goede, gronde van erve, 
packten, chynsen en renten mitsgaders van de vruchten, boeten en proffyteu 
daeraff coemende op de beuren, 't innen en te ontfangcn en restitutio van 
't gene voerscreven offt die reckte weerdc van dye eerst eüde vooral gedaen 
en gefurneert synde stadtkoudende nijettcgeustaende oppositie offt appellatie 
gedaen off te doen, sonder prejudicie van dije daegkt de voerscreve grave 
van Gronsfelt keere van Riniborck en andere te coinpeteeren tot eene seeckere 
gelegkene daege voor onse lieve en getrouwe die cancellier ende andere liede 
van onsen voorscreven raede in Brabant ora aldaer de redene van kunder 
oppositie op te doen ende te verclarcn t'andtworden in der saecke voorts te 
proeedeeren en sien appoineteren soo bekoore sal onse voorscreve cancellier 
ende raedtslieden te voorscreve daegke overscbrijvende wat gkij kier innc 
sult hebben gedaen de welcke wy ontbieden en bevelen dat sij partije ge- 
boerdt goedt cort reckt doen ende expeeditiö van justitic, wandt ons also 
gelieft. Gcgkeven binnen onscr Stadt van Brüssel de XII1I dach der maendt 
van Julio int jaer ons Heeren duijsent seskondert en vijffve. 

3. Der Lütticher Weihbischof Richard Paul Stravius consecriert die 
Kapelle zum hl. Leonard in Aachen — 1647, August 30. 

(Das Original befindet sich im Pfarr- Archiv von St. Nikolaus daselbst.) 

Rickardus Paulus Stravius, Dei et apost. sed. gratia episcopus Diony- 
siensis nee non sereuissimi et reverendissimi prineipis Ferdinaudi utriusque 
Bavariae ducis, episcopi et prineipis Leodiensis, ducis Bullionis comitis 
Lossensis et in pontificalibus vicarius generalis ornnibus kasce visuris notum 
faeimus, quod nos hodie ecclesiam kanc in konorem ac menioriain beatissim. 
virg. Mariae nee non sti. Leonardi abbatis sollemniter consecravinaus et singu- 
lis Christi fidelibus, qui consecrationi cius modi devote interfuerunt, uuum 
aunum, qui vero eandem ecclesiam ipso die anniversario concecrationis, quem 
in dominicarn ante festum s ae Mariae Magdalenae duximus transfereudum, 
singulis annis visitaverint, 40 dies de vera indulgentia concessimus in forma 
ecclesiac consueta. Datum in monasterio monialium ord. s. Scpulcri Aquis 



— 37 — 

Grani die paenultima mensis Augusti anni 1G47 „Et erat supscriptum de 

mandato reverendissinn domini mei praefecti 

C. Briffor 

secretarius. 
Stabat ad latus: Ex causis nobis notis banc dieni eonsecrationis eccle- 
siae in dominicam post festura s. Mar. Magdalenae duxinms transferendum. 
Datum Leodii 15. Mai 1657. Signat. 

Job. Antonius Blavier, 
suffraganeus Leodicnsis. 



Der Totenkeller in St. Leonard. 

Von H. Wolflfcartcn. 



■»* 



Papst Urban IV. (1261 — 1264), der dem Orden der Brüder 
und Schwestern vom hl. Grabe ausserordentlich günstig' gesinnt 
gewesen zu sein scheint nicht weniger als 7 Bullen hat er in 
den beiden Jahren 1262 und 1263 zu Gunsten des Ordens er- 
lassen — hatte unter anderm gestattet (30. Mai 1263), dass die 
vorgedachten Klöster innerhalb derselben eigene Begräbnisstätten 
anlegten. 

Die noch vorhandene Begräbnisstätte aus einem Teile des 
18. Jahrhunderts in dem St. Leonard-Gebäude befindet sich an 
der Ostseite desselben unter der Sakristei. Der Eingang zu 
dem Keller, in welchem neuerdings der Gas- und Wassermesser 
angebracht sind, ist in dem Gange rechts vom Haupteingange. 
Bis vor zehn Jahren führte eine die ganze Breite des Korridors 
einnehmende Falltür zu dem Gewölbe. Unmittelbar unter dieser 
Falltür war zur linken Seite der etwa 12 Stufen umfassenden 
Treppe ein' Stein eingemauert mit der Aufschrift „Illustre Sgr. 
Baron de Virmont". 

Man geht wohl nicht irre, wenn man annimmt, dass die im 
Jahre 1633 in den Sepulchrinerorden eingetretene Tochter des 
Freiherrn Johann von Virmundt, Herrn zu Neersen und Anrath, 
AI vera von Virmundt, ihrem Vater diesen Gedenkstein errichten 
liess. Möglicherweise hat sie ihm dort auch seine letzte Ruhe- 
stätte bereitet. Der genannte Freiherr hatte 1621 als General- 
wachtmeister der Reiterei an der Schlacht von Prag teilgenommen, 
war dann aber, als er sich später eine Zeitlang von der Kaiser- 
lichen Armee nach Hause begeben hatte, in Cöln vor der Kirche 
der patres Societatis Jesu von einem seiner Feinde (Luell, der 
Biograph der Alv. v. Virmundt, will ihn „hohen Geschlechtes 
halber" nicht nennen) erschlagen worden 1 . 



') Vgl. auch Kimen, Gesch. der Stadt Coeln, 



— 39 — 

An der Südseite des Kellers nun befinden sich die Ruhe- 
stätten einer Anzahl von Klosterschwestern in acht Reihen 
nebeneinander. Jedesmal sind mehrere Gräber übereinander 
angebracht. Die Aussenseite enthält den Namen der Kloster- 
schwester, den Sterbetag-, das Lebensalter und die Angabe der 
Zugehörigkeit zur Ordensgenossenschaft. 

Von links nach rechts (von der Ostseite anfangend) findet 
man nachstehende Namen : 

I. 1. Domina Theresia Agnes Bocboz, nata Houbotte, obiit 
anno 1782 die 6. Junii, aetatis suae 82. R. i. p. 

2. Soror Maria Agnes Ponz, obiit anno 1783, die 9. Fe- 
bruarii, aetatis 73, professionis 54. 

3. Auno 1783, die 17. Julii obiit Maria Magdalena Reitz, 
aetatis suae 33, professionis 13. 

IL 1. Soror Anna Maria Houbotte obiit 1781, die 20. No- 
vembr., aetatis suae 80, professionis 56. Requiescat in pace. 

2. Soror in Christo Catharina Francisca Blasius, obiit 
anno 1781, die 20. decembris, aetatis suae 62, professionis 
vero 42. R. i. p. 

3. Soror Maria Elisabetha de Schrick, obiit anno 1782 die 
30. Martii, aetatis 87, professionis 66. 

III. 1. Soror Maria Elisabetha Moss, obiit anno 1777, die 
26. Septembr., aetatis 68, professionis 46. 

2. Anno Domini 1779, die 29 Octobr. ob. Barbara Lam- 
bertina de Weyer, aetat. 83. 

3. Anno 1783, 10. Dezembr. obiit Margaretha Trompette, 
aetatis 37, professionis 18. 

IV. 1. Soror Anna Maria Pütter, obiit anno 1772, die 27. Oc- 
tobr., aetatis 90, professionis 65, iubilaria 15. 

2. Anno domini 1775 obiit die 7. Septembr. Anna Maria 
Grandry, aetatis 78 — unleserlich Superior. 

3. Soror Theresia Isabella Deloneaux obiit 1788, 4. Jan. 
aetat 68, professionis 49. 

V. 1. Soror Maria Anna Dormann. obiit anno 1768, 13. Sep- 
tembr., aetatis 56, professionis 37. 

2. Maria Anna Marbaise, obiit anno 1769, 15. Augusto, 
aetat 27, professionis 7. 

3. Maria Elisabeth de Grein, anno 178(1, K). Octobr., 
aetat. 77. 



— 40 — 

VI. 1. Soror Maria Catharina Schaefers, obiit 1772, 7. Juni, 
aetatis 77, professionis 58, iubilaria 8. 

2. Domina 0. B. J. von Barring, nata Weyer, obiit anno 
1764, 28. Oktober, aetat. 82. (Restauriert.) 

3. Anno 1788, 28. Septembr., obiit Johanna Gertrudis von 
de Gracht (das weitere unleserlich). 

VII. 1. Anno Domini 1761, 18. dezembr. obiit soror Catharina 
Amalia de Weyer, aetat. 84, profess. 58, iubilaria 8. 

2. Soror Johanna Grandry, obiit anno 1767, die 27. Augusti, 
aetatis 69, professionis 46. 

3, vacat. 

VIII. 1. Anno 1794, die 20. Januarii obiit Maria Anna Her- 
dingh, aetat. 48, profess. 28. 

2. Anno 1793, 26. Septembr. obiit Maria Alexamlrina de 
Schrick. 

3. Soror Maria Catharina Charlier, anno 1774, die 28. Martis 
aetatis. 72, profess. 55. 

Aus den beigefügten Sterbedaten ergibt sich, dass die dort 
bestatteten Klosterschwesteru in den Jahren 1761 — 1794 zur 
ewigen Ruhe eingegangen sind. Die Vermutung liegt nahe, 
dass vor dem Neubau bezw. Wiederaufbau der Kapelle die 
Grabstätte in einem andern Teile des Klosters angebracht ge- 
wesen ist. 

Vor einigen Jahren ist die Falltüre beseitigt und die 
Kelleröffnung wesentlich verkleinert worden. Der Gedächtnis- 
stein des genannten Freiherrn von Virmundt dürfte dadurch auf 
absehbare Zeiten vollständig verschwunden sein. 



Kleinere Mitteilungen. 

1. Altertümliche Aachener Backformen. 

Im Jahre 1876 beschrieb Dr. J. B. Dornbusch in einem Aufsätze der 
Bonner Jahrbücher: 1 „Über Intaglicn des Mittelalters und der Renaissance" 
zwei in schwarzem Schiefer gearbeitete Platten mit interessanten, mit dem 
Meisscl aus dem Schiefer geschnittenen religiösen Darstellungen („Nahrung 
Maria und Gruss des Engels"). Dieselben stammten aus dem kleinen Bäcker- 
hause von Hermann Joseph Fassbender, welches früher das Eckhaus von 
Büchel und Edelstrasse (Büchel Nr. 32) bildete und im Jahre 1S77 von der 
Stailt angekauft und niedergerissen wurde, um einem Annexbau zum Bade 
„Königin von Ungarn" Platz zu machen. Ursprünglich sollen dieser Platten 
sechzehn gewesen sein. Drei derselben, die auch mit schönen gotischen Ein- 
fassungen verziert gewesen sein sollen, hatte zur Zeit der verstorbene 
Kanonikus Dr. Franz Bock für seine Sammlungen erworben; eine wird jetzl 
in einem Berliner Museum aufbewahrt ; zwei befinden sich im Besitze des 
Barons Alfons von Rothschild in Paris. 

Ganz ähnliche Platten, die wahrscheinlich am Ende des 17. oder im 
Anfange des 18. Jahrhunderts als Backformen gedient haben, befinden 
sich im Besitze des Fräuleins Mathilde Maassen, Inhaberin der bekannten 
Colonialwarenhandlung und Destillerie Klosterplatz 4 und Jakobstrasse 1 2 . 
Sie sind aus Weidenholz verfertigt und tragen auf beiden Seiten tief ein- 
geschnittene Darstellungen. Das kleinere Brett ist 3 cm. dick und hat eine 
Breite von 34 cm. bei einer Höhe von 35 cm. Es trägt auf der Vorderseite 
die Figur eines reich ausgestatteten Beiters und die Buchstaben F. B. 
(vielleicht Franz Brauten) und auf der Rückseite den doppelköpfigen Reichs- 
adler mit Krone, Scepter und Reichsapfel. Das andere Brett hat ein Höhe 
von nur 28 cm., jedoch eine Breite von 48'/ 2 cm. und ist 3 1 /., cm. dick. 
Dieses trägt auf der Vorderseite einen von zwei Pferden gezogenen Pracht- 
wagen, eine von einer grossen Krone überragte Staatskarosse, wie sie die 
Hofleute des 18. Jahrhunderts führten. In den Fenstern derselben sehen 
wir die Insassen des Wagens, anscheinend eine fürstliche Persönlichkeit mit 
ihrer Gemahlin. Sowohl der Kutscher, als auch der hinten auf dem Wagen 



') Jahrbücher des Voreins von Altertumsfrevraden im Rheinlands Bonn l^TC. 
Heft LV1I, S. 127 f. 

2 ) Zwei weitere Backformen, die sie ebenfalls früher besass, befinden sioh b 
durch Schenkung ihres Bruders Julius Maassen-Jardon im Klo bi r zum Kindlein h a 
in Simpelfeld. 



42 — 



stehende Lakai tragen Perücken und ein breites Barett. Über den Pferden 
lesen wir die Buchstaben S. P. Auf der Rückseite sind zwei Figuren ein- 
geschnitten. Die kleinere obere zeigt die bekannte Darstellung des hl. Niko- 
laus von Bari mit Bischofsstab und Heiligenschein, zu dessen Seite ein Kübel 
mit drei Kindern steht. Diese Figur trägt die Unterschrift S. NICOLAUS. 
Die andere Figur stellt einen Kriegstroinpeter zu Pferde dar mit Pistolen- 
halfter und Degen, der in der Rechten eine Trompete hält. Beide Back- 
formen scheinen, den Trachten nach zu urteilen, derselben Zeit, nämlich dem 
Ende des 17. oder dein Anfange des 18. Jahrhunderts zu entstammen. 
Es sind verhältnismässig gute Arbeiten; mit grossem Geschick sind die 
reichen Zierraten auf den vier Darstellungen ausgeschnitten. 

Interessant ist, dass die Back- 
formen sich noch in demselben Hause 
befinden, in dem sie auch ursprüng- 
lich gebraucht worden sind. Denn 
in dem Maassen-Jardonschcn Hause 3 
befand sich lange Zeit hindurch im 
18. Jahrhundert und wahrscheinlich 
auch schon früher eine Bäckerei, zeit- 
weise verbunden mit einer Colonial- 
warenhandlung. 

Drei andere altertümliche Back- 
formen, die wohl einer späteren Zeit 
angehören, aber wegen ihrer figür- 
lichen Darstellungen mehr Interesse 
bean spruchen, fand ich kürzlich im 
Besitze des bekannten Aachener 
Kunstsammlers Laurenz Heinrich 
Hetjens, der dieselben ungefähr vor 

Jahresfrist von einem fremden Antiquitätenhändler erworben. Die schwerste 
der drei aus rötlich-braun gebeiztem Liudenholz verfertigten Platten ist unge- 
fähr 4 cm. dick, 28 cm. hoch und 23 cm. breit; sie zeigt in überaus feiner 
Arbeit die auf der Mondsichel stehende, von sechs schwebenden Engelsköpfen 
umgebene Gottesmutter mit dem Jesukinde. Als Vorbild zu derselben diente 




3 ) Das Maassen-JarJonsche Haus war im Jahre 1695 im Besitz der Familie von 
Mewen, von der es bald nachher an die Familie Branten kam. Um die Mitte des 
18. Jahrhunderts bewohnte es mietweise der Bürgerhauptmann Denys, der Vater 
des bekannten Stadtsyndikus Denys und ein Vorfahre des jetzigen Oberbürgermeisters 
gleichen Namens von Trier. Anfangs der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts 
erwarb es dor Kaufmann Jardon. Durch Heirat der Katharina Jardon mit Karl 
Friedrich Maassen im Jahre 1834 gelangte es dann an die Familie Jardon, in deren 
Besitz es sich noch heute befindet. Sehr ausführliche Mitteilungen über die merkwürdige 
Bauart des Hauses, seine ursprüngliche Verwendung und über die Familie seines Be- 
sitzers gab im Jahre 1893 der damalige Kaplan Johann Hess von St. Paul in seiner 
Festschrift zur 600 jährigen Jubelfeier der Dominikaner- und Hauptpfarrkirche vorn 
hl. Paulus in Aachen. (S. 59 und 109.) 



— 43 — 



dem Künstler die grosse vergoldete Marienstatue, welche in früherer Zeit auf 
dem Couvenschen Vorbau am Portale des Münsterturmes über der sogenannten 
Wolfstüre in einer Nische stand und in letzter Zeit von Herrn Regierungs- 
bauführer Erich Schmidt nebst vielen andern Kunstgegenständen, die ehedem 
zur Ausschmückung der Münsterkirche dienten, in der Karlskapelle Auf- 
stellung gefunden hat. Die bildliche 
Darstellung ist von einem reich ge- 
schnitzten, ovalen Lorbeerkränze 
umgeben. 

Von gleicher Grösse ist die 
zweite Platte, die nur 2*/ 2 cm. dick 
ist. Auf ihr ist, gleichfalls von einem 
ovalen Kreise in ganz einfacher Aus- 
führung umgeben, Karl der Grosse 
dargestellt mit der deutlichen Über- 
schrift CAROLUS 1 MAGNUS in 
grossen lateinischen Majuskeln. Die 
Darstellung ist den gewöhnlichen 
Bildern des Kaisers bei Noppius, auf 
dem grossen Bilde der Kreuzkapclle 
li. a. sehr ähnlich. Der Kaiser trägt 
vollständige Rüstung und den Pur- 
purmantel und hält in der linken 
Hand das Scepter und in der rechten 
die Münsterkirche. 

Die dritte und interessanteste 
Platte hat dieselbe Dicke wie die 
vorige. Auch sie ist etwas über 23 
cm. breit, aber nur 24 cm. hoch. In 
einem kunstvoll gearbeiteten, kreis- 
runden Kranze befindet sich die Dar- 
stellung eines mit Mitra versehenen 
Bischofs, der mit ausgestreckten 
Annen das an einem Stalle hängende 
Kleid der Mutter Gottes zeigt. Auf 
der oberen Hälfte befinden sich rechts 
und links die in der bekannten Form 

umschnürten Bündel der anderen grossen Heiligtümer, während oben in der 
Mitte über dem Haupte des Bischofs ein flatterndes Tuch angebracht ist, das 
entweder das Lendentuch des Herrn darstellen soll oder vielleicht zu einer 
(allerdings fehlenden) Aufschrift bestimmt gewesen sein mag. Das innere Bild 
ist umgeben von der in grossen lateinischen Majuskeln tief eingeschnittenen [n- 




i 

■ ■ 

■ 



') Der erste Buchstabe des Namens C ist in falscher Stellung (mit der offenen 
Seite nach vorne) eingeschnitten. 



— 44 — 

schrift: „DIE AACHENER HEILIGTHÜMER.« An jedem der drei Formen- 
bilder ist die feine Ausführung der Detailornamente zu bewundern, die bei 
ähnlichen Holzformen sonst wohl vermieden wurden, weil sie ja in der Aus- 
prägung der Backwaren nicht so gut zur Geltung kamen, wie die meist breit 
und geräumig gehaltenen Bilder, welche das Eindringen der Teichmasse 
besser ermöglichten. Diese hohe künstlerische Ausführung lässt jedenfalls 
auf einen tüchtigen Meister seh Hessen. 

Wie in Süddeutschland, namentlich in Nürnberg, wurden solche Holz- 
formen auch vielfach in Köln und in Aachen zur Herstellung von Spekulatius 
und sogenannten Dinantcr Honigkuchen verwandt. Heutzutage ist leider 
die Zahl der Bäcker, die in solcher Weise ihre Waren mit auf die Aachener 
Heiligtumsfahrt bezüglichen Bildern schmücken, nur eine geringe. Der 
schöne alte Brauch sei deshalb hiermit den Aachener Bäckern, besonders 
für die Jahre der Heiligtumsfahrt, warm empfohlen. 

2. Bericht über altertümliche Funde in Aachen 

im Jahre 1903. 

In Ausführung eines kürzlich gefassten Beschlusses des Vereinsvorstandes 
(vgl. Jahrg. XVI, S. 134) wird von jetzt ab alljährlich ein kurzer Bericht 
über Funde in Aachen, die für die Altertumswissenschaft und Ortsgeschichte 
von Interesse sind, in der Zeitschrift veröffentlicht werden. In folgendem 
sei der Bericht über die wichtigsten Funde des Jahres 1903 nachgeholt. 

1. Bei den im März 1903 in der Dammstrasse und auf dem Marktplatz 
zu Aachen-Burtscheid vorgenommenen Kanalisationsarbeiten wurden im oberen 
Teile der Dammstrasse in geringer Tiefe verschiedene, meist zu Haushaltungs- 
zwecken benutzte Gegenstände gefunden, u. a. 2 Löffel aus feinem Zinn aus 
der Zeit der Renaissance, ein ganz kleiner und ein grosser, weleh letzterer 
auf der Innenseite als Marke eine von einer Krone überragte Rose mit den 
Buchstaben J. H. zeigte, eine Anzahl Messingnadeln von 2'/ 2 bis 4 cm. Länge, 
ein sehr beschädigter Steiuzeugkrug mit Gesichtsmaske, ein Löschhorn, 
ebenfalls aus Steinzeug, beide Raerener Herkunft, und 3 ziemlich wertlose 
Münzen, darunter ein Aachener Markstück des Kaisers Mathias (1612—1619). 
Weiterhin stiess man zwischen dem Michaelsbad (Nr. 14/16) und dem Hause 
Nr. 19 etwa 2,80 m unter der Strassenkronc auf einen römischen Mauerrest, 
der so tief in den Boden hinabging, dass das Fundament des Mauerwerks 
in einer Tiefe von 3 ; 20 in (Kanalsohle) noch nicht erreicht wurde 1 . Auch 
ein Mittelerz des Kaisers Nero mit dessen Lorbeerkopf und der Umschrift: 
IUP. NERO CAESAR AVG. GERM, auf der Vorderseite und einer Göttin 
mit einer Kugel und den Buchstaben S. C. im Felde auf der Rückseite kam 
zu Tage. Auf dem Marktplätze wurden gegenüber dem Prinzenbad (Nr. 14/16) 
Reste einer mittelalterlichen Wasserleitung aufgefunden. Im Mauerwerk, 



») Vgl. hierzu: Jahrgang XV, S. 99. 



— 45 — 

dessen Oberkante 2 m unter der Strassenkrone Lag, und das bei einer Breite 
von 65 cm eine Höhe von 60 cm aufwies, war das aus zwei Hohlziegeln 
gebildete Wasserrohr eingebettet und mit zwei Tonplatten abgedeckt. Die 
zu der Leitung verwandten Tonfabrikate waren den römischen Hohl- und 
Plattenziegeln nachgebildet; doch war das zu ihnen benutzte Material 
erheblich schlechter als bei diesen. Auf einer der Platten war eine Schuhsohle 
mit 5 Reihen Nägeln abgedrückt. Mehr unterhalb wurden zwei 2 m unter 
dem Strassenpflaster in unregelmässigen Abständen von einander 5 Pfähle 
aus Eichenholz und noch etwas weiter nach dem Krinolinbrunnen hin in der 
Tiefe von 2,10 m drei Trittstufen aus Beton freigelegt. Dieselben zeigten 
von oben nach unten eine Höhe von 30,30 und 30 cm, wärend ihre Tiefe 
33,30 und 36 cm betrug. Ob diese Stufen zu einem Brunnen oder zu einem 
Bade führten, dürfte schwer zu sagen sein. Nach dem Beton zu urteilen, 
gehört dieser Baurest der römischen Zeit an. (Vgl. Echo d. Geg. 1903, 
Okt. 15., 2. Bl. Nr. 738.) 

2. Gegen Ende Mai 1903 wurde beim Auswerfen der Fundamente auf 
dem Baugrundstück des Kaufmanns Heinrich Lohmanu an der Lütticher 
Strasse, dem Kriegerhäuschcn gegenüber, eine Brabanter Kupfermünze des 
14. Jahrb. und eine 10 cm im Quadrat grosse Tonfiiese aus dem 16. Jahrh. 
mit dem Wappen der Familie von Vlatten (drei Längsbalken, im rechten 
Obereck ein Stern) gefunden, von welcher mehrere Mitglieder um jene Zeit 
angesehene Stellungen am Aachener Münsterstift bekleideten. (Vgl. Echo 
d. Geg. 1903, Okt. 15, 2. Bl. Nr. 738.) 

3. Bei dem Neubau des an die „Erholung" anstossenden Hauses 
Wirichsbongardstrasse 13 wurden im August 1903 in der Tiefe von etwa 
2 m unter der Strassenkrone im Sehlammboden, der in dieser Gegend etwa 
1 m unter dem angeschütteten Boden beginnt, die Reste mehrerer mittel- 
alterlichen Tongefässe gefunden. Bemerkenswert waren ein Topf und ein Krug, 
die beide, hart gebacken, als Erzeugnisse einer einheimischen Töpferei 
betrachtet werden können. Der Topf von grauer Farbe und ballonförmiger 
Gestalt, zeigte aussergcwöbnliche Dimensionen; unten abgeplattet, war 
er etwa */ 2 m hoch, und hatte au der Mündung 24 cm, am Bauch 
35 cm Durchmesser. Der Kragen, womit er versehen war, wies oben und 
unten ein stabförmiges Profil auf. Der roher gearbeitete Krug war von 
brauner Farbe und einhenkelig. Bei einer Höhe von 21 cm hatte er am 
Bauch einen Durchmesser von 14 cm. Der Wellfuss war schwach ange- 
deutet, und am Halse zog sich unten ein aus ineinander geschachtelten V 
und oben ein aus einfachen Strichen gebildetes, zierliches Ornament. Der 
Krug ist wohl älter als der Topf und vermutlich ins 11. Jahrh. oder gar 
noch früher zu setzten. Eine grosse Anzahl ähnlicher Töpfe und Topf- 
scherbeu Aachener Ursprungs, die im Laufe der letzten Jahre bei Erdarbeiten 
im Stadtgebiet zutage gekommen sind, enthält die von dem verstorbenen 
Zementfabrikanten Jakob Kalffbint erlassene Sammlung. (Vgl. Echo d. Geg. 1903, 
Okt. 15, 2. Bl. Nr. 738.) 



— 46 — 

4. Bei dem im August 1903 vorgenommenen Abbruche des Kaiser 
Karls-Gymnasiums wurde an der nördlichen Seite (Augustiuerbach) der 
Grundstein des hier liegenden Gebäudeteils aufgefunden. Er war in 
Terrainhöhe eingemauert und enthielt nur eine zwischen zwei Bleiplatten 
liegende Silbermünze, ein Aachener Sechzehnmarkstück v. J. 1 750, genau 
der Abbildung der Münze von 1752 bei Meyer, Aach. Geschichten I, Münz- 
tafel VI, Nr. XI entsprechend. (Mitteilung des Herrn Stadtarchivar Pick.) 
Ausserdem fanden sich bei den umfangreichen Erdarbeiten für den Neubau 
des Gymnasiums in den folgenden Monaten eine überraschend grosse Anzahl 
alter Krüge und andrer Gefässe teils römischen, teils karolingischen und 
späteren Ursprungs, die zum grössten Teil noch gut erhalten sind, ein fast 
vollständiges Skelet, mehrere Hälse von Amphoren, viele Tonscherben, eine 
schwere Ziunkanne und «andere interessante Gegenstände, deren Veröffent- 
lichung von anderer Seite beabsichtigt ist. 

5. Auch bei den umfangreichen Fundamentierungsarbciten zu den zahl- 
reichen Neubauten an der Ostseite der Kleinmarschierstrasse von Juni bis 
Dezember 1903 wurden einige Funde gemacht, die, soweit bekannt, in einem 
Skelet, mancherlei Töpfen und dergl. bestanden. So stiess man beim Aus- 
werfen der Fundamente für den Neubau des Hauses Nr. 25/27 (Leder- und 
Wachstuchhandlung von Franz Kaiser) auf mehrere von Eichenpfähleti 
umschlossene viereckige Gruben von grösserem und kleinerem Umfange, wie 
sie bei Erdarbeiten auch sonst in der Altstadt an verschiedenen Stellen 
angetroffen worden sind. Diese merkwürdigen Gehäuse rinden ihre Fort- 
setzung in den gleichartigen Eichenpfählungen, welche man vor einigen Jahren 
an der benachbarten Prinzenhofstrasse ausgegraben hat. Die Vermutung, 
dass dieselben die älteste Befestigung der Stadt gebildet haben, gewinnt 
duch diesen neuen Fund sehr an Wahrscheinlichkeit. Auf demselben Bau- 
grundstück kam eine nicht unbeträchtliche Anzahl spätmittelalterlicher bezw. 
nachmittelalterlicher Henkelkrüge von brauner und grauer Farbe zum Vor- 
schein. 12 Krüge von verschiedener Grösse (16—26 cm), die in den Besitz 
des Bauherrn gelangten, haben alle bis auf einen dunkelgrauen gerippten 
Krug, der nur schwache Andeutungen eines gewellten Fusses zeigt und 
älter als die andern ist, einen ausgeprägten Wellfuss. Bemerkenswert sind 
2 ebenfalls dort aufgefundene Scherben, von denen die eine, der Hals eines 
Kruges, ein aus Strichen gebildetes Ornament trägt, während die andere, 
der Bauch eines Topfes, mit der Abbildung der Muttergottes mit dem Kinde, 
einer Vase mit Blumen etc. verziert ist. Die Darstellung der Muttergottes, 
der Schutzpatronin von Aachen, wie auch der Umstand, dass die Tongefässe 
grösstenteils Ausschussware sind, dürften die Annahme bestätigen, dass wir 
es bei ihnen mit Fabrikaten einheimischer Herkunft zu tun haben. (Vgl. 
Echo d. Geg. 1903, Okt. 18, 4. Bl. Nr. 749.) 

6. Bei den Erdarbeiten ans Anlass des Umbaues des Hauses Markt 
Nr. 9, das vor einiger Zeit in den Besitz des Kaufmannes Robert Lejeune 
überging, entdeckte man die Überreste eines Töpferofeus, daneben eine Grube 



— 47 — 

aus Tonerde, wie sie beim Töpfern verwandt wurde, und eine andere Grube, 
in der eine Anzahl Krüge, alles Ausschussware, zusammenlag. Mehrere 
dieser Krüge^ deren Herstellung man wohl an das Ende des 15. oder in den 
Anfang des 16. Jahrb. setzen darf, sind glasiert; sie haben eine Höhe von 
20 bis 25 cm und einen gewellten Fuss. Einer derselben zeigt einen ver- 
zierten Hals, ein anderer, etwas kleinerer von grauem Ton ist ein sogen. 
Bartmänneheu. Auch stiess man tief in morastischem Boden auf die Reste 
einer Pfahlgrube nach Art jener Pfählungen, die man u. a. auf dem Gebiete 
des alten Stefanshofes in der Hartmannstrasse, bei den Neubauten an der 
Westseite^ der Korneliusstrasse und bei der Anlage des Ratskellers in dem 
Hause Grosskölnstrasse 1 entdeckte ', wodurch wiederum ein weiterer Fingerzeig 
zur genaueren Bestimmung der ältesten Befestigungsanlagen vor der ersten 
Stadtummauerung geboten zu sein scheint. Die in diesen Pfahlgruben regel- 
mässig angetroffenen Kirschenkerne fehlten auch hier nicht. (Vgl. Echo 
d. Geg. 1903, Nov. 4, 3. Bl. Nr. 793.) 

7. Bei dem Auswerfen der Fundameute zu dem Neubau an der Ecke 
Hühnermarkt und Retheistrasse kamen sehr merkwürdige Bruchstücke von 
Tongefässen aus den verschiedensten Zeitperioden von der römischen bis 
zur neueren Zeit zum Vorsehein. Aus der Römerzeit fand sich neben 
mehreren Glasscherben und einem Plattenzingel von 20 cm im Quadrat eine 
ansehnliche Zahl von Amphoren-Fragmenten, besonders Halsstücken, aus 
grauem und rotem Ton; einzelne dieser Gefässe müssen, nach den Über- 
resten zu schliessen, ganz kolossale Dimensionen gehabt haben. Ferner fand 
man ein Stück einer Terra sigillata-Schüssel mit Pflanzenschmuck und 
anderen Ornamenten, die nach Material und Arbeit in der besten römischen 
Zeit, dem 1. Jahrh. n. Chr., angefertigt worden sein mnss, und eine mit 
einer durch Dämpfen bewirkten, glänzenden, schwarzgrauen Farbe überzogene 
Schüssel aus der nämlichen Zeit, die leider von den Arbeitern zerschlagen 
worden war. Die Schüssel ist aus weissem Ton auf der Drehscheibe her- 
gestellt, 5 cm hoch bei einem Durchmesser von 24 cm und hat einen l j. 2 cm 
hohen Fuss. Aus der Merowingerzeit kam ein Topf von grauem, halbge- 
backenem Ton und birnenförmiger Gestalt zutage. Er misst bis zum Ansatz 
des ganz zerstörten Halses 15 cm und hat einen Umfang von 18 cm. Der 
Durchmesser am Boden beträgt 7 cm. Zu diesen Fundgegenständen, die in 
einer Tiefe von 3 — 5 m entdeckt wurden, kamen in den oberen Erdschichten 
mancherlei, allerdings weniger bemerkenswerte Fragmente von Töpfen aus 
spät- und nachmittelalterlicher Zeit, teils Aachener, teils Raerener Ursprungs 
hinzu. Hier trat auch der Rest eines Steinbildwerks (Sandstein) zutage, 
das einen liegenden Löwen mit krauser Mähne und auffallend dünnem 
Schweife darstellte. Die Skulptur entstammt der Frührenaissauce und bat 
vormahls wohl als Hauszeichen gedient. (Vgl. Echo d. Geg. 1904, Febr. '-', 
2. Bl. Nr. 79.) 



l ) Vgl. R. Pick, Aus Aachens Vergangenheit !«(•">. S. VM, Anm. ?.. 



— 48 — 

8. Besonderes Interesse beanspruchen auch die von Oberlehrer Jos. Liese 
im Stadtwalde und in der königlichen „Preuss" aufgedeckten Hügelgräber. 
Nachdem derselbe bereits im Sept. 1902 mit Erlaubnis des Kultusministers 
einen grösseren kreisförmigen Hügel geöffnet und darin einen in 3 m Länge 
von Norden nach Süden sich erstreckenden Steinwall von 80 cm Höhe mit 
einem Menschengrabe freigelegt hatte, fand er bei weiteren, am 28. März 1903 
mit Erlaubnis des Herrn Oberbürgermeister Veltman im Stadtwalde vorge- 
nommenen Nachgrabungen zwei andere merkwürdige Steindämme von 45 cm 
Höhe und 30 cm Breite. Bei Fortsetzung der Ausgrabungen werden sich 
wahrscheinlich sichere Anhaltspunkte dafür ergeben, ob man die Anlage dieser 
Hügelgräber, die teils vereinzelt, teils gruppenweise bei einander liegen, in 
die ältere Steinzeit wird hinaufrücken dürfen. (Vgl. Jahresbericht des 
Kaiser Karls-Gymnasiums in Aachen für 1902—1903, S. 21.) 

9. Zwischen Weiswciler undDürwiss wurde auf dem sogen. „Burgacker" 
eine alte Absiedlung freigelegt, die der spätrömischeu oder frühfränkischen 
Zeit anzugehören scheint und durch Feuer zerstört worden ist. Man fand 
dabei mancherlei altertümliche Eiseugeräte, Terra sigillata-Scherben mit ein- 
gedrückten Kiesclsplittern, sowie zahlreiche auffallend leichte, quadratische 
Ziegel. Münzen wurden bishcran nicht gefunden. (Mitteilung des Herrn 
Vikar Johann Wiechens zu Weisweiler.) 

Aachen. II. Savelsberg. 



1 hu-OK von Hermann Kaatzer in Aachen. 




Hü 



Mitteilungen 

des 

Vereins 





für Kunde 

der 

Aachener Vorzeit 



Im Auftrage des Vorstandes herausgegeben von Heinrich Schnock. 

Jährlich wenigstens 8 Nummern. — Preis des Jahrgangs 4 Mark. 

Verlag der Cremerschcn Buchhandlung (O. Cazin) in Aachen. 



Nr. 4/8. 



Siebenzehnter Jahrgang. 



1904. 



In li alt: Emil Pauls, Geleitsrechte des Herzogs von Jülich im Jülichschen und in Aachen. 

Geleitsrechte 
des Herzogs von Jülich im Jülichschen und in Aachen. 

Von Emil Pauls. 

In der deutschen Rechts- und Kulturgeschichte kommt der 
von geleiten (führen) stammende Ausdruck „Geleit" häufig vor 1 . 
Wie schon das Grundwort andeutet, verbindet sich mit Geleit 
der Begriff einer gewissen Führung oder Begleitung, und damit 
eines Schutzes oder einer Ehrung. Vorwiegend waren Geleits- 
rechte Schutzrechte, die einst, ähnlich allen auf Beschirmung 
hinauslaufenden Einrichtungen, dem Beschützer in der Regel 
Ehre, Hoheit und einiges Einkommen zubrachten. Hauptsächlich 
die Ehre kam dann in Betracht, wenn es sich darum handelte, 
an der Spitze einer stattlichen Schar von Bewaffneten das Ge- 
folge einer sehr hohen Person, besonders eines Kaisers oder 
Königs, zu bilden oder zu vermehren. Dadurch erstrahlte das 
Ansehen des Anführers einer solchen Schutz- und Begleitmann- 
schaft in hellem Lichte und liess ihn die unvermeidlichen Kosten 
des hohen Aufwandes verschmerzen. Dem Fürsten- oder grossen 
Geleit stand das kleine (niedrige) Geleit gegenüber, das im 



') Geleit kommt zuweilen auch als Bezeichnung für Geleitsgeld, Ge- 
leitsbricf und dcrgl. urkundlich vor. Feldgleid (geleit) steht mitunter im 
Sinne einer Begehung oder Bestimmung der Grenze. 



— 50 — 

allgemeinen die Sicherung von Reisenden auf den Strassen be- 
zweckte. Hierbei unterschied man zwischen schriftlichem (totem) 
und lebendigem Geleite, das heisst zwischen einer Geleitsbrief 
genannten Urkunde und der Stellung eines bewaffneten Schutzes. 
Der Geleitsbrief galt stets nur für ein in ihm genau bezeichnetes 
Gebiet. Dort konnte sein Inhaber innerhalb der festgesetzten 
Frist frei verkehren, auch, falls die Umstände es zu erfordern 
schienen, von den Behörden die auf seine Kosten zu bewirkende 
Gestellung einer Schutzmannschaft für Hab und Gut verlangen. 
Andere Geleitsrechte waren das Geleit zum Rechten ' (zum Gericht), 
sowie das Geleit der Juden und Lombarden. Das Geleit zum 
Rechten sicherte hinsichtlich einer bestimmten gerichtlichen Ver- 
handlung einem Angeklagten oder Zeugen in der Regel freie 
Hin- und Rückreise 2 . Dass es durchgehends nur in den Fällen 
erteilt wurde, in denen der Angeklagte durch Zwangsmittel 
zum Erscheinen nicht veranlasst werden konnte 3 , braucht kaum 
erwähnt zu werden. Jülich gab in seinen Verhandlungen mit 
Aachen i. J. 1772 4 über das Geleit zum Rechten folgende Er- 
klärung. Dieses Geleit besteht in der Sicherheit, dass man beim 
Zutritt zum Gericht und zur Verhandlung nicht ergriffen oder ge- 
fänglich „niedergeworfen" werde. Beim Geleit zum Rechten findet 
man auf einige Zeit Schutz und Sicherheit gegen solche Bedräng- 
nisse, die sonst gesetz- und ordnungsmässig sind. Solchen Geleits 
bedürfen vorzüglich „niedergedrückte" Schuldner, indem sonst 
gegen sie mit persönlichem Arrest oder im gewöhnlichen Exekutions- 
wege vorgegangen werden könnte 5 . 



J ) Ich behalte diesen früher allgemein, namentlich auch in Aachen, sehr 
gebräuchlich gewesenen Ausdruck im Nachstehenden bei. 

2 ) Von einer Ausnahme abgesehen, sind mir Geleitsbriefe zum Rechten 
für Aachen nicht bekannt geworden. Diese Ausnahme spricht für die Ge- 
währung freien Geleits auch für die Rückreise. Es heisst nämlich in einer 
undatierten (c. 1400) Vorladung des Ritters Heinrich von Kentenich, er 
möge zur Verantwortung nach Aachen kommen „geleide hait zo comen, ze 
bliven ind ungecroet van danne ze scheiden". (Vgl. F. J. Kelletcr, Land- 
friedensbünde zwischen Maas und Rhein, S. 11). 

8 ) Meist beim Verweilen im Auslande oder in einem fremden Ge- 
richtsbezirke. 

4 ) Aachener Stadtarchiv; 26. Jülicher Beschwerde. 

fi ) Kürzer und im wesentlichen zutreffend heisst es in der Zeitschrift 
des Aachener Gcschichtsvcreins Bd. X, S. 27: Glaid ist die Erlaubnis, sich 
irgendwo aufzuhalten, ohne dass hiermit gewisse Rechtsfolgen, welche an 
sieb eintreten müssten, verknüpft sind. 



— 51 — 

Beim Geleite der Juden und Lombarden handelte es sieh 
darum, ihnen die Niederlassung- an einem bestimmten Orte und 
den Betrieb*" ihres überwiegend auf Geldverleihung gegen hohe 
Zinsen oder kostbares Unterpfand gerichteten Gewerbes zu 
gestatten. 

Seit jeher besass der König die grössten Geleitsrechte. Er 
wählte sein Gefolge und verlieh den Grossen des Reichs das 
Recht der Zugehörigkeit zum königlichen Hofstaat. „Den Königen", 
sagt H. Siegel 1 , „gab der Besuch von Märkten und Messen 
durch wandernde Kaufleute ferner Veranlassung, sich ein Geleits- 
recht (ius conductus) zuzulegen, das ist das ausschliessliche Recht, 
Kaufleuten, die mit ihren Waren umherzogen, zum Schutz gegen 
Raub und Ueberfall ein bewaffnetes Geleite zu stellen, wofür 
ein Entgelt bezahlt werden musste." Bezüglich des Judengeleits, 
so standen die Juden im Reich schon nach dem Landfrieden 
Heinrichs IV. von 1103 unter dem Frieden des Kaisers, und 
54 Jahre später erklärte Friedrich I. sie als Angehörige seiner 
Kammer 2 . Im 13. Jahrhundert wurden die Geleitsrechte den 
Fürsten für ihre Territorien allgemein zuerkannt, aber nur als 
ein ihnen persönlich vom Reiche verliehenes und darum nicht 
weiter übertragbares Recht. Erst seit Rudolf I. galt es, unbe- 
schadet des im ganzen Reiche fortbestehenden Geleitsrechts des 
Königs, schlechthin als landesherrliches, frei übertragbares Regal 3 . 

Bald nach dem Interregnum gestalteten sich die vogtei- 
lichen Rechte des Jülicher Grafenhauses in Aachen zu recht 
drückenden. Es gab in den letzten Jahrhunderten vor der 
französischen Fremdherrschaft eigentlich nur wenige Ruhepausen 
in dem zwischen Aachen und Jülich oft mit grosser Erbitterung 
geführten Kampfe um die gegenseitigen Hoheitsrechte, unter 
denen das Geleitsrecht mit an erster Stelle stand. Täuscht 
indes nicht alles 4 , so blieb vor dem zweiten Drittel des 16. Jahr- 
hunderts das Geleitsrecht bei den streitenden Parteien ganz im 
Hintergrund, es trat vielmehr erst während der Regierung 



') Deutsche Rcchtsgcschichte, Berlin 1889, S. 216. 

2 ) Ad cameram nostram attinent. Vgl. E.Schröder, Deutsche Bcchts- 
geschichtc 4 , S. 468. Die Bezeichnung „Kammerknechtc" war für Juden 
schon im 13. Jahrhundert allgemein. 

3 ) R. Schröder a. a. 0. S. 592 f. 

') Hin (Jrkundenbuch des jülicher Dynastengeschlechts fehlt leider 
immer noch. 



— 52 — 

Herzog Wilhelms V. (1539—1592) in verschiedener Hinsicht 
als Streitfrage in die Erscheinung. Unzweifelhaft besass Jülich 
schon im 13. Jahrhundert in seinem Gebiete gewisse Geleits- 
rechte. So hatte i. J. 1226 Heinrich VII. dem Grafen Wilhelm 
von Jülich das Recht verliehen, den Juden, die sich im Jülich- 
schcn niederlassen wollten, Geleit zu erteilen ', Auch wird der Graf 
von Jülich unter den Grossen genannt, die zwischen 1237 und 
1244 auf Grund eines kaiserlichen Schreibens den Cölnern freies 
Geleit für Personen und Sachen in ihren Ländern zusagten 2 . 
Aber soweit es sich übersehen lässt, fehlen für die Zeit vor 
1394 wichtigere Urkunden, die eingehend jülicher Geleitsrechte 
und deren Anwendung auf Aachener Verhältnisse behandeln. 
Erst i. J. 1395 entstanden, zunächst zwischen dem Erzbischof 
von Cöln und dem Herzog von Jülich, Streitigkeiten über das 
Geleitsrecht auf der Strecke von Cöln bis Bergheim, wobei wir 
vernehmen, dass Jülich hierbei das Gebiet zwischen Maas und 
Rhein und namentlich auch zwischen Cöln und Aachen bean- 
spruchte 3 . 1398 erklärt Aachen, förmliche Geleitsbriefe in der 
Regel nicht auszustellen 4 , 1399 gestattete der Herzog von Jülich, 
ohne dabei des Geleits zu gedenken, dass die Bewohner von 
Stadt und Reich Aachen mit ihren Gütern in seinem Gebiete 
frei verkehren durften 5 . 1402 dagegen verspricht sein Nach- 
folger, die Aachener, so oft sie es beantragen würden, in seinem 
Gebiete geleiten zu lassen . Ahnlich lautet eine Urkunde Herzog 
Reinaids vom 22. Februar 1415 7 . Das Lombardengeleit hatte 
Jülich berechtigter Weise schon 1326 und 1361 als ihm zu- 
stehend bezeichnet 8 . Sehr interessant ist die von F. Schollen 
veröffentlichte Geleitstafel vom 1. Juli 1400, wobei es sich 
inmitten der stürmischen Zeit des Fehdewesens hauptsächlich 
um das Geleit zum Rechten handelte, das damals ausschliesslich 



] ) Lacomblet, Urkundenbuch Bd. II, Nr. 140, S. 75. 
2 J Ennen-Eckertz, Quellen (Cöln) Bd. II, Nr. 296. 

3 ) Vgl. unten S. 54. 

4 ) Zeitschrift des Aachener Geschichts Vereins Bd. IX, S. 77. 
8 ) Noppius, Aacher Chronik, 3. Buch, Nr. 17, S. 53. 

6 ) Noppius a. a. 0., 3. Buch Nr. 16, S. 49. 

7 ) Vgl. Beilage Nr. 2. 

8 ) 1326 spricht Jülich von den Lombarden als nostri Lombard! ; zu 
1361 vgl. A. Schulte, Geschichte des mittelalterlichen Handels und Ver- 
kehrs Bd. II, S. 291, Nr. 441. 



— 53 — 

in den Händen der Aachener Bürgermeister lag 1 . In Urkunden 
des 15. Jahrhunderts macht Jülich auch den Aachenern gegen- 
über wiederholt von seinem Geleitsrechte Gebrauch 2 und sagt 
sogar in einem Falle das Geleit auf 3 . Aber wir lesen nicht, 
dass Streitigkeiten über irgend eine Art des Geleitsrechts 
zwischen Jülich und Aachen ausgebrochen seien, obschon noch 
i. J. 1520 bei der Krönung Karls V. im Krönungszuge der 
Aachener Rat unmittelbar dem Herzoge von Jülich folgte*. 
Von der Mitte des 16. Jahrhunderts ab wurde manches anders. 
In das Geleit zum Rechten teilten sich die Bürgermeister und 
die Vogtmeierei. Das Judengeleit hatte Aachen i. J. 1545 sich 
anzueignen versucht 5 , war aber damit gänzlich gescheitert. 
Beim Fürstengeleit war der Aachener Rat so gut wie ganz 
zurückgedrängt worden und musste sich im eigenen Hause bei 
hohem Besuch weit hinter Jülich mit einem der letzten Plätze 
begnügen. Selbst beim niederen Geleit waren bis nach Aachen 
hinein Jülichs Vorrechte übermächtig. Auf die Entwickelung 
der einschlägigen Verhältnisse gehe ich am Schluss der folgenden 
Abschnitte ein, bei denen die Darstellung auf die zur Geschichte 
des jülichschen Geleitsrechts im Düsseldorfer Staatsarchiv be- 
ruhenden zahlreichen Aktenstücke sich stützt. Die Reihenfolge 
der Abschnitte steht im Einklang mit der Numerierung der 
Aktenbündel am Orte ihrer Aufbewahrung. 

I. Das den Grafen und Herzogen von Jülich infolge 
der pfalzgräflichen Belehrungen zustehende Recht 
des Geleits zwischen Maas und Rhein, namentlich 
zwischen Cöln und Bergheim, Bergheim und Aachen, 

Cöln und Düren". 

Die Aktenstücke beginnen mit dem Ende des 14. Jahr- 
hunderts und schliessen mit dem Jahre 1590. Jülich fasste 



1 ) Aus Aachens Vorzeit, Jahrgang X, S. 31. 

2 ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. XIX, Teil II, S. -1-1, 
Urkunden Nr. 1(5 ff. 

3 ) Ebenda Urkunde Nr. 16 und Nr. 18. Aachens Eandelsbczichun • n 
zu Cöln und anderen rheinischen Städten ruussten damals durch das Aufsagen 
des Geleits im Jülichschen sehr leiden. 

4 ) Zeitschrift des Aachener G-eschichtsvereins F.d. XVII, S. 227. Der 
Rat ging im Zuge vor Jülich, stand ihm aber im Range nach. 

5 ) Vgl. die Beilagen Nr. 14 und Nr. 15. 

6 ) D. ST. A. Jülichschc Geleitsrechte. Folioband mit 215 Blättern, an 
die ein vom Archivar L. Matteuelot angefertigtes Register sich anschliesst. 



— 54 — 

sein Geleitsrecht dahin zusammen, dass für diejenigen, welche 
aus Brabant kämen, sein Recht an der Brücke zu Maastricht 
den Anfang 1 nehme und innerhalb Cölns am Rhein endige. Ge- 
legentlich eines Sr. Majestät 1 gegebenen Geleites habe der 
jülicher Marschall bei der Ankunft in Cöln einen Stock in den 
Rhein geworfen. Sollten aber, so heisst es weiter, Kaufleute 
aus Cöln vergleitet werden, so fange das jülichsche Gebiet auf 
der Vile zwischen den „beiden Gerichtern" an, die oberhalb 
Ichendorfs stehen. Fände sich dort keine jülicher Mannschaft 
vor, so könnten die Cölner die Kaufleute bis an die grosse Eiche 
vor Bergheim geleiten, aber nicht weiter. Beim Geleit auf 
der Strasse zwischen Cöln und Düren dagegen, beginne Jülichs 
Recht zwischen Gaelsem (?) und Blatzheim. 

Cöln erhob gegen die Ansprüche des Herzogs von Jülich, 
soweit es sich um das Geleit zwischen Cöln und Bergheim 
handelte, auf das lebhafteste Einspruch. Zunächst schon im 
Jahre 1395 unter dem Erzbischof Friedrich III., Graf von Saar- 
werden. In langen Ausführungen leitete damals der Erzbischof 
sein Recht her aus einem unvordenklichen Besitze der Hoheit 
in den Dörfern der Strecke Cöln- Bergheim und aus seiner 
Befugnis zur Erhebung von Wegegeldern und Landzöllen auf 
den Strassen seines Landes. Jülich berief sich dagegen auf 
seine kurz vorher erfolgte Belehnung 2 mit den pfalzgräflichen 
Lehen, in der ihm das Geleit zwischen Cöln und Bergheim aus- 
drücklich zugesprochen worden war; es brachte ferner Zeugen- 
aussagen bei, wonach wiederholt ausschliesslich jülichsche Ritter 
dem Pfalzgrafen zwischen Cöln und Aachen das Geleite gegeben 
hatten 3 . Cölner Schiedsrichter entschieden hierbei zu gunsten 
Cölns, jülicher zu gunsten Jülichs 4 . Die deshalb erfolgte (?) 



') Dem Zusammenhang nach zu schliessen, ist Karl V. gemeint. Das 
Werfen des Stockes in den Rhein kann als symbolische Rechtsbckräftigung 
angesehen werden. Ähnlich bezeichnete Jülich in Aachen sein Geleitsrecht 
durch Anfassen des Ringes auf der Türe des dortigen Grashauses. 

2 ) Im Jahre 1394 durch Pfalzgraf Ruprecht den Altern. Vgl. La co na- 
blet, Urkundcnbuck Bd. III, Nr. 997, S. 883. 

y ) Vgl. Beilage Nr. 1. 

') Zu der Streitfrage des Gcleitsrechts auf der Strecke Cöln-Berghcim 
bewahrt das Düsseldorfer Staatsarchiv (Jülich-Berg) aus den Jahren 1395 — 
1397 etwa zehn Urkunden, Zeugenaussagen und schiedsrichterliche Ent~ 
Scheidungen. 



— 55 — 

Berufung an das Reich 1 scheint ebensowenig zur Einigung 
geführt zu haben, wie eine i. J. 1397 getroffene Vereinbarung 
zwischen Erzbischof Friedrich und Herzog Wilhelm. Demnach 
sollte jener das Geleitsrecht von Cöln bis Bergheim, der Herzog 
aber das gleiche Recht von Bergheim aus bis Cöln haben 2 . 
Ein näheres Eingehen auf die in manchen Punkten Jahrhunderte 
hindurch unerledigt gebliebene Streitfrage, zu deren Geschichte 
die vorliegenden Aktenstücke so manchen Beitrag bieten, gehört 
nicht hieher. Die Akten, in denen unter anderen auch über 
das Geleit Antwerpener Kaufleute bis zum Rhein und die zu 
Neuss hierüber i. J. 1528 gepflogenen Verhandlungen einiges sich 
findet, schliessen mit einem Erlass vom 1. September 1590, 
der auf eine genauere Festsetzung der Grenzen des Amtes 
Bergheim hinwirkt. 

Mehrere bemerkenswerte Beiträge zur Geschichte des Nieder- 
rheins im 16. Jahrhundert bieten einige Briefe und Erlasse aus 
dem IG. Jahrhundert, wobei es um Fürstenbesuche und das Geleit 
sehr hoher Persönlichkeiten sich handelt. Hier folgen der Zeit- 
folge nach geordnete kurze Hinweise. 

1517 (Fol. 26 — 54). Schriftstücke betreffend den bevor- 
stehenden Besuch des Niederrheins durch den Markgrafen Kasimir 
von Brandenburg, seine beiden Brüder und den Herzog Wilhelm 
von Bayern. 

1521 (Fol. 57 — 60). Erzherzogin Margareta von Oesterreich 
begehrt vom Herzog Johann von Jülich Geleit für ihren Vetter 
Ferdinand, den Bruder Karls V. 3 Der Herzog entsprach bereit- 
willigst dem Gesuche, entschuldigte sich aber, dass er wegen 
Krankheit seines Vaters und Zwistes mit Geldern das Geleite 
nicht persönlich befehligen könne. 

1543 oder 1541 i } Fnde des Dezember (Fol. 108 ff.). Bevorste- 
hender Besuch des Kaisers. Befehl an den Schützenmeistcr zu 



*) Üb diese in einer Urkunde des Düsseldorfer Staatsarchivs vom 
(>. November 1395 in Aussicht gestellte Berufung an das Reich wirklich 
erfolgt ist, habe ich nicht ermittelt. 

-) Urkunde des Düsseldorfer Staatsarchivs. Manche Angaben im vor- 
liegenden Foliobande deuten darauf hin, dass diese Vereinbarung höchstens 
sehr kurze Zeit in Kraft blieb. 

s ) Vgl. Beilage Nr. 11. 

4 ) In der Vorlage schreibt der Abschreiber bald 1543 bald L541. 
Näheres über die Daten der Besuche Karls V. in der Aachener Gegend in 
der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvcrcins Bd. I, S. 212 ff. 



— 56 — 

Cleve, sich sofort mit seinen Schützen nach Jülich zu begeben 
und dort nähere Anweisung entgegen zu nehmen. Nach einge- 
laufener Nachricht werde der Kaiser um Neujahr nach Mecheln 
kommen und durch das Herzogtum nach Cöln reisen. Ähnliche 
Mitteilungen ergingen an verschiedene höhere Beamte mit der 
Aufforderung, in den Städten, Flecken und Dörfern, die der 
kaiserliche Zug berühren werde, für Heu, Haber, Proviant und 
Lager Sorge zu tragen. Ferner hätten eigens auszusendende 
Kundschafter festzustellen, wann der Kaiser in Maastricht ein- 
treffe. Die Schützenmeister und Schützen hätten die Strasse 
frei zu halten, höhere Beamte müssten auf Erfordern in Jülich 
erscheinen, um vom Kaiser empfangen zu werden und ihn zu 
begleiten. Da der Kaiser vielleicht eine Jagd wünschen werde, 
sei zu einer solchen alles vorzubereiten; jedenfalls sei für einen 
reichen Vorrat an Rehen und Schweinen zu sorgen, um daraus 
dem Kaiser und den Herren seines Gefolges Geschenke zu machen. 

1545, Fastenzeit (Fol. 120). Nach Brüssel gesandte Räte 
des Herzogs von Jülich melden, dass der Herr von Grandvelle, 
der Bischof von Arras und andere Herren von Brüssel aus nach 
dem Reichstag sich begeben wollten. Sie (die Räte) hätten sich 
deshalb mitDrimborn, Palant zu Breidenbend und dem Schützen- 
meister Dürffendal in Verbindung gesetzt, damit den hohen, 
beim Kaiser sehr angesehenen Herren beim Betreten des Jülich- 
schen Bodens Geleite gestellt, auch Fische, Wein und Haber 
verehrt werden könnten. 

1545, Mai 5 (Fol. 123). Hofmeister Alexander von Drimborn 
meldet den herzoglichen Räten in Düsseldorf die Ankunft Karls V. 
in Aachen '. 

1545, August 5 (Fol. 125). Ähnliche Erlasse und Vor- 
bereitungen wie i. J. 1543 für den in Aussicht stehenden Besuch 
des Kaisers. 

1551, März (Fol. 139). Erlass der herzoglichen Räte an 
Marschall Plettenberg betreffend Vorbereitungen für das Geleit 
der dem Vernehmen nach von Augsburg aus durch jülichsches 
Gebiet reisenden Königin-Regentin. Befehl, durch Kundschafter 
das Nähere über die Aufenthaltsorte auf der Reise festzustellen, 
sowie für Geleite, Wein, Fische und Haber zu sorgen. [In den 
Akten einige Berichte zur Sache, darunter einer des nach Coblenz 
gesandten Kundschafters Hans.] 

') Vgl. Beilage Nr. 16. 



— 57 — 

1579, April 30 (Fol 150 ff.). Mitteilung an den Hofmeistei 
Bongart, den Amtmann zu Castcr und den Amtmann zu Portz, 
dass der Herzog von Aerschot nebst anderen Deputierten der 
Niederländischen Staaten zu den bevorstehenden Verhandlungen 
(paeification) nach Cöln verreisen wollten. Vom Herzog sei 
schriftliches und lebendiges Geleit nachgesucht worden, er werde 
seinen Weg über die hohe Strasse nach Neuss und Dormagen 
und von da nach Cöln nehmen. Es sei auch dem Bewahrer 
zu Hambach, Johann von Merode, und dem Johann von Scheidt 
genannt Weschpfennig aufgetragen worden, den hohen Reisenden 
Geleit zu stellen und sie bis Cöln zu geleiten, dabei aber die 
jülichschen Geleitsrechte sorgfältig zu wahren. [In der Fort- 
setzung Berichte über den von Cöln erhobenen Einspruch, wobei 
namentlich auf das vom Kaiser dem Erzstift Cöln verliehene 
Regal auf dem Rheinstrom hingewiesen wird *.] 

II. Geleitsbriefe des Herzogs Johann 
für Städte, Gemeinden und einzelne Personen 2 . 

Die Stadt Aachen ist in der vorliegenden Sammlung von 
Geleitsgesuchen und Geleitsbriefen, die den Jahren 1514 — 1518 
angehören, vielfach vertreten. Es fällt etwas auf, dass nur für 
diese vier Jahre eine grössere Anzahl von Geleitsbriefen sich 
vorfindet; vielleicht verwendete man in der letzten Regierungs- 
zeit des Herzogs Johann auf die Erteilung derartiger Briefe 
eine besondere Sorgfalt. Jedenfalls hat die Sammlung keinen 
hohen Wert, sie bietet zur Zeitgeschichte nur wenig. Ausser 
Aachen sind die Städte Hecheln, Roermond und Maastricht ver- 
treten. Von hervorragenden Persönlichkeiten, die um Geleits- 
briefe nachsuchten, werden einzig* genannt die Cölner Erz- 
bischöfe Philipp II. und Hermann V., Graf von Wied, ferner 
der Utrechter Bischof Friedrich IV., Markgraf von Baden, und 



1 ) Angedeutet zu werden verdienen noch lungere Verhandlungen im 
Jahre 1580 (Fol. 154 f.) zwischen dem Gouverneur der Niederlande, Erz- 
herzog Matthias, und dem Herzog von Jülich. Per Erzherzog wünschte eine 
Vermittlung zwischen ihm und dem Kurfürsten von Cöln in Suchen nieder- 
ländischer Kaufleute, die man auf kurfürstlichem Gehißte in Bonn, angeblich 
wegen Schulden ihrer Heimatstadt, zurückgehalten hatte. 

2 ) D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte. Meist Entwürfe oder Abschriften. 
Papier; lose Blätter. 



58 — 

der Markgraf Joachim von Brandenburg 1 . Erzbisohof Philipp 
wünschte im Juli 1514 einen Geleitsbrief für eine Reise nach 
Westfalen, wobei er gleichzeitig den Herzog - bat, während 
seiner Abwesenheit das Cölner Erzstift diesseits des Rheins 
„in Schirm und Befehl" zu halten. Erzbischof Hermann schreibt 
in seinem Gesuche zu Ende des August 1515 ebenfalls, dass 
er demnächst auf längere Zeit nach Westfalen sich begeben 
wolle und sein Land während seiner Abwesenheit dem Schutze 
Jülichs empfehle. Damals bestand also zwischen Cöln und 
Jülich das beste Einvernehmen. Bischof Friedrich von Utrecht 
gibt in seinem vom 6. September 1515 datierenden Schreiben 
das Ziel seiner Reise nicht an, sondern sagt nur, dass er viel- 
leicht jülichsches Gebiet berühren werde, und zwar mit einem 
Gefolge von etwa 50 Personen. Markgraf Joachim erklärt, auf 
Befehl des Kaisers an den Rhein, und dabei auch nach Düssel- 
dorf und Jülich kommen zu wollen. Soweit die Antworten des 
Herzogs vorliegen, sind sie in sehr gewählter, verbindlicher 
Form gehalten. Dem Bischof von Utrecht bemerkt der Herzog, 
dass die „wilden Läufe und Händel" im Herzogtum immer noch 
ein bewaffnetes Geleit notwendig machten. Gerne wolle er ein 
sicheres Geleit stellen, bitte aber um vorherige Benachrichtigung, 
etwa 8 Tage vor der Ankunft des Bischofs. Für Aachen stellte 
Herzog Johann in der Regel zweimal jährlich einen Geleitsbrief 
aus 2 . Der erste lief vom 25. Januar bis zum 25. Juli; der 
andere vom 25. Juli bis zum 25. Januar 3 . Die wiederholte 
Ausfertigung mag ebensowohl der herzoglichen Kanzlei einen 
kleinen Vorteil gebracht, als dem Herzog es erspart haben, bei 
eintretenden Streitigkeiten mit Aachen unter Umständen auf 
das Ende der Dauer des Geleitsbriefs allzu lange warten zu 
müssen. Zwei aus augenscheinlich wichtiger Veranlassung für 
Aachen ausgestellte Geleitsbriefe — die Stadt war zur Ver- 



antwortung vor kaiserliche Kommissare nach Coblenz geladen — 
verdienen besondere Beachtung 4 . 

Unter den Geleitsbriefen für Privatpersonen sind zwei Briefe 



') Vgl. Beilage Nr. 10. 

2 ) Das mag schon im 15. Jahrhundert gebräuchlich geworden sein. 
Vgl. Beilage Nr. 8. 

3 ) Ein Beispiel der bei der Ausstellung des Geleitsbriefs für Aachen 
damals üblichen Form bietet die Beilage Nr. 7. 

4 ) Vgl. Beilagen Nr. 8 und Nr. 9. 



— 59 — 

bemerkenswert, in denen Juden Geleit gegeben wird, um ärzt- 
liche Kunst auszuüben und Arzneien zu verabfolgen. Wie un- 
zuverlässig, zu Ende des Mittelalters mitunter die Jülicher 
Geleitsmannschaft war, geht aus einer Beschwerde des Dogen 
von Venedig vom Jahre 1480 hervor 1 . Da forderte der Doge. 
vom Herzog von Jülich Schadenersatz, weil unweit Aachens ein 
vornehmer Italiener von der zu seinem Schutze bestimmten 
jülichschen Mannschaft vollständig ausgeplündert worden war. 
Über das Ergebnis der Beschwerde liegen keine Nachrichten 
vor; schwerlich indes hat der Herzog dem an ihn gerichteten 
Wunsche sofortiger Zahlung entsprochen 2 . Die Form der Ge- 
leitsbriefe schwankte, sie richtete sich nach den Umständen und 
nach dem Bange des Geleitsuchers. So fehlt im Geleitsbriefe 
für den Erzbischof von Cöln jede Angabe über die Dauer des 
Geleits; es blieb also dem Kirchenfürsten überlassen, nach seinem 
Ermessen beliebig oft und lange von der erhaltenen Vergünstigung 
Gebrauch zu machen. Das war indes ?ine Ausnahme. In der 
Regel wurde im Geleitsbriefe genau festgesetzt, wann das be- 
willigte Recht begann und wann es aufhörte. Zuweilen wird 
gesagt, dass der Geleitsbrief so lange in Kraft bleibe, bis der 
Herzog ihn aufsage, und häufiger noch findet sich die Angabe, 
dass der Aussteller sich das Recht vorbehalte, auch innerhalb 
der bestimmten Dauer unter Innehaltung einer kurzen, genau 
angegebenen Kündigungsfrist das Geleit zu kündigen. Abschrift 
des Geleitsbriefs sandte die 'herzogliche Kanzlei an diejenigen 
Ämter, durch -welche die zu geleitenden Personen und Güter 
ihren Weg nahmen. Wie der Herzog in manchen Geleitsbriefen 
hervorhebt, waren vom Geleit seine und der Seinigen Feinde 
ausgeschlossen. Bei den Aachener Bürgern war der Fall vor- 
gesehen, dass jemand von ihnen mit den Untertanen des Herzogs 
Rechtsstreitigkeiten hatte, die nach (jülicher) Landrecht ent- 
schieden wurden. Dann blieb dem Herzog das ihm zustehende 
Geleit zum Rechten vorbehalten 3 . Von Zahlungen an die Geleits- 
mannschaft oder an die herzogliche Kanzlei für die Ausfertigung 



1 ) Vgl. Beilage Nr. 4. 

2 ) Der Doge wünschte Zahlung an den Überbringer seines Schreibens. 
Es musstc doch zunächst durch eine gerichtliche Untersuchung der Sach- 
verhalt klar gestellt und dann die Höhe des Sehadenersatzes durch Ver- 
handlungen geregelt werden. 

8 ) Vgl. Beilage Nr. 7. 



— 60 — 

des Briefes ist in den Entwürfen niemals die Rede. In Aus- 
nahmefällen, namentlich bei fürstlichen Persönlichkeiten, mag 
man die Höhe solcher Zahlungen der Freigebigkeit des Fürsten 
überlassen haben. Dass im allgemeinen Geleitsgeld gezahlt 
. wurde, folgt aus einer kurzen Notiz in den Memorabilicn des 
Kanzlers Lünneck 1 . Von der Zahlung von Zoll- oder Wegegeld 
befreite die Erlegung des Geleitsgeldcs selbstredend nur in den 
Fällen, in denen durch besondere Privilegien oder Verträge die 
Freiheit von Zollabgaben und dergl. feststand. 

III. Verletzung des Geleitsrechts 
durch niederländische Truppen im Jahre 159s -'. 

Ausschliesslich handelt es sich bei den Schriftstücken dieses 
kleinen Aktenbündels um ein bewaffnetes Geleit, das durch 
Herzoglich Jülichsche Mannschaft Kaufleuten und ihren Gütern 
auf der Strecke zwischen Cöln und Maastricht gegeben wurde. 
Das jülichsche Gebiet endigte bei Sittard; das Land von dort 
bis Maastricht war im Besitze der Generalstaaten, die zu Brabant 
wegen seiner Verbindung mit Spanien feindlich standen. 

1596, März 13. Wilhelm von Waidenburg, Amtmann in 
Jülich, und W. Leeraidt berichten 3 zu mehreren ihnen über 
die Regelung des Geleitswesens vorgelegten Fragen: Sie hätten 
sich mit den Cölner Kaufleuten geeinigt und eine neue, der 
Kanzlei bereits eingereichte Geleits,ordnung aufgestellt. Niemand 
solle gezwungen werden, Geleit nachzusuchen, jedes Mitglied 
der Geleitsmannschaft erhalte 2 J / 2 Reichstaler. Prozesse seien 
nicht zu befürchten; die Cölner hätten Schadloshaltung weder 
beansprucht, noch sei sie ihnen zugesichert worden, die Begleit- 
mannschaft werde aber ihr Mögliches zur Verteidigung tun. 
Aachener, die keinen besonderen Geleitsbrief hätten, möchten 
vom Geleit ganz ausgeschlossen werden 4 . 



') Vgl. Beilage Nr. 5. 

2 ) D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechtc. Eiu Heft in Folio. 
• 3 ) Dabei heisst es, mehrere Landtage hätten sich ebenfalls mit der 
Geleitsfrage beschäftigt. Der Bericht ist an den geisteskranken Herzog 
Johann Wilhelm in Düsseldorf gerichtet, dessen Räte damals die Re- 
gierung führten. 

4 ) Vgl. Beilage Nr. 20. Dies hing zusammen mit Jülichs entschiedener 
Stellung zu den Religionswirrcn in Aachen, das zwei Jahre später der Reicüs- 
acht verfiel. 



— 61 — 

1596, März 26. Bericht des Amtmanns von Waidenburg 
in Jülich über einen fehlgeschlagenen Angriff, den 150 Reiter 
der Generalstaaten auf einen durch jülichsche Geleitsmannschaft 
gedeckten Kaufmannszug bei Frcialdenhoven gemacht hatten l .. 
Antrag auf Vorstellungen an massgebender Stelle, um bevor- 
stehenden ähnlichen Angriffen vorzubeugen. 

1596, März 27. Herzogliche Räte in Düsseldorf an den 
Statthalter der Niederlande (Cardinalis Austriacus) 2 . Räuber, 
Strassenschäuder und dergleichen herrenloses Gesindel schweiften 
allenthalben umher. Viele Kaufleute hätten beim Herzog von 
Jülich, der durch kaiserliche und pfalzgräfliche Belehnnngen 
im Besitze des Geleitsrechtes sei, um Geleit bis Cüln nach- 
gesucht. Der Kardinal möge Anerkennung dieses Geleitsrechts 
und Schutz der jülichschen Begleitmannschaft veranlassen. 

1597, Dezember 1. Bericht des jülichschen Amtmanns von 
Waidenburg an die herzoglichen Räte in Düsseldorf. Cölner 
Kaufleute hätten ersucht, statt von Sittart aus von Maastricht 
aus ihre Güter durch jülichsche Geleitsmannschaft geleiten 
zu lassen. Eine derartige Geleitung, so schliesst der Bericht, 
werde zwar von grossem Vorteil für das Land sein, scheine 
aber bedenklich, da dann über eine mehr als vier Meilen lange 
Strecke königlichen Bodens das Geleit sich bewegen müsse. 
Es werde deshalb' um Verhaltungsmassregeln gebeten, damit die 
Kaufleute beschieden werden könnten. 

1597, Dezember 3. Herzoglich Jülichsche Räte antworten 
dem Amtmann von Waidenburg auf die Eingabe vom 1. Dezember, 
dass die angeregte Frage von grosser Wichtigkeit sei. Bewege 
sich das jülichsche Geleit auf königlichem Boden, so stehe zu 
befürchten, dass man nicht nur die Kaufleute und deren Waren, 
sondern auch die Geleitsmannschaft angreifen würde. Einstweilen 
sei es mit dem Geleite wie bisher zu halten, nächstens solle 
in einer grösseren Versammlung jülichscher Räte die Frage 
genauer erwogen werden. 

1597, Dezember 8. Amtmann von Waidenburg zeigt den 
Räten an, dass er ihrer Anweisung gemäss verfahren werde. 



') Vgl. Beilage Nr. 19. 

2 ) Colin, Stammtafel 33: Albrecht von Österreich, Sohn Maximilians IL, 
geb. 1559, Kardinal 1577, Statthalter von Portugal 1583, Erzbischof von 
Toledo und Primas von Spanien 1594—1598, Statthalter der Niederlande, die 
ihm König Philipp 1598 abtritt 1595, gest. 1621. 



— 62 — 

Im J. 1596 sei das jülichsche Gebiet trotz eines ergangenen Ver- 
botes fast niemals unbelästigt geblieben. Mit 100, 200, ja 300 
Pferden sei das Kriegs volk der Generalstaaten auf das Geleite 
eingesprengt. Er bitte nochmals, an die Generalstaaten zu 
schreiben, damit namentlich den Befehlshabern zu Niinwegen 
strenge Weisungen zugingen. 

Auf diesen Antrag von Waldenburgs hin wandten sich im 
Dezember 1597 die herzoglichen Räte in Düsseldorf an die Räte 
der Staaten der vereinigten Niederlande und an den clevischen 
Sekretär Heinrich von Osterreich, damit er ihre Eingabe erläutere 
und befürworte. Die herzoglichen Räte bestätigten in ihrem 
Gesuche, dass ein ergangener Befehl, das jülicher Geleit zu 
„respektieren", kurze Zeit hindurch beachtet worden sei. Aber 
seit langem würden die Kaufleute wiederum so belästigt, dass 
eine schwere Schädigung des Handels eingetreten sei; es möge 
den niederländischen Truppen befohlen werden, auf jülichschem 
Boden das jülicher Geleit unbehelligt zu lassen. 

Eine schriftliche Antwort hierauf ist anscheinend niemals 
erfolgt. Ein weder unterzeichnetes noch datiertes, wohl vom 
clevischen Sekretär H. v. Osterreich herrührendes Schreiben 
aus dem März (?) 1598 besagt, dass der Briefschreiber oft um 
Antwort gebeten habe. Endlich habe ihm einer der Räte der 
Generalstaaten mündlich eröffnet, dass man grosses Bedenken 
trage, die gewünschten Befehle an die Garnisonen zu erlassen. 
Den Soldaten der Generalstaaten würden dadurch die Mittel 
abgeschnitten, dem Feinde und dessen Gütern an Ort und Stelle 
„nachzutrachten", während es umgekehrt dem Gegner freistehen 
könnte, Güter, die den Untertanen der Generalstaaten gehörten, 
wegzunehmen. Könne von anderer (jedenfalls spanischer) Seite 
ein ähnlicher Befehl erwirkt und dessen Abschrift beigebracht 
werden, so wolle man dem Wunsche entsprechen 1 . 

Die Akten schliessen mit einem längeren Gesuche der Herzog- 
lich Jülichschen Räte vom 7. März 1598 in gleicher Sache an den 
österreichischen Kardinal und der vom 20. April 1598 datierten, 
ebenfalls ausweichend gehaltenen Antwort. Der Kardinal be- 
bezeichnet darin ebenfalls die Frage als sehr wichtig, indem 
er nähere Erwägungen in Aussicht stellt. Diese waren kaum 



') Ein solcher Befehl wäre vor 300 Jahren von kriegführenden Parteien 
kaum zu erwirken gewesen. Das Beutemachen und Plündern im Kriege 
wurde allgemein erst unter Napoleon I. in richtiger Weise eingeschränkt. 



— G3 — 

mehr nötig. Bereits im Mai 1598 setzte sich unter Führung' 
des Admirals Karl von Mendoza ein spanisches Heer nach dein 
Niederrhein* in Bewegung 1 , und bald daraufstockte dort fast 
aller Handel und Verkehr, so dass für längere Zeit von der 
Ausübung von Geleitsrechten keine Rede mehr zu sein brauchte. 

IV. Von der Stadt Aachen beanspruchtes 
Geleitsrecht, Geleitung fürstlicher Persönlichkeiten 

nach und aus Aachen 2 . 

Aachen kam in den ersten Jahrzehnten nach der Krönung- 
Karls V. um einen grossen Teil mancher bis dahin fast un- 
gehindert ausgeübten Geleitsrechte 3 . Zur Geschichte der hierbei 
von Jülich gemachten Ansprüche, des von Aachen namentlich 
im 17. Jahrhundert oft geleisteten Widerstandes und vieler 
Besuche fürstlicher 4 Personen im Laufe der Jahre von 1524 
bis 1706 bietet das vorliegende Aktenheft zahlreiche Beiträge. 
Der folgende Auszug ist der Zeitfolge nach geordnet. 

1524, Oktober 12 und Oktober 18. Auf Antrag der Erz- 
herzogin Margareta von Österreich stellt Herzog Johann von 
Jülich einen Geleitsbrief 5 für den König von Dänemark und 
dessen Gemahlin aus, die in Aachen die warmen Bäder zu ge- 
brauchen beabsichtigten. Von irgend einem Ehrengeleit, das 
der Herzog stellte oder anbot, ist weder im Geleitsbrief noch 
in den Akten die Rede. 

1594, März 16. Moritz, Landgraf von Hessen, stellt für 
Aachener Kaufleute, welche die Frankfurter Fastenmesse zu 
besuchen beabsichtigen, einen Geleitsbrief aus fi . 

Zum Besuche fürstlicher Persönlichkeiten in Aachen während 
des 16. Jahrhunderts gibt ein undatiertes, anscheinend dem 
Jahre 1602 angehöriges Aktenstück, das die jülichschen An- 



') Vgl. L. Keller, Gegenreformation . . . Publikationen aus den 
preussischen Staatsarchiven Bd. XXXIII, Teil 2, S. 57. 

2 ) D. ST. A. Jülichscbe Gcleitsrcehte. Heft in Folio. 

3 ) Hierauf komme ich am Schluss dieses Aufsatzes etwas eingehender 
zurück. 

4 ) In der Regel erhielten nur fürstliche Personen oder deren Vertreter 
ein Ehrengeleit. 

r ') Vgl. die Beilagen Nr. 12 und Nr. 13. • 

ß ) Vgl. Beilage Nr. 18. 



— 64 — 

spräche auf Geleitsreclit stützen sollte, willkommene Aufschlüsse. 
Die von einem jülichschen Beamten verfasste Schrift führt nicht 
weniger als 25 einzelne Punkte auf. In der Einleitung wird 
behauptet, Jülich habe seit unvordenklicher Zeit das Geleite in 
und durch die Stadt Aachen gehabt. Teils mit, teils ohne 
Angabe des Jahresdatums wird dann von Fürstenbesuchen, bei 
denen der Herzog von Jülich das Geleit stellte, angeführt: 
Karl V. (1520) *; Maximilian II. nebst Gemahlin; Margareta, 
Herzogin von Parma und Statthalterin der Niederlande 2 ; der 
Kurfürst und Erzbischof von Cöln (wird als häufiger Besucher 
Aachens bezeichnet); der Erzherzog Ernst, Statthalter der Nieder- 
lande (1594); der Prinz von Oranien; kaiserliche Kommissare 
(1598 zu Anfang des September); der Kurfürst von Cöln und 
sein Koadjutor (1599); die Herzogin von Jülich, wohl Antoinette 
von Lothringen, beim Besuche ihres Vaters in Spaa; der Pfalz- 
graf Wolfgang Wilhelm, Sohn des Pfalzgrafen Philipp Ludwig 
(1600). Ausser diesen fürstlichen Persönlichkeiten erhielten u. 
a. folgende hochstehende Personen vom Herzog von Jülich ein 
Ehrengeleit: Der Gouverneur von Antorf, Montragon (?), der 
aus Oleve-Berg mit einigen Regimentern spanischen Kriegs- 
volks ins Jülichsche rückte (1595) 3 ; der Admiral von Arragonien 
(1597) 4 , der ausser vielem Fussvolk 900 Reiter bei sich führte; 
die Fürstin von Vaudemont nebst der Freifrau von Assonville 
(1599) 5 und bald nachher der Herzog von Vaudemont. Zur 
Geschichte des für Aachen durch die Einsetzung des vertrieben 
gewesenen katholischen Rats so bedeutungsvollen 1. September 



') Dabei Andeutung des unentschieden gebliebeneu Streites zwischen 
Siicbscn und Jülich über den Vorritt am Krönungstage. 

2 ) In einem späteren Aktenstück wird angedeutet, dass hierbei viel- 
leicht eine Verwechselung mit einem Besuche (1566) Alexander Farnesi's, 
Prinzen von Parma und Statthalters der Niederlande, vorliege. Das gleiche 
Aktenstück deutet die bekannten mehrfachen Besuche Karls V. an und eine 
kurz vor oder nach 1552 fallende Anwesenheit Marias, der Schwester Karls V. 
und Statthalterin der Niederlande. 

3 ) Er quartierte sich in Burtschcid und in der Nähe von Aachen ein, 
zog aber beim Aufbruch nach Brabant durch die Stadt Aachen. 

*) Nach anderer Angabe, die unzuverlässiger scheint, i. J. 1598. Er 
stieg im Gasthof zum Goldenen Verkcn ab, wo früher auch der Prinz von 
Oranien abgestiegen war. 

5 ) Wahrscheinlich nach der Hochzeit Antoinettes von Lothringen mit 
dem Herzog Johann Wilhelm von Jülich. 



— 65 — 

1598 gibt der Vogtmeier von Tlienen als Mitbeteiligter einige 
Dicht unwesentliche Einzelheiten *. 

1604, Juli. Briefwechsel zwischen Bürgermeister und Rat 
zu Aachen und dem Amtmann zu Wilhelmstein über das für 
zwei Frauen Aachener Rechtsgelehrten verlangte bewaffnete 
Geleit. Jetzt, sagt der Rat, sei die Landstrasse allzu unsicher. 
Wenn jemand zu seinem Schutze, nicht zur Anmassung des 
Geleitsrechts, einige Soldaten mitnehme, so sei das wenig ge- 
frevelt. Entweder müsse die Landstrasse gesichert und ent- 
standener Schaden ersetzt, oder aber Selbsthülfe durch bewaffneten 
Schlitz geduldet werden. 

1615, Januar 2. Die Räte des Düsseldorfer Hofes melden 
dem Aachener Vogt unter Hinweis auf den über das Geleitsrecht 
i. J. 1608 geschlossenen Vertrag, dass eine Reise des Erz- 
herzogs Maximilian von Brüssel aus nach Aachen bevorstehe. 

1615, Juni 7. Die Vogtmeierei in Aachen schreibt dem 
Düsseldorfer Hofe, dass bezüglich des Geleits seit Einlagerung 
der Garnison vielfache Neuerungen Platz gegriffen hätten. 
Soldaten geleiteten Personen und Waren bis Roermond, Maas- 
tricht, Lüttich und selbst durch das Fürstentum Jülich bis 
Cöln. In Aachen hätten am 5. Juni die Offiziere mit einigen 
Soldaten und dem neuen Ratshauptmann und Türwärter den 
jungen Grafen von Embden in die Stadt geleitet. 

16 IS, Februar 12. Kurzer Bericht Adolfs von Eynatten (?) an 
den Düsseldorfer Hof über die Durchreise des Erzherzogs Karl. 
Der Erzherzog, der am 6. Februar in Aachen angelangt sei, habe 
dort gegen seinen Willen wegen des hohen Wasserstandes zwei 
Nächte bleiben müssen. Er sei am 8. Februar über Sittard nach 
Brüssel abgereist. (Von Geleit ist im Bericht keine Rede.) 

1618, April 16. Die Vogtmeierei zu Aachen meldet dem 
Hofe in Düsseldorf, dass der Kurfürst von Cöln gelegentlich 
seines Durchzuges durch Aachen nach Lüttich von der Stadt 
Aachen durch ein grosses Ehrengeleit ausgezeichnet worden sei. 
Der Kurfürst habe beim Dechanten gewohnt, auch die grossen 
und kleinen Heiligtümer besichtigt. 

1624, August 31. Andeutung über eine bevorstehende Reise 
des Prinzen von Polen 2 nach Aachen. Hinweis auf die jülich- 
schen Geleitsrcchte. 



') Vgl. Beilage Nr. 21. 

2 ) Vgl. die Notiz zum 25. Mai 1034. Alle näheren Angaben fehlen. 



— 66 — 

1627, Oktober 5. Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm J lobt die 
beim Geleit der Serenissima Infantin beim Durchzug durch 
Aachen getroffenen Anordnungen. 

1628, März 10. Geleitsbrief Kaiser Ferdinands II. für 
Aachener Büchsenmacher 2 . 

1632, September bis 1633, Juni 4. Verhandlungen zwischen 
der Stadt Aachen einerseits, und dem Düsseldorfer Hofe, der 
Aachener Vogtmeierei und dem Amte Wilhelmstein anderseits. 
Aachen hatte wiederholt durch angeworbene Soldaten Kauf- 
mannsgüter nach Cöln geleiten lassen. Die Stadt berief sich 
auf die Unsicherheit der Landstrassen, den Mangel an jülieh- 
schen Soldaten und auf ihr bestimmtes Versprechen, aus der 
vorübergehenden Ausübung des Geleitsrechts eine dauernde 
Berechtigung nicht herleiten zu wollen. (Ohne Präjudiz.) Nach 
langen Erörterungen gestattete Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm 
durch Erlass vom 4. Juni 1G33 den Aachenern die Vergleit mg 
ihrer Waren durch das Herzogtum Jülich auf ein Jahr. Die 
Aachener mussten die Zollstrassen innehalten und die Zölle 
bezahlen ; sie durften im Jülichschen nicht lästig fallen und 
hatten durch ihre Schuld entstandenen Schaden sofort zu er- 
setzen. Das Aachener Geleitsrecht fiel dann ganz aus, wenn 
sich in einem der Orte Düren, Hambach, Nideggen, Eschwciler 
oder Montjoie eine jülichsche Garnison befand. 

1634, Mai 25. Mitteilung des Düsseldorfer Hofes an die 
Vogtmeierei zu Aachen, dass Oberst Franz Dietrich von Pallant 
zu Borssenbeck Befehl erhalten habe, den Feldmarschall Graf 
von Mansfeld jenseits Aachens auf dem Wege nach Lüttich 
abzuholen und durch das Jülichsche zu geleiten. Es sei nach- 
zusehen, wie es i. J. 1624 beim Besuche des Prinzen von 
Polen hergegangen sei, und dem jülichschen Geleitsrecht nichts 
zu vergeben. 

1635, Mai 9. Bürgermeister, Schöffen und Rat in Aachen 
beschweren sich beim Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm darüber, 
dass nicht nur am 21. März durch die jülichsche Geleitsmann- 
schaft in der Nähe Aachens die richtige Geleitsgrenze über- 
schritten worden sei, sondern sogar der Geleitsführer gestattet 
habe, dass Aachener Büchsenmachern trotz eines kaiserlichen 

') Eigenhändige Unterschrift; Adressat wird nicht genannt. Nähere 
Angaben fehlen. 

2 ) Vgl. Beilage Nr. 22. 



— 67 — 

Geleitsbriefs 1 25 Paar neuer Pistolen durch die Geleitsmannscliaft 
genommen wurden 2 . 

1636, ^November 7. Bürgermeister, Schöffen und Rat in 
Aachen beantragen beim Pfalzgrafen Wolfgang- Wilhelm, der 
Zeitverhältnisse wegen das Geleit von Kaufmannsgütern durch 
Aachener Soldaten zu gestatten. Eine dauernde Berechtigung 
Aachens zu solchem Geleit werde von Aachen nicht erstrebt 3 . 

1639, April. Verhandlungen zwischen dem Amtmann von 
Wilhelmstein, dem Hofe in Düsseldorf und dem Gouverneur von 
Jülich. Der Amtmann hatte auf jülichschem Boden einen Kauf- 
mannszug mit Aachener Geleitsmannschaft angehalten und aus 
jedem Karren ein Pferd nebst dem Fuhrmann nach Wilhelmstein 
führen lassen 4 . Der Jüliclier Gouverneur forderte die Pferde, 
die Eigentum königlicher Untertanen seien, zurück. Die Düssel- 
dorfer Regierung billigte das Vorgehen des Amtmanns, ersuchte 
aber, in Zukunft den Anführer und die Soldaten einer un- 
befugten Geleitung, nicht die Fuhrleute in Haft zu nehmen. 
Die Pferde wurden nach Zahlung der Futterkosten freigegeben. 

16-17, September und Oktober. Verhandlungen zwischen dem 
Düsseldorfer Hof, der Aachener Vogtmeierei und der Stadt 
Aachen betreffend das Geleit der am 30. August in Aachen aus 
Spaa eingetroffenen Prinzessin von Oranien. Die Aachener 
Bürgermeister hatten bis zur Limburger Grenze 250 Stadt- 
soldatcn entgegengesandt und begrüssten nebst ihren Syndicis 
und einem Oberst die in einer „Rossbahre" sitzende Prinzessin 
in der Nähe des Busches „Preuss". Bei der Ankunft des Zuges 
in Aachen wurden dort Kanonen gelöst . . . (Eine bestimmte 
Erklärung Aachens fehlt in den Akten, doch wird die Ent- 
schuldigung angedeutet, dass Aachen sich kein Geleitsrecht 
anmasse; die Begrüssung sei eine ehrerbietige Pflicht gewesen, 
die Prinzessin habe überhaupt keines Geleites bedurft, da sie 
Geleit mit sich führte.) 

1648, Oktober 23. Bericht der Aachener Vogtmeierei an 



1 ) Vgl. Beilage Nr. 22. 

2 ) Über das Ergebnis einer auf Befehl des Pfalzgrafen eingeleiteten 
Untersuchung geben die Akten keinen Aufschluss. 

3 ) Vgl. Beilage Nr. 23. 

*) Ähnlich war es nach einer Notiz in den Akten vom 12. Januar 1633 
einem Aachener Kaufmannszuge bei der Rückkehr vom Gladbacher Markte 
in Dahlen ergangen. 



— 68 — 

den Hof in Düsseldorf über einen eintägigen Besuch des Kur- 
fürsten von Cöln in Aachen, wo er im Kaiserbad abgestiegen 
war; bei dieser Gelegenheit sollte Aachen das Ehrengeleit in 
vertragswidriger Weise zum Nachteil der jülichschen Hoheits- 
rechte gegeben haben '. 

1650, März. Verhandlungen zwischen dem Pfalzgrafen 
Wolfgang Wilhelm, seinem Sohne Philipp Wilhelm, dem Amt- 
mann von Wilhelinstein, der Aachener Vogtmeierei und dem 
Eat der Stadt Aachen betreffend einen Besuch, den Philipp 
Wilhelm nebst seiner Gemahlin bei der Rückkehr von Scherpen- 
hövel der Stadt abstatten wollten. Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm 
knüpfte seine Zustimmung an die Bedingung 2 , dass die Stadt 
Aachen bezüglich des Geleits nicht so verfahre, wie bei den 
Besuchen der Prinzessin von Oranien (1647) und des Kurfürsten 
von Cöln (1648). Aachen gab nach, worauf am 17. März ein 
grosses Aufgebot jülichscher Mannschaft, etwa 500 Schützen 3 , 
die beiden hohen Gäste an der Maastrichter Grenze in Empfang 
nahm. Philipp Wilhelm und seine Gemahlin verweilten nur 
einen Tag in Aachen ; die grossen Reliquien konnten ihnen des- 
halb nicht gezeigt werden, weil sie nach der Erklärung des 
Dechanten längst „ausgeflüchtet" waren. Ein störender Zwischen- 
fall war nicht vorgekommen ; Aachens Bürgermeister hatten aber 
später erklärt, dass über das Ehrengeleit fürstlicher Persönlich- 
keiten neue Vereinbarungen nötig wären, Aachen könne in 
Zukunft nicht, wie diesmal geschehen, vollständig zurückstehen. 

1652, Juni 19. Bericht der Aachener Vogtmeierei an den 
Hof in Düsseldorf, dass der Kurfürst von Cöln am 18. Juni abends 
in Aachen eingetroffen und andern Morgens abgereist sei. Ent- 
gegen dem Vertrage von 1608 habe Aachen beim Empfang ein 
grosses Ehrengeleit gestellt, Salve abgegeben, vier bürgerliche 
und vier geworbene Kompagnien unter Waffen (in armis) gehabt 
und auch bei der Abreise das Ehrengeleit ausgeführt. Aachen 
werde wohl behaupten, dass hierbei kein Geleit, sondern nur 
schuldige Ehrerbietung vorliege. (In der vom Düsseldorfer 
Hofe hierauf ergangenen Antwort wird der Vogtmeier angewiesen, 



1 ) Der genaue Sachverbalt geht aus den sehr unvollständigen Akten 
nicht hervor. 

2 ) Vgl. Beilage Nr. 24. 

3 ) In die Stadt kam hiervon nach den Bestimmungen des Vertrags von 
1G08 nur ein kleiner Teil. Die grosse Menge lagerte vor den Toren Aachens. 



— 69 -- 

beim Aachener Rat gegen die Verletzung des Vertrags Ein- 
spruch zu erheben und dem Kurfürsten bei seiner Rückkehr 
von Lüttich bis zur Grenze entgegen zu reiten, damit so das 
Geleitsrecht Jülichs gewahrt werde). 

1673, April und Mai. Verhandlungen zwischen dem Hofe 
in Düsseldorf und der Vogtmeierei in Aachen über die Aus- 
führung des Ehrengeleits für die zu den Friedensverhandlungen 
nach Aachen kommenden Gesandten. Es sei in Aussicht ge- 
nommen, schrieb der Düsseldorfer Hof, das jülichsche Geleits- 
recht vollständig zu wahren. Entsprechend dem mit Aachen 
i. J. 16G0 geschlossenen Vertrage und dem hohen Range der 
Diplomaten würden diesmal mehr als 40 — 50 Geleitspersonen in 
Aachen einquartiert werden. Der Vogt habe sich nach einer 
passenden Wohnung für die Gesandten des Düsseldorfer Hofes 
umzusehen, über die Ankunft der fremden Diplomaten Erkundi- 
gungen einzuziehen und baldigst zur Sache zu berichten. Aus 
der Antwort des Vogts von Weissweiler in Aachen geht hervor, 
dass man in Aachen für Wohnungen ungeheuere Mietpreise 
forderte: mit Mobiliar 7 — 8 Reichstaler, ohne Mobiliar 5 — 6 
Reichstaler täglich. Der Vogt stellte in seiner eigenen Wohnung 
einige Räumlichkeiten zur Verfügung, was dadurch gegenstand- 
los wurde, dass die Verhandlungen statt in Aachen in Cöln 
stattfanden l . 

1681, August 18. Auf erhaltene Aufforderung hin berichtet 
Vogt von Weissweiler in Aachen an den Düsseldorfer Hof, dass 
die verwitwete Kurfürstin von der Pfalz mit einem Gefolge von 
30 — 40 Personen am 15. August in Aachen eingetroffen und 
unter dem Namen einer Gräfin von Mühlenbeck in der Herberge 
zum Birnbaum auf dem Markt abgestiegen sei. Tags nachher 
sei sie zum Gebrauch der Wasserkur auf vier Wochen nach 
Spaa gereist. (Bereits am 21. August wurde von Weissweiler 
angewiesen, nach der Rückkehr der Kurfürstin sich zu erkun- 
digen und baldigst zu berichten. Damit schliessen die Akten). 

1688, April 30. Bericht des Vogts von Weissweiler in 
Aachen an Kurprinzliche Durchlaucht. (Nähere Adresse fehlt). 
Der päpstliche Nuntius sei nach einer im Kloster St. Joris ab- 
gehaltenen Visitation am 25. April in Aachen angelangt. Vogt 
von Weissweiler sei ihm im Reiche von Aachen zwischen Weiden 
und Haaren begegnet; im Wagen des Nuntius hätten beide 



») Vgl. L. Enncn, Frankreich und der Niederrbein Bd. I, S. 29«) ff. 



— 70 — 

Bürgermeister und der Stadtsyndikus Meessen gesessen, eine 
Anzahl bewaffneter Soldaten seien vor dem Wagen gegangen. 
Der Vogt sei vom Pferde abgestiegen, habe den Nuntius begrüsst 
und unter Hinweis auf Jülichs Gerechtsame freies Geleit ange- 
boten. Von der Stadt habe von Weissw T eiler auf seinen später 
erhobenen Einspruch keine andere Antwort erhalten, als dass 
man so gehandelt habe, um den Nuntius zu sichern. 

1706 Dezember bis 1707 Februar. Zahlreiche Aktenstücke 
über das überaus anmassende Benehmen des Fürsten von Nassau- 
Siegen in Aachen. Der Fürst, der mit grossem Gefolge auftrat 1 , 
hatte wiederholt durch unverschämte Anforderungen Anstoss 
erregt. So verlangte er unter andern), dass jeder dem fürst- 
lichen Wagen begegnende Wagen stille halten solle, bis der 
fürstliche Wagen vorbeigefahren sei. Als einst der Kutscher 
des Marquis von Westerloe diesem Verlangen nicht nachkam, 
schlug die Begleitmannschaft des Fürsten auf die Pferde des 
Marquis los, bis sie scheu wurden und dadurch zwei im Wagen 
befindliche Kinder in grosse Gefahr gerieten. Der Fürst ging 
nie aus, ohne von sechs bewaffneten Personen begleitet zu sein. 
Dies gab zur Frage Anlass, ob er berechtigt sei, ein bewaff- 
netes Geleite zu benutzen. Der Düsseldorfer Hof forderte 
hierüber ein Rechtsgutachten ein, aus dem folgende Punkte 
bemerkenswert sind. „Früher hätten in Aachen und anderswo 
manche Fürsten bei ihren Ausgängen einer bewaffneten Leib- 
garde sich bedient; der Kardinal von Fürstenberg hätte sogar 
Garden mit in die Kirche genommen. Der Prinz von Nassau 
gehöre nicht zu den fürstlichen Persönlichkeiten, denen der 
Herzog von Jülich ein Ehrengeleit habe anbieten lassen. Die 
Begleitung durch eigene Lakeien und Diener, so lange diese in 
angemessenen Schranken sich hielten, sei keine Beeinträchtigung 
des jülichscheu Geleitsrechts". Daraufhin wurde die Vogt- 
meierei in Aachen angewiesen, dem Fürsten von Nassau zwar 
seine Leibgarde zu belassen, sein- Auftreten indes genau zu 
beobachten, damit keine Schmälerung der jülichschen Hoheits- 
rechte eintrete. 



*) Genaues Verzeichnis des grossen Gefolges findet sich in den Akten. 



— 71 — 

V. Geleitung 1 Ferdinands I. bei seiner Krönung - zu 

Aachen i. J. 1531 ; Nachrichten über die Berufung Herzog 

Wilhelms von Jülich zur Königswahl in Frankfurt und 

über die Ereignisse gelegentlich der Wahl und Krönung 

Maximilians IL i. J. 1562 1 . 

Die Aktenstücke des ersten Teils des Folioheftes bieten 
zahlreiche Nachrichten über die Anwesenheit Karls V. und 
seines Bruders Ferdinand I. in der Cöln -Aachener Gegend 
gelegentlich der letzten Königskrönung, die in Aachen i. J. 1531 
stattfand. Im zweiten Teil handelt es sich ziemlich ausschliess- 
lich um Berichte über Ereignisse des J. 1562, die der Wahl 
und Krönung Maximilians II. vorhergingen, namentlich soweit 
Herzog Wilhelm von Jülich-Cleve-Berg persönlich dabei in Be- 
tracht kam oder von ihnen in Kenntnis gesetzt wurde. Aus 
dem zweiten Teile ist bemerkenswert, dass Herzog Wilhelm, 
entsprechend den ursprünglich getroffenen Vorbereitungen zur 
Königswahl, die Königskrönung in Aachen zu Ende des Juli 
1562 erwartete und demnach umfangreiche Anordnungen erlassen 
hatte 2 . Dabei sollte Sachsen, falls es wegen des Vorritts ähn- 
liche Schwierigkeiten machen würde, wie bei der Krönung Karls V. 3 , 
durch das in überaus stattlicher Zahl auftretende Gefolge des 
Herzogs von Jülich in den Schatten gestellt werden 4 . Im 
allgemeinen finden sich im zweiten Teil über jülichsche Geleits- 
rechte nur wenige Andeutungen; dieser Teil verdient aber 
seiner landesgeschichtlichen Bedeutung wegen eine besondere 
Bearbeitung 5 . Die Berichte über die Anwesenheit Karls V. 
und seines Bruders Ferdinand I. in der Cöln-Aachener Gegend 



■) D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 5. Starkes Heft in Folio. 

a ) Vgl. Beilage Nr. 17. 

x ) Die bekannte, durch den Streit um den Vorritt eingetretene grosse 
Verzögerung der Krönungsfestlichkeiten hatte den höchsten Unwillen Karls V. 
erregt. Müde des langen Wartens liess er den streitenden Parteien befehlen, 
in aller Teufel Namen vorwärts zu machen. (Vgl. A. Wredc, Deutsche 
Reichstagsakten unter Karl V.; Gotha 1896, Bd. II, S. 91). 

4 ) Vgl. Beilage Nr. 17. 

6 ) An anderer Stelle als in einem Aufsatze über Gclcitsrechte. Ange- 
deutet sei hier, dass sich u. a. verschiedene Verzeichnisse von Rittern und 
Ritterlehen, sowie eiue genaue Aufstellung des Hofstaats des Kaisers i. J. 
1562 finden. Zum Hofstaat gehörten nicht weniger als 1563 Pferde. Herzog 
Wilhelm von Jülich wollte in Frankfurt, wohin sein Schwiegervater Ferdinand 1. 



— 72 — 

j. J. 1531 entstammen, wie ausdrücklich hervorgehoben wird, 
einer alten Schrift. Hier folgender Auszug. 

1530, Dezember 23. Herzog Johann von Jülich-Cleve-Berg 
schenkte durch den Propst von Vlatten dem Kaiser und seinem 
Bruder vier Hirsche und ein Schwein. Dabei Hess er versichern, 
dass er für weiteres Wildbret zur kaiserlichen Tafel sorgen und 
sofort alle nötigen Vorbereitungen treffen wolle, falls eine Jagd 
gewünscht werde. Die beiden Fürsten ' erwiderten, dass sie 
nach 14 Tagen zur Königskrönung nach Aachen aufbrechen 
wollten, es möge für Schweine und anderes Wildbret gesorgt 
werden. Die Einladung zur Jagd nähmen sie an, für Hirsche 
sei aber jetzt nicht die passende Jagdzeit 2 ; Beauftragte des 
kaiserlichen Gefolges würden nebst den Wildschützen einen 
namentlich an Wildschweinen reichen Wald besichtigen. Nach 
Eingang dieser Antwort Hessen sowohl der Herzog Johann, als 
auch der Erzbischof von Cöln Wein, Wildbret, Fische und 
anderen Proviant bestellen 3 . Am Mittwoch nach Weihnachten 
zog Karl V. über den Rhein in den Wald 4 und schoss dort per- 
sönlich fünf Stück Wildbrets, wollte aber sonst niemanden zum 
Schuss kommen lassen. Durch Herrn von Oberstein Hess der 
Kaiser dem Herzog von Jülich sagen, dass er demnächst im 
Jülichschen eine Schweinejagd abzuhalten wünsche und hierüber 
näherer Benachrichtigung binnen zwei Tagen entgegensehe. 
Herzog Johann erklärte, dass es im Jülichschen kaum eine 
bequemere Jagd gebe, als die zwischen Bergheim und Jülich. 
Der Kaiser möge drei Tage für den Zug nach Aachen in Aus- 
sicht nehmen, in der ersten Nacht zu Brauweiler 5 , in der 



ihn eingeladen hatte, mit fürstlichem Gefolge erscheinen. Aus Cleve sollte 
ihm ferner einiges namhaft gemachtes, prachtvolles Mobiliar, darunter die 
ganze „Tapitzerey von Cupido und St. Paulus", nachgeschickt werden. 

! ) Wo sie sich aufhielten, wird nicht genau angegeben; dem Zusammen- 
hang nach kann aber nur die Cölner Gegend hierbei in Betracht kommen. 

a ) Vorlage: J. M. vermeinten, das die hirtzen der zeit unzeitig. 

3 ) In den Akten finden sich manche hier übergangene Angaben über 
Lieferungen und Geschenke von Wildbret, Getreide, Wein und dergl. für 
die kaiserliche Tafel. 

4 ) Wo wird nicht angegeben. 

5 ) Im Jahre 1520 hatte Karl V. gelegentlich seiner Krönung in Aachen 
in Brauweiler übernachtet. (Vgl. Annalen des historichen Vereins für den 
Niederrhein Heft 20, S. 254). 



— 73 — 

zweiten zu Jülich übernachten und am dritten Tage nach Aachen 
ziehen. Am Samstag- nach Dreikönigen übernachteten Karl V. 
und Ferdinand I. zu Bergheim; Tags nachher fand die Jagd 
statt, nach der die Fürsten in Jülich übernachteten, um von 
da aus am Montag nach Aachen aufzubrechen. Der Herzog 
von Jülich, der während der Jagd in PafFendorf und den benach- 
barten Dörfern sich aufhielt, hatte beim Aufbruch der Fürsten 
von Cöln mit seinen Reitern, um das Geleit zu geben, auf der 
Vile zwischen Königsdorf und Ichendorf im Tal gehalten. Beim 
Erscheinen der Fürsten tat der Propst das Wort. Später ritt 
der Herzog mit dem Kaiser bis in die Gegend zwischen Jülich 
und Aldenhoven, musste dann aber umkehren, da er sich an 
einem Beine verletzt hatte *. Die herzoglichen Reiter gaben 
indes das Geleit bis nach Aachen. Vor dem Abschiede erhielten 
die Fürsten drei Hengste zum Geschenk, die in Aachen vorge- 
führt (präsentiert) wurden. Über das Pferd, auf dem Ferdinand I. 
in Aachen bis zur Krönungski rche ritt 2 , erhoben sich später 
Streitigkeiten zwischen dem Herzog von Jülich und dem Herrn 
von Reiferscheid 3 . Bei der Krönung traten der Pfalzgraf mit 
etwa 350, Mainz und Brandenburg mit etwa 250 Pferden auf, 
auch Trier, Lüttich und andere hatten „ziemliche Rüstung". 
Der Pfalzgraf und mehrere Fürsten waren über Düren in Aachen 
eingetroffen 4 . 

VI. Geleit für den Erzherzog Leopold von Österreich 

i. J. 1656 5 . 

Leopold Wilhelm, Sohn Kaiser Ferdinands IL, Erzherzog 
von Osterreich, Bischof, Hoch- und Deutschmeister, war Statt- 



') Vorlage: So J. F. G. sich an einen bein whe gethan. 

2 ) Auf dem zweiten Blatte des Foliolieftes rindet sich die Angabe, dass 
nach der Krönung der König drei Pferde in Aachen lasse: eins für den Hüter 
des Tores, durch das der König in Aachen eingeritten sei, eins für den 
Herzog von Jülich und eins für das Marienstift. 

3 ) In den Akten nur diese Andeutung; näheres, so heisst es, linde sich 
in der alten Schrift, aus der der Bericht stamme. 

4 ) Vorlage: haben iren weg uf Duyren genommen. Dem Zusammenhang 
nach kann sich dies nur auf die Beise nach Aachen beziehen. 

5 ) D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 6: Einige lose Aktenstücke; 
ferner D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 4: Einige eingeheftete 
Aktenstücke. 



— 74 — 

halter der spanisch-österreichischen Niederlande von 1647 — 1656. 
Über eine Reise, die er, vielleicht am Schluss seiner amtlichen 
Tätigkeit in den Niederlanden, über Lüttich nach Aachen antrat, 
geben die vorhandenen wenigen Aktenstücke nur unvollständige 
Aufschlüsse. In Düsseldorf und Aachen war es zu Ende des 
April 1656 bekannt geworden, dass der Erzherzog demnächst 
in Aachen eintreffen werde. Der Düsseldorfer Hof bot nicht 
weniger als 400 Mann 1 unter dem Befehl des Obersten von 
Velbrück auf, um den hohen Reisenden „in, durch und aus der 
Stadt Aach" zu führen. Dabei sollten die Bedingungen des 
Vertrags von 1608 streng innegehalten und verhindert werden, 
dass Aachen sein beschränktes Geleit so ausführe, wie es beim 
Besuche der Prinzessin von Oranien und des Kurfürsten von 
Cöln ausgeführt worden sei 2 ; in richtiger Weise habe man da- 
gegen dem Pfalzgrafen Philipp Wilhelm und seiner Gemahlin 
i. J. 1650 in Aachen das Geleite gegeben 3 . Oberst Velbrück 
nahm am 13. Mai an der Spitze von vier berittenen Kompagnien 
jenseits des Dorfes Gülpen den Erzherzog in Empfang und 
geleitete ihn nach Klosterrath, wo das Mittagmahl eingenommen 
wurde. Weitere Berichte über den Verlauf der Reise des Erz- 
herzogs fehlen in den Akten. 

VIT. Geleitung des Zars Peter des Grossen bei seiner 
Reise von Paris über Aachen nach Holland i. J. 1717 4 . 

Zar Peter der Grosse traf auf seiner zweiten Reise nach 
Westeuropa über Hamburg-Amsterdam-Brüssel am 7. Mai 1717 
in Paris ein. Dort verweilte er etwa anderthalb Monate, worauf 
er über Namur-Lüttich zum Gebrauch der Bäder nach Spaa 
reiste. Nach vierwöchigem Aufenthalt wandte sich der Zar am 
24. Juli von Spaa nach Limburg, von dort am 25. Juli nach 
Aachen, dann, am 27. Juli, von Aachen nach Maastricht, um 
nach sehr kurzer Anwesenheit in der berühmten Maasfestung 
über Roermond die Rückreise nach Russland anzutreten. In 
der ortsgeschichtlichen Literatur sind sowohl die längere An- 
wesenheit in Spaa, als auch der kurze Besuch Aachens von sehr 



! ) Wie an einer Stelle angedeutet wird, wegen der „französischen Gefahr". 

2 ) Vgl. S. 67 und S. 68. 

3 ) Vgl. S. 68. 

4 ) D. ST. A. Jiilichsche Gelci tsrechte. Eiu Heft in Folio. 



10 — 



sachkundiger Seite behandelt worden: von A. Body in seiner 1872 
erschienenen Schrift „Pierre le Grand aux eaux de Spa", und 
von R. Piclcin einer seinem Werke (1895) über Aachens Ver- 
gangenheit einverleibten Abhandlung „Peter der Grosse in 
Aachen 1717". 

Die im Düsseldorfer Staatsarchiv unter obigem Titel vor- 
handenen ziemlich umfangreichen Aktenstücke über den Auf- 
enthalt des Zars in der Aachener Gegend und das ihm bei dieser 
Gelegenheit vom Kurfürsten von der Pfalz als dem Herzog von 
Jülich gestellte Ehrengeleit bieten manche bemerkenswerten 
Einzelheiten. Im nachstehenden kurzen Auszuge wird längst 
Bekanntes nur in soweit berührt, als es die Rücksicht auf den 
Zusammenhang erfordert. 

Schon im April 1717 war es in Aachen bekannt, dass der 
Zar bei seiner Reise auch einen Besuch Aachens beabsichtigte. 
Der Aachener Vogtmeier von Meuthen stand nämlich mit dem 
Kaufmann Ludwig Brandts in Amsterdam, bei dem Peter I. 
gewohnt hatte und durch dessen Vermittlung die Zahlungs- 
anweisungen (Wechsel) während der Reise besorgt wurden, in 
Briefwechsel. Brandts war beauftragt, für den Zar ein geeig- 
netes Quartier in Aachen zu ermitteln 1 ; dem Vogtmeier von Meuthen 
hatte er zugesagt, sobald über den Zeitpunkt des hohen Besuchs 
in Aachen Bestimmtes feststehe, baldigst dies mitzuteilen. Um 
zur Wahrung des jülichschen Geleitsrechts nichts zu versäumen, 
erbat sich von Meuthen bereits am 17. April vom kurfürstlichen 
Hofe genauere Anweisungen. An massgebender Stelle entschied 
man sich für ein Ehrengeleit von 100 Berittenen und ersuchte 
den Vogtmeier, wegen des Näheren sich mit dem Generalleutnant 
von Haxthausen in Jülich und dem Geheimen Hofrat, Hoheits- 
Referendarius Fabritius in Verbindung zu setzen. Damals, kurz 
vor der Abreise des Zars nach Paris, teilte der in Aachen 
anwesende preussische Generalmajor de Montargues dem Vogt 
von Meuthen noch mit, dass auch der Prinz-Regent von Frank- 
reich (Ludwig XV.) beabsichtige, dem mächtigen nordischen Herr- 
scher ein grosses Ehrengeleit an die Grenze des französischen 
nur Reichs entgegen zu schicken. Aachens Rechte kamen vorläufig 
bei der Geldfrage in Betracht. Nach den zwischen Jülich und 



') Ob Brandts mit Clermout in Aachen, wo der Zar bei seinem Besuche 
Aachens Wohnung nahm, in Verbindung stand, geht aus den Akten nicht 
hervor. 



— 76 — 

Aachen i. J. 1060 über das Geleit hoher Personen getroffenen Ver- 
einbarungen sollte nur in Ausnahmefällen das in Aachen einziehende 
jiilichsche Ehrengeleit, dem eine Vertretung der Stadt an letzter 
Stelle sich anschliessen durfte, stärker als 50 Mann sein. Gegen 
die Erhöhung des Geleits auf 100 Mann konnte Aachen bei 
einem Gaste vom Range Peters I. keine Einwendungen machen, 
offen blieb indes die Frage, wem die Unterbringungs- und Ver- 
pflegungskosten der Geleitsmannschaft zur Last fielen. Hierüber 
gab es im Vertrage von 1600 keine Bestimmungen. Bei mehreren 
früheren Besuchen fürstlicher Persönlichkeiten hatte aber Aachen 
es abgelehnt, sich an derartigen Auslagen zu beteiligen. Diesmal 
fiel ein am 8. Mai dem Kurfürsten von seinen Räten erstattetes 
Gutachten dahin aus, dass Aachen zur Zahlung der Unterbringungs- 
und Verpflegungskosten nicht gezwungen werden könne. 1 Das 
kam dem kurfürstlichen Hofe recht ungelegen; indes blieb im 
Frühjahr 1717 nur übrig, einstweilen diese Frage ruhen zu 
lassen. Es hielt in Aachen und in Düsseldorf, wo man der 
Reise des Zars mit gespannter Aufmerksamkeit folgte, recht 
schwer, über die Reisepläne zuverlässige Nachrichten zu erhalten, 
obschon man mit Ausgaben zum Zwecke näherer Erkundigungen 
nicht eben kargte. Einmal hiess es, der Zar wolle auch Jülich 
und Düsseldorf besuchen, worauf sofort bestimmt wurde, ihm 
gegebenen Falls das Düsseldorfer Residenzschloss zur Verfügung 
zu stellen. Von Paris aus verlautete, dass der Zar dort sein 
Pfingstfest gefeiert habe und im letzten Drittel des Juni nach 
Spaa aufbrechen werde. Er habe die „grosse Curiosität, alle 
nächst gelegenen Oerter und remarquablen Festungen" zu besehen, 
wahrscheinlich werde seine Reise durch die Champagne bis 
zur Maas gehen, dann über Namur nach Lüttich und Spaa 2 . Als 
um die Wende zwischen Frühling und Sommer 171 7 die Mitteilungen 
über den in Lüttich erwarteten Besuch 3 des Zars sich mehrten, 



') Im Gutachten wird angedeutet, die 100 Mann des Geleits gegen 
Barzahlung teils in Aachen, teils im Reich Aachen unterzubringen, und die 
Lebensmittel aus den benachbarten jülichschen Aemtern liefern zu lassen. 

2 ) Bericht von Meuthcns an die kurfürstlichen Räte in Düsseldorf vom 
26. Juni 1717. von Meutheu hatte Briefe aus Amsterdam erhalten, auch 
sich mit dem russischen Minister Baron Polt de Lubras in Verbindung gesetzt. 

3 ) Das genaue Datum der in das letzte Viertel des Juni 1717 fallenden 
Ankunft des Zars geht aus den hierbei stellenweise sich widersprechenden 
Angaben der Akten nicht hervor. 



— 77 — 

beanspruchte der kurfürstliche Hof in Düsseldorf das Recht, 
den Zar von Lüttich nach Spaa zu geleiten. Hierbei fand er 
aber an Kurcöln, dessen Kurfürst und Erzbischof, Joseph Clemens 
von Baiern, gleichzeitig Fürst und Bischof von Lüttich war, 
einen übermächtigen Gegner. Auf die Nachricht, dass der kur- 
cölnische Minister Graf von St. Maurice dem Zar ein glänzendes 
Ehrengeleit von 42 Reitern und 300 Fusssoldaten stellen wollte, 
ordnete man in Düsseldorf zunächst an, die für das Geleit 
Peters I. bestimmten 100 Reiter durch das in Düren liegende 
Norprathische Regiment und andere Mannschaften (carabiniers) 
aus der Umgegend zu verstärken 1 . Gleichzeitig erhielten der 
General von Haxthausen und der Geheimrat Fabritius den Auf- 
trag, in Lüttich an massgebender Stelle die alten Ansprüche 
Jülichs auf das Geleitsrecht zwischen Maas und Rhein in längeren 
Verhandlungen zu begründen. Jedenfalls führten diese Ver- 
handlungen, falls sie überhaupt einigermassen eingehend geführt 
wurden, nicht zu dem von Jülich gewünschten Ziele 2 . Der Zar 
selbst hatte sich an Kurcöln mit dem Ersuchen gewandt, ihm zu 
gestatten, den König von Preussen um eine Ehrenwache von 
100 Mann zu bitten. Kurcöln bot hierauf in verbindlicher Form 
eine von ihm zu stellende grosse Schutz- und Ehrenmannschaft 
an, die der Zar füglich nicht zurückweisen konnte. 3 Vogtmeier 
von Meuthen hatte ziemlich gleichzeitig 4 in Aachen vergeblich 
auf einen Beitrag der Stadt zu den Verpflegungskosten der 
100 Berittenen hingewirkt, die das jülichsche Ehrengeleit des 
Zars bilden sollten. Die Bürgermeister hatten erwidert, dass 
gegen die Einquartierung der Kavalleristen in Aachen nichts 



') Jülich wollte hinter Kurcöln nicht zurückstehen. Später, beim Be- 
suche Peters I. in Aachen, blieb es, wohl schon aus Sparsarukeitsrücksicbtcn, 
bei der von vornherein festgesetzten Zahl von 100 Berittenen. 

2 ) Fabritius selbst erklärte, in den Akten kein Beispiel eines von Jülich 
zwischen Lüttich und Spaa ausgeführten Ehrengeleits gefunden zu haben. 
Dem konnte man nur die zur Sache nicht beweiskräftige Geleitung des Erz- 
herzogs Leopold i. J. 1G5G von G-ülpen aus nach Aachen entgegen stellen. 

3 ) Das Gesuch des Zars an den König von Preussen fehlt in den Akten; 
erwähnt findet es sich in einem Berichte des Geheimrats von Fabritius. 

4 ) Bericht von Meuthcns vom 26. Juni. Am Schluss dieses Berichts 
heisst es, dass bei einer früheren Anwesenheit der verstorbenen Königin von 
Preussen in Aachen die jülichsche Ehrenwache teils im Amt Wilhelmstein, 
teils in der Herrschaft Heiden einquartiert worden sei. 



— 78 — 

einzuwenden sei, riass aber die Stadt an den Unkosten für Quar- 
tier, Stallung, Verpflegung u. dergl. sich nicht beteiligen werde. 
Die kurfürstlichen Räte in Düsseldorf erklärten hierauf, bezüglich 
der Verpflegung es beim alten Herkommen belassen zu wollen 1 . 

Auf das Geleitsrecht zwischen Lüttich und Spaa hatte 
Jülich (Kurpfalz) vergebens Ansprüche gemacht, nunmehr wollte 
Kurpfalz jedenfalls den Versuch machen, sein angeblich noch 
zu Recht bestehendes Geleitsrecht zwischen Maas und Rhein 
beim Besuche des Zars in Aachen für die Strecke von Spaa 
oder Limburg aus bis zum Aachener Reich zur Geltung zu 
bringen. Dazu bedurfte es vor allem einer bestimmten Auskunft 
über den Zeitpunkt der Abreise des Zars von Spaa. Rittmeister 
von der Brouck, der unter dem Obersten de Folleville, einem 
dem Generalleutnant und Gouverneur von Haxthausen in Jülich 
zugeteilten Stabsoffizier, stand, weilte eigens in Spaa, um von 
dort aus die nötigen Berichte an seinen Oberst, meist durch 
Eilboten, zu senden 2 . De Folleville übermittelte die eingehenden 
Meldungen dem General von Haxthausen, der mit dem kur- 
fürstlichen Hofe in Düsseldorf iu fortwährender Verbindung blieb. 
Aus Aachen dagegen meldete bald nach Düsseldorf, bald nach 
Jülich der Vogtmeier von Meuthen alles, was über die Reise- 
bestimmungen des Zars zu seiner Kenntnis kam. Somit mangelte 
es weder in Düsseldorf, noch in Jülich, noch in Aachen an 
genauer Kenntnis der Sachlage. 

Am 13. Juli schrieb von Brouck, dass nach einer Mitteilung 
des Prinzen Kourakin die Abreise des Zars von Spaa zum 19. 
oder 20. Juli bevorstehe. S. Majestät werde die nötige Geleits- 
mannschaft verlangen, in Limburg zu Mittag speisen und folgenden 
Tags von da aus nach Aachen reisen. Die Pferde für die Ba- 
gage, etwa 100 an der Zahl, seien bereits für die genannten 
Tage bestellt. 

Nach einem weiteren Briefe vom 15. Juli hatte von Brouck 
vergebens versucht, beim Zar eine Audienz zu erhalten. Prinz 
Kourakin hatte aber wiederholt, dass die Abreise auf den 20. Juli 
festgesetzt sei. General von Tunderfeld weilte bereits in Aachen, 



') Aachens Weigerung war also als berechtigt anerkannt, obschon die Räte 
der Form wegen sich eine Besprechung mit dem Geheimrat Fabritius vorbehielten. 

2 ) von Brouck fand das Leben in Spaa recht teuer. Als er deshalb 
um eine Zulage cinkam, sandte man ihm zwei Louisdor, worauf er baldigst 
erwiderte, dass er damit nicht weit werde reichen können. 



um dort Vorbereitungen für den Empfang des Zars zu veran- 
lassen, dessen Kanzlei nach Lüttich verlegt war. von Brouck 
ging, wie er schreibt, in Spaa zweimal täglich zum kaiserlichen 
Hofhalt, fand es aber „allda ziemlich verdriesslich" *'. Alle Morgen 
gäbe es Änderungen, so dass der Nachrichtendienst mehrere 
Ordonnanz-Reiter nötig mache. Damit stimmte es, dass von Brouck, 
der am Bette des erkrankten Prinzen Kourakin empfangen worden 
war, schon am 16. Juli mitteilen musste, es sei die Abreise 
um einige Tage verschoben. 

Der kurfürstliche Hof in Düsseldorf Hess die Wahrung des 
Geleitsrechts zwischen Maas und Rhein nicht aus den Augen. 
Geheimrat Fabritius wurde am 15. Juli angewiesen, sich zum 
Zwecke genauer Abmachungen zum Gouverneur von Jülich zu 
begeben. Unter allen Umständen, so lautete die Anweisung, 
sollte das Ehrengeleit dem Zar mindestens von der Grenze des 
Aachener Reichs ab bis nach Aachen hinein gegeben werden. 
Es sei ferner zu versuchen, unter Hervorhebung des jülichschen 
Geleitsrechts zwischen Maas und Rhein ins Limburgische ein- 
zurücken und von dort aus den hohen Besucher zu geleiten. 
Wolle dies der Gouverneur von Limburg nicht gestatten, so 
sei in geeigneter Form Einspruch zu erheben und das Ehren- 
geleit auf das Gebiet des Reichs von Aachen zu beschränken. 
In einem Erlasse vom 19. Juli genehmigte der Kurfürst und 
Pfalzgraf Karl Philipp diese Anordnung, empfahl aber ganz 
besonders, bei der geziemenden Wahrung der jülichschen Rechte, 
Tätlichkeiten und „desordres" zu vermeiden. General von Tunder- 
feld in Limburg war wenig gewillt, sich auf die Gestattung 
eines auswärtigen P^hrengeleits auf liniburgischem Boden ein- 
zulassen. Von seiner Regierung war er beauftragt, den Zar 
beim Besuche Limburgs aufs beste zu bewirten, auch hatte der 
limburgische Adel sich bereit erklärt, das Geleite bis zur Grenze 
des Aachener Reichs zu geben. Als Tunderfeld auf eine von ihm, 
wohl nur aus Höflichkeit gegen Kurpfalz, in Sachen des Geleits 
an den Marquis de Prie gerichtete Anfrage ohne Antwort blieb -, 



') Augenscheinlich hielt ganz berechtigter Weise die Umgebung des 
Zars ihrem Herrn Besucher tunlichst fern. 

