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Full text of "Aus dem reiche der pelze. bd. I: Geschichte des rauchwarenhandels. bd. II: Naturgeschichte der pelztiere"

Aus dem Reiche der Pelze 



Von 

EMIL BRASS 



Alle Rechte, auch das der Ubersetzung, vorbehalten 



Satz, Druck und Einband von 
Imberg&Lefson G.m.b.H., Berlin 
Autotypien von Graphische Kunstanstalt ,,Globus", Copyright by Leo Korach, Berlir 



Aus dem Reiche der Pelze 

Bd. i: Geschichte des Rauchwarenhandels 
Bd. ii: Naturgeschichte der Pelztiere 



Von 

EMIL BRASS 

Konsul a. D. 



In einem Band mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen 



BERLIN 

Im Verlage der Neuen Pelzwaren-Zeitung 



Vorwort. 

Vor 35 Jahren begann ich mil dem Sammeln des Materials zu dem vor- 
liegenden Werke und habe dies bis heute fortgesetzt. Einen Teil veroffent- 
lichte ich bereits in einer Artikelserie in der Neuen Pelzwaren-Zeitung, doch 
wurde von verschiedenen Seiten der Wunsch laut, ich mochte diese Artikel 
in einem Buche gesammelt herausgeben, da bisher in Deutschland kein zu- 
sammenfassendes Werk der Art existiere. 

Auch Zoologen und Volkswirtschaftler nahmen grosses Interesse an der 
Herausgabe eines solchen Werks, da diesen das hier veroffentlichte Material 
sonst nicht zur Verfiigung steht. 

Die Quellen fand ich in der Bibliothek der Hudson's Bay Co., dem British 
Museum in London, der Bibliotheque nationale zu Paris, der Kgl. Bibliothek 
zu Berlin, der Stadtbibliothek von Montreal, den Bibliotheken der Royal 
Geographical Society in London, der Societe de Geographic in Paris, der 
Gesellschaft f iir Erdkunde zu Berlin, der Royal Asiatic Society in Shanghai, 
des Museums fur Naturkunde zu Berlin etc. Ausserdem stand ich ja von 
Jugend auf in der Praxis des Rauchwarenhandels und trieb auch ruhrig, 
soweit meine berufliche Tatigkeit es mir gestattete, naturwissenschaftliche 
Studien, wobei mir mein langjahriger Aufenthalt im Auslande und meine 
Reisen in vier Weltteilen Gelegenheit zu Naturbeobachtungen gaben. 

Ich sage an dieser Stelle alien denen, die mir beim Zustandekommen 
der Arbeit behilflich waren, meinen Dank. Zunachst der Hudson's Bay 
Co., die mir bei Beginn des Material-Sammelns ihre Archive zur Verfiigung 
st elite, dann besonders Herrn Harris, dem Sekretar der H. B. C. in London, 
der mir auch in der Neuzeit noch Notizen und Photographien iibersandte, 
Herrn Kommerzienrat Thorer und Herrn Peter Gloeck, die mich durch zahl- 
reiche Photographien unterstiitzten, Herrn Prof. Brauer, dem Direktor des 
naturwissenschaftlichen Museums, der mir die Benutzung der Bibliothek 
des Instituts gestattete und Herrn Prof. Matschie, der mir beim Bestirnmen 
der wissenschaftlichen Namen etc. ^seine wertvolle Unterstutzung lieh. 

Indem ich nun das aus dieseni liij&JsshVigen S,tU(imm, sowie meiner dreissig- 
jahrigen Praxis und dem aufn^r^simem^Beqbachten im In- und Auslande 
hervorgegangene Werk der Ofienife&keit li^^l^,: KMfe ich, dass dasselbe, 
namentlich von den Angehorigen unserer alt en Branche, als Standard werk 
aufgenommen werden wird. 

Berlin, im April 1911. 

Der Verfasser. 



Die in Band II bei den einzelnen Fellarten angegebenen Preise beziehen sich stets auf 
rohe Felle in erster Hand. 



Inhaltsverzeichnis des ersten Bandes. 

Geschichte des Rauchwarenhandels. 

Seite 

I. Pelzhandel im Altertum und Mittelalter .... 3 

Prahistorische Zeit, Altertum, Mittelalter in Deutschland, in England, 
in Osterreich-Ungarn, in Frankreich. 

II. Geschichte des Pelzhandels in Nordamerika. 

Kapitel . 15 

Skandinavier, Cabot und andere. - - Englische und portugiesische 
Entdeckungsfahrten. 

Kapitel . . . -,':'. . . . . . . . . . . . . . .- :. . 21 

Franzosische Fahrten nach Canada. Franzosische Niederlassungen 
in Canada. Franzosische Pelzhandelsgesellschaften in Canada. - 
Kampfe mit England um Neuschottland. Entwicklung der 

Pelzhandelsgesellschaften und des Pelzhandels. - - Englische Ent- 
deckungsfahrten. Muscovy Co. Eastindia Co. Hudsons- Fahrten. 
New England Co. Hudsonsbay Co. Kampf zwischen Eng- 
lander und Franzosen um die Hudsonsbay. Compagnie du Nord. 

John Law. Entdeckungen und Handelsposten der Fran- 
zosen im fernen West en. Krieg zwischen Frankreich und England. 

- Northwest Co. Kampf zwischen Hudson's Bay Co. und North- 
west Co. 

Kapitel * . 7 6 

Griindung von New York. Pelzhandel in den Vereinigten Staaten . 

Mackinaw Co. Johann Jacob Astor. - - American fur Co. - 
Southwest Co. -- Astoria, andere Pelzhandelskompagnien. - 

Kapitel . 9 6 

Geschichte des Pelzhandels an der Westkiiste. Spanier, Osterreicher, 



VIII Inhaltsverzeichnis des ersten Bandes. 

Seite 

Eastindia Co. Boston fur Co. Die Russen. Streit der Russen 
mit der Hudsonsbay Co. Weitere Fortschritte der Hudson's Bay Co. 

- Auf stand am Redriver. Aufschwung der Besiedlung von 
Winipeg und dem Nordwesten. - - Die Alasca Co. Die North- 
american Commercial Co. 

III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

1. Kapitel 119 

Mittelalter. - - Hansa. - - Muscovy Co. 

2. Kapitel 125 

Eroberung Sibiriens. - - Expeditionen 1577 1711. 

3. Kapitel 133 

Griindung der sibirischen Stadte. - - Pelzhandelsbetrieb. - - Zu- 
sammenstoss mit den Chinesen. - - Vertrage mit China. - - Kara- 
wanenbetrieb nach China. - - Pelzhandel in Kiachta. 

4. Kapitel 142 

Entdeckungen und Pelzfangreisen an der Ostkiiste. Expeditionen 
1715 1755. Betrieb des Pelztierfanges. Fang- und Entdeckungs- 
Expeditionen nach Amerika 1750 1777. 

5. Kapitel 157 

Griindung der russisch-amerikanischen Pelzhandels-Gesellschaft. - 
Weitere Expeditionen 1780 1825. Ansiedlung der Gesellschaft in 
Calif ornien. 

6. Kapitel 183 

Zusammenstoss der Russen mit den Amerikanern und Englandern. 
Weitere Entwicklung der russischen Handelsgesellschaft 1825 1848 

- Zusammenstoss mit den Indianern. 

7. Kapitel 193 

Russische Pelzhandelsunternehmungen im Nordosten Sibiriens, sowie 
Kampfe um den Amur mit China, 1760 1858. - - Weitere Ent- 
wicklung der russisch-amerikanischen Pelzhandelsgesellschaft, bis zur 
Auflosung 1865. - - Messen in Russland. - - Heutiger Handel. 

IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter, 
in Asien und den iibrigen Weltteilen. 

1. Kapitel. Frankreich 223 

2. Kapitel. England 226 

3. Kapitel. Deutschland 231 

4. Kapitel. Osterreich und der Orient 241 



Inhaltsverzeichnis des ersten Bandes. IX 

Seite 

5. Kapitcl. Skandinavien, Niederlande und iibriges Europa . . . '. . 246 

6. Kapitel. Asien -..-/; . . . . . . . S- '.- $ . 251 

7. Kapitel. Die ubrigen Weltteile . . . . .. ^ . . . .... . . . . 263 

V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 

1. Kapitel . . ". ... ..... 273 

Amerika. a) Handelsbetrieb, Verkehrsmittel, Handelsposten etc. 
im Hudson's Bay-Gebiet. Tauschtarife. b) In Labrador. - 
c) In den Vereinigten Staaten. 

2. Kapitel. Handelsbetrieb in Asien . . . . . ...... | . . 300 

3. Kapitel. Betrieb der Londoner Auktionen 307 

4. Kapitel. Abkiirzungen fur die gebrauchlichen amerikanischen Fell- 

sorten 3 11 

5. Kapitel. Die Scbonzeiten fur die Pelztiere in Nordamerika . . . .315 

6. Kapitel. Silberfuchsfarmen in Amerika 316 

VI. Einfuhrstatistik. 

Tabellen der Einfuhr, Weltproduktion und Preisbewegung der Rauch- 
waren 3 r 9 



Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes. 

Naturgeschichte der Pelztiere. 

I. Affen und Halbaffen. 



Seite- 



a) Affen 381 

Colobus ursinus. Colobus vellerosus. Colobus guereza. -- Wan- 
deru Semnopithecus schistanus. - - Roter Briillaffe, Mycetes serii- 
cdlus. Scbwarzer Briillaffe, M} r cetes caraja. 

b) Halbaffen 383 

Katta, Lemur catta. Bunter Vari, Lemur varius. - - Roter 

Vari, Lemur rubrus. - - Lori, Nycticebus cinereus. 

II. Katzenarten. 

a) Lowen 387 

Felis leos. - - Der Kaplowe. - - Senegallowc. - - Ostafrikanischer 
Lowe. -- Masai-Lowe. -- Persischer Lowe. - - Lowe von Guzerate. 

b) Die Pumaarten 390 

Felis couguar. -- Felis hippolestes. - - Felis olympica. 

c) Yaguarundi und Eyra 392 

Felis yaguarendi tolteca. - - Felis eyra. 

d) Tigerarten 392 

Bengalischer Tiger. Tiger von Hinterindien. Inseltiger. Amoy- 
Tiger. -- Hankowtiger. -- manscburischer Tiger. -- Altai-Tiger. 
Koreanischer Tiger. 

e) Jaguare 400 

Felis onca. Felis centralis. Felis Goldmanii. Felis hernandezii. 

f) Panther und Leoparden . 401 

Indische Panter: Felis pardus pantera. - - Felis pardus varie- 
gata. Felis pardus tulliana. Felis pardus fontanieri. Felis chi- 



Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes. XI 

Seite 

nensis. - Fells sinensis. - Persischer Panter. - Chinesischer 

Panter. Felis villosa. - - Felis pantera hanensis. 
Afrikanische Leoparden: Felis pardus leopardus. Felis 

pardus nimmr. Felis pardus suahelicus. - - Felis pardus anti- 

qorum. 
g) Irbis 406 

Felis uncia. 
h) Serval ' 407 

Indien: Felis viverrina. Serval himalayanus. Afrika: Felis 

serval. Felis capensis. Felis senegalensis. Felis galeopardus. 
i) Nebelpanther . . . . . ; . 409 

Felis nebulosus. Felis macrocelis. - - Felis macrourus. - - Felis 

brachyurus. 

k) Siidamerikanische Tigerkatzen 410 

Ocelots: Felis pardalis. Felis limitis. Felis costaricensis. - 

Felis equatorialis. Felis chibiguazou. -- Felis maracaya. - - Felis 

mitis. - - Felis buffonii. - - Felis mexicana. 
Panterkatzen: Felis macroura. Felis tigrina. Felis venusta. 

Felis geofryi. Felis catenata. -- Felis payeros. 
1) Asiatische Tigerkatzen /...,.-... 415 

Felis viverrina. - - Felis marmorata. - - Felis rubiginosa. - Felis 

pardicolor. - - Felis bengalensis. - - Felis temminucki. Felis tor- 

quatus. Felis manul. Felis microtis. Felis euptilura. 

Felis pallida. Felis chinensis. -- Felis ricketti. Felis ingrami. 
m) Hauskatzen ... , . . . .' . . ... ... . . ... . . . . 419 

n) Ginsterkatzen . . . . . V . . . . . . . . . . ... . . . . . . 4 21 

Genetta vulgaris. Genetta genettoides. - - Genetta tigrina. 

o) Jagdleoparden . . . .... . . . . . .... - 4 22 

Cynaelurus guttatus. - - Cynaelurus jubatus. 

p) Luchse 423 

Lynx canadensis. Lynx gigas. -- Lynx uinta. Lynx subolanus. 
Lynx mollipilosus. Lynx fasociatus. Lynx rufus. Lynx cerva- 
ria. -- Lynx virgata. -- Lynx borealis. -- Lynx vulgaris. -- Lynx 
pardina. Lynx isabellinius. Lynx bengalensis. Lynx caracal. 
- Lynx nubicus. - - Felis chaus. Chausa ffinis. - - Chaus chryso- 
melanotis. - - Chaus furax. - - Chaus bieti. 

q) Wildkatzen . . . . . - 1 . . . . 431 

Felis catus. 

III. Hundearten. 

i. Haushunde 435 

Chinesischer Hun d. Mandschurischer Hund. Kamt schadalenhund. 



XII Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes. 

Seite 

- Mongolischer Hund. - - Sibirischcr Hund. - - Eskimohund. - 
Wildhund canis alpinus. 

2. Wolfe 439 

a)AmerikanischeW61fe 439 

Canis occidentalis. - - Canis nubilus. Canis latrans. - Canis 

nebranensis. - - Canis lestes. - - Canis frustor. - - Canis mearnsi - 

Canis ochropus. - - Canis mexicanus. 
b)SiidamcrikanischeW6lfe 441 

Canis peninsularis. Canis microdon. Canis antarcticus. Canis 

jubatus. 
c)Europaisch e Wolfe 442 

Canis lupus. 
d)OstasiatischcW6lfe. 443 

Sibirischer Wolf. - - Chinesiscter Wolf, Canis lupus laniger. 

Tibetanischcr Wolf, Canis filchncri. Canis ater. Canis 

caranorensis. Canis chanco. Japanischer Wolf, Canis hodo- 

phylax. Indischer Wolf Lupus pallceps. 
c) Afrit a nischc Wolfe 445 

Canis simensis. 

3. Schakale 445 

Canis aureus dalmatinus. Canis aureus graecus. - - Canis aureus 
vulgaris. Canis aureus cruesemanni. -- Canis hadramauticus. - 
Canis algeriensis. Canis tripolitanus. Canis mesomelas. Canis 
adustus. 

4. Fiichse 447 

A. Silberfiichse 447 

Vulpes argent eus. 

B. Kreuzfiichse 449 

Canis cruciatus. 

C. Rotfiichse 450 

a) Amerikanischc : Vulpes virginianus. - Vulpes macrourus. 
Vulpes cascadensis. - Vulpes necator. Vulpes rubricosus. - 
Vulpes pensylvaniae. Vulpes deletrix. Vulpes kenaiensis. Vul- 
pes harrimanii. - - Vulpes regalis. -- Bastardiuchse. 

b) Europaische: Vulpes septentrionalis. - Vulpes vulgaris. - 
Vulpes hypomelas. - - Vulpes melanogaster. - - Vulpes silaceus. - 
Podolischer Fuchs. - 

c) Asiatische: Vulpes kamtschadensis. - - Vulpes anadjTensis. - 
Vulpes sibirians. - - Vulpes lineiventer. - - Vulpes hoole. - - Vulpes 
japonicus. Vulpes alopex. Vulpes bengalensis. Vulpes 
carganus. Vulpes syriacus. Vulpes atlanticus. Vulpes 
aegyptiacus. 

d) Australischer Fuchs. 



Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes. XIII 

Seite 

D. Griesfiichse . . . " . . . 460 

Urocyon cinereoargentatus. Urocyon texensis. Urocyon 
borealis. - - Urocyon floridanus. Urocyon litteralis. - - Urocyon 
clement ae. 

E. Kitfuchse. . . . . .*. . 461 

Amerikanische : Canis velox hebes. Velox macrotis. Velox 
muticus. 

Asiatische: Canis ferrilatus. Canis corsac. Canis eckloni. - 
Vulpes leucopus. 

F. Wustenfiichse . - . 463 

Der Fenek, megalotis zerda. Canis pallidus. 

G. SudamerikanischeFiichse .. 464 

Pampas! iichse : Canis azarae. Canis cancrivorus. Patagonische : 
Canis griseus. Chilenische: Canis fulvipes. Canis parvideus. - 
Canis microtis. Magellansfuchs : Canis magellanicus. 

H. Polarfiichse (Weiss- und Blaufiichse) 465 

Canis lagopus spitzbergensis. Canis lagopus ungava. - - Canis 
lagopus innuitus. Canis lagopus kenaiensis. Canis lagopus 
halensis. Canis behringiensis. 

IV. Viverrenhund. 

Seefiichse oder japanische Fiichse 471 

Nyctereutes viverrinus. Nyctereutes procyonides. Nyctereutes 
ussuriensis. - - Nyctereutes sinensis. Nyctereutes stegmanni. 

V. Die Marderarten. 

1. Zobel 477 

Mustela zibellina. - - Mustela brachyura. 

2. Amerikanische Zobel 4^ 

Mustela americana. - - Mustela brumalis. - - Mustela abieticola. - 
Mustela caurina. - - Mustela actuosa. - - Mustela kenaiensis. - 
Mustela mesophila. 

3. Virginische Iltis 

Mustela penanti. - - Mustela flavigula. Mustela henrici. 
Mustela xanthopila. - - Mustela flavigula borealis. 

4. Sudamerikanische Arten des virg. Iltis 

Galictis barbara. - - Galactis vittata. - - Galactis allamandii. 

5. Baummarder '..,._ 

Mustela martes. 

6. Steinmarder * ' .* 

Mustela foina. Mustela bosnia. - - Mustela mediterranea. 

Mustela toufaea. Mustela leucolachnea. Mustela intermedia. 



X IV Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes. 

Seite 

7. Iltis 487 

Mustela putorius. - - Putorius eversmanii. 

8. Japanische Marder 489 

Mustela melampus. Mustela japonica. 

9. Kolinsky 489 

Mustela sibirica. Mustela manchurica. 

10. Tigeriltis 490 

Perwitzky Putorius sarmaticus. 

11. Chinesische und Japanische Nerze 491 

Lutreola davidianus. Lutreola moupinensis. - - Mustela itatsi. 

12. Hermelin 492 

Europaische: Arctogale ermineas. Arctogale nivalis. Arctogale 

hibernieus. Arctogale ibericus. Arctogale boccamela. 

Asiatische: Arctogale erminea. Arctogale alpinus. Arctogale 
altaicus. Arctogale pygmaeus. Arctogale stoliczkanus. Arcto- 
gale fontanieri. Arctogale pallidus. - - Arctogale caucasicus. - 
Arctogale stridigorsus. 

Amerikanische : Arctogale arcticus. Arctogale richardsonii. 
Arctogale rixosus. Arctogale eskimo. Arctogale alascensis. - 
Arctogale cicognani. Arctogale steatorix. Arctogale longi- 
caudata. Arctogale novoboracensis. Arctogale washingtonii. - 
Arctogale saturatus. Arctogale arizonsensis. ArctogaleHaida- 
rum. - - Arctogale xantonigensis. 

13. Vielfrass 498 

Gulo luscus. 

VI. Die Nerzarten. 

DereuropaischeNerz 503 

Lutreola vison. 
DeramerikanischeNerz 504 

Lutreola borealis. Lutreola lutreocephalus. Lutreola lutensis. 
- Lutreola melampeplus. Lutreola ingens. Lutreola nigriscentes. 

VII. Die Ottern. 

a) Amerikanische 509 

Lutra canadensis. Lutra lataxina. Lutra pacifica. Lutra 
sonora. Lutra platensis. Lutra felnia. Lutra brasiliensis. 
Lutra paranensis. 

b) Europaische Ottern 511 

Lutra vulgaris. - - Griechische Otter. 

c)AsiatischeOttern 512 

Bagdadotter. Lutra ellioti. Lutra aureobounea. Lutra barang. 
Lutra leptonyx. Lutra sumatraensis. Lutra cinerea. Lutra 
chinensis. - - Lutra japonica. 



Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes. XV 

Seite 

d)Afrikanische Ottern 514 

Lutra capensis. Lutra maculicollis. - - Lutra incuginis. 

Der Seeotter. 
Enhydra lutris nereus 514 

VIII. Die Dachse und Stinkdachse. 

a)Amerikanische 521 

Taxidea americana. - Taxidea berlandieri. Taxidea neglecta. 

b)Asiatische Dachse. . . .. . . . . . . . > . . ;'. . . . 522 

Meles anacuma. Meles anacuma amurensis. Meles leucouras. 
Meles leptorynchus. Meles chinensis. - - Meles tsingtauensis. - 
Meles amurensis. Meles raddei. Meles hanensis. Meles 
siningensis. Meles sibirilaris. Meles altaicus. Arctonyx leu- 
curus. Arctonyx albogularis. -- Arctonyx oscums. Arctonyx 
assamensis. Arctonyx taxoides. 

c)Europaische Dachse . . . . 524 

Meles taxus. Meles arenarius. 

d)Honigdachse >, '. .... ..- . . . . . ... 525 

Mellivora capensis. -- Mellivora meliceps. 

Die Stinkdachse. 

Pah mis 526 

Helictis ferrogrisea. Helictis moschata. Helictis auriantica. 
Helictis orient alis. 

Stinkdachs . . , . ... . r ;>. ' 527 

My da us meliceps. 

IX. Die Skunksarten. 

N o r d a m e r i k a nisch e . . v . . . ... 53 1 

Mephites hudsonia. Mephites minnesotae. Mephites mephitica. 

Mephites dentata. Mephites scrutrator. Mephites occidentalis. 

Mephites spissigrada. Mephites estor. - - Mephites mulleri. - 
Mephites zoia. Mephites macrura. - - Mephites scrutata. 

S ii d a m e r i k a n i s c h e . . . . . . \ . 535 

Conepatus suffocans. Conepatus chinga. -- Conepatus arequipae. 

Conepatus rex. Conepatus mapurito. Conepatus quitensis. 
Conepatus amazonensis. Conepatus tropicalis. Conepatus 
chorenses. Conepatus zorrino. 

Civetcats (Lyraskunks) 

Spilogale putorius. Spilogale ringens. Spilogale indianola. Spilo- 



XVI Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes. 

Seite 

gale leucoparia. Spilogale gracilis. Spilogale antigua. Spilogale 
phenax. 

Kapskunks 539 

Ictomys zorilla. 

X. Die Barenarten. 

Der Eisbar (Thalassarctos maritimus) 543 

A. AmerikanischeBaren 546 

1. Grizzly-Bar 546 

Ursus horribilis. - - Ursus horriaeus. - - Ursus alascensis. 

2. Braune Baren 547 

Ursus richardsonii. - - Ursus dalli gyas. Ursus sitkensis. - 

Ursus middendorffi. - - Ursus merriani. - - Ursus kidderi. - - Ursus 
cinnamomeus. 

3. Schwarze Baren 548 

Ursus americanus. - - Ursus luteolus. - - Ursus floridanus. - - Ursus 
carlotta. - - Ursus emmonsii. 

B. Asiatische Baren 551 

1. Braune Baren 551 

Ursus beringianus. - - Ursus yessoensis. - - Ursus collaris. - - Ursus 
rexii. - - Ursus piscator. - - Ursus lasiotis. - - Ursus isabellinus. - 
Ursus lagomyrius. - - Ursus meridionalis. Ursus syriacus. 

2. Schwarze Baren 554 

Ursus tibetanus. - - Ursus leuconyx. - - Ursus torquatus. - - Ursus 
japonicus. - - Ursus formosanus. 

C. Europaische Baren 557 

Ursus arctos formicarius. - - Ursus arctos cadaverinus. 

D. Andere Barenarten 559 

Afrikanische : Ursus crowtheri. 

Indischer Lippenbar: Melursus ursinus. 

Malagenbar: Ursus malayanus. 

Sudamerikanische : Tremarctos ornatus. - - Tremarctos frugilegus. 

XI. Verwandte der Barenarten. 

a) Waschbaren 565 

Procyon lotor. Procyon elucus. Procyon hernandezi. - 

Procyon psora. Procyon pallidus. Procyon pacificus. Procyon 
hudsonicus. Procyon pygmeus. Procyon maynardi. Procyon 
cancrivorus. 

b) Nasenbaren 566 

Nasua rufa. Nasua nelsoni. Nasua quichua. - - Nasua olivacea. 
Nasua monticula. Nasua narica. 



Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes. XVII 

Seite 

c) Katzenfrett . . . . 568 

Bassaricus astutus. - - Bassaricus flavus. 

d) Wickelbar (Kinkajou) . ...V . . . . . . . . . . . . .''. . -. ' V . 568 

Cercolopte caudi volvulus. 

e) Bambusbar . . . . ............... .^ 569 

Ailuropus melanoleucus. 

f) Panda . . . 7 . ... . . . 570 

Ailurus fulgens. Ailurus styani. Binturong. Artictis 

binturong. 

XII. Civetkatzen und Schleichkatzen. 

ChinesischegrosseZibetkatze 575 

Viverra ashtonii. 
ChinesischekleineZibetkatze . . . 576 

Viverricula pallida. 
I n d i sc h e. 577 

Viverra megaspila. Viverra zibetta. - Viverra civettinas. - 

Viverricula malaccensis. 
Afrikanische Zibetkatze 578 

Viverra civetta. 
Schleichkatzen 578 

Linsang gracilis. 
Palmenroller 579 

Paradoxurus hermaphroditus. Paradoxurus fasciatus. 

XIII. Die Nagetiere. 

1. Eichhornchen 583 

Sciurus vulgaris. Sciurus calotus. - - Sciurus varius. - - Sciurus 

argenteus. Sciurus martensi. - Sciurus borealis. - Sciurus 

rupestris. - - Sciurus talahutky. 
Amerikanische 586 

Sciurus hudsonius. Seiurus petulans. Sciurus niger. - - Sciurus 

griseus. - - Sciurus carolinensis. Sciurus ludovicianus. - - Sciurus 

douglasii. - - Sciurus aberti. 
Siidasiatische 

Sciurus maximus. Sciurus bicolor. 

2. Erdhornchen 

Amerikanische. '. . . .. 

Tamias striatus (Chipmunk) . Tamias borealis. Tamias dorsalis. - 
Tamias quadrivittatus. - - Tamias minimus. - Tamias lysteri. 

Asiatische . . . .> . ^ . . . .. ... . ... . .-.., ... .-.-... . 

Tamias asiaticus. 

II 



XVIII Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes. 

Seite 

3. Flughornchen 588 

Pteromys volans. Pteromys yunanensis. Pteromys melanopterus 
Pteromys leucogenys. -- Pteromys xanthipes. Pteromys oral. - 
Pteromys magnificus. - - Pteromys caniceps. 

FliegendeHunde 589 

Pteropus edulis. - - Pteropus edwardesii. Pteropus strameus. 

4. Murmeltier 589 

Orenburger: Arctomys bungei. - Beisky: Arctomys sibirica. - 
Mongolische, Manschurische, Chinesische. -- Tarbaganer: Arctomys 
tarbaganus. Tibet etc. : Arctomys himalayensis. - - Arctomys 

robustus. Arctomys hodgsoni. Kamtschatka: Arctomys 

camtschatica. - - Amerikanische Murmel. - - Weenusk oder Wood- 
chuck: Arctomys monax. Arctomys monax ignavus. Arctomys 
canadensis. - - Arctomys pruinosus. - - Arctomys flaviventer. 

5. Die Ziesel . . . 594 

Suslicki: Spermophilus citillus. Spermophilus fulvus. Spermo- 
philus leptodactylus. - - Spermophilus rufecscens. Spermophilus 
dauricus. -- Spermophilus mongolicus. -- Leopardenziesel : Ictomys 
tridecim lineatus. Prairiehunde : Cynomis ludovicianus. 

6. Biberarten 597 

Amerikanische : Castor canadensis. Castor fondator. Europaische : 
Castor fiber. 

7. Bisamarten 603 

Fiber zibethicus hudsonius. Fiber zibethicus aquilonius. Fiber 
zibethicus obscurus. Fiber zibethicus niger. Fiber zibethicus palli- 
dus. - - Fiber zibethicus ripensis. Fiber zibethicus spatulus. 
Russische Bisam: Myogale moschata. 

8. Nutria 610 

Myopotamus coypus. 

9. Chinchilla und ihre Verwandten 613 

Chinchilla brevicaudata. Chinchilla boliviana. Chinchilla laniger. 
- Lagotis cuvieri. 
Viscacha: Vicacia vizcacha. 
Pampashase: Dolichotfis patagonica. -- Aguti dasyprocta aguti. 

10. Hamster 616 

Cricetus vulgaris. - - Cricetus rufescens. - - Cricetus canescens. 
Cricetus nehringii. - - Cricetus accedula. - Cricetus nigricans. - 
Cricetus eversmani. - - Cricetus babylonicus. - - Cricetulus phaeus. 

11. Lemming 617 

Myodes lemmus. X 

12. Siebenschlafer 618 

Myoxus glis. Myoxus italicus. Myoxus dryas. Myoxus inter- 
medrus. - - Myoxus pictus. Myoxus elegans. 



Inhaltsverzeichnis des zweiten Bandes. XIX 

Seite 

13. Maulwurf 619 

Salpa europaea. 

14. Weisse Hasen 620 

Europaische und asiatische: Lepus collinus. -- Lepus tsuchktschorum. 
Lepus altaicus. Lepus gichiganis. Lepus darlecarlus. Lepus 
hibernicus. Lepus lutescens. Lepus varronis. Lepus breviau- 
ritus. -- Lepus ainu. 

Amerikanische : Lepus arcticus. Lepus labradoricus. - Lepus 

campestris. Lepus virginianus. Lepus othus. Lepus padronus. 

- Lepus saliens. Lepus bishopii. - - Lepus klamathensis. - 
Lepus variabilis. 
Alpenhase: Lepus variabilis. 

15. Hase > . '. ........ 623 

Lepus timidus. 

16. Kaninchen ... .... . . ... 624 

Lepus cuniculus. - - Wildkaninchen. Australisches Kaninchen. - 
Silberkaninchen. Belgische Riesen. - - Franzosische Widder. - 
Hasenkaninchen. Blue and tan. Wiener Kaninchen. 

Deutsche Kaninchen. Weisse Kaninchen. 

XIV. Die Beuteltiere. 

1. Schnabeltiere * " ..*..*.. 631 

Ornithorynchus ananus (platypus). 

2. Kanguruh . ........ ^ . . . 633 

Macropus giganteus. Macropus rufus. Macrobus erubescens. - 
Macropus robustus. -- Macropus browni. - Macropus brunei. 

3. Wallaby / * 634 

Rockwallaby: Petrogale xanthopus. - - Petrogale penicillata. ' 
Bushwallaby : Macropus benettii. - - Macropus rufficolis. 

Sumpf wallaby : Macropus wallabatus. 

Andere Wallaby: Macropus agilis. Dorcopsis luctuosa. 

4. Opossum ../... ... *'.'. 635 

Phalangista vulpecula. Phalangista vulpina. Phalangista fuligi- 

nosa. Phalangista maculatus. 
Ringtail: Phalangista cookii. - - Phalangista archeri. - - Phalangista 

herbertensis. 
Fliegende Oppossum: Petaurus australis. - - Petaurus breviceps. 

Dactylops trivirgata. 
Beuteleichhorn : Belideus sciureus. 
Kanguruhratte : Aesypognus rufescens. - Phaseogale penicillata. 

5. Wombats und Beutelbaren 638 

Phascolartos cinereus. Phasiocolymus wombat. - - Phasiocolymus 
latifrons. 

II* 



Erster Band 



:: Geschichte des :: 
Rauchwarenhandels 



Pelzhandel im Altertum und Mittelalter. 



. I. 

Pelzhandel im Alterturn und Mittelalter. 

Zu den altesten Gewerben gehort unstreitig der Pelzhandel, war doch 
in grauester Vorzeit Pelzbekleidung die einzige, die unsere Altvordern kannten. 

Wahrend des eolithischen Zeitalters gingen die Menschen hochstwahr- 
scheinlich unbekleidet, da damals noch in den bewohnten Gegenden Europas 
ein warmes Klima herrschte, wie die gleichzeitigen Reste von Elefanten (nicht 
Mammut), Nashorn, Lowen, Affen etc. zeigen. Der archeolithische Mensch 
benutzte die Felle, wenn er sie uberhaupt zur Kleidung benutzte, jedenfalls 
ungegerbt, da unter den rohen Artefakten.dieser Periode nichts gefunden ist, 
was als Schaber, Nadeln etc. gedeutet werden kann. 1m paleolithischen Zeit- 
alter treten dann wohl derartige, wenn auch hochst unvollkommene Werk- 
zeuge auf, wahrend das neolithische Zeit alter, der Beginn der Kultur, nicht 
nur verschiedene Sort en von Feuersteinschabern und Messern zur Gerberei, 
sowie Knochennadeln etc. zeigt, sondern es auch hochst wahrscheinlich er- 
scheinen lasst, dass zu dieser Zeit bereits ein Pelzhandel existierte. Schon war 
<eine Arbeitsteilung eingetreten, besonders existierten schon Handwerker, ja 
sogar eine Art Fabriksbetrieb zur Anfertigung von Feuersteingeraten, Waffen 
und Tonwaren. Da man aber eine Geldwirtschaft noch nicht kannte, so ist 
es hochst wahrscheinlich, dass zur Zahlung Wildbret und Felle verwendet wurden 
und dass diese Felle, die ja iiber den eigenen Bedarf des Fabrikanten weit 
hinausgingen, weiter veraussert wurden. Spater, im Bronzezeitalter, findet 
man Pelzwerk schon als Schmuck verwendet, da ja jetzt schon Wollen- und 
Leinenstoffe zur Kleidung verarbeitet wurden. 

Bei den alten Agyptern finden wir die Gerber sehr friih erwahnt, und 
bildeten sie in Theben bereits eine grosse Gewerkschaft, die einen ganzen 
Stadtteil bewohnte. Hier wurden ausser Schaf-, Esel- und Rindshauten auch 
Lowen- und Leopardenfelle zugerichtet. Merkwiirdigerweise standen aber 
bei den Agyptern, wie noch heute bei den Japanern, die Gerber und Haute- 
handler in geringem Ansehen. 

In Griechenland gab es auch zahlreiche Gerber, die Rauchwaren zu- 
richteten; so werden die Helden haufig als mit Lowen- und Pantherfellen ge- 
schmuckt erwahnt. Auch die alten Babylonier wussten Pelzschmuck zu 
schatzen, und die Phonicier brachten von ihren Fahrten nach Britannien zum 
Herbeischaffen des Zinns und zur Ostseekiiste zum Herbeischaffen des Bern- 
steins auch kostbares Pelzwerk mit. 



I. Pelzhandel im Altertum und Mittelalter. 



In Rom benutzte man auch viel Pelzwerk, und Casar spricht mehrfach 
von Kaufleuten, die mit den Galliern Pelzwerk austauschten. 

Zur Zeit des Tacitus war es schon in Rom zur Modesache geworden, aus- 
landisches Pelzwerk zu tragen. Romische Kaufleute besorgten edle Felle von 
den fellbekleideten Scythen, welche die Steppen des siidlichen Russlands be- 
wohnten, von den Parthern Kleinasiens und namentlich auch aus Germanien. 
Bei vielen romischen Schriftstellern finden wir Erwahnung romischer Kauf- 
leute, die von Koln, Trier und anderen romischen Siedlungen am Limes, dem 
romisch-germanischen Grenzwall, Germanien durchstreiften und von dort 
Baren-, Wolfs-, Wisent-, Luchsfell etc., sowie auch das lange Blondhaar ger- 
manischer Frauen zum Schmuck der romischen Frauen gegen Bronzegerate, 
Waffen und gleissendes Gold eintauschten. 

Bei den Germanen selbst gait Pelzwerk als vornehmster Schmuck. An- 
fanglich geniigten dazu die heimischen Produkte, aber mit dem zunehmenden 
Luxus wurden auch Rauchwaren von ausserhalb eingefuhrt, und zwar sowohl 
aus dem skandinavischen Norden wie namentlich aus Russland und Polen. 
Zwischen den Germanen und ihren slavischen Grenznachbarn fand zwischen 
den zahlreichen Waffengangen auch ein reger Pelzhandel statt, und von nun 
an gehort neben dem roten Golde auch fremdes Rauchwerk zum Schmuck des 
vornehmen Mannes. Mit der zunehmenden Kultur wuchs dies noch, und die 
Ritter waren immer damit geschmuckt. Im Nibelungenlied tragt Siegfried 
einen Hut von Zobel, den Kocher mit Pantherfell bezogen, und ein Kleid aus 
dem Fell eines ,,Ludem", wahrscheinlich Luchs, oder vielleicht Lowe, denn 
das ,,lichte Rauchwerk wirft hellen Schein". Krimhild riistet auch die zu 
Hofe ziehenden Helden mit viel Hermelin aus, und die Burgunder trugen 
Kleider aus Hermelin und Zobel. Noch mehr Pelzwerk wird im ,,Parcival" 
Wolfram von Eschenbachs erwahnt, merkwiirdigerweise aber nur Zobel und 
Hermelin. Die Schilde tragen Anker aus Zobel- oder Hermelin-Fellen, auch 
die Panierfahnen sind von solchen geziert. Die Ruhelager sind mit Decken 
aus Zobelfellen bedeckt, Gamuret tragt einen Schild von Hermelin mit ,,Zobel- 
fellen weich und mild". Auch Hermelinbettdecken werden erwahnt. 

Parcival erhalt einen Rock mit Hermelinfutter, dessen Saume mit grauem 
und schwarzem Zobel geziert sind. 

Auch der kranke Amfortas ist ganz in Zobel gekleidet: 

,,Ein Pelzrock und ein Mantel lang, 
der innen und aussen Zobelfell, 
verbramt erwarmend ihn umschlang; 
kostlich reich erglanzte hell und schwarz 
selbst der geringste Pelz. 
Von gleichem Pelzwerk, teuer gait, 
wollt man es kaufen, ein Barett 
sein Haupt bedeckt . . . ." 



I. Pelzhandel im Altertum und Mittelalter. 



Ausser diesen vornehmen Fellen wurde aber auch viel Harder, Luchs und 
namentlich auch Grauwerk getragen. Ja selbst Katzen- und Siebenschlafer- 
felle wurden verwendet. 

Eine Kleiderordnung Karls des Grossen aus dem Jahre 808 bestimmt, 
dass Mantel mil Marder- oder Otterfell nicht teurer als 30 Sol und mit Katzen- 
fell nicht teurer als 10 Sol verkauft werden diirften. Ein frankischer Sol 1st 
der spat ere Sou, der zwanzigste Teil eines Livre oder Franken ; und wenn auch 
der Geldwert damals unendlich niedriger stand als heute, diirften doch unsere 
Kiirschner mit derartigen Vorschriften kaum zufrieden gewesen sein. 

Im Jahre 983 wurde dem Stifte zu Meissen der Pelzzehnten als Kaiser- 
liche Stiftung iiberwiesen. 

Die alteren Urkunden geben nicht an, auf welche Weise diese auslandischen 
Fellsorten nach Deutschland gebracht wurden. Erst zur Zeit des deutschen 
Ritterordens wird Thorn als ein grosser Umschlagplatz erwahnt, wo die Polen 
Grauwerk, Zobel, Hermelin, Fiichse etc., sowie Honig und Wachs gegen deutsche 
Tuche und sonstige Fabrikate verhandelten. 

Sehr wohl organisiert war der Rauchwarenhandel zur Zeit der Hansa. 
Von den Kaufhausern der Hansa in Nowgorod oder Naugard, wie es damals 
hiess, in Russland und Bergen in Norwegen kamen grosse Rauchwaren- 
sendungen nach Liibek und Hamburg und wurden von hier aus nach 
dem Stahlhof in London, sowie nach Brugge, Gent, Genua etc, weiter ver- 
frachtet. 

Auch horen wir, dass auf dem grossen Heringsmarkt in Schonen, wo die 
Hansen von Konig Waldemar das Alleinhandelsrecht erhielten, die Nordlander 
auch edle Falken und kostbares Pelzwerk mitbrachten, das von den Liibeckern 
gern gekauft wurde. England deckte damals seinen ganzen Bedarf an Rauch- 
waren durch die Hansa in London. Erst als Hugh Willoughby zuerst den 
direkten Handel mit Nowgorod eroffnet hatte, erhielt die Moskovy-Company 
auch russische Pelze direkt. Dies war aber erst, als der Stern der Hansa schon 
im Sinken begriffen war. 

In England gehorte wie in Deutschland Pelzkleidung schon fruh zum 
allgemeinen Schmuck besonders der Wohlhabenden. Die Gilde der Skinner 
und Furriers ist eine der altesten bestehenden. Schon Edward der Dritte 
erliess im Jahre 1347 eine Verordnung, worin er genannter Gilde verschiedene 
Privilegien bestatigte und zugleich Vorschriften fur Pelzhandel gab, welche 
Betriigereien verhindern sollten. 

Spatere Erlasse bevorzugten diese Innung vor alien andern Gilden. Es 
gehorten derselben iibrigens ausser den Kiirschnern, Ranch warenhandlern, 
Gerbern und Zurichtern auch merkwiirdigerweise die Advokaten an. Als 
Cromwell nach der Eroberung Irlands die dortigen Landereien an den Adel 
und die Gilden verteilte, fiel die Stadt Londonderry an die Skinner und 
Furriers. Die samtlichen Hauser und Liegenschaften sind noch in deren Besitz 
und sind stets auf 99 Jahre in Erbpacht gegeben, sind nunmehr also bald 



g i. Pelzhandel im Altertum und Mittelalter. 

zum vierten Male mit alien darauf errichteten Baulichkeiten mit weitaus 
erhohtem Wert an die Zunftgenossen zurlickgef alien. 

Naheres liber die weitere Entwicklung des englischen Pelzhandels er- 
wahne ich in einem spateren Kapitel. 

Trotz des Riickgangs der Hansa war aber doch der Pelzhandel mit aus- 
landischem Pelzwerk in einzelnen der Hansastadte bedeutend geblieben. 

So erliess der Magistral zu L li b e c k im Jahre 1603 eine Verordnung, 
wonach : 

,,Soll kein Pelzwerk oder andere Ware einzeln gekauft werden. Grauwerk 
soil zu 50, 250 bis 1000 Stuck gekauft werden. 

Die Marder, von denen 25 Stuck zusammen verkauft werden sollen, 
zuerst sortiert, jede Art besonders get an und dann der Handel gemacht werden." 

Auch in Hamburg hat sich der Rauchwarenhandel seit den Tagen der 
Hansa erhalten, namentlich wurden damals hier die Produkte Skandinaviens 
aufgespekhert, wahrend Glogau und Breslau ebenso wie friiher Thorn Stapel- 
platze der russischen und polnischen Rauchwaren wurden. 

Die Gilden der Klirschner waren in Deutschland sehr alt. Dieselben 
fuhrten iibrigens verschiedene Namen. Am gebrauchlichsten war der Name 
,,K6rsnar", liber dessen Etymologic die verschiedensten Ansichten herrschen. 
Am wahrscheinlichsten kommt derselbe aber von dem mittelhochdeutschen 
Wort Kliren, auswahlen oder sortieren, das sich in dieser Bedeutung noch 
beim Turnen erhalten hat, ,,Klirturnen", so wie in der Form ,,K6ren" bei der 
Viehzucht, ,,Hengstkorschau", bei der die zur Zucht zugelassenen Beschaler 
in einem Bezirk gewahlt werden. 

Ausser dem Gesamtnamen ,,K6rsnar" finden sich auch die Bezeichnungen 
,,Bundmacher und Pelzer", die haufig zwei verschiedene Innungen an dem- 
selben Platze bildeten, wobei die Bundmacher sich ausschliesslich mit dem 
Zusammenstellen und Anfertigen von Pelzfuttern befassten. 

Erhalten sind diese Namen noch heute als ,,Bundtmager" in Danemark, 
wahrend sie in Schweden meist als Korsnar bezeichnet werden. In alt en 
Urkunden findet man auch die Bezeichnung ,,Skinnarone", welches dem 
deutschen ,, Pelzer" entspricht. 

Mit dem dreissigjahrigen Kriege, der ja Deutschland aufs ausserste ver- 
wlistete und brach legte, ging auch sowohl das Klirschnerhandwerk mit den 
anderen Kunsthandwerken zurlick, wie auch der Rauchwarenhandel. Fur 
lange Zeit war im verarmten Deutscfiland kein Platz fur Luxusartikel. 

Hat doch erst die jlingste Zeit ein Erstarken des Kunsthandwerks auf 
demselben Standpunkt gesehen, den es im Jahre 1618 einnahm, ehe die kaiser- 
lichen Rate Martinitz und Slawata zu Prag den verhangnisvollen unfreiwilligen 
Sprung auf den Misthaufen machen mussten, der die Kriegsfurie entfesselte. 

Noch wahrend der Glanzzeit der Hans abildeten die M e s s e n einen wesent- 
lichen Stlitzpunkt des Handels. Ursprlinglich kirchliche Feste, die mit be- 
stimmten Wallfahrtszeiten zusammenhingen, und bei denen Rosenkranze, 



i. Pelzhandel im Altertum und Mittelalter. 



geweihtc Gegenstande, agnus del, Wachskerzen etc! verkauft wurden, boten 
die damit verbundenen Menschenansammlungen auch anderen Kaufleuten 
willkommene Gelegenheit zum Absatz ihrer Waren, anfanglich nur im Einzel- 
verkauf, dann aber auch im Grosstiandel. Besonders drei grosse Messenragten 
an Bedeutung liber die anderen hervor, Frankfurt a. M., Frankfurt a. O. und 
Leipzig. Die Messe in Frankfurt a. M. existiert nicht mehr, die Messe in Frank- 
furt a. O. ist nur noch fur den Verkauf deutscher Landwaren, d. h> Fiichse, 
Harder, Iltis, Otter, Katzen, sowie Zickel und Lammfelle, von Bedeutung, 
und von Auslandern kommen nur einige polnische und galizische Handler 
dorthin. Das ganze Messgeschaft spielt sich in einem, hochstens in zwei Tagen 
ab. Noch vor nicht gar zu langer Zeit war dies aber anders. Nicht nur die 
Rauchwarenhandler und Kurschner besuchten die Messe, auch Manufaktur- 
warenhandler, Mantelfabrikanten etc. nahmen ein reges Interesse daran. Noch 
vor 40 Jahren, als die Eisenbahn bereits im Gange war, besuchten Berliner 
Kaufleute mit grossen Frachtwagen voll Waren diese Messe, und ich erinnere 
mich aus meiner Kindheit, noch solche Frachtwagen mit Plan behangen 
von der Spandauer Strasse hochbeladen abfahren gesehen zu haben. Der 
Messingbeschlag der Pferdegeschirre, der daneben schreitende Fuhrmann in 
blauem Kittel und der nie fehlende bellende Spitz waxen die dazu gehorigen 
unentbehrlichen Requisiten. 

Von ganz anderer Bedeutung als zu dieser Zeit war die Messe in Frank- 
furt a. O. im spaten Mittelalter und im 16. und 17. Jahrhundert. Die Pfeffer- 
sacke aus Augsburg und Nurnberg, sowie aus Liineburg, Hamburg und Liibeck 
kamen in langen Frachtziigen an und wurden unterwegs oft genug trotz des 
teuer erkauf ten Geleits von Reisigen oder Stadtknechten von Stegreif rittern 
iiber fallen und ausgeraubt. So mancher Ritter erwarb hier auf billigen Weg 
eine neue Pelzschaube oder ein Schmuckstiick fur die Eheliebste. Wahrend 
-der Wirren des falschen Waldemars in der Mark spielte der Besitz des reichen 
Frankfurt a. O. eine grosse Rolle. Hauptlieferanten des Pelzwarenmarktes 
waren auch damals schon besonders die slawischen Bewohner des wilden Oder- 
bruches, die Wenden des Spreewaldes, sowie die stammverwandten Obotriten 
des seenreichen Mecklenburg und die wilden Bewohner der Lausitz und 
Pommerns. Auch Tetzel, der Ablasskramer, predigte auf der Frankfurter 
Messe mit reichem Erfolg, ehe er den verhangnisvollen Zug nach Jiiterbog 
antrat, wo ihm in den Waldungen des.hohen Golms der edle Stiilpe von Hake, 
dessen Burgruine noch heute in Kleinmachnow bei Berlin wohlerhalten ist, 
den reichen Frankfurter Messerlos abnahm. 

Damals war die Bedeutung Frankfurts als Messstadt ungleich grosser als 
die Leipzigs. 

Wann eigentlich die Griindung der Leipziger Messe stattfand, habe ich 
nicht in Erfahrung bringen konnen; das alteste bekannte Dokument, das sich 
mit dem Pelzhandel auf der Leipziger Messe befasst, ist vom i. Januar 1600. Es 
werden ubrigens wahrscheinlich noch andere derartige Dokumente vorhanden 



JO I. Pelzhandel im Altertum und Mittelalter. 

sein ; denn die Reglementierwut der verschiedenen Magistrate und hohen Rate 
damaliger Zeit iibertraf noch den Furor reglementosus eines preussischen 
Assessors, der kommissarisch ein Landratsamt oder eine Kolonie verwaltet. 
Natiirlich befasst sich das Dokument mit den betriigerischen Manipulationen 
gewissenloser Rauchwarenhandler; denn damals war ebenso wie heute die 
Ansicht verbreitet, dass Rauchwarenhandler und Kiirschner gern der Natur 
ins Handwerk pfuschten und sich nicht immer von unlauterem Wettbetrieb 
fernhielten. Enthalt doch auch der Charter der englischen Skinnergilde, 
von Edward III. im Jahre 1327 erteilt, das ausdriickliche Verbot, ,,alte Pelz- 
waren fur neue zu verkaufen". AuchLiibeck hatte, wie wir im vorigen Artikel 
sahen, ein strenges Verbot gegen betrugerische Manipulationen beim Pelz- 
handel erlassen. 

Das Leipziger Dokument lautet wie folgt: ,,Nachdem von Frembden 
und Einheimischen zu offtern und unterschiedlichen malen berichtet und ge- 
klaget worden, welcher masen von etzlichen vortheilhafftigen und eigen- 
niitzigen Leuten in Verkauffung und Verhandlung des Rauchwerks und Wild- 
wahren viel und mancherley Betruch - - Vortheil und Unordnung gmeinen 
Nutz zu Nachtheil geiibet und gebraucht werde. -- Derowegen ein Ehrbar 
Raht alhier und vorschienen 94 Jahre offentlich man data publiciren und 
anschlagen und manniglich zu ernst und bey angesatzter Straff dafiir vor- 
warnen lassen -- und aber jetzo widerumb dergleichen von ganz beschwer- 
lichen Klagen an gedachten Raht gelangen darneben auch der geubte und 
befundene Betrug in den Rauchwahren augenscheinlich fiirgelegt und fiir- 
gezeigt worden. Als in dahero ein Ehrbar Raht aus obligendem Amte zu 
erhaltung und beforderung der Commerzien und auff das nach heilsamer 
Verordnung der Rechte und des heiligen Reiches Satzungen alle vorsetzliche 
bef ortheilung und betrug un Kauf f en und verkauf ften soviel immer zu bestehen 
moglich desfals abgewendet und vorkommen werden moge bewogen und 
verursacht worden angeregtes voriges Mandat widerumbt zu ornewren und 
zu publiciren und sollen demnach alle die jenigen welche Rauchwergk und 
Wildwahren zu fuhren und darmit zu handels pflegen - - hiermit nochmals 
ernstlich erinnert und vermahnet werden dass sie solches Rauchwergk und 
Wildwahren es sei an was Gattung und Art es wolle, ein jedes besonders ge- 
bunden gesondert auf guten Trawen und glauben wie vor Alters als untadel- 
haft und onnvorfalscht Kaufmanns-ehrung vorhandeln vorkauffen liefern und 
also gewehren die gering Wahren und Sorten unter die besten und mittel- 
guten nicht vorstecken, sortiren verbunden und in gleicher Wahrung hin- 
schlagen und verkauffen sondern wie oben verhiirt die Besten Mittel 
und Bracwahren ein jedes in seinen Banden onwruckt gesondert verhandeln - 
auch die halben Stuck wergk oder was schadhaftig verbrandt faul durch 
Wasser oder sonsten verderbet aus den Banden absondern und in ihrem Warth 
verkauffen wollen damit sich ein jeder Kauffer mit den Einkauffen danach 
richten wir denn auch gleicher Gestalt diejenigen welche mit zugerichteten 



I. Pelzhandel im Altertum und Mittelalter. II 

Fellwergke anhero handeln keine Stiirbling oder andre schadhafte Stiicke 
unter dieselben Decher einschieben und dem guten gleich verkauffen und 
verhandeln und verhandeln wollen. wurde aber jemandes wer dis auch sey 
dawieder handeln und dessen oberfiihret und iiberwiesen werden der oder 
dieselben sollen nicht allein solche vermengete oder auch ontuchtige Wahren 
einem Erbaren Rahte allhier unnachlasslich vorf alien sein -- sondern auch 
noch ober das befindung des geubten Betruges in ernste Straff genommen 
werden - - welches also zu manniglichs Wissenschaft hiermit nochmahls zu 
publiciren befohlen worden damit ein jeder Kauffer und verkauffer sich 
danach zu richten und vor schaden und straff e zu hiiten habe zu verkunden 
und der Stadt Seer, besiegelt geschehen den ersten Januarii 1600." 

Es war hier schon davon die Rede, dass neben dem Rauchwarenhandel 
die Kiirschnerei in Deutschland ziemlich friih zu hoher Bliite gelangte. So finden 
wir z. B. unter den vorhandenen alten Urkunden der Stadt Berlin die 
Griindungsurkunde der Berliner Kirschnerzunft vom Jahre 1286. Mit 
dem Machtzuwachs der Ziinfte iiberhaupt wuchs auch die Macht der Kiirschner- 
zunft, und neben ihnen entwickelte sich auch seit dem 14. Jahrhundert die 
Gesellenbruderschaften, die in jeder Stadt unter einem Altgesellen standen 
und ebenfalls festgefugte Verbande darstellten, die auch mit den gleichartigen 
Gesellenverbindungen anderer Stadte in enger Verbindung standen. Wirt- 
schaftliche Fragen gab es damals weniger, da die Gesellen, ebenso wie die 
Lehrlinge, Wohnung und Kost mit dem Meister teilten, was erst in neuester 
Zeit aufgehort hat. Hauptstreitpunkte bildeten vielmehr die Schwierigkeiten, 
die den Gesellen haufig bei dem Versuch der Meisterwerdung gemacht wurden, 
da viele Kurschnerinnungen, um der Uberhandnahme der .Konkurrenz zu 
begegnen, dem Meisterwerden der Gesellen allerhand Hindernisse bereiteten 
und andererseits die Meistersohne vielfach bevorzugt wurden. Zahlreiche 
Urkunden und Kiirfurstliche Erlasse bezeugen hinreichend den fortwahrenden 
Kampf der Kiirschnerzunft um ihre Privilegien und Monopolstellung ge- 
geniiber Aussenstehenden. Es ist hier aber nicht die Stelle ausfuhrlich 
iiber die Geschichte des Kiirschnerhandwerks und der Kurschnerinnungen 
zu sprechen, wiewohl auch hierfiir reiches Material vorliegt. . 

Auch in den Deutschland benachbarten Landern treffen wir friihzeitig 
auf eine Bliite der Kiirschnerei, besonders in Osterreich. 

Schon aus dem 10. und u. Jahrhundert horen wir von zahlreichen 
Kiirschnern, die auch sevcy bily, Weissnaher, benannt werden, in Bohmen, 
und bereits 1362 horen wir, dass die Kiirschner Prags gemeinsame Verkaufs- 
laden eingerichtet haben, in denen allein der Verkauf fertiger Kiirschnerwaren 
stattfinden durfte, und dass die Zunft auch den gemeinsamen Einkauf von 
Rohmaterial fur ihre Mitglieder unternahm. Grade Prag gehorte auch zu den 
Stapelplatzen des Rauchwarenhandels in slavischen Landern, wohin die 
Produkte des Landes zum Verkauf kamen. Ausser Fiichsen, Mardern, Wieseln, 
Siebenschlafern, Wolfen und Baren waren es namentlich Biber, die sowohl 



i. Pelzhandel im Altertum und Mittelalter. 



an den Zufliissen der Donau wie der Elbe und Moldau.recht zahlreich hausten. 
Auch Nerze mogen aus den Sumpfwaldungen, Rohr- und Erlenbruchen. haufig 
an den Markt gekommen sein. Luchse und Wildkatzen waren zahlreich, und 
durch Vermittlung polnischer Handler werden wohl Zobel, Hermelin und Feh 
aus Asien zugefuhrt worden sein. 

Auch in Wien finden wir bereits Anfang des 13. Jahrhunderts eine 
Kiirschnerzunft, oder wie sie damals dort hiess, Wildwerkerzunft. 

Ungarn, wo von jeher Pelzwaren zur Nationaltracht gehort haben, nahm 
natiirlich eine fuhrende Rolle ein, und gehorten dort die Kiirschner zu den 
wenigen einheimischen Handwerken, wahrend die Mehrzahl der anderen Hand- 
werke von den eingewanderten Deutschen, den Schwaben und Sachsen, be- 
trieben wurden. 

Wahrscheinlich lag auch der Handel mil dem Rohmaterial dort vielfach 
in magyarischen Handen, denn wir horen nichts davon, dass die weitverbreitete 
Hansa auch mit Ungarn Handelsverbindung hatte. Nur von Breslau und 
Glogau wird in spaterer Zeit auch von Lieferungen nach Ungarn berichtet. 
Stand doch Schlesien von altersher gerade mit Ungarn in enger Geschafts- 
verbindung, wie jain Breslau noch heute haufig der Ungarwein dem Rhein- 
wein vorgezogen. 

Ziinfte wurden hier in Ungarn aber erst verhaltnismassig spat begriindet, 
da es eine Weile dauerte, bis die von den eingewanderten Handwerkern ein-- 
.gefiihrten Organisationen allgemein festen Boden gefunden hatten. Die alteste 
bekannte Urkunde, die sich auf Griindung einer ungarischen Kiirschnerzunft 
bezieht, stammt aus dem Ende des funfzehnt en Jahrhunderts. 

In England lag der Pelzhandel bis zum Erlass der Cromwellschen Navi- 
.gationsakte vorzugsweise in den Handen der Hansa, die vom Stahlhof in London 
aus iiberhaupt den ganzen englischen Handel beherrschte. Zwar brachten 
schon die Expeditionen der Cabots 1496 und 1497, sowie der verschiedenen 
englisch-portugiesischen Handelsgesellschaften, die wir in dem Artikel Ge- 
schichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika ausfuhrlich behandelt hatten, 
direkt Pelzwerk auf den Londoner Markt, doch war dies sehr unbedeutend, bis 
endlich Richard Chancellor, der einzig iiberlebende Fuhrer der Expedition des 
ungliicklichen Hugh Willoughby, 1553 die Miindung der Dwina und von dort 
den Hof des Zaren in Nowgorod erreichte. Nach seiner Riickkehr wurde dann 
die Muskowy Compagny in London errichtet, welche der Hansa im russischen 
Handel eine gewaltige Konkurrenz bereitete und die vielbegehrten russischen 
Felle, ebenso wie Talg, Teer etc. direkt nach England brachte, ohne dass die- 
selben wie bisher durch den Zwischengewinn der Hansastadte Lubeck oder 
Hamburg verteuert waren. 

VonFrankreich, namentlich von St. Malo, LaRochelle und Diinkirchen aus, 
waren noch viele amerikanische Felle nach England gelangt, bis die Griindung 
der,,Hudsons Bay Company" dem ein Ende machte. Der Geschichte dieses 
-amerikanischen Pelzhandel seien somit die nachfolgenden Kapitel gewidmet. 



II. 

Geschichte des Rauchwarenhandels 
in Nordamerika. 



II. 

Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

1. Kapitel. 

Die Geschichte des Rauchwarenhandels ist in Amerika mit der Ent- 
deckungsgeschichte identisch, denn die raeisten Fahrten wurden zur Erlangung 
des hochgeschatzten Pelzwerks unternommen, gerade wie die Fahrten nach 
den siidlicheren Teilen des Kontinents dem Golde gait en. 

Die Entdeckungsgeschichte des Landes reicht nun aber bekanntlich weit 
vor Columbus zuriick. Zwar die Besetzung Floridas durch die Irlander im 
neunten Jahrhundert, von denen die Irlander Are Marson, Biorne Ashbrandson 
und Gudlaf Gudlaugson erzahlen, welche das Land sogar als ,,Irland it mikla", 
Grossirland, bezeichneten, ist etwas sagenhaft. Dagegen bringen die Sagas 
und Landnammas Islands geschichtlich verbiirgte Aufzeichnungen iiber die 
Fahrten der Normannen nach dem grossen westlichen Kontinent. 

Entdeckt wurde das Land durch den Wikinger Biarne Heriulf- 
s o n , der durch Sturm dahin verschlagen wurde, ehe er den Sitz seines 
Vaters Heriulfness in Gronland erreichte. 

Seine Erzahlung veranlasste auch Leif, den Sohn Eric Raudas, des Ent- 
deckers Gronlands, von Brattalid, der Hauptstadt Gronlands aus ein Schiff 
auszuriisten und nach dem Westen zu segeln mit 35 tapfern Gefahrten, 
darunter auch ein Deutscher namens Tyrker. 

Nach schneller Fahrt erreichte das scharfgeschnabelte Drachenschiff das 
Land des Biaerne. Eine unwirtliche Kiiste bot sich den Blicken dar. Weite 
ode Sumpfflachen wechselten mit zerkliifteten Gletschern und nackten Felsen 
(Hella) ab, an deren Fusse sich die Brandung donnernd brach. Die Abenteurer 
nannten das Land deshalb Helluland ,,Felsland" (das heutige Labrador) und 
setzten die Fahrt nach Siiden fort. Hier wurde die Gegend besser. Feiner 
weisser Sand bedeckte den Strand, und machtige blauschimmernde Waldung 
dehnte sich bis in unabsehbare Fernen. Das Land wurde Markland (Wald- 
land) benannt und gilt als das heutige Neuschottland. 

Endlich wurde noch weiter siidlich ein zusagendes Gebiet gefunden. An 
einer weit en, von Hiigeln umgebenen Bucht, deren Eingang eine dicht be- 
waldete Insel schiitzte (das heutige Rhodeisland) , wurde eine Ansiedlung 
,,Leifsbydir" gegriindet. 



i6 



IT. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



In den Waldern der Umgegend fand der Rheinlander Tyrker reife Trauben, 
aus denen er Wein kelterte, so dass sich die edlen Normannen wackere Rausche 
antrinken konnten. 

Den Winter iiber rastete man in ,,Vinland" und kehrte im Friihjahr nach 
Brattalid zuriick, das Schiff reich beladen mit Holz, Wein und den Fellen er- 
legter Tiere. Die reiche Beute veranlasste im Jahre 1002 den Bruder Leifs, 
den Thorwaldsen Ericson, gleich falls? -mit 50 Mannen auf dem Schiffe Leifs, 
das damals das einzige in Gronland gewesen zu sein scheint, nach Vinland zu 
.segeln. .1 .;.. 

Hier wurde an einem waldbedeckten Vorgebirge ,,Kialarness" das Lager 
aufgeschlagen. Hier trafen die Normannen zum ersten Male mit den Einge- 




Wickinger Schiff auf der Fahrt nach Amerika. 

borenen des Landes zusammen, Drei lederne Kanoes brachten neun kleine 
Gestalten, augenscheinlich Eskimos, die von den Normannen Skraelingn 
(Zwerge) genannt warden. Ein lebhafter Tauschhandel mit Fellen entspann 
sich, aber bei einem Streit erschlugen die Normannen acht der Ankommlinge, 
der neunte entkam und verbreitete den Alarm. Von alien Seiten stromten 
die kleinen Gesellen in ihren Lederbooten herbei und richteten einen solchen 
Pfeilhagel gegen das Schiff, dass die Wikinger schleunigst den Anker lichteten. 
Thorwald selbst wurde todlich verletzt und auf seinen Wunsch auf einem 
hohen Vorgebirge begraben, das weithin die blaue See beherrscht. Ein grosses 
Kreuz ward ihm zu Haupten errichtgt und das Kap ,,Krossanes" genannt, das 
heutige Kap Cross. 

Die Uberlebenden brachten die Trauerkunde nach Gronland, wo Thorstein 
Ericson mit seinem Weib Gudrude beschloss, die Gebeine des Bruders heim- 



i. Kapitel. 



zuholen. Allein diesmal war das Gliick nicht hold. Den ganzen Sommer wurde 
das Schiff auf unbekannten Meeren umhergetrieben, bis es endlich gelang, 
Westerbyg auf Westgronland zu erreichen, wo Thorstein starb. Die Vinland- 
fahrten ruhten bis 1006. 

Da kamen nach langer Pause wieder Fahrzeuge aus dem Auslande nach 
Gronland. Das eine gehorte dem reichen Thorfinne, genannt Karlsefne (zu 
Gfossem bestimmt) und seinem Freunde, dem Snorre Thorbrandson. Der 
andere Meerdrache gehorte dem Biarne Grimalfson von Breidefiord und 
Thorhall Gamlason von Austfiodir. 

Thorfinne verliebte sich in die Gudride, die Witwe Thorsteins, die ihm 
ihre Hand unter der Bedingung reichte, dass die unterbrochene Vinlandfahrt 
wieder aufgenommen wurde. 

Mil allgemeinem Jubel beschlossen die Nordlandsrecken die Fahrt, der 
sich noch ein drittes Schiff anschloss, dem Vater des Gudride Thorfiom gehorig, 
unter Befehl des Thorvard, Gemahl der Freidise, Tochter Eric Raudas. 

1 60 kiihne Segelbriider bildeten die Besatzung, die mit allem zur An- 
siedlung Notwendigen versehen war, selbst Hausvieh. Uber Wester by gd und 
Biarney (Disco- Insel) fahrend, wurde die Kiiste Markland erreicht unterhalb 
Kiarness. 

Zwei schottische Schnellaufer, Hake und Hekla, durcheilten das Land 
und brachten Proben wilden Getreides und Trauben an Bord. Doch man fuhr 
weiter sudlich und machte an einem breiten Strom, dem heutigen Hudson, Halt. 

Hier eilten die Eingeborenen in Scharen herbei und tauschten Felle von 
Zobel, Biber und Nerz gegen kleine Stiicke rot en Tuchs. 

Wahrend des Winters gebar Gudride den ersten amerikanischen Burger 
weissen Blutes, der den Namen Snorre Thorfinnson erhielt. Im Friihjahr 
kamen aber wieder Streitigkeiten mit den Eingeborenen. Thorbrandson fiel, 
und nur der Tapferkeit Karlsefnes und der an seiner Seite fechtenden Freidise 
gelang es, die Normannen auf die Schiffe zu bringen. 

Man fuhr nordlich nach einer von briitenden Eidergansen erfullten Bucht 
Stromfiords, wo zwei Winter verbracht wurden. 

Dann trat man die Heimreise an, wobei aber zwei Schiffe verloren ginger 
Nur Karlsefne gelang mit seinem Schiffe nach Eriksfiord in Gronland,. 
wohin er zwei Skrellingskinder mitbrachte. Aus dem Erstaunen, mit dem 
diese betrachtet wurden, geht hervor, dass die Eskimos damals Gronland 
noch nicht erreicht hatten. 

Erst ion wurde wieder eine Gronlandfahrt von den Norwegern Helge 
und Finboge unternommen. An Bord befand sich auch Freidise mit ihrem 
Gemahl, die in Leifsbydir aus Gewinnsucht die beiden Norweger ermordeten, 
und dann mit ihrer so reichen Ladung von Fellen, Maserholz und allerlei 
soviel anderen Schatzen beladen, wie noch nie ein Vinlandsfahrer vorher, 
nach Norwegen fuhren. 

Ein liibischer Kaufmann erwarb die ganze Ladung zu hohem Preise. 

2 



18 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 




Sebastian Cabot. 



Dies ist die letzte, durch Aufzeichnungen verburgte 
Reise nach Vinland. Zwar sollen noch spater 
regelmassige Fahrten dorthin gemacht und 
in Leifsbydir eine feste Ansiedlung ge- 
griindet sein, wie auch noch 1127 eine 
Reise des Bischofs Erics von Austerbygd 
nach Leifsbydir erwahnt wird, aber durch 
die Isolierung der gronlandischen An- 
siedelungen und ihre Zerstorung durch die 
Eskimos im 13. Jahrhundert sind alle 
weiteren Aufzeichnungen verloren ge- 
gangen. 

Die Fahrten der nachstfolgenden Jahr- 
hunderte, wie dieReisen der Gebriider Zeno 
um das Jahr 1390 und des polnischen Piloten 
Johannes Kolno, der 1476 bis zur Hudsonstrasse 
vorgedrungen sein soil, sind historisch nicht genau 
erweisbar. 

Das eigentliche Zeitalter der Entdeckungen fur 
Nordamerika beginnt mit der Fahrt des in Bristol lebenden Giovanni Caboto 
oder John Cabot, der in Handelsverbindungen mit Island stand und hier wohl 
manches liber die Lander im Westen erfahren hatte. Er segelte im Jahre 1494 
mit seinem Sohne Sebastian im Schiffe ,,The Mathew" von Bristol aus und 
beriihrte am 24. Juli das Festland Amerikas an einem Punkt, den er Prima 
Terra Vista nannte und landete dann auf einer Insel St. Juan. Die letztere 
wird gewohnlich fur Neufundland gehalten, ist aber, wie aus dem 1540 ver- 
offentlichten Planisphere Sebastian Cabots deutlich zu sehen ist, eine der 
Prinz Edwards-Inseln und das Festland das heutige Neuschottland, so dass 
Cabot die Prioritat der Entdeckung Amerikas vor Columbus gebiihrt. 

Cabot erhiclt nun von Konig Heinrich dem Achten von England ein 
Patent zur Besitzergreifung der entdeckten Lander und das Handelsmonopol 
in denselben. Der Konig beteiligte sich selbst an dem Unternehmen, indem er 
ftinf Schiffe dazu hergab und sich den dritten Teil des Gewinns vorbehielt. 
Wahrend der Vorbereitungen der Expedition starb John Cabot, und sein 
Sohn Sebastian trat an seine Stelle. Im Jahre 1496 pflanztc er in dem neu- 
entdeckten Eldorado Englands Banner von St. George zugleich mit dem Lowen 
von San Marco auf und kehrte dann zuriick. Im nachsten Jahre ging er mit 
einer Flotte von sechs Schiffen von je 200 Tonnen wieder in See. An Bord 
befanden sich 300 Kolonisten und eine Menge Handelswaren zum Eintausch 
von Pelzwerk. Auf dieser Fahrt wurde er aber in 58 Grad nordlicher Breite vom 
Treibeis erfasst und weit nach Siiden getrieben. Als der Proviant auf 
die Neige ging, musste er unverrichteter Sache nach England zuriickkehren. 
Hier lehnte der Konig, der durch die in Schottland ausgebrochenen Unruhen 



i. Kapitel. 



geniigend in Anspruch genommen war, eine weitere Teilnahme an dem Unter^ 
nehmen ab, weshalb Cabot in spanische Dienste trat und fur diese nach Siid- 
amerika ging. 

Die Entdeckungen hatten aber die Aufmerksamkeit der damals zur See 
so riihrigen Portugiesen erregt. Im Auftrage des Konigs Immanuel ging 
Caspar Cortoreale, der Sohn eines franzosischen Edelmanns Marquis da Costa, 
im Jahre 1500 nach dem hohen Norden, um dort neue Entdeckungen zu 
rnachen. 

Er entdeckte den San Lorenzstrom, den er Rio Nevado und Labrador, 
welches er Tera verde nannte. Auf der Weiterfahrt im nachsten Jahre gelangte 
er bis zur spateren Frobisherstrasse. Hier trennte ein Sturm die Schiffe. Eins 
der Caravellen gelangte nach Lissabon zuriick, Cortoreale blieb aber verschollen. 
Sein Bruder Miguel unternahm es im nachsten Jahre, ihn zu suchen und ge- 
langte mit drei Caravellen bis in die spater nach Hudson genannte Strasse, 
hier ging er aber mit seinem Schiff unter, wahrend die Begleitschiffe nach dem 
Heimatshafen zuriickkehrten. 

Bei der Unternehmungslust der damaligen Zeit fanden sich bald Leute, 
welche die Entdeckungen kommerziell ausnutzen wollten. So vereinigten sich 
im Jahre 1501 in London die portugiesischen Kaufleute Joan Goncalvez, 
Joan und Francez Fernandez mit den Bristoler Rhedern Richard Warde> 
Thomas Ashehurst und John Thomas zur Ausbeutung der Cabotschen Ent- 
deckungen und bildeten wohl die erste englische Gesellschaft fur iiberseeischen 
Handel. Verschiedene Reisen wurden unternommen, namentlich zum Betrieb 
des Pelzhandels, des Walfischfangs und zum Fang der Kabeljaus (Baccallaos) , 
von deren ungeheuren Schwarmen Cabot berichtet hatte. Im nachsten Jahre 
zogen sich Joan Fernandez und Richard Warde zuriick und Hugh Elliot iiber- 
nahm ihre Anteile. 

Bis zum Jahre 1506 unternahm die Gesellschaft regelmassige Fahrten 
nach Amerika, dann loste sich dieselbe aus unbekannten Griinden auf. Die 
Portugiesen unternahmen iibrigens noch wahrend der nachsten 50 Jahre Ent- 
deckungs- und Handelsreisen an der amerikanischen Kiiste, doch wurden 
deren Resultate sehr geheim gehalten; aus den Karten der damaligen Zeit, 
von Gerard Mercator, Abraham Ortelius, Hessel Geritz etc., ersieht man aber, 
dass man vielfach Kenntniss dieser Kiisten hatte. 

Der Ruf von dem gewaltigen Fischreichtum der durch Cabot entdeckten 
Neufundlandbanke verbreitete sich schnell und bereits 1504 bedeckten grosse 
Flotten baskischer und bretonischer Fischer die reichen Fischgriinde. Bereits 
1506 veroffentlichten der Kapitan Jean Denys von Honfleur und der Pilot 
Comart nach ihrer Riickkehr eine Karte dieser Teile Amerikas, und der Spanier 
Velasco befuhr 1508 den Lorenzstrom auf eine Lange von 200 Leguas. Im 
selben Jahre brachte auch Kapitan Aubert von Dieppe in der Bark ,,La Pensee" 
eine Anzahl franzosi^cher Auswanderer nach dem San Lorenz, konnte indessen 
nicht landen. Ebenso schlug ein 1518 unternommener Versuch des Baron 

2* 



2o II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

de Lery, diese unwirtlichen Gestade zu kolonisieren, fehl. Eingetretener 
Wassermangel zwang ihn, die mitgenommenen Haustiere auf der oden Isle 
de Sable auszusetzen und nach Hause zuriickzukehren. 

Auch Franz I. wollte sich an den Amerika-Fahrten beteiligen und sandte 
den Florentiner Jean Verazzano 1524 mit einer Flotte von vier Schiffen aus, 
Dieselben litten aber befeits auf den Desiertas bei Madeira Schiffbruch, und 
Verazzano musste die Reise in dem kleinen Fahrzeug ,,Le Dauphin" von 
50 Tonnen Gehalt antreten. Er erreichte das amerikanische Festland in 34 Grad 
nordlicher Breite und fuhr in nordlicher Richtung die Kiiste entlang. Als Ein- 
geborene sichtbar wurden, schwamm ein Matrose hinuber. Durch die Brandung 
betaubt, wurde er von den Wilden gerettet, verpflegt und mit Pelzwerk reich 
beschenkt an Bord gebracht. Zum Dank raubte Verrazano am nachsten Tage 
einen achtjahrigen Knaben und wunderte sich ganz naiv uber das Wehklagen 
der Mutter. Weiterhin entdeckte er den Hudsonsriver, Rhode Island und Naran- 
gasett. Von dieser Insel, die er mit der Insel Rhodes verglich, lieferte er eine 
genaue Beschreibung und hob namentlich die helle Farbe ihrer Bewohner 
hervor. (Sono di colore bianchissimi alcuni pendono piu iu bianchizza, ma 
altri iu colore flavo.) Wahrscheinlich existierten zu dieser Zeit hier noch Nach- 
kommen der Normannen. Bis zum 50. Grad setzte er noch seine Reise fort, 
dann kehrte er seiner mangelhaften Ausriistung halber nach Dieppe zuriick. 
Verazzano schloss sich iibrigens bald darauf einer Expedition an, welche auf 
Anstiften des Bristoler Kaufmanns und Kosmographen Robert Thome unter- 
nommen wurde. AnBord der beidenSchiffe,, Sampson und Mary" und,, Dominus 
vobiscum" unter dem Kommando Jean Rats befand sich ausser Verazzano^ 
auch der Kanonikus der St. Paulskirche, ein grosser Mathematiker. Die Ex- 
pedition kehrte im Herbst des Jahres, ohne besondere Entdeckungen gemacht 
zu haben, zuriick, doch soil Verazzano an der amerikanischen Kiiste von 
Indianern getotet worden sein. 



II. 
Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

2. K api t el. 

Zunachst nahmen nun die europaischen Verwicklungen, namentlich die 
Kriege mit Karl V., die Aufmerksamkeit der Franzosen in. Anspruch, und 
erst 1534 gelang es dem Grossadmiral Philippe Chabot, Comte de Burensais, 
den Konig Franz I. fur weitere uberseeische Unternehmungen zu erwarmen. 
Einem kundigen Seemann, Jacques Cartier, wurden zwei kleine Fahrzeuge 
von je 60 Tonnen Gehalt und 61 Mann Besatzung anvertraut, mit denen er 
am 20. April 1534 San Malp verliess und nach schneller Fahrt Mitte Mai Kap 
Bonne Viste auf Neufundland erreichte. Das schneebedeckte Land lud aber 
nicht zum Bleiben ein, er kreuzte daher bis zum Eintreten milder Witterung 
an der Kuste zwischen Baye de Chaleurs und Port St. Catharin. Hier er- 
handelte er eine voile Ladung Pelzwerk, nahm zwei Indianer an Bord und 
kehrte dann, nachdem er namens der allerchristlichsten Majestat Besitz vom 
Lande ergriffen, nach Frankreich zuriick, wo er Anfang September eintraf. 
Die Ladung Felle ergab einen sehr bedeutenden Gewinn. 

Den Hauptteil der Ladung bildeten Biber-, Otter- und Z o b e 1 - 
f e 1 1 e. Dieser Erfolg ermutigte zu weiteren Unternehmungen. Durch die 
machtige Fiirsprache des Vizeadmirals Charles Moux Sieur de la Malleraye 
erhielt Cartier weitgehende Privilegien, sowie drei wohlausgeriistete Schiffe. 
Es waren dies die ,, Grande Hermine" von 100 Tons unter Kommando Claude 
de Pondbriand, dann die ,, Petit Hermine" von 60 Tons unter Mace Calobert 
und drittens ,,L'emerillon" von 40 Tons unter Guilleaume le Breton. Am 
19. Mai verliess die Expedition St. Malo und lief, nachdem erst die bekannten 
Inseln ,,Du blanc Sablon" und St. Marthe, sowie eine unbekannte, dicht be- 
waldete Kuste beriihrt war, am 12. August in den St. Lorenz-Busen ein, wo 
es Cartier gelang, dieMiindung des ,,grande fleuve du royaulme de Saguenay" 
zu finden. Saguenay wurde das bergige Hochland in der Nahe der Miindung 
von den Eingeborenen genannt, wahrend die Provinz Kanada 23 Lieues 
(i Lieue ist ca. 2% Kilometer) weiter stromaufwarts begann. 

Mit Hilfe der friiher mitgefuhrten beiden Indianer Taiguogay und 
Domagaya wurde ein freundschaftlicher Verkehr mit den Eingeborenen er- 
offnet, die reichlich Felle zum Tauschhandel herbeibrachten. 

Eine Niederlassung wurde in Stadacona am St. Croix-Flusse errichtet. 
Hier erhielt Cartier zuerst Nachricht von der weiter oberhalb am grossen Strom 
gelegenen grossen Kulturstatte Hochelaga und beschloss, trotz aller dagegen 
gerichteten Bemiihungen der Kiistenindianer, diese geheimnisvolle Statte zu 



22 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

besuchen. Der Bericht, den uns Cartier iiber diesen Besuch geliefert, beweist, 
dass damals hier oben im Norden, an der Statte des heutigen Montreal, wirk- 
lich ein ackerbautreibendes Kulturvolk, ahnlich den Natchez, den Azteken 
und Tolteken im Siiden, am untern Mississippi, in Mexiko und Arizona, hier 
oben im Norden seinen Wohnsitz hatte. Wenige Jahrzehnte spater waren diese 
Siedlungen indessen dem Ansturm neu eingewanderter Jagervolker erlegen 
und ihre Spuren verschwunden. 

Am 19. September fuhr Cartier in der kleinen Gallion ^Emerillon" 
mit zwei Barken stromaufwarts, begleitet von samtlichen Edelleuten der 
Expedition und 50 Matrosen. Die Ufer des machtigen Stromes waren ab- 
wechselnd bedeckt mit blaulich schimmernden Waldern und weiten, frucht- 
baren Strecken, auf denen Mais und traubenschwere Reben gepflanzt waren. 
Am 19. Oktober erreichte man Hochelaga. Eine weit iiber 1000 Kopfe zahlende 
Menschenmenge erwartete die Reisenden und warf ihnen als Begriissung Brot 
und Fische in die Boote. Der Weg in die Stadt, den Cartier mit nur wenigen 
Begleitern antrat, fuhrte durch gut bestandene Felder von Mais, Erbsen, 
Bohnen, Gurken und Sonnenblumen. Die ziemlich umfangreiche, kreisformig 
gebaute Stadt war mit einer dreifachen Pallisadenreihe umgeben und besass 
nur einen Eingang. Auf einer ringsherum laufenden Galerie lagen machtige Fels- 
blocke bereit, um auf etwa anstiirmende Feinde herabgeschleudert zu werden. 

Im Innern befanden sich etwa 50 Hauser, jedes ca. 100 Fuss lang und 
30 Fuss breit, aus Holz erbaut und mit Rinde gedeckt. Jedes derselben enthielt 
eine grosse Zahl Kammern, die sich um eine gemeinsame Halle gruppierten, 
in der stets ein Feuer brannte. Vor den Toren wurden die Fremdlinge von 
einer grossen Volksmenge erwartet, und im Triumph nach einem grossen, 
freien Platze geleitet, wo sie neben dem Konige auf schon gearbeiteten Matt en 
Platz nahmen und aufs beste bewirtet wurden. Dann wurden ihnen Quartiere 
angewiesen. Alle Kranken der Umgegend stromten herbei, um von den wunder- 
baren Weissen Heilung zu erbitten. Auch erzahlte der Konig von den Gegenden 
im Siiden, wobei natiirlich die ublichen Reisesagen von Menschen mit Hunde- 
k op fen und solchen mit so langen Ohren, dass sie solche als Matratzen benutzten, 
unterliefen. 

Cartier bestieg auch den neben Hochelaga belegenen hohen Berg, den er 
Montroyal benannte, und von dem er einen weiten Rundblick genoss, von den 
Katarakten des Stromes (jetzt Lachine) bis zu den fernen Bergketten von 
Saguenay, die Gold, Silber und Kupfer in ihrem Schosse bergen sollten. Des 
eintretenden Winters halber wurde die Riickreise nach dem Hauptlager schnell 
angetreten, und auf der Talfahrt noch Riviere de Fouez (Troisrivieres) entdeckt. 

Bald nach dem Beziehen der Winterquartiere brach unter den Franzosen 
eine bis dahin unbekannte Krankheit aus (der Skorbut). Samtliche Franzosen 
erkrankten, 25 starben, und der Rest wurde nur durch indianische Heilmittel 
gerettet. Jm Friihjahr wurden die Schiffe in Stand gesetzt und die Heimreise 
angetreten, wobei Domacona und mehrere seiner Leute durch List und Gewalt 



2. Kapitel. 23 



mitgeschleppt wurden. Dieselben sollten die Heimat me wiedersehen, da sie 
1539 bald dem urigewohnten Klima in Europa erlagen. Auch diesmal war die 
Ausbeute der Reise an Fellen eine sehr reiche, doch wurde Cartier jetzt infolge 
von Intriguen das wohlerworbene Patent entzogen. 

Im Jahre 1540 ward dagegen der Seigneur Jean Francois de la Roque, 
Sieur de Roberval et Cottonmeal, zum Statthalter der neuentdeckten Lander 
,,Kanada, Hochelaga, Saguenay" und der grossenBai von Norrumegue ernannt. 

Eine Kolonisation im grossen Stile sollte unternommen werden. Der 
Konig steuerte aus seiner Privatschatulle 45 ooo Livres bei und gestattete, 
dass 50 Straflinge aus den Gefangnissen fur die Expedition verwendet werden 
durften, mit Ausnahme von Majestatsverbrechern und Falschmiinzern. Jaques 
Cartier wurde zum Admiral und Piloten der Unternehmung ernannt und mit 
5 Schiffen vorausgesandt, um in St. Croix eine Kolonie zu griinden, wahrend 
Roberval selbst nachfolgen wollte. Der wieder ausgebrochene Krieg hielt ihn 
jedoch bis 1542 in Frankreich zuriick, und bei der Ausreise traf er Cartier 
bereits auf der Riickkehr, da Hunger, Krankheiten und Feindseligkeiten der 
gereizten Indianer die Auflosung der Kolonie veranlasst hatten. Infolge dieser 
Feindseligkeit war die Pelzausbeute auch nur eine verhaltnismassig geringe. 

Roberval errichtete ein Fort am Kap Breton und sandte seinen Piloten 
Alphons de Xaintonge mit einem Schiff zur weiteren Untersuchung der Kiiste 
ab. Dieser besuchte Labrador und Neufundland und kehrte von dort direkt 
nach Frankreich zuriick. Roberval fuhr im Friihjahr mit 8 Booten und 
70 Mann den Saguenay hinauf und blieb verschollen. Erst mehr als 300 Jahre 
spater wurde das Dunkel, das iiber seinem Verschwinden schwebte, gelost. 

Im Jahre 1860 fand der Reverend Price in der Wildnis am Mistassini- 
See, auf der Grenze zwischen Labrador und East Maine, die Reste eines alten 
franzosischen Forts mit zwei kleinen Geschiitzen. Aus den verwitterten In- 
schriften der Grabsteine, die noch die Zahl 154 erkennen liessen, ging deutlich 
hervor, dass hier die Reste jener Expedition ruhten. 

In Frankreich hatte sich besonders auf Colignis Betreiben die Aus- 
wanderung und Kolonisation mehr nach dem sonnigen Brasilien und nach 
Florida (das sich damals fast bis zur Mississippi-Miindung erstreckte) gewendet. 

Der Handel hatte aber Kanada keineswegs aufgegeben. Cartier selbst 
hatte noch mehrere Fahrten des Pelzhandels halber dorthin unternommen, 
und dann seine Nefferi De la Jaunaye Chaton und Jaques Noel am Geschaft 
beteiligt. Diese gaben dem Unternehmen einen grossartigen Aufschwung, 
aber auch die Konkurrenz blieb nicht aus, und die Eifersucht der einzelnen 
Pelzhandler wurde so stark, dass auf den einsamen Fluten des Lorenzstromes 
sich ordentliche Schlachten zwischen den Schiffen der verschiedenen Unter- 
nehmungen abspielten, und mehrere Barken mit reicher Ladung verbrannt 
wurden. 

Um diesem gesetzlosen Zustande ein Ende zu machen, bewarben sich die 
Erben der inzwischen verstorbenen Cartier um die Erneuerung des diesem 



24 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

verliehenen Patents, indem sie sich erboten, das Land auf eigne Kosten zu 
kolonisieren. Es wurde ihnen gnadigst bewilligt, und 1588 erhielten sie sogar 
noch 1638 Livres zuriickvergiitet, welche die Regierung C artier schuldete. 
Aber ein konigliches Wort war damals in Frankreich eine sehr unsichere 
Sache, um Handelsunternehmungen darauf zu begriinden. Die Kaufleute 
von St. Malo wussten das Herz einer geldbediirftigen Rammer frau zu riihren, 
und das Cartiersche Monopol wurde nach Jahresfrist wieder aufgehoben. 
Es half dies aber den Kaufleuten genannter Hafenstadt nicht auf lange, 
denn ein Handel ohne Monopol und Zollschranken erschien damals ganz 
unmoglich. 

1598 erhielt deshalb der Marquis de la Roche, ein Sohn des verschollenen, 
Graf en Roberval, alle Privilegien seines Vaters von neuem bestatigt. Aber 
auch er wurde vom Ungliick verfolgt. Er warb eine Anzahl Kolonisten an, 
die er einstweilen auf der Isle de Sable zuriickliess, wahrend er mit dem Schiffe 
eine Rekognoszierung zur Auffindung eines geeigneten Ansiedlungsplatzes 
machte. Hierbei wurde er von heftigen Stiirmen bis nach Frankreich zuriick- 
verschlagen, geriet hier auf das Gebiet des Herzogs von Mericourt, der mit 
Heinrich IV. in Fehde lag, Roche gefangen setzte und 5 Jahre in enger Haft 
hielt. Nach seiner Freilassung bewog er den Monarchen, ein Kriegsschiff abzu- 
senden, um die unglucklichen Kolonisten von Isle de Sable abholen zu lassen. 
Es wurden indessen nur noch 12 von den 40 lebend vorgefunden, die sich 
durch das Erlegen des 80 Jahre friiher vom Graf en Lery hier zuruckgelassenen 
Viehs ernahrt hatten, welches, verwildert, sich ziemlich gut gehalten hatte. 

Einer der bedeutendsten Kaufleute von St. Malo, der lange selbst Pelz- 
handel in Kanada betrieben hatte, Sieur Pontgrave, verband sich mit dem bei 
Hofe sehr einflussreichen Marinekapitan Chauvin und erhielt das so oft erteilte 
Privilegium zum Alleinhandel in Kanada und Acadie (Neuschottland) . Chauvin 
selbst ging mit einer kleinen Expedition nach Tadoussac am Saguenay, das 
sich inzwischen zum Hauptemporium des Pelzhandels aufgeschwungen hatte, 
wo er indessen bald nach der Ankunft starb. Sein Rechtsnachfolger wurde 
der Gouverneur von Dieppe, De Chaste, der in Gemeinschaft mit Pontgrave 
den ganzen Handel in neue Bahnen lenkte, indem er die erste Pelzhandels- 
Gesellschaft griindete, unter dem Namen ,,Compagnie des Marchands de 
Rouen", woran sich die meisten Kaufleute von Rouen und St. Malo, sowie 
eine grosse Anzahl Edelleute beteiligten. Eine grosse Expedition, bestehend 
aus zahlreichen Barken von 10 bis 18 Tons, ging nach Kanada unter Befehl 
eines bewahrten Seemanns, Champlain, und drang den St. Lorenzstrom bis 
zum Sault de St. Louis hinauf. De Chaste erlebte die Riickkehr der mit Fellen 
reich beladenen Barken nicht, und das Wanderprivilegium wurde an Pierre 
de Guast, Sieur de Monts, verliehen. 

Mit ihm beginnt die Kolonisation Kanadas grossere Di- 
mensionen anzunehmen. Zunachst vergrosserte er dieCompagnie des Marchands 
de Rouen durch Hinzutritt der Kaufleute von La Rochelle. Dann fiihrte er 



2. Kapitel. 25 



selbst eine Flotte von fiinf Schiffen mit zahlreichen Ansiedlern und Edelleuten 
nach Acadie, um eine Kolonie zu griinden, wahrend Champlain wieder nach 
Tadoussac ging. Er machte auch Ernst mit der Wahrnehmung aller Rechte, 
die ihm das Privilegium verlieh. Er konfiszierte Schiff und Ladung eines 
Kapitans Rossignol aus Havre, der an der Kiiste mit den Indianern Pelzhandel 
trieb, wahrend ein anderes Schiff der Kompagnie in Port des Champseaux 
vier baskische Fahrzeuge wegnahm. 

Einer seiner Begleiter, der Baron Poutrincourt, Hess sich den 
schonen Hafen Port Royal schenken, wahrend De Monts ein starkes Fort in 
Isle St. Croix errichtete; Poutrincourt eilte nach Frankreich zuriick, umLebens- 
mittel und Verstarkungen herbeizuholen. Inzwischen brach unter den Zuriick- 
.gebliebenen die Pest des Nordens, der Skorbut, aus, dem 36 der Ansiedler 
erlagen. Vierzig andere Schwererkrankte genasen erst mit Eintritt des Friih- 
lings. Am 15. Juni 1605 traf Pontgrave mit 40 Gefahrten ein, um De Monts 
.abzulosen, dem es alsbald in Frankreich gelang, in Gemeinschaft mit Poutrin- 
court eine grossere Expedition auszuriisten, die am 26. Juli 1606 im Schiffe ,,Le 
Jonas" Port Royal erreichte. An Bord befand sich auch der Pariser Advokat 
Lescarbot, dem wir eine eingehende Schilderung und Geschichte von Kanada 
und Acadie (Neuschottland) verdanken. Die umsichtige Beihilfe dieses hoch- 
.gebildeten Mannes trug viel zum wirtschaftlichen Aufschwunge der jungen 
Kolonie bei. 

In Frankreich hatte inzwischen wieder das alte Intriguenspiel begonnen. 
Den Kaufleuten von St. Malo war es durch den Einfluss einiger Hofdamen 
.gelungen, die Aufhebung des De Montschen Privilegiums durchzusetzen. 
Hierdurch schon ins Wanken gebracht, brach die Gesellschaft unter einem 
neuen unerwarteten Schlage zusammen. Die Hollander hatten sich der ganzen 
in Tadoussac zur Einschiffung bereitliegenden Pelzausbeute des Jahres be- 
machtigt. Die Niederlassung in Port Royal musste nun aus Geldmangel auf- 
: gegeben werden. Der unermudliche De Monts liess aber den Mut nicht sinken. 
Er eilte nach Frankreich, wo es ihm gelang, das Patent auf ein Jahr verlangert 
zu erhalten und auch drei kleine Schiffe auszusenden, die unter Champlains 
Kommando bei dem kleinen Flecken ,,Kebec" am ,, Riviere de Canada" eine 
Niederlassung griindeten. Diese nachmals so beriihmte Statte empfing hier 
gleich die Bluttaufe. Ein Normanne, Jehan de Val, der eine Verschworung 
angezettelt hatte, erlitt nebst drei Gefahrten den Tod durch Henkershand. 
Auch diese Ansiedlung blieb von dem Wiirgeengel, dem Skorbut, nicht ver- 
schont. 28 Ansiedler erlagen im ersten Winter. Jetzt aber ereignete sich 
eine scheinbar geringfugige Sache, die indessen von den weittragendsten 
Folgen war. 

Die Algonkin-Indianer, welche die Kiiste bewohnten, die Hauptpelz- 
lieferanten der Franzosen, lagen seit undenklichen Zeiten mit den weiter im 
Innern wohnenden Irokesen im Streit. Diese, zur damaligen Zeit vorwiegend 
Ackerbau treibend, waren nichtsdestoweniger eine kriegerische Nation, und 



26 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

hatten die Angriffe der Algonkins nicht nur blutig zuriickgewiesen, sondern 
waren ihrerseits angriffsweise vorgegangen und hatten die Algonkins stark 
bedrangt. Letztere wandten sich mit der Bitte um Hilfe an Champlain, die 
bereitwilligst zugestanden wurde. Champlain selbst schloss sich mit zwolf 
Franzosen dem in zahlreichen Kanoes unternommenen Rachezuge an. Auf 
dem Wasserwege erreichte man den Lac des Iroqois (den Huronensee), an 
dessen Ufern sich die Dorfer der Irokesen hinzogen, umgeben von wohl- 
bestellten Feldern von Sonnenblumen und Mais. Der Uberfall gelang, und 
die Arkebusen der Franzosen richteten furchtbare Verheerungen unter den 
Irokesen an, die schliesslich in die Flucht geschlagen wurden. Ihre Dorfer 
und Felder gingen in Flammen auf. Champlain kehrte im Triumph nach 
Quebec zuriick, nicht ahnend, dass er durch sein Vorgehen einen Jahrhunderte 
lang dauernden Rachekrieg entfesselt habe, der seinen Nachfolgern noch viel 
zu schaffen machen sollte. 

Die Irokesen gaben den Ackerbau auf, wurden ein Krieger- und Jager- 
volk und waren bis zur Eroberung des Landes die erbittertsten Feinde der 
Franzosen. Jetzt freilich sieht man nur einige wenige herabgekornmene 
Epigonen der stolzen roten Krieger in Kanada ihr Leben muhsam durch Korb- 
flechten und Kleinhandel mit Kuriositaten fristen. 

Durch die ganzliche Freigabe des Handels im Jahre 1610 wurde De Monts,. 
dessen ganzer Geschaftsbetrieb sich auf das Monopol stiitzte, gezwungen,. 
sich zuriickzuziehen. Champlain indessen, der 1611 auf der Statte des alten 
Hochelaga ein Pelzhandelsfort ,,Mont Real" errichtet hatte, mochte seine 
Schopfungen nicht dem Verfall aussetzen, brachte mit Hilfe der Kaufleute 
von St. Malo und Rouen eine neue Kompagnie zusammen, deren Schutz zu- 
gleich mit der Statthalterschaft von Kanada Prinz Charles von Bourbon 
iibernahm, wahrend Champlain tatsachlicher Gouverneur war. 

Nach dem schon 1612 erfolgten Tode des Prinzen trat Prinz Conde an 
seine Stelle, die Gesellschaft aber nahm nun einen grossen Aufschwung. 
1616 erhielt sie indessen einen unliebsamen Konkurrenten in einer von dem 
Kaufmann Thomas Poree gegriindeten Pelzhandelsgesellschaft. Ein freier, 
friedlicher Handelswettkampf war aber auf die Dauer im Zeitalter der Handels- 
monopole undenklich. 

Getreu der damaligen Volkswirtschaft suchte jeder ein bestimmtes Gebiet 
hermetisch abzuschliessen und aufs Griindlichste auszusaugen. Heftige Streitig- 
keiten zwischen den Konkurrenten konnten daher nicht ausbleiben. Der 
Admiral Montmorenci, der 1620 die Statthalterschaft von Kanada und die 
Prasidentschaft der Handelsgesellschaft vom Prinzen Conde fiir no ooo ecus 
(a 5 Franks) gekauft hatte, versuchte alles, um die regsame Poreekompagnie 
zu unterdriicken und schreckte auch vor Gewalt nicht zuriick. 

Er wurde deshalb auch verklagt, doch war sein Einfluss bei Hofe zu 
machtig. Er setzte es bereits 1621 durch, dass ein Konigliches Dekret wieder 
die Handelsfreiheit aufhob und die Montmorencische Gesellschaft das Allein- 



2. Kapitel. 27 



handelsrecht erhielt. Es wurde jedoch alien Franzosen das Recht zugestanden f 
sich dieser Gesellschaft anzuschliessen, wahrend Poree 10 ooo Livres als 
Entschadigung erhielt. 

Er ubernahm sofort mit einem Associe fiinf Sechstel aller Anteile der 
Montmorenci-Kompagnie. 

1625 verkaufte Montmorenci die Statthalterschaft an seinen Neffen, 
Henry de Levy, Due de Ventadour. Dieser, ein sehr frommer Herr, dem das 
Seelenheil seiner Schutzbefohlenen sehr am Herzen lag, sandte ihnen zahllose 
Missionare, dem Orden der Freres Recollets angehorig, bekummerte sich aber 
um die materielle Entwicklung der Kolonie gar nicht. Nur die Energie 
Champlains vermochte sie vor ganzlichem Verfall zu retten. Endlich wandte 
er sich um Hilfe an Richelieu. Dieser grosse Staatsmann, der die Wichtig- 
keit der Kolonien fur das Mutterland voll erkannte, durch Hofeinflusse ge- 
bunden aber nicht direkt einschreiten durfte, veranlasste die Griindung einer 
grossen kapitalkraftigen Gesellschaft, die mit machtigen Privilegien ausge- 
stattet wurde. Sie bestand aus 103 Mitgliedern, an deren Spitze Richelieu, 
der Marschall d'Effiat, Admiral Bazilli und Champlain standen. Das Ge- 
sellschaftskapital belief sich auf 100 ooo ecus (a 6 Livres), fur damalige Zeit 
eine gewaltige Summe. 

Nach ihrer Mitgliederzahl empfing sie den Namen ,,Compagnie des Cent 
associes" und erhielt vom Konig die Besitzrechte von Nouvelle France und 
Florida, mit dem Monopol des Pelzhandels in diesen Gebieten ,,auf ewige 
Zeit en" und dem sonstigen Alleinhandel zur See und zu Lande auf 15 Jahre 
und die Zollfreiheit in Frankreich fiir 7 Jahre. 

Die neue Gesellschaft sandte im ersten Jahre 300 Handwerker nach 
Kanada und verpflichtete sich, innerhalb 15 Jahre 4000 dort anzusiedeln. 
Die Kolonie nahm einen recht erfreulichen Fortgang, bis sie einen Zusammen- 
stoss mit England hatte. 

Poutrincourt war es namlich 1610 gelungen, sich mit zwei Reedern von 
Dieppe, Dujardin und Duquesne, zu verbinden, welche die Mittel zur Anlegung 
einer Kolonie in Port Royal hergaben und eine Menge Ansiedler hinuber- 
sandten. Poutrincourt, der als Pelzkaufer viele Freunde unter den Indianern 
besass, griindete dort eine Mission: pour Teglise de la nouvelle France. 

Die Jesuiten, welche hier einen neuen Wirkungskreis erkannten, sandten 
sofort zwei Ordensbriider, Pater Biard und Pater Masse, nach Dieppe, 
wo ihnen indessen die hugenottischen Reeder Duquesne und Dujardin die 
Erlaubnis zum Einschiffen verweigerten. 

Der Orden kaufte ihnen daraufhin ihren Anteil an der Unternehmung 
mit 40 ooo Livres ab, und eine gleiche Summe lieh die Marquise de Guercheville, 
die ganz in der Hand der Jesuiten war, dem Poutrincourt zur Ausdehnung 
seiner Handelsunternehmungen. Biard und Masse gingen nach Port Royal, 
wo sie bald Zwietracht saten. Im nachsten Jahre kiindigte die Marquise 
plotzlich dem Poutrincourt das Darlehen, und da er das Geld, welches in den 



28 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Anlagen fest steckte, nicht gleich zahlen konnte, wurde er in Schuldhaft ge- 
worfen, aus der er gebrochen an Korper und Geist herauskam. 

Die Jesuiten riisteten nun im Namen der Marquise de Guercheville, mil 
finanzieller Beteiligung der Konigin und frommer Damen, ein Schiff aus, 
unter dem Befehl des Paters Guilbert de Thet, um ganz Acadie in Besitz zu 
nehmen und daraus ein zweites Paraguay zu machen. Sie errichteten eine 
Ansiedlung St. Sauveur in Pemptegoet, auf evangelischem Gebiete, was 
den Patres in Anbetracht des frommen Z weeks und der giinstigen Lage voll- 
kommen gleichgiiltig schien. 

Kurze Zeit darauf lief ein englisches Fahrzeug unter Befehl Kapitan 
Argyles aus Virginien in den Hafen, und wurde sofort beschossen. Die Eng- 
lander waren aber starker und zerstorten die ganze Ansiedlung. Guilbert de 
Thet fiel im Kampf e, und die ubriggebliebenen Franzosen wurden gef angen 
nach Jamestown in Virginien gebracht und hier als Piraten vor ein Kriegs- 
: gericht gestellt. Zum Tode verurteilt, wurden sie begnadigt, als sie sich er- 
boten, die Englander zu den iibrigen Ansiedlungen in Acadie zu fiihren. Eine 
Expedition unter Fuhrung der Pater Biard und Argal zerstorte darauf Port 
Royal von Grund aus, und schleppte die gesamte Pelzausbeute von dannen. 

Wenige Jahre spater wurde die Provinz von James I. dem Graf en Stirling 
verliehen, der eine Anzahl schottischer Familien dort ansiedelte. Der 1627 
zwischen England und Frankreich ausgebrochene Krieg gab ihm eine er- 
wiinschte Gelegenheit, sein Gebiet auf Kosten Kanadas auszudehnen. Eine 
stattliche Flotte von 18 Schiff en verliess England unter Fuhrung des fran- 
zosischen Hugenotten David Kertk. Tadoussac mit seinen reichen Vorraten 
wurde erobert, die im Hafen liegenden Schiffe der Cent Associes, sowie 
mehrere Transportschiffe unter Admiral Roquemont weggenommen. Quebec 
wurde belagert und musste sich, vom Hunger bezwungen, am 29. Juli 1629 
ergeben. 

Gleichzeitig war auch die Sudhalfte Acadies durch eine englische Ex- 
pedition unter Fuhrung des Hugenotten Claude de la Tour erobert worden. 
Alles dies geschah schon nach dem Friedensschluss von La Rochelle (28. Juni 
1629). Anfanglich war grosse Aufregung in Frankreich, doch trostete man 
sich bald iiber den Verlust ,,de quelques arpents de neige". Richelieu fuhlte 
sich indessen personlich beleidigt, als besonderer Beschiitzer Kanadas und 
Aktionar der Cent Associes. Er sandte eine Flotte unter Admiral Bazilli, um 
Quebec mit Gewalt zuriickzunehmen, worauf England im Vertrag von St. Ger- 
main en Laye ganz Kanada wieder herausgab. 

Louis Kertk, ein Bruder des Admirals, iibergab dem Bevollmachtigten 
der Cent Associes, Mr. De Caen, Quebec in Triimmern liegend, und nahm die 
dort vorgefundenen 9000 Biberfelle mit nach England. 

Das Jahr 1632 war uberhaupt kein sehr giinstiges fur die Kompagnie, 
denn am 13. November wurde sie durch Gerichtsbeschluss verurteilt, den Kauf- 
leuten Marie und Salomon Langlois, Raymond de la Balde, Nicolas Cann, 



2. Kapitel. 2Q> 



David Michel und Paul Languillez 40 ooo Livres Entschadigung zu bezahlen, 
weil sie drei den Vorbenannten gehorige Fahrzeuge beschlagnahmt hatte, 
welche an der Kiiste fischten. Die erste Massregel Champlains nach Wieder- 
iibernahme der Regierung in Kanada war iibrigens die Ausweisung der 
Franziskaner (Peres Recollets), an deren Stelle die Jesuiten jetzt die alleinige 
Seelsorge in der Kolonie ubernahmen. Bald darauf raffle der Tod am 25. De- 
zember 1635 plotzlich den tatkraftigen Gouverneur dahin. 

Acadie war 1632 in drei Provinzen geteilt worden, die an den Admiral 
Bazilli, Etienne Chevalier de la Tour und Monsieur Dennis verliehen wurden. 
1635 starb Bazilli und Chevalier de Charmisey folgte ihm in der Statt- 
halterschaft. 

Dieser wendete hauptsachlich dem Pelzhandel seine Aufmerksamkeit zu,. 
was bald zur unliebsamen Konkurrenz mil de la Tour fuhrte, der gleichfalls- 
ein eifriger Pelzhandler war. Charmisey wandte das altbewahrte franzosische 
Mittel an, sich unangenehme Konkurrenten vom Halse zu schaffen, indem 
er ihn bei Hofe verdachtigte und einen Haftbefehl erwirkte, mit dessen Aus- 
fiihrung er selbst betraut wurde. 

Er belagerte de la Tour in Fort St. Jean, der jedoch entkam und sich 
nach Boston wandte, wo er 80 Amerikaner und 150 Hugenotten aus La Rochelle 
anwarb, und mit deren Hilfe Charmisey zwang, die Belagerung aufzuheben. 
Dieser warb aber seinerseits nun ebenfalls Hilfstruppen unter den Pelzjagern 
Bostons, und belagerte St. Jean zum zweiten Male. Das Fort wurde einge- 
nommen und die ganze Besatzung gehangt, die Pelzausbeute selbstredend 
beschlagnahmt. 

De la Tour selbst gelang es indessen rechtzeitig nach Quebec zu ent- 
kommen, wo er den Pelzhandel im grossen organisierte, und von wo aus seine 
Pelzjager schon 1646 die Hudsonsbay erreichten. 

1651 kehrte er nach dem Tode Charmiseys nach Acadie zuriick, heiratete 

dessen Witwe und gelangte so in Besitz ganz Acadies, da Denis fruher durch 

Hofintriguen ruiniert war. Seine Freude war indessen nicht von langer Dauer. 

1654 eroberten die Englander das Land. De La Tour wusste sich indessen 

in die Verhaltnisse zu schicken, stellte sich unter den Schutz Cromwells, und- 

erlangte gliicklich, dass er Acadie gemeinsam mit Sir Thomas Temple als 

Lehen erhielt. Er verkaufte nun seinen Anteil an Temple, der das Land zu 

hoher Bliite brachte. 1667 kam es aber im Frieden zu Breda wieder an Frank- 

reich, das den Ruin des Landes geradezu systematisch betrieb. 

Auch in Kanada gab es teilweise triibe Zeiten. 

Die Nachfolger Champlains in der President schaft hatten eine bose Erb- 
schaft angetreten. Die Irokesen mit deren 5 Nationen, Mohawks, Oneidas, 
Cajugas, Onondagas und Senequas, sich auch noch die Delawaren verbiindet 
hatten, fuhrten einen wilden Rachekrieg gegen die Huronen und die mit diesen 
verbiindeten Franzosen. Mehrmals drangen die wilden Horden bis unter die 
Mauern von Quebec, und die Skalpe vieler Ansiedler zierten die Wigwams der 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



roten Krieger, Mehr als ein Jahrhundert dauerte dieser Kriegszustand, der 
erst mit der Vernichtung der Irokesen sein Ende fand. 

Dies hinderte aber nicht, dass die Ansiedler unaufhaltsam weiter nach 
dem Innern vorriickten. 1642 griindete Clomigny de Marseneuve die Stadt 
Montreal neben dem gleichnamigen Fort, die sich bald durch ihre giinstige 
Lage zum Hauptemporium des Pelzhandels aufschwang. In jedem Friihjahr 
entwickelte sich unter den Mauern dieser Stadt ein grossartiger Markt. 

Tausende von Indianern war en auf dem Wasserwege in ihren leichten 
Birkenrindenkanoes von den weitesten Entfermmgen her eingetroffen und 
tauschten die erbeuteten Felle gegen die Produkte der Zivilisation ein, die 
sie dann mit in ihre feme Heimat brachten. Hierhin folgten ihnen bald unter- 
nehmende Manner, die Coureur du bois, eine eigenartige Menschenklasse, auf 
die ich spater naher zuriickkomme. Die alternde ,,Compagnie des Cent 
associes", durch keine Konkurrenz angespornt, hielt es fiir bequemer, in ihren 
Kontoren Tadoussac und Trois Rivieres zu bleiben und den Montrealhandel 
den dortigen Kaufleuten zu iiberlassen. Allerdings mussten ihnen diese die 
gesammelte Pelzausbeute verkaafen, da die Kompagnie das alleinige Verkaufs- 
recht hatte. 

Gouverneur d'Argenson griindete 1659 eine Gesellschaft fiir den Pelz- 
handel mit dem Innern, die aber unter seinem Nachfolger d'Avancour in Streit 
mit dem Erzbischof von Kanada geriet. 

Avancour, welcher die Rechte der Gesellschaft aufs energischste vertrat, 
wurde exkommuniziert und schliesslich abberufen. Die Compagnie des Cent 
associes, die durch innere Zwistigkeiten auf 45 Teilnehmer herabgesunken 
war, geriet schliesslich durch ihre unfahigen Operationen, bei denen sie stets 
auf ihr Monopol pochte, in finanzielle Verlegenheiten und trat 1662 alle ihre 
Rechte an die Krone ab. Der Konig verlieh das Privilegium einer neu er- 
richteten, machtigen Gesellschaft, der ,, Compagnie des Indes occidentales", 
die viel zur Hebung des Landes zu tun versprach. 1665 wurde der Marquis 
de Tracey zum Vizekonig von Kanada ernannt und unter ihm, unterstiitzt 
von seinem Intendanten Talon, und Colbert, dem grossten Staatsmanne, den 
Frankreich je besessen, begann eine neueEpoche der Bliite fiir die armeKolonie, 
die unter dem Aussaugungssystem der Monopolwirtschaft schwer gelitten 
hatte. Vor allem fehlte es an Handen, um das Land zu bebauen, da fast alle 
Einwanderer sich dem weit eintraglicheren Pelzhandel zuwandten. Diesem 
Mangel wurde jetzt abgeholfen. Das ganze Regiment Carignan, 22 Kompagnien 
a 200 Mann stark, wurde nach Kanada geschickt und dort angesiedelt. Da 
es in dem jungen Lande naturgemass an Frauen fehlte, wurden mehrere hundert 
jener Damen, die auf den Strassen von Paris dem Kultus der Venus vulgivaga 
huldigten, dorthin gesandt, an die Soldaten veriest und die jungen Paare 
gleich getraut. Das Land wurde in ,,Seigneuries" und diese wieder in ,,fermes" 
von je 90 Morgen eingeteilt. Jeder Offizier erhielt eine Seigneurie und jeder 
Soldat eine Ferme als Lehen, wofiir 2 Sou pro Acre und Jahr als Grundrente 



2. Kapitel. 



zu zahlen war. Ein regelrechtes Feudalsystem wurde emgefiihrt, dessen Reste 
sich noch bis zum Jahre 1854 erhielten. Auch die Industrie des Landes.ent- 
wickelte sich. Talon legte Schneidemiihlen und Gerbereien an, liess die Eisen- 
minen von Gaspe bearbeiten, errichtete Seehunds- und Weisswalfischereien 
und sorgte fiir eine regel- 
massige Schiffsverbin- 
dung mit Madeira und 
den Antillen, was den 
Export der Landespro- 
dukte sehr forderte. 

1665 richtete Talon 
eine Denkschrift an den 
Konig, in welcher er mit 
grosser Klarheit die Man- 
gel des bisherigen Kolo- 
nialsystems nachwies und 
um Aufhebung des Mono- 
pols bat, aber erst 1668 
gelang es seinen und 
Colberts Bemiihungen, 
diesen fiir die Hebung 
Kanadas so wichtigen 
Schritt durchzusetzen. 

Die Compagnie des 
Indes occidentales verier 
die Alleinhandelsrechte, 
doch blieb ihr der Han- 
delspostenTadoussac und 
das Recht des Vierten 
von alien ausgefuhrten 
Biberfellen und des Zehn- 
ten von alien Elenn- 
hauten (origenals). Alle 
iibrigen Rauchwaren wa- 
ren frei. Der Handel 
nach dem Innern war 
langst der schwerfalligen Gesellschaft aus den Handen gewunden. 

Viele Abenteurer, teilweise den hochsten Standen angehorig, die nach 
Kanada gestromt waren, ergriffen hier den Pelzhandel. Das damit ver- 
bundene freie Leben, der Kampf mit den Hindernissen der Natur und der 
grosse Gewinn iibten einen unwiderstehlichen Reiz aus. Sie schlossen sich 
den Indianern an und drangen, den Wasserlaufen folgend, bis tief in das 
geheimnisvolle Innere des Landes ein, .oft an Stellen, die noch nie vor ihnen 




Franzosischer Waldlaufer im 17. Jahrhundert. 



02 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

der Fuss eines Europaers betreten hatte. Mil reicher Beute beladen kehrten 
sie dann nach den Stapelplatzen Montreal und Troisrivieres zuriick, wo der 
erzielte Gewinn in kurzer Zeit in den langentbehrten Geniissen der Zivilisation 
verjubelt wurde. Vorziigliche Jager, unermiidliche Ruderer und ausgezeichnete 
Fallensteller, bildeten diese ,,Coureurs du bois" noch bis zur Mitte des neun- 
zehnten Jahrhunderts die charakteristischste Menschenklasse Kanadas. 

Die Geistlichkeit, die den bosen Einfluss der lockeren Gesellen auf die 
,,unschuldigen Kinder der Natur", die Indianer, furchtete, und die vielleicht 
auch annahm, dass der von ihnen selbst auf den Missionen betriebene Pelz- 
handel den Bediirfnissen der Indianer geniige, setzte alle Hebel in Bewegung, 
damit der Pelzhandel alien Beschrankungen, welche die darin so erfinderische 
franzosische Handelspolitik kannte, unterworfen wurde. 

Es wurden Erlaubnisscheine zum Handel mil dem Innern ausgegeben, 
sogenannte Congees", und nur an arme, verdiente Edelleute, alte Offiziere 
und deren Witwen erteilt mit dem Recht der Weiterverausserung. Ohne 
einen solchen Erlaubnisschein das Indianergebiet zu betreten, war bei Todes- 
strafe verboten, Jeder ,, Congee" gait fiir zwei grosse, beladene Kanoes 
und zahlten die kanadischen Kaufleute zur Zeit der hochsten Bliite ihres 
Handels (1650 1700) zirka 3000 Franks fiir einen solchen Schein. Bei dem 
hohen Werte des Geldes damals eine sehr hohe Summe, die etwa dem zehn- 
fachen Betrage heute entsprechen wiirde. Trotzdem war das Geschaft ein 
sehr gewinnbringendes. Der Kaufmann, der einen Congee gekauft hatte, 
warb 6 Waldlaufer an, denen er fiir 5000 Franks Waren mitgab. Nach etwa 
Jahresfrist kehrten sie gewohnlich zuriick mit durchschnittlich 40 Pack 
a 100 Biberfellen, die im Bureau der Kompagnie etwa 40 ooo Franks Wert 
hatten. Nach Abzug der Kosten fiir den Congee und die Waren blieben immer 
noch 32 ooo Franks Nutzen, von denen der Kaufmann 40 Proz., die Wald- 
laufer 60 Proz. erhielten. Der Kaufmann verdiente ausserdem noch erheblich 
an der .Differenz der Biberpreise zwischen Montreal und Quebec und am 
Wechselkurs auf Frankreich. 

Alle Biberfelle mussten im Kontor der jeweilig regierenden Kompagnie 
in Kanada abgeliefert werden, die anfanglich den festen Durchschnittspreis 
von 414 Franks per Pfund zahlte, spaterhin aber in verschiedene Sorten ein- 
teilte, die zu verschiedenen Preisen bezahlt wurden. 

Am teuersten waren die ganz weissen, welche damals in Kanada 18 Franks 
per Pfund erzielten. (Jetzt sind dieselben noch viel seltener geworden, und 
habe ich unter etwa % Million Biberfellen nur zwei weisse gesehen.) Dann 
kamen die feinen schwarzen ,, Castor de Moskowie", die schon damals zur 
Pelzwerkbereitung nach Russland gingen und 6 Franks per Pfund kosteten. 
Alle iibrigen Sorten, bei weitem die Mehrheit, dienten zur Filzhutfabrikation. 

Hiervon war die erste Sorte die ,, Castor gras", die von den Indianern 
schon so lange getragen waren, dass die Grannenhaare ausgefallen waren und 
die Wolle ganz mit Fett getrankt war. Diese brachten 4% bis 5 Franks per 



2. Kapitel. 



Pfund. (Etwaiger lebender Inhalt wurde nicht extra berechnet !) Dann folgten 
die ,, Castor demi gras", die noch nicht so lange getragen waren und 3% Franks 
kosteten, und schliesslich die frischen Felle, ,, Castor sec", die mit 2% Franks 
bezahlt wurden. 

Die Englander in Boston und New York bezahlten weit hohere Preise, als 
die Kontore der Gesellschaft in Kanada, die oft auch nicht einmal alle ge- 
brachten Felle annahmen und allerhand bureaukratische Scherereien und 
Formalitaten verursachten. Es bildete sich daher allmahlich ein streng 
verbotener Schleichhandel nach dem englischen Gebiete aus, an dem sich 
nicht nur die Kaufleute, sondern auch die Jesuiten und nach Angabe des Pater 
Lahontan selbst der Gouverneur des Landes, de Barre, lebhaft beteiligten. 

Waldlaufer, Missionare und Kaufleute, die als Kulturtrager in die Wildnis 
drangen, breiteten den franzosischen Einfluss immer weiter aus. 

Bereits 1656 war ein unternehmender Quebecker Kaufmann, Jean 
Bourdon, in einem kleinen Segelfahrzeug von 30 Tonnen die Kiiste Labradors 
entlangfahrend, bis zum Grunde der Hudsonsbay vorgedrungen, wo er mit 
den herbeigestromten Indianern einen sehr lukrativen Handel trieb, in kurzer 
Zeit sein Schiff mit Rauchwaren zu fallen vermochte und mit sehr reichem 
Gewinn zuriickkehren konnte. Sein Beispiel fand indessen keine Nachahmer. 
Seine Landsleute zogen die Fahrt auf den Binnengewassern dem Kampf mit 
den Eisschollen des rauhen Nordens vor. 

Die Sache war schon halb vergessen, da erschien eine feierliche Deputation 
der Indianer von der Hudsonsbay, die in ihren leichten Kanoes auf dem Fluss- 
wege gekommen war, vor Quebec, mit der Bitte, ihnen doch einige Franzosen 
zum Ankniipfen von Handelsverbindungen mitzugeben. 

Der Gouverneur d' Argenson schickte bereitwilligst den Jesuit enpater Dablo 
den Edelmann Sieur de la Vallerie, begleitet von den Waldlaufern Denis 
Guyon, Desprez la Couture und Francois Pelletier, zu Lande den Saguenay 
hinauf. Allein die Expedition wurde von ihren Fiihrern unterwegs verlassen 
und kehrte unverrichteter Sache nach Quebec zuriick. 

1663 erschien eine neue Deputation, und auf ihre dringende Bitte ent- 
schloss sich der neue Gouverneur d'Avancour, den Waldlaufer La Couture 
mit fiinf Gefahrten in ihrer Begleitung mitzusenden. Dieselben gelangten 
auch glucklich bis andasllfer der Hudsonsbay und nahmen nach alt be wahrter 
Sitte feierlich vom Lande im Namen Frankreichs Besitz, unbekiimmert darum, 
dass dies schon verschiedene Male von anderen Nationen geschehen war. 
Dann kehrten sie, mit Pelzwerk reich beladen, zuriick. 

Es ist nicht ganz festgestellt, ob die hugenottischen Waldlaufer Medard 
Chouart de Grosseillier (nach anderer Schreibweise Groiselez) und Pierre Esprit 
de Radisson an dieser Expedition teilgenommen, oder ob sie den Pelzreichtum 
des Hudsonsbay- Gebietes bereits auf ihren selbst andig unternommenen 
Fahrten entdeckt hatten. 

3 



OA II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Fest steht nur, dass sie kurz darauf den Versuch machten, in Kanada 
eine Gesellschaft zur Ausbeute des Hudsonsbay-Gebieteszustande zu bringen. 

Allein vergebens. In Kanada war gerade damals ziemlicher Kapital- 
mangel, so dass die beiden keinen Erfolg hatten und sich deshalb nach Frank- 
reich wendeten. Aber auch hier hatten sie kein Gliick. ,,Les affaires de 
Canada" waren nicht mehr Mode, und namentlich in den tonangebenden 
Hof- und Adelskreisen hatte man langst Interesse und Verstandnis fur 
koloniale Unternehmungen verloren. Die beiden Waldlaufer fanden iiberall 
verschlossene Tiiren und Taschen. 

Nur der Herzog von Montague horte sie wenigstens an und gab ihnen 
den Rat, sich nach England zu wenden, wohin er ihnen Empfehlungsbriefe 
an den Prinzen Rupert, den Onkel Charles II., mitgab, der an der Forderung 
der maritimen Grosse und kolonialen Ausdehnung seines Vaterlandes hervor- 
ragenden Anteil nahm. 

Grosseillier und sein Schwager Radisson wurden mit Warme empfangen 
und trat man ihren Planen naher. 



Doch nun mussen wir etwas zuriickgreifen, um zu sehen, was die Eng- 
lander in der Zwischenzeit im Norden Amerikas unternommen hatten. Denn 
wahrend die Franzosen ihre Herrschaft in Kanada ausdehnten, waren die 
Englander auch nicht miissig geblieben. 

Im Jahre 1548 war der alte Seeheld, Sebastian Cabot, der inzwischen 
in spanischen Diensten viele Fahrten nach Sud-Amerika gemacht und zum 
Grosspiloten von Spanien ernannt war, nach England zuriickgekehrt, wo ihm 
Edward VI. ein Gnadengehalt von 166 Lstr. 12 s 4 d bewilligte. 

Bis dahin hatte die Hansa den gesamten englischen Aussenhandel be- 
herrscht. Jetzt aber war die Macht im Sinken, und Cabot schien die Zeit ge- 
kommen, um das verhasste Joch abzuschiitteln. Er griindete eine grosse 
Handelsgesellschaft, in welcher Adel und Kaufmannschaft ziemlich gleich- 
massig vertreten war, und an deren Spitze William Marquis of Winchester 
und Henry Earl of Arundel traten. Am 6. Februar 1554 erhielten sie von 
Philipp und Mary einen Charter als Merchants aduenturers of Englande for 
the Discouery of Lands, territories Islands dominions and Seignories unknown, 
Sebastian Cabot gouernor". 

1566 erteilte ihnen Elisabeth einen neuen Charter mit weitgehenden 
Privilegien als ,, Fellowship of english merchants for the discouery of new 
trades". 

Im Volksmund hiess die Gesellschaft einfach die Muskoviy Company, 
da sie hauptsachlich den Handel nach Russland und von da aus nach Asien 
betrieb. 

Die erste unter Hugh Willoughby und Richard Chancellor in den drei 
kleinen Schiffen Bona Esperanza, Bona ventura und Bona Confidentia von 



2. Kapitel. 



35 




Sir Hugh Willoughby. 

Gravesend ausgelaufene Expedition sollte einen neuen Seeweg zu den Schatzen 
,,Cathais und Zipangus" (China und Japan) im Nordosten suchen, kam aber 
nicht soweit. Bei der Uberwinterung in Lappland erfror Willoughby mit 
seiner ganzen Mannschaft, wahrend Chancellor, vom Sturm verschlagen, an 
der russischen Kiiste landete, nach Nowgorod (nicht zu verwechseln mit 
Nischny Nowgorod) kam und hier mit dem russischen Zaren einen Handels- 
vertrag schloss. 

3* 



o6 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Im nachsten Jahre errichtete die Company dort eine standige Nieder- 
lassung, hauptsachlich zum Pelzhandelsbetrieb und machte der alternden 
Hansa gewaltige Konkurrenz. 

1676 unternahm der Seemann Martin Frobisher einen Versuch, auch im 
Nordwesten ahnliche Handelsgebiete zu erschliessen und dabei auch die nord- 
westliche Durchfahrt nach China zu suchen. Er verliess Blackwall in der 
Barke Michael von 25 Tonnen, Gabriel von 20 Tonnen und einer Pinasse von 
10 Tonnen, und entdeckte die Siidspitze Gronlands, fand eine tief einge- 
schnittene Strasse, ,,Frobishers Streyte" und ein Land, ,, Queens Elisabeth 
Foreland". 

Hier trat der kuhne Seefahrer mit den Eskimos in Verbindung, erhielt 
von ihnen eine Anzahl schoner Felle und anderes und trat den Riickweg an. 
Unter den mitgebrachten Gegenstanden fand man ein schwarzes, kohlen- 
artiges Erz, von dem zwar die meisten Goldschmiede erklarten, dass es wertlos 
sei, wahrend aber der Italiener Joan Baptista Agnello behauptete, dass es 
reichen Goldgehalt habe und 30 Lstr. fur die Tonne bot. 

Es wurde eine Gesellschaft, die ,, Cathay Company", unter Fuhrung des 
Kaufmanns Locke gebildet, an der sich die Konigin mit 1000 Lstr. und 38 an- 
dereTeilnehmer, dem hochsten Adel angehorig, mit Beitragen von 50 200 Lstr. 
beteiligten. Dem ,, Michael" und ,, Gabriel" wurde diesmal noch das Kriegs- 
schiff ,,Ayde" von 180 Tonnen beigegeben. 

Am 26. Mai war man von Blackwall aufgebrochen und erreichte am 
16. Juli Queen Elisabeth Foreland. Auf einer Anhohe der benachbarten 
Halbinsel, dem Mount Warwick, wurde ein hohes Kreuz errichtet und vom 
Lande feierlich Besitz ergriffen. Auch wurde noch Jackman Sound und Smith 
Island entdeckt, von wo ein Unicorne (Narwalshorn) als grosses Wertobjekt 
mitgenommen wurde, das sich noch heute in der Juwelenkammer des Tower 
befindet. 

Auf alien Inseln wurde reichlich Erz gefunden und mit voller Ladung 
der Riickweg angetreten. Am Yorksund wurden noch den Eskimos Felle 
und Boote geraubt und in dem darauf sich entspinnenden Kampfe eine 
Anzahl derselben getotet und andere gefangen mit nach England gefiihrt. 
Das mitgebrachte Erz soil 10 Unzen Gold und 60 Unzen Silber enthalten 
haben. 

Nunmehr sollte die Ausbeutung des neuentdeckten Landes der ,,Meta 
incognita" im grossen ins Werk gesetzt werden. Die Chathay Company 
st elite 10 Schiffe, wahrend 6 andere Fahrzeuge von den kaufmannischen 
Korporationen von Ipswich, Exeter, Bridgewater und Weymouth gestellt 
wurden. 

Am 27. Mai verliess diese machtige Flotte Harwich. Zunachst wurde 
in Siid-Gronland gelandet und dies als ,, West-England" in Besitz ge- 
nommen, dann erreichte man am 2. Juli Frobisher Strasse. Reiche Minen 
auf Countess of Sussex Island und auf Winterers Furnace wurden in Angriff 



2. Kapitel. 



genommen und alle Schiffe mit Erz beladen. Leider stellte sich dasselbe bei 
der Riickkehr als ganz wertlos heraus. Die Chathay Company machte Ban- 
kerott, Michael Lock und Frobisher sollen im Schuldgefangnis gestorben sein. 

1583 erhielt Sir Humphrey Gilbert ein Privilegium zur Besiedelung 
Amerikas und riistete mit Beihilfe seines Stiefbruders Sir Walter Raleigh eine 
Expedition aus, bestehend aus ,,The Delight", 120 Tons, ,,The Raleigh", 
200 Tons, ,,Goldenhinde", 40 Tons, ,, Swallow", 40 Tons und ,, Squirrel", 
10 Tons, mit zusammen 260 Mann Besatzung, darunter viele Handwerker. 

Der ,, Raleigh" musste bald umkehren, da eine Epidemic an Bord aus- 
brach. Der ,, Swallow" wurde verschlagen und beschaftigte sich mit Seeraub. 
Der Rest erreichte Neufundland und nahm feierlich vom Lande Besitz. Von 
da aus ging die Fahrt nach Suden iiber Kap Breton, Isle Sablon und Kap Ras, 
wo der ,, Delight" strandete und iiber 100 Mann ertranken, darunter der 
ungarische Gelehrte Budaeus. ,,Goldenhinde" und ,, Squirrel" traten die 
Heimreise an, doch wurde kurz vor Erreichen der englischen Kiiste der 
,, Squirrel" von den Wogen verschlungen, wobei General Sir Humphrey Gilbert 
ertrank. Nur die ,,Goldenhinde" erreichte wohlbehalten Falmouth. 

Sir Walter Raleigh liess sich Gilberts Patent iibertragen und besiedelte 
dann Virginien. Die verschiedenen Reisen der 1585 gegriindeten ,, Company 
of aduenturers for the discouery of North westpassage" kommen hier nicht 
in Betracht, doch wurden in den nachsten Jahren eine Reihe von Fahrten 
des Pelzhandels halber unternommen. So segelte 1591 die Bark ,,Bonaventura" 
nach Neufundland und erlegte dort 1500 Walrosse, 1593 trieb die Bark 
,, Marigold" von Falmouth Pelzhandel bei Kap Breton, 1594 befuhr zu gleichem 
Zweck die Bark ,, Grace" von Bristol den St. Lorenzstrom, und 1597 gingen 
die Schiffe ,,Hopewell" und ,,Chance\ve]l" von Dartmouth nach Kanada und 
kehrten mit reicher Pelzladung zuriick. 

Nach Charlevoix soil 1591 ein Dane namens Anschield die Hudsonsbay 
besucht haben, doch erscheint dies etwas problematisch, da kein anderer 
Schriftsteller der damaligen Zeit etwas davon erwahnt. Dass den Portugiesen 
die Hudsonsbay genau bekannt war, habe ich schon fruher erwahnt. 

1601 beschloss auch die ostindische Kompagnie, wie sie damals hiess, 
,,The worshipfull fellowship of the Merchants of London trading unto the 
Eastindies", sich an den Fahrten zur Entdeckung der nordwestlichen Durch- 
fahrt zu beteiligen und am 2. Mai den Kapitan Georg Weymouth in den 
Flyboats ,,Discovery" von 50 Tonnen und ,,Goodspeed" von 40 Tonnen ab- 
zusenden. Weymouth erreichte auch die Hudsonstrasse, musste aber infolge 
einer von dem Prediger Cartwright angezettelten Meuterei wieder umkehren. 

Noch ungliicklicher verlief eine Expedition, welche die Ostindische Kom- 
pagnie in Gemeinschaft mit der Company der Merchant aduenturers for the 
discovery of new trades unter John Knight 1606 in der Pinasse ,,Hopewell" 
von 40 Tonnen aussandte. Der ,,Hopewell" musste, vom Sturm beschadigt, 
an der Labradorkiiste vor dem Eisgange Schutz suchen. Knight verliess, be- 



og TI. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

gleitet vom Steuermann Gorill und drei Matrosen, das Schiff, urn die Umgegend 
zu erforschen und blieb verschollen. Die Eintragung des zweiten Steuer- 
manns William Browne im Logbuch lautet einfach: ,,Sie gin gen iiber einen 
Hugel und wurden nicht wieder gesehn." Einige Tage darauf wurden die 
Zuriickgebliebenen von Indianern iiberfalle. Es gelang ihnen indessen, den 
Angriff zuriickzuschlagen und mit dem stark beschadigten Schiffe Neufund- 
land zu erreichen. 

1607 legte der Seemann Henry Hudson der Muscovy Company den Plan 
vor, das von dem in Sevilla wohnenden Bristoler Kaufmann Robert Thorne 
bereits 1527 aufgestellte Schema auszufuhren und direkt iiber den Nordpol 
nach China zu segeln, und erreichte 1607 auf diesem Wege zwischen Gron- 
land und Spitzbergen den 81. Grad nordlicher Breite, wobei er die Insel 
Jan Mayen entdeckte, die er Hudson Touches nannte. Spater stiitzte darauf 
die Muskovy Company ihren Anspruch auf das Recht der Fischerei etc., das 
von den Hollandern ausschliesslich beansprucht wai. 

1608 ging er in einem kleinen Fahrzeuge mit n Matrosen wieder in See, 
erreichte Nowaja Semlja, wo eine Eisbarriere weiteres Vordringen hinderte. 
Er wandte sich dann nach Slid west en und erreichte Lumleys Inlet, das nach 
ihm den Namen Hudsonstrasse erhielt. Der vorgeriickten Jahreszeit halber 
kehrte er nach England zuriick, wo er aber vorlaufig keine weitere Be- 
schaftigung fand und deshalb gezwungen war, sich nach einer anderenStellung 
umzusehen, was ihm auch gelang und zu wichtigen Resultaten fuhrte, unter 
anderem zur Erreichung des nach ihm benannten Flusses, als dessen Entdecker 
er falschlich gilt. Die Cortoreales hatten von Portugal aus bereits im Jahre 
1501 den nachmals nach Hudson benannten Fluss befahren, ebenso der 
Florentiner Jean Verrazano, im Dienste des Konigs Franz I. von Frankreich, 
der den Fluss in seinem Schiffe ,, Dauphin" weit hinauffuhr. Im selben 
Jahre befuhr auch der Portugiese Estevan Gomez in einer kleinen Karavelle 
von 50 Tonnen fur Rechnung des Konigs von Portugal und mehreren por- 
tugiesischen Kaufleuten die Kiisten Nordamerikas und untersuchte die 
Gegend am Hudson River aufs eingehendste. Auf einer 1579 von Ribero 
gezeichneten Karte steht ein Kiistengebiet, welches die jetzigen Staaten 
Maryland, Newyersey, Newyork und Rhode Island als ,,Land des Estevan 
Gomez" bezeichnet, auf welchem auch das Hudsons Rives genau aufge- 
zeichnet ist. 

Die Expedition des Estevan Gomez, die ja hauptsachlich, wie alle da- 
maligen Entdeckungsreisen, zur Entdeckung der westlichen Durchfahrt und 
zur Erforschung des Seeweges nach Ostindien unternommen worden war, 
ist iibrigens durch einen eigenartigen Zwischenfall sehr bekannt ge worden. 
Auf dem 40. oder 41. Grad nordlicher Breite wurde ein Fest gegeben, zu dem 
alle Eingeborenen geladen waren, die kommen wollten. Sie wurden dann be- 
trunken gemacht, und ehe sie von ihrem Rausche erwachten, war das Schiff 
auf hoher See, und die Indianer in Ketten unter Deck. Als das Schiff dann 



2. Kapitel. 



in dem Tajo einlief, wurde es bekannt, dass es eine Ladung ,,esclavos cc an 
Bord hatte. Die nach Lissabon gesandten Boote berichteten aber von einer 
Ladung ,,clavos" (Gewiirznelken), und so wurde er bei seinem Einlaufen in 
den Hafen als Ent decker des neuen Seeweges nach Indien begriisst. 

Die Portugiesen hatten iibrigens genaue Kenntnis der nordamerikanischen 
Kiiste, sowohl der 1530 veroffentlichten Planisphere von Sebastian, Cabot, 
wie die Karten von Abraham Ortelius, Hessel Geritz, Peter Planicius, Gerhard 
Mercator und andere zeigen, die Gegend vor der Zeit Hudsons ziemlich genau 
bis hinauf zur Hudsonstrasse. Portugiesische Karten des 16. Jahrhunderts 
sollen aber noch viel mehr Einzelheiten enthalten. Auch die Spanier besassen 
genaue Kenntnis des Flusses. Auf den spanischen Karten und Segelhand- 
biichern der damaligen Zeit ist der Hudson River als Rio de Gomar einge- 
zeichnet, als eine der Stationen auf dem Wege zwischen Veracruz und den 
Neufundlandsbanken, wohin die Fahrzeuge zum Kabeljaufang gingen und 
mit Vorliebe langs der Kiiste fuhren. Im iibrigen Europa wusste man aber 
wenig von den Entdeckungen, und der grosse englische Geograph Hakluyt, 
dem ebenso wie seinem Nachfolger Purchas, Hudson seinen Entdeckungsruhm 
verdankt, kannten die Resultate dieser spanischen und portugiesischen Fahrten 
gar nicht. 

Der Kampf Spaniens gegen die Niederlande, der ja namentlich in den 
belgischen Provinzen tobte, hatte zahlreiche Kaufleute und Gelehrte zur 
Flucht nach den nordlichen oder hollandischen Provinzen, die ja damals in 
allgemeiner Kultur hinter Platzen wie Antwerpen, Brugge, Genf zuriick- 
standen, genotigt. Durch diesen Zustrom geistiger und finanzieller Krafte 
nahm Amsterdam einen grossen Aufschwung. So hatte sich auch ein Ant- 
werpener Kaufmann, Balthasar von Moucheron, der hauptsachlich mit Russ- 
land Handel trieb, auf Middelburg in Seeland niedergelassen. 

1564 war ein Abenteurer, Oliver Brunell, der, wahrend er in schwedischen 
Diensten von den Russen gefangen genommen und dann fur die englische 
Muscovy-Company die ganze Kiiste von der Petschora bis zum Ob besucht 
hatte, nach der Stadt Enchhuysen in West-Friesland gekommen und 
hier die Aufmerksamkeit einflussseicher Leute auf den Handel mit Russland 
an der sibirischen Kiiste gelenkt. Namentlich Jacob Valk, der Schatzmeister 
der Stadt, Dr. Francis Maelson, der Syndikus, sowie der Indienfahrer Hugh 
von Linschoten nahmen grosses Interesse daran. Ein anderer belgischer 
Emigrant, Peter Plancius, ein grosser Kosmograph, begriindete gleichzeitig 
in Amsterdam eine Seemannsschule, in der auch Willem Barents und Jacob 
von Hemskerk, die beriihrnten hollandischen Seefahrer, ausgebildet wurden. 
1594 nun nahmen die Plane dieser Manner eine greifbare Gestalt an, eine 
Expedition zur Entdeckung der nordostlichen Durchfahrt nach Cathay und 
Cipangu (China und Japan) wurde ausgeriistet. Der Moucheron und seine 
Freunde rust et en eine Anzahl Fahrzeuge aus. Von Ter Ver in Seeland ging 
der ,,Schwan", von Enchhuysen der ,,Mercur". Beide Fahrzeuge wurden 



40 II. Geschichte des Ranch warenhandels in Nordamerika. 

von Enchhuysen - Leuten bemannt und kommandiert. Den ,,Schwan" 
fiihrte Cornelius Nai und Peter Strickbolle, Supercargo war Francios 
de la Dale. An Bord des ,,Mercur" war Boiant Tetgales Kapitan, Clas 
Cornelizoon Steuermann und Hugh von Linschoten ,,Koopmann" oder Super- 




Schiffe der Hollandisch-Ostindischen Matschappy auf der Fahrt 
nach Amerika. 

cargo. Auf Betreiben von Peter Plancius riisteten die Amsterdamer Kauf- 
leute das Schiff ,,Die Hoffnung", sowie eine einfache Fischerschaluppe aus 
und stellten sie unter dem Befehl des Willem Barents, um sich dieser Expedition 
anzuschliessen. Die Expedition kehrte unverrichteter Sache aus der Karasee 
heim, nachdem Barents ganz Nowaja Semlja umschifft hatte. Im nachsten 
Jahre gingen zwei Schiffe von Amsterdam, zwei von Seeland, zwei von Ench- 
huysen und eins von Rotterdam mit Regierungsunterstiitzung aus, um nach 
Nordosten zu gehen, aber vergeblich, sie mussten an der Karasee umkehren. 
Moucheron und die Enchhuysen-Leute gaben nun die Sache auf, doch 
riistete Amsterdam zwei Schiffe unter Jacob Hemskerk und Willem Barents 
aus, wahrend die Regierung der Generalstaaten eine hohe Belohnung fur die 
Erreichung der nordostlichen Durchfahrt aussetzte. Diese Reise, die Ent- 
deckung Spitzbergens, die Uberwinterung der Mannschaft auf Nowaja Semlja, 
Barents Tod und die Riickkehr der Expedition unter Jacob von Hemskerk 
ist ja bekannt. Die Nachricht aber iiber den gewaltigen Reichtum dieser 
arktischen Gegend an Walen, Walrossen, Seehunden, Eisbaren etc. brachte 
nun regelmassig ganze Flo t ten von Fangs chif fen nach dieser Gegend, und 
Holland war lange Zeit der Mittelpunkt des Handels mit Tran, Walross- 
zahnen, Fellen von Eisbaren, Weissfuchsen und Blaufuchsen etc. 



2. Kapitel. 41 



Die Fahrten zur Entdeckung der nordostlichen Durchfahrt wurden aber 
vorlaufig aufgegeben, da Houtmann mit einer reich beladenen hollandi- 
schen Flotte von Ostindien zuriickgekehrt war, und die Niederlander jetzt 
den Spaniern zur See gewachsen war en. Wurde doch 1607 bei Gibraltar eine 
spanische Flotte von der hollandischen unter Jacob von Hemskerk vollkommen 
vernichtet. 

1602 wurde die hollandisch-ostindische Matschappy von John Olden- 
barn eveld begriindet, welche das Privileg des Handels mit Indien um das 
Kap der gut en Hoffnung herum erhielt. Die Niederlande waren damals in 
zwei politische Parteien zer fallen. Oldenbarneveld und Hugo Grotius standen 
an der Spitze der einen, der sogenannten Friedenspartei oder der Republikaner, 
hauptsachlich aus hollandischen Interessenten bestehend, die andere war 
die Partei der belgischen Emigranten, auf deren Seite die calvinistische 
Geistlichkeit, das niedere Volk und Moritz von Oranien stand, und welche 
die Calvinisten oder die Partei Oranien genannt wurde. 

Leute, wie Peter Plancius und William Usselinx, gehorten der Calvinisten- 
partei an. Diese fasste die Idee, die Spanier auch aus den amerikanischen 
Gewassern zu vertreiben, und zu diesem Zwecke eine westindische Kompagnie 
zu begriinden, um so mehr, als Oldenbarneveld die samtlichen Direktorstellen 
und einflussreichen Post en der Ostindischen Kompagnie mit seinen Leuten 
besetzt hatte. 

Auf Veranlassung der hollandischen Ostindischen Kompagnie kam Hudson 
Ende 1608 nach Holland, um der Gesellschaft einen Plan zu unterbreiten zur 
Erforschung einer nordostlichen Durchfahrt nach China. Oldenbarneveld 
und die Gesellschafter lehnten aber vorlaufig diese Vorschlage ab und stellten 
nur eine 1610 zu unternehmende Expedition in Aussicht. Jetzt setzten aber 
die belgischen Interessenten ein, namentlich Peter Plancius interessierte sich 
sehr fur die Expedition, ebenso ein reicher Kaufmann, Le Maire, und der fran- 
zosische Gesandte Jeannin, der davon Nachricht erhielt, unter breitete Henry IV. 
von Frankreich einen Vorschlag, eine von Le Maire und Peter Plancius ge- 
griindete Gesellschaft mit Geldmitteln und eventuell auch Mannschaften zu 
unterstiitzen und Hudson an die Spitze einer auszusendenden Expedition zu 
stellen. Auch Usselinx beteiligte sich an den Verhandlungen. Diese begannen 
Januar 1609 eine greifbare Gestalt anzunehmen, da erfuhr die Ostindische 
Kompagnie von diesen Massnahmen ihrer Konkurrenten und beschloss nun 
so fort Hudson in ihren Dienst zu nehmen. Diese Ostindische Kompagnie war 
aber ganz eigenartig zusammengesetzt. Jede der Kiistenprovinzen bildete 
eine Kammer mit einigen Direktoren, aus denen dann 17 Direktoren oder 
,,Bewind hebbers" fur die Zentralleitung erwahlt wurden. Jede Kammer 
handelte aber ziemlich selbstandig. Es kam zu Streitigkeiten, und lehnte 
namentlich die Seeland- Kammer ab, sich an dem Unternehmen zu beteiligen. 
Die Amsterdamer Kammer beschloss deshalb, auch ohne die Unterstiitzung 
der anderen Kammern Hudson die Fiihrung einer Expedition zu iiber- 



42 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



tragen, um einen Seeweg, sei es im Nordosten oder Nordwesten, nach China 
zu finden. 

Es wurden ihm zwei Fahrzeuge anvertraut, der ,, Halve Maan" und die 
,,Gute Hoffnung". Das letztere wurde als ein ,,Vlieboot" bezeichnet, eines 
jener kleinen hollandischen Yacht en mil flachem Boden und zwei Pfahlmasten, 
wie sie namentlich in der Zuyder See gebrauchlich waren. Uber die ,,Gute 
Hoffnung" fehlt jede nahere Nachricht, auch scheint das Fahrzeug bereits 
von Nowaja Semlja nach Holland zuriickgekehrt zu sein. Die Bemannung 
des ,, Halve Maan" bestand aus 20 Mann teils hollandischer, teils englischer 
Seeleute. Unter den letzteren werden besonders Robert Juet und John Colman 
erwahnt. Am 6. April 1609 (25. Marz alten Stils) verliessen die Fahrzeuge 
Amsterdam und segelten zunachst nach Finnmarken, woselbst das Nordkap 
am 5. Mai neuen Stils doubliert wurde und dann die Kiiste entlang bis in die 
Nahe von Nowaja Semlja. Hier war noch alles mit Eis bedeckt, und infolge 
der Kalte und auch durch Streitigkeiten unter den Mannschaften brach eine 
Meuterei aus; man weigerte sich, weiterzusegeln. 

Hudson schlug nun vor, nach Amerika zu segeln und die Durchfahrt ent- 
weder unter dem 40. Grad nordlicher Breite, wo eine solche Durchfahrt vor- 
handen sein sollte, oder durch die Davis-Strasse zu versuchen. Am 14. Mai 
kehrte man daher um und erreichte am 18. Juli die Kiiste von Nova Francia 
unter dem 44. Grad nordlicher Breite, wo sie landeten, um einen neuen Fock- 
mast an Stelle des alten (im Sturm uber Bord gegangen) herzurichten. Sie 
fingen hier (bei der Pennobscot-Bay) viele Kabeljau und Hummern und 
tauschten auch billig Pelzwerk ein, namentlich Biber ,, beaver skinnes" und 
,, other fine furres", die die Eingeborenen gegen rote Gewander vertauschten. 
Am 25. Juli iiberfiel aber die Mannschaft die Ansiedlung der Indianer und 
raubte dieselbe aus, wie der Maat Juet schreibt: ,,and tooke the spoyle of 
them as they would have done us." 

Sie segelten dann die Kiiste entlang bis zum 16. August, wo 37 Grad 
6 Minuten erreicht wurde. Am 17. wurde gewendet und nach Norden ge- 
steuert, ohne dass eine Einfahrt gefunden wurde; doch wurde Chesepeak-Bay 
und Delaware-Bay besucht. Am 2. September wurde die Einfahrt von Hudson 
entdeckt. Am 5. September wurde in 40 Grad 30 Minuten in einer Bucht ge- 
landet (in New Jersey oder in Staten Island), und erhielt man von den Indianern 
Tabak, Mais und Pelzwerk im Tausch gegen Messer etc. Bei einer weiteren 
Rekognoszierungsfahrt wurde die Schaluppe am 6. September von zwei Kanoes 
iiberfallen, und da der Regen die Lunten der Musketen verloschte, musste sie 
sich zuriickziehen. John Colman wurde durch einen Pfeilschuss getotet, zwei 
andere verwundet. Colman soil auf Sandy Hook begraben sein, welches 
Hudson Colmans point benannte. 

Man segelte nun, vorsichtig lotend, den Fluss hinauf. Am 19. September 
wurde die Stelle erreicht, wo heute Albany steht. Die Indianer kamen von 
alien Seiten herbeigestromt und brachten Weintrauben, Mais, Tabak, Kiirbisse, 



2. Kapitel. 43 



Biber- und Otter- Felle, Zobel, Fiichse etc., die fur Messer, Glasperlen und 
Beile billig eingetauscht wurden. Das Boot wurde noch welter flussauf warts 
gesendet, kam aber mit der Meldung zuriick, dass nur 7 Fuss Wasser vor- 
handen sei, weshalb das Schiff nicht welter vordringen konnte. Am 23. Sep- 
tember wurde daher die Riickreise angetreten. Man ging langsam und trieb 
taglich mit den Indian ern Handel. Am 2. Oktober kam es aber auf der Insel 
Manhattan zu einem blutigen Zusammenstoss mit den Indianern, wobei viele 
derselben fielen. Am 4. Oktober wurde der Fluss verlassen und die Heimkehr 
angetreten, als die Mannschaft wiederum meuterte. Am 7. November wurde 
Dartmouth erreicht. 

Von hier aus t elite Hudson den ,, Be wind hebbers of Ostindische Ma- 
tschappy" seine Ankunft mit, und schlug vor, dass er nun einen weiteren Ver- 
such im Nordwesten machen wollte. Ausser der bisherigen Lohnung fur die 
Mannschaft sollten ihm 1500 Gulden fur frischen Proviant iibergeben werden. 
Er wollte am i. Marz von Dartmouth aufbrechen und den April und die erste 
Halfte Mai in der Nahe der Neufundlandbanke (Is los de Arena) mit Fisch- 
fang und Walfang zubringen, dann nach Nordwesten segeln und im Herbst 
nach Holland zuriickkehren. 

Es dauerte infolge widriger Winde sehr lange, bis die Kompagnie Nach- 
richt von der Riickkehr des ,, Halve Maan" erhielt, dann befahlen sie die 
sofortige Riickkehr von Schiff und Mannschaften. Die englische Regierung 
verbot indessen Hudson und den englischen Mitgliedern der Mannschaft, das 
Land zu verlassen, ausser im Dienste ihres eigenen Landes. Dies geschah im 
Januar 1610. Das Schiff, der ,, Halve Maan" selbst, gelangte erst am 15. Juli 
wieder nach Amsterdam. (Er ging dann nach Indien und scheiterte 1615 in 
Mauritius.) 

Durch Vermittlung des Sir John Wolstenholm und Sir Dudley Diggs 
wurde Hudson im Jahre 1610 von der Muscovy Company mit der Bark ,, Disco- 
very" von 55 Tons Grosse ausgesendet und erreichte die nach ihm benannte 
Bai. Nachdem vorher die Insel Gros merci und Long Island am Eingang 
der Bai, die er Holdfast Hope nannte, entdeckt war, und die Einfahrt in die 
Bai zwischen zwei Kaps gefunden hat, die er nach den Hauptbeforderer 
arktischer Forschung Kap Wolstenholm und Kap Diggs nannte; nach dem 
dritten Macen Hudsons, Smith, ist spater der nach Norden fiihrende Smith- 
Sund genannt worden. An der Siidostecke, der Jamesbai, wurde die Expedition 
gezwungen, einen Winterhafen aufzusuchen, wo das Schiff einfror. 

Da man nur fur 6 Monate Proviant mitgenommen hatte, trat bald Mangel 
ein, und nur durch Erlegen von Wild konnte sich die Mannschaft den Winter 
hindurch halten. Am 19. Juni 1611 verliess man den Winterhafen, doch 
best and der ganze Mundvorrat jetzt nur aus i Pfund Brot und 3% Pfund 
Kase pro Kopf. 

Unter Fiihrung eines gewissen Henry Green und Rob Jvetts brach Meuterei 
aus. Hudson wurde im Schlaf iiberfallen und mit den kranken Matrosen 



44 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



Sydrach Turner, Michael Bute, Arnold Ludloe, Philipp Bute, Adam Moore, 
Henry King, John Hudson und dem Student en der Mathematik, Thomas 
Wydhouse, in der Schaluppe ausgesetzt. Der Zimmermann King teilte frei- 
willig ihr Schicksal. Nie hat man wieder etwas von ihnen vernommen. Die 
zuriickgebliebenen zwolf Mann plunderten das Schiff aus und traten die Heim- 
reise an, wobei Robert Bylot die Fiihrung des Schiffs, Abacuck Pritchard 
dasLogbuch ubernahm. Bei Kap Wolstenholm, am Ausgange der Hudsonsbai, 
wurde eine ans Land gesandte Abteilung von den Eskimos iiberfallen, wobei 
Henry Green und die Matrosen Thomas, Wilson, Pearce und Moter fielen. 
Die wenigen Uberlebenden erhielten sich mittels des Fangs von Seevogeln und 
erreichten die Heimat, wobei Robert Ivett noch angesichts der irischen Kiiste 
starb. 

In England bildete sich jetzt eine Gesellschaft zur Ausbeutung des ,,neu 
entdeckten Handelsweges nach Cathay", bestehend aus den Herren: Henry 
Earl of Northampton (Grossiegelbewahrer), Charles Earl of Nottingham, 
Thomas Earl of Suffolk, Henry Earl of Southampton, William Earl of Salis- 
bury, Theophilus Lord Walden, Sir Thomas Smith Mannsell, Sir Walter Hope, 
Sir Dudley Diggs, Sir James Lancerote, Rebecca Lady Rowney, Francis Jones, 
Alderman, John Wolstenholme, Wilhelm Greenwell, Nicholas Seat, Hovet 
Shaper, William Russell, John Merricks, ,, merchants of the city of London", 
sowie die gesamte Muscovy-Company und East India Company. Die Gesell- 
schaft erhielt 1612 von Jamest einen Charter, wonach ihr das alleinige Handels- 
recht zugestanden wurde, damit nicht jeder Abenteurer sich einschleichen 
konnte. Ferner erhielten sie Zollfreiheit auf 9 Jahre fur alle ein- und ausge- 
fiihrten Waren. Die Kompagnie sandte im Jahre 1612 eine Expedition, be- 
stehend aus der ,, Resolution" unter Kapitan Button und der ,, Discovery", 
Kapitan John Ingram, zur Aufsuchung des verschollenen Hudsons aus. An 
Bord befanden sich auch Abacuck Pricket t und Robert Bylot. Die Expedition 
verlief im ganzen resultatlos, nach langerem Kreuzen am Eingange der Bai 
uberwinterte Button in 57 Grad 10 Min. in der Mlindung eines Flusses, dem 
er den Namen Port Nelson nach seinem Mate beilegte. Auch er verlor viele 
Leute durch den Skorbut, dieser Geissel aller friiheren arktischen Fahrten 
und erhielt den Rest seiner Mannschaft nur durch den ihnen reichlich gebotenen 
Genuss von frischem Gefliigel, von dem im Laufe des Winters 22 ooo Stuck 
erbeutet wurden. Das Land wurde wieder einmal fiir England in Besitz 
genommen und ,,New Wales" benannt. 