2 ) von Tunderfelds hierüber in militärischer Kürze an den Geheimrat 
Fabritius gerichteter Brief lautet: Monsieur, jay recu le votre et jay du 
dt'plaisir de ne pas avoir recu reponse sur la lettre que jay eu lhonneur 
decrire a Son Excellence le marquis de Prie, dont je vous aurois dubord 



— 80 — 

wies er den Anspruch Jülichs zurück. Noch entschiedener weigerte 
sich der Gouverneur von Maastricht 1 , mit dem Kurpfalz sich in 
Verbindung gesetzt hatte, um bei der Rückreise des Zars von 
Aachen aus ein Ehrengeleit bis Maastricht ausführen zu dürfen, 
hierzu seine Einwilligung zu geben. In seinem Schreiben vom 
25. Juli betonte er zwar den Wunsch guter Narbarschaft, erklärte 
dabei aber ausdrücklich, dass ein jülichsches Ehrengeleit auf 
der Strecke zwischen der Grenze des Aachener Reichs und 
Maastricht nicht geduldet werden könne, es werde vielmehr 
dort eine Abteilung der Maastrichter Besatzung den Zar bis 
Maastricht geleiten. In Aachen blieb es bei der früheren Ent- 
scheidung. Die Stadt ergab sich unter dem Drucke des Ver- 
trags von 1660 darin, beim Empfang des Zars mit dem letzten 
Platze fürlieb zu nehmen, hielt dagegen an der Ablehnung jedes 
Beitrags zu den Kosten für die Unterbringung und Verpflegung 
der jülichschen Mannschaft fest. In einem Bericht de Folleville's 
an den General von Haxthausen vom 16. Juli meldet der Oberst, 
dass die Stadt weder Obdach noch Verpflegung geben wolle. 
Die Mannschaften müssten deshalb gegen Barzahlung in Wirts- 
häusern untergebracht werden, und da den Reitern die Zahlung 
sehr schwer fallen dürfte, werde wohl der Geldbeutel der 
Offiziere herzuhalten haben. Dabei empfiehlt der Oberst, um 
etwaigen Eingriffen Aachens gegen das Geleitsrecht Jülichs vor- 
zubeugen, beim demnächstigen Besuche Peters I. gelegentlich 
des Ausrückens des Ehrengeleits etliche Mann als Doppelposten 
vor der Türe und der Wohnung des Zars zurückzulassen; später 
könnten vielleicht vor der Wohnung ein Rittmeister mit 40 Mann 
als Ehrenwache Aufstellung nehmen. 

Über den Besuch des Zars in Aachen bieten die Akten 
genaue, nicht weitschweifige amtliche Darstellungen 2 . Man ge- 
winnt aus ihnen die Überzeugung, dass der kaiserliche Gast, der 
auf seinen Fahrten Pferde zu Tode hetzte, während seiner kurzen 
Anwesenheit in der Stadt Karls des Grossen sich nur sehr 
wenig Ruhe gönnte. Der Umgebung des tatkräftigen Herrschers 
mag es ein Lächeln abgelockt haben, dass der kurpfälzische Ge- 



iuforme du contenu, etant, Monsieur, vostre tres bumble et tres obeissant 
servitcur G. Tunderfelt. A Limbourg le 24 de Juliet 1717. 

') Seine Unterschrift im Schreiben vom 25. Juli ist mit Sicherheit nicht 
zu bestimmen. 

2 ) Vgl. die Beilagen Nr. 20, 26 a und 20b. 



— 81 



heimrat Fabritius fast bei jeder sich darbietenden Gelegenheit die 
jülichschen Geleitsrechte hervorhob und „zierlich protestierte." 
Den Berichten nach zu schliessen, scheinen weder Fabritius noch 
der Aachener Vogtmeier von Meuthcn mit einer Einladung zur 
kaiserlichen Tafel beehrt worden zu sein. Die Akten schliessen 
mit einem aus Neuburg datierten kurfürstlichen Erlasse vom 
25. August 1717, in dem der Kurfürst zu dem Inhalte der ihm 
zugegangenen Berichte billigend sich äussert. 

VIII. Geleitung des Königs von Dänemark bei seinem 

Besuche Aachens 1724 1 . 

König Friedrich IV. von Dänemark, seine zweite Gemahlin 
Anna Sophia und seine Tochter Prinzessin Charlotte weilten 2 
als Kurgäste in Aachen vom 29. Mai bis zum 30. Juni 1724. 
Zur Geschichte des mehr als vierwöchigen Aufenthalts bieten 
die vorliegenden Akten des Düsseldorfer Staatsarchivs mehrere 
bis jetzt unveröffentlichte, nicht ganz unwesentliche Einzelheiten, 
die mit wenigen des Zusammenhangs wegen nötigen Ergänzungen 
nachstehend folgen. 

In einem amtlichen Berichte aus Düsseldorf vom 31. Mai 1724 
wird dem Kurfürsten von der Pfalz unter Hinweis auf die jülich- 
schen Geleitsrechte gemeldet, dass der König von Dänemark 
mit grossem Gefolge vor etlichen Tagen durch Düsseldorf ge- 
reist und jetzt wahrscheinlich in Aachen eingetroffen sei. Dazu 
stimmt ein Bericht des Meiereisekretärs Johann Gottfried Gijsscn 
aus Aachen, der über die Ankunft der königlichen Familie 
nähere Angaben enthält. Da heisst es, dass in Abwesenheit 
des Vogtmeiers von Meuthen und des Meiereistatthaltcrs, Licen- 
tiaten Romeisheim, der Schöffenmeister von Dussel der Vogt- 
meierei vorstehe. Am Abend des 28. Mai habe der Oberhof- 
marschall des Königs von Dänemark dessen zum 29. Mai bevor- 
stehende Ankunft in Aachen angesagt, worauf Gijssen wegen 
des Geleits sofort sich an von Dussel gewandt habe, aber ab- 
schlägig beschieden worden sei. Nach von Düsseis Erklärung 
hätten die Aachener Meiereidiener keine ganzen, sondern nur zer- 
rissene und zerlumpte Kleider (Monturen), überdies fehle es an der 
zu einer passenden Gcleitung nötigen Kavallerie. Vergebens habe 



') I). ST. A. Jülichsche Geleitsrcchte. Nicht geheftete Akten. 
2 ) Vgl. R. Pick, Aus Aachens Vergangenheit S. 544 ff. 



— 82 — 

Gijssen darauf hingewiesen, dass bei einer kurz vorher unerwartet 
erfolgten Ankunft des Kurfürsten von Cöln zur Wahrung des 
Geleitsrechts nur zwei Beamte der Meierei den hohen Besucher 
geleitet hätten und dies angenommen worden sei ; Herr von Diissel 
habe auf eine derartige Geleitung nicht eingehen wollen, und 
so sei es der Stadt Aachen ermöglicht worden, die königlichen 
Besucher in glänzender Weise zu empfangen und in die Stadt 
zu geleiten 1 . So der Bericht Gijssens. 

Ganz ohne jülichsches Ehrengeleit war es indes, wenigstens 
im Jülichschen, nicht abgegangen. Der Gouverneur von Jülich, 
Generalleutnant von Haxthausen, hatte nicht versäumt, dem 
König von Dänemark auf der Durchreise überaus reiche Ehren- 
bezeugungen zu teil werden zu lassen 2 . In einem Erlasse des 
Kurfürsten an von Haxthausen vom 12. Juni wird dies gelobt 
und der General angewiesen, auf Ersuchen der Aachener Vogt- 
meierei ihr sofort eine Kompagnie Grenadiere als Ehrenwache 
für den dänischen Herrscher zur Verfügung zu stellen. Da- 
gegen erregte Gijssens Mitteilung über das bei der Ankunft des 
Königs in Aachen ausgefallene jülichsche Geleit den Unwillen 
des Kurfürsten. Er forderte die Räte in Düsseldorf zur Ver- 
antwortung auf 3 , vermochte aber der begründeten Entschuldigung, 
dass der Besuch allzu unerwartet eingetroffen sei, nichts ent- 
gegenzusetzen. Um so eifriger wachte jetzt die Vogtmeierei in 
Aachen darüber, dass das jülichsche Geleitsrecht während der 
Anwesenheit des Königs und bei seiner Abreise gewahrt blieb. 
Nach langen Verhandlungen mit dem Rat 4 wurden in der zweiten 
Hälfte des Juni 100 jülichsche Soldaten bei und in Aachen ein- 
quartiert und bezogen die Wache vor der Wohnung des hohen 
Gastes. Unangenehm berührte es in Aachen, dass ein Doppel- 
posten in der Wohnung vor den königlichen Gemächern Auf- 
stellung nahm, und dass gelegentlich einer vom Könige veran- 
stalteten Festlichkeit die Gäste durch Soldaten der jülichschen 
Geleitsmannschaft bedient wurden. Den dagegen erhobenen Ein- 



') K. Pick a. a. 0. S. 550 f. 
') Näheres wird nicht angegeben. 

3 ) Erlass aus Schwetzingen, 12. Juni 1724. 

4 ) Bezeichnend für die geringschätzige und erbitterte Stimmung, die 
in der Aachener Vogtmeierei gegen Aachen herrschte, ist die Aeusscruug 
des Vogts von Meutben in seinem Berichte vom 21. 6. 1724, dass „der Magi- 
strat meist aus gewöhnlichen (gemeinen) Bürgern und unwissenden Handwerks- 
leuten bestehe". 



— 83 — 

sprach des Rats wies von Meuthen als unberechtigt zurück 1 . 
Stellenweise indes fielen dem Könige die übertriebenen Auf- 
merksamkeiten der jülichschen Ehrenwache lästig. Anfänglich 
war er überhaupt nur mit Mühe zu bewegen gewesen, das an- 
gebotene grosse Ehrengeleit anzunehmen 2 . Und als er auf dem 
adeligen Gute Kalkofen bei Aachen, das dem holländischen 
Residenten Schardinel gehörte, die Milchkur gebrauchte, schickte 
er, „um Ruhe zu haben", die Ehrenwache nach Aachen zurück. 

In der letzten Woche des Juni 1724 gab der König ein 
grosses, -mit einem Balle schliessendes Fest aus Anlass der ein- 
gelaufenen Nachricht von der glücklichen Entbindung der Kron- 
prinzessin von Dänemark. Er hatte auch einen Besuch Stolbergs 
und seiner Messing- und Kupferindustrie in Aussicht genommen, 
musste aber infolge erhaltener wichtiger Nachrichten hierauf 
verzichten. Statt des Königs besuchten zwei Herren seines 
Gefolges das benachbarte Städtchen; den Weg nach Stolberg hatte 
man unter Mitwirkung von Arbeitern aus dem Cornelimünsterer 
Ländchen in 24 Stunden notdürftig ausgebessert. Die Offiziere der 
jülichschen Geleitsmannschaft Hess Friedrich IV. alltäglich in seiner 
Wohnung in Aachen an der „Kavalier-Tafel" bewirten. Zu einem 
Beitrage zu den Kosten der Unterbringung und Verpflegung der 
Mannschaften verhielt sich Aachen wiederum streng ablehnend. 
Um zu sparen, hatte der Vogtmeier von Meuthen den grösseren 
Teil des Ehrengeleits ausserhalb der Stadt untergebracht, Für 
die ständig in Aachen anwesenden 25 Mann konnte er dort Hin- 
gegen Vorauszahlung (antieipandp) Unterkommen auftreiben; so 
wenig traute man damals in geschäftlichen Kreisen kurpfälzisch- 
jülichschen Versprechungen ! 

Am Morgen des 30. Juni 1724 erfolgte die Abreise der 
königlichen Familie nach Jülich. Dort wurde, so heisst es in 
einem Berichte vom 1. Juli, der König mit seinem Gefolge herr- 
lich traktiert 3 . Die Weiterreise nach Neuss erfolgte noch am 
Nachmittage desselben Tages. 



') In einem Berichte hierüber stellt von Meuthen dies als eine „schöne 
avantagc pro futuro" dar. In Zukunft würde die Stadt in ähnlichen Fallen 
mit ihren Ansprüchen ebenfalls zurückgewiesen werden, da diesmal schliess- 
lich ihr Anspruch nicht durchgegangen sei. 

2 ) Er gab erst nach, als man ihm vorstellte, dass durch seine Weige- 
rung das jülichsche IToheitsrecht geschmälert werden könne. 

3 ) Wohl vom Gouverneur, General von Haxtbausen, auf Kosten des 
kurpfälzischen Hofes. 



— 84 — 

Unwesentlich sind einige beiliegende Berichte über einen 
Besuch, den im Sommer 1734 Christian VI, der Nachfolger 
Friedrichs IV., der Stadt Aachen abzustatten beabsichtigte. In 
den Berichten handelt es sich ausschliesslich um die Wahrung 
des jülichschen Geleitsrechts, falls der Besuch zur Ausführung 
kommen sollte. Alle näheren Angaben über den Zweck und 
die Nebenumstände der Reise Christians VI. fehlen. 

IX. Geleitung der Erzherzogin Maria Elisabeth von 

Oesterreich 1725 *. 

Maria Elisabeth, Erzherzogin von Oesterreich und Schwester 
Kaiser Karls VI., wurde Statthaltern! der Niederlande i. J. 1725. 
Auf der Reise von Wien nach ihrer Residenz Brüssel berührte 
sie jülichsches Gebiet, wahrscheinlich aber nicht Aachen. Da 
es sich im Jülichschen nur um einen oder zwei Reisetage und 
die kurze Strecke zwischen Bergheim an der Erft und Sittard 
handelte, trat die Stellung eines Ehrengeleits an Bedeutung- 
weit zurück hinter die Frage der Beschaffung der vorgeschriebenen 
grossen Anzahl von Pferden nebst der dazu gehörigen Bedienungs- 
mannschaft. Die Akten sind hauptsächlich deswegen von Interesse, 
weil sie ebensowohl ein anschauliches Bild von dem Glänze fürst- 
licher Reisen in Deutschland vor 180 Jahren, wie auch von 
den Lasten bieten, die mit derartigen Fahrten für die Bewohner 
der durchreisten Strecken verbunden waren. 

Die Akten beginnen mit zwei aus Wien, den 28. Juli 1725 
datierten Erlassen Karls VI. Im ersten dieser Erlasse macht 
der Kaiser bekannt, dass seine zur Statthalterin der Nieder- 
lande ernannte Schwester zu Beginn des nächsten September 
durch Böhmen, Oberpfalz, Pfalz-Sulzbach, Nürnberg, Württem- 
berg, Frankfurt, Kurtrier und Kurcöln nach Brüssel reisen 
werde. Der kaiserliche Postkourier Franz Leopold Weys sei 
zur Bereitung der Wege vorgesandt, und habe ihm jedermann 
mit „Hülfe und gutem Willen" zur Hand zu gehen. Eine bei- 
liegende, vom Postkourier Weys unterzeichnete Anweisung gibt 
Aufschluss über die erforderlichen Leistungen. Demnach bestand 
der Reisezug der Erzherzogin aus 90 numerierten Wagen. Die 
Bespannung jedes Wagens erforderte 6 Pferde, und ausserdem 
waren 60 Reitpferde erforderlich, so dass auf jeder Haltestelle, 



: ) D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte. Ein Heft in Folio. 



— 85 — 

wo Pferdewechsel stattfand, mindestens 600 Pferde vorhanden 
sein mussten. Um ganz untaugliche Pferde aussondern zu können, 
sollten indes etwas mehr als 600 Pferde geliefert werden. Die 
einzelnen Haltestellen auf der grossen Strecke Wien-Brüssel 
lagen nur 3 — 4 Meilen von einander entfernt. Damit die Pferde 
ausrasten könnten, hatten ihre Führer sie schon Tags vorher 
zur Stelle zu bringen. Offiziere und Beamten sollten über die 
„Bauern" wachen, damit sie sich nicht mit den Pferden entfernten 
oder die Tiere versteckten. Die Wege sollten aufs beste aus- 
gebessert werden, und an Orten, wo Brücken zu errichten waren, 
mussten zur Ueberführung der Wagen mehrere fliegende Brücken 
(Schalen) beschafft werden. Von irgend einer Entschädigung 
ist in der Weysschen Anweisung nicht die Rede. Etwas anders 
im zweiten Erlasse Karls VI., der an den Kurfürsten von der 
Pfalz gerichtet ist. Da ersucht der Kaiser den Kurfürsten, 
für die Durchführung der von Weys getroffenen Anordnungen 
in seinem Gebiete Sorge zu tragen. Gleich von Wien aus 
Pferde für die ganze Dauer der Reise mitzugeben, würde, so 
sagt er, zu umständlich sein. Vor der Ankunft in Mülheim 
am Rhein möge wegen der Ueberbrückung des Flusses mit 
Kurcöln verhandelt werden. An Orten, wo die Erzherzogin 
zu Abend oder zu Mittag speise, sei frühzeitig für die Be- 
schaffung der Lebensmittel zu sorgen, damit man das Notwen- 
dige gegen angemessene Bezahlung erhalte. Von irgend einer 
Entschädigung für die Gestellung der Pferde spricht auch dieser 
Erlass nicht. 

Der Kurfürst von der Pfalz, dessen Gebiet der Reisezug auch 
im Bergischen berührte, entsprach bereitwilligst dem Gesuche des 
Kaisers l . Wie drückend aber die Last der Gestellung einer so 
ungeheueren Zahl von Pferden vielfach empfunden wurde, beweisen 
mehrere vorliegende Eingaben. So schreibt der Vogt von Mül- 
heim, dass in der Mülheimer Freiheit überhaupt nur 15 Pferde 
aufzutreiben seien. Ein Amtmann aus der Sieggegend erklärt, 
die Pferde seines Bezirks, ganz abgesehen davon, dass 600 Pferde 
überhaupt nicht gestellt werden könnten, seien untauglich zu den 
gewünschten Dienstleistungen. Die Untertanen, so schreibt er, 
hätten sich sehr zu beschweren. Im eigenen Betriebe verlören 



') Zur Ueberbrückun»- des Rheins bei Mülheim, worüber der Kurfürst 
mit Kurcöln und seinen Räten in Düsseldorf verhandelte, wurden fliegende 
1 '.rucken aus Düsseldorf, Grimlinghausen bei Neuss, Cöln und Bonu verwandt. 



— 86 — 

sie mitten in den Arbeiten für die Kornsaat durchgehends drei 
Tage durch die gestellten Anforderungen, was um so drückender 
sei, als sie bei den schlechten Zeitverhältnissen ohnehin durch 
den Durchmarsch kaiserlicher Truppen geschädigt worden seien. 
Bezüglich des Ehrengeleits berichteten die Räte in Düsseldorf 
dem Kürfürsten, dass es bei den in Düsseldorf lagernden 
Kavallerie-Regimentern keine berittene Mannschaft gäbe! Der 
Kurfürst, an dessen Hofe man, wie verschiedene Aktenstücke 
ausweisen, jede Schmälerung des Geleitsrechts streng ver- 
mieden sehen wollte, traf eine grössere Kosten geschickt 
vermeidende Entscheidung. Da die Erzherzogin, so bestimmte 
er, „postreisend sei", wisse man nicht recht, wie es mit dem 
Geleit zu halten sei. Allerorts, wo die Erzherzogin speise oder 
übernachte, solle man eine Ehrenwache stellen 1 , die mit klingen- 
dem Spiel und fliegenden Fahnen aufzutreten habe. Erwähnung 
verdient ferner noch ein Erlass der Räte in Düsseldorf, wonach 
die Vorsteher der Ortschaften, in denen der Reisezug über 
Nacht blieb, angewiesen wurden, mit Sachverständigen zu über- 
legen, ob man zum Zwecke der Gewinnung geeigneter Schlaf- 
räume gewisse Häuser durchschlagen solle. 

Ueber die näheren Umstände der Reise liegt einzig das 
Verzeichnis der Haltestellen vor, in dem Tag und Zeit der An- 
kunft genau vermerkt sind. Das Verzeichnis weist 30 * Reise- 
tage auf, deren erster von Wien aus am 4. September 1725 
beginnen sollte. Zum 1. Oktober war die Ankunft in Mülheim 
am Rhein, zum 2. Oktober in Bergheim vorgesehen, von wo 
aus über Linnich, Sittard und Maastricht die Reise nach Brüssel 
fortzusetzen war. Die Akten schliessen mit einem aus Mannheim 
datierten Erlass des Kurfürsten Karl Philipp vom 29. April 1726 
an den Geheimen Jülich-Bergischen Rat in Düsseldorf. Der Kur- 
fürst ersucht darin um Wahrung des jülichschen Geleitsrechts 
und nähere Berichte über eine Reise, welche die Erzherzogin 
Maria Elisabeth unter dem Schutze einer Kompagnie kaiserlicher 
Kürassiere von Brüssel aus nach Aachen unternehmen wollte. 



') Diese Ehrenwache besorgte der Gouverneur von Jülich. 

2 ) Wahrscheinlich waren es ein paar Reisetage mehr. Das Verzeichnis 
schlicsst nämlich den 30. Reisetag mit der Ankunft in Maastricht-Tongern 
am 3. Oktober ab, nennt aber bis Brüssel noch 5 Haltestellen. 



— 87 — 

X. Geleitung- der Gesandschaften zu den Friedens- 
verhandlungen in Aachen 1748 x . 

Wie aus den umfangreichen Akten hervorgeht, war es dem 
Kurfürsten von der Pfalz wesentlich darum zu tun, den in 
Aachen zu den Friedensverhandlungen eintreffenden Bevollmäch- 
tigten sein Geleitsrecht, und damit ein fürstliches Hoheitsrecht 
tunlichst prunkvoll vor Augen zu führen. Dabei sollte nament- 
lich verhütet werden, dass das beschränkte Geleitsrecht der 
Stadt Aachen den Glanz des jülichschen Aufzuges verdunkele, 
oder dass irgend eine andere Macht eine Ehrenwache für einen 
der Bevollmächtigten stelle. Erfolgreich waren die Bemühungen 
des Kurfürsten nur insofern, als Aachen anscheinend auch nicht 
den leisesten Versuch machte, den Gesandten das Geleit zu 
geben oder Ehrenwachen zu stellen. Das lag indes diesmal weniger 
an Kurpfalz als an den Gesandten selbst, die von vornherein 
gegen die Annahme besonderer Ehrenbezeugungen sich erklärten. 
Für Aachen war dieser Wunsch sofort massgebend; nicht so 
für Kurpfalz. Allerdings hatte Kurpfalz den Vogtmeier von Hauzeur 
angewiesen, Geleit anzubieten, ohne es aufzudrängen. Aber 
immer wieder kam von Hauzeur, jedenfalls in richtiger Beur- 
teilung der Wünsche des kurpfälzischen Hofes, in ziemlich zu- 
dringlicher Art bei den Gesandten auf das Anerbieten von Ge- 
leit und Wachen zurück. Dabei konnte er nicht verhüten, dass 
ihm vielfache Abweisungen zu teil wurden und eine öster- 
reichische Kavallerie-Abteilung den englischen Gesandten bis zu 
seiner Wohnung in Aachen geleitete. Dass aus den mit schwerer 
Einquartierung belegten jülichschen Aemtern in der Nähe Aachens 
bittere Klagen laut wurden, braucht nicht aufzufallen. Im 
Ganzen bieten die Akten, aus denen ein kurzer Auszug nachstehend 
folgt 2 , das wenig ansprechende Bild hohler Grossmannssucht. 

1748, Januar 16. Vogtmeier von Hauzeur an den Kurfürsten 
von der Pfalz. Bitte um Anweisungen über das Geleitsrecht, 
da die älteren Archivalien im Stadtbrand untergingen. Mit- 
teilung, dass mehrere Gesandschaften bereits gemietet 3 hätten: 

1 ) D. ST. A. Jüliclischc Geleitsrcchte. Ein starkes Heft in Folio. 

2 ) Allgemein Bekanntes bleibt fast ganz unberücksichtigt. Die Akten 
verdienen eine genaue Bearteitung durch einen Geschichtsforscher, der sich 
mit dem Aachener Frieden von 1748 befassen will. 

3 ) Die Zeitdauer der Miete wird nicht genannt. Wahrscheinlich galten 
die Mietpreise für die Dauer der Friedensverhandlungen unter der Voraus- 



— 88 — 

die von Sardinien das Weltersclie Hans; die von Modena das 
Haus zur goldenen Kette; die des Kaisers und Königs das Haus 
der Gräfin von Goltstein für 10000 Gulden; die von Frankreich 
das Haus der Frau Bonge für 9000 Gulden; die von England 
das Haus des Bürgers Tewis für täglich zwei Dukaten; die 
von Portugal das Haus des Schöffen von Lamberts für 15000 
Gulden; die von Holland das Haus des Bürgermeisters von Oliva 
für 2000 Dukaten. 

1748, Januar und Februar. — Befehl des Kurfürsten, 
100 Mann Infanterie und eine Kompagnie Reiter in die Aemter 
Aldenhoven und Schönforst so zu verlegen, dass diese Mann- 
schaften alltäglich vollzählig oder teilweise zur Geleitung der 
eintreffenden Bevollmächtigten verwendet werden könnten. Jedem 
ankommenden Gesandten sei das Geleit anzubieten und Mit- 
teilung über das jülichsche Geleitsrecht zu machen, namentlich 
auch darauf zu achten, dass Bürgermeister und Rat zu Aachen 
die jülichschen Rechte nicht störten. — Der Befehl des Kurfürsten 
rief, soweit die Belegung der Aemter Aldenhoven und Schönforst 
in Betracht kam, Bittgesuche hervor. Aldenhoven, so hiess es, 
sei schon belegt, und in Forst bei Aachen mangelten Stallungen. 
Statt des Amtes Aldenhoven wurde das Amt Wilhelmstein belegt; 
der Vogt der Herrschaft Heiden hatte behauptet, kraft eines 
Privilegiums frei von Einquartierungslasten zu sein. — Nach 
einem Berichte des Aachener Vogtmeiers lehnte Aachen wieder- 
um jeden Beitrag zu den Kosten der Unterbringung und Ver- 
pflegung der Geleitsmannschaft ab. Die Stadt erklärte, sie habe 
hierbei seit jeher nur die eine Ausnahme gemacht, dass sie der 
Mannschaft, welche die Krönungsinsignien nach Frankfurt ge- 
leite, freies Quartier bewilligte. Ausserdem habe sie aus Ehr- 
erbietung in einem Falle, beim Besuche des Kurfürsten von der 
Pfalz i. J. 1747, die Geleitsmannschaft auf städtische Kosten 
verpflegt. Zu weiteren Ausnahmen sei sie nicht geneigt, wolle 
aber nach Kräften bei den Quartiergebern auf massige Forde- 
rungen für die Unterbringung der Mannschaften hinwirken. 

1748, März. Bericht des kurpfälzischen Residenten Eisacker 
im Haag an den Kurfürsten von der Pfalz über Unterredungen 
mit einigen zu den Aachener Friedensverhandlungen bevoll- 



setzung, dass hierbei höchstens mit einem Jahre zu rechnen sei. Unter Gulden 
sind schwerlich Aachener Gulden zu verstehen, von denen einer etwa 25 Pfg. 
der heutigen deutschen lleichswährung entsprach. . 



— 89 — 

»nächtigten Ministern in Sachen des jülichschen Geleitsrechts 1 . 
In seiner aus Mannheim datierten Antwort vom 5. März 1748 
weist der Kurfürst den Residenten im Haag an, in geeigneter 
Weise zu verhindern, dass österreichische Truppen die Ge- 
sandten bis Aachen geleiteten. Ein Bericht Eisackers vom 
9. März meldet ferner, dass der Sekretär des englischen Ge- 
sandten Lord Sandwich im Namen seines Herrn und aller übrigen 
Bevollmächtigten ihm erklärt habe, jede Geleitung und Ehren- 
bezeugung, die Kurpfalz anbieten würde, bündigst zurückzuweisen 
(zu deprecieren). Die Gesandten wünschten, ohne einiges Zere- 
moniell in Aachen einzuziehen und dort während der Friedens- 
verhandlungen „mit Hintansetzung aller Honneurs" sich auf- 
zuhalten. Dies sei auch den Bürgermeistern Aachens mitgeteilt 
worden. Er (Eisacker) habe die Mitteilung des Sekretärs dahin 
beantwortet, dass Kurpfalz sein Geleit nicht aufdrängen wolle. 
Würde aber etwa eine österreichische Mannschaft eine Geleitung 
der Gesandten vornehmen, so könnte dies bedenklich werden, 
indem dann von der Grenze des Aachener Reichs ab kurpfälzische 
Kavallerie kraft des jülichschen Hoheitsrechts die Führung über- 
nehmen würde. Schliesslich berichtet Eisacker, dass die Aachener 
Bürgermeister nach Erhalt der Mitteilungen des Sekretärs des 
Lords Sandwich erklärt hätten, weder Kanonen lösen, noch 
Ehrengeleit, noch Wache stellen zu wollen. 

1748, März 5. Kurpfälzischer Erlass an den Jülich-Ber- 
gischen Geheimen Rat unter Hinweis auf einen aus Paris einge- 
laufenen Bericht des kurpfälzischen Geheimrats Grevenbroch. 
Grevenbroch hatte dem französischen Minister Marquis de Puyzieulx 
über die Wahrung des jülichschen Geleitsrechts während der 
bevorstehenden Aachener Friedensverhandlungen Vorstellungen 
gemacht. Der Minister erklärte, dass in Aachen kein Kongress, 
sondern nur Konferenzen stattfinden sollten. Frankreich und 
England wünschten deshalb keinen feierlichen Einzug in Aachen. 
Zur Sicherung der Gesandschaften könnte wohl eine öster- 
reichische Truppenabteilung bis Aachen das Geleit geben, in 
der Nähe Aachens würden aber keine österreichischen Truppen 
geduldet werden. In Aachen selbst möge eine kurpfälzische 
Garnison während der Verhandlungen bleiben. Ginge das nicht 
an, so könnten westfälische Kreistruppen statt der kurpfälzischen 
genommen werden. 



! ) Vgl. Beilage Nr. 28. 



— 90 — 

1748, März 12. Erlass des Düsseldorfer Geheimen Rats an 
Vogtmeier von Hauzeur, dass dem Lord Sandwich das jülichsche 
Ehrengeleit schriftlich anzubieten sei, damit so der Lord ver- 
hindert werde, die Geleitung durch andere Truppen anzunehmen 

1748, März. 22. Bericht von Hauzeurs an den Kurfürsten 
über die Wahrung des jülichschen Geleitsrechts bei der Ankunft 
verschiedener Gesandten. Der englische Gesandte Lord Sand- 
wich war seit dem 13. März wiederholt vergeblich auf der 
Grenze des Aachener Reichs von kurpfälzischer Kavallerie er- 
wartet worden. Als am 15. März die Nachricht einlief, dass 
der österreichische Gesandte Graf Kaunitz in Jülich erwartet 
werde, teilte von Hauzeur die Geleitsmannschaft und begab sich 
zur Abholung des Grafen Kaunitz mit einem Teile nach Vor- 
weiden. Am 17. März traf Lord Sandwich in Aachen ein, ge- 
leitet durch österreichische Grenadiere und ein kurpfälzisches 
Kommando. An der Grenze hatte ihm der Meiereisekretär, 
unter Hinweis auf die jülichschen Gerechtsame und einen Brief 
des Vogtmeiers, ausschliesslich kurpfälzisches Geleit an- 
geboten, Sandwich hatte aber in verbindlicher Form ausweichend 
geantwortet. Als später, nach dem Eintreffen des Grafen Kaunitz, 
von Hauzeur beide Staatsmänner besuchte, lehnten beide die 
angebotene Ehrenwache ab. Gleichzeitig erklärte Sandwich, 
dass er das österreichische Kommando nicht hätte zurückweisen 
können, da der Hauptmann bestimmte Befehle gehabt habe, 
deren Aenderung nicht anging. Er (Sandwich) habe nicht die 
Absicht, die jülichschen Gerechtsame irgendwie zu benachteiligen, 
und müsse sehr bitten, mit weiterem „importunen Sollicitiren" 
nicht zu drängen. 

Der sardinische Gesandte traf in der Nacht vom 17. auf 
den 18. März ohne jede Geleitsmannschaft in Aachen ein. 

Der österreichische Gesandte Graf Kaunitz hatte vom 17. 
auf den 18. März in Jülich übernachtet. Zur Geleitung liess 
von Hauzeur am 18. März eine Abteilung Infanterie und Kavallerie 
bis Vorweiden vorrücken, erhielt dort aber die Nachricht, dass 
Kaunitz das Ehrengeleit nicht annehme. Dies bestätigte Kaunitz, 
als er in 3 „Postchaisen" anlangte, indem er gleichzeitig die 
österreichische Ehrenwache zurückwies, von Hauzeur ritt nebst 
dem Meiereisekretär und 4 berittenen Bedienten neben dem 
Wagen des Gesandten in Aachen ein, wo ihn der Graf zu Tisch 
lud. Nach dem Essen lehnte Kaunitz unter Hinweis auf die 



— 91 — 

zwischen den Gesandten bestehende Vereinbarung 1 nochmals alle 
besonderen Ehrenbezeugungen, Wachposten u. dergl. ab. 

Den französischen Gesandten hatte man bis zum 22. März 
vergebens erwartet, doch war sein Gepäck in 3, mit nicht weniger 
als insgesamt 30 Pferden bespannten Wagen in Aachen einge- 
troffen . 

Der holländische Gesandte hatte in der Nacht vom 19. auf 
den 20. März in Jülich übernachtet, von Hauzeur begab sich 
am 21. März mit etwa 30 Reitern nach Vorweiden und bot 
dort Ehrengeleit und „Honneurs" an. Nur das Ehrengeleit 
wurde angenommen und bis Aachen ausgeführt; die Gesandt- 
schaft übermittelte dem Wachtmeister zu Gunsten der Kaval- 
leristen 20 Dukaten. 

Aus späteren Berichten von Hauzeurs ist noch folgendes 
hervorzuheben. Der französische Gesandte, der am 26. März an- 
kam ', schickte an der Grenze die österreichische Geleitsmann- 
schaft nach längeren Verhandlungen zurück. Das kurpfälzische 
Geleit nahm er bis Aachen an, lehnte aber Ehrenwachen ab. Bei 
der Abendtafel, wozu er von Hauzeur geladen hatte, liess er sich 
über das jülichsche Geleitsrecht in ein Gespräch ein; er schien 
über sein Quartier in Aachen und die Seltenheit von Gemüse und 
Geflügel unzufrieden zu sein. Der holländische Minister, Freiherr 
von Wassenaer, war in Aachen ohne Ehrengeleit eingezogen, da 
er ganz unerwartet eintraf. Der spanische Gesandte, der in 
Aachen das Haus des Barons Lamberts zu Cortenbach für 
30000 Livres hatte mieten lassen, wollte in aller Stille in 
Aachen eintreffen, von Hauzeur war aber rechtzeitig von anderer 
Seite benachrichtigt worden und geleitete den Gesandten von 
der Grenze des Aachener Reichs bis zu seinem Hotel zum 
goldenen Drachen. Die Geleitsmannschaft erhielt vom Spanier 
4 Schildlouisdor zum Geschenk. 

Die Gesandten von Genua und Modena langten ohne Ehren- 
geleit in Aachen an, während der Bevollmächtigte des Prinzen 
von Oranien das ihm angebotene Ehrengeleit bis Aachen annahm. 

Wie aus den Akten hervorgeht, war die Handhabung des 



') Die Geleitsmunnschaft hatte 3 Tage unter freiem Himmel das Ein- 
treffen des Gesandten vergeblich erwartet; sie erhielt von ihm später ein 
Geschenk von 20 Dukaten. Ebensoviel zahlte im Juni der aus dem Haag 
eintreffende holländische Bevollmächtigte de Borssele (?), den 24 kurpfälzische 
Reiter von Aachen bis Vorweiden geleitet hatten. 



— 92 — 

jülichscheri Geleitsrechts sowohl für die Bewohner der mit Ein- 
quartierung - belegten Aemter Aldenhoven, Eschweiler, Wilhelm- 
stein und Schönforst, als auch für die Geleitsmannschaft selbst 
mit drückenden Lasten verbunden. Bei der Abreise von Aachen 
wiesen wiederum die Bevollmächtigten jedes Ehrengeleit zu- 
rück. Am längsten blieben in Aachen Graf Kaunitz und der 
grossbritannische Staatsmann Chevalier de Robinson. Kaunitz 
weilte dort noch am 3. Januar 1749. Er beabsichtigte, am 
7. Januar, wenige Tage vor de Robinson, abzureisen. Ein den 
Akten beiliegender Auszug über hohe Besucher Aachens i. J. 
1668 und das ihnen damals gegebene Ehrengeleit bietet wenig 
Interesse, da die Namen vom Aachener Kongress (1668) her 
bekannt sind. 

XI. Geleitung des Königs Erich XIV. von Schweden 

(1561), der Königin von Dänemark (1770), 
des Prinzen von Oranien (1770), des Prinzen Karl von 

Schweden (1770) K 

Ob i. J. 1561 oder 1562 König Erich XIV. von Schweden 
Herzoglich Jülichsches Gebiet und vielleicht auch Aachen be- 
sucht hat, lässt sich aus der ortsgeschichtlichen Literatur an- 
scheinend nicht feststellen. Zwei Briefe der vorliegenden Akten 
deuten an, dass damals ein Besuch des Herzogtums Jülich vom 
Schwedenkönige beabsichtigt wurde. In einem aus Torpa, den 
21. September 1561, datierten Briefe schreibt 2 nämlich Erich XIV., 
König der Schweden, Gothen und Wenden, dem Herzog Wil- 
helm von Jülich-Cleve-Berg, dass er zwei Bevollmächtigte, 
Gustavsonn und Ludwig Franken (?), an den Herzog abgesandt 
habe. Die Herren würden einen Wunsch des Königs, der um 
freundliche Aufnahme und Antwort bitte, mündlich vortragen. 

Die Art des Wunsches ergibt sich aus einem im Entwurf 
beiliegenden Erlasse des Herzogs Wilhelm, datiert: Jülich, den 
28. November 1561. Darin teilt der Herzog den ihm unter- 
gebenen Behörden mit, dass der König von Schweden Deutsch- 
land und Herzoglich Jülichsches Gebiet zu besuchen beabsichtige. 



! ) D. ST. A. Jülichsche Gclcitsrcchte. Die Bezeichnung der wenigen 
Aktenstücke lautet im Repertorium etwas anders; die beiden Schriftstücke aus 
dein Jahre 1561 scheinen nach der Inventarisierung des Ganzen den Akten 
beigelegt worden zu sein. 

2 ) Original; eigenhändige Unterschrift. 



— 93 — 

Der König habe deshalb den Herzog um freies, sicheres Geleit 
bitten lassen. Alle Behörden, so schliesst der herzogliche Erlass, 
seien angewiesen, den schwedischen König frei und ungehindert 
ziehen zu lassen und zu schützen *. 

Ziemlich unwesentlich sind die anderen Aktenstücke dieser 
Unterabteilung, die alle aus dem Mai und Juni 1770 datieren. 
Man erwartete damals in Aachen die Königin von Dänemark, den 
Prinzen von Oranien nebst Gemahlin und den Prinzen Karl von 
Schweden. Kurpfalz traf deshalb Vorbereitungen, um für den 
Fall des Eintreffens der hohen Besucher das jülichsche Geleits- 
recht in bekannter Art zu wahren. 

XII. Die Geleitung der Reichsinsignien von Aachen nach 
Augsburg und Frankfurt 2 . 

Aachens uraltes Vorrecht, die Krönungsstätte der römischen 
Könige zu sein, blieb bei der Krönung Maximilians II. i. J. 1562 
und bei jeder späteren Königskrönung bis zum Schluss der 
reichsstädtischen Zeit unberücksichtigt. An die Stelle von Aachen 
trat meist Frankfurt 3 . Wohl wahrte Aachen bei jeder Königs- 
wahl seine Rechte, aber seinem Einsprüche war ein günstiger 
Erfolg niemals beschieden. Die Stadt musste sich damit be- 
gnügen, in der Regel die im Schatze des Aachener Münsters 
vorhandenen, bei der Königskrönung notwendigen Reichsinsignien 
durch eine Deputation des Marienstifts und des Rats an den 
Krönungsort bringen zu lassen und dort bei den Festlichkeiten 
einen der ersten Plätze einzunehmen 4 . Diese Reichsinsignien 5 
bestanden nach einer Aachener Handschrift v. J. 1742 in dem 
mit Edelsteinen besetzten Evangelienbuche, in welchem die vier 
Evangelien mit „goldenen Buchstaben in lateinischer Sprache 



') Weitere Aktenstücke zur Sacke liegen nickt vor. 

-) D. ST. A. Jülichsche Geleitsreckte. Meist geheftete Akten aus den 
Jakren 1690, 1711—12, 1742, 1745, 1764—65, 1790, 1792; Streitigkeiten mit 
der Stadt Aacken 1790—92; Kosten der Begleitung der Krönungsinsignien 1790. 

3 ) Vereinzelt Regensburg und Augsburg. Josepk I. wurde 1690 in 
Augsburg gekrönt; hierauf bezieben sick in der Ueberscbrift die Wörter 
„nach Augsburg". 

4 ) Ausführlicher Berickt über die Reise einer solcben Deputation nach 
Frankfurt i. J. 1742 bei F. Haagen, Geschichte Achens Bd. II, S. 659 ff. 

5 ) lieber die ausserhalb Aachens vorhandenen Reichsinsignien vgl. 
F. IIa ag en a. a. 0. S. 693 ff. 



— 94 — 

geschrieben sind"; auf diesem Buche, so heisst es in der Hand- 
schrift, leistet der Kaiser bei der Krönung den Eid. Das 
Evangelienbuch sollte nebst dem ebenfalls zu den Krönungs- 
insignien gehörigen Säbel Karls des Grossen („in Gestalt eines 
kurzen türkischen Säbels") im Grabe des grossen Kaisers ge- 
funden worden sein. Das dritte Reichskleinod war ein mit 
„kostbaren, ungeschliffenen Edelsteinen besetztes Kistchen mit 
einem Stückchen von der Erde, worauf das Blut des ersten Mär- 
tyrers Stephan geflossen 1 ". Die ortsgeschichtliche Literatur 2 
ist nicht eben arm an Angaben über die Umstände, unter denen 
im Laufe der letzten 250 Jahre vor der französischen Fremd- 
herrschaft die Reichsinsignien bei Königswahlen aus dem Schatze 
des Münsterstifts an den Krönungsort gelangten. Mitunter ging 
es dabei recht seltsam zu. So wurden bei der Wahl Rudolfs IL 
i. J. 1575 die Reichskleinodien durch die Post nach Regens- 
burg gesandt, damit aber, wie Meyer 3 treffend sagt, dem blossen 
Schicksal überlassen. Bei der Wahl Franz I. (1745) trug sogar 
in aller Stille ein zuverlässiger Mann, Adam Uebach, neben dem 
der Aachener Kanonikus Heinrich Corneli ging, die Reichs- 
kleinodien in einem Korbe nach Limburg, Malmedy und weiter 4 . 
Das waren indes Ausnahmen. Meist stellte der Herzog vou 
Jülich eine ansehnliche Schar Berittener zur Geleitung der 
Deputation des Münsterstifts und des Rats an den Ort der 
Krönung. Ohne Rang- und Zeremoniellstreitigkeiten konnte es 
dabei, entsprechend dem Geiste der Zeit, kaum abgehen. Die 
Teilnahme des Rats beruhte nicht auf dem ihm zustehenden 
Mitbewahrungsrecht (Concustodie) an den Reliquien 5 des Aachener 
Münsters, sondern vielmehr auf seiner Eigenschaft als Vertreter 
der uralten Krönungsstadt Deutschlands. Nur ungern mag der 



') Diese drei Reichsinsignien befinden sieh seit 1798 in Wien. Eine 
genaue Beschreibung und Abbildung gibt F. Bock in seinem Werke über 
Karls des Grossen Pfalzkapelle und ihre Kunstschätze, S. 147 ff. 

2 ) Manche Angaben namentlich bei K. F. Meyer, Aachensche Geschichten 
0781) und bei F. Haagen a. a. 0. 

3 ) A. a. 0. S. 465. 

4 ) F. Haagen a. a. 0. S. 328. 

6 ) Dass man die Krönungsinsignien zum Reliquienschatze des Aachener 
Münsters rechnete, beruhte auf ihren Beziehungen zum hl. Stephanus und 
zu Karl dem Grossen. Vgl. F. Bock a. a. 0. S. 149. Das Mitbewahrungs- 
recht galt nur für die grossen Reliquien des Aachener Münsters. 



— 95 — 

Eat, dessen Beziehungen zum Marienstift häufig- unfreundliche 
waren, diesem den Vortritt eingeräumt haben, und oft genug 
mag die herrschende Spannung auf der Reise zum Krönungsort 
in unliebsamen kleineren Streitigkeiten zu Tage getreten sein x . 
Eifriger vielleicht noch als der Rat und das Kapitel in 
iher Sache, wachte der Herzog von Jülich darüber, dass seine 
Berechtigung, die Krönungsinsignien durch ein berittenes Geleit 
zu schützen, keine Einbusse erlitt. Die vorliegenden Akten des 
Düsseldorfer Staatsarchivs weisen zahlreiche Beispiele dafür 
auf, dass bald Jülich, bald der Rat und das Kapitel über Zurück- 
setzungen oder Eingriffe in ihr wirkliches oder vermeintliches 
Recht sich beschwerten. So tauchte 1690 die Frage auf, ob 
die Anwesenheit des Scholasters des Münsterstifts bei der Ueber- 
bringung der Reichskleinodien notwendig sei. 1712 ereignete 
sich der unangenehme bemerkte Vorfall, dass bei der Rückkehr 
von Frankfurt an den Toren Aachens die Deputierten des Rats 
sich vom Kapitel absonderten und auf einem ungewöhnlichen 
Wege das Münster erreichten. 1745 beschwerte sich Kurpfalz 
über die heimlich erfolgte Versendung der Reichskleinodien 2 . 
1790 klagte Jülich gegen Aachen über zwei Punkte, nämlich 
darüber, dass die städtische Grenadier-Kompagnie den Rats- 
deputierten das Geleit vom Münster bis aufs Rathaus gegeben 
habe, und darüber, dass der städtische Adjutant Adenau mit 
entblösstem Seitengewehr vor dem Wagen der städtischen 
Deputierten, damit aber zwischen dem Geleitsführer und den 
Reichsinsignien geritten sei 3 . So unbedeutende Vorfälle gaben 
Anlass zu vielem Schreibwerk und langen Verhandlungen! Wesent- 
licher für Jülich war es, dass bei der Geleitung der Reichskleinodien 
ausser Kurcöln und Kurtrier verschiedene kleinere Landesherren 
auf der langen Strecke zwischen Aachen und Frankfurt gegen 
das Betreten ihres Gebietes durch kurpfälzische Bewaffnete 
Einwendungen machten, und dass man wiederholt die kurpfälzische 
Geleitsmannschaft in Frankfurt nicht einreiten lassen wollte. 
Ein näheres Eingehen auf die vielen Aktenstücke des Düssel- 



') In den Akten befinden sich mehrere Beweise für eine derartige Spannung. 

*) Vgl. Beilage Nr. 27. 

3 ) Zwei Jahre später, gelegentlich der Krönung Franz 11. ordnete 
Kurpfalz an, dem Adjutanten Adenau, wenn er sich einer ähnlichen ün- 
gehürigkeit schuldig machen sollte, durch die kurpfälzische Geleitsmannschaft 
sein Seitengewehr abnehmen zu lassen. 



— 96 — 

dorfer Staatsarchivs über die Geleitung der Krönungsinsignien 
von Aachen nach Frankfurt lohnt sich liier nicht 1 ; vielleicht 
darf ein Auszug aus vier Aktenstücken 2 , die auf die Geleitung 
gelegentlich der letzten Königskrönung vor der politischen Auf- 
lösung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation Bezug 
haben, einiges Interesse beanspruchen. 



Mit den Akten über die Geleitung der Krönungs-Insignien 
von Aachen nach Frankfurt schliesst im Düsseldorfer Staats- 
archiv die dort vorhandene grosse Sammlung von Urkunden 
und Akten über die Geleitsrechte des Herzogs von Jülich 3 . Es 
übrigt noch ein kurzes Eingehen auf das im Aachener Stadt- 
archiv zum Thema vorhandene Material. Da sei zunächst der 
in Meyers Aachenschen Geschichten Bd. I, S. 506 angedeuteten 
merkwürdigen Briefe gedacht, die meist der Zeit vor 1425 an- 
gehören. In den Briefen wird Aachen gebeten zu gestatten, 
dass die hohen Gesuchsteller, darunter selbst der Herzog von 
Jülich, mit bewaffnetem oder ansehnlichem Gefolge Aachen 
betreten. Die Briefe beweisen, dass die Stadt zu Ende des 
Mittelalters das allen Landesherren eigene Hoheitsrecht besass, 
im eigenen Gebiete jedermann 4 den Aufenthalt zu bewilligen oder 
zu versagen. Dieses grosse Recht ist der Stadt bis zur Fremd- 
herrschaft selbst dem Herzog von Jülich gegenüber, hierbei 
freilich in beschränktem Masse, verblieben. Hatte doch noch 
1606 Aachen der Herzogin von Jülich und ihrem zahlreichen 
Gefolge den Eintritt in die Stadt verweigert ■' und später, in 
den Verträgen von 1608, 1660 und 1777, ausdrücklich verein- 
bart, dass der Herzog von Jülich bei der Ausübung seines Ge- 
leitsrechts in Aachen in der Regel nur 40—50 Personen bei 
sich führen dürfe. Die Stadt wahrte eben nach Möglichkeit 



') Viele Angaben der Akten sind bekannt oder unwesentlich; eine Be- 
arbeitung des Ganzen würde sich bei einem Aufsätze über Kunigskrönungen 
in Deutschland in etwa lohnen. 

2 ) Vgl. die Beilagen Nr. 29, 30, 31" und 32. 

3 ) Ausserdem vorhandene einzelne Urkunden über die Ausübung des 
Geleitsrcchts durch den Herzog von Jülich bieten, so weit es sich übersehen 
li'isst, zum Thema nichts Bemerkenswertes. 

4 ) Der Kaiser und seine Vertreter sind selbstredend hierbei auszunehmen. 
. s ) Vgl. F. Haagen, Geschichte Acheas Bd. II, S. 205. 



— 97 — 

ihr Hausrecht. Ueber das im Aachener Stadtarchiv zum Thema 
vorhandene Material hatte Herr Stadtarchivar Pick die mich 
sehr zu Dank verpflichtende Güte, folgende Angaben zu machen. 
„Die in Meyers Aachenschen Geschichten I, S. 506 abgedruckten 
Briefe sind vielleicht im Archiv vorhanden, bis jetzt aber trotz 
allen Nachsuchens nicht ermittelt. Ein von mir zusammen- 
gestelltes, das Geleit betreifendes Aktenheft enthält ausser 
diesen 3 noch 4 weitere Briefe, alle in Abschrift von der Hand 
des älteren Meyer: 1. Der Herzog von Jülich und Geldern bittet 
die Stadt Aachen um Geleitsbrief auf 2 Jahre für seinen Diener 
und „Abtecker" Heinrich von Reess, der in Aachen seinen 
Handel treiben will. Hambach, Samstags nach Kreuzerfindung 
anno XX. 2. die Herzogin von Luxemburg, Brabant und Lim- 
burg bittet die Stadt Aachen um Geleit für ihre Abgesandten, 
die zwecks Unterhandlung mit den Abgesandten des Herzogs 
von Geldern nach Aachen kommen sollen; der Rat möge seine 
Freunde nach Mastricht senden, um die Abgesandten sicher 
nach Aachen zu geleiten. Brüssel, des Samstags post Sacramenti. 
3. Anna von Bayern, Herzogin von Berg, bittet die Stadt 
Aachen um Geleitsbrief für den Hofmeister des Königs, den 
Grafen Günther von Schwarzburg, der eine Wallfahrt nach 
Aachen machen wolle, und für dessen Gefolge. Heidelberg, 
Samstags vor St. Antonii Tag. 4. Der Herzog von Limburg 
und Brabant bittet die Stadt Aachen um Geleitsbrief für seine 
Räte und Freunde, die in Aachen eine Tagfahrt halten sollen. 
Löwen, 24/6. 1429. In diesem Aktenheft befindet sich noch die 
von F. Schollen veröffentlichte Geleitstafel, sodann ein Schreiben 
Kaiser Karls VI. d. d. Wien, 30. November 1720, an den sich 
ein Aachener Handelsmann wegen Erteilung des salvus conduetus 
gewandt hatte, um im ganzen Reiche Handel treiben zu können, 
endlich zwei undatierte Schreiben des 18. Jahrhunderts von 
Gilles Jonas und Johann Wilhelm von Eversbergh an die Stadt 
Aachen um Erteilung des freien Geleits. 

Ferner bewahrt das Aachener Stadtarchiv 46 Geleitsbriefe 
für Aachener Kaufleute, die nach der Frankfurter Messe oder 
zu den Märkten nach Antwerpen oder Bergen op Zoom zogen. 
Namentlich die Frankfurter Fasten- und Herbstmesse spielt in 
diesen Briefen eine Rolle. Die Aussteller der Geleitsbriefe sind 
die Erzbischöfe von Cöln, Trier und Mainz, der Bischof von 
Lüttich, der Herzog von Jülich-Berg, der Pfalzgraf bei Rhein, 



— 98 — 

der Herzog- von Lothringen, Brabant und Limburg-, der Land- 
graf von Hessen, der Graf von Katzenelnbogen, der Vitztum 
im Rheingau (Johann Boos von Waldeck,) der Vitztum zu Mainz 
(Jakob von Cronberg,) sowie die Landhofmeister und Regenten 
des Fürstentums Hessen. 

Die Zeit der Ausstellung ist 1372—1570. Die Geleitsbriefe 
sind durchgängig für die Bürger, Kaufleute und Einwohner von 
Aachen „mit } 7 ren lyven, haven, guderen, kouffmannschaften 
ind gesynde", und zwar für die Hin- und Rückfahrt zu Wasser 
und zu Lande auf eine gewisse Zeitdauer ausgestellt. Das ge- 
bührliche Zoll- und Wegegeld haben die Empfänger der Geleits- 
briefe zu zahlen. (1372: theloniis tarnen et aliis iuribus nobis 
debitis de bonis et rebus eorundem nobis salvis; 1507 : uff irem 
geburlichem zoll.) Ausgeschlossen von dem Geleit werden 1510 
„trahirer, by Wechsler, gengier, die Ausgeber verbotenen Geldes, 
alle offene echter (Reichsacht), auch denunetyrt und verkhundt 
friedtbrecher". 1428 werden die Münzmeister, Wardeinc und 
alle, die Gold und Silber in die Münze liefern, die Beischläge 
oder kurfürstliche Münzen nachschlagen etc., vom Geleit aus- 
geschlossen. Von Geleitsgeld oder bewaffnetem Geleite ist 
nirgendwo die Rede. Bei den Geleitsbriefen für Kaufleute liegt 
auch ein Geleitsbrief der Stadt Mastricht für Abgesandte des 
Aachener Rats v. J. 1397. Es handelte sich hier um in 
Mastricht zu führende Verhandlungen 1 ." 

Ausser dem von Herrn Stadtarchivar Pick bezeichneten, 
vorstellend genannten Material birgt das Aachener Stadtarchiv 
zur Geschichte des Jülichschen Geleitsrechts in Aachen noch 
Akten 2 aus den Verhandlungen, die in Aachen und Wien in 
den Jahren 1771 — 1777 zwischen Kurpfalz und Aachen geführt 



') In der Westdeutschen Zeitschrift Jahrgang I, S. 402 nennt der 
\rchivar Käntzeler in Aachen unter den Beständen des dortigen Stadtarchivs: 



„Geleits- und Freiheitsbriefe der Aachener Kaufleute." Hierzu bemerkt Herr 
Stadtarchivar Pick auf meine Anfrage: „Bei der Käntzelerschcn Bezeichnung 
„Freiheitsbriefe" in der Westdeutschen Zeitschrift sind wohl die vorerwähnten 
46 Geleitsbriefe gemeint. Ist aber bei Käntzeler eine Rubrik unseres Reper- 
toriums bezeichnet, so sei darauf hingewiesen, dass diese Rubrik ein paar der 
erwähnten Geleitsbriefe sowie mehrere Urkunden über Zollbefreiungen der 
Aachener Kaufleute (1313, 1490, 1658) enthält, 

2 ) Dank einer Anregung des Herrn Pick habe icli diese Akten früher 
bereits im Aachener Stadtarchiv eingesehen. 



— 99 — 

wurden und mit dem Vertrage vom 10. April 1777 ihren Ab- 
schluss fanden. Bei den Verhandlungen kamen aus verschiedenen 
Rechtsgebieten mehr als 120 von Jülich vorgebrachte Klage- 
punkte zur Erörterung; die einschlägigen Akten kann man, ent- 
sprechend der in dem genannten Vertrage gebräuchlichen Ab- 
kürzung als jülichsche Beschwerden bezeichnen. Die 20. und 
die 27. Beschwerde betrafen Aachens angebliche Eingriffe in 
das jülichsche Geleitsrecht. Nach langen Erörterungen, wobei 
in oft kleinlicher Weise von beiden Seiten ganz unbedeutende, 
der Erwähnung nicht werte Vorfälle 1 ungemein aufgebauscht 
wurden, ergab sich schliesslich nur, dass es im wesentlichen 
bei den Bestimmungen des Vertrags von 1660 blieb. Aachen 
verpflichtete sich, in Zukunft jülichsche Deserteurs in Stadt und 
Reich Aachen nicht zu dulden. Dagegen gab Jülich zu, dass 
Aachen nicht verpflichtet sei, sich an den Kosten für die Unter- 
bringung und Verpflegung der jülichschen Geleitsmannschaft 
beim Empfang hoher Persönlichkeiten zu beteiligen. Auch wurde 
der Stadt gestattet, hohen Besuchern dann eine städtische Ehren- 
wache zu stellen, wenn eine Herzoglich Jülichsche Wache nicht 
zur Hand sei. Im übrigen bestätigte man den Vertrag von 1660. 
Nicht eben ein anziehendes Bild ergibt sich, wenn man 
die Entwicklung des Geleitsrechts im Jülichschen und in Aachen 
zu überblicken versucht. Brabant erhielt schon i. J. 1204 mit 
der Vogtei das Geleit zwischen Meersen und Schinnert 2 , 
während Limburg zugleich mit Flandern 1249 die Kaufleute 
zwischen Maas und Rhein in Schutz nahm 3 . Das Geleitsrecht 
zwischen Maas und Rhein stand also im wesentlichen um die 
Mitte des 13. Jahrhunderts bei Limburg, und ging ziemlich 
unzweifelhaft nach der Schlacht bei Worringen (1288) an Bra- 
bant über. Im eigenen Lande besass Jülich schon in den letzten 
Zeiten der Hohenstaufen das Judengeleit (1226), und das Geleits- 
recht für Personen und deren Güter (1237 — 1244) 4 . Die Lom- 



') Die bei den Erörterungen über solche Vorfälle zu tage tretenden 
Rechtsauffassungen sind stellenweise interessant. Ein Kingeben darauf 
würde hier zu weit führen und gehört in eine Geschichte der Aachener Ver- 
fassung. 

2 ) Reg. Imper. V, Nr. 88. 

•'') K. Höhlbaum, Hansisches Urkundenbuch F.d. 1, Nr. 371, S. 122 
(sub nostro conduetu). 

4 ) Enuen-Eckertz a. a. 0. 



— 100 — 

barden, deren Auftreten am Rhein in die zweite Hälfte des 
13. Jahrhunderts fällt, wurden hinsichtlich des Geleitsrechts den 
Juden gleich geachtet. Wahrscheinlich im Wege der Belehnung 
durch Brabant kam Jülich in den Besitz des Geleitsrechts 
zwischen Maas und Rhein, das es noch im 18. Jahrhundert, 
obschon im Laufe der Zeit die Landeshoheit in der Maasgegend 
häufig gewechselt hatte, ohne jeden Erfolg wiederholt geltend 
zu machen versuchte. Aehnlich mit dem Geleitsrecht zwischen 
Cöln und Bergheim, das Jülich bereits am Ende des 14. Jahr- 
hunderts hartnäckig auf Grund der Belehnung durch Pfalzgraf 
Rupprecht den Aelteren beanspruchte. Hier gönnten, wie es 
im Buch Weinsberg heisst, i. J. 1586 die Cölner Kriegsleute 
dem jülicher Herzog nicht das Geleit auf cölnischem Boden. 
Damals war bei Junkertorf die jülichsche Mannschaft bei der 
Geleitung eines grossen Zuges überwältigt worden, woran sich 
die Ermordung und Plünderung zahlreicher beteiligter Personen 
geschlossen hatte; 1602 wurde über das Geleit auf der Strecke 
Cöln-Bergheim zwischen dem Kurfüsten von Cöln und dem 
Herzog von Jülich eine Einigung nötig. 

Abgesehen vom Geleit zwischen Maas und Rhein, sowie 
zwischen Cöln und Bergheim, hatte Jülich einzig mit Aachen, 
hier namentlich seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, 
Streitigkeiten. Es handelte sich dabei um Geldgewinn, Justiz- 
hoheit und fürstliches Ansehen. Geldgewinn allein kam bei 
der Geleitung von Personen und Gütern im Jülichschen in 
Betracht. Da hatte Aachen oft genug über die Unzuverlässigkeit 
und Raubsucht 1 der jülicher Geleitsmannschaft zu klagen. 
Mildernd fällt in die Wagschale, dass vier Jahrhunderte hin- 
durch, von den Tagen Rudolfs von Habsburg an bis zum Ende 
des 17. Jahrhunderts, die Landstrassen auch in der Aachener 
Gegend oft so unsicher waren, dass ihre Freihaltung ein Auf- 
gebot von mehreren Hundert Mann nötig machte 2 , dass aber 
eine so starke Schar nicht immer zu beschaffen war. Um Geld- 
gewinn allein handelte es sich ferner beim Juden- und Lombarden- 
geleit in Aachen, das dem Herzog von Jülich zustand 3 . Hierbei 



1 ) Zeitschrift des Aachener Cleschichtsvereins Bd. X, S. 52, Nr. 146. 

2 ) Vgl. Beilage Nr. 6. 

8 ) Aachens Einspruch war hierbei unberechtigt. Auf das reiche Material 
zur Geschichte der Juden und Lombarden in Aachen, das im Düsseldorfer 
Staatsarchiv beruht, komme ich gelegentlich an anderer Stelle zurück. 



— 101 — 

Hess sich Jülich verhältnismässig- ganz bedeutende Summen 
von den Juden und Lombarden zahlen. Justizhoheit und Geld- 
gewinn fielen für Jülich ab, als es ihm gelungen war, im 15. 
Jahrhundert sich mit Aachen in die Einkünfte des Geleits zum 
Recht zu teilen. Um fürstliches Ansehen war es dem Herzog 
von Jülich zu tun, als er im 16. Jahrhundert es durchsetzte, 
fürstliche Personen „in, durch und ausser der Stadt Aachen" 
geleiten zu dürfen 1 . Hohl war der Glanz freilich, da der Pomp 
für das geldarme jülichsche Land mit schweren Einquartierungs- 
kosten verbunden war. Geschickt hatte sich Aachen diesen 
Lasten entzogen. Bei seinen vielen Ansprüchen auf Erbreiterung 
des Geleitsrechts verstand es Jülich erfolgreich, seine vogteilichen 
und damit in gewissem Sinne landeshoheitlichen Rechte zur 
Geltung zu bringen. Der Stadt blieb nur der Versuch übrig, 
im Wege der Verhandlungen Jülichs Forderungen zu massigen. 
Viel kam indes, wie die 1771 — 1777 gepflogenen langen Erörter- 
ungen über das Geleitsrecht lehren, bei solchen Versuchen nicht 
heraus. Nicht zum Schaden Aachens brachten endlich die ge- 
waltigen Ereignisse der beiden letzten Jahrzehnte vor Leipzig 
und Waterlo auch auf dem Gebiete des Geleitsrechts ganz neue 
Verhältnisse. 



Beilagen. 

1. 1395, September 20. Zeugenaussagen, class dem Pfalzgrafen bei Rhein, 
Herzog Ruprecht von Baiern, auf seinen Reisen von Cö'ln bis Aachen wieder- 
holt von keinem anderen das Geleit gegeben worden sei, als vom Herzog von Jülich*. 

Wir Tham Knebel rittcr, schultheisse zu Oppenheim, Hennel Kreyss 
hofraeister, Dyether von Hentschussheyin rat, Gerart von Hirtzbergen und 
Hans von Rycthen cdclkneckte und diener des hoebgebornen fursten unsers 
lieben gnedigen berren herzogen Ilupprecht von Beyern des eitern und 
pfalzgrafen bi Ryne, dem got siner seien gnedig si, bekennen mit diesem 
offenbriefc, das uns wisslich und kuntlich ist und dabi sint gewesen, das 
unser guediger herre vorgeschoben zu einre zit gen Kolle kam und wolte 
gen Achcn, das uf die selbe zit der hochgeboren furste der herzöge von 
Gulch, dem got gnade, sante zwene sinre ritter, hern Wernhcr Büffel und 
hern Heinrich von Harne, die unsern vorgeschriben gnedigen heren von Beyern, 



! ) Zum beschränkten Gcleitsrcchtc Aachens hierbei vgl. Beilage Nr. 25. 

2 ) Überschrift von viel späterer Hand: Isto Diether impetlivit factum. Hierin 
vielleicht die Andeutung, dass Erzbischof Dietrich von Moers ein Geleit der vorliegenden 
Art nicht gestattete. 



— 102 — 

dem got gnaden, fürten von Kollcn gen Achen uud widerumb gen Kollen in 
die stat. Och so ist unser vorgescbribcn gnedigcr herre, dem got gnade, 
dicke denselben weg geriden und wir nie gesageu eder gehorten, das sich 
yeman anders underwunde, in über die selbe Strasse zu furende dan der 
hochgeboren furstc der herzöge von Gulich vorgeschriben, dem got gnade, 
selber oder die sinen; und sprechen und schriben wir das uf unsern cid und 
bescheidenheit. Zu gezuge unser ingesicgel an disen offenbrief gehenckt. 
Datum in vigilia Mathei apostoli et ewangelistae anno domini 95. 

Düsseldorfer Staatsarchiv. JüUch-Berg, landesherrliche Hoheitsrechte ; 
Geleitsrechte der Herzoge von Jülich. [Dies im Folgenden stets angedeutet 
durch: D. ST. A. Jiilichsche Geleitsrechte] . Nr. 1; Geleitsrecht zwischen Maas 
und Rhein. Original (?), Pergament. Jede Spur eines Siegels fehlt. Dorsal- 
notiz: Das Glaid von Coln ghen Aach. 

2. 1416, Februar 22. Reinald, Herzog von Jülich, beurkundet, in seinem 
mit den Bürgern von Stadt und Reich Aachen geschlossenen Freundschaf tsver- 
trage ihnen freien Verkehr und Geleite zugesagt zu haben, unabhängig davon, 
ob sie das Geleit ausdrücklich fordern würden oder nicht: eine vri, vaste ind 
sicher vurwerde ind geleide alle unse lande durch vort ind weder zu wasscr 
ind zu lande zu komen ind zu keren, dae innen zu merren ind zu bliven, ir 
konnentschaft ind sacken zu hantieren, also dat si mit iren liven, haven ind 
guden ocverall in unsen landen wie vurss. steit zu sin vurwerde ind geleidc 
haven soilen, id were dat si des gesinuen of niet en gesinnen, sonder alle 
argelist. Aachen habe dafür 100 schwere rheinische Gulden an ihn gezahlt. 
Falls der Herzog oder seine Erben und Nachkommen diese 100 Gulden an 
Aachen zurückzahlten, sollte es hierauf bezüglich des Geleites nach Massgabe 
der früheren Einigung gehalten werden: asdan soilen si doch vort gcleide 
haven nae uisswisunge des punets van dem gleide in den brieve van der 
heimelicheit ind fruntschaft. 

Urkunde uns segeis ... in den jaren ons heren duseiit vierhundert ind 
funftzien des frydags up sent Peters dach ad cathedram. Per dominum 
ducem presentibus de consilio dominis Johanne dicto Schelart de Obbendorp, 
magistro curie Godefrido de Pomerio archicamerario et senescallo Juliaccnsi 
militibus, nee non Heymerico de Drueten (?) armigero. 

D. ST. A. Folioband über die Privilegien und Gerechtsame der Vogtei 
und Meieret zu Aachen; S. 285, Abschrift. 

3- 1476, Juli 27. Bürgermeister, Schöffen und Rat zu Aachen erbitten 
vom Herzog von Jülich einen Gelcitsbrief für die Zeit vom 27. Juli 1476 bis 
zum 25. Januar 1477. 

Unse diemoidigen willigen bereiden dienst . . Durchluchtige . . Ure 
F. G. bidden wir dienstlich unsen bürgeren, koufluden, undersicssen ind 
dieneren mit iren liven, gesinden ind gueden, zo wasscr ind zo laude, in ind 



— 103 — 

durch U. G. landen ind gebiedcn vort ind wieder zo wandelen sichere vur- 
werdc ind geleide zo geven, duirende ind weirende bis up seilt Pauwels dach 
conversionis niest körnende nae data dis briefs: ind uns des U. G-. offen be- 
siegehle geleitzbrievc, daemit wir, vort unsc bürgeren, kouflude, under- 
siessen ind dieneren nae noittorft waile versorgt ind verwart sin, bi diesem 
linsen boiden gnedencklich oever zo doin schicken, gelich wir des in alles 
guetz ein besonder ganz getrouwen hain zo U. F.. Gr. . .' . 

Geschrieven 27 tcn dags julij anno etc. 76. 

Burgermeistere, scheffen ind rait des konincklichen stoils ind stat Aiche. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte. Nr. 4: Von Aachen beanspruchtes 
Geleit. Original, Papier. Siegel ab. 

4. 14:80, Januar 1. Johannes Mocenigo, Doge von Venedig, beschwert 
sich beim Herzog von Jülich über die Beraubung eines vornehmen Venetiancrs 
durch die jülichsche Begleitmannschaft. 

Joannes Mocenigo dei gratia dux Vcnetiarum . . . illustri domino 
Guiliehno duci Juliacensi, amico carissimo salutem et sincere dilectionis 
affectum. Dilectus nobilis civis noster Pangratius Justianus per iurisditionern 
Excellentie Vestre cum duobus comitibus iter facturus, ut tute et sine nlla 
penitus lesione transire posset salvum conductum in civitate Axis accipiendum 
curavit. Qui cum ab ea urbe millibus circiter tribus passuum abesset, duo 
subditorum E. V. nulla salvo conductui ratione necque reverentia, ut par 
erat, habita illum adoriri veriti non sunt eique inter monetam et res ad 
valorem florenorum circiter 60 de Eeni 1 arripere. Que violentia et injuria 
eidem nobili nostro illata, si ad aurcs E. V. iam fortasse pervenit non dubi- 
tamus ei molestissimam extitissc et fore, cum illi innocuerit. Cum quia illius 
fidem et dignitatem, tum quia vicissitudinem veteris amicitie et benivolentie 
nostre ab eiusmodi temerariis audaeibusque nebulonibus crassatoribusque non 
medioeriter violatam esse videmus, rogatam proinde non medioeriter esse 
volumus ipsam E. V., ut in satisfactionem iusticie et honestatis plaeeat 
indemnitati eiusdem nobilis nostri prospicere et satisfactionem suprascriptorum 
florenorum 60 de Reni ficri facere Henricoque tabellario, eiusdem nobilis 
nostri negotiorum gestori, qui has ad E. V. defert, dari et numerari queinad- 
modum E. V. pro illius equitate facturam non dubitamus. Ideo in roganda 
illa pro satisfactione huiusmodi houestissime rei, quam ab illa petimus, non 
longiores erimus, ne illius iusticie difidere videamur. 

Dato in nostro ducali palatio die primo Januarii indictioue XIII 
MCCCCLXX nono. 

D. ST. A. Jülich-Berg, Urkunde Nr. 3022. Pergament, Original mit 
der Bleibulle des Dogen von Venedig. Adresse: Illustri domino Guilielmo duci 
Juiliacensi et Montesie ac comiti Raroisberch et Heinsberch, amico carissimo. 



') Vorlago liier und später bei du Reni nicht ganz deutlich. Die Anknüpfung 
an Gulden legt „rheinisch" (de Reni; nahe. Es gab indes nach Dncango eine Münze 
derenus (tarenus), und die Vorlago lautet violleicht dorem. 



— 104 — 

5. 1492 (?), Februar i). Aichen gcleide. Item halt de stat^ van Aichen 
vur irer bürgeren, kouffluidc, inwoeneren ind undersiessen mit iren liven, 
deneren, haven ind gliederen geleide, duirend bis up sent Jacobs dach 
apostels. In desen geleide ist ouch uisbebalden m. gn. h. Sinren Gnaden 
geleitzgeltz an den enden ind steden suliehs geweenlich ist zo gebruichen. 

Datum up gudenstag sent Apolonien dach. 

D. ST. A. Memorabilien des Kanzlers Lünneck zum Jahre 1491. 

6. 1511, Dezember 24. Herzog Johann befiehlt dem Vogt von Jülich, 
einige Kaufmcmnsgüter von Aachen aus zu geleiten. Die Läufe und Händel 
seien jetzt wilde, der Vogt möge aus dem Amte Jülich 300 Mann zu Fuss mit 
Handbüchsen, Stahlbogen (stelenboichen), Hellebarden und andern guten Waffen 
aufbieten. Diese 300 Mann sollten wohlausgerüstet am nächsten Neujahrsabend 
zu Weiden bei Aachen antreten mit anderen Mannschaften aus dem Amte 
Wilhelmstein, die dann auch dort sich einfinden würden. Die mit Gütern be- 
ladenen Wagen seien bis Düren oder Birkesdorf zu geleiten. Hierbei dürfe 
nicht säumig verfahren werden, da eine Ehrensache für den Herzog vorliege. 
Der Vogt möge selbst zugegen sein und zusehen, dass die Begleitmannschaft 
gesammelt bei den Wagen sich halte .... Es folgt in einem Nachtrage der 
Befehl, durch den Schultheisseil zu Düren aus Stadt und Amt Düren 300 
wohlgerüstete Mann zu Fass, ferner durch den Vogt von Nörrenich aus dem 
Amte Nörvenich 200 Mann zu Fuss auf den Morgen des Neujahrstages nach 
Düren und Birkesdorf zu bestellen, damit von dort aus die Gitter nach Cöln 
gebracht werden könnten. 

Gegeven zo Duyss[eldorf] uf den bilgen christavent anno etc. V c ind XL 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 4: Von Aachen beanspruchtes 
Geleit. Entwurf; Papier. 

7. 1514, Juli 24. Geleitsbrief Herzog Johanns von Jülich für Aachener 
Bürger und Kaufleute. 

Jobann altstc son zu Clevc, herzouch. ^Yir doin kont ind bekennen, 
dat wir den bürgeren, koufluiden ind inwoeneren des konigkligen stoils ind 
stat Aychen mit iren liven, haven ind gliederen unse vri, sicher, strack vur- 
warde ind gleide binnen unsen landen ind gebieden zu wasser ind zu lande 
gegeven hain ind geven mit desen brieve vur uns, unsen landen, luiden, 
underdanen ind den unse, der wir ungeverlich, mogich ind mechtich sin, ind 
vur alle dengbenen, de umb unserentwille doin ind laissen willent. Dewilcbe 
unse vurwarde ind gelaide vurss. uf hude datum diss briefs angaindc vort 
duiren ind waren sali bis sent Pauwels dach conversionis neistkompt, sonder 
argelist. Bevelen herom allen unsen amptluiden, underdauen ind den un- 
seren, dese unse vurwarde ind gcleide vurss. van unser wegen vast, reine 
ind unverbrochen zu halden, darwider nit zu doin noch geschien zu laissen 
in geinrelei wiss, doch in sulchem unsem gleide vurss. uisgescheiden unse 



— 105 — 

underdanen, de mit den bürgeren ind ingesessen zu Aicheu zo doiu haven 
ind dcrbalven in unsen landen mit geburligen lantreebten spreeben wurden, 
dat dit unse geleide daran nit binderlieb sin sali. 

In urkimd uns iugedruckten seeretsiegels gegeven zur Buren uf 
sent Jacobs avent des biligen apostels anno domini etc., vunfbondert 
ind vierzien. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 2: Geleitsbriefe Herzog Johanns 
1514—1518. Entwurf; Papier. 

8. 1514, Oktober 1. Bürgermeister, Schöffen und Bat zu Aachen, 
schreiben dem Herzog Johann, ältestem Sohne zu Cleve und Herzog zu 
Jülich-Berg, dass sie auf Befehl des Kaisers auf den 18. Oktober nach 
Coblenz vor den Erzbischof von Trier und andere kaiserliche Kommissare 
geladen seien umb asdau in etlichen saieben zo baudelen. Da es sich um 
wichtige Dinge handele, so wir dari vast mit swerlichen und slinxem ain- 
brengen vermaiebt ind vurgenoimen werden, bitten sie den Herzog um einen 
besiegelten Geleit 't brief. 

Gescbrieven des eirsten daigs octobris anno etc. XIIII. Bürgermeistern, 
sekeften ind raet de koeninglicbeii stoils ind stat Aeche. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 2: Geleitsbriefe Herzog Johanns 
1514—1518. Original, Papier; Siegel ab. 

9. 1514, Oktober 7. Geleitsbrief Herzog Johanns, ältesten Sohnes zu Cleve, 
Herzogs von Jülich-Berg, für die nach Coblenz geladenen Vertreter Aachens. 

Jobann alste soen, herzouch etc. . . doin kont ind bekennen, dat wir 
durch begerde der cirsamen burgermeisteren, scheffen ind raits des könig- 
lichen stoils ind stat Aichen iren raitzfrunden, so si zo dem dage in van 
Roem. Kays. M. unserm alregn. heren uf neistkomen sent Lucas dach zu 
Couelentz zu sin benant ist . . . mit iren liven, haven ind guderen unse vri, 
sicher, strack vurwarde ind geleide binnen unsen landen ind gebieden zu 
wasser ind zu lande gegeven hain ind geven mit desen brievc vur uns, 
unsen landen, luiden, underdanen ind den unse, die wir ungeverlicb mogich 
ind mechtich sin, ind vor alle den ghenen, de umb unsernt wille doin ind 
laisscn willen, da hin ind her bis weder in ire gewarsamt zu komen, sonder 
argelist. Bevelen heromb allen unsen amptluden, underdanen ind den unse, 
desen unse vurwarde ind geleide vurss. van uns wegen vast, reine ind un- 
verbrochen zu halden, darweder nit zu doin noch geschien zu laisscn 
in ghenerleie wiss. 

In urkund uns ingedruckten secret siegeis gegeven zur Bourch uf den 
ucisten saterstacb na sent Ilemigius dach anno domini etc. vunffhonderl 
ind viertzehn. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 2: Geleitsbriefe Herzog Johanns 
1514 — 1518. Entwurf mit zahlreichen Korrekturen ; Papier. 



— 106 — 

10. 1518, Februar 28. Markgraf Joachim von Brandenburg erbittet 
vom Herzog Johann zu Jülich Geleit zu einer Heise nach Jülich. 

Unser fruntlich dienst . . . kockgeborner fürst, lieber oheim. Nachdem 
wir mit gottlicher hilfs willens sein, uns in eigner person zu Rom. Kays. 
Maies, unserm allergncdigsten herrn uf J. M. erfordern zu fugen und unsern 
weg durch E. L. furstenthumb und land zu nemen, bitten wir fruntlich fleis, 
E. L. wolle uns am sontag Judica zwischen Sost und Lenop annemen und 
furder auf Lenop, alda wir unser naehtlager halten, und furder aufTussel- 
dorff und Gulch durch E. L. land gelaitlich bringen lassen, und sich daran 
gutwillig erzeigen. Das wollen wir vergleichen und um dieselb E. L. 
fruntlich verdienen. 

Datum Köln an der Spree am sonnabent nach Esto mihi anno etc. 
XV C XVII. Joachim von gottes gnaden markgraf zu Brandenburg . . . 

D. ST.A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 2: Geleitsbriefe Herzog Johanns 
1514 — 1518. Original, Papier; Siegel ab. 

11. 1521, Februar 25. Margareta von Oestereich meldet dem Herzog 
Johann von Jülich und Berg, dass Karls V. Bruder Ferdinand sich zum 
Kaiser begeben werde. Sie bittet den Herzog, falls Ferdinand sein Gebiet be- 
rühre, um eine berittene, wo möglich vom Herzog selbst befehligte Ehrengarde 
zum Geleit bis Cöln. 

Mon cousin, lempercur mon seigneur et neveu, a mande au seigueur 
Don Fernande mon neveu aller vers lui. Lequel pour ce faire se dispose 
de brief partir et tirer celle part. Et pour ce, mon cousin, que iccllui mon 
neveu en faisant son dit voyage pourra avoir a faire de conduite mesmenient 
es limites de voz pays, je vous prye vouloir incontinent faire apprester 
quelque bon nombre de voz gensdarmes a cheval pour avec eulx en vostre 
personne si faire le pouvez, et si non par quelque bon personuaige de 
vostres, le faire conduire jusques en la cite de Coulongne. Vous advisant 
quo en ce faisant ferez honneur a mes dits seigneurs et neveuz et a mon 
singulier plaisir, et eneoircs plus ferez si en vostre personne pouvez faire 
le dit convoy; si vous prye de reckief le vouloir ainsi faire et sur ce, mon 
cousin, vous diz ladieu. 

Escript a Malines le 25 jour de fevrier etc. 20 (?) Mon cousin je vous 
prie mescripre unique (un?) mot de response par ce portcur. Vostre bonnc 
cousine Marguerite. Haneton. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 1: Geleitsrecht zwischen Maas 
und Rhein. Original; Papier. Eigenhändige Unterschrift Margaretas. 
Adresse auf der Rückseite: A mon cousin le duc de Juillers et des Mons. 

12. 1524, Oktober 12. Margareta, Erzherzogin von Oesterreich, begehrt 
vom Herzog Johann von Jülich-Clcve-Berg Geleit für den König von Däne- 
mark und dessen Gemahlin, die in Aachen die Bäder besuchen wollen. 



— 107 — 

Unser fruntlich grus . . . hochgeborner fürst, besonder lieber oheme. 
K. Wirde zu Denneinarckh und derselben gemabel haben uns angezeigt und 
zu erkennen geben, wie J. K. W. das warm bade zu Achen zu besuchen, 
daselbst ein z*eit lang zu baden willens sein, darneben E. L. lande zu 
passieren vorgenouien. Ist derbalben unser freuntlich bitt, E. L. wollen inen 
bierinnen ires willens und vornbemens durchzureisen verhelfen, frei, sicher 
gleit in besten formen und massen zu verfertigen verschaffen, dasselbig bei 
anzeiger ditz brieves übersenden und mit genügsamer Sicherheit aller notturft 
lassen verwaren. Vergleichen wir umb diselbig E. L. sambt J. K. W. in 
einem solchen und mereren ganz willig und gern. 

Datum, Mecheln am mitwoch den tzwelften tag octobris anno 1524. 
Von gotz gnaden Margaretha, erzherzogin zu Oesterreich, herzogin und gre- 
vine zu Burgundieu . . . Marguerite. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 4: Von Aachen beanspruchtes 
Geleit. Original ; Papier. Eigenhändige Unterschrift Margaretas. 

13. 1524, Oktober 18. Herzog Johann von Jülich beurkundet, dass 
König Christian von Dänemark nebst seiner Gemahlin die warmen Bäder zu 
Aachen besuchen wolle und um Geleit durch die herzoglichen Laiule habe 
ersuchen lassen. Dieses Geleit werde Ihren Königlichen Würden nebst ihren 
Dienern und Gütern zu Wasser und zu Lande erteilt ; es begi?ine mit dem 
Datum des Geleitsbriefes und dauere bis zum Ende des Aufcnthcdts des Königs 
und seiner Gemahlin in Aachen. 

Gegeveu zu Duysseldorp uf den neisten dinxtag na sent Gallen dach 
anno domiui etc. vunfhondert ind vierindzwenzich. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 4: Von Aachen beanspruchtes 
Geleit. Abschrift; Papier. 

14. 1545, März 5. Von der Stadt Aachen zwei jüdischen Familien aus- 
gestellter Geleitsbrief. 

Bürgermeister, Schößen, Bat und gemeine Bürger des königlichen Stuhls . . . 
beurkunden, uis craft etlichen uns vorgebrachten glaubwirdigen abschriften 
zweier verscheiden gleitsbrieven, so durch Keis. Maj. . . . gemeiner judschaft 
im heiligen romischen reich deutzer nation gnediglich verleent, den beiden 
Juden Hegmann von Pfaltz und Jakob von Bacharach nebst ihren Weibern, 
Kindern, Gesinde und aller ihrer Habe in der Stadt und dem Gebiete von 
Aachen auf zehn nacheinander folgende, mit dem 1. April 1545 beginnende 
Jahre, Schutz und Schirm zugesichert zu haben. Die genannten Juden würden 
als Aachener Bürger, aber unter folgenden Bedingungen aufgenommen. Jeder 
der beiden müsse jährlich zum Vorteil der Stadt 15 Joachimstaler zahlen ; 
ferner halten die Juden an ihren Kleidern ein äusseres Zeichen, wie anderorts 
gebräuchlich, unverborgen zu tragen. Dagegen verpflichte die Stadt sich, die 
Juden mit Steuern nicht weiter zu belasten, abgesehen von den Fällen, in denen 



— 108 — 

das Reich der Stadt Steuer auferlege oder Aachen selbst in sehr notwendiger 
Sache sich gezwungen sehe, die unser mit nouwer aulaegen etwa zu beschweren. 
In solchen Fällen würden die Juden gleich den Aachener Bürgern besteuert 
werden. Sollte demnächst Salomon, der eheliche Sohn Hegmanns, sich mit 
seinem Vater über die Wohnung nicht einigen, so könne Salomon eine sunder- 
liche behuisung annehmen, habe dann aber auch jährlich 15 Joachimstaler zu 
zahlen. Ahnlich sei es mit den Kindern des Jakob von Bacharach zu halten. 
Die Judenschaft dürfe sich mit Christen in Erörterungen über Glaubenssachen 
nicht einlassen, damit alle irrsal verbuet (werde). Von Charfreitag an bis 
auf den Abend des Ostertages müssten die Juden sich zu Hause halten und 
dürften ohne besondere Erlaubnis die Strasse nicht betreten. Auf jedes bei 
Tag oder bei Nacht ihnen gebrachte Pfand könnten sie Geld leihen, ausge- 
nommen auf blutige Gewänder, beschädigte (zerkinisebte) ! Kelche, Monstranzen 
oder andere als Kirchengut kenntliche Kleinodien. Von jedem Goldgulden, 
den die Juden den Eingesessenen in Stadt und Reich Aachen gegen Unterpfand 
liehen, seien sie berechtigt, wöchentlich höchstens 3 Rader oder 9 Aachener 
Heller zu ihrem Nutzen zu erheben. Verliehen sie an jemand viel Geld auf 
Unterpfand oder gegen Schuldschein, so könne der Schuldner sich mit ihnen 
einigen; eine solche Einigung bleibe dann für beide Teile rechtsverbindlich. 
Blieben Pfänder ein halbes Jahr lang uneingelöst und obne bezahlung des 
geburlichen gewins, so könnten die Juden durch die Rats- oder Gerichtsdiener 
zur Einlösung des Pfandes binnen 14 Tagen auffordern lassen. Erfolge hierauf 
die Einlösung nicht, so sei es ihnen gestattet, bemelte pfaude, so vielleicht für 
die entleent bauftsumme uud den upgelaufenen gewinne niet genugsam 
befunden, als ihr eigenes Gut zu behalten und zu verkaufen. Sollte gestohlenes 
Gut durch Versatz oder Kauf in die Hände der Judenschaft fallen und binnen 
vier Wochen unter ausreichendem Nachtveise des Eigentumsrechtes zurückge- 
fordert werden, so sei solches Gut dem Kläger gegen Ersatz der Auslagen, ohne 
jeden Aufschlag, zurückzugeben. Streitigkeiten zwischen Aachenern und Juden 
seien auf Ersuchen der Parteien gütlich beizulegen oder nach bürgerlichem Recht 
zu entscheiden. Für den eigenen Bedarf dürften die Juden in ihren Wohnungen 
Fleisch schlachten, dieses auch, so es angewachsen 2 befunden, unbehindert ver- 
kaufen. Sollte im Laufe der mit dem 1. April 1545 beginnenden nächsten 
zehn Jahre jemand von den Juden sterben, so sal man alsdan den selvigen 
live gelegen platz inwendig oder uishalb der stat, daemit der doidc corper 
uae irer gewoinheit begraven und si ouch sonst ire ceremonien onverletzt 
gebrachen mocgen, anzeigen und wisen. . . 

Zu warer Urkunde haven wir unser stat gemeinen insiegcl hie an 
doiu hangen, im jair nac der Geburt Christi unsers herrn funftzienhondert 
fünf und vierzich am fünften tage des monats martij. 

D. ST. A. Privilegien und Geirchtsame der Vogtvi und Meierei zu Aachen. 
Folioband, fol. 107 f. Papier, Abschrift. 



') kinen = spalten (Lexer). 
2 ) Nicht zu junge Kälber! 



— 109 — 

15- [Undatiert] 1545. Johann Horpers, Vogt und Meier zu Aachen, 
klagt auf Befehl des Herzogs von Jülich vor Schöffenmeistern und Schöffen 
des königlichen Stuhls und der Stadt Aachen, dass, ohne im Besitze eines Geleits- 
briefes des Herzogs zu sein, dem allein kraft kaiserlichen Privilegiums das 
Judengeleit in Aachen zustehe, Juden in Aachen ansässig seien und wuche- 
rischen Handel trieben. Dieser Wucher Verstösse gegen die Bestimmungen der 
Reichsordnung. Die Vogtmeierei in Aachen habe kürzlich die Juden auffordern 
lassen, Stadt und Reich Aachen zu verlasse»:, sonst iverde der Herzog Strafen 
an Leib und Gut verhängen. Da die Aufforderung fruchtlos geblieben, bean- 
trage er, die Juden durch rechtliches Erkenntnis nach den Bestimmungen der 
Reichsordnung und des Reichstagabschieds zu Augsburg vom Jahre 1530 
zu betrafen. 

D. ST. A. Privilegien und Gerechtsame der Vogtei und Meierei zu Aachen ; 
Folioband, fol. 119. Papier, Abschrift. 

* 

16- 1545, Mai 5. Hofmeister Alexander von Drimbom meldet den Räten 
des Herzogs von Jülich- Cleve-Berg in Düsseldorf, dass Kaiser Karl V. am 
5. Mai 1545 in Aachen eingetroffen sei und beabsichtige, am Abend des folgenden 
Tags nach Jülich iveiterzureisen. 

Minen fruntlich gruss und dinst zuvoir, erentfeste und froeme gunstige 
goede frunde. Als ir begert, das ich uich soelle ferwettigen zo daich und 
naiebt, so bald Keiserliehe Maiestet zo Guylich ainquemen, soe, gebedende 
frund, will ich uich neit verhalden, das K. M. den dynsdach, nernlich den 
vunfden inay, zo Aich iscb ankoeraen und wilt den anderen daich den aevend 
uf Guylych trecken, und ich haif K. M. foerier etzliche lüde zo gegeffen den 
dynsdach zo aevend uf Guylych zo riden durch gesinnen K. M. hoefrneister 
.... Disch haif ich mich also in der eil neit willen verhalden und bevelen 
uich hiemit dem almechtigen. 

Datum zu Aych am vunfden may anno etc. 45. Alexander van Drymborn. 
Gunstige frund, es iscb K. M. minonck gewest uf Kacrpen zo trecken, af 
durch ferhinderonck des wassers weird J. M. fahren wie vurscr. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte. Nr 1: Geleitsrecht zivischen Maas 
und Rhein. Original, Papier. Auf der Rückseite längere Adresse an die 
herzoglichen Räte (Namen fehlen) zu Düsseldorf. 

17. 1562, Juli. Bestimmungen des Herzogs Wilhelm von Jülich-Cleve- 
Berg über die Stärke seines Gefolges beim Eintritt in Aachen gelegentlich der 
dort bevorstehenden Königskrönung. (Auszug.) 

Resolution m. g. herrn. Auf das underthenigste bedencken, wie der 
zug auf Ach mit der furhabender kronung ins werck zu stellen, hat m. g. 
f. und h. herzog sich gnediglich gefallen lassen und erklert, die von der 
ritterschaft alle in den dreien furtenthumben Gulich, Clevc, Berg und graf- 
schaft von der Marck zu beschreiben, das sie sich, wie von alters herkommen. 



— 110 — 

mit hämisch, helmetten, spiessen, zum wenigsten mit fünf guten wehr- 
häftigen knechten und pferden gcfasst machten, also das sie ungeverlich 
gegen den 22. jetzigs monats gerust wcren, auf das, wan J. F. G. irer zu 
gebrauchen van noten, welches inen verzehn tagen zuvor verstcndigt werden 
solt, alsdau dermassen gestalt seien, mit J. F. G. aufzusein und einen kleinen 
zug, der nit weit und ohne gefhar sein solt, zu thuen. 

In der Fortsetzung wird empfohlen, im Land von Jülich noch einige 
Hundert Pferde bereit zu halten, ob vielleicht einiger Unverstand mit Sachssen 
in dem inreiten uf Ach furfallen solt, das gleicbwol J. F. GL den furzug 
behielten und sich bei irer hoheit und gerechtigkeit desto stattlicher hand- 
baben kuntc. 

D. ST. A. Jillichschc Geleitsrechte Nr. 6: Geleitung Kaiser Ferdinands 1. 
i. J. 1531 u. s. w. Papier, Abschrift. 

18. 1594, März 16. Moritz, Landgraf von Hessen, beurkundet, auf 
Bitten der Bürgermeister und des Rats zu Aachen den Aachener Bürgern, 
Eingesessenen und Kaufleuten, die die bevorstehende Frankfurter Fastenmesse 
besuchen wollen, in seinem Gebiete für ihre Personen und Güter Geleit zu Wasser 
und zu Land zur Hin- und Rückreise bewilligt zu haben. Die Aachener hätten 
sicli hierbei so zu benehmen, wie es für Kaufleute sich zieme; sie dürften keine 
Nebenwege einschlagen, sondern hätten die Hauptstrassen inne zu halten. Bei 
der Benutzung von Nebenstrassen finde ein Ersatz für eingetretene Schädigungen 
nicht statt. Ausgeschlossen vom Geleit seien Feinde des Landgrafen, Land- 
friedensstörer und Übertreter der Bestimmungen der Reichsmünzordnung. Im 
Falle der Benutzung der Landstrassen anstatt des Rheinstroms sei an jedem 
Orte bei den landgräflichen Beamten die Gestellung eines lebendigen Geleits 
nachzusuchen. 

Geben in unser statt und vestung Cassel under unserer subscription 
und zu end ufgetrucktem fürstlichem secret Siegel am 16. martij anno 1594. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte. Nr. 4: Von Aachen beanspruchtes 
Geleit. Papier; Siegel und eigenhändige Unterschrift. 

19- 1596, März 26. Wilhelm von Waldenburch, Amtmann zu Jülich, 
meldet den herzoglichen Räten in Düsseldorf, dass das Kriegsvolk der linierten 
Staaten wiederholt die Absicht habe verlauten lassen, das Herzoglich Jülichsche 
Geleit zwischen Sittart und Köln anzugreifen. Tatsächlich hätten am gestrigen 
Nachmittage (25. März) zwischen Puffendorf und Freialdenhoven anderthalb 
hundert pferd gemelt glait angesprengt. Die Führer des Geleits hätten sich 
zur Wehr gesetzt, auch sei ihnen aus der Festung Jülich Unterstützung 
gesandt worden, worauf die Angreifer, ohne Schaden angerichtet zu haben, 
geflohen wären. Öffentlich erkläre das staatische Kriegsvolk, dass es von den 
Generalstaaten bevollmächtigt sei, alle aus Brabant kommenden Güter, ohne 
Rücksicht auf die Begleitmannschaft anzugreifen und niderzuwerfen. Es dürfe 



— 111 — 

sich deshalb empfehlen, beim Grafen Moritz unter Hinweis auf die Geleitsrechte 

des Herzogs von Jülich vorstellt';/ zu werden, dann'/ in Zukunft die unter 
herzorjiichem Geleit reisenden Kaulleute durch Soldaten nicht belästigt würden. 
Datum 26. martij 96: . . . Wilhelm von Waldenburch. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte. Nr. 3: Verletzung des Geleitsrechts 
zwischen Maas und Rhein durch niederländische Truppen. Original ; Papier. 
Siegel ab. 

20. 1596, März 13. Antrag des Amtmanns von Waidenburg in Jülich, 
widerspenstigen Aachenern jülichsches Geleil zu versagen. (Auszug). 

Was -aber die Achische betrifft, weil nach ausweisung obangeregter 
Ordnung mit beliebuug der kaufieute dahin gangen, dass die guter in E. F. 
D. stadt Sittart empfangen werden sollen, hat man desfals mit berurten 
Achischen nichtz zu schaffen, und damit gleichwol E. F. G. zuvorn gegen 
rcbellen in Aach ausgangene bevelen nit invalidiert, noch deren ungehorsam 
gesterekt, solten wir auf E. F. G. gnediges gefallen vast undertheniglich 
beduncken lassen, das in namen E. F. G. denjenigen, so das gleit vermog 
begriffener Ordnung fueren, ernstlich eingebunden werde, keine Aachischc 
personen oder guter ins gleit zu nehmen, so J. F. G. patent und urlaubs- 
brief nit vorzuzeigen betten, und konte dergestalt E. F. G. vorangeregten 
bevel gegen die widerwertige Aachische gleichwol effectuirt werden und 
deren personen und guter, wohe zu bekommen, angehalten werden. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 3: Verletzung des jülichsvhen 
Geleitsrechtes durch niederländische Truppen. Original, Papier. 

21. 1602. Auszug aus einem Berichte des Vogtmeiers Johann von 
Thenen zu Aachen über seine und der kaiserlichen Kommissare Geleitung bei 
der Wiedereinsetzung des katholischen Rats in Aachen am 1. September 1598. 

Bei den 14. notam zu nemen, dass der darin genanter raarschalck 
Schenckern und beigewesene Gulische hern befelchhaber, auch reisigen, kriegs- 
folck und schützen, die kaiserliche commissarien und subdelcgirte nit durch 
oder ausser Burtscheidt und Burtscheider pfort in die stat Aach, sunder von 
Aldenhoven durch das furstenthumb Gulich bis ins reich Aach zu der Wijden 
und dan weiters durch das dorf Hairen bis an der stat Aach aufgerissen 
pforten eine, Cölnerpfordt geheischen, doselbsten die commissari das glait 
ferner nit begert, sunder vermeinten, durften es niet, weren doselbsten an 
stat der K. Majestät selbsten. Deme gleichwol hindangesetzt die Guiischen 
es continuiret durch die stat über den marck bis an wolgcmclter kaiser- 
licher losament zum Gulden Verckcn an dem ort bei der alten fleischplancken 
oder hallen, bis die commissari zum losament eingeritten, gehalten, folgern 
bis ins Grasshaus geritten und auf der porten ihres glaits zeichen gethan. 
Domais obgemelter ausgewisener catholischer mhcre theil mit dem liern 
licentiaten Heistcrman, mich und auch einem ansehnlichen Gulischen glait, 



— 112 — 

niet auf noch durch Aach, sunder von der Wijden einen andern weg auf 
Burtscbiedt gereist und eonvoirt. 

D. ST. A.Jülichsche Geleitsrechte Nr. 4: Von Aachen beanspruchtes Geleit. 

22. 1628, März 10. Geleitsbrief Kaiser Ferdinands II. zu Gunsten 
der Aachener Büchsenmacher Niklas Rucks, reter von Lovenich und anderer. 

Kaiser Ferdinand beurkundet, dass Niklas Kucks, Peter von Lovenich 
und andere Büchsenmacher des Königlichen Stuhls und der Stadt Aachen ge- 
beten hätten, ihre neu angefertigten Pistolen, Handbüchsen, Feuerschlösser, 
Läufe und dergleichen Sachen jeder Zeit mit anderen Kaufmannsgütern aus 
Aachen zur Frankfurter Messe führen zu dürfen. Bei den jetzigen Kriegs- 
zeiten aber trügen sich Üngelegenheiten aller Art auf den Landstrassen zu. 
Aachen liege auf der äussersten Grenze des Reichs zwischen den beiden in 
den Niederlanden kriegführenden Mächten. Ausländische Soldaten machten 
häufig die Landstrassen auf deutschem Gebiete unsicher und griffen nach 
Waren der verschiedensten Art unter der Behauptung, sie zur Beute machen 
zu dürfen, weil sie verbotener Weise für eine der kriegführenden Parteien in 
den Niederlanden bestimmt wären. Selbst am Rhein mache man vielfach 
Schwierigkeiten, die Erzeugnisse der Aachener Büchsenmacher ungehindert 
durchgehen zu lassen. Diese erbäten deshalb einen kaiserlichen Schirmbrief. 
Demnach forderte der Kaiser alle und jeden auf, die Antragsteller mit den 
Erzeugnissen ihrer Handarbeit (Pistolen, Handbüchsen, Hebeschlösser und 
Läufe) im deutschen Reiche allerorts aus Aachen zur Frankfurter Messe zu 
Wasser und zu Land ungehindert durchgehen und zurückgehen zu lassen, 
doch seien die Aachener Büchsenmacher auf ihrer Reise zur Zahlung der 
bestehenden Maid- und Zollgebühren verpflichtet. 

Geben auf unserem königlichen schloss zu Prag den zehnden martij 
anno sechszehnhundert acht und zwanzig. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 4 : Von Aachen beanspruchtes 
Geleit. Papier, Abschrift. 

23- 1636, November 7. Bürgermeister, Schöffen und Rat des königlichen 
Stuhls und der Stadt Aachen entschuldigen sich beim Pfalzgrafen Wolfgang 
Wilhelm als dem Herzog von Jülich wegen der vorgekommenen Beschirmung 
reisender Kaufleute durch Aachener Soldaten. 

Durchleutigst . . . nu ist zwar nit olme, das unser statt bürgere und 
handelsleut bei so geierlicher zeit, da schier alle wege und Strassen durch 
die herumbstreifende, vilmals unbekannte partheien ganz unsicher gemacht 
werden, bisweilen zu mehrer Sicherheit ihrer person und kaufmansguter et- 
liche unser statt Soldaten, welche dergleichen partheien, wan sie alhie als 
einem neutralen ort aus- oder cinkommen, erkennen, begert und wir ihnen 
dieselbe nit verweigern können, weil sie oftraalen bei nacht und unweil, da 
die zeit und gelegenlieit nit erleiden kan, auch wohl wegen besorgender 



— 113 — 

gefall r nit gerahten ist, einen oder mehr dag zuvor kundbar zu machen und 
die guligsche schützen wegen begerenden glaits zu avisiren, ihre personen 
und guter heimblich und unvermerkter weise durchstechen müssen. Welches 
dan auch umb so vil mehr geschehen, das diese kauneute geklagt, das sie 
bei gehabter ire guligscher convoie, die ihnen auch vas kossbahr fallet, 
wenig gesichert oder gedienet, indem sie etlich mal von dergleichen schützen 
nicht allein nit defendirt, sondern ganz und gar verlassen und den an- 
kommenden partheien alsdan in händen gestalt worden und sich daraus re- 
dinnren müssen mit gelt und anders, welches bei abzalung des convoie-gelts 
man ihnen nit in abschlag dienen lassen, vilweniger anderer gestalten gut ge- 
macht oder restituirt hat, also das sie bei dergleichen fällen geduppelte 
kost und schaden dragen mussten . . . (Es folgt die Versicherung, dass 
Aachen nicht beabsichtige, die jülichschen Geleitsrechte zu beeinträchtigen). 
Und dan andere benachparte herrschaften in ihre Land und gepiet, in specie 
über Maess, Stifter Colin und Lüttigh, Brabandt und anderen orts ohne 
einiche einred bei dergleichen vornemen unsere Soldaten frei und unbehindert 
passieren und repassieren lassen . . . (Bitte, Jülich möge mit Bücksicht auf 
die Zeitverhältnisse dem Geleit durch Aachener Soldaten keine Hindernisse 
bereiten, ein Präjudiz solle nicht dadurch entstehen). Solten aber E. F. D. 
an dem allen . . . einen ungnedigsten willen dragen, welches wir nit ver- 
hoffen, so wollen nach deroselbcn gnedigsten gefallen wir uns hierinnen, 
wicwol mit geringen nutzen des gemeinen wesens, undertkeuigst aecomodieren. 
Datum Aach am 7. novembris 1636. E. D. . . burgerraeistere, scheffen 
und rhat des königlichen stuels und stat Aach. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 4: Von Aachen beansjyruchtes 
Geleit. Original, Papier; Siegel teihveise erhalten. 

2'A. 1050, März. Brief des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm an seinen 
Sühn Philipp Willulm betreffend dessen Besuch und das Geleit in Aachen. 

Lieber söhn Philipp Wilhelm ... Ich verhoffe, du werdest vor ein- 
pfahung dieses albereit zu Scherpenhövel neben deiner gemahlinnen L. an- 
körnen sein. Weil du nuhn Vorhabens bist, von dannen nachcr Aachen dich 
zu begeben, und dan uns als herzogen zue Jülich nicht allein in dem reich, 
sondern auch in und durch gcmelte statt auch das gleit von alters hero 
gebührt, damit dan uns daran durch wiederiges vornehmen der eingesessenen 
selbiger statt kein praeiudicium zugezogen werde, so unserem haus hernegst 
zur consequenz angezogen werden mögte, so hast du bei diesem aigenem curier 
nit allein uns, sondern auch, weil von hier aus die Verordnung zu spat kommen 
mochte, sonderbar unserm ambtman zu Wilhelmstein und vogtmeiern zue Ach, 
so deswegen eventual befehlt haben, zu berichten, gegen was zeit, auch an 
welchem ort in angezogenem reich Aach du aigentlich vermeinest mit deiner 
gemahlinnen L. zu Ach anzukommen, damit so des gleits halber sowohl in 
gemeltem reich, als in und durch gedachte statt Ach die nötige versehung 



— 114 — 

thuen und dergestalt alles praciudiz und nachtheilige consequenz verbütet 
bleiben mögen. Wofern aber, besserer Zuversicht zuwider, burgeraeister und 
rhat der statt Aach in der vergleitung uns einige behinderung zuzufliegen, 
wie vor diesem auch geschehen, unterstchen mogten, auf solch fall fiuden 
wir rhatsamre, dass du zu verhuetung alles praciudiz einen anderen weg 
nehmest und in die statt nit einkehrest, darüber wir dan unserm ambtman 
zu Wilhelmstein gnedigst befohlen, dass er dich avisiren solle. Wolten wir 
dir also nit verhalten und seind dir mit väterlichen gnaden geneigt. Düssel- 
dorf den . ' martij 1650. W. Wilhelm. 

D. ST. A, Jülichsche Geleitsrechte Nr. 4: Der Stadt Aachen zustehendes 
Geleit. Papier, Entwurf; eigenhändige Unterschrift des Pfalzgrafen und 
eigenhändige (im Vorstehenden cursiv gedruckte) Verbesserungen und Zusätze. 

25. 166S, April 22. Beschluss des Aachener Rats in Sachen des 
Herzoglich Jülichschen Geleits für die beim Friedenskongress in Aachen an- 
wesenden Gesandten. 

Sontag den 22. aprilis 1668. Auf das an gestrigen abend durch den frei- 
herrn von Kolff den hh. bürgermeisteren eingehändigtes credential J. F. D. 
Pfaltz-Neuburgh ist beschlossen, das wolbemelten herrn per syndieum mit 
Zuziehung des secretarii soll angedeutet werden, das zu ehren der hiesigen 
königlichen h. ambassadeurs die extraordinari anzahl der 50 guiischen reutern 
über die gewöhnliche 50 laut Vertrags zur bcgleitung hochbemelter ff. hh. 
abgesandter uberschickt, ohne praejudiz und consequenz selbigen verdrags 
vor diesmals permittirt wurde. 

Und weilen der franzosischer h. abgesandter mit sonderbare magnificenz 
seine eutrade heut oder morgen alliier zu thuen vorhaben, so ist beschlossen, 
das die beipforzen zugehalden und die Soldaten von den anderen pforzen, 
so mit bürgeren zu . besetzen, abgenomen und zu der Pfundpforzen in ordine 
gcstelt werden sollen, zu malen solches auch in ansehung der 100 guiischen 
reutern und zu mehrer Sicherung vor dienlich erachtet. Wie und welcher 
gestalt nun hh. bürgermeistcre sich bei der intrade hochbemelten h. am- 
bassadors ratione des conduits, damit man kein praejudiz des guiischen 
Vertrags halben causiren möge, zu verhalden haben mogten, darauf ist vor 
guet befunden, das solches wolbemelten hh. burgermeisteren guetachten und 
discretion heimbgestelt sein solle, darinnen nach gelegenheit zu mehrer ehr 
und reputation hiesiger statt zu disponiren. 

Aachen, Stadtarchiv. Akten über den Friedenskotigress vom Jahre 1668. 

26. 1717, Juli 25. Bericht des Geheimrats Fabritius an den Kurfürsten 
von der Pfalz über die Ankunft des Zars Peter I. in Aachen. 

In der Einleitung berichtet Fabritius, dass er sich am 16. Juli nach 
Jülich zum Generalleutnant und Gouverneur von Ilaxthausen begeben habe 



') Der Monatstag in der Datierung sollte der Reinschrift eingefügt werden. Die 
Unterschrift in grossen Zügen ist abgekürzt gehalten. 



— 115 — 

und von dort aus nach Limburg zum Generalmajor und Gouverneur Baron 
von Tunderfehlt. Nach Erhalt der Nachricht, dass der Zar erst am 23. oder 
24. Ju'i von Spaa abreisen werde, sei er (Fabritius) nach Jülich zurück- 
gekehrt. ...*.".. und wie daselbst am freitag die zeitung durch expresse 
ordonance eingeloffen, dass S. Czaar. M. am sambstag abends oder am sontag 
morgens ohnfehlbar zu Aachen sein würden, als haben dero gouverneur und 
ich am sambstag uns zeitig zu Aachen eingefunden, und wie selbigen abends 
spät die ordouance in Aachen angelangt, dass S. Czaar. M. sambstag abend 
zu Limburg ankommen und sontag morgens umb 5 uhren von Limburg nach 
Aachen abreisen würden, als ist die zu beglaitung in paratis gestandene 
wohl montirte mannschaft mit 100 der besten pferdeu auf den sontag morgens 
umb die vierte stund in Aachen zu sein befelchet worden, woselbst dieselbe 
um bestimbte unter commando des obristen Folevillc und obrist-lieutenant 
Selinger mit herpaucken und trommetten aufm marck erschienen, und also 
nebens dero vogt-majoreu von Meuthen S. Czaar. M. bis auf die gränzen des 
reichs von Aachen und land von Limburg entgegen geritten seind. Wie man 
aber vernommen, dass S. Czaar. M. den mittag zu Lonzum im Limburgischen, 
eine stund von dem reich von Aachen, halten würden, hat dero general- 
licutenant und ich in dem von E. Ch. D. mitgehabten gutsehen uns nacb 
gcmeltem Lonzum verfüget, und S. Czaar. M. mit seinen ministem am tisch 
speisend gefunden. Nachdem nun dieselbe von der tafel aufgestanden, haben 
dcroselbeu E. Churf. D. hohes regale des gelaidts gerechtsamb in, durch und 
aus dem reich und stadt von Aachen kürzlich remonstrirt und geziemend 
offerirt, darauf sich dann in dero gutschen mit einigen ministem gesetzet 
und der general und ich in gutschen gefolget seind. Wie nun J. M. an 
die gränzen des reichs von Aachen, welche mit einem grossen stein und auf 
demselben ausgehawenen stadt Aachischen wappen gezeichent waren, kommen 
seind, hat E. Ch. D. cavallerie daselbst ordentlich rangirt gestanden und 
dero vogtmajor an S. Czaar. M. gutschen sich geziemend angehoben und 
das vorhandenes gelaidt verkündiget hat, da dann fünfzig mann vor I. Czaar. M. 
gutschen, die andere aber hinter dem gutschen gerücket seynd. Darauf nach 
dero zu pferd beigehabte leutc mehrgemeltcr dero general und ich die Ord- 
nung ferners, und nach uns die bürgermeistcr der stadt Aachen mit einer 
ganzer compagnie dero bürger unter einem fahnen mit herpaucken und trom- 
mctten-schall zu allerletzt den comitat gemacht haben. Da man aber nach 
Bourtscheidt zwischen der beiderseits gestandener auswendiger bürgerschaft 
unter lösung des groben geschützes aus Aachen kommen, seind 1. M. in Burt- 
scheidt hineingefahren, und als sie etwa eine halbe stund verblieben und wieder- 
um!) hinauskommen, haben dieselbe unter abermaliger lösung der stück und 
zwischen der zur seiten überall gestelter bürgerschaft, dero logiment bei so 
genanter vornehmen kaufman Clermont genommen, woselbst von E. Ch. D. 
cavallerie sowohl vorm zimmer als auch vor dero haussthur jedes orts zwei 
schildwachen gesetzet, und die andere zur abloss unweit davon bestellet, also 
dass E. Ch. D. gelaidts hohes regale bis anhero gauz genau und mit grosser 



— 116 — 

solenuitat in anschauung sehr häufigen volcks observiert worden. Und wie 
nun verlautet, so solle S. Czaar. M. am dienstag von hier nach Mastriebt 
verreisen. Als wird E. Ch. D. hohes gelaidt regale ferner gebührend voll- 
führet und darab weiterer untertbänigste bericht gehorsambst erstattet werden. 
E. Cb. D H. G. Fabritius. Aachen, den 25. julij 1717. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 7: Geleitung des Zars von Moskau 
1717. FoHoheft B'. 133 und Bl. 134. 

20 a. 1717, Juli 28. Bericht des Vogtmeiers von Meuthen in Aachen 
über die Geleitung des Zars Peter I. nach Aachen. 

Durchlauchtigster eburfürst . . . E. Ch. D. solle ich in untertänigstem 
respeet hiemit gehorsambst nicht verhalten, welcher gestalt des czaaren 
von Moskau Maj. am uegstverwichenen sonutag den 25. dieses vormittags 
von Limburg auf die statt Aachen hieselbsten ankommen, und auf dermaliger 
dessen enthaltener beständiger kuudschaft mit der von E. Ch. D. zu fuhrung 
des leiblichen hohen glaits gnädigst beorderter cavallerie unter coinmando 
des obristen von Folleville, ich höcbstgemelter J. Maj. bis auf die eusserste 
stadt Aachische gränssen zugegen marchirt seie. Alwo dan bei dero an- 
näherung nicht allein umb das hohe gereebtsamb des an E. Cb. D. als 
herzogen zu Gulich privative allein in-, durch- und ausser der statt Aachen 
zuständigen leiblichen glaits allerunterthänigst bekant zu machen, sondern 
auch umb selbiges meiner schuldigster ambtsineumbenz nach also fort und 
durch zu führen. In gegenwart und ansehen E. Cb. D. generallieutenant 
und gubernatoren zu Gulich, freyherrn zu Haxthausen, sodan dero geheimben 
rhats und hoheits referendarij Fabritius ich die allergnädigste audienz 
gehabt und solchem nach diese autwort erhalten, wie dass mehr höchstgemelte 
S. Maj. sich gegen E. Cb. D. der ihro bezeigender hoher ehr und hoflichkeit 
schönst bedancken thäten. Warauf dan dieselbe ihrer gewöhnheit nach mit 
solcher geschwindigkeit fort gefahren, dass, obwohl deren zwischen wegs 
sich befindender enge und defilöes halber es die höchst muhe zu folgen ge- 
kostet, dannoch das glait bis in die statt an das bestelltes quartier bei 
dem banquier und kaufraan Clermondt unturbirt wol beigehalten worden 
seie. Indeme nun gestrigen tags den 27. dieses vormittags in aller frühe 
S. Czaarischen Maj. abreis von hier nacher Mastriebt fastgestelt worden, 
hab bei deroselben ich, zu conti nuation des hohen glaits dem herkommen 
gemäss und sonsten zu allerunterthänigster anwünsebung glück und beils 
zu dero ferners vorhabenden reise, abermalige überaus demente audienz 
gehabt, wobei dieselbe alle angenome bezeug- und hochlöbliche danksagung 
contestirt und mir widerfahren lassen. Solchem nach aber, dahe man zu 
dem fortmache annoch eine mehrere geschwindigkeit als vorhin vorgesehen, 
hab ich das glait nur mit einem detachement von der cavallerie ausser 
der statt gc führet, die übrige cavallerie aber sich zwischen wegs, zur 
ablösung eines durch das andere, postirt, welche dan das glait nicht allein 



— 117 — 

bis auf die Aachische gränsseu am landgraben liegst bei dem dorf Ohrssbach, 
sondern auch bis auf die Wetthcimische gränsseu nacher Gralpen zu prose- 
quirt, und aldahe disseits Gulpen auf dem hollendischen gebiet eine escortc 
von eavallerie aus Mastriebt gefunden haben, mit welcher oft höchstgemelte 
S. Maj. mit solcher geschwindigkeit durch- und fortgesetzet, dass dem vor- 
laut nach etliche pferd darob zwischen wegs crepirt und liegen bliebeu. Ich 
zweifle unterthänigst nicht, dass der übriger verlauf E. Ch. D. von vor- 
gemeltem dero generallieutenant und geheimben rhat, dero gehabter gnädigster 
instruetiou nach, gehorsambst berichtet werden solle. Unterdessen dem ge- 
machten vornehmen und veranstalten nach wäre es ein recht förmlicher und 
nicht weniger gar ansehnlicher aufzug gewesen, wan die ungemeine uber- 
schncllungen des Jagens die gemachte coneepten mit allerhand confusion 
uicht verrucket hätten, ohne jedoch, dass bürgermeistcr und rhat dabei dem 
hohen glait zuwider das geringste uachtheil, so viel ich abmerekeu können, 
gesucht haben . . . Aachen, den 28. julij 1717. 

E. Ch. D. . . . von Meutben. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 7: Geleit ung des Zars von 
Moskau. Papier, Original. 

26 b. 1717, Juli 30. Bericht des Geheimrats Fabritius an den Kurfürsten 
ron der Pfalz über den Besuch des Zars Peter I. in Aachen. 

Durchlcuchtigster Churfürst . . (Nach einem längeren Hinweise auf den 
am 25. Juli erstatteten Bericht, heisst es weiter) : habe hiebei ferner unter- 
thänigst nit verhalten sollen, wie dass, als sontag S. Zaarische M. morgens 
nach Aachen kommen, selbigen abends der obrister von Toppe sich bei dero 
generallieutenant und gouverneuren frhr. von Hatzhausen und mir in dem 
quartier zu Aachen eingefunden und gelaidts halber geredet. Dahe ich ihm 
in gegenwart dero mehrgenanten generalen demoustrirt, auch per extractum 
nachrichtlich communicirt gehabt, wie dass bei dem zuletzt im jähre 16GG 
bei dieser ortsankumbst S. Erzherz. D. Leopold passirten glaidts actu, man das 
gelaidt bis jenseits Gulpen und zur Newerburg gefuhret hatte, er solches wegen 
nunmehro veränderter territorial hollandischer, ehmal gewesener spanischer 
tcrritorialgebiets contradicirt und das gelaidt weiters nit als bis zu den 
hollandischen grenzen dieseits Gulpen gestehen wollen, und darüber jedoch 
ferneres schreiben von seinem vateren, dem generalen und gouverneuren zu 
Mastriebt, uns anderen tags zukommen zu lassen versprochen, auch die bei- 
liegende missive an dero generalen abgeschicket, weiter aber als auf die hollan- 
dische gränzen kein gelaidt gestatten wolleu. Sonsten haben S. Zarische M. 
montags die Aachische bäder morgens besichtiget und zu Burtscheidt gebadet, 
nachmittags aber deroselben die grosse reliquien in der inunsterkirchen gezeiget, 
darnach S r . Z. M. der in dem sogenanten Kaysersbat verschlossener bader 
(under?) sprung eroffenet, auch einiger schwcbcl herausgenommen und prae- 
sentirt worden, darauf dieselbe sich zum rathaus verfuget, wofür einige I. 



— 118 — 

Clmrf. D. cavallerie schildwachten gestanden, auf den trappen und oben das rhat- 
baus aber die statische ihre schildwachten ausgesetzt gehabt. Daheselbst I. Z. M. 
ein banquet von burgermeister und rhat praesentiret worden, wobei burgermeister 
und rhat aufgewartet, dero gcncral und gouverneur abe-r sich ohnweit S. Z. M. 
zu setzen gefordert worden, welchem S. M. beider I. Kaiserl. Maj. des kaisers 
und kaiserinen, auch E. Churf. ü. gesundheit zugebracht und mit demselben 
vieles gespräch gehalten hat. Als nun dieselbe von tafel aufgestanden, haben 
sich zu dem vogelschiessen mit bogens vor der statt thorn verfueget, woselbst 
eine stange mit drei vogel aufgerichtet gewesen; davon dannen als spaet 
in die statt kommen, haben gebadet und darauf bei dem kaiserlichen general 
Donnerfcldt annoch gespeiset und diesem nach zu dero quartier beim kaufman 
Clcrmond sich erhoben, alwohe dero generallieutcnant gouverneur wegen 
der abreis anfrag gethan und S. M. sich desfals auf den anderen tag zwischen 
5 und 6 uhren herausgelassen haben, darauf E. Ch. D. cavallerie dingstag 
den morgen umb vier uhren in die statt zu kommen 1 beordert und dieselbe 
wegen S. M. gezwinden reisen halber zu verteilen gut befunden worden. Wie aber 
den morgen umb bestimbte zeit mit trompeten und herpaucken erscheinen, 
so ist dero general und ich zwischen fünf und sechs uhren ausgefahren, umb 
das gelaidt nit allein auf die gränzen des rcichs von Aachen ordentlich zu 
bestellen, sondern auch, als fern immer möglich zu erbreiten. Wie nun ausser 
dem reich von Aachen durch das Herzog Radische zu Zumfeldt holländische 
und ferners durch das Wettische und Ayssische reichsherrschaftliche, auch 
einigen orts Lymburgisch gebiet passirt und die holländische trouppen un- 
weit Gulpen zwischen Wetten und Ayssen postirt gefunden, haben wir dieselbe 
auf remonstration der limiten bis zwei schuss wegs gegen Gulpen in das 
hollandische gebiet, wiewohl dem weg zwischen Wetten und Ayssen Gulpisr-h 
zu sein sustinirt, abweichen thuen, und weilen es noch sehr frühe gewesen, dero 
generallieutcnant gouverneur und ich zu dem hoehfurstlich Darmstättischen 
generalen freiherren von Brettlar als eigenthumbsherren der immediat reichs- 
herrschaft Wettern, so fast hiebei wäre, hingefahren scind, woselbst als das 
fruhestuck genohmen, der obrister von Topp auch dahin kommen ist und von 
der glaidts fuhrung wiederumb angefangen zu reden. Wie aber derselbig das 
glaidt ferner nicht als zu den gränzen des Aachischen reichsgebiets permit- 
tiren wollen, so hab ich, dero geheimber rhat Fabritius, darüber an öffent- 
licher tafel in gegenwart dero generallieutenanten und gouverneuren v^n 
Gulich, auch auhoren des generalen freiherren von Bretlar, des obristeu 
von Feloville, licutenanten von Reuschenberg und des jüngeren freiherren 
von Haxthausen zierlichst protestirt, dass man I. Ch. D. dero alten gereehts- 
ambt zuwieder die fuhrung des glaidts bis jenseits Gulpen und zur Newerburg 
nicht gestatten wolte, vorbeineltc anwesende deshalb zu zeugen angeraufen 
und E. Ch. D. gerechtsamb auf das beste reservirt und respective conservirt. 
Wie nun S. Zaarische M. zu E. Churf. D. auf den Ayssischen gränzen ge- 
standener cavallerie kommen, haben selbige alldahe unter dem trompeten- 



') Die fünf Wörter „in die Stadt zu kommen" sind in der Vorlage unterstrichen. 



— 119 — 

und herpauckenschall ihren abseheid genohmeu, darnach S. M. zu denen unter 
sich postirten hollandischen trouppen kommen und durch Gulpen nach dem 
schloss Newcrburg gefahren seind, alwohe der kaufinan Clcrmondt dieselbe 
zu mittag traetirt hat, wohin der general und ich S r . M. mit dem kutschen 
gefolget, und nachdem S. M. abgespeiset gehabt und darauf in den garten 
gangen seind, haben wir ebenfals den abscheid und unsere rückreis genohmcii, 
selbigen nachmittags aber I. M. sich underm escorde der hollandischer trouppen 
nach Mastricht begeben haben. Und wie nun E. Ch. D. dero general und 
gouverneur freiherren von Hasthausen absonderlich unter dero hoher band 
gnädigst befohlen haben, alle thätligkeit und ungelegenkeit zu verhueten, 
als haben ein mehreres als hiebei vermeldet und vorhin underthänigst be- 
richtet habe, auszurichten nicht vermögt. Es wird aber dieser tarn solemnis 
publicus actus E. Ch. D. hohes gclaidts regale in die posteritet hinein kräf- 
tigst bestäreken. . . . (Ergebenheitsformehl). Dusseldorff, den 30ten julij 1730. 
E. Ch. I) A. G. Fabritius. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 7: Geleitung des Zars von Mos- 
kau 1717. Original; Bl. 136 und Bl. 137 des Folioheftes. 

27. 1745, November 6. Bürgermeister, Schöffen und Bett zu Aachen, 
berichten dem Kurfürsten von der Pfalz über die heimlich erfolgte Fort- 
führung der Krönungsinsignien von Aachen nach Frankfurt zur Krönung 
Franz I. 

Durchleuchtigster churfurst . . . Aus E. Ch. D. an uns burgermeistere, 
scheffen und rath erlassenem gnädigsten rescripto ersehen wir mit bestürzung, 
dass uns die transportirung der insignien zur kaiserlicher krönung, und des 
dabei gebrauchten modi halber etwas zur last und zur Verantwortung ge- 
halten werden wolle. Dahe wir dannoch unterthänigst versicheren können, 
dass uns niemalen in den sinn gekommen, das allermindeste zu thuen, so 
etwa wider E. Ch. D. hohe gerechtsambe anlaufen mögte, sondern wir cou- 
testiren hiemit am feirlesten, dass, nachdeme wir am 8. julij jungstlitten 
an das hochlöblichc churfürstliche collegium dem alten brauch nach das ge- 
ziemende unterthänigste schriftliche ansuchen dahin gethan, damit wegen 
der gewohnlicher escorte und Vermeidung der bei voriger kais. erönung 
desfals vorgefallenen beschwerden dermalen eins alles regulirt und die be- 
hörige requisitorialcs bei Zeiten erlassen werden mögten, so haben wir darauf 
kein hohes resolutum noch antwort erhalteu, sondern ist anstatt dessen ein 
expresser von hochstbesagtem churfiirstlichcn collegio den 18. septembris zu 
Aachen per postam eingelangt, welcher das gewöhnliche invitationsschreiben 
zur kais. erönung uns nicht allein uberbracht, sondern auch mit Vorzeigung 
eines ordentlichen creditivschreibens dabei austrucklich mündlich erinnert 
hat, dass wir burgermeistere solches invitationsschreiben auf das secre- 
teste bei uns behalten selten. Dieser expresser hat sich ebenfals bei 
dem capitulo B. M. V. dahier gemeldet; was dieser nun alda vorgebracht 



— 120 — 

oder wie, wannehe und welcher gestalt die insignien aus der kirck und aus 
unserer stadt sambt dem expressen berauskonien und nach Coblenz ab- 
gangen, darab haben weder wir burgerrncistere noch sonsten jemand des 
magistratus den allergeringste theil noch Wissenschaft jemaleu gehabt, 
sondern als wir burgerracistcre in aller frühe den 21. dito darauf erst er- 
fahren, dass der deehant sambt einen deputirten canonico nach Franckforth 
incontinenti abzureisen gedachten, seind wir denensclben auf die ihnen dem 
vernehmen nach vorgeschriebene route nachgefolgt, umb so mehr, als wir 
von ihnen cbenfals erfahren, dass die insignien schon vorigen tags mit 
einem anderen canonico abgangen wären, ohne aber uns dabei bekant zu 
machen, was für eine route sothanc insignien genomen, oder von weme etwa 
begleitet worden wären. Obwohlen wir nun sonsten Selbsten dem capitulo 
nicht gut heischen mögen, die insignien einseitig ohne unser vorwissen aus 
unserer stadt willkührig herauszuschicken, so können wir daunoch nicht 
anders, als der von einem hochstansehentlichen churfürstlichen collegio hier- 
einfals dermalen also ergangener hoher Verordnung mit geziemenden respeet 
uns gehorsambst zu fuegen. Nur dieses dabei annoch unterthänigst er- 
inuerend, dass von wegen hochgedachten churfürstlichen collegii zu Franck- 
forth uns burgermeistere gnädigst bedeutet worden, obwaltenden umbständen 
nach denjenigen weg. wie wir nach Franckforth hinkommen, in unserer 
ruckreisc für diesmal einzuhalten . . . (Es folgen Versicherungen der Wahrheit 
der Darstellung, der Ergebenheit und des Wunsches der Fortdauer des chur- 
fürstlichen Wohlwollens gegen Aachen.) E. Ch. D. unterthänigste burger- 
meistcr, scheffen und rath des königlichen stuhls und freier reichsstatt 
Aachen. Ex quorum mandato . . . Alb. Ostlender iur. licentiatus, secretarius. 
Aachen, den 6ten novembris 1745. 

D. ST. A. JiUichsche Geleitsrcchtc Nr. 12: Begleitung der Reichsinsignien 
von Aachen nach Frankfurt und zurück; Aktenheft zum Jahre 1745. Original; 
Papier; Adresse und Siegel fehlen. 

28- 1748, Februar. Bericht des kurfürstlichen Residenten Eisacker im 
Haag an den Kurfüsten Karl Theodor von der Pfalz über Unterredungen mit 
einigen zum Aachener Kongress bevollmächtigten Ministem, betr. das Geleit 
der Gesandten nach Aachen und polizeiliche Schidzmassregeln während des 
Kongresses in Aachen l . 

Undatiert*. (Im Haag, Februar 1748). 

Monseigneur, j'ay eu l'honneur de recevoir lc gracieux rescrit de V. 
A. 8. E. du 13 de ce mois concernant le congres d'Aix-la-Chapellc et les 
arrangements qui y pourroient etre faits a cettc occasion. Je me suis rendu 



') Unwesentlich modernisiert. Acoente nach der Vorlage, Interpunktion und 
Anfangsbuchstaben mehrfach anders gestaltet. 

2 ) In der Antwort des kurfürstlichen Hofes, die „Mannheim, 29. Februar" datiert 
ist, wird Eisackers Bericht als ein undatierter bezeichnet. 



— 121 — 

avantbier cbez les plenipotentiaires destines aux Conferences. J'ay trouv£ 
le baron de Keischacb, le lord Sandwich et le comte de Bentinck Roon. Je 
n'ay point rencoutre" les trois autres plenipotentiaires de cet etat ny celuy du 
roi de Sardaigno, an quel j'avois cru pouvoir dire aussy un mot, pour ne 
pas l'exclure de Pinsinuation faite a tous les autres. J'ay dit, Monseigneur, 
aux trois ministres que j'ay trouve cbez eux, que V. A. S. E. m'avoit 
charge de leur declarer, que si en protecteur d'Aix-la-Chapelle et commc y 
ayant la baute Jurisdiction eile pouvoit faire quelque ebose pour l'agrcment 
et la satisfaction de messieurs les plenipotentiaires eile si preteroit volontiers; 
et que s'ils soubaitoient d'etre cscortes ou conduits, ils n'auroient qu'ä le 
declarer, que si on vouloit un detacbement des trouppes palatines pour 
pourvoir ä la surete publique de jour et de nuit, V. A. S. E. etoit egalenient 
prete a y fournir, comme aussy de publier ä l'egard de la Jurisdiction des 
anibassades et pour l'observation d'une bonne police telles ordonnances 
qu'on pourroit iuger convenir. Je ne püs point acbever tout mon discours 
ch6z le comte de Sandwicb, a cause qu'il luy vint du mondc. II repondit 
pourtant a mes premieres ouvertures qu'il en rendroit cornpte au roy, que 
la declaratiou ne pouvoit etre que tres agreable a Sa Majeste et que luy 
comte de Sandwicb y etoit infiniment sensible. 

Le baron de Reiscbacb me dit, quo l'attention de V. A. S. E. ne 
pouvoit que In flauer sensiblement, mais en ajoutant qu'il croyoit que le 
inoins de trouppes qu'il y avoit a un congres valoit le mieux, et que le 
detail de la surete et de la police appartenoit ä la ville. Je luy repliquay 
que les bautes prerogatives et les droits regaliens de V. A. S. E. dans la 
ville d'Aix etoient connus, et que d'ailleurs V. A. S. E. n'auroit pas fait 
faire l'iusinuation, si eile n'y etoit pas pleincment authorise\ II me respondit 
qu'il en parleroit avec les autres ministres pour concerter ce qu'il y auroit 
ä faire a ce sujet. 

Le comte de Bentinck-Roon entra dans un petit detail obligeant, pour 
me faire concevoir combien il etoit reconuoissant ä l'offre gracieuse de V. 
A. S. E. que tous les alliez vous en devoieut etre redevable, et que si luy 
pouvoit faire quelque ebose pour Pavantage de V. A. S. E. il se feroit un 
plaisir et un devoir de vous donner en toutes occasions des inarques de sou 
respect et de son attacbement ajoutant qu'avant de pouvoir se declarer il 
devoit en concerter avec les autres plenipotentiaires destintis vers Aix la 
('ha pelle. Je suppose, monseigneur, que l'un ou l'autre d'eux ecrira a Aix, 
pour en prendre des inforinations, et que peut etre on me respondra que Les 
Conferences indiquees a Aix sont sculement pour convenir des prcliminaires 
et n'ont pas l'air d'un congres formcl. Je retourneray cbez le lord Sandwich 
pour luy achever la declaration, et j'auray l'honneur de reiidro tres humble- 
raent compte a V. A. S. E. du rcsultat de ce qui me reviendra ulterieurement 
sur la matierc dont il s'agit. 

Par le billet cy Joint V. A. S. E. daignera voir que j'ay fait au ministre 
de Prusse la communication qu'elle m'a ordonnee. Etaut hier cbez le con- 



— 122 — 

seiller pensionaire 1 et chez le greffier Fagel, je leur en tis egalement mention 
dont ils me remercierent beaueoup. Je suis, monseigneur, etc. 

Eisacker. 
D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte. Nr. 10: Geleit zum Friedenskongress 
nach Aachen 1748. Abschrift; Papier. 

29- 1792, Juni 21. Kurfürstliches Kollegialschreiben an Bürgermeister, 
Schöffen und Rat zu Aachen über die bevorstehende Königswahl und Krönung 
in Frankfurt. 

Wir zu gegenwärtigem wahlconvente anwesende botschafter und ge- 
sandte. (Jnscrn geneigten willen zuvor, ehrsame, liebe, besondere und gute 
freunde! Euch ist es bereits vorhin bekannt, was gestalten wir auf er- 
folgten tödlichen hilltritt weiland S r R. K. M. Leopold IL glorwürdigsten 
andenkens, nach massgabe der goldenen bulle kaisers Karl IV. und sonst 
altüblichen herkommen nach, in hiesiger des Heiligen Reichs Stadt Franckfurt 
als dazu verordneten wahlstadt uns collegialiter versamlet haben, um der 
Christenheit und dem H. R. Reiche mit einem anderweiten würdigen oberhaupte 
vordersame fürsekung zu thueu. Nachdem wir nun nach geflogener vor- 
läufigen berathschlagung nunmehr den schluss gefasst, auf den 5tcn künftigen 
monats die wirkliche wähl eines römischen königs und künftigen kaisers im 
namen des Allerhöchsten vorzunehmen, nicht weniger auch wenige tage nach 
sothaucr wähl den krönungs-actum aus wichtigen Ursachen in hiesiger Stadt 
vorgehen zu lassen, zu welchem end wir allbereits an das kapitul zu Aachen 
wegen Übersendung der in dasiger Verwahrung stehenden und zu erwehnten 
actu coronationis nöthigen insignien das erforderliche schriftlich gelangen 
lassen, als haben wir euch solches hiermit gleichfalls freundlich notifiziren 
wollen, damit ihr aus eurem mittel jemanden mit demselben dem herkommen 
gemäss um bestimmte zeit anher abordnen und eures ortes die nothdurft 
dabei beachten lassen möget. Wir sind euch anbei mit geneigtem willen 
woblbcigetbau. 

Franckfurt, den 21. junius 1792. (Es folgin die in der Abschrift teil- 
weise entstellt iviedergegebenen Unterschriften der acht Waldbotschafter der 
Kurfürsten. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 12 ; Geleit der Reichsinsiguien 
von Aachen nach Frankfurt und zurück. Aktenheft zum Jahre 1792. Papier. 
Abschrift. 

,'JU. 1792, Juni 21. Dechant Cardoll und Scholaster Heusch teilen aus 
Auftrag des Aachener Krönungsstifts dem Kurfürsten von der Pfalz mit, dass 
der kurfürstliche Erlass vom 8. Juni, wonach der Geheimrat und Vogtmajor 
Freiherr von Geyr zum Kommissar ernannt worden sei, um die Reichs- 



1 ) Pcnsionaire ist im Text mit einem grossen Anfangsbuchstaben geschrieben; 
vielleicht liegt hier ein Eigenname vor. 



— 123 — 

insignien unter dem Schutze einer berittenen Kriegsmannschaft, bestehend aus 
einem Leutnant und 25 Mann, von Aachen auf Frankfurt und von dort 
zurück zu begleiten, eingegangen sei, und dass sie sofort mit dem Vogt major 
von Geyr über das Nähere verhandelt hätten. 

E. Ch. D. unterthänigst demütigste probst, deebant und kapitnlaren 
des künigl. krönungsstifts zu Unser Lieben Frauen in Aachen, in deren 
namen C. H. Cardoll decanus, P. C. A. J. Heusch scholaster. Aachen, den 
21. junius 1792. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 12: Begleitung der Reichs- 
insignien von Aachen nach Frankfurt und zurück. Aktenheft zum Jahre 
1702. Original, Papier. 

31. 1792, Juni 23. Dechant Cardoll und Scholaster Heusch teilen aus 
Auftrag des Aachener Krönungsstifts dem Kurfürsten von der Pfalz mit, dass 
am 21. Juni 1792 an das Kapitel ein kurfürstliches Kollegialschreiben er- 
gangen sei, wonach die Wahl eines römischen Königs und künftigen Kaisers 
auf den 5. Juli anberaumt sei und die Krönung wenige Tage später vor sich 
gehen solle. (Vgl. Beilage Nr. 29). Die Abgeordneten des Aachener Kapitels 
würden am Samstag, dem 30. Juni, von Aachen abreisen, um die im Kircheu- 
schtifz aufbewahrten Krönungsinsignien zeitig in Frankfurt zu überbringen. 
Die zur Begleitung zugesicherte berittene Kriegsmannschaft möge daher am 
Vorabend der Abreise in Aachen eintreffen. 

E. (Jh. D. . . C. H. Cardoll decanus, Clemens Heusch canonicus capi- 
tularis et scholaster. Aachen, den 23ten junius 1792. 

D. ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 12: Begleitung der Reichs- 
insignien von Aachen nach Frankfurt und zurück. Aktenheft zum Jahre 
1792. Original, Papier; gut erhaltenes Siegel in rotem Siegellack. 

3'?. 1792, Juni 23. Sekretär Becker teilt aus Auftrag der Bürger- 
meister, der Schöffen und des Bats zu Aachen dem Kurfürsten von der Pfalz 
mit, dass das kurfürstliche Kollegialschreiben vom 21. Juni 1792 betreffend 
die demnächstige Königswahl und Krönung in Aachen eingegangen sei. (Vgl. 
Beilage Nr. 29). Die Abgesandten des Bats würden am 30. Juni gemeinsam 
mit denen des Aachener Marienstifts die Beise nach Frankfurt antreten, um 
die Krönungsinsignien zu überbringen. Der Kurfürst möge veranlassen, dass 
die im Erlass vom 8. Juni bewilligte Geleitsmannschaft am 29. Juni in 
Aachen eintreffe. 

E. Ch. 1). unterthänigstc bürgermeistere, scheffeu und ralit ... Ex 
quorum mandato D. P. M. Becker secretarius. Aachen, den 23. junius 1792. 

I). ST. A. Jülichsche Geleitsrechte Nr. 12: Begleitung der Reichs- 
insignien von Aachen nach Frankfurt und zurück. Aktenheft zum Jahre 
1792. Papier, Original. 



— 124 — 

f 

Kleinere Mitteilungen. 

1—3. Die drei ältesten Geleitsurkunden des Aachener Stadtarchivs. 

Dank dem Entgegenkommen des Herrn Stadtarchivars Pick konnten am 
Schlüsse des Haupttcils der vorliegenden Festschrift über die im Aachener 
Stadtarchiv vorhandenen Geleitsbriefe nähere Angaben gemacht werden. Die 
drei ersten dieser Geleitsbriefe sind, soweit Aachen in Betracht kommt, 
bedeutend älter, als die ältesten ähnlichen Schriftstücke im Düsseldorfer 
Staatsarchiv. Nachstehend folgt der Wortlaut der ältesten Geleitserteilung 
v. J. 1372. Es handelt sich darin um den Besuch der Frankfurter Messe 
durch Aachener Kaufleute. Der Aussteller, Erzbischof Friedrich von Cöln, 
bewilligt den Aachener Bürgern in seinem Gebiete freies Geleit zu Wasser 
und zu Laude auf der Reise zur genannten, als bevorstehend bezeichneten 
Messe. Zahlung von Zoll- und anderen derartigen Gebühren wird zur Bedingung 
gemacht, auch vorausgesetzt, dass sich im Reisezuge keine Feinde des Erz- 
bischofs oder der Cölner Kirche befinden. Die Kosten des Geleits sollten die 
Aachener tragen. 

Leber den Inhalt der beiden anderen Geleitsbriefe sei auf die im Nach- 
stehenden gegebene Uebersicht verwiesen. 

1. Geleitsbrief des Cölner Erzbischofs Friedrich III. für die Bürger 
des königlichen Stuhls Aachen. 1372, Februar 1. 

Nos Fridericus dei gracia sanete Coloniensis ecclesie archiepiscopus . . . 
sacri Bomani imperii per Italiam archicancellarius, notum faeimus universis, 
quod nos dilectis nobis civibus regalis sedis Aquensis instantes nundinas 
Franckenfordenses visitare volentibus, cum suis bonis, rebus et familia in 
terra et potestate nostris per terram et aquam eundi et redeundi liberum 
conduetum concessimus et concedimus ac dedimus atque damus pro omnibus 
nostri intuitu quieunque facere aut dimittere volentibus, dumodo hij, qui 
conduetu huiusmodi gaudere voluerint, contra nos et eeclesiam nostram non 
excesserint, theloniis tarnen et aliis iuribus nobis debitis de bonis et rebus 
eorundem nobis salvis. Quocirca universis et singulis nostris officiatis manda- 
mus, quatenus prefatos cives Aquenses cum suis familia, rebus et bonis per 
terram et potestatem nostras conducant et conduci faciant corum expensis, 
quotiens tempore nundinarum predietarum per eos super hoc fuerint requisiti. 
Datum Gudesberg ipso die beate Brigide virginis anno domini millesimo 
treceutesimo septuagesimo seeundo. 

Aachener Stadtarchiv. Original; Papier, kein Waaxerz-richcn. Siegel unter 
Papier. 

2. Geleitsbrief der Stadt Maastricht für Mitglieder des Aachener 

Rats. 1397, Dezember 22. 

Bürgermeister, geschworene Vorsteher (gesworen goevernere) und Bat 
der Stadt Maastriebt bewilligen den guten Leuten (gueden Luiden) nebst 



— 125 — 

ihren Dienern und Knechten, die die Stadt Aachen aus ihrem Rate nach 
Maastricht schicken wird, sicheres Geleit (sicher vurwarde ende guet geleide) 
mit der Berechtigung, vom Datum des Geleitsbriefs an his zum nächsten 
6. Januar beliebig oft nach Maastricht zu kommen und Maastricht zu ver- 
lassen. Sollten die Aachener jemand mitbringen, der ein Feind der Herren 
von Lüttich, Brabant oder der Stadt Maastricht wäre, oder der mit Maas- 
trichtcr Bürgern Rechtsstreitigkeiten hätte, so müssten diese nach Rechts- 
gebrauch (solden si rechts plcighen oft sich geboirde) erledigt werden. 

In orkonde der woirheit hebben wir onsser stat Siegel van den saken 
ain diesen openen plaeckaetc doin drucken. Gegheven in den ioere van der 
seliger geboirdt onse heren Jhcsu Christi duisent driehondert nuegentich en 
seven des anderen dagh na sente Thomaes daghe apostels. 

Aachener Stadtarchiv. Original ; Papier ohne Wasserzeichen. Siegel unter 
Papier. 

3. Geleitsbrief des Erzbischofs von Cöln für Aachener Kaufleute. 

1407, August 15. 

Der Geleitsbrief, bei dem es sich wiederum um den Besuch der bevor- 
stehenden Frankfurter Messe handelt, besagt im allgemeinen das Gleiche wie 
der vorstehend (unter 1.) abgedruckte Geleitsbrief des Erzbischofs Friedrich 
vom 1. Februar 1372. Die Fassung ist in deutscher Sprache gehalten; der 
Erzbischof nennt sieh nicht, sondern schreibt einfach Archiepiscopus Colonien- 
sis, dux Westfalie etc. Von der Zahlung von Zollgebühren und davon, dass 
die Aachener die Geleitsmannschaft zu bezahlen haben, ist nicht die Rede. Die 
Amtmänner und Zöllner werden indes angewiesen 1 , die Aachener geleiten 
zu lassen, falls diese es wünschen. Es fehlt jede Andeutung darüber, wie 
es gehalten werden soll wenn sich Feinde des Ausstellers oder seines Gebietes 
in dem Zuge nach Frankfurt befinden. 

Datum Arnsberg anno domini millesimo quadringentesimo septimo ipso 
die assumptionis virginis gloriose. 

Aachener Stadtarchiv. Original; Papier ohne Wasserzeichen. Beste Hm s 
Siegels. 

4. Achtserklärung 2 Kaiser Rudolfs II. gegen Bürgermeister und 

Rat in Aachen. 1598, Juni 30. 

(Mit einem Lichtdruckbilde.) 

In der Geschichte Aachens ist der 30. Juni 1598 hoch bedeutsam. 
Liegen doch nicht weniger als drei Schriftstücke Kaiser Rudolfs II. von 



') Aus dem Zusammenhang folgt ziemlich unzweifelhaft, dass der Aussteller die 
Zahlung von Zollgebühren und die Besoldung der Goleitsmannsehal't durch die Aachener 

als seihst verständlieh het raehtete. 

2 ) Die Achtserklftrung gehört deshalb in einen Aufsatz über Qeloitsrechte, weil 
mit der Strafe der Acht der Fortfall jeglichon Anspruchs auf Geleit verknüpft war. 
Auch in dor vorliegenden Achtserklärung fordert der Kaiser ausdrücklich auf, die 
Geächteten weder zu schirmen noch zu vergleiten. Tatsächlich schlug der mil doi 



— 126 — 

diesem Tage vor, in denen der Kaiser von seinem Schlosse zu Prag aus 
gegen Bürgermeister und Rat zu Aachen die Reichsacht ausspricht. Die 
Achtserklärung hing mit den Streitigkeiten ' zwischen Protestanten und 
Katholiken in Aachen zusammen und bezweckte, durch Verdrängung des 
protestantischen Rats den flüchtig gewordenen katholischen Mitgliedern des 
Aachener Rats ihre Ratssitze wieder zu verschaffen. In Prag hatte man 
am 29. Juni 1598 den dortigen Vertreter des Aachener Rats, Joachim von Holz, 
auf den folgenden Tag morgens 7 Uhr ins kaiserliche Schloss bestellt. Nach 
zweistündigem Warten wurde ihm dort im Saale des Reichshofrats die vom 
30. Juni datierte Achtserklärung gegen Aachen feierlich verkündigt 2 . Diese 
Erklärung war kurz abgefasst. Ihres beharrlichen Ungehorsams wegen, so 
hiess es, würden die in Aachen zur Zeit eigenmächtig regierenden Bürger- 
meister und Rat in des Kaisers und des Reichs Acht gesprochen und erklärt, 
also aus dem Frieden in den Unfrieden gesetzt. „Ihr Leib, Hab und Gut 
sei den Klägern, dero Mitverwandten und Allermänniglichen erlaubt 3 ." Weit 
umfangreicher waren die beiden Schriftstücke, die in gleicher Sache der Kaiser 
an den Herzog Johann Wilhelm von Jülich und an die Grossjen des Reichs 
sandte. Im Briefe an den Herzog 4 beklagt der Kaiser deu dauernden Un- 
gehorsam der „Regimentsführer" in Aachen gegen früher rechtskräftig er- 
gangene und mitgeteilte Urteile. Mit besonderer Befremdung, so sagt er, 
habe er vernommen, „was massen unsere kaiserliche und angeborene Sanftmütig- 
keit bei denselben Leuten nichts helfe", sondern dass sie im Gegenteil immer 
halsstarriger würden. Aus Trug und Hochmut bildeten sie sich ein, dass die 
früheren Urteile nie vollstreckt werden könnten, obschon die Gegenpartei und 
der Herzog von Jülich auf Vollstreckung oft gedrängt hätten. Er (der Kaiser) 
habe deshalb, nicht gegen die ganze Bürgerschaft und Gemeinde, sondern 
allein gegen den eingedrungenen Rat „aus kaiserlicher Amtsgewalt und als 
unmittelbarer einziger Oberherr" die Reichsacht ausgesprochen. Der Herzog, 
für den eine Ausfertigung der an die Kurfürsten, Fürsten und Stände des 
Reichs gerichteten Mitteilung der Achtserklärung beiliege, werde ersucht, 
die Achtserklärung zu veröffentlichen, der Bürgerschaft zu Aachen, falls 
sie mit den Geächteten gemeinsame Sache machen würde, Handel und Lebens- 



Vollstreckung der Acht beauftragte Erzbischof von Cöln dem Aachener Rat sogar die 
Bitte um sicheres Geleit für die Gesandten ab, die über die Art der Unterwerfung des 
Rats mit dem Erzbischof verhandeln sollten. 

') Ein Eingehen auf diese in der geschichtlichen Literatur viel orörterten Streitig- 
keiten gehört nicht hieher 

8 ) Näheres bei K F. Meyer, Aachensche Geschichten Bd. I, S. 4f)8. Die Feier- 
lichkeiten bestanden in Folgendem, von Holz wurde nach dreimaliger Aufforderung 
auf des Kaisers Befehl im Schlosse zu Prag in den grossen Saal des Reichshofrats ge- 
führt, wo ein mit rotem Sammet überzogener leerer Sessel, den Herolde umstanden, 
den Sitz des Kaisers andeutete. In Gegenwart der Hofräte wurde die Achtserklärung 
vorlesen, worauf ein Herold das in Fetzen zeriissene Papier, auf dem die Acht vermerkt 
war, zum Fenstar hinauswarf. 

:i ) Wortlaut bei L. Keller, Die Gegenreformation (Band 33 der Publikationen aus 
den preussischen Staatsarchiven), S. 19-1, Nr. 175. 

4 ) Düsseldorfer Staatsarchiv: Vogtei und Meierei Aachen. 



— 127 — 

mittclzufuhr zu sperren, sowie dem mit der Vollstreckung der Acht beauf- 
tragten Erzbischofe von Cöln, wenn es nötig sein sollte, beizustehen. So 
Rudolf II. am Tage der Achtserklärung an den Herzog von Jülich. 

Die Vorlage ' zu dem diesem Aufsatze beigegebenen Lichtdruckbilde 
ist jedenfalls eine Ausfertigung der an die Grossen des Reichs gesandten 
Achtserklärung, die der Kaiser seinem Schreiben an den Herzog Johann 
Wilhelm von Jülich als Beilage zufügte. Sie weist die eigenhändige Unter- 
schrift Rudolfs II. und das kaiserliche Siegel auf. Kurz ist der Inhalt 
folgender. Zunächst bezeichnet der Kaiser die katholischen Bürgermeister, 
Schöffen, Ratsmitglieder und Bürger Aachens als Kläger, die derzeitigen 
dortigen (protestantischen) Bürgermeister und Ratsmitglieder als Beklagte, 
und den Herzog von Jülich als „Interessenten". In der Klage, so heisst es 
weiter, die auf vorgenommene Neuerungen und üebergriffe in Religions- 
sachen lautete, wären wiederholt Entscheidungen zu Gunsten der Kläger 
ergangen. Hingewiesen wird dabei auf den Reichstag zu Augsburg i. J. 
1582, den den Kurfürsten von Trier und Sachsen in der Aachener Sache 
erteilten Auftrag, sowie auf Verhandlungen in den Jahren 1592, 1593 und 
1396. In der Entscheidung vom 10. Juni 1596 war den Beklagten für den Fall 
des Ungehorsams die Strafe der Acht ausdrücklich angedroht worden. Da 
die Beklagten aber, so etwa schliesst der Kaiser, dem Allem keine Folge 
noch Gehorsam geleistet, haben wir die zur Zeit eigenmächtig regierenden 
Bürgermeister und Rat unseres königlichen Stuhls und der Stadt Aachen in 
unser und des heiligen Reichs Acht erklärt. Wir setzen sie aus dem Frieden 
in den Unfrieden und erlauben ihren Leib, ihre Habe und Güter den Klägern 
und jedermann. Die Geächteten dürfen, solange sie von der Acht nicht los- 
gesprochen sind, weder in Aachen, noch sonstwo im Reich aufgenommen, 
gespeist, getränkt, geschützt oder vergleitet werden. Niemand darf mit 
ihnen verkehren, und wo immer zu Wasser oder zu Lande ihre Personen 
und Güter angetroffen werden, kann man sie angreifen, „niederlegen und 
verhaften" -. 

Wenige Wochen nach ihrem Erlasse wurde die Achtserklärung in 
Aachen und im Jülichschen öffentlich verkündigt und angeschlagen. Ein 
Widerstand war nicht möglich. Der jülichsche Amtmann von Waidenburg 
stand mit einigen Hundert Mann zu Burtscheid, und in der Nähe von Aachen 
lagen einige Tausend Mann spanischer Truppen. Der protestantische Rat 
wurde seines Eides entbunden und gab die Schlüssel der Stadttore ab 3 . Am 
1. September 1598 kehrten die flüchtig gewesenen früheren Ratsuiitglieder 
in feierlichem Aufzuge nach Aachen zurück 4 . Damit war im wesentlichen 
der Zweck der Achtserklärung erreicht. 



'; Düsseldorfer Staatsarchiv. Jülich-Bergischo Urkunden. 

2 ' Der weitschweifige Wortlaut, der Achtserkärung (vgl. das Lichtdruckbild) ist 
überaus scharf und drohend gehalten. 

8 ) Vgl. F. Haagen, Geschichte Achens Bd. II, S. Is7 f. 
*) Vgl. BeiInge Nr. 21. 



— 128 — 

5. Verhandlungen zu Cornelimünster im Mai 1604 über das jülichsche 

Geleitsrecht in Aachen. 

Zur Beilegung vieler zwischen Aachen und Jülich schwebenden Streit- 
fragen fanden im Mai 1604 zu Cornelimünster eingehende Verhandlungen 
statt. Die lauge, vom 14. Mai datierte Anweisung, die hierzu der herzog- 
liche Hof in Düsseldorf seinen Bevollmächtigten mit auf den Weg gab, beruht 
im Düsseldorfer Staatsarchiv 1 . In der Anweisung kommen auch Jülichs 
damalige Ansprüche auf das Geleitsrccht in Aachen vor, zu denen hier 
folgendes angedeutet sei. 

Jülich hatte im Laufe der letzten drei Jahrhunderte vor 1600 auf 
Grand seiner vogteilichen Befugnisse der Stadt Aachen gegenüber seine 
dortigen Geleitsrechte überwiegend zum eigenen Vorteil gestaltet. Ihm allein 
kam das Geleitsrecht der Juden und Lombarden zu, während es in das Geleit 
zum Rechten (zum Gericht) mit Aachen sich teilte*. Streilfg in mancher 
Hinsicht war um die Wende zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert das 
Geleit von Kaufleuten und Kaufmannsgut, namentlich aber von fürstlichen 
Persönlichkeiten, die auf ihren Reisen Aachen berührten. Hierzu sollten die 
Jülicher Bevollmächtigten in Cornelimünster folgendes hervorheben. Jülich 
habe seit jeher das Geleitsrecht zwischen Cöln und Aachen gehabt. Wie 
auf jedem Vogtgedinge in Aachen festgestellt werde, müsse der Vogt fahren 
und fliessen lassen, schützen, schirmen und Gewalttätigkeiten abstellen. 
Dieses Recht des Vogts sei ein Geleitsrecht. Falls es in älterer Zeit nicht 
geltend gemacht worden sei, so sei dies offenbar irrtümlich (error raanifestus) 
geschehen. Der Irrtum falle um so weniger in die Wagschale, als es sich 
hierbei um ein kurpfälzisches und kaiserliches Hoheitsrecht handele, auf 
das der Vogt nicht verzichten dürfe. Uebrigens seien seit der Zeit Karls V. 
zahlreiche hohe Persönlichkeiten in Aachen ausschliesslich durch jülichsche 
Geleitsmannschaft geleitet worden, auch noch am 1. September 1598 der 
Aachener Rat selbst bei seiner Wiedereinsetzung. Es befremde, dass Aachen 
jetzt dieses Recht „disputierlich machen wolle". 

Die Verhandlungen in Cornelimünster verliefen ergebnislos. Zwei Jahre 
später verschluss Aachen der Herzogin von Jülich seine Tore und behauptete, 
es sei ein altes Recht der Bürger, innerhalb der Stadt Geleit zu geben oder 
zu versagen. In der Einigung vom 12. September 1608 zwischen Jülich und 
Aachen fiel das Fürstcngeleit ausschliesslich au Jülich, doch wurde spater 
(1660) der Stadt ein beschränktes Geleitsrecht eingeräumt, das ihr bis zur 
Femdherrschaft verblieb. 

Bei der Geleitung heimkehrender Aachener Kaufieute machte die 
jülicher Geleitsmanuschaft nach dem Vertrage vou 1608 vor den Toren 
der Stadt halt; trat sie ein, so zahlte sie Verpflegungskosteu. Auch diese 
Bestimmung wurde in rcichsstädtischer Zeit nicht mehr geändert. 



') Beilagen zum Foliobando über die Privilegien der Vogtoi und Meierei zu Aachen. 
s ) Aktenstücke darüber, wie dieses Recht teilweise an Jülich kam, fehlen. 

Drück von Heumann Kaatzek in Aachen. 




Mitteilungen 

des 

Vereins 





für Kunde 

der 

Aachener Vorzeit 



Im Auftrage des Vorstandes herausgegeben von Heinrich Schnock. 

Jährlich wenigstens 8 Nummern. — Preis des Jahrgangs 4 Mark. 

Verlag der Cremerschen Buchhandlung (C. Cazin) in Aachen. 



Nr. 9/10. 



Siebenzehnter Jahrgang. 



1904. 



Inhalt: H. Savelsberg, Reisebericht vom Jahre 16ÖI über Aachen. — Kleinere Mit- 
teilungen: H. Savelsberg, 1. Bericht über altertümliche Funde in Aachen i. J. 1901. — 
2. Aachener Arbeitslöhne am Anfange des 17. Jahrhunderts. — 3. Altertümliche Aachener 
Backformen (Nachtrag). — H. Savelsberg, Geschichtsliteratur über Aachen in Zeitschriften 
und Tagesblättern. — Bericht über die Monatsversammlungen und Ausflüge i. J. 1903/4. — 

Bericht über das Vereinsjahr 1903/4. 



Reisebericht vom Jahre 1661 über Aachen. 

Von H. Savelsherg. 

Im hiesigen Stadtarchiv befindet sich der interessante Be- 
richt über eine Eeise eines leider nicht genannten Bürgers aus 
Cüln, die er in Gemeinschaft mit fünf anderen Cölnern, Damen 
und Herren, in den Tagen von Montag, dem 23. Mai bis Dienstag, 
den 31. Mai des Jahres 1G61, also gerade 5 Jahre nach dem 
furchtbaren Stadtbrandc vom Jahre 1656, nach Aachen unter- 
nommen hat. 

Die Cölner Amtsmeister Heinrich Hückeshoven und Johann 
Strunck hatten ihn zur Teilnahme an einer Spazierfahrt nach 
Aachen eingeladen; er hatte gerne eingewilligt, mit seinen beiden 
Schwestern Cäcilia und Katharina die Reise mitzumachen, worauf 
sich noch ein andrer Bekannter von ihnen, der Cölner Bürger 
Jakob Worringen, anschloss, so dass schliesslich die ganze Reise- 
gesellschaft aus sechs Personen bestand. 

Bei der Hinreise, die sie Montag, den 23. Mai, bereits um 
4 Uhr morgens an dem nach Westen hin gelegenen Hahnentor 
in Cüln begannen, nahmen sie den gewöhnlichen Reiseweg auf 
der Aachener Strasse an Melaten vorbei, den auch die Abge- 
sandten der Stadt Aachen mit den Reichsinsignien regelmässig 



— 130 — 

wählten, von Cöln über Bergheim, Jülich und Aldenhoven, 
während sie auf der Rückreise, jedenfalls um nicht denselben 
Weg - zu machen, vielmehr immer etwas Neues zu sehen, einen 
andern Weg gewählt haben über Haaren, dann wahrscheinlich 
über Eschweiler und Weissweiler nach Arnoldsweiler und von 
dort über Kerpen nach Mödrath, Vellrath und Cöln. Die Stimmung 
der kleinen Reisegesellschaft scheint schon gleich beim Anfange 
der Reise eine recht gemütliche gewesen zu sein; denn bevor 
sie noch Bergheim erreicht hatten, hatten sie sich unterwegs 
schon in fröhlichem Gespräch einzelne Rollen zugewiesen und 
abgemacht, dass sie sich gegenseitig mit besonderen Titulaturen 
anreden sollten. 

Herr Hückeshoven sollte als Grosshofmeister, Herr Strunck 
als Bürgermeister, Herr Worringen als Bannerherr und der 
ungenannte Berichterstatter als Sekretarius fungieren, während 
die ältere der beiden Damen Cäcilia Sängerin sein und ihre 
jüngere Schwester Katharina das Amt der Botelliererin d. h. 
Mundschenkin oder Kellermeisterin verwalten sollte. Sie hatten 
sich nämlich auch, wie aus dem Berichte hervorgeht, einen mit 
Speisen und Weinvorräten gut gefüllten Keller mitgenommen, 
aus dem sie vielleicht am frühen Morgen schon zur Erzielung 
einer animierten Reisestimmung eine reichlich bemessene Er- 
frischung zu sich genommen haben mögen. 

Der ziemlich ausführliche Reisebericht, in dem der Schreiber 
leider seinen eignen Namen nicht nennt, lautet folgendermassen : 

Aacher Reyse. 1661, 23 may. 

Als im jähr Christi 1661 auf sontag, den 22. may die zeit- 
liche herrn ambtsmeister Heinrich Hueckeshoven und Johann 
Strunck sich vereinbahret, eine spatzierreyse auf Aachen zu thun 
und mich umb die gesellschaft zu leisten ersucht, auch ich nit 
allein- für meine person sondern auch für meine beyde Schwestern 
zugesagt, ist dessen Jacob Worringen innen worden, und alsopald 
begehrt, daß wir ihnne zum mitgefehrden auf- und anzunehmen 
uns wollen belieben lassen; welches auch auf sein einständiges 
anhalten besehenen. 

Ist d erohalben mit dem fuhrman Königs Johann abgeredet, 
daß sich am anderen tag, als montag den 23. may morgens 
frühe umb die klocke vier uhren bereit halten und an der Haanen- 



— 131 — 

pfortzen mit zwey pferden und einer guten karren finden lassen 
solle, mit deine für fracht 4 reichsdaler ist contrahiret worden. 

Als nun dohmahllen des morgens wir uns alle an der pforten 
eingefunden, 1 haben wir die reyse in dem namen Gottes ange- 
fangen, selbigen mittags bis nach Berchem kommen und aus 
unserem beyhabenden wetscher 1 mahlzeit gehalten, inmittelst 
einem jeglichen sein officium bey wehrender reyse und absentie 
von haus ertheilet, daß nemblich Henrich Hueckeshoven groß- 
hofmeister, Johann Strunk burgermeister, Jacob Woringen banner- 
herr, meine Schwester Cecilia Sängerin, Schwester Catharina 
botteliererin sein und ich das ambt eines secretarij betretten 
solle, auch daß ein ieglicher wehrender abwesenheit von haus 
anderster nit auf namhafte straf als mit dem name seines officij 
solle genennet werden. 

Abends seind wir durch Gulich gefahren und zu Aldenhoven 
im Güldenen Birrbaum 2 übernachtet. 

Anderen morgens gleichs frühe, haben wir uns durch den 
busch fuhren lassen und so weit advanciret, daß wir ungefehr 
zu mittag in Aachen glücklich anglangt, daselbst im Rosenbad 3 
eingekehret, mit denen leuten abgehandelt, daß nebens der muhe 



') Wetscher oder Wetschger bedeutet nach dem Glossarium diplomaticum 
von Eduard Brinekmeier (Hamburg 1855, II. Bd., S. 730) einen Beutel, 
ein Säckchen, einen Watsack oder Kleidertasche, was man heute vielfach 
mit Rucksack bezeichnet. 

2 ) Ein solches Wirtshaus „zum Birnbaum" gibts heute in Aldenhoven 
nicht mehr; auch konnte ich von den äl testen Leuten des Ortes nichts 
Näheres darüber in Erfahrung bringen. Dass dieser Name in der damaligen 
Zeit häufiger, namentlich bei Gasthöfen, in Brauch war, geht daraus hervor, 
dass 1648 „eine in Colnerstraßen gelegene zum'.Birnbaum geuante bchausung" 
erwähnt wird, ferner das auf dem Markte Nr. 23 gelegene „haus zum Birn- 
baum" in mittelalterlicher Zeit ein hoch angesehenes Gasthaus war, in dem 
sogar zahlreiche fürstliche Personen, z. B. Kaiser Karl V. ihr Absteige- 
quartier nahmen, und auch der bekannte Gasthof „zum goldenen Drachen" 
in der Komphausbadstrasse denselben Namen „zum Grossen Birnbaum" führte, 
bevor er im 18. Jahrhundert seine heutige Bezeichnung erhielt. (Vgl. 
Eich. Pick, Aus Aachens Vergangenheit, 1895, S. 574, Anm. 1.) 

3 ) Dass das Rosenbad in der Komphausbadstrasse damals schon städtisches 
Eigentum war, erfahren wir aus einer Notiz der Aacher Chronick des Johannes 
Noppius (I. Buch, S. 108) vom Jahre 1632, wo es heisst : „Das Cornelii bad, 
welches dort nunmehr propter praefixam doinini iconem S. Cornelii (wegen 
eines Hausschildcs, auf dem der hl. Cornelius abgebildet war) S. Corneliibad 



— 132 — 

des badens, herlieh ung - des badzeuges, tischzweehlen 1 , serevieten, 
schüsselen, kannen, für schlafung und zurüstung deren speisen, 
sü wir auf unsere kosten einkaufen, für uns sambtliche jeden 
tag zahlen solten 5 reichs ort 2 , dessen würde der tag der 
ankunft und abreyse für einen tag gerechnet. 

Seind wir also plieben vom dienstag biß folgenden montag 
inclusive per sechs tagen. 

Zum beweisthumb unserer zehrungskosten wird folgende 
specification herbeij gefüget: 

Auf der Aacher reysen hat Heinrich Hueckes- rthlr. albus heller 
hoven am montag von Collen bis Aldenhoven 
verlagt 2 gülden 3 14 albus 62 

Item zu Aldenhoven per die mahllzeit und 
schlaffung 2 gülden 10 albus, für die magd 
drinckgeld 12 albus, noch 7 fetmenger 4 für 
brandewein. Item einen mann, so den weg 
von Aldenhoven durch den busch gezeiget, 
10 albus, thut 1 6 8 

Item zu Aachen dem fuhrman für seine 
Verpflegung 1 rthlr 1 



heischet, stehet privat darinnen wohnenden partheyen zu, das Rosenbad nach 
todt etlicher noch lebender leibzuchter E. E. rath, und hat seinen nahmen 
von einem bürger, welcher es gebawet und mit seinem zunahmen Rosen 
geheischen". Daraus geht hervor, dass das Rosenbad, wie das Korneliusbad, 
früher in Privatbesitz war und schon vor 1632 in den Besitz des Rates, 
also der Stadt, übergegangen war, die dabei die Verpflichtung übernommen 
hatte, an einige Personen, die daran noch leibzuchtsberechtigt waren, für die 
Zeit ihres Lebens die betreffenden Renten auszuzahlen. 
*) Alte Bezeichnung für Tischtücher. 

2 ) Ein Reichsort = '^ Reichsthaler. Da der cölnische Reichsthaler 
damals 78 Albus galt, während er später im allgemeinen gleich 80 Albus 
war, so war 1 Reichsort = 19 ! / 2 albus oder 19 albus 6 heller. 

3 ) Der einfache Gulden betrug 24 Albus, während der Goldgulden einen 
Wert von 112 albus oder 1 rthlr. 34 albus hatte. 

4 ) Hier finden wir eine merkwürdige Benennung für eine Geldmünze, 
ein Fettmännchen. Nach dem Idiotikon von Joseph Müller und Wilhelm Wcitz 
ist „Fettraännche eine ehemalige jülich-pfälzische Kupfermünze, deren zwei 
einen Stüber oder eine hiesige Mark (d. i. 4*/ 9 alte Pfennige) ausmachten. Sie 
führte diesen Namen vielleicht wegen ihrer Schwere oder, wie Adelung be- 
hauptet, weil ehedem ein wohlbeleibter Erzbischof oder Heiliger darauf 



— 133 — 

Item zu Aachen in unserer herberg hatte rthlr. albus heller 
der wirth für uns verlagt 3 1 /;.. Seind daselbst 
verplieben p£r 5 gantzer und 2 halber tagen, 
jeden tag ad 5 reichsort, thut V\ % . Item für 
die magd en drinckgeld jede person 1 l i rthlr., 
thut V\ 2 . summa rthlr. 12 V 2 darab Hueckes- 
hoven erlagte 4 

Item den herren Patribus recollectis per 
eine schink 8 , so die compagnie ihnen verehret 39 

Item hat herr Hueckeshoven mitführen 
lassen eine halbe ohm weins weniger ein 
viertel und nebenst deme ein kellergen per 
13V 2 quart, die ohme bedingt ad 12 daler, 
Colinisch ...... .... rthlr. 4 57 

Summa rthlr. 12 8 8 

Hingegen hat er von Jacob Woringen 
empfangen 3 rthlr. und 1 goldgulden, t hut 4 34 

Pleibt in allem, so Heinrich Hueckeshoven 
vorlagt rthlr. 7 52 8 



Johann Strunck hat verlagt, so derselb an 
Königs Johann bezahlt per f rächt 3 rthlr. 
und dem jungen 1 l i 3 19 6 

Item zu Aachen in der herberg ... 3 



Summa rthlr. 6 19 6 



geprägt gewesen sei, wie denn auch das westerwäldische Petermännchen 
(6 Pfennige an Wert) so viel als Paterinämichen bedeuten soll". Wahr- 
scheinlich ist in Bezug auf die letztere Münze die Ansicht von Müller- Weitz 
nicht stichhaltig, vielmehr anzunehmen, dass der Ausdruck Petermännchen 
als Bezeichnung einer vorwiegend Trierer Münze von dem hl. Petrus, dem 
Schutzpatron von Trier, abzuleiten ist. Den damaligen Wert eines Fett- 
männchens kann man sowohl aus dieser Berechnung als auch aus einer Notiz 
eines diesem Berichte beiliegenden späteren Reiseberichts vom Jahre 166-1 
auf 2 / 3 albus also 8 heller berechnen. 

8 ) Der conventus Fratrum minorum s. Francisci recollectorum in Aachen, 
die armen Minderbrüder (heute im Volk noch Mcnebrüer genannt), erhielten, 
wie aus ibren zahlreichen, zu bestimmten Zeiten immer wiederkehrenden 
Bittgesuchen an den Aachener Rat hervorgeht, häufig Unterstützungen in 
Fleisch und Kohlen. So scheint auch hier die genannte Reisegesellschaft, 
wahrscheinlich als ein Gott wohlgefälliges Werk zum Dank für den guten 
Verlauf der Herreise, den armen Minnenbrüdern einen Schinken als Almosen 
gegeben zu haben. 



— 134 — 

Jacob Woringen verlagte an den fuhr- rthlr. albus heller 

man per fracht rthlr. 1 

Item zu Arnoidtsweiler per Unkosten . . — 6 

Zu Mächtrath per Unkosten 19 8 

Item gab zu Aachen 3 rthlr. und 1 gold- 

gulden, so Hueckeshoven empfangen ... 4 34 



Summa 5 59 8 

über dieses verlagte ich für eine Verehrung 
auf dem rhatthaus zu Aachen, einen Schilling 
dem burggraeven 1 und einen Schilling denen 
Soldaten 19 6 

Zu Vellrhat in der ruckreyse per Unkosten 
! /a rthlr. rthlr. 39 — 

Zu Arndtsweiler per Unkosten .... — 20 

Item gab ich zu Aachen in der herberg rthlr. 5 39 — 

Item zu haus dem fuhrman von Aachen, 
Wilhelm Schmidts, 7 rthlr 7 — 

Item dem fuhrknechten 74 rthlr. ... — 19 6 

So dann auch zur reyse mitgenommen eine 
schink 2 ad 9 mrk. Ein Limburgirer keeß 
ad 12 albus, 4 albus brod und am abend zu 
haus 2 kannen saurwasser per 8 albus rthlr. 1 



Summa verlagte ich 14 59 



In summa summarura verlagte 

hr. Heinrich Hueckeshoven nach abzug rthlr. 7 52 8 

hr. Johann Strunnck rthlr. 19 6 

hr. Jacob Woringen rthlr. 5 59 8 

und ich verlagte rthlr. 14 59 



Summarum rthlr. 34 34 10 



') Burggraf ist die Cölncr Bezeichnung für den im Mittelalter gebräuch- 
lichen Titel Rathausbcwahrer, heute Kastellan; er erhielt von der Gesell- 
schaft auch nur eine verhältnismässig geringe Gabe, einen Schilling. Dies 
war der achte Teil eines Reichstalers und betrug 9 albus und 9 heller, 
d. h. im heutigen Gehle noch nicht eine halbe Mark. 

2 ) Nach dieser Berechnung scheint der Schinken, den sie sich hier in 
Aachen zur Rückreise kauften, besser und schwerer gewesen zu sein als 
derjenige, den sie den Mcnebrüdern schenkten; denn während dieser nur 
39 albus kostete, wurden für jenen 46 albus bezahlt. 



— 135 — 

Thut in vier theill getheilet, jedem für rthlr. albus heller 
sein quota rthl. 8 x / 2 alb. 8. hell. 8 l j 2 . Muß 
also mir, der ich das meiste ausgelagt habe, 

hr. Heinrich "Hueckeshoven geben . .rthlr. 73 

hr. Johann Strunck rthlr. 2 28 2 

hr. Jacob Woringen rthlr. 2 66 8 



Summa rthlr. 6 11 10 



Jedoch were, meines geringfügigen erachtens viell besser, 
daß in dergleichen reyse vor eingang deroselben ein jeglicher 
pro quota ein benanntes an einen zahll- oder hofmeister erlagen 
und derselb alles richtig nach Vollendung der reyse berechnen thete. 

Und insonderheit die heilsame regell in achtung genomen 
werde: Hüte dich für der ersten auslag. 

Weilen von dem obigen, so ich mehr als mein quota verlagt, 
mir bis dato nichts refundiret ist. 

Binnen Aachen haben wir besichtiget das schöne heiligthum 
in dem Münster per gratiam herrn canonici Dunwald '. 

Item auf dem Marcht ins rhahthaus gangen, da gleich nach 
aufgang der steigen vorhaubts nebst abgebildetem reichsadler 
geschrieben stunde mit güldenen buchstaben 2 : 

Urbs Aquensis, Urbs Regalis, 
Regni Sedes Pricipalis, Prima Regum Curia. 
Und oben wieder stunde die bildnus der allerseeligsten jung- 
frawen und mutter Gottes Mariae, vor derselben die bildnus 
Caroli magni kniend abgemahlet. 



') Der hier genannte Cänonicus Johannes Dunewald war 47 Jahre lang 
Kanonikus am hiesigen Münsterstift. Er wurde am 23. September 1638 durch 
den Kardinal Genetti als Cänonicus eingeführt, nachdem er bereits früher 
einmal, am 26. Februar 1637, zum Cänonicus erwählt worden war, aber 
infolge des Einspruches der Löwener Fakultät, der auch ein Bcsctzungsrccht 
am Aachener Marienstift zustand, wieder hatte resignieren müssen. Kr 
starb am 1. Juni des Jahres 1685 in Cöln. (Vgl. Ant. lleusch, Nomina 
Canonicorum ccclesiac B. M. V. An.uisg'ranensis, Berlin 1892, S. 27 u. 33.) 

2 ) Diese Darstellung ergänzt in erfreulicher Weise die von Cornelius 
reter Bock in seiner Schutzschrift „Das Rathhaus zu Aachen" (1843, S. 131 
und 134) mitgeteilten Inschriften, welche vor der Restauration des Rathauses 
im Jahre 1727 in goldenen Buchstaben an der Hauptfront zu beiden Seiten 
des Einganges angebracht waren. Den ebenfalls hier erwähnten Reichsadler 
über dem Vorderbau an der Nordscite des Bathauses, dem heutigen Ein- 
gange, der sogenannten Ratkausleuf, zeigt von den bekannten Darstellungen 



— 136 — 

Auf dem grossen gewölbtem königlichem saall 1 , wäre ein 
altar in einer capellen und oben der thur deroselben die bildnus 
Alexandri septimi-, moderni pontificis, und zur Seiten auf einer 

des Rathauses aus dem 17. Jahrhundert nur eine, nämlich ein ziemlich selten 
gewordener Kupferstich in der Stadtbibliothek, welcher die am 3. Dezember 
1(316 auf dem Markte vollzogene Hinrichtung zweier Rebellen aus den 
Religionsstreitigkciten mit Namen Andreas Schwarz und Matthias Schmetz 
darstellt. Das in unsrer Beschreibung erwähnte Bildnis der Mutter Gottes, 
vor der Karl der Grosse knieend dargestellt war, wird meines Wissens sonst 
nirgends erwähnt. Dasselbe kann sich nur unter dem vorstehenden Baldachin 
der Rathausleuf vielleicht als Deckengemälde befunden haben, da ja über 
der eigentlichen Eingangstürc, wie die meisten Abbildungen zeigen, eine 
mächtige Steinfigur Karls des Grossen mit langem Barte im Krönungsornate 
aufgestellt war. 

') Aus diesen Worten müssen wir entnehmen, dass der grosse Rathaus- 
saal damals noch nicht, wie die Bcamtcnprotokolle (vgl. Rieh. Pick, Aus 
Aachens Vergangenheit, Aachen 1895, S. 291) späterer Jahre (1665, 1669, 
1679 und 1709) berichten, nach Zerstörung des städtischen Büchsenkcllcrs 
im Zeughaus, als Gewehrkammer eingerichtet und als Speicher zur Auf- 
schüttung von Getreide benutzt wurde. 

2 ) Über das oberhalb der Türe der Rathauskapelle angebrachte Bildnis 
des damals regierenden Papstes Alexander VII. (1655—1667) gibt uns 
Laurent iu seineu Stadtrechnungen des XIV. Jahrhunderts (S. 45) ausführ- 
lich Bescheid. Dieser Papst hatte als Nuntius Fabio Chigi einige Zeit zu 
Aachen zugebracht und die Stadt liebgewonnen. (Näheres bei A. vonReumont 
in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. VII, S. 15.) Nach dem 
furchtbaren Brande vom Jahre 1656 hatte er dem Aachener Magistrat auf 
seine Bitte um Unterstützung in dieser schweren Not ein baares Geschenk 
von 40l0 Scudi gesandt (vgl. Janssens Chronik in A. von Fürth, Aachener 
Patriz. Farn. 1890, III. Bd., S. 11), weshalb der Rat „zur dankbaren Er- 
innerung an diese Wohlthat oberhalb der Rathauskapelle das Bildnis des 
Papstes, auf Leinwand gemalt, mit einem Lorbeerkranz von Gyps auf der 
Wand" befestigen Hess und mit einer lateinischen Inschrift schmückte. Das 
Porträt wurde samt der Inschrift im Jahre 1849 von der Wand entfernt, 
und Stadtarchivar Laurent kam, wie er iu einer Fussnote erzählt, eben noch 
zu rechter Zeit, um die Inschrift zu retten, welche in deutscher Übersetzung 
also lautete: „Dem Papste Alexander VII. , — weil er einst das Amt eines 
apostolischen Nuntius hier bekleidend diesen königlichen Sitz ehrte und liebte, 
bald darauf zur höchsten Würde erhoben denselben, als er 1656 am 2. Mai 
durch eine verhängnisvolle Feuersbrunst beinahe ganz verzehrt und jämmer- 
lich zugerichtet worden, durch seine ausserordentliche Freigebigkeit wieder 
aufrichtete und ermutigte, — hat der Senat und das Volk von Aachen zum 
ewigen Andenken an solche Wohlthat dieses Denkmal setzen lassen". Betreff 
der Rathauskapelle bemerkt der Bürgermeisterdiener Joh. Janssen (v. Fürth, 



137 



tafelen 1 die herren burgermeister und vornehmste des rahtts 
abgebildet, dieser saall ist lang 162 fuß und breit 60 fuß. 

In der rahtsstuben 2 stunde das letzte gericht und strenge 



Bd. III, S. 8), dass dieselbe, „wan die H. Mess aus ist und der Rath ist innen", 
„mit vorhangenden Gaurdinen" geschlossen gewesen sei. 

') Der Bericht erwähnt ferner, dass neben der Kapelle auf einem Bilde 
die Herren Bürgermeister und Vohrnehmstcn des Rates abgebildet gewesen 
seien. Mit dieser Notiz stelle ich eine andere zusammen, welche 12 Jahre 
später der englische Arzt Dr. Edward Brown in den Berichten seiner 1668 
begonnenen Reisen gibt, bei denen er auf einer Reise von Cöln nach London 
am 4. Juli 1673 auch nach Aachen kam. In der holländischen Übersetzung 
derselben, welche Jacob Leeuw im Jahre 1682 unter dem Titel „Naukeurige 
cn gedenkwaardige reysen door Nedcrland, Duytsland" etc. herausgab, heisst 
es in Bezug auf den damaligen Zustand des Rathauses (Buch III, S. 101): 
„Het stad of raedhuys wird gebowt in den jare 1353. altesamen van hard 
steen, met de beeiden der keysers fraep vercierd. De erste en tweede ver- 
dieping van dit gebouw is verdeeld in kamers; dog de alderhoogste is een 
doorgaende kamer of zael, 162. voet lang, ent sestig voet bree. Sc is op 
verscheyde plaetsen van Amisaga treffelyk beschilderd: Twee stukken zynder 
welkers tckening hier hoog geschat werd; een van de opstanding, en een 
ander van Karel de Groote, daer hy de charter of privilegic brief aen de stad 
van Aken over geeft." Das letztere Bild können wir nach einer „leider 
nicht vollendeten Beschreibung des ganzen Rathauses von der Hand des 
bekannten Chronikschreibers Karl Franz Meyer" aus den achtziger Jahren 
des 18. Jahrhunderts, die Canonicus Kessel am Ende seiner Schrift „Das 
Rathhaus zu Aachen", 1884, S. 59 ff. mitgeteilt hat, genauer bezeichnen als 
ein herrliches Gemälde, das „Karl den Grossen andeutet, der in seinem 
kaiserlichen Ornate auf dem Throne sitzt und den vor ihm stehenden Bürger- 
meister und Rechtsherren einen Gnadenbrief darreicht". Und dieses Bild war 
von dem Aachener Maler Antonius de Ametaga gemalt. Dieser wohnte in 
der Scherpstrasse, der heutigen Annastrasse. Ein Sohn desselben, Johann 
Wilhelm de Amezaga, war „Hauptmann über eine hochdeutsche Kompagnie 
zu Fuß". Als dieser nach dem Tode seines Vaters nach Aachen zurück- 
kehrte, beantragte er im Jahre 1668 bei dem Magistrat die Freigabe von 
„der bürgerlichen Wacht und Servitz" mit Rücksicht auf die grossen Ver- 
dienste seines Vaters um die Stadt, dessen berühmte Schildereien im Rathause 
noch zu sehen seien. Und sciu Gesuch wurde auch genehmigt, i Vgl. Rieh. Tick, 
Aus Aachens Vergangenheit. Aachen 1895. S. 89. A. und Zeitschrift des 
Aachener Geschichtsvereins, 1899, Bd. XXI, S. 255.) 

Über ein zweites wertvolles von Meyer in dem Bruchstück seiner B( 
Schreibung erwähntes Gemälde von Amezaga handelt unser Bericht im folgenden. 

'-') Die Rathsstube oder Rathskannner, d. h. der Raum, wo der Kleine 
Rat seine Sitzungen hielt, befand sich nach der Chronik des Noppius 
(I, S. 103) im Jahre 1632 rechts vom Eingänge des Rathauses neben der 



— 138 — 

urtheill gottes abgemahlet und rund um diese versus geschrieben 
Hie locus odit, amat, punit, conservat, honorat 
Nequitiara, Pacem, Crimina, Jura, Probos 1 . 
ferners: Eine Red, keine Red, 

Man Soll Sie hören beyd. 
item: Recht, Gericht und Verschwiegenheit. 

Eigner gesetz haltung und Tapferkeit 
Zieret alle Räht und Obrigkeit. 
Auf der schmidtslauben 2 . 
Obig einem schoenen schorenstein hielten zween alte greißen 
des schmidtambts wapfen mit dieser Unterschrift: 

Thue recht 
Schewe Niemandt. 
An beiden seithen waren 6 zeichen der vornehmsten schild- 
brüderen und darunter geschrieben : 

Haltet fast Ewere Gerechtigkeit 
Stehet bey Ewerer Obrigkeit 
Bey aller Billigkeit, Aufrichtig und Recht 
Also halten wir unser Gafelb Recht. 



Werkiueistcrlaube, also in dem heutigen Beratungssaale vor dem Zimmer 
des Oberbürgermeisters. Dass sie dort auch noch im Anfange des acht- 
zehnten Jahrhunderts lag, hat Pick in seinem Buche „Aus Aachens Ver- 
gangenheit" (Aachen 1895, S. 292, Anm. 1) nachgewiesen. Also befanden sich 
die genannten Inschriften und das Bild in dem ebengenannten unteren Baume. 
Das Bild, welches der Berichterstatter hier das letzte Gericht und das 
strenge Urteil Gottes nennt und der englische Arzt Edward Brown unter 
dem Namen de opstanding, d. h. die Auferstehung der Toten, dem Aachener 
Maler Antonius dem Amezaga zuschreibt, muss wohl nach Meyers unvoll- 
ständiger Beschreibung des Bathauses (vgl. Kessel, Das Bathhaus zu Aachen 
S. 61) in der damaligen Zeit vielfach Rubens oder van Dyck zugeschrieben 
worden sein. 

') In freier Übersetzung: 

Hier diese Stätte hasst jegliche Bosheit und liebet den Frieden, 

Schwere Strafe trifft den Verbrecher, 

Schutz wird dem Becht und Ehre zu teil zum Lohn dem Gerechten. 
2 ) Die Schmidslaubc, welche die Reisenden besuchten, ist das Zunfthaus 
der Schmiede, gewöhnlich die schmitsleuf genannt, welches am oberen Buche], 
heute Kleinkölnstrasse 24 zwischen dem Eckhaus „zu den heiligen drei 
Königen" und dem Haus „zum Pelikan" lag und die Bezeichnung „zum 
weissen Stern" oder später auch „im Siebenstern" führte (vgl. Real.-Protok. 
1672, Bl. 301 b, 1675, Bl. 202 b und 246 und 1710, Bl. 46 b). 



— 139 — 

Was ferner doselbsten an kirclien und anderen gebäw be- 
sichtiget, ist unnöthig alliier anzumerken, weilen solches aus der 
Aachisclier chronic deutlicher berichtet wird. 

Als nun auf montag, nach einkaufung etlich kupferwercks 1 , 
wir unseren abschied aus der herberg und von denen bekannten 
freunden genomen, seind wir in Gottes namen von Aachen ab 
und auf Haaren gereiset, woselbsten unser die beyde der brewer- 
zunft 2 zeitliche herren gräfen, hr. Niclas Fibus und lir. Niclas 
Nutten, eingewartet, bewillkommet und dankwürdig tractiret; 



') Es -versteht sich von selbst, dass so reiche Leute wie die Cölner 
Damen und Herren bei ihrem Abschiede von Aachen solche Einkäufe machten, 
die sie teils als Erinnerung für spätere Zeiten, teils als Geschenke für Ver- 
wandte und Bekannte verwenden konnten. Die Aachener Printen waren 
vielleicht damals noch nicht vorhanden. Eine andere Spezialität aber bildete 
zur damaligen Zeit das „Kupferwerk". Wir wissen, dass grade um jene Zeit, 
um 1660, der bedeutendste auf diesem Gebiete Franz Klöcker war, der be- 
rühmte Meister der Kesslerzuuft, geb. IS. Nov. 1627 zu Aachen, gestorben 
5. Miirz 1697 daselbst. Von ihm ist bekannt, dass er nicht nur dieMcssing- 
fabrikation in Aachen neu belebt hat, indem er „sich dahin empsig bemohet, 
wie er dem kupfer eine aufrichtige goldfarb oder couleur geben", sondern 
auch im Jahre 1668 für seine hervorragenden Arbeiten in „kupfernen schilde- 
reven, blomenwerck, grosser herreu und potentaten bilnussen und purtraiten" 
vom Aachener Eat ein besonderes Privilegium auf 12 Jahre erhalten hat. 
(Vgl. H. Loersch, Die Aachener Goldschmiede, Zeitschrift des Aachener 
Geschichtsvcrcin 1893, Bd. XV, S. 82. — E. A. Peltzer, Die Beziehungen 
Aachens zu den französischen Königen, Zeitschrift des Aachener Geschichts- 
vereins 1903, Bd. XXV, S. 153.) Dass es sich hier überall nur um Messing 
handelte, bedarf keines weiteren Beweises. 

2 ) Eine besondere Abschiedsfeier wurde der Keisegcsellschaft bei ihrer 
Ankunft in Haaren geboten, wo es sich die zeitigen Gräfen der Aachener 
Brauerzunft, die Herren Niclas Fibus und Niclas Nutten, niebt nehmen Hessen, 
die Cölner Damen und Herren vor ihrer Heimreise noch einmal herzlichst zu 
bewillkommnen und zu traktieren. Diese feierliche Bewirtung der Reisenden 
legt wohl den Schluss nahe, dass auch die Cölner Herren, über deren Stand 
wir sonst nichts Genaueres erfahren, Mitglieder der Brauerzunft in Cöln 
gewesen seien. Dafür sprechen auch die im Anfange des Berichts gebrauchten 
Bezeichnungen Bannerherr und Amtsmeister. Nach Scbebens interessantem 
Buche „Die Zunft der Brauer in Cöln" 1880 (derselbe schrieb 1875: das 
Zunfthaus und die Zunft der Brauer in Cöln) stand an der Spitze der Cölner 
Brauerzunft der Banncrherr. Die Amtsmeistcr verwalteten das Vermögen der 
Zunft ; es waren stets zwei solcher Rendan ten oder Schat /.meist er, der „ältere" und 
der „jüngere" Amtsmeister, die jährlich erwählt wurden und einen Bürgen 
stellen mussten. Die Mitglieder der Zuuft hicssen Amtsbrüder (wohl ent- 
stellt aus Arabachtsbrüder). Waren aber die Cölner Herren Mitglieder oder 
gar Vorstandsmitglieder der Cölner Brauerzunft, so haben sie jedenfalls wie 
die Schmitsleuf, so auch das Zunfthaus der Aachener Krauer besucht, welches 



— 140 — 

herr Leonhard Dautzenberg 1 , von deme uns große ehr binnen 
Aachen erwiesen worden, hat uns gesellschaft geleistet, bis nach 
Vellrhat, aldo seinen abschied genomen. Welche gratie bey 
zutragender gelegenheit dankbarlich zu verschulden stehet. 

Diesem Berichte liegt ein kürzerer Bericht desselben Cölner 
Herren über eine andere Reise bei, die er in Begleitung eines 
Herrn Hetzig und eines Herrn Heinrich Poelimann 3 Jahre später, 
am 10. Mai 1664, über Steinstrass, Jülich, Maestricht und Hasselt 
nach Scharpfenhoevel, also Scherpenhövel, unternahm. Auf dieser 
Reise kamen die Herren auf dem Heimwege auch nach Aachen, 
wo sie sich durch ein Bad erfrischten. Sie scheinen sich aber 
nicht länger hier aufgehalten, sicherlich nicht übernachtet zu haben. 
Dieser Bericht bietet für Aachen sonst kein Interesse, enthält 
aber am Schlüsse eine reizende Zusammenstellung von Sachen, die 
man in der damaligen Zeit für eine grössere Reise als unentbehr- 
lich ansah, unter dem Titel: 

„Notwendigkeit zu reysen. 

Betbuch und rosenkrantz, allmusen, ein kellergen mit wein, 
was brods, trinkgelt, gewürtz, citronen, kuchen, brandenwein, 
ein blechens schüsselein, biscuit, bartbürstlein, kämpf, savone 
d'Hispanie, garn, nähenadell, Stecknadeln, bindkorde, messer, 
zungenschrepfer, tutia, schnupftobak, schreibtaffel, hembden, 
Schnupftüchern, schlaff hauben, halstucheren". 



wie die Zunfthäuser der Kotgerber und der Schuster und das gemeinsame 
Zunfthaus der Schreiner und Schmiede, am Büchel lag und zwar oben links 
neben der Ecke der Retheistrasse, heute Büchel Nr. 4. (Vgl. Chr. Quix, 
Historisch-topographische Beschreibung der Stadt Aachen, 1829, S. 148/149.) 
: ) Zum Schlüsse wird noeh eines bedeutenden Aacheners Erwähnung 
getan, des Herrn Leonard Dautzenberg, von dem die Gesellschaft während 
ihres Aufentbalt.es in Aachen grosse Ehre erfahren haben soll. Wahrschein- 
lich ist dies derselbe Leonard Dautzenberg, der in späterer Zeit der Aachener 
Lokalforschung als Stadtkommandant bekannt ist. Dieser wohnte, bevor 
er ständig nach Aachen zog, lange Zeit und wahrscheinlich auch damals 
noch in Cöln. Auf diese Weise würden sich auch die Beziehungen der Herren 
zu einander und vor allem auch die besondere Ehrung der Cölner erklären 
lassen. In seinem Nachlasse, der im städtischen Archiv aufbewahrt wird, 
befinden sich unter manchen wertvollen Notizen auch Aufzeichnungen über 
die Aachener Brauerzunft, so dass es nicht ausgeschlossen ist, dass auch er 
zu derselben in engeren Beziehungen gestanden hat, was denn auch seine 
Anwesenheit bei der Abschiedsfeier in Haaren erklären würde. Dass er die 
Reisegesellschaft ausserdem noch bis nach Vcllrath in der Nähe von Cöln 
begleitete, mag wohl darin begründet sein, dass er die Gelegenheit der 
gemeinsamen Reise benutzen wollte, um dortige Verwandten zu besuchen. 



Kleinere Mitteilungen. 

1. Bericht über altertümliche Funde in Aachen 
im Jahre 1904 1 . 

1. Im Februar 1904 wurden beim Ausschachten der Baugrube für den an 
der Ecke Pantdrisck und Pontstrasse (der Kreuzkirche gegenüber) errichteten 
Neubau der Gebr. Querinjean zwei Silbermünzen gefunden, und zwar 1 Vier- 
markstück der Stadt Aachen, Vs. : Kaiser Karl in halber Figur mit Szepter und 
Reichsapfel, darunter Adlerschild, Umschrift: MON. REG. SEDIS. PMP. VRB. 
AQVISGRA, Rs.: IUI. MARK. ACH, darum die Umschrift: FERDINAND. III. 
D. G. RO. IM. SE. AVG. 1648, ferner eine kleine Münze des Herzogs 
Ernst von Bayern, erwählten Bischofs von Cöln (Erzbischof von Cöln von 
1583 — 1612), für das Herzogtum Westfalen in "Werl geprägt, Vs.: Bayrisch- 
pfälzisches Wappen, darum: ER. D. G. E. E. COLON, Rs. : Wappenschild, 
darüber Wertangabe VIII, Umschrift: NVMMVS. WERL, ohne Jahr. Ausser- 
dem wurden an derselben Stelle 6 kleine Töpfe gefunden, die in den Besitz 
verschiedener Sammler gelaugten, darunter ein römisches, einhenkeliges 
Töpfcheu von grauem, mit grobem Sand und kleinen Kieseln gemischtem 
Ton, 8'/ 2 cm Höhe und 4 1 /* cm Durchmesser an der Mündung, und zwei 
mittelalterliche Töpfchen von 8 cm Höhe, 4 cm Durchmesser an der Mündung 
und mit nicht gewelltem Fuss. 

2. Anfang März 1904 wurden bei den Kanalisationsarbeiten auf dem 
Münsterplatz vor dem Hause Nr. 19 (Eigent. Hoven) ausser spätmittelalter- 
lichen Gefässscherben ein vollständig erhaltenes, spätgotisches Trinkgcfäss aus 
grauem Ton, glasiert, von 6,5 cm Höhe und 6 cm Durchmesser ausgegraben. 
Auch fand man ein römisches Töpfchen aus rötlichem Ton von 8 cm Höhe. 
In einer Tiefe von etwa 4 m kamen römische Ziegelbruchstückc und Scherben 
aus terra sigillata und terra nigra zu Tage. Bei dieser Gelegenheit wurde 
eine grosse Menge menschlicher Gebeine zu Tage gefördert, die vermuten 
lassen, dass sich der vormalige Münsterkirchhof bis hierhin erstreckt hat. 

3. Um dieselbe Zeit wurde bei Kanalisationsarbeitcn in der Retheistrasse 
an der Ecke des Hühnermarktes ein sehr beschädigtes Mittelerz mit bär- 
tigem Kopf, anscheinend von Kaiser Marc Aurel. gefunden. Von der Um- 
schrift auf der Vorderseite der Münze und von der Darstellung auf der 
Rückseite war nichts mehr zu erkennen. 



') Bei dieser Zusammenstellung wunlo ich durch Mitteilungen der Herren Ober- 
lehrer Dr. Liese, Stadt arcliivar Pick, Itegieriuigsliaiil'iiiiror Schmidt, Kaufmann Vogel- 
gesang und Kaplan Wiechens unterstützt. 



— 142 — 

4. Im Frühjahr 1904 kamen bei dem Kanalbau in der Couvenstrasse drei 
römische Gefässe zu Tage, uiid zwar eine flache Schüssel aus terra sigillata 
von 25 cm Durchmesser, ein rauhwandiger, einhenkeliger Topf aus grauem, 
stark mit kleinen Kieseln gemischtem Ton von 14 cm Höhe und ziemlich 
roher Arbeit, sowie das Bruchstück eines zweihenkeligen Kruges aus weissem 
Ton mit weitem Bauch und langem, engem Halse. Bei den späteren Aus- 
schachtungsarbeiten für die Neubauten an der Nordseitc der Couvenstrasse 
wurden zwei einhenkelige Gefässe nachmittelalterlichcr Zeit ausgegraben. Das 
eine Gefäss hat eine Höhe von 26,5 cm und einen Durchmesser von 15 cm, 
während das andere einen Durchmesser von 12 cm und eine Höhe von 17 cm 
hat. Bei beiden Gefässen sind Stücke am Halse herausgebrochen. 

Die meisten der unter Nr. 2 — 4 genannten Fundgegenstände wurden 
dem städtischen Suermondt-Museum überwiesen. 

5. Im Münster wurden bei den Wicderherstellungsarbeiten der süd- 
lichen karolingischen Wendeltreppe im Frühjahr und im Spätherbst des 
Jahres 1904 an den Vorderseiten zweier Stufen zwei Inschriften aufgefunden. 
Leider fehlt an dieser Stelle bei beiden Stufen ein Stück Werkstein, sodass 
nicht alle Buchstaben mehr zu erkennen sind. Die Buchstaben haben grosse 
Ähnlichkeit mit jenen der bei Kraus, Die altchristlichen Inschriften der 
Rheinlande S. 106, Nr. 203 abgebildeten Inschrift im Mannheimer Museum, 
die wahrscheinlich aus Trier stammt. Die beiden Inschriften werden im 
Jahresbericht des Karlsvereins für 1904 veröffentlicht werden. 

Im Laufe des Jahres 1904 wurde in der Oberkirche des Münsters bei 
genauen Untersuchungen durch Aufnahme des jetzigen Blausteinfussboden- 
belags eine grosse Menge regelrecht geschnittener Platten des ehemaligen, 
prächtigen karolingischen Marmorbelags lose aufgefunden, nachdem schon im 
vorhergehenden Jahre an 4 verschiedenen Stelleu noch festliegende Fussboden- 
reste ausser vielen losen Stücken wieder aufgedeckt worden waren. Bei 
dieser Gelegenheit fand man auch im Mörtel unter dem Blausteinbelag zwei 
spätraittelaltcrliche, einseitig geprägte Pfennige, von denen der eine, ältere 
und viereckige, die Buchstaben I. R. erkennen lässt, der andere, jüngere 
und runde, einen fünfmal senkrecht geteilten Schild und darüber einen 
wachsenden Löwen zeigt. Auch drei durch die südliche Aussenwand des 
Hochmünsters gehende Kanäle aus karolingischer Zeit, die bei einem 
Durchmesser von etwa 30 cm vielleicht einst als Wasserablauf gedient 
haben, wurden aufgedeckt. In dem die Kanäle füllenden Kehricht wurden 
viele Knochenreste, einige Scherben, Rosenkranzpcrlen, seltsam geformte 
Korken, einige kleine Platten des karolingischen Marmorfussbodens und ver- 
schiedene Pasten der ehemaligen Mosaiken gefunden. Sogar einige Rüst- 
löcher in der äusseren Wand des Hochmünsters waren mit mehreren kleinen 
Platten des ehemaligen Marmorfussbodens zugemauert. In dem einen Rüst- 
loch fand sich gleichzeitig eine Gefässscherbe, Hartback mit Reihen, die aus 
dreieckigen Grübchen zusammengesetzt sind. Diese Fundstückc werden vor- 
läufig in der dem Bauleiter für die Restaurationsarbeiten des Münsters 



— 143 — 

vom Kollegiat-Stiftskapitcl zur Verfügung gestellten Karlskapelle auf- 
bewahrt. 

(3. Im Oktober 1904 wurde bei Legung des elektrischen Kabels auf 
dem Grundstück der Lammertzschen Nadelfabrik nach der Achterstrasse zu 
ungefähr 60 'cm tief ein etwas beschädigter einhenkeliger Krug gefunden. 
Höhe 22 cm, Durchmesser am Bauche 16 cm und am Boden 13 cm Der 
Krug ist aus Ton hergestellt, dem scharfer Sand zugesetzt worden, soge- 
nannter Hartback, und hat schwachen Wellfuss. Er gehört dem Ende des 
15. oder Anfange des 16. Jahrhunderts an, ist ein Aachener Erzeugnis und 
kommt hier ziemlich häufig vor. 

7. Im November fand sich beim Auswerfen der Baugrube für das neue 
Geschäftshaus der Firma B. Appelrath-Cupper, Grosskölnstrassc 24—26, in 
der Tiefe von etwa 4 Meter ein sehr gut erhaltener Tonhenkelkrug. Höhe 
24 ! / 2 cm, Durchmesser am Fuss stark 11 cm, an der breitesten Stelle der 
Ausbauchung 12 J / 2 cm und an der Halsmündung 7 cm. Oben und unten am Halse 
läuft eine Strichverzierung herum. Dieser Krug stammt aus dem 15. Jahr- 
hundert und ist in Aachen selbst hergestellt. Ein zweiter ähnlicher Krug, 
der hier zu Tage kam, wurde von den Arbeitern zerbrochen. 

8. Im Dezember 1904 wurde bei Erdarbeiten für die Villa Schneemann 
am Lousberg eine vortrefflich erhaltene Silbermünze in der Grösse eines 
Zweimarkstückes gefunden. Die Vs. zeigt den Kopf des Fürsten mit der 
Umschrift: FBIDEKICVS: D: G: M: B: D: P: B: N. Auf der Bs. befindet 
sich das Wappen, von einem Fürstenhut überragt, mit der Umschrift: 
SINCEBE. ET. CONSTANTEB. Zu Seiten des Wappens steht die Jahres- 
zahl 1735 und unten Bayreuth (30) kreüzer. Es ist also ein 30 Kreuzerstück 
des Markgrafen Friedrich von Baireuth. 

9. Bezüglich der in der früheren Mitteilung (S. 48) besprochenen, im 
Stadtwalde und in der königlichen „Preuss" aufgedeckten Hügelgräber lässt 
sich weiter berichten, dass etwa 50 solcher Hügelgräber von grösserer und 
kleinerer Ausdehnung festgestellt worden sind, von denen im Laufe dieses 
Jahres etwa 12 mit Erlaubnis der Stadtverwaltung und der Königlichen 
Begierung durch Herrn Oberlehrer Jos. Liese aufgedeckt wurden. Es sind 
Begräbnis- und Opferstätten prähistorischer Zeit, teilweise mit interessanten 
Steinbauten, wovon ein besonders markantes Beispiel photographiert wurde, 
bevor man an die Aufdeckung schritt. Gefunden wurde ausser Holzbrand 
und Knochenresten nichts Wesentliches. 

10. Bei der Fortsetzung der Nachgrabungen bei Wcisweiler (S. 48) 
wurde ein aus Tonerde geformter Kopf gefunden, der wahrscheinlich als 
Kinderspielzeug gedient hat. Sodann entdeckte man in dem Braunkohlen- 
bergwerk zu Lucherberg einen sehr charakteristischen Frauenkopf aus 
Holz geschnitzt. In den Lucherberger Braunkohlengruben sind wiederholt 
in früherer Zeit Altertümer zu Tage getreten, so Urnen, Münzen und 
mehrere Steinsärge, auf deren einem «ine menschliche Figur ganz rauh 
erhaben gearbeitet war. 

Aachen. H. Savelsberg. 



— 144 — 

2. Aachener Arbeitslöhne am Anfange 
des 17. Jahrhunderts. 

Im Aachener Stadtarchiv befindet sich ein loses Blatt, auf dem die Löhne 
verschiedener Handwerker aus dem Jahre 1605 von gleichzeitiger Hand auf- 
geführt sind. Da Aufzeichnungen über Handwerkslöhne in älterer Zeit, 
namentlich in Aachen selten sind, so dürfte die Veröffentlichung des be- 
treffenden Verzeichnisses wohl für die Beurteilung der Aachener Verhältnisse 
der damaligen Zeit nicht ohne Interesse sein. 

„Tagelohn de anno 1605. 
Leyendecker 2 . 
Meister 9 mark. Knecht 7 m. Jung 3 m. 

Strodecker 2 . 
Meister 8 m. Knecht 7 m. 

Leimklener 3 . 
Meister 8 m. Knecht, so mit klenet, 6 m. Operknecht 4 5'/ 2 m. Juug, so 
den leimb reichet, 3 in. 

Zimmerleut und schreinmecher. 
Meister 9 m. Meisterkuecht 7 m. Lehrknecht 5'/ 2 ni. 

Steinmetzer. 
Meister 9 m. Knecht 7 m. Operknecht 6'/ 2 tn- Lehrjung ö 1 /* m - 

Steinhewer. 
Meister und meistersknecht 8 m. Knecht 7 m. Von jeder rüden 6 16 m. 

Seger. 
Jeder seger tags 8 m. 

Fleischschleger 6 . 
Von jedereu ochsen, khoie oder rindt zu schlachten, abzuthuen und zu salzen 
sollen haben das haupt und dan noch 4 m. Vom verken 3 m. Vom kalb 
oder schaf 2 stuffer 7 . 



') Vgl. J. Laurent, Aachener Stadtrechnungen aus dem XIV. Jahrhundert, 
S. 7 f., wo üher die Arbeitslöhne am Ende des 14. Jahrhundert gehandelt wird. 

2 ) Leiendecker und Strohdecker sind Dachdecker. Bekanntlich waren die Dächer 
der Häuser in Aachen ursprünglich meist mit Stroh bedeckt. Wegen der grossen 
Feuersgefahr eiferte der Aachener Magistrat vielfach dagegen. Namentlich seit dem' 
verheerenden Stadtbrande vom 2. Mai 1656 erliess er wiederholt Warnungen und Ver- 
fügungen, die das Decken der Häuser mit Stroh für die Stadt untersagten. 

3 ) Leimklener (Lehmklebcr) waren die Pliesterer, welche die damals meist aus 
Fachwerk, Lehm (leimb) und geflochtenen Reisern bestehenden Wände der Gebäude 
ausfüllten. Nach Quix (Hist.-topogr. Beschreibung der Stadt Aachen S. 198, Anm. 61) 
waren die meist kleinen und sehr schmalen Häuser vor dem Brande von Holz und mit 
Lehmwänden gebaut. 

4 ) Operknecht (nicht etwa Oberknecht) oder Opermann (operarius, Brinokmeier, 
Glossarium diplomaticum Bd. II, S. 392) ist ein Werkmann, ein Handlanger, der das 
Material, z. B. Mörtel, Lehm und Steine herbeischafft. Auch heute heisst er noch im 
Munde des Volkes Uperknäet. 

r ') Die Lohnberechnung nach Ruthen bezieht sich jedenfalls nur auf Accordarbeit. 

6 ) Ochsei- oder Schweinemotzger. 

?) Stuffer = Stuber gingen zehn auf neun Mark; sie waren in Aachen neben der 
einheimischen Münze im Umlauf. Ein Stüber — 9 /, Mark war ungefähr 4 alten Pfennigen 
gleich, nach heutigem Geldwert = 3'/3 Pfg. 



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Von Allerheiligen bis l a> " Martij soll jedem vorschreven taglolmern 
abgezogen 1 werden 1 m. und 1 pot biers. 

Von Mertz biß Allerheiligen 2 pot biers jedem taglohncr." 

Eine Vergleichung der damaligen Löhne mit den heutigen ermöglicht 
sich durch folgende Berechnung. Der Wert der Mark, einer Aachener 
Silbermünze, war nach dem Idiotikon von Müller- Weitz, wenn er auch in 
den verschiedenen Zeiten vielfach schwankte, ungefähr = 4 4 / 9 alten Pfen- 
nigen; 8 Mark waren also = 35 bis 36 alten Pfennigen und stellen einen 
heutigen Wert von 30 Pfg. dar. Heutzutage bekommt der Steinhauer 4 Mark 
Taglohn und oft noch mehr. 

Auch in der französischen Zeit bemühte man sich um die Festsetzung 
eines bestimmten Arbeitslohnes. Wie sehr sich damals bei der Besetzung des 
linken Rheinufers die Franzosen bestrebten, vor allem die Arbeiterbevölkerung 
für sich zu gewinnen, zeigt die Bestimmung, welche die Volksrepräsentanten 
Haußmann. Frecine und Joubcrt in ihre am 14. November 1794 erlassene 
üeneralvcrordnung aufnahmen 2 : „Der Preis des Tags- und Arbeitslohns soll 
immer im Verhältnisse zu dem Preise der Lebensmittel und Waaren festge- 
stellt werden, dergestalt, dass den Handwcrksleutcn und Tagelöhnern ihr 
Auskommen gesichert sei, und niemand, der von dem Ertrage seiner Arbeit 
sich nähren soll, an seiner Nothdurft darbe". 

Aachen. H. Savelsberg. 

3. Altertümliche Aachener Backformen. 

Nachtrag. 

In Ergänzung der Seite 41 — 44 dieses Jahrganges veröffentlichten Mis- 
celle über altertümliche Aachener Backformen mögen noch vier weitere 
interessante Holzformen besprochen werden, die sich ebenfalls im Besitze 
des Fräuleins Mathilde Maassen-Jardon 3 befinden. 

Die kleinste derselben ist von viereckiger Gestalt (7 cm hoch, 17,0 cm 
breit und 1,8 cm dick); sie ist nur einseitig ausgeschnitten und stellt ein Kanonen- 
rohr und die beiden Aussenseiten der dazu gehörenden Lafette dar, drei Stücke, 
aus denen man bequem eine kleine Kanone zusammensetzen konnte. 

Die zweite, etwas grössere Form (23,5 cm hoch, 22 cm breit und durch- 
schnittlich 4 cm dick) hat die Gestalt eines Herzens, ist auf Vorder- und 
Rückseite tief ausgestochen und weist zwei unglcichgrosse Herzen auf, die 
in verschiedener Weise mit Blumen und Pflanzenornamenten reich verziert 
sind. Über dem kleineren Herzen der Rückseite stehen die Buchstaben F. B.R. 

Die dritte Form von länglich viereckiger Gestalt (47 cm hoch, 0,5 cm 
breit und 3 cm dick) zeigt auf der Vorderseite drei Heiligenfiguren, von 



') Mit Rücksichl auf die kürzere Arbeitszeii an den Tagen der Wintermonate war 
auch der Arbeitslohn oin geringerer. 

'-') Vgl. Aachener Zuschauer L794, Nr. II-'. S. L134. 

" Dieselben befanden sich vorübergehend im Besitze iles Klosters zum Kindlein 
Jesu in Simpelfeld. Vgl. S. 41, Anm 1. 



— 146 — 

denen die beiden oberen an ihren Attributen und der darunter gesetzten In- 
schrift als St. Paul und St. Peter zu erkennen sind, während die untere, 
die keine Unterschrift trägt, einen Mann in geistlicher Tracht darstellt, 
der in der rechten Hand ein grosses Kreuz und in der linken ein 
offenes Buch hält. Auf der unteren Seite, die unten auch die Anfangsbuch- 
staben S. P. des Namens des Besitzers und mehr oberhalb die grösstenteils 
beseitigten Buchstaben K B (vielleicht die Anfangsbuchstaben des Namens 
eines früheren Besitzers) trägt, sehen wir eine weibliche und zwei männliche 
Figuren. Während die oberste weibliche und die darunter stehende männ- 
liche Figur vornehme Leute in der Tracht vom Anfange des 18. Jahrhunderts 
zu sein scheinen, stellt die unterste einen mit einem kurzen Rock beklei- 
deten Verbrecher dar, dessen Hände überkreuz gefesselt und vermittelst 
einer langen Kette an einen neben ihm stehenden Pfahl angebunden sind. 

Auf der vierten und grössten der Formen (60 cm hoch, unten 31, oben 
27,5 cm breit und 3,5 cm dick) ist auf der Vorderseite Maria mit dem Jesu- 
kinde dargestellt. Mutter und Kind tragen die breiten, bauschigen Gewänder 
der Tracht des 18. Jahrhunderts, erstere eine Krone auf dem Haupte und 
beide ein Kreuz am Halse, und halten in der Hand eine Rose. Die Rückseite 
zeigt einen prächtigen Trommler im Soldatenkostüm aus dem Anfange des 
18. Jahrhunderts. Von den vorbeschriebenen Formen ist ohne Zweifel die 
Gottesmutter mit dem Kinde die beste Arbeit. 

Aachen. H. Savelsberg. 



Geschichtsliteratur des Jahres 1904 über Aachen 
in Zeitschriften und Tagesblättern. 

1. Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein 1904, Heft 77, 
S. 5 — 241: H. Hüffer, Alfred von Reumont. (Behandelt nach dem Tagebuch 
Reumonts, dessen Jugenderinnerungen, seine Stellung zu Staat und Wissen- 
schaften und seine Beziehungen zu H. von Thile und H. von Franke, sowie zum 
Kaiserhause und gibt zum Schluss ein Verzeichnis seiner Schriften.) — 
Heft 78, S. 87—117: H. F. Macco, Das jülichsche Geschlecht von Werth. 

2. Velhagen und Klasings Monatshefte, Jahrg. XVII, Heft 11, S. 545—556 : 
W. Brüning, Das alte und das neue Aachen. Ein deutsches Städtedild. — 
Jahrg. XVIII, Heft 10, S. 461— 470 : Ed. Heyck, Karl der Grosse als Persönlichkeit. 

3. Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland, Bd. 133 
(1904), S. 760—774: Zur Geschichte des Protestantismus in Aachen. (Be- 
sprechung der „Festschrift zur Jahrhundertfeier der Bekenntnisfreiheit und 
der Weihe des ersten Gotteshauses der Evangelischen Gemeinde zu Aachen 
am 17. Juli 1903 von Kaiser- Wolff- Küster". Vgl. unten Nr. 12.) 

4. Zeitschrift für christliche Kunst, Jahrg. XVI, Sp. 347—349: A. Schnüt- 
gen, Der Dom zu Aachen und seine Entstellung. Ein kunstwissenschaftlicher 



— 147 — 

Protest von Jos. Strzygowski. — Jahrg. XVII, Sp. 313—315: A. Schimtgen, 
Spätgotischer Chorrnantel von rötlichem Sammetbrokat mit gesticktem Schild 
und Stäben, im Münster zu Aachen. (Mit 2 Abbildungen.) 

5. Neues^ Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde. 
1904, Bd. XXrX, Heft 3, S.-80S: F. Seh. Besprechung des ersten Teils der 
Schrift von C. Vogclgesang, Zur Geschichte des Aachener Münzwesens. 

6. Archiv für Stamm- und Wappenkunde, 1904, Jahrg. V, Nr. 4, S. 56: 
H. F. Macco, Übersicht über die Genealogie der Aachener Familie Pastor 
mit 2 Ahnentafeln. 

7. Zeitschrift für Numismatik, 1904, Jahrg. XIV, S. 387: Menadier, 
Besprechung der Abhandlung: Zur Geschichte des Aachener Münzwesens von 
C. Vogelgesang. 

8. Literarisches Zentralblatt 1904, Nr. 19. Sp. 629— 630: H. B(ogner), 
Besprechung der Schrift von Jos. Strzygowski, Der Dom zu Aachen und 
seine Entstellung. Ein kunstwissenschaftlicher Protest, und der Entgegnung 
von Jos. Buchkremer, Zur Wiederherstellung des Aachener Münsters. — 
Nr. 50, Sp. 1685: A., Besprechung von H. Hüffer, Alfred von Reumont. 

9. Deutsche Literaturzeitung, 1904, Jahrg. 25, Sp. 1467: H. Bogner, 
Besprechung der Buchkremerschen Schrift: Zur Wiederherstellung des Aachener 
Münsters. — Nr. 46, Sp. 2828—2830: A. Meydenbauer, Besprechung der 
Schrift von K. Fayinonville : Zur Kritik der Restauration des Aachener Münsters. 

10. Wochenschrift für klassische Philologie (Berlin) 1904, Jahrg. XXI, 
S. 267: Konstantin Koenen, Über die Beziehung der rheinischen Denkmal- 
pflege zum Aachener Dom. 

11. Deutsche Medizinal-Zeitung 1904, Nr. 25: G. L. Mamlock (Berlin), 
Friedrichs des Grossen Badeaufenthalt in Aachen. (Die Abreise des Köuigs 
von Aachen wird nach Fromm irrig auf den 9. [statt 7.] September 1742 
gesetzt und der ihn mit behandelnde Arzt wiederholt unrichtig Gotzweiler 
statt Gatzwciler genannt.) 

12. Zeitschrift des Aachener Gcschichtsvereius, 1904, Bd. 26, S. 1 — 132: 
E. Teichmann, Aachen in Philipp Mouskets Beimchrouik. Die Zeit von 
814 bis 1242. VI. Der Aachener Propst Otto von Everstein (1218—27. Okt. 
1266?). — S. 133—164: H. F. Macco, Schloss Kalkofcn und seine Besitzer. 

- S. 165—277: A. Fritz, Theater und Musik in Aachen seit dem Beginn 
der preussischen Herrschaft. -- S. 278— 326: A. Schoop, Beiträge zur Schul- 
und Kirchengeschichte Dürens. — S. 327— 343: F. Gramer, Die Namen Jülich 
und Gressenich. — S. 344— 354: J. Buchkremer, Über das Verhältnis der 
drei das Innere des Aachener Münsters darstellenden alten Gemälde zu ein- 
ander. — S. 355—382: K. Pauls, Zur Geschichte derVogtei Jülichs und der 
Obervogtei Brabants in Aachen. -- S. 383 — 386: E. Pauls, Zwei Urkunden 
von 1427 und 1537. — S. 386, IT. Keusscn, Ein Pasquill gegen den abge- 
setzten Jülicher Amtmann Marschall Schenkern, 1600. -- S. 387: A. Fuhrmans, 
Die Beraubung des Pfarrhauses zu Marienberg bei Geilenkirchen durch die 
Bockreiter am 20. Febr. 1742. - S. 389: E. Teichmann, Zur Namensge- 



— 148 — 

schichte der Aachener St. Salvatorkapellc. — Zu dem Worte „Josephshosen". 
S. 891 f.: E. v. Oidtman, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz von 
P. Giemen und die Kunstdenkmäler der Kreise Erkelenz und Geilenkirchen von 
E. Renard. — S. 396 f.: H. Loersch, Besprechung der Festschrift zur Jahr- 
hundert-Feier der Evangel. Gemeinde zu Aachen am 17. Juli 1903 (vgl. 
oben Nr. 3) und der Schrift von W. Wolff, Beiträge zu einer Reformations- 
geschichte der Stadt Aachen. — S. 399 f.: E. Renard, Besprechung der 
Schriften von Strzygowski, Buchkrcmer, Viehoff und Fayraonville über die 
Restauration des Aachener Münsters. — S. 406: H. Loersch, Besprechung der 
Schrift: Zur Geschichte von Ncutral-Moresnct vou F.Spandau. — S. 409 f. : 
H. Hüffers Schrift A. v. Reumont, angezeigt von E. Landsberg. — S. 413: 
A. Tille, Besprechung der Schrift von W. Brüll, Chronik der Stadt Düren, 
2. Aufl., IL Teil. 

13. Bulletin de l'academie royalc d'archeologie de Belgique 1904, 
p. 35—39: J. B. Stockraans, De Riddertol en Joktol te Antwerpen. (Schöffen- 
urkunde vom März 1242.) Die Bewohner von Aachen, Tiel, Antwerpen und 
den Orten, die „ad opus castri Antwcrpiensis" gehörten, waren von der Ent- 
richtung des Ritterzolls befreit. Zu der Antwerpener Mark des Reiches 
wurde merkwürdigerweise auch Linnich an der Roer mit 9 Felddörfern (villis 
campestribus) gerechnet. 

14. Bulletin de l'institut archeologique Liegeois. tom, XXXIII, p. 220 — 
231: G. Kurth, Le peintre Jean. (Über den italienischen Meister Johannes, 
der Ende des 10. und Anfang des 11. Jahrhunderts in Lüttich und Aachen 
Kirchen bemalte.) 

15. DeMaasgouw 1904, Nr. 11, S. 82: A. J. A. Flament, Aanteekeningcn 
omtrent kunssvoorwerpeu, oudheden enz, in Limburg. Unter Schaesberg wird 
eine Inschrift an dem dortigen Pastorat vom Jahre 1700 mitgeteilt, die den 
Aachener Canonicus Friedrich Sigmund Theodor Frhrn. von Schaesberg als 
Erbauer bezeichnet. 

16. Archiv für Theatergeschichte, Jahrg. I (1904, S. 162—169: A. Fritz, 
Die Künstlerfamilie Lortzing an rheinischen Bühnen. (Behaudelt im besonderen 
Lortzings Aufenthalt und Tätigkeit in Aachen.) 

17. Berliner Münzblätter, N. F. 1904, Jahrg. XXV, Nr. 28—29, S. 510: 
Besprechung der Schrift von C. Vogelgesang, Zur Geschichte des Aachener 
Münzwesens. 

18. Publications de la societe historique et arcküologique dans le ducke 
de Limbourg, tom. XXXVIII, p. 251 — 378: Fr. Dazert, Geschiedenis van het 
voormalig Kloostcr van het H. Graf, thans Bonuefantenkazernete Maastricht. 
(Bringt p. 293 sq. Nachrichten über das St. Leouardskloster in Aachen.) — 
Tom. XXXX (Sonderabdruck): W. Goossens, Oorkonden der voormalige abdij 
Klosterrade, waarvan de origineelen bewaard worden in het klein Seininarie 
te Rolduc. (Erwähnt werden neben mehreren Adelsfamilien und Orten des 
Aachener Bezirks 1257 Carsilius, Dechant des Marienstifts, 1464 und 1692 
das Augustiner-Eremiten-Kloster zu Aachen.) 



— 149 — 

19. Münsterschc Beiträge zur Geschichtsforschung, X. F. (1904) [II: 

P. Ucding, Ludwig der Bayer und die niederrheinischen Städte, S. 52—55: 
Die Stadt Aachen und das Interdikt unter Ludwig dem Bayern. 

20. Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der deutsehen Geschichts- 
und Altertums'vereine 1904, Jahrg. LH, Nr. 2, S. 94: Bericht über die Haupt- 
versammlung des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit vom 26. Nov. 
1903. — S. 95: Bericht über die Jahresversammlung des Aachener Geschichts- 
vereins vom 20. Okt. 1903. 

21. Mannheimer Geschichtsblatter. Monatsschrift für die Gcschiehie. 
Altertums- und Volkskunde Mannheims und der Pfalz 1904, Jahrg. V, Nr. 1. 
Sp. 89 f.: K. Sillib (Heidelberg), Der Verfasser der Amüsements des Eaux 
de Schwalbäch. (Unter den um die Mitte des 18. Jahrhunderts erschienenen 
anonymen Büchern über das Leben in den damals besuchtesten Bädern, deren 
zum Teil recht verfänglicher Inhalt viele Leser fand, werden auch die Aachener 
„Ainusemens" und ihr Verfasser Charles Louis de Pollnitz, ein damals an- 
erkannter Meister der Erzählung galanter Abenteuer, genannt.) 

22. Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum, Jahrg. 1903, 
Heft 4, S. 189—191: G. von Bczold, Joseph Strzygowski, Hellenistische und 
koptische Kunst in Alexandrien. — Der Dom zu Aachen und seine Ent- 
stellung. — Jahrg. 1904, Heft 1, S. 38 : Gegenüberstellung der Ausführungen 
des Prof. J. Buchkremer und des Stiftsarchivars C. Viehoff „Zur Wieder- 
herstellung des Aachener Münsters". 

23. Fünfzigster Jahres-Bericht des germanischen Nationalmusenms (1903): 
Abbildung eines Zimmers aus dem Wcspienscheu Hause in Aachen, das von 
dem German. Museum angekauft wurde und an die Stelle des dortigen 
Handelsmuseums kam. 

24. Die Denkmalpflege, Berlin 1904, Jahrg. VI, Nr. 7, S. 58 f.: L. Arntz. 
Zur Wiederherstellung des Aachener Münsters. 

25. Deutsche Bauzeitung 1904, Jahrg. 38, Nr. 41—43, S. 349 261. 
Fr. Pützer (Darmstadt), Das neue Rathaus in Aachen. 

26. Der Burgwart. Zeitschrift für Burgenkunde und mittelalterliche 
Baukunst 1904, Jahr-'. VI, Nr. 3, S. 21 — 24: L. Arntz, Hure' Nideggen. 

27. Hochland, Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur 
and Kunst, hrsg. von Karl Math, Jahrg. 1 (1904), Heft V, S. 645: tli, 
Der Ursprung der romanischen Kunst. (Besprechung von Strzygowskis Buch: 
„Kleinasien, ein Neuland der Kunstgeschichte", und seiner Beurteilung durch 
G. Dehio mit mannigfachen Hinweisen auf die „Wiederherstellung" des 
Kaiserdomes.) — Heft 7, S. 121— 123: ■■ th, Der Dom zu Aachen (Zusammen- 
stellung der Beurteilung der Untersuchungen Strzygowskis über die Restau- 
rierung des Aachener Münsters von F. von Reber, A.Schnütgen und .1. Buch- 
kremer. — Heft 11, S. 608—610; II. Cardauns, Bemann Hüffers Rcumont-Buch. 
(S. o. Nr. 1, 12 u. 37.) 

28. Revue de l'Instruction publique en Belgiqjie 1904, p. 357: •». <;.. Be- 
iprechung der Schrift: Aachen in Philipp Mouskets Reimchronik, [.Teil 1902, 
11. Teil 1903 von E. Teichmann. 



— 150 — 

29. Zeitschrift für angewandte Chemie, 1904, Nr. 31, S. 1060 f.: 
A. Guttinann, Das älteste Dokument zur Geschichte des Schiesspulvers. (Zu 
den wenigen einwandsfreien Zeugnissen wird die Aachener Stadtrechnung 
von 1346/47 gezählt, in der Ausgaben für eine eiserne Kanone und Salpeter 
dafür verzeichnet sind. 

30. Leipziger Illustrierte Zeitung 1903, Nr. 3157: M. Dankler, Das 
Aachener Münster. (Enthält eine übersichtliche Darstellung der inneren Aus- 
schmückung der Münsterkirche im 19. Jahrhundert mit 11 Illustrationen. — 
1901, Nr. 3181 : Der Krönungsstuhl Karls des Grossen im Hochmünster zu 
Aachen. (Berichtigung dazu von H. Savelsherg im Echo der Gegenwart 1904, 
Nr. 450, Bl. 2.) — Nr. 3207: Der Bakauvbrunnen in Aacben. (Beschreibung 
des Denkmals von Prof. Kraus unter besonderer Berücksichtigung der Bakauv- 
sage.) Mit hübscher Abbildung. 

31. Münchener Allgemeine Zeitung, 1904, Literarische Beilage 1 : G.Dehio 
(Strassburg), Ein Protest gegen die Restauration des Aachener Münsters. 
(Besprechung der Strzygowskiscken Schrift, Der Dom zu Aachen und seine 
Entstellung.) -=- Beilage 9 : F. von Reber, Zur Baugeschichte des Aachener 
Münsteroktogous. — Beilage 230: — g, Besprechung der Schrift von K. 
Faymonville, Zur Kritik der Restauration des Aachener Münsters. 

32. Kolnische Volkszeitung 1904, Nr. 505, Morgen-Ausgabe: (F. Gramer) 
Cornelimünster 16. Juni 1904. (Über karolingische Spuren an der alten 
Pfarrkirche von Cornelimürster.) — Nr. 623, Zweite Abendausgabe: (W. 
Brüning) Über die Entwicklung der Aachener Ortskrankenkasseu und ihre 
Vorgänger, die Privatkassen für erkrankte Arbeiter seit dem Jahre 1833. — 
Nr. 659, Morgen-Ausgabe : (F. Gramer), Römische Spuren bei Cornelimünster. 

- Nr. 1051, Erste Abend-Ausgabe: Bericht über die Generalversammlung des 
Karlsvereins vom 18. Dcc. 1904. (Mit kurzer Inhaltsaugabe der Gutachten 
der Professoren Schaper und Frentzen über die bisherige Innenausschmückung 
des Münsters.) 

33. Literarische Beilage der Kölnischen Volkszcitung 1904, Nr. 9: 
A. Schnütgen, Der Dom zu Aachen und seine Entstellung. (Bespricht die 
unter demselben Titel erschienene Schrift von Strzygowski, sowie die Gegen- 
schrift Buchkrcmers : Zur Wiederherstellung des Aachener Münsters.) — 
Nr. 38: E. Teichmann, Die Krüge von der Hochzeit zu Kana. (Berührt die 
Aachener Reliquien, zu denen früher auch Stücke jener Krüge gehörten. 
Vgl. Zeitschr. d. Aach. Gesch.-Vcr. XIV. Bd., S. 240.) -- Nr. 39: (\V. Brüning) 
Zur Geschichte von Neutral-Moresnet. (Besprechung der gleichnamigen 
Schrift von F. Spandau.) 

34. Kölnische Zeitung 1904, Nr. 39, 2. Morgenausgabc: B. Sauer (Giessen), 
Die Entstellung des Aachener Domes. — Morgenausgabe vom 5. März: Bespre- 
chung der Schriften von J. Buchkremer und A. Schnütgen über die Restauration 
des Aachener Domes. 

35. Kölner Tageblatt 1904, Nr. 773, 793, 815, 833, 853, 874 und 896: 
L. Huk (Pseudonym für Professor Dr. Kühl), Alaaf Cöln! Ein Beitrag zur 



— 151 - 

Geschichte des Cölner Volkslebens. (Alaaf wird als wahrscheinlich im letzten 
Viertel des 17. Jahrhunderts zu Cüln aus Eleve entstanden — Eleve-toi, 
Colognc — erklärt. Die Verbreitung des Wortes nach Aachen und darüber 
hinaus nach S\ttard zu ins Holländische mag im 18. Jahrhundert bereits be- 
gonnen haben.' In Aachen rindet sich Alaf zuerst gedruckt bei F. Jansen 
1815, Der Spruch „Alaf Oochen, en wenn et versönk" 1829.) 

36. Rheinland in Wort und Bild (Gratisbeilage zum „Kölner Tageblatt") 
1904, Jahrg. 4, Nr. 21 und 22: L. Huk (Pseudonym s. o.), Die Stadt Jülich 
und ihre alten Baudenkmäler. 

37. Bonner Zeitung 1904, Nr. 155: E. Landsberg, Besprechung der 
Schrift vou H. Hüffcr, Alfred von Beumont. (Vgl. Nr. 1, 12 und 27.) 

38. Eschwcilcr Anzeiger 1904, Nr. 70: F. C(ramer), Die Kirchenglockcn 
von Gressenich. (Die eine der zwei Glocken ist inschriftlich 1494 vou Gre- 
gorius von Trier, die andere 1518 von Jan von Trier (beide aus Aachen) 
gegossen.) 

39. Eschweiler Bote au der Lide 1904, Nr. 130, Bl. 3: Zur Geschichte 
des Steinkohlenbergbaues im Inde-Revier. 

40. Kreis Jülichcr Correspondenz- und Wochenblatt 1904, Nr. 11, 13, 
15 und 17: A. Fischer, Die Lützower 1814 vor Jülich! Zur 90. Wiederkehr 
der Tage der Blockade Jülichs 181-1. — Nr. 13: Warum ist 11 die Gecken- 
zahl? (Vgl. unten: Echo der Gegenwart 1904), Nr. 40. — Nr. 17. L. Otten, 
Der Eezcbär. (Ein Gedicht, das einen im Jülicherlande noch vereinzelt be- 
stehenden alten Fastnachtsbrauch behandelt, der anderswo unter der Bezeich- 
nung Tod- oder Winteraustreiben geübt wird.) — Nr. 25: A. Fischer, 
Romische Funde im Kreise Jülich. — Nr. 31, 33 und 35: P.Fischer, Bruder- 
schaften und Zünfte im alten Jülich. Ein Beitrag zur Geschichte des Hand- 
werker- und Gewerbewesens in der Stadt Jülich. — Nr. 35: H. Brühl, Broich 
(bei Jülich) vor der Erhebung zur Pfarre im Jahre 1804. - Nr. 51 und 53 
A. Fischer: Zum 250jährigen Jubiläum der Wallfahrt nach Aldenhoven. 
(Bespricht auch die grosse Aachener Jubiläumsprozession von Aachen nach 
Aldenhoven am 18. August 1754.) — Nr. 53: A. Fischer, Hä es noch net an 
Schmitze Baakes vorbei. (Erklärung dieser Redensart.) — Nr. 73: A. Fischer, 
Zur Erinnerung an die Anwesenheit Kaiser Napoleons I. in Jülich am 
11. September 1804. — B. Stuhrmann (Cöln), Der Jülicher Aufenthall 
Napoleons und des Kaisers Ansicht über die Jülicher Festungswerke. 
Nr. 77: A. Fischer, Ein altes Jülicher Patrizierhaus. (Zur Geschichte des von 
Kesselerschen Hauses, hauptsächlich nach Kühl, Geschichte der Stadt Jülich.) 
— Nr. 89, 91, 93 und 95: A. Fischer, Spukgeschichten aus dem Kreise Jülich. 
Lokalgeschichtliche Plauderei, zum Teil nach L. Korth, Volkstümliches aus 
dem Kreise Jülich, Zeitsehr. d. Aach. Gesch.-Ver., Bd. XIV. — Nr. 93 : W. Harff, 
Der schwarze Hund bei Krauthausen. 

41. Echo der Gegenwart 1904, Nr. 15, Bl. 1: E. Teichmann, Karl 
.Menge f. (Nachruf.) — Nr. 79, Bl. 2: Et. Tick, Fehmgericht auf dem Kaninchens- 
berg (bei Haaren)? -- Nr. 108, Bl. 2 : R. Tick, Besprechung der Schrift von 



— 152 — 

Prof. J. Kühl: 11 die Geckenzahl. -- Nr. 105, Bl. 2 und Nr. lüS, Bl. 2: 
J. Buchkremer, Die Aachener Pfalzkapelle, ein kleinasiatischer Bautypus. 
Vortrag, gehalten am 10. Februar 1904 Im Aachener Geschichtsverein. — 
Nr. 145, Bl. 1: Besprechung der Schrift von J. Buchkremer, Zur Wieder- 
herstellung des Aachener Münsters. Nr. 397, Bl. 3: P. Peters, Zur 
Restauration des Aacheuer Domes. - Nr. 410, Bl. 3: -Je-, Das hundert- 
jährige Jubiläum der Rückkehr der xVachencr Heiligtümer am 22. Juni 1904. 
— Nr. 416, Bl. 3: P. Peters, Die Konstruktion der Aachener Pfalzkapelle 
im Vergleich zu ähnlichen Bautcu aus früherer Zeit. — Nr. 427, Bl. 1 : (W. 
Menghius) Das Kirchleiu von Germigny. (Besprechung des mit dem Aachener 
Dom gleichalterigen Kirchleins in Germigny des Pres bei Orleans, das man 
vielfach unrichtig als Nachbildung des Aachener Domes angeschen hat.) — 
Nr. 436, Bl. 4: P. Peters, Zur Münsterrestauration. Nr. 471, Bl. 4: 
B. Pick, Das Haus zum Anker auf dem Markte. — Nr. 506, Bl. 1: Die 
1100jährige Jubelfeier in Tongern. Ein denkwürdiger Tag aus Kaiser Karls 
Zeiten. — Nr. 576, Bl. 1 : Römische Warttürme im Münsterländcheu. — 
Nr. 664, Bl. 3 : Der Tonkünstler Urhan aus Montjoie. (Er trat als 14jähriger Knabe 
1804 in Aachen vor der Kaiserin Josephine auf und kam durch sie nach Paris. ^ — 
Nr. 679, Bl. 3: R. Pick, Besprechung der Dissertation von Fritz Spandau: 
Zur Geschichte von Neutral-Moresnet. — Nr. 718, Bl. 4: Zum 100jährigen 
Pfarrjubiläum in St. Michael in Aachen (1804—1904). - ■ Nr. 744, Bl. 1: 
J. Franken, Das Sterbeläuten in den Aachener Pfarrkirchen St. Foillan, 
St. Jakob, St. Peter und St. Adalbert. — Nr. 827, Bl. 2: (J. Müllcrmeistcr) 
Zum lOOjährigeu Jubiläum der Pfarre zum hl. Kreuz in Aachen. — Nr. 838, 
BL 3: E. Teichmann, Theodor Greve f. (Nachruf.) - Nr. 847, Bl. 2: Be- 
sprechung der Schrift: Luise Hensel. Ein Lebensbild nach gedruckten und 
ungedruckten Quellen von F. Binder. (Interessanter Beitrag zur Geschichte 
des weiblichen Bildungswcscns der Stadt Aachen im 19. Jahrhundert.) — 
Nr. 859, Bl. 2: Das Kreuzbrüderkloster in Aachen. (Nachrichten darüber aus 
französischer und nachfrauzösischer Zeit.) — Nr. 924, Bl. 2: Bericht über 
die Generalversammlung des Karlsvcreins am 18. Dezember 1904. (Vgl. oben 
Nr. 32.) — Nr. 926, Bl. 1 : Bericht über die Generalversammlung des Vereins 
für das Missionshaus Knechtsteden am 19. Dez. 1904. (Berührt die Bezie- 
hungen Aachens zu Knechtsteden, insbesondere den Propst des Aachener 
Münsters Albertus Aquensis als Baumeister von Knechtstedens Abteikirche.) 

42. Der Volksfreuud 1904, Nr. 77, 81, 82, 88: E. Viehoff, Zur Wieder- 
herstellung des Aachener Münsters. — Nr. 206: Besprechung der Schrift 
von K. Faymonville, Zur Kritik der Restauration des Aachener Münsters. 

43. Fidelio, Unterhaltungsbeilage zum (Aachener) Volksfreuud 1901, 
Nr. 95—98 und 100: (H. Pennings) Aus Eileudorfs vergangenen Tagen. — 
Nr. 254: England ist geschlossen, der Schlüssel ist zerbrochen. Deutung des 
bekannton Kinderliedchens: Runekrane, wisse Schwane usw. 

44. Aachener Allgemeine Zeitung 1904, Nr. 35, Bl. 1: J. Buchkremer, 
Zum verschwundenen Aachener Dombild. — Nr. 36, Bl. 1: H. F. Macco, 



— 153 — 

Zum verschwundenen Aachener Dombild. — Nr. 51, Bl. 1: K. Henrici, Zur 
Wiederherstellung des Aachener Münsters. -• Nr. 155, Bl. 1: Fr. Günther 
(A. Kisa), Die Hansaschüsseln. - Nr. 157, Bl. 1: A. Kisa, Der Schatz von 
Essen. (Als Ejitstehungsort des in der ehemaligen Stiftskirche zu Essen be- 
lindliehen, berühmten, siebenarmigcn Leuchters kommt, wenn man einheimische 
Entstehung und die Datierung in den Anfang des 12. Jahrhunderts setzt, 
in erster Linie Aachen oder Dinant in Frage). — Nr. 201, Bl. 1 : II. F. Macco, 
Besprechung der Schrift, Zur Kritik der Restauration des Aachener Münsters. 
Beschreibende Darstellung der ältesten Abbildungen seines Innern von 
K. Faymonville. — Nr. 255, Bl. 1 : G. Frentzen, Die Bauordnungen in ihrer 
Beziehung zur Denkmalspflege. Vortrag auf dem 5. Tag der Denkmalspflege 
in Mainz am 26. September 1901. (Berührt das Aachener Kathaus und 
seine Umgebung.) 

45. Politisches Tageblatt 1904, Nr. 55, Bl. 1: K. Faymonville, Joseph 
Buchkremcr, Zur Wiederherstellung des Aachener Münsters. Eine Besprechung 
und Entgegnung. — Nr. 71, BL 1: Aachen im 14. Jahrhundert, Besprechung 
des Vortrages von Pfarrer H. Schnock in der Erholungsgesellschaft. — Nr. 78, 
Bl. 1: H. Lehmann, Ein hundertjähriger Gedenktag in der Aachener Wirt- 
schaftsgeschichte. — Nr. 168, Bl. 1 : St., Petrarka in Aachen. Zur Erinnerung 
an seinen 600. Geburtstag. — Nr. 212, Bl. 2 und Nr. 214, 131. 2 und 4: 
I'». S., Kaiserin Josephine und Napoleon I. in Aachen vor 100 Jahren. 
Nr. 220, Bl. 2 und 4: B. St., Zur Geschichte der Mersener Räuberbande. - 
Nr. 226, 1)1.1, 2 und 3: H.Lehmann, Die Entwicklung der Aachener Handels- 
kammer. — Nr. 232, Bl. 3: Besprechung der Schrift: Moresnet, territoire 
couteste de Kelmis, Brüssel 1904, Luden Hochsteyn. -- Nr. 284, Bl. 1: 
Erdbeben in Aachen. (Im allgemeinen sind die Erdbeben in früherer Zeit in 
ihrer Stärke überschätzt worden; es haben sich die früheren Zerstörungen 
meist als Einstürze von Kaminen und kleinen Mauern erwiesen.) 

Aachen H. Savelsberg. 



Bericht über die Monatssitzungen und Ausflüge 
im Vereinsjahre 1903 04. 

Ausser der im November 1903 abgehalteneu Hauptversammlung (Vgl. 
Jahrgang XVI, Seite 134 f.) wurden im abgelaufenen Vereinsjahre noch zwei 
wissenschaftliche Monatssitzungen veranstaltet, die sich, wie auch die Sommer- 
ausflüge reger Anteilnahme seitens der Vereinsmitglieder zu erfreuen hatten. 
Die erste Monatsversammlunij; fand am 21. Januar 1904 im Vereinslokal 
„Altbaiern" statt. Der Vorsitzende besprach eint; Vergnügungsreise, die 
sechs Cölner Männer und Frauen im Jahre 1661, also fünf Jahre nach dem 
grossen Stadtbrande, hieher unternahmen. Der Vortrag ist in dein vor- 
liegenden Heft (Seite 129 f.) bereits abgedruckt, weshalb ein Referat darüber 



— 154 — 

überflüssig geworden ist. Den zweiten Vortrag hielt Herr Archivassistent 
Dr. Brüuing „über den Aachener Stadtsyndikus Peter Fell", dessen 
hinterlassenes Tagebuch hierzu reichen Stoff bot. Fell entstammte einer 
angesehenen und wohlhabenden Aachener Familie. Seine Eltern waren 
Peter Fell und Elisabeth Becker. Einer seiner Brüder war Suhprior im 
hiesigen Augustinerkloster, während ein anderer, der im Jahre 186G starb, 
eine Ehrenstiftsherrcnstelle am Münster hiersclbst bekleidete. Der Chronist 
wurde 1729 geboren. Auf dem Jesuitengymnasium seiner Vaterstadt vor- 
gebildet, bezog er zur Absolvierung seiner akademischen Studien die Uni- 
versität Trier. Hier bestand er im Jahre 1752 die juristischen Prüfungen, 
die teilweise im Hause eines Professors abgehalten wurden und mehrere 
Tage dauerten. Am Sonntag den 11. Juni wurde er „in auditorio privato, 
more academico in doctorem juris utriusque kreiert". Am 14. Juni reiste 
er über Cobleuz, Bonn und Cölu in seine Heimat. Die Promotionskosten 
hatten vierzig, die Reiseauslagen sieben Reichstaler betragen. Im Jahre 
1758 verehelichte er sich mit Maria Josepha Mecssen. Er mietete anfangs 
ein Haus von „Mafrau Lipinan", bezog aber 1759 bereits ein eigenes Heim 
in der Scherpstrasse, St. Anna gegenüber. Seine Ehe war mit acht Kindern 
gesegnet. Einnahmen bezog er sowohl aus seiner juristischen Praxis wie 
auch aus Privatvorlesungen, die er über verschiedene Reehtszweige hielt. 
Im Jahre 1778 wurde Fell Stadtsyndikus; mit diesem Amte war ein Ein- 
kommen von 3 — 4000 Mark nach heutigem Geldwerte verbunden. Seine 
Aufzeichnungen enthalten ausser einem Berichte über politische Vorgänge 
in Welt und Vaterstadt Mitteilungen über Erdbeben und Privatverhältnisse, 
sowie eine grosse Anzahl Hausmittel, Kochrezepte, Ratsverfügungen u. s. w. 
Nach Aufbebung der Selbständigkeit der alten freien Reichsstadt war 
Fell eine Zeitlang Friedensrichter in Cornelimünster und dann Syndikus des 
Handelsgerichts in Aachen. Es ist nur zu erklärlich, dass Fell sich schwer 
in die neuen Verhältnisse hineinzuleben vermochte. Über seinen plötzlich 
am 13. November 1795 erfolgten Tod hat seine Frau einige bemerkenswerte 
Eintragungen in das Gedenkbuch gemacht. „Er war bei der französischen 
Regierung zum sindicus dess Handelsgericht gewehlt, wo er noch den 
12. November bis abends 8 Uhr beigewohnt, den 13. bis mittag gearbeitet, 
alsdann sich nicht wohl zu befinden geklagt, wovon aber der Doktor nichts 
zu befürchten zu sein sagte, er hat aber durch das Haus gereut wie ge- 
wöhnlich, von sterben gesprochen, neinblich wan er heut sterben würde, dass 
dies sein fröhlichster Tag were, und dergleichen Reden, umb halb 3 Uhr 
legte er sich mit seinem Nachsrock ins bett . . . umb 3 Uhr kam er in 
einen husten, als Theres zum bett liefe, war er schon Verschiedeu ... er 
ist am 16. vor Cölncrpford auf dem Newcn Kirchhoff begraben worden." 
Nach diesem Vortrage nahm der Direktor des hiesigen meteorologischen 
Instituts das Wort, um im Anschluss an die Feilschen zahlreichen Mit- 
teilungen über die Erdbewegungen seiner Zeit die Bedeutung solcher Nach- 
richten für die Erdbeben- und Wetterkunde hervorzuheben. Sodann sprach 



— 155 — 

der Vorsitzende über die Teilnahme der Aachener an der Unterstützung der 
von der Überschwemmung des Jahres 1809 betroffenen Anwohner des Nieder- 
rheins, deren Andenken auch durch das Goethcsche Gedicht „Johanna Seims" 
festgehalten wird. Endlich machte Herr Pschmadt noch Mitteilungen 
aus einer im Auftrage des Baseler Vereins für Erforschung der vater- 
ländischen Geschichte im Jahre 184-1 herausgegebenen Schrift über die 
Kirche in Ottmarsheim im Elsass, die als eine dem 11. Jahrhundert an- 
gehörige, ziemlich getreue Nachbildung des karolingisehen Münsters in Aachen 
in der Kunstgeschichte bekannt ist. 

In der zweiten Monatsversammlung, die am 24. März stattfand, sprach 
zunächst Herr Kanzleirat Schollen „über die Schulden der Stadt Aachen 
im Anfange 'des neunzehnten Jahrhunderts". Vor der französischen Invasion 
bestandeu die Einkünfte Aachens aus dem Ertrag des Kämmereivermögens 
und den in Stadt und Reich erhobenen Abgaben. Man lebte, unbekümmert 
um die Zukunft, von der Hand in den Mund; an Abtragen der Schulden und 
Sparen für unvorhergesehene Verhältnisse dachte man nicht. Als letztere 
in Gestalt von Kriegslasten und Erpressungen eintraten, und als durch 
Säkularisierung der Kirchengüter die Stadt auch die Sorge für die Armen 
und Kranken übernehmen musste, wuchsen die Schulden ins Ungeheuerliche. 
Der neue Landesherr, der französische Staat, übernahm durch Dekret vom 
1. Oktober 1804, 2201974 Franken, während der Stadt noch ein Schulden- 
rest von 1317 836 Franken abzutragen blieb. Die infolge der Kontinental- 
sperre aufblühende Tuch- und Nadelindustrie, sowie der gesteigerte Besuch 
der Aachener Bäder trugen zur Hebung des Volkswohlstandes und zur 
Verminderung der Schuldenlasten wesentlich bei. Nach dem Abzug der 
Franzosen gingen die Schulden um 152 000 Franken zurück, die von 
382 Steuerzahlern aufgebracht wurden. Bis zum Dezember 1815 fand eine 
weitere Schuldentilgung im Betrage von 111000 Franken statt. Allein die 
Kriegslasten dieses, und die Missernte des folgenden Jahres, sowie die Aul- 
hebung der Kontinentalsperre verschlimmerten wieder die Sachlage. Im 
Jahre 1817 betrugen die Schulden der Stadt Aachen 515000 Taler. Dazu 
kam noch im Jahre 1818 ein Fehlbetrag der Stadtkasse von 104000 Francs 
und im Jahre 1819 ein solcher vou 164000 Francs. Notwendige Einrich- 
tungen, wie nächtliche Strassenbelcuchtung, mussten abgeschafft und neue 
Steuern eingeführt werden. Im Jahre 1819 setzte die Regierung für jeden 
Kreis eine Kreisschulden-Liquidations-Kommission ein, deren Tätigkeit die 
Abtragung einer Schuldsumme von 72 565 Talern ermöglichte. 