Sir Dudley Diggs und Sir John Wolstenholme veranlassten dann noch 
eine Reihe von Fahrten unter Gibbons, dann Robert Bylot und schliesslich 
Baffin, die zahlreiche wertvolle, geographische Entdeckungen machten, aber 
nichts weiter mit unserem Gebiet zu tun haben. 1619 trat Danemark wieder 
einmal auf den Schauplatz, das schon friiher einmal durch die Expeditionen 
von Hall, Lindesnaes und andere sich an den arktischen Forschungen beteiligt 
hatte. Kapitan Monk ging mit zwei Schif fen und 84 Mann nach der Hudsonsbai, 



2. Kapitel. 



entdeckte mehrere Buchten und Strassen, iiberwinterte in einer Bucht, die 
er Christiansee nannte, in der Miindung des nachmaligen Churchillrivers. 

Das Land nannte er Neu-Danemark. 

Die ganze Mannschaft erlag dem Skorbut bis auf Monk und zwei Ge- 
fahrten, denen es mit unsaglichen Miihen gelang, in dem kleineren Fahrzeug 
Danemark wieder zu erreichen. Zwar wollte er alsdann eine zweite Expe- 
dition dahin ausriisten, aber der Konig verbot es, da er schon gemig Schiffe 
verloren hatte. Monk widersprach, worauf ihn der Konig wiitend mit dem 
Stock schlug. Monk nahm sich dies derart zu Herzen, dass er wenige Tage 
darauf starb. 

1631 wurde auf Betreiben des unermiidlichen Wolstenholmes und des 
Mathematikers Briggs Kapitan Luke Fox in der koniglichen Pinasse ,, Charles" 
von 70 Tons wieder nach der Hudsonsbai gesandt, dem sich die von den 
Merchant adventurers von Bristol ausgeriistete Schaluppe ,, Maria" von eben- 
falls 70 Tonnen unter Befehl des Kapitans James anschloss, um dort Handel 
zu treiben. Luke Fox iiberwinterte in Port Nelson und kreuzte dann wahrend 
des folgenden Sommers an der Kiiste, wobei Kapitan James die nach ihm 
benannte Bucht entdeckte. Er schiitzte iibrigens sein Schiff vor den Eis- 
pressungen dadurch, dass er es im flachen Wasser versenkte und am Lande 
ein Haus errichtete. Da die Mannschaft notgedrungen viel in freier Luft 
arbeiten musste, war es die erste Expedition, die vom Skorbut befreit blieb. 

Luke Fox nahm wiederum feierlich vom gesamten Lande um die Hudsons- 
bai herum Besitz, und zwar von der Bai bis westlich nach New Albion (Britisch 
Kolumbia) und bis zum 80. Grad nordlicher Breite*). 

Beide Fahrzeuge erreichten glucklich Bristol, doch erklarte Luke Fox als 
erster, dass die Fahrten ,zur Aufsuchung einer nordwestlichen Durchfahrt 
zwecklos seien, da selbst, wenn eine solche gefunden wurde, man doch in siid- 
lichen Breiten 1000 Meilen schneller zuriicklege, als hier 100. 

Die weiteren Fahrten wurden deshalb auch vorlaufig aufgegeben. 

Die 1642 gegriindete New England Company befasste sich nur mit der 
Besiedlung der Neu- England- Staaten, und mit dem Betrieb des Pelzhandels 
dort, ebenso wie die 1606 gegriindete London and Plymouth Company. 

Das Hudsonsbai- Gebiet war fast ganz in Vergessenheit geraten, als 1669, 
wie schon oben erwahnt, Radisson und Grosseillier nach England kamen. 

Prinz Rupert fasste ihre Idee, eine grosse Handelsgesellschaft zur Aus- 
beutung des Pelzreichtums dieser Lander zu griinden, eifrigst auf, und ver- 
anlasste zunachst die Bildung eines Komitees. Dasselbe bestand aus folgenden 
Herren : 

Prinz Rupert, Pfalzgraf vom Rhein, Herzog von Bayern und Cumber- 
land, Herzog Christopher von Albemarle, Graf William von Craven, Lord 



*) Das Buch des Luke For ist ems der seltensten Biicher, das nur in drei 
Exemplaren in der Welt bekannt ist. 



Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



Henry Arlington, Lord Antony Ashley, Baronets Sir John Robinson, Sir 
Robert Vyner, Sir Peter Colleton, den Rittern Sir Edward Hungerford, Sir 
Paul Neele, Sir John Griffith nnd Sir Philipp Carteret, sowie den Kaufleuten 
James Hayes, John Kirk, Francis Millington, William Prettyman, John Fenn 
und dem Goldschmiede John Portman. 

Auf gemeinschaftliche Kosten riistete man die kleine Galeasse ,, Nonsuch" 
von 20 Tonnen Grosse aus, die unter dem Befehl von Zacharias Gillam und 
Grosseillier nach der Hudsonsbai abging. 

An einem kleinen Flusse der Ostkiiste, dem heutigen Eastmaine, der 
Rupertsriver genannt wurde, baute man ein Fort, Fort Charles und verbrachte 
dort den Winter. 

Das Land empfing nach dem hohen Beschiitzer des Unternehmens den 
Namen Rupertsland. Ein reger Tauschhandel entspann sich mit den von alien 
Seiten herbeistromenden Indianern. Bis zum Eintreten des Winters wurden 
auch Expeditionen zum Erforschen der Umgegend ausgeschickt. Am 9. De- 
zember zeigten sich die ersten Anzeichen des ausbrechenden Skorbut, doch 
Grosseillier verstand es, durch ein Bier, das er aus den Spitzen der Sprossen- 
tanne herstellte, denselben wirksam zu bekampfen. 

Am 2. Mai 1670 wurde mittels einer feierlichen Zeremonie das Land 
fur die englische Krone in Besitz genommen und dann mit einer vollen Ladung 
wertvollen Pelzwerks die Riickreise angetreten. 

Hier erteilte Charles II. der neuen Gesellschaft unter dem Namen ,, Com- 
pany of adventurers of England trading into Hudsonsbay" einen Charter. 

Derselbe enthielt die weitgehendsten Privilegien, die je einer englischen 
Handelsgesellschaft ausser der Ostindischen Kompagnie verliehen wurde. 
Die Gesellschaft erhielt die Rechte einer juristischen Person, ferner das 
alleinige Handels- und Fischereirecht auf alien Seen, Flussen, Strassen usw., 
die innerhalb des Eingangs der Hudsonstrasse liegen, gleichviel in welchem 
Breitengrade, ferner das Handclsmonopol, Minenrecht, Verwaltung und 
Jurisdiktion in alien Landern, die an diese Seen usw. grenzen, sowie die von 
dort aus erreicht werden konnen, sowie sie nicht von einem christlichen Fiirsten 
bereits in Besitz genommen seien. 

Jedem andern war es verboten, das Gebiet zu betreten oder sich der 
Kiiste zu nahern, widrigenfalls Schiff und Ladung konfisziert, sowie ausserdem 
eine Strafe von 1000 Pfund verwirkt sei. Die Halfte hiervon, sowie des Er- 
loses aus dem beschlagnahmten Eigentum sollte zur Halfte an die Kompagnie, 
zur Halfte an die Krone fallen. 

Die Gesellschaft, deren Vorstand aus einem Gouverneur, einem stell- 
vertretenden Gouverneur (deputy) und sieben Mitgliedern bestehen sollte, 
erhielt das Recht, ein W'appen zu fiihren und auch innerhalb ihres Gebietes 
selbstandig Krieg zu fiihren und Frieden zu schliessen. 

Das Kapital sollte aus 105 Aktien a 100 Pfund bestehen und jeder Inhaber 
einer Aktie eine Stimme haben. 



2. Kapitel. 



Als einzige Gegenleistung ubernahm die Gesellschaft die Verpflichtung, 
jedem Mitglied des koniglichen Hauses, das etwa das Gebiet betrete, zwei 
Elkfelle und zwei schwarze Biber zu ubergeben. 

Prinz Rupert war der erste Gouverneur der Gesellschaft in England, 
wahrend Charles Bay ley, der erste Deputy- Gouverneur, seinen Sitz in Ruperts- 
land nahrn,. und zwar in dem neu gegriindeten Rupertshouse an der Mundung 
des Nemiscau in 51 Grad 20 Min. nordlicher Breite. Im Jahre 1674 griindete 
er das Fort Monsebi oder Mooseriverfactory und etwas spater Fort Albanyriver 
oder Quitchischouen, die noch heute beide im Betriebe sind. 

Im selben Jahre kam William Lyddal in den Schiffen ,, Prince Rupert" 
und ,,Shaftesbury" als Befehlshaber nach Rupertshouse, wahrend Bayley in 
Mooseriverfactory residierte. 

1678 wurde Charleton Island zum Depot gewahlt und Nixon zum Gou- 
verneur von Albany ernannt. 






Wappen und Siegel der Hudson's Bay Co. 

Grosseillier und Radisson hatten noch mehrere Handelsreisen fur die 
Hudsonsbay-Company gemacht, wurden aber nun als uberflussig beiseite ge- 
schoben und schlecht behandelt, wie wenigstens Radisson in einem Manuskript 
vom Jahre 1684 angibt. Schon gleich nach Begriindung der Hudsonsbay 
Company waren ihnen von Colbert grosse Anerbietungen gemacht worden, 
die sie aber ablehnten. 1674 aber, nach der ihnen zuteil gewordenen Zuriick- 
setzung, traten sie wieder mit Frankreich in Verbindung und nahmen nun- 
mehr den Vorschlag an, gegen ein Jahresgehalt von 400 Louisdor und Bezah- 
lung ihrer gesamten Schulden in franzosische Dienste zu treten. Beide be- 
gaben sich nach Canada, wo indessen Gouverneur Frontenac sich urn die in 
Frankreich gemachten Versprechungen nicht kummerte. Radisson kehrte 
deshalb nach Frankreich zuriick und trat als Offizier in die Marine, wo er 
bis zum Jahre 1679 verblieb. 

In Kanada war inzwischen eine neue Periode geographischer Forschung 
und wirtschaftlicher Ausdehnung eingetreten. 

1671 hatte bereits der Voyageur Perrot Chicago ein grosses Dorf der 
Miami an der Bay des Puants (Stinktierbucht) des Michigansee erreicht und 
eine Niederlassung gegriindet (wo heute Chicago liegt). Im gleichen Jahre 
entdeckte der Sieur de St. Lusson den Sault de St. Marie am Obernsee, schloss 
Vertrage mit den Indianern und nahm vom ganzen Lande bis zur Hudsonsbai 
im Namen Frankreichs Besitz, wahrend gleichzeitig Charles Albanel und 



^.8 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Sieur Denis auf dem Landwege die Hudsonsbai erreicht hatten und gleichfalls 
Besitz ergriffen. 

Im selbenjahrei67i hatte Peter Mar quette eineMissionsstation undNieder- 
lassung am Huronensee in Michillimacinaw errichtet, die sich bald infolge 
ihrer gunstigen Lage zu einem Hauptemporium des Pelzhandels entwickelte. 

1672 wurde Louis Buade Comte de Frontenac Gouverneur von Kanada 
und wusste bald das Land an ausserer Machtstellung ebenso zu heben, wie dies 
Tracey durch den inneren Ausbau der wirtschaftlichen Hilfsquellen getan. 
Als erste Pioniere entdeckten Pater Marquette und der Quebecker Pelzhandler 
Jolliet den Mississippi, den Misssouri und den Illinoisriver 1672. 

Der Chevalier de la Salle und Pater Hennepin erweiterten diese Ent- 
deckungen. 1679 erbauten sie auf dem Eriesee das erste im amerikanischen 
Binnenlande konstruierte Schiff, eine Brigantine von 60 Tonnen, mit dem sie 
handeltreibend durch die von ihnen entdeckte Eriestrasse in den Huronensee 
gelangten und von da in den Michigan oder, wie er damals hiess, Illinoissee. 
Hier verliessen sie mit wenigen Begleitern das Fahrzeug und drangen erst 
auf dem Landwege und dann in Booten bis an den Mississippi, den sie bis 
zur Miindung befuhren, wobei Hennepin langere Zeit in Gefangenschaft der 
Indianer geriet. 

Die Compagnie des Indes occidentals (1663 gegriindet), welche eigentlich 
diese Expeditionen hatte leiten sollen, sah teimahmslos zu, und liess sich auch 
eins ihrer Privilegien nach dem andern aus den Handen winden. 

Obgleich anfanglich grossartig angelegt und mit den notigen Kapit alien 
ausgestattet, so dass sie mit iiber 100 eigenen Schiff en einen lebhaften Handel 
nach Afrika und Siidamerika betrieb, geriet sie durch schlechte Leitung all- 
mahlich in immer steigende Schulden, die 1674 sich auf 4 820 ooo Franks 
bei einem Aktienkapital von i 297 ooo Franks beliefen. In diesem Jahre 
nun zahlte der Sonnenkonig Ludwig XIV. die gesamten Schulden, loste die 
Gesellschaft auf und erklarte den Handelsbetrieb zum Staatsmonopol, das 
an einen gewissen Oudiette verpachtet wurde. Der Preis der Biber wurde 
auf 4 1 /, Franks fur das Pfund festgesetzt, und Oudiette forderte die Sache 
so, dass die Ausfuhr der Biberfelle allein von 550000 Franks auf 214 Millionen 
jahrlich stieg. 

1681 tauchten Radisson und Grosseillier wieder in Kanada auf und 
assoziierten sich mit einem Quebecker Rauchwarenhandler La Chesnaye, um 
Handelsniederlassungen an der Hudsonsbai zu begriinden. La Chesnaye 
ubernahm die Beschaffung der Ausriistung usw., den Vertrieb der einge- 
tauschten Felle, so wie die ganze kaufmannische Leitung in Quebec, wahrend 
Grosseillier und Radisson die zu errichtenden Stationen an der Hudsonsbai 
leiteten, wo fur jeder ein Viertel des Reingewinns erhalten sollte. 

Zunachst ging Radisson, begleitet von seinen Neffen Jeanbaptiste Chouart 
de Grosseillier, Pierre Allemand und Jeanbaptiste Godefroy, im November 
von Quebec nach Acadie, wo er iiberwinterte. Im Juli verliess er Acadie in 



2. Kapitel. 40, 



einer Bark von 50 Tonnen, reich beladen mit Tauschartikeln, aber wenig 
Lebensmitteln, mit 12 Mann Besatzung, wahrend sich ihm Grosseillier in 
einem kleineren Fahrzeuge von 30 Tonnen und 15 Mann anschloss. Die 
Fahrt ging zunachst durch die Hudsonstrasse, wo man von den Eskimos, die 
Radisson als sehr gefahrlich, blutdiirstig und gefrassig schildert, einige hundert 
Robbenfelle einhandelte. Am 26. August erreichte man die Westkiiste der 
Hudsonsbai und lief am 2. Septemper in den Hayesriver ein, der als ,,KaKivoa 
Kirnay" bezeichnet wurde. Hier wurde das Fort ,,Groissellier" errichtet, 
und von dort aus Handelsziige unternommen und Freundschaftsvertrage mit 
den Indianern abgeschlossen. 

Auf einer dieser Streiffahrten traf Radisson am Kawarinagawa oder 
Nelsonriver ein Fort der Hudsonsbay Company unter Leitung einer Mr. Bridge- 
water und im Flusse dabeiliegend ein englisches Schiff unter Kapitan Geillam, 
das gerade eine Ladung Felle einnahm. 

Radisson erteilte ihnen den Befehl zum sofortigen Abzuge, wurde aber 
ausgelacht und zog sich wohlweise zuriick, da er gar keine Macht besass, diesem 
Befehle Nachdruck zu geben. 

Bei einem spateren Besuche fand er aber alle Englander am Skorbut 
erkrankt, pflegte sie bis zum Aufbruch des Eises, packte sie dann auf eine 
Barke und schickte sie nach dem Mooseriverfort. Er selbst ging mit Grosseillier 
mit reicher Ladung nach Kanada, seinen Neffen Chouart als Kommandant 
zuriicklassend. 

In Kanada stellte sich nun zunachst heraus, dass sie von La Chesnaye 
betrogen worden war en, und dass ausserdem der englische Gesandte in Paris, 
Lord Preston, Klage erhoben habe wegen volkerrechtswidriger Behandlung der 
oben erwahnten Englander. 

Radisson eilte nun nach Frankreich und erlangte eine Audienz beim Konig, 
der ihn aber ausserst verachtlich behandelte. Seine dariiber entstandene 
Missstimmung benutzte Lord Preston, um ihn durch glanzende Versprechungen 
in englische Dienste zu ziehen. 

So warf er sich wieder in die Arme der Englander und ging am 24. April 
1684 nac h London, wo er durch Sir Hayes dem Gouverneur der Hudsonsbay 
Company vorgestellt wurde. 

Der gewandte Franzose versprach der Gesellschaft, das von seinem Neffen 
befehligte Fort mit alien Pelzvorraten zu iibergeben. Am 17. Mai 1684 verliess 
er in der Brigg ,,Happy Return", begleitet von zwei anderen Schiffen der 
Kompagnie, London und erreichte nach schneller Uberfahrt Fort Nelson. 

Hier waren wahrend seiner Abwesenheit zwei englische Schiff e angelangt, 
die den Winter iiber Tauschhandel mit den Indianern getrieben hatten, und 
nach Radissons Aussage die Eingeborenen zu Mordanfallen auf die Franzosen 
angestiftet hatten. Chouart und ein anderer Franzose seien verwundet worden, 
worauf vierhundert befreundete Knistineaux und Assinoboins herbeigeeilt 
seien und mehrere Englander niedergeschossen hatten. 

4 



CQ II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Gerade zu dieser Zeit, als die Spannung zwischen den beiden Rivalen 
den Hohepunkt erreicht hatte, erschien Radisson als Friedensstifter. Er iiber- 
redete seinen Neffen, das Fort mit 12 ooo Biberfellen und vielem andern 
Pelzwerk, Vorraten und Tauschartikeln den Englandern zu iibergeben, 
und selbst mit seinem Dolmetscher in den Dienst der Hudsonsbay Company 
zu tret en. 

Kurz darauf schickte aber Gouverneur Geyer, der ein starkes Fort ,, York- 
fort" an der Stelle errichtet hatte, wo die Station Bridgars gestanden, samt- 
liche Franzosen nach Hause, trotz aller Radisson gemachten Versprechungen, 
da er den Uberlaufern nicht traute. 

Im Jahre 1683 hatte Henry Serjeant fur die Hudsonsbay Company 
Hayesfort am Mooseriver und Eastmainfactory in Eastmame gegriindet, und 
die Gesellschaft traf alle Vorkehrungen, um ihre Privilegien aufs beste 
auszunutzen, doch konnte sie sich nur kurze Zeit des ungestorten Allein- 
h an dels erfreuen. 

In Kanada hatte sich der Monopolpachter Oudiette allmahlich immer 
weitergehende Bedriickungen und Willkiir zu Schulden kommen lassen, und 
so lastige Beschrankungen des Handels eingefiihrt, dass es selbst den daran 
gewohnten Franzosen zu viel wurde. 

Eine Anzahl der angesehensten Kaufleute Kanada s verbanden sich zu 
einer ,, Compagnie du Nord" und setzten beim Minister Pontchartrain die Ab- 
berufung Oudiettes durch. An seiner Stelle wurde ein Kanadier, Pacaud, 
ernannt, der 70 ooo Franks jahrliche Pacht zahlen und eine Gesellschaft fur 
den Pelzhandel bilden musste, die sich jedoch mit der Compagnie du Nord 
vereinigte. 

Nun begann ein regelmassiger Kampf mit der englischen Rivalin. Zu- 
nachst wurde noch 1684 eine Expedition von zwei kleinen Schiffen unter 
Kommando des Baron de la Martiniere nach der Hudsonsbai gesandt, die sich 
in der Nahe des Fort Bourbon am Marissipi-Flusse (Nelsonriver ?) fetztsetzte. 
Martinier machte aber schlechte Geschafte und fuhr wieder ab, kaperte aber 
auf dem Riickwege ein vollbeladenes Schiff der Hudsonsbay Company. 

Diese hatte noch kaum vom Ausbruch der Feindseligkeiten gehort, als 
auch schon eine weitere Expedition der Compagnie du Nord organisiert wurde. 

Der Kapitan Chevalier de la Troye und die beiden Leutnants Iberville 
le Moine und St. Helene le Moine wurden mit 80 Soldaten im Marz 1686 
nach der Hudsonsbai gesendet. Im Juni langten sie vor Fort Monsebi an, 
einem starken Posten rnit Erdwerken, 12 Geschiitzen und 16 Mann Besatzung, 
die sich aber ergab, ohne einen Schuss abzufeuern. Von dort aus ging St. Helene 
mit 50 Mann nach Fort Rupert, das sich gleichfalls ohne Widerstand ergab. 
Inzwischen hatte sich Ibervilles zweier englischen Fahrzeuge bemachtigt, auf 
welchen er mit einem Teil der Streitmacht nach Fort Quitchichouen fuhr. 

Hier stiess er aber auf heftigen Widerstand, und erst nach langerer Be- 
lagerung konnte das Fort genommen werden. Die grossen Magazine wurden 



2. Kapitel. 



gepliindert und fiir 300 ooo Franks Pelzwaren weggeschleppt. Die Besatzung 
aller drei Posten wurde nach Fort Nelson geschickt. 

Hiermit waren die Franzosen Herren der ganzen Sudhalfte der Hudsonsbai. 
Ein Versuch der Hudsonsbay Company, Fort Quitchichouen wieder zu 
erobern, schlug fehl. 

Gleichzeitig war iibrigens eine Abteilung von 60 Englandern, die des 
Pelzhandels halber von Newyork nach Michillimacinaw gegangen waren, von 
den Franzosen unter Durantaye zuriickgetrieben. 

1689 erklarte Frontenac den Englandern offizlell den Krieg und beschloss 
einen Angriff auf Newyork, musste aber auf direkten Befehl des Konigs von 
Frankreich davon abstehen. Dagegen griff en die Waldlaufer Hertel, Creveaux 
und Gatineau im nachsten Jahre mit einer kleinen Zahl Jager die englischen 
Forts an der kanadischen Grenze an und eroberten Fort Casbebe und vier 
andere Posten. 

Zur gleichen Zeit aber ging eine englische Flotte von 34 Schiffen unter 
Admiral Phipps, nach Eroberung Acadies den St. Lorenz hinauf und bom- 
bardierte Quebec, ohne es indessen erobern zu konnen. 

1691 riistete die Compagnie du Nord 14 Schiffe aus, um Yorkfort ein- 
zunehmen, doch hinderte Frontenac, der die Gesellschaft nicht zu machtig 
werden lassen wollte, die Abfahrt. 

Iberville, der inzwischen mit 3 Schiffen, ,,St. Anne", ,,Les armes de la 
Compagnie" und ,,Le Fra^ois", nach Fort Nelson gegangen war, wurde 
zuriickgeschlagen, und 1693 gelang es den Englandern unter James Knight, 
New Severn, Fort Quitchichouen, welches die Franzosen inzwischen in Fort 
St. Anne umgetauft, Rupertshouse und Fort Monsebi wieder in ihren Besitz 
zu bringen. 

Am 24. November 1694 erschienen die franzosischen Kriegsschiffe ,,Poli" 
und ,,Salamandre" unter Kommando Ibervilles vor Fort Nelson, einem sehr 
stark befestigten Posten, mit 42 Geschiitzen und 55 Mann Besatzung. Das 
Fort ergab sich erst nach langer Belagerung im November. Der Zweck der 
Ubung war aber vereitelt, denn die Pelzausbeute war schon vorher wegge- 
schafft. 

Im nachsten Jahre gelang es der Hudsonsbay Company, sich mit Hilfe 
der englischen Kriegsschiffe ,,Bonaventura" und ,,Seaford" wieder in den 
Besitz Albanys zu setzen. 

Im September verliess auch Iberville Fort Nelson mit den Kriegsschiffen, 
um nach La Rochelle zu segeln. Er liess die Leutnants La Foret, Manguay 
und den Fahnrich Jeremie mit 70 Mann als Besatzung zuruck, doch raumte 
der Skorbut gewaltig auf, wie auch gleichzeitig in Yorkfort Leutnant Tilly 
und 15 Mann dieser Geissel des Nordens erlagen. 

5 englische Kriegsschiffe eroberten im September 1696 nach hef tiger Be- 
schiessung Fort Bourbon. 

4* 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



Die franzosischen Kriegsschiffe ,,Le Dragon" und ,,Hardi" unter de la 
Motte und Serigny eilten zum Entsatz herbei, wurden aber zuriickgeschlagen, 
wobei ,,Hardi" strandete und de la Motte mit dem grossten Teil der Mann- 
schaft ertrank. 

Der Friede von Rijswyk 1896 gab Frankreich alle Lander um die 
Hudsonsbai, obgleich sich dieselben zur Zeit tatsiichlich im Besitze der 
Englander befanden. 

Der unermudliche Iberville, der wahrend des Winters mit einer Schar 
von 164 Waldlaufern, unterstiitzt von den Kriegsschiffen ,, Pelican", ,,Comte 
de Toulouse Phelipeau", ,,Vendome" und ,,Harcour", die englischen An- 
siedlungen auf Neufundland zerstort hatte, brachte anfangs 1697 eine Flotte 
von 6 Schiffen zusammen, ,,Le Palmier" mit 40 Geschiitzen, ,,Le Pelican" 
mit 50 Kanonen, ,,Le Profond", ,,Le Wesp", ,,Le Violant" und eine Brigantine 
,, Esquimau", die indessen vom Eise in der Hudsonstrasse zerdriickt wurde. 

Als erster traf der ,, Pelican" mit 150 Mann Besatzung auf der Reede 
von Fort Nelson ein, und griff sofort die drei dort liegenden englischen Schiffe, 
die Hampshire" mit 52 Kanonen und 32 Mann Besatzung, die ,,Hudsonsbay", 
32, und die ,, Bering", 36 Geschiitze, an. Nach vierstiindigem Kampfe sank 
die ,, Hampshire", und die gesamte Mannschaft fand den Tod in den Fluten. 
Die ,,Hudsonsbay" strich die Flagge, und die ,,Dering" entfloh. Wahrend der 
Nacht warf ein Sturm den ,, Pelican" und die ,,Hudsonsbay" gemeinschaftlich 
an den Strand, und nur ein Teil der Mannschaft wurde gerettet. Die andern 
franzosischen Schiffe waren inzwischen auch eingetroffen, und nach mehr- 
tagiger Beschiessung kapitulierte der Kommandant Baylay unter der Be- 
dingung des freien Abzugs der Besatzung mit ihren Privateffekten und den 
Biichern und Papieren der Hudsonsbay Company. Der Sieg war aber teuer 
erkauft, da auch der ,, Palmier" auf der Reede gesunken war. Iberville liess 
das Fort unter dem Befehl des Sieur de Martiguay und Jeremie und segelte 
mit dem ,, Profond" und ,,Wesp" nach Frankreich zuriick. 

Fort Bourbon blieb nun bis zum Frieden vonUtrecht,i7i4, in franzosischem 
Besitz. 

Trotz aller dieser schweren Verluste und der Anfeindungen, welche die 
Hudsonsbay Company im eigenen Vaterlande durch die Kurschner und die 
New England Company erfuhr, blieb sie dem Wahlsprjch ihres Wappens, 
,,Pro pelle cutem" (Fiir ein Fell wage ich die Haut) treu, und es lohnte sich 
auch. Der Gewinn war ein ungeheurer, sobald die Ausbeute nicht von den 
Franzosen weggeschnappt wurde. 

Bei Gnindung der Gesellschaft im Jahre 1670 betrug das Aktienkapital, 
wie schon erwahnt, 10 500 Pfund. Die jahrliche Ausfuhr an englischen 
Fabrikaten iiberstieg nie 600 bis 800 Pfund, und trotzdem war die Gesellschaft 
imstande, 1682, 1688 und 1689 je 50 Proz. Dividende zu zahlen. 1684 bis 
1688 verloren sie aber durch die Franzosen 118 014 Pfund, fur damalige 
Zeiten eine ungeheure Summe. Nichtsdestoweniger brachten die beiden 



2. Kapitel. so 



ruhigen Jahre einen so kolossalen Gewinn, dass im Jahre 1690 an Stelle der 
Dividende das Kapital verdreifacht wurde, das heisst, jeder Aktionar erhielt 
fur eine Aktie drei neue zum gleichen Betrage, ohne dass irgend eine Nach- 
zahlung stattfand. 

Und auf dieses so vermehrte Aktienkapital konnte doch noch 25 Proz. 
Dividende verteilt werden. 

Natiirlich schafften ihr diese Erfolge auch viele Neider und Feinde. Man 
bezweifelte die Giiltigkeit des Charters, da derselbe nur vom Konige gegeben 
und nicht durch Parlamentsakte bestatigt sei. Die Gesellschaft machte 
auch von alien ihr verliehenen Rechten rucksichtslos Gebrauch. 1678 hatte 
sie ein Schiff des einflussreichen Parlamentsmitgliedes Sir Charles Boon in 
der Hudsonstrasse beschlagnahmt, Schiff und Ladung fur sich verwendet, die 
Mannschaft mehrere Monate gefangen gehalten und Sir Charles noch obendrein 
in der Crownoffice verklagt. Um aber endlich den unaufhorlichen Angriffen 
wegen Ungesetzlichkeit ein Ende zu machen, beschloss die Kompagnie, ihren 
Charter nachtraglich vom Parlament bestatigen zu lassen. 

Dies rief einen neuen Sturm der Entriistung hervor. Namentlich die 
New England Company agitierte aufs heftigste dagegen. 

In der Bibliotheque nationale zu Paris existiert ein auf einem einzelnen 
Blatte gedrucktes Flugblatt, augenscheinlich von dieserKompagnie herruhrend, 
welches die argsten Schmahungen enthalt. Es schliesst mit den Worten: 

,,Es ist eine Frechheit, sich anzumassen, Rechte auszuiiben, die vom 
Konig, ohne das Parlament zu fragen, gewahrt seien, noch grossere Frechheit 
ist es aber, nachtraglich die Bestatigung solcher Rechte vom Parlament zu 
verlangen." 

Allen Anfeindungen zum Trotze gelang es der Hudsonsbay Company 
aber, die Bestatigung vom Parlament zu erlangen, allerdings vorlaufig nur 
auf 7 Jahre, doch wurde die Frist stillschweigend immer wieder verlangert. 

Die fortwahrenden Angriffe der Franzosen, wobei die Englander schliess- 
lich auf das eine Fort Albany beschrankt blieben, fugten der Gesellschaft 
aber schweren Schaden zu. In den Jahren 1694, 1696 und 1697 betrugen 
die Verluste 97 500 Pfund, so dass die Gesellschaft Geld borgen musste, um 
weiter existieren zu konnen. 

Die Ausdehnung des franzosischen Pelzhandels nach dem West en war 
durch eigenes Verschulden ins Stocken geraten. 1685 hatte der franzosische 
Gouverneur Kanadas eine Gesandtschaft der Irokesen, die mit Friedens- 
anerbietungen zu ihm kamen, naeh Frankreich auf die Galeeren geschickt. 
Um mit der verhassten Nation nun ganz aufzuraumen, sandte er eine Anzahl 
Truppen im Verein mit den Abenaquis Huronen und einer Abteilung getaufter 
Irokesen urter ihrem Hauptling La Plaque, der seinen eignen Vater ermordet 
hatte, begleitet von Missionaren, mit der Brandfackel in die Dorfer der Iro- 
kesen, die, in blindem Heidentum befangen, ihr Korn bauten. Manner, Weiber 
und Kinder wurden hingeschlachtet, und ihre Skalpe zierten die Giirtel der 



54 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



roten Bundesgenossen. Die Irokesen fassten diesen Bekehrungseifer der 
Jesuiten und Franziskaner aber falsch auf, verbanden sich mit ihren Stammes- 
genossen, und drangen nun ihrerseits mordend und brennend bis unter die 
Mauer von Montreal. Oft machten sie monatelang jeden Feldbau unmoglich, 
da niemand den Schutz der Forts verlassen durfte. 

Der Konig von Frankreich verbot jetzt jeden Verkehr mit alien Indianer- 
stammen. Nur die Huronen und die Abenaquis erhielten Erlaubnis, mit ihren 
Waren nach Montreal zu kommen, doch durfte kein Waldlaufer oder Handler 
das Indianergebiet betreten. Vergeblich protestierte Frontenac gegen diese 
Massregel, die den gesamten franzosischen Pelzhandel lahmlegte. 

Erst 1699, nach seinem Tode, als Friede mit den Irokesen geschlossen, 
wurde das Verbot wieder aufgehoben. 

Die grossen Weisswal- urid Seehundfischereien, die inzwischen in Mont 
Louis gegriindet waren, wurden 1700 aufgegeben, und die Bevolkerung wandte 
sich wieder dem eintraglicheren Pelzhandel zu. 

In demselben Jahrc erreichte der Handler Sueur mit 20 Begleitern den Riviere 
rouge, wo eine Kupfermine entdeckt und eine Ansiedlung gegriindet wurde. 

Wahrend aber die Unternehmungen einiger Privatleute gliickten, gingen 
die Geschafte der Compagnie du Nord immer mehr zuriick. Die Konkurrenz 
der geschaftsgewandten Englander, die hohere Preise zahlten, machte sich 
eben sehr fuhlbar. 

1704 versuchte man sich durch einen Handstreich in den Besitz des Forts 
Albany an der Hudsonsbai zu setzen, doch wurde der Angriff durch den Kom- 
mandanten, Kapitan Barlow, blutig zuriickgewiesen. 

Zwar von Neu-England aus konnte der franzosischen Gesellschaft 
augenblicklich keine Konkurrenz gemacht werden, da dies Gebiet durch die 
befreundeten Indianer und die Waldlaufer unter Fiihrung Vaudreuils mit 
Feuer und Schwert verwiistet wurde. Die schlechte Verwaltung der Gesell- 
schaft aber und vielfache Unterschleife hatten es zuwege gebracht, dass sich 
1706 bereits eine Schuldenlast von i 812 ooo Fianks aufgehauft hatte, und 
die Compagnie du Nord musste liquidieren. 

Die Kaufleute Aubcr, Neret und Gayot ubernahmen die Kontore, zahlten 
die Schulden der Gesellschaft, deren gesamtes Aktienkapital verloren ging, 
gaben den Handel nach dem Innern ganz frei, und behielten sich nur das 
Exportrecht vor. 

Die von Iberville in Yorkfort an der Hudsonsbai zuriickgelassenen 
Franzosen waren sich ganz selbst iiberlassen geblieben. Im Jahre 1700 hatte 
sie zwei lieues siidlich von Fort Bourbon ein kleines Fort, Phelipeaux, gebaut 
als Zufluchtsort. Aber dies half nichts gegen die unerbittlichen Verheerungen 
des Skorbuts, der die Reihen in bedenklicher Weise lichtete. Schliesslicli 
blieben auch die Zufuhren ganzlich aus, indem von 1709 bis 1713 kein Schiff 
kam. Dies iiberlieferte zahlreiche Indianer dem Hungertode. Sie hatten den 
Gebrauch von Bogen und Pfeil teils verlernt, teils war das Wild infolge der 



2. Kapitel. 



weitertragenden Schusswaffen zu scheu geworden, um noch mil diesen ver- 
alteten Waff en Erfolg zu gestatten. Als nun keine Munition mehr zu be- 
kommen, war es den ungliicklichen Rothauten unmoglich, sich das Wild fiir 
ihrcn Lebensunterhalt zu schaffen. Sie iiberfielen schliesslich eine Jagd- 
expedition der Franzosen und toteten sieben derselben. Die kleine Garnison 
war nun auf neun Mann zusammengeschmolzen, die den Schutz der Forts 
kaum verlassen durften und im Handel mit den Eingeborenen zur grossten 
Vorsicht gezwungen waren. Endlich brachte im Jahre 1713 ein Schiff fiir 
8000 Franks Waren, mit denen sie Pelzwerk im Werte von 120 ooo Franks 
einhandelten. Als eine Erlosung wurde es von Jeremie und seiner kleinen 
Schar betrachtet, als 1714 die Nachricht vom Frieden zu Utrecht und der 
Abtretung des gesamten Hudsonsbaigebietes an England eintraf. Die Franzosen 
zogen sich nun unangefochten mit der gesammelten Pelzausbeute nach Frank- 
reich zuriick. In Kanada war 1710 noch eine Compagnie du Canada ou de 
Castor gegriindet, die aber keinerlei Bedeutung gewann. In Frankreich begann 
jetzt Louisiana die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. 1712 erhielt der Kauf- 
mann Crozat von Louis das Handelsmonopol und die Minenrechte in der 
Louisiana, raumte aber bald dem jetzt auftretenden schottischen Abenteurer 
John Law das Feld. Mit ihm beginnt eine Griinderperiode, die an Umfang 
und Folgen nie wieder erreicht worden ist. Selbst der bald darauf in England 
in Szene gesetzte Sudseeschwindel kam ihr nicht gleich. Als bescheidener 
Anfang wurde 1716 eine Banque de Louisiana gegriindet mit 1200 Aktien 
a i ooo Ecus (a 6 Franks), dieser folgte im nachsten Jahre die Compagnie de 
TOccident, die im grossartigsten Massstabe errichtet wurde. Sie erhielt das 
ausschliessliche Handels- und Besitzrecht von Louisiana und das alleinige 
Recht des Pelzexports von Kanada zugewiesen. Ferner wurden ihr voll- 
standige Majestatsrechte in ihrem Gebiet eingeraumt, ihre Schiff e durften 
die weisse Staatsflagge mit den goldenen Linien fuhren, die von ihr ange- 
stellten Offiziere behielten ihren Rang in der Armee und Marine. Ihre Waren 
sendungen von und nach Louisiana waren vollkommen zollfrei, und als einzige 
Abgabe hatte sie die Verpflichtung, jedem neuen Konig von Frankreich eine 
goldene Krone im Gewicht von 30 Mark zu liefern. Der Konig schenkte der 
Gesellschaft alle ihm von Crozat abgetretenen Schiffe, Waren usw. unter der 
Bedingung, jahrlich mindestens 6000 Weisse und 3000 Neger nach dem neuen 
Lande zu befordern. Das Kapital wurde auf 100 Millionen in 200 ooo Aktien 
a 500 Franks festgesetzt, die indessen bald einen Kurswert von 2000 Franks 
erreichten. Je 50 Aktien gaben eine Stimme. 1719 wurden durch koniglichen 
Erlass die Compagnie du Canada, die Compagnie du St. Domingo, die Com- 
pagnie du Senegal et Guinee, die Compagnie de la Chine und die Compagnie 
des Indes orientales mit der Compagnie de 1'Occident vereinigt, die nun das 
alleinige Handelsrecht ,,nach alien bekannten Landern und Meeren" erhielt- 
Sie ubernahm alle Aktiven der obengenannten Gesellschaften mit Verpflich- 
tung, auch deren gesamte Verbindlichkeiten einzulosen. Hierfiir wurden 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



weitere 50 ooo Aktien a 500 Franks ausgegeben, die aber zu 550 Franks Gold 
(das damals ein sehr hohes Agio hatte) emittiert wurden. Die Kolonisation 
war aber nur Nebenzweck der Gesellschaft. Zwar wurden anfanglich zahl- 
reiche Kolonisten in die Fiebersiimpfe von Louisiana gesendet, und Law selbst 
siedelte auf einem ihm gehorigen 4 Quadratmeilen grossen Landstrich in 
Arkansas 1500 Deutsche und Proven9alen an. Alles trat aber bald vor den 
riesenhaften Bankgeschaften zuriick, welche die Gesellschaft betrieb. Es 
wurden noch im Jahre 1719 weitere 500 ooo Aktien a 500 Franks ausgegeben, 
die bereits am nachsten Tage mit 2000 Franks bezahlt wurden (die Listen 
mussten gleich nach der Eroffnung geschlossen werden, da bereits gleich 
anfangs erne zehnfache Uberzeichnung stattgefunden) . Die Gesellschaft 
pachtete die Miinze, die Tabaksregie und samtliche Staatsdomanen und lieh 
dem Konige 1250 Millionen Franks zur Ablosung der Staatsschuld, wofiir 
sie 3 proz. Obligationen ausgab. 

Am 30. Dezember 1720 fand die erste Generalversammlung unter Vorsitz 
des Prinz-Regenten mit grossen Geprange statt. Es wohnten derselben der 
Herzog von Chartres, sowie eine grosse Anzahl Herzoge, Pairs und Grand 
Seigneurs bei, die sich alle nach dem Muster des englischen Hochadels bei den 
friiheren Kolonialunternehmungen, mit grossen Summen beteiligten. Alles 
neigte sich in ehrfurchtsvoller Huldigung vor Law, als er, umgeben von seinen 
32 Direktoren, die Verteilung von 40 Proz. Dividende ankiindigte. 

Der Andrang bei der Zeichnung neuer Aktien war so ungeheuer, dass, 
trotzdem eine Kompagnie Gardes du Corps Spalier bildeten, doch viele Per- 
sonen zu Tode gedriickt wurden. Noch starker aber war der Sturm auf die 
Kassen, als bald darauf das riesige Unternehmen zusammenbrach, welches 
sehr viel zu der im 18. Jahrhundert in Frankreich eintretenden materiellen 
und moralischen Verarmung beitrug und damit die grosse Revolution vor- 
bereiten half. 

Wahrend aber jetzt die grosse von offizieller Seite betriebene Verpflanzung 
der Kultur nach den feuchten Ufern des Mississippi ins Stocken geriet, ging 
dagegen in Kanada die naturgemasse Ausdehnung nach Westen ungestort 
vor sich. Schon 1717 hatte der Leutnant Robintel de Lanoue das Fort 
Kaministoquoia an der Miindung des gleichnamigen Flusses in der Nordwest- 
ecke des Lake Superior errichtet, wo heute Fort William steht, und ein en regel- 
massigen Handelsverkehr zwischen den Franzosen und den Stammen der 
grossen Cree Nation angebahnt. 

Audi nach Siidwesten ging die Handelsbewegung. 1727 bildete sich in 
Montreal die Compagnie fran9aise des Sioux, um mit diesem weitverbreiteten 
Indianerstamm Pelzhandel zu treiben. Zu diesem Zwecke wurde am Lac Pipin 
das Fort Beauharnais und am Mississippi, wo heute Prescot City steht, das 
Fort Mississippi la Galette errichtet. 

Im Jahre 1731 entdeckte der vom Minister Maurepas ausgesendete 
Chevalier Varennes de la Verandrye in Begleitung des Jesuitenpaters Messager 



2. Kapitel. 57 



den Redriver des Nordens und den grossen Winipegsee, iiber dessen Vorhanden- 
sein schpn lange Geriichte nach Kanada gekommen waren. Er beschloss, diese 
Entdeckungen fur sich auszunutzen und ging mit bewundernswerter Energie 
daran, mit beispielloser Schnelligkeit vom Lake Superior aus eine Reihe mit- 
einander verbundenen Handelsposten nach Westen vorzuschieben. Bereits 
1734 baute er das Fort St. Pierre am Lac la Pluie, 1732 das Fort St. Charles 
am Lac du Bois, 1734 Fort Maurepas am Winipegriver. Von dort aus erreichte 
er den Lac des Cygnes, beriihrte den Elkriver oder Riviere des Biches und 
ging den Saskatschewan, den er nach dem Marquis de Pas Riviere du Pas 
benannte, bis zur Gabelung hinauf. Noch heute nennen die franzosischen 
Mestizen den Nordarm des Saskatschewan mit diesem Namen, wahrend die 
oben erwahnten Seen dieselben Namen, ins Englische iibersetzt, noch heute 
tragen. 1755 entstanden unter seiner Leitung das Fort Dauphin am obern 
und Fort de la Reine am untern Ende des Manitobasee, Fort Bourbon an der 
Miindung des Elkriver in den Winipegsee und Fort Rouge an der Miindung 
des Assinoboine in den Redriver. Ferner die Forts Grand Rapid du Pas, 
Nippissing und La Corne am Saskatschewan. Ein schwerer Schicksalsschlag 
traf ihn im nachsten Jahre. Sein altester Sohn wurde nebst dem Jesuiten 
Pater Armand und 20 Waldlaufern auf einer Insel des Lac du Bois von 
Indianern iiberfallen und ermordet. Dies hielt aber Verandrye nicht ab, seine 
Fahrten zur Ausdehnung des Handels und des franzosischen Einflusses fort- 
zusetzen. Er verliess jetzt diePrairien und wendete sich in Begleitung seines 
zweiten Sohnes und seines Neffen mit einer grossen Expedition nach Siid- 
westen. Langsam vorriickend errichtete er, um den Erfolg zu sichern, eine 
Anzahl Handelsposten als Etappen, und erreichte 1738 das Gebiet der Man- 
danen, damals einer der zivilisiertesten Indianerstamme, der aber heute aus- 
gestorben ist. 1742 wurde der obere Missouri und der Yellowstone iiber- 
schritten, und am i. Juni 1743 gelangte die Expedition an den Fuss der Felsen- 
gebirge, welche Verandrye als erster Europaer erblickte, um dann am Fusse 
der Passe, die in das Wunderland jenseits derselben fiihren sollten, zu sterben. 
(Alle diese Entdeckungen waren in weiteren Kreisen unbekannt, und wurden 
erst beinahe nach einem Jahrhundert durch die Amerikaner Lewis und Clarke 
und andere wieder entdeckt.) Einstweilen iiberlebten ihn seine Schopfungen 
noch. Eine kanadische Gesellschaft unter Bibot und dem Gouverneur von 
Kanada, La Jonquiere, ubernahm die Handelsposten und liess die Ent- 
deckungsreisen fortsetzen, namentlich durch die Offiziere Marin und St. Pierre, 
die 1752 das Fort La Jonquiere in den Rocky Mountains errichteten. Der 
durch den Pelzhandel erzielte Gewinn war ein sehr bedeutender. Belief sich 
doch der Anteil des Gouverneur La Jonquiere auf etwa 300 ooo Franks jahr- 
lich. Dieser wachte auch iiber unliebsame und staatsgefahrliche Konkurrenz, 
und liess 1752 das Kontpr der Jesuiten in St. Louis schliessen, da sie einen 
ziemlich umfangreichen Tauschhandel mit. den Indianern trieben und die 
Biberfelle auf Schleichwegen verbotenerweise nach Albany schickten. Die 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



Jesuiten machten indessen ihren Einflass in Frankreich geltend, La Jonquiere 
erhielt einen heftigen Verweis vom Ministerium, was ihn so argerte, dass er 
einem Gallenfieber erlag. 

Jetzt traten aber wichtigere Interessen, als es der Pelzhandel war, in 
Kanada in den Vordergrund. 1740 war der Krieg zwischen England und 
Frankreich wieder ausgebrochen. Zunachst beriihrte er Kanada wenig, da 
Frankreich sich um die ,,paar Morgen Schnee" nicht bekiimmerte, und Kanada 
mit der Kolonie Newyork eincn geheimen Vertrag geschlossen, sich gegenseitig 
nicht zu schadigen. Desto heftiger entbrannte der Kampf in Neuschottland, 
das von Franzosen und Englandern gemeinschaftlich bewohnt wurde. 1745 
hatte die franzosische Garnison von Louisburg am Kap Breton gegen die 
Bedriickungen ihres Kommandanten Bigot gemeutert, welche Gelegenheit die 
Englander benutzten, die durch einen vorherigen, zwar missgluckten Angriff 
des Admirals Dusquenel auf Annapolis erbittert waren. 4000 Freiwillige 
unter Fiihrung des Kaufmanns Peperell griff en, unterstlitzt durch vier Kriegs- 
schiffe unter Kommodore Waren, Louisburg an, eroberten es und schickten 
die Garnison und samtliche franzosischen Einwohner nach Brest. 1747 drangen 
die Kanadier nach Neuengland vor, unterstlitzt von grossen Schwarmen von 
Indianern. 

Rigaud de Vandreul eroberte mit 700 Kanadicrn und Rothauten Fort 
Massachusets, Comte De St. Luc Fort Clinton und du Lery Fort Bridgeman, 
wahrend de Villicr die Englander in Acadie bei Grand Pre besiegte. Uberall 
wurde das Land total verwiistet, und die siegreichen Kanadier und ihre 
wilden Bundesgenossen zogen, mit Beute schwer beladen, zuriick. Doch die 
Vergeltung blieb nicht aus. 1755 wurde Kanada der Vernichtungskrieg erklart. 
Winslow griff die Franzosen in Acadie an, und bemachtigte sich ihrer letzten 
Stiitzpunkte dort, der Forts Beusepoin und Gaspareaux, wahrend General 
Braddock, in dessen Heere George Washington Oberst war, mit 3000 Mann 
Fort Duquesne eroberte und die Franzosen aus Ohio trieb, selbst aber dabei fiel. 
Der Kriegsschauplatz wurde jetzt nach Kanada verlegt, die franzosischen Forts 
am Hudson und Ontario wur den erobert. Der franzosische Oberkommandant 
fiel, und der jugendliche Montcalm trat an seine Stelle. Ihm gelang es, die 
Einwohner Kanadas noch einmal zu heldenmiitigem Widerstande aufzuraffen. 
Die alten Seigneurs kamen mit ihren Vasallen, die kampfgewohnten Vojageurs 
und Waldlaufer eilten zu den Fahnen. Ausser der regelmassigen Besatzung 
sandte Frankreich fast keine Truppen und sah teilnahmslos dem Schicksal 
seiner besten Kolonie zu. Beide kriegfiihrenden Parteien riefen iibrigens die 
Indianer zu ihrem Beistande herbei. Auf Seiten Englands kampften die alten 
Feinde Kanadas, die Irokesen, auf Seiten Kanadas die Huronen, O jib ways usw. 
Diese mordlustigen Verbiindeten waren oft schwer im Zaum zu halten. Nach 
langerer Belagerung kapitulierten die Forts Oswego, St. George und Ontario, 
wobei die Indianer sich auf die Gefangenen stiirzten, alle ermordeten und 
auch die Kranken im Hospital skalpierten. Ein gieiches Schicksal erlitt die 



2. Kapitel. 



Garnison von Fort William Henry, der freier Abzug zugestanden war. Die 
Indianer durchbrachen aber die Reihen der Eskorte und metzelten alle nieder. 
England bot jetzt alles auf, um diese Niederlagen zu rachen. 80000 Mann, 
worunter 22 ooo Regulare und der Rest amerikanische Milizen und Freiwillige, 
wurden unter Befehl General Abercrombies nach Kanada geschickt. Kanada 
machte die verzweifeltsten Anstrengungen, um dem drohenden Schicksal zu 
entgehen. Alle Post en im Innern wurden aufgegeben und verbrannt, die 
samtlichen waffenfahigen Einwohner dem Feinde entgegengestellt. Es wiirde 
zu weit fiihren, alle Einzelheiten und Wechselfalle des mit der grossten Tapfer- 
keit gefiihrten Krieges aufzufuhren. Die Englander drangen in drei Heer- 
saulen nach Kanada hinein, General Wolfe, der tiichtigste Fiihrer der Eng- 
lander, schlug die Franzosen auf dem Plateau von Abraham mit Hilfe der 
englischen Flotte am 13. September 1759, erlitt aber selbst den Tod auf dem 
Schlachtfelde. Drei Tage spater wurde Quebec erobert. Lord Amherst 
vollendete nun die Eroberung Kanadas, und am 8. September 1760 fiel das 
letzte Bollwerk, Montreal. Im Frieden von Paris, 10. Februar 1763, wurde 
Kanada endgiiltig an England abgetreten und blieb englische Kolonie. Eine 
kleine Anzahl der alt en Seigneurs wanderte aus, die grosse Masse der Be- 
volkerung blieb aber. Noch heute ist der grossere Teil des ostlichen Kanadas, 
namentlich die Provinz Quebec, von einer franzosisch sprechenden Bevolkerung 
bewohnt, und selbst in Montreal hort man ebenso viel Franzosisch, wie Eng- 
lisch. Dabei sind aber die ,,frenchcanadians" durchaus loyale Untertanen, die 
sich als fester Bestandteil des grossen britischen Reichs fuhlen. 

Kaum war iibrigens das Land unterworfen und noch in den letzten 
Zuckungen des Widerstandes begriffen, als auch schon von alien Seiten Eng- 
lander herbeieilten, um an den ihnen so lange verschlossenen Vorteilen des 
Pelzhandels nach dem Innern teilzunehmen. Die ersten waren der Amerikaner 
Alexander Henry und die Englander Stanley Goddard und Ezekiel Salomon, 
denen bald zahlreiche andere folgten. Bereits 1763 war Michillimacinaw an 
der Mtindung des Michigansees der Mittelpunkt des Pelzhandels geworden. 
Von alien Seiten kamen die Indianer in ihren leichten Birkenrindenkanoes 
herbeigeschwommen und brachten reiche Pelzladungen zum Tausch. Dicht 
unter den Mauern des Forts erhoben sich Tausende indianischer Wigwams, den 
verschiedensten Stammen angehorig. Michillimacinaw war neutraler Grund, 
wie die beriihmten Calumetberge am Missouri, wo der Pfeifenstein geholt 
wurde, und wo das Kriegsbeil der Friedenspfeife wich. Am 4. Juni 1763 
wurden samtliche Englander eingeladen, einem grossen Ballspiel (Jeu a la 
crosse) beizuwohnen, das zwischen zwei Indianerstammen, den Chippeways 
und den Sacs, stattfand. Plotzlich fiel der Ball iiber die Mauer des Forts, 
und eine Anzahl Indianer eilten ihm im Eifer des Spiels durch die offen- 
stehenden Tore nach. Im selben Augenblick ertonte der donnernde Kriegsruf 
der Indianer. Tomahawks und Messer blitzten, und ein allgemeines Gemctzel 
der Englander begann. 70 Soldaten der Garnison nebst mehreren Offizieren 



5o II- Geschichte des Ranch warenhandels in Nordamerika. 

wurden ermordet und etwa 20 Kaufleute und Offiziere, darunter Henry, 
Ezekiel Salomon und Major Ethrington, die sich vor der ersten Wut ver- 
borgen halt en, gefangen weggeschleppt. Der grosser e Teil wurde indessen 
unterwegs von den befreundeten Ottowas befreit. Henry wurde von einem 
Ottowa-Krieger adoptiert und machte verschiedene Streifziige mit, bis er 
nach der Niederlage der Indianer, unter dem Hauptling der Sacs Pontac, 
der versucht hatte, alle Indianer gegen die Blassgesichter zu vereinigen, aus- 
gewechselt wurde. 

Anfanglich befolgten die Englander in Kanada die alte franzosische 
Handelspolitik und gestatteten das Betreten des Indianer- Gebiets nur gegen 
besondere Erlaubnisscheine. Bald wurde aber eine liber alere Handelspolitik 
befolgt, und die Beteiligung am Pelzhandel wurde allgemein freigegeben. 

Der erste, der liber den Oberen See hinausdrang, war Thomas Curry, 
der 1766 bis zum Fort Bourbon am Cedarlake gelangte und eine so reiche 
Ausbeute zuruckbrachte, dass er sich vom Geschaft zuriickziehen konnte. Im 
nachsten Jahre gelangte James Findlay bis nach Nepawee, dem letzten franzo- 
sischen Handelsposten am Saskatschewan. Weit hinaus drangten jetzt die 
Scharen der Nachfolgenden, unter denen sich besonders Josef und Thomas 
Frobisher, Peter Pond und Pangman auszeichneten. 

1774 griindete Hearne, der beriihmte Ent decker des Copperminerivers, 
fur die Hudsonsbay Company Fort Cumberlandhouse am Sturgeonlake. 1775 
ging Josef Frobisher bis an den Churchillriver oder, wie er ihn nennt, englisch 
river, wo er die Indianer auf ihrem jahrlichen Zuge nach Fort Churchill an 
der Hudsonsbai traf. Er uberredete sie, ihm die ganze Pelzausbeute, worunter 
allein 12 ooo Biberfelle, zu verkaufen, wodurch der Hudsonsbay Company 
die Zufuhren abgeschnitten wurden. 

Sein Bruder, Thomas Frobisher, errichtete zu gleicher Zeit ein Fort am 
Isle a la Crosse Lake, wahrend James Finlay am obern Saskatschewan das 
Fort des Prairies an derselben Stelle erbaute, wo das franzosische Fort aux 
Trembles gestanden hatte. Dies wurde bald ein Sammelpunkt der Handler, 
ein regelrechter Markt entwickelte sich, und die weiten Grasfluren am Saskat- 
schewan, wo bisher der Bliffel ungestort gegrast hatte, zeigte sich ein leb- 
haftes Treiber. 

1778 legten mehrere Kaufleute am Saskatschewan Waren zusammen und 
schickten damit Peter Pond in das Churchillgebiet. Er entdeckte den 
Athabascawfluss und tauschte ungeheure Mengen Felle von den Indianern 
ein. Im nachsten Jahre begaben sich Peter Pond, Alexander Henry, Josef 
und Thomas Frobisher und Patterson vereint nach dem Athabascawgebiet 
und tauschten hier unter anderm innerhalb 3 Tagen 15 ooo Biber nebst zahl- 
reichen Ottern und Zobeln ein. 1780 entdeckte Peter Pond den grossen 
Sklavensee. 

Die zahlreichen, hier im fernen Westen zusammengestromten Handler 
fuhrten hier, von jeder gesetzlichen Uberwachung frei und mit reichem, 



2. Kapitel. 



61 



miihelos erworbencn Vcrdienst, ein geradezu ziigelloses Leben. Wahrend die 
Hudsonsbay Company den Indianern niemals Branntwein gegeben hatte, 
wurde dieses Gift fiir Naturvolker von den Handlern in grossen Mengen ein- 
gefiihrt und namentlich dazu benutzt, den trunken gemachten Indianern die 
Fellausbeute fast umsonst abzunehmen. Das Faustrecht herrschte, Hazard- 
spiel, Trunkenheit und Auschweifungen aller Art waren an der Tagesordnung. 
Unter den vielfach gemisshandelten Indianern herrschte eine weit verbreitete 
Missstimmung. 

Der Sturm brach los, als eine Abteilung Handler in den Eaglehills einem 
um Branntwein bettelnden Indianer Laudanum gegeben hatten. Der Mord 
wurde auf der Stelle von den Gefahrten des Ermordeten durch Niedermetzlung 
der Schuldigen geracht, dann brach ein allgemeiner Indianerauf stand aus. 



i *' 
| 






Fort William der H. B. C., 
das alte Hauptquartier der North-West Co. 

Zwei Forts am Assinoboine wurden verbrannt, viele Weisse niedergemetzelt. 
Schon war allgemeine Flucht beschlossen, da brachen die Pocken unter den 
Indianern aus und forderten zahllose Opfer. Der Auf stand war beendigt, 
aber mit der beseitigten Gefahr trieben es die Handler arger als zuvor. 

Peter Pond schoss einen Schweizer Kaufmann, Mr. Wadin, einfach nieder 
als dieser ihm Vorhaltungen liber sein ziigelloses Treiben machte. 

Da traten, um diesen Zustanden, die jeden gesetzmassigen Handel zu 
vernichten drohten, ein Ende zu machen, 1783 eine Anzahl der angesehensten 
Kaufleute Kanadas zusammen und griindeten die Northwest Company. 

Sie bestand aus 16 Teilnehmern, die jeder einen Teil der Waren lieferte, 
ohne dass ein eigentliches Gesellschaftskapital existierte. Die Oberleitung lag in 
den Han den zweier grosser Handelshauser in Montreal, B. & J. Frobisher und 
Simon McTavish. 

Peter Pangman bildete indessen mit Gregory, Me Leod und Alex Me Kenzie 
eine Konkurrenzgesellschaft, die kiihn den Kampf gegen die machtige Ver- 
einigung aufnahm und durch ihre rastlose Tatigkeit derselben eine gefahrliche 
Konkurrenz auf den Jagdgebieten des Innern machte. Nachdem aber zwei 



62 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



der Teilnehmer erschossen waren, mussten sie sich aus Kapitalmangel im 
Juli 1787 der grossen Northwest Company anschliessen. 

Die Gesellschaft wurde neu organisiert. Es wurden zwanzig Anteilscheine 
ausgegeben und die Teilnehmer in zwei Kategorien geschieden. Die eine, 
die Kaufleute in Montreal und London, waren die Agents". Diese hatten 
die Waren von England zu importieren, in Ballen von 90 Pfund zu ver- 
packen und bis nach Fort William am Obern See zu schaffen, wohin sich 
jahrlich auch zwei der Agent en begaben, um die eingetauschten Felle in 
Empfang zu nehmen und iiber Montreal nach London zu schaffen, wo sie von 
den Agenten Mac Gillivery & Elli's verauktioniert wurden. Diese bezogen 
hierfur eine Extra vergiitigung. Spater wurde iibrigens ein grosser Teil der 
Waren von der Westkliste direkt nach China gesendet. 




York Fort der H B C. 

Die andern Teilnehmer waren die ,, Wintering partners", denen es oblag, 
die importierten Waren auf den Stationen des Innern gegen Rauchwaren um- 
zusetzen und diese nach Fort William zu schaffen. Es erforderte dies ein 
grosses Personal, und beschaftigte die Gesellschaft im Jahre 1798 50 Clerks, 
70 Dolmetscher, 1120 Kanoeleute (Voyageurs) und 35 Fiihrer (Guides). 

In dem letztgenannten Jahre traten einige Partner aus und bildeten eine 
Konkurrenz-Gesellschaft, die XX. Company, wahrend die alte Gesellschaft 
die Teilnehmerzahl auf 46 erhohte. 

Der Konkurrenzkampf war ein ausserst scharfer. Die Voyageurs der 
beiden Gegner suchten sich gegenseitig die Jagdbeute der Indianer, die haufig 
von der Gegenpartei schon Vorschiisse erhalten, abzujagen und zogen denselben 
oft weit entgegen, unter Bewahrung der grossten Heimlichkeit. Trafen sich 
dann zwei solche Parteien unterwegs, so kam es stets zu Raufereien, wobei 
nicht selten die Biichse als ultima ratio diente. 



2. Kapitel. 



Dieser wilde Zustand dauerte bis iSog, da vcreinigten sich, des langen 
Haders miide, beide Widersacher zu einer neuen Northwest Company. Ein 
festes Kapital von 120 ooo Pfund Sterling wurde aufgebracht und 100 Gewinn- 
anteile ausgegeben. 

Den streitbaren Nordwestleuten schien aber bald der Handel ohne fort- 
wahrende Kampfe sehr eintonig und sie suchten jetzt einen neuen Gegner, um 
ihre Kraft zu erproben. Da bot ihnen die Hudsonsbay Company den ge- 
wiinschten Anlass, indem diese die Unverschamtheit hatte, am Handel in 
ihrem eigenen Gebiet teilnehmen zu wollen. 

Lange Zeit hatte die Hudsonsbay Company gebraucht, um sich zu diesem 
Entschluss aufzuraffen, doch war ihr dies auch durch innere und aussere Feinde 
erschwert worden. 

Als 1713 ini Frieden zu Utrecht die Franzosen gezwungen wurden, die 
Lander an der Hudsonsbai aufzugeben, schopfte die englische Kompanie neue 
Kraft, dehnte ihre Unternehmungen weiter aus und riistete mehrfach Ent- 
deckungsexpeditionen aus, um das Gebiet genauer kennen zu lernen. Zwar 
hatte sie schon 1690 einen jungen Mann, Henry Kelsey, weit in das Innere 
entsendet, doch hinderten die Kriegswirren, den Entdeckungen desselben 
praktische Folgen zu geben. 

Der Schwerpunkt des Handels wurde jetzt von Eastmaine nach New- 
Wales verlegt. Yorkfort wurde das Emporium. 1718 wurde am Churchillriver 
das Prince of Wales Fort gegriindet, 1730 Moosefactory am Mooseriver, 
Sluderiver Factory in Eastmaine, denen andere folgten. 

1719 riistete die Hudsonsbay Company auf ihre Kosten eine Expedition 
zur Auffindung der Nordwestlichen Durchfahrt aus. 

Dieselbe bestand aus der Fregatte ,, Albany" und der Schaluppe Discov- 
ery", unter Kommando des achtzigjahrigen Veteranen James Knight. Als 
1721 noch keine Nachricht zuriickgekommen war, sandte die Hudsonsbay 
Company die Schaluppe ,, Whalebone", unter Kapitan Scroggs, zur Auf- 
suchung der Verschollenen aus. Zwei Jahre lang wurde das Inselgewirr 
nordlich von der Hudsonsbai vergeblich nach Spuren durchforscht. Erst 
50 Jahre spater wurden die Uberreste der Schiffe durch Zufall auf der West- 
seite vori Marbleisland aufgefunden 

Auf Betreiben des Londoner Geographen Arthur Dobbs sandte die Ge- 
sellschaft 1736 die Schaluppen ,, Churchill" und ,, Musquash" und 1742 eine 
weit ere Expedition unter Kapitan Middleton mit der Galeasse ,, Furnace" 
und der Pinasse ,, Discovery" zur Aufsuchung der Nordwestlichen Durchfahrt. 
Nach sorgfaltiger Untersuchung kamen beide Expeditionen unverrichteter 
Sache zuriick, und Middleton erklarte, dass seiner Ansicht nach es unmoglich 
sei, in diesen Gegenden die gesuchte Durchfahrt zu finden. 

Dies erregte den Fanatiker Dobbs so, dass er offentlich erklarte, Middleton 
sei von der Hudsonsbay Company bestochen worden, da diese sich ihren Ver- 
pflichtungen zu den Entdeckungsfahrten entziehen wolle. Durch seine fort- 



6 4 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



gesetzte Agitation gegen die Gesellschaft setzte er es durch, dass 1749 eine 
Parlamentskommission zur Untersuchung eingesetzt wurde, aus welcher die 
Hudsonsbay Company indessen gerechtfertigt hervorging. Dobbs Betreiben 
war es 1746 gelungen, das Parlament zu bewegen, einen Preis von 20 ooo Pfund 
fiir die Entdeckung der Durchfahrt auszusetzen, fiir die damalige Zeit eine 
ungeheure Summe. Ausserdem brachte er durch offentliche Sammlungen 
weitere 10000 Pfund zusammen, mit welchen Mitteln die beidenSchiffe,, Dobbs 
Galley" von 180 Tonnen und ,, California" von 140 Tonnen, ausgeriistet und 
unter Kapitan Ellis zur Aufsuchung abgesendet wurden. Auch diese kehrten 
unverrichteter Sache zuriick, worauf die Fahrten lange Zeit ruhten. Tat- 
sachlich wurde die Durchfahrt mehr als 100 Jahre spater durch Macclure ent- 
deckt, und erst 1907 durch Raoul Amundsen mit derGaa wdrklich durchfahren. 






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Moose River Factory der H. B. C. 

Die fortwahrenden Angriffe gegen die Hudsonsbay Company hatten nur 
bewirkt, dass dieselbe erst recht saumselig in der Erfullung ihres Charters wurde. 
Die riihrige Konkurrenz sollte sie indessen bald aus ihrem Schlummer wecken. 

Kleine Scharen kanadischer Handler verletzten fortw r ahrend ihr Gebiet. 
1750 drang sogar eine kecke Abteilung franzosischer Waldlaufer bis nach 
Moosefactory, pliinderte die Aussenwerke und fiihrte ausser w r ertvollen Waren 
auch zwei schone Messinggeschiitze nach Michillimacinaw. 

1744 wurde an Stelle des alten Prince of Wales-Forts ein neues, mit 
grossen Kosten nach europaischem Muster erbautes, Fort errichtet, das lange 
Zeit das Wunder der Eingeborenen bildete. 1760 wurden mehr ere Posten 
auch im Innern errichtet, wie Fort Nelson, Fort Splitlake, doch ging man 
damit sehr langsam voran. 

1761 und 1762 wurden Christopher und Nelson nach dem Chesterfield 
Inlet gesendet, um dort fiir Rechnung der Kompanie Seehund- und Walfang- 
stationen einzurichten. 



2. Kapitel. 




Alexander Mackenzie, 

der erste, der von Osten kommend, 

den Stillen Ozean auf dem Landwege 

erreichte. 



Die vielfachen Geriichte iiber das Vor- 
kommen reicher Kupferlager im Innern 
veranlassten die Gesellschaft, 1769 den 
Chieftrader Samuel Hearne zur Er- 
forschung derselben auszusenden. Dieser 
entdeckte den kleinen Fischfluss, den 
Athabascawsee usw. und endlich im 
Juli 1771 den Coppermineriver. 

Bei den grossen Fallen desselben 
metzelten Hearnes Begleiter eine Ab- 
teilung der harmlosen. Copperindianer 
mil Frauenund Kinder nieder, wonach 
die Stelle den Namen Bloodyfalls er- 
hielt, und Hearne die Riickreise an- 
treten musste. Hierbei sah er, wie 
die Kanadier sich bereits am Atha- 
bascaw festzusetzen begannen, und auf seine 
Veranlassung erfolgte bald darauf die Griin- 
dung von Cumberlandhouse am Sturgeonlake 
im Jahre 1774. 

Jetzt wurde die Hudsonsbay Company 
aber wieder durch kriegerische Ereignisse in 
der Entwicklung gestort. 

Ein franzosisches Gesch wader von 3 Kriegsschiffen unter Admiral Lapey- 
rouse erschien im August 1782 in der Hudsonsbai . Prince of Wales-Fort, das 
stark befestigt, 42 Geschiitze, aber nur 39 Mann Besatzung besass, ergab sich 
und wurde ausgeplundert, grosse Mengen feiner Pelze weggefiihrt. 

Dann erschien die Flotte vor Yorkfort. Auf der Reede lagen zwei Schiffe 
der Kompanie, von denen eins entkam, das andere in Brand geschossen wurde. 
Der Kommandant des Forts versuchte erst Widerstand, ergab sich aber, als 
die Franzosen 300 Mann und mehrere Geschiitze landeten. Alle vorgefundenen 
Waren wurden verbrannt und die Besatzung kriegsgefangen nach Frankreich 
gebracht. 

Nach ziemlich kurzer Zeit waren die Folgen dieses Schlages iiberwunden, 
und die Hudsonsbay Company nahm ihre fortschreitende Tatigkeit wieder 
auf. In den Jahren 1789 1792 hatte der Northwest Partner Alexander 
Mackenzie mit dem Clerke Le Roux von Fort Chipewyan am Athabaziaw 
aus abfahrend, den grossen Sklavensee, Barensee etc. erforschend, den 
nach ihm benannten Mackenzie River entdeckt und bis zur Miindung ins 
Eismeer herab befahren und dann die Felsengebirge iiberschreitend als erster 
auf dem Landwege von Osten her die Ufer des Stillen Ozeans erreicht. 
Er entdeckte den Fraserriver, kehrte iiber das Gebirge und den Peaceriver 
wieder nach Chipewyan zuriick. Die Hudson -Bay Company wetteifertc 

5 



66 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

nun mil der N. W. Co. diese Entdeckung auszunutzen. 1793 reichte ihre 
Postenkette bereits bis zum Tal des Saskatchewan und erreichte 1805 den 
Assinoboine. 

Bis jetzt waren sie von der North west Company unbehelligt geblieben, sobald 
aber die beiden feindlichen Northwest Companys sich vereinigt batten, wie oben 
geschildert, wandten sie sich, auf das Recht des Besitzes pochend, gegen den 
gesetzmassigen Eigentumer des Territoriums und vertrieben die An- 
gestellten der Hudsonsbay Company unter Fiihrung des Mr. Fiddler in 
den Jahren 1805 bis 1808 mit Gewalt ganzlich aus dem Athabascawgebiet. 
Ja, die ritterlichen Pelzjager trugen nun den Krieg direkt in das Gebiet des 
Feindes und errichteten an der Kiiste der Hudsonsbai selbst, am Hayesriver 
und auf Charletonisland Handelsposten, die bis zum Jahre 1813 in ihrem 
Besitz blieben. Dies wurde dem Direktorium der Hudsonsbay Company doch 
zu viel, und ernstliche Schritte zur Wahrung ihrer Rechte wurden unter- 
nommen. 

Zunachst erhielt der Earl of Selkirk, dem ein Drittel des gesamten Aktien- 
kapitals gehorte, 1811 einen Landstrich von 4% Millionen Acres (i Acre zirka 
i% Morgen) am Redriver zur Anlage einer Kolonie geschenkt. 

(Dieser Komplex, auf dem Winipeg steht, besitzt heute einen Wert von 
ungefahr 40 50 Millionen Pfund.) 

Lord Selkirk bezweckte damit, erstens dem Handel der verhassten North- 
west Company, deren Hauptlebensmitteldepots sich dort befanden, einen 
empfindlichen Schlag zu versetzen, und zweitens seinen armen Landsleuten 
von den sterilen Hugeln und Mooren Schottlands eine neue Heimat an den 
fruchtbaren Ebenen des Redrivers zu schaffen. 

Bereits anfangs 1812 trafen eine Anzahl schottischer und irischer An- 
siedler ein und errichteten im Herbst das Fort Daer. Im nachsten Jahre langten 
zahlreiche Verstarkungen an, ein zweites Fort, ,,Pembina", wurde erbaut 
und die Kolonie organisiert. 

Gouverneur wurde Miles Mac Donell, dem der Chieffactor der Hudsonsbai 
Company, John Mac Leod, ratend zur Seite stand. Nun brach ein offener 
Krieg zwischen den beiden Konkurrenten aus, und es ist schwer zu sagen, 
welche Seite das meiste Unrecht veriibte. 

Den Reigen eroffnete Miles Mac Donell, indem er in einer Proklamation 
vom 21. Oktober 1814 die Ausfuhr und Durchfuhr von Lebensmitteln verbot, 
den Ansiedlern untersagte, der Northwest Company irgend etwas zu verkaufen 
oder deren Angestellte jagen zu lassen . Die Vertreter dieser Gesellschaft 
wurden aufgefordert, innerhalb sechs Monaten das Land zu verlassen. Es blieb 
nicht bei der Drohung allein. 

Im Fruhjahr 1815 nahm er in Begleitung des Sheriffs Spencer und 
40 Bewaffneter die mit Lebensmitteln eintreffenden Barken der Northwest 
Company weg und belagerte deren Fort ,, Gibraltar" an der Gabel des Red- 
river. Durch Vermittlung einiger Partner der Northwest Company wurde 



2. Kapitel. 67 



jedoch die Belagerung aufgehoben, und der halbverhungerten Besatzung 
200 Sack Pemmican zuriickgegeben. 

Dies erbitterte die bisherigen Beherrscher des Westens aufs hochste. Die 
Indianer und die zahlreichen, meist im Solde der Northwest Company stehenden 
Halbblutindianer wurden aufgewiegelt, wahrend die Nordwestpartner Duncan 
Cameron, Alexander Mac Donald und Seraphim Lamar in ihren stattlichen 
Uniformen als Offiziere eines Freiwilligenkorps (the Volunteer voyagers 
Brigade) unter den Ansiedlern umhergingen und diese sowohl gegen ihre 
Fiihrer aufhetzten, als vor den Indianern warnten. Ein Teil der Ansiedler 
ging auch wirklich nach dem Fort der Nordwest-Gesellschaft, um sich unter 
deren Schutz zu stellen. Gestiitzt auf seine Ubermacht, verhaftete jetzt 
Cameron als Friedensrichter den Sheriff John Spencer und den Chieffactor 
Mac Leod. Zwei Tage spater erbrachen 50 Halbindianer unter Fiihrung der 
Nord wester Cutbert Grant, William Shaw, Georg Campbell, Bostonois und 
Pangman die Vorratshauser der Hudsonsbay Company, brannten dieselben 
nieder und schleppten die Vorrate, Waff en, Munition usw. weg. Auch das 
Vieh der Ansiedler wurde weggetrieben und die zur Verteidigung ihres Eigen- 
tums heraneilenden Kolonisten mit Schiissen empfangen. 

Auf die Kunde von diesen Vorfallen eilte Miles Mac Donell herbei und 
nahm den Partner William Shaw gefangen, wurde aber selbst von starken 
Scharen der Nord wester im Fort Pembina belagert. Zwei Sturmangriffe 
wurden zuriickgeschlagen, wobei mehrere Ansiedler fielen. Endlich musste 
er aber der Ubermacht weichen und ergab sich am 16. Juni 1815 dem Partner 
Duncan Cameron und dem Agenten Mac Kenzie. Die Kolonisten und samt- 
liche Hudsonsbai-Leute mussten die Ansiedlung raumen, die sofort von 
Cutbert Grant und William Shaw niedergebrannt wurde. Etwa 150 Familien 
der Ansiedler gingen nach Kanada und 15 Familien nach dem Hudsonsbai- 
Fort Norway House am Winipeg-See. Miles Mac Donell wurde nach Fort 
William als Gefangener geschleppt. Mac Leod blieb allein bei den rauchenden 
Trummern zuriick. 

Wahrend so der erste Schlag gegen die Northwest Company missgluckt 
war, bereitete sich eine zweite Unternehmung in Montreal vor. 

Ein friiherer Teilnehmer der kanadischen Gesellschaft, Colin Robertson, 
war vom Earl Selkirk gewonnen und beauftragt worden, in Montreal eine 
Expedition nach der Art der Nordwester zu organisieren, direkt in das feind- 
liche Gebiet zu fuhren und dort Forts anzulegen. 

Robertson unterzog sich seiner Aufgabe mit grossem Geschick. Im 
Oktober 1814 in Montreal angelangt, war es sein erstes, Zwietracht unter den 
Mitgliedern der Konkurrenz-Gesellschaft zu erregen und mehrere der Unzu- 
friedenen fur seine Expedition zu gewinnen, darunter die Partner Fraser, 
Logan, Mac Kenzie, Pritchard und Decoigne. Ausserdem gelang es ihm, 
einen tiichtigen Amerikaner, Clarke, der fur Astor an der Westkiiste gewesen, 
als Unterbefehlshaber, sowie eine Anzahl junger Leute als Offiziere zu enga- 

5* 



58 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

gieren nebst 400 erfahrenen Bootsleuten. Agent der Hudsonsbay Company 
in Montreal wurde die Firma Maitland, Audjo & Garden. 

Am 13. Mai 1815 ging die Expedition in 22 grossen Kanoes nach dcm 
Redriver, wo man am 14. Juli, also mehrere Wochen nach Zerstorung der An- 
siedlung, anlangte. Colin Robertson verteilte nun seine Streitmacht in die 
Athabascaw-, Slavelake- und Isle a la Crosse-Distrikte. Er selbst fuhrte den 
Rest der Kolonisten von Norway House am Winipeg nach dem Redriver 
zuriick. Hier errichtete er ein festes Fort Douglas, dem Nordwest-Fort 
Gibraltar gerade gegeniiber. 

Die Northwest Company griff sofort wieder zu den Waff en. Der Nord- 
wester Black ermordete ungestraft den Faktor Johnson von der Hudsonsbay 
Company, wahrend der Partner Alexander Mac Donell sich des Hudsonsbai- 
Handelspostens am Qu'appelle River bemachtigte. Robertson nahm nun 
kurzerhand Fort Gibraltar weg, worauf ein Waffenstillstand eintrat, und die 
gegenseitigen Eroberungen wieder ausgetauscht wurden. Die Ruhe war aber 
nur von kurzer Dauer. A. Mac Donell eroberte Brandonhouse, worauf Robert- 
son Fort Gibraltar iiberrumpelte und dessen Kommandeur, Duncan Cameron, 
zum Gefangenen machte. 

In Fort Gibraltar war eben der ,,Winterexpress" eingetroffen, die auf 
Hundeschlitten von alien Stationen nach Fort William beforderte Post der 
Northwest Company. Colin Robertson erbrach einfach die Briefe und sah 
daraus, dass Mac Gillirray und Mac Intosh den Plan gefasst hat ten, die 
Kolonie durch die Indianer ausrotten zu lassen. Duncan Cameron wurde ge- 
fesselt nach Yorkfort geschafft, von wo aus jetzt ein neuer Gouverneur, 
Mr. Semple, eintraf. Dieser geriet bald mit Robertson in Streit, so dass 
letzterer sich entschloss, nach England zuriickzukehren. 

In Yorkfort ereilten ihn jedoch verschiedene Trauerbotschaften. Seine 
Expedition hatte an fangs mit vielem Gliick operiert und zahlreiche Forts am 
Athabascaw, Kleinen Sklavensee, Kneelake, Greenlake und Isle a la Cross 
gegriindet, und hatte namentlich Clarke in dem neu gegriindeten Fort Wedder- 
bourne im Athabascaw-Distrikt der Northwest Company schwere Konkurrenz 
bereitet. Leider liess er sich aber verleiten, mit einer nur geringen Macht nach 
dem Peaceriver aufzubrechen, und hier ereilte ihn eine Katastrophe. 

Die Northwest Company hatte die Indianer uberall mit der Ankiindigung 
vertrieben, dass die neuen Ankommlinge die Pocken mitbrachten. Jetzt 
wurden nun alle Zufuhren abgeschnitten und selbst die Fischnetze der Hudsons- 
bai-Leute zerstort, so dass 16 Mann dem Hungertode erlagen, und der Rest 
sich gefangen gab. Samtliche Vorrate und Felle wurden von der siegreichen 
Rivalin beschlagnahmt. Noch war Robertson unschliissig, was zu tun, da 
traf die Nachricht von einer noch grosseren Katastrophe ein. 

Am ii. Juni war Fort Gibraltar geschleift worden. Gouverneur Semple, 
der die Nordwester stets als ganz verachtliche Gegner betrachtet hatte, und 
eben deshalb auch mit Robertson in Streit geraten war, traf keinerlei Vor- 



2. Kapitel. 60 



sichtsmassregeln, und wies auch einen Jager, Mustouche, der ihm am 17. Juni 
die Nachricht vom Herannahen einer starken, feindlichen Reiterschar brachte, 
als unniitzen Schwatzer ab. Er wies auch die Ansiedler, die Schutz im Fort 
suchten, unwillig hinaus. Da sprengten am Morgen des 19. plotzlich Hunderte 
von Reitern mit geschwungenen Biichsen heran und begannen alle auf den 
Feldern arbeitenden Ansiedler nach der Frogplain zusammenzutreiben. Semple 
ging mit 20 Begleitern den Feinden entgegen, sandte aber, als er die grosse 
Ubermacht gewahrte, nach dem Fort zuriick, um ein Feldgeschutz kommen 
zu lassen, wartete indessen dessen Eintreffen nicht ab, sondern eilte vorwarts 
nach Frogplain, um die Freilassung der Settler zu erwirken. Im Augenblick 
war er von etwa 60 Reitern umzingelt, und Bouche, ein Angestellter der North- 
west Company, forderte ihn in frechem Tone zur sofortigen Ubergabe des Forts 
auf. In diesem Augenblicke fiel der bekannte zufallige Schuss, der nun das 
Signal fur die Nordwester gab, mit dem Feuern zu beginnen. Die meisten 
Hudsonsbaileute fielen sofort. Dr. White, Rogers und Me Lean wurden nach 
heldenmiitiger Verteidigung mit der blanken Waffe, niedergeschossen. Gou- 
verneur Semple, durch Schulter und Knie geschossen, ergab sich an Cuthbert 
Grant, wurde jedoch von den Halbindianern sofort niedergemetzelt. 

Nur Mr. Pritchard wurde gefangen genommen, Fort Douglas zur Uber- 
gabe gezwungen. 

Mac Leod, der jetzt mit 30 berittenen Partnern und Clerks, sowie 150 
Voyageurs del Northwest Company eintraf, liess Fort Douglas niederbrennen, 
entliess aber die Gefangenen. Die Sache der Hudsonsbay Company hatte 
einen schweren Schlag erlitten, die ganze mit so grossen Kosten unter- 
nommene Expedition war gescheitert, und die alte Pioniergesellschaft schien 
ihrer ruhrigen jungen Rivalin zu erliegen. 

Robertson wollte sich nach England begeben, wurde aber durch das fruh- 
zeitige Einsetzen des Eises schon am 20. August daran verhindert. 

Jetzt erschien aber Lord Selkirk selbst auf dem Schauplatze. Er warb 
in Montreal die beiden soeben entlassenen Soldnerregimenter De Meuron and 
Watteville an, aus Deutschen, Italienern, Franzosen und Norwegern bestehend, 
unter Kapitan d'Orsonnais und Mathey und Leutnants Gravenreuth und 
Fouche und ging damit nach dem Westen. Am 13. August 1816 erstiirmte er 
mit seiner Schar das Hauptemporium der Northwest Company, Fort William, 
nahm die dort anwesenden 20 Partner unter dem Fuhrer William Me Gillivray 
gefangen und sandte sie nach Montreal. Auf der Fahrt dahin fanden der 
Partner Kenneth Me Kenzie mit 8 Gefahrten durch Umschlagen des Bootes 
den Tod in den Wogen des Lake Superior. 

Die in Fort William vorgefundenen Vorrate und Felle im Werte von 
100 ooo Pfund wurden konfisziert. 

Am 9. Oktober fiel das Fort am Lac La Pluie in Selkirks Hande, und 
am 10. Januar 1810 wurde Fort Douglas zuriickerobert. Auch im Norden war 
der Kampf aufs neue entflammt. Die Fuhrer beider Parteien besassen Be- 



70 II- Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

stallungen als Friedensrichter und erliessen gegen die Konkurrenten Verhafts- 
befehle wegen Landfriedensbruch. Es ging dabei zu wie bei den Fehden des 
Mittelalters, ohne jede Riicksichtnahme auf die Landesregierung. 

Am 2. Dezember eroberte Alexander Stewart (Northwest Company) 
Greenlakefort, nahm Decoigne und Lewis gefangen und zerstorte das 
Fort. Am 2. Januar lud Mac Leod, der das Nordwest-Fort Chipewyan am 
Athabascaw befehligte, John Clarke und die Offiziere der H. B. C. Forts 
Wedderbourne zum Diner ein, nahm sie aber dabei einfach gefangen und be- 
machtigte sich des Forts. Fort Pierre au Calumet und Fort Coutonne wurden 
ebenfalls uberrumpelt und die Hudsonsbayleute gefangen genommen, wobei 
es nicht ohne Blutvergiessen abging. 

Am 16. Mai 1817 bemachtigten sich Black und Ogden des H. B. C. Forts 
Isle a la Crosse, wobei zwei Mann, L'amoureux und Johnstone, fielen, und der 
Chieffactor Me Leod gefangen weggeschleppt wiirde. 

Am 2. Januar begaben sich die Northwestclerks Robert Me Robbins 
und John Me Bean mit Verhaftsbefehlen des Friedensrichters Mitchell nach 
Fort William und erklarten den Lord Selkirk, Kapitan Mathey und Leutnant 
Mac Nabb als verhaftet, wurden aber mitsamt den Verhaftsbefehlen durch 
Soldaten vom de Meuron-Regiment einfach hinausgeworfen. 

Die Fehde war aber doch von der Regierung nicht ganz unbeachtet ge- 
lassen. Das Blaubuch vom 12. Juni 1819 teilte dem englischen Parlament 
mehrere hundert Depeschen mit, die iiber diese Angelegenheit zwischen der 
englischen und der kanadischen Regierung gewechselt waren. 

Der kanadische Gouverneur Sir Gordon Drummond und der Leutnant- 
General Sherbrook schienen darin mehr auf Seiten der Northwest Company, 
die englische Regierung unter dem Kolonialminister Earl Bathurst mehr auf 
seiten der Hudson sbay Company zu sein. 

Der Prinzregent erliess eine Proklamation, worin er bei schwerer Strafe 
die Fortsetzung der Feindseligkeiten verbot. Diese blieb aber ohne Erfolg. 
Mit der Proklamation in der Hand veriibte William Shaw als Friedensrichter 
am Lac La Pluie eine Reihe der argsten Gewalttatigkeiten, und die Gou- 
verneure von Ober- und Unterkanada, Lord Sherbrooke und General Gore, 
Nachfolger des Generals Gordon Drummond, wiesen in ihren Berichten immer 
wieder auf die Unmoglichkeit des Eingreifens hin. 

Earl Selkirk unterwarf sich und gab die eroberten Forts heraus, obgleich 
die stolzen Barone der Northwest Company sich weigerten, ein Gleiches zu 
tun, und verlangte die Einsetzung einer unparteiischen Kommission. 

Earl Bathurst ordnete auch die Entsendung zweier unparteiischen 
Gerichtspersonen nach dem Kriegsschauplatze an, worauf Lord Sherbourne er- 
widerte, in ganz Kanada gabe es uberhaupt keine zwei unparteiischen Personen. 

Endlich wurden doch zwei Herren ermittelt, die diese seltene Eigenschaft 
hatten, Major Coltman und Mr. Fletcher, die in Begleitung von 40 Soldaten 
des 70. Regiments nach dem Westen abgingen. 



2. Kapitel. 



Lord Selkirk, Mathey, d'Orsonnais und Allan stellten Biirgschaft fiir ihr 
Erscheinen vor Gericht, und Colin Robertson eilte ebenfalls in einem Kanoe 
von Norwayhouse nach Montreal, um sich freiwillig zu stellen, wahrend ihn 
die Northwest Company in Ketten dahin schleppen wollte. Die Kommission 
berichtete ziemlich giinstig iiber die Hudsonsbay Company, deren Vorgehen 
zwar auch nicht gesetzlich gewesen sei, die aber durch die Ubergriffe der 
Nordwestleute dazu gezwungen sei, auch habe sie kein Blut vergossen, wahrend 
die letzteren sogar vorbedachten Mord veriibt hatten. 

Einer der argsten Falle war folgender : Mac Leod und Mac Gillivray 
waren nach Zerstorung der Redriverkolonie in aller Eile nach Fort William 




Fort Norway House der H. B. C. mit Landungsbriicke. 

zuriickgekehrt, da sich ein Geriicht verbreitete, der gefurchtete Colin Robertson 
sei im Anzuge. Hierbei wurde ein Offizier der Hudsonsbay Company, Owen 
Kevenney, in einem Kanoe auf dem Lac Bonnet iiberrascht und in Hand- 
schellen mitgefuhrt. Da der Transport desselben bald lastig wurde, gaben 
die Partner Mac Lellan und Archibald Mac Donnell der Bedeckungsmannschaft 
den Befehl, ihn bei nachster Gelegenheit beiseite zu schaffen. Dieser Auftrag 
wurde dann durch den deutschen Korporal Reinhard und den Halbindianer 
Menville ausgefiihrt und Owen Kevenney an den ,, Dalles", einer Tragstelle 
des Winipegrivers, auf barbarische Weise ermordet. Am Lac Vermillion in- 
dessen wurde die ganze Schar vom Kapitan d'Orsonnais gefangen und der 
Kommission iibergeben, die Mac Lollan, Lamar, Menville, Bastonois und 
Pangman in Ketten nach Kanada schickte. 

Hier bereitete sich ein Monstreprozess vor. Auf einer Seite standen 17 
der Hauptpartner der Northwest Company und eine grosse Anzahl ihrer Unter- 
gebenen, des Mordes, der Aufreizung der Indianer, des schweren Landfriedens- 



72 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

bruchs und des Hochverrats angeklagt, auf der andern Scite Lord Selkirk, 
die Offiziere der Regimenter de Meuron und Watteville, die auf Grund ihrer 
Biirgschaft erschienen, Bourke, Mac Leod, Pritchard, Clarke, Decoigne und 
mehrere Offiziere der Hudsonsbay Company, die von den Nordwestern ge- 
fangen eingeliefert waren, und Colin Robertson, der sich frciwillig gestellt 
hatte, alle des einfachen Landfriedensbruchs bezichtigt. 

Der Prozess wurde auf alle mogliche Weise in die Lange gezogen, von 
Unter- nach Oberkanada verlegt und mehrfach die Jury gewechselt und 
endlich, als dieselbe 8 Tage lang eingeschlossen sass, ohne sich einigen zu 
konnen, wurde der Prozess auf Antrag des der Northwest Company giinstig 
gesinnten Attorney General auf unbestimmte Zeit vertagt und die Unter- 
suchung ganz fallen gelassen. 

Nur Lord Selkirk wurde auf dem Wege der Zivilklage zur Zahlung von 
500 Pfund Entschadigung an Daniel Mac Kenzie wegen unrechtmassiger Ein- 
kerkerung verurteilt. 

Nun ging aber der Tanz erst recht los, und im Indianergebiet entspann 
sich der Kampf aufs neue. 

Colin Robertson und John Clarke fiirirten eine starke, neu gesammelte 
Expedition in das Athabascawgebiet, wo sie bald den alten Einfluss auf die 
Indianer gewannen. Hier wurde aber Robertson eines Tages vor seinem Fort 
Wedderbourne durch eine Streifschar Nordwester unter Simon Me Gillivray 
iiberf alien, nach Fort Chipewyan gebracht und dort 8 Monate in enger Haft 
gehalten. Im Friihjahr wurde er dann unter starker Bedeckung nach Montreal 
geschickt. Bei Cumberland!] ouse befreiteihn indessen eine Schar Hudsonsbay- 
Voyageurs und begleitete ihn nach dem Athabasca wriver zuriick. 

Der Gouverneur William nahm jetzt am Grand River die Wintering- 
partner der Northwest Company, Simon Me Gillivray, Me Intosh, Me Tavish, 
\Villiam Shaw, Campbell und Frobisher gefangen und brachte sie nach York- 
fort. Frobisher entsprang auf dem Transport, erlitt aber den Hungertod in 
den Siimpfen des Hayesriver. Dieser Schlag lahmte die Unternehmungen der 
Northwest Company, wahrend die Hudsonsbay Company unter der energischen 
Fiihrung von Clarke und Robertson sich immer weiter ausbreitete, den 
Peaceriverdistrikt in Angriff nahm, dort zahlreiche Forts errichtete und dann 
die Rockymountains iiberschritt und ,,Neukaledonien" (British Columbia) 
dem Pelzhandel erschloss. Auch an dem machtigen Mackenzieriver im hohen 
unwirtlichen Norden wurden Handelsposten erbaut. Alle Nordwester, die 
man antraf, wurden gefangen genommen. Robertson fuhrte dann eine Kanoe- 
brigade mit ungemein reicher Pelzausbeute zuriick. Hierbei geriet er selbst 
in einen Hinterhalt und wurde durch eine starke Truppe Nordwester auf 
weiten Umwegen nach Montreal gebracht. Am Sault de St. Marie am Siid- 
ende des Obern Sees, gelang es ihm durch einen kiihnen Sprung sich zu be- 
freien und, von Polizisten dicht verfolgt, das Gebiet der Vereinigten Staaten 
zu gewinnen. Von hier aus begab er sich nach England, wo gleichzeitig mit 



2. Kapitel. 



ihm zwei Abgesandte der Northwest Company, Dr. Bethune und Angus Shaw, 
eintrafen, urn Friedensvorschlage zu unterbrciten. 

Nach langeren Verhandlungen kam auch am 26. Marz 1821 der Friedens- 
vertrag zustande. Die stolze Konigin des Westens horte auf zu existieren und 
wurde mit der Hudsonsbay Company vereinigt. Das gesamte Geschaft sollte 
unter dem alleinigen Namen der H. B. C. gefiihrt werden und zwar vorlaufig 
auf 21 Jahre. Die Northwest Company brachte 200 ooo Pfund ein, wahrend 
die Hudsonsbay Company ihr Kapital durch Nachzahlungen auf die gleiche 
Hohe brachte. 

Die Geschafte wurden nach wie vor in London von dem Gouverneur und 
Komitee der H. B. C. in ihrem Hause in Fenchurch Street (jetzt in Limestreet) 
geleitet, aber in Amerika wurde die Verwaltung ganzlich geandert. Hier fuhrte 
ein Gouverneur, dem 25 Chieffactors und 28 Chieftraders zur Seiten standen, 
die Geschafte. Alljahrlich fand eine Versammlung dieser statt, denen die 
hochste Gewalt im Gebiete zustand. 

Vom Reingewinn wurden jahrlich nur 60 Proz. fur die Aktionare be- 
stimmt. Die iibrigen 40 Proz. wurden in 85 Teile geteilt. Jeder Chief factor 
erhielt hiervon 2, jeder Chieftrader i. Vier Teile sollten fur die nachsten 
7 Jahre an alte Diener und 3 Teile an Me Gillivray & Ellice als Ent- 
schadigung gezahlt werden. Nach Ablauf der 7 Jahre werden diese 7 Teile 
als Pension fur ausgetretene Chief fact or en oder Chieftrader bestimmt. 

Jeder Chief factor und Chieftrader hatte nach dreijahriger Uberwinterung 
die Berechtigung, beim Austritt einen vollen Jahresanteil und noch 4 Jahre 
lang einen halben Anteil zu beanspruchen, nach funfjahriger Uberwinterung 
einen vollen Anteil und 6 Jahre lang einen halben Anteil. 

Es durften aber jahrlich nicht mehr als 3 Chief factoren oder 2 Chief- 
factoren und 2 Chieftraders austreten. Sonst konnten diese Beamten auch, 
w 7 enn sie nicht so lange iiberwintert hatten, nach einjahriger Kiindigung ihren 
Abschied nehmen, gingen aber ihres Anteils verlustig. 

Die neuen Chieffactoren mussten aus den Chieftraders und diese aus den 
Clerks gewahlt werden und zwar durch den oben erwahnten jahrlichen Rat. 
Die Wahl musste aber durch den Gouverneur und das Komitee in London 
bestatigt werden. 

Alle Jahre erhielten auch 3 Chieffactors und 2 Chieftraders ein Jahr 
Urlaub nach Europa, und bestimmte der Rat auch die Reihenfolge des Urlaubs. 
Diese Versammlung hatte auch das Recht, irgendwelche Beamte der Kompanie 
zu bestrafen oder zu entlassen, jedoch nur nach erfolgter Bestatigung von 
London. Ein Clerk konnte indessen wegen gewohnheitsmassiger Trunksucht 
und wegen Unter schlagung sofort durch den Rat entlassen werden. Zur Be- 
strafung oder Entlassung in einer der beiden hoheren Beamtenklassen gehorte 
aber die Zustimmung des Gouverneurs und eine Zweidrittelmajoritat der 
Versammlung, in der mindestens 12 der Berechtigten anwesend sein mussten. 
Rechtskraftig wurde das Urteil erst nach Bestatigung in London. Die Rats- 



74 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

versammlung bestimmte auch, wieviel Lebensmittel und Ausriistungsgegen- 
stande jeder dieser Beamten zu empfangen habe. Jahrlich habe Abrechnung 
zu erfolgen, und am 15. April seien die einzelnen Anteile auszuzahlen. Eine 
Anderung der Bestimmungen sei nur durch eine Zweidrittelmajoritat samt- 
licher Chieffactoren und Chieftraders zulassig. 

Die erst en Chieffactoren wurden zu gleichen Teilen aus den Partners 
der Northwest Company und den hoheren Beamten der Hudsonsbay 
Company gewahlt. Auch Colin Robertson und Johne Clarke wurden Chief- 
factoren. 

Das Leben eines solchen Beamten war ein sehr schweres und anstrengendes, 
Die zugeteilte Nahrung war zwar sehr reichlich, wurde doch allein pro Kopf 




Barke der H. B. C. mit Felladuiig. 

8 Pfund Biiffelfleisch oder ein entsprechendes Quantum Fisch pro Tag ge- 
liefert, doch irgend welcher Luxus fehlte, und viel Abwechslung in der Nahrung 
wurde nicht gewahrt. 

Der Gewinnanteil bei vollig freier Station belief sich fur einen Chief- 
factor auf wohl 1000 bis 1500 Pfund per Jahr. Zu wirklichem Reichtum ge- 
langte meines Wissens nur ein Chieffactor, der Dr. Rae, der fur Auffindung 
der Reste der Franklin-Expedition die Parlamentsbelohnung von 50 ooo Pfund 
erhielt. 

Nach dem Kriege zwischen England und den Vereinigten Staaten, 1812 
bis 1814, war im Vertrage zu Gent auch die Grenze der beiden Gebiete fest- 
gesetzt worden. Dieselbe wurde gebildet durch eine Linie, die von der Nord- 
westecke des Lake of the woods nach den Quellen des Mississippi und von 
dort auch langs dem 49. Grad nordlicher Breite lief. 



2. Kapitel. 75 



1823 wurde diese Grenze durch eine Kommission unter Long imd Say 
sorgfaltig vermessen. Eine solche Grenzregulierung war notwendig geworden, 
well sowohl die Hudsonsbay Company, als zahlreiche amerikanische Gesell- 
schaften Handelsposten auf gegnerischem Gebiete errichtet batten und sich 
gegenseitig scharfe Konkurrenz machten. 

Es ist nun Zeit, dass wir auch die Entwicklung des Pelzhandels auf dem 
Gebiet der Vereinigten Staaten in Betracht ziehen. 



II. 
Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

3. Kapitel. 

Wir batten weiter oben gesehen, wic im Jahre 1609 Henry Hudson im 
Dienste der Niederlander den Hudsonsriver entdeckt hatte. 

Die hollandische Ostindische Kompanie dachte gar nicht daran, die Vor- 
teile, welche ihnen die Entdeckungen Hudsons verschafft hatte, auszunutzen. 
Schon der Umstand, dass die Belgier, ihre alten Widersacher, den nordamerika- 
nischen Handel befiirworteten, geniigte ibnen, um jeden Gedanken daran 
fallen zu lassen. 

Dagegen nahmen eine Anzahl anderer niederlandischer Kaufleute die 
Sache in die Hand, und errichtete 1612 cinen Handelsposten auf der Siid- 
spitze derlnselManhatta, die sie Neu-Amsterdam nannte,sowie das Fort Orange. 

Das ganze Land, welches die heutigen Neu-England-Staaten umfasst, 
wurde Neu-Niederland genannt. Hauptsachlich wurde Pelzhandel mit den 
Indianern getrieben mit solchem Erfolge, dass damals jahrlich etwa 80 ooo 
Biberfelle nach Amsterdam gelangten. Da auch die Ausbeute der Polargegenden 
an Eisbaren, Weissfuchsen, Blaufiichsen etc. zum grossten Teil nach Holland 
gelangt, war Amsterdam damals einer der Hauptsitze des europaischen Pelz- 
handels. 

Die Niederlassung Neu-Amsterdam erfreute sich aber vom Mutterlande 
keiner besonderen Unterstutzung. Die mcisten Ansiedler und Kaufleute ge- 
horten zur belgischen oder calvinistischen Partei, die sich von seiten der 
Regierung der Generalstaaten keiner besonderen Sympathie erfreute. 

Ihre Hauptstiitze, der schon fruher erwahnte John Oldenbarneveld, einer 
der hochsten Wurdentrager des Landes, Ratspensionar von Holland, wurde 
sogar im Jahre 1619 wegenWiderstandes gegen die Generalstaaten als Religions- 
storer enthauptet. Trotzdem entwickelte sich die Kolonie ganz zufrieden- 
stellend, namentlich als nach der Niederlage der belgischen Partei auch die 
Hollandisch-ostindische Kompanie Kontore in Neu-Amsterdam erofmete, 
1630 besass die Ansiedlung etwa 1000 Einwohner, doch gelangte sic bald in 
Konflikt mit ihren Nachbarn, den Englandern. 

Virginien war schon 1584 Walter Raleigh zugesprochen worden, aber 
nach dessen Hinrichtung 1618 wieder an die Krone gef alien, nachdem bis- 
herige Versuche zur Kolonisation fehlgeschlagen war en. Jetzt wurde das 
Land der 1606 gegriindeten Plymouth Company zuerteilt, die nunmehr am 



3. Kapitel. 



Jamesriver eine dauernde Niederlassung errichtete, aber auch im Norden von 
Neu-Niederland regie es sich bald. 

Die aus England wegen religioser Differenzen vertriebenen ,, Pilgrim 
fathers" batten auf der ,, Mayflower" Amerika erreicht und 1620 die Stadt 
Plymouth gegriindet. Auch hier wurde ebenso wie bei der 1630 durch John 
Winstrup begriindeten Stadt Boston hauptsachlich Pelzhandel getrieben. 
Die Plymouth Company selbst begriindete wenige feste Stiitzpunkte, sondern 
begniigte sich meist mit dem Handel von ihren Schiffen aus; schenkte oder 
verkaufte aber verschiedene grossere Landstriche an andere Unternehmen. 
So z. B. 1630 Connecticut an den Grafen von Warwick. 

Zur selben Zeit, 1630, wurde auch am Delawarefluss eine Niederlassung 
von Schweden unter dem Namen Neuschweden begriindet, welche aber 1655 





Wappen von Neu-Amsterdam. 

von den Niederlandern in Neu-Amsterdam erobert und ihren Territorien einver- 
leibt wurde. Wahrenddes langen Biirgerkrieges in England hatten die hollan- 
dischen Kolonien einige Ruhe, wenngleich sich die Streifziige der englischen 
Jager und Pelzhandler immer weiter ausdehnten. Cromwell legte aber 1651 
durch seine Navigations-Akte den Grund zur Bliite der englischen Kolonien, 
die nach der Restauration unter Charles II. einen weiteren Aufschwung nahm. 

Die Navigations-Akte entfesselte 1652 einen der hatnackigsten Kolonial- 
und Seekriege zwischen Holland und England, bei dem sich die hollandische 
Flotte unter van Tromp und Michael de Ruyter mit unsterblichem Ruhm be- 
deckte, der aber doch mit dem Siege Englands endigte. Der Friede war nicht 
von langer Dauer, Karl II. hatte seinem Bruder, dem Duke of York, alle 
Besitzungen in Nordamerika, einschliesslich des mm gar nicht gehorenden 
Neu-Niederland, zum Geschenk gemacht, und 1664 wurde Neu-Amsterdam 
durch eine Flotte erobert und die ganze Kolonie fur englischen Besitz erklart 
und aller Besitz der Hollandisch-ostindischen Kompanie eingezogen. 

Zwar wurde das Land 1673 durch ein hollandisches Geschwader wieder 
erobert, aber nur voriibergehend gehalten und 1674 endgiiltig an England 



^8 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

abgetreten. Es blieb Privatbesitz des Duke of York, auch als er bereits 
Konig James II. geworden war. Nach der Vertreibung der Stuarts 1689 
wurde das Land Kronskolonie, und von diesem Zeitpunkt datiert sein Auf- 
schwung. Die Nachkommen der damaligen hollandischen Kolonisten geniessen 
aber noch heute das giosste Ansehen in New York, noch mehr als die Nach- 
kommen der Pilgrin fathers, die mit der ,, Mayflower" gekommen waren. Die 
sogenannten Knickerbocker-Fainilien, die Stuyvesandts, Schuylers, Roose- 
velts etc. sind heute, obgleich nicht besonders reich, exklusiver als selbst der 
osterreichische Hochadel und betrachten Familien wie die Astors und Vander- 
bilts, von den neuen Milliardaren wie Morgan und Rockefeller ganz abgesehen, 
als Emporkommlinge, mit denen sie eine Gemeinschaft ablehnen; nur die 
Nachkommen der ,,Cavaliere", die alten Familien von Virginien, werden als 
gleichberechtigt erachtet. 

Wie schon ofters erwahnt, betrieben auch die Kaufleute von Boston und 
New York eifrigst Pelzhandel, aber ihre Unternehmungen waren lange nicht 
so ausgedehnt, wie die der Franzosen, man beschrankte sich mehr auf den 
Handel mit den Indianern der Nachbarschaft. Auch existierten keine grosseren 
Gesellschaften, welche dies Geschaft betrieben. Erst nach der Eroberung 
Kanadas anderte sich dies. Michillimacinaw an der Miindung des Michigan- 
Sees in den Huronen-See, wurde ein grosses Emporium, wo englische Kauf- 
leute bereits 1763 zahlreich sich niedergelassen hatten und mit den Montreal- 
Firmen stark konkurrierten. 

1783 bildete sich hier eine Genossenschaft englischer Kaufleute unter 
dem Namen der Michilimakinaw Company oder, wie sie sich abgekiirzt nannte, 
die ,, Mackinaw Company". 

Mit der Northwest Company wurde ein Abkommen getroffen, dass man 
sich gegenseitig nicht ins Gehege kame, und die neue Gesellschaft sandte ihre 
Bootsgesch wader durch den Michigan- See, den Fox und Wisconsinriver bis 
in den Missouri. Ihre ausgesandten Handler gingen alle Nebenfliisse des 
Missouri hinauf und drangen auf dem Mississippi bis nach Louisiana vor. 

Obgleich zwar New Yorker und Bostoner Kaufleute an dem Unternehmen 
beteiligt waren, blieb es doch vorwiegend englisch und erregte deshalb die 
Eifersucht der Regierung der Vereinigten Staaten, die es sehr ungern sah, 
dass Fremde solchen Einfluss in ihrem Gebiete erlangten. 

1796 errichtete die Regierung deshalb uberall an den Grenzen Handels- 
Posten und Agenturen, welche den Indianern alle Bediirmisse gegen Felle 
liefern sollten. Wie aber alle derartigen Regierungsunternehmungen hatte 
auch dies wenig Erfolg. 

Um diese Zeit aber trat ein neues Element im amerikanischen Rauch- 
warenhandel auf. Johann Jacob Astor, 1763 als Sohn eines Kurschners in 
Waldorf bei Heidelberg geboren, ging 1783 nach den Vereinigten Staaten, um 
seinem dort ansassigen Bruder eine Warensendung zu uberbringen. 

In der Cheasepeakebai wurde das Schiff mehrere Monate vom Eise ein- 



3. Kapitel. 



geschlossen, doch war eine Verbindung mil dem Ufer moglich. Hierbei schloss 
der junge Astor Freundschaft mil einem amerikanischen Pelzhandler und er- 
kannte bald, welche grossen Vorteile dieses Geschaft damals bot. 

In Gemeinschaft mit dem neugewonnenen Freunde ging er nach New 
York, legte seine gesamten Mittel in Rauchwaren an, mit denen er nach London 
zuruckkehrte, um sie dort sehr vorteilhaft zu verkaufen. 

1784 kam er dann wieder nach New York, um sich hier endgiiltig nieder- 
zulassen. Er dehnte seinen Geschaftsbetrieb bald aus und besuchte auch regel- 
massig Kanada, um dort Rauchwaren einzukaufen und direkt nach London 
zu schicken, denn das damalige System des Kolonialrechts gestattete es nicht, 
Produkte der Kolonien anderswo hinzuschicken als nach dem Mutterlande. 

1795 wurde dann ein Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und 
England geschlossen, wonach erstens der direkte Handel zwischen den ersteren 
und Kanada gestattet wurde, und ferner England die noch auf amerikanischem 
Gebiete innehabenden Posten Oswego, Niagara, Detroit und Michillimacinaw 
den Vereinigten Staaten abtrat. 

Astor dehnte seine Unternehmungen immer weiter aus und erwarb ein 
bedeutendes Vermogen, aber er hatte als einzelner schwer gegen die Konkurrenz 
der machtigen Macinaw Company anzukampfen. 1809 griindete er deshalb die 
American Fur Co. mit einem eingezahlten Kapital von i Million Dollar, die 
vom Staate New York Korporationsrechte erhielt und von der Regierung 
stark begiinstigt wurde. 

Alleiniger Aktionar war Astor, da er das ganze Kapital aus eigenen Mitteln 
beschaffte. 

Da sich der Wettkampf mit der alteren Macinaw Company verscharfte, 
kaufte Astor mit Hilfe einiger Partner der Northwest Company die rivali- 
sierende Gesellschaft auf und verschmolz sie mit der seinigen zur Southwest 
Company, die nun unumschrankt den Pelzhandel der Vereinigten Staaten 
beherrschte. Aber bald geniigte dies dem umfassenden Geiste Astors nicht 
mehr, er wollte sich auch des Pelzhandels der Westkiiste mit China bemachtigen. 

Von dem lukrativen Pelzhandel, den die Russen in ihren Besitzungen in 
Nordwest-Amerika trieben, und worauf ich spater zuriickkomme, war zwar 
damals wenig bekannt, desto mehr Aufsehen hatten die Erfolge englischer 
Unternehmungen in diesen Gegenden erregt. 

Im Jahre 1785 war James Hannan mit einer Brigg von 60 Tonnen mit 
20 Mann Besatzung von Canton aus nach dem Nootka-Sund gegangen und 
hatte dort eine wertvolle Ladung Seeotter, Silberfiichse etc. nach China 
geholt und die Reise mit gutem Erfolge das nachste Jahr in einem grosseren 
Schiff wiederholt. 

Im gleichen Jahre sandten auch die Kaufleute von Bombay zwei Schiffe 
und die Kaufleute von Bengalen zwei weitere Fahrzeuge nach der Westkiiste 
Amerikas, um Pelzhandel zu betreiben. Erstere unter dem Kommando von 
Kapitan Strange, letztere unter dem beriihmten Entdecker Kapitan Mears. 



8o II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



Im gleichen Jahre bildeten mehrere Londoner Firmen die King Georges 
Sound Company, um Pelzhandel zwischen West-Arnerika und China zu treiben, 
wozu sie die Erlaubnis von der Southsea Company und der Eastindia Company 
erhielten, die damals das Monopol des Chinahandels batten. 

Zwei Schiffe, die ,,King George" zu 320 Tonnen und die ,, Queen Charlotte" 
zu 200 Tonnen, wurden unter Kommando von Kapitan Portlok und James 
Dixon (einem Gefahrten Cooks) gestellt und verliessen am 31. August 1785 
Gravesend. Die Falklandsinseln und Sandwichinseln anlaufend, erreichtc die 
Expedition am 19. Juli 1786 den Cooksriver, wo man bereits eine russische 
Ansiedlung vorfand. Die Expedition kreuzte handeltreibend an der Kiistc 
bis zum Prinz William Sound, uberwinterte dann auf den Sandwichinseln und 
vervollstandigte dann im nachsten Jahre ihre Ladung an der Kiiste. Hier 
traf man auch die ,,Nootka" und die ,,Seaotter" unter Kapitan Meares, die 
jede einige tausend Seeottern an Bord batten, aber sehr vom Skorbut ge- 
litten batten. 

Die Schiffe der King Georges Sound Company lief en dann unversehrt in 
Canton ein mit 2000 prima Seeottern, etwa doppelt so vielen geringeren, sowie 
einer grossen Menge Fuchsfellen, Schuppen, Zobeln und Sealskin. Seeotter- 
felle kosteten damals in Canton 90 Golddollar das Stuck, abcr durch einen 
Fehler in der Lizenz musste die Expedition ihre Ausbeute an die Eastindia 
Company verkaufen, die nur 20 Dollar per Stuck gab. 

Nun beschaftigten sich viele mit dem lukrativen Handel. 

1792 waren bereits 20 Schiffe an der Kiiste, die Mehrzahl amerikanischen 
Kaufleuten aus Boston gehorig. Sie blieben gewohnlich zwei Jahre an der 
Kiiste, dabei auf den Sandwich-Inseln iiberwinternd, verkauften ihre Ladung 
in Canton, nahmen dort Tee, Seide etc. ein und kehrten nach Boston zuriick. 

Unter diesen Fahrzeugen befand sich auch die ,, Columbia" von Boston 
unter Kapitan Gray, welcher 1792 in 46 Grad 20 Min. die Miindung eines 
grossen Flusses entdeckte, den er Columbiariver nannte. 

1793 hatte Mac Kenzie im Auftrage der Hudsonsbay Company, wie oben 
bereits erzahlt, die Rocky Mountains iiberschritten, den Stillen Ozean erreicht 
und die Miindung des Fraseriver entdeckt. Die Hudsonsbay Company sowie 
die Northwest Company beeilten sich beide bekanntlich, das neu entdeckte 
Gebiet in den Bereich ihrer Handelsoperationen zu ziehen. 

Die Regierang der Vereinigten Staaten entsandte nan 1804 eine Expe- 
dition unter Lewis und Clarke, um die Pacific-Kiiste auf dem Landwege zu 
erreichen und zwar vom Missouri aus, einen Plan, den schon 1773 der Eng- 
lander Carver auszufuhren versuchte, der ausgebrochenen amerikanischen 
Revolution halber aber aufgeben musste. 

Lewis und Clarke lost en ihre Aufgabe aufs glanzendste. Sie zogen den 
Missouri aufwarts, iiberstiegen die Rocky Mountains und gingen den Columbia 
bis zu seiner Miindung hinab. Hier liberwinterten sie und kehrten im Friih- 
jahr ebenfalls auf dem Landwege zuriick. 



3. Kapitel. 8l 



Dies gab Astor die Idee zu seinem grossartigen Unternehmen. Er wollte 
langs des Missouri und des Columbia eine Reihe Handelsposten errichten und 
ein Haupt depot an der Mundung des letzteren. Ein Netz kleinerer Handels- 
posten sollte sich iiber die Nebenfliisse erstrecken und seine Waren von der 
Hauptniederlassung erhalten und die eingehandelten Felle dorthin abliefern. 
Kleine Fahrzeuge, die am Columbia erbaut werden sollten, waren zum 
Kiistenhandel wahrend des Sommers bestimmt. 

Jahrlich sollte ein Schiff von New York die notigen Tausch waren sowie 
Nahrungsmittel an den Columbia bringen, die Pelzausbeute in Empfang 
nehmen, nach Canton bringen, dort verkaufen, da ja die Amerikaner durch 
das Monopol der Ostindischen Kompanie nicht gehindert waren, eine Ladung 
chinesischer Waren einzunehmen und damit nach New York zunickzukehren. 

Die amerikanische Regierung war dem Plane sehr giinstig gesinnt. 

Es kam noch dazu, dass gerade diplomatische Verwicklungen mit Russ- 
land drohten. Die amerikanischen Schiffe brachten den russischen Ansied- 
lungen Lebensmittel, benutzten aber die Gelegenheit, den Indianern Feuer- 
waffen im Tauschhandel zu liefern. Die Regierung beschloss nun, dass Astor 
durch das jahrliche Schiff auch die russischen Ansiedlungen mit Lebensmitteln 
zu versorgen habe, dagegen sollten andere amerikanische Schiffe fernbleiben. 

Die Konkurrenz der Northwest Company, die gleichfalls der Mundung 
des Columbia auf dem Landwege von Kanada aus zustrebte, blieb indessen 
zu fiirchten, weshalb Astor derserben den Vorschlag machte, sich an seinem 
Unternehmen mit einem Drittel zu beteiligen. 

Nach langeren Verhandlungen lehnte die kanadische Gesellschaft indessen 
die Vorschlage ab. Astor beschloss deshalb, moglichst schnell allein vor- 
zugehen und den Rivalen auf alle Falle zuvorzukommen. 

Es handelte sich nun um die Gewinnung passender Leute, die an das 
Leben in der Wildnis und den Handel mit Indianern gewohnt waren. Er 
suchte und fand mehrere unter den Nordwestleuten, welche bei der Befor- 
derung iibergangen waren oder sich sonst zur Unzufriedenheit berechtigt 
glaubten. 

Es waren dies Alexander Mac Kay, der von 1789 bis 1793 Mackenzie 
auf seinen kiihnen Fahrten an die Pacific- Kiiste begleitet hatte, ferner Duncan 
Mac Dougall und Donald Mac Kenzie. 

Hierzu kam Wilson Price Hunt, ein Amerikaner aus New Jersey, der 
Leiter der Niederlassung am Columbia sein sollte. 

Am 23. Juni 1810 wurde ein Vertrag zwischen diesen 4 Herren und 
Astor geschlossen zur Begrundung der Pacific Fur Company. Astor sollte die 
Unternehmungen in New York leiten, die Schiffe, Waren und sonstigen Bediirf- 
nisse liefern bis zur Hohe von 500 ooo Dollars. Das Kapital der Gesellschaft 
wurde. in 100 Aktien geteilt, wovon Astor die Halfte erhielt, die andern 
wurden unter die Partner und ihre Associes verteilt. 

Astor hatte das Recht, weitere Partner einzufuhren, von denen aber 

6 



2 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

mindestens zwei an den Handel mit den Indianern gewohnt sein mussten, 
und von denen keiner mehr als 3 Aktien erhalten durfte. Wenn die Geschafte 
gut gingen, sollte die Kompanie 20 Jahre bestehen, doch hatte jeder das 
Recht, wahrend der ersten 5 Jahre auszutreten, wenn das Unternehmen sich 
nicht als lukrativ bewahrte. Fur diese ersten 5 Jahre ubernahm es Astor 
alle eventuellen Verluste allein zu tragen. Erst nach dieser Zeit sollten auch 
Verluste gemeinschaftlich getragen werden. 

Es wurden nun ungesaumt zwei Expeditionen organisiert. Die eine 
unter Befehl von Hunt sollte auf dem Landwege vordringen und gleich auf 
dem Marsche die besten Platze zur Anlage der Posten bestimmen, die die 
Verbindungslinie spater bilden sollten. 

Eine zweite Expedition sollte zur See das Personal, Vorrate, Waren und 
alles Notige an die Miindung des Columbia bringen und dort mit dem Bau der 
Hauptniederlassung beginnen. 

Hierzu kaufte Astor das Schiff ,, Tonquin" von 2QQ Tonnen mit 10 Ge- 
schiitzen an und stellte es unter Kommando des Marineleutnants Jonathan 
Thorn, der dazu Urlaub von der Regierung erhielt. 

Ihn begleiteten die 4 Partner Mac Kay, Mac Dougall, David Stuart 
und Robert Stuart. Ferner 12 Clerks, die mit einem Gehalt von 40 Dollar 
jahrlich und freier Station auf 5 Jahre engagiert waren mit einem Bonus von 
500 Dollar am Ende dieses Zeitraums, und denen in Aussicht gestellt wurde, 
dass sie spater Teilhaber werden konnten.* 

Ausserdem befanden sich noch einige Handwerker und eine Anzahl 
kanadischer Voyageurs, bekanntlich die besten Bootsleute der Welt, an Bord. 

Der Tonquin nahm auch die Bestandteile eines Schoners mit, der am 
Reiseziel zusammengesetzt und zum Kiistenhandel dienen sollte. Ausserdem 
waren Handelswaren, Saatgut, landwirtschaftliche Gerate und alles zur Be- 
griindung einer Kolonie Notwendige eirtgeschifft worden. 

Gleich beim Anfang ergaben sich iibrigens Schwierigkeiten. Zwei der 
Teilnehmer, friihere Partner der Northwest Company, verrieten im geheimen 
den ganzen Plan dem englischen Gesandten, und ein englisches Kriegsschiff 
kreuzte ausserhalb Sandy Hooks, um die an Bord befindlichen kanadischen 
Bootsleute zum Marinedienst zu pressen. 

Am 10. Oktober 1810 setzte die ,, Tonquin" Segel und gelangte auch un- 
gehindert in See. Von vornherein schien aber ein Unstern auf der ganzen 
Expedition zu ruhen. Es brachen sofort Zwistigkeiten aus. Der Kapitan Thorn 
betrachtete sich immer noch als Kriegsschiffkommandant und wollte auch 
unter den Passagieren eine Kriegsschifldisziplin eintiihren. Diese betrachteten 
sich anderseits als Eigentumer des Fahrzeugs, und so entstanden fortwahrend 
ernste Reibereien. Auf den Sandwichinseln wurde noch ein Dutzend Insulaner 
in Dienst, sowie eine Anzahl lebender Schweine i.nd trische Provisionen an 
Bord genommen, und am 22. Marz die Miindung des Columbiariver erreicht. 
Bei der Untersuchung der Einfahrt gingen zwei Boote und acht Mann ver- 



3. Kapitel. 



loren. Am Siidufer des Flusses wurdc am Point George das Fort Astoria 
errichtet, in schoner Lage und leicht erreichbar von den vier Indianerstammen, 
welche die Gegend ziemlich dicht bevolkerten. Es waren dies die Chinooks, 
die Klatsops, die Wahkiakums und die Klahmats. Am 5. Juni ging die 
,,Tonquin" wieder unter Segel, mit Mac Kay und Lewis an Bord, um eine 
Handelsreise nachNorden anzutreten, von wo sie nichtmehrzuriickkchren sollte. 
Im Hafen Newetee auf Vancouvers Island hatte man Anker geworfen 
und bereits eine grosse Menge Seeotterfelle eingetauscht, als Kapitan Thorne 
mit einem Hauptling der Indianer in Streit geriet und ihm das angebotene 
Seeotterfell um die Ohren schlug. Die Indianer verliessen darauf das Schiff, 




Fort Babine der H. B. C. 

und Mac Kay verlangte sofortige Abfahrt, da cr die Rache der Eingeborenen 
furchtete. Eigensinnig verweigerte dies der Kapitan und schien Recht zu be- 
halten, denn am nachsten Tage erschienen zahlreiche Boote, deren Insassen 
anscheinend unbewaffnet an Bord kamen und Mengen von Seeotterfellen zu 
den am Tage vorher verweigerten Preisen anbotcn. Als Tauschobjekt wurden 
aber ausschliesslich Messer gewahlt. Auf ein Signal bin fielen nun die Wilden 
mit diesen und den unter dem Mantel verborgenen Kriegskeulen iiber die 
Mannschaft her. Mac Kay und Lewis fielen beim erst en Ansturm. Nach 
heldenmutiger Verteidigung fiel der Kapitan Thorne und die Mehrzahl der 
Mannschaft. Nur vier gelang es, die Kajiitc zu erreichen, wo die Gewehre 
standen und von hier aus durch ein wohlgezieltes, andauerndes Feuern die 
Indianer vom Deck in die Kanoes zu treiben. Auf die Fltichtigen wurden dann 
noch einige Kanonenschiisse abgegeben, die furchterliche Verheerungen an- 
richteten. Wahrend der Nacht verliessen die vier unverletzten Matrosen* -das 
Schiff in einem Boot, nur der tot rich verletzte Lewis blieb an Bord. 

6* 



g^ II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Am nachsten Tage, als auf dem Schiff niemand mehr am Leben schien, 
kamen die Indianer wieder, und mehrere Hundert waren an Deck und im 
Raum mil Pliindern beschaftigt, als mil donnerndem Krach das Fahrzeug in 
die Luft flog. Lewis hatte die Pulverkammer in Brand gesteckt, und iiber 
zweihundert der Insulaner fanden dabei den Tod. Die entkommenen Matrosen 
wurden iibrigens bald darauf gefunden und unter den iiblichen Martern ge- 
totet. Von der ganzen Expedition hatte sich nur der indianische Dolmetscher 
gerettet, der die Nachricht nach Astoria brachte. Hier war inzwischen Bericht 
eingetroffen, dass die Northwest Company einen Posten am Spokaneriver 
errichtet hatte, und David Stuart wollte eben mit einer kleinen Schar a$f- 
brechen, um in der Nahe des Spokan gleichfalls einen Posten einzurichten, 
als man durch die Ankunft des Nordwestpartners Thompson iiberrascht 
wurde, der zu Lande die Rockymountains uberschritten und den Nordarm 
des Columbian vers herabgefahren war. Er hatte unter wegs in alien Indianer- 
dorfern die englische Flagge verteilt und feierlich vom Lande fur England 
Besitz genommen. Nichtsdestoweniger wurde er in Astoria freundlich auf- 
genommen und begleitete Stuart auf seiner Expedition, um von da aus nach 
Montreal zuriickzukehren. Nach Uberschreiten der Cataracte des Columbia 
wurde ein Handelsposten am Einfluss des Okanagan in den Columbia errichtet. 
Inzwischen war die Landexpedition unter Wilson Price Hunt und Donald 
Mac Kenzie im Juli 1810 von Montreal auf dem Wasserwege aufgebrochen 
und hatte am 22. Juli Mackinaw erreicht, wo die Ausriistung verstandigt 
und die notige Zahl Voyageurs angeworben werden sollte. Mackinaw oder 
rich tiger Michillimackinaw, am Zusammenfluss des Huronen- und Michigan- 
sees gelegen, war damals der Mittelpunkt des Pelzhandels. Hier war der Sitz 
der Mackinaw Company. Von hier aus gingen Bootsbrigaden nach dem Obern 
See, nach dem Mississippi bis nach Louisiana und nach dem Missouri bis nach 
dem fern en Westen. Andre Bootsbrigaden brachten die herbeigestromten Pelz- 
waren nach Montreal. Die heimgekehrten Voyageurs verjubelten hier in 
Mackinaw den Erlos mehrer in schwerer Arbeit vollbrachten Jahre oft in 
wenigen Wochen. Von Zeit zu Zeit kamen auch die Canots der Northwest 
Company, die grossen ,, Canots du maitre", von Fort William herbei, vorn im 
Bug den Sackpfeifer, der die heimischen Hochlandsweisen, die Pibrochs und 
Ratspeys, iiber die Wogen des Obern Sees und die kanadischen Urwalder hin 
erschallen liess. Stolz traten die Angestellten dieser Kompanie stets als die 
Fiirsten des Pelzhandels auf, die auf die Leute der andern Pelzhandels- Gesell- 
schaften mit Nichtachtung herabsahen. 

Am 12. August endlich konnte die Expedition aufbrechen, nahm ihren 
W T eg iiber den Michigansee, den Fox, Wisconsinriver und Mississippi und 
erreichte am 3. September St. Louis. Dies war damals ein kleiner Grenz- 
posten, der nur Wichtigkeit durch seinen Pelzhandel hatte. Von hier aus 
gingen Trapper- und Handlerexpeditonen weit in das Innere. Besonders 
bedeutend war die 1808 durch zwolf Partner begriindete Missouri Fur 



3. Kapitel. 85 



Company, die 250 Angest elite beschaftigte und zahlreiche Handelsposten am 
Missouri, seinen Nebenfliissen und im Gebiete der Sioux, Ricarees und 
Mandanen besass. Die Bevolkerung war eine ungemein gemischte. Der fran- 
zosische Einfluss herrschte besonders unter den Handelshausern vor, neben 
den zahlreichen franzosisch-kanadischen Voyageurs zeichneten sich die rauhen 
Mississippibootsleute, die schweigenden Hinterwalder von Kentucky, die am 
erikanischen Trapper aus dem Indianergebiet aus. Oft begegnete man Trupps 
von Indianern mit dem Federschmuck, in buntfarbige Decken gehullt, die die 
Wunder der Zivilisation anstaunten. 

Hier wurden noch einige Jager und Trapper angeworben, doch hatte 
der stille Widerstand der Missouri Fur Company und der Mackinaw 
Company so langen Aufenthalt verursacht, dass man erst Ende Oktober 
St. Louis verlassen konnte, und etwa 500 Kilometer von der Missouri- 
mundung entfernt durch den Frost iiberrascht, Winterquartier aufschlagen 
musste. Erst im April konnte die Weiterreise auf dem Wasserwege an- 
getreten werden. 

Es waren jetzt im ganzen 5 Partner, i Clerk John Reed, 40 Voyageurs 
und etwa 20 Jager in 4 Barken mit 2 Geschiitzen. Zwei englische Natur- 
forscher, John Bradbury und Nuttall, hatten sich angeschlossen. 

Nach kurzem Aufenthalt in Omaha wurde dann der Missouri bei einem 
Dorfe der Ricaris verlassen und der Landweg iiber die Prarien im Juli ange- 
treten. Damals schwarmte die Gegend von ungeheuren Bison- und Antilopen- 
herden, aber auch von den kriegerischen Banden der Sioux. Von den Ricaris 
wurden Pferde angekauft und mit 82 Packtieren der Marsch angetreten, da 
mehr nicht zu erhalten waren, und erst von den Cheyennes 40 mehr beschafft 
wurden. Man iiber schritt die Wasserscheide des Missouri und des Yellowstone- 
rivers und erreichte am 30. August 1811 den Fuss der Felsengebirge. Durch 
die Krahenindianer, mit denen sie die Friedenspfeife geraucht, wurde ihnen 
ein Pass durch das Gebirge gezeigt. Mitte September wurde der Oberlauf 
des Colorado erreicht, der von ihnen Spanischriver genannt wurde, da sie 
von den hier wohnenden Shoshoneindianern erfuhren, dass am Unterlauf des 
Flusses in Kalifornien Spanier sassen. 

Bald darauf gelangte die Expedition an einen der Zufliisse des obern 
Columbia in einer von Bibern wimmelnden Gegend, weshalb hier 4 Trapper 
zum Biberfang zuriickgelassen wurden, die dann, wenn sie eine gehorige 
Ladung Felle gesammelt hatten, nach Astoria folgen sollten. 

Im Oktober erreichte man Fort Henry, den am weitesten vorgeschobenen 
Pelzhandelsposten der Missouri Fur Company. Der Posten war aber gerade 
verlassen. Hier iibergab Hunt die Pferde einigen Schlangenindianern zur Auf- 
bewahrung und konstruierte eine Anzahl Boote, wahrend mehrere Trapper 
unter Fiihrung des Partner Miller in der Umgegend zum Biberfang zuriick- 
blieben. Der Rest der Expedition schiffte sich in 15 der erbauten Kanoes auf 
dem Henryflusse ein. 



36 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Man folgte den Fluss hinab, der bald nach dcr Vereinigung mit dem 
River enrage den Namen Snakeriver annimmt und in grosserer Breite dahin- 
fliesst, von rnehreren Stromschnellen und Tragstellen unterbrochen, in voll- 
kommen menschenleerer, aber wild- und fischreicher Gegend. Nur sehr ver- 
einzelt wurden Schoshone-Indianer angetroffen, die noch nie einen Weissen 
gesehen hatten. 

Am 28. Oktober wurde die Expedition durch eine langgestreckte Kette 
von Katarakten und Stromschnellen, in der zwei Kanoes ganzlich verloren 
gingen und einer der Bootsleute ertrank, zu einem langeren Stillstand ge- 
zwungen. Alle ausgesendeten Expeditionen erwiesen die Unmoglichkeit, 
auf dem Wasserwege weiter zu kommen. Die Vorrate wurden an dieser Un- 
gliicksstelle ,,The Devils scuttle hole" in Cache getan, und die Weiterreise 
am 9. November zu Lande angetreten. 

Bald trat Nahrungsmangel ein, die Gesellschaft musste sich von Wurzeln, 
gefrorenen Beeren und den getrockneten Biberfellen sparlich ernahren, wobei 
mehrere Mann dem Hunger erlagen. Erst am 21. Januar erreichten sie unter 
den grossten Entbehrungen und Anstrengungen den Oberlauf des Columbia, 
nicht weit von der Einmundung des Walla- Wallaflusses. 

Hier empfing man von den dort wohnenden Indianern die ersten Nach- 
richten von der Griindung des Forts Astoria, die sich soweit in das Innere ver- 
breitet hatte. An den grossen Katarakten des Columbia, der am 31. Januar 1812 
erreicht war, wussten die Indianer schon den Tod Mac Kays und das Schicksal 
des ,,Tonquin". 

Hier gelang es auch der Expedition, Kanoes zu erlangen und am 
15. Februar Fort Astoria zu erreichen, nach elfmonatlicher Reise vom Missouri. 
Jetzt legt der Eisenbahnzug die Strecke in drei Tagen zuriick. 

Im Fruhjahr wurden nun mehrere Expeditionen ausgeriistet. Mr. Stuart 
wurde mit Vorraten nach dem Fort Okanagan gesendet. Zwei Clerks, Russel 
Farnham und Donald Mac Gilles, gingen mit 8 Mann nach The Devils scuttle 
hole, um die zuriickgelassenen Waren der Huntschen Expedition zu holen, 
und ein anderer Clerk, Mr. Reed, wurde in Begleitung eines Kentucky-Trappers 
und zweier Kanadier mit Briefen auf dem Landwege nach New York an Astor 
gesendet. Robert Stuart schloss sich ihm an. 

Bei den Katarakten des Columbia erregte die blanke Blechbiichse, in 
welcher die Depeschen fur New York waren, die Habgier der Indianer, die 
kleine Schar wurde iiberfallen, Reed schwer verwundet und die Biichse mit 
den Papieren geraubt. Da die Weiterreise nun zwecklos geworden, begab sich 
die Expedition nach dem Fort Okanagan, wo David Stuart wahrend des 
Winters grosse Vorrate von Biber- und anderen Fellen eingetauscht hatte. 

Astor hatte wahrend dieser Zeit mit Russland einen Vertrag zur Ver- 
proviantiernng ihrer Handelsposten an der Nordwestkiiste getroffen und 
riistete jetzt die Bark ,, Beaver" von48oTonnen Gehalt aus und sandte diese, 
beladen mit Waren, Lebensmitteln usw., nach dem Columbia. An Bord be- 



3. Kapitel. 87 



fand sich noch eine Verstarkung der Besatzung von Astoria, bestehend aus 
einem Agenten, 5 Clerks, 15 Handwerkern, samtlich Amerikaner, und sechs 
kanadischen Voyageurs. Am 10. Oktober verliess der ,, Beaver" New York 
und gelangte gliicklich am 9. Mai 1812 nach Astoria, nachdem vorher nur die 
Sandwich-Inseln angelaufen waren. 

Es wurden nun mehrere Expeditionen ausgeriistet. Mac Kenzie und 
Clarke fiihrten zwei Abteilungen zur Errichtung von Handelsposten an der 
Gabel des oberen Columbia, um dort der Konkurrenz der Northwest Company 
zu begegnen. David Stuart fiihrte eine weitere Abteilung mit Vorraten nach 
Fort Okanagan und Robert Stuart, begleitet von Mac Lellan, sollte Depeschen 
auf dem Landwege zu Astor bringen, der bisher noch ohne jede Nachricht 
geblieben war. Am 29. Juni brachen alle Expeditionen unter dem Donner 
der Salutgeschutze auf. Bis zur Gabel des Columbia sollten alle zu gegen- 
seitigem Schutz beisammenbleiben. Am 31. Juli wurde der Walla- Walla er- 
reicht, wo Stuart Pferde zur Weiterreise von den Indianern kaufte. Am 
30. April 1813 wurde nach beschwerlicher und gefahrlicher Reise St. Louis 
erreicht, und Astor erhielt nun die ersten Nachrichten von der Faktorei. 

Astor hatte gerade den Vertrag mit der russischen Regierung abgeschlossen, 
wonach sich beide Teile in den Handel der Nordwestkuste teilten, und wonach 
die Pacific fur Company nicht nur die russischen Posten mit Proviant ver- 
sorgen sollte, sondern auch deren Pelzausbeute in Kommission erhielt, um 
sie in Canton zu verkaufen, als der englisch-amerikanische Krieg ausbrach. 

Da die Aussendung des jahrlichen Schiffes mit Vorraten von New York 
deshalb riskiert schien, beorderte Astor den ,, Beaver" mit Vorraten von Canton 
aus nach Astoria, um dort unter Hunts Befehlen zu bleiben. Der ,, Beaver" 
segelte auch ab, doch ging er jedenfalls mit Mann und Maus in einem Typhon 
zugrunde, denn man hat nie wieder etwas davon gehort. 

Die Northwest Company sandte jetzt auch ein Fahrzeug, den ,, Isaac 
Todd", mit 20 Geschiitzen nach der Columbiamundung, um dort ein Fort zu 
errichten, und es ging das Geriicht, dass auch die englische Regierung ein 
Geschwader schicken wiirde, um Astoria wegzunehmen. Astor schrieb an 
den Staatssekretar Monroe, dem Vater der famosen Doktrin, und bat um 
Schutz der amerikanischen Regierung resp. um Abgabe einer Besatzung von 
50 Mann, erhielt aber iiberhaupt keine Antwort. Inzwischen schickte er im 
Marz 1813 die ,,Lark", einen bekannten Schnellsegler, nach Astoria unter 
Kommando des Leutnant Northtrop und des Partners Nicolas Ogden. Leider 
scheiterte dies Schiff auf den Sandwichsinseln, so dass Astoria ohne Vorrate 
und Lebensmittel blieb. Auch Reeds Mission zur Herbeischaffung der von 
Hunt am Devils Scuttlehole zuriickgelassenen Vorrate, hatte wenig Erfolg, 
da die Indianer die Mehrzahl der Caches entdeckt und gepliindert hatten. 

Inzwischen hatte Hunt nach dem Aufbruch der verschiedenen Expeditionen 
im August 1812 mit dem ,, Beaver" Astoria verlassen, um Neu-Archangel zu 
besuchen, Seeotter an der Kiiste einzuhandeln, dann sollte ihn das Schiff 



gg II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

wieder am Columbia absetzen und nach den Sandwichsinseln und Canton 
weitersegcln. 

Die verschiedenen Handelsposten im Innern hatten ganz gute Erfolge 
und bereits grossere Mengen Pelzwerk aufgespeichert, als im Januar 1813 
George Mac Tavish, der Nordwestpartner, in Astoria eintraf und die Nach- 
richt vom Ausbruch des englisch-amerikanischen Krieges brachte, sowie das 
bevorstehende Eintreffen des ,, Isaac Todd" anzeigte. 

Mac Dougal, der in Abwesenhei^ Hunts das Kommando fuhrte und der 
durch das iiberlange Ausbleiben des ,, Beaver" schon sehr beunruhigt war, 
verlor alien Mut und beschloss in Ubereinstimmung mit Mac Kenzie, Astoria 
aufzugeben und im Fruhjahr auf dem Landwege nach den Vereinigten Staaten 
zuruckzugehen. Aller Handel mit den Eingeborenen wurde aufgegeben, da 
man schon mehr Felle hatte, als man auf diesem Wege transportieren konnte. 

Mac Kenzie sollte die Handelsposten im Innern benachrichtigen, sich zum 
Abmarsch bereit zu machen. Im Juni 1813 waren alle Partner mit dem 
eingesammelten Pelzwerk in Astoria beisammen. Die Partner Stuart und 
Clarke horten mit grosser Uberraschung und unter starkem, aber nutzlosem 
Protest Mac Dougals Entschluss, die Ansiedlung aufzugeben. 

Allgemein herrschte die Ansicht, dass Mac Dougal als alter Nord west- 
Partner den Versuchungen dieser Gesellschaft erlegen sei und die Interessen 
Astors verraten habe, und auch Mac Kenzie auf seine Seite gezogen habe. Da 
aber Mac Dougal den Oberbefehl hatte, war nichts zu machen, und die definitive 
Aufgabe mit Beginn des Friihjahrs beschlossen. Eine Anzahl der Clerks 
wurden schon jetzt entlassen und traten in die Dienste der Northwest Company. 

Mac Tavish nahm den von alien Partnern unterschriebenen Auflosungs- 
beschluss bei seiner Abreise nach Montreal mit, um ihn Astor zukommen zu 
lassen. Inzwischen war Astor in New York nicht miissig geblieben. 

Er hatte erfahren, dass auf Betreiben der Northwest Company die eng- 
lische Regierung die Fregatte ,, Phoebe" zur Begleitung des Fahrzeugs ,, Isaac 
Todd" bestimmt habe, um Astoria mit Gewalt aufzuheben, und bestimmte 
nun durch sehr energische Vorstellung die amerikanische Regierung, das 
Kriegsschiff ,, Adams" zum Schutze der Ansiedlung zu entsenden. Er selbst 
riistete die Bark ,, Enterprise" aus, um Warenvorrate usw. unter dem Schutze 
der Fregatte nach Astoria zu senden. Aber kurz vor dem Absegeln wurde die 
Bemannung der ,, Adams" dringend zu Verstarkungen auf dem Ontariosee 
gebraucht und konnte daher nicht nach der Westkiiste absegeln. Astor be- 
schloss, die ,, Enterprise" ohne Eskorte segeln zu lassen. Aber im letzten Augen- 
blick erschien ein englisches Gesch wader vor New York und blockierte den 
Hafen, so dass auch dieses Ersatzschiff nicht auslaufen konnte. 

Astor wusste damals allerdings noch nicht, welche Folgen das Ausbleiben 
der Verstarkungen and Vorrate in Astoria haben wurde. 
pi;- Hier war Ende August 1813 ein Fahrzeug mit Hunt nach fast i^jahriger 
Abwesenheit eingetroffen, eine Lange der Zeit, die der jungen Niederlassung 



3. Kapitel. 8a 



verhangnisvoll geworden war. Der ,, Beaver" war seinerzeit nach schneller, 
gliicklicher Fahrt in Neu Archangel eingetroffen. Er wurde hier durch den 
alten Gouverneur mehrere Monate hingehalten, bis er seine Ladling verkaufen 
konnte. Dann begab sich das Fahrzeug nach St. Paul auf den Pribiloff-Inseln, 
wo die Russen bereits damals eine Fangstation fur Pelzseehunde unterhielten, 
und wo Hunt solche Seehundfelle a Is Bezahlung fiir die gelieferten Waren 
erhalten sollte. 

Es verging auch hier eine geraume Zeit, bis das vereinbarte Quantum an 
Bord war, und erst Mitte November konnte der ,, Beaver" die Riickreise an- 
treten, wahrend er schon Anfang Oktober in Astoria fallig war. Jetzt 
weigerte sich aber Kapitan Sowle, der Kommandant, bei der stiirmischen 
Jahreszeit die Kiiste des Columbia angelaufen, und es wurde beschlossen, zu- 
nachst die Sandwichinseln anzulaufen. Hier wollte Hunt mit dem nachsten 
Fahrzeuge nach Astoria gehen, wahrend Kapitan Sowle nach Canton fahren, 
dort die Ladung verkaufen und fiir den Erlos Seidenwaren fiir New York, 
einladen sollte. 

Es geschah dies. Hunt wurde im Januar 1813 auf den Sandwichinseln aus- 
geschifft, wahrend der ,, Beaver" gliicklich in Canton einlief. Hier fand der 
Kapitan Sowle einen Brief von Astor vor, wie schon oben erwahnt, der den Aus- 
bruch des Krieges mitteilte und ihn aufforderte, sich nach Astoria zu begeben. 

Sowle weigerte sich aber aus iibel angebrachter Furcht, und schadigte 
auch weiterhin durch seinen Eigensinn die Interessen Astors aufs schwerste. 

Man bot ihm 150 ooo Dollar Gold fiir die Ladung Sealskin und See- 
otter, deren Beschaff ting mit alien Unkosten nur 25 ooo Dollar gekostet hatte. 
Fiir diesen Betrag erworbene Nankins batten in New York 300 ooo Dollar 
erzielt, also ein recht erheblicher Gewinn, der Astor fiir seine vielen Verluste 
reichlich entschadigt hatte. Wenn der Kapitan Angst hatte, sich mit einer 
so wertvollen Ladung den Kriegsgefahren auszusetzen, so konnte die Ladung 
in Canton bis zum Friedensschluss eingelagert werden, wahrend er mit dem 
Schiffe in Ballast nach Astoria ging. 

Statt dessen weigerte er sich, die Ware f iir das Gebot von 150 ooo Dollar 
abzugeben, und als der Preis noch weiter herunterging, iiberhaupt zu ver- 
kaufen. Er lagerte die Ware ein, die dann spater fiir einen ganz geringen 
Preis verkauft wurde, borgte Geld auf Rechnung Astors zu 18 Proz. und wartete 
dann gemiitlich in Kanton auf den Friedensschluss. 

Inzwischen hatte Hunt 6 Monate auf den Sandwichinseln warten miissen, 
da kein Schiff einlief. Endlich gelang es dem Kapitan des ,,Albatros", der 
von China kam, ihn auf Astoria abzusetzen. 

Ware er den Instruktionen Astors gefolgt und von St. Paul direkt 
nach Astoria gegangen und ware dann mit dem ,, Beaver" mit den dort ge- 
sammelten Pelzvorraten nach Canton gegangen, so hatte das ganze Unter- 
nehmen eine andere Wendung erhalten. So kam er zu spat, um noch eine 
Anderung in den getroffenen Beschliissen treffen zu konnen. 



go II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Es blieb ihm nur iibrig, die Interessen Astors bei dcr Auflosung moglichst 
zu wahren. Die angesammelten Felle mussten nach cinem Markt gebracht 
werden. Hunt schiffte sich auf dem ,,Albatros", der nach den Marquesas und 
den Sandwichinseln bestimmt war, ein, um dort ein Schiff zu chartcrn. Wenn 
er bis Januar 1814 nicht zuriick sein solltc, erhielt Mac Dougal Vollmacht, mit 
der Northwest Company zu unterhandeln, welche dann die Angestellten dcr 
amerikanischen Gesellschaft ubernehmen, deren Gehalter zahlen und dafiir 
entsprechende Warenmengen aus den Magazinen in Astoria empfangen sollte. 

Auf den Marquesasinseln erfuhr Hunt iibrigens bcreits von der amerika- 
nischen Fregatte ,, Essex", die dort mit einer Anzahl Prisen einlief, dass die 
englische Fregatte ,, Phoebe" nebst den ,, Sloops", ,,Cherubin" und ,, Racoon", 
mit dem ,, Isaac Todd" gemeinsam bereits nach dem Columbia unterwegs 
seien, um Astoria aufzuheben. 

Es gelang nun Hunt weder in den Marquesas, noch aaf den Sandwich- 
inseln, ein Schiff zu chart ern. Der Kommandant des ,, Essex" wollte keine 
der Prisen unter 25 ooo Dollar verkaufen und auch kcins derselben leihweise 
iiberlassen, wie iiberhaupt die amerikanische Regierung bezw. ihre Beamten 
sich sehr kurzsichtig gegeniiber der Astorschen Grtindung bewiesen. 

Endlich gelang es Hunt im Januar 1814, eine Brigg, den ,, Pedlar", zum 
Preise von 10 ooo Dollar zu kaufen und von den Sandwichinseln nach dem 
Columbia zu segeln. 

Er kam aber viel zu spat. Am 7. Oktober war eine Abteilung Nord wester 
unter Mactavish in Astoria angelangt. Obgleich diese ohne Munition und 
Proviant waren und solche erst von der Pacific Fur Company erbitten mussten, 
kniipfte Mac Dougal sofort Verhandlungen an liber den Verkauf der gesamten 
Ansiedlung, und nahm trotz des energischen Protestes der amerikanischen 
Angestellten alle ihm gemachten Vorschlage der Kanadier ohne jeden Wider- 
spruch an. 

Alle Pelzwaren und Vorrate gingen in den Besitz der Northwest Company 
fur weniger als den dritten Teil des Wertes iiber. Sie ubernahm auch eine 
freie Passage fur die Angestellten, die nicht in ihre Dienste treten wollten und 
zahlte die riickstandigen Gehalter aus, deren Betrag aber von dem Astor zu- 
stehenden Anteile abgezogen wurde. 

Mac Dougal wurde iibrigens bald nachher eincr der f iihrenden Partner 
der Northwest Company und erhielt somit reichliche Bezahlung fur die kaum 
noch zweideutig zu nennende Rolle, die er gespielt hatte. Wie unnotig die 
Verschleuderung der Pelzwaren gewesen war, zeigt das folgende: 

Am 30. November erschien ein Kriegsschiff in der Columbiamiindung. 
Da die Nationalitat ungewiss war, zog sich Mac Tavish weiter in den Fluss 
hinauf, mit alien in Astoria befindlichen Fellen, um sofort, wenn sich das Fahr- 
zeug als amerikanisch herausstellen sollte, mit seiner Beute ins Innere abzu- 
riicken. Es ware den Astorleuten das gleiche eben einfach auch moglich ge- 
wesen, wenn dies Mac Dougal gepasst hatte. Das Schiff erwies sich iibrigens 



3. Kapitel. 



als die Kriegssloop ,, Racoon", und war en die Offiziere sehr enttauscht, dass 
die Warenvorrate bereits in Besitz einer englischen Kompanie iibergegangen 
waren, da man sich schon auf die Beute gefreut hatte. Beim Anblick der eng- 
lischen Flagge erschien iibrigens der alte Chinookhauptling Cocomly an der 
Spitze einer stattlichen Kriegerschar mit vollem Kriegsschmuck, um an der 
Seite seiner amerikanischen Freunde zu fechten, war aber sehr entriistet, als 
dies Anerbieten abgelehnt und das Fort ohne Schwertstreich libergeben wurde. 
Am 12. Dezember 1813 stieg unter dem Salutfeuer der Geschiitze die englische 
Flagge auf den Wallen empor, und Kapitan Black vom ,, Racoon" anderte den 
Namen Astoria feierlich in Fort St. George um. 

Hunt kam mit der Brigg ,, Pedlar" am 28. Februar 1814 in der Columbia- 
miindung an und war schmerzlich bewegt, als er von Mac Douglas' Handlungs- 
weise erfuhr. Letzterer hatte iibrigens aach alle Papiere, Brief e usw. Astors 
der Northwest Company ausgeliefert, und gelang es Hunt nur mit Miihe, 
diese zuriickzuerhalten. 

Er segelte dann auf dem ,, Pedlar", begleitet von den Clerks Set on und 
Halsey, nach New York. 

Clarke, Mackenzie, Stuart und noch einige Astorialeute, die nicht in den 
Dienst der Northwest Company getreten waren, begannen nun den beschwer- 
lichen Landweg liber die Rockymountains. Am Walla- Walla erfuhren sie 
noch, dass John Reid mit seinen Gefahrten dort von den Indianern, den Nez 
Percees, ermordet waren. Drei der Anfiihrer derselben wurden iibrigens 
spater dafur von den Englandern erschossen. 

Im Frieden von Gent wurde allerdings das Columbiagebiet an die Ver- 
einigten Staaten zuriickgegeben, und im Winter 1815 erliess der Kongress 
der Vereinigten Staaten ein Gesetz, wonach alien englischen Kaufleuten der 
Handel in dem fraglichen Gebiet verboten sei und Astor glaubte die Zeit 
gekommen, um sein Unternehmen wieder aufzunehmen, aber es war zu spat. 
Die Northwest Company hatte am Columbia und seinen Nebenfliissen, ebenso 
wie weiter nordlich, ein Netz von Handelsposten errichtet. Zahlreich zogen 
von hier aus die Schiffe der Gesellschaft, reich beladen mit der Pelzausbeute 
dieser Gestade, nach China. 

Alle Angestellte der stolzen Gesellschaft, die ja auch im offenen Kampfe 
mit der H. B. C. zu dieser Zeit lag, waren schwer be waff net. 

Es ware deshalb nur moglich gewesen, dort festen Fuss zu fassen, wenn 
Astor militarische Unterstiitzung von den Vereinigten Staaten erhielt. Er 
erbat auch eine Garnison, aber die Sache wurde vom Prasidenten abgelehnt. 
Niemand konnte damals ahnen, dass 70 Jahre spater die unwirtlichen Gebiete 
hier im Nordwesten einer der reichsten Teile Amerikas werden und zu den 
grossten Weizenproduktionsgebieten der Erde zahlen wurde. 

Nach der Vereinigung der Northwest Company mit der Hudsonbay 
Company wurde iibrigens Fort George aufgegeben und Fort Vancouver, etwas 



02 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



weiter oberhalb am rechten Ufer des Columbia, gebaut. (Nicht zu verwechseln 
mit Vancouver in British Columbia.) 

Astor zog sich iibrigens bald darauf von der Leitung der American Fur 
Company zuriick, um sich ganz den Landgeschaften zu widmen, die den Grund- 
stock zu dem ungeheuren Familienvermogen der Astors legten. Er stellte 
den auch von seinen Sohnen und Enkeln befolgten Grundsatz auf: ,,Buy 
the farm and sell the lot", d. h., er kaufte in der Umgebung von New York 
und anderen Grossstadten Farmlandereien auf, um solche solange liegen zu 
lassen, bis die Stadt soweit herangewachsen war, um das ganze Terrain nur 
in einzelnen Baustellen zu verkaufen. 

Die Leitung der American Fur Company mit dem Hauptsitze in Michilli- 
macinaw ubernahm Ramsay Crooks, einer der Astorialeute. Eine Kette von 
Handelsposten dieser Gesellschaft erstreckte sich langs des Mississippi, Missouri 
und des Yellowstone hin. Ausser den Kanoes und Boot en beschaftigte die 
Gesellschaft auch noch mehrere kleine Dampfer, die auf den Fliissen bis weit 
in das Herz des Kontinents eindrangen, um die Felle der Pelztiere einzuhandeln. 