Der zweite Vortrag, den Herr Dr. Brüning hielt, behandelte „die 
Geschichte des alten Aachener Kupfergewerbes". Daniel von der Chainen, 
der in der Kleinmarscliierst i'asse wohnte, führte 1450 das Kupfergeschäft 
in Aachen ein; 1465 folgten die Bürger von Amiens, Johann Am\ ;i , Vater 
und Sohn, die in der Adalbertstrasse ihren Betrieb hatten. Die Kupfer- 
werke nahmen einen so grossartigen Aufschwung, dass der Etat sie in die 
Vorstädte verwies. Die Ausfuhr uach den deutschen Landen, nach Frank- 



— 15G — 

reich, England, Portugal, Spanien und Holland ist durch ein Memorial im 
Stadtarchiv bekundet. Die meisten Kupfermühlen lagen an der Wurm und 
in der Soers. Im Jahre 1505 erhielten die Kupferschmelzer und 1578 die 
Kupferschmiede ihre Zunftordnung. Die Kupferleufe lag auf dem Markte 
neben dem Rathause. Zur Bedienung eines Schmelzofens waren fünfzig 
Mann erforderlich. Infolge der Glaubenswirren verlegten die meisten Kupfer- 
meister ihre Betriebe nach Stolberg. 1717 licss Herr Cornelius de Fays 
den letzten Kupferofen ausgehen. Spätere Versuche, die Kupferindustrie 
neu zu beleben, scheiterten. Die Frage, ob man in Aachen nicht vielleicht 
blos Messing verarbeitet habe, verneinte der Redner, während Herr Berg- 
assessor Richstettcr in einem bezüglichen Vortrage, den er in einer 
Monatsversaramlung des Aachener Geschichtsvereins hielt, und über den im 
20. Band der Zeitschrift desselben berichtet ist, sie entschieden bejaht hat. Der 
folgende Redner war Herr Professor Buchkremer, der „über die Ölgemälde 
aus dem Schlüsse des 16. Jahrhunderts, die das Innere des Aachener 
Münsters darstellen", sprach. Der Vortrag ist mittlerweile in der Zeit- 
schrift des Aachener Geschichtsvereins (Band XXVI) abgedrucht worden, 
weshalb von einer genauem Skizzierung desselben hier abgesehen werden 
kann. An alle Vorträge schloss sich eine mehr oder weniger ausgedehnte 
Besprechung an. 

Im Laufe des Sommers unternahm der Verein zwei Ausflüge. Der 
erste Ausflug am Peter- und Paulstage, der gemeinschaftlich mit dem 
Aachener Geschichtsverein gemacht wurde, sollte die Mitglieder der Vereine 
mit einigen in der ehemals deutschen, jetzt holländischen Provinz Limburg 
gelegenen Burgen, die sowohl in historischer wie in architektonischer 
Beziehung manches Interesse bieten, bekannt machen. Zunächst fuhr man 
mit Sonderwagen der Kohlscheid-Herzogenrather Kleinbahn -Gesellschaft 
nach Herzogenrath. Von da erfolgte die Fahrt mit der Eisenbahn nach 
der Station Schaesberg in Holland. Von hier wurde bei herrlichem 
Wetter eine Fuss Wanderung durch einen schattigen Laubwald zur „Karmel- 
kapelle", angetreten. Dieselbe ist, wie der Berichterstatter auseinandersetzte, 
geschichtlich bemerkenswert, weil sie von der berüchtigten Bande der Bock- 
reiter im 18. Jahrhundert zur Ablegung ihres gotteslästerlichen und frivolen 
Eides missbraucht wurde. Von dem Hügel, auf dem die Kapelle liegt, hat 
man einen entzückenden Ausblick auf die sich weithin ausdehnende, frucht- 
bare Ebene und auf das „Kasteel Schaesberg", eine Wasserburg aus dem 
15. Jahrhundert, die leider mehr und mehr verfällt und deren Zusammen- 
bruch nur noch die Frage einer kurz bemessenen Zeit .sein dürfte. Eigen- 
tümerin des verfallenen Schlosses ist die reiehsgräfiiehe Familie von Schaes- 
berg, tue heute ihren Stammsitz auf Krickenb ck im Kreise Geldern hat, 
Über deren Geschichte gab der Berichterstatter einen kurzen Überblick. 
Von Schaesberg wanderten die Ausflügler dem freundlichen Städtchen Heerlen 
zu, wo im Hotel Cloodt Kaffeerasi gemacht wurde. Hier machte der Bericht- 
erstatter auf die kulturelle Bedeutung des römischen Coriovallums (Heerlen) 



— 157 — 

aufmerksam, das durch eine Vizinalstrassc mit Aachen verbunden war und 
von einer grossen Heerstrasse durchschnitten wurde Nach einem kurzen 
Besuch der gänzlich restaurierten Pfarrkirche wurde noch ein Spaziergang 
nach dem, eine halbe Stunde entfernten „Kastecl Ter Worm" unternommen. 
Ter Worm war ebenfalls eine spätmittelalterliche Wasserburg, die ehedem 
der Familie von Wylre gehörte und jetzt mietweise von einem Baron 
Fürstenberg d'Oultremont bewohnt wird. Sie ist in einen der Neuzeit 
entsprechenden Herrensitz umgeformt worden. Getreu acht Uhr langten 
die Teilnehmer an dem Ausflüge wieder in Aachen an. An ihren zu- 
friedenen Mienen konnte man ersehen, dass der Ausflug in allen seinen 
Teilen ein wohlgelungeuer war. 

Am 22. August unternahm der Verein einen zweiten Ausflug nach 
Kettenis, Walhorn und Astenet zur Besichtigung des Schlosses Liberum, 
der Walhorner Pfarrkirche und des Mützhagener Hofes in Astenet. In 
Kettenis machte Herr Oberlehrer Dr. Savelsbcrg die Geschichtsfreuude 
mit der Vergangenheit des Ortes bekannt. Urkundlich kommt der Käme 
zuerst im Jahre 1373 vor. Die Pfarrkirche wird in den Lehnsbüchern zum 
erstenmal 1531 erwähnt. Nachgrabungen in der Kähe des Ortes haben 
vielfache Spuren einer alten Römerstrassc aufgedeckt. Bis zur französischen 
Herrschaft bildete Kettenis einen Teil der Bank Walhorn im Herzogtum 
Limburg. Im Jahre 1794 wurde es eine Mairic des Kantons Walhorn, 
Arrondissement Malmedj, Departement der Ourte. Im Jahre 1815 kam es 
zum Grossherzogtum Niederrhcin und damit unter preussische Verwaltung. 
Nach kurzer Kaffeerast in Kettenis ging es zu dem eine viertel Stunde ent- 
fernt gelegenen Schloss Libermc, das, wie die meisten benachbarten Burgen 
und Schlösser, seine Entstehung dem 13. Jahrhundert verdankt. Geschicht- 
lich wird seiner erst Erwähnung getan um das Jahr 1346, wo der Besitzer 
des Schlosses, Arnold von Liberme, von der Stadt Aachen eine Beute von 
35 Mark bezog. Im 14. und 15. Jahrhundert war das Schloss ununterbrochen 
im Besitz der Familie von Liberme. Im Jahre 1531 verkaufte ein Gerard 
von Kaldenbach das Schloss für 3242 rheinische Gulden an den Kapitän 
Freiherrn von Battenberg, dessen Nachkommen nachweislich bis 1618 im 
Besitze desselben blieben. Um 1618 geht es in das Eigentum der Familie 
de Morlc über. Eine im Hausflur der Burg befindliche Wappentafel zeigt 
den Tod des im Jahre 1665 verstorbenen ersten Besitzers aus dieser 
Familie, Johannes der Jüngere de Morle, genannt von Halley an. Im Jahre 
1723 kaufte ein Freiherr von Royer die Burg, und 100 Jahre später besitzt 
dieselbe die Eupener Familie The Looscn, von der sie der Schwiegersohn 
des Herrn August The Loosen, Amtsgericht siat Franz Broich in Eupen, 
übernahm. Vom Schloss Liberme begaben sich die Ausflügler nach Walhorn 
zur Besichtigung der dortigen altehrwürdigen Pfarrkirche. In derselben 
verbreitete sich der Vorsitzende des Vereins in Längeren Mitteilungen über 
die Geschichte des Ortes und der Kirche. Nach eingehender Besichtigung 
der Pfarrkirche wandten sich die Ausflügler nach Astenet zur Besichtigung 



— 158 — 

des alten Mützhagener Hofes, der in der Geschichte erst im 16. Jahrhundert 
genannt wird. Er war ein Stocklehen des Rittergutes Mützhagen bei 
Henri Chapelle, von dem er auch wohl seinen Namen erhalten hat. Zahl- 
reiche römische Funde, die der frühere Landrat des Kreises Eupen, Freiherr 
von Scheibler, zu einer ansehnlichen Sammlung vereinigt hat, lassen die 
Anwesenheit des alten Kulturvolkes in der Asteneter Gegend als unzweifel- 
haft erscheinen. Wie der Vereinsvorsitzende mitteilte, reichen die ältesten 
Nachrichten über den Mützhof bis 1589. Im Jahre 1613 wird Thomas Lambert, 
Ritter von Astenet, als Besitzer genannt. 1721 wurde Heinrich von Heyendal, 
Gerichtsschreiber der Bank Walhorn, mit dem Hofe belehnt, der eine von 
Astenet geheiratet hatte. Im Jahre 1773 verkaufte die Gräfin Amalia von 
Hochstetten, eine geborene Heyendal zu Süstem, die Besitzung an den 
Lizentiaten Birven, Gcneralsteuerempfänger der Provinz Limburg, und dessen 
Gemahlin, eine geborene Heyendal. Im Besitz der Familie blieb es 100 Jahre 
bis 1874, wo das umfangreiche Gut durch Kauf an Frau Maria Härtung 
geb. Neilessen in Aachen überging, deren Tochter, die Gemahlin des Herrn 
Geheimen Kommerzienrats Kesselkaul, dasselbe 1896 erhielt. Dem Herrn 
Geheimrat, der es sich nicht nehmen Hess, seine Gäste aufs freundlichste zu 
begrüssen und zu bewirten, sei auch an dieser Stelle nochmals der Dank 
des Vereins ausgesprochen. 

Aachen. Heinrich Schnork. 



Bericht über das Vereinsjahr 1903/04. 

Die gut besuchte Hauptversammlung des Vereins fand am 17. November 
in „Altbaiern" statt. Der Vorsitzende, Herr Oberlehrer Dr. Savelsberg 
erstattete den Jahresbericht. Demselben entnehmen wir die nachfolgenden 
Einzelheiten. Der Verein hat gegenwärtig 280 Mitglieder. Von den ver- 
storbenen Mitgliedern wurde besonders gedacht der erst ganz kürzlich heim- 
gegangenen Oberlehrer des hiesigen Realgymnasiums, der Herren Professoren 
Dr. Theodor Greve und Dr. Johannes Spoelgen; letzterer gehörte seit dem 
Jahre 1891 dem Vorstand an. Ihr Andenken und das der übrigen ver- 
storbenen Mitglieder wurde in der üblichen Weise geehrt. Die Tätigkeit 
des Vereins im abgelaufenen Jahre Hess an Regsamkeit nichts zu wünschen 
übrig. Dem Aachener Geschichtsverein widmete er zu dessen fünfund- 
zwanzigjährigem Bestehen eine eigene, von dem Vereinsinitgliede Emil Pauls 
in Düsseldorf verfasste Festschrift, die zum Gegenstände hat: „Geleitsrechte 
des Herzogs von Jülich im Jülichschen und in Aachen." Neben der Zeit- 
schrift: „Aus Aachens Vorzeit", deren siebenzehnter Band mit dem vor- 
liegenden Hefte vollendet ist, gelangte ein Registerband der fünfzehn ersten 
Jahrgänge kostenlos in die Hände der Mitglieder. Es wurden ausser der 
Hauptversammlung im November 1903 noch zwei Monatsversammlungen und 
ebensoviel wissenschaftliche Ausflüge veranstaltet. Der Bericht über den 



— 159 — 

Verlauf derselben befindet sich Seite 153 f. Der Verein hat es sich ferner 
angelegen sein lassen, in seiner Zeitschrift die archäologisch und orts- 
geschichtlich bemerkenswerten Funde zu registrieren und zu beschreiben, 
sowie eine Zusammenstellung der geschichtlichen Literatur über Aachen 
im Jahre 1904 anzufügen. Bezüglich der Sammlung der Flurnamen des 
Aachener Gebietes hat er ebenfalls vorbereitende Schritte getan. Auf Vereins- 
kosten machen die hiesigen Katasterämter entsprechende Auszüge, die einer 
demnächstigen wissenschaftlichen Verarbeitung als Grundlage dienen sollen. 
Der Vorsitzende schlug mit Zustimmung des Vorstandes der Hauptver- 
sammlung zwei Neuerungen formeller Natur vor: 1. die Umänderung des 
bisherigen Namens: „Verein für Kunde der Aachener Vorzeit" in den 
kürzeren: „Aachens Vorzeit" und 2. die Bewilligung eines Kooptationsrechtes 
des Vorstandes für die Dauer seiner Wahl. Beide Vorschläge fanden die 
Genehmigung der Hauptversammlung. Bei der nunmehr folgenden Neuwahl 
des Vorstandes wurde auf Vorschlag des Herrn Kaufmann Püschel der 
bisherige Vorstand durch Zuruf wiedergewählt und an Stelle des verstorbenen 
Mitgliedes Professor Dr. Spoelgen, Herr Archivassistent Dr. Brüning neu- 
gewählt. Zum Schluss der geschäftlichen Angelegenheiten erstattete Herr 
Stadtverordneter F. Kremer den Kassenbericht. Ein Bild der erfreulichen 
finanziellen Lage des Vereins geben die nachfolgenden Zahlen: 



I. Einn ahme: 






Kassenbestand aus dem Vorjahre. 


. M. 


1437.52 


4 rückständige Jahresbeiträge 


r> 


12.- 


256 Jahresbeiträge für 1903 . . 


n 


768- 






37.12 


Summa 


. M. 


2254.64 


IL Ausgabe: 






Druckkosten des XVI. Jahrganges 


der 




Vercinszeitschrift und anderes . . 


. M. 


682.90 






289.05 






25.60 






22.45 


Schreibstube für Abschriftarbcitcn 










6.60 






50.32 






35.80 






1141.92 



Summa. 



M. 2254.64 



Dem Schatzmeister, der mit unverdrossenem Eifer und grösster Genauig- 
keit seit Bestehen des Vereins dessen Kassengeschäfte führt, wurde seitens 
der Hauptversammlung die erbetene Entlastung erteilt und vom Vorsitzenden 



— 160 — 

der wärmste Dank ausgesprochen. Die Revision der Kasse war vorher von 
den Herren Rechtsanwalt Dornemann und Landgerichtssekretär Fcy vor- 
genommen worden. Beide Herren wurden auch für das neue Jahr mit diesem 
Amte betraut. Den wissenschaftlichen Teil der Hauptversammlung leitete 
Herr Stadtverordneter Menghius ein mit einem Vortrage über „Germigny des 
Pres und Ottmarsheim im Elsass und die Beziehungen ihrer Kirche zum 
'Aachener Münster". Der Vortragende, der im Laufe des Sommers die beiden 
Orte besucht und sich eingehender mit deren Gotteshäusern beschäftigt hatte, 
gab zunächst eine durch viele Abbildungen anschaulich gemachte Beschreibung 
der Kirche von Germigny. Der fast quadratische Mittelbau, der die Kuppel 
trägt, weist manche, wenn auch unwesentliche Ähnlichkeiten mit dem karo- 
lingischeu Münster in Aachen auf. In der östlichen Absis befindet sich ein 
noch ursprüngliches Mosaikbild, das im Jahre 1846 ergänzt worden ist; 
durch einen Brand, der die Kirche bereits im Jahre 85-1 heimsuchte, war 
es stark beschädigt worden. Die Kirche scheint sehr reich mit Mosaik 
ausgestattet gewesen zu sein; denn bei ihrer Restauration im Jahre 1867 
wurde eine solche Menge Mosaikpasten gesammelt, dass deren Gewicht 
100 Kilogramm betrug. Trotz der fast gleichen Entstehungszeit und trotz 
mancher äusserlichcr Ähnlichkeiten der Kirche von Germigny mit dem karo- 
lingischen Oktogon in Aachen wird doch in der Kunstgeschichte jede nähere 
bauliche Beziehung und Verwandtschaft der beiden Kirchen fast durchgehends 
in Abrede gestellt. Die Kirche von Ottmarsheim, auf deren Beschreibung der 
Vortragende nunmehr überging, ist wie so mancher andere, dem elften 
Jahrhundert angehörige Centralbau, eine fast getreue Nachbildung unseres 
karolingischen Münsters. Die vorgelegten Abbildungen konnten diese all- 
gemein anerkannte Tatsache nur bestätigen. Den zweiten Vortrag hielt 
Herr Kanzleirat Schollen. Er verbreitete sich „über das Bettlerwesen in 
Aachen zu reichsstädtischer Zeit". Zunächst führte er die im 16. und 17. 
Jahrhundert bestandene Teuerung, den lang andauernden Notstand und das 
davon bedingte Anwachsen des Bettelwescns zurück auf die damaligen 
Religions- und Kriegswirren, auf die vielen Seuchen und den vielfachen 
Misswachs und besonders auf den grossen Stadtbrand vom Jahre 1656 
zurück. Sodann besprach er eingehend die mannigfachen Mittel, deren sich 
der Rat bediente, um sich der stets wiederkehrenden Plage der Bettler zu 
erwehren. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts führte der Rat sogar besondere 
Abzeichen ein, die die Bettler am Halse tragen mussten. In der Folgezeit 
ging er dazu über, die Fürsorgeerziehung verwahrloster Kinder in die Wege 
zu leiten und ein besonderes Armenhaus (das ehemalige von Friesheimschc 
Haus an der Scilgraben- und Bergdrischeckc) einzurichten. Die Vorzeigung 
und Besprechung einzelner, mehr oder weniger bedeutsamer Gegenstände 
kirchlicher und profaner Natur aus Altaachen bildeten den Schluss der an- 
regend verlaufenen Hauptversammlung. 

Druck von Hkumanm Kaatzf.k in Aachen. 



Aus Aftcheas Vorzeit., 



Mitteilungen des Vereins „Aachens Vorzeit", 



Im Auftrag des wissenschaftlichen Ausschusses herausgegeben 



Heinrich Schnock. 



ACHTZEHNTER JAHRGANG. 




AACHEN. 

Kommissions -Verlag der Cremerschen Buchhandlung (C. Cazin). 

1905. 



INHALT, 



Seite 

1. Geschichte des Ländcheus zur Heiden. (Fortsetzung.) Von 

f H. J. Gross 1 

2. Vergleich zwischen der Aachener und Oölner Mundart. (Fort- 
setzung.) Von A. Jardon 16 

3. Ueber gewerbliche Verhältnisse in der ehemaligen Herrlichkeit 
Burtscheid. Von Heinrieh Seh nock . . 34 

4. Kleinere Mitteilungen: 

1. Zwei Anekdoten von Kaiser Sigmunds Anwesenheit in Aachen. 
Von H. Savelsberg 61 

2. Johanna Sebus. Von H. Savelsberg ........ 62 

5. Literatur: 

Allaf Oche! Rümseljere von M. Schollen. Besprochen von 

J. Pschmadt 64 

6. Aachener Verkehrswesen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. 

I. Römische und Fränkische Zeit. Von Alfred Kar 11 . . . 65 

7. Kleinere Mitteilung: 

Gehörte der Aachener Domprediger Johannes Haesius (f 1579) 
dem Jesuitenorden an? Von Alf ons Fritz 107 

8. Literatur: 

Beiträge zur Geschichte Eschweilers und seines höhereu Schul- 
wesens. Festschrift zur Feier der Anerkennung des Gymna- 
siums Ostern 1905. Besprochen von H. Savelsberg ... 110 

9. Aachener Verkehrswesen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. 
(Schluss.) Von Alfred Karll 111 

10. Literatur: 

1. Zur Geschichte Aachens im 16. Jahrhundert. Von J. Fey. 
Besprochen von Heinrich Schnock 196 

2. Die konfessionellen Unruhen in der Reichsstadt Aachen zu 
Beginn des 16. Jahrhunderts und ihre Unterdrückung durch 
den Kaiser und die Spanier im Jahre 1614. Von Dr. Aloys 
Wessling. Besprochen von W. Brüning 200 

11. Bericht über die Monatsversammlungen und Sommerausflüge. 
Von "W. Brüning 202 

12. Bericht über das Vereinsjahr 1904/05. Von H. Savelsberg . 210 








Mitteilungen 
„Aachens 




des Vereins 
Vorzeit". 



Im Auftrage des wissenschaftlichen Ausschusses 
herausgegeben von Heinrich Schnock. 



Nr. 1/4. 



Achtzehnter Jahrgang. 



1905. 



Inhalt: f H. J. Gross, Geschichte des Ländchens zur Heiden. (Forts.) — A. Jardon, 
Vergleich zwischen der Aachener und Cölner Mundart. (Forts.) — Heinrich Schnock, 
Ueber gewerbliche Verhältnisse in der ehemaligen Herrlichkeit Burtscheid. — Kleinere 
Mitteilungen: 1. H. Savelsberg, Zwei Anekdoten von Kaiser Sigmunds Anwesenheit in 
Aachen. — 2. H. Savelsberg, Johanna Sebus. — Literatur: M. Schollen, Allaf Oche! 



Geschichte des Ländchens zur Heiden. 

Von f H. J. Gross. (Fortsetzung.) 

Wilhelm war seit 1543 mit Margarete von Palant zu 
Laurensberg vermählt, die ihm 4000 Goldgulden als Heirats- 
gut zubrachte 2 . „Anno 1586 uf freitag den 14. februarii 
starf die edele ehr- und tugendreiche fraw Margarethe von 
dem Bongart geborene von Palant fraw zu der Heiden und 
Blydt gewest 3 ." Wilhelm hat sie lO 1 /» Jahre überlebt, „Anno 
1596 den 3. tag sentembris starf der woledele Wilhelm von 
dem Bongart, dieses namens der erste herr zur Heiden und 
Blydt, churfürstlich cölniseher stathelder der mancamer zu 
Herlo 4 ." Zwei Kinder, Werner und Dorothea, waren vor dem 
Vater ins Grab gesunken, ein anderer Sohn, Adolf, war Deutsch- 
ordensritter und Comtur der Bailei Koblenz, eine zweite Tochter, 
Cäcilia, hatte Heinrich, Herrn zu Elmpt und Burgau, zur Ehe. 
Der älteste Sohn, 

b. Wilhelm (II.) von Bongart zu Bergerhausen, wurde 
Herr zur Heiden (1596 — 1615). Im Dienste des Herzogs von 

8 ) Annalen, Heft 25, 271. Vgl. Strange, Beiträge I, 30. 
3 ) Gemeindearchiv zu Richterich. 
*) Daselbst. 



Jülich war er Geheimrat und Kämmerer, Amtmann zu Greven- 
broich und Gladbach bis 1594, danach Amtmann von Heinsberg. 
Während der Herzog ihn zu seinem Stellvertreter auf der 
Tagsatzung des Niederrheinisch- Westfälischen Kreises von 1593, 
zum Gesandten für den Regensburger Reichstag von 1603 er- 
nannte und ihn selbst zu diplomatischen Geschäften im Auslande 
verwendete, erkannten die Standesgenossen Wilhelms hervor- 
ragende Begabung dadurch an, dass sie ihn 1590 nach Frankfurt 
zur Reichsdeputation entsandten. 

Wilhelm hatte zur Ehe Maria von Eynatten, Witwe Heinrichs 
von Hochsteden zu Nothausen, die ihren Gemal bei dessen 
häufiger Abwesenheit kräftig zu vertreten wusste 1 . 

„Anno 1615 freitag den 8. mai starf der woledele herr 
Wilhelm von den Bongart, Herr zu der Heiden und Blydt, 
geheimer rath, cammermeister, stathelder und amtmann zu 
Hinsberg 2 . tt Noch in demselben Jahre folgte ihm seine Frau. 
„Anno 1615 den 21. decembris starf die woledele viel ehr- und 
tugendreiche Maria von Eynatten, fraw zu der Heiden und 
Blydt und amtfraw zu Hinsberg 2 . a 

Heiden kam an den ältesten Sohn 

c. Wilhelm (III.) von Bon gart, Herr zur Heiden, 
Blydt und Niedermörmpter (1615 — 1633). Die letztgenannte 
Herrschaft hatte er durch seine Frau Gertrud von Bronkhorst- 
Batenburg erhalten, der ihr Vater dieselbe 1589 gegen eine 
Leibrente abgetreten und die ihrerseits, da die Ehe kinderlos 
blieb, Wilhelm zum Erben eingesetzt hatte 3 . In der Chronik 
des Johannes Turck 4 findet sich die Angabe, dass Herzog 
Wilhelm von Jülich, Cleve, Berg das clevische Lehen Nieder- 
mörmpter in den sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts an den 
Grafen von Culenborg verliehen „weil der van Batenburg in 
fremde verbadene bestallung sich begeven", dasselbe jedoch 
„toletzt anno 80 restituirt" habe. Schölten 5 sagt von der Leib- 
rente nichts. 

Nach dem Tode Wilhelms fiel Heiden an dessen jüngsten 
Bruder 



') Strange, Genealogie S. 48 f. 

*) Gemeindearchiv zu Richterich. 

3 ) Strange, Genealogie S. 49. 

4 ) Annalcn, Heft 58, S. 143. 
8 ) Das. Heft 51, S. 125. 



— 3 — 

d. Otto von Bon gart zu Bergerhausen, der sich Herr 
zur Heiden, Blydt und Niedermörmter nennt (1633—1638). Er 
empfing die Huldigung der Heidener auf dem Vogtgeding vom 
14. April 1633 '. War der Vater ein angesehener Herr am 
Hofe des Herzogs von Jülich gewesen, so stand Otto beim 
Kurfürsten Ferdinand von Köln in nicht geringerer Würde. 
Er war Kammerherr, Rat, Stallmeister und Amtmann von Le- 
chenich (1605—1638); auch betraute ihn der Kurfürst, der 
Ottos Sohn aus der Taufe gehoben zu haben scheint, mit 
diplomatischen Sendungen ins Ausland. Der gewöhnliche Auf- 
enthalt Ottos war Bergerhausen. Als dort 1615 die Pest 
wütete, erlaubte Ferdinand ihm während der Dauer der Krank- 
heit das Lechenicher Schloss zu beziehen, nur dürfe er keine 
Angesteckten von Bergerhausen mitbringen 2 , 

1634 Hess Otto die Grenzen der Herrschaft Heiden durch 
ein „Geleit" feststellen; auch legte er im Bestreben, den 
Steinkohlenbergbau im Ländchen zu fördern, das „Kohlwieger- 
buch 44 an 3 . 

Aus seiner Ehe mit Anna Oatharina von der Leyen hatte 
Otto vier Kinder, von denen Adolf 1637 als Domherr zu Trier 
und Hildesheim starb, und zwei Töchter unverehlicht blieben. 

„Anno 1638 den 17. aprilis pie obiit generosus ac strenuus 
dominus Otto von dem Bongart, eques jerosolomitanus, dominus 
in Heiden, Blydt et Niedermormpter, ser. electoris Colon, con- 
siliarius, camerarius et satrapa in Lechenich 4 ." Seine Frau 
lebte bis 1653. „Anno 1653 den 25. mai starf .... fraw Anna 
Catharina von der Leyen, witib von dem Bongart, fraw zur 
Heiden, Blydt und Niedermormpter 9 ." Nach dem Tode ihres 
Mannes war sie Leibzüchterin auf Heiden ; in den Ecker- 
Schatzungszetteln erscheint sie als „Landfrau" an erster Stelle, 
während der „Herr" die zweite einnimmt. 

e. Ferdinand von Bongard, Herr zur Heiden, Blydt 
und Niedermörmter (1653—1663). Michel rühmt von ihm, dass 
er sehr regen Anteil an der Entwickelung des Kohlenbergbaus 
im Ländchen genommen und die uralte Sebastianus-Schützen- 
gesellschaft neugeordnet habe. 

') Heidener Protokollbucb, 

») Annalen, Heft 21, S. 145. 

J ) Zeitschrift des Aacheuer Geschichtsvereins Bd. V, S. 255. 

*) Gemeindearchiv zu Richterich. 



— 4 — 

Ferdinand verlor die Herrschaft Nieder mörmter. Nach 
den» Tode seines Oheims Wilhelm liessen die Kinder des Johann 
von Bronkhorst, dem Jost, Wilhelms Schwager, nach dem 
Ableben seiner einzigen Tochter Gertrud die Herrschaft Hön- 
nepel übertragen hatte, am 8. März 1633 auch von Niedermörmter 
Besitz ergreifen, weil diese Herrschaft nunmehr auch erledigt 
sei. Die Schwestern Gertud und Felicitas von Bronkhorst er- 
langten auch die Einsetzung durch die clevische Regierung, 
jedoch liessen sich weder Otto, der Vater Ferdinands, noch 
dieser selbst so leicht vertreiben. Am 8. Dezember 1649 gab 
Ferdinand der dortigen Kirche, die von 1557 bis nach 1603 
in den Händen der Reformierten gewesen war, den Leuchtzehuten 
zurück, den ihr Richter und Rentmeister entzogen hatten ; auch 
stiftete er eine kupferne Chorlampe. 1653 liessen die genannten 
Schwestern Zeugen darüber vernehmen, dass die Niedermörmter 
auf Veranlassung des Herrn von Bongart sich den Bronkhorst- 
schen Gerichtsleuten widersetzt hätten 1 . Wie nun die Sache 
erledigt wurde, ob durch Verkauf, wie Strange 2 andeutet, ist 
nicht bekannt; gewiss ist, dass der Titel auf Ferdinands Toten- 
schild fehlte. Die Inschrift lautet: „Anno 1663, 22. februarii 
der wolgeborene herr Ferdinand, freiherr von dem Bongart, 
herr zur Heiden Blydt ist in Gott entschlafen 3 ." Ferdinands 
Witwe, Maria von Nesselrode, die er 1657 geheiratet hatte, 
vergab als Herrin von Heiden das Rektorat von Horbach an 
den Aachener Regulierherrn Everschein 4 . 1674 schloss sie 
eine zweite Ehe mit Ernst Freiherrn von Wilperg; sie starb 
1681. ' „Anno 1681 den 6. augusti starf die hochwolgeborene 
fraw Maria, freifraw von Wilperg, geborene von Nesselrode 
und zum Stein, in erster ehe gewesene fraw zur Heiden, so zu 
Richterich in der hoher kirchen begraben ist." Ferdinands 
Tochter Maria Anna heiratete 1680 den Freiherrn Philipp 
Wilhelm von Bongart zu Paffendorf, die andere, Maria Mar- 
garete, 1686 den Freiherrn Werner Josef von und zu Leerode. 
Die Herrschaft Heiden kam an seinen Sohn 

f. Carl Lothar Melchior Adolf (1674—1694), der 
sich 1681 mit Anna Maria Clara Eleonore von Blankart zu 



') Annalen, Heft 51; 125, 144, 146. 

*) Genealogie S. 51. Anm. 1. 

s ) Gemeindearchiv zu Richterich. 

4 ) Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. XIII, S. 74, N. 7. 



— 5 — 

Alsdorf vermählte und kinderlos starb. Die Witwe blieb Leib- 
züchterin (douairiere) von Heiden, wurde Oberhofmeisterin am 
kurfürstlichen Hofe zu Düsseldorf und heiratete 1697 in zweiter 
Ehe den Freiherrn Karl Philipp von Hochsteden. Sie starb 1717 
und fand ihre letzte Ruhestätte in der St. Lambertuskirche zu 
Düsseldorf 1 . 

Clara Eleonora war eine thatkräftige Frau. Sie hat nahezu 
eine Frage erledigt, die seit zwei Jahrhunderten die Herren 
wie die Bevölkerung von Heiden lebhaft beschäftigt und oft 
stark aufgeregt hatte: die Erhebung Richterichs zu eiDer selb- 
ständigen Pfarre. Das Kapitel des Aachener Liebfrauenstiftes, 
dem die Kirchen zu Laurensberg und Richterich einverleibt 
waren, hatte schon sehr frühe letztere Pfarre unterdrückt und 
mit Berg vereinigt. Das führte besonders in den letzten Zeiten, 
wo die Bevölkerung des Ländchens durch die Vermehrung der 
Industrie und namentlich des Bergbaues sich stark hob, zu 
grossen Übelständen. Bereits im letzten Viertel des IG. Jahr- 
hunderts zeigen sich Trennungsgelüste. Otto von Bongart war 
der Frage entschieden nahe getreten, aber alle Bemühungen 
scheiterten an dem Widerstände des Kapitels. Eleonora wandte 
sich nach Rom und setzte dort die Trennung durch; bereits 
hatte man ein Pfarrhaus zu Richterich im Rohbau vollendet, 
schon war ein Pfarrer ernannt, da machte der jugendliche 
Pfarrer von Berg, Jacob Nicolaus de Goer de Herve, der nicht 
umsonst sein ius canonicum studiert hatte, einen Strich durch 
die Rechnung: es blieb beim alten. Das hat die Frau zur 
Heiden den Pfarrer entgelten lassen; sie bereitete ihm bald 
nachher die schlimmsten Tage seines langen Lebens. 

Nach dem Tode Carl Lothars Hess sich der eine Schwager, 
Werner Josef von Leerode, mit der Hälfte von Heiden be- 
lehnen, während der andere, Philipp Wilhelm von Bongart 
für sich und seine Frau zwei Drittel beanspruchte. Darüber 
entspann sich ein Rechtsstreit, der aber schon im folgenden 
Jahre dahin entschieden wurde, dass nach dem Tode der Leib- 
züchterin beide Teile mit je einer Hälfte belehnt werden sollten. 
So geschah es denn auch 1717, und das Ländchen war 
nun zweiherrig. 

Als der Sohn des Werner Josef von Leerode, Johann Hugo 
Franz Carl, 1764 als Domherr zu Halberstadt starb, gingen 

') Giemen, Kunstdenkmiller der Rheinprovinz III, 48. 



.... 6 — 

zwei Drittel seines Anteiles an Heiden an die Kinder seiner 
Schwester Maria Franziska von Hochsteden über, die Carl und 
Maria Josina hiessen. 

Philipp Wilhelm von Bongart war schon 1714 gestorben; 
sein Solin und Nachfolger, Josef Clemens, seit 1725 mit 
Philippine von Waldbott-Bassenheim verheiratet, starb am 23. Sep- 
tember 1741 kinderlos. Nun Hess sich des Philipp Wilhelm 
jüngerer Sohn, 

Johann Hugo, der wie sein Oheim den geistlichen Stand 
erwählt hatte, aber noch nicht Priester war, vom Papste dis- 
pensieren und heiratete Maria Josina von Hochsteden, wodurch 
deren Anteil an Heiden wieder an die Bongart fiel. Johann 
Hugo und Josina hatten elf Kinder: der Zweitälteste Sohn. 
Sigismund Reiner, der am 23. Mai 1781 die Herrschafl 
antrat ', nahm wieder eine Leerode zur Frau und vereinigte 
die ganze Besitzung in seiner Hand. Er starb 1783; unter 
seinem Sohne und Nachfolger 

Ferdinand, der im Jahre 1789 mit Heiden belehnt wurde, 
machte die französische Revolution der „Herrlichkeit" ein Ende 2 . 

B. Das Gebiet der Herrschaft Heiden mit Ausschluss 

von Eigelshoven. 

Am 22. Juni 1634 liess Herr Otto von Bongart „zu conser- 
vation der hcrlichkeit und lants zur Heiden hoch-ober- und 
gerechtigkeit mit zuzchung einiger des lants eltisten und mittel 
alters mennern die grensen des lants" begehen. Derartige 
Geleite nahmen die Landherren entweder regelmässig (wie in 
Aachen) oder von Zeit zu Zeit vor; man lud auch wol die 
anstossenden Grundherren dazu ein. In Heiden fanden dieselben 
unter Vorantragung des Kreuzes statt. Das Protokoll sagt in 
betreff der Raine: „Von der Lutzmühlen ' bis zum Hirtz 2 
stehen die grenzen dem herrn von Heiden allein zu, von unser 
lieben frauen rast 3 bis an das (Aachener) magistrats grindel, 
lant und landwehr bei Vetzen 4 sollen sie halb und halb stehen, 



') Heidener Protokollbuch. 

*) Vgl. Strange, Genealogie S. 53, 59 ff. 

') An der Wurm. 

'-') Bei Laurensberg an der Landstrasse von Aachen nach Richterieb. 

9 ) Am Wege vom Hirtz nach Berg. 

*) Vetschau. 



— 7 — 

von Vetzen bis zum Dürrenbaum ' steht der weg der herlich- 
keit Heiden zu. Der weg und rain der herlichkeit geht vom 
dürren bend längs dem landgraben nechst dem hof Berensberg 
über die richtericher heide durch den hirtzpfuhl bis an unser 
lieben frauen rast und von da bis an den dürren bäum längs 
dem landgraben bis an den herrenpfahl." In einem altern 
Protokoll heisst es genauer: „Die Jurisdiction der herlichkeit 
Heiden thut sich mit dem aachischen territorio scheiden an 
ein ort unter der vetscher schmit 2 an der hoef 3 genant, alwo 
einen schlagbaum in dem (Aachener) landgraben hanget, und 
gehet also inmitten des alda auskommenden wegs grad auf durch 
den gronenthal längs die hand 4 nachher der aachischen Strassen 
zu bis an einer capellen unser lieber frauen rast genant und 
von dar nach der linker Seiten durch ein feldgen gerad längs 
des leufschmits 5 haus, alwo eine linde 6 stehet; annoch in hie- 
sigem territorio gehörend bis wieder auf den lantgraben. In 
diesem bezirk hinden dem aachischen lantgraben seind 16 häuser 
bewohnt und gehören in hiesigem territorio." 

Dann fährt das Protokoll von 1634 fort: „Von da (dem 
Herrenpfahl) mitten durch das feld bis auf den blauen stein, 
von da durch des hauses von dem Bongart- Wallbroicher-Crum- 
bacher und Münnichhofes ge wenden bis auf den herzogen eich, 
dann von der heerlener strass an durch den flutgraben von 
Crombachs hof bis an die bach unter Fronrat, von da längs 
dem Bückenhof bis an den Müllender berg; am steg daselbst 
in die bach, die längs dem haus Heiden läuft, und von da bis 
in die vort." 

Das folgende wurde am 14. Juli protokolliert: „Von da 
kehret und wendet die grenze mit einer sief, welche durch die 



') Am Wege zwischen Vctschau und Horbach. 

*) Vetschauer Schmiede. 

8 ) Die Huff, Weiler bei Schönau. Quix, Schönau S. 2, Anm. 3, ver- 
wechselt den Ort mit der Hotz, die der obengenannte Hirtz ist. 

*) Grünenthal und Hand sind kleine Weiler. „Die Häuser an der Hand 
sind so genannt worden, weil das erste dort gebaute Haus eine Hand zum 
Zeichen hatte und ein Wirthshaus war an der damaligen Landstrasse, die 
von Aachen nach Heerlen führte und die via lapidea war, welche von den 
Römern zuerst angelegt worden ist." Quix, daselbst Anm. 4. 

*) Leuf = Läufe, Gewehrläufe. 

•) Von diesem Baume hat das jetzige Haus Linde seinen Namen. 



_ 8 — 

benden und weiden gradausgehet bis in die Pannesheide längs 
dem geriebt 1 bis auf die ecke der hecke am steinbusch, der 
dem herrn gehört; die hecke hinab bis auf den grauen stein, 
von da der vorensberger sief nach zwischen steinbusch und 
gemeinen busch bis zur Wurm 2 ." 

Der Steinbuschbend, den die vorensberger Sief 3 berührte, 
war ein Dienstbend: „also dass die undertanen des lants das 
darauf gewachsene gras abmaien 4 , auch auf und gar 5 machen 
müssen." 

Die Wurm gehörte auf der Grenzstrecke halb dem Herrn 
zur Heiden, halb der Stadt Aachen". Der Heidener Förster 
erklärte, er habe „an der pomperärken 7 auf befelch des herrn 
viel schöne und herrliche fisch gefangen." 

Einen Teil des hier bezeichneten Gebiets nahmen die Herren 
von Schönau in Anspruch, wie bereits oben bemerkt wurde. 

Die im älteren Protokolle genannten Ortschaften HufT, 
Grünenthal und Hand lagen zwar innerhalb des Aachener Land- 
grabens, gehörten aber „von unvordenklichen Zeiten her" zu 
Heiden. Die Einwohner „prätiren und bezahlen daselbst 8 schätz, 
diensch 9 , pariren des herrn gebot und verbot, sind hiesigem 
gerichtszwang unterworfen gewesen und sind in allem noch 
würklich unterworfen, ohne dass die Herren von Achen sich 
jemalen unterstehen haben können aldorten einige iurisdictionalia 
zu exerziren 10 ." 

Im Jahre 1642 erklärte Förster Bohnen vor dem Gerichte 
zu Horbach „dass er in zeit seines försterdienst drei schlagbaum 
habe an den Wurm bei Wilhelmstein hangen helfen, und were 
dieser letztere schlagbaum gehangen worden, als mefrau und 
her zur Heiden n sich wegen der hessischen nach Mastricht 



') Ricbtstätte. 
*) Schönaucr Archiv. 
3 ) Wasserabfluss, Gosse. 
*) Abmähen. 

6 ) Fertig. 

°) Vgl. Beiträge zur Geschichte des Aachener Reiches S. 114. 

7 ) Schleuse am Bergwerk „die Pomp 11 . 

8 ) In Heiden. 
") Dienste. 

,0 ) Schönaucr Archiv. 

") Die Witwe Cath. v, d. Leyen und ihr Sohn Ferdinand. 



— 9 — 

retirirot und were dersclb, als die erste Rosischc confouy ■ 
hierdurch passirt, schlüssig gemacht und noch schlossig gehalten 
worden 2 ." 

Die Grenzhecke zwischen Heiden und der Bank Kirchrat]] 
im Limburgischen ging auf Pannesheide „längs unseres ge- 
bietenden landherrn kuhweid zu steinbusch bis auf den grauen 
stein liegend am steinbusch." 

C. Die Verfassung des Ländchens. 

I. Einteilung des Gebietes. 

1. Über die Einrichtung des predium Richterich haben wir 
gar keine Nachrichten. Wir werden aber wohl mit der Annahme 
nicht fehlgehen, dass die gewöhnliche Höfeverfassung auch für 
das pfalzgräfliche Allod gegolten habe. Diese musste sich dann 
naturgemäs mit der Entwicklung der Höfe zu Dörfern zur 
Dorf Verfassung entfalten. 

So werden, wie es in den Dörfern des Aachener Reiches 
der Fall war, die Honnen an der Spitze der Verwaltung ge- 
standen haben, denen in den „Dorf meistern" Unterbeamte für 
die einzelnen Ortschaften zugesellt waren. Die Hundertschaften, 
die den Honnen unterstanden, deckten sich gewöhnlich mit i\Q\\ 
Pfarren; da die Richtericher „Kapelle" ursprünglich Pfarrkirche 
war, und Eigelshoven eine eigene Pfarre bildete, so dürfen wir 
annehmen, dass es anfangs im Ländchen zwei Honschaften mit 
eigenen Honnen gab, während jedes der Dörfer seine Dorf- 
meister hatte. 

2. In späteren Zeiten war das Ländchen wie das Aachener 
Reich in „Quartiere" geteilt. Das Protokollbuch von lö47 3 
nennt folgende: Eigelshoven, Horbach, Richterich, Scheid-Klink- 
heide, Bank. Klinkheide wurde im genannten Jahre mit dem 
Scheid (Kohlscheid) zu einem Quartiere vereinigt, und es kam 
nun ein Dorfmeister auf jeden der beiden Orte. Seitdem ver- 
mehrte sich des Ländchens Bevölkerung, besonders durch die 
Entwickelung des Kohlenbergbaues sowie der Nadel- und Tuch- 
industrie derart, dass man zunächst den Scheid von der Klink- 
heide trennte und zu einem besondern Quartiere erhob, sodann 



') Convoi des Generals Rosen. 
2 ) Horbachcr Gcrichtsprotokoll. 



») Fol. 60. 



— 10 — 

noch die Quartiere Pannesheide, Rumpen und Hasewald (Berens- 
berg) errichtete. Eine Verordnung von 1778 führt folgende 
Quartiere auf: Richterich, Horbach, Pannesheide, Bank, Klink- 
heid, Scheid, Rompen, Hasenwald etc. Hier steht Richterich, 
nicht mehr Horbach an der Spitze, weil im 18. Jahrhundert 
der Sitz der Verwaltung in diesen grösseren und der Stadt 
Aachen näheren Ort verlegt worden war. 

3. Eigelshoven wurde behufs gleichmässiger Verteilung 
der Steuern und Umlagen in drei Teile zerlegt, welche eben- 
falls den Namen Quartiere führen. Mehrere Zeugen, die Otto 
von Bongart 1635 von dem Horbacher Gerichte vernehmen 
liess, erklärten hierüber fast gleichlautend folgendes: „Sonsten 
were auch vor ungefehr 40 jähr wegen der quartiere streit 
und missverstand gewesen, worüber dan übermits herrn Lud- 
wichen Mansart, des scholtheisen von Rimburg, Johan Clent 
im namen des herrn graven etc., Junker Mirbachen von Zwen- 
brüggen und Junker Hans Nevelstein neben anderen diesen 
gemeinen nachpauern ein vergleich und überkomst gemacht 
und das dorf Eigelshoven in drei teil gesetzt und geteilt: nem- 
lich und zum ersten der grosse hof vor ein teil, zum andern 
die zwa brüggen als nemlich Junker Boetradt und Junker Mirbach, 
der berghof, der hof zu Colveren und des herrn graven iniille 
von Rimburg etc. vorschrieben zweite teil, zum dritten die 
andere gemeine nachpauren vor es dritte teil. Also dass alles 
dasjenig was vom fürstlichen hove von taxen, sonsten an deren 
nachpaurlichen Umlagen, einfall und beschwernus dem dorf Eigels- 
hoven zu bezahlen auferlegt wurde und onumgänglich getragen 
werden musste, dass alsdan dasselb unter dieser vorschriebenen 
dreien quartieren gleich umgelegt und das ein quartier so viel 
als das ander daran bezahlen musste, welches auch bishero 
gehalten und observiret worden *." 

II. Der Landesherr. 

1. Das Ländchen erkannte den jedesmaligen rechtmässigen 
Besitzer des Hauses Heiden als seinen v hochgebietenden lant- 
heren" an, dem es Huldigung und Schätzung leistete. 

Die Huldigung geschah von sämtlichen Einwohnern auf 
dem nächsten Vogtgedinge nach Übernahme der Herrschaft. 



') Protokollbuch. 



— 11 — 

Der neue Herr empfing den Treueid der Untertanen und wurde 
mit einer Gabe von zwei Gulden von jedem Einwohner „wilkom 
geheischen ,a . Das Protokollbuch erzählt den Vorgang einer 
Huldigungsfeier recht trocken also: „Anno 1633 am 14. aprilis 
vogtgeding gehalten worden. Heut dato haben die ganze ge- 
meine nachpauren hiesigen lands und herligkeit zur Heiden dem 
edelwolgeborenen herrn Otten von dem Bongart, ritteren, herrn 
zu der Heiden, Blyt und Niedermürmpter, churfürstlich kölnischen 
camerherrn rath und amtmannen zu Lechenich mit aufgestreckten 
fingern und handfestlich gewonlich gebürende gehorsam, treu, 
huld und eid geleistet und vor ihren hochgepietenden lantheren 
anerkant und angenomen; auch ferner (gelobt) alles und jedes 
zu thuen und zu lassen, was frommen und gehorsamen under- 
thanen ihrem herrn zu thun aufliegt. Hingegen hat wolgemelter 
unser hochgepietender lantherr die underthanen besten Vermögens 
zu schützen und zu schirmen, dieselbe bei ihrer habender 
alter gerechtigkeit zu halten bei hochadelichen ehren und treuen 
veranglobt." 

Das Protokoll vom 23. Mai 1781 sagt noch kürzer: „Heut 
vorm gericht haben ihro gnaden Reiner Josef Sigismund frei- 
herr von Bongart, des herzogthums Gülich erbkämmerer, des 
herzogthums Luxemburg und der grafschaft Chimi erbpannerer, 
ritter des keiserlichen St. Josefsordens, lierr zu Winandsrath 
etc. von hiesig unterherrschaftlich-heidnischer iurisdiction den 
besitz genommen und zwar in hocheigner person." Weil die 
Feier nicht an einem ungebotenen Geding stattfand, beteiligte 
sich die Gemeine nicht. 

2. „Die herren von Heiden," sagt das Geleitsprotokoll von 
1634, „habeu die Strafgerichtsbarkeit innerhalb ihrer grenzen, 
das fischrecht sowol an Frentzen- und Tütemühlen wie an der 
oberen und unteren erke." Im Einklänge hiermit schreibt sich 
Wilhelm von Bongart „die hohe, niedere und mittlere gerichts- 
barkeit" zu, wie ja auch die Verpfändungsurkunde dem herrn 
zur Heiden die Gerichtsbarkeit über die fünf Dörfer ohne Ein- 
schränkung überträgt. 

Von der Berechtigung zur Jagd sagt das Protokoll nichts. 
Dass aber auch dieses Regal den Herren im Ländchen zustand, 



') Schönauer Arcüiv. 



— 12 — 

bezeugt das Morbacher Weistum '. »Sagen wir, noch liegt ein 
hof, heischt der freien hof, da soll der herr sein gemach auf 
haben, ob er jagen wolt, dass er ein verbleib mit seinen hunden 
dahe haben soll." Auch fehlt es nicht an Erlassen, durch 
welche die Herren ihr Jagdrecht zu schützen suchten. So 
erliess Sigismund von Bongart noch 1782 einen „wiederholten 
strengen Strafbefehl" gegen „die jagdstreifereien, das landjagen 
und das ströpfsetzen" sowie gegen das Herumlaufen der Hunde. 
Als Strafen wurden angedroht „12 goldgülden brüchten, auch 
confiskation des gewehrs, Jagdhunden und taschen", Abbüssung 
der Brüchten bei Wasser und Brot 2 . 

Dem Herrn stand endlich zu, der Mahlzwang; er setzte 
auch den Bäckern „Mass und Ziel"; er führte die Aufsicht 
über Mass und Gewicht, setzte durch die Künneister die 
Fleisch- und Bierprcise fest und erhob die Bieraccise. Wer 
sich gegen das Gesetz, gegen die öffentliche Ordnung und 
Sicherheit sowie gegen die guten Sitten verging, musste dem 
Herrn „Abtrag" Genugthuung leisten. 

Endlich schlichtete der Herr solche Rechtsfragen, über 
welche das Gericht nicht zuständig war. 

III. Das Gericht 

übte im Ländchen von der Heiden eine zweifache Tätigkeit: 
es sprach im Namen des Herrn Recht in Kriminal- und Zivil- 
sachen, es war auch oberste Verwaltungsbehörde für das ganze 
Gebiet. Das Amtssiegel zeigt den h. Martinus, den Patron 
der Richtericher Kirche, zu Pferd, darunter das Bongartsche 
Wappen. 

1. Als rechtsprechende Behörde war das Gericht „besetzt 
mit vogt, (sieben) scheuen, (einem) Schreiber, (zwei) a ver- 
sprecheren oder prokuratoren und (einem) botten 4 ". 

2. Der Vogt, der Stellvertreter des „hochgepietonden 
lantheren" wurde von diesem ernannt und dem Gerichte vor- 
gestellt. „1639, Sept. 22. Heut dato ist nach absterben herrn 



') Veröffentlicht durch Pick, Aonalen, Heft 25, S. 248 ff; Michel, 
Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins V, S. 258 ff. 
9 ) Gemcindcarchiv zu Richtcrieh. 

8 ) Einmal (1777) wurden vier Prokuratoren im Protokollbuch aufgeführt. 
*) Schönauer Archiv. 



— 13 — 

Cornelissen von Wüstenrath gewesenen vogtes den scheffen von 
unserm hochgepietenden landherrn zur Heiden herr Henricus 
Engels zum vogten präsentirt und vorgestellt, dafür dan gern 
auf und angenommen worden und ist mit gewöhnlichen richter- 
eid vermog fürstlicher landsordnung verstrickt und beladen 1 ." 
Die Eidesleistung geschah demnach vor dem Gericht in die Hand 
des Herrn. 

Die Verleihung der Stelle erfolgte zuletzt durch ein förm- 
liches „Patent". Nachdem das Ländchen zweiherrig geworden 
war (1717), besetzten beide Herren die Vogtei mit je einem 
VogtverwaUer, wie aus folgender Stelle einer Klageschrift der 
Schöffen und Deputierten gegen den Freiherrn von Leerode 
hervorgeht. „Da wir seinen des freiherrn von Leeradt vogts- 
verwaltercn, dass derselb samt des freiherrn von Bongart 
vogtsverwalteren das gericht besitze, nicht zwingen können . , u 
(1724) a . Der von dem einen Herrn ernannte rausste jedoch 
von dem anderen Herrn die Bestätigung einholen; beide Ver- 
walter zusammen mussten dem Rechte nach dem Gerichte an- 
wohnen. Dass dieses Verhältnis mancherlei Missstände nach 
sich zog, sehen wir schon aus der angeführten Stelle der Klage. 
Bei der Ernennung des letzten Vogtes ging es folgendermassen 
zu. Noch bei Lebzeiten des Vogtes Coomans hatte Freiherr 
von Leerode diesem versprochen, dass er die Stelle seinem 
Sohne übertragen werde. Bevor aber Coomans junior für die 
Vogtei befähigt war 3 , starb der Vater. Nun übertrug der 
Herr von Bongart das Amt dem bisherigen Gerichtsschreiber 
Walraf Hoen, den jedoch Leerode seinerseits nur unter der 
Bedingung bestätigte, dass Hoen dem Coomans den Platz räume, 
wenn dieser seine Befähigung nachweise. Leerode hielt 1781 
dafür, dass sei geschehen, darum führte er den Coomans als 
Vogt auf dem Hause Heiden ein und hob seine Vertretung 
durch Hoen auf, so dass dieser nur mehr Vogtsverwalter des 
Herrn von Bongart war. Die bezüglichen Aktenstücke lauten : 
„Veneris 9na 9bris 1781 aufm haus Heiden haben tit. plen. 
freiherr von Leerodt excellence den herrn licentiateu Josef 
Anton Coomans, welcher sein von hochgelobt ihrer excellence 



') Protokollbuch. 
2 ) Genicindearchiv zu Richtcrich. 

8 ) Der Vogt inusste die juristischen Studien vollendet haben, praktisch 
gebildet und 24 Jahre alt sein. Vgl. die folgenden Aktenstücke. 



— 14 — 

erhaltenes gnädiges patent zu hiesiger vogtssteile offenleget, 
beim gericht dahier mit dem gnädigen zusatz eingefürt, dass 
der bisherige hochderoseits gewesene vogtsverwalter hcrr Hoen 
von seiten . . . freiherrn von Bongart gnaden tragende vogts- 
steile ungehindert beibehalten solle." Zugegen waren die 
Schöffen, beide Vorsteher, der Schatzheber Valkenberg und der 
G e rieh tsschreiber Ja nsen . 

„Folgt bezogenes gnädiges patent. Demnach vor absterben 
des vogten Coomans der freiherr von Bongart zu Paffendorf 
den gerichtschreiberen Walraff Hoen zum vogten unser herr- 
schaft Heiden allschon ernennet gehabt und dann dieser Hoen 
vor wenigen tagen bei uns pro confirmationc dessen undertänig 
angestanden als haben wir demselben seinem petito also und 
dergestalten hiemit in hohen gnaden willfaret, dass nemlich 
er Hoen namens des philosophi Josef Anton Coomans die vogts- 
steile, so wie diesem unserseits annoch bei lebzeiten seines 
vaters mit diese condition in hohen gnaden versprochen gehabt 
und kraft dieses versprechen und conferiren thun, blos allein 
verwalten solle, massen wann dieser J. A. Coomans die iura 
absolvirt und sich demnächst in praxi genugsam geübet, 
mithin das 24. jar erreicht haben würde, er Walraf Hoen 
alsdann mehrbesagtem jüngeren Coomans obenbemelte vogts- 
steile ohne die geringste ein- oder Widerrede abtreten solle 
und müsse. Dieser — und ander gestalten nicht — haben wir 
unserseits mehrberührten Hoen zum vogtsverwalter der herr- 
schaft Heiden und zwarn so lange uns gnädig gefällig sein 
wird in hohen gnaden ernennet, welches derselb denn auch 
danknehmigst aeeeptirt hat. Dahero dem gericht zur Heiden 
anbefohlen wird, diese unsere ernstliche meinung wohl ad notam 
zu nehmen, mithin solche bei ersterer gerichtssitzung post ferias 
messium dem protocollo iudiciatio inscribiren zu lassen . . . 
Aachen ... 17. julii 1773. J. A. U. G. frhr. von Leerodt . . . 
Da nun vorgemelter Jos. Coomans nicht allein das gehörige 
alter erreichet, sondern auch in theoria et praxi sich hinläng- 
lich geübet hat, mithin wir denselben für fähig erachten die 
ihm conferirte und von herrn Hoen verwaltete vogtsstelle 
selbst versehen zu können, als thun wir uns der geschehener 
benennung hiemit inhäriren, die vorgemelte Verwaltung aufheben 
und kraft dieses gnädig und ernstlich befehlen, dass gericht- 
schreiber, scheffen und alle eingesessene der herrschaft Heiden 



- 15 — 

den mehrbemelten licentiaten Coomans als vogt und richter von 
diesen tag an erkennen, ehren, ihm den gebürenden gehorsam 
sowie auch der vogtei anklebenden emolumenten . . . leisten 
sollen. Zu wessen end wir dann auch ihm den erforderlichen 
amtseid der Ordnung gemäss seihst persönlich abgenommen 
haben, wie auch weiters wollen, dass dieses alles von heim 
gerichtschreiberen denen gerichtlichen protocollis inscribiret und 
zu jedermanns Wissenschaft von der kanzel verkündigt werde. 
Leerodt den 29. octobris 1781 l .* 

Ausser den hier erwähnten „der vogtei anklebenden emo- 
lumenten" erhielt der Vogt bei aussergewöhnlichen Leistungen 
und Anstrengungen auch wohl besondere Verehrungen von Seiten 
der Gemeinde. Das Protokollbuch von 1664 hat folgende Bemer- 
kung: „Demnach der herr vogt Henrich Engels nun vier jähr 
lang in keiserischen, hessischen und franzosischen kriegswesen 
mit vielfeltigem hin- und widerreisen der nachparschaft erspreiss- 
liche dienst geleistet, als haben die scheffen und nachpauren 
dem herrn vogten vor eine courtoisei 100 reichsthaler verehret, 
welche der schatzheber aus den buschgeldern bezahlen und 
hiermit berechnen solle. Horbach ultima octobris 1644. Joes 
Will gschrb." 

3. Die Zahl der Schöffen betrug im Ländchen wie ge- 
wöhnlich sieben. Sie leisteten ihren Eid nach der jülichschen 
Landordnung. Ehedem konnten sie auf diesen Eid hin auch 
Vormünder werden; das wurde aber 1779 geändert. „Weilen 
bishero dem alten gebrauch nach scheffen, die vormünderspflichten 
auf ihren schetFenseid übernommen und versehen haben, so wird 
dieses hiermit abgestellt und dieselbe ein für allemal auf die 
Zukunft zu au8schwörung des in der landtordnung vor- 
geschriebenen vormundseid schuldig angewiesen 2 ." 



') Protokollbuch. 
*) Protokollbucu. 



(Fortsttztmg folgt.) 



Vergleich 
zwischen der Aachener und Kölner Mundart. 

Von A. Jardnn. (Fortsetzung.)* 

*) fn dem vierten Hefte der Zeitschrift des „Vereins für rheinische und 
westfälische Volkskunde" gibt Dr. Paul Treuse einen kurzen Lcbensabriss 
von Schnlrat Ferdinand Münch, „„der, wie es dort heisst, kurze Zeit nach 
Vollendung seiner wissenschaftlich gründlichen und auf lebendiger Beherrschung 
des Stoffes ruhenden „Grammatik der ripuarisch-fränkischen Mundart" „der 
Frucht seines Alters" die Feder auf immer niedergelegt hat"". Diesen an- 
erkennenden Worten über das Buch, das während der Drucklegung meiner 
Arbeit im Herbst dieses Jahres erschienen ist, muss sich jeder, der ähnliche 
Studien treibt, von Herzen anschliesscn. Es ist zu wünschen, dass das Werk 
bei den Freunden der Mundarten, insbesondere des landcülnischcn Idioms, 
weite Verbreitung finde. Auf Seite 2 und ff. gibt der Verfasser eine klare 
Übersicht über die verschiedenen Mundarten des deutschen Sprachgebietes 
und insbesondere des Rheines und seiner Nebentäler, auf Seite 4 und ff. be- 
spricht er das Verhältnis zu den benachbarten Mundarten. Hierbei trennt 
er die von Aachen als einen besonderen Dialekt, den er einen gemischten 
nennt, von dem landeölnischeu. Im Verlaufe meiner Arbeit wird das gegen- 
seitige Verhältnis klargelegt werden. Die phonetische Schreibung ist voll- 
ständig durchgeführt, ein Umstand, der das Lesen für den Laien etwas 
erschwert, weshalb ich mich, abgesehen von den hohen Kosten, bei meiuer 
Arbeit auf das Notwendigste beschränkt habe. Wichtig ist, was er über 
die Bedeutung des Wort- und Satztones sagt, wodurch manche Erscheinungen 
ihre physiologische Erklärung finden. Im einzelnen behandelt er dann deu 
Vokalismus, den Konsonantismus, die Wortbildung und ferner die Deklination, 
die Coniugation und die Partikeln. Bei vielen Wörtern gibt er auch die 
etymologische Ableitung an. Da er sich aber meistens auf das Althoch- 
deutsche und Mittelhochdeutsche beschränkt, ferner allen Worten, deren Ab- 
leitung zweifelhaft ist, und solchen, die aus fremden Sprachen stammen, was 
bei einer Grammatik selbstverständlich ist, aus dem Wege geht, so glaube 
ich, dass ich an meiner Arbeit, was die Anlage anbelangt, auch jetzt nichts 
zu ändern brauche. Wo ich seiner Ansicht nicht beistimme, werde ich es 
bei dem betreffenden Worte bemerken. 

Das Buch ist bei Friedrich Cohen erschienen und „dank eines beträcht- 
lichen Zuschusses der Cölner Herren . . . Emil vom Rath, . . . von Oppen- 
heim und . . . Pfeifer" in würdigster Weise ausgestattet. Es wäre zu 
wünschen, dass dieser Lokalpatriotismus der Cülncr recht viele Nachahmer 
fände, da solche Werke bei der Höhe der Druckkosten nur durch die Unter- 
stützung edelgesinnter Gönner zu stände kommen können. 



— 17 — 

bas „Meisterknecht". Ursprung noch dunkel. Verwandt- 
schaft mit ahd. basa, nlid. Base möglich. 

bQlch e — bällche pl. bQlch e r° — böllchere „Suppenfleisch- 
klösse" zu Ijd. Ball gehörig. 

[b(dru ö s — bällrus „Gesichtsrose", holl. belroos (fr. belle 
rose, das allerdings diese Bedeutung nicht hat). Franck sieht 
in belle mlat. bulla „Wasserblase".] 

b$ ö r e leij e r — bäreleider „Bärenführer". 

ber e fQssich — bärfössig „barfuss". 

ber e m „Fruchtschober". Es gehört zu got. bairan = lat. 
fere „tragen"; es bedeutet also eig. „(Frucht)träger", verb. 
opber e me „aufhäufen". Es ist möglich, dass die Wurzel von 
bairan auch in „bakouf" zu suchen ist. Auf die verschiedenen 
Möglichkeiten werde ich später zu sprechen kommen. 

bärütsch e fa ü t (auch birütsch e fa ö t). „Wagenfahrt" zum Ver- 
gnügen zu birota „zweiräderiger Wagen", „Chaise". 

bäsch „Sprung, Bruch", zu bersten, ma. bascht", r und t sind 
geschwunden; vgl. A. Gr., Seite 28. 

ba/ c l e mam ! s 1. in Aachen: „einer, der Complimente macht". 
2. in Köln: „Complimente, Handkuss". Das Wort ist nach 
meiner Ansicht schon von Müller-Weitz richtig erklärt. Sie 
leiten es von span. besar los manos (fr. baiser les mains) „küss 
die Hand" ab. Dabei spielt vielleicht der Anklang an faseln eine 
Rolle mit. 

baz — batze: „der Hintere" von batze = massa, gleba, 
subst. zu backen; es bezeichnet etwas Geronnenes. Daher soll 
auch der Namen „Batzen" für die kleine Silbermünze kommen, 
nach andern allerdings vom Berner Wappen, dem Bären (paz 
= Petz). Vgl. Kreuzer vom Wappenbilde Kreuz, Rappen von 
Rabe, Vogelkopf auf Münzen der Stadt Freiburg. 

[böj — bau „wollenes Zeug", adj. böjje „wollen", ital. bajetta, 
dän. baj, schwed. boj und baai, engl, baize, Schweiz, bau, 
bauwi. Das Wort ist also weit verbreitet. Damit ist aber die 
Herkunft noch nicht erklärt. Sollte ein Ortsname darin stecken? 
etwa Bajae? Man vergleicht mild, wät „Kleid", got. vidan 
„binden", ndl. boejen „binden". Auch lässt sich an fr. bai, 
ital. bajo, lat. badius „braun" denken.] 

böjinan „Schreckgestalt" = „böser Mann", woraus das ma. 
Wort nach Art der Sprechweise der Kinder verkürzt ist, 



— 18 — 

wenn nicht im ersten Bestandteile die Interjektion, beu, beu 
zu suchen ist. ten Doornkaat-Koolmann gibt unter busebeller 
eine ansprechende Erklärung, busse ist nach ihm in bu ent- 
halten; an. bussa, ags. buse bedeutet Schiff. Das Wort boimann 
deckte sich danach mit „Schiffmann ". Damit ist ein Ausblick 
auf das Treiben der Wikinger gegeben. 

boumolich — baumollig „Baumöl = Olivenöl". 

bauz e „greinen", griech. bayzein, lat. baubari. Es ist ein 
Schaltwort bau, bau!, woher sich auch das Festhalten von „au" 
erklärt, das sich sonst im Inlaute nicht findet. 

b§d e lskr$ ö m „Bettelwirtschaft, Bettelkram". 

b e denkt si ö — bedeent sin „einem dienlich sein, für einen 
passen." 

b e drQft e krg ö m „Armseligkeit". b e drgft e zit „armselige 
Zeiten". 

[b§°r „Birne" (lat. pirum); das nhd. n ist unorganisch.] 

b e j£ ö n e „begegnen", .mit bekannter Zusammenziehung; vgl. 
gen = gegen. Bildung ähnlich wie in b£ ö n e , tr§ ö n e , s£ ö n e „beten", 
treten, segnen". 

b e j§ ö vjeit — bejovung „Krämpfe", eig. „Begabung, Be- 
hexung", „angezauberte Krankheit". 

*b e hQik e — beheuke „betrügen". Es gehört zu „Höcker", 
„Kleinkrämer"; dieses ist subst. zu „hocken" Wz. hük, woher 
unser hük „Winkel" kommt. Münch Seite 124 verweist auf 
ndl. huik, ndd. hoike, heuke, heike, einen um das 14. Jahrhundert 
bei den Frauen gebräuchlichen „Kopfmantel", frz. heueque, 
hueque. mlat. huca. Der Bedeutung nach erscheint mir die 
Beziehung zu „Höcker" wahrscheinlicher. 

bei „Biene", ahd. bia, ndl. bij, engl. bee. Daneben weist 
schon das ahd. die zweisilbige Form bini auf. Nach Doornkaat 
bezeichnet es das flatternde Tier; beiern leitet er vom selben 
Stamme ab. 

belts — beidse „beide", angls. ba, got. bai ohne Dental; 
lat. ambo, griech. ampho. Beide ist wohl durch Verschmelzung 
mit dem Artikel entstanden, belts also wohl = be das. 

berj e ne. — beinein „beisammen", eig. beieinander. 

bai e r e „läuten mit Anschlagen der Glockenklöppel", holl. 
beijeren. Das "Wort ist allgemein niedersächsisch, lat. ferire 
„schlagen" zeigt denselben Stamm, hess. beier „Bremse", davon 



— 19 



beiern „umherlaufen". Franck weist auf afr. bag (auch bagart?) 
„Herberg" und afr. baier „Aufstand" hin. 

beih.Q°l e — beiholle „einholen, einkaufen", wenn verschiedene 
Sachen auf einmal gekauft werden sollen. In bei liegt in den 
Mundarten der Begriff „zusammen". 

beisechtich — beisichtig „kurzsichtig", holl. bijziende. 

be e s e l — beissel „Meissel", nnd. beitel. Bei Spee Trutz- 
nachtigall werden sie unterschieden: 

„keine beissel, keine meissel, 
keine stahl noch eisenspitz." 
Im Bergiachen beissel, Werkzeug der Schreiner, meissel der 
Schlosser; lat. findo, Stamm fid „spalten" weist denselben Stamm 
auf, ndl. beitel, engl, beetle „Schlägel" zu Wz. bheid, wovon 
„beissen" kommt. 

b e klaf e „über jmd. sprechen", ahd. chlaffon, mhd. klaffen. 

b e lQs „Begierde", holl. belust. Es ist Weiterbildung zu 
Lust. verb. b e löst e „Verlangen nach etw. haben". Der Umlaut 
erklärt sich daher, dass Lust ursprünglich u-Stamm war, engl, 
list, lust. 

b e näüicheit — benauigkeit, benaudigkeit „Beklemmung", 
holl. benauwd; benauen = „angere, premere". Man denkt an Not, 
got. nauths. „Zwang, Gewalt". Wz. nau „beengen", wovon 
einige auch genau ableiten; mhd. nouwe, ndl. naauw „enge, 
pünktlich". Auffallend für Aachen ist der au-Laut, der sich 
sonst nicht findet. 

b^nt — bende „Uferwiese". Ich ziehe es mit Müller- Weitz 
zu binden, „die umzäunte Wiese". Ostfries, heisst es „Binsen- 
gras", mnd. Bandholz. 

b e nöüme — benäume „benennen". In dem Aachener Rechts- 
denkmal von 1338 genuomt, ndl. noemen, mhd. benuomen, 
noemen. Sie setzen ein Nomen voraus, das im got. namjan 
„nennen" verkürzt wäre. 

b M schmüd e l c „beschmutzen", zu ndl. smet „Fleck", smodern 
„beflecken". Es sind vielleicht junge Ableitungen zu mhd. 
smitzen „bestreichen". 

b e sch$ ö t „Muskatnuss". Sonst heisst es überall, auch im 
holl. muskaat. Holl. beschot bedeutet „Beschlag". Es ist 
wahrscheinlich eine Verbalhornung aus muskat. An bis scota 
„Doppelschote" ist wohl nicht zu denken. Die Silbe skat 
giebt ma. sch$"t. Der Laut § ü geht fast immer auf langes a 



— 20 — 

zurück. Mit dem schwed. beska „bitterer Geschmack" besteht 
wohl kaum ein Zusammenhang'. 

[b e schut „Zwieback" holl. beschult, aus lat. bis coctus 
„zweimal gebacken", woher fr. biscuit stammt.] 

bejs — bess „Grossmutter", auch bejst e möd c r „beste 
Mutter"; bejst e väd e r „Grossvater". 

[b°tüp c „betrügen". Man zieht es zu fr. duper „täuschen". 
Sachs giebt bei la dupe an duppe = huppe, was mir unver- 
ständlich ist. Soll nicht das französische Wort aus dem 
Deutschen stammen? Diez weist auf täuppen „irre reden", ein 
i'requ. zu (be)täuben hin.] 

[bi°s „Tier, gew. Kuh, Schwein" ; holl. beest, engl, beast, 
aus dem lat. bestia, verb. bi°st e ; Weiterbildung bi°st e rei 
„Schweinerei", bi ö stich „tierisch, grausam, bestialisch".] 

bim e l e 1. „mit kleinen Glöckchen läuten", 2. in Köln auch 
„mit zahnlosem Kiefer Speisen verbreien". Es ist Klangwort, 
wie bammeln zu ba ba, hier zu bi, bi ; bimb. 

ben e — benge „zum Namenstage beschenken", eig. „binden"; 
vgl. das „Angebinde". 

*bir — bier „Eber", holl. beer, ahd. beer, nhd. bär, os. ber 
(swin.), ags. bar, engl, boar, got. ibrus, Abstammung unbekannt. 

bije — bise, „Märzschauer", ahd. pisa, mhd. bise „Nordwind", 
frz. bise, „Nordostwind", ostfries. bisen, birsen „stürmen"; ahd. 
pison, mhd. bisen „rennen"; mnld. bijsen, „aestuere, lascivire". 
Also deutschen Ursprungs. 

biz e l°e, blz e elch e r — bitzerche, pl. bitzerchere „Milch- 
zähne". Müller- Weitz erinnern mit Recht an beissen Wz. 
bhid, lat. findo, „spalten". Subst. nhd. Biss. Dazu ist Deminutivum 
„bisschen", eig. „kleiner Bissen", dann „wenig", ma. Wz, bizch 6 . 
So bedeutet biz e lcher „die kleinen Zähne", nicht aber „Zähne 
zum Beissen", was ja selbstverständlich ist. 

bläm 1. „Maul", holl. blaffert. 2. Scheidemünze. Es gehört 
zum verb. blaffen = bellen, belfern; vgl. lat flere „weinen". 

blgnk e (eher wohl pl§iik p ) j$ ö — blanke gon „die Schule 
schwänzen", blanke heisst „kahler Platz", blenke „Wiese", 
welche Wörter von blank = bloss herkommen; mhd. blenkeln 
Iterativ, zu blenken „blank machen" bedeutet „hin und her 
laufen", eig. wohl auch „ins Freie laufen". An blenk „blind" 
also bl§nk"jg ö , „blind gehen", vgl. „blinder Passagier", ist wegen 
des offenen e-Lautes nicht zu denken. 



— 21 — 

- blefik e „glänzen, blinken", zu blank, Nebenform blink ; adj. 
blenkisch — blänkig. 

blar e s — bläres 1. „Spassvogel", 2. „läppischer Mensch", 
hol], blareiu „schreien", nhd. plärren, mhd. blerron, bleren 
„schreien", engl, blare „brüllen". Schallwort, 

blöü e „durchprügeln"; es hat mit blau nichts zu tun; 
blau färben heisst ma. bloi, das sich schon durch den Vokal 
von dem andern Worte unterscheidet. Es ist ahd. bliuwan 
„schlagen". 

blechschlej e r „Klempner". 

bleTs- „Zinkdach", eig. „Bleihaus"; vgl. düv p s, bäk e s 
bröü e s . . . 

[pl$ ö ch — bloch 1. in Aachen a) „Fallsucht", b) „unartiges 
Kind", 2. in Köln a) „Schuster Rcckleisten", b) „schweres, 
kleines Kind". Das Wort stammt von lat. plaga „Schlag, 
Stoss, Plage , woraus sich alle vier Bedeutungen erklären 
lassen; ostfries. blage „dummstolze Person" ndl. blaag. Nach 
einigen ist es Umstellung aus balg. Koolmann denkt an fr. blaguer 
„aufschneiden" das aber wieder von „Balg" abgeleitet wird. 
ö ö geht aber stets auf langes a zurück. 

[bl§sür — blessor „Wunde" (fr. blessure).] 

bliv e s „Bleibens"; vgl. A. Gr. S. 27, n vor s fällt. 

blen — bling a) der Blinde, b) in Köln „Strohmann beim 
Spiele", c) in Aachen „wappenlose Seite auf einer Münze: ar 
of blen „Adler oder Kehrseite", ein Spiel mit Auf werfen einer 
Münze. 

blen°lefis „blindlings". 

blen e niQJn e s — blingemömmes „Spieler beim Blindekuhspiel"; 
iron. „Kurzsichtiger". Man hat wohl an „blinden Mönch" zu 
denken ; mömmes in Köln erinnert allerdings an ndl. mora „Maske" 
(ver)mummen; das holl. blindemanetje heisst „blindes Männchen". 

blöf 1. in Aachen „Grosstuerei", 2. in Köln „Betrug'S „Ein- 
schüchterung". Es gehört zu ndl. verbluffen, von dem nhd. ver- 
blüffen stammt „entmutigen, betäuben". Danach ist der Sinn 
von blöufe für Aachen „So auftragen, dass der Zuhörer sprachlos 
wird"; vielleicht dieselbe Wz. wie in griech. cp Xuapslv „unnützes 
Zeug schwatzen"; engl, bluff „aufgeblasen". Nach Doornkaat 
Ablautsreihe zu blaffen. 

blQ ö — blookopp „Protestant", ein Schimpfwort. Es ist 
wohl an die blauen Talare der calvinischen Prediger zu denken. 



- 22 - 

Andere wenden es auf die Schweden im 30jährigen Kriege an, 
die wegen der Schärpe oder Uniform diesen Namen erhielten. 

blötfenk „Blutfinke, Dompfaffe". 

blotsch „Einbeulung", „umgekehrte Beule", holl. blots; 
verb. blgtsch e „eindrücken", holl. blotzen, got. blotan, oberd. 
bletzen, fr. blesser, verwunden. 

bloze „blinken". In des Knaben Wuuderhorn 4,316 heisst 
es „mit Geräusch fallen 11 ; dann hat es die Bedeutung caedere; 
es ist in diesem Sinne wohl dem vorhergehenden gleich. Liegt der 
Stamm flu, griech. cpXuecv, lat. fluere „fliessen" der Bedeutung 
„blinken" zu Grunde, wozu vielleicht „Blut" gehört? 

blöt§r c m „ganz arm". Der erste Bestandteil ist bloss, 
ndd. blutt; mit Blut hat die Zusammensetzung nichts zu tun. 

[blü ö s „Kittel" (fr. blouse).] 

blü ö sköp „barhaupt". 

böcbm§t e köp „geheimnisvolles altes dickes Buch"; in Aachen 
auch „Bücherwurm", muttorum (mots) copia, mittellat. „buch mit 
einer Fülle (geheimnisvoller) Wörter", „Orakel-, Zauberbuch 
So Weyden „Köln vor 50 Jahren". 

bQ ö t, bQdch e „Gebund", z. B. bQ ö t schtrü „Bund Stroh"; zu 
ahd. burdi „Bürde, Last". 

bQ ö t 1. „Brett", engl, board, got. fotubaurd „Fussbrett". 
2. Band, aus ndd. bord, mhd. ahd. bort „Schiffsrand"; verb. 
bQ ü de „einfassen", adv. bQ ö d e föl „voll bis zum Rande", bg°ts e l 
„Einfassungsbändchen". 

oqI „hohl, löcherich", holl. bol; subst. bQl e s „aufgedunsener 
Mensch". Es gehört zu ahd. bolla „Knospe, Gefäss", angs. 
bolla, engl, bowl, nhd. Bowle, ahd. bolon, mhd. boln „rollen, 
werfen, schleudern". 

böld e r e „geräuschvoll arbeiten, klopfen, lärmen", holl. 
bulderen = poltern zu spät. mhd. buldern, einer Nebenform zu 
bollern, das eine Weiterbildung des vorhergehenden Verbums 
ist. Zusammensetzung: bdld°rjan „unruhiger, lästiger Mensch". 

böm e lasch „Anhängsel", z. B. an Uhrkette, Ohrringen. Wo- 
her stammt das Wort? Ein anklingendes französisches Subst. 
ist mir nicht bekannt. An „baumeln", „hängen wie an einem 
Baume" oder „bummeln" ist wohl kaum zu denken. Allerdings 
gibt es manche Wörter mit französischer Eudung, welche 
diese Sprache nicht kennt. Ich erinnere an restauration, couvert; 
ferner an die Endung „iren". Die Endung kennzeichnet es 



— 23 — 

als Lehnwort. Böhmisch heisst „bombilati schaukeln", was 
ich nur erwähnen will. 

[börel — borasch „Ochsenzunge" (lat. borago, fr. bourrache).] 

bQ ö ke — bälke, nhd. bölken „schreien", mtl. bülken. Das 
Wort ist wohl Intensivum zu bellen. 

püf e l e — bossele, auch bojele, busele; 1. in Aachen „lang- 
sam essen", 2. in Köln „kleine Arbeiten verrichten" ; holl. 
peuzelen, zu beuzel „tuberculum", ma. pöjel, holl. poezel. pöj c lei, 
lat. pusillus „klein, winzig, unbedeutend". Franck gibt nilid. 
bus „Geschwollenheit", nhd. pausback, ahd. phoso, ags. posa 
„Beutel". - 

bot — bott, bodde „stumpf, ungeschliffen", ferner „dumm"; 
holl. bot, got. bauds „surdus", span. boto, fr. piedbot „Klump- 
fuss", botte „Bürde, Erdklumpen". Es gehört vielleicht zu botar 
„stossen",fr. bouter. Es bedeutete alsdann: „abgestossen, stumpf". 

böt p l „Hagebutte", holl. bot „Knospe", fr. bouton. 

böt e ram, holl. botterham „Butterbrot". Der zweite Teil soll 
rampft = rand: „der erste Brotausschnitt" sein. Im West- 
fälischen gebraucht man „Ramme", „Remme" für „Brotscheibe". 
Da holl., engl, harn „Schinken" heisst, ebenso ma. hgmch 
„Vorderschinken", so erklärt man es auch „Schinkenbrot". Ein 
Schinkenbrot ist aber böt c ram nicht. Dann heisst bot e ram doch 
nur „Schinkenbutter", was unsinnig ist. Dan. heisst harn „Haut, 
Balg". Dann hiesse es „Butterhaut, Butterüberzug". Dies will 
ich nur erwähnt haben. 

böks — bots „Hose" ; holl. bokse. Man zieht es zu Bock 
und erklärt das Wort „Kleid aus Bockleder". Andere denken 
an Büchse. Wie erklärt sich dann das t in der Kölner Mund- 
art? Sind es zwei verschiedene Wörter? Zusammensetzungen: 
böks e bein „Hosenbein"; boks e b$ ö m „Sitzteil an der Hose". 

böv e „oben", holl. boven, engl, ab — ove „von oben", afries. 
bova, nfries. baven, boven = bi — oba. b§v e nä bovenan 
„obenan"; b§v e nöp „obenauf"; bQv e scht e „oberste". 

brank — brand „Brennmaterial". 

[bräj e l „Unruhe", „wertloses Zeug", verb. bräs c l c „ohne 
Plan arbeiten"; Weiterbildung „bräJMei" „unruhiges Getun", 
bräJM'Mnan^s „unstäter Mensch" (fr. brasser „umrühren" von 
lat. bracchium). Vielleicht ist es aber zu brastelen „crepitare" 
zu ziehen.] Münch leitet es von ahd. bersten, bresten ab. 



o 



— 24 — 

br£l schei — brellescheid „Brillengchäuse", ahd. sceida 
„Schwertscheide". 

bre°tlouf — breitlauv „Breitlauch". 

brez e lich „sich zierend, leicht verletzt", adj. zu brez c l „fein 
wie Bretzelteich, leicht zerbrechlich". 

britsch — britz „Britsche". Es ist wohl nur ein Klang- 
wert. Man zieht es auch zu bret, briten. 

br^k „Brotkrunnne", in Köln auch „kleines Stück gebrannten 
Zuckers", ahd. broccho, hd. „brocken" zu „brechen". 

brdl ( 's „Schreier" zu brüllen. 

br^''in e l „Brombeere", ahd. bramberi, holl. braamberie. b hat 
sich ni assimiliert; ferner zeigt die Mundart bekannten Wechsel 
von r und I. Es bedeutet „Beere einer Dornart"; ahd. bramo, 
mhd. brame „Dorn(strauch)", engl, broom „Ginster". br§ ö m c l 
könnte auch unmittelbar von bramo gebildet sein mittels des 
Suffixes el, das wir u. a. in „Deckel", „dunkel", „Vogel" 
haben. 

brösch e l c „krümmein"; „Brocken in Wasser oder Kaffee 
durcheinandermengen." Es gehört zu brosam, das wohl zu 
brockozon „confringere", „brechen" zu ziehen ist. Vgl. osfries. 
broesel „Geträndel". 

brQ°tch° „schmoren" ; es ist iterativ, zu braten; vgl. murk- 
sen; man könnte auch an bruoten „brüten" denken; siehe 
brodeln, das zu Brot gezogen wird; letzteres hat denselben 
Stamm wie brauen. 

[brysch „Vorstecknadel" (fr. broche).] 

bröd c l — bruddel „fehlerhafter Stich bei Handarbeiten"; 
ostfr. bruddel, bröddel „Verwirrung", verb. V( ' r brud e l c ; es muss 
wohl zu brodeln gezogen werden wie fr. brouiller „durchein- 
andermischen", hd. broddelen „langsam arbeiten". Franck weist 
auf fr. broder „sticken" hin. 

bronk e — brunke „in Prozession einherziehen", übertragen 
auf die Wolken; „et bronkt", wenn es nicht zum Regnen kommen 
will; in Köln heisst es auch „brautführen", ndl. pronk, das zu 
prangen gehört, hd. „Prunk" stammt aus dem nd. Subst. brönk c r 
„einer, der Umschweife macht", in Köln „Brautführer". Münch 
Seite 62 bringt stadtkölnisch bronke, brunke und bruga in Be- 
ziehung zu bruk „Braut". 

büchpln „Leibschmerz". 



— 25 — 

büb e l — in Köln buddel „ Schnapsflasche ". buddel sclieint 
von buticula, fr. bouteille, deutscli „Butte" herzuleiten sein. 
büb°l ist Volksetymologie für buddel unter Anlehnung- an 
bübele, fr. babiller, mit Rücksicht auf den glucksenden Ton 
beim Trinken aus einer Flasche. Es ist also eines von den 
Schall Wörtern, an denen die Mundart so reich ist; ostfr. bubel 
„Waserblase" will ich nur erwähnen. 

bül — büggel „Beutel", ahd. butil, got. budils. Inlautendes 
d schwindet, so in Aachen, oder wird zu j erweicht wie in 
Köln; vgl. rij e „reiten", bül ist auch gleich „Beule", natürlich 
von einem-andern Stamme. 

böhej — bühei „Aufsehen, Umschweife". In Aachen sagt 
man auch behei, holl. bona. Ableitung: böheimech e r „Lärm- 
macher". Woher stammt das Wort? Die Endung- ei, erei ist 
nicht germanisch. Sie findet sich erst in der Jüngern Sprache: 
z. b. „Tändelei, Schweinerei, Schmiererei, ferkenserei. Steckt 
vielleicht im ersten Bestandteile die Interjektion bah?" holst, 
heisst nämlich das Wort baha. Das Mittelfränkische und die 
Eifel haben das Wort nicht. Sinnverwandt ist fr. boheme 
„Zigeunerland, dann liederliche Welt, verbummeltes Genie". 
Franck hält es für malaiisch. Münch Seite 117 leitet es vom 
fr. brouhaha „lärmender Beifall oder Tadel" ab. 

[bök§t — bukest „Blumenstrauss" (fr. bouquet).] 

bon°t — bungert. Zusammensiehung- aus „Baumgarten". 

buns e l — büns4ch L ' „kleines Kind", verkürzt bupl, büs'lclr. 
Es gehört wohl zu buse, bise „Katze", also „Kätzchen" mit 
dem Begriffe des Schmeicheins. 

bös — büss „Büchse"; cli vor s geschwunden wie in J^s 
„sechs", nüs „nichts", w§°s c l fl „wechseln". 

büts in Aachen „Stoss", in Köln „Kuss" ; vgl. Aachenisch 
„büts wld'r büts. Deminutiv bntsch , in Aachen eher: putschch 1 ', 
holl. botzen, ital. bottare, fr. bouter „stossen". Zusammen- 
setzung butsköp „Starrkopf". 

husche „Geld"; in Aachen eine bestimmte Münze, deren 
1V 8 ein Ort, 3 ein Fettmännchen, ü eine Mark = 4 l j 2 Pfg. bilden. 
In alten Urkunden bousche, bausche. Es deckt sich wohl mit 
„Börse", griech.-lat. bursa. 

bus° „draussen", holl. buiten, = bi-us°. 

[büfänt „Halstuch" (fr. bouffant „bauschig", ptep. zu boulfer 
„bauschen", subst. „Bausch am Ärmel 1 ').] 



— KG — 

Buchstabe D. 

dach „Dach" auch „Kopf". 

[dorisch „Hut u ist wohl dasselbe wie köln. dääts „Kopf", 
fr. tete, lat. testa.] 

d^ftich „gediegen", hol], deftig zu got. gadaban „sich 
ziemen" oder zu Wz. dap in „tapfer", ags. gedaefte „passend", 
engl, deft „frei, geschickt". 

d^mpich 1. in Aachen „rauchig", 2. in Köln „kurzatmig". 
Es ist adj. zu damp = „Dampf". 

dg ö köm e — därkumme „auskommen". 

d e rn§v e — darnevve „daneben". 

d e rtösch c — dartösche „dazwischen". In „Aachener Rechts- 
denkmäler" Urkunde von 1338 tusehen c. acc. gleich „zwischen", 
hol!, tuschen, asächs. twisk, engl, betwixt. Es gehört zu 
twene, two, twa „zwei" und bedeutet also „unter zwei", wobei 
unter gefallen ist. 

dQü — dau „Stoss", holl. douw, verb. cIqüj 8 — däue 
„drücken", and. dühen, dial. — nhd. deuhen, dauhen, thuwen, 
ags. thyan. Westgerm, thuhjan kommt von demselben Worte 
wie „zwingen", holl. dwingen; vgl. skr. tvanc, lit. tvenkti 
„drückend warm sein". 

d£k°l e „einem eine schlagende Antwort geben", eig. „einem 
einen Deckel aufsetzen oder -legen". 

d^ip dre/n sez e „sehr verarmt sein", eig. „tief darein 
sitzen". 

*d§l — deU 1. in Aachen „Vertiefung im Felde" 2. in Köln 
„grosse Beule in Metall". Es ist dasselbe Wort wie „Tal" 
got. ndl. dal, engl, dale und dell. Es ist wohl Deminutivum zu 
„Tal" „tällein" ostfries. delle, dell. 

döschschpr^i — deschspreit „Tischdecke" dösch = „Tisch" 
und spreit, schpreji von spreiten, ahd. spreiten, ndl. spreiden, 
spreijen „auseinanderbreiten"; vgl. spreizen. 

dest e lsfefik — destefink „Stieglitz". 

dük e r verstümmelt aus düv e l „Teufel". In Köln „deuvel 
deuker". 

tü 8 n e — dhüe „tauen", Bildung wie drl 8 ne, r§V, b§V, 
tr£°n°, mhd. touwen, ahd. douwen, dewen, ndl. dooijen. 

d§ ö l — dil „Diele", ahd. diu, angs. thel, ndl. deel. Vielleicht 
ist lat. tellus verwandt. 



< ' 



- 27 



desp c rätsiün — disperazjoo „Verzweifeluug" (fr. desesperation). 
Das Wort scheint unmittelbar aus dem Lateinischen entlehnt 
zu sein.] 

[tösb(p)°tät — dispetät „Wortwechsel", (lat. disputatio); 
vgl. das vorige Wort. Es stammt nicht von fr. dispute, wie 
Honig meint.] 

dlts, dlts-ch e „kleines Kind". In dem Fastnachtsspiel 
615,24 redet die Jungfrau den Freier an „boeser ditel" ; vgl. 
griech. tytthos viell. = titthos, titthae „Säugling"; nlid. „Tüttel" 
von ahd. tutta „Brustwarze", ndl. titte, nhd. Zitze. 

d$b e l, - d$b c lschte e n, verb. d^b°l e „Würfel", „Würfelstein", 
„würfeln". Es gehört zu „tüpfel", mhd. topfe, ahd. topfe, got. 
*duppa, das mit „tief" verwandt zu sein scheint. Also ,,Stein 
mit Vertiefungen". An doubler ist nicht zu denken, ten Doorn- 
kaat zieht es zu ahd. toben, topen „toben, werfen", mhd. 
topel, toppel; Grundbedeutung nach ihm „Werfen". Wz. tabh. 
Franck gibt mhd. toppel, mnd. dobbel(spel) und leitet es vom 
lat. abl. duplo „in duplo ludere" ab, eig. „im Doppelten spielen", 
was mir unwahrscheinlich ist. 

d§ks — dQck e s; in dem Rechtsdenkmal von 1338 dicke 
„oft, häufig", mhd. dicke, ahd. thicco, tlicco, adv. zu dicki, 
dichi „dick, dicht". 

dQl „betäubt, verrückt", verb. d§l e , Wz. dul in nhd. toll 
augs. dol, engl. dull. Es gehört zu ahd. twelan „betäubt sein", 
dazu causativ dwelm, engl, to dwale. Ausdruck: dQl w£ ö de 
„beim Kreisen die Besinnung verlieren". 

dQn e rletsch, an andern Orten „donerleder", nichtssagende 
Veränderung von „Donnerwetter", das auszusprechen man sich 
scheute; vgl. saperlot, düker, diantre, potstausend u. a. m. 

dön f 'rknlsp e l „Donnerwetter". Es gilt dasselbe wie von dem 
vorhergehenden Worte. Vielleicht spielt knispen = knistern 
bei der Bildung eine Rolle mit. 

d$p „Kreisel"; In Aachen gewöhnlich bröld^p, „brüllender 
Topf", mhd. topf, topfe, ahd. topf, tof (topfo) in derselben Be- 
deutung; engl, top; Wz. dup „hohl sein". 

dop „Topf", vielleicht gleich dem vorhergehenden Worte, 
was aber nicht ausgemacht ist. Es bedeutet auch „dummer 
Mensch". 

*[di*Qu — drau, „Loch im Bohrer", dann der „Bohrer" 
selbst, von lat. trabucare, wovon fr. trou stammt. Der Vokal 



— 28 — 

(lenskgr'ch — dingskirche „Dingsda" „etwas, worauf man 
sich nicht besinnen kann". 

dinslclr 9 „kleines Mädchen", verb. dins L T' „flink hin und 
her gehen", nihd. dinsen „ziehen, reissen", ahd. dinsan, got. 
thinsan; in Hessen auch intransitiv gebraucht „der wind dinst 
durch das fenster". 

[dlr°kt c män „sofort", fr. directement.] 

[disk p rir° — diskereere „besprechen", fr. discourir, natürlich 
nicht discuter, wie Hünig will.] 

[desp e rät — disperaat „verzweifelt", lat. desparatus. Subst. 
lässt sofortige Entlehnung aus dem Lateinischen vermuten, 
was bei Handwerkszeug ja auch das wahrscheinlichste ist.] 

dr£k „Schmutz", nihd. drec, adj. dr^kiieh und dr^kich; 
drokfenk „Schmierfinke". 

dri°n „drehende Bewegung beim Gehen", um aufzufallen; 
verb. dri ö ne „drehen". 

dröp e „tröpfeln", vom tropfweise fallenden Regen. 

druch „trocken", germ. Wz. druk, drug; ndl. droog, engl. 

dry. Zusammensetzungen: drgchlet — drüchleed 1. in Aachen 

„langsamer Mensch", 2. in Köln „Irrlicht", „einsilbiger Mensch", 

eig. „trockenes Licht", das nicht leuchten will; ferner: druj e pit 

— drüje Pitter „allzu ernster Mensch, der nicht lachen kann". 

dQr 1 chflutsch e — durchflutsche, „heimlich durchkommen"; 
zu flutsch „Schwärm", flutschen „die Federn aufblasen" flütisch, 
flutschig „wirbelig, turbidus". Die Nebenform plütschicht weist 
auf platzen (Platzregen) hin. So Grimm. Letzteres Wort wird 
aber von einer lautmalenden Wurzel blad hergeleitet. Ich 
denke mehr an den Stamm, der in „Flut", mhd. vluot und 
„fliessen" liegt. 

dörp e r — dürpel, dürpeling „Thürschwelle" holl. dorpel, 
deurpel; früh mlat. duropellus, durpilus Lex Salica C. 61; 
dorpel = Ihnen bei Dietzenbach gloss. lat. germ. 330 a . 1. dur 
Tür. 2. fries. pel lat. palus = ,, Pfahl". Wechsel von 1 und r 
wie in k^r'v'r „Kerbel, §lb"r „Erbel", §v°l „aber". Ist es 
ursprünglich dürpol „Türpfahl"? So auch Franck. 

dü's „einfach, schlicht, schüchtern". Es hat mit fr. doux, 
wie Müller-Weitz und noch Florax in seiner Abhandlung 
„Französische Elemente in der Volkssprache des nördlichen 
Roergebictes", Programm des Realprogymnasiums der Stadt 
Viersen, meinen, nichts zu tun. Es findet sich im bairischen, 



— 29 — 

österreichischen, isländ. als thus. dän, taus. Es gehört wahr- 
scheinlich zum Stamme des folgenden Wortes. 

dupl „Schwindelanfall", „trunkener Zustand"; ahd. tnsig 
„töricht", engl, dizzy „schwindlich", Wz. dus, zu der wohl „Tor" 
in Beziehung steht. Adj. dnf'lich „betäubt". Zusammensetzungen; 
dilfich'' „kleines, unbeholfenes Kind", düpldi'r „stumpfsinniger 
Mensch", verb. döj 1 !" „schläfrig sein" namentlich bei der Arbeit. 

Buchstabe E. 

i ö sch — eesch „erst", ahd. erist „der erste". Langes e wird 
in der Aachener Mundart i, t nach s fällt im Auslaute, und s 
geht nach r in den Reibelaut seh über, vor welchem dann r 
fällt. Es ist superlativus zu i ö „ehe", coinperat. lautet i ö d''r. 

^f* 1. in Aachen „einfarbig", 2. in Köln „eben, einfach, 
glatt, gleich, schlicht". Man sieht es für dasselbe Wort wie 
„eben" an; ahd. epan (eban). Auffallend ist dann der tonlose 
Reibelaut, da germ. b in der Mundart v wird; vgl. j$v e „geben". 
Allerdings heisst angs. „eben" efen. Auch in gäf'l haben wir 
f, wo hd. b steht. Zu bemerken ist, dass sowohl in Aachen 
als auch in Köln £v c — eoven sich findet: §ven esu „ebenso", 
evens „eben". Schon das ahd. weist epan neben eban auf. 
Frank gibt ebus — got ibus. 

e°lezich — einlätsig „einfach", holl. einledig; mhd. heisst 
es einlützec, ahd. einluzzi. Es bezeichnet den, dessen Los 
allein steht. 

eläns — elans auch lans „vorbei, entlang" aus entilang 
verkürzt wie engl, along aus andlong. In Bremen heisst es 
„entlangs". 

§lTr — alder „Erle"; vgl. wachelter. ahd. alira, lat. alnus, 
engl, alder; ter ist Ableitungssilbe. 

^lst e röch — £lsteraug „Hühnerauge". 

gnk°l — enkel, inkel „einfach, einzeln"; holl. enkel. mhd. 
enkel(t), got. ainakls. Ableitung von ain mittels kl, einer Vcr- 
kleinerungssilbe. 

ens „einmal", ahd. eines z. B. eines suuor ich „einmal 
schwur ich", angs. acnes, ndl. eens, engl. once. Es ist also 
= einst, ahd. einest und verschieden von eins in Wendungen 
wie „eins trinken". 

£lb'T — erbel „Erdbeere", eiber bezeichnet eine Trauben- 
art, deren Namen man von Albaner herleitet, die aber Grimm 



— 30 — 

nach der gelben Farbe benannt glaubt. Wechsel von 1 u r. Ist 
das Wort für Erdbeere und für die Traubenart gleich? Man 
denkt an albus „weiss", ohne zu verstehen, weshalb diese Frucht 
gerade die „weisse" heissen soll. Möglicherweise ist es eine 
Verstümmelung aus Erdbeere. 

esu° „so", esu'n 6 „ein solcher". 

etsch! kis, kis in Köln, in Aachen älatsch! kitsch! kitsch! 
Zuruf an Huude, dann auch an Menschen, um sie zu reizen. Es 
sind wohl nur Klangworte, alätsch erinnert an aller. 

^v e wäl „ebenso wohl", „doch sicher". 

ew§ch „auf Seite", mhd. enwec für in wec „auf den Weg", 
d. h. „auf den rechten Weg": angs. onweg, engl. away. 

[ext e mi°r e — estimeere „schätzen, achten" (fr. estimer)]. 

[§xisti ö r e — existeere „bestehen" (fr. exister)]. 

[§xkus — „Entschuldigung" (fr. excuse), verb. v p r£xk e si ö rt 
„bitte um Entschuldigung"]. 

[^xpllzl ö r — explizeer „Wortwechsel, überflüssige Redens- 
arten", verb. explizi ö r e — explizeere „erklären, streiten", (fr. 
expliquer)]. 

[£spre;S und expr£ ö — expre und express „absichtlich" (fr. 
expres, lat. expressus)]. 

[ext c r e „quälen". Müller-Weitz denken an vexare; Grimm 
vergleicht eschern, espern, lässt auch eine Ableitung von extra 
„ausserhalb, besonders" gelten; Kluge leitet es von Ekel ab. 
hess. ickern hat gleiche Bedeutung und gehört wohl zu Ekel. 
Schwerlich hat extV mit ickern, espern, eschern etwas zu tun. 
An vexare ist auch nicht zu denken. Grimms Vermutung, es 
stamme von extra, hat das meiste für sich. Es hiesse dann 
„einen ausser sich bringen"]. 

Buchstabe F. 

f£ ö sch — faasch „Ferse". R vor s ist gefallen. Für faasch 
vgl. bäsch zu bersten. 

krejikd 6 — kränkde „Fallsucht", subst. auf de zu krank. 

[fämilje/V — familjar „vertraulich" (fr. familier)]. 

f§nd e l — fändel „Kirmesbaum". Ableitung von Fahne 
mittels der Silbe el mit Entwicklung der Dentalen nach 
dem Nasal. 



— 31 — 

fantäs — in Kölu auch flantas „verschrobener Mensch" zu 
griech. phantazomai „sich sehen lassen" und phantasie „Traum- 
gestalt, Gespenst"; fr. fautasque „seltsam"]. 

fas — fass, fast e „fest", mhd. vaste. 

[fazün — fasung „Form" (fr. fagon), adj. fazünlich — 
fazünglich „Form habend, anständig"]. 

fek° — fecke „listig weghaschen", mhd. ficken bedeutet 
1. „reiben", reiben, lat. fricare, 2. „heften", figere. Es ist 
lierzuleiten vou piccare, fr. piquer „stechen, stossen". Es würde 
dann bedeuten „einstecken". Dazu passt ach. fek „Tölpel" 
namentlich -in der Zusammensetzung bur e fek. feknand e s ist in 
obscönem Sinne zu verstehen. Es gehört zu vicken fricare. 

f£nd e rich 1. Fähnrich, 2. iron. „strammes Frauenzimmer". 
Wegen des d vgl. f§nd e l, d§nd e r, hond e r (Hühner). 

[f§ ö ch — feg „böses Weib" - In Aachen auch scherzhaft 
für ein lustiges junges Mädchen. In Köln masc. f§g e r „kräftiger 
Mensch", ahd. gifeh, mhd. gevech „feind". Der Wortsinn ge- 
stattete die Gleichstellung beider Wörter. Ich denke aber mehr 
an mhd. fei, afrz. feie, ital. fata zu fatum „Schicksalsgöttin", 
nhd. „Fee"]. 

[fök e l e — feukele „kerzen, liebkosen", lat. foculare; nach 
Non. 10, = fovere „warm halten"]. 

[fidtits — fidunz „Neigung", lat. fiducia „Vertrauen, Zu- 
versicht". Ausdruck: ich hän jen e fiduts dözöü, „Ich habe keine 
Neigung dazu"]. 

flls e l — fielsei „Feilspähne" zu fll°, gebildet wie Häcksel 
zu hacken, Rätsel zu raten. 

fi ö s — fies „ekelhaft, widrig", holl. vies. fis — fies „laut- 
loser Darmwind", mhd. vist, holl. veest, verb. visen, u. visten 
= „bombizare" zu bombus „tiefer Ton". Auch lässt sich fiselen 
„kleine Bewegungen machen" hinzuziehen. 

[filu „Heimtücker" (fr. filou)]. 

fempich — fimschisch „übelriechend, in Fäulnis übergehend". 
Hängt es mit dem folgenden Worte zusammen und bedeutet 
es „brandig". 

fernp 6 „mit Feuer spielen, etwas anbrennen lassen", mhd. 
vimpen „glühen", vimel „Glanz". In Köln heisst „Fidibus" 
fimpche. 

fis e l „Fetzen, Stückchen", mhd. visel, „fasern, fransen": 
vers. fts e l e „staubartig regnen" und „sich ausfasern", schwäbisch 



32 — 

faseln. Das Wort deckt sich mit faser. fis'lche = faserclie. Es 
tritt der bekannte Wechsel von r und 1 ein. 

f lt'mät^ntch'r — fisimatäncher „leere Ausflüchte, Umschweife, 
Förmlichkeiten". Picks Monatschrift VI, 167 und 334 wird es 
von dem „visum authenticum" in Protokollen abgeleitet. Dass 
der gewöhnliche Mann diese ihm unverständliche Formel, die 
oft sein besseres Wissen der Sachlage zu unterdrücken schien, 
spöttisch benützte, um sich über den gelehrten Kram lustig zu 
machen, ist denkbar, aber nicht grade wahrscheinlich. Die Form 
fitematentchere in Aachen mit „t" gibt auch zu denken. An- 
dere leiten es von visez volkstümlich für visitez ma tente ab, 
eine Wendung, mit der die Soldaten die Mädchen zum Besuche 
des Lagers einluden. Honig erinnert an ital. tisiina „Laune", 
„Grille", ohne den zweiten Teil zu erklären. Müller- Weitz geben 
„fente matöntchen". Interessant ist, dass ungarisch fitatni „bis 
ins kleinliche ausforschen" bedeutet, was ich nur erwähnen 
will, ohne an einen Zusammenhang zu denken. Höchstens könnte 
fitatni = firtatni auch Fremdwort sein, was ich nicht weiss. 
Eine allseitig befriedigende Erklärung ist meines Erachtens noch 
nicht gegeben. 

fist°rnQl° — fisternölle „sich mit allerhand unnützen Kleinig- 
keiten zu tun machen", „befühlen, betasten". Über flseln siehe 
zu fis; noelen „zögern", ,, zaudern 1 ', unnütze Arbeit tun. Woher? 
Also aus zwei gleichbedeutenden Worten zusammengesetzt. 

f!xfäx e rei — fixfaxerei, westfälisch fixfoserie „Kleinigkeit, 
Windbeutelei, Firlefanz". Andere Form ist fickfackerei „Betrug, 
dummes Zeug" zu fickfack „Rutenschlag, ictus virgae". Es ist 
durch Reduplikation aus fick entstanden; vgl. Klingklang, 
Schnickschnack, mischmasch, ticktack, kitzkatz. Anfangs dachte 
ich an fixae facetiae „feststehende, faule W T itze". 

[flambäü „Fackel", fr. flambeau.] 

fl^me — flamme „schiessen". Es ist wohl gleich flammen. 

flank c we;ch — flankeweg „frei heraus", flank = frank, fr. 
franc, das von Franken kommt. 

fläster — flaaster „flatterhaftes Frauenzimmer"; verb. 
flästV „herumtollen" = flattern. Allerdings ist s damit nicht 
erklärt. 

fläp — flabines „verrückter Mensch", hd. flappe „os hians" 
zu mhd. flans, md. vlans „Mund", Süddeutsch flabbe „Hänge- 
maul", ital. fiaba „Lüge". 



— 33 — 

fleuch — flag „Anfall von Verrücktheit, üble Laune". Ge- 
hört es zu plaga „Schlag" ? Siehe plc^ch. 

Aap „Ohrfeige" zu flappen ma. 

flape „sehlagen", hol], flappen. Von dem deutschen Worte 
ist frapper gebildet. 

[fl§t „Nelke", span. fleta.] 

fledich — fliedig „schmutzig", adj. zu flat, das sowohl 
„Reinlichkeit" als „Schmutz" bedeutet; vgl. lat. lautus und 
lutum, mlid. fletec, flaetic „sauber, zierlich". Davon nhd. unflätig. 

fletch e t — flitsch, flitschsche „Dirne", engl, to fletsch = 
hd. flitsehen. mlid. vlittern „flüstern, kichern", ahd. flitaressen 
„schmeichelnd liebkosen". Vielleicht hat das Wort ursprünglich 
nicht den schlimmen Sinn gehabt, sondern mit dem Übergange 
von flitschen in die Bedeutung von to fletsch „schwirren" ent- 
stand die des Wortes == „vagabunda, Dirne". Zu flitschen ge- 
hört flitschb$"ch „Flitzbogen mhd. flitzboge; der flit e r schiff — 
flitter schlQn, „beim Tanzen die Beine mit grosser Schnelligkeit 
aneinander schlagen". In flitter liegt der Hauptbegriff des oben 
genannten Verbums enthalten : „uustätige Bewegung". Vgl. 
„Flittergold", zur Bedeutung schmeicheln „Flitterwoche"; holl. 
flets, fletsch von fladdern, als ein Lappen herunterhängen, i.ach 
Frank. Er vergleicht passend „läppich" zu Lappen. Eine andere 
Erklärung für fletchet wäre „flatkeit = Schmutz, Unreinlichkeit". 
Das Abstraktum für das concretum. 

(Portsetzung; folgt.) 



II 

über gewerbliche Verhältnisse 
in der ehemaligen „Herrlichkeit Burtscheid". 

Von Heinrich Schnock. 

Schon durch Capitularien Karls des Grossen war für jede 
geistliche Genossenschaft ein Vogt (advocatus) vorgesehen. Ihm 
lag die Pflicht ob, die Klosterkirche, ihre Diener und Güter 
gegen alle An- und Eingriffe zu verteidigen, ihre Rechte zu ver- 
treten, und dort, wo das Kloster Landeshoheit besass, die Kriminal- 
gerichtsbarkeit auszuüben. Der Kaiser ging bei der Verordnung 
von der Anschauung aus, dass derartige weltliche Handlungen 
mit der Würde des geistlichen Standes nicht vereinbar seien 1 . 
Der Vogt vertrat bei den klösterlichen Genossenschaften ähnlich 
wie auch in der karolingischen Hofverwaltung die Stelle des 
Kaisers. Doch nur zu bald verloren die Vögte das Bewusst- 
sein dieser ihrer idealen amtlichen Stellung und begnügten sich 
mit der Wahrnehmung ihrer gerichtlichen Obliegenheiten, worin 
sie sich mit den Meieren in der Weise teilten, dass ihnen die 
Behandlung der Kriminalfälle und den Meieren die übrige Ge- 
richtsbarkeit zufiel. Für Burtscheid lässt sich diese Änderung 
urkundlich nachweisen. Die erste Erwähnung des dortigen Vogtes 
datiert aus dem Jahre 1018. Damals vertauschte die Abtei 
unter Abt Benedikt den Hof Capenberg im Lahngau mit dem 
ihr näher gelegenen Hof Rütten im Haspangau 2 , der der Abtei 
Seligenstadt gehörte 3 . Damit dem Tauschhandel die rechtsver- 
bindliche Form nicht abgehe, wurde die Übergabe der Tausch- 
objekte durch die zeitigen Klostervögte vollzogen (sicut lex est 
concambii per manus legitimi utriusque ecclesie . . . advocati) 4 . 
Während hier noch der Vogt als gesetzlicher Vormund der Abtei auf- 
tritt, ohne den dieselbe ein rechtsgültiges Geschäft nichtabschliessen 



') Pertz III, (Legum I) S. 46 und S. 872. 

2 ) Zeitschrift des Aachener Geschichts-Vereins Bd. V, S. 227, Anm. 

3 ) Lacomblet, ürkuudenbuch I, S. 92, Nr. 150. 
*) Qu ix, Reichsabtei Burtscheid, Urk. 3, S. 203. 



— 35 - 

kann, ist bereits in dem Vertrag- zwischen Äbtissin und Vogt 
Gerard von 1226 ' nur mehr davon die Rede, dass ihm der dritte 
Teil sämtlicher Gerichtsgefälle zufallen soll, weil es seines Amtes 
sei, Gewalttätigkeiten zu bestrafen (de placitis advocatus vel 
ejus nuncius tertiam parteiti rccipiet; quia violentias emendabit). 
In noch späterer Zeit sind ihm nach die Kriminalsachen nicht 
mehr vorbehalten, sondern er und der Meier urteilen über alle 
Fälle, die iu den von ihnen präsidierten Sitzungen vorkommen. 
Obervogt der Abtei ist ursprünglich der Kaiser. Bei dem vorhin 
erwähnten Tausch genehmigte Kaiser Heinrich II. am 21. Januar 
1018 noch, in dieser seiner Eigenschaft das von den beiden 
Vögten vollzogene Rechtsgeschäft 2 . Nachher finden wir den 
Herzog von Limburg vom Kaiser mit diesem Amte betraut. 
Mit dem Herzogtum Limburg ging dann auch die Vogtei an 
Brabant über. Als im 17. Jahrhundert die Generalstaaten im 
Besitze Limburgs waren, machten sie auch Anspruch auf die 
Burtscheider Vogtei, der aber nicht anerkannt wurde. Dagegen 
übte Philipp von Spanien in seiner Eigenschaft als Herzog von 
Limburg die obervogteilichen Rechte über Burtscheid aus. Bereits 
im Anfange des 13. Jahrhunderts belehnte der Herzog von 
Limburg den Herrn von Merode mit der Vogtei über die Burt- 
scheider Abtei, der dann auch wohl aus diesem Anlass mit der 
Erbauung des Schlosses Frankenberg in unmittelbarer Nähe des 
Ortes begann. Beim Obervogt (advocatus superior), der vor 
wie nach der Herzog von Limburg blieb 3 , konnte gegen die 
Amtsführung des Vogtes Klage geführt werden. Zu Klagen 
boten die Vögte, die sich aus Schirmherren ihrer Pflegebefohlenen 
nur zu häutig zu deren Tyrannen machten, überreiche Anlässe. 
In Burtscheid kam ihnen hierbei zu statten, dass die Leitung 
der Benediktinerabtei in der letzten Zeit ihres Bestehens in 
schwachen und unwürdigen Händen lag. Als im Jahre 1220 
die Cisterziensernonnen vom Salvatorberg in Aachen in die ver- 
waisten Burtscheider Klosterräume einzogen, dauerten die Be- 
drückungen ungeschwächt fort. Weder Vergleiche und Ver- 
träge der Äbtissin mit dem Vogte, noch die Vermiltelungen 
geistlicher und weltlicher Fürsten, noch selbst die Intervention 
des Herzogs von Limburg oder selbst des Kaisers konnten auf 



') Qu ix, Fraukentmrg, Urk. Nr. 1. 

') Quix, Frankenburg, Urk. Nr. 19 und 20. 

3 ) Quix, Frankenburg, Urk. Nr. 14. 



— 36 — 

die Dauer wirksame Abhülfe schaffen. Wenn auch einzelne 
Vögte von Gewalttätigkeiten sich frei hielten, so gab es doch 
wieder andere, die in der rohesten Weise gegen die Abtei und 
ihre Untertanen vorgingen. Besonders tat sich hierin der 
Vogt Arnold von Frankenberg hervor, dein selbst das Gottes- 
haus nicht mehr heilig war; drang er doch, während die 
Nonnen dem Gebete oblagen, mit seinen Gesellen unter lautem 
Geschrei und Waffenlärm in dasselbe ein, so dass, wie die 
Äbtissin Mechtild von Bongard klagt: „der dinst uns heiren 
jhesu christi naigt inde dach zu mengher zyt leider ge- 
hindert wart 1 ." Was der Vogt eigentlich bezweckte, ob es sich 
ihm blos um Erwerbung einzelner Besitzungen und Rechte der 
Abtei handelte, ob er mit der Vogtei die Meierei verbinden und 
.so die Gerichtsbarkeit in eine Hand bringen, ob er das Burt- 
scheider Gebiet seiner Herrschaft unterwerfen wollte, darüber 
sagen uns leider die Urkunden gar nichts. Um nun den unauf- 
hörlichen Bedrückungen des Vogtes ein Ende zu machen, sah 
sich die Abtei zu dem verhängnisvollen Schritt der Übertragung 
der Meierei an die Stadt Aachen im Jahre 1351 genötigt. Diese 
Massregel verschaffte der Abtei zwar Ruhe vor dem Vogte, 
trug aber auch den Keim zu Hader und Streitigkeiten zwischen 
ihr und der Stadt Aachen in sich, die sich Jahrhunderte lang 
fortsetzten und erst zu Ende gingen mit dem durch die fran- 
zösische Staatsumwälzung herbeigeführten Verlust der Selbständig- 
keit der streitenden Parteien. Die Streitigkeiten entstanden 
dadurch, dass Abtei und Konvent behaupteten, sie hätten dem 
Rate und der Bürgerschaft der Stadt Aachen mit der Meierei 
weiter nichts übertragen, als den Vorsitz bei den gewöhnlichen 
Gerichtssitzungen nebst den damit verbundenen Gefällen, während 
Aachen als dem Übertragungsvertrag gemäss die ganze welt- 
liche Herrschaft über Burtscheid mit einziger Ausnahme des 
besonders vorbehaltenen Teiles für sich beanspruchen zu müssen 
glaubte. Mehr als die Rechtsfrage interessieren uns an dieser 
Stelle die praktischen Folgen, die sich für Burtscheid aus der 
Übertragung ergaben. Dieselben machten sich vor allem fühl- 
bar in einem nachteiligen Einfiuss auf die einzelnen Gewerbe. 
Es lag ja auch nur zu nahe, dass der Erbrat der freien Reichs- 
stadt, dem das mächtige Emporblühen des Burtscheider Zunft- 
wesens nicht glcichgiltig war, sondern als eine unliebsame 

') Qu ix, Reichsabtci Burtscheid, Urk. 137, S. 356. 



— 37 — 

Concurrcnz des Aachener Gewerbes erschien, seinen neu ge- 
wonnenen Eiuflnss in ßurtscheid benutzen würde, um das wirtschaft- 
liche Übergewicht Aachens immer mehr zu befestigen. Bereits 
kurze Zeit nach Erlangung der Meierei schloss, nach einer 
Mitteilung Beyers in den Miszellaneen, der Rat einen Vergleich 
mit der Äbtissin ab über die Handwerker und Kaufleute, die in 
ßurtscheid zuzulassen seien. Meyer, der den Vergleich selbst 
nicht mehr auffinden konnte, berichtet, er habe gehört, es hätten 
von jedem Handwerk nur zwei Vertreter in ßurtscheid sein 
dürfen. Im Jahre 1660, also nach dem grossen Stadtbrande 
noch liess die Stadt diesen Vergleich durch kaiserliches Privileg 
bestätigen' und sich die Macht geben, aus eigener Gewalt gegen 
jede Übertretung desselben vorgehen zu dürfen. Bei der Über- 
tragung des Dorfs und der Herrlichkeit ßurtscheid an Aachen 
versprach die Stadt „das amt van den tiertei (Tiertei ist ein 
grobes Tuch) zu behalden na des dorps herkomen", aber schon 
1406 anerkannte der Herzog von Jülich, dass das Gericht des 
Aachener Wollenambaehts (Tuchweberzunft) „auch zo Bortscheid 
in dem Kloster behalden, als fern as dat der Äbtissin Will is, 
end Werkmeister alle Gewand alda besehen und besoeken end 
darvan setzen end entsetzen" solle 1 . Im Jahre 1663 liess der 
Aachener Rat durch ein Kommando Stadtsoldaten eine eiserne 
Tuchpresse, welche ein Burtscheider Tuchfabrikant mit grossen 
Kosten angelegt hatte, gewaltsam herausreissen, weil die anderen 
Tuchmacher sich beklagten, dass sie mit ihren hölzernen Pressen 
lange nicht so viel und so gute Arbeit liefern könnten, als jener. 
Die Äbtissin klagte wohl sofort wegen Landfriedensbruch in 
Speyer und erhielt auch ein mandatum restitutorium ; aber die 
Presse war vernichtet. Andern Handwerkern, die sich ohne 
Erlaubnis des Meiers in ßurtscheid niedergelassen hatten, wurde 
arg mitgespielt; Bäckern wurden die Backöfen eingeschlagen 
und anderen Arbeitern das Handwerkszeug weggenommen. Im 
Jahre 1704 veranstaltete der Rat eine Untersuchung wegen 
der in ßurtscheid „eingerißener allerhand Handwerkern" und 
verbot noch 1723 einem Lohgerber, in ßurtscheid hergestelltes 
Oberleder in Aachen einzuführen. Im Jahre 1766, als Meyer 
seine Miszellaneen schrieb, wurde freilich „eine berühmte Tuch- 
und Nadelhandelschaft so wie alle gattung von handwerken 
frei und ungehindert, auch ohne Unterschied der Religion in 



J ) Noppius, Aacher Chronik III, Num. XXXVI, 4. 



— 38 — 

Burtscheid betrieben" '. Allein wie wenig günstig' der Rat den 
Burtscheider Gewerbetreibenden gesinnt war, beweist folgender 
Vorfall. Im Jahre 1765 führte die Äbtissin wieder einmal einen 
ihrer Prozesse mit dem Aachener Rat wegen der Landeshoheit. 
während in der Herrlichkeit Burtscheid alles drunter und drüber 
ging. Ein fremder protestantischer Tuchscherer Wilhelm Ludwig 2 
hatte sich in Burtscheid als Meister niedergelassen und war 
von verschiedenen Kanflcuten mit Arbeit reichlich versehen worden. 
Im Einverständnis mit den Aachenern erklärten die Burtscheider 
Tuchscherer, Ludwig habe sein Handwerk nicht zünftig erlernt, 
er dürfe also weder Meisterrecht ausüben, noch dürften zunft- 
fahige Gesellen bei ihm arbeiten. Die Einmischung des Burt- 
scheider Schöffengerichtes, woran Ludwig sich gewandt hatte, 
wiesen die Scherer mit der Bemerkung ab, in dieser Sache sei 
nur die Aachener Tuchschererzunft zuständig. Am Abend des 
11. Januar rotteten sich dann Aachener und Burtscheider Scherer 
zusammen, überfielen das Haus und die Werkstatt des Ludwig, 
zertrümmerten und verwüsteten alles und drohten, nächstens 
einem gewissen Pettenberg, der ebenfalls eingewanderter Protestant 
war, einen ähnlichen Besuch abzustatten. Jetzt erst schickte 
der Magistrat 20 Grenadiere unter einem Offizier nach Burtscheid, 
Hess aber dem Ludwig bedeuten, „Ein Ehrbarer Rat sehe ihn 
weder für einen Tuchscherermeister, noch für einen Einwohner 
von Burtscheid an". Ludwig verzog nach Vaels; den Pettenberg 
erklärten die Gesellen für unfähig oder „machten ihn faul", 
wie der technische Ausdruck lautete. Die Äbtissin hätte die 
„von so vielen Jahren her angedauerte zügellose Ausschweifungen 
der scherergesellen doch gerne gebändige gesehen". Da sie 
jedoch mit Aachen im Streite lag, wandte sie sich an die Kreis- 
ausschreibenden Fürsten, die für den niederrheinisch-westfälisehen 
Kreis die Kurfürsten von Cöln und von der Pfalz und der 
König in Preussen waren. Am 10. Dezember marschierte ein 
kurpfälzisches Kommando aus Jülich, bestehend aus einem Leut- 
nant und 23 Mann nebst Trommlern und Pfeifern in Burtscheid 
ein. Man ging nun mit grösserer Energie gegen die Aufrührer 
vor. Die Drohung, alle unruhigen Köpfe aus der Herrlichkeit 
verweisen zu wollen, die Gefangennahme der Rädelsführer, das 
beständige Patroullieren der Soldaten und ein scharfes Monitorium 



') Meyer, Miscell. I, S. 169, 170. 
2 ) Meyer, Miscell. I, S. 781 ff. 



-- 39 — 

des Kreisdirektoriums, welches „gefängnus, Zuchthaus, vestungs- 
bau oder galeerenstraf" und noch Ärgeres in Aussicht stellte 
und dann „aus creisausschreiblicher macht und gewalt" die 
Gesellen zur Ruhe und Gesetzlichkeit ermahnte; das alles trug 
dazu bei, dass sich die verlassenen Werkstätten nach und nach 
wieder füllten. Aus dem Monitorium mögen noch einige, für 
die Geschichte dieses Strikes interessante Einzelheiten hier Platz 
finden. Vor der Zerstörung des Ludwigschen Hauses hatten 
sich die Gesellen in Aachen „im Stern vor den Augen des Raths" 
versammelt; später traten sie „in der Schmiedlaube" und „im 
König von Spanien", einem Wirtshause, das neben dem untern Tor 
in Burtscheid lag ', zusammen. Sie beschlossen, die aus den Werk- 
stätten austretenden Kameraden zu unterstützen und zwar die 
verheirateten mit 60, die unverheirateten mit 40 Stüber wöchent- 
lich; dagegen erklärten sie, den arbeitenden Gesellen Arme und 
Beine zerschlagen zu wollen. Und wirklich in einer Versamm- 
lung auf der Steinkaulwiese (anscheinend konnten sie kein Lokal 
mehr erhalten) verurteilten sie „die nicht erschienenen Gesellen 
zur Zerschlagung der Glieder", fielen über die Gesellen des 
Pettenberg auf der Strasse her und drohten, den Pettenberg 
selbst ins Wasser zu werfen. 

Unter dem 18. Juli 1766 erteilte das Kammergericht dem 
Aachener Magistrat einen derben Verweis wegen seines Ver- 
haltens in dieser Angelegenheit und ersuchte das Direktorium, 
die Truppen aus Burtscheid zurückzuziehen, was aber erst am 
12. April 1767 geschah. Das Burtscheider Gericht erliess dann 
eine Verordnung, in der den Arbeitern die Beobachtung der 
Gesetze eingeschärft, den Tuchmachern und Scherern alle Ver- 
sammlungen, das Aufstellen von Statuten, „das schelten, schmähen, 
auf- und umtreiben vor den Werkstätten, sogenanntes faul- 
machen und verwerfen" und alle Eigenmächtigkeit verboten, 
den Meistern die Beschäftigung nicht angemeldeter Gesellen 
untersagt und die Kaufmannschaft freundlichst ersucht wurde 
„die arbeit vorzüglich hiesigen unterthanen mitzutheilcn". 
Hiermit berührt das Gericht wohl den Hauptgrund derUnzufrieden- 
heit der Burtscheider Arbeiter, und darum werden auch den 
Kaufleuten strenge Massregeln angedroht, wenn sie auf dieses 
freundliche Ersuchen nicht hören würden. Es lag ja nahe, dass 
die Burtscheider Protestanten durch Heranziehung akatholischer 

') Quix, Stadt Burtscheid, S. 14. 



— 40 — 

Arbeiter ihre Partei zu stärken suchten. Auch in anderen Be- 
ziehungen mögen die sozialen Verhältnisse Burtscheids nicht in 
bester Ordnung gewesen sein. So verbot 1757 das Gericht 
u. a. die Bezahlung der Arbeiter mit Waren und die Annahme 
derselben seitens der Arbeiter 1 . Es spielte aber auch kon- 
fessionelle Gehässigkeit eine Bolle in diesen Angelegenheiten. 
Der Aachener Bürgermeistereidiener Jansen sagt in seiner 
Chronik (III, 43) diesbezüglich : „die scliörers Gesellen haben auch 
in Bortscheidt rebellirt, zu sagen die katholische wider die cal- 
viner und lutherner. Diese werden jenen vorgezogen by die 
lutherische und calvinische kaufleut, aber katholische haben sich 
bysanmien gezogen und jene alle abgetrieben." Eine Kommission 
von Welkverständigen und Mitgliedern des Gerichts sollte die 
zwischen Kaufleuten und Meistern, zwischen Meistern und Ge- 
sellen auftauchenden Streitigkeiten schlichten. Die Aufregung 
gegen den Pettenberg dauerte aber fort. Da befahl das Gericht, 
dass aus jeder Werkstatt ein Geselle bei diesem Meister ar- 
beiten müsste. Diese Verordnung brachte die Gesellen in Harnisch, 
und sie stellten die Arbeit abermals ein. Nun aber bot ihnen 
das Gericht die Spitze, indem es den Meistern gestattete, fremde 
Gesellen „als Breslancr, Danziger, aus Verviers, Montjoie, Mas- 
tricht und anderen orten" anzunehmen. Infolge dessen und 
weil auch noch eine grosse Geschäftsflaue eintrat, waren die 
Gesellen schliesslich froh, überhaupt nur Arbeit zu bekommen 2 . 
Aus dem bisher gesagten dürfte sich ergeben haben, dass 
die früher erwähnte Behauptung, dass der Aachener Magistrat 
auf das Burtscheider Handwerk einen Druck ausübte, den tat- 
sächlichen Verhältnissen entspricht. Eine gewisse Rechtfertigung 
seiner Handlungsweise versuchte der Magistrat darzutun in den 
Übcrkümsten (Ratsbeschlüssen) aus den Jahren 1619, 1667, 
1714, in denen er das Einbringen von Waren aller Art aus 
Bnrtseheid nach Aachen verbot. Dort rechtfertigt er diese 
Massregel damit „weil nit allein den gemeinen Handwerks- 
meistern und deren genossen, welche sonst die gemeine Stadt- 
läst tragen helfen, die Nahrung abgeschnitten, sondern uns auch 
selbsten die schuldigen Gefäll und Accisen fast entzogen werden 3 ". 
Auf die Übertretung dieses Einfuhrverbotes war eine Strafe von 



') Meyer, Miscell. II, S. 417. 
*) Meyer, Miscell. I, S. 772 ff. 
") Meyer, Miscell. das. S. 538 ff. 



— 41 — 

3 Goldgulden gesetzt, womit auch das „auslaufen und zechen" 
auf Burtscheid belegt wurde. So streng nahm der Rat es mit 
diesem Verbote, dass er es deshalb sogar „zo rede indc zo 
kriege" kommen liess. Die Burtscheider Wein zapfer, welche 
durch die Sperrung der durstigen Aachener eine ebenso grosse 
Schädigung erlitten, wie die städtische Weinsteuer durch das 
„Auslaufen" derselben, versprachen dem Vogt Johann II. von 
Frankenberg vierhundert Gulden, wenn er die Stadt Aachen 
zur Zurücknahme dieses Verbotes nötigte (1456). Der Franken- 
berger griff um diesen Preis zu den Waffen, musste sich aber, 
als die Stadt das Haus Hai bei Würselen, von dem aus einer 
seiner Verwandten grossen Unfug im Aachener Reich trieb, 
genommen, zum Frieden bequemen. Die Kosten des Feldzuges 
hatten die Weinzapfer aber zu tragen. Johann liess nämlich die 
Aachener wegen des Verbotes „ungekroidt inde ungehindert", 
bis ein Römischer König nach Aachen komme und den Streit 
löse; dagegen „gönnte" ihm die Stadt, jene 400 Gulden einmal 
zu erheben, und der Ritter tat sich für das Geld ,,bedanken 
ungeferlich inde sonder argelist 1 ". Den Kampf gegen das „Aus- 
laufen und zeehen" in Burtscheid setzte der Aachener Magistrat 
consequent Jahrhunderte lang fort. .,1678 3 Mai lautet der 
plortze klockt Umb 6 Uhren, dieweilen, dass Viell Burgern aus- 
geschlossen solten werden, die zu Bortscheid zum Bier waren, 
und die noch inkamen wart ein grass gebott gethan" (d. h. die 
mussten ins Gefängnis wandern). (Chronik bei von Fürth, Bei- 
träge u. s. w. Bd. II, II. Anhang, S. 190.) 1680 geschat dasselbe; 
aber die Bürger öffneten das Tor mit Gewalt; zwei der Ruhe- 
störer wurden arretiert, aber von ihren Genossen befreit. Der 
Scherz kam ihnen teuer zu stehen (dass. S. 102). Der ganze 
Vorgang beweist, dass das Gewerbe damals bereits eine grosse 
Bedeutung hatte. Auch die spätere Geschichte des Weinverkaufs 
in Burtscheid bietet noch manche interessante Einzelheiten. 

Zunächst durfte nicht jeder beliebige einen Weinver.schleiss 
eröffnen. Die Erlaubnis dazu wurde von der Abtistin erbeten 
und wurde nur dem erteilt, der ein eigenes Haus in Burtscheid 
besass und es seit Jahr und Tag selbst bewohnte. Diese Be- 
dingung wurde als geltendes Recht im Jahre 1501 bei nach- 
folgendem Anlass ausgesprochen. Johann Paffenbroich besass in 
Burtscheid ein Haus und Erbe, dass er länger als Jahr und Tag 

') Quix, Frankenburg, Urk. Nr. 23. 



— 42 — 

von seinen Dienstboten hatte bewohnen lassen. Dieselben standen 
bei ihm in Kost und Lohn und bedienten sich seines Hausrates 
sowie seines Feuers und Lichtes. Auch war er selbst in seinein 
Hause aus- und eingegangen und hatte auch dort wiederholt über- 
nachtet und mit den Seinigen sich aufgehalten. Er hatte ferner 
gleich den anderen sein „hoygeld", seine Steuer, bezahlt und 
war bereit in allem genug zu tun. Damit meinte er alle Be- 
dingungen erfüllt zu haben und eine Weinschenke in Burtscheid 
eröffnen zu können. Vogt und Meier erklärten ihm aber, dass 
das nicht genüge, er müsse vielmehr sein Haus und Erbe 
Jahr und Tag „selbst mit seinem eigenen vollkomen Hausrath 
bewont und selfs besessen haben, alsdan möge er wein zappen 
ind nit en". Beide erklärten an diesem „alt herkomen, als 
coeneliche gewohnheit und vryheit des dorps zo Burtscheit fest- 
halten zu wollen". Paifenbroich bestand aber auf seiner Forde- 
rung und verlangte gerichtlichen Bescheid. Da aber der Antrag- 
steller „zo triecht (Mastricht) vollkommen gewont hadt mit 
weif ind kind zo diesem dage zo", so wussten die Schöffen in 
diesem Falle das Recht nicht zu finden. Das kaiserliche Heuft- 
gericht in Aachen, woran man sich gewandt hatte entschied, 
dass Paffenbroich keine Weinschenke in Burtscheid eröffnen 
dürfe, weil er nicht selbst sein Haus Jahr und Tag bewohnt 
habe. Die Bestimmung hatte wohl den Zweck, zu verhüten, 
dass unlautern Elementen das Emporkommen in Burtscheid er- 
möglicht wurde. Sie scheint aber nicht immer befolgt worden 
zu sein. Im Jahre 1608 nämlich übergab der Schöffe Johann 
Probst für sich und seine Mitinteressenten auf dem Vogtgediug 
eine Schrift, die „öffentlich in der Bank an St. Johannis" (auf 
der Dingstätte vor der Abteikirche) verlesen wurde, und in der 
er Abstellung des Missbrauchs forderte, dass „einige, so nicht 
alhie mit haus, hof noch erf versehen noch begüdet", Wein- 
zapf angefangen hätten, obwohl „nicht allein von unvordenklichen 
Zeiten also observiert und gehalten, auch alhie und zu Aach 
bei dem heuftgericht also erkant, dass niemant, was qualiteit 
er auch sei, in dieser herligkeit Burtscheid keinen wein zappen 
noch verkaufen möge, er habe dan eigen Haus Hof und erb und 
dasselbe jair und tag mit seinem hausrath und gesint selber be- 
wohnet, rauch und feuer darin aufgehen lassen." 

Jede neu gewählte Äbtistin wurde von den Weinzapfern 
„mit Gold und Silber anerkannt". 



— 43 — 

Ein Frozess, der Jahre lang zwischen der Abtistin und 
der Gemeinde einerseits und dem Vogte andererseits über den 
sogenannten Oberbusch geführt worden, war die Veranlassung, 
dass die Burtscheider mit einer Weinsteuer belastet wurden. 
Die zur Entscheidung der verschiedenen Rechtsansprüche ein- 
gesetzte Commission, beziehungsweise der hohe Rat in Brüssel 
verordnete nämlich, dass zur Deckung der Kosten, die durch 
Holzscliläge aus dem Walde nicht aufgebracht werden konnten, 
die Burtscheider eine zwanzigjährige Eingangssteuer auf den Wein 
und zwar 3 gute kurfürstliche Gulden für jedes Fuder ä 6 Ohm 
auibringen sollten. Ausgenommen von dieser Steuer waren die 
Insassen der Abtei; wenn sie Wein für sich, ihr Gotteshaus 
oder ihre Gäste bedurften, konnten sie denselben „auf einem 
Kerbholz" holen lassen, und die Steuer wurde vom Preise ab- 
gerechnet. Doch durfte die Abtei keinen Wein verkaufen 1 . 
Erinnern wir uns der „Weinfehde" zwischen Aachen und den 
Vogte, so dürfte es wohl nicht zweifelhaft sein, wer dem hohen 
Rat in Brüssel die Einführung einer Weinsteuer in Burtscheid 
nahe gelegt hat. Aachen wollte die ihm lästige und nachteilige 
Concurrenz beseitigen. Das geht auch hervor aus einer Ver- 
ordnung von Vogt und Meier aus dem Jahre 1555, worin den 
Weinzapfern, die „nicht weniger unordentlich und ungeregelt 
gehandelt (wie die Brauer) und den Wein nach ihrem Belieben 
verkauft" haben, befohlen wird, sich in Zukunft nach dem 
„Aachisch weinlüden zu richten und pro Fuder 3 Gulden „zer 
accisen" zu zahlen. Trotzdem ist es dem Meier damals noch 
nicht gelungen, die Burtscheider Weinpreise auf gleiche Höhe, 
wie die Aachener zu bringen; ein Schöffenweistum (leider ohne 
Jahreszahl) erklärt, der Wein sei in Burtscheid, wo man ver- 
schiedene Weine wie „Romanie, Malvasie, Castart roden Wein, 
auch zweierlei weissen wein" verzapfe, immer billiger gewesen 
als in Aachen 2 , und als Herr von Schönau 1569 „einmal mit 
den englischen Herren zu Bortschet, die Bäder zu besehen, 
verritten", nahm er von dort „ein fl (viertel?) Weins mit auf 
Aach. Das würde wohl nicht geschehen sein, wenn nicht ein 
bedeutender Preisunterschied vorhanden gewesen wäre. Weil 
die Wein- und Bieraccise vielfach umgangen wurde und dadurch 
„die gemeinen Lasten des Winterquartiers oder dessen Exemption 



') Quix, Frankenburg ö. 198 ff. 
2 ) Meyer, Miacell. I, S. 531. 



— 14 — 

an Contritutionen und sonsten gar unmöglich abgeführt werden 
können", verpachtete das Gericht dieselben im Jahre 1713 an 
den Meistbietenden, wobei eine Taxe von 1400 Rtlr. ä 56 M. 
aix für die Bier- und von 60 Rtlr. für die Weinaccise zugrunde 
gelegt wurde 1 . Zu Meyers Zeit, wo die Weinpreise in Aachen 
und Burtscheid gleich standen, brachte die Weinaccise nicht 
viel mehr als 100 Rtler ein. Aber der Betrag der Steuer gibt 
keinen Massstab für den Verbrauch ; denn einmal fanden sich 
die Weinhändler mit dem Anpächter um ein Stück Geld ab, 
wubei es letzterm freilich freistand, die Keller zu untersuchen, 
um zu seilen, wieviel ein jeder verkaufe; dann aber, und das 
war die Hauptsache, hatten sich die Burtscheider damals das 
Privilegium der Abtei auch zu eigen gemacht a , und jeder Be- 
wohner durfte seinen Weinbedarf frei einführen, so dass eigent- 
lich nur der in den Bade- und Wirtshäusern verzapfte Wein 
zur Versteuerung kam. Das war in Aachen anders; da musste 
jeder Einwohner seinen Wein versteuern, allerdings nur zu dem 
halben Satze des Weinverkäufers (9 Gulden pro Ohm) 3 . Die 
Verordnung des hohen Rates zu Brüssel vom Jahre 1516 hatte 
einen „geswornen Royer", die des Vogtes und Meiers vom 
Jahre 1555 einen „Weinrevisirer oder Weinsticher" eingeführt, 
der von der Gemeinde kein Gehalt bezog, sondern vom Eigen- 
tümer für das „Stechen" eines jeden Fasses eine Gebühr erhielt' 1 . 
Eines der interessantesten Kapitel in der Wirtschaftsge- 
schichte des ehemaligen Dorfs und Reichsstifts Burtscheid ist 
das vom Gewerbe der Bierbrauer und Wirte. Das Braurecht 
war ein Regal, das der Äbtissin als Grundfrau von Burtscheid 
vorbehalten war. In dem Vertrage vom Jahre 1226, der zur 
Verhütung weiterer Ausschreitungen des Vogtes gegen die Abtei 
geschlossen wurde, kamen auch die Rechte und Pflichten der 
beiden streitenden Parteien zum Ausdruck. Bezüglich der Brau- 
gerechtsame wird ausdrücklich hervorgehoben, dass die Äbtissin 
soviel Brauhäuser haben darf als sie will, während dem Vogte 
nur eines zugestanden wird und auch dieses mit der Ein- 
schränkung, dass der in demselben arbeitende Brauer in An- 
erkennung des Rechtes der Äbtissin dieser jährlich am Stefanus- 

') Meyer, Miscell. I, S. 521. 

») Mise. I, S. 465. 

:i ) Mise. I, S. 466. 

4 ) Quix, Fraukenburg S. 198. 



- 45 — 

tage 12 Denare bezahlen nmss. Von ihrem weitgehenden Rechte 
hat die Äbtissin jedoch keinen Gebrauch gemacht. Die Abtei 
hatte nur zwei Brauhäuser. Das eine lag auf der Hauptstrasse am 
Eingang in die Adlerbergstrasse und sorgte für den Bierbedarf der 
Dorfbewohner. Das andere befand sich innerhalb der Klosterimmuni- 
tüt und lieferte deren Insassen das benötigte Bierquantum. Die 
Immunität war von einer Mauer umschlossen, deren Eingangstor sich 
dort befand, wo ehemals das Schlangcngässchen lag, und wo heute 
der verwahrloste eingefriedigte Platz, auf dem das Johannisbad 
stand, liegt. 200 Schritt weiter hinauf stand das Auffahrtstor 
zu den abteilichen Gebäuden; es ist das heute noch bestehende 
Jonastor, das in seiner jetzigen Gestalt im Jahre 1640 neu 
aufgeführt wurde und seinen Namen von einem in späterer Zeit 
dort wohnenden Wirt, der Jonas hiess, erhalten hat. Innerhalb 
der Immunität befanden sich ausser Kirche und Kloster auch 
dieWirtschaftsgebäulichkeiten. Zu letzteren gehörten das Johannis- 
bad, die Schmiede, der Fisch weiher, der Viehhof und der Backes- 
hof, der zuerst Backhaus war und dann Brauhaus für die Abtei 
wurde. Den ursprünglichen Namen Backeshof hat das später 
an derselben Stelle errichtete Wirts- und Brauhaus, das bis vor 
einigen Jahrzehnten noch in Betrieb war, stets beibehalten. Das 
Brauhaus des Vogtes lag in der Hauptstrasse dem der Äbtissin 
gehörenden gerade gegenüber, also, wenn man die steile Strasse 
hinaufgeht, rechter Hand. Beide entnahmen das notwendige 
Wasser aus dein kalten Bach, an den sie unmittelbar anstiessen. 
Als im Jahre 1649 die Äbtissin die Vogtei käuflich an sich 
brachte, ging natürlich auch das derselben anklebende Brauhaus 
in ihren Besitz über 1 . Mehr Brauhäuser scheint es in Bnrt- 
scheid nie gegeben zu haben. Es hatten sich aber manche 
Privatleute in ihren Häusern Brauereien angelegt, deren Be- 
seitigung 1585 Äbtissin und Vogt verlangten. 

1351 erfolgte bekanntlich die Übertragung der Meierei an 
Aachen. Von da an zeigte sich auch bezüglich der Brauhaus- 
angelegenheiten das Bestreben, die Äbtissin Schritt vor Schritt 
aus ihren althergebrachten Rechten zu verdrängen. Das kam 
aber daher, weil die Stadt Aachen, wie schon angegeben, der 
Überzeugung war, dass die Äbtissin durch den Vertrag von 
1351 nicht blos die Gerichtsbarkeit, sondern ihre ganze Landes- 
hoheit ihr übertragen habe. Von diesem Standpunkte aus war 



') Meyer, Miseell. I, S. 250. 



— 4G — 

es verständlich, wenn der Aachener Rat Brauordnungen einführte 
und das ganze Bierwesen in Burtscheid zu regeln suchte. Von 
den verschiedenen Verordnungen, die im Laufe der Zeit erlassen 
wurden, will ich nur eine aus dem 16. Jahrhundert herausgreifen, 
die sich auf eine Eingangssteuer auf fremdes Bier bezieht. Die- 
selbe ist uns aufbewahrt im ehemaligen Burtscheider Archiv, aus 
dem ich sie vor einer Reihe von Jahren entnommen habe. Für 
den unmündigen Vogt Adam von Merode erliess dessen Schwieger- 
vater Rikalt von Hoffalize und die Mutter Anna von Ellenbant 
in Verbindung mit dem Meier, dem Vertreter der Stadt Aachen, 
eine Verordnung, die zur Beförderung göttlicher Ehr und ge- 
meiner Wohlfahrt, zur Aufrechthaltung der dem Römischen 
Reiche schuldigen Dienste, gegenseitiger Einigkeit und Freund- 
schaft und Niederlegung der allen diesen Dingen widerwärtigen 
Unordnungen, welche in Burtscheid eingerissen waren, wodurch 
die jährlichen Gefälle merklich abgenommen hatten und die Be- 
sorgnis entstand, es möchte zuletzt viel Übel daraus entstehen, 
u. a festsetzt: Nachdem die Brauer und Bierzapfer etliche Jahre 
sich gegen die althergebrachte Gewohnheit und Ordnung be- 
tragen und schier getan haben, was ihnen beliebte, ohne Vogt 
und Meier zu erkennen, wird verordnet, dass die Brauer zu 
Burtscheid kein teureres Bier für die Nachbarn brauen sollen 
als zu 3 Heller die Quart, wobei aber wegen Verlaufung und 
merklicher Verschlechterung der Münzen, der Preis auf einen 
Schilling oder sechs Aachener Heller gesetzt wird. Das Bouscher 
oder Doppelbier diene nicht zur Notdurft des armen Mannes, 
sondern zur Unmässigkeit und Schwelgerei; jedoch um der 
Fremden willen darf ein jeder in Bädern, Herbergen und Bier- 
häusern eine Tonne Doppelbier einlegen, für welche er eine Mark 
zur Accise geben muss. (Die Bieraccise ergab vom 1. Juni 1761 
bis 1. Juni 1762 nicht weniger als 1197 Rtlr., 51 m. und 
81 Buschen 1 .) 

Wenn die Brauer sich gegen diese neue Ordnung wehren, 
sollen sie bis zur Unterwerfung nur gewöhnliches Bier (ä 6 Aachener 
Heller die Quart) brauen und gar kein anderes Bier einführen 
dürfen. Da dann aber die Einnahmen des vogteilichen Brau- 
hauses verringert werden dürften, so garantiert die Stadt dem 
Vogt den damaligen Pachtbetrag, nämlich jährlich 375 Aachener 
Gulden. 

J ) Meyer, Miscell. II, S. 187. 



— 47 — 

Ausser dieser Eingangssteuer auf fremde Biere wurde auch 
von Vogt und Meier eine Brausteuer eingeführt, die 1766 zehn 
Aachener Gulden pro Müdt Gerste betrug, und nachdem sie zeit- 
weilig verpachtet gewesen war, einem Einwohner gegen gewisse 
Prozente übertragen wurde l . 

Der Vogt übte das Aichamt in seinem, die Äbtissin in ihrem 
Biauhause. „Nachdem der Herr", sagen die Schöffen in einer 
Auskunft, die sie am 7. August 1556 Vogt und Meier auf die 
Frage: „wie man sich hier binnen Burtscheid über die 40 und 
50 Jahren mit Bier, Brot, Fleisch, wie zu halden pflegt" geben: 
„die tonnen ichet, brent und mit seinem wapfen bezeichnet, ein 
jeder voll tonnen kreigt 2 ". Das gewöhnliche Bier durfte nach 
demselben Schöffenweistum nur in den Panhäusern, musste dort 
aber auch ohne „ungeld" verzapfet werden. Die Bierwirte 
nahmen aber einen zu grossen Nutzen. Denn 1556 klagen Meier 
und Vogt beim Gericht über den schändlichen Missbrauch, dass 
„die Zapper den gemeinen inwohner, auch den gehenden und 
kommenden Mann beschweren", indem sie das Bier, das sie für 
nicht ganz 9 Aachener Heller kaufen, für 12 verzapfen und so 
„den vierten Pfennig wider gott, recht und alle Billigkeit auf- 
genomen" haben. Die Schöffen stellten den Herren, d. h. Vogt 
und Meier die Abstellung anheim, und diese beschlossen: Die 
Brauer dürfen die Tonne Bier wie bisher für 12 Mark verkaufen, 
der kleine Mann aber, der mit der krouchen oder Quart bei 
den Brauern holt, soll nicht mehr als 9 Aachener Heller be- 
zahlen 3 ". 1588 drehten die Zapper den Spiess um und klagten 
gegen die Brauer, dass diese, die seit alter Zeit „ihres Biers 
halber von jedem Schilling einen acher Gulden bekommen haben, 
itzo aber vou einer thonnen Biers, davon das pott vor drei 
bauschen verkauft wird, siebden halben gülden fordern, were 
auf ein jhede thon 3 Mark mehr als sich gebühret". 

Diese Klage richtete sich eigentlich gegen Äbtissin und 
Vogt als die Inhaber der beiden in Burtscheid nach dem Ge- 
setze zulässigen Brauereien. Beide antworteten dann auch unter 
Protest, dass das Gericht in ihren „panhäusern nicht zo statuiren" 
habe, auf die Klage mit folgenden interessanten Ausführungen: 



') Meyer, Miscell. I, S. 466. 
*) Meyer, Miscell. I, S. 513. 
8 ) 1. c. S. 516. 



— 48 — 

1. „Alles, was zum Bierbrauen und Panhaus gehörig", sei 
„dermassen überschwindlich in Theurung gerathen, dass sie aus 
noit den brauern solches bewilligen moißen". 

2. Mit dieser Erhöhung des Braupreises habe man sich nach 
allen benachbarten Brauern, „sowol binnen der statt als baußcn 
im Reich, auf vorstgüter, zu Haaren, in der Herrlichkeit Schön- 
forst und anderen umliegenden Orten" gerichtet. 

3. „Auch hätten etliche nachbahren in ircn häusern breu- 
gezeug gebauwet. und nicht allein vor sich selbst bier zu brauen 
und zu verzappen" sich unterstanden, sondern auch noch andere, 
und zwar zum Verkauf brauen Hessen. 

4. Führten „die Zapper den alten Brauch zuwider" aus- 
wendig bier ein, welch?, in uralten Zeiten nicht geduldet, mehr 
als nu in kurzen Jahren gestattet worden und auch billig ab- 
zoschaffen". (Die Schöffen sprachen aber 1556 von dieser Ein- 
fuhr fremder Biere als von einer berechtigten Gewohnheit.) 

5 Endlich verkauften die „zapper" das Bier zu einem höhern 
Preise als ihnen gestattet sei. 

Der Bescheid der Schöffen lautete dahin: Nachdem wir be- 
funden, das es ein alt herkomen, das man in beiden panhäusern, 
so viel Schillingen als die kau oder der port biers verkauft wird, 
so manchen acher Gulden vor die thon biers zu bezahlen hat, 
nehmlich 3 Schillings bier 3 gülden und also nach advenant, sägens 
derselben vor gut an, das man gute Ordnung macht 1 . 

Die Nachfolgerinnen der Äbtissin von Bongart, die im 
Jahre 1351 die Meierei an die Stadt Aachen übertragen hatte, 
um den Bedrückungen durch den Vogt zu entgehen, fühlten 
dessen schwere Hand nicht mehr. Um so mehr musste sich 
bei ihnen das Bedauern über jenen Schritt regen und damit 
zugleich das Verlangen, die Folgen desselben, so weit möglich, 
wieder aufzuheben und der Stadt Aachen die Herrschaft über 
Burtscheid, die drückend genug auf dem Orte lastete, zu ent- 
winden. Die Brau- und Bierfrage bot Veranlassung zu einem 
kräftigen Vorgehen in dieser Richtung. Die Äbtissin machte 
gemeinschaftliche Sache mit den Bierzapfern und protestierte 
mit ihnen gegen den oben erwähnten Beschluss der „Herren". 
Diese griffen aber mit Gewalt durch; sie hatten sogar, wie die 
Äbtissin klagt, die ungehorsamen Bierwirte „bausen weis doms 
(ohne Urteil) der Schelfen gefänglich angenommen und zu thoren 



') Meyer, Miscell. I, S. 519. 



— 49 — 

(in den Thurm, ins Gefängnis) führen lassen, criminaliter beklagt 
und wider alte freiheit zu unverzüglichen rechten und un- 
gewöhnlichen eiden beschlossener deuren (bei verschlossenen 
Türen) ihres- gefallens und gebietens zu geleben, gezwungen mit 
der betrauung, so jemand dem zuwider sein würde, bei Sonnen- 
schein samt weib und kind aus der Herrlichkeit zu weichen 1 ". 
Schliesslich drang die Äbtissin doch durch, besonders nachdem 
1649 die Vogtei mit Einwilligung des Königs von Spanien als 
Herzog von Limburg durch Kauf an die Abtei gekommen war. 
Wie nach dieser Zeit die rechtliche Seite dieser Frage angesehen 
wurde, mag uns das folgende Gutachten des Aachener Juristen 
J. Meesen vom Jahre 1761 zeigen, das auch geschichtlich nicht 
ohne Interesse ist. „Facti species. In der Reichsherrschaft 
Burtscheid hat dasige Frau Reichs-Äbtissin zwei panhäuser, 
deren eines das ableiliche, das andere aber das vogteiliche 
Panhaus genannt wird, und auf der Abtei selbst wird gleicher- 
massen gebrauen. Diese pannhäuser seien insoweit bannal, dass 
zwar fremdes Bier eingebracht und verzapft werden möge, 
gleichwohl aber der zäpfer sich deshalb jedesmal mit dem Ge- 
richtsstift, das den ganzen Braulohn fordert, abfinden müsse. 
(Bannal d. h. die Eingesessenen sind quasi verbannt, sie können 
ihr Bier nirgendwo anders brauen lassen.) Bis zum Jahre 1740 
ist daselbst der Gebrauch gewesen, dass man von einem müdt 
gersten oder malz soviel tonnen biers brauete, als man wollte; 
es waren aber auch damals vereidete^ Kur- oder Kürmeister 
(von koren, schmecken, prüfen), die das zu verzapfende Bier 
ästimirten und taxirten. Im Jahre 1740 haben beide Herren und 
Gericht, d. h. Meier (Vertreter der Stadt Aachen) Vogteistatthalter 
(die Abtei war damals selbst Vogt und setzte für das Gericht 
einen Stellvertreter, der Statthalter hiess) und Schöffen ange- 
fangen zu determiniren, wie viel tonnen von einem müdt ge- 
brauet werden sollten, also dass bald 5, bald 6, bald 7 tonnen 
gebrauet worden. Nachdem nehmlich die materialia sive die 
gcrst und hopf teuer oder wohlfeil gewesen, solchem nach auch 
das Bier auf einen gewissen preis verblieben, mithin Kürmcister 
nicht mehr adhibirt worden sind. Dieses ist von besagter Zeit 
an ohne einige contradiction vom gericht bishero ruhiglich 
exerzirt worden, jetzige Frau Reichsabtissin will es nunmehro 
nicht mehr gestatten, vorgebend: dass dieses und sonsten Bräu- 

») Meyer, Miscell. I, S. 517. 



— 50 — 

Ordnungen zu machen ihr allein zustehe und gebühre. Quaeritur: 
ob beide Herren und Gericht sich zu apponiren befucht seien. 
Antwort: Der Meier hat in der Sache nichts zu sagen, dem in 
der Übertragung der Meierei an die Stadt Aachen vom Jahre 
1351 sind die Pannhäuser ausdrücklich ausgenommen worden. 
Der Statthalter ist einfach Vertreter der Äbtissin, er übt nur 
diejenigen Rechte aus, die letztere ihm übertragen hat, kann 
also derselben in keinem Falle widersprechen. Das Gericht ist 
ebenfalls von der Äbtissin bestellt (?) und kann sich eine selbst- 
eigene gesetzgebende Tätigkeit nicht anmassen. Die Äbtissin 
hat als Reichsstand die Landeshoheit und darin auch das Recht, 
Gesetze zu geben, zu ändern und aufzuheben. (Die Äbtissin 
hatte auf den Reichsversammlungen Sitz und Stimme; 1654 
unterschrieb als ihr Bevollmächtigter Frh. von Frents den 
Regensburger Reichs-Abschied.) Sie hat also zunächst das 
Recht, vom fremden, eingeführten Biere den ganzen Braulohn 
zu fordern, was ihr auch durch Urteil des Kammergerichts vom 
23. März 1735 ausdrücklich zuerkannt worden ist, wenigstens 
bis die Gemeinde ihre behauptete Freiheit besser beweist, was 
dieser aber nie gelingen wird. Durch dasselbe Urteil ist der 
Äbtissin auch das Recht bestätigt worden, Wald- und Busch- 
ordnungen zu machen; man wird ihr das Recht, Brauordnungen 
zu erlassen, demnach nicht bestreiten können. Wie aber jenes 
Recht durch das Urteil selbst vermöge der Klausel beschränkt 
worden ist, dass sie Buschordnungen, wenn ein Privatinteresse 
unterlaufen, nur unter Beiziehung der Gemeinde erlassen dürfe, 
so muss diese Einschränkung auch auf die Brauordnung bezogen 
werden. 

In Bezug anf die Brauerei hat die Obrigkeit die Pflicht, 
für ein gutes Getränk zu sorgen. Es ist für eine Gemeinde 
schon hart genug, in ein Brauhaus gebannt, mithin der natür- 
lichen Freiheit, das Bier, beliebig wo, brauen zu lassen. Darum 
waren die Kürmeister eine ganz gute Einrichtung. Auch war 
die andere Einrichtung nicht zu tadelu, dass das Gericht die 
Güte und den Preis des Biers bestimmte. Will die Äbtissin 
nun eine andere Ordnung machen, so kann es sich nur darum 
handeln, zum Vorteil ihrer eigenen Einkünfte irgend ein Bier 
herstellen zu lassen; dadurch würde aber die Gemeinde noch 
mehr beschwert, als sie schon ist. Die Äbtissin darf aber in 
Bezug auf das Braugewerbe ihr jus bannarium nur in ein- 



— 51 — 

geschränkter Weise ausüben, wie die Geschichte lehrt; denn 
dasselbe war eingeschränkt zuerst durch die Kürmeister, dann 
durch die Bestimmung des Gerichts, wie viel Tonnen aus dem 
Malter gebraut werden dürfen. Will nun die Äbtissin ein 
uneingeschränktes Recht behaupten, auszuüben, so haben die 
Herren und die Schöffen das Recht dagegen zu opponieren und 
eine Brauordnung nur mit Zuziehung der Gemeinde eintreten 
zu lassen '. 

Es scheint denn auch so gekommen zu sein; denn die Brau- 
ordnung vom 7. September 1761 ist mit Zuziehung hiesiger 
Gerichtsdeputierten Schöffen von Schwarzenberg und Pelzer er- 
lassen 2 . Für die Qualität des in Burtscheid gebrauten Bieres 
wurde also zuerst durch die Kürmeister gesorgt. Dieselben 
leisteten seit 1580 folgenden Eid: Von diesen Tag an und ein 
Jahr lang soll ich dem Meier und Vogt dieses Gerichts, Dorfs 
und Herrlichkeit Bordschiedt ein Chürmeister sein und alsolch 
Bier als hierselbst gebrauen und verzapt wird, chüren, nehmlich 
die Kann zu drei bauschen oder wie es mir von meiner Obrig- 
keit, so mich hierzu gesetzt haven, befohlen werden soll und 
da ich befinden werde, dass es des verordneten Pennigs nit 
wert, alsdan dasselbe Bier op gebührlichen Preis und was es 
wert, nach meinem besten Verstand absetzen und solches jeder- 
zeit meiner gesagten Obrigkeit anbringen 3 . Aus dieser Eides- 
formel erhellt also, dass die Kürmeister von Vogt und Meier 
und zwar nur auf ein Jahr angestellt und vereidet wurden. 
Jedermann in Burtscheid konnte sein Bier dick oder dünn brauen 
lassen. Dieser Freiheit bedienten sich aber auch die Bierzapfer 
für dasjenige Getränk, das sie in ihren Schenken verkauften. 
Da nun dasselbe so sehr verschieden ausfiel, wurden die Kür- 
meister eingesetzt. Um das Jahr 1726 forderten aber die be- 
deutendsten Bierwirte, man solle jedem seine Freiheit lassen, 
das beste Bier werde schon von selbst den meisten Absatz 
finden. Aber diese Theorie von der freien Concurrenz hielt 
auch damals schon auf die Dauer nicht Stand; 1740 verfiel ein 
gewisser Martin Hammer auf den Gedanken, es mit dem billig 
und schlecht zu versuchen. Er liess sein Bier dünn brauen, 
verkaufte es aber so wohlfeil, dass alles zu ihm hinlief. Nun 



') Archiv der ehemaligen Stadt Burtscheid. 
*) Qu ix, Stadt Burtscheid, S. 136. 
3 ) Quix, Stadt Burtscheid, S. 131. 



— 52 — 

klagten die anderen Wirte (auf unlautern Wettbewerb) und das 
Gericht verordnete 1741, es dürften in Zukunft nur mehr 
5 Tonnen gewöhnliches und ö 1 /* Tonnen Märzbier aus dem 
Müd Gerste gebraut werden; jedoch werde man bei weiterin 
Abschlag der Gerste auch diese Zahl beschränken. Ferner 
wurde damals die Aichung der „pott- und masskannen" durch 
die Kürmeister vorgeschrieben l . Klagten die Trinker über zu 
dünnes Bier, dann jammerten die Wirte über zu hohen Brau- 
lohn. Die Brauhäuser waren verpachtet; doch hat auch eine 
Zeitlang die Äbtissin stets das Braugeräte besorgt und die 
Brauer angestellt. Um 1766 hatte der Brauer vom jedem Müdt 
als Braulohn 6 gülden aix und also von einem gewöhnlichen 
gebräu 4 Rthlr., ausserdem erhielt er „die treber und schleich". 
Bis 1749 mussten diejenigen, die braueu liessen, die nötigen 
Kohlen selbst anfahren, nach dieser Zeit lieferten die Brauer 
das Feuer gegen Entgelt. 1755 klagte der „Nachbarmann" 
und das Gericht verordnete, die Brauer müssten gutes und 
pfennigwertes (also preiswürdiges) Bier liefern. Bei vorkommenden 
Klagen solle denen der Braulohn nicht bezahlt, sondern das 
Gebräu zuerst durch den Kürmeister untersucht werden. Die 
Äbtissin protestierte, das Brauwesen gehe sie an, und ihr sei 
nichts mitgeteilt worden. Das Gericht zog seine Verordnung 
zurück und verwies die Wirte auf den Weg der gerichtlichen 
Klage gegen die Brauer. Komischerweise verbot nun die Äb- 
tissin ihren beiden Brauern, für irgend jemand zu brauen, der 
nicht einen Revers ausstelle, dass er selbst das Risiko für das 
Gelingen übernehme. Das Verbot ist aber nicht lange in Kraft 
geblieben. 

Der Frau Äbtissin landesmütterliche Sorge für ihre Unter- 
tanen erstreckte sich auch auf deren notwendigste Lebensmittel, 
Brot und Fleisch. Wie es Kürmeister gab, die sich eidlich 
verpflichteten, für gutes und preiswertes Bier zu sorgen, so gab 
es auch besondere Beamten, die schworen, darauf Bedacht zu 
nehmen, dass bezüglich der Frucht und des Brotes, sowie auch 
des Fleisches an Qualität, Mass und Gewicht nichts maugele 2 . 
Diese Beamten hiessen Marktmeister. Sie wurden von Vogt, 
Meier und Schöffen angestellt. Es gab deren zwei, von denen 
der eine aus den Schöffen, der andere aus den Bäckern genommen 



') Meyer, Miscell. I, S. 522, 530. 
*) Quix, Stadt Burtscheid, S. 143. 



— 53 — 

wurde. Ersterer vertrat gewissennassen die Gemeinde, letzterer 
die Zunft der Bäcker 1 . An Gebühren erhielten sie von jedem 
Bäcker jährlich 40 m. aix, von jedem neu zuziehenden Bäcker 
eine einmalige Vergütung' von 40gld. aix und von der Gemeinde, 
statt des Brennholzes jährlich 2 Rchsthlr. 

Ihres Amtes war es, nach dem jeweiligen Fruchtpreis den 
Preis des Brotes festzustellen, durch ihren Diener den Bäckern 
das Gewicht, ansagen zu lassen, das zu diesem Preise geliefert 
werden musste, und dann bei den einzelnen Bäckern nachzu- 
sehen, ob auch die Ware den Vorschriften entsprach 2 . Zu leicht 
befundenes- Brot wurde beschlagnahmt; wem das dreimal passierte, 
dem wurde das Handwerk gelegt 3 . Wie der Wein in Burtscheid 
billiger war als in Aachen, so galt auch das grosse Roggenbrot 
in Burtscheid zwei Heller weniger als in Aachen; ausserdem 
war das Weissbrot in Burtscheid grösser als in Aachen 4 . In 
einer Verordnung des Vogtes und des Meiers vom Jahre 1555 
wurden u. a. den Bäckern für die Zukunft von jeder Müdt Weizen 
2 Stüber Steuer auferlegt und ihnen ausserdem anempfohlen, 
sich für das W T eissbrot, „das zumeist von den Fremden gebraucht 
werde", nach Aachener Brauch und Bäckern zurichten und das 
Brot je nach der Höhe der Kornpreise schwerer oder leichter 
zu backen. Die Steuer sollte für die mit der Durchführung 
der Verordnung verbundenen Unkosten verwandt werden. Die 
Burtscheider wandten sich beschwerdeführend an die Äbtissin 
und stellten die Sache so dar, als wenn den Einwohnern Burt- 
scheids aus der Zahlung der kleinen Steuer ein besonders grosser 
Nachteil erwachse, und als ob Vogt und Meier das Geld zu ihrem 
Nutzen einstrichen 5 . 

Das Bäckerhandwerk brachte es in Burtscheid zu einer 
regelrechten Zunft, die 1749 errichtet und am 17. Dezember 
desselben Jahres vom Gerichte genehmigt wurde. Das Zunft- 
gericht, das über die Beobachtung der Statuten zu wachen hatte, 
bestand aus den beiden Greven (Vorstehern), den zwei Markt- 
meistem und einem abgestandenen Greven, der noch ein Jahr 
lang Beisitzer war. Strenge wurde auf die Ausbildung und 



') Meyer, Miseell. I, S. 537. 

2 ) Quix, Stadt Burtscheid, Urk. 48. 

3 ) ibid. S. 140. 

4 ) Meyer, Miseell. I, S. 535. 

5 ) Quix, Stadt Burtscheid, S. 142. 



— 54 — 

Zucht der Lehrlinge gesehen. Jeder Meister durfte nur einen 
Lehrling halten, und dieser durfte nichts aus dem Hause oder 
Backhause sagen, auch ohne Erlaubnis nicht aus dem Hause 
gehen; wenn er eine Nacht ausblieb, verlor er die ganze bereits 
bestandene Lehrzeit 1 . 

Seinen Bedarf an Brotfrucht deckte Burtscheid auf dem 
Aachener Markte. Aber es kam vor, dass derselbe gesperrt 
wurde. So 1757. Der Bürgermeistereidiener Jansen 2 schreibt 
darüber: Weil alle Orte und Länder schier geschlossen und 
deshalb keine Früchte in unsere Stadt kommen konnten, also 
hat der Magistrat auch die Stadt gesperrt für alle bei- und 
umliegende Orte und also auch für Burtscheid, das sonst alle- 
zeit von der Stadt ihrer Noritür (Nahrung) halber freigelassen 
wurde, aber vor 50 und 60 Jahr. Jetzt aber, wo der Ort so 
erschrecklich volkreich geworden und schier so viel vertut, als 
unsere halbe Stadt Aachen, so ist Burtscheid auch dabei einbe- 
griffen und bekommt nichts mehr aus der Stadt, was Lebens- 
mittel angeht. Das gefiel natürlich den Burtscheidern nicht. 
Sie suchten sich ihrerseits zu revanchieren. Darum, fährt Jansen 
fort, sind die Burtscheider anjetzo so gröllig, dass sie müssen 
teureres Brot essen, dass es nicht zu sagen ist. Also sind 
auch viele Arbeitsleut in Aachen, die für die Kaufleut aus Burt- 
scheid arbeiten, als Weber, Sonorer, Nadelmächer und sonsten. 
Diese sind hingegangen und wollten Arbeit einholen, die Burt- 
scheider aber rottierten sich zusammen und nahmens ihnen ab 
und wollten keine Arbeit mehr nach Aachen hineingehen lassen. 
Bald aber gewann die Vernunft wieder die Oberhand. Die Burtschei- 
der haben sich anders bedacht; dan sie lassen gerne die Aachener 
Arbeitsleut ihre Arbeit nach der Stadt ein- und austragen, ohne 
ihnen etwas zu sagen. Dan sie sehen ein, dass sie nichts darmit 
können gewinnen. Aber diese Einsicht war nicht bei allen vor- 
handen. Die Scherer und Weber erhoben sich gegen die Kaufleute, 
die in Aachen arbeiten Hessen, warfen an deren Häusern die 
Scheiben entzwei und drohten sogar mit Niederlegung der Häuser 
selbst. Das Gericht stellte zwar Untersuchungen an, konnte 
aber nichts ausrichten. Die Aufrührer gingen so weit, dass 
sie drohten, Meier und Schöffen zu steinigen, wenn eine Strafe 
verhängt werde. 



') Quix, Stadt Burtscheid, S. 143 ff. 
») von Fürth, Beiträge, Bd. III, S. 258. 



— 55 — 

Fleisch durfte allezeit frei in Burtscheid eingebracht werden; 
als 1745 die Rinderpest auftrat, verordnete das Gericht, man 
dürfe nur Fleisch von solchen Orten einbringen, wo eine Unter- 
suchung desselben stattfinde. Aber selbst diese aus sanitären 
Gründen so notwendige Massregel sagte den Burtscheidern nicht 
zu; es war ja gegen die althergebrachte Freiheit 1 . 

Die Äbtissinnen liesseu es nicht an Versuchen fehlen, durch 
Einführung neuer Betriebszweige den Wohlstand in der Herr- 
lichkeit Burtscheid zu heben. Durch Urkunde 2 vom Jahre 1488 
verlieh Kaiser Friedrich III., auf Bitten der Äbtissin ihr das 
Recht, in 'ihrem ganzen Distrikt auf Erz graben zu lassen. 
Freilich soll esnachQuix 3 100 Jahre gedauert haben, ehe sich 
jemand fand, der Lust hatte, dieses Privilegium auszubeuten, 
und die Zunft der Aachener Kupfermeister, die sich 1583 von 
der Äbtissin die Erlaubnis gegen den fünfzehnten Centner 
übertragen liess, musste bald von ihren Arbeiten wegen Wasser- 
zudrangs ablassen. Ein zweiter Versuch, der 19 Jahre nachher auch 
auf Kohlen unternommen wurde, misslang ebenfalls. Gleichwohl 
liess Aachen sich 1660 von Leopold I. das Privileg erteilen, dass 
niemand im Umkreise von l'/ 2 Stunde einen Kupferofen anlegen 
dürfe, weil sie wohl fürchtete, es möchte sonst der letzte Rest 
des Kupferhandels aus den Mauern der durch Brand verwüsteten 
Stadt weichen. Die Amia, die in Aachen die Kupfergicsserei 
einführten und zu hoher Blüte brachten, hatten auch in Burt- 
scheid Kupfermühlen eingerichtet. 1598 verpachtete die Äbtissin 
unter Vermittelung des Cölner Erzbischofs Ernst, Herzogs von 
Baiern, die ehemalige Schleif-, damals Kupfermühle an der 
Koulprie für 40 Thlr. ä 26 m. jährlichen Pachts auf 50 Jahre. 
Dabei hob der Erzbischof hervor, dass des Pächters Voreltern die 
erste Kupfermühle im Burtscheider Gebiet eingerichtet hätten 4 . 
Den Burtscheidern war die Sache mit den Kupfermühlen nicht 
recht, da das Holz dazu aus dem Gemeindebusch genommen wurde. 
Einen grösseren Reichtum als an Erzen hatte der Distrikt Burt- 
scheid an gutem Blaustein, dessen Bruch die Äbtissin Barbara 
von Frankenberg im Jahre 1445 auf 50 Jahre an das Münster 



•) Meyer, Miscell. I, S. 468 ff. 

*) Qu ix, Stadt Burtscheid, Urk. 34, S. 249. 

s ) Qu ix, Stadt Burtscheid, S. 84. 

«) ibid. Urk. 55. 



— 56 — 

zu Aachen verpachtete 1 . Der Stein kam ebenso der Abtei selbst 
bei ihren Kirchen- und Klosterbauten gut zu statten und hat 
auch wohl die Kalköfen mit Material versorgt. Dieser Blaustein 
soll am Fusse des Abteiberges vorgekommen sein und einen 
guten Kalk geliefert haben 3 . 

Frühe schon waren die warmen Quellen Bnrtscheids besucht 
sowohl von Kranken als von Gesunden, die der Kurzweil wegen 
dorthin kamen. Cäsarius von Heisterbach erzählt uns von einem 
Mönche Maximus, den seine Nächstenliebe antrieb, täglich den 
Klosterberg hinabzusteigen, um den Armen und Siechen, die am 
Fusse desselben badeten, hülfreiche Hand zu leisten. Haupt- 
sächlich aber scheint man des Vergnügens wegen in Burtscheid 
gebadet zu haben. Man badete in grosser Gesellschaft, ass und 
trank im Bade und vertrieb sich die Zeit mit Musik und Gesang. 
Aachener Patrizier besprachen in den Bädern zu Burtscheid die 
Angelegenheiten ihrer Vaterstadt 3 . Ein Beleg für diese Be- 
nutzung Burtscheids als Vergnüngsort ist uns in einer Aachener 
Stadtrechnung aufbewahrt worden. Als König Wenzel 1376 
gekrönt wurde, versprachen die Herren von Aachen dem König- 
lichen Kanzler Peter und seiner Gattin in Burtscheid gütlich 
zu tuen; sie waren den ganzen Tag dort und verzehrten 15 Mark 
und 12 Denare 4 . Eine anständige Rechnung für einen Tag! Im 
Jahre 1431 besuchte der Landgraf Ludwig I. von Hessen auf 
einer Pilgerfahrt zur Abtei St. Josse bei Montreuil, einem damals 
berühmten Wallfahrtsorte, Aachen auf der Hin- und Rück- 
reise. Am 2. Mai 1431 brach der Landgraf 5 mit einem Gefolge 
von 6 Personen und einem Diener von Kassel auf und traf, 
begleitet von Pilgern aus Kassel, Frankfurt, Paderborn und 
anderen Orten, am 7. Mai in Aachen ein. Nachdem er zum 
Bau des Münsters 5 Gulden geopfert und vor dem Bilde U. L. Frau 
S 1 j 2 Böhmische niedergelegt hatte, sich auch das Rathaus hatte 
zeigen lassen, badete er zu Aachen „zu dem Huse by syner 
Herberge". Dann begab er sich nach Burtscheid und badete 
dort mit den Pilgern von Homburg, im ganzen 13 Personen. 
Er blieb zwei Nächte in Burtscheid. Als er am 24. Mai auf 



') Qu ix, Frankenburg, S. 164. 
a ) Meyer, Miscell. I, S. 354. 

3 ) Haagcn, Geschichte Achens II, S. 40. 

4 ) Quix, Kapelle zu Melaten, S. 38. 

8 ) Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte Bd. V, 1848. 



seiner Rückreise in Aachen eintraf, begab er sich noch an dem- 
selben Tage mit den Pilgern von Frankfurt und Homberg wieder 
nach Burtscheid ins Bad. Den folgenden Tag ging er wieder 
mit den Pilgern dorthin und verzehrte im Bade für 16 Weiss- 
pfennige Wein. Manche gingen nach Burtscheid, um sich das 
Leben und Treiben in den Bädern anzusehen. In dem öffent- 
lichen Bade zu Burtscheid war eine Trennung der Geschlechter 
nicht eingeführt. Noch zu Blondels Zeiten (1688) hatte Burt- 
scheid grossen Zulauf. Er bemerkt, dass man haufenweise zu 
diesen Bädern eile, Adel und Nichtadel, Männer und Frauen, 
Freunde mit ihren Freunden; sie baden zusammen, essen und 
trinken im Bade, kurz, bringen also ihre Zeit lustig zu, wie 
gesagt ist, ohne einigen Schaden '. Der tiefere Grund dafür, 
dass in Burtscheid mehr Gesunde wie Kranke badeten, liegt 
darin, dass man der Ansicht war, dass das Burtscheider Wasser 
weniger Schwefel, aber mehr Salz und Alaun, als das Aachener 
habe, dass es weniger als dieses erhitze, milder wirke und für 
Gesunde passender sei, obwohl es auch zuweilen Kranken nütze. 
Auch Noppius schreibt in seiner Chronik den Burtscheider Bädern 
eine langsamere Heilkraft zu als den Aachenern und meint, ihr 
Wasser eigne sich nicht zum Trinken 2 . Als Burtscheid 1641 viel 
vom Kriege zu leiden hatte, hob die Äbtissin von Frentz in 
einem Schreiben an den Kaiser hervor: Dass die waremen Wässr 
und Bäder daselbst, dem Menschen zur Wiedererlangung und 
Erhaltung der Gesundheit merklich viel dienen und nützen, der 
„marktflecken" werde aber eine zeithero von denen der orten 
umschwebenden Kriegsparteien unter dem schein, als wenn sie 
ihre Feinde suchten, dergestalt beschwert und angefochten, dass 
weder die Bürger und Einwohner, noch die von vielen unter- 
schiedlichen Orten zu uns abreisende Leute ohne gefahr unver- 
sehenen ein- und Überfalls, plünderns und andere gewaltsame 
Zunötigung fast nimmer sicher alda wohnen, noch ihrer Kur 
und Gesundheit erfrischender Notdurft nach abwarten können. 
Ferdinand III. nahm darauf Burtscheid mit seinen Einwohnern 
und Angehörigen, zumalen auch diejenigen Personen, die ihre 
Gesundheit zu erlangen, sich alda der Bäder gebrauchen, in 
seinen und des Reichs absonderlichen Vorspruch, schütz, schirm 



') Blondel, Thermac Aquisgr. et Porcot. S. 51. 
2 ) Noppius, Aacher Chronick I, S. 39. 



— 58 — 

und kaiserlichen Adlers Salvaquardia 1 . Um jene Zeit hatte Burt- 
scheid 15 Badehäuser, die in zwei Gruppen geteilt wurden, 
nämlich in die oberen und die unteren Bäder. Zu den erstercn 
gehörten: die Bäder auf dem Driesche (Krebs- und Drieschbad), 
auf dem heissen Stein und im Strässchen; zu den untern, den 
Bädern am Feld (Rosenbad und Karlsbad neuen Ursprungs) 
und die zum Trinken benutzte Quelle 2 . Zur Zeit des Quix, 
also in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts, hatte 
Burtscheid 9 und heute, nachdem verschiedene der Strassen- 
erweiterung zum Opfer gefallen sind, wenn ich richtig zähle, 
noch 9 Bäder ohne den Viktoriabrunnen. 

Die Einwohnerschaft war im 18. Jahrhundert in „Rotten" 
eingeteilt, denen je ein „Rottmeister" vorstand. Von den 
letzteren erhielt jeder ein Salär von 12 Aachener Gulden jährlich 3 . 
Sie hatten wohl u. a. dafür Sorge zu tragen, dass in ihrem 
Bezirk die Wege in Stand gehalten wurden. Starb eine Äbtissin, 
so wurde für sie allein in Burtscheid das Trauergeläute „rotten 
sive compagnienweise" abgehalten, wie es sich für die Landes- 
herrin geziemte 4 . Auch der Nachtwachdienst, den jeder Ein- 
wohner persönlich oder durch einen tauglichen Stellvertreter 
ableisten musste, wurde rottenweise abgemacht. Dieser Dienst 
stand unter der Aufsicht des Wachtmeisters, der 18 Rchstlr. 
Gehalt bezog 5 und dafür die zum Dienst antretenden Nacht- 
wächter und deren Flinten nachzusehen hatte. Unfähige oder 
ungeschickte Wächter wies er zurück. Nach der Wachtordnung 
von 1749 machten je 3 oder 4 mit Flinten Bewaifnete mit dem 
„Teuter" (Stundenbläser) zweimal nachts die vorgeschriebene 
Runde. Die Wachtstube, in der sich nur die diensttuenden Wächter 
aufhalten durften, wurde vom Gerichtsboten, der zugleich Feld- 
schütz war, geheizt und beleuchtet. Auf Obst-, Gemüse- oder 
Fruchtdiebe in Wiesen und Gärten durfte jeder mit Schrot 
schiessen; eine Bestimmung, die auf keine allzu grosse Sicher- 
heit in Burtscheid schliessen lässt. Die Polizeistunde war im 
Sommer auf 11 Uhr, im Winter auf 10 Uhr festgesetzt und 
zwar für die Sonn- und Feiertage und für die Montage; an 



') Meyer, Miscell. II, S. 91 ff. 

2 ) Quix, Stadt Burtscheid, S. 51 ff. 

3 ) Meyer, Miscell. II, S. 43 ff. 

4 ) ibid. S. 180. 
6 ) ibid. S. 41 ff. 



— 59 — 

andern Tagen scheint es keiner Polizeistunde bedurft zu haben 1 . 
Zur Bekämpfung- der Feuersgefahr verfügte Burtseheid über 
zwei Brandspritzen, von denen die eine durch 6, die andere 
durch 4 dazu angestellte Leute bedient und in Ordnung gehalten 
wurde. Dieses Brandcorps bezog jährlich 120 Aachener Gulden 
oder 12 Rchsthlr. 48 m. Gehalt. 

Noch im Jahre 1743 verweigerte die Äbtissin von Re- 
nesse einem Cölner die Erlaubnis zur Einrichtung einer fünf- 
klassigen Lotterie, obwohl derselbe versprach, zum Umbau der 
Abteikirche 17296 Rh. Gulden zahlen zu wollen 2 . Bald nach- 
her jedoch muss eine solche eingeführt worden sein. Denn 
während unter den drei letzten Äbtissinnen für fremde Badegäste 
das Hazardspiel betrieben wurde, das den Burtscheidern ver- 
boten war, entschädigten sich diese durch das Lotteriespiel, 
wodurch, wie die Äbtissin von Eys sagt, mancher brave Unter- 
tan entweder zum Bettler oder zum Dieb umgestaltet wurde. 
1790 betrieb Aachen durch die dort anwesenden subdelegierten 
Räte der kreisausschreibenden Fürsten die Schliessung der Spiel- 
bank in Burtseheid, während des Winters unter dem Vorgeben, 
dieselbe sei auch in Aachen bis zum 1. Mai geschlossen. Die 
genannte Äbtissin verweigerte jedoch entschieden ihre Zustimmung, 
indem sie anführte: Der Spielpächter habe von ihren Vor- 
gängerinnen die Erlaubnis auf feste Jahre und auf ganze Jahre 
erhalten; Aachener und Burtscheider dürften am Spiele nicht 
teilnehmen; die Schliessung würde nur die Fremden aus Burt- 
seheid vertreiben und den dortigen Gasthöfen grossen Schaden 
zufügen. Ein einseitiges Verbot würde zudem nichts nulzen; 
wolle aber Aachen die Spielbank ganz aufheben, so sei sie bereit, 
in ihrem „Staate" dasselbe zu tuen. 

Über das Bauwesen im alten Burtseheid geben uns die noch 
vorhandenen Waldordnungen einige Aufschlüsse. Schon aus dem 
ältesten uns erhaltenen Waldrecht ersehen wir, dass es das 
Bestreben der Verwaltung war, das feuergefährliche Decken 
der Häuser mit Schindeln oder Stroh zu verhindern und die 
Schieferdeckung zu begünstigen. Wer mit jenem Material decken 
wollte, musste die notwendigen Latten bezahlen, wer mit diesem, 
erhielt das nötige Buchenholz für die Bretter zur Befestigung 
der Schiefer angewiesen. Im 16. Jahrhundert wurden die Häuser 



') Meyer, Miscell. II, S. 44, 420 ff. 
») Qu ix, Stadt Burtseheid S. 160. 



- 60 — 

allgemein einstöckig gebaut; sie waren im Erdgeschoss nicht 
mit Holz gedielt, sondern mit Steinen belegt, oder die Erde 
war bloss eingestampft. Die Verordnung sagt, dass für alle 
Bau unten auf der Erden keine Dielen angewiesen werden, wohl 
aber für die Söllern und Kammern. Beim Beginn des 17. Jahr- 
hunderts zeigt sich das Bemühen, den Fachbau wenigstens teil- 
weise durch Mauerwerk zu ersetzen. 1609 wird verordnet: „Da 
neue Häuser in dieser herrlichkeit gemacht werden, oder alte 
Häuser ganz abgebrochen und neu gemacht, dass man hinforder 
kein Holz mehr weisen sal unter die untersten Finstern bis auf 
der erden, nähmlich, dass ein jeder sal unden mit steinen bis 
an das erste geboen oder erste finstere bauen sal und alsdan 
weiders ilmie weisen, wie von alders vorhin vermelt". Im 
18. Jahrhundert werden dann auch die Häuser höher und statt- 
licher gebaut 1 . 



') Mcycr, Miscell. I. S. 252. 



Kleinere Mitteilungen. 

1. Zwei Anekdoten von Kaiser Sigmunds Anwesenheit 

in Aachen. 

Iu der Lütticher Monatsschrift Leodium 1 werden in einem „Sur une 
chronique inedite des evtüques de Liege" betitelten Aufsätze zwei Anekdoten 
aus der Zeit der Anwesenheit des Königs Sigmund in Aachen im Jahre 1414 2 
erwähnt. In einer bis dahin ungedruckten Chronik der Bischöfe von Lüttich, 
die der Verfasser Silv. Balau dem 15. Jahrhundert zuschreibt, heisst es in 
freier Übersetzung: 

Der Kaiser war von dem Stiftskapitel in Aachen angegangen worden, 
er möge ihm das Privileg verleihen, dass keiner ins Kapitel aufgenommen 
werden dürfe, der nicht vorher seinen Adel nachgewiesen habe (nisi quem 
natalia proereassent nobilcin) 11 . Auf diese Bitte erteilte der Kaiser die 
treffende Antwort: „Petrus war eiu Fischer; sehet doch nicht darauf, ob 
jemand das Vorrecht der Geburt hat, sondern dass er die Heiligkeit jenes besitze." 

Ferner fand er bei Gelegenheit seiner Krönung auf der ehernen Tür 
vor der Wolfstür (in valvis eneis ante ianuas Lupi) den im Volksdialekt 
aufgeschriebenen Spruch: „Wae was de edel man douwe Adam backet inde 
Eva span?" (Wo war der Edelmann, als Adam hackte und Eva spann?) 
Hierdurch fühlte sich der Kaiser getroffen, und kurz entschlossen schrieb er 
mit eigner Hand darunter. „Ick byn eyn man ass eyn ander man, so wael 



') Leodium, chronique mcnsuelle de la sociote d'art et d'histoire du diocese de 
Liege, l" annee, Nr. 8, aout 1902, p. 69. 

2 ) Die Chronik verzeichnet unrichtig die Anekdoten unter dem Jalirc 1410. 
Sigmund hat allerdings auch in jenem Jahre längere Zeit iu Aachen geweilt und zwar 
zuerst vom 24. November bis zum 16. Dezember und später auf seiner Reise von Cöln 
nach Lüttich vom 22. bis 24. Dezember. (Vgl. W. Altmann, Regesta imperii XI: 
Die Urkunden Kaiser Sigmunds 1896, S. 136 ff.) Die in der zweiten Anekdote erwähnte 
Krönung des Kaisers und seinor Gemahlin Barbara fand jedoch am 8. November 1414 
statt, und an demselben Tage bestätigte er auch dem Aachener Marienstit't die Privilegien. 
(Vgl. Altmann a. a. O. S. 78.) Daher liegt die Vermutung wohl nahe, dass die Bitto um 
das in der ersten Anekdote erwähnte Privileg an demsolben Tage dem Kaiser bei seiner 
Krönung vorgetragen wurde. 

a ) Bezüglich dieses Privilegiums, das der Kaiser, wie man aus seiner Antwort 
schliessen muss, nicht zu bewilligen geneigt war, berichtet Haagen (Geschichte Achens 
Bd. II, S. 15), dass Papst Johann XXIII. (am 29. Mai 1415 zu Constanz abgesetzt) auf 
eine Beschwerde des Aachener Magistrats wegen der Verordnung, dass nur Graduierte 
und Cleriker von adeliger Geburt in das Stiftskapitel aufgenommen werden könnten, 
bestimmt habe, dass jeder befähigte und geeignete Geistliche wie früher zu dem Kapitel 
zugelassen werden könne. 



— 62 — 

mir Got der eren gan. tt (Ich bin ein Mann, wie jeder andere Mann, obwohl 
mir Gott viel Ehre gab.) Die Chronik fügt hinzu: „Und das passte auch auf 
ihn; das war die beste Antwort; es waren Worte, eines schlicht und bescheiden 
denkenden Fürsten." 

Aachen. H. Savelsberg. 

2. Johanna Sebns. 

Als die Kunde von dem gewaltigen Dammbruch des Rheines bei Griet- 
hausen am 13. Januar 1809 und von der grossen Not, in welche die Bewohner 
des Bezirks von Kleve dadurch geraten waren, sich in weiteren Kreisen ver- 
breitete, suchte man allenthalben zur Linderung des Unglücks freiwillige 
Spenden zu sammeln. Um für reichliche Beiträge noch besonders Stimmung 
zu machen, wandten sich die Bewohner des Niederrheins auch an Goethe 
mit der Bitte, die edle Tat der Johanna Sebus durch ein Gedicht der Ver- 
gessenheit zu entreissen. Goethe kam bereitwillig dieser Aufforderung 
nach und dichtete die bekannte eindrucksvolle und ergreifende Ballade, 
die bereits am 29. Mai gedruckt erschien. 

Auch hier in Aachen war man für die Sammlung von Beiträgen eifrig 
tätig. Im hiesigen Stadtarchiv befindet sich ein diesbezüglicher gedruckter 
Aufruf, in französischer und deutscher Sprache, den der damalige Maire 
Cornelius von Guaita 1 , der Nachfolger des bekannten Freiherrn Gottfried 
Wilhelm Franz von Lommessen- am 7. Februar 1809 iu dem Aachener 
Bureau de bienfaisance an die versammelten Mitglieder desselben richtete. 
Derselbe hat in seinem deutschen Teile folgenden Wortlaut: 

„Rede des herrn maire. gehalten in der sitzung der wohlthaetigkeits-austalten 
den 7. februar 1809 an die herren kollecteurs besagter anstalten. 

Ich halte es für uberflüßig, meine herren, sie zu menschenfreundlichen 
handluugen aufzumuntern. Ihre monatlichen bemühungen zum besten der 



') Cornelius Maria Paul von Guaita, der Sohn des Johann Baptist Franz Xaver 
von Guaita und der Maria Anna Catharina Chorus, der Tochter dos Bürgermeisters 
Cornelius Chorus, war 1766 in Aachen geboren. 1791 heiratete er Auguste von Heins- 
berg, die Tochter des H. von Heinsberg und der Maria Anna von Mylius. Am 28. Mai 1808 
wurde er mit grosser Feierlichkeit von der französischen Regierung als Maire von 
Aachen eingeführt. Auch nach dem Weggange der Franzosen blieb er auf seinem 
Posten. Im Juli 1814 nennt er sich Oberbürgermeister der Stadt Aachen. Mit Ablauf 
des Jahres 1819 beschloss er seine Tätigkeit und starb am 30. April 1821. Als Ober- 
bürgermeister hat er bis Ende der 20er oder Anfang der 30er Jahre keinen Nachfolger 
gehabt. In der Folge heisst es: „Die Obeibürgermeisterei Daniels" oder »Die Ober- 
bürgermeisterei Daniels-Solders." Im November 1831 wurde dann Edm. Emundts Ober- 
bürgermeister, der bis 184S in dieser Stellung blieb. 

*) Johann Gottfried Wilhelm Franz von Lommessen, dor Sohn des Wilhelm 
Gottfried Gabriel von Lommessen und der Maria Franziska Sibilla Packenius, verheiratet 
mit N. von Heyningen, war längere Zeit Schöffe des königlichen Stuhls zu Aachen. Er 
wurde durch Diplom vom 4. Juni 1792 in den Freiherrnstand erhoben und unter der 
französischen Horrschaft am 31. Oktober 1804 als Maire von Aachen eingeführt. Er 
amtierte noch am 10. März 1808. (Vgl. von Fürth, Aachener Patrizierfamilien. Bd. II, 
Abt. 3, S. 63.) 



— 63 — 

armen sind uns und der ganzen Stadt bekannt; wenn aber diese menschen- 
freundlichen benmhungen für unsere armen alles lob verdienen, so ist doch 
auch der zweck der verzunehmenden kolleckte nicht minder preiswürdig; 
die unglücklichen bewohner des bezirks von Kleve, welche durch den eisgang 
ihre verwandten/ haab und gut verloren haben, sind unsere departements- 
genoßen. Das Unglück, was sie so hart getroffen, kann uns auf eine andere 
art (was aber gott abwenden wolle) auch treffen; würden wir dann auch 
nicht zu den Städten unseres departements unsere zuHucht nehmen? Und 
zudem müßen wir nicht als bewohner des hauptorts das beispiel geben und die 
ersten seyn, diejenigen zu unterstützen, deren noth so dringend ist? Die 
herren mitgliedcr dieser Verwaltung äußern die nemlichen gesinnungen; ich 
erwarte ein gleiches von ihnen." 

Iu der Tat liefen denn auch in kurzer Zeit ansehnliche Beiträge ein, 
so dass die erste Not der unglücklichen Überlebenden schon bald gestillt 
werden konnte. Dem heldenhaften Mädchen aber setzte die französische 
Regierung im Jahre 1811 ein schönes Denkmal mit einer ehrenden Aufschrift, 
die ihre hochherzige Tat verherrlichte. 

Aachen. H. Savelsberg. 



64 



Literatur. 

Allaf Oche! Riunseljere van M. Schollen. Aachen, verlegt bei 
J. Schweitzer. 

Dem 19. Jahrhundert war es vorbehalten, in Deutschland und Frank- 
reich die Mundart in das Schrifttum einzuführen und zu Ehren zu bringen. 
Wetteiferten hierin bei uns Ober- und Niederdeutsche, so bemühten sich bei 
unseru westlichen Nachbarn Dichter von Gottes Gnaden in bretonischer wie 
in proveucalischer Zunge, die tiefsten Empfindungen ihrer Landsleute zum 
Ausdrucke zu bringen. Auch unsere Aachener haben sich in regster Weise 
an diesem Sängertum in der Mundart beteiligt. Bereits die „Aachener Mar- 
seillaise", das kecke „Haloukepack an Schelme Priee" des ausgehenden 
18. Jahrhunderts ist ein prächtiges Denkmal Aachener Gesinnung, Aachener 
Derbheit. Das 19. Jahrhundert aber brachte eine Hochflut von Schriftchen 
in Aachener Mundart, die Erzeugnisse von F. Jansen, J. Laven, Dr. J. Müller, 
Wilh. Weitz, Jupp Specks der Aue, Maasscn, Math. Kuhlen, A. Branchart 
L. Weisskirchen, Gust. Vossen, Leonh. Keller, Heinr. Jansen, Gerh. Hermau- 
diing u. a. Erinnert sei ferner an das Idiotikon von J. Müller und W. Weitz, 
sowie an die Versuche zur Herstellung einer Grammatik der Aachener Mundart 
von Leonh. Keller und Dr. A. Jardon. 

Ncuestcns ist nun ein mit dem Aachener Adler geschmücktes und die 
Aufschrift „Allaf Oche!" tragendes Werkchen von M. Schollen im Schweitzerscheu 
Verlage erschienen, das auf 112 Seiten eine gute Anzahl Gedichte in Aachener 
Mundart darbietet. Der erste Teil führt den Titel „Öchcr Leäve". Es ist 
die Poesie des Familienlebens, die uns hier entgegentritt. Es folgen dann 
„Verzälscljere an söns noch allerlei", Sinnsprüche als „Zockerklütz ün Amandcle" 
nebst einem Anhange. Wenn wir die Absicht des Verfassers bei der Heraus- 
gabe des Büchleins kurz bezeichnen sollen, so brauchen wir nur den ersten 
Satz des Vorwortes anzuführen: „Die Ausdrucks- und Anschauungsweise des 
Aacheners, den geistig-sittlichen Standpunkt, von dem aus er empfindet, 
denkt, spricht und handelt, darzustellen, war das Ziel, das zu erreichen ich 
bestrebt war." Diesem Vorsatze ist der Verfasser treu geblieben. Einzelne 
Gedichte, wie „Et nöi Kengje", „Minge ltiivc Jong", „De Eedappelzupp" u. a. 
haben uns besonders Freude gemacht. Das Wort „Kengje" (Kindchen) 
würden wir unbedenklich „Kengehe" schreiben. Doch wollen wir über die 
Schreibweise nicht mit dem Verfasser rechten. Das Werkchen sei allen Freunden 
unserer Mundart bestens empfohlen. 

Aachen, J. Pschmodt. 



Verlag der Croinor'seheu Buchhandlung (O. Cazin) in Aachen. 

Druck von Hkrmann Kaatzf.r in Aachen. 





acboas 



i) 





Mitteilungen l WBMH1 / , ' , ' s Vereins 
„Aachens \ I Ji\\ / Vorzeit". 



Im Auftrage des wissenschaftlichen Ausschusses 
herausgegeben von Heinrich Schnock. 

Nr. 5/7. Achtzehnter Jahrgang-. 1905. 



Inhalt: All'red Karll, Aachener Vorkehrswesen Ins zum Ende dos 14. Jahrhunderts — 

Kleinere Mitteilung: Alf'ons Fritz, Gehörte der Aachener Domprediger Johannes Haesius 

(f 1579) dem Jesuitenorden an? — Literatur. 



Aachener Verkehrswesen 
bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. 

Von Alfred Karll. 

I. Römische und fränkische Zeit. 

Im römischen Reich bestanden regelmässige und gut aus- 
gebildete Einrichtungen zur Brief-, Waren- und Personenbeför- 
derung, der sogenannte cursus publicus. Diese Verkehrsanstalt 
war auf der Grundlage zwangsweiser Gemeindeleistungen auf- 
gebaut, diente lediglich dem Staat und seinen Beamten und 
wurde durch Gesetz geregelt. Die Beförderung erfolgte stations- 
weise, zu Pferd oder zu Wagen, mit Pferdewechsel unterwegs, 
war also den späteren Posten nicht unähnlich. Spuren des 
cursus publicus sind in den Rheinlanden schon früher auf- 
gefunden worden, z. B. in Igel bei Trier ein Meilenstein mit der 
Abbildung einer römischen rheda, eines beim cursus publicus 
gebräuchlichen zweirädrigen Fuhrwerks. Eine andere Trierer 
Inschrift spricht * von einem Läufer, der schnellfüssig wie die 
Morgenröte war: 

Nuncius augusti, velox pede Cursor et aura 1 . 

Wenn man berücksichtigt, dass auch in hiesiger Gegend 
zahlreiche Römerstrassen vorhanden gewesen sind, dass in Aachen 



') Du Gange, Glossarium mediae et infiinac latinitatis. 



— 66 — 

römische Legionen gestanden haben und dass sich hier wahr- 
scheinlich auch ein römisches Kastell befand, so liegt die An- 
nahme nahe, dass der cursus publicus sich bis nach Aachen 
ausgedehnt hat; denn die römischen Truppenteile mussten schon 
ihrer eigenen Sicherheit wegen in Verbindung mit den Schwester- 
niederlassungen und mit Rom selbst bleiben. Für diese Ver- 
mutung liegt aber auch ein urkundlicher Anhaltspunkt vor, der 
für die Geschichte des hiesigen Verkehrswesens als die älteste 
Quelle eine besondere Bedeutung hat. In dem Keller des jetzt 
abgebrochenen Hauses Krämerstrasse 2/5 ist im Herbst des 
Jahres 1873 das Fragment eines römischen Grabsteins mit der 
(von Professor Hübner in Berlin ergänzten) Inschrift: 

(C. Li) CINIVS (Fus) CVS NEGO (tiator) FRVMEN (tarius h. s. e.) 
aufgefunden worden, der dem Suermondt-Museum überwiesen ist. 
Diese Frumentarier waren längere Zeit hindurch Beamte des 
cursus publicus, machten sich schliesslich aber so unbeliebt 1 , 
dass sie unter Diocletiau ihrer Tätigkeit im Beförderungsdienst 
ganz enthoben wurden. 

Ursprünglich war zu Caesars Zeit der frumentarius eine 
ganz ehrenwerte Persönlichkeit. Einer jeden Legion war eine 
besondere Abteilung solcher Leute zugeteilt, welche die Aufgabe 
hatten, dem Zuge des Heeres voranzueilen, Quartier zu bestellen 
und Proviant herbeizuschaffen. In späterer Zeit gebrauchte 
man sie als Postkuriere, Ordonnanzen und ausserordentliche 
Stafetten, um Depeschen zu überbringen. Bald aber begnügte 
man sich damit nicht, sondern verwendete sie zur Einbringung 
von Verhafteten und zur Spionage in den Provinzen; denn es 
lag nahe, dass solche Leute bei ihren häufigen Reisen sich leicht 
von allen möglichen Verhältnissen Kunde verschaffen konnten. 
Als Polizeispione waren die frumentarii dann allgemein gefürchtet, 
sodass man sie schliesslich beseitigen musste 2 . 

Bei den vielfachen Wandlungen, welche die Tätigkeit der 
Frumentarier im Laufe der Zeit durchgemacht hat, wird es nicht 
möglich sein, mit Sicherheit zu behaupten, dass unser C. Licinius 
Fuscus ein Kurier der römischen Staatspost gewesen ist. Immer- 
hin spricht doch manches dafür. Auch als Fouriere mussten 
die frumentarii häufig reisen, und dem regelmässigen Beförderungs- 

') Aurel. Vict. Caes. p. 39 „remoto pestilenti genere frumentariorum". 
2 ) Hudemann, Geschichte des römischen Postwesens während der 
Kaiserzeit, Berlin 1875, S. 81. 



— 67 — 

dienst geht gewöhnlich der Gelegenheitsverkehr voran. Wer 
konnte aber zur Beförderung der Briefe geeigneter sein, als 
der frumentarius, der mit den örtlichen Verhältnissen am besten 
vertraut und, doch sicherlich eine zuverlässige Person war? 

Mit der Zersetzung des römischen Reichs zerfiel im allge- 
meinen auch der cursus publicus. Nur unter den Merovingern 
erhielten sich die alten Einrichtungen selbst mit den amtlichen 
Bezeichnungen veredi, paraveredi, evectio u. s. w. 1 Die Leistungen 
selbst beruhten, ähnlich wie im römischen Reich, auf dem System 
der Fronen. Ob diese Einrichtungen auch in unserer Gegend 
bestanden haben, ist nicht nachzuweisen, aber keineswegs unwahr- 
scheinlich, da in Aachen eine merovingische Pfalz bestanden hat 2 . 
Unter Karl dem Grossen wurden die Orte und Personen festgestellt, 
welche die Frondienste zu leisten hatten, und es wurde verboten, 
die Beförderungsmittel missbräuchlich in Anspruch zu nehmen 3 . 
Während seiner Regierungszeit sollen drei grosse Verkehrslinien 
eingerichtet sein und zwar nach Veredarius 4 von dem heutigen 
Auxerre nach Spanien, nach Italien und über Paris und Aachen 
nach Deutschland. Die urkundliche Quelle für diese Angaben 
ist folgende Stelle in Paradoxis Regum von Taboetius 5 : Carolus 
ille Magnus popularium expensis tres viatorias stationes in Gallia 
constituit anno Christi 807. Primam stationem propter Italiam 
a se devictam, alteram propter Germaniam sub jugum missam, 
tertiam propter Hispanias. Wenn nun auch bei der Bedeutung, 
die Aachen im Leben Karls des Grossen gespielt hat, mit 
Sicherheit angenommen werden kann, dass die Stadt damals 
Verkehrsverbindungen der einen oder anderen Art gehabt hat, 
so stehe ich dieser Quelle aus dem Jahre 1560 doch etwas 
skeptisch gegenüber. Grossen historischen Wert hat sie nicht, 
und es wird höchstens eine dunkele Überlieferung sein, aus der 
sie geschöpft ist. Die umstehende Abbildung aus der Hand- 
schrift Chronique de France des 15. Jahrhunderts 6 hat zwar eben- 
sowenig urkundlichen Wert, sie ist aber wegen der Person des 



') Gregor. Turon. Hist. franc. IX, 9 (bei Hudeiuann a. a. 0. S. 53). 
2 ) Aus Aachens Vorzeit Jahrg. V, S. 106. 

n ) Guörard, Polyptique de l'aböe Irrainon I, § 428 (bei Quetsch. 
Geschichte des Verkehrswesens am Mittelrhein, Freiburg Br. 1801, S. 06). 
*) Veredarius, Buch von der Weltpost, Berlin 1804, S. 61. 
B ) Quetsch a. a. 0. S. 96/97. 
8 ) Kupferstich-Kabinett Berlin, Hamiltousche Sammlung. 



— 68 — 



Empfängers doch von Bedeutung-. Sie gibt einen Briefboten 

wieder, der Karl dem Grossen knieend einen Brief überreicht. 

Im übrigen muss ich es jedem selbst überlassen, sich das 

Verkehrswesen in der Zeit unseres Schutzpatrons nach eigener 




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Parti $* Ca 6 rt tntflfc c&a»mn<nt( C&ay 

Abbildung eines Briefboten ans der Handschrift Clironique de France. 

Kupferstich-Kabinett Berlin. Hamiltonscho Sammlung. XV. Jahrhunde.it. 

Phantasie auszumalen. Die ersten zuverlässigen Nachrichten 
über den Briefverkehr unserer Gegend rühren erst wieder aus 
dem 12. Jahrhundert her. 



— 69 - 

IT. 12. bis 14. Jahrhundert. 

A. Klosterboten und Pilger. 

Nach dem Zusammenbruch des römischen Eeichs wurde 
die katholische Kirche der Träger aller Kultur. Insbesondere 
das Schriftwesen und im Zusammenhang damit der Briefverkehr 
befanden sich unmittelbar oder mittelbar fast ausschliesslich in 
ihren Händen. Ausser den Personen geistlichen Standes war 
nur selten jemand des Schreibens kundig, ja sogar im H.Jahr- 
hundert gingen die Angestellten der Handlungshäuser zum grossen 
Teil aus Personen hervor, die ursprünglich für den geistlichen 
Stand bestimmt waren 1 . Eine wie bedeutende Rolle die Geist- 
lichkeit, insbesondere die Mönche und Pilger, im Verkehrswesen 
der hiesigen Gegend gespielt haben müssen, geht z. B. daraus 
hervor, dass die Stadt Aachen, obwohl sie eigene Briefboten in 
ihren Diensten hatte, es nicht verschmähte, Kleriker und Pilger 
zur Briefübermittelung heranzuziehen. In den Stadtrechnungen 2 
finden sich folgende Buchungen: 

1. eine Weinspende: 

1346 presbytero ferenti litteram de domino de Valkenberg; 

2. bare Entschädigungen: 

1846 cuidam, diclo Pilgerim, misso Treveris 2'/ 2 m; 

1349 peregrino misso Magunciam, quando reges iacuerunt 
invicem, per Wolterum Volmer sibi concessum 1 scuteum aureum 
et 2 gross, antiquos, val. 34 s 8 d per rel. 

Es wird in Aachen also wohl üblich gewesen sein, die Pilger 
bar für ihre Mühe zu entschädigen. Dass der mit „dicto Pilgerini" 
bezeichnete Bote ein Pilger gewesen ist, dessen sonstigen Beruf 
man nicht kannte, erscheint mir immerhin zweifelhaft. Diese 
Gelegenheitsbeförderung von Briefen durch Leute geistlichen 
Standes war übrigens nicht etwa nur ein Zufall und keines- 
wegs auf die hiesige Gegend beschränkt. Auch die Ham- 
burger Stadtrechnungen, die ich als Analogie für die Aachener 
Verhältnisse noch öfter heranziehen muss, enthalten solche An- 



') Jliimh. Stadtrechnungen. 3 in clerico domini Fridcrici de Gheldersen, 
quando conscripsit quantitatcm frumentorum in civitatc uostra Hainburgcnsi. 
(Golderscn war Kauftnaun.) 

2 ) Laurent, Aachener Stadtrcebnungen aus dem 14. Jahrhundert 193 7, s; 
183,t, 205,:i.'. Die Felder in Laurents Veröffentlichung sind auf Grund der 
Origiualrcchnungen berichtigt worden. 



— 70 — 

gaben 1 . Ebenso wie in Aachen werden in Hamburg Geistliche 
von den Fürsten mit der Beförderung von Briefeu beauftragt. 
Das ist um so weniger auffallend, als die Schreiber der Standes- 
personen gewöhnlich entweder Geistliche waren oder doch aus 
deh Kreisen der Kleriker hervorgegangen waren. 

Wir haben aber in Aachen noch eine viel ältere und wert- 
vollere Quelle über den Briefverkehr der Geistlichkeit, nämlich 
die Abschriften der Briefe des Propstes Ulrich von Steinfeld 
aus dem 12. Jahrhundert 2 . 

Die Briefsammlung enthält 66 von dem Propst Ulrich her- 
rührende Briefe. Wenn man bedenkt, dass z. B. noch 1523 
der Briefwechsel eines angesehenen und ziemlich schreibseligen 
Lübecker Einwohners im ganzen Jahr nur 28 Briefe umfasst 3 , 
so muss man die Korrespondenz des Steinfelder Propstes für 
die damalige Zeit mit ihren umständlichen Beförderungsgelegen- 
heiten recht erheblich nennen. Überdies liegt die Möglichkeit 
vor, dass die Sammlung nicht einmal alle von dem Propst her- 
rührenden Briefe wiedergibt. 

Diese Briefe geben dem Leser ein interessantes Bild von 
der Art und Weise, wie die Korrespondenz im 12. Jahrhundert 
befördert wurde, und von dem Verkehrswesen in damaliger Zeit 
überhaupt. Die Überbringer waren, abgesehen von einigen Aus- 
nahmefällen 4 , Klosterbrüder. Sie legten oft weite Strecken 
zurück und erhielten von dem Auftraggeber eine Bescheinigung, 
die als Beglaubigung diente und dem Mönch überall gastliche 
Aufnahme verschaffte. Eins dieser Empfehlungsschreiben gebe 
ich im Wortlaut wieder: 

Fratrem presentium latorem quicunque recipere voluerit, 
sciat, eum professum fuisse in Stenvelt et habere licentiam, 
ubicunque recipi merucrit, manendi. 

Diese Bescheinigung ist eine grosse Seltenheit und meines 
Wissens die einzige derartige Urkunde aus dem Mittelalter, die 
uns erhalten geblieben ist. 



*) 1350. fratri Wulfhardi in Frisiain 5 ra 2 ß. — 1355. fratri Nycolao 
4 ß ad duccm Saxonie. — 1361. Makoni Busch 10 ß pro cxpensis monachi 
Zegebcrgc, qui domino Nicoiao comiti portavit literas. — 1375. 10 ß cuidam 
clorico, qui portavit litteras versus curiam Romanam. — 1379. 32 ß cuidam 
liionacho, nuncio domini Ottonis ducis Bruuswicensis. 

») Zcitschr. des Aach. Gesch.-Ver., Bd. XVIII, S. 242 ff. 

3 ) Zeitschr. des Vereins für Lübecker Geschichte, Bd. II, S. 296 ff. 

*) a. a. 0. S. 258. Ritter aus seiner Parochie, die als Pilger reisen. 



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Das Reisen mag damals eine unsichere Sache gewesen sein; 
denn in einem Briefe wird der Empfänger gebeten, dem Über- 
bringer einige Personen zum Schutz mitzugeben, damit er sicher 
zurückkehren könne, und die gleiche Bitte wird auch an die 
übrigen Kloster gerichtet, die der Bote auf der Reise berührt '. 
In der Tat muss es im 12. und 13. Jahrhundert nicht gerade 
erfreulich auf den Landstrassen ausgesehen haben. Selbst die 
Geistlichkeit blieb von dem Räubergesindel nicht verschont, 
sodass sogar ein päpstlicher Legat denen, die den Abgesandten 
der hohen Geistlichkeit die Briefe abnehmen oder zerreissen 
würden, mit dem Banne drohen musste 2 . 

Die Briefe Ulrichs von Steinfeld mussten oft weite Ent- 
fernungen zurücklegen, ehe sie am Bestimmungsort ankamen. Die 
Empfänger wohnten z. B. in Magdeburg, Brandenburg a. d. Havel, 
Premontre, Sion (Strahov in Böhmen), Prag, Mähren, Ostia und 
Rom. Da die Reise in der Regel zu Fuss ausgeführt wurde, 
so dauerte die Überkunft der Briefe manchmal erhebliche Zeit. 
Die Unsicherheit dieser primitiven Beförderungsweise wird am 
besten dadurch beleuchtet, dass Ulrich in einem Briefe die 
Überkunft eines seiner Schreiben bezweifelt, obwohl er nicht 
den geringsten bestimmten Anhalt dafür hat: „De cetero, si 
littere, quas vobis pro fratre Huberto misimus, ad vos non 
venerunt, frater iste voluntatem meam verbis vobis indicabit." 

Wesentlich für die Art des damaligen Briefverkehrs ist 
die Frage, ob der Bote in der Regel die Reise bis zum Be- 
stimmungsort selbst zurücklegte, oder ob während der Beförderung 
ein Wechsel in der Person des Boten stattfand. Das ist insofern 
wichtig, als in der Geschichte des Verkehrswesens eine derartige 
Stafettenbeförderung stets einen entwickelteren Zustand darstellt, 
vielfach sogar als Kennzeichen postmässiger Einrichtungen betrach- 
tet wird. Nachdem ich die Steinfelder Briefsammlung geprüft habe, 
muss ich die Frage dahin beantworten, dass eine stafettenartige 



J ) a. a. 0. S. 258 — et fratrem presentium latorcin . . . Nunc autcni 
pro eo caritatera vestrara rogamus, ut aliquibus per vos transeuntibus cum 
adiungatis, cum quibus sccure redire possit. Prctcrca oranibus amicis nostris, 
per quos transierit: eura preseutibus litteris eommendamus, et iure frater- 
nitatis rogamus, ut per se vel per amicos suos conductum prcstent, si forte 
opus habuerit. 

2 ) Statuten des päpstlichen Legaten Johannes. 1287. XXVIII. Cappen- 
berg, Hamburger Urkundeubuch S. 693. 



- 72 — 

Beförderung- damals nicht stattfand, sondern dass die Mönche 
selbst dann dem Empfänger das Schreiben persönlich überbrachten, 
wenn sie mit dem Inhalt des Briefes in keinerlei ursächlichem 
Zusammenhang standen. Dieses Verfahren hatte aber auch 
seinen besonderen Grund. Der Verkehr der Klöster unter ein- 
ander war ein vorwiegend lokaler, wenn auch räumlich nicht 
eng begrenzter. Jedes Kloster hatte seine bestimmten Beziehungen 
zu Filial- oder Mutteranstalten und darüber hinaus nur gelegent- 
lichen Briefwechsel. Dazu kam noch der Umstand, dass die 
Verschiedenheit der Ordensregeln eine innige Verbindung aller 
einzelnen Klöster verhinderte, und dass in den weitaus meisten 
Fällen die Mönche nicht nur der Briefbeförderung wegen nach 
dem anderen Orte wanderten, sondern vorübergehend oder dauernd 
dort bleiben sollten. Dies traf gerade bei den entlegensten 
Klöstern häufig zu, wie man aus Ulrichs Briefen deutlich ersehen 
kann. Nach Koni aber war durch die zahlreichen Pilger stets 
Gelegenheit zur Briefbeförderung vorhanden. Es fehlte also 
in der Tat das Bedürfnis zur Einrichtung postmässiger Be- 
förderungsgelegenheiten, die sich sonst bei der grossen Ver- 
breitung der Klöster sicher herausgebildet haben würden; denn 
die Ansicht, die vielfach verbreitet ist, das Mittelalter habe nur 
über unzulängliche Verkehrsmittel verfügt, ist eine durchaus 
irrige. Für den geringen Briefverkehr genügten die damaligen 
Einrichtungen vollkommen. Die Frage des Bedürfnisses ist aber 
der einzige Massstab, mit dem man messen darf. 

Von besonderem Interesse ist ein in der Steinfelder Sammlung 
enthaltener Mahnbrief, vielleicht das älteste erhaltene Exemplar 
eines solchen Briefes. Er ist an den Abt und die Mönche des 
Klosters Justus Mons gerichtet und eine Art mittelalterlicher 
Zahlungsbefehl. Da er ferner über den Geldverkehr der Klöster 
Aufschluss gibt, so möchte ich den Wortlaut hier wiedergeben. 
Der Brief lautet: S. venerabili abbati et dilectis fratribus de 
Justo monte frater U. Stein veldcnsium fratrum inutilis servus 
in Justo Monte iusticie fructibus habundare. 

Quidam fratres vestri vestra ex parte ad nos venientes roga- 
verunt, ut pro quibusdani vobis necessariis, que Colonie empturi 
erant, fratros nostros fideiussores poneremus. Quod licet nobis 
difficile esset, tarnen pro vestra dilectione recusare noluimus. Ipsi 
autem quod multum miramur, ad diem, qua argentuni persolvere 
promiserant, nee venerunt, nee miserunt. Unde urgente necessi- 



— 78 — 

täte compulsi sumus, fratres nostros cum presentibus litteris ad 
vos mittere, qui vobis dicent, quid de debito fratrum sit et qua 
die sine ulla dilatioue reddendum sit. Valete. 

Die Mönche von Justus Mons hatten also in Cöln Einkäufe 
gemacht, das Kloster Steinfeld angeborgt und nach der beliebten 
Art fauler Schuldner die Anleihe totzuschweigen versucht. Man 
sieht auch, dass bares Geld in den Kassen der Klöster nicht 
gerade reichlich und der Geldverkehr in damaliger Zeit recht 
umständlich war. Die Geldübermittelung kleiner Beträge ist 
erst 400 Jahre später rcchnimgsmässig durch Giroübertragung 
erfolgt 1 ; , bis dahin ist man bei der primitiven Beförderung der 
Barbeträge, wie sie in dem vorstehenden Mahnbrief geschildert 
wird, geblieben. 

Die umstehende Abbildung eines Klosterboten befindet sich 
in der Legende des St. Meinrad in der Stiftsbibliothek zu Ein- 
siedeln aus dem Jahre 1466. Wie man sieht, trägt der Mönch 
in der Hand einen derben Botenstock. 

B. Boten der hohen geistlichen Würdenträger. 

Man würde ein ganz falsches Bild bekommen, wenn man 
den Briefverkehr der hohen Geistlichkeit auf eine Stufe mit 
dem der Klöster stellen wollte. Die Erzbischöfe und Bischöfe, 
deren Hofhaltungen die der Fürsten selbst an Glanz oft über- 
strahlten, die ausgedehnte diplomatische Beziehungen pflegten 
und überhaupt mit dem politischen und öffentlichen Leben mehr 
in Berührung kamen, als die Klöster, bedurften anderer Ge- 
legenheiten für den Brief verkehr, als sie durch wandernde 
Mönche und reisende Kleriker geschaffen werden konnten. Dass 
diese gelegentlich hier und da einmal Briefe der Bischöfe besorgt 
haben, ist wohl zweifellos 2 ; die Regel aber bildete es nicht. 
Ebenso pflegten die Päpste sich besonderer Briefboten zu be- 
dienen. Am besten kann man dies ersehen, wenn man Ab- 
bildungen solcher Boten zu Rate zieht; denn gerade derartige 

') Hamburger Stadtrechnungen 1552: Cursori versus Nurcmberge ud 
romauam curiam per banebum transcribendum 5 in G ß. 

*) Vielleicht deuten auch die Ausgabeposten in den Aachener Stadt- 
rechnungen (Laurent 410,26,87) 133U „her Lenvail des bisschofs paf van 
Lutche" und „den profst van Kerpen ende des bisschofs paffe von Collen'* 
darauf hin. 



— 74 — 



Bilder in alten Handschriften spiegeln die Anschauungen der 
damaligen Zeit wieder. Ihr Wert geht deshalb über den Einzelfall 
hinaus, und man kann, ohne fehlzugreifen, oft allgemeine Schlüsse 
daraus ziehen. Die nebenstehende, bisher noch nicht ver- 




mm üh ö'felb apt kjjt fät memra 
t#t?a ume dog Sie mtmefo ta^ 



Abbildung eines Klosterboten aus der Legende des St. Meinrad. 

Stiftsbililiotliek Einsietleln. 1466. 

offen tlichte Abbildung eines (berittenen) päpstlichen Brief boten 
ist einer Papierhandschrift — Ritterroman Loher und Maller, 
1437 beendet — entnommen. Man sieht aus der Handschrift, 
dass der Bote seine Reise zu Pferde zurücklegt und weltliche 



— 75 



Kleidung trägt, aucli dass er sich in ganz vertraulicher Weise 
mit dem König unterhält 1 . Es ist nun kaum anzunehmen, dass 
der Schreiber der Handschrift gerade einen päpstlichen Boten 
als Muster. gebraucht hat; wahrscheinlich wird er den Boten 
eines nahegelegenen Bischofs- oder F^rzbischofssitzes abkonterfeit 
haben. In der Tat hatten auch die Bischöfe Briefboten welt- 
lichen Standes in ihren Diensten. Bei dem regen Briefwechsel, 
den sie unterhielten, bedurften sie solcher Personen. Gewiss 
wird auch die liebe Eitelkeit das ihrige dazu beigetragen haben. 
Man wollte eben hinter den Fürsten nicht zurückstehen und die 
hohe sociale Stellung auch nach 
aussen zu erkennen geben; denn 
es war sozusagen Ehrensache, einen 
Läufer zu haben. In ältester Zeit 
scheinen sich die Bischöfe zur Er- 
sparung der Kosten nach dem 
Muster der merovingischen Ein- 
richtungen damit begnügt zu haben, 
den Städten, in denen sie wohnten, 
die Verpflichtung zur Gestellung 
von Boten aufzuerlegen. Wenig- 
stens bestand in Strassburg im 12. 
Jahrhundert ein „feudum portandi - 
litteras" ; die Stadt musste 24 Boten 
zur Verfügung des Bischofs halten, 
die aber nicht öfter als dreimal 
jährlich auf die Reise geschickt 
werden durften 2 . Aus dem Brief 

Ulrichs von Steinfeld an Erzbischof Friedrich von Cöln 3 gehthervor, 
dass ein Bote des Erzbischofs im 12. Jahrhundert nach Steiufeld 




Abbildung eines abgestiegenen 
berittenen Boten des Papstes. 

Ritterromaii Loher und Mitller. Stadt- 
bibliothek Hamburg. 1437. 



') Der recht naive Text lautet: Der Babst riefle eyme botten dem gab 
er einen brief und befalh im den zu füren kuuig Ludwig gern franckrich . . . 
Der böte käme gern Paris da fant er kunig ludwig uf dem Pallas dem gab 
er des babstes brief. Er sprach Lieber bott wie geet es unserm geistlichen 
vater dem habest ist er (re)cht frasch und gesunt. Ja lieber Herrc Er ist 
wol und gesunt aber er ist sere betrübt darumb das iuven bruder von 
iuven geheiße alsolich groß boßheit geschehen ist . . . Der bott da er vemam 
dass im kein ander audwort werden mücht, da sass er auf und ritt wieder 
nach Rom. — Über der Abbildung steht : Hie schreybe der bähest könig 
ludewig von loher wegen und der bode gäbe yme den brief. 

2 ) Veredarius a. a. 0. S. G8. 

3 ) Zeitschr. d. Aach. Gesch.-Ver. Bd. XVIII, S. 301. 



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gereist ist. Es wäre nun von grossem Wert, wenn man über die 
Person dieses Überbringers Näheres erfahren könnte, wenigstens 
wenn man sehen könnte, ob er geistlichen oder weltlichen Standes 
war. Der Wortlaut des Briefes heisst: „. . . nuntius vester in 
lecto magne egritudinis me invenit . . . Sed quia vestra intentio 
sententia in eodem perseverat, breviter vobis respondeo, quod 
propositum meum est." Der Ausdruck nuntius wird in Ulrichs 
Briefen für Mönche und Laien gleichzeitig gebraucht, gibt also 
keinen Anhaltspunkt für die Art des Boten. Aus den Worten 
„breviter vobis respondeo" könnte vielleicht gefolgert werden, 
dass der Überbringer es eilig gehabt habe, zurückzukehren, 
was bei den Mönchen gewöhnlich nicht der Fall war. Näher 
liegt aber die Annahme, dass der kranke Propst nicht viel 
schreiben mochte oder konnte. Man wird also die Frage weder 
bestimmt bejahen noch verneinen können. 

Die Aachener Stadtrechnungen aus dem 14. Jahrhundert 
drücken sich deutlicher aus. Sie erwähnen Läufer der Bischöfe 
von Cöln 1 , Trier, Mainz, Strassburg und Lüttich. Im Jahre 1385 
werden die Boten des Bischofs von Mainz sogar mit unserem 
modernen Wort „Briefträger" bezeichnet 2 , eine Benennung, die 
sonst in damaliger Zeit selten oder gar nicht vorkommt. Dass 
die Läufer der Bischöfe auch für die Stadt Aachen Aufträge 
ausgeführt haben, geht zweifellos aus den Rechnungen hervor: 
1349 — nuncio domini episcopi Treverensis misso ad dominum 
Conradum de Schoynnecken 1 scut. aur. ant. 3 Diese Vergütung 
ist nicht ein Geschenk, sondern Botenlohn. In verschiedenen 
Fällen, z. B. bei der Belagerung des Schlosses zur Dick, über- 
brachten die Boten der Bischöfe Wildbret. Bei dieser Gelegenheit 
möchte ich noch erwähnen, dass die Boten im Mittelalter nicht 
nur Briefe und Geld, sondern auch allerlei sonstige Gegenstände, 
wie Schüsseln, Mehl, Häringe mitbrachten 4 . 



') Die Boten trugen nachweisbar die Abzeichen der Läufer. — Knipping, 
Die Cölner Stadtrechnungen des Mittelalters, II, S. 109 — 1372 — nuueiis 
duinini (Joloniensis cum pixidibus 10 m. 

2 ) Laurent a. a. 0. S. 301, u — 1385 — des buschoffs brievedregern 
van Meyuzc van heren Liderich Rostz wegen 22 s. den brieve van Hartmans 
wegen 39 m. 

3 ) Laurent a. a. 0. S. 208,3.-,. 

4 ) Ebendaselbst S. .408, 27 — nuncio fercuti scultellas 12 gross. Hamb. 
■Stadtrecbuungcn 1352. uuncio Lubicensi 1 in cum allecibus. — nuncio ad- 



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Dass die hohe Geistlichkeit allgemein im 14. Jahrhundert 
Läufer in ihren Diensten hatte, zeigen ausser den Aachener 
auch die Hamburger Stadtrechnungen, in denen zu dieser Zeit 
Briefboten der Bischöfe von Lübeck, Bremen und Verden sowie 
des Erzbischofs von Bremen erwähnt werden. 

Wenn Aachen auch nicht Sitz eines Bischofs war, so hat 
es doch ebenfalls Boten höherer Geistlichen und geistlicher 
Körperschaften zur Briefbeförderung benutzt, die nicht dem geist- 
lichen Stande angehörten. Im Jahre 1346 schickte die Stadt 
einen Diener der Minoritenbrüder auf die Reise unter Gewährung 
des üblichen Botenlohns 1 ; der Name Wilkin Nesgin und die Be- 
zeichnung „famulus" zeigen, dass der Bote nicht einer der Brüder 
war. Ferner werden in den Rechnungen Vergütungen an die 
Pfeifer des Aachener Propstes erwähnt. Diese Pfeifer sind aber, 
wie ich noch zeigen werde, nichts anderes als Briefboten ge- 
wesen. Der Aachener Propst machte die Mode, eigene Läufer 
zu halten, nicht nur mit, sondern er nahm sogar mehrere solcher 
Boten in seine Dienste, wahrscheinlich, um nur ja nicht hinter 
den Bischöfen zurückzustehen. Bestärkt wurde er hierin von 
der Stadt. Sie zahlte diesen Boten, ebenso wie denen fremder 
fürstlicher Personen bei verschiedenen Gelegenheiten namhafte 
Geldbeträge-. Wieweit dabei etwa der Wunsch mitgesprochen 
hat, Aachen zum Bischofssitz zu erheben, mag hier dahin- 
gestellt bleiben. 

C. Boten der Fürsten und Ritter. 

Die ältesten urkundlichen Nachrichten und Abbildungen von 
Briefboten beziehen sich auf Läufer der Könige und Fürsten. 
Das ist nicht etwa Zufall, sondern entspricht dem geschicht- 
lichen Entwicklungsgänge; denn ausser der Geistlichkeit, die, 
wie wir gesehen haben, ursprünglich wohl Brief beförderer, aber 
nicht eigentliche Briefboten verwandte, unterhielten nur die 
regierenden Fürsten in älterer Zeit einen nennenswerten Brief- 
wechsel und beschäftigten zu dessen Beförderung Bedienstete, 

vocati 4 ß, portavit farinam. — Cölner Stadtrechnungcn II, 178 — 1374 
Petro portanti pisces in Juliacum generali minorum 1 m 4 ß. 

') Laurent a. a. 0. S. 183, u. 

*) Laurent a. a. 0. S. 325, »o — 1385 — des proist piifcr van Aichen 
2 gul. val. 7'/ 2 m. S. 361, ie — 1386, des proift pufferen van Aychen 5 m. 



— 78 — 

welche „cursores" benannt wurden. Aus der Schrift des Nicolaus 
Uptonus 1 „de militari officio" geht hervor, dass ausser den 
Fürstlichkeiten anfänglich niemand cursores zu verwenden pflegte; 
denn der Verfasser hätte sicher die Läufer von Rittern und 
Städten, wenn sie vorhanden gewesen wären, nicht unerwähnt 
gelassen. Es heisst bei Uptonus: „Cursores dicuntur: Nuncii 
peditantes Imperatorum, Regum et Principum, quorum officium 
est, pedibus transire, qui insuper portant arma Dominorum 
suorum in pixidibus depicta, pendentibus in suis cingulis, sivc 
cinctoriis supra renes. Nee eis est permissum, suorum Domino- 
rum arma alio aliquo loco portare. Et isti possunt esse Milites 
propter peritiam in offieiis habitam, non tarnen sunt nobiles, et 
vocantur Milites Caligati." Die pixides, von denen die Rede 
ist, werden in den Aachener Stadtrechnungen ebenfalls erwähnt; 
ich muss später noch eingehend darauf zurückkommen. Besonders 
hervorgehoben wird bei Uptonus die Gefährlichkeit des Boten- 
dienstes in damaliger Zeit. Die Läufer wurden von den Feinden 
ihrer Herren in der Tat nicht immer glimpflich behandelt. Einem von 
ihnen schnitt man bei einer Gelegenheit sogar die Hand ab 2 . Des- 
halb waren die Boten zuerst wahrscheinlich kriegerisch gerüstet. 

In den Aachener Stadtrechnungen wird im 14. Jahrhundert 
eine beträchtliche Anzahl von Läufern erwähnt, welche in den 
Diensten regierender Herren standen. Inzwischen hatten sich 
aber auch andere Personen von Bedeutung cursores zugelegt; 
denn es war ja ein Zeichen von Vornehmheit. Wie lange sich 
diese Anschauungsweise erhalten hat, sieht man z. B. aus Reuters 
„Dorchläuchting". Der forsche Regent von Mecklenburg-Strelitz 
wäre ohne seine beiden Läufer, von denen einer ein einziges Mal 
einen Brief besorgt, nur ein ganz gewöhnlicher Sterblicher. 

In denjenigen Aachener Stadtrechnungen, die in deutscher 
Sprache abgefasst sind, werden häufig die Boten mit der Be- 
zeichung „Pfeifer" belegt. Dass diese Pfeifer entweder aus- 
schliesslich oder doch im Nebenamt Briefboten waren, ist aus 
folgenden Umständen zu ersehen: 

1. Im Jahre 1385 heisst es: Des proist piifer van Aichen 
2 gülden val. 7 ! / 2 ni., ebenso 1386 „des proift pufferen van 

') Bei Du Cange, Glossarium, ed. L. Favre X., LIV. 

2 ) Matthaeus Paris 1276 (bei Du Cange) „Cum . . . contra Regem 
tenere ausi fuissent et paulo ante Cursorem Reges apprehendissent, et sibi 
manum amputassent . . . 



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Aichen 5 m. 1 Wenn einer der Fürsten sich Spielleute hält, 
so ist das nicht auffallend; der Aachener Propst wird derartige 
Bedienstete aber schwerlich beschäftigt haben. 

2. Aus der Ausgabe (1385): du die piiffer inthalden wurden 
ind man die trumpper sprach zu riden 2 (Weinspende) geht 
hervor, dass die städtischen Pfeifer häufig auf Reisen geschickt 
und dass in einem Ausnahmefall die Trompeter zu ihrer Ver- 
tretung herangezogen wurden. Die Pfeifer verrichteten also 
Botendienste; denn wozu hätte man sie sonst wohl regelmässig 
ausreiten lassen sollen? 

3. Die Läufer des Herzogs von Jülich erhalten in jedem 
Jahr von der Stadt Aachen ein Geldgeschenk. Nur in den 
vollständigen Rechnungen der Jahre 1385 und 1394 fehlen diese 
Buchungen 3 . Dagegen werden Pfeifer aus Jülich beschenkt. 
Wenn derartige Spenden eine Reihe von Jahren üblich ge- 
wesen sind, wird fast niemals davon abgegangen. Deshalb sind 
vermutlich die Läufer, Boten und Pfeifer und vielleicht auch die 
Herolde, von denen in der Rechnung von 1394 die Rede ist, meist 
die gleiche Art von Personen 4 . 

4. Die Zahl der fremden Pfeifer ist eine so beträchtliche, 
dass die Annahme, sie seien lediglich Musikanten gewesen, 
wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat. Im Jahre 1394 sind 
z. B. in Aachen, aber nicht gleichzeitig, Pfeifer des Junkers 
von Arberg, der Herren von Heinsberg, Gaisbeck, Schönforst, 
Hemersbach, Blankenheim, Gistel und andere mehr anwesend. 
Alle diese Pfeifer erhalten Beträge von 5 m. 8 ß, 5 m. 4 ß, 4 m. 
2 ß, 5 m. 10 ß u. s. w., die zu hoch sind, um als Trinkgeld gelten 
zu können. Da auch nicht anzunehmen ist, dass es sich um 
Ehrengaben, wie bei den Jülicher Boten handelt, so bleibt nur 



') Laurent a. a. 0. 325, 20; 361, 15. 

2 ) Laurent a. a. 0. 306,4. 

8 ) 1394 — Original im Stadtarchiv (Laurent bringt nur einen Auszug). 

*) Auffallend ist allerdings, dass die Bezeichnung Pfeifer in anderen 
Städten nicht vorkommt. Ich erkläre mir die Verwendung dieses Wortes 
für die Boten dadurch, dass in Aachen die Pfeifer Aushilfsboten mit dem 
Botenabzeichen waren und dieses Abzeichen für die Benennung der Boten 
den Ausschlag gab. Ebenso wurde, wie ich noch zeigen werde, ein Manu 
mit dem Botenzeichen abgebildet, weil er zufällig in der Handschrift „Bote" 
genannt wurde. 



— 80 — 

die Möglichkeit übrig, dass die Gelder als Vergütung für die 
Wartezeit in Aachen bewilligt wurden. 

5. In dem Diensteid des Stadtpfeifers Peter Kemptzer von 
Rothenburg heisst es 1 : „Ind ich sali myns dienstz alzyt getruwe- 
liclien warneyinen ind zo gezynnen der vurschreven mynre herren 
schuldich syn, mich der zerstont sonder indracht zo entleidigen, 
darup vort up mynen iairloyn ind kleydonghe genzlich zo ver- 
zyen under eyme genoichsamen schyne yn dannaf besiegelt zo 
gheven, yn ouch yre silveren brodsche ind waepen aen verzoch 
over zo lieveren." Die silberne Spange und das Wappen sind 
aber, wie icli noch zeigen werde, nichts anderes als das Boten- 
abzeichen der Läufer. Da nun der Stadtpfeifer im 15. Jahr- 
hundert auch äusserlich als Brief böte gekennzeichnet wird und 
schon im 14. Jahrhundert sieben Botenabzeichen beschafft 
werden 2 , während nur wenige Läufer vorhanden waren, so 
werden die Pfeifer damals Läufer oder Aushilfsboten gewesen sein. 

Die Verwendung der Pfeifer für den Brief beförderungsdienst 
ist von besonderem Interesse, weil die Verknüpfung von Musik 
und Verkehrswesen noch jetzt besteht. Der Postillion trägt 
zwar heute sein Posthorn meist zur Zier, aber die Geschicklich- 
keit im Blasen wird durch Verleihung eines Ehrenposthorns 
amtlich belohnt, und bei besonders feierlichen Gelegenheiten 
eröffnet eine Anzahl blasender Postillione in Gala den Festzug. 
Im allgemeinen leitet man den Gebrauch den Posthorns von den 
Metzgerposten in Süddeutschland her. Nicht unmöglich aber ist 
es, dass dieser Brauch bedeutend älteren Datums ist, dass ausser 
den Pfeifern in Aachen und vielleicht auch anderwärts 3 nicht 
nur in Ausnahmefällen, sondern regelmässig die Trompeter die 
Briefbeförderung besorgten und dass die Bewohner unserer 
alten Kaiserstadt in früherer Zeit den Schall eines Boten-Post- 
horns vernahmen! 

Das vorher (unter 3) erwähnte Geldgeschenk der Stadt an 
die Jülicher Boten wird zuerst 1344 verausgabt, ferner in den 
Rechnungen von 1346, 1349 und 1353 4 und zwar stets mit dem 
Zusatz: „de eorum somer", „pro eorum somer". Was man unter 

') Zeitsehr. dos Aach. Gesch.-Ver. Bd. VIII, S. 239. 

2 ) Stadtrechnung 1394, 11. Monat (bei Laurent a. a. 0. 396,2). 

3 ) Laurent a.a.O. 340,23 — des herzogen trümpperen van Lutzelen- 
burg 2 gul., val. 7 ra. 8 s. 

4 ) Laurent a. a. 0. 150, u; 183,27; 218, s; 230,24. 



— 81 — 

diesem Wort „somer" zu verstehen hat, habe ich unbedingt zuver- 
lässig nicht ermitteln können. In den Stadtrechnungen kommt 
das Wort sonst nur noch einmal vor, im Zusammenhang von 
„zo yren somer ind winter roecken"; doch scheint die Annahme, 
der Sinn sei' in beiden Fällen der gleiche, die Stadt habe also 
den Boten Geld zu Sommerröcken geschenkt, sehr unwahrschein- 
lich. Erstens werden 1376 der Kellermeister und die Köche des 
Herzogs von Jülich ebenfalls mit 10 m. „vur yren somer" be- 
schenkt, zweitens ist die Vergütung, welche die Läufer erhalten, 
nicht besonders hoch, und endlich könnte wohl in einzelnen 
Fällen das Wort „Röcke" fortgelassen sein, regelmässig aber 
nicht; dazu wäre der Sinn zu unklar. Viel mehr hat es für 
sich, „somer" mit Getreide oder Saatkorn zu übersetzen. Die 
Aachener Läufer erhalten ebenfalls eine Vergütung „ad emendum 
siliginem" 1 ; derartige Bewilligungen sind also nicht ungewöhn- 
lich. Wie mir Herr Dr. J. Rey mitgeteilt hat, wird im Jülicher 
Lande der Ausdruck „sömere" für Ährenlesen und dergl. ange- 
wendet, es ist also wohl möglich, dass die Jülicher Boten das 
Geschenk für Getreide ähnlich nannten, und dass der Aachener 
Kämmerer dies Wort übernommen hat. Hierfür spricht auch 
der Inhalt des Bruchstücks eines Inventars vom Hause Goer 2 , 
in dem das Wort „somer" mit „kameren" verbunden angeführt 
wird. Kleiderkammern oder ähnliches können damit nicht gemeint 
sein, weil die Garderobe besonders erwähnt wird. Wichtig 
für unsere Frage ist die Reihenfolge des Inventars: Kram- 
kammer, Saalkammer, 3 Bettenkammer, Garderobe, Küchenkammer, 
Turmkammer, Stube, Saal, grosse Kammer, Stubenkammer, Tor- 
kammer, Kammer über der Stube, Kaiserskammer, Mägdekammer, 
Schmiedskammer, Kapellkammer, Zinngeräte, Küche im Kulistall, 
Leinenzeug, Tafelwerk, „Somerkameren". Da die „Somerkameren" 
erst nach der Küche im Kuhstall und nach dem Leinenzeug 
aufgeführt werden, so sind sie wahrscheinlich Nebengelasse auf 
dem Boden gewesen, in denen das Korn aufgespeichert wurde. 
Leider bricht das Inventar gerade hinder dem Wort „Somer- 
kameren" ab. 

Man ging anscheinend mit den Dienern aus Jülich in Aachen 
sehr rücksichtsvoll um, wenigstens lässt dies eine Ausgabe 
aus dem Jahre 1349 vermuten, wo ein Diener des Truchsess 



') Laurent a. a. 0. 147,37. 

*) Aus Aachens Vorzeit, Jahrg. X, S. 18. 



— 82 — 

von Jülich im Gasthof zur Lilie für Rechnung der Stadt unter- 
gebracht wurde 1 . 

Besondere Geschenke erhielten die Boten, wenn sie Hoch- 
zeiten und andere freudige Familienereignisse meldeten, z. B. 
der Läufer des Grafen von Cleve, der 1338 dessen Heirat dem 
Aachener Rat mitteilt, der Bote des ältesten Sohnes des Mark- 
grafen von Jülich sowohl bei der Heirat, wie bei der Geburt 
des ersten Kindes (1344 und 1346), der Läufer des Herzogs von 
Cleve, als dieser sich mit der Tochter des Markgrafen von Jülich 
verheiratete, und der Bote Mathias Kaiser Ludwig des Bayern, 
als sein Herr glücklicher Vater geworden war 2 . Sobald die 
fremden Boten gezwungen waren, einige Zeit auf Antwort zu 
warten, so wurde ihnen eine Entschädigung gezahlt 3 , ein Brauch, 
der übrigens auch in anderen Städten bestand 4 . 

Besonders interessant ist eine Ausgabe aus dem Jahre 1346. 
Laurent (a. a. 0. 180, 7) hat, allerdings auch sonst fehlerhaft, 
den Posten folgendermassen übertragen: nuncio . . ducis Gelrensis, 
ferenti nova de nupeiis ipsius cum filia marchionis Juliacensis, 
2 Schilde, reeepit nigrotantes. Wie Herr Archivar Pick fest- 
gestellt hat, ist die Lesart nigrotantes ebenfalls unrichtig. Es 
wird vielmehr heissen müssen „reeepit nigros tantum". Trifft 
diese Schreibweise zu, so hat der Kämmerer den Boten über 
das Ohr gehauen und ihm minderwertige, stark legierte Münzen 
statt der Silber- oder Goldschilde ausgezahlt. Jedenfalls ein 
hübscher Zug der Zeit! 



') Laurent a.a.O. 211, 10. Ähnlich: Hamburger Stadtrechnungen. 1367 
— 1 £fc pro sumptibus et expensis nuncii domini imperatoris in hospicio Hinrici 
Hoygeri. — 1366 — pro expensis nuncii regis Dacie 5 ß. 

*) Laurent a.a.O. 208,8. — Derartige Vergütungen wurden ebenfalls 
in Cöln gezahlt: Dr. Knipping, Die Cölner Stadtrechnungen des Mittelalters 
Bd. II, S. 20. — 1370 — nuncio imperatoris portanti nova de puero nato 
10 flor. = 30 m. Interessant ist ein Vergleich zwischen Aachen und Cöln. 
In Aachen werden dem Boten des Kaisers 1349 in einem ähnlichen Falle 
nur 4 Goldschilde, deren Wert zwischen 9 und 10 m. sehwankt, bewilligt. 
Cöln griff tiefer in den Säckel und bewies damit, dass es sieh freigebiger 
zeigen konnte, als das kleinere Aachen. 

3 ) Laurent a. a. 0. S. 127,27 nuncio Spirensi ferenti litteram de facto 
Jo. de Brandenburg, quia non potuit cito expediri, 1 m. sibi dat. 

*) Hamburger Stadtrechnungen 1409: Helmico de Brodersen pro expensis 
duarum septiraanarum cursoris Kenonis de Bruke. 



— 83 



Im 14. Jahrhundert hatte fast jeder Ritter oder Höher- 
stehende seine eigenen Briefboten. In den Stadtrechnungen 
werden z. B. als Absender der Läufer bezeichnet: Wilhelm von 
Manderscheid, Lambert von Schönenberg, Bauwarus von Boppard, 
Hartman von Cronenberg, Heinrich von Wiedenhorst, Johann 
van der Velde, Wilhelm von Mysbach, Scheiffart von Merode, 
Simon von Vianden und andere mehr. Da die Läufer Abzeichen 
mit dem Wappen ihres Herrn trugen und deshalb für Repräsen- 
tationszwecke äusserst geeignet waren, so nahmen die Fürsten 
sie bei besonderen festlichen Gelegenheiten in ihrem Gefolge 
mit. Sie dienten also gewisser- 
massen nebenbei als Statisten. Bei 
der Königskrönung Wenzels im 
Jahre 1376 wurden in Aachen die 
Boten folgender hochgestellter Per- 
sonen beschenkt: Der Königin (4), 
der Erzbischöfe von Köln und Trier, 
des Herzogs Friedrich von Bayern, 
der Grafen Dietrich und Johann 
von Nassau (4), der drei Herzöge 
von Bayern, des Herzogs von 
Sachsen, des Herzogs von Jülich, 
des Grafen von Berg und Mark 
und anderer, nicht einzeln aufge- 
führter Herren. Dass auch in die- 
sem Falle die Bezeichnung Pfeifer 
und Läufer gleich bedeutend ist, 
ist aus folgenden Gründen wohl 
anzunehmen : 

1. Wenn die Fürsten eine 
grössere Reise antraten, so werden sie ihre Läufer nicht unbe- 
schäftigt zu Haus zurückgelassen haben, besonders nicht bei der 
Krönungsfestlichkeit, wo die Zahl der Diener für das Ansehen 
des Herrn erheblich ins Gewicht fiel. Ausserdem wurde bei 
derartigen Zusammenkünften manche wichtige Frage erörtert, 
und die Fürsten kamen gewiss häufig in die Lage, den einen 
oder anderen ihrer Boten mit Briefen oder Aufträgen nach der 
Krönung fortschicken zu müssen. Da aber die Läufer schon in 
gewöhnlichen Zeiten häufig Belohnungen von der Stadt Aachen 
erhielten, so ist es ausgeschlossen, dass sie bei der Krönung 
ganz leer ausgegangen wären. 




Abbildung eines Briefboten. 

Historienbibel. Stadtbibliothek Ham- 
burg. 1458. 



— 84 — 

2. Bei der letzten allgemein gehaltenen Buchung heisst es 
in der Stadtrechnung 1 : „deme hoefgesynde, pyfern ind hiralden". 
Wenn nun mit „pyfern" Musikanten gemeint wären, so würde 
man dabei gewiss die Trompeter nicht vergessen haben. Die 
Musikanten werden in den Rechnungen gewöhnlich „spelude" und 
„viedeleyr" genannt 2 . 

Ich neige im übrigen zu der Ansicht, dass die Pfeifer und 
Trompeter ihre Musikinstrumente nicht gerade allzu häufig 
gebraucht haben werden. Wenigstens genügten ihre Leistungen 
allein den Aachener Ratsherren nicht; sie hätten sonst nicht 
so oft fremde Spielleute herangezogen. Mit dem Namen „Pfeifer" 
wird aber auch in Aachen mancher ganz unmusikalische Läufer 
belegt worden sein, sofern er nur das Wappen seines Herrn 
am Rocke trug. 

Einige Abbildungen von Läufern sind in den folgenden Ab- 
schnitten dieser Arbeit wiedergegeben. Auf keinem der zahlreichen 
Bildnisse mittelalterlicher Briefboten findet man eine Andeutung, 
dass der Läufer ein Hörn oder ein anderes Musikinstrument bei sich 
trug. Die Abbildung des Frankfurter Boten Henchen Hanau 3 zeigt 
allerdings auf dem Rücken des Mannes an einer Schnur hängend 
ein ganz kleines Instrument, welches wie ein metallenes Miniatur- 
fläschchen aussieht. Ob dies vielleicht eine Art Signalpfeife ge- 
wesen ist, wie sie die Landbriefträger heutzutage an einer Schnur 
mit sich führen, und ob hieraus etwa der Name „Pfeifer" für die 
Brief boten entstanden ist? So verlockend eine derartige Schluss- 
folgerung sein mag, vom Standpunkt vorsichtiger und kritischer 
Forschung scheint sie doch zu gewagt. 

D. Boten der Kaufleute. 

Für die Kulturgeschichte unserer Stadt wäre eine Dar- 
stellung des kaufmännischen Briefverkehrs im 14. Jahrhundert 
auf Grund urkundlicher Quellen unzweifelhaft von grosser Be- 
deutung. Leider geben, wie auch anderwärts, die hiesigen 
Archivalien darüber nur dürftige Auskunft. Das ist an sich 
nicht wunderbar und besagt keineswegs, dass eine kaufmännische 
Korrespondenz in Aachen damals nicht stattfand. 



') Laurent a. a. 0. 247, io. 

2 ) Laurent a. a. 0. 801,3 und 248,5. 

8 ) Katalog des Reichs-Postmuseums 1897, S. 57. 



— 85 — 

Urkunden aus dem 14. Jahrhundert, die sich auf Handels- 
verhältnisse beziehen, sind nur in geringer Zahl erhalten geblieben, 
und in diesen wenigen Quellen wird nur in besonderen Ausnahme- 
fällen die Beförderungsgelegenheit erwähnt. Alte Handlungs- 
bücher, wie das des Vicko von Gelderseu in Hamburg, fehlen 
in Aachen. Die Stadtrechnungen des 14. Jahrhunderts, sonst 
die wichtigste Quelle für mittelalterliches Verkehrswesen, geben 
ebenfalls keine zuverlässige Auskunft. Sie enthalten wohl 
mancherlei Buchungen, die auf kaufmännischen Briefverkehr 
gedeutet werden können; einen sicheren Anhalt geben sie aber 
nicht, wejl man bei allen Boten, deren Absender nicht eine be- 
sonders hervorragende Person war, einfach „cuidam nuncio" in 
der Rechnung niederschrieb. 