Die Hauptkonkurrenten der A. F. Co. im wilden Westen waren die Ashley 
Company von St. Louis, die zahlreiche Trapper und Handelsexpeditionen in 
das Indianergebiet der grossen Ebenen bis zu den Felsengebirgen entsandte, 
wahrend die Bonneville Company, die von 150 Teilnehmern in New York 
gegriindet wurde, hauptsacblicb in Arizona, New Mexiko und Kalifornien bis 
nach Monterey ihr Arbeitsgebiet suchte. Auch bis nach Yerba Bueno, dem 
heutigen San Franzisko, streiften die Trapper der Gesellschaft, hielten den 
Platz aber ihrer Aufmerksamkeit fur unwert. Wo heute die Weltstadt Sakra- 
mento an den Ufern des gleichnamigen Flusses steht, setzte der einsame 
Trapper seine Biberf alien. 

Nachdem General Ashley sich 1830 von der Leitung der nach ihm ge- 
nannten Gesellschaft in St. Louis zuriickgezogen, wurde die Gesellschaft in 
die Rocky Mountain Fur Co. unter Leitung von Kapitan Sublette und Robert 
Campbell umgewandelt. Nun trat auch eine energische Rivalitat zwischen 
der American Fur Company und der Rocky Mountain Company ein. Das 
ganze Gebiet der Rocky Mountains und der Kiistengebiete wurde von Trapper- 
expeditionen durchstreift. Eine ganz neue Menschenklasse wuchs adf. Ent- 
sprechend den Voyageurs des Hudsonsbaigebietes entstand die Klasse der 
,, Mountaineers" in den Felsengebirgen. 

Wahrend die Voyageurs des Nordens eine unubertreffliche Geschicklich- 
keit in der Handhabung der leichten Kanoes erlangten, mit denen sie selbst 
Wasserfalle, wie die Katarakte des St. Lorenz bei la Chine, hinabsausten 
ihren Weg durch meilenlange Stromschnellen nahmen, und bis an die aussersten 
Auslaufer der grossen Strom- und Seengebiete vordrangen, wurden die Moun- 
taineers des Westens unerschrockene Reiter und Pfadfinder, welche sowohl 
die weiten Prarien des Westens, wie die Felsengebirge und die jenseits der- 
selben gelegenen Ebenen und Waldgebiete durchstreiften und sich eine uner- 



3. Kapitel. 93 



reichte Kenntnis der Gewohnheiten des Wildes sowohl wie ihrer Feinde, der 
Indianer, erwarben. Nur in einem hatten sie sich eine Ahnlichkeit mil den 
Voyageurs des Nordens bewahrt: wahrend die letzteren bei der Riickkehr 
von der beschwer lichen Fahrt stolz in den Strassen von Montreal umher- 
spazierten und nach Seemanns Art den Lohn einer harten Jahresarbeit in 
wenigen Wochen verjubelten, taten die Mountaineers dasselbe in den Strassen 
von St. Louis und St. Feh. 

Der Handelsbetrieb der amerikanischen Pelzkompanien unterschied sich 
auch wesentlich von dem der kanadischen Gesellschaften. Sie unterhielten 
jenseits der Rocky Mountains keine festen Handelsposten. Die Leitung des 
Handels ruiite in den Handenvon ,, resident partners", die im Gebiet jenseits 
der Berge sich standig aufhielten, aber ohne festen Wohnsitz. Sie zogen ent- 
weder mit bestimmten Indianerstammen umher, oder mit einer Schar Trappern 
und Handlern, welche die Felle entweder von den Indianern einhandelten 
oder selber ihre Fallen setzten. In den Monaten Juni und Juli, wahrend deren 
die Fangsaison zum ganzlichen Stillstande kam, versammelte sich alles an 
einem bestimmten Rendezvous, wo die Angelegenheiten der Gesellschaft be- 
raten wurden und die Plane fur das nachste Jahr entworfen wurden. Hierher 
kamen auch die einzelnen Brigaden der Trapper und Handler, urn die Aus- 
beute abzuliefern, hierher kamen dann auch die Reiter und Wagenkarawanen, 
welche die Gesellschaft von ihrem Hauptquartier im Osten mit Vorraten und 
Lebensmitteln entsendet hatten, unter Fuhrung eines bewahrten Beamten 
oder Partners. Von dem richtigen Eintreffen der Vorrate hirg die ganze 
Kampagne des nachsten Jahres ab. Nach diesen Rendezvousplatzen kamen 
auch die verschiedenen Indianerstamme, um ihre Jagdbeute za verkaufen 
und frische Vorrate einzukaufen. Die Stamme der Ebene, wie die Sioux, 
namentlich die kriegerischen Blackfeet, die Krahen und Dacotas, im Siiden 
auch die Arrapahoes, Apachen und Comanchen, fanden es indessen vorteil- 
hafter, sich die Vorrate aus erster Hand zu beschaffen, indem sie sowohl den 
Vorratskarawanen, als einzelnen Trapperbrigaden auflauerten, um sie zu be- 
rauben und zu ermorden. Aber auch sonst war eine stete Wachsamkeit ge- 
boten, denn jede Kompanie suchte die Plane der andern za erraten und als erste 
auf dem Rendezvousplatz zu sein, denn wer zuerst seine verfuhrerischen Vor- 
rate von Kaffee, Tabak, Munition, Decken, bunten Stoffen, billigen Schmuck- 
sachen, Glasperlen usw. auslegen konnte, hatte auch die Chance, die meisten 
und besten Felle von den Indianern einzutauschen. Der Aufbruch der Kara- 
wanen geschah fast gleichzeitig, sobald im Friihjahr das erste frische Gras auf 
den Prarien sprosste. Es wurden alle Kiinste eines gewiegten Diplomaten an- 
gewendet, um die Plane der Rivalen kennen zu lernen und zu durchkreuzen. 
Dieser fortwahrende Kriegszustand sowohl mit der Konkurrenz, wie mit den 
feindlichen Indianern, schuf eben jene Menschenklasse von Trappern und 
Handlern, deren Handlungen in den Indianergeschichten das Entzucken 
unserer Jugendjahre bildeten. Die besten dieser Mountaineers waren amerika- 



Q/ j II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

nische Jager und Ansiedler aus den Grenzdistrikten des fernen Westens, 
Kentucky, Arkansas, Missouri usw. 

An den Flusslaufen des unteren Missouri usw., wo auch Handelsposten 
existierten, wurden dagegen hauptsachlich franzosische Kreolen, Halbblut- 
indianer usw., verwendet, welche grossere Bequemlichkeit liebten, wie sie die 
Nahe von standigen Ansiedlungen gewahrte. Diese zogen Boot und Kanoe 
auch den mutigcn Rennern der Prarie vor, von denen jene kiihnen Jager unzer- 
trennlich waren. 

Einer der kiihnsten Fiihrer in diesem Kampfe urn den Biber war Kapitan 
Bonneville, der 1830 eine der starksten Expeditionen, bestehend aus 120 
Trappern und Jagern, von Fort Osage am Missouri nach dem Westen fuhrte, 
um die Konkurrenz mit dc A American Fur Company und der Rock)' Mountain 
Fur Company aufzunehmen. Es wiirde hier zu weit fiihren, die zahlreichen 
Abenteuer dieser Expedition anzufiihren, uber welche Kapitan Bonneville 
einen ausfuhrhchen Bericht gibt. 

Wahrend fiinf Jahre durchstreifte er die gesamten Kiistengebiete des 
Pacific bis hinab nach Unterkalifornien und hinauf bis nahe der jetzigen 
Grenze von Britisch Columbia. Seine Erlebnisse in teilweise bisher uner- 
forschtem Gebiet, seine Kampfe mit Indianern, sein Verkehr mit den Mexi- 
kanern Kaliforniens und den Teilnehmern der rivalisierenden Pelzkompanien, 
sowie die ausfiihrliche Beschreibung von Land und Leuten, ftillen einen statt- 
lichen Band. 

Eine interessante Tatsache mochte ich indessen erwahnen. Unterwegs 
trafen sie eine Expedition eines gewissen Nathaniel J. Wyeth von Boston, 
die ausgezogen ware, um eine Lachsfischerei am Columbiaflusse zu etablieren, 
der erste Versuch, um die enormen Fischreichtumer des Gebietes zu verwerten. 
Da die Teilnchmer dieser Expedition samtlich regulare Yankees waren, die 
mit dem Leben auf den Prarien und im Gebirge total unbekannt waren, so 
schlossen sie sich Bonneville an. 

Sein Ziel zu erreichen gelang zwar diesmal dem kiihnen Yankee nicht, 
aber durcb sein langes Umherziehen im Gebiet wurde er ein ungemein tiichtiger 
Pionier. Er trcnnte sich im Herbst 1830 von Bonneville und fuhr in einem 
Lederboot mit wenigen Gefahren den Yellowstone und Missouri hinab und 
gelangte nach zahlreichen Gefahrten gliicklich wieder in den Bercich der 
Zivilisation, bei Fort Leaven worth. Von hier aus ging er nach Boston zuriick 
und griindete die Columbia River Fishing & Trading Company. Eine Brigg, 
die ,,Mary Dacres", wurde gechartert und mit Vorraten nach der Columbia- 
miindung gesendet, wahrend Wyeth selbst mit 60 in St. Louis angeworbenen 
Mountaineers zu Lande dorthin aufbrach. 

Er (rdchtctc einen Handelsposten an -den oberen Gewasscrn des Portneuf 
und cine Nicderlassung, Fort Williams, auf Wapatoo Island an der Miindung 
des Wallamut in Columbia. Hier vereinigte er den Betrieb eincr ausgedehnten 
Lachsfischerei mit eincm cbenso ausgedehnten Pelzhandel. Ein Schiff kam 



3. Kapitel. 95 



alljahrlich um Kap Horn herum, um die Verbindung zur See aufrechtzuerhalten. 
Er hatte die Plane Astors aufgenommen und noch erweitert, um das reiche 
Kiistengebiet der amerikanischen Flagge zu erschliessen. Es fehlte ihm aber 
zur Durcbfubrung dieser Plane das Kapital, welches Astor besessen hatte, 
und so musste er schliesslich nach einer Reihe ungliicklicher Zwischenfalle 
seine Ansiedlungen an die Hudsonsbay Company verkaufen, welche nunmehr 
den ganzen Pelzhandel im Kiistengebiet allein beherrscht. 

Sie hatte auch Fort George, das ehemalige Astoria, welches sie 1822 
aufgegeben hatte, als Vancouver zur Hauptfaktorei erhoben wurde, 1830 
wieder besetzt und als Fort fur den unteren Columbia betrieben. 



II. 
Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

4. Kapitel. 

Die Hudsonsbay Company hatte nach der Beendigung des langjahrigen 
Kampfes und der Vereinigung mit der Northwest Kompany wieder erhohten 
Aufschwung genommen. 1821 war ihr vom Parlament das alleinige Recht des 
Pelzhandels im gesamten britischen Nordamerika auf 21 Jahre verliehen 
worden, und wurde dies 3 Jahre vor Ablauf des Privilegs 1838 nochmals bis 
1863 verlangert. Wahrend der Kriegsjahre 1808 bis 1821 hatte die Gesellschaft 
keine Dividende verteilen konnen. 1821 bis 1824 zahlte sie 4 Proz. jahrlich, 
von da ab wieder 10 Proz. Dividende. Nordlich vom 49. Breitengrade, der 
im Frieden zu Gent festgesetzten Grenze des englischen Gebietes, war sie in 
ungestortem Besitze ihres Monopols, siidlich davon, wo sie 1823 J 3 Handels- 
posten besass, sowie im eigentlichen Kanada war die Konkurrenz noch immer 
eine lebhafte. In den langjahrigen Kampfen hatte die Gesellschaft indessen 
Ubung erlangt, missliebige Konkurrenz zu beseitigen. Die kleineren Handler 
wurden systematisch ruiniert. Sobald einer derselben irgendwo ein Kontor 
eroffnete, errichtete die H. B. C. ein anderes daneben, trieb den Ankaufspreis 
der Felle so in die Hohe und verkaufte die Tauschwaren so billig, dass der 
Handler bald froh war, sein Geschaft an die machtige Rivalin verkaufen zu 
konnen. Nur mit der Konkurrenz der American Fur Company von Astor, sowie 
der 1822 von mehreren Nordwestern und Hudsonsbai-Angestellten unter 
Fuhrung des Franzosen Renville errichteten Columbia Company, die ihren 
Hauptsitz am Petersriver hatte, wurde sie ebensowenig fertig, wie mit den 
im amerikanischen Gebiet der Nordwestkiiste tatigen anderen Handelsgesell- 
schaften, die wir weiter oben geschildert haben. Sie gab deshalb ihr Geschaft 
im Gebiet der Vereinigten Staaten mit Ausnahme der Westkiiste auf, wo sie 
nun eine sehr rege Tatigkeit entwickelte, ebenso wie in ihrem eigenen Gebiete. 

Es ging dies aber nicht ohne haufige blutige Zusammenstosse mit den 
Indianern ab, trotzdem sie es stets verstanden hatte, mit den Indianern in 
ihren ausgedehnten Territorien vorziiglich auszukommen. An den ,, Dalles" 
des Columbia wurden mehrmals die Brigaden der Kompanie mit bewaf fneter 
Hand zur Umkehr gezwungen. Verschiedene Trapper abteilungen waren auch 
ermordet worden. Doch die Indianer begniigten sich nicht damit, sondern 
griffen die Englander auch in ihren Befestigungen an. So wurde das Fort 
St. Johns am Peaceriver von den Beaverindianern niedergebrannt und Chief- 
trader Mr. Hughes mit 4 Mann Besatzung ermordet. Doch geschah dies aus 



4. Kapitel. 



personlichen Motiven, da die Rot haute durch das Benehmen des Komman- 
danten Chief traders Black schwer gereizt war en. Dieser Gentleman war 
einer der beriichtigsten Mordbrenner der Northwest Company gewesen, und 
es gehorte zu seinen Lieblingsgeschaften, den Taten seiner Vorfahren im 
schottischen Hochlande, die sich in ,, cattle lifting' und Weiberstehlen vor- 
allen anderen Clans ruhmreich ausgezeichnet hatten, in seiner neuen Heimat 
nachzueifern. Black selbst entkam zwar dem Gemetzel, doch wurde er 
kurze Zeit darauf in Fort Nezpercez in seinem Zimmer von den Rachern, die 
ihm nachgefolgt, erschossen. 

1828 wurde der erste Seehafen in Britisch Columbia, Fort Langley, in 
Besitz genommen, und im selben Jahre Fort Simpson auf Observatory Island 
gegrundet, wahrend der Schoner ,,Cadboro" und der Dampfer ,, Beaver", der 
erste, der die Fluten des Stillen Ozeans durchfurchte, eine Reihe von Handels- 
posten an der Kiiste anlegte. Hier geriet die Hudsonsbay Company nun in 
Zusammenstoss mit einem neuen Rivalen, der Russisch-Amerikanischen Pelz- 
handelskompanie. Zwar hatten auch andere Nationen schon Beziehungen zur 
Nordwestkiiste gehabt, ausser den friiher erwahnten Englandern. Bereits 
1542 hatten die Spanier unter Juan Rodriguez de Cabrillo eine Expedition 
nach der Westkiiste gesendet, die bis zum 48. Breitengrade vordrang. 1592 
gelangte der Venetianer Apostolos Valeriano, genannt Juan de Fuca, bis in 
den Pugetsound und verbreitete dann bei seiner Riickkehr die Nachricht, er 
ware von dort aus durch die ,,Strasse von Anian" nach Osten gesegelt und 
bei Neufundland wieder herausgekommen. Dies bildete, vereint mit den 
fabelhaften Erzahlungen des spanischen Admirals Fonte, lange Zeit den 
Hauptstiitzpunkt fur die Doktrin der nordwestlichen Durchfahrt. 1774 ent- 
deckte der Spanier Juan Perez de Monterey die Queen Charlotte Islands und 
1775 Kapitan Bruno Heceto in der Fregatte ,,San Jago" die Miindung des 
Columbia, wahrend sein Leutnant, Francisco de Bodega y Quadre, in der 
,,Sonora" den Mount Edgecombe entdeckte, den er San Jacinto nannte. Es 
folgten dann 1777 die Entdeckung des Nootka- Sound durch Capt. Cook, 
und die verschiedenen Expeditionen der Kaufleute von Bombay, Kalkutta 
und Canton, sowie die Griindung der King George Sound Company zur Aus- 
nutzung des ungeheuren Reichtums der neu entdeckten Gegenden an See- 
otterfellen, wie bereits friiher erzahlt. 1787 loste sich die King George Sound 
Company trotz sehr giinstiger materieller Erfolge auf. Im gleichen Jahre 
erreichte auch ein Schiff der Osterreichisch-ostindischen Kompanie, der 
,,Kaiserliche Adler", den Juan de Fuca Sound. Ehe aber die Vorbereitungen 
zu einer Pelzhandelsniederlassung fur die Osterreicher beendet war, nahm 
Kapitan Meares mit den Schiffen ,,Felice", ,,Iphigenie" und ,,Douglas" die 
ganze Kiiste bis zu 49 Grad 37 Min. fur England in Besitz. 1791 errichtete 
Kapitan Gray fur die Boston Fur Company, Fort Defiance am Juan de Fuca- 
Sound, wahrend Kapitan Henderson im ,,Washington" grosse Landstriche am 
Nootka Sound, fur dieselbe Gesellschaft kaufte. 1789 hatten die Spanier die 

7 



g3 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Kapitane Martinez und Haros nach dem Nootka Sound gesandt, um die 
Handler zu vertreiben. Die Expedition konfiszierte die englischen Schiffe 
,,Prinzess Royal", ,, Argonaut" und ,,Northwestamerika", sowie den amerika- 
nischen Schoner ,,Fair Amerika", wahrend es den amerikanischen Schiffen 
,, Columbia", ,, Washington" und ,,Iphigenia" gelang, zu entkommen. Die 
Spanier waren indess nicht imstande, die Besitznahme des Nootka Distrikts 
aufrechtzuerhalten. Auch die Boston Fur Company scheint den Handel dort 
nicht sehr lange betrieben zu haben. Nun traten aber die Russen auf den 
Plan. Die Russen hatten bereits im Jahre 1647 den Anadyrfluss und die 
Behringstrasse erreicht und hier zwischen den Tschuktschen Pelzhandel ge- 
trieben, aber erst im Jahre 1711 brachte der Kosak Peter Popoff die Nachricht 
von den Dioniesinseln und dem gegenuberliegenden Festlande Amerikas. 
1728 wurden in Ochotsk zwei Schiffe, die ,,Fortuna" und ,, Gabriel", gebaut, 
und Behring unternahm mit ihnen seine erste Fahrt durch die nach ihm be- 
nannte Strasse. Auf einer spateren Reise 1741 beriihrte er den amerikanischen 
Kontinent bei Kap Elias, verweilte aber nur einen Tag. Auf der Riickreise 
starb er auf der einsamen Behringinsel, wo er auch begraben liegt inmitten 
der zahllosen Scharen der dort lagernden Pelzseehunde. Die Gefahrten 
Behrings brachten die ungeheuer reiche Pelzausbeute heim und lenkten da- 
durch die Aufmerksamkeit der russischen Handler nach dem neuentdeckten 
Pelzhandelseldorado. Zahlreiche kleine Handler (Promischleniks) lief en in 
ihren gebrechlichen Fahrzeugen von nur dreissig Tonnen Gehalt aus den 
Hafen Kamschadkas nach den Aleuten und kehrten mit reicher Ausbeute an 
Fellen heim, die sie den Eingeborenen einfach ohne jede Bezahlung fortge- 
nommen hatten. Verschiedene von ihnen wurden auch durch ausgeiibte 
Grausamkeiten beriichtigt. 1761 uberwinterten die Kosaken Pushkaroff in 
der Schaluppe ,, Gabriel" und Lazarff in der ,, Andrea" zum erst en Male in 
Alaska und erschlossen nunmehr auch diese Gegenden dem russischen Pelz- 
handel. In spateren Kapiteln (Geschichte des russischen Pelzhandels) 
berichte ich ausfuhrlich iiber die Entwicklung des russischen Pelzhandels in 
diesen Gebieten. 

Um dem Ubelstand abzuhelfen, dass samtliche Lebensmittel fiir die 
russische Kompanie in Amerika von den fernen heimatlichen Gestaden der 
Ostsee herbeigeschafft werden mussten, wurde 1810 der schon oben erwahnte 
Vertrag mit Joh. Jacob Astor abgeschlossen. Dieser verpflichtete sich, samt- 
liche erforderlichen Lebensmittel fiir die russischen Niederlassungen zu liefern, 
sowie ferner die Pelzausbeute der russischen Handelsposten kommissionsweise 
in Canton zu verkaufen. 

Beide Kontrahenten verpflichteten sich ausserdem, den Eingeborenen 
keinen Branntwein zu verkaufen, die beiderseitigen Jagdgrunde zu respektieren 
und gemeinsam Massregeln gegen Schmuggler zu treffen. Mit der Auflosung 
der Astorschen Ansiedlungen wurde der Kontrakt natiirlich hinfallig und 
die russische Gesellschaft musste sich selbst Ersatz schaffen. 



4. Kapitel. 



Zu diesem Behuf griindete sie in Kalifornien, bei Bodegas, eine grosse 
Farm, die spater ,,Rossfarm" genannt wurde. Diese Farm, welche zuerst die 
reichen Ertragnisse des kalifornischen Bodens nutzbar machte durch Anbau 
von Zerealien, Gemiisen und Obst, nebst einem rationellern Viehzuchtsbetriebe, 
erregte das Erstaunen der spanischen Grundbesitzer, ohne sie indessen irgend- 
wie zur Nachahmung anzueifem. 

Man begniigte sich nach wie vor, die ungeheuren Herden halbwild auf- 
wachsen zu lassen und nur Haute, Talg und Horner zu verwerten. 

1821, also fast zu gleicher Zeit wie bei der Hudsonsbay Company, wurde 
das Privilegium der russischen Gesellschaft auf 20 Jahre verlangert. Die ge- 
samte Westkiiste Amerikas, nodlich vom 51. Grad nordlicher Breite und die 
Ostkiiste Ostasiens, nordlich vom 45. Grad 50 Min., wurde fur russisches Terri- 
torium erklart und alien Auslandern verboten, sich auf 100 Werft der Kiiste 
zu nahern. 

1824 wurde aber mit den Vereinigten Staaten ein Vertrag abgeschlossen, 
wonach der gesamte Pacific Ozean fur Fischerei und Handel offen erklart 
wurde. Nur feste Handelsposten durften in den beiderseitigen Gebieten aus- 
schliesslich von den eignen Landesangehorigen errichtet werden. Die siidliche 
Grenze des russischen Amerikas wurde auf den 54. Grad 40 Min. nordlicher 
Breite verlegt. 

1825 schloss auch Grossbritannien einen gleichen Vertrag auf 10 Jahre ab. 
1831 trat der benihmte Reisende Baron von Wrangell an die Spitze der 

russischen Kolonie, die unter seiner energischen Leitung einen grossen Auf- 
schwung nahm. 1833 griindete er das Fort St. Michael am Nortonsund, 
und traf gleichzeitig Massregeln, um den Fang der schon damals schnell dem 
Aussterben zueilenden Seesaugetiere heilsamen Einschrankungen zu unter- 
werfen. 

1834 fand der erste Zusammenstoss mit der sich machtig ausdehnenden 
Hudsonsbay Company statt. Kurz vor Ablauf des Vertrages sandte diese 
Kompanie die Barke ,, Dryad" mit Kolonisten, Vieh usw. an die Miindung 
des Steekin river, um hier auf russischem Gebiet eine Niederlage zu griinden. 

Wrangell kam diesem Unternehmen aber zuvor. Er sandte schleunigst 
die bewaffnete Brigg ,,Chicagoff" und den Schoner ,,Chilcatt" an den Steekin, 
die hier das Fort Dyonysios errichteten und die dann eintreffenden Englander 
mit Gewalt am Landen verhinderten. Unverrichteter Sache musste die 
englische Expedition nach Vancouversisland zuriickkehren. 

Auf dem Landwege war en die Hudson sbayleute indessen erfolgreicher. 
Macleod erreichte 1835 vom Liardriver aus die Quellwasser des Steekin, und 
setzte sich dort fest. Die Jagdpartien beider Gesellschaften begegneten sich 
nun haufig und die verhaltene Feindseligkeit, die sich bei jedem solchen Zu- 
sammentreffen geltend machte, liess das Ausbrechen offner Kampffe furchten. 
Der Gouverneur der Hudsonsbay Company, Sir George Simpson, der die un- 
heilvollen Folgen eines derartigen gewalttatigen Konkurrenzkampfes bei den 



7* 



IOO II- Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

langjahrigen friiher geschilderten Fehden mil der Northwest Company ge- 
niigend kennen gelernt hatte, machte dem unleidlichen Zustande ein Ende, 
indem auf seine Veranlassung 1837 m Hamburg ein Vertrag zwischen beiden 
Pelzhandelsgesellschaften abgeschlossen wurde, wonach die Hudsonsbay Com- 
pany das streitige Gebiet gegen eine jamiiche Lieferung von 2000 Seeotter- 
fellen von den Russen pachtete. Ausserdem verpflichtete sie sich, ihnen jahr- 
lich 280 Tonnen Weizen, 200 Zentner Mehl, 160 Zentner Erbsen, 160 Zentner 
Gerste, 360 Zentner Speck und 200 Zentner Rindfleisch, nebst 36 Zentnern 
Schinken zu festgesetzten Preisen zu liefern. 

Doch auch im Osten war die Hudsonsbay Company nicht miissig gewesen, 
unter der geschickten Leitung von George Simpson ihren Einfluss auszu- 
breiten, indem sie 1831 die Labradorkiiste in den Bereich ihrer Operationen zog. 

Die ganze Kiiste vom Saguenay river bis zum Havre de blanc Sablon 
war schon durch die franzosische Regierung von Kanada in drei Distrikte 
geteilt worden. Zuerst kamen von Port Neuf bis Kap Cormoran die Kings- 
posts", bestehend aus den Stationen Tadoussac, Chicoutan, Ashnabmauchuan, 
Mistachini, les Isles de Jeremie, Seven Islands und Pont de Monts. Dieser 
Bezirk, im Jahre 1731 durch Zusammenlegung der Koniglichen Domanen 
entstanden, wurde meist an Kaufleute und Pelzhandler verpachtet. Bis zum 
Jahre 1802 lieferte dies der Regierung eine jahrliche Pachtsumme von 4ooPfund 
Sterling, wahrend die Pachter aus dem Pelzhandelsbetriebe und der Fischerei 
sehr erhebliche Gewinne zogen. 1802 ubernahm die Northwest Company die 
Handelsposten fur eine Jahrespacht von 1025 Pfund auf 30 Jahre, und ihre 
Rechtsnachfolgerin, die Hudsonsbay Company, trat naturlich in den Kon- 
trakt ein. 

Nach Ablauf des Kontraktes ubernahm ein Montrealer Pelzhandler die 
Posten fur 1200 Pfund jahrlich, musste aber bald der H. B. C. weichen, welche 
die Pachtung wieder ubernahm und sie bis heutigentags besitzt. 

Der zweite Distrikt wird durch die Seigneurie de Mignon gebildet, die 
sich vom Kap Cormoran bis zum Agwamis river erstreckt. 1661 gebildet, 
wurde sie 1676 dem Seigneur Louis de Laval zum Erblehn gegeben und ver- 
blieb bis 1772 in dessen Familie. Dann wurde sie an Fischer verpachtet. 1807 
kaufte eine kanadische Gesellschaft die zur offentlichen Auktion gestellte 
Seigneurie an und errichtete eine Seehundsfischerei, die jedoch nach einigen 
Jahren einging, worauf die H. B. C. die Seigneurie pachtete. 

Die Labradorkiiste, die sich vom Agwamis river bis zum Kap de Blanc 
Sablon erstreckt, war vom Jahre 1763 bis 1820 das Arbeitsgebiet der Labrador 
Company, die hier das Monopol des Pelzhandels, des Fischfanges und der 
Minenutzung hatte. 

1831 errichtete auch hier die Hudsonsbay Company 5 Handelsposten, 
dadurch den Ring ihrer Niederlassungen fest schliessend. Ausser dem Pelz- 
handel betreibt sie hier ausgedehnte Lachsfischerei und Canneries. Der von 
der H. B. C. zum Verkauf gebrachte Labradorlachs iibertrifft das Produkt 



4. Kapitel. IO i 



der Westkiiste bei weitem und 1st iiberhaupt der beste im Handel vorkommende 
Biichsenlachs. 

An der Westkiiste erwuchsen der Hudsonsbay Company jetzt aber 
Schwierigkeiten. 1848 im sogenannten Oregon- Vertrag musste sie den Pelz- 
handel siidlich des 49. Breitengrades ganz aufgeben und ihre dort befindlichen 
13 Forts (Cape Dissappointement, Fort George, Fort Vancouver, Fort Unisqua, 
Fort Walla Walla, Fort Hall, Fort Basil, Fort Okanagan, Fort Colville, Fort 
Kootanis, Fort Flatheads, Fort Nisqually, Fort Cowlitz) gegen eine Zahlung 
von einer Million Dollars an die Vereinigten Staaten abtreten. 

Hierbei war besonders schmerzlich der Verlust von Fort Colville, wo die 
Hudsonsbay Company einen ausgedehnten Farmbetrieb mit Viehzucht,Weizen- 
und Maisbau trieb. Die Herstellung der Gebaude allein hatte 20 ooo Dollars 
gekostet. Auch auf Wappatoo Island im Willametteriver besass die Company 
eine grosse Meierei mit mehreren hundert Milchkiihen, und die der Gesellschaft 
gehorige Cowlitzfarm hatte iiber 1000 Acres sehr fruchtbaren Landes unter 
dem Pfluge, ausserdem ausgedehnte Pferde- und Rindviehzucht, Meierei usw. 
Alle diese Farmen wurden mit abgetreten. Nur die Pugetsoundfarm, auf der 
zu dieser Zeit iiber 6000 Schafe, 1500 Stuck Hornvieh und beinahe 10 ooo 
Pferde und zahlreiche Schweine und Hiihner gehalten wurden, verblieb der 
Gesellschaft, da sie bereits 1839 eme besondere Aktiengesellschaft zu deren 
Betriebe mit 100 ooo Pfund Kapital gegriindet hatte. Samtliche Aktien 
blieben aber im Besitz der H. B. C. Es wird dort noch jetzt sehr ausgedehnte 
Landwirtschaft, besonders Weizenbau, getrieben. Spater wurde das Aktien- 
kapital noch bedeutend erhoht. 

Die Hudsonsbay Company erhielt iibrigens in diesem Vertrage das Recht 
der freien Schiffahrt auf dem Columbiariver zugestanden. 

1835 wurde der Hauptposten der Russisch-Amerikanischen Kompanie in 
Alaska, die Michailowsky-Redoute, von Michael Pobenkoff erbaut, und zwar 
aus starken Treibholzstammen mit Wall und Graben und mit Geschiitzen 
versehen. Ein solch fester Bau war auch notig, denn die Kiistenindianer 
waren nicht so geduldig als die sanften Aleuten, und er wider ten jede Grausam- 
keit der Russen, die grosstenteils aus der Hefe der sibirischen Straflinge be- 
standen, sofort mit einem blutigen Aufstand. Ein Angriff der Unamaligmuts 
(Maligmuts heisst eigentlich Esquimos) auf Fort Michael wurde vom Kom- 
mandeur Kurupanoff mit schweren Verlusten zuriickgeschlagen, worauf die 
Eingeborenen jetzt die Posten der Englander zum Angriff sob jekt wahlten. 
Diese Forts waren weniger fest erbaut, denn die Englander verliessen sich 
mehr auf ihren friedlichen Einfluss auf die Indianer. 1837 wurde indessen das 
von Robert Campbell, dem grossen Pionier der Hudsonsbay Company, er- 
baut e Fort Drews am Liar driver von den Indianern niedergebrannt. 

Die Englander und Russen wetteiferten nun darin, soviel als moglich 
Terrain zu gewinnen und durch Forts zu sichern. Bis weit hinauf nach dem 
unwirtlichen Norden erstreckte sich dieser Wetteifer. Besonders der Yukon- 



102 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Xordamerika. 



river, dieser machtige Strom, schien dazu geschaffen, eine machtige Verkehrs- 
strasse zu werden. In der Xeuzeit 1st er es ja auchdurch die Entdeckung der 
Goldfelder von Klondyke bekannt geworden. Bereits 1838 erforschte ein 
mssischer Halbindianer den Strom bis Nulato, wo er im 65. Grad nordlicher 
Breite und 157 Grad westlicher Lange das Fort Xulato erbaute, das jedoch 
bereits im selben Jahre von den Indianern verbrannt wurde. 1840 errichtete 
aber Leutnant Derebin dort ein neues starkes Fort, das 1842 von Leutnant 
Sagoskin bedeutend vergrossert wurde. 1841 erbaute dagegen Robert Campbell 
fur die Hudsonsbay Company Fort Selkirk am obern Yukon, und 1847 g m g 
Macmurray vom Mackenzieriver aus den Porcupineriver hinab und begriindete 
Fort Yukon. 

Bis 1851 herrschte nun volliger Friede, und beide Handelsgesellschaften 
glaubten in vollkommener Sicherheit ihren Pelzhandelsgeschaften nachgehen 
zu konnen. 




St. Michaels Redoubt (Alaska) unter amerikanischer Herrschaft. 

In diesem Jahre weilten bekanntlich zahlreiche Expeditionen zur Auf- 
suchung der verschollenen Franklin-Expedition an der Kiiste. Von H. M. S. 
Enterprise, das zur Expedition des Admirals Collinson gehorte, kam Leutnant 
Barnard nach Xulato, um von hier aus das Gebiet nach der Polarkiiste zu 
durchforschen, und ausserte gesprachsweise, dass er, um Erkundigungen ein- 
zuziehen, den Hauptling der Koyukon-Indianer ,,holen lassen" wollte. Dieser 
Ausdruck wurde dem machtigen Hauptling iiberbracht, der dadurch, aufs 
tiefste beleidigt, blutige Rache schwor. In der Morgendammerung schlichen 
sich die Koyukons ins Fort, ermordeten Leutnant Barnard, den Komman- 
danten Derabin, sowie samtlich Insassen, Manner, Frauen und Kinder. Dann 
wurde das dabeiliegende Dorf der Xulato-Indianer iiberfallen und iiber hundert 
Einwohner im Schlaf hingeschlachtet. Fort und Dorf wurden dann gepliindert 
und den Flammen iibergeben. Von hier aus zog die bluttriefende Schar nach 
Fort Selkirk. Die Besatzung war aber rechtzeitig gewarnt und konnte sich 
nach Fort Yukon zuriickziehen. Das Fort selbst aber wurde gepliindert und 
verbrannt. 



4. Kapitel. 



Die Tinneh- oder Chipewyan-Nation, zu der die Koyukons gehorten, 
war iibrigens ausser den Kustenstammen die einzige, die dem milden Einfluss 
der Hudsonsbay Company nicht nachgab, sondern haufig gegen sie das Kriegs- 
beil ausgrub. Ausser Fort Selkirk wurden noch die Posten Pellybanks, Dease, 
Frances, Babine und Peaceriver zerstort. Alle diese Taten blieben ungeracht. 
Die Russen waren zu feige und die Hudsonsbay Company teils zu schwach, 
teils verzichtete sie im Handelsinteresse auf Vergeltung. Die Indianerpolitik 




St. Michaels Redoubt (Alaska) unter russischer Herrschaft. 

der Gesellschaft war aber im ganzen eine vorziigliche, besonders im Vergleich 
mil der in den Vereinigten Staaten gegen die Indianer geiibten Taktik. So 
verblieben auch spater bei den grossen Sioux-Aufstanden in den Vereinigten 
Staaten die auf englischem Gebiet sitzenden Stammesteile ganz ruhig. Ebenso 
verhielten sich beim grossen Aufstande der Nezperces im Oregon- und 
Washingtonterritorium die Nezperces in British Columbia ganz friedlich. 

Aus Kalifornien, wo sie seit 1830 eine Farm, ,,Rossfarm", in der Nahe 
von Bodegas am Sakramento besass, zog sich die russische Handelsgesellschaft 
1841 zuriick, indem sie das Besitztum an Kapitan Sutter verkaufte. Hier 
wurde dann 1848 das erste Gold gefonden. So hatten die Russen merkwurdiger- 
weise zwei der reichsten Goldfelder der Erde im Besitz (das Sakramento- 
Gebiet und Klondyke), ohne es zu ahnen. 

1844 gelang es ihr, eine Verlangerung ihres Handelsmomopols auf 20 Jahre 
durchzusetzen, und emchtete sie jetzt auch auf der asiatischen Seite mehrere 
Pelzhandelsstatten. 1853 wurde Sachalin besetzt und auch hier Handelsposten 
begriindet, um den Pelzreichtum der Insel auszubeuten, 1854 feierte sie einen 



II- Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

grossen Triumph. Eine grosse englische Flotte war aus Anlass des Krimkrieges 
vor Petropawlowsk in Kamtschatka erschienen, urn sich dieser wichtigen 
Ansiedlung zu bemachtigen. Ein starkes englisches Landungskorps wurde 
indessen in einen Hinterhalt gelockt und durch die gut gezielten Schusse der 
verborgenen Jager der Kompanie, unterstiitzt durch Ansiedler und die kleine 
Kosakenbesatzung, vollstandig vernichtet. Der Kommandant, Admiral Price, 
erschoss sich aus Verzweiflung, und die Flotte segelte wieder ab, ohne etwas 
ausgerichtet zu haben. 

Die Hudsonsbay Company hatte, wie wir oben gesehen haben, den Ring 
ihrer Niederlassungen von Labrador bis zum Stillen Ozean geschlossen, doch 
hatte sie bei der Verwaltung des ungeheuren Landgebietes und bei der Aus- 
nutzung des Pelzhandelsmonopols mil nicht geringen Schwierigkeiten zu 
kampfen. 

Schon 1838 war es der Gesellschaft nur mit grossen Anstrengungen ge- 
lungen, die Verlangerung ihrer Lizenz zum Alleinhandel im sogenannten 
Indianerterritorium gegen ihre zahlreichen Widersacher durchzusetzen. 1849 
wurde ihr die Verwaltung von Vancouvers-Island nur gegen den energischsten 
Widerspruch der liber alen Partei iibertragen. Die Vorwiirfe gegen die Gesell- 
schaft in der Presse, die namentlich durch die Veroffentlichungen einiger ehe- 
maliger Angestellter uber stattgehabte Missbrauche geschurt warden, fingen 
allmahlich an, die offentliche Meinung zu erregen. 

1856 wurde deshalb ein ,, Select committee of Parliament" zur Unter- 
suchung eingesetzt, bestehend aus folgenden Herren, von denen spater ver- 
schiedene zu Beruhmtheit gelangten. Mr. Labouchere, Lord John Russel, 
Lord Stanley, Edward Ellice, Viscount Sandon, Mr. Blackburn, Percy 
Herbert, Alexander Matheson, Sir John Packington, Gladstone, Roebuck, 
Lowe, Grogan, Gregson, Charles Fitzwilliam, Gurney, Viscount Goderick. 

22 Zeugen wurden eidlich vernommen, darunter die Reisenden Sir John 
Rae (der Entdecker der Reste der Franklin-Expedition), Sir John Simpson, 
Sir John Richardson, Admiral Sir George Black und der alte Northwestpartner 
Edward Ellice. 

Es stellte sich heraus, dass die angeblichen Ubelstande durch die Presse 
masslos iibertrieben waren. Allerdings hatte die Gesellschaft der Besiedlung 
wenig Aufmunterung zukommen lassen, sondern ihr Handelsinteresse stets 
in den Vordergrund gestellt, war aber dabei immer loyal vorgegangen. Auch 
waren die Indianer keineswegs bedriickt worden, wie der Gesellschaft vor- 
geworfen, sondern im Gegenteil vielfach beschiitzt worden. 

Das Komitee empfahl dem Parlament, der Gesellschaft das Monopol des 
Handels zu belassen, dagegen Vancouvers-Island zu einer Kronkolonie zu 
machen und es Kanada freizustellen, soviel von dem Indianerterritorium zu 
annektieren, als es beliebe. 

Letzteres geschah nicht, und blieb deshalb die Hudsonsbay Company in 
ungestortem Besitz. Aber nicht fur lange Zeit. 



4. Kapitel. 105 



1863, bei Ablauf des Charters, wussten Gladstone und Roebuck es durch- 
zusetzen, dass das Monopol nicht mehr erneuert wurde. 

Hierdurch musste der gesamte Geschaftsbetrieb der Hudsonsbay Company 
ein anderer werden. Damals besass sie 136 Handelsposten und beschaftigte 
16 Chieffactors, 29 Chieftraders, 152 Clerks, 1200 Servants, 500 Voyageurs 
und 150 Matrosen und Offiziere. 

Die Aktiven standen mit i 468 301 und die Passiven mit 203 233 Pfund 
zu Buch, so dass das Kapital sich auf i 265 068 Pfund belief. Dies setzte sich 
wie folgt zusammen: 

Aktienkapital 500 ooo Pfund, Wert des Landes und der Gebaude 318 884 
Pfund, Forderungen an die englische Regierung fiir Auslagen in Vancouvers- 
Island 87 072 Pfund, Wert der Anlagen auf Vancouvers-Island 75 ooo Pfund, 
von der Regierung zu ersetzende Auslagen der von Lord Selkirk auf die Red- 
river-Kolonie gezahlten 84112 Pfund, Forderung, an die Vereinigten Staaten 
200 ooo Pfund. 

Fine Gesellschaft, die International financial Company, erwarb die alte 
Hudsonsbay Company, indem sie fiir jede Aktie im Nominalwerte von hundert 
Pfund (Kurswert 200 Pfund) 300 Pfund zahlte, also i 500 ooo Pfund im 
ganzen. Sie gab dann 100 ooo neue Aktien a 20 Pfund aus. 

Die Einteilung des Gebietes blieb beim alten, nur wurde die Verwertung 
des Grund und Bodens mehr beachtet. 

Die Annektionsgeliiste Kanadas nahmen indessen mehr und mehr greif- 
bare Gestalt an, und um dem zu entgehen, verkaufte die Hudsonsbay Company 
ihr gesamtes Landeigentum fiir 300 ooo Pfund Bargeld der Regierung, sich 
dabei 50 ooo Acres Land in der Umgebung ihrer Stationen und ausserdem 
die freie Verfugung iiber den zwanzigsten Teil des fruchtbaren Giirtels, der 
ca. 200 Millionen Acres umfasst, vorbehaltend. 

Auf jede Aktie wurden jetzt 3 Pfund zuriickgezahlt*). 

Das gesamte Britisch-Nordamerika, bestehend aus den Kolonien Kanada, 
Neu-Schottland, Neu-Braunschweig, Britisch Columbia mit Vancouver Island, 
dem Hudsonsbay-Gebiet und den Nordwestterritorien, wurde jetzt zu einer 
einzigen Kolonie, dem Dominion of Canada, verschmolzen. Diese Massregel 
stiess in der Redriverkolonie auf energischen Widerstand. 

Fin gewisser Thomas Mac Dougall war zum Generalgouverneur der 
neuen Provinz ,, Manitoba" ernannt worden, ohne dass hiervon oder von der 
Abtretung des Gebietes iiberhaupt irgend eine offizielle Anzeige gemacht 
worden war. Nicht einmal der Gouverneur der Hudsonsbay Company, Mac 
Tavish, hatte eine Mitteilang erhalten. 

Die Aufregung, die dem Vernehmen nach noch durch die zahlreiche 
katholische Geistlichkeit geschiirt wurde, stieg aufs hochste, als Kolonel 



* Seit dieser Zeit sind in verschiedenen Raten noch 17 Pfund auf jede Aktie 
aus den Landverkaufen zuriickgezahlt. 



jo6 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Dennis die Felder neu vermass, da sich sofort das Geriicht verbreitete, den alien 
Ansiedlern sollten die Farmen genommen und an Kanadier gegeben werden. 

Ein Trupp von 18 bewaffneten Halfbreds unter Fiihrung von Louis Riel, 
dem ,, Napoleon des Redriver", wie ihn seine Anhanger spater nannten, ver- 
jagte die Feldmesser und beschloss, den Gouverneur Mac Dougall nicht ins 
Land zu lassen. 

Etwa 600 franzosische Halbindianer bemachtigten sich des Forts Garry, 
wo sie die Kasse der Hudsonsbay Company, sowie Vorrate, Provisionen usw. 
im Werte von 50 ooo Pfund mit Beschlag belegten. 

Fine Republik Winipeg wurde konstituiert, und erst John Bruce, dann 
Louis Riel mit den beiden Mitregenten Lepine und O'Donoghue zum Pra- 
sidenten erwahlt. 

O'Donoghue, ein entlaufener Laienbruder und spaterer Farmer, kniipfte 
auch Verhandlungen mit den Feniern in den Vereinigten Staaten an, um sie 
zu einem bewaffneten Einfall zu veranlassen. Dies blieb aber beim Versuch. 

Ein Represent antenhaus von 40 Mitgliedern unterstiitzte die Regierung, 
die auch ein offizielles Journal, die ,,New Nation", herausgab. 

Am 21. Oktober 1869 sandte die Regierung dem Mac Dougall eine Reiter- 
schar mit einem Brief entgegen, worin ihm das Betreten des Gebietes unter- 
sagt wurde. Mac Dougall blieb einige Zeit in dem amerikanischen Grenz- 
stadtchen Pembina, erschien dann am i. Dezember mitten in der Nacht in 
Winipeg und erliess zwei Proklamationen, eine, in der er in hochfahrender 
Weise die Burger zum Auseinandergehen aufforderte, eine zweite, in welcher 
er den Kolonel Dennis ermachtigte, sich mit Waffengewalt Gehorsam zu er- 
zwingen und den Belagerungszustand zu verhangen. 

Dennis setzte sich auch mit 40 ergebenen Indianern in Stonefort fest, 
worauf Mac Dougall, im Gefiihl seine Wiirde gewahrt zu haben, nach Montreal 
zuriickreiste. 

Eine Anzahl der schottischen und englischen Ansiedler weigerte sich, der 
provisorischen Regierung der Mestizen zu gehorchen, und vierzig von ihnen 
waren mit dem von Montreal gekommenen Macdonald Smith und dem Obersten 
Salaberry zu einer Beratung im Hause des Deutschen Dr. Schulz versammelt, 
als eine Streitmacht unter Louis Riel das Haus umzingelte. Nach dreitagiger 
Belagerung ergaben sich die Insassen und wurden gefangen ins Fort gebracht. 

Hierauf versammelten sich etwa 500 loyale englische Kanadier im be- 
nachbarten Stadtchen Kildonan und erzwangen die Freilassung der Gefangenen. 
Nachdem der Zweck erreicht war, wurde das Lager wieder abgebrochen und 
die Englander zogen in kleinen Trupps wieder nach Hause. Eine solche Ab- 
teilung von 43 Mann unter Major Boulton und Thomas Scott passierte Fort 
Garry, als plotzlich 300 bewaffnete Reiter heransturmten und sie zu Ge- 
fangenen machten. 

Diese Heldentat wurde dann im offiziellen Journal als die ,, glorious battle 
of Winipeg" verherrlicht. Major Boulton wurde durch ein improvisiertes 



4. Kapitel. 107 



Kriegsgericht als ,,Rebell" zumTode verurteilt, am 19. Dezember aber, eine 
Viertelstunde vor der zur Exekution festgesetzten Zeit, von Kiel begnadigt. 

Am 8. Marz 1870 wurde dagegen Thomas Scott plotzlich aus seinem 
Gefangnis geholt, zum Tode verurteilt und zwei Stunden darauf im Hofe von 
Fort Garry erschossen. 

Diese Schusse war en aber zugleich die Totensalve der jungen Republik. 

Samtliche anstandigen Einwohner traten zusammen, die benachbarten 
Indianer wurden unruhig, und Kiel sah sich allein auf seine treu ergebenen 
600 Halbindianer angewiesen. Sobald die Nachricht von der Bluttat nach 
Kanada gelangte, war die Aufregung gross. Das Volk verlangte energisch 
Massregeln und zwang die Regierung, aus ihrer bisherigen Untatigkeit 
herauszugehen. 

Ein Expeditionskorps, bestehend aus 800 Mann Milizen von Ontario, 
360 Royal Riflemen, 20 Pionieren und 20 Artilleristen mit 4 Feldgeschiitzen, 
wurde gebildet. Das Korps wurde unter den Befehl des Obersten Wolseley, 
des nachmals so beriihmten Feldmarschalls, gestellt, der hier zum erstenmal 
sein grosses Organisationstalent und seine Kunst im Uberwinden von Transport- 
schwierigkeiten bewies. An Schwierigkeiten gab dieser kleine Feldzug dem 
grossen Aschantikrieg nichts nach. Der Landweg war durch undurchdring- 
liche Urwalder, Siimpfe und ein Labyrinth von Seen und Flusslaufen aus- 
geschlossen, und nur der Wasserweg, die alte Kanoeroute der Voyageurs 
mit ihren unzahligen Tragstellen blieb iibrig. Grosse Dampfer fuhrten die 
Expedition iiber den Lake Superior nach Fort Williams, wobei noch diploma- 
tische Schwierigkeiten beim Passieren des auf dem Gebiet der Vereinigten 
Staaten gelegenen Kanals von Sault St. Marie zu iiber winden waren. 

Auf den schaumenden Fluten des Kamenistoquoia River bei Fort William, 
das seit den Tagen der Northwest Company kein soldi reges Leben gesehen, 
erwarten 200 grosse Boote von je 3 Tonnen Tragfahigkeit mit je 14 geiibten 
kanadischen Bootsleuten besetzt, die Expedition. Uber den Shebandowan, 
Kashabowan, Lac des mille Lacs, Windigostogan Lake, Rainy Lake, nach 
dem Lake of the Woods, wo heute eine der grossten Weizenmuhlen der Welt 
steht, ging es iiber den Winipeg-River und -See nach dem Red River. 

Auf dieser Route waren 39 Stromschnellen und Katarakte zu umgehen. 
Auf alien diesen Ubergangsstellen mussten die Boote ausgeladen und iiber 
Land getragen werden. Noch heute liegen neben einer der Eisenbahnstationen 
mehrere dieser damals verlassenen Boote, an denen der den dustern Urwald 
durchschneidende Expresszug vor iiber fliegt. 

Da auch fur 3 Monate Proviant, Munition usw. mitgefuhrt werden musste, 
machte das Vorwartsschaffen durch die engen, morastigen Pfade, die an den 
Tragstellen den Urwald durchschnitten, die grossten Schwierigkeiten, die 
ebenso wie die reissenden Stromschnellen auf der Talfahrt nur durch die Ge- 
schicklichkeit der kanadischen Bootsleute iiberwunden werden konnten. Auf 
alle diese Hindernisse hatten die Rebellen sicher gerechnet, und als deshalb 



jo8 II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

am 8. August die rachende Schar ganz unerwartet vor Fort Garry auftauchte, 
ergriffen die tapfern Vaterlandsverteidiger die Flucht. 

Louis Kiel suchte sie vergebens zum Halten zu bringen und verliess erst 
eine Stunde vor Einrucken der Truppen mit seinen Mitregenten Lepine 
und Odonaghu das Fort und entkam gliicklich nach dem kleinen Grenz- 
stadtchen St. Joseph in Minnesota. 

Die Provinzialverwaltung wurde jetzt ungestort organisiert und alien Be- 
teiligten, mit Ausnahme der Radelsfuhrer, Amnestie erteilt. 

Jetzt begann eine neue Phase der Entwicklung fur das gesamte Hudsons- 
bai-Gebiet. Bereits beim Beitritt von Britisch Columbia und Vancouvers- 
Island war als Aquivalent die Anlage einer Bahn zugesichert worden, welche 
die Gestade des Stillen Ozeans mit dem Atlantischen verbinden sollte. 

Es ist hier nichtder Platz, auf die verschiedenen Phasen des Entstehens dieses 
gewaltigen Kulturwerks der Canadian Pacific-Bahn einzugehen. In 
von seinen Begriindern ungeahnter Weise hat diese Bahn nicht nur das Land 
erschlossen, sondern bildet heute mit den angegliederten der Bahngesellschaft 
gehorigen Dampferlinien die schnellste und bequemste Verbindung nach Ost- 
asien und Australien. Schon als die Route bekannt wurde, welche die Bahn 
nehmen sollte, und ehe noch der erste Spatenstich geschehen, stromten von 
alien Seiten Einwanderer in die fruchtbare Prarieprovinz. Russische Menno- 
niten, Skandinavier, Islander, Deutsche, verschmolzen mit den Auswanderern 
Oldenglands und franzosischen Kanadiern zu einer homogenen, kanadischen 
Bevolkerung. Die Landpreise stiegen in ungeahnter Weise, und auch die 
Hudsonsbay Company erntete reichlich durch den allmahlichen Verkauf der 
ihr vertragsmassig zustehenden 10 Millionen Acker Landes im fertile Belt 
und der 50 ooo Acker Stadtland in der Umgebung ihrer Stationen. Um diese 
Stationen gruppierten sich jetzt grosse stadtische Gemeinwesen. Besonders 
hervorragend war dies in Winnipeg der Fall, das sich zu einer Grossstadt mit 
elektrischer Beleuchtung, elektrischer Strassenbahn, grossstadtischen Ge- 
schaften und Hotels entwickelte. 

Wahrend des Booms wurden hier Preise fur Bauplatze bezahlt, die den 
New Yorker Bodenpreisen wenig nachgaben. Zeitweilig herrschte eine wiiste 
Spekulation. Aber auch die andern Stationen des Prariedistrikts, wie 
Edmonton, Pembina, Alberta und andere entwickelten sich zu grossen Gemein- 
wesen. Die Hudsonsbay Company war nun auch gezwungen, den veranderten 
Verhaltnissen sich anzupassen und tat dies in sehr geschickter Weise. 

In den Grenzdistrikten bis hinauf zum Athabascaw wurde statt des alt- 
hergebrachten Tauschhandels die Geldwirtschaft eingefuhrt. Um der Kon- 
kurrenz zu begegnen, wurden in den Grenzdistrikten sogar sehr hohe Preise 
bewilligt. Man erzahlt iibrigens, dass sich ein bekannter Rauchwarenhandler 
Hr. B. aus Chicago, der im ganzen neuerschlossenen Gebiete bis nach Van- 
couvers-Island Filialen errichtete, diese Massregel der Hudsonsbay Company 
zunutze machte. Er kaufte auf den Londoner Auktionen die Tertia- and 



4. Kapitel. 



IOQ 



Quartanerze, Zobel, Biber usw. der betreffenden Gebiete, liess sie nach Kanada 
schaffen und durch Zwischenleute der H. B. C. anbieten, die dann dafiir den 
Durchschnittspreis fiir die ortsublichen Sortimente zahlte. Erst als man 
dahinter kam, wurde das System geandert. Es gelang der H. B. C. auch nicht, 
die Konkurrenz dauernd fernzuhalten, denn die grossen Gcschafte in den 
Stadten kauften samtliche Pelzwaren. Namentlich Winnipeg und Edmonton ent- 
wickelten sich so zu grossen Pelzhandelsemporien, wo die grossen Rauchwaren- 
firmen Amerikas und Kanadas Einkaufer unterhielten. Nur jenseits Atha- 
bascaw im Nor den und Nordwesten des zweiten Gebiets behielt die H. B. C. 




Geschaftshaus der Hudson's Bay Co. in Montreal. 

die Allemherrschaft ziemlich unbestritten, da ihr hier ihr vorziigliches Ver- 
kehrs- und Verproviantieiungssystem eine Vorherrschaft sicherten. 

Auch das Verkehrswesen wurde organisiert. An Stelle der Brigaden der 
leichten Birkenrindenkanoes traten Dampfer und Leichterfahrzeuge, und die 
Eisenbahn wurde im weitesten Masse dem Verkehr auch fiir die Beforderung 
der Zufuhren fiir die Pelzhandelstationen und die Riickbeforderung der Pelz- 
ausbeute nutzbar gemacht* 

Aber auch sonst liess sich die alte Herrscherin des Westens und des rauhen 
Nordens nicht von der Konkurrenz zuriickdnmgen. Ubersetzte doch derVolks- 
witz die drei Buchstaben H. B. C. in der stolzen Flagge der Hudsonsbay 
Company nicht umsonst mit dem angeblichen Wahlspruche ,,Here Before 
Christ", das heisst ,,wir waren schon vor Christi Geburt hier am Platze." 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



In den grossen Platzen errichtete die Company stattliche Warenhauser 
sog. Departmentstores, welche alles an Waren boten, was am Platze und der 
Umgebung gebraucht wurde, vom Patentpflug bis zum neuesten Pariser Friih- 
jahrshut, und ihre Stores waren stets die grossten und elegantesten am Platze. 

Die Aktien der H. B. C. waren demgemass auch stets sehr gesucht. Etwa 
die Halfte des Aktienkapitals wurde inzwischen aus den Gewinnen zuruck- 
gezahlt und ausserdem durcbschnittlich jahrlich 10 Proz. Dividende verteilt. 
So betrug z. B. die Bilanz dieser Gesellschaft 1904 wie folgt: Gewinn durch 
den Handel netto 95 954 Pfund, durch Landverkauf 179 047. Davon wurde 
eine Dividende von 35 Schilling per Aktie, d. h. 17% Proz., verteilt, was 
175 ooo Pfund absorbierte, I Pfund pro Aktie zuriickgezahlt, was weitere 
100 ooo Pfund erforderte und 93 ooo Pfund wurden auf neue Rechnung vor- 
getragen, was noch wieder beinahe i Pfund pro Aktie (ca. 10 Pfund) ausmacht. 
Im Jahre 1905 stellte sich die Bilanz noch giinstiger infolge der hohen erzielten 
Pelzpreise, doch fehlen mir augenblicklich die genauen Ziffern. Dabei besitzt 
die Gesellschaft noch liber 4 Millionen Acker fruchtbaren Bodens und auf 
ihrem Gebiete im Norden befinden sich noch ungeheure Lager von Kupfer, 
Eisen, Kohlen, Petroleum, Nickel, Asbest usw., die noch gar nicht in Angriff 
genommen sind. 

Bekanntlich befinden sich am Obern See und zwar sowohl auf dem Ge- 
biete der Vereinigten Staaten, als in Kanada die reichsten Kupferminen und 
zugleich auch die besten Asbestminen der Welt. Diese Minen haben ihren 
Aktionaren ungeheure Summen eingetragen und beherrschen heute den Welt- 
mar kt vollkommen. 

Die grossen Goldlager im Nordwesten des Gebiets erwahnen wir spater. 
Auch Britisch Columbia nahm mit dem Vorschreiten der Bahn einen riesigen 
Aufschwung. Auch hier brach ein Landboom aus, namentlich als der kleine 
Flecken Vancouver als Endpunkt der Linie und zum Ausgangspunkt der 
Dampferlinien bestimmt wurde, herrschte dort ein wahres Landfieber. Fur 
einen kleinen Bauplatz wurden mehr Pfund gezahlt, als eine grosse Farm dort 
Dollars gekostet hatte. 

Riesige Vermogen wurden dort gewonnen, aller dings teilweise auch wieder 
verloren, als der Boom nachliess. Im Jahre 1885, gleich nach der Griindung, 
brannte die ganze Stadt nieder, um gleich darauf phonixgleich aus der Asche 
zu erstehen. Grosse Rivalitat herrscht zwischen dem neuen Gemeinwesen 
und den benachbarten alteren Stadten NewWestminster und Viktoria auf 
Vancouvers-Island, die mit dem Hochmut des altgefesteten Patriziertums 
auf den Emporkommling Vancouver herabsahen. 

Sobald 1867 das gesamte russische Amerika fur 10 Millionen Dollar an 
die Vereinigten Staaten verkauft war, reisten die Bevollmachtigten zahlreicher 
Firmen dorthin, um sich einen Anteil an dem Sealskinfang zu sichern. Auch 
Herr Teichmann, damals von der Firma Schroder & Co. in London, jetzt 
Chef der Firma C. M. Lampson & Co., reiste nach Alaska, das damals ganz 



4. Kapitel. 



Ill 



abseits des grossen Weltverkehrs lag und eine mehrmonatliche Reisedauer 
erforderte. Aber alles war vergeblich. Die Regierung erklarte die Pelz-Aus- 
nutzung auf den Pribiloffinseln und teilweise auch an der Kiiste von Alaska 
fur ein Regierungsmonopol und iibertrug dessen Ausnutzung einer amerika- 
nischen Gesellschaft, der Alasca Commercial Co., die mil einem Kapital von 
2 Millionen Dollar in San Francisco gegriindet wurde. Als Agenten fiir den 
Verkauf wurden die Herren C. M. Lampson & Co. in London bestimmt, die 
auch mil Kapital an der Gesellschaft beteiligt waren. Damals rasteten die 
wertvollen Pelzseehunde noch zu Millionen auf den Inseln, und die Regierung 
erliess strenge Gesetze zum Schutz dieser Industrie. 




Pelzseehunde auf den Pribyloffinseln. 

Es durften auf den Inseln St. Paul und St. George jahrlich 100 ooo 
junge Mannchen von 2 bis 4 Jahren getotet werden und durften zum Fange 
nur Aleuten als Arbeit er verwendet werden, die fiir jedes Fell l / 2 Dollar Arbeits- 
lohn erhielten. % Dollar erhielt die Regierung als Abgabe, 100 ooo Dollar, 
also auch i Dollar pro Fell, wurde Pacht gezahlt, und die sonstigen Unkosten 
(Salz, Fracht usw.) betrugen auch noch etwa i Dollar pro Fell. Da nun diese 
Felle in London 10 bis 20 Dollar pro Stuck holten, war das Geschaft gewiss 
ein glanzendes. 

Die Gesellschaft zahlte denn auch jahrelang jahrlich 50 bis 100 Proz. 
Dividende. 1869 erlangte die Firma Hutchinson Kohl & Co. in San Francisco 
das alleinige Recht des Seehundsfangs auf den russischen Komodorski-Inseln 
Copper und Behring Island, wo jahrlich 60 ooo Seals getotet werden durften, 
und iibertrug dies Recht gleichfalls an die Alasca Commercial Co. Der 



II- Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 

Kontrakt lief 20 Jahre und wurde dann an eine Petersburger Gesellschaft 
unter Fiihrung des bekannten Pelzhandlers Griinwalt iibertragen. Die 
Alasca Co. beschrankte sich natiirlich nicht allein auf den Seehundsfang, 
sondern hatte Stationen an der ganzen Kuste von Alaska zum Handel mit 
den Eingeborenen. Damals erhielt die Alasca Co. jahrlich 6 7000 Seeotter- 
felle allein, neben zahlreichen Silber-, Kreuz- und Rotfuchsen, Baren, 
Zobel- usw. Fellen, wahrend die Hudsonsbay Company ebenfalls von der 
Kiiste Britisch Columbiens und Vancouvers Islands mehrere hundert Stuck 
Seeotterfelle erhielt. Jetzt kommen bekanntlich im ganzen nur einige hundert 
Felle jahrlich in den Handel. 

Die Hudsonsbay Company war iibrigens die erste, welche Dampfer an 
der Westkiiste von Nordamerika beschaftigte, und die alten Dampfer ,, Otter" 
und Beaver" waren lange Jahre die einzigen, deren Dampfpfeife die Stille 
der einsamen Sunde unterbrach. Der Verkehr mit der Aussenwelt fand durch 
Segler statt, die urns Kap Horn gingen und oft 7 bis 8 Monate zur Reise 
brauchten. Mit der Eroffnung der Northern Pacific 1885 und der Canadian 
Pacific 1887 anderte sich das Bild an der ganzen Kiiste. Machtige Stadte, 
Portland Oregon, Tacoma und Seattle wuchsen mit unheimlicher Schnellig- 
keit aus dem Boden. Wo noch vor wenigen Jahren Bar und Wapiti ungestort 
gehaust hatten, tont die Klingel der elektrischen Strassenbahn. Von den 
grossartigen Kaianlagen laufen riesige Dampfer nach Ostasien und Australien, 
zahllose Segelschiffe bringen die Produkte der riesigen Weizenfelder, Dampf- 
muhlen, Sagemiihlen usw. nach alien Weltteilen. 

An den mit Urwald bestandenen Ufern des Columbia, des Eraser usw. 
dampfen die Schlote der Sagemiihlen, welche die Urwaldriesen in Planken 
und Balken verwandeln, und der sogenannten Caneries, wo der unglaubliche 
Reichtum der Fliisse an Lachsen in Blechbiichsen verpackt, einen grossen 
Welthandelsartikel bildet. Auch das stille Britisch Columbia blieb nicht un- 
beriihrt. Neben dem alten Newwestminster erstand das riihrige Vancouver, 
und auch das ruhige Victoria auf Vancouver Island erstand zu neuem Leben. 
Aber mit dem Aufschwunge des Landes begann auch eine schlimme Kon- 
kurrenz fur die Pelzhandelsgesellschaften, namentlich aber fur das Seehunds- 
fang-Monopol der Alasca Co. Sowohl von Portland, Seattle, Tacoma, als 
auch von Vancouver und Victoria liefen zahlreiche kleine Schoner von 20 bis 
50 Tonnen Grosse aus, welche den Seehunden auf offner See nachstellten und 
bald grosse Verheerungen anrichteten. 600- bis 800 ooo Seehunde wurden 
so alljahrlich gefangen, und da dies meistens Weibchen waren, und ausserdem 
mindestens die doppelte Zahl verloren ging, so bedeutete dies ein rapides Zu- 
sammenschmelzen der Sealherden auf den ,, Rockeries", wie die Lager plat ze 
der Seehunde genannt werden. Vergeblich erklarte die amerikanische Re- 
gierung die ganze Behringsee fur ein geschlossenes Meer, die englische und 
russische Regierung erkannten dies nicht an. Zahlreiche amerikanische Zoll- 
kreuzer patrouillierten die See, und zahlreiche kanadische und amerikanische 



4. Kapitel. 



Fangschoner wurden beschlagnahmt, was zu zahlreichen Prozessen Anlass 
gab. 1897 wurde dann eine Ubereinkunft getroffen zwischen England, Amerika 
und Russland, wonach Fangschoner den Pribiloffinseln auf 60 Seemeilen 
Entfermmg fernbleiben mussten, und das pelagische Seehundsfangen auf die 
Monate April bis Oktober beschrankt blieb. Auf den Pribiloffinseln wurde 
dann der Fang stark eingeschrankt, anfanglich auf 7000 Stuck jahrlich, welche 
Quote dann auf 15 ooo erhoht worden ist. 

Ausser den grossen Pelzhandelskompanien beschaftigten sich noch ver- 
schiedene Firmen mit dem Pelzhandel, namentlich Boscowitz & Co. und 




Aleutische Fangleute auf den Pribyloffinseln. 

Hutchinson Kohl & Co., die beide nicht mehr existieren, dann Liebes & Co., 
deren Begr under ein Deutscher ist, Bissinger & Co. und andere, die Firma 
Philipaus & Co. in San Francisco beschrankt e ihre Operationen auf die 
Kiiste von Kamtschatka und die See von Ochotsk. 

Alaska selbst war der Alasca Co. ziemlich allein iiberlassen geblieben, 
bis im Jahre 1896 an den Ufern des Klondyke, in der Nahe des machtigen 
Yukon, die bekannten reichen Goldlager entdeckt wurden. Vor einigen Jahren 
entstand hier in den arktischen Regionen in einer der wiistesten Regionen der 
Erde eine dichte Bevolkerung. Dawson City, Circle city Jamen wurden 
volkreiche Stadte, in denen sich selbst moderne Kurschner-Geschafte befinden. 

8 



114 



II. Geschichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika. 



Sitka, Chilcat Name usw. sind lebhafte Hafenstadte geworden, auf denen statt 
eines gelegentlichen Schoners jetzt zahlreiche Dampfer regelmassig einlaufen. 
Auch die Alasca Commercial Co. hatte unter diesen Umwandlungen zu leiden. 

Ihr Monopol des Seehundsfanges war auf die Northamerican Commercial 
Co. iibergegangen, die aber auch ausserdem in Alaska zahlreiche Pelzhandel- 
stationen neben denen der Alasca Co. errichtete, vmd schliesslich trat noch ein 
dritter machtiger Konkurrent auf den Plan, die North American Trading 
& Transportation Co., deren Stammsitz Chicago ist, die aber fast den ganzen 
Verkehr zwischen der Kiiste Alaskas und Klondyke monopolisiert hat. An 
Stelle des lukrativen Tauschhandels ist die Geldwirtschaft getreten, und auch 
die als Jager gebrauchten ,,Siwatches", wie die Kiistenindianer der ver- 
schiedensten Stamme im ,, Chinook", der an der Kiiste ublichen Verkehr s- 
sprache, genannt werden, erhalten jetzt, infolge der scharfen Konkurrenz der 
verschiedenen Unternehmer, Gehalter, wie sie sich in ihren kiihnsten Traumen 
friiher nicht vorgestellt hatten. Die Pelzausbeute Alaskas ist iibrigens nicht 
zuriickgegangen, nur die der grossen Seesaugetiere, wie Seals und Seeotter, 
wahrend zum Schutze der anderen Tierwelt Alaskas sehr strenge Jagdgesetze 
erlassen wurden, die zum Teil sogar weit iiber das Ziel hinausschiessen. Anderer- 
seits sind auf den kahlen Felseninseln an der Kiiste zahlreiche Tierfarmen zur 
Zucht wertvoller Pelztiere entstanden, namentlich Silberfuchse, Blaufuchse, 
Zobel usw. werden so geziichtet. Mehrere Gesellschaften beschaftigten sich 
mit dieser Zucht, namentlich die Semidi Propagating Co. in Kadiak. - 

Im April 1910 wurde das Monopol der Northamerican Commercial Co. 
zum Seehundsfang auf dem Pribiloff aufgehoben, und der Fang von der Re- 
gierung auf eigene Rechnung betrieben. 

Wir haben oben gesehen, wie aus den ,,quelques arpents de neige", den 
wenigen Morgen Schnee, wie die Franzosen nach dem Verlust Kanadas das 
Land bezeichneten, durch die geschickte Kolonialpolitik der Englander ein 
bliihender Staat entstand. Von Halifax und Quebec im Osten bis Vancouver 
und Victoria im Westen zieht sich eine Kette von wohlhabenden Stadten 
entlang. Die ode Prarie ist heute ein Weizenkulturland ersten Ranges, ebenso 
wie die ostlichen Auslaufer der Felsengebirge ein Eldorado fur Viehzucht ge- 
worden sind. Die Hudsonsbay Company hat aber auch nicht wenig dazu bei- 
getragen, namentlich durch ihre geschickte Indianerpolitik. 

Es ist hier nicht der Raum, um auf die Indianerfrage naher einzugehen. 
Zwar im Osten sind die Abkommlinge der stolzen Mohawks, Oneidas, Huronen 
usw. vollkommen verschwunden oder fristen zigeunerartig ihr Leben mit dem 
Verkauf von Strohflechtereien, sogenannter indianischer Kuriositaten, Arbeiten 
aus Birkenholz usw. In den ausgedehnten Waldungen des Nordens fuhren 
die Indianer, die den grossen Volkerfamilien der Crees und der Chipewas ange- 
horig, noch immer ein ungestortes Trapperleben. 

Die Hudsonsbay Company sorgt noch heute wie seit Jahrhunderten 
vaterlich fur ihre roten Kinder und liefert in Notstandszeiten auch Nahrungs- 



4. Kapitel. 



mittel. In den Prarien haben sich zahlreiche Indianerstamme angesiedelt, 
namentlich die Sioux und Blackfeet. Wahrend nun in den Vereinigten Staaten 
durch die verkehrte Indianerpolitik und namentlich durch die Ubergriffe der 
Indianeragenten, so lange die Indianer noch zahlreich genug waren, haufig 
blutige Aufstande derselben hervorgerufen wurden, blieb es auf der kanadischen 
Seite ganz still. Wahrend die Sioux unter Sittingbull in den Vereinigten 
Staaten auf dem Kriegspfade waren und u. a. die gegen sie ausgeschickten 
Truppen unter General Custer niedermetzelten, beschaftigte sich der auf 
kanadischem Gebiet angesiedelte Stammesteil ruhig mit der eintraglichen 
Pferdezucht. Ein gleiches war bei dem Aufstande der Nezperces in Oregon 
der Fall. 4 I 

Noch heute befindet sich ein grosses Siouxlager bei der Station der Canada 
Pacific Bahn ,, Medicine", und die roten Sohne der Wildnis kommen ganz 
friedlich zu Verkaufszwecken auf die Station, wissen aber den zahlreich auf 
sie gerichteten Kodaks der Reisenden geschickt auszuweichen. 

Als 1884 Louis Kiel in seinem Grossenwahn einen neuen Auf stand der 
Mischlinge anzettelte, blieben die Indianer nicht nur ganz ruhig, sondern 
halfen sogar den Truppen bei der Niederwerfung des Aufstandes und dem 
Einfangen der Radelsfuhrer. Louis Kiel ereilte dabei das Schicksal, er wurde 
als Rebell gehangt. 

Die Handelsrouten des Pelzhandels haben sich vielfach geandert. Die 
Bahnverbindungen und die zahlreichen Dampferlinien haben die eisstarrende 
Hudsonsbay nicht mehr zum alleinigen Ausfuhrwege fur die Pelzausbeute der 
Hudsonsbay Company gemacht. Nur die Felle aus den nordlichsten und nord- 
ostlichsten Distrikten gehen noch liber Yorkfort und Mooseriver Factory 
an der Hudsonsbai, die anderen kommen uber Montreal zum direkten Versand. 

In Winipeg und in Edmonton sind Mittelpunkte des Pelzhandels ent- 
standen. Fort Edmonton war seinerzeit von der Northwest Company gegriindet 
und spater von der Hudsonsbay Company hauptsachlich dazu benutzt worden, 
um die notigen Quantitaten Biif f el f iir die Proviantierungszwecke der Kompagnie 
zu beschaffen, die teilweise hier in Pemmican, den bekannten Dauerproviant, 
umgearbeitet wurden. Betrug doch die Ration der Voyageurs 8 Pfund Biiffel- 
fleisch pro Mann und Tag. Jetzt sind hier nicht nur eine ganze Anzahl von 
Pelzgeschaften, sondern Revillon freres haben eine eigene Filiale, und zahl- 
reiche grosse Pelzhandelshauser, wie Jos. Ullmann, Monjo und andere, haben 
Einkaufsagenten hier. In Winipeg bestehen einige zwanzig Pelzgeschafte. 
Eine Bahn von Winnipeg aus nach Ft. Churchill an der Hudsonsbay wird 
jetzt vermessen, die fur die Weizenmengen des Nordwestens eine schnellste 
und billigste Route nach England bilden wird, und auch zur weiteren 
wirtschaftlichen Entwicklung des Gebietes beitragen wird. 

Uber den alteren Handelsbetrieb der Hudsonsbay Company und uber 
ihre verschiedenen Handelsposten ist ausfiihrliches in einem spateren Ab- 

schnitt enthalten. 

8* 



III. 



Geschichte 
des russischen Rauchwarenhandels. 



III. 

Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

1. Kapitel. 

Wir wenden uns nunmehr wieder nach Europa zuriick. 

Von den Handelsbeziehungen der Griechen und Romer mit dem fernen 
Scytenlande, von denen uns schon Herodot berichtet, abgesehen, finden wir 
die altesten Beziehungen Russlands, welches damals noch aus einer Reihe 
einzelner Grossfurstentumer und Chanate bestand, mit Byzanz. 

Sowohl Handel als Politik gravitierte nach dem Schwarzen Meere, nament- 
lich spielten die ,,Warager" dort eine hervorragende Rolle. 

Von den nordlichen Teilen des Landes horen wir zum ersten Male naheres 
durch die beriihrnte, im 9. Jahrhundert unternommene Reise des Norwegers 
Othere, der ganz Skandinavien umsegelte und bis an die Miindung der Dwina 
vordrang. 

In dem von Konig Alfred von England' veroffentlichten Reisebericht 
interessiert uns noch besonders die Angabe, welche Othere iiber den Tribut 
macht, welchen die Finnen den angesiedelten Norwegern bringen mussten. 
Derselbe richtete sich nach dem Vermogen des einzelnen und bestand bei den 
Reichen aus 15 Harder fellen, 5 Renntierfellen, i Barenfell, 10 Korben Federn, 
i Barenfell- oder Otterfell-Jacke und 2 Schiffstauen von 60 Ellen Lange, von 
denen das eine aus Walrosshaut, das andere aus Seehundsfell gefertigt sein 
musste. 

Die ersten Beziehungen Deutschlands zu Russland fanden zur Zeit 
Konrads III. und Friedrich Barbarossas statt. Schon urn die Mitte des zwolften 
Jahrhunderts hatten die deutschen Kaufleute in Wisby auf Esthland die erste 
Stelle eingenommen und beherrschten den ganzen Handel der Ostsee. Sie 
unternahmen urn diese Zeit zahlreic.he Handelsziige nach der Diina, um von 
dort aus dauernde Beziehungen mit dem Zaren von Nowgorod anzukniipfen, 
damals dem machtigsten der russischen Grossfiirsten, dessen Hauptstadt 
Nowgorod Jahrhunderte lang das bedeutendste Handelsemporium des Nordens 
bildete. 

Im heutigen Li viand wurden Handelsniederlassungen errichtet, die bald 
als Stiitzpunkte fur die Missionen unter den heidnischen Livlandern, Esthen 
und Russen dienten. Im Jahre 1186 griindete der Augustinermonch Meinhard 
aus Segeberg, der die Wisbyer Kaufleute begleitet hatte, bei dem Dorfe Yxkiill 



I2O HI' Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

das erste Kastell, und 1199 erbaute der Bremer Domherr Albert in Appeldern 
an der Diina die Stadt Riga. Er stiftete auch den Orden der Schwertbriider 
und eroberte mil Hilfe derselben ganz Livland und Esthland, fand aber bei 
den Esthen hartnackigen Widerstand. 

1218 erschien der Konig Waldemar II. von Danemark mit einer Flotte 
von angeblich 1500 Schiffen, griindete Reval, eroberte Esthland und zwang 
den Bischof Albert, sowohl Esthland als Livland von ihm zu Lehen zu nehmen. 
Erst durch die Gefangennahme Waldemars durch den Grafen Heinrich von 
Schwerin auf der Insel Lyoe bei Fiinen 1223 ficl auch Livland und Esthland 
wieder an die Deutschen. 1231 uberschritten die Deutschritter die Weichsel, 
griindeten Thorn und Kulm, die als Stadte mit Magdeburger Recht bald eine 
bedeutende Handelsstellung errangen. 

1237 wurden mit Hilfe einer Liibecker Flotte die Letten, die sich gegen 
den Schwertorden erfolgreich emport hatten, unterworfen, der Schwertorden 
wurde einverleibt und die Herrschaft des ganzen Ostens in der Hand des 
deutschen Ritterordens unter Hermann von Salza vereinigt. 1241 wurde 
durch den Vertrag Liibecks mit Hamburg die Hansa begriindet, der sich dann 
spater die niedersachsischen und westfalischen Stadte anschlossen. Namentlich 
durch Koln wurde der Stahlhof in London in der Upper Thames Street, die 
Niederlassung in Antwerpen und Brugge begriindet, durch Lubeck die Nieder- 
lassungen auf Schonen, in Norwegen und in Nowgorod. Im Jahre 1282 fand 
dann der eigentliche enge Zusammenschluss statt, wonach die Ausnutzung 
der auswartigen Niederlassungen alien gemeinsam war. 

In Nowgorod erreichte die Hansa bald eine sehr bedeutende Machtstellung. 
Ihre Handelsverbindungen reichten bis an die sibirische Grenze. Die Hansen 
tauschten Pelzwerk, Talg, Haute, Rauchfleisch, ferner Pottasche, Pech, Harz 
und Bauholz gegen deutsche Fabrikate, Wein aus Portugal und Frankreich usw. 
um. Auch von Riga aus wurde dauernde Verbindung mit Smolensk unter- 
halten und weite Schlittenreisen tief in das Innere Russlands unternommen. 

In Thorn stiessen die Handelswege von Danzig und Breslau zusammen 
und wurde die Verbindung von hier aus mit Polen, dem mittleren und siid- 
lichen Russland unterhalten. Auch hier bildeten Rauchwaren, Wachs, Talg, 
Haute usw. den Hauptteil des Handels, was ich schon in einem friiheren 
Abschnitt hervorgehoben haben. Besonders in Lubeck waren sehr bedeutende 
Kaufleute, die aus dem Rauchwarenhandel eine Spezialitat machten, und die 
eingehandelten russischen, norwegischen und polnischen Rauchwaren nach 
London, Bordeaux, sowie den verschiedenen deutschen Stadten lieferten. 

In ganz Russland waren die deutschen Kaufleute machtig und 1 hatten 
das Monopol des Handels, wenn die einzelnen auch haufig unter der Roheit 
der russischen Grossen zu leiden hatten. Schon damals finden wir haufig 
Klagen iiber die iibergrosse Trunksucht der Russen. 

Obgleich nun hanseatische Kaufleute Russland bis weit hinein in das 
Innere bereisten, und ihre Handelsbeziehungen sich bis an die Grenze Sibiriens 



i. Kapitel. 



und bis zu den Samojeden erstreckten, finden wir in der Literatur der da- 
maligen Zeit wenig Ausfiihrliches iiber das russische Reich. Zwar wird ofters- 
der Pelzsendungen, die von dort kommen, sowie der Beschwerden, die beim 
Reisen in diesem wilden Lande drohen, Erwahnung getan; auch iiber die 
durch die Wildheit und Trunksucht der Bewohner entstehenden Gefahren 
am Hofe des Zaren zu Nowgorod wird geklagt, aber eine Beschreibung des 
Landes wird nirgends gegeben. Teilweise war es auch wohl Politik der Hansen, 
welche die auswartige Konkurrenz von hier fernhalten wollten. Es schien 
dies auch Jahrhunderte lang gelungen zu sein. Erst im Jahre 1496 unternahm 
der Norweger Gregor Istoma mil dem Gesandten David eine Reise nach 
Moskau, und von hier aus zu Lande nach der Miindung der Dwina, von wo 
aus sie auf Booten langs der Kiiste des Weissen Meeres am Nordkap vorbei 
bis nach Drontheim zuriickkehrten. Der Bericht iiber diese Reise wurde erst 
1549 veroffentlicht, und zwar in dem grossen Werke des Osterreichers Siegmund 
von Herberstein, dessen grosstes Werk : ,,Rerum moscoviticarum commentarii", 
in Wien erschienen, zuerst ausfuhrliche Bericht e iiber dies Riesenreich brachte 
und in ganz Europa berechtigtes Interesse erregte. 

Gustav Wasa von Schweden beschloss eine Expedition und suchte nun 
langs der Nordkiiste des russischen Reiches nach den reichen Landern des 
Ostens zu gelangen, fand aber keine geeignete Personlichkeit zur Ausfiihrung 
der Reise. 

Anders war es in England. Hier veranlasste der greise Sebastian Cabot, 
der eigentliche Entdecker des Festlandes von Amerika (siehe oben Geschichte 
des Rauchwarenhandels in Nordamerika), der Grosspilot von England, die 
Aussendung einer fur die damalige Zeit gewaltigen Expedition. 

Dieselbe bestand aus 3 Schiffen, unter dem Oberbefehl des Sir Hugh 
Willoughby, und zwar der ,,Bona Esperanza" von 120 Tonnen unter Kapitan 
William Gefferson, mit 28 Matrosen und 6 Kaufleuten, der ,, Edward Bona- 
ventura" von 160 Tonnen unter Kapitan Richard Chancellor, den Steuer- 
leuten Stephan Burrough und Arthur Pet, die sich spaterhin noch einen Namen 
in der Polarforschung machten, 2 Kaufleuten und 44 Matrosen, und der ,,Bona 
Confidentia" von 90 Tonnen unter Cornelius Dufort, mit 3 Kaufleuten und 
25 Mann Besatzung. Die Kosten der Ausriistung, die 6000 Pfund betrug, 
wurde von einer Anzahl englischer Kaufleute bestritten, die sich einen reichen 
Gewinn von der Reise versprachen. Im Mai 1553 trat die Flotte unter Teil- 
nahme einer ungeheuren Volksmenge von Ratcliffe bei London die Fahrt an. 

Man fuhr langs der norwegischen Kiiste, wo in der Nahe der Lofoten 
Mitte August der ,, Ed ward Bonaventura" unter Richard Chancellor durch 
einen heftigen Sturm von seinen Gefahrten getrennt wurde. Nach langerem 
Hin- und Hersegeln erreichte Willoughby Ende September, das russische 
Lappland, wo man zu iiberwintern beschloss. Wahrend des Winters aber er- 
lagen Willoughby und seine samtlichen Begleiter der Geissel der damaligen 
Zeit, dem Skorbut. 



122 HI. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Gliicklicher war Chancellor, er erreichte nach langerer Irrfahrt die Mun- 
dung der Dwina in das Weisse Meer, an der Stelle des heutigen Archangel. 
Die Einwohner empfingen ihn sehr freundlich vmd verkauften ihm Pelzwerk, 
Vogelfedern, Tran etc., sandten aber zugleich Eilboten zum Zaren Iwan 
Wasiljewitsch nach Moskau. Eine feierliche Gesandtschaft des Zaren lud 
darauf die Fremdlinge an den Hof nach Moskau, wo sie sehr gut aufgenommen 
wurden. Der Zar, dem das Handelsmonopol der Hansa etwas driickend 
geworden w r ar, sah jedenfalls grossen Vorteil von einer K^nkurrenz voraus 
und versprach den Englandern grosse Handelsvorteile. 

Die Kosten der Reise Chancellors waren auf Sebastian Cabots Veran- 
lassung, wie schon erwahnt, durch eine Anzahl Kaufleute von London und 
Bristol getragen worden, die sich zu einer Gesellschaft der ,, Fellowship of the 
Merchant aduenturers of England for the dis couerye of Regions Dominions, 
Island (and places) unknowen" zusammenschlossen, 1554 erhielten sie einen 
koniglichen Charter, der 1566 durch einen Act of Parliament bestatigt wurde. 
Ihr Name lautete nun etwas kiirzer: ,, Company of merchant aduenturers of 
England for the discovery of new trades". Da dieser Titel aber fur den tag- 
lichen Gebrauch immer noch etwas zu lang war, wurde sie nach ihrem Haupt- 
handelsgebiet einfach die ,, Muscovy Company" und spater ,, Russia Co." 
genannt. 

Dieser russische Handel war zwar der eintraglichste und der einzige, 
dessen Resultat die Verteilung von Dividenden zuliess, aber es war eigentlich 
nur Nebenzweck der eigentlichen Griindung gewesen. Das Hauptobjekt war 
die Entdeckung des Seeweges nach China und Japan oder ,, Cathay und 
Zipangu", wie sie damals noch vielfach genannt wurden. 

Eine grosse Reihe von Expeditionen wurden auch von ihr zu diesem 
Zwecke ausgeriistet, zuerst allein, dann spater vielfach in Gemeinsamkeit 
mit der East India Co. Gleich 1556 wurde Stephan Burroughs in der ,,Search- 
trift", einem kleinen Fahrzeug, ausgesendet. Er erreichte die Miindung der 
Petschora, wobei er erwahnt, dass die Bewohner Fischerei, Walfisch- und 
Walrossfang betreiben, sowie auch die Jagd auf Pelztiere. Namentlich fangen 
sie Hermeline und Weissfuchse in Fallen. Er entdeckte Novoja Semblia, wo 
er aber bereits russische Fischer in ihren Lodschen fand. Er versuchte den Ob 
zu erreichen, musste aber bei den Weigatsch-Inseln umkehren. Inzwischen 
hatte die Muscovy Co. regelmassige Fahrten nach Archangel eingerichtet, 
wovon aber viele ungliicklich verliefen. So erlitt das Schiff ,, Edward Bona- 
ventura" mit Richard Chancellor, einer grossen russischen Gesandtschaft 
unter Ossip Gregorjewitsch Nepeja und einer Ladung Pelzwerk im Werte von 
20 ooo Pfund Sterling auf der Heimreise von Archangel 1556 bei Aberdeen 
Schiffbruch, Chancellor und der grosste Teil der Besatzung ertrank, und die 
Ladung ging verloren. Die ,,Bona Esperanza" ging im selben Jahre in einem 
schweren Sturm beiDrontheim unter, ebenso scheiterte die ,,Bona Confidentia" 
mit voller Ladung an der norwegischen Kiiste. Nur die ,,Philipp und Marry" 



I. Kapitel. 



123 



erreichte als einzige von 4 Fahrzeugen, die Archangel in diesem Jahre ver- 
lassen, im April 1557 gliicklich London. Die Entdeckungsreisen der Kompanie 
zur Aufsuchung eines Seeweges nach China in den nachsten Jahren wurden 
abwechselnd nach Westen und Osten unternommen. 

So 1574 bis 1578 die 4 Reisen Frobishers nach Westen, wobei wertvolle, 
wissenschaftliche Entdeckungen gemacht wurden. Eine Schiffsladung von 
angeblich Golderz, die ztiriickgebracht wurde, erwies sich aber als vollkommen 
wertlos. 




Samojeden im 13. Jahrhundert. 

1580 wurde Artur Pet in ,,The George" und Charles Jackman in ,,The 
William" nach Osten entsendet und drangen als erste in das Karische Meer 
ein, wo sie des Eises wegen schliesslich wieder umkehren mussten. 

Fast gleichzeitig verungliickte eine Handelsexpedition der Muscovy 
Company unter James Bassendine, James Woodcocke und Richard Browne, 
die von der Petschora aus langs der Kiiste bis zur Miindung des Ob segelte. 
Hier aber strandete das Schiff, und die ganze Besatzung wurde von den 
Samojeden niedergemetzelt. Kurz erwahnen will ich noch, dass die spateren 
Reisen von Davis 1588, von George Weimouth 1602, von Hudson 1605, 1607, 
1608 und 1610, Hall 1608, Knight 1607, Robert Bylot und Baffin 1615, die 
alle wertvolle, geographische Entdeckungen lieferten, hauptsachlich von der 
Muscovy Company ausgesendet wurden, besonders auf Betreiben ihrer hervor- 



124 HI- Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

ragenden Mitglieder Sir John Wolstenholme und Dudley Diggs. Uberhaupt 
verdankt die Wissenschaft der Muscovy Company sehr viel. Sie war die erste, 
welche die Erfindung Sebastian Cabots, das Logbuch, auf alien ihren Schiffen 
einfuhrte, und auch ihre Kapitane anwies, regelmassige Beobachtungen iiber 
die Variation der Magnetnadel anzustellen. 

Leider habe ich nirgends Notizen iiber die Resultate der Handelstatig- 
keit der Muscovy Company auffinden konnen. 

Man trifft in der Literatur der damaligen Zeit nur einzelne Bemerkungen, 
woraus hervorgeht, dass die Fahrzeuge der Gesellschaft regelmassig alle Jahre 
nach Archangel gingen und von dort mit reicher Ladung an Pelzwerk, Hauten, 
Talg, Honig, Teer und anderen russischen Produkten zuriickkehrten, dass 
ferner die Faktoreien in Archangel, sowohl wie in Moskau, sehr umfangreich 
waren und ganz die Stellung einnahmen, die friiher die Hansa in Nowgorod 
eingenommen hatte, dass aber nach Erstarkung der politischen Macht Russ- 
lands und der Einigung des Landes der politische Einfluss der Englander 
gering war. 

Bei Griindung der Hudsonsbay Company im Jahre 1670 war von der 
grossen Muscovy Company nicht mehr die Rede, doch habe ich nicht ausfindig 
machen konnen, in welchem Jahre die tatsachliche Auflosung erfolgte. Es 
wurde schon friiher von mir erwahnt, dass ein grosser Teil des Pelzwerks, 
welches die Hansa und spater die Russia Co. aus Russland ausfuhrte, aus 
Sibirien kam. 

Schon im Anfang des 16. Jahrhunderts hatte der reiche Bauer Anica 
Stroganoff Handelsverbindungen mit den Stammen des westlichen Sibiriens 
angekniipft und dieselben auch bewogen, dem Zaren in Moskau Abgaben in 
Gestalt von Zobelfellen zu senden. Zum Dank dafiir erhielt er fur sich und 
seine Nachkommen grosse Landstrecken an den Fliissen Kama und Tschuso- 
waya geschenkt mit der Berechtigung, daselbst Festungen und Stadte anzu- 
legen. Durch die Besiedlung und Bewirtschaftung dieser Landereien, ebenso 
durch den Pelzhandel mit Sibirien und den Betrieb der Minen im Ural erwarben 
die Stroganoff ein wahrhaft furstliches Vermogen. Im Jahre 1577 wurde ihre 
Herrschaft und ihr Vermogen aber auf das ausserste bedroht. 



III. 
Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

2. Kapitel. 

Am Don hatte sich unter Fiihrung des Hetman Jermak Timofjew eine 
kiihne Rauberschar von Kosaken gebildet, die, bald durch den Zugang von 
Abenteurern auf eine Starke von 6000 7000 Mann gebracht, die Gegenden 
am Kaspischen Meer und an der Wolga brandschatzte. Die fortwahrend ein- 
laufenden Klagen veranlassten endlich den Moskauer Zaren I wan IV., eine 
grossere Truppenmacht auszusenden, vor denen sich die Freibeuter schleunigst 
zuriickzogen und wie ein Heuschreckenschwarm in die Landereien der Stro- 
ganoffs einfielen. Maxim Stroganoff war aber ein gewiegter Diplomat. Er- 
nahm Jermak mil seinen Kosaken auf das liebenswiirdigste auf und bewirtete 
sie freigebig, wusste aber geschickt immer wieder das Gesprach auf die unge- 
heuren Schatze an Pelzwerk in Sibirien zu lenken, bis Jermak schliesslich 
einen Vertrag mit ihm abschloss, sich verpflichtete, die Tartaren und Samo- 
jeden zu unterwerfen und die Beute mit Stroganoff zu teilen, wo fur dieser 
die notigen Geldmittel, Proviant usw. hergab. 

1579 wurde endlich der fur die Geschichte Russlands so bedeutungsvolle 
Zug angetreten, und nach verschiedenen kleinen Gefechten im Beginn 1580 
der Ural iiberschritten. 

Wie eine Gewitterwolke fiel die Jermaksche Reiterschar unter die dichten 
Massen der Tartaren, die trotz der tapfersten Gegenwehr und trotz ihrer grossen 
numerischen Uberzahl den uberlegenen Waffen und dem wilden Ungestum 
der Eindringlinge unterlagen. Unaufhaltsam drangen diese den Tobol und den 
Tura entlang bis nach Tjumen, das in ihre Hande fiel. Hier wurden grosse 
Mengen von Zobelfellen, Fiichsen usw. erbeutet, und ein Teil davon nach 
Moskau an I wan gesendet, der nunmehr den unbotmassigen Kosaken nicht 
nur verzieh, sondern Jermak auch zu seinem Statthalter in den neueroberten 
Landern ernannte. 

Im nachsten Jahre ging Jermak, das befestigte Tjumen als Stiitzpunkt 
im Riicken zuriicklassend, den Tobol und Irtisch entlang, in verschiedenen 
Schlachten die Heeresmacht der Magulen vor sich herrollend bis vor die Mauern 
der Residenz Kutschum Khans ,,Sibir", in der Nahe des heutigen Tobolsk. 
Hier entwickelte sich die Entscheidungsschlacht. Kutschum Khan fiel, wie 
die Sage meldet, von Jermaks eigner Hand. Dieser zog mit grossem Geprange 
fur die in die damalige Zeit ungemein stark befestigte Stadt ein und nannte 



126 HI- Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

sich nun stolz ,,Herr von Sibir", was nachher dem ganzen ungeheuren Reiche 
den Namen Sibirien verschaffte. Auch hier war en grosse Mengen von Pelz- 
werk, namentlich Zobel, erbeutet worden, und der Ruf der leicht zu ge- 
winnenden Reichtiimer liess aus alien Teilen des russischen Reiches Abenteurer 
zu den Fahnen Jermaks stossen. Dieser selbst ertrank zwar am 16. August 1584 
im Flusse Irtisch, aber die Herrschaft des weissen Zaren war nunmehr fest 
begrundet. Nach alien Richtungen breiteten sich die Scharen der Kosaken 
und der kuhnen Pelzjager der sogenannten ,,Promyschleni" aus, iiber die ge- 
waltigen Urwalder der Taiga, den Einoden der moosbedeckten Tundra, die 
Riesenstrome und die gewaltigen Seen. 

Es war jetzt weniger der Kampf mit den kriegerischen Eingeborenen, 
als mit den Hindernissen, welche die Natur den Eindringlingen in den Weg 
legte. 

Aber Gold und edles Pelzwerk sind Ziele, welche zur Eroberung der Welt 
gefuhrt haben. Wahrend die golddurstigen, spanischen Konquistodores den 
Siiden sich unterwarfen, haben die angelsachsischen, franzosischen und russi- 
schen Pelzjager den gesamten Norden der Erde erobert. Die Kosaken und 
russischen Pelzjager begniigten sich aber nicht nur mit dem fliichtigen Durch- 
streifen des Landes, sondern legten an alien wichtigen Punkten Sibiriens 
grossere oder kleinere Festungen an, sogenannte Ostrogs. Das unterworfene 
Land wurde in Kreise geteilt, eine Organisation geschaffen, ein bestimmter 
Tribut, sogenannter ,, Yassak" festgesetzt, in Zobelfellen bestebend, der regel- 
massig zu bestimmten Zeiten in den Ostrogs abgeliefert werden musste. 

Die Ausbreitung der Russen und die Fahrten der Promyschlenj geschahen 
vorzugsweise nach Norden und Nordosten. 

Zwar stellte die Natur dem Vordringen der Menschen gewaltige Hinder- 
nisse in den Weg, die unwegsame Waldwildnis der Taiga, jenes machtigen 
Urwaldgiirtels, der das zentrale Sibirien durchzieht, war fast nur durchdringbar, 
wenn man auf dem Wasserwege dem Lauf der Strome folgte. Nordlich davon 
zog sich die unermessliche Moossteppe der Tundra hin, deren feuchtigkeits- 
getranktem Boden im Sommer unendliche Muckenschwarme entsteigen, 
wahrend nur wenige Zoll unter der Oberflache der Boden ewig gefroren bleibt. 
Im Herbst und Winter tobt der ,,Burran", der morderische Schneesturm un- 
gehindert iiber die ungeheure Flache, alles mit weissemLeichentuche bedeckend. 

Die kuhnen Abenteurer wahlten aber diesen Weg, weil es einerseits hier 
die edlen Pelztiere, wie Zobel, Fiichse, Hermelin etc. in reichster Fiille gab, 
andererseits aber auch die hier wohnenden Volkerstamme weit weniger kriege- 
risch waren, als die weiter siidlich wohnenden Kirgisen, Tungusen und die 
zahlreichen Stamme tiirkischen Blutes. Bereitwilligst wurde auch der kleinsten 
Kosaken- und Pelzjager-Abteilung reicher Tribut gezahlt, wo von doch manches 
Fell in den Handen der Einsammler zuriickblieb, ehe der Tribut an die Krone 
abgeliefert wurde. Auch wurden die wenigen mitgefuhrten Erzeugnisse der 
Zivilisation ungeheuer hoch bezahlt. 



2. Kapitel. 127 



So war es lange Zeit unbestritten Handelsgebrauch, dass der Kaufer eines 
Kupferkessels denselben als Kaufpreis bis zum Rande mit Zobelfellen fullen 
musste. Fiir ein Taschenmesser musste z. B. ein wertvolles Silberfuchsfell 
gezahlt warden. 

Nur oben im hohen Norden, vor der Miindung der Ob und Jenisei, bis an 
die Petschora sassen die kriegerischen Samojeden, mit denen man schon friiher 
auf dem Seewege in Verbindung getreten war, und von denen Schiffe der 
Muscovy Company, der Hollander und Kiistenfahrzeuge der Russen vom 
Weissen Meere Pelzwerk, Tran, Fischbein und Vogelfedern einhandelten, 
ohne indessen feste Niederlassungen zu begriinden. Jetzt wurde dies anders. 

Ende des 16. Jahrhunderts hatten die Zobeljager sich bereits das ganze 
Flussgebiet des Irtisch-Ob unterworfen und sich in nordostlicher Richtung 
weiter verbreitet bis an den Fluss Tas, wo des ergiebigeren Zobelhandels wegen 
die Stadt Massgasej gegrundet, aber bald wieder verlassen wurde. 

1610 wurde der Jenissei erreicht, und hier am Turuchan, einem Neben- 
flusse desselben, die Stadt Turachansk angelegt. In Booten ruderte man von 
hier aus den Fluss hinab, um das Eismeer zu erreichen, doch zwangen die Eis- 
massen zur Riickkehr. Die bis dahin so stolzen Samojeden wurden aber 
unterworfen und zur Steuerzahlung gezwungen. Man folgte nun den Neben- 
stromen der Jenissei nach Osten, bis 1627 die Lena erreicht wurde. Das neu- 
entdeckte Flussgebiet wurde sofort nach alien Richtungen durchstreift, um 
Pelzwaren einzutauschen und von jeder Eingeborenen-Ansiedlung Jassak ein- 
zutreiben. 

1637 zog der Kosak Elisej Busa, begleitet von 10 Kosaken und 40 Pelz- 
jagern, langs der Eismeerkiiste nach Osten, wobei er die Miindung der Lena, 
den Olenek und die Jana entdeckte. 

Hierbei fand er bei den an den Flussufern wohnenden Jakuten und 
Jukagiren eine ungemein reiche Ausbeute an Zobelfellen, Silberfuchsen, Blau- 
und Weissfuchsen, weshalb die Russen sich hier festsetzten. 

1639 erreichte eine andere Expedition unter Iwanow Postnik den Indi- 
girko und versuchte Steuern bei den benachbarten Jukagiren einzutreiben. 
Diese widersetzten sich aber energisch und konnten erst durch die Furcht vor 
den ihnen ganzlich unbekannten Kosakenpferden zur Unterwerfung gebracht 
werden. Eine kleine Niederlassung, eine sogenannte Simovie, wurde hier an- 
gelegt und mit einer standigen Kosaken-Besatzung versehen. Von hier aus 
wurde dann die Expeditionen zum Steuereintreiben unternommen, wobei der 
Alaseifluss und die Kolyma entdeckt wurden. Besonders die letztere Ent- 
deckung erwies sich als sehr wichtig. 

1644 errichtete der Kosak Michailo Staduchin eine Simovie, die spater 
zu der Stadt Nischnij Kolymsk erweitert wurde, einen Hauptstiitzpunkt nicht 
nur des Pelzhandels bis in die neueste Zeit, sondern auch als Ausgangspunkt 
fur zahlreiche Expeditionen. Eine der altesten sibirischen Markte oder Messen, 
entstand hier namentlich auch fur den Handel mit den ostlich wohnenden 



128 



III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 



Tschuktschen und den siidlich wohnenden Jakuten. Hier erhielten die Russen 
die ersten Nachrichten von den ost warts wohnenden Tschuktschen auf der 
gleichnamigen Halbinsel. 

Im Jahre 1646 segelte der Kosak Isai Ignatief mit einer Anzahl Pelzjager 
in mehreren kleinen Fahrzeugen die Kolyma abwarts, und langs der Kiiste 
des Eismeers nach Osten bis in eine Bucht, wo man Ansiedlungen der Tschuk- 
tschen traf und von ihnen eine grosse Menge Pelzwerk, Seehundshaute und 
Walross-Elfenbein erhielt. 




Yakutsk kurz nach der Griindung. 

Der Gewinn der Reise war so gross, dass bereits im nachsten Jahre eine 
neue Expedition von vier halbgedeckten Fahrzeugen ausgeriistet wurde unter 
Fiihrung des Pelzjagers Theodor Alexejew, dem der Kosak Simon Iwanow 
Sin Deschnew beigegeben wurde, um die Rechte der Krone zu wahren. 

Die Absicht war diesmal, den grossen Fluss Anadyr zu entdecken, von 
dem man Kunde erhalten hatte, und zu gleicher Zeit wurde eine Landexpedition 
unter Michael Stadukin abgesandt, um einen zweiten unbekannten Fluss, die 
Pogitcha, zu erkunden, und zugleich die Tschuktschen zu unterweifen. Beide 
Expeditionen mussten aber unverrichteter Sache wieder umkehren, da sie zu 
schwach waren, um es mit den kriegerischen und zahlreichen Tschuktschen 
aufzunehmen. Im Jahre 1648 wurde deshalb der Versuch mit starkerer Kraft 
erneuert. 

Am 30. Juni verliessen 7 grosse Fahrzeuge, jedes mit 30 Bewaffneten 
bemannt, die Miindung der Kolyma. 



2. Kapitcl. 120 



Vier der Schiffe kehrten bald urn, wahrend die drei andern unter Kom- 
mando der Kosaken Gerasim Ankudinow und Simeon Deschnew, sowie des 
Pelzjagers Feodot Alexejeff vorwarts drangen. Man durchfuhr die Behring- 
strasse und erreichte gliicklich die Landzunge Gross-Tschukotskoj-nos, drei 
Tagereisen von der Anadyr-Mundung entfernt. Hier oder wahrscheinlicher 
bei der benachbarten Heiligenspitze oder Serdze Kamen scheiterte das Fahr- 
zeug des Ankudinow, die Mannschaft wurde aber samtlich gerettet und auf 
die Boote verteilt. Am 30. September kam es zu einem heftigen Gefecht mit 
einer starken Schar Tschuktschen. Alexejew wurde verwundet, und die Russen 
mussten sich zuriickziehen. Bald darauf wurden beide Fahrzeuge durch einen 
heftigen Sturm getrennt, worin die ,,Kotscha" des Alexejew verschlagen 
wurde. Erst viele Jahre spater erfuhr man, dass sie nach der Siidwestkuste 
von Kamschadka getrieben, hier strandete. Andukinow starb am Skorbut, 
den andern wurde aber von den Kamschadalen, die nie Weisse gesehen hatten, 
fast gottliche Verehrung zuteil, das sie sich weidlich zunutze machten. Sie 
wurden so lange fur unverwundbar gehalten, bis sie sich bei einer Priigelei 
selbst untereinander verwundeten, worauf die Kamschadalen die ganze Ge- 
sellschaft kurzerhand totschlugen. Fort wahrend mit Sturm und Eis kampfend, 
erreichte Deschnew im Oktober endlich die Miindung des Olutorsk, wo auch 
das letzte Schiff strandete, in ganzlich menschenleerer Ode. Deschnew zog 
nun mit 25 Mann nach dem Anadyr, wo man ebenfalls wider Erwarten keinen 
Eingeborenen antraf, wahrend die mitgefuhrten Lebensmittel aufgebraucht 
waren. Die kiihnen Promyschleniks liessen sich deshalb aber nicht einschiich- 
tern. Man errichtete ein Haus und erlegte genugend Renntiere, Seehunde und 
Seevogel, um den arktischen Winter zu iiberstehen. Im nachsten Sommer 
traf man endlich Eingeborene, die sich aber weigerten, Tribut zu zahlen. 
Heftige Kampfe folgten, denn Deschnew hatte bei der Abfahrt geschworen, 
mindestens 300 Zobelfelle als Steuern der Tschuktschen mitzubringen. Die 
besseren Waf fen der Russen sicherten ihnen schliesslich den Sieg, und ein 
grosser Jassak von Zobelfellen, Weiss- und Blaufuchsen etc. wurde einge- 
trieben. Im Herbst des Jahres wurde an der Stelle, wo spater sich Anadyrski 
Ostrog erhob, und durch Jahrhunderte ein lebhafter Messverkehr sich ent- 
wickeln sollte, ein kleines Fort errichtet. Es schien aber vorlaufig keine Aus- 
sicht vorhanden zu sein, nach Kolymsk zuriickzugelangen. Da traf im Mai 
1650 plotzlich Ersatz ein. 

Staduchin, der 1647 von Jakutsk aus einen Vorstoss nach Norden gemacht 
hatte, um die Miindung des Popytscha zu finden und die Inseln des Eismeers 
zu untersuchen, hatte zwar keinen Erfolg, hatte aber grosse Mengen Walross- 
zahne erbeutet, die nach Jakutsk geschickt wurden, um weitere Fangmanner 
anzuwerben. Eine Anzahl kamen auch, und da man inzwischen von den Ein- 
geborenen die genauere Lage des Anadyr, der mit der sagenhaften Pogitika 
identisch war und eine Beschreibung des Landweges erhalten hatte, so drang 
eine grossere Expedition unter Simeon Motora und Staduchin dahin vor und 

9 



HI- Geschichte des russischen Ranch ware nhandels. 



erreichte, wie schon erwahnt, im Mai 1650 die Simovie des Deschnew. Bald 
entspannen sich Streitigkeiten zwischen den Fiihrern. Staduchin ging mil 
einigen Leuten nach dem Peuschina-Fluss, wo sie wahrscheinlich alle erschlagen 
wurden, denn sie blieben verschollen. Deschnew und Motora erbauten sich 
Boote, um weitere Entdeckungen zu machen. Motora wurde aber bei dem 
Versuch, von einem Eingeborenen-Stamni nochmals Jassak einzutreiben, 
den Deschnew bereits rein ausgepliindert hatte, erschlagen. 

Deschnew machte von Anadyrsk aus verschiedene Fahrten den Anadyr 
hinab und an die Kiiste, wo er namentlich viel Walrosse entdeckte, um deren 
Elfenbein zu erbeuten. Erst 1654 gelang es ihm, geniigend grosse Fahrzeuge 
zu erbauen, um die erbeuteten Felle, Elfenbein etc. nach Kolymsk und von 
dort aus nach Jakutsk zu bringen. Es war dies ubrigens der erste Tribut, den 
Russland von den Volkerstammen am Stillen Ozean erhalten hatte. 

An den Ufern des nordlichen Eismeeres hatte sich inzwischen ein ganz 
lebhafter Handelsverkehr entwickelt. 

Andrej Goreloj, der 1650 von Jakutsk aus an die See gesandt wurde, 
um die Steuern an Pelzwerk von den Stammen an der Indigirka einzuziehen, 
berichtet, dass er, nachdem seine Fahrzeuge an der Miindung des Kromo- 
flusses vom Eise zerdriickt waren, sich zu Lande hatte nach der Simovie 
Ujandino fliichten miissen, wo aber in diesem Winter Hungersnot herrschte, 
da die Schiffe, welche Lebensmittel nach diesem Platze fiihren sollten, in 
diesem Jahre durch die Eisverhaltnisse zur 'Umkehr gezwungen waren. Aucli 
der Kosak Tinofei Buldakoff, der um diese Zeit zur See von der Samo nach 
der Kolyma _reiste, um dort das Kommando .iiber den Distrikt.zu iibernehmen, 
erwahnt, dass sie unterwegs 12 Kotschas trafen, die mit Kosaken, Pelzjagern 
und Kaufleuten angefiillt, entweder von der Lena ostwarts segelten oder vom 
Kolymsk oder von der Indigirka mit voller Ladung nach der Lena zuriick- 
kehrten. 

Auch mit den neusibirischen Inseln, die spater durch ihren Reichtum an 
fossilem Elfenbein den dort lagernden Mammutzahnen, bekannt wurden, trat 
man schon um diese Zeit in Verbindung. Wenigstens war den Lotsen, welche 
die Expeditionsschiffe der Kaufleute Nikifos Malgin und Andrei Woripajew 
von der Lena nach der Kolyma fiihrte, diese Inselgruppe von 1670 genau 
bekannt, und der Pelzhandler Jacob Wiatka hatte dieselben sogar betreten. 

Die Russen, Regierungsleute sowohl als Pelzhandler, wendeten sich aber 
jetzt rnehr dem sudlichen an der Kiiste gelegenen Distrikt zu, namentlich 
Kamschadkas, dessen Pelzreichtum anfing bekannt zu werden. 

Wilodomir Atlassow, der Kommandant von Anadyrsk, sandte 1696 den 
Kosaken Luckas Semenow Sin Morosko mit 16 Mann aus, um bei den siid- 
licher wohnenden Volksstammen Steuern zu erheben. 

Morosko unterwarf die Korjaken und drang bis an den Kamschadkafluss 
vor, von wo aus er in einer fremden Sprache geschriebene Manuskripte mit- 
brachte, die, wie sich spater herausstellte, von einem an der Kiiste Kam- 



2. Kapitel. 



schadkas gestrandeten japanischen Handelsschiffe herriihrten. Von der 
Nahe Japans hatten die nur praktische Geographic treibenden Eroberer da- 
mals noch keine Ahnung. Im nachsten Jahre ging Atlassow selbst mil einer 
.grosseren Abteilung nach Siiden und errichtete am Kamschadkafluss zum 
Zeichen der Besitznahme des Landes ein Kreuz mit Inschrift: ,,Im Jahre 7205 
(1697) am 13. July wurde dieses Kreuz vom Piatidesatnik Wilodomier Atlassow 
und seinen 55 Begleitern errichtet." Am Kamschadkafluss erbaute er ein 
Fort. Werotni Kamschatskoj Ostrog, welches sowohl zur Unterwerfung der 
.sich kraftig wehrenden Kamschadalen diente, als auch zum Stiitzpunkte der 
zahlreich nachstromenden Pelzhandler. 1700 begab sich Atlassow selbst nach 
Moskau und uberbrachte den in Kamschadka gesammelten Tribut von 3200 
Zobelfellen, 10 Seeottern, 7 Biber, 4 Ottern, 10 Silberfiichsen und 191 Rot- 
fuchsfellen, sowie einen an der Kiiste gefangen genommenen Japaner. Ausser 
dem erwahnten Tribut soil er noch eine grosse Menge privatim erworbenes 
Pelzwerk mit sich gefiihrt haben, doch werden nahere Angaben dariiber nicht 
gemacht. Atlassow wurde in Moskau sehr gut empfangen und zum Befehls- 
haber der Kosaken in Jakutsk ernannt. Er erhielt auch den Auftrag, Kam- 
.schadka ganzlich zu erobern. 

Er fiel aber in Ungnade und wurde ins Gefangnis geworfen, weil er auf der 
Fahrt von Anadyrsk nach Jakutsk ein russisches Fahrzeug, das mit chinesischen 
War en beladen war, auspliinderte. Erst 1706 wurde er in Freiheit gesetzt. 
Die Eroberung Kamschadkas wurde iibrigens sowohl seitens Atlassow wie 
der Kosaken mit ungewohnlicher Grausamkeit gefiihrt. Man legte den Kam- 
schadalen das 10 fache des gesetzlichen Jassak oder Tributs an Fellen auf 
und behielt den Uberschuss fur sich. Fortwahrend wurden die ungliicklichen 
Einwohner durch die Bedriickungen der Kosaken zum Auf stand gereizt, um 
dann durch die iiberlegenen Waffen der Russen niedergestreckt zu werden. 
Innerhalb 30 Jahren war die Bevolkerung auf den zwolften Teil der Zahl 
reduziert, die sie beim Einriicken der Russen gehabt hatte. 

Nicht so griicklich erging es den Russen beim ersten Zusammenstoss mit 
den Tschuktschen. 1701 waren sie von den Inkagiren um Beistand gegen dies 
kriegerische Volk gebeten worden. Eine Expedition wurde auch ausgerustet, 
die Tschuktschen weigerten sich aber, irgend welchen Tribut zu zahlen oder 
die russische Oberherrschaft anzuerkennen und sandten die Russen mit 
blutigen Kopfen heim, auch ein 10 Jahre spater unternommener Versuch 
die Tschuktschen zu unterwerfen, schlug fehl. Der damit beauftragte Kosak 
Peter Tliunsen Popoff konnte diese Aufgabe nicht losen, doch brachte er die 
erste Nachricht von den in der Behringstrasse liegenden Diomedes-Inseln 
und von dem naheliegenden grossen Kontinent (Amerika) zuriick. 

Im selben Jahre 1711 wurde der durch seine Habsucht und Grausamkeit 
verhasste Atlassow mit mehreren andern Fiihrern durch die Kosaken Anzip- 
thorow und Iwan Kosirewskoj ermordet. Die Morder unternahmen dann, 
um sich Verzeihung zu sichern, die Eroberung des siidlichen Kamschadkas 



102 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

und der zwei nordlichsten der Kurilen-Inseln, sowie der Insel Schantar im 
Ochotski-Meer. Bisher war man nach dem Kamschadka immer auf dem grossen 
Umwege iiber Anadyrsk gelangt, im Jahre 1711 erteilte aber der Wojwode 
von Jakutsk, Dorofeij Trauernicht, ein iiberaus eifriger Forderer der sibirischen 
Entdeckungsfahrten, dem Befehlshaber in Ochotsk, Sin Bojarski Peter 
Guturow Befehl, von Ochotsk aus zur See nach Kamschadka zu reisen. Dies 
war aber vorlaufig unausfuhrbar, da weder Schiffe noch Seeleute oder mit 
dem Schiffbau einigermassen vertraute Leute vorhanden waren. Nun miissen 
wir aber einen Riickblick tun, was inzwischen in dem mittleren und siidlichen 
Sibirien geschehen war. 



III. 
Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

3. K a pit el. 

Nach dem Tode des Jermak 1584 im Irtisch im Kampfe gegen Kutchun 
Khan hatte die russische Besatzung im ersten Schreck Sibir geraumt. Die 
verschiedenen sibirischen Fiirsten machten sich wieder unabhangig. Der Zar 
sandte aber von Moskau 300 Mann Soldaten, die den Widerstand der Sibiriaken 
bald brachen und zunachst 1586 die Festung Tjumen erbauten. Das russische 
Gebiet in Sibirien reichte damals nach Norden bis an die Miindung des Irtisch 
in den Ob, im Osten bis an den Irtisch und im Siiden bis an die Flusse Tobol 
und Tura. 

In 1587 wurde Tobolsk gegriindet und in 1602 Tomsk. Zwar die Unruhen 
beim Tode des Boris Gudonow in Moskau liessen auch das Tempo der Er- 
oberungen in Sibirien etwas langsamer erscheinen, aber 1614, nach dem ein- 
getretenen Friedensschluss, riickte man auch jenseits des Urals unaufhaltsam 
vorwarts. Im Norden ging, wie wir friiher gesehen, die Entdeckung und Er- 
oberung ziemlich ungehindert vorwarts, im Siiden dagegen hatte man unauf- 
horlich mit den kriegerischen Burjaten zu kampfen. Dieser Volksstamm hat 
iibrigens seine kriegerischen Eigenschaften bis heute bewahrt, ist aber der 
russischen Krone treu ergeben. Besteht doch der grosste Teil der sibirischen 
Kosaken- Regiment er aus Burjaten, und ist der Bur j ate stets zur Jagd auf 
entflohene Straflinge bereit; auch sind die tiichtigsten sibirischen Pelzjager 
noch heute unter den Burjaten zu finden. 1632 wurde Jakutsk gegriindet, 
nachdem vorher schon Krasnojask, Seligenskoj, Jeneseiskoj als feste Sttitz- 
punkte errichtet and mit standigen Garnisonen belegt waren. 1639 wurde 
Ochotsk angelegt, und 1643 erreichte der Kosak Iwanoff von Jakutsk aus den 
Baikalsee, den 2 Jahre spater der Hetmann Kolesnikoff von Osten her er- 
reichte. Jetzt wurde auch Irkutsk erbaut, das aber erst 1652 zu grosserer 
Bedeutung gelangte. Gleich nach der Eroberung wurde iibrigens auch eine 
geordnete Verwaltung in Sibirien eingerichtet ; an der Spitze des Ganzen 
stand ein Gouverneur, welcher in Tobolsk seinen Wohnsitz hatte, und dem 
die verschiedenen Wojwoden und die Kommandanten der verschiedenen 
Stadte unterstanden. Uber dem Ganzen aber stand die sibirische Kanzlei in 
Moskau. Uber die sibirische Kanzlei fand ich in einem merkwiirdigen, 1720 in 
Niirnberg erschienenen Buche folgende Beschreibung : 



III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 



,,Diese sibirische Canzlei / Sibirskoi Pricas genannt / 1st in Moskau / und 
wurden daselbst alle Sachen / so zu diesem Lande gehoren / verhoret / und 
abgetan; absonderlich wird darinnen die Einnahme und Ausgabe der Pelz- 
werck-Rechnung gefiihret. Der vorderste in diesein Collegio ist der Canzler / 
welcher keine Besoldung hat / sondern er muss selbst dem Czar jahrlich 
tausend Rubeln zahlen. Hergegen dependieren alle Woywoden von Sibirien 
bios einzig und alleine von ihme / die er nach seinem Belieben einsetzet / und. 
also hierdurch sich schon wieder erholen kann. Zur Zeit als Olearius in Moscau 
war / etwa um das Jahr 1636 verwaltete der Bo jar Knes Alexei Nikitewitz 
Trubetskoi die Canzlers-Stelle in der Kansanskoi Pricas und Sibirskoi Pricas. 
Um das Jahr 1680 und folgendem stunde in dieser Wiirde eine geraume Zeit 
Mouch im Pouckhini"/ ein kluger und raffinierter Kopf / als einer seyn mogte / 
welcher das ganze Land um den Aby herum vollkommen kennete. Nachmals 
wurde er Woiwod von Smolensko. Vor etwa 10 oder 12 Jahren verwaltete 
diese Bedienung / Andreas Andreowicz Wignieds / welcher von einem Teut- 
schen Vater gezeuget / und von ihme in der Griechischen Religion / zu deren 
er sich bekennet hatte auferzogen worden. Er war ein schlauer und verschla- 
gener Mann / der die Woywoden sehr in Furchten erhielte / und ihnen das 
Rauben und Pliindern scharf abgewohnete. Denn wenn die aus China kom- 
mende / und durch Sibirien reisende Kaufleute in Moscau anlangeten / so 
erforschte er fleissig von ihnen / was sie denen Woywoden haben mussen Zoll 
geben / oder ob ihnen sonst was leides wider fahren. Wenn er nun dahinter 
kam / dass man sie in dem Zoll wider die Gebiihr iibersetzet / oder gar be- 
stohlen und gepliindert / so stellete er eine harte Exekution an. Jedoch sagte 
er nicht / dass er solches von den Kaufleuten erfahren / sondern er gab vor / 
dass es ihme von andern zu Ohren gekommen / oder dass seine heimlich aus- 
geschickte Kundschafter solche ihme hinterbracht / damit die Woywoden 
nicht noch mehr gereitzet wurden / denen Kaufleuten / wenn sie wieder 
kommen / aufpassen / und ihnen gar das Leben zu nehmen. Er hat einmal 
einen Woywoden an einen Ort hingesetzet / von welchem alle dessen Vor- 
fahren niemaln dem Czar jahrlich mehr als 600 Rubeln einbringen wollen. 
Alleine als er diesen auf das Harteste bedrohete / dass er sich solte angelegen 
seyn lassen / den Nutzen des Czars zu verbessern / so berichtete er / da das 
Jahr um war / dass er 1000 Rubeln Einkommens dieses Jahr firr den Czar 
erhoben. Eben dieser Wigni hat auch den Vice Re von Sibirien / aus dem 
Hause Tzerkassi / dessen eben Meldung geschehen / der Untreu und des 
ublen Haushaltens iiberfuhret. Mehreres von diesem Collegio sowol als den 
ubrigen hieher gehorigen Affairen zu entdecken / muss ich andern iiberlassen. 

7. Das grosste Einkommen aus diesem Lande bestehet in dem Tribut 
von allem Pelzwerk / als Zobeln / Martern / rothen und weissen Fiichsen / 
Hermelinen / Bibern und was es sonsten fur Pelzwerk daselbsten mehr giebet. 
Die Zinse von Zobeln nimmt der Zar nicht / wie viel er will / sondern nach 
der Anzahl. Ehedem war ein Jeder von denen unter Sr. Czarischen Majestat 



3. Kapitel. 



stehenden Heiden / bis in das zehende Jahr frei. In dem zehenden Jahr 
musste er zween Zobel; im eilften / drei; im zwolften / vier; und so weiter 
bis an das zwanzigste Jahr / jahrlich einen mehr liefern; sodann bliebe es bei 
12 Zobeln bis an das funfzigste Jahr; und nahme die Zahl also auch jahrlich 
wieder ab. Weiter findet man / dass alle gefangene Zobeln dem Zollner vor- 
gelegt werden / welcher den zwanzigsten als des Czars Antheil und Zinse 
nimmet. Die Kaufleute miissen gleich falls dem Zaren an statt des Zolles von 
zehen Zobeln einen heraus geben. Diese alle miissen in die Canzlei geliefert 
werden / und machet der Gros-Schatzmeister den PreiB; welcher auch denen 
Offizieren einige an Bezahlungs- Statt uberlasset. Und auf solche Weise / 
soil Sibirien jahrlich bei 200000 Rubeln ertragen; welche Summa iedoch 
leichtlich konnte vermehrt werden / wenn diB Land nicht gar zu weit von 
Moscau entlegen ware. Die einzige Stadt Jenesca allein liefert jahrlich von 
dem Zoll bei 24000 Rubeln in den Czarischen Schatz." 

In demselben Buche linden wir auch eine eingehende Beschreibung der 
damals in Sibirien vorhandenen Waren. 

Von Tobolsky schreibt er, dass neben der Stadt viele Tartara und Buitarer 
wohnen, /welche mit denen Calunken und gar bis in China hinein grossen Handel 
treiben. Diese Stadt Tobolsky ist die Haubtstadt in Sibirien / und die Residenz 
des obersten Statthalters des Moskowiter / wohin alle Stadt e jahrlich ihre 
Schatzung an Peltzwerk liefern, von der solche ferner nach Moskau gesendet 
war. Wie denn allhier auch das hohe Gericht gehalten wird / und miissen alle 
Beamten in Samojeden und Sibirien dem Statthalter zu Gebote stehen. Hier- 
selbst liegt eine grosse und star eke Besatzung / welche auf jede Ordre des 
Czars bei 9000 Mann in das Feld stellen konnen. Ueber diese sind noch einige 
tausend Tartaren / welche bei ereignendem Falle Sr. Majestat alle zu Pferde 
dienen. Endlich residiert auch allhier der Metropolit / oder Erzbischoff / der 
in Kirchensachen die Oberaufsicht / und aiis Moskau dahin gesandt War. 
Das Land rund herum ist sehr volckreich / sowol von Russen /die das Feld 
bauen / als allerhand Nationen / Tartaren und Heyden / die an S. Czarische 
Majestat jahrliche Schatzung bezahlen. Das Korn ist allda so gut zu kauffen / 
dass man einen Centner oder 100 Teutsche Pfund Roggen um 16 Cops kaufet / 
ingleichen einen Ochsen fur zwey oder dritthalb Thaler / ein ziemlich grosses 
Schwein fur 30 bis 35 Stiiber so etliche Creutzer betraget. Der Fluss Irtis ist 
so fischreich / dass man einen Stor von 40 bis 50 Pfunden um 5 bis 6 Cops 
oder 10 Kreutzer kauft." 

Der Verfasser gibt auch eine ziemlich ausfuhrliche Schilderung des in 
Sibirien vorkommenden Pelzwerks ,, Zobel, Hermelin / Ilthis, Marder / 
schwarze und weisse Baren, wilde Katzen, allerhand schone Fiichse da von 
absonderlich die schwarzen und die Creutzfiichse am seltsamsten / sontsrn 
aber nirgends als in Chataia zu finden sind / wie denn 100 und mehr Reichs- 
thaler fur ein Stuck bezahlt werden. Ingleichen wird das kostliche graue 
Pelzwerk / welches des Sommers und des Winters einerlei Farbe behalt / auch 



HI- Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 



hoch gehalten. Es wird dasselbe bei Turmen gefangen / und ist bei hoher 
Strafe verboten zu denen Kaufleuten zu versenden / sondern es muss an die 
zarische Kammer geliefert werden." Der unbekannte Verfasser gibt auch 
eine ziemlich gute Beschreibung des Jagens resp. des Fanges der Zobel, 
wobei er angibt, dass auch Soldaten damit beschaftigt werden, und zwar ist 
jedes dazu bestimmte Regiment 7 Jahre lang damit beschaftigt. Was sie 
mehr fangen als vorgeschrieben, durften sie mit den Offizieren teilen, da es 
leicht geschiehet / dass ein Obrister in diesen 7 Jahren 4000 Thaler ziehet. 
Ein gemeiner Soldat wird selten mehr als 6 oder 700 Thaler davon bringen. 

Es gab damals in Sibirien sehr viele Biber, von denen es auch ausfiihr- 
liche Schilderungen gibt, wobei es aber erheiternd wirkt, denn er schreibt: 
,,DieB ist gewiB und unleugbar / daB einige unter den Bibern als Sklaven 
dienen miissen / welche vor denen andern daran kentbar sind / daB sie weit 
magerer als die andern / und ihre Haare von so vieler Arbeit ganz diinn und 
abgeschabt seynd." 

Auch beschreibt er die russischen Bisam unter dem Namen ,,Vichochol" 
und die Murmeltiere unter dem Namen ,,Zonricks". Jeden Zoologen wird 
aber die Beschreibung des folgenden Tieres interessieren : 

,,Die Pertooshies / welches Wort einen bedeutet / der etwas auf seinem 
Rucken traget / haben ein braun und gelblichtes Fell / mit weis und schwarz 
untermenget. Das Pelzwerk, weil es weder groB noch warm ist, wird nicht 
hoch geachtet. Die Perioshies sollen / wie berichtet wird / die Hermeline und 
Eichhornlen von einem Ufer zu dem andern auf dem Rucken tragen / davon 
sie auch den Namen bekommen." *) 

Auch das Walross- und Robbenfangen an der Kiiste, sowie der Handel 
mit Mammutzahnen, die hauptsachlich von Jeneseisk und den Ortschaften 
von Jenesei betrieben worden, waren schon damals recht bedeutend. Tomsk 
war der Stiitzpunkt des Handels mit den Bucharen bis und nach China, und 
von Krasnojask aus, das eine starke Besatzung hatte, wurde der Handel mit 
den Kirgisen betrieben. Im Jahre 1633 war zur Erleichterung des Pelzhandels 
die Messe zu Jrbit eingerichtet, die noch heute ihre fuhrende Bedeutung fur 
den Rauchwarenhandel bewahrt hat. Im Jahre 1643 entdeckte der Promy- 
schelnik Pojarkoff auf einer Pelzhandelsexpedition den Amur, den er bis zur 
Miindung befuhr. Den Ruhm der Entdeckung trug aber Khabaroff davon, 
nach dem auch die jetzige Hauptstadt des Amur Provinz Khabaroff ka genannt 
ist. Er erreichte 1650 von der Lena aus iiber das Stanawoi-Gebirge das 
Amurtal, folgte dem Lauf des Flusses und errichtete langs desselben eine 
Anzahl Forts und Handelsstationen, Kumar ky, Bambulajew, Atchunsk und 
vor allem Albasin. Die mandschurische Bevolkerung vermochte trotz aller 
Tapferkeit nur geringen Widerstand zu leisten, gegeniiber den Geschiitzen 

*) Anmerkung. Noch heute existiert unter den sibirischen Stammen die 
Legende, dass der Perwitzky, der mit diesem Tier gemeint ist, den anderen Tieren 
als Fahrmann dient. 



3. Kapitcl. 137 



tmd uberlegenen Fcuerwaffen der Russen. Immer neue russische Abenteurer 
stromten dem Gebiet zu, wahrend sich die russische Regierung auf Ver- 
sprechung von Unterstiitzungen, die nie eintrafen, beschrankte und Ehren- 
zeichen austeilte. Bald geriet man aber in Zusammenstoss mit den Chinesen, 
und 40 Jahre lang wahrten andauernd die erbittertsten Kampfe. China sendete 
immer wieder neue Kriegerscharen den Sungari hinab gegen die rothaarigen 
Barbaren. Der untere Amur wurde bald aufgegeben, und nur vereinzelte Raub- 
ziige zu Schiff dorthin unternommen. Am oberen Amur aberwurdenAlbasin und 
Kamarskoi OstrogMittelpunkt bedeutender Unternehmungen. Da aber die fried- 
liebende, ackerbauende Bevolkerung durch die ziigellosen Kosaken und Pro- 
myschleniks teils vernichtet, teils vertrieben war, mussten die Russen selbst 
Ackerbau-Kolonien anlegen' 1680 besass Albasin uber 1000 Dessjatnen mit 
Korn bestandenes Land, sowie reiche Kirchen und Kloster. 1658 war Nerschinsk 
begriindet worden und diente als Mittelpunkt des Handelsverkehrs zwischen 
dem Amurgebiet und dem Mutterland. Die eingehandelten Pelzwaren und 
Seidenstoffe wurden die Schilka hinab zum Baikalsee und von da aus uber 
Irkutsk und Tobolsk nach Europa geschafft. 1670 schickten die Chinesen 
erne Gesandtschaft nach Mpskau, um Beschwerde uber die russischen Raub- 
ziige am Sungari zu fuhren. Da dies aber nichts half, so belagerten sie 1680 
Kamarskoi Ostrog. Zwar wurden sie zuriickgetrieben, aber die vereinzelten 
Abteilungen der Russen im Lande wurden niedergemetzelt. 

Jetzt schickte der Zar Alexis Michailowitsch von Nertschinsk aus eine 
Gesandtschaft nach Peking, die aber aus Ungeschicklichkeit wenig Erfolg 
hatte. Die Chinesen belagerten Albasien, zwangen dieses zur Kapitulation, 
zerstorten das Fort und fuhrten die Besatzung gefangen nach Peking, wo ihre 
Nachkommen, vollkommen zu Chinesen ge worden, noch heute wohnen. 
Wenige Monate darauf erschienen 1600 Russen am Amur und bauten Albasien 
wieder auf. 1685 belagerte eine chinesische Armee von 10 ooo Man mit 100 
Feldgeschiitzen und 40 Belagerungskanonen das Fort aufs neue. Schliesslich 
war die Besatzung unter Fiihrung ihres tapferen Obersten, eines Deutschen 
namens Beiton, auf 66 Mann zusammengeschmolzen, da zogen 1687 die 
Chinesen ab, da Friedensverhandlungen begonnen hatten. Der russische Ge- 
standte Golowin war 1685 mit einer starken Bedeckung von Moskau aufge- 
brochen, hatte aber erst 1687 Selengunsk erreicht, von wo aus Boten nach 
Peking gesandt wurden. Erst im Juni 1689 gingen die chinesischen Friedens- 
bevollmachtigten von Peking ab und trafen mit einem so starken Heere in 
Nerschinsk ein, dass Golowin keine sehr giinstigen Bedingungen durchsetzen 
konnte. Besonders erschwerend wirkte auch fur sie, dass inzwischen die Ming- 
Dynastie in China gestiirzt war, und der Mandschu Kiang Si Kaiser geworden war. 

Die Russen mussten das Amurgebiet raumen und verloren auch die 
Schiffahrt auf dem Amur, was sich bald als ausserst hinderlich fur den Handel 
mit Kamschadka und Amerika erweisen sollte, da man nun auf den viel 
.umstandlicheren Weg uber Ochotsk allein angewiesen war. Dagegen wurde 



HI- Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 



nun ein vollkommener Handelsvertrag geschlossen, wonach die beiderseitigen 
Kaufleute, sobald sie sich mil Passen ihrer Regierung versehen batten, gegen- 
seitige Handelsfreiheit genossen. Die Vorteile waren fur den russiscben Handel 
sehr bedeutend, und Peter der Grosse sandte deshalb 1692 den Hollander 
Isbrand Ids nach Peking, der noch weitere Vorteile fur Russland durchsetzte, 
unter anderen die jahrliche Sendung von Handelsvertretern nach Peking, wo 
sie auf Kosten des Kaisers von China ihren Aufenthalt nehmen konnten. Audi 
in der Mongolei wurden Jahrmarkte errichtet, auf denen russische und chine- 
sische Kaufleute zusammentrafen. 

Bald aber begannen Streitigkeiten und Ubergriffe der Russen, auch in 
Peking selbst, so class 1722 die Russen aus China und der Mongolei auf kaiser- 
lichen Befehl ganzlich vertrieben wurden. 1727 wurde als russischer Gesandter 
der Dalmatiner Graf Ragusinski nach Peking gesandt, und es gelang ihm 
auch, einen neuen Vertrag abzuschliessen. Die russische Grenze wurde weiter 
nach Westen und Suden gelegt, eine russische Karawane sollte alle 3 Jahre 
nach Peking kommen diirfen, aber nicht mehr als aus 200 Personen bestehen. 
Gleich nach ihrer Ankunft an der Grenze sollte sie von einem chinesischen 
Beamten abgeholt und nach der Hauptstadt gebracht werden, wo sie vom Kaiser 
von China freigehalten wurde. Dagegen sollte Privatpersonen der Handel in 
China und der Mongolei untersagt sein. Hierfur wurden die beiden Grenz- 
stadte Maimatchin und Kiachta errichtet. Diese Karawanen hatten auch 
das alleinige Recht der Pelzeinfuhr nach China, die fiir Rechnung der Krone 
geschah. 1755 horte die Karawane infolge von Streitigkeiten auf, und 1762 
hob die Kaiserin Katharina das Monopol des Pelzhandels auf, und seit dieser 
Zeit datiert der Aufschwung von Kiachta. 

Eine sehr ausfuhrliche Schilderung einer solchen Karawanenreise nach 
Peking in den Jahren 1727/28 finden wir in den 1781 vom bekannten Natur- 
forscher Pallas herausgegebenen ,, Neuen nordischen Beytraegen". Der Vize- 
gouverneur von Irkutsk und Regierungsagent fiir China, Lorenz Lange, be- 
schreibt seine in diesem Jahre zum vierten Male unternommene Reise mit 
dem Karawanenkommissar Molokoff und 41 Angestellten, sowie 4 Schiilern 
zum Erlernen der chinesischen Sprache, 2 Korporalen mit 18 Soldaten und 
140 Fuhrknechten. Die Karawane bestand aus 475 Fuhren Waren, 162 Fuhren 
Proviant mit 1650 Pferden und 565 Zugochsen. Uber Kiachta durch die 
Mongolei und Kalgan wurde nach 3 1 / 2 monatlicher Reise Peking erreicht. 

Die Karawane wurde gut aufgenommen und durch 250 Soldaten be- 
schutzt und amtlich wurde bekannt gemacht, dass alle chinesischen Kaufleute 
mit den Russen nicht nur Handel treiben diirften, sondernsogarmussten. Trotz- 
dem ging der Pelzhandel sehr langsam von statten, die Chinesen liessen sich 
alle Waren vorzeigen und gingen dann wieder. 

Lange schreibt: am 7. Jan. kamen wieder einige der vorigen Kaufleute 
ohne einige Lust zu Geschaften zu zeigen. Ich liess ihnen Tee, Branntwein 
und Konfekt vorsetzen und fragte sie, ob sie das Haus etwa zu ihrem Spazier- 



3. Kapitcl. 139 



gang zu gebrauchen sich gewohnt, oder ob sie in der Absicht so oft kamen, 
um in ordentlichen Verkehr mit uns zu treten. Ihre Antwort war, dass sie 
zwar willens waren, mit uns zu handeln, das Pelzwerk ware aber jetzt in so 
schlechtem Betrieb, dass sie nicht wussten, was sie handeln sollten. 

Gleichwohl liessen sie sich beim Karawanenkommissar einige Kamt- 
schadkaische Seeotter und Fiichse vorzeigen und gingen, ohne etwas zu sagen, 
weg, kamen aber am 8. wieder und behaupteten, die vorgezeigten Pelsereyen 
seien verlegene Ware und wenig wert, womit sie ohne um den rechten Preis 
zu fragen, wieder weg gingen. 

Am 10. Januar kaufte ein Chinese 250 Fuchspfoten gegen Silber und 
war also unser erster Kaufer. Sonst pflegten auch der chinesische Hof fur 
einige tausend Lahn*) Silber, schwarze Fiichse und gute Zobel der Karawane 
abzunehmen, aber diesmal blieb das auch aus. 

Auch der 15. Januar verging ohne Kaufer. Ich dachte also mit dem 
Karawanenkommissar darauf, wie wir uns ein paar Makler verschaffen 
mochten; wir sprachen dariiber mit einem in Peking von russischen Eltern 
geborenen Jephim Gusef, der sich zu diesem Geschaft willig finden liess, und 
dem es an Bekanntschaft mit den besten Kaufleuten der Stadt nicht fehlte. 
Er verlangte fur jeden durch ihn geschlossenen Handel ftinf Prozent Courtage, 
worein wir schon willigen und ihm versprechen mussten, niemand etwas von 
diesem Kontrakt zu entdecken, damit nicht die Kaufleute Wind bekommen 
und ihm durch die Mandarinen den Eingang zu uns zu versperren suchen 
mochten. Der Akkord war also bloss mit Zuziehung zweier Faktoren ge- 
schlossen. Jephim entdeckte uns, dass einige der Kaufleute, die sich bei uns 
gezeigt hatten, schon einiges Silber in Vorrat liegen, aber beschlossen hatten, 
Waren aus dem Innern des Reiches abzuwarten, um vermittels derselben, 
sonderlich wenn gegen den Friihling das Pelzwerk wegen Feuchtigkeit und 
Gefahr vor Ungeziefer uns zur Last zu werden anfinge, desto vorteilhafter 
einzutauschen. 

Den 16. wurden drey gemeine Fuchsbalge fur Silber verkauft und sonst 
ging nichts vor. Den 17. kam gedachter Jephim mit einem reichen Kaufmann 
zu uns, den wir noch nicht gesehen hatten, und der auch mit dem Gesandt- 
schaftsgefolge des Grafen Sawa Wladislawitsch durch diesen Makler einige 
Handlung gepflegt hatte. Dieser trat mit uns auf alle vorratige kamtschat- 
kische Seeottern und eine Partie weisser Fiichse in Handel und versiegelte 
diese Waren bis zum 5. Februar, an welchem Tage seine Zahlung in Silber 
und Atlassen, woven er Muster hinterliess, erfolgen sollte. 

Den 25. wurden 15 Fuchsbalge von verschiedener Gute verkauft. Vom 
i. bis 4. Februar ging nichts vor, am 5. aber erschien der vorhin erwahnte 
Kaufmann und nahm nach Abrede die kamschatkischen Seeottern und Fiichse 



*)' Unter Lahn 1st jedenfalls Liang, auch Tael genannt, 37 1 /, Gramm Feinsilber 
zu verstehen. 



140 



III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 



in Empfang. Dies war also unser erster guter Handel, der in Blocksilber und 
Damasten nach dem ordentlichen Preise den Wert von 9415 Lahn Silber 
einbrachte und bei unserer bisherigen schlechten Verfassung sehr zu statten 
kam. Ich habe die vorherigen kleinen und diesen ersten ansehnlichen Verkauf 
auch nur wegen dieser unserer Verfassung hier mil anfuhren wollen. Die 
ferneren Handelsangelegenheiten liess ich fortan den Karawanenkommissar 
allein in seine Bucher eintragen und will hier nur die anderen wichtigeren 
Vorfalle erwahnen." 

Kurz vor der Abreise kaufte dann noch ein chinesischer Kaufmann das 
gesamte ,,Grauwerk", liber eine Million Felle, doch war leider der Preis nicht 
angegeben. 

Ein Englander, Coxo, gibt in 1783 veroffentlichte ,,Entdeckungen der 
Russen zwischen Asien und Amerika" auch eine Beschreibung des Handels 
zwischen Russen und Chinesen in Kiachta. 

Er erwahnt, dass der Handel stets Tauschhandel sei, da die Russen kein 
Silber ausfuhren diirfen. Die Hauptausfuhr bestande aus Pelzwerken von 
Seefischottern, Castors, Fiichsen, Wolfen, Baren, Lammern aus Bucharien, 
Lammern aus Astrachan, Mardern, Zobeln, Hermelin und'graue Eichhornchen. 

Der grosste Teil dieses Pelzwerkes kommt aus Sibirien und den neu- 
entdeckten Inseln, aber sie sind nicht hinreichend, den Markt von Kiachta 
damit zu versehen. Man fiihrt also aus fremden Landern, ausser Petersburg 
Pelzwerk, so man von da auf die Grenze schicke. England allein lief ere eine 
betrachtliche Menge Castorfelle und andere Felle, die es aus der Hudsonsbai 
und aus Kanada zieht. 

Aus England kamen nach Petersburg in den Jahren 

J 775 46 460 Castorfelle 7 143 Fischotterfelle 

1776 27 700 12 086 

1777 27316 10703 

Der Mittelpreis der schonsten Castors aus der Hudsonsbai war in Peters- 
burg 70 bis 90 Rubel fur 10 Felle, der von geringeren Sorten und die schonsten 
Castors aus Kanada 50 bis 75 Rubel fur 10 Felle, die kleinen oder jungen 
Castors 20 bis 35 Rubel. Die schonsten Fischotterfelle 90 bis 100 Rubel, die 
der geringeren Sorten 60 bis 80 Rubel. 

In Kiachta gilt der schonste Castor aus der Hudsonsbai 7 bis 20 Rubel 
das Fell. Die schonsten Fischottern 6 bis 35 Rubel. England schickt auch 
bisweilen schwarze Fuchse aus Kanada nach Petersburg. Sie gelten in Kiachta 
i bis 100 Rubel das Fell. 

Die Gesamtausfuhr der russischen Produkte aus Kiachta nach China 
betrug 1777 J 3 I 3 621 Rubel. Die Einfuhr chinesischer Waren: Seide, Tee, 
Baumwollstoffe, rohe Baumwolle, Tiger- und Pantherf elle, Koralle ca. 2868333. 
Ausser dem findet noch ein sehr starker Schmuggel statt, namentlich in ver- 
botener Ware, der wohl auf acht Millionen Rubel bewertet wurde. 



3. Kapitel. 141 



Pelzwerk zahlt eine Taxe von 23 Proz. des Wertes und ausserdem noch 
7 Proz. fur die Unterhaltung der Zollhauser. Silber kostete damals an der 
sibirischen Grenze 16 Rubel pro Pfund, als aber durch grosse chinesische 
Ankaufe von Pferden, Kamelen etc. in Sibirien wahrend des Kalmucken- 
krieges viel Silber ins Land kam, fiel der Preis auf 8 Rubel. 

An zweiter SteUe standen die schwarzen Fiichse und Silberfuchse, und 
machte man damals bereits einen grossen Unterschied zwischen den Fellen, 
die aus dem nordlichen Sibirien zwischen Lena und Kolyma kamen, und 
denen von den Inseln zwischen Asien und Amerika. Die letzteren seien zwar 
gross und gut in Farbe, das Haar sei aber so grob wie Wolfsfell. Fur diese 
Felle zahlten die Chinesen 20 bis 30 Rubel, wahrend fur die sibirischen mehr 
als 100 Rubel bezahlt warden. Die Blaufuchse wurden im Kamtschatka zu 
i i y 2 Rubel bezahlt, in Kiachta aber zu % bis 3 Rubel. Die roten Fiichse 
kosten in Kamtschatka 80 Kopeken bis i Rubel, in Kiacha 80 Kopeken bis 
9 Rubel. Wolfe kosteten dort, die gewohnlichen 2 Rubel, die feinen 8 bis 
16 Rubel. Die schonsten Zobel kosteten in Kamtschatka 2% bis 10 Rubel. 

Ein grosser Handelsartikel fur China waren auch Walrosszahne, die in 
Jakutsk 5 bis 10 Rubel per Pud kosteten. 

Der beruhmte russische Naturforscher und Reisende Pallas fiihrt auch 
die verschiedenen Sorten Pelzwerk an, die aus Kamtschatka und den neu- 
entdeckten Inseln (Copper- und Behring-Irland, Aleuten, Kurilen etc.) nach 
Ochotsk und von dort nach Kiachta kommen. An die Spitze stellt er die See- 
otter, welche die Russen Bobry morsky, Seebiber, nennen. Die Weibchen 
wurden Matka genannt und die Jungen, welche noch nicht 5 Monat alt, 
,,Mudwicki" oder ,,Barchen" wegen ihres langhaarigen, barenahnlichen Felles. 
Nach dem Haarwechsel heissen sie Kochloki. 

In Kamtschatka zahlte man damals fur das schonste Fell 30 bis 40 Rubel 
und fur mittlere 20 bis 30 Rubel, die schlechtesten 15 bis 25 Rubel. In Kiachta 
zahlte man fur die beiden ersten Sorten 80 bis 100, fur die schlechten 30 bis 
40 Rubel. 

In Europa bezahlte man zur damaligen Zeit nur 30 Rubel, so dass viele 
Kaufleute die als Tribut nach Moskau gebrachten Seeottern vom Zollamt 
kauften und nach Kiachta fuhrten. Damals war eben China der Hauptmarkt 
fur diese Artikel. 



III. 

Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

4. Kapitel. 

Nach dieser Abschweifung kehren wir wieder zu den Fahrten und Ent- 
deckungen der Russen an der Ostkiiste Sibiriens zuriick. Ochotsk hatte ange- 
fangen, grossere Bedeutung fur den Pelzhandel zu gewinnen und sollte nun 
auch zum Ausgangspunkt der verschiedenen See-Expeditionen werden. Wie 
wir aber bereits sahen, war vorlaufig in Ochotsk weder ein seetiichtiges Fahr- 
zeug, noch seeerfahrene Leute zur Bemannung vorhanden. Der weiterhin 
mil der Organisation betraute Iwan Sorokminow kam damit nicht zustande 
und geriet in Streitigkeiten mit den Lokalbehorden, die ihn als Gefangenen 
nach Tobolsk zuriicksandten. Jetzt befahl Peter der Grosse, der sich sehr fiir 
die Entwicklung des sibirischen Handels interessierte, dass geeignete See- 
leute aus den in Sibirien befindlichen schwedischen Kriegsgefangenen aus- 
gewahlt und nach Ochotsk geschickt werden sollten, was 1715 geschah. Hier 
wurde nun von dem schwedischen ehemaligen Schiffszimmermann Henrik 
Busch eine Lodje erbaut, 50 Fuss lang, 18 Fuss breit und 3 Fuss Tiefgang. 
Hierin segelte der Kosak Sokolow 1716 direkt nach Kamtschatka, wurde 
aber hier durch Eis zuriickgehalten und kehrte erst im nachsten Jahre nach 
Ochotsk zuriick. Von nun an wurde die Verbindung mit Kamtschatka regel- 
massig zur See unterhalten. Anadyrsk sank von seiner Hohe herab, und 
Ochotsk wurde das Handelsemporium der Kiiste. Hier wurden zahlreiche 
andere neue Fahrzeuge erbaut, und verschiedene Forschungsexpeditionen 
unternommen, darunter z. B. die Expeditionen von Tewrinoff und Hustein 
nach den Shantar-Inseln. Im Januar 1725 ordnete Peter der Grosse eine 
Forschungsexpedition in grossartigem Stile an und betraute Admiral Apraxin 
mit der Ausfiihrung. Wenige Tage darauf starb er, aber die Kaiserin beschloss 
die Ausfiihrung im Sinne des Verstorbenen. Es handelte sich um eine ganze 
Reihe von Expeditionen, die Jahrzehnte lang Sibirien planmassig durch- 
forschten, und deren Resultate bis in die neueste Zeit fiir die Kenntnis von 
Sibirien massgebend geblieben sind. Die Namen Behring, Miiller, Steller, 
Gmelin, Sauer etc. gelten noch heute als leuchtende Sterne der Wissenschaft. 

Als erste Expedition nach Kamtschatka brach der Dane Viktor Behring 
mit Morten Spangberg und Alexei Tokirikoff im Februar 1725 auf und er- 
reichte nach 3 jahriger, miihseliger Reise, da man alien Proviant, Schiffbau- 



4. Kapitel. 143 



material etc. mitfuhrte, 1728 Nischny Kamtschatka, wo mit dem Bau eines 
Fahrzeuges begonnen wurde. 

Zwei Fahrzeuge nach Art der russischen Lodjen wurden erbaut, die 
,,Fortuna" und der ,, Gabriel". Am 20. Juli 1728 segelte Behring von der 
Mundung des Kamtschatkaflusses in nordostlicher Richtung langs der Kiiste 
von Kamtschatka und trat auch mit den damals als sehr wild und blut- 
diirstig geltenden Tschuktschen in Verbindung. Am 10. August wurde die 
St. Lorenz-Insel zwischen Amerika und Asien entdeckt und gleich darauf die 
beide Kontinente trennende Strasse durchfahren, die spater ihm zu Ehren 




Russische Lodjen in Kamtschatka erbaut. 

Behringstrasse genannt wurde, obgleich sie eigentlich schon 80 Jahre friiher 
durch Deschnew entdeckt war. Diese Entdeckung war aber entweder ver- 
gessen oder in den Kreisen der Geographen iiberhaupt nicht naher bekannt 
geworden. Er fuhr langs der Kiiste bis zum Cape Serdze Kamen, von wo er 
am 15. August umkehrte, da seine Aufgabe gelost sei, und eine Uberwinterung 
an der unwirtlichen Tschuktschenkuste zu gefahrlich sei. Er uberwinterte 
in Nischny Kamtschatka und versuchte im nachsten Jahre das Festland von 
Amerika, wovon ihm die Tschuktschen erzahlt hatten, zu erreichen, aber 
vergeblich. Er kehrte nach Ochotsk zuriick und ging von dort zur Bericht- 
erstattung nach Petersburg, wo er im Marz 1730 ankam. Von irgend welchen 
wirtschaftlichen Resultaten, besonders fur den Pelzhandel, wird nichts er- 
wahnt, waren doch diesmal zum ersten Male die rein-wissenschaftlichen Inter- 
essen in den Vordergrund ge tret en. 



144 



III. Geschichte des russischcn Rauchwarenhandels . 



Die Reise Behrings nach Norden sollte zur Unterwerfung der Tschuktschcn 
und der Storjaken Anlass geben. Der Hetmann der Jakutsky-Kosaken, 
Athanasius Shestakoff, wurde auf dem Seewege dorthin gesandt, wahrcnd 
Kapitan Demetrius Pavlusky mil 400 Kosaken auf dem Landwege demselben 
Ziele zustrebte. Shestakoff segelte in der ,,Fortuna" bis zur Penjinsky-Bucht; 
hier strandete das Schiff, und in einer Schlacht mit den Tschuktschen wurde 
er geschlagen und fiel im Kampfe. Sein Leutnant Gwosdeff erreichte mit 
dem Reste der Expedition den Anadyr, hier erhielt er Ordres von Pavlusky, 
nach dem Tschuktschen-Lande zu gehen. Er ging nach Szerdze, wurde abcr 
durch einen Sturm nach Osten getrieben und erreichte als erster von Osten 
her den Kontinent von Amerika, den er aber nicht betrat, obgleich er mehrere 
Tage lang der Kiiste folgte. 

Behring kam jetzt in Begleitung einer Anzahl Gelehrter von Petersburg 
zuriick, da der Senat der Akademie der Wissenschaften beschlossen hatte, 
eine sehr umfassende Forschungstatigkeit zu beginnen. 

Eine ganze Reihe von Expeditionen fanden langs der Eismeerkuste statt. 
Zwei Lodschen unter Leutnant Paulow erforschten das Gebiet zwischen 
Archangel und Ob. Eine Expedition vom Ob und dem Jenessei, fur welche 
Behring in Tobolsk eine Schaluppe bauen liess, unter Leutnant Owzyn, er- 
forschte 4 Jahre lang das Gebiet. Von Jakutsk aus wurden zwei Schaluppen 
unter Leutnant Prontschusdeff die Lena hinab nach dem Jenissei gesendet. 
Pronstischew starb in Olenek, und wenige Tage darauf folgte ihm seine jungc 
Frau, die ihn begleitete, in den Tod. Von der Lena nach Osten zu vcr- 
suchte Dimitri Lastew vorzudringen. Behring selbst sollte die Kiiste Amerikas 
untersuchen. Er musste diese Fahrt aber vorlaufig verschieben durch die 
Landung eines japanischen Schiff es in Awatchabay auf Kamtschatka, desscn 
Mannschaft auf Befehl von Andreas Schtimikow bis auf einige Japaner niedcr- 
gemetzelt, und die Ladung gepliindert wurde. Schtimikow wurde deshalb 
spater in Nischny Kamtschatka gehangt und die Japaner nach Petersburg 
gesandt. Es war dort nun die Aufmerksamkeit auf die Nahe Japans gelenkt 
worden, und Behring sollte zunachst dieses Gebiet erforschen. Er und 
Iwan Wubery untersuchten um 1738 die Kurilen-Inseln undmachten 1739 eine 
erfolglose Expedition nach Japan. 1740 waren zwei in Ochotsk erbaute kleine 
Fahrzeuge, ,,St. Peter" und ,,St. Paul", fertig ge worden; zwei bedeutende 
Naturforscher, der Deutsche Wilhelm Steller und der Franzose Louis de Lisle 
de la Croyere, schlossen sich der Expedition an. Man iiberwinterte zunachst 
in der Avatschabai, wo eine Niederlassung errichtet wurde, die nach den 
Schiff en den Namen Petropaulawsk erhielt, die spatere Hauptstadt Kam- 
tschatkat. Im Friihjahr 1741 wurde die so beriihmt gewordene Reise ange- 
treten. Behring mit Steller im ,,St. Peter" und Chirikoff mit Croyere im 
,,St. Paul". 