Man muss aber berücksichtigen, dass im 14. Jahrhundert 
bei Handelsstädten wie Aachen oder Hamburg, Stadtverwaltung 
und Handelsverkehr Begriffe waren, die gar nicht streng von 
einander getrennt werden können. Der Rat ist damals nicht 
Verwaltungsbehörde allein, wie unsere modernen Magistrate, 
sondern Vertreter der Bürger und vor allen Dingen der Handel- 
treibenden. Der Kaufmann ist das nützlichste Glied der Stadt, 
von ihm stammt ihr Reichtum, ihre politische Bedeutung; seinem 
Schutz, der Förderung seiner Unternehmungen ist die Haupt- 
tätigkeit der Stadtverwaltung zugewandt. Die Inhaber der 
bedeutenden Handlungshäuser sind Mitglieder des Rats. Kann 
es da auffällig erscheinen, dass die Kaufleute in Angelegenheiten, 
die mehr privates, als allgemeines Interesse haben, sich der 
städtischen Läufer bedienen, und dass der Rat diese Boten 
für den kaufmännischen Briefverkehr zur Verfügung stellt? In 
den Stadtrechnungen wird bald dieser, bald jener Aachener 
Patrizier als Absender der Läufer erwähnt, und die Beförderungs- 
kosten werden aus dem Stadtsäckel bezahlt. Damit ist nun 
aber keineswegs bewiesen, dass die Ratsherren sich auf Kosten 
der Stadt private Vorteile verschafft haben. Gewiss haben die 
Patrizierfamilien im Mittelalter nicht verschmäht, ihren Geld- 
beutel hier und da auf Kosten der misera contribuens plebs zu 
füllen. In Aachen ist ihnen die Stadtverwaltung mit der Zwangs- 
herabsetzung der Leibrentenzahlung ja mit gutem Beispiel voran- 
gegangen. Aber auf so lumpige Summen, wie die eines einfachen 
Botenlohns, Hess man sich doch nicht ein. Die Sache lag 
wohl so, dass die Beteiligten für die Stadt gelegentlich unent- 



— 86 — 

geltlich Briefe besorgte, und dass mann dafür Gleiches mit 
Gleichem vergalt. Dies Verfahren war im Mittelalter, wie 
ich noch zeigen werde, auch sonst üblich. Der kaufmännische 
Briefwechsel war im 14. Jahrhundert fast ausschliesslich auf 
den Gelegenheitsverkehr angewiesen, weil er nicht umfangreich 
genug war, um besonderer Beförderungseinrichtungen zu bedürfen. 
Die geringe Zahl kaufmännischer Briefe in damaliger Zeit hatte 
ihren besonderen Grund. Die Handelsgeschäfte wurden im 14. Jahr- 
hundert noch regelmässig an Ort und Stelle abgeschlossen. Man 
besuchte die Märkte und Messen, traf dort mit den Geschäfts- 
freunden zusammen, kaufte und verkaufte. Wie zahlreich der- 
artige Geschäftsreisen waren, sieht man am besten aus der 
Bedeutung der Märkte für die wichtigeren Handelsplätze und 
aus dem geregelten Geleitswesen für den Reiseverkehr 1 . Ein 
wesentlicher Teil der späteren kaufmännischen Korrespondenz, 
die Kaufangebote, Zusagen u. s. w. wurden damals also münd- 
lich erledigt. Ausser den wohlhabenden Kaufleuten reisten ferner 
die kleinen Händler, Krämer und dergleichen Personen. Auch 
diese Gelegenheiten zur Briefbeförderung wurden mit Vorliebe 
benutzt, weil sie eine billige Übermittelung der Briefe ermög- 
lichten. So hat der Krämer Leonhard von Kessel, der später 
als Stadtdiener angenommen wurde 2 , häufiger solche Aufträge für 
die Stadt und gewiss auch für Handeltreibende übernommen. 
Ein anderer Krämer Jakob von Düren wird 1385 in dem Schreiben 
der Aachener Werkmeister und Bürger, die sich auf der Frank- 
furter Messe aufhielten, an den Bürgermeister von Linden in 
Aachen erwähnt 3 . Es heisst dort: Wist lieve heren, dat ure 
burger gesunt in starck sunt ind zu Vrancfort quomen des 
vridachz vur unser vrouwen dach mit eren lieve und gud, und 
sant wir uch eynen brief des sundachz dar na mit eynen kremer, 
heyst Jacob van Düren, und uns seir verwondert, dat ir den 
brief niet in hat, e Lenart van uch schiet . . . 

Der Krämer ist also nicht sonderlich zuverlässig gewesen. 
Die Angaben in dem Brief sind besonders interessant, weil sie 
nähere Auskunft über die Beförderungsdauer geben. Der Brief 



') Einzelheiten über das Geleitswesen : Aus Aachens Vorzeit, Jahrg. XVII, 
S. 49 ff. Im 14. Jahrhundert war das Geleitswesen schon ausserordcutlich 
ausgedehnt. 

2 ) Laurent a. a. 0. 314,24. 

8 ) Laurent a. a. 0. S. 95/96. 



— 87 — 

ist abgesandt am 13. August, der zweite Brief am 14. Septem- 
ber 1385. Der Schreiber rechnet also für die regelmässige Be- 
förderung von Frankfurt nach Aachen etwa 14 Tage. 

In den Hamburger Stadtrechnungen werden häufig Boten 
der Kaufleute in Brügge erwähnt 1 . Da Aachen gerade nach 
Flandern rege kaufmännische Beziehungen pflegte, könnte es 
auffallen, dass hier derartige Boten niemals genannt werden. 
Diese Kaufmannsverbindungen waren aber im wesentlichen eine 
Art Verwaltungsbehörde der Hansa, und daraus erklärt es sich, 
dass sie mit Aachen wenig oder gar nichts zu schaffen haben. 

Dafür, dass die städtischen Boten von der Kaufmannschaft 
zur Briefbeförderung u. s. w. benutzt wurden, sprechen auch 
die analogen Verhältnisse in anderen grossen Handelsstädten 2 . 
Man kann also sagen, dass der wenig erhebliche kaufmännische 
Briefverkehr im 14. Jahrhundert nicht durch Läufer der Kauf- 
leute, sondern durch Gelegenheitsbeförderung abgewickelt wurde. 
Für weitergehende Einrichtungen lag erst in späterer Zeit ein 
tatsächliches Bedürfnis vor. 

E. Boten des deutschen Ordens. 

Der deutsche Orden verfolgte nicht nur wichtige politische 
Ziele, sondern betrieb nebenbei einen ausgedehnten und hoch- 
bedeutenden Handelsverkehr. Er hatte eigene kaufmännische 
Beamte (sogenannte Lieger), welche Filialen ihrer Weltfirma — 
wenn man so sagen darf — leiteten. Die Lieger mussten, schon 
der Abrechnung wegen, in regelmässigem Verkehr mit den 
Schäffereien im Ordenslande bleiben. Infolgedessen bestanden 
für den Briefwechsel dieser Handelsniederlassungen wesentlich 
andere Verhältnisse, als für die übrigen kaufmännischen Unter- 
nehmungen: Der Gelegenheitsverkehr reichte für die Besorgung 
des Briefwechsels nicht mehr aus, der Orden musste, auch der 



J ) 1370 nuncius aldcrmannorum de Bruggis (Älteste der Kaufmannschaft). 
1374, 1381, 1382 nuncius mercatoruin de Flandria. 1378 nuncius communis 
mercatoris in Flandria. 

') Hamburg, Handlungsbuch des Vicko von Geldcrsen, 14. Jahrb.: Bencke 
Maken, civis in Soltwcdelc, tcnetur 4 longos pannos Ghcntences, qucmlibct 
pannum pro 19 ß . . . Item dedit 1 m quam dedit Gherlako (Oorlach V. Olden- 
burg, städt. Läufer), qui scrvus dominorum nostrorum. 



— 88 — 

Kostbarkeiten wegen, die den Überbringern mitgegeben wurden l , 
eigene Läufer anstellen. Es handelt sich hierbei um völlig aus- 
gebildete Boteneinrichtungen mit zahlreichen Stationen. In Thorn 
z. B. wurden 1400 ein Rennwagen, ein Reitsattel, ein Zaumsattel, 
zwei Zäume, zwei Zügel und 8 silberne Botenabzeichen (Silber- 
täschchen) neu beschafft 2 . Diese Beförderungsgelegenheiten sind 
auch für unsere Gegend von Bedeutung; denn in Gürath (Juden- 
rode) stand ein Deutschordenshaus 3 und in der Stadt Aachen 
befand sich eine Ordenskommende 4 ; die Boten, welche vom 
Osten nach Flandern reisten, werden also ihren Weg auch durch 
die Gegend von Grevenbroich gelenkt haben. Aus den Aachener 
Stadtrechnungen wird bestätigt, dass die Ordensboten nicht nur 
die hiesige Gegend, sondern auch die Stadt Aachen selbst berührt 
haben. Im Jahre 1391 erhielt nämlich ein Bote aus Galizien in 
Aachen eine Weinspende 5 . Da Galizien in damaliger Zeit noch zu 
Russland gehörte und die Stadt sonst keine Beziehungen nach 
dieser Gegend pflegte, so ist sicher anzunehmen, dass der Bote 
ein Läufer des Deutschen Ordens war, der von der Ordens- 
niederlassung Lemberg nach Flandern reiste und sich vorüber- 
gehend in Aachen aufhielt. Hierfür spricht auch der Umstand, 
dass der Bote auf Kosten der Stadt mit Wein bewirtet wird; 
denn derartige Weinspenden wurden nur Läufern bewilligt, die 
in den Diensten hervorragender Persönlichkeiten, der Städte u.s. w. 
standen. Die Ordensniederlassung in Brügge scheint keine Boten- 



') Sattler, Handelsrechnungen des Deutschen Ordens. Flandrische 
Liegebücher 1419. Item umuie raitvasten gesand mynen hern bey Herraan 
dem lowffer eynen dyaraent, coste 26 cronen. 

') Item so gobe wir Henuyng uff dye selbige czict, als her dyes sylber 
von uns emtpfing, 12 m Pruesch czu syner czeerunge und 1 rennewagen und 
8 sylbertaescheu und 1 ryctesactcl und 1 zomsaetel unde 2 czome und 2 zyelen. 
Der renncwayn koste uns 16 sc. 

8 ) Aus Aachens Vorzeit, Jahrg. IX, S. 63. 

4 ) Es finden sich deshalb in den Stadtrechnuugen häufiger Buchungen, 
die sich auf Mitglieder des Deutschen Ordens beziehen: Laurent a. a. 0. 
189,16-20, 204,21-25, 206, 29-so — 1346 — quaudo domina irnperatrix fuit hie 
Aquis . . . eraptum fuit viuutn . . . quod vinum propinatura fuit imperatrici, 
et . . . magistro Teutonicorum, et aliis ... — 1349 — de expensis magistri 
Theutonicorum domini de Neuenbürg . . . Nicoiao Stergin misso cum codera 
magistro Theutonicorum ad dominum regem ... — 1376 — episcopo domus 
Teutonicorum (Weinspende). 

*) Laurent a. a. 0. 375, ie, 



89 



Station gehabt zu haben; sie bediente sich entweder der aus 
dem Ordensland kommenden Läufer oder mietete auch wohl 
Privatboten für die Botendienste 1 . Wahrscheinlich wird der 
Läufer also der Station in Lemberg zugeteilt gewesen sein. 

F. Abzeichen der Boten. 

Die Botenabzeichen sind für die Geschichte des Verkehrs- 
wesens von grosser Bedeutung. Überall, wo man Briefboten 
findet, taucht auch dieser Ausrüstungsgegenstand auf. Allerdings 
sind die Namen, mit denen die Ab- 
zeichen belegt werden, sehr ver- 
schiedenartig. Ausser dem bereits 
erwähnten, in den Handelsrech- 
nungen des Deutschen Ordens ge- 
brauchten Wort „silbertaeschen" 
habe ich die Bezeichnung „pixides", 
die niederdeutsche Übertragung 2 
dieses Wortes „busse" und den 
Namen „brefvat" gefunden; auch 



,vexillum" und 



„Signum' 



kommt 




Abbildung dos Mannes, der Saul 

erschlagen bat und dessen Krone 

an David überbringt. 

Historienbibul. Stadtbibliotliek 
Hamburg. 14^8. 



vor. Wie allgemein die Boten- 
abzeichen im Gebrauch waren, 
sieht man am besten daran, dass 
die Abbildungen von Läufern fast 
in allen Handschriften mit solchen 
Schildchen wiedergegeben worden 
sind. Derartige Abzeichen sind 
das beste Kennzeichen dafür, dass 
man es mit einem Brief boten zu 
tun hat. Ausnahmen kommen wohl vor, sie haben gewöhnlich 
aber ihren Ursprung in dem Wortlaut des Textes. Gelegentlich 

') Sattler a. a. 0. 1421. Item 14 in Julio gab icb Hund dem Louffcr 
2 Rinschc gülden, Heinrieb Keyser hatte en gewunnen, valet 5 ß gl. — 
Die Namen der Läufer sind nicht nur in Aachen manchmal recht eigenartig; 
ausser dem Läufer „Hund" wird in den Handelsrechnungen des Ordens auch 
ein Herr Fünfundein erwähnt. 

*) Aus folgender Eintragung der Hamburger Stadtrechnungen von 1538: 
„1 6? 3 ß 6 d soluta Conrado Ruuest aurifabro pro reparacionc facta in 
signo tabelliorum civitatis, vulgo dicitur busse" geht hervor, dass „busse" 
das im Volksmunde gebräuchliche Wort war. 



- 90 — 

trat auch der umgekehrte Fall ein. Das vorstehende Bild, welches 
einer Hamburger Historienbibel 1 aus dem Jahre 1458 entnommen 
ist, soll den Mann darstellen, der Saul erschlagen hat und dessen 
Krone an David überbringt. Weil zufällig in der Handschrift der 
Mörder „Bote" genannt wird, hat man den Mann mit dem 
Botenabzeichen abgebildet, obwohl die Kleidung, die er trägt, 
beweist, dass der Überbringer keineswegs ein Läufer war. 
Am deutlichsten sieht man dies, wenn man ihn mit anderen 
Darstellungen von Brief boten vergleicht. Die Läufer sind nicht 
nur völlig anders und plumper ausgestattet, sondern auch bei 
weitem nicht so elegant frisiert, wie der Träger der Krönungs- 
insignien. Hieraus geht hervor, dass die Abzeichen eine grosse 
Bedeutung hatten und mit dem Begriff „Bote" fast unzertrenn- 
lich verknüpft waren. 

Die Benennungen, die für die Botenabzeichen gebraucht 
wurden, haben zu der Annahme Veranlassung gegeben, dass die 
bussen, silbertaeschen, pixides oder wie sie sonst noch bezeichnet 
sein mögen, Behälter zur Unterbringung der Briefe gewesen 
seien. Für die Zeit des H.Jahrhunderts und später trifft diese 
Vermutung nicht zu, was schon aus der Verwendung von Silber 
für diesen Zweck hervorgeht. So unpraktisch, silberne Brief- 
behälter zu verwenden, ist man im Mittelalter nicht gewesen. 
Wir haben vielmehr einen der Fälle vor uns, in denen der 
Gegenstand in seiner äusseren Gestalt Wandlungen durchgemacht 
hat, während die Benennung unverändert geblieben ist 2 . Da 
die urkundlichen Quellen des 14. Jahrhunderts, soweit das Ver- 
kehrswesen in Frage kommt, noch unbeackerter Boden sind, so 

*) Mischung des Bibeltextes mit Profangeschichten. 

2 ) Solche Verschiedenheiten kommen auch sonst vor. Dabei entwickeln 
sich Worte gleichen Ursprungs ganz verschieden. In den Hamburger Stadt- 
rechnungen des 14. Jahrhunderts z. B. bedeutet brefvath „Botenabzeichen", 
das stammverwandte zadelvath „Satteltasche". Bei dem einen Ausdruck 
hat der Gegenstand bereits Veränderungen durchgemacht, bei dem anderen 
ist die ursprüngliche Form noch erhalten. Auch das Wort „Post" hat solche 
Wandlungen erlebt. Hier sind aber beide Bedeutungen noch vorhanden. 
Ursprünglich verstand man unter „Post" einfach einen reitenden Boten, erst 
später das ganze Verkehrsinstitut. Man sagt jetzt „die Post" für das Institut, 
jedoch nicht „eine Post", während man diese Zusammenstellung für eine 
einzelne Beförderungsgclegenheit sehr wohl gebrauchen kann. (Hamb. Stadt- 
rechn. 1544 ... et 3'/ 2 daler consumpscrunt cursorcs equestres, quos vulgo 
poste vocant.) 



— 91 — 

ist erklärlich, dass sich noch niemand näher mit diesen Boten- 
abzeichen beschäftigt hat. 

Da auch die Aachener Boten mit solchen pixides ausgestattet 
waren, will ich hier erörtern, wie die Abzeichen meiner Ansicht 
nach entstanden sind. Soweit es bei der Kürze der Angaben 
in den Stadtrechnungen möglich ist, werde ich mich dabei auf 
urkundliche Quellen stützen. Die Aachener Rechnungen ent- 
halten aber nur wenige Angaben; ich kann deshalb nicht umhin, 
fremde Archivalien heranzuziehen. Das ist aber unbedenklich, 
weil im Mittelalter eine ganz ausserordentliche Übereinstimmung 
der Verhältnisse in verschiedenen Städten bestand, die jedem 
auffallen muss, der die Stadtrechnungen mehrerer Städte im 
14. Jahrhundert mit einander vergleicht 1 . 

Die älteste Form der pixides rührt wahrscheinlich aus der 
Zeit her, in der die Boten ihre Reisen noch kriegerisch gerüstet 
ausführten. In der Schrift des Uptonus 2 wird erwähnt, "dass 
die pixides aussen mit dem Wappen des Fürsten geschmückt 
und am Gürtel oder Wehrgehenk befestigt waren. Abbildungen 
von Läufern aus dieser frühen Zeit sind bisher, soviel ich weiss, 
leider nicht entdeckt worden. Diese alte Art der pixides war 
tatsächlich ein Behälter zur Aufbewahrung von Briefen; wenigstens 
schliesse ich dies aus folgenden Umständen: 

1. pixides ist gleichbedeutend mit den Worten „bussen" 
und „brcfvathe". Beide sind ursprünglich Bezeichnungen für 
Behälter, Gefässe. Wortbildungen entstehen im Sprachgebrauch 
gewöhnlich nicht willkürlich. Auch das Wort „silbertaesche" 
zeigt eine derartige Ableitung. Die pixides sind ebenfalls Be- 
hälter oder Büchsen, wie die Gölner Stadtrechnungen zeigen, 
die das Wort „Donnerbüchsen" als pixides tonitruales wieder- 
geben 3 . Wenn nun gleichzeitig in den verschiedensten Gegenden, 
in Aachen, Cöln, Strassburg, Frankfurt (Main), Breslau, Hamburg 
und Thorn die Benennungen für die Abzeichen so lauten, dass 
sie auf einen gemeinschaftlichen Ursprung hindeuten, so kann 
unmöglich lediglich der Zufall mitgespielt haben. 

2. Uptonus betont, dass die pixides am Gürtel getragen 
wurden. In späterer Zeit, aus welcher Abbildungen von Boten 



') Von Herrn Archivar Pick ist mir die Richtigkeit dieser Wahrnehmung 
bestätigt worden. 
2 ) Vgl. S. 78. 
s ) Knipping a. a. 0. II, S. 39. 



92 — 



erhalten sind, sieht man die pixides niemals an dieser Stelle, 
sondern sie wurden an der Brust oder am Halse befestigt. 
Dieser Wechsel ist gewiss nicht ohne Grund erfolgt und ver- 
mutlich darauf zurückzuführen, dass der Gegenstand eine andere 
Form angenommen hatte und einem anderen Zwecke diente. 
Besonders interessant ist das nachstehende Bild eines Brief- 




Abbildung eines Briefbuten. 

Aus einem Kartenspiel des Wiener Hofes. Ambraser Kunstsammlung, Wien. 

XV. Jahrhundert. 



boten aus dein 15. Jahrhundert, der ausser dem Abzeichen mit 
dem Wappen, das am Halse befestigt ist, am Gürtel noch eine 
Tasche ohne Wappen trägt, wie ich sie auf keiner anderen 
Abbildung des 15. Jahrhunderts sonst habe entdecken können. 
Da das Botenabzeichen hier, wie ich noch zeigen werde, in der 
Zweitältesten Form wiedergegeben ist, so scheint es keineswegs 
ausgeschlossen, dass eine Erinnerung an die frühere Form der 



— 93 — 

pixides bei der Wiedergabe mitgesprochen hat, nur dass beide 
Gegenstände getrennt gehalten wurden. Man ist bei derartigen 
Dingen eben auf Vermutungen angewiesen. 

3. Uptonus hebt besonders hervor, dass das Wappen an 
keiner anderen Stelle als auf den pixides getragen werden durfte. 
Die pixides müssen mithin Gebrauchsgegenstände gewesen sein, 
die ohne das Wappen an sich noch verwendbar sein konnten. 
Wenigstens kann man nach dem Wortlaut „nee eis est permissum, 
suorum Dominorum arma alio aliquo loco portare" kaum annehmen, 
dass das Wappen etwa gleichzeitig an mehreren Stellen hätte 
angebracht werden sollen, was ja auch sinnlos gewesen wäre. 
Wären die pixides damals Abzeichen gewesen, wie später, so 
wäre es sehr auffallend, dass Uptonus die Worte „alio aliquo 
loco" gebraucht und nicht sagt „nee eis est permissum pixides 
alio aliquo loco portare", sondern statt dessen „suorum Domi- 
norum arma". Überdies wäre es eine recht seltsame Mode ge- 
wesen, ein Abzeichen an dem Gürtel zu tragen, wenn man 
nicht eine besondere Veranlassung dazu gehabt hätte. 

In der älteren Zeit, als die Läufer noch zur Klasse der 
Soldaten zählten 1 , werden sie wahrscheinlich auch kriegerisch 
gerüstet gewesen sein, zumal man auf vielen Abbildungen mittel- 
alterlicher und späterer Briefboten einen Botenspeer erblickt. 
Die kriegerische Rüstung war natürlich zur Unterbringung der 
Briefschaften wenig geeignet. Deshalb bedurften vermutlich die 
Läufer einer Ledertasche, die am Gürtel getragen wurde. Als 
später die Boten ungewappnet reisten, war die Aufbewahrung 
der Briefschaften in einer am Gürtel hängenden Tasche nicht 
mehr notwendig, weil die Briefe im Inneren des Rockes sicherer 
und vor allen Dingen weniger auffällig aufbewahrt werden 
konnten. Man sieht dies daran, dass in den weitaus meisten 
Fällen auf den Abbildungen, die uns erhalten geblieben sind, 
keinerlei Behälter zur Unterbringung der Briefe sichtbar sind. 

Wäre auf den pixides nicht das Wappen des Fürsten an- 
gebracht gewesen, so würden diese Brief behälter wahrscheinlich 
bald darauf ganz von der Bildfläche verschwunden sein. Das 
auf der Tasche aufgemalte Hoheitszeichen war aber offenbar 
schon zum Kennzeichen des Botenstandes geworden. Deshalb 
wird man den Lederdeckel der Tasche in der veränderten Form 



') Uptouus: Et isti possuut esse milites propter peritiain iu otiieiis 
habitam. 



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eines Lederschildes mit dem Wappen erhalten haben. Wie sollte 
man sonst gerade auf die Verwendung von Leder für die Ab- 
zeichen verfallen sein? Diese Form der pixides zeigt die vorher 
wiedergegebene Abbildung des Boten aus dem Kartenspiel der 
Ambraser Kunstsammlung. Für Aachen ist dieser Bote von 
besonderem Interesse, weil auf dem Abzeichen der kaiserliche Adler, 
der zugleich das Wappen unserer Stadt ist, wiedergegeben ist. 
Diese Art von Botenzeichen trugen im 14. Jahrhundert die 
Hamburger Läufer 1 . Sie bestanden aus Leder, welches vorher für 
diesen Zweck besonders zubereitet wurde 2 , dann mit dem Wappen 
der Stadt bemalt 3 und endlich gefirnisst wurde 4 . Die Ausführung 
des Wappens war anscheinend besonders künstlerisch, da der 
Malermeister diese Arbeiten (auch das Firnissen) stets persönlich 
ausführen musste, während man derartige Arbeiten, wie z. B. 
das Firnissen der Bilder vor dem Millerntor, seinen Gesellen 
überliess 5 . 

Sehr wesentlich ist die Frage, ob die Abzeichen der Aachener 
Läufer im 14. Jahrhundert in derselben Weise hergestellt wurden 
und damals aus Leder bestanden. Leider sind die Aachener 
Stadtrechnungen nur stückweise erhalten und die Angaben über 
die Abzeichen auch in den vollständigen Rechnungen nur dürftig. 
Infolgedessen fehlen bestimmte Anhaltspunkte und man ist ledig- 
lich auf die ziemlich fragliche Preisvergleichung angewiesen, 
um der Lösung der Frage näherzutreten. 

Im Jahre 1373 wurde für das Abzeichen des Läufers Leon- 
hard in Aachen ein Betrag von 1 M. Aachener Währung ver- 
ausgabt (Leonardo cursori de pixide sua renovanda 1 m) G . Da 
mittelalterliches Latein vielfach in der Bedeutung schwankt, so 
kann „renovare" Neuanschaffung oder Instandsetzung heissen. 
Wahrscheinlich ist aber die zweite Bedeutung richtig; denn der 



') Hamburger Stadtrechnungen 1372 — 2ß vor breefvath unde remen. 

2 ) A. a. 0. 1383 — ad preparandum breefvat 8 d (zu beachten ist der 
niedrige Preis hierfür). 

3 ) A. a. 0. 1367 — eidem (Bertrammo pictori) 4 ß pro depictione des 
breefvathes Gherlaci cursoris. 

4 ) A. a. 0. 1373 — Bertrammo pictori 8 ß vor en brefvath unde zadel- 
vathe to fornissende. 

8 ) A. a. 0. 1387 — 4 ß servitoribus suis (Bertrammi) ad voruissend« 
ymagines ante milderdor. 

3 ) Laurent a. a. 0. 236, 



20. 



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Ausdruck klingt für eine Neuanschaffung zu gezwungen. Sehen 
wir nun, welche Kaufkraft die Aachener Mark damals hatte. 
Im Jahre 1383, wo die Mark etwas im Wert gesunken ist 1 , 
konnte man für diesen Betrag je nach Wahl a) einen Hammel, 
b) 3 Gänse, c) 3 Hasen, d) einen Eimer nebst Seil, e) etwa 
eine halbe Tonne Bier, f) 4 Quart Öl, g) 6 Pferdekämme er- 
stehen 2 ; im Jahre 1376 erhielt Halfnase für eine Reise nach Bonn 
den gleichen Betrag. In Hamburg kostet ein Abzeichen nebst 
Riemen 2 ß, die Zubereitung 8 d, die Bemalung 4 ß, also im 
ganzen 6 ß 8 d. Annähernd der gleiche Betrag wird für eine 
achttägige. Reise von Hamburg nach Lübeck gezahlt. Es scheint 
also, dass der Hamburger Schilling eine grössere Kaufkraft 
hatte, als der Aachener. Trotzdem kann man nicht ohne weiteres 
daraus schliessen, dass die Abzeichen ungefähr dieselben Kosten 
in beiden Städten verursacht haben. Ebenso wenig beweist der 
Vergleich zwischen den Kosten für das Abzeichen und den Preisen 
für die erwähnten Gegenstände und Tiere, dass die pixides in 
Aachen so kostspielig waren, dass man die Verwendung von 
Silber voraussetzen müsste; denn die Hamburger Quellen zeigen, 
dass die Bemalung ohne das Firnissen schon doppelt so teuer 
war, als das Material. Es ist also mit derartigen Parallelen 
eine sehr unsichere Sache. Man kann schliesslich damit eben- 
sogut das eine wie das andere beweisen. Wichtiger dagegen 
scheint mir folgende Gegenüberstellung: 

Eine Eintragung der Aachener Stadtrechnungen im Jahre 
1394 lautet: van 7 breifbussen, soe maichen, soe moelen 3'/ 2 m 4ß 3 . 
Für die 7 Abzeichen wurden also verausgabt 3 m 10 ß, d. i. 
ungefähr 6'/ 2 ß für jedes, während die Erneuerung oder die 
Instandsetzung des Abzeichens für den Läufer Leonhard fast 
das Doppelte kostete. Hieraus scheint mir hervorzugehen, dass 
diese 7 bussen solche einfacherer Art für Aushilfsboten waren, 
während das Abzeichen des Leonhard aus besserem Material 
gearbeitet war. Da nun die ledernen Abzeichen die einfachste 
und billigste Art der pixides waren, und nicht wahrscheinlich ist, 
dass die Stadt Aachen für ihre Aushilfsboten, um zu sparen, 
die Bemalung schlecht hätte ausführen lassen, so wird man 

') 1 aur. flor. 1373 = 3 m 4 ß, 1383 = 3 ra 8 ß. Laurent a. a. 0. 
S. 417/418. 

*) Laurent a. a. 0. 280, 2-2; 276, m; 279, so, ss; 280, ai; 284, 11. 
8 ) Stadtrechuung 1394 — 11 Monat — Laurent a. a. 0. 896,2. 



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annehmen müssen, dass die eigentlichen Botenabzeichen aus 
Silber bestanden, während die pixides für die Aushilfsboten 1 
entweder nur versilbert waren oder aus einem billigeren Stoff 
hergestellt wurden. Die Bemalung der metallenen Abzeichen 
findet sich auch in Hamburg im 15. Jahrhundert 2 . Die Her- 
stellung billigerer Botenzeichen erfolgte in dieser Stadt nicht 
etwa im 14. Jahrhundert, wo die brefvathe aus wohlfeilem Stoff 
hergestellt wurden, sondern erst im 15. Jahrhundert, als die 
regelmässigen Läufer silberne Abzeichen erhielten. Aus dem 

14. Jahrhundert sind in Hamburg eine grössere Zahl vollstän- 
diger Stadtrechnungen erhalten und die brefvathe werden darin 
sehr oft erwähnt (1367, 1368, 1371, 1372, 1373, 1374, 1376, 
1377, 1383, 1384, 1385, 1386, 1387). Sie bedurften also häufiger 
Erneuerung, was bei der geringen Widerstandsfähigkeit der Öl- 
malerei auf Leder gar nicht verwunderlich ist. Wenn die 
Aachener Rechnungen auch weniger vollzählig sind, so muss es 
doch auffallen, dass nur 2 Buchungen über die Abzeichen in 
den Rechnungen vorkommen. Verständlich wäre dies nur, wenn 
die Zeichen aus widerstandsfälligem Stoff, wie Silber, herge- 
stellt waren. 

Aus dem 15. Jahrhundert hören wir in dem oben 3 erwähn- 
ten Diensteid des Stadtpfeifers Peter Kemptzer von Rothenburg, 
dass das Abzeichen aus einer silbernen Spange (brodsche) und 
dem Wappen bestand. Diese Form des Abzeichens entspricht 
genau derjenigen der Hamburger Ratsboten in der Mitte des 

15. Jahrhunderts und später 4 . Dagegen habe ich in Aachen 



J ) Dass es sich um solche handelt, geht daraus hervor, dass Aachen 
iui 14. Jahrhundert niemals 7 Läufer gleichzeitig beschäftigt hat. 

2 ) Hamburger Stadtrechnungen 1477 — 2 m 4 ß Hiurico Funghoff pro 
21 pixidibus depictis cum armis civitatis ad usum cursorum — 1481 — 
8 ß Petro Zegelken pro reparatione armorura civitatis deargentate. 

s ) Seite 80. Während der Drucklegung der Arbeit habe ich übrigens 
bei nochmaliger Durchsicht der Hamburger Stadtrechnungen bemerkt, dass 
auch in Hamburg eine Verwendung der Pfeifer im Briefbeförderungsdienst 
nachzuweisen ist. Im Jahre 1380 werden Pfeifer unter der Ausgaberubrik 
„Cursoribus" aufgeführt: „6 ß tribus fistulatoribus". Auch bei der Ankün- 
digung freudiger Familienereignisse der Fürsten bringen Pfeifer die Nachricht. 
1385 — 2 £t 8 ß fistulatoribus domini ducis Magnopolensis ex parte nupeiarum 
celebratarum cum filia domini Nicolai comitis Holtzacie. 

*) Hamburger Stadtrechnungen 1493 — 10 ß pictori pro certis clipeis 
deservientibus cursoribus. — 1613. Vor eine Badenbusse Dirig Utermark 



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keinerlei Anhaltspunkte dafür finden können, dass man den 
Läufern hoher Herren silberne Abzeichen als Ehrengabe über- 
reicht habe 1 . 

III. Briefvermittehing und selbständige Boten. 

Man hat infolge des Fehlens eingehender urkundlicher An- 
gaben und Quellenstudien 2 bisher vielfach angenommen, dass im 
Mittelalter für den Briefverkehr der Fürsten, Bischöfe und 
Städte zwar genügend gesorgt gewesen, dass aber die übrige 
Menschheit recht stiefmütterlich weggekommen sei und dass erst 
die Post für die Bedürfnisse der Privatpersonen gesorgt habe. 
Gewiss ist das Taxissche Postwesen ein grosser Fortschritt auf 
dem Gebiet des Verkehrs gewesen und mir liegt nichts ferner, 
als dies Verdienst schmälern zu wollen. Aber den offenkundigen 
Gegensatz, in den Ennen 2 z. B. Post- und Botenwesen bringt, 



6 m 4 ß. vor dat Wapen 3 m 7 ß vor de Kede 2 m 12 ß. Die Kette 
muss natürlich an eiuer Spange befestigt gewesen sein. Die Abzeichen für 
die Aushilfsboten kosteten in Hamburg 1495 noch nicht einmal l 1 /» ß, 
während 1488 für die Änderung eines Abzeichens der regelmässigen Läufer 
2 m 15 ß gezahlt wurden (2 m 15 ß pro reformatione cujusdam pixidis argentee 
pro cursoribus). 

*) A. a. 0. 1527 — 2 m 15 ß soluta Dirick Ostorpp pro pixide nuntio- 
ruiu regis et prineipi nostri — 1538 — 19 m 16 ß pro signo argeuteo doraini 
regis Uanie, quod gestabat tabellarius missus cum literis in favorem civi- 
tatis ad Judicium camere imperialis a regia sua majestate scriptis. Eben- 
sowenig findet sich in Aachen ein Hinweis, dass die Stadt, wie Hamburg es 
1461 tat (vermutlich infolge der 1460 erfolgten Anerkennung des Königs von 
Dänemark als Graf v. Holstein), ihre Botenzeichen vorübergehend mit einem 
fremden Wappen geschmückt hätte. Hamburger Stadtrechnungen 1461 — 
1 m Johanni Bornemanne pro tribus pixidibus cum armis regis Dacie ad 
usum cursorum. Ein Geschenk an die dänischen Läufer war es nicht, wie 
man aus dem niedrigen Preise sieht. Wenn die Ausgabe also nicht etwa 
für Ummalung des Wappens erfolgte, hat man die Abzeichen ziemlich schäbig 
ausführen lassen, in der Erwartung, dass man sie doch nicht lange be- 
nutzen würde. 

2 ) Die Übersicht, die Veredarius (a. a. 0.) über das Boteuwesen im 
Mittelalter gibt, enthält infolgedessen zahlreiche Irrtümer. Ein Beispiel für 
die oberflächlichen und falschen Angaben, aus denen dieses Sammelwerk hat 
schöpfen müssen, ist die Arbeit des Archivars Ennen in Cöln — Geschichte 
des Postwesens in der Reichsstadt Cöln, Zeitschrift für deutsche Kultur- 
geschichte. 1873. II. Jahrg. Neue Folge. S. 280 ff. — Ennen behauptet, dass 



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halte ich doch für verfehlt. Jede Zeit hat die Verkehrseinrich- 
tungen, die ihren geistigen und wirtschaftlichen Verhältnissen 
entsprechen. Selbst Taxis hätte 100 oder 200 Jahre früher mit 
seinem Unternehmen Schiffbruch gelitten. Darin, dass er den 
richtigen Zeitpunkt erfasst hat, liegt gerade die Bedeutung 
seiner Einrichtungen. Aber die Umwälzungen, die seine Posten 
verursacht haben, sind geringer gewesen, wie z. B. die, welche 
die Einrichtung der Bahnposten im vorigen Jahrhundert herbei- 
geführt hat. Man wird deshalb gut tun, die Reibereien zwischen 
Post und Botenanstalten nicht dadurch ewig fortleben zu lassen, 
dass man zwei Epochen konstruiert, die in Wirklichkeit gar 
nicht vorhanden gewesen sind. 

Bei flüchtiger Betrachtung der mittelalterlichen Quellen 
muss man allerdings den Eindruck gewinnen, dass das Privat- 
publikum kaum Gelegenheit gehabt habe, Briefe fortzuschaffen; 
denn die Archivalien dieser Zeit enthalten fast gar nichts über 
den privaten Briefverkehr. Die Quellen sind fast ausschliesslich 
Stadtrechnungen grösserer Handelscentren. Besteht nun irgend 
welche Notwendigkeit oder auch nur Wahrscheinlichkeit, dass 
in diesen Rechnungen Buchungen über den Privatbriefverkehr 
Aufschluss geben müssen? Die Frage ist unzweifelhaft zu 
verneinen. Die Kämmerer buchen die Ausgaben der Stadtver- 



iin 14. Jahrhundert in Cöln z.B. für eine Reise nach Bonn 8 ß, nach Aachen 
20 ß, nach Trier 3 m gezahlt worden seien. Selbst eine flüchtige Durchsicht 
der Cölner Stadtrechnuugen des Mittelalters (1370—1380) zeigt aber, dass 
nach Bonn 4, 6, 8, 10 ß, Im, 1 m 2 ß, nach Aachen 8 ß, 1 in, 1 m 4 ß, 
1 in 6 ß, 1 m 8 ß, 1 m 10 ß, 2 m, 2 ra 2 ß, nach Trier 2 m 6 ß, 3 m, 
4 m und 6 m gewährt wurden und dass obendrein häufig Nachzahlungen in 
verschiedenen Abstufungen stattfanden. Im übrigen leiden Ennens Aus- 
führungen in dem älteren Teile an dem für einen Archivar höchst bedenk- 
lichen Mangel der Zeitangaben. Jeder Leser, der nicht in der Lage ist, die 
Quellen nachzuprüfen, muss unwillkürlich den Eindruck gewinnen, dass der 
grösstc Teil der Angaben über das Botenwesen sich auch auf mittelalterliche 
Verhältnisse bezieht, während tatsächlich dieser für eine archivalische Arbeit 
nicht unwichtige Abschnitt mit einigen flüchtigen und falschen Bemerkungen 
abgetan ist. Bezeichnend für die Art, wie diese Arbeit abgefasst oder sagen 
wir besser zusammengeschrieben ist, ist auch die Tatsache, dass sich Ennen 
zur Beurteilung des Verdienstes der Familie Taxis um Einführung der Posten 
auf eine Quelle aus dem Jahre 1748 (!) bezieht. Er hätte besser getan, diese 
Herkunft zu verschweigen. Ennen hat mit dieser Art der Geschichtsschreibung 
Schule gemacht; ich muss an anderer Stelle noch darauf zurückkommen. 



• — 99 — 

waltung; wenn der Briefwechsel anderer Personen dabei erwähnt 
wird, so spielt lediglich der Zufall mit. Da nun gar nicht zu erwarten 
ist, dass die Quellen sichere Auskunft über die Frage geben, so ist 
es ein Trugschluss, wenn man aus dem Fehlen der Angaben 
Folgerungen zieht und das Gegenteil damit beweisen will. 
Sollten wirklich ausser durch „fromme" Pilger, wandernde Spiel- 
leute, reisende Kaufleute, fahrende Lautenspieler, „viehbedürftige" 
Metzger 1 keinerlei Gelegenheiten bestanden haben, um Sendungen 
von Privatpersonen zu befördern, und sollten die Herren Berufs- 
boten nicht vielmehr einen Nebenverdienst mitgenommen, ja sogar 
ihre Obrigkeit solche Einnahmen ganz gerne gesehen haben? Sehr 
gross war jedenfalls im 14. Jahrhundert der Umfang der Privat- 
korrespondenz noch nicht. Es kommt hier auch nicht darauf 
an, ob die Zahl dieser Briefe erheblich war, sondern ob man 
bei Bedarf Gelegenheit hatte, die Sendungen fortzuschaffen. 

Nun will ich hier aber auch versuchen, den urkundlichen 
Nachweis dafür zu erbringen, dass im 14. Jahrhundert und der 
unmittelbar daran anschliessenden Zeit die Ratsboten für andere 
Personen, als für ihre Auftraggeber Briefe mitnahmen, dass 
gelegentlich eine Weiterbeförderung von Briefen dritter Per- 
sonen für Rechnung des vermittelnden Teiles stattfand und dass 
sehr vieles dafür spricht, dass schon im 14. Jahrhundert selb- 
ständige Boten Briefe für jedermann mitnahmen. Ich muss dabei 
auch auf fremde Quellen zurückgehen; die Verhältnisse lagen 
aber wohl überall gleich. 

a) Briefbeförderung für Private durch Stadtboten. 

Ich habe oben 2 erwähnt, dass der Salzwedeler Bürger 
Beneke Maken im 14. Jahrhundert einem Läufer des Hamburger 
Rats — Gerlach von Oldenburg — einen Geldbetrag, den er 
dem Hamburger Kaufmann Vicko von Geldersen schuldete, 
zur Beförderung übergab. Eine derartige Beförderung geschah 
nicht etwa heimlich, sondern mit Zustimmung der Stadt. Der 
Hamburger Senat liess nämlich noch zu einer Zeit, als er neben 
seinen eigenen noch zahlreiche selbständige Boten beschäftigte, 
seine Läufer nicht nur für Private reisen, sondern er sammelte 
sogar den Botenlohn dafür ein s . Diese Verhältnisse bestanden 



') Enncn a. a. 0. S. 291. 
s ) Seite 87, Anm. 2. 

s ) 1549 — l m 11 ß collata ad inercedem Andree Stoessel niissi per 
alios in Lubecatu. 



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noch zu einer Zeit, als das Bedürfnis für solche Einrichtungen 
viel geringer war; wieviel näher lag also die Benutzung der 
Ratsboten im Mittelalter! 

In den Cölner Stadtrechnungen des 14. Jahrhunderts habe 
ich keinerlei zuverlässige Anhaltspunkte für die Benutzung der 
Ratsboten durch Private finden können. Die Eintragungen in 
diesen Rechnungen sind ebenso knapp wie die der Hamburger 
des 14. Jahrhunderts. Dagegen sind die Aachener Rechnungen 
deutlicher. Hier finden sich folgende Buchungen: 

1349. Kreyvel misso Frankenfordiam in tractatu domini 
regis 4 m per rel. It. 3 gross, per Jo. de Cannali concessos per rel. 

Kreyvel misso Frankenfordiam 2 aur. florenos, per 

rel. Eidem 17 gross, val. 39 ß 8 d per rel., concessos per Wolterum 
Volmer et Vresen. 

— Jo. Triptrap misso cum littera ad comitem Ottonem de 
Nassauwen 4*/ 2 ni per rel. Et illam concives nostri promiserunt 
similiter. 

Bei der ersten Eintragung könnte man einwenden, dem 
Boten sei vielleicht ein zweiter Brief in städtischen Angelegen- 
heiten mitgegeben und der Mehrbetrag von einem Ratsherrn 
zugestanden. Im zweiten Falle ist dieser Einwand nicht mehr 
möglich, weil mehrere Auftraggeber genannt sind, von denen 
einer (Vresen) jedenfalls kein Ratsherr war. Im dritten Falle 
ist überhaupt kein Zweifel möglich, dass mehrere Aachener 
Bürger dem Triptrap Privatkorrespondenzen mitgegeben haben. 
Man sieht übrigens aus den 1338, 1344 und 1346 wiederkehrenden 
Vergütungen an die Ratsdienerschaft, „quia parum lucrantur" ', 
dass diese auf Nebenverdienste angewiesen war, aber nicht 
immer ihre Rechnung dabei fand. Die Beträge von 12 und 
18 m, etwa 2—3 m für jeden Diener, sind nicht gerade üppig 
zu nennen. Aber an dem Fehler allzugrosser Noblesse in Geld- 
sachen, besonders bei Zahlung der Beamtengehälter, hat Aachen 
bekanntlich nie gelitten, hat doch sogar der reichsstädtische 
Archivar eidlich geloben müssen, sich stets mit seinem Gehalt 
zu begnügen 2 . Eine grössere Vorsicht in Geldangelegenheiten 
ist nicht wohl denkbar! 

Aus den Aachener Stadtrechnungen geht übrigens auch 

') Laurent, a. a. 0. 131, i; 159,1?; 188, n. 

*) Festschrift zur 72. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte. 
Aachen 1900. S. 220. 



— 101 — 

hervor, dass die Boten des Bischofs von Mainz Sendungen für 
Private mitnahmen: Laurent a. a. 0. S. 301,4 des buschoffs 
brievedregern van Meynze van heren Diderich Rostz wegen 
22 ß. It van den brieve van Hartmans wegen 39 m. Die 
zweite Eintragung beginnt zwar mit einer neuen Zeile, gehört 
aber zu der vorigen, weil von mehreren Boten die Rede ist und 
auch bei der zweiten Buchung der Empfänger fehlt. Aus dem 
hohen Betrage geht hervor, dass der Brief nicht etwa für den 
Bischof von Mainz bestimmt gewesen ist oder von diesem her- 
rührte, sondern dass es sich um eine von weit herkommende 
oder nach einem entfernten Ort bestimmte Sendung handelte. 
Ferner scheint mir hiernach wahrscheinlich, dass der Aachener 
Rat, ebenso wie es in Hamburg später geschah, den Botenlohn 
von dem Empfänger einzog und verrechnete. Aus der Tatsache, 
dass diese Summen in der Einnahmerechnung von 1385 nicht 
vereinnahmt sind, lässt sich nicht das Gegenteil folgern. 

b) Weiterbeförderung von Briefen Dritter auf Kosten 

des Vermittlers. 

Unter den Fürsten, Herren und Städten fand im Mittelalter 
eine Weitersendung von Briefen statt, und zwar wurden die 
Kosten nicht von dem Absender, sondern von dem vermittelnden 
Teil getragen. Die Botenreisen mit dem Zusatz „ex parte" in 
Verbindung mit einem fremden Namen, die in den Rechnungen 
sehr häufig wiederkehren, rechne ich dazu nicht, weil „ex parte" 
in der Regel nichts heisst als „in der Angelegenheit des . . .* 
Dagegen kommen Buchungen vor, aus denen eine Beförderung 
von Briefsendungen dritter Personen unzweifelhaft hervorgeht: 

1338 — Ludowico cirotecario misso cum litteris marchionis 
ad dominum Wilhelmum 18 ß; eidem misso Sintzge cum littera 
responsoria ipsius domini Wilhelmi ad marchionem 1 m; eidem 
misso secundario ibidem Manderscheydt et Rupe (Feltz) 2 m 
ex parte marchionis; eidem iterato ibidem cum litteris mar- 
chionis 30 ß; eidem misso ad episcopum Treverensem cum 
litteris marchionis 2 m. 

1349 — eidem Mathie (nuncio domini regis) misso iterum 
illuc (Brabanciam) cum litteris domini regis 5 scuteos aur. in 
duobus locis, per rel. 

1385 — des marschalckcn boede van Birgel braicht brieve 



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van Wolter 3 m 3 ß — heren Wilhelm boede von Muysbach 
braicht brieve van der Sleyden 18 ß *. 

In den meisten derartigen Fällen wird man, falls die 
Möglichkeit besteht, nachträglich den Inhalt der Briefe zu prüfen, 
allerdings wahrnehmen, dass die Briefe in Angelegenheiten des 
Vermittlers geschrieben sind. Dies liegt aber in der Natur der 
Sache; denn bei wichtigen sonstigen Vorkommnissen wird man 
des Briefgeheimnisses wegen vorgezogen haben, eigene Boten 
zu senden. Auf diesen Punkt möchte ich ein entscheidendes 
Gewicht legen, weil nur so verständlich ist, weshalb im Mittel- 
alter keinerlei Centralisierung des Briefverkehrs erfolgt ist. 
Der grösste Teil der Korrespondenz enthielt, wenigstens nach 
damaliger Auffassung, diplomatische Angelegenheiten. Eine Er- 
öffnung der Briefe konnte also von den einschneidensten Folgen 
sein. Deshalb waren die zahlreichen fremden Boten, welche die 
Städte, Burgen u. s. w. berührten, für den Briefbeförderungs- 
dienst nach dem Auslande — und das war damals schon das 
Gebiet der nächsten Nach'barn — selbst dann oft nicht zu ge- 
brauchen, wenn sie persönlich ganz zuverlässige Leute waren. 
Diese Voraussetzungen haben sich bis in die heutige Zeit 
unverändert erhalten. Die grosse Menge der Privat- und 
Geschäftsbriefe geht freilich den billigen Weg, den die Post 
geschaffen hat. Diplomatische Sendungen für die deutschen 
Gesandschaften aber werden auf den Strecken im Auslande durch 
Feldjägeroffiziere befördert, um der fremden Regierung die 
Möglichkeit zu nehmen, den Inhalt kennen zu lernen. Man 
braucht mithin gar nicht lange zu forschen, um der Ursache 
der zahlreichen und weiten Botenreisen im Mittelalter nach- 
zuspüren. Nicht Mangel an Verständnis für die Bedürfnisse 
jener Zeit, sondern gerade jene Bedürfnisse waren es, welche die 
Einrichtungen so ausbildeten, wie wir sie aus den alten Rech- 
nungen notdürftig uns vorstellen können. 

') Laurent a. a. 0. 123,3c; 211,:)?; 330, :n; 340, u». Ebenso Hamburger 
iStadtrechnungen. 13G5 — Hennckino Hunrevoghct 4 £i 8 ß, versus Flandriuiii, 
tcrrain Westfalie cum literis eesareis. — 1373 — eidein (Gherberto) 7 ß, 
bis Stadis, nrinio cum fuerunt frumenta ablata, secundo cum litteris illorum 
de Wisch. — Cölner Stadtrechnungen 1373 — Malart misso ad dominum 
Treverensem cum litteris comitis de Monte ex defectu 4 m. — 1385 — 2 
nunciis cum litteris domini Johannis Scherffgin 13 m G ß. (Knippinga. a. 0. 
S. 113.) 



— 103 - 

Ausser den knappen Angaben der Stadtrechnungen nabe 
ich noch eine Quelle gefunden, die deutlich erkennen lässt, dass 
gelegentlich eine ganze Anzahl zusammengepackter Sendungen 
von einer Stelle aus unentgeltlich weitergesandt wurden. Es 
ist der Brief König Sigmunds an Herzog Adolf von Jülich- 
Berg vom 23. Dezember 1429 *, also aus einer Zeit, die un- 
mittelbar an das 14. Jahrhundert anschliesst. In dem Briefe 
schreibt Sigmund : 

. . . also schritten und laden wir von solicher geschichte wegen 
die burgermeister, richter, schepfen, rate und gemeinde der stat 
zuAche,.das sie für uns von solichen Sachen wegen zu Nurem- 
berg komen . . . Begeren wir von deiner lieb, das du soliche 
unsere ladbrieve den vorgenanten von Ache durch einen red- 
lichen deinen mann senden . . . wollest . . . 

Ouch schriben wir andern unsern fursten, herreu und steten, 
uf den vorgenanten tag zu uns zu komen, und wir bitten dine 
liebe mit sunderm flisse, das du soliche brieve, die wir dir ouch 
senden, wollest furbass senden on verziehen den, die soliche 
brieve lauten, doran tut uns dein liebe sunder wolgefallen. 

Unter den Briefen, die der Herzog weiter senden soll, 
spielt die Hauptrolle die Vorladung nach Nürnberg an die Stadt 
Aachen; Herzog Adolf wird gebeten, die Zustellung dieses 
Schreibens durch einen zuverlässigen Mann ausführen zu lassen. 
Adolf entsprach dieser Bitte und wählte zum Überbringer einen 
Johann von Vorstheim. Dieser fertigte unter dem 2G. Januar 
1430 eine Bescheinigung aus, dass er das Schreiben dem Aachener 
Rat übergeben habe. Selbst unser moderner Brief mit Zustellungs- 
urkunde blickt also auf ein ehrwürdiges Alter von mindestens 
475 Jahren zurück. Und zwar könnte man fast die Be- 
stimmungen unserer Civilprozessordnung über Zustellungen durch 
die Post darauf anwenden: zuzustellende Vorladung, besondere 
Glaubwürdigkeit des bestellenden Boten, Zustellungsurkunde 
mit Unterschrift, Angabe der Person, an welche die Zustellung 
ausgeführt wurde, und des Tages der Zustellung. Was will 
man mehr 2 ? 



') Zeitschrift des Aachener Geschichts-Vereins. Bd. XIX, Aht. 11, S. 48. 

2 ) Bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass der Wohnungs- 
geldzuschuss, den man bisher für eine Errungenschaft der modernen Beamten- 
besoldung gehalten hat, auch den Hamburger Ratsboten im 15. Jahrhundert 
und zwar unter genau dem gleichen Ausdruck „ad subsidium hure" gezahlt 



— 104 — 

c) Selbständige Boten. 

Niemand ist schlechter in der Geschichte des Verkehrs- 
wesens fortgekommen, als die Boten, die für eigene Rechnung 
reisten. Gewiss mit Unrecht. Gerade sie sind es, die für das 
Privatpublikum die Dienste leisteten, die heute der Post zu- 
fallen, ihre Zahl passte sich dem Bedürfnis des Verkehrs an 
und gar mancher Brief ist von ihnen befördert worden. So 
schlecht, wie man aus einzelnen Äusserungen der Zeitgenossen 
annehmen möchte, sind die Boten keineswegs gewesen; man 
muss nur Licht und Schatten gleichmässig verteilen. Solche 
vereinzelte Bemerkungen zu verallgemeinern, ist jedenfalls ein 
Fehler; denn die Menschheit ist von jeher geneigt gewesen, 
das Gute zu übersehen und das Schlechte — oder vermeintlich 
Schlechte — zu vergrössern. Ein Mann, der am Postschalter 
heute 10 Minuten warten muss, wird in 9 von 10 Fällen be- 
haupten, er habe „mindestens" eine halbe Stunde stehen müssen. 
Das ist menschlich und mit solchen Schwächen muss man 
rechnen. Der beste Beweis, dass diese Boten, die im 16. Jahr- 
hundert in grosser Zahl reisten, weit besser, als ihr Ruf waren, 
geht daraus hervor, dass der Hamburger Senat sie nicht nur 
andauernd auf Reisen schickte, sondern auch aus ihnen den 
Ersatz für die Ratsboten entnahm. 

In vielen Arbeiten über das Botenwesen, insbesondere in 
Verbindung mit den selbständigen Boten, aber auch mit den 
Läufern der Städte, habe ich das Wort „zünftig" sowie den Aus- 
druck „Botenzunft" gefunden. Ganz abgesehen davon, dass„ zünf- 
tige städtische Boten" überhaupt undenkbar sind, weil städtische 
Beamte unmöglich einer Zunft eingeordnet werden können, habe 
ich auch nirgends den geringsten Anhalt dafür finden können, 
dass die Boten, wenigstens in Deutschland, einer Zunft angehört 
oder etwa selbst eine solche gebildet hätten. Solange dieser 
Nachweis nicht erbracht ist, und ich glaube es wird schwerlich 
jemandem gelingen, einen solchen Zusammenhang zu finden, wird 
man gut tun, die Ausdrücke „Zunft" und „zünftig" für die 



wurde, und dass auch die Beiboten nicht etwa erst von der Postverwaltung 
eingeführt sind (zur Fortschaffuug schwerer Ladung oder Sicherung hoher 
Wertbeträge), sondern schon im 14. Jahrhundert in Cöln erwähnt werden. 
Neben der Eintragung: (1381) Petro nuncio misso ad moneudum juratos 
Montenses ex defectu 1 m — steht am Rande der Zusatz „bibode". 



— 105 — 

Boten lieber zu beseitigen. Jedenfalls kann man mit dein Worte 
„Zunft" gar nicht vorsichtig genug sein. 

Da in den Rahmen dieser Arbeit eine Erörterung der an sich 
recht interessanten Quellen des 16. Jahrhunderts nicht hinein- 
passt, bescliräuke ich mich darauf, die Frage zu erörtern, ob 
bereits im 14. Jahrhundert selbständige Boten Reisen ausführten. 

Die Lösung dieser Frage stösst auf grosse Schwierigkeiten, 
weil die Stadtrechnungen des Mittelalters in einer sehr grossen 
Zahl von Fällen und leider übereinstimmend in verschiedenen 
Städten sich mit den Worten „cuidam nuncio" oder ähnlich 
begnügt haben. Boten von Fürsten, Prälaten, Rittern oder 
Städten sind damit zweifellos nicht gemeint, aber was kann ein 
solcher Bote nicht sonst alles sein? Es ist hoffnungslos, darüber 
Untersuchungen anzustellen, denn null mal null bleibt bekannt- 
lich stets null und mit der Phantasie betreibt man keine Archiv- 
studien. Man würde also über diese Boten ganz im Unklaren 
sein, wenn nicht einzelne Ausgabeposten doch eine gewisse Wahr- 
scheinlichkeit gäben, dass im 14. Jahrhundert selbständige Boten 
vorhanden waren. 

Ich habe oben 1 schon erwähnt, dass Andreas Koyan, Lieger 
des Deutschen Ordens in Brügge, einen Boten mit Namen 
Hund auf die Reise nach dem Osten schickte, den ein anderer 
für ihn „gewonnen" hatte (1421). Der Zeitpunkt der Absen- 
dung dieses Boten schliesst noch so eng an das H.Jahrhundert 
an, dass voraussichtlich 25—30 Jahre vorher die Verhältnisse 
ganz ähnlich gelegen haben werden. Im Mittelalter pflegten 
Änderungen überhaupt nicht sprunghaft vor sich zu gehen. Sehen 
wir nun, wieweit im Rheinland Anhaltspunkte vorhanden sind, 
die auf selbständige Boten, wie es Hund war, hindeuten. 

In den Cölner Stadtrechnungen findet man keinerlei Bu- 
chungen dieser Art 2 , die genau genug wären, um Schlüsse 



') Seite 89. 

*) 1375 kommt zwar der Ausdruck Botenbrot vor. de» Veredarius 
(a. a. 0. S. C7) davon herleitet, dass im Mittelalter der Lobn für die Reisen 
privater, selbständiger Boten ursprünglich in Naturalien gewährt worden sei. 
(Knipping, II, S. 188 — 1375 — Malart nuncio pro bodenbroit, quod 
catrum fuit devictum 5 m.) Ich kann mich dieser Ansicht nicht anschliesscn. 
Pro bodenbroidt bedeutet wahrscheinlich nichts anderes wie pro expensis, 
also Zehrgeld. Ähnlich au einer anderen Stelle der Cölner Rechnungen 
(Knipping, II, S. 232): 137G — nuncio ducis Juliaceusis 15 m 3 s, qui 



— 106 — 

daraus zu ziehen. Wohl aber enthalten die Aachener Rechnungen 
solche Ausgabeposten : 

1. 1385 — Coliin Beyssel van boedenbrief dat Goeskyns 
wiif doyt was (Weinspende). 

2. 1885 — eym boede van Brabant, heist Schoin weder 8 s. 

3. 1391 — Werner der boede van heren Kirstioins wegen 
gesant zo Coelne an den officioil 28 ß (ebenso 1394 — Geirrart 
der boide nach Neuss 2 l j 2 m) '. 

Zu 1. Die Sendung ist anscheinend durch einen Boten an 
Beyssel überbracht und von diesem dem Aachener Rat über- 
geben worden. Die Vermutung liegt nahe, dass der Überbringer 
ein selbständiger Bote gewesen ist, besonders da sonstige nähere 
Angaben fehlen. 

Zu 2. In den Aachener Stadtrechnungen werden die Namen 
fremder Boten sehr selten genannt 2 . Wo es aber geschieht, 
fehlt niemals ein Zusatz, aus dem die Person ihrer Herren 
hervorgeht. Nur bei Schoinweder (Schön Wetter) wird eine 
Ausnahme gemacht. Diese Unterlassung ist entschieden auf- 
fallend; man wird daraus, wenn auch nicht mit Sicherheit, 
schliessen können, dass der Auftraggeber des Schoinweder keine 
Person von Bedeutung war und dass der Bote daher wahrschein- 
lich selbständig gewesen ist. 

Zu 3. Sowohl der Bote Werner, als auch Gerhard, sind 
keine regelmässige Boten des Aachener Rats. Sie werden beide 
in den Stadtrechnungen nur einmal erwähnt. Der Zusatz „der 
boede", der selbst den städtischen Aushilfsboten nur ausnahms- 
weise zugelegt wurde, zeigt aber, dass sie berufsmässig sich 
mit der Briefbeförderung befassten. Man könnte vielleicht, da 
in den Cölner Stadtrechnungen von 1370 und 1380 ein Bote 
Werner erwähnt wird, einwenden, Werner sei ein Cölner Rats- 
bote gewesen, der nach Hause zurückkehrte. Hiergegen spricht 
erstens die ganze Form der Buchung, ferner die Vergütung von 
28 ß, die in diesem Falle nur Botenlohn, nicht eine Entschädi- 
gung für die Wartezeit sein kann. Ich werde bei Besprechung 

fucrunt sibi reccpti extra porani; pera bedeutet eigentlich Ranzen, Beutel. 
Extra peram wird aber einfach Trinkgeld — Entschädigung nicht für die 
Auslagen auf der Reise, sondern Geschenk an den Boten — heissen sollen. 

') Laurent a. a. 0. 323,:;; 328, i ; 377, n (Stadtrechnungen von 1394; 
4. Monat). 

s ) Mathias, Bote des Kaisers. — Elegast, Bote des Herrn v. Valkenburg. 



— 107 — 

der Botenlöhne noch erörtern, dass die Kosten für die Rück- 
reise eines städtischen Boten, auch derjenigen der Fürsten, 
Herren u. s. w., von dem ursprünglichen Auftraggeber getragen 
wurden, auch wenn der Bote die Antwort mit zurückbrachte. 
Die Summe "von 28 ß könnte also, wenn mau alle Möglichkeiten 
in betracht ziehen will, im übrigen nur noch Trinkgeld sein, 
wie es den Boten angesehener Personen gezahlt wurde. Auch 
diese Annahme ist aber ausgeschlossen, w T eil derartige Ver- 
gütungen bei der Ankunft und nicht bei der Abreise gezahlt 
wurden und alsdann der Name des Herrn, in dessen Dienst der 
Bote stand, unzweifelhaft erwähnt worden wäre. 

Ich glaube aus diesen vorstehend angeführten Gründen be- 
jahen zu können, dass im 14. Jahrhundert in Aachen bereits 
selbständige Boten für eigene Gefahr gereist sind. Einen posi- 
tiven Beweis habe ich indessen infolge der knappen Buchungen 
in den Stadtrechnungen nicht führen können. Die Frage kann 
deshalb nicht als endgiltig gelöst angesehen werden, und ich 
verhehle mir keineswegs, dass meine Ausführungen, wie jeder 
Indizienbeweis, im Wiederaufnahmeverfahren auf Grund neuer 
Beweismittel umgestossen werden können. Wenn es mir aber 
gelingen sollte, durch diese Arbeit die Anregung zu einer ein- 
gehenderen sachkundigen und kritischen Behandlung dieses wich- 
tigen Abschnitts deutscher Kulturgeschichte zu geben, so würde 
der Zweck dieser Darstellung besser erreicht sein, als wenn 
sie unangefochten bliebe. 



Kleinere Mitteilung. 

Gehörte der Aachener Domprediger 
Johannes Haesius (f 1579) dem Jesuitenorden an? 

Die Frage, ob der Prediger der Aachener Münsterkirche Johann Haesius 
ein Jesuit war, hängt mit der zweiten und wichtigeren aufs engste zusammen, 
ob er tatsächlich als der erste Jesuit zu betrachten ist, der seinen Wohnsitz 
dauernd in Aachen nahm. Der Aufenthalt des Paters Peter Faber im Januar 
1544 ist bekanntlich nur als eine Reiserast anzusehen 1 . Der erste, soweit 
ich sehe, der den Johannes Haesius, welcher zur Auf rechthaltung der katho- 
lischen Lehre von Löwen nach Aachen berufen wurde und im Münster predigte, 

') Rheinische Akten zur Geschichte des Jesuitenordens 1642—1582, bearbeitet von 
Joseph Hansen (Bonn 1896) S. 16. 



— 108 — 

aber uacb kurzer Zeit von der herrschenden Seuche weggerafft wurde, als 
Jesuiten bezeichnete, ist Haagen ', und seinem Vorgange sind andere, die sich 
mit der Aachener Reformationsgeschichte beschäftigten, gefolgt. 

Diese traditionelle Annahme schien mir eine besondere Stütze zu be- 
kommen, als ich in Hansens Rheinischen Akten zur Geschichte des Jesuiten- 
ordens einen Jesuitenpater Johannes Hasius antraf, der nach dem dort mit- 
geteilten Quellenmaterial im Jahre 1560 am Cölner Gymnasium die Poetik-, 
im folgenden die Rhetorikklasse besucht hatte und im Jahre 1562 in den 
Orden eingetreten war. Von ihm wird dort weiter berichtet, dass er im 
Jahre 1565 bereits Magister war und vom 25. März 1572 bis 13. März 1573 
als Dekan der Artistenfacultät au der Cölner Universität fungierte. Was 
besonders noch für die Identität des Cölner Hasius und des Aachener Haesius 
sprechen würde, ist das Lob, das jenem schon auf der Poetikklasse wegen 
seiner ReJefähigkeit gespendet wird: Joannes Hasius vir magne autoritatis 
et concionator bonus erit, und im Jahre 1562 urteilt sein Vorgesetzter: 
Joannes Hasius bonus concionator futurus, medioeris philosophus et orator, 
gratiam habet conversandi, videtur etiam bonus rector suo tempore. Da 
ferner der Aachener Domprediger Haesius Licentiat der Theologie war, so 
fällt auch sehr für die Annahme der Übereinstimmung eine Stelle eines Briefes 
ins Gewicht, den Leonhard Kessel aus Cöln am 30. September 1573 an den 
General Eberhard Mercurian richtete: nostri non (possunt) hie gratis promoveri 
in aliqua facultate, quare factum est, ut superiori anno p. Arnoldus Treveris 
reeeperit graduin doctoratus et nunc Maguntia in licentiam promotus sit 
p. Johannes Hasius. Das ist die chronologisch letzte Nachricht, welche die 
bis 1582 reichenden Rheinischen Akten über den Cölner Hasius bringen. Er 
könnte sehr wohl nach 1573 nach Löwen geschickt und später von da nach 
Aachen berufen worden sein. 

Es hält schwer, nach vorstehenden Ausführungen an eine Überein- 
stimmung der Personen nicht zu glauben. Und doch wird die Übereinstimmung 
schon dadurch zweifelhaft, dass der bekannte Jesuitenrektor du Chateau, 
dessen handschriftlich in Berlin und Cöln erhaltene Historia diplomatica 
collegii Aquensis von Pick, Scheins u. a. wiederholt citiert und benutzt 
worden ist, zum Jahre 1615 die Sendung des P. Joannes Hasius nach Trier, 
zur Bestimmung der Wähler eines neuen Generals, erwähnt: Meuse Majo 1615 
habita est denuo congregatio, sed non Moguntiae, verum Treviris et quidem 
ad creandos electores Romain ad clectionem novi generalis mittendos. Missi 
sunt cum P. Provinciali P. Joannes Hasius et P. Petrus Aldenhoven. Dieser 
P. Hasius kann nicht der Domprediger Haesius gewesen sein, weil dieser 
bereits 1579 starb, wohl aber der Cölner Jesuitenpater gleichen Namens und 
Vornamens, dessen Leben wir aus den von Hansen bearbeiteten Rheinischen 
Akten kennen lernten; er wäre, wenn wir das Alter eines Poetikschülers 
auf 15 Jahre schätzen (siehe oben!), im Jahre 1615 ungefähr 70 Jahre alt 



\ Hiingon, Geschichte Achens (1874) II, S. 162. 



— 109 — 

gewesen. Jedenfalls fällt das Zwingende der obigen Beweisführung fort. 
Dazu kommt, dass du Chateau in seiner Historia wohl die Berufung eines 
gewissen Licentiaten der Theologie Heisius (!) auf die Domkanzel erwähnt, 
aber ihn nicht als Jesuiten bezeichnet, vielmehr den kurz nach des Haesius 
Tod nach Aaehen berufenen P. Macherentinus und Genossen die ersten stän- 
digen Jesuitenmissionare nennt 1 . 

Schliesslich wird in den im Aachener Stadtarchiv beruhendeu Seud- 
gerichtsprotokolleu, die bezeugen, dass „her Joannes Hesius sacre tbcologie 
licentiatus neenon archipresbitcr et parochianus ac vicarius regius et con- 
cionator in unser leber frauwen kirch", der nach der Resignation des Conrad 
van Holtrop vom Herzog von Jülich ratione iuris patronatus das Amt des 
Archipresbytcrs erhalten habe und als Parochian am G. Februar 1579 vom 
Sendgericht in der St. Foillanskirche „mit gewonlichen dartzo habenden 
gemeinen sent scheffen aidt beladen und uffgenomen" sei, am 17. März d. J. 
an der Pest starb, trotz der Häufung der Titulaturen die Zugehörigkeit 
zum Jesuitenorden nicht erwähnt. 

Es erhebt sich nun die Frage, wie Haagen dazu gekommen sein mag, 
den Domprediger Haesius einen Jesuiten zu nennen. Die von ihm in Paren- 
these gemachte Bemerkung: „So sagt Bceck zu unserer Überraschung" 
(in betreff der Predigt 8 nämlich in der Münsterkirche) lässt auf diesen als die 
Quelle dessen, was Haagcu über den Haesius zu erzählen weiss, schliessen. 
Diese Vermutung wird vollauf bestätigt durch einen Vergleich der bei ä Beeck 
S. 227 3 sich findenden Stelle, die mit den Worten: Patres Societatis Jesu 
in hanc eivitatem hac occasione accersiti beginnt. Es wird uns klar, dass 



') Eminebat tunc temporis in clero vir nobilis usuque rerum ac prudentia prae- 
stans Franoiscns Vossius, Marianae Basilicao jam decanus; ille ipse, qui anno 1578, cum 
adhuc esset simplex canonicus, cum suis conoapitulavibus effecerat, ut quidam S. Tlico- 
logiae licentiatus D. Heisius Lovanio evocaretur, qui, cum se canonicis in templo parv- 
chiali D. Foilani primis concionibus probasset, admissus fuerat ad novam cathedram in 
templo B. Mariae Virginia dicto anno 1578 ereetam; quam cum peste uffitttus »o» »ist tribits 
quutuorve mensibus conscendisset, alte latus reverendus D. Franciscus Voss obeso licet 
et impedito corpore, quo erat lervore et dicendi libertate, concionatoris partes flliquamdin 
praeclare stistinuit. Sed cum non multo post nobilis dominus Uobertus a Wacbtendunck, 
ejusdem regalis ecclesiae decanus, obiisset, ei suftectus est praefatus D. Voss, qui etiam 
in praelatura aliquantisper concionari perroxit; sed cum ea res nequo cum occupntio- 
i] ll.us crcbris sui officii conveniret neque satis diuturna ac stabilis fore videretur, 
coeptum est agi de concionatorc e societate nostra advocando. Mittunt itaque capitularos 
ad reverendum P. Franciscum Costerum, qui tunc provinciae Rheni praepositus erat . . . 
Placuit patribus oceasionem non praetermittere. Defertur baec prima missio patri Joanni 
Macherentino . . . Und etwas weiter drückt sich du Chateau noch genauer aus: Quam vis 
R. P. Petrus Faber prima societatis nostrae huc advocandae semina jeeerit, dum navi- 
gatione in Lusitaniam in aliud tempus dilata snb annum Christi 1514, a confirmata 
societate quintum, cum duobus soeiis Aemiliano Lojola et Lamberto Castrio sivo du 
Chasteau Leodiensi s. t. baccalaureo ad XI Calendas Februarii Lovanio Aquisgranum 
suis concionibus ita eivitatem rapuit, ut ex primariis plures ad eum Coloniam se ven- 
turos appromiserint, tarnen P. Macherentinus cum socio primwn stationem habiierunt ; 
adeoque primi rectitis e societate Aquisr/ranensi jxitres nominandi veniunt. 

2 ) Auch hier scheint eine falsche Auffassung Haagens vorzuliegen. Anders t'asst 
Kantzelor in seiner Übersetzung des a Beeck, ö. 810, dio Stelle auf. 

») Diese Seitonzahl findet sich in dem Drucke (1620) zweimal. 



— 110 — 

Hangen sie bei flüchtigem Lesen missverstehen konnte, weil im Anschluss 
an die oben angeführten Eingangsworte die Ausbreitung der Häresie in Aachen 
und die Berufung des frommen und gelehrten Liccntiaten Johannes Haesius 
geschildert wird. Trotzdem nennt ä Beeck weder den Haesius ausdrücklich 
einen Jesuiten, noch will er ihn als solchen aufgefasst wissen. Denn nach- 
dem er ähnlich wie duChateau und doch nicht in der Art, dass er als Quelle 
du Chateaus gelten könnte, den Tod des Haesius und die zeitweilige Ver- 
waltung der Domprcdigerstelle durch den Dechauten F. Voss erzählt hat, 
leitet er mit den Worten cogitatum est de evocandis e Societate Jesu sacer- 
dotibus seine Nachrichten über den Pater Machcreutinus und Genossen ein. 

Fassen wir das Gesagte in folgenden zwei Punkten kurz zusammen: 
1. Die Aachener Quellen bezeichnen den Uompredigcr Johannes Haesius nicht 
als Jesuiten. 2. Trotz der geradezu auffallenden Ähnlichkeit zwischen dem 
Kölner Jesuitenpater Johannes Hasius und dem Aachener Domprediger Johannes 
Haesius kann eine Identität beider Personen nicht behauptet werden. 

Aachen. Alfons Fritz. 



Literatur. 

P>citräge zur Geschichte Eschweilers und seines höheren Schulwesens. 
Festschrift zur Feier der Anerkennung des Gymnasiums Ostern 1905. (Esch- 
weiter 1905. Druck von Joseph Dostall. IV und 120 S. 8° nebst einer 
archäologischen Übersichtskarte von Eschweiler und Umgebung.) 

Aus Anlass der Ostern 1905 veranstalteten Feier der Anerkennung 
des Gymnasiums zu Eschweiler hat das Lehrerkollegium der Anstalt auf 
Anregung seines Direktors, Herrn Dr. Franz Cramer, eine stattliche und 
schön ausgestattete Festschrift verfasst, betitelt: „Beiträge zur Geschichte 
Kschweilers und seines höheren Schulwesens." Wie in dem Vorwort aus- 
geführt wird, sind für die Anordnung des Stoffes äussere Rücksichten mass- 
gebend gewesen. So konnte die Zusammenstellung der Angaben über die- 
jenigen Schüler, die nach erfolgreichem Besuche der Ober- bezw. Unter- 
sekunda die Anstalt verlassen haben, sowie über die ersten Abiturienten 
des Gymnasiums nicht direkt an den Aufsatz über die Geschichte des Gym- 
nasiums angeschlossen werden, sondern sie musstc ihre Stelle am Ende der 
Schrift erhalten, um möglichst viel Zeit zur Einziehung weiterer Erkundigungen 
zu gewinnen. In dem ersten Teile der Schrift: „Zur Geschichte des Gym- 
nasiums" von F. Cramer bietet der Verfasser, der bereits in der Beilage 
zum Jahresbericht über das Schuljahr 1902/3 in einem „Rückblick auf die 
Geschichte der Anstalt" im allgemeinen den Entwicklungsgang des Gym- 
nasiums geschildert hatte, unter sorgfältiger Benutzung der vorhandenen 
Quellen nun eine sehr ausführliche, die wichtigsten Einzelheiten eingehend 
charakterisierende Bearbeitung der äusseren und inneren Entwicklung des- 



— 111 — 

selben. Er erzählt anschaulich, wie im Jahre 1848 hauptsächlich infolge der 
ausdauernden Bemühungen des damaligen Pfarrers, späteren Dechanten 
Deckers, des bekannten Verfassers der Schrift über den Cölncr Kurfürsten 
Hermann von Wied, nach Überwindung mannigfacher Schwierigkeiten aus 
privaten Mitteln eine höhere llektoratsschulc gegründet wurde, die erst im 
Jahre 1853 als öffentliche Gemcindeanstalt übernommen und anerkannt wurde, 
und diese sich im Laufe der Jahre zu einem Progymnasium (1879) erweiterte 
und endlich (1905) zu einem Vollgymnasium ausgestaltet wurde. Dieser 
Arbeit ist in einem Anhange eine „Statistische Übersicht über die Ent- 
wicklung der Anstalt seit dem Schuljahre 1858 — 59" beigegeben, die uns 
sowohl über die Anzahl der Klassen und Lehrer in den Gymnasial- und 
Realabteilungen als auch über die Höhe der Besuchsziffer und die Religions- 
und Heimatsverhältnisse der Schüler in dem langen Zeiträume von 47 Jahren 
manchen interessanten Aufschluss gibt. 

Grösseres Interesse bietet für Geschichtsfreunde die nun folgende Arbeit 
desselben Verfassers: „Aus der Urzeit Eschweilers und seiner Umgebung. 
Ein Beitrag zur rheinischen Siedlungsgeschichte". Er. Gramer ist längst 
als ein eifriger Forscher und tüchtiger Kenner auf dem Gebiete der ältesten 
rheinischen Geschichte in weiteren Kreisen bekannt. Wer seine früheren 
Veröffentlichungen über „niederrheinische Ortsnamen" in den Beiträgen zur 
Geschichte des Niederrheins (Düsseldorf 1895) und sein Buch: „Rheinische 
Ortsnamen aus vorrömischcr und römischer Zeit" (Düsseldorf 1900) gelesen, 
erkennt leicht, dass für die Bearbeitung der Urgeschichte Eschweilers der 
neue Gymnasialdirektor der geeignete Mann war. Auch in der vorliegenden 
Arbeit gibt Gramer wiederum mancherlei Deutungsversuche von Ortsnamen, 
Bachuamen und Flurbezeichnungen. Mit grösster Genauigkeit geht er 
den in den letzten Jahrzehnten gemachten Ausgrabungen nach, um zum 
Schlüsse eine ziemlich umfangreiche Übersicht der bis Mitte Dezember 1904 
gefundenen römischen Spuren in Eschweiler und seiner Umgegend zu geben. 
In der der Festschrift beigefügten archäologischen Übersichtskarte sind die 
festgestellten römischen bezw. vordeutschen Strassen und Wege, römischen 
Ansiediungen, Wachtposten und Gräber durch farbige Linien und Zeichen 
in klarer und anschaulicher Weise verzeichnet. Wenn Gramer am Schlüsse 
dieses Aufsatzes der sichern Hoffnung auf weitere reiche Ausbeute römischer 
Funde im Eschweiler Gebiete Ausdruck verleiht, so hat sich seine Zuversicht 
nicht als trügerisch erwiesen, wie aus seinem kürzlich im Eschweiler Anzeiger 
(31. Mai 1905, Nr. 43) veröffentlichten Aufsatze: „Ausgrabung eines römischen 
Wohnhauses in Eschweiler-Bergrath" erhellt. — Die Zeit der Fremd- 
herrschaft behandelt M. Scheller in dem dritten Aufsatze: „Eschweiler in 
der französischen Zeit", in welchem er an der Hand eines ihm von Herrn 
Archivar R. Pick überlassenen Tagebuches des Eschweiler Hutmachers Kropp 
aus der Zeit von 1792 bis 1807 die geschichtlichen Zustände der Stadt vom 
Jahre 1792 bis 1799 iu sorgfältiger Schilderung der wichtigsten Begeben- 
heiten, wie Festlichkeiten (Schul- und Volksfeste, Errichtung der Freiheits- 



— 112 — 

bäume, Jahreswechsel, Ackerfeste, Gedenktag der Erstürmung der Bastille), 
Einquartierungen und Durchmärsche der Franzosen oder der Verbündeten, 
des mannigfachen Wechsels in den Verwaltungsämtern und der vielen Un- 
annehmlichkeiten und Drangsale der Zeitverhältnisse (Seuchen, Verbrechen 
aller Art, Notlage der Bürger), behandelt. Einen zweiten Teil seiner 
Ausführungen, der die Darstellung der wirtschaftlichen Lage und der Ver- 
hältnisse unter dem ersten Konsul und Kaiser Napoleon umfassen soll, stellt 
der Verfasser für spätere Zeit in Aussicht. — Die umfangreichste Arbeit 
bietet alsdann C. Schuß" mit einem kulturgeschichtlich wertvollen Aufsatze 
„Die geschichtliche Entwicklung des Eschwciler Kohlbergs bis zur fran- 
zösischen Herrschaft. Ein Beitrag zur Geschichte des Steinkohlenbergbaues 
an der Inde." Die einzelnen Abschnitte derselben lauten: 1. Lage des Esch- 
weiler Steinkohlengebirges und Alter des Bergbaues, 2. Regalherr; Ver- 
pfändungen; fiskalischer Betrieb, 3. Belohnungen, 4. Verpachtungen, 5. Berg- 
werksordnungen, 6. Kohlenlieferungen, 7. Beamte und als Beilage: Kohl- 
bergsordnung des Herzogs Wilhelm vom Jahre 1571. In dieser nach prak- 
tischen Gesichtspunkten geordneten Reihenfolge gibt der Verfasser eine 
überaus fleissige, nach den gegebenen Quellen sachlich gehaltene Darstellung 
der geschichtlichen Entwicklung des Steinkohlenbergbaus im Indegebiet, oine 
Übersicht über die verschiedenen Formen des Besitzes und in grossen Zügen 
eine Untersuchung über die Art und die Ordnung des Betriebes. 

Den Schluss der Festschrift bildet die von den Mitgliedern des Gym- 
nasialkollegiums Wohlhage, Müller und Caspar zusammengestellten Verzeich- 
nisse der 15 ersten Abiturienten des Gymnasiums, sowie der 384 früheren 
Abiturienten des Progymnasiums aus der Zeit von Ostern 1879 bis Ostern 
1901, unter denen sich auch eine grosse Anzahl von jungen Leuten befindet, 
die teils in Aachen geboren sind, teils daselbst eine Lebensstellung gefunden 
haben. Bei den mannigfachen Beziehungen zwischen Eschwciler und Aachen 
wird auch der Aachener den interessanten Aufsätzen der Eschweiler Fest- 
schrift manche Belehrung und Auregung entnehmen können, weshalb wir 
sie in unserer Zeitschrift eingehender besprochen haben und sie den Aachener 
Ueschicbtsfreunden auch zu eifrigem Studium angelegentlichst empfehlen. 

Aachen H. Savelsberg. 



Verlag der Cremer'achen Buchhandlung (O. Cazin) in Aachen. 

Druck von Heumann Kaatzkr in Aachen. 




Äachei 





■lOi 



Mitteilungen 
„Aachens 




des Vereins 
Vorzeit". 



Im Auftrage des wissenschaftlichen Ausschusses 
herausgegeben von Heinrich Schnock. 



Nr. 8/13. 



Achtzehnter Jahrgang. 



1905. 



Inhalt: Alfred Karll, Aachener Verkehrswesen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. 
(.Schluss.) — Literatur. — Bericht über die Monatsversammlungen und Sommerausflüge. 

Bericht über das Vereinsjahr 1904/05. 



Aachener Verkehrswesen 
bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. 

Von Alfred Karll. (Schluss.) 

Stadtboten. 

I. Allgemeines. 

Auf dem Gebiet der mittelalterlichen Kulturgeschichte sind 
Vergleiche mit den Verhältnissen verschiedener Gegenden schon 
bei Gegenständen, wie der Strafjustiz, der Armenpflege, dem 
Feuerlöschwesen unbedingt notwendig, wenn man zu einiger- 
massen brauchbaren Ergebnissen kommen will 1 . Noch viel 
mehr gilt dies für den Bereich des Verkehrswesens; denn die 
Vermittler des Verkehrs berührten fremde Orte in den ver- 
schiedensten Gegenden, übten auch dort ihre Tätigkeit aus 
und gewannen neue Eindrücke, von denen sie gewiss manche 
zu Haus erörtert haben werden. Wir sehen, dass auch die Rats- 
herren und Kaufleute häufig damals reisten, weil es Sitte war, 
die Handelsgeschäfte an Ort und Stelle zu erledigen und auch 
manche diplomatische Angelegenheit mündlich zu erörtern, die 
später im Wege des Briefwechsels geregelt wurde. Mit der Ein- 
führung der Posten hat diese Unmittelbarkeit des Verkehrs 



') Vgl. Kricgk, Deutsches Bürgertum im Mittelalter. 

a. Main 1868. 



Frankfurt 



— 114 



erheblich nachlassen müssen ; denn die Boten reisten nicht mehr 
bis zum Bestimmungsort. 

Ob die ausserordentliche Übereinstimmung- der Sitten, Ge- 
bräuche und Einrichtungen in den mittelalterlichen Städten auf 
diese Verhältnisse zurückzuführen ist. wage ich nicht zu ent- 
scheiden; möglich wäre es immerhin. Jedenfalls steht aber fest, 
dass eine Behandlung der Geschichte des Verkehrswesens im 
Mittelalter selbst für einzelne Städte auf Grund örtlicher Quellen 
nur ganz lückenhafte und daher ziemlich wertlose Ergebnisse 
erzielen kann, und dass es deshalb dringend geboten ist, 

durch ausgiebige Benutzung 
auswärtiger Quellen die ört- 
lichen Zustände im Zusam- 
menhang mit der Entwicke- 
lung des gesamten wirtschaft- 
lichen Lebens darzustellen. 

Überhaupt ist die Ge- 
schichte des Verkehrswesens 
selbst in einzelnen Ausschnit- 
ten nicht so leicht zu schrei- 
ben, wie mancher Verfasser 
postalischer Literatur ge- 
glaubt hat. Auf keinem Ge- 
biet ist eine gründliche Kritik 







Abbildung eines Briefboten, der von 

einem unter dem Thronhimmel sitzenden 

Fürsten einen Brief erhält. 

Faksimile eines Blattes aus der Handschrift 

Judas Machahaeus, Roman de Chevalerie. 
XIV. Jahrhundert. Küpferstichkabinet Berlin. 



den Ergebnissen der For- 
schung gegenüber mehr an- 
gebracht, als gerade hier; 
denn wollte man auf der Mehr- 
zahl dieser Werke weiter- 
bauen, man würde ein trauriges Fundament erhalten. Auch Aloys 
Schulte 1 hat aus solchen Quellen geschöpft. Er behauptet z. B., 
die Klöster hätten im Mittelalter „ Botenanstalten " besessen. 
Unter einer „Botenanstalt" kann man nur eine Einrichtung unter 
einheitlicher Leitung mit regelmässigen Boten verstehen. Davon 
ist bei den Klöstern nichts zu entdecken, wenn Quetsch in seinem 
wunderlichen Werke 2 diese Boten auch bis zum heiligen Boni- 



l ) Schulte, Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs 
zwischen Westdeutschland und Italien mit Ausschluss von Venedig. Leipzig 
1900, Bd. I, S. 501/2. 

s ) Geschichte des Verkehrswesens am Mittelrhein. Freiburg im Breis- 
gau 1891. S. 100. Ein Blick in die von Quetsch benutzten Quellen reicht 



— 115 — 



fazius zuriickverfolgt zu haben glaubt. Man kann unmöglich 
von einer „Botenanstalt" reden, wenn dann und wann ein Mönch 
mit Briefen abgesandt wurde oder Briefe nach seinem neuen 
Bestimmungsort mitnahm. 

Auch die übrigen Angaben Schultes sind nicht ganz einwands- 
frei. Er sagt u. a. die Boten der Städte und Körperschaften 
hätten nicht allein Briefe desjenigen mitgenommen, der sie an- 
gestellt hatte, sondern auch die der Bürger, und der gemein- 
nützige Zweck dieser Anstalten träte darin deutlich hervor. 
Nun mit dieser Deutlichkeit ist es, nach den mittelalterlichen 
Quellen zu urteilen, nicht weit her; eine Schwalbe macht noch 
keinen Sommer. Gewiss, die Benutzung der Ratsboten durch 
Private lässt sich nachweisen; aber, dass der gemeinnützige 
Zweck offenkundig aus den Archivalien hervorginge, davon kann 
bisher nur ganz vereinzelt, wie z. B. in Strassburg, die Rede 
sein. Inwieweit dies im 16. Jahrhundert der Fall war, will 
ich dahingestellt sein lassen; die Arbeiten über diese Zeit be- 
haupten manches, was bei genauerer sachkundiger Prüfung nicht 
stichhaltig ist. Im Mittelalter ist die Gemeinnützigkeit der 
Boteneinrichtungen jedenfalls nur mit Mühe zu beweisen. 

Endlich behauptet Schulte, die Besorgung von Privatbriefen 
durch die Boten sei nicht unter Garantie des Herrn erfolgt, 
sondern sei ein Privatabkommen zwischen dem Briefschreiber 
und dem Boten gewesen. Damit stimmt jedoch nicht überein, 
dass in Strassburg die Höhe der Beförderungsgebühren für Privat- 
briefe vom Rat festgesetzt wurde und dass der Hamburger Senat 
sogar derartige Gebühren von den Absendern der Briefe einzog, 
und zwar noch im 16. Jahrhundert 1 . Die Schulteschen Angaben 
bedürfen deshalb einer Einschränkung, solange nicht eine grössere 
Zahl authenischer Unterlagen vorhanden ist. 

Wollte ich mich hier eingehend mit den Ergebnissen der 



aus, um zu sehen, dass es dem Verfasser genügt, den Inhalt der Urkunden 
zu „erraten"; leider aber falsch. Im übrigen über die Beschaffenheit dieses 
Buches vgl. Boos, Geschichte der rheinischen Städtekultur von den An- 
fängen bis zur Gegenwart mit besonderer Berücksichtigung von Worms 
Berlin 1899, Teil III, S. 460. 

') Hamburger Stadtrechnuugen 1549: 1 m 11 li collata ad mercedem 
Andree Stoessel missi per alios in Lubccam. Die Angaben aus den Ham- 
burger Rechnungen bis zum Jahre 15G3 sind der Koppiuannschcn Publikation, 
die von 1564 ab bis 1620 den Originalrechuungen im Hamburger Staatsarchiv 
entnommen. 



— 116 - 

Literatur des Verkehrswesens befassen, so würde ich, statt 
etwas Positives zu bringen, den Rest meiner Arbeit in einer 
Kritik erschöpfen, die zwar nicht ganz nutzlos wäre, aber doch 
in keinem Verhältnis zu dem Aufwand an Zeit und Papier stände. 
Ich ziehe es deshalb vor, den kurzen Überblick, den ich hier 
geben muss, um die Entwicklung der städtischen Beförderungs- 
einrichtungen im Mittelalter zu skizzieren, auf Grund der mir 
zugänglichen Quellen selbst aufzustellen. Diese Angaben bedürfen 
durchaus der Ergänzung durch Einzelstudien auf Grund archi- 
valischer Unterlagen; denn die Geschichte des Verkehrswesens 
im Mittelalter bleibt so lange ein frommer Wunsch, bis die noch 
unberührten Schätze in einer grösseren Zahl von alten Kultur- 
städten für diesen wichtigen Abschnitt deutschen Kulturlebens 
von sachkundiger Hand gehoben worden sind. 

Die Entstehung des Städtebotenwesens ist noch in Dunkel 
gehüllt. Die ersten zuverlässigen Nachrichten, die beweisen, 
dass in deutschen Städten regelmässig bestimmte Personen im 
Briefbeförderungsdienst verwendet wurden, rührten bisher aus 
der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts her, und zwar waren 
nur aus einzelnen Städten, wie Cöln, Frankfurt a. Main, Breslau, 
Nordhausen solche Angaben bekannt. Tatsächlich sind solche 
Stadtboten schon in weit älterer Zeit vorhanden gewesen und 
im 14. Jahrhundert jedenfalls in einer grossen Reihe von Städten. 
Es ist auch kaum anzunehmen, dass erst das 14. Jahrhundert 
derartige Einrichtungen geschaffen hat; denn die Stadtrechnungen, 
welche mit geringen, für den vorliegenden Zweck bedeutungs- 
losen Ausnahmen erst aus dieser Zeit herrühren, beweisen, dass 
in der Mitte dieses Jahrhunderts völlig ausgebildete Botenein- 
richtungen bestanden. Da ferner in Hamburg, wie ich sogleich 
nachweisen werde, bereits 1258 ein städtischer Läufer beschäf- 
tigt wurde, so liegt kein Grund vor, zu bezweifeln, dass auch 
in anderen Städten die Beförderungseinrichtungen schon soweit 
vorgeschritten waren. Die urkundlichen Quellen erwähnen, so- 
weit sie mir zugänglich waren, folgende Städte, die regelmässige 
Boten besassen: 

1. Hamburg — 1258: In dem Hamburger Stadterbebuch 
(Liber actorum coram consulibus in resignatione hereditatum de 
anno 1248) heisst es 1258: 

Nos consules resignavimus Borchardo, nuncio nostro, aream, 
quam habuit Gerricus carnifex, in perpetuum, tali interposita 



— 117 — 

condicione, quod annuatim solvat de ipsa area tres raarcas dena- 
riorum; si autem ipsam predictain domum vendere contigerir, 
nobis consulibus primo exibebit. Die Stadt hatte also einen 
Läufer mit Namen Borchard in ihren Diensten. Borchard wird 
an anderer Stelle als „servus consulum" bezeichnet. Diese Be- 
nennung ist nicht auffallend, sie kommt ähnlich bei den Läufern 
der Städte Lüneburg und Lübeck in den Hamburger Stadt- 
rechnungen vor. 

Dem Läufer wurde ein Haus gegen eine jährliche Rente 
dauernd überlassen, der Stadt aber ein Vorkaufsrecht vorbehalten. 
Danach bezieht sich der Posten offenbar auf einen Verkauf, nicht 
auf die Überlassung einer Dienstwohnung an den Boten. Die 
Eintragung ist übrigens durchstrichen, möglicherweise, weil Bor- 
chard inzwischen eine Erbschaft gemacht hatte 1 . 

In den Hamburger Stadtrechnungen, die mit dem Jahre 1350 
beginnen, beziehen die Läufer festes Gehalt. 

2. Lübeck — 1350: Die vorerwähnten Rechnungen nennen 
von 1350 ab städtische Läufer der Stadt Lübeck 2 . 

3. Lüneburg — 1373 3 . 

4. Breslau — 1301 4 . 

5. Strassburg (Elsass) — 1333 5 . 

6. Cöln — 1353: Ein städtischer Bote aus Cöln wird zuerst 
in der Aachener Stadtrechnung dieses Jahres erwähnt: Jo. Trip- 
trap misso Coloniam ad Constantinum, quando . . nuncius civi- 
tatis Coloniensis reversus erat de Olmen (Ulm), ad pereipiendum 
de domino . . . rege 18 ß G . Ein anderer Diener der Stadt Cöln 
reiste 1346 für den Aachener Läufer Stergin von Cöln nach 



') 12*52: Itein Borghardus coram consulibus fecit arbitrium, quo ipse 
tenebit vorscluse in uno latere ante hcreditatein suam, quod neminem impe- 
diat, sine expensa civitatis. — 1265: Dominus Lodcwicus tenetur Borcbardo, 
servo consulum, XL et VI marcis, pro quibus posuit ei hereditatem suam in 
twigetha, iuxta Heinricuin, qui dicitur ledege, quos solvet Feliciani. 

2 ) Hamburger Stadtrechnungen 1350: Item nuncio dominorum Lubi- 
censium 4 ß. 

3 ) A. a. 0. 1373: 3 ß nuncio dominorum consulum Luneborgensium. 

4 ) Breslaucr Stadtrecbnuugcn 1301 : vigil'bus et nuncio civitatis -8 m. 

6 ) Aachener Stadtrechnuugen 1333 (Laurent, Aachener Stadtrech- 
nungen aus dem XIV. Jahrhundert, S. 406, im): Der stede bode von Strais- 
burg 2 ß gross. 

6 ) Laurent a. a. 0. S. 230, io. 



— iis — 

Aachen: famulo . . officialis Coloniensis misso per eam huc illo 
tempore 1 aur. flor. ' Im Jahre 1370, mit dem die CölnerStadt- 
rechnungen beginnen, waren in Cöln schon 5 regelmässige Boten 
angestellt 2 . 

7. Aachen — 1333 3 . 

8. Mainz — 1376 4 . 

In Wirklichkeit war die Zahl der Städte, die eigene Boten 
besassen, natürlich viel grösser. Die Buchungen in den Stadt- 
rechnungen sind aber zu ungenau, um sichere Schlüsse zu er- 
möglichen. Indessen ist, da die Boten der Fürsten, Bischöfe 
und Ritter fast stets mit der Angabe des Absenders erwähnt 
werden, mit ziemlicher Bestimmtheit anzunehmen, dass die übrigen 
aus Städten von einiger Bedeutung abgesandten Boten tatsäch- 
lich städtische Läufer waren. Denn man kann unmöglich ver- 
muten, dass die Stadtverwaltungen wichtiger Kommunen von 
allen möglichen Personen aus anderen Städten Briefe erhielten, 
aber nicht von dem Rat dieser Orte selbst. Die beste Auskunft 
über diese Boten geben die Hamburger Stadtrechnungen von 
1350 und von 1370— 1387 5 . Ich führe daraus diejenigen Orte 
auf, aus denen Boten nach Hamburg kamen und gebe die Jahres- 
zahl an, wann derartige Boten zuerst genannt werden: 

1. Stade(1350)zahlreicheBoten. 9. Hannover (1371) 8 Boten. 

2. Bremen (1355) desgl. 10. Goslar (1378) 2 Boten. 

3. Wismar (1370) 6 Boten. 11. Amsterdam (1370) 17 Boten. 

4. Hildesheim (1370) 1 Bote. 12. Quedlinburg (1375) 1 Bote. 

5. Kiel (1370) 1 Bote. 13. Kampen Holland (1370) 

6. Braunschweig(1371) 8Boten. 17 Boten. 

7. Magdeburg (1372) 4 Boten. 14. Salzwedel (1370) 8 Boten. 

8. Minden (1373) 2 Boten. 

Bei anderen Orten wie Boizenburg (9), Oldenburg (1), Horne- 
burg (2), Mölln (1), Buxtehude (3), Itzehoe (3), Ülzen (1), 
Winsen (1), Seehausen (1), Lüchow (1), Celle (2), Berlin (1), 

y ) Laurent a. a. 0. S. 183, io. 

a ) Knipping a. a. 0. Bd. II, S. 7: nuueiis 5 cum pixidibus pro festo 
corum 2 in 11 ß. Malart, Clippinch, Wisroch, Martiu und Westfelinch ; 
ausserdem verschiedene Aushilfsboten. 

8 ) Vergleiche die nachfolgenden Ausführungen. 

4 ) Knipping a. a. 0. Bd. II, S.214: nuncio civitatis Maguncie 6 m 4 ß. 

6 ) Aus den übrigen Jahren des H.Jahrhunderts liegen nicht die Original- 
rechnungen vor, sondern nur zum Teil recht kurze Auszüge. 



— 119 — 

Verden (1) scheint es mir höchst zweifelhaft, teilweise sogar 
ausgeschlossen, dass es sich um städtische Boten handelt. 

Dem Unterschiede „de Honovere" und „Honoverensi", der 
sich in den Stadtrechnungen findet, kann keine Bedeutung bei- 
gelegt werden, weil dieser Wechsel im Ausdruck auf persönliche 
Liebhaberei der Kämmerer zurückzuführen sein wird. 

In den Cölner Rechnungen werden Boten von Worms (1371), 
Dortmund (1376), Nürnberg (1377) und Frankfurt a. Main (1380) 
erwähnt, die wahrscheinlich auch Stadtboten waren 1 . 

II. Aachener Botenreisen in den Cölner Stadtrechnungen 

(1370—1380). 

In den Cölner Stadtrechnungen aus den Jahren 1370 — 1380 
wird eine Anzahl von Reisen Cölner Boten nach Aachen und 
Aachener Boten nach Cöln erwähnt, die für die Geschichte 
des Verkehrswesens Aachens von Interesse sind, weil sie ein 
Bild der Verkehrsbeziehungen zwischen beiden Städten für einen 
zehnjährigen ununterbrochenen Zeitraum geben. Allerdings ist 
auch mit diesen Reisen die Zahl der Botengänge zwischen 
Aachen und Cöln noch nicht annähernd wiedergegeben, weil 
einerseits der Briefverkehr des Erzbischofs von Cöln nicht dabei 
mitgezählt ist 2 , andererseits auch Reisen von Cöln über Aachen 
hinaus stattfanden, bei denen Aachen berührt wurde. Bei den 
Botengängen nach Maastricht und Lüttich z. B. lässt sich mit 
einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die Boten auch 



') Knipping a. a. 0. Bd. II, S. 62, 248, 262, 362. Boos (a. a. 0.) erwähnt, 
dass in Worms bereits im Jahre 1268 städtische Boten vorhanden waren. Wenn 
auch tatsächlich in der Mitte des 13. Jahrhunderts in Hamburg schon ein 
städtischer Läufer nachweisbar ist, so scheiut mir die von Boos angeführte Ur- 
kunde (im Urkundcnbuch der Stadt Worms) doch nicht ganz einwandfrei zu sein. 
Es handelt sich darin um Unterschriftszeugen, deren eine grössere Zahl 
zugezogen wurden; am Schluss werden aufgeführt „Godcbertus judex, Morde- 
ranftus judex, Heinricus dictus de Sclzere, Petrus et Friso nuncii civiuni et 
alii quam plures cives Wormacicnses". Da die Urkunde keine Auskunft über 
die Tätigkeit der nuncii gibt, so möchte ich nicht ohne weiteres annehmen, 
dass es sich um Briefboten handelt. Möglich ist es ja, aber ein zuver- 
lässiger Anhaltspunkt fehlt. „Nuncius" kann alles Mögliche damals ge- 
wesen sein. 

2 ) Der Erzbischof residierte damals in Bonn, hatte aber eine Kanzlei 
in Cöln. 



— 120 — 

über Aachen gereist sind; bei denen nach anderen Orten sind 
derartige Vermutungen aber recht unsicher. Ich habe deshalb 
diese Reisen, die übrigens nicht sehr zahlreich sind, hier un- 
berücksichtigt gelassen. Dagegen habe ich die Buchungen der 
Cölner Rechnungen, soweit sie sich auf Reisen zwischen Cöln 
und Aachen, auf Aachener Boten oder auf Botenreisen beziehen, 
die für die hiesige Geschichte von Interesse sind, nachstehend 
aufgeführt. Bei den Reisen Cölner Boten habe ich nur den 
Namen des Läufers und den Botenlohn angegeben 1 ; bei Reisen, 
die u. U. für die Lokalgeschichte von Wert sein können, ist 
das Datum hinzugefügt worden. 

Rechnungsjahr 1370. 

Clippinch 1,6; ex defectu 0,6; [27. 3.] Wisroch ad advocatum 
et Johannem de Busveit et Aquis 2,6; Wisroch misso Aquis et 
pro una lada 1,10; Clippinch 1, ex defectu 0,8; Malart 4,6; 
[12. 6.] Wisroch misso 4 vicibus Aquis, Arwilre 7,6 ; Clippinch 2,4; 
[19. 6.] Wisroch nuncio misso Aquis ad dominos Johannem de 
Efferin et Johannem Gijr 1,6 ; [19, 6.] Wernero misso Aquis et 
Vogelsanc 2,2; Clippinch 0,8; [3. 7.]eidem (Clippinch) misso Aquis 
ad dominum R. de Schone 1,6; Wisroch (2 mal) 3; [24. 7.] Malart 
misso ad ducem Juliacensem, Nydecken et Aquis 2 (vicibus) 
2,8; Wisroch 1 ; [6. 11.] Wisroch misso ad dominum Treverensem, 
ad Virnebur et ad abbatem Promensem et Aquis 6; Wisroch 1,8; 
Marlart 1,8; ex defectu Aquis 1,2 2 = 22 Reisen nach Aachen. 

Rechnungsjahr 1371. 

Werner 2; Clippinch 1,10; Werner 1,6; nuncio misso de 
Aquis 1; [7. 5.] Wisroch misso ad comitem de Marka et ad Aquis 
et ad Engelbertum Zobbe 4; Werner 1,6; Clippinch 2; [13.8.] 



') 1, 2, 3 = 1 in, 2 m, 3 m — 1,2; 2,7 usw. = 1 m 2 ß, 2 in 7 ß 
(Cölner Währung;). Es beginnt: Rechnungsjahr 1370 tun 13. 3. 1370; 1371: 
12. 2. 71; 1372: 25. 2. 72; 1373: 16. 3. 73; 1374: 1. 3. 74; 1375; 21. 3. 75; 
1376:12.3.70; 1377:25.2.77; 1378:17.3.78; 1379:9.3.79; 1380:22.2.80. 

2 ) Es ist nicht ausgeschlossen, dass die nachstehende Eintragung eben- 
falls für die Aachener Verhältnisse von Bedeutung ist: [29. 5. 1370] nuncio 
portanti negocia ex parte domini Goiswini de Tzevel 3 . . . Goisvvin von 
Zevcl war nämlich seit 1369 Landfriedensvogt, und es spricht manches dafür, 
dass der Bote aus Aachen kam. — Kelleter, Die Landfriedensbünde zwischen 
Maas und Rhein im 14. Jahrhundert, S. 48. 



— 121 — 

nuncio misso ad ducera Jul(iacensem) 1 , et Aquis 2; [1. 10.] 
nuncio urbis Aquensis Kaiart nomine ex iussu dominoruin 5; 
1 Bote 2; [26. 11.] Malart misso Aquis et Heimsberg 2,6; ex 
defectu 2.2; 1 Bote 2; [28. 1. 72] nuncio Aquensi ex iussu 
dominoruin 1 = 10 Reisen nach Aachen. 

Rechnungsjahr 1372. 

Wisroch 2; Clippinch (2 mal) 3; Clippinch 1,8; Clippinch 
1,8; 2 Boten 3,8; [23. 6.] Martine misso Aquis ad imperatorem 
2; ex defectu 1,4; Wisroch misso Aquis et alibi 3; [30. 6.] 
Martino nuncio misso Aquis, Wewelkoven etBrule2,8; Wisroch 
und Malart 4; 1 Bote 1,6; [21. 7.]; Wisroch misso Aquis, 
Heimsberg et Confluencie 10; [11. 8.] Wisroch misso ad ducem 
Brabanc(ie), Rintberg et Aquis et ad ducem Jul(iacensem) 10; 
Wisroch Aachen und Caster 2; 1 Bote 2; 1 Bote 1,6; [13.10.] 
Martino misso Aquis ad exercitum et alibi 5; 1 Bote 2; Peter 
1,8 = 21 Reisen nach Aachen. 

Rechnungsjahr 1373. 

[6. 7.] Malart misso Aquis, Sftntze (= Zons) et Juliacum 3,2; 
[27. 7.] Wisroch misso Aquis, Caster et Nussie 4; Malart 1,4 
= 3 Reisen 2 . 

Rechnungsjahr 1374. 

[8. 3.] Petro misso ad ducem Juliacensem et Aquis 2; 
[12. 7.] nuncio Aquensi 0,6; [12. 7.] nuncio Aquensi 0,6; Malart 
2; Clippinch 2; Malart 5 (tempore nocturno); Malardo (ohne 
Bestimmungsort, 2'/ 2 m Aquis durchstrichen) 4,6; [14.2.] Malart 
misso Aquis ad ducem Juliacensem ex defectu 2; Peter 2 = 
6 Reisen. 

Rechnungsjahr 1375. 

Martin 2; Martin 2; Wisroch 2,6; [2. 5.] Malardo misso 
Aquis portanti litteras confederacionis et reportanti 3,4; [2. 5.] 



') Cölu unterstützte insgeheim den Herzog von Julien in seiner Fehde 
mit dem Landfriedensbund, obwohl es selbst zum Bund gehörte. Auf die 
nachdrücklichen Vorstellungen des Herzogs von Brabant wurden jedoch vom 
Rat alle Bürger aus Jülichschcn Diensten abgerufen und die Unterstützung 
durch Lebensmittel und Kriegsmaterial verboten. Knipping a. a. 0. 
Bd. II, S. 53. 

2 ) Ausserdem 63 m 4 ß für wiederholte Reisen nach Trnjectum iuferius 
(Utrecht?), eine Reise zum Herzog von Brabant und nach Flandern 12,4. 
Auffallend wenig Reisen nach Aachen. 



— 122 — 

Wisroch misso Aquis, Heimsberg et Roirmunde ex defectu 3; 
Clippinch 2; Wisroch 1,6; Malart 2; Malart 1,6; nuncio misso 
Aquis ex defectu 1; 1 Bote 1,8; 1 Bote 2; 1 Bote 1,8; [12. 12.] 
Clippinch misso ad ducem Brabancie et alibi Aquis 8 1 ; [12.12.] 
nuncio misso Wisroch Aquis, Hedelberg 8; Peter 1,4; Peter 2; 
1 Bote 2; [6. 2.] Kaiart-' nuncio 5 m, item 7 m 6 s, que per- 
diderunt in pecunia; Peter 2 = 17 Reisen. 

Rechnungsjahr 1376. 

1 Bote 2; Peter 2; Clippinch 2,2; cuidam nuncio Aquensi 
0,8; [13. 8.] nuncio domine de Coldis 3 (Aachen sendet im 
August einen Boten nach Cöln ex parte domini de Koldiitz — 
Kaiserl. Kammermeister und Hauptmaun zu Breslau) = 3 Reisen. 

Rechnungsjahr 1377. 

Clippinch 2; Martin 2; Clippinch 2; Peter 2; [29. 7.] 
Wisroch misso Aquis, Gymenich et Hftnphe (Honnef), ad domi- 
num Treverensem et alibi 10; [2. 9.] Wisroch misso Aquis et 
Alfter 3,1; Wisroch 2,6; Clippinch 1,8; 1 Bote 2; Clippinch 2 
(ex defectu 0,4); [2. 12.] Kaiart nuncio pacis terre 3; Clippinch 
ex defectu 0,6 (die Reise nach Aachen ist in der Rechnung mit 
dem Hauptbetrage nicht verzeichnet); [16. 12.] Wisroch misso 
Bunne, Aquis 5 = 12 Reisen. 

Rechnungsjahr 1378. 

1 Bote 2,2; Peter 1,0 (ex defectu 0,6); Wisroch 2,0; 
[24. IL] Wisroch misso Aquis, Düren, Rade ducis (Herzogen- 
rath) et alibi 3,6; Martin 1,4; ex defectu 1,4; Peter 2,0 ex 
defectu 0,6; 1 Bote 2 = 7 Reisen. 

Rechnungsjahr 1379. 

[9. 3.] Petro nuncio misso Caster, Rode (Herzogenrath), 
Aquis 2; [13. 4.] Wisroch misso Caster, Aquis et Rode 2,6; 

') Am 12. Dezember ladet Cöln die Laudfriedensgeschworenen des 
Herzogs von Brabant zu Verhandlungen nach Cöln ein. Knipping a.a.O. 
Bd. II, S. 207. 

2 ) Aachener Bote (auch nuncius pacis terre genannt); que perdiderunt 
wird nicht anders übersetzt werden können, als „die in Verlust geraten sind". 
Kaiart wird den Betrag also entweder verloren haben oder er wurde ihm 
gestohlen. Da Kaiart aber auch bei anderen Gelegenheiten ähnliche Beträge 
erhielt, scheint mir nicht ganz ausgeschlossen, dass die Angaben mit der 
Kassenführung des Landfriedensbundes zusammenhängen. 



— 123 



[11. 5.] Wisroch misso Aquis, Rode, Caster 2,2; 1 Bote 2 = 
4 Reisen. 

Rechnungsjahr 1380. 

Martin 2,6; Clippinch 2; [4. 4.] nuncio Aquensi 1; [2. 5.] 
nuncio misso Aquis ex parte Johannis de Grijne 2 (Grijne ist 
Cölner); [23. 5.] Clippinch nuncio misso Aquis ad ducem Julia- 
censem 2 ; 1 Bote 2 ; Wisroch 2 ; Clippinch 1 ; Peter 2 ; Wis- 
roch 2; Kaiart nuncio (ohne nähere Angabe) 5; 
1 Bote 1,6; Peter 2 = 11 Reisen. 

Diese Zusammenstellung zeigt, dass von einem 
gleichm'ässigen Briefwechsel zwischen Cöln und 
Aachen keine Rede sein kann. In zwei Jahren 
finden 22 und 21 Reisen nach Aachen statt, in 
anderen Jahren nur 3 und 4. Die Zahl der 
Botengänge, die nach anderen Orten in der 
Richtung über Aachen gingen, war nicht so er 
heblich, dass sie dies Bild wesentlich verschie- 
ben könnten. Damit ist schlagend bewiesen, 
dass die Behauptung, es haben vor dem 15. 
Jahrhundert regelmässige Botenverbindungen 
zwischen den Städten bestanden, nicht einmal 
auf Städte zutrifft, die so dicht zusammen liegen, 
wie Cöln und Aachen. Noch weniger kann man, 
was wiederholt behauptet ist, nachweisen, dass 
derartige regelmässige Verbindungen zwischen 
den Hansastädten und den rheinischen Städten 
vorhanden waren. Ein Blick in die Cölner 
Stadtrechnungen des 14. Jahrhunderts genügt, 
um das Gegenteil zu erkennen. Der regste Ver- 
kehr in Hansaangelegenheiten bestand zwischen 
Cöln und Lübeck; trotzdem reisten in der Zeit 
von 1370 bis 1380, also in zehn Jahren, nur 
6 Boten von Cöln nach Lübeck und 4 Boten von Lübeck nach 
Cöln. Nach Braunschweig fand eine einzige Reise statt. Die 
gleichen Verhältnisse bestanden in Hamburg. Im Jahre 1350 
fanden 6 Reisen nach Lüneburg (Stadt), 18 Reisen nach Lübeck 
statt und zwar ohne jede Regelmässigkeit, Die Nachrichten 
über die vermeintlichen Botenzüge der Hansa sind mithin nichts 
als ein Phantasiegemälde. 



Abbildung eines 
Briefboten. 

Historienbild. 
Stndtbibliothek 
Hamburg. 1143. 



- 121 — 

Aus der Aufeinanderfolge der einzelnen Orte bei Rundreisen 
der Boten werden sich u. U. interessante Schlüsse über die 
diplomatischen Beziehungen Aachens zu fürstlichen Personen 
ziehen lassen; derartige Folgerungen würden aber über den 
Rahmen dieser Arbeit hinausgehen. Auch sonst enthalten die 
Cölner Stadtrechnungen so mannigfache und wichtige Aufschlüsse 
über Aachener Geschichte, dass sie dringend einer eingehenden 
Würdigung in dieser Hinsicht bedürfen; insbesondere kommt 
dabei die Geschichte des Landfriedensbundes in betracht. In 
den Cölner Rechnungen wird auch der Aachener Bote Kaiart 
erwähnt, der einmal als „nuncius pacis terre" aufgeführt wird. 
Tatsächlich wird Kaiart auch in den Rechnungen des Land- 
friedensbundes genannt, und man sieht aus den Recessen, dass 
er bei den Verhandlungen der Landfriedensgeschworenen, offen- 
bar als Vertreter Aachens, zugegen war oder mitwirkte 1 . 

Die Cölner Rechnungen sind deshalb für die Geschichte 
Aachens besonders wertvoll, weil nur ein Bruchstück der Aachener 
Stadtrechnungen aus dem Jahre 1376 erhalten ist. Die Zahl 
der Aachener Boten, die in Cöln 1370—1380 Vergütungen 
erhielten, ist nicht bedeutend. Sie beträgt 1375—1377: 1; 
1374 und 1380: 2; 1371: 3; 1370, 1372, 1373, 1378, und 
1370: 0; zusammen 10, d. i. jährlich durchschnittlich ein Bote. 
In Wirklichkeit sind die Reisen zwischen beiden Städten aber 

') Knipping a. a. Ü. Bd. I. S. 3G/37. Recessc vom 14. April 1381 — 
24. August 1383: 4. Receß: Dyt is, dat gevallon is nü up desen lantdach 
139 m 6 ß ind des wart vertzeirt 18 in, Kaiart 4 m, mir Gotscalc Birkelin 
28 m ind 10 ß ind heren Johanne Gijre 16 m 3 ß (14. April). — 8. Receß: 
In den jairen unss herren 1381 jair des gudensdagc vür s. Ceciliendage, da 
veil zu Düren der stede van Collen 224 m, da van betzailde wir, dat wir 
schuldig waren zu Aichen ind zu Düren ind dat wir da vertzerden zu der 
selver tzijt zu Düren, also dat unss overdc 21 m 8 ß. Item in deme sehen 
jair des dünresdage na Lucie (19. Dezember), do veil der stede 344 m, des 
wart vertzert myt Kailhart 16 m 7 ß, so blijfft da 327 m 5 ß ind lestwerff 
zu Düren overden 21 m 8 ß, ind an sus overt van den beiden termynen 
349 m 12 d, dis hait her Johan Gijr 175 m ind her Gotscalc Birkelin 174 m 
ind her Johan vurscr. hadde van deme halven jair, dat uisgeinck zu pinxten 
47 m ind her Gotscalc vurscr. hadde 48 m ind so hait mallich züsamen 
222 m van deme vurscr. halven jair, dat zu pinxten uissgienek. Über die 
Tätigkeit des Aachener Boten Kaiart bei den Landfriedcnstagen enthalten 
diese Recesse leider keine näheren Angaben; man ist also lediglich auf Ver- 
mutungen angewiesen. 



— 125 — 

erheblicher, da in dem Bruchstück der Aachener Rechnung' von 
1376 schon drei solcher Reisen verzeichnet sind. Sonstige 
Schlüsse über die Gewährung der Vergütungen an die Aachener 
Boten können aus diesen Posten der Aachener Rechnung nicht 
gezogen werden, weil in dem einen Falle der Erzbischof als 
Empfanger benannt ist, in den anderen nicht feststeht, ob die 
Boten au die Stadt Cöln oder an einen sonstigen Adressaten 
gingen. Eine gegenseitige Kontrolle der Buchungen beider 
Stadtrechnungen wäre 'zwar sehr interessant, scheitert aber 
an der Lückenhaftigkeit der Aachener Archivalien. 

III. Aachener Ratsboten. 

Die Aachener Stadtrechnungen beginnen mit dem Jahre 1333. 
Von diesem Zeitpunkt ab werden auch Läufer dieser Stadt er- 
wähnt. Die Einrichtung eines Briefbeförderungsdienstes in 
Aachen muss jedoch bedeutend älter sein, da Aachen als alte 
Krönungsstadt hinter anderen Orten unmöglich zurückgestanden 
haben kann. Ausserdem sprechen dafür folgende Gründe: 

1. Die Zahl der Botenreisen, von denen 1334 schon 47 ver- 
zeichnet sind, obwohl nur ein Bruchstück der Rechnung er- 
halten ist; 

2. der Name „Triptrap" eines der Aachener Boten. Die 
Namen werden vielfach von dem Beruf oder besonderen Eigen- 
schaften der Voreltern hergeleitet. Es liegt deshalb die Ver- 
mutung nahe, dass ein Vorfahr unseres Boten sich durch her- 
vorragende Leistungen im Beförderungsdienst seinen Familien- 
namen errungen hat 1 ; 



! ) Den Namen Triptrap habe ich sonst in Aachen nicht mehr ent- 
decken können. Der Name des Boten Halfnasc dagegen kommt sowohl 
im Bnrtschcider Necrologium, als auch im Necrologium des Aachener 
Dominikanerklosters aus dem 15. Jahrhundert vor. Die Halfnases waren 
also zweifellos in Aachen ansässig. Bedingung scheint die Zugehörigkeit 
zur Stadt bei Annahme der Ratsdiener nicht gewesen zu sein. Der Name 
Triptrap hat seinen Ursprung offenbar von dem klappernden Ton, den die 
im 14. und 15. Jahrhundert gebräuchlichen hölzernen hohen Sandalen, die 
bei schmutzigem Wetter getragen wurden, beim Lauf verursachten. Diese 
Holzschuhe wurden an einem ledernen Riemen über den Schuhen getragen 
und hicssen „Trippen". Wie ich noch zeigen werde, benutzten auch die 
Läufer solche Trippen (vgl. Alwin Schultz, Das höfische Leben zur Zeit 
der Minnesinger, Bd. I, S. 297). 



— 126 — 

3. die zahlreichen Beziehungen zu Kaisern und Fürsten, 
die eine angemessene Ausrüstung der Boten zur Ehrensache 
machen mussten, und die es der Stadt nahe legten, Läufer mit 
dem Botenabzeichen zu verwenden; 

4. der ausserordentlich entwickelte Zustand des Beförderungs- 
wesens in Aachen (Ausrüstung der Boten mit Pferden, Bewir- 
tungen und Spenden von Seiten der Stadt u. s. w.). 

Die Aachener Rechnungen enthalten eine überaus reich- 
haltige Anzahl von Ausgabeposten, die sich auf das städtische 
Verkehrswesen in Aachen beziehen, und die in Verbindung mit 
fremden Quellen eine eingehende Darstellung des Zustandes der 
Beförderungseinrichtungen in unserer Gegend ermöglichen. 

A. Umfang des Briefverkehrs der Stadt Aachen. 

Die Feststellung, welchen Umfang der Briefverkehr in 
Aachen im 14. Jahrhundert gehabt hat, stösst auf erhebliche 
Schwierigkeiten. Die Stadtrechnungen sind, wie bemerkt, zum 
Teil nur in Bruchstücken erhalten. Die älteste vollständige 
Rechnung rührt aus dem Jahre 1338 her, in welchem 31 
Botengänge von Aachen aus stattfanden; dann folgt 1344 mit 
63 Reisen, 1346 mit 72, 1349 mit 97 Botengängen 1 . Die 
nächste vollständige Rechnung ist die von 1385 mit 114 Reisen. 
Sie ist aber für die Beurteilung des regelmässigen Briefverkehrs 
der Stadt ungeeignet, weil 1385 die Belagerung von Reiffer- 
scheid stattfand. Erstens haben wir aus diesem Jahr eine 
Nebenrechnung des Aachener Belagerungskontingents, in der 
die Botenlöhne nicht einzeln aufgeführt sind, zweitens hat die 
Belagerung den sonstigen Briefwechsel der Stadt Monate hin- 
durch lahmgelegt 2 . Dann kommt noch das Jahr 1394 mit 
189 Reisen in betracht. 

Ich habe für die Jahre 1333 bis 1385 die Reisen nur der 
Zahl nach zusammengestellt, da ja aus der Laurentschen Ver- 
ötfentlichung bei einiger Vorsicht jeder die Einzelheiten im 
Falle des Bedarfs leicht selbst ermitteln kann. Nur für das 
Jahr 1394, dessen Rechnung von Laurent nur bruchstückweise 



*) Da die Rechnung von 1349 mit der Aufzählung der Erbzinsen beginnt 
und mit den Gehältern endigt, so werden sämtliche Botenreisen darin ent- 
halten sein. 

2 ) Im 4. und 5. Monat gehen sämtliche Botenreisen nach Reifferscheid. 



• — 127 — 

wiedergegeben ist, weil ihm anscheinend die Arbeit langweilig 
geworden war 1 , habe ich eine Übersicht sämtlicher Botengänge 
mit Angabe des Bestimmungsorts (oder des Empfängers) und 
des Botenlohnes gegeben. 

Es wühle vielleicht nahe gelegen haben, der Übersicht eine 
vergleichende Münzberechnung und Umrechnung in unseren 
jetzigen Geldwert beizufügen. Ich habe aber aus folgenden 
Gründen davon abgesehen: 

Die Umrechnung von Geldsummen des Mittelalters in unsere 
jetzige Währung unter Berücksichtigung der Kaufkraft des 
Geldes ist wohl versucht worden. Ich stehe aber den Ergeb- 
nissen derartiger Untersuchungen sehr skeptisch gegenüber 2 . 
Wie will man auf diesem Gebiet zu sicheren Ergebnissen kommen? 
Nichts ist schwieriger festzustellen, als die Kaufkraft des Geldes. 
Nehmen wir an, ein Schuh im 14. Jahrhundert kostete etwa 
6— 8ß, heute 10 M. Ist damit irgend ein Anhaltspunkt ge- 
geben, um einen Vergleich zu ziehen? Ich behaupte: Nein! 
Erstens kann man auch heute Schuhe zu ganz verschiedenen 
Preisen kaufen; zweitens waren die Verhältnisse, unter denen 
der mittelalterliche Hausbetrieb arbeitete und mit denen unser 
kapitalistisches Verfahren der Warenerzeugung zu rechnen hat, 
gänzlich verschieden. Lederpreis, Arbeitslöhne, Beschaffenheit des 
Leders, Lasten der sozialen Gesetzgebung, Kapitalverzinsung, 
Unternehmergewinn, Lage des Weltmarkts, alles das sind heute 
Faktoren, die auf die Preisbildung bestimmend einwirken, während 
im Mittelalter höchstens ein Teil davon in Frage kam. Dagegen hat 
zweifellos der Unternehmergewinn gegen früher verhältnismässig 
ganz erheblich abgenommen. Man sieht also, eine Vergleichung 
muss zu ganz falschen Ergebnissen führen. Auch bei anderen 
Gegenständen ist eine Parallele nicht durchführbar, weil die 



') Irgend einen sachlichen Grund für diese sonderbare Publikationsweise 
hat Laurent nicht angegeben. 

*) Auch Alwin Schultz (a. a. 0. Bd. I, S. 177, 501) stützt sich auf 
solche Berechnungen. Dass diese Umwandlungen aber nicht einwandsfrei sind, 
zeigt z. B. der von ihm selbst angeführte Fall, wonach das Pferd, welches 
König Wenzel II. von Böhmen bei dem Reichstage von Nürnberg im Jahre 
1298 ritt, 40000 Mark in unserem Gclde wert gewesen sein soll. Solche 
Preise sind nur heute denkbar, wo der Renusport den Wert einzelner Pferde 
wegen der Gewinnchancen auf dem grünen Felde ins Ungemessene gesteigert 
hat, nicht aber am Ende des 1 3. Jahrhunderts. 