Wahrend eines Sturmes am 20. Juni wurden beide Schiffe getrennt. 
Tschirokoff bekam am 26. Juli die amerikanische Kiiste unter dem 56. Breite- 



4. Kapitel. 145 



grade zu Gesicht. Ein Boot mil 10 Bewaffneten unter dem Steuermann 
Abraham Dementiew wurde an Land geschickt, kam aber nicht zuriick, und 
ein gleiches Schicksal ereilte ein nachgesandtes zweites Boot. Beide Mann- 
schaften waren von den Indianern niedergemetzelt worden. Tschirokoff 
segelte nun langs der amerikanischen Kiiste nach Norden, ohne landen zu 
konnen, da eben beide Boote fehlten. Es entstand Mangel an Trinkwasser 
und Skorbut, die Geissel der Seefahrer der damaligen Zeit, brach aus. Nach 
grossen Miihen gelang es endlich, Kamtschatka wieder zu erreichen, wobei noch 
21 Mann der Besatzung unter wegs dem Skorbut erlagen. Der Naturforscher 
Isle de la Croyere starb am Tage, als er an Land gebracht werden sollte. 

Auch das Schiff Behrings wurde vom Ungliick verfolgt. Die Kiiste 
Amerikas wurde zwischen dem 38. und 59. Grade erreicht, und Steller ent- 
deckte hier den Vulkan Elias, bekanntlich den hochsten Gipfel Nordamerikas. 
Beim Pelzhandel mit den Eingeborenen kam es zu Streitigkeiten, da die 
Russen ihnen Schnaps gereicht hatten, und die Indianer glaubten, man wolle 
sie vergiften. Erst einige blinde Schiisse verschafften den Fremden Luft. 
Spater freilich mundete den Amerikanern das ,,Feuerwasser" nur zu gut. 
Bald nach der Abfahrt von Amerika brach auch auf dem ,,St. Paul" der 
Skorbut aus, von dem auch Behring selbst ergriffen wurde. Monatelang 
trieb das Fahrzeug im Behringsmeer umher, bis es am 5. November an der 
Behring- Insel" durch einen Sturm auf die Felsklippen des Strandes geworfen 
wurde. Es gelang zwar, die gesamte Mannschaft und einen Teil des Proviants 
zu retten, doch starb Behring selbst kurz darauf an Skorbut. Die Mannschaft 
selbst wurde wahrend der Uberwinterung in diesem unbewohnten Lande nur 
durch die Kenntnisse des deutschen Naturforschers Steller am Leben erhalten. 
Ihm verdanken wir auch eine eingehende Schilderung der Reise und der inter- 
essanten Uberwinterung. 

Es herrschte ein reiches Tierleben auf der Insel. Zahlreiche Fiichse, 
weisse und blaue, hausten in den Kluften. Den Strand belebten unzahlige 
Seeottern, von denen die Schiffbruchigen uber 1000 toteten, das Fleisch ver- 
zehrten und die Felle sorgfaltig aufhoben. Das Fleisch wurde als wohl- 
schmeckend geruhmt, wahrend das der Fiichse nicht gegessen wurde. Diese 
letzteren wurden aber trotzdem in grossen Mengen von den Schiffbruchigen 
erschlagen, da sie sich ungemein lastig machten. Steller schreibt von ihnen: 
,,Sie drangten sich in unsere Wohnungen, sowohl bei Tag, als bei Nacht ein, 
und stahlen alles, was sie nur fortbringen konnten, auch Dinge, die ihnen 
gar nichts nutzten, als Messer, Stocke, Sacke, Schuhe, Striimpfe etc. Sie 
wussten sich so unbegreiflich kiinstlich eine Last von etlichen Pud von unsern 
Proviantfassern herabzuwalzen und das Fleisch daraus zu stehlen, dass wir dies 
im Anfang kaum ihnen zuschreiben konnten. Wenn wir einem Tier das Fell 
abzogen, so geschah es oft, dass wir zwei bis drei Stuck Fiichse dabei mit 
Messern erstachen, weil sie uns das Fleisch aus den Handen reissen wollten. 
Vergruben wir etwas noch so gut, und beschwerten es mit Steinen, so fanden 

10 



146 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

sie es nicht allein, sondern schoben wie Menschen mit den Schultern die Steine 
weg und halfen, unter denselben liegend, einer dem andern aus alien Kraften, 
verwahrten wir etwas auf einer Saule in der Luft, so untergruben sie die Saule, 
dass sie umfallen musste, oder einer von ihnen kletterte wie ein Affe hinauf 
und warf das darauf Verwahrte mit unglaublicher Geschicklichkeit und List 
herunter. Warf die See ein Tier aus, so verzehrten sie es, ehe noch ein Mensch 
dazu kam, zu unserem grossten Nachteil, und konnten sie nicht gleich alles 
auffressen, so vergruben sie es vor uns unter Steine. Dabei standen andere 
auf Posten und beobachteten der Menschen Ankunft. Sahen sie von feme 
jemand kommen, vereinigte sich der ganze Haufe und grub gemeinschaftlich 
in dem Sand, bis sie einen Biber oder Seebaren so schon unter der Erde hatten, 
dass man keine Spur da von erkennen konnte. Zur Nachtzeit, wenn wir auf 
dem Felde schliefen, zogen sie uns die Schlafmutzen und Handschuhe unter 
den Kopfen und die Biberdecken und die Haute unter dem Leibe weg. Wenn 
wir uns auf die frisch geschlagenen Biber legten, so frassen sie unter dem 
Menschen ihnen das Fleisch und die Eingeweide aus dem Leibe. Wir schliefen 
deshalb allezeit mit Kniitteln in den Handen, damit wir sie abtreiben und schla- 
gen konnten. Wo wir uns auf dem Wege niedersetzten, da warteten sie auf uns, 
und trieben in unserem Angesicht hunderterlei Possen, wurden immer frecher, 
und wenn wir stille sassen, kamen sie so nahe, dass sie die Riemen von unsern 
neumodischen, selbstverfertigten Schuhen, ja die Schuhe selbst anfrassen. 
Legten wir uns, als ob wir schliefen, so berochen sie uns bei der Nase, ob wir 
tot oder lebendig seien; hielt man den Atem an sich, so zupften sie wohl gar 
an der Nase und wollten schon anbeissen. Bei unserer ersten Ankunft frassen 
sie unseren Toten, wahrend Gruben fur sie gemacht wurden, die Nase, 
Finger und Zehen ab; machten sich auch wohl gar iiber die Schwachen und 
Kranken her, dass man sie kaum abhalten konnte. Einem Matrosen, der in 
der Nacht, auf den Knien sitzend, zur Tiir der Hiitte hinaus harnen wollte, 
haschte ein Fuchs an den entblossten Teil und wollte seines Schreiens unge- 
achtet nicht loslassen. Niemand konnte ohne einen Stock in der Hand seine 
Notdurft verrichten, und die Exkremente frassen sie gleich so begierig wie 
die Schweine oder hungrigen Hunde weg. Jeden Morgen sah man diese unver- 
schamten Tiere unter den am Strande liegenden Seelowen und Seebaren 
herumpatrouillieren und die schlafenden beriechen, ob nicht Totes darunter 
sei; fanden sie ein solches, so ging es gleich an ein Zerfleischen, und man sah 
sie alle, mit Schleppen bemuht. Weil auch besonders die Seelowen des Nacht s 
im Schlaf ofters ihre Jungen erdriicken, so untersuchten sie, dieses Umstandes 
gleichsam bewusst, alle Morgen ihre Her den Stuck fur Stuck und schleppten 
die toten Jungen wie Schinder davon. Weil sie uns nun weder Tag noch Nacht 
ruhen liessen, so wurden wir in der Tat auf sie dergestalt erbittert, dass wir 
jung und alt totschlugen, ihnen alles Herzeleid antaten, und wo wir nur 
konnten, sie auf die grausamste Art marterten. Wenn wir des Morgens vom 
Schlaf erwachten, lagen immer zwei oder drei in derJSFacht Erschlagene vor 



4. Kapitel. 



unsern Fiissen, und ich kann wohl wiihrend meines Aufenthalts auf der Insel 
auf mich allein iiber zweihundert ermordete Tiere rechnen. Den dritten Tag 
nach meiner Ankunft erschlug ich binnen drei Stunden iiber siebenzig mit 
einem Beil, aus deren Fellen das Dach iiber unsere Hiitte verfertigt ward. 
Aufs Fressen waren sie so begierig, dass man ihnen mit der einen Hand ein 
Stuck Fleisch vorhalten, und mit der andern die Axt oder den Stock fiihren 
konnte, um sie zu erschlagen. Wir legten einen Seehund bin, standen mit 
einem Stock nur zwei Schritte davon und machten die Augen zu, als ob wir 
sie nicht sahen : bald kamen sie angestiegen, fingen an zu fressen und wurden 
erschlagen, ohne dass sich die andern daran hatten spiegeln und entlaufen 
sollen. Wir gruben ein Loch oder Grab, und warfen Fleisch oder ihre toten 
Kameraden hinein ; ehe man sichs versah, war die ganze Grube voll, da wir 
dann mit Kniitteln alles erschlugen. Wohl ein Drittel der Tiere war von der 
wertvollen blauen Art." - 

Sehr interessant sind auch die Schilderungen, die Steller von den See- 
ottern gibt, die bei ihrer Landung in unglaublichen Mengen am Strande lagen. 
Anfanglich waren sie ganz zahm und zutraulich. Bei der fortwahrenden Ver- 
folgung aber wurden sie bald sehr scheu, und die Russen mussten oft 50 Werst 
von ihrer Wohnstatte entfernt auf die Seeotterjagd gehen, um sich den not- 
wendigen Proviant zu verschaffen, denn das Fleisch der Seeottern erwies 
sich als bedeutend wohlschmeckender, als das Seehundfleisch. Die Seehunde 
waren ausserdem viel scheuer und listiger. Die Russen erschlugen in dem 
einen Winter iiber 1000 Seeottern, verzehrten das Fleisch und nahmen die 
meisten Felle mit nach ; Kamtschatka. 

Steller gibt ein sehr anziehendes Bild vom Leben und Treiben der See- 
otter, doch wiirde es zu weit fiihren, hier naher darauf einzugehen. Ferner 
berichtet er iiber die Barenrobben und die Seelowen. Er beobachtete wohl 
als erster die periodischen Wanderungen der Seebaren und st elite fest, dass 
Ende April die ersten Mannchen auf der Insel ankamen, denen dann spater 
die andern und die Weibchen in ungezahlten Herden nachfolgten. Sie be- 
deckten den Strand so dicht, dass man einen grossen Umweg iiber die Berge 
machen musste, um an ihnen vorbeikommen zu konnen. Doch auch damals 
schon bevorzugten sie nur ganz bestimmte Stellen an der Siidseite der Insel, 
wo sich auch noch heute die ,,Rookeries" befinden. 

Das Fleisch der Barenrobben bezeichnet Steller als sehr iibelschmeckend, 
wahrend er das der gleichfalls in grossen Mengen im Mai ankommenden See- 
lowen sehr riihmt, doch, wie er hinzusetzt, ,,riiemand wagte sich gern, diese 
grimmigen Tiere zu erlegen". 

Alle anderen bei Kamtschatka vorkommenden Seehunde traf man auch 
hier, doch waren sie sehr scheu und schwer zu erlegen. Am meisten Aufsehen 
erregte aber die Entdeckung der nach ihm benanntcn Stellerschen Seekuh 
oder des Borkentiers, die auf der ganzen Erde nur in dieser Gegend 
vorkam, aber hier auch gleich in ungeheuren Scharen, die die umgebenden 

10* 



148 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Tangwiesen abweideten. Fleisch und Fett der Seekuh wurden von Steller 
ungemein geriihmt. Bald nach Riickkehr der Expedition wurden zahlreiche 
Fahrten zum Seekuhfang unternommen, und den harmlosen und gar nicht 
scheuen, riesigen Tieren dermassen nachgestellt, dass innerhalb 30 Jahren 
auch die letzte verschwunden war. Heute wird das vollstandige Skelett einer 
Stellerschen Seekuh gern mil 20 ooo Mark und mehr bezahlt. Auch 
fehlte es auf der Insel nicht an Seevogeln, der en Fleisch und Eier gegessen 
wurden, und an einem reichen Pflanzenwuchs und Beeren, essbaren Wurzeln 
und allerhand Salaten, welche den Skorbut, die Geissel des Nordens, von den 
Schiffbrlichigen fernhielten und auch anderen, die krank ans Land gebracht 
waren, das Leben retteten. Der Winter wurde in Erdhiitten verbracht. 

Im Friihjahr begann man aus den Trummern des Wracks und der an 
Land gezogenen beschadigten Barkasse ein neues Fahrzeug zubauen, das 36 Fuss 
in der Wasserlinie und 42 Fuss iiber Deck lang. Am n. August war dasselbe 
endlich vollendet. Der Proviant, hauptsachlich aus gesalzenem Seekuh- und 
Seeotterfleisch und Fett, sowie noch einigen Resten von prbsen und Roggen- 
mehl bestehend, wurde an Bord gebracht, und am 14. August verliess man die 
Insel. Am 18. August erreichte man dar\n gliicklich unter der geschickten 
Fiihrung des Schiffsleutnants Waxel die Kiiste von Kamtschatka und am 
27. August den Hafen Petropawlark. 

Die Uberlebenden der Expedition hatten iibrigens fur all die ausgestan- 
denen Leiden schlechten Lohn. Man hatte sie alle fur tot gehalten und ihre 
Habseligkeiten verschwendet. Der Gouverneur von Petropawlask hielt es 
nicht einmal der Miihe fur wert, ihre Riickkehr mit dem nachsten Regierungs- 
schiffe anzuzeigen. Dagegen machte er eine Anzeige gegen Steller, der den 
Winter bei seiner Familie in Baltersk auf Kamtschatka verbracht hatte, bei 
der Regierung in Irkutsk, und Steller wurde zur Untersuchung dorthin be- 
fohlen. Er wurde zwar freigesprochen und ihm die Erlaubnis erteilt, nach 
lyuropa zu reisen, aber in der Nahe des Urals erreichte ihn ein expresser Bote, 
der ihn zur Umkehr aufforderte. Kurz vor Irkutsk traf dann ein anderer 
Expressbote ein, der den Befehl widerrief und die Erlaubnis zur Riickreise 
nach Europa brachte. Er war auch bereits bis in die Nahe von Moskau ge- 
kommen, als ihn ein neuer Befehl erreichte, umzukehren und zwar unter Be- 
wachung. 

Diesen fortwahrenden Schikanen und den unaufhorlichen Beschwerden,. 
dem ziellosen Umherreisen in den Einoden Sibiriens, war auch die Kraft 
dieses riesenstarken Mannes nicht gewachsen. Er starb in Tjumen am 23. No- 
vember 1746, nach der einen Version an einem Fieber, das er sich auf der 
Reise zugezogen, nach einer anderen, indem er im Schlitten erfror. Er hatte 
nur ein Alter von 37 Jahren erreicht, und bildet sein Tod, nachdem er soviel 
fur die Wissenschaft geleistet, und auch ihm allein die Rettang der ganzen 
Expedition zu verdanken ist, ein Schandfleck der Entdeckungsgeschichte 
mehr fur die daran so reiche russische Bureaukratie. 



4. Kapitel. 



Die Nachricht von dem ungeheuren Reichtum an Pelztieren auf der 
Behringinsel gab neuen Anlass zu zahlreichen Expeditionen nach dem neu- 
entdeckten Eldorado der Pelzjager oder Promyschleniks. 

1747 bis 1748 brachte der Pelzjager Chododilew 1481 Blaufuchse imd 
400 Seeottern von der Insel mit, und im Jahre darauf wurden von anderen 
Promyschleniks 1000 Seeottern und 2000 Blaufuchse gebracht. 1751 bis 
1755 fing Ingor dort zirka 800 Seeottern, 6800 blaue und 200 weisse Fuchse, 
sowie 3000 Seebaren. 

Die Blaufuchse waren iibrigens bald ausgerottet und nur weisse Fuchse 
mehr vorhanden. Auch diese sind he ate viel seltener geworden. Auch die 
andere der Kommodore-Inseln, die ,,Kupfer-Insel", wurde bald darauf in 
den Kreis der Opera tionen gezogen und erhielt ihren Namen von einem dort 
entdeckten Lager gediegenen Kupfers. 1755 wurde der Hiittenverwalter 
Peter Tarowief dorthin zur Untersuchung gesendet, erklarte aber die Mine 
fur nicht mehr abbauwiirdig und erwahnt auch den Reichtum an Pelztieren, 
namentlich Seeottern, Seelowen, Seebaren und Fiichsen, der noch grosser 
sei als auf der Behring-Insel. 

Er berichtete iibrigens in seinem Tagebuch, dass die Seekiihe schon jetzt 
von der Copper-Insel vertrieben seien, da jede Fangexpedition die leicht er- 
legbaren Tiere zur Vervollstandigung ihres Proviants jagte. Von den riesigen 
Scharen, die zur Zeit der Entdeckung 1741 die Tangwiesen der Behringsee 
.abweideten, waren jetzt, 14 Jahre spater, nur wenige Exemplare vorhanden. 
Tarowief rnachte sogar den fur jene Zeit ganz ausserordentlichen Versuch, die 
Jetzten Reste dieser merkwiirdigen Tiere zu retten, indem er noch im November 
1755 ein Gesuch an die Behorden in Kamtschatka richtete, die Seekuhjagd 
durch ein Gesetz zu ordnen und ihre Ausrottung zu vermeiden. Aber es war 
schon zu spat, 1768 wurde die letzte Seekuh aaf Behrin glsland erlegt. 
Ubrigens ist es selbst in unserem aufgeklarten naturwissenschaftlichen Zeit- 
alter nicht moglich gewesen, Massregeln durchzusetzen, welche den fur den 
Pelzhandel so wichtigen, wertvollen Seeotter vor dem Untergang bewahren 
konnten. In wenigen Jahrzehnten wird der Seeotter das Schicksal der Steller- 
schen Seekuh geteilt haben. Gleich nach Riickkehr der Behringschen Ex- 
pedition fingen die Promyschleniks und Kaufleute von Ochotsk und von 
Kamtschatka an, die neuentdeckten Gegenden fur den Pelzhandel auszu- 
nutzen. Kamtschatka selbst lieferte damals noch verhaltnismassig wenig 
Pelzwerk. Der jahrliche Jassak oder Tribut war auf 278 Zobel, 464 rote 
Fuchse, 50 grosse Seeottern und 30 kleine desgleichen festgesetzt;. Alles aus 
Kamtschatka ausgefuhrte Pelzwerk musste ausserdem eine Abgabe von 
10 Proz. zahlen. 

Auch von den aus den neuentdeckten Inseln gewonnenen Rauchwaren 
musste der zehnte Teil an die Zollhauser Kamtschatkas oder Ochotsk abge- 
liefert werden. Ubrigens kam jahrlich einmal ein der russiscben Krone ge- 
horiges Schiff von Ochotsk nach Petropawlowsk und brachte dorthin Ge- 



150 HI- Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

treide, Lebensmittel und russische Industrie-Erzeugnisse und nahm als Riick- 
fracht die gesammelten Pelzwaren mit. 

Von den Kaufleuten aus Irkutsk, Ochotsk und verschiedenen anderen 
Handelsplatzen Sibiriens, ja selbst aus dem fernen Tobolsk beteiligten sich 
viele an Fangexpeditionen und Entdeckungsreisen in dem Gebiete zwischen 
Sibirien und Amerika, die sich namentlich nach den verschiedenen Inseln 
richteten, die man zu entdecken wiinschte, und wo man eine reiche Ausbeute 
erhoffte. 

Die Kaufleute bildeten kleine Gesellschaften, welche die notigen Schiffe 
gemeinschaftlich ausriisteten. Coxe hat uns eine genaue Beschreibung dieser 
Expeditionen iiberliefert, und entnehme ich seinem 1780 erschienenen Werke 
die folgende Schilderung: ,,Die meisten zu diesen Unternehmungen bestimmten 
Schiffe fiihren zwei Mastbaume; sie sind auf die gewohnliche Art ohne Eisen 
gebaut und uberhaupt so schlecht, dass man es kaum begreifen kann, wie sie 
so sturmischen Meeren Trotz bieten konnen. Man nennt sie in russischer 
Sprache Sitiki oder Schiffe, deren Uberzug genaht ist, und wirklich sind alle 
Teile mit Riemen von Leder zusammengesetzt. Einige derselben werden an 
dem Flusse Kamtschatka, die meisten aber an dem Hafen von Ochotsk gebaut. 
Die grossten haben 70 Mann Schiffsvolk und die kleinsten 40, wovon die eine 
Halfte Russen und die andere Kamtschatken. Da man den Kamtschatken 
weniger gibt, so nimmt man sie aus Sparsamkeitsrucksichten. Ubrigens 
widerstehen sie den Unf alien des Scharbocks (Skorbut) ^ichter. Aber die 
moskowitischen Matrosen sind verwegener zu gefahrlichen Unternehmungen 
und in den Gefahren selbst kann man sich mehr auf sie verlassen. Sie sind 
also zu diesen Reisen notwendig. Die Kosten fur den Bau und an Ausriistung 
sind sehr betrachtlich, denn Ochotsk liefert nur das Holz; das Tauwerk, das 
Segelwerk und den Mundvorrat muss man auf Pferden aus Jakutsk kommen 
lassen. Die Teuerung des Kornes und der Getreidearten, welche man aus den 
Gegenden am Flusse Lena zu ziehen genotigt ist, erlaubt nicht, so viel davon 
einzuschiffen, als zu diesen Reisen, welche zwei bis drei Jahre lang dauern, 
erforderlich ware. Man begniigt sich also damit, dass man die Schiffe mit 
dem Notwendigsten versieht, damit die russischen Matrosen immer Quas oder 
ein anderes gegorenes Getrank haben. An Vieh ist in Ochotsk und Kam- 
tschatka Mangel. Auf der ganzen Halbinsel war en 1772 nur 570 Stuck Vieh. 
Das Pfund frisches Rindfleisch kostet dort deshalb auch 12 Kopeken, wahrend 
man in Moskau nur 3 Kopeken zahlt. Das Schiffsvolk aber macht sich deshalb 
einen Vorrat an vierfussigen Seetieren oder Fischen, die auf der Insel Behring, 
wo die meisten Schiffe iiberwintern, gefangen und eingesalzen werden. Die 
Ausriistungskosten fur ein solches Schiff belaufen sich gewohnlich auf 15 bis 
20 ooo Rubel und zuweilen bis auf 30 ooo. Diese Summe wird in Aktien ver- 
teilt, bestehend aus 30 bis 50 Aktien, jede zu 300 bis 500 Rubel. Die Gefahren 
sind sehr gross, denn es ereignen sich ofter Schiffbriiche in dem sturmischen 
und felsenvollen Meere von Kamtschatka; ubrigens wird das Schiffsvolk oft 



4. Kapitel. 



von den Insulanern iiberfallen und umgebracht, welche noch iiberdies die 
Schiffe zugrunde richten. Hingegen 1st der Gewinn solcher Unternehmungen 
sehr betrachtlich und gleicht gewissermassen die entstandenen Verluste im 
ganzen aus, denn wenn ein Schiff nach einer gliicklichen Fahrt zuruckkommt, 
so ist der nach einer mittelmassigen Taxe berechnete Gewinn hundert Prozent 
und oft noch einmal so viel; und wenn eine zweite Reise stattfindet, so ver- 
mindert solches die Kosten des Einsatzes und folglich der Aktien." 

Man kann sich von diesem Gewinn einen Begriff machen, wenn man 
nachpriift, was der Verkauf einer reichen Ladung von Pelzwerk gebracht hat. 
So kehrte am 2. Juni 1772 ein Schiff, das aus den neuentdeckten Inseln kam 
und dem Iwan Pozoff zugehorte, reichbeladen heim und wurde nach Kam- 
tschatka gebracht. Nach Abzug des im Zollhause weggenommenen 
zehnten Teils des Pelzwerks brachte jede der 55 Aktien 20 Seeottern, 
16 schwarze und braune Fiichse, 10 rote Fiichse, 3 Otterschwanze ein; alle 
diese Portionen wurden sogleich fur 800 1000 Rubel verkauft; also war die 
ganze Ladung ungefahr 50 ooo Rubel wert. 

Die Landung auf der Behring-Insel war iibrigens damals durchaus nicht 
ungefahrlich. 

Im Oktober 1748 scheiterte das Schiff des Pelzhandlers Iwan Shilkin 
aus Anadyrsk an der felsigen Kiiste dieser Insel. Aus dem Rest der Trummer 
des Behringschen Schif fes und angetriebenem Schwemmholz wurde eine kleine 
Schaluppe erbaut und ,,Capito" benannt. Im Fruhjahr fuhr die Mannschaft 
unter Fuhrung von Simeon Novikoff nach Copper Island und von da nach 
Kamtschatka. 

Im gleichen Jahre waren zwei Schiffe vom Kamtschatkaflusse mit Er- 
laubnis der Regierung auf Seeotterjagd gefahren. Das eine, dem Feodor 
Cholodiloff und den Andreas Tolstyk & Co. gehorig, mit 41 Russen und 
6 Kosaken besetzt, uberwinterte auf der Behring-Insel und brachte von dort 
250 alte, 150 junge Seeottern und 148 Blaufuchse zuriick. 

Ein gleichzeitig ausgelaufenes Schiff, dem Andreas Wsewidoff gehorig, 
erreichte die Aleut en und erbeutete dort 1040 Seeottern und 2000 blaue Fiichse. 

1750 erhielt Almolian Jupoff ein Kaufmann von Jakutsk vcm 
Petersburger Senat die Erlaubnis, vier Schiffe fur seine und seiner Teilnehmer 
Rechnung auszuriisten und wahrend der Zeit dieser Expedition sogar das 
Monopol der Seeotterjagd auf der Behrings- und der Kupfer-Insel. Hierfur 
sollte er den zehnten Teil alles gewonnenen Pelzwerks an die Krone abliefern 
und einige Marineoffiziere an Bord nehmen; er segelte aber ohne diese in der 
Schaluppe Johann von Bolocharesk" ab, weshalb nach seiner Riickkehr das 
Schiff mit seiner Ladung von 785 alten, 35 jungen Seeottern, 447 sealskin, 
2000 blauen, 1765 schwarzen und 3300 roten nordischen Fiichsen beschlag- 
nahmt wurde. Alle diese Tiere waren auf der Behring- und Kupfer-Insel gefangen, 
auf welch letzterer Jupoff gestorben war. Die Kaiserin hob indessen auf Ein- 
gabe der geschadigten Aktionare die Konfiskation wieder auf. 



152 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Die Aleuten erwiesen sich jetzt als sehr ergiebiger Fundort. Nikiphor 
Trapesnikoff erhielt 1750 die Erlaubnis, ein Schiff ,, Boris und Glebb" dorthin 
zu senden, wofiir ausser etwaigem Tribut noch 10 Proz. der Pelzausbeute an 
das Zollhaus abzuliefern war en. 

Der Kosak Sila Shaffyrin segelte ab, um den Tribut einzufordern, der 
auch von einer Anzahl Aleuten entrichtet wurde. Der ,, Boris Glebb" brachte 
nach dreijahriger Fahrt 1920 Seeottern mit, worunter 320 allererster Sorte. 

Auch Andreas Tolstyk ging wieder dort bin, erbeutete auf Behring- 
Insel nur 47 Seeottern, aber fing auf einer der Aleuten-Insel 1662 alte und 
119 junge Seeottern nebst 720 blauen Fiichsen und 840 jungen Sealskin. 

Das Schiff ,, Simeon und Johann" wurde von einem russischen Handler 
Ribenskoy ausgeriistet und mit 14 russischen Jagern und 30 Kamtschadalen 
unter dem Kosaken Worobieff zu neuen Entdeckungen nach den Aleuten 
entsendet. Es wurde aber an einer oden Insel an den Strand geworfen. Man 
erbaute aus den Trummern eine Art Prahm und kam mit 820 Seeottern, 1900 
Blaufiichsen, 5700 grossen und 1310 kleinen Seebaren nach Kamtschatka zuriick. 

1754 wurde von Nikiphor Trapesnikoff das Schiff ,,Der heilige Nicolas" 
ausgesendet, welches unter Anfiihrung des Kosaken Kodwin Durneff zu den 
bereits bekannten zwei eine dritte aleutisch Insel entdeckte. 

Sie fingen 2300 Seeottern und tauschten ausserdem noch 732 andere 
von den Eingeborenen ein. 

1752 erlitt ein weiteres Fahrzeug unter Fiihrung des Handlers Alexis 
Drusmin auf Behring-Insel Schiff bruch, und von den Trummern wurde die 
kleine Schaluppe ,, Abraham" gebaut. 

Man hatte wahrend des Winters 5 Seeottern, 1222 Blaufuchse und 2500 
Seebaren getotet. Von hier aus wollte man nach den Aleuten segeln, da aber 
der Wind fur das kleine Schiff zu stark war, schloss sich Drusimin an die 
Expedition des ,,Heiligen Nicolas" an und beendigte die Expedition mit 
grossem Gewinn. Im Jahre 1753 segelten die drei Schiffe nach den Aleuten, 
eins wurde von Cholodileff, ein zweites von Serebrankoff und das dritte von 
I wan Krassilinkoff ausgeriistet. 

Das erste erbeutete auf den Aleuten 1600 Seeottern, das zweite scheiterte, 
und die Mannschaft erreichte nach schwerem Ungemach auf einer kleinen, aus 
den Schiffstrummern erbauten Schaluppe ,, Peter und Paul" mit nur 140 Wal- 
rosszahnen Kamtschatka. 

Auch das Schiff des Krassilnikoff scheiterte auf der Kupfer-Insel. Wahrend 
des Uberwinterns erlagen eine Anzahl der Mannschaft verschiedenen Ungliicks- 
fallen. Man totete aber noch 153 Seeottern und 1390 Blaufuchse und gelangte 
im Fruhjahr in zwei Booten nach der Behring-Insel, von wo aus man mit der 
Pelzausbeute auf anderen russischen Schiffen Kamtschatka erreichte. 

Im September 1756 segelte das Schiff ,, Andreas Natalie" von Andreas 
Tolstyk aus Selenginsk, damals der reichste Pelzhandler der Kiiste, ausge- 
riistet, mit 58 Mann Besatzung von Kamtschatka aus. 



4. Kapitel. 



Man iiberwinterte auf der Behring-Insel, wo aber jetzt iiberhaupt kcine 
Seeotter mehr zu finden war. Als Proviant wurden Seekiihe und Seelowen 
erlegt. 

Im darauffolgenden Sommer wurde die Insel Attaku, ciner der Aleuten, 
erreicht. Den Russen gelang es, durch das Geschenk eines Kupferkessels und 
eines .Tuchmantels das Oberhaupt der Insel zur Tributzahlung zu veranlassen. 
Auch begleiteten drei Weiber und ein Junge die Expedition zuriick, um die 
russische Sprache zu erlernen. Man schenkte auch den Eingeborenen Netze 
zum Seeotterfang. Dieses Fahrzeug brachte 5030 Seeottern, 1040 Blaufuchse 
und 330 ,,Mewedki" oder ganz junge Seeottern mit. Eine Expedition, welche 
der Kaufmann Iwan Shilkin mit der kleinen Schaluppe ,,Capito" 1757 aus- 
sandte, verlief sehr unglucklich. Die Mannschaft geriet mit den Eingeborenen 
vielfach in Kampf, wobei beiderseits mehrere Tote blieben. Ausserdem stran- 
dete das Schiff an einer Insel, die Russen mussten sich von Muscheln und 
Wurzeln nahren, wobei 17 Mann verhungerten. Der Rest wurde nur durch 
das An-Land-treiben eines toten Walfisches gerettet. 

Nachdem sie einen zweiten Winter dort zugebracht batten und 630 See- 
ottern erlegten, gingen sie in einer von den Trummern erbauten Schaluppe 
wieder in See. Aber auch diese strandete, ohne dass etwas von der Ladung 
geborgen werden konnte. Die Uberlebenden wurden dann von dem Schiff 
des Serebrankoff aufgenommen und 1761 auf Kamtschatka gelandet. 

1758 riisteten die Kaufleute Simeon Krassilnikoff und Nikophor Tra- 
pesnikoff zwei Schiffe zur Seeotterjagd aus, den ,,Sankt Wladimir" und den 
Gabriel", welche die Fuchsinseln entdeckten, hier aber in Kampfe mit den 
Eingeborenen gerieten, deren Tochter und Weiber sie wegschleppten. Wegen 
zahlreicher gegen die Insulaner veriibter Grausamkeiten wurde spater der 
Befehlshaber Puschkareff in Kamtschatka angeklagt. Die Ausbeute bestand 
bei dem ,, Wladimir" aus 900 Seeottern, 400 roten, grauen und schwarzen 
Fiichsen und 12 Pud Walrosszahnen. Auf dem ,,Gabriel" erbeutete man 
900 Seeottern und 350 Fiichse. Es folgten jetzt eine Reihe von Expeditionen, 
die die Inseln an der amerikanischen Kiiste der russischen Botmassigkeit 
unterwarfen, doch kamen auch viel Falle von Zusammenstossen mit den Ein- 
geborenen vor. Namentlich auf Unalaschka waren verschiedene soldier 
Kampfe, die durchaus nicht immer mit dem .Siege der Russen endigten. 
Trotzdem wurden die Fahrten dorthin immer zahlreicher, da auf Copper- 
und Behring-Insel die Seeottern immer seltener wurden; so erbeutete 1762 
Korowin dort nur 20. Seeottern neben 500 nordischen Fiichsen. Er liefert 
iibrigens eine genaue Beschreibung der Inseln siidlich von Unalaschka, wo 
er schwere Kampfe .mit den Eingeborenen hatte. 

1762 erreichte Stephan Glottoff auf dem Schiff Andreas und Natalie" 
als erster Kadiak bei Alaska und konnte nach heftigen Kampfen Frieden mit 
den Eingeborenen schliessen und einen lebhaften Pelzhandel eroffnen. Glottofl 
erwahnt unter den dort vorkommenden Tieren Hermelin, Zobel, Biber, Fisch- 



154 m Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

ottern, Wolfe, Wildschweine (?) und Baren, die auf den Aleuten nicht vor- 
kommen. Der auf Kadiak lebende Bar 1st bekanntlich der grosste, den es iiber- 
haupt gibt. Das Vorkommen der Wildschweine beruht aber jeden falls auf einem 
Irrtum. Er brachte eine sehr reiche Ladung an Pelzwerk nach Kamtschatka 
zuriick. Die Fuchsinseln haben ihren Namen von der grossen Anzahl der 
schwarzen, grauen und roten Fiichse, die dort vorkommen. Schon Glottoff 
beobachtete, dass sie viel grober als die sibirischen sind und viel groberes 
Haar haben. 

Die Expedition des Iwan Popoff in einer Schaluppe und des Otcheridnikoff 
in dem in Ochotsk erbauten Schiffe ,,St. Paul" hatten keinerlei Zusammen- 
stosse mit den Insulanern. 

Der ,,St. Paul" brachte 630 Seeottern, 656 Schwarzfiichse (soil wohl 
heissen Blaufiichse, Anmerk. d. Verf.) I. Qualitat, 100 weisse und 1250 Rot- 
fiichse nach Kamtschatka. Popoff s Ausbeute war noch bedeutender. Alle diese 
Expeditionen waren nur im Interesse des Pelzhandels von Handlern unter- 
nommen. Erst 1768 wurde die Galiote ,,Heilige Katharina" unter Kapitan 
Kremitzin, begleitet von dem Leutnant Levasheff in einem kleinen Fahrzeug 
,,St. Paul", von der russischen Regierung zu einer Entdeckungsfahrt nach 
der amerikanischen Kuste entsandt. 

Ebenso war 1766 der Leutnant Syud nach Amerika entsandt. Er ent- 
deckte auch drei der Tschuktschen Halbinsel gegeniiberliegende Inseln bei 
Alaska und besuchte auch die an der Behringstrasse liegenden kleinen Inseln. 
Er stellte auch fest, dass die Tschuktschen in ihren offenen Lederbooten mit 
Hilfe dieser Inseln iiber die Meerenge nach dem Festlande von Amerika 
rudern und hier Pelzwerk, namentlich zusammengenahte Falle des ameri- 
kanischen Zobels, von den dortigen Eingeborenen einhandeln, die sie dann an 
die Russen verhandeln. 

Im Jahre 1772 sandte der Kaufmann Alexei Cholodiloff von Ochotsk 
aus das Schiff ,,St. Michael" unter Fiihrung des Dmitrei Bragin nach den 
neuentdeckten Landern in der nordostlichen See, um auf See- und Landtiere 
zu jagen. 63 Mann bildeten die Besatzung. Nachdem, wie iiblich, der Proviant 
auf der Behring-Insel durch Jagd erganzt war, wurde Unalaschka angelaufen 
und von hier aus wurden Jagdpartien nach den benachbarten Inseln aus- 
gesendet. Bragin fiihrt an, dass auf alien diesen Inseln zahlreiche Fiichse von 
alien Farben vorkommen, sowie Robben, aber keine Seerobben. 

Auf Kadjak gab es ausser den Fiichsen noch viele Baren, Fischottern, 
Hermelin- und Murmeltiere; dagegen kommen auf den Inseln siidwestlich 
von Unalaschaka auch Seeottern haufig vor. 

Auf der Reise erhielt man als Tribut 79 grosse und 15 junge Seeottern, 
3 Schwarzfiichse, 16 Silberfuchse, 23 Kreuzfiichse (schwarzriickige) und 6 Rot- 
fiichse. Durch Jagd und Tausch erbeutete man 180 grosse und 220 junge 
Seeottern, 1517 Biber, 319 schwarze und Silberfuchse, 431 graubriistige, 
198 Rotfiichse, 901 Blaufiichse und 1430 Sealskin. 



4- Kapitel. 



Im Jahre 1770 richtete auch der Gewehrfabrikant Asanassei Orechoff 
aus Tula mit Wassili Schilkoff von Ustschuk und Iwan Lapin aus Julikamsk 
ein Schiff, den ,,St. Paul", in Ochotsk ein unter Kommando von Iwan 
Soloiwef aus Tobolsk. 

Die Besatzung bestand auf 71 Russen, Kamtschadalen und Jakuten. 
Man blieb 4 Jahre lang weg und besuchte die verschiedenen Inseln an der 
Kiiste von Alaska und Alaska selbst. Die Besatzung litt viel an Skorbut und 
hatte auch Kampfe mit den Eingeborenen, so dass bei der Riickkehr nur noch 

39 Mann am Leben waren. Die Regierung erhielt 89 Seeottern, 104 Schwarz- 
fucb.se, 56 Kreuzfiichse, 8 Rotfiichse, wahrend die Reeder 1833 Seeottern, 

40 Schwarzfiichse, 10 Blaufuchse und 1304 Rotfiichse erhielten. 

Der gute Erfolg veranlasste den Orechoff und seinen Associe, im Jahre 
1772 eine vierte Expedition auszuriisten. Es war dies das in Ochotsk erbaute 
Fahrzeug ,,St. Wladimir" unter Befehl des Steuermanns Saikoff. Neben ihm 
waren noch ein Peredofschik oder Anfiihrer der Jager, 57 Russen und 10 Ja- 
kuten an Bord. 

Uberwintert wurde, wie iiblich, auf der Kupferinsel, wo der Proviant 
erganzt wurde und auch eine Anzahl Lederboote nach Eskimoart, sogenannte 
Baidaren, angefertigt wurden. 

Der Reichtum an Seesaugetieren war hier noch immer ungemein reich. 
Schon damals war die Kupferinsel die Heimat der einen grossen Sealherde, 
die sich dort vom Mai bis November aufhielt. Die Seelowen verlassen die 
Tnsel gleichfalls im November, wahrend die damals noch sehr zahlreichen 
Seeottern auf der Insel uberwinterten. Das Fell war im Oktober am besten, 
und das Fleich wurde von alien russischen Seefahrern sehr gelobt, bildet ge- 
trocknet auch den Hauptteil des Reiseproviants, seitdem die Seekiihe ver- 
schwunden waren. 

Von hier aus wurde dann 1773 die Reise nach Alaska und den aleutischen 
Inseln angetreten. 

Von den Eingeborenen wurden Felle gegen Korallen, Glasperlen, Kupfer- 
kessel, Tabak und Kleidungsstiicke eingetauscht. 

Als neues Tauschmittel fuhrte Saikoff Katzenfelle ein, die von den Aleuten 
gern genommen wurden, und gegen Polarftichse und Seeottern umgetauscht 
wurden. Heut diirfte das wohl auch in den entlegensten Gegenden etwas 
schwer fallen. An verschiedenen Punkten wurden Abteilungen von Jagern 
zuriickgelassen, die Seeottern, Seebaren, Wolfe, Fiichse, Fischottern, Viel- 
frasse, Baren etc. erbeuteten. 

An der Kiiste Alaska bildete auch damals der Lachsfang neben der Jagd 
eine der Hauptbeschaftigungen der Eingeborenen. 

Erst 1776 kehrte Saikoff nach Ochotsk zuriick, nachdem er auf der Reise 
12 Mann verloren hatte, was der Chronist als ein besonders giinstiges Er- 
gebnis hervorhebt. Ausser dem Tribut fur die Krone brachte Saikoff fur seine 
Reeder zuriick: 3836 Seeottern, 2874 Seeotterschwanze, 583 junge Seeottern, 



156 III. Geschichte des russischen Ranch warenhandels. 

549 Silberfiichse, 1099 Kreuzfiichse, 1204 Rotfuchse, 1104 Blaufiichse, 92 Fisch- 
ottern, i Vielfrass, 3 Wolfe, 1750 Sealskin und 370 Pfund Walrosszahne. 

Jetzt begannen ubrigens auch die Spanier den Gegenden nordlich von 
ihrer sehr vernachlassigten Kolonie Kalifornien ihre Aufmerksamkeit zuzu- 
wenden. 

Im Jahre 1775 wurde eine Expedition ausgesandt, um die nordlichen 
Gegenden in Besitz zu nehmen. Es waren die Fregatte ,,San Carlo" unter 
Eefehl des Don Bruno Heiceto, .das Paketboot ,,Mexicano" unter dem Leutnant 
Juan de Ayala und die Kgl. Galiote ,,Sonora" unter Kapitan Don Juan 
Francisco de la Bodega y Quadre; als Abgangshafen diente San Bias in Mexiko. 

Es wurden eine Reihe von Hafen beruhrt und im Namen des Konigs in 
Besitz genommen, und zwar bis zum 58. Grad nordlicher Breite. Krankheiten 
aller Art und der schlechte Zustand der Fahrzeuge notigte dann zur Umkehr. 

Die Result ate der Reise wurden zwar verofientlicht, doch hat sich in der 
Folge niemand um die Besitzergreifung seitens Spaniens bekummert. 



III. 
Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

5. Kapitel. 

Die vielen blutigen Zusammenstosse, welche die russischen Pelzjager- 
Expeditionen mit den Eingeborenen auf den Aleuten, Kurilen und Alaska 
hatten und die vielen Klagen, die einliefen, veranlasste die russische Krone 
1769, das Gebiet offiziell in Besitz zu nehmen, urn dem wiisten Treiben ein 
Ende zu machen. 

1781 vereinigten sich die beiden grossten Pelzhandler von Ochotsk, 
Iwan Golikoff und Gregor Schelikoff, sowie der Tulaer Gewehrfabrikant 
Orechof und mehrere andere Handler zu einer Gesellschaft. Schelikoff ging 
1783 mit drei in Ochotsk erbauten Gallioten nach Amerika. 

Die Schiffe hiessen ,,Die 3 Kirchenlehrer", ,,Simion", ,,Anna und 
St. Michael". Schelikoff war dabei von seiner Frau begleitet, die erste weisse 
Dame, welche diese wilden Kusten betrat. 

Diese Expedition war die starkste, die bis jefzt nach der amerikanischen 
Westkiiste aufgebrochen war, denn es waren 192 Mann Besatzung an Bord 
der drei Fahrzeuge. Aber sie war auch die folgenschwerste, denn mit Scheli- 
koffs Eintritt in die russisch-amerikanischen Handelsbeziehungen begann eine 
ganz neue Epoche. Schelikoff war ein Organisator ersten Ranges, von weitem 
Blick, der auch an kaufmannischer Begabung weit uber die andern Promy- 
schlenik hervorragte. Er erkannte zuerst die Bedeutung fester Stiitzpunkte in 
dem neuen Gebiete statt der langen Jagdfahrten und besehloss, 'dort Forts 
zu errichten, die erstens den Handel auf eine regelmassige Basis bringen 
wiirden und ausserdem den kriegerischen Eingeborenen Respekt einflossen, 
ja sie allmahlich unterjochen wiirden. 

Seinem Geiste schwebte wohl auch schon die gewaltige Handelsgesellschaft 
vor, die unter seiner Leitung dort die Herrschaft ausiiben wiirde. Er hat uns 
iiber die erste Reise einen sehr ausfuhrlichen Bericht hinterlassen, dem zu 
entnehmen ist, dass um diese Zeit 1783 auf Behring Island bereits die Jagd 
voriiber war. Ausser einigen weissen Fiichsen gab es nichts mehr, sowohl 
Seekiihe wie Seeottern waren verschwunden, nur Seebaren und Seelowen gab 
es dort noch in beschrankter Zahl, und man war gezwungen, sich von See- 
fischen, Wildgefliigel und essbaren Wurzeln zu nahren. 



158 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Auf den Aleuten kam er mit den Eingeborenen in Konflikt, aber als der 
erste, der die Bedeutung der Eingeborenen fur die Kolonie erkannte, suchte 
er alle Blutvergiessen zu vermeiden und benutzte seine Artillerie nur, um die 
Angreifer zu erschrecken. Auf der Insel Kadiak errichtete er die erste Festung, 
nachdem er einen Angriff von 1000 in Booten kommenden ,,Konagern" abge- 
wehrt, sie dann unterworfen und beim Fort angesiedelt hatte. Er gewann sie 
auch durch vorzugliche Behandlung ganzlich fur seine Interessen. Ein weiteres 
Fort errichtete er am Kap M. Elias auf dem Festlande, wo er 5 Russen und 
1000 Mann der nun eng befreundeten und unterworfenen Konagern als Be- 
satzung zuriickliess. Auch auf den Inseln Afagnek und Schuject errichtete er 
feste Platze, die er mit 30 Russen und 70 angeworbenen Aleuten besetzte. 

Zwei seiner Fahrzeuge benutzte er zu regelmassigen Erforschugs- 
reisen an der Kiiste und nach der Behringstrasse, wahrend er selbst im Herbst 
1786 nach Ochotsk zuriickkehrte. In Petropawlowsk traf er iibrigens ein 
englisches Schiff der ostindischen Kompanie, das erste, das in diese hohe 
Breiten gelangt war. Seine Bemannung bestand aus 70 Arabern, Indiern und 
Chinesen und hatte ausser Kapitan Peters, dem Kommandanten, noch drei 
englische und einen portugiesischen Offizier an Bord. 

Schelikof f kauf te ihnen fiir 6661 Rubel Waren ab und schloss einen Vertrag 
ab, dahingehend, dass die Ostindische Kompanie in regelmassigen Zwischen- 
raumen ein Schiff senden wollte. Auch wurde gleich verabredet, welche Waren 
sie mitbringen und welche Pelze dafur empfangen sollte und zu welchen Preisen. 
Er erwahnt iibrigens noch, dass er die erstandenen englischen Waren bereits 
gleich in Bolscheresk mit 50 Proz. Nutzen verkauft habe. - - Unter grossen 
Beschwerden reiste er dann liber Ochotsk, Jakutsk nach Irkutsk, wobei er 
aber auch erwahnt, dass die Russen damals grosse Miihe hatten, zwischen 
denKorjaken und Tschuktschen, die beide sehr wild und kriegerisch waren, 
Ordnung zu halten, doch war der Pelzhandel um diese Zeit schon in ganz 
regelmassigen Bahnen. Es gelang ihm in Irkutsk nun, eine grosse Gesellschaft, 
die amerikanische Kompanie, zu begriinden, an deren Spitze Iwan Golikoff 
neben Gregor Schelikof f trat. Der Hauptsitz der Gesellschaft wurde nach der 
Insel Kadiak verlegt, wo der Grieche Delaref als Bevollmachtigter das Kom- 
mando fuhrte, und wo mehrere grosse Forts errichtet wurden. 

Schelikoff erhielt von der Kaiserin in den neuentdeckten Gebieten ein 
Handelsmonopol und zugleich den Auftrag, moglichst viel neue Inseln zu 
entdecken und die Insulaner sowohl unter russische Botmassigkeit zu bringen, 
als auch moglichst viel von der amerikanischen Kiiste durch Aufpflanzen des 
russischen Wappens fiir das Reich in Besitz zu nehmen. Im Auftrage Schelikof fs 
entsandte daher Delaraff 1788 die Galiote ,,Die drei Kirchenlehrer" unter 
Kommando der Steuerleute Ismanloff und Botsdorf mit 40 russischen Arbeitern 
und zwei eingeborenen Aleuten und vier Konager (von Kadiak) als Dolmetscher 
an Bord und gab ihm auch 5 Kupfertafeln und 5 russische Wappen mit, die 
der Generalgouverneur von Irkutsk zu diesem Zweck geschickt hatte. 



5. Kapitel. 



259 



Die Galiote verliess am 30. April 1788 den Hafen von Kadiak und segelte 
nach dem Tschuktschen Meerbusen. Mil den Tschuktschen auf den Inseln 
am Kap St. Elias traten sie zunachst in Verbindung. Man erhielt eine Anzahl 
Biber- und Fischotterfelle and bezahlte fiir die ersteren 8 bis 9 Schnuren 
Schmelzperlen, fiir ein Otterfell und fiir Biberschwanze je 5 Korallen. 

An geeigneter Stelle am Festlande am Nootka-Sund wurde auch durch Auf- 
stellen eines Kreuzers und Befestigung einer der mitgenommenen Kupferplatten 
mit der Inschrift ,,Russisch Kaiserliches Gebiet" vom Lande Besitz ergriffen. 




Tschuktschen und Eskimos auf den Inseln in der Behringstrasse Felle austauschend. 

Die Kiiste und Inseln wurden iibrigens genau untersucht, auf ihre Land- 
verhaltnisse, Fischreichtum etc. gepriift und mit den Tschuktschen Verhand- 
lungen angekniipft. Die Kupferplatten, welche die Besitzergreifung dokumen- 
tierten, wurden meist an hervorragende Hauptlinge oder sonstige angesehene 
Eingeborene verteilt, daeszuriskanterschien, sieimFreien aufzustellen, denn 
bei dem im Lande herrschenden Mangel an Metall rissen die zu Besuch an 
Bord kommenden Eingeborenen sogar die Bretter vom Bord los, nur urn die 
darin steckenden Nagel zu bekommen. 

Es wird auch genau iiber die Fauna des Landes berichtet, und erwahnt 
Ismailof zum ersten Male, dass hier zwei Barenarten, braune und schwarze, 
vorkommen, ebenso drei Fuchsarten, rote, graue und schwarze. Ausserdem 
werden Marder, Fischotter, Vielfrasse, Wiesel, Biber, Eichhornchen, Hermelm 
und Hirsche erwahnt. Hier finden wir auch die erste Erwahnung von im 
Innern des Landes vorkommenden wilden Schafen mit langem, weissen 
Fliesse, woven Felle an Bord gebracht wurden. (Es handelt sich augenschem- 



l6o III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

lich um die amerikanische Wollziege ,,Aploceros montana".) In der See 
finden sich zahlreiche Seeottern. Seelowen. Seebaren und Seehunde, sowie 
Walfische, auf welche die Eingeborenen in ihren aus Leder gefertigten 
Baidaren mit Bogen und Pfeilen, sowie Harpunen eifrig Jagd machten. 
Auch der Reichtum an Fischen wird erwahnt, in der See hauptsachlich 
riesige Heilbutten, in den Fliissen Scharen von drei verschiedenen Lachs- 
arten. Ebenso fiel den Beobachtern die Fiille von See-, Sumpf- und Wasser- 
vogeln auf. 

Mit grosstem Interesse studierte man genau die Sitten und Gebrauche der 
Eingeborenen, deren Kleidung vorwiegend aus Biber-, Zobel-, Vielfrass- und 
Murmelfellen bestand. Obgleich bisherkein europaisches Schiff hierhergekom- 
men war, trafen die Russen bereits europaische Handelsartikel an, namentlich 
schienen farbige Baumwollstoffe recht beliebt zu sein. Viele der von der Expe- 
dition angegebenen eingeborenen Ortsnamen sind heut nicht mehr zu identifi- 
zieren, doch scheinen die Fiihrer ihre Aufgabe, die Gegend genau zu erforschen, 
recht ernst genommen zu haben. Am 15. August gelangte das Fahrzeug 
wieder nach Kadiak zuriick. Pelareff ubernahm dasselbe wieder und schickte 
es im Friihjahr 1789 mit dem gesammelten Pelzwerk der Kompanie beladen, 
nach Ochotsk, wo man am 6. Oktober ankam. 

Die Tagebiicher, der Reisebericht und die aufgenommenen K art en wurden 
dem Leiter der Gesellschaft, Herrn Shelikow, ubergeben, der sie auch der 
Regierung mitteilte. 

Man hatte iibrigens eine sehr reiche Pelzladung an Bord, darunter allein 
3000 Seeottern, die Delareff in Cooks Inlet gesammelt hatte. 

In Ochotsk herrschte bei Ankunft der ,,Drei Kirchenlehrer" grosse Auf- 
regung. Viele wichtige Nachrichten waren von verschiedenen Seiten dort ein- 
getroffen. Die Angestellten der Shelikow-Kompanie, Lebadoff Latoschkin 
und Gerasim Pribiloff, hatten die Inseln St. Paul und St. George entdeckt, 
mit ihrem ungeheuren Reichtum an Sealskin, Seeottern, Silberfuchsen etc. 
Die Inselgruppe wurde zwar von ihrem Entdecker die Suboff-Inseln genannt, 
heisst aber noch heutigen Tages nach ihm selbst die Pribiloff-Gruppe. 

Von Shelikoff war Nachricht eingetroffen, dass er und Golikoff Me- 
daillen sowie das Portrat der Kaiserin Katharina fur ihre Entdeckungen 
erhalten hatten, und was ihrem praktischen kaufmannischen Sinne vielleicht 
noch lieber war, das Monopol des Pelzhandels fur die Inseln im nordlichen 
Pacific. Aber die Freude hieruber war getriibt durch die Nachrichten, dass die 
bisher so entlegenen Kiistengegenden des Stillen Ozeans ein Tummelplatz 
von Expeditionen der verschiedensten Nationen zu werden schien, 

Fast gleichzeitig bewegte sich in diesen nordischen Gewassern die wissen- 
schaftliche franzosische Expedition unter La Perouse, eine Handelsexpedition 
des Englanders Hanna in Macao nach Nootks-Sund, Schiff e der Ostindischen 
Kompanie unter John Meares and unter Kapitan Tipping von Kalkutta, 
Kapitan Lovrie und Guise von Bombay, die Schiffe der englischen Pelzhandels- 



5. Kapitel. 



161 



gesellschaft King George Sound Company. ,,King George" und ,, Queen 
Charlotte" unter Portlock und Dixon, die portugiesischen Schiffe ,, Felice" und 
,,Iphigenie", das amerikanische Schiff ,, Washington" unter Kommando von 
Kapitan RobertGray und die ,, Columbia" unter John Kensdrick, einer Bostoner 
Pelzhandelsvereinigung gehorig, alles bestrebt, moglichst an der reichen Pelz- 
ausbeute teilzunehmen. Auch die Spanier wollten sich ihre Rechte auf die 
Festlandskiiste nicht nehmen lassen. Eine Expedition unter Martinez und 
Haro besetzte den Nootka-Sund und errichtete ein Fort darauf. Gleich darauf 
beschlagnahmte Martinez die englischen Schiffe ,,Prinzess Royal", ,, Argonaut", 
,, Northwest America" und ,, Macao" mit reicher Pelzladung und sandte 




Eskimo im Else vor Nome, Alaska. 

die Priesen nach San Bias in Mexik'o. Wenig spater ereilte dasselbe 
Schicksal den amerikanischen Schoner ,,Fair americain" unter Kapitan 
Metcalfe. Alles dies bedeutete eine unliebsame Konkurrenz fur den russischen 
Pelzhandel. 

Das Unangenehmste fur die russischen Pelzwarenhandler wai aber die 
Nachricht, dass die Kaiserin entriistet iiber die Grausamkeiten und die Ober- 
griffe der Promyschleniks, namentlich iiber die Bedriickung der Aleuten durch 
Glottkow und Lobodiew, welche ihr zu Ohren gekommen waren, eine Ex- 
pedition zur Untersuchung abgesandt hatte unter Kapitan John Billings. 
Dies war aber wohl nur ein Nebenzweck. Hauptsachlich war die Expedition 
ausgesandt als Forschungsexpedition auf Betreiben des englischen Geistlichen 
Reverend Coxe, der in Petersburg persona gratissima war, durch seine hochst 



ii 



162 



III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 



russenfreundlicheVeroffentlichungenin England. Er spielte damals die Rolle 
wie in unserer Zeit Kennan, ehe sein Buch iiber die sibirischen Gefangnisse 
zeigte, dass er aus einem Paulus ein Saulus geworden. 

Coxe war auch der erste, der ein Buch iiber die Entdeckungen der Russen 
im fernen Osten veroffentlichte, dieses nebst den reichhaltigen ,,Nordischen 
Beytragen" von Pallas hat auch mir einen grossen Teil des Materials 
geliefert. 

Durch die Coxeschen Veroffentlichungen erfuhr die Kaiserin erst, welchen 
enormen Gebietszuwachs sie durch die emsige Tatigkeit der einfachen, wenig 
beachteten Pelzhandler errungen hatte. Es bildeten die neuen Gebiete, welche 
so unbemerkt unter die russische Oberhoheit gekommen waren, das Tages- 




Dampfer auf der Eisbarjagd an der Nordkiiste von Alaska. 

gesprach bei Hofe, und es gelang Coxe, unterstiitzt durch den grossen deutschen 
Gelehrten Dr. Pallas, der bei der Kaiserin ein wohlverdientes Ansehen genoss, 
Katharina zu iiberzeugen, dass es notwendig sei, die wissenschaftliche Unter- 
suchung der neuen Gebiete durch eine Expedition in die Hand zu nehmen, 
und vor alien Dingen auch die geographische Lage der einzelnen Orte durch 
astronomische Bestimmungen festzulegen. Der Ukas zur Ausrustung der 
Expedition war schon 1784 erlassen, aber, wie gewohnlich, verzogerte sich die 
Sache. Erst als dieNachricht kam, dass Ludwig XVI. den Graf en LaPerouse 
zu einer Entdeckungsfahrt in dem nordlichen Pacific entsendet habe, wurde 
Ernst gemacht. Das Kommando wurde dem Englander John Billings, der 
als Leutnant in russische Dienste getreten war, iibertragen, da er als astro- 
nomischer Assistent schon mit Cook in diesen Gegenden gewesen war. Als 



5. Kapitel. 



I6 3 



Naturforscher wurde der Franzose Dr. Patrin erwahlt, und ein Deutscher 
Martin Sauer, begleitete die Expedition als Sekretar und Linguist. 

Dr. Patrin, der bereits in Sibirien war, konnte iibrigens die Expedition 
nicht begleiten und kehrte krankheitshalber bereits in Kasan urn. An seiner 
Stelle wahlte Billings den Deutschen Dr. Carl Merck, der als Arzt im Hospital 
von Irkutsk tatig war. Es scheint, als ob diese Wahl keine sehr gliickliche 




Dampfer Alexander in Nome, Alaska, der die Fellausbeute von den Kiistenplatzen abholt. 

gewesen war, wenigstens schreiben englische Zeitgenossen von ihm, dass er eine 
hervorragende Intelligenz mit einer fast kindischen Furchtsamkeit verbunden 
habe. Auch Billings wird als sehr furchtsam und unwissend geschildert, da 
die in ihn gesetzte Erwartung sich nicht erfullte. 

Martin Sauer veroffentlichte im Jahre 1802 einen sehr ausfuhrlichen 
Bericht iiber die von 1785 bis 1794 dauernde Expedition, der fur lange Zeit 
als das beste Werk iiber diese Gegenden und ihre Bewohner gait, da, wie er 
selbst sagt, er stets mit offenen Augen gereist sei und das Gesehene wahrheits- 
getreu wiedergegeben habe, wenn ihm auch in den verschiedenen Spezial- 
wissenschaften eingehende Kenntnisse gefehlt hat ten. 

Die an Billings und an den Naturforscher von der Kaiserin erteilten In- 
struktionen sind sehr ausfiihrlich und fachgemass, namentlich die Anweisungen 



ir 



164 HI. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

uber den Verkehr mit den Eingeborenen zeugen von einer in der damaligen 
Zeit hochst ungewohnlichen Einsicht. 

Mitte Oktober 1785 verliess die Expedition St. Petersburg, urn die in 
damaliger Zeit so schwierige Landreise anzutreten. Vom Zustand der Strassen 
zeugt schon der Umstand, dass bereits in Kasan die samtlichen Barometer zer- 
stort und ein grosser Teil der Medizinalausnistung unbrauchbar geworden war. 

Jekaterinenburg war erst am 17. Januar erreicht. Die Nahrungsmittel 
waren damals hier sehr billig. Rindfleisch 50 Kopeken per Pud (ca. 3 Pfg. 
per Pfund), Roggenmehl 32 Kopeken (2 Pfg. pro Pfund). Uber Tobolsk und 
Tomsk wurde Irkutsk am 18. Januar erreicht. Hier wurde die Ausrustung 
vervollstandigt und das Personal der Expedition zusammengestellt. Dasselbe 
bestand aus dem Kommandeur Joseph Billings, dem Kapitan Robert Holl, 
Gabriel Sankeff , Christian Behring, Assaurry, Bokoff , den Steuerleuten Anton 
Batahoff und Bronnkoff, 2 Feldscherern 2 Assistenten derselben, i Zeichner, 
i Mechaniker, 2 Schiffsbaumeistern, 2 Bootsleuten, 5 Handwerkern, i Leutnant 
Poloroff, 6 Unteroffizieren der Navigationsschule, 8 Armee-Unteroffizieren, 
7 Soldaten, 50 Kosaken, 2 Trommlern, 2 Buchhaltern, 3 Hof j agern als Ausstopf er , 
und Martin Sauer als Privatsekretar und Journalist. Im ganzen aus 95 Personen. 
Alle Mitglieder der Expedition wurden hier einen Grad im Rang erhoht. 

Die Stadt Irkutsk war damals schon ein ansehnliches Handelszentrum 
mit 2500 Hausern, zahlreichen offentlichen Gebauden, mit etwa 20 ooo Ein- 
wohnern. Hier brachten die Burjaten ihre Jagdausbeute an Zobeln, Mardern, 
Ottern etc. zum Verkauf. Auch wurden in den Magazinen von Irkutsk die 
von Amerika gebrachten Pelz waren sortiert. Die geringen und schlechtfarbigen 
Zobel, die Fuchse von den aleutischen Inseln, die Sealskin, Seeottern, Fluss- 
ottern etc. wurden fur China bestimmt, denn, wie der Verfasser ausfiihrt, da 
die Chinesen alle iibrigen Nationen in der Kunst, Zobel und andere Felle zu 
blenden, weit voraus sind, kaufen sie nur geringe Sorten. Die schadhaften, 
dunnhaarigen und geringen Sorten kommen auf die Irbiter Messe, die besten 
Sorten werden nach Moskau und nach Makariew gesandt, wo sie von Griechen 
und Armenierri gern gekauft wurden. (Makariew liegt an der Wolga im Gou- 
vernement Nischnij-Nowgorod und hatte wahrend 3 Jahrhunderten eine be- 
ruhmte grosse Messe. Erst als im Jahre 1816 die samtlichen Kaufhauser durch 
einen grossen Brand zerstort waren, wurde die Messe nach Nischnij-Nowgorod 
verlegt.) 

Mitte Mai wurde von Irkutsk in einer Anzahl Barken aufgebrochen und 
zunachst das Flusssystem der Lena untersucht und auch die Haupt-Neben- 
fliisse. Einer der bedeutendsten davon ist die Witima, von 1178 Werft Lange, 
an deren Ufer und ihrem Nebenflusse Momo schon damals die besten Zobel 
beruhmt waren. Sauer erwahnt noch die Zobel von dem 1200 Werft langen 
Pellidui als ebenso gut, diese unterscheiden sich aber heute nicht mehr als 
besondere Sorte, sondern jedenfalls werden mit den Witimern vereint. Jakutsk 
wurde schliesslich erreicht, und zum weiteren Land transport der Expedition und 



Kapitel. 



16 



aller Vorrate nach Ochotsk waren 2000 Pferde erforderlich, die erst zusammen- 
gebracht wurden. Die samtlichen Provisionen etc. fiir die gesamte Expedition 
warden iibrigens von dem Kaufmann Sibiriakoff in Irkutsk geliefert, mit 
welchem der Generalgouverneur Jacob einen Kontrakt abgeschlossen. Dieser 
Sibiriakoff, der Vorfahr des grossen sibirischen Macens und Freundes von 
Nordenskiold, war bereits damals ein reicher Mann und Begriinder des marchen- 
haften Reichtums des sibirischen Krosus. Ochotsk wurde nach einer schwie- 
rigen Landreise erreicht, wo sofort mit dem Ban von zwei Schiffenunter Leitung 




Alaska-Trapper. 

von Kapitan-Leutnant Holl begonnen wurde. Die Stadt war damals sehr 
bedeutend, gait aber als sehr ungesund, sowohl Fieber, wie namentlich 
Skorbut, richteten grosse Verheerungen an. Die russische Bevolkerung, vor- 
zugsweise aus Matrosen, Kosaken und ihren Familien bestehend, sei meisten- 
teils betrunken. 

Die Mitglieder der Expedition durchforschten mit Renntieren weiter das 
Gebiet der Tungusen und dann das Land der Jakuten, welches sehr reich an 
Biiren, Wolfen, Luchsen, Fiichsen, Feh und auch an Zobeln ist. Die Jakuten 
hielten auf den ausgedehnten Weidengriinden riesige Herden von Pferden 
und Rindern, wahrend die Tungusen Renntiere hielten und meist als Jager 
umherstreif ten . 



1 66 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Auch die Kolyma wurde besucht, wo Seredny Ostrog ein Handelsemporium 
bildete. Sauer gibt die Preise der einzelnen Felle, nebst den russischen 
und Jakuten-Namen an ; so kostet ein Barenfell i Rubel. ein Eisbar i Rubel, ein 
Vielfrass 2 10 Rubel, Wolf 2 8 Rubel, Fuchs i 5 Rubel, Weissfuchs 
50 Kopeken, Hermelin (die viel in den Mehlmagazinen gefangen wurden) 
5 Kopeken. Luchse 3 10 Rubel. Ottern 8 10 Rubel, Zobel, die aber selten 
dort vorkomruen, 10 Rubel, Schneehase 3 5 Kopeken, Murmel (Tarbagan) 
waren ebenso wie die Susliki bei den Jakuten sowohl ihres wohlschmeckenden 
Fleisches, als der zur Kleidung benutzten Felle halber sehr geschatzt und 
brachten 5 10 Kopeken pro Stuck . Der russische Name Tarbagan ist iibrigens 
eigentlich der Jakuten Name fiir das Tier. 

Feh, deren Fleisch auch gern gegessen wurden, brachten 3 5 Kopeken, 
dagegen waren die haufig vorkommenden fliegenden Eichhornchen wertlos. 
Die gestreiften Erdhornchen brachten 2 Kopeken. 

Ende Juni 1787 wurde Ochotsk wieder erreicht, da Ende Juli das erste 
Schiff, die ,,Slava Rossie" (Ruhm Russlands) vom Stapel lief und einige 
Wochen spater das zweite, die ,,Dobroie Namerenie" (Gute Absicht). Das 
letztere lief iibrigens gleich nach dem Auslaufen am i. September auf und 
wurde dann verbrannt. Mit dem anderen Fahrzeug segelte man nach Kam- 
tschatka, um dort dann ein weiteres kleines Fahrzeug zu erbauen. Es war 
iibrigens die hochste Zeit, denn die ,,Slava Rossie" war eben unter Segel ge- 
gangen, als ein Kurier aus Petersburg eintraf mit der Nachricht, dass der 
Krieg mit Schweden ausgebrochen sei, und dass die Expedition nach S. Peters- 
burg zuriickkehren sollte, falls nicht alles segelbereitsei, da dort alleSeeleute 
notwendig gebraucht wurden. Auf alle Falle aber sollte mit dem Geld sehr 
sparsam umgegangen werden, denn Geld sei sehr knapp in Russland. 

Trotz des heftigen Schneesturmes lichtete man am 19. September die 
Anker und erreichte nach n Tagen Petropawlowsk. 

Sauer war ganz erstaunt iiber das angenehme Klima und die landschaft- 
liche Schonheit der Gegend. In den Garten der Kosaken gedeihen europaische 
Gemuse in iippiger Fiille, und die Einwohner waren gesund, kraftig und zu- 
frieden, ein starker Gegensatz zu dem unwirtlichen Norden Sibiriens, der 
Siedlung an der Kolyma. Hier wurde wahrend des Winters ein zweites Schiff 
gebaut. Im Marz 1790 traf von Petersburg die Nachricht ein, dass ein schwedi- 
sches Kriegsschiff mit 16 Geschiitzen nach dem nordlichen Pacific unterwegs 
sei, um den russischen Pelzhandel zu storen und ihm moglichst viel Abbruch zu 
tun. Die Billings-Expedition sollte dem entgegenwirken, wozu die ,,Slava 
Rossie" auch 16 Dreipfunder an Bord bekam. Am i.Mai wurde die Awata- 
Bai verlassen und nach der Kiiste von Alaska gesegelt, um diese und die davor- 
liegenden Inseln zu kartographieren und das Fahrwasser zu untersuchen. Zu- 
nachst wurde Unalaschka angelaufen. Die Eingeborenen hier gingen friiher 
ganz in Seeotterfelle gekleidet, seit aber die Russen im Lande waren, lieferten 
sie diese Felle ab und begniigten sich mit Seebarfellen. 



5- Kapitel. 



167 



Sauer gibt eine genaue Schilderung der Eingeborenen und ihrer Ge- 
brauche und berichtet zugleich auch entriistet iiber den Despotismus, mit 
welchem die russischen Pelzjager sie in der tiefsten Sklaverei erhalten. Auch 
von den anderen Inselgruppen teilt er ahnliches mit. So hatte z. B. Delareff 
fur das Etablissement der Shelikoff Company auf Kadiak allein 600 Doppel- 
baidaren, jedes mit 3 Eingeborenen in Dienst, die ohne jedes Entgelt fur die 
Russen Seeottern, Seebaren und andere Pelztiere jagen mussten. Je hundert 
Boote standen unter dem Befehl eines Peredowshik oder russischen Fiihrers. 
Andere Partien mussten Halibut, Lachs etc. fischen. Etwa 300 Tochter der 




Das Stadtchen Seward, ein Hauptsitz des Pelzhandels von Alaska. 

angesehensten Eingeborenen wurden als Geisseln im Fort zuriickgehalten. 
Dabei war bei Delareff die Behandlung der Leute eine humane. Er sorgte 
fiir ihr Wohlergehen und zwang sie, auch geniigend Wintervorrate fur sich 
selbst zu beschaffen, so dass sie sich nicht gerade unglucklich fuhlten. Fiir 
jedes abgelieferte Seeotterfell erhielten sie 4 Strange Glasperlen, die sie gegen 
Tabak, Hemden, Kleidungsstiicke u. dgl. eintauschen konnten. Die Robben- 
felle wurden ihnen zum eigenen Gebrauch iiberlassen, zur Anfertigung der 
Kleidung und zum Ausbessern der Boote. Fertigten sie aber neue daraus an, 
so mussten sie solche durch Lieferung von Fuchs-, Otter-, Murmel- und anderen 
Fellen erst erwerben. An anderen Platzen wurden die Eingeborenen von den 
Russen viel schlechter behandelt, namentlich zeichneten sich die Leute der 
Tirepanoff Company besonders durch Grausamkeit aus. Jahrelang mussten 



1 68 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

die Horigen fur sie ganz unentgeltlich arbeiten, ohne dass irgendwie fur ihren 
Lebensunterhalt gesorgt wurde. Uber ihre Frauen und Tochter wurde ganz 
despotisch verfiigt. Auch sonst stellt Sauer dem Delareff ein vorziigliches 
Zeugnis aus. Er sagt, dass Delareff einem Gerichtshof prasidiert, der alle Ver- 
gehen einem ordentlichen Gerichtsverfahren unterzieht, und dass wohl wenige 
Gerichtshofe der Welt mit grosserer Unparteilichkeit verfahren. In Kadiak 
lebten damals etwa 50 Russen, alles Angestellte der Kompanie und ein Be- 
amter der Krone, Steuermann Ismailoff, der die Sammhmg des Tributs fiir 
die Regierung iiberwachen musste. Einige Russen hatten ihre Frauen mit, 
batten Kohlgarten, Kartoff elf elder angelegt und hielten Kiihe und Ziegen. 
Zwei bewaffnete Schoner von je 80 Tonnen, die hier lagen, dienten zum 
Schutze der Siedlung. 

Sauer berichtet weiter, dass er in Jakutsk und Ochotsk erstaunt gewesen 
sei iiber die Hohe der Lohne, die Shelikoff seinen Angestellten zahle. 1000 
Silberrubel jahrlich einem gewohnlichen Matrosen, also mehr als das Fiinf- 
fache des sonst ublichen Lohnes. Hier in Kadiak erhielt er die Losung des 
Ratsels. Die Angestellten miissen ihren gesamten Bedarf und alle Genussmittel 
von der Kompanie kaufen und zwar zu folgendem Tarif : Branntwein i Rubel 
per Glas, Tabak 50 Rubel per Pfund, ein grobes, baumwollenes Hemd 10 Rubel, 
Schuhe von 15 Rubel an etc., so dass ihre Ausgaben, da sie keinen Handel 
treiben konnten, oft ihren Gehalt weit ubersteigen. Alle waren aber ein- 
stimmig im Lobe Delareff s, der alles tat, um diese Harten zu mildern und 
jedenfalls fiir ihr materielles Wohlergehen soviel wie moglich sorgte. 

Der Verfasser behandelt auch ausfiihrlich Fauna und Flora des Gebiets. 
Er gibt an, dass die dort vorkommenden Bar en iiber die Meerenge heruber- 
geschwommen seien, welche die Insel von Alaska trennt, er wusste augen- 
scheinlich nicht, dass diese Kadiakbaren eine ganz besondere Art darstellen. 
Murmeltiere seien haufig, dagegen hatten die Polarfiichse bei Ankunft der 
Russen sehr abgenommen. Diese beiden Pelztiere seien die einzigen, welche 
die Russen selbstandig erbeuten konnten, zum Fang der Seepelztiere seien 
sie nicht geschickt genug. Von diesen sind am grossten die Seelowen, 8 Fuss 
lange und schwere Riesen, die sich auch dem Menschen gegeniiber mit ihrem 
scharfen Gebiss zur Wehr setzen. Das Fleisch wird getrocknet und von den 
Eingeborenen gegessen, doch schmecke es schlecht, nur der Kopf schmecke 
gekocht gut. Die Seebaren waren damals noch auf alien Inseln in grossen 
Herden vorhanden, obgleich der Wert ihres Felles jetzt anfing, bekannt zu 
werden. Das Fleisch, namentlich der jungen Tiere, sei wohlschmeckend. Am 
wertvollsten sei natiirlich die Seeotter Morskoi Bobre. Die ganz jungen Felle, 
Medvedka oder Barenzunge, haben langes, grobes, hellbraunes Haar und 
seien wertlos*). Die mittelgrossen, Kostlok, sind dunkel und wertvoll, 

*) Anmerkung: Diese ganz jungen Felle kommen jetzt nicht mehr in den 
Handel; vor etwa 30 Jahren kamen noch mehrere Hundert jahrlich nach London,, 
die, gerupft und sealartig gefarbt, ein sehr schones Pelzwerk abgaben. 



5. Kapitel. 



169 



am teuersten sind die ausgewachsenen, dunklen und silberspitzigen, Matka. 
Das Fleisch der jungen Tiere schmecke wie Spanferkel. Sauer bemerkt dazu: 
Es gibt keine mehr an der Kiiste von Kamtschatka, sie sind sell en auf den 
Aleuten, sie haben kiirzlich die Shumagin-Inseln verlassen und durch die 
heftige Verfolgung, verbunden mit der Frage ihres alleinigen Aufenthalts 
zwischen 45 und 60 Grad nordlicher Breite, ist vorauszusehen, dass in 15 Jahren 
keine mehr existieren werden. (Das war eine viel zu pessimistische Auf- 
fassung. D. V.) Seien doch die Seekiihe an der Kiiste von Kamtschatka 
und den Aleuten sehr haufig gewesen, und wenige Jahre nach der Entdeckung 
sei 1768 die letzte erlegt worden. 




Nome, Alaska. Das im Friihjahr zuerst eingetroffene Schiff. 

Er erwahnt auch den Reichtum der Gewasser an Walen, die von den 
Eingeborenen in ihren Leder-Baidaras gejagt und mit Speeren erlegt werden, 
ferner die Menge an Lachsen, Heilbutten, die 3 4 Zentner schwer werden etc. 
Auch Austern und Muscheln verschiedener Art sind sehr zahlreich, sie bilden 
die Hauptnahrung der Seeotter. 

Am 20. Juli wurde Kap St. Elias erreicht, und gemass der kaiserlichen 
Instruktion avancierte jeder Teilnehmer eine Stufe im Rang. 

Auch hier beschwerten sich die Eingeborenen bitter iiber die Bedriickungen 
der russischen Pelzjager, namentlich iiber ein Fahrzeug unter Steuermann 
Solutoff, welcher ihnen alle Felle einfach ohne jede Bezahlung weggenommen, 
ausserdem aus reinem Ubermut eine Anzahl Manner erschossen und mehrere 
Frauen gewaltsam mitgeschleppt hatte. 



170 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Von Prinz William- Sund kehrte die Expedition nach Kamtschatka zuriick, 
hier wurde Steuermann Pribiloff als Kapitan fiir das zu erbauende zweite 
Schiff von der Expedition in Dienst genommen. 

Im Jahre 1787 war dieser an Bord eines Handelsschiffes sowohl als Kom- 
mandeur fiir die Gesellschaft, als auch zum Einsammeln des Tributs von der 
Regierung ernannt worden. Er hatte durch die Ankunft vieler junger See- 
hunde von Norden schon in Unalaschka die Idee gefasst, dass dort grossere 
unbekannte Inseln seien und entdeckte nach nur 24 stiindiger Fahrt zunachst 
St. George und wenig spater St. Paul. Der ganze Strand und die umgebenden 
Felsen waren mit einer einzigen dichten, lebenden Masse von Pelzseehunden 
und Seelowen bedeckt. Mit leichter Miihe konnten sie ihr ganzes Schiff mit 
den Fellen beladen. Sie uberwinterten auf St. George und fanden dabei, dass 
die Inseln von Fiichsen wimmelten. 

Die Inselgruppe wurde nach dem Ent decker die Pribiloff genannt. Noch 
heute sind sie bekanntlich die Heimstatte des kummerlichen Restes der un- 
geheuren Sealherden. Im nachsten Jahre brach die Expedition von Billings 
im Juli 1791 auf und besuchte zunachst St. George und St. Paul. 

Hier hatte sich inzwischen die Luchanni Company niedergelassen, die 
den Seehundsfang betrieb. Von hier aus ging es nach St. Lawrence-Bai auf 
der Tschuktschen Halbinsel. Hier unternahm der Kommandeur eine Land- 
reise nach der Kolyma, wahrend die Schiffe nach Unalaschka zum Uber- 
wintern gingen. Dort litten alle stark an Skorbut, der Geissel aller Seefahrer 
der damaligen Zeit. Man kehrte deshalb sobald wie moglich nach Kamtschatka 
zuriick, nachdem die Eingeborenen 12 Seeottern und 500 Fuchsfelle als Tribut 
abgeliefert hatten. Sauer beklagt sich bitter iiber die grausamen Bedriickungen, 
welche die Eingeborenen von den Pelzjagern erleiden rmissen. Er beschreibt 
iibrigens, wie wenig zu solch einer Handels-Expedition gehort. Einige der 
Handler tun sich zusammen und erbauen in Ochotsk oder Nishny Kamtschatka 
eine Galeote, wobei ihnen noch aller moglicher Beistand von seiten der Re- 
gierung geleistet wird. Die Matrosen werden auf Gewinn-Anteil, nicht auf 
Ldhnung, angeworben. Die Ladung besteht gewohnlich aus 500 Pfund Tabak, 
100 Pfund Glasperlen, ein Dutzend Beilen, einigen Messern geringer Qualitat, 
einer ungeheuren Menge Fuchsf alien, als Provision wird nur wenig mitge- 
nommen, ein paar Schinken, etwas ranzige Butter, einige Sack Roggen- und 
Weizenmehl und ein Quantum getrockneter und gesalzener Lachs. Ein Teil 
der Mannschaft wird mit Biichsen be waff net. 

Sobald eine der bewohnten aleutischen Inseln erreicht ist, wird das Dorf 
einfach in Besitz genommen. Die Fallen werden an die Eingeborenen verteilt, 
welche Fiichse damit fangen miissen. Andere Abteilungen miissen Feuerungs- 
materialherbeischaffen, Fische fangen, Seetiere jagen, wahrend dieRussen sich 
ganz der siissen Ruhe hingeben. Die erwahnten Handelsartikel werden zu ge* 
legentlichen Geschenken an die Frauen verwendet, und manchmal erhalten auch 
die Manner nach schwerer Tagesarbeit je ein Blatt Tabak als Entschadigung* 



5. Kapitel. 171 



Seit Shelikoffs Ansiedlung auf Kadiak wurde aber diese Art Raubhandel 
mehr und mehr eingeschrankt. 

In Kamtschatka trafen sie die ,,Aligon", ein Handelsfahrzeug aus Ben- 
galen, mil einer Ladung Eisen, Takelwerk, Schiffsgerate etc., gerade wie es 
die Expedition brauchte. Der Gouverneur lehnte aber den Ankauf ab und 
zog es vor, die Sachen zum vierfachen Preise auf dem Landwege aus Russland 
kommen zu lassen, so dass die Englander mit voller Ladung wieder absegeln 
mussten. Die Expedition von Billings selbst war infolge seiner Unfahigkeit 
und der Aufsassigkeit der Tschuktschen ein vollkommener Misserfolg, weshalb 
er auch nach Jakutsk zuriickkehrt, wahrend die iibrigen Mitglieder der Ex- 
pedition auf dem Landwege nach Russland gehen sollten. 

Sauer gibt noch eine Preisliste der verschiedenen Artikel in Nishny 
Kamtschatka gegen die Kostpreise in Kasan an, z. B.: 

in Kasan in N. Kamtschatka 

Stiefel p. Paar 3 Rbl. 18 Rbl. 

Senf p. Pfund 6 Kop. 100 Kop. 

Lichte ,, 8 80 100 

Zucker ,, 50 3 Rbl. 

Tabak 5 3 

Mehl p. Pud 50 5 

Reis p. Pfund 10 ,, 100 Kop. 

Da der Gouverneur nur 600 Rubel Jahresgehalt, der Sekretar 300 Rubel, 
der Polizeichef 400 Rubel und einzelne Schreiber nur 24 Rubel beziehen, so 
miissen sie naturlich, um leben zu konnen, aus den Eingeborenen heraus- 
pressen, was moglich ist. 

Auf der Ruckreise besuchte Sauer noch den Amur und beriihrte den 
Ussuri und bespricht die grosse Bedeutung, welche diese Gegend einst haben 
wird. 

Im Marz 1794 war man endlich wieder in Petersburg angelangt. Die 
wissenschaftlichen Resultate dieser so kostspieligen Expedition waren aber 
nicht sehr bedeutend, da eben Billings in keiner Weise zum Leiter einer solchen 
geeignet war. 

Im Jahre 1790 hatte inzwischen Shelikoff eine grosse Handelsgesellschaft 
mit dem Stammsitz in Irkutsk organisiert. Die Kaiserin Katharina II. erliess 
einen Ukas, worin den Aleuten befohlen wurde, jahrlich eineAnzahl Baidackas 
zur Jagd zu stellen und alles erbeutete Pelzwerk ausschliesslich an die Shelikoff 
Company zu verkaufen, wo fur ihnen der Jassak erlassen werde. Eustachos, 
Delareff und Rasow wurden zu Direktoren ernannt. 

Die Spanier waren auch nicht mussig gewesen, um die Gegenden des 
heutigen Alaska und Britisch Columbia zu erforschen. Wie wir oben gesehen, 
hatten sie schon friiher mehrere Expeditionen ausgesendet. Seit 1790 begann 



172 



III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 



eine regere Tatigkeit. Leutnant Salvator Hidalgo sollte eine permanent e 
spanische Niederlassung am Nootka-Sund errichten, begniigte sich aber mit 
Forschungsreisen im Cooks Inlet, wahrend die Expedition unter Leutnant 
Quinger die Juan de Fuca-Strasse erforschte. 

Der Italiener Alexander Malespina untersuchte 1791 fur die Spanier 
in zwei Fahrzeugen die Kuste von Mount Edgecombe. 1792 sandte der Vize- 
konig von Mexiko drei Fahrzeuge: die Korvette ,,Aransasu" unter Leutnant 
Jacuto Caamano, den Schoner ,,Sutil" unter Leutnant Dionisio Alcalo Galiano 
und den Schoner ,,Mexicano" unter Leutnant Copetano Valdes nach Nootka, 




Alaska-Rauchwarenhandler mit dem Trapper liber die Fellausbeute verhandelnd. 

von wo aus dieselben Untersuchungsreisen langs der Kuste anstellten. Zugleich 
wurde der Kapitan Bodega y Quadra nach Nootka gesendet, um dort mit 
dem beruhmten englischen Forscbungsreisenden Vancouver wegen der ver- 
schiedenen spanisch-englischen Differenzen zu verhandeln. Denn wenn auch 
die Spanier sich wenig um den Pelzhandel in den von ihnen beanspruchten 
Gebieten bekummerten, taten dies desto mehr amerikanische und englische 
Unternehmungen, wie bereits im vorigen Abschnitt naher ausgefuhrt. Es 
gelang iibrigens schliesslich Vancouver, die Spanier zu bewegen, sich von 
Nootka zuriickzuziehen, wenn sie auch ihf e f ormellen Anspriiche nicht aufgaben. 
1792 war der ungemein fahige Grieche Eustrates Ivanowitsch Delareff,. 
dem allseitig ein vorziigliches Zeugnis ausgestellt wird, von der Leitung der 



5. Kapitel. 



173 



russischen Pelzhandelsgesellschaft in Alaska zuriickgetreten. An seiner Stelle 
wurde Baranoff allein erwahlt, der sogleich eine Ansiedlung in St. Paul-Bai 
auf Kadiak errichtete. 

Eine weitere russische Gesellschaft unter Stephan Zaikoff und Lebedeff 
Lastoschken setzte sich in Cooks Inlet und Bristolbay fest, indem sie be- 
hauptete, dass das der Shelikoff-Kompanie verliehene Pelzhandelsmonopol 
sich nicht bis hierher erstrecke. Es entstanden bald heftige Konflikte zwischen 
beiden Gesellschaften wegen der Pelzausbeute. Erst viel spater i'and eine 
Verschmelzung der beiden Gesellschaften statt. 




Eingeborene Fellhandler am Yukon (Alaska). 

1793 wurden durch Ukas der Kaiserin Missionare nach Alaska gesandt 
und zugleich auch Straflinge, die hier eine Ackerbau-Kolonie einrichten sollten. 
Mehrere Hundert wurden auf der Halbinsel Kenai und beim Kap St. Elias 
angesiedelt. Ihre agrikulturellen Erfolge waren sehr gering, die Sterblichkeit 
aber gross. Zugleich sandte Shelikoff 2 Schiffemit igoAuswanderern, 10 Jagern 
und ii Popen zur Ansiedlung nach Alaska. 

Die zahlreichen Monche und Missionare, die unter dem Archemandrit 
loasaph nach Alaska gekommen waren, mussten librigens schwer arbeiten, 
um ihren Lebensunterhalt zu erwerben, da die Pelzhandelskompagnie ihnen 
nicht nur jede Unterstiitzung verweigerte, sondern auch jeden Handelsbetrieb 
der Missionare mit den Eingeborenen strengstens verbot. 



174 IH- Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Der Bericht von Billings, der inzwischen in Petersburg eingetroffen war, 
iiber die Bedriickung der Eingeborenen durch die Pelzhandler, wurde durch 
die Beschwerde von Pater loasaph jetzt noch erganzt, so dass der Kaiser Paul 
ernstlich beabsichtigte, die Kompanie aufzuheben und nur durch grosse Be- 
muhungen davon abgebracht wurde. Schliesslich geschah gar nichts. 

Inzwischen hatte Baranoff eine Expedition nach der Behring-Bay gesandt, 
die von dort 2000 Seeotterfelle mitbrachte, worauf eine neue Ansiedlung mit 
30 sibirischen Ansiedlern dort geschaffen wurde, ,,Novija Rossia". Im Herbst 
1795 starb der Begriinder der Gesellschaft, Gregor Shelikoff. Seine Frau 
wurde President der Gesellschaft, doch da sie weder lesen noch schreiben 
konnte, zeichnete ihr Sohn Iwan Shelikoff als ihr Vertreter. 

1797 wurde eine Konkurrenzgesellschaft unter Mylnikoff organisiert, aber 
bereits im nachsten Jahre mit der iilteren Gesellschaft vereinigt. Sofort wurde 
durch Ladygin und andere eine neue Gesellschaft, die Atka Company, ge- 
griindet, fur welche Latoshkin eine Anzahl Forts an der Kuste errichtete. 
Aber 1799 trat ein Umschwung in der Gesinnung des Kaiser Paul ein. Er 
wurde Protektor der Pelzhandelsgesellschaft von Shelikoff. Eine Konzession 
fur 20 Jahre fur eine neuorganisierte Gesellschaft wurde in Petersburg erlassen. 

Er gab den Mitgliedern der alten Gesellschaft unter dem neuen Namen 
der ,,Russisch-amerikanischen Kompagnie" die Kontrolle iiber die Kiiste von 
Amerika, nodlich des 55. Grades nordlicher Breite, auf 21 Jahre mit der Auf- 
gabe, neben dem Pelzhandel noch Kolonisation, Ackerbau, die Erforschung 
des Gebietes und die griechisch-katholische Mission zu fordern. Die Aleuten 
wurden der Gesellschaft als Horige iiberwiesen, welche auf Befehl der Be- 
amten fur sie jagen mussten. Ausserdem musste jeder Erwachsene drei Jahre 
lang in den Dienst der Kompagnie treten. Alle erbeuteten Felle mussten an 
diese verkauft werden und zwar zu dem Preis, welchen die Gesellschaft aus- 
zusetzen fur gut fand. 

Die Eingeborenen von Kenai und Chugatsch mussten einen jahrlichen 
Tribut von Fellen liefern, brauchten aber nicht in den direkten Dienst der 
Gesellschaft treten. 

Die Leitung der Geschafte im Territorium wurde einem Chefdirektor 
iibertragen, zu dem Baranoff erwahlt wurde. Seine Residenz war in Kadiak 
und unter ihm waren in den anderen Distrikten Unteragenten, welche aus 
den Promyschleniks oder Pelzhandlern erwahlt wurden und ihm allein verant- 
wortlich waren. Die Autoritat des Chefdirektors war ziemlich jnbeschrankt 
und unterstand nur dem Direktorium in Irkutsk, welches die Regulationen 
erliess nach Genehmigung durch das kaiserliche Handelsministerium in Peters- 
burg. Diese Regulationen waren ziemlich human und wahrten auch die In- 
teressen der Eingeborenen und Angestellten. S ieblieben aber auf dem Papier 
stehen, denn Baranoff regierte als eiserner Autokrat, ohne sich im geringsten 
um die Vorschriften und Anordnungen des Direktoriums zu kiimmern. Be- 
schwerden konnten dieses Direktorium auch nie erreichen, da die gesamte 



5. Kapitel. 



175 



Korrespondenz durch seine Hand ging und von den Angestellten niemand 
wieder nach Russland zuriickkehrte. Sagte doch wenig spater Krusenstern, 
der auf seiner Forschungsreise die Kolonie besuchte: ,,Nur Vagabunden und 
Abenteurer tret en in denDienst der Kompagnie als Pelzhandler, denn sie miissen 
ein uberaus elendes Leben fuhren, und nur sehr wenige haben je die Aussicht, 
wieder russischen Boden zu betreten." Das Kapital der Gesellschaft betrug 
iibrigens nur 98 ooo Silberrubel. 

Bei der Ubersiedlung ging das Schiff ,,Feme" mit dem Bischof loasaph 
und 88 Passagieren, den samtlichen Geistlichen der Kolonie, zugrunde. An der 




Strasse in Nome (Alaska). 

neuen russisch-amerikanischen Gesellschaft waren Iibrigens fast samtliche 
Handler des Gebiets beteiligt. 

1799 durchforschte Khwostoff mit dem in Amerika gebauten Schiff der 
Kompagnie, ,,St. Demetrius", den Alexander- Archipel und erhielt hier eine 
sehr grosse Menge feiner Seeotterfelle, ebenso erbeutete eine Partie Aleuten 
sehr wert voile Felle in der George- Strasse. Baranoff besuchte deshalb Sitka 
personlich, errichtete hier eine befestigte Faktorei, das Fort Erzengel Gabriel 
und nahm von dem ganzen Gebiet im Namen Russlands Besitz. Dieses Fort 
wurde bald ein Emporium des Pelzhandels. Hier versammelten sich von Zeit 
zu Zeit die verschiedenen Handler von ihren einsamen Post en in der Wildnis, 
um die Geniisse der Zivilisation auszukosten, wobei ein unbegrenzter Konsum 
von Wodka in erster Linie stand. 



176 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

1801 wurde das Hauptdirektorium der russisch-amerikanischen Kompagnie 
von Irkutsk nach Petersburg verlegt. 7350 neue Aktien von je 500 Silber- 
rubelwurden ausgegeben, von denen Kaiser Paul, die Kaiserin und Grossfiirst 
Constantin jeder 20 Aktien ubernahmen. 

Im gleichen Jahre wurde die Petersburger Bank durch einen Kaiserlichen 
Ukas veranlasst, der Gesellschaft 250 ooo Silberrubel zum gesetzlichen Zinsfuss 
auf 8 Jahre zu leihen. 

1802 wurde der Kompagnie das Monopol fur den gesamten sibirischen 
und russisch-amerikanischen Pelzhandel verliehen. Nicht so gut ging es aber 
in dem neuen Besitztum Sitka, die dort ansassigen kriegerischen Thlinketts 
waren nicht so geduldig wie die Aleuten, sie emporten sich gegen die sie be- 
driickenden Russen, zerstorten das Fort und toteten samtliche Offiziere und 
30 Mann, das aufgespeicherte Pelzwerk liessen sie unberiihrt, doch eignete 
sich das der zwei Tage spater eintreffende englische Kapitan Barlow an, der 
auch noch 2 Russen, 2 Aleuten und 18 Farmer rettete, wofiir er aber von der 
russisch-amerikanischen Gesellschaft em exorbitantes Losegeld forderte. 

Eine Partie von 450 Aleuten unter Fuhrung des Russen Kuskoff wurde 
ebenfalls von den Thlinketts uberf alien und 5 Russen dabei getotet. Eine 
weitere Expedition von 90 Kajaks unter Urbanoff ging es noch schlimmer. 
Nur Urbanoff und 22 Aleuten entkamen den wiitenden Thlinketts. Jetzt 
schritt man auch in Petersburg ein. Zunachst erhielt das Kaiserliche Finanz- 
bureau Auftrag, dem Direktorium loo ooo Rubel zur Verfiigung zu stellen, 
ferner wurden die Regierungsschiffe ,,Nadeshda" und ,,Newa" unter Kapitan 
Krusenstern und Lisiansky von der Newa aus nach dem Schauplatz der Un- 
ruhen gesandt. Zugleich aber wurde auch der Kaiserliche Kammerherr Graf 
Nikolai Petrowitsch Rezanoff als Regierungskommissionar ,,zur Abstellung 
von Missstanden und der besseren Verwaltung der Kolonie" hingesandt. 

Er ging zunachst mit Krusenstern auf der ,,Nadeshda" nach Kamtschatka 
und versuchte von hier aus vergeblich Handels- und diplomatische Beziehung 
mit Japan anzukmipfen, doch wurde die Landung in Japan nicht gestattet, 
und sie mussten unverrichteter Sache nach Petropowlawsk zuriickkehren. 

Lisiansky griff unterdessen mit der ,,Newa", unterstiitzt von Baranoff, 
mit 1 20 Russen 4 Kompanie-Fahrzeugen und 800 Aleuten in Kajaks die 
Thlinketts an, die nach heftiger Beschiessung und vergeblichem Versuch der 
Russen, ihre Position durch Sturm zu nehmen, schliesslich aus Munitions- 
mangel zur Unter werfung gezwungen wurden. Auf den Felsen, welche die 
Indianer so mannhaft verteidigt hatten, errichtete Baranoff ein neues Fort, 
Archangel. Die Ansiedlung erhielt den Namen Neu- Archangel. Ganz waren 
die Eingeborenen aber noch nicht unterworfen, und es kam noch haufig zu 
blutigen Zusammenstossen mit den russischen Angestellten, von denen jetzt 
470 in der Kolonie tatig waren. Zum Herbst 1804 traf der Kaiserliche Kom- 
missar, Graf Rezanoff, in Kadiak ein und fuhrte trotz des heftigen Wider- 
standes des autokratischen Baranoff zahlreiche Reformen ein. So errichtete 



5- Kapitel. 



177 



cr Schulen in Kadiak, richtete einen Gerichtshof in der Kolonie ein und ordnete 
an, dass die Aleuten ihre Bezahlung in Geld, nicht, wie vorher, in Waren er- 
halten sollten. Er fiihrte auch Papiergeld, kleine Stiickchen Pergament, mit 
dem Stempel der Kompagnie versehen, in der ganzen Kolonie als gesetzliches 
Zahlungsmittel ein. Alle Zeitgenossen schildern Rezanoff als eine hervorragend 
glanzende Personlichkeit von umfassender Bildung und ungewohnlichem Ver- 
waltungstalent, der auf seine ganze Umgebung einen bedeutenden Einfluss 
aasiibte. Bald nach seinem Eintreffen brach Hungersnot in der Kolonie aus. 
Kurz entschlossen kaufte er das amerikanische Schiff ,,Juno" mit seiner 




Renntierschlitten mit Fellen beladen in Alaska. 

Ladung Mehl und Provisionen, welche er unter die Ansiedler verteilte. Er 
selbst segelte nach Kalifornien, um dort Lebensmittel zu kaufen und einen 
Platz zu einer russischen Niederlassung zu erwerben. Er kam nach dem welt- 
entlegenen San Franzisko oder, wie es damals hiess, Yerba Buena, wie ein 
Wesen aus einer anderen Welt. Anfanglich trat ihm der Gouverneur, Don 
Louis de Arquello, ein typischer, alter Hidalgo, sehr kuhl entgegen, aber ein 
Liebesidyll entspann sich zwischen seiner schonen Tochter und dem glanzenden 
Offizier Rezanoff. Eine offentliche Verlobung fand statt, und der Gouverneur 
schloss nun einen Vertrag zur regelmassigen Lieferung von Vieh und sonstigen 
Lebensmitteln fur die russische Kolonie ab. Ja, es gelang auch Rezanoff, der 

12 



178 III. Geschichte des -russischen Ranch warenhandels. 

den Wert des Landes sofort erkannte, eine grosse Strecke Landes an der Bai, 
wo sich heute die Palaste von San Franzisko erheben, zu erwerben. 

Zur Heirat musste er aber den Kaiserlichen Konsens haben, und unge- 
duldig, um nicht auf die lange briefliche Erledigung zu warten, kehrte er nach 
Sitka zuriick, ging sofort nach Kamtschatka und von hier aus noch im Winter 
auf dem Landwege nach Petersburg. Er hatte sich aber zu viel zugemutet 
und starb auf der Reise in Krasnojarsk an den Folgen einer Erkaltung am 
i. Marz 1807. Es wird iibrigens berichtet, dass seine Braut viele Jahre nichts 
von seinem Tode erfuhr und alle Bewerbungen um ihre Hand zariickwies 
und bis in ein hohes Alter hinein taglich sich an die Bai begab, um die Riick- 
kehr des Verschollenen zu erwarten. 

Baranoff war aber sehr erfreut uber den Tod Rezanoffs, und seine erste 
Handlung war, samtliche Reformen wieder aufzuheben und weiter mit der 
eisernen Hand zu regieren. Es gelangten Klagen iiber Klagen nach Peters- 
burg, so dass schliesslich das Direktorium 1808 einen neuen Generaldirektor, 
Koch, hinaussandte, um Baranoff abzusetzen. Er starb aber bereits auf der 
Reise in Kamtschatka, und Baranoff setzte seine Tatigkeit ungehindert fort. 

Baranoff war, wenn er auch als eiserner Autokrat regierte, doch immer 
darauf bedacht, die Interessen der Gesellschaft zu fordern und den Pelzhandel 
auszudehnen. So entsandte er 1808 zwei Schiffe unter Kuskoff nach Siiden, 
nach der Miindung des Columbia, um dort Felle einzuhandeln, die mit reicher 
Ausbeute zuriickkehrten. Ebenso charterte er ein amerikanisches Schiff, 
,,The Mercury", unter Kapitan Erse zu dem gleichen Zwecke, und auch dieses 
war erfolgreich, dagegen gelang es ihm nicht, die kriegerischen und gereizten 
Thlinketts zu versohnen und zum Pelzhandel mit den Russen zu veranlassen. 
Eine Expedition von 100 Baidarkas unter Schutz zweier bewaffneter Schoner 
wurde blutig von den Indianern zuriickgewiesen. 

1804 wurde ein neues Fort auf Sitka gebaut, ,, Archangel Michael Redout", 
und die Kolonie erhielt jetzt den Namen ,,Novo Archangelsk". 1806 wurde 
die Gesellschaft wiederum erweitert, die Petersburg er Bank lieh weitere 
300 ooo Silberrubel (damals gait der Rubel noch 3,20 Mark), und die Kompanie 
erhielt das Recht, die russische Kriegsflagge zu fiihren, worauf viele Marine- 
offiziere in ihre Dienste traten. Um dem grossen Ubelstand abzuhelfen, dass 
samtliche Provisionen fur die Kolonie von den fernen heimatlichen Gestaden 
der Ostsee herbeigeschafft werden mussten, wurde 1810 der schon friiher er- 
wahnte Vertrag mit Joh. Jakob Astor abgeschlossen. Dieser verpfhchtete 
sich, samtliche erf or der lichen Lebensmittel fur die russischen Niederlassungen 
zu liefern und Pelzwaren dafiir in Zahlung zu nehmen, sowie ferner die Pelz- 
ausbeute der russischen Handelsposten kommissionsweise in Kanton zu ver- 
kauf en . 

Der gewalttatige Druck Baranoffs verursachte 1809 eine Meuterei unter 
den Russen, unter Fuhrung von Naplokoff und Popoff. Baranoff sollte ge- 
totet werden, und die Verschworer wollten sich eines Schiffes der Kompanie 



5- Kapitel. 



179 



bemachtigen und nach den Siidsee-Inseln segeln. Am Abend vor Ausbruch 
der Verschworung verriet indessen ein Teilnehmer, ein gewisser Leschinsky, 
das Komplott. Die Radelsfuhrer wurden verhaftet und von Baranoff zum 
Tode verurteilt. Auch eine Verschworung der Aleut en zur Befreiung von der 
russischen Herrschaft wurde durch ein eingeborenes Weib verraten, die ihren 
Geliebten retten wollte! 

Die Beschwerde eines angesehenen Halbblut-Eingeborenen, Peter 
Shydekin, erreichte zwar diesmal Petersburg, aber ohne Erfolg. 




Eskimos, die Felle nach Nome (Alaska) gebracht haben. 

Baranoff errichtete jetzt ,eine leistungsfahige Schiffswerft auf Sitka, auf 
der Schiffe wie die ,, Disco very" von 306 Tonnen^ der ,,Chirckoff" von 120 
Tonnen und eine Reihe von Schonern, Briggs etc. gebaut wurden. 

1810 kam es zu einem erbitterten Kampfe zwischen einer Handels-Expe- 
dition unter Kuskoff und den bedriickten Insulanern, die von einem amerika- 
nischen Handelsfahrzeug unter Kapitan Gale unterstiitzt wurden. Die Russen 
mussten sich unter Verlust der ganzen Pelzausbeute zuriickziehen, welche 
von den Amerikanern als gute Beute an Bord genommen wurden. Baranoff 
hielt es jetzt an der Zeit, die Plane von Rezanoff aufzunehmen. Er wandte 
sich an die spanische Regierung mit der Bitte, ihm ein Stuck Land in Kali- 
fornien zur Anlage einer landwirtschaft lichen Kolonie zu verkaufen. Das 



12 = 



I So III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Gesuch wurde prompt abgeschlagen. Aber Spanien war weit und Baranoff 
nah. Er sandte eine Expedition unter Kuskoff nach Kalifornien, welch e sich 
einfach, ohne zu fragen, an dem kleinen Hafen Bodega in Kalifornien nieder- 
liess. Hier wurde ein Fort errichtet und von Kuskoff mit 20 Russen und 
50 Kadiak-Insulanern besetzt. Windmuhlen wurden errichtet und grosse 
Strecken des fruchtbaren Landes mit Weizen bestellt, Kinder, Pferde und 
Schafe geziichtet und regelmassig Lebensmittel von hier nach Sitka gesandt. 
Hiermit aber nicht zufrieden, errichtete Kuskoff hier eine grosse Warennieder- 
]age und betrieb ganz of fen Schleichhandel mit den spanischen Niederlassungen 
und der Kiiste. Trotz aller offiziellen Proteste driickten iibrigens die lokalen 
Behorden ein Auge zu, da sie, von Spanien stets aufs schmahlichste im Stich 
gelassen, hierbei die einzige Moglichkeit hatten, sich mit War en zu versorgen. 
Von Spanien resp. Atapulco oder San Bias in Mexiko kam nur alle paar Jahre 
ein Fahrzeug mit den notwendigsten Bedarfsartikeln. 

Kuskoff liess auch seine Kadiak-Insulaner langs der ganzen kalifornischen 
Kiiste Seeottern fangen. Ja selbst durch das Goldene Thor drangen die flinken 
Baidarkas und durchsuchten unter den Augen der Behorden die wundervolle 
Bai von San Franzisko, am Strande von ,, Yerba Buena" dem kostbaren 
Wilde nachstellend. Etwa 3000 Seeottern wurden damals jahrlich allein 
in Kalifornien erbeutet und durch ein Schiff der Kompanie nach Canton 
gebracht, wo sie im Durchschnitt mit 60 Dollar bezahlt wurden, und zwar die 
geringeren mit 35, die besseren mit 80 Dollar. 

Die Spanier protestierten, wie gesagt, bei Kuskoff fortwahrend iiber die 
Anlage der Forts und der ,,Ross Colonja", wie die Ansiedelung genannt wurde, 
dieser kummerte sich aber um nichts und wies sie einfach an seinen Herrn, 
Baranoff. Baranoff sollte 1813 wieder einmal wegen seiner Ubergriffe abge- 
setzt und ein gewisser Baron Walokoff von Petersburg hinausgesandt werden, 
um ihn abzulosen. Er schiffte sich in Ochotsk auf dem Schiff der Kompanie, 
,,Neva", Kapitan Poduschkin in Ochotsk, ein. Ungefahr bei Sitka strandete 
das Fahrzeug aber, und Walokoff ertrank mit 37 Gefahrten. Nur 25 Mann 
wurden gerettet. Auch die Thlinketts, welche einen allgemeinen Kreuzzug 
gegen die Russen planten, wurden jetzt einmal grimdlich geschlagen. Die- 
selben wurden nun auch bewogen, den Pelzhandel mit den Russen wieder 
aufzunehmen, und wurden ihnen auch hohere Preise fur die Felle bewilligt. 
Trotzdem wurde jetzt eine Spezial-Kommission zur Untersuchung der Ange- 
legenheit der Russisch-amerikanischen Kompagnie eingesetzt. 

Jetzt traf Baranoff ein Schlag nach dem andern. Er kaufte drei amerika- 
nische Schiff e fur die Gesellschaft an, den ,, Trevor", den ,,Behring" und den 
,,Ilmen". Der ,, Trevor" musste als seeuntiichtig in Sitka kondemniert werden. 
Der ,,Behring", den Baranoff nach den Sandwichinseln sandte, um dort 
wichtige Beziehungen anzukniipfen, strandete auf Attiua in den Sandwich- 
inseln. Der ,,Iljnen", der nach dem Ross Settlement gesandt war, wurde 
von einem spanischen Zoll-Kreuzer beim Schmuggeln iiberrascht und der 



5. Kapitel. 181 



Supercargo, ein Amerikaner John Elliot de Castro, mit einer Anzahl der Mann- 
schaft gefangen gesetzt. 

In Petersburg hatte 1815 Graf Romanzoff das Kriegsschiff ,,Rurik" auf 
seine Kosten zu einer wissenschaftlichen Expedition nach Russisch-Amerika 
ausgeriistet, unter Befehl des Kapitans Kotzebue, ein Sohn des bekannten 
deutschen Schriftstellers. An Bord befanden sich der deutsche Arzt und 
Naturforscher Eschholz, unser Dichter Chamisso als Botaniker und der deutsche 
Login Choris als Maler. 

Chamisso hat uns eine sehr interessante Schilderung der Reise hinter- 
lassen, trotzdem er sich an Bord nicht glucklich fiihlte und gleichzeitig unter 
der Seekrankheit und den kleinlichen Tyranneien Kotzebues zu leiden hatte. 
Am 19. Juni 1816 wurde Petropawlowsk erreicht, von hier aus die Behring- 
strasse, St. Lorenz-Inseln, besucht und der grosse Sund erforscht, welcher 
Kotzebues Namen tragt, Letzterer bildet die nordlichste Grenze des Vor- 
kommens der Seeotter. Sodann wurde in Unalaschka langerer Aufenthalt ge- 
nommen. Einer der Schoner der Russisch-amerikanischen Kompanie, der 
zwischen Unalaschka und Sitka Pelzhandel trieb, war iibrigens von einem 
Danziger Kapitan Binzemann befehligt. 

Zum Herbst wurde Kalifornien aufgesucM, da verschiedene Differenzen 
zu ordnen waren und zunachst San Franzisko angelaufen, wo der Kommandant, 
Don Luiz Arguella, der Bruder der aus der Romanze mit Rezanoff bekannten 
Conita Arguella, sie sehr freundlich empfing. 

Der Gouverneur kam von Montery herauf, und Kuskoff kam gleichfalls 
von seiner Ansiedlung Bodega herab. 

Der Gouverneur Don Parlo Vinciente de Sola lieferte an Kotzebue nicht 
nur den gefangenen Supercargo der ,,Ilmen", John Elliot de Castro, aus, 
sondern auch noch mehrere Aleut en und Russen, die beim Schmuggeln und 
beim Seeotterfang gefangen genommen waren. Die Verhand lung iiber Raumung 
von Bodega durch die Russen verlief im Sande. Kuskoff erklart sich zur 
sofortigen Raumung bereit, sobald er von Baranoff Auftrag hierzu hatte. 
Kotzebue erklart sich zum Einschreiten nicht berechtigt, und so wurde nur 
ein Protokoll auf gesetzt und an den Konig von Spanien und den Kaiser von 
Russland eingesandt. Hier wurde das Schriftstiick prompt im Archiv be- 
graben, der Gouverneur von Kalifornien erhielt einen hohen russischen Orden, 
und damit war die Sache vorlaufig erledigt. Um Gewalt zu gebrauchen, waren 
die Spanier in dieser Gegend viel zu schwach. 

Im Lauf der Weiterreise wurden auch die Pribiloff-Inseln St. Paul und 
St. George besucht. 

Schon damals machten amerikanische Kapitane von Zeit zu Zeit Lan- 
dungen auf den Inseln, um, nachdem sie die Wacher unter Branntwein gesetzt 
hatten, eine Ladung Seehundsfelle einzunehmen. Dann wurde infolge Er- 
krankung Kotzebues die Heimreise angetreten. 



182 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Im Norden hatte Baranoff jetzt mehrfach Ungliick. Das Schiff der Kom- 
panie, ,, Maria Magdalena", scheiterte bei Ochotsk, doch gelang es, dieLadung 
von wertvollem Pelzwerk zu. retten. 

Baranoff resignierte endlich 1818, 80 Jahre alt, und gab seine Stellung als 
Direktor der Gesellschaft, die er mit eiserner Autoritat 27 Jahre lang bekleidet 
hatte, ab. Auf der Heimreise starb er auf Batavia, ohne die Heimat wieder- 
gesehen zu haben. An seine Stelle trat Kapitan Leontius Andrianowitsch 
Hagemeister, der aber sehr bald abdankte, nachdem er einige der Rezanoff- 
schen Reformvorschlage eingefiihrt hatte, namentlich die Barbezahlung der 
Jager an Stelle der Warenlieferungen. 

Leutnant Tannoffsky wurde jetzt Direktor, und Kapitan Golofnin wurde 
ersucht, einen Bericht an den Kaiser liber die Verhaltnisse in Alaska zu er- 
statten. Nach Eintreffen dieses Berichts wurde den Ubergriffen der Handler 
und der Selbstherrschaft des Direktors ein Ende gemacht. Er war von jetzt 
ab der Krone direkt verantwortlich. 

Nun trat ein neuer Aufschwung ein, zahlreiche Expeditionen er- 
forschten sowohl das Festland, als die Inseln. Die Russisch-amerikanische 
Kompanie besass jetzt fiinf Handelsforts auf den Aleuten, vier an Cooks 
Inlet, zwei am Chugart Golf und eins auf der Baranoff-Insel bei Sitka. 

Ausserdem hatte die Ansiedlung der Gesellschaft in Kalifornien, dieRoss- 
Niederlassung in Bodega, grossen Umfang angenommen. Ein starkes Fort 
schiitzte die Felder, in ausgedehnten Garten wurden Friichte und Gemiise, 
auf den Feldern Weizen gezogen, sowie viel Vieh geziichtet; alles fur den 
Bedarf der Ansiedlungen in Alaska. Es war dies iibrigens der erste Weizenbau 
in Kalifornien und ebensowenig, wie man sich damals von dem Goldreichtum 
unter den Fiissen traumen Hess, dachte man daran, dass Kalifornien 
einst eines der reichsten Weizenproduktionslander werden sollte, und dass 
sich an den Ufern der Bay, auf der die Spanier nicht einmal ein Boot besassen, 
eine Weltstadt erheben sollte, wo die Handelsflotten der ganzen Welt zu- 
sammenstromen wurden. An die Spitze des Ross Settlements trat jetzt ein 
Deutscher, Schmidt, an Stelle Koskoffs. 



III. 

Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

6. Kapitel. 

1821 wurde der Freibrief der Russisch-amerikanischen Kompagnie durch 
kaiserlichen Ukas auf 20 Jahre verlangert und zugleich die Kompagnie reorgani- 
siert. Die gesamte amerikanische Kuste nordlich vom 50. Grad und die ge- 
samte Ostkiiste Asiens nordlich vom 45. Breitengrade wurde zum russischen 
Gebiet erklart und jedem Fremden die Annaherung bis auf 100 Seemeilen 
von der Kiiste verboten. Sowohl England als die Vereinigten Staaten pro- 
testierten dagegen, aber russische Kriegsschiffe wurden in die Behringsee 
gesandt, um die Durchfiihrung des Ukas zu erzwingen. 

Der russische Kreuzer ,, Apollo" beschlagnahmte auch die amerikanische 
Brigg ,, Pearl", die des Pelzhandels halber von Boston nach Sitka entsendet 
war, was zu einer langdauernden diplomatischen Kontroverse zwischen Russ- 
land und den Vereinigten Staaten fuhrte. Gerade bei dieser Gelegenheit er- 
klarte der President Monroe seine beruhmte Doktrin, die noch heute so 
unliebsame Folgen hat. Endlich 1824 kam es zu einem Vertrage: der Nord- 
pacific sollte den Angehorigen beider Nationen zu Fischfang, Handel und 
Schiffahrt offenstehen, nur sollten die Handelsstationen der einzelnen Nationen 
von Untertanen der anderen Nation und mit Zustimmung des jeweiligen 
Kommandanten besucht werden. An die Eingeborenen durften weder Waff en, 
Munition, noch Alkohol verkauft werden. Die Russen verpflichteten sich, 
keine Ansiedlung siidlich vom 54. Grad und die Amerikaner, keine nordlich 
von diesen Breitengraden anzulegen. Nach 10 Jahren konnte Russland die 
Erlaubnis zu Schiffahrt in ihren Gewassern zuruckziehen. Die Brigg ,, Pearl" 
mit ihrer Pelzladung wurde freigegeben. 

1825 wurde eine ahnliche Konvention zwischen Russland und Gross- 
britannien abgeschlossen. 

In dieser Konvention wurde die siidlichste Grenze des russischen Pelz- 
warenhandels auf den 54. Grad 40 Min. nordlicher Breite festgesetzt, sonst 
waren die Bestimmungen die gleichen, wie im russisch-amerikanischen Vertrage. 

Im Jahre 1826 wurde eine weitere russische Forschungsexpedition 
unter Kommando des Kapitans Fr. Liitke in der Korvette ,,Seujanin" nach 
dem nordlichen Pacific entsandt. 



184 



TIT. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 



Es waren der Expedition auch drei Naturforscher mitgegeben, lauter 
Deutsche, Kittlitz, Postels und Mertens. Dem ersteren verdanken wir ein 
interessantes Werk iiber diese Reise, mit sehr schonen Zeichnungen von seiner 
kundigen Hand. Auch ein Sohn des russischen Admirals Krusenstern nahm 
an der Expedition teil. Brasilien und Chile wurden besucht und auch wissen- 
schaftliche Beobachtungen dort angestellt. Von Valparaiso ging die Reise 
bis Sitka ohne jeden Aufenthalt, fur die damalige Zeit eine gewaltige Leistung, 
die etwa 80 Tage in Anspruch nahm. Zunachst wurde am 24. Juni Norton 
Sound erreicht und erst in Neu-Archangel Anker geworfen, wo das fur 




Eskimos in Alaska 
ihr Whaleboot zu Wasser bringend. 

die dortigc Gegend grossartige Schloss der Russisch-amerikanischen Ge- 
sellschaft, wenn auch aus Holz gebaut, durch seine die Holzhauser der Kolo- 
nisten und die Hiitten und Zelte der Indianer weit iiberragende Lage einen 
gewaltigen Eindruck auf Kittlitz machten. 

Die Indianer gingen damals immer gut bewaffnet, nur waren Feuer- 
waffen selten, da die Russisch-amerikanische Kompanie den Eingeborenen 
solche nicht liefern durfte, und nur von den amerikanischen Schiffen solche 
erhalten werden konnten. Namentlich die Munition war sehr wertvoll. Friiher 
war zwischen den Russen und den Eingeborenen immer eine Art lat enter 
Kriegszustand gewesen, erst seit der Gouverneur Maraview 1822 die Nieder- 
lassung von Indian er-Gemeinden in unmittelbarer Nahe der russischen Ge- 
meinden erlaubte, wurde der Zustand ein besserer. Alles lebte librigens von 
den Fischen und der Jagd auf Pelztiere, deren Felle aber an die Kompanie 
abgeliefert werden mussten. Ubrigens klagt Kittlitz schon damals iiber das 
Seltenerwerden der Seeotter und des Bibers, der ja heute ganz von den Kiisten- 
distrikten Alaskas verschwunden ist. Die Fischerei wurde damals schon im 



6. Kapitel. 



grossen ausgebeutet, wenn sich auch noch niemand von der grossen Bedeutung 
der Lachsindustrie traumen liess. Die Gesellschaft hatte zu diesem Behufe 
das Fort Oserskoi redoute eingerichtet und auch bei den Eingeborenen statt 
der althergebrachten, einsitzigen Baidarka (genau wie der gronlandische Kayak) 
die dreisitzigen eingefuhrt, eine grosse technische Verbesserung. Auf Sitka 
erwahnt auch Kittlitz das Vorkommen von zwei grossen Barenarten, einer 
schwarzen und einer grauen, die beide den Menschen sehr gefahrlich seien, 
sowie der zwei grossen Marderarten (der amerikanische Zobel und der virgi- 
nische Iltis), ferner die Wollziege, die Wildschafe und eine grosse Murmeltier- 








Eskimos in Baidarka bei St. Michaels (Alaska). 

art, deren Felle viel von den Eingeborenen zu Kleidungsstucken benutzt 
wurden. 

Die Ansiedlung in Unalaschka war lange nicht so ansehnlich, wie in Neu- 
Archangel, da die wenigen Gebaude der Kompanie nur zum Teil aus Holz- 
hausern bestanden, die Mehrzahl bestand nach Art der Aleutischen Wohnungen 
aus mit Rasen bedeckten Erdhiitten. 

Von hier aus wurde Petropawlowsk auf Kamtschatka angelaufen, das 
damals von der Regierung sehr vernachlassigt wurde. 

Die Regierungsmacht bestand aus einem Flottenkapitan als Gouverneur, 
einem Major als Vizegouverneur, zwei Leutnants und einem Stabsarzt. Da- 



1 86 



III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 



neben war fur ganz Kamtschatka nur ein Isprawnik oder Gerichtsamtmann 
mil einigen Schreibern und einem Postmeister, der aber nur zweimal im Jahre 
eine Post abzufertigen hatte, einmal im Sommer zur See nach Ochotsk und 
einmal im Winter per Hundeschlitten nach den nordlichen Ansiedlungen. 

Es gab ausserdem noch einige Pelzhandler und Angestellte der Kompanie, 
sowie Matrosen usw., im ganzen eine Einwohnerzahl von 200 Kopfen. Die 
samtlichen Angestellten, die sehr schlecht bezahlt wurden, trieben ausser 
Viehzucht und Gartenbau noch im Winter Zobelfang als Nebenerwerb und 
erhielten sie damals 15 Rubel pro Fell. Als Merkwurdigkeit erwahnt Kittlitz 
auch, dass man in dieser russischen Kolonie gar kein russisches Geld kannte, 
sondern nur hollandische Dukaten und spanische Dollars zirkulierten. 

Den Winter verbrachte die ,,Seujanin" in den Sudseeinseln und besuchte 
auch die Bonin-Insel, die damals noch nicht Japan gehorte und auch noch 




Ankunft der Hundepost vom Norden in Nome (Alaska). 

nicht jene Kolonie kiihner Seehunds- und Seeotter-Jager besass, welche spater 
ihren Namen in alien Fangkreisen beruhmt machte. 

In Petropawlawsk trennte sich Kittlitz von der Expedition, um Kam- 
tschatka zcologisch zu untersuchen. 

Seine Forschungen erganzten die fruheren von Pallas. Er erwahnt 
iibrigens das haufige Vorkommen des grossen Tarbagan-Murmeltieres, die auf 
den Grashangen der Berge ihre ausgedehntenBauten haben. Merkwiirdigerweise 
kommen jetzt gar keine Murmelfelle von Kamtschatka in den Handel. Die 
Kittlitzschen Zeichnungen geben iibrigens zum ersten Male eine Idee von der 
landschaftlichen Schonheit der waldumrahmten kamtschadalischen Flusse. 
Auch die alte Niederlassung Bolscheresk wurde von ihm besucht, die aber 
schon damals fiir den Handel sehr wenig Bedeutung hatte. 

Noch kurz vor der Abreise gelang es ihm, in Awetscha einer Zobel- 
jagd beizuwohnen, die hier mit besonders dazu abgerichteten Hunden betrieben 
wurde. Daindiesem Jahre die Zedernusse auf den schwer zuganglichen Berg- 



6. Kapitel. 



I8 7 



waldern schlecht geraten waren, hatte sich der Zobel in die niedriggelegenen 
Birkenwalder gezogen, wo der Fang leichter ist. Die Zobel nahren sich eben 
vorwiegend vonVegetabilien, und nur nebenbei werden Mause, junge Vogel usw. 
verzehrt. 

Wahrend seiner Abwesenheit war die ,,Seujanin" weit an der Kiiste von 
Kamtschatka nordlich vorgedrungen bis zur Behringstrasse und wurde nun 
die Heimreise iiber die Karolinen angetreten. 

1829 wurde eine wichtige Neuerung bei der Russisch-amerikanischen 
Kompanie eingefuhrt, indem sie alle Ankaufe fremder Waren und Lebens- 
mittel mil Wechseln auf Petersburg statt, wie bisher, mit Pelzwerk bezahlte. 

1831 wurde der spater so beriihmte Forscher Baron Wrangell Direktor 
der Kolonie. 



w * 







Eskimos im Weiberboot bei Cap Prince of Wales (Alaska). 

Unter ihm wurde 1832 Sitka als Hauptort der Kolonie und zum Sitz 
des Direktors und des Haupt-Depots der Russisch-amerikanischen Kompanie 
erwahlt. Ausserdem aber nodi der wichtige Handelsposten St. Michaelis 
redout e am Norton Sound errichtet, verschiedene andere Handelsposten 
angelegt undzahlreiche Handels- und Forschungsexpeditionen ausgesandt. 

Es machte sich jetzt auch auf den Prybeloffinseln ein starkes Abnehmen 
der wertvollen Seehunde bemerkbar, die bis dahin zu vielen Hunderttausenden 
jahrlich von den Russen erschlagen wurden. Die Kompanie verkaufte dieselben 
fur 2 3 Rubel pro Fell nach Amerika, England und China, wahrend die Leute 
10 Kopeken fur jeden erlegten Seehund erhielten. 

Da fuhrte der zweite Direktor der Kompanie, Muravieff, Reformen ein, 
Hess jahrlich nur eine bestimmte Anzahl junger Tiere schlagen, um die Zahl 
der Herde wieder zu heben. Gewissenlose Aufseher auf den Inseln aber 
hinderten diese Reformen, indem sie amerikanischen und anderen Schiffen 



i88 



III. Geschichte des russischen Ranch warenhandels. 



gegen Bestechung erlaubten, soviel Seehunde zu nehmen, wie sie wollten. 
Im Jahre 1834 hob auch die russische Regierung die freie Schiffahrt, die 
im Vertrage von 1824 amerikanischen Handlern zugestanden war, auf, da 
vielfach Feuerwaffen und Spirituosen an die Eingeborenen verkauft worden 
waren. Der amerikanische Gesandte protestierte vergeblich dagegen, es 
blieb bei der Aufhebung. 

Jetzt kam es auch zu einem Konflikt mil England durch das Vorgehen 
der Hudsonsbay Company, wie ich bereits in einem fruheren Kapitel (Ge- 
schichte des Rauchwarenhandels in Nordamerika) erzahlt habe. 

Diese hatte beschlossen, auf russisch9m Territorium am unteren Stikeen- 
river, wo sich heute die Haupt-Lachskonservierungsanstalten Alaskas be- 




Ein grosses Fellgeschaft in Nome (Alaska). [G. T. Schottelsack.] 

fin den, ein Fort zu errichten. Zunachst drang einc Landexpedition unter Chief- 
factor Macleod auf dem Landwege von Fort Liard am Flusse gleichen Namens 
nach dem oberen Lauf der Stikeen vor und erbaute hier den Handelsposten 
Stikeenpost. 

1835 riistete die H. B. C. im Fort Vancouver am Columbiaflusse den 
Schoner ,, Dryad" mit Kolonisten, Vieh, Waff en und Handelsartikeln aus 
und schickte ihn nach der Mini dung des Stikeen, um hier eine grosse Nieder- 
lassung zu begriinden. Wrangell schickte ihnen aber die bewaffnete Brigg 
,,Chichapoff" und den Schoner ,,Chilkatt" unter Kommando des Leutnants 
Dionysius Zarcuba entgegen. Er errichtete zunachst das Fort Dionysius an 
einem kleinen Hafen bei der Miindung des Stikeen und verhinderte dann die 
Landung der englischen Expedition mit Waffengewalt. Der ,, Dryad" musste 



6. Kapitel. i8g 



mil seiner ganzen Ausriistung nach Vancouver zuriickkehren, worauf die 
Hudsonsbay Company Protest erhob und 20 ooo Sterling Schadenersatz fur 
die angeblichen Kosten dieser Expedition verlangte. Die englische Regierung 
unterstiitzte die Reklamation und verlangte von der russischen Regierung 
vollen Ersatz des Schadens, da die Konvention voni825 verletzt sei. 

Die Verhandlungen zogen sich in die Lange, und wahrend dieser Zeit 
unternahmen die Hudsonsbay leute ruhig ausgedehnte Jagd und Handels- 
Expeditionen vom Stikeenpost aus, die bis an die Kiiste vordrangen, was zu 
haufigen Zusammenstossen mit russischen Partien fuhrte. 1836 sandte sie 
auch die benihmte Expedition von Dease und Simpson aus, welch e den 
Zugang zum streitigen Gebiet vom Norden aus erforschen sollte. Von der 
Miindung des Mackenzieriver drang sie auch bis zum nordwestlichsten Punkt 
der amerikanischen Kiiste, Point Barrow, vor, kehrten aber dann auf dem- 
selben Wege wieder zuriick. 

Baron Wrangell dehnte inzwischen den Einfluss der Russisch-amerika- 
nischen Kompanie nach anderer Seite hin aus. Die Kurilen-Inseln, die ja 
heute zu Japan gehoren, wurden formell in Besitz genommen und Pelzhandels- 
posten errichtet und der Fang der hier noch zahlreichen Seeottern organisiert, 
auch der Yukonfluss wurde eingehend untersucht. Sowohl die Ver- 
bindung mit den einzelnen Handelsposten, als auch der Tauschhandel 
mit den einzelnen Indianer- und Eskimosiedlungen der Kiiste wurde aus- 
gedehnt. 12 Segelschiffe und zwei in Sitka erbaute Dampfer vermittelten 
den Verkehr. Auch eine Anzahl kleiner, gedeckter Dampfbarkassen mit 
Maschinen von 2 bis 6 Pferdekraften wurden in Sitka gebaut, um dem 
Handelsverkehr zu dienen. Baron Wrangell hatte die Werft der Kompanie zu 
Sitka in diesem entlegenen Winkel der Erde so eingerichtet, wie es damals in 
Europa selbst nur wenige Etablissements war en, und hatte auch schon ver- 
haltnismassig fruh die Bedeutung von Dampfern fur die Entwicklung des 
Landes erkannt. 1836 wurde der fur die Kolonie so bedeutende Mann durch 
Kapitan Kuprianoff als Generaldirektor der Kolonie abgelost und widmete 
sich nunmehr mehr der Erforschung Sibiriens und des Polarmeeres. 

Kuprianoff, wenn er auch nicht das Organisationstalent seines Vorgangers 
hatte, setzte doch die Erforschung des Landes fort. Unter ihm befuhr Glasenoff 
den Yukonriver, Kolmekoff den Kuskoquimfluss und Woronkoffsky untersuchte 
die Kiisten des siidlichen Alaska. Er trachtete auch danach, den latent en 
Kriegsszustand mit der Hudsonsbay-Co. zu beendigen und wurde in diesem 
Bestreben von dem weitblickenden Gouverneur der letzteren, Sir George 
Simpson, unterstiitzt, der ja die Schaden eines Handelskrieges noch geniigend 
aus dem Kampfe mit der Northwest Company kannte. Es kam deshalb 1837 
in Hamburg zu einer Konferenz zwischen den Delegierten der beiden rivali- 
sierenden Handelsgesellschaften, wobei auch die englische und die russische 
Regierung vertreten waren. Bei der friedlichen Stimmung der Leiter der 
beiden grossen Pelzhandelsgesellschaften einigte man sich schnell. Die 



III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 



Hudsonsbay Company nahm den Kiistenstreifen zwischen der Siidgrenze 
von Alaska und Kap Spencer in Pacht, vorlaufig auf 10 Jahre. Sie zahlte 
dafiir jahrlich 2000 Seeotterfelle und iibernahm die Lieferung einer grossen 
Menge Provisionen, wie Weizen, Erbsen, Mehl, Speck, Schinken, Rindfleisch, 
zu festgesetzten Preisen, so dass die Proviantierung der russischen Nieder- 
lassung gesichert war. Das war ein sehr wichtiger Grund fur das Zustande- 
kommen der Konvention, denn die Ernten des russischen ,,Ross Settlement" 
in Kalifornien waren mehrmals hintereinander fehlgeschlagen, und wenngleich 
bereits 1835 die Ansiedlung im Gebiet alien russischen Untertanen freigegeben 
wurde, war doch sehr wenig Aussicht, dass die fur den Unterhalt der Kolonien 
notigen Lebensmittel durch Anbau und Viehzucht in geniigender Zahl be- 
schafft werden konnten. Die H. B. C. dagegen erzeugte diese im Uberfluss 
in ihren grossen landwirtschaftlichen Betrieben der Pugetsoundfarm und 
Cowlitzfarm an der Westkiiste. 

Der Handel der Russen mit den Indianern wurde inzwischen sehr durch 
die Einschleppung der Pocken gehindert. Tausende von Eingeborenen erlagen 
der Seuche, die uberall um sich griff, um so mehr, da sich die Priester der 
befohlenen Schutzimpfung widersetzten. 

Interessant ist, dass bereits damals die Russisch-amerikanische Kompagnie 
die Zuchtung von Blaufiichsen betrieb. Auf Arulia-Insel war eine Anzahl 
dieser Tiere ausgesetzt worden, die sich so stark vermehrten, dass zur Be- 
wachung und zur Regulierung des Fanges eine Kolonie von Aleuten dort an- 
gesiedelt wurde. 

Leutnant Molakoff errichtete bei Nulato am mittleren Yukon einen 
Handelsposten. Die Besatzung musste sich aber im Herbst aus Mangel an 
Proviant nach der Michael redoute zuriickziehen, und wahrend ihrer Abwesen- 
heit plunderten die kriegerischen Indianer das Fort und brannten es nieder. 
In unparteiischer Weise wurde auch gleichzeitig das Fort Drew der Hudsonsbay 
Company am Liard river von den Eingeborenen iiber fallen, gepliindert und 
niedergebrannt. Die Besatzung konnte sich aber unter ihrem Kommandanten, 
Chief fact or Robert Campbell, nach dem Fort Halkett der H. B. C. am gleichen 
Flusse ret ten. 1839 wurde der H. B. C. in einem neuen Vertrage auch das 
Recht des Kiistenhandels nordlich von dem gepachteten Streifen zugestanden 
und sie errichtete jetzt auch ein neues Fort an der Kuste, am Glacier- Arm 
der Stephens Strait, nachdem vorher schon Fort Dionysius an der Stikeen- 
river-Miindung in ihren Besitz iibergegangen war. An Stelle Kuporianoffs 
wurde 1840 Etolin Generaldirektor der Russisch-amerikanischen Kompagnie. 
Er errichtete nach alter russischer Sitte eine Messe in Sitka, wohin jetzt all- 
jahrlich die Eingeborenen mit ihrer Pelzausbeute zusammenstromten. Auch 
verkaufte er das Ross Settlement 1841 an Kapitan John Sutter fur 30 ooo 
Dollar. Die Halfte wurde bei der Ubernahme gezahlt, die anderen 15 ooo 
Dollar an den Agenten der russisch-amerikanischen Handelsgesellschaft in 
San Franzisko, Mr. Stewart, der einfach mit dem Gelde durchbrannte. 



6. Kapitel. 



I QI 



Bekanntlich wurde iibrigens 1848 das erste Gold auf dieser Suttersfarm ge- 
funden. Sutler selbst hatte aber ebensowenig Vorteil davon, wie seine Vor- 
ganger. 

Im gleichen Jahre 1841 wurde auch Fort Nulato durch Leutnant Derabim 
neu erbaut und stark befestigt. 

Die Indianer waren auch in diesem Gebiet immer sehr unruhig. 1842 
liber Helen 2000 Indianer das Fort Stikeenport der H. B. C. am oberen 
Stikeen. Der Kommandant wurde erschossen, die Garnison konnte sich 
nicht langer halten, und die Pliinderung sollte eben beginnen, als ein 
Pfiff der Dampfpfeife das Plundern innehalten liess. Um die Fluss- 
krummung bog ein russischer Dampfer mit dem Gouverneur der Hudsonsbay 




Fort Derabin im Yukon- Gebiet. 

Company, Sir George Simpson, an Bord, der gerade mit einer In- 
spizierung der ganzen Kiiste beschaftigt war und dazu einen russischen 
Dampfer zur Verfugung gestellt erhalten hatte. Sir Simpson, der auf dem 
Landwege durch das Hudsonsbai- Gebiet gekommen war, besuchte iibrigens 
die ganze Westkiiste bis nach Montery in Kalifornien und kehrte dann durch 
Sibirien nach England und Kanada zuriick, wohl die erste Reise um die Welt 
auf dem Landwege. 

Im Jahre 1844 wurde der Freibrief der Russisch-amerikanischen Kompanie 
durch Kaiser Nikolaus I. auf weitere 20 Jahre verlangert. Die Kompanie 
etablierte sich jetzt auch am Ochotkischen Meere und errichtete eine Handels- 
faktorei in Aion, um die Pelzreichtiimer dieses Gebietes auszubeuten. Der 
neue Direktor, Etolin, trat auch der Ausbeutung und der schlechten Behand- 
lung der Eingeborenen durch die Russen streng entgegen. Es wurde jedem 
Angestellten in der scharfsten Weise untersagt, einen Eingeborenen zu schlagen. 

1846 fand der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko statt, 
der mit der Abtretung Kaliforniens an die ersteren endete, und gleichzeitig 



IQ2 III. Geschichte des russischen Ranch warenhandels. 

wurde auch die Grenze zwischen den britischen und amerikanischen Be- 
sitzungen am Stillen Ozean auf den 79. Grad nordlicher Breite festgesetzt. 

Die Russisch-amerikanische Kompanie machte die durch den Abbruch 
ihrer Handelsbeziehungen mit Kalifornien erlittenen Verluste jetzt durch einen 
ausgedehnten Handelsverkehr mit den Sandwich-Inseln wett, der sich als sehr 
lukrativ erwies. Damals fingen die Sandwich-Inseln an, sich als Depotplatz 
fur die Pelzhandler zu entwickeln. Zahlreiche kleine Schoner und Briggs 
hatten hier ihr Hauptquartier und segelten im Sommer nach den Kiisten von 
Kamtschatka, den Ufern und Inseln der Behringsee etc. und verschifften dann 
von Honolulu aus den Ertrag ihrer Handelsreisen nach Europa. Dies erklart, 
dass lange Zeit in den statistischen Listen Honolulu als Ursprungsland fur 
viele nach Europa eingefuhrten Pelzwaren genannt wird, wahrend die Siidsee- 
inseln gar keine Pelztiere produzieren. Auch sonst versuchte die Gesellschaft 
jetzt auch ihr Gebiet wirtschaftlich ertragreich zu machen. Sie engagierte 
einen Mineningenieur, Doroschin, welcher Alaska nach edlem Metalle durch- 
forschte und auch Kalifornien besuchte, ohne etwas zu finden, obgleich sich 
hier in beiden Gebiet en die reichsten Goldf elder der Erde befinden. Kalifornien 
und Klondyke, die modernen Eldorados. 

Mit den Eingeborenen fanden wiederum mehrfache Zusammenstosse statt. 
So eroberten die Thlinketts das Fort an der Miindung des Stikeenriver, wahrend 
ein gewisser Sebrenikoff nebst 3 Gefahrten am Copper fluss von den Ein- 
geborenen ermordet wurde. ,,Cherchez la femme." 

Das Jahr 1848 brachte auch hier im fern en, entlegenen Winkel der 
Erde eine Revolution, aber friedlicher Art. Zwei Ereignisse waren es, 
die den idyllischen Zustand weltentlegener Ruhe hier storten. Die Hafen 
Alaskas wurden der Stiitzpunkt zahlreicher englischer Schiffsexpeditionen, 
welche den verschollenen Franklin aufsuchen wollten. Ihre zahlreichen 
Mannschaften brachten Leben in die einsame russische Kolonie. Im 
selben Jahre war auch der erste Walfanger, eine amerikanische Bark 
,,Superio", durch die Behringstrasse gegangen, und da in kurzer Zeit 
das Schiff eine voile Ladung hatte, verbreitete sich der Ruhm dieser reichen 
Fanggriinde so rapid, dass im nachsten Jahre 154 amerikanische Walfanger- 
Fahrzeuge an der Kiiste Alaskas und des nordlichen Sibirien dem Fange 
oblagen, die auch alle nebenbei, wenn sich die Gelegenheit bot, mit den 
Eskimos und den Tschuktschen Tauschhandel trieben und Decken, Gewehre, 
Schnaps, Eisengerate, Kupferkessel u. dergl. gegen Felle eintauschten. 



III. 
Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

7. K api t el. 

Diese Gegenden des aussersten Norden Sibiriens waren auch dem Unter- 
nehmungsgeist russischer Handler nicht ganz entgangen. 

Die in einem fruheren Abschnitte bereits erwahnte grosse nordische Ex- 
pedition unter Katharina II., der Pallas und andere bedeutende Polarforscher 
angehorten, hatte nicht nur wissenschaftlich sehr bedeutendes Material ge- 
liefert, sondern auch iiber die wirtschaftlichen Verhaltnisse und deren Reichtum 
an anderen Pelztieren, ausser den Zobeln, Licht verbreitet. 

Zahlreiche Pelzhandler waren weit nach Norden vorgedrungen, am 
weitesten der Pelzhandler Schalanrov aus Jakutsk, der 1760 von der Lena 
aus die Kiiste entlangfuhr, bis zur Kolyma-Mundung, wo er eine Station 
errichtete. Er reiste dann zu Lande nach Moskau, wo er sich neue Mittel und 
Vorrate holte. 1766 ging er wieder in See, um die Nordostspitze Asiens zu 
erreichen, blieb aber verschollen. 

1763 wurde Wrangelland im Norden der sibirischen Nordostkiiste durch 
den Sergeant en Andrejew zuerst mit Hundeschlitten betreten, doch kann ich 
keinen Bericht finden, dass die Entdeckung auch kommerziell ausgebeutet 
wurde. Im grossten Massstabe geschah dies aber auf den Neusibirischen Inseln. 
Der Handler Liachow hatte dieselben zuerst betreten, und wurde ihm das 
Monopol verliehen, mehrere Jahre lang das Sammeln von Mammutzahnen, 
sowohl auf der nach ihm benannten Insel, sowie den benachbarten Inseln 
Maloy und Kotelnoy auszubeuten. Der Boden ist dort mit einem dichten 
Moosteppich bedeckt, der auf einer Unterlage von Sand, und Eis ruht, die, 
fest zusammengefroren, auch im Hochsommer nur wenige Zoll tief auftaut, 
aber eine kolossale Fiille, sowohl Zahne und Knochen von Mammut, als von 
wollhaarigen Rhinozeros und verschiedenen anderen riesigen Saugetieren der 
Diluvialzeit enthalten. Aber auch eine grosse Menge Pelztiere fanden sich 
dort, namentlich zahlreiche kostbare Weiss- und Blaufiichse, Hermelin, Eisbar, 
auch Kreuz- und Silberfiichse werden erwahnt, obgleich ich bezweifle, dass 
diese jemals so weit nordlich im eigentlichen Polargebiet gefunden wurden. 

Diese neusibirischen Inseln bildeten deshalb auch nun ein begehrens- 
wertes Ziel der sibirischen Pelzhandler und Fangleute. 

13 



IQ4 HI- Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Der Handler Sannikow entdeckte 1805 die Inseln Stolbowoj und 
Saddeljew, Sirowatskoj, 1806 Novoja Sebir, und Bjelkow 1808 die nach ihm 
benannte Insel. Letzterer crrichtete auf der Kotelnoj-Insel cine Fang- und 
Handelsstation, geriet abcr mil anderen Fangleuten und Handlern in Streit 
iiber das Fangmonopol. 

Zur Untersuchung sandte Kanzler Romanzoff zwei sibirische Verbannte, 
die in kartographischen Arbeit en erfahren war en. Matthias Hedenstrom und 
Sannikow 1809 zur Untersuchung der neusibirischen Inseln, welche nun auch 
zum ersten Male wissenschaftlich untersucht wurden. Der regelmassige 
Handelsbetrieb muss aber bald wieder eingeschlafen sein, man horte nichts 
wieder davon. Nur ab und zu wurden noch Mammutzahne von dort und den 
gegeniiberliegenden Teilen des sibirischen Festlandes auf den Markten von 
Nischny Kolymsk und Anadyrsk gebracht. 1823 gelang es Wrangell nicht 
mehr, die Inseln zu erreichen, die erst fast ein halbes Jahrhundert spater zuerst 
wieder von De Long und dann wieder von der Expedition zur Aufsuchung 
der Uberlebenden der dort verungliickten ,, Jeanette" von der Gordon-Bennet- 
Expedition betreten wurden. Erst ganz kiirzlich wieder ist die gesamte Ex- 
pedition des kiihnen russischen Polarforschers Baron Toll dort zugrunde ge- 
gangen. Wenigstens fand man die letzte Spur der Verschollenen auf den neu- 
sibirischen Inseln. 

In einem friiheren Abschnitt habe ich die Kampfe der russischen Pelz- 
jager und Abenteurer unter Pojarkoff und Khabarow um den Besitz des 
Amur geschildert und die rohe Art und Weise, wie diese ziigellosen Banden 
unter dem Vorwande des Pelzhandels und der Tributerhebung das Land 
verwiisteten und die Kampfe mit den Chinesen um den Besitz von Albazin. 
Nach Khabarows Riickkehr 1655 nach Russland hatte Stepanoff den Ober- 
befehl liber das ganze Amurgebiet erhalten. Er hatte seinen Hauptstiitz- 
punkt in Jakutsk, sandte aber Expeditionen von Kosaken und Promyschleniks 
an alle Nebenfliisse des Amurs. So wurden z. B. der Sungari und der Argun 
durch Bootsexpeditionen befahren. 

Eine Expedition unter Theodor Pushchin sammelte am Sungari 120 
Zimmer Zobel (Anmerkung: i Zimmer gleich 40 Stuck), 8 Schwarzfiichse und 
56 Silberfuchse. 

Eine andere Abteilung sammelte 58 Zimmer Zobel von den Gilyaken 
an der Amurmundung, verschiedene kleinere Trupps wurden aber von den 
gereizten Eingeborenen erschlagen oder erlagen infolge leichtsinnigen Vor- 
gehens ohne geniigende Provisionen dem Hungertode. 

Stepanoff selber wurde 1658 auf dem Amur mit 500 Mann von einer 
chinesischen Streitmacht in 45 grossen Kriegsdschunken mit Geschiitzen an- 
gegriffen. 180 der Abenteurer, die nur des Plunderns halber nach Sibirien 
gekommen, desertierten bei Beginn des Kampfes. 270 Mann mit Stepanoff 
an der Spitze fielen, und nur 47 Mann entkamen. 2000 Zobelfelle wurden dabei 
von den Chinesen erbeutet. 



7. Kapitel. 



195 



Die Schilka, der Hauptarm des Amurs, war schon 1653 von den Russen 
besetzt worden auf Veranlassung des Woywoden von Jenisseisk, der 100 
Kosaken unter Beketoff dorthin entsandt hatte. Diese erbauten ein Ostrog 
an der Selenga, einem Nebenfluss der Schilka, von wo aus sie in einem Jahr 
25 Zimmer Zobel von den Tungusen einsammelten. Eine weitere Expedition 
von Jenisseisk unter Pashkoff mit 566 Mann Kosaken lind Pelzjagern griindete 
1658 Nerschinsk, das sich bald zu grosser Bedeutung erhob, namentlich unter 
der fahigen Leitung von Tolbusin und Daniel Erschinsky. 

Nach der Niederlage Stepanoffs hatten die Russen den Amur verlassen, 
doch 1666 erbaute der Fiihrer einer Rauberbande, der Pole Chernigowsky, das 




Hauptstrasse in Nome (Alaska). 

alte Fort Albasin und liess sich dort mit 84 Mann nieder, nachdem er vorher 
den Woywoden von Ilimsk auf der grossen Rauchwarenmesse von Kirinsk an 
der Lena ermordet hatte. Hierfiir wurde er mit sechs anderen in Moskau 1672 
zum Tode verurteilt, wegen der kriegerischen Lage des Amurgebiets aber, 
und auch weil das Urteil schwer zu vollstrecken war, wurden sie begnadigt. 

Infolge von Unterhandlungen in Peking verbot der russische Spezial- 
gesandte Spafarik den Russen in Albazin, den unteren Amur und die Dzeya 
zu befahren und Tribut von den Tungusen zu erheben, um Differenzen mit 
den Chinesen zu vermeiden, denen sich die russische Regierung damals nicht 
gewachsen fiihlte. Chernigowsky, dem inzwischen zahlreiche Abenteurer 
zugestromt waren, richtete sich aber nicht danach, sondern sandte verschiedene 

13* 



ig6 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Expeditionen, die von den Tungusen Zobelfelle einsammelten und die Forts 
Ilisko Ostrog an der oberen Dzeya, Selimbanskor Ostrog an der Selienga und 
Dolonskoy Ostrog an der Dolonca errichteten. 

Der Woywode von Nerschinsk, Fedor Voykoff, entsendete den Bojaren 
Milonoff, welcher ein Fort in der Nahe von Aigun griindete und die Nieder- 
lassungen an der Dzeya und der Selenga iibernahm. Voykoff ernannte seinen 
Sohn Andrei zum Gouverneur von Albazin, welches jetzt eine Garnison von 
200 Kosaken hatte. Eine Schar von 61 Mann Kosaken und Pelzjagern unter 
Garrilo Frolof ging von Albazin trotz des erhaltenen Gegenbefehls von Voykoff 
und erbaute einen Handelsposten am Aigun, wahrend andere Pelzjager 
Handelsforts an mehreren kleinen Fliissen, die in die See von Ochotsk miin- 
deten, errichteten. 

Diese Wiederbesetzung des Amurgebiets und das Aufbliihen von Albazin, 
wo sich jetzt 4000 Morgen Land unter Kultur befanden, erregten die Aufmerk- 
samkeit der Chinesen. Sie warfen eine starke Garnison nach Aigun und be- 
festigten verschiedene Inseln im unteren Amur. 1683 wurde eine Abteilung 
von 60 Kosaken unter Gregor Mylnikoff, welche die Garnison am Aigun ver- 
starken sollte, von einer chinesischen Streitmacht von 560 Booten aufgehalten 
Mylnikoff, der zu Unterhandlungen aufgefordert worden war, wurde zum Ge- 
fangenen gemacht, von den Kosaken ergab sich ein Teil, der nach Peking ge- 
sandt wurde, der Rest entfloh und warnte die verschiedenen Garnisonen, dass 
eine chinesische Armee herannahe. Ein Teil der Forts wurde verlassen und 
dann von den Chinesen verbrannt, Zeisk undTugursk indessenvon ihnennach 
heftiger Gegenwehr erobert und die Besatzungen gefangen nach Peking gefiihrt. 

Albazin wurde 1685 zur Ubergabe aufgefordert, lehnte aber ab. Die 
Garnison von Tolbusin best and aus 450 Mann Kosaken, Rauchwarenhandlern, 
Pelzjagern und Bauern, wahrend ein preussischer Baron, Alfred Beiton, der 
nach Sibirien verbannt war, in Tobolsk ein Regiment von 600 Kosaken anwarb, 
mit dem er Albazin zu Hilfe eilen wollte und sein Eintreffen bis Ende des 
Jahres versprach. Inzwischen waren 18 ooo Chinesen mit 100 Kriegsbooten 
vor Albazin erschienen mit Bogen und Pf eilen, Lanzen und Sabeln bewaffnet 
sowie mit 15 Geschiitzen, 150 Wallbiichsen. Nach kurzem Kampfe zeigte sich, 
dass die Festung aus Mangel an Munition nicht zu halten war. Man unter- 
handelte mit den Chinesen, die der Garnison freien Abzug gewahrte mit 
Waffen und Gepack. 

Kaum war die abziehende Garnison eine Tagereise von Albazin entfernt, 
als man auf die Vorhut der Ersatztruppen stiess, 300 Mann mit 5 Geschiitzen 
und einem reichlichen Vorrat von Gewehren und Munition. Die Reiter von 
Beiton waren schon in Nertschinsk angelangt. Waren sie 24 Stunden friiher 
eingetroffen, so hatte sich Albazin gehalten. So kehrte man gemeinsam nach 
Nertschinsk zuriick. Die Chinesen verbrannten Albazin und verlegten Aigun 
vom linken auf das rechte Ufer und besetzten dasselbe mit einer Garnison 
von 2500. Der neue Woywode von Nertschinsk, Iwan Klassof, war ein sehr 



y. Kapitel. 10,7 



energischer Mann. Da er nun durch Beiton eine verhaltnismassig starke Macht 
zur Verfiigung hatte, beschloss er, Albazin wieder zu besetzen. Beiton mit 
200 Mann wurde vorausgeschickt, Tolbusin mit 530 Mann folgte. 

Die Hauser und ein starker Wall, 28 Fuss dick und 10 Fuss hoch, wurden 
wieder aufgebaut, auch die Felder wurden neu bestellt und gaben grossen 
Ertrag. Roggen und Hafer kostete damals in Albazin 9 Kopeken per Pud, 
Weizen 12 Kopeken, wahrend zur selben Zeit das Weizenmehl in Nertschinsk 
mit 3 Rubel pro Pud bezahlt wurde. 

Die Russen wurden aber nicht lange in Frieden gelassen. 

Der chinesische Gouverneur von Tsitsikar sandte eine starke Armee. 
Eine Schar von 3000 Reitern erschien ganz unvermutet im Juli 1686 vor 
Albazin und iiberfiel die russischen Pferdewarter, von denen 22 Mann fielen. 
Zugleich kam auf dem Flusse eine Flotte von 150 Dschunken heran mit 6000 
Be waff net en, die Felder wurden zerstort und das Fort eng belagert. 

Die Chinesen besassen 20 Geschiitze, die angeblich von Europaern in 
chinesischen Diensten bedient wurden. Zahlreiche Tungusen aus der Um- 
gebung schlossen sich ihnen an. Es wurde mit grosser Energie gekampft. Die 
Sturmangriffe der Chinesen wurden blutig zuriickgewiesen und in 5 Ausfallen 
den Chinesen grosse Verluste beigebracht. Ende September fiel Tolbusin bei 
einem Ausfall, und Beiton ubernahm den Oberbefehl. Im Felde hatten die 
Russen nicht viel Leute verloren, aber wahrend des Herbstes brachen Skorbut 
und andere Krankheiten aus, so dass Ende November die Garnison nur noch 
aus 115 Mann bestand, denen es auch an Munition zu mangeln begann, trotzdem 
wies Beiton alle Aufforderungen zur Ubergabe zuriick. Nach vielen Be- 
muhungen war es gelungen, Boten nach Nertschinsk zu senden. Doch konnte 
man von hier aus keine Hilfe bringen. Ende November machten sich aber 
diplomatische Einfliisse in Peking geltend. Die Chinesen zogen sich 3 Werft 
von den Wallen Albazins zuriick und schlossen dann im Mai einen Waffen- 
stillstand, wahrenddessen die Besatzung Provisionen und Munition aus Nert- 
schinsk beziehen konnte. Am 30. August 1687 zog sich die chinesische Armee 
ganz zuriick und bezog ihre alten Quartiere in Tsitsikar und Aigun. 

Die Russen durften ihre Dorfer neu aufbauen und ihre Felder bestellen, 
aber nicht die Jagd ausiiben. Wie schon friiher erwahnt, hatte der Zar den 
Kanzler Niefor Venekoff und I wan Fafarof nach Peking gesandt, welcher 
von dort aus einen Brief des Kaisers von China mitbrachte, der in chinesisch, 
mandschurisch und mongolisch geschrieben war und durch die katholischen 
Missionare in Peking ins Lateinische iibersetzt war. Dieser Brief, adressiert 
an die ,, grossen weissen Herren, Briider, Zaren und Autokraten", legte dar, 
dass seit langerer Zeit von den chinesischen Offizieren, denen die Uberwachung 
der Zobeljagd oblag, fort wahrend Beschwerden dariiber einliefen, dass die 
friedlichen Zobeljager am Amur von den Russen in Albazin angegriffen seien 
und sogar ins Gefangnis geworfen wurden, dass ferner die Stadte am unteren 
Amur vielfach von den Russen angegriffen und beschadigt seien. Der Kaiser 



198 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

sei daher gezwungen gewesen, mil Waffengewalt dagegen einzuschreiten, abcr 
seine Offiziere waren stets mil grosser Milde aufgetreten und hatten etwaige 
Gefangene stets sehr gut behandelt. Der Kaiser schlug dann vor, eine Gesandt- 
schaft nach Peking zu schicken, um die Grenzfrage zu ordnen. Inzwischen 
habe er Kuriere nach Albazin geschickt, um die Feindseligkeiten einzustellen. 
Ende Januar 1686 verliess dann die beriihmte Gesandtschaft unter Fedor 
Alexwitsch Golovin Moskau. 

Er war begleitet von Iwan Ilin Vlasoff und Semon Korwitzky, sowie zahl- 
reichen Legations- Attachees; als Eskorte erhielt er ein Regiment von 1500 
Strelitzen unter Obers.t Skripizin. Zwei andere Regimenter unter Oberst 
Paul Grabof und Anton von Smalenberg sollten in Sibirien ausgehoben werden, 
die Provisionen und Munition aus Nertschinsk beziehen konnten. Am 30. August 
im Herbst wurde Rybenskoi erreicht, wo Winterquartiere bezogen wurden. 
Wahrend die Truppen weit zerstreut in den Dor fern an der Selenga lagen, 
wurde das Hauptquartier von 15 ooo Mongolen angegriffen. Der Angriff 
wurde aber blutig zuriickgewiesen, und 50 ooo Mongolen-Familien erklarten 
sich nun zu russischen Untertanen. Im Sommer 1687 ging Golovin liber 
Udinsk nach Seleginsk, von wo er einen seiner Attachees, Stephan Korowin, 
nach Peking sandte, um das Nahen der Gesandtschaft anzuzeigen und einen 
Platz fur die Konferenz zu verabreden. Korowin kehrte Ende Juni von Peking 
zuriick mit der Nachricht, dass Selenginsk fur die Konferenz bestimmt sei 
und die chinesischen Bevollmachtigten bereits unterwegs seien. 

Die Gesandten warcn begleitet von dem Portugiesen Pereira, dem franzo- 
sischen Jesuiten Gerbillon, 1000 Reitern, 8 Geschiitzen und einer grossen 
Anzahl Mandarinen, Dienern usw., konnten aber infolge von Kriegen zwischen 
den damals noch unabhangigen Mongolen nicht durchkommen und mussten 
wieder umkehren. Golovin musste wieder iiberwintern und sandte inzwischen 
einen Abgesandten nach Peking, um weit ere Verzogerungen zu verhindern 
und einen neuen Konferenzort zu bestimmen. Nertschinsk wurde jetzt gewahlt. 

Hier trafen auch am 10. Juli 1689 die chinesischen Gesandten So Fasalan 
Ya und Kiu Kiu mit 1400 Soldaten zu Lande ein, wahrend 3000 chinesische 
Soldaten auf zahlreichen be waff net en Dschunken auf der Schilka bei Nert- 
schinsk ein trafen. 

Im gar.zen bestand nun die chinesische Gesandtschaft mit Soldaten, 
Dienern usw. aus 10 ooo Personen mit 4000 Kamelen und 15000 Pferden; 
am 18. Juli traf auch Golovin ein. 

Die Verhandlungen wurden mit grossartigem Zeremoniell geluhrt. Nach 
grossen Schwierigkeiten kam dann am 29. August 1689, besonders durch die 
Bemuhungen des Jesuiten, der beruhmte Vertrag von Nertschinsk zustande. 
Als Grenzen werden der Nebenfluss des Amurs. Kerbecho, und die Bergkette, 
welche an der Quelle des Kerbecho bis an das Meer reicht, erwahlt, alle Fliisse 
und Landereien nordlich davon gehorten zu Russland und siidlich davon zu 
China. Eine weitere Grenze bildeten der Aigun. Alle russischen Ansiedlungen, 



7. Kapitel. 



welch e sich gegenwartig sudlich davon befanden, sollten auf das Nordufer 
iibergefiihrt werden. Albazin sollte geschleift und verlassen werden. 

Die Pelzjager beider Machte diirften unter keinen Umstanden die Grenze 
iiberschreiten. Wenn nur i oder 2 Personen die Grenze iiberschreiten, um zu 
jagen, rauben oder zu pliindern, so sollten sie festgenommen und dem nachsten 
Beamten zur Bestrafung ausgeliefert werden. Wenn indessen bewaffnete 
Tiupps von 10 bis 15 Mann die Grenze zur Jagd oder Pliinderung iiber- 
schreiten wiirden oder jemand dabei getotet wiirde, so solle eine Untersuchung 
eingeleitet werden, an beide Kaiser ein Bericht eingesendet und die Schuldigen 
mit dem Tode bestraft werden. Keinesfalls aber sollten derartige private 
Ubergriffe Grund zum Kriege bilden. 

Deserteure beider Machte sollten ausgeliefert werden; die sich gegenwartig 
in China befindlichen russischen Untertanen und die Chinesen auf russischem 




Fellausbeute in Nome (Alaska) zur Verladung bereit. 

Gebiet durften aber bleiben, wo sie sind. Ausserdem konnten die Untertanen 
beider Reiche, mit ordentlichen Passen versehen, die Grenzen iiberschreiten, 
um Handel zu treiben. Dann wurden reiche Geschenke ausgetauscht und 
auf Grenzsteinen der Text des Vertrages in mongolischer, chinesischer, russi- 
scher und lateinischer Sprache eingemeisselt. Noch im selben Jahre wurde 
Albazin verlassen und geschleift. Beit on mit ,der Garnison und alien Vor- 
raten und Eigentum, auch mit decn eingesammelten Pelzwerk, kam nach 
Nertschinsk. Die Truppen und Geschiitze Golovins wurden auf Nertschinsk 
Selenginsk und Werchne Udinsk verteilt. Er selbst wurde nach seiner Riick- 
kehr vom Zaren in den Fiirstenstand erhoben, und auf die Teilnehmer der 
Gesandtschaft regnete es Orden und Medaillen. 

Anfanglich wurden die Bestimmungen des Vertrages von Nertschinsk 
streng innegehalten. So sollen im Jahre 1694 vier Jager in Nertschinsk auf 
Verlangen der chinesischen Behorden hingerichtet worden sein, weil sie Zobel 
in der Nahe von Albazin auf chinesischem Gebiet gejagt hatten. 

Haufig wurden auch Pelzjager von den Eingeborenen erschlagen, wenn 
sie heimlich die Grenzen kreuzten, da die Eingeborenen von tiefem Hass gegen 



20O III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

die Amurkosaken erfiillt waren wegen ihrer friiheren Bedriickungen und Uber- 
griffe. Die russischen Kosaken haben sich eben niemals und nirgends einer 
besonderen Beliebtheit zu erfreuen gehabt. 

Die Grenzen waren aber in dem Vertrage infolge der mangelhaften geo- 
graphischen Kenntnisse sehr ungenau fixiert worden, und mehrten sich des- 
halb die Grenzverletzungen fortwahrend. Noch in einem neuen Vertrage, den 
1728 Graf Sava Vladislowfsch Bagusinsky mil den Chinesen abschloss, wurde 
wiederum festgesetzt, dass Grenzverletzung mit dem Tode gesiihnt werden 
sollte, aber allmahlich wurden die Chinesen miide, gegen die fortwahrenden 
Grenzverletzungen zu reklamieren, und sie legten den verschiedenen For- 
schungs-Expeditionen, die wahrend des 18. Jahrhunderts unternommen 
wurden, kein Hindernis in den Weg. Auch Pelzjager kreuzten haufig unge- 
hindert hinuber, und die Pelzausbeate der Eingeborenen fand sehr haufig 
ihren Weg auf das russische Gebiet, trotzdem noch 1768 wieder vereinbart 
wurde, dass jedem, der einen Grenziibertreter festnehmen wurde, das gesamte 
Eigentum desselben, also Jagdbeute, Ausriistung usw., zufallen sollte und 
auch der Wachtposten, der den Abenteurer durchschliipfen liess, eine hohe 
Geldbusse zahlen miisse. Auch russische Straflinge, die iiber die Grenze nach 
China flohen, wurden von den Chinesen unterstiitzt und gelangten iiber den 
unteren Amur in die Kulturgebiete zuriick. 

Die Chinesen sandten jahrlich zwei Expeditionen zur Priifung der Grenze, 
die eine in Booten auf den Amur, die andere zu Lande langs des Argun bis 
nach Ust Strelka, wo sich beide Expeditionen vereinigten und gemeinsam den 
Amur hinabsegelten. Dicht hinter ihnen folgten aber die Kosaken, die von 
den Oronitonen und Tungusen Felltribut einsammelten und einen lebhaften 
Pelzhandel betrieben. Die russischen Ansiedler kamen dann auch iiber die 
Grenzen, um Eichhornchen zu jagen. 

Die Chinesen erhoben im Jahre 1700 Tsitsikar zum Gouvernementssitz 
in dem Amurdistrikt, der zusammen mit dem Kirindistrikt unter den General- 
gouverneur in Mukden gestellt wurde. 1811 betrug die Besatzung des Amur- 
gebiets ca. 12 ooo Soldaten mit 240 Offizieren und einer kleinen Flotte Kreuzer- 
dschunken mit ca. 2000 Mann auf dem Amur und seinen grossen Nebenfliissen. 

Ein Nomadenstamm musste an Tribut, ausser Vieh und Korn, jahrlich 
2398 Zobelfelle abliefern. Das Monopol des Pelzhandels auf dem Amur wurde 
10 chinesischen Kaufleuten reserviert, die dazu eine ziemlich teure Lizenz in 
Peking lossen mussten. 

Die Grenzen waren, wie schon vorher angegeben, nicht genau bestimmt 
und wurden immer mehr verwischt. Zuerst liessen sich russische Pelzjager 
und Handler in dem streitigen Gebiete fest, Nertschinskische Bauern folgten 
nach, und russische Tungusen trieben ihre Renntierherden auf die Weiden- 
griinde der China tributpflichtigen Dauren, wahrend chinesische Tungusen 
ihrerseits ihre Pferdeherden nach dem unteren Amur zum Verkauf an die 
Russen sandten. 



y. Kapitel. 



201 



Middendorf fand bei seiner grossen Forschungsreise in den chinesischen 
Waldern am Stanovoi-Gebirge Abteilungen sibirischer Kosaken angesiedelt, 
weit siidlich vom Scheidegebirge, die ihnen ruhig mitteilten, dass sie auf den 
reichen Ertrag des Pelzhandels auf chinesischem Gebiet angewiesen waren. 

Von verschiedenen Seiten wurde die freie Schiffahrt auf dem Amur ge- 
f order! , da sie eine Lebensfrage sowohl fur Transbaikalien, als fur die An- 
siedlung am nordlichen Pacific war. So hatte schon 1741 der Akademiker 
Miiller auch ausserdem die Schiffahrt und den freien Handel auf dem Sungari 
beantragt. 1806 versuchte Golovin auf seiner Gesandtschaft nach Peking 
vergeblich die Forderung durchzusetzen. Auch Gouverneur Shemelin der 




Fellladen in Nome (Alaska) mit Thlinkett-Indianer. 

russisch-amerikanischen Pelzkompanie stellte 1816 offiziell den Antrag, 
Schiffahrt und Handel auf dem Amur freizugeben, ohne damit durchdringen 
zu konnen. Er hob besonders hervor, dass dann ca. 150 ooo Packpferde, die 
jetzt fur den jahrlichen Transport der Provisionen und Handelsartikel ge- 
braucht werden, die fur die Stationen am Pacific erforderlich sind, erspart 
werden konnten. 

Schon 1830 erwartete man bestimmt eine russische Invasion des Amur. 
So erzahlte z. B. ein findiger Pelzhandler aus Udsk, der ein grosses Lager von 
Messingkreuzchen iibrigbehalten hatte, dass ein russisches Kriegsschiff den 
Amur heraufkommen wiirde und jeden Eingeborenen, der nicht ein solches 
Kreuz als Erkennungszeichen hatte, erschlagen wiirde. In kurzer Zeit hatte 
er seinen ganzen Vorrat gegen Zobelfelle und anderes wertvolles Pelzwerk 



2O2 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

vertauscht. Seit 1830 machte der kiihne russische Polarforscher Hedenstrom 
unausgesetzt in der russischen und auslandischen Presse fur die Forderung 
Propaganda, der sich 10 Jahre spater auch die Kaiserliche geographische 
Gesellschaft anschloss. Diese entsandte auch zahlreiche Expeditionen nach 
Ostsibirien zur geographischen Erforschung mit politischem Hintergrund. 
So verliess auch 1848 einer ihrer Sendboten, Vaganoff, ein fruherer Gefahrte 
Middendorfs, Ust Strelka mit 4 Kosaken, um den Amur hinabzufahren. Er 
verschwand aber mit seinen Begleitern spurlos, und alle Nachforschungen 
und Aufforderungen an die chinesischen Behorden blieben erfolglos. 

Muraview, der 1847 neuernannte Generalgouverneur von Ostsibirien, 
beschloss aber nun, das Amurgebiet dem russischen Reich anzugliedern. 
Kapitan Nevilskoi wurde in der Fregatte ,, Baikal" von Kronstadt nach 
Ochotsk gesendet und ihm eine Anzahl Offiziere der russisch-amerikanischen 
Pelzkompanie beigeordnet. So erforschte z. B. Leutnant Orloff von dieser 
Gesellschaft die Amur-Miindung, entdeckte die Castriesbai, wo im Jahre 1853 
Alexandrowsk Post errichtet wurde. 

1850 befuhr Orloff die Amur-Miindung, um einen geeigneten Platz fiir 
eine Stadt zu finden, und 1851 griindete dort Kapitan Nevilskoi die Platze 
Nicolajewsk und Mariinsk, die der Russisch-amerikanischen Kompanie als 
Handelsposten uberwiesen wurden. 

1853 wurde durch Major Busse mit 150 Mann Anica Bay besetzt, ein 
Fort Muraview angelegt, zu gleicher Zeit wurde auch Dui an der Westkiiste 
von Sachalin, das damals den Chinesen gehorte, besetzt. 

Auch eine der japanischen Kurilen-Inseln, Urup, wurde von den Russen 
okkupiert. 

1854 forderte Muraview die chinesischen Behorden auf, die Beforderung 
auf dem Amur zu gestatten, da die russischen Kriegsschiffe am Pacific (,, Pallas", 
,, Diana" und ,,Aurore") die dortigen russischen Ansiedlungen nur auf diese 
Weise geniigend verproviantieren konnten. Sowohl der Gouverneur von 
Maimatschin (gegenuber Kiachta), als der Generalgouverneur von Urga lehnten 
dies ab, w 7 orauf Muraview am 27. Mai im Dampfer ,, Argun", mit 50 grossen 
Barken und zahlreichen Flossen, die 1000 Mann Linieninfanterie und eine An- 
zahl Kosaken trugen, Shilinsk verliess und das ganze Amurgebiet annektierte. 

Er war begleitet von einem grossen wissenschaftlichen Stabe, aus Mit- 
gliedern der russischen geographischen Gesellschaft und dem Topographen- 
korps bestehend, welche das neue Gebiet auch wissenschaftlich untersuchten. 

Auf Bitten des chinesischen Gouverneurs, der darauf hinwies, dass es 
ihm in Peking den Kopf kosten wurde, wurde Aigun nicht betreten, aber das 
ganze Amurgebiet, ein Reich von etwa 600 ooo Quadratkilometern, wurde 
annektiert und auch gleich durch befestigte Garnisonen gegen jede Wider- 
eroberung durch die Chinesen geschiitzt. Alexandrowsk an der Castriesbai 
wurde stark vergrossert und begann hier alsbald ein lebhafter Handelsverkehr 
mit amerikanischen Schiffen. 1855 erschien ein Gesandter aus Peking in Nicola- 



7. Kapitel. 



203 



jewsk an der Amur-Mundung und verlangte, die rebellischen Barbaren sollten 
sofort den Amur und das ganze chinesische Gebiet verlassen, und wenn sie 
dessen noch fahig waren, Reue und Zerknirschung fiihlen iiber ihr schamloses 
Raubertum. Er wurde aber nur ausgelacht. Muraview erhielt fiir seine fried- 
liche Eroberang einer so grossen Provinz vom Kaiser von Russland den 
ehrenden Beinamen ,,Amursky". 

Jetzt brach aber der Krimkrieg aus, der naturgemass auch den fernen 
Osten in Mitleidenschaft zog. Die Besatzungen vieler Posten wurden einge- 




Tschuktschen bringen ihre Tagesbeute zum Verkauf an Bord von Handelsschoonern 
in der St. Lawrence-Bucht (Behringstrasse). 

zogen, so unter anderen das Fort Muraview an der Aniwabai, das sogleich 
wieder von den Japanern in Besitz genommen wurde. 

Auch Alexandrowsk wurde geraumt. Nur Nicola jewsk und Mariinsk 
am Amur blieben besetzt, aber von kaum 1000 Mann zusammen verteidigt. 
Alle verfugbaren Streitkrafte waren nach Petropawlowsk in Kamtschatka 
dirigiert, wo sich auch grosse Depots der russisch-amerikanischen Pelzhandels- 
gesellschaft befanden. Im ganzen nordlichen Pacific hatte Russland damals 
nur die alte Fregatte ,, Pallas" und ,, Diana" und die kleine ,, Aurora" an der 
ganzen Kuste zerstreut, wozu noch einige bewaffnete Briggs und Schoner der 
Pelzhandelsgesellschaft kamen. 



204 m^ Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Am 18. August erschien eine Flotte der Alliierten vor Petropawlowsk, 
bestehend aus der englischen Segel-Fregatta ,, President" und ,, Pique", der 
Kriegsbrigg ,,Oligado" und dem kleinen Kriegsdampfer ,, Virago" und den 
franzosischen Segelfregatten ,, Forte" und ,,Eurydice" mit zusammen 190 Ge- 
schiitzen und 2000 Mann Besatzung unter Oberbefehl des Admirals Price. 
Die russischen Batterien wurden grosstenteils durch das Geschutzfeuer der 
Schiffe zum Schweigen gebracht, und am 2. September wurden 700 Mann 
gelandet zum Sturm auf die Stadt unter Befebl des Kapitans Parker. Beim 
Uberklettern eines bewaldeten Hiigels gerieten sie aber in einen Hinterhalt 
und erhielten durch das wohlgezielte Gewehrfeuer der geiibten Pelzjager der 
Kompanie und der schussgewandten Kamtschatkaschen Barenjager schwere 
Verluste. Eine verborgene russische Batterie von zwei Geschiitzen trat jetzt 
in den Kampf ein, und die Angreifer flohen in wilder Flucht und wurden ver- 
nichtet worden sein, wenn nicht die ,, Virago" bis dicht an die Kiiste gedampft 
ware und die Einschiffung mit ihrem Geschutzfeuer deckte. 

Die Alliierten verloren 9 Offiziere und 102 Mann. Am Abend erschoss 
sich der Admiral Price in seiner Kajiite. Er wurde unter dem Schutz der 
Schiffsgeschiitze am Ufer begraben, ebenso die im Kampf gefallenen Mann- 
schaften. Der franzosische Admiral gab dann den Befehl zum Riickzug. Dicht 
an der Kiiste wurden dann noch der Schoner ,, Anadyr" und die Bark ,,Sitka" 
der Russisch-amerikanischen Pelzkompanie mit voller Ladung beschlagnahmt. 
Die Alliierten trennten sich, die Englander gingen nach Vancouver, die 
Franzosen nach Callao, wo auch der franzosische Admiral Febries Despointes 
starb. 

Admiral Bruce und Fournichon wurden jetzt mit Verstarkungen and 
dem strikten Befehl, Petropawlowsk unter alien Umstanden zu nehmen, ent- 
sandt. Auch dieser Platz empfing Verstarkungen in den Transport fahrzeugen 
,,Cliwutzu" und ,,Kadiak", und die Befestigung der Stadt wurde erneuert. 
Am 17. Marz kam aber die Ordre aus Petersburg, Petropawlowsk zu verlassen. 
Die Garnison schiffte sich mit alien Geschiitzen und Vorraten ein, eine Fahr- 
rinne wurde durch das Eis gebrochen und Castriesbai glucklich erreicht. Die 
Einnahme von Petropawlowsk unterblieb. 

Zur Besetzung des Amurgebiets entwickelten die Russen im Jahre 1855 
lebhafte Tatigkeit, 3 Expeditionen verliessen Shilkinsk mit etwa 3000 Soldaten, 
500 Kolonisten, zahlreichemVieh, Pferden undVorraten. Die Chinesen waren un- 
fahig, demDurchzuge derTruppen auf dem Amur Widerst and entgegenzusetzen 
Nur 4 Mandarinen kamen, um Protest einzulegen, da sie aber keinen geniigend 
hohen Rang besassen, liess sie Muraview r gar nicht vor. Mariinski entwickelte 
sich zu einer bedeutenden Ortschaft, mehrere neue Dorfer wurden am Amur an- 
gelegt und Nicolajewsk bedeutend vergrossert. Es befanden sich dort jetzt 150 
Hauser, darunter mehrere Schulen und offentliche Gebaude. Im Hafen lagen 
die aus Petropawlowsk entkommenen Schiffe. Auch Castriesbai war neu besetzt 
worden und erhielt eine Garnison von 500 Mann. Jetzt erschien von neuem 



y. Kapitel. 205 



eine allierte Flotte in den russisch-amerikanischen Gewassern. 5 englische 
Kriegsdampfer sowie 8 englische und 4 franzosische Segelfregatten mit zu- 
sammen 480 Geschiitzen. Die Fahrzeuge der russisch-amerikanischen Pelz- 
handelsgesellschaft fliichteten eiligst nach dem russischen Amerika, das bereits 
zu Anfang des Krieges neutral erklart worden war, und die russischen Kriegs- 
schiffe, 7 an der Zahl mit zusammen 90 Geschiitzen, versteckten sich so gut es 
ging in d?n Hafen an der sibirischen Kiiste. 

Die alliierte Flotte teilte sich; 7 Schiffe mit 184 Geschiitzen und 2000 
Mann griffen am 31. Mai Petropawlowsk in Kamschatka an. Die gesamte 
Garnison und die Bevolkerung hatte sich aber in die Walder des Innern zu- 
riickgezogen. Die Batterien wurden zerstort und die offentlichen Gebaude 
niedergebrannt. Dann kehrte dieser Teil der Flotte unter Admiral Bruce nach 
Kalifornien zuriick, nachdem sie noch Sitka besucht hatte, um zu sehen, dass 
keine Befestigungen dort errichtet seien. 

3 Kriegsschiffe besuchten Agan, zerstorten dort das Eigentum der 
russisch-amerikanischen Gesellschaft, und kaperten dann mehrere russische 
Walfischfanger. 

Ein anderer Teil der Flotte unter Commodor Elliot drang in Castriesbai 
ein, das aber gleichfalls von der Besatzung in aller Eile verlassen war. Hier 
fiel den Englandern ein grosser Post en Pelzwerk in die Hande. Die russische 
Fregatte ,, Diana" war im Vorjahr nach Japan gegangen und Admiral 
Putiatin hatte dort im Januar 1855 einen Handelsvertrag abgeschlossen sowie 
die Teilung Sachalins durchgesetzt. Der nordliche Teil fiel an Russland, der 
siidliche blieb Japan. Ausserdem wurde die Insel Urup in den Kurilen, wo 
die russisch-amerikanische Kompanie bereits eine Handelsniederlassung hatte, 
offiziell an Russland abgetreten. Bei der Ausfahrt aus der Bai von Jeddo 
strandete aber die ,, Diana" wahrend eines Erdbebens und sank. Die Mann- 
schaft wurde gerettet. Ein Teil wurde von dem amerikanischen Schoner 
,, Caroline Foote" nach Petropawlowsk gebracht, ein weiterer Teil mit dem 
Admiral selbst gelangte in dem selbsterbauten Schoner ,,Heda" nach dem 
Amur, der Hauptteil aber, 276 Matrosen und Offiziere, wurden auf der Bremer 
Brigg ,,Grete" eingeschifft, die aber am i. August von der Fregatte ,,Barracouta" 
gekapert und als gute Prise erklart wurde. 

Am 3. September wurde die Ansiedlung auf Urup in den Kurilen von 
der englischen Fregatte ,, Pique" und der franzosischen ,,Sybille" beschossen 
und genommen. Die Vorratshauser der russisch-amerikanischen Kompanie 
wurden gepliindert und verbrannt und eine ganze Ladung Pelzwerk wurde 
fortgefiihrt. Auch der Magazin-Ver waiter und sein Gehilfe, ein Jakute, wurden 
zu Gefangenen gemacht und die Insel zum Eigentum der Alliierten erklart. 

Ein Angriff der ,,Sybille" auf Castriesbai, wo eben eine amerikanische 
Bark ,,Behring" fur die Russen Vorrate landete, wurde durch im Buschwald 
verborgene russische Schiitzen vereitelt, und die gesamte alliierte Flotte verliess 
dann die russischen Gewasser, nachdem sie wenig genug ausgerichtet hatte. 



206 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Der Krieg hatte die Ansiedlungstatigkeit im Amurgebiet ziemlich lahm gelegt, 
erst als im Juni 1856 der Friede auch hier draussen bekannt wurde, nahm sie 
einen neuen Aufschwung. Beim Friedensschluss besass Russland nur die Stadte 
Nicolajewsk und Mariinsk am unteren Amur, und eine Ansiedlung inCastriesbai. 
Sachalin war verlassen worden, und am ganzen Amur von Ust Strelka bis 
nach Mariinsk war keine Niederlassung. Auf dem Flusse befanden sich 
3 Dampfer, der ,,Shilka", ,, Argun" und ,,Nadeshuda". Aber wahrend desjahres 
waren 697 Barken mit Proviant, Vieh, den Strom herabgeschwommen. 
Muraviewging nach Petersburg, um Mittel fiir die Kolonisten fliissig zu machen, 
und inzwischen war Generalmajor Korsakoff Generalgouverneur. 

Es wurde jetzt Blagowetschuski an der Miindung der Dseya in dem 
Amur gegriindet, ferner Khingansk am Burejagebirge, und Sungarski Piket an 
der Miindung des Sungari. Ein regelmassiger Postverkehr wurde eingerichtet. 
Murawiew war es in Petersburg gelungen, das Interesse fiir den Amur zu er- 
wecken und geniigend Mittel fiir die Kolonisation wurden bewilligt. Eine 
Brigade Kosaken-Infanterie und ein Regiment Kavallerie wurden langs des 
Flusses stationiert. 

Zum ersten Male wurde auch der Amur fiir die Verkehrszwecke der 
russisch-amerikanischen Kompanie benutzt. 

Kapitan Fuornhelm fiihrte 100 Emigranten und 1000 Tons Provision den 
Amur hinab. In seiner Begleitung befand sich auch Mr. Collins ,, commercial 
agent of the United States for the Amur river". 

Auch Graf Putiatin reiste den Amur hinab nach Nicolajewsk, und von dort 
mit dem neu angekauften Dampfer ,,Amerika" nach dem Golf von Petchili, um 
einen Vertrag mit China abzuschliessen. Auf der Reise erwarb er noch von 
den Koreanern das Recht, eine Kohlenstation in Port Hamilton zu errichten, 
wo von indes nie Gebrauch gemacht wurde. Die Verhandlungen in Tientsin 
zerschlugen sich indessen, und Murawiew eilte nach Petersburg, da er einen 
feindlichen Zusammenstoss mit China fiirchtete. Er erhielt die notigen Truppen 
sowie 7 Kriegsschiffe, die sich den Operationen der Alliierten gegen China an- 
schliessen sollten. Als er nach dem Amur zuriickkehrte, hat ten die Opera- 
tionen der Alliierten inzwischen ihren Einfluss ausgeiibt und China weigerte 
sich nun nicht mehr, den Vertrag zu schliessen. 

Im Mai 1858 wurde ein Freundschaftsvertrag zu Aigun am Amur ge- 
schlossen, wonach das linke Ufer des Amur bis zum Ussuri und vom Ussuri bis 
zur Miindung beide Ufer an Russland abgetreten wurden, und der Sungari 
und Ussuri dem russischen Handel geofmet wurden. Am 31. Oktober 1858 
wurde das Amurgebiet von dem Gouvernement Irkutsk abgetrennt, und zu- 
sammen mit Kamschatka an der Kiiste vom Ochotskischen Meer als Kusten- 
provinz von Ostsibirien eine selbstandige Provinz mit der Hauptstadt 
Nicolajewsk konstitutiert. Murawiew griindete jetzt auch die Stadt 
Khabarowka an der Ussurimiindung sowie eine neue Stadt Sofyesk am unteren 
Amur, i* 



y. Kapitel. 



207 



Im nachsten Jahre wurde die neue Provinz wieder geteilt, in die See- 
pro vinz mil der Hauptstadt Nicolajewsk und die Amurprovinz mil der Haupt- 
stadt Blagowetschinski. 1858 waren bereits iiber 20 ooo Russen an den Ufern 
des Amur angesiedelt mit ca. 8000 Mann Garnison. 

Am 23. Januar 1858 erhielt auch ein neues Unternehmen, die Amur- 
Kompanie, einen Charter, die mit einem Kapital von i Million Rubel ge- 
griindet wurde und das Recht hatte, dies auf 3 Millionen zu erhohen. Sie 
brachte vier Dampfer nach dem Amur, und schloss mit der Regierung einen 
Vertrag, eine Telegraphenlinie von Moskau bis Nicolajewsk zu legen; die nach- 
her iiber die Kurilen und Kamtschatka und iiber die Behringstrasse nach Amerika 
fortgesetzt werden sollte. 




Eisbaren bei Point Barrow (Alaska). 

Die Gesellschaft errichtete mehrere Stationen am Amur und brachte im 
nachsten Jahre noch 2 weitere Dampfer dorthin. 1860 betrug der Import in 
Nicolajewsk und Castriesbai bereits iiber 4 Millionen Mark, ohne den Wert der 
Dampfer und der gefuhrten Schiffsladungen von Regierungsbedarf zu 
rechnen. 

Sonst entsprach aber die neue Amurprovinz zunachst nicht den Er- 
wartungen. Den Chinesen war nach den ersten Erfolgen bei den Takuforts 
gegenliber den Alliierten 1859 der Kamm geschwollen, sie ignorierten die Ab- 
tretung der Provinz vollkommen, und belastigten die Ansiedler sowie die 
Schiffahrt auf dem Flusse fortwahrend. Ein Krieg zwischen Russland und 
China schien unvermeidlich, da machte der Sieg der Franzosen und Englander 
die Chinesen eilig bereit, einen neuen vorteilhaften Vertrag mit Russland zu 



208 III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels 

schliessen, der viel umfassender war, als einer der vorhergehenden. Im 
November 1860 wurde derselbe vom Grafen Ignatiews und dem Prinzen Kung 
in Peking unterzeichnet. 10 ooo Kolonisten aus dem westlichen Sibirien trafen 
im Amurgebiet ein, aber da sie ebenso wie die Kosaken die Landwirtschaft nur 
oberflachlich und altmodisch betrieben, so bauten sie nicht einmal so viel Ge- 
treide, als zu ihrem eigenen Unterhalt notwendig war. Auf Anordnung der 
russischen Regierung brachte darauf Kapitan von Vries 40 deutsche Familien 
aus Kalifornien und ausserdem wurden 100 deutsche Mennonitenfamilien 
aus Siidrussland an den Amur gebracht, um gewissermassen als Lehrer fur die 
Kosakendorfer zu dienen. Heute ist das Ussurigebiet eine Kornkammer, ob- 
gleich auch jetzt noch der landwirtschaftliche Betrieb dort viel zu wiinschen 
iibrig lasst. 

Um diese Zeit kam auch der erste deutsche Kaufmann nach dem Amur- 
gebiet, der Hamburger Fr. Aug. Liihdorf, der mehrere Dampfer auf dem Amur 
laufen hatte. Die Firmen H. W. Dickmann jr., Langeliittge, Kunst & Albers, 
die heute den gesamten Handel von Ostsibirien beherrschen, kamen erst 
mehrere Jahre spater. Die anderen damals in Nicolajewsk ansassigen Firmen, 
Bordmann & Co. aus Boston, H. Pearce aus Boston, O. Esche aus St. Franzisko 
und Cohn & Naumann aus St. Franzisko sind langst eingegangen. Die Amur- 
Kompanie, die ihr Kapital auf 3 Millionen Rubel gebracht hatte, wurde so 
nachlassig und unfahig geleitet, dass sie grosse Verluste hatte. Sie hatte die 
Preise so hoch geschraubt und die Warenvorrate so wenig den Verhalt nissen 
des Marktes angepasst, dass die Ansiedler ihre Bediirmisse, soweit sie nicht 
von den deutschen und amerikanischen Kaufleuten in Nicolajewsk gedeckt 
wurden, billiger direkt auf dem teuren Landwege aus Moskau bezogen, als 
durch die Verkaufsladen der Kompanie. Durch die direkte Schuld der Bevoll- 
machtigten del Gesellschaft waren auch in einem Jahre drei Schiffe mit wert- 
vollen Ladungen an der Kiiste verloren gegangen. Nach zwei Jahren betrug der 
Verlust bereits I Million Rubel, den dritten Teil des Aktienkapitals. 

In einer Schiffsliste aus dem Jahre 1860 in Nicolajewsk finde ich, dass 
damals 4 Segelschiffe aus Hamburg, zwei aus Boston, zwei aus St. Franzisko 
und eins aus Honolulu im Hafen lagen. Die russisch-amerikanische Kompanie 
beschaftigte sich zu dieser Zeit im Amurgebiet nur mit dem Pelzhandel, der 
Spedition ihrer Ware nach ihrem amerikanischen Gebiet, und dem Eishandel 
nach Schanghai und anderen Platzen. Den Eishandel hatte die russisch- 
amerikanische Pelzhandels-Kompanie in Amerika 1852 aufgenommen und in 
diesem Jahre mit der neugegriindeten amerikanisch-russischen Handelsgesell- 
schaft in St. Franzisko einen Vertrag abgeschlossen, wonach sie von Sitka 
jahrlich rund 1000 Tonnen Eis, a 35 Dollars, nach St. Franzisko liefern sollte. 

1855 erlangte der President der amerikanisch-russischen Kompanie in 
St. Franzisko durch personliche Audienz beim Kaiser in Petersburg einen Ukas, 
wonach die Pelzhandelsgesellschaft das Eis zum Kostenpreise in die Kolonie zu 
liefern habe, und zwar in geniigender Menge, um Kalifornien, Mexiko und die 



y. Kapitel. 2OQ 



Sandwichmseln zu versorgen. Sie sollte auch ferner Fische, Kohlen und Holz 
liefern und dafiir die Halfte des Kostenpreises erhalten. Es erwies sich aber 
bald, dass die neugegrundete Kompanie nicht geniigendes Kapital hatte. Es 
konnten nicht geniigendVorratshauser gebaut werden, und die von Sitka ein- 
treffenden Ladungen von Fischen, Eis usw. verdarben aus Mangel an geeigneter 
Unterkunft. Schliesslich fallierte noch die Bank, in der die Eisgesellschaft ihr 
Depot hatte, und der President ging mit allem Geld, das er erfassen konnte, 
durch. Die russisch-amerikanische Pelzhandelsgesellschaft hatte eben mit ihren 
kalifornischen Unternehmungen seit der Zeit des Grafen Rezanoff wenig Gliick. 
Kapitan Furnhelm, derselbe der den ersten direkten Warentransport hinunter- 
gebracht hatte, wurde nach St. Franzisko gesandt, und es gelang ihm endlich, 
im Jahre 1859 den fatalen Kontrakt ohne Inanspruchnahme des Gerichts zu 
losen. 

Die Indianer hatten sich noch mehrfach sehr feindlich erwiesen und 
sowohl Angriffe auf Sitka gemacht als auch das russische Fort Andreefky 
zerstort. Doch gelang es dem Gouverneuer Woiwodky die Thlinkets zur Unter- 
werfung und zur Eroffnung eines regelmassigen Handels zu bringen. Ein Platz 
am Stikeenriver wurde als neutraler Punkt erklart, wohin die Indianer ihre 
Pelzausbeute bringen sollten. 1859 wurde auch der 1840 abgeschlossene und 
1849 au f I0 Jahre verlangerte Pachtvertrag mit der Hudsonbay Company 
bis zum i. Juni 1862 verlangert. Die Pachtsumme best and noch immer aus 
2000 Seotterfellen jahrlich. 

Jetzt hatte dieser Vertrag schon einen hoheren Wert, denn die Tiere 
fingen an, seltener zu weiden. Man zahlte jetzt schon fur ein sehr gutes Fell 
500 Taler und der Durchschnittswert war 200 Taler pro Stuck. 

Kapitan Furnhelm wurde jetzt zum Gouverneur der Kolonie ernannt. 

Da der Freibrief der russisch-amerikanischen Kompanie, beinahe ab- 
gelaufen war, aber viele Klagen iiber Missbrauche laut wurden, so wurde vor 
Einleitung von Verhandlungen dei kaiserliche Kammerherr Paul Nicolajewitsch 
Golovin nach Alaska gesendet, um die ganzen Verhaltnisse genau zu unter- 
suchen. 

Sein Bericht wurde 1862 in Petersburg veroffentlicht, und enthalt viele 
interessante Einzelheiten. Das ursprungliche Kapital war, wie wir schon fruher 
erwahnt 98 ooo Silberrubel gewesen. 1818 wurden die Aktien statt 150 Rubel 
auf 500 Rubel pro Stuck umgeschrieben, ohne dass eine Nachzahlung erfolgte. 
1844 besass die Gesellschaft bereits ein Reservekapital von 450 ooo Rubel. 
1862 zur Zeit als der Bericht veroffentlicht wurde, war das Kapital auf 
660 ooo Rubel, die Reserven auf 750 ooo Rubel angewachsen. Die Dividende 
schwankte zwischen 6 und 15 Proz. jahrlich. 

Wahrend der Jahre 1840 1860 war der Bruttogewinn der Gesellschaft 
zusammen 20 Million Rubel, daraus empfing die kaiserliche Regierung Abgaben 
in Hohe von 4 Millionen Rubel, an Dividende wurden ca. 3 Millionen Rubel 
wahrend dieser Zeit verteilt. Um dem Mangel an Umlaufsmitteln abzuhelfen, 

14 



2IO III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

hatte die Kompanie im Jahre 1860 fur 40 ooo Rubel eine Art Papiergeld 
ausgegeben, das in gestempelten Lederstiickchen befand. Im Hamburger 
Museum befinden sich noch einige soldier Stiicke. 

Golovin berichtet noch iiber die Verhaltnisse in den Kolonien. Das 
Ganze stand unter einem Generaldirektor, der vom Direktorium in Petersburg 
erwahlt wurde. Er hatte die absolute Gewalt in Handen, denn im Territorium 
gait das Gesetz nicht, sondern nur die Statuten der Gesellschaft. So musste ein 
Auslander, der beim Schmuggeln auf Sitka abgefasst war, freigelassen werden, 
da es kein Angestellter der Gesellschaft war und deshalb deren Statuten nicht 
bindend fur ihn war en. 

Das Territorium war in 6 Distrikte eingeteilt. I. Sitka von Mt. St. Elias 
siidwarts. II. Kadiak von St. Elias bis Bristolbay und westlich bis zu den 
Shumagin-Inseln. III. St. Michael bestehend aus Norton Sund. Yukon- 
Distrikt und dem Kuskoquim-Distrikt. IV. Unalaska von den Shumagin- 
Inseln bis zu den Pribyloffs und die Fuchsinseln. V. Atka bestehend aus dem 
Rest der Aleuten-Inseln und den Commandorski-Inseln (Copper- und Behring- 
Inseln). VI. Die Kurilen. 

Golovin berichtet mit Entriistung iiber die Behandlung, welche die 
Aleut en von der Kompanie erdulden mussten, namentlich anfangs, wo viele 
Tausende von Glottof und Solovief unter den grossten Grausarrikeiten getotet 
wurden. Aber auch spater wurden sie mehr wie Tiere als wie Menschen be- 
handelt. Sie waren die Sklaven der Kompanie und mussten an alien Jagd- 
expeditionen teilnehmen, und auch ihre eigene Beute an die Russen verkaufen, 
gegen Waren, deren Preise ganz willkurlich von der Gesellschaft festgesetzt 
wurden. Ihre Zahl nahm deshalb auch rapide ab. In 1799 waren es 10 ooo Mann 
1808 waren sie nach der Zahlung Rezanoffs auf 4300 zusammengeschmolzen 
und 1860 existierten nur noch 1500. Die Verhaltnisse waren also ganz ahnliche 
wie heute im Congo- Staat. Auch die Angestellten wurden schlecht bezahlt und 
schlecht verpflegt. Die Nahrung bestand vorwiegend aus Fisch, gelegentlich 
Wild und Speck. Brot, Mehl, Gemuse musste von der Kompanie zugekauft 
werden, die dafur hohe Preise rechnete. 

Auch die Missionare kamen im Bericht Golovins schlecht weg, sie seien 
faul, habsiichtig und trunksuchtig. Die von ihnen unterhaltenen Schulen in 
denen ausser Religion und etwas Lesen nicht s gelehrt wurde, waren fast 
gar nicht von den Eingeborenen besucht. Die Zahl der christlichen Thlinkets 
die 1846 noch 531 betragen hatte, war 1859 au f 3^ zuriickgegangen. Die Ge- 
sellschaft hatte selbst 1860 eine Schule er off net, in der auch Eingeborene unter- 
richtet werden sollten. Sie mussten sich aber als Gegenwert fur den 5 jahrigen 
Unterricht verpflichten, 15 Jahre lang der Gesellschaft zu dienen, fur einen 
Jahreslohn von 20 bis 70 Rubel. 

Golovin berichtet auch iiber die derzeitigen Handelsverhaltnisse, die er 
als sehr ungiinstig bezeichnet. Die Gesellschaft durfte weder Waff en und 
Munition noch geistige Getranke an die Eingeborenen verkaufen. Nun war 



7. Kapitel. 211 



aber bereits seit 1850 regelmassig ein Dampfer der Hudsonbay Company 
zwischen den Inseln erschienen, der den Eingeborenen mitteilte, dass sie alle 
die verbotenen Artikel von ihren Handelsposten erhalten konnten. Der 
russische Handel mil den Eingeborenen des Alexander- Archipel horte dadurch 
vollkommen auf. Ebenfalls seit 1860 besuchten Handelsschoner und Briggs 
von Honolulu aus regelmassig die Niederlassungen der Tschuktschen an der 
asiatischen Kuste und tauschten Felle, Wallrosszahne von ihnen gegen die ver- 
botenen Artikel ein, die von den Tschuktschen dann weiter an die Eingeborenen 
Sibiriens verhandelt wurden. Die Fellausbeute dieser Honoluluhandler fand 
ubrigens ihren Weg meist nach Bremen. Im Amurgebiet tut die Konkurrenz 
der deutschen und amerikanischen Kaufleute dem Geschaft der Kompanie 
ungeheuren Abbruch. 

Golovin starb gleich nach seiner Riickkehr aus Petersburg. Sein 
Bericht war im ganzen der Kompanie nicht ungiinstig gewesen, aber gleich- 
zeitig verof fentlichte ein Halbblut aus Alaska, ein gewisser Kashewarof f , der in 
Petersburg wohnte, eine scharfe Kritik der Zustande in den Kolonien, und die 
Richtigkeit derselben wurde von dem beruhmten Forscher Baron Wrangell 
bestatigt. 

Die Regierung beschloss deshalb, den Charter nicht zu erneuern. Die 
Kompanie hatte von nun an keirae Rechte, die nicht jedem russischen Untertan 
freistanden. Auch das Verbot der direkten Seeottereinfuhr nach Russland 
wurde aufgehoben. Es verblieb ihr nur das Eigentumsrecht an ihrem beweg- 
lichenVermogen und dem wirklich in Gebrauch genommenen Grund und Boden. 
Sie konnte natiirlich fortfahren, Handel zu treiben, hatte aber keinerlei Hoheits- 
rechte. Alle Schulen wurden aufgehoben, die Ausgaben stark eingeschrankt 
und an Stelle des Direktors trat ein kaiserlicher Beamter, zunachst Gouverneur 
Maksutoff. Die Gesellschaft machte noch alle Anstrengungen, ihr Geschaft ge- 
winnbringend zu gestalten. Ein neuer Eiskontrakt wurde abgeschlossen, wo- 
nach sie jahrHch 3000 Tons Eis a 25 Dollar pro Ton an eine St. Franzisko- 
Eis- Gesellschaft liefern sollte. 

Einen Lichtblick schien auch die Griindung der Western-Union-Telegraph- 
Kompanie zu bringen, welche eine Telegraph enlinie durch Alaska, iiber die 
Behringstrasse und das Tschuktschengebiet zum Anschluss an den russischen 
Uberlandstelegraphen legen wollte. Es ist hier nicht der Platz, auf dieses Unter- 
nehmen einzugehen. Ein grosser Teil der Strecke war schon fertig, als das 
Gelingen des ersten neuen atlantischen Kabels die amerikanische Gesellschaft 
zur Aufgabe des Unternehmens brachte. 

1867 wurde dann der Vertrag zwischen der russischen Regierung und den 
Vereinigten Staaten abgeschlossen, wonach ganz Alaska fur 7 Millionen Dollar 
in den Besitz der U. St. uberging. 

Die Ubergabe musste frei von alien Privilegien, Vorrechten oder sonstigem 
Vorbehalt sein, die irgend welch erGesellschaftgehorten, wo fur die amerikanische 
Regierung dann noch eine Entschadigungssumme von 200 ooo Dollar an die 



212 III". Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

russisch-amerikanische Gesellschaft bewilligte. Nur Privateigentum einzelner 
Personen verblieb denselben. 

Alle Einwohner batten innerhalb drei Jahre die Wahl, ob sie nach 
Russland zuruckkehren, oder amerikanische Burger werden wollten, mit Aus- 
nahme natiirlich der eigentliche Eingeborenen, Indianer, Aleuten und Eskimos. 

Die russisch-amerikanische Kompagnie erhielt durch besondereVerhandlung 
noch einen Aufschub von einem Jahr, in welchem sie ihre Niederlassungen auf- 
losen und die Vorrate von Waren, Fellen usw. entfernen durfte. Alle Archive 
usw. gingen in den Besitz der U. St. iiber. Die griechische Kirche verblieb in 
dem Besitze ihrer Gebaude und des ihnen fest verliehenen Grund und Bodens. 

Die Gesellschaft war nunmehr ganz auf den Gang ihres Handels in 
Kamtschatka und Ostsibirien angewiesen, sowie auf die Ausbeute der Jagd auf 
den Komodorski-Inseln, Copper und Behring-Island, auch den Kurilen-Inseln 
die bekanntlich erst 1875 an Japan abgetreten wurden, und die zur damaligen 
Zeit noch ein Hauptfundort fur Seeottern bildeten. Noch im Jahre 1880 schickte 
die japanische Regierung jahrlich ca. 400 Seeottern nach London in Auktion. 

Durch die Monopolwirtschaft aber verwohnt, und auch sonst wohl schlecht 
geleitet, konnte sich die russisch-amerikanische Pelzkompanie nicht halten 
und loste sich auf. Jetzt wurde auch fur die Einfuhr in Russland das letzte 
Pelztier, dessen Einfuhr verboten war, die Seeotter, freigegeben. 

Urspriinglich war j a der ganze sibirische Pelzhandel, wie wir friiher ge- 
sehen hatten, Monopol, doch wurden allmahlich immer mehr Pelzsorten zur 
Einfuhr gegen Zoll freigegeben. Der Pelzhandel im Innern war stets frei, und 
fand hauptsachlich auf den grossen Messen statt. Die alteste Messe, die wir er- 
wahnt fin den, ist das alte Bolgar unterhalb der Miindung der Kama im 
Gouvernement Kasan. Schon im n. Jahrhundert erwahnt der arabische 
Schriftsteller Ibu Forslam, dass in Bolgar ein grosser jahrlicher Markt statt- 
fande, wohin russische Kaufleute Madchen und Zobelfelle zum Verkauf 
brachten, auch Grauwerk und Biberfelle, Fiichse und dergleichen seien dort 
zu finden. 

Bolgar war die alte Hauptstadt des Bulgarenreiches in Nordrussland, 
wurde aber dann durch die Mongolen erobert, durch die Kirgisen besetzt und 
. schliesslich gegen Ende des 14. Jahrhunderts durch Tamerlan zerstort. 

Fiir das eigentlich russische Pelzgeschaft von Bedeutung wurde aber erst 
die Messe von Makariew an der Wolga im Gouvernement Nishnij-Nowgorod, 
die um das Jahr 1530 begriindet, bald einen grossen Umfang annahm. 1633 
wurde dann die Messe zu Irbit gegriindet, die alljahrlich vom I. Februar bis 
i. Marz stattfindet. Erst 1775 erhielt Irbit trotz seiner Bedeutung Stadtrechte, 
undzwar als Belohnung fur seinen Widerstand gegen die Scharen des Emporers 
Pugatschew, der sich bekanntlich fur den ermordeten Kaiser Peter III. aus- 
gegeben, und die sibirischen eingeborenen Stamme um sich geschart hatte. Um 
die Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Messen in Charkow eingerichtet, 
die jetzt jahrlich zweimal statt finden, im Oktober und Januar, und die fur den 



y. Kapitel. 



213 



Rauchwarenhandel auch von Bedeutung sind. Der Gesamtumsatz auf diesen 
beiden Messen an alien zugefiihrten Waren soil 100 Millionen Rubel erreichen. 

Nachdem 1869 im Vertrage zu Nertschinsk, wie wir friiher bereits gesehen, 
Kiachta zum alleinigen Grenzhandelsplatz fur den Handel zwischen Russland 
und China bestimmt war, wurde dort 1727 die beriihmte Messe eingeiichtet, 
die alljahrlicb im Dezember stattfindet, wo russische Fabrikate, haupt- 
sachlich Rauchwaren gegen Tee und Seide getauscbt wurden. Dieser Handel 
war ungemein lukrativ und die russischen Kaufleute, die die Kiachtamesse 
regelmassig besuchten, geborten zu den reichsten Russlands. Der Konsum 




Bilder aus Nishnij-Nowgorod: Persianer Handler. 

von Champagner, zu 25 Rubel per Flasche, war wahrend der Messe ein unge- 
heurer. 1860 aber, als der russische Handel langs der Grenze freigegeben wurde 
und auch die Vertragshafen dem russischen Handel geoffnet wurden, biisste die 
Messe von ihrer Bedeutung stark ein, um no( h mehr durch die Eroffnung der 
eibirischen Barm zu verlieren. Wann die Messe in der 1630 gegriindeten Stadt 
Ischim in der Kirgisensteppe am gleichnamigenNebenfluss der Irtisch gegriindet 
wurde, ist nicht genau bekannt, wahrscheinlic h gegen Ende des 17. Jahrhundert 
Der Jahrmarkt findet allj ahrlich vom i. bis 20. Dezember statt, und dient 
als Hauptverkehrsstatte fiir den Handel mit den Kirgisen und der ganzen 
Umgegend. Sollen doch wahrend der Messe an 20 ooo Fremde herbei- 
stromen, nicht nur von Tomsk, Semipalatinsk, Tobolsk usw., sondern auch 
von Moskau. 

Es werden dort hauptsachlich Kamelwolle, Wolle, Haute, Schaffelle, 



214 



III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 




Bucharischer Verkaufer von Persianerfellen. 



Schmuckfedern und Rauchwaren 
umgesetzt im Werte von etwa 
10 Millionen Rubel. Namentlich 
die Hermelin von Ischim geniessen 
einen Weltruf. 

Auch das ganz in der Nahe 
am Ischinfluss gelegene Petro- 
pawlowskhat eine jahrliche Messe, 
die aber fur Rauchwaren weniger 
Bedeutung hat und hauptsach- 
lich die Produkte der kirgisischen 
Viehzucht umsetzt. Schlachtvieh, 
Kamerwolle, Wolle, Darme, Schaf- 

felle, Lammfelle usw. Zirka 200 ooo Steppenrinder werden hier wahrend der 
Messe im Spatherbst geschlachtet und im gefrorenen Zustand nach Russland 
gesandt. In der letzten Zeit kommen auf diesen Markten auch viel Murmel- 
felle usw. zum Verkauf. 

Nachdem die Messe zu Makariew 3 Jahrhunderte lang in hoher Bliite 
gestanden, brannte 1816 der Ort wahrend eines schweren Sturmes nieder. Die 
grossen dort errichteten Kaufhofe wurden bis auf den Grund zerstort. Nach ein- 
gehender Beratung der beteiligten Kreise wurde die Messe nicht wieder dort 
erofmet, sondern 1817 nach dem aufbluhenden Ort Nishnij Nowgorod verlegt, 
aber nicht nach der eigentlichen Stadt selbst, sondern derselben gegenliber auf 
einer von der Wolga und der Oka gebildeten Landzunge wurde eine besondere 
Messestadt mit mehreren hundert grossen Kaufhofen, uber 6000 Messebuden, 
Theater, Hotels etc. erbaut, die liber 10 Monate des Jahres leer steht. Nur 
wahrend der Messe, die vom 15. Juli russischen Stils (28. Juli) bis zum 17. Sep- 
tember stattfindet, durchflutet eine ungeheure Menschenmenge die Gassen, 
durch die sonst nur der Schritt der Wachter widerhallt. 

Die Messe zu Nishnij Nowgorod nahm infolge der giinstigen Lage zwischen 
Europa und Asien bald den ersten Rang ein und wurde die beruhmteste 
Messe der Welt. Kaufleute aus Persien, dem Kaukasus, von der Krigisensteppe 
und den Stadten Sibiriens stromten dorthin. Man sah Vertreter aller asiatischen 
Volker, selbst die schlitzaugigen Bewohner des fernen Cathay und die renntier- 
ziichtenden Samojeden von den Ufern des Eismeeres kamen hin. Aus alien 
russischen Stadten stromten die Kaufleute zusammen, namentlich die Rauch- 
warenhandler aus Moskau, Petersburg, Sklow, Charkow, Wilnausw., aber auch 
Deutsche blieben nicht aus, und scheuten nicht die weite Reise per Post nach 
Moskau und von dort, entweder auf dem Landwege auf den riittelnden Telegas, 
oder auf dem bequemeren Wasserwege, zuerst auf den schwerfalligen Segel- 
booten, den Lotkas. Spater als die Bahn bis Moskau ging, und auf der Wolga 
Dampfer verkehrten, die nach Art der Mississippi-Dampfer schwimmenden 
Palasten gleichen, nahm naturlich der Besuch nichtrussischer Einkaufer und 



y. Kapiteh 



215 




Von der Nishnij-Messe. 



Verkaufer zu. Die Mehrzahl 
bildeten allerdings und bilden 
noch heute Leipziger Rauch- 
warenhandler, aber seit Er- 
bauung der Bahn von Moskau 
nach Nishnij besuchen auch 
Londoner und New Yorker 
Kaufleute die Messe zum Ein- 
kauf . Zwar hat mit der uberall 
einsetzenden Dezentralisation 
des Handels die Nishnij-Messe 
nicht mehr die Bedeutung von 
fruher ? wo uberhauptdergrosste 
Teil der russischenRauchwaren 
hier zusammenstromte, doch 

ist sie immerhin noch heute von hervorragendem Einfluss auf den Geschafts- 

gang der Rauchwarenbranche. Der Gesamtumsatz betragt auch jetzt noch 

mehr ere hundert Millionen Rubel. 

Der Hauptsitz des russichen Rauchwarenhandels waren Petersburg und 

Moskau. Zwar befanden sich in alien Stadten des Landes grosse und kleine 

Rauchwarengeschafte, meist in den Handen polnischer Juden befindlich, die 

alljahrlich die Leipziger Messe aufsuchten, um sich mit Waren zu versorgen, 

soweit der ihnen eingeraumte Kredit reichte, der eigentliche Grosshandel 

ruhte aber in wenigen Handen, z. B. des deutschen Hauses Mertens & Sohne 

in Petersburg, der Herren Sorokumowsky und Odnoschewsky, Swaeteschnikoffs 

und anderer, die schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ihre Umsatze 

und ihr Vermogen nach Millionen bezifferten. 

Das eigentumliche war dabei, dass der russische Rauchwarenhandler bei den 

emgefiihrten amerikanischen und anderen auslandischen Waren einen Kredit 

von 9 bis 12 Monaten bean- 

spruchte, die russischen Rauch- 

waren aber nur gegen Bar- 

zahlung abgegeben wurden. Es 

befassten sich deshalb auch ver- 

schiedene Bankhauser und Spe- 

ditionsgeschafte wie Zenker &Co. , 

Gerhard & Hey, Knoop & Co. 

und andere mit der Abwicklung 

dieser Geschafte, indem sie die 

Waren in Russland ubernahmen 

und bezahlten, und dann in 

Deutschland nach besonderer 

Vereinbarung auslieferten. Es Von der Nishnij-Messe. 




2l6 



III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 




Leipziger Rauchwarenhandler an Deck eines 
Wolgadampfers auf der Fahrt nach Nishnij. 



geschieht dies zum grossen Teil 
noch heute. 

Friiher wurden in Moskau 
alle Rauchwarengeschafte an der 
Borse abgewickelt oder eigentlich 
richtiger vor der Borse, denn die 
wenigsten Kaufleute gingen bin- 
em, die meisten standen auf der 
Strasse vor der Borse. Viele der 
grossten Handler besitzen auch 
nicht die Berechtigung zum Be- 
such der Borse, die den Kauf- 
leuten erster Gilde vorbehalten 
war. Heute wickelt sich aber ein 
grosser Teil des Geschafts auch 

ausserhalb der Borse ab, namentlich die Tartaren in deren Handen ein grosser 
Teil des Handels mit sibirischen und mittelasiatischen Produkten liegt, be- 
suchen nie die Borse, sondern verlangen, dass man sie in ihren Lagerhofen 
aufsucht. Einzelne derselben sind von ganz gewaltigem Umfange und be- 
herbergen Warenmengen von vielen Millionen Rubeln, die fast nie ver= 
sichert sind. 

Die Form dieser vielen Hofe, die von kleinen Lagerschuppen umrahmt 
sind, wahrend sich die Kontore im Vorderhaus befinden, erinnert an die grossen 
Geschaftshauser, die ich in der Mandschurei getroffen habe. Wie aber auch 
die Geschafte betrieben werden, niemals werden sie ohne Zuhilfenahme eines 
Maklers abgeschlossen, denen bei der Schwerfalligkeit der meisten russischen 
Kupetz eine sehr wichtige Rolle zufallt. Einen sehr grossen Aufschwung nahmen 
die russischen Geschafte, als nach dem Aufhoren der russisch-amerikanischen 
Gesellschaft, auch die letzten Einfuhrbeschrankungen aufhorten und ausser- 
dem gleichzeitig in Leipzig den russischen Kaufleuten der weitgehendste Kredit 
eingeraumt wurde, und zwar haufig nicht in gerechtfertigen Massen. Namentlich 
in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts beliefen sich die 
in Russland erlittenen Verluste auf ungeheure Summen, allein bei der durch den 
russisch-tiirkischen Krieg verursachten Krisis des Jahres 1878, als der russische 
Rubelkurs von 2,60 Mk. auf 1,70 Mk. fiel, verlor der Leipziger Rauchwaren- 
handel in Russland gegen 20 Millionen Mark. Gegenwartig werden nicht an- 
nahernd so weitgehende Kredite mehr gewahrt als fruher, da heute Leipzig bei 
seinen Beziehungen zum Weltmarkt auch nicht mehr auf den russischen Markt 
angewiesen ist, wie fruher. Damals erschienen die russischen Einkaufer gleich 
nach den Osterfeiertagen und blieben haufig bis zu Beginn der Nishnij -Messe 
in Leipzig, was ubrigens vereinzelt noch jetzt geschieht. 

Wahrend die Nishnij -Messe ubrigens schon fruhzeitig von auswartigen, 
namentlich Leipziger Kaufleuten, besucht wurde, war dies mit der Irbitmesse 



7. Kapitel. 217 



viel weniger der Fall. Die Fahrt dorthin war auch mitten im Winter eine so 
beschwerliche, dass nur verhaltnismassig wenig deutsche Rauchwarenhandler 
dorthin reisten, sondern lieber ihre Auftrage Moskauer Kaufleuten mitgaben, 
welche nach Irbit reisten. Mehr besucht wurde dieselbe, als die Bahn bis 
Kasan und spater bis Perm ging, doch waren es von dort aus immerhin noch 
fast 8 Tage im Schlitten. 

Als die sibirische Bahn in Angriff genommen wurde, beschloss man auch 
eine Zweiglinie nach Irbit zu legen, doch die weisen Leute der Stadt petitio- 
nierten, dass doch ja die verderbenbringende Loko motive von der Stadt fern- 
gehalten wurde, da der Handel sonst unbedingt vernichtet wurde, eine An- 
schauungsweise, die von vielen Stadt verwaltungen Sibiriens geteilt wurde. 
Es geschah auch nach den Wiinschen der biederen Irbiter, immerhin wurden 
sie aber dem Weltverkehr bedeutend naher geriickt. Von Tscheljabinks, dem 
bedeutendsten Eisenbahnknotenpunkt am Ural, zweigt sich eine Seitenlinie 
ab, auf der man in einem Tage iiber Jekaterinenburg nach Kamyschlow gelangt. 
(Von Moskau bis Tscheljabink braucht man etwa 70 Stunden). In Kamy- 
schlow miissen allerdings wieder die Schlitten bestiegen werden, um die letzten 
110 Kilometer. zuriickzulegen, was in 10 Stunden geschieht, bei der Kalte des 
sibirischen Winters kein Vergniigen, 

Der Aufenthalt, in dem jeglichen modernen Komfort entbehrenden iiber- 
fiillten Irbit, ist auch gerade keine Annehmlichkeit, namentlich, da man fast 
stets auf Privat-Logis angewiesen ist, was schon in den, russischen Provinz- 
stadten fur den gebildeten Mitteleuropaer starke Entbehrungen auferlegt. 
Trotzdem sind in Irbit zur Messe wohl 20 30 000 Fremde aus alien Teilen 
Sibiriens, Russlands und Mitteleuropas anwesend, und schon viele Wochen 
vorher sind die Strassen mit unendlichen Schlittenziigen bedeckt, die in langer 
Reihe die Produkte Sibiriens, wie Rauchwaren, Wolle, Haute, Federn, Kamel- 
wolle, Darme, Schmuckfedern usw., die Erzeugnisse der uralischen Eisen- 
industrien, die Teekisten des fernen Chinas, den Zucker und die Baumwoll- 
waren Russlands usw. herbeifuhren. Die auf der Irbitmesse gezahlten Preise 
bilden noch heute einen Wertmesser fur die russischen Produkte. Aber mit der 
Ausdehnung des Schienennetzes hat doch die Bedeutung des Marktes nach- 
gelassen. Zahlreiche Moskauer Kaufleute, teilweise im Auftrage Leipziger 
Firmen, sowie Leipziger Rauchwarenhandler selbst, bereisen mit Beginn der 
Saison die Hauptzentren, wie Orenburg, Taschkent, Tobolsk und selbst das 
feme Irkutsk um Abschliisse zu machen, Waren zu ubernebmen, so dass nur 
noch ein Teil der sibirischen und mittelasiatischen Produkte nach Irbit und 
Nishnij Nowgorod gelangt, der andere Teil gelangt aber direkt nach Leipzig. 
Durch den dadurch erzielten Wegfall der Zwischengewinne und die verringerten 
Unkosten, gewinnt natiirlich auch der Gesamtumsatz, der sich in den letzten 
Jahren vervielfacht hat. 

Genauere Zahlen werden in Tabellenform am Schluss des Buches 
gegeben. 



2l8 ITT. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

Wie wir in einem friiheren Artikel gesehen haben, war das MonopoT 
des Seehundsfanges auf den bei Russland verbliebenen Commodorski-Inseln 
Copper und Behring Island an die St. Franzisko Firma Hutchinson Kohl & Co. 
auf 20 Jahre verliehen worden, die dasselbe an die Alasca Commercial Company 
verausserte. Der Fang war auf 60 ooo Seehunde jahrlich festgesetzt worden. 
Nach dem Erloschen des Vertrages von 1889 bildete sich in Petersburg eine 
russische Gesellschaft unter der Leitung des bekannten Kiirschners Griinwald, 
der die Ausnutzung des Monopols ubernahm. Die Zahl der jahrlich zu totenden 
Tiere wurde aber infolge der unablassigen Verfolgungen auf hoher See erheblich 
eingeschrankt und kommen jetzt jahrlich nur ungefahr 8000 Copperisland- 
Felle auf den Markt. Der alleinige Verkauf derselben findet in London auf 
der Marzauktion von C. M. Lampson & Co. statt. 

Der Handel mit Seehundsfellen ist an der ganzen Kiiste von Sibirien und 
Kamtschatka verboten. Nur hin und wieder verkauft die russis'che Regierung 
in Wladiwostok die Ladung eines beschlagnahmten Schoners. . Als ich in 
Wladiwostok war, lagen etwa ein Dutzend Schoner meist amerikanischen und 
kanadischen Ursprungs dort im Hafen zum Verkauf. 

Jetzt sind aber fast ausschliesslich die Japaner die Wilderer, die auch 
ofters Landungsversuche machten, in der letzten Zeit aber durch die ver- 
starkten Kiistenwachen auf den Inseln mehr in Schach gehalten werden. Die in 
der Nahe der Commodorski-Inseln gelegene kleine Rookery" auf Robben- 
Island wurde nach dem russisch-japanischen Kriege von Japan behalten, und 
wird jetzt von der japanischen Regierung ausgebeutet. 

In den sechziger Jahren betrieb auch ein St. Franzisko Kaufmann 
Philippaeus ein bedeutendes Pelzgeschaft an der Kiiste des ochotskischen 
Meeres und in Kamtschatka. Er sandte alljahrlich einen Dampfer dorthin, um 
die Ausbeute der verschiedenen Handelsstationen einzuhandeln. Die gesamte 
Ausbeute ging nach London zur Auktion bei Lampson, und stammte z. B. die 
Partie rohen Ochotsky Feh, die alljahrlich dort zum Verkauf kam, von diesem 
Verlader her. Vor einigen Jahren wurde das Unternehmen in eine Aktiengesell- 
schaft, der Kamtschatka Trading Co., umgewandelt und der Betrieb erweitert. 
Mehrere Dampfer halten den Verkehr zwischen der Kiiste Ostsibiriens und 
St. Franzisko offen. Auch in Petersburg besteht eine Kamtschatka Handels- 
gesellschaft, die ausser dem Pelzhandel auch die Ausbeutung des gewaltigen 
Lachsreichtums der kamtschatkischen Strome betreibt, und dieselben in Kuhl- 
schiffen nach Europa versendet. Schon vor 20 Jahren fasste iibrigens Kapitan 
Bollmann, ein geborener Deutschamerikaner in russischen Diensten, den Plan, 
eine Gesellschaft zur Verwertung der Lachse des Amurs zu begriinden, doch 
wurde die Sache von der russischen bureaukratischen Regierung nicht ge- 
nehmigt. Griinde fur dies sinnlose Verbot anzugeben, hielt sic nicht fur notig. 
Eine weitere russische Pelzhandelsgesellschaft, die Anadyrsk Company, unter- 
halt Pelzhandelsstationen nordlich von Kamtschatka an dem Ufer der 
Behringsee, auf der Tschuktschen Halbinsel, und betreibt den Tauschhandel 



7- Kapitel. 2IQ 



mit den Tschuktschen. Friiher wurde von den Walfischfangern sehr viel Pelz- 
werk von den Tschuktschen, Eskimos an der Kiiste der Behringsee und des 
Eismeeres eingetauscht, und auch einzelne Schoner trieben dies lukrative Ge- 
schaft. Jetzt ist aber ausschliesslich Fahrzeugen unter russischer Flagge ge- 
stattet, mit der Kiiste in Verbindung zu treten, und russische Kanonenboote 
und Zollkreuzer patrouillieren regelmassig, um jeden Kiistenhandel unter 
fremder Flagge zu verhindern. Von. St. Franzisko aus gehen aber alljahrlich 
zahlreiche kleine Segler, Motorschoner und Dampfer nach Alaska und den 
Inseln nordlich davon, um Pelzhandel zu treiben, und von diesen laufen 
viele auch die Kiiste des nordostlichen Sibiriens an, um Rauchwaren ein- 
zukaufen. Der Pelzhandel in Kamtschatka war ein sehr lukrativer; ver- 
schiedene Geschafte in Petropawlowsk pflegten denselben, worunter auch ein 
Amerikaner M. Grey. Die Jager erhielten Gewehre, namentlich amerikanische 
Winchestergewehre, Patronen, Decken, Mehl usw. auf Kredit zu sehr hohen 
Preisen. 

Eine Winchesterbuchse, die sich z. B. franko Petropawlowsk auf etwa 
20 Rubel stellte, wurde mit 100 Rubel in Rechnung gestellt usw. 

Im Fruhjahr wurden dann die erbeuteten Felle abgeliefert und in 
Zahlung genommen. Ein Barenfell z. B. mit 5 Rubel, ein Zobelfell 5 Rubel usw. 
Als Endresultat blieb der Jager immer noch etwas schuldig. Jetzt ist das 
Geschaft mit der zunehmenden Konkurrenz nicht mehr so eintraglich. Ubrigens 
nehmen die verschiedenen Filialen der Wladiwostoker Firmen in Kamtschatka 
Sachalin und den Kiistenplatzen stets Felle in Zahlung. Der Hauptplatz fur 
den Pelzhandel ist Wladiwostok, von wo aus dann die Waren entweder per 
Bahn nach Moskau oder auf dem Seewege nach Hamburg oder London gehen. 
Schliesslich kommt die Mehrzahl der Produkte doch nach Leipzig. Trotzdem 
Wladiwostok also einen grossen Pelzhandel besitzt, werden die fertigen Pelz- 
waren fur den Bedarf der dort ansassigen Europaer doch eingefuhrt, da kein 
Kurschner am Platze ist. Solange Ostsibirien Freihafengebiet war, kamen die 
meisten Herren- und Damenpelze aus Deutsehland, jetzt aus Moskau. 

Russland gilt in Laienkreisen noch immer nicht nur als Handelsproduzent 
in Rauchwaren, sondern auch als Emporium der edlen Kiirschnerei. Beides 
mit Unrecht. Amerika produziert mehr Rauchwaren als Russland, und als 
Kurschner ist der Russe auch gerade nicht sehr hervorragend. Die f einen 
Detailgeschafte Moskaus und Petersburgs beschaftigen mit Vorliebe deutsche 
und ungarische Arbeiter. Das feine russische Publikum bevorzugt iibrigens 
auslandische Rauchwaren, weshalb Russland eben den star ken Import von 
Fellen hat, die sich durch die hohen Zolle sehr verteuern, die im Fruhjahr 1906 
noch erhoht wurden. So kosten z. B. feine Felle 115 Rubel per Pud, rohe 
Schuppen, Iltis usw. 15 Rubel, Bisam roh, Bisam gefarbt, Kanin 25 Rubel, Rot- 
fiichse 40 Rubel. Das entspricht haufig einem Zollsatz von 20 Proz. und mehr 
vom Wert, bei Rohmaterial ein ungeheurer Zollsatz. Die unteren Klassen, die 
bei der niedrigen Wintertemperatur auch Pelzkleidung notig haben, bevorzugen 



22O III. Geschichte des russischen Rauchwarenhandels. 

deshalb naturgemass die heimische Produktion, besonders aber Pelze aus Schaf- 
fellen usw. Die Anfertigung von sogenannten Halbpelzen, kurze Rocke aus 
Schaffell mit dem fein gegerbten Leder nach aussen, das noch meist mitStickerei 
verziert wird, wird in grossen Fabriken betrieben, die oft 10 ooo solcher Pelze 
und mehr vorratig halten. Allerdings betragt der Preis eines solchen Halbzeuges 
fur den Muschik nur cinige Rubel. Jedenfalls ist aber das russische Pelzgeschaft 
mit dem Leipziger Markt auf engste verkniipft. Seit den Tagen der Hansa 
herrscht diese enge Verbindung zwischen dem deutschen und russischen Rauch- 
warenmarkt, ohne je. eine Abschwachung erfahren zu haben. Auch der direkte 
Export russischer Produkte nach Amerika, England usw., der in den letzten 
Jahren grossen Aufschwung genommen, findet meist unter Vermittlung von 
Leipzig statt. Die russischen Importhauser, die jetzt in New York bestehen, 
haben alle entweder das Stammhaus oder eine bedeutende Zweigniederlassung 
in Leipzig. 



IV. 



Geschichte des Rauchwarenhandels 

in Europa seit dem Mittelalter, 
in Asien und den tibrigen Weltteilen. 



1. Kapitel. 

Frankreich. 

In einem friiheren Artikel (Pelzhandel im Altertum und Mittelalter) 
waren wir bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts vorgedrungen. Fiir die spatere 
Zeit bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts fliessen die Quellen nur sehr spar rich. 

Frankreich war durch seine Besitzungen in Kanada und durch die grossen 
Handelsgesellschaften der Mittelpunkt des Pelzhandels gewesen, und die Zunft 
der Kiirschner und Pelzhandler nahm eine hohe Stellung ein, wovon zahlreiche 
Verordnungen zeugen. Heinrich III. erliess noch 1586 ein sehr umfangreiches 
Statut der Innung. Danach durfte u. a. kein fremder Kaufmann Pelzwaren 
in die Stadt bringen, offnen und zum Verkauf stellen, die nicht vorher von den 
Meistern und Wachtern des Gewerbes gesehen und untersucht worden waren, 
bei Strafe der Konfiskation und 6 ecus (a 6 livres sol). Wenn die Ware nicht 
innerhalb 8 Tagen nach der Besichtigung verkauft war, musste sie ein- 
gepackt und mit dem Staatssiegel wieder verschlossen werden. Es durften 
solche fremden Pelzwaren auch nur an Pelzhandler und Kiirschner verkauft 
werden. Ubrigens wurde jede Ware, die gefarbt, verbrannt oder verfalscht war, 
beschlagnahmt, auch das Mischen von alter mit frischer Ware war verboten. 

Jeder Rauchwarenhandler oder Kiirschner, der eingefuhrtes Pelzwerk ge- 
kauft hatte, musste drei Tage lang einen Teil davon der Innung zur Ver- 
fiigung stellen, und zwar zum Kostenpreis. Erst wenn davon kein Gebrauch 
gemacht wurde, konnte er die Ware fur sich allein verwenden. Die eingefiihrten 
Pelzwaren durften nur an Kiirschner oder Rauchwarenhandler der Innung 
verkauft werden. 

Ebenso durfte kein Kiirschner fur die Handler in den Bazars der Hallen 
Muffen aus zugegebenem Material anfertigen. 

Auch unter den nachfolgenden Herrschern wurden verschiedene Erlasse 
fur das Kiirschnergewerbe erlassen, die sich aber meist auf innereVorschriften, 
das Halten von Lehrlingen, Meistertitel, Abgaben etc. erstreckten. 

Mit der Griindung der Muscovy Company in England hatte Frankreich 
einen starken Konkurrenten auf dem Weltmarkt erhalten, herrschte aber im 
Geschaft mit amerikanischen Rauch waren unumschrankt. Erst die Griindung 
der Hudsonsbay Company 1670 und die Aufhebung des Handelsmonopols der 
Company des Indes occidentales 1668 schuf hierin einen Umschwung. Trotz- 



224 FV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter 

dem blieb Frankreich noch lange Zeit vom englischen Markt vollkommen unab- 
hangig. Eine mir vorliegende Importliste vom Jahre 1743 gibt die folgenden 
Felle an, die in diesem Jahre im Hafen von La Rochelle vonKanada eingefiihrt 
waren : 

15 ooo ,,old coat" Biber*), 

112 088 Castor de Parchment (getrocknete Biber), 
10 623 grosse Baren, 
5 880 kleine Baren, 
no ooo Schuppenfelle, 
30 325 Zobel, 

12 428 Otter und virg. Iltis, 
i 700 Nerze, 
i 220 feine Katzen, 

92 Wolfsfelle, 
10 280 Griesfiichse, 

451 Rotfiichse. 

Es diirfte von Interesse sein, damit die mir gleichfalls vorliegende Liste 
der Auktion der Hudsonsbay Company vom 17. November des gleichen Jahres 
zu ver gleichen. 

5 980 old coat Biber a 4/8 d. per Ib. . 2 415, 

780 beschadigte Biber a 4/ ,, 270, 

9520 parchment Biber ,,4165. 

4070 Cub Biber ,, 762,18 

4760 beschadigte Parchment Biber. . . ,,1918.17 

i 640 ,, Cub Biber ,, 248.9 

12370 amerik. Zobel v. 6./g ,,4542.7 

2360 ,, ,, beschadigt v. 3./4. ,, 442,10 

590 Ottern I4/ ,, 413. 

850 Katzen i8/ ,, 765. 

260 ,, beschadigt 4/ ,, 52. 

320 Fiichse 12/6 ,, 200. 

600 Vielfrasse 6/10 ,, 205. 

170 beschadigte 3/3 ,, 27.12 

320 schwarze Biber 23 / ,, 368. 

i 580 Wolfe 20 / ,, i 580. 

270 ,, beschadigt 9/2 ,, 123.15 

40 Woodchuks (Murmeltier) . . . . ,, 22.6 

10 Nerze a 3/ ,, i.io 

5 Schuppen a 3/4 ,, 16. 

120 Eichhornchen 4/ ,, 2. 

*) Die alten Rocke und von den Indianern getragenen Biberfelle, bei denen 
das Oberhaar abgerieben war, wurden fur die Zwecke der Hutfilzfabrikation hoher 
bezahlt als frische Felle, 



I. Kapitel (Frankreich) . 



225 



ausserdem 130 Elkhirschfelle, 

440 Hirschfelle, 
3 170 Pfund Bettfedern, 

220 Pfund Daunen, 

140 Pfund Bibergail, 

470 Walfischbarten, 

23 Fasser Walfischtran, 
und 8 Pfund Wesagnipoka ? 

Beinahe das doppelte Quantum wurde ausserdem fur die Marzauktion reserviert. 
Mit dem Verlust von Kanada ging auch der Rauchwarenhandel von 
Frankreich rapide zuriick. 1776 wurden dann auch durch den Minister Turgot 
die samt lichen Innungen aufgehoben, bald darauf finden wir aber Kiirschner, 
Rauchwarenhandler und Hutmacher zu einer neuen Korporation vereinigt. In 
den Sturmen der Revolution und den nachfolgenden Kriegsjahren ging die 
Pelzindustrie sehr zuriick, die alten Geschafte gingen ein, neue wurden wenig 
gegriindet, es fehlte an Nachwuchs. Von alten franzosischen Kurschnerfirmen 
riihrt wohl nur noch die 1774 begriindete Firma Revillon freres, die lange Zeit 
die grosste Pelzwarenfirma der Welt war, her. Unter den Rauchwarenfirmen 
ragte lange Zeit die 1806 gegriindete Firma A. Servant hervor, deren Chef ein 
personlicher Freund Napoleon III. war, und zur Glanzzeit des Hauses in den 
sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die grosste Jagdmeute Frankreichs 
unterhielt. Leider ging dieses furstliche Kaufmannshaus gegen Ende des Jahr- 
hunderts ruhmlos zugrunde. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte dann 
eine deutsche Invasion die franzosische Kiirschner ei wieder zur Bliite. Grosse 
Handlungshauser wie z. B. die aus Wurttemberg stammende Firma Grebert 
Borgnis wurden gegriindet, und vor alien Dingen stromten die besten Arbeiter 
aus Deutschland herbei, um die fehlenden franzosischen Kiirschnergesellen zu 
ersetzen, und bald stand die Pariser Pelzindustrie wieder an der Spitze. Neben 
dem Hause Revillon freres, das ausser seinen Filialen in London, New York, 
Montreal, auch einige Dampfer auf den Stromen und Seen Kanadas besass, 
und dessen Jahresumsatz noch iiber 20 Millionen Franks geschatzt wurde (die 
Firma wurde vor einigen Jahren in eine Aktiengesellschaft mit 28 Mill. Franks 
Kapital umge wandelt) , bestanden zahlreiche andere erstklassige Firmen, und 
der Pariser Markt bildete einen sehr erwiinschten Abnehmer fur den gesamten 
Rauchwarenhandel, sowohl durch die Hohe des Umsatzes als durch die iiberaus 
solide Geschaftsfuhrung. 

Im letzten Jahrzehnt hat sich hierin allerdings manches zum Nachteil 
geandert, durch eine zweite friedliche Invasion, diesmal russisch-polnischen 
Ursprungs. Viele dieser Pelzhandler haben die Handelsgewohnheiten ihres 
Heimatlandes mit nach Paris verpflanzt, so dass die unbedingte Kreditwiirdig- 
keit jedes franzosischen Kunden nicht mehr von vornherein feststeht. Die 
eigentlichen franzosischen Firmen und die seit langerer Zeit in Frankreich an- 
sassigen Deutschen haben aber ihren Ruf und ihre Soliditat treu gewahrt. 



2. K a p i t e 1. 

England. 

In einem fruheren Kapitel haben wir gesehen, dass in England die von 
Koln dort gegrundete Niederlassung des Stahlhof den Pelzhandel beherrschte, 
durch seine Einfuhren von Fellen aus Russland, Umwegen, Deutschland, 
Polen, den Uferlandern desWeissen Meeres und auf Norwegen erhandeltes 
sibirisches Pelzwerk. 

Im Jahre 1501 1506 kam dann zuerst amerikanisches Pelzwerk durch die 
Portugiesisch-Bristoler Handelsgesellschaft nach England, das freihandig ver- 
kauft wurde, doch loste sich diese bald auf, und amerikanische Rauchwaren 
kamen noch fur weitere 150 Jahre nur durch franzosische Vermittlung nach 
England. 

Durch die 1554 von Sebastian Cabot begriindete Muskovy Company 
kamen denn auch russische und nordische Pelzwaren regelmassig direkt nach 
England, doch ist uns nicht iiberliefert, in welchen Mengen und in welcher 
Weise dieselben veraussert wurden. Wahrscheinlich geschah dies freihandig 
durch die einzelnen Teilnehmer. Jedenfalls war wahrend der Dauer ihres Be- 
stehens England vom Auslande unabhangig in der Besorgung dieser wichtigen 
Rohstoffe. Ein Ausfuhrhandel an Fellen fand damals aber nicht von London 
aus statt. Auch die Zufuhren von Pelzwerk, welche aus Virginien, Boston und 
New York nach England kamen, dienten nur dem eigenen Bedarf. Erst die 
1670 begriindete Hudsonsbay Company schuf hierin Wandel. Die zugefuhrten 
Pelzmengen waren so grosse, dass auch davon nach dem Kontinent ausgefuhrt 
wurde. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass wahrend des ersten Jahrhunderts 
ihres Bestehens die Auktionen des Hudsonsbay Company von fremden Ein- 
kaufern besucht waren, da diesen die franzosischen Markte bequemer lagen. 

Ich werde in einem spateren Abschnitt des Buches eine Reihe von Ein- 
fuhrlisten der H. B. C. aus dieser Zeit ver of fent lichen. 

Mit dem Verluste Kanadas horte die hervorragende Stellung Frank- 
reichs auf dem Rauchwarenmarkte auf und ging an London iiber. Neben 
den Erzeugnissen der Hudsonsbay Company kamen auch die Einfuhren der 
anderen Pelzhandels-Gesellschaften, wie der Northwest Company, der 



2. Kapitel (England). 



227 



Mackinaw Company, der American fur Company sowie einzelner amerikanischer 
Pelzhandler nach London, wo sie im Auktionswege veraussert wurden. Die 
Northwest Company hatte ihren eigenen Agenten, die Firma Me. Gillywray 
Ellice, doch waren jedenfalls damals schon verschiedene Auktionsfirmen 
vorhanden. Auch die Firma Row Goad & Row, welche die meisten Rauch- 
waren aus den Vereinigten Staaten zu ihren Auktionen konsigniert erhielt, 
hat wahrscheinlich schon im 18. Jahrhundert bestanden. 

Im Jahre 1786 waren von der Hudsonsbay Company fur etwa 27 ooo L 
Pelzwaren direkt nach London gekommen ; wahrend die Ausfuhr von Pelzwerk 
aus Queben nach London im genannten Jahre 285 977 L betrug, war die 
Gesamtausfuhr aus diesem Hafen nur 343 262 S. 

Die Auktionen der Hudsonsbay Company f anden damals im November und 
Marz statt. Die Felle der Northwest Company sollen aber nur im Marz oder 
April verkauft worden sein. 

Im Jahre 1797 brachte diese Gesellschaft die folgenden Waren zum Ver- 
kauf : 

106 ooo Biberfelle, 
21 ooo Barenfelle, 
i 500 Fuchsfelle, 
4 ooo Kitfiichsc, 
4 600 Otter, 
17 ooo Bisam, 

32 ooo amerikanische Zobel, 
i 800 Nerze, 
6 ooo Luchse, 

600 Vielfrass, 
i 650 virg. Iltis, 

100 Waschbarfelle, 
3 800 Wolfe, 
700 Elenhaute, 
750 rohe Hirschfelle, 
i 200 zubereitete Hirschfelle, 
500 Buffelhaute 
und einen Post en Bibergeil. 

Im gleichen Jahre sandte iibrigens die Gesellschaft 13 364 Biberfelle, 
1250 feine Otterfelle und 1724 Kitfuchse direkt nach China zum Verkauf iiber 
die Vereinigten Staaten. 

Dies war ein erster aber sehr gewinnbringender Versuch des direkt en 
Geschaftes. Die 5 vorhergehenden Jahre hatte die Gesellschaft den Export nach 
China von London und in Gemeinschaft mit einem grossen Londoner Pelzhause 
gemacht und zwar durch Vermittlung der East India Company, die damals 
das Monopol des Handels von England mit dem fernen Osten besass. Durch 
die vielen Gebiihren, Zolle, Unkosten auf die Waren, die von Canton zuriick- 

15* 



228 IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter 

gebracht wurden, und die hohe Kommissionsgebiihr der ostindischen Company 
verlor aber jeder der beiden Teilnehmer in den 5 Jahren 40 ooo L an diesem 
Geschaft. 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kamen auch bereits Einkaufer aus 
Deutschland, Frankreich usw. zu den Londoner Auktionen, trotzdem die Reise 
damals eine sehr beschwerliche und langwierige war. 

Gewohnlich vereinigten sich mehrere Kaufleute, um gemeinsam im Wagen 
nach Hamburg oder einem franzosischenHafen zu reisen und von hier aus mil 
einem Segelschiff nach England zu fahren. Die Reise dauerte unter Umstanden 
mehrere Wochen und war auch recht kostspielig, so dass jedenfalls damals mehr 
an den Pelzwaren verdient werden musste, um die Reise zu lohnen. Von 1806 
bis 1814, wahrend der durch Napoleon verfugten Kontinentalsperre, unterblieb 
die Reise natiirlich ganzlich. 

Es haben auch damals wahrscheinlich schon grossere Kommissionshauser 
existiert, die den Einkauf von Auktionen bezw. die Abnahme der gekauften 
Waren ubernahmen, doch habe ich deren Namen nicht erfahren konnen. Die 
alteste mir bekannte Firma ist die 1771 begriindete Firma P. R. Poland & Sons, 
die noch heute eine fiihrende Stellung einnimmt, und vom Urenkel des Be- 
griinders geleitet wird. Mit dem Jahre 1826 begann auch im englischen Rauch- 
warenhandel die Invasion. Blatspiel, der Begriinder der nachmaligen Welt- 
firma Blatspiel, Stamp & Heacock kam 1826 aus Leipzig nach London, um 
sich dort zu etablieren, wenig spater auch Moritz Oppenheim aus Altona, dessen 
Firma lange Jahre den Markt beherrschte und auch Filialen in Hamburg 
und Leipzig besass. Besonders unter seinem Nachfolger Schroder, der als An- 
gestellter mit nach London gekommen war, und in den vierziger Jahren des 
vorigen Jahrhunderts Kompagnon und spater allein Chef geworden war, nahm 
das Geschaft einen grossen Aufschwung. Bald nach seinem 1868 oder 1869 er- 
folgten Tode wurde die Firma aufgelost. Noch kurz vorher hatte er seinen 
Schwiegersohn Teichmann, den jetzigen Chef der Firma C. M. Lampson & Co., 
nach Alaska gesandt, um das Erbe der russisch-amerikanischen Kompanie. 
das Monopol des Seehundsfanges zu erwerben, was aber missgluckte. 

Der Begriinder der Weltfirma C. M. Lampson war Anfang des vorigen 
Jahrhunderts mit einem Wagen in den Vereinigten Staaten herumgezogen, 
um Felle gegen Blechwaren usw. einzutauschen. Er kam mit Johann Jacob 
Astor in Beruhrung, der ihn in sein Geschaft nahm und ihm bald eine grosse 
Vertrauensstellung einraumte. 1830 wurde er nach London gesandt, da die 
Klagen iiber den Geschaftsbetrieb der Firma Row Goad & Row, an welche 
Astor seine Pelzwaren zur Auktion sandte, iiberhand nahmen. Zufolge seiner 
Berichte wurde die Vertretung der genannten Firma entzogen und Curtis 
Miranda Lampson ubertragen. Das notige Betriebskapital, zu den Vorschussen 
usw. lien ihm seinFreund, der amerikanische Millionar und Philantrop Peabody. 
Welche Ausdehnung Lampson dem Geschaft e zu geben wusste, das ja noch 
heute das grosste Rauchwarenhaus der Welt ist, ist allgemein bekannt. Er be- 



2. Kapitel (England). 22Q 



tciligte sich iibrigcns an anderen Unternehmungen, lieferte z. B. die Schienen 
fur die Pacific-Bahn und war Hauptaktionar des ersten nordatlantischen 
Kabcls wofiir cr zum Baronet ernannt wurde. Er war bis an sein Lebens- 
ende fiir das Geschaft tatig. So handhabte er noch bis kurz vor seinem, Mitte 
der achtziger Jahre erfolgtem Tode selbst den Auktionatorhammer und durch- 
\vanderte wahrend der Besichtigungszeit vor den Auktionen die grossen Lager- 
riiume seiner Warenhauser in Queen Victoriastreet, mil den alten Kunden 
plaudernd, in seiner ganzen Erscheinung ein Typus des grossen englischen* 
Kaufherrn. Er hinterliess iibrigens bei seinem Tode ein auch fiir englische 
Verhaltnisse riesiges Vermogen. Der von ihm selbst erwahlte Partner und 
Leiter des Geschafts, der aus Ulm stammende deutsche Kiirschnersohn Teich- 
mann, setzte iibrigens die Tradition des Hauses fort und wusste die Beziehungen 
seiner Firma, die jetzt auch australische und chinesische Felle usw. in ihr Ge- 
schaftsbereich zog, noch bedeutend zu erweitern. Die Vorganger Row 
Goad & Row verkauften, ihr Geschaft an die noch heute florierende 
Auktionsfirma Goad Rigg ^ C,Q. Ein Sohn des Begriinders der alten Firma, 
Skinner Row, war noch bis vor einigen zwanzig Jahren als Einkaufer in den 
Auktionsraumen eine auffallende Personlichkeit, da er stocktaub war. Ergalt 
iibrigens als einer der best en Rauchwarenkenner. 

Es existieren noch eine ganze Reihe von sehr alten Firmen, die 
Auktion betreiben, und zwar neben den Rauchwaren auch noch Rindshaute, 
Ziegen- und Schaffelle, Leder und Gerbstoff sowie australische Kaninchenfelle 
fiir Hutmacherzwecke zum Verkauf bringen. Es sind das ausser der schon 
genannten Goad Rigg & Co. noch die Firmen Flack Chandler, Anning & Cobb, 
Culwerwell Brook & Cotton, deren Inhaber Cotton 1876 Lordmajor von 
London war. Diese Firmen empfingen fruher fast alle die australischen Felle, 
die nach London kamen, sind aber jetzt in diesem Geschaft von Lampson 
in den Hintergrund gedrangt. Ferner Nesbitt & Co., die in den letzt en Jahren 
namentlich auch sehr viele direkte amerikanische Rauchwaren zur Auktion 
bringen, Dyster Nalder, der aber mehr mit Hauten usw. zu tun hat. Ver- 
haltnismassig neuen Daturas sind die Firmen Kiver & Co., Barber & Sons 
sowie Thorpe & Welby, die vorwiegend chinesische Produkte zum Verkauf 
bringen. 

Neben den schon fruher erwahnten R. P. Poland & Sons und Blatspiel, 
Stamp & Heacock geschieht der kommissionsweise Einkauf und die Uber- 
nahme der von den auswartigen Einkaufern gekauften Auktionsware noch 
hauptsachlich von der 1872 begriindeten Firma Philipps Politzer & Co. sowie 
von Eysoldt & Co., die gewissermassen Nachfolger der alten Firma Markus 
& Co. ist. 

Markus war 1860 aus Altona nach London gekommen, und war anfanglich 
dort Makler fiir die Hamburger Firma Oppenheim & Co. In den siebziger 
Jahren veranstaltete er in Gemeinschaft mit Dixon auch selbst Auktionen 
namentlich mit den Waren der Chicagoer Firma Joseph Ullmann, die indessen 



23O IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter. 

nach wenigen Jahren eingestellt wurden. Er war dann als Einkaufer bezw. 
Kommissionar an dem oben genannten Platz tatig. Nach seinem Tode 
kam ein Teil der Kundschaft an Philipps Politzer & Co., der andere Teil des Ge- 
schaftes wurde von Eysold & Co. ubernommen. 

Die Kurschnerei hatte in London von jeher eine grosse Stellung, sowohl 
der Detail- Verkauf wie die Engros-Fabrikation. Die erstere hatte ihren 
Hauptsitz in Westend, die letztere in den Querstrassen von Cheapside und in 
Aldersgatestreet . 

Die alteste noch existierende Firma ist Geo Smith. Die Firma Waterspoon, 
die fast ein Jahrhundert bestanden hatte, wurde in den achtziger Jahren 
aufgelost. 

Vor einigen dreissig Jahren erstand der Londoner Engros-Kiirschnerei 
eine starke Konkurrenz. Zuerst kamen die Erzeugnisse Pariser Fabrikanten auf 
den Markt, dann kamen auch Berliner Fabrikanten, nachdem mein Vater 1872 
zuerst Feh und Fuchsboas dahin lieferte und ich 1880 mit Manteln und 
Capes usw. den dortigen Markt aufsuchte, folgten andere Firmen, und bis vor 
etwa 10 Jahren war die deutsche Einfuhr an fertigen Pelzwaren nach England 
sehr bedeutend. Mit der stetig wachsenden Einwanderung von Pelzarbeitern 
aus Russland nach Whitechapel erhielten aber die Londoner Fabrikanten mit 
der Zeit geniigend billige Arbeitskrafte, und jetzt ist der Verkauf dorthin als 
unlohnend bei der Erstarkung des heimischen Marktes von den meisten Berliner 
Pelzwarenfabrikanten aufgegeben worden. Nur einige wenige Fabrikanten be- 
treiben noch den Export nach England. 






3. K apit el. 

Deutschland. 

In Deutschland war mit den Stiirmen des dreissigjahrigen Krieges auch 
der Rauchwarenhandel von seiner Hohe herabgestiirzt, nachdem vorher im 
Jahre 1497 und 1503 durch Kaiser Maximilian I. die Messrechte von 
Leipzig noch ausdrucklich bestatint worden waren. Der internationale 
Markt war nach Frankreich und England verlegt, und Leipzig war zur Be- 
deutungslosigkeit herabgesunken. Wahrend aber die fruher so bedeutende 
Rauchwarenmarkte Liibeck, Hamburg, Glogau, Breslau, Danzig ihre alte Be- 
deutung fur diesen Handel nicht wiedergewannen, sehen wir ein Jahrhundert 
nach dem westfalischen Frieden die Leipziger Messe wieder in voller Brute. 
Um diese Zeit erschienen zum ersten Male russische Kaufleute, welche bis dahin 
ihre Geschafte durch Vermittlung von Danzig betrieben hatten, auf der 
Leipziger Messe, und bald hatte sich ein lebhafter Handelsverkehr entwickelt. 
Sie brachten russisches und sibirisches Pelzwerk dorthin, das dann von den 
Leipziger Kaufleuten weiter vertrieben wurde, und kauften dort nicht nur 
deutsche Landwaren, sondern auch amerikanische Waren ein, die dann ihren 
Weg bis in das Herz von Asien fanden. Die Kontinentalsperre Napoleons fuhrte 
in Gemeinschaft mit dem allgemeinen wirtschaft lichen Niedergange infolge 
der langen Kriege zu einem vollkommenen Zusammenbruche des Leipziger 
Rauchwarenhandels. Nur zwei Firmen sollen damals iibriggeblieben sein. 
In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hob sich das Geschaft 
aber wieder. Zwar der Handel mit Russland war erschwert durch die Einfuhr- 
verbote fur viele amerikanische Rauchwaren, die Monopol der russisch- 
amerikanischen Handelsgesellschaft waren, aber das hielt den Export dahin 
nicht auf. Namentlich in Brody in Galizien hatte sich eine grosse Industrie 
etabliert, die sich nur mit dem Einschmuggeln der verbotenen Pelze befasste, 
spater geschah dies auch in Sklow in Westrussland ; alle diese Platze versorgten 
sich in Leipzig mit Ware. 

Das Haus Hotte, welches damals und noch verschiedene Jahre spater den 
Markt beherrschte, kniipfte bereits zu dieser Zeit direkte Handelsbeziehungen 
mit Nordamerika an. Diese Firma, die ihren Hohepunkt anfangs der sechziger 



232 IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter 

Jahre iiberschritten hatte, starb vor wenigen Jahren fast unbeachtet an Alters- 
schwache. Neben ihr waren in den ersten Dezennien des vorigen Jahrhunderts 
besonders die Firmen Schacht und Oppenheimer massgebend, zu denen dann 
spater die Firmen Heinrich Lomer, Rodiger & Quarch, Gaudig & Blum, 
M. Brass, Theodor Wolf, Magnus Soehne, Theod. Thorer, Herpich, Koenigs- 
werther und andere hinzutraten. 

Der Besuch der Messe war damals durchaus kein einfacher. Ich erinnere 
mich noch an die Erzahlungen meines Vaters, wie er in den dreissiger Jahren 
mit der Post in zwei Tagen nach Leipzig fuhr, wobei unterwegs iibernachtet 
wurde. Die Waren wurden mit den Frachtwagen befordert, was mehrere 




Bilder vom Briihl. 

Wochen in Anspruch nahm. Als grosse Erleichterung wurde es empfunden, als 
schliesslich die Anhalter Bahn gebaut wurde, die aber zunachst nur bis Dessau 
ging, von hier musste man bis Leipzig die Post benutzen. Trotzdem wuchs der 
Besuch der Messen zusehends. Griechische Kaufleute, welche den bedeutenden 
Pelzhandel der ganzen Turkei vermittelten, erschienen in grosser Zahl; auch das 
Geschaft mit Norwegen, Schweden, Danemark und Finn land ging jetzt von 
Liibeck und Hamburg nach Leipzig iiber. Eine Zeitlang hielt sich noch in 
Bremen ein eigener Rauchwarenmarkt, da dorthin die Ware der Handels- 
schoner und Briggs von Honolulu gelangte, die Schleichhandel an dem Ufer 
des nordlichen stillen Ozeans trieben. Dies horte aber mit dem Ende dieses 
Schleichhandels Mitte der sechziger Jahre auch auf. Ihren Hohepunkt hatte 
die Leipziger Messe wohl in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen 



3. Kapitcl (Deutschland) . 



233 



Jahrhunderts. Die Ostermesse dauerte damals 6 Wochen, und wahrend dieser 
Zeit war der Briihl der Schauplatz eines ungemein regen Treibens. Das Gewiihl 
war stellenweise lebensgefahrlich, wenn ein Wagen in der Nahe der Nicolai- 
strasse den Briihl passieren wollte, musste oft ein Polizeidiener erst Platz 
schaffen. Besonders fielen in der Menge die zahlreichen malerischen Gestalten 
der Griechen und der alttestamentarischen Kaftantrager aus Russland auf. 
Armenier, Englander, Franzosen usw. waren zahlreich vertreten. Amerikaner 
waren seltener; diese kamen erst, nachdem die amerikanischen Firmen 
Boskowitz und Jos. Ullmann sich dauernd in Leipzig festgesetzt hatten. Aber 
auch damals schon standen verschiedene Firmen mit Amerika in lebhaftem 




Bilder vom Briihl. 

Handelsverkehr, einzelne von den Firmen, Herpich und andere, hatten sogar 
eigene Filialen in New York. Man arbeitete sehr angestrengt, von friih 7 bis 
nachts 12 Uhr, wahrend der gesamten 6 Wochen. Bei einzelnen Firmen dauerte 
es oft bis noch spater in die Nacht. 

Die Michaelismesse dauerte 3 Wochen und war hauptsachlich von den 
deutschen Kiirschnern besucht. Auch die Januarmesse nahm allein eine Woche 
in Anspruch. 

Wahrend der iibrigen Zeit des Jahres lag aber der Briihl ziemlich ein- 
sam und in dem Rauchwarengeschaft herrschte Ruhe. Allmahlich anderte sich 
das aber. Immer mehr Firmen, die sonst nur zur Messe erschienen waren, liessen 
sich dauernd in Leipzig nieder; die Messen nahmen an Bedeutung ab, wahrend 
der direkte Versand an die Kunden immer mehr zunahm. Jetzt ist das 



234 



Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter. 



Geschaft liber das ganze Jahr verteilt. Das eigentliche Messgeschaft 1st auf 
wenige Tage beschrankt, wahrend man an jedem Tage des Jahres mehrere 
grosse Einkaufer von auswarts dort antrifft. Der Umsatz hat machtig zu- 
genommen. Wahrend vor 50 Jahren der Umsatz des Leipziger Rauchwaren- 
handels jahrlich 6 bis 8 Millionen Taler betragen mochte, belief sich derselbe 
laut Handelskammer-Enquete im Jahre 1879 auf 42 Millionen Mark, wovon 
etwa 28 Millionen ausgefuhrt wurde. 

Jetzt betragt der Umsatz wohl durchschnittlich gegen 200 Millionen Mark. 
100 Millionen Mark werden ausgefuhrt, etwa 50 Millionen verbraucht der 
deutsche Markt und ebensoviel wird von den Leipziger Rauchwarenhandlern 




Bilder vom Briihl. 



untereinander gehandelt. Diese Summe ist also eigentlich in den 150 Mil- 
lionen Mark, die Leipzig tatsachtich verlassen, mit cinzurechnen. 

Eine grosse Rolle spielte fruher in Leipzig der Makler, ohne deren Ver- 
mittlung fast kein Geschaft zustande kam. Diese sind jetzt fast verschwunden, 
dafiir sind aber zahlreiche Kommissionshauser vorhanden, die als Vertreter aus- 
wartiger Hauser den Einkauf fiir diese vermitteln und dafiir i Proz. Courtage 
fur alle in Leipzig gemachten Kaufe dieses Hauses beziehen. Meistens bezahlt 
das vertretene Haus auch noch i Proz. Provision dafiir. In der letzten Zeit 
zahlen aber manche Grosseinkaufer ihren Vertretern nichts. 

Viele Kommissionshauser erhalten auch von auswartigen Firmen Waren- 
mengen zum Verkauf zugesandt. Der Handelstausch einzelner dieser Kom- 



3- Kapitel (Deutschland) . 



235 



missionsfirmen 1st sehr bedeutend, und soil sich Courtage und Provision manch- 
mal bis zu 100 ooo Mark im Jahre steigern. 

Die Zahl der Leipziger Rauchwarenhandler betragt gegenwartig iiber 200, 
davon sind etwa 30 ersten Ranges, die andern stufen sich bis zu den kleinsten ab, 
die nur kleine Lager fur kleinere Kurschner unterhalten und ihren gesamten 
Bedarf nur in Leipzig decken. 

Es ist auch eine Art Arbeitsteilung eingetreten. Nur verhaltnismassig 
wenige Firmen fuhren ein Sortimentsgeschaft, in denen sie alle Art en Rauch- 
waren vorratig halten, die meisten haben sich eine oder mehrere Spezialitaten 




Bilder vom Briihl. 

erwahlt, neben denen sie dann auch andere Waren fuhren. So fuhren die 
einen vorragend amerikanische Waren, andere nur russische. Viele bevorzugen 
einzelne feine zugerichtete und gefarbte Rauchwaren, andere wieder nur 
Persianer, Astrachan und sonstige Lamm f ell waren. Verschiedene Firmen be- 
schaftigen sich nur mit Ein- und Verkauf von sogenannten Landwaren (Harder, 
Fiichse, Iltis, Landottern, Katzen, Schmaschen und Zickelfelle), deren Verkauf 
iibrigens auch heute noch hauptsachlich wahrend der Ostermesse stattfindet. 
Eine grosse Veranderimg hat sich auch in den letzten Jahrzehnten im Ge- 
schaft mit dem Orient abgespielt. Im Orient, der ein ziemlich grosser Konsument 
von Rauchwaren ist, haben die Griechen von jeher den Hauptteil des Handels 
in Handen. Friiher kamen zur Ostermesse eine grosse Anzahl Griechen, oft 
iiber 100 zum Einkauf nach Leipzig und trugen durch ihre malerische Tracht 



236 IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter 

nicht wenig zur Belebung des Strassenbildes bei. Die Ubernahme der Waren 
und Bezahlung mittels Wechselakzepts geschah durch cine Anzahl in Leipzig 
ansassiger Kommissionshauser, wie Konstantin Pappa, Navum Dedo, Wulzow, 
Skutari, Zygouros, Kyropoulos und andere. 

Jetzt kommen nur noch wenige Griechen zum Einkauf, dagegen hat sich 
in Leipzig eine starke griechische Kolonie niedergelassen, die aus zwei Schichten 
besteht. Die eine, angesehene Kommissionsfirmen und Grosshandlungshauser, 
beschaf tigt sich mit dem Einkauf der fur den orientalischen Markt erforderlichen 
Felle und dem Verkauf von Wildwaren aus Griechenland, den Balkanlandern, 
der europaischen und asiatischen Turkei, wie Harder, Fuchse usw., betreiben 




Bilder^vom Briihl. 

aber dabei haufig noch ein ausgedehntes Exportgeschaft mit Rauchwaren auch 
anderer Provenienz nach Amerika, England, Frankreich usw. Die zweite 
Schicht besteht aus griechischen Kiirschnern und Kleinhandlern, die in Leipzig 
Fabrikation von billigen Artikeln, namentlich aus Stricken, betreiben. So ist 
z. B. die Fabrikation von imitierten Hermelinschweifen, Skunksschweifen und 
bestimmter Pelzfutter ganz in ihren Handen. 

Die Zahlungsbedingungen beim Leipziger Rauchwarenhandel haben im 
Laufe der Zeit verschiedene Anderungen erfahren. Bis zum Jahre 1882 gait 
zunachst ein Warenskonto von 2 Proz., dann fur Barzahlung 3 Proz. Daneben 
wurden ausgedehnte Kredite gegeben. So wurden z. B. die Waren der russischen 
Handler, die bis zum Jahre 1858 stets Kassa kaufen mussten, spater gegen 
Wechselakzept von Ostermesse zu Ostermesse verkauft, doch wurden diese 



3. Kapitel (Deutschland) . 



237 




Bilder vom Briihl. 



Zahlungstermine allmahlich doch einge- 
schrankt. Andererseits war die Usance, 
dass in der Messe gekaufte Waren bis 
zum Zahltage der Messe in bar oder 
Wechseln beglichen werden musste, auch 
mit dem Riickgang der Bedeutung der 
Messe und ihrer verkurzten Zeitdauer ein- 
geschlafen. Jetzt gilt als nominelle 
Rendition 3 Proz. bis Schluss des Monats 
Zahlung oder 6 Monate netto Ziel. 
Wahrend aber ein hoheres Kassaskonto 
fast nie gewahrt wird, dehnt sich das 
Ziel durch allerhand Manipulationen oft auf 8 9 Monate aus. 

Durch die Konzentration des Rauchwarenhandels in Leipzig hat auch 
eine Ansiedlung von Nebengewerben daselbst stattgefunden. Vor allem die 
Rauchwarenzurichterei, die in den Vororten Lindenau, Schkeuditz, Makran- 
stadt, Rotha usw. von nahezu 50 Firmen betrieben wird, von denen einzelne 
mehrere hundert Arbeiter beschaftigen. Die Pelzzurichtearbeiter haben eine 
sehr starke Organisation, die als eine der ersten einen festen Tarifvertrag durch- 
zusetzen wusste. 

Ihren Weltruf besitzen die Leipziger Zurichtereien aber erst seit etwa 
30 Jahren; bis dahin wurde ein grosser Teil der Rauchwaren schon in London 
zugerichtet. Ausser in Leipzig bestehen Zurichtereien] grosseren Umfangs 
nur in Berlin und Hamburg; in letzterem hat sich t namentlichj die Zu- 
richterei von Nutriafellen und Murmeln als besondere Spezialitat heraus- 
gebildet. Es bestehen dort 5 oder 6 Fabriken, die zusammen word 
1000 Arbeiter beschaftigen. 

Einen grossen Aufschwung hat in den letzten 30 Jahren auch die Rauch- 
warenfarberei in Leipzig erfahren. Fruher war hier nur sogenannte Schwarz- 
farberei fiir Persianer, Astrachan und sonstige Lammfelle in besonderer Blute, 
die von verschiedenen alten Farbern. wie Rodiger & Quarch, Handel, Herzog 

usw. betrieben wurden, dann kamen aber 
die verschiedenen Phantasiefarben auf, 
namentlich durch die Farberei Sieglitz ein- 
gefiihrt. Die Braunfarberei, die urspriing- 
lich nur in London und dann in Paris 
auf der Hohe war, wurde zuerst durch 
die Firmen Meissner und Steinbeck 
nach Leipzig verpflanzt, iibertrifft heute 
London und Paris erheblich an Umfang, 
und steht technisch vollkommen auf der 
Hohe. 
Bilder vom Briihl. In Zurichterei und Farberei sind in 




238 IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter. 




Bilder vom Briihl. 



der Umgebung Leipzigs etwa 
3000 Arbeiter beschaftigt. 

Ausser Leipzig besteht nur 
noch eine grosse Rauchwaren- 
farberei (Gebr. Lohse) in 
Chemnitz mil etwa 400 Ar- 
beitern und eine grossere nebst 
einigen kleineren Farbereien in 
Berlin. 

Als Spezialitat betreibt die 
Stadt Weissenfels noch die Zu- 
richterei von Feh, die dann dort 
auch zu Futtern verarbeitet 
werden. Diese Industrie ist sehr 
alt und ohne Konkurrenz, da die 
in Russland hergestellten Feh- 
warenfutter den Weissenfelsern 
in Qualitat bedeutend nach- 
stehen. 

Von sonstigen Nebenindustrien ist noch die Fabrikation von Fehschweifen 
und Fuchsschweifen zu erwahnen, die heute in Leipzig fur den gesamtenWelt- 
markt hergestellt werden. In den siebziger und achtziger Jahren des vorigen 
Jahrhunderts bestand schon in Berlin eine starke Konkurrenz, die aber bis auf 
wenige Reste eingegangen ist, wahrend die Fabrikation der Ziegenschweife nach 
wie vor besonders in Berlin betrieben wird. 

Auch die Kiirschnerei in Deutschland, die fruher eine so grosse Rolle in 
den deutschen Stadten gespielt, hatte unter den Nach wehen des dreissigjahrigen 
Krieges zu leiden und begann sich erst in der zweiten Halfte des achtzehnten 
Jahrhunderts etwas zu erholen. Es war damals noch gebrauchlich, dass die 
Kiirschner die Felle fur ihren Bedarf selbst zurichteten, ein Brauch, der erst in 
der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts aufhorte. Der Kiirschner damals hielt 
aber wenig Ware wie Muffen, Pelzkragen, Miitzen vorratig und begniigte sich 
meist mit der besseren Waren-Anfertigung auf Bestellung, mit Reparatur und 
der Konservierung von Pelzsachen fur das Privatpublikum. Erst um die dreissiger 
Jahre des vorigen Jahrhunderts mit Begriindung der Firmen Brass, Herpich, 
Michelet, Zeitz usw. in Berlin wurde es Sitte, auch Herrenpelze, Damenpelze 
und uberhaupt feine Gegenstande fertig zu fiihren und das Ladengeschaft aus- 
zudehnen. Bald entstanden denn auch in alien grosseren Stadten grosse, modern 
geleitete Kurschnergeschafte. Ein Engros-Betrieb trat verhaltnismassig spat 
auf. Zwar fertigten in den funfziger Jahren bereits einige Bisammuffen und der- 
gleichen fur den Engros-Verkauf an, aber nur in massigem Umfang und in 
wenigen Stapelsorten. Erst mit dem Aufschwung der Mantelkonfektion bildete 
sich auch eine Pelzengros-Konfektion. Begriindet wurde dieselbe in Berlin 1878 



3. Kapitel (Deutschland) . 



239 



von den Firmen A. B. Citroen und M. Brass, dem dann die Firmen H. Wolff, 
A. u. S. Segall, Gebr. Hermann und andere folgten. Neben dem Bedarf fur 
den deutschen Markt wurde auch das Exportgeschaft nach England, Skandi- 
navien, Sudamerika usw. gepflegt. 

Ausser Muffen, Pelerinen, Stolas wurden besonders auch Pelzmantel 
fabriziert. Auch Boas vonFeh- undFuchsschweifen werden ingrossemMassstabe 
in Berlin angefertigt. Wahrendf abriken Fehboas zuerst vender Firma Seidler und 
Gaudig & Blum in Leipzig betrieben wurden, wurden die erst en Fuchsschweif- 
boas bereits 1874 von der Firma M. Brass-Berlin und bald darauf von Leopold 
Apf el-Leipzig fabriziert. Anfang der neunziger Jahre trat dann, namentlich 




Bilder vom Briihl. 



mit der Einfiihrung der Stola, ein grosser Umschwung ein. Die Mode be- 
giinstigte Pelzwaren und der Bedarf wurde ein ungeheurer. In Berlin sind jetzt 
etwa 50 grossere und kleinere Engrosfabrikanten tatig, die durchschnittlich 
jahrlich fur liber 40 Millionen Mark umsetzen und mehrere tausend Arbeiter 
beschaftigen. Im ganzen sind in Berlin fur Engros- und Detailgeschafte zu- 
sammen etwa 2000 mannliche und 3000 weibliche Arbeiter beschaftigt, ohne 
das kaufmannische Personal zu rechnen. Ausserhalb Berlins ist noch eine 
grosse Pelzwarenfabrik in Hamburg, eine grosse und mehrere kleinere in 
Breslau und ein halbes Dutzend Firmen in Rheinland-Westfalen mit der Engros- 
fabrikation beschaftigt. Hauptabsatzgebiet ist der deutsche Markt, der Export 
nach England hat mit Erstarken der dortigen Fabrikation sehr nachgelassen, 



240 IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter 

doch 1st der Export nach Frankreich, Skandinavien, Belgien, Holland, Siid- 
amerika usw. dafiir stark in der Zunahme begriffen. Einzelne Firmen, wie 
H. Wolff-Berlin, Wilh. Reinecke-Berlin, Gebr. Breslauer-Breslau usw. unter- 
halten eigene Filialen in Paris, London, Amsterdam, Briissel usw. Alle Engros- 
firmen beschaftigen zahlreiche Reisende im In- und Auslande. 

Die Zahl der Kurschner-Detailgeschafte in Deutschland betragt etwa 
6000. Ein grosser Teil derselben kauft aber den Hauptteil seines Bedarfs jetzt 
fertig und beschaftigt sich nur mit Reparaturen, Konservierung und der- 
gleichen, fiihrt auch daneben Miitzen, Hiite, Schirme und andere Artikel zum 
Verkauf . Die Ausbildung eines gemigenden Nachwuchses hat stark darunter ge- 
litten. Wahrend fruher deutsche Kiirschnergesellen auch im Auslande eine 
Notwendigkeit fur den dortigen Fabrikanten bildeten, geniigen dieselben jetzt 
nicht mehr fur den einheimischen Bedarf und zahlreiche Arbeitskrafte aus 
Ungarn, Bohmen usw. wanderten ein. Erst im Jahre 1905 wurde durch die Be- 
strebungen des Berliner Arbeitgeber-Verbandes und der Neuen Pelzwaren- 
Zeitung ein Anfang zur Wandlung gemacht. Zahlreiche Kiirschner und Engros- 
firmen wurden veranlasst, Lehrlinge einzustellen ; der Arbeitgeber- Verb and 
errichtete zu deren besseren Ausbildung eine Fachschule in Berlin, die mit der 
Pflicht-Fortbildungsschule verbunden wurde und gleich im ersten Jahre gegen 
loo Lehrlinge unt errichtete. 



4. Kapit e 1. 

Oesterreich und der Orient. 

Auch in Osterreich und Ungarn hatte der dreissigjahrige Krieg viel zum 
Riickgang des edlen Kurschnergewerbes beigetragen, namentlich in ersterem 
Lande, doch fand in Ungarn das Gewerbe seinen grossen Stiitzpunkt darin, dass 
Pelze bis in die neueste Zeit zur Nationaltracht gehorten. Der Hirte auf der 
Pussta und der Bauer tragt seine Bunda, den Schafpelz, dessen fein benahte 
und bestickte Lederseite im Winter nach aussen, im Sommer nach innen ge- 
tragen wird, die magyarischen Magnaten tragen aber kostbare Zobel- und 
Marderpelze zur Nationaltracht, die bei alien feierlichen Gelegenheiten angelegt 
wird. Naturlich werden daneben auch alle modernen Pelzarten von Damen und 
Herren viel gekauft, so dass das Kurschnergewerbe dort in hoher Brute steht. 
Der Betrieb ist meist noch ein handwerksmassiger, so dass in Ungarn iiber 7000 
Kurschnermeister und 3 4000 Gesellen existieren. InBudapest findet man eine 
grossere Anzahl feiner Detailgeschafte, doch hat dort die eigentliche Export - 
fabrikation noch nicht eingesetzt. 

In Osterreich fand die Kiirschnerei ihre Hauptstiitze hauptsachlich in 
Bohmen, und stammen noch heute die Mehrzahl der osterreichischen Pelz- 
arbeiter aus Bohmen. Bis vor etwa 25 Jahren bestand in Osterreich das Pelz- 
geschaft auch ausschliesslich im Detailhandel, und war es die Firma Toch, die 
in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Export- Kiirschnerei auf- 
nahm. Andere Wiener Firmen folgten und bald nahm dieser neue Industrie- 
zweig einen grossen Aufschwung an. Einige Firmen, wie z. B. Tlusty, Knopf 1- 
macher & Co. richteten regelrechte Fabriken auf dem Lande ein, um die billigen 
Arbeitskrafte nutzbar zu machen, und heute spielen die vorziiglich gearbeiteten 
Fabrikate der osterreichischen Pelzwarenfabrikation eine bedeutende Rolle auf 
dem Weltmarkte. Der Rauchwarenhandel hat aber in Osterreich mit dieser 
Entwicklung nicht ganz Schritt gehalten. 

Zwar existieren sehr grosse Firmen, namentlich das sehr alte Wiener 
Haus Georg Konig & Bruder, so wie J. Z. Schiitz in Prag und Wien, dessen Vor- 
fahren, wie aus vorhandenen Urkunden hervorgeht, schon vor 200 Jahren 

16 



242 IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter. 

als Fellhandler tatig waren. Doch begniigten sich diese Hauser hauptsachlich 
damit, den Bedarf der osterreichischen und ungarischen Industrie zu decken, 
und beteiligen sich am Welthandel vorzugsweise durch ihre Leipziger Filialen. 
In Budapest besteht dagegen schon seit langer Zeit cin grosser Markt fur 
dortige Produkte, namentlich Schaffelle (Ungarn und Siebenbiirger) und 
Schmaschen, sowie Fiichse, Harder und Iltis, die auch stark exportiert werden. 
So wird z. B. der durchaus nicht unbedeutende Bedarf Deutschlands an 
Schaffellen fur Eisenbahnpelze vorzugsweise von hier aus gedeckt. Auch in 
Triest befindet sich ein grosser Markt fiir Schmaschen und Schaffelle. 




Bilder vom Briihl. 

In Galizien, wo auch Pelze von jeher zur Landestracht gehorten, liegt 
auch die Kiirschnerei und der Rauchwarenhandel, wie fast das ganze Gewerbe 
und der Handel in Handen der judischen Bevolkerung. 

In Lemberg, Krakau und den kleinen Platzen befinden sich zahlreiche 
Rauchwarengeschafte, deren Inhaber regelmassig die Leipziger Messe besuchen 
und auch standige Einkaufer dort unterhalten. Es wird dort ziemlich vie] 
feines amerikanisches und anderes Pelzwerk eingefiihrt, doch lassen die Kredit- 
verhaltnisse ofter manches zu wiinschen iibrig. Von galizischen Produkten 
spielen zugerichtete weisse Kanin, sowie Fiichse und andere Wildwaren eine 
grosse Rolle fiir den Export. 

Im Orient stand das Pelzgeschaft von jeher in grosser Blute. Schon im 
alten Byzanz wurden vielPelzkleider getragen, und werden haufigZobelfelle er- 



4. Kapitel. 243 



wahnt, die aus den Landern der Skythen kamen. Mil der Herrschaft der 
osmanischen Tiirken wurde die Kiirschnerei noch viel ausgedehnter, denn auch 
bei ihnen war der pelzgefutterte Kaftan zur Nationaltracht gehorig und ist erst 
in den letzten 30 oder 40 Jahren von dem schwarzen einreihigen Gehrock, dem 
,,Stambuli", verdrangt worden, doch findet man ihn auch jetzt noch haufig bei 
alten konservativen Herren in der Provinz. Friiher, ehe noch die Ordensaus- 
zeichnungen in der Tiirkei Mode wurden, vertrat ihre Stelle ein vom Sultan 
verliehener Ehrenpelz, meist mit Zobel gefuttert. Auch die fremden Gesandten 
bekamen stets bei ihrem Antritt einen solchen Zobelpelz geschenkt. Sonst 




Bilder vom Briihl. 

waren als Pelzf utter der Pelze ,,Kuiski" hauptsachlich Fuchs und Luchs sowie 
Kolinski beliebt, auch Weissfuchs und weisse Hasen spielten eine Rolle. 

Ursprunglich waren die meisten Angehorigen der Kiirschnerei zuerst osma- 
nische Tiirken, bald aber wurden sie von den sich immer mehr ausdehnenden 
GriechenindenHintergrundgedrangt. DieseGilde war aber stets sehrangesehen. 
Lange Zeit standen an der Spitze dieser Kiirschner-Innung die Angehorigen der 
alten griechischen Fanariotenfamilie Ypsilanti, in der sich die Wurde des 
Grosskiirschners forterbte. Bekanntlich wurde einer dieser Kurschnersohne 
Konstantin Ypsilanti 1789 zum Hospodar der Wallachei und zum Fiirsten er- 
nannt. Sein alt ester Sohn Alexander Ypsilanti, einer der Fiihrer im griechischen 
Unabhangigkeitskampfe ist, bekannter aus den Mullerschen Griechenliedern 
,, Alexander Ypsilanti sass auf Munkacz hohen Thonom", wahrend sein Bruder 

16* 



244 



Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dem Mittelalter 



Demitrius Ypsilanti der erstc Prasident des griechischen gesetzgebenden 
Korpers war. Heute gehoren die Ypsilantis dem rumanischen Hochadel an 
und erinnern sich wohl nicht gern mehr ihrer mil Zweckzange und Nadel 
hantierenden Vorfahren. Die Konstantinopler Kiirschner haben ihre Laden 
hauptsachlich im grossen Bazar und im Kiirkski-Haus in Stambul, die noch 
ganz nach orientalischer Art sind, daneben findet man aber im Pera-Gebiete etc. 
in den Schaufenstern der eleganten Magazine die feinsten sowie gewohnlichen 
Pelzwaren modernen Schnitts. Namentlich die Damen, sowohl die tiirkischen 
Haremsdamen als die Griechinnen, tragen moderne Stolen, Muff en und Pelz- 




Bilder vom Briihl. 

jacketts, die zum grossen Teil aus Wien stammen. Auch auf der ganzen Balkan- 
halbinsel liegt das Pelzgeschaft und die Kiirschnerei in griechischen Handen, 
doch hat sich in der Art der Einfuhr auch hier vieles geandert. 

Fruher kaufte man in Leipzig namentlich Fiichse, aus denen der Riicken 
mit den Schwanzen ausgetrennt und die Klauen abgeschnitten und in Leipzig 
verkauft wurden, da man im Orient nur vorzugsweise die Fuchsbauche ver- 
wendete. Auch Kolinski, chinesische Wiesel, Weissfuchse, Feh ging friiher viel 
nach dem Balkan; jetzt hat dies aber stark nachgelassen und wird dort viel 
heimisches Pelzwerk verarbeitet. Nach wie vor werden aber dort viel Pelz- 
stiicke eingefuhrt, namentlich Zobelstiicke, Luchs, Nerz, Chinchilla, die sorg- 
faltig sortiert und zu gut gearbeitetemFutter zusammengestellt sind. Besonders 
in Mazed onien betreibt die Landbevolkerung die Anfertigung von Pelz- 



4. Kapitel. 245 



fuller als Hausindustrie im Winter. Ein Teil dieser Fuller kommt nach Leipzig 
zuriick, der grosser e Teil aber wird in der Tiirkei verkauft. 

In Kleinasien haben stall der Griechen vorzugsweise Armenier den 
Pelzhandel in Handen, doch sollen sie nicht so geschickte Kiirschner sein wie 
die Griechen, sondern mehr den Handel mil den rohen Fellen und den fertigen 
Erzeugnissen betreiben. Von der Tiirkei und den Balkanlandern wird auch 
ein ziemlich bedeutender Export mil Rauchwaren nach Leipzig betrieben, 
namentlich Harder, Fiichse, Wildkatzen und Schakale in grossen Mengen, 
ferner Schaffelle und Schmaschen. In Polo in Mazedonien existiert ein grosser 
Markt fur die schwarzen mazedonischen und tiirkischen Schaffelle, die zur 
Anfertigung von Schalpelzen dienen. Die Gesamtausfuhr von Rauchwaren 
aus der Tiirkei diirfte mehr als i Million Mark ohne die Schaffelle betragen. 

In Rumanien und Serbien werden heute vorzugsweise moderne Pelz- 
sachen getragen. Zum Teil kommen dieselben aus Wien, zum Teil werden sie 
im Lande von Kurschnern gefertigt. Hier liegt die Kiirschner ei aber nicht mehr 
in den Handen der Griechen, sondern wird vorzugsweise von Israeliten 
betrieben. 

Eigentiimlich fur Rumanien bleibt aber die Pelzmiitze, aus schwarz ge- 
farbten Buenos Ayres- Schmaschen, die ausschliesslich in Leipzig fur diesen 
Markt ebenso wie fur Ungarn gefarbt werden. 



5. K a p i t e 1. 

Skandinavien, Niederlande und tibriges Europa. 

In Skandinavien war das ganze Pelzgeschaft friiher in Abhangigkeit 
von Liibeck. 

Das norwegische Geschaft wurde durch den Kaufhof der Hansen an der 
deutschen Briicke in Bergen vermittelt, in dem Liibeck den Vorsitz fiihrte, und 
auch auf dem Heringsmarkt in Schonen, der dem Pelzhandel mit Danemark 
und Schweden als Stapelplatz diente, waren die liibischen Kaufleute die ersten. 
Mit dem Niedergang der Hansa kam aber das heimische Gewerbe in die Hohe, 
doch deuten die Namen Bundtmager in Danemark und Norwegen, Korsnor in 
Schweden auf den deutschen Ursprung. Es existieren verschiedene Gewerbe- 
gesetze aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert, welche auch Vorschriften liber die 
Kurschnerzunfte enthalten. 

1846 wurden aber die samtlichen alten Handwerksgesetze aufgehoben, die 
Ziinfte aufgelost und 1864 allgemeine Gewerbefreiheit eingefuhrt. 

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts ging der Pelzhandel Liibecks mit 
Skandinavien zum grossen Teil in die Hande der Hamburger iiber. Hamburg 
ist noch heute der Stapelplatz fiir nordische Land ware, wieFiichse, Harder usw., 
die, namentlich aus Norwegen stammend, recht wertvoll sind. 

Die Kiirschnerei in Schweden und Norwegen beschrankt sich grosstenteils 
auf Spezialitaten, wie Decken und Garnituren aus Eidergansfellen, Kormoran- 
fellen, Weiss- und Blaufiichsen. In den grossen Magazinen von Brandt in Bergen, 
Bruhns in Drontheim etc. kaufen die Tourist en auch gern Eisbaren, braune 
Baren, Luchse usw. mit naturlichem Kopf . Aber auch moderne Pelzgarnituren 
und Mantel werden vielfach von Fremden gekauft, die eigentlich ihren Ursprung 
naher der eigenen Heimat haben. Friiher bereisten ausschliesslich Hamburger 
Geschafte ganz Skandinavien mit ihren fertigen Pelzwaren, dann, seit Anfang 
der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, traten die Reisenden Berliner 
Fabrikanten mehr in den Vordergrund. 



5- Kapitel. 



247 



Mil dem Steigen der Einfuhrzolle wurde aber das Importgeschaft fertiger 
Ware schwieriger, und Hamburger und Berliner Hauser errichteten Filialen zur 
Anfertigung von Pelzwaren im Lande. 

Auch die eigene Fabrikation skandinavischer Hauser erstarkte. Friiher 
gab es neben den Detailkiirschnern eigentlich nur zwei Firmen, die fur den 
Engrosbetrieb fabrizierten, die Firma Forssel in Stockholm und die grosse 
Mantelfirma J. Moresco in Kopenhagen, von denen die erstere aber vor etwa 
20 Jahren die Zahlungen einst elite, wahrend die andere noch heute ein Welt- 
haus ersten Ranges ist. Jetzt betreiben aber verschiedene Firmen die Engros- 
fabrikation, von denen ich nur die Firmen Wettergreen in Gothenburg und 
Goldstein & Sohn in Kopenhagen und Malmo nennen will. Alle diese Firmen, 




Eskimofrauen an Bord Pearys Expeditionsschiffes mit Zubereiten erbeuteter Felle beschaftigt. 

ebenso die der grossten Detailgeschafte, haben einen starken Bedarf an 
amerikanischen und russischen Rauchwaren, den sie zumeist in Leipzig decken. 
InSchweden und im siidlichenNorwegen ziehen zahlreiche Aufkaufer im Lande 
umher, die rohe Landware aufkaufen; im nordlichen Norwegen, in Bergen, 
Drontheim, Tromso und Hammerfest wird der Einkauf meist von den dort 
ansassigen Kiirschnern besorgt. Nach diesen Pelzhandelsplatzen kommen 
auch viele Felle von Eisbaren, Polarfuchsen, Seehunden, die von den dort 
beheimateten Fangschiffen von ihren Fahrten aus dem Eismeer, Spitzbergen, 
Novaja Semlja usw. mitgebracht werden. Fast alle diese Felle kommen zu- 
nachst nach Hamburg und von dort zum grossten Teil nach Leipzig. In Kopen- 
hagen ist auch der Hauptsitz des Koniglichen gronlandischen Handels. Die 
ganze Zivilverwaltung Gronlands steht unter dem Direktorat des Koniglich 
gronlandischen Handels, der fur Rechnung der Regierung betrieben wird. 



248 IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Europa seit dern Mittelalter. 

Gronland 1st zu diesem Behufe in zwei Inspekt orate geteilt. Nordgronland mil 
den Kolonien Upernavik, Ormenak, Ritenbenk, Jacobshaven, Kristianshaab, 
Egedesminde und Godhavn, und Siidgronland mit Holstenborg, Sukkertoppen, 
Godthaab, Frederikhaab und Julianshaab. Eigene Schiffe, friiher meist Briggs, 
jetzt auch Dampfer, unterhalten den Verkehr mit dieser danischen Kolonie und 
bringen die Produkte Gronlands, Seehundsfelle, Tran, Weissfuchs- und Blau- 
fuchsfelle, Eidergansfelle und -Decken, Eisbaren, Vogelfedern, Eiderdaunen, 
Narwal- und Walrosszahne. Diese Waren werden zweimal im Jahre in Kopen- 
hagen zur Auktion gebracht. In der letzten Zeit wurden auch versuchsweise 
Automobilkleider versteigert, die von den kunstfertigen Handen der Eskimo- 
frauen fur den europaischen Markt angefertigt werden. Der Wert dieser 
Ausfuhrwaren betragt jahrlich etwa i Million Kronen, diedurch den gronlandi- 
schen Handel dort eingefuhrten Waren, wie Mehl, Zucker, Schiffszwieback, 
Kolonialwaren, Manufakturwarenusw. bewerten sich auf etwaeine halbe Million, 
und deckt der Gewinn ungefahr die Kosten der Verwaltung der Kolonie. 

Auch die Produkte Islands, jener zweiten danischen Kolonie, die jetzt so 
eifrig die Losreissung vom Mutterlande betreibt, finden zum grossten Teil 
ihren Weg nach Kopenhagen. Es sind dies ausser den Produkten der Fischerei 
namentlich Felle vom Weissfuchs und Blaufuchs, Seehundsfelle, Eidergans 
und andere Vogelfelle und sehr feine Schmaschen, sowie Eiderdaunen. 
Die islandische Wolle und islandischen Ponies werden hauptsachlich nach 
England exportiert. 

Der Handel mit Rauchwaren ist hier ganz in privaten Handen. Kurschner 
gibt es auf Island nicht, doch werden fertige Pelzwaren von Kopenhagen aus 
eingefuhrt. Die Verbindung findet durch regelmassige Dampfer statt. 

Anfang des 17. Jahrhunderts war Amsterdam ein Hauptsitz des euro- 
paischen Pelzhandels geworden. Die Polargegenden bei Spitzbergen waren 
infolge der hollandischen Entdeckungen des grossen Reichtums von Tran- 
tieren ein Sammelpunkt ganzer internationaler Fangflotten geworden, wie es 
schon heute die Neufundlanderbanke fur den Kabeljaufang sind. Hollandische 
Fahrzeuge waren aber in der Mehrzahl. An der Schmerenbergbucht und an 
anderen Stellen Spitzbergens befanden sich grosse standige hollandische An- 
siedlungen, und wurden hier haufig blutige Kampfe zwischen den Angehorigen 
der verschiedenen Nationen ausgefochten. Von hier aus gelangten aber nicht 
nur Tran und Fischbein, sondern auch die erbeuteten zahlreichen Felle, wie 
Weissfuchse, Blaufiichse, Hermelin, Seehundsfelle, Renntierdecken etc. nach 
Amsterdam. 

Nach der Griindung Manhattans, des heutigen New York im Jahre 1612 
kamen dorthin auch die Ertragnisse des Tauschhandels mit den Indianern, 
namentlich Biber und Otterfelle, Fuchsfelle etc., so dass nicht nur die gross- 
artig entwickelte Industrie der Niederlande mit den notigen Rohstoffen ver- 
sorgt wurde, sondern auch nach Deutschland etc. Felle ausgefuhrt wurden. 
Erst mit dem Ende des Tranfanges bei Spitzbergen und dem Verlust der nord- 



5- Kapitel. 240 



amerikanischen Besitzungen horte Holland auf, ein Emporium des Pelzhandels 
zu sein. Wie bei dem grossen Reichtum der Niederlande, und der Moderichtung 
jener Zeit, die Pelzverbramung bei den Kleidern jedes vornehmen oder auch 
nur wohlhabenden Mannes vorschrieb, nicht anders zu erwarten, bluhte da- 
mals in Amsterdam, Brugge etc. auch das Kiirschnergewerbe. Die Kurschner- 
zunft spielte keine geringe Rolle unter den damals so machtigen Zunften. Mit 
dem Niedergang der Moderichtung, Anfang des 18. Jahrhunderts, horte dies 
auf. Heute befinden sich in Holland nur wenig grossere Kurschnereibetriebe, 
der grosste Teil der dort verbrauchten Pelzwaren wird in fertigem Zustande 
eingefuhrt, namentlich aus Deutschland. Als Spezialitat des Landes ist aber die 
Zurichtung von Schwanen- und Gansefellen zu betrachten, die gerupft einen 
grossen Handelsartikel bilden. Daneben wird die Zucht von Katzen gewerbs- 
massig betrieben, und sind namentlich die schwarzen hollandischen Katzen 
die besten. 

Auch in B e 1 g i e n , dem klassischen Lande der Bliite des Handwerks, 
war lange Zeit nach der Auflosung der Gilden wahrend der franzosischen Herr- 
schaft das Kurschnerhandwerk ganz verschwunden, und der Bedarf an fertigen 
Pelzwaren wurde durch Einfuhr aus Paris und Deutschland gedeckt, erst in den 
letzten Jahrzehnten sind eine Anzahl moderner Kurschnergeschafte in Briissel 
und Antwerpen entstanden, meist von Auslandern begriindet. Dagegen besteht 
schon seit Anfang des vorigen Jahrhunderts eine bedeutende Industrie zum 
Verarbeiten von Kaninchenfellen, die in grossen Fabriken in Gent, Alost, 
Brugge usw. zugerichtet, gefarbt und geschoren werden. Die belgischen Kanin 
sind bedeutend kleiner und minder wer tiger als die franzosischen, doch diirfte 
die jahrliche Produktion 10 Millionen Franks iibersteigen. Die Hauptausfuhr 
findet nach Amerika statt, an zweiter Stelle steht Deutschland an dritter 
England. 

In Italien war im Mittelalter und wahrend der Renaissance das 
Kurschnerhandwerk in hoher Bliite, da Pelzwerk ein notwendiger Bestandteil 
der vornehmen Tracht ausmachte, was wir noch auf vielen Bildern aus der 
damaligen Zeit sehen konnen. Ich erinnere nur an den prachtvollen Luchspelz 
auf dem Bilde von Tintoretto im Berliner Museum. Spater sank auch hier 
die Kiirschnerei. Im vorigen Jahrhundert wurde fast alles, was an Pelzwerk 
gebraucht wurde, fertig eingefuhrt; jetzt ist aber seit einem Jahrzehnt auch die 
eigene Fabrikation recht erstarkt und namentlich in den letzten Jahren be- 
zogen die italienischen Kiirschner recht ansehnliche Posten Felle von Leipzig. 
Ubrigens liefert Italien auch nicht unbetrachtliche Posten Wildarten, wie 
Fiichse, Marder usw. die aber meist von geringer Qualitat sind, und grosse 
Mengen meist guter Schmaschen. 

In S p a n i e n decken noch heute die dortigen Kiirschner ,,mang iteros" 
(von manga, der Muff) nur einen geringen Teil des nicht unbedeutenden Be- 
darfs des Landes, der weitaus iiberwiegende Teil wird aus Frankreich und 



25O IV. Geschichte des Ranch warenhandels in Europa seit dem Mittelalter 

Deutschland eingefiihrt. Die spanische Landware, Fiichse, Harder und 
Schmaschen, findet ihren Weg teils nach Paris, teils nach Leipzig direkt. 

Die Schweiz besitzt seit langer Zeit recht gute und umfangreiche 
Kurschnergeschafte, fiihrt aber doch jahrlich fiir mehrere Millionen fertige 
Pelzwaren ein, wohl mindestens ein Drittel des Konsums. Die neue Zollgesetz- 
gebung hat die Einfuhr aber sehr erschwert. Sehr gute Landware, wie Fiichse 
Harder, Iltis, Katzen wird von der Schweiz geliefert, namentlich haben die 
Schweizerfuchse einen guten Namen. Die ganze Produktion kommt nach 
Leipzig. 



6. K a pit el. 

Asien. 

In dem Riesenreiche China war die edle Kiirschnerei schon seit dem 
grauen Altertum zu Hause. Das kalte Klima im nordlichen und mittleren 
China wahrend des Winters machte Pelzkleider zur Notwendigkeit, und gehorte 
feines Pelzwerk ausserdem zur offiziellen Fracht der Mandarinen. Meistens 
wurde einheimisches Pelzwerk verarbeitet, die verschiedenen Sorten Lammfelle 
und Schaffelle, namentlich die sogenannten Tibetlammfelle und mongolischen 
Lammfelle, ferner Kidfelle, Fiichse und Zobel. Verschiedene einheimische Pelz- 
sorten, die heute einen bedeutenden Exportartikel bilden, wurden aber zum 
eigenen Gebrauch nicht verwendet z. B. die Wieselfelle, Seefuchse und andere. 

Da die Form der Tracht stets Jahrhunderte lang dieselbe blieb, war auch 
die Gelegenheit zur Massenanfertigung von Pelzf utter giinstig. Namentlich in 
Shansi existierten zahlreiche Grosskurschner, welche die verschiedenen Felle zu 
Futter, hauptsachlich in 2 Grossen anfertigent, die Maquas oder Kreuze zum 
Fiittern der Reitjacken, und die langen Rocke mit verhaltnismassig schmalen, 
langen Armeln. Verhaltnismassig selten war eine andere Form, die verlangerten 
Kreuzen glich, und im Pelzhandel robes genannt wurde. 

Angestellte, Agenten und Kunden dieser Engroskurschner verbreiten die 
Fabrikate iiber das ganze Reich bis in den fernen Siiden, und unterhalten 
Verkaufsladen in alien chinesischen Stadten, wo man auch die Futter mit 
Seidenstoffen bezogen als fertige Kleidungsstiicke kaufen kann. Besonders in 
einzelnen Stadten finden sich ganze Strassenreihen nur mit Kiirschnerladen 
besetzt, z. B. in Peking, Mukden usw. Daneben gibt es zahlreiche chinesische 
Rauchwarenhandler, aber in grosseren Mengen erst seit Aufkommen des 
Exporthandels. 

Die Chinesen sind sehr geschickte Zurichter, und befinden sich in Kalgan 
und anderen Platzen Shansis und Shensis Zurichtereien, die mehrere hundert 
Leute beschaftigen. Auch in der Kiirschnerei sind sie sehr geschickt, obgleich 
die Werkzeuge vielfach noch sehr primitiv sind. Das Kurschnermesser besteht 
aus einem Halbkreis, und ausserdem wird eine gewohnliche Zange benutzt. 
Eine ordentliche Zweckzange kennt der chinesische Kiirschner ebensowenig 



252 



IV. Geschichte des Rauchwarenhandcls in Asien. 



wie die dreikantige Kiirschnernadcl. Die Kiirschner bildcn iibrigens uberall 
eine starke Gilde, welche die Arbeitsbedingungen reguliert. So diirfen z. B. im 
Sommer keine Kurschnergesellen langer als von 10 bis 4 Uhr beschaftigt 
werden, wenn auch die Arbeit noch so sehr drangen sollte, damit eben moglichst 
viel Leute Beschaftigung finden, die dann in der Saison gebraucht werden. 
Von jeher liebte es aber das bessere Publikum auch in China aus- 
landisches Pelzwerk zu tragen. Schon zurRomerzeit gab es cinen regelmassigen 
Handelsverkehr von China mil Bagdad und den Hafen des arabischcn Meeres. 
Seidenstoffe, aus denen die Romer nachher die sogenannten koi'schenGewander 
herstellten, wurden gegen Erzeugnisse des Abendlandes ausgetauscht, und 
hierbei spielte Pelzwerk aus dem Scythenlande und selbst den fernen Waldern 
Germaniens keine unbedeutende Rolle. Spater ging die grosse Handelsroute 




Fell-Lager eines chinesischen Spcichers (Godown). 

von Byzanz aus langs des kaspischen Meeres und durch Zentralasien liber 
Samarkand und Taschkend nach China, der auch spater Marco Polo folgte. Zu 
jener Zeit bestand ein lebhafter Handelsverkehr auf dieser Route mit Byzanz 
und Europa. Unter den Einfuhrartikeln spielten damals Edelsteine und kost- 
bares Pelzwerk, namentlich Zobelfelle, eine Hauptrolle. Auch die Araber, die 
im 12. und 13. Jahrhundert einen grossen Handel mit China zur See unter- 
hielten, und einige standige Niederlassungen in der heutigen Provinz Fokien 
unterhielten, brachten Pelzwerk mit ins Land. Diese eingefiihrten Mengen 
waren aber nicht sehr gross, und das Importgeschaft mit Rauchwaren nahm 
erst einen grossen Aufschwung nach der Eroberung Sibiriens durch die Russen. 
In dem Abschnitt iiber ,, Geschichte des Rauchwarenhandels in Russland" 
habe ich die Entwicklung des Handels zwischen Sibirien und China aus- 
fiihrlich geschildert, das Monopol der russischen Peking-Karawane fur den 
Pelzhandel, und die Griindung von Kiachta. Letzteres war beinahe ein Jahr- 
hundert lang die einzige Stelle, wo sich der chinesische Markt mit fremdem Pelz- 



6. Kapitel. 



253 



werk, Seotterfellen, Biber, Landottern, Silberfiichsen, Blau- und Rotfiichsen, 
Luchsen usw. versorgen konnte. 

Ende des 18. Jahrhunderts begann aber auch die Einfuhr auf dem See- 
wege, namentlich nach Canton, wo die ostindische Kompanie Faktoreien be- 
griindet hatte. So schickte z. B. die Nordwest-Kompanie schon 1797 13 364 
Biber, 1250 feine Ottern und 1724 Kiffiichse direkt nach China. In den Jahren 
1797 bis 1807 kamen allein von der Sudkuste von Siidamerika, den Falkland- 
Inseln und der Magellanstrasse 3 1 / 2 Millionen Sealskin nach Canton, die dort 
im Durchschnitt fur 15 spanische Taler per Stuck verkauft wurden. Im Jahre 
1775 hatte ein englischer Kapitan, James Heines, in einer kleinen Brigg von 
60 Tonnen zuerst eine Fahrt von Canton nach Nootka und nach Alaska gemacht 




Chinesische Rauchwaren-Zurichterei. 

und war mit reicher Beute von Seeotterfellen zuruckgekehrt. Auch von 
Bombay und Kalkutta aus wurden mehrere Schiffe ausgeriistet, um an der 
amerikanischen Kiiste Felle einzuhandeln und in China zu verkaufen. Im 
gleichen Jahre bildeten mehrere englische Kaufleute die King Georgs Sound 
Company, mit dem ausgesprochenen Zweck, zwischen Amerika und China 
Pelzhandel zu treiben. Sie erhielt die notwendigen Lizenzen von der Ost- 
indischen Company und der South Sea Company und riistete die Schiffe 
,,King Georg Sound", 320 Tonnen, und ,, Queen Charlotte", 200 Tonnen, unter 
Kommando von Portlock und Dixon aus. Die Expedition ging von Gravesrend 
iiber die Falkland-Insel um Kap Horn, und die Sandwich-Inseln nach der Kiiste 
von Alaska und brachte dann iiber 2000 feine Prima Seeottern, eine bedeutend 
grossere Anzahl geringerer, sowie zahlreiche Fiichse, Schuppen, Zobel, Nerze 
und Sealskin nach Canton. Seeotterfelle brachten damals in Canton 80 bis 90 



254 



]V. Geschichte des Rauchwarenhandels in Asieru 



Dollar pro Stuck, durch eine Verkettung von Umstanden mussten sie aber 
von der East India Company iibernommen werden, die nur 20 Dollar pro Stiick 
zahlte, also einen recht hiibschen Gewinn an der Ladung erzielte. Auch die 
russisch-amerikanische Kompanie sandte einen grossen Teil ihrer Fellausbeute 
teils nach Kiachta, teils aber direkt nach Canton, so dass Anfang des 19. Jahr- 
hunderts jahrlich uber 20000 Seeotterfelle nach China kamen. 

Wie wir in demAbschnitt ,, Geschichte des Rauchwarenhandels inAmerika" 
gesehen haben, hatte auch Astor bei Griindung von Astoria den direkten Pelz- 
handel mit China ins Auge gefasst. Durch die torichte Handlungsweise des 
Kapitan Sowles, der mit dem ,, Beaver" die erste Pelzladung im Werte von 




Fell-Packanstalt in Tientsin. 



300 ooo Golddollars fur Astor nach Canton brachte, und durch den englisch- 
amerikanischen Krieg musste das Unternehmen aber aufgegeben werden. 
Trotzdem fand ein regelmassiger Export in Fellen nach Canton welter statt, bis 
nach Eroffnung Shanghais fur den fremden Handel 1840 der Mittelpunkt des 
fremden Pelzhandels dorthin verlegt wurde. So schickte z. B. die russisch- 
amerikanische Company 1850 2000 Biber nach Kiachta, den Rest ihrer Aus- 
beute nach Shanghai, ebenso eine grosse Partie Fuchse, Luchse und ameri- 
kanische Zobel. 8000 Sealskin gingen ebenfalls direkt nach China. Spater 
wurde der direkte Import von einigen deutschen Hausern betrieben, aber in 
massigem Umfange. Es kamen und kommen noch heute Silberkaninfelle aus 
Frankreich, Fuchsklauen, Otterfelle etc. aus Deutschland, Luchse, Biberfelle 
etc. aus London dorthin. Seeotterfelle sind heute fur den chinesischen Markt 



6. Kapitel. 255 



viel zu teuer geworden. 10 bis 20 Stuck mogen aber immerhin noch iiber 
Kiachta dorthin kommen. Aus Sibirien kommen auch noch grossere Mengen 
Eichhornchenfelle dorthin. Im allgcmeinen ist aber die Einfuhr fremden Pelz- 
werkes in China sehr zuriickgegangen. Sehr spat begann erst die Ausfuhr 
chinesischer Pelzwaren nach Europa. 1785 wurden in der Einfuhrliste von 
Kiachta nur Pant erf elle und Tigerfelle aus China erwahnt. Seit Ende der 
sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts kam jahrlich ein kleines Quantum 
Tigerfelle und chinesische Zobelkreuze in London bei Nesbitt zur Auktion, 
und um diese Zeit trafen auch die erst en chinesischen Ziegendecken auf dem 
Londoner Markte ein, aber immer noch in massigen Quantitaten; als 1876 
20 ooo Ziegendecken angeboten wurden, staunte man iiber das grosse Quantum. 
Heute werden etwa V 2 Million solcher Decken exportiert. Ende der siebziger 
Jahre kamen die erst en Tibet f elle in Form von Rocken nach Nishnij-Nowgorod, 
wo sie mit 100 Rubeln pro Rock bezahlt wurden. 

Ich war 1887 der erste, der direkt Pelzwaren aus China nach Deutsch- 
land brachte, und wurde dieser Handelszweig bald von mehreren Hamburger 
Hausern mit grosser Energie in die Hand genommen. Die ersten Wieselfelle 
brachte ich 1891 von China in den Handel, 5 Jahre spater wurden bereits 
600 ooo Stuck davon eingefiihrt. Heute kommt der grossere Teil der chine- 
sischen Ausfuhr nach Deutschland, der Rest nach England zur Auktion. Ein 
kleiner Teil wird auch direkt nach Amerika verschifft. Von etwa 100 ooo Mark 
vor 25 Jahren ist heute der Wert der Pelzausfuhr von China auf zirka zehn 
Millionen jahrlich gestiegen. 

Hauptsitz des Exporthandels in chinesischen Fellen ist heute Tientsin und 
Shanghai, wohin die Felle aus alien Teilen des Reiches meistens gelangen. 
Jedes hat aber nicht nur ein anderes Hinterland und damit verbundene andere 
Fellarten, sondern auch der Handelsbetrieb ist ein anderer. Tientsin beherrscht 
den ganzen Norden, die Provinzen Chile, Shansi, Shensi, Kansu, die Mongolei 
und das feme Turkestan. Die Compradore der grossen europaischen Firmen 
besitzen eigene Filialen in Kalgan, Singanfu, Lanschanfuh und anderen Orten 
des Innern, und erhalten von dort itamelwolle, Wolle, Ziegenhaute, und an 
Pelzfellen namentlich Tibet f elle, und andere Lammfelle und die daraus ge- 
fertigten Fabrikate, Ziegenfelle and Decken, Kidkreuze, Zobelfelle und Kreuze, 
Murmel, Fiichse, Steinmarder, Hundematten, Fehschweife, Tiger- und 
Leopardenfelle. Auch verschiedene chinesische Grosskaufleute beziehen grosse 
Warensendungen an Fellen aus dem Innern, die dann an die europaischen 
Kaufleute verkauft werden. 

Shanghai beherrscht den Handel des ganzen Jangtsetals bis nach dem 
fernen Kweichow und Szechuen, sowie die Nachbarprovinzen Shantung und 
Chekiang. Die chinesischen Handler des Orts handeln aber nur selten als 
Propre-Handler, sondern sind fast stets Kommissionare, welche die Felle 
meist in Konsignation erhalten. Sehr haufig kommt der Besitzer der Waren 
selbst mit seiner Kollektion angereist, um die Wunder der Fremden zu sehen,. 



256 



IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Asien. 



und die Genusse von Fochow Road usw. wahrzunehmen, denn eine Reise nach 
Shanghai ist das Ideal jcdes chinesischen Kuafmanns. Nach Shanghai 
kommen vom Jangtsetal namentlich Wieselfelle, Seefiichse (raccoondogs), 
Pahmis-Ottern, chinesische Mufflon (aus Chekiang) Civetcats usw. 

Auch die Erzeugnisse der Mandschurei, Ziegendecken, Hundef elle, 
Murmel, Fehschweife, Tigerfelle, Zobel usw. gehen weniger nach dem naheren 
Tientsin sondern nach Shanghai. Es kommt dies daher, dass vor der Errichtung 
der Eisenbahn das ganze Geschaft der Mandschurei in den Handen grosser 




Bilder aus Buchara: Bucharische Marchenerzahler. 

chinesischer Shanghai-Firmen lag, die in Newchwang, Mukden, Kirin usw. 
Filialen unterhielten. Die europaischen Export eure kaufen auch meist nur auf 
feste Ordre, indem sie die betreffende Sendung von den Chinesen 3 Tage fest 
an Hand bekommen, und nun nach Europa oder Amerika telegraphisch an- 
stellen. Es ist dies die billigste Art des Geschafts. Der Exporteur kann sich 
dabei mit einem Nutzen von 4 bis 5 Proz. begniigen, denn er trassiert sofort 
gegen die Verladungsdokumente und erhalt den vollen Betrag seiner Tratte 
zum Tageskurse von der Bank ausgezahlt. 

Neuerdings betreiben aber verschiedene Firmen, die in Europa eigene 
Filialen haben, das Geschaft spekulationsweise, indem sie die Fellsendungen 



^ Kapitel. 



257 



fur ihre eigcne Rechnung nach Hamburg, Bremen oder London an ihre eigenen 
Filialen konsignieren, wobei sie von den Banken meist Vorschuss erhalten. Es 
stellt sich dieser Modus natiirlich bedeutend teurer, da erstens viel Zinsen ver- 
loren gehen, bis dass der Erlos fiir die Waren wieder in China ist, und ferner 
kann der Exporteur sein Kapital auch viel seltener umsetzen, muss also 
auch einen entsprechenden hoheren Nutzen haben. 