— 128 — 

Verschiedenheit der Herstellungsbedingungen selbst dann einen 
Vergleich wertlos machen würde, wenn es möglich wäre, Gegen- 
stände völlig gleicher Art einander gegenüberzustellen. Aus diesem 
Grunde könnten fertige Gegenstände nicht in Frage kommen. 

Anscheinend geeigneter für den Vergleich sind Vieh- und 
Lebensmittelpreise; aber auch nur scheinbar. Ich will dies an 
einem Beispiel erläutern. Angenommen ein Pfund Rindfleisch 
kostete im Mittelalter 1 ß, heute 1 M., so könnte man folgern, 
die Kaufkraft des Geldes betrüge jetzt gegen früher das zwölf- 
fache. Zöge man nun denselben Vergleich mit irgend einem 
anderen Nahrungsmittel, so könnte man ohne Schwierigkeit zu 
dem Ergebnis kommen, die Kaufkraft sei jetzt 30 mal oder 
8 mal so gross wie früher. Man kann mithin ganz nach Belieben 
seine Beweisführung einrichten. Solche Abweichungen liegen in 
der Natur der Sache; denn ein Blick in unsere heutige amtliche 
Statistik zeigt, dass die Preise der Lebensmittel nicht nur in 
verschiedenen Gegenden und in verschiedenen Jahren, sondern 
in derselben Stadt an dem gleichen Tage Unterschiede bis zu 
30°/ und mehr ergeben. Der beste Beweis hierfür sind die 
Verhältnisse in den Berliner Markthallen. Wie viel mehr wird 
das nicht im Mittelalter mit seinen beschränkten Verkehrsmitteln 
der Fall gewesen sein, wo eine Teuerung in einzelnen Gegenden 
zu ganz anderen Preistreibereien führen musste, als heutzutage! 

Die Preise für Lebensmittel und Produktionsgegenstände 
können demnach nicht zum Vergleich, sondern nur zur Veran- 
schaulichung dienen, und zwar auch nur dann, wenn man sich 
auf eine Stadt und auf kurz aufeinanderfolgende Zeiträume be- 
schränkt, moderne Verhältnisse aber ganz unberücksichtigt lässt 1 . 

Zahl der Botenreisen 2 . 

1333 — Christian 3 — Willi. Fittoil 1 — zusammen 4. 
1334— Christian 17 — Gottschalk Kremer 18 — Wolter Kas- 

kin 5 — Fittoil 3 — Jo. de Royde 1 — Rusonus 1 — 

unbenannte Boten 2 — zusammen 47. 



') Hiermit soll natürlich nicht gesagt werden, dass Preisvergleichungeu 
für die Kulturgeschichte wertlos seien. Es kommt mir nur darauf an, nach- 
zuweisen, dass die Botenlöhne mit irgend welcher Aussicht auf Zuverlässig- 
keit nicht in unserer jetzigen Währung wiedergegeben werden können. 

*) Reisen lediglich zum Präsentieren der Methfässer an die Beschenkten 
sind nicht berücksichtigt worden. Der Vorname ist nur das erste Mal auf- 
geführt, wenn die Boten unzweifelhaft identisch sind. 



• — 129 — 

1338 — Christian 10 — Kremer 9 — Kaskin 5 — Ludwig (ciro- 
tecarius = Handschuhmacher) 5 — Kunzelin 1 — Godard 
1 — zusammen 31. 

1344 — Christian 21 — Kremer 19 — Johann (famulus civi- 
tatis) 18 1 — Ludwig- (cirot.) 1 — Arnold Limburg 
(cornuator = Trompeter) 1 — unbenannte Boten 3 — 
zusammen 63. 

1346 — Christian 14 — Kremer 10 — Nicolaus Steigin 12 — 
Jo. de Junciis 5 — Triptrap 2 4 — Nicolaus Mule 1 — 
Kophenne 3 — Krugelgin 1 — Moyrgin 1 — Moysburn 
1 — Jo. de Vilen 1 — Hoynreknet 1 — Denzer 1 — 
Kopstriggel 1 — Murmann 3 — Kunzelin 1 — Vinke 

1 — Nesgin 3 1 — Peter 2 — unbenannte Boten 8 — 
zusammen 72. 

1349 — Kremer 4 7 — Stergin 26 — Triptrap 14 — Kreyvel 
19 — Jo. de sco. Alberto 7 — Simkin Log 1 — Brftyg- 
neckel 3 — Erkin 1 — unbenannte oder fremde Boten 
19 — zusammen 97. 

1353— Kremer 6 5 — Stergin 13 — Triptrap 6 — Kreyvel 7 
— unbenannte Boten 1 — zusammen 33. 

1373— Triptrap 6 — Leonhard (cursor) 6 — - Halfnase 1 — zu- 
sammen 1. 

1376 — Kaiart 1 — Leonhard 7 — Halfnase 11 — Schön- 
mecher 1 — Noete 1 — Korfmecher 1 — unbenannte 
Boten 2 — zusammen 24. 

1384 — Wilmer 1 — Cloischin v. Cöln 1 — unbenannte Boten 

2 — zusammen 4. 

1385— 1. Monat: Henkin 3 — Cloischin 3 — Wilmer — 

2. Monat: Henkin 3 — Cloischin — Wilmer 2 — 

3. Monat: Henkin 4 — Cloischin 6 — Wilmer 6 — 

Peter 1 — Leonhard 1 — Kesternich 2 — 

4. Monat: Henkin — Cloischin 7 — Wilmer 2 — 

Scharpseil 1 — 



') Vielleicht derselbe wie Jo. de Junciis (1346). 

*) In diesem Jahr längere Zeit erkrankt. 

s ) Diener der Minoriten. 

*) Längere Zeit gefangen. 

8 ) 5 mal nach Frankfurt, 1 mal nach Heidelberg. 

•) Die Boten sind erwähnt, führen aber keine Reisen im Biiefbeför- 
derungsdienst aus. 



— 130 — 



5. Monat 

6. Monat 

7. Monat; 

8. Monat 

9. Monat 

10. Monat 

11. Monat 

12. Monat: 



13. Monat 



1391 



4. Monat 
9. Monat 



Henkin 1 — Cloischin 3 — Wilmer 2 — 
Arnoldinis 1 — Schobbenhagen 1 — 
Henkin 4 — Cloischin — Wilmer 2 — 
Henkin — Cloischin — Wilmer 2 — Korf- 
mecher 1 — unbenannter Bote 1 — 
Henkin 3 — Cloischin 3 — Wilmer 2 — 
Peter 1 — 

Henkin 3 — Cloischin 2 — Wilmer — 
Henkin 2 — Cloischin — Wilmer — 
Henkin 4 — Cloischin 4 — Wilmer — 
Karrebuych 1 — 

Henkin 6 — Cloischin 1 — Wilmer 2 — 
Leonhard 1 — Schobbenhagen 1 — Half- 
nase 1 — Peter 1 — unbenannte Boten 2 — 

1 Henkin 9 — Cloischin 4 — Wilmer 3 — 
Korfmecher 1 — unbenannte Boten 1. — 

Zusammenstellung für 1385: Henkin 39 

— Cloischin 33 — Wilmer 23 — Leonhard 

2 — Peter 3 — Kesternich 2 — Schobben- 
hagen 2 — Scharpseil 1 — Korfmecher 2 

— Arnoldinis 1 — Karrebuych 1 — Half- 
nase 1 — unbenannte Boten 4 — zusammen 114. 
Henkin 4 — Cloischin 4 — Arnoldinis 1 — 
Meis 1 

Henkin 2 — Cloischin — Arnoldinis 2 — 
Werner 1. 



1394 (einzeln aufgeführt) 2 . 
1. Monat: 



Henkin: 

Montjoic 1 8 
a. H. v. Palant 1 gc. 
= 2 1 /, m 5 ß 



Cloischin: 

Heinsberg 1 
Wittern 0,6 
Luxemburg 5 



Halfnase: 

a. Dietrich v. Berg 0,8 

Wittern 0,6 

a. Wilb. v. Hochstadeti 2 



') Die Rechnungen enthalten 13 Monate von je 4 Wochen. 

*) Wo der Bestimmungsort nicht unzweifelhaft feststeht, habe ich den 
Namen der Empfänger angegeben, da bei dem häufigen Wechsel des Auf- 
enthaltsorts der Beteiligten unmöglich Genaues ermittelt werden kann. Wenn 
man also den Stammsitz des Ritters usw. in derartigen Fällen einrücken 
wollte, würde man zu ganz irrigen Ergebnissen gelangen können. 

s ) Es bedeuten 1, 2, 3 usw. = 1 m, 2 m, 3 ra — 1,2 ; 3,7 = 1 m 2 ß, 
3 m 7 ß; mcö. = m cöln. Währung; swg. = schwere Gulden; g. = 



131 — 



Lüttich 1 ge. g. 4- 18 ß 

= 4,5 
a. Hz. v. Geldern 2 ge. g. 

= 5,10 
Maastricht ' — 
Lengen 2 1.2 

Jacob von Stablo: 

Houffalize 1 swg. = 4,2 



a. Christian v. d. Kanel 3 
St. Vith 2 mcö. [2,5.] 



Henkin: 



Heinsberg 1 



a. Hz. v. Geldern 1 swg. 

= 8,4 
Crefeld 3 2 mcö. = 2,5 



Henkin : 

a. Hz. v. Geldern 2 swg. 

= 8,4 
a. Joh. v. Kinzweiler 0,8 
a. H. v. Gronsfeld 1,4 
a. Erzbischof v.Cöln 4 J / 2 

swg. 6 = 18,9 

Arnold: 

Limburg und Heins- 
berg 1,6 
a. Joh. v. d. Velde 4 



Arnold: 

Heinsberg 1 
Liniburg 0,8 

2. Monat: 

Wilmer 4 : 

Maastricht 1 
Luxemburg 4 
Weiden 0,4 

a. Joh. v. Drimborn 0,6 
a. Chr. v. d. Kanel 1,6 
a. Joh. v. Rosmolen 1,2 
a. Goiswin v. Heir 0,4 

3. Monat: 

Wilmer: 

Houffalize 2m '/* ß 
Limburg 0,9 



Cloischin: 

a. Hz. v. Geldern 4,2 



unben. Boten: 

a. H. Volmer 1 
Herzogenrath 0,4 



Arnold: 

Lengen und Valken- 
burg 1 

Heinsberg (3 Tage Auf- 
enthalt) 2 

Pauls v. Cöln: 

Limburg 0,8 



Halfnase : 

a. G. v. Wied 4 
Born 6 1 

H. v. Gronsfeld zu suchen 
0,10 



unben. Boten: 

Kinzweiler 0,4 

a. Joh. v. Kinzweiler 0,4 



Gulden; gg. = Goldgulden; ge. g. = Gelderschc Gulden; Hz. = Herzog: 
G. = Graf; D. = Drost; H. = Herrn; a. = an. 

*) Lücke in der Rechnung, Panier zerrissen. 

*) Im Limburgischen, genaue Lage habe ich nicht ermitteln können. 

8 ) Kreucltz (Empfänger Lambert Mont). 

*) In der Rechnung von 1385 wird der Bote „Winmer", in der von 
1394 „Willmer" geschrieben. Ich glaube nicht, dass beide verschiedene Per- 
sonen waren, sondern vermute, dass der Kammerer nach dem Klange des 
Namens die Niederschrift bewirkt und verschiedene Schreibweisen dabei ange- 
wandt hat. Derartige Abweichungen kommen im Mittelalter häufiger vor. 

*) Einschl. Kosten für Geleit. 

•) Schloss im Limburgischen. 



132 — 



Henkin: 

Cöln 1 6,3 

a. Hz. v. Geldern 6,3 

Kinzweiler 0,4 

a. Erzbischof v. Cöln 2,1 1 

Rosendaal 2 g. = 8,4 

Eschweiler 0,6 

Moers 1 swg. = 4,2 

Cloischin : 

a. d. D. v. Herzogen- 
rath 0,10 
Neuss 2'/ 2 



Hoitzappel: 

Lammersdorf 1,4 
Herzogenrath 0,4 



Henkin: 

Odenkirchen 2 racö. — 

4 ß = 2 m 9'/ t ß 
Lüttich 1,6 
a. d. D. v. Jülich 1 
Cüln und Bonn 2 m 5 1 /., ß 

Halfnase . 

a. Joh. v. d. Velde 3,8 



Henkin: 

a. Hz. v. Berg 2 swg. 

= 8,4 
Lüttich 2,8 

Elsloo und Limburg 1,2 
Cöln und Bonn 5,10 
a. Poen v. Homburch 8,2 
P und Lüttich 4 1,8 



4. Monat: 
Wilmer: 

Eschweiler, Virneburg 
und Schönforst 1 

St. Vith 2 

unbekannter * Bestim- 
mungsort 0,3 

Gerhard : 

Neuss 2 , / 2 



Arnold: 

Frankfurt (Main) 2 g. 
= 8,4 

5. Monat: 

Wilmer: 

a. Heinr. v. Dayenberch 
und H. Engelbert 1,8 

Steiufurt 3 1,6 

a. d. D. und den Rent- 
meister v. Jülich 1,2 

Hoitzappel : 

Kinzweiler 0,4 
Valkenburg 0,9 



6. Monat: 
Wilmer: 

a. Geyart Büffel und in 
Reunenbergschcr An- 
gelegenheit 0,5 

Henken sporen- 
mecher: 



Halfnase: 

Limburg 0,8 
a. d. D. v. Jülich 0,9 
Cornelymünster 0,4 
Herzogenrath und a. H. 
Gillis 0,8 



Pauls: 

Herzogenrath 0,4 

a. Hz. v. Berg 3 mcö. 
= 3 1 /, m 3 ß 

Lengen und Valken- 
burg 7 1 /, 
unben. Boten: 

Lüttich 1,8 



Arnold: 

Lüttich 1,6 

Engelbert v. Orsbeck zu 

suchen 4 
Sichern 2 1 /,, 

a. Arnold v. Hoemel 2'/ 2 
Geirkin Kairsbuych: 
Cöln 1 swg. = 4,2 
unben. Boten: 

Schieiden 1,6 
Herzogenrath 0,4 

Cloischin: 

a. Bernh. v. Slesteen 5'/ 8 

Wilken sporen- 
meeher: 



Limburg 0,9 



Cöln 1,2 



') Mit Aachener Bürgern. 
8 ) In der Eennenbergscheu Angelegenheit. 
8 ) Bei Münster i. W.? 

*) In der Rechnung steht „zu ind zu" L. Der erste Bestimmungsort 
ist durch einen Schreibfehler ausgelassen worden. 



— 133 



Arnold : 


Peter: 






H. v. Gronsfeld zu 


Aubel 1 0,4 






sucben 1 








Wittern 0,6 


7. Monat: 






Henk in : 


Wilmer: 




Cloischin: 


Valkenburg und Her- 


Elsloo u. a. Adam v. 


a. Erzbischof v. Cöln 3 


zogenrath 0,9 


Berg 1,4 




in cö = 3,8 


Lüttich 1,10 


zur Heyden 0,2 




Moers 4 


a. Job. v. (1. Velde 2,4 
Lüttich 1,6 
Cöln 2,6 

a. Wilh. v. Muysbach 
und a. Erzbischof v. 


Montjoie 1 




Herbert Buckinck: 


Wilh. Vieler: 




Schönforst | zusammen 


Herzogenrath 0,4 

a. Gerlach v. Brocheloe 


Schönforst / 0,5 
Reinhard Lnlle's 


Cöln 3.6 


3,6 




Knecht: 


a. d. D. v. Jülich 0,8 


Hoitzappel: 




a. G. v. Moers 4 m 


Reise im Auftrag des 
D. v. Jülich 4,2 


Elsloo 1,2 

8. Monat: 




10'/., ß (ausserdem 
Trinkgeld 2,6) 


Henkin: 


Wilmer: 




Cloischin: 


a. H. Carsillis 1,4 


a. Joh. v. Drimborn 


1,9 


a. Erzbischof v. Cöln und 


a. G. Simon 2 


a. Erzbischof v. Cöln 


3,1 


a. Pocn v. Homburch 4,2 


Vieler: 

Elsloo 1,2 


Arnold : 

a. Jobann den Wilden 


1,3 


a. Arnold v. Stein 1 

Reinhard Lnlle's 
Knecht: 




9. Monat: 




a. Hz. v. Geldern 9,6 


Henkin: 


Wilmer: 




Arnold: 


a. Erzbischof v. Cöln 4,2 


Caster 2 




St. Vith 2 


a. Hcrzogiu v. Brabantö 

Breidenbent 0,10 

a. Hz. v. Geldern 7,4 

Vieler : 


Halfnase: 

Elsloo 1 

Tomberg und a. Friedr. 
v. Bracht 6,10 


a. Ywin v. Cortiltz 0,6 
desgl. 0,6 

Des Bürgerin. Knecht: 

Gladbach 2,6 


Lüttich 2,4 


Elsloo 1 




unben. Bote: 




10. Monat: 




Born 1 


Henkin: 


Wilmer; 




Cloischin : 


a. Hz. v. Geldern 2 swg. 


Caster 2 




Ahrweiler 3,8 


= 8,4 
Bestimm.-Ort unbek. 2 
a. Geyart Duyster 1 
a. Hz. v. Berg 2,6 
Kairsbnych : 
Maastricht 1 


Halfnase: 

Kinzweilcr 0,4 
Montjoie 1 
Kinzweilcr 0,4 

dt umb dat geleyde 21 


swg. 


Arnold: 

Bcrensberg 0,3 
Herzogenrath 0,4 
von Stein 3 abgesandt 1 
Bcrensberg 2'/ 3 ß 


*) Obelen. 2 ) Gesan 


3 gross = 88,6. 3 ) Vgl. 



8. Monat. 



134 



Henkin: 

a. Hz. v. Geldern 5 
Frankfurt (Main) 25 in 1 

Rein. Lulles Knecht! 

a. Hz. v. Geldern 3 



Henkin: 

Randerath 1 
Wassenberg 1,2 
Geldern und Wachten- 

donk 2 3,6 
Heinsberg 1 

Vieler: 

Honnef 1,5 mcö. = 1,9 



11. Monat: 

Cloischin: 
Jülich 1 
Kinzweiler 0,4 
a. D. v. Jülich 0,8 
a. Job. v. d. Veldc 2,6 

Bucking: 

Croneuburg 1,6 

12. Monat: 

Wilmer: 

Honnef 2,6 

Halfnase: 

Maastricht u. Elsloo 1,6 

unben. Boten: 

a. D. (v. Jülich) 0,8 

13. Monat: 



Arnold. 

Neuss 2,1 
Emmaburg 0,4 
a. Strüver v. Hoils- 
berg 1,2 

Panls : 

Caster 2,6 



Cloischin: 

Luxemburg 8 

Arnold: 

Elsloo 1,2 



Wilmer: 

Wassenberg und Maas- 
triebt 1,8 

Arnold: 

a. H. Tbomas 2 

Peter: 

für H. v. Auwenstyn 4,8 



Cloischin: 

a. Schultheis v. Esch- 

wcilcr 0,6 
Wassenberg 1,2 

unben. Boten: 

a. Hz. v. Geldern 5 



Henkin: 

Cöln 4,4 
Limburg 0,8 
Gülpen 0,6 

Halfnase: 

Blankenheim und Gerol- 
stein 3 22'/ 2 ß 
Wassenberg 1,2 
Herzogenrath 0,4 

Zusammenstellung - für 1394: 

19+12+14 + 24 + 17 + 13 + 19 + 9-1- 14 + 14 + 12 + 
10 + 12 = 189 Reisen. Davon entfallen auf Henkin 57 ; Wilmer 
25; Cloischin 21; Halfnase 21; Arnold 26; Pauls 5; Hoitzappel 
5; Vieler 5; Buckinck 3; Lulles Knecht 3; Peter 2; Kairs- 
buych 1 ; Jac. v. Stablo 1 ; Gerhard (der Bote) 1 ; Henken 1 ; 
Wilken 1 ; den Knecht des Bürgermeisters 1 ; unbenannte Boten 10. 
Hierzu kommen ferner die Reisen, die von Boten aus 
anderen Orten für den Aachener Rat ausgeführt wurden. Es 
ist nicht möglich, im einzelnen Falle genau festzustellen, ob der 
ankommende Bote Sendungen aus Aachen bei der Rückkehr 



') Mit Aachener Bürgern. ') An Sanders van Eyl. 3 ) Geiretsteyn. 



< ' 



— 135 — 

mitgenommen hat; wahrscheinlich wird dies aber häufig geschehen 
sein, da man in den Briefen des Mittelalters oft am Schluss die 
Bitte aussprach, die Antwort dem Boten mitzugeben. Dies Ver- 
fahren war für den Empfänger des Briefes ja ebenfalls vorteil- 
haft, weil sich die Kosten dadurch niedriger stellten, als bei 
Absendung eines eigenen Boten. 

Ich nehme mit ziemlicher Bestimmtheit an, dass die Ver- 
gütungen, welche die Boten fremder Herren und Fürsten er- 
hielten, in manchen Fällen Entschädigungen für den Aufent- 
halt in Aachen und die Verpflegung waren, dass den Boten 
aber gleichzeitig oft ein Trinkgeld gewährt wurde. Wären die 
Beträge lediglich Trinkgelder, so würden sie unbedingt nach 
der Stellung des absendenden Fürsten abgestuft und für die- 
selben Buten annähernd gleich gewesen sein. Das ist nicht der 
Fall. Ich will die Pfeifer hier unberücksichtigt lassen, weil man 
nicht behaupten kann, dass jeder einzelne von ihnen Briefbote 
gewesen sei. Aber auch bei den ausdrücklich als Boten ge- 
nannten Dienern der Fürsten finden sich auffallende Abweichungen: 
Der Bote des Erzbischofs von Cöln erhält 1394 im 4. Monat 10 m 
3 ß, im 5. Monat 4 m 2 ß ; der Bote des Herzogs von Geldern 
im 3. Monat 2 in 8 ß ; im 0. Monat 3 m 4 ß. Bei einzelnen 
Eintragungen früherer Jahre kann überhaupt kein Zweifel be- 
stehen, dass die Entschädigung für den Aufenthalt gewährt 
wurde 1 . Selbst wenn aber die Boten nur ein Trinkgeld erhielten, 
ist keineswegs ausgeschlossen, dass sie Briefe mit zurücknahmen. 
Man wird daher nicht fehlgehen, wenn man diese Botenreisen 
bei der Berechnung der abgehenden Botengänge mitzählt. 

Die Zahl der in der Rechnung vom Jahre 1304 aufgeführten 
fremden Boten (einschliesslich der Pfeifer) beträgt 32. Diese Zahl 
steht offenbar in einem Missverhältnis zu derjenigen der von 
Aachen ausgehenden Reisen, und wahrscheinlich haben nicht 
alle ankommenden Boten, sondern nur ein Teil von ihnen Ver- 
gütungen aus der Stadtkasse erhalten. Solche Zahlungen werden 
nur dann geleistet worden sein, wenn eine besondere Veranlassung 



') Hamburger Stadtrechnungen 1367: 1 Tb pro sumptibus et expensis 
nuncii domini imperatoris in hospicio Hinrici Hoygeri. 1388: pro expensis 
nuncii regis Dacie 5 ß. 1409: Helinico de Rroderscn pro expensis duarum 
septiinanarum cursoris Kcnonis de IJrukc. — Laurent a. a. 0. S. 127, •_>;: 
nuncio Spirensi ferenti litteram de facto Jo. de Brandenburg, <(iiia non potuit 
cito expediri, 1 m sibi dat. 



— 13G — 

dazu vorlag, sich die Freundschaft des Herrn zu erhalten, oder 
wenn die Absender hochgestellte Personen waren, bei denen 
diese Voraussetzung stets zutraf. 

Da der Verkehr in der Regel annähernd gleichen Umfang 
ankommender und abgehender Sendungen zeigt, so wird man 
die Zahl der ankommenden Beförderungsgelegenheiten nicht er- 
heblich niedriger annehmen können, wie die der abgehenden 
Botengänge. Diese Berechnung würde für das Jahr 1394 etwa 
300 — 350 Botenverbindungen ergeben. Nun hielten sich aber 
in Aachen, wie man aus dem vorstehenden Auszug der Cölner 
und aus den Weinspenden der Aachener Stadtrechnungen sehen 
kann, zahlreiche fremde Fürsten und Ritter auf, an die eben- 
falls Boten abgesandt wurden. Derartige Botengänge sind 
natürlich in den Aachener Rechnungen nicht enthalten, sie 
müssten aber mit berücksichtigt werden, wenn man den Brief- 
verkehr der ganzen Stadt und nicht nur den des Rats kennen 
lernen wollte. Genaueres darüber lässt sich leider nicht mehr 
feststellen, weil die nötigen Unterlagen fehlen. In Wirklichkeit 
war der Briefverkehr des Aachener Rats erheblicher als oben 
angegeben, da sich nachweisen lässt, dass in den Aachener 
Stadtrechnungen keineswegs alle Botengänge, die für die Stadt- 
verwaltung ausgeführt wurden, aufgezeichnet worden sind. Ich 
kann dies an folgenden Beispielen nachweisen: 

In dem Schreiben der Werkmeister und Bürger, die sich 
auf der Frankfurter Messe aufhielten, vom 14. September 1385 l 
wird hervorgehoben, dass der Bote Leonhard kurz vorher einen 
Brief des Aachener Rats überbracht habe. In der Stadtrech- 
nung von 1385 ist eine Reise des Leonhard nach Herzogenrath 
und ein Botengang nach Frankfurt am Main verzeichnet, der 
aber im 12. Monat stattfand. In diesen Monat fällt das Oster- 
fest, er gehört also in das Frühjahr 1386. Die Reise kann 
mithin mit der oben angegebenen unmöglich identisch gewesen 
sein. Man sieht, dass der Aachener Rat seine Briefe gelegent- 
lich unentgeltlich zu befördern verstand. Derartige Vorkomm- 
nisse negativer Art sind natürlich nur ganz zufällig durch eine 
Gegenkontrolle mit Hilfe anderer Quellen durchführbar. Der 
vorliegende Fall ist aber von grosser Bedeutung; denn erstens 
sieht man, dass der Briefverkehr des Rats aus den Stadtrech- 
nungen allein nicht zutreffend beurteilt werden kann, zweitens 



') Laurent a. a. 0. S. 95/96. 



— 137 — 

liegt die Schlussfolgerung nahe, dass ein nicht unerheblicher 
Teil der Korrespondenz diesen billigen Weg gewandert ist. 

Sehr wesentlich wäre es, über die Person desLeonhard näheres 
zu erfahren. Im Jahre 1373 wird ein Ratsbote Leonhard er- 
wähnt, der "einer der ständigen Läufer ist J ; dieser Bote reiste 
auch 1376 noch regelmässig, 1385 aber nicht mehr. Der 1385 
erwähnte Leonhard führt, wie ich gezeigt habe, nur zwei Reisen 
aus. Wäre dieser Leonhard dieselbe Person, wie der Ratsbote 
gleichen Namens 1376, so würde er mit den anderen Boten zu- 
sammen am Ende des Rechnungsjahrs wohl eine Entschädigung 
erhalten haben 2 . Ich vermute deshalb, dass der im 6. Monat als 
Stadtdiener angenommene Krämer Leonhard von Kessel 3 der Über- 
bringer des Briefes an die Frankfurter Bürger gewesen ist. Die An- 
nahme des Leonhard fällt in die Zeit kurz nach dem Allerheiligen- 
tage. Er würde demnach die Reise nach Frankfurt vor seiner 
Annahme in den Dienst der Stadt ausgeführt haben. Da Leonhard 
ein Krämer war und auch die Aachener Bürger ihren Brief an 
den Rat einem solchen Krämer, Jacob von Düren, mitgaben, 
hat diese Annahme viel für sich. Jedenfalls bleibt aber auf- 
fällig, dass die Mitgabe des Briefes ohne Gewährung einer Ver- 
gütung erfolgte. Worauf dies zurückzuführen ist, wird man 
nicht zuverlässig feststellen können. Die Gründe dafür können 
verschiedener Art gewesen sein. 

Aber nicht nur fremde Personen reisten mit Briefen des 
Rats, ohne dass die Botengänge in der Rechnung vermerkt wurden, 
sondern Reisen von regelmässigen Boten der Stadt fehlen an- 
scheinend ebenfalls in den Rechnungen. 

Im Jahre 1349 werden bei Buchung der Ausgaben für 
Mietspferde 4 , 2 Reisen Gottschalk Kremers nach Cöln und Ritte 
des Läufers Stergin nach Cöln (2), Düren, Reifferscheid und 
nach Geldern aufgezählt. Die Rechnung, von der zwar Anfang 
und Ende fehlen, enthält meiner Ansicht nach sämtliche Auf- 
zeichnungen über die Botengänge. In dieser Rechnung sind 
lediglich Reisen des Kremer nach Frankfurt, Mainz, Schocnecken, 



J ) Laurent a. a. 0. S. 236,2». Leonardo cursori de pixide sua rcno- 
vanda 1 m. 

2 ) Winmar, Cloischin und Henkln (den loefferen) 9 m 2 ß. Laurent 



a. a. 0. S. 345, 6 . 

s ) Laureut a. a. 0. S. 314,24. 
4 ) Laurent a. a. 0. S. 220, n ff. 



— 138 — 

Limburg und Ahrweiler aufgeführt; wenn er etwa Cöln auf dem 
Wege dorthin berührt haben sollte, würde bei den Ausgaben 
für die Pferde nicht dieser Zwischenort, sondern der Endpunkt 
der Reise erwähnt worden sein. Stergin aber wird 1349 zwar 
verschiedene Male ausgeschickt, ohne dass der Bestimmungsort 
ausdrücklich genannt ist 1 , man kann jedoch nicht annehmen, 
dass diese Reisen mit den beiden Ritten nach Cöln und denen 
nach Düren und Reifferscheid identisch sind; schon deshalb nicht, 
weil immer noch eine Reise nicht untergebracht werden könnte. 

Das Fehlen einzelner von den Boten tatsächlich ausgeführter 
Reisen in den Rechnungen ist sehr wahrscheinlich nicht auf 
deren Lückenhaftigkeit, sondern darauf zurückzuführen, dass 
die Reisekosten nicht von der Stadt getragen wurden, sondern 
nur die Beträge für Anmietung der Reitpferde. Vermutlich 
steht diese Erscheinung in ursächlichem Zusammenhange mit 
den Ausgabeposten „quia parum lucrantur",. d. h. sie ist auf die 
Benutzung der Beförderungsgelegenheiten durch Dritte zurück- 
zuführen. 

Diese Hypothesen sind aber so schwieriger Art, dass ich 
ihre erschöpfende Behandlung im Rahmen dieser Darstellung nicht 
vornehmen kann, sondern sie weiteren Forschungen auf dein Gebiet 
des mittelalterlichen Verkehrswesen überlassen muss. Überaus 
interessant ist das Schwanken des Verkehrs in früherer Zeit. 
Die Zahl der von Aachen ausgehenden Botenreisen betrug 1338 
nur 31, stieg 1344 auf 03, 1346 auf 72, 1340 auf 97, 1385 auf 
114 und 1394 auf 189. 

Wollte man aus der Zahl dieser Botengänge einen Schluss 
auf die Bedeutung der Stadt im politischen und wirtschaftlichen 
Leben ziehen, so würde man zu ganz wunderbaren Ergebnissen 
kommen. Die Botengänge im Jahre 1394 betragen das Sechs- 
fache wie 5G Jahre früher; natürlich war die Bedeutung 
Aachens in dieser kurzer Spanne Zeit nicht um das Sechsfache 
gestiegen. 

Auch ein allgemeines Anwachsen des V-rkehrs kann man 
aus den Zahlen nicht folgern; denn die Steigerung wird ganz 
zufällig sein. In Hamburg z. B. wurden im Jahre 1350: 101, 

') Zum Grafen v. Berg, misso pro equis Qerardi de Weyenberg et 
Kocioruiu corum (Laurent S. 210, .3), misso pro dominis Rufoni de Syuge 
(a. a. 0. S. 21,ib), misso ad requireiulum dominum de Scboynvorst (a. a. 0. 

S. 214, 2:i). 



139 



.' '' ^O* \^ V» 



1387 jedoch nur 58 Botengänge ausgeführt. In Cöln schwankt 
die Zahl der Reisen nicht weniger. 1370 werden 206, 1371: 
218, 1372: 173, 1373: 103 und 1374: 128 Botengänge verrichtet. 
Diese Schwankungen sind auf mancherlei Umstände zurück- 
zuführen. Ein grosser Teil der Korrespondenz war von dem 
ganzen politischen Zustand des Reichs abhängig. Zeiten der 
Ruhe verursachten auch einen Stillstand des Schreibwerks. 
Dazu kam noch, dass Städte, die wie Cöln eine grosse politische 
Bedeutung und ausgedehnte Beziehungen hatten, sich um Kleinig- 
keiten weniger aufzuregen pflegten, als 
eine Stadt wie Aachen, die abgesehen 
von ihrer Eigenschaft als Krönungsstadt 
wenig in die Wagschale zu werfen hatte 
und eifersüchtig bemüht sein musste, 
ihre Stellung zu wahren. 

Andererseits waren die Aachener Be- 
amten im Mittelalter erheblich schreib- 
seliger, als ihre Hamburger und Cölner 
Kollegen; ein Umstand, der die Aache- 
ner Stadtrechnungen trotz ihrer grossen 
Lückenhaftigkeit zu einer der wertvoll- 
sten, freilich noch fast ganz unbenutzten 
Quellen mittelalterlicher Kulturge- 
schichte gemacht hat. 

Wenn man sieht, welcher Apparat oft 
beim Ausbruch von Fehden in Aachen 

Historienbtbel. 

in Bewegung gesetzt wurde, so wird stadtbibHoüiefc Hamburg, uss. 
man nicht verwunderlich finden, dass 

in einzelnen Jahren der Briefwechsel der Stadt ausserordentlich 
anschwoll. Dasselbe war der Fall, wenn in der Stadt eine 
Kaiserkrönung stattfand. Endlich kam auch die persönliche 
Neigung oder Abneigung der beteiligten Kreise gQ<X(."\\ das Brief- 
schreiben in betracht und die Zahl der gleichzeitig stattfinden- 
den Gesandtschaften, die natürlich mittelbar auch den Brief- 
verkehr becinflussten. 

Man würde ein ganz falsches Bild erhalten, wenn man ein 
einzelnes mit Papier und Tinte gesegnetes Jahr wie 1304 heraus- 
greifen und vom Standpunkt des Lokalfanatikers Parallelen mit 
anderen Städten ziehen wollte, um Aachens Bedeutung im 
Mittelalter zu beweisen. Der ruhig abwägende Historiker würde 




Abbildung eines Brief boten. 



— 140 — 

dem mit Recht entgegenhalten, dass die Verkehrscentren des 
Mittelalters ausnahmslos am Meere oder an grösseren Strömen, 
nicht aber in flusslosen Ebenen lagen, und dass sich wohl der 
Briefverkehr, nicht aber die Bedeutung einer Stadt als Handels- 
emporium künstlich erzeugen lässt. 

Es lässt sich nicht bestreiten, dass Aachen 1394 mehr Boten 
abgesandt hat, als Cöln z. B. 1374 und Hamburg 1387. Man 
würde aber fehlgreifen, wenn man wegen der Zahl dieser Boten- 
gänge Aachen für bedeutender halten wollte, als die anderen 
beiden Handelscentralen, von denen die eine sogar Krieg mit 
dem Könige von Dänemark führen konnte. Sollte jemand trotzdem 
diese Ansicht hegen, so möchte ich ihm entgegenhalten, dass 
Aachen im Jahre 1385 an Einnahmen 49 000 M., an Ausgaben 
46000 M., Cöln dagegen 1380 an Einnahmen 112000, an Aus- 
gaben 18(5000 M. hatte; Beträge, die wegen des höheren Wertes 
der Cölner Mark tatsächlich noch grösser sind, als sie hier 
erscheinen 1 . 

Ausser der Zahl der Reisen müssen aber auch die Ent- 
fernungen, die von den Boten zurückgelegt wurden, berücksichtigt 
werden. Gerade hieran kann man die Bedeutung des Brief- 
wechsels am besten ermessen. 

Ein Vergleich der Cölner und Aachener Rechnungen fällt 
wesentlich zu Ungunsten Aachens aus. Man erkennt daraus 
deutlich, dass die Stadt ausser den Beziehungen zum Kaiserhof 
und den Kurfürsten eigentlich nur mit den benachbarten Fürsten 
und Rittern zu tun hatte. Ein Blick z. B. in die Zusammen- 
stellung aus dem Jahre 1394 mit seinen zahlreichen Botengängen 
zeigt, dass der Aachener Briefwechsel rein lokalen Charakter 
hatte. Die Reisen gingen nach Montjoie, Maastricht, Heinsberg, 
Luxemburg, Wittern, Limburg, Houffalize, Herzogenrath, Valken- 
burg, Kinzweiler, Rosendaal, Eschweiler, Moers, St. Vith, Cor- 
nelimünster, Neuss, Lüttich, Cöln, Bonn und allenfalls nach Frank- 
furt. Darüber hinaus ganz vereinzelt und fast immer nur, wenn 
es sich um Sendungen für den Kaiser handelt. Der einzige weite 
Ritt nach Kärnten geschah ebenfalls aus dieser Veranlassung. 
Reisen in der Richtung nach Osnabrück-Hamburg, nach Minden- 
Hannover kamen gar nicht in Aachen vor. 

Ganz anders in Cöln. Selbstverständlich bildeten auch hier 
die Reisen in der näheren Umgegend und rheinaufwärts den 



') 1385: 1 ni Cöln. = 1 m 1 ß Aachener Währung (a. a. 0. S. 418). 



— 141 — 

wesentlichen Teil der Botengänge. Aber die Zahl der Reisen 
nach entfernter gelegenen Orten ist doch recht beachtenswert. 
Infolge seiner weitgehenden Beziehungen zur Hansa sandte Cöln 
seine Boten nach Lübeck, Lüneburg, Braunschweig, Minden, 
Hannover, 1 nach Bayern, Böhmen und Ungarn, nach Basel, nach 
Avignon und auch mit Rom wurde von der Stadt ein lebhafter 
Briefverkehr unterhalten, der zum Teil durch die städtischen 
Läufer vermittelt wurde. 

Derartige Beziehungen zur Kurie sind der beste Beweis für die 
Bedeutung, welche man Cöln in Rom beilegte. Das Fehlen dieses 
Briefwechsels in Aachen dagegen zeigt zur Genüge, dass diese 
Stadt trotz ihrer Eigenschaft als deutsche Krönungsstadt im 
Auslande politisch doch als quantite negligeable galt. Der Um- 
stand, dass Aachen kein Episkopat besass, ist für die Entscheidung 
der Frage belanglos, weil der Erzbischof von Cöln ebenfalls nicht 
in Cöln, sondern in Bonn residierte. Ausserdem war das Ver- 
hältnis dieser Stadt zu dem geistlichen Oberhirten in Bonn viel- 
fach kein besonders liebevolles. Die Botengänge nach und von 
Rom waren übrigens keineswegs ein billiges Vergnügen; denn 
eine solche Reise kostete z. B. im Jahre 1375 nicht weniger 
als 154 m, eine für damalige Zeit sehr hohe Summe 1 . Dieser 
Bote war erheblich anspruchsvoller, als der städtische Läufer 
Martin, der einschliesslich Kleidung für die Reise hin und zurück 
mit rund 100 m auskam 2 . 

Ich habe nicht zuverlässig feststellen können, inwieweit 
etwa Reisen der Aachener Läufer darauf zurückzuführen sind, 
dass sich in der Stadt das Archiv des Landfriedensbundes befand, 
und ob während der Perioden, in denen der Landfriedensbund 



') Knippiug a. a. 0. Bd. II, S. 207: 20 francones mincio domini 
Constantini de Comu de curia venienti = 75 m. 14 francones mincio eiliiti 
versus curiam pro expensis suis = 49 m. Eidem 30 m pro expensis suis, 
quas hie fecit in Colonia. 

2 ) a. a. 0. S.^282: Petro misso Roine pro expensis suis et vestimontis 
99 m G ß. Wie bedeutend schon in früher Zeit der Reiseverkehr nach Rom 
gewesen sein umss^sieht man daraus, dass" in einer Urkunde vom Jahre 880, 
worin Theidradus und seine Frau Hereswiud der Cassiuskirehe in Bonn ein 
Stück Weinberg schenken, eine Strasse als|?„nach2Rom führend" bezeichnet 
wird: et est (vinia petia_una£iusta publica^strada ducens ad Romam (Neues 
Archivier Gesellschaft für ältere Ücschichtskundc Bd. XIII, Hannover 
1888, S. 159.). 



— 142 — 

in Aachen tagte, durch dessen Tätigkeit Botengänge veranlasst 
wurden. 

Man wird das Ergebnis der Untersuchungen über den Umfang 
des Briefverkehrs der Stadt Aachen folgendermassen zusammen- 
fassen müssen : 

1. Der gesamte Briefwechsel der Stadt entzieht sich wegen 
des Mangels an urkundlichen Nachrichten der Beurteilung. 

2. Die Korrespondenz der Stadtverwaltung ist in den ver- 
schiedenen Jahren überaus wechselnd, steht aber am Ende des 
14. Jahrhunderts der anderer grösserer Städte, soweit man die Zahl 
der Reisen berücksichtigt, nicht nach. Dagegen haben die Boten- 
gänge im Gegensatz zu Cöln vorwiegend lokalen Charakter. 

3. Sofern ausnahmsweise weitere Reisen stattfanden, handelte 
es sich fast stets um Briefwechsel mit dem Kaiserhof und den 
Kurfürsten. 

4. Die Beziehungen Aachens zur Kurie waren verschwin- 
dend gering. 

5. Es liegt kein Grund zu der Annahme vor, dass die grosse 
Zahl von Botengängen im Jahre 1394 auf eine Steigerung des 
politischen Ansehens der Stadt Aachen schliessen Hesse, sondern 
sie ist entweder zufällig oder durch die Neigung zu weitläufigen 
Schreibereien entstanden, die sich auch an anderen Stellen aus 
den Stadtrechnungen unschwer nachweisen lässt 1 . 

B. Zahl der Läufer und Aushilfsboten. 

Während aus den Cölner Stadtrechnungen ohne Schwierig- 
keit die Zahl der regelmässigen Läufer ermittelt werden kann, 
ist dies für Aachen nicht ohne weiteres möglich. Erschwert 
werden die Feststellungen durch die Lücken in den Rechnungen 
und das Fehlen näherer Angaben bei den Gehältern der Stadt- 
diener. Allerdings findet man an einzelnen Stellen der Rech- 
nungen zusätzliche Bezeichnungen, aus denen man schliessen 
könnte, dass die Beteiligten regelmässige Läufer waren; z. B. 
1385: den loefferen Winmar, Cloeschin ind Henkin, van gebreche 
van loyffen 9 m 2 s 2 . Jedoch wird Cloischin in dem Bruchstück 
der Kleiderrechnung von 1401 als „cloeschijn up die loewe" 

') Vgl. meine Ausführungen über die Gefangennahme des Stadtboten 
Kremer am Schluss dieser Arbeit. 
2 ) Laurent a. n, 0. S. 315. ». 



• --- 143 — 

aufgeführt, Henkin dagegen wird „der boede" genannt; d. 1). 
Henkin war Bote, Cloischin aber Rathausdiener. Eine derartige 
Benennung findet man bei Cloischin auch früher; 1394, über- 
haupt auch sonst wiederkehrend, erhält er den Zusatz „up 
den sal" 1 .^ 

Wenn Cloischin also auch nicht in erster Linie Bote war, 
so wurde er doch so häufig im Beförderungsdienst beschäftigt. 
dass die zusätzliche Bezeichnung „Läufer" nicht unberechtigt 
war. Dasselbe gilt von Wilnier, Halfnase und Arnold. 

Wollte man aus der Zahl der Botenabzeichen Schlüsse ziehen, 
so würde man 1394 etwa 8 Läufer zählen. Dies entspricht 
genau der Zahl der Boten, die 5 mal im Jahr und häufiger Reisen 
ausführten. Meine früher ausgesprochene Vermutung, dass die 
7 im Jahre 1394 angeschafften „Breifbussen" Abzeichen für 
Aushilfsboten waren, stimmt hiermit also überein. 

Auf Henkin, der allein regelmässig wiederkehrend die Amts- 
benennung „der Bote" führt, entfällt in diesem Jahre die bei 
weitem grösste Zahl der Botengänge, nämlich 59 ; dann folgen 
Arnold (26), Willmer (25), Cloischin (21), Halfnase (21), Pauls, 
Hoitzappel, Vieler (je 5). Ich glaube demnach nicht fehlzugehen, 
wenn ich behaupte, dass am Ende des 14. Jahrhunderts in 
Aachen nur eine feste Läuferstelle bestand, und dass die Stadt 
im übrigen diejenigen Stadtdiener im Beförderungsdienst ver- 
wandte, welche sie gerade verfügbar machen konnte. 

Aachen steht also hinter Cöln, wo 5 Boten regelmässig 
reisten, ganz erheblich zurück; um so mehr, als der eine Läufer 
auch als Landfriedensbote galt und vielleicht von Cöln sogar 
mit besoldet wurde 2 . 

Indessen fuhren die Aachener dabei ganz gut. Ohne die 
erheblichen Summen zu verausgaben, die für die Unterhaltung 
eines grossen Botenapparates aufzuwenden sind, standen sie nach 
aussen hin gross da. Während Cöln nur 5 Boten „cum pixidibus" 
hatte, erschienen aus Aachen deren 8, und bei dem Wechsel 
des Aushilfspersonals konnten die 8 Abzeichen 3 den Effekt noch 



') Laurent a. a. 0. S. 314, is, 325,7. 

s ) Vgl. die Zahlungen der Stadt Cöln an den Aachener Stadt- und Land- 
friedensboten Kaiart in dem Abschnitt „Aachener Botenreisen" in den Cölner 

Stadtrechnungen. 

■ 1 ) Ich möchte bei dieser Gelegenheit erwähnen, dass die Eotenabzeichen 
noch heute bestehen. Die Hilfsanspänner, die im Dienst der Rcichs-Post- 



— 144 — 

erheblich vergrössern. Ob dies Berechnung, Sparsamkeit oder 
vielleicht ein Gemisch von beiden war, wird man wohl schwer 
ergründen können. Praktisch war das Verfahren jedenfalls, 
weil man die Leute so am besten ausnutzen konnte und doch 
nicht hinter der Nachbarstadt zurückzustehen brauchte. 

In den älteren Rechnungen dagegen scheinen die Verhält- 
nisse anders zu liegen. Bestimmte Behauptungen kann man 
auch hier nicht aufstellen; denn wie ich gezeigt habe, beweist 
der einmalige Zusatz „Läufer" oder „Cursor" noch nicht ohne 
weiteres, dass der Bote auch eine Läuferstelle innehatte. In- 
dessen ist die Buchung von 1344: cursoribus civitatis datum ad 
emendum siliginem 1 doch so gefasst, dass man kaum annehmen 
kann, es habe damals nur eine Läuferstelle bestanden. Die Ver- 
gütung kann nur auf die Boten Christian und Kremer bezogen 
werden, die zu dieser Zeit ungefähr die gleiche Zahl von Reisen 
ausführten. Eine Verminderung der Läuferstellen könnte wohl 
befremdlich erscheinen; eine derartige Massnahme habe ich im 
Jahre 1378 aber ebenfalls in Hamburg gefunden, wo die zweite 
Läuferstelle unbesetzt blieb. 

Im übrigen wird man sich nicht darauf beschränken dürfen, 



Verwaltung beschäftigt werden, und die Postaushelfer tragen zur Kennzeich- 
nung ihrer Beamteneigenschaft ein Blechschild mit dem Reichsadler am Arme; 
in füherer Zeit war dies auch bei den Postillionen der Fall. — Während 
der Drucklegung der Arbeit habe ich übrigens eine Bestätigung dafür ge- 
funden, dass die „pixides" ursprünglich tatsächlich Büchsen oder Behälter 
zur Aufbewahrung der Briefe waren und an einer Schnur um den Hals oder 
am Gürtel getragen wurden. Sogar die Abbildung eines Boten in der Welis- 
lawschen Bilderbibel (Fürstl. Lobkowitzische Bibliothek in Prag) aus dem 
Anfang des 14. Jahrhundert zeigt noch einen solchen Behälter für Briefe. 
Vermutlich werden die grossen Siegel, die im Mittelalter den Briefen ange- 
hängt wurden, einer schützenden Hülle bedurft haben; der Bote der Bilder- 
bibel trägt einen Pergamentbrief mit solchem Siegel in der Hand. Vgl. auch 
Troj. 977: Wan er was aller gote böte Und seite eim iegelichen gote, 
Swaz boteschefte in ane gienc. Ein bühse an sinem gürtel hienc Mit brieven 
und mit macren. — L'empereur Constant (Nouvelles francaises S. 26): La 
pucielle ouvri la boiste e couraancha ä baisier les laitres e le saiiel de son 
pere. — Garin, Bd. I, S. 178: Lettres fist faire et saöier escris, Le nies 
en porte piain un barril; Bd. II, S. 103: De lettres porte li gars piain un 
barril Par la corgie a son col pendit (Bei Alwin Schultz a. a. 0. Bd. I, 
S. 174/175). 

') Laurent a. a. 0. S. 147, st. 



• — 145 — 

die ausschliesslich als Läufer beschäftigten Personen zu den 
Boten zu zählen, sondern man muss alle diejenigen Stadtdiener 
berücksichtigen, die regelmässig Botendienste ausführten, und auf 
die eine nennenswerte Zahl von Reisen entfiel. 
Hiernach ergibt sich folgende Übersicht: 

1333 Christian. 

1334 Christian; Kremer. 
1338 Christian; Kreraer. 

1344 Christian; Kremer; Johann. 

1346 Christian; Kremer; Stergin. 

1349 Kremer; Stergin; Triptrap; Kreyvel; Jo. de sco. Alberto. 

1353 Kremer; Stergin; Triptrap; Kreyvel. 

1373 Leonhard ; Triptrap. 

1376 Leonhard; Halfnase. 

1384 Wilmer; Cloischin. 

1385 Henkin; Cloischin; Wilmer. 
1391 Henkin; Cloischin. 

1394 Henkin; Cloischin; Wilmer; Halfnase; Arnold. 
1401 Henkin; Cloischin. 

Ein anderes Bild erhält man, wenn diejenigen Boten zusammen- 
gestellt werden, die häufig im Beförderungsdienst beschäftigt 
wurden, gleichviel wie hoch die Zahl ihrer Reisen in den ein- 
zelnen Jahren ist: 

1333 Christian. 

1334 Christian; Kremer; Kaskin. 

1338 Christian; Kremer; Kaskin; Ludwig. 

1344 Christian; Kremer; Johann; Ludwig. 

1346 Christian; Kremer; Stergin; Jo. de Juuciis; Triptrap. 

1349 Kremer; Stergin; Triptrap; Kreyvel; Jo. de sco. Alberto. 

1353 Kremer; Stergin; Triptrap; Kreyvel. 

1373 Triptrap; Leonhard; Halfnase. 

1376 Leonhard; Halfnase. 

1384 Wilmer; Cloischin. 

1385 Henkin; Cloischin; Wilmer; Halfnase; Arnoldinis. 
1391 Henkin; Cloischin; Arnoldinis. 

1394 Henkin; Wilmer; Cloischin; Halfnase; Arnold; Pauls; Hoitz- 

appel; Vieler. 
1401 Henkin; Cloischin. 

Die Beschaffung von Botenabzeichen für sämtliche Läufer 
und Aushilfsboten hatte meiner Ansicht nach seinen Grund nicht 



— 146 — 

nur darin, dass dem Boten ein Zeichen seiner Würde verliehen 
werden sollte., sondern das Verfahren hatte auch einen praktischen 
Zweck. In den Geleitsbriefen des Aachener Stadtarchivs aus 
dem Mittelalter findet sich niemals ein Hinweis, dass das sichere 
Geleit auch den Boten der Stadt zugesichert wird. Das Boten- 
abzeiclien wird vermutlich als Ersatz für diese Legitimation 
gedient haben; denn die pixides findet man in damaliger Zeit 
überall ebenso regelmässig vor, wie das Geleitswesen. 

C. Besoldung der Läufer. 

Unter dem Abschnitt Besoldung behandele ich sämtliche 
Vergütungen, die den Läufern und ihren Angehörigen in irgend 
einer Form, sei es bar, in Naturalien oder in sonstigen Vorteilen, 
gewährt wurden. Es fallen mithin unter diesen Teil: Gehalt, 
Botenlohn, freie Wohnung, Kleidung und Schuhwerk, Nebenein- 
nahmen, Geschenke, Entschädigungen bei Krankheiten und Dienst- 
unfähigkeit und Vergütungen an Verwandte der Boten. Da ein 
strenger Unterschied zwischen den Berufs- und Aushilfsboten, 
wie ich gezeigt habe, nicht gemacht werden kann, so habe ich 
beide Arten von Stadtdienern berücksichtigt. Dies ist unbe- 
denklich, weil im Mittelalter die Ratsdienerschaft (familia) im 
allgemeinen gleich behandelt wird, und zwar nicht nur in Aachen, 
sondern auch in anderen Städten. 

1. Gehalt. 

Ausser den sonstigen Vergütungen verschiedener Art, ins- 
besondere des Überschusses aus dem Botenlohn bezogen die 
Läufer schon im 14. Jahrhundert in den meisten Städten ein in 
bestimmten Zeiträumen zahlbares Gehalt. Knipping 1 nimmt zwar 
an, dass die Cölner Boten keine Besoldung erhielten, sondern 
nur wöchentlich ein Brotgeld von 8 — 10 ß 2 . Ich glaube aber, 
dass dieses Brotgeld nichts anderes ist, als eine wöchentlich 
zahlbare Besoldung; denn die Jahressumme entspricht ungefähr 
dem jährlichen Gehalt der Aachener Läufer im Jahre 1394 3 . 
Auch der Ausdruck „Botenbrot", der in den Stadtrechnungeu 

') A. a. 0. Bd. II, S. 3,7. 

8 ) Pro pane nunciorum. 

3 ) 30 m 4 s iu Aachen, 35—43 in in Cöln. 



— 147 — 



von dem Cölner Kämmerer einmal gebraucht wird, hat mit „Brot u 
gar nichts zu schaffen 1 . 

In Aachen sind in der Zeit nach dem Jahre 1349 die Ge- 
hälter der Stadtdiener monatlich in einer Summe verausgabt 



') Knippiug a. a. 0. Bd. II, S. 188: 1375. Malardo nuncio pro bodcn- 
broit, qnod castrmn fuit devictum 5 m. Brunn er (Das Postwesen in Bayern 
in seiner geschichtlichen Entwickclung von den Anfängen bis zur Gegen- 
wart) leitet das Wort „Botenbrot" davon ab, dass den Klosterboten im 
Mittelalter die Vergütungen für ihre Dienste hauptsächlich in Naturalien 
und unentgeltlicher Bewirtung gewährt wurden. Als Belege führt er folgende 
Stellen dar Pfründeordnung des Klosters Geisenfeld aus dem 13. Jahrhundert 
an: 1. Und swenn des probstes bot von der Laber oder er selb mit siuem 
dienst ze wihnacht cköint, so sol man siuen rossen vuters gnuc gebn, und 
sol im selben gebn einn magerpachen und ein slaufpraten und vier würst, 
und vier schöniv brot, und nimer des nahtes noch des morgens; 2. Die schein 
iriv ros also beraitiv mit aller der beraitscheft, div ze der zughöret, halten 
und swenn ir min vrow bedarf, so söln si ir riten, ie ainer ein vart, der 
ander div ander, und swenn si riten söln, so sol man in vuters des nahtes 
gnuk gebn ab dem chasten, und ie ein schon brot, und so er chömt alsam. — 
Brunners Beweisführung ist höchst anfechtbar. Die Stelle zu 1. bezieht sich 
gar nicht auf Brief boten, sondern auf einen Abgesandten, was zur Genüge 
aus der gleichen Verpflegung, die für Propst und Botcu vorgesehen ist, her- 
vorgeht. Das Zitat beweist also nichts. Zu 2. ist offenbar von Frohuleistungen 
für die Äbtissin die Rede, die zu Pferde ausgeführt werden. Der Reiter 
erhält abends (des nahtes hat hier offenbar diesen Sinn, vgl. die Worte 
„nimer des nahtes noch des morgens) Futter für das Pferd und ein Brot. 
Damit ist noch keineswegs gesagt, ob das] Brot für ihn bestimmt war, oder 
ob der Gaul damit gefüttert werden sollte. Der Ausdruck „Botenbrot" 
kommt in der Pfründeordnung gar nicht vor. Wie will der Verfasser also 
aus diesem einen, gar nicht zweifellosen"Fall allgemeine Schlüsse ziehen ? 
Das Wort „Botenbrot" ist keineswegs von „Boten" abgeleitet. Dies geht 
schon daraus hervor, dass z. B. eine Frau von ihrem Manne „Botenbrot" 
verlangt, als sie ihm die in Aussicht stehende Geburt eines Kindes errötend 
beichtet (Mai u. Beafl. S. 97, io: 

Si sprach'„lieber^herre min, 

Wizze, ich trage ein Kindelin, 

Nu gip mir daz botenbrot". 
Bei Alwin Schultz a.a.O. Bd. I, S. 142). Ebensowenig wäre es verständ- 
lich, dass ein kostbarer Mantel mit dem Ausdruck „Botenbrot" belegt wird 
(Sal. u. Mor. 1615: „Den zwein gap sie daz botenbrot, Einen vehen rannte! 
von golde rot" a. a. 0. Bd. I, S. 177). In den alten Handschriften wird zwar 
im allgemeinen das Wort „botenbrot" geschrieben, man findet aber auch Ab- 



— 148 — 

worden ! . Damit ist leider die Möglichkeit genommen, festzu- 
stellen, welchen Betrag der einzelne erhielt, und ob die Beziige 
verschiedener Diener von einander abwichen. In den Jahren 
1338 — 1349 sind die Rechnungen ausführlicher. Es wurden 
jährlich gezahlt: 

1338 — an Christian 13 m, Kremer 8 m 8 s, Kaskin 13 m; 
1344 — an Christian 13 m, Kremer 13 m, Johann 13 m; 
1346 — an Christian 13 m, Kremer 13 m, Triptrap 13 m; 
(Stergin ist nicht aufgeführt, obgleich die Gehälter 
sämtlich verzeichnet sind; er war also anscheinend in 
diesem Jahre noch aushilfsweise beschäftigt); 
1349 — an Kremer 30 m 4 s, Triptrap 30 m 4 s, Stergin 30 m 
4 s, Jo. de sco. Alberto 30 m 4 s (Kreyvel ist nicht 
erwähnt). 
Hierzu ist folgendes zu bemerken: Kremer bezieht im 
Jahre 1338 nur 8 m 8 s, Christian aber 13 m. Kremer hat 
mithin zwischen 1338 und 1344 eine Gehaltszulage bekommen; 
denn eine allgemeine Aufbesserung der Gehälter hat in dieser 
Zeit nicht stattgefunden. Im Jahre 1349 betragen die Besol- 
dungen mehr als das Doppelte, wie 3 Jahre vorher. Einige 
Stadtdiener sind von der Erhöhung jedoch ausgeschlossen; sie 
erhalten den gleichen Betrag, wie vorher 2 . Wenn auch im 
14. Jahrhundert die Kaufkraft des Geldes langsam zurückging, 
so lässt sich hiermit eine Steigerung der Besoldung um 130°/ 
doch nicht allein erklären. Auch der Umstand, dass einzelne 
städtische Beamte von der Erhöhung ausgeschlossen wurden, 
gibt zu denken. Es müssen also wohl andere Gründe mitge- 
sprochen haben. 

In den Stadtrechnungen befinden sich folgende Eintragungen: 
1338 — familie civitatis ipsis dat. quia parum lucrantur 17 m; 
scilicet cuilibet duas marcas; 



weichungeii, die auf die Entstehung des Ausdrucks hindeuten, z. B. petinbröt, 
petenbrot, pettenbrot, bättenbrot, böttenbrot, betenbrot. „Botenbrot" heisst 
also nichts anderes als „erbetenes Brot, Geschenk, erbetener Lohn". Die 
näheren Hinweise, wo die Zitate zu finden sind, gibt Grimm, Deutsches 
Wörterbuch Bd. II, Leipzig 1860, unter „Botenbrot". 

*) Monatlich 24 m 4 s, später 27 m 8 s (jährlich 316 m 4 s und 359 m 8 s). 

2 ) Clos Stockart, Byssenecken und Arnold Lymburg 1346 und 1349: 
13 in (Lymburg war Trompeter). Ebenso erhielt der Waldhüter nach wie 
vor 40 m. 



• — 149 — 

1344 — familie civitatis, quia parum lucrantur, dat. 18 m; 
1346 — familie civitatis dat. quia parum lucrantur 18 m 1 . 

Hieraus sieht man, dass die Stadtdiener auf Nebenerwerb 
angewiesen waren, und dass diese Nebeneinnahmen sehr spärlich 
flössen. Aus diesem Grunde wird man sich schliesslich, wenn 
auch vielleicht mit Widerstreben, zu der Gehaltsaufbesserung 
entschlossen haben. Wenigstens verschwinden die Nachzahlungen, 
„quia parum lucrantur", vom Zeitpunkt dieser Gehaltserhöhungen 
aus den Rechnungen. 

Besonders üppig war das Gehalt von 30 m 4 ß freilich 
auch nicht; denn der Pferdewärter Euskinus, der annähernd den 
gleichen Betrag wie Kremer erhielt 2 , nahm offenbar eine geringere 
Stellung ein, als dieser. 

Im Jahre 1349 wurden zwei Pferde mit 24 und 25 m, ein 
drittes Pferd mit 45 m 4 ß 8 d einschliesslich des Weintrunks 
beim Kauf bezahlt. Das Jahresgehalt des Kremer entsprach 
also 1349 etwa dem Wert eines nicht gerade hervorragenden 
Pferdes und 1346 noch nicht der Hälfte davon. Hätte der Bote 
nicht noch sonstige Einnahmequellen gehabt, so hätte ihm der 
Brotkorb reichlich hoch gehangen. 

2. Botenlöhne. 

Bei der grossen Übereinstimmung der mittelalterlichen Ver- 
kehrsverhältnisse in den einzelnen Städten kann man, wie bei 
vielen anderen Fragen, eine Erörterung der Botenlöhne nicht 
auf Aachen selbst beschränken, und zwar um so weniger, als 
die Läufer ihre Einnahmen in anderen Städten ergänzten und 
die Aachener Stadtrechnungen auf diesem Gebiet leider sehr 
wenig Aufschluss geben. 

Da die Höhe der Botenlöhne erheblichen Schwankungen 
unterlag, die zum Teil auf das Sinken der Kaufkraft des Geldes 
zurückzuführen sind, so inuss man bei diesen Feststellungen über- 
aus vorsichtig sein, wenn man nicht zu falschen Schlussfolgerungen 
kommen will. Ich halte es deshalb schon für bedenklich, Zeit- 
räume, die über 5 Jahre auseinander liegen, in eine vergleichende 
Übersicht aufzunehmen. Botenordnungen aus dem 14. Jahrhundert, 
die nähere Aufschlüsse geben können, fehlen leider, und die Be- 
rechnungsart der Strassburger Botenordnung aus dem 15. Jahr- 

') Laurent a. a. 0. S. 131, i; 159, 17; 188, u. 
s ) 27 m. 



— 150 — 

hundert kann man nicht ohne weiteres auf eine frühere Zeit über- 
tragen, weil nicht feststeht, ob auch früher gleiche Verhältnisse 
bestanden. Immerhin ist diese Botenordnung als Analogie wert- 
voll. Von zahlenmässigen Ergebnissen muss überhaupt für das 
14. Jahrhundert abgesehen werden. Es kann sich vielmehr nur 
darum handeln, zu ermitteln, in welcher Weise die Löhne be- 
rechnet wurden, und wer die Beträge zahlte. Da, wie ich gezeigt 
habe, die einzelne Summe mangels geeigneter Vergleichsobjekte 
doch nur ein toter Begriff bleiben wird, ist auf eine Feststellung 
zahlenmässiger Ergebnisse auch kein besonderer Wert zu legen. 

Ich beschränke mich bei meinen Erörterungen auf das 14. 
Jahrhundert und ziehe Verhältnisse späterer Zeiten nur insoweit 
heran, als sie zur Erläuterung geeignet sind. Ein Durcheinander- 
würfeln der Löhne verschiedener weit auseinanderliegender Zeit- 
abschnitte, wie sie in der Literatur des Verkehrswesens leider 
die Regel bildet, halte ich für einen grossen Fehler. 

Die besten Anhaltspunkte für die Ermittelung der Boten- 
löhne im 14. Jahrhundert gewähren die Hamburger Stadtrecii- 
nungen; ich werde deshalb diese Quelle zuerst besprechen und 
dann dazu übergehen, zu prüfen, inwieweit in Cöln und Aachen 
im 14. Jahrhundert ähnliche Verhältnisse bestanden. 

In den Jahren 1350 — 1355 wurden in Hamburg folgende 
Botenlöhne gezahlt: Nach Bergedorf 1, 1, 1, 1, 1, 4 ß; nach 
Harburg 1, 1, 1 ß; nach Oldesloe 2. 2, 2, 2 ß; nach Lauen- 
burg 3, 3, 4, 3, 2, 2 ß; nach Lüneburg 4, 3, 3, 5, 3, 3, 3 ß; 
nach Stade 3, 2, 2, 4, 2. 2 ß; nach Gottorp 8, 7 ß; nach Sege- 
berg 3, 5 ß; nach Boizenburg 4, 3 ß; nach Lübeck 3, 3, 4, 3, 
4, 3, 3, 4, 3, 3, 3, 4, 3, 3, 9, 4 ß 1 . Man sieht also: 1. die 
Beträge sind meist auf volle Summen abgerundet; 2. die nie- 
drigste Vergütung kommt gewöhnlich am häufigsten vor; 3. selbst 
bei nahegelegenen Orten, wie Bergedorf, finden sich Unterschiede 
bis zu 400 °/ . Hieraus könnte man schliessen, dass wahrschein- 
lich eine nach Entfernungen abgestufte feste Gebühr, eine 
Art Meilengeld, in Hamburg bestanden hat, oder dass für eine 
Reise nach einem bestimmten Orte einschliesslich des durch- 
schnittlichen Aufenthalts dortselbst eine Taxe festgesetzt war. 
Diese betrug anscheinend nach Bergedorf und Harburg 1 ß, 
nach Lauenburg und Oldesloe 2 ß, nach Lüneburg und Lübeck 

') Bei ganz nahe gelegenen Orten, z. B. BillwärderJ wurden noch niedrigere 
Beträge gezahlt, 



• — 151 — 

3 ß. Ferner, dass für einen längeren Aufenthalt eine Überlager- 
gebühr, je um 1 ß steigend, bewilligt wurde. Nun ist aber 
nicht anzunehmen, dass der nach dem nahe gelegenen Bergedorf 
abgesandte Bote, der statt 1 ß deren 4 erhielt, sich un ver- 
hältnismässig lange in diesem Orte aufgehalten habe; es müssen 




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vielmehr noch andere Umstände bei Berechnung der Entschädi- 
gungen mitgesprochen haben, nämlich vor allem die Beförderungs- 
gelegenheiten. Es ist doch ein wesentlicher Unterschied, ob der 
Bote die Reise zu Fuss, zu Pferde, zu Schiff oder zu Wagen 
zurücklegte, und ob das Pferd von ihm angemietet werden musste, 



— 152 — 

oder ob er für Unterhaltung des Reitpferdes eine jährliche Ver- 
gütung bezog. In dem einen Falle stecken die Kosten in der 
Summe des Botenlohns, im andern nicht. Die Stadtrechnungen 
von 1370 — 1375 enthalten genauere Angaben. Bei den einzelnen 
Reisen findet man zusätzliche Bezeichnungen folgender Art: 
(1374) Johanni Brunonis 5 ß, Lubeke pro equo; Thiderico 32 d, 
Horborch cum vectura; (1372) Thiderico Fabri 7 ß, Luneborch 
per quattuor noctes cum vectura; (1373) Gherlaco 5 ß, Lune- 
borch cum naulo. Hieraus geht hervor, dass die Boten Pferde, 
Wagen und Schiffe zu ihren Reisen benutzten, und dass, wenn 
nach einem Orte ein höherer als der Durchschnittsbetrag gezahlt 
wurde, keineswegs immer ein längerer Aufenthalt am Bestimmungs- 
orte vorausgesetzt werden kann. Die Angaben über die Dauer 
der Wartezeit am Bestimmungsort sind ziemlich zahlreich. Es 
erhielten z. B. bei Reisen nach Lübeck: 

Gerlach für einen Aufenthalt von 3 Tagen 4'/ 2 ß 1 , 3 Nächten 
6 ß, 4 Tagen 8 ß, 4 Nächten je 6 und 8 ß, 6 Tagen 8 ß; 
Herbert für 3 Tage 4 ß, 8 Tage 6 ß; 
Helmicus für 3 Tage 5 ß 4 d; 
Elverus für 3 Tage 6 ß. 

Selbst bei gleicher Aufenthaltszeit sind die Löhne für die- 
selben Läufer nach dem gleichen Orte also ganz verschieden. 
Auffällig ist aber die häufige Wiederkehr der Zusätze „per 
biduum, per triduum, per quattuor noctes, per octo dies" u. s. w. 
Es wird zwischen längeren, ein Nachtquartier erfordernden Auf- 
enthalten und solchen, an denen die Boten noch vor Abend ab- 
gefertigt wurden, also wohl ein Unterschied gemacht worden 
sein. Um unberechtigten Ansprüchen der Boten entgegenzutreten, 
bestand der Brauch, dass die Boten eine Aufenthaltsbescheinigung 
zurückbringen mussten. Diese Verpflichtung kann man für Strass- 
burg 2 und Hamburg im 15. und 16. Jahrhundert nachweisen. Es ist 
aber anzunehmen, dass als Kontrolle bei der Rechnungslegung über- 

') 1370 bildet die Abrundung auf volle Schillinge nicht mehr die Regel. 

2 ) Löper, Das Botenwesen und die Anfänge der Posteinrichtungen im 
Elsass, insbesondere in der freien Reichsstadt Strassburg. Archiv für Post 
und Telcgraphie. 1876. — Strassburger Eoteuorduung, 15. Jahrhundert „doch 
soll kheincr zu seinem nutz, desz wartgeltz halben mutwillig verziehen und 
jedesmal wie lang er warten müssen, schein und urkhund bringen, sonst 
soll man Ime nichts zu geben schuldig sein." Löper verwechselt in seiner 
Darstellung Gesandte und Brief boten. 



• — 153 — 

all und auch schon im 14. Jahrhundert derartige Bescheinigungen 
verlangt wurden. Da diese Zettel mit der Abrechnung über 
den Botenlohn ihren Wert verloren hatten, so sind Urkunden 
dieser Art der Nachwelt nicht erhalten geblieben. Nur durch 
Zufall ist ein solcher Zettel aus dem 16. Jahrhundert im Ham- 
burger Staatsarchiv von mir entdeckt worden l . Ich schliesse 
das Vorhandensein einer Bestimmung über Aufenthaltsbescheini- 
gungen der Boten im 14. Jahrhundert daraus, dass in den Stadt- 
rechnungen von Aachen, Cöln und Hamburg sich Hinweise auf 
die Dauer des Aufenthalts der Boten am Bestimmungsort finden. 
Die Gefahr einer Übervorteilung durch die Läufer war ja im 
14. Jahrhundert nicht geringer, als später. 

Die Botenlöhne sind natürlich schwer in ein bestimmtes 
System zu bringen, da so viele Umstände auf die Bemessung 
der Entschädigung einwirkten. Ausserdem kamen aber nocli 
andere Punkte in betracht, die auf die Höhe der Vergütung 
von Einfluss sein konnten. Diese Veranlassungen wurden zwar 
häufig in den Stadtrechnungen augegeben, es besteht aber keine 
Gewähr dafür, dass dies in allen Fällen geschehen ist, ja, es 
ist nicht einmal wahrscheinlich. Erstens rühren die Rechnungen 
meist von verschiedenen Kämmerern her, und jeder Mensch hat 
bekanntlich seine besonderen Gepflogenheiten; zweitens übertrugen 



') Der Zettel — eine Aufenthaltsbescheinigung für den Hamburger Rats- 
boten Hans Detleff, ausgestellt von dem Hamburger Senatsbeamten beim 
Reiehskammergerieht, Dr. Bödclman, 1598 — lag in dem Bande der Ham- 
burger Stadtrechnung von 1598 zusammeugeknifft als Lesezeichen und ist 
dadurch erhalten geblieben. Da meines Wissens ältere Bescheinigungen dieser 
Art nicht vorhanden sind, gebe ich den Inhalt des Zettels hier wieder: Von 
den Ehrnvesten Hochgelerten Fürsichtigen Achtbaren undt Hockweisen Herrn 
Burgemeister undt Rhat der Stadt Hamburg ist gegenwertiger Bot Hans 
Detlof mit schreiben ahn Derselben Advocaten und Prokuratorn haltend den 
18ten Juny alhir wol ahnkommen, uudt uf dato gegen abend widerumb ab- 
gefertiget. Auch solches sines ufenthalts und Wartens von mir Doktor Johann 
Bödelmann, gegenwertige Urkhund, under meiner handt subscription ihm zu- 
gestcllet worden. Signatum 9. July A° 98. Johan Bödclman Dr. — Auch 
an einzelnen Stellen der Hamburger Stadtrechnungen des 16. Jahrhunderts 
werden Abrechnungszettel erwähnt: 1563 — Frederick Hoier so he na dem 
pinnenberge und na Hiurick Rantzow vortert is Inholt sines scdcls 3 m 3 ii. 
1586, 13. Okt. betalt Bomhover dem baden so in 3 kcyserlyke conimisszion 
saken upgewartert des dages 4 ß ock so vor bher unde anders vermöge 
syncs avergeven sedeis is betalt worden is 11 m 9 ß. 



— 154 — 

die Kämmerer die Ausgaben in die Rechnungsentwürfe auf Grund 
von einzelnen Zetteln, auf denen sie vorläufig vermerkt waren. 
Hiermit sind so viele Möglichkeiten für Abweichungen gegeben, 
dass man aus dem Fehlen eines zusätzlichen Vermerks in 
den Rechnungen des 14. Jahrhunderts eigentlich gar nichts 
schliessen kann. 

Betrachten wir nun einmal, welche Kosten in den Boten- 
löhnen noch enthalten sein oder wodurch die Ausgaben sonst 
beeinflusst werden konnten : 

1. Die Briefbeförderung für andere Personen als 
den Auftraggeber: In den Cölner Stadtrechnungen erhielt 
z. B. der Ratsbote Peter 1377 für eine Reise nach Rom 99 in 
6ß ! , ein anderer Bote 15 m 5ß 2 , ein dritter 61m 8ß 3 . Solche 
Unterschiede sind nur unter der Voraussetzung denkbar, dass 
der Bote von mehreren Personen entlohnt wurde; denn die 
Summe von 15 m 5 ß konnte für eine so weite Reise allein 
unmöglich ausreichen. Die Ratsb )ten erhielten z. B. nach Braun- 
schweig 18 m 6 ß 4 , nach Basel 24 m 8 ß 5 , nach Lübeck 16 m 
10 ß 6 d 6 . 

2. Weite Entfernungen: Wenn ein Meilengeld gezahlt 
wurde, so konnte dies bei Orten, die häufiger bereist wurden 
oder in der Nähe des Absendungsorts lagen, wohl ohne besondere 
Schwierigkeiten festgestellt werden, nicht aber für abgelegene 
Gegenden. Man wird vielmehr, wie es auch in späterer Zeit 
noch geschah, in diesem Falle dem Boten die wirklichen Aus- 
lagen erstattet und eine Vergütung für die Mühe und Arbeit 
bewilligt haben. Jedenfalls ist auffallend, dass bei weiten 
Reisen die Summen fast immer auf volle Gulden aufgerundet 
wurden 7 . 



') Knipping a. a. 0. Bd. II, S. 309. 
2 ) A. a. 0. Bd. II, S. 286. 
:l ) 1378 — a. a. 0. Bd. II, S. 309. 
*) A. a. 0. Bd. II, S. 167 = 6 flor. 
») A. a. 0. Bd. II, S. 160 = 8 flor. 

6 ) A. a. 0. Bd. II, S. 375 = 5 flor. 

7 ) Im Hamburger Staatsarchiv befindet sich ein Botenzettel aus dem 
Jahre 1609, aus dem hervorgeht, dass der regelmässig nach Antwerpen 
reisende Bote Vessel zum ersten Mal auf einem anderen, als dem bis dahin 
üblichen Wege gereist war. Um nun die Unkosten auf der Reise festzustellen, 
liesseu die Auftraggeber jeden Betrag einzeln aufzählen, vermerkten auf dem 



• — 155 — 

3. Kleiderabnutzung: Das Reisen war im Mittelalter be- 
kanntlich eine unbequeme Sache. Die Boten waren gegen Wind 
und Wetter ungeschützt und nutzten infolgedessen ihre Kleidung 
sehr stark ab. Man musste ihnen deshalb bei weiten Reisen 
eine Entschädigung hierfür gewähren. Derartige Vergütungen 
finden sich in allen Stadtrechnungen, die mir zugänglich gewesen 
sind. In Cöln erhielt 1377 ein Bote, der nach Rom reiste, Boten- 
lohn „pro expensis suis et vestimentis" '. In Aachen sind häufiger 
Entschädigungen für Kleider- und Stiefelabnutzung gezahlt 
worden: 1346 reiste der Aachener Läufer Gottschalk Kremer 
dem Kaiser bis nach Kärnten nach 2 . Bei diesem anstrengenden 
Ritt verendete nicht nur sein Pferd 3 , sondern sein Mantel 4 
wurde so abgenutzt, dass er neu gefüttert werden musste (pro 
sufforraturo toge 16 ß). Ganz einfach mögen die Feststellungen, 
wie stark die Abnutzung war, nicht immer gewesen sein. 
Wenigstens Hess sich sogar in späterer Zeit noch der Hamburger 
Senat darauf ein, mit einem Boten längere Zeit über diese 
wichtige Frage zu verhandeln 5 . 

4. Reisen zur Nachtzeit: Für Reisen, die während der 
Nachtzeit ausgeführt wurden, erhielten die Boten eine erheblich 
höhere Vergütung. Dieser Gebrauch besteht übrigens noch jetzt 
bei der Reichs-Postverwaltung für Abtragung von Eilsendungen 
und Telegrammen nach Landorten. Wieviel mehr lag im Mittel- 
alter ein Bedürfnis vor, den Läufern für die Gefahren, die ihnen 
während der Nacht drohten, eine angemessene Entschädigung 
zu bewilligen! Ganz abgesehen von dem Räubergesindel, welches 
die Strassen als sein eigentliches Reich ansah, drohten auch 



Zettel die Summe, die dem Boten bar mitgegeben war, und rechneten hierzu 
einen Betrag „vor sine möge und arbeit uth unde tho hus", sodass eine 
runde Summe von 80 m herauskam. Dies Verfahren entspricht so sehr den 
Verhältnissen, dass es wohl auch im Mittelalter üblich gewesen sein wird. 

») Knipping a. a. 0. Bd. II, S. 282. 

2 ) Laurent a. a. 0. S. 183, 24-26. 

8 ) Entschädigung dafür 32 m. 

*) Da eine Vergütung für das Futter gezahlt wurde, muss „toga" Mantel 
bedeuten; deun das Kleiderfutter kann unmöglich so von der Witterung 
mitgenommen sein. 

6 ) Hamburger Stadtrechnungen 1588, 8. Juli — Bcrcndt Woltken dem 
baden so na Englandt gewesen vor ein half jar wegen siner klcdcr tho vor- 
schlytc so mit allem flite midt eme bedinget is 23 m G ß. 



— 156 — 

sonstige wenig erfreuliche Begegnungen, z. B. mit Löchern und 
Steinen; denn die üble Verfassung der Wege in damaliger Zeit 
ist allgemein bekannt. Es hat den Anschein, als wenn für 
nächtliche Botengänge das Doppelte der gewöhnlichen Ent- 
schädigung gezahlt wurde 1 . 

5. Verschiedenheit der Überlagergebühren in einzel- 
nen Städten: Die Aufenthaltskosten der Boten in den einzelnen 
Orten waren recht verschieden. Deshalb liegt es nahe, zu ver- 
muten, dass die Wartegelder den Boten nicht nach einem ein- 
heitlichen und gleichmässigen Tarif gezahlt wurden, sondern dass 
bis zu einem gewissen Grade diesen Verhältnissen Rechnung 
getragen wurde. Die Boten bezogen ein niedriges Gehalt, und 
da sie infolge der häufigen Abwesenheit von ihrer Heimatsstadt 
wenig Gelegenheit zu Nebenerwerb hatten, so musste ihnen ein 
gewisser Überschuss als Gewinn vom Botengelde verbleiben. Ein 
alter Erfahrungssatz sagt, dass ohne solche finanziellen Vorteile 
niemand dauernd anstrengende Reisedienste ausführen wird. Für 
nichts trägt man seine Haut nicht zu Markt; dass die weiten 
Reisen durch Wind und Wetter aber gerade der Gesundheit 
förderlich waren, wird niemand behaupten wollen 2 . 

Nun ist es zwar nicht möglich, den positiven Nachweis zu 
erbringen, dass im Mittelalter eine Abstufung der Wartegelder 
nach den Teuerungsverhältnissen stattfand. Immerhin spricht 
der Umstand dafür, dass im 16. Jahrhundert noch solche Unter- 
schiede gemacht wurden. Die Buchungsart der Hamburger Stadt- 
rechnungen des 16. Jahrhunderts über Botenlöhne stimmt, abge- 
sehen von der grösseren Ausführlichkeit mit der der Hamburger, 
Cölner und Aachener Rechnungen des 14. Jahrhunderts ziemlich 
überein. Wenigstens kommt es überall vor. dass die Botenlöhne 
nicht in einer Summe vergütet, sondern zum Teil bei der Abreise, 
zum Teil bei der Rückkehr gezahlt wurden. Die Beträge für 
das Wartegeld im 16. Jahrhundert waren aber nicht nur in 

') Knipping a. a. 0. Ed. II, S. 173. — 1375. Malart misso Aquis 
tempore nocturno 5 m — S. 356. — 1380. — Wisroch niisso Ratingen de 
nocte 2 in. — Hamburger Stadtrechnungen 1300. — Körte Nicoiao, nuncio 
secreto, qui nocturno tempore missus fuit Molne. (Der Betrag fehlt in dem 
Auszug, die Originalrechnung ist verbrannt.) 

2 ) Auch die Vergütungen des jetzt im Bahnpostdienst beschäftigten 
Personals müssen so bemessen werden, dass den Beamten ein Überschuss 
über die Mehrausgaben hinaus verbleibt. 



• — 157 — 

einzelnen Städten verschieden (Hamburg, Bremen, Emden, Hildes- 
lieim, Wolfenbüttel 4 ß, Prag C ß, Speier 8 ß), sondern die 
Überlagergebuhr wurde auch mit der Zeit erhöht (in Prag von 
6 auf 8 ß, in Bremen von 4 auf 5 ß, in Speier von 8 ß auf 
8 ß 3 d). ^ Weshalb soll man im Mittelalter anders verfahren 
sein und den Boten in besonders teuren Orten dieselbe Vergütung 
wie an billigen Plätzen gewährt haben ? Dadurch wäre z. B. 
in Aachen der regelmässige Läufer, der die Reisen nach dem 
Kaiserhof auszuführen pflegte, in ganz ungerechtfertigter Weise 
geschädigt worden. 

6. Tor- und Brückengelder: In den Vorschlägen zur 
Umgestaltung der Finanzverwaltung der Stadt Aachen (1400 — 
1428) x befindet sich eine Stelle, in der die Vergütungen an die 
Torwächter mit erwähnt werden 2 : „mer geven sy eynich ungelt 3 
buyssen yre tzeiringe, als van geleede, cancelrieen, doerenwech- 
teren off anders yemant . . . dat sal un die stat keren ind geven 
boven unnen gesatten loen 4 aen argelist". Hiernach ist anzu- 
nehmen, dass auch die Läufer solche Gebühren entrichten mussten, 
wenn sie auf ihr Klopfen mit dem Klopfring, an der Schalltafel 
oder der ehernen Schüssel, die zu diesem Zwecke wohl am 
Tor angebracht war 5 , nicht auf Schwerhörigkeit des Pförtners 
stossen wollten. Auch in den Stadtrechnungen finden sich Hin- 
weise dafür. Im allgemeinen werden wohl die Torgelder im 
Botenlohn enthalten gewesen sein, doch wurden im Jahre 138G 
den Torwärtern von Jülich und von Lüttich je 12 ß geschenkt. 
Da beide Beträge genau übereinstimmen, so ist nicht ausge- 
schlossen, dass man in diesen oft von Aachener Boten berührten 
Städten der Bequemlichkeit halber eine Pauschsumme für das 
Öffnen der Tore zahlte. Wenn die Torwächter auch wahrschein- 
lich die Verpflichtung hatten, das Tor am Tage unentgeltlich 



') Loersch, Achener Rechtsdenkmäler aus dem 13., 14. uud 15. Jahr- 
hundert, S. 201. 

2 ) „sal man zweyne guede man ordinieren, die der stat dagc buyssen 
bewaren soellen mit vier, vouff off seys perden zen hoexten zo rideu, wilche 
alle dage haven soellen unnen gesatten loen na deme sy perde haveu . . . 
inde soellen alle zijt bereyt syn, wanne dat unre eyn off beder noit is zo 
riden. . . . 

8 ) Unkosten. 

*) Ausser ihrem festgesetzten Lohn. 

6 ) Alwin Schultz a. a. 0. Bd. I, S. 33/34. 



— 158 — 

zu öffnen, so war man bei später Ankunft und bei anderen Ge- 
legenheiten doch häufig auf ihre Gefälligkeit angewiesen, selbst 
noch zur Zeit, als schon die Posten verkehrten. 

7. Geleitsbriefe: Ein nicht unerheblicher Teil der Boten- 
gänge erfolgte zu dem Zwecke, die Geleitsbriefe von den Terri- 
torialfürsten zu beschaffen. Die Vergütungen für die Ausfertigung 
dieser Briefe wurden vielfach mit dem Botenlohn zusammen 
verrechnet. In einzelnen Fällen handelt es sich dabei um 
grössere Summen 1 , in anderen um kleinere Beträge 2 . 

8. Beförderung von Tieren, Geldern und Waren: 

a) Tiere: In den Aachener Stadtrechnungen kommen mehrere 
Fälle vor, in denen Boten lebende Tiere befördern, und zwar 
Pferde und Ochsen: 

1385 Henkin van Coelne vurt Quecken 1 pert zu Coelne (Wein- 
spende) 3 . 
„ Schobbenhagen gesant zu Coelne mit'eym perde, Quecken 

26 ß 4 . 
„ Wymmer myt den eyrsten oysse gesant zu Riifferscheit 
26 ß. essen 2 ß. 

Weshalb Wilmer bei der Fortschaffung des Ochsen ausser 
der regelmässigen Vergütung von 26 ß noch 2 ß für Verpflegung 
erhält, ist nicht ohne weiteres ersichtlich. Vielleicht wird sein 
Reisegefährte es nicht so eilig gehabt haben, als er selber, sodass 
die Reise länger als gewöhnlich dauerte und Wilmer sich unter- 
wegs stärken musste 5 . 



') 1394 — 3. Monat Cöln 18 m 9 ß; 10. Monat unbekaunter Bestimmungs- 
ort 88'/ 2 in. 

2 ) Knipping a. a. 0. Bd. II, S. 180. 1375 — Wisroch ex defectu de 
litteris conductivis 5 m 6 ß. — Hamburger Stadtrechnungen 1350 — Nuncio 
Luneborgcnsi G ß cum litera ducatus. 1351 — Alberto 2 ß pro litera 
ducatus. 1355 — Pro litera ducatus, Wulveken, qui portavit dictam literam. 

s ) Laurent a. a. 0. S. 300,35. 

4 ) A. a. 0. S. 311,3. 

e ) A. a. 0. S. 304, 20. Als Seitenstück zu diesem Vorkommnis möchte 
ich das aus dem 17. Jahrhundert herrührende Stammbuch eines Breslauer 
Studenten im Kunstgewerbemuseum zu Hamburg erwähnen, in welchem auf 
einem Blatte ein Bote abgebildet ist, der sich mit einem störrischen Ochsen 
herumquält. — In den Hamburger Stadtrechuungen wird sogar der Transport 
eines lebenden Hirsches erwähnt: 1377 — 10 ß famulo, qui portavit cer- 
vum vivum. 



— 159 — 

b) Wild: Die Beförderung von Wild durch die Boten kam 
im Mittelalter sehr häufig vor. Als Geschenk konnte man natür- 
lich nur grössere jagdbare Tiere überreichen lassen; Küchen- 
hasen, Kaninchen und dergleichen minderwertiges Getier wird 
in den Rechnungen nicht erwähnt. Vielfach wird der allgemeine 
Ausdruck „carnes ferinae" oder „Wilbret" gebraucht 1 , es werden 
aber auch ausdrücklich erwähnt Rehböcke 2 , Wildschweine 3 und 
Hirsche 4 . Das Geschenk, welches die Boten vom Empfänger 
erhielten, war anscheinend nach dem Wert des Tieres, welches 
sie überbrachten, abgestuft; der Hirsch galt als das edelste 
Wild, dann folgte das Wildschwein. Ob die Boten für die Fort- 
schaffung der Präsente, die ja ein recht ansehnliches Gewicht 
hatten, eine erhöhte Vergütung vom Absender bekamen, habe 
ich nicht feststellen können, da bei abreisenden Boten niemals 
ein Zusatz vorhanden ist, der auf Mitgabe von Wild schliefen 
liesse. Das ist auch gar nicht auffällig, weil derartige Ge- 
schenke in der Regel von Fürsten und Prälaten ausgingen, die 
über ausgedehnte Jagden verfügten, während die Städte immer- 
hin weniger Gelegenheit dazu hatten. Anderes Vieh wäre aber 
ein wenig standesgemässes Geschenk für Fürsten gewesen; 
denn die ritterliche Gesellschaft gab dem Wildpret entschieden 
den Vorzug 5 . 

c) Fische: Ausser Wildpret verschenkte man im Mittel- 



') Knipping a. n.O. Bd. II, S. 171. 1374 — nuncio portanti carnes ferinas 
3 m. — S. 195 — 1375 — nuncio portanti carnes ferinas de comite de Monte 
6 m 8 ß. Laurent a. a. 0. S. 278,26. 1383 — unss heren bode van Coellen 
brait wilbret Im. — S. 2 r t9, 15. des herzogen bode van Guylche braicht wil- 
bret 6 ß. 

') Hamburger Stadtrechnungen — 1353 — nuncio der Wackerbarde, 
qui portavit capriolum 4 ß. — cuidam 2 ß, qui portavit capriolum. 

*) Knipping a. a. 0. Bd. II, S. 31 — 1370 — nuncio ducis Juliacensis 
portanti porcum silvestre 9 in. Hamburger Stadtrechnungen 1370 — 10 ß 
nuncio abbatis in Hersevelde, qui portavit porcum indomitum. 

4 ) A. a. 0. Bd. II, S. 162 — 1374 — nuncio presentanti domiuis nostris 
cervuin ex parte domini Coloniensis 10 m. Hamburger Stadtrechnungen 
— 1358 — 8 ß cuidam nuncio, qui portavit de Conrado de Ritzerow damas 
duas. — 1369 — 1 üb nuncio domini Henrici comitis, qui portavit cervum. 

6 ) Alwin Schultz a. a. 0. Bd. I, S. 385. Der Hamburger Senat ver- 
wendete gelegentlich solche Spende als Wandergeschenk. 1387: 4 ß nuncio 
portanti capriolum, quem dominis consulibus miserat dominus Johannes 
Hummersbuttel et quem consulcs ulterius miserunt domino espiscopi Lubicensi. 



— 160 — 

alter auch Fische, meist grösseren Umfangs, deren Beförderung 
ebenfalls durch die Boten stattfand. So brachte der Cölner Bote 
Peter im Jahre 1375 dem Minoritengeneral Fische 1 , ebenso Malart 
und Peter in demselben Jahre Wein und Fische 2 . In den Ham- 
burger Stadtrechnungen werden Häringe, in den Aachener 
Rechnungen ein Kabliau erwähnt, der, nach dem Preise von 
3'/ 2 m zu schliessen, einen recht stattlichen Umfang gehabt 
haben muss 3 . 

d) Wein und sonstige Getränke: Es war im Mittel- 
alter üblich, Fürsten, Prälaten und Ritter, zu denen die Städte 
in näheren Beziehungen standen, oder von denen man besondere 
Gefälligkeiten erwartete, mit Fässern eines eigenartigen Getränks 
(Meth) zu beschenken. Die Übergabe der Geschenke erfolgte 
unter besonderen Höflichkeitsformen: Es ging ein Bote mit, um 
die Fässer zu präsentieren 4 . Ausser diesen grösseren Geschenken 
wurden aber auch häufig kleinere Spenden an Wein an die 
Fürsten gesandt; denn es ist wohl ausgeschlossen, dass alle die 
Empfänger des Weins sich in Aachen aufgehalten haben können. 
Bei einzelnen Eintragungen ist ein Zusatz vorhanden, der sich 
ausdrücklich auf den Bestimmungsort bezieht 5 . Die Boten werden 
bei Gelegenheit diese Weinsendungen wohl mitgenommen haben, 
wenn auch nicht in jedem einzelnen Falle. 

e) Geld: Da man damals kein Papiergeld kannte, so mussten 
Geldbeträge stets in klingender Münze verschickt werden. Die 
Beförderungsart dieser Summen habe ich nicht genügend auf- 
klären können. Es würde dazu eingehender Untersuchungen 
bedürfen, die über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen würden. 
Jedenfalls ist aber in sämtlichen Stadtrechnungen eine grosse 



') Kuipping a. a. 0. Bd. II, S. 177. 
3 ) A. a. 0. S. 187. 

3 ) Laurent a. a. 0. S. 335, se. — 1385 — Heukijn der boede gesant 
zu Birgel um heren Kunen kneits wil 3 m. ind eynen bolche 3 72 m. Da 
beide Ausgaben unter einer Rubrik erwähnt werden, werden sie sich jedenfalls 
auch auf Ilenkin beziehen. 

4 ) A. a. 0. 331,2i. 1385 — des buschoffs inede van Coelne kost 
zu vuren zu Lechenich 11 m. Leonarde de myt ginge den mede presen- 
tiren 3 m 9 s. 

6 ) A. a. 0. S. 332, 24. heren Johanne Nyse 1 (Sleyde). 338, ss, Mathise 
Yveltz 2. cum soc. (Ocpen). Auch die Spenden für Wirte in anderen Städten 
sprechen für diese Aunahrae. 



^ '■ 



— 161 



Zahl von Geldentschädigungen Dach ausserhalb nachweisbar, 
deren Weitersendung nicht ersichtlich ist. Möglich, ja vielleicht 
wahrscheinlich ist, dass der Bote des Geldempfängers, der die 
Quittung überbrachte, in der Regel die Summe mitnahm. Ein 
anderer Teil der Zahlungen erfolgte aber auch durch Mittels- 
personen in der Stadt, welche die Geldgeschäfte für den Fürsten 
oder Ritter wahrnahmen; da unter ihnen auch ein Goldschmied 1 
erwähnt wird, und diese bekanntlich in der Entwickelungs- 
geschichte der Depositenbanken eine Rolle spielen, so ist nicht 
ausgeschlossen, dass man es hier mit den Uranfängen des Giro- 
verkehrs zu tun hat. In den Stadtrechnungen des 14. Jahr- 
hunderts ' wird die Beförderung von Geldbeträgen nicht häufig 
erwähnt 2 . Damit ist aber noch nicht gesagt, dass sie selten 
stattfand; im Gegenteil findet man im 15. und 16. Jahrhundert 
oft solche Geldübermittelungen durch Boten, was entschieden 
gegen diese Annahme spricht. 

f) Sonstige Gegenstände: In den Cölner Rechnungen 
findet sich ein Vermerk „nuncio portanti clustra" 4 . Clustra wird, 
da es unmittelbar darauf mit sera (= Querriegel) verbunden ist, 
gleichbedeutend mit claustra sein und „Schlösser 11 bedeuten. 
Ausserdem kommt noch falsches Geld vor ft . Zur Fortschaffung 
grösserer oder zahlreicher Gegenstände bedienten sich die Boten 
anscheinend eines Netzes; wenigstens ist in den Hamburger 
Stadtrechnungen davon die Rede, dass ein Bote seine Netze 



J ) Knipping a. a. 0. Bd. II, S. 150 - Wilhelmo Stail de Holstein 
de concivilitate sua per mag. Tilmannum Stail, aurifabrum 100 m. — Der 
Ritter war Erbtruchsess (a. a. 0. S. 160). Die Namensübereinstiinmung ist 
ohne Bedeutung. 

2 ) Laurent 209,4, 301,?. — Henkln den boede van den gelde zu vuren 
zu Antwerpen, van Peter van Lovenberg 7 in 4 ß. du hee du quam, gaff 
man eme du 2 m. Aus dieser Eintragung geht hervor, dass der Botenlohn 
bei der Rückkehr des Boten verrechnet wurde und dass wahrscheinlich die 
Summe von 2 m auf die ganze Entschädigung angerechnet worden ist. 

s ) Knippiug a. a. 0. Bd. II, S. 199. 

*) Ebendaselbst: pro clustris et seris super porta Gallorum 4 m. 

6 ) Hamburger Stadtrechnungen 1355 — Nuncio Bremens!, qui portavit 
falsos denarios 1 m. Falschmünzer wurden damals in einer Pfanne lebendig 
gesotten. — A. a. 0. 1385 — H'/a Eb 3 ß Thiderico koppersleghere pro una 
sartagine in qua falsarius monete bulliebatur. — 1375 — pro una certagiu-, 
pro lignis et pro precio, do de velscherc zoden ward, 10 'S, 9 ß. 



— 162 - 

verloren hat 1 . Die Verwendung von Netzen zum Zusammen- 
halten von Lasten ist übrigens im Mittelalter auch sonst üblich 
gewesen; auf einer Miniatur im Hortus deliciarum der Herrad 
von Landsberg sieht man einen Trossknecht mit zwei Pferden, 
von denen das vordere einen mit Netzwerk umschnürten Sack 
trägt *. 

Endlich ist noch zu beachten, dass bei der Bemessung der 
Botenlöhne ein Unterschied zwischen den Dienern der Stadt und 
anderen Personen gemacht wurde. Dies Verfahren gründet sich 
darauf, dass die von der Stadt besoldeten Personen sich mit 
einer geringeren Einnahme begnügen konnten, als fremde Boten; 
ferner, dass den Dienern fremder Ritter, Fürsten oder von 
Privatpersonen, die aus Gefälligkeit Botengänge für die Stadt 
besorgten, ausser dem Botenlohn ein Trinkgeld bewilligt wurde 3 . 
Gewisse Unterschiede entstanden auch durch die Umrechnung 
der verschiedenen Münzsorten in die Währung der betreffenden 
Stadt. Bekanntlich waren diese Umrechnungskurse zeitweise 
sehr schwankend 4 . 

Ich glaube, hiermit nachgewiesen zu haben, dass bei der 
Berechnung der Botenlöhne im 14. Jahrhundert so mannigfache 
Umstände zu berücksichtigen sind, dass es kaum möglich ist, 
genau zu ermitteln, nach welchen Grundsätzen die Reiseent- 
schädigungen berechnet wurden, sofern es nicht gelingt, Boten- 
ordnungen oder ähnliche Archivalien zu ermitteln. Für Aachen 
kann man jedoch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit annehmen, 
dass bei Orten, deren Entfernung bekannt war, eine feste, gleich- 
massige Vergütung für die Reise selbst gezahlt wurde. Während 
nämlich sonst die Botenlöhne ausserordentlich schwanken, tritt 
zur Zeit der Belagerung von Reifferscheid im Jahre 1385 eine 
seltsame Übereinstimmung der Vergütungen für Reisen dorthin 
ein; es werden regelmässig 2 m 2 ß gezahlt. Hierfür gibt es 
nur die eine Erklärung, dass die Entschädigung für den Auf- 



') A. a. 0. 1372: Nuncio Willekini Lappen 3 ß, quando sua recia sibi 
fuerunt ablata. 

2 ) Alwin Schultz a. a. 0. Bd. I, S. 56. 

3 ) Aachener Stadtrecknung — 1394 — 7. Monat: Reynart Lulz kuecht 
gesant ain den greve van Morse 4 in 10V 2 ß- It. gaf hoin ze verdrenken 
2 l / a m. Das Trinkgeld betrug mithin mehr, als die Hälfte des Botenlohns. 

4 ) 1385 z. B. wird der Gulden zu 3 m 8 ß und zu 3 m 9 ß, 1349 zu 
1 m 9 ß und 2 in gerechnet (Laurent a. a. 0. S. 416 und 418). 



s ' 



1G3 



enthalt am Bestimmungsort wegfiel, weil der Bote im Lager 
des Aachener Contingents Unterkunft und Verpflegung erhielt. 
Es kamen demnach lediglich die eigentlichen Reisekosten in 
betracht. Wäre nun in Aachen nicht ein bestimmtes Meilengeld 
gezahlt worden, so würden nicht bei sämtlichen 22 Reisen 1 regel- 
mässig gerade 2 m 2 ß verausgabt worden sein, sondern es 
hätten in einzelnen Fällen kleinere oder grössere Abweichungen 
stattgefunden. 

Für die Beurteilung der Botenlöhne ist auch die Frage von 
Bedeutung, ob für einen Teil der Reise die Kosten vom Empfänger 
getragen wurden, wenn er die Antwort dem Boten gleich mit- 
gab, oder ob stets dein Absender die ganze Ausgabe zur Last 
fiel. Diese Frage ist nicht leicht zu entscheiden, weil die An- 
gaben der Stadtrechnungen auch hier nur geringe Anhaltspunkte 
gewähren; ich will aber doch versuchen, sie, soweit es eben 
möglich ist, zu erörtern. 

Aus den Cölner Rechnungen sieht man deutlich, dass bei 
weiteren Reisen dem Boten eine runde Summe mitgegeben wurde, 
dass er seine Auslagen unterwegs davon bestritt, den Mehr- 
betrag aus seiner Tasche auslegte, und dass bei der Rückkehr die 
endgiltige Abrechnung erfolgte 2 . Die Nachzahlungen kommen aber 
auch sonst häufig vor und zwar selbst bei nahe gelegenen Orten. 
Die Beträge, die hierfür verausgabt wurden, schwanken sehr 
erheblich; teils sind sie dem ursprünglich gezahlten Betrage 
gleich, teils sind sie wesentlich höher oder niedriger als diese. 
Ausserdem kommen Fälle vor, in denen die Boten den mit- 
gegebenen Betrag nicht verbrauchten, sondern einen Teil davon 
wieder ablieferten. Damit ist bewiesen, dass die Boten in Cöln 
in allen Fällen von der Stadt für die ganze Reise hin und zurück 
bezahlt wurden 3 . Mau könnte vielleicht einwenden, die Rück- 



>) 1385 — 3. Monat: Wihner 2, Cloischin 4 Reiseu; 4. Monat: Wil- 
mer 2, Cloischin 7 Reisen; 5. Monat: Wilnicr 2, Cloischin 3. Iienkin 1, 
Arnoldinis 1 Heise = 22. 

s ) Knipping a. a. 0. Bd. II, S. 316. Petro nuncio de resa Romana 
47 m (durchstrichen 40 m ad bouum computum). S. 83. Malart misso 
Maguncie, Frankenvort ad bouum computum 5 m, item ex defectu 2 m G ß. 
Solche Zusätze ex defectu kommen häufig vor, z. B. 1380 in 27 Fällen. 

3 ) Knipping a. a. 0. Bd. I, S. 25. 1375. 9 m 3 ß reportavit Malar;. 
de resa sua ad iinpcratorem (Reiscentschädiguug 21 m 7 ß, Knipping 
a. a. 0. Bd. II, S. 193). — S. 43. 1384. a Theodorieo nuncio ilominoruni 



— 104 - 

lieferung dieser Summen sei gerade darauf zurückzuführen, dass 
die Kosten der Rückreise ihm von anderer Seite vergütet worden 
seien. Wäre das der Fall, so müssten aber in den Jahren 
1370 — 1380 derartige Rücklieferungen öfter als ein einziges Mal 
erfolgt sein. 

Betrachtet man die Frage vom rein menschlichen Stand- 
punkt, so wird man zu demselben Ergebnis kommen. Wenn 
heute jemand einen Boten schickt, der vom Empfänger eine 
Antwort mit zurücknimmt, so wird ihm dieser ein Trinkgeld 
geben und allenfalls für seine Verpflegung sorgen, aber nicht 
die Kosten für den Rückweg bezahlen. Wer einen Boten ab- 
sendet, weiss auch, dass dieser wieder zurückkehren muss, und 
er wird ihm gleich bei der Abreise die nötigen Reisegelder mit- 
geben. Anders wird man auch im Mittelalter nicht gehandelt 
haben. Die zahlreichen Entschädigungen an die von ausser- 
halb kommenden Boten sind deshalb entweder Trinkgelder, Ver- 
gütungen für den Aufenthalt über die übliche Zeit hinaus oder 
sonstige Zahlungen. Lässt jemand aus Bequemlichkeit oder aus 
anderen Gruden den Boten länger als üblich warten, so muss 
er für die Mehrausgaben, die dadurch entstehen, aufkommen, 
das erfordert die Höflichkeit. In den Stadtrechnungen kommen 
Zusätze vor, aus denen solche Zahlungen unzweifelhaft nach- 
zuweisen sind 1 . 

Ein erheblicher Teil der Vergütungen an die Boten wird 
als Trinkgeld anzusehen sein 2 . In den Aachener Stadtrech- 



nostrorum 8 in, quas reportavit, quando niissus fuit cum mag. Thoma ad 
regem. — S. 61. 1392. a Scheilk(iu) uuncio 1 fl., quem reportavit de con- 
duetu. S. 85. 1419. wederuntfangen vaii Wilhelm dem boiden 8 ß. 

') Laurent a. a. 0. S. 127,27. 1338: nuncio Spirensi ferenti litteram 
de facto Jo. de Brandenburg, quia non potuit cito expediri, 1 m. sibi dat. 
— A. a. 0. S. 273,n. 1384: bczailde man deme boede sine Kost von 
Triecbt 1 m. 

2 ) Diese Trinkgelder wurden den Empfängern gelegentlich geradezu 
abgefordert, wie die beiden nachstehenden Briefe beweisen, in denen die be- 
teiligten Fürsten die Stadt Frankfurt bitten, den Überbringern für die Über- 
mittelung der Hochzeitsankündigung ein reichliches Trinkgeld zu geben. 
Hierdurch erklärt sich auch die sonst auffällige Erscheinung, dass so häufig 
in Aachen (auch in Hamburg und Coln) mehrere Boten beschenkt werden; 
ja es scheint sogar, dass die Fürsten und Ritter in der Aachener Umgegend 
jede Gelegenheit bei dem Schopf ergriffen, um von der Stadt solche Ge- 
schenke für ihre Diener zu erhalten, da selbst gewöhnliche Ritter am Ende 



• — 165 - 

nungen finden sich einzelne Buchungen, die man nicht anders 
auslegen kann ', bei anderen Posten ist man allerdings auf Ver- 
mutungen angewiesen. In den Cölner Rechnungen wird wieder- 
holt der Ausdruck „Trinkgeld" für diese Entschädigungen ge- 
braucht 2 . Aber auch die Kanzleigebühren für Geleitsbriefe spielen 
eine Rolle dabei 3 . 

Man kann die Ergebnisse der vorstehenden Untersuchungen 
kurz folgendermassen zusammenfassen: 

1. Die Ermittelung der Bestandteile, aus denen sich die 
Botenlöhne zusammensetzten, ist im einzelnen Falle unmöglich, 



des 14. Jahrhunderts sehr häufig mehrere Pfeifer nach Aachen sandten. Eine 
allgemeine Heiratsepidemie wird in dieser Zeit nicht gerade ausgebrochen 
sein, und von einer Zunahme der Zahl von Geburten weiss mau auch nichts. 
(Pfalzgraf Johann schrieb im Oktober 1427 an den Frankfurter Rat: „Wir 
schicken czu uch diß farende lute, und bitten uch, ir wellet die außrichten 
und begaben von unser hochzeite und unser lieben haussfrawen und gemaheln 
heimfart wegen; das wollen wir gern umb uch beschulden." — Markgraf 
Friedrich von Brandenburg desgl. Juli 1441: „czu der herezogiu Kathar. czu 
Sachsen unnser lieben gemahel elichen czugelegt; darumb komen czu uch 
unnser pfeiffer, trumeter und diener, disse gegeuwertigen, uch unser beyligen 
ezuverkundeu; bitten wir uch mit allem fleis, ir wollet den genanten unnsern 
dinern umb desselben unnsers beylegers willen furderung, gunst und guten 
willen beweisen, das wollen wir umb uch alzeit gern beschulden". — Kriegk 
a. a. 0. Neue Folge, S. 379. „Gunst und guten Willen beweisen" ist nichts, 
wie die zarte Umschreibung für ein anständiges Trinkgeld, und die Städte 
wussten auch recht wohl, was damit gemeint war. 

! ) A. a. 0. S. 304,6; 322,4; 328, 4, e; 340, 19. 1385: heren Poten boede 
braicht brieve, gaff man 1 gul. val. 3V 2 m 2 ß. — 1385: gaff man deine boede 
der Koervocrsten, de die brieve braicht van der muntzeu, 4 m 4 ß. — 1385: 
des heren boede van der Sleyden, braicht brieve, 12 ß. — greve Syinontz 
boede vau Vianden, de die antwerde braicht, 8 ß. — heren Wilhelm boede 
van Muysbach, braicht brieve van der Sleyden, 18 ß. 

2 ) Kuipping a. a. 0. Bd. II, S. 156, 200. 1374: nuncio de Sleida ad 
bibendum 6 ß. 1375: nuncio venieuti de domiuo de Cüssi cum littcris ad 
debibendum 4 m. 

3 ) Hamburger Stadtrechnungen 1350. Nuncio Luneborgensi 6 ß cum 
litera ducatus. Knipping a. a. 0. Bd. II, S. 39 nuncio domini de Seyne 
portanti litteras conduetionis 3 m. — Laurent a. a. 0. S. 107,27. 1334: 
nuncio de Wilderhusen ferenti littcram conduetus 6 ß hall, per ass. (wieder- 
holt). S. 229,35. 1353: . . nuncio . . comitis de Seyne, ferenti littcram 
conduetus, 1 aur. flor. per rcl. 



— 166 — 

solange nicht Botenordnungen aus dem 14. Jahrhundert auf- 
gefunden werden, die über diese Frage Aufschluss geben. 

2. Es ist höchst wahrscheinlich, dass im 14. Jahrhundert 
eine feste, nach Entfernungen abgestufte Botentaxe bestand, und 
dass für den Aufenthalt am Bestimmungsort eine genau nach 
der Dauer des Überlagers bemessene Vergütung gewährt wurde. 

3. Bei Reisen nach entfernt gelegenen Orten wurden die 
Entschädigungen vermutlich nach anderen Grundsätzen ermittelt. 

4. Der Betrag des Botenlohns nach den gleichen Orten war 
ein sehr verschiedener, weil mannigfache Nebenumstände bei 
Berechnung der Vergütungen zu berücksichtigen waren. 

5. Die Botenlöhne wurden für den Hin- uud Rückweg 
vom Absender entrichtet, der Empfänger der Sendung pflegte 
wohl ein Trinkgeld zu zahlen, jedoch keineswegs in allen Fällen. 

6. Bei längerem Aufenthalt der Boten am Bestimmungsort 
wurde den Läufern u. U. ein Wartegeld oder freie Verpflegung 
bewilligt. 

7. Eine Vergleichung der Reisevergütungen mit modernen 
Verhältnissen ist ausgeschlossen, weil zwar eine Umrechnung 
der früheren Münzwerte in unsere heutige Währung erfolgen, 
nicht aber die Kaufkraft des Geldes im 14. Jahrhundert fest- 
gestellt werden kann. 



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3. Dienstwohnungen der Boten. 

Aus der Einnahme-Rechnung von 1391 sehen wir, dass 
dem Stadtdiener Leonhard, der einige Jahre vorher (1385) in 
den Dienst der Stadt getreten war, die jährliche Rente, die 
er für das von ihm bewohnte, der Stadt gehörende Haus am 
Kockerel zuzahlen hatte, bis an sein Lebensende erlassen wurde: 

1391: dat neiste dar by hat Leonart der steede kneicht, 
ind in sal nyet geven, as lange hee leift 1 . 

In der Rechnung von 1387 ist Leonhard als Bewohner dieses 
Hauses aufgeführt, ohne dass ein Betrag dabei vermerkt wäre. 
Dagegen wird das Grundstück 1385 überhaupt nicht erwähnt. 
Die Reihenfolge, in der die Häuser aufgezählt werden, stimmt 
im übrigen genau überein: Das erste ist von Johan Duymchijn 
bewohnt (Rente 10 m), das nächste gehört Heinrich van Ratingen 
(Rente 4*j 2 Gulden), das folgende (Ailberz huys van Kruytze- 



') Laurent a. a. 0. S. 385, az. 



- 167 — 

nachen) stand 1385 leer, war aber 1387 und 1391 von der 
Tochter eines Schröders bewohnt (Rente 4 Gulden); das nächste, 
welches in der Rechnung von 1385 nicht angeführt ist, war 
1387 und 1391 von Leonhard bewohnt, das folgende hatte Johan 
Hankart (Rente 10 m), das letzte, ein Gadum (Verkaufsbude) am 
Cölntor, benutzte 1385 und 1387 der Schützenmeister Peter, 
1391 ist der Gadum nicht mehr aufgeführt. 

Man sieht hieraus, dass entweder ein Neubau oder Abbruch 
von Grundstücken in der Zwischenzeit erfolgt war oder, was 
wohl wahrscheinlicher ist, dass die Kämmerer bei der Buchung 
der leerstehenden Häuser nicht gleichmässig vorgingen. 

Auffällig muss allerdings erscheinen, dass der Vermerk, er 
solle nichts geben, so lange er lebe, erst aus dem Jahre 1391 
herrührt, während schon im Jahre 1387 das von Leonhard 
bewohnte Haus ohne einen Betrag verzeichnet steht. 

Jedenfalls beweist aber die Überlassung der Wohnung an 
Leonhard, dass es üblich war, für die Unterkunft der Ratsdiener zu 
sorgen. Im allgemeinen wird im 14. Jahrhundert die Ratsdiener- 
schaft ziemlich gleichmässig behandelt. Daher ist kaum anzu- 
nehmen, dass einem Einzelnen ohne besondere Veranlassung eine 
so wesentliche Vergünstigung zugewendet worden ist; wahrschein- 
lich wurden auch den anderen Dienern Wohnungen von der Stadt 
überlassen. Wenigstens wäre sonst ganz unverständlich, dass 
gerade Leonhard, der erst im Jahre 1385 als Stadtdiener an- 
genommen war, also kürzere Zeit im Dienst der Stadt stand, als 
andere Mitglieder der familia, vor den anderen Dienern die Ver- 
günstigung erhielt. Für die Überlassung von Dienstwohnungen 
an die übrigen Glieder der Ratsdienerschaft sind auch folgende 
Anhaltspunkte vorhanden: 

1. Der Ratsdiener Cloischin erhält in den Stadtrechuungen 
die zusätzliche Bezeichnung „up den sal". Wenn diese Worte 
auch oft von dem Namen durch irgend eine Eintragung getrennt 
sind, so bilden sie doch einen festen Bestandteil desselben. Der- 
artige Buchungen kommen in den Aachener Stadtrechnungen 
häufig vor 1 . Aus den Lieferungen, die Cloischin erhielt, geht 
meiner Ansicht nach hervor, dass er, wie auch der Zusatz „up 

') Laurent a. a. 0. S. 800, as; 318, n; 819, ss; 366, 2:1; 366, 21: »los 
busschoff pijffereu vaii Straisburg, des scholtus gesellen van Guylche, des 
scboltisscn wive van Aldenhoven, van meister Diederichs huse des schroeders. 
van Johans buse vau der Hallen. Auch Kuno, der die Glocke im Rathaus 



— 168 — 

den sal tt andeutet, im Rathause selbst oder in allernächster Nähe 
wohnte und gleichzeitig- Kastellandienste leistete. Er ist der 
einzige Diener, der z. B. Kohlen 1 , Handschuhe 2 , und Betttücher 3 
erhielt. Ausserdem schuppte er bei einer Gelegenheit Fische 4 
und beschäftigte sich regelmässig mit der Reinigung des Brunnens 
vor dem Rathause, der „Pijf" 5 . Übrigens wird auch Cloischins 
Mutter mit dem Zusatz „up den sal" aufgeführt, was doch ver- 
muten lässt, dass der Vermerk „up den sal" mit dem Namen 
Cloischin eng verknüpft war. Hätte man damit nur die Tätig- 
keit des Cloischin im einzelnen Falle kennzeichnen wollen, so 
würde man hier den Zusatz „up den sal" wohl fortgelassen haben. 
Der Umstand, dass Cloischin regelmässig auf Reisen geschickt 
wurde, spricht nicht gegen die Annahme, er habe im Rathause 
gewohnt. Im Gegenteil; denn er war ja stets zur Stelle, wenn 
eine eilige Reise auszuführen war. 

In der Einnahme-Rechnung von 1394 findet man folgende 
Eintragung: 

Wer haint intfangen van den gadüm undert blij in den Mart 
Primo Cloischin der stede knecht van eynen gadüm mit den 

kelre 5 gülden, valent 20 m 5 ß. 
It. Margreitte van zwen gadüm bij eyn 4 gülden, valent 

16 m 4 13. 
It. Kine in der Kruerseu kroim van den sulre bäven den 

boich 2 Gelrese gülden, valent 5 m 4 ß. Summa 42 m Iß. 

Diese Posten sind sehr wichtig, weil daraus hervorgeht, 
dass Cloischin ein Häuschen von der Stadt und gleichzeitig 
einen Keller im Rathause gemietet hatte. Er zahlt im ganzen 
hierfür 5 Gulden. Dieser Keller ist unzweifelhaft identisch 
mit dem 1391 unter der Bezeichnung „den kelre under der werk- 



zu läuten hatte (Piek, Aus Aachens Vergangenheit, S. 300), erhielt den 
Zusatz „up den sal u . Übrigens wird die Benennung „Cloischin up den sal a 
auch in der Reift'erscheidor Rechnung von 1385 (Laurent a. a. 0. S. 293, so) 
angewendet. 

') Laurent a. a. 0. S. 314, s; 325,7. 

*) A. a. 0. S. 392, 26 (umb eyn par henschen). 

3 ) A. a. 0. S. 392, 10 (umb eyn par sloyfflachen). 

*) A. a. 0. S. 317,32 (umb schoelen zu licken). 

*) A. a. 0. S. 299,2o; 301,3?; 309,«; 313,»7; 316, 1; 320, 20 und mehr. 
Die Reinigung fand monatlich statt. 



— 169 — 

meister loeven", der für 6 Gulden vermietet wurde 1 . Man sieht 
ulso, dass der Mietpreis, den Cloischin zahlte, für Gedumen und 
und Keller zusammen erheblich niedriger war, als die sonst für 
den Keller beanspruchte Miete. Die Annahme liegt nahe, dass 
Cloischin den Keller an Marktleute zur Unterbringung ihrer 
Sachen weitervermietet habe. Hat er nun im Rathause selbst 
gewohnt und den Gadum nur gemietet, um darin nebenbei durch 
seine Frau Handelsgeschäfte zu treiben, oder hat er das Häus- 
chen selbst als Wohnung benutzt? Das Letztere ist nicht wahr- 
scheinlich, wenn auch der Gadum vermutlich am Rathause an- 
gebaut war und die Bezeichnung „up den sal" schliesslich auch 
hierauf passen würde. Cloischin hat nachweisbar im Jahre 1387 
keins der vor dem Rathause stehenden Häuser bewohnt 2 , müsste 
also erst später dort eingezogen sein, während er bereits in 
früheren Jahren „Cloischin up den sal" genannt wird. 

In der Kleiderrechnung von 1401 erhält Cloischin die Be- 
nennung „up die loeve". Wie wir gesehen haben, ist in der 
Einnahmerechnung von 1391 von einer Werkmeister-Laube, unter 
der der Keller lag, die Rede. Wahrscheinlich ist damit der 
Söller über der Rathaustreppe gemeint, der anscheinend an 
Kine in der Kruersen 1394 zur Unterbringung ihres Krams ver- 
mietet wurde 3 . 

2. In der Ausgabe-Rechnung von 1334 steht folgender 
Posten: pro schindelen et ad tegendum et pro cannalibus ad 
domum God. Kremers 3m oß 3d. Der Läufer Gotschalk Kremer 
bewohnte demnach ein Haus, das der Stadt gehörte, und für 
dessen Ausbesserung der Rat zu sorgen hatte. Aus den Worten 
„ad domum God. Kremers" kann man nicht schliessen, dass 
diesem das Haus gehörte; denn es kann ebenso gut nur bedeuten, 
dass Kremer in dem Hause wohnte, während es Eigentum der 
Stadt war. Diese Annahme ist sogar wahrscheinlicher, weil sonst 
die Instandsetzungskosten wohl dem Besitzer und nicht der 
Stadt zur Last gefallen wären. Interessant ist, dass zum 
Decken des Daches Schindeln verwendet wurden. Der Aachener 



J ) Laurent a. a. 0. S. 385, as. Ebenso 6 Gulden 1385 und 1387: a. a. 0. 
S. 359,?; 368, so. 

») A. a. 0. S. 368, is-23. 

') Siehe vorsoitig. „Kine in der Kruersen kroim van den sulre bäven dun 
boieh". 1391 heisst es (Laurent a. a. 0. S. 385, 37): van Tbocss sulre under 
den boege by sint Johanne vurt Parvische 2 Gelr. gul. vi. 6 ra, ze Mcy. 



— 170 — 

Rat ging- seinen Bürgern also keineswegs mit gutem Beispiel voran, 
sondern baute wenig feuersicher. Wäre man damals nicht so 
unvorsichtig gewesen, so hätten die Brände in der Stadt nicht 
solche Ausdehnung annehmen können. Bekanntlich waren Stroh- 
dächer auch in späterer Zeit in der Stadt durchaus keine 
Seltenheit. 

Noch wichtiger ist die Angabe „pro cannalibus". Diese 
canales sind nicht etwa Dachrinnen, wie man vielleicht meinen 
könnte, weil im übrigen von Dachdeckerarbeiten die Rede ist, 
sondern es ist darunter ein Anschluss an eine primitive Kanali- 
sation zu verstehen. Diese Einrichtung bestand im 14. Jahr- 
hundert schon in ausgedehntem Umfang, wie man aus folgenden 
Posten der Ausgabe- Rechnung von 1385 sieht: meister Tiden 
van Bonne, van nuwen kenelen gelaicht vur Nuweportze, ind 
ain der pijffen ind in der bynt 21 m as dat aide bly äff ge- 
schlagen is?. den wegemecheren, die wege ind steynwege 
widder zu machen, vur Nuweporze, in sint Jacobstrasse ind vur 
die Proestie intgein die plancken, umb sant ind doyerde ind zu 
lovn 21 m 4 ß. Da beide Posten unmittelbar hintereinander auf- 
geführt werden und in beiden Fällen das Neutor erwähnt wird, 
so handelt es sich um die Strasseuarbeiten anlässlich der Auf- 
grabung der Abzugsrohrleitungen. Man sieht, es wurde im 
Mittelalter das Pflaster — sofern es überhaupt vorhanden war — 
ebenso aufgerissen, wie heutzutage, und fleissig „gebuddelt." 
Die Röhren scheinen ziemlich tief gelegen zu haben, da Sand 
und Erde zum Zustampfen herbeigeschafft werden musste. Auch 
das Haus des Boten Kremer wurde für Rechnung der Stadt an 
einen Rohrstrang angeschlossen 2 . Leider kann man aus den 
Rechnungen nicht mehr feststellen, wo es gelegen hat. 

3. Besser unterrichtet sind wir über die Lage des Hauses, 
welches von dem zweiten Läufer Christian benutzt wurde. In 
der Ausgaberechnung von 1338 3 heisstes: de domo iuxta aulam 
in qua Christianus moratur ze schützen, pro delis, clavis, fenestris 



') Laurent a. a. 0. S. 338,i. 

') A. a. 0. S. 811,32. Die Art und der Zweck dieser Kanäle sowie 
der weitere Verlauf der Abflussröhren bedürfen noch näherer Feststellungen. 

■) Die Jahreszahl bezieht sich auf das Rechnungsjahr, nicht auf das 
Kalenderjahr. Ich habe die eigentlich unzutreffenden Jahreszahlen Laurents 
aber benutzt, um die Einheitlichkeit zu erhalten. 



— 171 — 

vitreis et aliis necessariis 4 m 10 ß et 8 d 1 . Das Rathaus war 
1338 schon im Bau, iuxta aulam heisst deshalb „neben dem 
Rathause"; denn Pick hat unzweifelhaft nachgewiesen 2 , dass 
„aula" mit Rathaus gleichbedeutend ist. Die beiden Türme 
standen damals, man wird also die Lage des Hauses wohl an 
einen dieser Türme verlegen müssen. 

In der Einnahme-Rechnung von 1385, der ersten, in der 
genauere Angaben über die am Markt gelegenen Grundstücke 
enthalten sind, stehen unter der Überschrift „Dit sind die ge- 
dumen up den mart vur deme groseu sale" folgende Posten: 
Primo, dat neyste by deme grade, dat hat Laurens der schriver. 
It. dat neyste darby, hait dat vette wijf vur 4 gul., dedit 2 gul. 

vi. 7V 2 m. 
It. dat neyste darby. It. dat neyste darby. 
It. dat darby Heynrich Hamecher vur 4 gul. ind van den kelre 

6g. val. 37V 2 m. 
It. dat neiste darby intleste. 