Der Chinese erhalt iibrigens in Shanghai in alien Fallen sofort Kasse fiir 
seine Waren, wie er auch fiir alle von ihm gekaufte Waren Kasse zahlen muss. 
In Tientsin beteiligen sich aber die chinesischen Kaufleute haufig selbst an 
solchen Konsignationen nach Europa, indem sie sich mit einem Vorschuss be- 




Bilder aus Buchara: Sartische Persianer-Handler beim Mahle. 

gniigen. Auch die Compradore beteiligen sich sehr haufig daran. Der Nutzen 
dieser Geschafte hangt natiirlich sehr von der jeweiligen Konjunktur in Europa 
ab. Die chinesischen Rauchwarenhandler haben selbst verstandlich auch ihre 
Gilde, welch e bei ihren taglichen Zusammenkiinf ten nach Angebot und Nachf rage 
den Tagespreis bestimmt. In den letzten Jahren sind iibrigens auf dem Markt 
in Shanghai die J a p a n e r als starke Einkaufer fiir bestimmte Artikel auf- 
getreten. Im allgemeinen 1st der Pelzhandel in Japan von viel geringerer 
Bedeutung als in China. Die Japaner selbst verwendeten nicht viel Pelzwerk 
zur Kleidung; nur die japanischen Otter felle wurden gerupft zu Mantelkragen 
verarbeitet und Fuchsfelle und die Felle des japanischen Seefuchses, denen die 
Oberhaare zur Pinselfabrikation ausgerupft sind, werden zu Pelzfutter ver- 
wendet. Die Pelzhandler dort gehorten ebenso wie die Hautehandler und die 

17 



258 



IV. Geschichte des Ranchwarenhandels in Asien. 



Schlachter zur verachteten Pariakastc dcr Etahs, die noch heute, obgleich sie 
seit 1868 vollkommene gesetzliche Gleichberechtigung besitzen, und durch den 
Ausfuhrhandel vielfach reich geworden sind, eine sehr geringe soziale Stellimg 
einnehmen. Konnten doch vor einigen Jahren die Pelzhandler und Haute- 
handler in Tokio keinen Saal zur Abhaltung von Festlichkeiten erhalten. 




Bilder aus Buchara: Breitschwanzfelle werden an der Sonne getrocknet. 

Der Exporthandel in Fellen ist auch erst jungen Datums. Ich war im Jahre 
1887 der erste, der japanische Felle direkt einfiihrte. Jetzt belauft sich die 
Ausfuhr an Seefuchsen, japanischen Nerzen, japanischen Mardern, Dachsen etc. 
auf mehrere Millionen jahrh'ch, ungerechnet die Resultate des Seehund- und 
Seeotterfanges auf offener See. 

Bis 1896 war kein einziges japanisches Fahrzeug an dieser Industrie 
beteiligt; amerikanische und kanadische Schoner kamen an die japanische 
Kiiste zum Fang. Nur ein Schoner von Yocohame, einern Deutschen gehorig, 
betrieb den Seeotterfang an der Kiiste von Jesso und der Kurilen. 

Infolge des englisch-amerikanischen Abkommens des genannten Jahres in 
Paris, zu dem Japan nicht eingeladen wurde, wandten sich aber zahlreiche japa- 
nische Schoner dieser Industrie zu, wo sie ihrer Flagge bedeutende Vorteile ver- 



6. Kapilcl. 259 



danken. Sie schwarmen das ganze Jahr hindurch an der amerikanischen Kiiste, 
indem sie den schwimmenden Seehundsscharen folgen, und umlagern wahrend 
der Saison die Pribiloffinseln bis dicht an die 3 Seemeilengrenze, die sie auch oft 
genug iiberschreiten, wahrend die Fahrzeuge der anderen Nationen 60 See- 
meilen entfernt bleiben miissen, und auch sonst durch verschiedene Vor- 
schriften gehemmt sind, denen die Japaner nicht unterworfen sind. Der Hoch- 
seefang ist deshalb fur Japan sehr lukrativ geworden, und bring! dem Lande 
jahrlich jedenfalls mehrere Millionen ein. Wenn aber nicht bald Schritte getan 
werden, diirften durch die Schuld Japans die Pelzseehunde ebenso ausgerottet 
werden. wie es die Seeotter schon ziemlich ist. 




Bilrler aus Buchara: Persianerfelle in der Beize. 

In K o r e a war der Pelzhandel von jeher unbedeutend. Gefarbte Wiesel- 
felle, die aus China kamen und Streifen Otterfelle wurden zum Schmuck der 
Kleidung in geringem Umfang verwendete. Tigerfelle und die sehr schonen 
Leopardenfelle wurden fur die Vornehmen, die ,, Yenbans" erworben, um als 
Zeichen des Ranges iiber die Stiihle der Empfangshalle gebreitet zu werden. 
Bis zur Besitzergreifung des Landes war auch der Ausfuhrhandel an Pelzwerk 
kaum nennenswert, jetzt aber betragt der Wert etwa i Million jahrlich, die 
teils zur See nach Japan, teils auf dem Landwege nach Mukden und Newchwang 
gelangen. Es sind ausser Tiger-, Leoparden- und Barenfellen, hauptsachlich 
Kolinsky und Seefiichse. 

Zentralasienist fur die Pelzwaren-Industrie von nicht geringer Be- 
deutung. Die Kirgisen und die Kalmucken lieben Pelzwerk zum Schmuck ihrer 



26o 



IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Asien. 



Kleider zu verwenden, namentlich Fuchsfelle zum Fiittern der Chalate, jener 
langen zur Nationaltracht gehorigen kaftanartigen Rocke, fiir welche die 
minder Bemittelten die einheimischen Schaffelle verwenden. Fiir Miitzen, 
Kragen, Verzierungen und dergleichen werden Otterfelle gebraucht, und zwar 
neben den geringeren deutschen Landottern namentlich die flachen chinesischen 
und siidamerikanischen Ottern. Der Pelzhandel in Zentralasien liegt fast aus- 
schliesslich in den Handen der Tataren, die auch die verschiedenen Produkte 
des Landes, wie Wolle, Kamelwolle, Federn, Pferdehaare, Felle und Haute 




Bilder aus Buchara: Bucharische Kanfer von Karakulfellen. 

zur Ausfuhr bringen. In den grossen Kaufhofen tatarischer Kaufleute in 
Moskau liegen haufig fiir viele Millionen solcher Waren aufgehauft, alles unver- 
sichert, da dieses Allah vorgreifen heissen wiirde, denn ,,es kommt doch wie es 
vorgeschrieben", wozu also das Geld fiir die Versicherungspramien ausgeben. 
Diese tatarischen Kaufleute, die friiher sehr viel Geld verdienten, haben aber 
ihr Exportgeschaft, namentlich in Rauchwaren, sehr eingeschrankt gesehen, 
seit der Ausdehnung des Bahnnetzes in Zentralasien. Moskauer und Kasaner 
Agenten, Leipziger und auslandischer Hauser besuchen die Hauptknotenpunkte 
Zentralasiens, wie Orenburg, Taschkent, Samarkand selbst und kaufen dort 



6. Kapitel. 



26l 



Murmel und die anderen Erzeugnisse auf. Namentlich nach der Bucharei 
kommen sogar Leipziger Rauchwarenhandler direkt, um die Persianer Lamm- 
felle, Breitschwanze etc. direkt von Produzenten oder doch den erstenSammlern 
zu kaufen. Das Leipziger Haus Thorer war das erste, welches sich auf diese 
Art von dem Zwischenhandel der Tatar en emanzipierte. Nur die afghanischen 
Rauchwaren, namentlich Breitschwanze und Persianerlammfelle, kommen 
noch durch Karawanen nach den grossen Stapelplatzen an der Bahn, wo sie 
dann erst in die Hande europaischer Agenten iibergehen. Besonders geschickt 




Bilder aus Buchara: Burg des Emir v. Buchara, des grossten Persianerziichters der Welt. 

sind die Kiirschner Zentralasiens nicht, wenngleich das Gewerbe dort bereits 
ein uraltes ist. 

Auch inPersien exist iert von Alters her die wohllobliche Kurschner- 
zunft, die ja auch in der Anfertigung der zur Nationaltracht gehorigen be- 
kannten schwarzen Lammfellmutzen reichlich Beschaftigung findet. Friiher 
wurden auch sehr viele pelzgefutterte Kaftane getragen, namentlich mitFuchs, 
Zobel usw., wie in der Tiirkei. Nachdem aber der schwarze einreihige Gehrock 
der ,,Stambuli", den Kaftan immer mehr verdrangt, hat auch die Mode des 
Pelzf utters nachgelassen, trotzdem es im Winter in Persien oft recht kalt ist. 



262 IV. Geschichte des Rauchwarenhandels in Asicn. 

Die Ausfuhr der pcrsischen Rauchwarenproduktion findct iiber die Hafcn des 
kaspischen Meeres statt, und gelangt iiber Baku, Astrachan und schliesslich 
iiber Nishny in den Welthandel. 

Der Pelzhandel in I n d i e n beschrankt sich hauptsachlich darauf, Felle in 
ziemlich grober Art zuzurichten und den Touristen in Simla, Darjiling und 
den anderen Hiigelstationen zu verkaufen. In den Welthandel gelangt nur 
eine verhaltnismassig kleine Zahl von Tiger-, Leoparden- und Barenfallen. 

Eine zeitlang kamen recht hiibsche, wenn auch schlecht zugerichtete 
Fellchen der gestreiftcn Eichhornchen auf den Markt, die sehr nette Pelz- 
futter abgaben, doch habe ich seit langer Zeit keine mehr gesehen. Einen regel- 
rechten Pelzhandel gibt es in Indien ebensowenig wie ein Kurschner-Gewerbe. 
Die Hindus wiirden dies auch als unrein betrachten, wie sie ja auch moglichst 
vermeiden, Tiere zu toten. Die in den einzelnen Dorfgauen als Jager 
angestellten Shikarees begniigen sich auch wohl damit, den Raubtieren Fallen 
zu stcllen. Die Jagd als Beruf iiben eigentlich hauptsachlich nur die vordra- 
vidischen Bergstamme, wie die Ghonds usw. aus, welche denn auch die Felle 
ihrer Jagdbeute zum Verkauf bringen. 

Der Pelzhandel in T i b e t , das so schonc und seltene Pelztiere birgt, ist 
noch gar nicht entwickelt, das wenige, das von da aus in den Welthandel 
kommt, gelangt iiber die Grenzstation Ta Tien Liin nach der chinesischen 
Provinz Szechuen. Hier ist noch viel fur die Zukunft zu erwarten. 



7. K a pit el. 

Uebrige Weltteile. 

In S ii d a m e r i k a ist das Zentrum des Rauchwarenhandels Buenos 
Aires, doch ist auch hier erst in neuerer Zeit ein grosserer Umfang desGeschafts 
cingetreten. Die Hauptartikel sind Nutria und Chinchillas. 

1864 gibt Lomer die Zahl der nach Leipzig gebrachten Nutriafelle auf 
50 ooo Stuck im Werte von 50 ooo Taler an, und Chinchillas 30 ooo im Wert 
von 24 ooo Taler, und an anderer Stelle die Gesamtproduktion Sudamerikas 
auf 3 Millionen im Werte von 400 ooo Taler, und auf 100 ooo Chinchillas im 
Werte von 80 ooo Taler. Die Hauptmenge der Nutria wurde damals zur 
Filzfabrikation fur Hutmacherzwecke verwendet, fur die Rauchwaren- 
Industrie wurde nur ein kleiner Teil verwendet. Sie wurden teils mit den langen 
Grannenhaaren gefarbt, und vom Kurschner als ,,Affenfelle" verwendet, teils 
gerupft naturell verarbeitet. Der Umstand aber, dass die Grannenhaare beim 
Rupfen stets abbrechen und hasslich aussehende Stumpfen am Fell zuruck- 
bleiben, hinderte die grossere Verwendung. Erst als man vor etwa 20 Jahren 
anfing, dieFellegleich beim Zurichten durch einen Schwitzprozess zu enthaaren, 
wuchs der Konsum ungeheuer. Heute werden etwa i Million Nutriafelle fur 
Pelzzwecke und etwa i Million fur Filzzwecke verarbeitet, doch hat die Zufuhr 
in den letzten 2 Jahren sehr stark abgenommen. In Chinchillas hat das 
Quantum recht stark nachgelassen, so dass heut kaum mehr als 10000 echte und 
40000 Bastardfelle in den Handel kommen*), doch ist der Wert enorm gestiegen. 
Das kleine Quantum hat heute einen Wert von etwa i%bis 2 Millionen Mark. 
In Schmaschen- und Lammfellen ist die Produktion infolge verbesserter Zucht- 
methoden erheblich zuriickgegangen, belauft sich aber immerhin noch auf be- 
deutende Summen. In Argentinien ist der Rauchwarenhandel schon gut 
organisiert. Aufkaufer, meist Griechen, Syrer, Italiener und dergleichen durch- 
ziehen das Innere und kaufen Felle und andere Rohprodukte auf, ebenso 



*) Augenblicklich ist auch diese Ziffer noch bei weitem zu hoch gegriffen, da 
die Zahl der Tiere so stark abgenommen hat, dass Chile ein Fangverbot fur 5 Jahre 
erlassen hat. 



264 



IV. Uebrige Weltteile. 



nehmen die Inhaber der Vendas, der primitiven Verkaufsladen und Schnaps- 
schenken, Felle, Rosshaare und dergleichen in Zahlung. Die grossen Export- 
hauser haben ihre eigenen Baraquas im Innern, wo alle Sorten Landesprodukte 
gesammelt, sortiert, oder wie man es dort nennt, ,,klassiert" und verpackt 
werden. Die Hauptmenge der Produkte gelangt aber nach Buenos Aires, nicht 
nur von Argentinien, sondern auch von Montevideo. Die grossten Provinz- 
geschafte senden ihre Kollektionen dahin, und auch viele kleinere Handler 
reisen mil ihren Waren nach dem Paris Amerikas, um auch einmal wieder mit 
der Kultur in Beriihrung zu kommen. Bekanntlich ist Buenos Aires heute nicht 
nur ein Emporium des Welthandels, sondern cine Statte der raffiniertesten 
Luxusentfaltung. Der Verkauf der dort auf den Markt gebrachten Erzeugnisse 
geschieht auf die verschiedenste Weise, entweder freihandig oder durch 
Auktionen. 

Zum Teil werden grossere Partien auch im mundlichen und schriftlichen 




Lager eines Nutria- Jagers am River Uruguay. 

Submissionsverfahren plaziert, ein Verfahren, das sich namentlich grosser Vor- 
liebe von seiten der argent inischen Verkauf er erfreut, weniger aller dings der 
exportierenden Einkaufer, da hierdurch bei der Rivalitat der letzteren haufiig 
ganz ungerechtfertigte Haussen hervorgerufen werden. Nutrias werden hierbei 
stets nach Gewicht, die iibrigen Rauchwaren nach Stiickzahl gehandelt. 

Ausser den oben genannten Fellen kommen noch Pampafiichse und 
patagonische Fiichse, etwas Tigerkatzen (gatos montese und gatos pay eras), 
etwas patagonische Ottern, Seehunde usw. an den Markt. Die schonen von den 
Indianern angefertigten Guanacodecken fehlen seit der Ausrottung derPampas- 
Indianer unter General Rocca ganzlich, statt dessen kommen die Felle der 
jungen Guanacos ungegerbt in den Handel. 

Der gesamte Export von Rauchwaren von Argentinien diirfte sich 
meines Erachtens nach wohl auf 8 bis 10 Millionen Mark jahrlich belaufen. Der 
iiberwiegend grossere Teil davon geht durch Hamburger, Antwerpener und 
Leipziger Hauser. London spielt eine verhaltnismassig unbedeutende Rolle. 



y. Kapitel. 



265 



(Die gesamte Einfuhr Deutschlands aus Argentinien 1st ca. 450 Millionen Mark 
jahrlich.) An der Kiiste von Uruguay sowie an der patagonischen Kiiste wird 
Jagd auf Pelzseehunde gemacht, der en Ertragnis nach London geht. Es 
exist ier en iibrigens auch einige Kurschnereibetriebe in Argentinien und 
Uruguay, die aber ausser Satteldecken, Teppichen meist nur billige Pelzgegen- 
stande anfertigen, dagegen wird ein nicht unbedeutender Einfuhrhandel mit 
feinen Pelzwarensorten betrieben. Hiervon kommt der grossere Teil aus Paris, 




Bilder aus Buchara: Die gebeizten Persianerfelle werden zur Wasche getragen. 

ein anderer aus Wien. Die Berliner Pelzkonfektion hat sich noch verhaltnis- 
massig wenig daran beteiligt. 

Der Fang der Pelzseehunde auf den, gegeniiber Maldonaldo an der 
La Plata-Miindung gelegenen, Uruguay gehorigen Lobos-Inseln ist an eine 
englische Gesellschaft verpachtet. Seit einigen Jahren kommen kanadische 
Seehundschoner aus Halifax regelmassig zum Fang an diese Kiiste und haben 
recht gute finanzielle Erfolge gehabt. Die erbeuteten Felle werden gewohnlich 
in Montevideo ausgeladen und nach London verschifft. 

In Chile, das ebenfalls einen nicht ganz unbetrachtlichen Pelzhandel 
hat, ist dieser aber nur sehr wenig organisiert. Aus den nordlichen Teilen des 



266 



IV. Uebrige Weltteile. 



Gebietes kommen Chinchillas, Bastard-Chinchillas etc., die, ebenso wie das in 
Peru und Bolivien der Fall ist, meist in Form von Bank-Rimessen nach Europa 
verschifft werden, sonst bilden nur Otterfelle aus dem siidlichen Chile sowie die 
von chilenischen Fangschonern an der Kiiste der Provinz Chiloe und der 
Magellanstrasse erbeuteten Otterfelle und Pelzseehundsfelle einen namhaften 
Exportartikel, die aber immer nur gelegentlich nach Hamburg oder London ge- 
sendet werden, ohne dass es zu einem gcregelten Handelsbetrieb gekommen ist. 




Bilder aus Buchara: Persianerhandler im Karakulbazar. 

Noch mehr ist dies der Fall in Brasilien und Venezuela, die sehr schone 
Felle liefern konnen, ohne dass es bisher zu irgend einem nennenswerten 
Export gekommen ist. Paraguay, das eine grossere Produktion hat, betreibt 
darin keinen direkten Export, die Felle, namentlich Nutria, Pantherkatzen, 
Jaguarfelle usw. kommen ebenso wie die Erzeugnisse des auf dem anderen Ufer 
des Stromes gelegenen argentinischen Gran Chaco-Gebiet auf dem Wasserwege 
nach Buenos Aires. 

Australian. 

Der Pelzhandel Australiens ist verhaltnismassig jungen Daturas. Heinrich 
Lomer beziffert in seinem im Jahre 1864 erschienenen Buche die jahrliche 



y. Kapitel. 



267 




Hudson's Bay, Fort in Labrador. 



Produktion Australiens an Opos- 
sumfellcn auf 30 ooo Taler. Er 
schreibt bei dem Artikcl ,, Opos- 
sum" an einer anderen Stelle ,,die 
Neuhollander verarbeiteten sie oft 
zu Dccken und vertauschten sie 
an die Ansiedler, auf welche Weise 
sie gelegentlich in den Handel 
kamen, sie haben indessen keinen 
festen Wert". Im Jahre 1876, als 
ich zum ersten Male die Londoner 
Auktion besuchte, war die Zahl 
auf 2 300 ooo Stuck gestiegen, 
wahrend jetzt etwa 2 Millionen 

Stuck jahrlich an den Markt kommen, deren Wert allerdings stark schwankt, 
augenblicklich etwa 4 Mark per Stuck durchschnittlich ist, eine Preislage aller- 
dings, wie sie seit vielen Jahren nicht mehr eingetreten ist. Wallabys, Kanguruh, 
Wombats usw. erwahnt Lomder gar nicht, In den siebziger Jahren kamen etwa 20 
bis 30000 Wallabys undKanguruhs, die aber damals sehr billig verkauft wurden, 
von 2 6 d per Stuck, Wombats, etwa 5 10 ooo Stuck brachten 4 6 d. Auch 
diese Zahl hat sich bedeutend vermehrt, von den verschiedenen Sorten Wallabys 
kommen jetzt jshr ich 600 ooo im Durchschnittswerte von ca. 2 bis 3 Mk. per 
Stuck, Wombats etwa 200 ooo im gleichenWerte. Auch von Artikeln wie Beutel- 
dachsen ,, bandicoots" von denen friiher nur geringe Quantitaten unter den 
sundries sich fanden, gibt es heut vielleicht 100000 Stuck jahrlich. Kanguruh- 
ratten, ringtails und nativecats kommen inverhaltnismassig kleinenMengen, die 
in den letzten 20 Jahren keine Vergrosserung erfahren haben. In Kanguruh fellen 
kommen entschieden weniger als noch vor 20 Jahren, da diese grossen Beutel- 
tiere durch die zunehmende Besiedelung seltener geworden sind. Em sehr 
starker Riickgang hat aber in Tasmanien stattgefunden, welches die feins-ten 
Opossums, sowohl grosse graue, als die teueren schwarzen liefert. Von diesen 
kommt und der vierte Teil des Quantums, das noch vor 20 Jahren angebracht 
wurde. Diese schwarzen Opossum, die einen Wert von 10 15 Mk. per Stuck 
haben, sind besonders in Russland gesucht. Der Pelzhandel ist nun in 
Australien schon ziemlich organisiert. In den Stadten des Innern kaufen 
Aufkaufer diese Felle nebst anderen Produkten auf, namentlichKaninchenfelle, 
die ja zum Teil zur Pelzfabrikation benutzt werden, aber einen sehr bedeuten- 
den Handelsartikel fur die Filzfabrikation bilden. Auch Gerberrinden (wattle 
bark und mimosa bark) werden von diesen kleinen Handlern gekauft. Diese 
Sammlungen gehen nun nach den grossen Stapelplatzen Sidney, Melbourne, 
Adelaide, Brisbane usw. und werden hier zum grossten Teil in Auktioneri, 
zum kleinen Teil freihandig verkauft. Hier werden sie teils von den grossen 
Exporthausern, teils von Spekulanten angekauft und nach London in die 



268 



IV. Uebrige Weltteile. 




Handelsschooner an der Labrador-Kiiste. 



Auktion geschickt. Wahrend nun 
friiher das meiste in die Auktions- 
speicher von Flack Chandler, Culver- 
well Brooks & Cotton, Nesbitt, 
Dyster Nalder usw. kam, gelangt 
seit iiber einem Jahrzehnt etwa nun 
9 /io der ganzen Londoner Einfuhr 
australischer Felle bei C. M. Lamp- 
son & Co, zur Auktion. 

Im Verhaltnis zuNordamerika, 
wo heute 50 Proz. und zu China, 
wo heute etwa 80 Proz. der Ausfuhr 
unterUmgehung von London direkt 
auf Order nach den Konsumlandern geht, ist der direkte Export von Australien 
verhaltnismassig gering. Zwar beziehen Hamburger und Leipziger Handler 
bereits nicht unbedeutende Posten direkt, und auch die Ausfuhr nach den Ver- 
einigten Staaten ist nicht klein, immerhin diirften doch ca. 80 Proz. der Ausfuhr 
ihren Weg zunachst nach London finden, wo aber der bei weitem grosste Teilin 
die Hand Leipziger Hauser iibergeht. Besondcrs die weitere Bearbeitung, das 
Farben usw. der Wallabys ist Spezialitat Leipziger Hauser. Ganz der Neuzeit 
angehorig ist iibrigens der Export von australischen Fuchsfellen. Urspriinglich 
zur Vertilgung der Kaninchen eingefuhrt, verfehlten die Tiere diesen Zweck 
undheut bereits betragt die Zahl australischer Fuchsfelle die zum Versand 
kommen ca. 50 ooo Stuck jahrlich. 

Dagegen ist die Zahl der australischen Silberkanin im Riickgange be- 
griffen. Zu den Auktionen australischer Felle, zu denen sonst jahrlich 50 bis 
100 ooo Stuck kamen, findet man sie seit Jahren nicht mehr. Wohl kommen 
noch cine Anzahl Ballen bei den Auktionen australischer Kaninchenfelle vor, 
doch sind diese nicht alle zum Rauchwarenzwecke geeignet. Ein grosseres 
Quantum von 30 40 ooo Stuck wird direkt nach China exportiert. Die 
Kurschnerei ist in Australien noch nicht sehr entwickelt. Es gibt zwar eine 
Anzahl Kurschnergeschafte, die aber meistens nur heimische Erzeugnisse 
verarbeiten und namentlich aus Opossum, Schnabeltier, Kanguruh usw. 
hiibsche Wagendecken herstellen, die sehr hoch bezahlt werden. Auch aus 
Emufellen, dem australischen Strauss, werden Wagendecken und besonders 
Teppiche angefertigt. Da in den australischen Stadten bei der Wohlhabenheit 
des Landes, namentlich zur Zeit hoher Wo llpreise grosser Luxus getrieben wird, 
so werden nicht unbedeutende Mengen feinenPelzwerkes, wieechte Sealpaletots, 
Stolas usw.gekauft, die aber fast alle von London bezogen werden, wenn sie auch 
zum Teil deutschen Ursprungs sein mogen. Ein direkter Export fertiger Pelz- 
waren aus Deutschland nach Australien findet noch wenig statt . Die australischen 
Kurschner sind auch auf Anfertigung von Gegenstanden aus fremdem Pelzwerk 
wenig eingerichtet. Hier liegt fur den deutschen Pelzwarenfabrikanten noch ein 



7- Kapitel. 



269 




Fellverladung in Labrador. 



gutes Feld der Betatigung. Der 

Pelzhandel der Siidsee hatte in 

den sechziger Jahren des vorigen 

Jahrhunderts einen guten Klang. 

Auch Lomer ziehti863 noch die Pro- 

duktion von Siidanierika, Afrika, 

Australien und den Siidsee-Inseln 

in einer Tabelle zusammen. Es 

handelt sich aber bei diesen Rauch- 

waren durchaus nicht um Erzeug- 

nisse der Siidsee-Inseln, denn ab- 

gesehen von einer Kanguruh- und 

Opossumart der melanesischen 

Inselgruppen und Neu - Guineas, 

die aber heute noch nicht in den Handel kommen, produzieren diese Inseln 

iiberhaupt keine Felle, die meisten besitzen iiberhaupt keine heimischen Sauge- 

tiere. Auf den Sandwich-Inseln befand sich aber damals ein schon mehrfach 

erwahnter Stapelplatz, von wo aus zahlreiche kleine Briggs und Schoner aus- 

liefen, um Schleichhandel an der Kiiste von Alaska und dem nordlichen 

Sibirien zu treiben und dort Felle, Tran, Wallrosszahne usw. einzutauschen, 

wobei der verbotene Branntwein eine grosse Rolle spielte. Die erhandelten 

Felle gingen von Honolulu meistens nach Bremen, da Bremer Hauser wie 

Hackfeld & Co. und andere damals den Handel in Honolulu beherrschten. 

Ende der sechziger Jahre horte dieses Geschaft vollkommen auf, wie wir an 

anderer Stelle gezeigt haben. Honolulu beschaftigt sich nicht mehr mit dem 

Pelzhandel sondern mit Zuckeranbau und Spekulation. Klaus Spreckels wurde 

der ungekronte Konig der Sandwichs-Inseln. 

Im letzten Erdteil, Afrika, ist von einem Pelzhandel noch garnicht zu 
sprechen. Zwar sind eine ganze Reihe Fellarten von dort ganz geeignet fur 
den Rauchwarenhandel, aber von einer Organisation oder von einem Pelzhandel 
iiberhaupt ist nicht zu sprechen, es kommt alles nur gelegentlich an den Markt, 
so Lowenfelle und Leopardenfelle von Ostafrika, Schakalfelle von Siidafrika 
usw. Gelegentlich findet man in London sehr schon zubereitete und gut genahte 
Kafferndecken, sogenannte Karosse aus Fellen, aber einen bestimmten Wert 
kann man nicht bestimmen. Gerade in der letzten Zeit scheint es aber, als ob 
die Moglichkeit einer Anderung gegeben sei. Die grossen Firmen, denen fruher 
diese Artikel viel zu unbedeutend waren, sind jetzt nicht mehr alleinherrschend, 
es sind eine ganze Reihe kleiner Firmen entstanden, so dass eine Arbeit sein- 
teilung bereits eingetreten ist und es jedenfalls nur eine Frage der Zeit ist, dass 
auch ein Exporthandel mit Pelzfellen eintritt. Antilopenhaute bilden heute 
schon einen betrachtlichen Handelsartikel. 

Auf den Guano-Inseln,die unseren deutschen Kolonien Siidwestafrika 
vorgelagert sind, aber in englischem Besitz sind, wird bereits seit den dreissiger 



270 



IV. Uebrige Weltteile. 



Jahren vorigen Jahrhunderts neben der Guanoausbeute auch der Fang des 
Pelzseehundes betrieben. Dicse Felle kommen als Kap-Seehunde nach London 
zur Auktion. Jetzt betragt die Zahl einige Tausend pro Jahr, friiher waren es 
aber bedeutend mchr. 




Schlittenhunde in Labrador. 



V. 



Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



1. Kapitel. 

Amerika. 

a) Hudson's Bay Gebiet. 

Die Hudson's Bay Company beschrankte sich urspriinglich darauf, ihren 
Handelsbetrieb von den Handelsstationen, den Forts langs der Hudsonsbay, 
auszuiiben, namentlich waren York Fort, Fort Churchill oder Prince of 
Wales und Mooseriver Factory Zentralpunkte eines grossen Handelsverkehrs. 
Hierhin wanderten im Fruhjahr ganze Indianerstamme, um ihre Pelzausbeute 
gegen Lebensbediirfnisse umzutauschen. Erst die Konkurrenz der Nordwest 
Company, die von Montreal aus das ganze siidliche Hudsonsbay- Gebiet bis zu 
den Rocky Montains mit Handelsstationen bedeckte, zwang sie, auch ihrerseits 
Stationen im Innern anzulegen. Den Kampf zwischen den beiden Gesellschaften 
sehen wir in einem fruheren Kapitel ausfuhrlich geschildert. Nachdem 1822 
die Nordwest Company in die altere Hudsonsbay Company aufgegangen war, 
war, neben dem alt en York Fort, Montreal, ein neuer Zentralpunkt fur die Ge- 
sellschaf t geworden. Der ganze Verkehr zwischen den einzelnen Handelsposten, 
von denen die Gesellschaft um die Mitte des vorigen Jahrhunderts 180 besass, 
fand auf dem Wasserwege statt, da ein ausgedehntes Flusssystem das ganze 
Gebiet durchzieht und die einzelnen Fliisse nur durch kurze Tragstellen, 
sogenannte Portages, voneinander geschieden waren. Schon die franzosischen 
Waldlaufer hatten sich derBirkenrinde-Kanoes der Indianer bedient, und waren 
diese Fahrzeuge schon 1676 von Peter Hennepin beschrieben, durch die Nord- 
west Company wurden sie aber sehr verbessert. Sie bestanden aus der sehr 
zahen Rinde der Papier-Birke, die in grossen Stiicken abgeschalt und auf 
Rippen aus zahen Weidenzweigen mittels Wurzelfasern, sogenanntem 
,,Watap" aufgenaht und mit dem Harz der Balsampappel gedichtet wurden; 

18 



274 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



Bug und Heck waren in die Hohe gezogen, der Boden war rund. Natiirlich 
waren diese Boote leicht Beschadigungen ausgesetzt, konten aber ebenso leicht 
wieder ausgebessert werden, da das Material dazu uberall wuchs. Man unter- 
schied Kanoes du Maitre, die eine Lange von 36 Fuss hatten, und Kanoes 
du Nord, 24 Fuss lang. Die Mannschaft des letzteren bestand aus 8 bis 9 Mann, 




Kanadischer Trapper. 

die der ersteren aus 16 bis 18 Mann. Die Ladung war samtlich in Packen von 
je 90 Pfund englisch eingeteilt, und nehmen die grossen Boote bis zu 120 solcher 
Pakete an Bord und daneben oft noch 8 Passagiere und mehr ; ausserdem gab 
es noch leichte Kanoes, die, in eleganter Form gebaut, mit nur 4 Mann Be- 
satzung als Expressboote eine sehr schnelle Fahrt machten. Auch die Last- 
boote legten bei giinstigen Stromverhaltnissen oft 8 bis 10 Kilometer in der 
Stunde zuriick. An der Spitze der Kanoes stand der Bugmann, der den Weg 
durch die Stromschnellen, Felsen und Untiefen angab, wahrend der Steuer- 



T. Kapitel (Amerika). 



275 



mann hintcn mit einem langen Paddelsteuerte. Beide erhielten einen hoheren 
Lohn als die Middlemen, die kniend auf den Hacken mit zuriickgebogenen 
Fiissen sassen und das Fahrzeug mittels kurzer Paddel durch das Wasser 
trieben. Spater ersetzte die Hudson's Bay Company auf den Hauptstromlaufen 




Ein Pelzjager nach Verkauf seiner Ausbeute in einem kanadischen Prairiestadtchen. 

diese Fahrzeuge durch holzerne Barken, die 36 Fuss lang, 8 Fuss breit und 
so fest gebaut waren, dass sie auch einen Anprall an die Felsen aushalten 
konnten. Die Ladung bestand gewohnlich aus 70 Paketen a 90 Pfund und 
die Besatzung von 8 Mann. Die Bootsleute, ,,voyageurs" genannt, rekrutieren 
sich aus den franzosischen Kanadiern, namentlich aus der Provinz Quebeck 
und zahlreichen Halbindianern, ,, Metis", namentlich aus der Redriver Gegend, 
wahrend die Angestellten in den Forts fast ausschliesslich Schotten und 
Orkney-Insulaner waren. An den Portages, den Katarakten, wurden die 

18* 



276 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



Fahrzeuge ausgeladen, und die Ladung von den Voyageurs auf dem Riicken bis 
ans Ende der Tragstelle getragen, wobei einzelne derselben zwei schwere Packen 
auf einmal transportierten. Schliesslich wurden die Kanoes selbst iiber Land 
getragen, wahrend die schweren Barken an Seilen iiber die Stromschnellen oder 
Wasserfalle gezogen wurden. Stromabwarts wurden die Boote nur sehr selten 
ausgeladen, sonderri schossen unter der kundigen Fiihrung des Bugmanns und 
Steuermanns, die auch Guides genannt wurden, die Schnellen hinab, wobei 
haufig die geringste Unaufmerksamkeit den Verlust des Fahrzeuges und der 
Ladung, ja haufig selbst der ganzen Bemannung herbeifiihrte. Die Ver- 
pflegung der Voyageurs war eine sehr kraftige, wenn auch sehr einseitige; als 
Ration galten acht Pfund Biiffelfleisch pro Tag und Kopf, und wenn solches 




Indianische Jager in Manitoba. 

knapp war, durfte es durch entsprechendes Quantum Fisch oder Wild ersetzt 
werden. Als Reiseproviant wurde Pemmikan verwendet, das aus gleichen 
Quanten ausgetrockenetem und gemahlenem Biiffelfleisch und fliissigem Fett 
bestand und in Sacken eingestampft wurde. Als Wiirze wurden getrocknete 
Beer en oder Rosinen dazwischen gemischt. Von diesem Dauerproviant wurden 
3 Pfund auf den Kopf und Tag gerechnet. Das notige Biiffelfleisch wurde da- 
mals mit Leichtigkeit von der dazu besonders errichteten Station Fort Edmonton 
am siidlichen Saskatchewan geliefert. Die Biiffelfelle, sogenannte Buffalorobes, 
wurden nicht etwa nach London mit der iibrigen Fellausbeute gesandt, 
sondern kamen nach Montreal auf den Markt. Getrocknete Biiffelzungen, die 
iibrigens ganz vorziiglich schmeckten, wie ich auch aus eigener Wissenschaft be- 
zeugen kann, kamen aber nach London zur Auktion. Mit der 1876 erfolgten 



Kapitel (Amerika). 



277 



planlosen Vernichtung der Biif felherden in den Vereinigten Staaten horte dies 
natiirlich auf . Von den Millionen Biiffeln, die noch am Ende der sechziger Jahre 
des 19. Jahrhunderts die Prarie bedeckten, blieben nur wenige hundert Stuck 
iibrig. Im Winter fand der Verkehr zwischen den einzelnen Forts und mit den 
Zentralen durch Hundeschlitten statt. Die Hudsonsbay-Schlitten, sogenannte 
,,Taboggans", bestanden aus zwei dunnenBirkenbrettern, die mit Lederstreif en 
zusammengehalten, vorn aufgebogen, mit Querstiick aus Holz verbunden, 
9 Fuss lang und 16 Zoll breit waren. Hierauf war ein Korb, wie eine Badewanne 




Eine Jagerhiitte in der Rocky mountains. 

geformt, befestigt, der die Ladung enthielt, ein Gewicht von 200 bis 4ooPfund; 
dieser Korb war mit Leder bedeckt und sorgfaltig verschniirt. DieseTaboggans 
waren sehr biegsam und glitten deshalb leicht iiber Unebenheiten des Bodens 
hinweg. Meist wurden 4 Hunde vorgespannt, wahrend die Begleitung, ge- 
wohnlich 2 Mann, auf Schneeschuhen daneben liefen. 

Haufig wurden 50 bis 80 Kilometer pro Tag zuriickgelegt und dies oft 
ein Monat lang taglich fortgesetzt. Jeder Hund bekam dabei 2 Pfund Fische 
pro Tag. Die Schneeschuhe bestanden aus 2 Stiicken Holz, die, kurven- 
formig gebogen, am Feuer getrocknet sind, an der Spitze hochgebogen, 
hint en in einen spitzen Winkel zusammenstossen, dazwischen geben andere 
Holzstiicke die Form, die Zwischenraume sind mit Lederstreif en ausgefiillt, 
besonders dicht am Hacken. Nur die Fersen wurden mittels Lederriemen 



278 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



befestigt: die Lange der Schneeschuhc war 4 bis 6 Fuss, die Breite in der 
Mitte 1 1/2 Fuss. Der andauernde Gebrauch der Schneeschuhe erzeugte 
iibrigens bei weniger Geiibten eine Entziindung der Knochel, das ,,mal de 
raquette". Der Anzug der Winterreisenden bestand aus Lederhose, dariiber 
mdianische Lederleggins, die an den Knocheln eng anschlossen, Mokassin, 
ein Flanellhemd, dariiber ein Rock aus Deckenstoff, der durch einen Giirtel 
zusammengehalten wurde, an dem Feuerzeug, Messer und Beil hing. Das 
ganze bedeckte ein ,,Capot", ein Kapuzenrock. Nachts wurde stets im Freien 




Hudsonsbay-Schlitten. 

geschlafen, wenn nicht gerade ein Fort erreicht wurde. Eine Lage Fichten- 
zweige auf den Schnee gelegt diente als Untcrlage, zwei wollene Decken 
zum Zudecken. Dies geniigte, obgleich die Temperatur oft bis unter 30 Grad 
Celsius sank. Waren wurden nie mit Schlitten befordert, sondern nur die Post, 
doch legte solcher Postschlitten ofter eine Strecke bis zu 200 Kilometer 
zuriick. Es gehortc iibrigens eine besondere Kunst dazu, solche Schlitten 
richtig zu beladen. Die Hunde waren eine Art Eskimohund, doch war durch 
sorgfaltige Ziichtung eine besonders starke und ausdauernde Rasse heran- 




Baidarka in Alaska. 



gezogen, die bei der grossen Winterreise taglich 60 bis 70 Kilometer mit 
dem beladenen Schlitten zuriicklegten. Die Hunde der Hasen - Indianer, 
canis domestims lagopus, die eine besondere Art bilden, sind kleiner und 
wurden zum Schlittenziehen weniger, desto haufiger aber zur Jagd ver- 
wandt, wie die meisten Indianerhunde iiberhaupt, doch schleppen sie bei 
den Umzugen die Zeltstangen, auf die dann noch einzelne Gegenstande 
geladen werden. 

Die gebrauchlichste Kanoeroute nach dem Norden ging von La Chine bei 
Montreal den St. Lorenzstrom hinauf durch den Huronensee, nach dem 
Lake Superior, wo in Fort William Halt gemacht wurde, von hier aus ging 
es durch den reissenden Kanimistoquoie, den Lake of the Woods, wo heute die 
grosste Dampfmuhle Kanadas liegt, Rainylake, Winipegriver, Winipegsee, 



i. Kapitel (Amerika). 



279 



Cedarlake, Saskatshewanriver, Beaver- und Halfmoonlake, Churchill oder 
English river, Isle a la Crosse, Buffalo und Methylake zu der langen 
Met hy portage, dann Clearwaterlake, den kleinen Athabascariver, den Elkriver, 
Athabascasee, Slaved ver und Slavelake, den grossen Barensee und den 
Mackenzieriver, eine Route von etwa 7000 Kilometer Lange. Uberall zweigten 
Seitenlinien zu den verschiedenen Hudson's Bay-Forts ab. 

Von Lake Winipeg aus fuhrt eine Route iiber Norwayhouse, Jackriver, 
Saskatshewanriver, Nelsonriver nach Yorkfort und ein anderer iiber Beren- 
river und Severnriver nach Severnfort an der Hudsonsbay. 




Junger Neufundland-Trapper. 

Vom Winipeg see, der eine Oberflache von ca. 25 ooo Quadratkilometer 
hat bei einer Lange von iiber 700 Kilometer, gingen auch die Routen nach dem 
Peaceriver und dem Rockymontaindistrikte ab, sowie nach dem Redriver und 
Assinoboin sowie dem Prariedistrikt. 

Bereits 1831 wurden im Norwaykanal 2 grosse Schoner fur den Verkehr 
auf den See gebaut, denen mehrere grossere folgten. Jetzt laufen dort ver- 
schiedene grosse Dampfer; die Hudsonsbay Company besitzt jetzt auf dem 
Athabascafluss den Dampfer ,,Grahame", auf dem Saskatshewanriver den 
,,S. S. Saskatshewan", auf dem Peaceriver den ,,S. S. Peaceriver" und auf 
dem Mackenzieriver in der arktischen Region den ,,S. S. Mackenzie". 



280 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



Uberall an dem weitverzweigten Wassernetz erheben sich die Handels- 
posten, die ,, Forts" der Hudson's Bay Company, liber denen stolz die Flagge 
der Gesellschaft weht mit den Buchstaben H. B. C., das der Volksmund in 
Kanada spottisch mit ,,Here Before Christ" iibersetzt. 

Augenblicklich sind die folgenden Forts in Betrieb: 



Liste der Forts der Hudson's Bay 

Arctic Red River 
Fort Wrigley 



Fort McPherson 

Fort Normann 

Fort Liard 

Fort Rae 

Smith Landing 

Lac Ste Anne 

Chipewyan 

Fort Mackay 

Dunvegan 

Pelican Narrows 

Cedar Lake 

Montreal Lake 

Isle a la Crosse 

Manitoba House 

Winipegosis 

Fort Pelly 

Churchill 

Weenusk 

Cross Lake 

God's Lake 

Little Grand Rapids 

Montizambert 

Missanabie 

Osnaburgh 

District Office 

Abitibi 

Flying Post 

Temagami 

Iroquois 

New Post 

English River 

Mistassinny 

Fort George 

Coocoocache 

Manowan 

Seven Islands 



Fort Nelson 

Fort Resolution 

Edmonton 

Athabasca Landing 

Wabasca 

Vermilion 

St. Johns 

Cumberland House 

Grand Rapids 

Lac la Ronge 

Portage le Loche 

Shoal River 

Pine Creek 

Egg Lake 

Severn 

Norway House 

Split Lake 

Island Lake 

Fort Alexander 

Long Lake 

Nipigon 

Lac Seul 

Dinorwic 

Barriere 

Matachewan 

Biscotasing 

North Bay 

Albany 

Fort Hope 

Woswonaby 

Great Whale River 

Weymontachingue 

Pointe Bleue 

Mingan 



Company. 

Fort Good Hope 
Fort Simpson 
Fort Providence 
Fort Smith 
Lac la Biche 
Onion Lake 
Fond du Lac 
Lesser Slave lake 
Lac du Brochet 
The Pas 
Fort a la Corne 
Green Lake 
Prince Albert 
Fairford 
Touchwood 
York Factory 
Trout Lake 
Nelson River 
Oxford House 
Berens River 
Nipigon House 
New Brunswick 
White Dog 
Sturgeon Lake 
Grand Lac 
Matogami 
Long Point 
Elk Lake 
Moose Factory 
Marten's Falls 
Rupert's River 
Mitchequon 
Carlton 
Kickendatch 
Bersimis 
Romaine 



i. Kapitel (Amerika). 



28l 



Rigolet North West River 

Nachvach Cartwright 

Georges River Wolstenholme 

Fort George Fort St. James 

Fort Graham Fraser's Lake 

Hazelton Babine 

Liard Telegraph Creek 

Eine Reihe von Forts sind aufgegeben, so namentlich die 7. Posten in 
Oregon, dann die fruher so bedeutenden Forts Garry und Redriver Factory in 
Winipeg, Fort William, Lake Superior und FortAssinoboine am gleichnamigen 



Davis Inlet 
Chimo 
Quesnel 

McLeod's Lake 
Port Simpson 
Dease Post 
McDames Creek. 




Das alte Hudson's Bay Fort, Fort Edmonton. 

Fluss, Fort Vancouver und die meisten Posten in British Columbia ; dort sind 
jetzt uberall bliihende Stadte entstanden, in denen die Company grosse 
,, Stores", unsern Warenhausern entsprechend, unterhalt und die einen aus- 
gedehnten Umsatz machen. An der Westkiiste kreuzten viele Jahre hindurch 
die Dampfer ,, Beaver" und ,, Otter" der H. B. C., lange Zeit die einzigen Be- 
forderungsmittel dort. Jetzt, wo zahlreiche Privatdampfer und Postdampfer 
jeden Ort an der Kuste besuchen, unterhalt die Gesellschaft keine eigenen 
Dampfer mehr, da solche uberfliissig, dagegen besitzt sie auf dem Skeena und 
dem Stikine-River die Dampfer ,,Port Simpson" und ,, Hazelton". 

Von den Posten an der Hudsonsbay, Yorkfort, Moose Factory und 
Ft. Churchill, den Hauptfaktoreien der Distrikte, wurden friiher alljahrlich 



282 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



die gesammelten Pelzausbeute durch eigene Segelschiffe abgeholt, die auch die 
Handelsartikel, Proviant usw. mitbrachten. Es kam auch haufig vor,dass diese 
Schiffe, die London am I. Juni verliessen und Ende August die Riickreise an- 
traten, dabei vom Eise liberrascht wurden und einfroren. Ich habe noch die 
alien, test gebauten Segelschiffe besucht, meist Barks von 300 bis 400 Tons, 
mit grossen geraumigen Kajiiten und am Heck das Wappen der Company 
in Holz geschnitzt tragend. 

Allmahlich wurde dies aufgegeben. Das letzte dieser Fahrzeuge, die Bark 
,, Shark", ging im Vorjahr in der Nahe von St. Charlton auf den Listra-Banken 
zugrunde. Jetzt wird dieser Verkehr durch eigene Dampfer der Gesellschaft 
besorgt, von denen der Dampfer ,, Pelican" die Niederlassungen in Labrador und 




Fellgeschaft in Montreal. 

der Westkiiste der Hudson's Bay besucht, wahrend der Dampfer ,, Discovery" 
nach der James Bay, der sudlichen Hudsonsbay, geht. Dem Lokalverkehr 
dient der Dampfleichter ,,Tulnew". Der Bau der Canada- Pacific-Bahn hat 
auch in den Transportverhaltnissen der Hudson's Bay Company einen grossen 
Umschwung herbeigefuhrt. Ein sehr grosser Teil der Jahresausbeute wird auf 
der Eisenbahn nach Montreal befordert und gelangt so unter Umstanden ein 
Jahr eher zur Auktion, als dies in friiheren Jahren der Fall war. Naturlich pragt 
sich dies am scharfsten bei den Herkiinften von der Westkiiste aus. Vor Voll- 
endung der Bahn gingen die Waren auf Segelschiffen von Victoria nach 
Vancouver Irland, um das Kap Horn nach England, eine Reise, die 9 Monate 
in Anspruch nahm, und wurden dann im Oktober in einer besonderen Auktion 
verkauft. Seit 1880 geschieht das nicht mehr, sondern die Felle werden eben- 
falls mit in der Marz- Auktion verkauft. 



i. Kapitel (Amerika) 



Die Importen der Hudson's Bay Company 1909 sind die folgenden: 





YF,&c. 


MR&EM, 


Canada 


EB.&c. 


NW. 


Total 


Total 






&c. 










1908 


Dachse. . . . 


144 














144 


125 


Bar, schwarz . 


2 300 


250 


49 8 


160 


806 


4023 


3943 


braun 


305 


I 


2 


491 


68 


867 


387 


grau . . 


53 








2 


30 


85 


108 


weiss . . 


34 


24 





I 





59 


89 


Biber .... 


17786 


4413 


6 210 


2166 


5314 


35889 


33156 


Hermelin . . 


14498 


995 


2186 


736 


i 520 


19935 


I53I4 


Virg. Iltis . . 


855 


216 


651 


45 


201 


i 968 


2 671 


Blaufuchs . . 


3 


14 











17 


14 


Kreuzfuchs 


637 


128 


17 


118 


86 


686 


1445 


Rotfuchs . . 


i 410 


338 


52 


355 


114 


2 269 


2987 


Silberfuchs . . 


121 


36 


10 


17 


28 


212 


344 


Weissfuchs 


2858 


i 104 





13 





3975 


2058 


Luchs .... 


1575 


258 


389 


317 


332 


2871 


8856 


Zobel .... 


14 l62 


3748 


4452 


1294 


1740 


25 296 


21577 


Nerz .... 


7948 


1417 


1367 


592 


744 


12068 


10 966 


Moschusochsen 


7 6 














76 


107 


Bisam . . . 


489815 


17921 


25698 


2736 


6220 


542 39 


298 346 


Otter, Land . 


I 416 


1473 


867 


566 


79 


4401 


5341 


Schuppen . . 


18 





I 





208 


227 


140 


Seal Hair, Dry 





i 050 





467 





1517 


1766 


Skunk .... 


I 244 


ii 


38 


13 


4 


i 310 


1478 


Wolf 


2550 


i 


47 


13 


140 


2751 


3756 


Vielfrass . . 


665 


3 





5 


64 


737 


718 



Hiervon werden wie stets die Biber, Bisam und Kanin im Januar, der 
Rest im Marz verkauft. 

Wenn die geplante und genehmigte Bahn von Winipeg nach F. Churchill 
in der Hudson's Bay fertig ist, wird auch hier ein weiterer Umschwung entstehen. 
Die Getreidemengen des Westens werden von hier nach Europa verschifft und 
an den eisigen Kusten der Hudsonsbai werden moderne Grossstadte entstehen. 

Urspriinglich herrschte auf den Handelsposten ein reiner Tauschverkehr. 
Als Einheitswert wurde das Biberfell zugrunde gelegt. Die Indianer, die mit 
ihrer Pelzausbeute nach dem Fort kamen, erhielten nach dem Tarife die Anzahl 
Biber felle bestimmt, welche die Felle wert waren, und suchten sich dann im 
Warenlager die ihnen gefallenden Waren aus, deren Wert dann ebenfalls fest- 
gestellt wurde. 



284 V. Handel und Verkehr in Ranch waren. 

Die Tarife wechselten im Laufe der Zeit. Ein solcher vom Jahre 1733 
lautete : 

Glasperlen, weisse ... l / 2 Pfund fur i Biber 

farbige. . . i/ 4 ,, ,, I 

Messingkessel i ,, ,, i 

Pulver i l / 2 ,, ,, i 

Speck 5 ,, ,, i 

Zucker 2 ,, I 

Tabak, brasil i ,, ,, i 

Blatter ....!% ,, i ,, 

Rollen 1 1/ 2 ,, i 

Zwirn i ,, ,,2 ,, 

Zinnober i% Unzen . ,, i 

Brandy i Gallone 4 

Tuch i Yard ,, 2 

Wolldecken i Stuck ,, 6 

Wollstoff i Yard i% ,, 

Flanell i ,, ,, i l / 2 ,, 

Strumpfbander .... 2 Stiick i 

Able 12 ,, ,, i 

Knopfe 12 Dutzcnd ,, i 

Beinkleider i Paar ,, 3 

Kamme 2 Stiick ,, i 

Rote Federn 2 ,, i 

Angelhaken 20 ,, ,, i 

Feuerstahl 4 ,, i 

Feuersteine 20 ,, ,, I 

Feilen i ,, ,, I 

Flinten ......... i ,, ,, 12 

Pistolen i ,, 4 

Handschuhe i Paar ,, i 

Brillen 2 Stiick ,, i 

Taschentiicher . . . . i ,, ,, iy 2 ,, 

Hiite mit Borte . . . . i ,, ,, 4 

Beile 2 ,, ,, I 

Falkenglockchen .... 8 ,, ,, i 

Eismeissel 2 ,, ,, I 

Messer 8 ,, ,, I 

Spiegel 2 ,, i 

Nahnadeln 12 ,, ,,' I 

Fischleim 2 ,, i 

Pulverhorn 2 ,, i 

Einfache Ringe . . . . 6 ,, i 



i. Kapitel (Amerika.) 



28 5 



Einfache Ringe mit Stein 3 Stiick 

Sabelklingen 2 ,, 

Loffel 4 

Hemden i ,, 

Schuhe i Paar 

Striimpfe i ,, 

Woll. gestrickte Giirtel . 2 Stiick 

Fingerhiite 6 

Tabaksdosen 2 ,, 

Zangen 2 ,, 

Koffer i 

Knauel Bindfaden . i 



fiir i Biber 



Dagegen wurden gerechnet: 

3 Zobelf elle fiir i Biber i Vielfrass .... fiir i % Biber 

2 Ottern ,, i ,, i Pfd. Bibergeil . . ,, i 

i Fuchsfell ,, i ,, i Hirsch ,, i 

i Wildkatze ,, 2 i Elentier ,,2 

i Wolf ,, i ,, i Pfund Federn . . ,, i 

i Bar ,,2 ,, 4 Paar Elenhufe. . ,, i ,, 

Im Jahre 1863 war folgender Tarif giiltig: 

i Flinte fiir 20 Biberfelle 

i Mass Pulver ,, i 

18 Bleikugeln ,, i 

8 Schrotladungen ... i 
10 Feuersteine i 

i Axt ,, 3 ,, 

i Kupferkessel .... ,, 16 

i Feuerstahl ,, i 

i Skalpiermesser . ... ,, i ,, 

i Feile ,, 2 

i Tabaksbeutel mit 

Brennglas ,, 2 ,, 

i Hornkamm ,, i ,, 

8 Pfrieme ,, i 

12 Messingknopfe ... ,, i 

25 Messingringe .... ,, i ,, 

6 Tonpfeifen ,, i ,, 

i kleiner Spiegel ... ,, i 

i Pfund Glasperlen . . ,, 6 

6 Unzen Tabak .... ,, i ,, 

i einfache Wolldecke. . ,, 10 

i gestreifte ,, . . ,,12 ,, 



286 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



i Matrosenrock . . . . 
i Knabenrock . . . . 

6 Ellen Band 

i Paar Hosen 

i baumwollenes Hemd . 

i Tuch 

i Unze rote Farbe. . . 
i Mass Rum 



fur 12 Biberfelle 



Dagegen wurden gerechnet: 

3 Zobelfelle fur i Biber 

i Luchsfell i 



Otter . . 
Silberfuchs 



fur i Biber 

4 




Comptoir der Hudson's Bay Company in Montreal. 

An einzelnen Sachen war also der Gewinn ein enormer. Bei Zahlung in 
Zobeln oder Silberfiichsen brachten verschiedene der ausgehandelten Waren 
bei nachherigem Verkauf ebenso viel Pfund Sterling, als sie ungefahr urspriing- 
lich Pence gekostet batten. 

Da Fellraum und Warenlager meist ein getrennter Raum war, erhielt der 
Indianer fur jedes ermittelte Biberfell urspiinglich ein Holztaf elchen . Da sich 
aber Schwierigkeiten herausstellten iiber Bescheinigung der Bruchteile, wurden 
1854 Metallmarken eingefiihrt, die auf der einen Seite das Wappen der 
Hudsonsbay Company und auf der Reversseite die Initialen des Distrikts, also 
z. B. Y. F. und die Bezeichnung des Wertes, also V 8 , %, % oder ein Biber. 

Metallwertzeichen hatte schon fruher die Nordwest Company eingefiihrt 
and als Geld ausgegeben, die heute als grosse Seltenheit von Miinzsammlern 
mit enormen Summen bezahlt werden. 



i. Kapitel (Amcrika). 



28; 




Wappen 
der H. B. C. 



Mit der Aufhcbung des Pelzhandelsmonopols 1863 anderte 
sich allmahlich die Art und Weise des Handelsbetriebes. Lange 
Zeit sicherte die grossartige Organsiation, namentlich des 
Transportdienstes, und die Schwierigkeit fur einzelne Handler 
sich den notigen Proviant usw. im Innern zu beschaffen, der 
Hudsonsbay Company einen gewaltigen Vorsprung. Nur an 
der Kiiste oder sonst leicht zuganglichen Stellen erhielt sie bald 
Konkurrenz und musste hier zum System der Barzahlung iibergehen. 

Es wurde aber auch hierbei nach einem bestimmten Tarife verfahren und 
nicht nach der Qualitat des einzelnen Felles. Ein Nerz war ein Nerz und er- 
hielt denselben Preis, ob es ein Prima dunkel oder ein helles Tertiafell war. 

Ein bekannter Rauchwarenhandler, der Niederlassungen an der Kiiste 
von British Columbien hatte, machte sich dies zunutze, indem er in London 
geringwertige Zobel- usw. Felle auf der Auktion kaufte und dann an die Forts 
der H. B. C. als vollwertige Felle des Distrikts verkaufen liess. Das wurde aber 




Biberwertzeichen der Nordwest-Co. 




Biberwertzeichen der Hudson's Bay-Co. 



schliesslich doch entdeckt und nun auch dort die Felle nach den Wert- 
abstufungen eingeschatzt und bezahlt. 

Mit dem Bau der Canada-Pacific-Bahn trat dann der gewaltige Um- 
schwung aller Verhaltnisse im westlichen Canada ein, wodurch die Gesellschaft 
zu einer Anderung ihres ganzen Geschaftsbetriebes veranlasst wurde. 

Wie schon friiher erwahnt, hatte die Hudson's Bay Co., bei der Abtretung 
ihres Hoheitsrechts an das Dominion of Canada das Land in der unmittelbaren 
Nahe ihrer Stationen, etwa 50 ooo Acres, die spater Stadtbaugrund in den 
verschiedenen neu errichteten Stadten bildeten, sowie den 20. Teil des ge- 
samten fruchtbaren Bodens zu Farmlandern erhalten. Mit dem Strom der Ein- 
wanderung, der sichMitte der 7oer Jahre des vorigen Jahrhunderts uber Kanada 
ergoss, trat nun der Verkauf dieser Landereien in den Vordergrund des Inter- 
esses. Anfanglich war der Erlos kein sehr hoher, da die Regierung Farm- 
lander rein umsonst abgab; erst als der ,,Boom" in Winipeg einsetzte und Bau- 
stellen, die bis dahin 100 Dollar gekostet hatten, fur 5 bis 10 ooo Dollars 
verkauft wurden, wurden auch die Ertragnisse aus den Landverkaufen ein 
bedeu tender Faktor fur die H. B. C., der sich erheblich steigerte, als mit 
dem fortschreitenden Bau der Canada-Pacific die Besiedlung des Landes 
zunahm und die gut gelegenen Landereien der Gesellschaft auch fur Farm- 



288 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



zwecke gesucht wurden. So betrug am 31. Mai 1907 der Gewinn aus dem 
Handel 197688 Pf. St. und aus dem Landverkaufe 258879 Pf. St.; 1908: 
141 594 Pf. St. zu 160 428 Pf. St. ; 1909, wo die Resultate infolge der kleinen 
Zufuhr fur den Handel keine sehr giinstigen waren, betrug das Verhaltnis 
sogar nur 80 391 Pf. St. zu 155 476 Pf. St. Die Preise fur die Farmlander be- 
wegen sich andauernd in steigender Richtung, 1889 war der Preis i % Dollar 
pro Acre, 1906: 7 Dollar, 1907: 9 Dollar, 1908: 12 Dollar und 1909: 12,60 Doll. 

Der Verkauf des Stadt-Terrains hat in den letzten Jahren etwas nach- 
gelassen. 1906: 343 317 Doll., 1907: 256 350 Doll., 1908: 124 972 Doll., 1909: 
47 074 Doll. 

Alle diese Ziffern beziehen sich auf den Jahresabschluss am 31. Mai. 
Die Dividenden sind recht gute. Allmahlich wurde der Nominalbetrag der 




Ein Store der Hudson's Bay-Company. 

Aktien von 30 Pfund Sterling durch Ruckzahlung auf je 10 Pfund reduziert, 
die Dividenden der letzten 10 Jahre schwanken zwischen 30 und 40 Proz. 
So wurde z. B. 1907 4,5 Pf. St. pro Acre Dividende gezahlt, 1908: 3 Pf. St., 
1909: 2,10 Pf. St. 

Augenblicklich steht der Kurs der Aktien, die man 1884 fur 27 Pfund 
kaufen konnte (1876 sogar fur 13 Pfund), auf 96 Pfund, eine Steigerung von 
960 Proz. Das Aktien-Kapital ist, wie schon erwahnt, inzwischen durch 
Ruckzahmngen seit 1863 von 3 Millionen Pfund auf i Million Pfund rekla- 
miert worden. 

Der unverkaufte Landbesitz der Hudson's Bay Co. belauft sich augen- 
blicklich auf 3 676 678 Acres nebst zahlreichen wertvollen Stadtbaustellen, 
da ja nunmehr auch Stadte in den Prarieprovinzen und dem Nordwesten 
gegriindet werden. Ausser in Winipeg und Victoria sind augenblicklich die 
wertvollsten Baustellen in Edmondton und Fort Williams, aber auch in 



i. Kapitel (Amerika). 280 



Ratportage warden 1908 fiir iiber 5000 Pfund Baustellen verkauft, und 
Athabascaws Landverkaufe scheint sich auch in starker Entwicklung zu be- 
finden. Dabei sind fast 4 Millionen Dollar-Zahlungen auf verkauftes Land 
aussenstehend, da die meisten Verkaufe mit langeren Zahlungsfristen statt- 
finden. Der Erlos der Pelzausbeute betrug 1907: 422309 Pf. und andere 
Importen 17 281 Pf . ; 1908: 311 326 Pf., andere Importen 8847,14 Pf.; 1909: 
262 750 Pf., andere Importen 7900 Pf. 

Die sonstigen Aktiva der H. B. C. stehen niedrig zu Buch, so z. B. die 
gesamten Dampfer der Gesellschaft nur mit 7752 Pf. 

Die starke Einwanderung erwies sich aber auch sonst fiir die Gesell- 
schaft von grossem finanziellen Nutzen. In richtiger Erkenntnis der Sachlage 
errichtete die H. B. C. an den Hauptplatzen, z. B. in Winnipeg, Edmond- 




Fell-Lagerraum der Hudson's Bay in Montreal. 

son, Victoria usw., grosse elegant eingerichtete Stores nach Art unserer Waren- 
hauser, wo alles vom Dampfpflug bis zum modernen Damenhut zu haben 
ist, auch in verschiedenen Handelsposten im Innern werden Waren und 
Proviant usw. an die vorhandenen Farmer, Jager usw. verkauft. 

Mit dem Bau der Bahn nach Fort Churchill an der Hudsonbay, welche 
einen neuen Auslass fiir die riesigen Getreidemengen des westlichen Kanadas 
bilden soil, werden die Einkiinfte der H. B. C. noch gewaltig steigen, ebenso 
durch die in Bau begriffenen Bahnen nach dem Steekenriver, welche die 
reichen Ackerbaugriinde im Peaceriver und dem Smokyriver erst erschliessen. 
Ist doch Kanada auf dem besten Wege, das Weizen-Hauptproduktionsgebiet 
der Erde zu bilden. In den Prarieprovinzen sind verschiedene Farmen, die 
10 ooo Acres (ca. 16 ooo Morgen) in zusammenhangender Flache unter Weizen- 
kultur haben. Da diese grossen Flachen mittels Dampfpflug und Maschinen 
voll ausgenutzt werden konnen und nur verhaltnismassig wenig Leute ge- 

19 



290 



V. Handel und Verkehr in Ranch waren. 



braucht werden, so ist auch der Nutzen bei giinstigen Frachtverhaltnissen 
ein sehr grosser. Nur ist manchmal mit Ernteausfallen infolge ungiinstiger 
klimatischer Verhaltnisse zu rechnen, sei es fruh eintretender Frost oder 
im Sommer die ausdorrenden heissen Winde, die ,,Chinooks". 

Jedenfalls ist die H. B. C. fest mit der Entwicklung Canadas verkniipft. 
Augenblicklich besteht der Vorstand der Hudson's Bay Company aus den 
folgenden Herren: President Lord Strathcona, stellv. Vorsitzender Earl of 
Lickfield, die iibrigen Mitglieder: Russell Stephenson, Sir Walter Vaughan 
Morgan Baronet, Thomas Skinner, John Coles und Leonard D. Curliffe ; Sekretar 
ist W. Ware, welcher die innere Verwaltung unter sich hat; das Sortiment 




Fellladungen werden bei einem Handelsposten in Manitoba abgeliefert. 

der Felle und der Verkauf untersteht S. H. Harris, dessen Vater, Grossvater 
und Urgrossvater schon diese wichtigen Funktionen ausubten. 

Mit dem Ausbau der Bahnen und der sonstigen Verkehrsmittel erhielt 
die Gesellschaft bald auch im Innern Konkurrenz. Namentlich Fort Edmonton 
entwickelte sich bald zu einem Hauptknotenpunkt des Pelzhandels. Die grossen 
Rauchwarenhandler von London, New York, Chicago unterhielten hier Filialen. 
Zahlreiche Handler siedelten sich in der Nahe der Hudson's Bay-Posten 
bis hinauf zum Sklavensee und Mackenzieriver an und durchstreiften das 
Land, um mit den Indianern und den Trappern Handel zu treiben. 
Alle die verschiedenen kleinen und grosseren Stores im Lande kaufen auch 
Felle oder nehmen solche in Tausch und remit tieren solche ihren Lieferanten. 
So sah ich z. B. in einem grossen Manufakturwarengeschaft in Winipeg 



i. Kapitel (Amerika). 



2QI 



unter anderem 20 wert voile Silberfiichse, welches dieselben von einem Kunden 
am Athabascaw-Flusse soeben er halt en hatten. 

b) Labrador. 

Auch in Labrador bef inden sich neben den Stationen der Hudson's Bay Co. 
die Verkaufsladen einer franzosischen Handelsgesellschaft aus Montreal und 
auch die Missionsgesellschaft der mahrischen Briider befasst sich mit Pelz- 
handel. Die von ihnen geleitete Gesellschaft, die auch schon iiber ein Jahr- 
hundert exist iert, fuhrt den Namen der ,, Harmony Co." und kauft von den 
Eskimos Rauchwaren, Seehundsfelle, Renntierfelle, Tran, Vogelfelle, Luchs- 
etc. Felle, die bekanntlich von tadelloser Qualitat sind und ungemein sauber 




Hundeschlitten in Alaska. 

und sorgfaltig behandelt werden. Sie tragen auf der Lederseite die Anfangs- 
buchstaben des Distrikts resp. der Ansiedlung, woher sie kommen. Es sind 
dies K. (Kebron), O. (Okak), N. (Nain), H. (Hopedale), Z. (Zoar), R. (Rameh). 
Die Felle kommen nach London zur Auktion bei Culvervell, Brook & Co., 
meist im Marz zum Verkauf, wahrend die Haarseehunde bereits im No- 
vember verkauft werden. Ubrigens beflnden sich im ganzen Hudsonbay- 
Gebiet bei alien Indianerstammen Missionsstationen, sowohl katholische als 
protest antische, die auch Felle erhalten und in Montreal oder Winipeg etc. 
zum Verkauf bringen. 

In dem frostgepeitschten Nordatlantic besorgt ein kleiner, ziemlich un- 
sauber aussehender Dampf er den ganzen Verkehr an der Kiiste von Labrador, 
holt die Fellausbeute ab und bringt die notigen Zufuhren an Lebensmitteln etc. 

19* 



2Q2 



V. Handel tmd Verkehr in Rauchwaren. 




Voyageur mit Schlittenhunden 
im Hudson's Bay-Gebiet. 



Vielfach bef indet sich neben den Posten 
der Hudson's Bay Co. der Handels- 
posten eines Konkurrenten. So 1st 
z. B. am Nordwestriver bei Rigolct an 
der einen Seite desFlusses ein H. B. C.- 
Fort und gegeniiber auf der anderen 
Seite des Flusses der Handelsposten 
einer franzosischen Gesellschaft aus 
Montreal. Beidemachen sich aber keine 
scharfe Konkurrenz, sondern zahlen im- 
gefahr dieselben Preise fur die Felle. 
Die Trapper sind meistens Halfbreds, 
und sind Zobel und Nerze die Haupt- 
ausbeute, die inFallen gefangen werden. 
Fur Nerze werden die Fallen langs der 
Wasserlaufe gelegt und mit einer Fo- 
relle oder einem Stuck Schneehuhn ge- 
kodert. Die Zobelf alien werden auf 
Baumstumpfen aufgestellt, da der Zobel 
solche gern besucht. Gelegentlich wird 
auch ein Silberfuchs gefangen, fur 
welchen die Company 200 bis 300 Dollar 
zahlt. In einer Beziehung unterscheiden sich die Trapper Labrador s gewaltig 
von den Pelzjagern der Vereinigten Staaten: in ihrer unerschiitterlichen Ehr- 
lichkeit. Wahrend in den U. S. eine ganze Menschenklasse existiert, die nur 
davon lebt, die Fallen der Trapper zu berauben, sind im hohen Norden die 
Fallen im Walde absolut sicher. Nie wiirde es jemandem einf alien, sich Fallen 
oder Jagdbeute anzueignen, die ihm nicht gehort. Ja, wenn ein Trapper 
in einer jemand anderem gehorigen Falle ein Tier f indet, das vielleicht ver- 
loren gehen konnte, so totet er es, richtet es zu und legt es so, dass der recht- 
massige Eigentumer es finden muss. Diese Fallen sind der wichtigste Teil 
der Ausriistung. Ein Trapper nimmt zumeist etwa 100 Stuck der ge- 
wohnlichen Stahlfallen, die 40 Cents pro Stuck kosten, dann einige Dutzend 
grosserer Fallen a I Dollar und eine Anzahl mit doppelten Federn, die teurer 
sindo Einzelne Trapper besitzen 500 bis 600 Fallen. Die anderen Gegen- 
stande, die zur Jagdausriistung notig sind, bestehen aus einem Fass Mehl 
im Preise von 7 bis 8 Dollar, einem Viertel Fass gesalzenes Schweinefleisch 
(50 Pfd.) 8 Dollar, 12 Pfund Kerzen a 30 Cents per Pfund, 30 Pfund Schmalz 
a 20 Cents, 10 Pfund Butter a 40 Cents, 5 bis 6 Blichsen kondensierter Milch, 
etwas Tee, Backpulver, Bohnen und einige Kleinigkeiten ; ausserdem ein 
Zelt, einen Of en und Schlafsack nebst Wolldecken. Ausserdem natiirlich 
Axt und Beil, Nagel und sonstiges Handwerkszeug. Das ganze wird in ein 
Boot geladen, und werden solche Boote an der Kiiste billig gebaut. Ein 



Kapitel (Amerika). 



293 



Catboot von 15 Fuss Lange kostet 30 Dollar. Die ganze Ausriistung kostet 
wohl 500 bis 600 Dollar, und erhalt ein tuchtiger Jager dieselbe gern auf 
Kredit bei der Hudson's Bay Co. 

Im Oktober wird nach dcm Fangplatz aufgebrochen, und vereinen sich 
gewohnlich 2 oder 3 Mann zu einem Camp. Nach dem ungeschriebenen 
Gesetz der Wildnis hat jeder Trapper das Anrecht auf einen Kustenstrich 
von 15 bis 25 englische Meilen Lange und Inland 3 bis 4 Tagereisen. Die Fallen 
werden nun hier ausgesetzt iiber das ganze Gebiet verstreut, was einen Zeit- 




Labrador-Trapper das Kiistenboot der Hudson's Bay Co. erwartend. 

raum von mehreren Wochen erfordert. Natiirlich werden ausser den neuen 
Fallen auch die alien Fallen in seinem Besitz in Ordnung gebracht und auf- 
gestellt. Die Lagerplatze werden so gewahlt, dass jede Falle wenigstens ein- 
mal in der Woche besucht werden kann. Ausser dem Zelt werden noch an 
verschiedenen Stellen im Revier Hiitten errichtet, in denen der ermiidete 
Trapper abends rasten kann, wenn es zu weit bis zum eigentlichen Lagerplatz. 
ist. Die gefangenen Tiere werden nach dem Lagerplatz gebracht und hier 
abgestreift, was mit grosser Gewandtheit geschieht. Ein geiibter Trapper 
streift einen Zobel in 10 Minuten ab und 3 bis 4 Fiichse in einer Stunde. Die 
Felle werden dann auf Weidenrahmen gestreift und an der Luft getrocknet. 
Neben dem Besuch der Fallen wird auch auf wilde Renntiere, Hasen. Reb- 
hiihner etc. Jagd gemacht, um den Fleischbedarf zu decken. Ein erlegter 



2Q4 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



Bar liefert nicht nur das wert voile Fell, sondern auch gutes Fleisch. Als 
Leckerbissen wird das Fleisch des Stachelschweins betrachtet. Im Herbst 
wird eifrig nach Forellen, Lachsen etc. gefischt. Wolfe werden auch 
haufig geschossen und bringen mindestens 5 Dollar per Fell. Gegen Weih- 
nachten wird die Heimreise angetreten und die Pelzausbeute an die Faktorei 
verkauft, die den besten Preis bezahlt. Dann wird der Familie, die meist 50 bis 
100 Meilen entfernt wohnt, ein Besuch abgestattet. Nach 2 bis 3 Wochen 
wird dann wieder der Jagdgrund aufgesucht, wo der Trapper bis zum April 




Labrador-Trapper, die ihre Post vom Kustendampfer abholen. 

verweilt, um dann den Sommer in der Heimat zu verbringen. Das Leben in 
der Wildnis ist ein sehr muhevolles; von morgens friih um 5 Uhr bis in die 
sinkende Nacht muss er auf den Beinen sein. Bei den hohen Preisen des 
Pelzwerks lohnt es sich aber, und der Trapper bring! bei einigermassen nor- 
malem Verlauf immer mehrere hundert Dollar bares Geld von seinen Winter- 
strapazen heim. 

c) Vereinigte Staaten. 

Anfanglich wurde der Pelzhandel in den Vereinigten Staaten in ahn- 
licher Weise betrieben wie in Canada und dem Hudson's Bay-Gebiet. 

Schon die ersten Ansiedler, die mit der Mayflower gelandet waren, ver- 
schafften sich einen Teil ihres Unterhalts durch Tauschhandel mit den 



i. Kapitel (Amerika). 



295 




Labrador-Trapper iiber die Fangverwertung 
verhandelnd. 



Indianern. Spater ent- 
wickelte sich aber eine 
besondere Menschenklasse, 
die wie in Kanada die 
Coureur du bois, die Wald- 
laufer und Voyageurs des 
Hudson's Bay-Gebiets sich 
ausschliesslich dem Fange 
der Pelztiere und dem 
Pelzhandel widmeten, die 
Trapper. Teils arbeiteten 
sie fur eigene Rechnung, 
teils traten sie in die 
Dienste der verschiedenen 
grossen Handelsgesell- 
schaften, die ich schon 
in fruheren Abschnitten geschildert habe. Der Tauschhandel mil den 
Indianern wurde teils von feststehenden Handelsposten aus, teils von umher- 
ziehenden Handlern besorgt. Mit der zunehmenden Besiedlung des Landes 
und dem Zuriickdrangen und Zusammenschmelzen der Indianer - Be- 
volkerung losten sich allmahlich auch die grossen Pelzhandelsgesellschaften 
auf und der Handelsbetrieb wurde ein anderer. Jeder Gastwirt und Kramer 
im Innern nahm von den Jagern und Farmern Felle in Tausch, da Bargeld 
damals in den sogenannten Hinterwaldern, den ,, Backwoods", sehr knapp 
war. Nahm doch vor 50 oder 60 Jahren in Missouri oder Arkansas sogar 
der Postmeister die Zahlung fur Briefporto in Fellen an, wobei ein Schuppen- 
fell fur y Dollar gerechnet wurde. Die so gesammelten Felle wurden dann 
teils dem Lieferanten in Zahlung gegeben, teils von Aufkaufern an Ort und 
Stelle aufgekauft. Die grosseren Pelzhandelsfirmen sandten Reisende aus, 
welche die grosseren Kollektionen besichtigten und darauf versiegelte Gebote 
abgaben, die dann an einem bestimmten Terrain geofmet wurden, worauf die 
Waren demjenigen zugesprochen wurden, der das hochste Gebot abgegeben. 
Allmahlich bildeten sich mehrere grosse Zentralpunkte des Handels heraus, 
namentlich New York, Chicago und St. Louis, wahrend andere Knotenpunkte, 
wie St. Paul in Minnesota, Detroit, Milwaukee, Omaha, Council Bluffs, 
Memphis, Kansas City, St. Feh (einst der Mittelpunkt des ganzen Karawanen- 
Verkehrs nach dem Westen), sehr in den Hintergrund traten. Dafiir dehnten 
die an diesen Orten wohnenden Handler ihre Operationen sehr aus und be- 
schrankten sich nicht nur auf die Produkte ihres Distrikts, sondern be- 
suchten auch entlegene Gebiete, so dass heute gar keine Gewahr dafiir ist, 
dass z. B. die von Jowa verschifften Kollektionen auch nur Felle aus diesem 
Staate enthalten. Das oben geschildert e Submissionswesen hat fast ganz 
aufgehort. 



296 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 




Veriadung von Rauchwaren auf den Kiistendampfer 
in Labrador. 



Die verschiedenen 
Rauchwarenhandler iiber- 
schwemmen das ganze 
Gebiet der Vereinigten 
Staaten mil Zirkularen 
und Preislisten, die sie 
selbst an die einzelnen 
Trapper richten, in denen 
sie bitten, ihnen ihre 
Kollektionen einzusenden. 
Sobald solche eingetroffen, 
werden sie sortiert und 
taxiert und dem Einsender 
ein Scheck fiir den Betrag 
eingesandt. Die vielen 
kleinen Sendungen werden 

dann zusammengeworfen und nach Gattung und Qualitat sortiert und ge- 
langen nun an eine der oben genannten 3 Zcntren. 

In friiheren Jahren war der weitere Verlauf sehr einfach. Die Waren 
wurden nach London an C. M. Lampson zum auktionsweisen Verkauf gesandt, 
und ergaben nun entweder Gewinn oder Verlust, so dass sich das Geschaft als 
ein sehr spekulatives erwies. Anfangs der siebziger Jahre des vorigen Jahr- 
hunderts kamen die ersten grosseren regelmassigen Sendungen auch nach 
Leipzig. 

Seit der Entwicklung des modernen Verkehrs ist man auch in Amerika 
bemiiht, das Geschaft soviel wie moglich auf eine weniger spekulative Basis 
zu stellen und auch die hohen Auktionsgebiihren in London wenn moglich 
zu ersparen. Heute werden die Partien schon gleich im Dezember und Januar 
telegraphisch nach Leipzig 
angestellt und so nach Be- 
schreibung verkauft, ent- 
weder Kasse oder 60 Tage 
Tratte gegen Dokumente, 
so dass nicht nur ein 
schneller Umsatz erzielt 
wird, der mit kleinem Ka- 
pital grossere Einkaufe er- 
moglicht,sondern auch dem 
amerikanischen Rauch- 
warenhandler zeigt, welche 
Preise er fiir weitere Ein- 
kaufe anlegen kann. Hier 

kommen heute wohl ebcn- Fellschuppen der Hudson's Bay-Co, in Labrador. 




i. Kapitel (Amerika). 



297 



soviel Waren von den Vereinigten Staaten nach Leipzig direkt als 
nach London. Neben Lampson veranstaltet auch die Firma Nesbitt in 
London Auktionen amerikanischer Rauchwaren, und zwar hauptsachlich 
im Januar und Marz. Eine weitere Auktion findet im Juni statt, die 
aber meist nur Waren enthalt, die nicht rechtzeitig genug nach dem 
Markt kamen, um zur Marzauktion nach London oder zur Ostermesse nach 
Leipzig zu gelangen. Eine kleine Auktion wird dann noch im Oktober ab- 
gehalten. In den letzten Jahren haben auch verschiedene Staaten, um der 
riicksichtslosen Wildverwiistung Einhalt zu tun, strenge Wildgesetze einge- 




Bilder aus Labrador: Battle harbour mit dem Doctor der Trapper. 

fiihrt und dieselben vielfach auch auf die Pelztiere ausgedehnt, um damit 
die Erhaltung einer fur den National- Wohlstand wichtigen Industrie zu 
fordern. Besondere Beamte, die ,,Game wardens", sind angestellt, um iiber 
die Ausfuhrung dieser. Gesetze zu wachen, wenn sie dies auch in Anbetracht 
der grossen Ausdehnung ihrer Amtsbezirke nicht immer in vollkommenem 
Masse tun konnen. Diese Schutzmassregeln im Verein mit der dichten Be- 
siedelung des Landes haben iibrigens die romantische Menschenklasse der 
Trapper sehr verringert. 

Es sind heute nur verhaltnismassig wenige, die sich das Fallenstellen 
und die Jagd als einzigen Berufszweig erwahlt haben. Im Sommer beschaf- 
tigen sich diese Leute meist mit Fischfang und dem Sammeln medizinischer 



298 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



Wurzeln und Krauter, fur die in Amerika, dem Vaterlande der Patentmedi- 
zinen, stets ein grosser Markt vorhanden ist. Sehr zahlreich sind aber die 
Farmer, welche die erzwungene Mussezeit des Winters benutzen, um Fallen 
zu stellen, sei es nun in der Nahe ihres Wohnsitzes oder auf einer Fangexpe- 
dition von einem in wildreicher Gegend auf geschlagenenLagerplatze (Camp) aus. 
Nicht nur der immerhin nicht unbetrachtliche materielle Nutzen, sondern 
auch die Jagdlust ist hierbei massgebend. Daneben gibt es aber in fast jeder 
Ansiedlung Individuen, denen die Jagdlust ebenso fremd ist wie die Arbeit 




Im Lager der Pelztierjager. 

und die doch den finanziellen Nutzen gern mitnehmen. Sie finden es aber 
praktischer, die Fallen der andern zu revidieren und die gefangenen Tiere 
an sich zu nehmen. Manchmal nehmen sie auch gleich die ganzen Fallen mit. 

Diese Leute, die sehr selten gefasst werden, erfreuen sich natiirlich bei 
den anstandigen Farmern einer grossen Beliebtheit! 

In Alaska ist der Pelzhandel noch etwas anders organisiert. Hier sind 
die Trapper nicht so zahlreich, und die Indianer und im nordlichen Teil die 
Eskimos sind die Hauptlieferanten der wertvollen Pelztiere. Zum Teil werden 
solche nach den Geschaften in den Stadten des Gebiets, wie Nome, Dawson 
City, Circle City etc. zum Verkauf gebracht, doch der grossere Teil nach 
besonderen Handelsposten, die die verschiedenen Pelzhandler an der Kiiste so- 
wohl des nordlichen Eismeers wie des Behringsees errichtet haben. Selbst bei 
Point Barrow, dem nordlichsten Punkt Amerikas, und auf der weit draussen 
im arktischen Ozean gelegenen Herschel-Insel befinden sich solche Handels- 
nieder lassun gen . 



I. Kapitel (Amerika). 



299 



Neben den grossen Handelsgesellschaften, der Alaska Comercial Co., der 
Northern Comercial Co. und der Comercial Trading & Transportation Co., welch 
letztere auch den Dampferverkehr an der Kiiste und auf den grossen Stromen 
betreibt, gehoren die Handelsposten auch einzelnen grossen Rauchwaren- 
firmen, wie Liebes & Co. -San Francisco, Bissinger & Co. und einzelnen selb- 
standigen Handlern. Zahlreiche Schoner, Motorschoner und auch kleine 
Dampfer besuchen diese Kiistenposten bis zur Miindung des Mackenzieriver, 
um die Pelzausbeute abzuholen und neue Vorrate zu bringen. Auch treiben 




Leutehaus der Hudson's Bay Postens in Rigolet, Labrador. 

sie mit den an der Kiiste gelegenen Indianer- und Eskimodorfern einen aus- 
gedehnten Pelzhandel, der sich auch auf die grossen Inseln nordlich von 
Kanada erstreckt. Auch die Waif anger treiben meist auch Tauschhandel 
mit den Eingeborenen vom arktischen Ozean. Die gesammelten Felle kommen 
teils mit den genannten Fahrzeugen nach San Francisco, teils mit den regel- 
massigen Dampfern nach Seattle und Tacoma, die sich zu Stapelplatzen des 
Rauchwarenhandels der Westkiiste heraufgearbeitet haben und wo alle 
i bis 2 Monate Auktionen der in Alaska und dem Arktik gewonnenen Felle 
stattfinden. 



2. K a p i t e 1. 

Asien. 

In China ist der Exporthandel erst etwas iiber 20 Jahre alt, dagegen 
findet seit Jahrtausenden ein ausgedehnter Pelzhandel im Innern statt, da 
die Chinesen grosse Konsumenten von Pelz sind und selbst im Siiden des 
Riesenreichs, in Kanton, Pelzkleider im Winter tragen. Es sind dies meist 
kurze Jacken, sogenannte Maquas, die entweder mit dem Fell nach aussen 
getragen werden, oder mit Seidenstoff iiberzogen sind. Die Kiirschner stammen 
zum grossen Teil aus Shansi, und sind Mitglieder der Shansi Kiirschnergilde 
in ganz China zu finden, aber auch Angehorige anderer Provinzen sind im 
edlen Kiirschnergewcrk vertreten. Da in China die Mode in der Kleider- 
fasson nur alle paar hundert Jahre einmal wechselt, halten die Kiirschner 
die fertigen Pelze ohne Bezug stets in grosseren Mengen vorratig, und zwar 
in zwei Langen, die auch bei uns als Kreuze und als Robes bekannt sind. 
Weniger gebraucht werden die langen Ro'cke oder Coats. Es wird sowohl 
einheimisches als fremdes Pelzwerk dazu verwendet. Die chinesischen 
Kiirschner, die meist zugleich auch Zurichter sind, wie es truher ja auch 
bei uns ublich war, sind recht geschickt und wissen ihre etwas primitiven 
Werkzeuge recht gut zu gebrauchen. 

Das chinesische Kurschnermesser weicht in der Form von dem unserigen 
sehr ab, es ahnelt mehr einem Kreismesser. 

Die Kiirschnergilde ist iibrigens sehr straff organisiert ; so ist es z. B. 
keinem Mitgliede erlaubt, im Sommer mehr als von 10 Uhr friih bis 4 Uhr 
nachmittags zu arbeiten, damit die Arbeiter das ganze Jahr hindurch Be- 
schaftigung haben. Die Kurschnergesellen erhalten fur chinesische Verhalt- 
nisse einen hohen Tagelohn, 40 Cents, d. h. ca. 80 Pfg. pro Tag, das wiirde, 
nach deutschen Verhaltnissen iibertragen, etwa 30 Mark Wochenlohn ent- 
sprechen. 

In den Hauptzentren des Handels, in Peking, Tientsin, Mukden, Kirin, 
aber nehmen die Buden der Kiirschner ganze Strassen ein. Fast alle sind 
nach der Strasse zu often. Ganz anders ist der Handel mit Pelzwaren fur 



2. Kapitel (Asien). 



3OI 




den Export gehandhabt und auch hier 
an den beiden Hauptexportplatzen 
Shanghai und Tientsin ganz ver- 
schieden. 

In Tientsin sind die Compr adore der 
grossen Exporthauser meist an grossen 
chinesischen Handlungshausern, soge- 
nannten Hongs, im Innern beteiligt, 
welche die Waren dort aufkaufen und 
nach Tientsin senden. Besonders 
Kalgan, Lauchanfu und Singanfu sind 

Oi T -,.., Labrador Seehundjager. 

grosse Stapelplatze. 

Das Tibetgeschaft ist in Shansi und Shensi in den Handen der grossen 
Zurichtereien, welche die rohen Felle aufkaufen, zurechtmachen und sor- 
tieren. Die grossen roten Stempel, die sich auf der Riickseite der Felle be- 
finden, geben die Namen dieser Zurichtereien an. Auch diese Felle kommen 
nach Tientsin. Die Ziegendecken sind in der Heimarbeit gefertigt. Die 
Felle werden in grossen Zurichtereien zugerichtet und die Decken dann von 
den Bauern wahrend des Winters genaht. In Shanghai ist der Handel mehr 
freihandig, die Kompr adore sind nicht daran beteiligt, sondern die Waren 
aus dem Innern, namentlich aus dem ganzen Yantsetal bis hinauf nach 
Chungking, Szechan und aus Shantung und Chekiang gehen an grosse chine- 
sische Kommissionshauser. Von Niuchwang ferner geht ein Teil an die 
Shanghai-Filiale der chinesischen Firmen in Newchang und Mukden. In dem 
Klubhaus der Fellhandlergilde werden dann an jedem Morgen die Marktpreise 
auf Grund der Ankunfte und der bei den europaischen Firmen vorliegenden 
K auf orders festgestellt, die den Chinesen durch die Shroffs, den chinesischen 
Angestellten der auslandischen Hauser, fast stets genau bekannt sind. Makler 
machen nun die Runde bei den einzelnen Firmen, bei denen ein Interesse fiir 
die Waren vorliegt, und bieten solche an. Die weitere Behandlung ist nun 
verschieden. Die meist en Firmen lassen sich die Offerte wenn moglich fest 

fur 3 Tage an Hand geben, wenn sie 
nicht schon Kauforders besitzen, und 
stellen die Partie drahtlich in Europa 
und Amerika an. Andere Firmen 
kaufen auf eigene Rechnung undkon- 
signieren die Waren dann an ihre euro- 
paischen Vertreter. Sobald der Kauf 
abgeschlossen wird, werden die Waren 
ubernommen und sofort bar netto 
Kassa bezahlt und dann gereinigt und 
verpackt. Einzelne chinesische Kauf- 
Seehundjager in Labrador. leute spekulieren auch und machen 




302 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



lange vor Eintreffen der Waren Lieferungskontrakte zu vereinbarten Preisen. 
Dabei 1st hervorzuheben, dass sie solche auch strikte innehalten, auch wenn 
bei steigender Konjunktur die Transaktion stark verlustbringend fur sie ist, 
ganz im Gegensatz zu den Japanern. Der Chinese wiirde es als eine Schande 
betrachten, den Kontrakt nicht zu halten, ,,da er sonst sein Gesicht ver- 
lieren wiirde" (loose his face). 

Dagegen halt er sich fiir ganz berechtigt, einen gewissen Prozentsatz 
minderwertiger Felle mitzuliefern, erhebt aber keinen Widerspruch, wenn 
das bemerkt und ihm das nicht Lieferungsgemasse zuriickgegeben wird. 




Zwei beriihmte Trapper eines Rigolet Labrador. 

Grosse Aufmerksamkeit ist daher stets bei der Ubernahme notig. Der Chinese 
sagt in Pidgin english : ,,Have got eye, whatfor no see", ,,Duhast doch Augen, 
warum siehst du nicht." 

Noch vor wenigen Jahren war es iiblich, iiberhaupt keine Tertia- und 
nur einen kleinen Prozentsatz Sekunda-Felle mit zu iibernehmen. Seit aber bei 
der starkeren Nachfrage einige Firmen lax bei der Ubernahme wurden, be- 
stehen die Chinesen darauf , dass auch Sekunda mitgenommen werden miissen, 
wodurch das Geschaft viel schwieriger geworden ist. Grosse Schwierigkeit 
macht bei der Kalkulation auch der Kurs. Im Innern wird nach Kupfer- 
kasch gekauft, deren Kurs gegeniiber den Silbertaels stark schwankt. In den 
Hafenstadten wird nach Silbertaels gehandelt, deren Kurs auch taglich 



2. Kapitel (Asien). 



303 




,Der Kaptein" eines Handelsdampfers 
an der Labradorkiiste. 



schwankt. Die Anstellungen nach 
Europa geschehen stets cif , d. h. Kost, 
Kommission, Assekuranz und Fracht 
bis europaischen Haf en eingeschlossen, 
und zwar in Shilling oder Mark. 1st 
die Order erteilt, so wird der Kurs bei 
den Banken gedeckt, doch wahrend 
der drei Tage bis zum Eintreffen der 
Drahtantwort tragt der Verschiffer 
das Cours Risico, das unter Um- 
standen i bis 2 Proz. betragen kann. 
Selbst dieser Betrag ist nicht so un- 
bedeutend, als er aussieht, denn die 
meisten cif-Orders werden mil 3 bis 
6 Proz. Nutzen ausgefiihrt. Kon- 
signiert Shanghai, so tragt das Haus 
natiirlich das Risiko der Konjunktur 
und hat eventuell einen bedeutend 
hoheren Nutzen, oder aber auch 
Verlust. 

Wie aber auch das Geschaft ab- 

geschlossen ist, stets wird gegen die verschifften Waren trassiert, und zwar 
4 Monate Sicht-Tratte gegen die verhangenden Verschiffungs-Dokumente. 
Solche Tratten werden von den Banken stets zum Tageswerte genommen 
und voll bezahlt. Nach Ubereinkunft werden die Dokumente entweder 
gegen das Akzept ausgeliefert oder als D/P (Documents against payment) 
behandelt, d. h. der Akzeptant hat das Recht, die Waren bis zum Verfall der 
Tratte liegen zu lassen, muss aber bei Herausnahme der Waren Kassa zahlen, 
wobei ihm fur die nicht abgelaufene Frist der Bank-Diskont vergiitet wird. 
Haufig wird auch sogenannter Bankkredit verlangt, d. h. der hiesige Kaufer 
muss, meist durch Vermittlung seiner Bank, einer Bank in China bestatigen, 
dass er die Tratte bis zu einer bestimmten Hohe aufnehmen wird. Alle 
diese Arrangements ermoglichen es eben, dass die Waren mit einem so 
geringen Nutzen verkauft werden konnen, da erstens kein Zinsverlust 
entsteht und der Verkaufer sein Kapital viele Male umsetzen kann. 
Miisste er bis zum Eintreffen des Erloses warten, was vier bis fiinf Monate 
dauert, da miisste der Nutzen natiirlich viel hoher kalkuliert werden. 

Ganz anders als in China ist der Pelzhandel in Japan organisiert. Hier 
gehorten Pelze nur in sehr beschranktem Masse zur Landestracht. Nur die 
japanischen Otter felle werden gerupft zu Mantelkragen und die Fuchsfelle 
(Kitsenu) sowie die Felle des japanischen Viverrenhundes oder sogenannten 
Seefuchses (Tanuki) ebenfalls gerupft zu Pelzf utter verwendet, wahrend die 
Oberhaare zu Pinsel verarbeitet werden. Jetzt sind die japanischen Tanuki 



304 V. Handel imd Verkehr in Rauchwaren. 

fur diesen Zweck zu teuer geworden und man verwendet dazu eingefiihrte 
chinesische Felle. Die Ausfuhr von Fellen beschrankte sich fruher auf die an 
der Kiiste und an den Kurila-Inseln gefangenen Seeottern und Seals. Auch 
hieran betatigten sich nur wenige japanische Schiffe. Die Mehrzahl der 
Fangfahrzeuge gehorte Fremden. Erst vor etwa 25 Jahren fing man 
an, auch dem Export von Fellen einige Aufmerksamkeit zuzuwenden, doch 
erst seit 20 Jahren hat dieser Teil des japanischen Geschafts eine grossere 
Ausdehnung gefunden. Die japanischen Kaufleute erfreuen sich im all- 
gemeinen keiner besonderen Wertschatzung, weder bei ihren eigenen Lands- 
leuten, noch bei den fremden Kaufleuten, die mit ihnen zu tun haben. Standen 
sie doch im alten Feudalstaat auf der niedrigsten Stufe der sozialen Leiter 
und rangierten hinter den Bauern. Die Pelzhandler und Hautehandler standen 
aber noch niedriger, denn sie gehorten zu der verachteten Paria-Kaste, den 
,,Etas". Obgleich sie nun seit 1868 die vollen burger lichen Rechte besitzen 
und auch vielfach durch den Pelzhandel reich geworden sind, ist das soziale 
Vorurteil in Japan gegen sie doch bestehen geblieben. So konnten z. B. 
vor einigen Jahren die vereinigten Pelz- und Hautehandler in Tokio keinen 
Saal zur Abhaltung von Festlichkeiten erhalten. Diese Handler bilden nun 
ebenso, wie dies die andern japanischen Handler mit Rohprodukten tun, 
einen Ring und beschranken den Verkauf von Fellen hauptsachlich auf die 
Platze Yokohama und Kobe. Es ist fast unmoglich fur die dortigen Expor- 
teure, diesen Ring zu umgehen und direkt im Innern einzukaufen. Das ware 
aber nicht so schlimm, denn dem Nachteil der Preisverteuerung steht der 
Vorteil einer Organisation gegeniiber, die grossere Mengen von Waren auf 
den Markt bringt. Das Schlimme ist oft aber die grosse geschaftliche Un- 
zuverlassigkeit der Leute. Sie schliessen bereitwillig Lieferungskontrakte 
ab, um dieselben bei steigender Konjunktur einfach nicht zu erfiillen, und 
die japanische Rechtsprechung unterstiitzt sie dabei. Sollte aber wirklich 
ein Exporteur ein obsiegendes Gerichtserkenntnis gegen einen dieser Nicht- 
lieferanten erhalten, so niitzt mm das auch nichts, denn wenn er es auf dem 
Zwangswege vollstrecken wollte, wiirde er von den anderen Handlern einfach 
boykottiert werden. 

Die japanischen Felle kommen von Januar bis Mai an den Markt, auch 
ein grosser Teil der Fellausbeute von Korea und von Sachalin findet seinen 
Weg nach Japan. Der Wert der jahrlichen Ausfuhr an Fellen mag etwa 
3 bis 4 Millionen Mark betragen, ungerechnet der Ausbeute des Seehund- 
fanges und der Seeotterjagd, an denen sich die Japaner in immer steigendem 
Masse seit 1896 beteiligen. Hieriiber bringen wir an anderer Stelle Ausfuhr- 
licheres. Der Seehundsfang auf den russischen Komodorski-Inseln ist von 
der russischen Regierung verpachtet worden, und zwar geschah das zunachst 
an die Firma Hutchinson & Kohl in San Francisco und Rechtsnachfolger der 
Alaska Comercial Co. Nach Ablauf 1887 erhielt die russische Kamschadka 
Industrial & Comercial Company in Petersburg, an deren Griindung auch 



2. Kapitel (Asien). 305 



der bckannte Pariser Pelzhandler Griinwald beteiligt war, den Pachtkontrakt, 
den sie noch heute besitzt. Dieselbe Gesellschaft hat auch den Pachtkontrakt 
fur das Regierungsmonopol fur den Seeotternfang auf den Komodorski- 
Inseln und der Kiiste von Kamschadka. Alle Seeotterfelle miissen dem ersten 
Beamten der Krone in dem Orte Nikolsk auf der Behringinsel abgeliefert 
werden und werden dann an die Company zu einem mit der russischen 
Regierung kontraktlich fiir die Qualitat festgesetzten Preis verkauft. In 
Kamschadka, sowie auf der Tschuktschen Halbinsel beherrscht die Gesell- 
schaft auch jetzt den grossten Teil des Pelzhandels, doch sind daneben auch 
andere Gesellschaften tatig. Die Eingeborenen des gesamten ostlichen 
Sibirien, die Kamschadalen, die heute auf einer Kulturstufe stehen, die der 
der russischen Bauern wenig nachgibt, die Yakuten, Tschuktschen, Golde 
Gilyaken, Tungusen etc. sind alle eifrige Jager und bringen die erbeuteten Felle 
teils auf die Messen zu Anadyrsk und Nishny Kolymsk, teils an die Stationen 
der verschiedenen Pelzhandelsgesellschaften. Ein Teil dieser Waren findet 
dann seinen Weg nach Wladiwostok, ein anderer wird direkt exportiert. 
Von Ochotsk, Yakutsk, Blagowetschensk, Irkutsk etc. aus bereisen ubrigens 
heute Fellaufkaufer bereits das ganze Gebiet bis an das nordliche Eismeer, 
um Felle aufzukaufen. Zum Teil findet auch Tauschhandel statt. Das meiste 
wird aber in Rubeln bezahlt. Agenten Moskauer und selbst Leipziger Hauser 
bereisen dann die grosseren Orte und kaufen die Felle von den Einkaufern, 
was durch die gute Bahnverbindung sehr erleichtert wird, da man jetzt in 
7 bis 8 Tagen von Moskau in Irkutsk ist, weniger, als man fruher zum Erreichen 
der Messe von Irbit brauchte. Die Zufuhren zu diesem beriihmten Messplatze 
sind denn jetzt auch bedeutend geringer als fruher, da eben ein grosser Teil 
der Rauchwaren bereits fruher abgeschlossen ist. 

Die Bahn ist natiirlich heute das Hauptmedium des Verkehrs, doch 
ausserhalb derselben sind die verschiedensten Verkehrsmittel im Gange. 
Auf den grossen Stromen und den Seen sind zahlreiche Dampfer und daneben 
schwerfallige Barken, sogenannte Lodjas, im Gange. Auf dem Amur und 
der Schilka gehoren eine ganze Reihe von Dampfern der deutschen Firma 
Dickmann & Co., doch miissen sie alle unter russischer Flagge fahren. Auch 
die kleinen Fahrzeuge, Schoner, Motorschoner und kleine Dampfer, die 
an der Kiiste sowohl wie nach den Inseln Handel treiben, miissen unter 
russischer Flagge fahren, und passen russische Wachtkreuzer auf, dass keine 
Fahrzeuge anderer Nationen dort landen oder Handel treiben; nur japanische 
Fahrzeuge, die sich angeblich dem Fischfange widmen, benutzen die Gelegen- 
heit zum Pelzhandel haufig recht ausgiebig. 

Im hohen Norden, wo iiberhaupt keine Bewachung stattfindet, treiben 
die amerikanischen Waif anger ausgedehnten Pelzhandel, und verschiedene 
Fahrzeuge von San Francisco, welche von den Eingeborenen im Norden 
Alaskas und der Hudson's Bay Felle eintauschen, besuchen auch die Inseln 
an der Behringstrasse und das Gebiet der Tschuktschen ebenso wie die 

20 



306 V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 

Eskimo-Niederlassungen auf den Inseln des hohen Nordens. Im Winter, 
wenn die Fliisse gefroren, sowie auch im Sommer in den Gegenden abseits 
der Strome und der Bahnlinien, bilden Pferde das Hauptbeforderungsmittel, 
und zwar je nach der Beschaffenheit der Strassen als Bespannung von Schlitten 
oder der primitiven Telegen, oder als Packtiere, wie z. B. von Jakutsk aus. 
In Kamschadka bildet der Hundeschlitten das Beforderungsmittel. Hier 
sind die Hunde das wichtigste Haustier, grosse, kraftige Tiere, die auch 
auf den verschiedenen Siidpolexpeditionen gute Dienste geleistet haben, da 
sie kraf tiger und ausdauernder sind als die Eskimohunde. Sie sind aber 
womoglich noch gefrassiger, und ist es deshalb kaum moglich, in Kamschadka 
Gefliigel und Klein vieh zu halt en. 

An den Kiistengebieten des Nordens werden ebenfalls Hundeschlitten 
gebraucht, und sind die ostsibirischen Eskimohunde starker und grosser als 
die westsibirischen und gronlandischen. Auf den Tundren, der Moossteppe 
des Innern, bilden Renntiere das Verkehr smedium, und zwar sowohl als 
Schlittenzugtiere wie als Packtiere. Diese Renntiere sind oft das ein/.ige 
Besitztum der eingeborenen Tschuktschen, Samojeden oder Tungusen, aber 
ein sehr prekares, da sehr oft der Milzbrand grosse Verheerungen anrichtet 
und die Her den ganzer grosser Distrikte vollig dahinrafft. 



3. K a pit el. 

Der Betrieb der Londoner Auktion. 

Von der Hudsonbay Co. und der Firma C. M. Lampson, deren Geschichte 
wir ja welter vorn schon geschildert haben, wird die Mehrzahl der nach London 
kommenden amerikanischen Rauchwaren zur Auktion gebracht. Daneben 
bringen die Firmen Goad Rigg & Co., Culverwell Brooks & Cotton, Flack 
Chandler, Nesbitt & Co., Anning & Cobb und Dyster Nalder seit mehr als 
50 Jahren und die Firmen Barber & Co., Henry Kiver und Thorpe & Welby 
seit neuerer Zeit australische, chinesische, japanische und afrikanische Rauch- 
waren zur Versteigerung. 

DieseHauser versteigern teilweise auch amerikanische Felle ; aber wahrend 
bei Lampson & Co. nur bona fide direkte Importen zur Auktion gelangen, 
sind die amerikanischen War en der oben genannten Hauser haufig schon in 
dritter oder vierter Hand. 

Seit dem Jahre 1905 veranstaltet die Firma Nesbitt & Co. auch Auktionen 
direkter amerikanischer Importen. Die Huasonbay Company bringt im 
Januar Biber, Bisam und Kanin, im Marz die iibrigen Rauchwaren zur offent- 
lichen Versteigerung, wahrend ihre iibrigen Produkte, wie konservierter Lachs, 
Renntierzungen, Tran, Daunen, Bibergeil usw., zu anderen Jahreszeiten ver- 
kauft werden. 

Die anderen Firmen halten die offentlichen Verkaufe im Januar, Marz, 
Juni und Oktober. Kleiner e Verkaufe finden auch zwischendurch statt. 

Der Betrieb dabei ist folgender: 

Nachdem die Kaufer durch Vermittlung ihrer Kommissionare die ge- 
druckten Kataloge erhalten haben, geht es an die Besichtigung der War en. 
Die Hudsonbay Company hat dieselbe in ihrem eigenen Hause in Lime- 
street, die Firma Lampson gleichfalls in ihrem Geschaftshause in Queen- 
street zur Schau gestellt, wahrend die anderen War en meistens in den Docks 
oder offentlichen Speichern, wie Smith Warehouse usw., lagern. 

Jetzt gilt es, jede Minute des Tageslichts auszunutzen, um die Schatze 
zu besichtigen, zu klassifizieren und die notigen Bemerkungen nebst den 

20* 



308 



V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 



etwa anzulegenden Preisen im Kataloge einzutragen und sich besonders 
wiinschenswerte Lose zu bezeichnen. 

Endlich ist der grosseTag der Auktionen herangekommen, und in einem ver- 
haltnismassig kleinen Raume, fniher in der Kolonialproduktenborse in Mincing 
Lane, jetzt in College Hill versammeln sich die Kaufer aus alien Landern, auf 
erhohten Banken sitzend, jeder mit dem Katalog und Federhalter vor sich. 

Nach der konservativen Art alter englischer Institutionen wurden iibrigens 
nur Gansekiele zum Schreiben geliefert. 

Auf einem Katheder steht der Auktionator mit zwei Gehilfen, und der 
Verkauf beginnt. 

Der Verlauf ist meistens ein ruhiger, nur die Stimme des Auktionators 
oder seiner Gehilfen wird gehort. Der Auktionator ruft ein Los auf und fragt, 





4 Generationen von Brokern der H. B. C. 
William Hogall 18131838. William Hogall (Sohn) 1848 1871. 

mit welchem Preise er beginnen soil: 20, 19, 15, 12, 10 Schilling. Eifrig sehen 
die Koadjutoren in den Raum, um das geringste Zeichen zu erspahen. Da 
nickt einer der Kaufer unmerklich mit dem Kopf und ,,io Schilling ist ge- 
boten", hallt es laut vom Katheder zuruck. Nun kommt Leben in die Ver- 
sammlung. Von verschiedenen Seiten werden jetzt Zeichen gegeben, die jedes- 
mal eine Steigerung um den bei den einzelnen Sorten festgestellten Betrag 
bedeuten. 

Alles spaht zugleich eifrig umher, um zu sehen, wer geboten, denn dies 
ist aus mehreren Griinden wichtig zu wissen. Jede Firma fiihrt namlich 
genaue Notizen, wer die einzelnen Lose erstanden, zumal die Personlichkeit 
der Bieter haufig den Schliissel gibt fiir die Marktlage des Artikels. Vor 
allem aber muss man auch aufpassen, um rechtzeitig einspringen zu konnen. 
Der Kaufer des ersten Loses eines ,, Strings", d. h. eine Reihe gleichartiger 
Lose hat das Recht, die nachf olgenden desselben Strings zu gleichen Preisen zu 



3. Kapitel (Londoner Auktionen). 



309 



erstehen, bis er iiberboten wird. Sobald er genug hat, gibt er ein Zeichen, und 
der nachste, der das Auge des Auktionators erreicht, tritt in seine Rechte, 
bis er seinerseits iiberboten wird oder genug hat. 

Es gibt hierbei haufig Streitigkeiten, da gewohnlich mehrere gleichzeitig 
ausrufen, worauf dann der Versteigerer entscheidet, 

Auch wenn es sich um vielumstrittene Lose handelt, ruft auch wohl ein 
eifriger Kaufer sein Gebot laut, statt sich mit dem Winken zu begniigen. 
Ein einfaches Hinsehen nach der Tribune gilt iibrigens schon als Gebot. 

Es soil iibrigens bei hitzigem Bieten vorkommen, dass der Auktionator 
flott selbst mitsteigert, ohne Gebote zu haben, um den Preis in die Hohe 
zu treiben. Bleibt er dann auf solchem Blankogebot sitzen, so ruft er dann 
gewohnlich einem ganzlich Unbeteiligten zu: ,,Das ist Ihr Los, Herr Schultze." 





4 Generationen von Brokern der H. B. C. 
Edw. Harris (Enkel) 18711892. S. H. Harris (Urenkel) seit 1901. 

Schultze protestiert natiirlich entriistet und unter allgemeiner Heiter- 
keit wird die Sache als Irrtum erklart und das Los wieder von neuem aus- 
geboten. 

Der Chef der betreffenden Auktionsfirma steht gewohnlich mit auf der 
Tribune, wenn er nicht selbst den Hammer fiihrt. 

So geht der Verkauf von 10 Uhr friih bis in die spate Abendstunde, mit 
einer kurzen Mittagspause. Friiher wurde den Kaufern dann ein opulentes 
Fruhstiick auf Rechnung der Hudsonsbay Company und Lampsons serviert, 
um sie am Verlassen des Hauses zu verhindern. Dieser schone Brauch aber hat 
jetzt aufgehort. 

Wohltuend beriihrt iibrigens bei allem Eifer das Fehlen des Konkurrenz- 
neides. Eine kollegiale Stimmung herrscht, da man in der Rauchwaren- 
branche, lange bevor in den anderen Industriezweigen an Interessengemein- 
schaften gedacht wurde, das Bindende der gemeinsamen Handelsinteressen 



310 V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 

erkannte. Unterstiitzt wird dies auch wohl dadurch, dass man seit Jahren 
gewohnt 1st, im selben Hotel zu wohnen (De Keysers Royal Hotel, Black- 
friars) und die Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen. 

Am Schlusse der Auktion iibergibt man seinem Kommissionshause die 
Liste der erworbenen Partie und dieses besorgt dann die Abnahme, Be- 
zahlung, Verpackung und Versendung der Ware, wofiir meistens 2 Proz. 
Kommission gezahlt wird. 

Bezahlt werden muss die Ware bis zu einem bestimmten Tage, einige 
Wochen nach Schluss der Auktion, dem sogenannten ,, Prompt day", mit 
2 1/2 Proz. Skonto, doch hat der Kaufer auch dasRecht, die Waren noch langer 
liegen zu lassen, bis zu 6 Monaten, unter Vergiitung von Zinsen und Lagergeld. 

Vielfach nehmen auch die Kommissionshauser die Ware fur ihre Kom- 
mittenten per Kassa ab und raumen ihnen einen Kredit ein, doch sind dies 
private Abmachungen. 

Trotzdem die in London umgesetzten Waren jahrlich wohl 80 100 Mill. 
Mark iibersteigen, kommt wohl mindestens ebenso viel oder mehr aus den 
Produktionsgebieten nach Leipzig direkt, doch sind die in London erzielten 
Preise massgebend fur den Markt. 

liber den Betrieb auf den russischen Messen haben wir schon bei der 
Geschichte des Rauchwarenhandels in Russland berichtet. 

In den Auktions-Katalogen, sowie auch in den Preislisten der grossen 
Rauchwarenhauser ist die Herkunft des betreffenden amerikanischen und 
kanadischen Felles durch Abkiirzungen bezeichnet, wahrend bei sibirischen, 
chinesischen und australischen Rauchwaren die Herkunftsbezeichnungen 
meist voll ausgeschrieben und nicht abgekiirzt sind. 



4. Kapitel. 

Die gebrauchlichen Abkurzungen 
fur amerikanische Fellsorten. 

Die Hudson's Bay Company besitzt etwa 200 Handelsposten, die in vier 
Departements eingeteilt werden. Die Fellsorten bekamen aber nicht die 
Namen nach diesen administrativen Distrikten, sondern entweder nach 
einzelnen Forts, die den Mittelpunkt oder das Depot des betreffenden 
Distriktes bildeten, oder nach einem geographischen Bezirk. 

Die grossten Mengen brachte stets der Yorkfortdistrikt, abgekiirzt Y. F. 
Diese Sorten bilden gewissermassen einen Standard. So ist z. B. der Preis 
der Y. F.-Nerze als Wertmesser fur die andern Sorten zu betrachten. Es sind 
grosse, kraftige Felle mit feinem Haare und mittlerer Farbe. Die Y. F.- 
Bisam sind dagegen klein und an der spitzen Form zu erkennen, ahnlich 
dem Minnesota-Bisam. 

Die besten Felle sind gewohnlich die M. R. aus Mooseriver Factory am 
siidlichen Teile der Hudsonbai. Namentlich die Biber von hier sind sehr 
dunkel, haufig fast schwarz, was wohl von den dichten dunklen Nadelwaldern 
herriihrt, in denen die Tiere leben. 

E. M. bedeutet East Maine, der Teil des Gebiets 6'stlich von der Hudsons- 
bai. E. B. heisst Esquirnobai und bezeichnet einen Teil von Labrador. Nerze, 
Zobel und Ottern dieser beiden Gegenden sind die feinsten in Qualitat und 
Farbe und sind in rohem Zustande auch durch die sorgfaltige Behandlung, 
die ihnen von den Indianern zuteil geworden ist, zu erkennen. Die Leder- 
seite, die stets nach aussen ist, ist fein gewaschen und gereinigt, die Fiisse 
sind sorgfaltig in Rosettenform aufgerollt. 

F. G. bedeutet Fort George. L. W. R. Little whale river. K. P. steht 
fur Kings Posts. Dies ist kein eigentliches Hudsonsbaigebiet, sondern gehort 
zum siidlichen Labrador. Es waren dies urspriinglich franzosische Domanen, 
die 1731 zu einem besonderen Distrikt vereinigt wurden, und die sich von 
Pont Neuf bis Kap Kormoran hinziehen. 1832 wurden die dort befindlichen 
neun Handelsposten nebst den Fischereien fur 1200 Pfund jahrlich an einen 



312 V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 

Pelzhandler aus Montreal verpachtet, wenige Jahre spater iibernahm aber die 
Hudsonsbay Company die Pachtung. Jetzt sind nur noch sechs Posten 
vorhanden. 

Als M. K. R. sind die Felle vom Mackenzie River bezeichnet, wo sich 
auch das nordlichste Hudsonsbayfort Fort Goodhope gerade unter dem Polar- 
kreise befindet. Die Biber aus dieser Gegend sind stets hellfarbig, was wohl 
daher kommt, dass das anstossende Gebiet, die sogenannten Barrengrounds, 
sehr of fen ist. 

N. W. Northwest werden die Felle aus dem ganzen Gebiet westlich von 
den Rocky Mountains bezeichnet. Diese sind teilweise auch an der Art und 
Weise der Zubereitung durch die Indianer zu erkennen. Die Biber z. B. sind 
in Fischform aufgespannt, wahrend die Bisam ganz abgestreift sind durch 
die Mundoffnung und deshalb das Haar schwer zu beurteilen ist. Doch gibt 
die Farbe des Leders dem erfahrenen Rauchwarenhandler schon die Qualitat 
an. Die beste Ware hat stets eine hellweisse Farbe, die Sekunda oder Sommer- 
felle sind griinstreifig usw. 

Der sudliche Teil dieser Provenienzen wird auch als Columbiaware 
bezeichnet. Dies riihrt von der Zeit her, als die Hudsonsbay Company auch 
13 Handelsposten auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten besass und die- 
selbe als Columbiadistrikt bezeichnete. 1849 niussten diese Posten und die 
dort befindlichen Farmen aber an die Vereinigten Staaten abgetreten werden. 

Die Kolumbiazobel sind sehr fein und dunkelfarbig, die Nerze aber grob 
und hellfarbig. Friiher wurden diese Kolumbianerze nicht sortiert, ehe sie 
zur Auktion kamen, wcshalb sie namentlich bei dem billigen Preise einen 
vorteilhaften Kauf abgaben. 

Ca. bedeutet Canadawaren, und bezeichnen die Herkiinfte namentlich 
aus Oberkanada und einem Teil Unterkanadas. Die Waren aus dem Winipeg- 
distrikt gehoren aber schon zu Y. F., ebenso die von der Seenkette zwischen 
Lake Superior und dem Redriver. Die Waren nordlich vom St. Lorenz gehen 
auch zum Teil als M. R. 

Auch fiir die amerikanischen Waren aus den Vereinigten Staaten (U. S.) 
sind Abkiirzungen ublich. Friiher konnte man auch diese Waren nach der 
Herkunftsbezeichnung kaufen, aber jetzt ist es durchaus nicht ausgemacht, 
dass die Felle aus dem Distrikt stammen, in dem sie gekauft sind, und sind 
sie schon bei den Sammlern gemischt. 

N. Y. bedeutet New York State. Aus den dichten Waldern dieses Staates 
kommen sehr viele und gute Felle. Nerze sind gross und kraftig, wenn auch 
meist mittelfarbig. Skunks sind gross und gutfarbig. Schuppen gehoren zu 
den besten Sorten. Auch die Bisam sind gross und von guter Qualitat. Biber 
kommen dort nicht mehr vor. Ottern sind von schoner Qualitat und Farbe. 

N. J. New Jersey liefert ahnliche Sorten wie die vorhergehenden, die 
Bisam aber sind iiberhaupt die besten. Auch die schwarzen Bisam kommen 
fast ausschliesslich aus diesem Gebiet. 



4. Kapitel (Abkiirzungen) . 313 



Me. Maine liefert ahnliche Ware wie die als Halifax bezeichneten Felle 
aus Neuschottland und Neubraunschweig. Besonders die Nerze aus diesen 
Distrikten sind die besten, grosse, rauche, blaufarbige Felle. Auch die Ottern 
sind von sehr schoner Farbe, und Fiichse gehoren nachst den Alaska zu den 
feinsten. 

Auch die mittleren Staaten (Centralstates) O. Ohio, Mich. Michigan, Wis. 
Wiskonsin, To. Torro, 111. Illinois liefern ebenso wie das den Eastern gehorige 
mil Pa. bezeichnete Pennsylvanien gute Ware, besonders Schuppen- und 
Skunk von vorziiglicher Qualitat. Ohio-, Wiskonsin- und Minnesota- Skunk 
sind die besten. 

Nicht so gut sind die Waren aus den siidlichen Staaten: Ky. Kentucky, 
Tenn. Tennessee, Del. Delaware, Md. Maryland, Va. Virginia, Miss. Mississippi, 
N. C. North Carolina, S. C. South Carolina. Mo. Missouri wird teilweise zu den 
siidlichen, teils zu den westlichen Staaten gezahlt. 

Eine besondere Stellung nimmt der Distritk N. M. New Madrid in diesem 
Staate ein. Infolge des grossen Erdbebens im Anfang des vorigen Jahrhunderts 
entstand hier ein fast undurchdringliches Sumpf- und Urwaldgebiet, das einer 
grossen Zahl Pelztiere Schutz und Zuflucht bot. Namentlich kommen von 
hier viel Schuppen, die in eigenartiger Weise behandelt sind, indem die Felle 
fast genau viereckig aufgespannt werden. 

Ark. Arkansas liefert viele, aber geringwertige Pelze. 

Ind. Indiana, Minn. Minnesota, Ma. Montana, Neb. Nebraska, Id. Idaho, 
Ks. Kansas, werden als Western States zusammengefasst. Die aus den nord- 
lichen Teilen derselben stammenden Felle sind von guter Mittelqualitat, die 
aus den siidlichen Teilen minder wer tiger. Aus Minnesota kommen viele 
Waren, die im allgemeinen den Y. F. des Hudsonsbaigebietes ahneln. Mon- 
tana ist besonders durch seine Biber ausgezeichnet, die mitteldunkel, rauch, 
in eigenartiger Weise sorgfaltig an den Randern beschnitten sind, dass sie 
fast rundliche Form haben. 

Cal. Kalifornien liefert auch nicht sehr gute Waren. Die Biber aus diesem 
Staate, die indessen nur noch wenig an den Markt kommen, sind ganz hell- 
farbig, fast gelblich. 

Wash. Washington Territory, Ore. Oregon liefern, wie schon oben er- 
wahnt, die sogenannten Kolumbiafelle, doch werden dieselben auch haufig 
mit den Alaskaprovenienzen als N. W. Northwestern zusammengefasst. 
Al. Alaska liefert die besten von alien Fellen der Vereinigten Staaten. Nament- 
lich die Fiichse und Zobel sind vorzuglich. Hier an der Kiiste befinden sich 
auch viele Blaufuchs- und Silberfuchsfarmen. 

Die Silberfuchse von den Pribiloff-Insem usw., die als sogenannte Sitka- 
Silberfiichse in den Handel kommen, sind aber ziemlich grob im Haar. 



5. Kapitel. 

Schonzeiten ftir Pelztiere in Amerika. 

Nachdem die Walder und Prairien der Vereinigten Staaten durch die 
riicksichtslose Aasjagerei schon fast entvolkert sind, fing man an, strenge 
Jagdgesetze einzufiihren. Canada war schon lange mil gutem Beispiel voran- 
gegangen, dann erst folgten die verschiedenen Einzelstaaten der U. S. Zu- 
nachst wurde das Wild, sowohl Hirsche und Elentiere wie Flugwild ge- 
schiitzt, jetzt aber sind seit kurzem auch die seit lange notwendigen Schon- 
zeiten fur Pelztiere eingefuhrt. 

Die Schonzeiten sind jetzt wie folgt: 

Alaska sudlich vom 62. Breitegrade. Braune Baren vom i. Juli bis 
i. Oktober. 

Jowa. Biber, Nerz, Otter, Bisam vom i. April bis i. November. 

Kentucky. Otter, Biber, Nerz, Schuppen vom i. Marz bis 15. November. 

Maine. Nerz, Zobel, virg. Iltis vom i. Mai bis 15. Oktober. Bisam 
vom i. Mai bis i. Dezember. 

Michigan. Otter, virg. Iltis, Zobel vom i. Mai bis 15. November. Nerz, 
Schuppen, Skunk und Bisam vom i. September bis i. November. Biber 
diirfen bis 31. Dezember 1910 iiberhaupt nicht gefangen werden. 

Minnesota. Nerz, Bisam vom 15. April bis 15. November. 

Mississippi. Baren vom i. Marz bis 15. November. 

Nebraska. Biber diirfen iiberhaupt nicht erlegt werden. 

Nevada. Biber und Otter geschiitzt bis i. April 1910. 

New Hampshire. Zobel, Otter, virg. Iltis vom 31. Marz bis 15. Oktober. 

Neu Mexico. Biber dauernd geschiitzt. 

New York. Biber dauernd geschiitzt. Zobel bis 1910. Nerz, Skunk, 
Bisam vom 30. April bis 15. Oktober. Es ist aber eine starke Agitation im 
Gange, die Schonzeit bis 15. November auszudehnen. 

North und South Dacota. Biber und Otter dauernd geschiitzt. 

Pennsylvania. Biberfang und Erlegung dauernd verboten. Baren-Schon- 
zeit vom i. Marz bis i. Oktober. 



5. Kapitel (Schonzeiten). 315 



Utah. Otter und Biber dauernd Schonzeit. 

Vermont. Dasselbe. 

Wiskonsin. Otter vom 15. Februar bis i. November. Virg. Iltis, Zobel, 
Nerz vom i. Marz bis i. November. Bisam vom i. Mai bis i. November. 

Wie man sieht, fehlen verschiedene Staaten noch ganz und in andern 
erstreckt sich der durch Schonzeiten gewahlte Schutz nur auf einzelne Pelz- 
arten. Es ist dringend im Interesse des Rauchwarenhandels und der Trapper 
zu wiinschen, dass diese Gesetzgebung noch weiter ausgebaut wird und auch 
fur die notige Kontrolle gesorgt wird, denn vielfach steht das Gesetz nur auf 
dem Papier. 

Kanada, das schon seit vielen Jahrzehnten Wildschutz besitzt, hat die 
folgenden Bestimmungen zum Schutz der Pelztiere: 

British Kolumbia. Otter und Zobel Schonzeit vom i. April bis i. Nov., 
Biber dauernd Schonzeit. 

Manitoba. Otter, Biber, virg. Iltis vom 15. Mai bis i. Oktober. Zobel 
vom 15. April bis i. November. 

Neuschottland. Nerz vom i. Marz bis i. November. Biber dauernd. 

Neubraunschweig. Biber Schonzeit bis 1910. 

Prinz Edward-Insels. Zobel, Nerz, Bisam, Otter, vom i. April bis i. Nov., 
Bar vom i. November bis i. April. 

Quebek. Nerz, Otter, Zobel, Schuppen vom i. April bis i. November, 
Bar vom i. Juli bis 20. August. 

Neufundland. Biber geschiitzt bis 1910. Otter vom i. April bis i. Ok- 
tober. Fiichse vom 15. Marz bis 15. Oktober. 



6. Kapitel. 

Silberfuchsfarmen in Amerika. 

Die kolossal hohen Preise, welche Silberfuchsfelle erzielen, haben schon 
seit einigen Jahren eine eigene Industrie ins Leben gerufen. Auf den Inseln 
der Kuste von Alaska wird die Zucht von Blaufiichsen und Silberfiichsen 
von mehreren Gesellschaften betrieben, doch bleiben hier die Tiere im halb- 
wilden Zustande sich selbst uberlassen. Die menschliche Fiirsorge beschrankt 
sich darauf, fiir regelmassige Nahrung und ein geschiitztes Obdach zu sorgen, 
und bei der jahrlichen Totung im Winter darauf zu achten, dass nur die besten 
Exemplare zur Zucht iibrig bleiben. Die Resultate sind gut, aber wahrend 
die so gezuchteten Blaufiichse von vorziiglicher Qualitat sind, werden die 
Silberfuchsfelle meist etwas grob. In anderer Weise verfahrt man im Osten 
des Kontinents, im Staate Maine, sowie in Neubraunschweig, Neuschott- 
land und Prinz Edward-Inseln. Auch in Labrador und auf Neufundland 
sollen Versuche im Gange sein. Es existieren augenblicklich etwa 20 Silber- 
fuchsfarmen im Osten Amerikas, meist von einzelnen Farmern ohne grosse 
Mittel betrieben. Die erste Sorge ist, dass die gewahlte Lokalitat den Lebens- 
bedingungen der Fiichse entspricht, die zweite, dass sie nicht beunruhigt 
werden. 

Um Raum fiir etwa 6 Paar Silberfiichse zu haben, geniigt etwa i Morgen 
Land, auf dem sich einzelne Baume und Straucher befinden. 

Zunachst wird eine aussere Umzaunung angelegt, mit Drahtgeflecht um- 
geben, die alle Besucher fern halten soil. In etwa 40 bis 50 Fuss Entfernung 
hiervon kommt dann die innere Umzaunung von 10 Fuss hohem Draht- 
geflecht. Oben muss dasselbe noch etwa 2 Fuss nach innen eingebogen werden, 
dass es iiberhangt und so ein Uberklettern oder Uberspringen unmoglich 
macht. Auch muss der Drahtzaun mindestens 2 Fuss in die Erde reichen; 
am unteren Ende in der Erde wird ein breiter Streifen Steine gelegt, um ein 
Untergraben durch die Fiichse zu verhindern. Der zwischen beinen Um- 
zaunungen befin liche Raum wird dicht mit Gestrauch besetzt, um den Tieren 
den Anblick voriibergehender Menschen zu entziehen. Auch werden die 



6. Kapitel (Fuchsfarmen) . 317 



Zugange stets verschlossen gehalten und jede Storung der Tiere sorgfaltig 
vermieden. Nur der Pfleger hat Zutritt. Innerhalb der inneren Umzaunung 
werden nun eine Anzahl kleinerer Abteilungen durch Zaune hergestellt, jede 
etwa 8 10 Quadratruten gross, und mit einem Zufluchtsort, entweder in 
Form einer Hiitte oder eines grossen Fasses, versehen, fur je ein Paar be- 
stimmt, wahrend ausserdem zwei grossere Abteilungen von je 30 40 Quadrat- 
ruten eingezaunt sind, die eine fur mannliche, die andere fiir weibliche Fiichse. 

Die Tiere werden nun zu regelmassigen Zeiten gefiittert, und gerade 
hierbei ist die grosste Aufmerksamkeit notig. Uberfuttern ist ebenso schad- 
lich wie falsche Fiitterung, und gerade hiergegen ist anfanglich viel verstossen 
worden. Zu fett gewordene oder nicht sachgemass ernahrte Fiichse schreiten 
nur selten zur Fortpflanzung und werden auch haufig krank. Gerade hieran 
sind auch die meisten Zuchtungsversuche von Mardern in Deutschland ge- 
scheitert. Die Tiere diirfen durchaus nicht ausschliesslich mit Fleisch ernahrt 
werden, sondern erfordern eine gemischte Nahrung. Hochstens ein Viertel- 
pfund Fleisch, sei es Pferdefleisch oder Schlachterabfalle, darf taglich jedem 
Fuchs verabreicht werden. Daneben erhalten sie etwas Milch, Hausabfalle, 
Brot oder Hundekuchen, auch von Zeit zu Zeit etwas Beeren oder sonstige 
Friichte, gelegentlich erhalten sie auch lebende Mause oder Ratten, wenn 
billig zu haben auch wohl von Zeit zu Zeit einen Fisch. Insekten fangen sie 
sich selbst in ihrem Revier. Die Ernahrung ist deshalb billig. 

Im Februar und Marz schreiten die Fiichse zur Fortpflanzung und etwa 
50 Tage spater wirft die Fiichsin 3 Junge. Gleich nach der Paarungszeit 
werden die Geschlechter getrennt, und werden erst wieder im Dezember 
paarweise zusammengesperrt, den iibrigen Teil des Jahres diirfen sie in den 
grosseren Abteilungen frei herumlaufen, aber die Geschlechter getrennt. 

Nach einem Jahre sind die Jungen schon fortpflanzungsfahig. Wenn 
die Fiichse sich auch bald an die Gefangenschaft gewohnen, bleiben sie doch 
sehr scheu und angstlich. Ob die Ziichtung gelingt, hangt zum grossen Teil 
davon ab, ob sie sich an ihren Pfleger gewohnen, den sie taglich sehen. 
Namentlich wahrend der Paarungszeit ist es notwendig, dass die Tiere abso- 
lut nicht gestort werden, und auch der Warter muss sich sehr in acht nehmen, 
dieselben nicht zu erschrecken. Auch wenn die Fiichsin Junge hat, ist grosse 
Sorgfalt vonnoten, da sie sonst fort wahrend versucht, die Jungen fortzu- 
schleppen und zu verstecken, und geht manchmal der ganze Wurf zugrunde. 

Abgesehen von der Fortpflanzung hat sich das Halten der Silberfiichse 
in Gefangenschaft sehr einfach erwiesen. Zahm werden die Tiere zwar nie, 
auch die in Gefangenschaft geborenen bleiben scheu. Sonst befinden sie 
sich aber in den Einzaunungen ganz wohl und spielen, wenn sie sich un- 
beobachtet glauben, ganz lustig umher. Schnee und Kalte vertragen sie sehr 
gut, nur muss man aufpassen, wenn der Boden abwechselnd taut und friert, 
da sie sich dabei leicht die wertvollen Felle beschadigen. Sehr selten kommt 
es vor, dass ein gefangener Fuchs ausbricht. Merkwiirdigerweise klettern sie 



318 V. Handel und Verkehr in Rauchwaren. 

gern auf die in der Umzaunung stehenden Baume, was sie in der Freiheit fast 
nie tun. Krankheiten tret en bei gut behandelten Fiichsen sehr selten auf, 
nur infolge falscher Fiitterung gehen manchmal Tiere ein, und wenn nicht 
in sauberen Raumen gehalten, leiden sie unter Ungeziefer und manchmal 
auch unter Raude. 

Die Hauptsache ist, dass der Heger sich um seine Pfleglinge unausgesetzt 
kummert, ohne sie indessen zu belastigen. Die Tiere lassen sich auch nicht 
anfassen, und miissen, wenn sie disloziert werden sollen, durch Tiiren von 
einer Abteilung zur anderen getrieben werden. 

Die Fehlschlage in der Fortpflanzung haben meistens die folgenden 
Ursachen : Entweder sind die Tiere uberfuttert und deshalb so f ett geworden, 
dass sie sich nicht fortpflanzen oder sie sind durch Storungen nervos und 
erregt geworden. Um gute Result ate zu erzielen ist es notwendig, immer 
die besten Exemplare zur Weiterzucht zu verwenden, und auch von Zeit zu 
Zeit fur Blutauffrischung zu sorgen. 

Lebende Silberfiichse bilden jetzt bereits einen gut en Handelsartikel 
und werden hoch bezahlt. Ein Paar lebende Silberfiichse, deren Felle viel- 
leicht zusammen 1000 Mark wert sind, diirften unter 3000 Mark nicht zu haben 
sein. Tiere mit besonders gutem Fell, die aber fast nie an den Markt kommen, 
sind natiirlich viel mehr wert. 

Die Industrie steckt noch in den Kinderschuhen, verspricht aber sehr 
gute Result ate, da Massenproduktion nicht zu befiirchten steht, und fur 
gute Silberfuchsfelle immer mehr Nachfrage als Angebot besteht. 



VI. 

Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren: 321 

Wert der Ausfuhrwaren der Hudson's Bay Company, die zum Eintausch der 

Felle benutzt wurden. 



169899 ...... < 943-15 17*7 ........ < 3I9 1 - 2 - 9. 

1700 ....... ,, 1718 ........ 1847.18. 

170* . :; 1658. 9- 5- 17*9- ' ..... 1731- 

1702 ....... 972 1720 ........ 1897. 9. 7. 

1703 ....... 1721 ........ 1755- 4- 4- 

1704 ....... ,, 2021.10. 1722 ........ ,, 2444.15.11. 

1705 . ,. . y . v .. . . 1723 ........ 2305. 2. 7. 

1706 . . ./.'.. - 958. 6. 2. 1724 ........ 1497.18. 7. 

1707 '.->, . . V. v . 1725 ........ 2410. 

1708 . . . . . . . ,, 2025. 3. 6. 1726. .......,, 1599.15.11. 

1709 . . .... . 1728. . . ..... 2571.13. 4. 

1710 f ... *' . . 1160. 4. 3. 1732. ........ 3350.12. 3. 

1711 - - - .-. Si 7 6 - 2 - T 733- - - ..... 3iio. 9. i. 

i7 J 2 . . ..." 745-14- i. 1734 ........ 3930.I9- 4- 

1713 - 893.14. 3. 1735 ........ 2232. 

i7M . ... : 2329. 7. 7. 1736 ..... . . . 4547-16. 

i7 J 5 - M 1402.18. 1737 ........ 4024.18.12. 

1716 .....,. 1259.17. 3. 1738 ........ 3879.10. 



Einfuhr der Hudson's Bay Company im Jahre 1733 aus den Forts Albany, Moose 

River & East Maine. 

8663 ganze Parchmentbiber, 
3902 halbe Parchmentbiber, 
2292 ccat biber, 
1060 l / 2 coat biber, 

93 Quelquehetcher (Vielfrass), 
98 Baren, 
9 Luchse, 
9 Wolfe, 
70 Fiichse, 

4559 Zobel (gerechnet = 1519 Biber), 
272 Otter (gerechnet 136 Biber), 
870 Pf. Federn, 
10 Weennek. 

Am 20. Dezember 1740 verkaufte die Hundson's Bay Company in London: 

5 460 Coatbiber a 5/3 per Pfund, 
12 320 Parchmentbiber a 6/2 per Pfund, 

21 



322 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



3 690 Cubbiber a 6/2 per Pfund, 

3640 beschadigte Biber a 5/2 per Pfund, 

1 760 beschadigte Biberints a 4/6 per Pfund, 
16300 Zobel a 7/10 per Fell, 

2 360 beschadigte Zobel a 4 sh. per Fell. 
560 Otter a 6/3 per Fell. 

50 Katzen a 3/2 per Fell, 
730 Katzen a 23 / per Fell, 
300 Flichse a 8/4 per Fell, 
210 Fiichse a 5/8 per Fell, 
630 Vielfrasse a 8/ per Fell, 
220 alte Vielfrasse a 3/8 per Fell, 
330 Baren a 17/6 per Fell, 
720 Wolfe a 15 / per Fell, 

40 Wood chuks (Murmel) a 7/ per Fell, 
250 Hirsche a 7/ per Fell. 

30 Elks a 7/ per Fell. 

Gesamtwert 24 800 g, ausserdem noch 2360 Pf . Bettfedern, 160 Pf . Bibergeil 
610 Pf. Fischbein 120 Tonncn Tran. 



Einfuhr-Liste der Hudson's Bay Company im Jahre 1729. 

62 160 Biber a 4/ 6 d. per Pfund, 

12480 Zobel a 5/8 io/ per Stiick, 

340 Ottern a 4/ per Stiick, 

560 Luchse a 20 / 30 / per Stiick, 

130 Rotfiichse a 7 n/ per Stiick, 

330 Vielfrasse a io/ n/ per Stiick, 

140 Wolfe a 6/10 per Stiick, 

340 Baren a 8 15 / per Stiick, 

40 virg. Iltis a 9/10 per Stiick. 



1723: 
1724: 

1725-- 
1726: 

1727: 
1728: 



Biber 
Biber 
Biber 
Biber 
Zobel 
Biber 
Zobel 
Biber 
Zobel 



In den Jahren 

Marz 39 614, im November 19 330 a 4/ 
36240, ,, 

,, 21 190, ,, 

,, 39 600, 



29 490, 



23 130, 



5/8 per Pfund. 

15320 a 5/6 6/6 per Pfund. 
17890 a 4/2 5/io per Pfund. 
19090 a 3/9 7/8 per Pfund. 

5 680 hochster Preis io/ p. St. 
22090 a 3/4 7/2 per Pfund. 

5 940 hoehster Preis 7/10 p. St. 
31 540 a 4/8 6/6 per Pfund. 

9520 hochster Preis 7/ p. St. 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 323 

Im November 1743. 

5980 Coatbiber a 4/8. 2415, 
780 beschadigte Coatbiber a 4/. 270, 
9520 Parchmentbiber 4165, 
4070 Biber 762,18, 
4760 beschadigte Biber 1918, 
1640 Cubs 248, 
12370 Zobel 4242.7, 
2360 beschadigte Zobel 442. 10, 
590 Otter i4/. 413, 
850 Katzen i8/. 765, 
260 beschadigte Katzen 4/. 52, 
320 Fiichse 12/6. 200, 
600 Vielfrasse 6/10. 205, 
170 beschadigte Vielfrasse 3/3. 27/12, 
320 Baren 23 /. 368, 
1580 Wolfe 20 /. 1580, 
270 beschadigte Wolfe 9/2. 123.15. 
40 Woodshuks 4/2. 
10 Nerze 3/, 

5 Schuppen 3/4, 
120 Feh 4/, 
130 Elk, 
440 Deer, 

170 Pfund Bettfedern, 
140 Pfund Bibergeil, 
470 Barten, 

23 Fass Tran. 

Die Haupt-Auktion folgte aber erst Marz 1744, wobei das doppelte 
Quantum verkauft wurde, im Gesamtwert von ca. 40 ooo . 

Im ganzen also ca. 60,000 Gegenwert fur die im Jahre 1740 heraus- 
gesandten 3800 europaische Waren. 



21 



324 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



Einfuhrliste derHudson'sBay Company nach London 





Coat- 
Biber 


Parchment- 
Biber 


Zobel 


Ottern Luchse Fiichse 


1752 


10,143 


33,675 24,639 


1,296 4,009 


9 I 3 


1753 


9,061 


29,041 


25,725 i,338 7^79 


1,015 


1754 


7,295 


22,270 


10,787 1,123 4> I 9 8 


638 


1755 


7,44* 


27,755 


9,671 


1,191 


i,444 


753 


1756 


7,825 


25,042 


6,050 


1,192 


838 


1,222 


1757 


9,846 


26,388 


5,352 


i,339 


631 


572 


1758 


8,000 


22,886 


7,882 


1,305 


917 


352 


1759 


7,000 


20,110 


20,295 


1,250 


1,881 


2,445 


1760 


9,900 


23,126 


22,465 1,514 3,842 4,755 


1761 


13,300 


30,44 6 


i8,547 


2,232 5,338 


2,719 


1762 


13,000 


36,265 


13,389 


2,557 5,820 


2,057 


1763 


9,353 


24,88l 


17,332 


1,478 6,000 


2,207 


1764 


10,500 


23,088 


11,814 


i,553 3,005 


2,892 


1765 


14,450 


30,450 


7,558 


i,935 i,77! 


i,536 


1766 


10,400 


28,536 


8,066 


2,144 1,138 


2,445 


1767 


10,500 


23,436 


20,768 


1,752 i, 088 


3,323 


1768 


6,300 


17,950 


19,949 


1,438 1,128 


1,146 


1769 


6,750 


18,761 


15,897 


1,171 2,508 


952 


1770 


9,5oo 


25,273 


26,547 


1,296 4,012 


3o83 


1771 


9,900 


22,427 


22,496 


1,605 4,225 


2,126 


1772 


8,350 


19,851 


12,626 


1,490 


5,463 


i,45i 


J 773 


5,700 


17,689 


9,891 


i,579 


2,301 


i,552 


1774 


4,600 


19,472 


16,739 


i,958 


i,744 


609 


1775 


4,050 


16,668 


19,742 


1,698 


705 


911 


1776 


4,900 


15,964 


18,143 


i,773 


i,i57 


674 


1777 


5,700 


25,597 


17,798 


2,144 


2,823 


887 


1778 


4,300 


20,033 


16,730 


1084 


2,478 


558 


1779 


2,900 


17,320 


17,484 


i,343 


1,245 


988 


1780 


7,070 


26,867 


22,060 


2,401 


3,168 


2,188 


1781 


6,360 


35,763 


18,277 


2,i74 


2,966 


2,149 


1782 


2,050 


18,752 


7,466 


2,306 


i,553 


593 


1783 


1,500 


I3,IOO 


13,420 


i,75o 


960 


540 


1784 


2,500 


15,500 


13,800 


1,400 


980 


440 


1785 


3,200 


24,350 


16,322 


1,996 


822 


5i5 


1786 


3,950 


25,095 


23,365 


2,145 


801 


999 


1787 


3,800 


37,ioo 


27,960 


3,ooo 


i, 080 


1,620 


1788 


2,900 


38,320 


25,070 


2,940 


2,050 


1,440 


1789 


4>900 


41,690 


23,901 


2,674 


i,55o 


3,778 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwar^n. 



325 



in den Jahren 1752 1890 (nach Henry Poland, London). 



Vielfrasse 


Baren 


Wolfe 


Nerze 


Bisam 


Schuppen 


Virg. 
Iltisse 


670 


350 


988 


233 


553 


_ 




712 


375 


1,820 


88 


285 








721 


250 


1,071 














868 


414 


1450 














847 


443 


1,927 














75i 


333 


1,621 














652 


340 


2,452 














934 


367 


4,008 











, 


871 


434 


3,395 














952 


621 


4,718 














1,221 


585 


3,212 














1,322 


648 


2,731 


147 


2,789 








843 


54i 


4,073 














755 494 3461 


120 


1,269 








486 706 4,226 


133 


! - 








885 


732 


5,905 


302 


5,279 


| . 


534 


473 


409 


2,914 


307 


1,458 





no 


481 


442 


3,080 


174 


2,312 





116 


604 


373 


5,476 


160 


1,199 





160 


933 


40 1 3,565 


129 


622 





I2O 


742 


275 2,703 


94 


943 





97 


570 


269 4,263 


116 


2,323 





67 


407 


250 


583 


168 


5,9 J 3 





13 


45i 


226 


i,955 


163 


4,9 9 





30 


337 


243 


383 


192 


5,626 





36 


434 


309 


613 


290 


4,357 


307 


99 


199 


314 


375 


197 


3,700 


300 


36 


193 


219 


30 


263 


4,095 


416 


46 


344 


309 


2,644 


221 


6,100 


289 


56 


396 


310 


1,166 


218 


4,750 


300 


95 


121 


406 


375 


150 


2,750 


430 


85 


8 7 


350 


i,43 


2OO 


5,830 





59 


90 


230 


480 


150 


2,500 


540 


40 


218 


196 


1,820 


188 


4,040 


488 


74 


234 


172 


2,393 


37i 


5,161 


401 


95 


250 


170 


3,5oo 


380 


5,7oo 


840 


80 


270 


2IO 


2,580 


366 


4,36o 


660 


30 


242 


384 


2,423 


464 


5,i97 


502 


184 



326 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 





Coat- 
Biber 


Parchment- 
Biber 


Zobel 


Ottern 


Luchse 


Fiichse 


1790 


3,600 


41,530 


18,847 


2,822 


970 


2,290 


1791 


5,276 


49,738 


20,954 


3,70i 


1,603 


5,823 


1792 


3,600 


46,930 


21,095 


2,983 


1,400 


6,000 


!793 


4^ 2 4 


42,242 


11,639 


3,338 


i,546 


2,130 


1794 


4,024 


39,517 


8,627 


3,737 


989 


1,837 


1795 


3,664 


51,123 


15,547 


4,667 


1,102 


2,834 


1796 


2,516 


48,697 


25,787 


4,364 


1,149 


2,683 


1797 


2,901 


44,5i6 


30,374 


4,i5i 


1,625 


8,780 


1798 


2,595 


43,4i8 


18,488 


4,006 


1,541 


n,754 


1799 


1,728 


39,995 


22,875 


3,997 


2,269 


7,440 


1800 


1,668 


35,037 


30,053 


3,694 


3,708 


10,164 


1801 


1,406 


33,253 


22,949 


3,486 


4,495 


32,754 


1802 


2,150 


37,i87 


18,265 


3,9H 


3,658 


17^55 


1803 


1,642 


32,127 


9,893 


3,897 


2,083 


7,624 


1804 


1,668 


3^737 


17,182 


4,160 


1,091 


3, I0 9 


1805 


1,862 


28,083 


22,318 


4,548 


820 


8,322 


1806 


1,011 


20,732 


40,182 


3,447 


1,052 


13,284 


1807 


1,050 


29,759 


40,476 


4,320 


i,588 


3,052 


1808 


1,684 


32,884 


33,706 


5,077 


2,788 


3,74i 


1809 


i,425 


32,025 


2,350 


866 


277 


2,700 


1810 


i,274 


28,720 


51,807 


8,206 


7,029 


7,H4 


1811 


i, 060 


15,524 


n,339 


3,044 


2,593 


2,019 


1812 


1,525 


41,873 


24,425 


6,492 


1,884 


5,273 


1813 


672 


18,066 


9,990 


3,425 


167 


i,3i9 


1814 


462 


17,356 


23,106 


3,947 


122 


2,353 


1815 


698 


10,380 


21,787 


2,908 


131 


8,802 


1816 





n,243 


16,628 


2,297 


116 


1,923 


1817 


651 


27,815 


56,648 


5,837 


347 


3,704 


1818 


55i 


25,493 


65,139 


7,753 


845 


2,979 


1819 


480 


17,356 


65,851 


4,211 


i,533 


3.8" 


1820 


281 


15,683 


62,411 


3,747 


2,901 


2,964 


1821 


297 


20,565 


69,995 


5,394 


4,128 


3,847 


1822 


210 


59,847 


87,884 


7,33i 


8,986 


8,048 


1823 


706 


46,202 


62,861 


8,069 


7 I 73 


5,H9 


1824 


1,309 


76,060 


61,216 


10,528 


6,456 


3,309 


1825 


800 


66,600 


61,520 


9,635 


5,104 


3,730 


1826 


1,652 


61,400 


88,839 


7,895 


5,i6i 


IO,OII 


1827 


472 


51,125 


105,561 


9,051 


7,254 


2,757 


1828 





57,200 


83,417 


10,552 


n,55o 


7,706 


1829 





65,614 


73,86o 


j n,i9 2 


20,558 


4,122 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



327 



Vielfrasse 


Baren 


Wolfe 


Nerze 


Bisame 


Schuppen 


Virg. 
Iltisse 


242 


34i 


3,038 


308 


8,801 


406 


100 


202 


479- 


3,237 


567 


9,004 


604 


182 


300 


450 3450 


388 


5,250 





145 


295 


372 


3,007 


323 


5,147 


347 


146 


296 


459 


2,619 


384 


12,776 


664 


282 


344 


629 


3,74i 


876 


19,532 


i,075 


344 


312 


466 


4,734 


i,035 


10,390 


733 


242 


388 


526 


7,68i 


i,i45 


12,708 


867 


457 


410 


549 


8,264 


1,148 


9,309 


910 


465 


397 


675 


11,636 


1,240 


io,557 


2,209 


584 


495 


605 


5,693 


i,344 


15,272 


!,979 


578 


466 


672 


3,122 


1,073 


i 15,894 


2,329 


393 


377 


683 


4,666 


923 


8,534 


1,635 


418 


365 


607 


4,035 


678 


10,757 


1,522 


762 


358 


560 


3,252 


847 


16,153 


890 


228 


356 


529 3,199 


i,399 


31,100 


1,062 


211 


3i3 


566 4,260 i, 880 


21,046 


1,500 


417 


401 


759 


4,i8i 


2,662 


14,886 


1,013 


502 


163 


i, 060 


3,704 


3,i85 


24,660 


i,i73 


714 


37 


162 


97 


706 


21,167 


1,152 


164 


401 


1,560 


16,330 


4,499 


32,564 


1,071 


980 


155 


425 


3,162 


660 


25,268 


IOI 


f" 614 


3M 


1,036 


5,933 


398 


44,i44 


168 


570 


163 


684 


1,280 


54i 


80,381 


96 


317 


116 


846 


505 


1,065 


138,772 


46 


550 


166 


466 


1,520 


1,324 


99,534 


70 


338 


38 


154 


20 


533 


18,983 





51 


182 


1,094 


2,189 


2,475 


154,070 


22 


395 


291 


1,568 


5,077 


3,567 


63,357 


87 


962 


257 


763 


2,994 


1,638 


62,431 


- * 


802 


247 


260 


627 


1,722 


66,236 


300 


779 


18 


1,5" 


3 


2,647 


113,9*4 


350 


879 


778 


2,700 


285 


4,667 


156,279 


290 


1,805 


579 


2,312 


384 


4,549 


217,646 


64 


1,289 


631 


2,183 


727 


5,929 


306,891 


51 


1,688 


694 


3,139 


1,141 


5,559 


235,000 


7 8 


1,820 


590 


2,118 


1,568 


6,952 


397,597 


153 


1,440 


513 


2,600 


1,057 


11,119 


473,298 


138 


i,325 


402 


2,999 


1,269 


13,969 


859,093 


79 i,32i 


454 


i,94i 


1,261 


16,592 


1,062,513 


107 1,482 



3*8 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 





Coat- 
Biber 


Parchment- 
Biber 


Zobel 


Ottern 


Luchse 


Fiichse 


1830 





25,718 


25,524 


3,795 


24,611 


4,534 


1831 





87,000 


9 6 45o 


18,100 


38,200 


4,453 


1832 


Ibs. 