Wenn auch nicht mit Bestimmtheit behauptet werden kann, 
dass eines dieser Grundstücke früher von Christian bewohnt 
worden ist, so spricht doch manches dafür. Häuser im Besitz 
der Stadt, die am Rathaus lagen, werden sonst nicht erwähnt. 
Es müssten also in den 47 Jahren wesentliche Verschiebungen 
von Grundeigentum stattgefunden haben, was nicht anzunehmen 
ist. Man kann daher mit einiger Wahrscheinlichkeit vermuten, 
dass das Haus des Christian zwischen Rathaustreppe (by deme 
grade) und Granusturm oder dicht hinter diesem gelegen war. 
Da das Rathaus selbst 1338 noch nicht fertiggestellt war, 
könnte im übertragenen Sinne mit „aula" auch wohl der Rat- 
hausturm gemeint sein. Das Wort „iuxta" bedeutet jedenfalls 
„an der Seite, neben"; auf die Häuser, die vor dem Rathause 
standen, kann man es nicht beziehen. 

In der Stadtrechnung von 1334 bis 1346 werden allerdings 
noch andere Personen mit dem Namen Christian erwähnt, jedoch 
fehlt nie ein erläuternder Zusatz zu dem Namen oder der 
Familienname, wogegen der Bote Christian stets ohne eine 
nähere Angabe aufgeführt wird. Man kann daher mit ziem- 
lieber Bestimmtheit behaupten, dass das vorerwähnte Haus 



') Laurent a. a. 0. S. 126, ia. 

a ) Pick, Aus Aachens Vergangenheit S. 270 ff. 



— 172 - 

neben dem Rathause von dem Läufer Christian bewohnt wurde; 
um so mehr, als auch der Bote Gotschalk Kremer eine solche 
Dienstwohnung inne hatte 1 . 

4. Kleidung der Boten. 

Die Angaben der mittelalterlichen Stadtrechnungen über 
die Kleidung der Boten sind durchweg sehr wenig ausführlich. 
Es hält deshalb schwer, sich von dem äusseren Aussehen der 
Läufer auf Grund dieser Quellen ein zutreffendes Bild zu machen. 
Dafür bieten aber die zahlreichen Abbildungen mittelalterlicher 
Läufer, von denen in dieser Darstellung eine Anzahl wieder- 
gegeben ist, schätzbare Anhaltspunkte, die zur Erläuterung und 
Ergänzung der Rechnungsposten dienen. Schon ein Vergleich 
der in diesen Blättern enthaltenen Bilder beweist, dass die 
Kleidung der Boten eine gewisse Übereinstimmung zeigt, ob- 
wohl die Handschriften, denen sie entnommen sind, aus den 
verschiedensten Gegenden stammen. Zum Teil wird dies auf 
die Ähnlichkeit der Trachten im Mittelalter überhaupt, zum 
Teil aber auch auf die besonderen Bedürfnisse, die durch das 
Marschieren in Wind und Wetter hervorgerufen werden, zurück- 
zuführen sein. Schon zur Zeit der Minnesänger trugen die im 
Botendienst verwendeten Knappen abweichend von dem sonstigen 
Gebrauch Röcke, die nur bis ans Knie reichten 2 . 

Abbildungen Aachener Läufer sind leider nicht erhalten. 
Dafür sind aber die Aachener Stadtrechnungen des 14. Jahr- 
hunderts ausführlicher, als diejenigen von Cöln und Hamburg; 
ausserdem ist eine Kleiderrechnung aus dem Jahre 1401 er- 
halten, die für die Kenntnis der Aachener Stadtdienerkleid ung 
von grosser Bedeutung ist. Da diese Rechnung bisher noch nicht 
veröffentlicht worden und für meine Ausführungen unentbehrlich 
ist, gebe ich den Inhalt nachstehend hier wieder: 



! ) Auch in Hamburg bewohnte der Läufer Gerlach von Oldenburg im 
14. Jahrhundert ein der Stadt gehörendes Grundstück. 1378: 1 m Ghcrlaco 
Oldcnborch pro gradibus ligneis in domo sua. 

2 ) HvF Trist. 1175: Sin rok was hübeschlich gesniten 

Wol nach gendes boten siten 
Von guotem samite rot; 
Der rok sich an der lenge bot 
Niht verrer unz uf diu knie. 
Bei Alwin Schultz a. a. 0. Bd. I, S. 298. 



173 



manlicl) 6'/ a e l en ind 



Quecke 



l jz eleu nie. 



roecke manlicli 4 elcn 
ind 1 veirdel 



Anno 1400 ind eyn jair under heren Conen van Punt den 
alden ind heren Johanne van Sint Margraten burgermeister. 
Par cleider Quecken ] 
meister Roeden 
meister Gerart 
Wilhem Seilmenger 

Reynart in die kuchen 
Gerart Molneir 
Meis Besinre 
Peter Dusinderley 
Henkijn der boede 
Clois Marras 
Cloischijn up die loeve 

meister Hamnian schutzenmeister 
Johan Buycholtz schutzenmeister 
meister Heynrich Leyendecker 
meister Clois armborstmecher 
Tielman Rimkart in der burger huys 
Huprecht Metzmecher der banyerdreger 
meister Emmerich der zymmerman 
meister Heynrich Kluseneir der pijffenmecher 
meister Engel 

It. galt man eynen esel der steede gesinde zo wenter cleyderen 
cost 13 gülden 2 da gebricht eyn rocke ain. Den muys man 
darzo nemen 

It. galt man eyn gruyn | den zwen trummperen 

duych cost . 21 8 ulden j n d den zwen pijffercn 

ind 1 ort j n( j ( | en ( ] ren k oe ig r e. 



roecke manlicli 4 
elen ind 1 veirdel. 



Ind eyn roit duych cost 

eyn gruyn cost 11 V2 gülden 
ein blach cost 10 l J s gülden 



veren manlicli 9 elen 
zo somer ind zo wenter 
roecken. 

ind den kempen Grois- 
gerart indTielman nian- 



') In der Rechnung steht über „Par" das Abkürzungszeichen für „er" 
oder „ar 1 *, es müsste also eigentlich „Pcrar" oder „Parar" heissen. Ein Ver- 
gleich mit den Rechnungen von 1385 (9. Monat) und 1391 (9. Monat) zeigt 
aber, dass sonst „par" geschrieben wird. Die Abkürzung in der Kleider- 
rechnung muss demnach ein Schreibfehler sein. 

2 ) Daneben steht von anderer Handschrift: 11 '/* gülden. 



— 174 — 

lieh 5 elen ind den 
wecher up den sal 4 1 / 2 
elen 1 . 

Zo der steede cleideren hait man gehadt widder Clois van Haren 
91 elen ind 1 veirdel so roit so swartz yder elen vur 40 ß. 
Ind so in hait proffian nyet noch Gerart Moelneir. 
Ind Henricus 1 elen. Summa 300 m. 7*/a m - 

Summa ain eilen an elen ze 3 1 ,', ra. Summa 357 in 2 . 

Von wesentlicher Bedeutung für die Folgerungen, die man 
aus der vorstehenden Kleiderrechnung zu ziehen hat, ist die 
Frage: Ist in der Rechnung alles enthalten, was für die Kleidung 
der Stadtdiener verausgabt worden ist? 

Wenn man die Rechnung mit den Ausgabeposten früherer 
Jahre für Kleidung vergleicht, wird man die Frage bejahen 
müssen. Im Jahre 1391 z. B. lauten diese Angaben: 

It. der steede gesinde ind den geswoeren werekluden zu yren 

jaircleideren so parelyder, so roecke kosten 300 m ind 332 m. 

It. den selven der steede kneichten umb eyn wenter düych 

13^2 gülden, valent 54 m. 
It. umb eyn düych den pijfferen ind trumpperen ind den geswoeren 
van den koelberge zo yren somer ind wynter roecken 11 
gülden, valent 44 m. 
It. van gebrech dat en gebrach ind muwen dryn ze setzen van 

. somer ind wenterroecken 26 m 10 ß. 
It. den zwen kempen umb yr roecke 20 m. 

umb vuder under dye parcleyder ind Wilhelm 12 a / 2 m 
Quecken ind Wilhelm umb yr cogelvuder 4 ra. 
In beiden Rechnungen werden aufgeführt 1. Parkleider, 
2. Röcke, 3. Wintertuch für die Stadtdiener, 4. Tuch zu 
Sommer- und Winterröcken für die Pfeifer, Trompeter und die 
Geschworenen vom Kohlberg (Kohlgräber wird hiermit identisch 
sein), 5. Röcke für die beiden Kämpen. Allerdings wird 1401 
das Futter nicht erwähnt, und die Summen in den verschiedenen 

*) Von dieser Eintragung ist ein Strich zu dem Posten: 
It. galt man eyn gruyn duych cost "I 21 gülden 
Ind eyn roit duych cost ) ind 1 ort 

hinübergezogen. 

2 ) Die Aufrechnung rührt von derselben Hand her, wie der Zusatz 
IT/2 guhlen. 



• — 175 — 

Jahren stimmen nicht überein. Aber erstens schwankten die 
Tnchpreise, und zweitens ist keineswegs ausgeschlossen, dass 
das dunkle Tuch (ein Mach) als Futter verwendet wurde. 

Was unter „par cleider" zu verstehen ist, habe ich nicht 
zuverlässig* feststellen können. Man wäre geneigt, auf „Hosen" 
zu schliessen, von „Paar"; aber da die parcleider Q l j a Ellen 




Abbildung eines Briefboten aus dem Jabre 148G. 

Nach einer Illustration der Melusinenhandschrif't. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 1 . 



Stoff erfordern, die Eöcke aber nur 4V 4 , kann dies nicht zu- 
treffen; denn Pluderhosen wurden im 14. Jahrhundert noch nicht 
getragen. Parcleider und Röcke sind offenbar gleichbedeutend 
mit vestis und tunica in den lateinisch abgefassten Rechnungen 1 . 
Vestis heisst „Kleid, Kleidung". Zieht man nun in betracht. 



») Laurent a. a. 0. S. 180, w; 159, u ; 188, si; 227, i. 



— ITC — 

dass zu der Kleidung doch mindestens ein Rock gehört haben 
muss und dass nur 2'/ 4 Elle übrig blieben, so kann dies höchstens 
noch für eine Hose, nicht aber für einen Mantel gereicht haben. 
Parcleid und vestis bedeuten deshalb meiner Ansicht nach 
„vollständiger Anzug". Hiergegen spricht keineswegs, dass 
die vestes mit Winterkapuzen versehen wurden '. Im Mittelalter 
trug man nämlich die Kapuzen nicht, wie heute, am Mantel. 
Auf dem vorseitigen Bilde z. B. hat die Gugel im Original 
eine andere Farbe, als der Mantel. Die Gugel — auch Tscha- 
brun genannt 2 — war eigentlich ein Mantel, der so verkürzt 
wurde, dass er nur kragenartig den Hals deckte; die Kapuze 
war die Hauptsache. Die Aachener Rechnungen kennen sowohl 
Kapuze, als auch Gugel: 
1346: pro suffuraturis ad vestes easdem 12 m cum capuciis 

hiemalibus 1 . 
1385: meister Paridain umb eyn kogelvuder 3 m. 

der steede gesinde, Herman Queck ind Wilhem umb kogel- 
vuder 6 m 3 . 
Übrigens wird in den Rechnungen noch besonders erwähnt, 
dass die Läufer, welche ja zu den Stadtdienern gehörten, Ka- 
puzen trugen: 

1353: Godeschalco Kremer, misso Frankenfort de facto domini 
Jo. de Valkensteyn, 9 aur. flor. valent 16 m et 18 d per 
rel. It. uxori sue 1 in per rel. 

It. eidem pro uno capucio 2 m. per Arnoldum Volmeri 4 . 
Aus den Rechnungen scheint hervorzugehen, dass der Rats- 
dienerschaft keine Mäntel geliefert wurden; denn man würde 
sonst irgend einen Hinweis dafür finden. Allerdings werden 
die Mäntel kaum jährlich erneuert worden sein. Bei der Reichs- 
Postverwaltung z. B. ist noch heute für die Mäntel der Unter- 
beamten eine mehrjährige Tragdauer vorgesehen. Es wäre jedoch 
ein seltsamer Zufall, wenn gerade die Rechnungen der Jahre 
erhalten geblieben wären, in denen solche Lieferungen nicht 
vorgekommen sind. 

Nur zwei Buchungen aus den Jahren 1338 und 1346 zeigen, 
dass die Läufer gelegentlich Mäntel trugen: 

') A. a. 0. S. 188,35. 

-) Alwin Schultz a. a. 0. Bd. I, S. 305. 

s ) Laurent a. a. 0. S. 325,37. 

4 ) A. a. 0. S. 229, in. 






177 



1338: de toga God. Kremers missi ad partes superiores 18 ß 1 . 
1346: eidein misso in Kerterlant ad imperatorem 53 in 10 ß. 
eidem God. de equo suo ibi in itinere mortuo 32 m. 
eidem God. de suffuraturo toge 16 ß 2 . 

Toga- ist gleichbedeutend mit Mantel. Dies geht erstens 
daraus hervor, dass das Bekleidungsstück infolge Abnutzung 
auf der Reise nach Kärnten neues Futter erhalten musste; 
zweitens aus folgendem Ausgabeposten der Hamburger Stadt- 
rechnung von 1374: Mathia Walkeniolen 12 ß pro una togha 
deperdita in der reysa to der Vithzen. Der Reisende wird 
sicher nicht Rock oder Hose unterwegs verloren haben. 

Was nun die Farbe der Kleidung anlangt, so war man im 
Mittelalter entschieden farbenfreudiger in der Männerkleidung 
als heutzutage. In Hamburg z. B. bestand der grösste Teil 
der Kleider aus rotem Stoff 3 . Aachen scheint ähnliche Farben 
gewählt zu haben, da in der Kleiderrechnung von 1401 gesagt 
wird: zo der stede cleideren hait man gehadt widder Clois van 
Haren 91 eleu ind 1 veirdel so roit so swartz (also rot und 
schwarz) yder elen vur 40 ß. Leider ist es unmöglich, festzu- 
stellen, welcher Stoff vorwiegend verwendet wurde. Ausser 
diesen beiden Farben werden noch grün und rot und grün und 
blach (dunkel?) erwähnt, von denen die erstere anscheinend für 
die Kleider der Trompeter und Pfeifer diente; denn beide 
Eintragungen stehen in der Originalrechnung neben einander. 
Von der Buchung „ind den kempen u. s. w." führt ein Strich zu 
grün und rot herüber, diese Personen scheinen also ebenfalls in 
grünem und rotem Tuch gekleidet gewesen zu sein. Ich ver- 
mute, dass der sonst noch erwähnte dunkle Stoff als Futter 
und das an zweiter Stelle aufgeführte grüne Tuch für die 
Gugeln verwendet worden ist. Je bunter, je besser dachte man 
damals, wie der vorseitig abgebildete Bote zeigt, der schwarze 
Schuhe, grüne Beinkleider, roten Rock und Hut, grauen Mantel 
und grüne Gugel trägt, 

Bisher habe ich in den Stadtrechnungen des 14. Jahrhunderts 
keinen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass die Boten gestreifte 
Kleidung trugen. Ein Posten der Aachener Rechnung von 1384 



') A. a. 0. S. 130,87. 

*) A. a. 0. S. 183,2». 

3 ) Hamburger Stadtrechnungen 1190. 169 Tt pro 21 pnnnis coloratis 

rubeis. 14 U 16 ß pro 4 pannis grysois Walaradensibus. 



— 178 — 

lässt aber darauf schliessen, dass dies bei den Aachener Pfeifern 
und Trompetern, die ebenfalls im Briefbeförderungsdienst be- 
schäftigt wurden, der Fall war. Die Eintragung lautet: 

1384: den pijfferen ind den trumpperen zu yren sommer ind 
wenter roecken ind den koeleren zu yren jair roecken 
hadde man eyn eesel duych, kost 11 gülden ind 1 veirdel, 
valent 41 m 3 ß. 

lt. ind du gebrachen 9 elen striffetichs ze 20 ß, 15 m K 

Es liegt nahe, „striffetich" mit „ Streifentuch " zu übersetzen. 
Ln mittelniederdeutschen Wörterbüchern habe ich den Ausdruck 
nicht gefunden, das Stallaert'sche Wörterbuch 2 ist leider un- 
vollendet geblieben. 

Das Wort „esel", welches häufig bei den Kleiderausgaben 
vorkommt, stammt anscheinend aus ßrabant und bedeutet eine 
nach bestimmten Regeln zubereitete Art von Tuch 3 . 

Die Herstellungskosten für die Winterröcke waren höher, 
als die für die Sommerröcke. Der Winterrock des Cloischin 
kostete 1385 7 m 4 ß 4 , die Sommerröcke der Pfeifer und Trom- 
peter 6 m 2 ß 5 . Der Ausdruck „Futter" ist nicht für das einzelne 
Futter, sondern für das Stück Tuch gebraucht, von dem der 
Stoff abgeschnitten wurde. Dies geht daraus hervor, dass 
6 Futter unter die Röcke 12 m kosteten 6 , während für 3 Gugel- 
futter 6 m gezahlt wurden 7 , für jedes Futter also 2 m. Futter 

') Laurent a. a. 0. 273,sc-3ö. Woher der Gebrauch, gestreifte Kleider 
zu tragen, stammt, wird sich wohl schwer ermitteln lassen. Früher galt es 
als ein Vorrecht des Ritterstandes, verschiedenfarbige Kleidung zu tragen. 
(Alwin Schultz a. a. 0. Bd. I, S. 303.) 

2 ) Glossarium van Verouderde Rechtstermen, Kunstwoordcn en andere 
Uitdrukkingen uit Vlamsche, Brabantsche en Limhurgsche Oorkondcn van Karcl 
Stallaert. Leiden 1890. 

3 ) A. a. 0. S. 407: Men mach in eselle lakene alderhaude wolle van 
verwen minghen, uutghenomen ghescorst en gheswort. — Nyeman en sal esel- 
laken maken daer lampwolle ocht tweescherich wolle in es, hie en sal se 
lijtsen mit roder lijtsen, en met gheenre andere, op ene pene van V Ib. Het 
en weren pletten, dien men maecte sonder lijtse, voer hen selven te slitene. 
In gleichem Sinne kommt auch der Ausdruck „eselen" gleich „schlagen, 
klopfen" vor. 

4 ) Laurent a. a. 0. S. 325, 3 i. 

") A. a. 0. S. 325, m. 24 m 7 ß : 4 = 6 m 2 ß. 
a ) A. a. 0. S. 273,27. 
7 ) A. a. 0. S. 273,80. 



- 179 - 

für Gugel und Rücke sind aber nicht gleich gross gewesen, weil 
1385 das Gugelfutter der ganzeu Ratsdienerschaft und zweier 
anderer Beamten nur 6 m kostete l . Die Pfeifer und Trompeter 
erhielten im Winter einen Pelz 2 . 

Auch in Frankfurt a. Main trugen die Boten verschiedene 
Sommer- und Winterkleider; die nachstehenden beiden Abbildungen 
geben einen Frankfurter Läufer in verschiedener Ausrüstung 
aus dem 15. Jahrhundert wieder. 

Ausser der eigentlichen Kleidung wurde den Läufern gelegent- 
lich auch Schuhwerk geliefert. Die Ausgabeposten lauten: 

1349: eidem Godeschalco pro caligis sibi datis eadem vice 8 ß 
per rel. 3 . 
„ fllio Nicolai Stergin datum, quia raultum cucurrit, ad calceos 

et caligas 9'/ 2 ß per rel. 4 
„ 4 m et 8 ß per rel. cum caligis Gotschalci Kremers 5 . 
1353: Godeschalco Kremer, misso Frankenfort pro conductu 
primi fori, 9 aur. flor. valent 16 m. et 18 d. It. eidem 
pro ocreis suis 16 ß per rel 6 . 
„ eidem Godeschalco pro ocreis sibi dat. 17 ß et 9 d 7 . 

Es sind hiernach zu unterscheiden: calceus, caliga und 
ocrea. Die billigste von diesen drei Fussbekleidungen ist offenbar 
der calceus (9*/« — 8 = P/2 ß); ,n ^n wird also die Bedeutung 
„Schuh" aus dem klassischen Latein dafür übernehmen können. 
Caliga, im klassischen Latein „Soldatenstiefel" wird unseren 
Stiefeln entsprechen. Diese Stiefel wurden aber zweifellos in 
verschiedener Ausführung hergestellt; denn, wenn man bei dem 
obigen Betrage von 4 m 8 ß auch nicht ersehen kann, welcher 
Anteil für die Stiefel zu rechnen ist, so wurden doch in der Cölner 
Rechnung im Jahre 1372 für ein Paar caligae, die der Bote 
Westfelinch erhielt, 2 m 8 ß gezahlt. Die Cölner Mark stand 
höher im Wert, als die Aachener, und in Aachen galt der Gulden 
1349 = 2 m, 1373 = 3 m 4 ß; die Aachener Mark war also 



«) A. a. 0. S. 325,37. 

2 ) A. a. 0. S. 893,i6. 

*) A. a. 0. S. 209,i. 

*) A. a. 0. S. 209,7. 

•) A. a. 0. S. 207, 31. 

8 ) A. a. 0. S. 228, 1*. 

') A. a. 0. S. 229,27. 



180 — 



um 50°/ gesunken, während zwischen dem Stiefelpreis ein 
Unterschied von 400 °/ besteht. „Ocrea" bedeutete ursprünglich 
„Beinschiene', war also eine Fussbekleidung, die mindestens bis 
zuniKnie hinaufreichte. AlwinSchultz erklärt, ocrea als „Gamasche" 
und führt auch Belegstellen dafür an l . Derartige durch Leder- 
riemen zusammengehaltene Gamaschen zeigt der Wiener Bote 

der Ambraser Sammlung im ersten 
Abschnitt dieser Arbeit. 

Man sieht also, dass die Aache- 
ner Boten verschiedenartige Fass- 
bekleidungen bei besonderen Ge- 
legenheiten erhielten, und zwar 
dann, wenn das Schuhwerk durch 
andauernde Reisen stark abgenutzt 
wurde. Sonst scheinen sie im 14. 
Jahrhundert für ihre Stiefel selbst 
haben sorgen müssen. Welcher 
Art das von der Stadt gelieferte 
Schuhwerk war, lässt sich leider 
nicht feststellen. Die Formen der 
Stiefel waren, wie man aus den 
hier wiedergegebenen Abbildungen 
ersehen kann, recht verschieden 2 . 
Die Gamaschen scheinen nicht 
übermässig haltbar gewesen zu 
sein, da Kremer im Jahre 1353, 
und zwar in nicht besonders grossen 
Zwischenräumen, zweimal neue 
ocrae erhielt. Selbst bei schlech- 
tem Wetter hätten die Gamaschen 
eigentlich mehr aushalten müssen, als vier Reisen nach Frank- 
furt a. Main. 

Was die Kopfbedeckung der Boten anlangt, so ist in den 
Rechnungen nichts darüber zu entdecken. Unsere Abbildungen 




Abbildung des Boten Heimchen 
Hanauwe. 

Nach einer Illustration auf dem Boten- 
Imcli dos Stadtarchivs zu Frankfurt 
:>. Main vom Jahre 143"). (Winterklei- 
dung; an den Füssen trägt der Bote 
ilie lieieits erwähnten Trippen.) 



') A. a. 0. Bd. I, S. 295. Jon. de Janua, Cathol: Ocrea . . . sint ocreac 
tibi calccamenta, que suras (Waden) tegunt, sie dieta qui crura tegunt. — 
Thom. Cantiprat. Miraculorura (de Apuin Republica) I, cap. 7: Ocreas habebat 
in cruribus, quasi eis innatae essent, sine plica (Falte) porreetas. 

*) Auch Schnürschuhe (obstringilli) gab es schon vor dem 14. Jahrhundert 
(Alwin Schultz a. a. 0. Bd. I, S. 249). 



• — 181 — 

zeigen aber, dass ausser der Gugel in der Regel noch ein Hut. 
getragen wurde. Die Aachener Läufer werden also für ihre 
Kopfbedeckung wohl selbst haben sorgen müssen. Ebenso wenig 
ist zu ermitteln, ob den Läufern Waffen auf die Reise mitge- 
geben wurden; ganz wehrlos werden sie aber damals sicher 
nicht gereist sein. 

5. Nebeneiunahmen der Boten. 

Ausser zu den eigentlichen Botendiensten wurden die städ- 
tischen Läufer auch zu anderen Leistungen herangezogen, für 
die sie besonders entschädigt wurden. Solche Dienste waren: 

a) Ausübung gerichtlicher Funktionen: 

1338: famulis judicii inhibentibus cultellos et quando circumive- 
runt cum nuneiis civitatis de hospicio in hospicium et 
inhibuerunt. 1 m. 
— Woltero Kaskin circumeunti omni septimana bis et prohi- 
benti cultellos 5 m 1 . 
Die Boten mussten also mit den Gerichtsboten von Gast- 
haus zu Gasthaus gehen, um Messerstechereien zu verhindern. 

b) Bewachung von Bierfässern: 

1349: Clos Stergin et Arnoldo custodienti servisiam missam pro 
dextrariis, dum dominus rex venire debebat 30 ß per rel. 8 
Laurent" schreibt hierzu: „Noch ist einer eigentümlichen 
Ausgabe zu erwähnen, die für Pferdeliebhaber von Interesse 
ist; als nämlich der König kommen sollte, wird für die Streit- 
rosse Bier geschickt, welches Clos Stergin und Arnold zu be- 
wachen hatten." Diese Entgleisung ist doch bedenklich. Soll 
man wirklich annehmen, dass der Alkoholismus derartig um sich 
gegriffen hatte? Und dass der Aachener Rat oder wer den 
Gerstensaft sonst geliefert hatte, solche perversen Gelüste der 
edlen Rosse noch vor aller Augen unterstützte? Es lag für 
jemanden, der mittelalterliches Latein kennt, recht nahe, „dex- 
trarius" nicht auf die Pferde, sondern auf die Männer, die auf 
ihnen zu sitzen pflegten, zu beziehen. Die Pferdeliebhaber 
werden auf diesen Beitrag zur Psychologie des Rosses jedenfalls 
verzichten müssen. 



') Laurent a. a. 0. S. 128, ls-ia. 
*) A. a. 0. S. 208,5. 
3 ) A. a. 0. S. 29. 



— 182 — 

c) Reinigung des Markts: 

1385 (9. Monat): Cloeschijn ind Henkijn van Coelne van den 
marde schoin ze machen (Weinspende 1 q.). 
„ (11. Monat): Cloischijn van Coelne ind Henkijn van den 
marde schoin ze machen 10 m 1 . 
In diesem Falle ist sogar der ständige Läufer Henkin mit 
beteiligt. Die Reinigung muss ziemlich gründlich vorgenommen 
sein, da der hohe Betrag von 10 in dafür verausgabt wurde. Ein 
der Rechnung von 1385 beiliegender Zettel erwähnt, dass für 
die Reinigung des Marktes Schaufeln beschafft wurden 2 . 

d) Mitwirkuug bei Schlichtung von Streitigkeiten 
u. s. w. : 

1344: eidem domicello Godefrido de Nuwenare dato, ut recon- 
ciliaret, 100 scuteos aureos, valent 225 m. 
Godeschalco Kremer dat., quia multum laboravit in hoc 
facto 10 m. 
de duobus modus avene datis ad equum suum 26 ß 3 . 

Kremer hat sich also bei der Aussöhnung mit Gotfried von 
Neuenahr besonders angestrengt. Auch sein Pferd wurde mit 
zwei Scheffel Hafer bedacht. 
1346: Jo de Junciis misso illo tempore ad ducem Brabancie 

4 Schilde. 

eidem Johanni misso secundario illuc 4 Schilde. 

eidem Jo. misso tercia vice illuc 3 Schilde. 

eidem Jo. dat. de laboribus suis, quia maxime laboravit, 

2 schilde 4 . 
Interessant ist die Steigerung von „multum" zu „maxime". 
1390: Henkijn den boede zo verdrencken van veil arbeit 10 m 5 
1391: Henkijn deme boede zo verdrenken 10 m 6 . 

Man sieht, diese aussergewöhnlichen Vergütungen waren 
gar nicht unbeträchtlich. Dazu kommen noch die Trinkgelder, 
welche die Boten in anderen Orten erhielten. Kaiart bekam 
z. B. in Cöln dreimal Beträge von 5 Mark cölnischer Währung. 



') A. a. 0. S. 327, 23; 330,22. 

2 ) A. a. 0. S. 321,o: umb schuppen, den mart ze reyngen. 

s ) A. a. 0. S. 155,33. 

*) A. a. 0. S. 178,ic. 

B ) A. a. 0. S. 371,3i. 

•) A. a. 0. S. 380,26. 



# " — 183 — 

Welche Einnahmen die Buten ausserdem noch aus Lei- 
stungen für Privatpersonen zogen, ist aus den Rechnungen leider 
nicht zu ersehen. 

6. Geschenke . 

a) Lieferung von Getreide: 

Wir haben schon gesehen, dass die Läufer des Markgrafen 
von Jülich von der Stadt Geschenke erhielten, die wahrscheinlich 
zur Beschaffung von Getreide dienten. Auch den Läufern wurde 
gelegentlich Geld zum Ankauf von Weizen bewilligt: 

1344: cursoribus civitatis dat. ad emendum siliginem 8 m '. 

Diese Zahlung kommt allerdings nur einmal vor. Dagegen 
findet man in der Ausgabe-Rechnung von 1385 im 8. und 
12. Monat Lieferungen von je l \ 2 Mudde Roggen an Leonhnnl. 
Cloischin und an die Pfeifer und Trompeter. 

b) Weinspenden u. s. w.: 

Ausser den Spenden an 5 Festtagen Ostern, Pfingsten. 
Kirmess, Allerheiligen und Weihnachten erhielten die Stadtdiener 
häufig Wein und assen an bestimmten Tagen gemeinschaftlich 
mit einem Mitgliede des Rats. Auch wenn sie besondere Arbeiten 
zu verrichten hatten, wurde ihnen eine Flasche Wein verehrt '. 
Besonders häufig wurde der Läufer Henkin traktiert 3 , der auch 
ansehnliche Trinkgelder bezog 4 . 

Eine Spende, die von besonderem Interesse ist, erfolgte an 
Cloischin im Jahre 1391. Der Posten in der Rechnung lautet: 
„Cloeschijn, du man eme sine wiif beval, 2 v." Für diese An- 
gabe habe ich nur eine Erklärung gefunden, die wahrschein- 
lich auch zutreffend sein wird, nämlich, dass die Frau des 
Cloischin vom Aussatz befallen war und in das Melatenhaus 
geschafft werden musste 5 . 

Diese Seuche war durch die zurückkehrenden Kreuzfahrer 



') Laurent a. a. 0. S. 147,37. 

2 ) A. a. 0. S. 162, 2s: . . familic civitatis datam euilibet unain flascam 
laborantibus, faciunt 4 sextaria. 

9 ) A. a. 0. S. 312,35; 320, n; 326, 30; 330, 1; 338, j: 375, a. 

4 ) A. a. 0. S. 292,:9 (16 m); 292,22(10 m);871,si (10 m); 380, m (10 m). 

6 ) Ich verdanke diesen Hinweis Herrn Archivar Pick, dem ich bei dicscv 
Gelegenheit für die überaus liebenswürdige Förderung dieser Arbeit meinen 
aufrichtigsten Dank aussprechen möchte. 



— 184 — 

im 13. Jahrhundert in Deutschland eingeschleppt worden und 
forderte auch im Rheinland manches Opfer; sie erlosch in der 
Aachener Gegend erst im Anfang des 16. Jahrhunderts. Die 
Person, die vom Aussatz befallen wurde, galt als tot, wurde aus 
der Nähe der menschlichen Gesellschaft entfernt und durfte 
nicht mehr zurückkehren. Bei Aachen befand sich seit 1242 
ein Melatenhaus 1 in der Nähe der städtischen Richtstelle 2 . Aus 
dem Umstände, dass die Leprosenhäuser auch in anderen Orten 
dicht bei der Richtstätte erbaut wurden, sieht man zur Genüge, 
dass ein Aussätziger wie ein dem Henker Überlieferter ange- 
sehen wurde. 

Nun wurde das Wort „befehlen" tatsächlich in dem Sinne 
gebraucht, „jemanden dem Tode, dem Henker übergeben" 3 . 
Eine andere Bedeutung, die für diese Stelle angewendet werden 
könnte, habe ich nicht zu entdecken vermocht. Das.Wort eme 
= ihm ist in Verbindung mit „befehlen" keineswegs so auf- 
zufassen, dass man übersetzen müsste, „ihm übergeben", sondern 
es ist eine im Volksmunde gebräuchliche Einschiebung, die auch 
sonst vorkommt. 

Auch die Angehörigen der Läufer erhielten Weinspenden 
und Geschenke, und zwar 1. die Frau des Boten Kremer (1333) 
2 Quart Wein 4 , 2. dieselbe 1 in, als ihr Mann nach Frankfurt 
geschickt wurde 5 (1353), 3. die Frau des Wilmer, als dieser 
in Heyden lag, 2 Quart (1385) 6 , 4. Cloischins Mutter (1385 und 
1386) je 2 Quart 7 . 

7. Vergütungen bei Dienstuuf ähigkeit. 

Ein Recht auf Ruhegehalt im Falle dauernder Dienstun- 
fähigkeit der Stadtdiener kannte man im Mittelalter offenbar 
noch nicht. Wenigstens wurden alle derartigen Vergütungen 
unter der Bezeichnung „ex gracia" gebucht, eine Benennung, 



') Wohl von „malade" abgeleitet. 

2 ) R. Pick, Die Armenpflege in Aachen (Festschrift zur 72. Versamm- 
lung deutscher Naturforscher und Ärzte, Aachen 1900, S. 307). 

s ) Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bd. I, 
S. 307. 

*) Laurent a. a. 0. S. 409, 19. 

s ) A. a. 0. S. 229,14. 

•) A. a. 0. S. 323,8i. 



7 



) A. a. 0. S. 334, m; 362, 



in. 



• — 135 — 

die übrigens noch heute im Beamtenrecht vorkommt '. Derartige 
Ruhegehälter wurden im Mittelalter in Hamburg gezahlt; in 
den Aachener Stadtrechnungen habe ich keine Anhaltspunkte 
gefunden. Immerhin sieht man aber, dass der Aachener Rat 
darauf bedacht war, auch über die Dienstzeit hinaus für seine 
Beamten zu sorgen; denn der Stadtdiener Leonhard erhielt ein 
Wohnhaus, das er frei von Abgaben bis an sein Lebensende 
bewohnen durfte 2 . Da die Stadtrechnungen nur bruchstückweise 
erhalten sind, so ist es möglich, dass in den fehlenden Rech- 
nungen Angaben über Ruhegehälter von Stadtdienern vorhanden 
waren. Bei dem patriarchalischen Verhältnis, in dem Rat und 
familia zu einander standen, muss man für ausgeschlossen halten, 
dass alte und dienstunfähige Stadtdiener sich selbst überlassen 
blieben. Man wird ihnen wohl irgend einen Ruheposten über- 
tragen haben, besonders, da die Stadt ihre Diener in Krank- 
heitsfällen unterstützte. So erhielten bei Erkrankungen Kuno 
5 m, Leonhard 2 m, Triptrap lm-(-6ß + 18ß-fl m, 
Henkin in einem Falle sogar 6 m 3 . Von einer Fürsorge der Stadt 
für die Hinterbliebenen der Stadtdiener ist in den mittelalter- 
lichen Stadtrechnungen, soweit sie mir zugänglich waren, nichts 
zu entdecken. 

D. Sociale Stellung der Boten. 

Von besonderem Interesse für die Geschichte des Verkehrs- 
wesens ist die Frage, welche sociale Stellung die Boten in 
früherer Zeit eingenommen haben. 

Es liegt in der Natur der Sache, dass man für die Über- 
bringung wichtiger Nachrichten nicht unzuverlässige, sondern 
erprobte Leute nahm. Im Mittelalter setzte die Tätigkeit der 
Briefboten eine grosse Vertrautheit mit den Wegevcrhiiltnissen. 
den Sitten und Gebräuchen in den einzelnen Städten voraus. Die 
nahe Berührung, in welche die Boten mit Personen hohen Standes 
kamen, verlangte eine gewisse Gewandtheit, die der gewöhn- 



') Das sogenannte „Gnadenquartal" oder der „Gnadenmonat", die den 
Hinterbliebenen eines Beamten oder Pensionärs bei seinem Ableben gezahlt 
werden. Es ist auffallend, wie viele Verhältnisse aus dem Mittelalter sich 
bis in die heutige Zeit erhalten haben. 

2 ) Laurent a. a. 0. S. 385,2». 

8 ) A. a. 0. S. 179,3a; 340,34; 341, n; 374,2» (sieche was, uinb dat hee 
swach is, in langore suo). 



— 186 — 

liehe Mann nicht besass. Dieses Erfordernis trat vielleicht in 
Aachen besonders hervor, weil die Stadt als alte Krönungsstätte 
in ausgedehntem Masse Beziehungen zum Kaiserhofe und den 
Kurfürsten des Reichs unterhielt. Es ist gewiss nicht lediglich 
dem Zufall zuzuschreiben, dass gerade die Reisen von Aachen 
aus zum Kaiserhofe in der Regel demselben Boten übertragen 
wurden. 

Wir sehen nun aus den Stadtrechnungen, dass die Läufer, 
vorzugsweise aber der reitende Bote, nicht allein dazu verwendet 
wurden, die Briefe zu befördern, sondern, dass sie auch selb- 
ständig tätig waren und Geschäfte für die Stadt unterwegs 
ausführten. Der folgende Posten ist meiner Ansicht nach in 
diesem Sinne auszulegen: 

1344: eidem domicello Godefrido de Nuwenare dato, ut recon- 
ciliaret, 100 scuteos aureos, valent 225 ni. 
Godeschalco Kremer dat., quia multum laboravit in hoc 
facto, 10 in 1 , 

Vorher sind einige Reisen des Kremer nach Cöln gebucht; 
es lag also kein Anlass vor, ihn diesmal für die Anstrengungen 
der Reise mit einem so hohen Betrage besonders zu entschädigen, 
zumal Kremer für weite Reisen ausser dem Botenlohn sonst 
keine besondere Vergütung erhielt. 

Für die Ausführung sonstiger Aufträge durch die Boten 
spricht aber auch der Umstand, dass Kremer wiederholt, andere 
Boten gelegentlich, Knechte mit Mitteilungen nach Aachen 
sandten, während sie selbst am Bestimmungsort blieben 2 . Wäre 
mit der Abgabe des Briefes ihre Tätigkeit beendet gewesen, 
so hätten sie nach Aachen zurückkehren müssen ; oder aber sie 
warteten auf Antwort, und dann lag kein Anlass vor, einen 
anderen Boten nach Aachen zurückzusenden. Die Annahme, 
dass dieser Knecht etwa die Verzögerung der Rückkehr der 
Aachener Boten gemeldet habe, ist ganz ausgeschlossen, weil 
derartige Versäumnisse viel zu häufig vorkamen, als dass sie 
irgendwie aulfällig erscheinen konnten. 

Wir kommen damit zu der weiteren Frage, die für die 
sociale Stellung der Ratsboten von Bedeutung ist: Haben die 
Boten auch Knechte gehabt oder führten sie die Reisen allein aus? 



') A. a. 0. S. 155, :.3-36. 



») A. a. 0. S. 155, s«, 27; 183, i«; 205, 22, 35; 229,26. 



• — 187 — 

Man wird kaum annehmen können, dass sämtliche Boten- 
reisen von mehreren Personen ausgeführt worden sind. Einer 
oder der andere Ausgabeposten würde darüber gewiss Aufschluss 
geben. Im Gegenteil sehen wir z. B., dass der Ratsbote Nico- 
laus Stergin einen Diener der Stadt Cöln von diesem Ort nach 
Aachen sandte, was sicher nicht geschehen wäre, wenn er einen 
Knecht mitgenommen hätte. 

Andrerseits ist es aber keineswegs ausgeschlossen, dass der 
reitende Bote einen Knecht mitnahm, wenn vorausgesehen werden 
konnte, dass seine Aufträge ihn nötigten, sich länger am Be- 
stimmungsorte aufzuhalten und Nachrichten nach Aachen zu 
senden. Im Jahre 1349 führte Gotschalk Kremer eine solche 
längere Eeise nach Mainz aus 1 . Er sandte von dort den 
Christian Kleyne nach Aachen: 

Christiano Kleyne misso per Godeschalcum a Maguncia, 
quando duo Reges jacuerunt invicem 20 ß per rel. 

Auf derselben Reise schickte Kremer diesen Boten ein 
zweites Mal von Eltville aus, wo ein Kampf zwischen Karl IV. 
und seinem Gegenkönig Günther von Schwarzburg stattfand, 
nach Aachen. Hieraus scheint mir unzweifelhaft hervorzugehen, 
dass Kremer diesen Kleyne von Aachen mit nach Mainz ge- 
nommen hatte; denn wie sollte dieser ganz zufällig gerade 
dann nach Mainz und nach Eltville gekommen sein? Der 
Kämmerer würde auch eine Person aus einem fremden Ort nicht 
einfach mit, dem Namen nennen. Im Dienst der Stadt stand 
Kleyne nicht, weil er sonst in den Rechnungen nicht erwähnt 
wird. Liegt es also nicht nahe, anzunehmen, dass er ein Knecht 
des Gotschalk Kremer war? Der Aulass, aus dem die Reise 
ausgeführt wurde, war immerhin wichtig genug, um eine der- 
aitige Massregel zu rechtfertigen. Aus dem Botenlohn kann 
man, wie ich gezeigt habe, keine bestimmten Schlüsse ziehen; 
ich sehe deshalb von einer Vergleichung der Beträge ab. Es 
genügt, dass sie nicht gegen meine Annahme sprechen. 

Laurent hat in der Erläuterung eines der von mir ange- 
führten Stelle entsprechenden Postens einen recht groben Schnitzer 
gemacht. Er sagt „Aus einer anderen Botschaft ist ersichtlich, 
dass beide Könige in Mainz zusammen waren. It. peregrino 
misso Magunciam, quum (richtig quando; denn cum regiert den 



') A. a. 0. S. 205,2. 



— 188 — 

Konjunktiv) reges jacuerunt invicem". Nun heisst aber „in- 
vicem" leider nicht „zusammen", sondern „abwechselnd", und 
die von Laurent entdeckte Zusammenkunft Karl IV. mit seinem 
Gegenkönige in Mainz ist damit wieder aus der Welt geschafft, 
ebenso wie Laurents alkoholischen Pferde! 

Auch in einem anderen Punkte muss ich Laurent wider- 
sprechen. Er sagt an derselben Stelle: 

„Von Günther wird ein Bote nach Aachen gesandt, worüber 
der Rentmeister sich in einer Weise ausdrückt, dass Günthers 
geringe Macht klar hervorleuchtet, denn er ist nicht einmal 
sicher über den Namen des Gegenkönigs, „It. cuidam nuncio 
domini uostri, Gunteri credo, Romanorum regis huc misso 2 scut. 
valent 5 m". 

Der Zusatz „credo" kommt in den Stadtrechnungen bei 
Eintragungen von Botenlöhnen auch sonst vor und ist gar nicht 
auffällig, weil die Ausgaben nicht bei Ankunft des Boten in 
der Rechnung aufgezeichnet M r urden. Da zu dieser Zeit zwei 
Könige vorhanden waren, so wird der Kämmerer nachher nicht 
gewusst haben, von welchem der beiden Könige der Bote ab- 
gesandt war. Jedenfalls aber ist die Auslegung Laurents sehr 
unwahrscheinlich, und sie kann in dieser bestimmten Form über- 
haupt nicht aufgestellt werden. Hätte der Kämmerer das sagen 
wollen, was Laurent behauptet, so würde er sich wohl etwas 
weniger verschämt ausgedrückt haben. So zaghaft war man 
im Mittelalter nicht. 

E. Pferde der Boten. 

Wie schon der Ausdruck „Läufer" ergibt, pflegten die 
Boten in der Regel ihre Reisen zu Fuss zurückzulegen. Indessen 
war in Aachen auch einer von ihnen beritten. In den Rech- 
nungen finden sich folgende Ausgaben, aus denen hervorgeht, 
dass der reitende Bote ein Pferd zu diesem Zweck halten musste: 

1346: God. Kremer de uno equo tenendo 8 in 3 ß. 
1391: Henkijn (lerne boeden van lieffnisse zu synen perde zo 
halden 25 m K 
Im Jahre 1346 betrugen die Kosten für Unterhaltung eines 
Pferdes 30 m 2 . Die Summe von 8 m 3 ß, die annähernd dem 



') Laurent a. a. 0. S. 182, 33, 376, si. 
2 ) A. a. 0. S. 189,8. 9 Pferde 270 m. 



^ ' 



189 — 



Betrage von 25 ra im Jahre 1391 entspricht 1 , kann also nur ein 
Znsehuss gewesen sein. Dies beweist erstens das vereinzelte 
Vorkommen derartiger Vergütungen in den Rechnungen, zweitens 
der Ausdruck „van lieffnisse", der den Begriff einer ausserge- 
wöhnlichen Gnadenbewilligung in sich schliesst. Man wird also 
annehmen dürfen, dass die Vergütung ausnahmsweise, vermutlich 
wegen der hohen Futterpreise gezahlt wurde, zumal im Jahre 
1346 auch die Söldner ausnahmsweise je 10 und 5 Scheffel 
Hafer für die Mietspferde erhielten 2 . Diese Posten sind deshalb 
besonders interessant, weil noch jetzt bei der Reichspostver- 
waltung ein Futterkostenzuschuss gezahlt wird, sobald der Hafer- 
preis eine gewisse Grenze übersteigt. Es ist alles schon da- 
gewesen ! 

Im Jahre 1344 wurde dem Boten Kremer ein Sattel von 
der Stadt geliefert 3 . Ein Ausgabeposten aus dem Jahre 1353 
lässt vermuten, dass die Anschaffungskosten für das Pferd von 
der Stadt getragen wurden: pro equo empto tunc erga Nys 
Kempen, quem ipse Gotschalcus tunc equitavit, 24 m cum vino- 
copio per rel. et Wolterum Volmer 4 . Allerdings lässt der Ausdruck 
„tunc" die Möglichkeit offen, dass Kremer das Pferd nur aushilfs- 
weise benutzte. In einem Fall erstand der Rat ein Pferd von 
Kremer 5 . Der Bote muss also doch Pferde als Eigentum besessen 
haben. Als auf einer sehr anstrengenden Reise nach Kärnten 
Kremers Pferd unterwegs verendete, erhielt er eine Entschädigung 
von 32 m". 

Wenn der Bote von einem Ritt zurückkehrte und sogleich 
nach seiner Heimkehr eine neue Reise unternehmen musste, so 
konnte er natürlich sein Pferd nicht dazu benutzen. Es kann 
daher nicht weiter auffallen, dass der reitende Bote in ver- 
schiedenen Fällen die Pferde der Söldner benutzte. Auch die 
anderen Boten, die in der Regel den Weg zu Fuss zurücklegten 7 , 



') A. a. 0. S. 415, 419. 1346 1 Gulden = 1 m 9 ß, 1391 = 4 m. 

') A. a. 0. S. 182,i9,2i,j3,8i. Hamburger Stadtrechnungen 1482: 36 U 
in subsidium tradita satellitibus nostre civitatis pro pabulo suornni equorum, 
pensata caristia temporis et preciositatc avene. 

3 ) A. a. 0. S. 155,20. 

«) A. a. 0. S. 229,n. 

") A. a. 0. S. 127,i5. 

a ) A. a. 0. S. 183 25. 

') Vgl. z. B. Laurent a. a. 0. S. 241, i und Recbuung von 1394 
(3. Monat): Wilmer van gebrech dat he ze Lotzelenburch gcloiffen hadde 18 ß. 



— 190 — 

verwendeten, falls sie ausnahmsweise ritten, die Mietspferde der 
Söldner. Im Jahre 1349 kann man das Verhältnis der Reisen 
zu Pferde und zu Fuss feststellen. Stergin führte von 26 Reisen 
5, Triptrap von 14 Reisen 1 zu Pferde aus. 

F. Gefangennahme der Boten und Fehdewesen. 

In den Aachener Stadtrechnungen sind verschiedene Fälle 
aufgezeichnet, in denen Fehdebriefe von Boteu, darunter auch 

von Läufern der Stadt, überbracht 
wurden. Aus den Stadtrechnungen 
sind nun zwar keine Beweise da- 
für zu erbringen, dass man im 
Rheinland den Grundsatz, dass die 
Person eines Boten als geheiligt 
galt, wenn er einen Brief über- 
brachte, miss.achtet hätte. Aber 
wenn man aus dem Fehlen solcher 
Angaben etwas schliessen könnte, 
so müssten in Aachen auch eine 
befremdliche Milde in Kriminal- 
sachen und eine höchst erfreuliche 
Ordnung auf den Landstrassen ge- 
herrscht haben, mit der die Tätig- 
keit der Landfriedensbünde nicht 
in Einklang zu bringen wäre. 

Sehen wir nur einmal, wie man 
im Mittelalter in anderen Gegen- 
den mit den Boten verfuhr, wenn 
der Empfänger über den Inhalt 
des Schreibens erbost war. 
Das Frankfurter Archiv enthält 
aus der Zeit vom Anfang des 15. Jahrhunderts urkundliche Nach- 
richten darüber, dass mancher Bote recht schlecht behandelt 
worden ist 1 . Die Strafe, die gegen diesen Rechtsbruch fest- 
gesetzt war, nämlich dass in Zukunft Fehden gegen den Ge- 
walttäter ohne vorherige Ansage begonnen werden konnten, war 
nicht danach angetan, Übermütige von ihrem Vorhaben abzuhalten. 
Im Jahre 1436 beklagte sich Graf Philipp von Isenburg 




Abbildung des Boten Hennclien 
Hanauwc. 



Nach einer Illustration auf dem Boten- 
buch des Stadtarchivs Frankfurt a. M. 
vom Jahre 1435. (Sommerkleidung.j 



') Kriegk, Deutsches Bürgertum im Mittelalter, Bd. I, S. 198. 



• — 191 — 

beim Frankfurter Rat, sein Feind, der Herr von Runkel, habe 
seinein Boten die Briefe in den Mund gedrückt und ihn ge- 
zwungen, sie zu kauen und hinunterzuschlucken. Ein anderer 
Edelmann, Michel von Rosenberg, zwang 1470 einen Boten des 
Bischofs von Würzburg ebenfalls, den überbrachten Brief zu 
essen; er wollte ihn auch nötigen, Harn dazu zu trinken, 
wurde aber durch einen Herrn von Helmstadt davon abgehalten. 
Zieht man in betracht, dass das Papier damals von recht zäher 
Beschaffenheit war, so lassen diese Roheiten nichts zu wünschen 
übrig. Dem Henne von Hattstein warfen seine Feinde sogar 
vor, er habe einem Boten die Füsse mit Lichtern verbrannt und 
ihn gefoltert. 

Soll man nun annehmen, dass die rheinische Ritterschaft 
civilisierter war, als die in der Gegend von Frankfurt? Über- 
dies reichten die Beziehungen Aachens auch in die Frankfurter 
Umgegend. Immerhin liegen aber zwei urkundliche Beispiele 
vor, in denen Ritter mit den Aachener Boten ziemlich glimpflich 
umgingen. Um das Verfahren dieser Ritter richtig zu würdigen, 
muss man sich vergegenwärtigen, wie in damaliger Zeit Kriegs- 
gefangene selbst vornehmer Abkunft behandelt wurden. 

Die Einrichtung der Gefängnisse und die Behandlung der 
Gefangenen war im Mittelalter vielfach derart, dass die Insassen 
nicht wie Menschen untergebracht waren. Pflegte man schon 
Geisteskranke selbst in Familien in hölzerne Käfige zusperren, 
in denen sie sich kaum bewegen konnten, so erging es den 
Gefangenen häufig noch schlechter. Man legte auf humane 
Gesichtspunkte nicht den mindesten Wert, sondern sah haupt- 
sächlich darauf, dass der Gefangene nicht entkommen konnte. 
Dieser Zweck wurde am besten erreicht, wenn mau ihn in den 
Stock legte und diesen möglichst fest anbrachte l . Andernfalls 
machte man von Ketten ausgiebigen Gebrauch -. Kriegsgefangene 
behandelte man nicht viel besser als gemeine Verbrecher, und 
selbst angesehene, ja fürstliche Personen wurden in die gewöhn- 
lichen Turmgefängnisse gesperrt, in Ketten geschlossen, auf 
Stroh gelagert und manchmal auch in den Stock gelegt. Nur 
ausnahmsweise kam es vor, dass man einzelnen von ihnen er- 



') Hamburger Stadtrecbnungen 1353: 4 ß pro plumbo ad compedem, in 
quo Bareke sedet. 

2 ) A. a. 0. 1376: 30 ß Kosfclde fabro pro catbenis, scris et clavibus 
in domo preconis. 



— 192 — 

laubte, unter Eidesleistung sich in einer Herberge für eigene 
Rechnung einzuquartieren l . 

Um so auffallender ist die zarte Rücksicht, welche die 
Ritter in der Eifel gegen die von ihnen aufgegriffenen Rats- 
boten Kremer und Stergin beobachteten. Beiden wurde nämlich 
die Vergünstigung zu Teil, dass sie nicht eingesperrt wurden, 
um auf faulem Stroh über ihr Missgeschick nachzudenken, sondern 
sie lebten, anscheinend ganz gemütlich, in Schönecken und Reiffer- 
scheid. 

Jeder dieser beiden Fälle aus dem Jahre 1349 ist für die 
Beurteilung der damaligen Zustände von Interesse. 

Der Läufer Clos Stergin fiel dem Ritter Tilkin von Wissen 2 , 
der mit Aachen in Fehde lag, in die Hände; ein Schicksal, 
welches auch andere Aachener Bürger ereilt hatte 3 . Er wurde 
im Dorfe Reifferscheid in einem Gasthause einquartiert, musste 
also nach dem damaligen Brauch einen Eid geleistet haben, 
nicht zu fliehen. Die Stadt Aachen söhnte sich bald nachher 
mit Tilkin aus; er trat in ihre Dienste und erhielt ausser den 
sonstigen Vergütungen zwei Pferde geschenkt, damit er gegen 
seinen früheren Bundesgenossen Heinrich von Hetziugen, zu 
dessen Ermordung die Stadt schon drei andere Personen ge- 
dungen hatte 4 , kämpfen sollte; Tilkin hatte also wohl Anlass, 
es nicht gründlich mit Aachen zu verderben, und wird vielleicht 
deshalb gegen den Boten Milde geübt haben. 

Wenig Vertrauen zu der Stadt hatte aber der Wirt, bei 
dem Stergin in Reifferscheid einquartiert war; denn er kam mit 
dem Boten nach Aachen, vermutlich, um die Verpflegungskosten 
selbst mit zurückzunehmen. Jedoch muss er angenehm enttäuscht 
gewesen sein. Man bezahlte nicht nur seine Reisekosten, sondern 
gab ihm obendrein 2 m 3 ß, also mehr als das Doppelte des 
Reisegeldes als Entschädigung für seine Aufregung. Ich glaube 
wenigstens nicht, dass man die Posten: 

Clos Stergin in captivitate sua, per predictum Tilkinum 
capto 6 m holl. val. 6 m 9 ß per rel. 



') Kriegk a. a. 0. (Neue Folge) S. 43/44. Mau gebrauchte iu Frank- 
furt den Ausdruck, man wolle den Gefangenen für eine Zeit „vergessen". 

2 ) Dorf, Bgmstr. Hellenthal (Kr. Schieiden). 

3 ) Laurent a. a. 0. S. 215, ». 

4 ) A. a. 0. 215, ie: Jo. de Ordingen, Conrado de Dreyven et Frankoni 
de Moyrshoven dat., ut interficere deberent Henricum predictum 12 Schilde 
ant. val. 30 m per rel. 



— 193 — 

de expeusis ejusdem Nicolai in captivitate sua Reiferscheit 
factis 31 ß holl. val. 34 ß 10 d per rel. 
de expensis hospitis ejusdem Nicolai de Riferscheid hie 
Aquis factis 1 m holl. val. 13^2 ß P er rel- 
eidem hospiti datum 1 scuteum novum per Goswinum ', 

anders wird auffassen können. 

Bei der Gefangennahme des Stergin hatte man in Aachen 
die Ruhe bewahrt. Als Conrad von Schönecken 2 aber den 
Aachener reitenden Boten Gotschalk Kremer gefangen setzte, 
geriet der Rat in Aufregung. Die beiden Vorkommnisse fallen 
in die Amtszeit derselben Bürgermeister; das verschiedenartige 
Vorgehen kann also nicht durch grössere oder geringere Gemüts- 
ruhe der leitenden Persönlichkeiten erklärt werden, sondern 
muss darin seinen Ursprung gehabt haben, dass die Festsetzung 
des Boten Kremers für die Stadt ein wichtiges Ereignis war, 
und dass Kremer schwer ersetzt werden konnte 3 . 

Gotschalk scheint auf der Reise einen Knecht mitgenommen 
zu haben ; wenigstens wurde der Überbringer, der von ihm mit 
der Nachricht von seiner Gefangennahme nach Aachen geschickt 
wurde, in der Rechnung einfach mit dem Namen genannt, ein 
Zeichen, dass er aus Aachen stammte 4 . Auf diese Meldung wurde 
sofort der Bote Stergin nach Oisheim geschickt. Dies ist das 
jetzige Oberaussem (Kr. Bergheim, Bez. Cöln), welches damals 
dem Abt von Cornelimünster gehörte 5 . Hieraus erklärt sich 
auch der bei der Lage dieses Ortes sonst ganz unverständliche 
Zusatz „ad abbatem" 6 . Abt von Cornelimünster war von 133G 
bis 1355 Ricaldus (auch Ricardus, Ruardus), der aus einer 
adligen, aber leider unbekannten Familie stammte 7 , sodass man 



») A. a. 0. S. 216,5-i3. 

2 ) Bei Prüm i. d. Eifel. 

s ) Es wurde sogar eine besondere Abteiluug für die aus diesem Anlass 
entstandenen Ausgaben in der Rechnung angelegt. 

*) Laurent a. a. 0. S. 208, io: Primo, quando dominus Conradus de 
Schoynnecken cepit Godeschalcum, misit Godeschalcus Henkinum Kcylart, 
qui habuit 1 m per rel. — Auffallend ist die Ähnlichkeit des Namens Kcy- 
lart mit dem des späteren Boten Kaiart (in den Recessen des Landfriedens- 
bundes auch Kailhart). 

•) Zeitschrift des Aachener Gesch.-Vereins, Bd. IV, S. 158. 

") Laurent a. a. 0. S. 208, s2. 

7 ) Schorn, Eiflia Sacra Bd. I, S. 398/399. 



— 194 — 

nicht feststellen kann, ob er zu Conrad von Schönecken in einem 
verwandtschaftlichen Verhältnis stand, oder aus welchem anderen 
Grunde Aachen sich von seiner Vermittelung Erfolg- versprach. 
Auch über die Person des Conrad von Schönecken habe ich 
nichts feststellen können ! . Es scheint, als wenn es sich im 
vorliegenden Fall nicht um eine Fehde gehandelt hat; der Ritter 
wird wohl irgend einen anderen Grund — vielleicht auch gar 
keinen — gehabt haben, sich des Boten zu bemächtigen. 

Ausser dem Abt von Cornelimünster wurde auch der Erz- 
bischof von Trier um seine Vermittlung in der Angelegenheit 
angegangen 2 , und ein Bote dieses Erzbischofs von Aachen zu 
Conrad von Schoenecken gesandt 3 . Ausserdem entwickelte sich 
ein reger Briefwechsel zwischen Kremer und der Stadt Aachen; 
der Bote hatte also ziemlich viel Freiheit in seiner Haft. Wenn 
in der Rechnung auch nicht ausdrücklich erwähnt wird, dass 
Kremer in Schoenecken selbst untergebracht war, oder dass Conrad 
dort seinen Sitz hatte, so scheint mir dies doch aus dem Posten 
„nuncio de Schoynnecken misso ad Godeschalcum" 4 hervorzu- 
gehen; denn mit „de Schoynnecken" wird der Ort und nicht 
etwa Conrad von Schoenecken selbst gemeint sein. 

Die Anstrengungen, welche die Stadt machte, um ihren 
Boten zu befreien, waren von Erfolg gekrönt. Dass es diesem 
nicht allzuschlecht in der Gefangenschaft ergangen sein kann, 
sieht man daran, dass er nochmals einen Besuch in Schönecken 
abstattete, um die Kosten für seinen Unterhalt (66V2 m ) nach 
Schönecken zu überbringen 5 . Die Worte „cum pecunia expen- 
sarum suarum misso ad dominum Conradum de Schoynnecken" 
scheinen darauf hinzudeuten, dass Kremer nicht, wie Stergin, 
im Gasthause, sondern im Schloss untergebracht war. Nach 
der Höhe der Verpflegungskosten zu urteilen, muss die Gefangen- 
schaft entweder recht lange gedauert haben, oder der Pensions- 
preis ein sehr hoher gewesen sein ; denn dass man Kremer zu 
den Diners im Schlosse zugezogen haben wird, ist wohl nicht 
anzunehmen. Aus welchem Anlass der Bote bei dieser Gelegen- 



') Ebensowenig ist es mir gelungen, aufzuklären, wer der bei dieser 
Angelegenheit beteiligte Hermann de Klusa war. Laurent a. a. 0. S. 209,«. 
2 ) A. a. 0. S. 208,2«. 
8 ) A. a. 0. S. 208, a.,. 
*) A. a. 0. S. 208, 32. 
6 ) A. a. 0. S. 209,.». 



• — 195 — 

heit neue Stiefel erhielt 1 , ist nicht recht verständlich. Wahr- 
scheinlich wird man ihm wohl nur eine kleine Freude haben 
machen wollen, zumal er für irgend etwas (nescio quare) noch 
18 ß erhielt 2 . Der Sohn des Boten Stergin war bei dieser 
Gelegenheit besonders tüchtig und erhielt Geld für Schuhe und 
Stiefel 3 , weil er viel gelaufen war. 

Die Skizze, die ich von dem mittelalterlichen Nachrichten- 
austausch habe entwerfen können, ist leider nur in grossen Zügen 
gezeichnet. Immerhin kann man doch erkennen, dass mit dem 
Aufblühen der deutschen Städtekultur auch das Verkehrswesen 
einen wesentlichen Aufschwung nahm, dass vor dem 14. Jahr- 
hundert die Einrichtungen geschaffen wurden, die sich bis zur 
Einführung der Posten fast unverändert erhalten haben. Auch 
auf diesem Gebiet erscheint der hervortretende Zug jener Zeit, 
das Festhalten an den im 13. Jahrhundert geschaffenen Kultur- 
zuständen. 



') A. a. 0. S. 209, i: eidem Godeschalco pro caligis sibi datis cadcm 
vice 8 ß per rel. 

2 ) A. a. 0. S. 209,g. 

s ) A. a. 0. S. 209,?: filio Nicolai Stergin datum quia multum cucurrit 
ad calceos et caligas 9'/ 2 ß V 0T re ^ 



Literatur. 
i. 

Zur Geschichte Aachens im 16. Jahrhundert. Mit Benutzung 
ungedruckter Archivalien von J. Fey. Aachen. Verlag von Ignatz 
Schweitzer. 1905. 

Die Foysche Arbeit stellt sich fast durchweg dar als eine Entgegnung 
auf die im Jahre 1900 erschienene Broschüre H. F. Maccos: „Die reformato- 
rischen Bewegungen während des 16. Jahrhunderts in der Reichsstadt Aachen." 
Es wäre darum vielleicht angezeigt gewesen, eine entsprechende nähere Be- 
zeichnung in den Titel aufzunehmen. Im Vorwort zu seiner Schrift betont 
Macco, dass „seine Darstellung in manchen Einzelheiten von den Ergebnissen 
der lokalen Forschung abweicht" und stellt es dann dem Leser auheim, eine 
Entscheidung darüber zu treffen, wo „tendenziöse Entstellung" und wo „ur- 
kundlich bestätigte Schilderung" zutrifft. Seine Entscheidung geht natürlich 
dahin, dass bei ihm das letztere, und bei seinen Vorgängern das erstere vor- 
herrsche. Fey, der sich der Mühe unterzogen hat, das Maccosche Material 
nachzuprüfen, kommt auf Grund dieser Prüfung zu dem gerade entgegen- 
gesetzten Resultat. Einleitend weist er darauf hin, dass die von Macco be- 
nutzten „Urkunden" fast ausnahmslos „Schriftsätze betreffen, die in den 
Kammergerichts-Prozessen von den Parteien zu den Akten gegeben worden 
sind, also lediglich subjektive Anschauungen enthalten", und in einer Fussnote 
auf Seite 48 kommt er sogar zu der Überzeugung, dass Macco „die Kammer- 
gerichtsakten selbst, auf die er wiederholt Bezug nimmt, nicht studiert hat, 
sondern nach einer von dritter Hand erhaltenen Abschrift gearbeitet haben 
muss". Nachdem Fey sodann die Maccosche Insinuation, dass bei dem Fehlen 
„direkter urkundlicher Quellen über die für Aachen und seine Reformation 
so wichtige Zeit des 16. Jahrhunderts" und bei dem Mangel „an Urkunden 
über die beiden ersten Dezennien des 17. Jahrhunderts, die Aufschlüsse über 
die Religionswirren hätten geben können", an „eine absichtliche Beseitigung" 
gedacht werden könne, mit dem Hinweis auf die allbekannte Tatsache, dass 
bei dem grossen Stadtbrand von 1656 Kanzlei und kleines Archiv nebst ver- 
schiedenen Stücken aus dem grossen Archiv ein Raub der Flammen geworden 
sind, als jeder sachlichen Grundlage entbehrend zurückgewiesen hat, geht 
er über zur Bewertung der beiden für die fragliche Zeit in Betracht 
kommenden Aachener Schriftsteller, des Chronisten P. ä Beeck, der Stiftsherr 
am Münster und Propst an St. Adalbert war, und des Historikers und Rechts- 
anwalts Noppius. Gegenüber einer sporadisch auftretenden Bemängelung der 



- 197 — 

Glaubwürdigkeit der beiden Geschichtsschreiber will Fey an derselben so 
lange festhalten, bis eklatante Beweise für das Gegenteil erbracht werden. 
Der Verfasser geht in seiner Abhandlung in der Weise vor, dass er die Zeit 
von 1524 bis 1598 in drei Abschnitte zerlegt und in jedem das Bemerkens- 
werteste, unter steter Rücksichtnahme auf die entsprechenden Ausführungen 
bei Macco hervorhebt und eingehend behandelt. Der erste Abschnitt umfasst 
die Jahre 1524 bis 1555. In das Anfangsjahr dieser Periode fällt die Tätig- 
keit eines gewissen Albrecht Münster, des ersten, der hierorts gegen die 
alte Religion predigte. Macco lässt ihn auf Grund verläumderischer Be- 
schuldigung 1524 mit dem Schwerte auf dem Markt hingerichtet und auf 
der Pferdsheide vor dem Jakobstore „verscharrt" werden. Er beruft sich 
für seine Mitteilung auf P. ä Beeck, der aber, wie Fey hervorhebt, von ver- 
läumderischen Beschuldigungen kein Wort verlauten lässt, sondern vielmehr 
berichtet, dass Albrecht v. Münster wegen seiner heftigen Schmähungen gegen 
die katholische Kirche in Haft genommen und dann wegen zweier, unterdessen 
ans Tageslicht gekommener Mordtaten, die er selbst eingestand, zum Tode 
verurteilt worden sei. Bei der Gelegenheit macht Fey, Macco berichtigend, 
darauf aufmerksam, dass Münster nicht auf dem Markte, sondern auf der 
Pferdsheide, die auch seine Begräbnisstätte wurde, hingerichtet worden sei, 
und dass die ä Beecksche Bezeichnung „corpus terrae tradere" nicht „ver- 
scharren" sondern begraben bedeutet. Wenn Macco es dem Rat, Schöffcn- 
stuhl und Klerus übel zu nehmen scheint, dass sie nicht mit vollen Segeln 
in das Fahrwasser des „neuen" Glaubens hinübergegangen und die Aachener 
mitgezogen haben, so zeugt das von einer mehr als kindlichen Auffassung. 
Trotzalledem hatte der Calvinismus doch allmählich in Aachen Anhänger 
gefunden. Ihren Bemühungen ist es wohl mit zu verdanken gewesen, dass der 
Rat im Jahre 1544 dreissig flandrischen Calvinisten Aufnahme in die Stadt 
gewährte, um durch sie eine neue Fabrikationsmethodc einzuführen. Der 
von ihrer Aufnahme erhoffte Aufschwung des Handels der Vaterstadt 
trat nicht ein, weil die Leute unfähig waren und die Aachener Waren 
geradezu in Verruf brachten. Fey stützt diese seine Angabe auf Zeugen- 
aussagen, die in einem der Prozesse gemacht wurden, die später der ehe- 
malige Bürgermeister v. Zevel gegen den Rat der Stadt Aachen anstrengte. 
Durch die Calviner wurde, wie Noppius näher ausführt, der konfessionelle 
Friede in der Stadt gestört. Macco schiebt die angebliche Erfindung dieser 
Tatsache dem Geschichtsschreiber Haagen, der sich nach seinem „Vorbilde" 
K. F. Meyer gerichtet habe, in die Schuhe und legt ausserdem Hangen Worte 
in den Mund, nach denen man in dessen „Geschichte Achens" vergeblich 
sucht. Der arme Haagen hat weiter nichts getan, als die bezügliche Stelle 
aus ä Beeck ziemlich wörtlich ins Deutsche übersetzt. Macco inuss sich 
dann des Weiteren belehren lassen, dass der von ihm in allzu engem An- 
schluss an „Haagen" citierte Karmeliter nicht „Ed. Billig", sondern „Eberhard 
Billick" geheissen hat, und dass dieser nicht „den Hass gegen die Protestanten 
durch heftige Ausfälle in seinen Predigten" geschürt haben kann, weil er 



— 198 — 

überhaupt niemals in Aachen gepredigt hat- Der zweite Abschnitt der 
Feyschen Broschüre befasst sich mit den Jahren 1555 — 1560. Der Calvinismus 
gewann in Aachen immer mehr Anhänger, die teils Einheimische, teils ein- 
gewanderte Niederländer waren. Sie stellten im Jahre 1555 an den Rat 
das Ersuchen, ihnen die Anstellung eines französischen Predigers zu ge- 
statten. Der Rat lehnte das Gesuch ab. Aachen hatte damals auffallender- 
weise wiederholt in Adam von Zevel einen Bürgermeister, der der reformierten 
Konfession angehörte. Die Erklärung dieser merkwürdigen Erscheinung findet 
Fey in den eigentümlichen Zeitverhältnissen. Ein Sohn Adam von Zevels, 
Dr. Goswin von Zevel, und Dr. Arnold Engelbrecht begaben sich 1559 mit 
einer Vollmacht zum Reichstag, die u. a. auch vom Bürgermeister von Zevel 
unterschrieben war, und in der sie auf Grund der Augsburgischen Konfession, 
zu der sie aber als Calvinisten sich nicht bekannten, freie Religiousübung 
und Einräumung der St. Foillanskircbe verlangten. Trotzdem sie sich der 
Protektion mehrerer protestantischer Fürsten vergewissert hatten, wurde ihr 
Gesuch doch abschlägig beschieden. Im weiteren Verlauf seiner Darstellung 
bespricht dann Fey die zwischen dem 1559 zum Bürgermeister wiederge- 
wählten Adam von Zevel und dem Rat entstandenen Zwistigkeiten, die 
vornehmlich ihren Grund darin hatten, dass Zevel angeblich die protestan- 
tischen „Conventicula" begünstige. Das vorhandene Misstrauen gegen von 
Zevel nahm noch zu, als ein fremder Jude gegen von Zevel und die fremden 
Protestanten die Anzeige machte, dass letztere unter des Bürgermeisters 
Führung sich der Stadt bemächtigen und sie in Brand stecken wollten. Die 
Dcnunciation gegen von Zevel erwies sich als völlig grundlos. Der Jude 
wurde in Valkenburg, wohin er geflohen war, hingerichtet. Vielleicht hing 
es mit der Denunciation zusammen, dass dem Rate der Vorschlag unterbreitet 
wurde, alle fremden Protestanten auszuweisen. Da in der Ratssitzung, in 
der die Angelegenheit zur Verhandlung stand, von Zevel überstimmt, und 
die Ausweisung der fremden Protestanten zum Beschluss erhoben wurde, 
legte er, nachdem er vergebens die Beschlussfassung zu hintertreiben ver- 
sucht hatte, sein Amt nieder. Macco verspricht den Beweis zu erbringen, dass 
der betreffende Ratsbeschluss erst nach Zevels Rücktritt bewirkt wurde. 
Der fragliche Beweis ist aber in der Maccoschen Broschüre nirgends zu finden. 
An Stelle von Zevels wurde Franz Block zum Bürgermeister gewählt. Von 
diesem behauptet Macco, dass er ein heftiger Gegner der Protestanten ge- 
wesen, und dass er am Tage seines Amtsantritts sogleich verschärfte Ver- 
ordnungen gegen die neue Lehre erlassen habe. Alle diese Angaben Maccos 
bezeichnet Fey als aus der Luft gegriffen. Die Reibereien zwischen dem 
Rat und von Zevel endeten damit, dass letzterer schliesslich aus Stadt und 
Reich Aachen verwiesen wurde. Es folgt nunmehr der dritte Abschnitt der 
Feyschen Arbeit, der die Zeit von 1560 — 1598 behandelt. Im Jahre 1581 
gelang es den Protestanten, nachdem sie infolge des „Abfalls der Niederlande" 
wesentlichen Zuwachs erhalten, das Stadtregiment an sich zu rcissen. Dazu 
hatte mit beigetragen die Unschlüssigkeit des Rates, der einerseits die be- 



• — 199 — 

stehenden Beschlüsse gegen die fremden Protestanten nicht ausführte und 
andererseits im Gegensatze zu einem Bcschluss von 1560 im Jahre 1574 den 
Beschluss fasste, auch Anhänger der Augsburgischen Konfession zum Rate 
zuzulassen. Macco, der letztern Beschluss erwähnt, fügt hinzu, dass die 
Zulassung^ wegen der hervorragenden, kaufmännischen Tüchtigkeit und des 
Reichtums und Ansehens der Protestanten erfolgt sei und sucht dann durch 
die Fussnotc: „Der Erlass des Rates ist bei Meyer S. 464 abgedruckt" den 
Glauben zu erwecken, die von ihm angeführte Begründung linde sich bei Meyer, 
während sie nach Fey lediglich ein Erzeugnis der Maccoschen Phantasie ist. 
Meyer berichtet vielmehr, dass der Beschluss nur um des lieben Friedens 
willen gefasst worden sei. Eine Aufzählung all der Willkürlichkeitcn, die 
Macco bei Schilderung der Aachener Zustände während der protestantischen 
Herrschuft sich zu Schulden kommen lässt, würde, so meint Fey, nur ermüden; 
sie sei auch unnötig, da die ernste Forschung niemals auf seine Darstellung 
zurückgreifen werde. Nebenbei würdigt dann Fey einen vom hiesigen evange- 
lischen Pfarrer Walthcr Wolff verfassten Aufsatz über „die Jahre der Not 
und die Feier der Befreiung". Für jeden vorurteilslosen Beobachter ist es 
von vornherein schwer zu glauben, dass es während der protestantischen 
Herrschaft ganz so tolerant hergegangen sei, wie Wolff das glauben zu 
machen versucht. Fey führt dann auch einige Begebenheiten an, die die 
Wolffschc Anschauung nicht geradezu rechtfertigen. Wenn Macco im An- 
schluss an einen Zwischenfall, betreffend die nicht zu entschuldigende Hand- 
lungsweise des aus katholischer Patrizierfamilie stammenden Gerhard Ellcrborn, 
es für angezeigt erachtet, auf die Verwilderung der Sitten unter dem Klerus 
hinzuweisen und als abschreckendes Beispiel das des Concubinariers Kanoni- 
kus Bonifacius Colyn herauszugreifen, so ist das sein gutes Recht; nur hätte 
er dann nicht verschweigen dürfen, dass der betreffende Coucubinaricr zum 
Protestantismus übergetreten ist, und dass nirgendwo verzeichnet steht, dass 
dieser ihn etwa von seinen Rockschössen abgeschüttelt habe. Weitläufige 
Verhandlungen entstanden zwischen dem protestantischen Rate und dem 
Herzog von Jülich wegen der Ernennung des früheren Stadtsekretärs Johann 
von Thenen zum Vogtmeyer. Die akteumässige Darstellung des Vorfalls 
und die Widerlegung einzelner von Macco zu dem Fall vorgebrachten Be- 
hauptungen gibt Fey S. 71 ff. seiner Broschüre. 1598 fand die Herrschaft 
und damit auch die freie Rcligionsübung der Protestanten in Aachen ihr Ende. 
Mit der protestantischen Herrschaft soll nun auch die Blüte der Aachener 
Industrie ihr Ende gefunden haben. Nach Macco war Aachen 1611 so sehr 
von tüchtigen Männern cntblösst, dass dort eingetroffene „kaiserliche" 
Kommissarien den Rat darauf hinwiesen, es fänden sich für die Ratsherren- 
wahl unter den Protestanten gewiss würdigere und mehr ansehnliche Leute. 
Er beruft sich hierfür auf Meyer (S. 555). Es handelt sich aber hier, wie 
Fey hervorhebt, nicht um „kaiserliche" Kommissarien, sondern um Gesandte 
„zweier protestantischen Fürsten", des Kurfürsten von Brandenburg und des 
Pfalzgrafeu von Pfalz-Neuburg. So zu lesen bei Meyer und Haagen. Zum 



— 200 — 

Beweise der Fortdauer der Blüte der Aachener Industrie führt Fey manche 
Belege an. 

Überschauen wir noch einmal zum Schluss den Inhalt der Feyschen 
Arbeit, so ist nicht zu läugnen, dass sich darin eine reiche Fülle sorgfältig 
verarbeiteten Materials zur Reformationsgeschichte in Aachen uns darbietet, 
und dass es schwere Anklagen sind, die er gegen Maccos Arbeit vorbringt 
und zum grossen Teil auch unwiderleglich erhärtet. 

Aachen. Heinrich Schnock. 

2. 

Aloys Wessling, Die konfessionellen Unruhen in der Reichsstadt 
Aachen zu Beginn des 17. Jahrhunderts und ihre Unterdrückung durch den 
Kaiser und die Spanier im Jahre 1614. — Inaugural-Dissertation zur Erlangung 
der philosophischen Doktorwürde an der Kaiser Wilhelms- Universität. Strass- 
burg, M. DuMont Schauberg 1905. 

Die Benutzung von Archiven zu Dissertationen ist nicht ohne Gefahr. 
Sie wird meist nur vermieden, wenn die Zusammenstellung und Verwer- 
tung des archivalischen Materials unter sachverständiger Anleitung erfolgt. 
Dann allerdings können die jugendlichen Forscher mehr lernen und besseres 
leisten, als in jedem anderen Falle. Die Freunde unserer Ortsgeschichte 
sind deshalb Herrn Stadtarchivar R. Pick für die Förderung derartiger Ar- 
beiten zu lebhaftem Danke verpflichtet: in den letzten Jahren sind mehrere 
Dissertationen unter Benutzung unseres Archivs entstanden, die für die 
Wissenschaft dauernden Wert besitzen. 

Zu diesen gehört auch Wesslings Arbeit. Sie zeugt von grossem Fleiss 
und dem redlichen Bemühen, ruhig und sachlich zu urteilen. Leicht war 
letzteres nicht, denn die von Wessling behandelte Periode ist so voll von 
leidenschaftlichen Kämpfen, dass sie auch den Bearbeiter zum Subjektivismus 
hätte hinreissen können. Erfreulicherweise ist dies nicht der Fall. Wessling 
hält sich an seine Quellen und stellt mit einwandfreier Kritik fest, wie es 
gewesen ist. Damit hat er seine Aufgabe als Historiker einfach und rich- 
tig erfüllt. 

Wie gesagt, leidenschaftlich bewegt sind Stimmungen und Zustände zu 
Beginn des 17. Jahrhunderts in der Reichsstadt Aachen. Aber kaum gibt 
es auch einen interessanteren Zeitabschnitt in deren Geschichte. Deshalb 
darf Wesslings Arbeit in höherem Grade als andere Dissertationen auf allge- 
meines Interesse Anspruch machen. 

Die ersten Anfänge der reformatorischen Bewegung zu Aachen gehen 
ins Jahr 1524 zurück, die eigentlichen Kämpfe beginnen aber erst in der 
Mitte des IG. Jahrhunderts und dauern fort bis zum Jahre 1598. Trotz der 
Reichsacht, die Kaiser Rudolf II. am 30. Juni dieses Jahres zum Zweck der 
Unterdrückung des Protestantismus über Aachen verhängte, entwickelte sich 
dieser in den nächsten Jahren doch wieder so kräftig, dass er seit 1603 gegen 
den Rat und die Jesuiten aggressiv vorging. Ermöglicht wurde dies den 



— 201 — 

Protestanten auch durch die Uneinigkeit in der katholischen Bürgerschaft. 
Im Jahre 1604 verlangten die Religionsverwandten Augsburgischer Konfession 
freie Religionsübung und Befreiung von der geistlichen Gerichtsbarkeit. Die 
Zurückweisung dieses Gesuches steigerte in der protestantischen Partei die 
Erregung. Hauptsächlich richtete sich diese gegen die Jesuiten, die durch 
Unterricht und Predigten viele zum Katholizismus zurückführten. Es kam 
schliesslich zu Zusammenrottungen und gefährlichen Aufständen seitens der 
Protestanten. Im Juli 1611 stürmten sie das Rathaus und das Jesuitenkolleg. 
Die Ausschreitungen, die sie sich dabei gegen zwei Ordensmitgliedcr fran- 
zösischer Herkunft zu schulden kommen Hessen, veranlassten das Eingreifen 
Frankreichs. Trotzdem die französischen Gesandten den Protestanten erheb- 
liche Zugeständnisse erwirkten, wollten diese doch nicht auf einen friedlichen 
Vergleich eingehen und vor allem nichts von der Restitution des katholischen 
Rates und der Jesuiten wissen. Ende Oktober 1611 kam es wieder zu Zu- 
sammenrottungen und Excessen. Die Folge davon war ein kaiserliches Mandat, 
welches „den Aufrührern bei Strafe der Acht" gebot, von ihren Forderungen 
abzulassen und die katholische Religion, den Magistrat, die Patres und alles 
andere in den vorigen Stand zu setzen. Dieses Mandat legte die Bemühungen 
der französischen Gesandten lahm und reizte die Protestanten zu neuen Ge- 
walttaten. „Letztere schalteten in der Stadt, als wenn sie die rechtmässigen 
Herren gewesen wären." Sie wurden es auch am 11. Mai 1612 durch eine 
Kommission des Pfalzgrafcn Johann, des Hauptes der Union. Der an diesem 
Tage von den Zünften gewählte neue Rat bestand „aus 76 Calvincrn, 40 
Lutheranern und einigen wenigen Katholiken". Der Kaiser Matthias bestä- 
tigte indes die kurpfälzischen Anordnungen nicht und bestand auf Resti- 
tution des katholischen Magistrats. Für den Fall des Ungehorsams drohte 
er am 20. Februar 1614 die Reichsacht an. Der Streit zwischen Pfalz-Neuburg 
und Brandenburg gab dem Erzherzog Albrecht Gelegenheit, den Marquis 
Spinola aus den spanischen Niederlanden mit einem starken Heer ins Jülichsche 
einrücken zu lassen. Am 22. August 1614 umzingelte dieser Aachen und 
verlangte die Übergabe der Stadt. Widerstand war vergeblich, die Tore 
wurden den Spaniern geöffnet. Eine Besatzung blieb bis zum Jahre 1632 in 
der Stadt und „unter ihrem Schutze sicherte der katholische Rat aufs neue 
seine Herrschaft". 

Aachen. W. Briininr/. 



Bericht über die Monatsversammlungen 
und Sommerausflüge. 

Der Herr Vorsitzende eröffnete die erste diesjährige am 19. Januar 
1905 stattfindende Versammlung mit der Mitteilung, dass die Herren Karl 
Pöschel, Direktor Dr. Geschwandtner, Oberlehrer Dr. Kuypers und prakt. Arzt 
Dr. Rey durch Zuwahl dem Vorstande angeschlossen worden seien. Sodann 
erinnerte er an das 1100jährige Jubiläum der Einweihung des Aachener 
Münsters, das nach der wahrscheinlichen Ansicht am Dreikönigstage dieses 
Jahres hätte begangen werden können. 

Den ersten Vortrag hielt der Berichterstatter über die Bezie- 
hungen Aachens zuVaals. Ich beschränke mich auf kurze Angaben, 
da der Vortrag veröffentlicht werden wird. Die Feststellung dieser Be- 
ziehungen ist in sprachlicher, ethnographischer, politischer, wirtschaftlicher 
und künstlerischer Hinsicht deshalb so interessant und wichtig, weil nach 
R. Picks wohlbegründeter Ansicht Limburg als die Wiege der mittelalter- 
lichen Bevölkerung unserer Stadt angesehen werden kann. So lagen beispiels- 
weise die Besitzungen des Münsters grösstenteils im Limburgischen. Der 
Name Vaals kommt von vallis = Tal her. Die Gegend von Vaals hat wohl 
Caesars Kämpfe gegen die Eburonen gesehen. Nach Darlegung der urkund- 
lichen Nachrichten aus dem frühen Mittelalter über den Ort erörterte der 
Vortragende agrargeschichtlich wichtige Verhältnisse. 

Der Vorsitzende, Herr Dr. Savelsberg, sprach über eine Lotterie 
vom Jahre 1750 zu Gunsten des hiesigen Jesuitengymnasiums. 
Durch dieselbe sollten 10000 Rthlr. zu einem Neubau beschafft werden. Die 
Lose kosteten 36 Mark. Die Stadt Aachen nahm 100, eine Bruderschaft 
150 Lose. Die Liste des einen der drei Kollekteurc ist noch vorhanden. 
Nicht alle Einsetzer haben ihre Namen eingetragen. Manche schrieben mehr 
oder weniger geistreiche Wünsche ein, andere religiöse Äusserungen, auch 
Anrufungen von Heiligen. Aus uns nicht bekannten Gründen zog der Rat 
am 25. September 1750 die ein Jahr vorher gegebene Spielcrlaubnis zurück 
und befahl die Rückgabe der Einsätze an die Spieler. Deshalb konnte das 
Jesuitengymnasium nicht umgebaut werden und blieb trotz seiner Unzuläng- 
lichkeit ferner in Gebrauch. Von 1802 bis 1805 gab es in Aachen keine 
höhere Knabenschule. Dann aber wurde im Augustinerkloster das heutige 
Kaiser Karls-Gymnasium errichtet. Im Anschluss an seinen Vortrag zeigte 
Dr. Savelsberg einen zur Erinnerung an eine Promotion angefertigten Kupfer- 
stich vom Jahre 1689 vor und Hess ein mit Schreibpapier durchschossenes 
und philosophische Thesen enthaltendes Buch von P. Düsseldorf S. J. rund- 
reichen. Diese Thesen waren 1758 von hiesigen Jesuitenschülern verteidigt 
worden. Der erste Eigentümer des Buches hatte die Lehrsätze mit vielem 
Fleiss behandelt und aufs sorgfältigste in seinem Buch ausgearbeitet. 

Es folgte dann die Rundgabe einer grossen Anzahl Aachener Alter- 
tümer durch Herrn Kaufmann Vogelgesang. Wir erwähnen eine Eisen- 



— 203 — 

platte der Sayner Hütte aus dem Jahre 1843 mit der Abbildung des Münsters 
in karolingischer Zeit. Ein Filigrankreuz von unbestimmtem Alter enthielt 
einen Silberpfennig aus dem Ende des 17. Jahrhunderts mit der Darstellung 
der Heiligtümer. Höchst merkwürdig war ein Holzschnitt aus dem Ende 
des 16. Jahrhunderts, der eine Femina Aquensis zeigte, und dessen Text das 
Lob der Aachener Frauen sang. Ein Bild aus dem Jahre 1648 stellte eine 
Szene aus dem Aachener Badeiebcn dar. Ein Aachener Adressbuch im Besitze 
des Herrn Opdenhoff enthält auch den Namen des Altreichskanzlers Bismarck, 
damaligen Referendars bei der Aachener Regierung. Es wurden Mitteilungen 
gemacht über das hiesige gesellschaftliche Leben zu jener Zeit. Der Bericht- 
erstatter lenkte aus diesem Anlass die Aufmerksamkeit auf die Biographie 
Hermanns von Mallinckrodt von P. Pfülf S. J. und auf das Buch von Franz 
Binder über die Dichterin Luise Hensel, die von 1827—32 Lehrerin an St. 
Leonhard hierselbst war. Herr Pöschel legte noch drei andere Aachener 
Adressbücher vor aus den Jahren 1825, 1832 und 1845. Der Vorsitzende bat, 
die Besitzer von Urkunden und Aqucnsien möchten diese in die Vereins- 
sitzungen bringen und die Urkunden dem Archiv der Stadt zur Verfügung 
stellen. Herr Pöschel regte besonders zu Mitteilungen über fürstliche Be- 
suche unserer Stadt an. Zum Schlüsse machte der Vorsitzende noch die 
Mitteilung, dass eine geschichtliche Behandlung der Aachener Burgen ins 
Ange gefasst sei. 

In der zweiten Monatsversammlung am 16. März gab der Bericht- 
erstatter die Fortsetzung seinesVortrages über dieBeziehungenzwischen 
Aachen und Vaals, welche besonders eingehend die kirchlichen Verhältnisse 
und die häufigen Konflikte zwischen dem katholischen Kirchenregiment in 
Vaals und den Generalstaaten schilderte. Der Aachener Rat liess sich die Er- 
haltung des katholischen Glaubens und der kirchlichen Besitzungen in Vaals 
sehr angelegen sein und wurde dieserhalb auch während der Fremdherrschaft 
von Pfarrer und Vikar in Vaals vielfach in Anspruch genommen. Reiches 
Material bot zu Schilderungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert „der frommen 
Schützen Boch des loblichen Kirspels binnen Vols". Auch die geschichtlich 
berühmten Persönlichkeiten, die Vaals besucht haben, erwähnte der Vor- 
tragende. Bedeutungsvoll für die wirtschaftliche Entwickelung des Ortes 
war im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts die Aachener Patrizierfamilie 
von Clennont, deren Geschichte für lange Zeit sozusagen die Geschichte 
von Vaals ist. Sie lieferte dem Vortragenden Stoff zur Kennzeichnung des 
geistigen und gesellschaftlichen Lebens eines Zeitalters, welches man das 
aristokratische nennt. Auch in den Sälen von Vaalsbroich und Bluinenthul 
trieb dieses üppige Blüten. — An diesen Vortrag schloss sich eine längere 
Debatte an, au der sich ausser dem Vorsitzenden die Herren Bischoff, Pöschel 
und Bürgermeister Stracter von Vaals lebhaft beteiligten. 

Sodann sprach Herr Oberpostpraktikant Karll über das mittel- 
alterliche Verkehrs- und Botenwesen in Aachen. Auf den Inhalt 
dieses Vortrages gehe ich nicht ein, da die Leser ihn in diesem Jahrgang 
der Zeitschrift gedruckt finden. 

Herr Oberlehrer Land re" regte an, der Verein möge sich die Erhaltung 
und Beschreibung der alten Aachener Bürgerhäuser angelegen sein lassen, 
namentlich solcher von bemerkenswerter Art, die dem Abbruch verfallen 



— 204 — 

seien. Diese Anregung veranlasste den Vorsitzenden, den auch an den Verein 
„Aachens Vorzeit" ergangenen Aufruf des Ausschusses für die Sammlung 
und Erhaltung alter Bürgerhäuser zu verlesen und die Anwesenden um Ver- 
wirklichung der schönen Idee zu ersuchen, auch solche weniger hervor- 
ragende Denkmäler der Kultur, die im bescheidensten Gewände Kunde geben 
von der Arbeit des Volkes, von den Gewohnheiten und Bedingungen des 
bürgerlichen Lebens unserer Vorfahren durch photographishe Aufnahmen, 
Beschreibungen und Veröffentlichungen der Nachwelt zu erhalten. Bezug- 
nehmend auf eine Bemerkung des Herrn Pöschel, dass bereits unter Baurat 
Stubben zahlreiche Aufnahmen unserer ältesteu Bürgerhäuser gemacht worden 
seien, wies Herr A. Thissen darauf hin, dass auf Veranlassung des um seine 
Vaterstadt wohlverdienten Stadtverordneten Dr. med. Debey Ende der siebziger 
Jahre schon ein grosser Teil alter, interessanter Aachener Häuser photo- 
graphisch aufgenommen worden seien, von denen sich eine grössere Anzahl 
im Suermondtmuseum befinde. 

Herr Seminarlehrer M. Cremer berichtete über höchst merkwürdige 
Ausgrabungen an der alten Pankratiuskapellc in Conzen. Als Abt Walram 
von Sehleiden (1394-1410) in einer Fehde mit den Herren von Schönforst 
in dem Gelände zwischen Conzen und Montjoie geschlagen worden sei, habe 
er zur Sühne diese Kapelle erbauen müssen. Bei der im Herbst vorge- 
nommenen Renovierung der Kapelle liess der dortige Kirchenrendant Huppertz 
Nachgrabungen anstellen, bei denen sich vor dem Altar in einer Tiefe von 
4 Fuss sieben neben einander gereihte Skelette und eine Schieferpin tte mit 
Inschrift vorfanden. Ausserhalb der Kapelle stiess man an der Ostseite 
auf ein Massengrab, in dem sich in weiter Ausdehnung drei Lagen Leichen 
über einander befanden, die, wie man wohl annehmen kann, von jener um 
1400 dort gelieferten Schlacht herrühren. Bei der Erneuerung des Daches 
entdeckte man, dass der östliche Chorteil ein festgefügter älterer Bau ist, 
den Fachleute als karolingisch bezeichneten, während der westliche jüngere 
Teil, den wahrscheinlich Abt Walram in Eile aufführen liess, ein schlechtes 
Mauerwerk aufwies. Die Anregung, im Sommer die Besichtigung dieser 
Ausgrabungen in Conzen mit einem Ausfluge des Vereins nach Montjoie zu 
verbinden, fand lebhaften Beifall. 

Mit der Aufforderung, dem Aufrufe der Berliner Akademie der Wissen- 
schaften betr. Herausgabe eines rheinischen Dialektwörtcrbuches Beachtung 
zu schenken und dieses Werk durch rege Beteiligung an wissenschaftlicher 
Pflege der Mundart nach Kräften zu unterstützen, schloss der Vorsitzende 
die Versammlung. 

Im Laufe des Sommers wurden drei wissenschaftliche Ausflüge iu Aachens 
Umgebung unternommen. Den ersten Ausflug unternahm der Verein am 29. Juni 
nach Conzen und Montjoie. Unter Führung des Herrn Pfarrers Lau mann 
wurde die hochinteressante alte Pfarrkirche in Conzen besichtigt. Die alter- 
tümlichen Säulenkapitäle, Wappen, Heiligenfiguren und Grabdenkmäler der 
Familie von Broil-Orsbeck illustrierten die wertvollen Mitteilungen des Herrn 
Pfarrers aus der Geschichte Conzens, besonders der Pfarrgeschichte. Besondere 
Erwähnung verdient ein an der Nordseite des Chores befindliches Epitaphium 
mit einer knieenden Frauengcstalt. Es stellt nach der Volkssage eine betende 
Frau dar, die nach langem vergeblichen Flehen um Mutterschaft in ihrer 



• — 205 — 

Verzweiflung die Äusserung tat, sie müsse ein Kind haben, und wenn sie 
darüber Arme und Beine verlieren sollte. Schliesslich habe sie in der Tat 
einem Kinde das Leben gegeben, das zur Strafe für jene Äusserung eine 
froschähnliche Gestalt gehabt habe. Das Kind sei neben der Frau auf dem 
Epitaph dargestellt gewesen, aber vor langen Jahren beseitigt worden. Hätte 
Gottfried Kinkel dieses Epitaph gekannt, so würde er es zweifellos in seine 
Sammlung der „aus Kunstwerken entstandenen Sagen" aufgenommen haben. 
Auch die auf dem umfangreichen Friedhofe der Kirche an der nördlichen 
Umfassungsmauer gelegene alte Pankratiuskapelle wurde eingehend besich- 
tigt. Dank den Bemühungen des Herrn Pfarrers und des Kirchenreudanteu 
Huppertz ist diese interessante Kapelle erhalten geblieben und im Herbst 
des vorigen Jahres wiederhergestellt und vergrössert worden. 

Bei dieser Gelegenheit wurden die Funde gemacht, über die Herr 
Seminarlehrer Cremer, wie oben angegeben, berichtet hat. Die Mitteilungen 
des Herrn Pfarrer Laumann ergänzte der Vorsitzende durch Darlegung der 
Beziehungen des Dorfes Couzen zum Aachener Münsterstift. Dieselben gehen 
bis ins 9. Jahrhundert zurück. Aus einer Urkunde Friedrichs II. vom Juli 
1226, worin der Kaiser dem Marienstift alle von seinen Vorgängern ver- 
liehenen Besitzungen bestätigte, wies Herr Dr. Savelsberg nach, dass Karl 
der Grosse Compendium (Conzen) mit allem Zubehör (cum nonis et deeimis) 
dem Marienstift geschenkt habe. Urkunden von 888, 930 und 966 bezeich- 
nen Conzen als eine dem Aachener Marienstift überwiesene villa regia, über 
die letzteres (nach dem Kapitelsweistum von 1300) einen seiner Canonici 
als Pfarrer einsetzen musste, der gegen ein bestimmtes Gehalt alle Einkünfte, 
besonders den Neunten und Zehnten, einzutreiben verpflichtet war. 

In Montjoie wurden die Vereinsmitglieder durch Herrn Bürgermeister 
Pleuss und andere hochangesehene Persönlichkeiten des Städtchens herzlich 
begrüsst. Wie architektonisch reizvoll und malerisch schön dieses ist, kam 
erst auf dem Abstieg zum Tal, dem Gange durch die Strassen und beim 
Emporsteigen zum majestätischen Schloss den Ausflüglern so recht zum 
Bewusstsein. Im Schlosshofe empfing sie der Montjoier Männergesangverein 
mit einem stimmungsvollen Liede, an das sich die Begrüssung durch die 
Herren Oberpfarrer Gilles und Landrat von Kesseler anschloss. Sodann hielt 
Herr Rektor Janssen angesichts der imposant wirkenden Ruinen zwischen 
jenen stummen, altersgrauen Zeugen der Vorzeit einen ausführlichen, sehr 
ansprechenden Vortrag über die geschichtliche Entwickelung Montjoies und 
seiner wichtigsten Dynasten: Karls des Grossen Enkel, Kaiser Lothar schenkte 
den Herren von Reichenstein Schloss Montjoie. Um 1096 wird ein Graf 
Ludwig von Montjoie erwähnt. Durch Heirat brachte Walram von Limburg 
Schloss und Städtchen an Limburg (1200-1226). Beide blieben im Besitze 
seiner Nachkommen bis 1353, in welchem Jahre sie in die Hände Reinhards 
von Schönforst übergingen. Dieser verkaufte Montjoie an Herzog Wilhelm 1. 
von Jülich, aber dessen Nachfolger Wilhelm IL gab es an Sehönforst wieder 
zurück. Die Herrschaft dieses Hauses dauerte dann ununterbrochen von 
1361 — 1433. Von 1435 bis 1609 war Montjoie im Besitze Jülichs. Der letzte 
Herzog von Jülich, Johann Wilhelm, bestätigte die alten städtischen Privilegien 
von Montjoie durch eine Urkunde von 1602. Infolge des jülich-klevischeu Erb- 
folge-Streites kam die Herrschaft an Pfalz-Neuburg (1609— 1(585, später Kur- 



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pfalz — 1792). Das Schloss hat häufige Belagerungen überstehen müssen, die 
schlimmste während des 3. Raubkrieges Ludwigs XIV. im Jahre 1689. Im 
Revolutionskriege eroberten 1792 die Franzosen Jülich, und damit kam auch 
Montjoie an die französische Republik und 1804 unter die Herrschaft Napoleons. 
Im Jahre 1815 wurde es preussisch. 

Nach dem Vortrage wurde das Schloss in allen seineu noch erhaltenen 
Überresten eingehend besichtigt; desgleichen die alte Pfarrkirehe mit ihrem 
wertvollen Silberschatz und das Scheiblersche Familienhaus. 

Der zweite Ausflug führte den Verein am 2. August nach Eschweiler. 
Veranlassung dazu boten einerseits die dort geraachten zahlreichen römischen 
Ausgrabungen, andererseits die Herausgabe einer gediegenen Festschrift zur 
Feier der Anerkennung des Eschweiler Gymnasiums als Vollanstalt. Am 
Bahnhofe wurden die Vereinsmitgliedcr von den Herren Gymnasialdirektor 
Dr. Cramer. Notar Krüll, Reichstagsabgeordneter Nacken u. a. empfangen 
und zu dem nicht weit entfernten Hotel Schützenhalle geleitet. Hier hatten 
sich Bürgermeister Dr. Carbyu, Stadtbaumeister Geis und zahlreiche Herren 
des Lehrkörpers des Gymnasiums zur Begrüssung eingefunden. Herr Bürger- 
meister Carbyn hiess den Verein namens der Stadt Eschweilcr aufs herz- 
lichste willkommen, wobei er die hohe Bedeutung- dieses Besuches des auf 
dem Gebiete der Geschichte Aachens und seiner Umgebung so strebsam 
und erfolgreich wirkenden Vereins für die Stadt Eschweiler hervorhob und 
auch des steigenden Interesses der Eschweiler Bürgerschaft für geschichtliche 
Bestrebungen gedachte. 

Herr Direktor Dr. Cramer hielt einen äusserst lehrreichen und fesseln- 
den Vortrag über die Geschichte Eschweilers und im besonderen der 
nachher eingehend zu besichtigenden Burgen : 

Die Entstehung der Eschweiler Burg, des heutigen St. Antonius-Hospitals, 
wird gewöhnlich ins 13. Jahrhundert verlegt. Der Ursprung der Stadt reicht 
indes in eine weit ältere Periode zurück. Sie ist hervorgegangen aus dem 
karolingischen Königshof, fuudus regius Ascivilaris, den Einhard zum Jahr 826 
erwähnt, und einer anderen Hofesstelle, nämlich der der späteren Burg. Beide 
liegen an Römerstrassen, und ihr Grundstock geht zweifellos, wie auch 
Baureste beweisen, in römische Zeit zurück. Die Burg und der alte fundus 
bildeten zusammen den späteren Domhof, als der alte königliehe Besitz an 
die Cölner Kirche gekommen war. Die Burg hiess dementsprechend der 
halbe Domhof, als im 13. Jahrhundert die beiden Güter durch Ebteilung 
getrennt wurden. Wahrscheinlich ist, nach einer Vermutung R. Picks, Ritter 
Wilhelm von Eschweiler, Inhaber des Schultheissenamts um das Jahr 1244 
in dem damaligen Flecken, der Erbauer der mittelalterlichen Burggebäude. 
Diese Burg wurde jetzt der Sitz der Hauptlinie der Herren von Eschweiler, 
während das andere, an sich ältere Haus (der alte Königshof) an die Neben- 
linie kam. Zur Zeit des 30jährigen Krieges ging das Haus Eschweiler an die 
Freiherren von Hompesch über, in deren Hände es blieb, bis es im Anfange 
der dreissiger Jahre des 19. Jahrhunderts in Besitz der Witwe Karl Englerth, 
der Gründerin der Eschweiler Kohlenbergwerke, kam. Im Jahre 1858 hat 
der katholische Kirchenvorstand die Burg für 16 000 Taler angekauft, und 
seitdem dient sie als Krankenhaus. 



1 ' 



207 — 



Au dem imposanten Bauwerk der Nothberger Burg sind am bemerkens- 
wertesten die Renaissance-Anbauten und Einbauten im reinsten italienischen 
Stil. Wahrscheinlich sind sie errichtet worden von dem Italiener Pasqualiui, 
der im 16. Jahrhundert am Jülicher Herzogshofe als Leiter des Bauwesens 
tätig war. Der Umbau der Burg fand im Jahre 1555 statt. Die eigentliche 
Burganlage bildete ein Quadrat; an jeder Ecke stand eiu runder Turm. Jetzt 
stehen nur noch zwei. Schon im 13. Jahrhundert inuss eine reich entwickelte 
Burganlage vorhaudeu gewesen sein. Ende des 14. Jahrhunderts versetzt 
der Bitter Gerhard von Endelstorp seinem Schwager, dem Ritter von Palant 
(bei Weiswciler), Schloss und Burg zu Nothberg. Im 17. Jahrhundert erscheint 
ein Herr von Harff als Besitzer, später als gemeinsame Besitzer Quad von 
Buschfeld sowie die Herreu von Rolshauseu. Die Burg war jülichsches Lehen 
und so recht ein Sitz mittelalterlicher Ritterherrlichkeit. Auch der im Volks- 
mund so beliebte „unterirdische Gang" fehlt nicht; hier soll er zur Ruine 
Laufenburg gehen; tatsächlich führt aus einem der Keller in südostlicher 
Richtung ein schmaler Gang fort; aber Schutthaufen versperren den Weg. 

Die Röthgeuer Burg lag an einer uralten Strasse, die von der Stolberg- 
Eschweiler- Jülicher Römerstrasse abzweigend nach Nothberg und weiter über 
Hücheln nach Weisweiler führte. Die ganze Gegend ist wie besät von 
römischen Trümmern. Die Röthgener Burg, im Besitze der Familie von 
Bourscheid, ist heute noch bewohnt von einem Pächter, gibt aber in ihrem 
gegenwärtigen Aussehen nur schwer einen Begriff von ihrer früheren Pracht; 
dass diese tatsächlich vorhanden war, deutet schon die Notiz an, die wir 
in einer Eschweiler Bevölkerungsliste vom Jahre 1749 finden, dass dort 
der Freiherr von Burtscheid und seine Gattin mit 21 Dienstboten wohnten. 
Das Mauerwerk weist an mehreren Stellen auf karolingische Zeit hin; 
ein grosser Teil der Anlage ist abgetragen und nur in einzelnen Grund- 
mauern erkennbar. Wahrscheinlich gab es auch hier wie in Nothberg vier 
flankierende Türme; zwei sind, wie auch dort, erhalten. Der älteste, nach- 
weisbare Besitzer, im Jahre 1348, ist ein Emunt vanme Roitgen. Später 
gelangte die Burg, sowie ein anderer Eschweiler Edelsitz, Haus Pattern au 
der lüde, in den Besitz der Herren von Burtscheid (Bourscheid), denen 
Röthgen auch heute noch gehört. Im Jahre 1742 hatte die alte Burg elf 
Monate lang interessanten Besuch ; König Theodor von Korsika — geboren 
als Baron von Neuhof im Münsterschen -- von Franzosen und Genuesen ver- 
trieben, hielt hier verborgene Residenz. Sein Grabmal, das Freunde nach 
seinem frühen Tode errichteten, trug die Aufschrift: „Das Glück gab dem 
Manne ein Königreich und versagte ihm im Alter das Brot". 

Darauf fand eine Besichtigung der genannten Burgen statt, wobei 
Herr Gymnasialdirektor Cramer in liebenswürdigster Weise die Führung über- 
nahm und seinen Vortrag noch nach mancher Richtung ergänzte. Namentlich 
die Überreste der Nothberger Burg machten auf die Besucher einen be- 
deutenden Eindruck. 

Am 11. September unternahm der Verein den dritten wissenschaftlichen 
Ausflug nach Hergcnrath, Altenberg und Lontzen. In der Hallenkirche zu 
Hergenrath hielt zunächst der Vorsitzende, Herr Dr. Savclsberg, einen 
Vortrag über die Geschichte des Ortes und das Hergenrather Lehen. Jener 
gehörte ebenso wie die Dörfer Kettcnis, Walhorn und Astenet zur Bank 



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Walhorn. Der Name geht auf eine Rodung (Hergenrode) zurück und kommt 
schon in sehr frühen Urkunden vor. Bereits 1290 war ein Mitglied des 
Geschlechts von Hergenroit, nach den einen Geyso, nach den andern Johann 
von Hergenroit genannt, Deutschordensritter der Commende zu Siersdorf ; der- 
selbe machte der Abtei Burtscheid mehrere Schenkungen. Das Dorf hatte, 
schon früh eine Kapelle, die um 1640 Pfarrkirche wurde. Das neue Gottes- 
haus stammt erst aus den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. In 
der französichen Zeit gehörte Hergenrath wie die übrigen benachbarten Mairien, 
Montzen, Moresnet, Gymnich, Lontzen, Raeren, Eynatten und Kettenis zum 
Kanton Walhorn im Departement der Ourthe, bis es durch den Pariser Frieden 
1814 an Preussen kam. Das Hergenrather Lehen bestand aus einem Block 
von 10 Häusern zwischen der unteren Krämerstrasse, dem Hofe und dem in 
neuerer Zeit beseitigten Eiergässchen. Seine Entstehung verdankt es wohl 
wie die anderen, das Manderscheider Lehen am Katschhof, das Schleidener 
hinter dem Rathause, das Gartzweiler in der Franzstrasse und das Gymnicher 
an der Judengasse, der Gepflogenheit der späteren deutschen Kaiser, ein- 
zelne Teile des in Aachen gelegenen Reichsgutes als Lehen zu vergeben. 
In der Zeit von 1515 bis 1580 war die Hergenrather Familie Bertolf Lehns- 
inhaberin. In Altenberg wurden die Ausflügler von den Herren Bürgermeister 
Schmets und Geh. Sanitätsrat Dr. Molly von Altenberg begrüsst. An Stelle 
des verhinderten Herrn Bergassessors Richstaetter machte der Vorsitzende 
die Anwesenden mit der merkwürdigen Geschichte des neutralen Gebiets 
Moresnet bekannt. Dasselbe ist schon im 14. Jahrhundert ein Gegenstand 
des Streites gewesen. Das Bergwerk gehörte bis zu dessen gewaltsamer 
Entfremdung durch den Herzog von Burgund im Jahre 1434 zum Aachener 
Reich. Eine Altenberger Bergwerksgesellschaft wird bereits 1443 erwähnt. 
Der Ort wurde damals der Alden Kalmenberg (alter Galmeiberg) genannt. 
Die bedeutende altaachener Metallindustrie wurde durch das ehemals welt- 
berühmte, heute leider fast gänzlich abgebaute Galmeilager von Altenberg 
ermöglicht. Der Galmei wurde in den Aachener Kupfermühlen, die sich in 
grosser Zahl auf der Pau, in den sogenannten Rotbenden an der Wurm 
und in der Soers (daher der Name Kupferstrasse) befanden, gemahlen. Die 
Messingindustrie blühte in Aachen namentlich in der zweiten Hälfte des 
16. Jahrhunderts. Infolge der Glaubenswirren verlegten die meisten Kupfer- 
meister im Anfange des 17. Jahrhunderts ihre Betriebe nach Stolberg, in 
dessen Umgebung sie ja auch Galmeilager vorfanden. Spätere Versuche, 
die Aachener Messingindustrie neu zu beleben, sind vollständig gescheitert. 
Unter Führung des Herrn Geheimrats Molly besichtigte man die an der Geul 
gelegene St. Rochuskapelle, die früher nach Montzen, jetzt zur Pfarre Hergen- 
rath gehört. Die Kapelle besitzt mehrere sehr interessante alte, aus Holz 
geschnitzte Heiligenfiguren. An der Kapelle im Lontzener Busch wurde der 
Verein von Herrn Pfarrer Schwartz von Lontzen begrüsst, welcher sodann in 
längerem Vortrage die Geschichte der wohl tausend Jahre alten, der hl. Anna 
geweihten Wallfahrtskapelle darlegte und die sehenswerten, aus dem Anfang 
des 16. Jahrhunderts stammenden Holzskulpturen an dem Hauptaltar erklärte. 
Die frühere, über 300 Jahre alte Kapelle, die aus einem kleinen Oktogou 
mit Vorbau bestand, ist leider vor etwa zehn Jahren niedergerissen und 
durch eine neue ersetzt worden. In Lontzen selbst machte Herr Pfarrer 



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Schwartz gleichfalls in lehrreicher und dankenswertester Weise die Anwesenden 
mit der Geschichte des Schlosses und der Pfarre Lontzcn bekannt. Die 
ältesten Nachrichten über die Herren von Lonzin oder Lonchin stammen aus 
dem 13. Jahrhundert. Die Besitzer des Schlosses, welches Wclkcnbanscn 
^der gemeinhin auch das grosse Haus von Lontzcn genannt wurde, erhielten 
die Belehnung mit dem Schlosse und der damit verbundenen Erbvogtei von 
dem jeweiligen Propste der Krönungskirche zu Aachen. Im Jahre 1578 
wurde es trotz seiner ausserordentlichen Festigkeit von den Spaniern ein- 
genommen. Nachdem es durch Kriegsunruhen, namentlich im spanischen 
Erbfolgekriege durch die Franzosen viel gelitten hatte, wurde es im Jahre 174(! 
durch den damaligen Besitzer, den ßeichsgrafen Jakob Heinrich von Hars- 
kamp, in seinem jetzigen Bestände neu aufgebaut. Ein anderes Sehloss in 
der Herrlichkeit Lontzen war Krickelhausen oder das kleine Haus von Lontzcn 
genannt, nach dem die Familie Roben von Lontzen ihren Namen führte. Im 
Jahre 1683 erwarb der damalige Meier von Lontzen, Lambert von Hübsch, 
das Stock leben Krekelhaus, und seitdem blieb es im Besitze der Freiherren 
von Hübsch. Einer der letzten Besitzer von Krickelhauscn war der unter 
dem Namen eines Barons von Hübsch bekannte Sammler und Gelehrte Karl 
Adolf Honolez, der ungefähr um 1730 auf diesem Gut geboren war. Nach 
der französischen Zeit kam Lontzen durch den Wiener Vertrag 1815 an 
Preussen. Infolge Grenz regulierungstraktat zwischen den preussischen und 
belgischen Kommissarien wurdcu die von den belgischen Kommunen her- 
rührenden Weiler Herbesthal, Heistern und Grünstrass im Jahre 1816 der 
Gemeinde Lontzen einverleibt. — Die Mitteilungen des Herrn Pfarrers Schwartz 
ergänzte der Vorsitzende noch durch einige Angaben aus dem Leben des ge- 
nannten Barons von Hübsch. Der Franzose de Briön. der 1792 über dessen 
Leben und bedeutende Kunst- und wissenschaftliche Sammlungeu ein inter- 
essantes Werk geschrieben hat, erklärt, er habe in Italien, Frankreich und 
anderen Ländern keine so umfangreiche und merkwürdige, keine sowohl für 
den Naturforscher wie für den Antiquar, für den Kunstfreund wie für den 
Geschichtsforscher und Literaten so wertvolle Sammlung angetroffen wie die 
des Barons von Hübsch in Cöln. Letzterer erbot sich, seine sämtlichen 
Schätze, deren Wert nach dem Urteil von Kennern sich auf 100000 Gulden 
bclief in einer ewigen Stiftung der Stadt Cöln zuzuwenden, wenn der Magistrat 
ihm ein anständiges grosses Gebäude dafür hergebe. Auf dieses hochherzige 
Anerbieten ging aber der Magistrat nicht ein. Der Baron von Hübsch (f 1805) 
setze deshalb den Landgrafen Ludwig von Hesscn-Darmstadt zum Erben 
seines Kunstkabinetts ein. Den töricht sparsamen Cölncrn gelang es nur 
mit Mühe, einige besonders interessante Gegenstände und Gemälde von dem 
Landgrafen zu erhalteu. — Zum Schluss des Ausfluges fand unter Führung 
des Herrn Pastors Schwartz eine Besichtigung des herrlichen, der Grätiu 
Leo Nellessen gehörenden Schlosses statt. 

Wir verfehlen nicht, auch an dieser Stelle allen Persönlichkeiten, die 
die Ausflüge des Vereins nach Montjoic, Eschwciler und Hergenrath zu 
ebenso genuss- wie lehrreichen gestalteten, den verbindlichsten Dank abzu- 
statten. Die Erinnerung an diese drei über Erwarten schön gelungenen 
Exkursionen wird bei den Teilnehmern noch lange fortdauern. 



— 210 — 

Der Verein darf überhaupt auf seine in diesem Jahre errungenen Er- 
folge mit Freude und Genugtuung zurückblicken. Sie sind in erster Reihe 
das Verdienst unseres unermüdlich, mit äusserstcr Hingebung wirkenden 
Herrn Vorsitzenden. 

Aachen. W. Briining. 



Bericht über das Vereinsjahr 1904/05. 

Aus Anlass der Hauptversammlung für das Jahr 1905 hatte der Vor- 
stand die Mitglieder und Freunde des Vereins auf den 16. November 1905, 
nachmittags 3 Uhr zu einer Besichtigung des altertümlichen Gartenpavillons 
des Kerstenschen Hauses Annuntiatenbach 22 eingeladen, zu der etwa 
40 Herren und einige Damen erschienen waren. Nachdem der Vorsitzende 
des Vereins, Herr Dr. Savelsberg, sich über die Geschichte des Hauses 
und seine früheren Besitzer verbreitet und Herr Gcschichtsmaler Krahforst 
einige interessante Erläuterungen über das Deckengemälde und den sonstigen 
Bilderschrauck des Saales, sowie über die Stnckdecko gegeben hatte, bot Herr 
Professor Buchkremer eine begeisterte Schilderung der[reichen Holzschnitze- 
reien, die er als ein überaus kostbares Werk, als ein Juwel der Holzschnitz- 
arbeit bezeichnete, dessen Erhaltung für Aachen um so wünschenswerter sei, 
als die herrliche Ausstattung des Wespiensehen Hauses zur Schande unserer 
Stadt nach auswärts verkauft worden sei. (Vgl. Polit. Tageblatt 1905, Nr. 271 : 
Ein altes Aachener Bürgerhaus.) Da der Vortragende eine genaue Beschrei- 
bung des schönen Gartensaales für den nächsten Jahrgang der Zeitschrift in 
sichere Aussicht gestellt hat, erscheint ein Eingehen auf die ausführlichen 
Erläuterungen desselben an dieser Stelle überflüssig. Auch das schöne Eisen- 
gittcr auf der den Garten abschliessenden Brüstungsmauer und einzelne Räume 
des Vorderhauses wurden besichtigt und erklärt. Mit der abends im Garten- 
saale des Kurhauses stattfindenden Hauptversammlung war eine äusserst 
interessante und von zahlreichen Vcreinsmitgliedern beschickte Ausstellung 
altaachener Gegenstände verbunden, die der Vorstand, vielfachen Wünschen 
entsprechend, im Anfang des nächsten Jahres in grösserem Umfange zu wieder- 
holen und dem allgemeinen Publikum zugänglich zu machen beabsichtigt. 
Tn seinem Jahresbericht bezeichnete der Vorsitzende das abgelaufene Vercins- 
jahr als ein Jahr der Freude für den Verein, dessen Mitgliederzahl durch 
den Beitritt von 224 neuen Mitgliedern nunmehr auf 473 gestiegen sei. Dem 
rührigen Gönnte" für Gewinnung neuer Mitglieder sprach er für seine erfolg- 
reichen Bemühungen Dank und Anerkennung aus. 

Im abgelaufenen Geschäftsjahre wurden im ganzen 8 Vorstandssitzungen 
und ausserdem 3 Ausschusssitzungen abgehalten. An Stelle des aus dem 
Vorstände ausscheidenden Landgerichtssekretärs Fey wurde Herr Direktor 
F. Geschwandtner in den Vorstand gewählt. Durch Zuwahl wurde letzterer 
noch durch die Herren Oberpostpraktikant Alfred Karll und Nadelfabrikaut 



— 211 — 

Anton Thisscn verstärkt. Seit der am 17. November 1904 abgehalteneu Haupt- 
versammlung (vgl. Jahrgang XVII, S. 153 ff.) wurden im verflossenen Jahre 
noch zwei Monatsversammlungeu und drei wissenschaftliche Ausflüge veran- 
staltet, über die Herr Archivassistent Dr. Brüning im vorliegenden Jahrgänge 
S. ff. berichtet. Zum Schlüsse der geschäftlichen Angelegenheiten erstattete 
Herr Stadtverordneter F. Kremer den Kassenbericht, dem folgende Übersicht 
über die Geldverbältnisse des Vereins entnommen ist. 

Die Einnahmen umfassen: 

1. Kassenbestand aus dem Vorjahre. M. 1141.92 

2. Rückständige Beiträge .... „ 9.— 

3. Jahresbeiträge für 1904 . . . . „ 753.— 

4. Zinsen der Sparkasse „ 37.25 

Summa . M. 1941.17 
Die Ausgaben umfassen: 

1. Jahrgang XVII, Druckkosten und 
Buchbindei arbeiten M. 452.97 

2. Register zu Jahrgang I— XV, 
Druckkosten u. Buchbinderarbeiten „ 690.45 

3. Festschrift für deu Aachener Ge- 
schichts-Vercin, Druckkosten und 
Buchbinderarbeiten „ 102.05 

4. Honorare „ 209.— 

5. Inserate „ 74.27 

6. Schreibstube für schriftl. Arbeiten „ 33.06 

7. Fluruameuverzeichnis des Kataster- 
amts I n 82.— 

8. Beitrag zum Gesamtverein ... „ 15.— 

9. Fracht und Porto „ 35.80 

10. Trinkgeld, Botenlohn und Ver- 
schiedenes „ 8.45 

11. Kassenbestand „ 238.12 

Summa . M. 1941.17 

Die Herren Rechtsanwalt Dornemanu und Landgerichtssekretär Fcy 
haben die Kasscnverwaltung geprüft und richtig befunden. Dem sehr ver- 
dienten Herrn Schatzmeister, dem die Hauptversammlung die erbetene Ent- 
lastung erteilte, und den Herren Revisoreu, denen für das Jahr 1905 der 
gleiche Auftrag erteilt wurde, sprach der Vorsitzende namens des Vereins 
den wärmsten Dank aus. 

Den wissenschaftlichen Teil der Hauptversammlung leitete Herr Ohcr- 
postpraktikant Karll ein mit einem Vortrage über den Briefverkehr der Stadt 
Aachen im 14. Jahrhundert. Der grösste Teil der Ausführungen dos Vor- 
tragenden ist in dessen Abhandlung über das „Aachener Verkehrswesen bis 



— 212 — 

zum Ende des 14. Jahrhunderts" im vorliegenden Jahrgange S. 113 ff. wider- 
gegeben. Den zweiten, durch mehrere photographische Abbildungen illustrierten 
Vortrag hielt Herr Dr. Savelsberg im Anschluss an die neuesten Ausgrabungen 
an der Ecke der Cornelius- und der Antoniusstrasse (Neubau der Germania- 
Fischhallen von W. Frohn) über die Aachener Töpferindustrie und die im 
inneren Stadtbezirk aufgefundeneu zahlreichen Pfahlgruben. Im 1. Teile 
behandelte er die Auffindung eines mit seinem Inhalte fast vollständig er- 
haltenen alten Töpferofens auf dem Krugenofen durch den verstorbenen Herrn 
Jacob Kalff (1898); auch widmete er der auf der Baustelle in der Cornelius- 
strasse aufgefundenen reichhaltigen Sammlung von Aachener Töpfen und 
Krügen, die von den verschiedenen Eigentümern dem städtischen Sucrmondt- 
Museuin überwiesen wurde, eine eingehende Besprechung. Im 2. Teile seines 
Vortrages verbreitete er sich an der Hand eines grossen Situationsplanes der 
von dem ersten Befestigungsring vom Jahre 1171 eingeschlossenen Altstadt 
über die merkwürdigen Pfahlgrubeu, die bei Gelegenheit der Grundarbeitcn 
zu mannigfachen Neubauten in den letzten Jahrzehnten aufgedeckt worden sind. 
Eine ausführliche Darstellung der Anlage und des Zweckes dieser Gruben, 
die man teils als Müllgruben, Lohgruben, Waschgruben, teils als Verteidigungs- 
anlagen erklärt hat, wird der nächste Jahrgang der Zeitschrift bringen. An 
den Vortrag schloss sich eine lebhafte Besprechung, an der sich u. a. die 
Herren Architekt Bündgens, Sanitätsrat Dr. Schumacher, Nadelfabrikant 
Thisscn und Oberpostpraktikant Karll beteiligten. Sodann sprach der unter- 
dessen leider schon durch einen jähen Tod dahingeraffte Schriftführer des 
Vereins, Herr Rcalgymnasialvorschullchrer Pschinadt, über die Geschichte des 
Hauses „Zur Landskron", Grosskölustrasse 15/17. Von dem jetzigen Eigen- 
tümer, Herrn Franz Sinn, wurden vor einigen Monaten bei baulichen Ver- 
änderungen im Hintersaale des Obergeschosses zwei grosse Wandgemälde 
aufgefunden, diebeweisen, dass dieser Raum im Anfange des 18. Jahrhunderts 
die Zunftstube der Schneidergaffel war. An der Hand der Ergebnisse seiner 
Forschungen im hiesigen Stadtarchiv Hess der Vortragende die Versammlung 
einen Blick in das Leben der Schneidergaffel im 18. Jahrhundert tun, au3 
deren alten Zunftrechnungen er interessante Angaben machte. 

Den Schluss der Sitzung bildete eine Besprechung der merkwürdigsten 
Altertümer der Ausstellung durch den Vorsitzenden, unter denen ein Ofen- 
schirm des 18. Jahrhunderts aus getriebenem Messing, 2 Messingschilde der 
Leineweberzunft vom Jahre 1742 mit dem Bilde des hl. Severus, des Schutz- 
patrons der Zunft, und 2 Aquarelle aus der Zeit der Kaiserkrönung Napoleons I. 
besondere Erwähnung verdienen. 

Aachen. H. Savelsberg. 



Verlag der Cremer'achen Buchhandlung (C. Cazin) in Aachen. 

Druck von Hermann Kaatzeu in Aachen. 



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