70,100 


37,954 


13,012 


i6,347 


4,674 


1833 


264 


32,203 


I7>732 


5,442 


870 


522 


1834 


1,074 


98,288 


64,490 


22,303 


14,255 


9,937 


1835 


860 


78,908 


61,005 


15,487 


6,990 


15^94 


1836 


239 


51,788 


56,893 


10,208 


4.440 


2,378 


1837 


304 


82,927 


156,168 


15,934 


31,887 


25,008 


1838 


165 


61,868 


83,709 


10,792 


45,152 


6,726 


1839 


198 


56,288 


63,129 


9465 


66,691 


8,626 


1840 


220 


55,431 


56,860 


8,636 


35,834 


12,681 


1841 


322 


50,900 


57,848 


7,*53 


45,143 


8,407 


1842 


372 


40,305 


63,529 


5,96o 


10,034 


7> II 5 


1843 


184 


39>o86 


70,532 


6,820 


8,247 


9,061 


1844 


409 


38,252 


7i,954 


6,971 


7,173 


11,104 


1845 


484 


41,111 


103,621 


6,398 


io,359 


16,312 


1846 


190 


65,189 


148,670 


8,168 


21,180 


12,597 


1847 


211 


26,892 


146,137 


6,648 


31,062 


19,759 


1848 


*37 


40,845 


H5,323 


9,266 


47,065 


20,219 





Biber 


Zobel 


Ottern 


Luchse 


Fiichse 


Vielfrasse 


1849 


32,502 


65,558 


11,810 


43,253 


15,977 


1,465 


1850 


49,517 


66,069 


9,!55 


20,604 


10,842 


i,454 


1851 


62,130 


80,005 


8,296 


9,203 


12,107 


i,374 


1852 


52,430 


90,633 


9,221 


6,722 


17,070 


1,508 


i853 


60,691 


85,603 


12,318 4,850 


14,883 


1,104 


1854 


62,914 


127,019 


n,385 


4,907 


16,003 


1,036 


1855 


72,425 


177,052 


10,223 


10,764 


23,620 


1,052 


1856 


76,825 


!75,494 


13,992 


21,511 


25,178 


1,065 


1857 


86,414 


132,752 


12,433 


32,264 


25,271 


933 


1858 


94,053 


136,451 


13,011 


33,038 


22,882 


1,099 


1859 


106,797 


120,430 


12,454 


27,460 


24,816 


1,319 


1860 


I0 7,745 


77,844 


13,664 


15,968 


20,801 


i,394 


1861 


105,562 


74,062 


14,205 


7,927 


16,809 


i,574 


1862 


109,636 


78,039 


13,659 


4,616 


17^479 


1,295 


1863 


127,674 


105,659 


14,527 


4,570 


2i,774 


i,374 



VI. Einfuhr- Statist! k von Rauchwaren. 



329 



Vielfrasse 


Bar en 


Wolfe 


Nerze 


Bisam 


Schuppen 


Virg. 
Iltisse 


652 


i,583 


2,196 


7,672 


396,300 





974 


1,242 


3490 


3,140 


22,700 


728,000 


177 3,400 


M72 


4,158 


6,371 


9,990 


387,000 


372 2,970 


114 


1,500 


567 


6,506 


63,374 


2IO 


682 


1,571 


7,45i 


8,484 


25,100 


694,092 


713 


5,296 


1,265 


4,127 


3,722 


17,800 


1,111,646 


522 2,479 


*45 


2,191 


958 


16,049 


161,053 


1,900 


i,435 


2,166 


7,563 


7,03i 


27,750 


838,549 


585 


6,115 


948 


4,161 


1,8.75 


15,641 


188,545 


273 


3,590 


1,328 


4,087 


6,869 


19,141 


573,6oo 


1,115 


4,962 


i,99 8 


4,923 


8,185 


22,190 


198,236 


1,034 


6,401 


2,034 


5,409 


9,550 


17,093 


100,640 


i,i75 


5,293 


1,647 


5,576 


8,696 


17,780 


549,577 


1,820 


4,040 


1,229 


6,040 


IQ ,733 


25,382 


543,155 


1,898 


4,302 


i, 080 


5,70P 


13,204 


24,855 


265,117 


1,763 


4,504 


1,075 


4,329 


10,191 


32,031 


. 295,617 


1,467 


4,678 


938 


6,339 


8,522 


53,264 


303,172 


1,305 


5,805 


985 


5,630 


10,725 


36,621 


248,710 


1,140 


5,269 


1,126 


6,003 


7,969 


37,!23 


224,347 


2,091 5,894 



Baren 


Wolfe 


Nerze 


Bisam 


Schuppen 


Skunks 


Virg. 
Iltisse 


Seals 


6,342 


12,045 


34,712 


179,075 


1,289 


1,263 


7,500 ; 


5,876 


9,738 24,772 


192,261 


1,442 





6,522 


6,021 


8,087 17,827 


291,281 


1,712 


i,453 


5,027 





8,340 


8,558 


27,413 


488,238 


1,633 


1,618 


6,053 





6,864 


7,228 


39,686 


527,161 


I,48l 


4,459 1 5,218 





0,612 


13,830 


49,373 


319,444 


1,052 


5,959 4,049 





9,027 


8,5i5 


58,628 


260,805 


1,978 


n,3i8 5,333 





8,814 


9,499 


54,924 


295,847 


i,37 


7,728 5,618 


7,326 


7,45i 


65,522 


3H,953 


1,929 


8,124 5,643 


8,259 


12,834 


73,066 


243,862 


2,140 


8,483 6,258 


8,539 8,781 


55,720 


206,156 


i,959 


9.97 7,633 


7,654 


5,98o 


32,548 


205,471 


2,560 


3,674 6,415 


7,487 


3,909 


38,306 


330,527 


2,871 


3,204 5,984 | 


7,036 


3,904 


45,534 


356,789 


3,376 


1,908 


5,822 


7,792 


8,204 


59,599 


429,304 


3,98o 


2,332 


5,036 : 



330 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



















Biber 


Zobel 


Otter 


Luchs 


Fiichse 


Vielfrass 
















1864 


118,118 


115,430 


12,606 


4,76o 


17,670 


1,212 


1865 


155,880 


145,889 


19,991 


17,044 


22,344 


1,057 


1866 


150,192 


115,560 


14,626 


34,732 


25,829 


706 


1867 


i45, 6 54 


96,114 


14,609 


68,097 


42,912 


927 


1868 


158,110 


163,088 


12,673 


70,372 


48,836 


i,643 


1869 


129,039 


67,072 


11,818 


39, IJ 9 


28,542 


1,396 


1870 


I73,i8i 


5o,i93 


12,623 


19,992 


17,797 


1,824 


1871 


174,461 


54,333 


12,778 


8,806 


15,861 


i,747 


1872 


157,764 


64,587 


n,43i 


5,679 


25,400 


1,637 


1873 


105,369 


62,488 


8,875 


4,839 


20,501 


1,761 


1874 


i39>393 


125,733 


11,766 


10,045 


23,552 


1,386 


1875 


129,976 


87,803 


12,414 


17,849 


20,555 


1,265 


1876 


126,959 


84,439 


n,559 


18,868 


20,145 


1,282 


1877 


145,706 


83,835 


12,278 


43,575 


52,693 


1,881 


1878 


147,263 


55,439 


13,201 


3749 


26,168 


2,000 


1879 


132,099 


52,578 


9,988 


21,291 


22,594 


1,909 


1880 


120,836 


46,529 


10,124 


14,767 


i8,437 


2,322 


1881 


119,698 


54,370 


10,317 


10,053 


14,855 


1,621 


1882 


118,728 


66,821 


12,292 


7,58i 


14,545 


1,881 


1883 


104,459 


70,802 


9,207 


8,016 


13,333 


1,568 


1884 


H9>549 


78,755 


12,270 


27,119 


6,969 


1,528 


1885 


102,589 


78,857 


10,867 


5i>4i4 


19,039 


1,198 


1886 


83089 


50,842 


8,322 


73,878 


J 9,947 


1,244 


1887 


102,745 


72,939 


no97 


78,555 


35,157 


2,439 


1888 


33,o6i 


64,179 


8,748 


33,720 


27,611 


2,020 


1889 


73,355 


72,713 


9,280 


18,726 


18,649 


2,243 


1890 


64,246 


64,689 


8,180 


n,445 


22,017 


1,388 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



331 



Baren 


Wolfe 


Nerze 


Bisam 


Schuppen 


Skunks 


Virg. 
Iltisse 


Seals 


7,349 


5,427 


63,724 


367,302 


2,384 


2,063 


4,715 





8,249 


12,378 


49,349 


424,875 


4,150 


2,765 


5,320 





7,687 


6,610 


53,H3 


3 J 2,543 


4,832 


2,755 


4,432 





6,360 


7,427 


73,752 


610,280 


24,783 


6,067 


5,95i 





8,116 


9,3i8 


81,769 


469,775 


5,8n 


6,115 


7,376 





8,600 


5,048 


35,o8i 


275,963 


4,887 


7,062 


8,917 





7,778 


5,169 


28,184 


436,509 


2,411 


3,293 


6,349 


. 


7,830 


3,7oi 


35,66o 


590,916 


2,967 


2,621 


6,509 


: 


9,357 


7,oi6 


44,352 


711,174 


1,630 


2,162 


4,348 





6,884 


3,470 


55,496 


659^59 


3,582 


1,206 


3,271 


891 


7,163 


2,565 63,810 


474,942 


3,H4 


1,789 


3,272 


2,344 


6,499 


6,499 ; 83,319 


626,711 


7,*93 


2,644 


3,274 


2,447 


7,737 2,071 


583,319 


79,206 


2,147 


3,262 


2,444 


316 


8,680 3,128 


464,297 


90,080 


999 


5,7o6 


6,919 


813 


7,565 2,575 


5n,993 


63,318 


506 


5,750 


8,263 


i,779 


7,557 


4,8i3 


519,963 


36,360 


607 


5,i55 


8,140 


1,136 


8,336 


3,032 


830,100 


38,828 


813 


4,987 


6,768 


3,3o8 


7,862 


1,486 


1,028,187 


40,834 


534 


5,i7i 


5,239 


3,085 


9,i39 


2,081 


1,081,489 


56,882 


803 


4,977 


7,163 


5 53 


5,5i5 


i,555 


1,082,999 


52,258 


354 


3,784 


6,393 


134 


10,808 


1,820 


817,003 


110,610 


142 


4,170 


12,628 


573 


8,386 


1,226 


347,050 


76,393 


124 


4,029 


21,189 


6 


8,283 


1,161 


380,022 


64,215 


325 


4,492 


10,926 


2,071 


9,763 


4,749 


344,818 


82,941 


239 


6,138 


16,322 


2,025 


9,i39 


3,330 


223,615 


43,64i 


217 


5,387 


11,298 


2,583 


n,643 


2,495 


322,360 


35,400 


153 


6,530 


10,747 


482 


10,542 


4,237 


574,742 


29,363 


172 


5,658 


12,583 


279 



332 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



Einfuhr amerikanischer Rauchwaren 





Biber 


Baren 


Ottern 


Virg. 
Iltisse 


Zobel 


Wolfe 


1763 


75>040 


8,340 


8,060 


2,800 


42,247 


608 


1764 


88,003 


5,ooo 


7,000 


3,000 


30,000 


200 


1765 


66,664 


4,540 


6,126 


1,183 


22,340 


287 


1766 


92,295 


8,902 


10,669 


3,816 


35,o85 


324 


1767 


75,905 


6,625 


12,383 


3,436 


57,371 


694 


1768 


55,o64 


6,582 


7,773 


i,895 


44,490 


646 


1769 


91,388 


i3,9 8 2 


n,753 


2,688 


59,050 


1,059 


1770 


97,182 


11,201 


12,000 


4,345 


48,028 


8i5 


1771 


95,288 


6,872 


12,876 


3,983 


5i,38i 


i,234 


1772 


107,829 


9,289 


13,410 


3,123 


45,98o 


2,380 


1773 


94,681 


3,429 


14,176 


2,912 


29,841 


2,875 


1774 


98,827 


5,912 


14,737 


2,899 


38,263 


5,332 


1775 


97,148 


11,222 


14,668 


3,884 


47,840 


5,393 


1776 


92,612 


6,169 


n,953 


3,397 


56,787 


8,279 


1777 


120,800 


H,530 


19,250 


3,740 


43,320 


5,550 


1778 


109,000 


12,100 


14,600 


3,ooo 


45,5oo 


6,700 


1779 


97,000 


I4,OOO 


13,600 


4,100 


35,ooo 


6,300 


1780 


101,500 


10,000 


16,000 


4,200 


37,000 


6,300 


1781 


91,500 


5,500 


13,000 


2,300 


22,000 


5,400 


1782 


116,000 


9,550 


15,100 


3,300 


24,000 


2,900 


1783 


105,000 


12,500 


19,700 


3,700 


43,300 


5,750 


1784 


126,600 


14,200 


21,900 


4,100 


42,300 


7,200 


1785 


121,000 


12,400 


19,600 


4,500 


36,000 


7,700 


1786 


Il6,OOO 


I7,OOO 


22,700 


4,000 


47,000 


13,000 


1787 


I4O,OOO 


18,200 


32,800 


6,800 


73,000 


9,700 


1788 


127,000 


I4,OOO 


19,300 


4,600 


52,000 


9,500 


1789 


164,823 


16,331 


21,303 


5,547 


32,34i 


5,890 


1790 


l6l,5OO 


l6,OOO 


21,000 


5,5oo 


33,ooo 


5,800 


1791 


173,500 


14,600 


22,500 


6,000 


37,00 


4,600 


1792 


165,000 


20,000 


21,000 


6,300 


61,000 


8,300 


1793 


172,000 


19,700 


21,600 


5,7oo 


25,000 


9,700 


1794 


152,800 


I7,2OO 


47,20O 


4,800 


37,000 


7,600 


1795 


144,000 


15,000 


l8,500 


6,200 


45,000 


5,700 


1796 


130,000 


15,800 


l6,7OO 


3,7oo 


31,000 


6,700 


1797 


56,OOO 


8,800 


9,500 


3,6oo 


35,ooo 


4,000 


1798 


IIO,OOO 


I7,OOO 


14,500 


5,5oo 


45,000 


8,700 


1799 


114,200 


2I,OOO 


l6,OOO 


5,4oo 


34,5oo 


5,900 


1800 


129,200 


24,500 


l8,OOO 


6,000 


40,000 


2,400 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



333 



nach London (nach Henry Poland, London). 



Vielfrasse 


Luchse 


Nerze 


Fiichse 


Schuppen 


Bisam 


59 


4, J 5o 


1,030 


2,300 


39,000 


6,080 


100 


4,000 


1,100 


6,500 


37,000 


12,000 


57 


2,851 


i,235 


1,840 


54,951 


32,099 


104 


4435 


1,876 


1,723 


101,066 


47,on 


J 43 


3>95 


3,904 


2,764 


56,750 


17,644 


74 


2,160 


1,815 


1,010 


38,316 


15,826 


211 


2,891 


3,433 


3,345 


117,307 


25,826 


H3 


5373 


3,524 


2,521 


52,504 


29,769 


I 7 2 


8,021 


2,967 


3,386 


43,025 


30,204 


337 


7,179 


3,934 


3,096 


5i,503 


25,082 


3i8 


8,147 


2,970 


3,300 


37,468 


34,229 


358 


6,360 


3,!2i 


3,43i 


40,157 


52,712 


324 


11,051 


4,855 


6,006 


14,586 


54,451 


323 


9,588 


3,660 


4,488 


72,538 


40,654 


360 


12,840 


6,060 


10,480 


198,500 


44,180 


400 


12,000 


4,800 


10,600 


173,000 


66,800 


200 


8,500 


6,700 


12,000 


125,000 


62,000 


200 


10,000 


8,000 


13,000 


19,700 


64,000 


180 


5,000 


6,800 


9,5oo 


85,000 


73,ooo 


220 


6,700 


4,70 


13,400 


80,500 


50,400 


300 


8,300 


7,200 


5,200 


95,000 


69,000 


300 


9,400 


9,300 


7,800 


173,600 


87,800 


350 


9,7oo 


9,300 


6,000 


96,000 


133,000 


500 


5,600 


9,000 


6,000 


105,000 


190,000 


700 


8,700 


35,5oo 13,90 


145,000 


269,000 


450 


8,900 


11,000 7,000 


114,000 


31,000 


537 


8,990 


17,714 


8,540 


161,180 


201,840 


550 


9,000 


17,700 


8,500 


161,000 


200,000 


650 


9400 


21,400 


11,000 


178,000 


147,000 


750 


10,000 


16,000 


12,000 182,000 


138,000 


700 


10,500 


22,700 


8,500 


187,000 


29,OOO 


950 


9,200 


12,800 


6,100 


130,000 


l6,000 


950 


9,400 


8,600 


8,600 125,000 


82,OOO 


950 


8,300 


9,000 


8,000 130,500 


93,000 


450 


5,700 


7,000 


9,600 109,000 


80,000 


750 


9,500 


8,400 11,000 185,000 50,000 


780 


12,500 


8,000 


7,800 130,000 


6,000 


1,000 


16,000 


8,000 


14,000 108,000 

'! 


12,000 



334 



VI. Einfuhr- Statist! k von Rauchwaren. 





Biber 


Baren 


Ottern 


Virg. 
Iltisse 


Zobel 


Wolfe 


1801 


116,500 


22,600 


21,000 


5,300 


23,000 


3,ooo 


1802 


140,000 


17,000 


19,000 


6,300 


20,000 


4,600 


1803 


93,200 


23,000 


17,000 


7,000 


32,OOO 


5,600 


1804 


110,000 


17,600 


20,000 


6,000 


25,OOO 


8,200 


1805 


91,300 


19,300 


15,000 


4,300 


13,800 


4,600 


1806 


106,000 


16,000 


12,000 


7,000 


54,000 


1,000 


1807 


114,000 


10,500 


8,400 


5,400 


46,000 


: 


1808 


94.200 


1,300 


7,000 


3,900 


10,000 





1809 


101,800 


550 


6,200 


3,ooo 


300 





1810 


101,100 


8,000 


3,500 


2,600 


500 


50 


1811 


80,000 


400 


2,200 


2,500 








1812 


93,000 


4,5oo 


7,8OO 


1,100 


600 





1813 


70,000 


7,000 


7,500 


2,300 





5,200 


1814 


67,000 


2,600 


7,000 


4,600 


25,000 


20O 


1815 


57,500 


2,500 


5,600 


2,500 


36,000 


100 


1816 


40,600 


7,000 


9,5oo 


3,500 


30,000 


1,000 


1817 


55,000 


3,4oo 


7,200 


3,700 


67,000 


3,100 


1818 


55,ooo 


3,800 


9,600 


3,900 


84,000 


2,000 


1819 


51,000 


5,5oo 


10,000 


4,000 


76,000 


1, 800 


1820 


56,000 


3,ooo 


6,000 


2,400 


105,000 


2,600 


1821 


58,300 


7,000 


8,500 


4,000 


80,000 


1,100 


1822 


65,652 


6,572 


9.47 1 


3,855 


103,098 


1,109 


1823 


10,016 


4,063 


3,096 


3,474 


26,254 


31 


1824 


2,616 


3,5i9 


1,740 


5,440 


33,898 


146 


1825 


9,677 


9,006 


2,600 


5,824 


38,054 


521 


1826 


5,923 


985i 


3,899 


5,829 


63,812 


900 


1827 


4,906 


5,958 


2,524 


6,847 


42,45i 


149 


1828 


12,581 


9,640 


1,440 


5,684 


82,257 


194 


1829 


9,388 


10,616 


4,148 


5,5i8 


66,738 


299 


1830 


7,332 


12,730 


7,5io 


7,140 


82,256 


750 


1831 


12,002 


8,789 


3,624 


8,920 


78,800 


727 


1832 


5,753 


13,564 


4,160 


n,i43 


57,i5i 


829 


i833 


17,871 


20,387 


5,645 


6,215 


53,687 


2,400 


1834 


13*641 


13,707 


3,920 


6,003 


59,24 


2,370 


1835 


3,3i8 


7,590 


2,922 


5,7oo 


5i,425 


2,041 


1836 


4,46o 


9,974 


2,840 


4,832 


53,8i4 


1,720 


1837 


17,065 


4,202 


10,848 


5,587 


55,78o 


1,750 


1838 


io,559 


5,080 


9,283 


5,i30 


56,245 


1,442 


1839 


9,024 


5,204 


1,380 


4,350 


71,300 


1,750 


1840 


975 


4,819 


7,359 


3,486 


58,900 


1,112 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



335 



Vielfrasse 


Luchse 


Nerze 


Fiichse 


Schuppen 


Bisam 


1,300 


18,000 


10,500 


29,000 


95,ooo 





1,400 


17,000 


10,000 


13,000 


145,000 


25,000 


1,400 


14,000 


12,000 


10,000 


150,000 


76,000 


1,300 


15,000 


I2,OOO 


9,000 


180,000 


93,000 


1,000 


8,800 


11,200 


9,100 


124,000 


66,100 


200 


5300 


15,000 


10,000 


125,000 


i5,5oo 


50 


6,200 


9,40O 


1,500 


80,000 


1,000 





5,8oo 


9,000 


1,000 


123,000 


5,400 


450 


5,900 


2,000 


200 


47,000 


15,000 


550 


2,800 


2OO 


800 


39,000 


9,000 











300 


28,000 


1,000 


1,500 


7,800 





4,800 


1,000 


21,000 


800 


4,000 


200 


1, 800 





68,000 


450 


1,700 


4,000 


1, 800 


3,000 


29,000 


IOO 


200 


4,610 


3,ooo 


19,000 


16,000 


200 


2,300 


9,000 


4,000 


45,000 


172,000 


850 


2,700 75<>0 


3,7oo 


15,000 


197,000 


300 


4,000 


9,000 


3,6oo 


15,000 


28,000 


500 


6,000 


11,000 


6,000 


30,000 


268,000 


4OO 


6,200 


7,500 


6,000 


i5,3oo 


44,000 


400 


10,000 


11,000 


13,000 


143,000 





394 


12,230 


31,435 


15,202 


151,622 


6,836 


33 


3,946 


24,149 


18,072 


79,390 


41,026 


6 


5,913 


19,837 


9,031 


42,834 


67,661 


12 


7,148 


42,617 


22,131 


52,643 


46,416 


43 


7,120 


55,901 


34,703 


83,257 


178,890 


12 


5,190 


44,963 


18,810 


76,405 


6,749 


37 


6,108 


64,855 


39,8i7 


79,415 


99,661 


28 


5,968 


60,560 


15,740 


110,340 


103,150 


16 


9,220 


90,550 


52,990 


172,470 


16,305 


25 


9,420 


102,882 


53,648 


209,497 


12,160 


7 


8,318 


95,712 


67,647 


347,552 


12,590 


v 138 


16,940 


93,216 


69,730 


363,288 


97,466 


557 


5,529 


96,550 


7i,425 


219,164 


47,279 


60 


2,486 


116,447 


61,994 


274,651 


68,332 


25 


8,982 


104,471 


62,699 


273,5io 


88,264 


15 


9,350 


78,689 


68,458 


204,106 


146,233 


ii 


6,766 


75,823 


58,375 


177,017 


405>77* 


10 


8,725 


95,700 


52,249 


250,100 


306,515 


14 


8,982 


101,450 


41,041 


283,088 


193,400 



336 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 





Biber 


Bar en 


Ottern 


Virg. 
Iltisse 


Zobel 


Wolfe 


Viel- 
frasse 


1841 


6,587 


6,360 


8,720 


6,135 


46,150 


3,300 


15 


1842 


5,638 


6,417 


7,136 


6,130 


39,650 


5,46o 


34 


1843 


12,022 


5,205 


7,550 


4,994 


37,963 


2,090 





1844 


736i 


6,152 


6,240 


5,370 


31,299 


375 





1845 


2,433 


4,485 


7,028 


6,197 


43,107 


i,553 





1846 


4,181 


7,3i6 


9,943 


6,949 


41,939 


3,690 





1847 


2,692 


447 1 


5,269 


6,398 


37,697 


1,120 





1848 


709 


3,269 


4,477 


5,066 


38,822 


8 4 





1849 


416 


3,7*9 


5,426 


3,899 


39,894 


1,834 





1850 


1,829 


3,666 


3,031 


5,437 


27,294 


235 





1851 


800 


3,528 


3,8i5 


4,998 


18,191 








1852 


850 


4,136 


4,604 


3,396 


27,171 


207 





1853 


3,211 


2,921 


3,208 


3,584 


15,422 








1854 


3,204 


3,220 


5,166 


2,588 


9,737 








1855 


6,681 


3,808 


6,263 


3,400 


15,090 








1856 


12,256 


3,46l 


5,592 


2,677 


15,966 








1857 


10,087 


3,644 


4,787 


3,96i 


i5,73i 








1858 


12,050 


3,596 


6,150 


3,218 


15,338 


2,073 





1859 


18,120 


4,758 


9,184 


5,286 


13,295 


1,835 





1860 


28,040 


4,320 


12,671 


4,943 


2i,555 








1861 


8,458 


2,132 


8,586 


3,342 


17,335 








1862 


9,004 


2,272 


8,202 


3,536 


22,260 








1863 


9,192 


3,760 


7,359 


2,997 


21,651 








1864 


14,035 


4,459 


6,566 


2,714 


2i,437 








1865 


6,998 


4,140 


5,78i 


1,560 


16,988 








1866 


4,779 


3,36i 


2,427 


1,725 


8,924 








1867 


8,93i 


3,630 


4,707 


3,69 


23,785 








1868 


5,292 


3,326 


4,502 


2,513 


21,037 








1869 


8,945 


3,387 


6,548 


4,982 


24,258 








1870 


52,526 


4,024 


7,169 


3,785 


3i,532 


38 


32 


1871 


40,891 


4,046 


5,012 


4,335 


29,515 


2,606 


232 


1872 


55,i34 


6,028 


5,759 


3,632 


31,487 


1,783 





1873 


63,781 


6,198 


8,037 


3,35i 


30,734 


2,208 


132 


1874 


60,694 


4,907 


5,727 


3,244 


31,672 


10,897 


21 


1875 


48,983 


5,624 


8,248 


3,820 


34,064 


3,351 


23 


1876 


37,670 


6,026 


6,689 


2,810 


30,503 


6,728 





1877 


44,057 


7,043 


7,074 


3,218 


39>589 


5,890 





1878 


33,258 


7,063 


6,039 


2,424 


21,390 


8,384 


195 


1879 


36,861 


7,347 


12,102 


4,009 


48,216 


3,091 


224 


1880 


52,641 


6,815 


7,749 


2,872 


32,548 


6,8 3 6 | 


268 



VI. Einfuhr-Statistik von Kaucliwaren. 



337 



Luchse 


Nerze 


Fiichse 


Schuppen 


Bisam 


Opossums 


Skunks 


14,210 


116,400 


6i,549 


357,200 


117,922 





t> 


9,580 


121,500 


63,316 


340,200 


74,224 








5,077 


118,860 


67,162 


392,474 


229,296 








3,852 


107,872 


59,495 


420,759 


221,532 








748 


156,976 


72,663 


406,709 


701,284 








854 


192,224 


72,631 


486,767 


891,674 








830 


178,688 


54,356 


423,757 


460,920 





627 ; 190,133 


48,949 


423,519 


389,455 





3,208 184,847 


61,114 


434,878 


674,740 


31,263 


3,386 167,675 


62,535 


507,142 


690,635 








5,465 


207,422 


55,i6o 


55i,i4o 


1,101,640 





' 


5,968 


181,712 


59,985 


560,544 


1,146,102 


14,444 





728 


193,005 


68,023 


507,061 


1,266,811 


14,334 





1,151 


153,798 


47,030 


485,022 


1,163,893 








750 


141,937 


54,oi3 


497,347 


1,472,319 


I3,H9 





1,207 


70,075 


61,035 


437,038 


933,!66 


83,807 





776 


79,698 


70,394 


475,909 


894,075 


55,303 





i,997 


100,596 


95,707 


467,522 


904,016 


17,387 


10,131 


3,942 


. 30,805 


77,219 


581,025 


1,209,744 


4i,5o8 


76,403 


4,067 


99,891 


75,649 


611,018 


1,657,438 


100,295 


138,376 


2,059 


70,218 


62,914 


527,054 


1,622,972 


52,284 


112,935 


2,668 


32,438 


43,159 


476,317 


1,762,742 


24,427 


27,765 


3,241 


33,647 


62,626 


475,637 


1,893,898 


89,579 


92,279 


2,293 


38,884 


52,286 


489,021 


1,919,666 


116,288 


133,939 


1,776 


17,948 


44,698 


437,763 


1,989,297 


i34,72i 


101,692 


4,019 


7, 56 


38,418 


383,346 


1,265,164 


218,144 


73,837 


19,764 


25,304 


121,101 


526,881 


2,470,917 


267,570 


134,652 


9,468 


29,429 


87,395 


285,735 


2,478,887 


160,133 


88,413 


10,779 


24,900 


99,408 


384,805 


2,679,302 166,752 


104,886 


11,830 


33,935 


77,493 


418,405 


3,361,874 


115,181 


107,603 


9,467 


12,201 


66,390 


406,749 


3,439,173 


93,417 


42,377 


982 


104,043 


117,186 


457,686 


3,028,649 


143,444 


203,699 


2,441 


5i,509 


90,726 


458,933 


2,171,265 


250,464 


261,542 


3,422 


48,912 


94,415 


395,178 


1,700,137 


149,862 


190,774 


3,659 


37,889 


119,506 


439,789 


2,235,946 


239,549 


241,704 


3,668 


72,448 


92,215 


514,863 


2,005,217 


251,260 


329,270 


9,323 


H5,943 


86,726 


525,344 


1,873,434 


217,306 


280,697 


4,824 


103,152 


72,839 382,074 


1,940,835 


310,538 


278,184 


10,063 


160,481 


116,373 546,104 


2,717,011 


355,589 


435,96i 


10,587 


178,339 


97,300 660,269 


3,142,445 


329,517 


509,051 



22 



338 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 





Biber 


Baren 


Ottern 


Virg. 
Iltisse 


Zobel 


Wolfe 


Viel- 

frasse 


1881 


58,241 


8,364 


9,019 


4,738 


36,172 


2,248 


597 


1882 


49,995 


8,449 


10,940 


2,958 


40,843 


2,289 


273 


1883 


33,266 


7,574 


6,704 


2,704 


33,724 


988 


1,562 


1884 


21,308 


7,016 


8,144 


2,708 


34,382 


524 


778 


1885 


20,670 


8,884 


7,139 | 


2,148 


27,354 


273 


419 


1886 


14,611 


9,058 


10,062 


3,297 


5i,873 


1,826 


460 


1887 


27,272 


8,423 


6,349 


2,700 


49,168 


6,420 


496 


1888 


21,667 


6,604 


4,292 


2,425 


3i,o57 


5,727 


441 


1889 


23,963 


10,564 


8,272 


3,387 


34,028 


6,858 


1,131 


1890 


17,798 


9,355 


8,595 


2.39 1 


29,111 


10,258 


682 


1891 11,693 


12,795 


7,334 


2,955 


38,412 


10,000 


738 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



339 



Luchse 


Nerze 



Fiichse 


Schuppen 


Bisam 


Opossums 


Skunks 


7,374 


170,620 


99,363 


632,270 


2,715,486 


299,568 


343,826 


4>769 


200,799 


104,580 


566,269 


2,169,922 


267,699 


438,672 


3,452 


127,701 


104,486 


401,536 


1,949,394 


183,160 


417,482 


2,926 


277,383 


124,312 


710,929 


3,000,879 


414,828 


589,850 


4,116 


226,272 


97,423 


595,ioi 


2,368,596 


411,636 


547,76o 


8,090 


331,120 


74,!43 


486,201 


2,064,288 


223,414 


468,284 


7,629 


314,726 


127,510 


399,352 


2,154,399 


230,499 


614,876 


8,938 


239,126 


86,337 


360,298 


1,271,263 


285,725 


509,941 


7,024 


166,803 


123,373 


579,551 


1,284,679 


265,704 


625,566 


4,092 


366,107 


H3,933 


705,559 


2,257,906 


591,174 


678,199 


6,496 


173,389 


106,755 


549,180 


1,396,103 


502,133 


554.815 



22 J 



340 -VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 


Einfuhrliste der Hudson's Bay 




1891 


1892 


i893 


1894 


1895 


1896 


1897 


1898 


1890 


Dachse 


3458 
11,561 
1,729 
225 

122 
5609 1 

5,070 

1 
2,656 

549 
11,119 
622 
9486 
8,266 
73,003 
41,030 
1,946 
784,077 
9,689 

340 
21,688 
130 
409 
1,505 
548 
10,117 
108 
1,690 
1,094 
20,039 
1,676 

703 
3,036 
61 

i,i39 
330 
1,087' 


2,574 
9,492 
1,270 
203 
62 
52,654 

4,765 

2,415 
305 
12,108 
611 
4,7" 
8,259 
97,692 

57,54i 

871 
928,686 
8,411 
356 
50,242 

195 
403 
1,369 

1,096 
9,166 

i,5i9 
949 
13,925 
i,47i 

283 
2,888 

46 

819' 

25 
239 


3,234 
7,474 

1,021 
2O2 
103 
46,054 

3,988 

2,622 
2O3 
16,031 

611 
3,217 
12,775 
108,915 
49,881 
1,164 

647,379 
7,335 
52i 

57,645 
130 
88 
1,905 
1,529 
6,834 

2,080 
874 

14,793 
i, 216 

198 
2,370 

53 

968 > 

22 

799 


1,801 
8,108 
1,044 
189 
42 
42,058 

3,509 

2,791 
128 
12,554 
693 
4,904 
19,460 

103,133 
46,923 
748 
646,202 
7,160 
383 
66,891 

564 

1,517 
600 

8,405 

1,400 

587 

i,333 

1,202 

I8 7 
1,805 
50 
436 
14 
71 


2,5l8 
8,176 

985 
209 
121 

49,131 
9,308 

4,059 

61 

4,657 

96 

20,388 

1,017 
6,617 

36,031 

101,902 
68,561 

477 
813,041 

8,785 
305 
60,915 

5i4 

1,588 
666 
13,503 

2,719 
536 

13,014 
2,100 
1,189 

59 
2,002 

46 
676 
6 
405 

22 


1,808 
8,670 
921 
196 

74 

48,i57 
8,316 

4,549 
42 
6,240 
184 
24,234 
1,364 
3,472 
53,163 
87,771 
72,346 

314 
53i,ioi 
9,016 
129 
81,770 
i,344 

2,276 

258 
17,646 

3,739 
708; 
18,664 
1,780 
1,824 

72 
i,423 
44 
327 
17 
320 

J 3 


1,238 
8,597 
923 
175 
132 

42,492 
5,725 
5,092 
44 
5,838 

59 
25,628 
1,310 
3,210 
41,660 
82,897 
68,476 

3i5 
565,204 
9,868 
209 
98,530 
5,95i 

2,623 
128 
16,426 

7,274 
918 

15,656 
1,956 

1,211 

71 
1,260 

50 
556 

6 
432 
24 


1,104 

8,345 
862 

155 
127 
32,908 

9,137 

4,609 
60 

4,845 
50 
20,532 
1,042 
6,668 
26,015 
63,046 
40,105 

450 
689,237 

9,631 
131 
5i,788 
2,652 

2,759 
9,610 

3,482 
860 

9,233 
1,284 

949 

103 

*>7*9 
42 

160 


1,2' 

8,5' 

8. 
i. 

I: 
42,4: 

13,4; 

4,0: 

3,2 

ii,6 
6. 
3-6- 
13,0' 
58,i 
39,2' 
5 
758,3 
9,2. 

18,3; 

13, 2< 
3,2< 

10,7' 

2,7< 

9< 
6,9< 
2,0: 
I ,5< 

< 

i,ei 


Schwarze Baren . 
Braune Baren . . 
Grisly-Bar en . . . 
Eis-Baren .... 
Biber ...... 


Hermeline .... 
Virg. Iltisse . . . 
Blau-Fiichse . . . 
Kreuz-Fuchse . . 
Kitt-Fiichse . . . 
Roth-Fiichse . . . 
Silber-Fiichse . . 
Weiss-Fiichse . . 
Luchse . . 


Zobel 


Nerze 


Moschusochsen . . 
Bisam ... 


Ottern 


Porpoise .... 
Kanin 


Schuppen .... 

Seals, fur ges. . . 
Seals, Hair trok. . 
Seals, Hair, Salted. 
Skunks . . 


Swan 


Wolfe 


Vielfrasse .... 
Bettfedern .... 
Bibergeil .... 
Eiderdaunen . . . 
Goose Swan 
Quills M. . . . 
Hausenblase . . . 
Tran, Tonnen . . 
Ges. Lachs, Fasser 
Ges. Lachs, Tonnen 
Walross-Zahne . . 
Forellen . . . 





VI. Einfuhr-Statistik von Ranch waren. 



341 



Company in London. 



1900 


1901 


1902 


1903 


1904 


1905 


1906 


1907 


1908 


1909 


1910 


647 


1,142 


816 


436 


288 


489 


5io 


34i 


182 


129 


140 


7> 2 93 


6,864 6,073 


6,080 


4,535 


4,841 


5,041 


4,i77 


4,100 


4,011 3,943 


723 


723 


661 


611 


418 


459 


495 


435 


388 


397 


387 


132 


148 


222 


183 


130 79 


98 


106 


i54 


122 


108 


59 


168 


95 


55 


5o 104 


149 


138 


60 


93 89 


40,246 


43,367| 47,129 


34,305 


29,656 


48,255 


49,402 


34,596 


29,803 


34,217 35,461 


11405 


16,144 33,144 


13,752 


6,779 


13,342 


'21,704 


25,633 


24,970 


26,872 34,194 


3>35<5 


3,734 


3,163 


2,600 


2,042 2,801 


3,010 


4,017 


4,668 


3,581 2,518 


23 


67 


77 


43 


i7 


18 


4i 


89 


64 


14 28 


i,359 


i,255 


1,704 


1,842 


2,i95 


3,626 


4,998 


5,444 


3,i73 


i,777' i,377 


5,9*9 


4,722' 4,663 


3,816 


4,597 


7,682 


12,140 


12,708 


7,5o8 


3,625 3,382 


278 


219 396 


321 


360 


599 


942 


i,o54 


653 


385 275 


2,903 


8,502! 10,554 


5,586 


4,694 


2,752 


6,536 


n,433 


6,749 


2,061 4,786 


4,356 


5,635! 6,979 


15,312 


28,661 


48,365 


58,97i 


61,338 


36,201 


9,664 8,856 


49>673 


52,599 70,824 


49,659 


33,282 


4i,245 


45,M6 


47,354 


34,734 


23,567 


29,015 


46,837 


45,389; 46,711 


35,536 


33,526 


47,235 


59,863 


39,129 


2i,473 


17,804 


10,969 


569 


267 


254 


329 


99 


92 


92 


45 


113 


107 


107 


918,447 


1,651,262 


1,458,459 


924,825 


1,057,272 


689,611 


691,118 


407,472 


172,318 


297,486 


541,584 


9,078 


8,620 


9,800 


5,729 


4,242 


9,843 


10,570 


7,177 


4,688 


6,35i 


5484 


82 


168 


324 


132 


30 


99 

















6,588 


5,857 


16,875 


790 


4,499 


36,637 

















9,067 


1,820 


910 


662 


397 


264 


281 


602 








140 


3,538 


3,042 


2,503 


1,112 


759 


1,223 


3,7o6 


1,152 


1,522 


1,766 


1,776 














146 




















5,96i 


5,755 


5,i3o 


5,404 


6,024 


9,032 


9,129 


11,581 


5,205 


1,561 





2,596 


i,34i 


1,760 


i,933 


i,i94 


i,555 


i,673 


2,783 


4,472 


3,836 


3,756 


710 


601 


640 


625 


402 


456 


504 


730 


894 760 718 


8,870 


9>i33 


13,193 


i,995 


3,278 


9,573 





. 





i>953 1,967 


2,158 


i,599 


1,149 


2,647 








. 


1,790 


2,34i 


760 


1,600 


1,059 











- 


138 


128 


151 


26 


28 


67 











2,090 


1,834 


i,853 


1,502 


1,156 


1,694 











52 


59 


40 


50 


44 


18 







, 





610 


57i 


515 


756 








_ 








2 


3 


i 











191 


223 


275 


394 


309 











~ 




















1 -~ ~~~ .: ~~ ; 



342 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauehwaren. 



Einfuhr amerikanischer Rauehwaren in London 
durch C. M. Lampson & Co. 1891 97. 




1891 


1892 1893 


1894 


1895 


1896 


1897 


Schuppen . . . 


548,074 


302,550 


543,529 


723,927 


652,786 


384,175 


502,702 


Bisam .... 


1,349.936 


1,368,328 


2,045,465 


2,773,865 


2,269,998 


2,161,419 


1,836,733 


Schwarze Bisam 


41,873 


48,277 


68,196 


64,869 


58,425 


61,190 


72,320 


Skunk .... 


554,7*4 


642,163 


537379 


7*4,355 


715,717 


822,929 


861,109 


Civetkatzen . . 





12,895 


18,020 


20,269 


27,377 


32,380 


28,449 


Amer. Opossum 


500,895 


219,138 


323,734 


357,398 


393,926 


251,800 


369,239 


Nerz 


173,476 


244,962 


212,203 


442,739 


359,624 


316,189 


370,304 




Amerik. Zobel . 


40,100 


56,956 


56,870 


94,142 


105,708 


85,539 


66,434 


Russ. Zobel . . 


9,235 


15,921 


21,518 


15,256 


27,397 


30,217 


21,717 


Japan. Zobel . 














6,212 


11,506 


J 4,749 


Rotfuchse . . 


67,172 


63,199 


87,867 


94,969 


109,733 


86,436 


79,39 


Kreuzfuchse . . 


2,95i 


2,363 


3,788 


4,020 


8,460 


5,106 


5,192 


Silberfuchse . . 


949 


747 


987 


1,127 


1,503 


i,425 


1,235 


Griesfiichse . . 


25,462 


19,979 


40,242 


20,683 


47,393 


28,578 


57,766 


Kittfiichse. . . 


998 


612 


701 


2,100 


1,112 


1,086 


386 


Weissfuchse . . 


5,387 


6,803 10,087 


12,569 


12,524 


13,018 


7,723 


Blaufuchse . . 


3,38i 


i,9 J 3 3,866 


2,232 


4,458 


i,749 


3,454 


Otter 


7,004 


6,706 6,195 


!5,379 


10,179 


9,5oo 


12,422 




Wildkatzen . . 


6,777 


4,903 9,219 


12,554 


18,889 


10,922 


19,066 


Hauskatzen . . 


19,079 


26,069 ; 20,620 


28,563 


35,343 


45,733 


38,656 


Luchse .... 


6,5i5 


2,114 ! 5,091 


13,697 


12,528 


19,401 


24,690 


Virg. Iltis . . 


2,950 


2,011 


3,5oo 


3,054 


3,35i 


3,030 


2,840 


Dachse .... 


5,i94 


3,357 3,044 


8,949 


8,109 


7,756 


6,454 


Biber 


11,499 


11,312 17,885 


23,395 


18,630 


16,155 


16,610 




Baren. . . . 


12,980 


18,410 17,432 


25,069 


26,259 


29,744 


21,502 




Wolfe .... 


12,609 


6,324 22,860 


33,099 


43,687 


3i,3i6 


42,870 


Russ. W T 61fe . . 





199 524 


559 


1,185 


679 





Vielfrass . . . 


755 


549 1,176 


765 


i,49 J 


1,003 


885 


Hair Seal, Dry 


7,99i 


9,937 5,6o8 


8,542 


10,013 


12,007 


9,467 


Fur Seal, Dry 


1,251 


2,024 1,909 


1,039 


888 


1,780 


3,162 


Feh 


43,205 


67,303 146,923 


66,000 


105,116 


130,053 


15,948 




Kolinsky . . 





4,i34 7,88i 


22,329 


18,568 


57,227 


20,841 


Grebe 


2,926 


1,476 870 


24,799 


7,694 


55,i62 


8,426 




Nutria .... 


*9>*77 


81,539 198,015 


76,128 


660 


887 


7,994 


Moschusochsen 








426 


170 


2 94 


305 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



343 



Einfuhr amerikanischer Rauchwaren in London 
durch C. M. Lampson & Co. 18981902. 





1898 


1899 


1900 


1901 


1902 


Schuppen .... 
Bisam 


250,100 

2 O20 743 


331,526 
2 17^ 67^ 


402,242 

2 7Q4 ^IO 


306,680 

2 2OI 121 


235,757 
2 Q=;8 ^08 


Schwarze Bisam . 
Skunk . . 


61,675 
471 840 


61,996 
40^,1^0 


",/ :TT, J AV 
68,465 
6O^,I7I 


88,208 
7OO 041 


85,866 

83^ 677 


Civetkatzen . . v 
Amer. Opossum . 
Nerz . . . . . .. 


I9>197 
205,548 
314 64O 


34,030 
168,062 
^O4,827 


65,5M 
176,530 
4 5 1, 406 


67,476 
215,736 
333,448 


.^OJ, w / / 

, I P2,955 
167,324 

2CK 7O2 


Amer. Zobel . . 
Russ. Zobel . V 
Rotfiichse . ^. ^. 
Kreuzfiichse . . -. 
Silberfuchse . 
Griesf iichse . .. - 
Kittfiichse. \ r . ...,-', 
Weissfuchse . > 
Blauf iichse . . .; 
Ottern . . ^. *" 


50,o8l 
29,903 
64,264 

3410 
1,215 

31,852 

345 

9,096 

3,179 
q 368 


30,666 
39,163 
58,398 
4,521 

1,693 
59,712 

2,451 
4,823 

4,443 

Q.Q^Q 


38,884 

39,619 
104,237 

4,531 

2,439 
68,246 

995 
12,533 

3,709 
14,040 


39,630 

35,723 
109,449 
2,971 

i,374 
29,638 

i,497 
19,932 

5,4n 
16,215 


**yji/*" 

46,791 
38,063 

43,992 
2,771 
826 
37,824 
1,327 
15,764 
3,141 
II.3OI 


Wildkatzen . . -,;'' 
Hauskatzen ..-'..>: . 
Luchse 


!7,O 
19,954 
35,154 

Q 426 


y'^Oy 
13,703 
66,819 

M,8^4 


45,497 
5i,474 

44,440 


29,621 
57,536 
18,222 


, 31,938 
60,258 
I2.3S3 


Virg. Iltis . . . 
Dachse ..... 


:?,T" fa ' v 
2,639 

4 1*56 


2,782 
8,270 


3,285 
6,538 


3,481 

7,878 


2,669 
IO,QI5 


Biber . ... 


IQ 26^ 


13 36^ 


I< 048 


17,655 


15,334 


Baren 


J -y>"*-'3 

17 874 


II 4^2 


!*> 373 


13,618 


I4.O3O 


Wolfe 


-*/ ,^/T' 
2^,622 


40,0^6 


3I,26l 


31,830 


36,502 


Vielfrass .... 
Hair Seal, Dry . 
Fur Seal, Dry 
Feh 


1,211 

6,450 
1,921 
62 4O8 


614 
1,358 

2,399 
41,383 


676 
7,325 

i,395 
32,858 


876 

3-831 
8 77 

40,637 


590 
6,829 

i>59 J 
20,387 


Moschusochsen 


60 


215 


74 


13 


23 



344 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



Einfuhr amerikanischer Rauchwaren in London 
durch C. M. Lampson & Co. 19031906. 





1903 


1904 1905 


1906 


Schuppen .... 


268,190 
2,979,460 
117,412 
948,447 

73,635 
168,396 
.253,001 
55,io6 

29,547 
62,052 

2,957 
670 

64,43i 
2,186 
20,341 
3,685 
14,757 
29,934 
78,227 
5,828 
2,535 
!3,543 
16,504 
12,834 

47,i39 
1,287 

9,663 
708 
142,501 
403 


323,465 
3,547,935 
76,877 
847,605 
60,173 

99,474 
235,378 
62,093 

13,830 
44,605 
2,929 
958 
36,4*6 

4,54i 
14,209 

3,858 
16,111 
22,065 
55,542 
17,657 
2,385 
8,625 
16,668 

10,135 
44,821 

i,i34 
6,757 

!,949 
181,177 


326,431 
3,428,505 
37,924 
776,933 
64,574 
273,677 
I45,H2 

I4,4i5 
19423 
63,666 

2,878 

997 
45,340 
5,129 

23,329 
3,533 
9,164 

13,031 
56,329 
21,521 

2,583 
13,207 

J 7>993 
9,3i8 
38,118 
588 

6,773 
1,850 
20,580 


262,951 
3,464,326 
44,342 

937,i9i 
120,486 
641,223 
264,011 

4,202 
22,147 
58,372 

5,527 
1,588 

53,969 
4,425 
14,850 
2,013 

5,943 
17,660 

94,524 
25,661 
4,026 

13,697 
16,267 

8,347 
46,761 

i,456 
7,840 
937 
24,758 

132,765 


Bisam .... 


Schwarze Bisam .... 
Skunk 


Civetkatzen 


Amer. Opossum .... 
Nerz . . . 


Amerik Zobel 


Russ. Zobel 


Rotfiichse 


Kreuzfiichse ... . . 


Silberfiichse . . . . 


Griesfiich.se . 


Kittfuchse 


Weissfuchse 


Blaufiichse 


Ottern 


Wildkatzen . 


Hauskatzen 


Luchse 


Virg. Iltis 


Dachse 


Biber 


Baren 


Wolfe .... 


Vielfrass 


Hair Seal, Dry .... 
Fur Seal, Dry .... 
Feh .... 


Moschuscchsen .... 
Hermelin . . 





VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



345 



Einfuhrliste amerikanischer Rauchwaren 
zu den Londoner Auktionen 1907 1910. 





1907 


1908 


1909 


1910 


Biber . . . . . . . . . 


l6 QQQ 


22.114 


2^ 703 




Bisam 


^,yyy 
q 7/ie qr)7 


3 846 60^ 


"O'/ W O 
q 166 OI4 


2 08^ 618 


Bisam schwarze 


O'/'T JO U / 
IA ^2Q 


^jv-f^-v^jvyvyj 

76 4OQ 


III 2^8 


64 O34 


Schuppen. ........ 


^'T'j^y 
l64 QQ7 


/Y~rv^ 

4^1.22^ 


q6^ ^74 


43Q 6Q=> 


Skunk ....... . . 


y*r*:7;7/ 

I T/17 ^7Q 


QIQ 60O 


O W J J/T^ 

7O4 8^O 


TO^'^Z/J 

I OQ3 ^1^ 


Civetkatzen . . . . i . . .- 


-*-- L T-/ p/ y 
118,840 


^ j -^>'-"- 

50,^68 


/ vyi t> > - y O Vj ' 

^0,464 


- L > v - / b'O'J J 

I*sQ 172 


Amerik. Opossum . . . 


^7Q 42O 


4QQ ^10 


^16.6^0 


643. IQO 


Nerze .... . V . . . 


J/ :/T - ^ V 
I7Q 4.6-d 


2Q8 IQ^ 


J ' J;7 
2OI "^^I 


IQ2 413 


Amerik Zobel . . . 


-*-/ :7'T- W T- 

2< qo8 


tfyt+yj 

^8 4^0 


22 823 


* ;7^T^ 3 

23 5l8 


Russ. Zobel . 


^JOV^ 
17 084 


O^'T-OV 

16,1^ 


12,882 


^o> j^ 
16,307 


Rot-Fiichse 


-^ / 'Z7 T^ 

8=; -i-ij 


110.7^^ 


66.Q3O 


67.046 


Kreuz-Fiichse . 


^J'OO/ 
Q 74Q 


V >/ JJ 

^ 6=i2 


3 2Q7 


2 7^0 


Silber-Fuchse . . . .... 


O'/T";? 

I,J28 


j>>'j-' 

1,207 


O'^y/ 

1,233 


*/ J:7 

986 


Gries-Fiichse ... ; * 


2^ 04^ 


41,8^6 


36,860 


3Q.7I3 


Kitt-Fiichse. ... . 


^J' y^O 
^665 


3,388 


3,8q8 


2O IQI 


Weiss-Fiichse / * 


>>-VViJ 

1^.^^^ 


25,818 


8,3Qi 


12,164 


Blau-Fiichse 


I 2^O 


3.312 


3,880 


2,8l4 


Ottern . .' .- . . ; '''.. . j : .'- 


J ->'**J vy 

Q 8^7 


14 778 


14.^14 


l8,3IO 


Wildkatzen 


:/' O/ 
16,865 


T"'/ /.X 
22,76O 


28,814 


46,015 


Hauskatzen 


71,8^7 


6^.Q6O 


80,781 


82,6l5 


Luchse 


/ -*-'^j/ 
22 062 


16 6^^ 


^,^04 


2,570 


Virg Iltis . . 


2 ^06 


4 7O^ 


6,3^ 


1.^21 


Vielfrass 


861 


T"'/ W J 

7IO 


835 


1,582 


Dachse 


10 28=1 


7,871 


4,484 


18,000 


Wolfe . . . / . ... 


2^ 8Q4 


^2.214 


54,564 


69,810 


Moschusoch sen 


"J V -':7T- 




85 


141 


Baren 


8,017 


I2,2Q5 


15,872 


10,823 


Hermelin . 


^ 17 / 

IQ^.^27 


248.300 


201,800 


203,785 



346 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



Einfuhr zu den Londoner Auktionen 




Australische 
Oppossum 


Kanguruh 


Wallaby 


Wombats 


Austral. 
Rot- 
fiichse 


Chines. 
Tibet- 
fell e 


1871 


18 029 


. 


_ 





. 


. . 


1872 


41,628 

















1873 


3 J 3,343 

















1874 


150 939 

















1875 


274 3ii 





, 








1876 


583,050 

















1877 


734,214 

















1878 


456,102 














1879 


465,526 














1880 


993,052 











' . 


1881 


1,493,236 














1882 


1,817,372 














1883 


934,944 








1884 


1,639,547 


, 





1885 


1,893,324 








1886 


1,999,194 








1887 


1,613,067 





1888 


!, 947,596 





1899 


3,169,571 


1890 


2,389,896 


1891 


2,259,316 





47,893 


44,629 2,397 


1892 


923,410 


20,561 


65,335 


53,o82 


5,548 


1893 


1,024,730 


42,538 


102,935 


209,833 


23,884 


1894 


1,466,654 


9,8l8 


124,870 


130,494 


16,551 


1895 


1,182,970 


436 


142,001 


64,952 


65,780 


1896 


1,043,055 


12,715 


255,221 


80,790 


53,057 


1897 


I,I72,I2O 


23,746 


235,426 


70,500 




1898 


1,264,293 


5,524 


177,758 


66,739 





67,849 


1899 


1,262,774 


5,620 


222,437 


170,697 





56,959 


1900 


814,929 


19,231 


312,287 


133,118 





32,623 


1901 


!, 193,650 


24,208 


478,615 


215,707 





17,269 


1902 


1,852,082 


21,843 


433,077 


157,497 





12,511 


1903 


2,455,765 


21,963 


520,087 


255,332 





15,507 


1904 


1,536,306 


5,059 


300,326 


99,900 





12,867 


1905 


2,498,564 


4,523 


347,659 


129,611 





884 


1906 


4,OO8,O58 


12,744 


735,621 


208,679 


16,696 


286,930 


1907 


3,284,301. 


16,320 


1,801,681 


168,512 


37,716 


641,647 


1908 


3,II4,9l6 


17,415 


594,419 


67,916 


68,019 553,827 


1909 


2,302,853 


9,110 


853,396 


104,855 


59,890 442,041 


1910 


297,217 15,874 792,304 11,606 


59,113 663,936 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



347 



von australischen und asiatischen Pelzwaren etc. 



Tibet 
Rocke u. 
Kreuze 


Kidkreuze 


Japan. 
Harder, 


Japan, u. 
chin. Nerze 
u. Wiesel 


Japan. 
Fiichse 


Afri- 
kanische 
Affen 


Chinchilla 
und 
Bastard- 
chinchilla 

















19,814 


25,734 














; 


26,814 


22,361 

















23>439 


20,563 

















23,7 J 9 


25,876 














.; ;) 


30,259 


31,221 








, 





-.--'~~--. -.; : 


23,163 


20,669 

















30,200 


16,581 





.- v':c 





.' P 





30,893 


27,176 














- 


50,211 


I3,7 J 4 

















84,257 


5,23i 














- 


98,935 


8,763 











. 


'"' : \ " 


93^340 


19,408 

















60,540 


25,956 











..'.. 


';.'' ?~ 


99^52 


4,665 








.; ,' 








91,981 


13,907 


: '"; 














113,369 


I7.053 





-;.:= ; 


&. ' % . : 


"<-V : - 





97.051 


3,926 

















178,695 


5,157 








V-:.: 





': 


223,599 


i,39i 


.:;'; 


&! 


i'| 


- ::; . 


: - - : 


I36>9 T 4 


2,775 





' ) 











215,996 


7>793 


1,688 





- \ 


2,986 


. ' : .' ! : :: '; 





44,253 


723 








1,000 








77,276 


1,581 








10,781 








52,691 


2,319 








1,527 








87,230 


6,390 








25,039 








138,865 


5,665 








25,457 








148,485 


10,503 





25,763 


25,683 








194,380 


456 





5,294 


9,7*7 


"'- 


-- -' 


39 I >97 


2,573 





22,095 


55,570 








356,214 


1,976 


. ' 


24,211 


50,197 





w 


336,652 


3,574 


- ", - 


38,310 


76,450 


- . " 





231,790 


5,33i 





13,728 





80,470 





136,580 


1,324 


. .>; 


17,509 





42,709 





111,042 


529 


$t< 


18,809 





84,703 





138,488 


58,922 


281,521 


i4,94i 


227,645 


29,590 





45.607 


29,334 


404,365 


27,841 


641,709 


78,950 





42,341 


37,143 


3M,429 


25,58i 


127,875 


51,584 


6,000 


58,244 


34,4oi 


348,569 


5,467 


95,939 


21,890 


8,000 


24,185 


13,692 


234,866 


22,918 


85,3i8 


39,616 


17,000 


18,767 



348 VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 

Einfuhr von Seeottern und Furseals nach London 

zur Auktion. 

Seeottern in: 

1871 1872 1873 1874 1875 1876 1877 1878 1879 1880 1881 1882 
3824 4307 5095 4920 4964 5059 5420 5253 5176 5583 5647 5680 

1883 1884 1885 1886 1887 1888 1889 1890 1891 1892 1893 1894 
5038 7903 4908 4804 4413 3511 2713 2392 2366 1306 1590 1434 



1895 1896 1897 1898 1899 I 9 I 9 I T 9 02 I 93 I 94 I 95 

1221 1059 1212 956 739 584 422 406 468 234 335 505 

1907 1908 1909 1910 

561 339 269 307 

Furseals in: 

1850 1851 1852 1853 1854 1855 1856 1857 1858 1859 

12,391 13,915 9348 16,193 9714 18,199 29,464 20,641 9423 14,471 



1860 1861 1862 1863 1864 ^65 1866 1867 

13,231 24,341 31,949 27,986 20,326 17,259 19,844 15,967 83,997 

1869 1870 1871 1872 1873 1874 1875 1876 

149,808 153*654 154,959 168,672 170,679 161,291 174,107 167,141 

1877 1878 1879 1880 1881 1882 1883 1884 

142,631 169,497 175,119 205,240 210,745 189,694 171,205 157,329 

1885 1886 1887 1888 1889 1890 1891 1892 

180,059 217,704 226,370 219,670 214,577 182,653 125,731 109,123 

1893 1894 1895 1896 1897 1898 1899 1900 1901 

147,047 112,253 102,759 70,579 5567 61,776 16,836 22,800 64,201 

1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 1909 1910 

20,692 70,137 35,636 65,811 68,757 49,104 74,277 49,744 44,608 



VI. Einfuhr-Statistik von "Rauchwaren. 



349 



Einfuhr von Rauchwaren nach London. 

1855- 





Aus den L 
Hudsonsba 

Zahl 


andern der 
y Company 

Wert 




Alaska, Ore 
etc. e 

Zahl 


jon, Kanada 
rtc. 

Wert 



Zobel 


136,513 
55,740 

288 

69,376 

346,955 
11,094 

4,9n 
480 

i,749 

8,227 
86 

4,646 
4,646 

15,392 
1,124 

5,633 

374 

8,961 
1,500 
5,945 

1,200 
1,084 
83,757 

5,800 
28,000 


122,540 
38,540 
5,400 
25,480 

6,540 

8,545 
6,840 
6,840 
4,838 

3,945 
172 

485 
1,248 

4,975 
840 
3,46o 

120 
22,480 

34 
6,743 
180 
228 
1,025 

160 

5,ooo 


12,245 
171,083 

163 
6,078 
1,229,536 

4,427 
3,174 
218 
920 

36,399 
5,o86 
15,826 
5,086 
354 

180 

5i8 
6,989 
3,206 
500 

200 
482,072 

2,095 

12,745 
34,00 


H,540 
12,305 

4,280 
4,78o 

23>054 
4,800 
2,256 
4,58o 
2,740 
16,240 
12,758 
1,825 
1,025 
120 

130 
23O 
2,005 

8,425 
10 
4 
65,240 

50 
1,875 

8,OOO 


Xerze 


Seeottern 


Biber 


Bisam 


Otter 


Virg. Iltis .... 
Silberfiichse. . . . 
Kreuzfiichse . . . 
Rotfuchse .... 
Blaufiichse .... 
Grisfiichse 
Kittfiichse .... 
Weissfiichse. . . . 
Wolfe ...... 


Vielfrasse .... 
Luchse 


Luchskatzen . . . 
Bar en . . 


Hermelin 
Skunk 


Schuppen . . 


Dachse 


Kaninchen .... 
Silberkaninchen . . 
Opossum . . 


Eichhornchen . . . 
Diverse 



Summa 



268,060 



180,268 



350 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



1875. 





Felle aus dc 
d. Hudson's ] 

Zahl 


jn Landern 
Bay Company 

Wert 



Felle aus Alaska 
u. den nordwe 
Staaten, von 
gekauft tmd in 

Zahl 


Kanada, Oregon 
stl. Vereinigten 
Kleinhandlern 
London verkauft 

Wert 




Zobel 


131, *54 
72,400 
223 

270,903 
416,833 
i3,58o 
3,558 
789 
786 

8,945 
169 

5,86o 
6,026 
3,056 

1,349 

13,242 
6,880 

3,489 
2,789 

7,i54 
15,005 
8,386 
60,520 

23 

180 

53,ooo 


173,500 
73,840 
5,48o 

293,850 
32,542 
38,762 
n, 200 
14,800 
3,870 

6,325 
460 

530 
2,100 
208 
1,580 
11,480 
23,500 
80 
1,860 
1,240 
300 
3,ooo 
5,68o 
50 
560 

18,000 


37,712 
39,245 
3,653 
52O 
65,941 
2,126,465 
8,725 

1,868 
75i 
i,45i 
75,365 
0,215 
25,602 

9,245 
2,072 
4,481 
1,248 

2,504 
6,796 
44,583 
275,943 
341,077 

12,522 
412,741 
5 

200 

165 

2,197 

16,733 
8,146 

143,653 

86,000 


38,563 
33,642 
102,580 
3,280 
48,647 
145,362 
24,460 
3,78o 
3,120 

6,587 

28,956 
6,084 
6,850 

1,640 

850 

2,180 
960 
1, 800 

22,540 

1,200 

81,540 

58,650 

4,540 
9,872 

IO 

580 
183 

2,650 

530 

IOO 

2,253 

22,000 


Nerze 


Seeottern 


Seeottern, junge . 
Biber 
Bisara 


Ottern 


Virg. Iltis .... 
Silberfuchse . . . . 
Kreuzfiichse . . . 
Rotfiichse .... 
Blaufiichse .... 
Grisfiichse .... 
Kittfuchse .... 
Weissfiichse. . . . 
Wolfe 


Vielfrasse .... 
Luchse . . . 


Baren . . 


Hermelin 


Skunk 


Schuppen 


Hirsche .... 


Dachse . . . 


Kaninchen .... 
Moschusochsen . . 
Bison . . 


Panther 
Luchskatzen . . . 
Silberkanin .... 
Eichhornchen . . . 
Opossum 


Diverse 




Summa 


773,457 





1,040,969 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 351 



Jahrliche Durchschnittsproduktion von Rauchwaren 
der Welt in den 3 Jahren 19071909. 

Der Wert der gesamten Produktion betrug per Jahr ca. 360 Millionen 
Mark wo von nach Leipzig fur ca. 160 Millionen Mark pro Jahr kam. 

Hierbei sind nicht einbegriffen die von Eingeborenen und Jagern fur eigenen 

Bedarf verwendeten Felle. 

I. Alphabetisch nach Arten geordnet. 

Baren-Arten. 

Eisbaren. 

Polargegenden, Asien, Europa ca. 600 Stuck, Amerika ca. 400 Stuck 

Grizzlybaren. 

Amerika 1200 Stuck . 

Braune Baren. 

Amerika 2000 Stuck, Asien 6000 Stuck. 

Schwarze Baren. 

Amerika 20 ooo Stuck, Asien 1000 Stuck. 

Gewohnliche braune Baren. 

Asien 3000 Stuck, Europa 2000 Stuck. 

Biber. 

Amerika 80 ooo Stuck, Asien ca. 1000 Stuck, Europa nur wenige Felle 

Nutria. 
Slid- Amerika ca. i Million Felle. 

Bisam. 

Amerika ca. 8 Millionen, russisch Bisam 2 3000 Stuck. 

Chinchilla. 
Peru (echte) 600 Stuck. 

Chinchillonas. 
Peru Bolivien 12 ooo Stuck. 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



Bastard. 

Bolivian 3000 Stuck, Chile 25 ooo Stuck, zusammen ca. 28 ooo Stiick. 

Dachse. 

Europa 100 ooo Stiick, Amerika 30 ooo Stiick, Asien, Japan, China 30 ooo Stiick. 

Feh. 

Sibirien ca. 15 Millionen Stuck und zwar Kasaner 8 Millionen, Lensky i Million, Obsky 
2 Millionen, Nerzinsky 2 Millionen, Jeneseisky 2 Millionen, China ca. 500 ooo St. 

Fehschweife. 

Sibirien: Nerzinsky, Sabailkalsky 12 ooo Kilo, Lensky 5000 Kilo, Jeneseisky 10 ooo Kilo, 
Obsky 10 ooo Kilo, Kasaner 30 ooo Kilo, China 2000 Kilo. 

Fiichse. 

Rotfiichse. 

Nord-Amerika 200 ooo, Sibirien 60 ooo, Russland 150 ooo, Mongolei, China und 
Japan 50 ooo, Australien 30 ooo, westliches und zentrales Asien 50 ooo, Nor- 
wegen 25 ooo, Deutschland 250 ooo, iibriges Europa 350 ooo Stiick. 

Karganerfiichse. 

Sibirien und Zentral- Asien 150 ooo Stiick. 

Kreuzfiichse. 

Amerika 15 ooo, Sibirien ca. 3000 Stiick. 

Griesfiichse. 

Nord-Amerika 50 ooo Stiick. 

Kittfiichse. 

Nord-Amerika 4000 Stiick, Zentral- Asien 60 ooo Stiick. 

W e i s s f ii c h s e. 

Asien 70 ooo Stiick, Amerika 30 ooo Stiick, Europa 5000 Stiick. 

Blaufiichse. 

Amerika 6000 Stiick, Sibirien 4000 Stiick, Nord-Europa 1000 Stiick. 

Silberfiichse. 

Amerika 4000 Stiick, Sibirien ca. 300 Stiick. 

Japan-Fiichse ( Viverrenhunde) . 

Japan (Tanucki) 80 ooo Stiick, China 150 ooo Stiick, Korea 30 ooo Stiick. 

Siidamerikanische Fiichse. 

Pampasfiichse und Patagonische Fiichse ca. 15 ooo Stiick. 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 353 

Hamster. 

Deutschland 2 Millionen, Osterreich-Ungarn % Million. 

Hasen. 

Polar-Hasen, Sibirien ca. 5 Millionen, Nord-Amerika 200 ooo Stuck. 

Hermelin. 

Amerika ca. 400 ooo Stuck, Sibirien 700 ooo Stuck, Europa ca. 10 ooo Stuck. 



Iltis. 

Europa, Deutschland 60 ooo Stuck, iibriges Europa 80 ooo Stuck, Russland und Sibirien 
150 ooo Stuck. 

Virg. Iltis. 
Amerika 10 ooo Stuck. 

Kanin (mir fur Kiirschnerzwecke) . 

Frankreich 30 Millionen Stuck, Belgien 20 Millionen, Deutschland */ t Million, Galizien 
und Russland i Million, Australien 20 Millionen. 



Katzen. 

Europa, Deutschland 120 ooo Stuck, Holland 200 ooo Stuck, iibriges Europa 150 ooo St., 
Russland 300 ooo Stuck, Asien, China und Japan 150 ooo Stuck, Amerika 
ca. 80 ooo Stuck. 

Kolinsky. 

Sibirische 150 ooo Stuck, Mandschurische ca. 50 ooo Stuck, chinesischeWiesel ca. 500 ooo 
Stuck, Japanische Nerze ca. 200 ooo Stuck. 



Luchse. 

Amerika im regelmassigen 10 jahrigen Turnus von 6000 100 ooo, Durchschnitt der 
letzten 3 Jahre 50 ooo, Sibirien 10 ooo, Siid- und Ost-Europa 10 ooo Stuck. 



Luchskatzen. 
Amerika ca. 40 ooo, Asien ca. 20 ooo Stuck. 

Wildkatzen. 
Siid- Amerika ca. 10 ooo, Asien ca. 40 ooo, Europa und westliches Asien ca. 10 ooo Stuck. 

23 



254 ! VI. Einf uhr- Statisti k von Rauchwaren, 

Marder. 
Baummarder. 

Europa: Norwegen und Schweden 20 ooo, Deutschland 50 ooo, Russlancl 
50 ooo, iibriges Europa 60 ooo, Nord-Asien 30 ooo Stuck. 

S teinmarder. 

Europa: Deutschland 100 ooo, Bosnien, Tiirkei etc. 50000, Russland 50000, 
iibriges Europa 150 ooo, Nord-Asien ca. 30 ooo Stuck. 



Murmel. 

Asien: Orenburger ca. i a /2 Million, Beisky ca. 2 l / z Million, Mongolei, Mandschurei und 
China ca. 500 ooo, Tabarganer ca. 5.0 ooo, Amcrika ca. 30 ooo Stuck. 



Nerze. 
Nord-Amerika ca. 600 ooo, Russland und S-ibirien ca. 40 ooo Stuck, Europa wenige Felle. 



Otter. 

Amerika 30000, Asien: Sibirien, Kamtschatka etc. 20000, China 30000, Japan 5000, 
Siid-Asien ca. 1000, Siid-Amerika ca. 5000, Afrika ca. 500, Europa 30 ooo Stuck. 



Opossum. 

Australien ca. 4 Millionen, Amerika ca. i Million Stiick. 

Persianer und schwarze Lammfelle. 

Zentral-Asien : Persianer i 1 / 2 Million Stiick, Breitschwanz 100 ooo Stiick. Russland und 
Zentral-Asien : Astrachan ca. i Million, Krimmer 60 ooo Stiick, Schiras und 
Salzfelle 200 ooo Stiick, 

Schuppen (Waschbar). 
Xord -Amerika ca. 600 ooo Stiick. 

Seals (Pelzseehunde). 

Alaska 15 ooo, N. W. ca. 20 ooo, Copper Island 10 ooo, Cap Horn 5000, Cap d. g. Hoft- 
nung 3000, Siidsee ca. 5000, Lobos 10 ooo Stiick. 

Seeotter. 

Nordl. Pacific ca. 400 Stiick. 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



355 



Skunks. 
Nord-Amerika i 1 / 2 Million, Siid-Amerika 5000 Stuck. 

Civetkatzen. 
Nord-Amerika ca. 100 ooo Stuck. 

Vielfrasse. 

Nord-Amerika 3000, Sibirien ca. 4000, Europa 1000 Stuck. 

Wolfe. 

Amerika: Wald-Wolfe 8000, Prairie 40000, Asien: Sibirien 10 ooo, China ca. 5000, 
Zentral-Asien und Russland etc. 6000, iibrige Europa ca. 1000 Stuck. 

Zobel. 

Amerika 120000, Sibirien ca. 70000, China ca. 20000, Japan (Sachalin) 5000 Stuck. 



II. Nach Erdteilen geordnet. 



Tiger 

Irbis 

Leoparden 5 ooo 

Nebelpanther 200 

Tiger- und Wildkatzen . . 40 ooo 

Luchse 10 ooo 

Hauskatzen 150 ooo 

Zibetkatzen 30 ooo 

Hunde 200 ooo 

Wolfe 10 ooo 

Rotfiichse 150 ooo 

Silberfuchse i ooo 

Kreuzfiichse 3 ooo 

Weissfuchse 20 ooo 

Kittfiichse .60 ooo 

Blaufiichse 4 ooo 

Karganer 150 ooo 

Nerze 20 ooo 

Schakale 5 ooo 

Seefiichse 260 ooo 

Zobel 95 ooo 

Baummarder 30 ooo 

Steinmarder 30 ooo 

Iltis 150 ooo 

Tigeriltis (Perwitzky) . . 3 ooo 



Asien. 

500 Stuck Kolinsky : . 200 ooo Stuck 

800 Chines, u. jap.Wiesel . . . 700 ooo ",/* 

Hermelin . ~. . 700000 ,, 

Vielfrass 4 ooo 

Dachse . . . 30000 

Pahmi 60 ooo 

Otter 60 ooo 

Baren, braune 6 ooo ,, 

Baren, schwarze . , ". . . I ooo . 
Gew. braune Baren ... 3 ooo 

Eisbaren 300 ,, 

Feh 15 Mill. 

Murmel ' ", . . 4 a /2 Mill. 

Suslicki . . . ..'.. . . VaMill. 

Biber i ooo 

Hasen 5 Mill. 

Rentier ca. 10 ooo 

Tibetlamm 500 ooo 

Ziegen 500 ooo 

Persianer 1^2 Mill. 

Astrachan i Mill. 

Zickel (Kid) 800 ooo 

Slink 100 ooo 

Fohlen 100 ooo 



Gesamtwert ca. no ooo ooo M. 



23' 



356 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchvraren. 



Luchse 

(im 10 jahrigen Turnus 
von 6 100 ooo steigend 
und fallend), 

Luchskatzen ^-"/' '.' '. . ] 

Hauskatzen 

Wald- Wolfe 

Prairie-Wolfe 

Rotfuchse 

Silberfiichse 

Kreuzfiichse 

Weissfiichse 

Blaufiichse 

Griesfiichse 

Kittfiichse 

Zobel . 



Virg. 
Nerz 



Iltis 



Nord-Amerika. 

50000 Stiick Hermelin V\>; X V-;! . . .400000 Stuck 
Vielfrass V',. v . . . . . . 3000 

Dachs. .i . \i> C 30000 

Skunks i 1 / 2 Mill. , t 

40 ooo ,, Civetkatzen 100 ooo 

80 ooo ,, Otter 30 ooo 

8000 ,, Waschbar (Schuppenj^ V- . 600 ooo 

40 ooo ,, Eisbaren 400 

200 ooo ,, Schwarze Baren 20 ooo 

4 ooo Braune Baren 3 ooo 

15 ooo Grizzly-Baren i 200 

30 ooo ,, Murmeltier 30 ooo ,, 

6000 ,, Biber . . 80000 

50 ooo ,, Bisam . ; . . .", 8 Mill. 

4 ooo Hasen 200 ooo 

120 ooo Opossum i Mill. 

10 ooo ,, Grebes 5 ooo 

60 ooo ,, Moschusochsen 500 ,, 



Gesarntproduktion ca. 100 Millionen Mark. 



(Die Stiickzahl der in den V. St. verarbeiteten Waren ist nicht genau zu schatzen. 
Verarbeitet wurden dort fur ca. 100 Millionen Mark, wovon ca. 50 Millionen vom Ausland 
eingefiihrte Felle, Ausfuhr V. St. ca. 40 Millionen, Kanada ca. 12 Millionen.) 



Jaguar 

Tiger- und Wildkatzen . . 
Pampas u. Patagon. Fiichse 
Hyrare (virg. Iltis) . . . 

Skunks 5 ooo 

Ottern 5 ooo 

Opossum 5 ooo 



Siid-Amerika. 

200 Stiick Nutria i Mill. Stuck 

10 ooo ,, Chinchilla, echt 600 

15 ooo ,, Chinchellonas 12 ooo 

500 ,, Bastard 28 ooo 

,, Guanacos 20 ooc 

Schmaschen 1 / 2 Mill. 



Gesamtwert ca. 8 Millionen Mark. 



Australian. 



Rotfuchse . 50 ooo Stiick 

Kanin 20 Mill. ,, 

Opossum 4 Mill. 

Ringtails 50000 

Kanguruh 50 ooo 



Wallabv. , . 800 ooo Stiick 



Beuteldachse 

Wombats 250 ooo 

Native Cats 10 ooo 

Beutelratten 20 ooo 



30 ooo 
5 ( 



Wert ca. 25 Millionen Mark. 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 357 

Europa incl. Europ. Russland. 

Wildkatzen 10 ooo Stiick Otter 30 ooo Stuck 

Katzen 470 ooo ,, Baren 2 ooo 

Luchse 10 ooo ,, Eisbaren 300 

Rotfiichse ca 800 ooo ,, Biber einige Felle 

Blaufiichse i ooo ,, Kanin ca 50 Mill. Stiick 

Weissfiichse 5 ooo ,, Hamster 2 Mill. 

Wolfe 6 ooo ,, Maulwurf i Mill. ,, 

Schakale 5000 ,, Schaffelle 3 Mill. 

Baummarder 180 ooo ,, Schmaschen . . " i Mill. 

Steinmarder 350 ooo ,, Lammfelle, Astrachan, 

Iltis 150 ooo Krimmer J / 2 Mill. 

Nerz . . 20 ooo Moufflon 300000 

Hermelin 10 ooo Grebes 100 ooo 

Vielfrass i ooo Ganse 60000 

Dachse 100 ooo ,, Schwane 10 ooo 

Gesamtwert ca. 100 Millionen Mark. 



Afrika. 

Affen 10 ooo Stiick Wildkatzen 5 ooo Stuck 

Lowen 200 ,, Schakale 10 ooo 

Leoparden 5 ooo /, Ottern 500 



Oceane. 

Seeotter .....*... 400 Stiick Seals 70 ooo Stiick 

Haarseehunde 300 ooo Stiick 

Gesamtwert ca. 9 Millionen Mark. 



Deutschland. 

Fiichse 250 ooo Stiick Ottern 10 ooo Stiick 

Steinmarder 100 ooo Katzen 120 ooo 

Baummarder 50 ooo Hamster 2 Mill. 

Iltis 60 ooo Kanin i Mill. 



in obigen Ziffern mir einbegriffen Wert,ca. _LO Millionen Mark. 

Osterreich-Ungarn. 

Fiichse 100 ooo Stiick Ottern 10 ooo Stiick 

Steinmarder 25 ooo Katzen 100 ooo ,, 

Baummarder 50 ooo Hamster Mill. 

Iltis 40 ooo 

in obigen Ziffern mit einbegriffen Wert ca. 5 Millionen Mark. 



358 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



Preisvergleichende Tabelle einiger Stapelartikel 
der Hudson's Bay Go. auf der Londoner Auktion. 



Jahr 


Bisam 
YF I 


Nerz 
YF II 


Rotfuchs 
YF I dunkel 


Luchs 
YF I gross 


1882 


8 d 




12/9 20 /- 


1883 


7% 


A l_ . 


H/3 25 /- 


1884 


7 3 /4 


4/9 


ii/3 


30,'- 


1885 


6 


2/5 


8/6 18/6 


1886 


7 3 /4 


3/io 10/6 35/10 


1887 


8% 3/8 io/8 


19/4 


1888 


9% 2/8 


10/3 20/9 


1889 


121/2 6/2 


16/8 30/4 


1890 ii 4/3 


I2/- 23/6 


1891 


- i2i/ 2 5/7 


i i/7 27/6 


1892 


7% 7/3 


I2/- 36/3 


1893 


8% I2/- 


I2/ 27/6 


1894 


9 5/io 


ii /3 i7/ 


: ' :> ; i895' 


9/ / 2 


6/6 


17/3 i8/- 


1896 


Il3 /4 5/6 


io/3 13/8 


1897 


10% 


: 6/ - 


io/3 


1 1/9 


1898 


9 7/9 


10 /II 


13/3 


1899 


8 


12/3 


20/5 


2I/ 


1900 


7% 10/7 


37/~ 


44/3 


1901- 


7% 


I0/- 


25/6 30/6 


1902 


6i/2 


10/7 


34 /- 55/- 


1903 


10% 1 1 /I 


33/~ 


92 /- 


1904 


I2.1/ 2 9/g 


28/- 


52/6 


1905 


8 l / 2 


18/4 


30/9 


54h 


1906 


i3 l /2 18/8 


31/6 


551- 


1907 


15% r:.7-- 2 .7/- 


o o /o 

oo/ ^ 


5i/3 


;- li =i? 9 .??, 


20% 21/6 


38 /- 


6 4 /- 


I 9P9.. 


23/2 ' , '23 /- 


61/6 


131/6 


1910 ; 


43*4. - 26 /- 


68/ 163/9 



V.I. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 35f) 



Preisvergleichungen fur einige Fellarten. 

Australische Opossum, Adelaide prima blaue, 1880 : 8 d., 1900 : 14 d., 1908 : 3 sh., 

1909: 4 sh., 1910: 8 sh. 

Wallaby, 1880: 3 bis 5 pence, 1900: i bis 3.sh., 19101,2 bis 7 sh. 
Kanguruh, 1880: 2 bis 6 d, 1900: 1/6 bis 2/6, 1910: 3 bis 6 sh. 
Wombats, 1880: 6 d, 1900: 1/6, 1910: 3 sh. , 

Native coats, 1880: 2 d, 1900: i sh, 1910: 2 sh. 

Bastardchinchilla, 1880: 3 sh, 1890: 1/6, 1900: 12 sh, 1905: 18, 1910: 40 sh. 
Japannerze, 1900: 50 Pfg., 1905: 80 Pfg., 1910: 2,50 M. 
China weasel ohne Schweife, 1900: 28 Pfg., 1905: 70 Pfg., 1910: 1,40 M. 
Japanmarder, 1890: 1,50 M., 1900: 6 M., 1905: io.M., 1910: 16 M 
Japanfiichse, 1890: 3,50 M., 1900: 6 M., 1910: 17 M. 
Skunk, das beste Loos 1900: 8/6, 1908: 13/6, 1909: i8/, 1910: 297, 

1911: 2I/. 

Rohe Persianer, 1890: 4 Rbl, 1900: 6 RbL, 1905: 8 Rbl., 1908: 9 Rbl., 

1909: 10 Rbl., 1910: 13 RbL 
Steinmarder, 1890: 6 M., 1895: 9 M., 1900: 12 M., 1905: 14 M., 1908: 

22 M., 1909: 26 M., 1910: 28 M. 
Murmel, Orenburger, 1890: 40 PI, 1900: 50 PL, 1904: 80 PL, 1905: 1,80 M., 

1906: i,4oM., 1907: i,6oM., 1908: 1,40 M., 1909: i, 80 M., 1910: 3,75 M. 
Schwarzfiichse, bestes Fell, 1880; 130 , 1890: 180 , 1900; 580 , 1905; 

220 , 1906: 320 , 1907: 440 , 1908: 460 , 1909: 310 , 1910: 540 . 
Seeotter, 1880: 120 , 1890: 160 , 1900: 280 , 1905: 205 , 1909: 

380 , IQIO: 350 . 



360 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



Preisliste der 

Januar 


Biber 
36 907 Stiick 


YF 


MKR 


No i 


22 j- -23/- 

I3/6-- 13/9 
21/6 22 /- 

13 A - 13/3 
20 / 20/6 

*3 / -13/3 
17/9 

8/9 

5/- 

21/6 

12/9 

2I/- 
I2/- 
15/9 

8/- 
16/9 17/3 
8/9 


21 /- 

12/9 

I9/- 20 /- 

n7- 

18/6 ig/- 
12/3 

13/9 14/3 
7/6 

5/- 

19/6 

"/- 

13/3 

i5/- 
9/- 


i klein 


2 


2 klein 


Pettier gross . 


klein 


No. 3 


,, 3 klein 


Cubs 


No. i feucht 


,, i ,, klein 


,,2 ,, 


,, 2 ,, klein 


3 


,,3 ,, klein ...... 


Beschadigt, gross. 


,, klein 





Bisam 
892 322 Stiick 


YF 


MKR 




No. i 


1/2 1/ I/2 3 / 


i ; 6 i/6 


1/ 


i klein 


- 1 / ^ /4 x / z /4 


I /2-f/i. 


/2 


>, 2 .... 


I /3 /2 /4 


T /-3/ - T 


^ 


,,3 


JO 3 / jj/ 


- 1 / A 


;I 


,,4 


^7 1/ 


A3/ 




Beschadigt 


7/4 
nV 


O /4 






v/2 


7 1 





VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



36i 



Hudson's Bay Co. 
1911. 



MR u EM 


FG 


EB 


Canada 


NW 


34/6 35 /- 


42/6 


32/- 


28/- 


25/6 


!8/- 18/6 


18/6 


17/9 


17/3 


I 4 /- 


30/6 31 /- 


3i/6 


26/- 26/6 


21 1 21/6 


2I/ 21/6 


16/6 - i7/- 


18/9 


i6/--i6/ 3 


i6/ 16/3 


H/---H/6 


28/- 





25/6 


22/6 


19/6 


16/9 17 /- 





17/9 


I5/6I5/9 


12/9 


18/9 19/3 


19/9 


i8/- 


I5/--I5/6 


14/9 


ii /3 


n/- 


ii 1- 


10/9 


9/- 


7/- 








6/6 














26/6 


23/- 











16/6 


13/3 


28/6 





24/6 


20/6 


16/6 








15/9 


13/6 











17/6 


i5/- 


i 4 /6 








10/9 


9/6 


8/- 


19/6 


18/9 


18/9 


i6/- - 16/3 


I4/- 


12/9 


I2/- 


9/9 


8/9 


8/6 



MR 


FG 


Canada 


N W 




II * 1 / ~r 1 A 1/ 


2/3 1 /2-2/4 


2/21/4 2/33/4 

i/6i/ 4 


I/I 3/4-1/2 
10% 




6% 


I/- 3 /4 


i/- % 
7A 
7% 


7A 
4% 





362 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



Preisliste der Auktion 

Marz-Auktion 





pts 


6529 Skins 
(1910 5484) 


Large 


Small 


Cub 




1911 


1910 


IQII 


1910 


1911 1910 


Otter 












YF ...... 


i*\- 


9 6/- 


62/- 


85 /- 
& cub 


Y F frischc . . 
MR 


94/- 
109 /- 
no/- 

135 /- 

97/6 

94 /- 
& sml. 

54 /- 


io8/- 
i 4 8/- 
146/8 
i8 4 /- 

I39/- 

127/2 
&c.&sml. 

68/- | 


7 6/- 
io8/- 
io6/- 
142 /- 
H4/- 
92 /- 


io6/- 
&c. &c. 

i54/- 92 /- i22/- 

1587- 

&c. 

i6o/- 

I38/- 


EM . . . . . 


F G . 


EB 


Canada .... 
N W . . 




2061 Skins 
(1910 1377) 


I st3 No. i 


Medium Pale 


Kreuz-Fiichse 










YF . . . . . . 
YF, &c. . . . 
MR 


130 / 
YF 

1707- 

205/- 
255A 

I. 

86 /- 


100 /- 

T70/- 

1707- 
150 A 


83 / 
YF 

IOO/- 
IOO/- 

94/- 


57/- 

7 o/- 
70 /- 

&c. 

<^ /. 


65 /- '49 /" 
pt. low 

7 6/- 

70 /- 
- 7 2/~ &C.44/- 

' /i ,1 /- 


EB 

Canada. . . . 


N W. 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



363 



der Hudson's Bay Co. 
1911. 



jjnds. 


jpds 




Large 


SmaU 


Large 


Srrtcill 


Cub 




1911 


1910 


1911 1910 


1911 


1910 


IQTI 


1910 


1911 


1910 








; 












&c. 


&c. 






687- 


86/ T 


58/- 


7 6 /- 


34/- 


4 8/- 


26 /- 34 /- 
&c. 


20 /- 


20 /- 






7*1- 


8 9/T 


6i/- 


88 /- 


32/- 
&c. 


4 6/- 


24/- ; 34/- 
&c. 


&C. 









9% 


130/3 


86 /- 


126 /- 


38/- 


56/- 


33/- 


&c. 


20 /- 
&C. 









9 6/- 


128;- 


88 j- 


128 / - 


5o/- 


741- 


36/- 


44/- 


44/-. 









108/6 


146/8 


H4/- 


148 /- 


5o/- 


56/- 
&c. 


30/- 


&c. 


_._ 









100 /- 


140/2 


..93/- 


142 /- 


62 /- 
&c. 


7 8/- 
&c. 


- 


5/- 










\ . 


77 h 
& sml. 


IGO/- 
&c.&sm 


72 /- 


IIO/- 


34/- 
&c. 


4 8/- 
&c. 





36/- 


- 







'W H 


44 /- 


50 /- 








32 /- 


44 /- 


2 4 /- 















jpds 


jjjrds 


IV th5 


jsts 


jpds 


jjpds 








Bastards 


Bastards 


Bastards 


6 9 /- 
YF 


4 6/- 


30/- 
YF 


22 /- 


,,- 


&c. 


58 /- 


52/- 


42,'- 


30/- 


&c. 





7?/ : 





30/- 


&C. 








&c. 





&c. 











7 o/- 


47/6 


21/7 


34/- 


1 ' 





5.8/- 





3/- 











7 2/-' 


/ 


3i /- 


' 








= ' 

























i 



















32/- 


_ 





_ 


_ 










____ 









364 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



29 260 Skins 
(1910 29015) 


U 

1911 


irge 
1910 


Small 
1911 [ 1910 


Pale 
1911 | 1910 


Amerik. Zobel 
YF ... 


62 /- 

&c.&sml 


64/8 


42 /- 


43/6 


5o/- 


45/9 




Y F Frische . . 


56 /- 6i/- 


44/- 


46 /- 507- 


MKR 


58 /- 55/4 37/- 


41 /- 


49/- 


45/4 


MR ... 


56 /- 58 /- 
101/6 112/6 
i 5 2/- i86/- 

102 /- 132 /- 


447- 

65 /- 

& pale 
7*1- 

8 4 /- 


6 9 /- 

&c. 

n8/- 

98 /- 

&c. 


44/- 
56/- 
6a/- 

52/- 


43/6 
56/- 
687- 

527- 


EM 


FG 
EB 




Canada 


44/~ ! 43A 
&sml. 


3*1- 


36/- 


35A 
&sml. 


3 6/6 


NW 


6 4 /- 


707- 





36/- 


43/- 


4541 Skins 
(1910 3382) 


I sts Dark 


Medium 


Pale 


Rotfuchs 
YF . . . 


6i/3 

707- 
68/- 


68/- 

777- 
80 /- 


56-7- 
56/- 


60 /- 


54/- 
50/6 

63/- 


56/8 
65 /- 


MR . . 


EB. . . 


Canada .... 


NW . 




&c. 
&*/- 


&c. 
661- 




&c. 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



365 



Small Pale 


jjnds 


jjpds 


Damaged 


IV- 




1911 


1910 


I9II 


1910 


1911 


1910 


1911 


1910 


I9II 


I9IO 




















&c. 








29 /- 
&c. 


31/4 


36/- 


41/10 


25/9 

&C. 


281- 


25/- 
&c. 


28/- 


71- 









26 /- 


33/- 


36/- 


4 o/- 


23/- 


28/- 


25/- 


327- 





&c. 






29/- 


3i/- 


35/- 


40/- 


25/~ 


28/- 


26 /- 


30/- 





8/- 






26 /- 


3i/- 


3i/- 


35 /- 


22 /- 


28/- 


3 o/- 


3<>/- 












32 /- 


357- 
&c. 


45/4 


52/9 


31/8 


36/- 


32/- 


37/- 


&c. 


&c. 






. 


38/- 


6i/- 


79/8 


32/- 


39/- 


40/- 


42/- 


9/~ 


I2/- 






32/- 


36/- 


47/9 


577- 


29A 


35/6 


39/- 


4i/- 












26/- 


277- 


26/4 


29/- 


2I/- 


24/4 
&c. 


26j- 

&c. 


24/- 


















35/- 


39/- 


27/- 


27/- 


20 /- 


25/-: - 









Low 


Greasy 
No. i 


Greasy- 
No. 2 


n nds 


nr ds 


IV th5 


52/- 


5 e/- 


60 /- 


6 9 /- 
&c. 


49/- 


56/- 


34/- 


391- 


n/4 


1 


5/- 


&c. 


&MR 


58/- 


6i/- 


70 /- 


57/- 





43/- 


4 6/- 


I2/- 


23/- 


s;- 


8A 


56/- 


6i/- 














4 6/- 


54/- 


23/- 


33 /- 











&c. 





&c. 











&c. 





&c. 





- "* 





6i/- 


63 /- 


63/- 








36/- 


4 6/- 





20 /- 









366 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 





2305 Skins 


Large 


Small Large Pal C 


(1910 2518) 


1911 


1910 1911 


1910 1911 


1910 


Virg. Iltis 












YF . . . . 


7i/- 


637- 


io6/- 


100 /- 54 /- 


557- 












&c. 


YF, frische 


1427- 


I22/- 


i68/- 


i;o/- 74 /- 


68 /- 










&c. 




MR ... 


I24/- 


122 j- 


I 7 6/- 


170;'- 66/- 















&c. 


Canada . . 


86 /- 


69 /- 


I58/- 


1447- 


54/- 




&c. 


&c. 


&c. 






NW ... 


94 7- 


7 8/- 


I74/- 


*54/- 


382 Skins 


I. II. 


(1910 275) 


1911 1910 1911 1910 




L st r. 


Silber-Fuchs 




YF . . . . 


24 1 60 38 200 180 230 


YF, frische. 


22 170 48 37 130 90 


MR .... 


16225 62310 175 135 


EB . . . . 


23 220 26 215 165 170 


Canada . . 


48 66 


N W . . . . 


16 279 30 140 105 140 


113 Skins 
(1910 28) 


I sts No. i I sts No. 2 II nd3 


Blau-Fuchs 




EB, &c. . 


907- 1057- 8 5 I35/- l8 7- 


14 646Skins 

(1910 4786) 


I sts No. i 


Greas}/ 
No. 2 , T 
No. i 


Weiss- 












Fuchs 










YF . . . 


47/6 


797- 


37/3 


59/- 42/7 


66/4 


LWR . . 


56/6 


8i/- 


45/6 


6 4 /- 497- 


68/4 










j 


&c. 


EB . . . 6i/- 94/ - 


4 8/- 


727- 59 /- 62 /- 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



367 





Small Pale II nd3 IIP ds 
1911 1910 1911 1910 1911 1910 


I05/- 

&c. 

7 2/- 

&c. 

7 6/- 


59 /- 56 /- 48 /- &IVi 4 A &c. 3 o/- 
&c. 

100 /- 6 4 /T 7 4 /- 20 /- 22 /- 

&c. 
6 4 /- 7 8/- 68/- 44 /- 

6 4 /- 58/- 4 8/- 40/- 
&c. &c. 

68/- 5 6/- 4 8/- 


III. IV. 

1911 1910 1911 1910 


Damaged 
1911 1910 


Lstr. 


9 

21 

50 
90 

9 
19 


32 26/- 

30 
15 

4 
4/10 

34 


16 16 

26 40 
19 6/10 
30 

22 

4 


jpds 


nr ds 

1 


50/-. 


I30/- n/- 


Greasy jjnds III rds IY ths 

No. 2 


36/6 
38.7- 

,44/" 


59/- 35 /- 58/9 22 /- 
58/8 37/3 59/- 26 /~ 
40 /- 61/4 277- 


36 /- ii /- i8/- 
43 /- 147- 177- 
3 6 /- J 3/3 



3 68 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



49 837 Skins 
(1910 34194) 


1911 


1911 








Hermelin 
Y F . . . . 
EB . . . . 
MR ... 


65 /- 7% 

85 /- i25/- 


95 /- I00 /- 
I35/- 








Canada . . 
NW ... 


751- 

80 /- 


85/- 

IIO/- 









32 944 Skins 
(1910 21666) 


Lage I ste 


Small 


jjnds 


Nerz 










YF . . . . 


27/6 


30/6 


19/3 


25/2 


I 9 /6 


Y F, frische 


35/7 


46/2 


28/11 


38/9 27/4 


MKR. . . 


33/9 


38/6 


26/- 


&C.35/- 22/2 


MR . . . 


30/10 


41/6 


27/6 


37 /- 22/- 


EB . . . . 


47/6 


6o/- 


32/6 


43 /- 


27/10 


Canada . . 


30/6 


38/- 


2 4 /- 


32 /- 18/10 








&c. 


N W In Hair 





27/- - 


23 /- 19/6 



2368 Skins 
(1910 3101) 


Large 


Small 


jjnds 

Large 


Wolf 
YF. . . . 
YF, &c. . 

NW . . . 


25/8 

26 /- 


25 /- 
4 6/- 
&c. 








i8/- 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



369 



jpds 


III rd3 


Mixed 


Damaged 


26 /- 


12/6 


I 4 /- 


24/6 


28/- 


10/3 


i3/- 


35/9 


13/5 


i8/- 


30/6 


32 /- 


14/6 


17/6 


2 7 /- 


7/- 


I0/- 


22/3 


24/6 


I0/- 


&C.I2/6 


28/9 


10/2 


I 4 /- I&C.20/- 





I2/- 


&c.i5/- 


36/- 


12/6 


I 4 /- 








12/6 















&c. 




25/6 


8/- 


13/6 








12/6 


12/6 










&c. 




&c. 


22 /- 10/6 


I0/- 





2I/- 





IO/- 



jjnds 

Large 


II. in hair 


I sts White 


I sts Blue 


19/6 


i8/- 


16/6 


_ 


_ 





7 2/- 





13 /- 





6i/- 





7 2/- 





_ 


i8/- 


&c. 


_ 








.. 



24 



37 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwareii. 



Preisliste der 

Marz-Auktion 



1290 Skins 
(1910 1518) 


Large 


Mid 


Small 


Ex. Small 


Large Cut 


Mid Cut 


Small C 


Hair Seal 
EB 


5/4 
4/4 


4/- 

3/- 


4/- 
3/6 


4/- 

2/- 


1/9 
i/6 


2/5 

i/5 























- 


LWR .... 
NW 






















91 Skins 
(1910 76) 


pts 


Small 


n nds 


II Small 


Damaged 


jjpds 


jyths 


Moschus-Ochsen 
YF 


280 /- 


3 8o/- 








220 j- 


320 /- 





&dmgd 

ii /- 


2I5/; 


I20/- 


& IV 
IO/- 


& IV 

i3/- 




_ 


81 Skins 
(1910 175) 


pts 


jpds 


Jjpds 










Dachs 
YF 


IO/- 


I 9 /- 


2/9 


_ 


_ 


4/3 



















3757 Skins 
(1910 3455) 


Large 


Middling 


Small 


Large Fine 


Luchs 
YF 

Y F, frische . . 

MR 


142 /- 

142 /- 

&c.&mid. 
i*6/- 


163/9 
i68/- 

150 /- 

T<zl /- 


I22/- 


131 /- 

&c. & sm. 

120 /- 

&c.&sm. 

TQ/1 /- 


68 /- 





&c. & mid. 

I54/- 
& EB 

& mid. 

i 4 8/- 


&c 
165 

174 
162 


EB, &c. ... 

Canada .... 

NW 



3757 Skins 
(1910 3455) 


Ope 


n 


Ilnds. ] 


^arge 


Ilnds. 


Mid. 


Ilnds. 


Small 


Luchs 


















YF 






TOO />> 


, 


1 


^ , 


6/1 /- 













Ov) / 


1~\J& j 


/ 


U 4/ 


ex v>. y o 


YF, frische . . 








130/10 


1407- 


114 /- 


I26/- 


68 /- 


9 6/- 


MR 






&C I / 












EB, &c. ... 


















Canada .... 











130 /- 





&c.n8/- 








NW 








I30/- 


I34/- 


& sml.io6/- 





_._ 






VJ. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



371 



Houdson's Bay Co. 
1911. 



896 Skins 
(1910 807) 


Open 


Cased 


II nds Open 


II nds Case 


Damaged 




Vielfrass 
Y F 





39/6 
& cin H'r 

44 /- 
& cin H'r 

36 /- 







20 /- 


29/6 

32 /- 







i6/- 
&c. 

I0/- 


2 7 /- 

i8/- 






EB 


NW 


1037 Skins 
(1910 1642) 


I sts Cased 


T ts Open 


F ts h.o. 


IF ds Cased 


II nds Ope 


Dama- 
ged 


Skunk 
Y F ...... 
YF, Fresh. . . 
Canada .... 


8/3 

12/6 


n/6 







IO/- 


5/6 

6/9 











i 8/ ~ 

" 



Mid. Fine 


Small Fine 


Large Low 


Midd. Low 


Small Low 





i 4 6/- 








&c. & mid. 
& sml. 

I 3 8/- 142 /- 





&c. & sn. 

I22/- 
















&EB 


&EB 











i54/- 
&c.&sm. 








140;'- 


n 


I28/- 


I38/- 





- 


- 


IS*/- 








140 /- 











II nds . in the hair 


jjrds 


III rds . in the hair 


jyths 


I 4 2/- 


I2 4 /- 


M 


66 /- 


49 /- 


&C.64/- 


3/6 


i7/- 


&C.I26/- 


I30/- 


44 /- 


86 /- 





' 


&C. 2/6 


&V8/- 
















inHair 


126 /- 


I36/- 








&C.40/- 


82/- 





io/- 














in Hair 




126 /- 


135/7 








60 /- 


91 /- 


/6 3 








&CI20/- 





74 A 





88 /- 








I32/- 


I26/- 


&c.39/- 


72 /- 











&c.i8/- 



372 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



4964 Skins 
(1910 4579) 


I. Rough 


I. Low 


I. Woolly 


II. Rough ! 
; Low 


Baren, schwarz 




&c. &c. 








&c. 


Y F ...... 


I23/- 


162 /- ii2/- *36/- 
MR&c. 


88 /- 
MR&c. 


96 /- 74/4 


8 1/6 


72 /- 


M R & Canada . 
NW 


128 /- 

128 /- 


i8o/- 




92 /- 
82 /- 


I02/- 

&c. 

80 /- 


65/6 

7S/- 


88 /- 

70 1 - 





4964 Skins 
(1910 4579) 


LSmallRough 


I. Small Woolly II. Small Rough Small 


Baren, schwarz 
YF 


58/- 
MR&c. 

74/- 


I28/- 

i52/- 


36/- 
MR &c. 

4 2 /- 


QO /- 

M R &c. 

8 4 /- 


50 /- 
M R &c. 

36/- 


60 /- 26 /- 
M R &c. 
86 /- 30 /- 

60 /- 24 /- 


M R & Canada . 
NW 



384 Skins 
(1910 453) 


I. Light I. E 


>ark I. & II. 




I. Low 


I. Wily. Lt. 


Baren, braun 
YF, &c.. . 


! ' : i i 
io8/- 92 /- ___ _ 


! 
50 /- 80 /- 


384 Skins 
(1910 453) 


II. Low IIP 


ds IV th3 


Sml. 


I. Woolly 


Sml. II. Rough 


Baren, braun 
Y F, &c. . . 


- ^ ~ i3/- 





Small 

36 /- 


I. Smal I. Smal I. Smal 
- 40 /- 28 /- 32 /- 


105 Skins 
(1910 95) 


I. Rough I. 


Woolly II. Rough 


II. Woolly Damaged 


Grizzly-Bar 
Y F . . . . 


I. I. 

62 /- 82 /- 


II. 

40 /- 


II. 

4 8/- 


i8/- i 28 / 



82 Skins 
(1910 71) 


1 
I. Large 


I. Mid. I. Small 

i 


Specimen 



L s t r. 



Eisbar 
F. &c. . . . 


ox Ige. 

3/15 


5A5 
8/15 


3/io 

I 2 6/10 


i/5 

2/15 


2 6 




16 




12/10 


2O 


II 


197 Skins 
(1910 266) 


p 


ts 


jpds 


III 


rcls 














Schuppen 
Canada . . 
NW, &c. . 


8/9 


7/- 


4/3 
6/9 


3/6 


2/3 















VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



373 







Low 


II. Woolly 


Damaged 


HI rds 


jyths 


Saren, schwarz 
F ...... ; 





60 /'- 80/3 


43/3 


49 /- 


26/- 


/- 


MR&c. 




R & Canada . 


II2/- 


72 /- 88 /- 


4i/5 


! 


i6/- 


26/- 


2/- 5/- 


W 




78 /- 66 /- 


33/5 


33/6 


21 /- 


26 /- 


3/- - 


4964 Skins 
(1910 4579) 


Woolly 


Small Damaged 


III. Small 


IV. Small 


Jaren, schwarz 
F 


43/- 
MR&c. 


| 


28 /- 
MR&c. 


4/6 10 /- 
MR&c. 


&c. &c. 
6d. i/- 




R & Canada . 


56/- 
&c. 


i7/- 
&e. 


io/- 


7/- 13 /- 
&c. 





w .... 


44/- 


7/- 


I 9 /- 


17 /- 


. 



384 Skins 
(1910 453) 


I. Wliy.Dk. 


II. Rg 


'h.Lt. 


II.Rgh.Dk. 


II. Wily. Lt. 


IL Wliy.Dk. 


aren, braun 
F, &c. . . 


90 /- 


j 

88/- 


36/- 


56/- 


54/- 


80 /- 


4 6/- 


4 6/- 


6 9 /- 


70 /- 


584 Skins 
IC )io 453) 


Sml. Il.Wlly. 


Sml.IH rds 


Sml 


jyths 












iren, braun 
F, &c. . . 





24/- 


M 

21- \ 2/- 



















105 Skins 
11910 95) 


III rd3 


jyths 


Small I & I 


Sml. II & Dgd. 




rizzlv-Bar 

F /, . . 


&IV. 

n/- 


8/- 








Sml. 

I2/- 


II & dmg. 

8/- 











82 Skins 
(1910 71) 1 


















Eisbar 

cSic. . . . 


, , v . . , . 5 jV" 


8/10 


10 4 


5/io 













374 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



Preise der Seal-Auktionen 

Marz 





Copper 

March 
1911 
average 


Island 

March 

1910 
average 


Large middlings 






Middlings 


io8/- 


n6/- 


Middlings and Smalls . . . 


n8/- 120 /- n8M 


140 /- 


Smalls . . . 


I30/- I^4./- I32/- 


T- W / 

i^6/- i6o/- 1^7/4. 


Large Pups 


122 /- 


I^2/- 14.2 /- I^S/6 


Middling Pups 


126 /- 128 /- 127 1 ^ 


14.2 /- 14.4 /- 142 /Q 


Small Pups 


02 /- 


II2/- 


Extra Small Pups 


y** / 




Middlings low . . . 


1 


80 /- 


Middlings and Smalls ,, ... 
Smalls ,, ... 


6 4 /- 
85/'- 


88 /- 90 /- 89 / 

I02/- 


Large Pups .... ,, ... 
Middling Pups ... ,, ... 
Small Pups .... 


82/- 

82/- 
76 /- 


92/- 

92 /- 
84 /- 


Extra Small Pups . ,, ... 
Wigs cut 


/ / 


W4 T/ 

1 


Middlings and Smalls ,, ... 
Smalls 


I02/- 

102 /- 


I20/- 

I^4/- 


Large Pups . 


!' 


J -OT - / 
I20/- 


Middling Pups ... ,, 
Small Pups .... 
Extra Small Pups . ,, ... 


100 /- 


Il6/- 

I04/- 



VI. Einfuhr-Statistik von Rauchwaren. 



375 



in London. 
1911. 



South Sea 



March 

1911 



December 
1910 



Cape Horn 



March 
1911 



January 
1911 



1247- 

142 /- 
1307- 1327- 



IOO/- 



747- 



90 /- 



I20/- 



1327- 162 /- 

182 /-I 

1447- 1567- 

122 /- 126 /- 



} 20 /- 26 /- 
30 /- 

68 /- 467- 

100 7- 72 /- 767- 
94/- 727- 



7 6/- 



6o> 



50 /-pt. cut 

847- pt. cut 
68 /- pt. cut 



100 /- 



7 8/- 



22 /- 



22/- 



947- 8/- 



6 4 /- 



Zweiter Band 



Naturgeschichte 
:: der Pelztiere :: 



I. 
Die Affen und Halbaffen. 



a) Affen. 



Von den am hochsten stehenden Saugetieren, den Affen, kommen nur 
wenige Art en fur den Pelzhandel in Betracht. In erster Linie stehen die auch 
im Pelzhandel einfach als ,, Monkey" bezeichneten schwarzen Colobusfelle von 
den Westkiisten Afrikas. Die besten Felle liefert Colobus vellerosus, auch 
Scheitelaffe genannt, der hauptsachlich an der Goldkiiste und im deutschen 
Togo lebt. Die Korperlange betragt 30 bis 50 cm, wozu noch der ca. 50 cm 
lange Schweif kommt, der aber bei den im Handel vorkommenden Fellen fast 
nie mehr vorhanden ist. Das Fell ist mit 5 bis 10 cm langen schwarzen seidig- 
glanzenden Haaren bedeckt, die von der Mitte aus nach beiden Seiten herab- 
fallen. Die Stirn und Wangen sind weiss, auf der Brust ein weisser Fleck, 
Beine schwarz, Unterseite und Innenseite der Oberschenkel grauweiss. Unter- 
wolle fehlt fast ganzlich. Der Schweif ist diinn behaart, weiss und mit einem 
Biischel am Ende. Die Tiere leben nur in dichten Waldungen, und sind jetzt 
seltener geworden. Friiher war das Pelzwerk, namentlich in Deutschland und 
Amerika, zu Muf fen sehr beliebt, mitunter auch zu breiten Besatzen verarbeitet. 
Vor 20 Jahren kamen noch jahrlich 100 ooo Stuck zum Export, dann liese 
es nach und in den letzten 10 Jahren kamen nur wenig. Seit 2 Jahren nehmen 
die Zufuhren aber wieder zu; es kommen jetzt jahrlich gegen 10 ooo Stuck. 
Wahrend der Hauptmodezeit wurde bis zu 20 Mk. per Stuck bezahlt, dann 
fiel der Preis allmahlich auf 5 sh, jetzt ist der Preis 1,6 bis 3 sh. 

Sehr ahnlich ist Colobus ur sinus von Sierra Leone, der etwas kleiner ist. 
Das ca. 10 bis 15 cm lange Haar ist grober und glanzloser, die Farbe 
schwarz bis auf die gelblich weissen Schultern, das Gesicht gran, der Schwanz, 
der gleichfalls eine Quaste tragt, ist weiss. Der gegen wartige Wert ist etwa 
I sh per Stuck. - - Der schonste Affe ist der Colobus guereza aus Abessinien, 
wahrend in Deutsch-Ostafrika eine sehr nahe verwandte Art vorkommt. Der 
schlanke Affe ist mit f einem, weichem, schwarzem Haar bedeckt, von den 
Schultern zieht sich zu beiden Seiten des Korpers eine lange Mahne hin, aus 
seidenweichen, ca. 20 cm langen weissen Haaren bestehend, die sich dann auf 
den Lenden wieder vereinigen, so eine sattelartige Zeichnung bildend. Der 
Schweif ist weiss, auch lang und dicht behaart, am hinteren Teil weiss und braun 
geringelt. Die Korperlange ist ca. 80 cm, der Schweif ca. i m lang. Die ost- 
afrikanische Art ist dichter behaart, die Schweif haare auch iiber 20 cm lang, 



Naturgeschichte der Pelztiere. 



Die schonen Felle werden zu Decken und zu Prunkstiickcn in den Schau- 
fenstern der Kiirschner verwendet, der Wert ist ca. 20 Mk. pro Stuck. Jahrlich 
werden einige hundert Stiick importiert. 

Von den iibrigen Affen sind noch sehr schon der amerikanische Briillaffe, 
von denen es zwei Arten gibt. Der rote Briillaffe, Mycetus seniculus, 
lebt in ganz Brasilien, in den dichten Waldungen, wo er sich in den Baum- 
wipfeln aufhalt und nur sehr selten den Erdboden beriihrt. Das 50 cm lange 
Fell ist rotlichgelb und mit dichten, prachtvoll seidig glanzenden Haaren be- 
deckt. Der Schweif ist ca. 60 cm lang. Die Mannchen haben eine Art 
knocherner Schalltrommel im Kehlkopf und stossen ein donnerndes Gebriill 
namentlich des Morgens, aus, was ihnen den Namen verschafft hat. Alljahrlich 
hat das Weibchen ein Junges, was gegeniiber den zahlreichen Feinden sehr 
wenig ist. Die Tigerkatzen, die Hyrare sowohl wie die grossen Raubvogel holen 
sich viele Opfer und auch der Mensch stellt den Tieren viel nach, da namentlich 
die Indianer das Fleisch sehr gem essen und auch das Fell vielfach verwenden. 
Die Affen werden mit besonders dazu abgerichteten Hunden aufgespiirt und 
entweder mit der Feuerwaffe oder dem Blasrohr erlegt. Da die Tiere das Wasser 
sehr scheuen und ein Fluss ein uniiberwindliches Hindernis fur sic darstellt, 
wird eine einmal aufgespiirte Herde sehr schnell vernichtet. Die Tiere sind 
denn auch in der letzten Zeit selten geworden. In den Handel kommen jahrlich 
einige Hundert Felle, die etwa 3 Mk. per Stiick wert sind und zu sehr schonen 
Decken verarbeitet werden. In Paraguay lebt Mycetes caraya, der schwarze 
Briillaffe, dessen dunkles Fell nicht so beliebt ist. 

Von asiatischen Affen ware noch zu nennen der Wanderu Macacus silenus y 
aus Indien mit ziemlich dichtem dunkelbraunem Pelz und weissem Kopf. 
Das ca. 50 cm lange Fell kommt gelegentlich in den Handel, doch werden im 
allgemeinen in Indien Affen tiberhaupt nicht getotet, so grossen Schaden sie 
auch anrichten. So sah ich selbst in Cawnpur haufig Affen mitten in den 
Strassen spazieren gehen, sich einfach aus den Verkaufsstanden der Bunians 
im Basar Friichte und Getreide nehmend, sich dann gravitatisch auf das 
nachste Dach schwingen und dort den Raub ungestort verzehren. Auch im 
Park von Delhi konnte ich haufig Scharen von Affen beobachten, die dort 
ungestort spielten. 

Ein sehr schones Affenfell wird vom Himalaja importiert; es ist dies 
Semnopithecus schsitaceus, blaugrau bis gelblichgrau, die Korperlange ca. 80 
bis 90 cm., das Haar seidenartig dicht und ca. 8 cm lang. Der Schweif ist ca. 50 
bis 60 cm lang, mit einer weissen Quaste am Ende. Die Unterseite ist heller 
und ohne Unterwolle. Hauptsachlich lebt das Tier in den Gebirgswaldern von 
Nepal undCashmers. Es kommen jahrlich einige Hundert Felle in den Handel, 
die Liebhaberwert haben. Ein wunderschones Fell kommt manchmal in China 
auf den Markt, doch habe ich die Art nicht feststellen konnen. Die Lange ist 
ca. i m bis 1,20 m ohne Schweif, das Haar fein seidig und silbergrau, 
ca. 10 cm auf dem Riicken lang. Man verlangte dort ca. 20 Mk. per Stiick. 



I. Affen und Halbaffen. 



383 



b) Halbaffen. 



Unter den Halbaffen finden sich viele, deren Fell sehr geeignet als Pelz- 
werk ware, doch kommt nur selten einmal ein Postchen an den Markt. Man 
unterscheidet die Halbaffen, die bekanntlich eine altere Entwicklungsstufe 
darstellen und zu den direkten Vorfahren der Affen geboren, in zwei Haupt- 
gruppen, die Makis und die Loris. Die Makis haben einen langgestreckten 
Fuchskopf mil grossen behaarten Ohren, langen buschigen Schweif, an den 
Hint erf iissen die Zehen meist nicht so lang, an den Vorderfiissen dagegen meist 
recht lange bewegliche Finger, die Arme und Beine sind ziemlich gleich lang. 
Hire Heimat ist Madagaskar und vereinzelt auch benachbarter Teile Afrikas. 
Sie sind sehr gewandt und in ihren Bewegungen durchaus affenartig. Die Loris 
sind plumper und langsamer in ihren Bewegungen, der Schwanz ist kiirzer 
oder fehlt ganz, die Augen sind auffallig gross, die Hinterbeine langer als die 
Vorderbeine. Ihre Heimat ist Indien und die benachbarten Inseln. Unter den 
Makis ist der schonste der Lemur catta, dessen Fell fur den Rauch- 
warenhandel auch Bedeutung erlangen konnte, wenn grossere Mengen an den 
Markt kamen. Das Fell, dessen Lange etwa 50 cm betragt, ist graurotlich, 
ahnlich an Farbe dem Kanguruh, sehr dicht und fein, die Schultern sind mehr 
aschfarben und die Unterseite, namentlich die Brust, weiss. Der Schweif ist 
ca. 35 bis 40 cm lang, buschig und in regelmassigen Abstanden schwarz und 
weiss geringelt, und zwar sind 15 Ringe vorhanden. Im Berliner Zoologischen 
Garten befinden sich eine ganze Anzahl dieser munteren Tiere, mit zahlreichen 
Jungen. Hier 1st das Tier, das in seiner Heimat Madagaskar ein Nachttier ist, 
zum Tagtier geworden und er- 
freut die Zuschauer durch seine 
lustigen Spiele. Besonders wer- 
den die im selben grossen Kafig 
befindlichen Giirteltiere die Ziel- 
scheibe ihres Mutwillens. Sehr 
schon ist auch der b u n t e 
V a r i , Lemur varius, mit 
feinem, dichtem, glanzendem 
Pelz, weiss mit grossen, unregel- 
massigen braunen Flecken, der 
starke, buschige Schweif ist 
braun. Das Tier ist etwas grosser 
als das vorige. Auch der rote 
V a r i von Madagaskar hat ein 
schones dichtes rotbraunes Fell 
mit langem Schweif. Im Handel 

kommen alle diese Felle bisher Gesch. speziaiaufn. d. Neuen photogr. 

nicht vor. Von den Loris haben Katta (Lemur catta) . 




^84 Naturgeschichte der Pelztiere. 

auch verschiedene sehr schone, fur den Pelzhandel geeignete Felle, kommen 
aber auch nur selten in den Handel. Gelegentlich kommen Felle des schonen, 
grauen Loris Nycticebus cinereus in den Handel. Das ausgewachsene Tier ist 
etwa 60 bis 70 cm lang, ohne Schweif, mit vollem, seidenweichem Haar, 
dunkelgelbbraun mit einem silbrigen Anflug und einem breiten silberfarbenen 
Riickenstreif, wo die Grannenhaare auch etwas langer sind. Die Unterwolle 
ist gelblich und seidenweich. Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, einen 
Posten von ca. 100 Fellen von jungen Nycticebus zu sehen und zu bestimmen. 
Diese Felle, die etwa 15 cm lang waren, ahnelten an Feinheit des Haares den 
Chinchilla; der Kaufer hatte ursprunglich ca. 2 Mk. per Stuck bezahlt, was in 
Anbetracht der Schonheit des Felles sehr billig zu nennen ist. Das Tier ist in 
seiner Heimat Siam und Cochinchina durchaus nicht selten, seiner nachtlichen 
Lebensweise halber aber schwer zu fangen. 



II. 
Die Katzenarten. 



a) Lowen. 



Die Hauptheimat der Lowen 1st Afrika. Es gehoren durchaus nicht alle 
Lowen einer Art an. 

Der schonste aller afrikanischen Lowen ist oder war eigentlich Felis leo 
barbarus, der Berberlowe, der jetzt fast ganz ausgerottet ist. Diese Lowenart 
war es, von der der beruhmte Lowen jager Jules Gerard 600 wahrend seines 
Lebens erlegte. Zwar werden heute noch manchmal eifrige Tourist en zur 
Lowenjagd in Algier oder Tunis verleitet, aber der Lowe fehlt stets. Die 
Farbung des Berberlowen ist rotlich gelb, Kopf, Hals und Brust ist mit einer 
sehr dichten langen Marine umgeben, die vorn bis zur Handwurzel und hinten 
bis zur Halfte des Riickens reicht. Auch der Unterleib ist dicht behaart. Diese 
rotlich gelbe Marine ist dicht mit schwarzen Haaren untermischt, die haufig 
sogar iiberwiegen. Der 'Schweif ist gegen das Ende zu dunner, die Schwanz- 
quaste nicht sehr stark. Die Tiere gewahren einen prachtvollen Anblick; ihre 
Felle sind sehr wertvoll. 

Bedeu tend grosser ist Felis leo capensis, der Kaplowe, der auch schon selten 
geworden ist. Im eigentlichen Kaplande kommt er iiberhaupt nicht mehr vor, 
da er den Orangestrom nach Siiden nicht iiberschreitet, nur in Transvaal, 
Rhodesia, Zambesi, auch in Siidwestafrika findet er sich, aber vereinzelt. 
Der Kopf ist breit, mit stumpfer Schnauze, Mahne lang und dunkel, aber nicht 
so dicht und ausgedehnt wie beim Berberlowen. 

Felis leo senegalensis, von Nordwestafrika, ist bedeutend kleiner als der 
Berberlowe. Mahne aus glatterem, straff em Haar, weniger dicht und kiirzer, 
auch nicht so weit nach hinten reichend, lauft nach hinten in eine Spitze aus. 
Die Bauchmahne und Haarbiischel am Ellbogen fehlen. Die Korperfarbe ist 
rotlich gelb, die Mahne einfach gelb. 

Felis leosomaliensis,d.er ostafrikanischeLowe, ist heute noch am zahlreichsten 
von alien Lowenarten, und kommen auch dessen Felle am haufigsten zu uns. 
Das Tier ist gross und schlank, die Mahne meist etwas schwach entwickelt. 

Im ostlichen Zentralafrika wird er durch den M a s s a i lowen, Felis leo 
massaicus, vertreten, ein langgestrecktes Tier mit flachem Riicken, sehr lang- 
beinig und stetskenntlichan der nach hinten lagernden wie aus der Stirn ge- 

25* 



388 



Naturgeschichtc der Pelztiere. 




Gesch. Spezialaufn. d. Neuen Photogr. Ges. 
Somali-Lowe (Felts leo somalensis). 



kammten Mahne. Geradc 
unter den Masailowcn finden 
sich noch sehr zahlreiche 
, ,Menschen fresser ' ' . 

Im Kamerungcbiet ist 
noch cine andcrc Lowenart, 
Felis leo Kamptsii, die ich 
aber nicht kcnne. 

In Asien kommt zuglcich 
die kleinste und die grosstc 
Lowenart vor, Felis leo per- 
sicus^ der persische Lowe, ist 
die kleinste. Die Farbe dcs 
Korpers ist hell isabellfarbcn. 
Die dunkelbraune, mil ein- 
zelnen schwarzen Haaren 
untermischte Mahne besteht 
aus straff en, glatten Haaren, 



reicht aber nicht weit iiber die Schulter ruckwarts und auch nicht tief auf 
die Brust. Auch der Unterleib ist mit einer langen Mahne versehen. Es ist 
dies dieselbe Lowenart, die noch in historischer Zeit Siidosteuropa bewohnte. 
Die Lowenbandiger verwenden auch bei ihren Produktionen mit Vorliebe 
persische Lowen, da sie den verhaltnismassig sanftesten Charakter haben 
sollen. In ihrer Heimat, dem siidlichen Persien, sind sie heute ziemlich selten. 

Die grosste Lowenart, die es iiberhaupt heute gibt, lebt in Indien. Es ist 
dies der Lowe von Guzzerate, Felis leo goojratensis. Friiher wurde derselbe auch 
der ,,Mahnenlose" genannt, und zwar deshalb, weil die ersten Exemplare, die 
nach Europa kamen, keine Mahne hatten; es waren dies aber zufallig Aus- 
nahmen. Das Tier hat eine kraftig entwickelte Mahne, die aus krausen Haaren 
gebildet, Kopf und Hals umgibt, auf dem Scheitel beginnend, sich bis zum 
Widerrist hinzieht, wo sie scharf abgegrenzt ist und sich schief nach den Ellen- 
bogen zu verlangert. Stirn und Scheitelhaar sind gestraubt. Langs der Mitte 
des Oberhalses ist ein 10 cm hoher Kamm aus steilen Haaren, an der Hals- 
seite ist das Haar nach vorn gerichtet, an der Unter- und Vorderseite des Halses 
biischelartig herabhangend. Die Schwanzquaste ist langer als bei den anderen 
Lowenarten, die Farbung ist hellgelb. Die Weibchen sind stets auffallig klein, 
wahrend die Mannchen, wie schon erwahnt, ungewohnlich gross sind. 

Die Tiere sind sehr selten auch in dem Gebiet, in dem sie ausschliesslich 
vorkommen, dem nordwestlichen Teile Indiens. Es gibt nur wenige Europaer 
in Indien, die jemals ein Fell eines Guzerratelowen gesehen haben. Die Lebens- 
weise der Lowen ist zu allgemein bekannt, um hier ausfiihrlich daruber zu 
schreiben, die verschiedenen Arten verhalten sich aber auch in ihren Ge- 
wohnheiten verschieden. So lebt der Berberlowe und auch der Senegallowe 



II. Die Katzenarten. 



stets paarweise und die Jungen trennen sich, sobald sie einigermassen er- 
wachsen sind, von den Eltern, wahrend in Ostafrika schon Rudel von 10 und 
mehr Lowen beobachtet wurden. Im allgemeinen stellen sie dem Wilde 
nachts an der Tranke nach, und wo Viehreichtum ist, bevorzugen sie die Haus- 
tierherden zu ihrer Nahrung. An denMenschen gehen meist nur alte Exemplare, 
denen die Verfolgung von Wild oder Vieh schon schwer fallt. Solche Exemplare 
halten sich dann gewohnlich in der Nahe der Dorfer auf und werden eine 
formliche Landplage. Die Masailowen sind aber dafur beriichtigt, dass auch 
jiingere kraftige Tiere mil Vorliebe Menschenraub treiben. So holte vor kurzem 
ein solcher Lowe einen schlafenden Passagier mitten aus einem haltenden Zuge 
der Ugandabahn heraus. Die Nachbarschaft der Station Nairobi ist durch 
die Lowenplage beriichtigt. 

In Ostafrika sind augenblicklich noch Lowen sehr zahlreich, und kommen 
die meisten aus der Wildnis stammenden Lowenfelle daher. Diese sind aber 
nicht so gut als die aus Zoologischen Garten und Menagerien stammenden Felle. 
Wahrend ein Lowe mit guterMahne, dessen Fell aus einem Zoologischen Garten 
stammt, ca. 1000 Mark wert ist, holt ein ostafrikanisches Fell 3 400 Mk. 
Lowinnenfelle sind etwa 50 Mk. wert und auch dann schwer verkauflich. 

Im ganzen kommen jahrlich etwa 100 Lowenfelle in den Handel, da 
europaische Jager die Felle der erlegten Tiere fast stets selbst als Trophaen 
behalten. Verwendung finden Lowenfelle nur als Teppiche und zu Aus- 
stellungsdekorationen. Die Lowin hat gewohnlich 2 bis 3 Junge im Jahr, mit 
denen sie etwa 100 Tage tragend geht. Die Jungen sind bei der Geburt etwa so 
gross wie eine kleine Hauskatze und wachsen langsam. Mit 3 Jahren erhalten 
sie den ersten Ansatz zur Mahne und sind mit 5 bis 6 Jahren ausge wachsen. 
Sie konnen sehr alt werden, so war z. B. in Berlin ein Lowe fast 50 Jahre 
in der Gefangenschaft. 

Er pflanzt sich auch 
in der Gefangenschaft 
leicht fort. Der Schaden, 
den dieTiereinbewohnten 
Gegenden anrichten, ist 
sehr bedeutend. Die fran- 
zosische Regierung bc- 
zifferte den Schaden eincs 
einzigen Lowen auf 
20 ooo Frank jahrlich an 
geraubtem Vieh. Im Su- 
dan iiberspringt der Lowe 
die oft 12 bis 15 Fuss 
hohen Dornverhaue der 
Seriben, in denen dasVieh Gesch - speziaiaufn. d. Neuen Phot. 

des nachts gehalten wird Ostafrikanischer Lowe. 




3QO Naturgeschichte der Pelztiere. 

und kehrt mil eincr Beute, einem jungen Ochscn und dergleichen auf dcm- 
sclben Wege wicder zuriick. Nur Feuer schrecken ihn zuruck, doch umkrcist 
or in Siidafrika haufig die Lagerstatten der Karawane, urn di-rch sein Gcbrull 
die Zugtiere zu erschrecken und zum Ausbrechen aus dem Feuerkreise zu ver- 
anlassen. Ubrigens wird der Lowe von alien grossen Katzenarten am leichtesten 
zahm. Am Hofe des Negus von Abessinien werden stets zahme Lowen gehalten, 
und auch bei den altcn Romern wurden zahme Lowen haufig bei Hofe gehalten. 
Bekannt 1st, in welch grossen Mengen Lowen bei den Kampfspielen des alien 
Roms verwendet wurden. Julius Casar Hess auf einmal 600 gatulische Lowen 
miteinander kampfen. Diese kamen alle aus Nordafrika. 



b) Puma. 



In Amerika wird der Lowe durch eine einfarbige Katzenart vertreten, 
den Puma oder Cuguar, der die ausgedehnteste Verbreitung von alien amerika- 
nischen Saugetieren hat, indem er von der Siidgrenze Kanadas bis zum Feuer- 
land vorkommt, und zwar vom Pacific bis an die atlantische Kiiste. 

Es ist aber nicht eine geschlossene Art, sondern man unterscheidet Felis 
couguar in Kanada und dem Osten der Vereinigten Staaten, Felis hippolestes 
in Wyoming und Colorado, Felis olympica in Washington, Britisch Columbia, 
Oregon und Kalifornien, Felis brownii in Arizona, Felis corryii in Florida. 
Felis aztecica in Mexiko, Felis costaricensis in Zentralamerika, Felis bangsii in 
Kolumbien, Felis concolor in Brasilien und .Bolivien, Paraguay und nordliche 
La Plata, Felis patagonica im westlichen Patagonien, Felis pearsonii im sud- 
lichen Patagonien, Felis puma in Chile. Alle diese Art en weichen voneinander 
ab, doch wechselt auch innerhalb der einzelnen Arten und Distrikte die Farbung 
stark vom hellen Bleigrau bis zum dunklen Rot. 

Im allgemeinen kann man aber annehmen, dass in den nordamerikanischen 
Pumas die blaue, in den sudamerikanischen die rotliche Farbe vorwiegt. 
Roosevelt erlegte in Colorado zu gleicher Zeit ausgewachseneMannchen, die von 
der Schnauzc bis zur Schwanzspitze 8 Fuss massen und 227 Pfund wogen, und 
solcho, die nur 6 Fuss lang waren und 105 Pfund wogcn. Auch besitzt der 
Berliner Zoologische Garten einen Puma aus Patagonien, der ganz hellfarbig 
ist, wahrend ich Felle aus derselben Gegend gesehen habe, die dunkelrot braun 
waren. Jodenfalls ist der Puma stets einfarbig, langgestreckt mil nicdrigen 
Boinon, kleinem runden Kopf und langem Schweif . Das Haar ist kurz, client und 
glatt und aus den siidlichsten und nordlichsten Gegenden naturlich raucher. 
1m allgemeinen ist das Fell fur den Rauchwarenhandel nicht viel wert, 
hochstens 10 Mk. per Stiick. In Nordamerika wird das Tier meistens falschlich 
,, Panther" genannt, im West en ,,Mountainlion"(Bergl6we),in Mexiko undSiid- 
amerika einfach ,,Leon", Lowe. Die Lebensweise ist auch verschieden, und zwar 



II. Die Katzenarten. 



39* 



sowohl in den einzelnen Gegenden als unter den Individuen. So beschreibt 
Roosevelt dieselben als dem Menschen gegeniiber im allgemeinen harmlos, 
berichtet aber doch mehrere Falle, wo der Puma Menschen, namentlich Kinder, 
angegriffen habe. Wenn in die Enge getrieben, setzt er sich natiirlich auch dem 
Jager gegeniiber zu Wehr. In Siidamerika ist nach Darwin der Puma in 
Argentinien dem Menschen niemals gefahrlich, in Chile dagegen, wo er iibrigens 
bis zu 10 ooo Fuss Meereshohe in die Cordilleren steigt, soil er dagegen haufig 
Menschen angreifen. 

Das Tier richtet uberall, wo es vorkommt, grossen Schaden an. In wild- 
reichen Gegenden stellt es hauptsachlich dem Wilde nach, in Sudamerika 
sind die Guanacos, Hirsche und Strausse und die hohlenbauenden Vizcachas 
seine Hauptbeute. Wo es aber Gelegenheit hat, richtet es unter den Herden 
grosse Verheerungen an. Namentlich Pferde bilden seine Lieblingsnahrung ; 
aber auch Kalber, Schafe und Schweine fallen ihm zahlreich zum Opfer. Das 
Tier kommt noch uberall ziemlich zahlreich vor und ist so schlau, dass es 
schwer zu vertilgen ist. Der Purschgang mit der Biichse bietet wenig Erfolg, 
da es kaum zu Gesicht zu bekommen ist. Fallen meidet es auch sorgfaltig, 
doch fallt es oft dem Strychnin zum Opfer. 

Ein sehr beliebter Sport besteht darin, den Puma mit besonders dazu 
abgerichteten Hunden zu hetzen ; in Nordamerika wird der Panther dann meist 
auf einen Baum getrieben, und mit der Kugel heruntergeholt. In Sudamerika 
wird er mit Bolas und Lasso erlegt. Vom sudamerikanischen Puma wird be- 
richtet, dass er fast nie einen Ruf ausstossen wird, in Nordamerika dagegen 
rufen sich die Geschlechter wahrend der Paarungszeit und auch zu anderen 
Zeiten soil er auf seinen nachtlichen Schleichwegen einen Ruf ausstossen, der 
dem Klagen eines kleinen Kindes gleicht. In Sudamerika erlegt er meist seine 
Beute, indem er ihr auf den Nacken springt und mit der Pranke den Kopf ruck- 
warts biegt, so das Genick brechend. Nach Roosevelt aber gebraucht er sowohl 
seine Vordertatzen zum Schlagen wie eine Katze, als auch sein machtiges Gebiss 
zum Beissen. Den Hunden gegeniiber setzt er sich haufig zur Wehr, indem er 
sich auf den Riicken wirft und mit den Hintertatzen den Hunden den Bauch 
aufschlitzt. Hat er eine Beute erlegt, die er nicht auf einmal verzehren kann, 
so bcdeckt er den Rest mit Zweigen und verbirgt sich in der Niihe. Sehr haufig 
wird er dann durch die in der Umgebung lauernden Kondore und Aasgeier ver- 
raten. Von den Gauchos wird das Fleisch des Puma gegessen, und Darwin, der 
dasselbe auch kostete, vergleicht es mit Kalbfleisch. 

Die Pumas werden in der Gefangenschaft oft ganz zahm und ahneln dann 
in ihrem ganzen Gebaren den Hauskatzen. Im Berliner Zoologischen Garten 
sind Pumas erfolgreich mit Leoparden gekreuzt worden. Im ganzen komnu-n 
jiihrlich.nur einige hundert Felle in den Handel, trotz der grossen Zahl er- 
legter Felle, die aber nur zu Fussdocken und Wagendecken Verwcndung linden. 
Die meisten Staaten der U. S. von Amerika geben hohe Pramicn fur crlegte 
Pumas, 15 bis 20 Dollar Gold pro Skalp. 



392 Naturgeschichte der Pelztiere. 



c) Jaguarundi und Eyra. 



In Amerika kommen noch zwei wilde Arten einfarbiger Katzen vor. Der 
Jaguarundi bewohnt Siidamerika von Paraguay bis Panama und wird nordlich 
hiervon durch eine verwandte Art, F. yaguarendi tolteca, vertreten, die Mexiko 
bewohnt und bis zum Rio Grande in Texas geht. Der Jaguarundi ist ein lang- 
gestrecktes schlankes Tier, von Schnauze bis Schwanzwurzel 55 60 cm lang 
und 50 bis 60 cm langem Schweif, der mehr an einen Harder als an eine 
Katze erinnert. Die Farbung ist dunkelblauschwarz. Die einzelnen Grannen- 
haare aber sind schwarz und gelb geringelt, die Spitzen dunkelbraun. 

Das Tier lebt hauptsachlich von kleinen Saugetieren, Agutis, Kaninchen, 
Mausen, Hirschkalbern, Vogeln usw. Es besucht auch haufig Geflugelhofe, 
um Hiihner zu rauben. Dem Menschen geht es aus dem Wege und greift ihn 
auch in die Enge getrieben nicht an. Meist lebt es in einem bestimmten 
Distrikt paarweise, doch sammeln sich manchmal mehrere Paare in cinem 
giinstigen Jagdterrain. 

Der mexikanischc Jaguarundi ist hell gefarbt, statt der schwarzgrauen 
und rotlichen Farben tritt hier mehr blassgelb hervor. Der Kopf ist grau. 

Das Fell kommt fast gar nicht in den Handel und hat auch keinen be- 
sonderen Wert. 

In denselben Gegenden lebt die Eyra, Felis eyra, auch im Zoologischen 
Garten oft falschlich als Fossa-Katze (Felis fossata) bezeichnet, die direkt 
einen Ubergang von den Katzen zu den Mardern bildet. Der Korper ist 
ungemein langgestreckt, die Beine niedrig, der Kopf klein, die Korperlange 
5 55 cm > der Schwanz 30 bis 40 cm. Die Tiere werden fast nie zahm und 
sind ungemein blutdiirstig, wie unser Marder und Iltis. Das Fell ist graugelb 
bis rotlichgelb einfarbig und hat keinen Handelswert. Das Tier geht nordlich 
bis Texas, siidlich bis Paraguay, und ist stets an Waldgebiet gebunden. 



d) Tiger. 



Auch von dieser schonen Katze, deren Heimat ausschliesslich Asien bildet, 
gibt es verschiedene scharf unterschiedene Arten. Die am langsten bekannte 
Art ist der bengalische Tiger, Felis tigris bengalensis, der Vorderindien be- 
wohnt, vom Himalaja bis zur Siidspitze und noch heute, trotz aller Nach- 
stellungen, recht haufig ist. Trotzdem kann man viele Jahre in Indien leben, 
ohne einen Tiger zu Gesicht zu bekommen. Das schone dunkel rotbraune Fell 
mit den schwarzen unregelmassigen Querstreifen, ist der Farbe des Dschungels 
und namentlich dem Spiel von Sonnc und Schatten so angepasst, dass er fast 
unsichtbar bleibt. 

Das ausgewachsene Mannchen besitzt einen starken Backenbart, der auch 
als Mahne bezeichnet wird. Das Fell des indischen Tigers ist stets flach, die 



II. Die Katzenarten. 



393 



Haare kurz und die Unterwolle sehr wenig dicht, am Bauch 1st die Behaarung 
etwas langer. Seinen Lieblingsaufenthalt bildet der sich am Fuss der Gebirge 
hinziehende Waldgiirtel der ,,Terai", aber auch weit vom Walde entfernt 
tauchen Tiger auf. 

Im allgemeinen gehen sie demMenschen aus dem Wege und stellen mehr 
dem Wild und dem weidenden Vieh nach. Auch hierbei werden sie 6ft ers von 
den wehrhaften Biiffeln bose zugerichtet. Beim Herannahen eines Tigers 
fliichtet sich der Hirt auch personlich unter seine Buffelherde, um ungefahrdet 
zu entkommen. Einzelne Tiger aber, meist altere Exemplare, werden zu so- 
genannten ,,maneaters", und legen sich nun ausschliesslich auf die Menschen- 




Bcngal Tiger (Felts tigris Bengalenzes) . 



gez. v. Anna Matschie-Held. 



jagd, indem sie in der Nahe der Strasse sich auf die Lauer legen, und nachts 
selbst in die Dorfer brechen, um ihre Opfer zu holen. Ganze Dorfer mussten 
schon verlassen werden wegen der Nahe eines solchen Maneaters, die iibrigens 
auch haufig paarweise auf tret en. Die englische Regierung zahlt hohe Pramien 
fur die Erlegung jeden Tigers, die Zahl derselben ist dadurch auch stark 
zuriickgegangen. Immerhin sollen noch jetzt jahrlich mehrere Tausend 
Menschen den Tigern zum Opfer fallen. In den meist en Dorfern ist ein berufs- 
massiger Jager, ,, Shikaree", vorhanden, der hauptsachlich die Gegend von 
gefahrlichen Raubtieren freihalten soil. Dies Amt ist in der Familie erblich. 
Besonders gute Tiger jager liefern die Angehorigen der vordravidischen Stamme, 
z. B. die Ghonds und andere. 

Die meisten Tiger werden aber von den englischen Offizieren und Beamten 
erlegt, bci denen dies der beliebteste und am hochsten stehende Sport ist. 
Auch die indischen Fiirsten betreiben die Tiger jagden im grossen Stil, als 



394 



Naturgeschichte der Pelztiere. 



Treibjagd mittels Elefanten. Beriihmt sind die Tiger jagden des Nabobs von 
Kutsch Behar, des Maharadja von Jeypore und des Nizam von Hydarabad. 
Diese Treibjagden, wobei der Jager hoch oben in der Howdah des Elefanten 
sitzt, sind meist wenig gefahrlich fur den Teilnehmer, aber wegen des grossen 
Apparats sehr kostspielig. Die englischen Sportsleute erlegen den Tiger mit 
der Biichse auf dem Anstande oder auf dem Purschgange zu Fuss, nachdem 
die Nahe eines Tigers gemeldet ist. 

Der Tiger ist iibrigens der Todesgottin Kali heilig, der Schutzpatronin 
der Thugs. Der indische Tiger halt sehr lange in der Gefangenschaft aus. Im 
Berliner Zoologischen Garten lebt ein riesiger bengalischer Tiger schon iiber 
20 Jahre. Auch im Zoologischen Garten von Kalkutta sah ich Exemplare, die 
dort schon gegen 30 Jahre gefangen gehalten wurden. Den grossten Tiger aber, 
der wohl eine Lange von 12 Fuss von der Schnauze bis zur Schwanzspitze hatte, 
sah ich im Garten des Maharadja von Jeypore. 

Von den bengalischen Tigerfellen gelangen nicht viele in den Grosshandel. 
Die von den europaischen Sportsleuten erbeuteten Felle verbleiben natur- 
gema'ss in deren Besitz als Trophaen, wahrend die von den eingeborenen 
Shikaree erlegten Felle in den Basaren von Kalkutta, Simla, Delhi usw. meist 
an die Touristen verkauft werden. Es geht sogar das Geriicht, dass einzelne 
solcher Tigerfelle nachher als ,,selbsterlegt" mitgebracht wurden. 

Der Handelswert eines guten bengalischen Tigerfelles ist etwa 100 Mk. 
Aus den Klauen werden namentlich in Benares sehr schone Broschen und 
Ohrringe gefertigt. 

Etwas abweichend in derFarbe ist der Tiger, der Hinterindien, Birma, Siam, 
Cochinchina und die Malakkahalbinsel bewohnt. Er ist heller in der Grundfarbe 
und die dunklen Streifen sehmaler. Vom Festland aus, namentlich vomFursten- 

tum Johore aus, durch- 

y * , I I I WBHHHBl| schwimmen noch jetzt 

Tiger den schmalenMeeres- 
raum nach Singapore und 
machen die Plantagen die- 
ser schonen Insel unsicher. 
Friiher geschah dies in sehr 
grossem Umfange, aber 
auch jetzt noch kommen 
jahrlich 3 oder 4 Tiger nach 
der Insel. Bei meiner letz- 
ten Anwesenheit dort war 
ein Tiger von den Sikhpoli- 
zisten erlegt worden, der 
in ein Chincsenhaus dcr 
Vorstadt von Singapore 
eingedrungen war. 




Indischer Schneeleopard. 



II. Die Katzenarten. 



395 



Eine eigene Rasse bildet der Inseltiger, Felis tigris sondaicus, der auf 
Sumatra und Java lebt. Er 1st viel kleiner als der bengalische, die Grundfarbe 
ein belles, ins Graue spielende Gelb, die schwarzen Streifen viel schmaler 
und in weiteren Zwischenraumen. Das Fell ist glatt, glanzend und kurzhaarig, 
der Schweif kiirzer und diinner als beim bengalischen Tiger. Auch dieser Tiger 
richtet sehr grossen Schaden an, ist aber auf Java durch die vielen Nach- 
stellungen seltener geworden, auch finden sich hier Menschenfresser-Tiger 
seltener, da ihm die vielen Wildschweine eine leichte Beute liefern. 

In Ostasien findet sich der Tiger, Felts tigris, chinesisch Lao Fu oder Lao 
Hu, koreanisch Huran, in alien Gebieten des Kontinents, d. h. vom Siiden 
Chinas bis uber den Amur hinaus, und auf Korea ; dagegen fehlt er auf Japan. 
Auf der Insel Hainan soil er nicht selten vorkommen. Schrenck behauptet, dass 
einzelne Exemplare auch auf Sachalin umherstreifen, doch bezweifle ich dies. 




|.; 

i 

gez. v. Anna Matschie-Held. 
Java Tiger (Felis tigris sondaicus). 

Es sind mehrere Rassen des Tigers in Ostasien scharf zu unterscheiden. 

i. Der sudliche,im Handel Amoy-Tiger genannte. Er kommt 
in den Provinzen Kwangsi, Kwantung, Yunnan, Fokien, Anhui, Kiangsee 
und vereinzelt auch in Chekiang vor. In Grosse und Habitus ahnelt er dem 
bengalischen Tiger, weicht aber in der Farbe stark von ihm ab. Die Grund- 
farbe ist viel heller und gelblicher, und die Streifen sind schmaler, zahlreicher 
und scharfer gezeichnet. Er gleicht in der Farbe dem Sunda-Tiger, ist aber 
erheblich grosser als dieser und steht dem Tiger aus Indochina (Anam, Tonkin, 
Cochinchina) wohl ziemlich nahe. Im allgemeinen geht cr dem Mcnschen aus 
dem Wege, es finden sich aber doch zahlreiche ,,Maneatcr" dazwischen. 
Namentlich in der Nachbarschaft von Swatow und Amoy rauben Tiger jahrlich 
zahlreiche Chinesen, und auch in dem von Missionaren viel besuchten Luft- 
kurort Kuliang, unweit Foochow, schleppte im Vorjahre ein Tiger eine Frau 
fort. Erst kurzlich baten die Einwohner eines ca. 50 km von Foochow gelegenen 
Ortes die Missionare, doch sportlustige Europaer zur Tiger jagd zu veranlassen, 



396 Naturgeschichte der Pelztiere. 

da die Bestien zu dreist geworden und im ganzen Distrikt jahrlich wohl 200 
bis 300 Menschen ihnen zum Opfer fie] en. Mehrere Nimrode aus Schanghai 
leisteten auch der Einladung Folge. 

Auch auf der Hongkong gegenliber liegenden Halbinsel Kowloon haben 
sich ofters Tiger gezeigt, ohne indessen grosseren Schaden anzurichten. Im all- 
gemeinen aber weicht der Tiger dem Menschen scheu aus und begniigt sich 
mil Wild, weidendem Vieh und Haushunden. Auch die wehrhaften Wasser- 
buffel sind vor seinen Angriffen sicher, da er im grossen und ganzen feige ist. 
Die meisten der sogenannten Maneaters sind altere und schwache Exemplare, 
die dem Wilde nicht mehr folgen konnen und, von Hunger getrieben, Menschen 
angef alien haben. Haben sic allerdings erst einmal Menschenblut gekostet und 
gesehen, eine wic leichte Beute die Krone der Schopfung darbietet, so suchen 
sie ihn ausschliesslich zu ihrer Nahrung, bis das Schicksal sie in Gestalt einer 
Kugel oder Fanggrube ereilt. 

Der allgemeine Glaube, dass ein Tiger, der Menschenfleisch genossen 
hat, raudig wird, beruht wohl auf einer Verwechslung von Ursache und Wirkung 
denn, wie schon gesagt, die Menschenfresser-Tiger sind eben meist alte und 
kranke Tiere. 

2. Der nordliche oder Mandschu-Tiger, Felis tigris longri- 
pilis, unterscheidet sich sehr wesentlich vom vorigen und bildet eine besondere 
Art. Das Haar ist viel langer und dichter, erreicht auf dem Riicken und den 
Flanken ca. 5 cm Lange, mit einer dichten Unterwolle, die dem siidlichen Tiger 
fehlt. Auf der Brust und am Halse ist das Haar viel langer, aber auch diinner 
und lockerer. Hals, Brust und Bauch sind weiss, wahrend sie beim siidlichen 
Tiger gelb sind. Die Streifen sind breiter und mehr verlaufend. Der ganze 
Korperbau ist viel stammiger und gedrungener, der Schadel breiter und das 
Tier auch im Durchschnitt viel grosser. So habe ich mehrere Felle des nord- 
lichen Tigers gesehen, die von Schnauze bis Schwanzspitze 13 Fuss engl. 
(3,95 m) massen Die Grundfarbe variiert, so sind z. B. die Felle aus der 
Mandschurei gelblicher, die aus Sibirien und der Mongolei rotlicher im 
Grundton. 

In China findet sich der nordliche Tiger in der Mandschurei, der Mongolei 
und der Provinz Kansu, auch soil er in einzelnen Exemplaren in Shansi und 
Shensi vorkommen. In Ostsibirien ist er bis an den unteren Amur haufig. 
Der ostsibirische Tiger wird jetzt als Felis tigris amurensis besonders unter- 
schieden, wahrend der mongolische Tiger als Felis tigris mongolicus bezeichnet 
wird. Radde gibt an, dass der ostsibirische Tiger vom kaukasischen, der bis 
zum Altai streift, stark verschieden ist. Im Nordwesten Chinas ist der nordliche 
Tiger in der letzten Zeit selten geworden, und auch in der Mandschurei und Ost- 
sibirien ist er nicht mehr so haufig wie friiher. 

1892, als ich zum ersten Male nach Wladiwostok kam, waren die Tiger 
noch in der nachsten Umgebung nicht selten, und kurz vorher war ein riesiges 
Exemplar auf dem Hofe der dortigen Brauerei in einer Falle gefangen, nachdem 



II. Die Katzenartcn. 



397 



es vorhcr schon vcrschiedcne Schweinc aus dor Umzaunung goholt. Audi 
lief in den Geschaftsraumen der deutschen Firma Langeliittje ein junger, 
zahmer Tiger umher, der in der Nachbarschaft gefangen war. Man zeigte mir 
dort auch einen russischen Tiger jager, der in einem Renkontre mit drei Tigern, 
die er auf einer Lichtung iiberrascht hatte, schwer verletzt war. Mit scincr 
Winchester-Repetierbiichse hatte er zwei getotet und den dritten todlich ver- 
wundet, wurde aber von diesem schlimm zugerichtet. Er schlcpptc sich noch 
nach seiner Hiitte, wo er nach zwei Tagen von seinen Kameraden gefunden 
wurde. Trotz der schweren Verletzungen genas er aber und betrachtete die 
600 Rubel, die er fur die drei Felle erhielt, als ausreichendes 




v. Anna Matschie-Held. 



Amurtiger (Felis tigris amurensis) . 



In den Provinzen Kweichau, Hunan, Honan, Szechuen und vereinzelt 
in Hupeh kommt ein Tiger vor, im Handel ,, Hankow-Tiger" genannt, der in 
seinem Habitus, namentlich auch in Lange und Dichte der Behaarung einen 
Ubergang vom nordlichen zum sudlichen Tiger zu bilden scheint, sich aber 
mehr dem letzteren nahert. Er ist wahrscheinlich mit dem Hoangho-Tiger 
neuerer Forscher identisch. In den Provinzen Chili, Schantung, Kiangsu und 
wahrscheinlich auch in Chekiang kommt der Tiger iiberhaupt nicht vor. 

Eine besondere Art bildet der koreanische Tiger, den ich Felis tigris 
coreensis nennen mochte. Er ist bedeutend kleiner als die vorgenannten, aber 
gedrungener und fast so lang und dicht behaart wie der mandschurische. Die 
Grundfarbe ist rotlich, die Streifen sind breit, aber sehr deutlich ausgepragt. 
Die koreanischen Tiger sind fast alle ,,Maneater", wenn auch ihre Haupt- 
nahrungscjuelle die zahlreichen Hunck bilden. An der Westkuste der Halbinsel 



398 Naturgeschichte der Pelztiere. 

ist er selten, dagegen im Osten und Nordosten noch sehr zahlreich und dabei 
ungemein frech. Im Winter kommt er aus den Gebirgsschluchten mitten in die 
Dorfer und Stadte, um sich Hunde zu holen, dringt aber auch in die Hauser 
ein, um menschliche Opfer herauszuschleppen. So war der Englander Stripling 
Zeuge, wie ein Tiger nachts in dem Dorf, in welchem er iibernachtete, eine Frau 
aus einer Hiitte, deren Lehmwand er zertrummert hatte, herausriss und mit ihr 
verschwand. Auf einer Reise im Keum Gang San (Diamantgebirge) traf ich 
im Kloster Mai Ha Yan die Monche in grosser Aufregung, und man zeigte mir 
die Spuren, wo in der Nacht vorher ein Monch vom Tiger weggeschleppt war, 
wahrend er sich nur auf kurze Zeit vor die Tiir des Klosters begeben hatte. 
In den hauptsachlichsten Tigergegenden werden die Reisenden, welche 
nach Einbruch der Dunkelheit weiter mussen, von Ort zu Ort durch Fackel- 
trager begleitet, zu deren Stellung die Ortschaften gesetzlich verpflichtet sind. 
Auch wir wurden von solchen begleitet, und es gewahrte einen prachtigen 
Anblick, die Karawane im Scheine der aus wohl 12 Fuss langen und fussdicken 
Biindeln trockener Hanfstengel bestehenden Fackeln sich iiber die Felsen 
winden zu sehen, wahrend der langgezogene Ruf ,,Pul, Pul" (Feuer, Fackeln), 
der die Ablosung im nachsten Orte aufmerksam machen sollte, das Echo der 
Walder wachrief. Obwohl zu deren Empfang geriistet, bekamen wir iibrigens 
nirgends Tiger zu Gesicht, wohl aber zahlreiche frische Spuren. 

In Gensan war vor einigen Jahren ein Tiger sogar in das Gehoft des Zoll- 
hauses eingedrungen, und man sah aus den Spuren, dass er eine ganze Weile 
unter den offenen Fenstern des im Parterre gelegenen Schlafzimmers des Zoll- 
direktors Oisen gestanden hatte. Ob ihm derselbe aber zu mager erschienen, 
oder ob der Tiger sonst misstrauisch war, er begniigte sich damit, den Hofhund 
als Andenken mitzunehmen. In Korea existiert iibrigens eine besondere Gilde 
der Tiger] ager, die namentlich vor der Erschliessung des Landes eine grosse 
Rolle in alien Berichten spielen wegen ihrer angeblichen Todesverachtung 
und Schiesssicherheit. Bei der grossen Feigheit aller Koreaner und der erbarm- 
lichen Beschaffenheit der von ihnen gebrauchten Lunteflinten glaube ich, 
dass alle von Koreanern erlegten Tiger die Todeskugel erst erhalten haben, 
nachdem sie in einer Fanggrube gefangen waren. 

In Korea gehort es iibrigens bei den ,, Yenbans", der herrschenden Klasse, 
zumguten Ton, einTigerfell auf dem Ehrensitz gebreitet zu haben, doch ziehen 
sie bei dem in Korea allgemein herrschenden Mangel an Kleingeld meistens 
vor, sich dasselbe zum Geschenk machen zu lassen. 

Im chinesischen Handel spielt der Tiger keine unbedeutende Rolle, und 
kein Korperteil bleibt ungenutzt. Die Felle, abgesehen von der Verwendung 
fur den Ausfuhrhandel, bilden auch beliebte Geschenke fur die Mandarinen. 
Die Krallen sind als Amulette sehr beliebt (man muss, wenn man ein Tigerfell 
gekauft hat, sehr genau aufpassen, da sonst die Klauen unter den Handen 
weg gestohlen werden) . Das Herz wird als mut- und kraf tverleihend gegessen, 
und die Knochen bilden einen wichtigen Bestandteil der Pharmacopoea sinaica. 



II. Die Katzenarten. 



399 



Das Fell des nordlichen Tigers hat im Grosshandel in Europa einen Wert 
von 200 bis 800 Mk., nach Grosse und Schonheit, wahrend der Amoy-Tiger 
50 100 Mk. und der Hankow-Tiger 100 bis 300 Mk. erzielt. Das Fell des 
koreanischen Tigers, welches sehr schon, aber klein ist, kostet etwa 150 bis 
300 Mk. Fleisch, Krallen und Knochen des Tigers werden schon im Innern mil 
25 bis 100 Tael (i Tael ca. 3 Mk.) bezahlt. Der gliickliche Erleger eines Tigers 
erhalt also fur chinesische Begriffe ein ziemliches Vermogen. Die Zahl der 
zur Ausfuhr gelangenden Tigerfelle hat in den letzten Jahren sehr nach- 




gez. v. Anna Matschie-Held. 



Tiiran Tiger (Felts tigris virgata) . 



gelassen, es diirften jahrlich etwa nur 200 nordliche, ca. 300 siidliche China- 
Tiger, etwa 50 bis 100 sibirische und 30 bis 40 koreanische Tigerfelle nach 
Europa gelangen. Lebende Exemplare von nordischen und koreanischen 
Tigern sind iibrigens erst seit kurzem nach Europa gekommen und in den 
Zoologischen Garten grosse Seltenheiten. 

Die Javaner haben iibrigens den Aberglauben, dass nach Art des alten 
Werwolfglaubens gerade die Menschenfresser-Tiger eigentlich Menschen seien, 
die sich nachts in Tiger verwandeln. Gefangen wird er auf Java und Sumatra 
von den Eingeborenen meist in Fallgruben, auf den europaischen Plantagen 
wendet man aber grosse Stahlfallen mit Erfolg an, von denen die besten aus 
Deutschland geliefert werden. 



400 Naturgeschichte der Pelztiere. 

Audi von diesem Tiger kommen wenig Felle auf den Markt. Auf Borneo 
soil der Tiger nicht vorkommen, ebenso fehlt er auf Ceylon. Bei den Fiirsten 
von Solo und Djokjokarta auf Java gehorte es zu der regelmassigen Hof- 
festlichkeit, gefangene Tiger mil Biiffeln kampfen zu lassen, oder gegen einc 
dichte Reihe Lanzentrager loszulassen, wo er beim Versuch, zu entkommen, 
sicli an den Lanzcn aufspiesst. 

Eine weitere Tiger art ist Fells tigris virgata, dessen Verbreitungsbezirk 
am nachsten nach Enropa reicht. Er findet sich am Osthange des Kaukasus, 
am Ufer dcs Kaspischen Meeres, in Transkaspien, Turkestan und Ostpersien. 
Die Turkmenen nennen ihn Julbars, wie Radde, oder Jollbars, wie Sven Hcdin 
schreibt. In den Rohrbruchen und denTamariskendschungeln, am Murgab, dem 
Sir Darja, und dem Tarim ist er haufig, stellt aber den Menschen wenig nach, 
da er geniigend Nahrung unter den Wildschweinherden findet. Dieser trans- 
kaspische Tiger ist sehr gross, die Grundfarbe rotlich, die dunklen Streifen 
breit, aber etwas verschwommen, das Haar etwa als mittellang zu bezeichnen. 
Es kommen mehrere hundert Felle jahrlich nach Nishny-Nowgorod, die einen 
Wert von 200 bis 300 Mk. per Stuck haben, und einige Exemplare werden auch 
hoher bezahlt. Nordlich schliesst sich der Verbreitungsbezirk des Altai-Tigers 
Felis tigris altaicus an, der bedeutend kleiner und gedrungener ist, ein langes, 
dichtes Haar und rotlichbraune Grundfarbe hat. 



e) Jaguar. 

Man unterscheidet mehrere Art en des Jaguars. Felis one a bewohnt ganz Sud- 
amerika, von Kolumbien bis Patagonien, Felis centralis lebt in Mittelamerika, 
Felis goldmanii in Yucatan und dem siidostlichen Mexiko, Felis hernandezii 
in Mexiko, Texas und bis an den Redriver von Louisiana. Im spanischen 
Siidamerika wird er uberall Tiger genannt, in Brasilien Onca oder Unze, und 
zwar unterscheiden die Brasilianer zwei Arten, Onca pinado mit der ge- 
wohnlichen Zeichnung und Onca canguen mit dicht aneinander gereihten 
Flecken, die kleine unvollkommene Kreise bilden. Die Grundfarbe des siid- 
amerikanischen Jaguars ist rotgelb, auf dem Riicken dunkler, gegen die Seiten 
hin heller; Bauch, Kehle und Brust weiss. Runde, schwarze Flecken bilden 
an Hals, Kopf und Beinen, sowie auf der Mitte des Ruckens unregelmassige 
Langsreihen von offenen Rauten, an den Seiten und auf den Lenden grosse 
Kreise von 2 bis 3 Zoll Durchmesser; an den Beinen befinden sich Halbringe 
und am Schweif Querbinden und Ringe. Die Zeichnung ist aber im allgemeinen 
sehr unregelmassig, und man findet sehr selten mehrere ubereinstimmend ge- 
zeichnete Felle. 

Die Lange des sudamerikanischen Jaguars ist 1,50 bis 2 m von der 
Schnauze bis zur Schwanzwurzel, und die Schwanzlange 60 bis 75 cm. Ich 



II. Die Katzenarten. 401 



habe aber Felle gesehen, die eine Lange von 2,50 m ohne Schweif hatten; die 
Hohe des Jaguars an der Schulter betragt 80 bis 90 cm. Der nordamerikanische 
Jaguar (hernandezii) ist kleiner als die anderen Arten, der Leib langer, aber die 
Beine niedriger, die Grundfarbe ist heller und die Rosetteflecke scharfer ab- 
gegrenzt. Die Zahl der Jaguare hat stark abgenommen, da sie sich mit der 
zunehmenden Kultur zu wenig vertragen. In den Vereinigten Staaten sind sie 
fast ganz verschwunden, und auch in Mexiko und Sudamerika sind sie seltener 
geworden. Humboldt gibt noch die Zahl der jahrlich nach Europa gebrachten 
Tigerfelle auf 2000 an, jetzt mogen es aber vielleicht so viele hundert sein. 
Der Wert eines gut en Tigerfelles ist 80 bis 100 Mk. 

In Nord-Brasilien kommt eine schwarze Abart vor, der man ebenso falsch- 
lich wie dem schwarzen Panthers Javas besondere Wildheit zuschreibt. 
Im Berliner Zoologischen Garten bef indet sich ein sehr schones Exemplar dieser 
Abart, und man kann deutlich die schwarzen Flecke auf der dunklen Grund- 
farbe erkennen, nameiitlich, wenn das Tier von der Sonne beschienen wird. 
Die Felle solcher schwarzen Jaguare werden ubrigens in Brasilien selbst sehr 
hoch bezahlt. Uberhaupt holen bei der verhaltnismassigen Seltenheit des Vor- 
kommens Jaguarfelle in Sudamerika meist bessere Preise als in Europa. 
Sie werden teils dort selbst zum Zimmerschmuck verwendet, teils von 
Touristen und Schiffskapitanen zum Mitbringen gekauft. Der Jaguar nimmt 
seinen Lieblingsaufenthalt in den Galerie -Waldern, am Ufer der Strome, 
wo er nachts auf Raub ausgeht. In bezug auf Beute ist er vielseitig; am 
meisten fallt ihm das grosse Flusscjiwein oder Capivara zur Beute, aber vom 
Hirsch und von dem machtigen Tapir bis herab zur Schildkrote und Eidechse 
verschmaht er nichts. Auch den Her den stellt er nach und richtet unter den 
Pferden und Maultieren grossen Schaden an, den wehrhaften Stieren geht er 
aber gern aus dem Wege. In wildreichen Gegenden weicht er auch den Menschen 
gern aus, doch bildet er sich in anderen Gegenden leicht zum Menschenfresser 
aus, der sich dann in der Nahe der Dorfer niederlasst. Auf alle Falle aber 
ist der Jaguar infolge seiner Kraft und Gewandtheit ein sehr gefahrlicher 
Gegner. 

Das Weibchen wirft 2 bis 3 Junge, die in 3 Jahren ausgewachsen sind. 
Im allgemeinen leben die Jaguare einzeln, und nur wahrend der etwa 6 Wochen 
dauernden Begattungszeit paarweise. Gerade wahrend dieser Zeit sollen sie 
besonders gefahrlich fur den Menschen sein. 



f) Panther und Leoparden. 

Es ist eine alte noch unentschiedene Streitfrage, was eigentlich als 
Leopard und was als Panther zu bezeichnen ist. Im allgemeinen gilt als Panther 
das grossere, kraf tigere Tier mit ringartigen Flecken, doch ist die Grenze 
zwischen beiden Tierarten sehr verwischt. 

26 



402 Naturgeschichte der Pelztiere. 

Die in Asien zahlreichste Art ist Felis pardus pantera, der Ostindien und 
Ceylon bewohnt. Er hat mehr ringformige als rosettenformige Flecke, die 
aber dicht zusammenstehen, die Grundfarbe ist rotlich gelb, der Bauch weiss- 
lich. Riicken, Kopf, Seiten und Beine mit grossen, ringartigen schwarzen 
Flecken, die nicht vollig geschlossen sind und deren innerer Teil lebhaft orange- 
gelb ist. Diese Ringflecke sind langs des Korpers in 6 bis 8 Querreihen ver- 
teilt. Kopf, Hals, Brust und Innenseite der Beine sind mit zahlreichen kleinen, 
dicht gedrangt stehenden, vollen schwarzen Flecken besetzt, am Bauch 
grossere, weit auseinander stehende, voile schwarze Flecke. 

Der auf Ceylon vorkommende Panther ist ebenso gezeichnet, doch ist die 
Grundfarbe leuchtender gelbrot und die Grosse des Tieres etwas geringer. 
Das Haar ist etwas langer und weicher. 

In der Nordost-Gegend Indiens soil iibrigens noch ein kleinerer, hellerer 
und dichter gefleckter Leopard vorkommen. 

Die Panther Indiens richten grossen Schaden am Vieh an, und deshalb 
setzt die Regierung eine hohe Pramie auf ihre Erlegung aus. Trotzdem aber 
jahrlich zwischen 4- bis 5000 Panther in Indien getotet werden, scheint ihre 
Zahl nicht abzunehmen. 

Einzelne alte Exemplare haben sich auch zu Maneatern ausgebildet und 
sind dann noch viel gefahrlicher, als ein Menschenfresser-Tiger, da der Panther 
noch viel gewandter, schlauer und daneben auch blutgieriger ist, als der Tiger. 
Die Lange eines indischen Pantherfelles ist etwa 1,60 bis i,8om ohne den 
Schweif. 

Es kommen jahrlich etwa 1000 bis 2000 Felle in den Handel, die einen 
Wert von etwa 20 Mk. pro Stuck haben. 

Die nachste Art ist Felis pardus variegatus, der Siam, das siidliche 
Indochina, Java und Sumatra bewohnt. Er ist ein grosses Tier. Grundfarbe 
dunkles Gelb mit rotlicher Nuance. Die Flecke bei dern im Berliner Zoolo- 
gischen Garten aus Siam stammenden Exemplar bilden offene Ringe, die durch 
runde Punkte geschlossen werden. Die auf den Sunda-Inseln lebende Varietat 
ist bedeutend kleiner, hat aber einen viel langeren Schweif. Die Oberseite ist 
rotlich -ockergelb, Unterseite weiss. Kopf, Hals, Riicken und Unterseite sind mit 
kleinen runden, vollen schwarzen Flecken besetzt, Seiten, Schultern und Kreuz 
mit zahlreichen kleinen Flecken, die aus 3 4 schwarzen Punktflecken gebildet 
sind. Auf Java findet man sehr haufig schwarze Panther, die aber keine 
eigene Art bilden, sondern nur Schwarzlinge sind, die mit den gefleckten Jungen 
in einem Wurf vorkommen. Merkwiirdigerweise ist das Vorkommen aber nur 
auf die Inseln beschrankt, auf dem Festlande kommt der schwarze Panther 
nie vor. Auch hier gilt dasselbe wie beim schwarzen Jaguar: er ist ganz unver- 
dient in den Ruf besonderer Wildheit und Bosartigkeit geraten, namentlich 
wohl auch durch den bekannten Roman von Eugen Sue. In Wirklichkeit 
ist er nicht mehr und nicht weniger wild und blutdiirstig als der gefleckte 
Panther. 



II. Die Katzenarten. 403 




Ein sehr schoner Leopard ist Felis pardus 
tulliana, der persische Leopard. Grundfarbe 
helles Graugelb, das stellenweise fast ins 
Weissliche iibergeht. Zahlreiche kleine 
Ringe, untermischt mit vollen kleinen 
schwarzen Flecken. Das Tier ist grosser 
und schlanker als der indische Panther, der 
Schweif langer und das Haar etwas langer 
und dichter, aber ebenso grob. Von Per- 
sien aus reicht sein Verbreitungsbezirk 
durch Kleinasien, Syrien bis nach dem 
Kaukasus. Die meisten Felle davon kommen 
liber Russland an den Markt, doch sind es 
jahrlich hochstens einige Hundert. 

Im siidlichen China lebt ein Leopard, der zu- Gesch. Aufn. d. Neuen phot. Ges. 

erst von mir als eigene Art beschrieben wurde, und Persischer Leopard. 
Felis pardus sinensis benannt. Er ist dem indischen 

Leoparden sehr ahnlich, aber im Durchschnitt kleiner. Die Grundfarbe ist ein 
dunkleres Gelb, die Flecken sind auch kleiner. Er kommt in den meisten 
Provinzen des siidlichen und mittleren Chinas vor, doch ist er nirgends sehr 
haufig. Man erhalt seine Felle indessen oft mit den Fellen des Hunan-Leoparden 
zusammen. Der nordliche Leopard Felis' pardus Fontanieri lebt in der 
Mandschurei, Mongolei, einzelnen Teilen Chilis, Shansi und Kansu. Er ist im 
allgemeinen bedeutend grosser und starker als der indische Panther. Die 
Grundfarbe ist ein helles Braunlichgelb mit schwarzen geschlossenen Ringen 
und Ringflecken in 6 bis 8 Langsreihen, zwischen denen unregelmassige kleine 
und grossere Vollflecke eingestreut sind. Die Behaarung ist lang und dicht 
mit einer dichten weichen Unterwolle. Am Bauch und Hals sind die Haare viel 
langer und weicher, aber auch loser als an den iibrigen Korperteilen, und von 
weisslicher Farbe. Auf der Unterseite befmden sich weitlaufig angeordnet 
grosse Vollflecke. Der Schweif ist besonders lang und dick, mit 10 oder 12 
vollkommenen Ringen. An den Fiissen und Unterschenkeln kleine Tiipfel- 
flecke. Neben diesem grossen, schonen Panther kommt in derselben Gegend 
vereinzelt ein kleiner Leopard vor, als Felis pardus Greyi oder Leopardus 
Mnensis verschieden beschrieben. Man findet manchmal diese Falle zusammen 
mit denen des grossen nordlichen Leoparden. Die Flecke stehen viel dichter und 
sind kleiner, das Haar nicht so lang, die Grundfarbung etwas dunkler. In Korea 
wird der Panther durch Felis orientalis vertreten, der wohl identisch mit dem 
aus Ostsibirien, dem Amur- und Ussuri-Gebiet beschriebenen Felis villosa ist. 
Er ist ebenso gross wie Felis fontanteri, aber heller gefarbt und der Schweif 
etwas kiirzer. Er ist langhaarig, aber hellweisslich gelb, auf der Unterseite 
weiss, schwarze Rosettenflecken auf Riicken und Seite, auf den Gliedern und 
Schultern schwarze Vollflecke von etwas unregelmassiger Gestalt. 

26* 



404 Naturgeschichte der Pelztiere. 

Herr Professor Matchie beschreibt noch eine neue Pantherart, die 
Lt. Filchner mil aus Hinganfu gebracht hat, und die er Panther a hanensis 
nennt. Er ist ebenfalls langhaarig, hell ockerfarbig, die Flecken aber anders ge- 
ordnet. Es mogen sich aber solche Felle unbeachtet unter den nordlichen 
Leopardenfellen ofters finden. 

In Hunan, Honan, Kweichow und Szechuen lebt ein Leopard, der weniger 
langund dicht behaart, auch kleiner von Statur, einen Ubergang zum sudliehen 
Panther zu bilden scheint, der Hunan-Leopard. 

Von nordlichen Leoparden habe ich oft Felle gesehen, welche eine Lange 
von 8 Fuss engl. (ca. 2% m) hatten, wovon etwa 3 Fuss auf den Schweif kamen, 
wahrend ich unter Hunderten von Fellen siidlicher und Hunan-Leoparden kein 
Exemplar iiber 7 Fuss gesehen habe, und auch solche von 7 Fuss nur sehr selten. 

Der Leopard lebt meistens in felsigen und bewaldeten Gegenden, stellt dem 
Wilde und dem weidenden Kleinvieh nach, kommt auch nachts oft in die Ort- 
schaften, um Hunde undZiegen wegzuschleppen. Dagegen ist mir kein Fall be- 
kannt, dass er dem Menschen nachstellt, obgleich ein verwundeter oder in die 
Enge getriebener Leopard ein sehr gefahrlicher Gegner ist. In Korea sind 
Leoparden sehr haufig. In den Kliiften des sich steil im Norden von Soul 
erhebenden Gebirgsstockes hausen sie in Mengen und kommen im Winter in 
die Stadt, um Hunde zu rauben. Ja selbst in der Umgegend der Hafenstadt 
Chemulpo wird von Zeit zu Zeit ein Leopard gespiirt. 

Ein eigenartiges Abenteuer erlebte die deutsche Erzieherin im Hause des 
Herrn von Waeber, des russischen Gesandten in Soul, vor einigen Jahren. 
Sie war eines Wintermorgens noch in der Dammerung in den Hof gegangen, um 
die Hiihner zu fiittern. Beim Of men des Stalles fiel ihr auf, dass ein tags vorher 
geschlachtetes Schwein nicht am Platze hing, sondern am Boden lag. Als sie 
darauf zuging, sprang ein Tier dahinter auf und drangte an ihr vorbei zur Tiir 
hinaus. Draussen blieb es einen Augenblick stehen, und die junge Dame er- 
kannte zu ihrem Schrecken einen riesigen Leoparden. Sie stiess einen Schrei 
aus, worauf der Leopard mit machtigem Satz iiber die Hofmauer in den Garten 
eines daneben liegenden alten Palastes sprang. Auf den Alarmruf eilten die 
Hausbewohner herbei. Der schon friiher erwahnte Englander Stripling drang, 
mit seiner Winchesterbuchse bewaf fnet, begleitet von mehreren Lanzen tragen- 
den Koreanern in den Palastgarten, um den unliebsamen Besucher aufzuspiiren. 
Plotzlich sprang derselbe drei Schritt von ihm entfernt auf. Stripling hatte 
keine Zeit, das Gewehr anzulegen, und schoss von der Hiifte. Gliicklicherweise 
stiirzte sich das schwerverwundete Tier nicht auf den Schiitzen, sondern ver- 
kroch sich unter der Veranda, wo es gleich darauf verendete. Fell und Schadel 
wurden mir noch von dem glucklichen Jager gezeigt. 

Ich selbst habe nur einmal in Korea einen Leoparden in der Wildnis 
zu Gesicht bekommen, der unter einem uberhangenden Felsen lagerte und 
von unseren Tragern aufgescheucht wurde. Er wartete aber eine nahere Be- 
kanntschaft nicht ab, sondern verschwand, ehe ich die Biichse an die Backe 



II. Die Katzenarten. 



405 



reissen konnte, im dichten Unterholz, und ich konnte nur noch seinen gelblichen 
Korper blitzartig durch die Biische gleiten sehen. Das Fell des Leoparden bildet 
in China und Korea einen beliebten Sesselschmuck in den Hausern der Manda- 
rinen, und auch die Klauen sind begehrt. Fleisch und Knochen spielen aber 
in der chinesischen Medizin nicht annahernd die Rolle der Tigerknochen und 
werden nur als billiges Surrogat verwendet. Auch der Wert des Felles ist nicht 
so hoch. Das Fell des nordlichen Leoparden hat auf dem Londoner und 
Leipziger Markte etwa einen Wert von 30 bis 50 Mk., das des siidlichen 10 bis 
25 Mk. Die jahrliche Ausfuhr betragt etwa 300 nordliche, ca. 600 siidliche und 
100 koreanische Felle. 

Auch in Afrika kommen verschiedene Pantherarten vor, von denen 
namentlich die folgenden zu unterscheiden sind. Der westafrikanische Leopard 
Felts pardus leopardus ist ein sehr grosses Tier,.mit kleinen Ohren, glatt an- 







Afrikanischer Leopard (Felts pardus leopardus). 



gez. v. Ann* Matschie-Held. 



liegender Behaarung, Schweif zwei Drittel der Korperlange. Die Oberseite des 
Korpers hat eine hellgelbliche Grundfarbe, an den Seiten weissgelb, die Unter- 
seite ganz weiss. Kopf, Nacken, Beine, Brust und Bauch sind mit kleinen 
vollen Flecken besetzt, die am Bauch grosser und weiter von einander entfernt 
sind, am Kopf und Hals am kleinsten und dichtesten sind. Uber die Kehle zwei 
schwarze Querbinden und langs des Riickens zwei Reihen langlicher voller 
schwarzer Flecke. Die Seiten- Schultern und Schenkel mit ziemlich grossen 
aus 5 bis 6 schwarzen Punktflecken zusammengesetzten Rosetten. Schwanz 
mit ahnlichen Rosetten besetzt, die dann am Ende halbringformig werden. 
Der Verbreitungsbezirk dieses Leoparden reicht von Senegambien bis 
nach Deutsch-Siidwestafrika. In Abessinien, Somali-Land und dem ostlichen 
Sudan lebt Felis pardus Nimmr. Die Ohren sind grosser als bei dem vorigen. 
Die Flecken grosser und weiter von einander stehend, an den Seiten mehr ring- 
formig und rosettenformig. Die Grundfarbe ist dunkler, hellbraunlich oder 
rotlich. Weiter nach Siiden wird dieser Leopard durch den Felis pardus 



406 Naturgeschichte der Pelztiere. 

suahelicus vertreten, der sehr grosse Flecken zeigt. Daneben soil nach Prof. 
Matchie auch noch ein kleiner Leopard mil hellen Flecken auftreten. 

Im Norden des Erdteils, in Algier, Tunis usw. lebt ein ungewohnlich grosser 
dunkel gefarbter Panther, Felis pardus antiquorum. Derselbe ist aber sehr 
selten geworden, da er wegen der Verheerungen, die er unter dem Vieh an- 
richtete, stark verfolgt wurde. Erlegte doch der beriihmte franzosische Panther- 
jager Bonbonel in Algier allein iiber 600 Panther. Auch im Kaplande, Transval 
und Orange-Republik ist der Leopard seltener geworden, doch hat sich heraus- 
gestellt, dass die Affenherden, denen der Leopard stark nachstellt, sich in- 
folgedessen so vermehrt haben, dass sie an den Feldern vielleicht grosseren 
Schaden anrichten, als der Leopard an den Herden. In Deutsch-Ostafrika 
ist der Leopard noch sehr haufig und auch inDeutsch-Sudwestafrika durchaus 
nicht selten. Er fiirchtet die Nahe des Menschen nicht und hat seine 
Hohle haufig dicht neben der Ansiedlung. Er greift Menschen fast nie an, 
sondern sucht sich, wenn entdeckt, still zu driicken, nur wenn er verwundet ist 
oder in die Enge getrieben wird, ist er ein gefamiicher Gegner, cler mit grosser 
Gewandtheit und Kraft seine gefahrlichen Waffen, die scharfen Klauen und 
das machtige Gebiss z%brauchen versteht. Er bricht iibrigens haufig nachts in 
die Stallungen des Kleinviehs, der Ziegen und Schafe ein, doch wagt er sich 
an Grossvieh sehr selten. Die grossen alt en Pavian-Mannchen Ostafrikas 
fiirchten sich durchaus nicht vor dem Leoparden und man hat oft 
Kampfe beobachtet, in denen der Leopard den kurzeren zog. Der afrikanische 
Leopard wird, wenn er Jung gefangen, leicht zahm. So bezeugen z. B. die 
Leoparden, die Herzog Friedrich von Mecklenburg von seiner ersten Reise 
mitgebracht hat, noch heute grosse Freude, wenn einer der friiheren Pfleger sie 
im Zoologischen Garten zu Berlin besucht. Man findet auch nicht selten 
schwarze Leoparden, namentlich in Abessinien. Es kommen einige hundert 
Felle jahrlich auf den europaischen Markt, die einen Wert von 10 bis 20 Mk. 
pro Stuck haben. Die Mehrzahl der Leopardenfelle bleibt aber im Lande und 
wird entweder zum Schmuck des Hauses oder zur Kleidung der Eingeborenen 
verwendet. Namentlich die verschiedenen Kaffernstamme schatzen Karosse 
aus Leopardenf ellen sehr hoch.. Die Felle werden von ihren Frauen sehr gut ge- 
gerbt und sind die Karosse oder Decken auch sorgfaltig zusammengestellt und 
genaht. Solche Decken werden iibrigens an Ort und Stelle viel zu hoch bezahlt, 
um fur den Pelzhandel in Betracht zu kommen. 



g) Irbis. 



Der Irbis, Felis uncia, engl. Snowleopard, franz. Once, hat ein ungemein 
weites Verbreitungsgebiet. Von Cashmere und dem westlichen Himalaya er- 
streckt sich dasselbe durch das ganze Hochland Zentralasiens, Turkistan, an 
den Amur bis nach China. 



II. Die Katzenarten. 407 



Hier soil er in Anhui Kiangsee, Szechuen Hunan und Hupeh, haupt- 
sachlich aber im Norden, in Teilen von Chili und der Mandschurei vor- 
kommen. In Ostsibirien ist er haufig. Nach Schrenck soil er auch auf Sachalin 
vorkommen, was ich aber bezweifle. Ebensowenig kommt er auf Korea 
vor, wenn auch das Gegenteil behauptet wird. Ebenso beruht die Angabe 
von Pallas und Schrenck, dass der Irbis auch in Japan vorkame, auf einem 
Irrtum. Der chinesische Name ist La Ong. Das Fell ist hervorragend schon 
und scheint in der Mitte zwischen Luchs und Panther zu stehen. Die Grund- 
farbe ist ein zartrotlich angehauchtes Weiss, das Haar fast 5 Zentimeter 
lang und sehr weich und dicht wollig. Langs des Riickens ziehen sich reihen- 
weise geschlossene schwarze Flecke, auf den Seiten unregelmassig verteilte, 
halboffene schwarze Ringe. Der ungemein lange, dichtwollig langbehaarte 
Schweif ist rotlich-weiss mit schwarzen, regelmassigen, ringformigen Quer- 
binden. (Abbildung siehe Seite 410.) 

Im allgemeinen ist die Lebensweise ahnlich wie beim Leoparden, doch 
soil er mehr auf Baumen leben und von hier aus dem Wilde auf den Nacken 
springen. Die Nachrichten iiber sein Freileben sind sehr sparlich. -Nach 
Schrenck wird er von den Golden und Gilyaken mehr gefurchtet als der 
Tiger, wahrend nach Radde ihn die Eingeborenen Ostsibiriens gar nicht 
furchten. Auch in Kashmere und Tibet wird der Irbis weniger als der Leopard 
gefurchtet. Wahrscheinlich ist die Lebensweise dem Luchs ahnlich, der ja 
auch den Menschen nur angreift, wenn er verwundet ist. Die zwei Schnee- 
leoparden des Berliner Zoologischen Gartens sind recht zahm. Irbis und 
Leoparden sollen sich ubrigens selten in demselben Revier aufhalten. Die 
Gesamtlange ist 7 bis 8 Fuss, wovon 3 bis 4 Fuss auf den Schweif kommen. 

Es ist schwer, das Quantum festzustellen, welches jahrlich auf den Markt 
kommt. Uber Nishnij und Irbit kommen wohl 5 bis 800 Felle in den Handel, 
von China direkt vielleicht hundert. Einige hundert werden auch in den 
indischen Hiigelstationen Simla etc. feilgeboten und gehen dort meist in den 
Besitz von Touristen oder Angloindiern iiber. 

Der Wert eines Felles schwankt zwischen 30 bis 80 Mark. 



h) Serval. 



Diese graziose Katzenart, die nicht zu verwechseln ist mit der falschlich 
im Pelzhandel Serval genannten Zibetkatze, findet sich sowohl in Afrika 
als auch in Asien. In Indien leben zwei Arten: 

Felis viverrina, durch den langen Schwanz ausgezeichnet, der zwei 
Fiinftel der Korperlange einnimmt. Die Lange des Felles von der Schnauze 
bis zur Schwanz wurzel betragt etwa 80 cm. Die Farbe ist dunkelgelbgrau, 
Unterseite weiss. Uber Schulter und Nacken bis zum Scheitel 5 schmale 
Langsbinden, der Riicken mit langgestreckten streifenartigen Flecken be- 



408 Naturgeschichte der Pelztiere. 

setzt, die 5 unterbrochene Langsbinden bilden. Seite mit rundlichen schwarzen 
Flecken und der Schweif dunkelgelbgrau, nur auf der Oberseite mit rund- 
lichen schwarzen Flecken. Spitze schwarz. 

Die zweite Art, Felis himalayana, ist etwas kleiner, der Schweif auch 
verhaltnismassig kiirzer als beim vorigen. Behaarung kurz und dicht, gelbbraun> 
Unterseite weiss. Von Stirn bis Schwanzwurzel laufen 4 schmale, tief braun- 
schwarze oder dunkelschokoladenfarbige Langsstreifen. An den Seiten 
ebenso gefarbte, kurze fleckenartige Streifen. Unterseite mit runden braunen 
Flecken. Schweif ist graubraun mit 8 bis 9 undeutlichen braunen Ringen. 
Uber das Freileben lauten die Nachrichten sehr verschieden. Fest steht 
nur, dass die Eingeborenen das Tier mehr fiirchten, als seine Grosse es recht- 
fertigt und es als ein sehr blutgieriges Geschopf schildern. Beide Servalarten 
klettern vorziiglich und halten sich mit Vorliebe in Walddistrikten auf. 

In Afrika ist der Serval ziemlich verbreitet und werden die folgenden 
Arten unterschieden : 

Felis serval in Algier und Ostafrika, ein schlankes hochbeiniges Tier, mit 
kleinem Kopf und grossen, breiten, zugespitzten Ohren. Der Schwanz nimmt 
zwei Fiinftel der Korperlange ein, dicht behaart, dick und walzenformig mit 
stumpier Spitze. Die Grundfarbung des Felles ist hell iahlgelb, die Unter- 
seite weiss. Auf Kopf und Schultern 4 schmale Langsbinden. Auf dem 
Riicken 3 bis 4 Langsbinden. Seiten und Schenkel mit zahl- 
A - reichen, grossen, rundlichen Flecken, auf der Unterseite ahnliche, 
?/^ /7 aber weiter verteilte Flecke. Schwanz, auf der Oberseite 4 Halb- 
ringe. Schwanzspitze schwarz. Die Korperlange von der Schnauze 
Jlfi bis zur Schwanzwurzel etwa 90 95 cm. 

Felis serval capensis ist etwas 
kleiner, der Schweif aber noch langer 
und mit 10 schwarzen vollen Ringen, 
die Schwanzspitze iahlgelb. 

An der Westkiiste findet man 
\ :^.;*-t / /v verschiedene Servalarten. 

I-' '$% Felis serval senegalensis. Schweif 

^Sl ' * "%<K. se ^ r k urz , nur ein Viertel der Korper- 
,i lange. Grundfarbe rotgelb. Unter- 

seite isabell, Kehle weiss. Uber den 

f J Riicken 3 Langsreihen schwarzer 

| langgezogener Flecken, die band- 

artig aneinander gereiht sind. An 

den Seiten zahlreiche runde voile 
^ 

Flecke, Ohren schwarz. 

y> Bei Felis serval galeopardus ist 

gez. v. Anna Matschie-Heid. der Schwanz noch kiirzer, nur ein 
Afrikanischer Serval (Felis serval capensis) . Fiinftel der Korperlange. Grund- 




II. Die Katzenarten. 409 



farbe fahlgelb. Langs des Riickens cine dunkel Langsbinde und zahlreiche, 
kleine, schmale, langliche Punkte liber den Riicken. Uber Seiten und Schultern 
zahlreiche schwarze runde Tiipfelchen. 

Felis serval neglecta zeichnet sich durch einen iiberaus langen diinnen 
Schweif und fast einfarbigen Rumpf aus. Von der letzten Art, Felis serval 
togoensis aus Togo, habe ich bisher kein Fell gesehen. Die Servalfelle bilden 
iiberhaupt kein en regelmassigen Handelsartikel, wenn solche an den Markt 
kommen, holen sie 2 bis 3 Mk. per Stuck. 

Im Berliner Zoologischen Garten befinden sich mehrere lebende Servale, 
die auf den Beschauer einen drolligen Eindruck machen, da sie haufig wie 
ein Hund aufrecht auf den Hinterbeinen sitzen. 

DieTieresind grosseRauber,die unter den jungenAntilopen und sonstigem 
Kleinwild stark aufraumen. Auch den Huhnerstallen der Eingeborenen 
statten sie gern Besuch ab und wiirgen dort mehr als sie verzehren konnen. 
In der Gefangenschaft werden sie leicht zahm. Mein verstorbener Freund 
Dr. Otto Kersten hatte langere Zeit ein paar Servale gehalten, die so zu- 
tunlich wie Hauskatzen waren. In Ostafrika bilden Servalfelle ein Attribut 
der Hauptlingswiirde, weshalb auch von dort aus gar keine Felle in den 
Handel kommen. Alt gefangene Servals benehmen sich sehr ungebardig und 
werden wohl nie zahm. Bei den Kapburen ist der Serval unter dem Namen 
Boschkatte bekannt. 



i) Nebelpanther. 



Von diesem schonen, aber seltenen Tier gibt es auch mehrere Art en. 
Die bekannt este ist Felis nebulosa im nordlichen Indien, dem Himalaya, 
Sikkim Assam und im Gebirge von Siam und Birma, wo er bis 7000 Fuss 
hoch steigt. Er erreicht die Grosse eines kleinen Leoparden. Der Grundton 
der Farbe ist graubraun bis gelbbraun, Unterseite heller, Kopf oben gefleckt, 
zwei breite Bander mit schmaleren Bandern aus verlangerten Flecken da- 
zwischen. Uber dem Riicken langliche Flecke. Die Seiten mit grossen, 
unregelmassigen, dunklen Stellen, die durch schmale, fahle Stellen getrennt 
sind. Die Flecke meist schwarz gesaumt. Schweif mit vielen dunklen 
Ringen. Das Tier lebt nach Blandford vorzugsweise auf Baumen. 

Auf Borneo lebt Felis macrocelis der Rhiman Dau der Malayen, der 
grosser als der Sundapanther ist. Die Grundfarbe ist braunlichgrau, Unter- 
seite lohfarben. Kopf, Fiisse und Unterleib mit vollen schwarzen Flecken, 
am Halse drei unregelmassige Langsbander, zwei ahnliche auf dem Riicken, 
auf Schultern, Seiten und Schenkeln unregelmassige, winklig gesaumte 
Flecke. Korperlange i m, die Schweiflange 60 cm. Das Tier lebt ebenfalls 
meist auf Baumen, nahrt sich von kleinen Saugetieren und Vogeln, holt sich 
allerdings auch ofters die Haushuhner der Eingeborenen. Es greift den 



410 



Naturgeschichte der Pelztiere. 



Menschen nie an, ist iiberhaupt ziemlich gutmiitig und wird in der Gefangen- 
schaft leicht zahm. 

In China lebt eine andere Art, von der es nicht ganz sicher ist, ob es 
Felis macrourus ist oder mit Felis brachyurus identisch ist. Mit dem auf den 
Sundainseln lebenden Nebelpanther hat er eine gewisse Ahnlichkeit, weicht 
aber in Grosse und Farbung stark ab. Ich habe zahlreiche Felle in Schanghai 
gesehen, von denen leider keins vollstandig erhalten war. Die Grundfarbe 
ist ein dunkles braunlichgelb, viel dunkler als beim Leoparden. Langs des 
Riickens lauft eine Doppelreihe geschlossener, langlicher, kleiner Ringe von 
etwa 3 bis 4 cm Durchmesser. Auf den Seiten befinden sich grosse geschlossene 
Ringe von unregelmassiger, langlicher Form von etwa Handgrosse. Der Schweif 
ist gleichfalls mit grossen unregelmassigen Ringen gezeichnet. Die Gesamt- 
lange des Felles ist 1,60 bis 2 m, wovon 60 bis 80 cm auf den Schweif kommen. 

Angeblich soil das Tier nur in Schantung vorkommen, doch konnte mir 
keiner der chinesischen Handler etwas Naheres dariiber mitteilen. Der Chinese 
nennt ihn einfach mit demselben Namen wie den Leoparden Pao, von dem 
er aber ausserlich ganz verschieden ist. 




Gesch. Aufn. d. Neuen Phot. Ges. 
Irbis (Felis uncia) . 



II. Die Katzenarten. 411 



k) Sudamerikanische Tigerkatzen, Ocelot etc. 

Die Sudamerikanische Tigerkatze ist wohl die am schonsten gezeichnete 
unter alien Katzenarten. Es sind verschiedene Arten hiervon in Amerika 
vertreten. 

Am nordlichsten geht Felis -pardalis, der von Zentral- Amerika bis Mexiko 
stark verbreitet ist. Die Grundfarbe ist gelblichbraun, die Flecken sind lang- 
lich gezogene Rauten und Doppelstreifen in regelmassigen Reihen ange- 
ordnet, Kopf rund und mittelgross, die Beine verhaltnismassig hoch, das ganze 
Tier schlank und grazios. 

Uber d,en Nacken laufen vier schwarzgesaumte Streifen, im Innern 
lebhaft rotgelb gefarbt. Auf dem Riickgrat eine Reihe schmajer, schwarzer, 
langgezogener Flecke. ; Auf den Seiten Langsreihen langgezogene Rauten 
mit schwarzem Saum, innen hellrotgelb, darin schwarze Punktflecke. Auf 
den Schenkeln kleine offene ringartige Augenflecke. Kopf klein und rund. 
Die Korperlange ist ca. 90 cm, d,er Schweif nur ca, 30 cm lang, teilweise 
geringelt. 

In Louisiana, Arkansas und Texas wird es durch eine andere verwandte 
Art vertreten, Felis ludoviciana oder limitis. Das Tier ist etwas kleiner als 
das vorige, Grundfarbe mehr rotlichgrau, Unterseite und Kehle weiss. Uber 
Nacken und Riicken drei schwarze Langsbinden, auf den Seiten vier schief- 
gestellte Langsreihen, vollig voneinander getrennte Augenflecke, der en 
Innenseite rotlichbraun, nicht mit schwarzen Punktflecken besetzt ist. 

In Siidamerika finden sich Felis pardalis costaricensis, Felis aquatorilis 
und schliesslich Felis chibigoiiazou, deren Verbreitungsbezirk von Brasilien 
und Paraguay bis nach Patagonien sich erstreckt. 

Alle diese Ocelot-Arten sind sich sehr ahnlich und weichen nur in der 
Form und Anordnung der Flecken voneinander ab. Das Fell diirfte etwa 
5 bis 6 Mk. wert sein und kommen bis jetzt jahrlich kaum mehr als einige 
hundert Felis mearusis in den Handel. 

Sehr nahe verwandt, und haufig auch mit dem Ocelot verwechselt, sind 
die folgenden Arten: Felis maracaya, Brasilien und Paraguay bis zum nord- 
lichen Patagonien. Die Korperlange bis zur Schwanzwurzel ist ca. 80 cm 
lang, der Schwanz etwa 30 cm lang. Die Grundfarbe ist graugelb, die Flecke 
rotlichgelb mit schwarzem Saum, sind voneinander getrennt, nicht vielfach 
zusammenhangend wie beim Ocelot, auf Kopf und Riicken lange Reihen 
schwarzer voller Tiipfel, auf dem Scheitel 5 schmale Streifen, auf Lenden 
und Seiten breite dunkle Flecke, die von einem schwarzen, stellenweise 
unterbrochenen Saum eingefasst sind. 

Felis mitis in Brasilien und Guajana bis Surinam vorkommend, 1st etwas 
kleiner als der Maracaya, der Schwanz zwei Fiinftel der Korperlange, die 
Farbe etwas abweichend, daneben lebt Felis brasiliensis, gleich gross wie der 



412 Naturgeschichte der Pelztiere. 

vorige, aber mil breiteren kurzen Ohren, der Schwanz langer, fast die Halfte 
der Korperlange. Die Grundfarbe ist weissgrau, Schultern mit schiefgestellten 
schwarzen Streifen, auf den Seiten runde voile Flecke, liber die Vorderbeine 
schwarze Querbinden. 

In Mexiko kommen noch zwei andere Verwandte vor. Felis bujfoni in 
Grosse wie der Maracaya, Grundfarbe rotlichgelb, Unterseite weiss, uber 
Nacken und Hals 7 stark in die Lange gezogene, schwarze, streifenartige 
Flecke, langs des Riickens eine Reihe voller schwarzer Flecke, auf den Seiten 
Langsreihen getrennt stehender, rundlich schwarzgesaumter Augenflecke, 
auf den Vorderbeinen eine schwarze Querbinde. 

Felis mexicana, gleiche Grosse, Grundfarbe rotgelb, Nacken und Riicken- 
streifen fehlen, sind durch langgestreckte schwarzgesaumte Augenflecke 
ersetzt. Auf den Seiten bindenartige Langsreihe aus schwarzgesaumten 







gez. v. Anna Matschie-Held. 
Tiipfelkatze (Felis viverrina) . 

Flecken mit schwarzen Punktcn. Auf den Schultern und Schenkeln grosse 
schwarze Flecken. 

Alle diese Arten werden im Handel einfach als Ocelot zusammen- 
gefasst, wie man in Argentinien fast alle gefleckte Katzen als Gatos monteses 
bezeichnet. In Brasilien heissen Ocelot und Maracaya ,,Jaguatiriga'. 

Die Lebensweise der Ocelot-Arten ist eine ahnliche. Sie leben fast stets 
paarweise und ausschliesslich in Waldgegenden, wobei ein Paar einen be- 
stimmten Jagdbezirk innehalt. Die eigentlichen Ocelots halten sich aber dem 
Menschen fern und stellen kleinen Saugetieren und Vogeln nach, ohne dabei 
grosse Grausamkeit, oft aber grosse Gewandtheit zu verraten. Die Jagd iiben 
sie iibrigens nicht in Gemeinschaft aus, und auch die Jungen, meistens nur 
zwei an der Zahl, werden von der Mutter allein mit Nahrung versorgt. Sie 
fliehen die Nahe des Menschen und wagen sich nur sehr selten in die Nahe der 
Ansiedlungen. Gefangen werden dieselben in Fallen, in Sudamerika auch 
haufig mit Hunden gehetzt. Die Indianer ziehen haufig junge Ocelots auf, 



II. Die Katzenarten. 



413 



die leicht zahm werden. Verwundete Ocelots werden aber auch dem Menschen 
gefahrlich, da sie dem Jager mil grosser Energie zu Leibe gehen. 

Felts mitts und Felts maracaya sind trotz ihrer geringen Grosse viel blut- 
gieriger und wilder und sollen sich. auch an grosse Saugetiere, wie die kleinen 
Hirscharten, heranwagen, auch sind sie nicht so scheu und besuchen die 
Huhnerhofe der im Walde gelegenen Gehofte regelmassig. Die deutschen An- 
siedler Brasiliens, die ja hauptsachlich im Walde, an den Picaden wohnen, 
haben viel unter dem Schaden zu leiden, den diese Katzen unter dem Ge- 
fliigel anrichten. Gejagt werden sie meistens mittels Hunden, die sie schnell 




gez. v. Anna Matschie-Held. 
Strohkatze (Felis payeros). 

zum Aufbaumen bringen, wobei sie der Jager mit einem Schusse erlegt. Jung 
eingefangen werden auch sie leicht zahm. 

In Brasilien lebt noch die langgeschwanzte Felis macroura,, die kleiner 
als die vorige ist, die Korperlange etwa 60 bis 65 cm, der Schweif aber 45 bis 
50 cm lang. Die Grundfarbe rotlichgelbgrau, 6 Langsstreifen iiber den Nacken, 
iiber den Riicken 3 Langsstreifen, aus langlich schwarzbraunen Flecken be- 
stehend. Das Tier, das auch in Paraguay noch vorkommt, ist verhaltnis- 
massig selten, und soil einen sehr blutdurstigen Charakter haben, sie stellen 
dem Geflugel stark nach, klettern gut, aber nicht gern, und werden meist mit 
Schlagf alien gefangen. Bedeutend kleiner, aber sehr schon gezeichnet ist Felis 
tigrina, von der Grosse einer Hauskatze. Der Schwanz hat die halbe Korper- 
lange. Grundfarbe ist fahlgelb, Unter seite weiss. tJber den Riicken ziehen 
sich Bander, schmale Reihen schwarzer voller Flecken. Auch die Beine sind 
mit schwarzen Flecken besetzt. Lebt in Brasilien und Guayana. Sie stellt 
hauptsachlich Ratten und Mausen nach, wird Jung gefangen sehr zahm und 



414 



Naturgeschichte der Pelztiere. 



1st dann ein sehr schemes wie niitzliches Haustier. Felis venusta in Paraguay 
und Argentinien. Grosse, etwas grosser als die vorige. Der Schweif langer 
und diinner. Grundfarbe braungelb, 6 Langsstreifen iiber Nacken und Hals, 
unregelmassige Flecke iiber Riicken und Seiten, die hinten in bandartige 
Streifen zusammenfliessen. Querstreifen iiber die Brust. Schwanz mil 
schmalen Halbringen umgeben. 

Eine hiibsche kleine Wildkatze aus Argentinien ist auch Felis geoffryi, 




Wildkatze. 



deren Vorkommen sich bis nach Patagonien hinein erstreckt. Die Behaarung 
ist kurz, glatt anliegend, die Korperlange etwa 50 cm, der Schweif 25 bis 
30 cm. Die Grundfarbe ist dunkelgraugelb, Unterseite weisslich, Riicken 
und Seiten mit zahlreichen, kleinen, unregelmassigen, schwarzen Flecken. 
Schultern und Oberschenkel breite langliche Flecke, Beine Querbinden. 
Schwanz graugelb, auf der Vorderhalfte rundliche schwarze Tupfen, End- 
halfte mit schwarzen schmalen Ringen, Spitze graugelb. 



II. Die Katzenarten. 415 



In Mexiko lebt Felis catenata, Grosse einer deutschen Wildkatze, mil 
dickem, gedrungenem Kopf und Korper, verhaltnismassig kurzen Beinen, 
Grundfarbe rotgelb, Riicken und Seiten mit mehreren Reihen schief gestellter, 
kettenartiger Langsbinden, die aus schmalen, langgestreckten, unvoll- 
kommenen Augenflecken bestehen, die teils schwarz, teils rotbraun sind. 
Auf dem helleren Bauch schwarze Streifen, Schwanz mit unvollstandig 
schwarzen Ringen, Schwanzspitze gelb. 

Grosse Ahnlichkeit mit unserer Wildkatze hat die in Argentinien und 
Patagonien haufig, auf dem Campo von Paraguay und Siidbrasilien seltener 
vorkommende Pampaskatze, Felis payeros. Kopf ist kleiner, der Korper ge- 
drungen, die Behaarung ziemlich lang und dicht. Die Grundfarbe ist ein 
strohiges gelbgrau, weshalb der spanische Name Gato payeros, Strohkatze. 
Das einzelne Haar ist an der Wurzel braun, dann gelb, Spitze schwarz. Uber 
dem Riicken und den Seiten zahlreiche, unregelmassige, schiefstehende 
Langsbinden dunkelbraunlicher Farbe. Korperlange 60 bis 70 cm, Schweif 
ca. 30 cm. 

Felis neglecta ist ebenso gross wie die vorige, kurz behaart, glatt an- 
liegende, aber weiche, rotlichgraue, am Grunde weisse Oberseite mit zahlreichen 
vollen, dunkel und rotlichen, runden Flecken, die langs des Riickgrats lang- 
lich gezogen sind. Auf der Unterseite unregelmassig grosse rote Flecke. Beine 
mit dunkeln Querbinden, Schwanz dunkel, mit helleren Flecken. Korper- 
lange ca. 70 cm, Schweif 35 cm. Es gibt in Siidamerika noch zahlreiche 
andere Wildkatzen, die aber noch nicht beschrieben sind, namentlich die 
Katzen der Westkiiste sind sehr wenig bekannt. 



1) Asiatische Tigerkatzen. 

Asien beherbergt eine grosse Anzahl Arten dieser kleinen, schon ge- 
zeichneten Tiere, die aber erst zum Teil genauer beschrieben sind. In Indien 
finden wir namentlich viele Arten. 

Felis viverrina, die Tiipfelkatze, ist doppelt so gross als eine Hauskatze; 
Kopf breit, ahnlich unserer Wildkatze. Die Grundfarbe ist graugelb mit 
zahlreichen, weit voneinander stehenden schwarzen Tupfeln. Auf dem Kopf 
und Nacken eine langgestreifte Zeichnung. Das Tier halt sich haupt- 
sachlich in Siimpfen und Rohrdickichten an Flussen auf. Die Hauptnahrung 
besteht aus Fischen, Muscheln und Schlangen, doch auch von Vogeln und 
kleinen Saugetieren. Sie soil sehr wild und unzahmbar sein, und Blandford 
erwahnt, dass sie die Pariahunde in der Nahe der Dorfer angreife, auch Kalber 
und Schafe tote und gelegentlich auch Sauglinge wegschleppe. Ihr Ver- 
breitungsbezirk ist Indien siidlich vom Himalaya und Ceylon. Sie soil auch auf 
Formosa vorkommen, doch handelt es sich dort wohl um eine verwandte Art. 



416 



Naturgeschichte der Pelztiere. 



Felis marmorata, etwas grosser als die Hauskatze. Schweif buschig, 
aber gleichmassig dick, drei Viertel so lang als Kopf und Rumpf. Dichtes, 
weiches Fell. Grundfarbe gelbbraun bis braungrau. Die Seiten durch schmale 
helle Streifen in grosse unregelmassig geformte Flecken geteilt, die an der 
hinteren Kante schwarz gezeichnet sind. Uber den Riicken unregelmassige 
eckige Flecke und unregelmassige Ringe in Liingsbinden angeordnet. Auf 
den Beinen und dem Schweif schwarze Flecke. Von den Augenwinkeln 
nach dem Nacken ziehen sich zwei schwarze Binden. Dieses schone Tier 
kommt im ostlichen Himalaya-Gebiet, in Sikkim Nepal, den Hiigelgebieten 




Marmel-Katze (Felis marmorata) . 



von Birma, Assam Siam und den Malacca-Halbinseln bis nach den Sunda- 
Inseln vor, lebt auf Baumen und ist ein ausgesprochenes Nachtraubtier. 

Sehr schon gezeichnet ist ferner Felis bengalensis, die Leopardenkatze. 
Die Korperlange ist 30 bis 40 cm, der Schweif ca. 15 cm. Die Grundfarbe 
ist fahlgelb mit langlichen Flecken, die sich in Reihen iiber Riicken und Seiten 
ziehen. Die Flecken sind schwarz mit braun in der Mitte. Der Schweif 
ziemlich buschig mit undeutlichen Ringen. Das Fell schon weich behaart. 
Das schone Tier bewohnt ganz Indien, Birma, Siidchina, die Philippinen und 
die Sunda-Inseln. 

Felis rubiginosa, kleiner als unsere Hauskatze, besitzt ein weiches dichtes, 
aber kurzhaariges Fell. Der Schweif ist halb so lang, als der iibrige Korper. 
Grundfarbe rotlichgrau, unten weiss, Kopf, Rumpf und Beine mit dunklen 
rostroten Flecken; vier dunklere Fleckenbander laufen langs des Riickens. 



II. Die Katzenarten. 



Das gewandte und graziose Katzchen bewohnt Siidindien und Ceylon, halt 
sich meistens in der Nahe der Dorfer auf und wird in der Gefangenschaft 
leicht zahm. 

Felts pardicolor, Kopf bis Schwanzwurzel 30 bis 40 cm, Schweif gleich 
lang. Grundfarbe fahlbraun mit grossen schwarzen Flecken oben, Unterseite 
weisslich ohne Flecke. An jeder Seite des Nacken zwei Langsbinden. Zwei 
Langsbinden aus grossen runden Flecken ziehen sich liber den Riicken, da- 
zwischen eine Reihe kleiner unregelmassiger Flecke. Drei Reihen viereckiger 
Flecke langs den Seiten. Beine gefleckt. Schwanz mit 8 bis 10 Ringen, die 
durch gleichfarbige, hellfarbige Ringe getrennt sind. Lebt in Nepal und dem 
siidostlichen Himalaya, halt sich auf Baumen auf, stellt kleinen Vogeln nach 
und wird in der Gefangenschaft leicht zahm. 

Felis maculosa, etwas grosser als die vorige. Grundfarbe grau; die 
Flecke sind breiter, die Riickenbinden grosser. Der Schweif ist nur zwei 
Drittel der Korperlange und zeigt 7 breite schwarze Ringe, die durch schmalere 
gelbe Zwischenraume getrennt sind. Kommt nur in Birma vor. 

Felis ornata,, die Wiistenkatze, bewohnt, wie schon ihr Name andeutet, 
die wiistenartigen Sandflachen Radj put anas, so wie des westlichen Indiens 
bis nach Beludschistan, wo sie sich hauptsachlich von Sandmausen nahrt. 
Die Korperlange betragt 50 bis 60 cm, der Schweif die Halfte. Die Ohren 
sind gross und spitz, der Schweif lauft sehr spitz zu. Die Behaarung ist kurz 
und grob, die Grundfarbe sandgrau mit zahlreichen kleinen runden Flecken 
auf dem Riicken. Kopf und Nacken mit schwarzen Langsstreifen. Bauch 
weisslich. Beine mit schmalen schwarzen Streifen, breite schwarze Backen- 
streifen. Hals und Brust weiss ohne Flecke. Schweif mit schwarzen Quer- 
streifen, die am unteren Ende Ringe bilden. Spitze schwarz. 

Eine ziemlich grosse Katze ist Felis temmincki, die Goldkatze. Kopf und 
Rumpf ca. So^cm lang, Schweif 45 cm, Schulterhohe ca 50 cm. Die Farbe 
ein dunkles Rotbraun, das im Nacken in dunkles Kastanienbraun iibergeht 
und an den Seiten blasser wird. Kinn und Unterseite weisslich. Auf der Brust, 
der Kehle und der Innenseite der Beine unregelmassigeMarkierung aus dunklen 
Flecken. Lebt in Sikkim Nepal, Malacca, Sumatra und Borneo, 

Felis torquatus besitzt die Grosse unserer Hauskatze. Schweif diinn 
und spitz zulaufend, etwas mehr als die Halfte der Korperlange. Ohren rund. 
Die Farbe aschgrau bis rotlichgrau mit schmalen dunklen Langsbinden iiber 
den Riicken und verschiedenen unterbrochenen dunkelbraunen Querbinden 
oder Fleckenreihen vertikal an den Seiten und dem vorderen Bauch. Brust 
und hinterer Bauch ungefleckt. Schweif-Vorderhalfte mit undeutlichen schwar- 
zen Ringen. Spitze schwarz. Diese Katze, die wahrscheinlich eine der 
Stammformen unserer Hauskatze ist, bewohnt Nordindien. 

Ganz Zentralasien bewohnt die Steppenkatze Felis manul, welche L die 
Grosse der Hauskatze etwas ubertrifft. Das Fell ist weich, lang und dicht 
behaart. Der'dicke^buschige, zylindrische? Schweif bat die halbe Korperlange 

27 



41 8 Naturgeschichte der Pelztiere. 

Die Farbe 1st silbergrau bis gelblichweiss, dunkler auf dem Riicken. Brust 
braun, Unterseite weiss. Die langen Grannenhaare sind weiss mil schwarzer 
Spitze. Uber die Lenden einige schmale schwarze, undeutliche Streifen. 
Das Tier bewohnt die Steppe, wie es sich hauptsachlich zwischen den Felsen 
auf halt und Mausen und kleinen Saugetieren nachstellt. Ihr Verbreitungs- 
bezirk reicht vom nordlichen Himalaya bis nach Sibirien. Besonders in der 
Mongolei ist sie sehr haufig. 

In China finden sich verschiedene Wildkatzenarten, die unterschiedslos 
von den Chinesen als Teh Mao bezeichnet werden. Ich habe besonders drei 
Arten beobachtet. Am haufigsten ist eine gefleckte Wildkatze, wahrschein- 
Hch Felis microtis. Die Grundfarbe ist gelblich rotbraun, mit regelmassigen 




gez. v. Anna Held-Matschie. 
Indische Wildkatze (Felis crythrotir) . 

braunlichen runden Flecken. Auf den Seiten ist sie heller, der Bauch weiss- 
lich. Die Lange des Felles von der Nasenspitze bis zur Schwanzwurzel ist 
60 bis 70 cm. Die Schweiflange 15 bis 18 cm. Das Tier kommt hauptsachlich 
in den Yangtsee-Provinzen, in der Mandschurei und Korea vor. 

In denselben Gegenden findet man Felis euptilura, die etwas grosser als 
die vorige ist. Die Grundfarbe ist heller, die Felle sind mehr geschlossen. Sie 
kommt auch in der Nahe Shanghais vor, wo sie den Hiihnern und kleinem 
Wilde nachstellt. 

Eine dritte Wildkatze, Felis pallida, ist viel seltener als die vorigen. 
Sie ahnelt mehr den europaischen Wildkatzen, ist aber kleiner und schlanker. 
Die Korperlange ist etwa 80 bis 85 cm, der Schweif ca. 30 cm lang. Farbung 
ist dunkelgrau mit schwarzlicher Stichelung und unregelmassigen schwarzen 
Flecken. Der Schwanz ist dick, aber bedeutend langer als der unserer Wild- 
katze. 



II. Die Katzenarten. 419 



Im westlichen China, Tibet etc. kommt Felts scripta vor. Gelblichgraue 
Grundfarbe mit unregelmassigen Flecken, die am Rande dunkel, in der Mitte 
hellrotbraun sind. In der Schultergegend und dem Nacken sind die Flecken 
langlich gezogen. Es kommen noch vor: Felis chinensis, Felis ricketti, Felis 
ingrami und Felis tristis im zentralen und westlichen China, welche ich 
nicht selbst bestimmen konnte und woriiber ich auch in der Literatur 
keine nahere Beschreibung finden konnte. Ausserdem hat Herr Professor 
Matchie unter den von mir eingefiihrten chinesischen Katzen mehrere neue 
Arten herausgefunden, sowie die oben erwahnte F. ricketti, F. ingrami und 
F. chinensis. Diese chinesischen gefleckten Wildkatzen bilden bereits einen 
Handelsartikel, und jahrlich kommen etwa 10- bis 12 ooo Stuck in Shanghai 
auf den Markt, die alle bereits sorgfaltig zubereitet sind. Der Wert ist etwa 
i Mark bis 1,50 Mark per Stuck augenblicklich. Bei grosserem Bedarf 
wiirden auch wohl grossere Quantitaten zu beschaffen sein. 

Die schon gezeichneten indischen Arten bilden aber vorlaufig gar keinen 
Handelsartikel, da nur einige hundert Stuck jahrlich an den Markt kommen, 
doch wiirden sich eventuell, wenn der Handel organisiert wurde, auch hiervon 

grossere Mengen beschaffen lassen. Namentlich von den Arten, welche das 
obere Birma, die Shanstaaten etc. bewohnen, da gerade die Shans sich sehr 
gut auf die Zubereitung von Fellen verstehen. 



m) Hauskatzen. 



Die oft verachtlich erwahnten Katzenfelle bilden einen grossen Handels- 
artikel, obgleich sie nicht, wie von Laienschriftstellern manchmal leichtfertig 
behauptet wird, als Zobelfell und sonstige wert voile Pelzfelle verkauft werden. 
Im Handel werden sie zunachst nach der Farbe und dann nach der Herkunft 
unter schieden. Am wertvollsten sind die schwarzen Katzen, dann kommen 
die sogenannten Cyperkatzen, mit dunkelgrauer Grundfarbe, schwarzlicher 
Stichelung und regelmassigen schwarzen Flecken und Querbinden, dann die 
verschiedenen Farben, die als Scheckenkatzen zusammengef asst sind. Schwarze 
Katzen liefert Holland die besten, die in regelmassigen Katzenfarmen ge- 
ziichtet werden. Zur Erzielung eines schonen dichten grossen Felles werden 
in Holland die Kater haufig verschnitten. Ein schones hollandisches Katzen- 
fell wird mit 3 bis 4 Mark bezahlt. Dann kommen nach der Reihe die Katzen 
aus Bayern, Holstein, Danemark, der Schweiz und dann aus dem iibrigen 
Deutschland. England liefert kleine, aber gute Felle, Frankreich und Siid- 
europa geringere Felle. Spanien vorzugsweise rotgelbe Felle. Aus Russland 
kommen grosse Mengen Katzen, die aber gering in Qualitat und auch meistens 
schlecht zubereitet sind. Viele kommen auch in Form von Sacken gearbeitet 

27* 



420 Naturgeschichte der Pelztiere. 

in den Handel. Amerika liefert viele grosse Katzen von geringer Qualitat. 
Aus China kommen ziemlich gute Katzen, doch sind die schwarzen FeJle 
aus dieser Gegend wenig wert, da sie eine rotlichbraune Farbe zeigen. Die 
Cyperkatzen sind sehr schon in Farbe. Unter den Scheckenkatzen kommen 
viele Felle von rotlichgelber Farbe vor, mit dunkleren Querbinden und 
Flecken, sowie eine ganz eigenartige Farbe, die sonst nirgends vorkommt: 
gelbe Grundfarbe mit schwarzlicher Stichelung, ahnlich wie beim Iltis. Tiere 
dieser Art sind stets auch langer behaart und deuten auf eine andere Urform, 
vielleicht eine Kreuzung mit der Steppenkatze ; sie kommen aber in demselben 
Wurf mit den anderen Katzen vor. In China kommt unsere europaische 
Hauskatze, in den Kiistenplatzen eingefiihrt, haufig vor neben den chine- 
sischen Katzen. Letztere sind grosser und kraftiger und haben einen be- 
sonders breiten und dicken Kopf. Der Preis der chinesischen zugerichteten 
Katzenfelle ist augenblicklich etwa 75 Pfg. fur Cyperkatzen, 60 Pfg. fur 
Scheckenkatzen. 

Japan liefert auch gute Katzenfelle, Nachkommen der eingefiihrten 
europaischen Hauskatzen. 

Unter den englischen Katzen kommen ausser den schwarzen und den 
verschiedenen Scheckenkatzen (mottled cats) besonders die Cyperkatzen 
(grey oder tabby), die gelben Cyperkatzen, wie die oben erwahnten chine- 
sischen (red tabby) und die sogenannten tortoise shell-Katzen, die aus schwarz- 
rot und weissgelb zusammengesetzte Fleckenzeichnung tragen, ahnlich dem 
Schildpatt, daher der Name. Am wertvollsten und seltensten sind blaue Katzen. 

Australien liefert auch jahrlich eine Anzahl Katzen, die meistens gelb 
Cyper (red tabby) sind, flach und gering in Qualitat. Die siidamerikani- 
schen Hauskatzen sind reichlich ein Viertel kleiner als die europaischen 
Hauskatzen. Unter den europaischen Katzen kommt noch eine dunkle 
Cyperkatze vor, wo die Querbinden zu dunklen Flecken verbreitert sind, 
die sogenannten Raderkatzen. Diese sind nicht haufig, geben aber ein 
schones Futter. Abarten unserer Hauskatze sind die schwanzlose Man- 
Katze auf der Insel Man, die Stummelschwanzkatze des malaischen Ar- 
schipel und die Knotenschwanzkatze der Insel Kiushiu in Japan, deren ver- 
dickter Schweif einen formlichen Knoten bildet. Alle diese Arten sind wohl 
Abkommlinge der Fahlkatze, vielleicht mit Kreuzungen der Wildkatze. 

Sibirien liefert eine langhaarige Katze mit feinem, seidenartigem Haar, 
aber meist schwarzer oder braunlicher Farbe, wohl Abkommlinge der Steppen- 
katze. Die bekannte weisse und blaue Angorakatze und die persische Katze, 
die namentlich in Frankreich und England viel gehalten wird, mit dem langen, 
seidenweichen Haar, sind fur den Pelzhandel wertlos. Die sogenannte chine- 
sische Hangeohr-Katze mit angoraartiger Behaarung habe ich in ganz Asien 
nicht zu Gesicht bekommen. Auch kannte sie keiner der befragten Chinesen. 

Es kommen jahrlich in den Handel ungefahr 200 ooo Katzen aus Holland, 
170 ooo aus Deutschland, 150 ooo aus dem ubrigen Europa, 300 ooo aus Russ- 



II. Die Katzenarten. 421 



land. China und Japan liefern ca. 150 ooo Stuck, Amerika 80 ooo Stuck. 
Dass die Katzenfelle aber unter falschen Namen als wertvolles Pelzwerk 
von den Kiirschnern verkauft werden, ist eine haltlose Verleumdung; die 
meisten werden als Pelzfutter und als Schutzmittel gegen Rheumatismus, 
auf der Brust zu tragen, verkauft. 

Eine ganz besondere Stammform, wohl eine der Schleichkatzenarten, 
hat jedenfalls die siamesische Katze, glatthaarig, einfach hellgraubraun ge- 
farbt, der Kopf spitz, die Augen hellblau. 

Die afrikanische Kaf f ernkatze ist rotlichgrau, mit gewellten braunen Quer- 
binden und rotlichen Flecken. Der Schweif geringelt. Sie ahnelt dem siidafri- 
kanischen Caracal und auch dem Sumpfluchs etwas, ist aber naturlich kleiner. 

Die Lebensweise der Hauskatze sollte eigentlich geniigend bekannt sein, 
doch ist keins unserer Haustiere so vorurteilsvoll beurteilt wenigstens in 
Deutschland. Wahrend in England und Frankreich die Katze zur Familie 
gehort, gehegt und gehatschelt wird, gilt sie in Deutschland in den weitesten 
Kreisen fur falsch, murrisch und dumm. Dabei ist die Katze, wenn sie im 
Hause aufgezogen und gut behandelt wird, so anhanglich und zutraulich 
wie ein Hund, springt ihren Bekannten freundlich entgegen und ist fur jede 
Liebkosung empfanglich. Dabei ist sie fast auch ebenso intelligent wie der 
Hund. Ich besitze eine Katze, die sich selbst die Tiiren offnet, indem sie 
auf die Klinke springt, sich mit dem Vorderkorper dort anhangt und mit 
den Hinterpfoten gegen den Tlirpfosten stosst, sicher ein Zeichen, dass sie den 
Begriff der Kausalitat kennt. Jung gewohnt, ist sie auch durchaus stubenrein. 
Eine schnurrende Katze vor dem Herdfeuer ist der Inbegriff der Gemiitlichkeit. 
Naturlich darf man das Tier nicht nach den halbwilden, unablassig gehetzten 
Geschopfen beurteilen, die man bei uns so haufig sieht. Deutschland und 
Russland stehen in dieser schmachvollen Behandlung der Katzen einzig da, 
selbst in der Holle der Haustiere, in Italien, werden diese Tiere besser behandelt. 

In China ist die Katze, Mao, ein ungemein beliebtes Tier, namentlich 
junge Katzen, und diese werden aus den Europaerhausern haufig gestohlen. 

Auch in Japan bildet die Katze, Neko, einen beliebten Spielkamerad 
der Kinder. 

Junge spielende Katzchen sind die liebenswiirdigsten, graziosesten Ge- 
schopfe, die man sich denken kann. Neun Tage bleibt die junge Katze blind, 
zwei Monate lang saugt sie und ist mit 8 Monaten bereits fortpflanzungs- 
fahig. Zweimal im Jahre wirft sie nach 7 wochentlicher Tragzeit 3 bis 6 Junge. 



n) Ginsterkatzen. 



Reizende Geschopfe sind die Ginsterkatzen oder Genettkatzen. Die bc- 
kannteste ist die Genetta vulgaris, die in Frankreich und Sudeuropa vorkommt, 
dunkelgelbgrau mit dunklen Flecken, langem Schweif mit schwarzen Ringeln. 



422 Naturgeschichte der Pelztiere. 

Das Tier 1st wesentlich kleiner als die Hauskatze. Die eigentliche Heimat der 
Ginsterkatzen ist Afrika. In Westafrika leben Genetta genettoides, etwas grosser 
als die europaische Genette; dieZeichnung besteht aus runden Flecken und 
langlichen schwarzen Streifen, die ziemlich weitlaufig stehen auf grauem 
Grunde. Genetta pardina lebt gleichfalls in Westafrika; dunkel umbra gelb, 
Nacken rotlich gelb getiipfelt, schwarze Fleckenreihen, die in Streifen iiber- 
gehen, um die Schultern durch Querriegel verbunden, iiber den Riicken 
schwarze Langsstreifen, Schwanz lang behaait, dimkelbraun mil helleren 
Ringen, Spitze schwarz. 

In Siidafrika Genetta tigrina, hellgelbgrau mit wenigen weit zerstreut 
stehenden dunklen Flecken. Der Riicken mit mahnenartig verlangertem Haar. 
Der Schweif lang und diinn, mit breiten weissen und schmalen braunen 
Ringen. 

Im Senegalgebiet lebt noch haufig Genetta senegalensis, hellgelbgrau, 
braunlich gefleckt, der hintere Teil des Riickens mit einer Mahne, Schwanz 
schwarz und gelb geringelt. Alle diese Arten kommen aber nicht 
haufig in den Handel und spielen deshalb auch keine Re lie. Einige 
tausend Stiick diirften alles sein. Der Wert ist etwa 1,50 bis 2 Mk. Besonders 
auffallig ist der Kopf mit dem scharfen Schnauzchen und den munteren 
Augen, sowie der lange, geringelte Schweif. Die Tiere werden leicht zahm 
und machen durch ihr munteres Wesen viele Freude. Die verschiedenen 
Genettenarten des Berliner Zoologischen Gartens nahern sich in der Abend- 
dammerung stets dem Gitter und versuchen, mit dem Beschauer zu spielen. 
In der Freiheit besteht die Hauptnahrung aus kleinen Saugetieren, nament- 
lich Mausen und Ratten, auch kleinen Vogeln und deren Gelege. Der Schaden, 
den sie anrichten, ist gering. Im Handel werden die Felle oft als Buschkatze, 
engl. bush cat, bezeichnet. 

Von den meisten Forschern werden die Ginsterkatzen nicht zu den 
echten Katzen, sondern zu den Schleichkatzen (Viverren) gezahlt. 



o) Jagdleoparden. 



Einen Ubergang von den Katzen zu den Hunden bildet der G e p a r d 
oder Chitah, der Jagdleopard, von dem zwei Arten existieren: Cynaelurus 
guttatus in Afrika und Cynaelurus jubatus in Asien. Die letztere Art wird 
von altersher zur Jagd abgerichtet und hat die Grosse eines Leoparden, ist 
aber viel hochbeiniger und schlanker. Die Ohren sind kurz und rund, das 
Haar grob, das Nackenhaar etwas langer, eine Art kurzer Mahne bildend. 
Das Bauchhaar ist etwas zottiger. Der Schweif ist mehr als die halbe Korper- 
lange lang. Die Farbe ist gelb, unten heller, iiberall mit geschlossenen, runden, 
kleinen schwarzen Flecken. Die Heimat des wildlebenden Tieres ist Indien, 



II. Die Katzenarten. 423 



Persien, bis zum Kaspischen Meer, Turkmenien, wo das Tier nach Radde die 
verbreiteste Art der grossen Katzen ist. In Ceylon und den ostlichsten Teilen 
fehlt es ganzlich. Es lebt vorzugsweise in niedrig gelegenen Felshiigeln nahe 
der Ebene, von wo aus es namentlich den Antilopen nachstellt ; auch die grosse 
Nylgau-Antilope wird von ihm uberwaltigt. Dagegen greift der Gepard nie 
den Menschen an und lasst auch die Viehherden in Ruhe. Anatomisch steht 
er vielfach den Hunden nahe, auch sind die Krallen nicht zuriickziehbar. 

In Indien und Teilen Zentralasiens wird der Gepard schon seit alters 
zur Jagd abgerichtet, da er auf kurze Strecken selbst dem Windhund weit an 
Schnelligkeit iiberlegen ist. Ich selbst hatte Gelegenheit, in der Nahe von 
Jeypore in Indien, einer Jagd mit Jagdleoparden beizuwohnen. Das Tier, 
welches sich ruhig streicheln Uess, war auf einer Ochsenkarre gelagert und 
mit einer Lederhaube und starkem Halsbande versehen. Die Karre fuhr 
ins Feld bis in die Nahe einer weidenden Herde Blackbucks (Hirschziegen- 
Antilopen). Die Kappe wurde dann gelost, sobald man die Antilopen ge- 
sichtet hatte. Der Gepard kroch langsam herunter und schlich sich gegen 
den Wind bis auf etwa 300 Schritt an die Tiere heran. Da gewahrten sie 
ihn und stoben nach alien Richtungen auseinander. Mit Blitzesschnelle hat 
er aber den mit schonen Hornern geschmiickten Bock eingeholt und zu Boden 
gerissen. Ehe er ihn aber anschneiden konnte, waren die Wartei herbei- 
geeilt und hatten ihn am Halsband zuriickgerissen. Dem Bock wurde als- 
dann die Kehle durchschnitten, was eigentlich kaum notig war, da der Gepard 
ihm das Genick gebrochen hatte. Als Belohnung erhielt er dann einen Teil 
des Aufbruchs. Es kommen nicht haufig Felle in den Handel, der Wert 
diirfte etwa 20 Mk. betragen. 



p) Luchsarten. 



Nordamerika beherbergt verschiedene Luchsarten, engl. Lynx, franz. 
Loupcervier. Am grossten und schonsten ist der Silberluchs, Lynx cana- 
densis, welcher hauptsachlich das Hudsonsbay-Gebiet, sowie Canada, Maine, 
das nordliche Minnesota und Teile von Alaska bis British Columbia bewohnt. 

Das Fell ist etwa 1,20 bis 1,40 m lang, der Schweif ist kurz und dick, 
ca. 5 bis 6 cm lang mit schwarzer Endspitze. Die Farbung des Felles ist auf 
dem Riicken ungefahr 3 cm lang und sehr fein und dicht, die Farbe ist ge- 
mischt aus rotlichen und silbergrauen Haaren mit sehr schwach hervortreten- 
den rotbraunen Flecken. 

Die Unterseite ist mit feinem, wohl 10 cm langem weichem Haar be- 
deckt, das rotlichweiss ist, mit vereinzelt stehenden, rotbraunen, runden 
Flecken. Die Wangen sind mit einer Art Mahne von teils weissen, teils 
schwarzlichen steifen Haaren bedeckt, die sich auch bis unter das Kinn er- 



424 Naturgeschichte der Pelztiere. 

streckt. Die Hinterbeine sind hoher als die Vorderbeine, die Sohlen mit einer 
dichten Pelzschicht bedeckt, so dass er ganz unhorbar daherschleicht. Das 
Leder ist recht dunn und fein, aber am Kopf und Nacken dick und schwer, 
so dass das Umwenden der getrockneten Felle, die meist mit dem Leder 
nach aussen in den Handel kommen, mannigfache Schwierigkeiten bietet. 
Abgezogen werden die Felle stets durch einen Querschnitt zwischen den 
Hinterbeinen. Felle, die auf dem Bauch anfgeschnitten sind, haben bedeutend 
weniger Wert. Riicken und Bauch werden gesondert verarbeitet. Friiher 
wurden die Felle stets naturell verarbeitet und waren namentlich in der Turkei 
und in China sehr beliebt. Jetzt werden dieselben schwarz gefarbt und sind 
besonders in Amerika sehr gesucht. Durch die starke Nachfrage ist der Preis 
ungeheuer gestiegen fur prima Felle wurden im Jahre 1910 160 Mk. bezahlt, 
wahrend sonst der Wert etwa ein Viertel dieser Summe betrug. 

Merkwiirdig ist, dass das mehr oder minder haufige Vorkommen der Tiere 
an bestimmte Perioden gebunden ist. Wie Mac Farlane, ein chief trader der 
Hudsonsbay Co. berechnet hat, sind solche drei Saisons hintereinander sehr 
knapp, in der vierten Saison gibt es dann doppelt so viel Felle, im fiinften, 
sechsten und siebenten Jahre stets doppelt so viel wie im Vorjahr, im achten 
Jahr bleibt die Zahl konstant, dann fur die nachsten drei Jahre immer je die 
Halite des Vorjahrs. Dies scheint mit der periodischen Vermehrung des Haupt- 
beutetieres des Luchses zusammenzuhangen, des Kaninchens, was sich ja 
auch rapide vermehrt, bis dann durch Ubervolkerung des Gebietes Epi- 
demien ausbrechen, welche ihre Zahl sehr reduzieren. Auch treten diese 
Kaninchen manchmal grosse Wanderungen nach anderen Distrikten an, 
wohin ihnen die Luchse folgen, ebenso wie die amerikanischen Zobel, die 
iibrigens auch den Luchsen haufig zur Beute fallen. Sonst ist der Luchs 
uberhaupt nicht sehr wahlerisch, er frisst auch Mause, Wildgefliigel und deren 
Eier, Fische und Wildkalber. Die Angaben der alteren franzosischen Schrift- 
steller, wonach die Luchse auf Baumasten auf die darunter vorbeikommenden 
Hirsche lauern, denen sie dann auf den Riicken springen und die Halsader 
durchbeissen, sind stark iibertrieben. 

Den Menschen greift der Luchs nie an, und selbst verwundet, wendet 
er sich nur zur Flucht, ganz im Gegensatz zu seinem europaischen Vetter, 
der in solchem Fall den Jager wiitend annimmt. Das Fleisch, welches sehr 
weiss und zart sein soil, wird von den Eingeborenen sehi geschatzt. Die besten 
Felle kommen vom Yorkfort-Distrikt, sowie aus Alaska. 

In Neuschottland ist der L. canadensis durch eine andere Art vertreten, 
den Lynx gigas, der bedeutend grosser und dunkler ist, auch die Unterseite 
ist ein sehr dunkles Weiss mit schwarzen Flecken. 

An der Nordwestkiiste kommen auch zahlreiche Luchse vor, die aber 
grober im Haar und rothcher in der Farbung sind. Auch das Leder ist meist 
dicker. Es scheint dies auch eine abweichende Art zu sein, vielleicht mit 
dem L. uinta aus Wyoming identisch. 



II. Die Katzenarten. 425 



Elliot erwahnt auch noch Lynx subolanus aus Neufundland und L. molli- 
-pilosus aus Alaska als besondere Art. 

Viel verbreiteter 1st der sogenannte Rotluchs, die amerikanische 
Wildkatze, Cat common, Luchskatze, und von den amerikanischen Jagern 
Bobcat auch Catamount genannt. 

Im Westen ist dies meist Lynx fasciatus mit den Unterarten L. fasciatus 
yallescens in Washington, L. baylei in Arizona, L. californica in Kalifornien. 
In Canada und den nordlichen Teilen der Vereinigten Staaten ist L. rufus, 
in den Sudstaaten, namentlich Arkansas und Texas, L. rufus texensis, in 
Florida, Carolina usw. L. rufus floridanus. 

In Nieder-Kalifornien kommt auch noch eine sehr kleine Art, 
L. rufus peninsularis, vor, die etwa 60 bis 70 cm lang wird, blassrotlich mit 
grauen Haarspitzen, ohne dunklere Abzeichen, Bauch weiss mit schwarzen 
Flecken, Gesicht mit schwarzer Markierung. Der Wert der Luchskatzen 
aus den verschiedenen Gegenden ist sehr verschieden. Aus Canada, Neu- 
schottland, Maine und den andern nordlichen Gegenden der Vereinigten Staaten 
kommen Felle, die an Lange des Haares und Dichte desselben, sowohl \vie 
in der Farbung einem kleinen Luchse sehr nahe kommen, wahrend andere 
nur einer Wildkatze ahnlich sehen. So sind die Felle der Westkiiste meist 
hell, die vom Siiden stark gefleckt, aber kurz im Haar, alle zeigen aber die 
helle Farbung des Bauches und stark ausgepragte Flecke auf dem Riicken. 
Auch die Grosse schwankt von 60 cm bis zu i m Lange. Der Schwanz ist 
kurz und dick und abweichend in der Farbe vom Luchs. Wahrend beim 
^chten Luchs der Schwanz auf zwei Drittel der Lange dieselbe Farbe wie der 
Riicken hat und die Spitze schwarz ist, findet man beim Rotluchs die Riicken- 
farbe nur dicht an der Wurzel, der iibrige Teil ist schwarz, die Spitze aber 
weiss. Sowohl bei L. rufus wie bei L. faciatus ist die Zeichnung auf den Backen 
aus schwarz und weissen Streifen bestehend, besonders auffallend, am starksten 
aber bei L. fasciata entwickelt, was ihm ja auch den Namen verschafft hat. 
Der Wert schwankt naturlich auch sehr nach der Qualitat. So wurden 
1910 die rauchen, zumFarben geeigneten Sorten mit 30 Mk. bezahlt, wahrend 
die flacheren, zu Decken geeigneten Felle von 3 bis 8 Mk. brachten. Das 
sind aber auch Ausnahmepreise, gewohnlich rangiert der Preis von 2 bis 
10 Mark pro Stuck. 

Die Zahl des Auftretens ist nicht wie beim Luchs periodisch schwankend. 
Es kommen jahrlich etwa 20 30 ooo in den Handel. Nordlich von Canada 
kommen diese Luchsarten nicht vor. 

In den Vereinigten Staaten ist es ejn beliebter Sport, die Luchskatzen 
dt Hunden zu hetzen und der Jagd zu Pferde zu folgen, bis die Hunde die 
Katze zum Aufbaumen gebracht haben, worauf sie der Jager mit der Kugel 
herunterholt. 

Auch Roosevelt betrieb eifrigst diesen Sport und erlegte in Kolorado 
in einem Tage 5 Bobcats, die von 22 bis 40 Pfund wogen. Die Katzen rennen 



426 Naturgeschichte der Pelztiere. 



sehr schnell und ausdauernd und dauerte es oft iiber eine Stunde, bis sie, in 
die Enge getrieben, sich auf einen Baum fluchteten. Dies ist iibrigens das 
einzige, wodurch sich diese Tiere einiger Beliebtheit erfreuen, sonst werden 
sie dem Geflugelzuchter sehr schadlich und vergreifen sich auch an Lammern 
und jungen Schweinen. Ebenso stellen sie dem Wildgefliigel, selbst dem 
wilden Truthahn nach und greifeii auch Hirschkalber an. Ihre Lieblings- 
nahrung sind aber die Prairiehunde, denen sie mil grosser Geduld auflauern. 
Dem Menschen werden sie nie gefahrlich, setzen sich aber gegen einzelne 
Hunde stark zur Wehr und iiberwaltigen sie auch oft. 

Wahrend der echte Luchs mit Vorliebe in Waldern haust und auch sein 
Lager stets in hohlen Baum en sucht, bevorzugt die Luchskatze Felshohlen 
und ist nicht an den Wald gebunden. Der kanadische Luchs bringt jahrlich 
nur zwei Junge, der Rotluchs drei bis vier. 

Auch in Europa und Nordasien treten verschiedene Arten von Luchsen 
auf. Am verbreitetsten ist Lynx cervaria, der Russland, den Ural, den 
Kaukasus und Teile des sudwestlichen Sibiriens bewohnt. Er soil nach Radde 
sich auch bis nach Ostsibiiien erstrecken, wo er aber eigentlich durch eine 
andere Art vertreten wird. Der Kopf ist kurz und dick, der Leib gedrungen, 
die Beine hoch und stark, die Haarbiischel an den Ohren kurz, die Wangen 
mit mittellangem Bart. Grundfarbe rotlichgrau. Riicken mit drei Langs- 
reihen weit auseinander stehender, deutlich begrenzter, langlicher, schwarzer 
Flecke besetzt. Die Seiten mit rundlichen, dichter stehenden Flecken. 
Oberschenkel dicht gefleckt, Unterseite mit langen, weissen Haaren, ohne 
jede Flecke. Schwanz kegelformig, an der Spitze dunn, ein Sechstel der 
Korperlange. 

Im nordlichen Europa, Nordrussland und dem nordlichen Sibirien tritt 
Lynx virgata auf. Die Ohrbiischel sind liinger, der Schwanz vollkommen 
walzenformig, Backenbart langer. Auch die sonstigen Korperhaare sind 
rauher und langer, namentlich die am Bauch. Farbe ist rostrotlich mit 
zwei sehr dicht nebeneinander stehenden Langsstreifen, schmaler, schwarzer, 
langlicher Flecke. Die Seiten mit kleinen, undeutlichen, braunen Flecken. 
Bauch weiss. 

Lynx borealis ahnelt dem kanadischen Luchs am meisten. Der Bau 
ist kiirzer und gedrungener als bei den anderen europaischen Luchsen. Die 
Ohrbiischel sind lang und spitz, auf den Wangen ein starker Bart, der bis 
zum Unterkiefer reicht. Der Schwanz ist sehr kurz, dick und walzenformig. 
Das Haar ist weich und dicht, die Grundfarbe graugelb mit kleinen, ver- 
loschten, schwarzbraunen Flecken. Unterseite weiss mit zerstreuten, schwar- 
zen Flecken. Das nordlichste Europa und das arktische Asien sind die Heimat 
dieses schonen Tieres. 

In Mitteleuropa war friiher haufig, jetzt aber selten, der Lynx vulgarts, 
ebenso gross wie Lynx cervaria, mit langerem Kopf. Korper gedrungen, 
Schwanz ein Fiinftel der Korperlange. Ohren lang und spitz mit pinselartig 



II. Die Katzenarten. 427 



aufrechtstehendem Haarbiischel. Grundfarbe rotlichweiss, Unterseite grau- 
weiss. Langs des Riickens undeutlich begrenzte Streifen. Auf der Seite un- 
deutliche, braunliche Querlinien, an den Schenkeln kleine, runde, rotbraune 
Flecke. 

In Sudeuropa, Spanien, Griechenland und der Tiirkei ist Lynx pardina 
zu Hause. Etwas kleiner als der gewohnliche Luchs mil viel kiirzeren und 
harteren Haaren. Der Schweif ist nur ein Siebentel der Korperlange. Die 
Farbe ist hell rostrot, die Unterseite weiss. Der ganze Korper ist mit ziemlich 
grossen, zerstreut stehenden, langlich schwarzen Flecken besetzt. Auf den 
Wangen und am Halse sind mehrere schwarze Querbinden. Der Schwanz 
hat an der Wurzel Flecke, dann kommen 2 bis 3 schwarze Binden, dann ein 
helles Stuck und die Spitze ist schwarz. 




gesch. Aufn. d. Neuen Phot. Ges. 
Altai-Luchs (Lynx isabellinus). 

In Zentralasien, Tibet, Turkestan, dem sudlichen und ostlichen Sibirien 
lebt Lynx isabellinus, der etwas kleiner ist als die anderen Luchsarten. Die 
Farbung variiert in den einzelnen Gegenden und so ist z. B. der Altai-Luchs 
fahlrotlich mit sehr undeut lichen Flecken auf der Seite, der weisse Bauch 
fast fleckenlos. Die Mahne erstreckt sich bis unter das Kinn. Die Hinterbeine 
sind auffallig viel hoher als die Vorderbeine, auf den Schenkeln kleine Flecke. 
Bei dem Turkestan-Luchs, der etwas grosser zu sein scheint, sind die Flecke 
auf dem fahlrotlichen Grunde viel deutlicher, auch auf dem Bauch sind zahl- 
reiche Flecke zu sehen. 

Der tibetanische Isabell-Luchs ist sehr hellfarbig und ist auch etwas 
kurzer behaart. Auch in Sibirien und auf Sachalin, wo der Isabell-Luchs 
haufig vorkommt, tret en die rotlichen Flecke auf der weissrotlichen Grund- 
flache deutlich hervor. 



428 Naturgeschichte der Pelztiere. 

In China kommt kein Luchs vor, doch werden grossere Mengen importiert, 
da dieses Fell dort sehr beliebt ist. Auch a us Ostsibirien werden keine Luchs- 
felle exportiert, da die dortigen Eingeborenen die Felle sehr schatzen und 
selbst benutzen. Die Zahl der aus Europa, Russland und Sibirien an den Markt 
kommenden Luchsfelle ist sehr schwer zu schatzen. Ich glaube nicht, dass 
mehr als 20 bis 25 ooo Stuck jahrlich in den Handel kommen, wo von etwa 
10 ooo aus Siideuropa, Kleinasien etc. Loner gab die Zahl der sibirischen 
Luchsfelle auf 15 ooo jahrlich an, der rusisschen Luchsfelle auf 9000. Ich 
glaube aber, dass diese Zahl jetzt kleiner ist. Der europaische und sibirische 
Luchs bevorzugt geschlossene, dichte Waldungen, wo er aber gewohnlich 
ein festes Standrevier inne hat, von wo aus er seine weiten Raubziige unter- 
nimmt. Er liegt am Tage im Dickicht versteckt und geht des Nachts auf 
Raub aus. Er ist ungemein schnell in seinen Bewegungen und kann sehr 
weite Spriinge machen, bis zu 20 Fuss. Er ist in seiner Nahrung durchaus 
nicht wahlerisch und verschont nichts, was er bewaltigen kann, vom kleinen 
Vogel und der Maus bis herauf zum Hirsch und Elch. Dem grossen Sauge- 
tier lauert er im Wechsel, auf einem Aste verborgen, auf und springt ihm 
dann von oben her ins Genick. Ein paar Luchse raumen in kurzer Zeit mit 
dem starksten Wildstande auf. Dem Menschen weicht er gern aus, wird aber, 
verwundet oder in die Enge getrieben, dem Jager leicht gefahrlich. Das feine 
Gehdr und das scharfe Auge des Luchses ist sprichwortlich geworden, ebenso 
sein gerauschloser Gang. Man spricht von ,,Luchsaugen", ,,Er hort wie ein 
Luchs", ,,Er schleicht wie ein Luchs" etc. 

In Deutschland ist der Luchs ganz ausgerottet, der letzte wurde im 
Jahre 1846 in Wiirttemberg getotet. Doch wechseln ab und zu noch Luchse 
von Russland nach Ostpreussen heriiber. In der Schweiz, wo das Tier noch 
vor 40 Jahren haufig war, ist es jetzt recht selten geworden. In den Wal- 
dungen der Karpathen, in Galizien, Karnten, Krain, in Norwegen und dem 
nordlichen Schweden ist es aber noch haufig und in Russland hat sich die 
Zahl der Luchse kaum vermindert. Der Pardelluchs, in Spanien und 
Siideuropa, ist noch verhaltnismassig haufig. Er bevorzugt auch dort grosse 
Waldungen, begniigt sich aber dort auch mit kleinen Waldkomplexen, voraus- 
gesetzt, dass sie dichtes Unterholz haben. In Spanien stellt er weniger dem 
grossen Wilde nach, dort bilden wilde Kaninchen seine Hauptnahrung. In 
Griechenland und den Balkanlandern soil er sich noch haufig seine Opfer 
aus den Ziegenherden holen. Das Fleisch des Luchses, das sehr weiss ist und 
dem Kalbfleisch ahnlich sieht und schmeckt, wird in Spanien als Delikatesse 
betrachtet, aber auch in anderen Landern wird Luchsfeisch gegessen. 
Kobell erwahnt, dass 1814 auf dem Fiirsten-Kongress in Wien mehrfach Luchs- 
braten auf die Tafel kam. In Ostsibirien wird es nach Radde uberall von den 
Eingeborenen hochgeschatzt. In Spanien wird das Fell der erlegten Luchse, 
der ,,Lobo cerval", meist lokal verbraucht, besonders von Stierfechtern und 
Kutschern, Pferdeknechten, zur Verzierung der Kleidung benutzt. Es sollen 






II. Die Katzenarten. 



429 



dort jahrlich 5 600 Felle in den Handel kommen, exportiert werden keine. 
Dagegen kommen aus Griechenland, den Balkanlandern und der Tiirkei zahl- 
reiche Felle in den Welthandel, wenngleich auch hier die Mehrzahl im Lande 
zu Pelzfutter verbraucht wird. Fiihrte doch der Orient friiher grosse Mengen 
Luchsfelle aus Leipzig ein, bis die grosse Preissteigerung der letzten Jahre 
das Fell fur diesen Markt zu sehr verteuerte. 

In Indien leben zwei Luchsarten, der Felis lynx bengalensis, ein hochbeiniges 
Tier mit kurzem Schweife, der hochstens ein Fiinftel der Korperlange er- 
reicht, spitze Ohren mit schwarzem Pinsel, Backenbart, dichtes weiches Haar, 
isabellfarbig bis fahlrot, Unterseite weiss. Im Sommer zeigt das Fell schmale 
schwarze Flecke, im Winterfell sind die Flecke nur an der Seite und den 




ge?. v. Anna Matschie-Held. 
Carakal Luchs (Lynx caracal) . 

Beinen undeutlich zu sehen, am Riicken gar nicht. Die Haare sind unten 
braunlich, dann weisslich geringelt, Spitze teils weiss, teils schwarzlich, 
Schwanzspitze schwarz, Sohlen dicht behaart. 

Daneben findet man in Nord- und Zentral-Indien, aber nicht in Bengalen, 
auch den echten Carakalluchs, Felis lynx caracal, dessen Verbreitungsbezirk fast 
das ganze westliche Asien umfasst. Er ist besonders haufig in Persien, Meso- 
potamien und dem Transkaspischen Gebiet. Er ist kleiner als der Lynx isa- 
bellinus, erreicht aber die Grosse des amerikanischen Rotluchses 80 cm , 
die Farben ist hellrotlich bis rotbraun, der Schweif ist verhaltnismassig lang 
und umfasst ein Drittel der Korperlange, die Unterseite ist weisslich mit rot- 
lichen Flecken. Auffallig lang sind die spitzen Ohren, die noch einen be- 
sonderen schwarzen Pinsel tragen, die Schwanzspitze ist schwarz. Das Tier 
halt sich stets in hohem Grase und Buschwerk, nicht im Walde, wie die anderen 
Luchse. Er verfolgt Gazellen, kleine Hirsche, Hasen und Vogel und macht 



430 Naturgeschichte der Pelztiere. 

Spriinge von 5 6 Fuss Hohe vom Boden. Jung eingefangen, wird das Tier 
leicht zahm und werden solche zahmen Caracals an manchen Hofen Indiens 
an Stelle des Gepards zur Jagd benutzt, da sie schneller sind als dieser. Nach 
Marco Polo war damals die Benutzung zahmer Luchse neben den Gepards 
in ganz Zentral-Asien ublich, namentlich erwahnt er dies bei den Jagden von 
Kublai Khan in Kambaluc, dem heutigen Peking. Ein Verwandter dieses 
Luchses, Lynx caracal, kommt noch in ganz Afrika vor. Man findet ihn selbst 
in der Kalahari und ebenso in Nordafrika. Die Farbung ist einfarbig zimtrot 
Der Schweif mil schwarzen Streifen, Ohr und Ohrpinsel schwarz. Das Haar 
ist verhaltnismassig lang aber grob. Die Felle aus dem nordlichen Afrika sind 
meist dunkler gefarbt. Die Korperlange ist ca. 70 cm, die Schwanzlange 
25 cm, die Unterseite ist rotlich-weiss, auf der Schnauze ein schwarzer Fleck, 
und ein schmaler Streifen auf den Backen. Alle gefangenen Exemplare, die 
ich davon sah, waren hochst murrische und reizbare Gesellen. Daneben findet 
man in Afrika noch zwei echte Luchse, Lynx berberorum aus Algier, Tunis, 
und den marokkanischen Atlas, Fell etwa i m lang, Schnauze kurz und 
dick. Oberseite einfarbig, rotlich-grau, Unterseite hell, gelblich-grau. In 
Ostafrika findet sich noch der dem vorigen sehr ahnliche Lynx nubica, alle 
diese Felle sind fast gar nicht im Handel. 

Der Caracal ist bedeutend schlanker und hochbeiniger als die echten 
Luchse. Er bewohnt nur Steppen und Wiistengegenden, meidet aber die 
Waldungen. Er stellt den kleinen Saugetieren und Vogeln nach und jagt 
auch kleine Antilopen. Die afrikanischen Caracals gelten als ungemein 
bosartig, und gefangene Caracals sind stets sehr wiitend und unzahmbar. 
Der Caracal des Berliner Zoologischen Gartens fauchte stets grimmig, wenn 
man sich seinem Kafig naherte. Das Fell kommt jetzt fast gar nicht in den 
Handel, soil aber fruher sehr gesucht gewesen sein, als Mittel gegen Rheuma- 
tismus und Gicht, und sollen im Kaplande noch jetzt die Felle dazu ver- 
wendet werden. 

Sehr nahe verwandt mit den Luchsen sind die Sumpfluchse, 
Chaus, die auch ziemlich weit verbreitet sind. So findet sich Felis chaus im 
westlichen Asien, Siidrussland, dem Kaukasus, Persien und Turkestan. Felis 
chaus af finis bewohnt Indien, vom Himalaya bis Ceylon. In Palastina finden 
sich zwei verschiedene Arten, Felis chaus chrysomelanotis und Felis chaus furax, 
Auch in Tibet findet sich ein Sumpfluchs, Felis chaus bieti. In ganz Nordost- 
afrika findet sich Felis chaus nilotica, Der Sumpfluchs bildet einen Ubergang 
von den Luchsen zu den Wildkatzen, und ist nur wenig grosser als die letztere 
(etwa 70 bis 75 cm Korperlange). Die Ohren haben keine Pinselbiischel wie 
beim Luchs, sondern nur einige langere Haare an der Spitze. Der Schweif 
misst etwa ein Drittel der Korperlange. Der indische Sumpfluchs hat einen 
sehr dichten weichen Pelz. Grundfarbe ist gelbgrau, der Rucken dunkler, 
der Bauch rotlichweiss. Die einzelnen Haare sind rotlichweiss, gegen Ende 
weiss, die Spitze schwarz, die Unterwolle ist braunlich, die Beine mit dunkleren 



II. Die Katzenarten. 



431 



Querstreifen, Schwanz ziemlich dick, regelmassig, 1st am Ende schwarz- 
geringelt mit schwarzer Spitze. Die Wangen sind mit schwarzen Querstreifen 
gezeichnet. Im Gegensatz zum Luchs meidet der Sumpfluchs die dichten 
Walder und halt sich in den Dschungeln und hohen Getreidef elder n, sowie mit 
Vorliebe im Rohricht an den Fmssufern auf . In den weiten Rohrwildnissen 
am Jordan ist der Sumpfluchs haufig, ebenso in den Rohrwaldern an den 
Flussufern Transkaspiens. Im Himalaya geht er bis zu 8000 Fuss Hohe, ist 
auch in den Gebirgsgegenden Ceylons nicht selten. Sein Charakter ist hochst 
unliebenswurdig, auch Jung gefangen, bleibt er unzahmbar und wild. Er 
richtet grosse Verheerungen unter den Rebhiihnern, Pfauen, Francolin, Wild- 
enten und anderem Gefliigel an, stellt auch Hasen, den kleinen Gazellen und 
sonstigen kleinen Saugetieren stark nach. Verwundet oder in die Enge ge- 
trieben, greift er den Jager unbedingt an. Nach anderen Mitteilungen aber 
soil er Jung gefangen ganz zahm werden, namentlich die afrikanischen Sumpf- 
luchse so lien nicht annahernd so wild sein als die indischen, und iiberhaupt 
keine grosseren Tiere angreifen. Der agyptische ist auch wenig scheu und 
kommt im Niltal von seinem Schlupfwinkel im Rohr oder hohem Grase bis 
in die Dorfer, um die Genugelstalle zu pliindern. 

Eine verwandte Art, die auch im nordlichen Zentralasien und in den 
Rohrwaldern des siidlichen Sibiriens lebt, und die sich auch durch eine luchs- 
artige Zeichnung mit verschwommenen Flecken auszeichnet und mit feinen 
schwarzen zahlreichen Ringen um den Schwanz, kommt auch in den Pelz- 
handel, doch diirften hierfur kaum mehr als 1000 Stuck jahrlich auf den 
Weltmarkt kommen, der gegenwartige Wert ist etwa 6 8 Mk. per Stuck . 



q) Wildkatze. 



Sehr verbreitet ist die gewohnliche Wildkatze, Felts catus, die etwa ein 
Drittel grosser ist als die Hauskatze (Korperlange 70 bis 80 cm, Schweiflange 
ca. 25 cm). Der Schweif ist ziemlich dick und rund mit schwarzen Ringen am 
Ende. Das Tier bewohnt den grossten Teil von Europa, Deutschland, Dane- 
mark, Frankreich, Osterreich, Schottland, einzelne Teile des nordlichen Eng- 
lands, die Balkanlander, Italien, die Tiirkei, Dalmatien und Spanien. Im 
Kaukasus soil sie besonders haufig sein und kommt im siidlichen Sibirien vor ; 
dagegen fehlt sie in Norwegen, Schweden und dem grossten Teil von Russland. 
Es ist hochst wahrscheinlich, dass sich hierbei mehrere Arten feststellen lassen, 
da die Farbe sehr abweicht. Das Haar ist sehr dicht und weich, ca. 2 bis 3 cm 
lang. Die Grundfarbe ist gelbbraun bis blaugrau, stets mit einer blaulichen 
Unter wolle; viele sind gefleckt und leicht gestreift, andere ganz einfarbig. 
Namentlich die Wildkatzen aus dem Siidosten sind meist hellfarbig mit stark 
markierter Zeichnung. Die Wildkatze, die gewohnlich ihr Lager in alten hohlen 



432 Naturgeschichte der Pelztiere. 

Baumen aufschlagt und dichte Waldbestande allem anderen vorzieht, richtet 
unter dem Wildstande grosse Verheerungen an, da sie sich selbst an grosses Wild 
wie Rehe und Hirschkalber wagt ; Hasen, Wildgefliigel, Vogel und deren Eier 
bilden die Hauptnahrung, doch verschmaht sie auch Ratten und Mause nicht. 
Es wird ihr deshalb auch uberall sehr energisch nachgestellt, doch ist ihre Jagd 
durchaus nicht leicht. In die Enge getrieben oder verwundet, greift sie auch den 
Jager an, und ist dann ein hochst gefamiicher Gegner. Mit dem Jagdhund wird 
sie im Einzelkampf leicht fertig. Es kommen jahrlich etwa 10 ooo Wildkatzen- 
Felle in den Handel ; der Wert des Felles schwankt und ist augenblicklich etwa 
3 Mk. pro Fell. Die Felle gelten, auf die Brust gelegt, als ein gutes Mittel gegen 
Rheumatismus. Jetzt werden sie dafur meist durch die billigen Hauskatzen- 
felle ersetzt. 

Neben den echten Wildkatzen findet man ofter in den Waldern ver- 
wilderte Katzen, eigentumlicherweise sind nach einigen Generationen die 
Tiere grosser als die gewohnlichen Hauskatzen und die Farbung vorwiegend 
wie die der sogenannten Cyperkatze. 

Nahe verwandt ist die Steppenkatze, Felis manul, aber wesentlich kleiner 
als die Wildkatze. Beine hoher und starker, Kopf ist dicker, Ohren kurz, 
breit und abgerundet; Schweif mehr als die Halfte der Korperlange, walzen- 
formig und buschig. Die Sohlen der Hint erf usse sind lang und dicht behaart. 
Das Fell ist sehr lang, locker und weich behaart. Grundfarbe ist weissgelb, auf 
dem Riicken etwas dunkler, durch eingemischte braune Haare stellenweise 
nebelartig schattiert. Die Brust ist braunlich. Uber die Lenden laufen einige 
schmale, undeutliche schwarze Streifen. Auf dem Schweif 6 bis 7 schwarze 
Ringe, Spitze schwarz. Der Verbreitungsbezirk des Tieres reicht von Siidost- 
europa, dem Ural, durch Sudsibirien, ganz Zentralasien, vom nordlichen 
Himalaya bis zur Mogolei. Es ist ein ausgesprochenes Steppentier, namenthch 
der Hochst eppe, wo es zwischen Felsblocken lebt, nahrt sich hauptsachlich 
von Mausen und anderen kleinen Tieren, wird leicht gezahmt und gilt als 
Stammutter der Angora-Katze. Als Urform unserer Hauskatze wird allgemein 
die in Nordostafrika beheimatete Fahlkatze Felis maniculata angesehen. 
Farbe" ist grau braungelb mit heller und dunkler Schattierung, Unterseite 
heller. Schlanker Korperbau, dichtes glattes Fell, weiche Behaarung. Seite 
und Nacken mit undeutlichen Querbinden und Streifen. Die Korperlange ist 
ca. 50 cm, Schweif 25 cm. Der Schweif ist mit 3 schwarzen Ringen versehen. 
Die Hauskatzen im Sudan und der Kiiste des Roten Meeres ahneln an Farbe 
und Bauart den Fahlkatzen sehr. Bei den Niam Niams und den Monbuttus 
werden nach den Mitteilungen Schweinfurths und Junkers jung gefangene 
Fahlkatzen gezahmt und als Haustiere zur Mausevertilgung gehalten. Das 
Fell kommt fast nie in den Handel. 



III. 
Die Hundearten. 



1. Haushund. 

Im grossen Publikum wird mil einer gewissen Verachtlichkeit davon ge- 
sprochen, dass von den Kurschnern auch ,,Hundefelle" zu Pelzwerk verarbeitet 
wiirden. Das ist nun sehr iibertrieben. Hauptsachlich werden im grossen nur 
die chinesischen Hundefelle verwendet und diese hauptsachlich zu Decken. 

Der Haushund Canis domesticus, englisch Dog. franzosisch chien, chinesisch 
Kju. Fiir den Pelzhandel kommen besonders die Felle des mandschurischen 
Hundes in Betracht, die einen bedeutenden Ausfuhrartikel bilden. Der man- 
dschurische Haushund ist von der Grosse eines starken Fleischerhundes, mil 
langem, dichtem, weichem Haar. Die vorwiegende Farbung ist schwarz, doch 
kommen auch zahlreiche grau oder gelb gefarbte Exemplare vor. Die Tiere 
sind sehr wild und bosartig und zeigen nichts von der scheuen Feigheit des 
chinesischen Dorfkoters, doch sind sie lange nicht so bissig wie die Mongolen- 
hunde. In Newchwang und den anderen mandschurischen Stadten liegen sie 
zahlreich in der Sonne auf den schmalen, festgetretenen Pfaden vor den 
Hausern, und es fallt ihnen gar nicht ein, aus dem Wege zu gehen, so dass der 
vorsichtige Fussganger es meistens vorzieht, in den Schmutz zu tret en, der die 
Mitte der Strasse ausfullt, als uber das knurrende Hindernis hinwegzusteigen. 

Die Felle werden in der Mandschurei gegerbt und zu Decken verarbeitet. 
Eine Decke, aus einem Fell gearbeitet, heisst englisch ,,dogmat" und misst 
etwa 90 cm bei 40 cm Breite im Werte von ca. 3 Mk. ,,Dogrugs" bestehen aus 
2 Fellen, ca. 1,70 cm lang bei 50 cm Breite, im Werte von 6 Mk., und 
,,Dogrobes" sind zwei nebeneinander genahte rugs. Die letzteren werden aus- 
schliesslich nach Amerika exportiert und brachten in New York zur Zeit, 
als die grosse Volkerwanderung nach den Goldfeldern von Klondyke im Gange 
war, 25 bis 30 Mk. Die rugs und mats gehen hauptsachlich nach England. In 
Deutschland ist dieses Pelzwerk weniger bekannt. Im ganzen kommen jahrlich 
etwa 100 ooo mandschurische Hundefelle zur Ausfuhr. 

Sortiert werden dieselben meist in ca. 50 Proz. schwarze, 25 Proz. gelbe 
und 25 Proz. graue. Zu Decken werden die gelben und grauen bevorzugt, zu 
Garnituren eignen sich die Prima-Qualitat, sogenannte ,, Furriers" der 
schwarzen recht gut. 

28* 



436 Naturgeschichte der Pelztiere. 

Ausser diesen mandschurischen Hunden oder ,,Newchwang dogskin", wie 
sie im Handel genannt sind, kommen in letzter Zeit auch viele Felle des ge- 
wohnlichen chinesischen Dorfkoters in den Handel, die bedeutend kurzer im 
Haar sind. 

Der gewohnliche chinesische Haushund, wonk, ist uberall verbreitet. Jede 
Ortschaft beherbergt Scharen desselben, und obgleich die meisten Tiere ihren 
Eigentiimer haben, wachsen sie doch ohne Pflege heran und miissen sich 
meistens das Futter selbst suchen. Sie werden von Ungeziefer fast verzehrt, 
und die Raude herrscht in erschreckender Weise unter ihnen. Es sind mittel- 
grosse, kurzhaarige Hunde, haufig dem Pariahunde des Orients ahnlich; viele 
lassen deutlich ihren Ursprung von Wolf oder Schakal erkennen. Den Schweif 
tragen sie stets nach links oben gekriimmt. Im grossen und ganzen sind sie 
feige. Obgleich den Europaer, der durch ein chinesisches Dorf kommt, sofort 
Dutzende von Kotern bellend und heulend umringen, geniigt der zum Wurf 
erhobene Arm, um sie zur schleunigen Flucht zu veranlassen. Auch mit euro- 
paischen Jagdhunden lassen sie sich nur in einen Kampf ein, wenn sie in grosser 
Uber-zahl sind. Dem Reiter werden die Klaffer sehr lastig, da sie den Pferden 
nach den Beinen schnappen und diese haufig zum Scheuen bringen. Dass die 
Tiere irgendeinen Wert haben, bemerkt man erst, wenn man auf der Jagd 
eine solche zudringliche Bestie erschossen hat. Das ganze Dorf versammelt 
sich mit drohenden Gebarden, und 50 Dollar ist die geringste Summe, die als 
Entschadigung verlangt wird. Freilich begniigt sich der Besitzer gern mit 
5 Dollar, doch diirfte das Tier mit i Mk. bereits iiber seinen Wert bezahlt sein. 

Die Tollwut ist leider sehr verbreitet, weshalb in den Fremdennieder- 
lassungen Maulkorbzwang eingefuhrt ist und herrenlose Hunde getotet werden. 
Vor einigen Jahren, als in kurzer Zeit etwa 20 Europaer in Schanghai von 
tollen Hunden gebissen waren, wurde sogar ein Teil des Freiwilligenkorps auf- 
geboten, um maulkorblose, frei herumlaufende chinesische Hunde abzu- 
schiessen. 

Von armen Chinesen werden Hunde gegessen, und man sieht mitunter 
auch die Tiere auf chinesischen Markten ausgeschlachtet hangen, aber vor- 
zugsweise in Siidchina. Dass sie aber eine chinesische Delikatesse seien und be- 
sonders gemastet werden, wie verschiedene Reiseschriftsteller behaupten, ge- 
hort in das Gebiet der Marchen, an denen diese Literatur so reich ist. 

Im Siiden kommt besonders der Canton Wonk, auch ,,Chowdog" genannt, 
vor, ein langhaariges Tier von wolfsahnlicher Gestalt, gelbroter Farbe und stets 
schwarzer Zunge, ahnlich unserem Wolfsspitz. Fur den Pelzhandel sind von 
diesen Hundefellen die sogenannten ,,Hsinchee "-Felle die best en. Sie sind nur 
wenig kleiner als die Newchwang-Hunde und auch nur etwas kurzer im Haar, 
deshalb zu Decken auch recht gut zu verwenden. Dann kommen die ,, Tientsin", 
die flach sind, und die Hankows, die noch geringer sind. 

Im nordwestlichen China triff t man den Mongolenhund, ein 
schonesTier von Wolf sgrosse, mit sehr langer, dichter, meist glanzend schwarzer 



III. Die Hundearten. 



437 



Behaarung. Diese Tiere sind ungemein bissig, und besonders Fremde mussen 
sich sehr in acht nehmen, ihnen nahe zu kommen. Die Hunde schiitzen auch 
die Herden erfolgreich gegen die Raubereien des Wolfes. 

Von diesen Fellen, die ein schones Pelzwerk abgeben wiirden, kamen bis- 
her sehr wenig in den Handel. 

Sehr gut sind noch die Felle des ostsibirischen Hundes, 
der meistens ein ganz wolfsahnliches Aussehen hat. Es sind aber dabei ver- 
schiedene Arten vertreten, die teils zur Jagd, teils zum Schlittenziehen ab- 
gerichtet werden. Die Eingeborenen wissen die Charaktereigenschaften der 
Tiere genau zu beobachten, und haben fur jede Jagdart die sich dafiir 
eignenden Hunde dressiert. 

Der Kamtschadalenhund ist bedeutend grosser als der sibirische 
und wohl grosste Schlittenhund iiberhaupt. Er ist dem Kamtschadalen 




Eskimo-Hund. 



unentbehrlich so wohl im Winter zum Schlittenziehen, als zur Barenjagd usw. 
Trotzdem werden die Tiere schlecht gehalten und gefuttert, so dass sie halb- 
wild und bosartig sind. In den Dorfern soil es ganz unmoglich sein, Gefliigel 
und Kleinvieh zu halt en, da diese von den Hunden sofort zerrissen werden. 
Auf den verschiedenen Siidpolarexpeditionen sind in der letzten Zeit besonders 
Kamtschadalenhunde verw^ndet worden, wahrend die Nordpolarexpeditionen, 
je nach dem Ausgangspunkt, Eskimo- oder Samojedenhunde verwendet haben. 
Letztere sind kleiner als die ostsibirischen Schlittenhunde, auch nicht so aus- 
dauernd, sind aber leichter in grosseren Mengen zu beschaffen. Viel schwieriger 
sind auch Eskimohunde in geniigender Zahl fur Expeditionen zu bekommen, 
da die Eskimos in ihrer Lebensfuhrung geradezu auf die Hunde angewiesen 
sind. Auch diese Hunde sind sehr bissig und unvertraglich, so dass sich die 
einzelnen erbitterte Schlachten liefern, bis ein besonders starker die Ober- 
herrschaft iiber das ganze Gespann errungen hat. Die Handhabung eines 
solchen Gespanns bietet grosse Schwierigkeit und erfordert grossere Ubung. 



Naturgeschichte der Pelztiere. 



Wenn die Tiere gut behandelt werden, wie das bei den europaischen Expe- 
ditionen fast stets der Fall ist, sind sie auch anhanglich, und alle Polar- 
forscher sprechen nur mit Lob von ihren vierf iissigen Gefahrten. Ihre Ausdauer 
und Geniigsamkeit ist geradezu hervorragend. Auch in Alaska bilden die 
Schlittenhunde, zu denen meist Eskimohunde verwendet werden, einen sehr 
wertvollen Besitz, da namentlich im Norden des Gebietes der ganze Verkehr 
im Winter, sowohl Fracht wie Post, mittelst Hundeschlitten stattfindet. 
Uber die Hunde im Hudsonsbaygebiet berichte ich an anderer Stelle. Die 
Felle aller dieser nordiscben Hundearten kommen fast gar nicht in den 
Handel, ein so geeignetes Material sie auch liefern wiirden, denn die 
gesamten gewonnenen Felle werden lokal verbraucht, und sie nur des 
Felles halber zu ziichten, wie das in der Mandschurei geschieht, sind sie zu 
wertvoll. 

Von europaischen Haushunden werden nur die russischen Hundefelle 
in grosseren Mengen verbraucht, aber auch fast nur lokal zu Bauernpelzen usw. 
In den Welthandel gelangen nur wenige. Von den zahlreichen Wildhunden, 
die zum Teil nebst den Schakalen und Wolfen die Stammvater mehrerer 
Hunderassen bilden, haben nur zwei ein brauchbares Fell, das ist der Canis 
alpinus, welcher in der Mandschurei und dem siidlichen Ostsibirien lebt. 
Das Tier ist in der Grosse des chinesischen Wolfes, Riicken und Seiten 
sind rotlich mit fahlrotlichem Bauch und Hals. Der Schweif ist nicht 
so buschig und dicht wie beim Wolf. Die Behaarung ist kurz und grob, 
aber dicht. 

Nach Radde lebt er in Trupps von vier bis zehn Stuck, wahrend mir von 
den Chinesen in der Mandschurei berichtet wurde, dass er nur einzeln oder 
paarweise lebe. Sein Hauptschlupfwinkel sind dichte Rohrwaldungen, doch 
macht er bei seiner Schnelligkeit oft weite Tagesstreifziige, von denen er aber 
stets in seinen Standort zunickkehrt. Er wird von den Eingeborenen sehr ge- 
furchtet und niemals gejagt. Nach Radde fluchten sich die Jager, wenn sie 
dem Wildhund begegnen, auf Baume. In der Mandschurei glauben die 
Chinesen, dass er der argste Feind des Tigers sei, und dass dieser stets ein Gebiet 
raume, in welchem ein paar Wildhunde ihren Wohnsitz genommen. Aus diesem 
Grunde wird ihm auch in der Mandschurei nicht nachgestellt. 

Alle diese Ziige deuten auf einen echten Wildhund und nicht auf den 
immerhin feigen Wolf, und man erzahlt ahnliches auch von den indischen 
Wildhunden, die allerdings in grosseren Rudeln jagen. Ich habe im ganzen nur 
drei Felle gesehen; einen Handelsartikel bilden dieselben nicht. Ob der 
japanische Wildhund auf Yesso Canis nippon mit dem erwahnten Wildhund 
verwandt ist, kann ich nicht angeben, da ich keine Felle desselben zu Gesicht 
erhielt. 

Der andere der siidamerikanischen Wildhunde, Canis jubata, ist bei den 
Wolfen naher beschrieben, da er von den meisten Forschern zu diesen ge- 
rechnet wird. 



III. Die Hundearten. 



2. Wolfe. 

a)Amerikanische Wolfe. 

In Amerika sind vorzugsweise zwei grosse Gruppen von Wolfen zu 
unterscheiden. Die Prariewolfe und die Waldwolfe (timberwolves) . Die 
letzteren, die fruher uberall sehr zahlreich und eine grosse Plage der Vieh- 
ziichter war en, .sind infolge der hohen Fangpramien und den star ken 
Nachstellungen verhaltnismassig selten geworden. Die zahlreichste Gruppe 
ist noch der Cants occidentalis, der in drei Unterarten, C. occ. griseus^ C. occ. 
ater und C. occ. albus vorkommt. Die gross! en sind die weissen C. occ. 
albus, die den aussersten Norden von Kanada, das arktische Amerika und 
Gronland bewohnen. Es sind grosse starke Tiere, die in Trupps jagen und 
namentlich den wilden Renntieren, den Caribus nachstellen. Eine ganz be- 
sondere Gruppe scheinen die sogenannten Churchill- Wolfe zu sein, die nur 
auf den Barrenground, in der Nahe des Hudsonsbay Postens Fort Churchill 
vorkommen. Es sind das die grossten Wolfe, die es iiberhaupt gibt, und das 
Fell erreicht eine Lange von 7 Fuss. Das Haar ist fast rein weiss, sehr lang, 
dicht und feinseidig. Ein solches Fell hatte einen Wert von ca. 60 Schilling, 
doch kamen fruher selbst nur einige Hundert in den Handel, jetzt nur etwa 
5 bis 10 Stuck, die mit Phantasiepreisen bezahlt werden. 

Selten ist der schwarze Wolf, C. occ. ater, wahrend am haufigsten der 
graue Wolf, C. occ. griseus, ist. Der Verbreitungsbezirk ist sehr ausgedehnt 
und reicht von den Kiisten des Polarmeeres bis nach Texas. Er ist, wie schon 
oben gesagt, selten geworden, nur in Maine und einzelnen Staaten des Nord- 
westens, Kanada und Alaska, kommt er noch haufiger vor. Er ist wesentlich 
grosser und starker als sein europaischer Vetter, greift aber den Menschen fast 
niemals an. In Trupps von 6 bis 10 Stuck wandern sie oft weit herum, nur 
in besonders giinstigen Umstanden einen festen Standort wahlend. Die 
Begattung findet Februar und Marz statt, und 3 bis 6 Junge werden auf ein- 
mal geworfen. Es sollen ubrigens haufig Wolfe verschiedener Farbe im selben 
Trupp vorkommen. Der Waldwolf ist von geradezu unheimlicher Schlauheit 
und weiss alien Fallen geschickt aus dem Wege zu gehen, ist auch sehr selten 
in Schussnahe zu bekommen, geht auch fast nur in der Nacht auf Raub aus. 
Set on Thompson erzahlt von einem riesigen Wolf, der jahrelang im nordlichen 
Neu-Mexiko am Currupaw mit einem halben Dutzend Gefahrten hauste und 
den Ansiedlern wahrend dieser Zeit iiber 1000 wert voile Rinder bester Rasse 
raubte, nebst ungezahlten Schafen, die sie aus blosser Mordlust toteten. 
Trotzdem ganz aussergewohnliche hohe Belohnungen (bis 1000 Dollar) aus- 
gesetzt war en, verstand er es, den geschickt gestellten Fallen auszuweichen 
und riihrte auch nie, selbst in verschmitztester Weise hergestellte, Giftbrocken 
an. Ja er bewahrte auch seine Gefahrten vor alien Listen der erfahrensten 
Trapper und Wolfsjager. Erst durch einen Zufall geriet er in die Gewalt seiner 



440 Naturgeschichte der Pelztiere. 

Feinde. Die Pramie fur Wolf sskalpe 1st in verschiedenen Staaten auf 15 Dollar 
erhoht, und das Fell hat auch noch einen Wert von 4 bis 5 Dollar, trotzdem 
kommen jahrlich kaum mehr als 5000 Stuck in den Handel. Wie bei den 
europaischen Wolfen, kommt auch bei den amerikanischen Wolfen nicht selten 
Tollwut vor. Einen grossen Verbreitungsbezirk hat auch der amerikanischc 
Waldwolf, Canis nubilus, ein grosser russfarbig brauner Wolf, der vom 
Sklavensee bis nach Jowa und Idaho und von Nebraska bis nach Nord- 
kalifornien vorkommt. Auch er stellt sowohl dem Wilde als dem weidenden 
Grossvieh nach und jagt in kleinen Trupps. Er ist heute aber nirgends haufig. 




Gefangene Prarie-Wolfe. 

Desto zahlreicher sind uberall noch die Prariewolfe, von denen es zahl- 
reiche Arten gibt. Dieselben sind, wie schon der Name andeutet, stets an 
das Prariegebiet gebunden und kommen in Walddistrikten nicht vor. Der 
grosste ist Canis latrans, der das nordwestliche Prariegebiet vom Mississippi 
bis an die Rockymountains bewohnt. Das Tier hat die Grosse eines starken 
Schaferhundes, hat langes, dichtes Haar, welches aber nicht so dicht ist, als das 
des Waldwolf es, die Farbe ist graugelb, mit schwarzen Spitzen der Riicken- 
und Seitenhaare, der Bauch ist weisslich gelb, der kraftige grobhaarige 
Schweif hat meist eine schwarze Spitze. 

Ostlich von Colorado bis Nebraska und nordlich bis zur Ebene des 
Saskatschewan lebt Canis nebracensis, der kleiner als der vorige ist, aber, dem 



III. Die Hundearten. 441 






Klima cntsprechend, ein dichteres Haar hat, Noch kleiner ist Cants lestes, 
der in Nevada, Washington, Oregon und dem siidlichen British Columbia 
vorkommt. Diese verschiedenen Prariewolfe werden auch haufig von den 
Jagern als Coyote bezeichnet, dieser Name kommt aber eigentlich den weiter 
siidlich lebenden Prariewolfen zu. Es sind dies der verhaltnismassig grosse 
Canis frustor in Texas, Canis meansi in Arizona und Sonora, der kleine aber 
dunkel gefarbte Canis ocbropus in Texas und Mexiko, Canis mexicanus in 
Mexiko. Trotz der Pramien hat sich bisher keine nennenswerte Abnahme der 
Prariewolfe gezeigt, auch richten sie keinen so grossen Schaden an wie der 
Waldwolf. Wenn sie gelegentlich auch Schafe angreifen, so besteht ihre 
Hauptnahrung doch aus Mausen, Prariehunden, Gophern, Bisamratten, 
Beeren, und namentlich Aas. Sie sind die Strassenreiniger der Steppe, Ausser- 
dem suchen sie in der Nahe menschlicher Lagerplatze zu stehlen, was sie 
konnen und werden haufig dadurch lastig. Sie schlagen sich haufig in grossere 
Rudel zusammen und beginnen die Nahrungssuche meist in der Morgen- 
dammerung und jagen bei Tageslicht. Prariewolfe scheuen den Menschen wenig, 
wagen es aber nie, inn anzugr.eifen. Ihre Feigheit 1st spruchwortlich und ist 
,, -Coyote" ein sehr gebrauchliches Schimpfwort fur einen feigen niedrig- 
denkenden Menschen. In den Zentralprariestaaten sind Wolfshetzen ein sehr 
beliebter Sport, dem auch Roosevelt mit Leidenschaft nachging. Man halt 
.aber dazu keine besonderen Meuten wie in England zur Fuchshetze, sondern 
alle moglichen Hunde sind im Pack vereinigt. Die Hunde verfolgen die Prarie- 
wolfe mit todtlichem Hass und viele Hunde gehen oft ganz allein auf die 
Wolfsjagd. Die Stimme des Prariewolfes ist ein heiseres Bellen, nicht das 
langgezogene Heulen des Waldwolfes oder europaischen Wolfes. Es kommen 
jahrlich wohl 40 ooo Prariewolffelle in den Handel, die etwa 5 bis 20 Mk. 
per Stuck wert sind. Die wertvollsten sind die Felle aus dem Skatschewan- 
.gebiet von wo aber nur 2 bis 3000 Stuck jahrlich kommen. 

b) Sudamerikanische Wolfe. 

Im siidlichen Mexiko und Zentralamerika sind mehrere Wolfsarten, 
namentlich die beiden Canis peninsula? und Canis microdon gehen bis an 
die Grenze von Siidamerika. Ihre stylisierten Figuren finden sich auf den 
uralten Mayaskulpturen Guatemalas. Siidamerika beherbergt zwei Wolfsarten. 
Im aussersten Siiden auf den Falklandsinseln und an der Magellansstrasse 
;sowie auf Feuerland lebt Canis antarcticus, etwa vonder Grosse eines nord- 
amerikanischen Prariewolfes, aber kurzbeiniger, Schwanz ist grob und nicht 
so buschig, das Haar des Riickens aber fein und weich. Die dichte Unterwolle 
ist blassbraun, das Oberhaar an der Spitze schwarz, dann weissgeringelt, die 
AVurzel braun. Die Lange von der Schnauze bis zur Schwanz wurzel betragt 
90 cm bis i m, der Schwanz 30 bis 35 cm, doch kommen auch grossere 
Exemplare vor. Das Tier nahert sich hauptsachlich von den zahlreichen Strand- 



442 Naturgeschichte der Pelztiere. 

vogeln sowie den briitenden Wildgansen usw., findet sich auch bei den 
Kadavern getoteter Seehunde ein. Haufig ist der antarktische Wolf nirgends 
und kommen wohl kaum mehr als 100 Felle jahrlich liber Punta Arenas in 
den Handel. Manchmal findet man die Felle unter den patagonischen Fiichsen. 
Bedeutend grosser ist der rote Mahnenwolf Canis jubatus, der aber von 
vielen Forschern fur einen Wildhund gehalten wird. Er misst durchschnittlich 
von Schnauze bis Schwanzwurzel 150 cm, dazu der Schweif mit ca. 40 cm 
Lange. Die Farbe ist gelbrot bis rot, das Haar, das ziemlich grob und glanzlos 
ist, ist ca. 7 bis 8 cm lang. Auf dem Nacken und bis zur Halfte der Riicken- 
lange erhebt sich eine Art Marine von ca. 15 cm langem Haar, der Bauch ist 
hellrotlich. Unterwolle ist nur schwach entwickelt. Das Tier ist ziemlich 
scheu, weicht dem Menschen weit aus und richtet auch unter dem Vieh keinen 
Schaden an, sondern nahrt sich von Wild, kleinen Saugetieren und Vogeln. 
Der Verbreitungsbezirk erstreckt sich liber das ganze ostliche Slidamerika, 
von Brasilien liber Paraguay bis zum nordlichen Patagonien, doch ist sein 
Vorkommen an den Wald gebunden. Auch ist er nirgends haufig. Es kommeiL 
nur wenig Felle in den Handel. 

c)Europaische Wolfe. 

In Europa ist vorlaufig nur eine Wolfsart bekannt, der Canis lupus.. 
Derselbe ist in Russland noch sehr haufig, ausserdem in Ungarn, den Karpaten- 
landern, in Frankreich auch durchaus nicht selten. Werden doch jahrlich 
in Frankreich noch ca. 600 bis 800 Wolfe erlegt, fiir die 150 Frank pro Stuck 
Pramie gezahlt wird. Es gibt dort auch noch staatlich angestellte besondere 
Wolfsjager ,,louvetiers". Auch in den belgischen Ardennen kommen noch 
Wolfe vor. In Deutschland ist der Wolf nicht mehr Standwild, doch kommen. 
in strengen Wintern aus Russland nicht selten welche nach Ostpreussen, und 
auch in den Waldungen Oberschlesiens wird ab und zu ein Wolf gesplirt. 
In Lothringen kommen jeden Winter Wolfe zur Strecke, die aus Frankreich 
heruberwechsem und auch nach der Eifel kommt ab und zu ein solcher Gast 
aus den Ardennen. Der europaische Wolf ist meist rotlich gelb, mit langem 
groben Oberhaar, das mit einzelnen schwarzen Haaren untermischt ist, hat 
eine dicke blaulichgraue Unterwolle, die Unterseite ist weisslich gelb, der 
Schweif dicht und buschig, die Spitze schwarz. Der Wolf hat die Grosse etwa 
eines schottischen Schaferhundes, doch sind die russischen etwas grosser. Ob 
die spanischen Wolfe, die meist schlanker, dlinner behaart und gelblicher in der 
Farbe sind, eine eigene Art bilden, steht noch nicht fest. Es sollen dort auch 
verhaltnismassig viel schwarze Wolfe vorkommen, doch habe ich solche nicht 
gesehen, da spanische Wolfe sehr wenig in den Handel kommen. Wahrend im 
iibrigen Europa der Wolf meist einzeln oder hochstens in kleinen Trupps vor- 
kommt, schlagen sich die Tiere in Russland im Winter zu grossen Rudeln 
zusammen, die dann auch dem Menschen gefahrlich werden. Unter dem Vieh- 



III. Die Hundearten. 443 



stande richten die Wolfe natiirlich grosse Verheerungen an. Am meisten fallen 
ihnen aber die Dorfkoter zum Opfer, wobei sie ganz planmassig zu Werke gehen. 
Ein Wolf erscheint in der Nahe des Dorfes, worauf sofort eine Schar Hunde auf 
ihn Jagd machen. Er flieht eiligst, fiihrt aber seine Verfolger auf Umwegen 
dahin, wo seine Gefahrten auf der Lauer liegen. . . . Keiner der Hunde er- 
reicht das heimische Dorf wieder. Uberhaupt sind die Wolfe ungemein schlau 
und vorsichtig, weshalb sie auch alien Nachstellungen zum Trotz sich solange 
halten. In Russland werden die Wolfe, namentlich auf den Steppen der Ukraine 
zu Pferd gehetzt und auch die Donschen Kosaken betreiben die Wolfshetze 
als Sport. Im ganzen werden in Russland etwa 100 ooo Wolfe jahrlich erlegt. 
Die Pramie fur jeden erlegten Wolf betragt 10 Rubel. Bei den Wolfen ist die 
Tollwut nicht selten, und werden dann oft viele Menschen gebissen. 

d) Ostasiatische Wolfe. 

Sehr zahlreich sind Wolfe in Sibirien. Es ist dies sieherlich eine vom 
europaischen Wolfe abweichende Art. Das Tier ist bedeutend grosser und 
starker und kommen Exemplare bis zu 2 Meter Lange vor. Das Haar ist viel 
langer und dichter und ahnelt darin dem grossen amerikanischen grauen Wald- 
wolf aus dem Hudsonsbay-Gebiet. Die Farbe ist meist hell, im ostlichen Sibirien 
aber vorwiegend weisslich. Auf der Tschuktschen-Halbinsel und an der Kiiste 
des Eismeeres kommt ein fast weisslicher Wolf vor, der aber mit dem Canis 
lupus albus Amerikas keine Ahnlichkeit hat und noch weniger mit dem weissen 
Chirr chill wolf . Das Haar ist viel grober, nicht so seidig und auch nicht so rein 
in der Farbe. 

Im allgemeinen bevorzugt der sibirische Wolf das Waldgebiet, doch folgt 
er den Renntierherden der Tschuktschen und Tungusen, Samo jeden usw, 
bis weit in die ode Tundra noch iiber den Polarkreis hinaus. Nordenskiold 
erhielt wahrend seiner Uberwinterung im nordlichen Eismeer zahlreiche Wolfs- 
felle von den Eingeborenen. Auch auf Kamtschatka und auf Sachalin ist der 
Wolf haufig. Er stellt mit Vorliebe'den weidenden Herden nach, wird aber 
bei den Pferdeherden von den wachsamen Hengsten meistens schleunigst in 
die Fluent getrieben, wahrend die Stuten einen Kreis bilden, mit den Kopfen 
nach innen und die wehrhaften Hufe nach aussen. Wie der europaische Wolf, 
holt sich auch sein sibirischer Vetter gern einen HaushundzurMahlzeit. Dass er 
Menschen angreift, habe ich nicht gehort, doch mag dies im Winter, wenn er 
durch Hanger dazu gereizt wird, wohl vorkommen. 

Im Sommer jagt der Wolf meist einzeln mit einer unermiidlichen Geduld, 
indem er hinter einem Murmeltierhiigel oder an der Tranke stundenlang auf 
ein Reh oder anderes Wild lauert. Im Winter vereinigt er sich zu kleinen 
Trupps von 3 bis 6 Stuck, und hetzt hinter dem Wilde her, indem sich die 
einzelnen Wolfe ablosen, und das Tier im Kreise herumjagen, bis es erschopft 
ihnen zur Beute fallt. Zu so grossen Rudeln wie in Russland oder Polen 



444 Naturgeschichte der Pelztiere. 

vereinigt sich der sibirische Wolf me. In Kamtschatka und auch wohl 
.am Amur folgt er den Lachsziigen und mastet sich an den aufs 
Trockene gedrangten Fischen; er soil in flachen Stellen auch selbst Fischfang 
treiben. 

Es kommen jahilich etwa 10 bis 20 ooo sibirische Wolfsfelle in den Handel, 
die augenblicklich etwa 15 bis 30 Mk. per Stuck Wert haben. 

In Nordchina lebt ein anderer Wolf, wahrscheinlich Canis lupus laniger, 
von den Chinesen Sa Long genannt. 

Er ist viel kleiner a Is der europaische Wolf und ahnelt an Grosse und Ge- 
stalt mehr dem amerikanischen Prariewolf, ist aber schlanker und hoch- 
beiniger als dieser. 

Die Farbe ist helles gelbgrau, die Haare kurz und briichig, die Unter- 
wolle nicht sehr dicht. Auf Riicken und Nacken bilden langere starkere Haare 
eine Art Mahne. Der Schweif ist buschig wie beim europaischen Wolf. Die 
Lange des Felles von Schnauze bis Schwanzwurzel ist etwa 100 bis no cm 
Schweif lange ca. 30 cm. 

Der chinesische Wolf lebt in den nordlichen Provinzen Chinas und kommt 
bis in die Umgegend Pekings, doch ist er nirgends sehr haufig. Er bildet auch 
keine Rudel wie in Russland oder Amerika, sondern lebt einzeln oder paarweise. 
Hochstens in strengen Wintern bilden sich kleinere Trupps, die aus einer 
Familie zu bestehen scheinen. 

Den Menschen greift er nie an und geht ihm scheu aus dem Wege, doch 
erzahlen die Chinesen, dass er manchmal aus einzeln stehenden Hausern 
kleine, ohneAufsicht gebliebene Kinder wegschleppen soil, wie dies auch der 
sonst so feige indische Schakal tut. Die Chinesen fiirchten ihn und reissen bei 
seinem Anblick aus, wahrend die Mongolen dreist auf den Wolf losgehen und 
ihn mit der Peitsche vertreiben. Ich selbst bekam nur einmal in der Mand- 
schurei einen Wolf zu Gesicht, doch ergriff er schon in 500 Schritt Ent- 
fernung eiligst die Flucht. Felle habe ich aber zu vielen hunderten zu 
Gesicht bekommen. Es wird iibrigens nur ein Teil der Felle ausgefiihrt, 
vielleicht 1000 Stuck jahrlich, da haufig der Preis in China hoher ist als auf 
dem Weltmarkt. 

Augenblicklich ist der Wert etwa 8 bis 10 Mk. Der chinesische Wolf 
bevorzugt iibrigens keineswegs die Waldungen, sondern findet selbst in den 
ganzlich waldlosen Ebenen Chinas genugende Schlupfwinkel. Derselbe Canis 
lupus laniger findet sich auch in einem grosseren TeileZentralasiens, namentlich 
aber auch in der Mongolei und Tibet. In Tibet aber gibt es noch mehrere 
andere Wolfsarten. Zunachst den grossen schwarzen C. laniger niger, schwarz 
mit weisser Schnauze, weissen Fiissen und weissem Brustfleck. Ist im Handel 
sehr selten. 

Ferner beschreibt Herr Professor Mat schie noch mehrere von Lt. Filchner 
mitgebrachte Arten. Lupus filcbneri, kleiner als C. laniger, mit kiirzerem 
Jiellerem Schweif, mit schwarzer Spitze, und lebhafter gefarbten Ohren. Vom 



III. Die Hundearten. 445 






Kukunor kommt der von Matschie beschriebene L. caracorensis, bedeutend 
grosser als die anderen. Lange des Felles von Nasenspitze bis Schwanzwurzel 
140 cm, Schwanz ca. 45 cm lang. Die Farbung chamoisfarbig mil schwarzen 
Tonen gemischt, mit rauchfarbiger Unterwolle, Unterseite weiss. Die Beine 
mit einer schmalen schwarzen Langsbinde. 

Im Siiden Chinas lebt noch ein kleiner Wolf, C. cbanco, von dem ich aber 
keine Felle gesehen habe. Dieselben sollen hellgelb sein. 

In Indien lebt ziemlich haufig ein Wolf, Lupus pallipes, ein schlankes,. 
hochbeiniges Tier, etwas grosser als der Prariewolf , Farbe ist gelb, mit dunklem 
Riickenstreifen, Schwanzspitze weiss. Die Unterwolle ist gelbbraun, aber nur 
bei Fellen aus den nordlichen Gebirgsgegenden, einigermassen dicht im Siiden 
ist das Haar sehr diinn und briichig. Er jagt nur paarweise, nie in Rudeln, 
ganz im Gegensatz zu den in derselben Gegend lebenden Wildhunden, er 
heult auch nicht, sondern jagd stumm. Er soil haufig Kinder rauben, und er- 
halt sich in Indien die Sage, dass Kinder von Wolfen grossgezogen sind, 
hartnackig. Bekanntlich hat auch Rudyard Kipling diese Sage in 
seinem Junglebook benutzt. Es werden jahrlich nach der indischen 
Statistik dort 6 bis 8000 Wolfe getotet. Doch kommen nur wenig Felle 
zum Export. 

In Japan lebt ein Wolf, Cants hodopbylax, japanisch Jama Jun, der 
aber sehr selten ist. Das Fell ahnelt dem chinesischen Wolf, ist aber mehr 
blaulich, die Lange des Felles ca. i m, der Schweif 25 cm. Hauptsachlick 
lebt er auf der Insel Jesso, kommt aber fast gar nicht in den Handel. 

e)Afrikanische Wolfe. 

In Nordostafrika lebt ebenfalls ein Wolf, Canis simensis, der ,,Dib" der 
Araber, ein grosses kraftiges Tier, mit langer spitzer Schnauze, der stets in. 
Rudeln jagt, die Schaf- und Ziegenherden angreift, dem Menschen aber nicht 
gefahrlich wird. Sein Fell kommt im Handel nicht vor. 



3. Schakale. 

Erst in letzter Zeit bilden Schakalfelle einen Gegenstand des Pelzhandels 
und werden in grosseren Mengen importiert. Die Felle werden zumeist zu 
Decken verwendet, wahrend die raucheren weichhaarigen Exemplare zu 
Konfektionszwecken benutzt werden. Die sogenannten sudamerikanischen 
Schakale sind falschlich so genannt, da sie, wie in einem spateren Kapitel aus- 
gefiihrt wird, zu den Fuchsarten gehoren. Am meisten kommen die griechischen 
Schakale in den Handel, doch sind auch hier zwei Arten zu unterscheiden, 
der Canis aureus dalmatinus, etwa fuchsgross, wolfsgrau mit roten Beinen und 
Kopf, der in Dalmatien lebt, und der ihm sehr ahnliche aber etwas kleinere 



446 Naturgeschichte der Pelztiere. 

C. aureus graecus im eigentlichen Griechenland. Es kommen hiervon jahrlich 
wohl 5 bis 10 ooo Stuck in den Handel, im Durchschnittswert von 2 bis 3 Mk. 
pro Stuck. 

Wesentlich grosser ist der im Kaukasus verbreitete C. aureus der an 
Grosse in der Mitte zwischen Fuchs und Wolf steht. Die Beine sind kiirzer, 
das Haar viel grober als beim Fuchs. Auf dem Riicken wird dasselbe 
haufig 7 bis 8 cm lang. Die Unterwolle, die etwas sparlich ist, ist grau, die 
Grundfarbe des Felles ein schmutziges fahlgelb, auf dem Riicken schwarz 
schattiert, unten gelbweiss. Namentlich in Indien, wo eine verwandte 
Form C. aureus indicus lebt, sind diese Tiere sehr zahlreich und dabei 
ungeheuer frech. In Delhi beobachtete ich dieselben haufig, wie sie 
des nachts auf die Veranda meines Schlafzimmers kamen und dort ihren 
melodischen Gesang anstimmten, obgleich die Tiir offen stand. Als ich einen 




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gez. v. Anna Matschie-Held. 
Tunesischer Schakal (Canis aureas tunensis). 



Pantoffel nach ihnen schleuderte, schienen sie dies als ein passendes Geschenk 
aufzufassen und suchten damit das Weite. Sie kommen auch ofters ganz dreist 
in die Gehofte und suchen in augenblicklich offen stehenden Zimmern nach 
Nahrung. Die Indier erzahlen, dass sie auch ofters Sauglinge aus der Wiege 
stehlen. Vor einem Erwachsenen nehmen sie aber schleunigst Reissaus. Bei den 
Angloindiern ist das Schakalhetzen mit Fuchshunden ein sehr beliebter Sport. 

Obgleich jahrlich eine sehr grosse Zahl erlegt wird, kommen doch nur 
wenige Felle von Indien in den Handel. Von dem in Siam lebenden 
Schakal C. crusemanis, uberhaupt keine. Der grosste der asiatischen Schakale 
ist der arabische Wolfsschakal, C. badramauticus, von den Arabern ebenso 
wie der Wolf ,,Dib" genannt. Er hat ziemlich die Grosse des amerikanischen 
Prariewolfes, und ist das einfarbig graugelbe Haar dicht und lang, die 
Unterwolle blaulichgrau und dicht. Das Fell ist trotz seiner siidlichen Her- 
kunft brauchbar, doch habe ich es im Pelzhandel noch nicht gesehen. 

In Afrika gibt es zahlreiche Schakalarten. Im Nordwesten zunachst 
in Algier den C. aureus algeriensis, dem griechischen sehr ahnlich, und den 



III. Die Hundearten. 447 






C. aureus tripolitanus, mehr gelblich und mit grosseren Ohren. Da die 
Tiere auf den Gefliigelhofen und auch bei den Lammern vielen Schaden 
anrichten, zahlt die franzosische Regierung eine Pramie von 1,50 Frank fur 
die Erlegung eines Schakals und werden jahrlich in Algier allein etwa 30 bis 
40 ooo getotet. Die Felle werden aber bisher kaum ausgefuhrt. Am Senegal 
lebt der C. antbus, blaugelb mit wolfahnlichem Fell, aber ziemlich klein. 

In Agypten findet man einen grossen Schakal, der dem arabischen ahnelt 
und auch den Sammelnamen ,,Dib" tragt. C. lupaster, grosser als unser Fuchs, 
Farbung wolfsartig, rauhes Stichelhaar, an der Wurzel schmutzig-weiss, dann 
schwarz und ockerfarbig geringelt, das Wollhar rotbraun, Beine rotbraun, 
Schwanz nicht sehr buschig. Die Jagd auf Schakale bildet einen beliebten 
Sport bei den Touristen, ist aber des Bakschischs halber bei den arabischen 
Fuhrern noch beliebter. 

Der schonste Schakal ist der C. mesomelas im Kaplande, der auch in 
Deutsch-Sudwestafrika vorkommt. Er ist viel dunkler als die anderen und 
herrscht die schwarze Farbe vor. Er hat eine Art Riickenmahne und sehr 
grosse Ohren. 

Von den Eingeborenen werden sehr schon gearbeitete Decken, ,,Karosse", 
daraus gearbeitet, die auch auf den Markt kommen. In der letzten Zeit 
kommen auch einige hundert Felle jahrlich in den Handel, doch wiirde auch 
ein grosses Quantum schnellen Absatz finden. 

Im siidlichen und Zentral-Afrika lebt C. adustus, der Schabrakenschakal, 
mit breiten hellen Langsstreifen auf der Seite, die zu Decken verarbeitet werden 
und durch ihre hubsche Zeichnung sich sehr gut fur Pelzzwecke eignen. Bis 
jetzt bilden sie aber noch keinen Ausfuhrartikel, trotzdem sie auch in unserer 
Kolonie nicht selten sind. Den in Siidafrika noch vorkommenden C. holubi 
habe ich nie zu Gesicht bekommen. 



4. Flichse. 

A. Silberfiichse (engl. Silverfox, franz. renard argente). 

Es bildet eine grosse Streitfrage unter manchen Zoologen, ob Silberfiichse 
und Kreuzfiich.se eigene Art en sind oder Abarten des Rotfuchses. Meiner 
Ansicht nach ist der Silberfuchs, Fulpes argenteus, eine vollkommen selb- 
standige Art. Es ist noch niemals nachgewiesen worden, dass in einem Wurf 
von Rotfuchsen Silber- oder Kreuzfiichse sich neben den roten Jungen gef unden 
haben. Im Gegenteil, an der Kiiste von Alaska wird schon seit einer Reihe von 
Jahren Silberfuchszucht auf eizelnen felsigen Inseln getrieben und immer be- 
st ehen die Wiirfe aus echten Silberfuchsen, was nicht der Fall sein wiirde, 
wenn es sich nur um melanotische Formen handeln wiirde. Das gleiche 
Resultat ergibt sich bei den Silberfuchsfarmen in Neuschottland, Maine usw., 



448 Naturgeschichte der Pelztiere. 

die ganz vorziigliche Felle liefern. Ausserdem ist es auffallend, dass Silber- 
fiichse nur im hohen Norden vorkommen, niemals in siidlicheren oder ge- 
massigten Gegenden. Wenn es aber Abarten waren oder gar nur Schwarzlinge 
des Rotfuchses, miissten sich bei dem zahlreichen Vorkommen des Rot- 
fuchses auch in diesen Gegenden einmal ein Schwarz- oder Silberfuchs gezeigt 
haben, das ist aber noch nie der Fall gewesen. 

Die alteren Forscher nahmen auch die Selbstandigkeit der Art an, und ist 
deshalb die jiingere Generation im Unrecht. Auch Trouessant fiihrt diese 
Fuchse falschlich nicht als eigene Spezies an. Der Silberfuchs ist ein ziemlich 
grosses Tier, bedeutend starker und holier als unser deutscher Fuchs und an 
Grosse dem grossen amerikanischen Rotfuchs mindestens gleich. Die Farbe 
variiert sehr, der Grund ist stets schwarzlich, die Grannenhaare teils schwarz, 
teils an den Spitzen, mehr oder weniger tief hinab, silbrig weiss. Der Nacken 
und der Bauch ist stets schwarz, ebenso die Oberseite der Fiisse und Zehen. 
An der Seite der Fiisse findet sich auch haufig ein silbriger Streifen. Der 
Schweif ist stets schwarz mit weisser, heller Spitze, die nicht silbrig, sondern 
rein weiss ist. 

Der Wert richtet sich nun ausser der Qualitat, Dichte und Feinheit des 
Haares hauptsachlich nach der Art der Verteilung der Silberspitzen. Am 
wertvollsten sind die ganz schwarzen, die aber ausserst selten sind. Solche 
Schwarzfuchse holen, wenn sie sonst vollkommen erster Qualitat sind, 6 bis 
8000 Mk. per Stuck in erster Hand. Dann kommen solche, wo die schwarze 
Farbung sich iiber den Riicken erstreckt und nur der Rumpf Silberspitzen hat. 
Am wenigsten wert sind solche, bei denen die Silberspitzen eine stark gelbliche 
Farbung zeigen. Das Haar auf dem Nacken ist, wie schon gesagt, stets schwarz 
und viel langer und feiner als das Riickenhaar. Ein guter Silberfuchs (nicht 
Schwarzfuchs) ist 1500 3000 Mk. per Stuck wert. 

In Amerika findet man den Silberfuchs im ganzen Hudsonsbay-Gebiet r 
Labrador, Maine, Neubraunschweig und Neuschottland, Alaska bis zum 
nordlichen Britisch-Kolumbia. Die feinsten Felle kommen aus Labrador. 

An der Westkiiste, namentlich auf den aleutischen Inseln, kommt ein 
Silberfuchs vor, der sogenannte Sitka oder Kadiakfuchs, der mir eine eigene Art 
zu sein scheint, und den ich V. argenteus sitkaensis nennen mochte. Er ist 
grosser und starker als die anderen, das Haar sehr grob und lang, fast wolfs- 
artig. Der Wert eines solchen Felles ist hochstens 200 Mk., wahrend die 
anderen Silberfuchse von 500 bis 4000 Mk. wert sind, je nach der Zeichnung. 
Das Hudsonsbay-Gebiet liefert jamiich etwa 800 bis 1000 Stuck, die Ver- 
einigten Staaten nebst Kanada, Neubraunschweig, Labrador usw. etwa 12 bis 
1500 Felle, doch sind darunter kaum mehr als 10 bis 12 richtige Schwarz- 
fuchse. 

Im nordlichen Sibirien kommen auch Silberfuchse vor, die den vorigen 
fast gleichen, so dass man keine eigentliche Artunterschiede feststellen kann, 
nur ist das Schwarze immer mehr schiefrig oder mit einem bleifarbenen 



III. Die Hundearten. 



449 



Schimmer. Seit einigen Jahren werden, wie schon oben erwahnt, Silber- 
fuchse in besonderen Farmen im Nordosten der Vereinigten Staaten und 
Kanadas gezuchtet, und kommen jetzt schon jahrlich mehrere hundert sehr 
schoner Felle aus diesen Gehegen an den Markt. Die Zucht ist iibrigens 
besonders wegen der grossen Scheu der Silberfiichse vor dem Menschen sehr 
schwierig, und sind deshalb viele kostspielige Misserfolge zu verzeichnen. Der 




Jahres-Kollektion von Silberfiichsen in einem Fort der Hudsons-Bay Co. 

Erfolg hangt besonders von der Personlichkeit des Pflegers ab. Siehe auch 
Artikel in Teil I. 

B. Kreuzfiichse 
(engl. crossfox, franz. renard croisse). 

Hier liegt die Sache noch weit verwickelter. Es ist hier wirklich zweifel- 
haft, ob man es mil einer eigenen Art oder mit Kreuzung von Silber- und 
Rotfuchs zu tun hat, oder aber ob nur eine Varietat des gewohnlichen 
Fuchses vorliegt. Zwar Macfarlane, der vorziigliche Kenner der Fauna des 
Hudsonsbai-Gebietes gibt an, dass in einem Wurf des Kreuzfuchses stets nur 
Kreuzfiichse gefunden werden. Gegen die Kreuzungstheorie spricht auch, 

29 



450 Naturgeschichte der Pelztiere. 

dass man Kreuzfiichse vielfach in Gegenden trifft, wo der Silberfuchs nie 
vorkommt. Uberhaupt ist sein Verbreitungbezirk viel ausgedehnter als das 
des letzteren. 

Das charakteristische Kennzeichen des Kreuzfuchises ist stets die 
schwarze Zeichnung auf Nacken und Schultern, eine Art Kreuz bildend. 
Die Haare sind hier auch langer und feiner. Bauch und Beine sind stets 
schwarz, der Schweif schwarz oder schwarzlich mit weisser Spitze. Die Riicken- 
und Seitenfarbung variiert nun ungeheuer. Die Grundfarbe ist vorwiegend 
fahlgelb mit weissrotlichen Spitzen. Viele sind auch auf dem Riicken schwarz, 
mit Silberspitzen und nach dem Grade der Ausdehnung dieser Silber- 
Zeichnung richtet sich der Preis. Bei den feinsten Sorten ist es schwer zu sagen, 
ob man einen Kreuzfuchs oder Silberfuchs vor sich hat. Der Preis rangiert 
von 20 bis 300 Mk. Der Verbreitungsbezirk des Kreuzfuchses reicht viel weiter 
nach Siiden. Im Osten bis in die nordlichen Distrikte von Newyorkstate, im 
Westen bis Siiddacota, an der Westkiiste bis Kalifornien. Die feinsten Felle 
kommen von Labrador, Esquimobai und Eastmaine im Hudsonsbay-Gebiet 
(E. B. und E. M.). Die geringsten kommen aus den sudlichen Gegenden. 
Auf Kadiak und den aleutischen Inseln kommt eine besonders grosse und 
grobe Art vor, die fast Wolfsgrosse erreicht und beinah ebenso grobes Haar 
hat wie dieser. Friiher kam diese Art ebenso wie die grobhaarigen Silberfiichse 
auch auf den Pribiloff-Inseln vor. 

Auch in Asien ist der Kreuzfuchs nicht selten. Sibirien, Kamtschatka, 
die Mandschurei liefern Kreuzfiichse und selbst in Nordchina kommen solche 
vor, die aber meistens nur wenig Silberzeichnung enthalten und auch auf dem 
Riicken weniger schwarz sind. Die Grundfarbe ist meist gelb. Rotfiichse mit 
Kreuzzeichnung sind selten, jedenfalls geht bei diesen die schwarze Zeichnung 
fast nie liber den Riicken hinaus. Die Hudsonsbay Company bringt etwa 
4000 Stuck jahrlich, Lampson und Nesbitt ca. 5000, die meist aus den Ver- 
einigten Staaten, Kanada und den Nordwestdistrikten kommen. 

C. Rotfiichse 
(sog. virginischer Fuchs; englisch redfox, franzosisch renard rouge). 

i . Amerikanische Rotfiichse. 

Hier sind die Untersuchungen viel weiter gediehen. Die alte Ansicht, 
dass man es nur mit einer Abart des europaischen Rotfuchses zu tun habe, 
ist langst iiber Bord geworfen. Ein Kennzeichen ist hierfiir schon aus- 
schlaggebend, die ,,Klauen", wie das Fell der Pfoten im Handel genannt wird. 
Bei amerikanischen Fiichsen ist die Sohle stets dicht behaart mit wolligen 
Borsten, die eine Art Filzsohle bilden, was bei europaischen Fiichsen nicht der 
Fall ist. Ausserdem ist die Zeichnung eine andere, wie wir bei den einzelnen 
Arten sehen werden. 



III. Die Hundearten. 



451 



Im Nordosten der Vereinigten Staaten lebt der virginische Fuchs, Fulpes 
virginianus. Er hat etwa die Grosse eines pommerschen oder holsteinischen 
Landfuchses, doch ist das Haar viel feiner und weicher. Der Kopf ist spitz, gelb, 
mit schwarzen Haar en untermischt, an der Wurzel mil einem schwarzen Fleck, 
die Spitze weiss. Die Korperfarbe ist goldgelb, mit einem dunkleren Riicken- 
streifen, Kehle und Bauchstreifen weiss. Auf den Pfoten zieht sich ein 
.schwarzer Streifen bis beinahe zum Ellenbogen. Das Haar auf der Oberseite 




Alaska-Rotfuchs (Vulpus alasciensis) . 



der Pfoten ist viel langer und dichter als beim europaischen Fuchs, die Unter- 
seite der Sohle, wie schon erwahnt, mit dichtem Filz belegt. 

In Utah, Kolorado, Nebraska und Wyoming lebt V. macrourus, ahnlich 
wie der vorige aber grosser, das Schwarze auf den Klauen viel weniger aus- 
gedehnt, namentlich auf den Hinterklauen kaum uber die Mitte der Zehen 
reichend. Der Schweif ist viel grosser, graugelb mit schwarzen Haaren unter- 
mischt, weisse Spitze. Korperfarbung fahl rotlich gelb, auf den Flanken viel 
heller, Kinn und Hals weissgrau, Bauch weiss. F. necator. Kalifornien, ist 
kleiner als der vorige, namentlich ist der Schweif bedeutend kleiner, die Korper- 

29* 



452 Naturgeschichte der Pelztiere. 

farbe ist hellweisslich gelb, sonst dem vorigen ahnlich. Das Schwarze auf den 
Pfoten ist aber noch viel weniger ausgedehnt als bei F. macrourus. 

V . cascadensis fin del sich hauptsachlich im Kaskadengebirge in Washington 
Oregon und Britisch Kolumbia, klein goldgelb, sehr blasser Schweif, auf den 
Fiissen bildet das Schwarze nur einen schmalen kurzen Streifen. Sehr vielfach 
soil sich hier die Kreuzfuchsform, d. h. der Nacken und Schultern schwarz 
gefarbt, finden. Auf den nordlichen Ebenen von Dakota bis Alberta im Nord- 
westen Territoriens und ostlich bis Mantitoba und Minnesota lebt V. regalis,. 
ein sehr grosser Fuchs, mit breiten und grossen Ohren, Schweif lang aber nicht 
sehr breit, hart an der Wurzel einen Ring in der Farbe des Ruckens ohne 
schwarze Haare, dann kommen schwarzliche Haare, die gelblichrot mit 
schwarzen, langen Haaren untermischt. Farbe schon hellgelb. Die Fiisse sind 
rotlich, von der Korperfarbe stark abstechend, das schwarze reicht auf den 
Vorderfiissen weit hinauf bis zur Mitte zwischen Handwurzel und Knie, auf 
den Hinterfiissen bis zum Knochel. Der Schadel ist breiter als bei den ubrigen 
Fiichsen. 

In Neuschottland, Maine usw. kommt V '. rubricosus vor, ein grosser 
Fuchs von tiefdunkelroter Farbung und sehr feinem Haar, Schweif sehr breit 
und buschig, rotgelb mit schwarzen Haaren untermischt. Das Schwarz der 
Klauen hoch hinaufreichend, aber nicht so hoch wie bei den vorigen. Be- 
schrankt auf Neufundland ist V. deletrix, sehr hell, fast strohgelb, die